T. Krishnamacharya

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Tirumalai Krishnamacharya (November 18, 1888 – February 28, 1989) war ein indischer Yogalehrer, ayurvedischer Heiler und Gelehrter. Oft wird von ihm als “der Vater des modernen Yoga gesprochen” da Krishnamacharya in weiten Kreisen als einer der einflussreichsten Yogalehrer des 20. Jahrhunderts gesehen wird und das Wiederaufleben einer Hatha Yoga Praxis ihm zugeschrieben wird. Er wurde in den 1960er Jahren besonders durch seine dynamische Weiterentwicklung der klassischen Yoga-Techniken bekannt. Eines seiner wichtigsten Anliegen war es, eine Kombination aus Yogatechniken, Entspannung und Ayurveda an die speziellen Bedürfnisse des Schülers anzupassen, so dass er den Unterricht individuell je nach Person variierte.

T. Krishnamacharya

Krishnamacharya hatte Abschlüsse in allen sechs vedischen Darshanas den sechs indischen Philosophiesystemen. Unter der Gönnerschaft des Maharaja von Mysore Krishna Raja Wadiyar IV, reiste Krishnamacharya durch Indien, gab Vorführungen und Vorträge, um den Yoga zu verbreiten. Diese Vorführungen beinhalteten auch Praktiken, wie das Zeigen vom willentlichen Stoppen des Herzschlags.

In großen Kreisen wird er als der Architekt, der Erfinder und Baumeister der Vinyasa Hatha-Yoga Übungspraxis, bei dem der Atem mit der Bewegung kombiniert wird, angesehen. Allen Lehren Krishnamacharyas lag das Prinzip “lehre das, was dem jeweiligen Individuum entspricht”, zu Grunde. Während er in anderen Teilen der Welt als Yogi angesehen ist, ist Krishnamacharya in Indien hauptsächlich als Heiler bekannt, der die beiden Traditionen, den Ayurveda und Yoga zusammenbrachte, um Heilung und Wohlbefinden zu ermöglichen.

Einige von Krishnamacharyas Schülern, zu denen einige der renomiertesten Lehrer gehören, waren: sein Sohn T. K. V. Desikachar (1938), Indra Devi (1900-2002), sein Schwager B. K. S. Iyengar (1918), K. Pattabhi Jois (1915-2009), und A. G. Mohan (1945). Dies trägt zu seinem Ruf als einer der wichtigsten Hathayogalehrer Indiens im 20. Jahrhundert bei. Krishnamacharya wurde bereits durch seinen Vater in Yoga und Sanskrit gelehrt. Anschließend bekam er Unterweisungen von einem Hatha Yoga Lehrer in Tibet, wohin er sich für sieben Jahre nach seinem Studium zurückgezogen hatte.

Als er 1924 wieder nach Südindien, in seine Heimat, zurückkam fungierte er als Yoga- und Sanskritlehrer in Mysore, anschließend in Madras (heute Chennai). Seine Bekanntheitsgrad als Lehrer des Hatha Yoga, Vedarezitationsmeister und Ayurvedaheiler wuchs schnell. Als Referenz diente ihm hauptsächlich die Bhagavadgita, das Yogasutra und ein paar weniger bekannte Quellen. Sein Dasein als sechsfacher Familienvater sowie sein Unterrichten von einzelnen Frauen (zum Beispiel Indra Devi) machten ihn zu einem außergewöhnlichen Yogi seiner Zeit.

Er verfasste vier Bücher über den Yoga — "Yoga Makaranda" (1934), "Yogaasangalu" (1941), "Yoga Rahasya" und "Yogavalli" - sowie verschiedene Essays und Poesie.

Biographie

Die frühen Jahre

Krishnamacharya wurde am 8. November 1888 in Muchukundapuram, im heutigen Bundesland Karnatatka in Südindien einer orthodoxen Familie der Iyengars [brahmanische Kaste mit tamillischem Ursprung] geboren. Seine Eltern waren Sri Tirumalai Srinivasa Tatacharya, ein bekannter Lehrer des Veda und Shrimati Ranganayakiamma. Krishnamacharya war der älteste von sechs Kindern. Er hatte zwei Brüder und drei Schwestern. Im Alter von sechs Jahren wurde er initiert [Sanskr. "Upanayana", Anlegen der heiligen Schnur und Einführung in das Gayatri Mantra]Daraufhin begann er in Sanskrit zu schreiben und zu sprechen aus Texten wie der Amarakosha [ein Sanskritlexikon jainistischen oder buddhistischen Ursprungs] und den Veda unter der strikten Anweisung seines Vaters zu rezitieren. Krishnamacharyas Vater lehrte ihn ebenso Asanas und Pranayama.

Als Krishnamacharya zehn Jahre alt war, starb sein Vater und die Familie musste nach Mysore, die zweitgrößte Stadt Karnatakas umziehen, wo Krishnamacharyas Urgroßvater H.H.Sri Srinivasa Brahmatana Parakala Swami der Leiter des Parakala Math war. In Mysore begann Krishnamacharya dann eine eher formale Schulausbildung am Chamaraj Sanskrit College und dem zugehörigen Math. Er übte sich im Debatieren über den Inhalt der Shastras mit den Professoren und den jeweiligen, die Einrichtung besuchenden Pandits. Krishnamacharya bestand seine Lehrprobe in Mysore wo er Vyakrana, Vedanta und Tarka studiert hatte.

Im Alter von 16 hatte Krishnamacharya einen eigenartigen Traum, in dem ihm sein Vorfahre, der legendäre Yogi und Vaishnava Nathamuni erschien und ihn anwies in die Stadt Alvar Tirunagari, im Nachbarstaat Tamil Nadu zu gehen. Krishnamacharya folgte dem Traum und reiste dorthin. Wie Krishnamacharya später selbst erzählte, trug es sich zu, dass er als er sein Ziel erreichte, in tiefe Trance verfiel und sich in der Gegenwart dreier Heiliger befand. Er bat die Heiligen, ihn in Yoga Rahasya einzuführen, ein über lange Zeit vergessenes Traktat von dem Heiligen Nathamuni.[Sammlung therapeutischer Yogakonzepte, die auch die Praxis der Frau während der Schwangerschaft miteinbeziehen.] Einer der Heiligen, den er später als Nathumi selbst erkennt, begann den Text zu rezitieren. Als Krishnamacharya später aus seiner Trance erwacht war, konnte er sich an alle Strophen dieser berühmten Schrift erinnern.

Akademische Ausbildung

Krishnamacharya verwendete große Teile seiner Jugend, um durch Indien zu reisen und die sechs Darshanas, indischen Philosophiesysteme zu studieren: Vaisheshika, Nyaya, Samkhya, Yoga, Mimamsa und Vedanta. 1906 im Alter von 18 verließ Krishnamacharya Mysore und besuchte die Universität in Benares. Varanasi ist eine Stadt mit hunderten von Tempeln und als das nordininsche Zentrum geistigen Lernens bekannt und anerkannt. Während seiner Zeit an der Universität richtete er seine Studien auf Logik und Sanskrit aus und arbeitete mit Brahmashri Shivakumar Shastry, "einer der größten Grammatiker seiner Zeit” zusammen. Er wurde von ihm auch in der Philosophie der Mimamsa unterrichtet. Tarka erlernte Krishnamacharya von Vamacarana Bhattacharya. Er pflegte ebenso eine innige Freundschaft mit dem Leiter des Sanskrit Vidya Pitha, Mahamahopadhyaya Ganganath Jha in Kashi [Sanskrit für Benares].

Nachdem er 1909 Benares verlassen hatte, kehrte Krishnamacharya nach Mysore zurück und studierte Vedanta mit dem neuen geistigen Oberhaupt am Parakala Math, H. H. Sri Krishna Brahmatantra. Während dieser Zeit lernte Krishnamacharya die Vina, ein traditionelles saitenbespanntes Instrument Indiens, zu spielen. Neben seinem Studium im Math studierte Krishnamacharya auch an der Universität von Mysore.

1914 ging Krishnamacharya erneut nach Benares, um Unterricht am Queens College zu nehmen, wo er letztendlich etliche Lehrabschlüsse machte. Im ersten Jahr hatte er nur geringe oder gar keine finanzielle Unterstützung durch seine Familie. Um etwas essen zu können, befolgte er die Regeln der Bettler, die aus religiösen Gründen bettelten: Er bettelte nur bei sechs Haushalten pro Tag und unterbreitete Gebete im Gegezug für den Erhalt von Weizenmehl, das er mit Wasser für Fladen mischte. Schließlich verließ Krishnamacharya das Queens College, um die sechs Darshanas der vedischen Philosophie an der Patna University, in Bihar, einem Staat im Osten Indiens zu studieren. Er erhielt auch ein Stipendium für das Studium des Ayurveda bei Vaidya Krishnakumar aus Bengalen.

Krishnamacharya war zur Krönung des Königs Dikkanghat (einem Fürstentum innerhalb Darbhanga) eingeladen. Dort besiegte er in einem Wortgefecht [unter Sanskritgelehrten üblich] den berühmten Gelehrten Bihari Lal und erhielt dafür große Anerkennung des Königs. Sein Aufenthalt in Benares dauerte 11 Jahre lang.

Yoga-Ausbildung

Während all dieser Zeit setzte Krishnamacharya seine Yogapraxis, die sein Vater ihm als Junge gelehrt hatte, fort. Krishnamacharya lernte auch bei dem Yogameister Sri Babu Bhagavan Das und absolvierte die Prüfung innerhalb der Samkhya Philosophie an der Patna. Viele von Krishnamacharyas Lehrer erkannten seine herausstechenden Möglichkeiten, den Yoga zu studieren und zu praktizieren und unterstützten diese Entwicklung. Einige baten ihn, ihre Kinder zu unterrichten.

Während seiner dreimonatigen Ferien unternahm Krishnamacharya Pilgerreisen in den Himalaya. Auf den Vorschlag Ganganath Jhas hin ging Krishnamacharya noch tiefer in seinen Yogastudien und suchte nach einem Meister namens Yogeshwara Ramamohana Brahmachari, der jenseits der Berge Nepals leben sollte. Für dieses Unternehmen musste Krishnmacharya die Genehmigung des Vizekönigs in Simla, Lord Irwin, einholen, der zu der Zeit an Diabetis litt. Auf die Bitte des Vizekönigs, reisete Krishnamacharya nach Simla und lehrte ihn über sechs Monate Yoga. Die Gesundheit des Vizekönigs verbesserte sich, und er entwickelte große Achtung und Zuneigung für Krishnamacharya. 1919 traf der Vizekönig Vorbereitungen für Krishnamacharyas Reise nach Tibet und stellte ihm drei Helfer zur Seite und kam für alle Kosten auf.

Nach zweieinhalb Monaten Fußmarsch erreichte Krishnamacharya die Schule Sri Brahmacharis, eine entlegene Höhle am Fuße des Mount Kailash, in der der Meister mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebte. Unter Brahmacharis Anleitung verbrachte Krishnamacharya dort siebeneinhalb Jahre, studierte Patanjalis Yogasutra, erlernte Asanas und Pranayama und studierte die therapeutischen Aspekte des Yoga. Er lernte die ganze Yoga Karuntha in der Gurkha Sprache [indische Sprache eines in Nepal ansässigen Bergovolkes] auswendig. Gemäß der Tradition fragte Krishnamacharya am Ende seiner Ausbildung beim Guru nach der Art und Weise von dessen Bezahlung. Der Meister antwortete, dass Krishnamacharya “dazu verpflichtet wäre, sich eine Frau zu nehmen, Kinder großzuziehen und Yogalehrer zu sein”.

Daraufhin kehrte Krishnamacharya nach Varanasi zurück. Der Maharaja von Jaipur beauftragte ihn als Rektor des Vidya Shala in Jaipur zu fungieren; aber da er für viele Menschen nicht kompatibel war, kehrte Krishnamacharya kurz darauf nach Varanasi zurück. In Übereinstimmung mit dem Wunsch seines Gurus, dass er ein Leben als Haushaltsvorstand [einer der vier Ashramas (Lebensstadien) im Hinduismus] führen möge, heiratete er 1925 Namagiriamma. Nach seiner Hochzeit zwangen Krishnamacharya gewisse Umstände auf einer Kaffeeplantage im Hasan Distrikt zu arbeiten. Nach einem Vortrag 1931 über die Upanishaden in der Stadthalle von Mysore erregte er die Aufmerksamkeit ein Gelehrter zu sein, was ihm schließlich zu seiner Beschäftigung am Königspalast verhalf. Von Krishnamacharyas Wissen als Gelehrter und seiner Meisterschaft des Yoga beindruckt, stellte Amarnatha Jha, der Sohn Ganganath Jhas, Krishnamacharya verschiedenen Herrschern vor und er wurde von diesen sehr geehrt.

Die Jahre in Mysore

1926 war der König von Mysore, Krishna Raja Wadiyar IV (1884- 1940) um den 60. Geburtstag seiner Mutter zu feiern in Varanasi und hörte von Krishnamacharyas Studien und seinen Fähigkeiten als Yogatherapeut. Der Maharaja traf Krishnamacharya und war so vom Verhalten, der Autorität und der Gelehrsamkeit des jungen Mannes begeistert, dass er diesen anstellte, ihn und seine Familie zu unterrichten. Anfangs wurde Krishnamacharya eingesetzt, um am Mysore Palace zu unterrichten. Schnell wurde er ein vertrauensvoller Ratgeber des Königs und ihm wurde der Ehrentitel Asthana Vidwan verliehen, was so viel bedeutete wie "Schlossgelehrter".

Während der 20er Jahre veranstaltete Krishnamacharya zahlreiche Vorführungen, um ein allgemeines Interesse für den Yoga zu sensibilisieren. Diese schlossen das Vorführen den Puls auszusetzen, Autos mittels seiner bloßen Händen anzuhalten, schwierige Asanas einzunehmen, schwere Gegenstände mit den Zähnen anzuheben mit ein. Die Aufzeichnungen des Schlossarchivs bekunden, dass der Maharaja interessiert an der Verbeitung des Yoga war, indem er Krishnamacharya kontinuierlich im Land herumschickte, um Vorführungen und Vorträge zu halten. 1931 wurde Krishnamacharya eingeladen, am Sanskrit College in Mysore zu lehren.

Der König, der am eigenen Körper erfahren hatte, dass der Yoga ihn von zahlreichen Beschwerden heilen konnte, bot Krishnamacharya an, eine Yogaschule unter seiner Patronage zu eröffnen und stellte ihm umgehend den Seitenflügel eines nahegelegenen Schlosses, den Jaganmohan Palace zur Verfügung, um dort die Yogashala, ein unabhängiges Yogainstitut, zu eröffnen, das am 11. August 1933 ihre Pforten öffnete. 1934 schrieb Krishnamacharya das Buch mit dem Titel "Yoga Makaranada", das von der University of Mysore publiziert wurde.

Im Vorwort zu "Yoga Makaranda", führt Krishnamacharya "Sritattvanidhi", eine Abhandlung, entstanden im 19. Jahrhundert, die eine Passage zum Yoga, von Maharaja of Mysore, Krishnaraja Wodeyar III (1794 - d. 1868) verfasst, als eine der Quellen des Buches an. Im Buch "The Yoga Tradition of the Mysore Palace", behauptet Norman Sjoman, dass Krishnamacharya stark von Sritattvanidhi wie ebenso von Vyayama Dipika geprägt wäre, einem Leitfaden, der auf gymnastischen Übungen des Westens basiert und von den Turnern des Mysore Palasts herausgegeben wurde.

1940 starb Krishna Raja Wadiyar IV und sein Neffe und Nachfolger Jayachamarajendra Wadiyar (1919-1974), zeigte wenig Interesse für den Yoga und unterstützte nicht länger die Publikationen und die Reisen der Lehrer in die umgebenden Regionen. Gefolgt von politischer Veränderung 1946, zeitlich um die Unabhängigkeit Indiens herum, wurde die Macht der Maharajas deutlich eingeschränkt und eine neue Regierungsform kam an die Macht. Die Finanzierung der Yogaschule wurde eingestellt und Krishnamacharya musste hart für den Erhalt der Schule kämpfen. Im Alter von 60 Jahren (1948) sah sich Krishnamacharya dazu gezwungen ausgiebige Reisen zu unternehmen, um Schüler zu gewinen und den Unterhalt für seine Familie aufzubringen. Von K. C. Reddy, dem ersten Minister Mysores wurde angeordnet, die Yogashala in Mysore zu schließen und so schloss die Schule ihre Pforten schließlich auch 1950.

Die Jahre in Madras

Nachdem Krishnamacharya Mysore verlassen hatte, zog er für einige Jahre nach Bangalore, bis er sich dann 1952 in Madras, der viertgrößten Stadt in Indien, auf Grund einer Einladung eines renomierten Anwalts, der Krishnamacharya um seine Hilfe bei der Heilung nach einem Schlaganfall ersuchte, niederließ. Krishnamacharya war in seinen sechzigern und sein Ruf ein strenger einschüchternder Lehrer zu sein, war etwas abgeflaut. In Madras nahm Krishnamacharya einen Job als Lektor am Vivekananda College an.

Darüber hinaus begann er Yogaschüler unterschiedlichen Hintergrunds und körperlicher Verfassung zu acquirieren, was ihm abverlangte seinen Unterricht an die jeweiligen Möglichkeiten des Studenten anzupassen. Die verbleibende Zeit seiner Laufbahn als Yogalehrer fuhr Krishnamacharya damit fort, diesen individuellen Zugang, der als Vini Yoga bekannt wurde, zu verfeinern. Viele sahen in Krishnamacharya einen wahren Yogameister, aber er selbst nannte sich weiterhin einen Schüler, der immer damit beschäftigt war, die Praxis “zu studieren, auszubauen und mit ihr zu experimentieren”. Sein ganzes Leben über lehnte Krishnamacharya es ab, die Anerkennung für seine innovativen Lehren auf sich zu beziehen, sondern schrieb das Wissen seinem Guru und den alten Texten zu.

Mit 96 Jahren erlitt Krishnamacharya einen Hüftbruch. Er verweigerte einen chirurgischen Eingriff und behandelte sich selbst mit einer Übungssequenz, die er im Bett praktizieren konnte. Krishnamacharya lebte und unterrichtete in Chennai bis er ausrutschte und ins Koma fiel und 1989 im Alter von 100 starb. Seine geistigen Fähigkeiten waren klar und scharf bis zu seinem Tod; wann immer die Situation dafür bestand, machte er von ihnen Gebrauch, indem er unterrichtete und heilend tätig war.

Neubelebung des Hatha Yoga

Obgleich sein Wissen und sein Unterrichten den Yoga auf der ganzen Welt beeinflusst hat, hat Krishnamacharya niemals während seines ganzen Lebens sein Geburtsland Indien verlassen. Oder wie es ein Artikel im Yogajournal mit dem Titel, “Das Erbe Krishnamacharyas” beschrieb: “Vielleicht hast du niemals etwas von ihm gehört und doch hat Tirumalai Krishnamacharya großen Einfluss an deiner Yogapraxis oder hat sie gar entwickelt. Ob deine Praxis die kraftvollen dynamischen Serien Patthabhi Jois, die genauen Ausrichtungen B. K. S. Iyengars sind, die klassischen Asanas an Indra Devi angelehnt, oder die auf das Individuum zugeschnittenen Vinyasas des Vini Yoga, deine Übungspraxis entstammt einer Quelle: von einem fünf Fuß, 2 Inch langen Brahmanen, der vor mehr als 100 Jahren in einer Kleinstadt Südindiens geboren wurde.” Durch das Entwickeln und präzisieren verschiedener Zugänge, machte Krishnamacharya den Yoga für Millionen von Menschen weltweit zugänglich und attraktiv.

Heilungsansatz

Krishnamacharya war nicht nur ein Yogalehrer, sondern auch ein Arzt für ayurvedische Medizin. Er besaß unglaubliches Wissen über Ernährungskunde, Kräuterheilkunde, von Ölanwendungen und anderen Heilmitteln. Krishnamacharyas Ansatz als Aryuvedaprakitzierender war folgender: mit einer umfassenden Untersuchung beginnen, um so den für den Patienten vielversprechendsten Weg herauszufinden. Beispielsweise, nahm er den Puls des Patienten, untersuchte und erfasste die Hautfarbe und hörte auf die Qualität des Atems. Während der Diagnose ersuchte Krishnamacharya zu erfassen, durch was die harmonische Einheit von Körper, Geist und Seele durcheinander gebracht hatte, bzw. was die Harmonie des Systems störte.

Krishnamacharya ging davon aus, dass obwohl der Ursprung einer Krankeit oder dort wo die Krankheit sich bemerkbar mache, in einer gewissen körperlichen Region zu lokalisieren wäre, doch zahlreiche andere Systeme, sowohl körperlicher oder geistiger Natur daran beiteiligt oder mit davon betroffen waren. Während oder nach der Eingangsuntersuchung fragte Krishnamacharya für gewöhnlich, ob der Patient gewillt wäre, sich auf seine Ratschläge und Führung einzulassen. Diese Frage war wichtig für die Behandlung des Patienten, da Krishnamacharya fühlte, dass wenn der Patient sich nicht ihm komplett anvertrauen konnte, die Chance auf Heilung eher gering war.

Wenn sich eine Person auf die Begegnungen mit Krishnamacharya einließ, arbeitete jener mit ihm oder ihr auf unterschiedlichsten Ebenen, was auch die Wahl der Nahrungsmittel, die Gabe von Naturheilmittel und das Ausarbeiten einer gesundheitsversprechenden Asanasequenz mit einschloss. Führte Krishnamacharya jemanden in die Yogaübungen ein, legte er besonderen Wert auf die Bedeutung der Atemarbeit (Pranayama) mit den körperlichen Stellungen (Asanas) und der Meditation (Dhyana) zu verbinden, um so das gewünschte Ziel zu erreichen. Durchschnittlich traf Krishnamacharya die jeweilige Person einmal wöchentlich, um so den Fortschritt bis zur Genesung zu überwachen.

Herangehensweise an den Yoga

Krishnamacharya war davon überzeugt, “dass Yoga Indiens größtes Geschenk an die Welt” wäre. Sein Yogaunterricht spiegelte seine Überzeugung, dass Yoga, sowohl spirituelle Übung als auch eine Methode zur körperlichen Genesung war, wieder. Krishnamacharya gründete seinen Yoga auf Patanjalis Yogasutras und der Yoga Yajnavalkya. Während Krishnamacharya sich zutiefst dem Vishnuismus widmete, akzeptierte er, dass seine Studenten eine Bandbreite religiöer Überzeugungen oder auch keine vertraten. Ein ehemaliger Schüler erinnert sich, dass Krishnamacharya während er eine Meditation anleitete, er die Schüler instruierte, die Augen zu schließen, und “an Gott zu denken. Wenn nicht an Gott, dann an die Sonne. Wenn nicht an die Sonne, dann an ihre Eltern”.

Als Eregbnis des Unterrichts, den er von seinem Vater und seinen anderen Lehrern erhalten hatte, fand Krishnamacharya zu jedem seiner Schüler einen ganz individuellen einzigartigen Zugang in der vollen Überzeugung, dass der wichtigste Aspekt im Unterrichten von Yoga darin liege, den Schüler gemäß seiner oder ihrer individuellen Möglichkeiten zum jeweiligen Zeitpunkt zu unterrichten. Das bedeutete für Krishnamacharya, dass der Weg des Yoga für verschiedene Menschen ganz Unterschiedliches bedeutet und beinhaltet und dass jeder in der Art und Weise unterrichtet werden sollte, wie es für ihn klar verständlich ist.

Anerkennung als Gelehrter

Krishnamacharya war ein viel geschätzter Gelehrter. Er hatte Abschlüsse in Philosophie, Logik, Theologie, Philologie und Musik. Zwei Mal wurde ihm die Stelle eines Acharyas innerhalb der Srivaishnava sampradaya angeboten, die er aber um weiterhin mit seiner Familie zusammen sein zu können, gemäß dem Wunsch seines Gurus, ablehnte. Er hatte auch umfassendes Wissen innerhalb orthodoxer hinduistischer Rituale. Seine Meisterschaft der verschiedenen Darshanas der indischen orthodoxen Philosophien brachten ihm Titel wie Samkhya Yoga Sikhamani, Mimamsa Ratna, Mimamsa Thirtha, Nyayacharya, Vedantavvagisha, Vedakesari und Yogacharya ein.

Siehe auch

Literatur

  • Swami Sivananda: Die Kraft der Gedanken; Books. ISBN 3-922477-94-1
  • Swami Sivananda: Shrimad Bhagavad Gita, Erläuternder Text und Kommentar von Swami Sivananda; Mangalam Books. ISBN 3-922477-06-2
  • Swami Sivananda: Hatha-Yoga / Der sichere Weg zu guter Gesundheit, langem Leben und Erweckung der höheren Kräfte; Heinrich Schwab Verlag. ISBN 3-7964-0097-3
  • Swami Sivananda: Göttliche Erkenntnis; Mangalam Books. ISBN 3-922477-00-3
  • Swami Sivananda: Sadhana; Mangalam Books. ISBN 3-922477-07-0
  • Swami Sivananda: Autobiographie von Swami Sivananda; Bad Mainberg 1999. ISBN 3-931854-24-8

Weblinks

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