Übertriebener Gerechtigkeitssinn

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Übertriebener Gerechtigkeitssinn kann eine Quelle von Leid, Überforderung, ja sogar von Burnout sein. Gerechtigkeitssinn ist eine wichtige Fähigkeit, eine wichtige Eigenschaft, des Menschen. Vieles was gut ist, kann auch übertrieben werden. Ein übertriebener Gerechtigkeitssinn bringt einen in Konflikt mit anderen - und auch mit eigenen Neigungen und Wünschen.

Iustitia, die Göttin der Gerechtigkeit

Übertriebener Gerechtigkeitssinn Zitat

Hier ein Zitat, eine Weisheit zum Thema übertriebener Gerechtigkeitssinn:

„Den meisten Menschen macht ihr übertriebener Gerechtigkeitssinn mehr Probleme als die Ungerechtigkeit der Welt.“
―Günter Seipp

Gerechtigkeitssinn

Charakteristisch für den Menschen, auch für viele Tiere, ist ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. Menschen sind sogar bereit, auf eigene Vorteile zu verzichten, um anderen einen unverdienten Vorteil wegzunehmen.

Damit Menschen zusammen leben können, damit menschliche Gemeinschaft gut funktionieren kann, braucht es eine gewisse Gerechtigkeit, einen gewissen Gerechtigkeitssinn.

Menschliche Gemeinschaft funktioniert auch dadurch, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Eigenschaften in einzigartiger Weise ausgeprägt haben.

So haben manche Menschen einen starken Gerechtigkeitssinn, der sie dazu bringt, gegen Ungerechtigkeiten anzugehen. Gerade wegen solcher Menschen, die sich z.T. auch aufopfern für die Gerechtigkeit, kann die Gesellschaft schrittweise gerechter werden.

Übertriebener Gerechtigkeitssinn

Ab wann ist ein Gerechtigkeitssinn ein übertriebener? Das zu beurteilen ist nicht immer einfach. Meist ist die Behauptung von "übertriebenem Gerechtigkeitssinn" ja eine Zuschreibung von außen: Jemand, der vielleicht das Eingreifen eines anderen nicht mag, spricht von übertriebenem Gerechtigkeitssinn.

Manchmal leiden Menschen aber auch selbst unter der Vorstellung eigenen übertriebenen Gerechtigkeitssinnes: Sie wissen, dass sie ihre Beziehungen zu anderen belasten, dass sie zu häufig sich in Angelegenheiten anderer einmischen - und dass sie sich letztlich unbeliebt machen und gar nicht mal so viel Gutes bewirken.

Gerechtigkeitssinn und Liebe

Der Gerechtigkeitssinn muss immer durch Liebe ausgeglichen werden. Menschen sind keine Maschinen, auch keine Ethik-Maschinen. Menschen sind emotionale Wesen, komplexe Kreaturen. Letztlich wird man Menschen nur durch Liebe gerecht.

Ist die Welt gerecht?

Oberflächlich betrachtet, ist die Welt nicht gerecht:

  • Manche Menschen werden krank geboren
  • Manche kommen in Gegenden mit Hungersnot auf die Welt
  • Manche verlieren jung ihre Eltern
  • Es gibt Lug und Betrug

Das Gesetz des Karma besagt, dass doch Gerechtigkeit herrscht in dieser Welt - wenn man es langfristig betrachtet, vor dem Hintergrund vieler Leben.

Glück und Gerechtigkeit

Unabhängig davon, ob man an Karma und Reinkarnation glaubt, weiß man doch, das Glück nicht abhängig ist von äußeren Dingen. So ist Glück auch nicht so sehr von Gerechtigkeit abhängig.

So empfiehlt die Stoa, die altgriechische Lebensphilosophie, sein Glück nicht abhängig zu machen von etwas, was nicht unter der eigenen Kontrolle ist.

Gerechtigkeit/Ungerechtigkeit ist nicht vollständig unter der eigenen Kontrolle. So sollte man sich um mehr Gerechtigkeit bemühen - und sein Glück nicht davon abhängig machen.

Wessen Glück nicht von Gerechtigkeit abhängt, sich aber aus Pflichtgefühl trotzdem für mehr Gerechtigkeit einsetzt, der leidet auch nicht unter übertriebenem Gerechtigkeitssinn.

Ein Gerechtigkeitssinn wird dann übertrieben, wenn das eigene Glück davon abhängig gemacht wird.

Siehe auch