Smritis

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Smritis sind Gesetzestexte, die Verhaltensregeln für alle Lebenslagen geben. Sie sind in Sanskrit verfasst und werden den vier klassischen (orthodoxen) Heiligen Schriften Indiens zugeordnet.

Swami Sivananda über die Smritis

Artikel aus "All About Hinduism" von Swami Sivananda

Nach den Sruti stehen die Smritis bzw. sekundären Schriften hinsichtlich ihrer Bedeutung an zweiter Stelle. Dabei handelt es sich um die alten heiligen kodierten Gesetze der Hindus, die sich mit dem Sanatana Varnahsrama Dharma befassen. Sie ergänzen und erläutern die rituellen Anordnungen, die in den Veden als Vidhis bezeichnet werden. Das Smriti Sastra begründet sich auf den Sruti. Die Smritis basieren auf den Lehren der Veden. Das Smriti hat nach den Sruti die höchste Autorität. Es erklärt und entwickelt Dharma. Es legt die Gesetze fest, die die nationalen, sozialen, familiären und individuellen Verpflichtungen der Hindus regeln.

Die Werke, die ausdrücklich als Smritis bezeichnet werden, sind die Gesetzesbücher, die Dharma Sastras. Smritis im weiteren Sinne sind alle Hindu Sastras außer den Veden.

Die Gesetze, die die Hindu-Gesellschaft von Zeit zu Zeit regulieren sollen, sind in den Smritis kodiert. In den Smritis sind eindeutige Regeln und Gesetze festgelegt, die die Individuen und Gemeinschaften im Alltag anleiten und ihre Sitten und Gebräuche regeln sollen. Die Smritis enthalten entsprechend den jeweiligen zeitlichen Umständen detaillierte Anweisungen für alle Gesellschaftsschichten hinsichtlich ihrer Verpflichtungen im Leben.

Der Hindu lernt aus diesen Smritis, wie er sein gesamtes Leben zu verbringen hat. Die Pflichten von Varnasrama und alle Zeremonien werden in diesen Büchern klar und deutlich beschrieben. Die Smritis schreiben einem Hindu bestimmte Handlungen vor und verbieten wiederum andere, in Abhängigkeit von seiner Geburt und der jeweiligen Lebensphase. Das Ziel der Smritis ist, das Herz des Menschen zu reinigen, ihn allmählich dem Hafen der Unsterblichkeit näher zu bringen und ihn perfekt und frei zu machen.

Diese Smritis haben sich von Zeit zu Zeit gewandelt. Die Anordnungen und Verbote der Smritis beziehen sich auf das jeweilige soziale Umfeld. Da sich dieses Umfeld und die wesentlichen Umstände der Hindu-Gesellschaft von Zeit zu Zeit änderten, mussten die Weisen in den verschiedenen Zeitaltern und Teilen Indiens neue Smritis verfassen.

Die großen Gesetzgeber der Hindus

Von Zeit zu Zeit erblickte ein großer Gesetzgeber das Licht der Welt. Er überprüfte und verschlüsselte die bereits bestehenden Gesetze und entfernte jene, die veraltet waren. Er nahm einige Änderungen und Anpassungen vor, strich oder ergänzte Passagen, um den Bedürfnissen seiner Zeit gerecht zu werden und dafür zu sorgen, dass die Lebensweise der Menschen mit den vedischen Lehren in Einklang stand. Die berühmtesten dieser Gesetzgeber sind Manu, Yajnavalkya und Parasara. Die Hindu-Gesellschaft gründet sich auf den Gesetzen dieser drei großen Weisen und wird von ihnen gelenkt. Die Smritis sind nach ihnen benannt. Wir haben das Manu Smriti oder Manava Dharma Sastra (die Gesetze von Manu oder die Institutionen von Manu), Yajnavalkya Smriti und Parasara Smriti. Manu ist der größte Gesetzgeber des Volkes und gleichzeitig auch der älteste. Das Yajnavalkya Smriti folgt denselben Grundsätzen wie das Manu Smriti und steht in seiner Bedeutung an zweiter Stelle. Manu Smriti und Yajnavalkya Smriti werden derzeit in ganz Indien als maßgebliche Werke anerkannt. Yajnavalkya Smriti wird hauptsächlich in allen Fragen der Hindu-Gesetzgebung zu Rate gezogen. Sogar die indische Regierung wendet einige dieser Gesetze an.

Es gibt achtzehn Haupt-Smritis oder Dharma Sastras. Die wichtigsten sind die von Manu, Yajnavalkya und Parasara. Die anderen fünfzehn sind von Vishnu, Daksha, Samvarta, Vyasa, Harita, Satatapa, Vasishtha, Yama, Apastamba, Gautama, Devala, Sankha Likhita, Usana, Atri und Saunaka.

Die Gesetze von Manu sind für das Satya Yuga gedacht, die von Yajnavalkya für das Treta Yuga, die von Sankha und Likhita für das Dvapara Yuga und die von Parasara für das Kali Yuga.

Die Gesetze und Regeln, die voll und ganz auf unserer sozialen Stellung sowie auf Zeit und Ort beruhen, müssen sich mit den Veränderungen, die in der Gesellschaft und in Bezug auf Zeit und Ort stattfinden, ebenfalls ändern. Nur so ist der Fortschritt der Hindu-Gesellschaft gesichert.

Die Notwendigkeit eines neues Gesetzescodes

In der heutigen Zeit ist es nicht möglich, einige Gesetze von Manu zu befolgen. Wir können ihren Geist befolgen, aber nicht ihren genauen Wortlaut. Die Gesellschaft macht Fortschritte. Ihre Weiterentwicklung führt dazu, dass manche Gesetze, die zu einer bestimmten Zeit gültig und hilfreich waren, irgendwann überholt sind. Heute gibt es viele Dinge, von denen die alten Gesetzgeber nicht einmal träumen konnten. Es ist sinnlos, von den Menschen zu verlangen, dass sie diese inzwischen veralteten Gesetze befolgen.

Unsere heutige Gesellschaft hat sich beträchtlich verändert. Ein neues Smriti, das den Erfordernissen dieses Zeitalters entspricht, ist mehr als überfällig. Ein neuer Weiser wird den Hindus unserer Tage einen neuen geeigneten Gesetzescode präsentieren. Die Zeit ist reif für ein neues Smriti. Wir begrüßen diese Zeit von ganzem Herzen].

Die innere Stimme von Dharma

Wer durch langdauernde Tapas, Japa, Kirtana, Meditation und Dienst am Guru ein reines Herz und ein sehr klares Bewusstsein hat, kann in Angelegenheiten des Dharma oder in Fragen hinsichtlich Pflicht und Moral von der inneren Stimme geführt werden. Die innere Stimme, die einem reinen und mit Sattva erfüllten Herzen entspringt, ist in Wahrheit die Stimme Gottes, der Seele, von Antaryamin oder des Inneren Herrschers. Diese Stimme ist mehr als Smriti. Es ist das Smriti der Smritis. Reinige dein Herz und übe dich darin, diese Stimme zu hören. Halte dein Ohr im Einklang mit der „Stimme“.

Das Sruti und das Smriti

Sruti und Smriti sind die zwei maßgeblichen Quellen des Hinduismus. Sruti bedeutet wörtlich das Gehörte, und Smriti bedeutet das, woran man sich erinnert. Sruti ist Offenbarung und Smriti ist Tradition. Die Upanishaden sind ein Sruti. Die Bhagavad Gita ist ein Smriti.

Sruti ist direkte Erfahrung. Große Rishis hörten die ewigen Wahrheiten der Religion und hinterließen Aufzeichnungen davon zum Wohle ihrer Nachfahren. Diese Aufzeichnungen sind die Veden. Damit ist Sruti die oberste Autorität. Smriti ist eine Rückbesinnung auf diese Erfahrung. Daher ist es die zweite Autorität. Die Smritis oder Dharma Sastras sind auch Bücher, die von Weisen verfasst wurden, aber sie sind nicht die oberste Autorität. Findet sich in einem Smriti etwas, das dem Sruti widerspricht, so ist das Smriti abzulehnen.

Siehe auch

Weblinks

Videos

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