Tiruppallandu
Tiruppallandu (Tamil: திருப்பல்லாண்டு, Tiruppallāṇṭu; auch Thiruppallandu) ist der Titel zweier tamilischer Segenshymnen: der zwölf Verse des Alvar-Dichters Periyalvar an Vishnu und der dreizehn Verse Senthanars an Shiva. In beiden Werken nimmt Hingabe eine besonders innige Gestalt an: Der Mensch wünscht dem Göttlichen selbst Heil und Bestand. Aus Liebe wird ein Segensruf: „Viele Jahre! Viele tausend Jahre!“

Periyalvar möchte die Schönheit von Vishnus Füßen behütet wissen. Senthanar besingt Shiva als Vater, Mutter und Nektar im Herzen. Solche Bilder machen die Nähe des Göttlichen spürbar. Der Gesang führt Menschen zusammen, gibt ihrer Dankbarkeit eine Stimme und verbindet das Fest im Heiligtum mit dem täglichen Dienst. Er lädt dazu ein, empfangene Güte weiterzugeben und der eigenen Hingabe im Leben Ausdruck zu verleihen.
Dieser Artikel enthält beide Tiruppallandu-Hymnen vollständig, jeweils mit Tamiltext, römischer Transliteration, eigener deutscher Übersetzung und kurzer eigener Erläuterung. Periyalvars zwölf Verse eröffnen das Nalayira Divya Prabandham. Senthanars dreizehn Verse stehen im neunten Tirumurai und besingen besonders den göttlichen Tanz in Chidambaram.[1][2]
Tiruppallandu: Bedeutung, Autoren und Überlieferung
Was bedeutet Tiruppallandu?
Tiru ist eine ehrende Bezeichnung für das Heilige; pallāṇṭu bedeutet „viele Jahre“. Der Titel lässt sich daher als „Heiliger Segensgesang für viele Jahre“ erschließen. Im Lied wird daraus der Wunsch: „Mögest du für viele Jahre in Heil und Herrlichkeit bestehen!“ Die Übersetzung gibt den wiederkehrenden Ruf je nach Satz als „Viele Jahre!“ oder „Heil für viele Jahre!“ wieder. Gebräuchliche Schreibweisen sind Tiruppallandu, Thiruppallandu, Thirupallandu und Tirupallantu; die schriftnahe Transliteration lautet Tiruppallāṇṭu, häufig begegnet auch Tiruppallāṇḍu.
Zwei Werke mit demselben Titel
| Werk | Verfasser und Tradition | Umfang und Anfang |
|---|---|---|
| Tiruppallandu an Vishnu | Periyalvar; tamilische Vishnu-Bhakti, besonders die Sri-Vaishnava-Tradition | 12 Verse; Pallāṇṭu pallāṇṭu |
| Tiruppallandu an Shiva | Senthanar; tamilischer Shaivismus | 13 Verse; Maṉṉuka tillai |
Die beiden Werke haben eine eigene Gottesansprache, Bildwelt und Überlieferung; ihre Verse werden getrennt gezählt. Periyalvar spricht als Verehrer Vishnus, Senthanar als Verehrer Shivas. Gemeinsam ist ihnen das Segnen aus Liebe.
Periyalvar: die Liebe, die Gott behüten möchte
Periyalvar, auch Periyazhvar oder Periyāḻvār, trägt den Namen Vishnuchitta; im zwölften Vers nennt er sich in tamilischer Form Viṭṭucittaṉ aus Villiputtur (Srivilliputhur). Er gehört zu den zwölf Alvars und gilt in der Tradition als Ziehvater Andals. Seine Dichtung ist besonders für die mütterliche Liebe zu Krishna bekannt: Der Verehrer tritt Gott mit einer Fürsorge entgegen, wie eine Mutter sie ihrem Kind schenkt.[3]
Eine traditionelle Erzählung verbindet das Tiruppallandu mit einem religiösen Streitgespräch am Pandya-Hof in Madurai. Nach seinem Erfolg soll Periyalvar auf einem Elefanten durch die Stadt geführt worden sein. Als Vishnu auf Garuda erschien, brach der Dichter aus Sorge um die göttliche Schönheit in Segenswünsche aus. Diese Erzählung erschließt den inneren Ton der Hymne; sie wird hier als Heiligenüberlieferung wiedergegeben.[1] Die zwölf Verse werden als Beginn des tamilischen Hymnenkanons rezitiert; ihr Segen eröffnet den Weg in die weitere Dichtung.
Senthanar: Gnade im Tanz Shivas
Senthanar, auch Sendanar, Cēntaṉār oder Sēndanār, gehört zu den Dichtern des neunten Tirumurai. Sein Tiruppallandu ist dort als Hymne 29 überliefert. Die fortlaufenden Nummern lauten 289–301. Der Text preist Shiva Nataraja, den Herrn des Tanzes, und führt nach Tillai, dem heutigen Chidambaram. In der musikalischen Überlieferung ist der Hymne der paṇ Pañcamam zugeordnet.[4]
Die Heiligenüberlieferung erzählt von Senthanars Gastfreundschaft gegenüber Shiva-Verehrern und davon, dass Shiva selbst seine einfache Speise annahm. Mit dem Gesang des Tiruppallandu soll Senthanar beim Tiruvadirai-Fest einen stehen gebliebenen Tempelwagen wieder in Bewegung gebracht haben. Diese Erzählungen veranschaulichen die Kraft aufrichtiger Hingabe. Historisch genaue Lebensdaten lassen sich daraus nicht ableiten.[5]
Literarische und spirituelle Nachbarschaft
Periyalvars Hymne gehört zum Umfeld der Alvar-Dichtung und des Divya Prabandham. Senthanars Werk steht neben Tiruvacakam (auch Tiruvachakam) und Tirumantiram in der tamilischen Shiva-Überlieferung. Unmai Neri Vilakkam, Sivajnana Bodham und Tiruvarutpayan ermöglichen einen Vergleich mit systematischen Lehren über Seele, Bindung und Gnade im Shaiva Siddhanta. Agathiyar Jnanam, Sivavakkiyam und Kudambai Siddhar Padalgal erschließen andere, teils deutlich ritualkritische Stimmen tamilischer Spiritualität.
Tiruppallandu ist gesungene Hingabe und Segensdichtung. Berührungspunkte mit Tantra- und Agama-Schriften liegen insbesondere in Tempelverehrung, göttlichen Gestalten und heiligen Namen. Die unter „Siehe auch“ genannten Werke ermöglichen einen Vergleich dieser Themen innerhalb unterschiedlicher Überlieferungen.
Hinweise zur Textausgabe
Jeder Vers folgt der Reihenfolge Tamil-Schrift → römische Transliteration → eigene deutsche Übersetzung in Fettdruck → eigene Erläuterung in Kursivschrift. Die deutschen Fassungen wurden am Tamiltext erarbeitet und bei schwierigen Wendungen mit den angegebenen tamilischen Kommentaren abgeglichen. Die Übersetzung gibt den Sinn in deutscher Prosa wieder; ihre Zeilenumbrüche gliedern den Gedankengang. Die deutschen Versüberschriften dienen der Orientierung und gehören nicht zum tamilischen Original.
Die Umschrift bildet die tamilischen Buchstaben ab. Lange Vokale tragen einen Strich: ā, ī, ū, ē, ō. Zeichen wie ṭ, ṇ, ḷ, ḻ, ṟ und ṉ unterscheiden tamilische Laute. Diese schriftnahe Umschrift ist keine vollständig phonetische Ausspracheanleitung. Wiederholungen bleiben erhalten; eckige Klammern markieren besonders erklärungsbedürftige oder unsichere Stellen.
Die folgende Ausgabe umfasst die zwölf Hauptverse Periyalvars und alle dreizehn Verse Senthanars. Separat vorgetragene Taṉiyaṉ-Verse zu Ehren Periyalvars gehören zur rezitatorischen Rahmung und werden nicht zu seinen zwölf Hymnenversen gerechnet.
Tiruppallandu von Periyalvar: alle zwölf Verse mit Übersetzung
Die folgende Vishnu-Hymne umfasst die zwölf einleitenden Verse des Divya Prabandham. Der Tamiltext folgt der bei KOYIL veröffentlichten, durch Wortabstände gegliederten Fassung.[1]
Zum Hören
Die Rezitationsübung „Thiruppallandu santhai – step 4 of 4“ von Koyil Org vermittelt den Klang zusammenhängender Verse. Die Videoeinbindung ergänzt die Lektüre und die Ausspracheorientierung.
Vers 1: Heil für unzählige Jahre
பல்லாண்டு பல்லாண்டு பல்லாயிரத்தாண்டு
பலகோடி நூறாயிரம்
மல்லாண்ட திண் தோள் மணிவண்ணா ! உன்
சேவடி செவ்வி திருக்காப்பு
pallāṇṭu pallāṇṭu pallāyirattāṇṭu
palakōṭi nūṟāyiram
mallāṇṭa tiṇ tōḷ maṇivaṇṇā ! uṉ
cēvaṭi cevvi tirukkāppu
Viele Jahre, viele Jahre, viele tausend Jahre,
viele Zehnmillionen, Hunderttausende!
Du Edelsteinfarbener mit starken Schultern, der die Ringer bezwang:
Die Schönheit deiner roten Füße sei unter heiligem Schutz!
Der Segensruf pallāṇṭu, „viele Jahre“, weitet sich ins Unermessliche. Der Verehrer möchte den beschützen, von dem er selbst Schutz empfängt. Darin liegt die Zärtlichkeit dieser Bhakti: Die Macht Vishnus weckt fürsorgliche Liebe. Die Ringer erinnern an Krishnas Kämpfe in Mathura; kōṭi bezeichnet zehn Millionen.

Vers 2: Untrennbare Verbundenheit
அடியோமோடும் நின்னோடும் பிரிவு இன்றி ஆயிரம் பல்லாண்டு
வடிவாய் நின் வல மார்வினில் வாழ்கின்ற மங்கையும் பல்லாண்டு
வடிவார் சோதி வலத்து உறையும் சுடர் ஆழியும் பல்லாண்டு
படைபோர் புக்கு முழங்கும் அப் பாஞ்சசன்னியமும் பல்லாண்டே
aṭiyōmōṭum niṉṉōṭum pirivu iṉṟi āyiram pallāṇṭu
vaṭivāy niṉ vala mārviṉil vāḻkiṉṟa maṅkaiyum pallāṇṭu
vaṭivār cōti valattu uṟaiyum cuṭar āḻiyum pallāṇṭu
paṭaipōr pukku muḻaṅkum ap pāñcacaṉṉiyamum pallāṇṭē
Zwischen uns, deinen Dienern, und dir sei keine Trennung – für viele tausend Jahre!
Auch der schönen Göttin, die an der rechten Seite deiner Brust wohnt, sei Heil für viele Jahre!
Auch dem strahlenden Diskus, der zu deiner Rechten in vollendeter Schönheit leuchtet, sei Heil für viele Jahre!
Auch jenem Panchajanya, der in die Schlacht zieht und erschallt, sei Heil für viele Jahre!
Der Segen umfasst Lakshmi, den Diskus Sudarshana und das Muschelhorn Panchajanya. Die erste Zeile nennt das Herzensanliegen des Liedes: ungetrennt bei Vishnu zu bleiben. Die Liebe schließt alles ein, was zu ihm gehört – seine Gefährtin, seine göttlichen Attribute und seine Diener.
Vers 3: Dienen aus Liebe
வாழாட்பட்டு நின்றீர் உள்ளீரேல் வந்து மண்ணும் மணமும் கொண்மின்
கூழாட்பட்டு நின்றீர்களை எங்கள் குழுவினில் புகுதலொட்டோம்
ஏழாட்காலும் பழிப்பு இலோம் நாங்கள் இராக்கதர் வாழ் இலங்கை
பாழாள் ஆகப் படை பொருதானுக்குப் பல்லாண்டு கூறுதுமே
vāḻāṭpaṭṭu niṉṟīr uḷḷīrēl vantu maṇṇum maṇamum koṇmiṉ
kūḻāṭpaṭṭu niṉṟīrkaḷai eṅkaḷ kuḻuviṉil pukutaloṭṭōm
ēḻāṭkālum paḻippu ilōm nāṅkaḷ irākkatar vāḻ ilaṅkai
pāḻāḷ ākap paṭai porutāṉukkup pallāṇṭu kūṟutumē
Wenn unter euch Menschen sind, die sich dem Dienst des wahren Lebens verschrieben haben, kommt und nehmt Erde und Duft entgegen [rituelle Wendung].
Wer nur dem Brei dient, den lassen wir nicht in unsere Gemeinschaft ein.
Seit sieben Generationen sind wir ohne diesen Makel: Dem, der mit seinem Heer kämpfte
und Lanka, die Wohnstatt der Rakshasas, verwüstete, wollen wir Heil für viele Jahre singen!
„Leben“ und „Brei“ stellen zwei Beweggründe des Dienens gegenüber: Hingabe und eigenen Unterhalt. Die schroffe Abgrenzung gehört zum Vers. Maṇṇum maṇamum heißt wörtlich „Erde und Duft“; der KOYIL-Kommentar bezieht dies auf Festvorbereitung und innere Bereitschaft. Die genaue rituelle Bedeutung bleibt auslegungsbedürftig. Der Schluss preist Rama und seinen Sieg über die Rakshasas von Lanka.
Vers 4: Kommt in die Gemeinschaft
ஏடு நிலத்தில் இடுவதன் முன்னம் வந்து எங்கள் குழாம் புகுந்து
கூடு மனம் உடையீர்கள் வரம்பு ஒழி வந்து ஒல்லைக் கூடுமினோ
நாடும் நகரமும் நன்கு அறிய நமோ நாராயணாய என்று
பாடு மனம் உடைப் பத்தருள்ளீர் வந்து பல்லாண்டு கூறுமினே
ēṭu nilattil iṭuvataṉ muṉṉam vantu eṅkaḷ kuḻām pukuntu
kūṭu maṉam uṭaiyīrkaḷ varampu oḻi vantu ollaik kūṭumiṉō
nāṭum nakaramum naṉku aṟiya namō nārāyaṇāya eṉṟu
pāṭu maṉam uṭaip pattaruḷḷīr vantu pallāṇṭu kūṟumiṉē
Bevor der Leib auf die Erde gelegt wird, kommt und tretet in unsere Gemeinschaft ein!
Wenn ihr euch mit uns verbinden möchtet, gebt eure Begrenzung auf und kommt eilends zusammen!
Ihr Verehrer, deren Herz danach verlangt, „Namo Narayanaya“ zu singen, sodass Land und Stadt es hören:
Kommt und sprecht den Segen für viele Jahre!
Der Vers drängt zur Hinwendung, solange das Leben Gelegenheit dazu gibt. Narayana wird mit namo nārāyaṇāya angerufen: „Verehrung sei Narayana.“ Varampu bedeutet „Grenze“ oder „Begrenzung“; die Sri-Vaishnava-Auslegung versteht hier ein auf das eigene Selbst beschränktes Befreiungsziel. Die Einladung führt zur Gemeinschaft im Dienst Vishnus.
Vers 5: Die Gemeinschaft des heiligen Dienstes
அண்டக் குலத்துக்கு அதிபதி ஆகி அசுரர் இராக்கதரை
இண்டைக் குலத்தை எடுத்துக் களைந்த இருடிகேசன் தனக்கு
தொண்டக் குலத்தில் உள்ளீர் வந்து அடிதொழுது ஆயிர நாமம் சொல்லிப்
பண்டைக் குலத்தைத் தவிர்ந்து பல்லாண்டு பல்லாயிரத்தாண்டு என்மினே
aṇṭak kulattukku atipati āki acurar irākkatarai
iṇṭaik kulattai eṭuttuk kaḷainta iruṭikēcaṉ taṉakku
toṇṭak kulattil uḷḷīr vantu aṭitoḻutu āyira nāmam collip
paṇṭaik kulattait tavirntu pallāṇṭu pallāyirattāṇṭu eṉmiṉē
Dem Herrn der Welten, Hrishikesha, der Asuras und Rakshasas
wie ein dichtes Dornengestrüpp ausriss und beseitigte:
Ihr aus der Gemeinschaft seiner Diener, kommt, verneigt euch zu seinen Füßen und sprecht seine tausend Namen!
Lasst eure frühere Zugehörigkeit hinter euch und ruft: „Viele Jahre, viele tausend Jahre!“
Hrishikesha ist ein Name Vishnus. Die angerufenen Menschen finden ihre Zugehörigkeit im Dienst an ihm. Sich verneigen, die tausend Namen sprechen und gemeinsam segnen: Der Vers lässt Hingabe durch konkrete Handlungen Gestalt annehmen. Frühere Bindungen werden dieser neuen Zugehörigkeit untergeordnet.
Vers 6: Hingabe durch die Generationen
எந்தை தந்தை தந்தை தந்தை தம் மூத்தப்பன் ஏழ்படிகால் தொடங்கி
வந்து வழிவழி ஆட்செய்கின்றோம் திருவோணத் திருவிழவில்
அந்தியம் போதில் அரியுரு ஆகி அரியை அழித்தவனைப்
பந்தனை தீரப் பல்லாண்டு பல்லாயிரத்தாண்டு என்று பாடுதுமே
entai tantai tantai tantai tam mūttappaṉ ēḻpaṭikāl toṭaṅki
vantu vaḻivaḻi āṭceykiṉṟōm tiruvōṇat tiruviḻavil
antiyam pōtil ariyuru āki ariyai aḻittavaṉaip
pantaṉai tīrap pallāṇṭu pallāyirattāṇṭu eṉṟu pāṭutumē
Mein Vater, sein Vater, dessen Vater und wieder dessen Vater, bis hinauf zum Urahn:
Seit sieben Generationen stehen wir in deinem Dienst. Beim heiligen Tiruvonam-Fest
wollen wir dem, der in der Abenddämmerung Löwengestalt annahm und den Feind vernichtete,
„Viele Jahre, viele tausend Jahre!“ singen, damit die Bedrängnis weiche.
Gemeint ist Narasimha, der Hiranyakashipu besiegt. Tiruvonam bezeichnet hier den heiligen Festtag im Zeichen Shravana. Pantaṉai kann Bindung oder Bedrängnis bedeuten; die traditionelle Auslegung versteht den Segen auch als fürsorglichen Wunsch, die Anstrengung des göttlichen Kampfes möge weichen. Die Beziehung zum Herrn wird als über Generationen gelebte Treue besungen.
Vers 7: Das Zeichen der Zugehörigkeit
தீயில் பொலிகின்ற செஞ்சுடர் ஆழி திகழ் திருச்சக்கரத்தின்
கோயில் பொறியாலே ஒற்றுண்டு நின்று குடிகுடி ஆட்செய்கின்றோம்
மாயப் பொருபடை வாணனை ஆயிரந்தோளும் பொழி குருதி
பாயச் சுழற்றிய ஆழி வல்லானுக்குப் பல்லாண்டு கூறுதுமே
tīyil polikiṉṟa ceñcuṭar āḻi tikaḻ tiruccakkarattiṉ
kōyil poṟiyālē oṟṟuṇṭu niṉṟu kuṭikuṭi āṭceykiṉṟōm
māyap porupaṭai vāṇaṉai āyirantōḷum poḻi kuruti
pāyac cuḻaṟṟiya āḻi vallāṉukkup pallāṇṭu kūṟutumē
Gezeichnet mit dem heiligen Siegel des Diskus,
der in roter Glut wie Feuer strahlt, dienen wir von Geschlecht zu Geschlecht.
Dem Meister des Diskus, der ihn gegen Bana und sein Heer der Zauberkünste schleuderte,
sodass Blut aus dessen tausend Armen strömte, wollen wir Heil für viele Jahre singen!
Das Siegel des Diskus bezeichnet die Zugehörigkeit zu Vishnu und erinnert an die entsprechende Weihetradition. Die Kampfszene um Banasura bleibt als mythologisches Bild göttlicher Macht erhalten. Der Vers verbindet ein sichtbares Zeichen mit der Verpflichtung zu beständigem Dienst.
Vers 8: Gaben, die das Leben verwandeln
நெய்யிடை நல்லதோர் சோறும் நியதமும் அத்தாணிச் சேவகமும்
கை அடைக்காயும் கழுத்துக்குப் பூணொடு காதுக்குக் குண்டலமும்
மெய்யிட நல்லதோர் சாந்தமும் தந்து என்னை வெள்ளுயிர் ஆக்கவல்ல
பையுடை நாகப்பகைக் கொடியானுக்குப் பல்லாண்டு கூறுவனே
neyyiṭai nallatōr cōṟum niyatamum attāṇic cēvakamum
kai aṭaikkāyum kaḻuttukkup pūṇoṭu kātukkuk kuṇṭalamum
meyyiṭa nallatōr cāntamum tantu eṉṉai veḷḷuyir ākkavalla
paiyuṭai nākappakaik koṭiyāṉukkup pallāṇṭu kūṟuvaṉē
Er schenkt mir guten Reis in Ghee, beständigen Dienst an seinem Hof,
Betelgaben für die Hand, Schmuck für den Hals und Ringe für die Ohren,
gute duftende Salbe für den Leib und vermag mich zu einer reinen Seele zu machen.
Ihm, dessen Banner den Feind der Haubenschlangen trägt, will ich Heil für viele Jahre singen!
Der Feind der Schlangen ist Garuda, das Zeichen auf Vishnus Banner. Speise, Duft und Schmuck lassen Gottesverehrung als sinnlich erfahrbare Fülle erscheinen. Veḷḷuyir, wörtlich etwa „helle/reine Seele“, richtet den Blick auf die innere Läuterung. Auch die Möglichkeit, dem Herrn zu dienen, zählt zu seinen Gaben.
Vers 9: Von dem leben, was Gott schenkt
உடுத்துக் களைந்த நின் பீதக ஆடை உடுத்து கலத்தது உண்டு
தொடுத்த துழாய்மலர்சூடிக் களைந்தன சூடும் இத்தொண்டர்களோம்
விடுத்த திசைக் கருமம் திருத்தித் திருவோணத் திருவிழவில்
படுத்த பைந்நாகணைப் பள்ளி கொண்டானுக்குப் பல்லாண்டு கூறுதுமே
uṭuttuk kaḷainta niṉ pītaka āṭai uṭuttu kalattatu uṇṭu
toṭutta tuḻāymalarcūṭik kaḷaintaṉa cūṭum ittoṇṭarkaḷōm
viṭutta ticaik karumam tiruttit tiruvōṇat tiruviḻavil
paṭutta painnākaṇaip paḷḷi koṇṭāṉukkup pallāṇṭu kūṟutumē
Wir sind die Diener, die dein gelbes Gewand tragen, nachdem du es abgelegt hast, und aus deiner Schale essen;
wir schmücken uns mit den geflochtenen Tulasi-Blüten, die du getragen und abgelegt hast.
Die aufgetragenen Dienste erfüllen wir, wohin du uns auch sendest; beim heiligen Tiruvonam-Fest
singen wir Heil für viele Jahre dem, der auf der ausgebreiteten Haubenschlange ruht!
Gewand, Speise und Tulasi-Girlande haben zuvor dem Verehrten gehört. Als Prasada tragen diese Gaben seine Nähe in das Leben der Diener. Ihr Dank wird zur Bereitschaft, die anvertrauten Aufgaben zu erfüllen. Die ausgebreitete Haubenschlange bezeichnet Shesha, das Lager Vishnus.
Vers 10: Der Tag der Hingabe
எந்நாள் எம்பெருமான் உன்தனக்கு அடியோம் என்று எழுத்துப்பட்ட
அந்நாளே அடியோங்கள் அடிக்குடில் வீடுபெற்று உய்ந்தது காண்
செந்நாள் தோற்றித் திரு மதுரையுள் சிலை குனித்து ஐந்தலைய
பைந்நாகத் தலைப் பாய்ந்தவனே உன்னைப் பல்லாண்டு கூறுதுமே
ennāḷ emperumāṉ uṉtaṉakku aṭiyōm eṉṟu eḻuttuppaṭṭa
annāḷē aṭiyōṅkaḷ aṭikkuṭil vīṭupeṟṟu uyntatu kāṇ
cennāḷ tōṟṟit tiru maturaiyuḷ cilai kuṉittu aintalaiya
painnākat talaip pāyntavaṉē uṉṉaip pallāṇṭu kūṟutumē
An dem Tag, unser Herr, an dem schriftlich feststand: „Wir sind deine Diener“,
an eben diesem Tag wurde unser ganzes Haus befreit und gerettet – sieh!
Du, der an einem glückverheißenden Tag erschien, in der heiligen Stadt Mathura den Bogen beugte und auf die Köpfe der fünfköpfigen Haubenschlange sprang:
Dir wollen wir Heil für viele Jahre singen!
Die schriftlich besiegelte Zugehörigkeit ist ein Bild entschiedener Hingabe. „Unser ganzes Haus“ bezeichnet nach dem KOYIL-Kommentar die Familie mitsamt ihren Nachkommen. Tirumaturai meint in dieser Krishna-Erzählung Mathura; die Schlange ist Kaliya. Die Erinnerung an Krishnas Taten verbindet sich mit der Gewissheit, bei ihm Rettung gefunden zu haben.
Vers 11: Den Namen mit aufrichtigem Herzen singen
அல்வழக்கு ஒன்றும் இல்லா அணி கோட்டியர்கோன் அபிமானதுங்கன்
செல்வனைப் போல திருமாலே நானும் உனக்குப் பழ அடியேன்
நல் வகையால் நமோ நாராயணா என்று நாமம் பல பரவி
பல் வகையாலும் பவித்திரனே உன்னைப் பல்லாண்டு கூறுவனே
alvaḻakku oṉṟum illā aṇi kōṭṭiyarkōṉ apimāṉatuṅkaṉ
celvaṉaip pōla tirumālē nāṉum uṉakkup paḻa aṭiyēṉ
nal vakaiyāl namō nārāyaṇā eṉṟu nāmam pala paravi
pal vakaiyālum pavittiraṉē uṉṉaip pallāṇṭu kūṟuvaṉē
Wie Selvan, der untadelige Herr des schönen Kottiyur, der erhabene Abhimanatunga,
bin auch ich, o Tirumal, seit alters dein Diener.
Aufrichtig „Namo Narayana“ sprechend und deine vielen Namen preisend,
will ich dir, der du in jeder Hinsicht rein bist und reinigst, Heil für viele Jahre singen!
Die Tradition erkennt in Selvan den Verehrer Selvanambi von Tirukkottiyur. Der Dichter stellt sich neben einen geachteten Diener Gottes. Das Lob der Namen verbindet persönliche Treue mit einer Gemeinschaft, in der Hingabe durch das Beispiel anderer wachsen kann.
Vers 12: Die Frucht des Segensgesangs
பல்லாண்டு என்று பவித்திரனைப் பரமேட்டியைச் சார்ங்கம் என்னும்
வில் ஆண்டான் தன்னை வில்லிபுத்தூர் விட்டுசித்தன் விரும்பிய சொல்
நல் ஆண்டு என்று நவின்று உரைப்பார் நமோ நாராயணாய என்று
பல்லாண்டும் பரமாத்மனைச் சூழ்ந்திருந்து ஏத்துவர் பல்லாண்டே
pallāṇṭu eṉṟu pavittiraṉaip paramēṭṭiyaic cārṅkam eṉṉum
vil āṇṭāṉ taṉṉai villiputtūr viṭṭucittaṉ virumpiya col
nal āṇṭu eṉṟu naviṉṟu uraippār namō nārāyaṇāya eṉṟu
pallāṇṭum paramātmaṉaic cūḻntiruntu ēttuvar pallāṇṭē
„Viele Jahre!“ – so lauten die liebevollen Worte Vishnuchittas aus Villiputtur
über den Reinen, den Höchsten, den Träger des Bogens Sharnga.
Wer diese Worte immer wieder als Wunsch glücklicher Jahre ausspricht und „Namo Narayanaya“ singt,
wird den Paramatman, das höchste Selbst, umgeben und ihn für viele Jahre preisen – für viele Jahre!
Der Schlussvers nennt Vishnuchitta, also Periyalvar, und verheißt die Frucht des Singens. Paramatman, „das höchste Selbst“, bezeichnet hier den persönlich verehrten Vishnu-Narayana. Das Lied mündet in die Aussicht, bei ihm zu sein und ihn gemeinsam zu preisen. Der Segensruf wird zur bleibenden Form der Verbundenheit.
Tiruppallandu von Senthanar: alle dreizehn Verse mit Übersetzung
Senthanars Shiva-Hymne ist im neunten Tirumurai als Hymne 29 überliefert. Die Nummern 1–13 entsprechen der fortlaufenden Zählung 289–301. Der Tamiltext folgt der Tamil Virtual Academy.[2]

Zum Hören und Vertiefen
Das tamilische Video „Mannuka Tillai Padigam – Tiruppallandu – Senthanar“ widmet sich der Shiva-Hymne und Chidambaram.
Vers 1: Segen für Tillai und die Gemeinschaft (Tirumurai 9.29.1; Nr. 289)
மன்னுக தில்லை வளர்கநம் பத்தர்கள்
வஞ்சகர் போயகலப்
பொன்னின்செய் மண்டபத் துள்ளே புகுந்து
புவனியெல் லாம்விளங்க
அன்ன நடைமட வாள்உமை கோன்அடி
யோமுக் கருள்புரிந்து
பின்னைப் பிறவி யறுக்க நெறிதந்த பித்தற்குப்
பல்லாண்டு கூறுதுமே.
maṉṉuka tillai vaḷarkanam pattarkaḷ
vañcakar pōyakalap
poṉṉiṉcey maṇṭapat tuḷḷē pukuntu
puvaṉiyel lāmviḷaṅka
aṉṉa naṭaimaṭa vāḷumai kōṉaṭi
yōmuk karuḷpurintu
piṉṉaip piṟavi yaṟukka neṟitanta pittaṟkup
pallāṇṭu kūṟutumē.
Möge Tillai bestehen! Mögen die uns verbundenen Gottesverehrer gedeihen!
Die Unaufrichtigen mögen weichen!
Der Herr Umas, der Frau mit dem Gang eines Schwans, trat in die goldene Halle ein,
damit alle Welten erstrahlen.
Uns, seinen Dienern, erwies er Gnade
und schenkte den Weg, der künftige Wiedergeburten abschneidet.
Diesem göttlichen Narren wollen wir Heil für viele Jahre singen!
Tillai ist Chidambaram, die Stätte von Shivas Tanz. Der Segen gilt zunächst dem Heiligtum und den Mitverehrern. Pittan, „Narr“ oder „Entrückter“, ist eine vertraute Anrede der tamilischen Shiva-Bhakti. In dieser innigen Sprache preist Senthanar die Gnade, die den Weg aus der Wiedergeburt eröffnet.
Vers 2: Empfangen und sich hingeben (Tirumurai 9.29.2; Nr. 290)
மிண்டு மனத்தவர் போமின்கள்;
மெய்யடியார்கள் விரைந்து வம்மின்;
கொண்டும் கொடுத்தும் குடிகுடி யீசற்காட்
செய்மின் குழாம்புகுந்
தண்டங்கடந்த பொருள் அள வில்லதோர்
ஆனந்த வெள்ளப்பொருள்
பண்டும் இன்றும் என்றும் உள்ளபொருள் என்றே
பல்லாண்டு கூறுதுமே
miṇṭu maṉattavar pōmiṉkaḷ;
meyyaṭiyārkaḷ viraintu vammiṉ;
koṇṭum koṭuttum kuṭikuṭi yīcaṟkāṭ
ceymiṉ kuḻāmpukun
taṇṭaṅkaṭanta poruḷ aḷa villatōr
āṉanta veḷḷapporuḷ
paṇṭum iṉṟum eṉṟum uḷḷaporuḷ eṉṟē
pallāṇṭu kūṟutumē
Ihr mit verhärtetem Herzen, geht!
Ihr wahrhaft Hingebungsvollen, kommt eilends!
Empfangt und gebt; dient Ishvara in jeder Familie!
Tretet in die Gemeinschaft ein!
Er ist die Wirklichkeit jenseits des Weltalls,
die Wirklichkeit einer unermesslichen Flut von Seligkeit,
die Wirklichkeit, die einst war, heute ist und immer sein wird.
So wollen wir ihn preisen und Heil für viele Jahre singen!
Empfangen und Geben prägen den Dienst an Ishvara. Der tamilische Kommentar versteht darunter das Empfangen seiner Gnade und die Hingabe von Leib, Besitz und Leben. Das dreimalige poruḷ, „Wirklichkeit“, verleiht dem Lob seine Weite: Der persönlich verehrte Herr übersteigt Welt und Zeit.
Vers 3: Das Herz wird weich (Tirumurai 9.29.3; Nr. 291)
நிட்டையி லாஉடல் நீத்தென்னை ஆண்ட
நிகரிலா வண்ணங்களும்
சிட்டன் சிவனடி யாரைச்சீ ராட்டுந்
திறங்களு மேசிந்தித்
தட்டமூர்த் திக்கென் அகம்நெக ஊறும்
அமிர்தினுக் காலநிழற்
பட்டனுக் கென்னைத்தன் பாற்படுத் தானுக்கே
பல்லாண்டு கூறுதுமே.
niṭṭaiyi lāuṭal nītteṉṉai āṇṭa
nikarilā vaṇṇaṅkaḷum
ciṭṭaṉ civaṉaṭi yāraiccī rāṭṭun
tiṟaṅkaḷu mēcintit
taṭṭamūrt tikkeṉ akamneka ūṟum
amirtiṉuk kālaniḻaṟ
paṭṭaṉuk keṉṉaittaṉ pāṟpaṭut tāṉukkē
pallāṇṭu kūṟutumē.
Ich bedenke die unvergleichliche Weise, in der er meinen zur Sammlung unfähigen Leib verwandelte und mich annahm [nach traditioneller Deutung],
und wie der erhabene Shiva seine Diener liebevoll ehrt.
Dem Herrn mit den acht Gestalten,
dem Nektar, der hervorquillt und mein Herz schmelzen lässt,
dem Lehrer im Schatten des Banyanbaums,
der mich ganz zu sich genommen hat,
ihm wollen wir Heil für viele Jahre singen!
Nīttu heißt zunächst „abgelegt“ oder „entfernt“. Die Tamil Virtual Academy deutet die Wendung als Verwandlung eines Leibes, der die innere Sammlung bisher nicht unterstützte; dieser Deutung folgt die Übersetzung. Die acht Gestalten verweisen auf Ashtamurti, der Lehrer im Schatten des Banyanbaums auf Dakshinamurti. Das Bild des schmelzenden Herzens verbindet Erkenntnis mit inniger Liebe.
Vers 4: Dem Zeitlosen viele Jahre wünschen (Tirumurai 9.29.4; Nr. 292)
சொல்லாண்ட சுருதிப்பொருள் சோதித்த
தூய்மனத் தொண்டருள்ளீர்,
சில்லாண் டிற்சிதை யும்சில தேவர்
சிறுநெறி சேராமே
வில்லாண்டகன கத்திரள் மேரு
விடங்கன் விடைப்பாகன்
பல்லாண் டென்னும் பதங்கடந் தானுக்கே
பல்லாண்டு கூறுதுமே.
collāṇṭa curutipporuḷ cōtitta
tūymaṉat toṇṭaruḷḷīr,
cillāṇ ṭiṟcitai yumcila tēvar
ciṟuneṟi cērāmē
villāṇṭakaṉa kattiraḷ mēru
viṭaṅkaṉ viṭaippākaṉ
pallāṇ ṭeṉṉum pataṅkaṭan tāṉukkē
pallāṇṭu kūṟutumē.
Ihr Diener mit reinem Herzen, die ihr den Sinn der wortmächtigen heiligen Offenbarung erforscht habt:
Folgt nicht den engen Wegen mancher Götter,
die nach wenigen Jahren wieder vergehen!
Dem Schönen, der den goldenen Berg Meru als Bogen führte,
dem Reiter des Stiers,
der selbst den Ausdruck „viele Jahre“ überschreitet,
ihm wollen wir Heil für viele Jahre singen!
Der Segensruf gilt dem, der selbst jenseits der Zeit steht. Dieses Paradox gehört zum Kern des Liedes: Liebe wünscht dem Ewigen Bestand. Die Abgrenzung gegenüber anderen Göttern spricht aus einer ausdrücklich shaivitischen Perspektive. Meru als Bogen erinnert an Tripurantaka, den Bezwinger der drei Festungen.
Vers 5: Der Ozean des Erbarmens (Tirumurai 9.29.5; Nr. 293)
புரந்தரன் மால்அயன் பூசலிட் டோலமிட்
டின்னம் புகலரிதாய்
இரந்திரந் தழைப்பஎன் உயிர்ஆண்ட கோவினுக்
கென்செய வல்லம்என்றும்
கரந்துங் கரவாத கற்பக னாகிக்
கரையில் கருணைக்கடல்
பரந்தும் நிரந்தும் வரம்பிலாப் பாங்கற்கே
பல்லாண்டு கூறுதுமே.
purantaraṉ mālayaṉ pūcaliṭ ṭōlamiṭ
ṭiṉṉam pukalaritāy
irantiran taḻaippaeṉ uyirāṇṭa kōviṉuk
keṉceya vallameṉṟum
karantuṅ karavāta kaṟpaka ṉākik
karaiyil karuṇaikkaṭal
parantum nirantum varampilāp pāṅkaṟkē
pallāṇṭu kūṟutumē.
Indra, Vishnu und Brahma streiten, rufen laut und flehen immer wieder;
doch bleibt er ihnen schwer zugänglich.
Dieser König aber hat meine Seele angenommen – was könnten wir ihm vergelten?
Unsichtbar bleibt er und hält doch wie ein Wunschbaum keine Gabe zurück.
Er ist der uferlose Ozean des Erbarmens,
überall ausgebreitet, alles erfüllend und unermesslich in seinem Wesen.
Ihm wollen wir Heil für viele Jahre singen!
Das Staunen gilt einer Gnade, die den Sänger erreicht, während selbst die großen Götter Shiva schwer erreichen. Der Wunschbaum versinnbildlicht Freigebigkeit, der uferlose Ozean unbegrenztes Mitgefühl. Die Frage nach einer Gegengabe mündet in das, was der Verehrer schenken kann: sein Lob.
Vers 6: Nektar für die Seele (Tirumurai 9.29.6; Nr. 294)
சேவிக்க வந்தயன் இந்திரன் செங்கண்மால்
எங்குந் திசைதிசையன
கூவிக் கவர்ந்து நெருங்கிக் குழாங்குழா
மாய்நின்று கூத்தாடும்
ஆவிக் கமுதைஎன் ஆர்வத் தனத்தினை
அப்பனை ஒப்பமரர்
பாவிக்கும் பாவகத் தப்புறத் தானுக்கே
பல்லாண்டு கூறுதுமே.
cēvikka vantayaṉ intiraṉ ceṅkaṇmāl
eṅkun ticaiticaiyaṉa
kūvik kavarntu neruṅkik kuḻāṅkuḻā
māyniṉṟu kūttāṭum
āvik kamutaieṉ ārvat taṉattiṉai
appaṉai oppamarar
pāvikkum pāvakat tappuṟat tāṉukkē
pallāṇṭu kūṟutumē.
Brahma, Indra und der rotäugige Vishnu kommen, um ihn zu verehren.
Aus allen Richtungen rufen sie einander herbei, bringen Gaben,
drängen sich dicht zusammen und tanzen in Scharen.
Er ist der Nektar für die Seele,
der Schatz, nach dem mein Verlangen strebt, der Vater,
der selbst über die Vorstellungen der Götter hinausreicht.
Ihm wollen wir Heil für viele Jahre singen!
Gaben, Rufe und Tanz machen die Verehrung zum gemeinsamen Fest. Shiva bleibt dabei größer als jede Vorstellung von ihm. Das Bild vom „Nektar für die Seele“ verbindet diese Unermesslichkeit mit persönlicher Nähe: Der ersehnte Herr wird zur Nahrung des innersten Lebens.
Vers 7: Erkenntnis zu den Füßen des Herrn (Tirumurai 9.29.7; Nr. 295)
சீரும் திருவும் பொலியச் சிவலோக
நாயகன் சேவடிக்கீழ்
ஆரும் பெறாத அறிவுபெற் றேன்பெற்ற
தார்பெறு வார்உலகில்
ஊரும் உலகும் கழற உழறி
உமைமண வாளனுக்காட்
பாரும் விசும்பும் அறியும் பரிசுநாம்
பல்லாண்டு கூறுதுமே.
cīrum tiruvum poliyac civalōka
nāyakaṉ cēvaṭikkīḻ
ārum peṟāta aṟivupeṟ ṟēṉpeṟṟa
tārpeṟu vārulakil
ūrum ulakum kaḻaṟa uḻaṟi
umaimaṇa vāḷaṉukkāṭ
pārum vicumpum aṟiyum paricunām
pallāṇṭu kūṟutumē.
Herrlichkeit und heiliger Glanz leuchten auf:
Zu den roten Füßen des Herrn von Shivaloka empfing ich eine Erkenntnis, die niemand sonst erlangt.
Wer auf der Welt könnte empfangen, was ich empfangen habe?
Stadt und Welt sollen es verkünden: Wir dienen Umas Gemahl!
Lasst uns überschwänglich von ihm singen,
sodass Erde und Himmel es vernehmen,
und ihm Heil für viele Jahre wünschen!
Der Sänger spricht aus überwältigender Freude über die empfangene Erkenntnis. „Die niemand sonst erlangt“ hebt deren Kostbarkeit hervor. Kaḻaṟa kann ein nachdrückliches Sprechen oder Schelten bezeichnen; hier folgt die Übersetzung dem Tamilkommentar und versteht es als Verkünden der Zugehörigkeit zu Shiva. Das persönliche Erleben öffnet sich zum gemeinsamen Gotteslob.
Vers 8: Milch und Nektar im Herzen (Tirumurai 9.29.8; Nr. 296)
சேலும் கயலும் திளைக்குங்கண் ணார்இளங்
கொங்கையிற் செங்குங்குமம்
போலும் பொடியணி மார்பிலங் கும்மென்று
புண்ணியர் போற்றிசைப்ப
மாலும் அயனும் அறியா நெறிதந்து
வந்தென் மனத்தகத்தே
பாலும் அமுதமும் ஒத்துநின் றானுக்கே
பல்லாண்டு கூறுதுமே.
cēlum kayalum tiḷaikkuṅkaṇ ṇāriḷaṅ
koṅkaiyiṟ ceṅkuṅkumam
pōlum poṭiyaṇi mārpilaṅ kummeṉṟu
puṇṇiyar pōṟṟicaippa
mālum ayaṉum aṟiyā neṟitantu
vanteṉ maṉattakattē
pālum amutamum ottuniṉ ṟāṉukkē
pallāṇṭu kūṟutumē.
„Die heilige Asche auf seiner Brust erstrahlt
wie rotes Kumkum auf den jungen Brüsten der Frauen,
deren Augen lebhaft wie Sel- und Kayal-Fische spielen“ – so singen die Frommen seinen Preis.
Er zeigte mir den Weg, den Vishnu und Brahma nicht kennen,
kam in mein Herz
und verweilte dort, süß wie Milch und Nektar.
Ihm wollen wir Heil für viele Jahre singen!
Der Vergleich gilt dem anziehenden Leuchten: Heilige Asche auf Shivas Brust berührt die Frommen wie Kumkum auf dem Körper einer schönen Frau die Liebenden. Sel und Kayal sind Fischbezeichnungen; bewegliche Fischaugen gehören zur tamilischen Schönheitssprache. Die letzten Zeilen führen vom Anblick der Gestalt zur Gegenwart Shivas im Herzen.
Vers 9: Die Antwort auf das Rufen eines Kindes (Tirumurai 9.29.9; Nr. 297)
பாலுக்குப் பாலகன் வேண்டி அழுதிடப்
பாற்கடல் ஈந்தபிரான்
மாலுக்குச் சக்கரம் அன்றருள் செய்தவன்
மன்னிய தில்லைதன்னுள்
ஆலிக்கும் அந்தணர் வாழ்கின்ற சிற்றம்
பலமே இடமாகப்
பாலித்து நட்டம் பயிலவல் லானுக்கே
பல்லாண்டு கூறுதுமே.
pālukkup pālakaṉ vēṇṭi aḻutiṭap
pāṟkaṭal īntapirāṉ
mālukkuc cakkaram aṉṟaruḷ ceytavaṉ
maṉṉiya tillaitaṉṉuḷ
ālikkum antaṇar vāḻkiṉṟa ciṟṟam
palamē iṭamākap
pālittu naṭṭam payilaval lāṉukkē
pallāṇṭu kūṟutumē.
Als ein Kind weinte und nach Milch verlangte,
schenkte der Herr ihm den Milchozean.
Er verlieh einst Vishnu den Diskus.
Im beständigen Tillai, in der kleinen Tanzhalle,
wo die Stimmen der dort lebenden Brahmanen erschallen,
gewährt er Gnade und vollführt seinen Tanz.
Ihm wollen wir Heil für viele Jahre singen!
Der tamilische Kommentar erkennt in dem Kind Upamanyu. Die Bitte um Milch wird im Bild grenzenloser göttlicher Fürsorge beantwortet. Dass Shiva Vishnu den Diskus schenkt, gehört zur ausdrücklich shaivitischen Perspektive dieses Liedes. Die kleine Halle, ciṟṟampalam, ist der heilige Tanzraum von Chidambaram.
Vers 10: Chandesha und die überraschende Gnade (Tirumurai 9.29.10; Nr. 298)
தாதையைத் தாள்அற வீசிய சண்டிக்கவ்
வண்டத் தொடுமுடனே
பூதலத் தோரும் வணங்கப்பொற் கோயிலும்
போனக மும்அருளிச்
சோதி மணிமுடித் தாமமும் நாமமும்
தொண்டர்க்கு நாயகமும்
பாதகத் துக்குப் பரிசுவைத் தானுக்கே
பல்லாண்டு கூறுதுமே
tātaiyait tāḷaṟa vīciya caṇṭikkav
vaṇṭat toṭumuṭaṉē
pūtalat tōrum vaṇaṅkappoṟ kōyilum
pōṉaka mumaruḷic
cōti maṇimuṭit tāmamum nāmamum
toṇṭarkku nāyakamum
pātakat tukkup paricuvait tāṉukkē
pallāṇṭu kūṟutumē
Chandi, der seinem Vater den Fuß abschlug,
beschenkte er mit einem goldenen Heiligtum und heiliger Speise,
sodass Himmel und Erde sich vor ihm verneigten.
Er gab ihm die Girlande seines strahlenden, kostbaren Hauptschmucks,
einen Ehrennamen und den Vorrang unter den Dienern.
Dem, der für eine solche Untat einen Lohn gewährte,
ihm wollen wir Heil für viele Jahre singen!
Chandi ist Chandesha. Der Text nennt seine Gewalttat selbst pātakam, „Untat“. Die traditionelle Auslegung versteht den scheinbaren Vorwurf an Shiva als ein Lob seiner Anerkennung unbedingter Hingabe. Diese Spannung bleibt im Vers bestehen. Die Heiligenlegende verdichtet einen Glaubensgedanken in eine extreme Erzählung; sie begründet keine Erlaubnis zur Gewalt.
Vers 11: Hingabe, die gemeinsam klingt (Tirumurai 9.29.11; Nr. 299)
குழல்ஒலி யாழ்ஒலி கூத்தொலி ஏத்தொலி
எங்கும் குழாம்பெருகி
விழவொலி விண்ணள வுஞ்சென்று விம்மி
மிகுதிரு வாரூரின்
மழவிடை யாற்கு வழிவழி ஆளாய்
மணஞ்செய் குடிப்பிறந்த
பழவடி யாரொடுங் கூடிஎம் மானுக்கே
பல்லாண்டு கூறுதுமே.
kuḻaloli yāḻoli kūttoli ēttoli
eṅkum kuḻāmperuki
viḻavoli viṇṇaḷa vuñceṉṟu vimmi
mikutiru vārūriṉ
maḻaviṭai yāṟku vaḻivaḻi āḷāy
maṇañcey kuṭippiṟanta
paḻavaṭi yāroṭuṅ kūṭiem māṉukkē
pallāṇṭu kūṟutumē.
Flötenklang, Harfenklang, Tanz und Lobgesang:
Überall wachsen die Scharen der Feiernden.
Der Festjubel Tiruvarurs steigt bis zum Himmel und erfüllt die Weite.
Dort leben seit alters seine Diener: Sie stammen aus Familien,
die untereinander heiraten und von Geschlecht zu Geschlecht dem Herrn auf dem jungen Stier dienen.
Mit ihnen gemeinsam wollen wir unserem Herrn Heil für viele Jahre singen!
Die yāḻ ist ein altes tamilisches Saiteninstrument, hier als Harfe wiedergegeben. Tiruvarur wird als klingende Feststadt lebendig. Der Vers verbindet die gemeinsame Verehrung mit familiärer Überlieferung und Heiratsgemeinschaften. Seine Freude wurzelt in einer konkreten Lebenswelt, in der Hingabe weitergegeben wird.
Vers 12: Das Fest der göttlichen Gegenwart (Tirumurai 9.29.12; Nr. 300)
ஆரார் வந்தார் அமரர் குழாத்தில்
அணியுடை ஆதிரைநாள்
நாரா யணனொடு நான்முகன் அங்கி
இரவியும் இந்திரனும்
தேரார் வீதியில் தேவர் குழாங்கள்
திசையனைத்தும் நிறைந்து
பாரார் தொல்புகழ் பாடியும் ஆடியும்
பல்லாண்டு கூறுதுமே.
ārār vantār amarar kuḻāttil
aṇiyuṭai ātiraināḷ
nārā yaṇaṉoṭu nāṉmukaṉ aṅki
iraviyum intiraṉum
tērār vītiyil tēvar kuḻāṅkaḷ
ticaiyaṉaittum niṟaintu
pārār tolpukaḻ pāṭiyum āṭiyum
pallāṇṭu kūṟutumē.
Wer ist alles gekommen unter den Scharen der Unsterblichen
an diesem herrlichen Adirai-Tag?
Narayana und der Viergesichtige, Agni,
die Sonne und Indra sind gekommen.
In den Straßen voller Festwagen stehen die Götterscharen,
und alle Himmelsrichtungen sind von ihnen erfüllt.
Singend und tanzend preisen wir den uralten Ruhm, der die Erde erfüllt,
und singen Heil für viele Jahre!
Adirai bezeichnet den Stern Ardra und hier den Festtag Tiruvadirai. Der Viergesichtige ist Brahma. In der Darstellung des Liedes versammeln sich Menschen und Götter um Shiva. Tempelwagen, Gesang und Tanz verbinden die Feier in den Straßen mit einer den ganzen Kosmos erfüllenden Freude.
Vers 13: Vater, Mutter und alles, was trägt (Tirumurai 9.29.13; Nr. 301)
எந்தைஎந் தாய்சுற்றம் முற்றும் எமக்கமு
தாம்மெம் பிரான்என்றென்று
சிந்தை செய்யும் சிவன் சீரடியார்
அடிநாய் செப்புரை
அந்தமில் ஆனந்தச் சேந்தன் எனைப்புகுந்
தாண்டுகொண் டாருயிர்மேற்
பந்தம் பிரியப் பரிந்தவ னேஎன்று
பல்லாண்டு கூறுதுமே.
entaien tāycuṟṟam muṟṟum emakkamu
tāmmem pirāṉeṉṟeṉṟu
cintai ceyyum civaṉ cīraṭiyār
aṭināy ceppurai
antamil āṉantac cēntaṉ eṉaippukun
tāṇṭukoṇ ṭāruyirmēṟ
pantam piriyap parintava ṉēeṉṟu
pallāṇṭu kūṟutumē.
„Unser Vater, unsere Mutter, unsere ganze Verwandtschaft,
unser Herr, der uns Nektar ist!“ – so denken Shivas herrliche Verehrer.
Senthan, von grenzenloser Seligkeit erfüllt,
ein Hund zu ihren Füßen, spricht diese Worte [Text und Satzfügung unsicher]:
„Du bist in mich eingegangen und hast mich angenommen;
du hast dich meiner erbarmt, damit die Fesseln meiner kostbaren Seele sich lösen!“
So wollen wir ihm Heil für viele Jahre singen!
Der Kommentar der Tamil Virtual Academy hält die mittleren Zeilen für textlich problematisch und erörtert Varianten. Diese Ausgabe bewahrt den dort gedruckten Tamiltext; die deutsche Satzfügung folgt einer vom Kommentar erläuterten Lesemöglichkeit. Das Bild des Hundes an den Füßen der Verehrer drückt äußerste Demut aus. Der Schluss sammelt die tragenden Beziehungen des Lebens in Shiva und preist seine befreiende Gnade.
Traditioneller Abschlussruf
திருச்சிற்றம்பலம்
tirucciṟṟampalam
Heilige kleine Tanzhalle!
Dieser liturgische Ruf steht nach dem dreizehnten Vers in der verwendeten Tamilfassung. Er nennt den heiligen Tanzraum Shivas und ist kein zusätzlicher Hymnenvers.
Zentrale Lehren und spirituelle Bedeutung
Gott segnen: die Freigebigkeit der Liebe
Tiruppallandu lässt Liebe in eine ungewöhnliche Richtung fließen: Der Verehrer wünscht dem Herrn selbst Heil. Bei Periyalvar ist darin eine mütterliche Fürsorge zu spüren. Senthanar benennt das Paradox ausdrücklich: Er singt „viele Jahre“ dem, der über jedes zeitliche Maß hinausgeht (Vers 4). Das Gebet wird zum freien Ausdruck einer Beziehung, in der das Herz schenken möchte.
Gemeinschaft als Raum der Hingabe
Beide Hymnen rufen Menschen zusammen. Dienst, Fest, Musik und die Weitergabe über Generationen gehören zu ihrer Spiritualität. Satsang ist hier eine gelebte Gemeinschaft. Die Texte enthalten zugleich schroffe Abgrenzungen gegenüber eigennützigen oder verhärteten Menschen. Ihre historische Sprache wird bewahrt; für die eigene Betrachtung stellt sie die Frage nach Aufrichtigkeit und nach den Beweggründen des Handelns.
Gnade, Hingabe und Befreiung
Periyalvar besingt die untrennbare Verbundenheit mit Vishnu und den bleibenden Dienst an ihm. Bei Senthanar tritt Shiva ins Herz ein und löst die Fesseln der Seele. Beide Werke sprechen von Befreiung in einer persönlichen Gottesbeziehung. Das wiederkehrende Wort „Dienst“ erhält seine Würde durch die Liebe zum Verehrten: Die Zugehörigkeit zu ihm wird als empfangene Gnade besungen.
Die Besonderheiten beider Traditionen achten
Periyalvars Hymne richtet sich auf Vishnu-Narayana, Lakshmi, die göttlichen Attribute und die Erscheinungen Ramas, Krishnas und Narasimhas. Senthanar preist Shiva als höchsten Herrn; Vishnu und Brahma erscheinen in seinen Liedern selbst als Verehrer. Diese unterschiedlichen Glaubensperspektiven gehören zum jeweiligen Werk. Ein respektvoller Vergleich lässt sie sichtbar und hört zugleich auf die gemeinsame Intensität der Hingabe.
Der Körper und die Sinne im Dienst des Heiligen
Duft, Speise, Gewänder, Musik, Tanz und das Leuchten göttlicher Gestalten prägen die Hymnen. Die Sinne können Träger der Erinnerung an Gott werden. Ein Verehrungsritual erhält so eine konkrete, sinnliche Gestalt; ein empfangenes Prasada kann Dankbarkeit in den Alltag hineintragen. Die Lieder verbinden diese Erfahrungen mit der Verwandlung des Herzens.
Tiruppallandu in Meditation und Alltag
Die folgenden Anregungen greifen Gedanken der Hymnen für die heutige Praxis auf. Sie sind Vorschläge zur persönlichen Betrachtung. Grundlegende Einführungen bieten die Yoga-Vidya-Seiten zu Yoga und Meditation.
1. Einen Segensvers langsam lesen
Wähle Periyalvars ersten Vers oder Senthanars ersten Vers. Lies die Übersetzung langsam und halte anschließend einen Moment inne. Welche Empfindung entsteht, wenn du dem Göttlichen selbst Gutes wünschst? Lasse diese Empfindung Raum gewinnen, ohne eine bestimmte Erfahrung erzwingen zu wollen.
2. Den heiligen Namen mit Aufmerksamkeit sprechen
Periyalvars Verse 4 und 12 enthalten den Ruf namo nārāyaṇāya – „Verehrung sei Narayana“. Vers 11 bietet die kürzere Form namo nārāyaṇā. Wenn dieser Name zu deiner Japa-Praxis gehört, sprich ihn einige Male bewusst und lasse danach Stille entstehen. Bei Senthanars Shiva-Hymne kann der wiederkehrende Ruf pallāṇṭu kūṟutumē – „Lasst uns Heil für viele Jahre singen“ – die Betrachtung begleiten.
3. Eine Gabe bewusst empfangen
Lies Periyalvars neunten Vers. Nimm die nächste Mahlzeit mit einem Augenblick der Dankbarkeit entgegen. Erinnere dich an die Menschen, die zu ihr beigetragen haben. So wird das Empfangen selbst zu einer Übung der Verbundenheit.
4. Hingabe in eine konkrete Handlung übersetzen
Senthanars zweiter Vers verbindet Empfangen und Geben. Wähle einen kleinen Dienst, den du heute mit offenem Herzen tun kannst: Essen teilen, bei einer Aufgabe helfen, jemandem aufmerksam zuhören oder einen gemeinsamen Raum pflegen. Die innere Haltung wird im Tun erfahrbar.
5. Vom Gesang in die Stille gehen
Höre eine der tamilischen Darbietungen und folge zunächst dem Klang. Lies danach den zugehörigen Vers und sitze einige Minuten still. Senthanars Bild vom Nektar im Herzen kann die Betrachtung begleiten. Bewahre dabei die konkrete Gottesansprache der gewählten Hymne: Ihre persönliche Nähe ist Teil ihrer Kraft.
Ein Segen, der im Leben weiterklingt
Tiruppallandu beginnt mit einem Wunsch für viele Jahre und führt mitten in den gegenwärtigen Augenblick: zu einem Namen, den wir achtsam sprechen, zu einer Gabe, die wir dankbar empfangen, zu einem Dienst, den wir aus Liebe tun. Periyalvars fürsorglicher Blick auf Vishnu und Senthanars Freude an Shiva öffnen je einen eigenen Zugang zu dieser Nähe. Ihr Gesang lädt dazu ein, die empfangene Güte im eigenen Leben weiterklingen zu lassen.
Möge die Lektüre deine Hingabe vertiefen und dein Herz für die Menschen öffnen, mit denen du lebst. Möge aus dem gesungenen „Heil für viele Jahre“ eine stille Treue wachsen: zum Heiligen, das du verehrst, und zu dem Guten, das dir anvertraut ist.
Siehe auch
Tamilische Schriften
- Divya Prabandham – der tamilische Hymnenkanon der Alvars.
- Tirumantiram und Tiruvacakam – tamilische Shiva-Spiritualität in unterschiedlichen dichterischen Formen.
- Agathiyar Jnanam, Sivavakkiyam und Kudambai Siddhar Padalgal – Stimmen der Siddha-Dichtung.
- Unmai Neri Vilakkam, Sivajnana Bodham, Sivaprakasam und Tiruvarutpayan – Lehrtexte des Shaiva Siddhanta.
- Vinayagar Agaval und Avvai Kural – weitere tamilische Zugänge zu Hingabe und innerer Sammlung.
Vaishnavitische Samhitas sowie verwandte Tantra- und Agama-Schriften
Die folgenden Werke ermöglichen thematische Vergleiche zu Gottesverehrung, Mantra, Tempelpraxis und Meditation. Ein unmittelbarer Einfluss auf die beiden Hymnen wird damit nicht behauptet.
- Vishnu Samhita
- Sattvata Samhita
- Jayakhya Samhita
- Ahirbudhnya Samhita
- Padma Samhita
- Kamika Agama
- Sarvajnanottara Agama
- Netra Tantra
- Vijnana Bhairava Tantra
- Shiva Sutra
Personen, Orte und Grundbegriffe
Periyalvar, Vishnuchitta, Andal, Senthanar, Alvar, Vishnu, Narayana, Lakshmi, Garuda, Shiva, Nataraja, Uma, Chidambaram, Tiruvarur, Bhakti Yoga, Seva, Prasada, Gnade, Moksha, Vaishnavismus und Shaiva Siddhanta.
Quellen und Literatur
- ↑ 1,0 1,1 1,2 KOYIL: திருப்பல்லாண்டு – எளிய விளக்கவுரை, veröffentlicht am 29. März 2020 unter „sarathy“; Verfasserangabe: Sarathy Ramanuja Dasan. Die zwölf tamilischen Hauptverse bilden die Textgrundlage des Periyalvar-Abschnitts. Der begleitende tamilische Kommentar wurde bei einzelnen Deutungsfragen konsultiert. Abruf: 26. September 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Tamil Virtual Academy: 9th Thirumurai, „சேந்தனார் திருப்பல்லாண்டு“, Hymne 29 „கோயில்“, Verse 289–301, entsprechend den Einzelversen 1–13. Beginn mit Vers 289; Einzelbelege zu allen dreizehn Versen stehen im Quellenabschnitt. Tamilischer Grundtext und tamilische Erläuterungen. Abruf: 26. September 2026.
- ↑ Tamil Virtual Academy: Lehrabschnitt 4.1 „பெரியாழ்வார்“. Zu Periyalvar, dem Eingangsgesang des Divya Prabandham, dem mütterlichen Charakter seiner Krishna-Bhakti und seiner Beziehung zu Andal. Abruf: 26. September 2026.
- ↑ Shaivam.org: 9.029 – கோயில் – மன்னுக திருப்பல்லாண்டு. Verzeichnet Senthanar als Autor, Tillai/Chidambaram als Heiligtum und Pañcamam als paṇ. Der Anfang wurde mit der Textfassung der Tamil Virtual Academy verglichen. Abruf: 26. September 2026.
- ↑ Shaivam.org: சேந்தனார் வரலாறு – Senthanars Lebensüberlieferung. Zu Gastfreundschaft, Tempelwagenlegende, Tiruppallandu und liturgischer Verwendung. Abruf: 26. September 2026.
Textgrundlagen und Vergleich
- Periyalvar, zwölf Verse: KOYIL, tamilischer Text mit einfacher tamilischer Erläuterung, Sarathy Ramanuja Dasan, 29. März 2020. Grundlage der eigenen deutschen Übersetzung ist der tamilische Hymnentext; der Kommentar wurde bei Deutungsfragen herangezogen.
- Vergleichsfassung zu Periyalvar: Chennai Library, Tiruppallandu, Verse 1–12 am Anfang des Nalayira Divya Prabandham. Wortabstände und einzelne Schreibungen weichen ab; die vorliegende Tamilfassung folgt dem oben genannten KOYIL-Text.
- Senthanar, dreizehn Verse: Tamil Virtual Academy, 9th Thirumurai, Hymne 29. Einzelbelege: 1/289, 2/290, 3/291, 4/292, 5/293, 6/294, 7/295, 8/296, 9/297, 10/298, 11/299, 12/300, 13/301. Die erste Zahl ist die Versnummer innerhalb der Hymne, die zweite die fortlaufende Nummer im neunten Tirumurai.
Redaktionelle Hinweise
Die Ausgabe gibt beide Hymnen vollständig in den angegebenen Onlinefassungen wieder. Sie ist eine kommentierte deutsche Übersetzung, keine kritische Edition auf Handschriftenbasis. Wiederholte Leerzeichen, Einrückungen und Rezitationssterne wurden für die Wiki-Darstellung vereinheitlicht; die tamilischen Wortformen und die jeweilige Textfolge bleiben erhalten. Die Romanisierung wurde aus dem hier abgedruckten Tamiltext gebildet.
Bei Periyalvar sind besonders die rituelle Wendung in Vers 3, die „Begrenzung“ in Vers 4 und die „Bedrängnis“ in Vers 6 auslegungsbedürftig. Bei Senthanar folgt Vers 3 in der Deutung der Körperverwandlung dem tamilischen Kommentar. Auch das öffentliche Verkünden in Vers 7 ist eine am Kommentar orientierte Übersetzungsentscheidung. Die Textprobleme und die unsichere Satzfügung seines Schlussverses sind ausdrücklich markiert; die überlieferte Tamilfassung bleibt dort unverändert.
Die eigenen Erläuterungen unterscheiden zwischen Wortlaut, kenntlich gemachter traditioneller Deutung und heutiger Betrachtung. Die Heiligenlegenden werden als Überlieferungen erzählt; die Praxisanregungen sind heutige Zugänge zu den Textgedanken.
Bilder und Videos
Die eingebundenen Bilddateien „Vishnu.jpg“, „Lakshmi Devi.jpg“ und „Shiva nataraja musee guimet 25971.jpg“ sind im Yoga-Vidya-Wiki vorhanden; Urheber- und Lizenzangaben stehen auf den jeweiligen Dateiseiten. Die Verfügbarkeit und Titel der beiden YouTube-Videos wurden am 26. September 2026 anhand der öffentlichen Videodaten geprüft. Die Darbietungen ergänzen Klang und Lektüre; sie dienen nicht als philologische Textgrundlage. Die Seminarfeeds führen zu thematisch ergänzenden Yoga-Vidya-Angeboten.
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