Tiruvempavai
Tiruvempavai (Tamil: திருவெம்பாவை, wissenschaftliche Umschrift: Tiruvempāvai; auch Thiruvempavai, Tiruvempaavai) ist ein Zyklus von 20 Hymnen des großen tamilischen Shiva-Dichters Māṇikkavācakar. Das Werk gehört zum Tiruvasagam und damit zum achten Tirumurai der tamilischen Shaiva-Tradition. Die Überlieferung verbindet seine Entstehung mit Tiruvannamalai / Arunachala.

Das Tiruvempavai gehört zur alten tamilischen pāvai-Tradition. Junge Frauen rufen einander in den frühen Morgenstunden des Monats Mārgaḻi zum Erwachen, Singen und rituellen Baden. Doch Māṇikkavācakar verwandelt das äußere Ritual in eine innere Bhakti-Dichtung: Das Aufstehen aus dem Schlaf wird zum Bild des spirituellen Erwachens, das Bad zur Reinigung des Herzens und das gemeinsame Singen zur Sehnsucht nach Shiva.
Dieser Artikel enthält den vollständigen Text aller 20 Verse. Jeder Vers folgt unmittelbar der Reihenfolge:
Tamilischer Originaltext → wissenschaftliche Umschrift → deutsche Übersetzung.
Danach folgen ausführliche Erläuterungen zu den zentralen Bildern, zur Mārgaḻi-Tradition, zu Arunachala, Chidambaram, Shiva-Shakti, Nataraja, Bhakti Yoga, Japa, Seva und zur Beziehung zu anderen Tamil-Schriften.
Tiruvempavai auf einen Blick
- Autor: Māṇikkavācakar
- Tamilischer Titel: திருவெம்பாவை
- Wissenschaftliche Umschrift: Tiruvempāvai
- Umfang: 20 Hymnen
- Werkzusammenhang: Tiruvasagam
- Kanon: achter Tirumurai
- Traditioneller Ort: Tiruvannamalai
- Traditionelle Zeit der Rezitation: Mārgaḻi
- Dichtungsform: pāvai pāṭṭu, in der Shaiva-Überlieferung als koccakak kalippā bezeichnet
- Zentrale Themen: Erwachen, Shiva-Bhakti, Gemeinschaft, heiliges Bad, Shiva-Shakti, Dienst an den Gottesverehrern, Arunachala und völlige Hingabe
Manikkavacakar – der Dichter des schmelzenden Herzens
Māṇikkavācakar gehört zu den größten Dichtern des tamilischen Shaivismus. Sein Name bedeutet sinngemäß „der, dessen Worte wie Edelsteine sind“. Sein Hauptwerk Tiruvasagam und das Tirukkovaiyar wurden im späteren Shaiva-Kanon dem achten Tirumurai zugeordnet.
Seine historische Datierung ist nicht vollkommen gesichert; häufig wird er ungefähr in das 9. Jahrhundert gesetzt. Wichtiger für seine Wirkungsgeschichte ist die Intensität seiner Sprache: In kaum einer anderen tamilischen Bhakti-Dichtung erscheint das Herz so oft als etwas, das vor Gottes Gnade schmilzt.
Im Tiruvempavai wird diese Innerlichkeit in eine gemeinschaftliche Form gebracht. Eine Freundin ruft die andere. Eine ist schon überwältigt, eine schläft noch, eine weint, eine singt, eine springt ins Wasser. Bhakti ist hier keine einsame Privatfrömmigkeit, sondern etwas, das Menschen einander schenken.
Tiruvempavai, Margazhi und das Pavai-Ritual
Die zwanzig Hymnen gehören zum kulturellen Raum der pāvai nōṉpu, eines alten Ritualkomplexes, bei dem junge Frauen in der kühlen Jahreszeit früh aufstehen, gemeinsam singen und baden.
Im Tiruvempavai wird diese Form vollständig auf Shiva ausgerichtet. Der wiederkehrende Schluss „ēlōr empāvāy“ bindet jeden Vers an den gemeinschaftlichen Ruf.
Im tamilischen religiösen Leben besitzt der Monat Mārgaḻi bis heute besondere Bedeutung. In Shaiva-Traditionen werden Tiruvempavai und Tiruppalliyezhuchi in dieser Zeit besonders rezitiert. Auf vaishnavischer Seite steht Andals Tiruppavai mit ebenfalls starkem Mārgaḻi- und Pāvai-Bezug. citeturn428085search12turn483164youtube25
Der Vergleich von Tiruvempavai und Tiruppavai ist besonders schön: unterschiedliche Theologien – Shiva hier, Krishna/Nārāyaṇa dort – und doch dieselbe kulturelle Grundbewegung:
früh aufstehen → Freunde wecken → gemeinsam singen → baden → sich dem Göttlichen zuwenden.
Tiruvannamalai und Arunachala
Die Überlieferung verbindet das Tiruvempavai mit Tiruvannamalai. Der Shaivam-Text nennt als talam ausdrücklich Aṇṇāmalai. citeturn428085search0
Arunachala ist in der Shaiva-Tradition selbst eine Manifestation Shivas als Feuer und Licht. Deshalb erhält schon der erste Vers eine besondere Resonanz:
„das seltene große Licht ohne Anfang und Ende“.
Das erinnert an die berühmte Vorstellung der unendlichen Feuersäule, deren Anfang und Ende Brahmā und Viṣṇu nicht finden konnten. Auch im fünften Vers des Tiruvempavai erscheint genau dieses Motiv: Māl und Brahmā können den „Berg“ nicht erkennen.

Erwachen als spirituelles Symbol
Die ersten acht Verse bestehen wesentlich aus Weckrufen.
Doch die Mädchen schlafen nicht einfach nur körperlich.
Eine ist so von Shiva ergriffen, dass sie beim bloßen Hören seines Lobes das Bewusstsein für die gewöhnliche Welt verliert. Eine andere sagt Tag und Nacht, sie liebe das höchste Licht – und bleibt trotzdem im Bett. Wieder eine versprach am Vortag, alle anderen selbst zu wecken.
Das ist zugleich liebevoll, humorvoll und spirituell tief.
Wie oft wissen wir, was uns wichtig ist – und schlafen dennoch weiter?
Yoga und Meditation kennen dieselbe Frage. Spirituelle Praxis beginnt immer wieder mit einem Erwachen aus Gewohnheit, Unachtsamkeit und Verschiebung.
Vollständiger Text des Tiruvempavai – Tamil, Umschrift und deutsche Übersetzung
Formatierungshinweis für das Yoga-Wiki: Der Text verwendet bewusst keine <poem>-Tags. Jede tamilische und transliterierte Zeile endet mit <br>.
Vers 1
Tamil:
ஆதியும் அந்தமும் இல்லா அரும்பெருஞ்
சோதியை யாம்பாடக் கேட்டேயும் வாள்தடங்கண்
மாதே வளருதியோ வன்செவியோ நின்செவிதான்
மாதேவன் வார்கழல்கள் வாழ்த்திய வாழ்த்தொலிபோய்
வீதிவாய்க் கேட்டலுமே விம்மிவிம்மி மெய்ம்மறந்து
போதார் அமளியின்மேல் நின்றும் புரண்டிங்கன்
ஏதேனும் ஆகாள் கிடந்தாள் என்னே என்னே
ஈதே எந்தோழி பரிசேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
ātiyum antamum illā arumperuñ
cōtiyai yāmpāṭak kēṭṭēyum vāḷtaṭaṅkaṇ
mātē vaḷarutiyō vaṉceviyō niṉcevitāṉ
mātēvaṉ vārkaḻalkaḷ vāḻttiya vāḻttolipōy
vītivāyk kēṭṭalumē vimmivimmi meymmaṟantu
pōtār amaḷiyiṉmēl niṉṟum puraṇṭiṅkaṉ
ētēṉum ākāḷ kiṭantāḷ eṉṉē eṉṉē
ītē entōḻi paricēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
O Mädchen mit großen, schwertgleichen Augen! Wir singen das seltene große Licht, das weder Anfang noch Ende kennt – und du schläfst noch? Sind deine Ohren so hart geworden? Schon als der Lobgesang auf die geschmückten Füße Mahādevas am Eingang der Straße erklang, brach eine andere Freundin in Schluchzen aus, verlor sich selbst und wälzte sich auf ihrem blumenbestreuten Lager in Gottesliebe. Schau ihren Zustand! Und du, unsere Freundin – ist dies wirklich deine Art? Komm, o Mädchen, erwache mit uns!
Vers 2
Tamil:
பாசம் பரஞ்சோதிக்கு என்பாய் இராப்பகல்நாம்
பேசும்போது எப்போது இப் போதார் அமளிக்கே
நேசமும் வைத்தனையோ நேரிழையாய் நேரிழையீர்
சீசி இவையுஞ் சிலவோ விளையாடி
ஏசும் இடம் ஈதோ விண்ணோர்கள் ஏத்துதற்குக்
கூசும் மலர்ப்பாதம் தந்தருள வந்தருளும்
தேசன் சிவலோகன் தில்லைச்சிற்றம்பலத்துள்
ஈசனார்க்கு அன்பார்யாம் ஆரேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
pācam parañcōtikku eṉpāy irāppakalnām
pēcumpōtu eppōtu ip pōtār amaḷikkē
nēcamum vaittaṉaiyō nēriḻaiyāy nēriḻaiyīr
cīci ivaiyuñ cilavō viḷaiyāṭi
ēcum iṭam ītō viṇṇōrkaḷ ēttutaṟkuk
kūcum malarppātam tantaruḷa vantaruḷum
tēcaṉ civalōkaṉ tillaicciṟṟampalattuḷ
īcaṉārkku aṉpāryām ārēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
Du sagst Tag und Nacht: „Meine Liebe gehört dem höchsten Licht.“ Und nun, o schön geschmückte Freundin, hast du deine Liebe etwa auf dieses blumenreiche Bett gerichtet? Die anderen Mädchen lachen liebevoll: Ist das dein Spiel? Wir lieben den strahlenden Herrn von Śivaloka, den Īśa des kleinen Ambalam in Tillai, dessen Lotusfüße selbst die Himmelswesen nur ehrfürchtig preisen. Er kommt aus Gnade und schenkt seine Füße. Wer sind wir? Seine Liebenden. Darum steh auf und komm!
Vers 3
Tamil:
முத்தன்ன வெண்நகையாய் முன்வந்து எதிரெழுந்து என்
அத்தன் ஆனந்தன் அமுதன் என்று அள்ளூறித்
தித்திக்கப் பேசுவாய் வந்துன் கடைதிறவாய்
பத்துடையீர் ஈசன் பழ அடியீர் பாங்குடையீர்
புத்தடியோம் புன்மைதீர்த்து ஆட்கொண்டாற் பொல்லாதோ
எத்தோநின் அன்புடைமை எல்லோம் அறியோமோ
சித்தம் அழகியார் பாடாரோ நம் சிவனை
இத்தனையும் வேண்டும் எமக்கேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
muttaṉṉa veṇnakaiyāy muṉvantu etireḻuntu eṉ
attaṉ āṉantaṉ amutaṉ eṉṟu aḷḷūṟit
tittikkap pēcuvāy vantuṉ kaṭaitiṟavāy
pattuṭaiyīr īcaṉ paḻa aṭiyīr pāṅkuṭaiyīr
puttaṭiyōm puṉmaitīrttu āṭkoṇṭāṟ pollātō
ettōniṉ aṉpuṭaimai ellōm aṟiyōmō
cittam aḻakiyār pāṭārō nam civaṉai
ittaṉaiyum vēṇṭum emakkēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
O du mit den weißen Zähnen wie Perlen! Sonst standest du schon früh vor uns und sprachst so süß: „Mein Vater! Mein Glückseliger! Mein Nektar!“ Öffne nun deine Tür. Ihr, die ihr schon lange dem Herrn dient, nehmt auch uns neue Dienerinnen an; wäre es denn falsch, wenn er unsere Niedrigkeit beseitigt und uns in seinen Dienst nimmt? Kennen wir deine Liebe nicht? Sollten Menschen mit schönem Herzen unseren Shiva nicht besingen? Genau das wünschen wir – komm!
Vers 4
Tamil:
ஒண்ணித் திலநகையாய் இன்னம் புலர்ந்தின்றோ
வண்ணக் கிளிமொழியார் எல்லோரும் வந்தாரோ
எண்ணிக்கொண்டுள்ளவா சொல்லுகோம் அவ்வளவும்
கண்ணைத் துயின்றவமே காலத்தைப் போக்காதே
விண்ணுக்கு ஒருமருந்தை வேத விழுப்பொருளைக்
கண்ணுக்கு இனியானைப் பாடிக் கசிந்துள்ளம்
உண்ணெக்கு நின்றுருக யாம்மாட்டோம் நீயேவந்து
எண்ணிக் குறையில் துயிலேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
oṇṇit tilanakaiyāy iṉṉam pularntiṉṟō
vaṇṇak kiḷimoḻiyār ellōrum vantārō
eṇṇikkoṇṭuḷḷavā collukōm avvaḷavum
kaṇṇait tuyiṉṟavamē kālattaip pōkkātē
viṇṇukku orumaruntai vēta viḻupporuḷaik
kaṇṇukku iṉiyāṉaip pāṭik kacintuḷḷam
uṇṇekku niṉṟuruka yāmmāṭṭōm nīyēvantu
eṇṇik kuṟaiyil tuyilēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
O du mit dem leuchtenden perlengleichen Lächeln! Ist es denn noch nicht Morgen geworden? Sind alle Mädchen mit Stimmen wie bunte Papageien schon gekommen? Wir können zählen, wer da ist – doch verschwende du nicht die kostbare Zeit im Schlaf. Wir wollen den Einen besingen, der Medizin für den Himmel, die kostbare Essenz des Veda und eine Freude für die Augen ist. Unsere Herzen schmelzen und lösen sich auf. Komm selbst, zähle nach – und wenn jemand fehlt, kannst du wieder schlafen!
Vers 5
Tamil:
மாலறியா நான்முகனும் காணா மலையினை நாம்
போலறிவோம் என்றுள்ள பொக்கங்கள் ஏபேசும்
பாலாறு தேன்வாய்ப் படிறீ கடைதிறவாய்
ஞாலமே விண்ணே பிறவே அறிவரியான்
கோலமும் நம்மை ஆட்கொண்டருளிக் கோதாட்டும்
சீலமும் பாடிச் சிவனே சிவனே என்று
ஓலம் இடினும் உணராய் உணராய்காண்
ஏலக் குழலி பரிசேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
mālaṟiyā nāṉmukaṉum kāṇā malaiyiṉai nām
pōlaṟivōm eṉṟuḷḷa pokkaṅkaḷ ēpēcum
pālāṟu tēṉvāyp paṭiṟī kaṭaitiṟavāy
ñālamē viṇṇē piṟavē aṟivariyāṉ
kōlamum nammai āṭkoṇṭaruḷik kōtāṭṭum
cīlamum pāṭic civaṉē civaṉē eṉṟu
ōlam iṭiṉum uṇarāy uṇarāykāṇ
ēlak kuḻali paricēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
Wir prahlen nicht damit, den Berg zu kennen, den selbst Māl – Vishnu – nicht erfassen und der viergesichtige Brahmā nicht sehen konnte. Du mit deinem mundsüßen, milch- und honiggleichen Reden, hör auf mit deinen Ausflüchten und öffne die Tür! Er, den Erde, Himmel und andere Welten nicht erkennen können, kam in Schönheit zu uns, nahm uns an und behandelte uns mit zärtlicher Gnade. Selbst wenn wir laut „Shiva! Shiva!“ rufen, wachst du nicht auf. O du mit duftendem Haar – was für ein Schlaf ist das?
Vers 6
Tamil:
மானே நீ நென்னலை நாளை வந்து உங்களை
நானே எழுப்புவன் என்றலும் நாணாமே
போன திசைபகராய் இன்னம் புலர்ந்தின்றோ
வானே நிலனே பிறவே அறிவரியான்
தானேவந்து எம்மைத் தலையளித்து ஆட்கொண்டருளும்
வான்வார் கழல்பாடி வந்தோர்க்கு உன் வாய்திறவாய்
ஊனே உருகாய் உனக்கே உறும் எமக்கும்
ஏனோர்க்கும் தங்கோனைப் பாடேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
māṉē nī neṉṉalai nāḷai vantu uṅkaḷai
nāṉē eḻuppuvaṉ eṉṟalum nāṇāmē
pōṉa ticaipakarāy iṉṉam pularntiṉṟō
vāṉē nilaṉē piṟavē aṟivariyāṉ
tāṉēvantu emmait talaiyaḷittu āṭkoṇṭaruḷum
vāṉvār kaḻalpāṭi vantōrkku uṉ vāytiṟavāy
ūṉē urukāy uṉakkē uṟum emakkum
ēṉōrkkum taṅkōṉaip pāṭēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
O Mädchen, gestern hast du gesagt: „Morgen komme ich selbst und wecke euch alle!“ Nun schämst du dich nicht einmal, dass wir vor deiner Tür stehen? Sag uns, wohin du verschwunden bist. Ist es noch immer nicht Morgen? Der Eine, den Himmel, Erde und alle anderen nicht erfassen können, kam selbst zu uns, würdigte uns und nahm uns an. Wir stehen hier und singen seine hohen, geschmückten Füße. Öffne deinen Mund und deine Tür. Lass sogar diesen Körper vor Liebe schmelzen und singe den König, der dir, uns und allen gehört.
Vers 7
Tamil:
அன்னே இவையுஞ் சிலவோ பலவமரர்
உன்னற்கு அரியான் ஒருவன் இருஞ்சீரான்
சின்னங்கள் கேட்பச் சிவனென்றே வாய்திறப்பாய்
தென்னா என்னா முன்னம் தீசேர் மெழுகொப்பாய்
என்னானை என்அரையன் இன்னமுது என்று எல்லாமும்
சொன்னோம் கேள் வெவ்வேறாய் இன்னம் துயிலுதியோ
வன்னெஞ்சப் பேதையர்போல் வாளா கிடத்தியால்
என்னே துயிலின் பரிசேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
aṉṉē ivaiyuñ cilavō palavamarar
uṉṉaṟku ariyāṉ oruvaṉ iruñcīrāṉ
ciṉṉaṅkaḷ kēṭpac civaṉeṉṟē vāytiṟappāy
teṉṉā eṉṉā muṉṉam tīcēr meḻukoppāy
eṉṉāṉai eṉaraiyaṉ iṉṉamutu eṉṟu ellāmum
coṉṉōm kēḷ vevvēṟāy iṉṉam tuyilutiyō
vaṉṉeñcap pētaiyarpōl vāḷā kiṭattiyāl
eṉṉē tuyiliṉ paricēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
O Freundin, sind das wirklich deine Worte? Der Eine, den selbst zahllose Himmelswesen kaum im Denken erreichen, ist von unermesslicher Herrlichkeit. Sobald du seine Zeichen hörst, öffnest du sonst den Mund und sagst „Shiva!“; noch bevor wir „der Herr des Südens“ aussprechen, schmilzt du wie Wachs am Feuer. Wir haben zu dir gesagt: „Mein Herr, mein König, mein süßer Nektar!“ – und du schläfst noch immer für dich allein wie eine mit hartem Herzen? Was ist das für ein Schlaf?
Vers 8
Tamil:
கோழி சிலம்புச் சிலம்பும் குருகு எங்கும்
ஏழில் இயம்ப இயம்பும் வெண்சங்கு எங்கும்
கேழில் பரஞ்சோதி கேழில் பரங்கருணை
கேழில் விழுப்பொருள்கள் பாடினோம் கேட்டிலையோ
வாழி ஈதென்ன உறக்கமோ வாய்திறவாய்
ஆழியான் அன்புடைமை ஆமாறும் இவ்வாறோ
ஊழி முதல்வனாய் நின்ற ஒருவனை
ஏழைபங்காளனையே பாடேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
kōḻi cilampuc cilampum kuruku eṅkum
ēḻil iyampa iyampum veṇcaṅku eṅkum
kēḻil parañcōti kēḻil paraṅkaruṇai
kēḻil viḻupporuḷkaḷ pāṭiṉōm kēṭṭilaiyō
vāḻi īteṉṉa uṟakkamō vāytiṟavāy
āḻiyāṉ aṉpuṭaimai āmāṟum ivvāṟō
ūḻi mutalvaṉāy niṉṟa oruvaṉai
ēḻaipaṅkāḷaṉaiyē pāṭēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
Die Hähne rufen, überall antworten die Vögel; Musikinstrumente erklingen und weiße Muscheln tönen. Wir haben das unvergleichliche höchste Licht besungen, die unvergleichliche höchste Barmherzigkeit und die unvergleichlichen höchsten Werte – hast du nichts gehört? Was ist das für ein Schlaf? Öffne die Tür! Ist dies wirklich die Liebe einer, die sich dem Herrn hingibt? Komm, wir singen den Einen, der am Anfang der Weltzeitalter steht und die Göttin als seine Hälfte trägt.
Vers 9
Tamil:
முன்னைப் பழம்பொருட்கும் முன்னைப் பழம்பொருளே
பின்னைப் புதுமைக்கும் போத்தும் அப்பெற்றியனே
உன்னைப் பிரானாகப் பெற்றவுன் சீரடியோம்
உன்னடியார் தாள்பணிவோம் ஆங்கவர்க்கே பாங்காவோம்
அன்னவரே எம்கணவர் ஆவர் அவர் உகந்து
சொன்ன பரிசே தொழும்பாய்ப் பணி செய்வோம்
இன்ன வகையே எமக்கு எம்கோன் நல்குதியேல்
என்ன குறையும் இலோம் ஏலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
muṉṉaip paḻamporuṭkum muṉṉaip paḻamporuḷē
piṉṉaip putumaikkum pōttum appeṟṟiyaṉē
uṉṉaip pirāṉākap peṟṟavuṉ cīraṭiyōm
uṉṉaṭiyār tāḷpaṇivōm āṅkavarkkē pāṅkāvōm
aṉṉavarē emkaṇavar āvar avar ukantu
coṉṉa paricē toḻumpāyp paṇi ceyvōm
iṉṉa vakaiyē emakku emkōṉ nalkutiyēl
eṉṉa kuṟaiyum ilōm ēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
Du bist älter als alles Uralte und zugleich die Frische in allem Neuen. Dich haben wir als unseren Herrn gewonnen, und wir sind Dienerinnen deiner herrlichen Füße. Wir wollen die Füße deiner Diener verehren und zu ihnen gehören. Sie sollen unsere engsten Gefährten sein; was sie aus Freude an dir uns auftragen, wollen wir als Dienst tun. Wenn du, unser König, uns genau diese Lebensweise schenkst – was könnte uns dann noch fehlen?
Vers 10
Tamil:
பாதாளம் ஏழினும் கீழ் சொற்கழிவு பாதமலர்
போதார் புனைமுடியும் எல்லாப் பொருள்முடிவே
பேதை ஒருபால் திருமேனி ஒன்றல்லன்
வேதமுதல் விண்ணோரும் மண்ணும் துதித்தாலும்
ஓத உலவா ஒருதோழன் தொண்டர் உளன்
கோதில் குலத்தரன் தன் கோயில் பிணாப்பிள்ளைகாள்
ஏதவன் ஊர் ஏதவன் பேர் ஆருற்றார் ஆரயலார்
ஏதவரைப் பாடும் பரிசேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
pātāḷam ēḻiṉum kīḻ coṟkaḻivu pātamalar
pōtār puṉaimuṭiyum ellāp poruḷmuṭivē
pētai orupāl tirumēṉi oṉṟallaṉ
vētamutal viṇṇōrum maṇṇum tutittālum
ōta ulavā orutōḻaṉ toṇṭar uḷaṉ
kōtil kulattaraṉ taṉ kōyil piṇāppiḷḷaikāḷ
ētavaṉ ūr ētavaṉ pēr āruṟṟār ārayalār
ētavaraip pāṭum paricēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
Deine Lotusfüße reichen tiefer als die sieben Unterwelten und sind jenseits aller Worte; deine blumengeschmückte Krone ist jenseits dessen, was als Ende aller Dinge gedacht werden kann. Du trägst die junge Göttin als eine Hälfte und bist doch in keine einzige Gestalt einzuschließen. Veden, Himmelswesen und Menschen mögen dich preisen – sie kommen an kein Ende. O Mädchen aus der makellosen Tempelgemeinschaft: Was ist seine Stadt, was sein Name? Wer sind seine Verwandten und wer die Fremden? Wie könnte man den Unermesslichen überhaupt ganz besingen?
Vers 11
Tamil:
மொய்யார் தடம்பொய்கை புக்கு முகேர் என்னக்
கையாற் குடைந்து குடைந்து உன் கழல்பாடி
ஐயா வழியடியோம் வாழ்ந்தோம் காண் ஆரழல்போற்
செய்யா வெண்ணீறாடி செல்வ சிறுமருங்குல்
மையார் தடங்கண் மடந்தை மணவாளர்
ஐயா நீ ஆட்கொண்டு அருளும் விளையாட்டின்
உய்வார்கள் உய்யும் வகையெல்லாம் உயர்ந்தொழிந்தோம்
எய்யாமற் காப்பாய் எமையேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
moyyār taṭampoykai pukku mukēr eṉṉak
kaiyāṟ kuṭaintu kuṭaintu uṉ kaḻalpāṭi
aiyā vaḻiyaṭiyōm vāḻntōm kāṇ āraḻalpōṟ
ceyyā veṇṇīṟāṭi celva ciṟumaruṅkul
maiyār taṭaṅkaṇ maṭantai maṇavāḷar
aiyā nī āṭkoṇṭu aruḷum viḷaiyāṭṭiṉ
uyvārkaḷ uyyum vakaiyellām uyarntoḻintōm
eyyāmaṟ kāppāy emaiyēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
Wir springen in den weiten, blütenreichen Teich, sodass das Wasser mit einem tiefen Laut aufschäumt; mit den Händen schöpfen und schlagen wir das Wasser und singen deine geschmückten Füße. O Herr, wir sind deine Diener seit alters her. Du, rot wie Feuer und mit weißer heiliger Asche geschmückt, bist der Gemahl der schlanken Göttin mit großen, dunkel umrandeten Augen. Durch das Spiel deiner Gnade hast du uns in deinen Dienst genommen und uns über alle selbstgemachten Wege des Heils hinausgeführt. Bewahre uns, dass wir nicht wieder ermatten!
Vers 12
Tamil:
ஆர்த்த பிறவித் துயர்கெடநாம் ஆர்த்தாடும்
தீர்த்தன் நற்றில்லைச் சிற்றம்பலத்தே தீயாடும்
கூத்தன் இவ்வானும் குவலயமும் எல்லாமும்
காத்தும் படைத்தும் கரந்தும் விளையாடி
வார்த்தையும் பேசி வளைசிலம்ப வார்கலைகள்
ஆர்ப்பரவம் செய்ய அணிகுழல்மேல் வண்டார்ப்பப்
பூத்திகழும் பொய்கை குடைந்து உடையான் பொற்பாதம்
ஏத்தி இருஞ்சுனைநீர் ஆடேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
ārtta piṟavit tuyarkeṭanām ārttāṭum
tīrttaṉ naṟṟillaic ciṟṟampalattē tīyāṭum
kūttaṉ ivvāṉum kuvalayamum ellāmum
kāttum paṭaittum karantum viḷaiyāṭi
vārttaiyum pēci vaḷaicilampa vārkalaikaḷ
ārpparavam ceyya aṇikuḻalmēl vaṇṭārppap
pūttikaḻum poykai kuṭaintu uṭaiyāṉ poṟpātam
ētti iruñcuṉainīr āṭēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
Wir baden mit freudigem Lärm, damit die Qual des endlosen Geburtenkreislaufs vergeht. Der Reine tanzt im heiligen kleinen Ambalam von Tillai den Feuertanz. Er schützt, erschafft und verbirgt Himmel und Erde – sein ganzes Wirken ist göttliches Spiel. Unsere Armreifen klingen, die Hüftketten rauschen, die Bienen summen im geschmückten Haar. Wir tauchen in den blühenden Teich und preisen die goldenen Füße unseres Herrn. Kommt, lasst uns im tiefen Wasser baden!
Vers 13
Tamil:
பைங்குவளைக் கார்மலரால் செங்கமலப் பைம்போதால்
அங்கம் குருகினத்தால் பின்னும் அரவத்தால்
தங்கள் மலங்கழுவுவார் வந்து சார்தலினால்
எங்கள் பிராட்டியும் எங்கோனும் போன்று இசைந்த
பொங்கும் மடுவில் புகப்பாய்ந்து பாய்ந்துநம்
சங்கம் சிலம்பச் சிலம்பு கலந்தார்ப்பக்
கொங்கைகள் பொங்கக் குடையும் புனல்பொங்கப்
பங்கயப் பூம்புனல்பாய்ந்து ஆடேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
paiṅkuvaḷaik kārmalarāl ceṅkamalap paimpōtāl
aṅkam kurukiṉattāl piṉṉum aravattāl
taṅkaḷ malaṅkaḻuvuvār vantu cārtaliṉāl
eṅkaḷ pirāṭṭiyum eṅkōṉum pōṉṟu icainta
poṅkum maṭuvil pukappāyntu pāyntunam
caṅkam cilampac cilampu kalantārppak
koṅkaikaḷ poṅkak kuṭaiyum puṉalpoṅkap
paṅkayap pūmpuṉalpāyntu āṭēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
Im Teich stehen dunkelblaue Kuvalai-Blüten neben roten Lotussen; Vögel bewegen sich darin, Schlangen gleiten hindurch, und Menschen kommen, um ihre Unreinheit abzuwaschen. So scheint der Teich unsere Herrin und unseren Herrn gemeinsam widerzuspiegeln. Wir springen in das übervolle Becken; unsere Muscheln, Armreifen und Fußschellen erklingen, Wasser und Freude steigen zugleich empor. Kommt, lasst uns in das lotusreiche Wasser springen und baden!
Vers 14
Tamil:
காதார் குழையாடப் பைம்பூண் கலனாடக்
கோதை குழலாட வண்டின் குழாம் ஆடச்
சீதப் புனலாடிச் சிற்றம்பலம் பாடி
வேதப் பொருள்பாடி அப்பொருளாம் ஆ பாடி
சோதித்திறம்பாடி சூழ்கொன்றைத் தார்பாடி
ஆதி திறம்பாடி அந்தமாம் ஆ பாடிப்
பேதித்து நம்மை வளர்த்தெடுத்த பெய்வளைதன்
பாதத் திறம்பாடி ஆடேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
kātār kuḻaiyāṭap paimpūṇ kalaṉāṭak
kōtai kuḻalāṭa vaṇṭiṉ kuḻām āṭac
cītap puṉalāṭic ciṟṟampalam pāṭi
vētap poruḷpāṭi apporuḷām ā pāṭi
cōtittiṟampāṭi cūḻkoṉṟait tārpāṭi
āti tiṟampāṭi antamām ā pāṭip
pētittu nammai vaḷartteṭutta peyvaḷaitaṉ
pātat tiṟampāṭi āṭēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
Die Ohrringe schwingen, die grünen Schmuckstücke bewegen sich, die geflochtenen Haare tanzen und Bienenschwärme summen. Wir baden im kühlen Wasser und singen das kleine Ambalam von Chidambaram. Wir singen den Sinn des Veda und den, der selbst dieser Sinn ist; wir singen sein Licht, die Kondrai-Girlande, seinen Ursprung und sein Ende. Wir singen auch die gnadenvolle Macht der Göttin, die uns unterscheidet, aufzieht und reifen lässt. Kommt – singend tauchen wir in das Wasser!
Vers 15
Tamil:
ஓரொருகால் எம்பெருமான் என்றென்றே நம்பெருமான்
சீரொருகால் வாய் ஓவாள் சித்தம் களிகூர
நீரொருகால் ஓவா நெடுந்தாரை கண்பனிப்பப்
பாரொருகால் வந்தனையாள் விண்ணோரைத் தான் பணியாள்
பேரரையற்கு இங்ஙனே பித்தொருவர் ஆமாறும்
ஆரொருவர் இவ்வண்ணம் ஆட்கொள்ளும் வித்தகர் தாள்
வாருருவப் பூண்முலையீர் வாயார நாம்பாடி
ஏருருவப் பூம்புனல்பாய்ந்து ஆடேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
ōrorukāl emperumāṉ eṉṟeṉṟē namperumāṉ
cīrorukāl vāy ōvāḷ cittam kaḷikūra
nīrorukāl ōvā neṭuntārai kaṇpaṉippap
pārorukāl vantaṉaiyāḷ viṇṇōrait tāṉ paṇiyāḷ
pēraraiyaṟku iṅṅaṉē pittoruvar āmāṟum
āroruvar ivvaṇṇam āṭkoḷḷum vittakar tāḷ
vāruruvap pūṇmulaiyīr vāyāra nāmpāṭi
ēruruvap pūmpuṉalpāyntu āṭēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
Immer wieder sagt sie: „Unser Herr! Unser Herr!“ Ihr Mund wird nicht müde, seine Herrlichkeit auszusprechen; ihr Herz springt vor Freude. Tränen strömen ohne Ende aus ihren Augen. Sie wirft sich auf die Erde und beugt sich vor keinem anderen himmlischen Wesen. So ist sie vor dem großen König geradezu „verrückt“ vor Liebe geworden. Wer besitzt die Kunst, einen Menschen auf diese Weise ganz zu ergreifen? O ihr mit schönem Schmuck – lasst uns seine Füße mit voller Stimme besingen und in das herrliche Wasser springen!
Vers 16
Tamil:
முன்னிக் கடலைச் சுருக்கி எழுந்துடையான்
என்னத் திகழ்ந்து எம்மை ஆளுடையான் இட்டிடையின்
மின்னப் பொலிந்து எம்பிராட்டி திருவடிமேல்
பொன்னஞ் சிலம்பில் சிலம்பித் திருப்புருவம்
என்னச் சிலைகுலவி நந்தம்மை ஆளுடையாள்
தன்னிற் பரிவிலா எங்கோமான் அன்பர்க்கு
முன்னியவன் நமக்கு முன்சுரக்கும் இன்னருளே
என்னப் பொழியாய் மழையேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
muṉṉik kaṭalaic curukki eḻuntuṭaiyāṉ
eṉṉat tikaḻntu emmai āḷuṭaiyāṉ iṭṭiṭaiyiṉ
miṉṉap polintu empirāṭṭi tiruvaṭimēl
poṉṉañ cilampil cilampit tiruppuruvam
eṉṉac cilaikulavi nantammai āḷuṭaiyāḷ
taṉṉiṟ parivilā eṅkōmāṉ aṉparkku
muṉṉiyavaṉ namakku muṉcurakkum iṉṉaruḷē
eṉṉap poḻiyāy maḻaiyēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
O Regenwolke! Du steigst auf, nachdem du das Meer in dich aufgenommen hast, und leuchtest wie unsere Herrin. Der Blitz glänzt wie ihre schmale Taille; der Donner klingt wie ihre goldenen Fußschellen; der gebogene Regenbogen erinnert an ihre schönen Brauen. So wie die Göttin, die uns führt, aus Mitgefühl die Liebenden unseres Herrn nicht verlässt, so komm auch du uns zuvor: Gieße auf uns die süße Gnade wie Regen!
Vers 17
Tamil:
செங்கணவன் பால் திசைமுகன் பால் தேவர்கள் பால்
எங்கும் இலாதோர் இன்பம் நம்பாலதாக்
கொங்கு உண் கருங்குழலி நந்தம்மைக் கோதாட்டி
இங்குநம் இல்லங்கள் தோறும் எழுந்தருளிச்
செங்கமலப் பொற்பாதம் தந்தருளும் சேவகனை
அங்கண் அரசை அடியோங்கட்கு ஆரமுதை
நங்கள் பெருமானைப் பாடி நலந்திகழப்
பங்கயப் பூம்புனல் பாய்ந்து ஆடேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
ceṅkaṇavaṉ pāl ticaimukaṉ pāl tēvarkaḷ pāl
eṅkum ilātōr iṉpam nampālatāk
koṅku uṇ karuṅkuḻali nantammaik kōtāṭṭi
iṅkunam illaṅkaḷ tōṟum eḻuntaruḷic
ceṅkamalap poṟpātam tantaruḷum cēvakaṉai
aṅkaṇ aracai aṭiyōṅkaṭku āramutai
naṅkaḷ perumāṉaip pāṭi nalantikaḻap
paṅkayap pūmpuṉal pāyntu āṭēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
Eine Freude, die weder der rotäugige Māl noch der viergesichtige Brahmā noch die anderen Götter auf diese Weise besitzen, ist uns nahegekommen. Der Herr liebkost uns, o Mädchen mit schwarzem, von Honigduft erfülltem Haar; er kommt in jedes unserer Häuser und schenkt uns seine goldenen Lotusfüße. Er ist der starke Held, der König, der für uns Diener süßer Nektar ist. Lasst uns unseren Herrn besingen und in das lotusreiche Wasser springen, damit unser ganzes Leben in Schönheit erblüht!
Vers 18
Tamil:
அண்ணாமலையான் அடிக்கமலம் சென்றிறைஞ்சும்
விண்ணோர் முடியின் மணித்தொகை வீறற்றாற்போல்
கண்ணார் இரவி கதிர்வந்து கார்கரப்பத்
தண்ணார் ஒளிமயங்கித் தாரகைகள் தாமகலப்
பெண்ணாகி ஆணாய் அலியாய்ப் பிறங்கொளிசேர்
விண்ணாகி மண்ணாகி இத்தனையும் வேறாகிக்
கண்ணார் அமுதமாய் நின்றான் கழல்பாடிப்
பெண்ணே இப் பூம்புனல்பாய்ந்து ஆடேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
aṇṇāmalaiyāṉ aṭikkamalam ceṉṟiṟaiñcum
viṇṇōr muṭiyiṉ maṇittokai vīṟaṟṟāṟpōl
kaṇṇār iravi katirvantu kārkarappat
taṇṇār oḷimayaṅkit tārakaikaḷ tāmakalap
peṇṇāki āṇāy aliyāyp piṟaṅkoḷicēr
viṇṇāki maṇṇāki ittaṉaiyum vēṟākik
kaṇṇār amutamāy niṉṟāṉ kaḻalpāṭip
peṇṇē ip pūmpuṉalpāyntu āṭēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
Wenn die Strahlen der Sonne kommen, verschwinden die dunklen Wolken und die Sterne verlieren ihren Glanz – so verlieren selbst die Edelsteine auf den Kronen der Himmelswesen ihren Glanz, wenn sie sich vor den Lotusfüßen des Herrn von Annamalai verneigen. Er ist weiblich, männlich und jenseits solcher Einteilungen; er ist Himmel, Erde und zugleich anders als all dies. Er steht da als Nektar für die Augen. O Freundin, sing seine Füße und spring mit uns in dieses blühende Wasser!
Vers 19
Tamil:
உங்கையிற் பிள்ளை உனக்கே அடைக்கலம் என்று
அங்கப் பழஞ்சொல் புதுக்கும் எம் அச்சத்தால்
எங்கள் பெருமான் உனக்கென்று உரைப்போம் கேள்
எங்கொங்கை நின்னன்பர் அல்லார்தோள் சேரற்க
எங்கை உனக்கல்லாது எப்பணியும் செய்யற்க
கங்குல் பகல் எங்கண் மற்றொன்றும் காணற்க
இங்கிப் பரிசே எமக்கு எங்கோன் நல்குதியேல்
எங்கெழில் என் ஞாயிறு எமக்கேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
uṅkaiyiṟ piḷḷai uṉakkē aṭaikkalam eṉṟu
aṅkap paḻañcol putukkum em accattāl
eṅkaḷ perumāṉ uṉakkeṉṟu uraippōm kēḷ
eṅkoṅkai niṉṉaṉpar allārtōḷ cēraṟka
eṅkai uṉakkallātu eppaṇiyum ceyyaṟka
kaṅkul pakal eṅkaṇ maṟṟoṉṟum kāṇaṟka
iṅkip paricē emakku eṅkōṉ nalkutiyēl
eṅkeḻil eṉ ñāyiṟu emakkēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
Es gibt das alte Wort: „Das Kind in deiner Hand ist deiner Obhut anvertraut.“ Aus derselben vertrauensvollen Furcht sprechen wir nun zu dir, unserem Herrn: Wir gehören dir. Lass unsere Brust niemals an den Schultern derer ruhen, die dich nicht lieben; lass unsere Hände keinen Dienst tun, der nicht dir gilt; lass unsere Augen bei Nacht und Tag nicht in etwas anderes ihre letzte Zuflucht suchen. Wenn du uns diese innere Treue schenkst – was kümmert uns dann selbst der Aufgang der Sonne?
Vers 20
Tamil:
போற்றி அருளுக நின் ஆதியாம் பாதமலர்
போற்றி அருளுக நின் அந்தமாம் செந்தளிர்கள்
போற்றி எல்லா உயிர்க்கும் தோற்றமாம் பொற்பாதம்
போற்றி எல்லா உயிர்க்கும் போகமாம் பூங்கழல்கள்
போற்றி எல்லா உயிர்க்கும் ஈறாம் இணையடிகள்
போற்றி மால் நான்முகனும் காணாத புண்டரிகம்
போற்றியாம் உய்ய ஆட்கொண்டருளும் பொன்மலர்கள்
போற்றியாம் மார்கழிநீர் ஆடேலோர் எம்பாவாய்
Umschrift:
pōṟṟi aruḷuka niṉ ātiyām pātamalar
pōṟṟi aruḷuka niṉ antamām centaḷirkaḷ
pōṟṟi ellā uyirkkum tōṟṟamām poṟpātam
pōṟṟi ellā uyirkkum pōkamām pūṅkaḻalkaḷ
pōṟṟi ellā uyirkkum īṟām iṇaiyaṭikaḷ
pōṟṟi māl nāṉmukaṉum kāṇāta puṇṭarikam
pōṟṟiyām uyya āṭkoṇṭaruḷum poṉmalarkaḷ
pōṟṟiyām mārkaḻinīr āṭēlōr empāvāy
Deutsche Übersetzung:
Gepriesen seien deine Lotusfüße, die der Anfang sind! Gepriesen seien deine roten, zarten Füße, die das Ende sind! Gepriesen seien die goldenen Füße, aus denen alle Wesen hervorgehen! Gepriesen die schönen, geschmückten Füße, die allen Wesen Freude schenken! Gepriesen die beiden Füße, in denen alle Wesen ihr Ende finden! Gepriesen der Lotus, den selbst Māl und der viergesichtige Brahmā nicht vollständig sehen! Gepriesen die goldenen Blütenfüße, die uns in ihren Dienst genommen haben, damit wir Heil finden. Sie wollen wir preisen – und im heiligen Wasser des Mārgaḻi baden, o Mädchen!
Verse 1–8 – die Freundinnen wecken einander
Die ersten acht Hymnen gehören zu den lebendigsten Weckliedern der tamilischen Bhakti-Literatur.
Die Mädchen necken einander, erinnern an frühere Versprechen und rufen Shiva-Namen durch die Straße. Doch hinter dem spielerischen Ton steht etwas Ernstes: Niemand soll die Gottesliebe verschlafen.
Besonders Vers 1 setzt sofort den Maßstab. Das Göttliche wird als Licht ohne Anfang und Ende besungen. Und eine junge Frau reagiert nicht mit einer theologischen Erklärung, sondern mit Tränen, Erschütterung und Selbstvergessenheit.
Māṇikkavācakar zeigt damit eine seiner großen Grundideen:
Wahre Bhakti wird nicht nur verstanden. Sie bewegt den ganzen Menschen.
Diese Erfahrung begegnet auch an vielen anderen Stellen des Tiruvasagam – etwa im Sivapuranam, im Tiruvammanai und in den Gebets- und Sehnsuchtsliedern Māṇikkavācakars.
Vers 9 – Dienst an den Dienern
Der neunte Vers gehört zu den wichtigsten des Werkes.
Die Mädchen bitten nicht nur darum, Shiva zu gehören. Sie sagen:
„Wir wollen die Füße deiner Diener verehren. Wir wollen zu ihnen gehören. Was sie aus Liebe zu dir uns auftragen, wollen wir tun.“
Damit geht Bhakti über die direkte Gottesbeziehung hinaus.
Gottesliebe wird zu Dienst.
Dieses Motiv verbindet das Tiruvempavai mit anderen tamilischen Bhakti-Traditionen. Im Vaishnavismus begegnet die Liebe zu den Gottesverehrern etwa im Tiruvaymoli, Ramanuja Nurrantati und Jnana Saram. Im Shaivismus wird die Verehrung der Shiva-Bhaktas besonders im Tevaram und später im Periya Puranam gefeiert.
Vers 10 – der unaussprechliche Shiva
Der zehnte Vers fragt:
Wo ist seine Stadt? Wie lautet sein wirklicher Name? Wer sind seine Verwandten? Wer sind die Fremden?
Die Antwort bleibt offen.
Shiva ist nicht einfach ein Wesen unter anderen. Selbst wenn Veden, Götter und Menschen ihn preisen, kommen sie nach der Sprache des Gedichts an kein Ende.
Damit verbindet sich persönliche Bhakti mit einer apophatischen, also das Unsagbare betonenden Spiritualität.
Der Geliebte ist nah – und bleibt unermesslich.
Verse 11–14 – Wasser, Klang und Shiva-Shakti
Ab Vers 11 tritt das Baden selbst in den Vordergrund.
Wasser spritzt. Armreifen klingen. Fußschellen tönen. Bienen summen. Lotus und Kuvalai blühen.
Die ganze Szene wird zu einer Art lebendiger Puja.
In Vers 13 erscheint der Teich sogar wie ein Bild von Shiva-Shakti: dunkle und rote Blüten, Bewegung und Ruhe, verschiedene Lebensformen und die Menschen, die zur Reinigung hineinkommen.
Vers 14 verbindet das gemeinsame Bad mit Chidambaram, dem Sinn des Veda, dem Licht Shivas, der Kondrai-Girlande und der göttlichen Shakti.

Vers 15 – göttliche Verrücktheit
Eine junge Frau kann nicht mehr aufhören, „unser Herr“ zu sagen.
Sie spricht von ihm. Sie weint. Sie fällt zu Boden. Sie beugt sich vor keinem anderen Ziel.
Der Text nennt dies fast eine Form von göttlicher Verrücktheit.
Bhakti-Dichtung kennt solche Grenzerfahrungen häufig. Auch Andal in der Nachiyar Tirumozhi, Nammalvar in der Tiruvaymoli und Māṇikkavācakar selbst im Tiruvasagam verwenden eine Sprache, in der Gottesliebe die gewöhnliche Selbstkontrolle sprengt.
Für heutige Leser sollte dies nicht mit psychischer Erkrankung verwechselt oder romantisiert werden. Poetisch beschreibt es eine Erfahrung völliger innerer Ausrichtung:
Das Herz hat sein Zentrum gefunden und kann nicht mehr so tun, als sei alles gleich wichtig.
Vers 16 – der Regen als Bild der Göttin
Der sechzehnte Vers ist besonders poetisch.
Die Regenwolke trinkt das Meer und steigt auf. Blitz, Donner und Regenbogen werden mit der Göttin verglichen. Dann bittet die Hymne den Regen:
Gieße Gnade über uns.
Natur wird hier nicht bloß Kulisse. Wolke, Meer, Blitz und Regen werden zu einer Sprache für Shakti, Barmherzigkeit und Fruchtbarkeit.
Ähnliche Naturbilder durchziehen viele Tamil-Schriften – von der Sangam-Literatur über das Tevaram bis zu Tiruvaymoli und Tiruppavai.
Vers 18 – Shiva jenseits von männlich und weiblich
Der achtzehnte Vers spricht Shiva an als:
weiblich, männlich, ali – und zugleich anders als all dies.
Diese Stelle ist theologisch bemerkenswert. Sie beschreibt Shiva nicht als bloß männliche Gottheit, sondern als Wirklichkeit, die geschlechtliche Kategorien umfasst und zugleich überschreitet.
Das steht in Beziehung zu Ardhanarishvara, der Gestalt, in der Shiva und Shakti einen einzigen Körper bilden.
Spirituell kann dies als Hinweis gelesen werden:
Das Göttliche ist größer als die Gegensätze, in denen unser Denken die Welt ordnet.
Vers 19 – ein Gelübde völliger Ausrichtung
Der neunzehnte Vers ist ein Gebet um innere Treue.
Die Mädchen bitten darum, dass ihre Liebe, ihre Hände, ihre Augen und ihr Dienst nicht von Shiva weggeführt werden.
In moderner Sprache könnte man sagen:
Möge mein Fühlen, Handeln und Wahrnehmen auf das ausgerichtet bleiben, was ich als heilig erkannt habe.
Das ist auch für Yoga-Aspiranten ein starkes Bild. Dhāraṇā bedeutet Sammlung: Die Aufmerksamkeit wird nicht immer wieder von jedem neuen Impuls fortgerissen.
Vers 20 – alles beginnt und endet in seinen Füßen
Der letzte Vers ist eine einzige Folge von pōṟṟi – „Preis sei!“
Shivas Füße werden besungen als:
- Anfang aller Wesen,
- Freude aller Wesen,
- Ende aller Wesen,
- Lotus, den selbst Viṣṇu und Brahmā nicht vollständig erkennen,
- goldene Füße, die die Verehrer aufnehmen und retten.
Damit kehrt der Schluss zum ersten Vers zurück.
Vers 1 begann:
„Licht ohne Anfang und Ende.“
Vers 20 spricht:
„Deine Füße sind Anfang und Ende.“
Der Kreis schließt sich.
Tiruvempavai und Tiruppavai
Tiruppavai und Tiruvempavai gehören zu unterschiedlichen religiösen Traditionen und sollten nicht miteinander verschmolzen werden.
Andal singt Krishna/Nārāyaṇa. Māṇikkavācakar singt Shiva.
Doch beide Werke greifen die Pāvai- und Mārgaḻi-Tradition auf. Junge Frauen rufen einander. Es ist früh am Morgen. Gemeinschaftliches Singen, Ritual und Gottesliebe greifen ineinander.
Gerade für tamilische Hindus zeigt diese Parallele etwas Schönes: Dieselbe kulturelle Form konnte in verschiedenen Bhakti-Traditionen zu ganz eigener spiritueller Dichtung werden.
Beziehung zum Tiruvasagam und anderen Tamil-Schriften
Das Tiruvempavai ist Teil des Tiruvasagam. Es sollte daher nicht isoliert gelesen werden.
Besonders eng verwandt sind:
- Sivapuranam – das große Eingangslied des Tiruvasagam;
- Tiruppalliyezhuchi – die zehn Hymnen zum Erwachen des Herrn, traditionell ebenfalls im Mārgaḻi-Kontext rezitiert;
- Tiruvammanai – gemeinschaftliche Spiellieder voller Shiva-Bhakti;
- Tirukkovaiyar – das zweite große Werk Māṇikkavācakars;
- Tevaram – die Hymnen von Appar, Sambandar und Sundarar;
- Tiruvisaippa – weitere Hymnen des neunten Tirumurai;
- Tirumantiram – Shaiva-Yoga und Philosophie;
- Periya Puranam – die große Erzählung der 63 Nayanmars.
Im weiteren tamilischen Bhakti-Horizont lohnen außerdem Vergleiche mit Tiruppavai, Nachiyar Tirumozhi, Tiruvaymoli und Periya Tirumoli.
Tiruvempavai als Inspiration für Yoga-Aspiranten
Das Werk kann als zwanzigfache Einladung zum Erwachen gelesen werden.
1. Steh auf. Verschiebe das Wesentliche nicht immer auf morgen.
2. Höre. Manchmal beginnt Veränderung damit, dass etwas wirklich zu uns durchdringt.
3. Singe. Kirtan und Mantra holen den Geist aus seiner Vereinzelung.
4. Schmelze. Ein hartes Herz kann durch Liebe weich werden – ein Grundmotiv des Tiruvasagam.
5. Diene. Bhakti wird in Seva konkret.
6. Reinige dich. Das Bad kann als Symbol für das Loslassen alter Muster gelesen werden.
7. Bleibe gesammelt. Vers 19 erinnert an Dhāraṇā und klare Ausrichtung.
8. Erkenne das Licht. Der erste Vers nennt Shiva das Licht ohne Anfang und Ende.
Oben: „Om Namah Shivaya“ bei Yoga Vidya – eine einfache Shiva-Mantra-Praxis, die gut mit der Grundstimmung des Tiruvempavai verbunden werden kann. citeturn890898youtube34
Eine zwanzigtägige Margazhi-Lektüre
Da das Werk 20 Hymnen umfasst, kann man es sehr schön als zwanzigtägige spirituelle Begleitung lesen.
Jeden Morgen:
- einen Vers auf Tamil lesen;
- die Umschrift langsam sprechen;
- die deutsche Übersetzung betrachten;
- einen Shiva-Namen oder ein Bild auswählen;
- einige Minuten meditieren;
- anschließend Oṃ Namaḥ Śivāya wiederholen.
Wer möchte, kann ergänzend einen Vers aus Tiruppalliyezhuchi, Tevaram oder Tiruvasagam lesen.
Oben: „Om Namah Shivaya“ mit Sundaram und Frauke beim Yoga-Vidya-Musikfestival. citeturn883608youtube1
Bedeutung für tamilische Hindus in Deutschland
Für tamilische Hindus in Deutschland ist das Tiruvempavai besonders gut geeignet, um religiöse Tradition generationsübergreifend weiterzugeben.
- Der Tamiltext bewahrt den Klang.
- Die Umschrift hilft Menschen, die Tamil nicht sicher lesen.
- Die deutsche Übersetzung öffnet die Bedeutung für jüngere Familienmitglieder und Menschen aus anderen sprachlichen Hintergründen.
Besonders die Mārgaḻi-Tradition lässt sich auch in der Diaspora lebendig gestalten: morgens ein Vers, eine Lampe, ein kurzes Shiva-Mantra, vielleicht ein gemeinsames Lied.
So wird Tradition nicht nur erinnert.
Sie wird praktiziert.
Schluss – vom Aufwachen zum Erwachen
Das Tiruvempavai beginnt vor einer geschlossenen Tür.
Eine Freundin schläft.
Andere stehen draußen und rufen.
Sie singen vom Licht ohne Anfang und Ende.
Sie erinnern. Sie necken. Sie bitten. Sie warten.
Und nach und nach wird aus dem äußeren Weckruf etwas Größeres.
Aufstehen wird zu Erwachen.
Wasser wird zu Reinigung.
Gesang wird zu Bhakti.
Gemeinschaft wird zu Seva.
Tränen werden zu Hingabe.
Der Morgen wird zum Bild eines neuen Bewusstseins.
Am Ende der zwanzig Hymnen stehen die Mädchen nicht mehr vor einer Tür. Sie stehen in einem einzigen großen Lobpreis:
Pōṟṟi – Preis sei!
Preis sei den Füßen, die Anfang sind. Preis sei den Füßen, die Freude schenken. Preis sei den Füßen, in denen alles endet. Preis sei den Füßen, die den Menschen aufnehmen.
Vielleicht ist das die tiefste Botschaft des Tiruvempavai:
Spirituelles Erwachen geschieht nicht immer allein. Manchmal brauchen wir Menschen, die vor unserer Tür stehen und uns liebevoll daran erinnern, wofür wir eigentlich aufstehen wollten.
Und manchmal sind wir selbst diejenigen, die rufen dürfen:
Wach auf. Der Morgen ist da. Das Licht wird schon besungen.
Siehe auch
- Manikkavacakar
- Tiruvasagam
- Tirukkovaiyar
- Sivapuranam
- Tiruppalliyezhuchi
- Tiruvammanai
- Tiruppavai
- Nachiyar Tirumozhi
- Tiruvaymoli
- Periya Tirumoli
- Tevaram
- Tiruvisaippa
- Tirumantiram
- Periya Puranam
- Shaivismus
- Shiva
- Shiva-Shakti
- Nataraja
- Ardhanarishvara
- Arunachala
- Chidambaram
- Margazhi
- Bhakti Yoga
- Seva
- Kirtan
- Mantra
- Om Namah Shivaya
- Dharana
- Meditation
- Tamil Schriften
Quellen und Textgrundlage
- Tamil Wikisource: Tiruvempāvai – vollständiger Tamiltext aller 20 Hymnen.
- Shaivam.org: 8.007 Tiruvempāvai – Tamiltext, Einordnung in den achten Tirumurai, Tiruvannamalai und englische Erläuterungen
- Project Madurai: englische Übersetzung des Tiruvācakam – zum Vergleich der traditionellen Sinngebung.
- Tamil Wiki: Überblick zu Tiruvempāvai, Mārgaḻi-Tradition und 20 Hymnen.
Editionshinweis: Der Tamiltext wurde anhand von Tamil Wikisource und Shaivam.org gegengeprüft und in moderater moderner Worttrennung wiedergegeben. Einzelne Sandhi- und Orthographievarianten unterscheiden sich zwischen Ausgaben. Die deutsche Übersetzung ist eine neue sinngenaue Übertragung aus dem Tamil unter Einbeziehung traditioneller Erläuterungen.