Ahirbudhnya Samhita

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Ahirbudhnya Samhita (Sanskrit: अहिर्बुध्न्यसंहिता, IAST: Ahirbudhnyasaṃhitā) ist eine umfangreiche Schrift des Pancharatra, der tantrischen Vishnu-Verehrung. Ihr großer Gedanke lautet: Die höchste Wirklichkeit ist nicht kraftlose Ferne. Als Narayana ist sie grenzenloses Bewusstsein und Glückseligkeit; als Lakshmi entfaltet sich ihre untrennbare Shakti; als Sudarshana wirkt ihr freier, erkennender und schöpferischer Entschluss. Die Schrift verbindet diese Gotteslehre mit Mantra, Yantra, innerer und äußerer Verehrung, Yoga, Gnade und Befreiung.

Wer sie aufmerksam liest, begegnet einer doppelten Einladung: Erkenne tiefer, was dich und die Welt trägt, und lerne, dich dieser Wirklichkeit anzuvertrauen. Besonders eindringlich entfaltet Kapitel 37 die Prapatti, die Hingabe seiner selbst. Kapitel 31 stellt der äußeren Verehrung die Verehrung im Herzen voran. Kapitel 14 beschreibt Gnade als eine Kraft, die den Menschen gerade zum Lernen, Unterscheiden und Üben erweckt.

Vishnu: Die Ahirbudhnya Samhita betrachtet Narayana als höchste Wirklichkeit und Sudarshana als seinen schöpferischen Entschluss.

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Ausgabehinweis: Diese Ausgabe umfasst alle 60 Kapitel mit 3880 nummerierten Versen in deutscher Übersetzung sowie den gesonderten Sudarshana-Sahasranama-Anhang. Die beiden Sanskritseiten bieten den bereinigten IAST-Text und seine regelbasierte Devanagari-Umschrift. Überlieferungslücken und örtliche Übersetzungsunsicherheiten bleiben kenntlich.

Was Yoga-Aspiranten aus der Ahirbudhnya Samhita lernen können

Die Ahirbudhnya Samhita beginnt mit Fragen. Bharadvaja fragt Durvasas, und dieser erinnert sich an Naradas Gespräch mit Ahirbudhnya. Selbst Narada, der anderen ihre Zweifel lösen kann, braucht einen Lehrer. Das ist eine ermutigende Ausgangslage: Spirituelle Reife bedeutet nicht, keine Fragen mehr zu haben. Sie kann sich gerade darin zeigen, eine Frage ernsthaft, ohne Überheblichkeit und mit offenem Herzen zu stellen (1.14–22).

Drei Zugänge machen das umfangreiche Werk besonders fruchtbar:

  • Erkenntnis: Kapitel 2 erklärt, warum das Göttliche zugleich jenseits begrenzender Eigenschaften und voller Erkenntnis und Kraft sein kann. „Eigenschaftslos“ bedeutet hier: frei von den Eigenschaften der materiellen Natur. Es bedeutet nicht, dass die höchste Wirklichkeit ohne Bewusstsein und Güte wäre.
  • Verinnerlichung: Kapitel 31 führt von äußeren Opfergaben zur Verehrung im Herzen und zur Darbringung des eigenen Selbst. Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Nichtverletzen gehören ausdrücklich zu diesem Weg.
  • Vertrauen: Kapitel 37 nennt die sechs Glieder der Zufluchtnahme. Hingabe betrifft nicht nur ein Gefühl: Sie prägt Ausrichtung, Entscheidungen, Vertrauen und den Umgang mit dem eigenen begrenzten Vermögen.

Für heutige Leser kann daraus eine einfache Frage erwachsen: Wie könnte meine Übung aussehen, wenn ich sie zugleich mit größerer Klarheit und mit größerem Vertrauen vollziehe? Diese Frage ist eine heutige Praxisanregung. Sie ersetzt weder die besonderen Rituale des Werkes noch deren traditionsgebundene Voraussetzungen.

Name, Überlieferung und Rahmenhandlung

Was bedeutet Ahirbudhnya?

Ahi bedeutet Schlange; budhnya bezeichnet das zum Grund oder zur Tiefe Gehörige. Der Name lässt sich daher annähernd als „Schlange der Tiefe“ wiedergeben. Im vorliegenden Werk ist Ahirbudhnya eine Gestalt Shivas: Er wird als Shankara, Rudra, der Dreiäugige, Träger des Dreizacks und Gefährte Umas beschrieben (1.25–29). Der Titel bedeutet also „Samhita des Ahirbudhnya“; Samhita bezeichnet eine zusammengefügte Lehrsammlung.

Bemerkenswert ist die Gestalt des Lehrgesprächs: Shiva erläutert eine auf Narayana ausgerichtete Gotteslehre. Ahirbudhnya erklärt, das höchste Wissen von Samkarshana empfangen zu haben (2.3–5). Die Schrift ordnet verschiedene göttliche Gestalten in eine umfassende theologische Schau ein, ohne ihre Unterschiede einfach aufzulösen.

Vom Staunen zum Wissen

Bharadvaja möchte verstehen, warum die Kräfte verschiedenster Mantras und Waffen auf Sudarshana zurückgeführt werden. Durvasas antwortet mit Naradas Geschichte: Narada hatte eine gewaltige Schlacht zwischen Vishnu und Kalanemi gesehen. Alle herbeigerufenen Waffenkräfte gingen im Feuer Sudarshanas auf wie Motten. Dieses Bild macht die Frage unausweichlich: Was ist Sudarshana seinem Wesen nach?

Die Antwort ist viel weiter als eine Erklärung göttlicher Bewaffnung. Das sichtbare Rad wird zum Zugang zu einer Lehre über Ursache, Weltgrund, Erkenntnis, Wirksamkeit und Erlösung. Die Schrift führt vom überwältigenden Bild zu einer gedanklichen Durchdringung des Göttlichen.

Die sechzig Kapitel

Die vorliegende Fassung umfasst 60 Kapitel mit 3880 nummerierten Versen. Band 1 enthält Kapitel 1–36 und 2319 Verse, Band 2 Kapitel 37–60 und 1561 Verse. Kapitel 1.70–73 erzählt von einer ursprünglichen Fassung mit 240 Kapiteln, einer Verkürzung auf 120 und der erneuten Zusammenfassung auf 60. Kapitel 60.25–26 bestätigt den sechzigteiligen Umfang und den Anspruch, den Inhalt größerer Fassungen zusammenzufassen.

Dies ist die Selbstdarstellung der Überlieferung. Daraus folgt nicht, dass heute vollständige Handschriften aller genannten Vorfassungen vorliegen. Ebenso ist 1916 das Erscheinungsjahr der hier zugrunde liegenden gedruckten Ausgabe, nicht das Entstehungsjahr des Sanskritwerkes. Eine genaue historische Datierung lässt sich allein aus den vorliegenden E-Texten nicht verlässlich festlegen.

Stellung im Pancharatra

Pancharatra verbindet Gotteserkenntnis, Mantra, Bildverehrung, Einweihung und innere Sammlung. Die Ahirbudhnya Samhita zeigt diese Verbindung besonders deutlich: Sie beginnt mit einer ausgedehnten Lehre über Brahman und Shakti, erläutert Schöpfung und Rücknahme, beschreibt die Formen göttlichen Schutzes und führt in Yoga und Selbsthingabe ein.

Kapitel 12 behandelt ausdrücklich verschiedene überlieferte Lehrwege, darunter die vedische Lehre, Samkhya, Yoga, Pashupata und Sattvata. Das Werk versteht seine Weltdeutung also nicht als einen abgeschlossenen Bereich ohne Berührung mit anderen indischen Erkenntniswegen. Zugleich bleibt Narayana der höchste Bezugspunkt.

In den Ritualkapiteln wird ein historisches Umfeld sichtbar, in dem Tempel, Königsherrschaft, Schutz des Reiches und gesellschaftliche Ordnung eng miteinander verbunden waren. Diese Passagen gehören zum Werk. Eine heutige spirituelle Lektüre sollte sie weder unterschlagen noch sämtliche königlichen Machtverheißungen zu persönlichen Meditationszielen machen.

Narayana und das höchste Brahman

Kapitel 2.22 beschreibt das höchste Brahman als eines, anfangs- und endlos, als Erfahrung grenzenloser leidfreier Glückseligkeit. Dieses Brahman heißt Narayana. Es durchdringt alle Wesen und gleicht einem Meer ohne Wellen (2.23).

Die vielen Verneinungen des Kapitels sollen die höchste Wirklichkeit vor einer Verwechslung mit einem begrenzten Gegenstand bewahren. Brahman ist nicht durch Farbe, Maß, Richtung oder Zeit bestimmbar. Man kann es nicht vor sich hinstellen wie etwas, das man besitzt. Dennoch bleibt es erfahrbar: Wenn die Verstrickungen des Geistes gelöst werden, ist eine unmittelbare Erkenntnis möglich (2.41–42).

Für die Meditation liegt darin eine hilfreiche Spannung: Eine göttliche Gestalt kann das Herz sammeln; gleichzeitig darf der Geist wissen, dass die göttliche Wirklichkeit größer ist als seine Vorstellung. Die Ahirbudhnya Samhita hält persönliche Verehrung und übergegenständliche Erkenntnis zusammen.

Die sechs göttlichen Eigenschaften

Die sechs Eigenschaften heißen zusammen Shadgunya (IAST: ṣāḍguṇya). Ihre Erläuterung in 2.55–62 ist ein Schlüssel zum ganzen Werk.

Sanskrit Verständliche Bedeutung Erläuterung des Textes
Jnana Erkenntnis Lebendiges, seiner selbst bewusstes und alles umfassendes Wissen (2.56).
Shakti Kraft Das Vermögen, hervorbringende Grundlage der Welt zu sein (2.57).
Aishvarya Souveränität Freies, durch nichts von außen erzwungenes Wirken (2.58).
Bala Stärke Unermüdlichkeit beim Hervorbringen der Welt (2.59).
Virya Unverminderte Wirkmacht Unverändert bleiben, obwohl die Welt aus diesem Grund hervorgeht (2.60).
Tejas Eigenständiger Glanz und Wirksamkeit Keiner ergänzenden Mithilfe bedürfen (2.61).

Diese sechs Eigenschaften sind keine bloß vergrößerten menschlichen Fähigkeiten. Sie beschreiben die Vollkommenheit des göttlichen Seins. Erkenntnis nimmt dabei eine besondere Stellung ein: Der Text nennt sie sowohl Wesen als auch Eigenschaft Brahmans und beschreibt die übrigen fünf als ihre Qualitäten.

Das Video erläutert Vishnu im weiteren Yoga-Vidya-Kontext; es ist kein Kommentar zu einzelnen Versen der Samhita.

Lakshmi als göttliche Shakti

Lakshmi: In Kapitel 3 erscheint sie als die untrennbare göttliche Kraft, durch die die Welt hervorgeht.

Lakshmi wird hier nicht auf Wohlstand begrenzt. Sie ist die höchste Kraft, die Welt hervorbringt, Leben ermöglicht und zum Göttlichen zurückführt. Wie Mond und Mondlicht nicht voneinander getrennt vorkommen, so gehören Narayana und seine Shakti zusammen (3.5; 3.23–24).

Kapitel 3 entfaltet eine Reihe von Namen: Shri, Padma, Kamala, Kundalini, Gayatri, Prakriti, Tara, Sarasvati und weitere. Sie erschließen verschiedene Wirkweisen derselben höchsten Kraft. Diese Deutung erklärt die Namen innerhalb der Gotteslehre des Werkes; sie ist keine Behauptung, dass alle Traditionen jede dieser Göttinnen in gleicher Weise verstehen.

Besonders schön ist die Verbindung von Gnade und Lebendigkeit: Die göttliche Kraft wird als Mutter, als Lebensatem der Welt und als das über den Samsara Hinüberführende beschrieben. Das Heilige ist nicht bloß ein Ziel am Ende eines langen Weges. Es ist auch das, was Leben, Erkenntnis und den Weg selbst trägt.

Zwei Begriffe helfen beim Lesen: Bhuti bezeichnet die Kraft, die als Welt und Vielfalt hervortritt; Kriya bezeichnet die Kraft, die diese Entfaltung bewegt. In Kapitel 36.54–58 wird die Unterscheidung nochmals zugespitzt: Lakshmi erscheint als Willenskraft, Sudarshana als Wirkkraft. Diese sind aufeinander bezogene Aspekte göttlicher Macht, keine voneinander unabhängigen Gottheiten.

Die Vyuhas – Vasudeva, Samkarshana, Pradyumna und Aniruddha

Die vier Vyuhas sind die geordneten Selbstentfaltungen Vishnus. Kapitel 5 erklärt ihre Beziehung zu den sechs Eigenschaften. Jede Gestalt besitzt alle sechs; jeweils ein Paar tritt besonders hervor.

Gestalt Hervortretende Eigenschaften Geistliche Funktion nach 5.21–25
Vasudeva Gleichzeitige Offenbarung aller sechs Eigenschaften Umfassende göttliche Gegenwart und Grundlage der vierfachen Entfaltung.
Samkarshana Jnana und Bala Offenbarung des auf Gott gerichteten Erkenntnisweges.
Pradyumna Aishvarya und Virya Inhalt und Verwirklichungsweg der heiligen Lehre.
Aniruddha Shakti und Tejas Gewährung der Frucht: das Erreichen des Erhabenen.

Für die Betrachtung ist dies ein hilfreicher Zusammenhang: Lehre, Weg und Frucht werden von derselben göttlichen Wirklichkeit getragen. Kapitel 5.44 nennt die vierfache Anordnung ausdrücklich eine Stütze für den Geist. Die Formen dienen der Sammlung, ohne die Unendlichkeit des Göttlichen auszuschöpfen.

Sudarshana – mehr als das göttliche Chakra

Sudarshana ist Vishnus Chakra, sein göttliches Rad. Im vorliegenden Werk bezeichnet es zugleich seinen Sankalpa: den freien Entschluss, durch den Erkenntnis wirksam wird und die Welt sich entfaltet. Kapitel 2.62 bringt dies in der Wendung „Ich will vieles sein“ zum Ausdruck.

Das Wort wird in 2.8–9 vom göttlichen Schauen her erklärt. Die Vorsilbe su weist dort auf dessen überragende, ungehinderte Wirksamkeit hin. Sudarshana ist daher nicht nur ein Symbol des Sehens, sondern das wirksame göttliche Schauen.

Seine Gestalten reichen vom kosmischen Prinzip bis zu Mantra und Yantra. In einer heiligen Schrift ist es deren innerer Sinn; in einer spirituellen Handlung die Kraft, die ihre Frucht ermöglicht; im Schutz der Welt kann es als Sonne, Mond, Feuer oder göttliches Gerät erscheinen (3.46–55).

Die kämpferischen Bilder bleiben dabei kämpferische Bilder. Die Schrift enthält ausdrücklich Verfahren gegen Feinde und Verheißungen königlicher Überlegenheit. Eine gegenwärtige friedvolle Deutung kann Sudarshana mit Klarheit, Schutz und dem Durchschneiden eigener Verblendung verbinden. Sie sollte aber als heutige Übertragung kenntlich bleiben und nicht den historischen Wortlaut ersetzen.

Schöpfung und Rücknahme des Kosmos

Kapitel 4 beschreibt die Rücknahme der Welt: Das Grobe geht in feinere Ursachen ein, die Elemente verlieren ihre getrennten Erscheinungen, auch innere Organe und kosmische Prinzipien werden zurückgenommen. Schließlich ruhen die Entfaltungen in Vasudeva. Kapitel 5 setzt bei dieser Ruhe an und erläutert das erneute Hervortreten der göttlichen Kraft. Kapitel 6–7 behandeln die weitere, nicht rein göttliche Schöpfung.

Rücknahme bedeutet in dieser Darstellung nicht das Ende der höchsten Wirklichkeit. Die Tätigkeit kommt zur Ruhe, während ihre Kraft im Grund bestehen bleibt. Kapitel 4.76 veranschaulicht dies durch die Flamme, die mangels Brennstoff in das Feuersein zurückgeht. Narayana und Narayani bestehen in innigster Einheit (4.77–78).

Die kosmologischen Zahlen und Zeiträume gehören zur überlieferten Weltdarstellung. Ihr spiritueller Wert liegt unter anderem darin, den gewohnten Horizont zu weiten: Entstehen und Vergehen betreffen die Erscheinungen; ihr göttlicher Grund wird nicht von demselben Wechsel aufgezehrt.

Jiva, Bindung und Gnade

Kapitel 14 beginnt mit einer starken Aussage über den Jiva: Die Seele ist anfangslos und von Bewusstsein und Glückseligkeit erfüllt (14.6). Ihre Begrenzung wird als Verhüllung erklärt. Eigenes Wesen, Freiheit und Erkenntnis treten nicht mehr in ihrer Fülle hervor. Der Mensch erlebt sich als klein, wenig vermögend und wenig wissend (14.16–20).

Darauf bauen sich weitere Verstrickungen auf: Nichtwissen, Ichbezogenheit, Anhaften, das ständige Verlangen nach Erwünschtem und die Abwehr des Unerwünschten. Handlungen entstehen, ihre Folgen reifen, neue Prägungen werden gesammelt. So gewinnt der Samsara seine fortdauernde Bewegung.

Der Text behauptet damit nicht, jedes konkrete Leiden eines Menschen lasse sich von außen moralisch erklären. Seine Darstellung fragt grundsätzlicher, wie Bewusstsein in begrenztes Erfahren verstrickt wird und wodurch sich diese Verstrickung lösen kann.

Shaktipata und göttliche Gnade

Der entscheidende Umschlag in Kapitel 14 wird nicht als Triumph persönlicher Selbstgenügsamkeit erzählt: Vishnus Erbarmen wendet sich der leidenden Seele zu. Shaktipata heißt hier das Herabkommen seiner Gnadenkraft (14.29–35). Das Bild des „Regens des Erbarmens“ gibt dieser Lehre Wärme.

Die Folge ist keineswegs bloßes Abwarten. Der von Gnade berührte Mensch entwickelt Loslösung, sucht Unterscheidung, denkt über die Schriften nach, wendet sich an Lehrer und bewahrt deren Unterweisung. Er übt und vertieft seine Erkenntnis (14.36–41).

Gnade und Bemühen stehen hier in einem fruchtbaren Verhältnis: Die Gnade eröffnet eine neue Richtung; das Bemühen antwortet darauf. Für Aspiranten kann dies eine Ermutigung sein, auch den Wunsch nach Wahrheit, eine klärende Begegnung oder einen neuen Mut zur Praxis dankbar anzunehmen. Diese Beispiele sind heutige Anwendungen der Lehre.

Prapatti und Sharanagati

Kapitel 37 nennt Nyasa als anderen Namen für Prapatti. Hier bedeutet Nyasa die Hingabe seiner selbst, nicht nur die sonst ebenfalls so bezeichnete rituelle Zuordnung von Mantras zu Körperstellen. Die Zufluchtnahme umfasst nach 37.28–29 sechs Glieder:

Glied Bedeutung Mögliche heutige Betrachtung
Förderlicher Entschluss Sich auf das ausrichten, was die Hingabe unterstützt. Was stärkt heute Wahrhaftigkeit und Gotteserinnerung?
Meidung des Entgegenwirkenden Lassen, was dieser Ausrichtung widerspricht. Welche Gewohnheit schwächt meine innere Klarheit?
Vertrauen in Schutz „Er wird mich beschützen.“ Kann ich Vertrauen pflegen, ohne bestimmte äußere Ergebnisse zu verlangen?
Wahl des Beschützers Gott ausdrücklich als Zuflucht annehmen. An wen oder was richte ich mich in innerer Not?
Selbsthingabe Sich selbst darbringen. Kann ich auch meine Sorge um das eigene Ansehen übergeben?
Demut Die Begrenztheit der eigenen Mittel anerkennen. Wo darf ich Hilfe empfangen?

Die rechte Spalte ist eine gegenwärtige Anwendung, keine zusätzliche Übersetzung. Der Text selbst verdichtet die Haltung in der Bitte: „Werde du selbst mein Mittel zum Heil!“ (37.30–31). Das ist eine Verschiebung des inneren Schwerpunktes: Das eigene Bemühen bleibt bedeutsam, aber das Ich betrachtet sich nicht mehr als alleinigen Urheber seiner Befreiung.

Die starken Aussagen, dass Nyasa alle Opfer und asketischen Übungen erfülle, erläutert das Kapitel durch eine innere Opferdeutung. Die Seele wird zur Gabe; Gottes Barmherzigkeit wird zur Gabe an die Opferpriester (37.43; 37.46). Die äußere Ritualwelt wird dabei nicht einfach verworfen. Sie dient dazu, die Tiefe der Selbsthingabe auszudrücken.

Yoga und spirituelle Erkenntnis

Kapitel 31 definiert Yoga als Verbindung von individuellem und höchstem Selbst (31.15) und nennt acht Glieder: Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi. Die Schrift nennt dabei zehn Yamas und zehn Niyamas; sie übernimmt also nicht einfach jede Einzelgliederung der Yoga Sutras.

Die ethischen Erläuterungen sind unmittelbar ansprechend. Mitgefühl bedeutet, dem Leiden anderer nicht gleichgültig gegenüberzustehen. Aufrichtigkeit verlangt die Übereinstimmung von Denken, Worten und Handlungen. Nichtverletzen betrifft ausdrücklich Geist, Sprache und Körper. Gottesverehrung soll nach den eigenen Möglichkeiten geschehen, Zufriedenheit aus dem Empfinden erwachsen: „Dies genügt“ (31.19–29).

Kapitel 32 verbindet diese Grundlage mit einer tantrischen Darstellung von Nadis, Lebenswinden und Kundalini. Die innere Sammlung richtet sich auf Sudarshana im Herzen. Samadhi wird als Vertiefung beschrieben, in der allein der betrachtete Gegenstand aufleuchtet (32.70–71).

Die Körper- und Atembeschreibungen werden hier als traditionelle Lehre übersetzt. Ihre medizinischen und übernatürlichen Verheißungen sind Aussagen der Schrift. Besonders die unklare Zahlenfolge in 32.54 darf nicht stillschweigend zu einer präzisen Übungsanweisung ergänzt werden.

Erkenntnis, Mitgefühl und die Bedeutung der Gebete

Kapitel 13.6–11 verbindet gültige Erkenntnis mit dem höchsten menschlichen Wohl: Wirklichkeit soll so erkannt werden, wie sie ist; das Ziel ist die endgültige Aufhebung des Leidens und das Offenbarwerden der eigenen Glückseligkeit. Erkenntnis und Dharma sind dabei aufeinander bezogen. Kapitel 13.26–28 verbindet die unmittelbare Schau mit Ruhe, Hingabe, Vertrauen, beständiger Übung und Loslösung. Die verschiedenen Lehrwege erhalten ihren Sinn aus diesem Ziel.

Die Beschreibung eines Acharya in Kapitel 20 macht deutlich, dass Wissen allein nicht genügt. Der Lehrer soll nicht verleumden, andere nicht um ihre Vorzüge beneiden, am Leid anderer Anteil nehmen und sich über ihr Glück freuen (20.2–3). Geistliche Autorität wird damit auch an einer erkennbaren Haltung gegenüber anderen Menschen gemessen.

Kapitel 52 vertieft die Bedeutung der Verneigung. Stimme, Geist und Körper sollen zusammenwirken (52.11–13). Besonders weit reicht die Begründung des Wohlwollens: Alle beweglichen und unbeweglichen Wesen sind Leib des Erhabenen; deshalb soll man ihnen förderlich sein (52.23–24). Selbsthingabe mündet hier in Verantwortung für das Leben.

Die späten Mantraauslegungen zeigen dieselbe innere Richtung. Kapitel 54.53–55 vergleicht die Hinwendung der erkannten Seele zu Gott mit dem Eingehen eines Flusses ins Meer. Kapitel 57.45–51 vergleicht die Befreiung mit einer Überfahrt: Der Suchende vertraut sich dem Mittel der Rettung an, Hari führt wie ein Schiffer über das Meer. Die Bitte um Freiheit vom Tod wird schließlich mit der Bitte verbunden, niemals von der unsterblichen göttlichen Wirklichkeit getrennt zu werden (57.75–78).

Mantra, Yantra und innere Verehrung

Ein Mantra ist in dieser Schrift eng mit göttlicher Gegenwart verbunden; ein Yantra ordnet diese Gegenwart in eine sichtbare, rituell erschlossene Gestalt. Die Kapitel 16–19 behandeln Lautentstehung, Lautbezeichnungen und die Gewinnung von Mantras. Kapitel 20 behandelt Einweihung, die folgenden Kapitel verschiedene Formen von Schutz und Yantra.

Bei den Mantras ist Genauigkeit entscheidend. Manche Formeln werden nicht ausgeschrieben, sondern durch Namen einzelner Laute verschlüsselt. Andere werden nur durch ihren Anfang bezeichnet oder Wort für Wort ausgelegt. Eine bekannte moderne Fassung darf deshalb nicht automatisch als vollständiger Wortlaut der jeweiligen Stelle ausgegeben werden.

Zur äußeren Verehrung tritt die Verehrung im Herzen. Kapitel 31.3–5 erklärt zwei Weisen: Die äußeren Gaben werden innerlich vergegenwärtigt, oder das eigene Selbst wird dargebracht. Für heutige Meditation liegt darin ein tiefer Hinweis: Nicht die Menge der Gaben allein trägt die Verehrung, sondern die Sammlung und Hingabe, mit der sie geschieht.

Moksha und das höchste Ziel

Moksha ist nicht bloß eine glückliche Zwischenstation innerhalb des Samsara. Kapitel 14 beschreibt den Eintritt in Vishnus klare, von Leidensbedrängnis freie Stätte; Kapitel 37 spricht von dem höchsten Ziel, aus dem man nicht wiederkehrt.

Dabei ist Vorsicht mit vorschnellen Gleichsetzungen geboten. Die Schrift verwendet Sprache der Einheit, göttlichen Teilhabe und Selbsthingabe, aber auch Sprache einer bleibenden Beziehung zwischen Seele und Gott. Sie sollte nicht ohne Weiteres in ein anderes Vedanta-System umformuliert werden. Ihr eigener Grundton verbindet Erkenntnis mit Zugehörigkeit: Die Seele findet ihre Erfüllung in jener Wirklichkeit, von der sie immer schon getragen ist.

Übersicht über alle 60 Kapitel

Die folgenden deutschen Bezeichnungen sind Inhaltsüberschriften nach den Kapitelanfängen und Kolophonen; sie sind keine Ersatzübersetzung der Kapitel.

Kapitel Inhalt Verse
1 Herabkunft und Weitergabe der Lehre 74
2 Brahman und die sechs göttlichen Eigenschaften 62
3 Die allgestaltige Entfaltung der göttlichen Wirkkraft 56
4 Rücknahme der Welt in ihren Ursprung 78
5 Die reine Schöpfung und die Vyuhas 60
6 Die weitere Schöpfung – erster Teil 63
7 Die weitere Schöpfung – zweiter Teil 73
8 Der tragende Grund der Welt 54
9 Die Grundlage der unreinen Welt 46
10 Die gegenständlichen Gestalten maßgebender Erkenntnis 52
11 Die Entfaltung gültiger Erkenntnis als heilige Sprache 65
12 Die besonderen Formen der überlieferten Lehrsysteme 55
13 Der Gegenstand gültiger Erkenntnis und die Lebensziele 45
14 Bindung der Seele, Gnade und Befreiung 41
15 Die zur Lehre und Praxis Befähigten 76
16 Die Entstehung der Laute 104
17 Die Bezeichnungen der Laute 51
18 Die Gewinnung und Entschlüsselung von Mantras 48
19 Mantras der Haupt- und Nebenglieder 66
20 Mantraempfang und Einweihung 58
21 Der lichtgestaltige Schutz 29
22 Der Schutz in Mantragestalt 48
23 Die Yantras Vasudevas und weiterer Gestalten 111
24 Meditation über die Gottheiten der Yantras 29
25 Die Größe des Sudarshana-Yantras 26
26 Kennzeichen des großen Sudarshana-Yantras 95
27 Das tragende Yantra 46
28 Die Verehrung des Erhabenen 85
29 Die auf bestimmte Wünsche gerichtete Verehrung 88
30 Entstehung und Namen der Waffenkräfte 41
31 Innere Verehrung, Yama, Niyama und Asana 47
32 Nadireinigung, Atemführung und die inneren Yogaglieder 76
33 Die Erzählung von Manishekhara 100
34 Mantragestalten von Brahmastra und weiteren Waffenkräften 105
35 Die Gestalten der zurücknehmenden Waffenkräfte 99
36 Königliche Verehrung und Verhältnis der göttlichen Gestalten 67
37 Nyasa, Prapatti und die sechs Glieder der Zufluchtnahme 57
38 Rituelle Verfahren gegen Fieber und andere Krankheiten 73
39 Der große Abhisheka 32
40 Wesen und Macht der Waffenkräfte 63
41 Die Vernichtung von Madhu und Kaitabha 47
42 Die Erzählung von Shrutakirti, König von Kashi 82
43 Die Suche nach einem Mittel gegen Jalandhara 43
44 Die Offenbarung der Gestalt Sudarshanas 56
45 Die Erzählung von Kushadhvaja 65
46 Gaben und Mengen beim Sudarshana-Homa 30
47 Das große Befriedungsritual 69
48 Die Macht des mit dem großen Yantra versehenen Sitzes 109
49 Die Macht des mit dem großen Yantra versehenen Banners 67
50 Die Erzählung von Kirtimalin 125
51 Wesen und Bedeutung von Tara und weiteren Bija-Lauten 80
52 Bedeutung der Mantras Vishnus und weiterer Gestalten 85
53 Bedeutung des Jitanta-Mantras 76
54 Der Narasimha-Anushtubh-Mantra – erster Teil 55
55 Der Narasimha-Anushtubh-Mantra – yogische Deutung 53
56 Der Narasimha-Anushtubh-Mantra – weitere Entfaltung 45
57 Bedeutung der Mantras des Lichtkreises 79
58 Bedeutung der fünf Hotri-Mantras 66
59 Purusha-Sukta, Shri-Sukta und Varaha-Mantra 77
60 Zusammenfassung und Größe der Lehre 27

Deutsche Übersetzung der Ahirbudhnya Samhita

Die Originalnummern bleiben erhalten. Ein Satz kann sich über mehrere Verse erstrecken; deshalb sind benachbarte Verse zusammen zu lesen. Sprecherwechsel innerhalb eines Verses sind im betreffenden Absatz genannt. Eckige Hinweise markieren unsichere Stellen oder erhaltene Lücken. Die historischen Ritual- und Machtverheißungen werden als Aussagen des Werkes wiedergegeben.

Kapitel 1 – Herabkunft und Weitergabe der Lehre

Eingangsverehrung: Man meditiere über Vishnu, der weiße Gewänder trägt, mondfarben ist, vier Arme und ein heiteres Antlitz hat, damit alle Hindernisse zur Ruhe kommen.

1.1 Verehrung dem Rad und seinem Träger, dessen Gestalt die drei Silben, das Unmanifeste, dessen Umwandlungen und die Erkenntnisorgane umfasst; dessen Wirklichkeit das Höchste, die Vyuhas und die weiteren Entfaltungen ist.

1.2 Wir preisen Haris Kraft, geschmückt mit Mond, Sonne und Feuer, selbst ungeworden, mit dem Mond als Scheitelschmuck, mit fünf Bindus, die fünf göttlichen Tätigkeiten vollbringend.

1.3 Bharadvaja fragte den makellosen Durvasas, der in der himmlischen Ganga gebadet hatte und nun das höchste Ziel verehrte.

1.4 Bharadvaja sprach: Erhabener, Freude von Anasuyas Herzen, Schatz der Askese! Ein Zweifel ist in mir; bitte erkläre ihn mir.

1.5 In der mit den Tätigkeiten von Feuer und Soma verbundenen Lehre des Atharvaveda, bei der machtvollen Schar von Waffenkräften, die hervorbringen und zurücknehmen,

1.6 bei den mit ihrer jeweiligen Wirksamkeit ausgestatteten Waffenkräften der Weltenhüter und bei den großen Kräften der Bahnen von Feuer, Sonne und Mond,

1.7 bei den auf solchen Kräften beruhenden Handwaffen, die Brahma, Rudra und andere erschaffen haben und die Schutz, Auflösung und Hervorbringung der drei Welten bewirken können,

1.8 bei den machtvollen Mantras, welche die großen Seher geschaut haben, und bei Vishnus Waffen, angefangen mit Keule, Sharnga-Bogen, Muschelhorn und Schwert,

1.9 bei den mächtigen Waffen Lakshmis, angefangen mit den hier als dala, gaṇḍa und abja bezeichneten, und bei anderen, höheren wie niederen Kräften, deren Wirksamkeit gepriesen wird,

1.10 wird immer wieder erklärt, dass sie in Sudarshana gründen. Worauf beruht dessen Größe? Besteht sie aus ihm selbst oder aus seiner Verbindung mit anderem?

1.11 Was ist das, was Sudarshana heißt, und welche Bedeutung hat dieses Wort? Welche Tätigkeit vollbringt es, und wie durchdringt es die Welt?

1.12 Wie viele Entfaltungen werden von ihm gelehrt, welcher Art sind sie und wie heißen sie, o Seher? Welchem Zweck dienen sie, und wie ist die Kraft beschaffen, die sich in ihnen entfaltet?

1.13 Welche Beziehung zu Vishnu wird ihm zugesprochen, und welcher Art ist diese? Ist es stets an ihn gebunden, oder erscheint es auch anderswo?

1.14 Diese Fragen sind beim Studium verschiedener Schriften in mir entstanden. Löse sie gründlich, Erhabener! Ich bin zu dir gekommen: Unterweise mich!

1.15 Durvasas sprach: Es ist recht, mein Kind, dass du so nachdenkst. Heute reifen die Früchte deiner verschiedenen asketischen Übungen heran, du treu Übender.

1.16 Wenn durch diese Übungen die Trübungen des inneren Organs vermindert worden sind, entsteht im Menschen eine Einsicht, die nach der höchsten Wirklichkeit fragt.

1.17 Du allein bist nicht derjenige, der über diese Gegenstände Fragen hat; auch Brahma und die anderen Weisen bemühen sich um die Klärung solcher Zweifel.

1.18 Ich habe darüber Gewissheit erhalten, als ich unmittelbar hörte, wie Shankara, der Wohltäter der Welt, auf die Fragen des Göttersehers Narada antwortete.

1.19 Narada, von den Göttern geachtet, hatte die höchste Frucht seiner Askese erlangt und löste die Zweifel Brahmas, der Götter und der großen Seher.

1.20 Doch selbst war ihm eine tiefe Frage gekommen, die auch den Göttern schwer verständlich war. Frei von der Trübung durch die Krankheit des Begehrens, asketisch und mit beherrschten Sinnen,

1.21 kundig im rechten Verständnis von Wörtern, Sätzen und Erkenntnismitteln, in Brahmacharya lebend, in Selbstbeherrschung gegründet und wissend um die Unterscheidung des Höheren und Niederen,

1.22 lernbereit, ohne Selbstüberhebung und der wahrheitsgemäßen Erkenntnis zugewandt, wanderte Narada, der Hervorragende unter den Sehern, durch die drei Welten.

1.23 Er erkannte niemand anderen als den allwissenden Gott mit dem Mond im Haar, der ihm diesen Zweifel lösen konnte, den selbst göttliche Seher schwer verstanden.

1.24 So kam er zu dem Berg, dessen eigener Glanz alle anderen Berge gleichsam überstrahlte, einer sichtbaren Entfaltung jener Klarheit gleich, die höchste Erkenntnis hervorbringt:

1.25 zum Kailasa, Shankaras Wohnstätte, bevölkert von Siddhas und Vidyadharas, aufgesucht von Göttern und Gandharvas, um Shankara zu sehen.

1.26 Dort erblickte er ihn, umgeben von Rudras, Vasus, Adityas, Siddhas, Sadhyas, Maruts,

1.27 Sehern, himmlischen Yogis und mannigfaltigen Wesen: Er saß zusammen mit Uma, der dreiäugige, Gaben gewährende Herr, Träger des Dreizacks und des Mondes.

1.28 Er ist der Herr der gebundenen Seelen, der unablässig die Fesseln des Werdens zerschneidet und in seinen acht Gestalten die drei Welten trägt.

1.29 Als Narada, der die Götter schaut, diesen göttlichen Herrn sah, verneigte er sich und pries ihn ehrfürchtig mit erlesenen Worten.

1.30 Narada sprach: Verehrung dir, Herr der Götter! Verehrung dir, dessen Banner der Stier ist, der den edlen Stier als Reittier hat, dem Kraftvollen, der Wünsche wie Regen erfüllt!

1.31 Dir, dem überaus Mächtigen und Höchsten, dem Freigebigsten, sei Verehrung! Verehrung dir, dem Allwissenden, Freien und ewig Erfüllten!

1.32 Verehrung dir, dessen Wesen anfangslose Erkenntnis und dessen Kraft ewig ist! Verehrung dir, dem Schöpfer und Auflöser der Welten, dem Sechsgliedrigen!

1.33 Verehrung dir, dem Unvergänglichen in allen Zuständen, dem in ein Tierfell Gekleideten, dem Nichtschrecklichen und dem Schrecklichen, dem noch über das Schreckliche hinaus Furchterregenden! [Die Anrede daśāvyaya ist unsicher.]

1.34 [Verehrung dir, dem Gott Sadyojata und Vamadeva! Verehrung dem Ältesten, Rudra; Verehrung dir, Ursprung des Werdens!

1.35 Verehrung dir, der die Kraft verwandelt und die Kraft überwältigt! Verehrung … [Textlücke] … dir sei Verehrung!]

1.36 Verehrung dir, der die Teile verwandelt, der Zeit selbst, dessen Wesen das Bemessen ist! Verehrung dir, Beherrscher aller Wesen, der den Geist übersteigt!

1.37 Verehrung Sharva, dem Friedvollen; Verehrung Shambhu, dem Heilbringenden! Verehrung dir, Herr des Wissens; Verehrung dir, Herr der Wesen!

1.38 Verehrung dir, Mahadeva! Verehrung dir, Tatpurusha! Verehrung dir, dessen Wesen Erkenntnis ist; Verehrung dir, Meer der Losgelöstheit!

1.39 Verehrung dir, erfüllt von göttlicher Souveränität, Schatz der Askese! Verehrung dir, ewig Wahrem; Verehrung dir, Inbegriff der Geduld!

1.40 Verehrung dir, Inbegriff der Standhaftigkeit; Verehrung dir, Schöpfer der Welten, erfüllt von Selbsterkenntnis und über den drei Welten wachend!

1.41 Immer wieder Verehrung dir, der in allen Zuständen unvergänglich bleibt! Verehrung dir, dessen Wesen Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum, Mond und Sonne umfasst!

1.42 Verehrung dir, der allen wohltut und die drei Welten durchdringt! Durvasas sprach: Als der beste der Götterseher ihn so mit erlesenen Worten pries,

1.43 sprach der Herr mit dem Stierbanner ein von Gnade süßes Wort. Ahirbudhnya sprach: Dieser Lobpreis und deine Hingabe erfreuen mich, Hervorragender unter den Sehern.

1.44 Sage, was ich heute für dich tun soll, selbst wenn es sehr schwer zu erlangen wäre. Narada sprach: Was anderes könnte hier noch zu sagen sein, wenn der Herr der Welt erfreut ist?

1.45 Gerade dies wünschen die Einsichtigen, die sich bemühen. Ahirbudhnya sprach: Ich bin dir wohlgesinnt; meine Begegnung soll heute Frucht für dich tragen.

1.46 Sage mir wahrheitsgemäß, Narada, was dich im Inneren bewegt. Narada sprach: Als die Schlacht Kalanemis entbrannte, die dem großen Tarakamaya-Kampf glich,

1.47 gegen den Welterhalter, den Gott der Götter, den Träger des Sharnga-Bogens, ein Kampf, der Göttern, Danavas, Gandharvas, Yakshas und Rakshasas Furcht einflößte,

1.48 voll von Hand- und Geschosswaffen, die wie tausend Mittagssonnen glänzten, als die Heere der Götter- und Asuraherrscher von mächtigen Waffen zerschnitten wurden,

1.49 und das Schlachtfeld von Scharen von Pishachas, Totengeistern, Vetalas und anderen Wesen erfüllt war, die erschrocken und staunend, zusammengedrängt und aufgewühlt umhertrieben,

1.50 als furchtbare Donner und Blitze losbrachen und das aus den Körpern der Götter und Danavas strömende Blut

1.51 überall in raschen Strömen dahinfloss, während die Überlebenden unter Göttern und Asuras voller Furcht in alle Richtungen flohen,

1.52 da saß der Herr der Welt auf Garuda, Sudarshana in seiner Lotushand. Kalanemi ließ sämtliche Scharen von Waffenkräften hervortreten:

1.53 die Söhne Bhrishashvas, die aus deinem Mund hervorgegangenen, die aus Brahmas Mund geborenen und die zur Zeit der Weltauflösung entstandenen,

1.54 die von den Weltenhütern erzeugten, die in der Unterwelt wohnenden, die aus den großen Elementen bestehenden und die aus dem Vaikarika-Prinzip hervorgegangenen,

1.55 die aus den drei Gunas bestehenden, die von Gandharvas abstammenden, die aus Rakshasas und Yakshas entstandenen und die als Vidyadharas bezeichneten,

1.56 die aus paarweise verbundenen Eigenschaften entstandenen, die aus Shakti hervorgegangenen, die zu Atharvan und Angiras gehörenden und die aus anderen Mantras geborenen,

1.57 die jede Tätigkeit vollbringen, hervorbringen und zurücknehmen, die Stäbe, Speere und jene in Gestalt von Strafstäben und weiteren Waffen,

1.58 von gewaltiger Stärke und Wirkmacht, bereit, die drei Welten zu vernichten; manche glichen mächtigen Bergen, andere gewaltigen Elefanten,

1.59 manche dem Ozean, andere dem Himmel; von Hunderten lodernder Flammen umgeben erfüllten sie den Raum zwischen Himmel und Erde.

1.60 Sie tanzten, lachten, schrien und stürzten herab, unbeschreiblich und unvergleichlich: hell, weiß, rot und schwarz,

1.61 von verschiedensten Gestalten und Farben, glänzend in mannigfaltigen Bewegungen. Von Kalanemi angetrieben sammelten sie sich alle zum Angriff.

1.62 Sämtliche Waffenkräfte, mitsamt den Verfahren ihres Einsatzes und ihrer Rücknahme und ihren vereinten Geheimnissen, stürzten auf das in Narayanas Hand erhobene

1.63 große Feuer Sudarshana zu und wurden darin zu Motten. Kalanemi, der große Asura, wurde in diesem Feuer zur abschließenden Opfergabe.

1.64 Staunend sah ich diese gewaltige, wunderbare Schlacht. Ich verneigte mich vor Krishna, dem Lehrer der Welt, der im nächsten Augenblick verschwand,

1.65 und kam mit dieser schweren Fülle von Fragen im Herzen zu dir, damit du meine Zweifel löst.

1.66 Denn außer dem allwissenden Herrn gibt es niemanden, der sie lösen könnte. Ahirbudhnya sprach: Götterseher, nenne die Fragen, die dich im Inneren bewegen!

1.67 Auch wenn sie kaum auszusprechen sind, werde ich sie jetzt alle lösen. Durvasas sprach: Darauf erklärte der erhabene Sharva, ganz von Freude erfüllt,

1.68 die Fragen, die der Götterseher Narada der Reihe nach vorgetragen hatte. So wurde diese Samhita dargelegt, die die Bedeutungen vielfältiger Mantras erschließt,

1.69 die göttliche, vom Pancharatra erfüllte Schrift, deren Name mit Ahirbudhnya beginnt, versehen mit Berichten über frühere Taten und Ereignisse vergangener Weltzeiten,

1.70 in der verschiedene Lehrweisen zusammenkommen und mannigfaltiges Wissen aufleuchtet. Zweihundertvierzig Kapitel wurden darin zunächst dargelegt.

1.71 Dann wurde sie zur Zeit des Dvapara zum Wohl der Menschen auf einhundertzwanzig Kapitel gebracht,

1.72 wobei die allzu große Ausführlichkeit weggelassen und der geheime Sinn neu geordnet wurde. Als das Erkenntnisvermögen der Menschen noch weiter abnahm,

1.73 habe ich zum Wohl der Menschen, als die Abendzeit des Dvapara verging, mit Vyasas Zustimmung diese Samhita erneut in sechzig Kapiteln geordnet.

1.74 Höre von mir sämtliche Fragen, wie der erhabene Seher Narada sie vorlegte, und sämtliche Antworten, wie Sharva sie erklärte.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 1: „Herabkunft der Lehre“.

Kapitel 2 – Brahman und die sechs göttlichen Eigenschaften

2.1 Narada sprach: Haris Rad Sudarshana nahm mühelos alle jene Mantrakräfte in sich auf, die Sonne und Feuer glichen.

2.2 Ist diese Macht ihm von Natur aus eigen, oder entsteht sie durch seine Verbindung mit etwas anderem? Was ist das, was Sudarshana heißt, und welche Bedeutung hat dieser Name?

2.3 Ahirbudhnya sprach: Höre, Narada, wahrheitsgemäß jenes unübertreffliche Wissen, das ich einst, nachdem ich viele Zehntausende von Jahren strenge Askese geübt hatte,

2.4 unmittelbar von Samkarshana empfing, dem Meer der Erkenntnis und der Kraft; dieses Wissen findet sich nicht bei den anderen, bei Brahma und den großen Sehern.

2.5 Höre mich nun das Wesen Sudarshanas erklären. Wenn du von ihm, dem Träger von allem, gehört hast, werden deine Zweifel nicht mehr bestehen.

2.6 Das höchste Brahman ist ohne Anfang und Ende, unvergänglich und unerschöpflich; es lässt sich nicht durch Namen und Gestalten abgrenzen und liegt jenseits der Reichweite von Sprache und Denken.

2.7 Es besitzt alle Kraft, umfasst alle Bezeichnungen, ist durch die sechs göttlichen Eigenschaften gekennzeichnet, alterlos und beständig. Sein Entschluss „Ich will sein“ – sei es als Hervortreten, sei es als Nichthervortreten –

2.8 entfaltet sich aufgrund seiner Freiheit in einer Weise, die sich keiner weiteren Begründung unterwerfen lässt. Was dabei als sein Schauen bezeichnet wird, wird Darshana genannt.

2.9 Dass dieses Schauen weder durch einen Gegenstand noch durch Zeit oder Ort gehemmt wird, macht seine Erhabenheit aus: Dies bedeutet hier die Vorsilbe su. Deshalb heißt es Sudarshana.

2.10 Was Ursache der Welt ist, was die Welt trägt, was ihr Erkenntnismittel ist und was insgesamt Gegenstand dieser Erkenntnis ist,

2.11 wer dazu befähigt ist und welche Unterscheidungen dabei gelten, wie der Schutz beschaffen ist und wem er anvertraut wird –

2.12 all dies ist von Sudarshana abhängig und von Sudarshana durchdrungen. So ist sein Wesen ihm ursprünglich eigen und allem überlegen.

2.13 Alle göttliche Wirksamkeit, die den Scharen der Zauberwaffen zukommt, gehört gänzlich ihm. Indem es diese aufnahm, nahm das Eigene also nur sein Eigenes wieder auf.

2.14 Narada sprach: Gott der Götter, Herr der Welt, Wohltäter der drei Welten! Mein Geist ist gleichsam verwirrt; meine Fragen sind noch zahlreicher geworden.

2.15 Was ist jenes höchste Brahman mit den sechs Eigenschaften, und wie ist es beschaffen? Welcher Art ist sein Entschluss, und weshalb heißt dieser ein Schauen?

2.16 Wie ist seine ungehinderte Wirksamkeit zu verstehen, die über alle räumlichen Grenzen hinausreicht? Was ist die Ursache der Welt, wie ist sie beschaffen und in welchen Formen besteht sie?

2.17 Wer oder was trägt die Welt, wie ist diese Grundlage beschaffen und in wie vielen Formen besteht sie? Was heißt Erkenntnismittel, wie ist es beschaffen und wie viele Arten gibt es?

2.18 Was ist der Gegenstand gültiger Erkenntnis, wie ist er beschaffen und wie vielfältig? Wer sind die dazu Befähigten, und worin unterscheiden sie sich?

2.19 Worin besteht der Schutz von all dem, wie wird er vollzogen und welche Formen hat er? Wer ist dafür zuständig, und welche Eigenschaften werden von ihm verlangt?

2.20 Erkläre mir, Erhabener, diese ganze Fülle von Fragen. Ich habe deine Füße ergriffen und bin zu dir gekommen: Unterweise mich!

2.21 Durvasas sprach: Darauf erklärte Shankara alles dem Seher, der durch seinen Anblick geläutert war und sich verneigt hatte, um demütig Belehrung zu erbitten.

2.22 Ahirbudhnya sprach: Das höchste Brahman ist eines, ohne Anfang und Ende; sein Kennzeichen ist die Erfahrung grenzenloser, leidfreier Glückseligkeit. Es ist Narayana, frei von allem Übel.

2.23 Es hat in allen Wesen seine Wohnstätte genommen und durchdringt alles. Makellos und unzerstreut gleicht es einem Meer ohne Wellen.

2.24 Von den Eigenschaften der materiellen Natur bleibt es unberührt; zugleich ist es die Stätte überweltlicher Eigenschaften. Es ist das jenseitige Ufer des Ozeans des Werdens, fleckenlos und rein.

2.25 Weil es weder durch Gestalt noch durch Ort oder Zeit begrenzt wird, ist es vollkommen, immer gegenwärtig und alldurchdringend; es steht jenseits dessen, was abzulehnen oder erst zu erwerben wäre.

2.26 Durch Bestimmungen wie „dies“, „so beschaffen“ oder „so groß“ lässt es sich nicht umgrenzen. Über den Wirklichkeitsstufen, von denen jeweils die höhere das Selbst der vorhergehenden ist,

2.27 steht es als das höchste Selbst; daher heißt es Paramatman. Mit Om verbunden durchdringt es alle Wirklichkeitsstufen.

2.28 Weil ihm die sechs göttlichen Eigenschaften zukommen, wird es Bhagavan genannt. Weil alle Wesen in ihm wohnen, wird es Vasudeva genannt.

2.29 Weil es die Welt durchdringt, wird es als Atman bestimmt. Weil seine Gestalt und seine Weise unmanifest sind, wird es Avyakta, das Unoffenbare, genannt.

2.30 Weil es die Kraft sämtlicher Naturgrundlagen ist, heißt es Sarvaprakriti. Weil die Wirkungen in ihm angelegt sind, wird es Pradhana genannt.

2.31 Weil es führt und selbst nicht geführt wird, wird es Nitya, das Ewige, genannt. Aufgrund seines Belebens und Aufnehmens wird es Ananta, das Unendliche, genannt. [Die zweite Wortableitung ist im E-Text sprachlich unsicher.]

2.32 Weil es ringsum kein Maß für es gibt, nennen die Weisen es das Unermessliche. Weil es nicht schwindet, heißt es Akshara, das Unvergängliche; weil es frei von Unheil ist, Arishta.

2.33 Weil sein Wesen unveränderlich ist und es nicht von anderem umfasst wird, heißt es Achyuta, das Unwandelbare. Weil es frei von Fehlern wie Verlangen ist, einer ausgeglichenen Erkenntnis zugänglich

2.34 und in gleicher Weise der Grundstoff von allem ist, wird es Sama, das Gleiche, genannt. Weil es über den Weg des begrifflichen Betrachtens hinausgeht und sein Wesen nicht weiter hinterfragt werden kann,

2.35 weil auch seine Größe nicht denkend abzumessen ist, heißt es Achintya, das Undenkbare. Die Welten gehen aus ihm hervor, und überall ist es mächtig;

2.36 weil sein Sein erhaben ist, heißt es Prabhava. Weil es der Ort ist, in den alles bei der Auflösung eingeht, und selbst keinem Schwinden unterliegt, heißt es Avyaya, das Unerschöpfliche.

2.37 Weil es groß ist und wachsen lässt, heißt es in der Tiefe der Offenbarung Brahman. Weil es das höchste Wissen besitzt, heißt es Kapila, und wegen seiner überragenden Leuchtkraft Kapila. [Der Text unterscheidet hier kapila und kāpila.]

2.38 Als wohltätig und erfreulich, als innerster Grund, der auch „Herz“ heißt, wird es von den Yogis Hiranyagarbha genannt. [Der Vers gibt eine deutende, sprachlich ungewöhnliche Namensableitung.]

2.39 Wegen einer Askese, die das Vergehen aufhebt, wird es Apantaratapas genannt. Weil es Heil bewirkt, nennen die Anhänger des Pashupata es Shiva.

2.40 Mit diesen und weiteren Bezeichnungen wird jene Wirklichkeit angedeutet. Manche kommen ihr näher, andere bleiben ferner; ihrem eigentlichen Wesen werden sie nicht ganz gerecht.

2.41 Wenn die über viele Geburten angesammelten guten und schlechten karmischen Kräfte erschöpft sind und das Netz der Prägungen mit der Waffe richtiger Erkenntnis durchschnitten ist,

2.42 wenn das Wirken der drei Gunas zur Ruhe kommt, kann jenes Brahman unmittelbar aus sich selbst erfahren werden. Mit Worten können wir es nicht ausdrücklich als „genau dieses hier“ bezeichnen.

2.43 Selbst wenn jemand wie der König der Vögel Jahrtausende dahinflöge und so schnell wie der Geist wäre, erreichte er doch nicht die Grenze des Urgrundes.

2.44 Auch jene, die immer höher aufsteigen und sich auf vielfache Weise schulen, gelangen durch das bloße Bemühen um Wissen nicht zu einer umfassenderen Offenlegung dieses Grundes.

2.45 In jenem höchsten Selbst ruhen alle Wirklichkeitsstufen. Sein und Nichtsein sind darin eingewoben, als wäre Erkenntnis der Faden, der sie trägt.

2.46 Weil es alles unmittelbar schaut, ist jenes höchste Ziel das Selbst von allem. Wenn vergangene und zukünftige Zeit mitsamt der dazwischenliegenden Gegenwart zurückgenommen werden,

2.47 ist Brahman weder gegenwärtig noch vergangen noch zukünftig. Es befindet sich weder vorn noch hinten, weder oben noch zu beiden Seiten.

2.48 Es ist weder gefleckt noch mangelhaft, weder schwarz noch gelbbraun, weder scheckig noch fahlbraun, weder lohfarben noch rötlich.

2.49 Es ist weder braun noch mangustenfarben, weder dunkel noch rot; weder lang noch kurz, weder grob noch winzig.

2.50 Es ist weder rund noch unrund; es ist nicht auf eine Stütze angewiesen. Es ist weder bloßes Sein noch Nichtsein. [Der letzte Viertelvers ist in der vorliegenden Lesung nicht sicher verständlich.]

2.51 Es ist weder kalt noch heiß und auch nicht einfach zwischen beiden; es ist weder leidvoll noch ein gewöhnliches Glück, sondern leidfreie, unversehrte Glückseligkeit.

2.52 Es ist weder Wurzel noch Mitte noch Ende von irgendetwas, o Seher. Es liegt nicht, sitzt nicht, steht nicht und geht nicht.

2.53 Frei von allen Gegensatzpaaren und allen begrenzenden Bedingungen ist jenes höchste Brahman mit den sechs Eigenschaften die Ursache aller Ursachen.

2.54 Narada sprach: Was bedeutet nun „mit sechs Eigenschaften“, Gott der Götter, Herr der Welt? Wie kann das, was ohne Eigenschaften ist, zugleich sechs Eigenschaften besitzen?

2.55 Ahirbudhnya sprach: Es heißt eigenschaftslos, weil die Eigenschaften der materiellen Natur es nicht berühren. Höre nun, schuldloser Narada, wie ich die sechs göttlichen Eigenschaften erkläre.

2.56 Nicht leblos, seiner selbst bewusst, ewig und alles umfassend: So beschreiben die Kenner der göttlichen Eigenschaften Jnana, die Erkenntnis, als erste Eigenschaft.

2.57 Diese Erkenntnis wird sowohl als Wesen Brahmans als auch als seine Eigenschaft bezeichnet. Dass es die hervorbringende Grundlage der Welt ist, heißt Shakti, Kraft.

2.58 Sein durch vollkommene Freiheit bestimmtes Wirken nennen diejenigen, die das wahre Wesen dieser Eigenschaften bedenken, Aishvarya, souveräne Herrschaft.

2.59 Dass es niemals ermüdet, obwohl es die Welt unablässig hervorbringt, nennen die Kenner seiner Eigenschaften Bala, Stärke.

2.60 Dass es unverändert bleibt, obwohl es den Stoffgrund der Welt bildet, ist die Eigenschaft Virya, unverminderte Wirkmacht, die auch Unwandelbarkeit heißt.

2.61 Dass es keiner mitwirkenden Hilfe bedarf, wird Tejas genannt. Die fünf Eigenschaften, die mit Shakti beginnen, werden als Eigenschaften der Erkenntnis bezeichnet.

2.62 Erkenntnis allein ist das höchste Wesen Brahmans, des höchsten Selbst. Dieses höchste Brahman mit den sechs Eigenschaften, durch seine eigene Kraft erfüllt, fasst den Entschluss „Ich will vieles sein“: Das ist Sudarshana.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 2: „Unterscheidung Brahmans mit den sechs Eigenschaften“.

Kapitel 3 – Die allgestaltige Entfaltung der göttlichen Wirkkraft

3.1 Narada sprach: Wie ist jenes Brahman mit den sechs Eigenschaften durch seine eigene Kraft erfüllt? Was ist diese Kraft, durch die es als erfüllt bezeichnet wird?

3.2 Ahirbudhnya sprach: Die Kräfte aller Dinge sind dem Denken nicht vollständig zugänglich und bestehen nicht getrennt von ihnen. Man sieht sie nicht unmittelbar ihrem Wesen nach, sondern erkennt sie an ihren Wirkungen.

3.3 Sie sind der feine Zustand der Dinge, der deren sämtlichen Zuständen folgt. Man kann eine solche Kraft weder als „genau dieses“ festlegen noch sie einfach verneinen.

3.4 Die den Dingen innewohnenden Kräfte entziehen sich letztlich jeder weiteren Begründung. Ebenso verhält es sich, o Seher, mit der Kraft jenes Erhabenen, des höchsten Brahman:

3.5 Sie begleitet alle Zustände wie das Mondlicht den Mond. Sie begleitet sein Hervortreten und Nichthervortreten und vollbringt sämtliche Werke des Alldurchdringenden.

3.6 Sie ist Vishnus Freiheit und sein lebendiges Aufleuchten, das die Welt erfüllt. Sie besitzt die Gestalt des Erscheinens und Nichterscheinens, des Schließens und Öffnens.

3.7 Weil sie von nichts abhängig ist, heißt sie Ananda, Glückseligkeit; wegen ihrer ewigen Fülle heißt sie die Freie. Auf dem Grund ihres eigenen Wesens lässt sie höhere und niedere Welten hervortreten und bestehen.

3.8 Weil die Zeit sie nicht begrenzt und sie nie von ihrer vollkommenen Gestalt getrennt ist, ist sie ewig. Weil sie räumliche Grenzen überschreitet, ist sie alldurchdringend; sie ist stets leer und voll zugleich.

3.9 Weil sie als Welt wahrgenommen wird, wird sie Lakshmi genannt. Weil sie im Wesen Vishnus ruht, heißt sie Shri.

3.10 In den Zuständen des Unmanifesten, der Zeit und der Seele heißt sie Padma und Padmamalini. Weil sie Wünsche gewährt und vollkommene Freude besitzt, heißt sie Kamala.

3.11 Weil sie Vishnus Wirksamkeit selbst ist, wird sie Vishnushakti genannt. Weil sie Haris Sein bewahrt, heißt sie Vishnupatni, die Gemahlin Vishnus.

3.12 Weil sie die Weltgestalt in sich zusammenzieht, nennen die Weisen sie Kundalini. Weil Denken und Sprache sie nicht treffen, nennen sie sie Anahata, die Unangeschlagene.

3.13 Sie ist das bewusste Erkennen höchster Glückseligkeit und die feine Wirklichkeit des Mantras. Weil sie in reinem Sattva ruht, heißt sie Gauri; weil sie ohne begrenzende Unterscheidung ist, Aditi.

3.14 Weil sie alles Heilsame hervorbringt, ist sie die Große und heißt Mahi. Sie heißt auch Anahatashirshni, weil ihr Aufgehen unbehindert ist.

3.15 Weil sie durch ihr eigenes Bewusstsein belebt, heißt sie der Lebensatem der Welt. Weil sie die Gestalt des höchsten Lebens besitzt, wird sie Mutter der Mantras genannt. [Die Lesung parāhatāsurūpatvāt ist unsicher.]

3.16 Weil sie alle schützt, die sie besingen, heißt sie Gayatri. Weil sie die Welt aus sich selbst hervorbringt, wird sie Prakriti genannt.

3.17 Weil sie bemisst und ausgebreitet ist, wird sie Mata, Mutter, genannt. Weil sie allen unfehlbar Heil bringt, heißt sie Shiva, die Heilvolle.

3.18 Weil sie begehrt wird, heißt sie Taruni, die Jugendliche; weil sie über das Weltendasein hinüberführt, Tara. Weil ihr Wesen frei von Verkehrung ist und mit beiden Wahrheiten verbunden bleibt, heißt sie Satya, die Wahre.

3.19 Weil alle Veränderungen in ihr zur Ruhe kommen, betrachten die Weisen sie als Shanta, die Friedvolle. Sie heißt Mohini, weil sie Verblendungen beseitigt und auch Verblendung bewirkt.

3.20 Als Grundlage der Opfergabe und als die Ersehnte heißt sie Ida. Weil sie erfreut, wird sie Ranti und Rati genannt.

3.21 Den Guten ist sie als Vishruti, die weithin Bekannte, vertraut. Weil sie Erinnerung weckt, heißt sie Sarasvati; wegen ihres ununterbrochenen Leuchtens heißt sie Mahabhasa, das große Licht.

3.22 Durch diese verschiedenen, in unterschiedlichen Schriften verankerten und ihrem Wesen entsprechenden Namen wird die gesamte Entfaltung dieser höchsten Kraft Vishnus sichtbar gemacht.

3.23 Wie die Beständigkeit zum Meer gehört, die Weite zum Himmel, der Glanz zur Sonne und das Mondlicht zum Mond,

3.24 so gehört die göttliche Narayani-Kraft zu Vishnu: Sie erfüllt ihn ganz und begleitet sein Hervortreten und Nichthervortreten. Alle Lehrsysteme erkennen sie an.

3.25 Vom kraftbesitzenden Gott, dem höchsten Brahman, wird seine Kraft unterschieden. „Er“ und „sie“ werden in den Schriften als Träger einer Eigenschaft und als diese Eigenschaft beschrieben,

3.26 als das Seiende und sein Sein; so werden beide gleichsam als eine einzige Wirklichkeit gelehrt. Ihrem eigenen freien Wesen nach ist diese Gemahlin Vishnus wunderbar:

3.27 Wenn sie sich anschickt, zur Welt zu werden, öffnet sie sich zur Entfaltung. Ein unermesslich kleiner Teil von ihr – ein Anteil unter zahllosen Millionen und Abermillionen –

3.28 tritt als eine von Lakshmi erfüllte Entfaltung hervor, die sich zweifach gliedert: in Kriya, Wirkkraft, und Bhuti, werdende Wirklichkeit. Bhuti wiederum gilt als dreifach:

3.29 als Unmanifestes, Zeit und Seele; ihre Gestalten werden noch erklärt. Die Entfaltung namens Kriya setzt Bhuti in Bewegung.

3.30 Sie ist von Lakshmi erfüllt, von der Art des Lebensatems, und wird Vishnus Entschluss genannt. In Freiheit wurzelnd ist sie Wille, besitzt die Gestalt des Schauens und bringt Handeln hervor.

3.31 Diese Entfaltung, dieser vollkommene Entschluss, wirkt überall ungehindert. Die Kraft Vishnus, die als Unmanifestes, Zeit und Seele erscheint und Bewusstes wie Unbewusstes umfasst,

3.32 diese von Lakshmi erfüllte Bhuti lässt sie hervortreten. Dabei verbindet sie das Unmanifeste durch Umwandlung, die Zeit durch deren gliedernde Tätigkeit

3.33 und die Seele durch deren Hinwendung zum Erfahren mit der Schöpfung. Bei der Rücknahme trennt sie diese wieder, indem sie ihnen ihre drei Fähigkeiten entzieht.

3.34 Der aus den drei Gunas bestehenden Urnatur verleiht sie bei der Schöpfung die Fähigkeit zur ungleichen Entfaltung; bei der Auflösung bewirkt sie das Gegenteil.

3.35 Der Zeit gibt sie zu Beginn der Schöpfung die Aufgabe, das Wirken des Unmanifesten und der Seele miteinander zu verbinden; bei der Auflösung kehrt sie diesen Vorgang um.

3.36 Vishnus Entschluss bewirkt bei Schöpfung und Rücknahme die Fähigkeit oder Unfähigkeit der Seele, mit ihrem Erkenntnisvermögen Erfahrungen zu machen.

3.37 Diese drei hält er in seinem eigenen Wesen zusammen, bei der Schöpfung miteinander verbunden und bei der Rücknahme voneinander gelöst, wie ein Faden eine Reihe von Edelsteinen trägt.

3.38 Während des Bestehens schützt er sie, indem er ihre Tätigkeiten übersieht. Die überall ungehinderte Wirksamkeit ist das Kennzeichen Sudarshanas.

3.39 Dieser Entschluss namens Sudarshana ist lebendige Bewegung. Er gliedert seine Gestalt auf vielfache Weise und ist in jedem einzelnen Seienden gegenwärtig.

3.40 Höre nun, wie ich dieses alles durchdringende Wirken Sudarshanas erkläre. Wer es erkennt, gelangt in dieser Welt zur Erfüllung seiner Aufgabe.

3.41 Jenes höchste Brahman mit den sechs Eigenschaften, das höchste Ziel der Yogis, ist Narayana, das Selbst des Alls. Wenn er diese Welt in ihrem Hervortreten und Nichthervortreten

3.42 mit seinem ungeteilten Wesen durchdringt und lenkt, dann ist seine beständige Seinsmacht die Kraft, welche die Welt hervorbringt.

3.43 Lakshmi, deren Wesen alle Erscheinungen umfasst, ist die Ichhaftigkeit des höchsten Selbst. Die Göttin trägt seine Eigenschaften und wird zu dieser ganzen Welt.

3.44 Auch sie durchdringt und lenkt sie wie er mit ihrem ungeteilten Wesen. Eine ihrer Entfaltungen ist Bhuti, das Werden der Welt.

3.45 Das darin tatsächlich wirkende Vermögen, das die Welt lenkt, ist die ungeteilte Kriyashakti: Lakshmis Entfaltung in Gestalt Sudarshanas.

3.46 Wenn die beiden Herrschenden zum Schutz der Welten eine Gestalt annehmen, die Geist und Augen erfreut, dann erscheint diese Wirkkraft als Rad und Lotus.

3.47 Welche Schutzmittel die beiden Gottheiten jeweils wünschen, als eben diese erscheint Sudarshana: als Muschelhorn, als Sharnga-Bogen und in weiteren Gestalten.

3.48 Wenn sie der Welt durch Licht, Erquickung und Schutz dienen wollen, erscheint das Rad Sudarshana als Sonne, Mond und Feuer.

3.49 Wenn die beiden selbst die Gestalten von Göttern, Daityas und anderen Wesen annehmen, wird die göttliche Sudarshana-Wirkkraft zu den jeweils zugehörigen Waffenkräften.

3.50 Wenn sie zum Wohl der Welt eine Schrift schaffen, die verschiedene Früchte ermöglicht, dann ist jene Wirkkraft die Unterweisung, die im Herzen wohnt.

3.51 Wenn die beiden Alldurchdringenden zum Nutzen der Welt selbst als heilige Schrift erscheinen, dann ist diese Sudarshana-Wirkkraft deren innerster Sinn.

3.52 Wenn die beiden ewigen Eltern zu den für die Schrift Befähigten werden, dann ist deren Befähigung die Wirkkraft Sudarshana.

3.53 Wenn sie als Inhalt der Schrift erscheinen, als Ziele und als Mittel zu deren Verwirklichung, dann ist Sudarshana die Kraft, durch die die Frucht tatsächlich hervorgebracht wird.

3.54 Wenn sie selbst zu den vier menschlichen Lebenszielen werden, dann ist das Rad Sudarshana deren Fähigkeit, das Selbst zu erfüllen.

3.55 Wenn sie zum Wohl der Welten die Gestalt eines Schutzes durch Mantras annehmen, dann wird diese göttliche Wirkkraft zu Mantra und Yantra.

3.56 So habe ich dir in Kürze die allgestaltige Entfaltung der Wirkkraft vor Augen geführt, deren Wesen Sudarshana ist. Was möchtest du darüber hinaus hören?

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 3: „Darstellung der Allgestaltigkeit der Wirkkraft“.

Kapitel 4 – Rücknahme der Welt in ihren Ursprung

4.1 Narada sprach: Erhabener, Gott der Götter, Allwissender mit dem Stierbanner! Was ist jene Ursache, von der gesagt wurde, dass sie die Schöpfung in Gang setzt?

4.2 Erkläre mir ausführlich den höchsten Grund der Welt, der nach Gestalt, Wirken und Sinn von Sudarshana durchdrungen ist.

4.3 Ahirbudhnya sprach: Erfasse das wahre Wesen dieses Grundes, während ich es darlege. Verstehe zunächst die Rücknahme der materiellen Natur.

4.4 Während eines bestimmten Zeitraumes wurde jene Vidya, die als Wurzel bezeichnete Prakriti, zur nährenden Kuh in Wolkengestalt, um Getreide und anderes hervorzubringen.

4.5 Nach einem entsprechenden Zeitraum wird sie, wenn die Rücknahme beabsichtigt ist, zur nicht mehr nährenden, saftlosen und trockenen Kraft, die Avyakta heißt.

4.6 Narada sprach: Nach welcher Zeit bringt diese wunscherfüllende Kuh die Schöpfung hervor, und nach welcher Zeit wird die Göttin bei der Rücknahme zur nicht mehr nährenden Kuh?

4.7 Ahirbudhnya sprach: Achtzehn Augenblicke bilden eine Kashtha, dreißig davon eine Kala; dreißig Kalas einen Kshana, und zwölf Kshanas gelten als ein Muhurta.

4.8 Fünfzehn davon bilden einen Tag, ebenso viele eine Nacht. Fünfzehn solcher Tag-Nacht-Einheiten bilden einen Halbmonat, zwei Halbmonate einen Monat.

4.9 Zwölf solcher Monate gelten als ein menschliches Jahr; sechzehn davon als ein Kamya-Jahr. Und von diesen Kamya-Jahren, o Seher,

4.10 ist es ein entsprechender Zeitraum, nach dem Vidya zur nährenden und zur nicht mehr nährenden Kuh wird. Wenn sie nicht mehr nährt und die Rücknahme beabsichtigt ist,

4.11 wird diese ganze bewegliche und unbewegliche Welt saftlos und trocken, ausgedörrt durch gewaltigen Wind und verbrannt durch großes Feuer.

4.12 Alles, was auf Erden hervorragt, von Bergen bis zu Gräsern, geht zugrunde; die Nachkommen der Menschen gehen in die Manavas ein.

4.13 Diese vierhundert Manavas gehen ihrerseits in die Manus ein. Wenn so die Gesamtheit der bewussten Wesen in die Manus eingegangen ist,

4.14 bleiben allein vier Paare von Manus auf der Erde bestehen, die eben geworden ist wie der Rücken einer Schildkröte, o Seher.

4.15 Durch Narayanas Entschluss, das ungehinderte Sudarshana, nimmt das Wasser den als Geruch bestehenden Wesenskern der Erde in sich auf.

4.16 Wenn der Erde durch das Wasser, ihren Ursachengrund, der Geruch entzogen ist, überschreiten die Manus die Erde und bestehen im Wasser.

4.17 Die ihres Wesenskerns beraubte Erde gibt ihre Erscheinung und ihren Namen auf. Nun besteht diese ganze bewegliche und unbewegliche Welt als Wasser.

4.18 Durch denselben Entschluss Haris in Gestalt Sudarshanas nimmt das Feuer als Ursache den Geschmack, den Wesenskern des Wassers, in sich auf.

4.19 Die Manus überschreiten das Wasser und bestehen im Feuer. Das seines Geschmacks beraubte Wasser gibt Erscheinung und Namen auf.

4.20 Nun ist die ganze Welt leuchtendes Feuer, o Seher. Der durch Vishnus Entschluss bewegte Wind, der als dessen Ursache gilt,

4.21 nimmt auch die innere Gestalt des Feuers, seinen Wesenskern, in sich auf. Auch die Manus werden durch Vishnus Entschluss bewegt,

4.22 überschreiten das ganze Feuer und nehmen im Wind Zuflucht. Das seiner sichtbaren Form beraubte Feuer gibt Erscheinung und Namen auf.

4.23 Diese bewegliche und unbewegliche Welt ist nun wirbelnder Wind. Danach wird der Raum als Ursache durch Vishnus Entschluss bewegt

4.24 und nimmt die Berührbarkeit als Wesenskern des Windes in sich auf. Durch Vishnus Sudarshana angetrieben, großer Seher,

4.25 überschreiten die Manus den Wind und bestehen im Raum. Der seiner Berührbarkeit beraubte Wind gibt Erscheinung und Namen auf.

4.26 Die ganze bewegliche und unbewegliche Welt ist nun mächtig tönender Raum. Der von Vishnus Wirkkraft bewegte Ahamkara, das Prinzip des Ichbezugs,

4.27 nimmt den Klang, den Wesenskern des Raumes, in sich auf. Von derselben Kraft Vishnus bewegt überschreiten die von göttlichem Sein erfüllten Manus den Raum

4.28 und bestehen im Ahamkara. Der seines Klangs beraubte Raum gibt Erscheinung und Namen auf.

4.29 Nun besteht die ganze Welt als Ahamkara, als „Ich“. Dessen ursächlichen Wesenskern, das Sich-Zuschreiben und Sich-Beziehen,

4.30 nimmt die von Vishnus Sudarshana bewegte Buddhi in sich auf. Durch Vishnus Sudarshana angetrieben überschreiten die Manus den Ahamkara

4.31 und bestehen, alle acht, allein in der Buddhi. Der seines Ichbezugs beraubte Ahamkara gibt Erscheinung und Namen auf.

4.32 Alles ist nun Buddhi, das feststellende Erkenntnisvermögen. Dessen beständigen ursächlichen Wesenskern, das entschiedene Erfassen,

4.33 nimmt Tamas als Ursache in sich auf, von Vishnus Sudarshana bewegt. Auch die Manus werden durch Vishnus Sudarshana angetrieben,

4.34 überschreiten die Buddhi und bestehen im Tamas. Alles ist nun Finsternis, unerkennbar und ohne unterscheidbare Merkmale,

4.35 dem Erwägen und Erkennen entzogen, starr, schwer und verhüllend. Geruchssinn, Geschmackssinn, Gesichtssinn, Tastsinn und Gehör als fünfter,

4.36 After, Geschlechtsorgan, Füße, Hände und Sprache als fünftes Handlungsorgan: Die beiden Fünfergruppen bilden der Reihe nach Paare, angefangen mit Geruchssinn und After.

4.37 Wenn Erde, Wasser und die übrigen Elemente in ihre jeweilige Ursache eingehen, lösen sich mit ihnen diese Organe samt den Tätigkeiten des Riechens und der übrigen Sinne auf.

4.38 Die beiden inneren Organe Manas und Ahamkara gehen mit ihren Tätigkeiten in den Ahamkara ein; das erkennende Vermögen geht in die Buddhi ein.

4.39 Nun besteht alles als Tamas. Seine durch Schwere gekennzeichnete Bestandskraft

4.40 nimmt Rajas in sich auf, bewegt durch den Willen des Herrn. Auch die Manus werden von Vishnus Willen bewegt,

4.41 überschreiten den Zustand des Tamas und bestehen im Rajas. Das seines Wesenskerns beraubte Tamas gibt Erscheinung und Namen auf.

4.42 Die Welt ist nun Rajas, leidvoll und aus bewegter Tätigkeit bestehend. Jene schwingende, bewegliche Kraft des Rajas

4.43 nimmt Sattva als Ursache in sich auf, von Sudarshana bestimmt. Die im Rajas befindlichen Manus werden von Vishnus Entschluss bewegt,

4.44 überschreiten Rajas und treten in das reine Sattva ein. Das seines Wesenskerns beraubte Rajas gibt Erscheinung und Namen auf.

4.45 Die bewegliche und unbewegliche Welt ist nun leichtes, erhellendes Sattva. Die Zeit genannte Eigenschaft Vishnus, durch Sudarshana bewegt,

4.46 nimmt aus Sattva den erkenntnishaften Wesenskern auf, den Grund des Wissens. Die Manus überschreiten Sattva und nehmen in der Zeit Zuflucht.

4.47 Nun ist die ganze Welt Zeit. Das seines Wesenskerns beraubte Sattva gibt Erscheinung und Namen auf.

4.48 Die in der Zeit bestehende Kraft, die alles in die Zeit einordnet, nimmt das Niyati genannte Prinzip in sich auf, bewegt durch den Herrn.

4.49 Auch die acht Manus werden von Sudarshana bewegt, überschreiten das Prinzip der Zeit und gehen in Niyati, die bindende Ordnung, ein.

4.50 Die ihres Wesenskerns beraubte Zeit gibt Erscheinung und Namen auf. Die ganze bewegliche und unbewegliche Welt ist nun jene Niyati.

4.51 Die aus Mahavidya bestehende Kraft der Niyati, großer Seher, nimmt dann das Shakti genannte Prinzip auf, bewegt durch den Herrn.

4.52 Auch die Manus überschreiten auf Geheiß des Herrn die Niyati und treten in Vishnus weite, aus Maya bestehende Shakti ein.

4.53 Die ihres Wesenskerns beraubte Niyati gibt Erscheinung und Namen auf. Die ganze bewegliche und unbewegliche Welt ist nun Shakti.

4.54 Die ewige Kraft dieser Shakti bis hin zum Aufleuchten des Bewusstseins nimmt Purusha selbst in sich auf, durch Sudarshana bewegt.

4.55 Die Manus überschreiten Shakti und treten, vom Herrn bewegt, in ihn ein. Die ihres Wesenskerns beraubte Shakti gibt Erscheinung und Namen auf.

4.56 Purusha, das Selbst von allem, allseitige Kraft, überallhin gewandt, allwissend, alldurchdringend und alles umfassend, bleibt bestehen.

4.57 Dieser unwandelbare Grund der Manus ist der achtfach gegliederte Purusha, Träger der gesamten Wirksamkeit Haris, des Gottes der Götter.

4.58 Die dreizehn Prinzipien von Erde bis Shakti bestehen, nachdem ihre jeweiligen Wirkungen in sie eingegangen sind, jeweils hundert Kamya-Jahre.

4.59 Purusha besteht dreihundert. Danach gliedert dieser aus den Manus bestehende Purusha sich in vier Formen, entsprechend Brahmanen, Kshatriyas und den weiteren Gruppen,

4.60 und geht augenblicklich in die jeweiligen Orte Aniruddhas ein, in Mund, Arme und die übrigen, wie Wasser in eine glühende Eisenkugel.

4.61 Dann bleibt der eine Erhabene, in den Bewusstes und Unbewusstes eingegangen sind, sechzehnhundert Jahre bestehen.

4.62 Danach geht er in den alterlosen, alldurchdringenden Pradyumna ein. Dieser nimmt alle seine Tätigkeiten zurück und besteht ebenso lange.

4.63 Dann geht der lotusäugige Erhabene namens Pradyumna in den makellosen Erhabenen Samkarshana ein.

4.64 Dieser Unwandelbare, der alle Götter umfasst, besteht ebenso lange und trägt die gesamte reine und unreine Welt mit Bewusstem und Unbewusstem

4.65 in seinem Erkenntnisleib wie einen winzigen dunklen Fleck. Dieser Gott, der starke Samkarshana, ist gleichsam Aufgangs- und Untergangsberg

4.66 für den Mond des Bewusstseins, dessen Fleck das Unbewusste ist und dessen Phasen dort verlaufen. Dies ist der unverkürzte höchste Tag in Gestalt Samkarshanas,

4.67 in dem die mannigfaltigen Erscheinungen unter ihren jeweiligen Namen sichtbar werden. Nachdem dieser Unwandelbare sechzehnhundert Jahre bestanden hat,

4.68 geht er in den ewigen Erhabenen Vasudeva ein. Damals war weder Nichtsein noch Sein, o Seher.

4.69 Sein und Nichtsein mit ihrer wunderbaren Fülle von Entfaltungen sind im Inneren aufgehoben; Vasudeva bleibt als unaussprechliches höchstes Brahman bestehen.

4.70 Dies ist die Nacht, das höchste Brahman, das Unmanifeste genannt. Die drei Paare der sechs Eigenschaften, Erkenntnis, Stärke und die übrigen,

4.71 gehen vollständig darin ein; deshalb heißt es Nacht. Weil die Erscheinungsfärbung von Samkarshana bis hin zur Erde verschwunden ist,

4.72 ist es als das Unmanifeste zu verstehen; wegen seines Gleichmaßes heißt es das Gleiche. Jene Kraft des Erhabenen, seine alle Erscheinungen umfassende Ichhaftigkeit,

4.73 ist die von ihm ungetrennte höchste Seinsmacht, erfüllt von großer Glückseligkeit. Alles von Samkarshana bis zur Erde gilt als ein winziger Teil von ihr.

4.74 In diesem Teil erscheint die Welt als Sein und Nichtsein, als Bewusstes und Unbewusstes. Wenn das Aufkommen dieses ganzen Weltgetriebes zur Ruhe gekommen ist,

4.75 ist die Kraft nicht mehr an Wirkungen erkennbar und gibt die Unterscheidung vom Gott auf. Sie nimmt ihre eigene zurückführende Sudarshana-Wirkkraft

4.76 in sich zurück und bewahrt sie als ruhenden Entschluss. Wie eine Flamme mangels Brennstoff wieder in das bloße Feuersein eingeht,

4.77 so geht jene höchste Kraft Vishnus in das Brahmansein ein. Narayana, das höchste Brahman, und diese Narayani-Kraft,

4.78 beide alldurchdringend, bestehen in innigster Einheit gleichsam als eine Wirklichkeit. Solange die Entfaltung Samkarshanas dauert, so lange währt der Tag des Purusha; ebenso lange seine Nacht, in der sämtliche Dinge zurückgenommen sind.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 4: „Beschreibung der Rücknahme“.

Kapitel 5 – Die reine Schöpfung und die Vyuhas

5.1 Ahirbudhnya sprach: Damit wurde die Auflösung der gesamten Gruppe von Wirkungen und Ursachen erklärt. Nun werde ich dir deren von Sudarshana erfüllte Schöpfung erläutern, o Seher.

5.2 Narayana, das höchste Brahman, in dem alle Wirkungen schlafen und alles ins Gleichgewicht gekommen ist, ist die Wohnstätte von allem und bleibt unberührt,

5.3 vollkommen, mit ruhenden sechs Eigenschaften, einem windstillen Raum vergleichbar. Seine Kraft, deren Gestalt eben diese Ruhe und Leere ist,

5.4 gelangt allein aus ihrer Freiheit zu einem gewissen Hervortreten. Jene Kraft, die das eigene Wesen Haris, des höchsten Brahman, ist,

5.5 leuchtet zuweilen auf wie ein Blitz am Himmel. Diese aufleuchtende Kraft wird Shakti genannt;

5.6 sie offenbart vielfältige reine und unreine, gestalttragende Erscheinungen. Die aus ihr selbst hervorgehende Freiheit, mit der sie sich entfaltet,

5.7 ist der als Schauen bestehende Entschluss: Er heißt Sudarshana. Er ist Kriya, Haris Wirkkraft, seine unverminderte Macht, sein Glanz und seine Stärke.

5.8 Die Erscheinungen, die auf ihrem eigenen Grund hervortreten, sind Bhuti, Vishnus Kraft, gedacht als ein winziger Anteil der Shakti.

5.9 Diese als Seiendes bestehende Kraft zeigt sich in vielen Gegensatzpaaren: rein und unrein, bewusst und unbewusst,

5.10 zeitlich bestimmt und Zeit, offenbar und unoffenbar, das zu Offenbarende und das Offenbarende, Bezeichnetes und Bezeichnung,

5.11 Erfahrenes und Erfahrender, Körper und Verkörperter. Durch weitere solche paarweisen Unterscheidungen gliedert sie sich auf.

5.12 Erkenne diese nach vielfältigen Weisen zur Ursache gewordene Kraft, Götterseher, als göttliche Entfaltung Sudarshanas.

5.13 Wie Feuer oder Wolken vom Wind bewegt werden, so wird die Entfaltung der werdenden Wirklichkeit durch Sudarshana bewegt.

5.14 Bei der Schöpfung vorwärts, bei der Auflösung in umgekehrter Richtung: So wird sie von Sudarshana wie von einem Wind angetrieben.

5.15 Höre von mir, wie sie dabei verschiedene Erscheinungen annimmt. Höre zuerst die reine Schöpfung der göttlichen Entfaltung.

5.16 Was als die sechs Eigenschaften bezeichnet wurde, Erkenntnis, Souveränität, Stärke und die weiteren: Durch deren drei Paare setzt sich die reine Schöpfung von Bhuti in Gang.

5.17 Aus dem Paar Erkenntnis und Stärke entsteht Haris Samkarshana-Gestalt. Aus der Verbindung von Souveränität und unverminderter Wirkmacht wird seine Pradyumna-Gestalt erklärt.

5.18 Durch das Hervortreten von Kraft und Glanz erscheint Haris Aniruddha-Gestalt. Diese Vyuhas bestehen aus Shakti und sind jeweils durch das Hervortreten bestimmter Eigenschaften gekennzeichnet.

5.19 Sie sind göttliche, lotusäugige Personen, deren Leib alle sechs Eigenschaften umfasst. Die beiden jeweils übrigen Eigenschaftspaare, o Seher,

5.20 bleiben in der betreffenden Gestalt entsprechend mitgegenwärtig. Bloßes Durchdringen, Hervortreten der Eigenschaften und Annahme einer Gestalt: In diesen drei Weisen

5.21 besteht Vishnus vierfache Selbstentfaltung, hervorgehend aus dem Zusammenwirken seiner Eigenschaften. Der starke Gott Samkarshana offenbart aufgrund seines Erkenntniswesens

5.22 den ausschließlich auf Gott gerichteten Weg, das Mittel zum Erreichen des Erhabenen. Der höchste Purusha Pradyumna, bestehend aus Wirkmacht und Souveränität,

5.23 besteht als Inhalt der Schrift, als Weg zum Erreichen des Erhabenen. Die Frucht dieses Schriftinhalts, die im Erreichen Gottes besteht,

5.24 lässt der höchste Purusha als Aniruddha die Übenden erlangen. So verwirklichen diese Gestalten Schrift, Schriftinhalt und die durch beides zu erlangende Frucht.

5.25 Diese lotusäugigen Personen sind Haris kraftvolle Vyuhas. Der erhabene Vasudeva und diese drei Vyuhas, o Seher,

5.26 bilden die vierfache Selbstentfaltung, die durch manifeste und unmanifeste Zustände gekennzeichnet ist. Jene aus Shakti bestehenden Eigenschaften, Erkenntnis, Souveränität, Stärke und die übrigen,

5.27 treten gleichzeitig hervor und verlassen ihre Ruhe; dies geschieht durch Vishnus Entschluss und kennzeichnet seine Offenbarung.

5.28 Dies ist der erhabene Vasudeva und jene höchste Prakriti. Die Kraft des alldurchdringenden Vishnu ist die höchste hervorbringende Natur der Welt.

5.29 Aufgrund der Unterscheidung zwischen Kraft und Kraftträger wird Vasudeva benannt. Der alle Kräfte umfassende Gott Vasudeva gliedert aus dem Wunsch zu schaffen

5.30 sich selbst durch sich selbst; diese Entfaltung heißt Samkarshana. Wie sich der Glanz ausbreitet, wenn die Sonne auf dem Aufgangsberg erscheint,

5.31 so entfaltet sich beim Hervortreten Gottes der Glanz in Gestalt Samkarshanas. Diese Kraft bleibt sechzehnhundert Jahre untätig,

5.32 unmittelbar als Samkarshana, mit den Fluten von Erkenntnis und Stärke. Der unendliche Erhabene Vishnu, der Kraftträger und höchste Purusha,

5.33 ruht in der Fülle seiner sechs Eigenschaften wie ein wellenloser Ozean. Wenn diese sechs Eigenschaften, von ihm selbst bewegt, gleichzeitig hervortreten,

5.34 ist derselbe unendliche Erhabene der ewige Vasudeva. Wenn darin Erkenntnis und Stärke durch seinen eigenen Entschluss hervortreten,

5.35 ist derselbe unendliche Erhabene der unwandelbare Gott Samkarshana. Nachdem der kraftvolle, unwandelbare Gott sechzehn Jahre bestanden hat [so der Wortlaut; 5.31 nennt sechzehnhundert],

5.36 ist derselbe unendliche Erhabene der höchste Purusha Pradyumna. Die anteilig hervorgetretene Pradyumna-Kraft ist der Glanz des Erhabenen.

5.37 Diese Kraft ruht sechzehnhundert Jahre untätig und still. Danach wird der kraftvolle Gott Pradyumna, der höchste Purusha,

5.38 nachdem er sechzehnhundert Jahre bestanden hat, durch seinen eigenen Entschluss bewegt: Derselbe unendliche Erhabene wird Aniruddha.

5.39 Die anteilig hervorgetretene Aniruddha-Kraft ist Haris Glanz. Auch diese Kraft ruht sechzehnhundert Jahre untätig und still.

5.40 Nach sechzehnhundert Jahren beginnt dieser kraftvolle Aniruddha gemeinsam mit den beiden vorherigen die Schöpfung, Narada.

5.41 Diese vier großäugigen Vyuhas, höchsten Personen, sind ohne Fehler, ohne Unheil, untadelig und ewig.

5.42 Diese vierfache Selbstentfaltung ist unendlich und unvergänglich, großer Seher. Im wellenlosen Zustand haben sie keine abgesonderte Erscheinung und bestehen als ungetrenntes Bewusstsein. [Die Lesung niḥsattāḥ saktacinmayāḥ ist erklärungsbedürftig.]

5.43 Im Zustand des Hervortretens der Eigenschaften bestehen sie als Kräfte. Im groben Zustand gelangen sie zur sichtbaren Erscheinung,

5.44 zum Wohl der Welten, gekennzeichnet durch Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. Diese Ordnung der vier Selbstgestalten dient dem Geist als Stütze.

5.45 Die Kenner der geheimen Überlieferung lehren ihre weiteren Unterscheidungen, die durch den göttlichen Entschluss entstehen: weitere Vyuhas, Vibhavas und andere.

5.46 Zwölf weitere Vyuhas werden genannt, angefangen mit Keshava. Die erste Dreiergruppe ab Keshava geht aus Vasudeva hervor.

5.47 Aus Samkarshana geht die wunderbare Dreiergruppe ab Govinda hervor; aus Pradyumna die Dreiergruppe ab Trivikrama, o Seher.

5.48 Die Gruppe ab Hrishikesha geht aus Aniruddha hervor, großer Seher. In ihrer höchsten Form ruhen sie in ihrer jeweiligen Ursache; in ihrer feinen Form gelten sie als zweiarmig.

5.49 In ihrer groben Form sind sie als vierarmige Herren der drei Welten zu verstehen. Die Anordnung von Rad und übrigen Waffen wird in der Yantralehre erklärt werden.

5.50 Neununddreißig Vibhavas werden genannt, angefangen mit Padmanabha: Padmanabha, Dhruva, Ananta, Shaktyatma, Madhusudana,

5.51 Vidyadhideva, Kapila, Vishvarupa, Vihangama, Krodatma, Badabavaktra, Dharma und Vagishvara,

5.52 der im einen Weltozean Ruhende, der erhabene Kamatheshvara, Varaha, Narasimha und Piyushaharana,

5.53 Shripati, der erhabene Gott, Kantatma-Amritadharaka, Rahujit, Kalanemighna und Parijatahara,

5.54 Lokanatha, Shantatma, der große Herr Dattatreya, der unter dem Banyanbaum ruhende Erhabene und der mit der einhörnigen Gestalt,

5.55 der Gott in Zwerggestalt, der alldurchdringende Trivikrama, Nara, Narayana, Hari und Krishna,

5.56 Rama mit der flammenden Axt, der andere Rama mit dem Bogen, der vedakundige Erhabene, Kalki und der in der Unterwelt Ruhende.

5.57 Diese neununddreißig werden als die mit Padmanabha beginnende Gruppe angesehen. Woher sie entstehen, worin ihr Wirken besteht und welche Waffen sie tragen,

5.58 welche Gestalt sie haben, wie diese beschaffen ist und wo sie weilen, ihre mannigfaltigen Schmuckstücke und ihre verschiedenen Gewänder,

5.59 die drei Gruppen der äußeren und inneren Organe mit ihren Tätigkeiten und die durch den göttlichen Entschluss hervorgebrachte, auf die jeweilige Aufgabe gerichtete Kraft: All dies wird in der Sattvata-Lehre erklärt, großer Seher.

5.60 So wurde dir die reine Schöpfung, von Vishnus Entschluss gestaltet und ein Teil von Bhuti, in ihren Grundzügen erklärt. Höre nun die andere Schöpfung.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 5: „Beschreibung der reinen Schöpfung“.

Kapitel 6 – Die weitere Schöpfung – erster Teil

6.1 Ahirbudhnya sprach: Jener Gott Narayana ist das ewige höchste Selbst. Seine Kraft besteht als Ichbewusstsein und trägt seine Eigenschaften.

6.2 Als Bestimmtes und Bestimmendes werden beide als eines gelehrt; in den Schriften werden sie aber auch unterschieden und als Ursache der Welt bezeichnet.

6.3 Kein Kraftträger ist ohne seine Kraft eine Ursache; ebenso besteht die Kraft nicht für sich allein ohne ihren Träger.

6.4 Die Kenner der Tantras und des Vedanta heben jeweils die Bedeutung des einen oder der anderen hervor und stellen so jede der beiden Gottheiten gleichsam allein als Weltursache dar.

6.5 Nachdem dies geklärt ist, höre von dem noch nicht beschriebenen Teil der Schöpfung. Das zuvor erläuterte Aufleuchten von Vishnus Kraft als Bhuti

6.6 wird durch ihre als Entschluss bestehende Entfaltung in vielfache Bewegung versetzt. Die reine Entfaltung von Bhuti besteht in den Vyuhas und Vibhavas,

6.7 auf die gestützt die Yogis diesen Ozean des Werdens überqueren. Von diesem Grund aus setzt nun die nichtreine Schöpfung ein.

6.8 Vishnus nichtreine Bhuti wird dreifach beschrieben: als Purusha, Zeit und Guna. Purusha besteht aus zweimal vier Teilen:

6.9 Er ist die Gesamtheit der Manus, gegliedert in Brahmanen, Kshatriyas und weitere Gruppen. Ein Brahmane und eine Brahmanin bilden das erste Manus-Paar;

6.10 dieses entsteht, durch seinen eigenen Entschluss bewegt, aus Pradyumnas Mund. Aus seiner Brust entsteht das Kshatriya-Paar, aus seinen Schenkeln das Vaishya-Paar,

6.11 aus seinen Füßen das Shudra-Paar. Die Gesamtheit dieser Manus ist der aus zweimal vier Teilen bestehende Purusha.

6.12 Der feine Zustand von Zeit und Guna geht, durch Sudarshana bewegt, aus Pradyumnas Stirn, Brauen und Ohr hervor. [Die Zuordnung der genannten Ursprungsorte ist im Vers nicht eindeutig.]

6.13 Purusha und Shakti, die Bewusstes und Unbewusstes umfassen, werden von Pradyumna Aniruddha übergeben mit dem Auftrag: „Lass dies sich entfalten!“

6.14 Aniruddha nimmt die Kraft, welche Purusha in sich enthält, in seine eigene Gestalt auf und entfaltet sie durch Yoga und seinen eigenen Glanz.

6.15 Die Zeitgestalt jener Kraft tritt, durch den Entschluss bewegt, zweifach aus Aniruddha hervor: als Niyati und als Zeit.

6.16 Die als Guna beschriebene Gestalt dieser Kraft tritt der Reihe nach dreifach hervor: als Sattva, Rajas und Tamas.

6.17 Aus Sattva entsteht Rajas, daraus Tamas, aus Tamas die Buddhi; aus Buddhi der Ahamkara und aus ihm die fünf feinen Elementprinzipien,

6.18 die elf Sinnes- und Handlungsvermögen, aus den feinen Elementprinzipien die fünf Elemente und aus diesen alles Stoffliche. Dies ist die Schöpfung in Kürze.

6.19 Narada sprach: Erhabener, der Bhagas Augen zerstörte, Meer der Wahrheitserkenntnis! Erkläre mir nun ausführlich die wunderbare Entfaltung von Bhuti.

6.20 Ahirbudhnya sprach: Höre wahrheitsgemäß, Narada, die durch Vishnus Entschluss bewirkte vielfältige Verwandlung von Bhuti, erfüllt von Bewusstem und Unbewusstem.

6.21 Die zuvor beschriebene reine Schöpfung, unterschieden in Vyuhas und weitere Gestalten: Ihr leuchtender Glanz wird durch den Sudarshana genannten Entschluss

6.22 zu einer verdichteten, aus Erkenntnis und Glückseligkeit bestehenden räumlichen Wirklichkeit. Dieser Bereich ist der reine höchste Raum jenseits des Purusha,

6.23 ununterbrochene grenzenlose Freude, makellos und ungestört. Dort bestehen Genüsse aus Glückseligkeit und Welten, deren Kennzeichen Glückseligkeit ist.

6.24 Die geläuterten Befreiten besitzen Körper aus Erkenntnis und Glückseligkeit. Diese göttlichen Wesen schauen beständig den lotusäugigen Purusha,

6.25 den Gott, dessen Leib die sechs Eigenschaften sind, vereint mit einer ebensolchen Shri; sämtliche Körper und körperlichen Entfaltungen entstehen dort durch seinen Entschluss.

6.26 Sie schauen den Herrscher über alles, den Herrn des Beweglichen und Unbeweglichen, Narayana, der allen Wohnung gibt, selbst keiner Wohnung bedarf und frei von Übel ist.

6.27 Die Wahrheitskenner erreichen diese Stätte und werden, von allen Makeln befreit, erlöst. Sie erscheinen von der Größe eines schwebenden Staubkorns, geschmückt mit Millionen Strahlen,

6.28 frei von den Unterschieden des Hervortretens und Verschwindens. Sie haben Vishnus Stätte erreicht, das höchste jenseitige Ufer des Weges,

6.29 und betreten diesen von den Wogen der Zeit erfüllten Weg nicht wieder. In welcher Gestalt sie Gott während ihres Daseins im Samsara verehrten,

6.30 in eben dieser schauen sie ihn als Bewohner des höchsten Raumes. Nachdem sie lange, über unzählige Weltauflösungen hinweg, dort verweilt haben,

6.31 gehen sie in Vishnus göttliche, durch die sechs Eigenschaften erfüllte Herrlichkeit ein. Damit habe ich dir den höchsten Raum in Grundzügen beschrieben.

6.32 Seine ganze Weite ließe sich selbst in zehntausend Jahren nicht erklären. Jener zuvor als Träger des Wirkens beschriebene, aus vier Paaren bestehende Purusha

6.33 befindet sich unterhalb dieses höchsten Raumes. Er ist die Gesamtheit aller Seelen, ähnlich einem Bienenstock als gemeinsamer Behausung der Bienen.

6.34 Dieser Purusha gilt als eine reine und unreine Wirklichkeit von Bhuti, erfüllt von Seelen, deren Erkenntnis durch den Staub anfangsloser Prägungen abgestumpft ist.

6.35 Diese Seelen sind Entfaltungen von Bhuti, ihrem Wesen nach allwissend und allseitig ausgerichtet. Durch eine aus Gottes Kraft bestehende Unwissenheit, schwächer oder stärker wirksam,

6.36 welche jeweils dem Öffnen und Schließen Sudarshanas folgt, werden sie allseitig durchdrungen und von leidenschaffender Unwissenheit beherrscht.

6.37 So nehmen sie eine vierfache Gestalt an: als Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras.

6.38 Diese Jiva genannten Seelen erfahren Bindung und Befreiung. Ihre unwandelbaren Zusammenfassungen wurden als Manus bezeichnet.

6.39 Von Leidensursachen und deren Ablagerungen unberührt, allwissend und allsehend, sind diese von göttlichem Sein erfüllten Anteile von Bhuti ewig vollendet.

6.40 Diese mit göttlichen Aufgaben betrauten Wesen lassen die Seelen durch Hervortreten und Zurücknahme in ihrem eigenen Selbst ihren Lauf nehmen, Narada.

6.41 In der Gestalt von Vishnus Entschluss ruhen sie auf dieser Purusha-Stufe; durch Yoga steigen sie mit ihren Anteilen von Stufe zu Stufe bis zur Erde herab.

6.42 Nachdem die Welt des Handelns geschaffen ist, verbinden sie sich zu Paaren und bringen vierhundert Manavas hervor; danach entstehen deren weitere Nachkommen.

6.43 Diese sind insgesamt unermesslich zahlreich; das wird später näher erklärt. Unterhalb dieses aus vier Paaren bestehenden Purusha

6.44 wird Shakti aus Aniruddha hervorgebracht, der von seinem Sudarshana angetrieben ist. Ist diese Shakti entstanden, dann steigen die acht Manus,

6.45 durch Vishnus Entschluss bewegt, von ihrer eigenen Stätte herab und bestehen keimhaft in dieser aus Shakti bestehenden Stufe.

6.46 Zeit und Guna heißen die beiden in ihrem Schoß ruhenden Prinzipien. Als feine Gestalt der Zeit erscheint Niyati, die alles ordnet,

6.47 zuerst aus der Shakti, durch Vishnus Entschluss bewegt. In sie steigen die Manus hinab, von Sudarshana angetrieben.

6.48 Welche Gestalt ein Ding besitzt, was es bewirkt und welches Wesen ihm zukommt: All dies steht in Sudarshanas Macht und wird durch diese jeweilige Ordnung bestimmt.

6.49 Die läuternde Gestalt der Zeit besteht im Bemessen und Verzehren. Diese Zeit tritt, durch den Entschluss bewegt, aus Niyati hervor.

6.50 Auch die Manus steigen aus Niyati in die Zeit herab. Die Zeit, von Vishnus Entschluss bewegt, bemisst und verzehrt allein

6.51 alles, was der Zeit unterliegt, wie die Strömung ein Flussufer abträgt. Die zuvor als Guna beschriebene Gestalt der Shakti

6.52 tritt stufenweise aus der Zeit hervor. Zuerst erscheint daraus Sattva, leicht, klar und frei von Übel,

6.53 als Gestalt einer Grundeigenschaft; in dieses steigen die Manus herab. Aniruddhas Gestalt, durch ihren eigenen Entschluss bewegt,

6.54 nimmt als Vishnu über dieses Sattva die Herrschaft ein. So ist alles klar, freudvoll und ungestört.

6.55 Dieses von Vishnu beherrschte Sattva enthält die Manus und die unbewussten Eigenschaften in sich. Aus ihm, durch Vishnus Entschluss bewegt,

6.56 tritt die Rajas genannte Grundeigenschaft hervor. In sie steigen die Manus aus Sattva herab, vom göttlichen Entschluss angetrieben.

6.57 Aniruddhas Brahma-Gestalt herrscht über diese Eigenschaft. Dieses Rajas ist beweglich, leidvoll und unablässig tätig;

6.58 auch die in ihm enthaltene Welt ist dabei in Bewegung. Aus diesem von Brahma beherrschten und die Manus enthaltenden Rajas

6.59 entsteht, durch Vishnus Entschluss bewegt, die Tamas genannte Grundeigenschaft. Auch hierhin steigen die Manus herab, von Sudarshana angetrieben.

6.60 Aniruddhas als Rudra bezeichnete Gestalt herrscht über diese Eigenschaft. Schwer, hemmend, verhüllend und untätig

6.61 wird dieses Tamas von denen beschrieben, die den Ozean der Gunas durchdrungen haben. Obwohl es durch Haris Sudarshana-Entschluss zur Schöpfung angetrieben wird,

6.62 gelangt darin das vollständige Paar der übrigen Eigenschaften anteilig zum Gleichgewicht, ebenfalls durch Vishnus Entschluss bewegt.

6.63 Die Wahrheitskenner nennen dieses Tamas Traigunya, die Dreiheit der Gunas. Gleichgewicht der Eigenschaften, Nichtwissen, Eigennatur, Schoß, Unvergängliches, Ursprungsloses und Schoß der Eigenschaften sind weitere Bezeichnungen dafür.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 6: „Die weitere Schöpfung – erster Teil“.

Kapitel 7 – Die weitere Schöpfung – zweiter Teil

7.1 Ahirbudhnya sprach: Das weder verminderte noch vermehrte, von Tamas bestimmte Gleichgewicht der Eigenschaften nennen die Samkhya-Lehrer Wurzel der Welt und Prakriti.

7.2 Der aus vier Manus-Paaren bestehende Purusha, der stufenweise dorthin herabgestiegen ist, heißt Gesamtheit, Purusha, Ursprung und unwandelbarer Grund.

7.3 Das als Zeit bestehende Prinzip, welches die Welt bemisst und verzehrt, übernimmt die Aufgabe, diese beiden zu verbinden und zu trennen.

7.4 Diese drei, Zeit und die beiden übrigen, bilden gleichsam einen einzigen Tonklumpen. Durch Vishnus Sudarshana zu ihren jeweiligen Aufgaben bewegt,

7.5 bringen sie die Folge der Wirklichkeitsprinzipien von Mahat bis Erde hervor. Dabei wandelt sich Prakriti, ähnlich wie Milch oder Ton;

7.6 Purusha bleibt unverändert und ist allein durch seine Gegenwart Ursache. Die Zeit lässt die beiden Prinzipien Prakriti und Purusha zur Wirksamkeit reifen.

7.7 Aus jenem Gleichgewicht der Gunas, von Purusha durchwaltet, durch Vishnus Entschluss bewegt und von der Zeit zur Reife gebracht,

7.8 tritt aus dem Unmanifesten das große Prinzip namens Mahat hervor. Vidya, Gauri, Avani, Brahmi, Vadhu, Vriddhi, Mati und Madhu,

7.9 Akhyati, Ishvara und Prajna sind Bezeichnungen dafür, o Seher. Es wird dreifach als Zeit, Buddhi und Prana beschrieben,

7.10 je nach dem Hervortreten von Tamas, Sattva oder Rajas. Zeit besteht als kleinste und größere Zeiteinheiten; Buddhi ist das feststellende Erkenntnisvermögen,

7.11 Prana besteht als tätiges Bemühen: Dies sind die Unterscheidungen von Mahat. Dessen sattvige Gestalt gliedert sich unter den Namen Dharma, Erkenntnis, Loslösung und Souveränität

7.12 in vier Arten. Seine tamasige Gestalt besteht entsprechend als Unrecht, Nichtwissen, Anhaften und Machtlosigkeit.

7.13 Die acht allwissenden und allsehenden Manus gelangen, von Sudarshana bewegt, als Keime in den Schoß der Vidya.

7.14 In ihnen entsteht das zu Vidya gehörige Erkenntnisorgan namens Bodhana, durch das sie Gegenstände feststellen und Seiendes von Nichtseiendem unterscheiden.

7.15 Im Schoß der Vidya entsteht der Ahamkara genannte Ichbezug, aus Vishnus Entschluss, durch den die Vidya als Sudarshanas Wirken bewegt wird.

7.16 Ahamkara, Abhimana, Prajapati, Ahamkriti, Abhimanta und Boddha sind verschiedene Bezeichnungen dafür.

7.17 Seine sattvige Gestalt heißt Vaikarika, seine rajasige Taijasa und seine tamasige Bhutadi.

7.18 Verlangen, Zorn, Gier, Hochmut, Geringschätzung und Durst: Diese Erscheinungsformen des Ichbezugs habe ich dir erläutert.

7.19 Wenn der mit vielfältigen Kräften ausgestattete Ahamkara entstanden ist, tritt die Gesamtheit der vier Manus-Paare keimhaft in ihn ein.

7.20 Durch Vishnus Sudarshana bewegt entsteht bei den Manus das zum Ahamkara gehörige Organ namens Manas, dessen Wesen das Denken ist.

7.21 So besitzt der aus den Manus bestehende Keim nun Denk- und Erkenntnisvermögen. Aus dem tamasigen Bhutadi entsteht das feine Klangprinzip,

7.22 aus diesem der durch Klang gekennzeichnete Raum. Klang ist die einzige Eigenschaft des Raumes; er gewährt Platz.

7.23 Durch Vishnus Entschluss bewegt treten die acht Manus in ihn als Keime ein, du Einsichtiger. Aus dem Vaikarika entstehen darauf

7.24 allein durch Gottes Schauen in den Manus Gehör und Sprache, das Paar aus Erkenntnis- und Handlungsorgan.

7.25 Damit besitzt der aus den Manus bestehende Keim Gehör und Sprache. Aus Bhutadi, durch Vishnus Sudarshana bewegt, entsteht das feine Berührungsprinzip,

7.26 und daraus der berührbare Wind. Austrocknen, Antreiben, Bewegen, Auseinanderordnen und Zusammenführen

7.27 sind die verschiedenen Tätigkeiten, die vom Wind ausgehen. Aus dem Vaikarika-Ahamkara entstehen Haut und Hände,

7.28 das Paar von Erkenntnis- und Handlungsorgan, durch seinen Entschluss. In diesen Zustand tritt der aus den Manus bestehende Purusha keimhaft ein.

7.29 Der bewegliche Keim, durch Vishnus Entschluss angetrieben, besitzt nun Haut und Hände, damit Berühren, Ergreifen und verwandte Tätigkeiten möglich werden.

7.30 Aus dem von Sudarshana bewegten tamasigen Bhutadi entsteht das feine Formprinzip; daraus entsteht das sichtbare Feuer.

7.31 Sichtbare Gestalt, Offenbarwerden, Reifen, Glanz und Leuchten sind solche Wirkweisen des Feuers. Aus der Vaikarika-Gestalt,

7.32 durch Sudarshana bewegt, entsteht das Paar aus Augen und Füßen. Die Manus treten, ebenfalls durch Sudarshana bewegt, keimhaft darin ein;

7.33 sie besitzen nun Gestalt, Glanz und Leuchtkraft, Augen und Füße und die Fähigkeiten des Sehens und Gehens.

7.34 Aus dem tamasigen Bhutadi, durch Vishnus Schauen gelenkt, entsteht das feine Geschmacksprinzip; daraus entsteht das Wasser.

7.35 Dessen Eigenschaften sind Geschmack, Geschmeidigkeit, Flüssigkeit und weitere. Aus dem durch Vishnus Entschluss bewegten Vaikarika

7.36 entstehen Zunge und Geschlechtsorgan, die Erkenntnis beziehungsweise Tätigkeit ermöglichen. Durch Vishnus Entschluss bewegt treten die Manus,

7.37 die mit Vishnus Wirken betraut sind, keimhaft darin ein. Sie besitzen nun Saftigkeit, Geschmeidigkeit sowie Blut und weitere Flüssigkeiten,

7.38 werden mit Zungen ausgestattet und durch männliche und weibliche Merkmale unterschieden. Danach entsteht aus dem von Sudarshana bewegten Bhutadi

7.39 das feine Geruchsprinzip und daraus die geruchtragende Erde. Härte, Schwere, Beständigkeit und Ähnliches sind Eigenschaften der Erde.

7.40 Aus dem von Sudarshana bewegten Vaikarika-Ahamkara entsteht das Paar Geruchssinn und After, als Erkenntnis- und Handlungsorgan.

7.41 Durch Vishnus Entschluss bewegt treten die Manus in die Erde als Keime ein. Sie werden schwer, besitzen feste Körpergefüge, Knochen, Zähne und weitere Glieder,

7.42 Geruchssinn und After; ihre Körperteile sind vollständig. Entschluss, Antrieb und die fünf Lebenswinde

7.43 entstehen bereits zuvor aus Manas, Ahamkara und Buddhi. So sind die verkörperten Manus mit sämtlichen Gliedern, mit Prana, Apana und den weiteren Lebenswinden

7.44 sowie allen Sinnen versehen. Dieselben Zeiträume, die zuvor für die Rücknahme beschrieben wurden,

7.45 sind nach den wahrheitsforschenden Vishnu-Verehrern auch für die Schöpfung anzunehmen. Diese Verwandlung der Vidya geschieht durch Haris Schauen in sieben Formen;

7.46 diese sieben Gliederungen nennt man die großen Elemente. Auch die Manus werden, von Sudarshana bewegt, gegliedert:

7.47 zuerst paarweise, danach unterschieden in Mann und Frau. Ihre Erkenntnis ist ihnen von selbst gegeben; allwissend und allsehend,

7.48 tragen sie in sich Aniruddha als waltenden Herrn. Unter seiner Führung und durch seinen Entschluss bewegt,

7.49 zeugen die Manus in ihren Frauen jeweils hundert Kinder. Diese werden in vier Gruppen unterschieden: Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras.

7.50 Aus den Frauen der Manus werden die Manavas als Paare geboren. Von den Manus rituell vorbereitet, zeugen diese Manavas in ihren eigenen Frauen

7.51 viele Söhne, die Nachkommen der Manavas heißen. Ihre zahlreichen Geschlechter erfüllen diese ganze Welt.

7.52 Sie gehören zur vierfachen Varna-Ordnung und vollziehen das Wirken des Erhabenen. Die Guten unter ihnen, die hundert Jahre lang ihre Aufgabe erfüllen,

7.53 erlangen unterscheidende Erkenntnis und gehen in den höchsten Hari ein. Diejenigen hingegen, die mit dem fortschreitenden Niedergang der Weltalter andere Handlungen vollziehen

7.54 und deren Früchte begehren, gelangen zu dem daraus entstehenden Zustand. Jene zuvor beschriebene Vidya, die mit den Manus schwanger ist,

7.55 bringt schon während ihrer Schwangerschaft Götter mit verschiedenen Eigenschaften hervor, ebenso Daityas, Danavas, Rakshasas, Gandharvas, Schlangenwesen und Kinnaras.

7.56 So schafft sie, durch Vishnus Entschluss bewegt, aus ihrem eigenen Entschluss verschiedene Arten von Wesen; diese erzeugen weitere, und jene wiederum andere.

7.57 Während sie die Manus in sich trägt, werden durch diese Vidya, durch Brahman selbst, fortwährend Ahnen, Götter, Seher und Menschen hervorgebracht.

7.58 Jener zuvor beschriebene unwandelbare Purusha unterhalb des höchsten Raumes: Manus, Gottheiten und weitere Wesen gelten als seine einzelnen Entfaltungen.

7.59 Alle verschiedenen Jivas, o Seher, sind als Anteile von Vishnus Bhuti gedacht. Nachdem die Manus hervorgetreten sind und sich ihre Nachkommen immer weiter vermehren,

7.60 wird Vidya mit einem ihrer Anteile zur beständig nährenden Kuh. Als Kuh bezeichnet man die Vidya, wenn sie Wolkengestalt angenommen hat.

7.61 Sie lässt ihre Milch als Regen fließen, der sich in Nahrung und anderes verwandelt. Wenn die Nachkommen der Manavas diese Milch der Vidya zu sich nehmen,

7.62 verlieren sie ihre Erkenntnis, obwohl sie ihrem eigenen Wesen nach allwissend sind. Darauf setzen die ursprünglichen Manus die heilige Lehre in Gang.

7.63 Auf dem von dieser gewiesenen Weg erreichen die Menschen das höchste Ziel. So wurde dir die nichtreine Schöpfung von Bhuti in ihren Grundzügen erklärt,

7.64 welche durch Vishnus Sudarshana auf diese Weise hervorgebracht wird. Höre nun nochmals die wahrheitsgemäße Zusammenfassung, Narada:

7.65 Eine einzige göttliche Kraft Haris, Vishnus, begleitet alle Zustände; sie ist von den sechs Eigenschaften erfüllt und besteht aus Erkenntnis, Glückseligkeit und Wirken.

7.66 Sie wird zweifach als Hervorzubringendes und Hervorbringendes. Das Hervorbringende ist Haris Entschluss in Gestalt Sudarshanas.

7.67 Dessen Ungehindertheit macht sein Sudarshana-Sein aus. Sein Wesen ist in Erkenntnis gegründetes Wirken, klar, frei und von Bewusstsein erfüllt.

7.68 Der andere Anteil, das Hervorzubringende, heißt Bhuti. Er reicht von Samkarshana bis Erde und gliedert sich in Reines und Nichtreines.

7.69 Von Samkarshana bis zu den weiteren Vyuhas besteht er als reine Schöpfung; von Shakti bis zur Erde als nichtreine Schöpfung.

7.70 Der aus vier Paaren bestehende Purusha steht zwischen diesen beiden Bereichen. Verstehe diesen unwandelbaren Grund als rein und nichtrein zugleich, großer Seher.

7.71 So wird diese mannigfaltige, aus verschiedenen Prinzipien bestehende Bhuti von Sudarshana bewegt wie eine Flamme vom Wind:

7.72 vorwärts bei der Schöpfung und rückwärts bei der Auflösung. Dazwischen wird sie durch ihn erhalten und zu ihren jeweiligen Tätigkeiten geführt.

7.73 Es gibt keinen noch so winzigen Anteil von Bhuti, der nicht bei seinem Entstehen und den weiteren Vorgängen unter Sudarshanas Leitung stünde.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 7: „Die weitere Schöpfung – zweiter Teil“.

Kapitel 8 – Der tragende Grund der Welt

8.1 Narada sprach: Erhabener, Herr der Götter, der Bhagas Augen zerstörte! All dies habe ich gehört, wie es deinem Lotusmund entströmte.

8.2 Doch mein Inneres ist verwirrt, durch verschiedene Lehren verunsichert. Manche Kenner der Wirklichkeit sprechen von einer Schöpfung aus drei Elementen,

8.3 andere von vier oder fünf Elementen; manche von sechs Grundbestandteilen, andere von sieben.

8.4 Manche lehren acht Naturgrundlagen, andere neun; einige zehn Prinzipien, andere elf.

8.5 So nennen Seher, Vollendete, Götter und auch die Veden unterschiedliche höhere und niedrigere Zahlen für Wirklichkeitsprinzipien und Naturgrundlagen.

8.6 Andere lehren eine Schöpfung aus einem Ei, manche aus einem Lotus; andere aus Feuer, manche aus einem anderen Körper,

8.7 einige aus dem Schoß der Vidya und andere als Gestalt der Leere. Diese vielfältigen Auffassungen bilden den großen Ozean der verschiedenen Schriften,

8.8 in dem die Wogen der unterschiedlichen Anschauungen laut aufeinanderprallen. Darin versinkt meine Einsicht ohne ein Boot und weiß nicht weiter.

8.9 Führe sie heraus, Shankara, indem du ihr das Boot der Gewissheit schenkst! Ahirbudhnya sprach: Deine Frage ist angemessen, Götterseher.

8.10 Selbst große Geister geraten hier in Verwirrung. Höre meine Klärung der Wahrheit: Das höchste Selbst, der höchste Gott, ist eines, leuchtend in den sechs Eigenschaften.

8.11 Auch die anfangs- und endlose Sprache kann diese Wirklichkeit nicht vollständig erfassen; sie bleibt gleichsam am Ufer bei deren Eigenschaften stehen, ohne sie ganz zu erkennen.

8.12 Die Wahrheitskenner, welche sich in eine Eigenschaft oder einen Namen vertieft haben, verweisen durch die entsprechenden Mantras und Eigenschaften,

8.13 mit denen sie vertraut geworden sind, auf den Grund der Welt. Menschen, die nicht verstehen, dass verschiedene Wörter dieselbe Wirklichkeit bezeichnen können,

8.14 nehmen Verschiedenheit an, weil unterschiedliche Sprecher unterschiedliche Eigenschaften hervorheben. Ebenso wird Vishnus geliebter Glanz, seine aus sechs Eigenschaften bestehende Kraft,

8.15 obwohl sie eine ist, von den Wahrheitskennern unter verschiedenen Namen verehrt. Wenn sie sich aus ihrem eigenen Entschluss zur Schöpfung entfaltet

8.16 oder sich aus ihrem eigenen Entschluss bei der Auflösung zurücknimmt, erkennen die Wahrheitskenner entsprechend ihren unterschiedlichen Erkenntniskräften

8.17 mehr oder weniger Unterscheidungen. Je nachdem, wie viele sie geschaut haben, lehren sie diese auf die Fragen ihrer Schüler hin.

8.18 Darum gerät die nicht allsehende Einsicht angesichts der verschiedenen Zahlen in Verwirrung. Auch bei Brahma und den übrigen, die mit Aufgaben der Welt betraut sind,

8.19 werden je nach Sprecher unterschiedliche Rangordnungen entworfen. Doch die Freiheit Vishnus, dessen Wesen die sechs Eigenschaften sind, lässt sich keinem äußeren Zwang unterwerfen.

8.20 Aus der Vielfalt seines Erkennens und Wollens entspringen die Schöpfungen aus Ei, Lotus und anderen Ursprüngen. Das Wirken des höchsten Selbst unterliegt keiner fremden Rechtfertigung.

8.21 Wie es bei Schöpfung, Erhaltung oder Auflösung handelt, so entstehen durch die Entfaltung der Zeit unendlich viele unterschiedliche Weisen.

8.22 Unter diesen mannigfaltigen Weisen des Gottes Hari erkennt der eine diese, ein anderer jene, ein dritter wieder eine andere

8.23 und erklärt sie seinem Schüler, um ihm Gutes zu tun. Daher ist die Überlieferung der Schriften über Schöpfung und weitere Vorgänge so vielfältig.

8.24 Wie bei den Menschen Freude und Leid durch unterschiedliche Handlungen an verschiedenen Tagen, Nächten und anderen Zeiten verschieden verteilt sind,

8.25 so wird auch für Brahmas Tage eine unterschiedliche Verteilung von Freude und Leid angenommen. Manche Tage Brahmas sind von Wind erfüllt,

8.26 andere von Regen, andere von Hitze; manche von zahlreichen Feinden, andere erfreulich und beglückend.

8.27 Gründe deine Einsicht fest auf diese Gewissheit und festige dein Inneres. Möge deine Verwirrung vergehen!

8.28 So habe ich den vielfältigen, nach Kriya und Bhuti unterschiedenen Weltgrund erläutert, der als bewirkende und hervorbringende Ursache erscheint.

8.29 Narada sprach: Du hast die Ursache erklärt, Allwissender mit dem Stierbanner. Die untrennbar zum Welterhalter gehörige Kraft,

8.30 die Lakshmi heißt, wird zweifach in Kriya und Bhuti unterschieden. Kriya ist der Entschluss, der den Namen Sudarshana trägt.

8.31 Bhuti besitzt Weltgestalt: Als nichtreine besteht sie aus Zeit, Unmanifestem und Purusha, als reine aus Vyuhas und Vibhavas.

8.32 Kriya in Sudarshanas Gestalt setzt Bhuti in Bewegung. Diese vom Gott der Götter gezeigte Wahrheit habe ich gehört.

8.33 Nun möchte ich die Antwort auf die zweite Frage hören, Herr mit dem Stierbanner: Was ist die als Grundlage bezeichnete Stütze der Welten?

8.34 Ahirbudhnya sprach: Höre wahrheitsgemäß, Narada, von dieser Grundlage, welche das Weltall trägt wie ein Faden die Edelsteine.

8.35 Jene ursprüngliche Kraft Haris namens Lakshmi begleitet das Hervortreten und Nichthervortreten Vishnus, des Selbst von allem.

8.36 Ein winziger Teil eines ihrer Anteile entfaltet sich aus eigener Freiheit zweifach als Kriya und Bhuti; das wurde bereits erklärt.

8.37 Durch Kriya, Sudarshana, wird Bhuti beständig getragen wie ein Dach durch seinen tragenden Pfosten. Höre darüber Näheres.

8.38 Die Ruhe Brahmans, nachdem es sämtliche Wesen zurückgenommen hat, die Auflösung, jene große Nacht: Sie wird durch seinen Entschluss getragen.

8.39 Diese Gestalt Sudarshanas heißt Träger der großen Nacht. Die Götter betrachten dieses große einspeichige Rad.

8.40 Die aus Brahmans Kraft entstehende Gestalt des Schöpfungswillens wird durch den Entschluss bewegt wie die Flamme des Feuers vom Wind.

8.41 Dies heißt Rad der Morgenröte, geschmückt mit zwei Speichen. Nach Entfaltung Strebende und auch Brahma halten es unablässig in ihrer Betrachtung.

8.42 Was beständig das Hervortreten Samkarshanas trägt, heißt unmittelbar Rad des Aufgangs; es besteht aus dreifacher Erkenntnis.

8.43 Dieser Entschluss Samkarshanas wird von Erkenntnissuchenden verehrt. Die machtvolle, von Souveränität erfüllte Entfaltung Pradyumnas

8.44 wird durch den Entschluss getragen, der zu Vishnu und Lakshmi gehört. Diesen kraftvollen, souveränen Pradyumna-Entschluss

8.45 verehren die in göttlicher Herrschaft Stehenden als vierspeichiges Rad. Die von Kraft und Glanz erleuchtete Entfaltung Aniruddhas

8.46 wird beständig durch den aus Brahmans Kraft hervorgehenden Entschluss getragen. Dieser gilt als das große fünfspeichige Shakti-Rad.

8.47 Alle Götter verehren es zur Entfaltung von Kraft und Glanz. Die zwölf mit Keshava beginnenden, als weitere Vyuhas bezeichneten Gestalten

8.48 werden durch Sudarshana in einer Entschlussgestalt getragen, die das große sechsspeichige Rad bildet und diese weiteren Vyuhas offenbar macht.

8.49 Es heißt das Rad mit den Jahreszeiten als Speichen; nach Gelübdeerfüllung Strebende verehren es. Die zuvor beschriebenen mächtigen Vibhavas, angefangen mit Padmanabha,

8.50 werden durch Vishnus Entschluss getragen, der als zwölfspeichiges Mahasudarshana bezeichnet wird.

8.51 Auch die weiteren Vibhavas, die durch das Eintreten göttlicher Kraft entstehen, werden durch diesen zwölfspeichigen Entschluss des Radträgers getragen.

8.52 Der höchste Raum, Vishnus erhabene Stätte, wird durch seinen Entschluss als tausendspeichiges Rad getragen.

8.53 Diese Entfaltungen Sudarshanas habe ich zusammenfassend genannt. Sie stehen selbst im Verhältnis von Träger und Getragenem.

8.54 Entschluss und Bhuti bilden die beiden winzigen Anteile der Shakti. So leuchtet Vishnus Kraft, seine Seinsmacht, auf vielfache Weise hervor.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 8: „Der tragende Grund der Welt“.

Kapitel 9 – Die Grundlage der unreinen Welt

9.1 Ahirbudhnya sprach: Die reine Grundlage wurde erklärt, durch die jene reine göttliche Bhuti getragen wird, die sich in Vyuhas und weiteren Gestalten entfaltet.

9.2 Höre nun von dem aus Entschluss bestehenden Rad, das die nichtreine Entfaltung von Purusha bis Erde trägt.

9.3 Das Purusha-Rad, durch das Purusha getragen wird, hat drei Speichen. Das Rad, das Shakti trägt, wird als dreißigspeichig beschrieben.

9.4 Ebenso beschaffen ist das Niyati-Rad, das Niyati trägt. Das Zeitrad, durch das die Zeit getragen wird, besitzt sechs Speichen.

9.5 Die tragenden Räder von Sattva, Rajas und Tamas besitzen nach der Lehre der Weisen jeweils drei Speichen.

9.6 Das Rad, das Buddhi trägt, hat elf Speichen; das große Rad, das Ahamkara trägt, acht.

9.7 Das Raumrad ist einspeichig, das den Wind tragende zweispeichig; das Feuerrad wird dreispeichig genannt, das Wasserrad vierspeichig.

9.8 Das Erdrad, durch das die Erde getragen wird, besitzt fünf Speichen. Sämtliche Räder der Eigenschaften sind mit jeweils drei Speichen gekennzeichnet.

9.9 Das elfgestaltige Rad der Sinnesvermögen hat vier Speichen. So wurden dir die jeweils eigenen tragenden Kräfte erklärt.

9.10 Höre nun von dem großen, alles gemeinsam tragenden Rad, das gewaltige Entfaltung ermöglicht. Wie eine große, ausgebreitete Fahne im Raum

9.11 beständig durch den strömenden Wind getragen wird, so besteht die von Vishnus Kraft erfüllte Bhuti von Samkarshana bis Erde

9.12 wie ein ohne weitere Stütze ausgespanntes Tuch, allein vom Entschluss getragen. Das aus diesem Entschluss bestehende Rad hat unendlich viele Speichen,

9.13 ist göttlich und heißt große Entfaltung. Es überschreitet Sprache und Denken, ist unermesslich, anfangs- und endlos und umfasst Hervortreten und Nichthervortreten.

9.14 Mit unendlichen Speichen ist es unbegrenzt und doch von Scharen begrenzter Bereiche erfüllt, gekennzeichnet durch unzählige Millionen und Abermillionen kosmischer Eier.

9.15 Es lässt Tausende und Abertausende großer Elemente hervortreten und ist von Millionen Sinnesvermögen gezeichnet, die Glühwürmchen gleichen,

9.16 von Welteneiern bemalt, die wie kleine Wolken erscheinen, und stellenweise von den großen Elementen wie von Wassern überzogen.

9.17 Vishnus Stätte ist davon übersät wie von Regentropfen; anderswo leuchtet sie mit Zehntausenden feuriger Elementgestalten,

9.18 wird von elementaren Winden bewegt wie von Fächern und von Millionen Räumen, die kleinen Öffnungen gleichen,

9.19 durchbrochen. Mannigfaltige Ahamkaras geben ihr Ichgestalten; mit zahllosen kleineren und größeren Mahat-Prinzipien

9.20 ist sie gezeichnet und durch verschiedenartige Tamas-Gestalten verdichtet. An manchen Orten ist sie mit unzähligen leidvollen Bewegungen

9.21 des Rajas gefärbt; an anderen mit vielen feinen, klaren, leichten und reinen Sattva-Gestalten gekennzeichnet.

9.22 Dreifache, sechsfache, zwölffach gegliederte, in vierundzwanzig und in zwei Fünfzehnergruppen unterschiedene Zeitordnungen,

9.23 von sechs Sechzigergruppen erfüllt und millionenfach geteilt: Mit solchen Zeiten in vielen Tausenden und Zehntausenden ist sie angefüllt,

9.24 mit Niyati als vielfältiger Ordnung und in zahllos gesteigerter Mannigfaltigkeit.

9.25 Die Kraft gleicht einem Honigstock mit verschiedensten Formen, aus dem die Scharen der Wirklichkeitsprinzipien wie Honigtropfen fließen,

9.26 in unermesslich vielen Erscheinungen. Stellenweise wirkt die Entfaltung dadurch ganz durchtränkt; anderswo ist sie von Purusha bewohnt,

9.27 dessen weiße, rote und schwarze Gestalten durch Handeln bestimmt sind und der einem Feigenbaum voller winziger Lebewesen gleicht,

9.28 mit verschiedenen Jivas, verschiedenen Früchten und einem dichten Geflecht von guten, schlechten und gemischten Prägungen,

9.29 mit zahlreichen Hüllen der Leidensursachen. Anderswo ist sie von großer Seinsmacht erfüllt, von reiner Glückseligkeit und Erkenntnis,

9.30 von ewig freien und befreiten Seelen, unbedrängt und durch makellose Glückseligkeit gekennzeichnet. Diese schauen Narayana, den makellosen Herrn, unmittelbar,

9.31 zusammen mit der Göttin Lakshmi, deren Leib die vollkommenen sechs Eigenschaften sind. Sie sind ewig erwacht, ewig erfüllt und über die große Finsternis hinausgelangt.

9.32 So ist die höchste Stätte beständig von diesen Seelen geschmückt; in ihr weilen die lotusäugigen Vyuhas, deren Leib die sechs Eigenschaften sind,

9.33 welche die Welt hervorbringen, erhalten und auflösen. Diese so weit ausgebreitete höchste Entfaltung Vishnus,

9.34 die wie ein buntes Gewand erscheint, wird durch Vishnus Entschluss getragen, der das eigene Wesen durch sich selbst trägt und wie ein Faden in den Edelsteinen gegenwärtig ist.

9.35 Dies ist das unendliche, unmanifeste große Rad Sudarshana. Schon durch erinnernde Vergegenwärtigung entfaltet es sämtliche Wege und Zustände.

9.36 Der ewige höchste Entschluss Vishnus, der die Rücknahme beabsichtigt, ist das grenzenlose, unendlich gespeichte Sudarshana der Auflösung.

9.37 Es ist ein einziger Entschluss, der unter verschiedenen Gestalten besungen wird. Unendlich, unbegrenzbar, unermesslich und unvergleichlich,

9.38 wie ein wellenloser Ozean und ein wolkenloser Himmel, ist das eine große höchste Brahman, in dem die sechs Eigenschaften ruhen.

9.39 Seine eine, niemals von ihm getrennte göttliche Kraft umfasst Hervortreten und Nichthervortreten und trägt seine Eigenschaften wie das Mondlicht diejenigen des Mondes.

9.40 Sein Entschluss richtet sich auf das Wirken in Gestalten; richtet er sich auf ruhenden Bestand, dann ist dieses Sudarshana still. [Die verdichtete Formulierung saṃkalpasaṃkalpa ist mehrdeutig.]

9.41 Bei Entstehung, Auflösung oder Bestand ist hingegen derjenige Entschluss tätig, dessen ursprüngliche Gestalt Bewegung ist.

9.42 Diese Bewegung ist das große, von Sudarshana erfüllte Rad. Seine drei Unterscheidungen sollen die Kenner des Tantrawissens verstehen:

9.43 Das Rad der großen Schöpfung besteht in zusammengefasster und ausgefalteter Gestalt, erfüllt von vielfältigen Kräften; dieses habe ich dir bereits erklärt.

9.44 Ebenso ist das Rad der großen Auflösung als zusammengefasste und ausgefaltete Gestalt zu verstehen; auch dieses wurde dir bereits gezeigt.

9.45 Vom dazwischenliegenden Rad der Erhaltung, ebenfalls zusammengefasst und ausgefaltet, werde ich nun die Einzelheiten erklären: Es besteht als maßgebende Ordnung.

9.46 Wie ein einziger Schauspieler sich durch verschiedene Rollen in mannigfaltigen Gestalten zeigt, so gliedert sich der eine Entschluss in diese verschiedenen Erscheinungen.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 9: „Die Grundlage der unreinen Welt“.

Kapitel 10 – Die gegenständlichen Gestalten maßgebender Erkenntnis

10.1 Narada sprach: Erhabener, Herr der Götter, Herr des Lebens Bhavanis, Herr der Menschen und der Welt, der den Göttern Furchtlosigkeit schenkt!

10.2 Verehrung dir, Überwinder Tripuras, Ozean der Wahrheitserkenntnis! Immer wieder Verehrung dir, in allen Zuständen Unvergänglichem, Sechsgliedrigem!

10.3 Jene ewige, unvergängliche Weltursache und das als tragende Grundlage beschriebene Sudarshana, das Entschluss heißt,

10.4 dies alles habe ich als Entfaltung von Vishnus Willen wahrheitsgemäß verstanden, sowohl in der Zusammenfassung als auch in den Einzelheiten.

10.5 Nun möchte ich ausführlich hören, Überwinder des Todes: Was wurde Pramana genannt, wie ist es beschaffen und welche Formen besitzt es?

10.6 Wozu dient es und woraus besteht es? Erkläre mir dies ausführlich. Außer dir gibt es niemanden, der das ganze Geheimnis darlegen kann.

10.7 Ahirbudhnya sprach: Höre wahrheitsgemäß, Narada, von der beständigen Ordnung des Pramana, in der die Welt samt Göttern, Asuras und Menschen ruht.

10.8 Nachdem Vishnu die Welt geschaffen hat, besteht sein mittlerer Entschluss darin: „Die Welt soll auf ihrem beständigen Weg bleiben.“

10.9 Dieses Rad der Erhaltung heißt Pramana, maßgebende Ordnung. Es wird zweifach betrachtet, als Gesamtheit und als einzelne Ausprägungen.

10.10 Der eine Entschluss, der auf gleiche Weise alle Bereiche umfasst, heißt das große Rad der Erhaltung.

10.11 In dieser alles umfassenden Wirklichkeit gründet jede bestimmte Begrenzung. Welche besondere Ordnung einem Wesen jeweils zukommt,

10.12 sei es hinsichtlich Verwandlung, Tätigkeit, Ziel, Ort oder Gestalt, sie ruht in der entsprechenden Einzelgestalt des Pramana-Rades.

10.13 Die einfachen Tätigkeiten, die Vorgänge von Schöpfung und weiteren Weltfunktionen sowie die Ordnung von Schrift, Schriftinhalt und dessen Verwirklichungsziel,

10.14 die in den Vyuhas von Vasudeva an aus deren jeweiligem Entschluss hervorgehen,

10.15 werden durch dieses Pramana in ihrem Maß bestimmt. Auch der höchste Raum, dessen Kennzeichen himmlische Erfüllung ist,

10.16 besteht durch Haris Entschluss als erhaltende Ordnung unbegrenzt, uneingeengt und unendlich.

10.17 Die höchste Quelle der unbewussten Prinzipien ist die als Zeit und Zeitbedingtes bestehende Shakti. Ihre höchste dreifache Bestimmtheit

10.18 in Wesen, Wirkung und weiteren Hinsichten gründet in Pramana. Niyati und Zeit gelten als die beiden Unterscheidungen der Zeitgestalt.

10.19 Der Purusha, der zwischen reiner und unreiner Wirklichkeit als unwandelbarer Grund steht, ist der große Schoß der verschiedenen Seelen. Sein beständiges Dasein

10.20 und sein jeweiliges Maß ruhen in dem Pramana-Rad. Auch die Unterscheidungen des Zeitmaßes, etwa Kala und Kashtha,

10.21 gründen vollständig in diesem Rad. Wesen, Tätigkeit und Frucht von Sattva und den anderen Eigenschaften,

10.22 ihre jeweilige Bestimmtheit, stammen aus Sudarshana als Pramana. Die drei Gestalten der Buddhi, ihre Umwandlungen wie Dharma und die übrigen,

10.23 ihr Wirken, ihre Bewegung, ihr Feststellen und ihr gesamtes Zurücktreten: Was darin jeweils ein bestimmtes Maß besitzt, stammt aus Sudarshana als Pramana.

10.24 Der zweifache Ichbezug und der Antrieb des Ahamkara, seine Zustände wie Verlangen und die jeweilige Ordnung und Begrenzung darin,

10.25 dies alles ruht in diesem als Pramana bestehenden Rad, im Entschluss Sudarshana. Auch die fünf Fünfergruppen von Entschlüssen

10.26 und die entsprechenden Unterscheidungen: Das Maß, das beide Gruppen durchdringt, stammt aus Sudarshana als Pramana.

10.27 Schwäche und Leistungsfähigkeit, die fünf Arten des Wahrnehmens sowie die friedvollen, erregten und weiteren Zustände der fünf Erkenntnissinne,

10.28 ebenso Sprechen, Greifen, Gehen, Genießen und Ausscheiden sowie die friedvollen, erregten und weiteren Zustände der fünf Handlungsorgane,

10.29 ihr jeweiliges Maß und ihre beständige Gestalt: All dies ruht in Vishnus Pramana, in seinem Entschluss Sudarshana.

10.30 Ausbreitung, Raumgewährung, Leichtigkeit, Bewegung, Antreiben und Austrocknen, ferner Ausdehnung, Offenbarwerden, Feuchtigkeit, Geschmeidigkeit und Feinheit,

10.31 Beständigkeit, Erdhaftigkeit und Härte: Dies ist die stoffliche Gestalt der Elemente mit der geordneten Entfaltung von einer, zwei, drei, vier oder fünf Eigenschaften.

10.32 Das Maß, das diese durchdringt, stammt aus Sudarshana als Pramana. Welche Grenze in jedem einzelnen Prinzip beständig besteht,

10.33 sie ist jeweils das Wirken von Haris Entschluss als Pramana-Rad. So wurde das Maß der erhaltenden Ordnung dieses Rades erklärt.

10.34 Höre nun von einer weiteren Form des Bestandes, die aus Vishnus Entschluss hervorgeht: dem ungehinderten Wirken der eigenen Natur,

10.35 nachdem Hemmnisse beseitigt sind, bei den Prinzipien und ihren Erscheinungen. Wenn Sattva mit Unterstützung der anderen Gunas kraftvoll hervortritt,

10.36 erscheint es als Dharma, Erkenntnis und weitere Tugenden, von Sudarshana bewegt. Diese besondere Ordnung ist als Trägerin der drei Welten zu verstehen.

10.37 Wird sie beständig von Menschen verwirklicht, deren Einsicht durch Sattva erhellt ist, erhält sie Himmel und Erde durch Nahrung, Regen und weitere Gaben.

10.38 Wenn hingegen Tamas mit Unterstützung der anderen Gunas erstarkt, erscheint es als Unrecht und weitere Zustände, ebenfalls im Bereich von Vishnus Entschluss.

10.39 Wird dies von Menschen mit tamasgetrübter Einsicht immer weiter verwirklicht, zerstört es Himmel und Erde durch den Verlust von Nahrung, Regen und weiteren Lebensgrundlagen.

10.40 Sattva wird beständig von den beiden anderen Eigenschaften bedrängt. Um Dharma wiederherzustellen und die Unrechtübenden zurückzudrängen,

10.41 nimmt der Herr Vishnu die Gestalt Janardanas an. Dann nimmt sein Sudarshana genannter Entschluss

10.42 die sichtbare Gestalt von Waffen und anderen Geräten an: als Rad, Pflug, Saunanda-Keule, Muschelhorn, Sharnga-Bogen und Pfeil,

10.43 als Schwert und Schild, Schlinge, Elefantenhaken, Axt, Stab, Lanze, Donnerkeil und Stampfer,

10.44 als hundertschneidige Waffe und Feuer, als Speer, Dreizack und weitere Waffen wie der Khatvanga-Stab.

10.45 So tritt er in den mannigfaltigen, durch den göttlichen Entschluss gestalteten Formen hervor, in Narayanas Hand ruhend, zum Gedeihen der Welt.

10.46 Damit habe ich dir die Entfaltung als Handwaffen kurz gezeigt. Eine weitere Sudarshana-Entfaltung besteht als Geschoss- und Mantrawaffen.

10.47 Er nimmt eine himmlische Gestalt mit Gliedern, Nebengliedern und Schmuck an und schafft aus Mund, Armen, Schenkeln und Füßen, entsprechend Brahmanen, Kshatriyas und den weiteren Gruppen,

10.48 zum Schutz von allem die aus Brahmastra und weiteren Kräften bestehende Entfaltung: zweimal sechzig Kräfte des Hervorbringens und Zurücknehmens.

10.49 Diese himmlische, mannigfaltige Waffenentfaltung tritt jeweils aus Prajapatis, Ahnen, Brahma und Göttern hervor.

10.50 Bei den vom Mantra erfüllten Brahma-Sehern, Göttersehern und königlichen Sehern besteht sie als machtvolles Aussprechen, Fluch und weitere Sprachwirkungen.

10.51 Nichts gibt es auf Erden oder im Himmel, bester Seher, bei Zügelung oder Begnadung, wobei dieser Entschluss nicht das wirksame Mittel wäre.

10.52 Damit ist die gegenständliche Gestalt der Pramana-Entfaltung des Gottes Sudarshana gezeigt. Höre nun ihre Gestalt als heilige Sprache.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 10: „Die gegenständlichen Gestalten maßgebender Erkenntnis“.

Kapitel 11 – Die Entfaltung gültiger Erkenntnis als heilige Sprache

11.1 Narada sprach: Verehrung Shankara, dem Herrn der Berge, der allen Göttern Freude und Segen schenkt! Verehrung dir, Geliebter Gauris!

11.2 Ich habe die gesamte gegenständliche Entfaltung als maßgebende Ordnung gehört. Erkläre mir nun deren angekündigte Gestalt als Sprache, Herr der Götter.

11.3 Ahirbudhnya sprach: Als einst die erste, mit vielfältigen Erscheinungen geschmückte Schöpfung vollzogen war, erwog der machtvolle Vishnu diesen glückbringenden Gedanken:

11.4 „Ich habe diese weite, von Sattva beherrschte Schöpfung geschaffen; alle Pflichten und Ziele sind darin unmittelbar erkennbar, sie ist unbedrängt und reich an Freude.

11.5 Diese Welt von Lebewesen ist hervorgegangen, erfüllt von Göttern, Sehern und Brahma. Durch Wahrheitserkenntnis und die Erfüllung des guten Dharma

11.6 wird sie mich bald erreichen und zu ihrem eigenen Wesen gelangen. Doch mit der Zeit werden Rajas und Tamas überhandnehmen;

11.7 durch ihr Erstarken wird Sattva geschwächt werden. Dann werden Daityas, Danavas und Rakshasas hervortreten,

11.8 welche diese sattvige göttliche Ordnung erschüttern. Wenn durch das Aufkommen von Rajas und Tamas die rechte Erkenntnis zerstört ist,

11.9 wird auch der Dharma, ihre Grundlage, verschwinden. Dann werden diese haltlosen und unreinen Lebewesen zugrunde gehen.

11.10 Deshalb werde ich beständig in verschiedenen Gestalten wirken müssen. Für diese Aufgaben werden vielfältige Mittel erforderlich sein.

11.11 Ich werde immer wieder durch meine eigene Gestalt und meine Gestaltungskraft in die Wesen eingehen und mit den jeweiligen Mitteln die Feinde guten Handelns zurückweisen;

11.12 so kann die Ordnung des Dharma jeweils wiederhergestellt werden. Zur Abwehr seiner Gegner sollen zwei Arten von Mitteln geschaffen werden:

11.13 die Entfaltung als Hand- und Geschosswaffen und die Gestalt der heiligen Lehre.“ Nachdem er dies gesprochen hatte, schuf er aus dem Glanz seines eigenen Entschlusses

11.14 die gegenständliche, von Waffen erfüllte Entfaltung. Diese Sudarshana-Entfaltung ist fähig, die Ordnung aufrechtzuerhalten.

11.15 Sie wurde als Pramana-Gestalt bezeichnet und wird weiterhin erläutert. Höre nun, wie Vishnus Entschluss als maßgebende heilige Lehre

11.16 aus jenem Brahman hervortrat: Als eine einzige, ganz aus Entschluss bestehende Kraft, die sämtliche innere Dunkelheit vertreibt,

11.17 entstand damals eine Lehre wie Donnerschall aus dem Raum, mit Lauten, die von ihren Bedeutungen erfüllt waren, gleich großen Wogen von Bewusstsein und Glückseligkeit.

11.18 Diese waren wie Edelsteine und Perlen aus dem Meer von Vishnus Kraft zusammengefügt: Sudarshanas Gestalt, durch Vishnus Entschluss gestaltet.

11.19 Diese aus Erkenntnis bestehende Schrift lehrt den guten Dharma. Als ewige Lehre mit einer Million Kapiteln wurde sie von Kamapala verkündet.

11.20 Sie umfasst die vier menschlichen Lebensziele samt ihren Mitteln und ist mit Rig-, Yajur-, Sama- und Atharva-Angiras-Veda verbunden,

11.21 erfüllt von vielfältigen Untersuchungen über Wörter, Sätze und Erkenntnismittel und geschmückt mit guten göttlichen und menschlichen Ordnungen,

11.22 mit unterschiedlichen Ritualregeln und Versmaßen, mit Lautdauer, grammatischen Kategorien und Zahlen, Wortstämmen, Endungen und Akzenten,

11.23 Kasus, Satzfunktionen, Geschlechtern, Lautverbindungen von Wortstämmen, Fachbezeichnungen mit ihren Geltungsbereichen und allgemeinen Auslegungsregeln,

11.24 mit Ersetzungen, Einschüben, Auslassungen, Veränderungen und einschränkenden Bedingungen, verschiedenen Wortbildungsweisen, Sätzen und zugeordneten Wörtern,

11.25 mit unveränderlichen Wörtern, Vorsilben, Nomen, Verben und Partikeln, Lautmaßen, Sprechweisen, Akzent und Betonung sowie Auslautformen und Gesängen,

11.26 mit besonderen Lautverbindungen und Klangunterscheidungen, Wortzerlegungen, Einschüben und Umstellungen von Lauten,

11.27 mit knappen Regeln für Grund- und abgewandelte Formen, verschiedenen etymologischen Verfahren und unterschiedlichen Schlussfolgerungen,

11.28 mit Berechnungen zu Planeten, Sternen und Tierkreiszeichen, den Abteilungen der Horalehre und Regeln über ihre zugeschriebenen Wirkungen,

11.29 mit Untersuchungen über Vorschriften, erklärende Aussagen und Mantras, über Handlungen, deren Glieder, Verknüpfung, Reihenfolge und Anpassung, über gemeinsame Anwendung, Wiederholung und Übertragung von Regeln,

11.30 mit verschiedenen Zuständigkeiten und Satzuntersuchungen, mit durch Erkenntnismittel begründeten Argumenten, Widerlegungsgründen, Wortverdrehungen und Scheineinwänden,

11.31 mit Unterscheidungen von Substanzen und Tätigkeiten, Eigenschaften und Allgemeinbegriffen, mit den vier Opferpriesterfunktionen und der Entfaltung der vier Veden,

11.32 mit den vier Lebensständen, der vierfachen Varna-Ordnung, verschiedenen Samskaras sowie den Abläufen regelmäßiger und wunschbezogener Handlungen,

11.33 mit verschiedenen Itihasas und Puranas, mannigfaltigen systematischen Aufzählungen und Bestimmungen der eigenen Natur und weiterer Prinzipien,

11.34 mit Unterscheidungen von Seele und Herr, Betrachtungen der Umwandlung, Erklärungen von Zuständen und Kennzeichen sowie Bestimmungen ihrer Eigenschaften,

11.35 mit vielfältigen Auffassungen über Erkenntnismittel und Schöpfung und mit Untersuchungen über Verstrickung und Unberührtheit hinsichtlich Purusha und Unmanifestem,

11.36 mit Darstellungen der Prinzipien und ihrer Erscheinungen, Betrachtungen verschiedener Daseinswege und des Verlaufs der Befreiung sowie unterschiedlichen Erkenntnislehren,

11.37 mit Untersuchungen über Erkenntnis und Nichtwissen als Vorzug und Mangel, über die drei Gunas sowie über Schöpfung und Verbindung,

11.38 mit verschiedenen Samkhya-Ordnungen systematischer Erkenntnis, mit Arten des Yoga und Bestimmungen der geistigen Bewegungen,

11.39 mit verschiedenen Übungsweisen, vierfacher Loslösung und Betrachtungen über äußere und innere Yogaglieder,

11.40 mit Darstellungen von Leidensursachen, Handlungen, deren Reifung und Ablagerungen, mit Überlegungen zu Bedrängnis und Prägungen sowie den Arten des Leidens,

11.41 mit jeweils viergliedrigen Ordnungen des Anzunehmenden und Aufzugebenden sowie des Aufgebens und Annehmens,

11.42 mit vielfältigen Betrachtungen über deren Wesen, mit Unterscheidungen von Erfahrung und Verlangen und mit verschiedenen Kriyayogas zur Läuterung des Geistes,

11.43 geschmückt mit mannigfaltigen, im Geist entstehenden Vollkommenheiten und begründeten Erklärungen von Pati, Pasha und Pashu – Herr, Fessel und gebundener Seele,

11.44 mit Darstellungen des reinen Weges, unterschieden nach Handeln und Erkenntnis, und mit mannigfaltigen Betrachtungen der fünf Gegenstände,

11.45 mit Betrachtungen der fünf Kräfte, Untersuchungen der drei Verunreinigungen, Beschreibungen der Erfahrungsinstrumente und Unterscheidungen der Seelengestalten,

11.46 mit Regeln für Einweihung und Einsetzung sowie Pashupata-Pflichten. So war sie mit verschiedenartigen gedanklichen Ordnungen ausgestattet,

11.47 welche stets unterschiedliche Befähigungen berücksichtigten und den guten Dharma je nach Zuständigkeit auf vielfältige Weise erklärten.

11.48 Ursprünglich besaß sie eine Million Kapitel und wurde von Samkarshana verkündet, ganz aus Entschluss bestehend und aus dem Entschluss des ursprünglichen Vishnu geboren.

11.49 Durch diese Lehre erfreuten jene göttlichen Manus, die zuvor genannten Manavas der ersten Schöpfung und deren Nachkommen

11.50 Narayana mit zahlreichen guten Handlungen. Doch durch den Wandel der Zeit, als sich die Weltalter voneinander unterschieden,

11.51 zu Beginn des Treta, als Sattva abnahm, Rajas anwuchs und selbst große Brahmanen nach Wunscherfüllung verlangten,

11.52 verbreitete sich diese Sudarshana-Lehre nur noch schwach. Als die Welt so von Verblendung erfüllt war, kamen die Lenker ihrer Ordnung zusammen,

11.53 um zu erwägen, was zu tun sei: der Seher Apantaratapas, aus Haris Sprache hervorgegangen,

11.54 Kapila, der alte Seher, aus dem ursprünglichen Gott geboren, Hiranyagarbha, der Anfang der Welt, und ich, Pashupati Shiva.

11.55 Wir übten eine Million Jahre lang strenge Askese, erhielten die Zustimmung des ursprünglichen Gottes und wurden vom Gott der Götter beauftragt.

11.56 Mit einem Anteil Sudarshanas, seinem Entschluss, verbunden, erlangten wir Erkenntniskraft durch den Dharma, der aus Gottes Gnade hervorgegangen war.

11.57 Darauf arbeiteten wir jeweils Teile der offenbar gewordenen Lehre heraus. Zuerst löste der erhabene Seher Apantaratapas,

11.58 Haris aus der Sprache geborener Sohn Vacyayana, seinen Anteil heraus: Daraus entstand die Erkenntnisgestalt, die Rig-, Yajur- und Samaveda umfasst.

11.59 Diese aus Vishnus Entschluss geborene Lehre wurde von Vacyayana verkündet. Was der großgesinnte Kapila aus der Schrift herausarbeitete,

11.60 wurde zum Samkhya, der systematischen Erkenntnislehre. Was Hiranyagarbha, der Weltursprung, aus der ursprünglichen Lehre herausarbeitete,

11.61 wurde zur göttlichen Yogalehre mit Yama und den weiteren Gliedern. Den Anteil, den ich aus der mit verschiedenen Gelübden erfüllten Lehre herausarbeitete,

11.62 nannte man Pashupata, die Lehre zur Befreiung der gebundenen Seele aus ihren Fesseln. Aus jener reinen, aus wahrer Überlieferung bestehenden göttlichen Lehre

11.63 gewann Vishnu selbst den unvermischten Wesenskern: die Darlegung des höchsten Gottes, der Vyuhas, Vibhavas und ihrer Natur.

11.64 Dies ist das Pancharatra genannte Tantra, dessen eigentliche Frucht allein Befreiung ist. Der höchste Entschluss Vishnus namens Sudarshana

11.65 teilte sich dadurch selbst in fünf Formen und trat durch fünf Münder hervor. So wurde dir die Pramana-Entfaltung von Vishnus Entschluss, unterschieden in Waffen und Lehrschriften, erklärt. Was möchtest du weiter hören?

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 11: „Die Entfaltung gültiger Erkenntnis als heilige Sprache“.

Kapitel 12 – Die besonderen Formen der überlieferten Lehrsysteme

12.1 Narada sprach: Verehrung dir, Geliebter Parvatis, den Scharen von Göttern und Asuras verehren! Durch deine Gnade habe ich von Vishnus göttlicher Herrlichkeit gehört.

12.2 Aus jener ursprünglichen großen, von Sudarshana erfüllten Lehre Haris verkündeten Vacyayana und die anderen jeweils besondere Schriften:

12.3 den dreifachen Veda, Samkhya, Yogalehre, Pashupata und Sattvata. Ihr jeweiliges Wesen möchte ich hören, Herr.

12.4 Ahirbudhnya sprach: Höre wahrheitsgemäß, Narada, jede ihrer Gestalten, entsprechend den Unterscheidungen, in denen Vishnus Entschluss besteht.

12.5 Die erste ist die Gestalt der dreifachen vedischen Lehre, die alle Gegenstände erschließt. Weil sie als Rig-, Yajur- und Samaveda besteht, heißt sie Trayi.

12.6 Obwohl sie dreifach ist, wird sie nach den unterschiedlichen Aufgaben vierfach beschrieben: Rig, Yajus, Saman und Atharva-Angiras.

12.7 Weil die drei mit Rig beginnenden Sammlungen für die vier Opferpriesterfunktionen maßgeblich sind, heißen sie Trayi. Die Atharva-Angiras-Texte bestehen in ihrer sprachlichen Form aus Rig- und Yajus-Bestandteilen,

12.8 werden aber wegen ihres Schwerpunkts auf Befriedung und Abhicara gesondert behandelt. Der Rigveda wird als einundzwanzigfach verzweigt beschrieben.

12.9 Für den Yajurveda werden einhunderteine Schulrichtungen genannt, für den Samaveda tausend und für den Atharvaveda fünf.

12.10 So viele werden von den großen Sehern unmittelbar überliefert und von den Weisen beständig erinnert, nachdem sie die Erlaubnis des höchsten Herrn erhalten haben.

12.11 Ihre besonderen Regeln betreffen Wesen und Überlieferung. Kalpa, Grammatik, Lautlehre, Worterklärung, der Lauf der Gestirne

12.12 und Untersuchung der Versmaße gelten den Weisen als die sechs Vedaglieder. Als zwei Nebenglieder gelten Mimamsa und die ausführliche Nyaya-Lehre.

12.13 Die Übereinkunft der Dharmakenner, die aus den vedischen Aussagen gewonnenen Bedeutungen und die schriftlich wie mündlich bewahrte Folge von Samskaras und Lebensregeln

12.14 bilden das im Inneren der großen Seher bewahrte Dharmashastra. Itihasa und Purana werden als ein ergänzender Veda bezeichnet.

12.15 Hinzu kommen Baukunde, Kriegskunst, Musik und Heilkunde: Diese fünf werden als Upavedas bezeichnet, o Seher.

12.16 Regierungskunst und Wirtschaft bilden zwei weitere Wissensgebiete. So wurde diese einundzwanzigfach gegliederte Lehre mitsamt ihren Unterteilungen beschrieben,

12.17 wie sie einst durch den Seher Vacyayana, der aus Vishnus Sprache hervorging, als Entfaltung des göttlichen Entschlusses in vedischer Gestalt erschien.

12.18 Höre nun vollständig, wie Vishnus Entschluss einst durch den Seher Kapila als Samkhya hervortrat.

12.19 Die Samkhya genannte Lehre gilt als sechzigfach gegliedert. Zusammenfassend besitzt sie zwei Bereiche: den ursprünglichen und den abgeleiteten.

12.20 Der ursprüngliche Bereich umfasst zweiunddreißig Abteilungen. Zuerst steht die Brahman-Lehre, als zweite die Purusha-Lehre,

12.21 dann drei Lehren über Shakti, Niyati und Zeit, drei über die Gunas und eine über das Akshara-Prinzip,

12.22 ferner die Lehre vom Lebensatem, vom Handelnden und die Sami-Lehre sowie fünf Erkenntnislehren,

12.23 fünf Tätigkeitslehren, fünf Lehren der feinen Elementprinzipien und fünf Elementlehren. Dies sind die zweiunddreißig Abteilungen. [Die Bezeichnung sāmitantra bleibt in dieser Vorlage erklärungsbedürftig.]

12.24 Damit ist der ursprüngliche Bereich erklärt. Höre vom abgeleiteten: Dieser gilt als achtundzwanzigfach gegliedert.

12.25 Zunächst fünf Abschnitte über Tätigkeiten, einer über Erfahrung, einer über Lebensführung und fünf über die Leidensursachen,

12.26 drei über Erkenntnismittel, einer über Erkenntnis, einer über Dharma und einer über Loslösung,

12.27 dann ein Abschnitt über Souveränität, einer über die Gunas, einer über das Linga-Prinzip und einer über Anschauung,

12.28 einer über das durch Überlieferung Bekannte, einer über Leiden, einer über Vollkommenheit und einer über innere Trübungen,

12.29 ferner einer über Lehrübereinkunft und einer über Befreiung. So ist der Bereich der Ableitungen achtundzwanzigfach gegliedert.

12.30 Jede dieser sechzig Abteilungen ist wiederum vielfältig. Dieses sechzigteilige Samkhya, von Haris Sudarshana erfüllt,

12.31 trat aus dem allwissenden höchsten Seher hervor. Die große Yogalehre, ebenfalls eine Gestalt von Vishnus Entschluss,

12.32 ging aus Hiranyagarbha hervor. Höre ihre Gliederungen: Ursprünglich lehrte Hiranyagarbha zwei Yoga-Samhitas,

12.33 die eine Nirodhayoga, die andere Karmayoga genannt. Die Nirodha-Samhita gilt als zwölfteilig.

12.34 Zuerst steht die Lehre von den Gliedern, dann die von den Fehlern, die von den Hindernissen und die von den Grundlagen,

12.35 die Lehre vom Träger und der Yoga mit dem Zuständigkeitsbereich äußerer Prinzipien, ferner Riktayoga und Purnayoga,

12.36 drei Lehren unter der Bezeichnung Siddhiyoga und schließlich die Befreiungslehre. Dies sind die zwölf Gliederungen der Nirodha-Samhita.

12.37 Brahma lehrte außerdem vier Karma-Samhitas. Die eine Grundform behandelt verschiedene Handlungen, die andere besteht aus Kriya,

12.38 und beide werden jeweils in äußere und innere Form unterteilt. So entfaltet sich die Yogalehre in sechzehn Abteilungen.

12.39 Diese von Vishnus Sudarshana erfüllte Lehre ging aus Prajapati hervor. Das Pashupata genannte Tantra, das die gebundene Seele aus ihren Fesseln löst,

12.40 ging aus meinem Mund hervor, als Entfaltung von Vishnus Entschluss. Ich lehrte dieses unübertreffliche Tantra in acht Abschnitten:

12.41 zuerst über den Herrn, dann über die gebundene Seele, als drittes über die Fesseln, die fünffach unterschieden werden,

12.42 zwei Abschnitte über reine und gemischte Lebensführung, als sechsten den Götterabschnitt und danach den Einweihungsabschnitt,

12.43 als achten den großen Pashupata-Abschnitt über Vereinigung. Diese achtteilige, von Haris Sudarshana erfüllte göttliche Pashupata-Lehre

12.44 habe ich selbst verkündet, großer Seher. Vishnus Sudarshana-Entfaltung namens Sattvata

12.45 wird zusammenfassend als zehnfach gegliedert beschrieben: zuerst die Bhagavat-Samhita, dann die Karma-Samhita,

12.46 als dritte die Wissens-Samhita, als vierte die Zeit-Samhita, danach die Samhita der Pflichten und als sechste die besondere Kriya,

12.47 als siebte die verehrungswürdige Samyama-Samhita, als achte die Betrachtung der Befähigung, als neunte die Weg-Samhita,

12.48 als zehnte die reine Sattvata-Samhita über Befreiung. So weit reicht die Sattvata-Lehre, die aus dem Ewigen hervortrat.

12.49 Diese fünf grundlegenden Lehrwerke werden in jedem Weltalter von jenen weiter gegliedert, die Vishnus Entschluss bewegt.

12.50 Die jeweiligen Samhitas der vedischen und übrigen Lehren tragen die Namen ihrer Verfasser. Begrenzte Teilüberlieferungen verschwinden entsprechend dem Fortgang der Verfallszeit.

12.51 Zur Verblendung der Gewalttätigen treten nach der Aussage des Werkes auch scheinbare Lehren durch den Mund von Göttern und Brahma-Sehern hervor, ebenfalls als Formen von Vishnus Entschluss.

12.52 Damit habe ich dir die höchste göttliche Sudarshana-Entfaltung der beiden Formen maßgebender Ordnung erläutert, unterschieden als Wort und Gegenstand.

12.53 Prana, Maya, Kriya, Shakti, Bhava, Unmesha, Udyama, Sudarshana und Sankalpa werden hier als Bezeichnungen desselben Wirkzusammenhangs gebraucht.

12.54 Die fünf Lehrwege besitzen ein einziges höchstes Ziel. Die Lehre heißt Sudarshana, ihr Gegenstand ist der unvergängliche Vishnu.

12.55 Diese als Pramana bestehende Sudarshana-Entfaltung Vishnus habe ich dir in Grundzügen erklärt. Was möchtest du weiter hören?

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 12: „Die besonderen Formen der überlieferten Lehrsysteme“.

Kapitel 13 – Der Gegenstand gültiger Erkenntnis und die Lebensziele

13.1 Narada sprach: Verehrung dir, Herr der Götter, Herr der Maruts! Verehrung dir, Gemahl Bhavanis, dessen Banner der Stier ist!

13.2 Die deinem Lotusmund entströmten Lehren habe ich verstanden: was Ursache der Welten ist, was sie trägt

13.3 und was ihnen als maßgebende Erkenntnis dient. Diese drei habe ich erfasst. Erkläre mir nun, Shankara, den Gegenstand dieser Erkenntnis,

13.4 was er ist, wie er beschaffen ist und welchen Umfang er besitzt. Ahirbudhnya sprach: Höre wahrheitsgemäß, Narada, vom höchsten Gegenstand gültiger Erkenntnis,

13.5 der in Vishnus Entschluss gründet und sich vielfältig entfaltet. Die Weisen nennen Erkennen ma; ausgezeichnetes Erkennen heißt Prama.

13.6 Das Ausgezeichnete daran ist das Erfassen eines Gegenstandes, wie er tatsächlich ist. Was diese Erkenntnis am wirksamsten ermöglicht, heißt Pramana.

13.7 Was durch Pramana erschlossen wird, heißt Pramanartha. Hier ist damit das gemeint, was dem Menschen überall und zu jeder Zeit im höchsten Sinne heilsam ist.

13.8 Dieser Erkenntnisgegenstand besteht zweifach: als Heil und als Mittel dazu. Höre ihr wahres Wesen.

13.9 Die endgültige Aufhebung der Leidenskette des Menschen und die dadurch gekennzeichnete ewige Glückseligkeit gelten als das Heil.

13.10 Was unfehlbar zu diesem Ziel führt, nennen die Kenner des Vedanta das Mittel zum Heil.

13.11 Die als Heil bezeichnete Glückseligkeit ist das eigene Wesen der Seele. Sie besteht in ihrer Erfüllung mit göttlichem Sein, auch Bhagavatta genannt.

13.12 Das verlässliche Mittel dazu ist wiederum zweifach: Die eine Form heißt Erkenntnis, die andere Dharma.

13.13 Beide stehen im Verhältnis von Wirkung und Ursache. Erkenntnis ist dabei die bewirkte; auch sie ist zweifach:

13.14 einerseits unmittelbare Schau, andererseits mittelbare Erkenntnis. Auch zwischen diesen wird das Verhältnis von Wirkung und Ursache bestimmt.

13.15 Die unmittelbare Erkenntnis ist die bewirkte; die mittelbare gilt als ihre Ursache. Als Ursache beider Erkenntnisformen wird Dharma bezeichnet.

13.16 Er bewirkt unmittelbar die mittelbare Erkenntnis und durch diese die unmittelbare Schau. Auch Dharma wird von den Kennern der Wahrheitsschriften zweifach gesehen:

13.17 eine Form besteht in unmittelbarer Verehrung, die andere in vermittelter. Das unendliche höchste Brahman ist der kraftvolle höchste Herr,

13.18 Narayana genannt, ewig, unvergänglich und von den sechs Eigenschaften erfüllt. Seine Entfaltungen sind die Wesen von Brahma bis zu den unbeweglichen Geschöpfen,

13.19 mit den drei Betrachtungsweisen verbunden und durch sein Sudarshana hervorgebracht. Jene Bhuti wurde bereits als winziger Teil der Shakti erläutert;

13.20 aus einem winzigen Anteil davon entstehen Brahma und die übrigen durch Vishnus Entschluss. Wird das Göttliche durch diese Entfaltungen hindurch verehrt,

13.21 von Menschen, die nicht vom Begehren beherrscht werden und ihr Tun Brahman darbringen, dann ist dies vermittelter Dharma. Wird dagegen das höchste Brahman selbst, das alle Entfaltungen besitzt,

13.22 vom Yogi unmittelbar erfreut, gilt dies als unmittelbarer Dharma. Die gesamte Sattvata-Lehre macht diese Form verständlich.

13.23 Der frühere Teil des Veda, auf das Ziel seines höheren Teils ausgerichtet, erläutert den anderen Dharma für Menschen ohne eigennütziges Verlangen.

13.24 Den auf eine göttliche Entfaltung gerichteten Dharma habe ich im Pashupata gelehrt. Menschen mit strengen Gelübden verwirklichen ihn beständig, um Brahman zu erfreuen.

13.25 Die mittelbare, systematisch unterscheidende Erkenntnis, die unmittelbar oder vermittelt zur Befreiung führt, wird im Samkhya untersucht.

13.26 Die unmittelbare Brahman-Erkenntnis wird von den abschließenden Vedalehren erläutert; ihr gehen innere Glieder wie Ruhe, Hingabe und Vertrauen voraus.

13.27 Die Yogalehre beschreibt Yoga als Stilllegung der geistigen Bewegungen, versehen mit den äußeren und inneren Gliedern, beginnend mit Yama.

13.28 Durch beständige Übung, Loslösung und Hingabe an den höchsten Herrn gewährt er die reine Befreiung, die sich als unmittelbare Schau offenbart.

13.29 Alle diese Lehren erläutern die Wahrheitserkenntnis mit ihren vielfältigen Mitteln und die verschiedenen Formen des Dharma.

13.30 Damit die Menschen heilsam handeln und ihre Verfehlungen vermindert werden, lehren die Schriften denen, die von Anhaften und Abneigung getrieben werden, ähnlich wie eine ärztliche Unterweisung,

13.31 verschiedene durch Regeln gegliederte Pflichten und Erkenntnisweisen, die zu unterschiedlich beschaffenen Früchten führen.

13.32 Damit habe ich dir diese beiden menschlichen Ziele ausführlich erklärt. Zwei weitere, weltliche Lebensziele werden von den Schriften gelehrt:

13.33 Artha und Kama. Kama bezeichnet das auf Sinnesgegenstände gerichtete Verlangen; Artha den durch planvolles Bemühen erworbenen Besitz wie Vieh, Land und Gold.

13.34 Artha kann Mittel zu Dharma, Kama und weiterem Artha sein. Dharma kann Mittel zu weiterem Dharma, Kama und Artha sein.

13.35 Auch Kama kann Mittel zu Dharma, weiterem Kama und Artha sein. Artha und Kama sind jedoch nicht in jedem Fall verlässliche Mittel.

13.36 Dharma gilt als regelmäßig wirksames Mittel zu allen erstrebten Zielen. Diese drei werden von den Gelehrten Trivarga, Dreiergruppe, genannt.

13.37 Moksha ist dagegen ausschließlich Ziel: So ergeben sich die vier menschlichen Lebensziele. Regierungskunst, Wirtschaft und vier ergänzende Wissensgebiete

13.38 werden von den Gelehrten als maßgebend für Artha und Kama bezeichnet. Der ergänzende Veda, der Itihasa und Purana umfasst,

13.39 unterstützt die Schriften bei der Vermittlung der Wahrheitserkenntnis. So habe ich dir die vier menschlichen Lebensziele kurz erläutert.

13.40 Höre nun ihre inneren Mittel, Narada. Ungekünsteltes, uneigennütziges Mitgefühl ist das Mittel zu Dharma.

13.41 Das Mittel zu Artha ist ein an Ort und Zeit angepasstes Bemühen. Das Mittel zu Kama ist ein unmittelbarer, ungekünstelter Entschluss.

13.42 Das Mittel zur Befreiung ist die von Erkenntnis geleitete Entsagung von allem. Rechtmäßiger Dharma und entsprechende Mittel gelten als äußere Hilfen des Dharma.

13.43 Als äußeres Mittel zu Artha gilt das Nachdenken über die Sicherung des Bestehenden und die Gewinnung von Neuem. Bei Kama nennen die Einsichtigen Eheschließung und verwandte Schritte als äußere Mittel.

13.44 Uneigennütziges pflichtgemäßes Handeln und Ähnliches sind äußere Mittel zur Befreiung. Diese vier menschlichen Ziele sind eine Entfaltung von Bhuti.

13.45 Vishnus Entschluss gilt als Ursache ihrer Entfaltung. Damit habe ich dir den gesamten höchsten Bereich des Erkenntnisgegenstandes mit seinen Mitteln und Formen erläutert. Was möchtest du weiter hören?

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 13: „Der Gegenstand gültiger Erkenntnis und die Lebensziele“.

Kapitel 14 – Bindung der Seele, Gnade und Befreiung

14.1 Narada sprach: Verehrung dir, dessen Stirnauge mit seinem Glanz die Finsternis des Nichtwissens verbrennt! Verehrung dir, Feind Tripuras, Verehrung dir, Überwinder des Todes!

14.2 Ich habe von allen menschlichen Zielen gehört, unterschieden in vorrangige und nachgeordnete. Unter ihnen habe ich das höchste Ziel kennengelernt, das Befreiung heißt.

14.3 Du, Überwinder Tripuras, hast diese Befreiung als Erfüllung mit göttlichem Sein beschrieben. Ihr unmittelbares Mittel ist die Erkenntnis der Wirklichkeit, die in zweifacher Weise besteht.

14.4 Als Mittel zu dieser Erkenntnis wurde pflichtgemäßes Handeln ohne eigennützige Absicht gelehrt. Erkläre nun jene Befreiung noch ausführlicher, du mit dem Mond im Haar!

14.5 Sage mir beides: Wovon wird befreit, und wer erlangt diese Befreiung? Denn außer dir, dem Allwissenden, kann ich keinen anderen danach fragen.

14.6 Ahirbudhnya sprach: Die Seele ist anfangslos, unbegrenzt und von Bewusstsein und Glückseligkeit erfüllt. Sie ist wahrhaft von göttlichem Wesen und wird beständig vom Göttlichen getragen.

14.7 Jene Kraft Vishnus, die große Seinsmacht, die seine Eigenschaften trägt: Von einem winzigen Anteil an ihr wurden dir zwei Kräfte erklärt,

14.8 Bhuti und Kriya, das Hervorzubringende und das Hervorbringende. Bhuti wird von Kriya bewegt wie eine Flamme vom Wind.

14.9 Die vielfach gegliederte Entfaltung von Bhuti wurde bereits beschrieben. Sie ist nach Reinheit und Unreinheit zweifach; die reine wurde in ihren vielen Formen dargestellt.

14.10 Die eine ist die Kraft der Seele, die andere besteht als Zeit; jene Seele wurde bereits erläutert. Befindet sie sich in den Umwandlungen von Zeit und Kraft, so durchwandert sie den Samsara.

14.11 Wenn sie den in der Schrift gelehrten Weg findet, kommt sie in ihrem eigenen Wesen hervor. Narada sprach: Erhabener, Gott der Götter, Überwinder Tripuras, Shankara!

14.12 Wie durchwandert die Seele, wenn sie sich in den Umwandlungen von Zeit und Kraft befindet, das Weltendasein? Und wie kommt sie, nachdem sie das Mittel gefunden hat, in ihrem eigenen Wesen hervor?

14.13 Ahirbudhnya sprach: Die göttliche Freiheit des Herrn lässt sich von niemandem einer weiteren Begründung unterwerfen. Obwohl alle seine Wünsche erfüllt sind, spielt der Souveräne wie ein König.

14.14 Sein Entschluss, der den Namen Sudarshana trägt, entfaltet sich trotz seiner unendlich vielen Gestalten auf fünffache Weise:

14.15 als Schöpfung, Erhaltung und Auflösung sowie als Verhüllung und Gnade. Die Kraft, die verdeckt, wird Nigraha genannt.

14.16 Sie verhüllt die Seele, die Jiva heißt, indem sie deren Wesen, Souveränität und Erkenntnis verdeckt.

14.17 Maya, Nichtwissen, große Verblendung, tiefste Finsternis, Dunkelheit, Bindung und Knoten des Herzens sind Bezeichnungen dafür.

14.18 Aus der Verhüllung ihres Wesens ergibt sich die Begrenztheit der Seele; aus der Verhüllung ihrer Souveränität folgt ihre Ohnmacht.

14.19 Die Einengung ihrer Erkenntnis wird Nichtwissen genannt. Verhüllt durch die Kraft, welche die Gestalt von Vishnus Entschluss besitzt,

14.20 heißt die Seele begrenzt, nur wenig vermögend und nur wenig wissend. Die Weisen nennen dies die drei Verunreinigungen und die dreifache Bindung.

14.21 Hat die Seele durch Vishnus verhüllende Kraft diese Bindung erfahren, häufen Nichtwissen, Ichbezogenheit, Anhaften und die weiteren Leidensursachen ihre Verunreinigung an.

14.22 Bedrängt von diesen quälenden Leidensursachen, vom Nichtwissen und den anderen, getrieben vom Wunsch, etwas zu erlangen oder loszuwerden, wendet sie sich den überlieferten Anweisungen zu.

14.23 Begierig, Erwünschtes zu erlangen und Unerwünschtes abzuwehren, vollbringt sie als begehrendes Wesen Handlungen, aus denen günstige und ungünstige Früchte entstehen.

14.24 Dem Reifen dieser Handlungen unterworfen empfängt sie, durch die geltende Ordnung bestimmt, verschiedene Geburten und Lebensspannen, vermischt mit günstigen und ungünstigen Folgen.

14.25 Nach und nach sammelt sie die jeweiligen Prägungen von Freude und anderen Erfahrungen. Dies ist die fortschreitende Verhüllung durch die Nigraha-Kraft.

14.26 Durch jene beiden Bhuti zugehörigen Anteile, Zeit und Kraft, bewirkt die verhüllende Macht das Verdecktsein der Seele.

14.27 Durch diese Macht werden die drei Kräfte des Ungeborenen – Schöpfung und die weiteren – entsprechend den angesammelten, wirksam gewordenen Handlungen in Bewegung gesetzt.

14.28 Diese Bindung heißt anfangslos; auch ihre Ursache hat keinen Anfang. Während die Seele so im Rad des Weltendaseins von ihren eigenen Handlungen umhergetrieben wird,

14.29 entsteht gegenüber diesem von Leid erfüllten Lebewesen eine besondere Barmherzigkeit Vishnus. Die als fünfte genannte Kraft, die Vishnus Entschluss verkörpert,

14.30 ist die gnadenvolle Kraft, Vishnus höchste Barmherzigkeit. Die Kenner der Agamas nennen dies Vishnus Shaktipata, das Herabkommen seiner Kraft.

14.31 Wenn die Seele von dieser gnadenvollen Kraft ergriffen wird, die Sudarshana verkörpert und wie ein Regen von Vishnus Erbarmen ist,

14.32 wenn sie von diesem Erbarmensregen angeschaut wird, gelangen ihre karmischen Kräfte zum Gleichgewicht: So wird der Jiva durch Vishnus Blick verwandelt.

14.33 Dieser Shaktipata führt die Seele aus dem Samsara heraus. Die beiden Arten von Karma kommen dabei ins Gleichgewicht und verharren still.

14.34 Wie Räuber bei einem Reisenden, der schützendes Geleit erhalten hat, von ihrem Raubvorhaben ablassen und ruhig beiseitestehen,

14.35 so verharren gutes und schlechtes Karma im Augenblick des Herabkommens der Gnadenkraft gleichgewichtig und untätig.

14.36 Nach diesem Herabkommen richtet sich das Lebewesen auf Befreiung aus. Loslösung beginnt sich zu entfalten, und es widmet sich entschlossen der Unterscheidung.

14.37 Es bedenkt die Agamas und sucht Lehrer auf. Durch die dabei gewonnene Klarheit erwacht es und bewahrt die gewonnene Einsicht.

14.38 Es lässt die Belehrung des Guru nicht schwinden, vermindert dagegen die Leidensursachen, sucht überall das Wesentliche und vertieft die höchste Erkenntnis.

14.39 Es versenkt sich in Samkhya und Yoga, widmet sich guten Handlungen, hält feste Gelübde und bleibt als Wissender unerschütterlich in der Erkenntnis des Vedanta.

14.40 Durch diese zuverlässig bestimmten Wege, gemeinsam oder einzeln geübt, erreicht es unter großer Mühe Vishnus Stätte.

14.41 Nachdem es zur Fülle der Erkenntnis gelangt ist und sein Bewusstsein gereinigt hat, tritt es in jene klare, von Leidensbedrängnis freie Stätte Vishnus ein.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 14: „Ursachen des Samsara der Seele und Wege ihrer Herausführung“.

Kapitel 15 – Die zur Lehre und Praxis Befähigten

Eingangsverehrung: Möge der höchste Madhusudana, der in der Mitte des Rades weilt und von den Gesammelten meditiert wird, uns vor Unheil und aus dem Brunnen des Samsara bewahren.

15.1 Narada sprach: Verehrung dir, Gott der Götter, Shankara mit dem Stierbanner! Durch deine Gnade habe ich das höchste göttliche Geheimwissen gehört.

15.2 Beantworte nun den verbleibenden Teil meiner früheren Frage. Die vier menschlichen Lebensziele wurden als Grundlage aller Menschen beschrieben:

15.3 Wer ist zu ihnen befähigt? Erkläre mir dies ausführlich. Ahirbudhnya sprach: Jene zuvor genannten Manus im Schoß der Vidya,

15.4 unterschieden als Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras, die aus ihnen hervorgegangenen Manavas und deren Nachkommen,

15.5 sowie die aus Mund, Armen, Schenkeln und Füßen hervorgegangenen Gruppen, ebenfalls Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras genannt:

15.6 Diese beiden Reihen sind jeweils ihrer Stellung entsprechend zu den genannten Zielen befähigt. Von den fünf zuvor erläuterten anerkannten Lehrsystemen

15.7 ist die Sattvata-Lehre den Nachkommen der Manus zugeordnet. Indem sie die dreizehnfache Tätigkeit ausüben, verbunden mit Eigenschaften der Selbstbeherrschung,

15.8 und in den fünf täglichen Zeiten der Verehrung leben, erreichen sie den höchsten Purusha. Für drei ihrer Gruppen sind die vier Lebensstände vorgeschrieben, Narada:

15.9 Brahmacharin, Haushälter, Waldbewohner und Bettelmönch. Der Shudra gelangt durch Dienst an ihnen und durch Unterstützung des göttlichen Wirkens,

15.10 frei von Verlangen, Zorn und Gier, allmählich zu Haris Stätte. Jene reinen Verehrer Brahmans sind dem Studium hingegeben,

15.11 verehren nichts anderes und sind seit Beginn der Schöpfung zur Lehre befähigt. Als Kinder werden sie, bevor ihre Einsicht heranreift, von Mutter und Vater gut behütet;

15.12 dann empfangen sie die Führung des Lehrers und widmen sich dem Dienst. Sie verstehen die sieben Gegenstände richtig, halten die Regeln ein und sind gesammelt,

15.13 besitzen Kenntnis der Naturgrundlagen, vermeiden Nachlässigkeit, haben selbstsüchtiges Verlangen aufgegeben, sind standhaft, rein und beherrschen ihre Sinne.

15.14 Diese hochbegnadeten Menschen heißen Siddhas: Ihre Erkenntnis ist geklärt, ihre Handlungen sind von Einsicht erfüllt und ihr Wandel ist gut.

15.15 Sie bleiben bis zur Vollendung in einem der vier Lebensstände und vollziehen hundert Jahre lang ohne Unterbrechung den Dienst zu den fünf täglichen Zeiten.

15.16 Am Ende ihres Wirkens erlangen sie die höchste heilsame, aus Unterscheidung geborene Einsicht; ihre Erkenntnis leuchtet auf, die Antriebe der materiellen Natur sind abgeschüttelt.

15.17 Sie gehen in den tausendstrahligen Herrn, den makellosen Gemahl Lakshmis, Vasudeva ein, der das Feld aller Wesen kennt.

15.18 Allein der Haushälterstand besitzt Opferfeuer und zahlreiche materielle Mittel. Die drei anderen gelten als rein, gelübdetreu und ohne eigene Opferfeuer;

15.19 diese drei, welche ihre Lebenskraft aufwärts richten, leben vom Haushälterstand. Damit wurde dir die sattvige Lebensweise kurz erläutert.

15.20 Höre nun ausführlich die andere Lebensweise. Die vier Varnas, die aus Brahmas Mund und den übrigen Körperteilen hervorgingen,

15.21 sind den vier mit der vedischen Lehre beginnenden Wegen zugeordnet. In der vedischen Ordnung stehend erlangen sie auch in Samkhya und den beiden weiteren Wegen Vollendung.

15.22 Auf eigenen Wunsch können auch sie zur höchsten Sattvata-Lehre aufsteigen. Die mit Brahmanen beginnenden Menschen, welche den Pashupata-Dharma angenommen haben,

15.23 üben nicht erneut den in der dreifachen Vedenlehre festgelegten Dharma aus; ebenso folgen sie nach Eintritt ins Pancharatra keinem anderen religiösen Weg.

15.24 Die Samkhya-Anhänger gelten als frei von rituellen Handlungen und allein der unterscheidenden Erkenntnis zugewandt. Ein Yogi erfüllt dagegen die regelmäßigen und anlassbezogenen Pflichten,

15.25 um die Yogaglieder zu verwirklichen, Unerlangtes zu erlangen und Erlangtes zu vertiefen. In Brahman gegründet vollzieht er die regelmäßigen und anlassbezogenen vedischen Handlungen.

15.26 So wurde dir die Lebensweise der vedischen und verwandten Wege erläutert, Narada. Höre nun die Gliederung von Varnas und Lebensständen samt ihren Pflichten.

15.27 Die vier Varnas wurden beginnend mit den Brahmanen genannt. Die ersten drei sollen nach ihrer zweiten, rituellen Geburt die heilige Lehre studieren.

15.28 Die vierte Gruppe, die nur eine Geburt besitzt, soll ihnen ohne Überheblichkeit dienen. Die erste Gruppe, die Brahmanen, ging aus Brahmas Mund hervor.

15.29 Sie soll diese drei Gruppen in ihrer jeweiligen Reihenfolge unterweisen und für sie auf Wunsch Opfer vollziehen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, ohne Missgunst.

15.30 Von diesen drei darf sie Gaben annehmen; dies ist ihre besondere Regel. Für die Kshatriyas wird das beständige Tragen der Waffen als Besonderheit genannt. [Der E-Text liest śāstrāṇām; dem Zusammenhang entspricht śastrāṇām.]

15.31 Ihre Aufgabe ist, gemäß der Lehre vor Verletzung zu schützen und die Menschen zu behüten. Landwirtschaft, Viehhaltung und Handel bilden die besondere Lebensgrundlage der Vaishyas.

15.32 Opfern, Studium und Geben sind den Zweimalgeborenen gemeinsam, stets um des Dharma willen; dabei sollen Gewalt und verwandtes Unrecht vermieden werden.

15.33 Dem Shudra wird Dienst als Pflicht und Lebensunterhalt zugewiesen; der Dienst an Brahmanen wird am höchsten bewertet, der an den beiden anderen niedriger.

15.34 Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Freiheit von Zorn, Treue zum eigenen Ehepartner und Mitgefühl werden allen vier Gruppen als gemeinsame Pflichten vorgeschrieben.

15.35 Für Brahmanen gelten die vier Lebensstände, für Kshatriyas unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls. Die ersten drei gelten für Kshatriyas und Vaishyas als festgelegte Lebensordnung.

15.36 Vor der Geburt durch den Lehrer haben die Zweimalgeborenen die Gelübde noch nicht übernommen. Die zweite, göttliche Geburt geschieht durch den Lehrer und die Savitri.

15.37 Diese drei Gruppen empfangen bei der Opferweihe eine dritte Geburt. Während der Soma-Opferhandlung werden sie als Brahmanen geehrt; danach gelten die jeweiligen Unterscheidungen wieder.

15.38 Wenn sie dem Schriftstudium obliegen, gelten alle drei als göttlich. So wurden die Varnas erläutert; höre nun von den Lebensständen.

15.39 Nach der Geburt durch den Lehrer soll der Schüler diszipliniert bei ihm wohnen, dessen Ordnung folgen, bei ihm bleiben, ihm ergeben und auf ihn ausgerichtet sein,

15.40 ihm alles Empfangene darbringen und außerhalb seines Hauses Almosen erbitten. Nach Erledigung seiner Aufgaben soll er ohne Ungeduld vom Lehrer Unterricht erwarten.

15.41 Er soll beide Tagesübergänge draußen verehren, täglich baden, frei von Missgunst sein, seine Sinne beherrschen und mit den Wesen Mitgefühl haben.

15.42 Zu beiden Tagesübergängen unterhalte er gesammelt das Feuer mit Brennholz und erfülle sein Gelübde nach der anerkannten Ordnung der Dharmakenner.

15.43 So vervollkommnet sich der zeitweilige Schüler im Studium. Nach dem Abschlussbad für Studium oder Gelübde gebe er dem Lehrer eine Gabe,

15.44 erhalte dessen Zustimmung und wähle einen der vier Lebensstände. Will er beim Brahmacharya bleiben,

15.45 diene er dem Lehrer diszipliniert bis zum Ende seines Lebens. Als erkenntnissuchender Brahmacharin erlangt er das höchste Wissen.

15.46 Andernfalls drohe der Verlust des Verdienstes, so lautet die vedische Unterweisung. Möchte er dagegen den vorzüglichen Dharma des Haushälters übernehmen,

15.47 dann bade er nach der Erlaubnis des Lehrers, heirate ordnungsgemäß und erfülle gemeinsam mit seiner Frau den Dharma, beständig dem Studium zugewandt.

15.48 Er vollziehe die Ahnenriten, sei wahrhaftig und stets gastfreundlich. Er führe einen bescheidenen Lebensunterhalt, frei von Missgunst und Habgier,

15.49 halte die Gelübde des Studienabsolventen und widme sich den fünf Opfern sowie den fünf täglichen Verehrungszeiten, gegründet in Mitgefühl, Geduld und Standhaftigkeit,

15.50 in Freiheit von Zorn, Wahrhaftigkeit, Scham vor Unrechtem, Wissen, Reinheit, Nichtstehlen und Selbstbeherrschung; ohne Verkrampfung und Kleinlichkeit freue er sich am schriftgemäß Heilsamen.

15.51 Mit dem Geist oder durch äußere Handlung vollziehe er sämtliche Opfer, mit einer nicht von Begehren beherrschten Einsicht, frei von Ichüberhebung und Gier.

15.52 Mit den beiden Augen guter Prüfung und Entschiedenheit betrachte er das Ungewordene. Beständig erfülle er die überlieferten regelmäßigen und anlassbezogenen Handlungen.

15.53 Ein solcher erkenntnissuchender Haushälter erlangt das höchste Wissen, verwirklicht die Erkenntnis des Vedanta und erreicht Vishnus Stätte.

15.54 Wer allein in der Pflichterfüllung beständig ist, wird in Brahmas Welt geehrt. Den Waldbewohnerstand kann man nach dem Haushälterleben oder schon zuvor annehmen.

15.55 Wenn ein Haushälter Falten und graue Haare an sich und Kinder seiner Kinder sieht, soll er sich in den Wald zurückziehen.

15.56 Er verzichte auf die Nahrung des Dorflebens und lebe von Waldnahrung. Dem Opfer zugewandt bringe er im äußeren Feuer oder im eigenen Inneren Gaben dar.

15.57 Jahr für Jahr vollziehe er regelgemäß die drei asketischen Übungen. Als Waldbewohner verwirkliche er die Lehren mit einer nicht von Begehren beherrschten Einsicht,

15.58 übe gesammelt die jeweiligen Weihen und Gelübde, verringere seine Bedürfnisse, bleibe rein und suche die Wahrheit.

15.59 Wenn er Wahrheitserkenntnis erlangt, erreicht er Vishnus Stätte. Wer allein in der Pflichterfüllung beständig ist und den großen Aufbruch vollzieht,

15.60 wird als von Trauer und Furcht freier Waldbewohner in Brahmas Welt geehrt. Das ockerfarbene Gewand kann man vor den beiden Lebensständen,

15.61 nach beiden oder nach einem von ihnen annehmen und als Wanderasket leben. Man vollziehe das Prajapati-Opfer und gebe den gesamten Besitz als Opfergabe hin,

15.62 oder empfange die Erlaubnis des Lehrers. Der große Gelübdeträger, der des äußeren Tuns müde geworden ist, nehme seine Feuer ins Innere zurück und trete in den vierten Lebensstand ein.

15.63 Von allen Fehlern befreit und den Sinnesgegenständen gegenüber gelöst, untersuche er die höheren und niederen Zustände des inneren Selbst.

15.64 Er erforsche mit seinem Selbst das feine höchste Selbst, widme sich beständig unterscheidender Erkenntnis und dem Wissen des Vedanta.

15.65 Er verweile stets im Samadhi oder in strengen Gelübden. Gegenüber dem, der ihm einen Arm mit einer Axt verletzt, und dem, der den anderen mit Sandel salbt,

15.66 hege er weder Hass noch Anhänglichkeit. Der Seher sei frei wie der Wind, in sich ruhend wie der Raum und geistig fest wie die Erde,

15.67 im Herzen weich wie Wasser, stets rein wie Feuer, unerschütterlich wie ein tiefer See der Ganga und ohne Besitzanspruch wie ein leeres Haus.

15.68 Mit Einsicht betrachte er alles, mit Einsicht gebe er Besitzansprüche auf, mit Einsicht nehme er die wahre Lehre an und sei durch reine Einsicht erfüllt.

15.69 Der Yogi schenke allen Furchtlosigkeit und empfange von allen Furchtlosigkeit. Vom Studium wende er sich zum Yoga und vom Yoga wieder zum Studium.

15.70 Er spreche nicht unnötig mit anderen und halte auch zur gegebenen Zeit seine Rede zurück. Gegenüber allen Wesen sei er stets gleichmütig, mütterlich und väterlich.

15.71 Sein Licht sei das Selbst, seine Freude das Selbst; in sich selbst finde er Ruhe. Den Palast der Weisheit erstiegen und von gesellschaftlicher Abhängigkeit frei,

15.72 schaue er alle in ihren jeweiligen Zuständen, wie ein Mensch vom Berg auf die Ebene schaut. Manche nennen ihn stumm, andere betrachten ihn als standhaft,

15.73 manche fragen: „Wer ist das?“, andere nennen ihn furchterregend. Er bleibe stets von Gleichmut, Mitgefühl, Freundlichkeit und Mitfreude umgeben,

15.74 mit Unterscheidung, Erkenntnis und Zufriedenheit als ständigen Gefährten, von Almosen lebend und voller Genügsamkeit, mit solchen Tugenden ausgestattet.

15.75 Wie eine Lampe mit ruhiger Flamme verweile der Wanderasket in Meditation. Wenn die den Körper tragenden Prägungen schwinden, erreicht er Vishnus Stätte.

15.76 So habe ich dir Varnas und Lebensstände mit ihren gemeinsamen und besonderen Pflichten kurz beschrieben. Was möchtest du weiter hören?

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 15: „Die zur Lehre und Praxis Befähigten“.

Kapitel 16 – Die Entstehung der Laute

16.1 Narada sprach: Erhabener, Überwinder der Götterfeinde, Allwissender mit dem Stierbanner! Wir haben den Erkenntnisgegenstand mit seinen Ursachen und Gegenformen gehört.

16.2 Was schützt all dies, und wer ist zu diesem Schutz befähigt? Erkläre bitte beide Fragen mit ihren Einzelheiten.

16.3 Ahirbudhnya sprach: Gottes Schutz besteht als Sudarshana. Außer Vishnus eigenem Entschluss gibt es keine davon unabhängige Schutzkraft.

16.4 Jene göttliche Wirkkraft, aus einem Anteil von Vishnus Shakti entstanden, heißt Sudarshana und vollzieht alle Tätigkeiten des Alldurchdringenden.

16.5 Erkenne jede in irgendeinem Gegenstand bestehende Wirksamkeit als ihre Gestalt: in den Prinzipien und deren Erscheinungen, in Bewusstem und Unbewusstem,

16.6 in den verschiedenen Erkenntnismitteln, in Sein und Nichtsein, in Dharma, Artha und Kama, in Befreiung und den drei Fesseln.

16.7 Welche Fähigkeit etwas zur Erfüllung seiner Aufgabe besitzt, ist eine Gestalt Sudarshanas. Die Verwandlung von Vishnus Entschluss als Lehre und Waffenmacht wurde bereits erklärt,

16.8 durch die der Weltenherr Janardana von Zeit zu Zeit herabsteigt oder in Wesen eingeht und die Erde entlastet.

16.9 Eine weitere Form besteht aus verschiedenen Mantras, geschmückt mit mannigfaltigen Yantra-Anordnungen, aus Veda und Tantra hervorgehend und vielerlei Früchte tragend:

16.10 Vishnus höchste Wirkkraft selbst, ganz aus reinem Bewusstsein bestehend. Wer alle Wirklichkeitsgegenstände kennt und in allen Wissensgebieten erfahren ist,

16.11 dessen regelmäßige und anlassbezogene Pflichten ununterbrochen sind, der aus reiner Herkunft stammt, dreifach rein und frei von dreifachem Zweifel ist und die sechs rituellen Tätigkeiten beherrscht,

16.12 ein reiner Brahmane, in seiner heiligen Herkunft gegründet und dem eigenen Ehepartner treu, soll nach dieser Vorschrift Vishnus höchste Mantrakraft anwenden dürfen.

16.13 Der Brahmane soll nicht ohne Unterstützung damit tätig werden. Auf einen König gestützt soll er sie zum Wohl der Welt einsetzen.

16.14 Der König gilt hier als herausragendes Wesen, alle Götter umfassend und machtvoll, als Stätte von Vishnus Wirkkraft und von göttlichem Sein erfüllt.

16.15 Einst schuf der Herr den König aus seinem Haupt. Darum ist er am Haupt gesalbt und über alle Wesen gestellt.

16.16 In den vedischen Schriften wird der König als doppelt bedeutsam gegenüber dem Brahmanen gepriesen. Wer ihn aus Verblendung hasst, hasst nach dieser Lehre Hari.

16.17 Wer aus Verblendung Hari hasst, hasst Lakshmi; wer Lakshmi hasst, fällt nach der Warnung des Werkes aus allen Pflichten heraus.

16.18 Aus allen Welten gestürzt und von allen Göttern ausgeschlossen, verweile er lange in haltloser blinder Finsternis.

16.19 Wer mit weiter Gesinnung Wohlergehen hier und jenseits erstrebt, soll deshalb den König als die über die Menschen gesetzte göttliche Instanz hochachten.

16.20 Bei der Brahmanenmacht allein wohnt Lakshmi nach diesem Bild wegen ihrer übergroßen Milde nicht; vor der alleinigen Kriegermacht scheut sie wegen deren übergroßer Härte zurück.

16.21 In der Verbindung beider, die Feuer und Soma entspricht, wohnt sie hoch erfreut wie in einem kühlen See im Sommer.

16.22 Diese beiden Mächte tragen gemeinsam die Weltordnung; in ihnen ist Vishnus gesamte erhaltende Wirkkraft gegenwärtig.

16.23 Wie ein kleines Gewässer einen gewaltigen Fluss nicht aufnehmen kann, so kann ein einzelner begrenzter Mensch diese Wirkkraft nicht tragen.

16.24 Wie der ruhige Ozean den großen Fluss aufnimmt, so empfängt die mit Brahmanenmacht verbundene Königsmacht die Wirkkraft.

16.25 Ein kleiner Teich zerreißt, wenn ihn ein großer Fluss füllt; ebenso genügt ein Einzelner nicht, um allein von dieser Kraft beschützt zu werden.

16.26 Wie beim Strömen eines großen Flusses zum Meer auch die benachbarten Seen durch reichliche Zufuhr gefüllt werden,

16.27 so gedeihen alle Menschen im Herrschaftskreis des Weltherrschers, wenn die Wirkkraft in dessen Reich eingesetzt wird.

16.28 Dem Weltherrscher ist die erste Form der Wirkkraft zugeordnet, einem Gebietsherrscher die zweite, einem Bezirksvorsteher die dritte.

16.29 Auch ein hoher Amtsträger oder Zweimalgeborener, der viele Menschen schützt, kann zuständig sein. Ein Einzelner soll dieses Verfahren jedoch nicht nur für einen einzigen Menschen vollziehen.

16.30 Damit habe ich die Befähigung zur Anwendung der Wirkkraft erläutert. Höre nun ihr Wesen, wie ich es genau beschreibe.

16.31 Die höchste Entfaltung eines winzigen Anteils von Vishnus Shakti besteht zweifach als Hervorzubringendes und Hervorbringendes.

16.32 Das Hervorbringende ist Vishnus Entschluss, auch Sudarshana genannt. Diese göttliche Wirkkraft heißt auch Fähigkeit und Yoga,

16.33 höchste Herrschaft, großer Glanz und Mayayoga. Mit solchen Bezeichnungen werden die jeweiligen Wirkweisen dieses Entschlusses benannt.

16.34 Die als hervorzubringend bezeichnete Entfaltung heißt Bhuti. Dass sie reine und unreine Gestalten besitzt, wurde bereits erläutert.

16.35 Wie eine Flamme des Feuers wird sie durch den Entschluss entfaltet. Narayana ist der eine Gott; sie begleitet seine Zustände.

16.36 Höre von der Mantragestalt dieser göttlichen Wirkkraft. Wenn sie hervortritt, nimmt sie die Gestalt des Nada an.

16.37 Erkenne diesen höchsten Nada als einem lang anhaltenden Glockenklang gleich. Höchste Yogis erfahren ihn unmittelbar in ihrem eigenen Inneren.

16.38 Er tritt zuweilen hervor wie eine Blase im Ozean. Die Yogis nennen diese feine Entfaltung Bindu. [Die Wendung anudrutagataiḥ ist nicht sicher zu bestimmen.]

16.39 Dieser Bindu gliedert sich zweifach in Name und Benanntes. Indem die Namensseite hervortritt, entfaltet sich das Klang-Brahman.

16.40 Indem das Benannte hervortritt, entfaltet sich die zuvor beschriebene Bhuti. Höre nun vom Hervortreten der Namen, dem Mantraweg.

16.41 Die aus Bindu bestehende Kraft wird aus freiem Willen zur Benennung. Obwohl sie noch ohne einzelne Laute ist, besteht sie zunächst als das eine Anuttara-Prinzip.

16.42 Dieses gliedert sich in Vokale und Konsonanten. Höre noch genauer von der Entfaltung dieser Bindu-Kraft.

16.43 Sie tritt als Visrishta hervor, als höchste Lautschöpfung, einheitlich und doch von vielfältigen Bedeutungen und Lautverwandlungen erfüllt.

16.44 Sie ist unmittelbar Soma-Gestalt, Lakshmis Klangkörper, und entfaltet sich als Vokale und Konsonanten.

16.45 Das anfängliche Hervortreten als a heißt Anuttara. Die gesamte Sprache ist dieses Eine, in den jeweiligen Gestaltunterschieden erscheinend.

16.46 Wenn es will, wird es als i offenbar; wenn es sich öffnet, heißt es u. Diese drei Laute sind die Grundlage der Entfaltung aller Vokale.

16.47 Anuttara wird als Ananda, Glückseligkeit, zu ā; i wird durch seinen Willen als Ishana zu ī.

16.48 Das sich entfaltende u wird als una zu ū. Aus der Verbindung von Anuttara und Wille entsteht der Laut e. [Die Wortdeutung ūnarūpa bleibt unsicher.]

16.49 Durch erneute Verbindung mit Anuttara wird daraus ai. Aus der Verbindung von Anuttara und Entfaltung entsteht der Laut o.

16.50 Durch erneute Verbindung mit Anuttara wird daraus au. Diese vier werden als aus Lautverbindungen bestehende Gruppen bezeichnet.

16.51 Durch Verbindung von Anuttara und Wille wächst der Laut an und heißt e. Durch weitere Verbindung mit Anuttara heißt er ai, mit Souveränität erfüllt.

16.52 Durch die göttliche Verbindung von Anuttara und Entfaltung wird o als überall eingewoben beschrieben. Erneut mit Anuttara verbunden wird es durch Stärke zu au.

16.53 Aus der Entfaltung von a und r entsteht nach den Weisen ṛ; entsprechend aus a und l das ḷ. Anuttara hat dabei die a-Gestalt. [Die Angabe ekatribhāgayoḥ ist in dieser Lesung nicht eindeutig.]

16.54 Durch erneutes Wirken von Anuttara wird die Verlängerung gelehrt. So entfaltet sich durch vierzehn Wirkweisen die vielfältige Gestalten hervorbringende

16.55 ursprüngliche Kundali-Kraft Vishnus wie eine Schauspielerin. Ihre beiden feinen Formen sind Ursache von Schöpfung und Rücknahme.

16.56 Diese unaussprechliche große Seinsmacht, die Wirkkraft, tritt, bevor sie sich als Sprache entfaltet, zuerst in die Gestalt der Hervorbringung.

16.57 Dafür gelten Bezeichnungen wie Srishti, Sarga, Visarga und Visarjana. Sie steigt friedvoll und makellos aus Muladhara empor,

16.58 will sich mit den jeweiligen Prägungen gestalten, erreicht den Gegensatz von Schauendem und Geschautem und entfaltet sich als Wort und Bedeutung.

16.59 Im Nabel heißt sie Pashyanti und wird durch Yoga sichtbar. Diese Kraft Vishnus, seine Seinsmacht, ist die gestalttragende Mutter der Mantras.

16.60 Yogis, die sie mit ihrer Einsicht erreichen, gelangen an das Ende ihrer gebundenen Aufgaben. Diese wirkende Pashyanti ist Lakshmi, der Entfaltung zugewandt;

16.61 sie prägt das Hervorzubringende durch entsprechende Eindrücke, wird zur wirksamen Entfaltung und breitet sich im Herzlotus aus, summend wie eine Biene.

16.62 Als Bezeichnetes und Bezeichnendes gerät sie in Bewegung. Dabei stärken sämtliche auf das Bezeichnete bezogenen Prägungen die Erinnerungen.

16.63 Diese Wirkkraft nimmt, wenn sie einen bestimmten Gegenstand ausdrücken will, eine noch ungegliederte und unmanifest gebliebene Wortgestalt an.

16.64 Von Anuttara berührt steigt die hervorbringende Kraft in die Kehle. Wieder in Anuttara ruhend entfaltet sie die vierzehn Gestalten.

16.65 Mit Anuttara verbunden tritt sie in der Kehle als ha hervor. Dann nimmt sie die mit sa beginnende Gestalt an und umfasst die Konsonanten bis ka.

16.66 Wieder von Anuttara erfüllt ruht sie im Bindu. Bindu heißt Rücknahme; Visarga heißt Schöpfung.

16.67 Diese beiden, Schöpfung und Rücknahme, habe ich kurz erläutert. Höre nun von mir die vielfältige Reihe der Vokale.

16.68 Die zuvor genannten ersten drei Vokale gelten den Yogis jeweils als achtzehnfach gegliedert.

16.69 Die beiden als ṛ und ḷ beschriebenen Vokalgruppen besitzen achtzehn beziehungsweise zwölf Varianten.

16.70 Damit ergeben sich vierundachtzig Formen der fünf Vokale. Die vier zusammengesetzten Vokalgruppen werden folgendermaßen gegliedert:

16.71 Für e werden dreihundertvierundzwanzig Formen genannt; ferner werden fünftausendachthundert für die nächste Gruppe angegeben. [Der Wortlaut aikārā beziehungsweise anuṣṭubhām macht die Zuordnung hier unsicher.]

16.72 Der ai-Laut wird von den Kennern der Lautlehre entsprechend erläutert; o und au werden mit den jeweils entsprechenden Anzahlen beschrieben.

16.73 Die zusammengefasste Zahl der zusammengesetzten Vokale wird verschlüsselt durch „ramyau gaurau yam“ bezeichnet. Die Yogis schauen sie, andere Menschen erfassen sie gedanklich.

16.74 Die Gesamtzahl der Vokale wird durch „stabdhau gauro yam“ bezeichnet. Durch die Unterscheidung von Schöpfung und Rücknahme sind doppelt so viele Vokalformen anzunehmen.

16.75 Die drei Arten – mit Visarga, mit Bindu und ohne beide – werden mit der Zahlenformel „deho'rthaḥ saṅga“ zusammengefasst. [Die anschließende Angabe caturdaśa ist im Zusammenhang nicht eindeutig auflösbar.]

16.76 Die hervorbringende Form heißt Soma; Bindu wird Sonne genannt. Die ersten sieben Vokale gelten als Sonnenstrahlen,

16.77 die übrigen, beginnend mit ā, als Mondstrahlen. Die Sonne führt den Tag herbei, indem sie mit ihren Vokalen durch Pingala wandert;

16.78 Soma bringt die Nacht hervor, indem er mit seinen Vokalen durch Ida wandert. Vishnus höchste, unwandelbare und leuchtende Vokalkraft

16.79 bewegt sich durch Sushumna und entfaltet das Klang-Brahman. So habe ich dir den höchsten Weg der Vokale in Grundzügen erklärt.

16.80 Nun erkläre ich die Entstehung der Konsonanten; höre, o Seher. Jene mit Anuttara verbundene hervorbringende Form wurde zuvor als ha beschrieben.

16.81 Sie ist die Gestalt Vasudevas, der ersten göttlichen Entfaltung. Als Achyuta mit Bindu verbunden verschließt sie den ursprünglichen Grund

16.82 und entzündet beim Beginn des Yoga den feurigen Nada der Yogis. Achyuta, mit der hervorbringenden Kraft verbunden, bewirkt die aufsteigende Schöpfung,

16.83 und mit derselben verbunden auch die äußere Schöpfung. Aus ha geht sa, daraus ṣa und daraus śa hervor; dies sind die Hauch- und Zischlaute der Shakti.

16.84 Diese vierfache Gestalt heißt die vier Brahmanformen. Zusammen mit der Lautverbindung kṣa wird sie als fünf Brahmanformen bezeichnet.

16.85 Kṣa gilt in der Sattvata-Lehre als Bija Satyas. Andere nennen die Verbindung von ka und ṣa dessen beständige entsprechende Gestalt.

16.86 Aus śa entsteht va, daraus la, aus la ra und aus ra ya. Diese Gruppe heißt tragende Kraft, weil sie die Welt trägt.

16.87 Sie heißen auch innere Laute, weil sie im inneren Purusha ruhen, und Zustände in der Reihenfolge des Herabkommens des Herrn.

16.88 Aus ya, das in der Kraft des Herrn steht, entsteht ma. Der mit Anuttara verbundene Bindu wird als ma ausgesprochen.

16.89 Dieser gilt als Gesamtheit aller bewussten Wesen und als Bedeutung des Wortes „wir“ beziehungsweise „ich“: die höchste, grammatisch erste Person.

16.90 Durch feines göttliches Schauen entfaltet sich darin die als Erfahrungsgegenstand bestehende Prakriti; sie tritt aus ma gröber als bha hervor.

16.91 Als äußere und innere Erfahrungsinstrumente erscheint sie dreizehnfach in den Lauten von ba bis ṭa.

16.92 Die Weisen ordnen Buddhi, Ahamkara und Manas den ersten drei Lauten dieser Reihe zu; von na bis ta liegen die Erkenntnissinne.

16.93 Von ṇa bis ṭa liegen die Handlungsorgane. Die Erfahrungsgegenstände entstehen zweifach: Von ña bis ca entfalten sich die fünf feinen Elementprinzipien;

16.94 die andere Lautreihe von ṅa bis ka sind die fünf großen Elemente. Bei der Schöpfung der Prinzipien bedenke man jeweils, aus welchem Laut welcher hervorgeht.

16.95 Durch eine andere Artikulationsweise von la entsteht ein weiterer la-Laut. Damit sind vierunddreißig Konsonanten genannt. [Die Vorlage unterscheidet die beiden l-Laute schriftlich nicht zuverlässig.]

16.96 Durch die Verbindung jedes einzelnen mit Vokalen entstehen viele Varianten. Für ka werden vierundfünfzig Formen genannt;

16.97 ebenso für ki, ku und kṛ; für kḷ sechsunddreißig. Die Anzahl der ke-Formen wird durch „rasadhī“ bezeichnet.

16.98 Dieselbe Anzahl gilt nach den Yogis für ko. Für kai verwenden sie die Zahlenformel „stabdhasvārtho'yam“;

16.99 dieselbe Anzahl gilt für kau. Die sieben zusammen werden von den höchsten Sehern durch die Formel „deho'rthaḥ saṅga“ gezählt.

16.100 Die Gesamtzahl der Konsonantenverbindungen, nach den genannten Unterteilungen gegliedert, wird durch „nītimatpratibhā ha“ bezeichnet. [Die verschlüsselten Zahlwörter werden nicht ohne gesicherte Auflösung durch Ziffern ersetzt.]

16.101 Diese Anzahl entsteht aus der Verbindung von Vokalen und Konsonanten. Durch fortlaufende Verbindungen von einem, zwei, drei und mehr Konsonanten,

16.102 einfach oder mit Vokalen, ergibt sich die weitere Zählung. Mit vielfältigen Knospen wie Wörtern, Sätzen und Erkenntnismitteln geschmückt,

16.103 mit Lauten als Stamm und Erkenntnis als Wurzel, ist dies Vishnus Sprachkraft. Vishnu, der kraftvolle Gott der Götter selbst,

16.104 durchzieht diese Lautreihe in grober, feiner und höchster Form. Auf sein Geheiß ist diese göttliche Matrika, der Ursprung der Mantras, beständig von den verschiedenen Rudras durchwaltet, die Anteile meines Wesens sind.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 16: „Die Entstehung der Laute“.

Kapitel 17 – Die Bezeichnungen der Laute

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenes unaussprechliche göttliche Licht namens Sudarshana meditieren, das den Meditierenden stets Freude schenkt und dessen Haarlocken von Flammen durchzogen sind.

17.1 Narada sprach: Verehrung dir, Sharva, Allwissender und Überwinder aller Asuras! Wie die Laute in grober, feiner und höchster Weise

17.2 von Vishnu, dem Gott der Götter, und von den Rudras als deinen Anteilen durchwaltet werden, diese höchste Wirklichkeit erkläre mir bitte, Shankara.

17.3 Ahirbudhnya sprach: Die Laute bestehen aus Vishnus Kraft und entfalten sich durch seinen Entschluss. Höre, wie die verschiedenen göttlichen Gestalten sie durchwalten.

17.4 A heißt Prathama, Aprameya und Vyapaka – der Erste, Unermessliche und Alldurchdringende. Ā heißt nach den Weisen Ananda, Adideva und Gopana – Glückseligkeit, ursprünglicher Gott und Bewahrer.

17.5 I wird Ishta, Iddha und Rama genannt; ī heißt Vishnu, Panchabindu und Maya.

17.6 U heißt Udaya, Uddama und Bhuvana; ū heißt Prajnadhara, Lokesha und Urja.

17.7 Ṛ heißt Ritadhama, Satya und Ankusha; die anschließende Reihe nennt Jvala, Prasarana und Vishtara. [Im E-Text steht erneut ṛ; nach der Vokalfolge ist hier ṝ zu erwarten.]

17.8 Ḷ heißt Taraka, Lingatma und Bhagavan; ḹ heißt Dirghaghona, Devadatta und Virat.

17.9 E heißt Jagadyoni, Tryashra und Vigraha; ai heißt Aishvarya, Yogi und Airavana.

17.10 O heißt Odana, Otadeva und Vikrami; au heißt Aurva, Bhudhara und Aushadhatmaka.

17.11 Die folgende Reihe nennt Trailokyaishvaryada, Vyapi und Vyomesha; danach wird die hervorbringende Form als Srishtikrit, Visarga und Parameshvara bezeichnet. [Die Zeichen auṃkāra und aṃkāra sind hier auffällig; die Zuordnung zu Bindu und Visarga wird nicht stillschweigend berichtigt.]

17.12 Ka heißt Kamala, Karala und höchste Prakriti; kha heißt Kharvadeha, Vedatma und Vishvabhavana.

17.13 Ga heißt Gadadhvamsi, Govinda und Gadadhara; gha heißt Gharmamshu, Tejasvi und Diptiman.

17.14 Ṅa heißt Ekadamshtra, Bhutatma und Bhutabhavana; ca heißt Chandramshu, Chanchala und Chakri.

17.15 Cha heißt Chandahpati, Chaladhvamsi und Chandas; ja heißt Ajita, Janmahanta und Shashvata.

17.16 Jha heißt Jhasha, Samaga und Samapathaka; ña heißt Uttama, Ishvara und Tattvadharaka.

17.17 Ṭa heißt Vishvapyayakara, Chandri und Ahlada; ṭha heißt Dharadhara, Nemi und Kaustubha.

17.18 Ḍa heißt Mausala, Dandadhara und Akhandavikrama; ḍha heißt Vishvarupa, Dridhakarma und Pratardana.

17.19 Ṇa heißt Abhayada, Shasta und Vaikuntha; ta heißt Talalakshma, Vairaja und Sragdhara.

17.20 Tha heißt Dhanvi, Bhuvanapala und Sarvadharaka; da heißt Dattavakasha, Damana und Shantida.

17.21 Dha heißt Sharngadhrik, Dhama und Madhava; na heißt Nara, Narayana und Pantha.

17.22 Pa heißt Padmanabha, Pavitra und Pashchimanana; pha heißt Phullanayana, Langali und Shveta.

17.23 Ba heißt Vamana, Hrasva und Purnanga; bha heißt Bhallataka, Siddhiprada und Dhruva.

17.24 Ma heißt Mardana, Kala und Pradhana; ya heißt Chaturgati, Susukshma und Shankha.

17.25 Ra heißt Asheshabhuvanadhara, Anala und Kalapavaka; la heißt Vibudha, Dharesha und Purusheshvara.

17.26 Va heißt Varaha, Amritadhara und Varuna; śa heißt Shankara, Shanta und Pundarika.

17.27 Ṣa heißt Narasimha, Agnirupa und Bhaskara; sa heißt Amrita, Tripti und Soma.

17.28 Ha heißt Surya, Prana und Paramatma; kṣa heißt Anantesha, Varganta und Garuda.

17.29 Bindu heißt Rücknahme, Visarga heißt Schöpfung. Diese aus Vishnus Kraft bestehenden Gestalten sind grob, fein und höchst.

17.30 Einhundertfünfzig solche Gestalten, angefangen mit Aprameya, wurden genannt. Höre nun von den Rudra genannten Anteilen meines Wesens,

17.31 welche die Laute behüten und in ihnen wohnen, großer Seher: Shrikantha, Ananda, Sukshmesha, Trimurti und Amareshvara,

17.32 Anghrisha, Bharabhuti, Tithi, Sthanu, Bhava, Chandisha, Bhautika, Sadyojata und Anugraheshvara,

17.33 Akrura und Mahasena: Dies sind die Vokalgestalten. Danach folgen Krodhisha, Chandisha, Panchantaka und Shivottama,

17.34 Ekarudra, Kurma, Ekanetra, Chaturanana, Ajesha, Sarva, Somesha, Langali und Darika,

17.35 Ardhanarishvara, Umakanta, Ashadha, Dandin, Atri, Mina, Mesha, Lohita und Shikhin,

17.36 Chalaganda, Dviganda, Mahakala, Valin, Bhujangesha, Pinaki, Khadgisha und Baka,

17.37 Shveta, Bhrigu, Vakulisha und Samvartaka. So wurden meine Rudra-Gestalten genannt, welche die Laute bewahren. [Einzelne Namen besitzen in der Vorlage auffällige Schreibungen; sie werden nicht nach anderen Listen harmonisiert.]

17.38 Erkenne nun auch das aus Lauten bestehende Rad und den Lotus. Der Pranava gilt als Achse, Shakti als Nabe.

17.39 Die mit a, ka, ca, ṭa, ta und pa beginnenden Lautgruppen bilden die Speichenreihen; die mit ya beginnenden Laute den Radkranz, Garuda den äußeren Reif.

17.40 Beim Lotus ist der Pranava der Fruchtboden und Shakti die Staubfadenreihe. Die sechzehn Vokale, die Konsonantengruppen, die inneren Laute und die Hauch- und Zischlaute

17.41 bilden seine acht Blätter; Garuda heißt sein Glanz. So steht die mit einer Lautgirlande geschmückte Matrika in Rad und Lotus,

17.42 die große Göttin, Mutter der Mantras, Vishnus Kraft, deren Wesen die sechs Eigenschaften sind. Ihre Glieder bestehen aus den ursprünglichen Lauten, die Lautgruppen bilden ihren Schmuck.

17.43 Sie gleicht dem Inneren eines Lotus und trägt Muschelhorn und Lotus. Ihr Leib ist durch Pranava, Shakti und Shri gestaltet.

17.44 Die Vokale erfüllen ihr Gesicht; ka- und ca-Gruppe bilden ihre beiden Arme, ṭa- und ta-Gruppe ihre beiden Beine, die pa-Gruppe den Bauch der Heilvollen.

17.45 Ya und ra sind Lebensatem und Wärme der Göttin, la ihre herrliche Halskette, va ihr schöner Gürtel; śa und ṣa bilden ihre Ohrringe.

17.46 Sa ist ihr Herz, ha ihr inneres Selbst und kṣa ihr Glanz. Mit der Lautgirlande geschmückt und Schlinge und Elefantenhaken in den Händen soll der Einsichtige diese Vani betrachten.

17.47 Zunächst verehre er die Sprache mit dem noch zu lehrenden Mantra. Hat er die Erlaubnis der Göttin erhalten und die Lehrerreihe verehrt,

17.48 soll er Ganesha verehren und die gewünschten Mantras erschließen. Die Vishnu-Mantras erschließe der Einsichtige durch die Lautnamen Aprameya und die übrigen,

17.49 die Rudra-Mantras durch die Rudra-Namen und die Shakti-Mantras durch die Anteile Bharatis. Obwohl die Mantras alldurchdringend und ewig vollendet sind,

17.50 werden sie durch diese Betrachtung ihrer Entstehung kraftvoll wirksam. Wer aus Unverstand einen Mantra ohne die vorgeschriebene Reihenfolge erschließt,

17.51 dem bringen die Mantras nach der Warnung des Textes Unheil, weil er die Lehre übertritt. Wer dagegen einsichtig die ganze Reihenfolge bewahrt, dem gewährt der Mantra schon durch sein Studium Vollendung.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 17: „Die Bezeichnungen der Laute“.

Kapitel 18 – Die Gewinnung und Entschlüsselung von Mantras

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

18.1 Ahirbudhnya sprach: Zuerst soll man die Shakti hervorholen, die als Feuer und Soma besteht, in Vishnu und im höchsten Selbst ruht und wiederum die Durchdringende berührt.

18.2 Man nehme das Herz der Rede, verbinde es mit dem inneren Selbst, vereinige es nochmals mit dem Herzen und füge die beiden Hauchlaute hinzu.

18.3 Dann vergegenwärtige man sich die große Shakti mit den fünf Punkten und ihren Sitz; erneut betrachte man sie im Geist, wie sie sich auf den Herrn des Raumes stützt.

18.4 Diese göttliche große Shakti, geschmückt mit Mond, Sonne und Feuer, ist Vishnus leuchtende Gestalt namens Maya, die Herrschaft über die drei Welten verleiht.

18.5 Diese Shakti wird als grob, fein und höchst dargestellt. Sie ist, großer Weiser, der Ursprung der Sudarshana-Mantras

18.6 und der anderen vishnuitischen Mantras auf Erden, die Vishnus Entschluss verkörpern. Sie ist die höchste Shakti, Haris höchstes Ichbewusstsein,

18.7 mit den Knospen seiner jeweiligen Entschlüsse zu mannigfaltigen Lauten und Bedeutungen. Mit den sechs ersten Paarendlauten und den beiden Sechsergruppen der Anfangs- und Endvokale

18.8 wird die Bildung der Gliedmantras gelehrt, verbunden mit ihrer eigenen Shakti. Hat man diese vishnuitische Shakti im Geist bis zur inneren Zufriedenheit eingeübt,

18.9 soll man mit ungeteilter Aufmerksamkeit den großen Sudarshana-Mantra hervorholen. Den als Herz der Shakti bestehenden „Nektar“ versehe man mit dem „Unermesslichen“.

18.10 Dieses göttliche innere Selbst, das höchste Selbst, verbinde man unmittelbar mit dem „Ersten“; die darin befindliche „Erfüllung“ nehme man allein.

18.11 Der Verständige vergegenwärtige sich den darin befindlichen „Soma“ allein, sodann den darin befindlichen „Träger aller Welten“ und die darin befindliche „Freude“.

18.12 Man nehme das „Zeitfeuer“, das Übeltäter und Schuld wie Brennstoff verzehrt, und verbinde es mit dem „Durchdringenden“, das in vielerlei Weise erscheint.

18.13 Diese zehnsilbige große Vidya ist die Sudarshana-Shakti. Sie hat eine grobe, feine und höchste Gestalt und verkörpert Vishnus Entschluss.

18.14 Ihr höchster Sudarshana-Zustand folgt allen Zuständen Vishnus und lässt durch die mannigfaltigen Entschlüsse Sein und Nichtsein hervortreten.

18.15 Die feine Sudarshana-Shakti folgt den verschiedenen Entfaltungen vom Raum bis zur Erde und gliedert sich in Ursache und weitere Stufen.

18.16 Die grobe Gestalt des Rades ist Vishnus durch den Entschluss bestehender Zustand; sie vernichtet die Finsternis der jeweiligen Schuld und der Dämonenscharen.

18.17 Mit den verdichteten Vokal- und Konsonantengruppen ist diese viersilbige Form vollständig: Ursprung aller Vollkommenheiten, jenseits von Gewinn und Verlust.

18.18 Wenn die aus drei Lauten bestehende Lautgruppe gewöhnlich nach ihr steht, wird durch die beiden [Gruppen] diese weltschaffende Vidya sechssilbig. [Die gedrängte Lautanweisung ist nicht eindeutig aufzulösen.]

18.19 Man nehme das „höchste Selbst“, verbinde es mit dem „Aufgang“ und berühre wiederum die „Urnatur“: Dies ist die höchste Form des fünften Keimlauts.

18.20 Die „Sonne“, mit der mächtigen „Zeit“ versehen, heißt seine feine Form. Der „Träger der Welten“, mit „Lebenshauch“ verbunden, zermalmt Rakshasas und Schuld;

18.21 dies ist die grobe Form des unübertrefflichen fünften Sudarshana-Keimlauts. Nun nehme man Sankarshanas furchtbaren Pflug, seine höchste Waffe,

18.22 und verbinde ihn mit dem „Unermesslichen“ und allein mit dem „Mondschein“: Dies ist die höchste, strahlende Form des sechsten Keimlauts in Sudarshana.

18.23 Dieser unermessliche Glanz enthält den Sinn sämtlicher Lehrschriften in verdichteter Form. Damit, Narada, ist dir der höchste Zustand des sechsten Keimlauts gezeigt.

18.24 Er hat die Gestalt eines weit geöffneten Auges und ist von weit geöffneten Augen umgeben; ausgebreitet, vom „Ersten“ durchdrungen, leuchtend und die Welt auflösend,

18.25 wird er als feine Form des höchsten sechsten Sudarshana-Keimlauts bezeichnet. Denn er führt auf den rechten Weg, nachdem er äußere und innere Schuld abgeschnitten hat,

18.26 breitet sich durch wiederholtes Wachstum aus und erfüllt auch die Welt mit Kraft. Damit ist dir sein mittlerer Zustand, die feine sechste Form, gezeigt.

18.27 Die „Weiße“, vom „Durchdringenden“ durchdrungen und allein mit „Wonne“ verbunden, ist dir, Weiser Narada, als grobe sechste Form erklärt.

18.28 Wie ein Ackerbauer zuerst einen Baumstumpf fällt und verbrennt, dann die Samen, die Frucht bringen sollen, ausstreut und mit Wasser

18.29 nährt, sodass die Mühe endet, vielerlei Frucht heranwächst und er große Freude erfährt: So ist diese höchste sechste Form, Weiser.

18.30 So ist dir jene beständige sechzehnsilbige Shakti gezeigt. Von ihrer eigenen Shakti durchdrungen wird sie Gayatri genannt.

18.31 Diese Sudarshana-Shakti vernichtet den Keim des Werdens. Rezitiert, verehrt, im Feuer geopfert und meditiert, führt sie den Übenden wahrhaft hinüber.

18.32 Ihr besonderer Keimlaut ist die vortreffliche vierte Lautgruppe. Ihre besondere Shakti heißt „Erfüllung“, deren Wesen Soma und Nektar sind.

18.33 Aus ihrem ersten Laut ging der Purusha-Sukta hervor; aus dem zweiten Laut entstand, Weiser, der sogenannte Shri-Sukta.

18.34 Das Wissen, das zu „Sahas“, der Kraft, gehört, wird „Sahasrara“ genannt. „Sahas“ bedeutet Stärke; weil sie in ihrer Gesamtheit ausströmt,

18.35 heißt sie „Sahasra“; sie ist unendliche Belebung. „Ara“ wird als Wissen erklärt, ewig rein und makellos.

18.36 So ist die Sudarshana-Kraft eine Shakti aus Wissen und Handeln. Von selbst mächtig aufgehend zum Wohl der Welt,

18.37 wird sie Lebenshauch und Sonne, ist ihrem Wesen nach das höchste Selbst, vernichtet immerfort das Übel und erquickt die Welt.

18.38 Weiß und ganz überwiegend heiter, erfreut sie sich selbst immer wieder. Durch zusammengezogene und auseinandergelegte Sätze, Laute und Wörter

18.39 wurde der Sinn nur andeutungsweise erschlossen; vollständig lässt er sich nicht ausführen. Mit dem Pranava versehen heißt sie die Siebensilbige;

18.40 mit der eigenen Shakti versehen heißt sie die Achtsilbige; nochmals mit Shri verbunden wird sie die Neunsilbige genannt.

18.41 Höre nun ein Gliedmantra, durch das ihre Glieder vollständig werden. Zuerst hole man den „Mondstrahl“ hervor und schmücke ihn mit dem „Unermesslichen“.

18.42 Als zweite Lautgruppe hole man den „Träger aller Welten“ hervor, verbunden mit der „höchsten Natur“ und durchdrungen von „Freude“.

18.43 Dann nehme man die „Vierfache Bewegung“ und schmücke sie mit dem „Unermesslichen“. Darauf nehme man den „Nektar“, geschmückt mit dem „Träger des Nektars“

18.44 und mit „Freude“ verbunden; anschließend hole man das „höchste Selbst“ hervor. Mit „Freude“ erfüllt ist dieser Mantra der König sämtlicher Gliedmantras.

18.45 Er ist ein äußerst bewegliches, strahlendes Feuer, einer sich öffnenden Lotusblüte ähnlich, leuchtend wie tausend Sonnen und Feuer, dem Urgott an Glanz gleich.

18.46 Ewig erfüllt und aus Mantra bestehend wird er in seinem feinen Zustand beschrieben. Seine grobe Erscheinung hat furchtbare Gestalt und Farbe und ist mit zehntausend funkelnden Rädern versehen.

18.47 Nachdem sie durch ihren eigenen Lebenshauch und Glanz alles Übel vernichtet hat, nimmt sie die Gestalt von Mond und Sonne an und beschützt die drei Welten.

18.48 So ist der göttliche grobe Zustand des Rad-Mantras gezeigt. Wie man diesen Rad-Mantra mit verschiedenen Keimlauten in der Folge der Glieder, beginnend mit dem Herzen, verbindet, das höre nun von mir.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 18: „Die Gewinnung und Entschlüsselung von Mantras“.

Kapitel 19 – Mantras der Haupt- und Nebenglieder

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

19.1 Ahirbudhnya sprach: Jenes göttliche, aus Erkenntnis bestehende Prinzip ist die höchste Natur der fünf Eigenschaften, beginnend mit Stärke; es ist ewig rein und makellos.

19.2 Es heißt der Herz-Mantra, weil jener [Mantra] aus den sechs Eigenschaften besteht. Der Verständige soll die Lautgestalt, die es ausdrückt, im Geist hervorholen.

19.3 Weil es Erkenntnis ist, wird es in sechs Formen bezeichnet: „Unermesslicher“, „Erster“, „Durchdringender“, „Freude“, „Urgott“ und „Bewahrer“.

19.4 Man fasse der Reihe nach jene unvergleichliche, zu Sankarshana gehörende Erkenntnis zusammen. Durch die Verbindung mit den jeweiligen Besonderheiten wird der stets daraus bestehende Mantra näher bestimmt.

19.5 Durch diese Verbindung mit dem Zustand [der Erkenntnis] ist der Mantra-König selbst Erkenntnis. Zur Verdeutlichung füge man danach hinzu: „Dem Herzen Verehrung.“

19.6 Der ewige Wille des Gottes ist schön und entflammt, überall ungehindert und göttlich; durch den „Träger des Nektars“ näher bestimmt,

19.7 wird er mit dem Keimlaut „vī“ bezeichnet. Dies ist Haris große Herrschaftsmacht. Sie gehört zum Haupt, weil sie über allem steht.

19.8 Die höchste Form des Willens, deren Wesen Ungehindertheit ist, leuchtet auf und ist schön; sie ist die höchste Stütze des Nektars.

19.9 Der sie ausdrückende Keimlaut heißt „vī“. Mit ihm verbinde man das Haupt. Der damit verbundene Rad-Mantra, durch Herrschaftsmacht gesteigert,

19.10 erscheint dem Mantraübenden, indem er dessen Willen entflammt. Zur Verdeutlichung füge man danach hinzu: „Dem Haupt: Svaha.“

19.11 Jene unsterbliche, somagleiche höchste Kraft voller Erfüllung ist die Natur der Welt, die Herrscherin, Vishnus höhere und niedere Shakti.

19.12 Ihr reiner, mächtiger Aufgang in Gestalt der Welt wird mit „su“ bezeichnet. Durch diesen aufgegangen,

19.13 bestimmt die Shakti den ewigen Rad-Mantra durch ihre Gestalt. Durch sie näher bestimmt erscheint er als Shakti selbst.

19.14 Jene im Herzen befindliche Shakti wird von den Yogis Kundalini genannt. Ihre göttliche höchste Spitze hat die Gestalt einer Flamme;

19.15 sie steigt in den oberen Bereich und erstrahlt am Ort der Scheitelhaarlocke. Deshalb wird das Auflegen dieser Shakti dort gelehrt.

19.16 Zur Verdeutlichung füge man hinzu: „Der Scheitelhaarlocke: Vashat.“ Als „Urjas“ wird Vishnus eigene mächtige Stärke bezeichnet:

19.17 das höchste, ewig erfüllte Vermögen, Erkenntnis zu tragen. Wer mit allen Werken befasst ist, bleibt erfüllt, wenn Erschöpfung ausbleibt.

19.18 Diese Stärke wird als Träger aller Welten gepriesen. Als tragende Kraft in der Kraft entfacht, trägt sie die ganze Welt.

19.19 Jene vierfache Bewegung wird den Lebenswinden zugeschrieben; Vyana, Apana und die weiteren bilden diese vier Arten der Bewegung.

19.20 Der Lebenshauch in seiner vierfachen Bewegung wird Stärke genannt. Durch ihn siegt der unbesiegte Bhagavan Achyuta über alles.

19.21 Diese große vishnuitische Stärke besitzt jene Eigenschaften; unermesslich und anfangslos wird sie mit dem Wort „Sonne“ bezeichnet.

19.22 Durch Stärke näher bestimmt, besteht der Mantra als Stärke selbst. Die große, weitreichende Stärke ist im ganzen Körper verdichtet.

19.23 An beiden Schultern tritt sie hervor; deshalb lege man sie dort auf. Zur Verdeutlichung füge man hinzu: „Dem Schutzpanzer: Hum.“

19.24 Größe ist das Freisein von Mangel; dieses bedeutet Unveränderlichkeit. Der ungehinderte eigene Entschluss wird als Sinn der Silbe „su“ erklärt.

19.25 Wer durch seinen Entschluss die bewusste und unbewusste Welt hervorbringt und dabei unverändert bleibt: Dessen Zustand ist der große Sudarshana.

19.26 Das ist die in den Lehrschriften genannte Wirkmacht, deren Wesen die Bezwingung des Schlechten ist; sie stillt alle Verfehlungen und bringt den Welten Heil.

19.27 Die Unveränderlichkeit des höchsten Selbst, das die Dämonen niederwirft, wird als seine Wirkmacht vielfach mit „Mahasudarshana“ bezeichnet.

19.28 Durch Wirkmacht näher bestimmt, besteht der Mantra als Wirkmacht selbst. Ihr Ort ist die Handfläche; deshalb lege man sie dort auf.

19.29 Danach füge man zur Verdeutlichung hinzu: „Der Waffe: Phat.“ Was inneres Erwachen ist und die Finsternis der Urnatur vernichtet,

19.30 die aufsteigende Flamme dessen, der wie die Sonne glüht, die durch Herrschaft bedingte Unabhängigkeit von sämtlichen Personen,

19.31 das beständige Tragen des Nektars, das die Wiedergeburt vernichtet: Was ihm aus dieser Unabhängigkeit zukommt, wird sein Glanz genannt.

19.32 Dieser vishnuitische Glanz wird vielfach durch das Wort „Flamme“ bezeichnet. Durch Glanz näher bestimmt, besteht der Mantra als Glanz.

19.33 Der Ort des Glanzes ist das Auge; deshalb lege man ihn dort auf. Zur Verdeutlichung spreche man in umgekehrter Reihenfolge: „Vaushat, den drei Augen.“

19.34 So ist dir die Folge der Glieder in Gestalt der sechs Eigenschaften gezeigt. Der Verständige soll auch die Folge der Nebenglieder auflegen:

19.35 Auf Bauch, Rücken, beide Schultern, Oberschenkel, Knie und Füße lege er die mit „śa“ beginnenden Laute, verbunden mit dem „Durchdringenden“, den mit Erkenntnis beginnenden Eigenschaften und der Verehrungsformel.

19.36 So wird der Leib des Mantraübenden selbst zu den sechs Eigenschaften: unermesslich, Krankheiten vernichtend und ein Weg zu Himmel und Erlösung.

19.37 Der aus Wille bestehende Zustand, der sich durch Vishnus Entschluss entfaltet, heißt bei den Wissenden „Feuer“, weil er alles Übel verbrennt.

19.38 Durch Feuer näher bestimmt, besteht der Mantra als Feuer selbst. Mit ihm stelle man sich ringsum eine feuerförmige Schutzmauer vor.

19.39 Inmitten dieser Feuermauer wird man schwer anzuschauen. Während man die Rad-Gayatri vergegenwärtigt, versiegle man mit der Rad-Mudra

19.40 das Äußere ringsum, nach oben, unten und zu den Seiten. Die Rad-Mudra kann auch vor der Feuermauer ausgeführt werden.

19.41 [Zur verschlüsselten Bildung der Rad-Gayatri:] Zuerst das Herz und „dem Rad“, dann das Wort „mögen wir erkennen“; darauf das mit „Auge“ beginnende Wort des Mantra-Herrn, dann die feine Form und „mögen wir meditieren“.

19.42 Dann der erste und neunte [Bestandteil] der Gayatri und der „Ungehemmte“; darauf die Gesamtgestalt und das zehnte Wort der Gayatri. [Die Verweise bleiben ohne sichere Auflösung stehen.]

19.43 Damit ist die Rad-Gayatri gelehrt, die als siebenundzwanzigsilbig bezeichnet wird. Höre nun von mir diese Mantras der Sudarshana-Waffen.

19.44 „Om, Verehrung, erhabener Vishnu“ bildet bei allen denselben Anfang. Dann heißt es jeweils: „Du, der die Gestalt des Rades trägt“, „Du, der die Gestalt der Keule trägt“,

19.45 „Du, der die Gestalt des Sharnga-Bogens trägt“ oder „Du, der die Gestalt des Schwertes trägt“. Bei diesen vier Waffen, beginnend mit dem Rad, folgt das Wort „Heerführer“.

19.46 Nachdem man diesen allen gemeinsamen Teil gesprochen hat, spreche man den jeweils besonderen. Beim Rad ist es der sechssilbige Mantra-Herr; bei Keule und den weiteren

19.47 rufe man „Kaumodaki“, „großer Sharnga“ und „großes Schwert“ an. Danach füge man Schutzpanzer- und Waffenformel hinzu. Dies ist die Reihenfolge des Mantraverfahrens.

19.48 Damit sind die vier Gayatris für Rad und die weiteren Waffen gelehrt. Höre nun diese Mantras der vier Waffen, beginnend mit dem Muschelhorn.

19.49 „Om, Verehrung, erhabener Vishnu“ bildet bei allen denselben Anfang. Dann heißt es: „Du, der die Gestalt des Muschelhorns trägt“, „Du, der die Gestalt des Pfluges trägt“,

19.50 „Du, der die Gestalt des Stößels trägt“ oder „Du, der die Gestalt des Dreizacks trägt“. Danach spreche man bei allen gleichermaßen „Heerführer“.

19.51 Zusätzlich folgt beim einen Mantra „Dem großen Panchajanya: Svaha“, beim anderen „Dem großen Pflug: Svaha“.

19.52 Zusätzlich folgt „Dem großen Stößel: Svaha“; ebenso bildet „Dem großen Dreizack: Svaha“ die jeweilige Ergänzung.

19.53 Damit sind die vier Gayatris für Muschelhorn und die weiteren gezeigt. Höre nun die Mantras der acht Waffen, beginnend mit dem Stab.

19.54 „Om, Verehrung, erhabener Vishnu“ bildet bei allen denselben Anfang. Dann heißt es: „Du, der die Gestalt des Stabes trägt“, „Du, der die Gestalt des Speeres trägt“,

19.55 „Du, der die Gestalt des Wurfspießes trägt“, „Du, der die Gestalt der Schlinge trägt“, „Dem Träger der Elefantenstachel-Gestalt“, „Du, der die Gestalt des Donnerkeils trägt“,

19.56 „Dem Träger der Axtgestalt“ und dann „Hundertgesichtiger, du, der die Feuergestalt trägt“. Dies ist die Reihenfolge der besonderen Wörter.

19.57 Danach spreche man bei allen gleichermaßen „Heerführer“. Als besondere Ergänzung gilt beim Stab-Mantra: „Dem großen Stab Verehrung“.

19.58 Bei den nächsten lautet die besondere Ergänzung „Dem großen Speer Verehrung“ und „Dem großen Wurfspieß Verehrung“.

19.59 Bei den nächsten lautet die Ergänzung „Der großen Schlinge Verehrung“ und „Dem großen Elefantenstachel Verehrung“.

19.60 Ebenso heißt es „Dem großen Donnerkeil Verehrung“ und „Der großen Axt Verehrung“.

19.61 Dann „Dem großen hundertgesichtigen Feuer Verehrung“. Dieser Mantra hat dreiunddreißig Laute und den Glanz von zehntausend Feuern.

19.62 Damit sind dir diese Waffenmantras ihrer Gestalt nach gezeigt. Die Gestaltung des Sitzes, beginnend mit der tragenden Grundlage, die Verehrung bis hin zu den Toren,

19.63 die verschiedenen Mudras, wie sie jeweils zugehören, ferner das Verfahren der Weihebegießung und die Vorschriften der Initiation,

19.64 die Reinigung der Elemente und die verschiedenen Meditationen: All dies ist, abgesehen von den jeweiligen Besonderheiten, so auszuführen, wie es in der Jaya-[Samhita] gelehrt ist.

19.65 Für die hier genannten Waffen ohne eigene Mudra, etwa den Stab, soll man, großer Weiser, die göttliche Shakti-Mudra in Verbindung mit der Waffen-Mudra ausführen.

19.66 So habe ich dir das Sudarshana-Verfahren in Grundzügen erklärt. Nun wird die Art des Empfangens und der weiteren Schritte erläutert; höre sie, Weiser.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 19: „Mantras der Haupt- und Nebenglieder“.

Kapitel 20 – Mantraempfang und Einweihung

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

20.1 Ahirbudhnya sprach: Er kennt die Wahrheit der Veden und des Vedanta, ist in den Wissensgebieten bewandert, versteht prüfendes Erwägen und Verwerfen und widmet sich den Handlungen für Götter und Ahnen.

20.2 Er verbreitet keine Verleumdungen, begeht keine schlechten Taten, beneidet andere nicht um ihre Vorzüge und empfindet tiefes Mitgefühl bei ihrem Leid.

20.3 Er ist barmherzig gegen alle Wesen, freut sich über das Glück anderer, begegnet verdienstvollem Handeln mit Mitfreude und übel Gesinnten mit Gleichmut.

20.4 Er besitzt Askese, Zufriedenheit und Reinheit, widmet sich Yoga und Selbststudium, kennt die Vorschriften des Pancharatra und ist auch in anderen Tantras bewandert.

20.5 Er kennt die Unterschiede der Tantras und die tatsächlichen Aufgaben der Mantras, versteht Wortlehre, Satzlehre und Erkenntnismittel und ist in begründeter Erörterung erfahren.

20.6 Er kennt allgemeine Regeln und Ausnahmen, versteht Yantras, unterscheidet die Arten der Feuergruben und Mandalas und ist in der Ausführung der Rituale bewandert.

20.7 Er ist in der Erkenntnis des Selbst erfahren, friedvoll, gezügelt und Herr seiner Sinne und stammt aus guter Familie: Ein solcher Vaishnava heißt Acharya.

20.8 Ein Schüler, der das höchste Wohl sucht, soll sich gesammelt einem solchen Lehrer anvertrauen. Nach dieser Vorschrift ist er ein gereinigter, durch die Riten geheiligter Zweimalgeborener, demütig und seinen Gelübden treu.

20.9 Er ist verständig, lebt in Enthaltsamkeit oder bleibt seiner eigenen Frau treu; ohne Täuschung berichtet er wahrheitsgemäß, was er getan und unterlassen hat.

20.10 „Inmitten der Glut des Samsara werde ich durch meine eigenen Taten gequält. Ich habe bei dir Zuflucht gesucht und bin zu dir gekommen. Verehrter, unterweise mich!“

20.11 So soll der Schüler vor den vortrefflichen Lehrer treten. Dem Schüler, der sich so anvertraut hat und ohne Falschheit spricht,

20.12 der durch vielfache offene und verdeckte Prüfungen geläutert wurde, sich gleichbleibend erwiesen hat und die geheime Überlieferung bewahrt,

20.13 der weder verschlagen noch missgünstig ist und sich Gier, Verblendung und Ähnlichem nicht hingibt: Ihn prüfe man ein Jahr lang nach allen Seiten mit Umsicht.

20.14 Dem Unerschütterlichen teile man dann die Lehre mit, ihrem Umfang und ihrer Beschaffenheit entsprechend. Zuerst lege man die Göttin Matrika auf den eigenen Körper auf.

20.15 Mit den Lauten des Mantras vollziehe man das Auflegen auf Körperglieder und Hände. Mit dem dreifach gestalteten Mantra streiche man dreimal über jeden Unterarm,

20.16 ebenso über beide Handflächen; danach lege man die Laute auf die Finger. Mit den Spitzen beider Mittelfinger lege man auf beide Handflächen

20.17 Taraka, Tarika und Lakshmi auf, jeweils von Pranava am Anfang und Ende umgeben. Auf das mittlere Daumenglied lege man „Soma“, ebenfalls zwischen zwei Pranavas,

20.18 mit dem Punkt; auf das entsprechende Zeigefingerglied den „Lebenshauch“. Den dritten und die folgenden Laute lege man auf die Glieder der übrigen Finger.

20.19 Die höchste Waffe, den „Pflug“, lege man auf die oberen Fingerglieder. Den Seher lege man auf das Haupt, das Versmaß in den Bereich des Mundes.

20.20 Als Gottheit vergegenwärtige man im Herzen den anfangs- und endlosen Narayana. Als Seher der höchsten Mantraform gilt das höchste Selbst,

20.21 als Seher der feinen Form Sankarshana, und als Seher der groben Form gelte ich. Fünf Überlieferungszweige heißen Atharvangirasa, großer Weiser;

20.22 in ihnen liegt der göttliche Mantra-König selbst verborgen, der Vollender. Zu Beginn des Treta-Zeitalters übte ich zehntausend Jahre Askese;

20.23 auf göttliche Weisung Sankarshanas durchforschte ich in höchster Versenkung allmählich den ganzen Atharvaveda, gleichsam durchquirlend.

20.24 Wie Butter aus geronnener Milch wurde aus ihm beim Quirlen dieser ewige Mantra hervorgeholt, mit seinem Gefolge, seinen Gliedern und Nebengliedern.

20.25 Deshalb nennt man mich den Seher der groben Form des Mantra-Herrn. Als Versmaß gelten die göttliche, die brahmische und die seherische Gayatri.

20.26 Die Gottheit ist das höchste Selbst in höchster, feiner und grober Gestalt. Nun lege man den ewigen Mantra-Herrn auf die Körperglieder auf,

20.27 in höchstem, feinem und weiterem Zustand, strahlend wie Mond, Sonne und Feuer. Die mit Pranava beginnende Dreiergruppe kommt auf den Scheitel, „Soma“ auf die Stirn,

20.28 „Sonne“ auf den Mund, „srāṃ“ auf die Kehle, „raṃ“ auf das Herz und „huṃ“ auf den Nabel; „phaṭ“ auf die Wurzelstütze. [In der folgenden Anordnung:] die mit Tara beginnende Dreiergruppe auf das Herz,

20.29 „haṃ“, bis zur Wurzel reichend, auf den Nabel, „srāṃ“ auf beide Füße, „raṃ“ auf das Herz, „huṃ“ auf den Mund und „phaṭ“ auf den Kopfbereich; anschließend erfolgt die Handlung mit dem ganzen Selbst.

20.30 Danach lege man die mit dem Herzen beginnenden Glieder auf ihre eigenen Stellen; ebenso vollziehe man mit den Mantralauten das Auflegen auf die Nebenglieder.

20.31 Darauf erkenne man den Körper in drei Formen: grob, fein und höchst. Der sichtbare, mit Hauptgliedern, Untergliedern und Hüllen ausgestattete heißt grob.

20.32 Die „achtfache Stadt“ heißt der feine Körper; die höchste Form wird als atomhaft bezeichnet. In diesen dreifachen Mantra-Herrn, erfüllt vom Aufruhr der Flammen mit dem Glanz von Millionen Feuern und Sonnen,

20.33 versetze man in der Vorstellung den dreifachen Körper. Über das große, reine, göttliche, unvergängliche Licht im Geist und im Herzen meditiere man

20.34 als das eigene Selbst, ganz aus Narayana bestehend, den Herrn der Lichter. Dann tauche man das eigene Selbst in die Achse inmitten jenes Rades, deren Wesen Mond, Sonne und Feuer ist,

20.35 und hole es frei von eingeprägten Neigungen wieder hervor. Danach lasse man aus den ewigen Mantra-Herren in ihrem höchsten und den weiteren Zuständen

20.36 in eben dieser Reihenfolge jene Körper erneut hervorgehen. Man lasse das Selbst in sie eintreten und vollziehe wiederum das Auflegen,

20.37 vollständig so, wie zuvor das Auflegen auf Hände, Körper und weitere Stellen gelehrt wurde. Nun göttlich, mit Mantra als Leib, Mantra als Selbst und Mantra als Lenker,

20.38 trägt man die aus Vishnus Entschluss geborene Sudarshana-Gestalt. So schaue der Lehrer den Schüler der Reihe nach mit den aus Feuer, Sonne und Mond bestehenden Augen an.

20.39 Dann verbrenne er ihn geistig mit dem Mantra in dessen grober und den weiteren Formen. Gemäß der früher gelehrten Reihenfolge tauche er das Selbst des Schülers in das höchste Selbst ein

20.40 und vollziehe die ganze damit beginnende Folge. Auf den Leib des Schülers, der geistig ausgetrocknet, verbrannt und neu entstanden ist,

20.41 lege er in der entsprechenden Reihenfolge im Geist den Mantra auf. Danach ist dem Schüler der Mantra-Herrscher mit seinen Gliedern zu lehren,

20.42 mit seinem Sinn und seiner Verwirklichung, entsprechend jedem zuvor erklärten Zustand. Sobald der ewige Mantra-Herrscher auf diese Weise empfangen ist,

20.43 entsteht im Geist von selbst eine durch den Gott bewirkte Gewissheit. Hat der Mantrakenner diesen Mantra so ordnungsgemäß empfangen,

20.44 soll er sich als einer betrachten, dessen Ziel erfüllt ist, und dem Guru sich selbst sowie alles darbringen, was ihm gehört,

20.45 alles außer Schuldhaftem und Unerwünschtem. Nachdem er es so dargebracht hat, soll er selbst denken: „Mein Ziel ist erfüllt.“

20.46 Dem, der ohne Täuschung so gesinnt ist, offenbart sich der Mantra aus eigener Kraft. Nach dem jeweiligen Grad der inneren Haltung richten sich die Mittel wie Initiation und weitere Riten.

20.47 Nach einer förmlichen Initiation, nach geistiger Befähigung oder nach einer atharvanischen Läuterungszeremonie durch Mantra

20.48 soll der Guru diesen Mantra dem lehren, der dem Guru dient. Mit diesem so durch das Empfangen wirksam gewordenen Mittel, dem vollendeten Mantra, soll der Verständige schweigsam

20.49 zum Wohl der Welt handeln. Niemals soll das Verfahren für irgendeinen kleinlich Gesinnten oder für sich selbst

20.50 zu einem bloß weltlichen Zweck durchgeführt werden; das gilt als niedrige Handlung. Zum Schutz der drei Welten oder des Erdenkreises,

20.51 für ein Land, einen König oder einen einzelnen Herrscher darf das Verfahren ausschließlich dem Gedeihen dienen, niemals der Vernichtung.

20.52 Auf einem Berggipfel, an einem Flussufer, in einem Vishnu-Heiligtum, in der Einsiedelei von Sehern oder an einem Wohnort Vollendeter,

20.53 an einem Ort der Kühe oder einer Feuerstätte reinige man sich durch drei Kricchra-Bußübungen oder hunderttausend Gayatri-Rezitationen,

20.54 oder durch drei Bäder mit Brahmakurcha nach den Vorschriften der Sattvata-Lehre. Einen Tag lang betrachte man Haris Bild bis zu den Füßen.

20.55 Dann lebe man von erbettelter Nahrung, opfergeeigneter Speise oder Gerstenbrei; man halte ein Milchgelübde, esse Opferspeise oder richte sich nach dem, was man vermag.

20.56 Der Mantraübende rezitiere sechshunderttausendmal, vollziehe sechzigtausend Feueropfer, ebenso viele Wasserspenden und sättige dann Brahmanen.

20.57 Dem, der aufrichtig so handelt, zeigt sich der Mantra-Herrscher gnädig. Mit dem gnädig gewordenen Mantra soll Schutz aus Mitgefühl für die Welt gewährt werden,

20.58 auf Bitte eines Königs, niemals aus erbärmlicher Geldgier. Damit ist dir die ausführliche Lehre des Mantra-Herrn richtig gezeigt. Er soll von Kennern des Lautendes weitergegeben werden, keineswegs von beliebigen Menschen. [Der Ausdruck am Versende ist überlieferungsbedingt unsicher.]

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 20: „Mantraempfang und Einweihung“.

Kapitel 21 – Der lichtgestaltige Schutz

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

21.1 Narada sprach: Verehrung dem, der das Heil aller Götterscharen bewirkt! Verehrung dir, Feind der drei Städte; nochmals Verehrung dir, Herr der Gauri!

21.2 Ich habe deine höchst wunderbare, göttliche Rede vernommen, die selbst in den Vedanta-Lehren schwer zu finden ist. Dadurch ist mein Ziel wahrlich erfüllt.

21.3 Wieder möchte ich den herrlichen Nektar deiner Worte hören: Was ist der Schutz, den der Mantraübende mit dem Mantra bewirken soll, und wie ist er beschaffen?

21.4 Ahirbudhnya sprach: Der durch Mantra bewirkte Schutz ist zweifach. Der Verständige, der beständig im Mantra lebt, soll zuerst den aus Licht bestehenden und danach den aus Worten bestehenden Schutz ausführen.

21.5 Jenes göttliche große Licht, das unvergängliche ewige Brahman, ist die höchste Sonne der Sonne und der höchste Mond des Mondes,

21.6 das höchste Feuer des Feuers, der Glanz des Leuchtens und auch aller Glanzkräfte; ewig erfüllt, immer selig, frei von Aufgang und Untergang.

21.7 Dieses stelle man sich als die göttliche Achse vor. Als Nabe vergegenwärtige sich der Verständige die Shakti, die dieselbe Natur besitzt und von Brahman niemals weicht,

21.8 gestaltlos, unvergleichlich, stets die Welt wahrnehmend; sie nimmt Zuflucht und gewährt Zuflucht, zerschlägt und hört. [Die Wortfolge deutet den Namen Shri durch verwandte Verben.]

21.9 Sie ist große Seligkeit und großer Glanz, unveränderlich und frei von Begehren; ihre Macht sind Erkenntnis, Kraft, Stärke, Herrschaft, Wirkmacht und Glanz.

21.10 Ihre Formen sind unendlich über unendlich; sie ist unteilbar und durchdringt jede Unterscheidung: Nanda, Bhadra, Jaya, Purna, Rikta, Amrita und Hara,

21.11 dreigestaltig und jenseits der drei Gestalten, durch alle unmittelbare Wahrnehmung bestätigt, durch Verneinungen nicht zu verneinen, durch Vorschriften nicht vorzuschreiben,

21.12 unaussprechlich und doch die Sprache ermöglichend, ewig: Gauri, Lakshmi und Sarasvati. Als Speichen stelle man sich die fünf Tätigkeiten dieser Shakti vor:

21.13 Verhüllen, Erschaffen, Erhalten, Zurücknehmen und Begnaden. Als Radkranz stelle man sich die Vyuhas und die weiteren Vyuhas vor:

21.14 eine Fülle von Sein, Bewusstsein und Seligkeit, gekennzeichnet durch Regungslosigkeit und Regung, reine Grundlage allen Handelns, zugleich mit dem Bereich des Nichthandelns verbunden;

21.15 in Aufgang und Untergang stehend und doch davon frei, ewig jenseits aller Zustände und stets in vier Zuständen bestehend;

21.16 ohne Stufe und ohne Abfolge und doch mit vier geordneten Stufen; ohne Waffen und ohne Erregung und doch mit allen Waffen versehen;

21.17 Lehrschrift, deren Sinn und deren Untergliederung, kundig im Zuteilen der Früchte. Durch die Massen seines eigenen Lichtes, die Abermillionen und unzähligen Tausenden von Monden, Sonnen und Feuern gleichen,

21.18 vernichtet er jedes Aufkommen von Übel. Als die außerhalb des Radkranzes stehenden Flammen vergegenwärtige man sich die Herren der Vibhava-Erscheinungen,

21.19 strahlend wie tausend Monde, Sonnen und Feuer, Bewusstsein und Seligkeit als Wesen, mit allen Gestalten und ohne Gestalt, alle erwünschten Früchte verleihend.

21.20 Ihre leuchtenden Flammenscharen verzehren Rakshasas, Dämonenfürsten und Danavas. Als den Rauch, der aus den Flammenscharen aufsteigt, vergegenwärtige man sich die nichtreine Schöpfung.

21.21 Was man im Geist beschützen möchte – die drei Welten, die Erde, einen Herrschaftskreis, ein Land oder dessen Herrscher –, das stelle man sich in der Achse des Rades vor.

21.22 Wo der Mantraübende, ganz dem Sinn des Mantras hingegeben, so meditiert, dort verschwinden Schuld, seelische Bedrängnis und Krankheiten.

21.23 Plagen, Feinde und Leiden finden keinen Halt. Der König siegt beständig; seine Minister bleiben ihm stets zugetan.

21.24 Die Verbündeten freuen sich immerfort, die Freunde sind glücklich, die Verwandten festigen ihre Zuneigung, und gute Menschen sind unablässig gegenwärtig.

21.25 Die zu Versorgenden gedeihen und gelangen zu den Gütern des Wohlstands. Die Untertanen blühen beständig auf und begegnen einander wohlwollend.

21.26 Durch erfüllte Wünsche festigen sie den Dharma, durch Dharma vielerlei Wohlstand, durch Wohlstand ihre Wünsche und ebenso den Dharma in seiner ganzen Breite.

21.27 Durch Dharma festigen sie Wohlstand und sämtliche Wünsche; ebenso durch Dharma und Wohlstand die Wunscherfüllung und durch Wünsche und Wohlstand das andere [Lebensziel Dharma].

21.28 Durch Dharma und Wünsche sammeln die Menschen beständig Wohlstand. Alle sind ihrer eigenen Pflicht ergeben und haben Anteil am Heil.

21.29 Sie erlangen Erkenntnis des Erhabenen und erreichen die höchste Stätte. Damit ist dir der Lichtschutz in Grundzügen gezeigt. Höre nun, wie ich den gelehrten Schutz durch Worte vortrage.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 21: „Der lichtgestaltige Schutz“.

Kapitel 22 – Der Schutz in Mantragestalt

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

22.1 Ahirbudhnya sprach: Höre den aus Mantra bestehenden Schutz, den man Schutz durch Worte nennt. In ihm ist diese ganze Welt mit Göttern, Dämonen und Menschen eingewoben.

22.2 Der zuvor gelehrte sechssilbige Mantra-Herrscher ist den vortrefflichen Übenden eine wunscherfüllende Kuh, gesteigert durch unbegreifliche Wunderkraft.

22.3 Man stelle sich diesen Mantra verflochten mit den Keimlauten von Tara, Shakti und Shri vor. Dreimal umschließe man ihn mit Tara, ebenso mit Shakti und mit Shri.

22.4 Ringsum schreibe man sodann die mit „saha“ verflochtene Matrika. Außen schreibe man ringsum, mit dem Namen der zu schützenden Person durchsetzt,

22.5 den Mantra-Herrscher; nochmals außen Tara, Shakti und Shri. Dies ist die göttliche Gestaltung der Achse, selbst für Götter schwer zu erlangen.

22.6 Als Nabe gestalte man den Laut „srā“, umspielt von Shakti und Shri. Man umschließe ihn mit dem Mantra-Herrscher, der mit „srā“ verflochten ist.

22.7 Außen schreibe man die mit Shakti, Shri und Tara verflochtene Matrika. Dann schreibe man „Unermesslicher“, Tara, „Erster“, Shakti,

22.8 „Durchdringender“ und Shri der Reihe nach auf die östliche Speiche. Auf beide Seiten schreibe man den mit dem „Unermesslichen“ verflochtenen Mantra.

22.9 Die südliche Speiche beschrifte man in der mit „Uddama“ beginnenden Reihenfolge, die westliche in der mit „Prasada“ beginnenden Reihenfolge,

22.10 die nördliche entsprechend in der mit „Vyomesha“ beginnenden Reihenfolge. Dies ist die göttliche Vierspeichenform, auch von den Göttern hoch verehrt.

22.11 An Anfang und Ende der Speichen schreibe man den Mantralaut „r“. Die vier Speichen sollen so strahlen wie das Feuer am Ende der Zeit.

22.12 Ringsum gestalte man den Radkranz mit dem sechssilbigen Vishnu-Mantra, verflochten mit den Keimlauten von Shakti, Tara und Rama und von der Schutzpanzerformel umschlossen.

22.13 Shakti, Tara und Rama schreibe man ringsum je dreimal. Dann schreibe man die Matrika, verflochten mit „phaṭ“, Shakti, Tara und Shri,

22.14 auf den äußeren Radreifen. Dies heißt das vierspeichige Rad. Dieses aus Tara bestehende Rad mache man wiederum zur Achse.

22.15 Rings um das zuvor zur Achse gemachte Rad schreibe man den Mantra-Herrscher, verflochten mit den Keimlauten von Tara, Shakti und Rama.

22.16 Außen schreibe man die Buchstaben des Namens, durchsetzt mit der mit Tara beginnenden Dreiergruppe; den mit dem sechssilbigen Vishnu-Mantra verflochtenen Mantra-Herrscher

22.17 schreibe man außen ringsum. Noch weiter außen schreibe man die mit „saha“ durchsetzte Matrika. All dies vergegenwärtige man sich als Achse.

22.18 Als höchst wunderbare Nabe gestalte man „srā“, verflochten mit dem sechssilbigen Vishnu-Mantra sowie den Keimlauten von Shakti, Shri und Tara.

22.19 Auch die mit „srā“ verflochtene Matrika schreibe man ringsum. Dann „r“, Pranava, „r“, Pranava und Shakti,

22.20 dann „r“, Pranava, Shri und „r“: So beschrifte man, großer Weiser, die östliche Speiche, die wie das Zeitfeuer leuchtet.

22.21 Auf die südöstliche Speiche schreibe man den von Pranava umspielten Mantra. „r“, „viṃ“, Pranava, „r“, „viṃ“, Shakti, „r“,

22.22 „viṃ“, Shri und „r“ schreibe man auf die südliche Speiche. „r“, „ṣṇaṃ“, Pranava, „r“, „ṣṇaṃ“, Shakti, „r“,

22.23 „ṣṇaṃ“, [Shri und „r“ schreibe man auf die südwestliche Speiche. „r“, „veṃ“, Pranava, „r“, „veṃ“, Shakti, „r“,

22.24 „veṃ“, Shri] und „r“ schreibe man auf die westliche Speiche. [Die Klammern kennzeichnen eine Ergänzung der Textgrundlage.] Dann „r“, „naṃ“, Pranava, „r“, „naṃ“, Shakti und „r“,

22.25 „naṃ“, Shri und „r“ schreibe man auf die nordwestliche Speiche. „r“, „moṃ“, Pranava, „r“, „moṃ“, Shakti und „r“,

22.26 „moṃ“, Shri und „r“ schreibe man auf die nordöstliche Speiche. Auf beide Seiten schreibe man den mit dem jeweiligen Laut verbundenen Mantra.

22.27 Diese sechs Speichen sollen je zehn Laute haben. Dies ist die göttliche Sechsspeichenform, auch von den Göttern hoch verehrt. [Die zuvor genannte zusätzliche südöstliche Speiche stimmt mit dieser Sechserzählung nicht ohne Weiteres überein.]

22.28 Ringsum gestalte der Verständige den Radkranz mit dem achtsilbigen Mantra. Als Radkranz schreibe er den Laut „haṃ“, von Shakti, Shri und Tara umspielt.

22.29 Shakti, Tara und Rama schreibe man außen ringsum je dreimal. Als äußeren Radreifen schreibe man die mit „phaṭ“ verflochtene Matrika.

22.30 Dies ist das sechsspeichige, aus sechsundzwanzig Lauten gebildete Rad. Dieses hell strahlende sechsspeichige Rad mache man zur Achse;

22.31 mit dem achtsilbigen Mantra zeichne man ein achtspeichiges Rad, von großer Stärke, sehr furchtbar, dem Zeitfeuer an Glanz gleich.

22.32 Vernimm genau die Anordnung dieses Rades. Ringsum schreibe man den von der mit Tara beginnenden Dreiergruppe umspielten Mantra.

22.33 Außen schreibe man die Buchstaben des Namens, ebenfalls von dieser Dreiergruppe umspielt. Den mit dem achtsilbigen Mantra verflochtenen Mantra-Herrscher

22.34 schreibe man außen ringsum; noch weiter außen die mit „saha“ durchsetzte Matrika. All dies vergegenwärtige man sich als Achse.

22.35 Als höchst wunderbare Nabe gestalte man „srā“, verflochten mit dem achtsilbigen Mantra und den Keimlauten von Shakti, Shri und Tara.

22.36 Auch die mit „srā“ verflochtene Matrika schreibe man ringsum. Damit ist die Nabe erklärt. Außen schreibe man den achtsilbigen Mantra.

22.37 „r“, Pranava, Tara, „r“, Tara, Tarika, „r“, Tara, Shri und „raṃ“ schreibe man auf die östliche Speiche.

22.38 „r“, „naṃ“, Taraka, „r“, „naṃ“, Shakti, „r“, „naṃ“, Shri und „r“: So gestalte der Kundige die südöstliche Speiche.

22.39 „r“, „moṃ“, Taraka, „r“, „moṃ“, Shakti, das Paar „r“ und „moṃ“, Shri und „r“ schreibe der Verständige der Reihe nach auf die südliche Speiche.

22.40 „r“, „nāṃ“, Taraka, „r“, „nāṃ“, Shakti, „r“, „nāṃ“, Shri und „r“ schreibe man auf die südwestliche Speiche.

22.41 „r“, „rāṃ“, Taraka, „r“, „rāṃ“, Shakti, „r“, „rāṃ“, Shri und „r“ schreibe man auf die westliche Speiche.

22.42 „r“, „yaṃ“, Taraka, „r“, „yaṃ“, Shakti, „r“, „yaṃ“, Shri und „r“ schreibe man auf die nordwestliche Speiche.

22.43 „r“, „ṇāṃ“, Taraka, „r“, „ṇāṃ“, Shakti, „r“, „ṇāṃ“, Shri und „r“ schreibe man auf die nördliche Speiche.

22.44 „r“, „yaṃ“, Taraka, „r“, „yaṃ“, Shakti, „r“, „yaṃ“, Shri und „r“ schreibe man auf die nordöstliche Speiche.

22.45 Auf beide Seiten jeder Speiche schreibe man den mit dem jeweiligen Laut verbundenen Mantra. Diese Achtspeichenform ist hochheilig und wird von Göttern und Dämonen verehrt.

22.46 Ringsum gestalte man den Radkranz mit dem wunderbaren zwölfsilbigen Mantra. Außen schreibe man „huṃ“, verflochten mit Tara, Tara und Anutara.

22.47 Shakti, Tara und Rama schreibe man außen ringsum je dreimal; als äußeren Radreifen die mit „phaṭ“ verflochtene Matrika.

22.48 Dies ist das große Narayana-Rad, von Narayana gelehrt. Man mache es zur Achse und zeichne außen das zwölfspeichige große Vasudeva-Rad. Höre dessen Anordnung.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 22: „Der Schutz in Mantragestalt“.

Kapitel 23 – Die Yantras Vasudevas und weiterer Gestalten

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

23.1 Ahirbudhnya sprach: Nun wird die Reihenfolge für das zwölfspeichige Rad gelehrt; schon bei seiner bloßen Vergegenwärtigung werden Verfehlungen vernichtet.

23.2 Das zuvor erklärte Rad namens Narayana gestalte der Mantraübende nach der nun folgenden Vorschrift zur Achse.

23.3 Den mit Tara, Tara und Anutara verflochtenen Mantra-Herrscher schreibe man ringsum außerhalb des Narayana-Rades.

23.4 Außen schreibe man die Buchstaben des Namens, umspielt von der mit Tara beginnenden Dreiergruppe; den mit dem zwölfsilbigen Mantra verflochtenen Mantra-Herrscher

23.5 schreibe man außen ringsum und noch weiter außen die mit „saha“ durchsetzte Matrika. All dies vergegenwärtige man sich als Achse.

23.6 Als höchst wunderbare Nabe gestalte man „srā“, verflochten mit dem zwölfsilbigen Mantra sowie den Keimlauten von Shakti, Shri und Tara.

23.7 Auch die mit „srā“ verflochtene Matrika schreibe man ringsum. Damit ist die Nabe erklärt. Danach zeichne man die zwölf Speichen:

23.8 je zwei in den Hauptrichtungen und je eine in den Zwischenrichtungen. „r“, den jeweiligen Mantralaut, Tara, „r“, den Mantralaut und Tarika,

23.9 „r“, den Mantralaut und Lakshmi, schließlich „r“: Nach dieser Anordnung bilde man mit der zwölfsilbigen Vidya die zwölf Speichen,

23.10 beginnend im Osten und endend im Nordosten. Auf beide Seiten jeder Speiche schreibe der vorzügliche Mantrakenner den mit dem jeweiligen Laut verbundenen Mantra.

23.11 Dies ist die große zwölfspeichige Vidya, dem Herrn aller Wesen lieb. Als Radkranz gestalte man ringsum den großen Mantra namens Jitamta.

23.12 Außen schreibe man „huṃ“, verflochten mit Tara, Tara und Anutara; noch weiter außen ringsum Shakti, Tara und Rama je dreimal.

23.13 Als äußeren Radreifen schreibe man die mit „phaṭ“ verflochtene Matrika. Dies ist das von den Göttern gepriesene Rad namens Vasudeva.

23.14 Menschen wie ich vermögen seine Größe nicht auszusprechen. Man mache dieses Rad zur Achse und zeichne ein Rad mit zweiunddreißig Speichen.

23.15 Dieses heißt Ajita, der Unbesiegte, und wird von Göttern und Dämonen verehrt. Nun wird seine ordnungsgemäße Gestaltung gelehrt.

23.16 Das Rad namens Vasudeva gestalte man zu seiner Achse. Höre nun genau die Art dieser Anordnung.

23.17 Den mit Tara, Tara und Anutara verflochtenen Mantra-Herrscher schreibe der Mantraübende rings außerhalb des Vasudeva-Rades.

23.18 Außen schreibe man die mit Tara und den weiteren verflochtenen Buchstaben des Namens der betreffenden Person; ringsum außen den mit Jitamta verflochtenen Mantra.

23.19 Außen schreibe man die Matrika, durchsetzt mit dem Paar „sa“ und „ha“. Der Verständige erkenne dies als die richtige Achse des Ajita-Rades.

23.20 Als höchst wunderbare Nabe gestalte man „srā“, verflochten mit dem Mantra namens Jitamta sowie den Keimlauten von Shakti, Shri und Tara.

23.21 Auch die mit „srā“ verflochtene Matrika schreibe man ringsum. Dies ist die vom Lotusäugigen gebilligte Nabe.

23.22 Rings um sie zeichne man die zweiunddreißig Speichen, in den acht Richtungen der Reihe nach je vier.

23.23 „r“, Mantralaut, Tara, „r“, Mantralaut und Tarika, „r“, Mantralaut und Lakshmi, schließlich „r“: Nach dieser Anordnung

23.24 beschrifte man mit Jitamta die zweiunddreißig Speichen richtig; auf beide Seiten jeder Speiche schreibe man den mit dem jeweiligen Laut verbundenen Mantra.

23.25 Diese göttliche Zweiunddreißigspeichenform verleiht dem Gott der Götter Sieg. Als Radkranz gestalte man ringsum den höchsten Narasimha-Anushtubh.

23.26 Außen schreibe man „huṃ“, verflochten mit Tara, Tara und Anutara; noch weiter außen ringsum Shakti, Tara und Rama je dreimal.

23.27 Als äußeren Radreifen schreibe man die mit „phaṭ“ verflochtene Matrika. Dies ist das vom Lotusäugigen gebilligte Rad namens Ajita,

23.28 durch das der Lotusäugige noch heute alle Dämonen besiegt. Dieses höchst wunderbare Rad wird Vishnus Herrlichkeit genannt.

23.29 Der rechte Mantraübende, der beständig damit verbunden ist, besiegt die ganze Welt. Wird dieses Rad zur Achse gemacht, entsteht ein weiteres Rad,

23.30 ganz aus Mahavishnu bestehend, furchtbar und segensreich, den Tod zermalmend. Schuldloser, höre seine Anordnung, wie ich sie dir erkläre.

23.31 Den mit Tara, Tara und Anutara verflochtenen Mantra-Herrscher schreibe man rings außerhalb des großen Ajita-Rades.

23.32 Außen schreibe man die mit Tara und den weiteren verflochtenen Namensbuchstaben der betreffenden Person; den Mantra-Herrscher, verflochten mit dem mit „der Furchtbare, der Held“ beginnenden Mantra,

23.33 schreibe man ringsum außen, zusammen mit der mit „saha“ verflochtenen Matrika. Dies ist die schöne, ganz aus Mahavishnu bestehende Achse des Rades.

23.34 Als höchst wunderbare Nabe gestalte man „srā“, verflochten mit dem mit „der Furchtbare, der Held“ beginnenden Mantra und den Keimlauten von Shakti, Shri und Tara.

23.35 Auch die mit „srā“ verflochtene Matrika schreibe man ringsum. Dies ist die höchste, ganz aus Mahavishnu bestehende Nabe.

23.36 Rings um sie zeichne man zweiunddreißig Speichen, in den acht Richtungen der Reihe nach je vier.

23.37 „r“, Mantralaut, Tara, „r“, Mantralaut und Taraka, „r“, Mantralaut und Lakshmi, schließlich „r“: Nach dieser Anordnung

23.38 beschrifte man die zweiunddreißig Speichen mit dem Narasimha-Anushtubh; auf beide Seiten jeder Speiche schreibe man den mit dem jeweiligen Laut verbundenen Mantra.

23.39 Diese zweiunddreißigspeichige Vidya vernichtet die bösen Dämonen. Als Radkranz dieses Rades gestalte man die drei Versmaße:

23.40 Gayatri, Trishtubh und Anushtubh. Außen schreibe man „huṃ“, verflochten mit Tara, Tara und Anutara.

23.41 Shakti, Tara und Rama schreibe man außen ringsum je dreimal; als äußeren Radreifen die mit „phaṭ“ verflochtene Matrika.

23.42 Dieses höchst wunderbare, furchtbare große Narasimha-Rad, das die bösen Danavas vernichtet, ist als „Todbesieger“ überliefert.

23.43 Totengeister, Apasmara-Geister, Kushmandas, Daityas, Danavas, Rakshasas, Dakinis, Bhuta-Yoginis und die anderen grausamen Wesenheiten

23.44 vergehen jederzeit schon durch die Vergegenwärtigung dieses Rades. Wird dieses Rad zur Achse gemacht, entsteht das Rad des Lichtes.

23.45 Die drei Lichter sind gewiss die drei Versmaße, beginnend mit Gayatri. Höre die von den Ritualkundigen festgelegte Anordnung dieses Rades.

23.46 Jenes bekannte höchste Licht, das am Himmel unmittelbar sichtbar ist, ist die mit „jenes“ beginnende Gayatri, die höchste Mutter der Veden.

23.47 Jenes Licht im Agnihotra, das die dargebrachte Gabe trägt, ist die mit „dem Jatavedas“ beginnende Trishtubh, die feuerhafte Gestalt.

23.48 Jenes die Augen erfreuende Licht, das die Welt mit Säften nährt, ist die mit „den Dreiäugigen“ beginnende Anushtubh, die mondhafte Gestalt.

23.49 Die Welt wird durch die Lichter getragen, die erwecken, erwärmen und erfreuen; ihre Wirkweisen sind entgegengesetzt, und ihr Wesen ist Genießender und Genossenes.

23.50 Das zuvor gelehrte große, ganz aus Mahavishnu bestehende Rad gestalte der Mantraübende mit den drei höchsten Lichtern zur Achse.

23.51 Mit den Versmaßen gestalte man die Achse, zuvor mit Tara und den weiteren verflochten. Außerhalb des Mahavishnu-Rades schreibe man den Mantra-Herrscher.

23.52 Außen schreibe man auch die mit Tara und den weiteren verflochtenen Namenslaute; noch weiter außen schreibe der Mantraübende den mit den Versmaßen verflochtenen Mantra.

23.53 Außen schreibe man die Matrika, durchsetzt mit den beiden Lauten „sa“ und „ha“. Dies, Narada, ist die Achse des Lichtrades.

23.54 Als höchst wunderbare Nabe gestalte man „srā“, verflochten mit den drei mit „jenes“ beginnenden Versen sowie den Keimlauten von Shakti, Shri und Tara.

23.55 Auch die mit „srā“ verflochtene Matrika schreibe man außen. Dies ist die von Veda und Vedanta verehrte Nabe.

23.56 Dieses Rad soll hundert Speichen haben; höre seine Anordnung. Vom Nordwesten zum Südosten und vom Südwesten zum Nordosten

23.57 ziehe man zwei Schnurlinien und teile so in vier Bereiche. In jeden Bereich zeichne man fünfmal fünf Speichen.

23.58 So entstehen hundert Speichen. Höre ihre Beschriftung: Man schreibe die drei mit Gayatri beginnenden Verse hinein.

23.59 „r“, Mantralaut, Tara, „r“, Mantralaut und Taraka, „r“, Mantralaut und Lakshmi, schließlich „r“: Nach dieser Anordnung

23.60 beschrifte man gesammelt die Gayatri-Gruppe der Speichen zuerst mit der Gayatri und die Trishtubh-Gruppe mit der Trishtubh.

23.61 Die Anushtubh-Gruppe der Speichen beschrifte man mit der Anushtubh, in der Reihenfolge vom Osten bis zum Nordosten.

23.62 Auf beide Seiten jeder Speiche schreibe man den mit dem jeweiligen Laut verbundenen Mantra. Diese hundert Speichen sind hochheilig und von der höchsten Brahma-Waffe erfüllt.

23.63 Dreifach rückwärts geordnet, nach Versvierteln, Wörtern und Lauten, mit dem Glanz von Brahmas Stab, Brahmas Haupt und Brahmas Waffe,

23.64 gestalte der Verständige den inneren Teil des Radkranzes mit der Gayatri. Mit der rückwärts geordneten Trishtubh, welche die Feuerwaffe verkörpert,

23.65 gestalte der vorzügliche Mantrakenner den mittleren Teil des Radkranzes; mit der Anushtubh den dritten Teil,

23.66 wobei diese die Waffe des Dreiäugigen verkörpert und Laut für Laut rückwärts geordnet ist. Der Verständige schreibe sie rückwärts und mit dem Mantra verflochten.

23.67 Außen schreibe man „huṃ“, verflochten mit Tara, Tara und Anutara; noch weiter außen ringsum Shakti, Tara und Rama je dreimal.

23.68 Als äußeren Radreifen schreibe man die mit „phaṭ“ verflochtene Matrika. In den drei Welten ist dieses höchste Dreilichtrad bekannt,

23.69 durchdrungen von Scharen verschiedenster Waffen: das unversehrte Brahman-Licht. Außerhalb dieses Rades sind die fünf Hotri-[Formeln] mit ihren Graha-[Formeln] angeordnet,

23.70 ferner die Formeln der Opferausstattung, der Gattinnen, der Opfergaben und der Herzen. Außerhalb davon die Shatarudra-Texte, weiter außen die fünf Brahma-Formeln,

23.71 weiter außen Tvarita und der Purusha-Sukta, danach der Shri-Sukta, die Gayatri, die drei Vyahritis

23.72 und der Pranava: Diese Reihen schreibe man nacheinander ringsum. Dieses Rad besteht aus Brahman und ist aus sämtlichen heiligen Versmaßen gebildet.

23.73 Es stillt jedes Leid, vernichtet alle Verfehlungen und verleiht allen jederzeit die ersehnte Erfüllung schon durch bloßes Erinnern.

23.74 Außerhalb davon entfaltet sich das höchste Matrika-Rad. Ringsum schreibe man die Lautgruppe aus „Soma“, „Sonne“, „Aurva“ und dem Punkt.

23.75 Den mit Tara, Tara und Anutara verflochtenen Mantra-Herrscher schreibe der Mantraübende weiter außen. Wiederum schreibe man außen

23.76 die mit Tara und den weiteren verflochtenen Namenslaute; noch weiter außen die mit dem Mantra vermischte Matrika und außerhalb davon die mit „saha“ verflochtene Matrika.

23.77 Dies ist die Achse des Matrika-Rades. Mit Tara, Tara und Anutara sowie der Buchstaben-Matrika verflochten,

23.78 gestalte man „srā“ als höchst wunderbare Nabe. Auch die mit „srā“ verflochtene Matrika schreibe man außen.

23.79 Dies ist die höchste Nabe, die aus dem Laut-Brahman besteht. Dieses Rad soll tausend Speichen haben; höre seine Anordnung.

23.80 In die wie zuvor durch Schnüre abgeteilten Bereiche, beginnend im Osten, zeichne man jeweils fünf Gruppen zu fünfzig Speichen.

23.81 Mit zwanzig Fünfzigergruppen erhält die Fläche tausend Speichen. Mit Tara, Tara und Anutara, ebenso mit den drei mit Vagbhava beginnenden Keimlauten,

23.82 mit den vier Matrika-Keimlauten, mit den ersten Vokalen bis „Aurva“, verbunden mit den ersten vierzehn [Lauten], und mit den Buchstaben von „ka“ bis „kṣa“,

23.83 versehen mit dem „Verleiher der Herrschaft über die drei Welten“, entstehen fünfhundert Laute; ebenso viele mit „Schöpfung“ am Ende ergeben zusammen tausend.

23.84 So gestalte man die tausend Speichen. Höre die Anordnung: „r“, Mantralaut, Tara, „r“, Mantralaut und Taraka,

23.85 „r“, Mantralaut und Lakshmi, schließlich „r“: Nach dieser Anordnung beschrifte man die tausend Speichen, beginnend im Osten.

23.86 Dies ist die höchste Tausendspeichenform aus Laut-Brahman. „Herrschaft“, mit dem Punkt verbunden, nennt man Vagbhava.

23.87 Maya, auf den mit „Karala“ und „Vibudha“ bezeichneten Lauten ruhend und mit dem „Durchdringenden“ verbunden, ist der Kamaraja-Keimlaut. Mit „Soma“, „Aurva“ und dem „Durchdringenden“ verbunden,

23.88 ist sie der Sarasvati-Keimlaut. Dies sind die drei mit Vagbhava beginnenden. Auf „Zeitfeuer“, „Lotus“, „Sonne“ und „Wind“ ruhend,

23.89 ist Maya, mit dem „Durchdringenden“ verbunden, der erste Matrika-Keimlaut. Auf dem „Träger aller Welten“, „Sonne“ und „Feuer“ weilend,

23.90 mit fünf Punkten und dem „Durchdringenden“ versehen, heißt sie der zweite Keimlaut. Die Verbindung von „Freude“ und dem „Durchdringenden“, auf dem „Feinen“ ruhend, das sich auf „Soma“ und „Feuer“ befindet,

23.91 wird als dritter Keimlaut bezeichnet. Höre auch den vierten: „Zeitfeuer“ und „Bewahrung“, auf dem „Feinen“ ruhend, das sich auf „Soma“ und dem „Palmzeichen-Träger“ befindet,

23.92 zu einer Lautgruppe verdichtet und mit dem „Durchdringenden“ verbunden, bilden den vortrefflichen vierten Keimlaut. Dies sind die vier Keimlaute der Matrika, großer Weiser.

23.93 Bei der Anordnung der tausend Speichen schreibe der Mantraübende auf beide Seiten der Speichen den mit dem jeweiligen Laut verbundenen Mantra.

23.94 Ringsum schreibe er die rückwärts geordnete, mit Mantralauten verflochtene Matrika sowie „huṃ“, verflochten mit Tara und den weiteren.

23.95 Außen schreibe der Kundige Shakti, Tara und Rama je dreimal; als Radreifen die mit „phaṭ“ verflochtene Matrika.

23.96 Dies ist jenes Matrika-Rad, in dem alles gegründet ist. Den ersten Keimlaut der Matrika-Achse schreibe man außen auf den Radreifen.

23.97 Außen folgen Chintamani, weiter außen Para, dann Paravara und weiter außen Shri;

23.98 weiter außen Tarika, dann der höchste Taraka. Außerhalb davon schreibe man die Elefantenstachel-[Formeln] je dreimal und die Schlingen-[Formeln] ebenfalls je dreimal.

23.99 Außerhalb davon schreibe man ringsum die mit „Achakra“ beginnenden Glieder; noch weiter außen die Versiegelung der Richtungen. Höre deren Gestalt:

23.100 „Dem Purusha“, dann „Svaha“, der Name der Himmelsrichtung, „Amarshana“ und „saha“, danach „ich binde“ für das in der jeweiligen Hauptrichtung Befindliche.

23.101 „Dem Selbst“, dann „Svaha“, der Name der Zwischenrichtung, „Amarshana“ und „saha“, danach „ich binde“ für das in der jeweiligen Zwischenrichtung Befindliche.

23.102 Man schreibe die Rad-Gayatri und abschließend die Feuermauer. Außen das Raum-Mandala, versehen mit seinem Keimlaut,

23.103 außerhalb davon den Wind-[Bereich] mit seinem eigenen Keimlaut, danach den Feuer-[Bereich] mit seinem eigenen Keimlaut,

23.104 weiter außen das Wasser-Mandala mit seinem eigenen Keimlaut und außerhalb davon die Erdgestalt mit ihrem eigenen Keimlaut.

23.105 „Lebenshauch“, „Feiner“, „Feuer“, „Wässriger“ und „Herr der Personen“, jeweils mit dem „Durchdringenden“, bilden der Reihe nach die fünf Keimlaute von Raum und den weiteren Elementen.

23.106 „Feuer“, „Lotus“, „Sonne“, „Zermalmer“, „Feuer“, „Feiner“, „Aurva“ und „Urjas“, zu einer Einheit verdichtet

23.107 und mit dem „Durchdringenden“ versehen, heißen der höchste Keimlaut Chintamani. Die große Vidya namens Para besteht aus „Schöpfung“, auf „Aurva“ ruhend, der auf „Soma“ ruht.

23.108 Vishnu auf „Soma“, mit dem „Durchdringenden“, heißt Paravara. Mit der Sudarshana-Lautgruppe umschließe man die Erde.

23.109 Den Ursprung Sudarshanas umschließe man außen mit Tara. „Soma“, „Sonne“, wiederum „Soma“ und das Paar „Zeit“ und „Feuer“:

23.110 Dies ist die Sudarshana-Lautgruppe, fünf Konsonanten ohne Vokale. Diese Sudarshana-Gestalt leuchtet wie das Zeitfeuer.

23.111 Mit der nektarhaften Tara bringe man diese Lautgruppe zur Ruhe. Damit ist dir, Weiser, das aus Feuer und Soma bestehende Rad gezeigt. Meditiere stets über dieses Rad, den höchsten Glanz Vishnus.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 23: „Die Yantras Vasudevas und weiterer Gestalten“.

Kapitel 24 – Meditation über die Gottheiten der Yantras

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

24.1 Ahirbudhnya sprach: Dieses Rad, leuchtend im Glanz von Mond, Sonne und Feuer, ist dir erklärt, großer Weiser: aus Sprache bestehend, sämtliche Mantras umfassend, Ursprung aller Laute und alles durch Laute Bezeichneten.

24.2 Das innere Rad, das als Brahma-Rad gelehrt wurde, verleiht allein reine Einsicht, Weiser. Das wunderbare Vishnu-Rad verleiht Durchdringung, Glanz, Verstand und Tatkraft.

24.3 Das dritte, höchst wunderbare Rad verleiht strahlenden Ruhm und Wohlstand. Das vierte Rad wird von den Scharen der Weisen als Erlösung verleihend gepriesen.

24.4 Das fünfte verleiht Sieg und Ansehen; das sechste vernichtet schwere Krankheit und Tod. Das siebte bewirkt geistlichen Glanz; das achte dient Glück, Wohlstand und Sieg.

24.5 Die Frucht jedes einzelnen dieser acht Räder, die alle hervorragenden Yogis und Weisen verehren, ist dir nur kurz genannt. Selbst in vielen Zehntausenden von Jahren könnte ich die ganze Entfaltung dieses allumfassenden Wesens nicht beschreiben.

24.6 Der Mantraübende verehre die Mantragottheiten vorschriftsgemäß, nachdem er die durch die Mantralaute ausgedrückten Zustände unterschieden hat. Er betrachte sie hinsichtlich Gestalt, Shakti, Gefolge, Schmuck, Waffen, Wirkmacht und Machtbereich.

24.7 Im ersten Rad meditiere er über den uranfänglichen, makellosen Hari im Bereich des Pranava: Er erschafft, schützt, vernichtet und ordnet die ganze Welt und lässt Gnade aufsteigen; mit vollständiger Shakti gleicht er einem wellenlosen großen Meer.

24.8 Im Vishnu-Rad meditiere er über den Weißen mit heiterem Gesicht und langen Lotusaugen, gelbem Gewand, breiter Brust, den aus sich selbst Geborenen; seine kräftigen, langen Arme tragen Rad, Muschelhorn, Kaumodaki-Keule und Lotus.

24.9 Im dritten Rad meditiere er über Narayana mit Shri: dunkel schimmernd, gekrönt, den Augen Freude bringend, den Urgott, der in seinen vier herrlichen Armen Keule, Lotus, vortreffliches Muschelhorn und Rad trägt.

24.10 Im vierten Rad betrachte Vasudeva: weiß wie Jasmin und Mond, mit langen Augen wie Lotusblätter, reiner Gebetskette und makellos erhobener Erkenntnisgeste; zwei weitere Arme halten Rad und reines Muschelhorn.

24.11 Im Ajita-Rad betrachte man den uralten Purusha, einem silbernen Berg gleich, auf Garuda sitzend; seine acht mächtigen Hände tragen Muschelhorn, Rad, Lotus, Keule, Elefantenstachel, Schlinge, Sharnga-Bogen und Nandaka-Schwert.

24.12 Im sechsten Rad betrachte, Weiser, den Herrn Narasimha: Sein Leib ist mit dem Blut bestrichen, das aus der Dämonenbrust hervorquillt, die seine grausamen, furchtbaren, gekrümmten Krallenspitzen aufgerissen haben; seine drei schrecklichen Augen machen ihn schwer anzuschauen.

24.13 Betrachte, Weiser, den uralten Purusha, Herrn der Shri, unermessliche Ursache der Welt, in den Versmaßen ruhend: Inmitten eines Dickichts von Strahlenbündeln aus Mond, Feuer und Sonne trägt er Lotus, Keule, Rad und Muschelhorn.

24.14 Über ihrem eigenen Radhaus ist Matrika zu meditieren: Ihr Glanz gleicht Kuhmilch, Muschelhorn, Mondlicht, himmlischem Strom und Jasmin; ihre Hände halten reinen Lotus und Muschelhorn, ihr Gesicht lächelt heiter, ihre Augen sind lang wie Lotusblätter.

24.15 Als Haris Shakti im Chintamani vergegenwärtige man sich, Weiser, die hibiskusrote, dreiäugige Göttin, die mit ihren sechzehn Händen sechzehn bewegte Spieße trägt.

24.16 Die Göttin Para, die göttliche Shakti des höchsten Purusha, betrachte man kühl leuchtend wie der Vollmond, mit Erkenntnisgeste und dem zwischen ihren Armen gehaltenen Buch der Selbsterkenntnis, heiteren Gesichts und lotusäugig.

24.17 Die Paravara genannte Urkraft betrachte man lotusrötlich, rot gekleidet, mit großen Lotusblattaugen; ihre Hände zeigen Furchtlosigkeit und Gunst und halten Elefantenstachel und Schlinge. In feinem Glanz bestehend, ist sie Ursprung der höheren und niederen Prinzipien.

24.18 Diese Gottheit aller Wesen wohnt an der Seite des Herrn der Lakshmi; mit der Schlinge in ihrer Hand umfasst sie die ganze Schar der Seelen. Ihr Leib leuchtet rot wie Bandhuka- und Lotusblüten, ihre Brüste sind voll, ihre Lotusaugen rollen in Verzückung.

24.19 Von der gebeugten Seelenschar gepriesen, die ihr scharfer, krummspitziger Elefantenstachel festhält, ist Haris ursprüngliche, mächtige Shakti im göttlichen Elefantenstachel von dem in Versenkung Ruhenden zu meditieren.

24.20 Alle anfangs genannten, mit Achakra beginnenden Glieder haben die gleiche Gestalt wie der radförmige Gott. Auch Gayatri ist von der Farbe lodernden Feuers, an Macht dem Herrn des Rades gleich und mit vollen Brüsten versehen.

24.21 Die Guten nennen die Feuermauer das Flammengewirr, vor dem sämtliche Götterfeinde fliehen. Die im Raum befindliche Shakti betrachte man im Geist mit dem Glanz eines blauen Lotus und einer Girlande von tausend Sonnen.

24.22 Die im Wind befindliche Shakti betrachte man rauchfarben, am Leib eine Girlande aus der vierfachen Bewegung tragend. Die im Feuer befindliche Shakti betrachte man rot, mit einer Girlande aus tausend jungen Sonnen, „Zeitfeuer“ genannt.

24.23 Die im Wasser befindliche Shakti meditiere man als eine aus Nektar gebildete Gestalt mit einer Girlande aus unzähligen Varahas. Die Erd-Shakti des Urpurusha betrachte man im Glanz glühenden Goldes, erfüllt vom Herrn der Personen.

24.24 Die Sudarshana-Lautgruppe stelle man sich von der Gestalt unzähliger Zeitfeuer vor: mit einem wirren Kranz leuchtender Flammenzungen, deren Glanz vom ausströmenden Fett der in der Hitze siedenden Götterfeinde genährt wird.

24.25 Den Ursprung des Sudarshana-Mantras betrachte man mit Sonne, Mond und Feuer als Augen, von der Farbe der jungen Sonne, die ganze Welt durchdringend, von allen verehrt, mit Scharen von Armen tausend Räder tragend.

24.26 Dieser erhabene Schutz zum Wohl aller Welten ist in Grundzügen erklärt. Mit Zustimmung des Herrschers soll ein vortrefflicher Zweimalgeborener ihn unablässig und ohne Trägheit vergegenwärtigen.

24.27 Übel dringen niemals ein; sämtliche Besessenheitsleiden und Krankheiten fliehen. Die Erde gedeiht und trägt reiche Ernten; die drei Lebensziele der Menschen werden nicht beeinträchtigt.

24.28 Reich an Dharma, Wohlstand und Wunscherfüllung, langlebig, frei von Verfehlungen und von großem Ruhm und Ansehen, verehren sie den Herrn durch die vorgeschriebenen Handlungen, den Lehrschriften ergeben; am Ende gehen sie rein in den höchsten Purusha ein.

24.29 Damit ist dieses ganze göttliche Verfahren erklärt, Weiser. Brahmanen und Könige sollen sich ihm in gefestigter Versenkung widmen. Auch wer hier keine Versenkung besitzt und die Handlung nur leicht ausführt, erhält eine Frucht entsprechend seiner Bemühung.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 24: „Meditation über die Gottheiten der Yantras“.

Kapitel 25 – Die Größe des Sudarshana-Yantras

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

25.1 Narada sprach: Erhabener, du hast ausführlich und wahrheitsgemäß erklärt, was Ursache, Grundlage und maßgebende Ordnung dieser Welt ist,

25.2 ebenso Wesen und Mittel von Dharma, Wohlstand und Wunscherfüllung, die höchste Erkenntnis, die weitere Erkenntnis und die als Erkenntnis des Selbst bezeichnete Lehre.

25.3 Du hast die höchste Befreiung erklärt, die Bindung und ihre Mittel, ferner die Gliederung der sozialen Stände und Lebensstadien und im Einzelnen deren Pflichten,

25.4 sowie den Schutz aller Stände durch die Könige. Auch dieses göttliche Verfahren zum Schutz der Könige hast du beschrieben.

25.5 Wie aber soll der Schutz der Könige möglich sein, wenn das Kali-Zeitalter eintritt? Die Zweimalgeborenen werden weder Opfer vollziehen noch Gaben geben noch Feueropfer darbringen.

25.6 Nicht alle werden im Kali-Zeitalter ihren Sinn auf die eigenen Pflichten richten. Die Kräfte sämtlicher Mantras werden verhüllt werden.

25.7 Die Könige werden ohne Wirkmacht und ohne innere Stärke sein, mittellos, ihrer Reiche beraubt und von Räubern bedrängt.

25.8 Wenn das Kali-Zeitalter eintritt, werden die Kühe wenig Milch geben; die Menschen werden Hunger leiden und durch Dürre bedrängt sein.

25.9 Den Lehren der Häretiker ergeben, werden sie den erhabenen Janardana schmähen und Ähnliches tun, von Finsternis erfüllt und ohne Erkenntnis.

25.10 Wie soll in einer solchen, von Fehlern erfüllten Zeit das Schutzverfahren für Könige durch kraftlose Zweimalgeborene ohne innere Stärke gelingen?

25.11 Nenne mir mit Gewissheit das Mittel, durch das Schutz möglich wird. Wer außer dir, allwissender großer Herr, vermag es zu erklären?

25.12 Ahirbudhnya sprach: Gut, sehr gut, dass du dies gefragt hast, Narada! Es ist wahr: Im Kali-Zeitalter gelingt das Schutzverfahren durch Mantras nicht [in derselben Weise].

25.13 Dennoch werde ich es dir erklären, weil du ein Hingebungsvoller bist. Höre das höchste, geheime Schutzverfahren für alle Wesen und besonders für Könige,

25.14 die vortreffliche Essenz der Tantras. Narayana lehrte es mich im heiligen Badari-Ashrama,

25.15 um die schwere Verfehlung zu stillen, die ich durch das Abschlagen des Hauptes des Weltgroßvaters begangen hatte. Es stillt jede Bedrängnis und beseitigt jedes Leid,

25.16 verleiht alle Vollkommenheiten und ist die eine Ursache sämtlichen Glücks; es stillt fremden Schadenzauber, verleiht ein fremdes Königreich und bringt Heil,

25.17 beseitigt die Fehler des Kali-Zeitalters und vernichtet alle Feinde. Schon durch seine Vergegenwärtigung vergehen den Menschen die Feinde.

25.18 Die Räuber verlieren ihren Machtbereich und fliehen in alle zehn Richtungen. Wem das Yantra im Haus aufgestellt ist, dem gelingt alles.

25.19 Lässt ein König dieses Yantra ehrfürchtig in seinem Haus herstellen, so wird ihm der ganze Erdenkreis untertan, ohne Zweifel.

25.20 Damit habe ich die Größe des Sudarshana-Yantras beschrieben. Wer das mit Sudarshana verbundene Narasimha-Yantra

25.21 herstellen lässt, dem wird sogar die andere Welt untertan. Schon durch sein bloßes Zeichnen wird den Menschen alles zuteil.

25.22 Schon durch das Herstellen des Vishnu-Panjara-Yantras werden alle Gottheiten stets gnädig – wie viel mehr die Menschen und die übrigen Wesen!

25.23 Die gesamte vereinte Frucht dieser drei Yantras könnte selbst ich als Allwissender nicht vollständig beschreiben, Narada.

25.24 Durch das Herstellen des Mahasudarshana-Yantras erlangt der Zweimalgeborene die drei Welten – wie viel mehr den Erdenkreis!

25.25 An einer Stelle werden Sudarshana und Narasimha verbunden dargestellt, an einer anderen allein Sudarshana mit leuchtenden Gliedern; beide Seiten werden gestaltet, mit einem Geflecht von Waffen verbunden, im heiligen Vishnu-Panjara stehend und mit einem Geflecht von Mantras versehen.

25.26 Dieses eine Mahasudarshana-Yantra, für Menschen ohne Verdienst unerreichbar, schenkt denen Glück, die bei ihm Zuflucht nehmen; es besteht aus Glanz und wird von allen Welten verehrt. Wer den Sieg über alle Welten begehrt, lasse es herstellen.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 25: „Die Größe des Sudarshana-Yantras“.

Kapitel 26 – Kennzeichen des großen Sudarshana-Yantras

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

26.1 Narada sprach: Erhabener, ich möchte Aufbau und Merkmale dieses Yantras ausführlich hören. Erkläre es mir, der ich dich frage.

26.2 Ahirbudhnya sprach: Göttlicher Seher, ich werde seine Gestalt und seine Merkmale ausführlich darlegen. Höre meine Erklärung.

26.3 Der Übende fertige entsprechend seiner Befähigung ein verehrbares Yantra aus Silber, Gold, anderem Metall oder Stein.

26.4 Oder er zeichne es mit Farben aus Mineralien, Sandelholz, Kampfer, Safran und Aloeholz, beziehungsweise mit einer goldenen Nadel auf Stoff.

26.5 In die Mitte einer Mondscheibe setze man gesammelt Tara. In dessen Mitte zeichne man den roten Gott Sudarshana,

26.6 den Allgegenwärtigen mit gelbbraunen Augen und Haaren, rotem Gewand, sechzehn oder acht Händen und großem Glanz,

26.7 versehen mit den furchtbaren, vortrefflichen Waffen Schlinge, Elefantenstachel, Lotus, Stößel, Bogen, Muschelhorn, Keule und Rad, den Besten der Sieger.

26.8 Dies ist Vishnus höchste, ewige, aus Glanz bestehende Gestalt. Ihr Antlitz ist von den Flammen des siebenzüngigen Feuers umrankt, das aus ihren Fangzähnen hervorschießt.

26.9 Mit mannigfaltigem Schmuck geschmückt, furchtbar und die Haare sträuben machend, erfüllt sie durch ihren eigenen Glanz die ganze Welt und besitzt große Stärke.

26.10 Sie verlangt danach, das Blut der aufgerissenen Dämonen zu verzehren, gleicht hundert aufgehenden Sonnen und ist wegen ihrer Tatkraft berühmt.

26.11 Das Geistprinzip schließt sich ihr wegen ihrer Schnelligkeit beständig an; sie ist kundig im Genuss des Dienstes an Narayanas Lotushand.

26.12 Mit ihrer Geschwindigkeit zeigt sie den höchsten Weg von Vishnus Gedanken; denen, die ihr zugetan sind, verwirklicht sie schon durch das Erinnern sichtbare und unsichtbare Ziele.

26.13 Sie vernichtet die Gegner ihrer Verehrer, wird von den Göttern verehrt, und ihre Taten werden von Siddhas, Gandharvas und Danavas gepriesen.

26.14 Sie ist ganz dem Zerschlagen der Feinde ihrer Verehrer zugewandt und Zuflucht für die Zufluchtsuchenden, ein Meer ewiger, grenzenloser, makelloser, heilvoller Eigenschaften.

26.15 Hat man Sudarshana so dargestellt, immer selig, setze man an den Rand seiner Lotusfüße den Namen des Übenden.

26.16 Um die Mondscheibe zeichne man ein sechseckiges Feuerrad von unermesslichem Glanz, unfehlbar und alles verwirklichend.

26.17 Auf seine Ecken, beginnend im Osten, verteile man die sechs Mantralaute; in die sechs Zwischenräume der Ecken setze man der Reihe nach die Gliedmantras.

26.18 Außerhalb davon einen vierblättrigen Lotus. Auf seine Blätter setze man der Reihe nach die Schutzpanzer- und Phat-[Laute], mit dem Punkt versehen. [Die Verteilung auf vier Blätter ist im Wortlaut verkürzt.]

26.19 In die Zwischenräume setze der Übende die Halbvokale. Außen zeichne man einen achtblättrigen Lotus mit sechzehn Staubfäden im Innern.

26.20 Auf die Staubfäden schreibe man der Reihe nach die sechzehn Vokale, auf die Blätter den großen achtsilbigen Mantra.

26.21 Außerhalb davon zeichne man einen sechzehnblättrigen Lotus mit zweiunddreißig Staubfäden; auf diese schreibe man die Buchstaben von „ka“ bis „sa“.

26.22 Auf seine Blätter schreibe man den sechzehnsilbigen Vishnu-Mantra. Außen zeichne man einen Lotus mit zweiunddreißig Staubfäden und ebenso vielen Blättern.

26.23 Auf seine Staubfäden, der Reihe nach im Osten beginnend, schreibe man sorgfältig den höchsten Varaha-Mantra im Anushtubh-Versmaß.

26.24 Auf seine zweiunddreißig Blätter schreibe man der Reihe nach den großen Narasimha-Mantra im Anushtubh-Versmaß, unfehlbar und alles verwirklichend.

26.25 Außerhalb davon zeichne man einen Lotus mit vierundsechzig Blättern; auf diese setze man den Mantra namens Patala-Narasimha.

26.26 Dann setze man wiederum einen von acht Blättern umgebenen Lotus und schreibe auf seine Blätter den achtsilbigen Narasimha-Mantra.

26.27 Außen gestalte man ein Mahendra-Mandala, mit Donnerkeilen geschmückt, aus eigener Kraft flammend und mit allem Schmuck versehen.

26.28 Außerhalb davon setze der Verständige in die Hauptrichtungen, der Reihe nach im Osten beginnend, dessen Keimlaut zusammen mit dem eigenen Namen.

26.29 An die vier äußeren Ecken setze man ebenso die Halbvokale; in die inneren Bereiche der Ecken wiederum den zugehörigen Keimlaut.

26.30 Ringsum schreibe man alle Vokale in umgekehrter Reihenfolge; ebenso ordne man ringsum die Konsonanten von „sa“ bis „ka“ an.

26.31 Ringsum setze man das letzte Lautpaar, mit dem eigenen Namen durchsetzt. Dieses umschließe man mit Schlinge und Elefantenstachel.

26.32 Außen gestalte man unermüdlich eine umschließende Erdfestung. Ringsum setze man die verkörperten Formen, beginnend mit Keshava.

26.33 Er gleicht glühendem Gold, hat lange Lotusaugen, grenzenloses Mitgefühl und trägt Lotus, Muschelhorn, Rad und Keule.

26.34 Der Gott trägt ein gelbes Gewand und eine Waldblumengirlande; Halsketten, Oberarmreifen, Armspangen und Ohrringe schmücken ihn.

26.35 Vierarmig, von herrlichen Gliedern und mit heiterem Gesicht, ist er allgegenwärtig: Beginnend im Osten setze man den Gott Keshava, der die Leiden vernichtet.

26.36 Danach gestalte man Narayana, der Muschelhorn, Lotus, Keule und Rad trägt, von der Farbe einer dunklen Regenwolke und mit allem Schmuck versehen.

26.37 Dann betrachte man den unvergänglichen Gott Madhava, dunkel wie ein blauer Lotus, Lotus, Kaumodaki-Keule, Muschelhorn und Rad tragend.

26.38 Govinda von unermesslicher Kraft gestalte man der Mondscheibe gleich, mit Rad, Kaumodaki-Keule, Muschelhorn und Lotus als Waffen strahlend.

26.39 Vishnu, den Weltenherrn, gestalte man wie Lotusstaubfäden leuchtend, reich geschmückt, mit Keule, Lotus, Muschelhorn und Rad als Waffen.

26.40 Madhusudana, den Schatz des Mitgefühls, betrachte man einem roten Lotusblatt gleich, Rad, Muschelhorn, Lotus und Keule tragend.

26.41 Den Herrn Trivikrama gestalte man wie strahlendes Gold, versehen mit Rad, Kaumodaki-Keule, Lotus und Muschelhorn.

26.42 Dann betrachte man Vamana wie die junge Sonne leuchtend, reich geschmückt, mit Muschelhorn, Rad, Keule und Lotus.

26.43 Den Gott Shridhara, ein Meer guter Eigenschaften, gestalte man einem weißen Lotus gleich, mit Lotus, Rad, Keule und Muschelhorn.

26.44 Hrishikesha gestalte man lotusäugig und wie ein Blitz leuchtend; er trägt Muschelhorn und Lotus zusammen mit Keule und Sudarshana-Rad.

26.45 Padmanabha lasse man strahlend wie tausend Sonnen darstellen, Muschelhorn und Lotus sowie Keule und Rad tragend.

26.46 Danach erinnere man sich an Damodara, den allein durch Hingabe leicht erreichbaren Gott, einer Bandhuka-Blüte gleich, mit Lotus, Muschelhorn, Keule und Rad.

26.47 Hat man sie so der Reihe nach angeordnet, setze man ringsum ihre Namen, jeweils mit der Verehrungsformel am Ende, und „Beschütze diesen, beschütze ihn!“

26.48 Die Paare „yaṃ, śaṃ“, „raṃ, ṣaṃ“, „laṃ, saṃ“ und „vaṃ, haṃ“ setze man in die Hauptrichtungen, im Osten beginnend im Uhrzeigersinn.

26.49 Dieselben Paare setze man in die Ecken, im Nordosten beginnend gegen den Uhrzeigersinn.

26.50 Man umschließe dies mit der Schlinge und auch mit dem Elefantenstachel; das Ganze sei vom Hrillekha-Mantra mit seinem Keimlaut umgeben.

26.51 In die vier Hauptrichtungen, beginnend im Osten, setze man den unvergänglichen Vishnu, der Reihe nach mit Rad, Kaumodaki-Keule, Sharnga-Bogen und Schwert versehen.

26.52 Muschelhorn und Rad, die vortrefflichen Waffen, sind allen gemeinsam. In die im Südosten beginnenden Ecken setze man Hrishikesha;

26.53 diese Formen sollen Muschelhorn, Pflug, Stößel und Dreizack tragen. In die acht weiteren Zwischenrichtungen setze man Janardana.

26.54 Stab, Speer, Wurfspieß, Schlinge, Elefantenstachel, Donnerkeil, Axt und hundertgesichtiges Feuer

26.55 zeichne man der Reihe nach in ihre Hände. Jedem setze man sein Gefolge an die Seiten.

26.56 Auf der Erde vergegenwärtige man sich Purushottama als Varaha zusammen mit der Erdgöttin, den Gott mit Muschelhorn, Rad und Keule.

26.57 Im Luftraum betrachte man Narasimha von unermesslicher Kraft, furchtbar, mit vielfältigem Schmuck versehen, den Dämon aufreißend.

26.58 Im Osten vergegenwärtige sich der Verständige das Rad in einer großen Flamme; im Süden ebenso die Keule in einer Flamme.

26.59 Im Westen vergegenwärtige man sich den Sharnga-Bogen inmitten einer äußerst gewaltigen Flamme, im Norden das sehr schreckliche Schwert.

26.60 Auf der Rückseite des Yantras, inmitten des Radlotus, [zeichne man] ein Rad mit vierundzwanzig Speichen, schönem Radkranz und anmutiger Gestalt.

26.61 In die Radmitte setze man einen Lotus mit zwölf Blättern; an die Stelle seines Fruchtbodens setze man ein Feuer-Mandala.

26.62 In dessen Mitte [setze man] den ewigen höchsten Narasimha, dessen Körper vom Yogaband gehalten wird, vierarmig und vier Räder tragend,

26.63 am Fuß eines Ashoka-Baumes sitzend, leuchtend wie das Zeitfeuer, mit allem Schmuck versehen, das Leid sämtlicher Verehrer hinwegnehmend,

26.64 ein großes Meer, erfüllt von unzähligen heilvollen Eigenschaften, stets voller Mitgefühl für seine Verehrer, der eine Herr aller Welten.

26.65 Nachdem man ihn so dargestellt hat, setze man an seine Füße zwei furchtbare Gestalten, die seinen Befehl ausführen und deren Leiber dunklen Regenwolken gleichen.

26.66 Man stelle sie hochgewachsen dar, mit furchtbaren Augen, furchtbaren Waffen, durch Fangzähne schrecklichen Gesichtern und runden Augen.

26.67 Dann betrachte man rings um das Rad acht Frauen, seine Shaktis, jugendlich und mit hochgebundenem Haar,

26.68 mit allem Schmuck versehen, zweiarmig und Girlanden tragend. Im Osten betrachte man die gelbe Göttin Jaya,

26.69 im Südosten die dunkle, langäugige Göttin Mohini, im Süden die schwarze Göttin Vijaya,

26.70 im Südwesten die rote Göttin Hladini, im Westen die höchste gelbe Ajita,

26.71 im Nordwesten die ewige schwarze Maya, im Norden die rote Aparajita,

26.72 und schließlich im Nordosten die rauchfarbene Siddhi. So ist dieses große Yantra, das schwere Verfehlungen vernichtet,

26.73 Lebensdauer, Gesundheit und Reichtum verleiht, Kinder, Freunde und Gattin schenkt, alle Hindernisse stillt und alles Schädliche fernhält.

26.74 Wofür jemand das Yantra zeichnet, das verleiht es ihm. Man fertige ein goldenes Yantra, reich mit Edelsteinen, Korallen und Perlen besetzt.

26.75 Ist der Auftraggeber ein König, erlangt er ein unbedrängtes, unversehrtes Reich. Zeichnet man es mit Safran und Sandelholz auf Birkenrinde,

26.76 so wird dem Menschen, der es auf dem Kopf trägt, alles Gewünschte zuteil. Pishachas, Schlangenwesen und Rakshasas weichen rasch von ihm.

26.77 Wer hier auf Erden eine steinerne Darstellung davon einsetzt, erlangt hier alle Wünsche und danach Vereinigung mit Vishnu.

26.78 Wer als Verständiger ein Bild aus Metall oder Silber anfertigt, erlangt die Frucht der drei Lebensziele und bald darauf Nirvana.

26.79 Wer ein Heiligtum vom ersten Pflügen des Baugrunds bis zur Weihe errichtet, dessen Nachkommen erlangen ebenfalls unübertreffliche Welten des Verdienstes.

26.80 Wer sich beim Eintreten von Gefahr, in der Schlacht oder im Streitgespräch daran erinnert, dem liegt der Sieg in der Hand; daran ist kein Zweifel nötig.

26.81 Wer dieses unübertreffliche Yantra zu den drei Tagesübergängen verehrt, wird von den drei Arten des Leids befreit und in Vishnus Welt geehrt.

26.82 Höre nun die Besonderheit beim Schutz der Könige, Narada. Wer ein Reich begehrt, sein Reich verloren hat oder von anderen Königen gedemütigt wurde,

26.83 soll den höchsten Guru, der das Sudarshana-Yantra übermittelt, höher als alle anderen achten und ihn mit großen Gaben verehren.

26.84 Dann verehre er den Gott Narayana mit langen Lotusaugen, dunklem Leib, gelbem Gewand und allem Schmuck,

26.85 vierarmig, gemäß der vom Lehrer gegebenen Vorschrift. Aus geläutertem Gold, mit Edelsteinen und Korallen verziert,

26.86 lasse er das vortreffliche Yantra mit allem Schmuck herstellen. Schon durch seine Herstellung erlangt er ein unversehrtes Reich.

26.87 Er setze es ein und verehre es ehrfürchtig, da es alle Vollkommenheiten verleiht. Dann erlangt er die Erde mit ihren sieben Inselkontinenten und Städten.

26.88 Siddhas, Gandharvas und Danavas bleiben ihm stets untertan; auf Erden regiert er die gesamte Herrschaft der drei Welten.

26.89 Der von anderen gegen ihn gerichtete Schadenzauber erreicht ihn nicht; erschrocken kehrt er zum Ausführenden zurück, wie ein Fluss, der auf einen Berg stößt.

26.90 Dürren schwinden, Feinde fliehen. Furcht vor vorzeitigem Tod, wilden Tieren, Raubtieren, Dieben, Krankheiten und Ähnlichem

26.91 gibt es in seinem Reich nicht; in seinem Geschlecht wohnt Stärke. Alle erfüllen stets ihre eigenen Pflichten, Weiser.

26.92 Als einst Shachis Gemahl durch Durvasas' Fluch sein Reich verloren hatte, gewann er durch die Gnade dieses Yantras den ganzen Himmel wieder.

26.93 Hari lehrte dieses große Yantra einst Brahma. Brahma rief Vishvakarman und ließ es anfertigen,

26.94 ebenso ein Heiligtum. Seither vollzogen Götter, Gandharvas, Danavas und frühere Könige mit ihm das Schutzverfahren. Deshalb ist dies für alle Könige das höchste Schutzverfahren.

26.95 Man vergegenwärtige sich den König der Yantras, der strahlenden Scheibe der jungen Sonne gleich, bei dem Götterscharen mit dem Lotusgeborenen an der Spitze Zuflucht suchen, umgeben von den fünf Elementen und bedient von Urnatur, Mahat und Ichmacher.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 26: „Kennzeichen des großen Sudarshana-Yantras“.

Kapitel 27 – Das tragende Yantra

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

27.1 Narada sprach: Die ausführliche Lehre des Yantra-Königs, des Gottes der Götter, ist erklärt: seine Gestalt, seine Verwirklichung, seine Art und seine Frucht.

27.2 Nun möchte ich dies hören, erhabener höchster Herr: Wovon wird dieser höchst wunderbare göttliche Schmuck getragen?

27.3 Bei niemandem erkenne ich die Fähigkeit, ihn zu tragen, so übermächtig ist er. Bitte löse mir diesen Zweifel.

27.4 Ahirbudhnya sprach: Es ist wahr: Niemand vermag dieses hell strahlende Gebilde zu tragen außer einem anderen, kraftvollen Yantra, göttlicher Seher.

27.5 Höre nun, bester Weiser, dessen Gestalt und Wirkmacht. Zuerst zeichne man ein Mahendra-Mandala, dessen Wesen Erde ist,

27.6 mit allem Schmuck versehen und den Kennzeichen des Yantras bezeichnet. In seine Ecken setze man den vortrefflichen Erd-Keimlaut.

27.7 Ringsum wird es von acht Nagas getragen, beginnend mit Shesha. An der Ostseite des Mandalas zeichne man die beiden furchtbaren, schrecklich blickenden

27.8 Shesha und Gulika, die einander ansehen; Vasuki und Shankhapala, ebenfalls einander anblickend,

27.9 setze der Übende auf die Südseite. Im Westen zeichne man entsprechend Takshaka und Mahambuja,

27.10 im Norden Karkotaka und Ambuja, Weiser. In die Mitte zeichne man, von einem Wirbel großer Flammengirlanden umstrahlt,

27.11 ein sechseckiges Feuer-Mandala mit seinem Keimlaut. In dessen Mitte zeichne man ein Wind-Mandala,

27.12 rund, mit einem Punkt und dem zugehörigen Keimlaut versehen. In seine Mitte setze man ein unvergleichliches Rad mit flammendem Radkranz,

27.13 mit zehn Speichen versehen und Feinde zermalmend. Den Mantra dieses Sudarshana-Narasimha setze man

27.14 mit je zwei Lauten der Reihe nach auf neun Speichen; auf die zehnte Speiche setze man das Wort „Töte“.

27.15 In die Radmitte setze man einen achtblättrigen Lotus, schön mit Fruchtboden gestaltet und von Staubfäden geschmückt.

27.16 Auf seinen Fruchtboden schreibe man Tara, der über den Samsara hinüberführt; danach das ersehnte Anliegen und den Namen der betreffenden Person.

27.17 Dies ist höchst göttlich, das Heilvollste unter dem Heilvollen, das Reinste unter dem Reinen und ein Mittel gegen Bedrängnis durch Räuber,

27.18 alle Ziele verwirklichend, furchtbar, von der Welt verehrt und unübertrefflich. Als einst die Götter von den Daityas überwältigt wurden, rief Vasava

27.19 Brihaspati herbei und sprach: „Diese Daityas und Danavas bedrängen uns außerordentlich.

27.20 Durch welches Mittel, Erhabener, werden wir die großen Asuras besiegen? Wie wird ihre Kraft schwinden? Sage es, Erhabener!“

27.21 So von Maghavan angesprochen, sagte Brihaspati: „Durch die Herstellung des Sudarshana-Narasimha-Yantras

27.22 werden hier alle Feinde der Götter vernichtet, Vernichter Balas.“ So sprach er und stellte in Maghavans Stadt das Yantra auf,

27.23 aus Gold, reich mit Edelsteinen, Korallen und Perlen besetzt, von unermesslichem Glanz. Seitdem verloren die Daityas Glück und Glanz;

27.24 besiegt und ihrer Wohnstätten beraubt, flohen sie in alle Richtungen. Dieses von den Göttern hoch verehrte Yantra besitzt solche übergroße Wirkmacht.

27.25 Durch eben dieses Yantra wird, göttlicher Weiser, das höchste wunderbare Sudarshana-Yantra getragen, indem jenes ihm als Sitz dient.

27.26 So habe ich dieses Mahasudarshana-Yantra erklärt, das durch die Wirkmacht des Sudarshana-Narasimha-Yantras getragen wird.

27.27 Nur eine solche Erde vermag dieses ausgezeichnete Yantra zu tragen, deren schützender König rechtschaffen und von entschlossener Tatkraft ist,

27.28 Götter, Zweimalgeborene, Lehrer und Weise verehrt und fest im Glauben steht. Der König verehre es unermüdlich in Radgestalt,

27.29 in Menschengestalt oder ebenso mit zwei Seiten. Der Verständige ehre besonders den Übermittler dieses Mantras.

27.30 Der König selbst lasse die Handlungen vom Pflügen des Baugrunds bis zur Weihe nach dem für diesen Mantra gelehrten Weg ausführen,

27.31 nach dem in den Tantras, beginnend mit der Sattvata-Samhita, vorgeschriebenen Verfahren. Die für den Sudarshana- oder den Narasimha-Mantra

27.32 in den Ritualanleitungen bestimmten Verfahren werden in dessen Gegenwart sämtlich vollständig wirksam, durch seine Macht in Gang gesetzt.

27.33 Deshalb setze man es nach dem gelehrten Weg ein und verehre es. Der König erlangt Herrschaft, Sieg, Glück, Lebensdauer und Gesundheit.

27.34 Dem König, der es beständig verehrt, wird die ganze Erde mit sieben Inselkontinenten, vom Meer wie von einem Gewand umhüllt, untertan.

27.35 Man errichte einen Tempel mit den vorgeschriebenen Merkmalen und einen vortrefflichen Sitz; dort lasse man auch vorschriftsgemäß die Feuergrube für diesen Mantra anlegen.

27.36 Der Übende, der die Vorhaben des Königs verwirklicht, bringe gesammelt mit diesem Mantra Opfer in dieser Feuergrube dar.

27.37 Wird das Schutzverfahren für den König allein mit diesem Mantra ausgeführt, lege man in einem schönen Vishnu-Heiligtum oder einer geschmückten Halle

27.38 diese Feuergrube an. Dort ehre der König den Übermittler dieses Mantras mit großen Gaben und lasse seine eigenen Anliegen durchführen.

27.39 Hat der König dadurch sein Ziel erreicht, erlangt er sein Reich, wird gesund, ohne Nebenbuhler und langlebig.

27.40 Seine Stadt wird von vielen Tausenden Elefanten, unzähligen Pferden, Wagen und hervorragenden Menschen erfüllt sein.

27.41 Ein König, der diesen unübertrefflichen Yantra-König verehrt, hat damit die Gottheiten verehrt, weil er sämtliche Mantras überragt.

27.42 Welches Ziel jemand auch mit seiner Verehrung verfolgt: Indem er sich um das eigene höchste Wohl bemüht, wirkt er zum Wohl aller Wesen und des Königs.

27.43 Dieser Mantra und dieses Yantra sind besonders für Könige bestimmt, Narada; die Mantras überhaupt dienen den gemeinsamen Anliegen aller.

27.44 Die Mantrakenner eines Königs, die sich dieser Verehrung widmen, schützen den König selbst aus dem Rachen drohenden Unheils.

27.45 Wer ihn beständig durch Verneigung, Verehrung, Lobpreis oder auch durch Erinnern erfreut, sieht alle seine Wünsche wie in der eigenen Hand erfüllt.

27.46 So ist die Gestalt dieses Yantras mit seinem Mantra gelehrt, tätig im Zerschlagen sämtlicher Übel derer, die Zuflucht nehmen. Der König, der hier das Vorgeschriebene erfüllt, wird ein Weltenherrscher mit erfüllten Wünschen und erlangt die ganze Erde.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 27: „Das tragende Yantra“.

Kapitel 28 – Die Verehrung des Erhabenen

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

28.1 Ahirbudhnya sprach: Ich werde das Verehrungsverfahren kurz erklären, Narada. Es verleiht Lebensdauer, Gesundheit, Sieg, Land, Reichtum und Getreide,

28.2 ist ein vortreffliches Mittel für die jeweiligen Wünsche nach Kindern, Vieh und Nahrung, schenkt Lebensgenuss und Befreiung, bringt Frieden und bewirkt die Überwindung von Gegnern.

28.3 Man gehe zu einer heiligen Badestelle, nehme an einem reinen Ort unter Mantrasprechen Erde, teile sie in zwei Teile und reinige mit einem Teil den Körper.

28.4 Nachdem man gebadet und rituell Wasser geschlürft hat, nehme man den anderen Erdteil und teile ihn auf der linken Hand in drei Teile. Mit einem Teil versiegle man die Richtungen.

28.5 Mit dem zweiten bestreiche man den Körper, Narada; den dritten bestimme man anschließend zum Sitz der heiligen Badestelle.

28.6 Dort vergegenwärtige man sich Ganga, die aus Vishnus linkem Fuß hervorströmt. Man bringe ihr das Ehrenwasser dar und nehme dann eine Handvoll Wasser,

28.7 das siebenmal mit dem Mantra besprochen wurde, und gieße es dreimal über den eigenen Kopf. Eingetaucht, den Kopf an die Lotusfüße des Gottes gelegt,

28.8 rezitiere man den Mantra nach Kräften, ganz in dessen Meditation versunken. Dann steige man heraus, vollziehe die Wasserschlürfung und lege Unter- und Obergewand an.

28.9 Mit senkrechtem Stirnzeichen und erneut durch Wasserschlürfung gereinigt, vergegenwärtige man sich die Götter und die weiteren Empfänger als aus Achyuta bestehend, sättige sie mit Wasserspenden und verrichte die übrigen täglichen Pflichten vorschriftsgemäß.

28.10 Dann begebe man sich zum Opferplatz, wasche Hände und Füße, vollziehe die Wasserschlürfung und beginne beherrscht und schweigend die Verehrung.

28.11 Gesammelt betrete man das schöne Haus mit vier Toren; nach Verehrung sämtlicher Torhüter begebe man sich in die Halle.

28.12 Sie ist hoch, von glückverheißenden Zeichen erfüllt und mit einem Edelsteinboden geschmückt; viele goldene Säulen, mit Edelsteinen und Korallen verziert,

28.13 stehen darin. Sie ist von Gruppen goldener Lampen umgeben und mit bunten Fahnen und Torbögen geschmückt,

28.14 überall strahlend durch Netze kleiner Edelsteinglöckchen, Leinendächer und einen prächtigen Edelsteinsitz.

28.15 In der Mitte dieses Kleinods einer Halle befindet sich eine äußerst strahlende Plattform, geschmückt mit vier Säulen aus Rubin,

28.16 mit einem Perlenbaldachin, vier Ellen messend, einer hohen Terrasse aus Vaidurya-Edelstein und Lampen.

28.17 Vermag der Verehrer dies nicht wirklich herzustellen, so meditiere er es in dieser Weise. In der Mitte der Plattform steht der Sitz aus Rad und Lotus,

28.18 getragen von der tragenden Shakti, der Schildkröte, Ananta, Dharma und den weiteren Trägern. Der Lotus ist umgeben von Mond, Sonne, Feuer, Sattva und den weiteren Prinzipien.

28.19 Dort wird der Gott auf die erklärte Weise von seinem Gefolge bedient, umgeben von Veden, Mantras, Handwaffen, Wurfwaffen und Shaktis.

28.20 Auf einem ebenen Sitz sitzend, meditiere man über den Gott auf jenem Thron und spreche: „Ich gehöre dir; ich verehre dich mit den von dir selbst gegebenen Gaben,

28.21 mit Diensterweisungen, Berührungsgaben und Speisen.“ Dann nehme man die Körperprinzipien auf dem Weg der Rückbildung zurück.

28.22 Diesen groben Körper trockne man geistig aus und verbrenne ihn. Mit der ersten Atemregelung setze man den Mantra in den Nabel.

28.23 Mit dem aus ihm entstehenden Laut, der in der Mitte der Sushumna verläuft, erreiche man das Wind-Mandala; mit dem daraus aufsteigenden Wind

28.24 trockne man diesen groben Körper aus, göttlicher Weiser. Mit der zweiten Atemregelung setze man den Mantra ins Herz.

28.25 Mit dem aus dem Mantra hervorgehenden Feuer im Mandala verbrenne man den Körper. Mit der dritten Atemregelung versetze der Lehrer sein eigenes Selbst

28.26 unter Vishnus linken Lotusfuß und vergegenwärtige es sich überflutet vom Nektar, der aus dessen großer Zehe strömt.

28.27 Nachdem durch die fünf Upanishad-Mantras ein neuer Leib entstanden ist und der Mantrakenner die Glieder mit Mantras aufgelegt hat, betrachte er Sudarshana.

28.28 Durch die Brahmanöffnung rufe er ihn aus der Sonnenscheibe in den Herzlotus herab; dann beginne er nach dem Auflegen auf die Hände die Verehrung.

28.29 Zuerst vollziehe er das Opfer im Herzen, Sinne und Geist beherrschend. Zu seiner Rechten stelle er ein Gefäß auf,

28.30 gefüllt mit duftendem, reinigendem Wasser und durch den Wurzelmantra besprochen. Links ordne er sämtliche übrigen Hilfsmittel an.

28.31 Vor sich breite er ein sehr reines Tuch aus; auf dessen südöstlichen Teil setze er das Gefäß für das Ehrenwasser.

28.32 Das Fußwassergefäß setze er in die südwestliche Ecke, das Gefäß für die Wasserschlürfung in die nordwestliche,

28.33 das Badewassergefäß in die nordöstliche. Weißer Senf, ungebrochene Reiskörner, Kusha-Grasspitzen, Sesam,

28.34 Gerste, Duftstoff, Frucht und Blüte bilden das achtteilige Ehrenwasser. Durva-Gras, Vishnuparni, Shyamaka und Lotus

28.35 bilden mit Wasser die vier Bestandteile des Fußwassers. Gewürznelke, Muskatblüte und Takkola gebe man ins Wasser zum Mundspülen.

28.36 Für das Badewasser verwende der Verständige weißen Senf und die weiteren zuvor genannten Stoffe. Zuerst spreche er „Ich bereite das Ehrenwasser“ und berühre es.

28.37 So spreche er der Reihe nach auch bei den Gefäßen für Fußwasser und die weiteren Gaben, göttlicher Weiser. Alle diese Gefäße fülle man mit Duftwasser.

28.38 Mit einem anderen Gefäß entnehme man etwas Ehrenwasser und gebe es mit dem Wurzelmantra in die rechte Hand des Gottes.

28.39 Man reiche eine Blüte und begieße dann die Füße des Gottes mit Fußwasser; nach dem Trocknen mit einem Tuch reiche man Wasser zur Mundspülung.

28.40 Die nach der Darbringung verbliebenen Reste des Ehrenwassers und der übrigen Wasser gieße man in ein anderes Gefäß. Danach reiche man Sandelholz, Girlanden, Räucherwerk und Licht,

28.41 nochmals Wasser zur Mundspülung, dann Mundduft und Betel. Man verneige sich und vollziehe die Hingabe des Selbst.

28.42 Den Badesitz verehre man mit Duft und Blumen. Nachdem man den Gott gebeten und ihm Sandalen gereicht hat und er zum Badesitz gegangen ist,

28.43 nehme man Gewänder, Schmuck und Girlanden ab und reiche ein Badetuch, Fußwasser und Wasser zur Mundspülung,

28.44 einen Fußschemel und ein Zahnreinigungshölzchen; dann einen Zungenschaber und Mittel zur Reinigung des Mundes.

28.45 Man reiche erneut Wasser zur Mundspülung, zeige einen Spiegel, gebe nochmals Betel und führe dann die Ölsalbung aus.

28.46 Es folgen das Einreiben mit Reinigungspulver, die Gabe von Amalaki, Wasser, Kamm und Trockentuch.

28.47 Dann reiche man dem Gott ein Tuch zur Körperreinigung, trage Kurkuma auf und wasche ihn anschließend ab.

28.48 Man reiche Untergewand, Obergewand und heilige Schnur, vollziehe Fußwaschung und Mundspülung und reiche verschiedenartige Sandelholzpaste,

28.49 Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht und erneut Mundspülung, begleitet von allen Glückszeichen wie Tanz, Instrumentalmusik und Gesang.

28.50 Dann vollziehe man die Weihebegießung und das Schwenken des Lichtes; danach reiche man Trockentuch, Untergewand, Obergewand und heilige Schnur.

28.51 Der Lehrer gebe dem Gott Wasser zur Mundspülung. Anschließend verehre er den Schmücksitz durch Besprengen und weitere Handlungen,

28.52 bitte den Gott und reiche Sandalen. Hat der Gott auf dem Sitz Platz genommen, bereite man die Gefäße für Ehrenwasser und die weiteren Gaben wie zuvor.

28.53 Man reiche Ehrenwasser, Fußwasser und Wasser zur Mundspülung; mit duftendem Sandelholz und den weiteren Stoffen vollziehe man diese Gaben.

28.54 Dann reiche man bunte Gewänder und Schmuck, die heilige Schnur und wiederum Wasser zur Mundspülung.

28.55 Man gebe Duft und Blumen, zeige den Spiegel, reiche Räucherwerk und Licht sowie nochmals Wasser zur Mundspülung.

28.56 Dann rezitiere man einen Lobgesang, zeige Schirm und Yakschweifwedel sowie die Reittiere und lasse das Muschelhorn erklingen,

28.57 ebenso Vina, Trompete, Trommel und weitere Instrumente. Mit Tanz, Instrumentalmusik und Gesang verehre man ihn unter Mantrasprechen.

28.58 Der Lehrer reiche dem Gott mit dem Wurzelmantra eine Blüte und gebe unter ehrfürchtigem Umschreiten in jede Richtung eine Handvoll Blumen.

28.59 Dann verneige er sich erneut und preise den Gott mit Hymnen. Dem Erhabenen bringe er sein eigenes Selbst zum Dienst dar.

28.60 Er meditiere und rezitiere gesammelt nach Kräften den Mantra. Dann verehre er, Weiser, den Acharya mit Duft, Blumen und weiteren Gaben

28.61 und bringe ihm die mit sämtlichen Genüssen erfüllten Mantras dar. Danach reiche man Mundduft, Betel und Ehrenwasser.

28.62 Man verehre den Speisesitz, bitte den Gott und reiche Sandalen. Hat er dort Platz genommen, gebe man Fußwasser und Wasser zur Mundspülung.

28.63 Nach der Ehrenbezeugung gebe man Joghurt, Ghee, Milch, Honig und Duftstoff in ein Gefäß und vollziehe die Reinigung durch Austrocknen und die weiteren Schritte.

28.64 Mit Ehrenwasser besprengt, reiche man die Honigmischung. Danach gebe der Verehrer Gold, eine Kuh und Edelsteine.

28.65 Gut zubereitete Speisen, Ghee, Joghurt, Milch und Honig, Wurzeln, saftige Süßkugeln, Beilagen und Früchte,

28.66 jeweils der Jahreszeit entsprechend, rein, von guter Beschaffenheit, wohlschmeckend, reichlich und erfreulich, sowie andere solche Speisen

28.67 reinige man durch Austrocknen und die weiteren Schritte, besprenge sie mit Ehrenwasser und schütze sie durch den Waffenmantra. Nach der Verehrung der Opferspeise

28.68 bilde man die Surabhi-Mudra und bringe sie dem Gott dar. Dann gebe man nachfolgendes Duftwasser [Bedeutung von „Anuvasa“ hier unsicher] und einen Spiegel,

28.69 Wasser zur Mundspülung sowie Sandelholz zur Reinigung der Hände. Man reiche Mundduft und Betel und verneige sich.

28.70 Nun stelle man den Mantrasitz auf, wische ihn mit einem Grasbüschel ab und verehre ihn mit Duft und Blumen; nach der Bitte an den Gott reiche man Sandalen.

28.71 Hat der Herr der Götter Platz genommen, entferne man Girlanden und die weiteren Gaben, reiche Fußwasser und Wasser zur Mundspülung und bringe Räucherwerk dar.

28.72 Man gebe ihm wohlschmeckende Früchte und Betel und verehre den Gott mit Gesang, Instrumentalmusik und Tanz.

28.73 Nach dem Umschreiten werfe man sich lang wie ein Stab vor ihm nieder. Dann verehre man das Ruhelager und bitte den Gott.

28.74 Nach der Gabe der Sandalen, wenn der Gott das Lager eingenommen hat, reiche man gesammelt erneut Fußwasser und Wasser zur Mundspülung.

28.75 Man entferne Girlanden, Schmuck und die weiteren Dinge, Verständiger, und gebe dem Schlaf angemessene Girlanden, Schmuck und feine Gewänder,

28.76 weitere angenehm zu berührende Dinge und eine heilige Schnur; dann Wasser zur Mundspülung, Duft und Blumen.

28.77 Nach Mundduft und Betel preise man ihn mit Hymnen. Mit achtgliedriger Verneigung werfe man sich nieder und nehme Zuflucht.

28.78 Nach dem Umschreiten des in Yogahaltung ruhenden Gottes lege man sich auf die Erde, zugleich Geist, Verstand und Ichanspruch niederlegend,

28.79 wie eine Schildkröte die vier Glieder und als fünftes das Haupt: „Was ich unwissentlich oder wissentlich an Unheilsamem getan habe,

28.80 verzeihe dies alles und nimm mich in deinen Dienst.“ So vollziehe man die Verehrung Haris auf beiden Seiten:

28.81 Sudarshana und Narasimha sowie Sudarshana in Vishnu-Gestalt. Wer auch nur einen Tag so verehrt, Narada,

28.82 dem liegt die Befreiung in der Hand – wie viel mehr die Erfüllung aller Wünsche! Dadurch werden die Weltenhüter und sämtliche Götterscharen,

28.83 Siddhas, Gandharvas, Yakshas, Nagas und Apsaras-Scharen hier alle gefügig – wie viel mehr die Menschen auf Erden!

28.84 Bhutas, Totengeister, Pishachas, Kushmandas und Vinayakas werden zu Dienern dieses großgesinnten Übenden.

28.85 Ebenso verehre man sein Gefolge: die Götter, die weiblichen Shaktis, die Mantras, Wurfwaffen und Handwaffen, jeweils mit ihren eigenen Namen und abschließender Verehrungsformel, der Reihe nach mit sechzehn Diensterweisungen.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 28: „Die Verehrung des Erhabenen“.

Kapitel 29 – Die auf bestimmte Wünsche gerichtete Verehrung

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

29.1 Narada sprach: Wem und auf welche Weise werden durch diese Verehrungen die Götter und die übrigen genannten Wesen untertan? Erkläre mir dies wahrheitsgemäß.

29.2 Ahirbudhnya sprach: Besonders einem Kshatriya, weil er Sieg begehrt, großer Weiser. Durch welche besondere Verehrung ihm alle untertan werden,

29.3 das höre; ich erkläre es kurz und wahrheitsgemäß. Begehrt ein König Sieg in sämtlichen Richtungen,

29.4 erlangt er durch die jeweiligen besonderen Verehrungen den jeweiligen Sieg. Begehrt er Sieg über die Könige im Osten,

29.5 verehre er den Gott Sudarshana mit besonderen Gaben: weißen Blumen, weißen Gewändern und weißen Salben.

29.6 Nachdem er Sudarshana mit reichlich Joghurt versehener Reisspeise verehrt hat, bereite man in der zuvor genannten reinen, geschmückten Halle vor dem Gott

29.7 eine viereckige Feuergrube nach den Tempelvorschriften. Man bringe Feuer hinein und entfache es mit Bilva-Holz.

29.8 Rein und gesammelt sitze man dort nach Osten gewandt und opfere in das lodernde Feuer, Narada, mit Ghee begossene Bilva-Früchte,

29.9 hunderttausendmal mit dem Wurzelmantra. Durch diese Opfer wird die östliche Erde bis zum Meer untertan.

29.10 Durch zehn Millionen Opfer von Bilva-Früchten wird der östliche Bereich des Plaksha-Inselkontinents mitsamt seinem König untertan.

29.11 Durch zwanzig Millionen solcher Opfer wird der östliche Bereich von Shalmala mitsamt seinem Herrscher wie das eigene Land untertan, Narada.

29.12 Kusha, Krauncha, Shaka und der Pushkara genannte Inselkontinent: Die östlichen Bereiche werden in der Reihenfolge von einem, zwei, drei, vier, fünf und sechs

29.13 Zehnmillionen-Fruchtopfern dem König untertan [die Zählung umfasst die sechs äußeren Inselkontinente]. Östlich dieser Inselkontinente liegt Maghavans Stadt.

29.14 Durch hundert Millionen Opfer wird sie gewiss untertan. Vasava besteht dort mit einem Teil seiner selbst, um die Welten zu schützen,

29.15 und auch er wird diesem König Beistand leisten: durch Frauen, Nahrung, Getränke, Pferde und vortreffliche Elefanten.

29.16 Wie der König unbesorgt in seiner eigenen Stadt lebt, wird er sich dort an den Gütern erfreuen, die schon durch seinen Gedanken herbeikommen.

29.17 Durch dessen Macht werden sämtliche Meere fest und mit einem Wagen befahrbar sein wie trockenes Land.

29.18 Vasava selbst wird ihm eine göttliche Halskette aus allen Edelsteinarten überbringen, das Kennzeichen der Weltherrschaft.

29.19 Entsteht beim König der Wunsch, den Süden zu erobern, richte man den Gott in der genannten Halle nach Süden aus.

29.20 Man verehre ihn auf die gelehrte Weise, mit roten Girlanden und Gewändern versehen und mit rotem Sandelholz bestrichen.

29.21 Man bringe ihm mit Sesam vermischten Zuckerreis als Opferspeise dar und fertige eine halbmondförmige Feuergrube nach den Tempelvorschriften,

29.22 unbeschädigt und mit Kusha-Gras, Blumen und Puffreis geschmückt. Dort sitze man vor dem Herrn, nach Süden gewandt,

29.23 bringe mit dem Mantra Feuer hinein, entfache es mit Khadira-Holz und vollziehe hunderttausend Opfer roter Lotusblüten.

29.24 Dann wird die südliche Erde bis zum Meer untertan. Ihre Könige werden mit Geschenken am Tor zurückgehalten stehen

29.25 und warten, bis jener Großgesinnte ihnen Zeit gewährt. Die südlichen Bereiche der sechs Inselkontinente werden sodann

29.26 mitsamt ihren Herrschern durch jeweils zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig und sechzig Millionen Opfer roter Lotusblüten untertan.

29.27 Die schöne Stadt Samyamini des Yama im Süden wird durch hundert Millionen Opfer roter Lotusblüten untertan.

29.28 Auch Yama wird durch die Haltung des Königs gnädig und freudig gestimmt und wird dessen Wünsche nicht durchkreuzen.

29.29 In seinem Land wird kein vorzeitiger Tod eintreten. Alle, die in der Stadt Samyamini Yama unterstehen,

29.30 werden ihm untertan sein, ohne Zweifel. Zwei schöne göttliche rote Armreifen, Zeichen universaler Herrschaft,

29.31 wird Yama selbst freudig nehmen und ihm schenken. Will der König den Westen erobern,

29.32 richte man den Gott in der geschmückten Halle nach Westen aus, mit bunten Girlanden und Gewändern versehen,

29.33 mit verschiedenartigen Salben und Schmuckstücken geschmückt. Man bereite Honigreis als Opferspeise und bringe ihn dem Gott dar.

29.34 Man fertige eine schön geschmückte lotusförmige Feuergrube nach den Tempelvorschriften, bringe Feuer hinein und sitze beherrscht vor dem Gott.

29.35 Mit Shami-Holz entfache man das Feuer und opfere gesammelt hunderttausend honigbestrichene Oleanderblüten unter Mantrarezitation.

29.36 Dann wird der westliche Bereich Jambudvipas bis zum Meer mitsamt seinen Königen unter der Herrschaft dieses Königs stehen.

29.37 Durch zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig und sechzig Millionen Opfer von Oleanderblüten

29.38 werden die westlichen Bereiche der sechs Inselkontinente dem König untertan. Varunas schöne, hell strahlende Stadt namens Sukha,

29.39 stets erfüllt von bereitstehenden Speisen, Leckereien und Getränken, geschmückt mit Lustgärten voller göttlicher Bäume,

29.40 mit Teichen, deren Lotusse immer blühen, und mit Spielbergen, die von verschiedensten Edelsteinen geschmückt sind,

29.41 mit hohen goldenen Palästen und Hallen ausgestattet: Eine solche Stadt wird diesem König zum Genuss dienen.

29.42 Varuna selbst wird ihm freudig einen mit Edelsteinen und Korallen geschmückten Schirm geben, behängt mit Perlenketten, verehrt und Nektar verströmend,

29.43 dieses Zeichen der Weltenherrscher. Schickt der König sich an, den Norden zu erobern,

29.44 richte man den Gott auf dem Radlotussitz nach Norden aus, gelbe Gewänder tragend und mit gelben Blumen geschmückt,

29.45 mit Korallenschmuck versehen und mit Safranpulver gefärbt. Man bereite Ghee-Reis als Opferspeise und verehre damit Sudarshana.

29.46 Vor ihm fertige man eine runde Feuergrube nach den Tempelvorschriften. Nach Norden gewandt bringe man Feuer in die Grube der Halle,

29.47 entfache es mit Udumbara-Holz und opfere im lodernden Feuer hunderttausend Nandyavarta-Blüten.

29.48 Dadurch wird dieses Land Bharata mitsamt dem Goldenen Berg und seinen Königen ihm untertan, ohne Zweifel.

29.49 Durch zweihunderttausend Opfer wird das Land namens Kimpurusha mitsamt seinem Herrscher diesem König untertan, ohne Zweifel.

29.50 Durch dreihunderttausend wird Harivarsha mit seinen Königen untertan, durch vierhunderttausend Opfer Bhadrashva.

29.51 Durch fünfhunderttausend, sechshunderttausend und siebenhunderttausend Opfer werden Ilavrita, Ketumala und Ramyaka dem König untertan.

29.52 Durch achthunderttausend und neunhunderttausend Opfer werden Hiranmaya und Meruvarsha mitsamt ihren Herrschern untertan.

29.53 Die Genussländer der sechs mit Plaksha beginnenden Inselkontinente werden durch die zuvor genannten Opferzahlen untertan, Narada.

29.54 Nördlich aller Inselkontinente und Länder liegt Somas vortreffliche, höchst wunderbare Stadt, bekannt als Vibhavari.

29.55 Durch hundert Millionen Opfer wird sie ihm untertan. Die Götterscharen, die dort unter Somas Herrschaft stehen,

29.56 werden alle diesem König unterstehen, Weiser. Durch dessen Macht wird Soma selbst zwei Yakschweifwedel nehmen,

29.57 die seinem eigenen Mondlicht gleichen, mit Edelsteingriffen versehen, rein und kühl anzuschauen, Zeichen der Weltherrschaft,

29.58 und sie freudig diesem Herrlichen von wunderbaren Taten schenken. Mit dem Sieg über die Hauptrichtungen ist für den Selbstbeherrschten auch der Sieg über die Zwischenrichtungen vollendet.

29.59 Die jeweiligen anderen Richtungshüter werden Geschenke darbringen. Entsteht beim König das Vorhaben, die oberen Welten zu erobern,

29.60 verehre man den Gott in der prachtvollen Halle auf einem nach Osten gerichteten Sitz, mit duftenden Girlanden und Perlenschmuck versehen,

29.61 mit göttlicher Sandelholzpaste bestrichen und in Leinen gekleidet. Nach solcher vorschriftsgemäßen Verehrung bringe man Milchreis mit Zucker,

29.62 reichlich Ghee und allen reifen Früchten als Opferspeise dar. Man lasse eine achteckige Feuergrube nach den Tempelvorschriften anlegen, mit allen Glückszeichen versehen.

29.63 Der Mantrakenner bringe mit dem Waffenmantra Feuer hinein und entfache Jatavedas mit schwarzem Aloeholz.

29.64 Dort vollziehe man eine Milliarde Ghee-Opfer. Durch dieses Opfer wird der Zwischenraum untertan.

29.65 Alle seine Bewohner – Siddhas, Gandharvas, Kinnaras, Yakshas, Kimpurushas und Charanas mit ihren Frauenscharen –

29.66 werden mit Vina, Flöte, Trommeln, Instrumenten und rhythmischem Schlag überall herrliche Gesangsfolgen vortragen, die seine großen Taten zum Inhalt haben.

29.67 Singend werden sie den König umgeben und erfreuen. Durch zehn Millionen mal zehn Millionen Opfer wird der Himmel untertan.

29.68 Dann wird Mahendra mit den Göttern, seiner Göttin Shachi und den Apsaras-Scharen auf den Elefanten Airavata steigen,

29.69 zu jenem Großgesinnten kommen, freudig absteigen, ihn auf einen Edelsteinsitz setzen und Segensworte sprechen lassen.

29.70 Bei Tanz, Gesang, Instrumentalmusik, dem Klang göttlicher Trommeln, Muschelhörner und Trompeten wird Vasava den König mit Wasser aus heiligen Badestellen zum Weltenherrscher weihen.

29.71 Freudig wird er ihm eine Edelsteinkrone, einen göttlichen Elefanten, ein windgleiches Pferd, einen dem Pushpaka ähnlichen Flugwagen und eine göttliche goldene Lotusgirlande schenken, außerdem Gleichrangigkeit mit sich selbst.

29.72 Nachdem er den König hundert Pferdeopfer hat vollziehen lassen, ihn zum Herrn aller Herrscher gemacht und ihm hundert Apsaras gegeben hat, wird der Vritra-Töter mit den Göttern in den Himmel zurückkehren.

29.73 Entsteht beim Weltenherrscher der Wunsch, die Naga-Welten zu erobern, verehre man den Gott mit göttlichem Rubinschmuck,

29.74 mit rotem Sandelholz bestrichen und mit Lotusblüten. Man bringe ihm eine Speise aus Mehl und Reis mit reichlich Rohrzucker dar.

29.75 In einer sechseckigen Feuergrube nach den Tempelvorschriften, mit loderndem Feuer, vollziehe man zehn Millionen mal zehn Millionen Opfer von Kuchen.

29.76 Dadurch wird Bhogavati, die höchste Stadt der Nagas unter Takshakas Führung, dem König untertan wie seine eigene Stadt.

29.77 Wenn der Naga-König dessen Macht sieht, wird er wahrlich mit seinen Frauen zu diesem Weltenherrscher kommen und große, hell strahlende Edelsteine sowie zwei Edelsteinohrringe mitbringen.

29.78 Höre, Narada, die allgemeinen Merkmale für die genannten und nicht genannten Verfahren, durch die der Mantraübende das ersehnte Ziel erreicht.

29.79 Die Opferanlagen bestehen aus einer bis neun [Feuergruben]; sie sind drei, vier oder fünf [Maßeinheiten] lang und hoch, mit entsprechenden Öffnungen und Abschlüssen. [Die Maßangabe ist verkürzt und nicht sicher auszulegen.]

29.80 Neun werden in den Haupt- und Zwischenrichtungen sowie in der Mitte angeordnet; fünf in den Hauptrichtungen und in der Mitte; die übrigen in nach Osten gerichteten Reihen.

29.81 Eine einzelne oder eine gerade Anzahl, beginnend mit zwei, wird für Befriedung und Gedeihen gelehrt; eine einzelne oder eine ungerade Anzahl, beginnend mit drei, für schädigende Riten, ausgenommen neun.

29.82 Palasha-, Udumbara-, Ashvattha-, Khadira- und weitere Opferhölzer, Durva-Gras und ähnliche Pflanzen, Sesam und ähnliche Samen sind bei heilvollen Handlungen empfohlen.

29.83 Karaskara-Holz und Ähnliches sowie scharfe Samen dienen den schädigenden Riten. Die Opferzahlen beginnen bei tausend, reichen über hunderttausend bis zu zehn Millionen.

29.84 Ein, zwei oder viele Opferpriester sind entsprechend dem Vermögen vorgesehen. Opfern sie an einer einzigen Feuergrube, seien sie nach Osten oder Norden gewandt.

29.85 Heilvolle Handlungen finden in Vasudeva-Heiligtümern, Gärten und Häusern statt; unheilvolle an Verbrennungsstätten und ähnlichen Orten. Nun die zeitliche Regelung:

29.86 Heilvolle Handlungen vollziehe man an geradzahligen Tagen und Mondstationen, die anderen entsprechend anders. Opferhölzer, Ghee und weitere Stoffe können einzeln, gemeinsam oder nach dem jeweiligen Wunsch ausgewählt werden.

29.87 Damit werden hunderttausend, zehn Millionen und weitere Opferzahlen gelehrt. Nach solcher Erwägung vollziehe man mit dem Mantra die Verwirklichung des Erwünschten.

29.88 Was nicht ausdrücklich erklärt ist, führe man nach dem eigenen Grihya-Ritualtext aus. Oder das Feueropfer erfolgt als eigenständiges Ritual ohne die einleitenden Ghee-Güsse und die weiteren Vorhandlungen.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 29: „Die auf bestimmte Wünsche gerichtete Verehrung“.

Kapitel 30 – Entstehung und Namen der Waffenkräfte

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

30.1 Narada sprach: Wie gehören die großen, mächtigen und unermesslichen Waffen, allen voran die Brahma-Waffe, zum Gefolge dieses Gottes?

30.2 Woraus sind diese großen Waffen entstanden, großer Herr? Wie heißen sie? Erkläre es mir, der ich dich frage.

30.3 Ahirbudhnya sprach: Einst bestand der Gott Narayana vor der Schöpfung allein aus sich selbst; ohne Mittel für sein Spiel empfand er keine Freude.

30.4 Darum gestaltete der Herr sich selbst zum Spiel als Vieles. Dann erschuf er aus sich die Urnatur, vom Purusha gelenkt.

30.5 Aus dem Unmanifesten brachte er darauf Mahat hervor, Narada; daraus den Ichmacher, der aus den drei Gunas besteht.

30.6 Aus dem sattvigen Ichmacher brachte er die zehn Vermögen der Erkenntnis und des Handelns sowie den Geist hervor.

30.7 Aus dem tamasigen Ichmacher erschuf Janardana die fünf Elemente und deren fünf feine Vorstufen, diese zehn, großer Weiser.

30.8 Mit diesen Prinzipien von Mahat bis zu den besonderen Elementen erzeugte er das Weltei, von sieben Hüllen umgeben, jede zehnmal weiter als die vorherige.

30.9 In diesem Ei schuf Vishnu selbst Prajapati, damit er durch seine eigenen Kräfte die höheren und niederen Wesen hervorbringe.

30.10 Hari, der die ganze Welt umfasst, schuf die von Mahat ausgehenden Schöpfungen zusammen mit der Zeit, die eine Gestalt seiner eigenen Shakti ist.

30.11 Unter der Bezeichnung Brahma brachte Vishnu, mit den jeweiligen Kräften ausgestattet, die mannigfaltige Welt hervor, in der Bewusstes und Unbewusstes gemischt sind.

30.12 Der Herr und Lenker betrachtete die Veden und ordnete Namen und vielfältige Formen der Götter und übrigen Wesen wie zuvor.

30.13 Obwohl sämtliche Wünsche des höchsten Herrn stets erfüllt sind, genoss er den Geschmack des Spiels mit den von ihm selbst geschaffenen Wesen.

30.14 Ohne nach einem anderen Beschützer der Welten Ausschau zu halten, schützt Hari selbst in Teilgestalten die ganze Welt.

30.15 Ohne die Vernichtung der Daityas und Danavas lässt sich die Welt mit Göttern, Dämonen und Menschen nicht schützen.

30.16 Deshalb besteht der erhabene Vishnu in Radgestalt. Durch dieses Rad werden sämtliche Daityas und Danavas getötet.

30.17 Die Götter und übrigen Wesen, besonders aber die Könige, vermögen den unübertrefflichen Sudarshana nicht zu tragen.

30.18 Deshalb wurden für sie viele verschiedene Wurfwaffen und Handwaffen aufgeteilt, um Feinde zu vernichten, Narada.

30.19 Diese Waffen gingen aus Sudarshana hervor, der Vishnus Gestalt ist. Daher sind sie unfehlbar, furchtbar und groß.

30.20 Der Weltenherr in Radgestalt entschloss sich, Wesen hervorzubringen, nämlich sämtliche Waffen aus seiner eigenen Gestalt zu erschaffen, großer Weiser.

30.21 Darum nahm der Gott eine furchtbare, gewaltige, gelbbraune Gestalt mit gelbbraunen rollenden Augen an; das aus seinen Fangzähnen austretende Feuer verbrannte die Himmelsrichtungen, sein gelbbraunes Haar war schrecklich und blitzgleich.

30.22 Narayana-, Pashupata- und Brahma-Waffe, ferner die Brahmashiras genannte Waffe, Vishnus Rad und Jrimbhana,

30.23 Zeitschlinge, Feuerwaffe, Pferdehaupt, Einschläferer, Asketische Waffe und die Zeitwaffe von unermesslichem Glanz,

30.24 Strafrad, Zeitrad, Dharma-Rad, Shivas Spieß, Rudras Waffe und der schreckliche Dreizack:

30.25 Diese Hauptwaffen entstanden aus dem Mund des Allgegenwärtigen. Verblender, Schilfwaffe, Indras hell strahlendes Rad,

30.26 die beiden alle erschreckenden Donnerkeile „Trocken“ und „Nass“, die Pinaka-Waffe, Skelett und der äußerst schreckliche Schädel,

30.27 Sonnenwaffe, Varunas Schlinge, Erhitzer, der Feindbezwinger, die äußerst gewaltige Varuna-Waffe und die Dharma-Schlinge:

30.28 Diese Waffen gingen aus der Brust des Gottes hervor. Die beiden Wurfspieße, die Windwaffe und die Stößelwaffe,

30.29 Gandharva-Waffe, Spiegel, Austrockner, Feindzerreißer, Glanzlicht, Pishacha-Waffe und die sehr schreckliche Indra-Waffe,

30.30 Yama-Waffe, Klagenmacher, die feindvernichtende Vidyadhara-Waffe, Kankani, Modaki, Gipfel und Krauncha:

30.31 Diese erzeugte der Gewaltig-Schreitende aus seinen beiden Oberschenkeln. Schwertjuwel, Beruhiger, Liebling des Liebesgottes,

30.32 Berauscher, Saumana-Waffe, Wahrheit, Zusammenroller, Mayaträger, Soma-Waffe, Tvashtri-Waffe und Kaltpfeil,

30.33 Bhaga-Waffe: Diese Waffen entstanden aus seinen Füßen, Narada. Fessler, Wahrhaftiger, Träger, Kühner,

30.34 Sohn des Bhrishashva, Wahrhaft-Berühmter, Verblender, Ungestümer, Allbinder, Rückwärtsgewandter,

30.35 Gähnenmacher, Abwehrer, vortrefflicher Schützer, Abwärtsgewandter, Reichtum, Getreide, Stieräugiger, Wunschgestalt,

30.36 Festbinder, Wunschglanz, Schöne Nabe, Makara, Zehnäugiger, Tätiger, Zehngesichtiger,

30.37 Lieblicher, Zehnköpfiger, Yogaträger, der Feindvernichter, Schlafloser, Makara, Genießer, Kankani,

30.38 Hundertbäuchiger, Wohlgesinnter, Lotusnabel, Großnabel, Zermalmer, Lichtgestalt, Zerstückler,

30.39 Dreifache Masse, Flammengirlandenträger, Makellose, Standhafte, Schöpfung, Vishama-Waffe und Sudhyataha [letzter Name unsicher überliefert],

30.40 Abschüttler, Krishana, Hunderttausendäugiger und Auszehrer: Alle diese Waffen zum Zurücknehmen [anderer Waffen] erzeugte jener feindverbrennende Gott aus seinem rückwärtigen Körperteil.

30.41 So sind dir, Narada, die Namen und Ursprünge der Waffen sowie die Größe dieses Yantras in Kürze erklärt.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 30: „Entstehung und Namen der Waffenkräfte“.

Kapitel 31 – Innere Verehrung, Yama, Niyama und Asana

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

31.1 Narada sprach: Du hast gesagt, dass vor der äußeren Opferverehrung die hohe Verehrung im Herzen steht. Erkläre bitte ihr Wesen genau.

31.2 Ahirbudhnya sprach: Gut hast du gefragt. Höre, Narada, das Wesen jener Verehrung, durch die der Erhabene erfreut wird, vor dem alle Welten sich verneigen.

31.3 Mit eben jenen dreifachen Mitteln, mit denen hier die äußere Verehrung vollzogen wird, verehrt man Gott auch innerlich, indem man sie durch die Vorstellung hervorbringt.

31.4 Dies heißt Verehrung im Herzen und verwirklicht alle Ziele. Oder sie besteht darin, dem Erhabenen das eigene Selbst darzubringen.

31.5 Man soll selbst das reine, von der materiellen Natur gelöste Selbst als Opfergabe darbringen, mit dem Mantra jener ausgezeichneten Gottheit, deren Gestalt das Rad ist.

31.6 Narada sprach: Erkläre bitte die von Prakriti gelöste Gestalt des Selbst. Sage mir bestimmt, durch welches Mittel sie erreicht wird.

31.7 Ahirbudhnya sprach: Höre: Es ist das Höchste, fein, alldurchdringend und alles tragend, von der Natur der Erkenntnis, anfangs- und endlos, unveränderlich und frei von Übel.

31.8 Ohne Augen und Ohren, ohne Berührung, ohne Hände und Füße, beständig, frei von Namen, Herkunft und ähnlichen Bestimmungen, ohne Farbe und ohne materielle Eigenschaften.

31.9 Zugleich hört es überall, sieht überall, hat überall Hände und Füße. Es ist das Höchste, ungebunden, unbewegt und friedvoll, aus sich selbst leuchtend und unvergleichlich.

31.10 Es ist fern und bewegt sich doch in der Nähe, ist durch Erkenntnis zugänglich und makellos; es trägt die Wesen, ist gleichmäßiges Licht, das Licht der Lichter jenseits der Dunkelheit.

31.11 Unvergänglich und in allen Wesen gegenwärtig ist es Vishnus höchste Stätte. Die Mittel, sie zu erreichen, sind Yoga und das von der Offenbarung gelehrte Handeln.

31.12 Narada sprach: Welche Art von Handeln und welche Art von Yoga sind gemeint, durch die das Selbst in seiner Reinheit jenseits von Prakriti erreicht wird?

31.13 Ahirbudhnya sprach: Höre zuerst vom Handeln; dieses wird hier zweifach gelehrt: Die eine Art führt weiter in die Entfaltung, die andere führt aus ihr zurück.

31.14 Das in die Entfaltung führende Handeln gilt als Mittel zu Ergebnissen wie dem Himmel. Das zurückführende Handeln, Götterseher, ist als Mittel zur Befreiung zu verstehen.

31.15 Die Vereinigung von individuellem Selbst und höchstem Selbst wird Yoga genannt. Er wird als achtgliedrig gelehrt; durch ihn wird das Selbst geschaut.

31.16 Ich werde seine acht Glieder nennen; höre jedes einzeln: Yama, Niyama und danach Asana,

31.17 ferner Pranayama, Pratyahara und Dharana, Dhyana und Samadhi. Dies sind die Glieder, Narada.

31.18 Wahrhaftigkeit, Mitgefühl, Standhaftigkeit, Reinheit, Brahmacharya, Geduld, Aufrichtigkeit, maßvolle Ernährung, Nichtstehlen und Nichtverletzen: Das sind die zehn Yamas.

31.19 Wahrhaftigkeit ist eine heilsame Rede, die dem entspricht, was tatsächlich wahrgenommen wurde. Mitgefühl bedeutet, das Leiden aller Wesen zu jeder Zeit nicht gleichgültig hinnehmen zu können.

31.20 Standhaftigkeit bedeutet, auch in Schwierigkeiten beim gebotenen eigenen Tun zu bleiben. Reinheit ist die Tauglichkeit sämtlicher Sinne für die vorgeschriebenen Handlungen.

31.21 Brahmacharya bedeutet, selbst gegenüber der eigenen Frau die Vorstellung aufzugeben, sie sei ein Gegenstand des Genusses. Geduld ist, dass der Geist unverändert bleibt, wenn Anlässe zur Erregung auftreten.

31.22 Aufrichtigkeit ist die Übereinstimmung des Wirkens von Sprache, Denken und Körper. Maßvolle Ernährung ist für die Angehörigen der Lebensstände eine Speiseaufnahme gemäß der Offenbarung.

31.23 Nichtstehlen bedeutet, mit Sprache, Körper und Geist nicht nach dem Besitz anderer zu verlangen. Nichtverletzen bedeutet, die Schädigung anderer durch Sprache, Denken und Körper zu unterlassen.

31.24 Hören der Lehre, Geben, verständige Überzeugung, Gottesverehrung, Zufriedenheit, Askese, Vertrauen in die Offenbarung, Scham vor Unrechtem, Japa und Gelübde:

31.25 Dies sind die zehn Niyamas, welche den Yoga fördern. Unter dem Hören der Lehre verstehen die Weisen das Hören des Vedanta.

31.26 Geben bedeutet, rechtmäßig erworbenes Gut einem würdigen Empfänger zukommen zu lassen. Vertrauen in das gebotene Handeln heißt Mati, verständige Überzeugung.

31.27 Gottesverehrung ist die hingebungsvolle Verehrung Vishnus nach den eigenen Möglichkeiten. Zufriedenheit ist die Freude am ungesucht Zugefallenen, verbunden mit dem Gedanken: „Dies genügt.“

31.28 Askese ist das Kasteien des Körpers durch Übungen wie Kricchra und Chandrayana. Astikya ist die Gewissheit, dass es eine Wirklichkeit gibt, die allein durch den Veda zugänglich ist.

31.29 Die Weisen nennen das Sichschämen bei verbotenen Handlungen Hri. Japa ist das wiederholte Üben der vom Guru gelehrten Rezitationen und Mantras.

31.30 Ein Gelübde ist das feste Ergreifen der von einem guten Lehrer unterwiesenen Mittel. Nun werde ich verschiedene wichtige Asanas erklären.

31.31 Indem Yogis eine dieser Stellungen einnehmen, gelangen sie zur Ruhe und Erfüllung: Chakra, Padmasana, Kurma, Mayura und Kukkuta,

31.32 Virasana, Svastika, Bhadra, Simhasana, Muktasana und Gomukha. Dies sind die wichtigsten, Narada.

31.33 Man lege den linken Oberschenkel an den rechten Knöchel und den rechten an den linken, während der Körper aufrecht bleibt. Dies ist das vorzügliche Chakrasana.

31.34 Man lege beide Fußsohlen bequem auf die Oberschenkel. Dies heißt Padmasana, dem die Aufhebung sämtlicher Verfehlungen zugeschrieben wird.

31.35 Gesammelt drücke man mit den überkreuzten Knöcheln auf den Afterbereich. Dies wird Kurmasana genannt, eine vorzügliche Stellung zur Vollendung des Yoga.

31.36 Man setze die Ellbogen richtig an beide Seiten der Nabelgegend und stütze sich mit den Handflächen auf die Erde; der Körper wird wie ein Stab in der Luft gehalten,

31.37 Kopf und Füße gleich hoch. Dies gilt als Mayurasana. Ihm schreibt der Text die Überwindung aller Gifte und die Beseitigung aller Krankheiten zu.

31.38 Im Lotussitz führe man die Arme zwischen den Knien hindurch, stütze die Hände auf die Erde und hebe den Körper in die Luft: Dies ist Kukkutasana.

31.39 Man lege einen Fuß auf einen Oberschenkel und den anderen Oberschenkel auf den anderen Fuß. Dies wird Virasana genannt.

31.40 Man bringe beide Fußsohlen fest zwischen Knie und Oberschenkel und sitze mit aufrechtem Körper. Dies nennt man Svastika.

31.41 Man lege die Knöchel zu beiden Seiten der Dammnaht und fasse die Vorderfüße fest mit beiden Händen. Dies heißt Bhadrasana, dem die Aufhebung von Unheil zugeschrieben wird.

31.42 Man lege die Knöchel überkreuzt zu beiden Seiten der Dammnaht, setze beide Hände auf die Knie und spreize sämtliche Finger.

31.43 Der Blick ruhe auf der Nasenspitze, der Mund sei geöffnet und der Körper aufrecht. Dies heißt Simhasana, von allen Göttern geehrt.

31.44 Man lege den linken Knöchel oberhalb des Geschlechtsorgans und den anderen Knöchel dazu; die Hände lege man in die Körpermitte.

31.45 Dies wird Muktasana genannt, in dem die nach Befreiung Strebenden verweilen. Für die folgende Stellung bringe man beide hinteren Körperseiten an die beiden Knöchel

31.46 und ergreife mit den nach hinten geführten Händen überkreuzt die großen Zehen. Dies heißt Gomukha. [Die knappe Körperbeschreibung ist nicht eindeutig und wird nicht an eine heutige Asanaform angeglichen.]

31.47 Danach soll man zur Vorbereitung des Pranayama die Nadis mit den im Körper befindlichen, mit Feuer verbundenen Lebenswinden reinigen, du Schatz der Askese.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 31: „Yogaglieder, Yama, Niyama und Asana“.

Kapitel 32 – Nadireinigung, Atemführung und die inneren Yogaglieder

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

32.1 Narada sprach: Wie viele Nadis gibt es? Wie sind sie beschaffen und wie groß sind sie? Wo befinden sie sich in diesem Körper, und wie werden sie gereinigt?

32.2 Wie viele Lebenswinde gibt es, wie heißen sie und welcher Art sind sie? Welche Aufgaben haben sie? Erkläre mir bitte all dies.

32.3 Ahirbudhnya sprach: Höre dieses höchste Geheimnis mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Der wohlbeschaffene Körper aller Lebewesen misst, nach den jeweils eigenen Fingerbreiten bemessen,

32.4 sechsundneunzig Fingerbreiten, göttlicher Seher. Wenn du wissen möchtest, wo die Mitte des Körpers liegt, großer Seher,

32.5 dann höre: Zwei Fingerbreiten oberhalb des Afterbereichs und zwei Fingerbreiten unterhalb des Geschlechtsbereichs wird die Mitte angesetzt.

32.6 Das dortige Feuerfeld ist bei Vierfüßlern viereckig, bei Menschen dreieckig und bei Vögeln rund.

32.7 Neun Fingerbreiten oberhalb des Geschlechtsorgans wird der Wurzelknollen der Nadis angesetzt, vier Fingerbreiten hoch und ebenso breit,

32.8 eiförmig und von Fett, Fleisch, Knochen und Blut umgeben. Eben dort befindet sich das zwölfgespeichte Nabelchakra,

32.9 durch das der Körper getragen wird; darin wohnt Kundali. Die Laute des Sudarshana-Mantras

32.10 soll man in Konsonanten und Vokale gliedern und sie der Reihe nach in diesem Chakra auf die Speichen setzen, beginnend im Osten.

32.11 Die übrigen setze man gesammelt in die Mitte des Chakras. Um dieses Rad liegt Kundali, die Achtgesichtige;

32.12 als Vishnus Kraft umschlingt sie es in Gestalt der achtfachen Prakriti mit ihren Windungen. Mit ihrem Mund verschließt sie die Brahmaöffnung der Sushumna.

32.13 Alambusa und Sushumna befinden sich in der Mitte des Chakras. Auf der östlichen Speiche gegenüber Sushumna liegt die Nadi Kuhu.

32.14 Auf den beiden folgenden Speichen liegen Varuna und Yashasvini. Auf der südlichen Speiche gegenüber Sushumna befindet sich Pingala.

32.15 Auf den beiden nächsten liegen Pusha und Payasvini. Auf der westlichen Speiche gegenüber Sushumna befindet sich die Nadi Sarasvati.

32.16 Shankhini und Gandhari liegen auf den beiden folgenden Speichen; auf der nördlichen Speiche gegenüber Sushumna wohnt die Ida genannte Nadi.

32.17 Darauf folgt Hastijihva, danach Vishvodara. So befinden sich die Nadis in rechtsläufiger Reihenfolge auf den Speichen des Rades,

32.18 diese zwölf auf den zwölf Speichen, Nachkommen Brahmas. Ida, Pingala, Sushumna und Sarasvati,

32.19 Kuhu, Payasvini, Varuna und Yashasvini, Vishvodara, Hastijihva, Gandhari und Shankhini,

32.20 Alambusa und Pusha: Dies sind die vierzehn wichtigsten. Zweiundsiebzigtausend Nadis befinden sich im Körper.

32.21 Unter ihnen sind Sushumna, Ida und Pingala die drei wichtigsten. Von diesen ist Sushumna die höchste; sie reicht bis zum Scheitel.

32.22 Die Seele ist auf Prana getragen und bewegt sich beständig in diesem Rad, wie eine Spinne sich im Geflecht ihrer Fäden befindet.

32.23 Von den fünf Öffnungen der Sushumna sind vier mit Blut gefüllt; die mittlere, die Brahmaöffnung, ist beständig durch Kundali verschlossen.

32.24 Die östliche Seite der Sushumna steigt bis zur Stirn empor, die westliche reicht zum Nacken; die beiden Seiten rechts und links

32.25 reichen zu den seitlichen Partien des Kopfes. Dies wird als Geheimnis gelehrt. Die Alambusa genannte Nadi erstreckt sich bis zu den Füßen.

32.26 Kuhu reicht bis zum Geschlechtsorgan; Varuna durchzieht den ganzen Körper. Yashasvini reicht bis zum rechten großen Zeh.

32.27 Die Pingala genannte Nadi reicht bis zum rechten Nasenloch; Pusha und Payasvini führen zum rechten Auge beziehungsweise Ohr.

32.28 Die Sarasvati genannte Nadi führt zur Zungenwurzel; Shankhini zum linken Ohr und Gandhari zum linken Auge.

32.29 Die als Ida bekannte Nadi führt zum linken Nasenloch; Hastijihva reicht bis zum linken großen Zeh.

32.30 Vishvodara führt zum Bauch. Damit habe ich den Verlauf der Nadis erklärt. In Ida befindet sich der Mond, in Pingala die Sonne.

32.31 Diese beiden bringen die Zeit hervor; die Brahmanadi verzehrt sie. Höre nun von den Lebenswinden, die sich im Körper befinden:

32.32 Prana, Apana, Samana, Udana und Vyana sowie Naga, Kurma, Krikara, Devadatta und Dhananjaya.

32.33 Der Lebenswind Prana wohnt beständig im Nabelchakra; er zeigt sich im Bereich von Mund und Nase und im Herzen.

32.34 Apana wohnt vor allem in After, Geschlechtsorgan, Oberschenkeln und Knien, im Bauch, in den Hoden, an der Hüfte, in Unterschenkeln und Nabel und leuchtet dort gleich einer Lampe.

32.35 Apana zeigt sich zwischen After und dem Ort des Feuers. Vyana befindet sich im Bereich von Ohren und Augen, im Nacken und in den Knöcheln,

32.36 in der Nase, im Hals und im Gesäßbereich, daran besteht kein Zweifel. Udana befindet sich in allen Gelenken, ebenso in Füßen und Händen.

32.37 Samana durchdringt sämtliche Glieder. Ein- und Ausatmen sowie verwandte Vorgänge gelten als Tätigkeiten Pranas.

32.38 Abgeben und Aufnehmen gelten als Tätigkeiten Vyanas; das Aufrichten und Heben des Körpers und Ähnliches als Tätigkeiten Udanas.

32.39 Ernährung und ähnliche Vorgänge gelten als Tätigkeiten Samanas im Körper. Aufstoßen und verwandte Vorgänge werden Naga zugeschrieben.

32.40 Kurma bewirkt das Schließen der Augen und Ähnliches; Krikara das Niesen. Devadatta wird, Götterseher, die Tätigkeit der Schläfrigkeit zugeschrieben.

32.41 Dhananjaya werden Anschwellen und die weiteren entsprechenden Vorgänge zugeschrieben. Damit sind die gesamten Bewegungen der Lebenswinde und ihre Aufgaben erklärt.

32.42 Danach soll der sich selbst Beherrschende sämtliche Nadis reinigen. Er nehme äußere Luft durch Ida während sechzehn Zeiteinheiten auf

32.43 und halte sie zweiunddreißig Zeiteinheiten im Bauch. Dabei vergegenwärtige er sich das Feuer in dessen eigenem Feld und darin den Laut r mit Bindu.

32.44 An der Nasenspitze stelle er sich die Mondscheibe vor, die Nektar herabregnen lässt; im Mond vergegenwärtige er sich den Laut v mit Bindu und atme dann aus.

32.45 Dann atme er auf die zuvor beschriebene Weise durch Pingala ein, halte den Lebenswind und atme wieder durch Ida aus.

32.46 So übe er täglich gesammelt jeweils dreimal zu den drei Tagesübergängen. Bei einem Menschen, der dies unter Einhaltung der Regeln vollzieht,

32.47 werden, so lehren die Yogakenner, sämtliche Nadis in drei Monaten rein. Danach soll er die Lebenswinde im Körper beherrschen.

32.48 An jedem Ort des Körpers, an dem sich ein Lebenswind befindet, soll er den Geist zusammen mit dem Feuer beständig halten, Narada.

32.49 Danach vollziehe er Pranayama, dem die Aufhebung aller Verfehlungen zugeschrieben wird. Am Ort des Haarschopfes, im Nabelchakra, im Herzlotus,

32.50 in der Halsgrube, zwischen den Brauen und an der Zungenwurzel vergegenwärtige er sich der Reihe nach die sechs Silben des Mantras.

32.51 Er atme sechzehn Zeiteinheiten lang durch Ida ein und betrachte in der Mitte des Herzens das höchste Selbst, das unvergängliche, in Radgestalt.

32.52 Sich dieses Sudarshana vergegenwärtigend wiederhole er nach seinem Vermögen den Mantra. Dann atme er wiederum sechzehn Zeiteinheiten lang durch Pingala aus.

32.53 Durch diese nehme er erneut Atem auf, halte ihn und lasse ihn durch die andere Seite heraus. Beim Einatmen, Anhalten und Ausatmen wiederhole er den Pranava.

32.54 Der Reihe nach werden zehn, fünfzig, vierzehn und hundert genannt; oder er wiederhole die Gayatri und verfahre auf die beschriebene Weise. [Der E-Text nennt vier Zahlen für drei Atemphasen; eine eindeutige Zuordnung lässt sich daraus nicht gewinnen.]

32.55 So vollziehe er täglich sechzehn Pranayamas. Diese reinigen nach der Aussage der Schrift selbst einen Menschen mit schweren Verfehlungen innerhalb eines Monats.

32.56 Danach übe er den mit fünf Gliedern verbundenen Pratyahara. Der Geist wendet sich von Natur aus den Sinnesgegenständen zu;

32.57 ihn durch Einsicht in deren Unzulänglichkeiten entschlossen von ihnen zurückzunehmen und auf den Erhabenen zu richten, nennen die Weisen Pratyahara.

32.58 Den Geist durch Loslösung von den Sinnesgegenständen, durch Übung und durch Betrachtung der göttlichen Eigenschaften im höchsten Selbst festzuhalten, wird Dharana genannt.

32.59 Hat man den Geist so gesammelt, soll man diszipliniert über Janardana in Radgestalt meditieren und den Geist zunächst mit ihm verbinden.

32.60 An einem angenehmen, reinen und abgeschiedenen Ort, in einem Wald mit Wasser, lebe man gemäß den Pflichten des eigenen Varna und Lebensstandes, mit heiterem Geist,

32.61 friedvoll und mit guten Eigenschaften versehen, auf einem ebenen Sitz, mit aufrechtem Körper, den Blick auf die eigene Nasenspitze gerichtet und Hari hingegeben.

32.62 Mit dem durch Pranayama erweckten, feurigen Lebenswind, der in der Mitte der Sushumna verläuft, durchbreche man die Öffnung Kundalis

32.63 und entfalte den Herzlotus. In dessen innerem Raum, am Ort der Flamme, betrachte man inmitten der leuchtenden Feuerzunge jene wunderbare Gestalt:

32.64 mit gelbbraunen Augen und Haaren, vom Glanz lodernden Feuers, mit furchtbaren Fangzähnen und einem durch zusammengezogene Brauen erschreckenden Anblick,

32.65 geschmückt mit aufgerichteten Haaren, die Blitzbündeln gleichen, glänzend mit einer Krone voller vielfältiger, erfreuender Rubine und Perlen,

32.66 mit Juwelenohrschmuck, der dem Vollmond gleicht, achtarmig, von Edelsteinen und Gewändern umhüllt, den Alldurchdringenden,

32.67 versehen mit Muschelhorn, Rad, Keule, Sharnga-Bogen und Stampfer als höchsten Waffen, ferner Schlinge, Elefantenhaken und Lotus, gewaltig gegenüber den Widersachern,

32.68 mit himmlischen Girlanden und Gewändern, mit himmlischer Sandelpaste gesalbt, geschmückt mit Halsketten, Oberarmreifen, Armbändern, Gürtel und Fußringen,

32.69 mit mannigfaltigen weiteren wunderbaren Schmuckstücken geziert, im Lotussitz sitzend, allen seinen Verehrern Furchtlosigkeit schenkend.

32.70 Wer so meditiert, wird frei, gelöst von allen Verfehlungen. Die allmähliche Vertiefung, die auf diese Weise aus dem ununterbrochenen Strom der Vergegenwärtigung entsteht,

32.71 und in der allein der betrachtete Gegenstand aufleuchtet, nennen die Yogis Samadhi. Wer dann im Samadhi verweilt und ganz von ihm erfüllt wird,

32.72 erfährt die gesamte Macht dieses Kraftvollen. Alle Fähigkeiten, angefangen mit Anima, werden diesem großen Menschen zuteil.

32.73 Ohne Helfer vernichtet er zahlreiche feindliche Heere, wie das Rad die Scharen von Daityas und Rakshasas vernichtet.

32.74 Alles Erwünschte kommt ihm von selbst zu; Siddhas, Vidyadharas und Yakshas leisten ihm Dienste.

32.75 Alle Götter und Seher, die Scharen der Gandharvas und Apsaras sowie Pishachas, Schlangenwesen und Rakshasas gehorchen seinen Weisungen.

32.76 Er wird zur einen Ursache von Entstehung, Bestand und Auflösung aller Welten, allwissend, allsehend und allmächtig. Er nimmt nach Wunsch vielerlei Gestalten an, vernichtet Daityas und Rakshasas und verweilt ohne ein Gefolge nötig zu haben, all seine Wünsche erfüllt. [Diese Schlussverheißung beschreibt die traditionelle Identifikation mit göttlicher Wirkmacht.]

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 32: „Reinigung der Nadis, Beherrschung der Lebenswinde und Yogaglieder ab Pranayama“.

Kapitel 33 – Die Erzählung von Manishekhara

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

33.1 Narada sprach: Erhabener, alles ist erklärt: Gestalt und Eigenschaften, Gefolge und Mantras samt Handwaffen, Wurfwaffen und Gottheiten.

33.2 Die unübertreffliche Yantra-Gestalt wurde mit ihren Shaktis, verschiedenartigen Mandalas und vielfältigen Lotusformen beschrieben.

33.3 Für den Schutz aller Wesen und aller Stände, höchster Herr, insbesondere der Kshatriyas, wurde das Yantra gelehrt.

33.4 Die Größe dieses Yantra-Königs hast du bereits erklärt. Ist dies die Macht des Gottes in Radgestalt,

33.5 die Macht von Sudarshana-Narasimha oder stammt sie aus dem Gefolge? Löse mir diesen Zweifel, denn du bist allwissend, Herr.

33.6 Ahirbudhnya sprach: Ich habe damit Sudarshanas Macht kurz beschrieben. Höre nun ihre ausführlichere Darstellung, göttlicher Seher.

33.7 Auch große Wesen bilden gewöhnlich das Gefolge eines noch Größeren. Besäße dieser keine überragende Größe, könnten sie nicht sein Gefolge sein.

33.8 Daher besteht die ganze bewegliche und unbewegliche Welt aus dem Rad. Höre zuerst von der anfangs- und endlosen Zeit, deren Wesen das Rad ist.

33.9 Das unvergängliche Rad mit drei Naben, sechs Radkränzen und fünf Speichen, das aus dem Jahr besteht, heißt Rad der Zeit.

33.10 Unter seiner Herrschaft steht die ganze bewusste und unbewusste Welt. Dieses Rad setzt der Gott in Radgestalt in Bewegung.

33.11 Mit vierundzwanzig Speichen aus den Prinzipien vom Unmanifesten bis zu den besonderen Elementen und einem Radkranz, dessen Wesen Purusha ist,

33.12 heißt es Weltrad; auch dieses bewegt er selbst. Der Leib des Verkörperten wird durch das zwölfspeichige Nabelrad erhalten;

33.13 auch dieses wird von ihm in Radgestalt angetrieben. So ist der Gott Janardana der Beweger von allem,

33.14 der herrliche Sudarshana, ohne Anfang, Entstehen oder Vergehen. Der Erhabene ist Erkenntnis selbst und verkörpert vollständig die sechs Eigenschaften.

33.15 Er allein ist Schöpfer, Beschützer und Beender aller Wesen. Er allein wird von den Shaivas in Shivas Gestalt verehrt.

33.16 Er allein erschafft in Brahmas Gestalt diese bewegliche und unbewegliche Welt. Er allein, Janardana, schützt sie, indem er Vishnu wird.

33.17 Er allein nimmt als Rudra die ganze Welt zurück. Er allein besteht für die Buddhisten in der Welt als Buddha.

33.18 Er allein trägt für die Shambaras die hüllenlose Gestalt; er allein trägt in der Charvaka-Lehre die Gestalt des Jina-Herrn. [Die Zuordnung dieser Religionsnamen ist im überlieferten Wortlaut auffällig.]

33.19 Für die Opferkundigen heißt er allein Opfer-Purusha; die Mimamsakas lehren eben ihn als Gegenstand der Verehrung.

33.20 Von den Anhängern Kapilas wird derselbe Allgegenwärtige als Purusha bezeichnet. Welche Gestalt Menschen auch als verehrungswürdig erklären, diese jeweilige Gestalt tragend,

33.21 gewährt er allein ihnen rasch alles Gewünschte. Janardana, der Erhabene, erfreut all diese Gottheiten, die seine eigenen Körper sind,

33.22 in höchstem Maße als Hari in Radgestalt. Zum Schutz derer, die bei ihm Zuflucht nehmen, und zur Vernichtung ihrer Gegner

33.23 trägt Hari eben diese aus Sudarshana bestehende Gestalt. Dieses Geheimnis habe ich dir erklärt, weil du ein Hingebungsvoller bist, du an Askese Reicher.

33.24 Höre nun von mir eine alte Begebenheit, göttlicher Seher. Es gab einen königlichen Seher namens Durdharsha, rechtschaffen und von entschlossener Tatkraft,

33.25 den herrlichen Sohn Pramagandas, der in Naicashakha wohnte und die Erde mit ihren sieben Inselkontinenten dem Dharma gemäß regierte.

33.26 Seine schöne Hauptgemahlin hieß Vatsala. Sie gebar ihm einen Sohn namens Manishekhara.

33.27 Manishekhara wuchs über die erste Lebensstufe hinaus; er war schön gestaltet, tapfer, gebildet und ein Bezwinger der Feinde.

33.28 Als er die Jugend erreicht hatte, nahm der Herrliche Prachi zur Frau. Durdharshana hielt seinen Sohn der Herrschaft über die ganze Welt für würdig,

33.29 setzte ihn als König ein und zog zur Askese in den Wald. Wie sein Vater regierte der Sohn die vom Meer umgebene Erde.

33.30 Prachi gebar diesem Großgesinnten sieben Söhne. Während Manishekhara die ganze Erde regierte,

33.31 trat ein mächtiger Asura auf, der alle Lebewesen in Schrecken versetzte: Vikataksha, dem Brahma eine Gunst verliehen hatte.

33.32 Dieser große Asura bedrängte die ganze Erde. Seine Söhne, Enkel und Urenkel erfüllten sie.

33.33 Auf Vikatakshas Befehl bedrängten diese furchtbaren Asuras in schrecklicher Gestalt zu Tausenden sämtliche Wesen.

33.34 Einige jagten sie in die Flucht, andere töteten sie gewaltsam; die Opfer der Zweimalgeborenen verhinderten sie, bester Weiser.

33.35 Sie behinderten die ordnungsgemäß vorgeschriebenen Handlungen aller Stände und der Bewohner der jeweiligen Lebensstadien.

33.36 Alle Edelsteine und großen Reichtümer auf Erden ließ der große Asura Vikataksha an sich ausliefern.

33.37 Von diesem Übelgesinnten bedrängt, meldeten sämtliche Untertanen das Geschehen König Manishekhara.

33.38 Von großem Zorn erfüllt, entschloss sich der lotusäugige König, gegen den großen Asura Vikataksha zu kämpfen.

33.39 Er versammelte alle Soldaten und rüstete sich. Als seine Minister die Rüstung sahen, kamen sie zusammen

33.40 und erklärten ihm dessen Unverwundbarkeit bei einem Heeresangriff: „Einst erfreute jener Übelgesinnte den Schöpfer durch Askese und erbat,

33.41 dass ihn Feinde, die ihm frontal entgegentreten, nicht töten könnten. Als Brahma sagte: ‚So sei es‘, wurde Vikataksha überaus hochmütig.

33.42 Seither ist er von frontal herannahenden Feinden unbesiegbar. Deshalb stelle auch du die Rüstung gegen ihn ein.“

33.43 Nachdem der König diese Worte seiner Minister gehört hatte, ließ er von der Kriegsvorbereitung ab.

33.44 Dann rief er seinen schuldlosen Hauspriester Kratu herbei und beriet sich mit diesem Mantrakenner.

33.45 Er schilderte wahrheitsgemäß Vikatakshas ganze Geschichte und dessen Unbesiegbarkeit durch Feinde, die ihm im Kampf frontal gegenüberstehen.

33.46 „Nenne mir, Erhabener, das Mittel, durch das wir jenen Unbezwingbaren besiegen, damit alle meine Untertanen in Sicherheit leben können.“

33.47 So vom König angesprochen, dachte der Hauspriester lange nach und sagte dann zu Manishekhara:

33.48 „Es ist wahr: Der durch seine Gunstgabe Übermütige lässt sich im Kampf nicht besiegen, außer durch den erhabenen Vishnu mit Muschelhorn, Rad und Keule,

33.49 dunkel wie eine Regenwolke, mit langen Lotusaugen, unermesslich, den Weltenherrn, der das Leid der Zufluchtsuchenden vernichtet,

33.50 mit erhabenen heilvollen Eigenschaften, der die Dämonenscharen zermalmt. Es gibt auf Erden kein anderes, ihm gleichwertiges Mittel, Herr der Welt.

33.51 Darum suche mit deinem ganzen Wesen Zuflucht bei ihm, König, dem Gott in Radgestalt, der sich dem Schutz seiner Verehrer verpflichtet hat.

33.52 Der vortreffliche Weise Durvasas kennt das Mittel, ihn zu erreichen. Durch dessen Gnade kann jener Asura vollständig vernichtet werden.

33.53 Gehe nun zu diesem Seher, der alle Wesen in Ehrfurcht versetzt.“ Der höchst rechtschaffene König beschloss: „So soll es sein.“

33.54 Mit seinem Hauspriester verließ er die Stadt und zog zu dem großen Weisen, der auf einem schönen Gipfel des Himalaya Askese übte,

33.55 in reine Bastgewänder und reine heilige Schnur gekleidet, mit verfilztem Haar und Antilopenfell, friedvoll und einem lodernden Feuer gleich.

33.56 Zu ihm trat der König mit seinem Hauspriester. Der vortreffliche Weise sah die beiden, König und Hauspriester,

33.57 ehrte sie vorschriftsgemäß und hieß sie willkommen: „Warum seid ihr an diesen Ort im Wald gekommen?

33.58 In euch erkenne ich geistliche und königliche Macht unmittelbar verkörpert. Ich kenne dich, Held Manishekhara aus Pramagandas Geschlecht.

33.59 Wir haben gehört, dass dir die Erde mit sieben Inselkontinenten untertan ist. Ist es um alle Glieder deines Reiches und um die Pflichten gut bestellt?

33.60 Beschützt du alle Untertanen, die in ihren eigenen Pflichten stehen, Herr der Erde? Was könnte dir nicht gelingen, da du Kratu als Hauspriester gewonnen hast?

33.61 Ein gelehrter Seher, hervorragend unter allen Asketen, friedvoll, gezügelt, rein, würdevoll, wahrhaftig und fest in seinen Gelübden,

33.62 kundig im Dharma und in sämtlichen Lehrschriften, erfahren in allen Handlungen, tatkräftig, charakterfest, opferkundig und unversehrt,

33.63 voller Mitgefühl für alle, von gleichmütiger Einsicht, in Versenkung geübt, gläubig, überaus großzügig, standhaft und vom König geehrt,

33.64 von allen beständig anerkannt, Purushottama ergeben, mit den Pflichten der sechs Lehrtraditionen vertraut und kundig in kluger Führung,

33.65 barmherzig, von guter Herkunft, ein Übender und Kenner sämtlicher Mantras, mit weiteren guten Eigenschaften versehen: Ein solcher heißt Hauspriester.

33.66 So ist dieser Kratu, wahrhaft wie ein zweiter Brihaspati. Vollziehe alle deine Angelegenheiten mit ihm, Manishekhara.

33.67 Dennoch scheinst du von Feinden bedrängt hierhergekommen zu sein. Erzähle alles, König: Was ist der Grund deines Kommens?“

33.68 So sprach der glanzvolle, an Askese reiche Weise und schwieg. Darauf erklärte der vortreffliche Kratu dem Durvasas

33.69 das Anliegen des Königs vollständig, den Grund ihres gemeinsamen Kommens und die Bedrängnis des Reiches durch den übelgesinnten Vikataksha,

33.70 die Stärke dieses großen Asuras, seine schwere Besiegbarkeit durch Gegner, die Gunstgabe Prajapatis und die Ausbreitung seiner Nachkommenschaft.

33.71 Nachdem er so dessen vielfältige, von der Welt getadelte Taten geschildert hatte, verneigte er sich und sagte demütig:

33.72 „Nenne das Mittel, ihn zu besiegen. Dieser König hat bei dir Zuflucht genommen. Rette den dem Dharma zugetanen König aus der Gefahr!

33.73 Durch ihn werden die Welten geschützt, du an Askese Reicher.“ So sprachen sie, verneigten sich vor dem besten Weisen und blieben vor ihm stehen.

33.74 Mit höchstem Mitgefühl blickte er sie an und gab beiden den vortrefflichen sechssilbigen Sudarshana-Mantra, der die Früchte der vier Lebensziele schenkt.

33.75 „Verwirkliche mit ihm und eben diesem Hauspriester das Ersehnte. Der Hauspriester verwirklicht für Könige sichtbare und unsichtbare Ziele,

33.76 besonders bei Einsetzung, Verehrung und weiteren Diensten für diesen Gott. Jeder Mangel dabei entsteht aus einem Fehler des Hauspriesters;

33.77 ebenso beruht die rechte Beschaffenheit der königlichen Handlungen auf ihm, König. Andere mit priesterlichen Aufgaben Betraute sollen die ihm zugehörige Arbeit [unter seiner Zuständigkeit] ausführen.“

33.78 Nach diesen Worten erzählte der große Weise den beiden eine alte Begebenheit: „Der erhabene Purushottama nahm die Ebergestalt an

33.79 und hob im Varaha-Weltzeitalter die Erde aus dem Wasser. Hocherfreut sprach die Erdgöttin damals zum Gott:

33.80 ‚Zum Wohl der dir Zugewandten sollst du, Weltenherr, stets auf Erden wohnen und eine geliebte Gestalt annehmen.‘

33.81 So von der Göttin gebeten, wohnte Keshava von damals an im heiligen Gebiet der Erde namens Shalagrama,

33.82 als herrlicher erhabener Sudarshana, liebevoll zu seinen Verehrern. Noch heute ist Hari wegen der Größe dieses Ortes, aus Mitgefühl für die Verehrer

33.83 und auf die Bitte der Erde dort beständig gegenwärtig. Jede dort geübte Askese wird tausendfach wirksam.

33.84 Menschen, Tiere, Würmer und Vögel, die dort sterben, werden mit Muschelhorn und Rad gezeichnet, ohne Zweifel.

33.85 Der erhabene Lotusäugige in Sudarshana-Gestalt ist dort stets gegenwärtig, ein Meer wahrhaft heilvoller Eigenschaften.

33.86 Menschen, Götter und Tiere, die dort wohnen, ebenso Bäume und alle unbeweglichen Wesen, tragen dort das Radzeichen.

33.87 Verehre in Shalagrama am heiligen Ufer der Sarasvati Janardana in Radgestalt auf die zuvor erklärte Weise.

33.88 Durch seine Gnade besiege deine Feinde mit ihren bösen Taten und regiere dann wie früher diese von Bedrängnis freie Erde.“

33.89 So sprach der vortreffliche erhabene Durvasas, der Beste der Selbstbeherrschten, zu König und Hauspriester und schwieg.

33.90 Der König und sein Hauspriester verneigten sich vor ihm, bestiegen den siegreichen Flugwagen und kehrten nach Naicashakha zurück.

33.91 Dann reiste der König nach Shalagrama, beschaffte alle erforderlichen Mittel und verehrte den erhabenen Janardana, den Weltenherrn in Radgestalt,

33.92 durch seinen Hauspriester unter Mantrasprechen. Mit Verehrung, Rezitation und Meditation

33.93 erfreute er Hari durch höchste Hingabe innerhalb eines Monats. Da erschien der Radgestaltige dem König:

33.94 In acht göttlichen Armen trug er Keule, Stößel, Muschelhorn, Rad, Bogen, Schlinge, Elefantenstachel und Lotus; seine Augen waren gelbbraun.

33.95 Mit aufgerichtetem gelbbraunem Haar, rotem Leib und großem Glanz, durch Fangzähne furchtbarem Gesicht, ruhte er auf einem Lotussitz.

33.96 Er trug ein rotes Gewand, war machtvoll und mit allem Schmuck versehen; eine göttliche Girlande lag auf seiner Brust. Lächelnd blickte er den König an.

33.97 Da stieg aus Haris Brust das höchste, überaus strahlende Indra-Rad auf, das die Augen aller Welten blendete, wie ein ringförmiger Blitz aus dem Himmel.

33.98 Zuerst war es eines, dann zehn, dann hundert; in Zehner- und Hunderterfolgen wurden es Zehntausende und Hunderttausende. Schließlich war der ganze Himmel mit unzähligen furchtbaren Rädern erfüllt.

33.99 Gleichzeitig töteten sie den Danava Vikataksha mitsamt allen seinen Angehörigen. Danach wurde jenes [Radheer] unsichtbar; Sudarshana verweilte einen Augenblick, erhob sich und ging fort.

33.100 Manishekhara von heiligem Ruhm regierte die Erde mit Meeren, Wäldern, sämtlichen unterworfenen Inselkontinenten und Städten, wie Shachis Gemahl den Himmel mit seinen Göttern regiert.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 33: „Die Erzählung von Manishekhara“.

Kapitel 34 – Mantragestalten von Brahmastra und weiteren Waffenkräften

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

34.1 Narada sprach: Erhabener, Kenner aller Pflichten, von allen Welten verehrt! Die aus dem Rad hervorgegangenen Waffen wurden hier erklärt, Herr.

34.2 Bitte erkläre die Gestalt sämtlicher zugehörigen Mantras. Außer dir sehe ich keinen, der sie kennt, Herr.

34.3 Ahirbudhnya sprach: Großer Seher, wonach du fragst, ist höchstes Geheimnis, schwer zu erlangen, niemandem mitzuteilen und alles verwirklichend.

34.4 Dennoch werde ich es dir erklären, weil du ein Hingebungsvoller bist, großer Weiser. Auch du sollst dieses von Göttern und Dämonen Verehrte nicht [beliebig] weitergeben.

34.5 [Die folgenden Mantras werden durch Lautdecknamen erschlossen.] Das Ende von „pha“, verbunden mit „Feuer“; „Raum“, verbunden mit „Hala“; zweimal „Widder“, mit „Zahn“ versehen; danach „Halahala“.

34.6 Der Anfang von „Ghana“, mit „Wind“ davor; dann der letzte [Laut], mit „Zahn“ versehen; „Sarasa“ und ein anderes Wort für „Stern“; das Ende von „bha“, danach „Bhrigu“.

34.7 „Raum“, verbunden mit „Wind“, danach „Feindzermalmer“; dann ist „flammend“ zu sprechen und anschließend das Wort „höchst“.

34.8 Man füge die beiden Wörter „jenes“ und „dir“ sowie die mittleren drei Wörter der Gayatri hinzu. Dies wird die Brahma-Waffe genannt.

34.9 „Jiva“, der erste Laut der fünften Klasse und der erste der vierten mit dem letzten verbunden; „Bhrigu“ mit langem Vokal; der Anfang von „Danda“ und „Widder“, auch „Yashti“ genannt.

34.10 Dann die Wörter „dem Selbst“ und „dem Rad“, abschließend die Schutzpanzerformel: Dieser Mantra gilt als Strafrad.

34.11 „Wässriger“, mit „Maya“ verbunden; der Endlaut der va-[Reihe], mit „Wässrigem“ verbunden; das Ende von „Yupa“ mit „Feuer“; dann „ma“ mit „Feuer“ und „Atri“.

34.12 Das Ende von „dha“, dann „dem Selbst der Zeit“ und „dem Rad“, abschließend „phaṭ“: Dieser Mantra wird Zeitrad genannt.

34.13 Die Lautfolge „mona yakrāca netmarmā dha namaye nilakhī“ erscheint in umgekehrter Reihenfolge. [Die verschlüsselte Folge wird wegen der unsicheren Lesung nicht als Rezitationsformel aufgelöst.]

34.14 Die alten großen Seher kennen diesen Mantra als Dharma-Rad. [Für den nächsten:] Tara vor der Herzformel, Anfang und Ende von „Bhaga“, der Anfang von „Vana“,

34.15 „Ashadha“ mit „Chandisha“, dann „dem von scharfem Glanz“, ein Ausdruck für die Zahl hunderttausend und das Wort „Speiche“.

34.16 Dann ist „höchst“ anzufügen, anschließend „spalte“ und „erschrecke“. Dies kennt man als Vishnu-Rad.

34.17 Die Lautfolge „yaṣaśo kaṃ nīvānadā vannapirūmahi minnelajve“ und Tara: Dies gilt als Indra-Rad. [Die Lautfolge bleibt unaufgelöst.]

34.18 Tara, „Viergesichtiger“ mit dem „Herrn der eigenen Glieder“ und langem Vokal; „Pinakin“ mit langem Vokal; der Anfang von „Jala“, mit „Maya“, und „Somakönig“.

34.19 Das Ende von „Phala“, die Wörter „furchtbar“ und „Donnerkeil“, der Reihe nach, verbunden mit Schutzpanzer- und Waffenformel: Dies ist die vortreffliche Donnerkeil-Waffe.

34.20 Mit der Herzformel beginnend: „Ashadha“ mit „Feuer“ und „Maya“, „Baka“ mit „Maya“, „Feuer“, „Bhrigu“ mit „Chandisha“ sind anschließend einzusetzen.

34.21 Dann „dem vortrefflichen Spieß“, „furchtbare Gestalt“, „zerreiße“ und danach „töte“.

34.22 „Erschrecke“ und abschließend die Hauptformel: Dies wird Dreizack genannt. [Für den nächsten:] „Zorniger“, „Stabträger“, das Ende von „Vira“ mit „Chandisha“, der Anfang von „Vrishchika“,

34.23 mit „Ashadha“ und „Chandisha“ verbunden, dann „huṃ phaṭ“: Dies heißt Brahmas Haupt. Die Lautfolge „hāsvā pakṣi yavadrāvi nyaṃsairapa mare“

34.24 und der Laut „pa“, in umgekehrter Reihenfolge, gilt als höchste Schilfwaffe. [Für den nächsten:] „Bhrigu“, „Zorniger“, „Pinakin“ mit „Ananta“ und „Mitra“.

34.25 An das Ende von „Santapana“ setze man „Maya“, ebenso an das Ende von „Modaka“; mit Schutzpanzer- und Waffenformel heißt dieser Mantra die Keule Modaki.

34.26 „Roter“, „Schlangenherr“, „Bhrigu“ mit „Bhautika“, „Munda“ mit „Valin“, „Schwertherr“, „Feuer“ mit langem Vokal,

34.27 „Herr der Uma“ mit „Maya“, dann das Wort „Shikhari“, anschließend „Spalterin“ und „phaṭ“: Dies ist die Keule Shikhari.

34.28 Das Ende von „Vapra“, der Anfang von „Chanda“, dann der mittlere Laut von „Mandapa“; das Wort „Übeltäter“ und ein anderes Wort für „Elefant“.

34.29 Zweimal „binde“: Dies kennt man als Dharma-Schlinge. [Für den nächsten:] „Atri“ mit „Maya“, „Weißer“ mit „Somesha“, dann „Feuer“,

34.30 verbunden mit dem sechsten Vokal, anschließend „Roter“; danach zweimal das Wort „erstarre lassen“.

34.31 Mit der Schutzpanzerformel am Ende heißt dieser Mantra Zeitschlinge. [Für den nächsten:] Zuerst „Dickbäuchiger“, dann das Wort „alle“,

34.32 danach „Abwehrer“ und „furchtbare Gestalt“, anschließend Schutzpanzerformel und „phaṭ“: Dieser Mantra ist die vortreffliche Varuna-Schlinge.

34.33 „Roter“, „Feuer“, „Schildkröte“, „Gift“ mit „Ashadha“, „Zorniger“ mit „Bharabhuti“, dann der letzte Laut von „Mati“;

34.34 ein anderes Wort für „Hand“ und zweimal „trockne aus“: Diesen Mantra kennen die Verständigen als den ersten der beiden Donnerkeile.

34.35 „yaṣabhī ṇaradānomarapa“ ist der andere Donnerkeil. [Für den nächsten:] „Herr der Unsterblichen“, Ende von „kha“ mit „Feuer“, „Stab“,

34.36 „Elefantenstachel“ und zweimal „spalte“: Dies ist die Pinaka-Waffe von unermesslichem Glanz. [Für den nächsten:] „Vishnu“, „Stabträger“, nochmals der erste [Laut], „Schlange“ mit langem Vokal,

34.37 „Ashadha“ mit „Maya“, ein anderer Name für Sudarshana, dann „Zerreißer“ und „Allgestaltiger“, der Reihe nach,

34.38 sowie Schutzpanzer- und Waffenformel: Dies heißt Narayana-Waffe. [Für den nächsten:] „Baka“ mit „Pinakin“, der Punkt, verbunden mit „Mahamaya“,

34.39 dann „Roter“ und „Baka“ mit dem fünften Vokal; Schutzpanzer- und Waffenformel sind anzufügen. Dies heißt Pashupata-Waffe.

34.40 Tara, dann die Herzformel und „dem Vielfarbigen“; die Wörter „rund“, „gelbbraun“ und „Auge“, der Reihe nach;

34.41 ferner „Vishvamitra“, „Beruhiger“, „verbrenne“, „trockne aus“ und „erschrecke“ sind einzusetzen.

34.42 Dies ist die äußerst gewaltige Feuerwaffe, von Göttern und Dämonen hoch verehrt. [Für den nächsten:] „Baka“, „Feiner“, „Chanda“, „Schlange“ mit langem „Stab“,

34.43 „Raum“ mit „Schwertherr“, „Valin“ und „Schleuderer“; dieser mit der Schutzpanzerformel endende Mantra wird Dayita genannt.

34.44 „Valin“ mit „Stab“ ist dreimal zu wiederholen; dann die Wörter „Yakshas“, „Rakshasas“ und „Pishachas und die weiteren“, der Reihe nach,

34.45 ferner „Feinde“, dann „weit fort“ und anschließend zweimal das Wort „vertreibe“.

34.46 Dies ist die bekannte Windwaffe, in den drei Welten von allen verehrt. [Für den nächsten:] „Raum“ mit „Stab“, „Raum“, „Valin“, der erste Laut von „Shita“,

34.47 „Weißer“ mit „Feuer“ und langem Vokal, „Schlange“ mit langem Vokal, „Ashadha“ mit „Mahamaya“ und mit „Munda“ geschmückt.

34.48 Man spreche „verschlinge“: Dies ist der Pferdehaupt-Mantra. „napantāsarape“, mit „phaṭ“ am Ende, heißt Krauncha.

34.49 Die Lautfolge „ṇiradāvirapa rtemūptadī“, rückwärts und mit der Schutzpanzerformel am Ende, ist der erste der beiden Wurfspieß-Mantras, der alle Feinde erschreckt.

34.50 Die Lautfolge „nesetapro rṇikakuśaṃ rtemūjrava“, rückwärts und mit „huṃ“ am Ende, ist der andere Wurfspieß-Mantra.

34.51 „Shivottama“ mit Punkt, „Zorniger“, „Feuer“ mit langem Vokal, Ende von „bha“ mit langem Vokal, „Valin“ und schließlich „paṭ“:

34.52 Dies heißt der Skelett-Mantra, der alle erschreckt. [Für den nächsten:] Anfang und Ende von „Chanda“, dann Anfang und Ende von „Rupa“ der Reihe nach einsetzen;

34.53 „drehe“ und „schlage nieder“: Dies gilt als Stößel. [Für den nächsten:] „Chanda“, „Schlange“, „Atri“, „Baka“ mit „Feuer“,

34.54 „Munda“, „Dviganda“, „ma“ mit „Maya“, zweimal „Widder“, „Schwertherr“ mit „Bhautika“ und „Feuer“ mit „Chandisha“.

34.55 Dieser Mantra endet mit der Waffenformel und heißt die äußerst furchtbare Schädelwaffe. [Für den nächsten:] „Atri“ mit langem Vokal, „Feuer“ mit „Maya“,

34.56 „Ashadha“ mit „Ananta“, „Feuer“ mit langem Vokal und der erste Laut der vierten Klasse mit „Chandisha“.

34.57 Zweimal „bezwinge“: Dieser Mantra heißt Kankani. [Für den nächsten:] Zuerst die Herzformel, dann „Bhaga“,

34.58 dann „vati“ und „große Maya“, der Reihe nach; Schutzpanzer- und Waffenformel sind anzufügen. Dies ist die höchste Vidyadhara-Waffe.

34.59 „Zerschlagen“ am Anfang, ein anderes Wort für „Feind“, dann „Kraft“, mit der Schutzpanzerformel am Ende: Diese Waffe wird Asirakta genannt. [Der Name weicht vom „Schwertjuwel“ in Kapitel 30 ab.]

34.60 „Zorniger“ mit „Pinakin“, „Stab“ und „Bhautika“, dann zweimal „verblende“: Dieser Mantra gilt als Gandharva-Waffe.

34.61 „Fünf-Beender“ mit „Stab“, dann „Herr der Scharen“, anschließend „Welt“ und danach „Feinde“;

34.62 man wiederhole „schicke fort“: Dies heißt Prasthapana. [Für den nächsten:] „Roter“ mit „Feuer“, „Jiva“ mit „Mahamaya“,

34.63 „Atri“, „Dviranda“, „Fünf-Feind“, Ende von „la“, mit „Maya“, Anfang von „Tala“; am Ende füge man „du von Maya-Gestalt“ hinzu.

34.64 Dies heißt Beruhiger und hält alle Feinde fern. [Für den nächsten:] Tara, dann die Herzformel, danach „dem Höchsten“;

34.65 dann „fremder“, „Glanz“ und „Vernichter“, mit „phaṭ“ am Ende: Dies heißt Sonnenwaffe.

34.66 „Atri“, „Stabträger“ und „Schwertherr“ mit „Maya“; „Atri“ mit langem Vokal, „Feuer“ und „Ashadha“ mit „Maya“;

34.67 „Atri“ mit „Rotem“, „Feuer“, Schutzpanzerformel und „phaṭ“: Dies heißt Spiegelwaffe und zermalmt die Kraft aller Feinde.

34.68 „Baka“, „Zahnträger“, Anfang von „Shukra“ mit „Maya“, Anfang von „Tala“; „Feind“ und „Geist“ sind einzusetzen, am Ende die Schutzpanzerformel.

34.69 Dies heißt Austrockner und vernichtet sämtliche Gegner. [Für den nächsten:] „Ashadha“ mit langem Vokal, „Roter“ mit „Maya“,

34.70 „Ashadha“, „Roter“, „Feuer“, „Bhrigu“ mit „Bhautika“, verbunden mit „Munda“ und „Valin“, dann „Bhrigu“ und „Raum“.

34.71 Man setze „sra-Gestalt“ ein und wiederhole danach „erhitze“: Dieser Mantra heißt Erhitzer. [Der Wortanfang „sra“ ist unsicher.]

34.72 „Bhrigu“ mit „Bhautika“, „Feuer“ mit „Stab“, „Mahakala“ mit langem Vokal, dann „Valin“ mit langem Vokal,

34.73 danach „dem Selbst“ und am Ende „phaṭ“: Dies ist der Klagenmacher. Die umgekehrte Lautfolge „huṃ yemāhāmararvādu“ heißt Berauscher.

34.74 „Bewegte Wange“, dann „Raum“ mit dem „Herrn der Unsterblichen“, „Mahakala“ mit „Zahn“, danach „Raum“ und „Widder“.

34.75 Man spreche „Mayakundiger“, dann „der Waffe“, abschließend „phaṭ“: Dieser Mantra gilt als Liebling des Liebesgottes.

34.76 „nihamorapa“, rückwärts und mit der Hauptformel versehen, heißt Pishacha-Waffe und zermalmt alle Feinde.

34.77 Zuerst spreche man dreimal „Ajeshvara“ mit „Stab“; dann das Wort „Finsternis“ und ein anderes Wort für „Hand“.

34.78 Danach „feindliches Heer“ und wiederholt „verhülle“: Dies heißt Finsterniswaffe und verblendet sämtliche Feinde.

34.79 „Vishnu“, „Zahnträger“, „Mahakala“, danach „Shivottama“, dann „Kraft“ und „Feind-Erstarrer“;

34.80 anschließend Schutzpanzer- und Waffenformel: Dies heißt Saumana. [Für den nächsten:] „Schlange“ mit „Stab“, danach „Feinde“;

34.81 zweimal „schleudere“, mit der Hauptformel am Ende: Dies ist der vortreffliche Zusammenroller. [Für den nächsten:] Zuerst die Wörter „Scharfer“ und „Runder“ der Reihe nach,

34.82 zweimal „spalte“, mit der Hauptformel am Ende: Dies gilt als Stößelwaffe. [Für den nächsten:] Tara, ein Wort für Verneigung und „der höchsten Wirklichkeit“;

34.83 man spreche „Feinde“ und zweimal „vernichte“: Dies heißt Wahrheitswaffe und vernichtet alle Feinde.

34.84 Tara, dann die Herzformel und „dem Gott“; danach spreche man „dessen Selbst Maya ist“.

34.85 Mit „phaṭ“ am Ende heißt dieser Mantra Mayaträger. [Für den nächsten:] „Shivottama“ mit „Stab“, derselbe nochmals mit „Zahn“;

34.86 dann „Feuer“, „Schlange“ mit „Anghrisha“, „Roter“ mit langem Vokal, „Valin“ und das Wort „dem Gewaltigen“.

34.87 Mit der Hauptformel am Ende heißt dieser Mantra die Furchtbare Waffe. [Für den nächsten:] „Bhrigu“, zweimal „Raudra“ und zweimal „r“, dann die mit „pra“ beginnenden [Laute],

34.88 „Shivottama“ mit „Satya“, danach „Schlangenherr“, „Ashadha“ mit „Amara“, „Widder“, Liebeswaffe und „Reiniger“.

34.89 Man wiederhole „caṭa“, dann den Anfang von „pra“, „Zornherr“, „Raum“, „Wässriger“ und „Zeit“, zweimal „Vamana“ mit Punkt.

34.90 Man wiederhole „Fisch“ und „Widder“, danach „Ashadha“ und „Roter“. Mit zusätzlicher Shakti und Schutzpanzer- und Waffenformel am Ende heißt dies Aghora-Waffe.

34.91 Zuerst spreche man „Bhrigu“ mit „Herr der Gnade“ und „Stabträger“, dann „den Hassenden“ und „versetze in Unruhe“.

34.92 Den letzten Ausdruck wiederhole man zweimal. Dies wird Soma-Waffe genannt. [Für den nächsten:] Zuerst Pranava und Herzformel, dann „Bhrigu“, mit demselben verbunden,

34.93 „Zorniger“, „Pinakin“, „Widder“ mit „Maya“, danach zweimal „Mahakala“ mit „Feuer“ und langem Vokal,

34.94 „Ashadha“ mit „Bharabhuti“, „Fisch“ mit langem Vokal; dann die Wörter „dem Glanz“ und „dem Höchsten“.

34.95 Dies heißt Tvashtri-Waffe, von allen Welten verehrt. [Für den nächsten:] „Vishnu“, „Stabträger“, nochmals der erste [Laut], „Schlange“ mit langem Vokal,

34.96 „Ashadha“ mit „Maya“, „Feuer“ mit Punkt, „Viergesichtiger“ und „Zornherr“, mit „phaṭ“ am Ende: Dies ist Daruna.

34.97 Man spreche Anfang, Mitte und Ende von „Vipaksha“, dann „im Zerteilen tätig“ und anschließend „Bhaga“;

34.98 mit „dem Selbst“ und abschließend „phaṭ“ ist dies die Bhaga-Waffe. [Für den nächsten:] „Baka“ mit „Trimurti“, danach „Ashadha“ und „Flammenträger“,

34.99 „Pinakin“, „Schwertträger“ mit „Maya“, darüber „Roter“, „Samvartaka“ mit „Stab“ und zweimal „schleudere“.

34.100 Mit der Hauptformel am Ende heißt dieser Mantra Kaltpfeil. [Für den nächsten:] „Roter“, „Schlange“ mit langem Vokal, „Valin“, dann „Roter“,

34.101 „Feuer“, Ende von „bha“, „Valin“ mit „Feuer“ und langem Vokal, „Atri“ mit langem Vokal; dann „dem Spalter“ und „dem Furchtbar-Gestaltigen“, mit Verehrung am Ende: Dies gilt als Menschenwaffe.

34.102 Zweimal „verbrenne“, mit „überaus gewaltig“ davor und „Gestalt“ danach; dann „dem Glanz Rudras“, abschließend von der Hauptformel umgeben: Dies nennt man die höchste Rudra-Waffe.

34.103 „Atri“ mit „Trimurti“, „Shivottama“ mit „Feuer“, „Bhrigu“ mit dem „Herrn der Unsterblichen“, der Endlaut von „Supti“, dann das Wort „Elefant“ und „du von Maya-Wesen“, abschließend „phaṭ“:

34.104 Dies nennt man den vortrefflichen Einschläferer, der sämtliche feindlichen Heere vollständig verblendet. So habe ich die Erschließung aller höchsten Waffen wahrheitsgemäß ausgeführt, Sohn des Parameshthin.

34.105 Tara, „Sadyojata“, am Ende „Ashadha“, „Schwertherr“ mit „Bhautika“, „Feuer“ von „Maya“ umgeben; dann ein Ausdruck für Herz, Schutzpanzerformel und schließlich „phaṭ“. [Der Vers nennt hier keinen eigenen Waffennamen.]

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 34: „Mantragestalten von Brahmastra und weiteren Waffenkräften“.

Kapitel 35 – Die Gestalten der zurücknehmenden Waffenkräfte

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

35.1 Narada sprach: Erhabener Herr, du hast zuvor erklärt, dass sämtliche Rücknahme-Waffen aus Sudarshanas rückwärtigem Körperteil hervorgingen.

35.2 Ich bin begierig, ihre Gestalt zu erkennen. Bitte erkläre sie vollständig, wenn du mir Gnade erweist.

35.3 Ahirbudhnya sprach: Dieses höchste Geheimnis wurde einst von Narayana gelehrt. Weil du ein Hingebungsvoller bist, erkläre ich es dir aus Zuneigung; höre, Narada.

35.4 [Die Lautdecknamen werden beibehalten.] „Roter“ mit „Feuer“, „Schwertherr“ mit „Bharabhuti“, zweimal „Ashadha“, „Munda“ und „Schwertführer“ mit „Maya“;

35.5 dann zweimal „Ashadha“ mit „Feuer“, anschließend „Zornherr“; man spreche „Parameshthin“, dann „Wahrheit“

35.6 und „trinke“, mit der Hauptformel: Dieser Mantra ist als Satyavan bekannt. [Für den nächsten:] Tara, Herzformel und „dem Wohnsitz der Wahrheit“, der Reihe nach,

35.7 zweimal „befriede“: Dies gilt als Satyakirti. [Für den nächsten:] „Atri“ mit „Herr der Unsterblichen“, „Fünf-Beender“ mit „Feuer“,

35.8 „Mahakala“, „Mark“ und „Gemahl der Uma“ mit „Feuer“, dann wiederholt „stimme gnädig“: Diese Waffe kennt man als Dhrishta.

35.9 „Zorniger“, „Pinakin“ mit „Maya“, „Schwertträger“ mit „Maya“, „Atri“, „Pinakin“, „Munda“ mit langem Vokal und „Saft“;

35.10 „Feuer“, „Dviranda“, „Bhrigu“ mit langem Vokal, danach „Valin“, mit Verehrung am Ende: Dieser Mantra heißt Rabhasa.

35.11 Tara mit der Hauptformel kennt man als den besonders wirksamen Abwehrer. [Für den nächsten:] „Roter“ mit „Feuer“, dann „Gepriesener“,

35.12 „dessen Selbst der Stobha-Laut ist“, „rückwärtsgewandt“ und die Dativendung, mit der Herzformel am Ende: Dies heißt Paranmukha.

35.13 „Herr der Unsterblichen“, „Atri“, „Ashadha-Herr“ mit „Valin“, dann „dem Vertreiber“ und anschließend „schütze“,

35.14 „Geneigter“ und „der Frucht“; mit der Hauptformel kennen die Mantraübenden diesen Mantra als Avanmukha.

35.15 Ein anderes Wort für hunderttausend, danach „dem Spalter“, wiederholt „Verwerfer“ und die Dativendung;

35.16 mit der Herzformel am Ende nennt man diesen Mantra Lakshaksha. [Für den nächsten:] „Schwertherr“ mit „Maya“, „Schildkröte“ mit „Maya“,

35.17 „Ashadha“ mit „Feuer“, „Roter“ mit „Feuer“, „Bhrigu“ mit langem Vokal, „Feuer“ und zweimal „dulde“:

35.18 Dies heißt Vishama, die äußerst schwer zu bezwingende Waffe. [Für den nächsten:] Zuerst „Frieden“, danach „bewirke“,

35.19 dann „fest“, „Körper“ und „Stütze“, mit der Hauptformel am Ende: Dies heißt Dridhanabha.

35.20 Die umgekehrte Lautfolge „hāsvā yakrācatasṛvi mona oṃ“ kennen die alten großen Seher als die Rücknahme-Waffe. [Die verschlüsselte Folge bleibt unaufgelöst.]

35.21 „Schwertherr“ mit „Maya“, „Baka“ mit demselben verbunden, der Endlaut der va-[Reihe] mit langem Vokal, „Ashadha“ und „Munda“;

35.22 „Schwertherr“ mit langem Vokal, „Feuer“, „Herr der Uma“ mit langem Vokal und „Valin“, mit der Herzformel am Ende: Dieser Mantra heißt Zehnäugiger.

35.23 Tara vor der Herzformel, dann „Bewegte Wange“, „Raum“ mit „Herr der Unsterblichen“, danach „dem Gesicht“

35.24 und die Wörter „Donnerkeil“ und „Abwehrer“, mit Dativendung am Ende: Dies ist Hundertgesichtiger. [Für den nächsten:] „Shivottama“ mit „Zahn“, „Feuer“ mit langem Vokal,

35.25 „Bhrigu“ mit „Ashadha“ und „Feuer“, dann „dem Abschneider“, danach „zehn“ und „dem Haupt“;

35.26 mit der Hauptformel am Ende heißt dieser Mantra Zehnköpfiger. [Für den nächsten:] Tara, ein Ausdruck für Verneigung, dann „verschwundene Waffen“

35.27 und „dem Netz“, anschließend „viele Bäuche“ mit Dativendung am Ende: Dies kennt man als Hundertbäuchiger.

35.28 „Roter“, „Feuer“, dann „Nakulisha“, „Ashadha“ mit „Maya“, danach „in Gang gesetzt“, der Reihe nach,

35.29 wiederholt „dem Vernichter“ und „Heil“ am Ende: Dies ist Lotusnabel. [Für den nächsten:] „Mahakala“, „Raum“ mit langem Vokal, „Roter“ mit langem Vokal,

35.30 „Baka“, „Schwertherr“ mit „Maya“, dann „dem Vernichter“ und „dessen Selbst das Rad ist“, mit „Heil“ am Ende:

35.31 Diesen Mantra-Herrscher nennen die Kundigen Großnabel, der alles verwirklicht. [Für den nächsten:] „Baka“, „Mahakala“ und „Ashadha-Herr“ mit „Maya“,

35.32 „dem Spieß“, dann „dem Gewaltig-Nabeligen“ und zweimal „Heil“: Dies kennt man als Dundunabha.

35.33 „Widder“ mit „Maya“ und „Anghrisha“, „Bhrigu“, „Atri“ mit „Maya“, ferner „Ashadha“ mit langem „Stab“,

35.34 „Zorniger“ mit „Herr der Unsterblichen“, „Baka“ mit langem Vokal, „Valin“ mit langem Vokal, danach „zurückgehaltener“

35.35 und „dem Glanz“, mit „Heil“ am Ende: Dieser große Mantra ist als Dhritimali bekannt und wird in allen Welten verehrt.

35.36 „Samvartaka“ mit „Herr der Unsterblichen“, „Fisch“ mit Punkt und „Maya“, dann wiederholt „schwäche ab“: Dies ist der Mantra Vrittiman.

35.37 Zweimal „Waffe“, dann „möge Frieden bringen“, mit der Hauptformel am Ende: Dieser Mantra heißt Ruchira.

35.38 „Roter“ mit „Maya“, „Ashadha“ mit „Bharabhuti“, danach „Essenz der Götter“ und „alle Furchtlosigkeit“

35.39 sowie „Verleiher“ und „dem allen Frieden Bringenden“, mit der Hauptformel am Ende: Dieser Mantra gilt als Pitri-Saumanasa.

35.40 Tara und Herzformel, „Schwertherr“ mit „Maya“, „Fisch“ mit „Anghrisha“, „Ashadha“ mit langem Vokal,

35.41 „Chanda“ mit „Maya“, „Pinakin“, „Ashadha“ mit langem Vokal, „Roter“, dann „dem Bewirker“,

35.42 „höchsten“ und „Glanz“: Dies ist der vortreffliche Vidhuta. [Für den nächsten:] Zuerst „Verehrung“ und „zerbrochen“,

35.43 dann die Wörter „Handwaffen“, „Wurfwaffen“, „der Kraft“, „dem Kraftvollen“ und „dem Makara“, der Reihe nach;

35.44 „in Gang gesetzte Waffen“, „großes Meer“ und „dem Spalter“: Dies ist der vortreffliche Makara.

35.45 Tara vor der Verehrungsformel, dann „zurückgewiesen“, das Wort „Keule“ und anschließend „der Wirkmacht“,

35.46 mit der Hauptformel am Ende: Dieser Mantra gilt als Karavirasama. [Für den nächsten:] Tara, ein Ausdruck für Verneigung, „Roter“ mit „Feuer“,

35.47 „Ashadha“ mit „Ananta“, „Roter“, „Fisch“, „Munda“ und zweimal „bewirke Heil“: Dies gilt als Reichtum.

35.48 Die Lautfolge „vetavājīrtarāpe“ wird rückwärts gesprochen; mit der Hauptformel am Ende nennen die Verständigen diesen Mantra Getreide.

35.49 „Roter“ mit „Feuer“, Anfang und Ende von „Chanda“ der Reihe nach, „Baka“, „Munda“ mit „Maya“, „Roter“ mit „Feuer“,

35.50 „Baka“, „Gift“, dann „Munda“ mit „Maya“, „offenbart“, das Wort „Welt“ und anschließend „befriede“

35.51 zweimal: Diesen Mantra nennt man Lichtgestalt. [Für den nächsten:] „Zorniger“, „Pinakin“ mit „Maya“, danach „Ashadha“,

35.52 „Zorniger“ mit „Ananta“, „Baka“ mit langem Vokal und „Feuer“, „Munda“, „Valin“ und die Hauptformel am Ende: Dies heißt Krishana.

35.53 „Schwertträger“ mit „Maya“, „Flammenträger“ mit „Mahamaya“ und „Pinakin“, die Wörter „vollzogenes Rad“ und „dem Rad“;

35.54 mit „Vashat“ am Ende nennt man diesen Mantra Nairashya. [Für den nächsten:] Zuerst „Schwertherr“ mit „Maya“, „Ashadha“ mit langem Vokal und „Feuer“,

35.55 „Bhrigu“ mit „Maya“, „Ashadha“ mit langem Vokal, „Chanda“ mit „Maya“ und „Pinakin“ mit „Ananta“, der Reihe nach,

35.56 „Bhrigu“ mit „Ashadha“, langem Vokal und „Feuer“, danach „Valin“, dann „dem Makellosen“, mit der Hauptformel am Ende: Dies gilt als Vimala.

35.57 „Bhrigu“, Ende von „la“ mit „Feuer“, dann „Maya“, „der daraus bestehenden Waffe“ und „Finsternisvernichter“;

35.58 man füge „der Gestalt“ hinzu, dann „Yoga“, „dem Träger“ und anschließend „dem Großen“.

35.59 Man spreche „dem Furchtbaren“, danach wiederholt die Herzformel: Dies heißt Yogandhara, die von allen verehrte Waffe.

35.60 „Munda“ mit „Maya“, „Raum“, danach „Ashadha“, „Widder“ mit „Maya“, dann „Atri“ mit langem Vokal und „Feuer“;

35.61 „der Mudra“, mit der Hauptformel am Ende: Dies heißt Vinidra. [Für den nächsten:] „Gift“ mit „Feuer“ und „Wind“, dem sechsten Vokal und dem Punkt,

35.62 zu einer Lautgruppe verbunden und mit der Hauptformel am Ende: Die Waffenkenner nennen dies Naidra. [Für den nächsten:] Zuerst Tara, danach die Herzformel,

35.63 „Gift“, dann „Stabherr“ mit „Maya“, „Ashadha“ und „Baka“;

35.64 danach „Zorniger“ mit „Ashadha“ und „Chandisha“, dann wiederholt „stimme gnädig“: Dies gilt als Zermalmer-Waffe.

35.65 „Viergesichtiger“ mit „Varuna“ und langem Vokal, dann „Pinakin“ mit „Ananta“, Ende von „la“ mit „Maya“,

35.66 Ende von „Jvala“ mit „Maya“, danach „Pinakin“, der erste Laut der vierten Klasse, dann „großes Schwert“;

35.67 man spreche auch „Mächtiger“, „dem großen Glanz“ und zweimal „dulde“: Dieser Mantra heißt Sarchirmali.

35.68 Die Lautfolge „hāsvā nañjabharañcāsarapattavṛpra rasvā“, rückwärts gesprochen, gilt als Wunschgestalt.

35.69 Man beginne mit „Om, Verehrung“, dann „Munda“ mit „Maya“ und dem dritten Vokal, „Chanda“ und Ende von „ra“;

35.70 man spreche „Rumpf“ und abschließend „dem Zusammenfügen“. Mit der Scheitelformel am Ende wird dieser Mantra von den Alten Wunschglanz genannt.

35.71 „Bhautika“ mit „Stab“, dann „Elefantenstachel“ und „Verblendung Abwehrende“, mit der Hauptformel am Ende: Dies heißt Moha.

35.72 „Schwertherr“ mit langem Vokal, „Feuer“ mit „Maya“, „Ashadha“, „Mahakala“, danach „Raum“ mit langem Vokal,

35.73 „Mahakala“ mit „Ananta“, „Valin“ mit „Chandisha“ und die Hauptformel am Ende: Dieser große Mantra heißt bei den Verständigen Umhüllung.

35.74 Man setze zweimal „Dviranda“ mit „Stab“ der Reihe nach, spreche „Viergesichtiger“ und „Munda“ und füge danach das Wort „Heil“ hinzu.

35.75 Mit der Hauptformel am Ende heißt dieser große Mantra Gähnenmacher. [Für den nächsten:] „Chanda“ mit „Ananta“, „Atri“ mit „Maya“,

35.76 der erste Laut der vierten Klasse, danach „Heer“ und „dem Belebenden“, mit der Hauptformel am Ende: Dies ist Sarvanabhaka.

35.77 Anfang und Ende von „Vega“ der Reihe nach, dann Anfang von „Vishva“, das Wort „besiegt“ und „dem Sohn Vinatas“;

35.78 mit der Hauptformel am Ende heißt dieser Mantra Sohn des Bhrishashva. [Für den nächsten:] „Bhrigu“, „Varuna“ mit „Feuer“, „Munda“ mit „Maya“, der Reihe nach,

35.79 „Schwertherr“ mit „Feuer“ und langem Vokal, „Roter“, dann „Gemahl der Uma“ und zweimal „bewirke Frieden“: Dieser Mantra heißt Zusammenfügung.

35.80 „Bhrigu“, Ende von „la“ mit „Feuer“ und „Stab“, „Bhrigu“, „Raum“, dann „Jiva“ mit „Varuna“;

35.81 mit der Hauptformel am Ende heißt dieser Mantra Varuna-Waffe. Narada sprach: Erhabener, Herr des Gottes der Götter, von allen Welten verehrt!

35.82 Aufseher über alles, unermessliches Selbst, Bereich unbegreiflicher Erkenntnis! Bei dir Zuflucht nehmend erlangen alle Götter die ersehnte Frucht.

35.83 Aus dir ist die ganze bewegliche und unbewegliche Welt hervorgegangen; durch dich allein wird alles geschützt und zurückgenommen, großer Herr.

35.84 Du bist der Anfang aller Welten und selbst anfangslos, du Allumfassender. Du bist Purusha, du bist das Unmanifeste und das Manifeste, Hervorbringer des Alls.

35.85 Du bist Opfer, Verehrungswürdiger und Opfernder; du bist die Feuer und die Opfergabe, Vashat-Ruf und Om-Laut, und du bist der durch die Veden Erkennbare.

35.86 Aus dir allein gehen die Wesen hervor, großer Herr. Werkzeug, Ursache, Handelnder, Wirkung, Handlung und Frucht bist du, Allgegenwärtiger.

35.87 Du allein bist Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart, höchster Herr. Frei von Eigenschaften nimmst du bei der Weltschöpfung die Eigenschaften an.

35.88 Du bist kleiner als das Kleinste und größer als das Größte. Wer dir zugetan ist, Herr, erreicht das höchste Ziel.

35.89 Wer sich abwendet, geht in die Hölle; doch du veränderst dich nicht. Du bist die Zeit mit ihren Abschnitten Kala, Kashtha, Muhurta und den weiteren Einheiten.

35.90 Obwohl du stets in allen Wesen wohnst, Shankara, wirst du von ihren Veränderungen nicht befleckt, wie ein Lotusblatt nicht vom Wasser.

35.91 Darum erkennst du jederzeit alles so deutlich wie eine Amalaki-Frucht in der Hand. Du hast mir auf meine Frage die Gestalt sämtlicher Waffen erklärt.

35.92 Besitzen diese Waffen körperliche Gestalten oder sind sie körperlos? Löse mir nun diesen Zweifel, Herr der Götter, Allgegenwärtiger.

35.93 Ahirbudhnya sprach: Sie besitzen furchtbare Leiber, Narada; ihre schrecklichen Gesichter mit gekrümmten Fangzähnen versetzen die Menschen in Schrecken.

35.94 Sie haben drohende, rollende, rote, runde Augen und furchtbares Haar, das einem Bündel von Blitzen gleicht, Narada.

35.95 Einige sind rauchfarben, einige sonnengleich, einige weiß und einige wie Feuer.

35.96 Mit gewaltigen, schrecklichen Armen, großen Eisenriegeln gleich, tragen sie jeweils ihre eigenen Waffen; sie sind groß und stark,

35.97 schnell, zermalmend, dem Stolz der Feinde feindlich und werden beständig auch von den Besten unter Göttern und Dämonen verehrt.

35.98 Solche Leiber bewohnend, bewegen sich die Waffen nach Wunsch, Narada, und kennen von keiner Seite Furcht.

35.99 Von unermesslicher Größe, furchtbar, mit flammenden Leibern und erhobenen Waffen, in ihrer Bewegung ungehindert, ziehen die höchsten Waffen unablässig durch die Welten.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 35: „Die Gestalten der zurücknehmenden Waffenkräfte“.

Kapitel 36 – Königliche Verehrung und Verhältnis der göttlichen Gestalten

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

36.1 Narada sprach: Erhabener, sämtliche Mantras zum Entsenden und zum Zurücknehmen aller mächtigen Waffen sind erklärt.

36.2 Auch dies alles hast du als Allwissender zuvor gelehrt: Das große Sudarshana-Yantra soll von Großgesinnten verehrt werden,

36.3 die die Frucht der vier Lebensziele suchen, genau auf die erklärte Weise. Ist der Verehrer ein König, soll er die höchste Sudarshana-Seite verehren;

36.4 auch beide Seiten dieses Yantras sollen verehrt werden. Wie aber soll man seine Rückseite meditieren und wie soll man sie gestalten?

36.5 Löse mir diesen Zweifel, großer Herr. Ahirbudhnya sprach: Der König verehre dieses hell strahlende Yantra, indem er folgendermaßen meditiert:

36.6 In der Mitte des Yantras den großgesinnten Purusha mit furchtbaren Augen, aufgerichtetem gelbbraunem Haar und einem durch flammende Fangzähne leuchtenden Gesicht,

36.7 stehend, mit acht überaus schönen Armen, inmitten des Radlotus stehend und auf einen großen Bogen gestützt,

36.8 in ausgeglichener Haltung, mit herrlichen Gliedern, rotem Gewand, allgegenwärtig, Muschelhorn, Rad, Lotus, Stößel, Schlinge, Elefantenstachel und Keule tragend,

36.9 mit allem Schmuck und Blumengirlanden versehen. Nachdem man diesen Sudarshana meditiert hat, betrachte man ringsum

36.10 die verkörperten Formen Keshava und die weiteren, stehend oder sitzend, auf die erklärte Weise mit Schmuck und Waffen versehen,

36.11 als höchste Hauptgestalten, nach Wunsch angeordnet. Dann von den sechzehn mit Vishnu beginnenden Gottheiten, mit Waffen versehen,

36.12 verkörpert, tatbereit und mit allem Schmuck ausgestattet, wie von einem Schutzgitter umgeben: So meditiere man den unübertrefflichen Yantra-König.

36.13 Ringsum meditiere man auch sämtliche großen Rücknahme-Waffen, verkörpert, wunderbar und mit gefalteten Händen,

36.14 von keiner Seite Furcht kennend und voller Kraft. Danach meditiere man entsprechend die zum Entsenden bestimmten Waffen, Narada,

36.15 verkörpert und leuchtend, als wollten sie alle Welten verschlingen. Nachdem man dies in kreisförmiger Anordnung betrachtet hat, vergegenwärtige man sich darüber

36.16 den höchsten Narayana in Narasimha-Gestalt. Darunter betrachte man den höchsten Gott als grundlegende Hülle,

36.17 das herrliche radförmige Yantra mit leuchtendem Radkranz. An dessen vier Seiten vergegenwärtige man sich große Flammen;

36.18 darin der Reihe nach die Träger von Rad, Kaumodaki-Keule, Sharnga-Bogen und Schwert. So meditiere man die eine Seite dieses hell strahlenden Yantras.

36.19 Die Rückseite ist ringsum mit großen Mantras geschmückt, im Innern mit Tara beginnend; oder man vergegenwärtige sich das Vishnu-Panjara,

36.20 wie zuvor erklärt, jedoch ohne die körperlichen Gestalten, nur die jeweilige Mantrasammlung an ihrem Ort. An dessen Rand betrachte man

36.21 ausschließlich die Mantras sämtlicher Rücknahme-Waffen; danach das Mantrageflecht zum Entsenden der übrigen Waffen.

36.22 So meditiere man das von Göttern verehrte große Yantra mit schönem Radkranz, von großer Kraft, radförmig und unübertrefflich,

36.23 mit den genannten Merkmalen versehen, das eine Mittel für sämtliche Wünsche. Weil der höchste Purusha in der Mitte dieses Rades weilt,

36.24 nennen die Weisen ihn in der Welt „Chakravartin“, den im Rad Waltenden. Deshalb soll ein König es hingebungsvoll verehren;

36.25 dann erlangt er in kurzer Zeit die Weltherrschaft. Der König, königliche Diener, Minister oder andere,

36.26 alle, die das Wohl des Königs wünschen, sollen dieses Höchste verehren. Auch andere Menschen, die großen Wohlstand begehren,

36.27 sollen es beständig verehren, weil es alle Ziele verwirklicht. Dass dies besonders für Könige erklärt wurde,

36.28 bedeutet: Auch die außer dem König genannten Menschen werden durch den König gewiss großes Wohlergehen erlangen.

36.29 Wer es aus Metall oder Stein herstellt und verehrt, erlangt großen Wohlstand und ein langes Leben.

36.30 Er genießt Gesundheit, und alle Angehörigen seines Geschlechts sind langlebig. Beide Seiten soll allein der Brahmane verehren, der den höchsten Mantra unterweist.

36.31 Durch Erkenntnis, Askese und Kraft vermag allein er die höchste Macht dieser zweiseitigen Gestalt auszuhalten, Weiser.

36.32 Jener höchste Purusha, der in der Sonnenscheibe gesehen wird, der Goldene, der auch im Innern des Auges gesehen wird,

36.33 ist derselbe Purusha, der inmitten des Nabelrades weilt; derselbe unvergängliche Purusha, der das Rad namens Zeit antreibt.

36.34 Die Verständigen kennen eben ihn als Lenker des Zeitalterrades; die großen Seher nennen ihn auch den Beweger des Weltrades,

36.35 den einen Schöpfer und den einen Zeugen aller Welten. Wer diesen unvergänglichen Chakravartin in einem Heiligtum einsetzt

36.36 und verehrt, dem gehören diese und die jenseitige Welt. Wer ein Sudarshana-Heiligtum zu errichten beginnt, großer Weiser,

36.37 erlangt hier alle Ziele und geht in Vishnus Welt ein. Wer für ein Sudarshana-Heiligtum den Baugrund pflügt,

36.38 dessen Feinde vergehen und dem wird alles Glück zuteil. Wird jemand nach Beginn des Heiligtumsbaus unterwegs durch eine Unterbrechung aufgehalten,

36.39 wird er als Weltenherrscher alle Genüsse auf Erden erfahren und später als Verehrer des Rades das Übrige vollenden.

36.40 Am Ende erreicht er Vaikuntha und erlangt Vereinigung mit Vishnu. Hat man das höchste Heiligtum errichtet und Sudarshana eingesetzt,

36.41 siedle man dort nach Kräften mindestens zwölf vedakundige vishnuitische Brahmanen an, die seinem Dienst gewidmet sind,

36.42 und sichere ihnen durch Land, Wohnstätten und weitere Gaben ausreichenden Lebensunterhalt. Wer diesen von Herrlichkeit erfüllten Gott beständig verehrt,

36.43 dessen Wohlergehen wächst täglich ohne Grenze. Gesundheit und langes Leben werden erlangt; daran ist kein Zweifel.

36.44 In einem späteren Leben wird er Weltenherrscher und genießt lange Zeit die ganze Erde; in der darauf folgenden Geburt

36.45 wird er Herr des Himmels und genießt lange Indras Stellung. Danach erreicht er der Reihe nach die Herrschaft über die jeweiligen Welten

36.46 und zuletzt Vishnus höchste Stätte. Ohne diesen Gott verehrt zu haben, wird niemand als König geboren.

36.47 Entsprechend dem unterschiedlichen Maß dieser Verehrung erfährt der König gewiss Unterschiede in Genuss und Lebensdauer, Narada.

36.48 Deshalb soll gerade der König ihn mit aller Bemühung verehren. Auch andere Menschen auf Erden, die gute Geburt, Lebensdauer und Genuss begehren,

36.49 erlangen durch seine Verehrung alles Gewünschte. Narada sprach: Sudarshana ist doch bekanntlich Vishnus dienendes Zubehör, als Waffe bezeichnet.

36.50 Wie können Keshava und die weiteren als sein Gefolge gelten? Wie können die mit Vishnu beginnenden Gestaltformen sein Schutzgitter bilden?

36.51 Wie sind die Mantras des Erhabenen zu seinem Gefolge geworden? Löse mir nun auch diesen Zweifel, Gott.

36.52 Ahirbudhnya sprach: Höre, mein Lieber, du sehr Verständiger, dieses vortreffliche Geheimnis. Niemand außer dir könnte nach diesem Gegenstand fragen.

36.53 Wie der Gott Narayana, der lotusäugige Purusha, anfangslos und unbegrenzt ist, so ist auch dieser, Narada.

36.54 Vishnu besitzt zwei hauptsächliche Kräfte, die alle Ziele verwirklichen und mit denen er die Last der Welt trägt.

36.55 Die eine besteht aus Willen, die andere aus Handlung. Die erste ist die höchste Lakshmi, die Gemahlin des Weltenbeschützers.

36.56 Die zweite wird von den Kennern der Wirklichkeit hier Sudarshana genannt. Deshalb ist der Gott Hari ohne Lakshmi nicht Herr des Entschlusses;

36.57 ohne Sudarshana vermag auch Keshava nichts zu vollbringen. Durch ihn erschafft der Gott alles, durch ihn schützt er es,

36.58 und durch ihn vollzieht der Gott am Ende die Rücknahme der Welt. Durch ihn tötet Madhusudana Danavas und Daityas.

36.59 Durch ihn, den Alldurchdringenden, wird all jenes Handeln vollzogen. Deshalb schützt Hari ihn mit seinem ganzen Wesen und eigener Umsicht,

36.60 wie ein Herr sein ihm anvertrautes Eigentum selbst schützt. Ebenso schützt Lakshmis Träger die Mutter aller Wesen, Lakshmi,

36.61 die zu ihm gehört, indem er sich selbst vierfach entfaltet. Deshalb ist es angemessen, Keshava und die weiteren Gestalten als Gefolge zu bestimmen,

36.62 Vishnu und die weiteren Gestalten als Schutzgitter und sämtliche Mantras als Beschützer.

36.63 Oder, wie die Verständigen erklären: Der erhabene Purushottama selbst besteht hier, indem er die Radgestalt trägt.

36.64 In jedem Treta-Zeitalter besteht Hari zum Schutz der Guten selbst als Rama, Lakshmana, Shatrughna und Bharata,

36.65 vierfach. Ebenso ist der Radgestaltige Hari selbst. Die Zuordnung von Haupt- und Nebenrollen ist wie bei Rama und den anderen angemessen.

36.66 So schützt Janardana sich selbst durch sich selbst, denn beim Schutz seiner eigenen Gestalt gibt es niemanden außer ihm.

36.67 Wer dies beständig hört, danach fragt, es liest oder sich daran erinnert, erlangt hier großes, höchstes Wohlergehen und geht danach in Haris höchste Stätte ein.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 36: „Königliche Verehrung und Verhältnis der göttlichen Gestalten“.

Kapitel 37 – Nyasa, Prapatti und die sechs Glieder der Zufluchtnahme

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

37.1 Narada sprach: Erhabener, höchster Herr! Du hast alles über Sudarshanas Yantra und Mantra und über sein eigenes Wesen erklärt,

37.2 auch die Größe, das Wesen und die Kennzeichen der Waffenkräfte, ihre Verehrung und den Yoga sowie ihre besondere Natur.

37.3 Bei der Beschreibung seiner Gestalt hieß es: „oder mit sechzehn Armen“. Wann, von wem und zu welchem Zweck soll eine solche Gestalt geschaffen werden? Sage mir, wie sie beschaffen ist.

37.4 Ahirbudhnya sprach: Wenn Könige von mächtigen Feinden überwältigt werden, wenn ihre Städte in Brand geraten und ihr Heer in die Flucht geschlagen ist,

37.5 wenn den Bewohnern der verschiedenen Landesteile die Lebensgrundlagen abgeschnitten werden und das Reich so durch fremde Heere bedrängt wird, großer Seher,

37.6 wenn der König sich gegen die fortdauernden Feinde nicht mehr behaupten kann, soll er Sudarshana mit sechzehn Armen darstellen lassen, den Unaufhaltsamen.

37.7 Er ist uferlos, unbegrenzbar und jenseits der Reichweite von Sprache und Denken; seine Farbe ist rot, seine Glieder sind edel und er trägt gelbe Seide.

37.8 Seine aufgerichteten Haare gleichen einer Ansammlung von Blitzen; seine drei rollenden, gelbbraunen und grimmigen Augen sind furchterregend.

37.9 Er beißt auf die Lippe; deutlich sichtbar sind seine Fangzähne, die Feuer ausstoßen. Ein Gürtel mit einem Geflecht klingender Glöckchen schmückt ihn.

37.10 An seiner Hüfte hängt ein flammendes Schwert. Er trägt eine Glockengirlande, deren Klang vom Summen von Bienenschwärmen begleitet wird,

37.11 und eine himmlische, mit Perlen und Edelsteinen besetzte Girlande, die bis zu seinen Füßen reicht. Seine Lotusfüße glänzen mit laut klingenden Fußringen.

37.12 Halsketten, Armreifen, Ohrschmuck und eine Krone zieren ihn; mit weiteren mannigfaltigen Juwelenkleinodien ist er geschmückt.

37.13 Er hält der Reihe nach Rad, Axt, Lanze, Stab, Elefantenhaken, eine hundertschneidige Waffe sowie Schwert und Speer

37.14 in seinen acht langen, nach oben gerichteten rechten Händen. In den linken hält er der Reihe nach Muschelhorn, Bogen, Schlinge, Pflug und Donnerkeil

37.15 sowie Keule, Stampfer und Dreizack, diese schrecklichen Waffen. Ihn erfüllt ein gewaltiger Zorn, der durch die Feinde derer erregt wird, die bei ihm Zuflucht suchen.

37.16 Sein furchterregendes Gesicht ist durch zusammengezogene Brauen gekrümmt. Von einem Strahlenkranz umgeben steht er in einer besonderen Pratyalidha-Stellung.

37.17 In der Gestalt Rudras als Feuer der Weltzeit löst er diese Welt auf. So soll man über Sudarshana meditieren, den von großem Glanz erfüllten Herrn, dessen Wesen die Zeit ist.

37.18 Der König wird, so verheißt der Text, allein durch diese Meditation augenblicklich von Rivalen frei; nirgendwo auf Erden finden seine Widersacher festen Stand.

37.19 Seine Feinde gehen zugrunde, wohin sie auch fliehen. Ohne ihn auf diese Weise zu verehren, werden selbst Könige von unermesslicher Tapferkeit

37.20 von Rivalen überwältigt und verlieren ihren Glanz. Wer ihn hingegen hingebungsvoll auf dem zuvor beschriebenen Weg verehrt,

37.21 äußerlich oder auf dem inneren, Yoga genannten Weg, großer Seher, oder durch Nyasa, der ist hier und jenseits glücklich; daran besteht kein Zweifel.

37.22 Narada sprach: Den äußeren und den inneren Yoga hast du mir bereits erklärt. Du hast aber auch ein Mittel namens Nyasa genannt: Erkläre mir dieses, großer Herr!

37.23 Ahirbudhnya sprach: Dies ist eine große Geheimlehre, das höchste Geheimnis der Götter. Sie gewährt das ersehnte Ziel unmittelbar und beseitigt alles Unheilsame.

37.24 Sie soll nicht jedem mitgeteilt werden, niemals einem Menschen ohne Hingabe. Weil du mir ergeben und beständig bist, will ich sie dir zu deinem Wohl erklären.

37.25 Was ein nach Erfüllung Strebender durch andere Mittel nicht erlangen kann und was ein Befreiungssuchender durch Samkhya, durch Yoga oder durch Bhakti nicht erreicht –

37.26 die höchste Stätte, von der man nicht wiederkehrt –, das wird von dem jeweiligen Menschen durch Nyasa erlangt, großer Seher.

37.27 Durch eben diesen wird auch das höchste Selbst, Purushottama, erreicht. Die Vedakenner beschreiben ihn als sechsfach, großer Seher:

37.28 der Entschluss zu einer förderlichen Ausrichtung, das Meiden des Entgegenwirkenden, das Vertrauen „Er wird mich beschützen“ und die Wahl Gottes als Beschützer,

37.29 die Hingabe seiner selbst und die Demut: Sechsfach ist diese Zufluchtnahme. Das Wort Sharana kann ein Mittel, ein Haus oder einen Beschützer bezeichnen;

37.30 hier aber bezeichnet es ausschließlich das Mittel. „Ich bin eine Stätte von Verfehlungen; ich habe nichts, worauf ich mich als mein Eigenes berufen könnte, und keinen anderen Zufluchtsweg.

37.31 Werde du selbst mein Mittel zum Heil!“ Eine Gesinnung, die so bittet, wird Sharanagati genannt. Sie möge auf diesen Gott gerichtet werden.

37.32 Erhabener, alles Besiegender, Tausendspeichiger, Unüberwindlicher! Bei dir habe ich Zuflucht genommen, bei Shri Sudarshana, der Heil und Segen schenkt.

37.33 Wer mit diesem Mantra beim erhabenen Sudarshana Zuflucht nimmt, dessen sämtliche ihn weiterhin bindenden Verfehlungen vergehen, daran besteht kein Zweifel.

37.34 Von ihm sind gleichsam alle asketischen Übungen vollbracht, du Bester unter den Asketen; alle Pilgerstätten sind aufgesucht, alle Opfer und alle Gaben sind augenblicklich

37.35 von ihm verwirklicht, und die Befreiung liegt in seiner Hand, daran besteht kein Zweifel. Narada sprach: Wie werden ihm sämtliche asketischen Übungen, Opfer, Pilgerfahrten und Gaben

37.36 allein durch Nyasa erfüllt? Sage mir das, Herr! Ahirbudhnya sprach: Unter den asketischen Übungen, die für das höchste Heil vorgeschrieben sind,

37.37 wird Nyasa als eine alles überragende Askese überliefert. Unter den Opfern, die Brennholz und weitere Mittel benötigen, gilt die Hingabe seiner selbst

37.38 an Gott mit dem Wort namas als die Handlung eines recht Opfernden. Mit seinem eigenen Selbst als Opfermittel verehrte er den zu erkennenden Herrn:

37.39 „Dies waren die ersten heiligen Ordnungen“, so haben wir es gehört. Wer den Gott, der die Gestalt des Opfers angenommen hat, mit seinem eigenen Selbst verehrt,

37.40 von diesem großen Menschen sind alle Opfer vollzogen. Der Körper dieses Gottes in Opfergestalt gilt als Opferaltar.

37.41 Sein Mund ist das Ahavaniya-Feuer, sein Herz das südliche Opferfeuer; sein Bauch wird von der Offenbarung als Garhapatya-Feuer bezeichnet.

37.42 Das Prinzip des Denkens ist der Opferherr, die unterscheidende Erkenntnis seine Gemahlin. Als Opfertiere werden die Gegner derjenigen bezeichnet, die bei ihm Zuflucht genommen haben.

37.43 Seine Körperhaare sind das ausgestreute Opfergras; die lebendige Seele gilt als Opfergabe. Kopf, Körpermitte und Füße werden als die Soma-Pressungen bezeichnet.

37.44 Seine Erkenntnis- und Handlungsorgane sind die zehn Opfergeräte; die sechzehn Arme dieses Gottes sind die Opferpriester, großer Seher.

37.45 Der Entschluss, die Verehrer zu schützen, ist Gottes Opferweihe, Narada. Der Klang von Rig-, Yajur- und Samaveda gilt als das Klingen seines Schmuckes.

37.46 Seine Schmuckstücke sind die Teilnehmer der Opferversammlung; seine Barmherzigkeit ist die Opfergabe an die Priester. Die Opferlöffel Juhu, Dhruva und Sruva sowie das Gerät zum Fortnehmen des Prashitra-Anteils,

37.47 Rührstab und Upabhrit-Löffel, das Veda-Grasbündel, die Ida-Schale, Holzgefäß, Bindeband, Trinkschale und die srishti genannte Vorrichtung,

37.48 die Schale zum Ausschütten des Mehls, der Buttertopf, das Werkzeug zum Zerkleinern des Brennholzes und das Madanti-Wasser sind seinen Waffen, dem Rad und den übrigen, zugeordnet. [Die genaue Bestimmung einzelner Opfergeräte bleibt erklärungsbedürftig.]

37.49 Wer ihn in dieser Gestalt verehrt, dessen sämtliche Verfehlungen sind aufgelöst; er gilt als einer, der Hunderte von Opfern vollzogen hat, daran besteht kein Zweifel.

37.50 Könige oder Minister hingegen, die Sudarshana mit diesen vielfältigen Gestalten darstellen lassen, ihn aber nicht rituell einsetzen,

37.51 verlieren nach der Warnung des Textes rasch ihren Wohlstand und werden von Feinden überwältigt. Weil die Verehrung unterbleibt, verlieren sie ihr Reich und werden lange bedrängt.

37.52 Ihr Reich wird durch Vergehen wie die Tötung eines Brahmanen befleckt, großer Seher. Darauf weist, so heißt es hier, die erbarmungsvolle Rigveda-Offenbarung mit der Wendung samidh hin.

37.53 Weil ein solcher König ihn nicht meditierend vergegenwärtigt, wenden sich alle Landesbewohner von ihm ab, wenn er schuldig geworden ist.

37.54 Auch die Menschen ohne Vertrauen in ihn leiden, so warnt der Text, schon in diesem Leben; nach dem Tod sinken sie tiefer und tiefer und finden nirgends Freude.

37.55 Jenen Herrn in Opfergestalt, der sich dem Schutz der bei ihm Zufluchtsuchenden geweiht hat, den äußerst Furchterregenden mit sechzehn Armen, der gegen die feindliche Seite vorgeht,

37.56 in der beschriebenen Gestalt, mit sämtlichen Waffen und auch mit verkörperten Geschosskräften versehen, soll man auf ein Tuch malen oder sein Bild aus Stein beziehungsweise Metall herstellen.

37.57 Wenn ein König dieses Bild einsetzt und den Herrn Sudarshana hingebungsvoll verehrt, erfüllen sich, so verheißt die Schrift, seine Wünsche augenblicklich, und seine Gegner werden vernichtet.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 37: „Darstellung der Prapatti, auch Nyasa genannt“.

Kapitel 38 – Rituelle Verfahren gegen Fieber und andere Krankheiten

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

38.1 Narada sprach: Du hast den höchsten Schutz der Könige vor ihren Gegnern erklärt und ebenso sämtliche menschlichen Lebensziele, Allwissender,

38.2 ihre Mittel und anderes, was sich im Zusammenhang ergab. Nun aber erkläre mir auf meine Frage, Erhabener, Folgendes:

38.3 Könige, ihre Minister und andere Menschen werden von äußerst schweren Krankheiten befallen, die ihren Lebenszielen entgegenstehen.

38.4 Wodurch gelingt ihre Befreiung davon? Ahirbudhnya sprach: Gut gefragt, Weiser. Höre, wodurch unerträgliche Krankheiten entstehen

38.5 und wodurch sie vergehen; dies werde ich dir jetzt erklären. Wenn die Rücknahme aller Welten in die Urnatur eintritt,

38.6 Brahmas Lebenszeit zu Ende ist und Bewegliches wie Unbewegliches verschwunden sind, wenn sämtliche Elemente in ihren Ursprung zurückgekehrt sind,

38.7 der Elementursprung, der Ursprung der Sinne und der feurige [Ichmacher] in Mahat ruhen und Mahat, dessen Merkmal die unterscheidende Einsicht ist, in die Urnatur eingegangen ist,

38.8 wenn ebenso der Purusha als fünfundzwanzigstes Prinzip in ihr aufgegangen ist und auch sie in den lotusäugigen Purusha eingegangen ist,

38.9 dann hat der höchste Purusha, der erhabene Lotusäugige, das höchste Selbst, das die Welt umfasst, alles in sich zurückgenommen.

38.10 Allein aber erfreute sich jener Ewige nicht. Darum erschuf der Lotusäugige diese Welt erneut um des Spiels willen.

38.11 Der Alldurchdringende schuf zuerst Namen und Formen von allem. Als Mittel seines Spiels erschuf der Gott erneut die aus den drei Gunas bestehende Urnatur,

38.12 die Maya genannt wird, und Janardana erfreute sich mit ihr. Mit den jeweiligen Kräften ausgestattet, erfreut sie sämtliche Wesen

38.13 und erzeugt in ihnen die Vorstellung, sie selbst sei das zu Genießende. Sie besteht, um die wahre Natur der individuellen Seele und des Höchsten zu verhüllen.

38.14 Durch sie wandert die ganze Welt unfrei im Samsara. Durch sie bildet der Mensch zuerst die Vorstellung, der Körper sei sein Selbst;

38.15 dann entwickelt er Besitzgefühl gegenüber Kindern und anderen mit dem Körper verbundenen Dingen. So entstehen aus Ichanspruch und Meinheit eingeprägte Neigungen,

38.16 die lange und fest an Körper, Kindern und Weiterem haften, Weiser. Gegenüber denen, die dem eigenen Körper oder den Kindern nützen oder schaden,

38.17 entstehen Zuneigung und Abneigung. Von beiden getrieben handelt er in jeder Weise und häuft die daraus hervorgehenden schlechten und guten Taten an.

38.18 Dann empfängt er ihre Reifungen als Geburt, Lebensdauer und Erfahrung. Zum Erleben der Früchte beider Arten von Handlungen,

38.19 deren Wirkung bereits eingesetzt hat, wurde dem Verkörperten dieser Körper geschaffen. Aus den bereits wirksam gewordenen Verfehlungen entstehen die Krankheiten im Leib.

38.20 Auch andere mannigfaltige, schwere Leiden erfährt der Verkörperte. Ist ein König, Minister oder anderer Mensch von Fieber überwältigt,

38.21 wird von den Mantrakundigen das große Sudarshana-Yantra gelehrt. Guduchi-Stücke von vier Fingerbreiten, mit Ghee benetzt,

38.22 opfere man mit diesem Mantra tausendmal ins lodernde Feuer. Auf einer geebneten Opferfläche lege man mit geschältem Reis einen Radlotus an;

38.23 dort stelle man ein Gefäß mit einem Prastha Ghee auf und entzünde eine Lampe an Dochten im Gewicht eines Pala.

38.24 Auch darin rufe der Mantrakenner ihn mit diesem Mantra herbei. Westlich davon breite man auf einer reinen, geschmückten Opferfläche

38.25 Reiskörner aus und zeichne ein Mahendra-Mandala. In dessen Mitte setze man ein sechsspeichiges Rad und in dessen Mitte Tara.

38.26 Einen schönen neuen Krug umwickle man mit Fäden und fülle ihn mit Wasser, vermischt mit Kampfer, Sandelholz und Safran.

38.27 Außen verehre man ihn mit Sandelholz und weiteren Gaben sowie ungebrochenen Reiskörnern. Fünf Edelsteine, Lotus, Durva-Gras, Gold,

38.28 Shyamaka, Vishnuparni und Devi-[Pflanze] gebe man hinein. Um die Mitte des Kruges lege man Leinen und eine frische Girlande.

38.29 Man stelle ihn auf den glückverheißenden Tara, der mit dem Namen der betreffenden Person verbunden ist, meditiere den Vollmond und rufe dort den Herrn herbei.

38.30 Man verehre ihn vorschriftsgemäß mit Räucherwerk, Licht, Girlanden und weiteren Gaben. Reisspeise mit Joghurt, Honig, Ghee und sämtlichen Beilagen,

38.31 wohlschmeckend, sowie Rohrzucker mit Ghee bringe man dem Gott als vortreffliche Opferspeise dar. Danach trage man gesammelt Bali-Gaben in die Haupt- und Zwischenrichtungen.

38.32 Reisspeise, weiße Blumen, Räucherwerk, Licht und weitere Gaben bringe man den Richtungshütern und dem Herrn des Ortes dar, Narada.

38.33 Den Fieberkranken setze man nach Osten gewandt auf einen Sitz; vor ihm stelle man einen Spiegel auf, in dem sein Bild erscheint.

38.34 Man nehme den Krug und begieße unter Mantrasprechen den Spiegel. Sogleich werde der Kranke vom Fieber befreit wie der Mond von einer Wolke [so die Verheißung des Textes].

38.35 Danach gebe man gelehrten Zweimalgeborenen, besonders Vaishnavas, drei Nishka Gold, einen Drona Ghee, eine Kuh,

38.36 Kampfer, Sandelholz und reine Gewänder; oder man gebe all dies einem einzigen Brahmankenner, Weiser.

38.37 Dann werde er sogleich und lebenslang gesund, ohne Zweifel. Dies ist das Grundmuster der Behandlung; bei den Krankheiten unterscheiden sich die Mengen.

38.38 Ist ein König oder anderer Mensch von Rajayakshma, der Auszehrung, befallen, bester Weiser, opfere der vorzügliche Mantrakenner honigbestrichene Apamarga-Hölzer in einem Khadira-Feuer,

38.39 tausendmal mit diesem Mantra. Danach bereite man westlich davon das Feuer wie zuvor;

38.40 in einem Gefäß mit einem Adhaka Ghee entzünde man eine Lampe an Dochten im Gewicht von zwei Pala und rufe den Gott mit dem Mantra herbei.

38.41 Dahinter gestalte man auf einer reinen, geschmückten, mit einem Bhara Reis belegten Opferfläche ein Mahendra-Mandala.

38.42 Wie zuvor setze man ein sechsspeichiges Rad ein, auf dessen Speichen die Mantralaute und auf Tara den Namen der betreffenden Person.

38.43 Den wie zuvor mit Mantra geweihten Krug stelle man dort ins Mandala, rufe den Gott in Radgestalt herbei und verehre ihn wie zuvor.

38.44 Als Opferspeise gebe man Milchreis mit Zucker, Honig und Ghee. Die Bali-Gabe vollziehe man ebenfalls wie zuvor, besonders mit Milchreis,

38.45 für Guru, Ortsherrn, Hindernisherrn, Durga und Richtungshüter. Den Kranken hülle man in eine Decke; er sitze nach Osten gewandt,

38.46 und man begieße ihn unter Mantrasprechen mit dem Krugwasser. Täglich bade man außerdem sein im Spiegel erscheinendes Abbild.

38.47 Zwei Nishka Gold, zwei Nishka Silber, eine Decke, ein selbst getragenes Gewand, einen Drona Sesam,

38.48 einen Wasserkrug, ein Bronzegefäß, einen Schirm und Sandalen gebe man einem einzigen gelehrten, gläubigen Brahmanen,

38.49 alles mit vollständiger Ehrenbezeugung. Ebenso ehre man den Ausführenden mit Vermögen und bleibe gesammelt.

38.50 Sogleich werde man von dieser schweren Krankheit frei, ohne Zweifel. Ist jemand von Prameha, einer Harnkrankheit, befallen, großer Weiser,

38.51 opfere der Mantraübende tausendmal Bilva-Holz mit diesem Mantra. Als Speise gebe man Reis mit schwarzen Bohnen; damit lasse man auch die Bali-Gabe ausführen.

38.52 Die Begießung vollziehe man am Kranken selbst; das Übrige wie zuvor. Man gebe einen Drona schwarzer Bohnen und fünf Nishka Silber,

38.53 außerdem einen Zugochsen. Sogleich werde er gesund, großer Weiser. Sind Menschen lange von schweren Unterleibskrankheiten, Geschwülsten, stechenden Schmerzen und Ähnlichem

38.54 überwältigt, höre das Gegenmittel, das ich erkläre. Man verehre wie zuvor den von Sudarshana bewohnten Krug;

38.55 östlich davon entzünde man Feuer in der Mitte einer Feuergrube und opfere zweitausend mit Ghee bestrichene Arka-Hölzer,

38.56 ebenso Sesam mit diesem Mantra. Danach berühre der Mantrakenner das Krugwasser und rezitiere den Mantra tausendmal.

38.57 Dann bringe er der Reihe nach Bali-Gaben für die Richtungshüter, Bhutas, Totengeister, Pishachas und den Herrn des Ortes dar, Narada,

38.58 mit weißer Reisspeise, weißen Blumen, Mehlgaben und weißen Fahnen. Anschließend verehre er den im Krug gegenwärtigen Gott vorschriftsgemäß.

38.59 Man bringe reichliche Opferspeise aus reinem Reis dar, mit viel Zucker, Honig und Joghurt sowie allen Beilagen.

38.60 Dann nehme der Mantraübende etwas Krugwasser, das mit diesem Mantra besprochen ist, und lasse den Kranken unter Mantrarezitation davon trinken.

38.61 Anschließend bade der Verständige den nach Osten Gewandten mit demselben Krugwasser und sättige gesammelt nach Kräften sieben Brahmanen,

38.62 den Guru aber mit reichen Geldgaben, Gewändern, Schmuck und Getreidemengen. Alle Unterleibskrankheiten des Betreffenden würden vergehen, ohne Zweifel.

38.63 Dann werde der Mensch gesund und erfreue sich unablässig wie ein Gott. Höre nun das Gegenmittel, wenn ein Mensch von Apasmara, dem Anfallsleiden, überwältigt ist.

38.64 Auf ebenem Boden, mit Kuhdung bestrichen und mit Glückszeichen versehen, breite man zwei Bhara Sesam in quadratischer Form aus.

38.65 Darauf setze man das Sudarshana-Yantra in einer Größe von zwei Ellen, auf die zuvor erklärte Weise, jedoch ohne sämtliche bildlichen Gestalten,

38.66 auch ohne die Bilder von Sudarshana und Narasimha, allein mit den Mantras versehen. In die Mitte dieses großen Sudarshana-Yantras setze man wie zuvor

38.67 einen mit Fäden umwickelten Wasserkrug, mit den genannten Stoffen gefüllt und von einer Decke umhüllt.

38.68 Östlich davon lege man vorschriftsgemäß ein Feuer-Mandala an und vollziehe mit diesem Mantra zweitausend Sesamopfer.

38.69 Dann berühre man den Krug und rezitiere den Mantra eintausendachtmal. Mit dem durch den Mantra geheiligten Wasser

38.70 begieße der Mantrakenner den von einem Graha ergriffenen Menschen, der nach Osten gewandt sitzt. Dadurch werde er im selben Augenblick von dem Graha frei und glücklich.

38.71 Auch alle anderen Grahas vermöchten ihn nicht anzuschauen. Dann ehre er den Guru mit Geld, Getreide und Gewändern.

38.72 Alle für das jeweilige Yantra verwendeten Stoffe bringe er ihm dar. Danach erfreue er acht Brahmanen mit Sesam, Gold

38.73 und Silber; dem Ausführenden gebe er eine Büffelkuh. Dann werde der Mensch gesund und erfreue sich auf Erden wie ein Gott.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 38: „Rituelle Verfahren gegen Fieber und andere Krankheiten“.

Kapitel 39 – Der große Abhisheka

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

39.1 Narada sprach: Erhabener Allwissender, sage mir, durch welche einzige Handlung sämtliche Krankheiten vergehen und alle Feinde vernichtet werden,

39.2 wodurch alle Ziele gelingen, die Welt untertan wird und makelloses Wohlergehen erlangt wird. Nenne diese Handlung.

39.3 Ahirbudhnya sprach: Höre aufmerksam dieses Geheimnis, großer Weiser: Durch eine einzige Anwendung werden alle Ziele möglich.

39.4 Für Könige, Minister und alle Amtsträger, die von ihrer bisherigen Stellung zu einer höheren aufsteigen möchten,

39.5 ebenso für andere Menschen des weltlichen Lebens, die irgendein Ziel begehren, ist die „große Weihebegießung“ genannte Handlung auszuführen, die alle Ziele verwirklicht.

39.6 In einem Vasudeva-Heiligtum, Garten, Pavillon oder Haus, auf ebenem, gereinigtem Boden, versehen mit den acht Glückszeichen,

39.7 streue man neun Bhara Reiskörner aus und setze ein Mahendra-Mandala ein, außen mit Jasminblüten.

39.8 In seiner Mitte ordne man das Sudarshana-Yantra auf die erklärte Weise an, mit Duft und Blumen schön gestaltet.

39.9 In dessen Mitte setze der Mantraübende das unübertreffliche Yantra-Bild. Davor stelle er mit dem Wurzelmantra einen mit Fäden geschmückten Krug auf

39.10 und rufe [den Gott] im Duftwasser herbei; der Krug enthält neun Edelsteine und ist mit Sandelholz, Aloeholz, Kampfer und Safranpulver geschmückt,

39.11 mit ungebrochenen Reiskörnern bestreut, in reines Leinen gehüllt, mit duftenden Blumen bedeckt und mit Räucherwerk und Licht versehen.

39.12 Auch auf der anderen Seite sind ein schön geschmückter Krug und eine Feuergrube anzulegen. In den acht Richtungen stelle man geschmückte volle Krüge auf,

39.13 beginnend im Osten, mit den Mantras von „dem Achakra“ bis zur Feuermauer; danach verehre man jeden einzeln.

39.14 Überall östlich der Krüge lege man Feuergruben an; in der Mitte eine schön geschmückte Feuergrube nach den Tempelvorschriften.

39.15 Im Osten viereckig, im Südosten dreieckig, im Süden halbmondförmig, im Südwesten einer Yoni gleich,

39.16 im Westen lotusförmig, im Nordwesten achteckig, im Norden rund und im Nordosten sechseckig.

39.17 Acht vishnuitische Opferpriester beauftrage man mit den Feueropfern in den Richtungen; in der Mitte opfere der Mantraübende selbst ins lodernde Feuer.

39.18 Jeder vollziehe eintausendacht Ghee-Opfer. Überall opfere man nach vorausgehender Meditation mit dem Wurzelmantra.

39.19 Am Ende der Feueropfer verehre der Ausführende den Gott in sämtlichen Krügen. Er berühre sie und rezitiere den Mantra, vom Namen der betreffenden Person eingerahmt,

39.20 bei jedem Krug vorschriftsgemäß eintausendachtmal. Dann setze man die betreffende Person auf einen dem großen Yantra zugewandten Sitz.

39.21 Begleitet von Trommeln, Muschelhörnern und Trompeten bade man sie mit den Krugwassern, im Osten beginnend.

39.22 Zuletzt nehme man den schön geschmückten vollen Krug aus der Mitte, begieße sie mit dessen Wasser und rezitiere als Mantraübender selbst den Mantra.

39.23 Durch diese Weihebegießung von sämtlichen Verfehlungen gereinigt, strahlt sie wie die Sonne, wenn sie aus dem Nebel hervortritt.

39.24 Alle Wünsche erwählen von selbst den Schuldlosen. Mit diesem Verfahren vollziehe man auch die Weihe anderer Menschen als des Königs.

39.25 Ist die große Weihebegießung durch einen Großgesinnten vollständig so ausgeführt, liegt jedem sein Ersehntes in der Hand, ohne Zweifel.

39.26 Wer Lebensdauer begehrt, erlangt langes Leben; wer Gesundheit sucht, genießt sie; wer Reichtum sucht, erlangt Reichtum, und wer Vieh begehrt, Vieh.

39.27 Der Kinderlose erhält einen Sohn, der ohne Vorzüge ist wird tugendhaft; wer eine Braut sucht, findet sie, und wer siegen möchte, erlangt Sieg.

39.28 Wer seine Stellung verloren hat, gewinnt sie zurück; wer eine Stellung sucht, eine hohe Stellung; wer Nahrung begehrt, reichliche Nahrung, und wer Ruhm sucht, Ruhm.

39.29 Wozu viele Worte? Was immer im Geist begehrt wird, das erlangt man sogleich; daran ist kein Zweifel nötig.

39.30 Der so geweihte Mensch, dessen Wünsche erfüllt sind, ehre den Ausführenden angemessen mit Gold, vielen Edelsteinen, Gewändern, Girlanden und Salben.

39.31 Er gebe ihm eine Kuh mit Kalb sowie die verbliebenen Stoffe und die Ausstattung der Weihebegießung,

39.32 außerdem ein mit Milchreis gefülltes Gefäß. Alle Opferpriester erfreue er durch je einen Nishka und sättige gesammelt nach Kräften weitere Brahmanen.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 39: „Der große Abhisheka“.

Kapitel 40 – Wesen und Macht der Waffenkräfte

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

40.1 Narada sprach: Erhabener, Herr des Gottes der Götter, von den Besten aller Unsterblichen verehrt! Alles, wonach ich bisher fragte, ist wahrheitsgemäß erklärt.

40.2 Auch die mantraartigen Gestalten sämtlicher göttlicher Waffen hast du mir auf meine Frage ausführlich und richtig beschrieben.

40.3 Welche äußere Form und welche Kräfte besitzen die Waffen, Feindbezwinger? Wenn dein Herz mir gnädig ist, erkläre es bitte.

40.4 Ahirbudhnya sprach: Dies ist höchstes Geheimnis, nicht auszusprechen und sehr schwer zugänglich. Die Waffen erschienen niemandem in ihrer eigentlichen Gestalt;

40.5 von Göttern und Dämonen werden sie in Mantragestalt eingesetzt. Einmal jedoch, bei Vritras Tötung, erschienen sie Vasava in ihrer eigenen Gestalt,

40.6 weil es sich um ein Anliegen der Götter handelte. Wo etwas mit den Mantragestalten nicht zu erreichen ist,

40.7 offenbaren die Waffen ihre eigene höchst furchtbare Gestalt, Weiser. Bei ihrem bloßen Anblick vergehen die feindlichen Soldaten.

40.8 Der Erhabene in Radgestalt trägt sie in ihrer eigentlichen Form. Diese Formen und ihre Kräfte werde ich dir erklären.

40.9 Höre zuerst die Gestalt der Narayana-Waffe, Weiser: tausendschneidig, äußerst gewaltig, von der Helligkeit tausend Sonnen,

40.10 aus Glanz bestehend, mit breiter Spitze, einer Mohini-Blüte ähnlich. [Die nächste ist] wie die Mondsichel des ersten Tages, in der Mitte achteckig leuchtend,

40.11 hundertschneidig und blitzhell: Dies gilt als Pashupata-Waffe. Mit tausend Speichen versehen, von der Gestalt eines Blitzbündels,

40.12 einem Stein gleich und mit einem Ende, das von der Faust ergriffen werden kann, wird die Brahma-Waffe beschrieben. Mit furchtbaren Fangzähnen, gebissener Unterlippe und gelbbraunen Augen, erschreckend,

40.13 am gelbbraunen Haarschopf gefasst: Dies gilt als Brahmas Haupt. Das als Vishnu-Rad bekannte ist der tausendspeichige Sudarshana.

40.14 Jrimbhana kennen die Verständigen als einen Stab mit acht Krümmungen. Eine furchtbar gestaltete Schlinge heißt Zeitschlinge.

40.15 Die vortreffliche Feuerwaffe hat eine sechseckige Spitze und lodernde Flammen. Ein von Flammen erfülltes Pferdegesicht gilt als Pferdehaupt-Waffe.

40.16 Der Einschläferer gleicht einem Büschel blauer Lotusblüten. Die Finsterniswaffe gleicht einer wasserreichen Wolke.

40.17 Die Zeitwaffe ist ein furchtbarer Stab mit sechzig Glocken. Ein Stab mit je einem Rad an Anfang und Ende heißt Strafrad.

40.18 Das Zeitrad ist viereckig, mit den Tierkreiszeichen am Rand. Das Dharma-Rad ist schön rund und mit den zehn Opfergeräten gekennzeichnet.

40.19 Die Shiva-Waffe ist das hundertgesichtige Feuer und wird als stabförmig beschrieben. Der Spieß hat drei Blätter, scharfe Schneiden und einen guten Schaft.

40.20 Die Rudra-Waffe ist eine scharf schneidende, furchterregende Axt. Der Dreizack ist stabförmig, mit einer dreispitzigen Spitze.

40.21 Die Furchtbare Waffe hat nach den Weisen die Gestalt eines eisernen Pfeils. Schwarzgesichtig, mit gelbbraunen Augen und hochgebundenem Flammenhaar,

40.22 wird die Aghora-Waffe beschrieben, auch „Schwertträger“ genannt. Die Verblendungswaffe ist ein Lotus mit Stiel.

40.23 Die Schilfwaffe nennen die Kundigen einem Schilfhalm ähnlich. Viereckig und mit Donnerkeilen gezeichnet, einem Tänzer ähnlich und von unermesslichem Glanz,

40.24 ist die Indra-Rad genannte Waffe, die gegnerische Feinde erschreckt. Stets am ganzen Leib flammend, furchtbar in Büffelgestalt,

40.25 heißt die kohlegleiche Waffe Trockener Donnerkeil; eine gleichartige, jedoch weiße Gestalt heißt Nasser Donnerkeil.

40.26 Die höchste Pinaka-Waffe ist ein Bogen, Takshaka ähnlich. Die Skelett-Waffe hat eine furchtbare Pishacha-Gestalt.

40.27 Eine Schädelgirlande nennt man die unübertreffliche Schädelwaffe. Die Sonnenwaffe wird als eine Reihe von Sonnenscheiben beschrieben.

40.28 Die Varuna-Schlinge hat eine kalte, sehr schreckliche Gestalt. Eine mit vielen Spitzen versehene Keule kennt man als Erhitzer.

40.29 Die Varuna-Waffe ist netzförmig mit zweiunddreißig Öffnungen. Ein aus sämtlichen Prinzipien bestehendes Band heißt Dharma-Schlinge.

40.30 Der eine Wurfspieß ist allgemein bekannt; der andere wird nun beschrieben: zwei Köpfe, ein Schaft und zehn Glocken als Schmuck.

40.31 Die Windwaffe wird wie ein gehörntes Wild beschrieben. Die Stößelwaffe ist ein Stößel, hell wie ein Blitzstab.

40.32 Die Gandharva-Waffe hat die Gestalt des Halses einer Vina. Die Spiegelwaffe ist ein Spiegel, dem Vollmond gleich.

40.33 Der Austrockner ist ein gewaltiges Horn, eine Waffe, die den Gegner austrocknet. Die höchste Pishacha-Waffe wird als Fackelgesicht beschrieben.

40.34 Glanzlicht ist einem Speer ähnlich und zerreißt den Gegner. Die Indra-Waffe hat Donnerkeilgestalt und gilt als Wohnsitz des Glanzes.

40.35 Die Klagenmacher-Waffe wird als Wolke beschrieben. Die Vidyadhara-Waffe nennt man eine bezaubernde Blumengirlande.

40.36 Die Skelett genannte Waffe ertönt vom Klang einer großen Glocke. Die höchste Modaki ist eine blütenreiche Ranke. [Der Waffenkatalog weist gegenüber den vorherigen Kapiteln abweichende Namen und Formen auf.]

40.37 Die Waffe namens Shikhara wird als Khatvanga-Stab beschrieben. Die große Krauncha-Waffe ist ein Vogel in Kranichgestalt.

40.38 Die göttliche Waffe namens Schwertjuwel ist ein hell strahlendes Schwert. Der Beruhiger wird einer Fahne ähnlich genannt.

40.39 Die Waffe Liebling des Liebesgottes ist ein überaus schönes Zuckerrohr. Der Berauscher gleicht einem Yakschweifwedel und bringt Gegnern Furcht.

40.40 Die Waffenkenner kennen die Saumana-Waffe als einer Sänfte ähnlich. Die alles verwirklichende Wahrheitswaffe ist eine Gebetskette aus großen Perlen.

40.41 Die Waffe namens Zusammenroller wird als großes Muschelhorn beschrieben. Die Mayaträger-Waffe nennt man einen Baum.

40.42 Die Soma-Waffe nennt man einen Pfeil mit halbmondförmiger Spitze. Die Tvashtri-Waffe gleicht einem Heiligtum mit Stab.

40.43 Die Kaltpfeil genannte Waffe ist ein vortrefflicher, aus einer Krugöffnung fließender Strom. Die Bhaga-Waffe von unermesslichem Glanz erkenne man als dreieckig und mit einem Stab versehen.

40.44 Sadamana wird als speichenloses Rad beschrieben. Satyavan kennt man als ein großes Wesen mit aufgerissenem Mund.

40.45 Varana ist ein schlangengesichtiger Elefant, ein vortrefflicher Elefantenstachel [die Beschreibung ist gedrängt]. Dhrishta ist ein kopfloser Rumpf mit Bauch und aufgerissenem Mund.

40.46 Sohn des Bhrishashva gilt als doppelschneidige Säge. Satyakirti wird als Makara mit aufgerissenem Maul beschrieben.

40.47 Moha kennen die Verständigen als eine Waffe mit Schlangenkopf und aufgerissenem Maul. Rabhasa gleicht einem Stern und bezwingt sämtliche Waffen.

40.48 Die Sarvanabha genannte Waffe ist ein Wasserkrug. Die Paranmukha genannte Waffe kennt man als Löwenhaupt.

40.49 Jrimbhaka wird rotäugig und mit dreifachem Gerüst beschrieben. Die Abwehrer-Waffe ist ein sehr hell strahlender Speer.

40.50 Avanmukha ist ein Wesen mit Bärengesicht. Die Reichtum genannte Waffe gleicht einer Krone und hat unermesslichen Glanz.

40.51 Die höchste Getreidewaffe ist ein Bündel Reisähren. Vrishaksha nennt man ein großes Wesen mit Stiergesicht.

40.52 Die große Wunschgestalt-Waffe gleicht einer Nebensonne. Die Dridhanabha genannte Waffe ist ein Naga mit vielen Hauben.

40.53 Die Wunschglanz-Waffe nennt man ein Svastika-Zeichen. Sunabha, die unübertreffliche Waffe, wird als scharfes Messer beschrieben.

40.54 Die göttliche Waffe namens Makara gleicht einem Lampenständer. Zehnäugiger ist als unaufhaltsames Seitenschwert zu erkennen.

40.55 Vrittiman wird als Vetala mit Kamelgesicht beschrieben. Zehngesichtiger hat zehn Gesichter an einer Stelle.

40.56 Die Ruchira genannte Waffe ist ein äußerst schrecklicher Pflug. Zehnohriger wird als zehnjährige, krähengesichtige Gestalt beschrieben.

40.57 Yogandhara gilt als Eule mit aufgerissenem Schnabel. Feindvernichter ist die Varuna-Waffe, die fremde Waffen abwehrt.

40.58 Schlafloser wird als voll erblühter Wunschbaum beschrieben. Spalter ist eine Axt, die Gegner spaltet.

40.59 Die Hundertbäuchiger-Waffe ist ein Wesen mit hundert Bäuchen. Die Saumanasa-Waffe ist ein Büschel Hibiskusblüten.

40.60 Lotusnabel ist ein großes Wesen mit lotusgeschmücktem Nabel. Großnabel ist ein Reiher mit gewaltigem Hals.

40.61 Lichtgestalt wird als höchster Flugwagen beschrieben. Kramana heißt ein großes Schleudergerät zum Überwältigen fremder Waffen.

40.62 Trairashi ist affengesichtig, geflügelt und mit Menschenfüßen versehen. Sarchirmali ist ein großes Wesen mit einem Fuß und vielen Händen.

40.63 Die Vimala-Waffe erkenne man als kristallartige Schaukel. Dhritika nennen die Kenner alter Überlieferung ein sehr furchtbares Wesen mit Eber-, Löwen-, Menschen-, Hunde- und Elefantengesichtern.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 40: „Wesen und Macht der Waffenkräfte“.

Kapitel 41 – Die Vernichtung von Madhu und Kaitabha

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

41.1 Narada sprach: Erhabener, diese Waffen sind ihrer eigenen Gestalt nach beschrieben. Du sagtest, der Gott habe sie einst in ihrer wirklichen Gestalt getragen.

41.2 Bei welchem Anlass, wann und weshalb geschah dies, Herr des Alls? Beantworte diese Frage, wenn du mir gnädig bist.

41.3 Ahirbudhnya sprach: Dir, der du hingebungsvoll nach dem höchsten Selbst fragst, werde ich ein höchstes, großes und überaus wunderbares Geheimnis erklären, Narada.

41.4 Einst, am Ende eines Weltzeitalters, beschloss der erhabene Purushottama, begierig nach dem Genuss des Spiels, die Welt zu erschaffen.

41.5 Zuerst brachte er Urnatur und Purusha aus sich hervor; nachdem Hari Mahat und die weiteren Prinzipien bis zu den besonderen Elementen erzeugt hatte,

41.6 bildete er aus ihnen allen das Weltei und erschuf darin Brahma. „Erschaffe die Wesen“, sprach Janardana und gab ihm die Veden.

41.7 Darauf begann Brahma, die vielfältigen Wesen zu erschaffen. Inzwischen, unmittelbar nach Brahmas Erschaffung,

41.8 entstanden aus den Oberschenkeln [des Gottes] die beiden mächtigen Daityas Madhu und Kaitabha, großleibig, berauscht und stolz auf ihre Kraft.

41.9 Als sie den unermesslich strahlenden Brahma bei Beginn der Schöpfung sahen, drangen sie durch Maya ein und nahmen ihm die Veden weg.

41.10 Darauf vermochte Prajapati nicht mehr, sämtliche Wesen zu erschaffen. Er geriet in tiefste Niedergeschlagenheit.

41.11 „Der erhabene Hari hat mir befohlen: ‚Erschaffe die Wesen.‘ Ohne die Veden aber kann ich die vielfältigen Wesen nicht erschaffen.

41.12 Diese Veden haben mir die beiden Danavas heute durch Täuschung geraubt. Was soll ich nun tun?“ So verfiel er in große Sorge.

41.13 Dann entschied der Schöpfer im Geist, was zu tun sei. Der Lotusgeborene ging zum Nordufer des Milchmeeres.

41.14 Dort pries er den Herrn der Götter, den lotusäugigen Achyuta: „Om, Verehrung Vasudeva, dessen Wesen reine Erkenntnis ist,

41.15 dem Ursprung grenzenloser Seligkeit, dem von überreicher Größe, dem großen Selbst, dessen Gestalt unbegreifliche Kraft ist und der die Welten trägt!

41.16 Verehrung dir von grenzenloser Herrschaft und Wirkmacht, dem Schatz allen Glanzes, dem inneren Lenker des Alls, dessen einzige Gestalt reines Sattva ist!

41.17 Verehrung, Verehrung dir, dessen makelloser Schmuck die Grundlage von allem bildet; dir, der Muschelhorn, Rad, Keule, Schwert und Sharnga-Bogen trägt!

41.18 Verehrung, Verehrung dem Herrlichen, Lotusäugigen, dem Purusha, dem die göttlichen Weisen unter Vishvaksenas Führung dienen!

41.19 Verehrung, Verehrung dem, der im göttlichen Raum der Seligkeit wohnt und beständig mit Schöpfung, Rücknahme und Schutz der Welten spielt!

41.20 Verehrung dir von großer Herrlichkeit, der alle Gestalten besitzt und aus Liebe zu seinen Zufluchtsuchenden die Entfaltungen der Vyuhas annimmt!

41.21 Verehrung dir, der sich der Vernichtung der Feinde der Welt verpflichtet hat; die Erinnerung an dich vernichtet die Schuld der von den drei Leiden Gequälten!

41.22 Verehrung Vishnu von unbegreiflichem Wesen, dem Zeugen aller Handlungen!“ Als der erhabene Purushottama diesen Lobpreis gehört hatte,

41.23 erschien der Lotusäugige gnädig vor ihm. Hocherfreut sah Brahma den höchst Wunderbaren und verneigte sich.

41.24 Demütig berichtete der Unermessliche seine Geschichte. Als der Feindbezwinger dieses Vergehen der beiden Danavas hörte,

41.25 lächelte der Erhabene leise und gedachte Madhu und Kaitabha. Schon durch dieses bloße Denken kamen beide an sein Tor.

41.26 Als Madhusudana die beiden dort sah, stolz auf ihre Kraft, sprach er mit einer Stimme, tief wie Wolkendonner:

41.27 „Ich habe gehört, dass ihr die Veden, die ich Brahma gegeben habe, durch Täuschung aus seinem Mund entwendet habt. So zu handeln ist nicht angemessen.

41.28 Gebt deshalb sämtliche Veden dem Parameshthin zurück.“ So vom Erhabenen angesprochen, antworteten die beiden großen Asuras, von schlimmem Hochmut verblendet:

41.29 „Wir geben sie ihm unter keinen Umständen. Wir selbst werden bald alle vielfältigen Wesen erschaffen,

41.30 auch ohne Veden, Erhabener. Wozu braucht es hier Brahma?“ Als der Weltenherr ihre Worte hörte, wurden seine Augen vor Zorn rot.

41.31 Er beschloss, die beiden Übelgesinnten zu töten: „Töte heute diese beiden unbändigen, sündigen und übermütigen Wesen,

41.32 nimm die Veden und gib sie diesem Brahma zurück!“ So befahl der Gott dem mit gefalteten Händen stehenden Sheshashana [Vishvaksena].

41.33 „So sei es“, sprach dieser, versammelte sämtliche Heere Vishnus und zog zum Kampf aus. Auch die beiden Danavas rüsteten sich

41.34 und schufen durch Maya ein großes Heer. Zwischen beiden Seiten entbrannte ein gewaltiger Kampf,

41.35 wie man ihn nie gesehen oder gehört hatte. Als Vishvaksena nach langer Zeit erkannte, dass die beiden bösen Danavas im Kampf nicht zu besiegen waren,

41.36 meldete er es dem Gott unverzüglich. Da zog Janardana in höchstem Zorn selbst hinaus.

41.37 Als Hari die beiden kämpfen sah, stand er selbst in Radgestalt da und trug mit zweiundsechzig Händen die Schar göttlicher Waffen.

41.38 Sie sahen ihn in höchstem Zorn, tausend Sonnen gleich, umgeben von den flammenden Waffen in seinen Händen,

41.39 mit gelbbraunem, aufwärts gerichtetem Haar, überaus furchtbar, den Leib bis an die Grenzen des Welteis ausgebreitet, hibiskusrot,

41.40 mit drei gelbbraunen, rollenden, schrecklichen, runden Augen und einem durch zusammengezogene Brauen furchtbaren Gesicht,

41.41 auf die Unterlippe beißend, während aus den leuchtenden Fangzähnen Feuer hervorbrach; einem großen Meer gleich, mit dem Gerüst von zweiundsechzig Armen,

41.42 in rotem Gewand, furchtbar, in weiter Kampfstellung, versehen mit Halsketten, Oberarmreifen, großen Ohrringen, Armspangen und weiterem Schmuck,

41.43 vom Klingeln zahlreicher Glöckchen ertönend: so wunderbar gestaltet, unvergleichlich und hell strahlend.

41.44 Als die Dämonensoldaten ihn sahen, die selbst dem am Weltende anschwellenden Meer glichen, vergingen sie restlos; allein die beiden Danavas blieben übrig.

41.45 Als der Hellstrahlende sie erregt mit erhobenen Waffen herankommen sah, entsandte er das furchtbare Rad zu ihrer Tötung.

41.46 Im selben Augenblick schnitt das vortreffliche Rad beiden die Köpfe ab, nahm ihnen die Veden ab und brachte sie dem Gott dar.

41.47 Der Gott Hari gab sie Brahma und verschwand wieder. Nachdem der Schöpfer die Veden zurückerhalten hatte, erschuf er die Wesen wie zuvor. So ist die Gestalt des Erhabenen, des Radträgers in Radgestalt.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 41: „Die Vernichtung von Madhu und Kaitabha“.

Kapitel 42 – Die Erzählung von Shrutakirti, König von Kashi

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

42.1 Narada sprach: Erhabener, Kenner aller Pflichten, von allen Wesen verehrt! Alles, was wir hören sollten, haben wir vollständig vernommen.

42.2 Nun frage ich dies; erkläre, was mir im Sinn liegt: Woher stammen seine Gliedmantras, und wer ist ihre Gottheit?

42.3 Welchem Zweck dienen sie, welche Kraft besitzen sie und was ist zu meditieren? Sage es wahrheitsgemäß. Ahirbudhnya sprach: Höre aufmerksam dieses vortreffliche Geheimnis.

42.4 Aus dem Atharvaveda, der mit großen Mantras geschmückt ist, habe ich diesen sechssilbigen Mantra hervorgeholt, wie den Kaustubha aus dem Meer.

42.5 Ebenso sind alle diese Mantras aus ihm hervorgeholt, Weiser. Die Gottheit auch der Gliedmantras ist Sudarshana selbst.

42.6 Ihre höchste Aufgabe ist der Schutz der Glieder dessen, der im großen Sudarshana-Mantra gefestigt ist. Sie besitzen dieselbe Kraft wie der Sechssilbige.

42.7 Als ihre Gottheit ist der Achtarmige auf die zuvor erklärte Weise zu meditieren. Alles ist erklärt; was möchtest du noch hören?

42.8 Narada sprach: Erhabener, überaus Großzügiger, ewig Erfüllter, Schatz des Mitgefühls, Meer ewiger Erkenntnis, Handlung, Herrschaft und umfassenden Wissens!

42.9 Was über das große Sudarshana-Yantra, seinen Mantra, seine Kraft und seine Anwendung besonders zu sagen war, hast du erklärt, Allgegenwärtiger.

42.10 Der Ursprung der entsendenden Waffen wurde zuvor erklärt, ebenso ihre Gestalt, Kraft und Anwendung, du von großem Glanz.

42.11 Wann und in welchem Fall aber werden die zurücknehmenden Waffen eingesetzt, Guru? Löse mir diesen großen Zweifel.

42.12 Ahirbudhnya sprach: Höre aufmerksam, Weiser, wie ich den richtigen Anlass für die Anwendung der zurücknehmenden Waffen erkläre.

42.13 Wenn durch fremdentsandte göttliche Waffen und den damit ausgeführten Schadenzauber schwere Bedrängnis eintritt, ist dieser Anlass gegeben, Schatz der Askese.

42.14 Narada sprach: An welchen Zeichen erkennt man bei Königen, Ministern und anderen Menschen eine Bedrängnis durch fremden Schadenzauber?

42.15 Ahirbudhnya sprach: An diesen Merkmalen erkennt man nach dieser Lehre bei Königen eine durch Schadenzauber bewirkte Störung: schrecklich, zur Unzeit auftretend und überall sichtbar.

42.16 Unvermittelt sterben Pferde, Elefanten und Minister; der König selbst wird am ganzen Leib von schwerer Krankheit gequält.

42.17 Furchtbar anzusehende Blitze schlagen in seinem Land ein; die Erde trägt wenig Ernte und die Rinderherden gehen zugrunde.

42.18 In seinem Land treten wiederholt Dürren auf; seine Gemahlinnen werden von schweren Krankheiten ergriffen.

42.19 Schlangenlöcher und Termitenhügel entstehen im Palast, am Tor und in der Halle; große Meteore fallen mit heftigem, schrecklichem Getöse.

42.20 Die Minister bekämpfen einander aus Neid; nachts erscheint ein furchtbarer Regenbogen ohne Wolken.

42.21 Hier und dort entsteht in der Stadt heftige Feuersgefahr; Schakale dringen ungehindert in die innersten Räume ein

42.22 und heulen zu beiden Dämmerungen schrecklich und misstönend in die unheilvolle Richtung. Stolze, mächtige Feinde belagern die Stadt des Königs.

42.23 Er selbst verfällt in Erstarrung und weiß nicht mehr, was zu tun oder zu lassen ist. Im Traum sieht er sich kahlgeschoren und blau gekleidet,

42.24 auf einem eselbespannten Wagen nach Süden fahrend. An solchen Zeichen erkenne man den von Feinden ausgehenden Schadenzauber.

42.25 Dringt eine aus fremdem Schadenzauber entstandene Kritya zum König vor, geht er bei ihrem Anblick rasch zugrunde, ohne Zweifel.

42.26 Die von Flammengirlanden erfüllte Kritya vernichtet im Augenblick Söhne, Minister, Gemahlin und Stadt.

42.27 Wird ein König auf diese Weise von fremdem Schadenzauber bedrängt, soll er den hell strahlenden Erhabenen samt den zurücknehmenden Waffen

42.28 in Radgestalt durch Hingabe erfreuen. Aus Silber, Gold, Stein oder Kupfer

42.29 fertige man ein Sudarshana-Bild und verehre es mit den zurücknehmenden Waffen; oder man zeichne es auf Stoff und meditiere den von den drei Welten Verehrten.

42.30 Durch solches Herstellen, Meditieren, Verehren oder Verneigen, durch Einsetzung oder Lobgesang erfreue der König den Gott.

42.31 Ebenso sollen Minister oder andere Menschen handeln, Weiser. Dann wird der anfangs- und endlose, allgegenwärtige Erhabene erfreut

42.32 und verbrennt aus Gnade für seine Zufluchtsuchenden den fremden Schadenzauber und dessen Wirkungen im Augenblick, allein durch seinen Gedanken.

42.33 Göttliche Waffen wehrt der Herr mit den zurücknehmenden Waffen ab. Wenn eine vom Gegner entsandte, äußerst furchtbare Kritya herankommt,

42.34 tritt der Weltenherr in Radgestalt selbst hervor und macht sie zu Asche, danach auch den, der sie entsandt hat.

42.35 So verehrte einst ein König namens Kashiraja, der in Varanasi wohnte, gesammelt Vishveshvara, den großen Gott,

42.36 und erzeugte verblendet eine Kritya gegen Krishna. Die hervorgebrachte Kritya war gewaltig und schrecklich anzusehen;

42.37 sie erreichte Dvaraka und näherte sich Krishna. Als er sie mit flammenumkränztem Antlitz heranstürzen sah,

42.38 entsandte der Erhabene den unübertrefflichen Sudarshana. Sie sah ihn herankommen, tausend Sonnen gleich,

42.39 und floh voller Furcht auf demselben Weg zu ihrem Entsender zurück. Er vernichtete sie, Kashiraja und dessen Stadt;

42.40 dann kehrte das hell strahlende Rad an Vishnus Seite zurück. Höre nun von mir eine weitere alte Geschichte.

42.41 Der König von Saurashtra war als Shrutakirti bekannt. Der Feindbezwinger wohnte in der Stadt Bhadrashala,

42.42 war reich an Elefanten, Pferden und Wagen, mächtig wie Vasava, im großen Sudarshana-Mantra gefestigt und höchst rechtschaffen.

42.43 Von höchster Hingabe an Sudarshana erfüllt und dessen Verehrung ergeben, genoss er durch seine Gnade die Erde mit sieben Inselkontinenten.

42.44 Da beschloss Shrutakirti, eine andere Welt zu erobern. Mit seinem viergliedrigen Heer verehrte er Sudarshana

42.45 und bestieg als Mächtiger einen wunderbaren Wagen, der nach Wunsch fuhr. Zuerst zog er mit seinem Heer in den Luftraum.

42.46 Dort lag die große, hell strahlende Gandharva-Stadt Svastika, die von Vinavinodana regiert wurde.

42.47 Selbsttätige Waffen hielten feindliche Soldaten fern; außen umgab sie ein Feuer, das keinen Brennstoff brauchte.

42.48 Sie hatte herrliche goldene Mauern, edelsteingeschmückte Tortürme, Paläste aus Edelsteinen und war vom Klang des Gesangs erfüllt,

42.49 versehen mit leuchtenden Flugwagen, geschmückt mit göttlichen Hainen, Teichen mit goldenen Lotussen, Flüssen und Wasserbecken,

42.50 besucht von Götterfrauen und Apsaras, stets erfüllt von Gandharvas, Kinnaras, Siddhas und Charanas.

42.51 Diese Stadt belagerte der König, stolz auf seine Stärke, mit einem großen Heer, um Vinavinodana zu bekämpfen.

42.52 Als der Gandharva-König von der Belagerung durch Menschen hörte, lachte er und entsandte ein Heer von Siddhas und Gandharvas.

42.53 Dieses kämpfte mit scharfen Pfeilen gegen den mächtigen König. Ein großer, lärmender und haarsträubender Kampf entbrannte.

42.54 Dann schlug der König das Gandharva-Heer spielend in die Flucht; von Angst überwältigt kehrte es in seine Stadt zurück.

42.55 Als Vinavinodana davon hörte, bestieg er selbst höchst zornig einen großen Wagen und zog mit seinen Soldaten hinaus.

42.56 Zwischen beiden entbrannte ein Kampf wie zwischen Vritra und Vasava. Die Soldaten schlugen einander mit verschiedenartigen Pfeilen.

42.57 Der Himmel wurde von den Pfeilmassen beider Seiten verdeckt; weder Sieg noch Niederlage entschied diesen Kampf.

42.58 Acht Tage dauerte er so gleichbleibend und furchtbar. Dann zerschnitt der König den Bogen des Gandharva-Königs,

42.59 seine Fahne, seinen Schirm und seine Pferde mit Pfeilen von geglätteten Gelenken und trieb dessen ganzes Heer in alle Richtungen auseinander.

42.60 Der Gandharva-König erkannte, dass der König mit gewöhnlichen Waffen nicht zu besiegen war; niedergeschlagen sah er sein Heer von Menschen besiegt.

42.61 „Mit göttlichen Waffen werde ich ihn vernichten“, dachte der Hellstrahlende und schleuderte die Gandharva-Waffe in das Menschenheer.

42.62 Durch sie wurde Shrutakirtis ganze Armee verblendet und stand unter der Macht der Gandharva-Waffe reglos im Kampf.

42.63 Den König aber erreichte die göttliche Waffe wegen Sudarshanas Macht nicht. Shrutakirti war im Einsatz göttlicher Waffen unerfahren;

42.64 er konnte nichts dagegen tun und ging zu seinem Hauspriester. Ihm berichtete der König das Geschehen.

42.65 Der Dharmakenner und Kenner höchster Waffen sprach: „Shrutakirti, fürchte dich hier nicht. Suche bei eben jenem Gott Zuflucht,

42.66 der das Leid der sich Verneigenden hinwegnimmt, Sudarshanas Gestalt trägt und als höchster Herr Ursprung sämtlicher göttlicher Waffen ist.

42.67 Meditiere, König, den Gott inmitten eines solchen großen Rades mit vierundsechzig Speichen und zwei Radkränzen,

42.68 zweiundsechzigarmig, äußerst gewaltig, die höchsten Rücknahme-Waffen tragend. Meditiere so, rezitiere diesen Mantra und blicke dein Heer an.“

42.69 So unterwies er ihn in sämtlichen Waffenmantras. Nachdem der König alle entsendenden und zurücknehmenden Mantras empfangen hatte,

42.70 kehrte der im Kampf Siegreiche zur Schlacht zurück. Er meditierte den Gott, rezitierte den Mantra und blickte sein Heer an.

42.71 Da erlangte es sein Bewusstsein zurück und trat wieder in den großen Kampf ein. Erneut entbrannte die Schlacht zwischen beiden Heeren.

42.72 Mit göttlichen Waffen besiegte der mächtige Weltenherrscher Vinavinodana im Kampf und brachte dessen Welt unter seine Herrschaft.

42.73 Von Siddhas, Gandharvas, Kinnaras und Charanas geehrt, kehrte er mit Siegesglanz in seine Stadt Bhadrashala zurück.

42.74 Dort regierte er die Erde wie der Götterherr den Himmel. Als er sich an Sudarshanas Macht erinnerte, war sein Geist voller Staunen.

42.75 Der lotusäugige König ging zu seinem Hauspriester, der wie Feuer strahlte, und beriet sich mit ihm:

42.76 „Durch die Gnade des Gottes ist mir heute diese vom Meer umsäumte Erde untertan geworden, ebenso eine andere Welt. Ich glaube, der Gott ist mir gnädig zugewandt.

42.77 Mir, der ich den Samsara fürchte, wird dieser Radgestaltige auch die Befreiung schenken. Daran habe ich keinerlei Zweifel. Deshalb wollen wir fortan den Gott verehren.“

42.78 Als der König dies mit gefalteten Händen gesagt hatte, sprach der machtvolle Hauspriester: „Errichte ein vortreffliches Heiligtum mit vielfarbigen Türmen, mit dem Radnamen und dem Anliegen versehen,

42.79 und setze hier inmitten eines schönen Rades Sudarshana ein, zweiundsechzigarmig, mit den Rücknahme-Waffen, in der gelehrten Gestalt und reich geschmückt. Verehre ihn zur Erlangung aller Vollkommenheit.“

42.80 Der König nahm dieses auf das höchste Ziel gerichtete Wort ehrfürchtig an und ließ als kundiger Auftraggeber in jener Stadt alles genau so ausführen.

42.81 Er siedelte hundertzwanzig Zweimalgeborene rings um das Gotteshaus an und gab ihnen große Geldmittel und ausgedehnte Ländereien.

42.82 Er stattete den Gott mit reicher Herrlichkeit aus und freute sich mit erfüllten Wünschen. Täglich verehrte er ihn in jenem großen Tempel; bald wurde er frei von Bindung und erreichte durch seine Gnade die höchste Stätte.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 42: „Die Erzählung von Shrutakirti, König von Kashi“.

Kapitel 43 – Die Suche nach einem Mittel gegen Jalandhara

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

43.1 Narada sprach: Nochmals frage ich dich; erkläre es mir, Herr von allem. Du hast zuvor gesagt, die ganze Welt bestehe aus dem Rad.

43.2 Wie ist das zu verstehen? Erkläre es deutlich. Wann wurde es vom Gott gezeigt? Du allein weißt es; außer dir gibt es keinen Kenner in den drei Welten.

43.3 Ahirbudhnya sprach: Die Götter, sämtliche Weisen, Manu und seine Söhne, die Könige und alle Stände setzen den Weg des Dharma in Gang.

43.4 Demgegenüber stehen die Danavas, Bhutas, Vetalas und Rakshasas, grausame Menschen und Tiere sowie furchtbare Räuber

43.5 und andere Wesen, die eine dämonische Geburt angenommen haben, Weiser. Diese zerstören immerfort den Dharma in hohem Maße.

43.6 „Wodurch könnten diese Übeltäter vergehen?“ Von diesem Gedanken tief beschäftigt, ging ich zum Gipfel des Meru.

43.7 Als ich dort saß und mich in Versenkung begab, erschien mir im Augenblick ein kaum anzuschauender, höchst strahlender Glanz.

43.8 Bei seinem Anblick sprach ich den atharvanischen Mantra. Während ich den großen Mantra aussprach, sah ich jenes Licht erneut.

43.9 In dem leuchtenden Glanz sah ich einen dunkel-gelbbraunen Purusha, dessen Zeugungskraft aufwärts gerichtet war, mit ungewöhnlichen Augen und dem Glanz tausend Sonnen,

43.10 den höchsten Sudarshana, ruhig inmitten eines tausendspeichigen Rades stehend und durch Flammengirlanden schwer anzuschauen.

43.11 Als ich ihn sah, fragte ich furchtlos: „Wer bist du? Woher kommst du? Wem gehörst du?“ Da sprach der erfreute Erhabene, der Schatz allen Glanzes:

43.12 „Von heute an bin ich als Sudarshana bekannt, Herr. Denn obwohl mein großes Licht schwer anzuschauen ist, bin ich für dich gut zu schauen.

43.13 Ich wohne in Vaikuntha und bin gekommen, dich zu sehen. Was selbst von jenen, die in den drei Zuständen meditieren, noch nie geschaut wurde, das Wunderbare,

43.14 stets Verborgene, Geheime, von allen Welten Verehrte, hast du durch das Quirlen mit dem Quirl deiner Einsicht aus dem Meer der Veden hervorgeholt,

43.15 wie Nektar aus dem Milchmeer, höchster Herr. Deshalb bin ich in Mantragestalt zu dir gekommen. Was soll ich für dich tun?

43.16 Ich sehe keinen Unterschied zwischen dir und Damodara. Darum stehe ich dir ebenso zur Verfügung wie ihm, Shankara.“

43.17 Als der tausend Sonnen Gleiche so gesprochen hatte und schwieg, sagte ich staunend zu jenem von unvergleichlichem Glanz:

43.18 „Viele Übeltäter auf der Welt behindern den Dharma. Ich suche ihre Bezwingung und denke darüber nach, durch welche Mittel ich sie vernichten kann.

43.19 Während ich so nachdachte und mich dem Yoga widmete, erschienst du, Mantra-König. Deshalb halte ich mein Anliegen für erfüllt.

43.20 Wenn die Guten von ihnen bedrängt werden, sollst du schon bei bloßem Erinnern herbeikommen. Vollbringe entschlossen, was zu vollbringen ist, Herr!“

43.21 „So sei es“, sprach er und ging. Auch ich kehrte zum Kailasa zurück. Danach wurde Vasava vom Danava namens Jalandhara bedrängt.

43.22 Er beriet sich mit sämtlichen Marut-Scharen. Da der übelgesinnte Danava durch Hand- und Wurfwaffen nicht zu besiegen war,

43.23 fragte er: „Wodurch soll ich diesen Übeltäter vernichten?“ Da erhob sich Vayu und sprach zu Purandara:

43.24 „Es ist wahr: Dieser große Asura ist mit Hand- und Wurfwaffen unbesiegbar. Stolz auf die Gunstgabe des Schöpfers, voller Stärke und Wirkmacht,

43.25 ist er wie ein Komet aufgestiegen und will die ganze Welt verbrennen. Gegen den herrlichen, unermesslichen, hell strahlenden Herrn aller Welten,

43.26 den Gott der Götter, Mahadeva Shankara, den Hervorbringer der Wesen, hat dieser grausame Götterfeind ein schweres Vergehen begangen.

43.27 Deshalb ist Shankara überaus zornig auf ihn. Gehen wir zu ihm, damit der Übeltäter getötet wird.

43.28 Durch Brihaspati als Sprecher wollen wir den Gott bitten; jener Erhabene weiß, was dort zu sagen ist.“

43.29 Als Vayu geendet hatte, sagte Vasava: „Gewiss.“ Der glanzvolle erhabene Paka-Bezwinger ging zu Brihaspati,

43.30 der wie loderndes Feuer dasaß: „Gehe du zu Pinakin, damit Jalandhara getötet wird.

43.31 Er ist auf ihn höchst zornig und wird ihn gewiss töten. Bei sämtlichen Angelegenheiten der Götter bist du unsere höchste Zuflucht.

43.32 Darum gehe zum mondbekrönten Gott auf dem Kailasa.“ Als Puruhuta, der Herr der Götter, dies gesagt hatte,

43.33 versprach der von Shakra verehrte Herr der Rede: „So sei es“, und zog mit freudigem Herzen zum Kailasa-Gipfel.

43.34 Dort saß ich mit den Göttern in einer sehr schönen Versammlungshalle und betrachtete staunend den Tanz der Apsaras.

43.35 Der Erhabene, der aufgehenden Sonne gleich, sah mich von fern. Er verneigte sich, erhob sich und pries mich:

43.36 „Sei gnädig, Herr des Gottes der Götter! Sei gnädig, Herr der Welt! Sei gnädig, Herr, der alle Unsterblichen schützt und ihr Ende bewirkt!

43.37 Sei gnädig, erhabener Gott! Sei gnädig, von Göttern Verehrter! Sei gnädig, Meer umfassender Erkenntnis, höchster Herr!

43.38 Verehrung dir, der du im Raum wohnst; Verehrung dir, der Schlangen als Schmuck trägt! Verehrung dem höchst Heilvollen, Verehrung dem Zerstörer der drei Städte!

43.39 Du bist Schöpfer, Vashat-Ruf, Opferspeise und Opferfeuer; du bist Sein und Nichtsein, Om-Laut, Indra und Yama.

43.40 Du bist der Schlingenhalter Varuna, Soma, Nirriti und Wind; du bist Aditya und Vasu, du bist das All, du Allgesichtiger.

43.41 Du bist das Unmanifeste, Mahat und der Ichmacher; du bist die feinen Elemente, Erkenntnis und Nichterkenntnis.

43.42 Wozu viele Worte? Diese bewegliche und unbewegliche Welt bist du selbst, Herr der Wesen, Ursache sämtlicher Ursachen.

43.43 Verehrung dir, dessen Leib von Erde, Wasser, Wind, Raum, Feuer, Sonne, Mond und Opferherrn erfüllt ist; dir, den die höchsten Weisen stets im Geist suchen, dem Vernichter der Furcht vor dem Werden, der Allgestalt!“

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 43: „Die Suche nach einem Mittel gegen Jalandhara“.

Kapitel 44 – Die Offenbarung der Gestalt Sudarshanas

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

44.1 Ahirbudhnya sprach: Nachdem ich den so Lobpreisenden nach seinem Wohlergehen gefragt hatte, sagte ich: „Welches Anliegen führt dich her, Herr der Rede? Sprich!“

44.2 Darauf erklärte er den ganzen Grund seines Kommens: „Shambhu, Schatz des Mitgefühls, Gott, höre dies aufmerksam.

44.3 Dein Geist ist allen Welten gnädig zugewandt, Herr von allem. Deshalb habe ich wegen eines Anliegens der Götter bei dir Zuflucht genommen.

44.4 Ein Danava namens Jalandhara, von bösem Verhalten, mächtig durch eine Gunstgabe Brahmas, bedrängt die Götter unablässig.

44.5 Alle Götter und auch ihr Herr sind außerstande, ihn zu töten. Darum versammelten sich die Marut-Scharen zur Beratung:

44.6 ‚Stolz auf seine große Gunstgabe und an der Spitze des Kampfes unaufhaltsam, kann dieser große Asura nur durch Mahadeva vernichtet werden.‘

44.7 Nach dieser Beratung sprach Shakra mit den Maruts zu mir: ‚Ich sehe kein Mittel, diesen großen Asura zu töten, außer dem erhabenen Dreiäugigen.

44.8 Gehe zu Shiva und suche Zuflucht bei ihm. Bitte Pinakin um dieses Anliegen der Götter.‘

44.9 So von Puruhuta beauftragt, bin ich zu dir gekommen. Handle deshalb rasch so, Herr der Parvati, dass alle diese Götter glücklich und frei von Bedrängnis

44.10 werden.“ Als er so zu mir sprach, versank ich in Nachdenken, Weiser.

44.11 Nachdem ich dies erwogen hatte, sagte ich zum Herrn der Rede: „Ich werde den grausamen Übeltäter Jalandhara töten.

44.12 In meiner Versenkung wurde mir der Mantra in Sudarshana-Gestalt sichtbar, bester Mantrakenner, der Ursprung aller Mantras,

44.13 ewig, alle Ziele verwirklichend, alles Böse erschreckend, kundig im Schutz aller und die Früchte der vier Lebensziele verleihend,

44.14 dem Schutz der eigenen Vidya zugewandt und fremde Vidyas abwehrend; er ist atharvanisch und sechssilbig, aber nicht für sechs Ohren bestimmt [also geheim zu übermitteln].

44.15 Ein unsichtbarer, kaum anzuschauender Lichtberg war es. Als ich den Mantra sprach, sah ich darin Sudarshana im Rad walten.

44.16 Er sagte zu mir: ‚Durch die Schau des Mantras bin ich erfreut. Ich wohne im höchsten Raum und bin dein beständiger Diener, Erhabener.

44.17 Wenn du mich durch den Mantra erinnerst, werde ich mit einem Teil meiner selbst herbeikommen und dein Anliegen ausführen.‘ So sprach der Gott in Sudarshana-Gestalt und ging.

44.18 Durch ihn werde ich jenen Übelgesinnten bald beseitigen.“ Hocherfreut verneigte sich Brihaspati rasch

44.19 und sprach erneut: „Wenn du mir gnädig bist, Erhabener, gib mir diese Sudarshana-Vidya.“

44.20 Darauf gab ich diesem Großen und Großgesinnten die Vidya. Nachdem er sie empfangen hatte, zog er hocherfreut zum Himalaya.

44.21 Dort rezitierte der Erhabene diesen unübertrefflichen Mantra. Da wurde ihm jener von höchst wunderbarer Gestalt gegenwärtig:

44.22 der erhabene Chakravartin Sudarshana in friedlicher Gestalt. Er sah ihn mit leuchtendem Leib, heiter und safranfarben,

44.23 zweiarmig, allen Wesen Gnade erweisend, den höchsten Gott mit Muschelhorn und Rad, geschmückt mit göttlichen Girlanden,

44.24 in gelbe Seide gekleidet, mit zwei strahlenden Augen, Grundlage sämtlicher Kräfte und Waffen, den Feindverbrenner.

44.25 Staunend verneigte er sich und fragte: „Was bedeutet dies, Erhabener? In der Welt bist du als Achtarmiger bekannt,

44.26 nun erscheinst du vor mir in menschlicher Gestalt.“ „Höre“, sprach Sudarshana und antwortete:

44.27 „Ich besitze Tausende von Entfaltungen, nach meinem Willen gestaltet. Unter ihnen sind vier hauptsächliche Vyuhas, Herr der Rede.

44.28 Erkenne zuerst meine zweiarmige Form, dann die achtarmige, danach die sechzehnarmige und schließlich die zweiundsechzigarmige.

44.29 Die vielen weiteren Entfaltungen entsprechen den Wünschen der Verehrer. Diese [zweiarmige] Gestalt ist meine eigene natürliche, ewige und vollkommen sattvige Form,

44.30 meine höchste Gestalt, frei von Abnahme, Vernichtung und Ähnlichem. Die anderen dienen der Begnadung derer, deren Geist auf mich gerichtet ist; so verhält es sich.

44.31 Eine weitere Gestalt umfasst das ganze All; Götter und Danavas haben sie nicht gesehen. Sie ist nicht auszumessen, grenzenlos und von sich aus den Augen unzugänglich.

44.32 Wie der Gott Hrishikesha ist, so bin auch ich, Herr der Rede.“ Als der Gott in Sudarshana-Gestalt so gesprochen hatte,

44.33 verneigte sich der Herr der Rede, der Beste der Redner, und sagte: „Deine allumfassende, den Augen unzugängliche und grenzenlose Gestalt

44.34 möchte ich mit der Schau des Yoga sehen. Zeige sie mir jetzt!“ Da zeigte der Erhabene, das Selbst des Alls, seine mächtige eigene Gestalt

44.35 dem Guru, der in Yoga versunken war, Narada. Voller Staunen betrachtete dieser den Gott vor sich:

44.36 Sein gewaltiger Leib nahm das Innere des Alls ein, von nie gesehener Gestalt, weit jenseits der Sinne; an den Spitzen seiner erhobenen mächtigen Hände hingen Girlanden von mehr als tausend wunderbaren Rädern.

44.37 An seinen Füßen hingen Ketten funkelnder Welteier. Er stand in seiner eigenen Unermesslichkeit; seine hohe Krone leuchtete wie die Scharen der Sonnen, die am Ende eines Zeitalters aufflammen.

44.38 Seine gelbbraunen Augen wirbelten wie Strudel des großen Meeres; Götterscharen umgaben ihn. Zwischen seinen reinen Fangzähnen hafteten Welten; mit furchtbar zusammengezogenen Brauen verschlang er das All.

44.39 Seine Brust trug eine Halskette wie der mit Monden und Sternenscharen übersäte Himmelsraum. Ein großes Geflecht von Waffen erhob sich in entfalteten Lichtgirlanden; alle Handwaffen hielt er.

44.40 Er bestand aus Glanz; Sonne, Mond und Feuer des Weltendes erschienen in ihm wie Lichtfunken. Sein Leib erfüllte sämtliche Richtungen und Zwischenräume, sodass weder Himmel noch Erde erkennbar waren.

44.41 Das helle Klingeln seiner Fußspangen und anderen Schmuckstücke erfüllte das All. Als Brihaspati diesen nie zuvor gesehenen, höchsten, unermesslichen Urgott erblickte, verlor er die Besinnung. Mühsam kam er wieder zu sich und pries den Gott:

44.42 „Verehrung, Verehrung dir, unbesiegbarer Erhabener Sudarshana, dessen Wesen Erkenntnis ist! Alle deine Kräfte sind stets vollständig offenbar; du trägst alles Bewegliche und Unbewegliche.

44.43 Verehrung, Verehrung dir von unaufhaltsamer Wirkmacht und überreichem Glanz, dem Meer sämtlicher heilvoller Eigenschaften, dessen Gestalt aus reinem Licht besteht und der die Radgestalt trägt!

44.44 Verehrung dem Sieger von unvergleichlicher Tatkraft, der sich dem Schutz der Zufluchtsuchenden fest verpflichtet hat; dem mit tausend Rädern und tausend Namen, der eine tausendspeichige Gestalt trägt!

44.45 Verehrung dir, der einen Ursache von Entstehung, Bestand und Rücknahme der Welt, dem guten Steuermann über das Meer des Werdens, dem Zermalmer der Daityas und Danavas, die den Götterscharen entgegentreten, dem gesammelten großen Glanz!

44.46 Was immer der Geist des Madhu-Bezwingers zuerst beabsichtigt, Allgegenwärtiger, eben dieses Ersehnte vollbringt dein Lotusfuß in der Welt.

44.47 Deine beiden Lotusfüße sind das Boot über das unergründliche Meer der Ströme schwerer Verfehlungen deiner Zufluchtsuchenden, die schon durch Erinnerung zerstört werden. Verehrung deinem höchsten Glanz, gepriesen von Sonne, Mond und Feuer, deren Leiber nur aus einem Tropfen deines Strahlenmeeres bestehen!

44.48 Verehrung dir, dessen Wesen Welt-, Zeit- und Auflösungsrad ist, den die Unsterblichen mit dem Viergesichtigen an der Spitze stets preisen; dessen Selbst von unvergleichlicher Seligkeitsfülle erfüllt ist, gewonnen aus dem Genuss ewigen Dienstes an Govinda!

44.49 Dein Geist freut sich, wenn er von den vielen großen Taten hört, von den Ursprüngen an, deren sich die höchsten göttlichen Waffen beständig erinnern. Verehrung dir, dessen beide Lotusfüße von den Strahlen der Edelsteinkronen sämtlicher Götter- und Dämonenherrscher berührt werden!

44.50 Verehrung dir, frei von der durch Kala, Muhurta, Nadika und weitere Abschnitte bestimmten Zeit; deiner eigenen Gestalt, die von Abnahme, Wachstum, Geburt und Vernichtung frei ist!

44.51 Ich verehre dich, den Erwählenswerten, dessen Größe Wort und Geist übersteigt, von verwerflichen Eigenschaften unberührt und liebevoll zu den Zufluchtsuchenden; erreichbar für Menschen von unerschöpflichem Verdienst, von allen verehrt, aus Erkenntnis bestehend, mit höchstem göttlichem, nichtmateriellem Leib.

44.52 Weder Menschen noch Götter noch andere Wesen in dieser Welt kennen dich wahrhaft, Herr; allein die Veden kennen dich. Darum ziehe jetzt diese furchterregende, nie gesehene Gestalt zurück. Sei gnädig!“

44.53 So vom Guru angesprochen, erschien der erhabene Radgestaltige vor ihm als achtarmiger Herr.

44.54 Mit heiterem Gesicht sprach der Herrliche zum Guru: „Diese Gestalt, die Götter und Danavas nicht gesehen haben, ist dir gezeigt worden.

44.55 Wahrlich, niemand kennt mich außer dem Gott Janardana. Dies ist das Geheimnis: Ich bin die Handlungskraft des Gottes, der den Sharnga trägt.

44.56 Darum wird sein gesamtes Werk, die Entstehung der Welt und alles Weitere, allein durch mich ausgeführt, Weiser.“ So sprach er und verschwand.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 44: „Die Offenbarung der Gestalt Sudarshanas“.

Kapitel 45 – Die Erzählung von Kushadhvaja

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

45.1 Narada sprach: Erhabener höchster Herr, zuvor hast du Erkenntnis des Selbst, Nichterkenntnis und höchste Erkenntnis ihrem Wesen nach erklärt.

45.2 Was wird durch sie verwirklicht, Gott, und was wird durch sie beseitigt? Du allein weißt dies; erkläre es mir ausführlich.

45.3 Ahirbudhnya sprach: Ich werde dir dieses höchste Geheimnis erklären; höre. Durch Nichterkenntnis wird die höchste Natur der individuellen Seele und des höchsten Selbst

45.4 verhüllt und die Erkenntnis ihrer Wirklichkeit verhindert. Durch Erlangung des auf das Selbst gerichteten Yoga entsteht höchste Erkenntnis;

45.5 zugleich wird der anfangslose Samsara, dessen Wesen Bindung ist, beseitigt. Durch Erkenntnis der höchsten Natur wird die höchste Befreiung verwirklicht,

45.6 deren Merkmal das Nichtwiedergeborenwerden und deren Frucht ewige Seligkeit ist, Schuldloser. Die seit anfangsloser Zeit bestehenden früheren

45.7 und zukünftigen Handlungen werden dadurch samt ihren Prägungen beseitigt. Das bereits wirksam gewordene Karma aber vergeht nicht ohne Erleben seiner Frucht.

45.8 Dies alles habe ich dir kurz erklärt. Narada sprach: Erhabener, durch welche Handlung wird bereits wirksames Karma vernichtet?

45.9 Oder vergeht es durch keinerlei Handlung? Ahirbudhnya sprach: Höre diese alte Geschichte aus dem Treta-Zeitalter.

45.10 Unter den Janaka-Königen gab es einen Herrscher namens Kushadhvaja, einen Brahmankenner, überaus großzügig und dem Schutz seiner Untertanen ergeben.

45.11 Während dieser König den ganzen Erdenkreis regierte, trat eines Tages eine schwere Bewusstseinsverwirrung auf, die seine Glieder quälte.

45.12 Obwohl der König davon stark bedrängt wurde, beachtete der Feindbezwinger sie zunächst nicht weiter: „Sie wird vorübergehen“, dachte er. [Die Zeitangabe im ersten Halbvers ist unsicher.]

45.13 Als der Herr der Menschen wieder und wieder davon gequält wurde, dachte er:

45.14 „Diese plötzlich auftretende mächtige Störung bedrängt mich, obwohl ich stets der Selbsterkenntnis hingegeben bin, wie einen Schutzlosen. Sie legt sich nicht von selbst. Aus welcher Ursache ist sie gekommen?“

45.15 In solche Gedanken vertieft ging der König zum Haus seines Gurus, einem heiligen Ort voller vedischer Rezitation und vom Opferrauch durchduftet.

45.16 Er trat ein und sah im Feuerhaus den Schatz der Askese sitzen, von Brahmankennern umgeben, wie eine zweite Sonne:

45.17 Yajnavalkya, seinen Familienguru. Demütig verneigte er sich vor dem Großgesinnten und sprach:

45.18 „Von dir habe ich höhere und niedere Erkenntnis empfangen. Durch das Feuer der höchsten Erkenntnis ist mein gesamtes Karma verbrannt,

45.19 früheres und späteres, außer dem bereits wirksam gewordenen, wie ich gehört habe. Als Frucht dieses wirksamen Karmas habe ich das Königreich erlangt.

45.20 Während ich so lebe, ist eine unerträgliche schwere Verwirrung entstanden, die mein Erinnern zerstört und meine Glieder quält.

45.21 Wodurch ist dieses Leid gekommen, und wodurch wird es gestillt? Sage es!“ So angesprochen, erklärte der Erhabene dem Kushadhvaja:

45.22 „Die Körper werden den Verkörperten zum Erleben von Freude und Leid gegeben. Erkenne, dass dies auch für den Körper der Brahmankenner gilt.

45.23 Deshalb musst auch du mit deinem Körper die Frucht des Karmas erfahren. Die Handlungen jedoch, die jetzt durch deinen Körper vollzogen werden,

45.24 bringen dir niemals noch eigens zu erlebende Früchte. Erkenne also das Eingetretene als Frucht früherer Schuld, König.

45.25 Höre, wodurch die Verwirrung gekommen ist; ich erkläre es wahrheitsgemäß. Wahnsinn, schwerer Wahnsinn, geistige Zerrüttung, Ohnmacht,

45.26 Bewusstseinsverlust, Erschütterung, wirres Reden und Gedächtniszerstörung: Diese acht das Leben schädigenden Störungen entstehen aus schweren Verfehlungen.

45.27 Aus dem Nichtbestrafen eines Brahmanentöters, dem Fürwahrhalten des Unwahren, der Vernachlässigung des Bildes der eigenen verehrten Gottheit, der Tötung eines Königs,

45.28 dem Raub einer Brahmanengabe, dem Versetzen von Brahmanen in Angst, dem Brechen gesetzter Grenzen und dem Verkehr mit einer verbotenen Partnerin:

45.29 Aus diesen Ursachen entstehen jene Störungen bei Königen, König. Du hast früher außerhalb eines Krieges einen höchst rechtschaffenen großen König getötet.

45.30 Durch diese Verfehlung, deren Frucht in diesem Körper zu erfahren ist, hat dich diese schlimme, furchterregende Ohnmacht erreicht.

45.31 Durch Sudarshanas Macht vergehen diese acht Arten von Störungen, ohne Zweifel; durch ihn vergeht auch die deine.

45.32 Darum bemühe dich umsichtig um dieses Mittel, mein Lieber. Lasse zuerst eine hohe Halle errichten, mit allen Glückszeichen versehen,

45.33 mit vielen Säulen und hohen Torbögen, mit Baldachinen aus weißem Leinen und Netzen kleiner Glöckchen,

45.34 mit vielen Standarten und Fahnen, Perlenketten und zahlreichen Girlanden,

45.35 mit leinenumwickelten Säulen und Lampen, sechsunddreißig Fuß breit und vierundfünfzig Fuß

45.36 lang, schön, mit den acht Glückszeichen versehen, von Sandelholz- und Aloeholzrauch durchduftet und allseits heilvoll.

45.37 Lasse sie genau so rasch am reinen Ufer der Sarasvati außerhalb der Stadt errichten, Glücklicher. Fürchte dich nicht und zweifle nicht.

45.38 Ich werde selbst dorthin kommen und die Befriedungshandlung ausführen.“ Als der verständige Guru so gesprochen hatte, ging der König hinaus.

45.39 Hocherfreut rief er seine Diener und ließ dort die Halle mit den genannten Merkmalen errichten.

45.40 Der Weise hätte die Störung durch seine eigene Macht stillen können; dennoch erwog er, dass dies die Pflicht des Königs sei,

45.41 und begab sich an einem glückverheißenden Tag der hellen Monatshälfte in die Halle. Er rief die Handwerker und ließ einen Königssitz anlegen

45.42 im schön geschmückten westlichen Drittel. In den beiden östlichen Dritteln ließ er Feuergruben errichten,

45.43 auf den erhöhten Altarflächen nach den Vorschriften für Heiligtümer; ehrfürchtig ließ er sie radförmig gestalten.

45.44 Zwei solche Gruben ließ er in der Mitte anlegen, außerhalb davon ebenso Gruben in den acht Richtungen.

45.45 Bei jeder Grube ließ er einen Bhara Reiskörner ausbreiten und auf deren Ostseite jeweils einen Krug aufstellen:

45.46 acht silberne Krüge und zwei goldene in der Mitte, gefüllt mit Duftwasser und versehen mit neun Edelsteinen.

45.47 Dann umwickelte der Weise selbst zusammen mit dem verständigen Shatananda die Krüge mit Leinen und Fäden und schmückte sie mit Duft, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern.

45.48 Er rief den Gott ehrfürchtig in die Krüge herbei und verehrte ihn mit Mantra, Räucherwerk, Licht und Blüten.

45.49 Der Guru setzte das große Yantra und die beiden mittleren Krüge ein. Ein großes Yantra ohne Gottesbild, aber mit sämtlichen Mantras

45.50 und allen göttlichen Waffen wie zuvor erklärt, zeichnete er auf Stoff und breitete es auf dem Königssitz aus, mit einer oberen Abdeckung versehen.

45.51 Darauf ließ er den König von unermesslicher Kraft Platz nehmen; auch dessen Baldachin versah er mit einem Yantra-Tuch.

45.52 Er fertigte ein goldenes Yantra nach den genannten Merkmalen, mit vielen Edelsteinen geschmückt, und stellte es am Spiegel auf.

45.53 Ebenso zeichnete er mit einer goldenen Nadel und Gorochana auf gut vorbereitete Birkenrinde ein Yantra ohne die göttlichen Waffen,

45.54 besprach es gründlich mit Mantra und ließ den König es auf dem Kopf tragen. Mit Sudarshana-Asche ließ er ihm auch ein Stirnzeichen anbringen.

45.55 Dann rief er acht selbstbeherrschte vishnuitische Brahmanen, die im Mantra gefestigt waren, und beauftragte sie als Opferpriester an den Richtungsgruben.

45.56 Er ließ rings um die Halle einen Vorhang anbringen. An den geschmückten Feuergruben mit goldenen Geräten

45.57 vollzog der Guru mit den Opferpriestern die vorgeschriebenen Vorhandlungen und opferte zusammen mit Shatananda in die lodernden Feuer.

45.58 Zuerst vollzog er gesammelt die Segnung des Tages, begleitet von Tanz, Instrumentalmusik und vedischer Rezitation, danach das Feueropfer.

45.59 Shatananda und der Guru übernahmen die Haupthandlung; die übrigen Opferpriester waren mit den Opfern in den Richtungen betraut.

45.60 Ehrfürchtig nahm man sich hunderttausend Opfer mit reinem Ghee vor und vollzog täglich zehntausend; so geschah es zehn Tage lang.

45.61 Jeden Tag badete der Guru den König mit mantra geweihtem Krugwasser. Er wurde frei vom ergreifenden Leiden, innerlich rein, fieberfrei und froh.

45.62 Als die zehn Tage vollendet waren, verehrte der König den Guru mit Edelsteinen und vielem Gold.

45.63 Er übergab ihm die Halle samt Ausstattung und erfreute gesammelt alle Opferpriester mit reichen Geldgaben, Getreide und gesicherten Stellungen.

45.64 Verständig regierte er diese Erde wie der Götterkönig den Himmel. Für andere Wesen gilt dasselbe Verfahren.

45.65 Im Dvapara-Zeitalter wird es mit fünf Millionen Feueropfern vorgeschrieben, im Kali-Zeitalter für Könige mit zehn Millionen. So muss bereits wirksam gewordenes Karma auch von Brahmankennern erfahren werden.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 45: „Die Erzählung von Kushadhvaja“.

Kapitel 46 – Gaben und Mengen beim Sudarshana-Homa

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

46.1 Narada sprach: Wenn ein König durch göttliches Geschick, menschliche Ursachen, Geisterwesen, durch Übermut, ein feindliches Heer oder andere Hindernisse

46.2 nicht einmal zur Feueropferhalle gelangen kann, wie werden dann die großen ergreifenden Leiden des Herrschers beseitigt?

46.3 Ahirbudhnya sprach: Höre: Kann der König es nicht ausführen, soll der kundige Hauspriester handeln. Bei der Verwirklichung unsichtbarer Ziele ist er für den König alles.

46.4 Rechtschaffen, in der Offenbarung bewandert, von gutem Charakter, wahrhaftig und rein, von guter Herkunft, ohne Ichhochmut, geduldig, erinnerungsstark und selbstbeherrscht,

46.5 kundig in den Unterschieden von Ort und Zeit, an den Lehrschriften orientiert, unermüdlich, unbezwingbar, aufmerksam, großzügig und in kluger Führung erfahren,

46.6 Kenner von Mitteln und Zielen, Mantra- und Opferkundiger, frei von Gier, Kenner göttlicher Zeichen, freundlich redend, vedisch gebildet, innerlich stark und fähig,

46.7 Vishnu ergeben, asketisch, aufgabenkundig, tatkräftig und schuldlos, darauf bedacht, Königen Gutes zu verschaffen und Schädliches fernzuhalten, von allen anerkannt:

46.8 Ein solcher, einem Guru gleicher Hauspriester ist für Könige schwer zu finden. Ein solcher vermag die Schuldenlast der Könige abzuwehren.

46.9 Deshalb ist gerade er zum Schutzverfahren der Könige befähigt. Ein König mit einem solchen Guru wird ein Alleinherrscher,

46.10 langlebig, ohne Nebenbuhler, gesund und Bezwinger feindlicher Helden. Bedrängnisse wie Dürre entstehen in seinem Land nicht.

46.11 Hat der König stattdessen einen anders beschaffenen Guru oder Hauspriester, tritt für ihn das Gegenteil ein, ohne Zweifel.

46.12 Narada sprach: Erkläre die Maße der Krüge, die Merkmale der Opferlöffel, die Beschaffenheit der Opferpriester und das ganze Verfahren.

46.13 Ahirbudhnya sprach: Man lasse goldene oder silberne Krüge herstellen, die mit je einem Bhara reinem Duftwasser gefüllt werden: Dies ist die höchste Ausführung.

46.14 Krüge mit einem halben Bhara gelten als mittlere Ausführung; bei der geringsten fülle man sie mit der Hälfte davon. Dies ist die Festlegung.

46.15 Die beiden Opferlöffel Sruk und Sruva sind vorschriftsgemäß anzufertigen, bester Weiser. Dann wähle man acht sattvige vishnuitische Opferpriester

46.16 für die Gliedmantras, die Gayatri und den Feuermauer-Mantra; für die beiden Hauptgruben zwei gesammelte, einem Guru vergleichbare Männer

46.17 mit dem Wurzelmantra. Alle seien dem Schutzmantra ergeben. Mit Shami-Hölzern, Durva-Gras, Sesam, Mangoblättern,

46.18 gekochter Opferspeise, Milchreis, Kuchen und Palasha-Hölzern opfere man der Reihe nach. In den beiden mittleren Gruben lasse der Guru mit reinem Ghee opfern.

46.19 Oder man opfere in sämtlichen Gruben mit reinem Ghee. Wird dieses Gegenverfahren allein vom Guru durchgeführt,

46.20 soll er nach der zuvor erklärten Vorschrift den Baldachin und die weiteren Schutzvorrichtungen beim Bett, Sitz, Fahrzeug und auch bei den freien Beschäftigungen des Königs anbringen.

46.21 Am Ende des Feueropfers rufe der Guru auch bei dieser Anwendung den König herbei und lasse ihn auf dem wie zuvor durch Mantra geweihten Sitz Platz nehmen.

46.22 Dann vollziehe er die Weihebegießung und die weiteren Läuterungsriten. Sogleich geistig gesund und frei von der Bindung des Graha,

46.23 verneige sich der König und gebe dem Guru angemessen seine Herrschaftszeichen, kostbaren Schmuck aus Perlen und Edelsteinen,

46.24 Edelsteinsitze, Gold, verschiedenartige Juwelen und ausgedehnte Ländereien. Danach erfreue er die Opferpriester.

46.25 Jeder Opferpriester ist mit hundert Goldstücken, zehn Kühen und verschiedenen Gewändern zu ehren.

46.26 Dem Lehrer, der das Hauptopfer vollzogen hat, gebe man besonders viel Vermögen und ein vortreffliches Pferd samt Wagen,

46.27 Schmuck sowie die Halle mit ihrer ganzen Ausstattung. Danach sättige der König freudig die Brahmanen.

46.28 Hat der König selbst diese Handlung wie vorgeschrieben vollzogen, gebe er bei dieser Anwendung dem mantrakundigen Lehrer das Vermögen.

46.29 Alles geschieht durch den Hauspriester: Dies ist die ewige Ordnung. Am Beispiel des Königs wurde es mit den Besonderheiten erklärt.

46.30 Für alle anderen gilt dasselbe Verfahren. Danach vollziehe der vorzügliche Mantrakenner und Lehrer gesammelt mit einem Vishnu-Vers die abschließende volle Opfergabe, das Gedeihen des Königs wünschend.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 46: „Gaben und Mengen beim Sudarshana-Homa“.

Kapitel 47 – Das große Befriedungsritual

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

47.1 Narada sprach: Erhabener, dessen Glieder die fünf Mantras sind, Befreier der gebundenen Seelen, Herr, der aus eigener Kraft alle Einzelheiten unmittelbar erkennt, dessen Haus der Raum ist!

47.2 Durch diesen Mantra werden beständig diesseitige und jenseitige Güter erlangt; ebenso werden beide Arten von Übeln vernichtet, ohne Zweifel.

47.3 Weil du dies erklärt hast, frage ich: Durch welche einzige Handlung würden beide Arten der Erfüllung und die Beseitigung beider Arten des Unerwünschten erreicht?

47.4 Falls es eine solche Handlung gibt, erkläre sie mir, Shankara. Niemand außer dir vermag eine solche umfassende Erfassung darzulegen.

47.5 Ahirbudhnya sprach: Ich werde dieses höchste, allen Frieden bringende Verfahren erklären, das große, glückbegabte Könige verschiedener Herkunft anwenden sollen.

47.6 Es vernichtet die drei Leidensarten, beginnend mit dem aus dem eigenen Wesen entstehenden Leid, und sämtliche seelischen Bedrängnisse; es ist glückverheißend,

47.7 vernichtet alle Feinde, bringt Frieden, bewirkt großen Sieg, wehrt Rakshasas ab, fördert Gedeihen und macht alles gefügig, Weiser.

47.8 Es verleiht höchste Lebensdauer, ist verdienstvoll und wurde von früheren Königen ausgeführt: Ambarisha, Shuka, Alarka, Mandhata, Pururavas,

47.9 König Uparichara, Dhundhu, Shibi und Shrutakirtana erlangten einst durch seine Ausführung die Weltherrschaft,

47.10 gesund, ohne Nebenbuhler und mit weit verbreitetem, makellosem Ruhm. Deshalb sollen Könige auf Erden, die menschliches Glück begehren,

47.11 diese als große Befriedung gekennzeichnete Handlung ehrfürchtig ausführen. Außerhalb der Stadt, am Ufer eines großen Flusses oder in einem Heiligtum,

47.12 an einem geräumigen, heilvollen, abgeschiedenen Ort mit Wasserbecken, errichte man, Weiser, eine Halle, größer als die zuvor beschriebene,

47.13 in Länge und Breite, mit einem Königssitz versehen; ringsum gestalte man alles mit den folgenden vortrefflichen Merkmalen:

47.14 viele Säulen, Edelstein- und Goldschmuck, hohe Torbögen und Hunderte von Lampen,

47.15 Netze kleiner Glöckchen, Fahnen, Baldachine, Treppen und jeglicher Schmuck,

47.16 von Sandelholz-, Aloeholz- und Kampferrauch durchduftet, mit hoher Umfassungsmauer und von Opferhallen umgeben.

47.17 Nachdem man dies anmutig gestaltet hat, lege man dort Feuergruben an. Im östlichen Teil der Halle ordne man sie in den vier Richtungen an,

47.18 viereckig, für die Verehrung der vier Vyuhas. Dann die im Osten beginnenden Gruben, in denen Keshava und die weiteren verehrt werden.

47.19 Für die ersten vier, beginnend mit Keshava, lege man die Gruben in den Zwischenrichtungen an; für die übrigen Gestalten der Reihe nach in deren Zwischenräumen.

47.20 Dreieckig, sechseckig, halbmondförmig, yoniförmig, lotusförmig, rund, lotusähnlich, achteckig, donnerkeilförmig und bogenförmig,

47.21 spießförmig und worfschaufelförmig lasse man diese Gruben anlegen. In der Mitte setze man den Gott, den Herrn in Yantra-Gestalt, ein.

47.22 Vor ihm errichte man eine Feuergrube nach den Heiligtumsvorschriften. Ringsum in der Opferhalle lege man der Reihe nach die Waffengruben an,

47.23 hundertvierzig, ohne Nachlässigkeit. Man lasse sie angemessen mit den Zeichen der jeweiligen Waffen schmücken.

47.24 Für die Gruben im Innern der Halle wähle man der Reihe nach mit den Versen des Purusha-Sukta sechzehn rechtschaffene vishnuitische Opferpriester.

47.25 Danach wähle man mit ihren eigenen Namen Veda-Kenner; in der äußeren Halle der Waffengruben, beginnend mit der Brahma-Waffe,

47.26 wähle man sämtliche in Befriedungsriten kundigen Opferpriester mit den fünfzig Versen, beginnend „Brahman wurde geboren“, der Reihe nach.

47.27 Mit ihren eigenen Namen wähle man die Kundigen für die mit der Brahma-Waffe beginnenden Aufgaben; dreihundert wähle man mit den rechten Brahma-Hymnen der Reihe nach. [Die Zahlen und Zuordnungen sind im Wortlaut nicht durchgehend eindeutig.]

47.28 Ferner mit den fünf Versen, beginnend „Sei uns ein Freund“, und den dreizehn Versen, beginnend „Jenseits des Maßes“,

47.29 mit den Versen des Vishnu-Sukta, den fünf, beginnend „Dieses Verehrungswürdigen“, den sechs, beginnend „Von dort die Götter“, und den zehn, beginnend „Auge“;

47.30 mit den sechs, beginnend „Euch entgegen diesen“, wähle man sie unter ihren eigenen Namen. Man lasse die Opfergeräte aus Gold oder Silber herstellen.

47.31 Östlich der Feuergruben stelle man wassergefüllte Krüge aus Gold, Silber oder Kupfer auf,

47.32 jeden wie zuvor auf einem Bhara Reiskörnern. Man wähle die übrigen opferkundigen Priester für die Feueropfer.

47.33 Der vorzügliche Mantrakenner lasse sie jeweils mit ihren eigenen Mantras beginnen. Der Lehrer opfere in der mittleren Grube, begleitet vom Klang des Saman,

47.34 von Instrumentalmusik und Segensrufen. Mit je zehn Millionen Feueropfern beginne man die Befriedungshandlung.

47.35 Die jeweiligen Gottheiten rufe man einzeln in die Krüge herbei und verehre sie mit ihren eigenen Mantras, Räucherwerk, Licht und weiteren Gaben.

47.36 Ist das Feueropfer vollendet, lasse man den König auf dem Yantra-Sitz Platz nehmen und begieße ihn mit den Wassern der jeweiligen Krüge.

47.37 Die Zweimalgeborenen, die mit bestimmten Waffenmantras betraut sind, opfern mit diesen Mantras in den entsprechenden Gruben, friedvollen Geistes.

47.38 Je zehn Millionen Opfer sind die höchste Ausführung, die Hälfte davon die mittlere, hunderttausend die geringste. Bis dies vollendet ist,

47.39 muss so lange aufmerksam und unermüdlich gearbeitet werden. Narayana-Waffe, Brahma-Waffe, Vimala und Krauncha,

47.40 Dharma-Schlinge, Lakshaksha, Zusammenroller, höchste Wahrheitswaffe, Dundunabha, Kaltpfeil, Vishnu-Rad und Menschenwaffe,

47.41 Indra-Waffe und Lichtgestalt: Für diese Waffengruppe opfere man Ghee. Zeitrad, Dharma-Rad, Donnerkeil-Waffe und Keule,

47.42 Brahmas Haupt, Schilfwaffe, Dreizack, die beiden Donnerkeile, Zeitschlinge, Pinaka-Waffe und Varuna-Schlinge,

47.43 Feuerwaffe, Dayita und höchste Pashupata-Waffe: Dieser Gruppe opfere man vorschriftsgemäß gekochte Opferspeise.

47.44 Skelett, Stößel, Windwaffe, Kankani, Schwertjuwel, Schädelwaffe, Wurfspieß und Vidyadhara-Waffe,

47.45 Einschläferer, Beruhiger, Spiegel, Austrockner, Erhitzer, Gandharva-Waffe, Pishacha-Waffe und Klagenmacher:

47.46 Diesen Waffen opfern die fest Glaubenden Joghurt. Berauscher, Finsterniswaffe, höchster Liebling des Liebesgottes,

47.47 Saumana, Stößel, Zusammenroller, Furchtbare Waffe, Mayaträger, Soma-Waffe, Varuna-Waffe und Tvashtri-Waffe,

47.48 Einschläferer, Bhaga-Waffe, Rudras Schöpfung und Paranmukha: Diesen opfere man Milch, ganz der Meditation der jeweiligen Waffe hingegeben.

47.49 Rabhasa, Satyakirti, höchster Abwehrer, Avanmukha, Vishama, Dridhanabha und Sunabha,

47.50 Zehnäugiger, Hundertgesichtiger, Hundertköpfiger, Hundertbäuchiger, Lotusnabel, Großnabel, Nairashya und Zerstückler:

47.51 Dieser Gruppe sollen Menschen reinen Geistes Milchreis opfern. Yogandhara, Vinidra, Naidra und Saumanasa,

47.52 Dhritimali, Zermalmer, Vidhuta, Vrittiman, Maharchirmali, Makara, Ruchira und Karaviraka:

47.53 Für diese ist vorschriftsgemäß ein Sesamopfer auszuführen. Reichtum, Getreide, Wunschgestalt, Moha, Wunschglanz,

47.54 Varana und Avarana, beide höchste Waffen, Jrimbhaka, Sarvanabha und der große Sohn des Bhrishashva,

47.55 Sandana und Axt erfreue man reichlich mit Honig. Den übrigen, nicht genannten Waffen opfere man geschälten Reis.

47.56 Nach dem vorgeschriebenen Opfer mit den eigenen Mantras verehre man den allgegenwärtigen Vishnu in Sudarshana-Gestalt, Ursprung aller Waffen, der sämtliche Yantras umfasst,

47.57 und beginne die Befriedung mit den dem Yantra zugeordneten Vedenversen. Die höchsten Waffen, beginnend mit der Narayana-Waffe,

47.58 befriede man einzeln ehrfürchtig mit der Hymne, beginnend „Jenseits des Maßes“. Jede Waffe der mit dem Zeitrad beginnenden Gruppe erfreue man mit „Jatavedas“.

47.59 Zur Befriedung der mit Skelett beginnenden Gruppe opfere man mit der Hymne, beginnend „Vom Himmel her“, ins lodernde Feuer.

47.60 Die mit Berauscher beginnende Waffengruppe befriede man gesammelt mit der Hymne „Von dort die Götter“ sowie „Nun will ich Vishnus …“.

47.61 Die mit Rabhasa beginnenden Waffen befriede man einzeln mit den fünf Versen „Sei uns ein Freund“: So lautet die vedische Vorschrift.

47.62 Die Befriedung der mit Yogandhara beginnenden Waffen ist gesammelt auszuführen, jede einzeln mit der Hymne „Von dort mögen die Götter uns schützen“.

47.63 Die Mantras der mit Reichtum und Getreide beginnenden Gruppe befriede der Kundige mit der höchsten Hymne „Nimm uns gnädig an“.

47.64 Die übrigen, nicht genannten Waffen sättige man mit dem Vishnu-Sukta. Mit diesen und den dem großen Yantra zugeordneten reinigenden Hymnen

47.65 verehre man den alle Yantras umfassenden Gott durch Lobpreis und Feueropfer. Danach verehre man die Gottheiten und speise anschließend

47.66 tausend Brahmanen mit reinen Reisspeisen und Milchreis. Dann lasse man den König friedvollen Geistes auf dem Königssitz Platz nehmen.

47.67 Der Guru begieße ihn mit sämtlichen von den Opferpriestern herbeigebrachten glückverheißenden Waffenmantra-Wassern, die mit dem Wurzelmantra besprochen wurden.

47.68 Ist der König krank, besprenge man ihn, Weiser. Unbedingt vollziehe man die Begießung mit den Krugwassern im Innern der Halle. Im Augenblick werde er gesund, sorgenfrei und siegreich.

47.69 Gesundheit, Lebensdauer, Sieg, Wohlergehen, Herrschaft, Glauben und Unsterblichkeit, das Gelingen aller Ziele und die Herrschaft über die Erde werden dem König ohne Zweifel zuteil.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 47: „Das große Befriedungsritual“.

Kapitel 48 – Die Macht des mit dem großen Yantra versehenen Sitzes

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

48.1 Narada sprach: Erhabener, alles ist erklärt: Rezitation, Feueropfer, Verehrung, Weihebegießung, große Befriedung und deren Ausführung.

48.2 Dadurch verwirklicht der Träger des Sharnga in Radgestalt alle Ziele. Gibt es auch ohne diese Verfahren ein Mittel zur Erfüllung des Erwünschten oder nicht?

48.3 Ahirbudhnya sprach: Auch ohne diese erlangten andere Könige ihre ersehnten Ziele: durch einen Sitz, einen Fingerring, einen Spiegel, eine Fahne

48.4 und einen Baldachin. Sie waren von weitreichender Herrlichkeit und göttergleich: Muktapida, Vishala, Sunanda, Chitrashekhara

48.5 und Kirtimali, Könige, welche die ganze Erde regierten. Muktapida besiegte einst die Erde allein durch einen Sitz.

48.6 König Vishala besiegte den Tod durch einen Fingerring; König Sunanda die Naga-Welt allein durch einen Spiegel.

48.7 Chitrashekhara gewann den Dämonenkampf durch eine Fahne; König Kirtimali erreichte den Himmel durch einen Baldachin.

48.8 Narada sprach: Wie wurden bloße Sitze und solche Dinge zu Mitteln, ein Ziel zu verwirklichen? Erkläre mir dieses große Wunder, Allgegenwärtiger.

48.9 Ahirbudhnya sprach: Der glanzvolle König Muktapida war ein Sohn Sushravas'. Nach dem Tod seines Vaters genoss er die vom Meer umhüllte Erde.

48.10 Der lotusäugige König war mit seinem Geist an den Sinnengenuss mit den Frauen seines inneren Palastes gebunden und kümmerte sich nicht um die sieben Glieder des Reiches.

48.11 Dadurch wichen die Untertanen in seinem Land vom Dharma ab; mächtige Räuber erschütterten und beraubten das Reich.

48.12 Alle Staatsglieder meldeten dem König die Unruhen. Doch auch dadurch kam er nicht zur Besinnung, von Alkohol und Geschlechtsgenuss benommen.

48.13 Da berieten die Minister mit dem Hauspriester: „Der König hängt an Sinnendingen; das Reich wird von Räubern überflutet.“

48.14 Nach solcher Überlegung gingen alle zum glanzvollen Guru: „Durch deine Gnade werden wir siegen. Einen anderen Ausweg haben wir nicht.“

48.15 So angesprochen, sagte der Hauspriester: „So sei es.“ Er fertigte dem König einen höchst wunderbaren, edelsteingeschmückten Sitz mit einem Yantra,

48.16 auf dem von Vasishtha gelehrten Weg, und ließ den den Frauen ergebenen König darauf Platz nehmen.

48.17 In den vier Richtungen lasse man der Reihe nach die Veda-Zweige rezitieren, mit Segensworten und Glücksrufen, Gesang, Instrumentalmusik und Tanz.

48.18 Der Verständige stelle sich das Krugwasser als unerschöpflichen Nektar vor. Auf einem goldenen achtblättrigen Lotus, der aus seiner Mitte aufsteigt,

48.19 [meditiere man den Gott] vierarmig, dreiäugig, mit einem Lotus in der Hand, golden, mit allem Schmuck bedeckt und von Perlenketten umstrahlt,

48.20 geschmückt mit Krone, Halskette, Oberarmreifen, Armspangen und Weiterem, in gelbem Gewand, friedlich, heiteren Gesichts und heilvoll,

48.21 mit Hüftgürtel und zwei Ohrringen, dem Shrivatsa-Zeichen auf der Brust: den Herrn der Shri, der Glück bewirkt und dessen Wohnsitz Shri ist,

48.22 stets von Shri begleitet, mit Augen wie ein kupferroter Lotus, Lotusnabel, mit herrlichen Gliedern, Hari, der das Leid seiner Verehrer stillt.

48.23 Auf seinem rechten Schoß betrachte man Lakshmi sitzend. Der Gott besteht aus der Mantragestalt; der Herr wird durch den Mantra bezeichnet.

48.24 Man stelle sich vor, dass er in Mantragestalt eintritt. So meditierend rezitiere man den Mantra, während man den Krug berührt.

48.25 Nach zehntausendacht Rezitationen begieße man den eigenen Leib; dadurch werde sogleich Befriedung der neun Planetenkräfte bewirkt.

48.26 Wem man Lebensdauer und Glück wünscht, den begieße man ebenfalls damit. Zuvor verehre der verständige Mensch alle Opferpriester

48.27 und erfreue die Brahmanen mit einer vortrefflichen Opfergabe. So tue man anderen und sich selbst Gutes.

48.28 Als Gabe sind hier hundert Goldstücke zu geben. Man schüttle das Haar nicht, schere es nicht und berühre nicht das Badetuch.

48.29 Man trete nicht ins gebrauchte Badewasser; danach schmücke sich der Verständige und betrachte glückverheißende Dinge: einen Stier und glückverheißende Frauen.

48.30 Unter der eigenen Geburts-Mondstation trage man weiße Gewänder; man führe dies an Freitagen aus. Wer es siebenmal vollzieht,

48.31 dessen gefasste Wünsche gelingen gewiss. Wer Shri begehrt, vollziehe unter Darbringen von Wasser die Vernichtung der Verfehlungen.

48.32 Morgens stehend besprenge man den Kopf mit Handvoll Wasser, das hundertachtmal besprochen wurde; dies vernichtet Schuld.

48.33 Wer Gewänder begehrt, opfere Wasserlilien und andere Blüten. Welche Farbe die geopferte Blüte hat, ein Gewand dieser Farbe erlangt er.

48.34 Wer Regen begehrt, gestalte an einem reinen, mit Kuhdung bestrichenen Ort mit rotem Stoff ein Mandala.

48.35 Vor das Mandala stelle man einen neuen Krug, sorgfältig mit Fäden umwickelt und mit Duftwasser gefüllt.

48.36 Gesammelt rufe man die Sonne in den reinen Krug herbei; der vortreffliche Übende verehre den darin befindlichen Vishnu wie zuvor.

48.37 Der Verständige opfere dort hundertachtmal Milchreis; einspitzig über den Löwen meditierend rezitiere er den Mantra tausendfach.

48.38 Dies vollziehe man sieben oder zwölf Tage. Dann lasse der erfreute Erhabene starken Regen fallen.

48.39 Auch durch ein Feueropfer mit Vetasa-Holz komme gewiss Regen. Wer Regen begehrt, rezitiere beständig fastend und in nassen Gewändern.

48.40 Nach sieben Tagen entstehe durch göttliche Anordnung starker Regen. Durch ein ordentliches Opfer von Asche oder Salz

48.41 halte man den Regen wieder zurück; danach soll der Verständige die Befriedung vollziehen. Wer morgens nach dem Bad täglich tausendfach den Mantra rezitiert,

48.42 dessen Glück, Gesundheit und Glanz wachsen beständig. Wer den ganzen Tag rezitiert, von Milch lebt, seine Sinne beherrscht

48.43 und nach Kräften verehrt, täglich hunderttausendmal, erreicht unvergleichliche Vollendung mit den Fähigkeiten des Kleinwerdens und den weiteren Siddhis.

48.44 Wer einen Tag und eine Nacht gefastet hat, trinke danach Panchagavya. Täglich achttausend Rezitationen vernichten sämtliche Verfehlungen.

48.45 Nach dem Trinken von Panchagavya rezitiere man fünf Tage lang; sogleich werde man von allen schweren Verfehlungen wie Brahmanentötung frei.

48.46 Man besäe alle Samen, nachdem sie tausendmal mit Mantra besprochen wurden. Es entsteht reicher Ernteertrag, ohne Zweifel.

48.47 Man bade den höchsten Gott mit Ghee und Milchreis. Dann schenkt der erfreute Erhabene, was der Geist ersehnt.

48.48 Der Wissende esse täglich Speise, die siebenmal besprochen wurde. „Vollziehe die weiteren Handlungen stets auf diesem Sitz sitzend.“

48.49 So unterwiesen, handelte der König einen Monat lang danach. Dadurch gingen alle seine Feinde durch schwere Krankheiten und Gewalt zugrunde.

48.50 Die Erde samt Meer wurde ihm ohne Bedrängnis untertan. Nun lebte ein König namens Vishala in der gleichnamigen Stadt.

48.51 Rechtschaffen regierte er die Erde mit Meeren und Städten. Er war wahrhaftig, gleichmütig, ein Freund, gläubig und dem Dharma zugetan,

48.52 stand im zwanzigsten Lebensjahr und diente den Brahmanen, erfreute seine Untertanen, war standhaft und den Riten für Götter und Ahnen treu.

48.53 Während er so lebte, nachdem er schon als Kind seinen Vater verloren hatte, hörte seine Mutter eine körperlose Stimme im Himmel, Weiser:

48.54 „Am kommenden vierten Tag wird dein Sohn sterben.“ Als sie dies hörte, klagte sie heftig und verstört.

48.55 Er hörte die leidende Mutter und fragte gesammelt: „Warum weinst du?“ Als er sie nachdrücklich befragte,

48.56 erzählte sie wahrheitsgemäß das Geschehen. Der Großgesinnte hörte es, sagte zu ihr „Fürchte dich nicht“ und ging zu Pulahas Einsiedelei.

48.57 Er sah den Weisen bei der Askese, verneigte sich und sagte: „Meine Mutter hat eine solche körperlose Stimme gehört.“

48.58 So angesprochen, erklärte ihm der Weise und Hauspriester: „Trage einen Fingerring, versehen mit dem großen Sudarshana-Yantra.

48.59 Durch ihn allein wird der Tod abgewehrt, ohne Zweifel.“ So unterwiesen, ließ er den Ring anfertigen und trug ihn.

48.60 Als Vishala den gut mit dem Yantra versehenen Ring trug, kamen die furchtbaren Diener, von Kala beauftragt,

48.61 ungehindert zu ihm, um seine Lebenskräfte zu nehmen. Doch durch die Macht des Ringes vermochten sie nicht an seine Seite zu gelangen.

48.62 Noch ehe sie erregt mit erhobenen Armen ihre Schlingen werfen konnten, wurden sie von verschiedenartigen Waffen, die aus dem großen Radkranz hervorkamen,

48.63 heftig bedrängt und flohen auf demselben Weg zurück. Da staunten die Götter zusammen mit Kala:

48.64 „Durch Sudarshanas Macht hat er den Tod überwunden.“ Höre ebenso die Kraft des Spiegels, großer Weiser.

48.65 Einst lebte in einer Stadt namens Shringara ein König namens Suniti. Gegen Ende des Treta-Zeitalters regierte er die Erde. [Derselbe König heißt im weiteren Verlauf Sunanda.]

48.66 Nach langer Zeit erlangte er durch Verehrung Shatakratus einen Sohn. Der Vater nannte ihn Sumati; Tag für Tag wuchs er heran.

48.67 Mit der Zeit erreichte der Herrliche die Jugend, wurde umfassend gebildet und im Waffenwesen kundig.

48.68 Eines Tages ging er zur Jagd in den äußeren Park. Dort sah er eine Frau mit anmutigen Gliedern, voller Schönheit und Jugend.

48.69 Bei ihrem nie zuvor gesehenen Anblick wurde er liebeskrank und verwirrt. Sie nahm Sumati mit und ging zu ihrem eigenen Wohnort;

48.70 nachdem sie ihn durch Maya betört hatte, trat sie in die Naga-Welt ein. Dort gelangte sie in Bhogavati, die schöne Stadt des Naga-Königs,

48.71 und übergab als Rama den Sumati an Anangamanjari. Diese sah ihn hocherfreut und erwählte ihn zum Gemahl.

48.72 Als er jene Welt, jene Stadt und die liebliche Naga-Tochter Anangamanjari sah, geriet er in höchstes Staunen.

48.73 Er heiratete sie nach Gandharva-Art und erfreute sich mit ihr; alles Eigene, seine Stadt, seinen Vater und seine Angehörigen vergaß er.

48.74 Inzwischen hörte der König, dass sein Sohn nicht zurückgekehrt war. Von größter Unruhe erfüllt, sagte er zu seinen Ministern:

48.75 „Bringt heute meinen einzigen geliebten Sohn herein, den ich nur schwer erlangt habe. Mit ihm möchte ich essen; vorher werde ich heute nicht essen.“

48.76 Als sie seine Worte gehört hatten, zogen Kundschafter und andere schnelle Boten, von den Ministern ausgesandt, in alle Richtungen.

48.77 Sie durchsuchten Haupt- und Zwischenrichtungen, Winkel, Berge, Gewässer und Flüsse, Dörfer, Städte, Heiligtümer und Bäume,

48.78 Hafenstädte, Wälder und heilige Badestellen. Überall suchten sie, fanden Sumati jedoch nicht und berichteten es dem König.

48.79 Von Kummer gequält, klagte der König viel und legte sich im Innern nieder, ohne zu essen, von großem Schmerz überwältigt.

48.80 Als der große König so von Trauer beherrscht wurde, ging sein Hauspriester zu seinem eigenen Guru Kanva, der am Ufer der Tamasa wohnte,

48.81 und berichtete ihm das Geschehen um den Königssohn. Der Weise hörte es und begab sich aus Mitgefühl in Versenkung.

48.82 Durch Yoga sah er die Geschichte des Prinzen, erhob sich aus der Versenkung und erzählte dem Hauspriester alles:

48.83 „In der Unterwelt liegt die überaus schöne Stadt Bhogavati des Naga-Königs Vasuki von unermesslichem Glanz.

48.84 Dort lebt seine Tochter Anangamanjari, voller Schönheit und Anmut, mit der Zeit zur Jugend herangewachsen.

48.85 Vasuki beschloss: ‚Dem Gemahl, den sie begehrt, werde ich sie geben.‘ Als die Dienerinnen seinen Entschluss kannten, zogen sie hierhin und dorthin,

48.86 um einen ihr ebenbürtigen Bräutigam zu suchen. In der Naga-Welt fanden sie keinen; darum suchten sie auf Erden weiter.

48.87 Dort sahen sie den lieblichen Königssohn Sumati und berichteten ihr: ‚Ein Sohn eines großen Königs, dem Liebesgott gleich,

48.88 ist auf Erden deiner würdig und gleicht Puruhuta an Herrlichkeit. Doch lässt er sich weder durch freundliche Überredung noch durch die anderen Mittel herbeibringen.‘

48.89 Sie hörte es und befahl: ‚Bringt ihn rasch hierher!‘ Begierig nach der Vereinigung mit ihm, verfiel sie in große Unruhe.

48.90 Darauf berieten die Freundinnen und sagten zu Rama, die in Maya kundig war: ‚Betöre diesen Lieblichen durch Maya und bringe ihn hierher.‘

48.91 So beauftragt brachte sie ihn durch Maya herbei. Sumati heiratete jene und erfreut sich jetzt dort mit ihr.

48.92 Für seine Rückholung gibt es kein anderes Mittel als Sudarshanas Macht. Daher werde ich ihn dadurch zurückbringen lassen.

48.93 Gestaltet das große Sudarshana-Yantra nach der zuvor gelehrten Weise als goldenen Spiegel und bringt ihn damit unverzüglich zurück.“

48.94 So sprach er und widmete sich erneut seiner äußerst strengen Askese. Der Hauspriester kehrte zurück und berichtete dem König alles.

48.95 Hocherfreut ließ der König den Yantra-Spiegel herstellen, stellte ihn vorn auf den Wagen und fuhr zum Höhleneingang.

48.96 Durch die Kraft des Spiegels vermochte Sunanda dorthin zu gelangen. Er trat in die Naga-Welt ein, die einem zweiten Himmel glich,

48.97 und staunte sehr über ihren Reichtum. Er betrat Bhogavati, die schöne Stadt des Naga-Königs,

48.98 und ließ voller Vaterliebe seinen Sohn rufen. Sumati trat mit seiner Gattin aus den inneren Gemächern, um seinen Vater zu sehen,

48.99 wie der Liebesgott, von einer Frauenschar umgeben. Der König ließ ihn mit den Naga-Mädchen den vortrefflichen Wagen besteigen

48.100 und brach als Feindbezwinger zu seiner eigenen Stadt auf. „Ein König nimmt deinen Schwiegersohn und deine Tochter aus den inneren Gemächern

48.101 auf einem Wagen mit sich“, hörte Vasuki. Höchst zornig zog er, von einem Schlangenheer umgeben, hinaus.

48.102 Er sah den Tiger unter den Königen und rief: „Halt, halt! Wohin gehst du, indem du Braut und Bräutigam von hier mitnimmst?“

48.103 Sunanda hörte es, wandte den vortrefflichen Wagen und bat den Spiegel: „Vernichte jetzt das feindliche Heer!“

48.104 Im Augenblick traten die göttlichen Waffen Einschläferer und Feuerwaffe hervor. Der Einschläferer drang ins Naga-Heer ein, und es schlief ein.

48.105 Die Feuerwaffe begann kraftvoll, die Stadt zu verbrennen. Als der Naga-König dies sah, suchte er bei ihm Zuflucht:

48.106 „Wir wussten von all dem nichts; verzeihe es, Allgegenwärtiger. Betrachte dies als unbesonnenes Handeln der Frauen und werde friedlich.

48.107 Nimm diese sehr kostbaren Edelsteine, du von großem Glanz, diese Tochter und tausend weitere Naga-Frauen.

48.108 Nimm sie, ziehe die beiden göttlichen Waffen zurück und gehe.“ Sunanda sagte „So sei es“ und nahm die Waffen gesammelt zurück.

48.109 Dann nahm der König seinen Sohn, die großen Edelsteine und die vortrefflichen Frauen, verabschiedete sich vom Naga-König und kehrte erfolgreich in seine Stadt zurück.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 48: „Die Macht des mit dem großen Yantra versehenen Sitzes“.

Kapitel 49 – Die Macht des mit dem großen Yantra versehenen Banners

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

49.1 Ahirbudhnya sprach: Höre nun genau und wahrheitsgemäß die Macht der Fahne, die mit dem großen Sudarshana-Yantra versehen ist, Narada.

49.2 Am schönen Ufer der Sarasvati lag eine Stadt namens Bhadravati, mit mehr als tausend goldenen Palästen,

49.3 reich an mannigfaltigen Genüssen, mit goldener Umfassungsmauer, im Wohlstand dem Himmel gleich und auf Erden selten.

49.4 Dort wohnte der machtvolle König Chitrashekhara, Sohn Uparicharas, und regierte viele Jahre.

49.5 Sein Vater hatte einst den von Indra geschenkten göttlichen Wagen, der nun weitervererbt war, bestiegen und fuhr kraftvoll durch den Himmel, um eine Angelegenheit der Götter zu erledigen.

49.6 Ein furchtbar blickender Danava namens Shankukarna wollte diesen Wagen an sich bringen und ergriff unterwegs dessen Deichsel.

49.7 Er sagte: „Kämpfe mit mir oder überlasse mir den Wagen!“ Als er dies gesagt hatte, antwortete der König „So sei es“ und ergriff seinen Bogen.

49.8 Ein großer Kampf mit ihm dauerte einen Tag. Dann legten sie die Waffen beiseite, und im Zweikampf wurde der Asura getötet.

49.9 Nachdem der König den Asura besiegt hatte und mit der Zeit gestorben war, wollte Shankukarnas überaus zorniger Sohn

49.10 namens Amarshana, ein Kenner der Maya, dessen Sohn Chitrashekhara töten und bedrängte beständig Heer und Stadt des Königs.

49.11 Eines Tages kam Amarshana zornig nach Bhadravati, um Chitrashekhara, den Sohn des Töters seines Vaters, samt seinem Heer zu bekämpfen.

49.12 „Ich werde ihn töten und alles, besonders den vortrefflichen Wagen, an mich bringen!“ So sprach er und belagerte stolz auf seine Kraft die schöne Stadt.

49.13 Der König rüstete ein großes Heer und zog aus der Stadt. Dort begann der Kampf zwischen dem König und jenem Übelgesinnten.

49.14 Mit Vorstößen und Gegenstößen, im Nahkampf Haar gegen Haar, furchterregend, wogten Elefanten, Pferde, Wagen und Fußsoldaten durcheinander; zerbrochene Wagen lagen umher.

49.15 Blutströme flossen; zerschnittene Schirme und Fahnen bedeckten das Feld, kopflose Rümpfe tanzten und abgeschlagene Köpfe mit verbissenen Lippen lagen verstreut.

49.16 Drei Tage dauerte dieser haarsträubende Kampf. Chitrashekhara errang darin keinen Sieg.

49.17 Erschöpft zogen sich beide Heere zurück. Beide Herrscher kehrten in ihre jeweiligen Städte zurück, um ihre Zugtiere ausruhen zu lassen.

49.18 Siebzehnmal kämpfte Chitrashekhara gegen ihn; jedes Mal so, und niemals gewann der König den Sieg.

49.19 Da erkannte er, dass der große Asura Amarshana schwer zu besiegen war, und dachte: „Durch welches Mittel kann er bezwungen werden?“

49.20 „Ohne Mahadevas Gnade gibt es für mich keinen Sieg. Darum werde ich den Gott durch Askese erfreuen“, beschloss er.

49.21 Nachdem er sich entschieden hatte, übergab der tatkräftige König die Regierung seinen Ministern, bestieg den nach Wunsch fahrenden Wagen und zog zur Askese

49.22 durch den Himmel zum schönen Kailasa-Gipfel. Unterwegs blieb sein Wagen über dem Mandara-Berg stehen,

49.23 obwohl die vortrefflichen Pferde angetrieben wurden, Narada. Staunend fragte er: „Warum ist mein Wagen plötzlich zum Stillstand gekommen?“

49.24 Der König stieg auf dem schönen Gipfel aus und ging auf der Bergeshöhe umher.

49.25 Dort sah er am Ufer eines Sees einen jungen Mann mit göttlichen Merkmalen, der nach Vollzug der Abendandacht ruhig dastand,

49.26 der jungen Sonne gleich und durch den eigenen Glanz leuchtend. Der Starkarmige verneigte sich und sprach mit gefalteten Händen:

49.27 „Wer bist du? Der uralte Purusha, der Lotusgeborene, der Herr der Uma oder einer der Richtungshüter?“

49.28 So angesprochen, erwiderte der Erhabene mit tiefer Stimme: „Wie heißt du? Erzähle, weshalb du gekommen bist

49.29 und wie du allein diesen Ort erreicht hast.“ Darauf berichtete Uparicharas Sohn alles:

49.30 dass er König Chitrashekhara sei, das Verhalten des großen Asuras und seine Bedrängnis durch ihn,

49.31 dass er zu dessen Besiegung den Herrn durch Askese erfreuen wolle, deshalb mit dem Wagen hergekommen sei und dieser hier angehalten habe.

49.32 Jener antwortete: „Erkenne mich als Herrn der Guhyakas. Hier wohnt Mahalakshmi, die Ursache sämtlicher Ursachen.

49.33 Ich bin hierhergekommen, um ihr zu dienen, denn sie ist die höchste Zuflucht aller. Auf ihren Befehl bewegen sich Mond und Sonne am Himmel.

49.34 Durch ihre Macht wurde die Fahrt deines Wagens unterbrochen. Suche ihre Schau und verwirkliche dein Anliegen.“ So sprach er und verschwand.

49.35 Auf seinen Befehl kam ein anderer, der dem König helfen wollte. Er verneigte sich und sagte: „Ich bin ein Guhyaka und auf seine Weisung

49.36 gekommen, um dir zu helfen. Wir wollen die Nacht hier verbringen; bei Tagesanbruch werde ich gewiss tun, was nötig ist.“

49.37 Einander freundlich zugetan verbrachten sie die Nacht dort am Seeufer und hörten aus der Versammlungshalle der Göttin Gandharva-Gesang und Instrumentalmusik.

49.38 Mit Gesprächen darüber brachten sie die Nacht zu Ende. Bei Tagesanbruch vollzog der König die Morgenandacht

49.39 und fragte den Guhyaka: „Wo auf diesem Berg wohnt die Göttin? Auf welchem Weg gehen wir zu ihrem Haus, und wann werden wir sie sehen?“

49.40 Der Guhyaka antwortete: „Ihr höchstes Haus liegt einen Krosha entfernt, dorther, wo der laute Klang von Gesang und Trommeln zu hören ist.

49.41 Dhanada wird nach einiger Zeit ihrer Verehrung gleich fortgehen. Ist er gegangen, trittst du ein und verneigst dich vor der Ewigen.“

49.42 Nachdem er einen Yama lang gewartet hatte, führte er ihn los. Der König ließ seinen Wagen dort stehen und folgte ihm.

49.43 Dann wurde neben einer großen Höhle das Gebäude sichtbar. Der Guhyaka blieb am Höhlentor zurück und bewachte den Eingang.

49.44 Der König durchschritt vier edelsteinbesetzte Vorhöfe und betrat die göttliche Versammlungshalle aus Juwelen.

49.45 Er sah eine Halle mit tausend Edelsteinsäulen, geschmückt mit mehr als hundert großen Edelsteinlagern,

49.46 mit glückverheißenden Edelsteinlampen und hohen Torbögen, voller Wunschbäume und mit Edelsteinsitzen versehen.

49.47 Der weite Innenraum duftete nach Mandara-Blüten, nach dem kräftigen Duft des Moschustiers und nach Moschusparfüm.

49.48 Die heilige Halle leuchtete heller als die Sonne, mit Perlenketten, goldenen Lotusgirlanden, Fahnen und Standarten geschmückt,

49.49 ringsum von schwarzem Aloeholzrauch durchduftet und mit einer Paste aus Kampfer und Kaleyaka-Pulver versehen.

49.50 Das Klingen des Schmucks der hierhin und dorthin gehenden Shaktis und das helle Schellen ihrer Fußspangen erfüllten den Innenraum.

49.51 In der Mitte, auf einem Edelsteinlager mit bereitetem Lotussitz, sah er Mahalakshmi, die große Seligkeit, von sämtlichen Shaktis umgeben,

49.52 mit allem Schmuck und allen Zierden versehen, ihre Glieder wie der Nektar der Anmut, ihr Gesicht der Mondscheibe gleich,

49.53 in göttliche Seide gehüllt, mit göttlichem Sandelholz und Girlanden. Er verneigte sich und erstarrte vor Staunen.

49.54 Rati nahm Wasser von ihren Füßen und gab es ihm zu trinken. Hocherfreut pries er darauf die schönäugige Göttin:

49.55 „Mahalakshmi, Heilvolle, Bewohnerin des höchsten Raumes, Unendliche, Sushumna Genannte, von Weisen Verehrte! Siegerin, Freude der Weisen, Zuflucht, Ruhmreiche: Erweise mir Gnade, der ich Zuflucht genommen habe!

49.56 Sati, Heil sei dir! Gauri, Gayatri, Gargi, Beständige, Wunscherfüllende Kuh, von Götterherrschern Verehrte! Gute Führerin, kühl wie der volle Vollmond, Jungfrau: Erweise mir Gnade, der ich Zuflucht genommen habe!

49.57 Stets von Siddhas, Gandharvas, Yaksha-Herren und Vidyadharas Gepriesene, Rama, Freude des Rama! Herrliche, von allen Göttinnen Bediente: Erweise mir Gnade, der ich Zuflucht genommen habe!

49.58 Kundige im Abwehren der Übelsscharen, Makellose, durch strahlendes Glück Erreichbare, Offenbarung jener Wirklichkeit, die der Pranava bezeichnet, Geliebte Haris: Verehrung dir!

49.59 Vollendete, zu Verwirklichende, Mantragestalt, Erwählenswerte, Verborgene, Erfüllte, ewige Udgitha-Erkenntnis! Offenbare, von Wissenden Betrachtete, Betrachtung Genannte, Heilvolle: Gib mir Heil, der ich Zuflucht genommen habe!

49.60 Grundlage von allem, gutes Ziel, Selbsterkenntnis, Werdende, Zärtliche, Befriedete, Ranke der Selbsterkenntnis! Aufseherin des Alls, Wohnstätte des Glücks, Heilvolle: Gib mir Heil, der ich Zuflucht genommen habe!

49.61 Deren Verehrung unfehlbar ist, deren gute Eigenschaften in der höchsten Lehre der Veden aufleuchten, deren große Macht nicht durch Ursachen auszumessen ist: Nimm mich in deinen Blick!

49.62 Du entfaltest dich in vielfältigen Kräften wie Uma, Shachi, Ruhm, Sarasvati, Einsicht und Svaha; du bist der Schmuck sämtlicher Welten: Nimm mich in deinen Blick!“

49.63 Als sie diesen Lobpreis hörte, sprach sie erfreut zum König: „Heute gebe ich dir das Erbetene. Was ist es? Sage es, Herr der Erde.“

49.64 Der König erzählte ihr alles über sein Geschlecht und seine Bedrängnis durch den großen Asura. Sie sagte: „Fürchte dich nicht.

49.65 Obwohl ich die Grundlage der Kräfte und der Welt bin, schütze ich die Zufluchtsuchenden durch Sudarshanas Macht.

49.66 Mit diesem besiege deinen Feind!“ So sprach sie und übergab eine Fahne. Der König empfing die mit dem Yantra versehene Fahne und kehrte in seine Stadt zurück.

49.67 Durch sie besiegte er das große Dämonenheer. Nachdem er auch den Asura getötet hatte, regierte Chitrashekhara sein Reich glücklich.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 49: „Die Macht des mit dem großen Yantra versehenen Banners“.

Kapitel 50 – Die Erzählung von Kirtimalin

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

50.1 Ahirbudhnya sprach: Höre nun, göttlicher Seher, durch welches Verfahren der mächtige Kirtimali einst mithilfe eines Baldachins den Himmel besiegte.

50.2 Einst lebte in der Stadt Vishala ein höchst rechtschaffener König namens Bhadrashringa, von edlem Verhalten.

50.3 Wie Shakra regierte er die Erde mit ihren sieben Inselkontinenten wie seine eigene Stadt; zehntausend Jahre vergingen dabei.

50.4 Sein Sohn Kirtimali war stolz und kühn, mit Augen wie Lotusblätter und schön wie der Liebesgott,

50.5 mächtig, ohne ebenbürtigen Gegner, in allen Lehrschriften bewandert, kundig in höfischem Benehmen, überaus großzügig, ruhmreich und seinen Versprechen treu,

50.6 im Kampf niemals zurückweichend, tiefgründig und stolz auf seinen Reichtum, mit einer Stimme wie tiefer Wolkendonner, siegbegierig und ein Schrecken der Feinde.

50.7 Wie ein brünstiger Elefant zog er ungehindert über die Erde. Während er so lebte, starb sein Vater.

50.8 Nach dessen Tod regierte der Herrliche die Erde wie sein Vater. Durch Kundschafter erfuhr er alles Geschehen in der Welt;

50.9 in seiner eigenen Stadt erkundete er selbst das Verhalten der sieben Staatsglieder. Einmal ging der König allein mit seinem Bogen um Mitternacht hinaus,

50.10 um die freien Gespräche der Menschen zu hören. Überall durchstreifte er die Stadt: Märkte, Straßen, Plätze und Häuser,

50.11 Tore, Wälle, Teiche, Haine, Unterkünfte, heilige Bäume und Göttertempel,

50.12 Waffenhallen, Badestellen, Wälder und Gärten. Außerhalb der Stadt sah er am Fuß eines Shami-Baumes einen Brahmanen sitzen,

50.13 der wie Feuer leuchtete, dessen Leib geläutert war, friedvoll, einer, der Sudarshana unmittelbar geschaut hatte.

50.14 Der furchtlose König sah ihn, dessen Wünsche erfüllt waren, in Yoga versunken und makellos, beugte sich ehrfürchtig und fragte:

50.15 „Wer bist du? Weshalb hast du jetzt am Fuß dieses Baumes Zuflucht genommen? Woher kommst du? Erzähle mir alles, Schuldloser.“

50.16 Obwohl er so angesprochen wurde, nahm der in Yoga Ruhende die Worte nicht wahr. Auch auf wiederholtes Ansprechen antwortete er dem König nicht.

50.17 Zornig begann der König, den Brahmanen gewaltsam zu ergreifen. Da erstarrten durch dessen Macht seine Bewegungen.

50.18 Als er sich selbst erstarrt sah, geriet er in höchstes Staunen; er verneigte sich immer wieder und erfreute den Brahmanen mit Lobpreisungen.

50.19 Erfreut erhob dieser sich aus dem Yoga und sagte zum König: „Es gibt den unübertrefflichen Vishnu-Ort namens Shalagrama.

50.20 Dort ist der Weltenherr in Radgestalt beständig gegenwärtig. Alles Bewegliche und Unbewegliche trägt dort das Radzeichen.

50.21 Schon durch das bloße Betreten werden die Wesen frei von Verfehlung; wer dort den Körper verlässt, erreicht das höchste Nirvana.

50.22 Ich bin ein dort geborener Brahmane, von den Rechtschaffenen anerkannt, und habe durch Sudarshanas Macht alle Mittel zur Vollendung gebracht.

50.23 Heute reise ich zur heiligen Badestelle Pushkara, Herr der Erde. Unterwegs erreichte ich nachts deine reiche Stadt.

50.24 Als ich die Tore verschlossen fand, suchte ich hier am Fuß des Shami-Baumes Zuflucht.“ Der König ehrte den Tadellosen

50.25 und führte ihn in die schöne Stadt, dort in ein Hari-Heiligtum. Die Nacht verbrachte er dort unter allen Ehrenbezeugungen.

50.26 Am nächsten Tag wollte der Brahmane nach Pushkara weiterreisen. Nachdem er seine Morgenpflichten erfüllt hatte, sprach der König zu ihm:

50.27 „Die Begegnung mit Guten ist verdienstvoll und verwirklicht alles Ersehnte, so habe ich gehört. Darum frage ich, Erhabener: Was dient meinem Wohl?

50.28 Erweise mir die Gnade, dass ich hier und jenseits ein Glück ohne Nebenbuhler finde. Dein Herz ist ja von Mitgefühl bewegt.“

50.29 Erfreut unterwies der Brahmane den König, der sich ihm anvertraut hatte, im großen sechssilbigen Sudarshana-Mantra, der alles verwirklicht, Weiser,

50.30 unter ehrfürchtiger Behandlung, samt Gliedmantras, Meditation, Übung und Yantra,

50.31 ebenso in sämtlichen Waffenmantras zum Entsenden und Zurücknehmen und in fünfzig mit Yantras versehenen Ausstattungsstücken, großer Weiser.

50.32 Nachdem er ihm alles gegeben hatte, machte er sich zur Abreise bereit. Der König aber brachte hocherfreut reiche Gaben:

50.33 tausend Kühe, zehn Millionen Goldstücke, Weiser, und sieben weitere goldene Gefäße voller Edelsteine.

50.34 Auch viele kostbare Gewänder und acht Dörfer gab der höchst rechtschaffene König dem Guru.

50.35 Der Brahmane wollte die dargebrachten Gaben nicht annehmen: „Was soll ich damit, König? Alles entsteht mir schon durch meinen Entschluss.

50.36 Verwende dies nach deinem Wunsch.“ Darauf sagte der König: „Nimm es unbedingt an; andernfalls bin ich kein wahrer Übender.

50.37 Oder gib es fort, wie du möchtest, Verehrter; was ich gegeben habe, bleibt gegeben.“ So angesprochen, sagte der Brahmane zum kraftvollen König:

50.38 „Verteile diese Güter an meiner Stelle an Brahmanen.“ Dann ging er fort; der König folgte ihm.

50.39 Vom Guru zurückgeschickt, gab er den Brahmanen das Vermögen. Als jener fort war und die Güter den Brahmanen übergeben waren,

50.40 regierte der große König die Erde wie Maghavan den Himmel. Er teilte Tag und Nacht richtig ein und widmete sich zu geeigneten Zeiten Wohlstand und Genuss,

50.41 ohne Dharma und Befreiung zu beeinträchtigen. Auch die übrigen Königspflichten übertrat er in keiner Weise.

50.42 So dem Weg Manus folgend, erfreute er seine Untertanen durch rechtschaffene Regierung.

50.43 Eines Tages rief er alle Minister in die Versammlungshalle und fragte: „Wer ist mir untertan, und wer nicht,

50.44 unter Ländern, Königen und Staatsgliedern? Berichtet alles; ihr kennt es ja durch die Augen eurer Kundschafter.“

50.45 So beauftragt, antworteten sämtliche Minister: „Herr, solange du als Feindbezwinger diese Erde regierst,

50.46 vergehen die Gegner wie Finsternis vor der strahlenden Sonne. Durch deine rechte Führung ist die Erde mit Bergen, Meeren und Städten untertan.

50.47 Wie im Himmel, Herr, warten alle Könige an deinem Tor. Was wäre da erst über deine eigenen Staatsglieder zu sagen, Herr der Welt?

50.48 Doch Götter, Gandharvas, Asuras und Nagas dienen dir, dem höchsten Herrn, nicht so wie wir.

50.49 Der Herr entscheidet.“ Nachdem sie dies vorgetragen hatten, schwiegen sie. Kirtimali hörte es und wurde von dem Wunsch ergriffen, die Götter und die weiteren Wesen zu besiegen.

50.50 Er richtete sich auf und sagte zu allen Ministern: „Wie werden wir diese Mächtigen und Kraftvollen besiegen,

50.51 die auf vielfältige Weise kämpfen, stolz und mit Maya-Kraft ausgestattet sind, außergewöhnlich und in anderen Welten wohnen?

50.52 Sagt unverzüglich, wie sie untertan werden.“ Die Minister berieten sich und antworteten dem großen König:

50.53 „Noch heute werden wir gegen sie ziehen und sie im Kampf besiegen. Unsere ganze Armee besitzt alle vier Heeresglieder.

50.54 Die Elefanten gleichen Meru und Mandara und sind äußerst schwer zu bezwingen; jeder einzelne genügt, ein feindliches Heer zu zermalmen.

50.55 Wir besitzen eine Million solcher Elefanten und fünfzig Millionen feurige Pferde, Feindbezwinger,

50.56 sowie volle dreißig Millionen Wagen. Von den Helden, die auf ihre Taten stolz sind und niemals zurückweichen,

50.57 den vier Arten von Fußsoldaten, gibt es vierzehn Akshauhinis. Unsere scharfen Waffen im Kampf sind unzählbar, König.

50.58 All dies auf der einen Seite und du allein als Mächtiger auf der anderen: Wir meinen, du übertriffst es an Kraft.

50.59 Außerdem hast du vom Brahmanen göttliche Waffen empfangen. Wer könnte dir, so umgeben, frontal standhalten,

50.60 wie die Wesen dem Shambhu am Weltende, der sie verbrennen will? Wohin dein Siegeswunsch sich richtet, dorthin schicke uns unverzüglich,

50.61 Starkarmiger, und wisse den Sieg in deiner Hand.“ Hocherfreut rief der mächtige Kirtimali alle Minister

50.62 und sagte: „Die jeweils von mir aufgebotenen Heere sollen heute in die Naga-Welt ziehen und gegen die Schlangenwesen kämpfen.

50.63 Auch ich werde heute mit dem Hauptheer und den Fahrzeugen aufbrechen.“ So sprach der König und zog von ihnen umgeben aus.

50.64 Dort entbrannte ein haarsträubender Kampf mit den Nagas. Bald errang er durch die göttliche Garuda-Waffe

50.65 den Sieg, nahm Edelsteine und weitere Güter als Tribut und beschloss dann großgesinnt, die Daityas zu vernichten.

50.66 Mit ihnen dauerte ein heftiger Kampf lange, großer Weiser. Nachdem er ihr Heer vernichtet hatte, errang er höchsten Sieg.

50.67 Dann besiegte der Mächtige sämtliche Yakshas, Gandharvas, Siddhas und Vidyadharas im Kampf und machte sie zu Dienern.

50.68 Nach diesen Siegen kehrte er in seine Stadt zurück. In der Versammlungshalle saß er, von Königen umgeben,

50.69 ebenso von Gandharvas, Yakshas, Danavas und Naga-Herrschern; doch in seiner Versammlung sah der Weltenherrscher keine Götter.

50.70 Da sagte er zu einem Gandharva namens Manojava: „Gehe heute in den Himmel und sage Vasava in meinem Namen:

50.71 ‚Schicke mir rasch den Elefanten Airavata, den Donnerkeil, den Wunschbaum und acht Apsaras.‘“

50.72 Manojava sagte „So sei es“, nahm den Befehl des Weltenherrschers wie eine Girlande auf sein Haupt und zog nach Amaravati.

50.73 Er betrat die schöne Stadt, das höchste Vorbild aller Städte, und sah Vasava umgeben von Vasus, Rudras und Adityas,

50.74 in der Versammlungshalle sitzend, von Apsaras-Scharen bedient, von Siddhas unter Vishvavasus Führung gepriesen, Shachis Gemahl,

50.75 der sich am Anblick des Tanzes erfreute. Als der Tanz geendet hatte, verneigte sich Manojava und pries den Gott.

50.76 Der Götterherr sah ihn erfreut an. Manojava hielt sich durch diese Blicke für geläutert

50.77 und berichtete dem Vritra-Töter unverzüglich alles: „Herr, auf Erden gibt es einen Weltenherrscher namens Kirtimali.

50.78 Er lässt dem Gott melden: ‚Ich habe sämtliche Welten außer dem Himmel besiegt.

50.79 Nun möchte ich dich sehen, Herr des Himmels. Schicke uns den unaufhaltsamen Elefantenkönig Airavata als Reittier,

50.80 den Wunschbaum, den Donnerkeil und acht Frauen.‘ So hat jener große König befohlen, Herr.

50.81 Der Gott entscheidet hier.“ So endete Manojava. Maghavan erkannte den anmaßenden Spott und lachte in der göttererfüllten Versammlung.

50.82 Mit tiefer Stimme sagte er: „Den Donnerkeil und den Elefanten Airavata schicke ich dir heute beide.

50.83 Das Übrige soll er selbst abholen und damit fortgehen.“ Dann entsandte er Donnerkeil und Elefant Airavata.

50.84 Beide brachen auf und betraten Kirtimalis große Stadt. Airavata nahm den Donnerkeil und vernichtete das Heer

50.85 in unsichtbarer Gestalt, großer Weiser. Während die Heere mit ihren Elefanten, Pferden und Kämpfern getötet wurden,

50.86 meldeten alle Landesbewohner voller Furcht dem König: „Herr, die aus dem Saman hervorgegangenen Elefanten liegen erschlagen auf der Erde.

50.87 Ebenso sieht man plötzlich die besten Pferde und herrlichen tapferen Krieger getötet, Herr der Erde.“

50.88 Der große König hörte es und wurde von schwerem Kummer erfüllt. Er rief den Hauspriester und sagte:

50.89 „Elefanten, Pferde und Krieger werden ohne erkennbaren Grund getötet. Weder Krankheit noch jahreszeitliche Plage ist an ihnen zu sehen.

50.90 Auch sorgfältige Untersuchung zeigt keinen fremden Schadenzauber. Erwäge, was dies ist, Brahmane; mein Geist gerät ins Schwanken.“

50.91 Der Hauspriester hörte es, dachte nach und sagte: „Ich vermute, dies ist durch den Zorn einer Gottheit entstanden.

50.92 Lass dich nicht vom Kummer beherrschen, Feindbezwinger.“ Während beide noch nachdachten, kam Manojava

50.93 und stand verneigt mit gefalteten Händen neben dem großen König. „Manojava, hast du die vier genannten Kostbarkeiten gebracht?

50.94 Was hat Vasava gesagt? Berichte jetzt alles ohne Zögern!“ So aufgefordert, berichtete er ihm alles Erfragte:

50.95 wie er die Worte des Königs übermittelt hatte, Maghavans Lachen, dessen Entsendung von Donnerkeil und Airavata und seine anschließenden Worte.

50.96 Dadurch erkannte der König Airavatas Wirken. Sogleich beriet er mit dem Hauspriester ein Gegenmittel

50.97 und entsandte die göttliche Waffe Varana, die Elefanten abwehrt. Sie erreichte den Elefanten, und er wurde bewegungslos.

50.98 Die Götter aus Airavatas Gefolge meldeten Maghavan, dass Airavata und der Donnerkeil durch jene machtvolle Waffe erstarrt seien.

50.99 Maghavan hörte es und rüstete sich höchst zornig. Als die Götter Indra gerüstet sahen, gerieten sie in Bewegung.

50.100 Von ihm entsandt zogen sämtliche Soldaten zu jener Stadt. Das Heer Shatakratus glich dem beim Weltuntergang anschwellenden Meer.

50.101 Als der König es sah, zog er eilig mit seinem Heer aus der Stadt. Da begann der Kampf zwischen Götter- und Menschenheer,

50.102 noch nie gesehen, erstaunlich, von Klagegeschrei erfüllt und furchterregend. Der Klang göttlicher Trommeln, Muschelhörner und Pauken

50.103 füllte mit Schlachtrufen und Händeklatschen den Himmel. Elefanten kämpften gegen Elefanten, Fußsoldaten gegen Fußsoldaten,

50.104 Wagen gegen Wagen und Pferde gegen Pferde. Mit eisernen Pfeilen, Eisenriegeln, Spießen, Hellebarden und Hämmern,

50.105 Bögen, Wurfspießen, Schwertern, Speeren, Lanzen und Äxten, mit solchen verschiedenartigen Waffen erschlugen sie einander.

50.106 Einigen wurden die Köpfe abgetrennt, anderen von Gegnern die Brust aufgerissen; manchen wurden die Waffen zerschlagen, andere hatten durchbohrte Brustkörbe.

50.107 Man sah Elefanten mit abgetrennten Rüsseln und durch Schwerter gespaltenen Köpfen, ebenso Pferde mit von breiten Pfeilen durchbohrten Herzen.

50.108 Blutströme von Elefanten, Wagenkämpfern und Pferden flossen; die Schlachtfelder waren von herabfallenden Waffen zerrissen.

50.109 Während der Kampf so tobte, trieb der siegbegierige Paka-Bezwinger sämtliche Heerführer der Götter zur Eile an.

50.110 Von ihm angespornt schlugen die Götter das königliche Heer in die Flucht und errangen rasch Sieg. Da wurde der König zornig.

50.111 Als sein Heer vernichtet wurde, entsandte er die göttlichen Waffen, beginnend mit der Feuerwaffe, großer Weiser.

50.112 Indra wandte sich zornig um und wehrte sie durch Gegenwaffen ab. Niedergeschlagen erinnerte sich Kirtimali an das Heiligtum,

50.113 dessen Lehre er vom vortrefflichen Brahmanen empfangen hatte, und ließ es entsprechend herstellen, mit dem großen Sudarshana-Yantra und einem Baldachin versehen.

50.114 Der König setzte sich in dessen Schatten und entsandte das höchste Vishnu-Rad, den Ursprung der großen Waffen.

50.115 Es erfüllte das All mit Glanz und strahlte am Himmel. Durch eben diesen Glanz wurden sämtliche Götter im Kampf zurückgeworfen.

50.116 Die Götterscharen vermochten sich nicht mehr zu bewegen, Weiser. Da entsandte Maghavan zornig göttliche Waffen.

50.117 Sie gingen alle hervor und lösten sich im Vishnu-Rad auf, dem Ursprung sämtlicher Waffen, wie Motten im Feuer.

50.118 Dann schleuderte er wiederholt sämtliche Handwaffen; auch sie gingen darin auf wie Flüsse im Meer.

50.119 Höchst zornig warf er den von den Göttern hoch verehrten Donnerkeil; auch dieser verschwand darin auf dieselbe Weise.

50.120 Shakra sah es voller Staunen und näherte sich dem König. Als Kirtimali den Götterkönig im Flugwagen vor sich sah,

50.121 erhob er sich, verneigte sich und pries ihn mit schönen Worten. Erfreut sprach Shachis Gemahl zum König:

50.122 „Zuvor waren die von dir entsandten Waffen wirkungslos. Jetzt zeigt sich das Gegenteil. Nenne den Grund.“

50.123 „Erkenne, Herr, dass wir durch die Macht des mit dem großen Sudarshana-Yantra versehenen Baldachins Unbesiegbarkeit erlangt haben.“

50.124 „Von nun an soll Freundschaft zwischen uns bestehen, großer König. Was mir gehört, sei dein; was dir gehört, sei mein.“ So sprach der Gott

50.125 und kehrte mit Heer, Waffen und Fahrzeugen in den Himmel zurück. Kirtimali ging zufrieden und siegreich in seine eigene Stadt.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 50: „Die Erzählung von Kirtimalin“.

Kapitel 51 – Wesen und Bedeutung von Tara und weiteren Bija-Lauten

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

51.1 Narada sprach: Erhabener, Herr des Vergangenen und Zukünftigen, der Bhagas Augen zerstörte! Zum Wohl der Übenden wurde das Yantra in vielfältigen Formen,

51.2 aus mannigfaltigen Mantras bestehend und durch verschiedene Kräfte gesteigert, erklärt. Auch die beiden Arten der Waffen wurden gezeigt, Shankara.

51.3 Die göttliche große Weihebegießung wurde beschrieben, ebenso die Befriedungsriten verschiedener Stufen, welche die Qualen vermindern.

51.4 Auch durch Vedenverse wurde die vielfältige Waffenkraft richtig erklärt. Die mächtigen Mantras sind hier die Ursache der verschiedenartigen Früchte.

51.5 Diese Mantras, beginnend mit Taraka, hast du zuvor gelehrt. Erkläre nun ihren aus der Bedeutung hervorgehenden Sinn, Shankara.

51.6 Jene große Erkenntnis, die als Ursprung des Sinnes aller Lehrschriften erklärt wurde, ist ganz in deinem Geist gegenwärtig; denn du bist allwissend, Ewiger.

51.7 Ahirbudhnya sprach: Höre wahrheitsgemäß die aus ihrer Bedeutung kommende Herrlichkeit der Mantras, Narada; durch deren Erkenntnis der Mensch beständige Allwissenheit erlangen möge.

51.8 Der Zustand namens Taraka ist die Essenz sämtlicher Rede. Aus ihm gehen die Laute hervor, und in ihn kehren sie wieder zurück.

51.9 Durch ihn gestärkt entfalten die Laute ihre eigene Bedeutung. Im Mantra besteht der Sinn in drei Formen: grob, fein und höchst.

51.10 Grob ist der Sinn, der aus der Verbindung entsteht; fein der durch einzelne Wörter erschlossene; höchst der in den Lauten ruhende, durch Bedeutungen wie „Unermesslicher“ bezeichnete.

51.11 Durch zusammengehörige Verbindungen, in denen jedes Wort sein eigenes Bezeichnetes ausdrückt, entsteht ein ungeteilter Sinn für den Menschen; dieser heißt Verbindungsbedeutung.

51.12 Der Sinn, der durch Betrachtung der eigenen Form jedes einzelnen Wortes und durch dessen Ableitung erkannt wird, heißt bei den Verständigen fein.

51.13 Der in den Buchstaben ruhende Sinn, der durch Bedeutungen wie „Unermesslicher“ bestimmt ist, heißt bei den Guten höchst. So besteht Bedeutung dreifach.

51.14 „In ihm ist alles Begrenzte eingewoben“: Dies wird als grober Sinn erklärt. Die Verbindung im Taraka entsteht durch die Laute „o“ und „m“.

51.15 Diese beiden Laute weisen auf „eingewoben“ und „begrenzt“ hin. Alles, was vom Erhabenen verschieden ist, gilt als begrenzt.

51.16 Der kraftbegabte Erhabene ist das Bezeichnete; die Entfaltung seiner Shakti ist, wie zuvor erklärt, das zu Entwerfende und der Entschluss.

51.17 Das zu Entwerfende ist die Entfaltung in reiner und nichtreiner Gestalt. Sein ungehinderter Blick darauf ist der Entschluss, das ist Sudarshana.

51.18 Alles aus Entworfenem und Entwurf Bestehende gilt als begrenzt. Dieses Begrenzte ist in den ungeborenen Erhabenen eingewoben wie eine Perle in einen Faden.

51.19 Die Wurzel „av“ hat den Sinn des Eintretens; Gehen bedeutet Durchdringen und Eintreten. Das Begrenzte ist in den Herrn der Götter eingetreten wie ein Atom in den Raum.

51.20 Auch der Herr der Götter ist in das Begrenzte eingewoben, wie der Faden in die Perle. Dies ist der grobe Sinn des Pranava; nun wird der feine Sinn erklärt.

51.21 Die drei mächtigen Kräfte, welche Schöpfung, Bestand und Ende bewirken, sind Teile der einen vollständigen Shakti des Erhabenen.

51.22 Sie sind höchst wunderbar und verkörpern die drei Laute, beginnend mit „a“. Die Kraft des „a“ heißt Vishva; die aus „u“ hervorgehende Taijasi.

51.23 Die Kraft des „m“ heißt Prajna. Höre nochmals ihre Gestalt: Die Vishva genannte Kraft des Weltenträgers hat neunzehn Münder.

51.24 Vishva besteht aus mannigfaltiger Schöpfung und genießt wachend die groben Dinge: Substanz, Handlung und Eigenschaft, gegliedert durch vielfältige Allgemeinbegriffe.

51.25 Die grobe Welt sättigt die ungeborene, schöpferische Vishva. Dieselbe Welt, fein genannt und auf das innere Organ begrenzt,

51.26 sättigt die träumende Taijasi-Shakti im Laut „u“. Dieselbe Welt legt ihre Feinheit ab und wird Seligkeit;

51.27 sie sättigt die höchste, im Tiefschlaf befindliche Kraft namens Prajna. Die Kraft des „u“ wurde zuvor als dreimündig, fein und träumend erklärt.

51.28 Die makellose, nach „m“ benannte Kraft genießt Seligkeit. Vishva wirkt, indem sie die grobe Stadt, den Körper, bewohnt.

51.29 Die Traumkraft wirkt, indem sie die feine achtfache Stadt bezieht; Prajna wirkt, nachdem sie die höchste, aus Seligkeit gebildete Stadt erreicht hat.

51.30 Der grobe Zustand der Welt liegt im Bereich äußerer Erkenntnismittel; ihr feiner Zustand im Bereich des inneren Organs.

51.31 Ihr höchster Zustand besteht immer aus Seligkeit. Diese drei Zustände erfreuen die drei entsprechenden Kräfte.

51.32 Man betrachte sie als genießende Kräfte in den Gestalten Aniruddhas und der weiteren Vyuhas. Die göttliche leuchtende Halb-Matra, die aus „m“ hervorgeht,

51.33 erkenne als die unveränderte, aus Vasudeva bestehende Kraft. Was bei der Auflösung der drei Laute samt Halb-Matra erstrahlt,

51.34 erkenne als die makellose, unaussprechliche Kraft des Erhabenen. Indem man deutlich „Om“ spricht, lasse man die anfänglichen Stufen der Reihe nach vergehen.

51.35 Vier Kräfte sind auf jeweils höheren Ebenen gelehrt. Was wie ein Nichts erscheint, weder seiend noch nichtseiend,

51.36 ist der göttliche fünfte Zustand, der alle Kräfte in sich aufnimmt. Wenn man „Om“ richtig ausspricht und schrittweise zur Ruhe kommt, Weiser,

51.37 entfaltet sich im Innern jene große Leuchtkraft jenseits aller Erscheinung. Sie ist Vishnus höchste, von ihm nicht verschiedene Shakti, die ewige Lakshmi,

51.38 Gauri, Sarasvati und die nährende Kuh; benennbar und doch jenseits der Folge des Benennens. Dem, der den Om-Laut hört, steigt sie von selbst im Innern auf, Weiser.

51.39 In Vishnu, dem ewigen, makellosen, reinen, ungeteilten, unterscheidungslosen Träger des Seins, im Brahman, besteht offenbar dieser Zustand.

51.40 Mit den vier göttlichen Bezeichnungen Brahma, Vishnu, Shiva und Unentfaltetes wird eben jene fünfte Kraft gepriesen.

51.41 In der Pashupata-Lehre wird dieselbe Kraft durch vier [Stufen] mit den Bezeichnungen Herr, Erkenntnis und Shiva erklärt. [Die Aufzählung ist im überlieferten Vers verkürzt.]

51.42 Im Samkhya und Yoga wird dieselbe Kraft durch die vier Bezeichnungen Manifestes, Unmanifestes, Purusha und Zeit erklärt, Weiser.

51.43 Wo man nach Erreichen jener fünften Kraft zuletzt zur Ruhe kommt, das ist das höchste Brahman, der höchste Glanz, Vishnus höchste Stätte.

51.44 Wenn man im Innern die göttliche Kraft oberhalb der Halb-Matra kostet, die einem lang nachklingenden Glockenton gleicht, unvergänglich und ihrem Wesen nach Seligkeit,

51.45 dann ist der zuletzt erreichte Zustand Vishnus strahlende Gestalt. Damit ist dir der feine Sinn des Pranava gezeigt.

51.46 Höre nun von mir seinen höchsten genannten Sinn. Man betrachte den Pranava als aus zwei Lauten bestehend.

51.47 Die höchste vishnuitische Shakti vollzieht die fünf Tätigkeiten. Durch sie bestimmt, ist Brahman mit den Unterscheidungen vielfältiger Gestalten verbunden.

51.48 Der schöpferische „höchste Herr“ [als Lautdeckname] bezeichnet den höchsten Vishnu. Sind ihre fünf Tätigkeiten unmanifest, erstrahlt jene Shakti wie schweigend,

51.49 makellos, ohne Erscheinung, unbeweglich, höchste vishnuitische Kraft. Obwohl sie sich stets in feinen, unkennbaren Zuständen entfaltet,

51.50 erscheint sie wie untätig, der Ruhe des Meeres gleich. Das durch sie bestimmte, unterscheidungslose, makellose Brahman

51.51 bezeichnet der leuchtende, durchdringende „Herr des Raumes“ als höchsten Vishnu. Das Zusammenführen dieser beiden Laute zu einer Einheit

51.52 ist die Silbe „Om“, Brahman; sie gilt als höchste Ajapa, ungesprochene Rezitation. Eben diese weltauflösende Gestalt heißt Pranava.

51.53 Ein Yogi, der darin aufmerksam ruht, erreicht höchste Versenkung. So sind dir die drei Zustände des Pranava gezeigt.

51.54 Höre nun die drei weiteren Formen von Tara und Anutara. Sie nimmt sämtliches Übel hinweg, wird von Göttern und Dämonen gepriesen

51.55 und durch sämtliche Erkenntnismittel erkannt; deshalb heißt sie „hrīṃ“. Damit ist dir die grobe Form erklärt; höre nun die feine.

51.56 Überall belebt sie offenbar, ohne jemals an eine Grenze der Genüge zu gelangen. Ihrem Wesen nach beständig aufsteigend, gestaltet sie die ganze Welt.

51.57 Damit ist dir die feine Form erklärt; höre nun die höchste. Jener höchste Gott, das höchste Selbst, heißt Narayana.

51.58 Seine untrennbare Shakti ist die Göttin, die seine Natur teilt. Als Maya wirkt sie Wunder und vollzieht stets die fünf Tätigkeiten.

51.59 In Vishnus Gestalt durchdringt sie alles und folgt allen Zuständen; sie entfaltet den Entschluss des Trägers sämtlicher Welten.

51.60 Nachdem sie die mannigfaltige Welt gestaltet und den Zufluchtsuchenden Erfüllung gewährt hat, besteht sie wieder offenbar als den Herrn des Raumes durchdringend.

51.61 Dies ist der höchste Sinn Tarikas, großer Weiser. [Zu Shri:] Sie zerschlägt alle Fehler und schmückt die Welt mit Eigenschaften;

51.62 alle nehmen stets bei ihr Zuflucht, und sie selbst sucht die höchste Stätte auf. Dies ist in Grundzügen der grobe Sinn von Shri, großer Weiser.

51.63 Der Lotus ist die höchste, ewige, unvergängliche, unzerstörbare Stätte. Dort bringt sie den Zufluchtsuchenden Heil und zermalmt das Meer des Werdens,

51.64 indem sie durch das Gewähren der jeweiligen Genüsse vielerlei Wunder vollbringt. Damit ist der feine Sinn erklärt; höre nun den höchsten.

51.65 Das vollkommen friedvolle höchste Brahman, ewig rein und makellos, mit sechs Eigenschaften, unbeweglich und göttlich, heißt Narayana.

51.66 Die Göttin teilt seine Natur und ist seine untrennbare Shakti; als Maya wirkt sie Wunder und vollzieht stets die fünf Tätigkeiten.

51.67 In Vishnus Gestalt durchdringt sie alles und lässt alle Zustände erfahren; sie entfaltet den Entschluss des Trägers sämtlicher Welten.

51.68 Nachdem sie die mannigfaltige Welt gestaltet und den bei ihr Ruhenden Erfüllung gewährt hat, besteht sie wieder offenbar als den Herrn des Raumes durchdringend.

51.69 Dieser Sinn der Anutara ist ebenso erklärt wie derjenige der Tara. Höre nun eine Zusammenfassung aller durch Worte bezeichneten Bedeutungen, Narada.

51.70 Der dir beschriebene Gott ist das ewige höchste Selbst, kraftbegabt, Wohnsitz von allem und durch die sechs Eigenschaften erfüllt.

51.71 Eine einzige Shakti teilt seine Natur und weicht nicht von ihm: die Göttin, die allen Wesen folgt wie die Ruhe dem Meer.

51.72 Mit einem äußerst winzigen Teil ihrer selbst erscheint sie unterschieden in das Hervorzubringende und das Hervorbringende. Das Hervorzubringende ist die reine und nichtreine Entfaltung.

51.73 Das Hervorbringende ist Vishnus Entschluss, Sudarshana genannt. Die erstgenannte Entfaltung tritt zweifach hervor, unterschieden in Laut und Bedeutung.

51.74 Das Bezeichnen eines Lautes in Bezug auf einen Gegenstand ist als Handlungsgestalt zu erkennen, als eine aus Sudarshana bestehende Form.

51.75 Auch das Bezeichnetwerden des Gegenstandes, sein Zustand als Gegenstand einer Handlung, gilt aufgrund dieses Handlungscharakters als aus Sudarshana bestehend.

51.76 Darum besteht jede in einem Handlungsträger ruhende Tätigkeit aus Vishnus bewegtem Entschluss, Sudarshana, ohne Zweifel.

51.77 Jedes Wort und jedes Bezeichnete wirken auf zweifache Weise: durch Eigenschaft oder Handlung. Eine andere Art gibt es nicht.

51.78 Deshalb reichen Worte nicht unmittelbar an Brahmans eigene Natur heran. Eigenschaften und Handlungen aber führen zur Erschließung Brahmans.

51.79 Beide bestehen in Sudarshanas Gestalt als nähere Bestimmungen. Welche Mantragruppen auch immer in Brahman eindringen,

51.80 all dies geschieht durch Sudarshanas Macht – so ist es zu betrachten. Damit ist dir die schriftgemäße Zusammenfassung richtig erklärt. Höre nun aufmerksam ihre Ausführung für jeden einzelnen Mantra.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 51: „Wesen und Bedeutung von Tara und weiteren Bija-Lauten“.

Kapitel 52 – Bedeutung der Mantras Vishnus und weiterer Gestalten

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

52.1 Ahirbudhnya sprach: Die Gestalt von Tara, Tara und Anutara wurde dir in grober, feiner und höchster Bedeutung gezeigt, jeweils aus Eigenschaften und Handlungen erschlossen.

52.2 Höre nun den Sinn der mit Vishnu beginnenden Mantras. Die aus eigener Einsicht entspringende Hinwendung eines Verständigen in Demut

52.3 zu einem höheren, vorzüglichen Wesen wird „Namas“, Verehrung, genannt. Die bewussten Wesen in der Welt werden zweifach unterschieden:

52.4 in den Höheren und die Nichthöheren; anderes gibt es daneben nicht. Wo Überlegenheit in Zeit und Eigenschaften besteht,

52.5 darauf bezieht sich „höher“ in seiner eigentlichen Bedeutung. Die übrige Klasse bewusster Wesen gilt den Verständigen als nachgeordnet

52.6 und nichthöher. Ihre Beziehung wird als diejenige von Zugehörigem und Zugehörigkeitsherrn verstanden. Alle gelten als Nichthöhere; einer allein als der höchste Höhere.

52.7 Ihre Verbindung mit ihm besteht als Verneigende und der, vor dem man sich verneigt. Der höchste Herr ist der Verehrungswürdige; die ihm Zugehörigen heißen die Verneigenden.

52.8 Diese Beziehung beruht nicht auf einem erstrebten Nutzen. Verneigender und Verehrungswürdiger zu sein ist die Natur des Niedrigeren und Höheren.

52.9 Die unbedingte Haltung, mit der ein bewusstes Wesen sich vor dem Höheren verneigt, wird Verneigung genannt.

52.10 „Der Erhabene steht stets über mir; ich bin immer nachgeordnet“: Diese Haltung heißt Namas, denn sie ist der Grund der Verneigung.

52.11 Oder: Sie neigt den Gott selbst, macht ihn gewiss zugeneigt. Denn der Höhere beugt sich dem Niedrigeren zu, wenn er dessen Demut sieht.

52.12 Deshalb heißt sie Namas, weil sie ihn selbst zum Sichneigen bringt. Wenn man mit der Stimme „Verehrung“ spricht und zugleich Geist und Körper verneigt,

52.13 heißt dies vollständige Verehrung; anderes gilt als unvollständig. So werden die Werkzeuge vollständig. Höre nun die Vollständigkeit der Glieder.

52.14 „Meine ewige Vollendung besteht darin, dass ich mich dem höchsten Purusha zuwende und neige. Keine andere Vollendung gibt es für mich.“

52.15 Dies ist das vorzüglichste Glied; das Verlangen nach einer Frucht widerspricht ihm. Durch die Anhäufung anfangsloser Prägungen, die natürliche Machtlosigkeit

52.16 und die Verhüllung durch Unreinheit sind Erkenntnis und Handeln behindert. Dies ist Hilflosigkeit; ihr Bewusstwerden ist das zweite Glied.

52.17 Die Vorstellung eigener Unabhängigkeit gilt als dessen Gegenteil. „Obwohl dieser Gott der Höchste ist, hat er Mitgefühl mit den Wesen

52.18 und ist stets allein auf Begnadung bedacht“: Dies ist das dritte Glied. Die Auffassung „Er ist gleichgültig und teilt nur nach Karma die Früchte zu“

52.19 zerstört dieses dritte, aus Vertrauen bestehende Glied. „Auch wenn er so gesinnt wäre, könnte er ohne Macht kein Beschützer sein“:

52.20 Aufgrund dieser Überlegung die Schutzmacht des Gottes zu erkennen, gilt als viertes Glied. Dessen Beeinträchtigung entsteht durch die Vorstellung,

52.21 er sei aus Mangel an Eigenschaften gleichgültig. Das Aufgeben des Anspruchs, selbst Herr zu sein, und das Meiden des Widerstrebenden

52.22 gelten als fünftes Glied: das Vermeiden der Übertretung seines Gebots. Das Ausüben schriftwidriger Handlungen gilt als dessen Gegenteil.

52.23 „Alle beweglichen und unbeweglichen Wesen sind der Leib des Erhabenen. Deshalb muss ich ihnen förderlich sein“: Diese feste Überzeugung

52.24 gilt als sechstes Glied; ihre Beeinträchtigung ist Zurückweisung. Damit ist dir die vollständige Verneigung mit Haupt- und Nebengliedern erklärt.

52.25 Dies ist der grobe Sinn von Namas. Höre nun den feinen: Wenn ein bewusstes Wesen Besitzanspruch auf sich selbst und auf die ihm gehörenden Dinge erhebt,

52.26 drückt das Lautpaar „mama“, „mein“, diesen Besitzanspruch aus. Die anfangslosen Prägungen und die dadurch bedingte falsche Erkenntnis begründen

52.27 die Vorstellung von Unabhängigkeit und Eigentum am Selbst und seinen Dingen. Durch die rechte Einsicht „nicht mein“ wird diese hier beseitigt.

52.28 „Ich gehöre nicht mir; ich bin nicht unabhängig. Körper und andere Dinge sind nicht mein Eigentum; sie gehören dem höchsten Selbst.“ So wird der Sinn erklärt.

52.29 Durch diese Einsicht vergehen die jeweiligen selbstbezogenen Vorstellungen. Der durch die aus anfangslosen Prägungen entstandenen, begrifflich konstruierten Erkenntnisse

52.30 fest gefärbte Geist, der auf Unabhängigkeit und Besitzanspruch beruht, wird durch das Erwachen zur Allgegenwart Vishnus

52.31 mithilfe des Wortes „Namas“ vom Verneigenden aus sich entfernt. Damit ist der feine Sinn erklärt; höre nun den höchsten.

52.32 „Na“ wird als Weg bezeichnet, „ma“ als höchster oder hauptsächlicher, der Visarga als höchster Herr. Daraus ergibt sich dieser Sinn:

52.33 Um den anfangslosen höchsten Herrn, den kraftbegabten Purushottama, zu erreichen, ist dieser „Verneigung“ genannte Weg der höchste.

52.34 So wurde dir der dreifache Sinn des Wortes Namas erklärt. Höre nun den Sinn von Vishnu, Narayana und den weiteren Namen.

52.35 Die Hingabe des Selbst, die durch Demut ausgedrückt wird, hat einen Empfänger; die Dativendung bei Vishnu und den weiteren Namen zeigt ihn an.

52.36 Das demütig gewordene Selbst wird als schutzbedürftig dargebracht. Auf die Frage „Wem?“ lautet die Antwort: „Vishnu wird es dargebracht.“

52.37 Der aus der Verbindung von Handlung und Handlungsträgern erschlossene Sinn heißt grob; der aus der Betrachtung des Wortstamms hervorgehende heißt fein.

52.38 Durchdringung, Lieblichkeit, Eintreten und Begehrtwerden beruhen auf den jeweiligen Verbalwurzeln und zeigen die Höchheit des Gottes Vishnu, des höchsten Selbst, an.

52.39 Weil er alles nach Raum, Zeit und eigener Gestalt durchdringt, nennen die Guten ihn den Höchsten, durch Erklärung der Wurzel „viṣ“.

52.40 Lieblichkeit bedeutet Vorrang der Eigenschaften. Wo Erkenntnis, Stärke und die übrigen Eigenschaften grenzenlos hervorragen, dort spricht man vom Lieblichen.

52.41 Alle bewussten Wesen sind demgegenüber nicht lieblich; lieblich ist jener höchste Purusha. Diese Eigenschaft wird aus der Wurzel „vaś“ erschlossen.

52.42 Alle bewussten und unbewussten Wesen gehen in ihn ein; selbst kleiner als das Kleinste, geht er in das Größte ein.

52.43 Darum nennen die Guten ihn den Höchsten durch Erklärung der Wurzel „viś“. Weil alle bewussten Wesen ihn stets als ihr Selbst begehren,

52.44 nennen sie ihn den Höchsten durch Erklärung der Wurzel „iṣ“. Die ganze Wirklichkeit wird aus ihm geboren und vereinigt sich wieder mit ihm;

52.45 er lässt den Guten stets die vier menschlichen Lebensziele zufließen. So wird Vishnu aus der Verbindung der drei Wurzeln „vi“, „sac“ und „snu“ erklärt.

52.46 Damit ist dir der feine Sinn des Wortes Vishnu in Grundzügen genannt. Der höchste Sinn wird aus den einzelnen Lauten erschlossen; höre seine Wahrheit.

52.47 Er macht alle Ziele nektargleich, entzündet die drei Lichter und verleiht Furchtlosigkeit: Dies wird als höchster Sinn erklärt.

52.48 So sind dir die drei Bedeutungsebenen des Vishnu-Mantras genannt. Erkenne nun dieselben drei Formen bei Narayana, Weiser.

52.49 Der aus Handlung und Handlungsträgern erschlossene Sinn ist dort der grobe. Nun wird der feine, im Wortstamm ruhende Sinn erklärt.

52.50 Naras sind diejenigen, die zu Nara gehören; Nara ist Purushottama. Er führt alle Erkenntnis herbei und vernichtet sämtliche Finsternis;

52.51 überall bleibt er unverletzt. Deshalb ist er der ewige Nara. Alles Bewusste und Unbewusste steht in Beziehung zu Nara,

52.52 als von ihm Beherrschtes, Getragenes, Genährtes und Gelenktes, ebenso durch Erschaffung, Eintreten und Zurücknahme; darum heißt es Naras.

52.53 Er erreicht sämtliche Naras und durchdringt sie durch sein Handeln. Auch sind die Naras sein Aufenthaltsort, weil durch sie sein Dasein erschlossen wird.

52.54 Er ist der Aufenthaltsort der Naras, und sie sind stets sein Aufenthaltsort. Stets ist er das höchste Ziel dieser Naras, der Selbste.

52.55 Auch die Wasser heißen Naras; sie sind ebenfalls sein Aufenthaltsort. Aus diesen Gründen ist der Höchste unter dem Namen Narayana gezeigt.

52.56 Damit ist der feine Sinn erklärt; höre den höchsten, in den Lauten ruhenden: ungehindert, radgestaltig, Feuer für sämtliches Übel,

52.57 alldurchdringend, in allen Schriften berühmt, Beschützer der Guten, stets aus Seligkeit bestehender Weg und höchstes Ziel der Naras.

52.58 Dies ist der höchste Sinn. Höre nun über Vasudeva. Der aus Handlung und Handlungsträgern hervorgehende grobe Sinn ist derselbe wie zuvor.

52.59 Der feine Sinn im Vasudeva-Mantra beruht auf den einzelnen Wörtern. „Bhagavan“ bedeutet als Ganzes „der Verehrungswürdige“.

52.60 Er trägt die ganze Welt und nährt sie stets, hält und erfüllt sie und sammelt sie in sich selbst.

52.61 Dies wird als feiner Sinn von „bha“, verbunden mit den Handlungen der drei Veden, erklärt. Von allen Worten wird er besungen und von den Erlösungssuchenden erreicht;

52.62 aus sich selbst erkennt er alles, durchdringt die ganze Welt und lenkt sämtliche Ziele: Dies gilt als Bedeutung von „ga“, Weiser.

52.63 Er erwählt die Welt als sein Eigentum, besteht als ihr Herr und lässt jeden Wunsch wachsen: Dies ist der Sinn von „vat“.

52.64 Mit seinem eigenen makellosen Wesen aus Erkenntnis und Seligkeit bedeckt er alles. Wie Brennstoff, vom Feuer ergriffen, ganz zu Feuer wird,

52.65 so wird die von ihm umhüllte Welt ganz von ihm erfüllt. Weil die Welt in ihm wohnt und auch er in ihr wohnt,

52.66 ist dies der Sinn des Wortes „Vasu“. Oder „va“ heißt der Gehende: Wie ein Faden zieht er sich durch alle Dinge, darum „va“.

52.67 Er erzeugt alle Zustände, bringt hervor und treibt an; bei Opfern wird er von den Guten gepriesen. Dies wird als Sinn von „su“ erklärt.

52.68 Er leuchtet aus eigener Kraft, spielt selbst mit Schöpfung und den weiteren Tätigkeiten und wird stets von den Göttern gepriesen: Dies ist der Sinn von „Deva“.

52.69 Geber aller Wünsche, Reiniger aller Verkörperten und Beschützer sämtlicher Wesen: So wird „de“ erklärt.

52.70 Von allen zu verehren und Träger sämtlicher Selbste: Dies ist der Sinn von „va“. Damit ist die feine Bedeutungsebene erklärt.

52.71 Der höchste Sinn wird aus den Lauten erschlossen; höre seine Gestalt. „Beständiger“ ist als erste Grenze zu erkennen, die als Stoffursache bezeichnet wird.

52.72 „Die beständige Stoffursache der Welt“ ist die Betrachtung des Lautes „bha“. Er lehrt die Rede, die rechte Schrift, oder findet sie selbst am Anfang:

52.73 Dieser Gott heißt Govinda; der Sinn von „ga“ ist Sankarshana, Weiser. Varuna umfasst die Welt, deren Wesen beide Arten vedischer Handlung sind.

52.74 „Er umfasst und erschafft die Welt“: So wird „va“ erklärt. Was geschaffen und zurückgenommen wird, heißt „Girlandenträger“;

52.75 der Gott trägt beides im Innern seines Nabellotus. Deshalb bezeichnet „Girlandenträger“ hier Aniruddha.

52.76 So werden durch vier Laute die vier Vyuhas erschlossen. Durch „v“ wird Vasudeva als „Träger des Nektars“ bezeichnet.

52.77 Durch „ā“ wird Sankarshana als „Urgott“ bezeichnet. Der erhabene Vasudeva, die ewige Grundlage der Befreiung,

52.78 ist eben Sankarshana: So wird die Bedeutung von „vā“ erklärt. Der Ewige, der am Anfang Welt und Handlung hervorbrachte,

52.79 heißt Soma; dadurch ist Pradyumna, Purushottama, bezeichnet. Als „mächtiger Aufgang“ wird hier Sankarshana bezeichnet.

52.80 Denn in Sankarshanas Zustand liegt Haris vollständiges Hervortreten. Der seinem Wesen nach Vasudeva ist, heißt Sankarshana;

52.81 und eben dieser ist Pradyumna: So wird „su“ erklärt. Jener Großgesinnte, der auf den Wassern ruht und Raum gewährt

52.82 für das Wachstum von Feld und Feldkenner im Innern seines Nabellotus, ist als „Raumgewährender“ die Bedeutung von „d“; er heißt Aniruddha.

52.83 Durch „e“ wird Pradyumna als „Ursprung der Welt“ bezeichnet. Der seinem Wesen nach Sankarshana ist und Pradyumna heißt,

52.84 ist Aniruddha: So wird die Bedeutung von „de“ erklärt. Damit ist durch die drei Silben die höchste Wesenseinheit der Vyuhas ausgesprochen.

52.85 Zusammenfassend wird sie erneut durch „va“ bezeichnet. So ist dir der höchste Sinn im Namen Vasudeva in Grundzügen gezeigt. Höre nun von mir den ganzen Sinn des Jitamta-Mantras.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 52: „Bedeutung der Mantras Vishnus und weiterer Gestalten“.

Kapitel 53 – Bedeutung des Jitanta-Mantras

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

53.1 Ahirbudhnya sprach: Strahlen und Ungehindertheit werden als Sinn der Wurzel „ji“, siegen, bezeichnet. Beides veranlasst den Verehrer zur Verneigung.

53.2 Beides entsteht aus Erkenntnis, Kraft, Stärke und den weiteren Eigenschaften. Der Erhabene allein ist das große Meer von Erkenntnis, Kraft, Stärke, Herrschaft, Wirkmacht und Glanz,

53.3 das Selbst des Alls, das als verehrungswürdig bezeichnet werden soll. Mit dem Wort „Lotusäugiger“ wird dies zusammengefasst.

53.4 Wer von Begierde und Zorn getrieben ist, wird schon an den Augen erkannt. Dieser aber ist von den daraus entstehenden Tätigkeiten frei, weil alle seine Wünsche erfüllt sind.

53.5 Heiter durch das Freisein von Veränderung heißt er Lotusäugiger. Freiheit von Fehlern wie Begierde und Fülle heilvoller Eigenschaften

53.6 werden bei Purushottama durch „Lotusäugiger“ ausgedrückt. Dieses Wort bezeichnet den ursprünglichen Vyuha.

53.7 Brahma ruft den Lotusäugigen an, betrachtet aus eben diesem Grund auch sich selbst als Verneigenden und sagt: „Dir gehört der Sieg.“

53.8 Dies ist der grobe, aus dem Zusammenhang entstehende Sinn. Höre nun den feinen, Weiser. „Pundarika“ wird die Zeit genannt, weil sie die Stadt [des Körpers] altern lässt.

53.9 Von ihr unverletzt, weil er außerhalb ihrer steht, wird er von ihr nicht bemessen. Die Zeit ist dreifach: grob, fein und höchst; keine dieser Formen vermag

53.10 in das höchste Selbst, Vasudeva, das höchste Brahman, einzudringen. Grob ist die Zeit mit Einheiten wie Lava; fein diejenige, welche die Prinzipien ordnet.

53.11 Als höchste Zeit wird diejenige erklärt, welche die Tätigkeiten der Vyuhas umfasst. Die drei Vyuhas werden stets durch Zeit bestimmt.

53.12 Der erhabene Vasudeva aber unterliegt auch als Vyuha nicht der Zeit. Nur in Bezug auf die drei Vyuhas werden Zeit und ihre Entfaltung erklärt.

53.13 Weil er durch Zeit nicht gemessen wird, heißt er „Unermesslicher Glanz“. „Pundarika“ ist auch die höchste, ewige, unvergängliche und unzerstörbare Stätte.

53.14 Weil er immer dort wohnt, heißt er Lotusäugiger. Dieser Lotus, die höchste Stätte, ist seine eigene strahlende Größe.

53.15 In seiner eigenen Größe ruhend heißt der Gott Lotusäugiger. Daher bezeichnet dieser Name Vasudeva.

53.16 Dies ist der feine Sinn des Wortes Lotusäugiger. Höre nun seine höchste Bedeutung.

53.17 Hari ist frei von Fehlern wie Begierde und der höchste Reiniger. Weil seine eigene Natur ewig aufgegangen ist, gilt er als mächtiger Aufgang.

53.18 Weil er den drei Vyuhas vorausgeht, heißt er der Erste; weil er die reinen und unreinen Wege erreicht, der von ungebrochener Tatkraft.

53.19 Er trägt als Grundlage alle Welten von Sankarshana bis zur Erde und durchdringt sie selbst von innen.

53.20 Durch seine Unabhängigkeit ist er Seligkeit und selbst die höchste Natur. Für die reine und unreine, bewusste und unbewusste

53.21 Klasse ist er innerste höchste Grenze; deshalb heißt er Klassenende. Damit ist dir die höchste, auf den Lauten beruhende Deutungsweise gezeigt.

53.22 Selbst in zehntausend Jahren lässt sie sich nicht vollständig aussprechen. Die Bezeichnung „Weltenhervorbringer“ verkündet Sankarshanas Herrlichkeit.

53.23 Der grobe, aus der Verbindung von Handlung und Handlungsträgern entstehende Sinn wurde erklärt. Höre nun von mir den feinen Sinn.

53.24 Weil der Gott die bewusste und unbewusste Welt, beginnend mit Pradyumna, unablässig hervorbringt, heißt er Weltenhervorbringer.

53.25 Er betrachtet die Welt, kennt sie offensichtlich so, wie sie wirklich ist; die besten Wortkenner nennen den Allwissenden deshalb Weltenhervorbringer.

53.26 Weil die Welt besteht, indem sie den beständig Tragenden erreicht, heißt der sehr starke Baladeva Weltenhervorbringer.

53.27 Die Welt wäre herrenlos; er bringt sie selbst als ihr Herr hervor. Sobald er aufgegangen ist, entsteht die Welt von selbst;

53.28 wegen dieser Betrachtung seines Herrseins heißt er Weltenhervorbringer. Er ist weit, weil er die Grundlage für das Entstehen der Welt ist.

53.29 Weil die Welt in ihm wie ein kleiner Hautfleck besteht, ist er selbst von weiter Grundlage und heißt Weitäugiger.

53.30 Diese ganze Welt hervorbringend heißt er Weltenhervorbringer. Damit ist dir dessen feiner Sinn in Grundzügen erklärt.

53.31 Höre nun von mir den höchsten Sinn. Vom Träger des Nektars her entflammt, auf den Stufen Vasudevas und der weiteren bestehend,

53.32 bringt er allen Verkörperten durch Unterweisung in rechter Erkenntnis Heil. Weil er der beste Tag unter den Tagen ist, wird er Varaha genannt.

53.33 Sankarshana wird wahrhaft als Vasudevas Tag bezeichnet. Er schenkt allen Wesen Vollendung und ist der Anfang der Götter.

53.34 Indem er die reinen Handlungen annimmt, die aus den jeweiligen rechten Lehrschriften hervorgehen, verleiht er den Seelen Vollendung; darum heißt er Vollendungsschenker.

53.35 Er ist der Anfang der Götter in den Vyuhas und Vibhavas. Als Anfang leuchtet er offenbar; deshalb heißt er Urgott.

53.36 Er verhüllt sämtliche Finsternis und enthüllt das Unvergängliche. Dieser Varuna ruht im Unermesslichen und gilt den Verständigen als Weg.

53.37 So lautet der höchste, auf den Lauten beruhende Sinn von Weltenhervorbringer. Höre nun meine Erklärung des Wortes Hrishikesha.

53.38 Der aus Handlung und Handlungsträgern entstehende Sinn wurde bereits erklärt. Höre nun den feinen Sinn des Wortstamms.

53.39 Er erleuchtet, nachdem er die Finsternis der Erkenntnis und den Feind Madhu vernichtet hat. Die vom Erhabenen hervorgebrachte Form offenbart das wahre Sattva.

53.40 Eben dies nennen die Verständigen das Hrishikesha-Sein des Herrn: Der Herr erfreut, indem er die Erkenntnis makellos macht.

53.41 Dieses Hrishikesha-Sein wird als Pradyumna-Sein erklärt. „Hrishika“ bezeichnet ein Erkenntnisorgan; er ist dessen innerer Lenker.

53.42 Dies wird als Hrishikesha-Sein Pradyumnas erklärt. „Hrishikas“ heißen auch die Gegenstände, bestehend aus Urnatur und deren Erzeugnissen.

53.43 Sie erfreuen die Seelen; ihr Herr ist der Weltenlehrer. Dadurch wird sein Allumfassendsein erklärt, weil er alles seinem Wesen nach erfüllt.

53.44 Der Herr freut sich offenbar am Spiel, das ihre Erschaffung ist. Darin liegt sein Hrishikesha-Sein und deutlich auch sein Gottsein.

53.45 Durch Unveränderlichkeit, deren Wesen Wirkmacht ist, bleibt er erfreut; durch Freiheit ist er stets Herr bei Schöpfung und den weiteren Tätigkeiten.

53.46 Das Bestehen aus Herrschaft und Wirkmacht heißt Hrishikesha-Sein. „Hrishi“ wird als Erkenntnis erklärt; „Hrishikas“ sind die bewussten Wesen.

53.47 Weil sie sich bewegen, bilden sie die bewegliche Welt; ihr Herr ist der Herr der Welten. Dies ist der feine, im Wortstamm ruhende Sinn.

53.48 Höre nun von mir den höchsten, auf den Lauten beruhenden Sinn. Er belebt jede Seele durch sein Wesen als reiner Dharma.

53.49 Sein Name ist Wahrheit, weil er das Seiende und das Jenseitige ist. Durch die wunderwirkende Maya trägt er die Sonne am Himmel;

53.50 er stillt den schrecklichen, furchtbar gestalteten, finsteren Ursprung der Welt, im Unermesslichen ruhend. Dies ist die lautbezogene Bedeutung.

53.51 So ist dir der dreifache Sinn von Hrishikesha erklärt, großer Weiser. Höre nun den dreifachen Sinn von „großer Purusha, Erstgeborener“.

53.52 Man beziehe „Dir gehört der Sieg“ darauf oder ergänze „Siege“. Beide Ausdrücke, „Dir gehört der Sieg“ und „Verehrung sei dir“,

53.53 bezeichnen bei Aniruddha, dem unmittelbaren Aufseher über die bewusste und unbewusste Welt, Sieg und Verneigung als ihren Sinn.

53.54 „Dir gehört der Sieg“ weist auf höchste Herrschaft hin. Wie aber wäre eine Verneigung aus unmittelbarer Nähe vor dem Allerhöchsten möglich?

53.55 Die Formen, durch die der überaus Hohe Nähe gewinnt, sind die zweite und dritte; bei diesen findet die Verneigung statt.

53.56 Um zu zeigen, dass der erhabene Aniruddha durch beide Zustände zum Wohl der Welt wirkt, werden bei ihm Sieg und Verneigung ausgesprochen.

53.57 Dies ist der grobe, aus Handlung und Handlungsträgern entstehende Sinn. Höre nun den feinen Sinn des Wortstamms.

53.58 Er misst die vielfältige Wirklichkeit, die aus Feld und Feldkenner besteht, nimmt sie vollständig zurück und tritt als inneres Selbst in sie ein.

53.59 Dann belebt er alles und wird überall gepriesen. Größer als die Großen wird er so als „groß“ erklärt.

53.60 Er nährt, offenbart den Bestand und geht wieder und wieder auf; er verkündet die Schrift mit ihren vielen Bedeutungen und wird in den jeweiligen Gestalten besungen.

53.61 Er gewährt Verehrung und nimmt sie an; verehrt schenkt er die Frucht. Er beendet Verfehlungen und wird von Menschen auf vielerlei Weise verehrt.

53.62 Am Ende des Karmas verbrennt er die Stadt [des Körpers] und wird von vielen bedient; er ruht in der Stadt, bringt die Stadt hervor und sitzt in weitem Sattva.

53.63 Er führt die ganze Welt hinüber und wehrt sämtliche Finsternis ab; er liebt alle Zufluchtsuchenden und besiegt das von Finsternis Erfüllte.

53.64 Er treibt und schleudert die Hassenden in grausame Geburten. Selbst der Erste und Uralte, wird er in den jeweiligen Geburtsstätten geboren.

53.65 Er ist Erstgeborener aller Götter; der erste Ungeborene entstand aus seinem Leib. Denn Brahma, der zuerst Geschaffene, ist sein erster Sohn.

53.66 Die Seelen heißen die Früheren, weil sie schon zuvor begehren; in seiner eigenen Gestalt bringt er jene Früheren selbst zum Vorschein.

53.67 Größe ist seine Unabhängigkeit bei der Ausführung sämtlicher Zustände und Handlungen. Seine Ungetrenntheit von den Personen ist sein Groß-Purusha-Sein.

53.68 Eben dies ist sein Glanz und wird seine Kraft genannt. Eben dies ist sein Aniruddha-Sein und seine Erhabenheit.

53.69 So ist er Ursache von Bestand, Entstehung, Auflösung und Schutz. Damit ist dir der feine, wortbezogene Sinn in Grundzügen erklärt.

53.70 Höre nun von mir den höchsten, lautbezogenen Sinn: Zermalmer aller Übeltäter, von unermesslicher Tatkraft,

53.71 stets auch Feinden wohlwollend, Beschützer aller Verkörperten, offenbarer Weg der Handelnden, Ursprung der Handlungen der drei Veden,

53.72 Lotusnabel, auf den Wassern ruhend, mächtiger Aufgang der Welten, Träger sämtlicher Welten, Grundlage des Entstehens der jeweiligen Wirkungen,

53.73 Narasimha auf der Weißen Insel, Feuergestalt der Opferempfänger, Sonne aller Götter und höchster Reiniger der Guten,

53.74 Grundlage vielfältiger Erkenntnisse beim Vollbringen der Aufgaben, stark, Herr aller Welten und am Weltende Zeitfeuer,

53.75 Varaha beim Heben der Erde, als Vernichter der Wiedergeburt der Guten bekannt, von Göttern, Daityas und anderen unbesiegt: großer Purusha, Erstgeborener.

53.76 So ist die lautbezogene Deutungsweise von „großer Purusha, Erstgeborener“. Dieser große Mantra namens Jitamta enthält mannigfaltige große Bedeutungen und bezeichnet den ewigen Gott in Radgestalt und vielfältiger Gestalt.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 53: „Bedeutung des Jitanta-Mantras“.

Kapitel 54 – Der Narasimha-Anushtubh-Mantra – erster Teil

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

54.1 Ahirbudhnya sprach: So habe ich dir das große Jitanta-Mantra in seinen Grundzügen erklärt. Höre nun, Narada, die wahre Bedeutung des Narasimha-Mantras.

54.2 Dieses große Narasimha-Mantra wirkt alle Wunder und gewährt die Freuden des Himmels, des Zwischenraums und der Erde.

54.3 Es wehrt die drei Arten des Leidens ab, angefangen beim Leiden aus dem eigenen Selbst, und bezwingt Rakshasas, Daityas und Danavas.

54.4 Für die Anhänger des Samkhya ist es die höchste Erkenntnis, großer Weiser; für die selbstbeherrschten Yogis ist es die Stufenfolge ihres Aufstiegs.

54.5 Für die erhabenen Sattvatas ist es die eine Zuflucht; es enthält den ganzen Sinn des Vedanta und gilt ebenso als Lehre der Pashupatas.

54.6 Als diese vielfältige Welt einst geschaffen war, verkündete Samkarshana diese höchste Erkenntnis zum Wohle aller Lebewesen.

54.7 Nachdem Brahma strenge Askese geübt hatte, lernte er sie von ihm. Ich empfing sie von Brahma und die göttlichen großen Seher von mir.

54.8 Verneigung bedeutet Sichbeugen und Sichniedrigmachen. Dass das Selbst sich vor dem Höchsten beugt, ist eben sein dienendes Zugehören zu ihm.

54.9 Indem der Mantrakenner sich selbst als Dienenden versteht, bringt er mit dem Wort „Ich verneige mich“ sich selbst und alles Eigene jenem dar.

54.10 „Furchtbar“ bezeichnet die wilde Empfindungsweise, die aus übergroßem Zorn entsteht; „heldenhaft“ bezeichnet die Heldenstimmung, die aus überströmender Tatkraft erwächst.

54.11 Die vier Wörter, die mit „großer Vishnu“ beginnen, bezeichnen das Wunderbare. „Schrecklich“ bezeichnet das Furchterregende, weil er höchste Furcht hervorruft.

54.12 Das Wort „heilvoll“ im Mantra bezeichnet die Stimmung der Liebe, Weiser. „Tod des Todes“ bezeichnet zugleich das Wunderbare und das Schreckliche.

54.13 „Ich“ bestimmt den Verehrenden als ein dem Herrn zugehöriges Selbst. In den Augen seiner Feinde ist der Gott furchtbar, in den Augen der Götterscharen heldenhaft.

54.14 Für Menschen, die im Yoga Vollendung erlangt haben, ist er als großer Vishnu, als Flammender, als Allgesichtiger und als Menschenlöwe wunderbar.

54.15 Für die niederen Scharen der Rakshasas gilt der Gott als schrecklich; Lakshmi aber, deren Seitenblick von Freude erfüllt ist, sieht ihn als heilvoll.

54.16 Für die Seher ist er durch die Verbindung des Schrecklichen mit dem Wunderbaren der Tod des Todes. So lautet die äußere Bedeutung, die aus dem Zusammenhang von Handlung und Handlungsträgern entsteht.

54.17 Vernimm nun die feine Bedeutung, die in den Wortstämmen liegt: Er bringt das gesamte Weltall hervor und verschlingt selbst wieder das Hervorgebrachte.

54.18 Er setzt alles Seiende in Bewegung und erfreut es auf vielfältige Weise. Weil Zeit, Ort und andere Grenzen ihn nicht beschränken, heißt er der Große.

54.19 „Groß“ wird hier ferner aus den Wortwurzeln für Großsein, Geben, Verwirren, Ausgießen, Denken und Verlassen gedeutet, oder daraus, dass er sich zu „Ma“ hinbegibt.

54.20 Auch weil das Weltall in ihm Raum hat und er die Welt nicht verlässt, heißt er groß. In der höchsten Himmelsweite wird er verherrlicht: So erklärt man ihn als den Großen.

54.21 Die Wurzel „meh“ bezeichnet das Geben: Der Große schenkt das Ersehnte. Weil er durch seine eigenen Handlungen Staunen und Verwirrung hervorruft, wird der Gott groß genannt.

54.22 Weil er seine Zeugungskraft als Weltei in die Wasser ergießt, ist er groß. Weil er durch seinen ewigen Yoga und sein erkenntnishaftes Wesen erkennt, ist er groß.

54.23 Er lässt die verschiedenen Veränderungen hinter sich, die man als die sechs Zustände des Werdens kennt. „Ma“ bezeichnet die Göttin Lakshmi; zu ihr begibt er sich, ihr naht er.

54.24 Dieses göttliche Paar bleibt ewig umschlungen; deshalb ist er groß. In ihm hat diese ganze Welt Platz wie eine Jujubefrucht in einem Gefäß.

54.25 Er verlässt sie nicht, obwohl er außerhalb ihrer steht, und trägt sie in seinem Leib; deshalb ist er groß. In dieser Welt unterscheidet er Seiendes und Nichtseiendes und wirkt in beiden.

54.26 Er umhüllt alles und gewährt den Lebewesen selbst sämtliche Genüsse. In allen von ihm abhängigen Seelen tönt er innerlich als Laut.

54.27 So erklären die Kenner des wahren Wortsinns den Gott Vishnu. Weil der Große durch seine Geburten in den Kreislauf der Welt eintritt,

54.28 nennen die Verständigen diesen Gott den großen Vishnu. In den Herzen der Yogis, am höchsten Ort der Weisen

54.29 und an den Opferstätten der Brahmanen leuchtet er aus sich selbst. Sonne, Mond und Feuer sind die drei großen Lichtmächte:

54.30 In sie eintretend lässt er sie von innen leuchten; auch in seinen Herabkünften leuchtet er. Als Erkenntnis, seinem eigenen Wesen nach, leuchtet er allein und verschlingt die Welt.

54.31 Deshalb nennt man ihn den Flammenden, dessen göttliche Einsicht überall wirkt. „Antlitz“ bedeutet hier Kraft; weil diese bei ihm nach allen Seiten gegenwärtig ist,

54.32 nennt man den Ewigen, der alle Kräfte besitzt, den Allgesichtigen. Weil er die Fesseln der Menschen vernichtet und zerschlägt, ist er der Menschenlöwe.

54.33 Weil er den Bösen Furcht bringt, heißt er der Schreckliche. Er gibt der Sonne heilvolles Licht und bringt das Herz der Guten zum Schmelzen.

54.34 Er löst das schreckliche, von Leiden durchzogene Dasein im Kreislauf auf. Als Tod wird Unwissenheit bezeichnet; Tod heißt auch das, was das Leben raubt.

54.35 Tod heißt ferner der Kreislauf des Daseins. Weil Hari der Tod dieser drei ist, heißt er Tod des Todes. Unwissenheit nennt man Tod, weil durch sie die Einsicht verlassen wird.

54.36 Tod heißt, was den Lebewesen das Sterben bereitet; der Daseinskreislauf wird Tod genannt, weil er eine unablässige Folge von Sterben ist.

54.37 Das zweite „Tod“ im Ausdruck bezeichnet das Vernichten dieser begrenzenden Mächte. Das Selbst begibt sich seinem Wesen nach zu „A“, das heißt zu Hari.

54.38 Denn jedes bewusste Wesen ist seiner wahren Natur nach vollkommene Glückseligkeit und besitzt an sich Erkenntnis, Kraft und die übrigen Eigenschaften ohne Mangel.

54.39 Es wird auch nicht durch den Tag gemessen, weil es die Zeit übersteigt; oder diese Seele findet im „Tag“ Raum: So wird die Bedeutung des Wortes „Ich“ erklärt.

54.40 Unter „Tag“ ist Samkarshana zu verstehen; in ihm ruht die Gesamtheit der Seelen. Durch die Wörter „furchtbar“ und „schrecklich“ wird die unentfaltete Gestalt bezeichnet.

54.41 Was äußerst furchterregend und schrecklich ist und Furcht hervorruft, das Unentfaltete, soll als eine Gestalt des Erhabenen erkannt werden.

54.42 Durch das Wort „flammend“ wird seine Gestalt als individuelle Seele bezeichnet. Bewusstsein wird Flammen genannt; das bewusste Wesen, das diese Tätigkeit ausübt, ist der Flammende.

54.43 Flammend heißt es, solange seine Erkenntnistätigkeit noch nicht zum Abschluss gekommen ist. Wenn es die Natur und die aus ihr entstehenden Mängel von allen Seiten durchschaut hat,

54.44 sich gänzlich von ihr abwendet und den höchsten Hari erkennt, dann kommt die gesamte Erkenntnistätigkeit dieses Erkennenden zur Erfüllung.

54.45 Deshalb ist das in der Natur versunkene, allmählich erkennende Wesen der im Daseinskreislauf flammende Wanderer; auch dieser wird als der Erhabene bezeichnet.

54.46 Die Zeit, die diese bewusste und unbewusste Welt auf vielfältige Weise antreibt, ist eine Gestalt des Erhabenen und wird durch das Wort „Held“ bezeichnet.

54.47 Das Durchdringen dieser drei Wirklichkeiten wird durch „Vishnu“ ausgedrückt. Dass er auch im Durchdringen unberührt bleibt und sie überragt,

54.48 diese Größe und Verehrungswürdigkeit schildert das Wort „groß“. „Allgesichtig“ bezeichnet den Besitz aller Kräfte,

54.49 die Allwissenheit des Gottes und sein Wirken in allem. „Heilvoll“ bezeichnet die ewige Freiheit des Gottes von jedem Fehler.

54.50 „Menschenlöwe“ bezeichnet seine Eigenschaft als höchster Purusha; die Wendung „Tod des Todes“ bezeichnet, dass er Befreiung schenkt.

54.51 Die Vollendung, die durch unterscheidende Erkenntnis nach langer Zeit erreicht wird, nämlich das unmittelbare Übersteigen der Natur, wird durch das Wort „Ich“ bezeichnet.

54.52 „Haṃ“ bezeichnet den Ausübenden aller natürlichen Tätigkeiten, etwa Verletzen und Gehen; „ahaṃ“ bezeichnet den von diesem verschiedenen [reinen Erkennenden; dies ist eine symbolische Wortzerlegung des Textes].

54.53 Diese Selbsterkenntnis ist frei von begrenzenden Zusätzen und besteht auch nach dem Vergehen von Körper und Lebensatem. Die unverstellte Seele wird zum eigentlichen Bezugspunkt des „Ich“.

54.54 Wenn sie auf diese Weise sich selbst unterscheidend erkannt hat, neigt sie sich aus eigenem Antrieb. Ihr Sichbeugen vor Gott ist ein Eintauchen wie das eines Flusses ins Meer.

54.55 So habe ich dir die feine Mantrabedeutung auf dem Weg des Samkhya erklärt. Wer die Wahrheit dieser unterscheidenden Erkenntnis kennt, geht in den höchsten Purusha ein. Höre nun von mir seine Bedeutung auf dem Yogaweg.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 54: „Der Narasimha-Anushtubh-Mantra – erster Teil“.

Kapitel 55 – Der Narasimha-Anushtubh-Mantra – yogische Deutung

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

55.1 Ahirbudhnya sprach: Höre meine Erklärung, Weiser, wie die kundigen Yogis dieses Mantra auslegen; in dieser Weise soll ich es dir darlegen.

55.2 „Furchtbar“ wird als „über den Zorn hinausgelangt“ gedeutet, weil die Sinne angehalten sind. Wer die im Körper befindlichen Winde entfaltet und bezwungen hat,

55.3 wird von den Yogis, die das Wissen der Tantras vollständig beherrschen, „Held“ genannt. Wer Sinne und Atem bezwungen hat und innen nach allen Seiten leuchtet,

55.4 ist der Flammende, der sich ohne Begrenzung durch die Sinne überallhin ausbreitet. Der ganz aus Erkenntnis bestehende Hari heißt der Allgesichtige.

55.5 „Bha“ bedeutet rechte Erkenntnis, „ishana“ ihr Anregen. Als Anreger der Erkenntnis wird der Erhabene, der die Welt hervorbringt, „der Schreckliche“ genannt.

55.6 „Großer Vishnu“, „Menschenlöwe“ und „Tod des Todes“ sind wie zuvor zu verstehen. Seine Gestalt als Seele ist durch bezwungene Sinne und Lebenswinde gekennzeichnet.

55.7 Als allgegenwärtig und verehrungswürdig, als rechten Anreger der Einsicht und als Befreier aus dem Daseinskreislauf erkennen sie den höchsten Purusha.

55.8 „Vor diesem Gott verneige ich mich“: So lautet die Yogalehre. [Nun die Pashupata-Deutung:] „Furchtbar“ bezeichnet den, der durch strenge Gelübde verehrt wird.

55.9 „Held“ bezeichnet den, dem die Vollender dieser Gelübde huldigen. „Allgesichtig“ bezeichnet das ursprüngliche Nichtvorhandensein der drei Befleckungen.

55.10 „Flammend“ bezeichnet, dass der Urgrund reine, verdichtete Bewusstheit ist. „Furcht“ bezeichnet die Fessel in Gestalt der fünf Gegenstände [der Pashupata-Lehre].

55.11 Weil er diese Furcht und Fessel zerschneidet, den Strick des gebundenen Wesens deutlich zertrennt, bezeichnet „der Schreckliche“ den Löser der Fesseln des Geschöpfes.

55.12 „Tod des Todes“ bezeichnet, dass der Herr Heil bewirkt. „Großer Vishnu“ und „Menschenlöwe“ wurden bereits erklärt.

55.13 Er liebt die strengen Gelübde und wird stets von ihren eifrigen Vollziehern verehrt; unberührt von den drei Befleckungen, reine Bewusstheit, durchtrennt er die Fesseln.

55.14 „Vor ihm verneige ich mich, den man Shiva, den großen Vishnu und höchsten Purusha nennt“: So gilt die Bedeutung in der Pashupata-Lehre.

55.15 Die auf dem Weg des Vedanta erkennbare Bedeutung wurde bereits dargestellt. Erfasse nun aufmerksam den Sinn, wie ihn die Sattvatas erkennen.

55.16 Er bringt die makellose Lehre hervor und erfreut durch die hervorgebrachte Lehre; am Ende nimmt er sie wieder in sich auf. Daher wird Samkarshana der Furchtbare genannt.

55.17 Er hält die dreifache Vedaweisheit von Leidenschaft und Dunkelheit frei und bringt sie zur Wirksamkeit. Bei der Schöpfung aus Wissen und der menschlichen Schöpfung macht er diese Weisheit tatkräftig.

55.18 Auch sich selbst macht er zum Helden, wenn er Madhu, die Finsternis, niederschlägt. Er setzt reines Handeln zur Verwirklichung des Sinnes der Lehre ein.

55.19 Darum nennt man den ursprünglichen höchsten Purusha Pradyumna den Helden. Aniruddha aber ist durch seine Tätigkeiten nach jeder Richtung hin groß.

55.20 Die früheren Gestalten wirken begrenzt durch eine, drei beziehungsweise vier Tätigkeiten. Weil ihr Wirkungsbereich begrenzt ist, ist auch ihre darauf gerichtete Kraft begrenzt.

55.21 Von Aniruddha dagegen werden unzählbare Tätigkeiten überliefert und unermessliche Werke wie Schöpfung und Erhaltung.

55.22 Die darauf gerichtete Kraft und Durchdringung machen sein Vishnu-Sein aus. Darin liegt das Ungehemmte, das Aniruddha-Sein, der vierten Entfaltung des Bogenträgers.

55.23 Deshalb wird Aniruddha von den Kundigen der große Vishnu genannt. „Flammen“ bedeutet seine Entfaltung im Inneren des Welteis,

55.24 die man als die machtvolle Herabkunft Haris bezeichnet. „Allgesichtig“ bedeutet sein Eingehen in vielerlei Geburtsformen.

55.25 Sein Heilvollsein besteht darin, dass er dabei seine eigene Natur nicht aufgibt. „Schrecklichsein“ bedeutet das Beseitigen der Furcht, nämlich der Fessel des Daseinskreislaufs.

55.26 Dies, so wird gelehrt, erlangt man allein durch Erkenntnis mitsamt ihren besonderen Bestimmungen. Die ewige Gegnerschaft des Brahman gegen alles zu Verwerfende,

55.27 die ihm von Natur aus zukommt, wird „Tod des Todes“ genannt. Er verbindet die Menschen, die Seelen, mit sich und besteht zugleich jenseits ihrer, in ihrem Inneren und rings um sie.

55.28 Dieser Zustand des Gottes, der höchste Purusha zu sein, wird durch „Menschenlöwe“ bezeichnet. Nun wird der Sinn des ganzen Satzes erklärt.

55.29 Der Allgegenwärtige entfaltet sich in drei Gestalten, beginnend mit Samkarshana, für die jeder Gestalt eigenen Aufgaben; er ist der Allgesichtige.

55.30 In vielen Formen seiner machtvollen Herabkunft leuchtet er im Inneren des Weltendaseins. Während er so leuchtet, bleibt er heilvoll, ja überaus heilvoll.

55.31 Sobald er auf diese Weise erkannt wird, vernichtet er als der Schreckliche die Fessel. Weil er dem Tod, dessen Wesen das zu Verwerfende ist, als dessen Tod entgegensteht,

55.32 ist er für Menschen durch die Erkenntnis seiner Entfaltungen und Herabkünfte leicht erreichbar. Er durchdringt dieses All innen und außen und besteht als höchster Purusha.

55.33 „Auf diesen Menschenlöwen richte ich alle meine Fähigkeiten als auf mein eigenes Selbst“: So habe ich dir den in der Sattvata-Lehre erwiesenen Sinn in Grundzügen gezeigt.

55.34 Höre jetzt die höchste Bedeutung hinter den vielfältigen feinen Deutungen: Der Träger sämtlicher Welten, der die Krankheit des Daseinskreislaufs vernichtet,

55.35 ist Vishnus gewaltiges Hervortreten, Samkarshana genannt. Die Buchstaben des Wortes „furchtbar“ bezeichnen diese erste Entfaltung Vishnus.

55.36 Weil die Welt in ihm wie Stirnzeichen und Haarlocke sichtbar wird und weil er durch die Unterweisung in der göttlichen Lehre die Krankheit vernichtet,

55.37 wird der Gott und Herr Samkarshana durch das Wort „furchtbar“ bezeichnet.

55.38 Pradyumna, der Lotosäugige, wird durch „Held“ bezeichnet: Er ist Träger des Unsterblichen, Besitzer der Erkenntniskraft und sodann Feuer.

55.39 Das Unsterbliche ist die heilige Ordnung des Erhabenen; ihr Träger ist ihre Zuflucht. Pradyumna steht der wahren Ordnung vor und ist ihr Halt.

55.40 Maya bedeutet hier Erkenntnis: Durch diese Kraft erweckt er das Wissen und verbrennt wie Feuer den aus Dunkelheit bestehenden Mangel des Wissens.

55.41 Darum wird der Gott Pradyumna durch die Buchstaben von „Held“ gepriesen. [Aniruddha ist] Zeit, Urnatur und Grundlage; für beide ist er stets Lebensatem.

55.42 Er schützt beide fortwährend und wählt sämtliche Wirkweisen; durch die entsprechenden Zeitabschnitte nährt er nach und nach den menschlichen Keim.

55.43 In dieser Welt ist er selbst Feuer und Sonne, schenkt den Welten Furchtlosigkeit und ist Vaikuntha, der ungehemmt die Welt

55.44 beherrscht, ihr eigener Aufseher. So wird der große Vishnu beschrieben. Als Zeit trägt er den aus seinem Nabel hervorgegangenen Lotos.

55.45 Er trägt die Urnatur, die darin und in deren Innerem der Purusha ruht; deshalb wird er ohne Trennung mit den Wörtern Zeit und Urnatur bezeichnet.

55.46 Indem er von der Zeit her die drei Gruppen von Samkhya-Wirklichkeiten, Zeit und Seelen belebt, wird er durch den Laut „Lebensatem“ bezeichnet; als Schützer durch den Namen „Schützer“.

55.47 „Gänge“ heißen die Wirkungen: Weil er sie aus Schaffenswillen wählt, bezeichnet ihn der Varuna-Laut. Darin liegt sein ungehemmtes Aniruddha-Sein.

55.48 Indem er über tausend Jahre den Keim in der zeitgebundenen Weisheit nährt, der aus Seele und den acht Manus besteht, wird der Gott durch den Laut „entflammt“ bezeichnet [die überlieferte Formulierung ist stark verdichtet].

55.49 Bei der aus Wissen erfolgenden Götterschöpfung, etwa der von Feuer und Sonne, tritt er in die jeweiligen Götter ein und trägt selbst ihre Namen.

55.50 Daher wird der Gott selbst durch die Laute für Feuer und Sonne bezeichnet. Von der Zeit bis zur Erde umfasst er Bewusstes und Unbewusstes.

55.51 Dies wird durch den Laut „Welt“ bezeichnet und ist mit den Gliedern der Welten vielfältig ausgestaltet. Ihm schenkt er stets Furchtlosigkeit, indem er die Bösen abwehrt.

55.52 Er bleibt bei der Ausführung jedes Werkes ungehemmt; in die Wesen eintretend lenkt er sie als ihr Aufseher.

55.53 So wird er durch die Laute „Furchtlosigkeit schenkend“, „Vaikuntha“ und „Herrscher“ bezeichnet. Die drei Wörter, beginnend mit „furchtbar“, bezeichnen somit die Entfaltungen. Im Folgenden wird die Bedeutung von „flammend“ und den weiteren Wörtern erklärt.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 55: „Der Narasimha-Anushtubh-Mantra – yogische Deutung“.

Kapitel 56 – Der Narasimha-Anushtubh-Mantra – weitere Entfaltung

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

56.1 Ahirbudhnya sprach: Der Kreis der Gottheiten seiner machtvollen Herabkünfte wird durch die Buchstaben von „flammend“ und den folgenden Wörtern bezeichnet. Erfasse, wie die einzelnen Laute ihn darstellen.

56.2 Vishnus erhabene Herabkunft Padmanabha, der Lotosnabelige, wird von niemandem irgendwo besiegt und daher durch den Laut „Unbesiegter“ bezeichnet.

56.3 Der Liebenswerte, der das Unsterbliche trägt, wird durch den Laut „Träger des Unsterblichen“ bezeichnet; der auf dem Meer Ruhende durch den im Varuna-Laut stehenden „Unermesslichen“.

56.4 „Herr der Erde“ bezeichnet den Herrn der Kraft, denn die Erde ist Vishnus Kraft. Hari wird als der Erwachte bezeichnet, Krishna aber als Herr der Menschen.

56.5 Durch den Laut „Erwachter“ wird der Herr der Menschen bezeichnet. Diese beiden Götter werden als Nara und Narayana beschrieben.

56.6 Die ewige Ordnung ist der Weg zum Himmel und zur Befreiung. Dieser Gott wird durch den Laut „Weg“ bezeichnet, der auf „Herr der Erde“ folgt.

56.7 Der Erhabene mit dem Palmenbanner, der als Ananta gepriesen wird, der Gott, der die Erde trägt, wird durch „Palmenbanner“ bezeichnet.

56.8 Die Reihen der Welten heißen Girlanden; der Girlandenträger wird Schildkröte genannt. Die Guten nennen die Weisheit Viraj, und Vairaja ist ihr Herr.

56.9 Durch die Lautnamen „Vairaja“ und „Girlandenträger“ werden diese beiden Götter gepriesen. Durch „Zeit“, vom „Unermesslichen“ umschlossen, wird der höchste Purusha bezeichnet,

56.10 der Bezwinger Kalanemis; als Zeit ist er unnahbar. Der erhabene Laut „Unsterblich“, über dem „Unermesslich“ steht,

56.11 bezeichnet den lotosäugigen Purusha, der den Unsterblichkeitstrank herbeibringt. Ebenso bezeichnet die ewige „Zufriedenheit“, über der „Unermesslich“ steht,

56.12 den Herrn der Götter, den Gemahl Shris; denn Shri wird Zufriedenheit genannt. Die Verbindung von „Träger aller Welten“ mit „Eber“

56.13 preist den Eber, der sämtliche Welten trägt. Aus dem Varuna-Laut, über dem „Unermesslich“ steht,

56.14 wird der Erhabene, Gott der Götter, als der in der Unterwelt Ruhende erklärt. Die großen Weisen nennen die Rede eine Girlande, da sie die Welt hervorbringt und trägt.

56.15 Der Herr der Rede wird durch den zweiten „Girlandenträger“-Laut bezeichnet. Der Gott, der Bali führte und die Erde mit drei Schritten durchmaß,

56.16 Hari, wird durch den Laut „weit Ausschreitender“ gepriesen. Der Gott, der mit seiner eigenen leuchtenden Gestalt die Welt durchwebt,

56.17 ist der Allgestaltige und wird durch „durchwebender Gott“ bezeichnet. Der folgende „Zermalmer“-Laut, über dem „Speise“ steht,

56.18 bezeichnet Aurva, den pferdemäuligen, Wasser verzehrenden Gott der Götter. „Speise“ bedeutet hier Wasser, weil es der Ursprung der Speise ist.

56.19 Indem dieser Gott das Wasser durch Trinken vernichtet, ist er der Speisenverzehrer. Der Laut „kleinleibig“, verbunden mit „Zermalmer des gewaltigen Hervortretens“,

56.20 bezeichnet deutlich Vamana, der Bali um Land bat. Denn als Zwerg bezwingt er gerade die gewaltige Ausdehnung.

56.21 Derselbe Laut, als Wesen des Veda verstanden, bezeichnet Hari, den Vedakenner. Nara und Narayana werden durch den Laut „Nara-Narayana“ bezeichnet.

56.22 Der große Entführer des Parijata-Baumes, zu dem Satya gehört, heißt Satya. Der Satya-Laut bezeichnet ihn, während er Satya auf seinem Schoß trägt.

56.23 Auf „kleinleibig“ folgen „Zermalmer“ samt „Weg“, sodann „Haken“ und „Mond“. Durch diese vier Laute

56.24 wird der Gott als Rahu-Bezwinger bezeichnet: Er schlägt Rahu nieder, den Haken, der den wandernden Mond von seinem Weg abbringt.

56.25 Die beiden Ramas werden durch den Rama-Laut bezeichnet, Narada. Durch „einzahnig“ wird der Erhabene in Ebergestalt gepriesen.

56.26 Janardana in Schwanengestalt, der mit der Sonne einhergeht, dieser fliegende Herr der Götter wird durch den Sonnenlaut bezeichnet.

56.27 Der Kalki genannte Gott, der die am Ende des Tishya-Zeitalters auftretenden Räuber zerschlägt, wird durch den über „Sonne“ stehenden „Zermalmer“ gepriesen.

56.28 Der Gott Dhruva wird durch den Dhruva-Laut bezeichnet, großer Weiser. Wer auf einem leuchtenden, durch Maya gebildeten Blatt des Banyanbaumes

56.29 in lieblicher Gestalt ruht, wird durch den Maya-Laut bezeichnet. Narasimha, der Gott der Götter, wird durch den Narasimha-Laut bezeichnet.

56.30 Wer einst Madhu, den vornehmsten Bedränger des Schöpfers, aus eigener Armkraft tötete und Brahma Furchtlosigkeit schenkte,

56.31 dieser Gott Madhusudana wird durch den Laut „Furchtlosigkeit schenkend“ bezeichnet. Wer die höchste göttliche Vollendung in Gestalt unterscheidender Erkenntnis gewährt,

56.32 dieser Gott Kapila wird durch den Laut „Vollendung schenkend“ bezeichnet. Der Erhabene Dattatreya wird durch den Dattatreya-Laut bezeichnet.

56.33 Weil er für die Fehler wie das Feuer der Endzeit ist, wird er durch diesen Laut ausgedrückt. „Zeit“ bedeutet die Zeit; „Urnatur“ die höchste Natur.

56.34 Der darin ruhende Purusha ist der im Wahren Wohnende; Vairaja ist der Viergängige. Wer die Welt in seinem Körper trägt, heißt Muschel und Fisch.

56.35 Der Gott mit dem einen Horn wird durch die Buchstaben von „Tod“ bezeichnet. Er ist der Höchste, von wahrhaftiger Gestalt, Vairaja, der die Welt zum Leuchten bringt,

56.36 der Viergängige, Gott der Götter, Herr der Welten und großer Gebieter. Er wird durch die Laute von „Tod“ und den davorstehenden „Welt“-Laut bezeichnet.

56.37 So habe ich dir die höchste, auf den Lauten beruhende Auslegungsweise gezeigt. Höre noch einmal die Herrlichkeit dieses Mantras, bester Weiser.

56.38 Wird es nach Versvierteln rückwärts angeordnet, nennt man es Vaikuntha-Waffe; bei umgekehrter Buchstabenfolge gilt es als Narayana-Waffe.

56.39 Die Umkehrung der Vokale in der verbundenen Lautgestalt heißt die große Narasimha-Waffe, genannt „Krallensäge“.

56.40 „Varuna“, ohne seine Begrenzung und auf „Zeitfeuer“ stehend; wiederum „Unermesslich“ in gleicher Weise: So wird der dritte Laut bezeichnet.

56.41 Der erste steht auf „Fein“; „Fein“ steht auf „Zeitfeuer“; „Varuna“ und ein Paar von „Fein“ bilden den bezeichneten siebten Laut.

56.42 Darauf „Schützer“ auf „Fein“ und „Varuna“ mit „Welt“ als Träger. Die überlieferte Folge „varajādāra“ wird Narasimha-Waffe genannt [die verschlüsselte Lautfolge bleibt hier als Quellenlesart stehen].

56.43 Dieses erhabene Mantra hat neun Silben. Die daraus durch Umkehr der einzelnen Laute entstehende Waffe heißt die große Narasimha-Waffe.

56.44 Durch Umkehr der Vokale entsteht daraus die übergroße Waffe. „Durchdringer“ mit „Träger des Unsterblichen“ und „Schützer“ bilden die zweisilbige Form.

56.45 Bei deren Vokalumkehr wird „Schützer“ zum Schützer der Guten. Überall, wo eine Waffe durch umgekehrte Folge gelehrt wird, gilt die entsprechende Vorwärtsfolge als ihre Besänftigung.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 56: „Der Narasimha-Anushtubh-Mantra – weitere Entfaltung“.

Kapitel 57 – Bedeutung der Mantras des Lichtkreises

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

57.1 Ahirbudhnya sprach: Von den drei Lichtern, die zuvor im Lichtkreis gezeigt wurden, heißt das Savitri-Licht Savitri.

57.2 Höre aufmerksam meine Erklärung. Jener göttliche Wille, den man Sudarshana nennt,

57.3 entfaltet und breitet die Seinsmacht aus, die aus einem winzigen Anteil der großen Kraft Vishnus hervorgeht, in reinen und unreinen Daseinsformen.

57.4 Zur Zeit der Rücknahme lässt er sie wieder versinken. In jedem ihrer Teile entfaltet er sich als tragender Grund,

57.5 ferner als Mittel der Erkenntnis und als jeweils erkannter Gegenstand. Deshalb wird Vishnus höchster Wille mit „Das“ bezeichnet.

57.6 Er bringt alle Tätigkeiten und die ganze Welt hervor. Die Wortwurzeln für Gehen, Lieben und Geben dienen der weiteren Deutung:

57.7 Überall hingelangend schützt der Höchste; durch die sechs Eigenschaften ist er liebenswert. Als Geber von Erfahrung und Befreiung wird er Savitri, der Antreiber, genannt.

57.8 „Erwählenswert“ bedeutet: von den Besten zu erfassen, wobei die Besten die Verkünder sind; oder: zu erwählen; oder: das Höchste führt zum Besten.

57.9 „Glanz“ bezeichnet Licht, Wirkmacht und schöpferisches Handeln. Er trägt diese ganze Welt und erhält auch ihre Gebieter.

57.10 Er erfreut alles, gewährt das Ersehnte, führt es auch zum Vergehen und zerschneidet restlos die Fessel.

57.11 Er verbrennt alles Leid und röstet die Schuld fort. Deshalb verstehen die Weisen unter „Glanz“ den höchsten, wunderbaren Willen Vishnus.

57.12 Er erhellt alles Seiende und leuchtet stets aus sich selbst; er reinigt die ganze Welt von Unwissenheit und allem Übrigen.

57.13 Darum ist dieses gesamte All in ihm aufgereiht wie Perlen an einer Schnur. Er ist der Bewegende und Preiswürdige; der ganze Himmelsraum wird von ihm geliebt und begehrt.

57.14 Daher wird Vishnu, das ewige höchste Selbst, Gott genannt. In „wir meditieren“ bedeutet Einsicht Erkenntnis, Nachdenken und inneres Vergegenwärtigen.

57.15 „Einsichten“ umfasst auch die von Einsicht geleiteten Tätigkeiten; „Anregen“ ist ihr In-Bewegung-Setzen. Der allmächtige Savitri, der göttliche und ganz bewusste,

57.16 der allwissende Herr, möge diese Einsichten anregen. Die unvergängliche Ursache von Schöpfung, Bestand, Auflösung und Schutz,

57.17 den „Glanz“ genannten Willen dieses Gottes, verehren wir. So lautet die Bedeutung der Gayatri, die den Singenden schützt.

57.18 Wer ihr bei beiden Dämmerungen hingegeben ist, erlangt höchste Brahmanenwürde. Wird sie einen Monat lang tausendfach außerhalb [des Dorfes] geübt,

57.19 schützt sie den Übenden nach dieser Verheißung vor schwerer Sünde und jeder Schuld. Die drei unvergänglichen großen Weltrufe, denen Om vorangeht,

57.20 und diese dreifüßige Formel bilden zusammen das dreifache höchste Reinigungsmittel. Vishnus höhere und niedere Kraft ist das Sein aller Wesen.

57.21 Sie heißt „Bhur“, denn sie selbst wird zu dieser Welt. Indem sie die Kraft des Gewordenseins annimmt, schützt sie selbst diese ganze Welt.

57.22 Die Guten nennen sie „Bhuvah“, da sie die hervorgebrachte Welt bewahrt. Was den Guten fortwährend das Bessere, Erfahrung und Befreiung, hervorbringt,

57.23 das nennen die Guten „Svah“ [die Vorlage hat hier „sruvaḥ“]; so ist der Weltruf aus Rede gebildet. Der mit „Das“ beginnende Vers wird, nach Versvierteln umgekehrt, Brahmadanda-Waffe genannt.

57.24 Wortweise umgekehrt heißt er Brahmashiras-Waffe, buchstabenweise Brahma-Waffe. Die aus seiner Vokalumkehr entstehende Form

57.25 heißt Subrahma-Waffe und wehrt alle Waffen ab. [Es folgen verschlüsselte Lautangaben:] „Freude“, „Varuna“ damit verbunden, „Varuna“ mit „Viergängigem“;

57.26 der dritte mit „Unermesslich“; „Durchdringer“ auf „Muschel“; ferner „Varuna“ mit „Freude“ und „Viergängiger“ mit „Unermesslich“;

57.27 zwei „Muschel“-Laute: Dies ist die höchste göttliche siebensilbige Waffe. Ihre Vokalumkehr wird Atibrahma-Waffe genannt.

57.28 „Freude“ allein gilt als ihre göttliche einsilbige Form. So weit sind die Unterschiede dieser mit „Das“ beginnenden Savitri gezeigt.

57.29 Höre die Bedeutung des mit „Dem Kenner des Geborenen“ beginnenden Trishtubh-Verses. Er kennt stets alles Entstandene in jedem einzelnen Wesen.

57.30 Seine Erkenntnis ist stets ursprünglich vorhanden und durch sein eigenes Wesen vollkommen. „Veda“ bedeutet Sein, die große Kraft, deren Kennzeichen das Schwingen der Glückseligkeit ist.

57.31 Diese Göttin, die Zuflucht der Welten, ist ihm stets offenbar. „Veda“ bedeutet auch Erwägen, und Erwägen ist vielfältige Tätigkeit.

57.32 Dass Vishnus Wirksamkeit hervortritt, bedeutet sein Allesbewirken. Allwissend, allmächtig und alles bewirkend ist der höchste Purusha.

57.33 Er wird Jatavedas, Kenner des Geborenen, genannt; Soma bezeichnet das Selbst, denn unter der Macht der Unwissenheit wird es immer wieder in allen Mutterschößen geboren.

57.34 Mit „Pressen“ ist hier gemeint, dieses Selbst geeignet zu machen. Das Pressen des Soma trennt ihn als eigenen Saft heraus.

57.35 Mit dem zu Saft gewordenen Soma lässt sich das Opfer vollziehen. Der Sinn des ersten Versviertels enthält somit einen Vergleich.

57.36 Wie man beim Opfer Soma für Jatavedas auspresst, so will der Seher sich selbst dem höchsten Selbst darbringen.

57.37 Durch unterscheidende Erkenntnisse, die Gleichheit und Verschiedenheit begründen, unterscheidet er sein eigenes Wesen von Körper, Sinnen, Denken, Lebensatem, Einsicht und Natureigenschaften.

57.38 Nachdem er sich so unterschieden und Jatavedas sein eigenes Selbst dargebracht hat, ruht er in ihm, richtet sein Denken auf ihn und sucht nun mit seinem eigenen Selbst Erkenntnis.

57.39 Dies ist die Bedeutung des Wortes „Verneigung“, auf andere Weise gezeigt. Vernimm nun meine Erklärung des zweiten Versviertels.

57.40 „Feindlich“ heißt, was sich wie ein Feind verhält. Das ist die Fessel, die auf falscher Erkenntnis beruht.

57.41 Ihr „Besitz“ ist ihr Bestehen als anfangslose Bindung an die Natureigenschaften. Damit der ewige Jatavedas den ausgepressten Soma annehmen kann,

57.42 möge er selbst das entgegenstehende Dasein der Fessel verbrennen. Nachdem er dieses in der Bindung an die Eigenschaften bestehende Sein fest gebunden hat,

57.43 führt er uns über alle schwer zu überschreitenden, zu verwerfenden Wirklichkeiten hinaus. Auch hier wird Jatavedas mit dem Wort „Feuer“ bezeichnet.

57.44 Das Wort „Feuer“ wird so gedeutet: Er führt die ganze Welt, die sich ihm zur Annahme genähert hat, zu sich selbst.

57.45 Das Feuer führt die sich ihm nahende Seele zu seinem eigenen höchsten Ort. Dieser Jatavedas führt uns über alle Schwierigkeiten hinweg.

57.46 „Wie mit einem Boot“ ist hier das Gleichnis; „Strom“ bedeutet das große Meer. Wie ein Schiffer einen im Boot sitzenden Menschen hinüberbringt,

57.47 so bezeichnen die beiden Wörter für das Unheil und dessen Überwindung das Entkommen aus Gefahr beim Übersetzen. Unheil bedeutet hier Bedrängnis durch Wind, Regen und Ähnliches.

57.48 Das wiederholte Überschreiten wird als Überwinden der Gefahren ausgedrückt. Wie ein Schiffer, nachdem er Wind, Regen und alle derartigen Gefahren vermieden hat,

57.49 den im Boot sitzenden Menschen über das Meer bringt, so möge der Erhabene, das Feuer, Jatavedas, Hari selbst,

57.50 alle leidvollen Hindernisse der Befreiung fernhalten und uns über die schwer gangbare Folge der Wirklichkeiten hinausführen.

57.51 Aus dem Gleichnis „wie mit einem Boot“ ergibt sich: Der Mensch muss seinen Platz im Mittel der Überfahrt einnehmen; alles Weitere ist Haris Aufgabe, wie die Fahrt Aufgabe des Schiffers ist.

57.52 Nach Versvierteln umgekehrt heißt dieser Vers Pavaka-Waffe. Die in Jatavedas liegende Form wird versviertelweise als feurige Waffe und buchstabenweise entsprechend bezeichnet [die knappe Vorlage unterscheidet die Formen nicht eindeutig].

57.53 Die Vokalumkehr wird Atyagneya, überaus feurige Waffe, genannt. [Lautschlüssel:] „Viergängiger“ mit „Unermesslich“, dann „Aufgang“ und „Viergängiger“;

57.54 zwei „Fein“-Laute mit „Unermesslich“; „Viergängiger“ mit „Unermesslich“; nochmals „Viergängiger“ mit „Unermesslich“, „Eber“ und „Muschel“;

57.55 „Unermesslich“: Man vergegenwärtige die drei zu einer kompakten Einheit verbunden. „Viergängiger“ mit „Unermesslich“, „Viergängiger“ mit „Urgott“.

57.56 Dies ist die Umkehr des zweiten Teils. Höre nun die aus dem ersten Teil entstehende: „Freude“ allein, mit zwei „Fein“-Lauten verbunden, dann „Unermesslich“;

57.57 „Viergängiger“ mit „Unermesslich“, „Eber“, „Muschel“ und „Unermesslich“: Man vergegenwärtige die drei zu einer kompakten Einheit verbunden.

57.58 „Viergängiger“ mit „Urgott“, „Varuna“ mit „Freude“, „Viergängiger“ mit „Urgott“: So ist die aus dem ersten Teil entstehende Anordnung.

57.59 Zweimal „Schlage!“, die Panzerformel mit der Waffenformel und zuletzt die Gattin des Feuers: Diese Vokalumkehr gilt als fünfzehnsilbig.

57.60 Die mit „Schlage!“ beginnende Form ist achtsilbig; die zuletzt durch Umkehr entstehende Vokalform ist als dreisilbig zu verstehen, ihr oberer Teil als zweilautig.

57.61 Der erste Teil ist einsilbig. Höre nochmals ihre beiden Gestalten: „Unermesslich“ und „Varuna“ mit „Freude“ ergeben das zweisilbige Mantra.

57.62 „Freude“ allein steht im ersten Teil. Was zusammen dreilautig ist, hat wiederum als seine Umkehr „Freude“ allein.

57.63 Diese beiden Umkehrformen dienen sämtlichen Besänftigungs- und Segenshandlungen. So habe ich dir die Auslegungsweise des Trishtubh in Grundzügen gezeigt.

57.64 Höre nun die höchste, reinigende Auslegungsweise des Anushtubh. Wille, Erkenntnis und Tätigkeit sind die drei Mütter der Welt.

57.65 Wer diese drei mächtigen, weltschaffenden Kräfte besitzt, ist als Tryambaka, der mit drei Müttern Verbundene, zu erkennen; er besitzt Erkenntnis, Kraft und Tätigkeit.

57.66 Opfern bedeutet, eine Gabe unter Ausrichtung auf eine bestimmte Gottheit hinzugeben. Wer einen guten Duft hat, heißt wohlriechend.

57.67 Wer Gutes ankündigt, wird wohlriechend genannt. Wer sämtliche Wirklichkeiten des Opfernden mit seinem eigenen Licht durchdringt,

57.68 wer sie durch dieses Durchdringen gleichsam beduftet und seiner eigenen Natur angleicht, und unter dessen Herrschaft Geruch und die übrigen Sinnesgegenstände sowie Erde und alle Elemente

57.69 in guter Ordnung stehen, dieser gebietende Gott heißt wohlriechend: Er ist Erkenntnis selbst, allwissend und souverän.

57.70 „Gedeihen“ bezeichnet die Seinsmacht, die aus Seiendem und Nichtseiendem besteht. Diese von Vishnu erfüllte Kraft Vishnus lässt er selbst wachsen.

57.71 Durch seinen Willen bringt er sie hervor, breitet sie in vielfältigen Gestalten aus, trägt und lenkt sie und nimmt sie schließlich wieder zurück.

57.72 Darum heißt der erhabene Vishnu „Vermehrer des Gedeihens“. Er hat Wille, Erkenntnis und Tätigkeit zur Gestalt, heißt der Schöne und ist der Welt lieb.

57.73 Seine eigene Gestalt offenbart seine Herrlichkeit; er ist rein, höchste Bewusstheit, Herr aller Welten, der lotosäugige Purusha.

57.74 „Auf ihn als unsere Gottheit ausgerichtet opfern wir die höchste Gabe, unser eigenes Selbst“: So lautet die Bedeutung des ersten Teils des Mantras.

57.75 Das Wort „Tod“ wurde bei „Tod des Todes“ erklärt. Nachdem ich mich selbst und das Meine heute dem Gott, dem höchsten Selbst, übergeben habe,

57.76 möge ich frei werden vom Tod, dem Daseinskreislauf, diesem großen Meer vielfältiger Leiden; wie sich eine reife Gurkenfrucht mühelos von ihrem Stiel löst,

57.77 so möge ich vom Tod und seiner Fessel frei werden. Mit „nicht von der Unsterblichkeit“ erbittet man Beständigkeit in dieser vollzogenen Hingabe.

57.78 Von dem unsterblichen Brahman, dem ich mich selbst gegeben habe, möge ich mich niemals lösen; möge mir bleibende Geborgenheit zuteilwerden.

57.79 So wurde die heilvolle, vom Brahman-Sein erfüllte Bedeutung des Anushtubh erklärt. Diese drei Versmaße sind die erläuterten drei Lichter.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 57: „Bedeutung der Mantras des Lichtkreises“.

Kapitel 58 – Bedeutung der fünf Hotri-Mantras

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

58.1 Ahirbudhnya sprach: Zehn-Hotri, Vier-Hotri, Fünf-Hotri, Sechs-Hotri und Sieben-Hotri heißen die fünf Hotri-Formeln.

58.2 Vishnus erkenntnishafte Sammlung, als er die Welt erschaffen wollte, wird durch diese Hotri-Formeln als Opfer und göttlicher Wille dargestellt.

58.3 Auch heute vollzieht der Yogi, der sich aufmerksam in ihre jeweilige Bedeutung versenkt, eben diese heilvollen, aus Erkenntnis bestehenden Opfer.

58.4 „Die Einsicht ist der Opferlöffel“ beginnt die Zehn-Hotri-Formel, die Grundlage des Feueropfers. Die mit „Erde“ beginnende Formel heißt Vier-Hotri.

58.5 Sie ist Grundlage sowohl des Neumond- als auch des Vollmondopfers. „Feuer ist der Hotri“ beginnt die Fünf-Hotri-Formel, Ursprung der Viermonatsopfer.

58.6 Die mit „Dein Auge zur Sonne“ beginnende Sechs-Hotri-Formel ist Grundlage des Tieropfers. Zwei Sechs-Hotri-Formeln haben die besten Weisen im Veda festgestellt.

58.7 [Die Vorlage ergänzt in Klammern:] „Die große Opfergabe“ beginnt die Sieben-Hotri-Formel, Grundlage des Jyotishtoma. Nun wird der Sinn der Zehn-Hotri-Formel und der weiteren erklärt; höre, Narada.

58.8 „Einsicht“ heißt die unterscheidende Intelligenz, Ursache des Entschlusses. „Bewusstsein“ bedeutet hier das Ichbewusstsein, Ursache der Selbstzuschreibung.

58.9 „Denken“ heißt das innere Sinnesorgan, Ursache von Vorstellung und Gegenvorstellung. „Rede“ ist die ausgesprochene Äußerung in der Form „So soll es sein“.

58.10 „Das Studierte“ heißt die Tätigkeit der Rede, die als Rezitation bezeichnet wird. „Erkenntniszeichen“ bedeutet Wissen, nämlich das bestimmte Erfassen dessen, was ausgesprochen werden soll.

58.11 „Das Erkannte“ ist das Auszusprechende, Gegenstand dieses bestimmten Erfassens. Was als Sprachorgan bezeichnet wird und die durch dieses offenbarte Sarasvati,

58.12 das ist die Rede; wer sie durch gutes Aussprechen bewahrt, heißt Herr der Rede. Die Anstrengung, die das Beginnen des Aussprechens bewirkt,

58.13 ist der Lebensatem. „Saman“ heißt die Wohlgestalt des Aussprechens. Die Namen Zehn-Hotri und der übrigen Hotri-Formeln bezeichnen die Mittel des Opfers.

58.14 Wenn der mächtige Vishnu aus sich allein die Welt schafft, ist die göttliche Kraft Vishnus, die alle Daseinsformen begleitet,

58.15 mit einem ihrer Anteile als Tätigkeit Haris Werkzeug des Wirkens; ihr anderer Anteil wird als Seinsentfaltung bezeichnet, hier auch als Welt erkannt.

58.16 Vishnus Wille wird als Tätigkeit und Werkzeug seines Wirkens bezeichnet. Er beginnt mit dem Erfassen und endet mit dem Satz „So soll es sein“.

58.17 Im Wort ist die Tätigkeit von Intelligenz, Ichbewusstsein und Denken gemeint. Dieses Erfassen wird dreifach genannt. [Der restliche Wortlaut des Verses ist in der Vorlage beschädigt und durch Striche unterbrochen.]

58.18 Von der Intelligenz bis zum Erfassen werden die Tätigkeitsträger und ihre Tätigkeiten im ausgebreiteten Opfer Haris, das „Gestaltung der Welt“ heißt,

58.19 als Opferlöffel, Opferbutter, zustimmender Priester und Feuer aufgefasst. Der Zustimmende ist der Brahman-Priester; sein Aussprechen bedeutet Erlaubnis.

58.20 Das als auszusprechen Erkannte, der Laut, heißt Feuer; das als Studiertes bezeichnete Aussprechen wird Opferstreu genannt.

58.21 Die es bewirkende Anstrengung, der Lebensatem, heißt Opfergabe. Die ausgesprochene Rede ist der Altar; ihr Träger wird Hotri genannt.

58.22 Die Ausgewogenheit des Aussprechens, das Saman, heißt Adhvaryu. So ist das „Gestaltung der Welt“ genannte Opfer mit zehn Mitteln versehen.

58.23 Dieses einst geschehene Opfer Vishnus soll man heute innerlich betrachten. Wenn man irgendeinen weltlichen oder vedischen Satz ausspricht,

58.24 soll man sich in Vishnus Seinsweise versetzen und dieses Mantra bedenken. Nun wird der Sinn von „Herr der Rede, ordne unsere Verneigung“ erklärt.

58.25 Die Rede ist die höchste Kraft Vishnus, bestehend aus dem Laut-Brahman. Der Herr der Rede ist ihr Gebieter; „Ordner“ heißt er, weil er ordnet.

58.26 Weil er alles zu sich beugt, heißt das Feuer der Beugende. „Erhabener, wir wollen Verneigung vollziehen“, bedeutet ein anderes Wort für demütige Hingabe.

58.27 „Und du mögest in uns Verneigung, die Geneigtheit des Herzens, bewirken.“ Eben diese Darbringung seiner selbst spricht der Weise noch einmal aus:

58.28 Der genannte Herr der Rede möge den Soma, den dem Somasaft gleichen Saft meines Selbst, trinken, den ich ihm wie in einem Opfer dargebracht habe.

58.29 Nachdem er getrunken hat, möge er seine eigene Menschenkraft in uns legen. Diese den Menschen bedenkwürdige Kraft besteht in seiner Gnade.

58.30 „Svaha“ bedeutet die Hingabe des eigenen Selbst: Möge dies gut geopfert sein. Eben dieses Opfer wird hier auch als Vier-Hotri-Opfer verstanden.

58.31 „Erde“ bedeutet die Natur, die sich als Welt ausbreitet. Der Purusha heißt Himmel, denn er leuchtet durch sein eigenes Bewusstsein.

58.32 Die Zeit hält beide bei der Auflösung an und lässt sie beim Entstehen hervorströmen. Daher heißt sie Rudra, der Verbindende und Trennende.

58.33 „Das Große“ bezeichnet die Kraft, weil sie alles wachsen lässt. Ihr Herr ist Brihaspati, der Gott der Götter, Janardana.

58.34 Der Lebensatem ist die Wirkkraft der Rede, Vishnus höchstes Beginnen der Schöpfung. Er ist aufs Höchste gesammelt, weil er sämtliche Gegenstände umfasst.

58.35 Nach dem Satz „Der Lebensatem ist die Opfergabe“ gilt auch hier der Atem als Opfergabe. „Du wirst verehrt“ bedeutet: Du selbst, Herr der Rede, wirst jetzt angebetet.

58.36 Darum schaffe diesem Opfernden jetzt das erwünschte, vorzügliche Himmelsglück. Das Trinken des Soma ist wie zuvor zu verstehen.

58.37 Der Ungeborene möge mich, den Nahrung gebenden Herrn, für die ursprüngliche Kraft geeignet machen, die das Erlangen des Brahman bewirkt.

58.38 So ist die Vier-Hotri-Formel erklärt; nun folgt die Fünf-Hotri-Formel. Das zuvor erläuterte Feuer wird Hotri genannt.

58.39 Erkenntnis und Lebensatem sind die beiden Ashvins, weil sie die Welt durchdringen. Sie werden als die beiden Adhvaryus bezeichnet, Adhvaryu und Pratiprasthatri.

58.40 Tvastri bezeichnet den göttlichen Willen, weil alles dessen Gestaltungswerk ist. Mitra bedeutet Freundlichkeit, Haris Mitgefühl.

58.41 Das mit „Soma“ beginnende Mantra wird zu seiner Verehrung gelehrt. Die beiden Genitivformen von Soma und Shukra bezeichnen den Saft der Schlingpflanze.

58.42 Die beiden anderen Formen bezeichnen das Selbst; „Vorgänger“ bedeutet Ursache. Die individuelle Seele ist Soma, der dem pflanzlichen Soma vorausgeht,

58.43 denn wie gepresster Soma den höchsten Purusha erfreut, so erfreut ihn auch die im Selbstopfer dargebrachte Seele — vielmehr noch weit mehr.

58.44 Der ausgepresste Soma ist vergänglich, du aber bist unsterblich und bestehst aus Bewusstsein. Die Seele heißt Shukra, das Reine, weil sie höchste Essenz und Same der Welt ist.

58.45 Auch dort ist dieselbe zuvor erklärte Zuordnung anzuwenden. „Indra“ ist ferner eine Anrede des Gottes Hari.

58.46 „Vatapi“ heißt der durch seinen Wind, seine eigene Tätigkeit, Durchdringende. Das Wirken des Welterhalters ist die unbegreifliche Schöpfung, der das Durchdringen vorausgeht.

58.47 Es gibt überhaupt nichts Seiendes, das nicht Gegenstand dieses Wirkens wäre. „Den Ruf hörend“ heißt er, weil er die Anrufung aufmerksam vernimmt.

58.48 O Indra, höchster Herr und Schöpfer, du hörst den Ruf! Wir sind diese durch die Eigenschaften zubereiteten Soma-Gaben, die Seelen, die bei dir Zuflucht genommen haben.

58.49 Svaha: Möge dies gut geopfert sein, diese höchste Opfergabe! So ist die Fünf-Hotri-Formel erklärt; nun wird die Sechs-Hotri-Formel dargelegt.

58.50 Sie spricht vom Opfernden, der zum Opfertier geworden ist und sich selbst zur Opfergabe gemacht hat: Mit Körper und Sinnen ist er heute als gemeinsame Opfergabe zu Vishnu gelangt.

58.51 Weil er hervorbringt, sich erfreut und verehrt wird, heißt er Sonne. Das Auge, Ursache der Erkenntnis, möge in diesen Vishnu eingehen.

58.52 „Wind“ ist der Name dessen, der Bewegung besitzt; Bewegung bedeutet Durchdringung. Weil er leuchtet, ist er Himmel, der Gott, dessen Lenker Erkenntnis ist.

58.53 Weil er im Inneren schaut, heißt er Zwischenraum; weil er alle mit Lebensatem verbindet und verehrt wird, heißt er Opfer.

58.54 „Erde“ bedeutet Vishnus Kraft, die sich durch ihr eigenes Licht ausbreitet. Der Lebensatem hat fünf Glieder; Rücken, Haupt und Glied werden genannt.

58.55 „Selbst“ bedeutet hier das innere Organ; die ohne Anfang und Ende bestehenden Körper werden als äußere Glieder bezeichnet. Danach wird die Opferschale erklärt.

58.56 Als Herr der Rede ist er bezeichnet; Rede ist Vishnus tätige Kraft. Ebendiese heißt Opferlöffel; Lebensatem heißt die vom Hotri dargebrachte Gabe.

58.57 Als in vielen Körpern und anderen Formen angewachsen werden die Götter bezeichnet. „Treibe an“ bedeutet „rege an“; Antreiben ist Anregen.

58.58 Höre nun, Narada, die Erklärung der anderen Sechs-Hotri-Formel. Weihe bedeutet den Entschluss des Geistes; Rede bezeichnet ihren sprachlichen Zustand.

58.59 Die Wasser sind Vishnus vom Mitgefühl herrührende Weichheit; Denken heißt Wille. Askese bedeutet Erkenntnis; der Potri gilt als zustimmender Priester.

58.60 Die Weisen nennen „Große Opfergabe“ die Sieben-Hotri-Formel. „Der Geist ist die Opfergabe“: So wird hier der Geist als Gabe bezeichnet.

58.61 Seine Größe besteht in der Größe seines Gegenstandes. Die Anstrengung wird Opfergabe genannt; als Lebensatem gilt sie hier als Gabe.

58.62 Wahrheit bedeutet Unverfälschtheit und unablässige Bereitschaft zum Handeln. „Pajas“ bedeutet hier Lichtkraft; seine Ewigkeit ist Unvergänglichkeit.

58.63 „Geist“ heißt Einsicht; ihre Unvergänglichkeit ist wie zuvor zu verstehen. Die Wörter „unangreifbar“ und „unbezwingbar“ stellen Kraft und Herrschaft dar.

58.64 Potri und Maitravaruna gelten hier als zustimmende Priester. „Ayasya“ wird gesagt, weil sein Gegenstand ohne Anstrengung erreicht wird.

58.65 Weil er die Verehrung annimmt und sich zu eigen macht, wird „Herz“ gesagt. Der göttliche Faden bedeutet die Überlieferungskette von Lehrern und Schülern.

58.66 Der menschliche Faden bedeutet das Gedeihen guter Nachkommenschaft. Himmel und Erde sind die Eltern; diese Eltern sind Shri und ihr Herr. So habe ich dir, Weiser, die Gruppe der Hotri-Formeln in Grundzügen erklärt.

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 58: „Bedeutung der fünf Hotri-Mantras“.

Kapitel 59 – Purusha-Sukta, Shri-Sukta und Varaha-Mantra

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

59.1 Ahirbudhnya sprach: Opferzubehör, Göttergattinnen, Opferlohn, Herzformeln, Rudras und Brahma-Formeln werden durch die entsprechende Rezitation erläutert.

59.2 Der Purusha-Hymnus ging einst aus dem höchsten Purusha hervor; zum Wohle der Welt entstand der Shri-Hymnus aus Lakshmi.

59.3 Den Purusha-Hymnus rezitiert man in zahlreichen verschiedenen Fassungen. Einige überliefern vier Verse, andere fünf, sechs oder sieben,

59.4 wieder andere sechzehn und andere achtzehn Verse. So wird der Purusha-Hymnus je nach Veda-Schulzweig unterschiedlich studiert.

59.5 In diesem Hymnus wird das göttliche und menschliche Opfer dargestellt, Ursache der Entstehung der gesamten Welt und Geber von Himmel und Befreiung.

59.6 Die ersten vier Verse unterscheiden die vier Seinsgestalten. Der höchste Lotosäugige ist das ewige höchste Selbst;

59.7 Lakshmi ist der Ursprung der Welten und teilt seine Wesenseigenschaften. Dieser erhabene Vasudeva wird durch den ersten Vers dargestellt.

59.8 Die höchste Kraft namens Shri, Verkörperung aller sechs Eigenschaften in ihrer Fülle, begleitet ihn und ist in untrennbares Zusammensein mit ihm eingegangen.

59.9 Er bleibt ungebunden und ist doch verbunden, besteht ewig und ist aller Wesen Zuflucht. So wird der Erhabene als „tausendhäuptig“ gepriesen.

59.10 Weil er stets vollkommen ist, heißt er Purusha; die Wortwurzel für Füllen wird zur Erklärung herangezogen. „Auge“ wird aus den Wurzeln für Durchdringen, Essen, Antreiben oder Gehen gedeutet.

59.11 Als „Auge“ wird der allgegenwärtige Purusha bezeichnet, der in der Natur ruht. „Fuß“ wird aus der Wurzel für Sichwandeln erklärt.

59.12 „Fuß“ bedeutet die Natur, die sich ewig wandelt. Von den sechs Eigenschaften wird die Kraft hier „hasra“ genannt.

59.13 Urnatur und Purusha gehen bei der Schöpfung aus dieser ewigen Kraft hervor und ruhen am Ende wieder in ihr; daher werden sie als mit „hasra“ verbunden bezeichnet.

59.14 Als Herr von Purusha und Unentfaltetem ist er tausendäugig und tausendfüßig. „Er umschloss die Erde von allen Seiten“ erklärt denselben Sachverhalt.

59.15 Er besteht, indem er die ausgeströmte Welt mit ihren vielfältigen Seinsformen übersteigt. Bei gewöhnlichen Wirkungen wird die Ursache durch die Wirkung begrenzt, etwa Milch beim Entstehen von Dickmilch.

59.16 Andernorts bleibt beim Bestehen der Wirkung deren Umfang in der Ursache enthalten, wie in einem Wachsklumpen, dessen besondere Gestalt verschwunden ist.

59.17 Beim Erhabenen ist es anders: Weder bei der Schöpfung noch bei der Rücknahme besteht eine Begrenzung durch die Wirkung. Das wird mit „Er umschloss die Erde“ ausgedrückt.

59.18 Die im Erhabenen vorhandenen reinen und unreinen Seinsformen heißen „Erde“; hier bedeutet die Erdkraft den Stoffgrund der Welt.

59.19 Die Unterscheidung von rein und unrein sowie das Bestehen von Zeit, Purusha und Natur: Diese „Erde“ umschließt er ringsum und trägt sie durch sein eigenes Licht.

59.20 In Gestalt seines eigenen Willens steht er beim Entstehen und Vergehen darüber hinaus; er überragt sie noch um „zehn Fingerbreit“.

59.21 Die zehn Fingerbreiten lehren die Unendlichkeit der Ursache. Nun wird die Samkarshana-Gestalt, Ursache der Welt, erklärt.

59.22 Diese sichtbare Welt in Gestalt des Gewesenen und Künftigen war am Anfang, als der Schöpfungswille entstand, allein der Purusha.

59.23 Der Purusha lässt das Entfaltete durch die Verbindung mit vollkommener Erkenntnis hervorströmen; deshalb wird Samkarshana Purusha genannt.

59.24 Samkarshana tritt hervor und trägt die aus Bewusstem und Unbewusstem bestehende Welt wie Stirnzeichen und Haarlocke. Weiter wird von ihm gesagt:

59.25 „Auch ist er Herr der Unsterblichkeit.“ Dessen Bedeutung wird nun erklärt. Durch Nahrung, die als Erfahrungsgegenstand aus Natur und Naturprodukten besteht,

59.26 von der Zeit zusammengefügt und in vielen Gestalten geordnet, also durch den unbewussten Anteil, steigt die individuelle Seele als bewusster Anteil auf.

59.27 An sich unverbunden, ist sie hier durch frühere Bindung verstrickt; durch Verbindung mit den guten Eigenschaften schwinden ihre mannigfaltigen Fesseln.

59.28 Unsterblichkeit heißt das Offenbarwerden ihres eigenen Wesens und wird auch Befreiung genannt. Der Gott Samkarshana ist deren Herr, weil er Erkenntnis lehrt.

59.29 Vishnu tritt als Samkarshana hervor, weil er sich der bewussten Wesen erbarmen will, die vom Feuer des Daseinskreislaufs gequält sind. Nun spricht der dritte Vers von ihm.

59.30 „So groß ist seine Herrlichkeit“: Vishnus Herrlichkeit als Samkarshana besteht darin, dass er die Welt bei ihrem ersten Sichöffnen trägt.

59.31 „Noch größer als dies ist der Purusha“: Pradyumna ist aufgrund seines helfenden Wirkens größer. Er heißt Purusha, weil er die beiden, Natur und Seele, hervorbringt.

59.32 Seine größere Bedeutung wird durch die Tätigkeiten zum Wohle der Welt beschrieben. Im vierten Vers des Hymnus, „Mit drei Füßen stieg er empor“,

59.33 wird Aniruddha dargestellt, der Gott mit unbegrenztem Wirken. Er geht voran und lässt sämtliche Lebewesen ihre Tätigkeiten ausführen.

59.34 Durch Handlungen verehrt, schenkt er den Menschen die Früchte; daher wird Aniruddha Purusha genannt.

59.35 In der Stadt wohnend, gleichsam selbst die Stadt, stieg er über den früheren höchsten Zustand hinaus. Der Sinn ist hier, dass jener frühere Zustand davon unberührt bleibt.

59.36 Sein einzelner Fuß ist nur der eine Anteil hier, bestehend aus Bewusstem und Unbewusstem. Sein Durchdringen als innerer Lenker folgt dem Willen, jedes Einzelne zu ordnen.

59.37 Dies verdeutlicht der Vers mit „Von dort nach allen Seiten“: Überall gegenwärtig schritt er aus und trat vielfach ein.

59.38 „Essend“ und „nicht essend“ bezeichnen Bewusstes und Unbewusstes. Bei „Aus ihm entstand Viraj“ bedeutet Viraj die Weisheit, auch die Höchste genannt.

59.39 Hiranyagarbha, die Weltseele, wird hier Purusha genannt. Das Übrige ist aus dem allgemeinen Verständnis bekannt. So lautet der Sinn dieses Hymnus.

59.40 Der Shri-Hymnus beginnt mit „Die Goldfarbene“; seine ausführliche Erklärung wurde anderswo gegeben. „Farbe“ bezeichnet die erwählte Gestalt und das Vorzügliche.

59.41 Wessen Gestalt heilsam und lieblich ist, die ist die goldfarbene Göttin, Shris höchste unsterbliche Kraft.

59.42 Diese beiden Hymnen bilden ein Paar, das auf das Höchste weist. Weil beide ursprünglich miteinander verbunden sind, stellt jeder zugleich den anderen dar.

59.43 Wer gesammelt, maßvoll in der Nahrung, hingebungsvoll und mit beherrschten Sinnen diese beiden Hymnen verehrt, gelangt zu Vishnus höchstem Ort.

59.44 Das Varaha-Mantra wird als Atyanushtubh bezeichnet. Die damit verbundene Handgeste ist dir aus der Überlieferung bekannt.

59.45 Höre von mir seine Wort-für-Wort-Bedeutung. Seine ewige Gestalt wurde zuerst als Eber offenbar.

59.46 Der Erhabene in Ebergestalt machte sich daran, die Erde emporzuheben. Der Daseinskreislauf heißt Nacht; Befreiung gilt als der vorzügliche Tag.

59.47 Weil er diesen vorzüglichen Tag offenbart, wird er als Varaha bezeichnet. Er ist Träger aller Welten und ihr immerwährender Schützer,

59.48 auch Träger der Erkenntnisse, Waldbrand für Rakshasas und Daityas, Läuterer aller Welten, unermesslich und ewig.

59.49 Das höchste Selbst wurde Varaha: So wird dieses Höchste erklärt. Damit ist die Richtung deutlich gezeigt; dieselbe Auslegungsweise gilt für die anderen Mantras.

59.50 Bestimme nach diesem Grundsatz den Sinn der Mantras und ihrer kompakten Lautformen. Höre noch einmal kurz vom Wirkungsbereich Sudarshanas.

59.51 Was sich schließt und was sich öffnet, was sich bewegt und was unbeweglich ist, Göttliches und Natürliches, Feines und Grobes,

59.52 Kurzes und Langes, Beherrschtes und Herrschendes, Erkenntnis und Nichtwissen, Glück und Unglück,

59.53 was auch immer durch solche Gegensatzpaare unterschieden wird: Erkenne jedes davon als ein Sichöffnen Sudarshanas, Herr der Weisen.

59.54 Der Erhabene wurde in seinem Wesen, seinen Eigenschaften und Entfaltungen in Grundzügen beschrieben; seine Kraft, die seine Wesenseigenschaften teilt, wurde ihrem wahren Sein nach erklärt.

59.55 Ein äußerst geringes Hervortreten dieser Kraft wurde dir als die hervorzubringende Seinsmacht erklärt; ihre reine und unreine Entfaltung wurde wahrheitsgemäß dargestellt.

59.56 Auch der hervorbringende Kraftanteil, Vishnus höchster Wille, der anders Sudarshana heißt, wurde seiner Gestalt nach gründlich beschrieben.

59.57 Sein Durchdringen von Raum, Zeit und den übrigen Bereichen wurde erklärt. Lebenswirken, Stärke, Lichtkraft, Wille und Vishnus Herrlichkeit,

59.58 Sudarshana, höchstes Tätigwerden, Lebensatem, Vishnus Wirksamkeit, ungehemmter großer Yoga, Wesen des Yoga und Hervorbringer des Yoga:

59.59 Mit diesen und anderen großen Wörtern, die jeweils in bestimmte Bedeutungen eingehen, wird Vishnus höchste Handlungskraft in den verschiedenen Lehrschriften bezeichnet.

59.60 Wie sie zur Ursache wird, wie sie zum tragenden Grund wird, wie sie zum Erkenntnismittel und wie sie zu dessen Gegenstand wird,

59.61 wie sie auf unterschiedliche Weise die Zuständigkeit für die einzelnen Gegenstände annimmt und wie aus ihrer ungeteilten Gestalt die göttliche Ordnung hervorgeht,

59.62 wie ihre mittlere Gestalt, das Yantra, beide Seiten verbindet und wie ihre gegliederte leuchtende Gestalt aus Hand- und Wurfwaffen besteht,

59.63 die göttlichen Entfaltungen Sudarshanas, seine große Allgestalt, sämtliche Siege eines Königs und der Sieg über Himmel und Erde,

59.64 die vollständige Yogamethode und die Methode des Hingabe-Yoga, die Besänftigung verschiedener Störungen und die Ordnung der yogischen Erfahrungsbereiche,

59.65 das Wesen der Brahma-Waffe und der übrigen Waffen, ihre Mantraverfahren, die große Weihebegießung und das Verfahren des Waffen-Yoga,

59.66 die Mantraanwendungen am Banner und an anderem samt erläuternden Geschichten sowie die äußeren, feinen und höchsten Bedeutungen göttlicher Mantras:

59.67 Diese Gegenstände habe ich dir alle dargelegt, Herr der Weisen. Nimm die Wahrheit ins Herz auf und ruhe gesund und unversehrt in dir selbst.

59.68 Alle Zweifel in deinem Geist sind geklärt, Seher Narada. Die göttliche Wirkweise Sudarshanas liegt offen da wie eine Amalaka-Frucht auf der Hand.

59.69 Diese Samhita ist durch seine Gestalt, Eigenschaften, fruchtbringenden Machtentfaltungen und sein Wirken erklärt; sie durchdringt viele Lehrgebiete.

59.70 Sie ist göttlich und vom Pancharatra erfüllt, stimmt mit Samkhya, Yoga und anderen Lehren überein, ist höchst geheim und von vielen Mantras erfüllt.

59.71 Du sollst sie keinesfalls jemandem weitergeben, der Vasudeva nicht verehrt, keinem Gottesleugner, keinem Übertreter der Ordnung, keinem Undankbaren und keinem Lügner,

59.72 niemandem ohne Vedastudium und Opferruf, keinem Verächter von Göttern und Brahmanen, keinem vom Keuschheitsgelübde Abgefallenen und keinem, der sich von den fünf Opfern abwendet,

59.73 auch keinem Verleumder der Veden und keinem Brahmanen ohne Mantrakenntnis. Einem vedakundigen Haushälter aber, der Wissen und Gelübde vollendet hat,

59.74 oder einem Brahmacharin, der sich gewissenhaft Lehrer und Studium widmet, einem gelübdetreuen Waldeinsiedler oder einem Bettelmönch, der nach Erkenntnis der Wahrheit strebt,

59.75 der in Tat, Geist und Rede dem Gott Janardana ergeben ist, das Pancharatra stets liebt und fest im vedischen Wissen steht,

59.76 dem soll diese höchste Weisheit gelehrt werden, die sämtliche Vedanta-Lehren erweitert. Verehrung der Sudarshana genannten, als Tätigkeit wirkenden Kraft, die Entstehung, Bestand und Auflösung der gesamten Welt verursacht!

59.77 Narada sprach: Verehrung dem ursprünglichen Schöpfer, der wie eine Sonne die Finsternis der Unwissenheit vernichtet, den Wesen Heil bringt und friedvolle Lichtkraft ist!

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 59: „Purusha-Sukta, Shri-Sukta und Varaha-Mantra“.

Kapitel 60 – Zusammenfassung und Größe der Lehre

Eingangsverehrung: Lasst uns über jenen göttlichen Glanz des Gottes Sudarshana meditieren, der, auch nur einmal vergegenwärtigt, rasch die Schuldmassen unzähliger Geburten hinwegnimmt.

60.1 Durvasas sprach: Dieses große, geheime Wissen vom Erhabenen, das höchste unter den Erkenntnissen, erklärte Shankara einst auf Naradas Fragen.

60.2 Darin wird Vishnu betrachtet, der die Wesen erhält, hervorbringt und auflöst: in seinem Wesen, seinen Eigenschaften und seiner Entfaltung.

60.3 Darin wird jene Kraft Vishnus betrachtet, die seine Eigenschaften trägt und sein Hervortreten und Nichthervortreten begleitet wie das Mondlicht den Mond.

60.4 Sie ist von ihm nicht verschieden und besitzt doch eine eigene Gestalt; sie besteht aus Erkenntnis, Glückseligkeit und Wirkkraft. Sie ist der Grund großer Entfaltungen, unveränderlich und makellos.

60.5 Ungebunden und verbunden, reines Sein, voll und leer, Wahrheit tragend: In ihr sind Unterschiede zur Ruhe gekommen, und durch sie treten Unterschiede hervor.

60.6 Sie liegt jenseits des Bereichs der sechs Wege und umfasst zugleich deren Bereich. Sie ist Schließen und Öffnen, Hervortreten und Nichthervortreten.

60.7 Darin wird diese Lakshmi in ihrem Wesen, ihren Eigenschaften und ihrer Entfaltung betrachtet: als Kraft in zwei Gestalten, als Hervorzubringendes und als Hervorbringendes.

60.8 Klar wird dort die Kraft Vishnus in ihrem Wesen, ihren Eigenschaften und ihrer Entfaltung betrachtet, als reine und unreine Erscheinung, welche die Welt erfüllt.

60.9 Darin wird Bhuti betrachtet, die zur Erscheinung kommende Wirklichkeit. Dort wird auch die als schöpferisches Schauen bestehende Kraft behandelt, deren anderer Name Sudarshana ist,

60.10 diese lotusgeborene, die Welt hervorbringende Kraft des Weltenträgers. Darin wird die ursächliche Natur der Wirkkraft betrachtet.

60.11 Darin wird deutlich betrachtet, wie Vishnus Wirkkraft gestalttragend und gestaltlos ist und sich in reine und unreine Formen gliedert. [Die Lesung sākāratākāratā ist sprachlich verkürzt beziehungsweise unsicher.]

60.12 Darin wird ihre dreifache Gestalt als maßgebende Instanz betrachtet, unterschieden nach Ordnung sowie den Scharen der Geschosswaffen, Handwaffen und Lehrschriften. [Die Zuordnung der vier genannten Ausdrücke zur dreifachen Gliederung ist nicht eindeutig.]

60.13 Ferner ihr Wesen als menschliche Lebensziele, die Befähigung zu diesen und ihre Gestalt als Schutz der Welt, entfaltet in Mantras, Yantras und Waffenkräften.

60.14 So wird darin die ungeteilte Gestalt Sudarshanas betrachtet, ebenso die Vielfalt seiner Entfaltungen, geschmückt mit mannigfaltigen Gestalten.

60.15 Darin wird seine große, gegliederte Gestalt betrachtet, machtvoll und fähig, die Welt zu schützen, aufzulösen und hervorzubringen.

60.16 Alle aus Sudarshanas Gliedern entstandenen Waffenkräfte werden darin sorgfältig nach ihrem Wesen, ihren Lautgestalten und ihren Wirkungen betrachtet.

60.17 Darin werden die Verfahren von Samkhya und Yoga umfassend behandelt, ebenso die verschiedenen Mantrayogas, die Mantras und sämtliche zugehörigen Vorschriften.

60.18 Auch ihre unterschiedlichen Wirkungsweisen werden ausführlich mit Überlieferungsgeschichten dargestellt, und ebenso die Hingabe seiner selbst, die höchste unter den Vorgehensweisen.

60.19 Darin werden die mannigfaltigen Bedeutungen der Mantras deutlich betrachtet: ihre grobe, feine und höchste Gestalt, entfaltet aus Vishnus Entschluss.

60.20 Diese Lehre Ahirbudhnyas, „Essenz der Tantras“ genannt, soll von einem Menschen studiert werden, der seine Unruhe besänftigt hat, friedvoll ist und seinem Guru dient.

60.21 Sie soll nach der traditionellen Zugangsregel nicht einem Unkundigen des Veda, einem Unwissenden oder jemandem, der das morgendliche Bad unterlässt, gegeben werden; ebenso wenig einem Falschen, Hochmütigen oder einem Anhänger trügerischer Verfahren.

60.22 Sie soll nicht jemandem gegeben werden, der nicht Schüler im Haus des Lehrers ist und nicht ein Jahr bei ihm gelebt hat, auch keinem Undankbaren und keinem, der im Feuer des Neides liegt.

60.23 Einem guten Sohn, einem guten Schüler, einem Menschen, der seinen ganzen Besitz und sein Leben hingibt, der Geheimnisse zu bewahren weiß und den Sinn der Schrift festigt,

60.24 der Erwägung und Prüfung beherrscht, mit Mantras rituell vorbereitet wurde und beständig dem inneren Selbst zugewandt ist, soll sie gegeben werden – nach der sozialen Vorschrift des Textes einem Angehörigen der drei oberen Varnas.

60.25 Diese hervorragende Samhita wurde in sechzig Kapiteln dargelegt. Wer sie erkennt, kann, so verheißt sie, beständige Allwissenheit erlangen.

60.26 Der gesamte Inhalt der beiden als höchste und mittlere Samhita bekannten Fassungen ist hier in verkürzter Form dargestellt.

60.27 Verehrung Shiva, dem Friedvollen, und Narada, dem großen Seher! Verehrung Sudarshana, der Vishnus Entschluss verkörpert!

Kolophon: Damit endet in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis des Pancharatra, Kapitel 60: „Darstellung der Größe der Lehre“.

Gesonderter Anhang: Sudarshana-Sahasranama

Dieser Anhang gehört zur vorliegenden Textüberlieferung, bildet aber kein Kapitel 61. „Sahasranama“ ist der überlieferte Titel; der Herausgeber weist darauf hin, dass die vorliegende Fassung höchstens 560 Namen enthält. Die Vorrede zählt 1–21; danach beginnt die Zählung der Namenslitanei mit 1 neu und reicht einschließlich der Schlussverheißung bis 119. Die alphabetischen Zwischenüberschriften des Sanskrittextes sind Gliederungshinweise, keine zusätzlichen Verse.

Die folgende Übersetzung gibt sämtliche Verse sowie die unnummerierten Ritual- und Meditationsabschnitte wieder. Die Namen sind vielfach lautspielerische Zusammensetzungen mit mehreren möglichen Bedeutungen. Wiederholungen und auffällige Gegensätze bleiben erhalten. Wo der Wortlaut keine sichere Deutung erlaubt, steht ein örtlicher Hinweis. Die Wirkungsversprechen am Anfang und Ende werden als Aussagen des Hymnus übersetzt.

Vorrede

Vorrede 1. Nachdem er mit dem Haupt dem alles durchdringenden Gott Narayana gehuldigt hatte, dessen Brust von der Moschuspaste an Ramas Brüsten gezeichnet ist,

Vorrede 2. sprach der an Askese reiche Sohn Parasharas, der die wahre Bedeutung aller Lehrschriften kannte, zum Wohle aller Welten zum Weisen Narada.

Vorrede 3. Dieser kannte die Besonderheiten von Erkenntnis und Weisheit, war weiß wie Kampfer, sein Geist vom Spiel der Vina erfreut, und er überragte die Götter.

Vorrede 4. Aus Hiranyagarbha hervorgegangen, von Hiranyaksha und anderen verehrt, ein Hort des Verdienstes und Kenner der Puranas, heiligte er die weiten Himmelsrichtungen.

Vorrede 5. Vyasa sprach: Erhabener Götterseher Narada, unmittelbar aus Brahmas Leib entstanden! Du hast alle Wissensgebiete durchmessen und bist ein Schatz der Askese.

Vorrede 6. Du hast den Vedanta vollständig ergründet, strahlst durch Einsicht in den Sinn sämtlicher Lehrschriften, bist in das höchste Brahman eingetaucht und verkörperst Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit.

Vorrede 7. Zum Wohle der Welt wurdest du unmittelbar aus dem Viergesichtigen geboren. Durch dich werden die Daityas mithilfe der Armkraft ihres göttlichen Feindes vernichtet.

Vorrede 8. Du bist Zeit und Geber der Gnade; die drei Welten stehen unter deiner Macht, Makelloser. Menschen, Seher und Götter leben durch dich, Bester.

Vorrede 9. Du bist fest gegründet im Wirken für die Welt und in höchster Vortrefflichkeit. Dich, den Allwissenden, frage ich nach der Quelle aller Güter:

Vorrede 10. Nach dem, der von allem Daseinskreislauf frei ist, reine Bewusstheit besitzt, friedvollen Geistes ist, allen Welten Heil schafft und von den Yogis gepriesen wird;

Vorrede 11. durch den dieses bewegliche und unbewegliche All getragen wird, großer Weiser, und dessen Wohlgefallen Brahma und die übrigen Götter erstreben;

Vorrede 12. aus dem Schöpfung, Bestand und Auflösung des Alls hervorgehen und durch dessen Gnade Brahma und die übrigen Götter die ersehnte Frucht erlangen;

Vorrede 13. bei dessen bloßem Eintritt in den Bereich des Hörens Armut schwinden soll und aus dem Mund eine Rede hervorgeht, die den beabsichtigten Sinn zur Erfüllung bringt;

Vorrede 14. durch den Könige ohne Reich ihr Königtum zurückerlangen sollen, Kinderlose einen Sohn und unfruchtbare Frauen Nachkommenschaft erhalten sollen;

Vorrede 15. durch den Feinde bald untergehen sollen, Erkenntnissuchende Erkenntnis und Gelübdetreue augenblicklich die Früchte der vier Lebensziele erlangen sollen;

Vorrede 16. durch dessen bloßes Erinnern Geister, Totengeister, Pishachas, Yakshas, Rakshasas und Schlangenwesen sowie Besessenheitsfieber und andere Krankheiten

Vorrede 17. weichen sollen, bester Weiser; durch den die ganze Welt getragen wird. Bestimme dies genau, Kenner aller Lehrschriften,

Vorrede 18. und erkläre mir alles zum Wohle sämtlicher Welten, Lehrer! So angesprochen von Vyasa, dem Weisen von unermesslichem Glanz,

Vorrede 19. faltete der Weise Narada ehrfürchtig die Hände und verneigte sich vor dem Ursprung der Welt, Lakshmis Geliebtem, dem Höchsten über dem Höchsten.

Vorrede 20. Voll Freude sprach er und erquickte mit dem Nektarstrom seines Mitgefühls alle auf Brahman ausgerichteten Weisen, Vyasa und die übrigen.

Vorrede 21. Narada sprach: Ich verehre Sudarshana, das Licht, das äußere und innere Dunkelheit durchschneidet; durch dieses erkennt man die Wirklichkeit, den Träger Lakshmis, dessen Entschluss ungehemmt ist.

Rituelle Zuordnungen und Einsetzungen

Zuordnung des großen Mantras: Für das große Mantra des ehrwürdigen Sudarshana-Sahasranama-Hymnus ist der erhabene Ahirbudhnya der Seher, Anushtubh das Versmaß und Shri Sudarshana-Mahavishnu die Gottheit. Der Keimlaut ist „raṃ“, die Kraft „huṃ“, der Verschluss „phaṭ“. Das Mantra besteht aus der sechsteiligen Lautfolge „rāṃ, rīṃ, rūṃ, raiṃ, rauṃ, raḥ“. Seine Anwendung bei der Wiederholung dient dem Erlangen von Shri Sudarshanas Gnade. Diese einzelnen Laute sind rituelle Lautzeichen, keine übersetzbaren Sätze.

Einsetzung in die Hände: Mit dem ersten, zweiten, dritten und vierten Laut, jeweils mit Om eingeleitet, wird den beiden Daumen, Zeigefingern, Mittelfingern und Ringfingern Verehrung dargebracht. Der fünfte Laut wird den kleinen Fingern zugeordnet; die Vorlage lässt hier den sonst wiederkehrenden Verehrungsabschluss aus. Mit dem sechsten Laut wird den Handflächen und Handrücken Verehrung dargebracht.

Einsetzung in Herz und weitere Körperstellen: Der erste Laut wird der Erkenntnis und dem Herzen mit Verehrung zugeordnet; der zweite der Herrschaft und dem Kopf mit der Opferhingabe; der dritte der Kraft und der Haarlocke mit dem Opferruf; der vierte der Stärke und dem Schutzpanzer mit dem Kraftlaut; der fünfte der Tatkraft und der Waffe mit dem Waffenabschluss; der sechste dem Lichtglanz und den Augen mit dem entsprechenden Opferruf. In der Kopfzuordnung steht in der Vorlage ein verkürztes „o“ anstelle des sonstigen Om.

Bindung der Himmelsrichtungen: Nach Om und zweimaligem „ṭhaṃ“ lautet die Erklärung: „Ich binde die östliche Richtung mit dem Rad. Verehrung dem Rad“, gefolgt von Kraftlaut, Waffenabschluss und Opferhingabe. Die Vorlage wiederholt dies abgekürzt für Südosten, Süden, Südwesten, Westen, Nordwesten, Norden, Nordosten, oben und unten. Abschließend wird die Formel für sämtliche Richtungen ausgeschrieben. Damit endet die Richtungsbindung. Die Sanskritseiten bewahren die im Ausgangstext verwendeten Wiederholungszeichen.

Meditation

Erste Meditation. Im Geist vergegenwärtige ich mir den ursprünglichen König der Räder des Feindes Muras: Er leuchtet wie die Sonne am Weltende und erfüllt die gesamten drei Welten mit Lichtkraft. Seine Augen sind rot, sein Haar gelbbraun; er erschreckt die Scharen der Feinde, zeigt furchtbare Hauer und lacht laut. Mit seinen Armen trägt er Muschel, Rad, Keule, Lotos, einen gewaltigen Stößel, Bogen, Schlinge, Haken und weitere Waffen.

Zweite Meditation. Man meditiere über das im Sechseck stehende Rad, das den feindlichen Scharen das Leben nimmt: Es trägt Muschel, Rad, Keule, Lotos, Pfeil, Schwert, Köcher, Bogen, Schlinge, Haken, Donnerkeil, Schild, Pflug, Stößel und glänzende Lanze. Es hat äußerst furchtbare Hauer, Flammen als Haare und drei Augen; es gleicht loderndem Feuer und ist mit Halsketten und Armreifen geschmückt.

Namenslitanei

1. Er ist mit heilvollen Eigenschaften ausgestattet, strahlt in heilvollen Gewändern, ist tief und fest wie ein heilvoller Berg und erfreut die dem Heil zugewandten Menschen.

2. Er beseitigt das dem Heil entgegenstehende Fehl, besitzt heilvoll schöne Glieder, ist mit heilvollen Armreifen geschmückt und gleicht einer Verkörperung des Heils.

3. Er hat ein furchtbares Antlitz, ist furchtlos, besitzt eine schreckliche Gestalt und schenkt Furchtlosigkeit; er ist gewaltig gegenüber schrecklichen Leibeswesen und spaltet furchtbare Körper [die vorletzte Namensbildung ist mehrdeutig].

4. Er steht inmitten des Karanja-Waldes, nimmt Karanja und Dickmilch als Speise, vernichtet den Dämon Karanja und besitzt die liebliche Gestalt des Karanja.

5. Er erfreut den Khanjana-Vogel, erfreut sich an dessen Nahrung, trägt die Khanjana-Waffe und bricht den ungeteilten Stolz des göttlichen Khanjana [die Bezüge der wiederholten Vogelbezeichnung bleiben dunkel].

6. Er beendet Khara, leuchtet scharf, bleibt von harten Leiden unberührt, beendet Khara, ist kraftvoll freigebig und zerschlägt den Dämon Khara.

7. Er ist Kuhhirt, Herr der Kühe und Beschützer, erfreut den Herrn der Hirtinnen, besitzt die rötliche Gestalt des Erdgeborenen, ist erdgeboren und schafft ein Fest der Freude des Erdgeborenen.

8. Er hat einen tiefen Nabel, ist unergründlich, enthält tiefen Sinn, besitzt tiefgründige heilende Lebenswinde und ist mit tiefen Eigenschaften geschmückt.

9. Er tönt wie eine Wolke, leuchtet wie eine Wolke, klingt tief wie eine Wolke, vernichtet dichte Ansammlungen und schenkt reiche Nachkommenschaft.

10. Er strahlt dicht, wandert in den Wolken, ist mit dichter Sandelpaste bestrichen, besitzt mächtige Waffen und kräftige Arme, ist dicht gefügt und wird von sämtlichen Göttern verehrt.

11. Seine Macht reicht bis zum Laut „ṅa“; er ist dieser von den Weisen anerkannte Laut, mit dessen Entfaltung verbunden und mit dessen Gestalt geschmückt [die dritte Zusammensetzung ist unsicher].

12. Er ist König des Rades, Herr des Rades, Gebieter des Rades, Ursprung des schönen Rades, vom Rad zu verehren, Träger des Rades und mit Radschmuck geschmückt.

13. Er besitzt den Glanz des Radkönigs, ist das Rad, eifrig auf dessen Schutz bedacht, trägt das Rad, schenkt durch das Rad Gaben und ist mit Radschmuck geschmückt.

14. Seine Einsicht ist ein gutes Rad; er heißt schönes Rad, ist mit dessen Eigenschaften geschmückt, entfaltet das Rad, ist ihm hingegeben und besitzt die volle Herrlichkeit des Rades.

15. Seine Arme sind Räder; er schenkt das Rad, ist das Rad und besitzt die Heldenkraft des Radkönigs; er tönt als Rad, bewegt sich als Rad, geht mit dem Rad und schafft eine Radschlinge.

16. Er durchdringt das Rad, ist Lehrer des Rades, nimmt das Rad an sich, trägt das vielfältige Rad, hat das Rad zum Leib, wird durch das Rad geehrt und ist ein Schatz der Eigenschaften des Chakravaka-Vogels.

17. Er umfasst das Rad, kennt dessen Ordnung, bildet das Rad und zermalmt mit dem Rad; er ordnet das Rad ringsum, ist das Rad und schüttelt jede Schuld ab.

18. Er ist die Flamme des Rades, trägt das Rad, seine Gestalt wird vom Rad beschützt; er ist Weltherrscher, Geber des Rades, Schöpfer des Rades und Vertreiber des Hochmuts.

19. Er tönt gewaltig wie Millionen Räder, besitzt den Glanz von Millionen Rädern, wandert zum Schutz des Radkönigs und leuchtet in dessen Innerem.

20. Er bezwingt unstete Feinde, ruft im bewegten Herzen ein Erschauern hervor, ist beweglich, erfreut den Geist und leuchtet bewegt und unbewegt [die zweite Namensbildung ist unsicher].

21. Er widmet sich der Abwehr unsteter Feinde und ist beweglicher als das Bewegliche. Durch seinen Schatten beseitigt er alle Hitze und bricht den Stolz des Schattens.

22. Er liebt den Schatten, strahlt überaus, ist Zuflucht wie ein Schattenbaum, ist von Schatten begleitet, im Schatten zu verehren und schenkt mehr als die Freude des Schattens.

23. Er trägt Schatten als Gewand und befreit die Kinder des Schattens [Lesung unsicher]. Er erfreut die Lotosäugige und schenkt der Lotosgeborenen Freude.

24. Er erstrahlt durch die Vollendung der Lotosgeborenen, trägt eine den Lotosmassen gleiche Fülle, ist durch die Worte der Lotosgeborenen zu preisen und erfreut den Lotosgeborenen.

25. Er ist geschickt im Annehmen von Lotosgaben, eifrig in der Verehrung der Lotosgeborenen, zufrieden mit Janakas Lobpreis und besonders von Janaka verehrt.

26. Er ist ganz auf Janakas Freude bedacht, schenkt Janaka Glück, sein Herz ist durch Janakas Meditation erfreut und er wird von Janaka angebetet.

27. Er erzeugt Janakas Freude und lässt den Herzenslotos der Menschen entstehen. Er besitzt die Geschwindigkeit des Sturmwinds und kämpft mit der Gewalt eines Sturms.

28. Er dröhnt wie ein Sturmwind und besitzt dessen gewaltige Kraft. Er steht im Lotos des Lautes „ña“ und macht sich in diesem Laut gegenwärtig.

29. Er trägt den Meißel, besitzt dessen Gestalt und vernichtet mit ihm; er glänzt wie frisch behauenes Gold und strahlt mit dem laut sirrenden Bogen.

30. Er gleicht dem durch den Bogenton entfachten Feuer, ist von dessen Klang erfüllt, sein Ruhm ist vom Sirren durchdrungen und er mehrt die Freude an diesem Ton.

31. Er vernichtet die Ansammlung des Trugs und vermehrt dessen Folge; er trägt den Trug, hat ihn im Herzen und ist eifrig darauf bedacht, ihn zu bestrafen. [Die gegensätzlichen Namen stehen so nebeneinander in der Vorlage.]

32. Er trägt das Kind, spielt als Kind, ist das Kind und ist eifrig auf die Vernichtung Dimbhas bedacht; er nimmt dem Kind die Schuld, und seine Lotosfüße werden vom Kind verehrt.

33. [Der erste Name ist in der Vorlage nicht sicher deutbar.] Er widmet sich der Meditation über die Sanduhrtrommel, vernichtet das aus ihr Entstandene und erfreut sich an ihrem Hervortreten.

34. Er steht im Granatapfelhain, liebt die Granatapfelblüte, ist durch Granatapfelfrüchte erfreut und ohne Granatapfelfrüchte. [Der Gegensatz bleibt nach der Vorlage erhalten.]

35. Er besitzt eine durch die Trommel bezaubernde Gestalt, strahlt durch den Trommelklang, ist dem Trommelspiel hingegeben und darauf bedacht, die Trommel zu tragen.

36. Er besitzt den Keimlaut „ḍha“, ist von diesem Laut erfüllt, wohnt in dessen Mitte und hat sein Inneres durch ihn gestaltet [letzte Lesung unsicher].

37. Er wohnt im Keimlaut „ṇa“, strahlt in dessen Gewand, besitzt eine in diesem Laut überaus tiefe Gestalt und liebt seine Verehrung.

38. Er ist ein großer Bezwinger der Flatteräugigen, vernichtet den Dämon Taraka und ist das rettende Boot; er trägt bewegliche glänzende Halsketten und erfreut unruhige Herzen.

39. Er wird vom Dämon Taraka bedient und geehrt; der Lotos seines Herzens ist durch den Lobpreis des Pferdegesichtigen erfreut.

40. Er ist pferdegesichtig, ruhmreich, vom Pferdegesichtigen gepriesen, von einer Hülle der Finsternis umgeben und Zermalmer der fortgesetzten Dunkelheit.

41. Er vertreibt Dunkelheit, ruht auf dem Wasser, vermehrt Dunkelheit und nimmt sie hinweg. Er wohnt im Laut „tha“ und ist mit dessen Vorzüglichkeit geschmückt.

42. Er besitzt den Keimlaut „tha“ und hat in ihm einen schönen Wohnsitz. Er trägt die Muschel, seine Augen gleichen ihrem Inneren, er vertreibt Furcht und täuscht die Furcht.

43. Er leuchtet wie ein halb geöffneter Lotos, strahlt mit Muschel und Rad, ist eifrig beim Sammeln von Dickmilch und besitzt einen Ruhm so weiß wie Dickmilch.

44. Er erfreut sich an der Verehrung mit Dickmilchspeise und bereitet dem Dickmilch-Zwerg Freude [Wortbezug unsicher]. Er ist Bogenträger, liebt Reichtum, ist gesegnet und vom Herrn des Reichtums verehrt.

45. Er trägt, ist dem Schutz der Erde hingegeben, schenkt Fülle an Besitz und Getreide, gewinnt Reichtum, steht dem Getreide vor, gibt Reichtum und ist ohne Besitz.

46. Er besitzt die Fähigkeit, Reichtum anzunehmen, sein Geist stimmt dem Reichtum zu, er ist dem Schutz des Reichtumskönigs zugewandt und trägt dessen Ruhm.

47. Er nimmt dem König des Reichtums den Stolz und wird von ihm gepriesen; er schafft die rechte Ordnung, trägt sie, lebt in ihr und wird vom Sohn Dharmas gelobt.

48. Er ist König der rechten Ordnung, dem Reichtum zugewandt und durch die Lobgesänge der Rechtskundigen gepriesen. Er widmet sich dem Schutz des Menschenkönigs und steht ihm uneingeschränkt bei.

49. Der Menschenkönig preist seine Eigenschaften; er strahlt mit ihm. Er ist weit und schön wie ein frischer Lotos und hat Augen wie frische Lotosblüten.

50. Er nimmt frische Lotosblüten als Gabe, ist rötlich wie ein frischer Lotos, trägt ein neues goldenes Gewand und ist den neun Herren gegenüber voller Mitgefühl.

51. Sein Klang wird von den neun Herren gepriesen; er besitzt ihre Gestalten, ist durch röhrenförmige Augen ausgezeichnet und strahlt mit einer Reihe von Röhren [die Pflanzen- und Körperbilder sind hier mehrdeutig].

52. Er steht in der Mitte der Röhrenbahn und wird vom Lotos-Thronenden verehrt. Er gefällt dem Lotosäugigen und beseitigt den Stolz Pundarikas.

53. Er ist vom Weisen Pundarika zu preisen, leuchtet als dessen Freund, ist schön wie Lotosglanz und hat ein Gesicht wie ein weißer Lotos.

54. Er wird vom Lotosäugigen geehrt und ist Pundarika gegenüber voller Mitgefühl; er ist der Höchste, Verkörperung des höchsten Weges, höchste Freude und höher als das Höchste.

55. Er bringt höchste Glückseligkeit hervor, liebt besonders die süße Reisspeise, ist durch die Hand des Lotosäugigen erhaben, ist selbst lotosäugig und bewirkt Heil.

56. Er ist von Lotosgruppen begleitet und mit ihrem Klang verbunden. Er wird durch den Waffenlaut gepriesen und steht inmitten dieses Lautes.

57. Durch den Waffenlaut vernichtet er Danavas und sitzt auf dessen Sitz; er nimmt Früchte als Speise, besitzt gepriesene Frucht und feiert die Verehrung mit Früchten.

58. Er ist dem Schenken von Früchten hingegeben und sein Geist ist von höchsten Früchten erfüllt. Er wird als Stärke gepriesen, ist Grundlage der Stärke und erfreut Balabhadra.

59. Er ist stark, nimmt Stärke hinweg, besitzt Stärke und bricht die Feinde; er schenkt Stärke, trägt Stärke und seine Gestalt strahlt durch Stärke.

60. Er ist stärker als Stärke, verleiht Stärke, vernichtet den Dämon Bala, ist kundig im Schutz der Stärke und schenkt die Freude der Stärke.

61. Sein Herz ist von Stärke erfüllt und er hat sich der Vernichtung von Bala geweiht. Er wird vielfach gepriesen, ist Herr des Werdens und gewährt dessen Fortgang.

62. Er vernichtet das Werden, nimmt es hinweg, ist auf sein Anhalten bedacht, kundig in seinem Schutz und bewirkt Zufriedenheit im Dasein.

63. Er durchschneidet das Meer des Werdens und schenkt darin Glück; er gibt Heil, hat ein heilvolles Herz und ist heilvollem Handeln zugewandt.

64. Seine Gestalt ist mit heilvoller Herrlichkeit bestrichen, er hat sich dem Schenken heilvoller Fülle geweiht, liebt heilvolle Füße, ist heilvoll und zerschlägt den Wald des Unheils.

65. Er erfreut sich am Gesang heilvoller Herrlichkeit, ist mit einem heilvollen Kreis geschmückt, seine Füße werden von Bharadvaja gepriesen und Bharadvaja sucht bei ihm Zuflucht.

66. Er weilt gern in Bharadvajas Einsiedelei und schenkt ihm Mitgefühl. Er ist schön wie blauer Edelstein und seine Füße leuchten wie Edelsteine.

67. Sein gutes Wirken besitzt die Kostbarkeit eines Edelsteins, er ist mit edelsteinfarbenem Gewand geschmückt, wandert im Mangohain und erfreut dessen Menschen.

68. Er ist ein wunscherfüllender Baum der Mangofreude und schön durch diese Freude; er ist Kreis, Herr des Kreises, Wesen des Kreises und schöner Kreis.

69. Er ist Herr der Mitte, Ziel des Kreises, sein Kreis wird durch den Kreis verehrt; er ist erfahren im Schutz des Kreises, umhüllt ihn und ist dicht gefügt [die überlieferten Namensformen sind hier teilweise verkürzt].

70. Er steht im Kreis, ist der Erste des Kreises, mit Kreisschmuck ausgezeichnet, vernichtet den Danava Madhu und besitzt eine Fülle honigsüßer, lieblicher Rede.

71. Er liebt besonders das Schenken von Honig, besitzt die heilvolle Herrlichkeit der Süße, besiegt Madhu, schafft Süße, ist süß und Herr des Süßen.

72. Er vernichtet den Madhu-Elefanten, lässt Süße fortdauern, ist überaus schön im Frühlingsmonat und strahlt in diesem Monat.

73. Er ist von Honig genährt, hat einen honigsüßen Leib, geht zur Süße und sammelt sie; er ist süß, von lieblicher Gestalt und mit lieblichen Gewändern geschmückt.

74. Er ist Herr der Stadt Mathura, zerschlägt den Dämon Madhura, erfreut sich an süßer Speise und ist geschickt darin, süße Freude zu bereiten.

75. Er hat liebliche Lotosaugen, ist mit dem Herrn der Süße verbunden, kundig in süßer Freude und mit dem Feind Madhus verbunden.

76. Er strahlt in lieblichem Schmuck, trägt schöne Armreifen, liebt den Wald des Königs der Tiere und ist mit einem Kreis von Wildtieren geschmückt.

77. Er achtet die Wildtiere, ist ihr Herr und zerreißt ihre Feinde. Er liebt das Opfer, hat das Opfer zum Leib und sein Geist ist durch das Opfer erfreut.

78. Er widmet sich dem Fortgang des Opfers, ist eifrig um dessen Zubehör bemüht, ist Opfer der Opfer, Ort des Opfers und voller Eifer für dessen Vollendung.

79. Er wohnt in der Opferhalle und erhält die beim Opfer geehrte Speise. Er ist Herr der Essenz, voller Essenz, König der Essenz und nach ihr verlangend.

80. Er ist mit Essenz verbunden, trägt sie, hat Essenz zum Gewand, ist deren Schatz, gewinnt sie, ist ihre höchste Form und wird durch den König der Essenz erfreut.

81. Er ist der Wahrheit der Essenz hingegeben, besitzt die Heldenkraft des Essenzstroms, ist König und Träger der Essenz, deren Herr und Geliebter.

82. Er führt die Essenz, ist ihr Wohnsitz und strahlt durch ihre Fülle. Er ist durch Gewürznelkenblüten erfreut und ihrer Blütengabe würdig.

83. Er steht im Gewürznelkenhain, verlangt nach Nelkenblüten, ist mit Schlingpflanzenreihen verbunden und wird mit deren Saft verehrt.

84. Er trägt einen wie Schlingpflanzen lieblichen Leib und ist mit ihrem Stirnzeichen geschmückt. Seine Lotosfüße werden von Helden gepriesen und er strebt zum Erstrahlen.

85. Er steht inmitten eines glänzenden Blattes und wird mit strahlendem Saft verehrt; er schenkt Gaben, besitzt Vorzüglichkeit und ist durch sie erhaben [die letzte Zusammensetzung ist in der Vorlage verkürzt].

86. Sein Lob ist vorzüglich, er wächst, trägt Gaben und entsteht aus dem Besten; er liebt es, Gaben zu schenken, ist erwählenswert und voller Eifer im Geben.

87. Sein Herz wird weich beim Schenken und er ist von edlen Elefanten begleitet. Seine Lotosfüße werden von Sharada gepriesen und sein Ruhm gleicht einem Herbstlotos.

88. Er hat Augen wie Herbstlotose, wird vom Gebieter Sharadas bedient, wohnt auf Sharadas Sitz und wird von ihrem Herrn gepriesen.

89. Er bezwingt die Bewohner von Sharadas Wohnort und strahlt dort; der Herr der hundert Opfer preist ihn und er besitzt dessen Heldenkraft.

90. Seine Herrschaft gleicht der des Herrn der hundert Opfer, dessen Stolz er nimmt; er trägt Pfeil und Bogen, ist ruhmreich und besitzt die aus dem Pfeil hervorgehende Macht.

91. Sein Ruhm ist weiß wie Schilf, seine Augen gleichen herbstlichen Lotosblüten; er besitzt eine Sammlung von Pfeilen und ist mit einem Pfeilkreis geschmückt.

92. Er übertrifft den Pfeil, trägt Pfeile, liebt es, sie zu handhaben, besitzt eine pfeilentsprungene Gestalt und ist erfahren im Bogenschießen.

93. Er liebt es, die Pfeilschar zu schützen, und seine Heldenkraft entspricht den Pfeilen. Er ist der Sechsfüßige, hat Bienengestalt und wird von Bienenschwärmen bedient.

94. Er ist lieblich in Bienengestalt, besitzt sechs Füße und erhebt sich als Biene; er wird vom Veda mit seinen sechs Hilfswissenschaften gepriesen und ist von dessen sechsgliedrigen Worten erfüllt.

95. Er wohnt in der Dichtung der sechs Lotose, sein Glanz ist aus sechs Punkten gebildet, er wohnt zwischen sechs Punkten und wird durch sie verdeutlicht.

96. Er wird von den sechs Überlieferungen gepriesen, steht in deren Innerem, ist vom Segen der sechs Kräfte umgeben und trägt sechs Räder als Krone.

97. Seine Glieder sind rot wie das Innerste des Lotos, seine Augen gleichen dessen Essenz; er ist wesentlicher Glanz, hat Essenz zum Leib und liebt die Hand des Lotosäugigen.

98. Er erhellt das Wesentliche, besitzt wesentliches Mitgefühl, leuchtet als Beschützer der Lotose, bezwingt die Kraft der Antilope und trägt aus dem Wesentlichen gebildete Ohrringe.

99. Er wohnt im Lotoswald, ist von Kranichrufen erfüllt, liebt gehaltvollen Gesang, ist das Wesentliche und kennt das Wesentliche und Unwesentliche gründlich.

100. Er schützt die Guten, ist stets freudig, lehrt bleibende Glückseligkeit; seine Füße sind von guten Heilkundigen zu verehren und sein Geist strahlt durch wahres Heilwissen.

101. Er besiegt Hari, ist Haris Wagen, ganz Haris Dienst ergeben, besitzt Haris Farbe, wandert mit Hari, geht zu Hari und liebt Hari. [„Hari“ kann in solchen Namen auch Löwe oder eine Farbe bedeuten.]

102. Er eilt zu Hari, preist Hari, ist Haris Meditation ganz ergeben, vernichtet am Weltende als Hari und strahlt durch Haris Wesen.

103. Sein Körper ist mit gelbem Sandel bestrichen, er entspricht Haris Sinn, ist Haris Mitgefühl hingegeben und sehnt sich danach, den Schwan zu befreien.

104. Er schenkt Haris Sohn Furchtlosigkeit, wird von ihm verehrt, ist bei der Sammlung auf Hari gegenwärtig und bereitet Hari Freude.

105. Er ist König der Waffen, trägt Waffen, wird vom Führer der Waffen gepriesen, ist die Waffe, Hari, hat die Waffe zum Leib, vernichtet Waffen und mehrt Waffen.

106. Er schlägt Waffen nieder, führt den Waffenkampf, trägt Waffen als Schmuck, schenkt Waffen, ist ihnen ganz zugewandt und eröffnet ihren Weg.

107. Er ist von Waffenreihen erfüllt, mit einem Waffenkreis geschmückt, dem Schenken von Waffen ergeben und mit sämtlichen furchtbaren Waffen geziert.

108. Er hat Schwanengestalt und Schwanengang, seine Herrlichkeit wird vom Schwan gepriesen; er liebt den Weg des Schwans, schützt den Schwan und ist dessen Führer.

109. Seine Gestalt ist dem Blick des Schwans zugänglich, er ist durch dessen Gesang erfreut, besiegt den Schwan, ist dessen Herr, geht als Schwan und hat den Schwan zum Reittier.

110. Er ist aus dem Schwan geboren, bewegt sich als Schwan, wird vom Schwanenkönig gut verehrt, besitzt die Geschwindigkeit des Schwans, trägt ihn und hat dessen schöne Gestalt.

111. Sein Leib ist schön wie ein Schwan, sein Geist mit dem Schwan verbunden; er kennt die Essenz des Schwanenwesens und sein Geist wird vom Schwan verehrt.

112. Seine Macht wird vom Schwan gepriesen, er ist eifrig auf Haris Schutz bedacht, seine Größe wird vom Schwan gelobt und er besitzt die Heldenkraft von Haras Sohn.

113. Er ist aus dem Milchmeer hervorgegangen, wird von der Milchmeergeborenen vergegenwärtigt, ist mit dem Herrn des Milchmeeres verbunden und strahlt mit einem Ruhm so weiß wie Milch.

114. Er vernichtet den Lärm der Nacht und stimmt ihm zu, ist mit dem Herrn der Nacht verbunden und feiert das Schenken von Augenblicken der Freude [die Wortspiele mit Nacht und Augenblick sind mehrdeutig].

115. Er ist durch die Begießung mit Milch erfreut, verlangt nach Milchtrank, liebt Speisen aus Milch und geklärter Butter und besitzt die Farbe des aus Milch Entstandenen.

Schlussverheißung

116. So wurde dieser göttliche Hymnus verkündet: Er vernichte jede Schuld, bringe sämtliche Feinde zum Ende und schenke alle Güter.

117. Er erzeuge alles Glück, bewirke jeden Segen, besänftige jede Armut und beseitige sämtliche Bedrängnisse.

118. Er wirke umfassenden Frieden, sei geheim, wehre alle Krankheiten ab, löse schwere Fesselung und Besessenheit und halte alles Leid fern.

119. Dies sind die tausend göttlichen Namen des Radkönigs, des Gebieters. Den Menschen, die diese Namen des Waffenkönigs lesen, werden nach der Verheißung alle Güter zuteil; daran bestehe kein Zweifel.

Kolophon: Damit ist in der Ahirbudhnya Samhita, dem Tantra-Geheimnis, im Gespräch zwischen Vyasa und Narada der ehrwürdige Sudarshana-Sahasranama-Hymnus vollendet.


Fünf zentrale Lehren der Ahirbudhnya Samhita

  1. Die höchste Wirklichkeit ist bewusst und lebendig. Narayana ist grenzenlose, leidfreie Glückseligkeit und zugleich der Grund wirksamer Erkenntnis. Die sechs Eigenschaften machen verständlich, warum Transzendenz nicht Kraftlosigkeit bedeutet (2.22–25; 2.55–62).
  2. Gott und göttliche Kraft gehören untrennbar zusammen. Lakshmi begleitet Vishnu wie Mondlicht den Mond. Die Welt steht nicht außerhalb jeder Beziehung zum Göttlichen; ihr Hervortreten wird aus dessen Kraft erklärt (3.2–11; 3.23–30).
  3. Gnade eröffnet einen Weg, der gelebt werden will. Shaktipata weckt Loslösung, Unterscheidung, Hinwendung zum Lehrer und beständige Übung. Gnade macht die Antwort des Menschen möglich (14.29–41).
  4. Innere Sammlung braucht eine ethische Grundlage. Wahrhaftigkeit, Mitgefühl, Aufrichtigkeit und Nichtverletzen sind Glieder des Yoga. Die Verehrung im Herzen steht vor der äußeren Verehrung (31.1–5; 31.18–29).
  5. Selbsthingabe verändert den Grund des Übens. Sharanagati verbindet förderliche Ausrichtung und bewusstes Lassen mit Vertrauen, Zufluchtnahme, Selbsthingabe und Demut. Der Mensch bringt nicht nur etwas dar, sondern sich selbst (37.28–40).

Fünf Anregungen für Yoga-Aspiranten

Die folgenden Anregungen übertragen ausgewählte Gedanken in eine heutige, einfache Alltagspraxis. Sie sind keine Anleitung zu den besonderen Yantra-, Atem- oder Schutzritualen der Samhita.

  1. Mit göttlicher Gegenwart beginnen. Sitze vor deiner täglichen Übung einen Augenblick still. Erinnere dich an Narayana als den, der alle Wesen durchdringt. Lass diese Erinnerung zu Freundlichkeit gegenüber den Menschen werden, denen du heute begegnest.
  2. Die sechs Glieder der Hingabe bedenken. Wähle für einige Tage jeweils eines der sechs Glieder aus 37.28–29. Betrachte abends eine konkrete Situation: Wo zeigte sich Vertrauen, wo konnte etwas Hinderliches gelassen werden?
  3. Einen vertrauten Mantra aufmerksam wiederholen. Verbinde dein bereits vertrautes Vishnu-Mantra mit einer ruhigen, liebevollen Haltung. Wenn du mit einem Lehrer übst, bleibe bei der erhaltenen Unterweisung. Entscheidend ist hier die Sammlung, nicht die Suche nach immer neuen Formeln.
  4. Eine Handlung bewusst darbringen. Widme eine alltägliche Aufgabe dem Göttlichen: ein Gespräch, eine Arbeit, einen Dienst. Übe dabei die Aufrichtigkeit aus 31.22, indem Denken, Worte und Handlung zusammenfinden.
  5. Bemühen und Empfangen verbinden. Frage nach einer Übung nicht nur: „Was habe ich erreicht?“, sondern auch: „Was durfte ich empfangen?“ Danke für Klarheit, für Hilfe und für den erneuten Wunsch zu üben. Verbinde diese Dankbarkeit mit einem nächsten kleinen, verlässlichen Schritt.
Vishnu mit Lakshmi auf Shesha: Bild einer göttlichen Gegenwart, die Ruhe und tragende Kraft verbindet.

Ahirbudhnya Samhita und andere Tantra Schriften

Die Ahirbudhnya Samhita kann zusammen mit anderen Pāñcarātra-Schriften gelesen werden. Dabei ist zwischen gemeinsamem Themenraum und nachgewiesener literarischer Abhängigkeit zu unterscheiden. Eine ausdrückliche Bezugnahme liegt in 5.59 vor: Für weitere Einzelheiten der göttlichen Erscheinungsformen verweist der Text auf die Sattvata-Lehre. Darüber hinaus werden hier keine direkten Abhängigkeiten behauptet.

Vergleichstext Sinnvolle Frage bei der gemeinsamen Lektüre
Sattvata Samhita Wie werden die in Kapitel 5 genannten Entfaltungen Vishnus weiter erläutert?
Lakshmi Tantra Wie werden Lakshmi, göttliche Kraft und die Beziehung von Gnade und Erlösung dargestellt?
Jayakhya Samhita Wie werden Gotteserkenntnis, Mantra, Einweihung und innere Sammlung miteinander verbunden?
Vishnu Samhita Wie stehen äußere Verehrung und innere Gottesgegenwart zueinander?
Parama Samhita Welche Formen der Gottesverehrung und welche Voraussetzungen geistlicher Unterweisung werden beschrieben?
Paushara Samhita Welche Textfassung liegt unter diesem Titel vor, und wie wird deren Pāñcarātra-Lehre entfaltet?
Ishvara Samhita Welche Rolle spielen rituelle Ordnung, Gottesgestalt und Mantra?
Parameshvara Samhita Wie werden theologische Voraussetzungen und rituelle Praxis verbunden?
Padma Samhita Wie stehen Gotteslehre, Tempelverehrung und persönliche Praxis zueinander?
Narada Samhita Welche Pāñcarātra-Schrift ist gemeint, und welche Stellung erhält Narada in ihrer Vermittlung?

Diese Fragen sind ein Leseleitfaden. Die hier verwendeten E-Texte allein erlauben keinen vollständigen inhaltlichen Vergleich aller genannten Werke. Bei mehrdeutigen Titeln muss vor einem Vergleich die jeweilige Textidentität feststehen.

Anhang und Überlieferungsfragen: Sudarshana Sahasranama

Nach dem ausdrücklichen Abschluss der sechzig Kapitel enthält Band 2 zunächst einen Abschluss des Siddhanjana, einer redaktionellen Erschließung des Werkes, und danach das Sudarshana-Sahasranama. Der Herausgeber behandelt die Hymne ausdrücklich als Parishishta, als Anhang. Sie darf daher nicht zu einem erfundenen Kapitel 61 gemacht werden.

Die Einleitung des Anhangs umfasst 21 nummerierte Verse. Nach Mantraangaben, Nyasa und Meditationsversen beginnt die Zählung für die Namenslitanei erneut bei 1. Mit den Schlussverheißungen reicht sie bis 119. Eine editorische Schlussanmerkung erklärt, dass beim Zählen höchstens 560 Namen erreicht werden. Sie erwägt sowohl einen übertragenen Gebrauch des Wortes „Tausendnamen“ als auch mögliche Überlieferungslücken und bespricht die Übereinstimmung zweier Vorlagen.

Der überlieferte Anhang wird im Hauptartikel auf Deutsch und in den beiden Sanskritartikeln vollständig wiedergegeben. Die Bezeichnung „Sahasranama“ bleibt als traditioneller Titel erhalten; eine vollständige Liste von 1000 Namen wird damit nicht behauptet. Seine Lobpreisungen können die Sudarshana-Verehrung bereichern, sind aber von den 60 Kapiteln der Samhita zu unterscheiden.

Vom Wissen zur Hingabe

Die Ahirbudhnya Samhita führt durch eine weite Landschaft: vom unermesslichen Brahman zu den göttlichen Kräften, von der Entfaltung der Welt zur Sammlung im Herzen, von der eigenen Begrenztheit zum Vertrauen auf Gnade. Nicht jeder Abschnitt wird jedem Leser gleichermaßen nahe sein. Doch die Verbindung von Erkenntnis, Aufrichtigkeit und Hingabe kann eine beständige Orientierung geben.

Vielleicht beginnt die eigene Begegnung mit diesem Werk wie diejenige Naradas: mit einer Frage, die nicht mehr oberflächlich beantwortet werden möchte. Vielleicht beginnt sie mit dem stillen Bedürfnis, sich nicht länger ausschließlich auf die eigenen Kräfte verlassen zu müssen. Beides findet hier Raum.

Die göttliche Gegenwart erkennen, dem Leiden anderer nicht gleichgültig begegnen und das eigene Tun darbringen: So können große Gedanken einen schlichten Ausdruck im Alltag finden. Dann bleibt die Schrift nicht nur etwas, das gelesen wird. Sie wird zum Anlass, wacher, wahrhaftiger und vertrauensvoller zu leben.

Das Video erschließt Lakshmi im weiteren Yoga-Vidya-Kontext und ergänzt die Lektüre; es ist keine Übersetzung der Samhita.

Siehe auch

Literatur und Textgrundlage

  • Ahirbudhnya Saṃhitā of the Pāñcarātrāgama, Band 1 und 2. Herausgegeben von Pandit M. D. Ramanujacarya unter Aufsicht von F. Otto Schrader. Adyar Library, 1916. Bibliographische Angaben nach den Metadaten der verwendeten E-Texte.
  • Muktabodha Indological Research Institute: ahirbudhnya saṃhita Volume 1, M00002a; ahirbudhnya saṃhita Volume 2, M00002b. Dateneingabe unter Aufsicht von Mark S. G. Dyczkowski; Revision 0, 15. Juni 2007. Verwendete primäre Textgrundlage. Die Dateien nennen die Lizenz Creative Commons BY-NC 4.0; diese Kennzeichnung bleibt für die übernommenen E-Text-Inhalte maßgeblich.

Die deutsche Übersetzung wurde unmittelbar aus den vorliegenden IAST-Dateien erarbeitet. Die Devanagari-Seite wurde regelbasiert aus dem bereinigten IAST erzeugt. Es erfolgte keine neue kritische Edition und keine vollständige Kollation mit Druckseiten oder Handschriften. Zwischenüberschriften des E-Textes wurden zur Orientierung verwendet, aber nicht als Worte der Sprecher behandelt. Fußnoten und der Siddhanjana-Abschluss sind vom Grundtext getrennt.

Die Zählung des Sanskritgrundtextes ist in allen 60 Kapiteln lückenlos. Sechs über Zeilen getrennte Versnummern wurden zusammengeführt. Inhaltliche Lücken, insbesondere in 1.35, wurden nicht rekonstruiert. Unsichere Übersetzungen stehen unmittelbar an der betroffenen Stelle. Auffälligkeiten wie die Zeitangaben in 5.31 und 5.35 sowie die Zahlenfolge in 32.54 werden nicht stillschweigend harmonisiert.

Umfang der deutschen Übersetzung: Alle 60 Kapitel mit 3880 nummerierten Versen; zusätzlich der gesonderte Anhang mit Vorrede 1–21, unnummerierten Ritual- und Meditationsabschnitten sowie Namenslitanei und Schlussverheißung 1–119. Es handelt sich um eine textnahe Übersetzung mit örtlichen Unsicherheitshinweisen, nicht um eine neue kritische Edition.

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Sanskrit IAST · Sanskrit Devanagari · 108 Verse und Mantras