Sanatkumara Tantra
Sanatkumara Tantra (Sanskrit: सनत्कुमारतन्त्र, IAST: Sanatkumāratantra) ist eine vaishnavische Tantra-Schrift in elf Kapiteln. Im Gespräch zwischen Sanatkumara und Pulastya entfaltet sie einen Weg der Verehrung Krishnas: vom bewussten Beginn des Morgens über Mantra, Puja und innere Meditation bis zur Hingabe des eigenen Handelns. Krishna erscheint als kindlicher Gopala, als flötenspielender Govinda und als die Welt durchdringender Vishnu. Das Werk verbindet Gottesliebe, rituelle Aufmerksamkeit und die Frage nach der Einheit von individuellem und höchstem Selbst.

Für Yoga-Aspiranten liegt ein besonders schöner Zugang in der Verbindung zweier Blickrichtungen: Zu Beginn soll der Übende sich immer wieder als Gestalt Brahmans betrachten (2.3); am Ende der Verehrung soll er alles Gedachte, Gesprochene und Getane dem Göttlichen darbringen (8.25–29). Erkenntnis und Hingabe berühren sich. Die Meditation bleibt nicht auf einen stillen Augenblick beschränkt: Sie kann die Art verändern, wie wir sprechen, handeln und anderen begegnen.
Ein roter Faden hilft bei der Lektüre: Die Gottheit wird im Herzen vergegenwärtigt, in der äußeren Puja verehrt und schließlich wieder ins Herz zurückgenommen. Die einzelnen Gesten entfalten diese Bewegung. Wer sich zunächst an diesem Zusammenhang orientiert, kann die vielen Ritualbegriffe nach und nach erschließen.
Lesewege durch den Artikel
- Zum Kennenlernen: die Einführung und die fünf zentralen Lehren.
- Für Meditation und Alltag: 64 Verse mit Betrachtungsimpulsen und fünf konkrete Praxistipps.
- Für das fortlaufende Lesen: die vollständige deutsche Lesefassung.
- Für das genaue Studium: IAST, Übersetzung und Worterklärungen, Devanagari sowie Mantras und Stellenregister.
Eine kurze erste Lektüre kann mit 2.2–3 beginnen, dann zu 8.25–29 und 11.19–20 führen: Sammlung am Morgen, Hingabe des Handelns und Selbsterkenntnis bilden so einen zusammenhängenden Einstieg.
Bedeutung, Überlieferung und Aufbau
Der Titel bedeutet „Tantra des Sanatkumara“. Sanatkumāra lässt sich als „ewiger Jüngling“ verstehen; tantra bezeichnet hier eine Lehrschrift, die Verehrung, Mantra und religiöse Praxis systematisch entfaltet. Sanatkumara ist der Lehrer innerhalb des Dialogs. Diese literarische Sprecherrolle liefert für sich genommen keinen Nachweis historischer Autorschaft.
Die hier wiedergegebene Fassung ist der elektronische Text M00530 des Muktabodha Indological Research Institute. Der zugehörige Katalogeintrag beschreibt ihn als wahrscheinlich spätes vaishnavisches Werk möglicherweise bengalischen Ursprungs.[1] Der Dateikopf nennt eine vor 1900 in Kalkutta erschienene Druckgrundlage und als Verleger Rasika Monana Caṭṭopādhyāya. Ein genauer Entstehungszeitraum lässt sich daraus nicht ableiten. Insbesondere sind Erscheinungsdatum des Drucks und Entstehung des Werkes zu unterscheiden.
Die elf Paṭalas enthalten insgesamt 384 nummerierte Verse beziehungsweise Texteinheiten. Einige Nummern umfassen mehr als zwei Halbverse oder eine Prosamantraformel. Der folgende Überblick bezeichnet die Inhalte; nicht alle deutschen Kapiteltitel sind Titel des Sanskritkolophons.
| Kapitel | Umfang | Inhalt |
|---|---|---|
| 1 | 18 Verse | Krishna, Guruempfang und verschlüsselte Bildung des Mantrakönigs |
| 2 | 25 Verse | Morgenpraxis und Grundfolge der Puja |
| 3 | 27 Verse | Bhutashuddhi, Pranayama, Matrika- und Pitha-Nyasa |
| 4 | 39 Verse | Muschel, heilige Gewässer, Lebenseinsetzung und Verehrung zu drei Tageszeiten |
| 5 | 32 Verse | Geheimes Herzmantra und Meditation über den kindlichen Gopala |
| 6 | 19 Verse | Verschiedene Krishna- und Gopala-Mantras |
| 7 | 20 Verse | Meditation, Japa, Feueropfer und Ersatzleistungen |
| 8 | 40 Verse | Zweckgebundene Rituale, Selbsthingabe und Zusammenfassung der Puja |
| 9 | 41 Verse | Trailokyamangala-Kavacha, ein Schutztext mit Mantrafolgen |
| 10 | 98 Verse | Mala, Purascharana, Schaukelfest und Tempelweihe |
| 11 | 25 Verse | Einweihung, Lehrer- und Schülereigenschaften, Yoga und Schlusslob |
Krishna, Shakti und die innere Verehrung
Das Unermessliche im nahen Gegenüber
Der Weltenherr hält Butter in der Hand, spielt Flöte und lässt sich als Kind von Yashoda auf den Schoß nehmen. Diese Bilder tragen eine tiefe Möglichkeit der Bhakti: Das Göttliche kann als vertrautes Gegenüber geliebt werden. In 5.31 spricht der Text zugleich von der Gestalt der ganzen Welt, die unter dem Hirtengewand verborgen ist. Nähe und kosmische Weite gehören in dieser Betrachtung zusammen.
Der kindliche Krishna lädt zur Zärtlichkeit ein; der Govinda von Vrindavana weckt Schönheitssinn und Sehnsucht. Die erotische Sprache von 7.6–10 wird in der Übersetzung bewahrt. Eine heutige spirituelle Lesart kann darin die ganze Kraft des Verlangens auf das Göttliche ausrichten. Das ist eine Deutung der Bildsprache, keine im Text ausgeführte psychologische Übung.
Ein vaishnavischer Text mit weitem rituellem Horizont
Shiva, Durga, Ganesha, Lakshmi und Sarasvati haben ihren Platz in der Verehrung. Kapitel 3 nennt Kräfte wie Wille, Erkenntnis und Handlung. Kapitel 10 verwendet fünf Shiva-Mantras zur Weihe der Gebetskette. Kapitel 11 beschreibt Yoga auch als Erkenntnis der Nichtverschiedenheit Shivas und des Selbst. Das Werk integriert diese Gottheiten und Kräfte in eine vorwiegend auf Krishna ausgerichtete Verehrung. Sein weiter ritueller Horizont wird besonders dort sichtbar, wo Gottesliebe, Shakti-Symbolik und die Erkenntnis der Einheit nebeneinanderstehen.
Der Körper wird zum Ort der Sammlung
Beim Nyasa werden Mantras, Buchstabenkräfte und göttliche Gestalten am Körper eingesetzt. Der Pīṭha, der heilige Sitz, wird auch im eigenen Körper vorgestellt. Seine tragenden Kräfte heißen Dharma, Jnana, Vairagya und Aishvarya (3.19). Für die betrachtende Lektüre ergibt sich daraus ein anschauliches Bild: Spirituelle Praxis braucht einen inneren Sitz, den ethische Ausrichtung, Einsicht und Loslassen tragen. Die genaue ritualtechnische Bedeutung des Verses bleibt davon zu unterscheiden.

Mantra, Yantra und Yoga
Klang und lebendige Beziehung
Mantras werden im Werk nicht als isolierte Klangtechniken behandelt. Ihr Empfang ist mit dem Guru, ihre Wiederholung mit Meditation, ihre Verehrung mit Aufmerksamkeit und ihr Abschluss mit Hingabe verbunden. Die Formel „Ich erquicke Shri Krishna“ macht den persönlichen Charakter der Puja deutlich. Viele andere Mantras stehen in verschlüsselter Form: Gottheitsnamen, Lautgruppen, Endungen und Bija-Bezeichnungen geben Hinweise auf ihre Bildung.
Nicht jede solche Anweisung ist in der vorhandenen Fassung fehlerfrei. Deshalb unterscheidet die Mantrasammlung zwischen ausgeschriebenen Formeln, nachvollziehbar zusammengesetzten Formeln und unvollständig oder unsicher überlieferten Lautanweisungen. Eine vermeintlich vollständig rekonstruierte Formel kann sonst gerade das verdecken, was die Quelle offenlässt.
Innere und äußere Puja
Ein Yantra auf Kupfer, Lotusblätter, Himmelsrichtungen und Gottheitenkreise geben der äußeren Verehrung eine Ordnung. Innerlich wird die Gottheit im Herzen vergegenwärtigt. Bei der Bildweihe führt die Vorstellung ihren Glanz durch den Atem in eine Blume und weiter in das Bild (10.75–76). Nach der Verehrung wird die Gottheit ins Herz zurückgenommen (8.34). Innere Aufmerksamkeit und äußere Geste bilden so einen zusammenhängenden Weg.
Atem und Erkenntnis
Kapitel 3 verbindet Elementereinigung, Kundalini, Hamsa und Soham mit einer vorgestellten Auflösung und Erneuerung des Körpers. Kapitel 11 beschreibt Ida, Pingala und Atemlenkung. Die Zählungen und Seitenfolgen sind stellenweise nicht eindeutig; der Text ersetzt keine persönliche Pranayama-Unterweisung. Für den unmittelbaren betrachtenden Zugang ist seine klare Zielbestimmung besonders wichtig: Yoga wird als Einheit von individueller Seele und Selbst beziehungsweise als Erkenntnis ihrer Nichtverschiedenheit von Shiva bezeichnet (11.19).

Ergänzendes Video aus der Yoga-Vidya-Medienauswahl:
Historische Praxis und heutige Verantwortung
Das Werk enthält Regeln nach gesellschaftlichem Stand, strenge Geheimhaltungsdrohungen sowie Versprechen von Reichtum, Heilung und Macht über andere. Diese Stellen gehören zur Geschichte seiner Ritualwelt. Die Übersetzung gibt sie wieder, ohne daraus Tatsachengarantien oder heutige Handlungsregeln abzuleiten. Die folgenden Praxisanregungen orientieren sich ausdrücklich an Hingabe, Mitgefühl, regelmäßiger Sammlung und Selbstprüfung. Dafür bietet das Werk selbst tragfähige Anknüpfungen: Mitgefühl in 1.8, Gemeinwohlorientierung des Gurus in 11.6 und Wohlwollen gegenüber allen Lebewesen in 11.9.
Wichtige Begriffe für die Lektüre
| Begriff | Bedeutung in diesem Werk |
|---|---|
| Puja / yajana | Verehrung der Gottheit durch innere Sammlung und äußere Darbringungen. |
| Dhyana / bhāvanā | Meditation und lebendige Vergegenwärtigung der göttlichen Gestalt. |
| Japa | Wiederholung eines Mantras; häufig mit festgelegter Anzahl. |
| Bija | „Same“: eine Keimsilbe mit ritueller Bedeutung. Gottheitsnamen können solche Silben verschlüsselt bezeichnen. |
| Nyasa | Einsetzen von Lauten, Mantras oder Gottheiten am Körper; Teil der rituellen Vergegenwärtigung. |
| Pīṭha | Heiliger Sitz oder tragender Aufbau der Gottheit, äußerlich und im Körper vorgestellt. |
| Bhutashuddhi | Meditative Reinigung beziehungsweise Auflösung und Erneuerung der Elemente des Körpers. |
| Upacāra | Verehrungsdienst, etwa das Anbieten von Wasser, Duft, Licht oder Nahrung. |
| Tarpaṇa / Homa | Erquickende Wassergabe beziehungsweise Feueropfer. |
| Kavaca | „Schutzpanzer“: ein Text, der Mantras Körperteilen und Himmelsrichtungen zuordnet. |
| Puraścaraṇa | Zusammenhängende vorbereitende Mantrapraxis mit Japa und weiteren Ritualgliedern. |
| Dīkṣā | Einweihung beziehungsweise rituelle Einführung in eine überlieferte Praxis. |
Sanatkumara Tantra – Sanskrit, Übersetzung und Worterklärungen
Die Originalnummerierung beginnt in jedem Kapitel neu. Die vorangestellte Angabe „2.3“ bedeutet Kapitel 2, Vers 3; die ursprüngliche Versnummer steht außerdem am Sanskritende. Die Wort-für-Wort-Erklärungen erschließen bedeutungstragende Wörter und Komposita, nicht jede Partikel. Über mehrere Verse laufende Sätze bleiben als solche erkennbar. Eckige Klammern kennzeichnen notwendige Ergänzungen oder unsichere Anschlüsse; textkritische Erläuterungen stehen jeweils bei den Worterklärungen.
Titel: sanatkumāratantram — Sanatkumara Tantra.
Eingangsverehrung: oṃ namo gaṇeśāya — Om. Verehrung Ganesha.
Wort-für-Wort: oṃ – heiliger Urlaut; namaḥ – Verehrung; gaṇeśāya – dem Herrn der Scharen, Ganesha.
Kapitel 1: Krishna und der Mantrakönig
Pulastyas Frage eröffnet die Beziehung zwischen Schüler und Lehrer. Die Verehrung beginnt mit Hingabe, Dank und Mitgefühl. Die anschließenden Mantraanweisungen verwenden eine stark verdichtete Lautsymbolik; ihre unsicheren Stellen sind unmittelbar erläutert.
prathamaḥ paṭalaḥ
1.1 namaḥ kanaka - kiñjalka - pīta - nirmala - vāsase |
mahābhuja - ripuskandha - ghṛṣṭacakrāya cakriṇe || 1 ||
Übersetzung: Verehrung dem Träger des Diskus! Sein makelloses Gewand ist gelb wie goldener Blütenstaub; sein Diskus streift die Schultern starkarmiger Feinde.
Wort-für-Wort: namaḥ – Verehrung; kanaka-kiñjalka – goldener Blütenstaub; pīta – gelb; nirmala-vāsas – makelloses Gewand; cakrin – Diskusträger.
1.2 vivikte bhuvane ramye siddhacāraṇasevite |
sanatkumāraṃ natvā'tha papracchedaṃ pulastyakaḥ || 2 ||
Übersetzung: An einem abgeschiedenen, schönen Ort, den Siddhas und himmlische Sänger aufsuchten, verneigte sich Pulastya vor Sanatkumara und fragte ihn:
Wort-für-Wort: vivikte – an einem abgeschiedenen Ort; ramye – schön; siddha-cāraṇa – Vollendete und himmlische Sänger; natvā – sich verneigt habend; papraccha – fragte.
1.3 kṛṣṇasya ca mahābāhormāhātmyaṃ vaktumarhasi |
mantrarājaṃ yathānyāyaṃ prasādaṃ kuru suvrata || 3 ||
Übersetzung: „Du mögest die Größe des starkarmigen Krishna und den König der Mantras in gehöriger Weise erklären. Erweise mir diese Gnade, du mit den guten Gelübden!“
Wort-für-Wort: mahābāhu – starkarmig; māhātmya – Größe; mantrarāja – Mantrakönig; prasāda – Gnade; suvrata – mit guten Gelübden.
1.4 sanatkumāra uvāca — Sanatkumara sprach:
śṛṇu rūpaṃ pravakṣmyāmi kṛṣṇasyārbhakakarmaṇaḥ |
yasyā'haṃ vaśagā nityaṃ ravirudrāḥ savāsavāḥ || 4 ||
Übersetzung: „Höre! Ich werde die Gestalt Krishnas beschreiben, der die Taten eines Kindes vollbringt. Seiner Macht unterstehen beständig ich, die Sonne, die Rudras und Indra.“
Wort-für-Wort: śṛṇu – höre; rūpa – Gestalt; arbhaka-karman – kindliches Tun; vaśaga – unterstehend; ravi – Sonne; Vāsava – Indra. Die grammatisch unstimmige Form vaśagā wird dem Sinn nach aufgefasst.
1.5 kiṃ vā te mahimā tasya vaktavyo dvijasattamaḥ |
divi bhuvyantarikṣe ca viṣṇurityabhidhīyate || 5 ||
Übersetzung: Was soll dir noch über seine Größe gesagt werden, bester Zweimalgeborener? Im Himmel, auf der Erde und im Zwischenraum wird er Vishnu genannt.
Wort-für-Wort: mahimā – Größe; dvija-sattama – bester Zweimalgeborener; divi – im Himmel; bhuvi – auf Erden; antarikṣe – im Zwischenraum.
1.6 vidhānaṃ tasya vakṣyāmi yathātattvaṃ niśāmaya |
ādau gurumukhāllabdhvā mantraṃ bhaktisamanvitaḥ || 6 ||
Übersetzung: Ich werde seine Verehrungsordnung erklären; höre sie wahrheitsgemäß. Zuerst empfange man, von Hingabe erfüllt, das Mantra aus dem Mund des Gurus,
Wort-für-Wort: vidhāna – Vorschrift; yathātattvam – der Wirklichkeit entsprechend; gurumukhāt – aus dem Mund des Lehrers; labdhvā – empfangen habend; bhakti-samanvita – mit Hingabe erfüllt.
1.7 gurave dakṣiṇāṃ dattvā pūrvasevāṃ samācaret |
dvijasantarpaṇaṃ kṛtvā prahṛṣṭenā'ntarātmanā || 7 ||
Übersetzung: gebe dem Guru die Ehrengabe und vollziehe die vorbereitende Verehrung. Nachdem man die Zweimalgeborenen zufriedengestellt hat, handle man mit innerer Freude.
Wort-für-Wort: dakṣiṇā – Ehrengabe; pūrvasevā – vorbereitender Dienst; dvija-santarpaṇa – Zufriedenstellung der Zweimalgeborenen; prahṛṣṭa – freudig; antarātman – inneres Selbst.
1.8 ādau naimittikaṃ kṛtvā sūryaṃ sampūjya bhaktitaḥ |
devārcanaṃ tathā kṛtvā yāgaṃ kuryād dayānvitaḥ || 8 ||
Übersetzung: Zuerst verrichte man die anlassbezogenen Pflichten, verehre hingebungsvoll die Sonne und die Gottheiten und vollziehe dann, von Mitgefühl erfüllt, das Opfer.
Wort-für-Wort: naimittika – anlassbezogenes Ritual; sūrya – Sonne; devārcana – Götterverehrung; yāga – Opfer; dayānvita – von Mitgefühl erfüllt.
1.9 girau nadyāṃ vane tīrthe goṣṭhe devālaye tathā |
aśvatthe sāgarānte vā japet pratisahasrakam || 9 ||
Übersetzung: Auf einem Berg, an einem Fluss, im Wald, an einer Pilgerstätte, bei einer Kuhherde, in einem Tempel, bei einem Ashvattha-Baum oder am Meer vollziehe man Japa in Tausendergruppen.
Wort-für-Wort: giri – Berg; nadī – Fluss; tīrtha – Pilgerstätte; goṣṭha – Kuhstall oder Herdenplatz; pratisahasrakam – jeweils tausendfach.
1.10 śataṃ caivāṣṭakaṃ kṛtvā bhuktvā sthāneṣu buddhimān |
ṣoḍaśenopacāreṇa saṃpūjya madhusūdanam || 10 ||
Übersetzung: Der Verständige vollziehe einhundertacht Wiederholungen und nehme an diesen Orten Nahrung zu sich; er verehre Madhusudana mit sechzehn Darbringungen.
Wort-für-Wort: śatam aṣṭakam – hundert und acht; bhuktvā – gegessen habend; ṣoḍaśa-upacāra – sechzehn Verehrungsdienste; Madhusūdana – Bezwinger Madhus. Die Verbindung von Mahlzeit und Japa ist im Satzbau knapp und unsicher.
1.11 kāle dhyātvā yathānyāyaṃ naivedyaṃ ca nivedayet |
viṣṇave hṛdayāhvānaṃ mantrarājaṃ niśāmaya || 11 ||
Übersetzung: Zur rechten Zeit meditiere er vorschriftsgemäß und bringe die Speisegabe dar. Höre nun den Mantrakönig, die Herzensanrufung Vishnus.
Wort-für-Wort: kāle – zur Zeit; dhyātvā – meditiert habend; naivedya – Speisegabe; hṛdayāhvāna – Herzensanrufung; niśāmaya – vernimm.
1.12 samāhitaḥ śucirbhūtvā bhaktimānuddharet budhaḥ |
oṅkāraṃ pūrvamuddhṛtya trivāraṃ parameśvaram || 12 ||
Übersetzung: Gesammelt, rein und hingebungsvoll erschließe der Weise das Mantra: Zuerst bilde er den Om-Laut und [nenne] dreimal den höchsten Herrn.
Wort-für-Wort: samāhita – gesammelt; śuci – rein; uddharet – herauslösen, ein Mantra bilden; oṅkāra – Om-Laut; trivāram – dreimal. Der genaue Mantraaufbau bleibt hier unklar.
1.13 yad yat kāmo bhavenmantrī mantrasyādau nivedayet |
padmajaṃ tanmukhopetaṃ śakrasyopari saṃsthitam || 13 ||
Übersetzung: Welchen Wunsch der Mantrapraktizierende auch hat, er bringe ihn am Anfang des Mantras dar. [Es folgt die Lautchiffre:] den Lotusgeborenen, mit dessen Mund versehen, über Shakra stehend,
Wort-für-Wort: kāma – Wunsch; mantrin – Mantrapraktizierender; nivedayet – darbringen; padmaja – Lotusgeborener; Śakra – Indra. Die Gottheiten dienen hier als verschlüsselte Lautnamen.
1.14 sendubinduśikhopetaṃ prathamaṃ sarvakāmadam |
tīrthaṃ vahnisamārūḍhaṃ śriyā mūrdhniṃ vyavasthitam || 14 ||
Übersetzung: mit Mond, Punkt und Spitze versehen: dies ist das erste, alle Wünsche gewährende [Bija]. Das Tirtha, auf Feuer erhoben, mit Shri am Haupt,
Wort-für-Wort: indu – Mond; bindu – Punkt; śikhā – Spitze; sarvakāmada – alle Wünsche gewährend; vahni – Feuer; śrī – Glanz, Shri.
1.15 śaśibinduśikhāvyāptaṃ dvitīyaṃ śrīpradāyakam |
rudraṃ padmasamāyuktaṃ pāvakopari saṃsthitam || 15 ||
Übersetzung: von Mond, Punkt und Spitze durchdrungen: dies ist das zweite, Wohlergehen schenkende [Bija]. Rudra, mit dem Lotus verbunden und auf Feuer stehend,
Wort-für-Wort: dvitīya – zweites; śrīpradāyaka – Wohlergehen schenkend; rudra – Rudra; padma – Lotus; pāvaka – Feuer.
1.16 sendubinduśikhākrāntaṃ tṛtīyaṃ mokṣadaṃ matam |
khāntaṃ nāntaṃ tathā chāntaṃ dhāntaṃ lāntaṃ caladvayam || 16 ||
Übersetzung: von Mond, Punkt und Spitze gekrönt: dies gilt als das dritte, Befreiung schenkende [Bija]. [Es folgen Lautangaben:] kha-Ende, na-Ende, cha-Ende, dha-Ende, la-Ende und zweimal ca,
Wort-für-Wort: tṛtīya – drittes; mokṣada – Befreiung gebend; anta – Ende oder abschließender Laut; dvayam – zweimal. Eine eindeutige Entschlüsselung dieser Folge ist aus der Vorlage nicht gesichert.
1.17 vāntaṃ māntaṃ tathā ṣāntaṃ lāntaṃ sāntāntakaṃ tathā |
eparam aiparaṃ caiva aparāntaṃ parātrayaṃ || 17 ||
Übersetzung: va-Ende, ma-Ende, ṣa-Ende, la-Ende und sāntāntaka; ferner epara, aipara, aparānta und parātraya.
Wort-für-Wort: Die Formen eparam, aiparam und aparāntam sind als technische Lautchiffren überliefert; parātrayam bedeutet ungefähr „die folgenden drei“. Die syntaktisch beschädigte Passage wird nicht in ein vermeintlich sicheres Mantra umgeformt.
1.18 ādyaṃ gopījanapadaṃ vallabhāya tataḥ param |
svāhā śabdaṃ tato dadyāt sampūrṇaṃ siddhidāyakam || 18 ||
Übersetzung: Zuerst setze man das Wort gopījana, danach vallabhāya und anschließend svāhā. So vervollständigt, verleiht [das Mantra] Vollendung.
Wort-für-Wort: gopījana – Schar der Hirtinnen; vallabhāya – dem Geliebten; svāhā – Opferanrufung; sampūrṇa – vollständig; siddhidāyaka – Vollendung gebend.
Kolophon: || iti sanatkumārīye prathamaḥ paṭalaḥ samāptaḥ ||
1 ||
Übersetzung: Damit ist im Sanatkumariya das erste Kapitel abgeschlossen.
Kapitel 2: Grundfolge der Puja
Dieses Kapitel führt durch einen Tag, der mit Sammlung beginnt. Der innere Gedanke „Gestalt Brahmans“ steht neben äußeren Gesten der Verehrung. Die vielen Nyasa-Namen bezeichnen Teile einer überlieferten Ritualfolge; für den ersten Lesezugang genügt es, ihren gemeinsamen Bezug auf die Gegenwart der Gottheit zu verfolgen.
atha dvitīyaḥ paṭalaḥ
2.1 atha samyak pravakṣyāmi yajanaṃ dhyānameva ca |
dhyānaṃ caiva trikālasya naivedyaṃ ca niśāmaya || 1 ||
Übersetzung: Nun werde ich Verehrung und Meditation richtig erklären. Höre die Meditation zu den drei Tageszeiten und die jeweiligen Speisegaben.
Wort-für-Wort: yajana – Verehrung; dhyāna – Meditation; trikāla – drei Zeiten; naivedya – Speisegabe.
2.2 brāhme muhūrte utthāya śucirbhūtvā samāhitaḥ |
āsane upaviśyātha guruṃ natvā puṭāñjaliḥ || 2 ||
Übersetzung: Man stehe in der Brahma-Muhurta auf, werde rein und gesammelt, setze sich auf den Sitz, verneige sich vor dem Guru und lege die Hände zusammen.
Wort-für-Wort: brāhme muhūrte – in der Brahma-Muhurta; utthāya – aufgestanden; āsana – Sitz; puṭāñjali – ehrfürchtig zusammengelegte Hände.
2.3 ātmānaṃ brahmaṇo rūpaṃ cintayecca muhurmuhuḥ |
japtvāmantraṃ ca sarveṣāṃ vādināṃ vijayī bhavet || 3 ||
Übersetzung: Immer wieder betrachte man sich selbst als Gestalt Brahmans. Durch Wiederholung des Mantras werde man siegreich gegenüber allen Disputierenden.
Wort-für-Wort: ātmānam – sich selbst; brahmaṇo rūpam – Gestalt Brahmans; muhurmuhuḥ – immer wieder; japtvā – rezitiert habend; vādin – Disputierender.
2.4 tataḥ snātvā śucirbhūtvā sandhyādīn vaidikāṃstathā |
kuryād gurūpadeśena laukikānapi deśikaḥ || 4 ||
Übersetzung: Nach dem Bad und der Reinigung verrichte der kundige Übende die vedischen Pflichten, beginnend mit der Sandhya, und auch die weltlichen Pflichten nach der Unterweisung des Gurus.
Wort-für-Wort: snātvā – gebadet habend; sandhyā – Übergangszeitengebet; vaidika – vedisch; laukika – weltlich; gurūpadeśa – Guruunterweisung.
2.5 śrīkṛṣṇaṃ tarpayāmīti mūlamuccārya tarpayet |
pūjādvāre copaviśya pādaprakṣālanaṃ sudhīḥ || 5 ||
Übersetzung: Mit dem Grundmantra und den Worten „Ich erquicke Shri Krishna“ vollziehe man die Wassergabe. Am Eingang des Verehrungsraums sitzend, wasche der Verständige die Füße.
Wort-für-Wort: śrīkṛṣṇaṃ tarpayāmi – ich erquicke Shri Krishna; mūla – Grundmantra; pūjādvāra – Eingang zur Puja; pādaprakṣālana – Fußwaschung.
2.6 śikhāyā bandhanaṃ caiva cāstramantreṇa mantravit |
ācamya dvāradevāṃstu pūjayet sādhakottamaḥ || 6 ||
Übersetzung: Der Mantrakundige binde die Haarlocke mit dem Waffenmantra, vollziehe das rituelle Wasserschlürfen und verehre die Gottheiten des Eingangs.
Wort-für-Wort: śikhā – Haarlocke; astramantra – Waffenmantra; ācamya – Wasser rituell geschlürft habend; dvāradeva – Torgottheit.
2.7 vighnānutsādayitvā tu hastabhūmyorviśodhanam |
guruṃ natvā gaṇeśaṃ ca vāstupūjāṃ samācaret || 7 ||
Übersetzung: Nach Beseitigung der Hindernisse reinige er Hände und Boden. Er verneige sich vor dem Guru und Ganesha und vollziehe die Verehrung des heiligen Baugrundes.
Wort-für-Wort: vighna – Hindernis; viśodhana – Reinigung; guru – Lehrer; vāstupūjā – Verehrung des Baugrundes.
2.8 brahmāṇaṃ pūjayitvā tu ātmāsanamataḥ param |
bhūtaśuddhiṃ vidhāyā'tha deve'haṃ cintayed budhaḥ || 8 ||
Übersetzung: Nach der Verehrung Brahmas [weihe er] seinen eigenen Sitz. Dann vollziehe der Weise die Reinigung der Elemente und betrachte: „Ich bin die Gottheit.“
Wort-für-Wort: Brahmā – Schöpfergott; ātmāsana – eigener Sitz; bhūtaśuddhi – Elementereinigung; deve'haṃ – wohl verderbt für devo'ham, „ich bin die Gottheit“.
2.9 ṛṣyādinyāsasarvāṃśca mātṛkāṇāṃ tato nyaset |
prāṇāyāmatrayaṃ kuryādaṅganyāsaṃ ca mantravit || 9 ||
Übersetzung: Er vollziehe sämtliche Nyasas, beginnend mit dem Seher, und dann den Nyasa der Buchstaben. Der Mantrakundige übe dreimal Pranayama und den Nyasa der Körperglieder.
Wort-für-Wort: ṛṣi – Seher; nyāsa – rituelle Einsetzung; mātṛkā – Buchstabenkräfte; prāṇāyāmatraya – dreifache Atemlenkung; aṅga – Körperglied.
2.10 ācakraṃ ca sucakraṃ ca vicakraṃ ca dvijottamaḥ |
trailokyarakṣaṇaṃ cakramasurāntakameva ca || 10 ||
Übersetzung: [Die Namen lauten:] Achakra, Suchakra, Vichakra, das die drei Welten schützende Chakra und der Vernichter der Asuras, o bester Zweimalgeborener.
Wort-für-Wort: ācakra, sucakra, vicakra – Chakranamen; trailokyarakṣaṇa – Schutz der drei Welten; asurāntaka – Asuravernichter.
2.11 ekaikaṃ pūrvataḥ kṛtvā cakraśabdaṃ niyojayet |
caturthyantaṃ tu saṃsādhya svāhāśabdamanantaram || 11 ||
Übersetzung: Man setze jeweils zuerst die betreffende Bezeichnung, füge das Wort cakra hinzu, bilde den Dativ und lasse das Wort svāhā folgen.
Wort-für-Wort: ekaikam – jedes einzeln; cakraśabda – Wort cakra; caturthyanta – im Dativ endend; anantaram – anschließend.
2.12 tathā cāṅgaṃ samuccārya pratyekaikaṃ niyojayet |
namaḥ svāhā svadhā vauṣaṭ vaṣaṭkāraṃ tathāstrakam || 12 ||
Übersetzung: Ebenso spreche man das jeweilige Körperglied aus und ordne ihm einzeln namaḥ, svāhā, svadhā, vauṣaṭ, vaṣaṭ und die Waffenformel zu.
Wort-für-Wort: aṅga – Glied; pratyekam – jeweils; namaḥ – Verehrung; svāhā, svadhā, vauṣaṭ, vaṣaṭ – rituelle Abschlussrufe; astraka – Waffenformel.
2.13 hṛdi mūrdhni śikhādeśe tanau dikṣu tathākramam |
svaśaktibhiḥ keśavādyairnyāsaṃ kuryād vicakṣaṇaḥ || 13 ||
Übersetzung: Am Herzen, Kopf, Haarbüschel, Körper und in den Himmelsrichtungen vollziehe der Einsichtige der Reihe nach den Nyasa mit Keshava und den folgenden Formen samt ihren Shaktis.
Wort-für-Wort: hṛd – Herz; mūrdhan – Kopf; diś – Richtung; Keśavādi – Keshava und folgende; svaśakti – jeweilige Kraft. Körperorte und Formelliste stimmen zahlenmäßig nicht glatt überein.
2.14 vibhūtipañjaraṃ nyasya nyaset tanmūrtipañjaram |
tattvanyāsaṃ prakurvīta karanyāsaṃ tathā budhaḥ || 14 ||
Übersetzung: Nach dem Einsetzen des „Gitters der Herrlichkeiten“ setze man das „Gitter seiner Gestalten“ ein; der Weise vollziehe Tattva-Nyasa und Hand-Nyasa.
Wort-für-Wort: vibhūtipañjara – Gitter der Herrlichkeiten; mūrtipañjara – Gitter der Gestalten; tattva – Wirklichkeitsprinzip; kara – Hand.
2.15 mantranyāsaṃ prakurvīta vyāpakaṃ ca tridhā nyaset |
vibhūtipañjaranyāsaṃ yatra yatra daśākṣaram || 15 ||
Übersetzung: Er vollziehe Mantra-Nyasa und dreimal den durchdringenden Nyasa. Beim Vibhuti-Panjara-Nyasa [verwende er] jeweils das zehnsilbige Mantra.
Wort-für-Wort: mantranyāsa – Einsetzung des Mantras; vyāpaka – durchdringend; tridhā – dreifach; daśākṣara – zehnsilbig. Der zweite Halbvers ist elliptisch.
2.16 evaṃ kalpoktakān nyāsān krameṇa parikalpayet |
śaṅkhasthāpanakaṃ cāpi kuryād gurupadeśataḥ || 16 ||
Übersetzung: So ordne er die im Ritualhandbuch genannten Nyasas der Reihe nach an. Auch die Aufstellung der Muschel vollziehe er gemäß der Guruunterweisung.
Wort-für-Wort: kalpokta – im Ritualhandbuch gelehrt; krameṇa – der Reihe nach; śaṅkhasthāpana – Muschelaufstellung; upadeśa – Unterweisung.
2.17 arghyaṃ cāpi tathā kṛtvā dravyamabhyukṣya yatnataḥ |
pīṭhaṃ prakalpya dehe sve dharmādīna vai prapūjayet || 17 ||
Übersetzung: Er bereite die Ehrengabe, besprenge sorgfältig die Gegenstände und stelle sich den heiligen Sitz im eigenen Körper vor; dort verehre er Dharma und die übrigen [Trägerkräfte].
Wort-für-Wort: arghya – ehrende Wassergabe; dravya – Ritualgegenstand; abhyukṣya – besprengt habend; pīṭha – heiliger Sitz; dharma – rechte Ordnung.
2.18 hṛdi caivamanantādīn pūjayecca yathāvidhi |
bāhyaṃ mukhyaṃ gṛhasthasya varṇino'ntaḥprapūjanam || 18 ||
Übersetzung: Im Herzen verehre er vorschriftsgemäß Ananta und die folgenden [Gottheiten]. Für den Haushälter ist die äußere Verehrung vorrangig, für den Gelübdehaltenden die innere.
Wort-für-Wort: hṛdi – im Herzen; Ananta – der Unendliche, Schlangenträger; bāhya – äußerlich; gṛhastha – Haushälter; varṇin – hier wohl religiöser Schüler oder Gelübdehaltender.
2.19 yantraṃ nirmāya tāmre tu hyanantādīn prakalpayet |
tasya koṇeṣu dharmādīn tatpārśve pūrvadharmakān || 19 ||
Übersetzung: Er fertige ein Yantra auf Kupfer an und ordne Ananta und die weiteren [Gottheiten] darin an; in seinen Ecken Dharma und die übrigen, daneben die zuvor genannten [Gegenkräfte].
Wort-für-Wort: yantra – Ritualdiagramm; tāmra – Kupfer; koṇa – Ecke; pārśva – Seite. pūrvadharmakān ist nicht sicher verständlich; die Deutung folgt dem Vergleich mit 3.19–20.
2.20 madhye'pi pūjayennityamanantādi caturdaśa |
keśareṣu ca pūjā vai vimalādyāśca devatāḥ || 20 ||
Übersetzung: In der Mitte verehre er stets die vierzehn mit Ananta beginnenden [Kräfte], an den Lotusstaubfäden die Gottheiten Vimala und die weiteren.
Wort-für-Wort: madhye – in der Mitte; caturdaśa – vierzehn; keśara – Lotusstaubfaden; Vimalādi – Vimala und folgende.
2.21 ātmānaṃ devatāṃ bhāvya svanāsāpuṭakena tu |
niḥsārya pūjayed devaṃ samāvāhya ca yatnataḥ || 21 ||
Übersetzung: Nachdem er sich selbst als Gottheit vergegenwärtigt hat, lasse er [ihre Gegenwart] durch die eigene Nasenöffnung hervortreten, rufe den Gott sorgfältig herbei und verehre ihn.
Wort-für-Wort: ātmānaṃ devatām – sich selbst als Gottheit; bhāvya – vergegenwärtigt habend; nāsāpuṭa – Nasenöffnung; niḥsārya – hervortreten lassend; āvāhya – herbeigerufen.
2.22 anantādyaiśca bījaiśca prāṇasthānaṃ samācaret |
pādyādīṃścaiva yatnena pūjayedākṛtīgaṇān || 22 ||
Übersetzung: Mit Ananta und den weiteren [Namen] und Bijas vollziehe er die Einsetzung der Lebenskraft; mit Fußwasser und den weiteren Gaben verehre er sorgsam die Schar der Gestalten.
Wort-für-Wort: bīja – Keimsilbe; prāṇasthāna – Einsetzung der Lebenskraft; pādyādi – Fußwasser und folgende Gaben; ākṛtigaṇa – Gestaltenschar.
2.23 dhūpadīpau samāsādya naivedyaṃ ca nivedayet |
japtvā mantraṃ ca tantroktaṃ pūjayed devavat svayam || 23 ||
Übersetzung: Nach Bereitstellung von Räucherwerk und Licht bringe er die Speisegabe dar, wiederhole das im Tantra gelehrte Mantra und verehre selbst, der Gottheit gleich.
Wort-für-Wort: dhūpa – Räucherwerk; dīpa – Licht; tantrokta – im Tantra gelehrt; devavat – wie die Gottheit.
2.24 śrīkṛṣṇaṃ tarpayāmīti mūlamucārya yatnataḥ |
vāratrirarghyatoyena tarpayenmantramadhyake || 24 ||
Übersetzung: Mit dem Grundmantra und den Worten „Ich erquicke Shri Krishna“ erquicke er ihn sorgfältig dreimal durch das Wasser der Ehrengabe, [die Worte] in das Mantra einfügend.
Wort-für-Wort: tarpayāmi – ich erquicke; vāratriḥ – dreimal; arghyatoya – Wasser der Ehrengabe; mantramadhyake – im Mantrainnern.
2.25 prāṇāyāmatrayaṃ kuryād vyāpakaṃ ca trayaṃ nyaset |
tantroktena vidhānena prayogaṃ kurute sudhīḥ || 25 ||
Übersetzung: Er übe dreimal Pranayama und vollziehe dreimal den durchdringenden Nyasa. So führt der Verständige die Praxis nach der im Tantra gelehrten Ordnung aus.
Wort-für-Wort: prāṇāyāma – Atemlenkung; vyāpaka – durchdringender Nyasa; vidhāna – Ordnung; prayoga – rituelle Anwendung.
Kolophon: || iti sanatkumāratantre pūjāsūtraṃ nāma dvitīyaḥ paṭalaḥ ||
2 ||
Übersetzung: Damit endet im Sanatkumara Tantra das zweite Kapitel, genannt „Leitschnur der Puja“.
Kapitel 3: Elementereinigung, Atem und heiliger Sitz
Der Körper wird meditativ gereinigt und als heiliger Ort vergegenwärtigt. Die Bilder von Feuer, Mond und Nektar gehören zu diesem inneren Ritual. Besonders zugänglich ist die Vorstellung eines Sitzes, den Dharma, Erkenntnis, Loslassen und göttliche Herrlichkeit tragen (3.19).
atha tṛtīyaḥ paṭalaḥ
3.1 atha vistārya vakṣyāmi sādhakānāṃ hitāya ca |
haṃsamantreṇa jīvaṃ vai satattvaṃ kuṇḍalīyutam || 1 ||
Übersetzung: Nun werde ich es zum Wohl der Übenden ausführlich erklären: Mit dem Hamsa-Mantra führe man die individuelle Seele mitsamt den Tattvas und Kundalini
Wort-für-Wort: sādhaka-hita – Wohl der Übenden; haṃsamantra – Hamsa-Mantra; jīva – individuelle Seele; satattva – mit den Prinzipien; kuṇḍalīyuta – mit Kundalini verbunden.
3.2 yogayuktena vidhinā paraṃ brahmaṇi yojayet |
vāmanāsāpuṭe dhūmraṃ vāyubījaṃ vicintayet || 2 ||
Übersetzung: nach der mit Yoga verbundenen Methode in das höchste Brahman. In der linken Nasenöffnung vergegenwärtige man sich das rauchfarbene Bija des Windes.
Wort-für-Wort: paraṃ brahma – höchstes Brahman; yojayet – verbinden; vāma – links; dhūmra – rauchfarben; vāyubīja – Windbija.
3.3 tena saṃśodhitatanurdakṣe vātaṃ virecayet |
dakṣanāsāpuṭe raktaṃ vahnibījaṃ vicintayet || 3 ||
Übersetzung: Nachdem der Körper dadurch gereinigt ist, atme man rechts aus. In der rechten Nasenöffnung vergegenwärtige man sich das rote Bija des Feuers.
Wort-für-Wort: saṃśodhita-tanu – gereinigter Körper; dakṣa – rechts; virecayet – ausatmen; rakta – rot; vahnibīja – Feuerbija.
3.4 tena sañjanito vahniḥ śuṣkaṃ dehaṃ ca bhasmasāt |
kṛtvā taṃ vāmayā secyaṃ ṭhaṃ bījaṃ śuklavarṇakam || 4 ||
Übersetzung: Das so hervorgerufene Feuer mache den ausgetrockneten Körper zu Asche; dann [erfolge] links die Besprengung. Das weiße Bija ṭhaṃ
Wort-für-Wort: vahni – Feuer; śuṣka-deha – trockener Körper; bhasmasāt – zu Asche; secya – zu besprengen; śuklavarṇaka – weißfarben. Gemeint ist ein innerlich vorgestellter Vorgang.
3.5 lalāṭe yojya candrasthaṃ tena vai tāḍayet tataḥ |
tena sañjanitaṃ dehaṃ pavitraṃ sumanoharam || 5 ||
Übersetzung: setze man auf die Stirn, wo der Mond ist, und rege damit [den Mond] an. Den dadurch neu hervorgebrachten, reinen und überaus schönen Körper
Wort-für-Wort: lalāṭa – Stirn; candrastha – im Mond befindlich; tāḍayet – anstoßen, schlagen; sañjanita – hervorgebracht; pavitra – rein.
3.6 bhāvayitvā vidhānena jīvaṃ svasthānamānayet |
so'haṃ mantreṇa kuṇḍalyā tattvaiśca parivāritam || 6 ||
Übersetzung: stelle man sich vorschriftsgemäß vor. Mit dem Mantra so'haṃ führe man die individuelle Seele an ihren eigenen Ort zurück, von Kundalini und den Tattvas umgeben.
Wort-für-Wort: bhāvayitvā – vergegenwärtigt habend; svasthāna – eigener Ort; so'ham – „Ich bin Das“; parivārita – umgeben.
3.7 bhūtaśuddhiriyaṃ proktā sarvasampatpradāyinī |
prāṇayāmamatho vakṣye yathāvadavadhāraya || 7 ||
Übersetzung: Dies ist die Reinigung der Elemente, die alle Fülle verleiht. Nun werde ich Pranayama erklären; höre genau zu.
Wort-für-Wort: bhūtaśuddhi – Elementereinigung; sarvasampat – alle Fülle; pradāyinī – verleihend; avadhāraya – merke dir genau.
3.8 dakṣayā recayed vāyuṃ dvātriṃśanmānamānataḥ |
īḍayā karṣayed vāyuṃ manoḥ ṣoḍaśamātrayā || 8 ||
Übersetzung: Rechts atme man zweiunddreißig Zähleinheiten lang aus; durch Ida ziehe man den Atem während sechzehn Mantra-Zähleinheiten ein.
Wort-für-Wort: dakṣayā – durch die rechte Seite; recayet – ausatmen; dvātriṃśat – zweiunddreißig; iḍā – linker Energiekanal; ṣoḍaśa – sechzehn.
3.9 suṣumnāmadhyagaṃ kṛtvā vidyāsaṅkhyena dhārayet |
yenaiva pūrayed vāyuṃ tenaiva recayet punaḥ || 9 ||
Übersetzung: Man führe ihn in die Mitte der Sushumna und halte ihn entsprechend der mit vidyā bezeichneten Zählung an. Durch die Seite, durch die man gefüllt hat, entlasse man den Atem wieder.
Wort-für-Wort: suṣumnā-madhyaga – in die Mitte der Sushumna gelangt; dhārayet – anhalten; vidyāsaṅkhya – mit vidyā bezeichnete Zahl; pūrayet – füllen. Die Haltezahl ist hier nicht ausdrücklich ausgeschrieben.
3.10 yenaiva recayet pūrvaṃ tenaiva pūrayet punaḥ |
ubhayormadhyagaṃ kṛtvā tattanmātrābhidhāraṇam || 10 ||
Übersetzung: Durch die Seite, durch die man zuvor ausgeatmet hat, atme man wieder ein. Nachdem man [den Atem] in die Mitte beider geführt hat, halte man ihn jeweils für die entsprechende Zähldauer.
Wort-für-Wort: recayet – entleeren; pūrayet – füllen; ubhayor madhyagam – in die Mitte beider gelangt; mātrā – Zähleinheit. Die Seitenfolge in 3.9–10 ist erklärungsbedürftig und wird nicht stillschweigend vereinheitlicht.
3.11 tataḥ pūrvoktarūpaṃ tat prāṇāyāmaṃ vyavasthitam |
mātṛkānyāsakaṃ vakṣye yathāvadavadhāraya || 11 ||
Übersetzung: So ist das zuvor beschriebene Pranayama festgelegt. Nun werde ich den Matrika-Nyasa erklären; höre genau zu.
Wort-für-Wort: pūrvokta – zuvor erklärt; vyavasthita – festgelegt; mātṛkānyāsa – Einsetzung der Buchstabenkräfte.
3.12 lalāṭe ca mukhe caiva cakṣuṣoḥ karṇayostathā |
nasośca gaṇḍayoścaiva oṣṭhayordantayostathā || 12 ||
Übersetzung: Auf Stirn und Gesicht, an beiden Augen und Ohren, an den Nasenöffnungen und Wangen, an Lippen und Zahnreihen
Wort-für-Wort: lalāṭa – Stirn; mukha – Gesicht; cakṣus – Auge; karṇa – Ohr; gaṇḍa – Wange; oṣṭha – Lippe; danta – Zahn.
3.13 mastake ca mukhe caiva svarān vai kramato nyaset |
hastayoḥ pādayoścaiva sandhiṣvagre yathāvidhi || 13 ||
Übersetzung: sowie auf Kopf und Mund setze man der Reihe nach die Vokale ein. An Händen und Füßen, ihren Gelenken und Spitzen, gemäß der Vorschrift,
Wort-für-Wort: mastaka – Kopf; svara – Vokal; krama – Reihenfolge; hasta – Hand; pāda – Fuß; sandhi – Gelenk; agra – Spitze.
3.14 pārśvayoḥ pṛṣṭhataścaiva nābhau ca udare tathā |
kakārādīn makārāntān varṇān tattadgatān nyaset || 14 ||
Übersetzung: an den Seiten, am Rücken, Nabel und Bauch setze man die jeweils zugehörigen Buchstaben von ka bis ma ein.
Wort-für-Wort: pārśva – Flanke; pṛṣṭha – Rücken; nābhi – Nabel; udara – Bauch; kakārādi-makārānta – von ka bis ma.
3.15 hṛdaye skandhadvandve ca aṃsayośca nirāmayaḥ |
yādayaścaiva catvāro nyasanīyāḥ prayatnataḥ || 15 ||
Übersetzung: Am Herzen, an den beiden Schultern und Schulterbereichen sollen die vier mit ya beginnenden Laute sorgfältig eingesetzt werden.
Wort-für-Wort: hṛdaya – Herz; skandha – Schulter; aṃsa – Schulterbereich; yādayaś catvāraḥ – die vier mit ya beginnenden [ya, ra, la, va]. Die Ortsliste ist redundant und nicht völlig eindeutig.
3.16 śādayaśca ṣaḍevaite hṛdayādiṣu nirdirśat |
hastapādayuge nābhau vaktrauṣṭhasuviniścayaḥ || 16 ||
Übersetzung: Die sechs mit śa beginnenden [Laute] ordne man den beim Herzen beginnenden Stellen zu, dem Hand- und Fußpaar, Nabel, Mund und Lippen.
Wort-für-Wort: śādayaḥ – mit śa beginnend; ṣaṭ – sechs; hasta-pāda – Hände und Füße; vaktra-oṣṭha – Mund und Lippen. Die überlieferte Zählung lässt sich nicht eindeutig auf eine übliche Alphabetfolge abbilden.
3.17 mātṛkānyāsametaddhi proktaṃ sarvasamṛddhidam |
pīṭhanyāsamatho vakṣye yathāvadavadhāraya || 17 ||
Übersetzung: Dieser Matrika-Nyasa ist als Verleiher allen Gedeihens gelehrt. Nun werde ich den Pitha-Nyasa erklären; höre genau zu.
Wort-für-Wort: sarvasamṛddhida – alles Gedeihen gebend; pīṭhanyāsa – Einsetzung des heiligen Sitzes; vakṣye – ich werde erklären.
3.18 kalpayedātmano dehe pāṭhaṃ dharmāditaḥ kramāt |
bhāskaraṃ ca gaṇeśānaṃ śivaṃ durgāṃ prapūjayet || 18 ||
Übersetzung: Im eigenen Körper stelle man sich den Sitz vor, der Reihe nach mit Dharma beginnend. Man verehre die Sonne, Ganesha, Shiva und Durga.
Wort-für-Wort: ātmano dehe – im eigenen Körper; dharmāditaḥ – mit Dharma beginnend; Bhāskara – Sonne. pāṭhaṃ steht wohl irrtümlich für pīṭhaṃ, „Sitz“.
3.19 aṃśoruyugayorvidvān prādakṣiṇyena deśikaḥ |
dharmaṃ jñānaṃ ca vairāgyamaiśvaryaṃ nyasatu kramāt || 19 ||
Übersetzung: An den beiden Schultern und Schenkeln setze der kundige Lehrer in Rechtsrichtung der Reihe nach Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrlichkeit ein.
Wort-für-Wort: aṃsa – Schulter; ūru – Schenkel; prādakṣiṇyena – rechtsläufig; dharma – rechte Ordnung; jñāna – Erkenntnis; vairāgya – Leidenschaftslosigkeit; aiśvarya – Herrlichkeit.
3.20 mukhapārśvanābhipārśveṣvadharmādīn prakalpayet |
dharmādayaḥ smṛtāḥ pādāḥ pīṭhagātrāṇi cāpare || 20 ||
Übersetzung: An Gesicht, Flanke, Nabel und anderer Flanke stelle er sich Adharma und die übrigen [Gegensätze] vor. Dharma und die weiteren gelten als Füße des Sitzes, die anderen als sein übriger Aufbau.
Wort-für-Wort: adharma – Unrecht; pāda – Fuß, Stütze; pīṭhagātra – Teil des Sitzes; apara – die übrigen.
3.21 anantahṛdaye padmamasmin sūryendupāvakān |
eṣāṃ svasvakalā nyasyāḥ praṇavākṣarapūrvikāḥ || 21 ||
Übersetzung: [Er stelle sich] Ananta im Herzen, darauf den Lotus und in diesem Sonne, Mond und Feuer [vor]. Ihre jeweiligen Kalas sollen mit vorangestelltem Om eingesetzt werden.
Wort-für-Wort: Ananta – der Unendliche; padma – Lotus; sūrya-indu-pāvaka – Sonne, Mond, Feuer; kalā – Teilkraft; praṇava – Om. Die Anfangsfügung anantahṛdaye ist gedrängt.
3.22 satvādīṃstrīn guṇān nyasyet tathaiva trigurūttamaḥ |
ātmānamantarātmānaṃ paramātmānameva ca || 22 ||
Übersetzung: Er setze die drei Gunas, beginnend mit Sattva, ein und ebenso die drei höchsten Gurus, das Selbst, das innere Selbst und das höchste Selbst.
Wort-für-Wort: sattvādi – mit Sattva beginnend; guṇa – Grundeigenschaft; triguru – drei Gurus; ātman – Selbst; antarātman – inneres Selbst; paramātman – höchstes Selbst.
3.23 jñānātmānaṃ nyased dhīmān māyābījapuraḥsaram |
namo bhagavate brūyāt viṣṇave ca padaṃ vadet || 23 ||
Übersetzung: Der Einsichtige setze das Erkenntnisselbst mit vorangestelltem Maya-Bija ein. Er spreche namo bhagavate und dann das Wort viṣṇave,
Wort-für-Wort: jñānātman – Erkenntnisselbst; māyābīja – Maya-Keimsilbe; namo bhagavate – Verehrung dem Erhabenen; viṣṇave – Vishnu.
3.24 sarvātmasaṃyogapadaṃ yogapadmapadaṃ vadet |
pīṭhātmane hṛdanto'yaṃ manustavādirīritaḥ || 24 ||
Übersetzung: darauf sarvātmasaṃyoga und yogapadma, sodann pīṭhātmane und abschließend [die Herzensformel] namaḥ. So ist dieses Mantra als Anfang des Lobes überliefert.
Wort-für-Wort: sarvātmasaṃyoga – Vereinigung mit dem Allselbst; yogapadma – Yogalotus; pīṭhātman – Wesen des Sitzes; hṛdanta – mit der Herzensformel endend.
3.25 vimalotkarṣiṇī jñānā kriyāyogā ca śaktayaḥ |
brahmīśayostatheśānā nāntargrahā navamī matā || 25 ||
Übersetzung: Die Shaktis heißen Vimala, Utkarshini, Jnana, Kriya und Yoga; ferner [die Textformen] Brahmi, Isha und Ishana; als neunte gilt Nāntargrahā.
Wort-für-Wort: vimala – makellos; utkarṣiṇī – emporziehend; jñānā – Erkenntnis; kriyā – Handlung; yoga – Vereinigung. Die letzte Hälfte der Namensliste ist verderbt; sie wird nicht durch eine andere Tradition ersetzt.
3.26 yadāsanaṃ bhaved yasya tasmin devāsane yajet |
icchā jñānaṃ kriyā caiva kāminī kāmadāyinī || 26 ||
Übersetzung: Auf dem jeweils zugehörigen Sitz verehre man die Gottheit. [Es folgen die Kräfte:] Wille, Erkenntnis, Handlung, Kamini und Kamadayini,
Wort-für-Wort: āsana – Sitz; icchā – Wille; jñāna – Erkenntnis; kriyā – Handlung; kāminī – Liebende; kāmadāyinī – Wünsche Gewährende.
3.27 ratī ratipriyā caiva madhye caiva manonmanī |
so'haṃ sadāśivapretaṃ ṅe'taṃ devyā samāśrayet ||
pīṭhanyāsaṃ vidhāyetthaṃ cintayediṣṭadevatām || 27 ||
Übersetzung: Rati und Ratipriya, und in der Mitte Manonmani. Mit so'haṃ [und der Angabe] „Sadashiva als Leichensitz“, im Dativ, nehme man Zuflucht zur Göttin. Nachdem man so den Pitha-Nyasa vollzogen hat, meditiere man über seine gewählte Gottheit.
Wort-für-Wort: rati – Liebesfreude; ratipriyā – der Liebesfreude zugetan; manonmanī – den Geist überschreitend; sadāśivapreta – Sadashiva als Leichensitz; iṣṭadevatā – gewählte Gottheit. Die mittlere Zeile ist sprachlich unsicher und verbindet hier deutlich shaktische Sitzsymbolik mit dem vaishnavischen Kontext.
Kolophon: || iti sanatkumāratantre pīṭhayajanaṃ nāma tṛtīyaḥ paṭalaḥ ||
3 ||
Übersetzung: Damit endet im Sanatkumara Tantra das dritte Kapitel, genannt „Verehrung des heiligen Sitzes“.
Kapitel 4: Tägliche Krishna-Verehrung
Wasser, Duft, Licht und Nahrung werden zu Formen der Gastfreundschaft gegenüber Krishna. Die Tageszeiten erhalten unterschiedliche Meditationsbilder. Wer zunächst die zahlreichen Einzelgaben überblicken möchte, kann mit der Krishna-Betrachtung in 4.1 und 4.30–39 beginnen.
atha caturthaḥ paṭalaḥ
4.1 dhyātvā viśvamayaṃ devaṃ navīnajaladaprabham |
navanītaṃ dakṣahaste dadhānaṃ pītavāsasam || 1 ||
Übersetzung: Man meditiere über den die Welt umfassenden Gott, leuchtend wie eine frische Regenwolke, mit Butter in der rechten Hand und in gelbem Gewand.
Wort-für-Wort: viśvamaya – die Welt umfassend; navīna-jalada – frische Regenwolke; navanīta – Butter; dakṣahasta – rechte Hand; pītavāsas – gelb gekleidet.
4.2 āvāhya pūjayenmaṃtre śaṅkhasthāpanapūrvakam |
śaṅkhamantrāmbubhiḥ prokṣya vāmato vahnimaṇḍale || 2 ||
Übersetzung: Man rufe ihn herbei und verehre ihn mit dem Mantra, nachdem die Muschel aufgestellt wurde. Die Muschel besprenge man mit mantrageweihtem Wasser und [stelle sie] links im Feuermandala auf.
Wort-für-Wort: āvāhya – herbeigerufen; śaṅkha – Muschel; mantrāmbu – Mantrawasser; prokṣya – besprengt; vahnimaṇḍala – Feuerkreis.
4.3 sādhāraṃ sthāpayed vidvān binduśrutasudhāmayaiḥ |
toyaiḥ sugandhipuṣpādyaiḥ pūjayet taṃ yathāvidhi || 3 ||
Übersetzung: Der Kundige stelle sie samt Unterlage auf und verehre sie vorschriftsgemäß mit Wasser, das aus herabträufelndem Nektar besteht, mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben.
Wort-für-Wort: sādhāra – mit Unterlage; bindu-śruta – tropfenweise geflossen; sudhāmaya – aus Nektar bestehend; sugandhi – wohlriechend.
4.4 ādhāraṃ pāvakaṃ śaṅkhaṃ sūryaṃ toyaṃ sudhākaram |
smared vahnyarkacandrāṇāṃ kalāstāstāṣvanukramāt || 4 ||
Übersetzung: Er betrachte die Unterlage als Feuer, die Muschel als Sonne und das Wasser als Mond; an ihnen vergegenwärtige er der Reihe nach die Kalas von Feuer, Sonne und Mond.
Wort-für-Wort: ādhāra – Unterlage; pāvaka – Feuer; sudhākara – Mond; smaret – sich erinnern, meditieren; kalā – Teilkraft.
4.5 mūlamantraṃ japet spṛṣṭvā nyaset tasyā'ṅgamantravit |
hṛnmantreṇā'bhisampūjya hastābhyāṃ chādayet punaḥ || 5 ||
Übersetzung: Er berühre [die Muschel], wiederhole das Grundmantra und setze dessen Glieder ein. Nach der Verehrung mit dem Herzensmantra bedecke er sie wieder mit beiden Händen.
Wort-für-Wort: mūlamantra – Grundmantra; spṛṣṭvā – berührt habend; aṅga – Glied; hṛnmantra – Herzensmantra; chādayet – bedecken.
4.6 japenmantraṃ yathākālaṃ deśiko devatādhiyā |
astramantreṇa saṃrakṣya kavacenā'vaguṇṭhya ca || 6 ||
Übersetzung: Der Lehrer wiederhole das Mantra zur entsprechenden Zeit im Bewusstsein der Gottheit; er schütze [die Muschel] mit dem Waffenmantra und umhülle sie mit dem Schutzpanzer.
Wort-für-Wort: devatādhī – Bewusstsein der Gottheit; astramantra – Waffenmantra; kavaca – Schutzpanzer; avaguṇṭhya – verhüllt habend.
4.7 dhenumudrāṃ samāpādya bodhayet taṃ svamudrayā |
gaṃge ca yamune caiva godāvari sarasvati || 7 ||
Übersetzung: Er bilde die Kuh-Mudra und erwecke [die Gegenwart] mit ihrer eigenen Mudra: „Ganga und Yamuna, Godavari, Sarasvati,
Wort-für-Wort: dhenumudrā – Kuh-Geste; bodhayet – erwecken; svamudrā – eigene Geste; gaṅge, yamune – Anrede der Flussgöttinnen.
4.8 narmade sindhu kāveri jale'smin sannidhiṃ kuru |
tīrthāvāhanamantro'yaṃ proktaḥ sarvasamṛddhidaḥ || 8 ||
Übersetzung: Narmada, Sindhu und Kaveri, seid in diesem Wasser gegenwärtig!“ Dies ist das alle Fülle gewährende Mantra zur Herbeirufung der heiligen Gewässer.
Wort-für-Wort: jale'smin – in diesem Wasser; sannidhiṃ kuru – sei gegenwärtig; tīrthāvāhana – Herbeirufung heiliger Gewässer; sarvasamṛddhida – alle Fülle gebend.
4.9 dakṣiṇe prokṣaṇīpātramādāyā'dbhiḥ prapūritam |
kiñcidarghyāmbu saṅgṛhya prokṣaṇyambhasi yojayet || 9 ||
Übersetzung: Rechts nehme man ein mit Wasser gefülltes Sprenggefäß; man entnehme etwas Arghya-Wasser und gebe es in das Sprengwasser.
Wort-für-Wort: dakṣiṇe – rechts; prokṣaṇīpātra – Sprenggefäß; arghyāmbu – Arghya-Wasser; yojayet – hinzufügen.
4.10 arghyasyottarataḥ kāryaṃ pādyārghyācamanīyakam |
ātmānaṃ yāgavastūni sarvatra prokṣayed guruḥ || 10 ||
Übersetzung: Nördlich der Ehrengabe bereite man Fußwasser, Arghya und Wasser zum Mundspülen. Der Guru besprenge sich selbst und sämtliche Opfergegenstände.
Wort-für-Wort: uttarataḥ – nördlich; pādya – Fußwasser; ācamanīyaka – Spülwasser; yāgavastu – Opfergegenstand; prokṣayet – besprengen.
4.11 śaṅkhasthāpanakaṃ samyak proktaṃ sarvasamṛddhidam |
śivādayaśca sampūjyāḥ keśaveṣvaṅgadevatāḥ || 11 ||
Übersetzung: So ist die Muschelaufstellung richtig erklärt, die alle Fülle gewährt. Shiva und die anderen sind bei [der Verehrung] Keshavas als Gliedgottheiten zu verehren.
Wort-für-Wort: śaṅkhasthāpana – Muschelaufstellung; Śivādayaḥ – Shiva und folgende; aṅgadevatā – Gliedgottheit.
4.12 āvāhya prāṇamanunā prāṇasthāpanamācaret |
pāśāditryakṣarasyānte haṃso'muṣya padaṃ punaḥ || 12 ||
Übersetzung: Man rufe [die Gottheit] mit dem Lebensmantra herbei und setze die Lebenskraft ein. Nach den drei mit pāśa beginnenden Silben spreche man haṃsa und danach das Wort amuṣya,
Wort-für-Wort: prāṇamanu – Lebensmantra; prāṇasthāpana – Einsetzung des Lebens; pāśa – Schlinge, hier Bija-Chiffre; tryakṣara – dreisilbig; amuṣya – dessen.
4.13 kramāt prāṇā iha prāṇāstathā jīva iha sthitaḥ |
amuṣya sarvendriyāṇi bhūyo'muṣyapadaṃ vadet || 13 ||
Übersetzung: dann der Reihe nach „die Lebenskräfte – hier die Lebenskräfte“, ebenso „die individuelle Seele ist hier gegenwärtig“, „dessen sämtliche Sinne“ und erneut das Wort „dessen“,
Wort-für-Wort: prāṇāḥ – Lebenskräfte; iha – hier; jīvaḥ – individuelle Seele; sthitaḥ – anwesend; sarvendriyāṇi – sämtliche Sinne.
4.14 vāṅmanonayanaśrotraghrāṇaprāṇāḥ padānyatha |
paścādihāgatya mukhaṃ ciraṃ tiṣṭhantu ṭhadvayam || 14 ||
Übersetzung: darauf die Worte „Sprache, Geist, Augen, Ohren, Geruchssinn, Lebenskräfte“, danach „hierher gekommen … lange mögen sie bleiben“ und zweimal ṭha.
Wort-für-Wort: vāk – Sprache; manas – Geist; nayana – Auge; śrotra – Gehör; ghrāṇa – Geruchssinn; ciraṃ tiṣṭhantu – mögen lange bleiben. mukhaṃ ist an dieser Stelle unsicher; 10.80 bietet sukham, „glücklich“.
4.15 ayaṃ prāṇamanuḥ proktaḥ sarveṣāṃ prāṇadāyakaḥ |
svāgataṃ kuśalapraśnaṃ nigadedagrato guruḥ || 15 ||
Übersetzung: Dies ist das Lebensmantra, das allen Leben schenkt. Dann spreche der Guru vor [der Gottheit] Willkommensgruß und Frage nach dem Wohlergehen.
Wort-für-Wort: prāṇada – lebenspendend; svāgata – Willkommen; kuśalapraśna – Frage nach dem Wohlergehen; agrataḥ – davor.
4.16 pādyaṃ pādāmbuje dadyād devasya hṛdayātmanā |
etacchyāmākadūrvābjaviṣṇukrāntābhirīritam || 16 ||
Übersetzung: Mit der Herzensformel gebe er Fußwasser an die Lotusfüße des Gottes. Als Zutaten werden Shyamaka, Durva, Lotus und Vishnukranta genannt.
Wort-für-Wort: pādāmbuja – Lotusfuß; hṛdayātmanā – mittels Herzensformel; śyāmāka – Hirseart; dūrvā – Durva-Gras; abja – Lotus; viṣṇukrāntā – Ritualpflanze.
4.17 svadhāmantreṇa vadane dadyādācamanīyakam |
jātī - lavaṅga - kakkolaistaduktaṃ tantravedibhiḥ || 17 ||
Übersetzung: Mit der Svadhā-Formel gebe er Wasser zum Mundspülen an den Mund; die Tantrakundigen nennen dafür Jati, Gewürznelke und Kakkola.
Wort-für-Wort: svadhā – Ritualruf; vadana – Mund; jātī – Jasmin oder Gewürzpflanze je nach Kontext; lavaṅga – Nelke; kakkola – aromatische Frucht.
4.18 arghyaṃ diśet tato mūrdhni śiromantreṇa deśikaḥ |
gandha - puṣpā'kṣata - yava - kuśāmbu - tila - sarṣapaiḥ || 18 ||
Übersetzung: Dann gebe der Lehrer mit dem Kopfmantra Arghya an das Haupt: Duftstoff, Blumen, ungebrochene Reiskörner, Gerste, Kusha-Wasser, Sesam und Senf,
Wort-für-Wort: śiromantra – Kopfmantra; gandha – Duft; akṣata – ungebrochener Reis; yava – Gerste; tila – Sesam; sarṣapa – Senf.
4.19 dūrvābhiḥ sarva - devānāmetadarghyamudīritam |
svadhātmanā tataḥ kuryānmadhuparkaṃ samāhitaḥ || 19 ||
Übersetzung: zusammen mit Durva-Gras: Dies ist als Arghya für alle Gottheiten bezeichnet. Danach bereite er gesammelt mit svadhā den Madhuparka.
Wort-für-Wort: sarvadeva – alle Gottheiten; madhuparka – süße Ehrenspeise; samāhita – gesammelt.
4.20 ājyaṃ dadhimadhūnmiśrametaduktaṃ manīṣibhiḥ |
svadhātmanā tataḥ kuryādadbhirācamanīyakam || 20 ||
Übersetzung: Dieser besteht nach den Weisen aus einer Mischung von Ghee, Dickmilch und Honig. Anschließend biete man mit svadhā erneut Wasser zum Mundspülen an.
Wort-für-Wort: ājya – Ghee; dadhi – Dickmilch, Joghurt; madhu – Honig; unmiśra – vermischt; ācamanīyaka – Spülwasser.
4.21 gandhādbhiḥ kārayet snānaṃ vāsasī paridhāpayet |
dadyād yajñopavītaṃ ca hārādyābharaṇaiḥ saha || 21 ||
Übersetzung: Man lasse [den Gott] mit duftendem Wasser baden, lege ihm zwei Gewänder an und gebe ihm die heilige Schnur zusammen mit Halsketten und weiteren Schmuckstücken.
Wort-für-Wort: snāna – Bad; vāsasī – zwei Gewänder; yajñopavīta – heilige Schnur; hāra – Halskette; ābharaṇa – Schmuck.
4.22 arghyeṇā'bhyukṣya deveśaṃ gandhādyaiḥ pūjayet tadā |
gandha - candana - karpūra - kālāgurubhirīritam || 22 ||
Übersetzung: Nach Besprengung des Götterherrn mit Arghya verehre man ihn mit Duftstoffen und weiteren Gaben. Als Duftstoffe werden Sandel, Kampfer und dunkles Aloeholz genannt.
Wort-für-Wort: deveśa – Götterherr; candana – Sandel; karpūra – Kampfer; kālāguru – dunkles Aloeholz.
4.23 ṣoḍaśairupacāraiśca pūjayitvā pratyatnataḥ |
āvṛtīḥ pūjayed bhaktyā yathāvadavadhāraya || 23 ||
Übersetzung: Nachdem man ihn sorgfältig mit sechzehn Diensten verehrt hat, verehre man hingebungsvoll die umgebenden Kreise. Höre genau zu.
Wort-für-Wort: ṣoḍaśa – sechzehn; upacāra – Verehrungsdienst; āvṛti – Umkreis; bhaktyā – mit Hingabe.
4.24 vāsudevaṃ devakīṃ ca nandaṃ nandapriyaṃ tathā |
kamalāṃ bhāratīṃ caiva ratiṃ śāntaṃ ca patrataḥ || 24 ||
Übersetzung: Auf den Lotusblättern [verehre man] Vasudeva und Devaki, Nanda und Nandas Geliebte, Kamala, Bharati, Rati und Shanta.
Wort-für-Wort: patra – Blatt; Nandapriyā – Nandas Geliebte, Yashoda; Kamalā – Lakshmi; Bhāratī – Sarasvati; Rati – Liebesgöttin. śāntaṃ ist als letzter Name nicht eindeutig.
4.25 śaṅkhaṃ cakraṃ gadāṃ caiva padmaṃkaustubhameva ca |
śrīvatsaṃ vatsakaṃ caiva vanamālāṃ samarcayet || 25 ||
Übersetzung: Man verehre Muschel, Diskus, Keule, Lotus, den Kaustubha-Edelstein, Shrivatsa, das Kälbchen und den Waldblumenkranz.
Wort-für-Wort: śaṅkha – Muschel; cakra – Diskus; gadā – Keule; padma – Lotus; vatsaka – Kälbchen; vanamālā – Waldblumenkranz.
4.26 mūlainaiva khagādhyakṣaṃ pūjayet tadanantaram |
svabījena tato devaṃ gandhapuṣpādibhiḥ kramāt || 26 ||
Übersetzung: Danach verehre man mit dem Grundmantra den Herrn der Vögel; dann den Gott mit seinem eigenen Bija, der Reihe nach mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben.
Wort-für-Wort: khagādhyakṣa – Herr der Vögel, Garuda; svabīja – eigenes Bija; gandhapuṣpa – Duft und Blumen; krama – Reihenfolge.
4.27 yathāsaṅkhyaṃ tato mantraṃ padmākṣeṇa japedatha |
samarcayet tato devaṃ hṛdayādīnanantaram || 27 ||
Übersetzung: Dann wiederhole man das Mantra in der festgelegten Anzahl mit Lotusperlen. Anschließend verehre man den Gott und darauf seine beim Herzen beginnenden Glieder.
Wort-für-Wort: yathāsaṅkhyam – in vorgeschriebener Zahl; padmākṣa – Lotussamenperle; japa – Wiederholung; hṛdayādi – Herz und folgende Glieder.
4.28 ātmadehamayaṃ kṛtvā prāṇāyāmaṃ samācaret |
atha devasya nirmālyairviṣvaksenaṃ samarcayet || 28 ||
Übersetzung: Nachdem man [ihn] mit dem eigenen Körper geeint hat, vollziehe man Pranayama. Dann verehre man Vishvaksena mit den bereits dem Gott dargebrachten Gaben.
Wort-für-Wort: ātmadehamaya – mit dem eigenen Körper verbunden; nirmālya – bereits dargebrachte Gaben; Viṣvaksena – Vishnus Gefolgsführer.
4.29 evaṃ krameṇa kartavyā kṛṣṇapūjā samāhitaiḥ |
paścād gobhyaḥ samabhyarcyagrāsaṃ kuryāt suśobhanam || 29 ||
Übersetzung: So ist die Krishna-Puja von Gesammelten der Reihe nach zu vollziehen. Danach ehre man die Kühe und bereite ihnen einen guten Bissen.
Wort-für-Wort: kṛṣṇapūjā – Krishna-Verehrung; samāhita – gesammelt; go – Kuh; grāsa – Bissen, Futtergabe.
4.30 keyūrāṅgadahāraiśca kuṇḍalaiḥ kaṭisūtrakaiḥ |
nūpurairvanyapuṣpaiśca nānāratnairvibhūṣitam || 30 ||
Übersetzung: [Man betrachte Krishna] mit Schulterspangen, Armreifen, Halsketten, Ohrringen, Hüftschnüren, Fußringen, Waldblumen und mannigfachen Edelsteinen geschmückt,
Wort-für-Wort: keyūra – Oberarmschmuck; aṅgada – Armreif; kuṇḍala – Ohrring; kaṭisūtra – Hüftschnur; nūpura – Fußring.
4.31 sacandragrahanakṣatrairnirmalaṃ gaganecaraṃ |
atha ratnaprabhāyuktaṃ sarvālaṅkārabhūṣitam || 31 ||
Übersetzung: rein, sich am Himmel bewegend, zusammen mit Mond, Planeten und Sternen, von Edelsteinglanz erfüllt und mit allem Schmuck geziert.
Wort-für-Wort: candra – Mond; graha – Planet; nakṣatra – Stern; gagana-cara – am Himmel wandelnd; ratnaprabhā – Edelsteinglanz. Der Bezug der kosmischen Beschreibung ist nicht völlig klar.
4.32 sanakādyaiḥ stūyamānaṃ vimānasthairnabhogataiḥ |
sarvalakṣaṇasaṃyuktaṃ prātaḥ kṛṣṇaṃ samarcayet || 32 ||
Übersetzung: Von Sanaka und den übrigen [Weisen], die in Himmelsfahrzeugen am Himmel stehen, gepriesen und mit allen glückverheißenden Merkmalen versehen: So verehre man Krishna am Morgen.
Wort-für-Wort: Sanakādyaiḥ – durch Sanaka und weitere; stūyamāna – gepriesen; vimāna – Himmelsfahrzeug; sarvalakṣaṇa – alle Kennzeichen; prātaḥ – morgens.
4.33 tathā kalpaprabhāyukte vanye kāñcanamaṇḍape |
ratnapīṭhe samāsīnaṃ kāminīśatamadhyagam || 33 ||
Übersetzung: Sodann [betrachte man ihn] in einer goldenen Halle im Wald, vom Glanz des Wunschbaums umgeben, auf einem Edelsteinsitz, inmitten Hunderter liebender Frauen,
Wort-für-Wort: kāñcanamaṇḍapa – goldene Halle; ratnapīṭha – Edelsteinsitz; kāminīśata – hundert Liebende; samāsīna – sitzend. kalpaprabhā wird im Sinn des Wunschbaummotivs verstanden.
4.34 cāmarādyairvījyamānaṃ candanā'gurucarcitam |
dhyāyenmadhyandinaṃ kṛṣṇaṃ sundaraṃ smaravardhanam || 34 ||
Übersetzung: mit Yakschweifwedeln und anderen Fächern umweht, mit Sandel und Aloeholz gesalbt. So meditiere man mittags über Krishna, den Schönen, der die Liebe wachsen lässt.
Wort-für-Wort: cāmara – Yakschweifwedel; vījyamāna – befächelt; madhyandina – Mittag; smaravardhana – die Liebe steigernd.
4.35 gopālagaṇamadhyasthaṃ sundarīśatamadhyagam |
tatsarvaṃ svavaśaṃ kṛtvā krīḍayantaṃ mudānvitam || 35 ||
Übersetzung: Inmitten der Hirten und Hunderter schöner Frauen, alle durch seine Macht an sich ziehend, spielt er voller Freude.
Wort-für-Wort: gopāla – Hirte; sundarī – schöne Frau; svavaśa – unter eigener Macht; krīḍant – spielend; mudānvita – voller Freude.
4.36 gandhacandanamālādyairbhūṣitaṃ nayanotsavam |
yathā madhye tathāratrau cintayet kañjalocanam || 36 ||
Übersetzung: Mit Duftstoffen, Sandel und Kränzen geschmückt, ein Fest für die Augen: Wie am Mittag betrachte man nachts den Lotusäugigen.
Wort-für-Wort: nayanotsava – Augenfest; rātri – Nacht; cintayet – betrachten; kañjalocana – lotusäugig.
4.37 kāñcane rājate pātre tāmrake vā'pyabhāvataḥ |
bhaktyā kṛṣṇaṃ samabhyarcya naivedyaṃ ca nivedayet || 37 ||
Übersetzung: In einem goldenen, silbernen oder, wenn diese fehlen, kupfernen Gefäß bringe man Krishna nach hingebungsvoller Verehrung die Speisegabe dar.
Wort-für-Wort: kāñcana – golden; rājata – silbern; tāmraka – kupfern; abhāvataḥ – mangels; nivedayet – darbringen.
4.38 prātardadhyaudanaṃ dadyāt pāyasaṃ ca tathottaram |
tathā saśarkaraṃ kṣīraṃ rātrau dadyāt suśobhanam || 38 ||
Übersetzung: Morgens gebe man Reis mit Dickmilch, danach Milchreis; nachts gebe man als schöne Gabe gezuckerte Milch.
Wort-für-Wort: dadhyaudana – Reis mit Dickmilch; pāyasa – Milchreis; saśarkara-kṣīra – Milch mit Zucker; prātar – morgens.
4.39 ebhireva vidhānaiśca saṃsevyaḥ parameśvaraḥ |
dharmārthakāmamokṣāṃśca labhate japakṛnnaraḥ || 39 ||
Übersetzung: Mit diesen Verrichtungen ist dem höchsten Herrn zu dienen. Wer Japa übt, erlangt Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung.
Wort-für-Wort: parameśvara – höchster Herr; dharma – rechte Lebensordnung; artha – Wohlstand; kāma – Wunsch; mokṣa – Befreiung; japakṛt – Japaübender.
Kolophon: || iti sanatkumāratantre caturthaḥ paṭalaḥ ||
4 ||
Übersetzung: Damit endet im Sanatkumara Tantra das vierte Kapitel.
Kapitel 5: Herzmantra und kindlicher Gopala
Der erste Teil betont den Empfang des Mantras und die Bindung an die Überlieferung. Im zweiten Teil wird der Weltenherr als Kind betrachtet: Yashodas Sorge und Krishnas wunderbares Spiel bringen göttliche Größe und menschliche Nähe zusammen. Die Mantrachiffren sind teilweise beschädigt.
atha pañcamaḥ paṭalaḥ
5.1 atha mantrāntaraṃ vakṣye yathāvadavadhāraya |
mantradehaṃ pravakṣyāmi triṣu lokeṣu durlabham || 1 ||
Übersetzung: Nun werde ich ein anderes Mantra erklären; höre genau zu. Ich werde den Mantraleib darlegen, der in den drei Welten schwer zu erlangen ist.
Wort-für-Wort: mantrāntara – anderes Mantra; mantradeha – Mantraleib; triloka – drei Welten; durlabha – schwer erreichbar.
5.2 yasya grahaṇamātreṇa sarvajño jāyate naraḥ |
acalāṃ ca labhet lakṣmīṃ kavitvaṃ bhavasammatam || 2 ||
Übersetzung: Allein durch dessen Empfang wird ein Mensch allwissend, erlangt beständiges Glück und eine von Bhava anerkannte dichterische Gabe.
Wort-für-Wort: grahaṇamātra – bloßer Empfang; sarvajña – allwissend; acalā lakṣmī – beständiges Glück; kavitva – Dichtergabe; Bhava – Shiva.
5.3 asādhyaṃ sādhayenmantrī devānāmapi durlabham |
idaṃ me hṛdayaṃ guhyaṃ yat praṣṭavyaṃ mahāmune || 3 ||
Übersetzung: Der Mantrapraktizierende vermag selbst das sonst Unvollbringbare zu vollbringen, das sogar Göttern schwer zugänglich ist. Dies ist mein verborgenes Herz, wonach zu fragen ist, großer Weiser.
Wort-für-Wort: asādhya – unvollbringbar; sādhayet – verwirklichen; hṛdaya – Herz; guhya – geheim; mahāmuni – großer Weiser.
5.4 anyeṣu sādhitā mantrāḥ sarve ca phaladāyakāḥ |
gṛhītasya phalaṃ dātā mantroyadyapyasādhitaḥ || 4 ||
Übersetzung: Andere Mantras bringen Frucht, nachdem sie vervollkommnet wurden. Dieses Mantra gewährt dem, der es empfangen hat, Frucht, auch wenn es noch nicht vervollkommnet ist.
Wort-für-Wort: sādhita – zur Wirksamkeit gebracht; phaladāyaka – Frucht gebend; gṛhīta – empfangen; asādhita – noch nicht vervollkommnet.
5.5 santuṣṭo hi gururyatra tasya tuṣṭo jagatpatiḥ |
mantraṃ nyasya gurorvākyaṃ na kadācid vikalpayet || 5 ||
Übersetzung: Wo der Guru zufrieden ist, dort ist der Herr der Welt zufrieden. Nach Einsetzung des Mantras zweifle man niemals an der Unterweisung des Gurus.
Wort-für-Wort: santuṣṭa – zufrieden; jagatpati – Weltenherr; gurorvākya – Guruwort; vikalpayet – bezweifeln, alternative Vorstellungen bilden.
5.6 gurordehaṃ samāśritya mantradeho'vatiṣṭhate |
tataḥ sarveṇa bhāvena guruṃ mantreṇa pūjayet || 6 ||
Übersetzung: Der Mantraleib ruht auf dem Leib des Gurus. Darum verehre man den Guru mit dem Mantra und mit seinem ganzen Wesen.
Wort-für-Wort: gurordeha – Guruleib; samāśritya – sich stützend auf; avatiṣṭhate – besteht; sarveṇa bhāvena – mit dem ganzen Wesen.
5.7 gandhamālyairdhūpadīpaiḥ sampūjya gurumantrataḥ |
tato mantraṃ ca gṛhṇīyāt vastreṇācchādya mastakam || 7 ||
Übersetzung: Nachdem man den Guru mit Duft, Kränzen, Räucherwerk und Licht mittels des Guru-Mantras verehrt hat, empfange man das Mantra, den Kopf mit einem Tuch bedeckt.
Wort-für-Wort: gandhamālya – Duft und Kranz; gurumantra – Guru-Mantra; gṛhṇīyāt – empfangen; vastra – Tuch; mastaka – Kopf.
5.8 dakṣiṇāṃ gurave dadyāt suvarṇaṃ dhenumeva vā |
sarvakarma prakurvīta vittaśāṭhyavivarjitaḥ || 8 ||
Übersetzung: Als Ehrengabe gebe man dem Guru Gold oder eine Kuh. Alle Handlungen verrichte man ohne unehrliches Zurückhalten des eigenen Vermögens.
Wort-für-Wort: suvarṇa – Gold; dhenu – Kuh; sarvakarma – alle Handlungen; vittaśāṭhya – Unaufrichtigkeit in Vermögensdingen.
5.9 adakṣiṇaṃ kṛtaṃ karma vṛthā viprendraniścitam |
nāradāya purā proktaṃ svayaṃ viṣṇuratandritaḥ || 9 ||
Übersetzung: Ein ohne Ehrengabe vollzogenes Ritual ist gewiss vergeblich, bester Brahmane. Vishnu selbst erklärte einst dem Narada ohne Nachlässigkeit:
Wort-für-Wort: adakṣiṇa – ohne Ehrengabe; vṛthā – vergeblich; viprendra – bester Brahmane; atandrita – unermüdlich.
5.10 svarṇaṃ me dakṣiṇā dehi sākṣasūtrakamaṇḍalum |
tato mantraṃ gṛhāṇa tvaṃ yathāvidhi mahāmune || 10 ||
Übersetzung: „Gib mir Gold als Ehrengabe, zusammen mit Gebetsschnur und Wasserkrug; danach empfange das Mantra in gebührender Weise, großer Weiser.“
Wort-für-Wort: akṣasūtra – Gebetsschnur; kamaṇḍalu – Wasserkrug; gṛhāṇa – empfange; yathāvidhi – vorschriftsgemäß.
5.11 vidhihīnaṃ kṛtaṃ karma siddhiṃ naiva prayacchati |
bhūmibhāge same śuddhe gomayenopalepite || 11 ||
Übersetzung: Eine ohne vorgeschriebene Ordnung verrichtete Handlung verleiht keine Vollendung. Auf ebenem, reinem und mit Kuhdung bestrichenem Boden
Wort-für-Wort: vidhihīna – ohne Vorschrift; siddhi – Vollendung; bhūmibhāga – Bodenfläche; sama – eben; gomaya – Kuhdung.
5.12 tatra śaṅkhaṃ pratiṣṭhāpya mātṛkāvapuṣi nyaset |
paraṃ brahmāditaḥ kṛtvā varṇasaṅghaṃ samuddharet || 12 ||
Übersetzung: stelle man die Muschel auf und setze die Buchstabenkräfte in den Körper ein. Mit dem höchsten Brahman beginnend erschließe man die Lautgruppe.
Wort-für-Wort: pratiṣṭhāpya – aufgestellt habend; mātṛkā – Buchstabenkräfte; vapuṣ – Körper; varṇasaṅgha – Lautgruppe; samuddharet – herauslösen.
5.13 sāntaṃ mathāntaṃ māṃ vahniṃ vāmatrikabindusaṃyutam |
tribhirekārṇavībhūtaṃ svāhāntaṃ mantramuddharet || 13 ||
Übersetzung: [Man bilde] sānta, mathānta, mā und Feuer, mit vāmatrika und Bindu verbunden; die drei zu einem Lautmeer vereinigt, bilde man das auf svāhā endende Mantra.
Wort-für-Wort: vahni – Feuer; bindu – Nasalpunkt; tribhiḥ – durch drei; ekārṇavībhūta – zu einem Meer geworden; svāhānta – auf svāhā endend. Die Lautchiffren sind nicht sicher auflösbar; auch mathānta ist textlich auffällig.
5.14 tato gurumukhāllabdhvā hṛdaye ca niveśayet |
ayutaṃ ca japaṃ kṛtvā haviṣyāśī jitendriyaḥ || 14 ||
Übersetzung: Nachdem man es aus dem Mund des Gurus empfangen hat, nehme man es ins Herz auf. Man übe zehntausend Wiederholungen, esse opfergeeignete Speisen und beherrsche die Sinne.
Wort-für-Wort: hṛdaye niveśayet – ins Herz aufnehmen; ayuta – zehntausend; haviṣyāśin – von Opferspeisen lebend; jitendriya – mit beherrschten Sinnen.
5.15 daśāṃśaṃ juhuyādagnau madhuratrayasaṃyutam |
sahasraṃ vā'pi puṣpāṇāṃ vaiṣṇavānāṃ susaṃyataḥ || 15 ||
Übersetzung: Ein Zehntel davon opfere man ins Feuer, mit den drei süßen Stoffen vermischt; oder [man opfere] tausend für Vishnu geeignete Blumen, in Selbstbeherrschung.
Wort-für-Wort: daśāṃśa – Zehntel; juhuyāt – opfern; madhuratraya – drei süße Stoffe; sahasra – tausend; vaiṣṇava-puṣpa – für Vishnu geeignete Blume.
5.16 māṇikyasādhanārthaṃ ca sahasramadhikaṃ japet |
daśāṃśaṃ juhuyāt tasya japasya dviguṇaṃ smṛtam || 16 ||
Übersetzung: Zur Erlangung von Edelsteinen rezitiere man tausend zusätzlich. Ein Zehntel davon opfere man; [ferner] ist das Doppelte des Japa genannt.
Wort-für-Wort: māṇikya – Rubin oder Edelstein; sahasram adhikam – tausend zusätzlich; dviguṇa – doppelt. Der Rechenbezug des zweiten Halbverses bleibt widersprüchlich; keine eindeutige Gesamtzahl wird ergänzt.
5.17 tasya tattvaṃ nibodha tvaṃ vāhyamānaṃ mahāmune |
śaṃbhormūlākṣaraṃ hyasya triśaktiścāpyavasthitā || 17 ||
Übersetzung: Vernimm sein Wesen, großer Weiser, wie es [hier] vorgetragen wird: Shambhus Grundsilbe ist darin, und die dreifache Kraft ist darin gegenwärtig.
Wort-für-Wort: tattva – Wesen; Śambhu – Shiva; mūlākṣara – Grundsilbe; triśakti – dreifache Kraft. vāhyamānam ist unsicher.
5.18 śivomantaṃ tathā brahmā cendubindusvarūpavān |
etat te kathitaṃ vatsa hṛdayaṃ mantramuttamam || 18 ||
Übersetzung: [Es folgen die Chiffren] Shiva, manta und Brahma, versehen mit Mond und Punkt. So ist dir, mein Kind, das Herz, das höchste Mantra, mitgeteilt.
Wort-für-Wort: indu-bindu – Mond und Punkt; vatsa – Kind; hṛdaya – Herz; uttama – höchstes. śivomantam ist sprachlich unklar.
5.19 kasyacinna hi vaktavyaṃ triṣu lokeṣu durlabham |
evaṃ saṃsādhite mantre sādhitaṃ bhuvanatrayam || 19 ||
Übersetzung: Es soll niemandem [unbefugt] mitgeteilt werden, denn es ist in den drei Welten schwer zu erlangen. Ist das Mantra auf diese Weise vervollkommnet, sind die drei Welten gemeistert.
Wort-für-Wort: na vaktavya – nicht mitzuteilen; saṃsādhita – vollendet; bhuvanatraya – drei Welten.
5.20 kāmaṃ kṛtvā japenmantraṃ śucirbhūtvā jitendriyaḥ |
karmaṇā manasā vācā kuryād yadabhivāñchitam || 20 ||
Übersetzung: Nachdem er seinen Wunsch gefasst hat, wiederhole der Mantrapraktizierende rein und sinnenbeherrscht das Mantra. Was er mit Tat, Geist und Wort zu vollbringen begehrt,
Wort-für-Wort: kāma – Wunsch; śuci – rein; karman – Tat; manas – Geist; vāc – Wort; abhivāñchita – ersehnt.
5.21 tat tasya siddhyati kṣipraṃ yadyapi syāt suduṣkaram |
viṣṇurbrahmā ca rudraśca durgā ca sarvadevatāḥ || 21 ||
Übersetzung: das gelingt ihm rasch, selbst wenn es äußerst schwer wäre. Vishnu, Brahma, Rudra, Durga und sämtliche Gottheiten—
Wort-für-Wort: siddhyati – gelingt; kṣipram – rasch; suduṣkara – sehr schwer zu tun; sarvadevatā – alle Gottheiten. Der Satz wird in 5.22 fortgeführt.
5.22 ayaṃ mantro mahāmantraḥ sarveṣāṃ hṛdaye sthitaḥ |
mantramenaṃ samuccārya labhate dviguṇaṃ phalam || 22 ||
Übersetzung: in ihrer aller Herzen ruht dieses große Mantra. Wer dieses Mantra ausspricht, erlangt doppelte Frucht.
Wort-für-Wort: mahāmantra – großes Mantra; hṛdaye sthita – im Herzen ruhend; samuccārya – ausgesprochen habend; dviguṇa-phala – doppelte Frucht.
5.23 pūjanaṃ cāsya mantrasya yathākāryaṃ tathā śṛṇu |
aṅganyāsakaranyāsau mantrasyā'pyakṣareṇa tu || 23 ||
Übersetzung: Höre nun, wie die Verehrung dieses Mantras auszuführen ist. Mit seiner Silbe [vollziehe man] den Nyasa der Körperglieder und Hände,
Wort-für-Wort: pūjana – Verehrung; aṅganyāsa – Gliedereinsetzung; karanyāsa – Handeinsetzung; akṣara – Silbe.
5.24 kṛtvā cā'ṣṭadalaṃ padmaṃ devamāvāhya yatnataḥ |
sthaṇḍile vā jale vā'pi gopālaṃ pūjayet tadā || 24 ||
Übersetzung: zeichne einen achtblättrigen Lotus und rufe die Gottheit sorgfältig herbei; dann verehre man Gopala auf dem Opferplatz oder im Wasser.
Wort-für-Wort: aṣṭadala-padma – achtblättriger Lotus; sthaṇḍila – Opferplatz; jala – Wasser; Gopāla – Hirtenknabe Krishna.
5.25 dhyānaṃ caiva pravakṣyāmi gopālasya jagadguroḥ |
jaṭilaṃ dvibhujaṃ nagnaṃ nīlotpaladalaprabham || 25 ||
Übersetzung: Ich werde die Meditation über Gopala, den Weltenlehrer, erklären: mit verfilztem Haar, zwei Armen, unbekleidet, leuchtend wie das Blatt eines blauen Lotus,
Wort-für-Wort: jagadguru – Weltenlehrer; jaṭila – mit verfilztem Haar; dvibhuja – zweiarmig; nagna – unbekleidet; nīlotpala – blauer Lotus.
5.26 bālaṃ ṣaṇmāsadeśīyaṃ devaṃ jānucalaṃ harim |
dāmnā caivodare baddhaṃ vṛkṣāvudūkhalena ca || 26 ||
Übersetzung: als etwa sechs Monate alten Knaben, als Hari, der auf den Knien kriecht, am Bauch mit einem Seil gebunden und [durch] den Mörser mit den beiden Bäumen [verbunden],
Wort-für-Wort: ṣaṇmāsa – sechs Monate; jānu-cala – auf Knien kriechend; dāman – Seil; udara – Bauch; udūkhala – Mörser. Die Syntax greift der anschließenden Baumepisode vor.
5.27 līlayā karṣamāṇaṃ ca tiryakkṛtamudūkhalam |
yamalārjunayormadhye drutamāgatya līlayā || 27 ||
Übersetzung: spielerisch den quer liegenden Mörser ziehend und rasch, im Spiel, zwischen die beiden Arjuna-Bäume gelangend,
Wort-für-Wort: līlayā – spielerisch; karṣamāṇa – ziehend; tiryakkṛta – quer gestellt; yamalārjuna – Arjuna-Baumpaar.
5.28 mantreṇā'nena cotpāṭya vṛkṣau dvau yojanāyatau |
dāmni vāsukimāropya mantreṇā'nena yantritam || 28 ||
Übersetzung: mit diesem Mantra die beiden je ein Yojana hohen Bäume entwurzelnd, Vasuki in das Seil einsetzend und [den Mörser] durch dieses Mantra bindend,
Wort-für-Wort: utpāṭya – entwurzelt habend; yojanāyata – ein Yojana ausgedehnt; Vāsuki – Schlangenkönig; yantrita – gebunden, gebändigt.
5.29 udūkhale drutaṃ lagnaṃ nāgarājena veṣṭitam |
samākṛṣya samutpāṭya hasantaṃ yamalārjunau || 29 ||
Übersetzung: [den Mörser], an dem der Schlangenkönig festhaftet und den er umschlingt, heranziehend und die beiden Arjuna-Bäume entwurzelnd, dabei lachend,
Wort-für-Wort: nāgarāja – Schlangenkönig; veṣṭita – umschlungen; samākṛṣya – herangezogen; hasant – lachend. Die Satzfügung um udūkhala ist uneben.
5.30 hāhākāraparaiḥ sarvairgopagopījanairvṛtam |
yaśodayā kṛtaṃ kroḍe krandantyāgatya satvaram || 30 ||
Übersetzung: von Hirten und Hirtinnen umgeben, die „Ach! Ach!“ rufen, und von der weinend herbeieilenden Yashoda auf den Schoß genommen,
Wort-für-Wort: hāhākāra – Klageruf; gopa-gopī – Hirten und Hirtinnen; kroḍa – Schoß; krandantī – weinend; satvaram – eilig.
5.31 sarvato jagato rūpaṃ gopaveśatirohitam |
evaṃ sañcintya gopālaṃ māyāmayamanāmayam || 31 ||
Übersetzung: die Gestalt der ganzen Welt, verborgen unter dem Hirtengewand: So betrachte man Gopala, erfüllt von Maya und doch frei von allem Leiden.
Wort-für-Wort: jagato rūpa – Gestalt der Welt; gopaveśa – Hirtengewand; tirohita – verborgen; māyāmaya – von Maya geprägt; anāmaya – leidensfrei.
5.32 pādyādibhiḥ samabhyarcya japakarma samāpayet |
ebhirevā'thavā pūjā kartavyā suravairiṇaḥ ||
dhūpaṃ dīpaṃ ca naivedyaṃ tāmbūlādikamarpayet || 32 ||
Übersetzung: Nach der Verehrung mit Fußwasser und den übrigen Gaben vollende man die Japa-Handlung. Mit eben diesen [Gaben] ist die Verehrung des als suravairin bezeichneten [Gottes] zu vollziehen; man bringe Räucherwerk, Licht, Speise, Betel und anderes dar.
Wort-für-Wort: pādyādi – Fußwasser und folgende Gaben; japakarman – Japa-Handlung; suravairin – wörtlich „Götterfeind“; tāmbūla – Betelgabe. Das Wort suravairin passt nicht glatt zum Krishna-Kontext; eine Korrektur zu „Feind der Götterfeinde“ wäre nur vermutet.
Kolophon: || iti sanatkumārīye pañcamaḥ paṭalaḥ ||
5 ||
Übersetzung: Damit endet im Sanatkumariya das fünfte Kapitel.
Kapitel 6: Krishna- und Gopala-Mantras
Dieses Kapitel ist ein Verzeichnis von Mantraformen. Es ist zum Nachschlagen gedacht: Namen, Bijas, Endungen und Silbenzahlen werden miteinander verbunden. Die Übersetzung bewahrt die Unterschiede zwischen ausdrücklich genannten Lauten und Angaben, die nur mithilfe einer weiteren Unterweisung aufgelöst werden könnten.
atha ṣaṣṭhaḥ paṭalaḥ
6.1 kṛṣṇāya padamābhāṣya govindāya tataḥ param |
gopījanapadasyā'nte vallabhāya dviṭhāvadhiḥ || 1 ||
Übersetzung: Man spreche kṛṣṇāya, danach govindāya, sodann gopījana und anschließend vallabhāya; den Abschluss bildet das doppelte ṭha [svāhā].
Wort-für-Wort: kṛṣṇāya – Krishna; govindāya – Govinda; gopījana-vallabhāya – dem Geliebten der Hirtinnen; dviṭha – Chiffre für svāhā.
6.2 kāmabījādirākhyāto manuraṣṭādaśākṣaraḥ |
aṣṭādaśārṇasaṃyukta ukto mantro yathāvidhi || 2 ||
Übersetzung: Mit dem Kama-Bija am Anfang heißt es das achtzehnsilbige Mantra. So ist das aus achtzehn Lauten bestehende Mantra vorschriftsgemäß gelehrt.
Wort-für-Wort: kāmabīja – klīṃ; aṣṭādaśākṣara – achtzehnsilbig; arṇa – Laut; yathāvidhi – vorschriftsgemäß.
6.3 śaktiśrīpūrvako'ṣṭādaśārṇo viṃśativarṇakaḥ |
smaraḥ kṛṣṇāya ṭhadvandvaṃ ṣaḍvarṇo manurīritaḥ || 3 ||
Übersetzung: Werden dem achtzehnsilbigen Mantra Shakti und Shri vorangestellt, hat es zwanzig Silben. Smara, kṛṣṇāya und das doppelte ṭha bilden das sechssilbige Mantra.
Wort-für-Wort: śakti – hier hrīṃ; śrī – hier śrīṃ; smara – Kama-Bija klīṃ; ṣaḍvarṇa – sechs Laute.
6.4 praṇavaṃ hṛdayaṃ kṛṣṇaṃ ḍe'ntamuktvā tataḥ param |
tādṛśaṃ devakīputraṃ huṁphaṭ - svāhāsamanvitam || 4 ||
Übersetzung: Man spreche Om, die Herzensformel, Krishna im Dativ und dann ebenso „Sohn der Devaki“, verbunden mit huṃ phaṭ svāhā.
Wort-für-Wort: praṇava – Om; hṛdaya – hier namaḥ; ḍe'nta – wohl Dativangabe; devakīputra – Sohn Devakis; huṃ phaṭ – rituelle Bijas.
6.5 ṣoḍaśākṣaramantro'yaṃ govindasya samīritaḥ |
śrīmanmukundacaraṇaṃ yadeti śaraṇaṃ tataḥ || 5 ||
Übersetzung: Dies ist als sechzehnsilbiges Govinda-Mantra bezeichnet. [Ein weiteres beginnt:] śrīmanmukundacaraṇam, dann yadeti und śaraṇam,
Wort-für-Wort: ṣoḍaśākṣara – sechzehnsilbig; śrīman-mukunda-caraṇam – die herrlichen Füße Mukundas; śaraṇam – Zuflucht. yadeti ist verderbt oder nicht eindeutig segmentierbar.
6.6 ahaṃ prasanna ityukto maukundo'ṣṭādaśākṣaraḥ |
pañcāntako dharāsaṃstho manurbinduvibhūṣitaḥ || 6 ||
Übersetzung: dann aham prasanna: So ist das achtzehnsilbige Mukunda-Mantra genannt. [Ferner:] das Ende der Fünfergruppe, auf Erde stehend, als Mantra mit Bindu geschmückt.
Wort-für-Wort: aham – ich; prasanna – klar, huldvoll; maukunda – zu Mukunda gehörig; pañcāntaka – Ende einer Fünfergruppe; dharā – Erde. Eine naheliegende Zufluchtsformel lässt sich hier nur durch Eingriff in den Text gewinnen und wird nicht als gesichert ausgegeben.
6.7 piṇḍabījamidaṃ proktaṃ sarvasiddhipradāyakam |
piṇḍaṃ ratipaterbījaṃ namo bhagavate tataḥ || 7 ||
Übersetzung: Dies heißt Pinda-Bija und verleiht alle Vollendungen. [Für ein weiteres Mantra:] Pinda, das Bija des Liebesgottes, dann namo bhagavate,
Wort-für-Wort: piṇḍabīja – Pinda-Keimsilbe; ratipati – Herr der Rati, Kama; namo bhagavate – Verehrung dem Erhabenen.
6.8 nandaputrāya bālādivapuṣe śyāmalāya ca |
gopījanapadasyānte vallabhāya dviṭhāvadhiḥ || 8 ||
Übersetzung: nandaputrāya, bālādivapuṣe, śyāmalāya, dann gopījana, vallabhāya und das doppelte ṭha.
Wort-für-Wort: nandaputrāya – dem Sohn Nandas; bālādivapuṣe – dem mit kindlicher Gestalt; śyāmalāya – dem Dunklen; dviṭha – svāhā. bālādi ist in der genauen Mantraform unklar.
6.9 anuṣṭub mantra ākhyāto gopālasya jagatpateḥ |
gopālāyā'gnijāyāntaḥ ṣaḍakṣara udāhṛtaḥ || 9 ||
Übersetzung: Dies heißt das Anushtubh-Mantra Gopalas, des Weltenherrn. Gopālāya, mit „Feuergattin“ endend, ist als sechssilbig genannt.
Wort-für-Wort: anuṣṭubh – Versmaß, hier Mantrabezeichnung; jagatpati – Weltenherr; agnijāyā – Feuergattin, Chiffre für svāhā; ṣaḍakṣara – sechssilbig.
6.10 kṛṣṇagovindakau ḍentau saptavarṇo manurmataḥ |
śrīśaktimārāḥ kṛṣṇāya māraḥ saptākṣaraḥ paraḥ || 10 ||
Übersetzung: Krishna und Govinda, beide im Dativ, gelten als siebensilbiges Mantra. Shri, Shakti, Mara, kṛṣṇāya, Mara bilden ein weiteres siebensilbiges.
Wort-für-Wort: ḍentau – als Dativangabe verstanden; śrī – śrīṃ; śakti – hrīṃ; māra – klīṃ. Die zweite angegebene Silbenzahl passt nicht glatt zur überlieferten Wortfolge.
6.11 klīṃ glauṃ śrīṃ śyāmalāṅgāya natiḥ syād daśavarṇakaḥ |
cakrī vāmanasargau ca manurekākṣaraḥ smṛtaḥ || 11 ||
Übersetzung: Klīṃ glauṃ śrīṃ śyāmalāṅgāya und der Verehrungsruf bilden das zehnsilbige [Mantra]. „Diskusträger“, „Vamana“ und „Ausströmung“ ergeben ein einsilbiges Mantra.
Wort-für-Wort: śyāmalāṅgāya – dem Dunkelgliedrigen; nati – namaḥ; cakrin – Diskusträger; vāmana – Vamana; sarga – Ausströmung, oft Visarga. Die letzte Bija-Chiffre bleibt unaufgelöst.
6.12 kāmamindraśca māyā ca lavalāñchitamastakaḥ |
ekavarṇo manuḥ proktaḥ kāmamantraḥ puroditaḥ || 12 ||
Übersetzung: Kama, Indra und Maya, dessen Haupt mit la-va gekennzeichnet ist: So ist ein einsilbiges Mantra genannt; das Kama-Mantra wurde zuvor gelehrt.
Wort-für-Wort: kāma – Liebesgott; indra – Indra; māyā – Maya; ekavarṇa – einsilbig; purodita – zuvor genannt. Die genaue Zusammenfügung ist unsicher.
6.13 etat sarvaṃ hṛṣīkeśaṃ caturthyantaṃ namaḥpadam |
aṣṭavarṇo manuḥ proktaḥ sarveṣāṃ hṛdayasthitaḥ || 13 ||
Übersetzung: [Nach] all diesem: Hṛṣīkeśa im Dativ und das Wort namaḥ. Das achtlautige Mantra ist als im Herzen aller gegenwärtig bezeichnet.
Wort-für-Wort: Hṛṣīkeśa – Herr der Sinne; caturthyanta – Dativform; namaḥ – Verehrung; aṣṭavarṇa – achtlautig. Der vorausgehende Bija-Anteil ist nur rückverweisend angegeben.
6.14 vāgbhavaṃ kāmabījaṃ ca kṛṣṇāya surasundarī |
govindaṃ ṅeyutaṃ caiva ramābījamanantaram || 14 ||
Übersetzung: Vagbhava, Kama-Bija, kṛṣṇāya, Surasundari, Govinda im Dativ und danach das Rama-Bija,
Wort-für-Wort: vāgbhava – Sprachbija aiṃ; kāmabīja – klīṃ; surasundarī – „Götterschöne“, hier Chiffre; ramābīja – śrīṃ; ṅeyuta – mit Dativendung.
6.15 daśākṣaraṃ tataḥ paścāt svabījaṃ tadanantaram |
dvāviṃśatyakṣaro mantraḥ sarvasiddhipradāyakaḥ || 15 ||
Übersetzung: anschließend das zehnsilbige [Mantra] und danach sein eigenes Bija: Dieses zweiundzwanzigsilbige Mantra verleiht alle Vollendungen.
Wort-für-Wort: daśākṣara – zehnsilbig; svabīja – eigenes Bija; dvāviṃśati – zweiundzwanzig; sarvasiddhipradāyaka – alle Vollendungen gebend. Die Rückverweise lassen die Gesamtfolge nicht zweifelsfrei erkennen.
6.16 kāmaṃ māyāṃ ca lakṣmīṃ ca daśārṇaṃ ca tataḥ param |
trayodaśārṇamantro'yaṃ proktaḥ sarvasamṛddhidaḥ || 16 ||
Übersetzung: Kama, Maya, Lakshmi und danach das zehnsilbige [Mantra]: Dies ist das dreizehnsilbige Mantra, das alles Gedeihen gewährt.
Wort-für-Wort: kāma – klīṃ; māyā – hrīṃ; lakṣmī – śrīṃ; trayodaśārṇa – dreizehnsilbig.
6.17 kāmaṃ lakṣmīṃ ca māyāṃ ca jayakṛṣṇapadadvayam |
māyāṃ lakṣmīṃ tathā kāmaṃ jayaṃ dehi padadvayam || 17 ||
Übersetzung: Kama, Lakshmi, Maya, die zwei Worte jaya kṛṣṇa, dann Maya, Lakshmi, Kama und die zwei Worte jayaṃ dehi:
Wort-für-Wort: jaya kṛṣṇa – siege, Krishna; jayaṃ dehi – gewähre Sieg; māyā – hrīṃ; lakṣmī – śrīṃ; kāma – klīṃ.
6.18 caturviṃśatyakṣarātmā svāhānto manurīritaḥ |
kāmaṃ piṇḍaṃ tathā lakṣmīṃ gopālāya tataḥ param || 18 ||
Übersetzung: Als auf svāhā endendes Mantra ist es mit vierundzwanzig Silben bezeichnet. [Ein weiteres:] Kama, Pinda, Lakshmi, dann gopālāya,
Wort-für-Wort: caturviṃśati – vierundzwanzig; svāhānta – auf svāhā endend; piṇḍa – Pinda-Bija; gopālāya – Gopala. Die behauptete Silbenzahl wird beibehalten, obwohl sie zur angegebenen Folge nicht ohne Weiteres passt.
6.19 lakṣmīṃ piṇḍaṃ tathā kāmaṃ govindāya padaṃ tathā |
kāmapiṇḍaṃ tathā lakṣmīṃ svāhāntaḥ praṇavādikaḥ || 19 ||
Übersetzung: Lakshmi, Pinda, Kama, dann govindāya, darauf Kama, Pinda, Lakshmi; es endet mit svāhā und beginnt mit Om.
Wort-für-Wort: praṇavādika – mit Om beginnend; govindāya – Govinda; svāhānta – mit svāhā endend; piṇḍa – Pinda-Bija.
Kolophon: || iti sanatkumārīye ṣaṣṭhaḥ paṭalaḥ ||
6 ||
Übersetzung: Damit endet im Sanatkumariya das sechste Kapitel.
Kapitel 7: Meditation, Japa und Feueropfer
Die Meditation über Govinda gibt der Mantrawiederholung ein lebendiges Gegenüber. Danach folgen umfangreiche Zählvorgaben und Ersatzregeln für Ritualglieder. Die poetische Betrachtung und die technische Praxisordnung erfüllen unterschiedliche Aufgaben innerhalb desselben Kapitels.
atha saptamaḥ paṭalaḥ
7.1 kramāt pūjāvidhiṃ vakṣye yathāvadavadhāraya |
nārado'sya ṛṣiḥ prokto gāyatrīcchanda īritam || 1 ||
Übersetzung: Ich werde die Verehrungsordnung der Reihe nach erklären; höre genau zu. Als Seher dieses [Mantras] wird Narada, als Versmaß Gayatri genannt.
Wort-für-Wort: pūjāvidhi – Verehrungsordnung; ṛṣi – Seher; chandas – Versmaß; Nārada – Narada; gāyatrī – Gayatri.
7.2 devatā kathitaḥ kṛṣṇaḥ sarvakāmaphalapradaḥ |
catuṣkaraṇavedāddhi netrayugmākṣaraiḥ kramāt || 2 ||
Übersetzung: Als Gottheit wird Krishna genannt, der die Frucht aller Wünsche gewährt. Mit den Silbengruppen [entsprechend den Zahlchiffren] vier, karaṇa, Veda und Augenpaar der Reihe nach
Wort-für-Wort: sarvakāmaphalaprada – die Frucht aller Wünsche gewährend; catuṣ – vier; karaṇa – hier Zahlchiffre; veda – vier; netrayugma – zwei Augen. Die verschmolzene Zahlenangabe ist nicht durchgehend sicher lesbar.
7.3 pañcāṅgāni manoḥ kuryāt mantravinnetravarjitam |
anyeṣāmapi mantrāṇāṃ ṛṣyādyāḥ pūrvadevatāḥ || 3 ||
Übersetzung: bilde der Mantrakundige die fünf Glieder des Mantras, ohne das Augen-Glied. Auch bei den übrigen Mantras sind Seher und weitere Angaben sowie die Gottheit wie zuvor.
Wort-für-Wort: pañcāṅga – fünf Glieder; netravarjita – ohne Augen; ṛṣyādi – Seher und weitere Angaben; pūrva – zuvor.
7.4 aṅgāni kāmabījena sanetraṃ dīrghayuktakaiḥ |
daśākṣare virāṭ chanda ācakrādyaiśca pañcakam || 4 ||
Übersetzung: Die Glieder einschließlich der Augen [bilde man] mit dem Kama-Bija und verlängerten Vokalen. Beim zehnsilbigen Mantra ist das Versmaß Viraj; die Fünfergruppe wird mit Achakra und den weiteren gebildet.
Wort-für-Wort: kāmabīja – klīṃ; sanetra – mit Augen; dīrghayukta – mit langen Vokalen; virāṭ – Viraj-Versmaß; ācakrādi – Achakra und folgende.
7.5 pūrvaproktāni karmāṇi nyāsādīni vidhānataḥ |
kuryācchuddhamatirdhīmān dhyānamevaṃ jagatpateḥ || 5 ||
Übersetzung: Der Einsichtige mit reinem Geist vollziehe die zuvor genannten Nyasas und übrigen Handlungen vorschriftsgemäß. So meditiere er über den Herrn der Welt:
Wort-für-Wort: śuddhamati – mit reinem Geist; dhīmat – einsichtig; nyāsa – Einsetzung; jagatpati – Weltenherr.
7.6 smared vṛndāvane ramye mohayantamanāratam |
govindaṃ puṇḍarīkākṣaṃ gopakanyāḥ sahasraśaḥ || 6 ||
Übersetzung: Man gedenke Govindas, des Lotusäugigen, der im lieblichen Vrindavana unablässig Tausende von Hirtinnen bezaubert,
Wort-für-Wort: smaret – gedenken; vṛndāvana – Vrindavana; mohayant – bezaubernd; puṇḍarīkākṣa – lotusäugig; gopakanyā – Hirtin.
7.7 ātmano vadanāmbhoje preritākṣimadhuvratāḥ |
piḍitāḥ kāmabāṇena ciramāśleṣaṇotsukāḥ || 7 ||
Übersetzung: deren augengleiche Bienen zu seinem Lotusgesicht hingezogen werden, die von Liebespfeilen getroffen sind und sich lange nach seiner Umarmung sehnen,
Wort-für-Wort: vadanāmbhoja – Lotusgesicht; akṣi-madhuvrata – Augen als Bienen; kāmabāṇa – Liebespfeil; āśleṣaṇa – Umarmung; utsuka – sehnsüchtig.
7.8 muktāhāralasatpīnatuṅgastanabharānatāḥ |
srastadhammillavasanā madaskhalitabhūṣaṇā || 8 ||
Übersetzung: gebeugt unter der Last voller, hoher Brüste, an denen Perlenketten glänzen; ihre Haarknoten und Gewänder lösen sich, ihr Schmuck verrutscht im Liebesrausch,
Wort-für-Wort: muktāhāra – Perlenkette; pīna-tuṅga-stana – volle, hohe Brust; srasta – gelöst; dhammilla – Haarknoten; mada – Rausch.
7.9 dantapaṅktiprabhodbhāsispandamālādharāñcitāḥ |
vilokayantīrvividhairvibhramairbhāvagarvitaiḥ || 9 ||
Übersetzung: geschmückt mit bebenden Lippen, die durch den Glanz ihrer Zahnreihen erstrahlen, und [Krishna] mit mannigfachen, von stolzer Liebesempfindung erfüllten Gebärden betrachtend.
Wort-für-Wort: dantapaṅkti – Zahnreihe; adhara – Lippe; vilokayantī – betrachtend; vibhrama – anmutige Gebärde; bhāvagarvita – stolz im Gefühl. spandamālā ist sprachlich auffällig.
7.10 phullendīvarakāntiminduvadanaṃ barhāvataṃsapriyaṃ śrīvatsāṅkamudārakaustubhadharaṃ pītāmbaraṃ sundaram |
gopīnāṃ nayanotpalārcitatanuṃ gogopasaṅghāvṛtaṃ govindaṃ kalaveṇunādanaparaṃ divyāṅgabhūṣaṃ bhaje || 10 ||
Übersetzung: Ich verehre Govinda: Er leuchtet wie ein aufgeblühter blauer Lotus, sein Gesicht gleicht dem Mond, er liebt den Pfauenfederschmuck. Er trägt Shrivatsa und den herrlichen Kaustubha, ist schön und gelb gekleidet. Die Augenlotusse der Gopis verehren seinen Leib. Kühe und Hirten umgeben ihn. Er ist dem süßen Klang seiner Flöte hingegeben und mit himmlischem Schmuck geziert.
Wort-für-Wort: phullendīvara – aufgeblühter blauer Lotus; induvadana – Mondgesicht; barha – Pfauenfeder; pītāmbara – gelbes Gewand; kalaveṇunāda – lieblicher Flötenklang; bhaje – ich verehre.
7.11 evaṃ dhyātvā japellakṣaṃ pañca cā'ṣṭādaśākṣaram |
anyeṣāṃ lakṣamekaṃ ca daśalakṣaṃ daśārṇakam || 11 ||
Übersetzung: Nach solcher Meditation wiederhole man das achtzehnsilbige Mantra fünfhunderttausendmal; die anderen je hunderttausendmal und das zehnsilbige eine Million Mal.
Wort-für-Wort: lakṣa – hunderttausend; pañca – fünf; daśalakṣa – eine Million; aṣṭādaśākṣara – achtzehnsilbig.
7.12 pūrvasevāṃ purā kuryāt pūrvoktavidhinā smṛtaḥ |
bālagopālamantrāṇāṃ dhyānaṃ śṛṇu yathāvidhi || 12 ||
Übersetzung: Zuvor vollziehe man die vorbereitende Praxis nach der bereits genannten Ordnung. Höre nun die vorgeschriebene Meditation für die Mantras des kindlichen Gopala.
Wort-für-Wort: pūrvasevā – vorbereitende Praxis; bālagopāla – kindlicher Gopala; dhyāna – Meditation; yathāvidhi – vorschriftsgemäß.
7.13 navīnanīradaśyāmaṃ pakvabimbādharaṃ vibhum |
navanītaṃ pāyasaṃ ca dhārayantaṃ karadvaye || 13 ||
Übersetzung: [Man betrachte] den Herrn, dunkel wie eine frische Regenwolke, mit Lippen wie eine reife Bimba-Frucht, Butter und Milchreis in seinen beiden Händen haltend.
Wort-für-Wort: navīna-nīrada – frische Regenwolke; pakvabimba – reife rote Bimba-Frucht; vibhu – Herr; navanīta – Butter; pāyasa – Milchreis.
7.14 homaścaiva tathā kāryo japasyaiva daśāṃśataḥ |
sarpiṣā navanītena dadhnā vā pāyasena vā || 14 ||
Übersetzung: Das Feueropfer soll ein Zehntel der Japa-Zahl betragen und mit Ghee, Butter, Dickmilch oder Milchreis vollzogen werden,
Wort-für-Wort: homa – Feueropfer; daśāṃśa – Zehntel; sarpis – Ghee; dadhi – Dickmilch.
7.15 mallikā - mālatī - puṣpaiḥ śuklapadmena caiva hi |
tarpaṇaṃ taddaśāṃśena viśuddhena jalena vā || 15 ||
Übersetzung: mit Mallika- und Malati-Blüten oder weißem Lotus. Die Wassergabe betrage ein Zehntel davon, gegebenenfalls mit reinem Wasser.
Wort-für-Wort: mallikā, mālatī – Jasminarten; śuklapadma – weißer Lotus; tarpaṇa – erquickende Wassergabe; viśuddha-jala – reines Wasser.
7.16 gandhapuṣpākṣatairyuktamabhiṣekaṃ ca mastake |
brāhmaṇān bhojayeccaiva daśāṃśakramayogataḥ || 16 ||
Übersetzung: Man vollziehe die Begießung des Hauptes mit [Wasser,] dem Duft, Blumen und Reiskörner beigegeben sind, und speise Brahmanen, jeweils in der fortlaufenden Zehntelordnung.
Wort-für-Wort: akṣata – ungebrochene Reiskörner; abhiṣeka – Begießung; mastaka – Kopf; viprabhojana – Brahmanenspeisung; daśāṃśakrama – Zehntelfolge.
7.17 yad yadaṅgaṃ bhaved bhaṅgaṃ tatsaṅkhyādviguṇo japaḥ |
homāśaktau japaḥ prokto homasaṅkhyācaturguṇaḥ || 17 ||
Übersetzung: Wenn ein Glied [des Rituals] ausfällt, wiederhole man Japa in der doppelten Zahl dieses Gliedes. Bei Unvermögen zum Feueropfer ist Japa in vierfacher Opferzahl vorgeschrieben.
Wort-für-Wort: aṅgabhaṅga – Ausfall eines Ritualglieds; dviguṇa – doppelt; homāśakti – Unvermögen zum Homa; caturguṇa – vierfach.
7.18 viprāṇāṃ kṣatriyāṇāṃ ca rasasaṅkhyāguṇaḥ smṛtaḥ |
vaiśyānāṃ vasusaṅkhyākameṣāṃ strīṇāmayaṃ vidhiḥ || 18 ||
Übersetzung: Für Brahmanen und Kshatriyas ist [im Wortlaut] die mit rasa bezeichnete Vervielfachung genannt, für Vaishyas die mit vasu bezeichnete. Diese Ordnung gilt auch für die Frauen dieser Gruppen.
Wort-für-Wort: rasa – Zahlchiffre sechs; vasu – Zahlchiffre acht; varṇa – gesellschaftlicher Stand. Das Verhältnis dieser Zeile zum Vierfachen in 7.17 ist unklar; eine glatte Stufentabelle wäre ein Texteingriff.
7.19 yaṃ varṇamāśritaḥ śūdraḥ sa ca tasya vidhiṃ caret |
vaiśyāśritasya śūdrasya daśasaṅkhyāguṇaḥ smṛtaḥ || 19 ||
Übersetzung: Ein Shudra befolge die Vorschrift des Standes, an den er angeschlossen ist. Für einen an Vaishyas angeschlossenen Shudra wird jedoch die zehnfache Zahl genannt.
Wort-für-Wort: āśrita – angeschlossen; śūdra – historischer vierter Stand; vidhi – Vorschrift; daśasaṅkhya-guṇa – zehnfach.
7.20 homārtho'yaṃ vidhiḥ proktastarpaṇe'pi nibodhata |
tarpaṇe dviguṇaṃ proktaṃ śaktau ca sarvasādhanam || 20 ||
Übersetzung: Diese Regel wurde für das Feueropfer erklärt. Höre auch zur Wassergabe: Bei Tarpaṇa ist das Doppelte genannt; besteht die Fähigkeit, führe man sämtliche Teile aus.
Wort-für-Wort: homārtha – für Homa; tarpaṇa – Wassergabe; dviguṇa – doppelt; śakti – Fähigkeit; sarvasādhana – gesamte Durchführung.
Kolophon: || iti sanatkumārīye japahomādinirṇayaḥ saptamaḥ paṭalaḥ ||
7 ||
Übersetzung: Damit endet im Sanatkumariya das siebte Kapitel, die Bestimmung von Japa, Feueropfer und weiteren Handlungen.
Kapitel 8: Anwendungen, Verehrung und Selbsthingabe
Auf zweckgebundene Rituale folgt eine umfassende Hingabe von Gedanken, Worten und Taten. Die Möglichkeit einer vereinfachten Puja und die Rücknahme der Gottheit ins Herz sind besonders wichtige Stellen für die heutige spirituelle Lektüre (8.25–35).
athāṣṭamaḥ paṭalaḥ
8.1 atha prayogān vakṣyāmi yathāvadavadhāraya |
lakṣmīprasūnairjuhuyāt śriyamicchannaninditām || 1 ||
Übersetzung: Nun werde ich die Anwendungen erklären; höre genau zu. Wer untadeliges Wohlergehen wünscht, opfere Lakshmis Blumen ins Feuer.
Wort-für-Wort: prayoga – Anwendung; lakṣmīprasūna – Lakshmi-Blume, Lotus; śrī – Wohlergehen; juhuyāt – opfern.
8.2 sājyenā'nnena juhuyād ājyānnasya samṛddhaye |
āraṇyaiḥ kusumairviprān jātibhiḥ pṛthivīpatīn || 2 ||
Übersetzung: Für Fülle an Ghee und Nahrung opfere man mit Ghee vermischte Speise. Mit Waldblumen [ziehe man] Brahmanen, mit Jati-Blüten Könige [in seinen Bann],
Wort-für-Wort: sājya-anna – Nahrung mit Ghee; samṛddhi – Fülle; āraṇya-kusuma – Waldblume; pṛthivīpati – Erdenherr, König.
8.3 campakaiśca sitopetairvaiśyāṃśca kamalaiḥ śubhaiḥ |
śūdrāṃśca vaśayenmantrī trimadhvaktairyathākramāt || 3 ||
Übersetzung: mit Champaka-Blüten samt Zucker die Vaishyas, mit schönen Lotusblüten die Shudras. Der Mantrapraktizierende mache sie so, jeweils mit den drei süßen Stoffen bestrichen, gefügig.
Wort-für-Wort: campaka – Champaka-Blume; sitā – hier Zucker; trimadhu – drei süße Stoffe; vaśayet – gefügig machen. Die soziale Zuordnung der Aufzählung ist syntaktisch nicht ganz glatt.
8.4 evaṃ hutvā dvijaśreṣṭhaḥ sarvān kāmānavāpnuyāt |
tato bhaktyā śyāmalāṅgaṃ prasannaṃ gokulaśriyam || 4 ||
Übersetzung: Nach solcher Opferung erlange der beste Zweimalgeborene alle Wünsche. Sodann gedenke er hingebungsvoll des dunkelgliedrigen, freundlichen Gottes, der Herrlichkeit Gokulas,
Wort-für-Wort: kāma – Wunsch; śyāmalāṅga – dunkelgliedrig; prasanna – freundlich, huldvoll; gokulaśrī – Herrlichkeit Gokulas.
8.5 śiśuveṣadharaṃ devaṃ kiṅkiṇīdāmamaṇḍitam |
smṛtvā taṃ tarpayenmantrī dugdhabuddhyā śubhairjalaiḥ || 5 ||
Übersetzung: in Kindesgestalt, mit einem Gürtel kleiner Glöckchen geschmückt, und erquicke ihn als Mantrapraktizierender mit reinem Wasser, das er als Milch betrachtet.
Wort-für-Wort: śiśuveṣa – Kindesgestalt; kiṅkiṇīdāma – Glöckchengürtel; dugdhabuddhyā – in der Vorstellung von Milch; tarpayet – erquicken.
8.6 dhanadhānyāṃśukādīni prītastasmai dadāti saḥ |
mālatī kusumairdevamarcayitvā yathāvidhi || 6 ||
Übersetzung: Zufrieden gibt er ihm Geld, Getreide, Gewänder und anderes. Wer den Gott vorschriftsgemäß mit Malati-Blüten verehrt,
Wort-für-Wort: dhana – Vermögen; dhānya – Getreide; aṃśuka – Gewand; prīta – erfreut; mālatī – Jasminart.
8.7 āyurārogyamaiśvaryaṃ mano'bhīṣṭāni vindati |
kāśaprasūnairjuhuyādaṣṭottarasahasrakam || 7 ||
Übersetzung: erlangt langes Leben, Gesundheit, Herrlichkeit und Herzenswünsche. Mit Kasha-Blüten opfere man eintausendachtmal,
Wort-für-Wort: āyus – Lebensdauer; ārogya – Gesundheit; aiśvarya – Herrlichkeit; kāśa – Grasart; aṣṭottarasahasra – eintausendacht.
8.8 nāmamātreṇa vaśagāstasya syuḥ sakalā nṛpāḥ |
hutvā bilvaphalaiḥ pakvaiḥ śriyamāpnotthaninditām || 8 ||
Übersetzung: dann werden ihm alle Könige schon durch die bloße Nennung [seines] Namens gefügig. Durch Opfer reifer Bilva-Früchte erlangt man untadeliges Wohlergehen.
Wort-für-Wort: nāmamātra – bloßer Name; vaśaga – gefügig; nṛpa – König; bilvaphala – Bilva-Frucht; śrī – Wohlergehen.
8.9 praphullairaruṇāmbhojaistāmeva labhate punaḥ |
hutvā jyotiṣmatītailaṃ sahasraṃ bahusaṅkhyayā || 9 ||
Übersetzung: Durch voll erblühte rote Lotusse erlangt man dasselbe. Wer Jyotishmati-Öl tausendfach oder vielfach ins Feuer opfert,
Wort-für-Wort: aruṇāmbhoja – roter Lotus; jyotiṣmatītaila – Öl der Jyotishmati-Pflanze; sahasra – tausend; bahusaṅkhyā – große Zahl.
8.10 subhago jāyate samyak sarveṣāṃ nā'tra saṃśayaḥ |
vidhānenā'munā mantrī mahārogāt pramucyate || 10 ||
Übersetzung: wird bei allen beliebt, daran besteht kein Zweifel. Durch diese Vorschrift werde der Mantrapraktizierende von schwerer Krankheit frei.
Wort-für-Wort: subhaga – beliebt, glücklich; sarveṣām – bei allen; mahāroga – schwere Krankheit; pramucyate – wird befreit. Dies ist ein historisches Wirkversprechen des Textes.
8.11 aśvatthasamidhairhomaḥ parāhṛtadhanāvahaḥ |
ājyāktadūrvāhomena mucyate mahato bhayāt || 11 ||
Übersetzung: Ein Feueropfer mit Ashvattha-Zweigen bringt weggenommenes Vermögen zurück; durch Opfer von mit Ghee bestrichenem Durva-Gras wird man von großer Furcht frei.
Wort-für-Wort: aśvatthasamidh – Ashvattha-Brennholz; parāhṛtadhana – entzogenes Vermögen; ājyākta – mit Ghee bestrichen; bhaya – Furcht.
8.12 yasya nāmayutaṃ puṇyaṃ japedayutasaṅkhyayā |
sa bhaved dāsavat tasya nātra kāryā vicāraṇā || 12 ||
Übersetzung: Wessen Namen man mit dem heiligen [Mantra] verbunden zehntausendmal wiederholt, der werde einem wie ein Diener ergeben; darüber sei nicht zu zweifeln.
Wort-für-Wort: nāmayuta – mit dem Namen verbunden; ayuta – zehntausend; dāsavat – wie ein Diener; vicāraṇā – Erwägung, Zweifel.
8.13 bahunā'tra kimuktena manunā sādhakottamaḥ |
sādhayedakhilān kāmān sākṣād viṣṇurivā'paraḥ || 13 ||
Übersetzung: Was bedarf es vieler Worte? Mit diesem Mantra verwirkliche der hervorragende Übende alle Wünsche, gleichsam als ein zweiter Vishnu selbst.
Wort-für-Wort: bahunā uktena – mit vielen Worten; sādhakottama – bester Übender; akhilakāma – alle Wünsche; apara-viṣṇu – weiterer Vishnu.
8.14 aputro dvādaśīṃ prāpya pūjayitvā jagadgurum |
devakīsuta govinda vāsudeva jagatpate || 14 ||
Übersetzung: Wer keinen Sohn hat, verehre am zwölften Mondtag den Weltenlehrer [und bete]: „Sohn Devakis, Govinda, Vasudeva, Herr der Welt,
Wort-für-Wort: aputra – ohne Sohn; dvādaśī – zwölfter Mondtag; devakīsuta – Sohn Devakis; jagatpati – Weltenherr.
8.15 dehi me tanayaṃ deva tvāmahaṃ śaraṇaṃ gataḥ |
iti stutvā vidhānena pūjayedāvṛtigaṇān || 15 ||
Übersetzung: schenke mir einen Sohn, o Gott; bei dir habe ich Zuflucht genommen!“ Nach solchem Lob verehre man vorschriftsgemäß die umgebenden Gottheitengruppen.
Wort-für-Wort: dehi – gib; tanaya – Sohn; śaraṇaṃ gata – Zuflucht genommen; stutvā – gepriesen habend; āvṛtigaṇa – Gruppen der Umkreise.
8.16 ādāvaṅgāvṛtīḥ pūjyā dāmādi tadanantaram |
dikṣu dāmasudāmau ca vasudāmaśca kiṅkiṇī || 16 ||
Übersetzung: Zuerst sind die Umkreise der Glieder zu verehren, danach Dama und die weiteren: in den Himmelsrichtungen Dama, Sudama, Vasudama und Kinkini.
Wort-für-Wort: aṅgāvṛti – Gliederumkreis; diś – Richtung; Dāma, Sudāma, Vasudāma, Kiṅkiṇī – Gefährtennamen.
8.17 rukmiṇyādyaṣṭamahiṣīrdaleṣu pūjayet tataḥ |
dakṣiṇakaradhṛtakamalārasapūritamudri tānyakarāḥ || 17 ||
Übersetzung: Dann verehre man auf den Blättern die acht Hauptgemahlinnen, mit Rukmini beginnend; sie halten rechts einen Lotus und [tragen] die andere Hand mit einer mit Saft gefüllten [Schale oder Geste].
Wort-für-Wort: aṣṭamahiṣī – acht Hauptgemahlinnen; dala – Lotusblatt; dakṣiṇakara – rechte Hand; rasa – Saft. Der zweite Halbvers ist beschädigt; Gegenstand und Handhaltung bleiben unsicher.
8.18 rukmiṇyākhyā tathā satyā nāgajityā sunandā ca |
mittavindhā sulakṣaṇā ṛkṣajā suśīlā tathā || 18 ||
Übersetzung: Sie heißen Rukmini, Satya, Nagajitya, Sunanda, Mittavindha, Sulakshana, Rikshaja und Sushila.
Wort-für-Wort: Rukmiṇī, Satyā, Nāgajityā, Sunandā, Mittavindhā, Sulakṣaṇā, Ṛkṣajā, Suśīlā – Namen in der überlieferten Schreibung; ṛkṣajā – „Bärentochter“.
8.19 tato yajed dalāgreṣu vasudevaṃ ca devakīm |
nandagopaṃ yaśodāṃ ca balabhadraṃ subhadrikām || 19 ||
Übersetzung: Danach verehre man an den Blattspitzen Vasudeva und Devaki, den Hirten Nanda und Yashoda, Balabhadra und Subhadrika.
Wort-für-Wort: dalāgra – Blattspitze; Vasudeva, Devakī – Krishnas Eltern; Nandagopa – Hirte Nanda; Balabhadra – Balarama; Subhadrikā – Subhadra.
8.20 gopā gopyaśca sampūjyāścitramālyānulepanāḥ |
yathāvidhi imāḥ pūjyā brahmādyāstadanantaram || 20 ||
Übersetzung: Hirten und Hirtinnen sind zu verehren, mit bunten Kränzen und Salben geschmückt. Nachdem diese vorschriftsgemäß verehrt wurden, [folgen] Brahma und die weiteren.
Wort-für-Wort: gopa-gopī – Hirten und Hirtinnen; citramālya – bunte Kränze; anulepana – Salbung; Brahmādi – Brahma und folgende.
8.21 indrādyāḥ pūjanīyāśca vajrādyāstadanantaram |
brāhmī māheśvarī caiva kaumārī vaiṣṇavīti ca || 21 ||
Übersetzung: Indra und die weiteren sind zu verehren, danach Vajra und die übrigen [Waffen]. [Es folgen:] Brahmi, Maheshvari, Kaumari und Vaishnavi,
Wort-für-Wort: Indrādi – Indra und folgende; vajra – Donnerkeil; Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī – Muttergöttinnen.
8.22 varāhī ca tathendrāṇī cāmuṇḍā saptamī tathā |
aṣṭamī syānmahālakṣmīḥ proktāḥ syurviśvamātaraḥ || 22 ||
Übersetzung: Varahi, Indrani und als siebte Chamunda. Die achte ist Mahalakshmi; sie gelten als Mütter des Weltalls.
Wort-für-Wort: Vārāhī, Indrāṇī, Cāmuṇḍā, Mahālakṣmī – Göttinnennamen; viśvamātṛ – Weltenmutter; aṣṭamī – achte.
8.23 indrādīn pūjayed bāhye jātihetisaśaktikān |
vajraṃ śaktiṃ ca daṇḍaṃ ca khaḍgaṃ pāśaṃ tathā'ṅkuśam || 23 ||
Übersetzung: Außen verehre man Indra und die weiteren samt ihren Zugehörigkeiten, Waffen und Shaktis; Donnerkeil, Speer, Stab, Schwert, Schlinge und Stachel,
Wort-für-Wort: bāhye – außen; heti – Waffe; śakti – Kraft, auch Speer; daṇḍa – Stab; khaḍga – Schwert; pāśa – Schlinge; aṅkuśa – Stachel.
8.24 gadāṃ śūlaṃ ca cakraṃ ca padmaṃ tatraiva pūjayet |
naivedyaṃ vidhivad datvā devaṃ dhyātvā japet sudhīḥ || 24 ||
Übersetzung: Keule, Dreizack, Diskus und Lotus verehre man dort ebenfalls. Nach vorschriftsgemäßer Darbringung der Speise meditiere der Verständige über den Gott und übe Japa.
Wort-für-Wort: gadā – Keule; śūla – Dreizack; cakra – Diskus; padma – Lotus; dhyātvā – meditiert habend; japet – rezitieren.
8.25 stutvā praṇamya śirasā jalenātmānamarpayet |
itaḥ pūrvaṃ padaṃ dattvā prāṇabuddhipadaṃ tataḥ || 25 ||
Übersetzung: Nach Lobpreis und Verneigung des Hauptes bringe man sich selbst mit Wasser dar. [Die Formel beginnt:] itaḥ pūrvam, dann die Worte prāṇa und buddhi,
Wort-für-Wort: stutvā – gepriesen habend; praṇamya – sich verneigt habend; ātmānam arpayet – sich selbst darbringen; itaḥ pūrvam – zuvor; buddhi – Einsicht.
8.26 dehadharmādhikārato jāgratsvapnapadānyatha |
suṣuptyavasthāsu manasā vācā karmaṇā tathā || 26 ||
Übersetzung: dann dehadharmādhikārataḥ, die Worte jāgrat, svapna und suṣuptyavasthāsu, ferner manasā, vācā und karmaṇā,
Wort-für-Wort: deha-dharma-adhikārataḥ – nach Maßgabe der körperlichen Lebensbedingungen; jāgrat – Wachen; svapna – Traum; suṣupti – Tiefschlaf; manasā vācā karmaṇā – durch Geist, Wort und Tat.
8.27 hastābhyāṃ ca yathā padbhyāmudareṇa padaṃ tathā |
śiśnā ca yat smṛtaṃ caiva yaduktaṃ yat kṛtaṃ tathā || 27 ||
Übersetzung: „mit beiden Händen“, ebenso „mit beiden Füßen“, „mit dem Bauch“ und „mit dem Geschlechtsorgan“; dann „was gedacht, was gesagt und was getan wurde“,
Wort-für-Wort: hastābhyām – mit den Händen; padbhyām – mit den Füßen; udareṇa – mit dem Bauch; śiśnā – mit dem Geschlechtsorgan; smṛta – gedacht, erinnert; ukta – gesagt; kṛta – getan.
8.28 tat sarvaṃ brahmārpaṇamato bhavatu vahnisundarī |
māṃ madīyaṃ ca sakalaṃ haraye samyak samarpayet || 28 ||
Übersetzung: „das alles möge nun Darbringung an Brahman sein“, dann die „Feuerschöne“ [svāhā]. Mich und alles Meine bringe man Hari vollständig dar.
Wort-für-Wort: tat sarvam – das alles; brahmārpaṇam – Darbringung an Brahman; bhavatu – möge sein; vahnisundarī – svāhā-Chiffre; madīya – das Meine; samarpayet – ganz darbringen.
8.29 oṃ tatsaditi ca prokto mantraḥ svātmasamarpaṇe |
pratyahaṃ pūjayed devaṃ ṣoḍaśairupacārakaiḥ || 29 ||
Übersetzung: Om tat sat: So ist das Mantra zur Hingabe des eigenen Selbst gelehrt. Täglich verehre man den Gott mit sechzehn Diensten.
Wort-für-Wort: oṃ tat sat – Om, Das, das Wirkliche; svātmasamarpaṇa – Hingabe des eigenen Selbst; pratyaham – täglich; ṣoḍaśopacāra – sechzehn Dienste.
8.30 tadaśaktau tu pūjā syād deśopacārikī tathā |
tadaśaktau pañcabhistu pūjā syādupacārakaiḥ || 30 ||
Übersetzung: Vermag man dies nicht, geschehe die Verehrung mit [wohl zehn] Diensten; vermag man auch das nicht, mit fünf Diensten.
Wort-für-Wort: aśakti – Unvermögen; pañca – fünf; upacāra – Verehrungsdienst. deśopacārikī ist wahrscheinlich für daśopacārikī, „mit zehn Diensten“, verschrieben.
8.31 āsanaṃ svāgataṃ caiva pādyādipañcakaṃ tathā |
snānaṃ vāso bhūṣaṇaṃ ca gandhapuṣpaṃ ca dhūpakam || 31 ||
Übersetzung: Sitz, Willkommen, die fünf mit Fußwasser beginnenden [Gaben], Bad, Gewand, Schmuck, Duft, Blume und Räucherwerk,
Wort-für-Wort: āsana – Sitz; svāgata – Willkommen; pādyādipañcaka – fünf mit Fußwasser beginnende Gaben; vāsa – Gewand; bhūṣaṇa – Schmuck; dhūpa – Räucherwerk.
8.32 pradīpaṃ caiva naivedyaṃ puṣpāñjalirataḥ param |
gandhādayo naivedyāntā pūjā pañcopacārikā || 32 ||
Übersetzung: Licht, Speisegabe und danach eine Handvoll Blumen: Die Verehrung mit fünf Diensten beginnt mit Duft und endet mit Speise.
Wort-für-Wort: pradīpa – Licht; naivedya – Speisegabe; puṣpāñjali – Blumen in gefalteten Händen; pañcopacārika – mit fünf Diensten.
8.33 arghyādyāḥ pañca pañcaiva gandhādyā iti bhedataḥ |
namaskṛtya ṣaḍaṅgaṃ ca pañcāṅgaṃ ca vidhānataḥ || 33 ||
Übersetzung: [Bei der verkürzten Ordnung gibt es] fünf mit Arghya und fünf mit Duft beginnende [Gaben], entsprechend der Unterscheidung. Man verneige sich vorschriftsgemäß mit sechs oder fünf Gliedern,
Wort-für-Wort: arghyādi – mit Arghya beginnend; gandhādi – mit Duft beginnend; ṣaḍaṅga – sechsgliedrig; pañcāṅga – fünfgliedrig. Die Systematisierung der Zehnergruppe bleibt knapp.
8.34 devaṃ visṛjya hṛdaye viṣvaksenaṃ samarcayet |
daṇḍavat praṇipatyā'tha gaṇḍābhyāṃ cibukena ca || 34 ||
Übersetzung: entlasse den Gott in das Herz und verehre Vishvaksena. Dann werfe man sich wie ein Stab nieder, mit beiden Wangen, dem Kinn,
Wort-für-Wort: visṛjya hṛdaye – ins Herz entlassen; daṇḍavat – wie ein Stab; gaṇḍa – Wange; cibuka – Kinn.
8.35 nāsayā ca kapālena manasā vacasā tathā |
sāṣṭāṅgakaḥ praṇāmaḥ syāt hareḥ prītipradāyakaḥ || 35 ||
Übersetzung: Nase und Stirn, mit Geist und Wort. Dies sei die achtgliedrige Verneigung, die Hari Freude bereitet.
Wort-für-Wort: nāsā – Nase; kapāla – Stirn; manas – Geist; vacas – Wort; sāṣṭāṅga-praṇāma – achtgliedrige Verneigung. Die Aufzählung weicht von der verbreiteten Standardliste ab.
8.36 etat sarvaṃ mayākhyātaṃ krameṇa vyutkrameṇa ca |
kathitaṃ yanna kathitaṃ tat sarvaṃ kramataḥ śṛṇu || 36 ||
Übersetzung: Dies alles habe ich in direkter und umgekehrter Folge erklärt. Was gesagt und was nicht gesagt wurde, höre nun vollständig in der Reihenfolge.
Wort-für-Wort: krama – direkte Folge; vyutkrama – umgekehrte Folge; kathita – gesagt; akathita – ungesagt.
8.37 prātaḥ kṛtyamanupradāya vinatiḥ snānaṃ svasandhyātmakaṃ saṅkalpāntakabhūtaśūdhisakalāmālāmayaṃ nyāsanam |
antaryāgavidhirbahiryajanakaṃ śaṅkhādisaṃsthāpanaṃ piṭhasyā'rcanamaṅgadevayajanaṃ prāṇapratiṣṭhā tataḥ || 37 ||
Übersetzung: Morgenpflicht, Mantraübermittlung, Verneigung, Bad und eigene Sandhya, die bis zum Entschluss reichenden Schritte, Elementereinigung, vollständiger Buchstaben-Nyasa, innere Opferung, äußere Verehrung, Aufstellung der Muschel und weiterer Geräte, Verehrung des Sitzes, Verehrung der Gliedgottheiten und Einsetzung der Lebenskraft—
Wort-für-Wort: prātaḥkṛtya – Morgenpflicht; saṅkalpa – Entschluss; antaryāga – inneres Opfer; bahiryajana – äußere Verehrung; prāṇapratiṣṭhā – Lebenseinsetzung. Der stark verdichtete erste Teil enthält unsichere Wortverbindungen.
8.38 āhvānaṃ nijamudrikāviracanaṃ dhyānaṃ prabhoḥ pūjanaṃ vṛtyārādhanadhūpadīpavaranaivedyaṃ japo guhyataḥ |
jāpasyā'rpaṇavāyudhāraṇamataḥ svātmārpaṇaṃ saṃstuti- rlabhyante ca visarjanaṃ muraripoḥ pūjākramaḥ kīrtitaḥ || 38 ||
Übersetzung: Herbeirufung, Bildung der eigenen Mudras, Meditation über den Herrn, Verehrung, Anbetung der Umkreise, Räucherwerk, Licht und vorzügliche Speisegabe, stille Mantrawiederholung, Darbringung des Japa, Atemhalten, Hingabe des eigenen Selbst, Lobpreis und Entlassung: So ist die Verehrungsfolge des Mura-Bezwingers genannt.
Wort-für-Wort: āhvāna – Herbeirufung; mudrikā – Mudra; guhyataḥ – im Verborgenen; jāpārpaṇa – Japa-Darbringung; svātmārpaṇa – Selbsthingabe; visarjana – Entlassung; Muraripu – Krishna.
8.39 sūtraṃ caitat prakathitamanenārādhayedacyutam |
iti nārāyaṇenaiva sūtraṃ prakathitaṃ purā || 39 ||
Übersetzung: Diese Leitschnur wurde erklärt; nach ihr verehre man Achyuta. Einst hat Narayana selbst diese Leitschnur
Wort-für-Wort: sūtra – Leitschnur; ārādhayet – verehren; Acyuta – der Unwandelbare; purā – einst.
8.40 brahmaṇe brahmaṇā pūrvaṃ mayi snehāt prakāśitam |
pulastyavidhinā'nena mayā kṛṣṇa upāsitaḥ || 40 ||
Übersetzung: Brahma mitgeteilt; Brahma offenbarte sie mir zuvor aus Zuneigung. Pulastya, nach dieser Ordnung habe ich Krishna verehrt.
Wort-für-Wort: sneha – Zuneigung; prakāśita – offenbart; vidhāna – Ordnung; upāsita – verehrt. Mit 8.39 zusammen ergibt sich die Überlieferung Narayana → Brahma → Sanatkumara → Pulastya.
Kolophon: || iti sanatkumārīye pūjāvidhānaṃ nāmā'ṣṭamaḥ paṭalaḥ ||
8 ||
Übersetzung: Damit endet im Sanatkumariya das achte Kapitel, genannt „Verehrungsordnung“.
Kapitel 9: Trailokyamangala-Kavacha
Das Kavacha ordnet Mantras dem Körper und den Himmelsrichtungen zu. Seine Bildwelt ist die einer allseitigen göttlichen Gegenwart. Die damit verbundenen Schutz- und Wirkungsversprechen gehören zur religiösen Lobpreisung des Textes; die teilweise beschädigten Formeln bleiben kenntlich.
atha navamaḥ paṭalaḥ
9.1 pulastya uvāca — Pulastya sprach:
bhagavan sarvadharmajña kavacaṃ yat prakāśitam |
trailokyamaṅgalaṃ nāma kṛpayā kathaya prabho || 1 ||
Übersetzung: „Erhabener, Kenner aller Pflichten, erkläre mir gnädig den offenbarten Schutzpanzer namens Trailokyamangala, o Herr!“
Wort-für-Wort: sarvadharmajña – Kenner aller Pflichten; kavaca – Schutzpanzer; trailokyamaṅgala – Segen der drei Welten; kṛpayā – aus Gnade.
9.2 sanatkumāra uvāca — Sanatkumara sprach:
śṛṇu vakṣyāmi viprendra kavacaṃ paramādbhutam |
nārāyaṇena kathitaṃ kṛpayā brahmaṇe purā || 2 ||
Übersetzung: „Höre, bester Brahmane: Ich werde den überaus wunderbaren Schutzpanzer erklären, den Narayana einst gnädig Brahma mitteilte,
Wort-für-Wort: paramādbhuta – überaus wunderbar; Nārāyaṇa – Narayana; kathita – mitgeteilt; purā – einst.
9.3 brahmaṇā kathitaṃ mahyaṃ paraṃ snehād vadāmi te |
atiguhyataraṃ tattvaṃ brahmamantraughavigraham || 3 ||
Übersetzung: und den Brahma mir erklärte. Aus großer Zuneigung sage ich ihn dir: das überaus verborgene Wesen, dessen Leib eine Fülle von Brahman-Mantras ist.
Wort-für-Wort: sneha – Zuneigung; atiguhyatara – äußerst verborgen; brahmamantraughavigraha – dessen Gestalt eine Fülle heiliger Brahman-Mantras ist.
9.4 yad dhṛtvā paṭhanād brahmā sṛṣṭiṃ vitanute dhruvam |
yad dhṛtvā paṭhanāt pāti mahālakṣmīrjagattrayam || 4 ||
Übersetzung: Durch dessen Tragen und Rezitieren entfaltet Brahma die Schöpfung; durch dessen Tragen und Rezitieren bewahrt Mahalakshmi die drei Welten.
Wort-für-Wort: dhṛtvā – getragen habend; paṭhana – Rezitation; sṛṣṭi – Schöpfung; pāti – bewahrt; jagattraya – drei Welten.
9.5 paṭhanād dhāraṇāt śambhuḥ saṃhartā sarvatattvavit |
trailokyajananī durgā mahiṣādimahāsurān || 5 ||
Übersetzung: Durch Rezitieren und Tragen ist Shambhu der Auflöser und Kenner aller Prinzipien. Durga, die Mutter der drei Welten, [besiegte] Mahisha und die anderen großen Asuras,
Wort-für-Wort: dhāraṇa – Tragen; saṃhartṛ – Auflöser; sarvatattvavit – Kenner aller Prinzipien; trailokyajananī – Weltenmutter; mahāsura – großer Asura.
9.6 naradṛptān jaghānaiva paṭhanād dhāraṇād yataḥ |
evamindrādayaḥ sarve sarvaiśvaryamavāpnuyuḥ || 6 ||
Übersetzung: die übermütig waren, indem sie ihn rezitierte und trug. Ebenso erlangten Indra und alle anderen sämtliche Herrlichkeiten.
Wort-für-Wort: jaghāna – erschlug; dṛpta – übermütig; aiśvarya – Herrlichkeit, Macht; avāpnuyuḥ – sie erlangten. naradṛptān ist textlich auffällig.
9.7 śiṣyāya viṣṇubhaktāya sādhakāya prakāśayet |
śaṭhāya paraśiṣyāya dattvā mṛtyumavāpnuyāt || 7 ||
Übersetzung: Man offenbare ihn einem Schüler, der Vishnu hingegeben ist und praktiziert. Gibt man ihn einem Betrüger oder dem Schüler eines anderen [ohne Berechtigung], könne man den Tod erleiden.
Wort-für-Wort: śiṣya – Schüler; viṣṇubhakta – Vishnuverehrer; sādhaka – Übender; śaṭha – Betrüger; paraśiṣya – Schüler eines anderen. Der letzte Satz ist eine Geheimhaltungsdrohung des Textes.
9.8 trailokyamaṅgalasyā'sya kavacasya prajāpatiḥ |
ṛṣiḥ cchandaśca gāyatrī devo nārāyaṇaḥ svayam || 8 ||
Übersetzung: Der Seher dieses Trailokyamangala-Schutzpanzers ist Prajapati, sein Versmaß Gayatri, seine Gottheit Narayana selbst.
Wort-für-Wort: ṛṣi – Seher; Prajāpati – Herr der Geschöpfe; chandas – Versmaß; deva – Gottheit.
9.9 dharmārthakāmamokṣeṣu viniyogaḥ prakīrtitaḥ |
praṇavo me śiraḥ pātu namo nārāyaṇāya ca || 9 ||
Übersetzung: Seine Anwendung ist auf Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung gerichtet. Om schütze meinen Kopf, und namo nārāyaṇāya
Wort-für-Wort: viniyoga – rituelle Zuordnung; praṇava – Om; śiras – Kopf; pātu – möge schützen; namo nārāyaṇāya – Verehrung Narayana.
9.10 bhālaṃ pāyānnetrayugmamaṣṭārṇo bhuktimuktidaḥ |
klīṃ pāyāt śrautrayugmaṃ caikākṣaraḥ sarvamohanaḥ || 10 ||
Übersetzung: schütze die Stirn; das achtlautige, Genuss und Befreiung gewährende [Mantra schütze] beide Augen. Klīṃ schütze beide Ohren, die eine, alles bezaubernde Silbe.
Wort-für-Wort: bhāla – Stirn; netrayugma – Augenpaar; bhukti-mukti – Genuss und Befreiung; śrotrayugma – Ohrenpaar; ekākṣara – eine Silbe.
9.11 klīṃ kṛṣṇāya sadā ghrāṇaṃ govindāyeti jihnikām |
gopījanapadaṃ vallabhāyaṃ svāhāṅanaṃ mama || 11 ||
Übersetzung: Klīṃ kṛṣṇāya [schütze] stets die Nase, govindāya die Zunge; gopījana, vallabhāya, svāhā [schütze] mein Gesicht.
Wort-für-Wort: ghrāṇa – Geruchssinn, Nase; jihnikā – wohl fehlerhaft für Zunge; ānana – Gesicht. vallabhāyaṃ und svāhāṅanaṃ sind beschädigte Textformen.
9.12 aṣṭādaśākṣaro mantraṃ kaṇṭhaṃ pātu daśākṣaraḥ |
gopījanapadaṃ vallabhāya svāhā bhujadvayam || 12 ||
Übersetzung: Das achtzehnsilbige Mantra schütze die Kehle; das zehnsilbige—gopījana, vallabhāya, svāhā—[schütze] beide Arme.
Wort-für-Wort: kaṇṭha – Kehle; daśākṣara – zehnsilbig; bhujadvaya – beide Arme. Das Bija des zehnsilbigen Mantras ist hier nur vorausgesetzt.
9.13 klīṃ glīṃ klīṃ śyāmalāṅgāya namaḥ skandhau daśākṣaraḥ |
klīṃ kṛṣṇa klīṃ karau pāyāt klīṃ kṛṣṇāya cāṅgajo'vatu || 13 ||
Übersetzung: Klīṃ glīṃ klīṃ śyāmalāṅgāya namaḥ, das zehnsilbige [Mantra], [schütze] beide Schultern. Klīṃ kṛṣṇa klīṃ schütze die Hände. Die Folge klīṃ kṛṣṇāya, gefolgt vom Kama-Bija, möge
Wort-für-Wort: skandha – Schulter; kara – Hand; aṅgaja – Kama, „aus dem Körper entstanden“; śyāmalāṅga – dunkelgliedrig. Die Bija-Folge weicht von 6.11 ab und bleibt unverändert.
9.14 hṛdayaṃ śrīṃ klīṃ bhuvaneśīṃ klīṃ kṛṣṇāya klīṃ stanau mama |
gopālāyā'gnijāyāntaṃ kukṣiyugmaṃ sadā'vatu || 14 ||
Übersetzung: das Herz [schützen]; śrīṃ klīṃ [Bhuvaneshi-Bija] klīṃ kṛṣṇāya klīṃ [schütze] meine Brüste. Gopālāya mit der Feuergattin am Ende schütze stets beide Bauchseiten.
Wort-für-Wort: hṛdaya – Herz; bhuvaneśī – hier wohl hrīṃ; stana – Brust; agnijāyā – svāhā; kukṣiyugma – beide Bauchseiten. Die Wortgrenze der Formel ist unsicher.
9.15 klīṃ kṛṣṇāya sadā pātu pārśvayugmaṃ manūttamaḥ |
kṛṣṇagovindakau pātu smarādyau ṅeyutau manuḥ || 15 ||
Übersetzung: Klīṃ kṛṣṇāya, das höchste Mantra, schütze stets beide Flanken. Krishna und Govinda im Dativ, mit Smara am Anfang, mögen
Wort-für-Wort: pārśvayugma – beide Flanken; manūttama – höchstes Mantra; smarādya – mit klīṃ beginnend; ṅeyuta – Dativendung tragend.
9.16 aṣṭākṣaraḥ pātu nābhi kṛṣṇeti dvyakṣaro'vatu |
pṛṣṭhaṃ klīṃ kṛṣṇa kaṅkālaṃ klīṃ kṛṣṇāya dviṭhāntakaḥ || 16 ||
Übersetzung: als achtlautiges Mantra den Nabel schützen. Das zweisilbige kṛṣṇa schütze den Rücken; klīṃ kṛṣṇa das Knochengerüst. Klīṃ kṛṣṇāya mit doppeltem ṭha am Ende
Wort-für-Wort: nābhi – Nabel; dvyakṣara – zweisilbig; pṛṣṭha – Rücken; kaṅkāla – Skelett; dviṭhāntaka – auf svāhā endend.
9.17 sakthinī satataṃ pātu śrīṃ hrīṃ klīṃ kṛṣṇa ṭhadvayam |
ūrū saptākṣaraḥ pātu trayodaśākṣaro'vatu || 17 ||
Übersetzung: schütze stets die Hüft- beziehungsweise Schenkelbereiche. Śrīṃ hrīṃ klīṃ kṛṣṇa und doppeltes ṭha, das siebensilbige [Mantra], schütze die Oberschenkel. Das dreizehnsilbige möge schützen:
Wort-für-Wort: sakthin – Hüft- oder Schenkelbereich; ūru – Oberschenkel; saptākṣara – siebensilbig; trayodaśākṣara – dreizehnsilbig.
9.18 śrīṃ hrīṃ klīṃ padato gopījanavallabhadaṃ tataḥ |
bhāyasvāheti pāyuṃ vai klīṃ hrīṃ śrīṃ daśavarṇakaḥ || 18 ||
Übersetzung: Śrīṃ hrīṃ klīṃ, danach die Worte gopījana-vallabha … bhāyasvāhā: [Es schütze] den After. Klīṃ hrīṃ śrīṃ und das zehnsilbige [Mantra]
Wort-für-Wort: pāyu – After; daśavarṇaka – zehnsilbig; gopījanavallabha – Geliebter der Gopis. Die Folge vallabhadaṃ … bhāyasvāhā ist verderbt und nicht als sichere Rezitationsform lesbar.
9.19 jānunī ca sadā pātu hrīṃ śrīṃ klīṃ sadaśākṣaraḥ |
trayodaśākṣaraḥ pātu jaṅghe cakrāyudhaḥ svayam || 19 ||
Übersetzung: schütze stets die Knie. Hrīṃ śrīṃ klīṃ zusammen mit dem zehnsilbigen, also das dreizehnsilbige [Mantra], schütze die Unterschenkel—der Diskusträger selbst.
Wort-für-Wort: jānu – Knie; jaṅghā – Unterschenkel; cakrāyudha – den Diskus als Waffe tragend; sadaśākṣara – hier als sa-daśākṣara, „mit dem zehnsilbigen“, verstanden.
9.20 aṣṭādaśākṣaro hrīṃ śrīṃ pūrvako viṃśavarṇakaḥ |
sarvāṅgaṃ me sadā pātu dvārakānāyako balī || 20 ||
Übersetzung: Das achtzehnsilbige, dem hrīṃ śrīṃ vorangestellt sind und das so zwanzig Silben hat, schütze stets meinen ganzen Körper: der mächtige Herr von Dvaraka.
Wort-für-Wort: viṃśavarṇaka – zwanziglautig; sarvāṅga – ganzer Körper; Dvārakānāyaka – Herr von Dvaraka; balin – mächtig.
9.21 namo bhagavate paścād vāsudevāya tatparam |
tārādyā dvādaśārṇo'yaṃ prācyāṃ māṃ sarvadā'vatu || 21 ||
Übersetzung: Namo bhagavate, danach vāsudevāya, mit Om am Anfang: Dieses zwölfsilbige [Mantra] schütze mich stets im Osten.
Wort-für-Wort: tāra – Om; dvādaśārṇa – zwölfsilbig; prācyām – im Osten; vāsudevāya – Vasudeva.
9.22 śrīṃ hrīṃ klīṃ daśavarṇaṃ tu klīṃ hrīṃ śrīṃ ṣoḍaśākṣaraḥ |
gadādyudāyudho viṣṇurmāmagnerdiśi rakṣatu || 22 ||
Übersetzung: Śrīṃ hrīṃ klīṃ, das zehnsilbige [Mantra], klīṃ hrīṃ śrīṃ: Dieses sechzehnsilbige [Mantra], Vishnu mit Keule und weiteren erhobenen Waffen, schütze mich in Feuerrichtung.
Wort-für-Wort: ṣoḍaśākṣara – sechzehnsilbig; agner diś – Südosten; gadā – Keule; āyudha – Waffe.
9.23 hrīṃ śrīṃ daśākṣaro mantro dakṣiṇe māṃ sadā'vatu |
tāro namo bhagavate rukmiṇīvallabhāya ca || 23 ||
Übersetzung: Hrīṃ śrīṃ und das zehnsilbige Mantra schütze mich stets im Süden. Om, namo bhagavate, rukmiṇīvallabhāya
Wort-für-Wort: dakṣiṇe – im Süden; tāra – Om; rukmiṇīvallabha – Rukminis Geliebter; namaḥ – Verehrung.
9.24 svāheti ṣoḍaśārṇo'yaṃ nair-ṛtyāṃ diśi rakṣatu |
klīṃ hṛṣīke padaṃśāya namo māṃ vāruṇe'vatu || 24 ||
Übersetzung: und svāhā: Dieses sechzehnsilbige [Mantra] schütze mich im Südwesten. Klīṃ, hṛṣīkeśāya, namaḥ schütze mich in Varunas Richtung.
Wort-für-Wort: nairṛtyā diś – Südwesten; vāruṇa – westlich, zu Varuna gehörig; Hṛṣīkeśa – Herr der Sinne. Die Wortteilung hṛṣīke padaṃśāya wird sinngemäß zusammengeführt.
9.25 aṣṭādaśārṇaḥ kāmānto vāyavye māṃ sadā'vatu |
śrīṃ māyākāmakṛṣṇāya govindāya dviṭho manuḥ || 25 ||
Übersetzung: Das achtzehnsilbige mit Kama am Ende schütze mich stets im Nordwesten. Śrīṃ, Maya, Kama, kṛṣṇāya, govindāya und doppeltes ṭha—
Wort-für-Wort: vāyavya – Nordwesten; kāmānta – mit klīṃ endend; māyā – hrīṃ; dviṭha – svāhā.
9.26 dvādaśākṣarake viṣṇuruttare māṃ sadā'vatu |
vāgbhavaṃ kāmakṛṣṇāya hrīṃ govindāya tataḥ param || 26 ||
Übersetzung: in diesem zwölfsilbigen [Mantra] schütze mich Vishnu stets im Norden. Vagbhava, Kama, kṛṣṇāya, hrīṃ, govindāya, danach
Wort-für-Wort: uttare – im Norden; dvādaśākṣara – zwölfsilbig; vāgbhava – aiṃ; kāma – klīṃ.
9.27 śrīṃ gopījanavallabhānte bhāyasvāheti saustataḥ |
dvāviṃśatyakṣaro mantro māmaiśānyāṃ sadā'vatu || 27 ||
Übersetzung: śrīṃ, gopījanavallabha, dann bhāyasvāhā und sauḥ: Das zweiundzwanzigsilbige Mantra schütze mich stets im Nordosten.
Wort-für-Wort: aiśānya – Nordosten; dvāviṃśatyakṣara – zweiundzwanzigsilbig; sauḥ – Bija. Auch hier ist der Übergang vallabha … bhāyasvāhā beschädigt.
9.28 kālī yasya phaṇāmadhye divyaṃ nṛtyaṃ karoti yaḥ |
namāmi devakīputraṃ nṛtyarājānamacyutam || 28 ||
Übersetzung: „Ich verneige mich vor Devakis Sohn, Achyuta, dem König des Tanzes, der auf den Hauben Kaliyas den göttlichen Tanz vollführt.“
Wort-für-Wort: phaṇa – Schlangenhaube; divyanṛtya – göttlicher Tanz; namāmi – ich verneige mich; nṛtyarāja – Tanzkönig. kālī yasya ist dem Kontext nach auf Kaliya zu beziehen.
9.29 dvāviṃśatyakṣaro mantro'pyadho māṃ sarvato'vatu |
kāmadevāya vidmahe puṣpabāṇāya dhīmahi || 29 ||
Übersetzung: Auch das zweiundzwanzigsilbige Mantra schütze mich von unten und von allen Seiten. „Wir erkennen den Gott der Liebe; wir meditieren über den Träger der Blumenpfeile.
Wort-für-Wort: adhaḥ – unten; sarvataḥ – allseits; kāmadevāya vidmahe – wir erkennen Kama; puṣpabāṇāya dhīmahi – wir meditieren über den Blumenpfeilträger. Der Bezug der genannten Silbenzahl bleibt unklar.
9.30 tanno'naṅgaḥ pracodayādeṣa māṃ pātu corddhvataḥ |
iti te kathitaṃ vipra brahmamantraughavigraham || 30 ||
Übersetzung: Möge jener Körperlose unseren Geist anregen!“ Dieses [Mantra] schütze mich von oben. So habe ich dir, Brahmane, die Gestalt aus der Fülle der Brahman-Mantras mitgeteilt,
Wort-für-Wort: anaṅga – körperlos, Kama; pracodayāt – möge anregen; ūrdhvataḥ – von oben; mantraugha – Mantrafülle.
9.31 trailokyamaṅgalaṃ nāma kavacaṃ brahmarūpakam |
brahneśapramukhā'dhīśanārāyaṇamukhā'cyutam || 31 ||
Übersetzung: den Schutzpanzer namens Trailokyamangala, dessen Gestalt Brahman ist: [mit Bezug auf] Brahma, Isha und die vornehmsten Herren, Narayana und Achyuta.
Wort-für-Wort: brahmarūpaka – von Brahmans Gestalt; adhiśa – Oberherr; Acyuta – der Unwandelbare. Der zweite Halbvers ist syntaktisch beschädigt; die Aufzählung gibt nur den erkennbaren Sinnbestand wieder.
9.32 tava snehānmayākhyātaṃ pravaktavyaṃ na kasya cit |
guruṃ praṇamya vidhivat kavacaṃ prapaṭhet tataḥ || 32 ||
Übersetzung: Aus Zuneigung zu dir habe ich ihn erklärt; er soll keinem [Unbefugten] mitgeteilt werden. Nach vorschriftsgemäßer Verneigung vor dem Guru rezitiere man den Schutzpanzer.
Wort-für-Wort: sneha – Zuneigung; pravaktavya – mitzuteilen; praṇamya – sich verneigt habend; prapaṭhet – rezitieren.
9.33 sakṛd dvitriryathājñānaṃ so'pi sarvatapomayaḥ |
mantreṣu sakaleṣveva deśiko nā'tra saṃśayaḥ || 33 ||
Übersetzung: Einmal, zweimal oder dreimal, entsprechend dem eigenen Wissen: Auch ein solcher [Rezitierender] verkörpert sämtliche Askese und ist Lehrer aller Mantras, daran besteht kein Zweifel.
Wort-für-Wort: sakṛt – einmal; dvi-tri – zwei-, dreimal; tapas – Askese; deśika – Lehrer; nātra saṃśaya – kein Zweifel hier.
9.34 śatamaṣṭottaraṃ cāsya puraścaryāṃvidhiḥ smṛtaḥ |
havanādīn daśāṃśena kṛtvā tat sādhayed dhruvam || 34 ||
Übersetzung: Als seine vorbereitende Vollendung gelten einhundertacht [Rezitationen]; mit Feueropfer und den übrigen Gliedern in jeweiliger Zehntelzahl bringe man ihn sicher zur Vollendung.
Wort-für-Wort: aṣṭottaraśata – einhundertacht; puraścaryā – vorbereitende Mantrapraxis; havana – Feueropfer; daśāṃśa – Zehntel.
9.35 yadi syāt siddhakavaco viṣṇureva bhavet svayam |
mantrasiddhirbhavet tasya puraścaryāvidhānataḥ || 35 ||
Übersetzung: Ist der Schutzpanzer vervollkommnet, wird [der Übende] Vishnu selbst; nach der Purascharana-Ordnung erlangt er Mantravollendung.
Wort-für-Wort: siddhakavaca – mit vervollkommnetem Schutzpanzer; mantrasiddhi – Mantravollendung; vidhāna – Ordnung.
9.36 spardhāmuddhūya satataṃ lakṣmīrvāṇī vaset sadā |
puṣpāñjalyaṣṭakaṃ dattvā mūlenaiva paṭhet sakṛt || 36 ||
Übersetzung: Lakshmi und Vani wohnen beständig [bei ihm], ihre Rivalität ablegend. Nachdem man acht Blumenhandvoll dargebracht hat, rezitiere man einmal mit dem Grundmantra.
Wort-für-Wort: spardhā – Rivalität; Vāṇī – Sarasvati; puṣpāñjalyaṣṭaka – acht Blumenhandvoll; mūla – Grundmantra.
9.37 daśavarṣasahasrāṇāṃ pūjāyāḥ phalamāpnuyāt |
bhūrje vilikhya gulikāṃ svarṇasthāṃ dhārayed yadi || 37 ||
Übersetzung: Man erlangt die Frucht von zehntausend Jahren Verehrung. Schreibt man [den Schutzpanzer] auf Birkenrinde und trägt ihn als in Gold gefasste Rolle,
Wort-für-Wort: daśavarṣasahasra – zehntausend Jahre; bhūrja – Birkenrinde; gulikā – kleine Rolle oder Kapsel; svarṇastha – in Gold befindlich.
9.38 kaṇṭhe vā dakṣiṇe bāhau so'pi viṣṇurna saṃśayaḥ |
aśvamedhasahasrāṇi vājapeyaśatāni ca || 38 ||
Übersetzung: am Hals oder am rechten Arm, so ist man Vishnu, ohne Zweifel. Tausend Pferdeopfer und hundert Vajapeya-Opfer,
Wort-für-Wort: kaṇṭha – Hals; dakṣiṇabāhu – rechter Arm; aśvamedha – Pferdeopfer; vājapeya – vedisches Somaopfer.
9.39 mahādānāni yānyeva prādakṣiṇyaṃ bhuvastathā |
kalāṃ nārhanti tānyeva sakṛduccāraṇāt tataḥ || 39 ||
Übersetzung: alle großen Schenkungen und das Umschreiten der Erde sind nicht einmal einen Bruchteil einer einzigen Rezitation wert.
Wort-für-Wort: mahādāna – große Schenkung; prādakṣiṇya – ehrfürchtige Umschreitung; bhū – Erde; kalā – Teil; sakṛduccāraṇa – einmaliges Aussprechen.
9.40 kavacasya prasādena jīvanmukto bhavennaraḥ |
trailokyaṃ kṣobhayatyeva trailokyavijayī bhavet || 40 ||
Übersetzung: Durch die Gnade des Schutzpanzers wird der Mensch zu Lebzeiten befreit; er erschüttert die drei Welten und wird ihr Bezwinger.
Wort-für-Wort: prasāda – Gnade; jīvanmukta – lebend befreit; kṣobhayati – erschüttert; trailokyavijayin – Sieger über die drei Welten.
9.41 idaṃ kavacamajñātvā bhajed yaḥ puruṣottamam |
śatalakṣaprajapto'pi na mantraḥ siddhidāyakaḥ || 41 ||
Übersetzung: Wer den höchsten Purusha verehrt, ohne diesen Schutzpanzer zu kennen, dem verleiht das Mantra selbst nach zehn Millionen Wiederholungen keine Vollendung.
Wort-für-Wort: ajñātvā – ohne zu kennen; Puruṣottama – höchster Purusha; śatalakṣa – hundertmal hunderttausend; siddhidāyaka – Vollendung gebend. Dies ist eine exklusive Geltungsbehauptung dieses Ritualtextes.
Kolophon: iti sanatkumārīye trailokyamaṅgala nāma navamaḥ paṭalaḥ ||
9 ||
Übersetzung: Damit endet im Sanatkumariya das neunte Kapitel, genannt „Segen der drei Welten“.
Kapitel 10: Mala, Festverehrung und Tempelweihe
Das längste Kapitel weitet die Praxis vom einzelnen Mantra auf Gebetskette, Fest und Tempel aus. Im Schaukelfest kommen gemeinschaftliche Verehrung, Gesang und Tanz zusammen. Bei der Tempelweihe wird die äußere Gestaltung ausdrücklich mit der inneren Verehrung im Herzlotus verbunden.
atha daśamaḥ paṭalaḥ
10.1 pulastya uvāca — Pulastya sprach:
karamālāntare mālā japamālā ca kathyatām |
sanatkumāra uvāca — Sanatkumara sprach:
śṛṇu vakṣyāmi viprendra mālā pṛṣṭā tvayā hi yā || 1 ||
Übersetzung: Pulastya fragte: „Erkläre die Gebetskette neben der Hand-Zählkette und die Japa-Mala.“ Sanatkumara antwortete: „Höre, bester Brahmane; ich werde die Mala erklären, nach der du gefragt hast.“
Wort-für-Wort: karamālā – Zählung an der Hand; japamālā – Gebetskette; śṛṇu – höre; pṛṣṭā – erfragt. Die unnummerierte Frage gehört zum Beginn dieses Versblocks.
10.2 anāmāmadhyamārabhya kaniṣṭhādita eva ca |
tarjanīmūlaparyantaṃ daśaparvasu sañjapet || 2 ||
Übersetzung: Beginnend beim mittleren Glied des Ringfingers, dann über den kleinen Finger bis zur Wurzel des Zeigefingers, wiederhole man [das Mantra] an zehn Fingergliedern.
Wort-für-Wort: anāmā – Ringfinger; madhya – Mitte; kaniṣṭhā – kleiner Finger; tarjanīmūla – Zeigefingerwurzel; daśaparvan – zehn Glieder.
10.3 tarjanī madhyamā ceti kaniṣṭhā cāpi tāḥ kramāt |
tisro'ṅgulyastriparvāḥ syurmadhyamā caikaparvikā || 3 ||
Übersetzung: Zeigefinger, [im Text nochmals] Mittelfinger und kleiner Finger werden in dieser Reihenfolge genannt: drei Finger mit je drei Gliedern, der Mittelfinger mit einem Glied.
Wort-für-Wort: tisraḥ aṅgulyaḥ – drei Finger; triparvan – dreigliedrig; madhyamā – Mittelfinger; ekaparvan – eingliedrig. Die doppelte Nennung des Mittelfingers macht die Liste widersprüchlich; Ringfinger dürfte an einer Stelle gemeint sein.
10.4 pūrvadvayaṃ madhyamāyā merutvenopakalpayet |
kramotkramagatairmālā mātṛkārṇaiḥ sabindukaiḥ || 4 ||
Übersetzung: Die ersten beiden Glieder des Mittelfingers stelle man sich als Meru vor. [Eine weitere] Mala entsteht durch die mit Bindu versehenen Matrika-Laute in Vorwärts- und Rückwärtsfolge,
Wort-für-Wort: meru – Grenz- oder Hauptperle; kramotkrama – Vor- und Rückfolge; mātṛkārṇa – Alphabetlaut; sabindu – mit Nasalpunkt.
10.5 kṣamekakaiḥ sāṣṭavargairantaryajanakarmaṇi |
ādikacaṭatapayaśalā ityevaṃ cāṣṭavargāḥ || 5 ||
Übersetzung: mit kṣa als einzelnem [Grenzlaut] und den acht Lautgruppen, bei der inneren Verehrung. Die acht Gruppen heißen ādi, ka, ca, ṭa, ta, pa, ya und śa-la.
Wort-für-Wort: antaryajana – innere Verehrung; aṣṭavarga – acht Gruppen; kṣa – zusammengesetzter Laut. Die Reihe ādikacaṭatapayaśalā ist gedrängt; ādi bezeichnet hier die anfängliche Vokalgruppe.
10.6 padmabījādibhirmālā bahiryāge śṛṇuṣva tāḥ |
rudrākṣa - śaṅkha - padmākṣa - putra - jīvaka - mauktikaiḥ || 6 ||
Übersetzung: Für die äußere Verehrung [gibt es] Malas aus Lotussamen und anderen Stoffen; höre sie: Rudraksha, Muschel, Lotussamen, Putrajivaka und Perlen,
Wort-für-Wort: bahiryāga – äußere Verehrung; rudrākṣa – Rudraksha-Same; śaṅkha – Muschel; padmākṣa – Lotussame; putrajīvaka – Samenart; mauktika – Perle.
10.7 sphāṭikairmaṇiratnaiśca sauvarṇairvidrumaistathā |
kuśapatrairdvādaśa syurgṛhasthasyā'kṣamālikā || 7 ||
Übersetzung: Kristall, Edelsteine, Gold, Koralle und Kusha-Blätter: Zwölf [Arten] von Gebetsketten seien es für Haushälter.
Wort-für-Wort: sphāṭika – Kristall; maṇiratna – Edelstein; sauvarṇa – golden; vidruma – Koralle; kuśapatra – Kusha-Blatt. Die Zahl zwölf ist aus der überlieferten Aufzählung nicht eindeutig zu gewinnen.
10.8 aṅgulīgaṇanādekaṃ rekhāyā'ṣṭaguṇaṃ bhavet |
putrajīvairdaśaguṇaṃ śataśaṅkhaiḥ sahasrakam || 8 ||
Übersetzung: Die Zählung an Fingern gilt einfach, die an Linien achtfach, die mit Putrajiva-Samen zehnfach; [die Muschelzählung] wird mit hundert beziehungsweise tausend verbunden.
Wort-für-Wort: aṅgulīgaṇanā – Fingerzählung; rekhā – Linie; aṣṭaguṇa – achtfach; daśaguṇa – zehnfach. śataśaṅkhaiḥ sahasrakam ist verderbt; die Zahlen lassen sich nicht eindeutig zuordnen.
10.9 pravālairmaṇiratnaiśca daśasāhasrakaṃ smṛtam |
tadeva sphaṭikaṃ proktaṃ mauktikairlakṣamucyate || 9 ||
Übersetzung: Bei Korallen und Edelsteinen wird die zehntausendfache [Frucht] genannt; dasselbe gilt für Kristall. Für Perlen werden hunderttausend angegeben.
Wort-für-Wort: pravāla – Koralle; daśasāhasraka – zehntausendfach; sphaṭika – Kristall; lakṣa – hunderttausend.
10.10 kuśagranthyā koṭiśataṃ rudrākṣaṃ syādanantakam |
tulasīkāṣṭhaghaṭitairmālābhirjapamālikā || 10 ||
Übersetzung: Bei Kusha-Knoten [sei die Frucht] hundert Kotis, bei Rudraksha unendlich. Mit aus Tulasi-Holz gefertigten Malas [vollziehe man] Japa;
Wort-für-Wort: kuśagranthi – Kusha-Knoten; koṭiśata – hundertmal zehn Millionen; anantaka – unendlich; tulasīkāṣṭha – Tulasi-Holz.
10.11 sarvakarmāṇi sarveṣāmīpsitārthaphalapradā |
aṣṭottaraśatairmālā pañcāśattūttarādhikaiḥ || 11 ||
Übersetzung: [diese Mala] schenkt bei allen Handlungen allen die gewünschte Frucht. Eine Mala [bestehe] aus einhundertacht [Perlen] oder aus fünfzig mit zusätzlicher [Hauptperle],
Wort-für-Wort: īpsitārtha – gewünschtes Ziel; phalapradā – Frucht gebend; aṣṭottaraśata – 108; pañcāśat – 50. Die Ergänzung bei uttarādhikaiḥ ist nicht zahlenmäßig eindeutig.
10.12 saptaviṃśatibhiḥ kāryā sarvasādhāraṇe jape |
mokṣārthī pañcaviṃśatyā dhanārthī rtriśatā japet || 12 ||
Übersetzung: oder aus siebenundzwanzig für allgemeines Japa. Wer Befreiung sucht, wiederhole mit fünfundzwanzig, wer Reichtum sucht, mit [wohl dreißig Perlen].
Wort-für-Wort: saptaviṃśati – 27; mokṣārthin – Befreiung Suchender; pañcaviṃśati – 25; dhanārthin – Reichtum Suchender. rtriśatā ist beschädigt; „dreißig“ bleibt eine wahrscheinliche Deutung.
10.13 puṣṭyarthī pañcaviṃśatyā pañcadaśyābhicārake |
mālāsaṅgrathanaṃ vakṣye yaduktaṃ brahmaṇā purā || 13 ||
Übersetzung: Wer Gedeihen sucht, [verwende] fünfundzwanzig, für schädigende Magie fünfzehn. Nun erkläre ich das Auffädeln der Mala, wie Brahma es einst lehrte.
Wort-für-Wort: puṣṭi – Gedeihen; pañcadaśa – 15; abhicāra – schädigende Magie; saṅgrathana – Auffädeln.
10.14 gopucchasadṛśī mālā yadvā sarpākṛtirbhavet |
mukhaṃ mukhena saṃyojya pucchaṃ pucchena yojayet || 14 ||
Übersetzung: Die Mala sei einem Kuhschweif ähnlich oder schlangenförmig. Man verbinde Vorderseite mit Vorderseite und Rückseite mit Rückseite.
Wort-für-Wort: gopuccha – Kuhschweif; sarpākṛti – Schlangengestalt; mukha – Vorderseite, Mund; puccha – Ende, Schwanz. Die Angaben betreffen die Form der Mala und die Ausrichtung ihrer Perlen.
10.15 sūtraṃ viprendra kanyābhiḥ strībhirvā'pi vinirmitam |
triguṇaṃ triguṇīkṛtya tadeva triguṇaṃ tathā || 15 ||
Übersetzung: Der Faden, bester Brahmane, sei von Mädchen oder Frauen gefertigt. Man nehme ihn dreifach, verdreifache ihn und verdreifache ihn nochmals.
Wort-für-Wort: sūtra – Faden; kanyā – Mädchen; strī – Frau; triguṇa – dreifach; triguṇīkṛtya – verdreifacht habend.
10.16 śuklaṃ raktaṃ tathā kṛṣṇaṃ paṭṭasūtramathāpi vā |
śāntivaśyābhicāreṣu tathaiva māraṇe'pi ca || 16 ||
Übersetzung: [Man verwende] weißen, roten oder schwarzen Faden, gegebenenfalls Seidenfaden, für Befriedung, Gefügigmachung und Schadenszauber, ebenso auch für Tötungsrituale.
Wort-für-Wort: śukla – weiß; rakta – rot; kṛṣṇa – schwarz; paṭṭasūtra – Seidenfaden; śānti – Befriedung; vaśya – Gefügigmachung; māraṇa – Tötungsritual.
10.17 śuklaṃ raktaṃ tathā pītaṃ kṛṣṇaṃ varṇeṣu ca kramāt |
sarveṣāmeva varṇānāṃ raktaṃ sarvepsitapradam || 17 ||
Übersetzung: Für die gesellschaftlichen Stände gelten der Reihe nach Weiß, Rot, Gelb und Schwarz. Für alle Stände gewährt Rot sämtliche Wünsche.
Wort-für-Wort: pīta – gelb; varṇa – Stand; krama – Reihenfolge; sarvepsitaprada – alle Wünsche gewährend.
10.18 āśrameṣu tathā'pyevaṃ raktaṃ sarveṣu siddhidam |
phalopacārataḥ kṛṣṇamiṣṭvā tantrānusārataḥ || 18 ||
Übersetzung: Ebenso in den Lebensstadien: Rot verleiht in allen Vollendung. Nachdem man Krishna nach dem Tantra mit Früchten und Verehrungsdiensten geehrt hat,
Wort-für-Wort: āśrama – Lebensstadium; siddhida – Vollendung gebend; phalopacāra – Früchte als Gabe; tantrānusārataḥ – dem Tantra folgend.
10.19 ekaikaṃ mātṛkārṇaṃ tu śatāraṃ prajapet sudhīḥ |
maṇimādāya sūtreṣu grathanaṃ madhyamāgrataḥ || 19 ||
Übersetzung: rezitiere der Verständige jeden Matrika-Laut hundertmal, nehme eine Perle und beginne das Auffädeln vom mittleren [Bereich] her.
Wort-für-Wort: mātṛkārṇa – Buchstabenlaut; śatāraṃ – wohl hundertmal; maṇi – Perle; grathana – Auffädeln; madhyamāgrataḥ – vom mittleren Ausgangspunkt, unsicher.
10.20 madhyagranthiṃ vidhāyetthaṃ meruṃ ca granthiyantritam |
grathayitvā puro mālāṃ tataḥ saṃskāramārabhet || 20 ||
Übersetzung: So setze er jeweils einen Zwischenknoten und befestige die Meru-Perle mit einem Knoten. Nach dem Auffädeln lege er die Mala vor sich und beginne ihre Weihe.
Wort-für-Wort: madhyagranthi – Zwischenknoten; meru – Hauptperle; granthiyantrita – mit Knoten befestigt; saṃskāra – Weihe.
10.21 kṣālayet pañcagavyaistu sadyojātena sajjalaiḥ |
candanāgarugandhādyairvāmadevena gharṣayet || 21 ||
Übersetzung: Er wasche sie mit den fünf Kuhprodukten und Wasser unter dem Sadyojata-Mantra; mit dem Vamadeva-Mantra reibe er sie mit Sandel, Aloeholz und weiteren Duftstoffen ein.
Wort-für-Wort: pañcagavya – fünf Kuhprodukte; kṣālayet – waschen; Sadyojāta, Vāmadeva – Shiva-Aspekte und ihre Mantras; gharṣayet – einreiben.
10.22 dhūpayet tāmaghoreṇa prīṇayet puruṣeṇa tu |
mantrayet pañcamenaiva pratyekaṃ tu sakṛt skṛt || 22 ||
Übersetzung: Mit Aghora beräuchere er sie, mit Purusha erfreue er sie; mit dem fünften [Mantra] bespreche er jede [Perle] einzeln.
Wort-für-Wort: dhūpayet – beräuchern; Aghora – der Nichtschreckliche; Puruṣa – hier Tatpurusha; pañcama – fünftes; mantrayet – mit Mantra besprechen.
10.23 meruṃ sakṛnmantrayecca manasā ca śataṃ śatam |
yena pratiṣṭhitā mālā tayaiva tu manuṃ japet || 23 ||
Übersetzung: Die Meru-Perle bespreche er einmal und geistig hundertmal [jeweils]. Mit der Mala wiederhole er genau das Mantra, durch das sie geweiht wurde.
Wort-für-Wort: sakṛt – einmal; manasā – geistig; śataṃ śatam – je hundertmal; pratiṣṭhita – geweiht. Das Verhältnis von einmal und hundertmal bleibt knapp.
10.24 anyamantraṃ japed vidvān na kāryā kārhicid budhaiḥ |
sadyojātaṃ prapadyāmi sadyojātāya vai namaḥ || 24 ||
Übersetzung: Ein anderes Mantra darauf zu wiederholen, soll von Wissenden niemals praktiziert werden. „Zu Sadyojata nehme ich Zuflucht; Verehrung wahrlich dem Sadyojata.
Wort-für-Wort: anyamantra – anderes Mantra; prapadyāmi – ich nehme Zuflucht; sadyojāta – sogleich geboren; namaḥ – Verehrung.
10.25 bhave bhave'nādibhave bhajasva māṃ bhavodbhavam |
ṅentāntapraṇāvādyena namo'ntena kramājjapet || 25 ||
Übersetzung: In jedem Werden, im anfangslosen Werden, nimm dich meiner an, des aus Werden Entstandenen.“ Man rezitiere der Reihe nach [die Namen] im Dativ, mit Om am Anfang und namaḥ am Ende.
Wort-für-Wort: bhave bhave – in jedem Werden; anādibhava – anfangsloses Werden; bhajasva mām – nimm dich meiner an; bhavodbhava – aus Werden entstanden. Die überlieferte Formel weicht von verbreiteten Sadyojata-Fassungen ab.
10.26 vāmadevāya namo jyeṣṭhāya namaḥ rudrāya namaḥ |
kālāya namaḥ kalavikaraṇāya namo balapramathanāya || 26 ||
Übersetzung: „Verehrung Vamadeva; Verehrung dem Ältesten; Verehrung Rudra; Verehrung Kala; Verehrung Kalavikarana; Verehrung Balapramathana.“
Wort-für-Wort: vāmadeva – lieblicher/linker Gott; jyeṣṭha – Ältester; kāla – Zeit; kalavikaraṇa – Gestalten verändernd; balapramathana – Kraft zerschlagend. Die hier kürzere Namensfolge wird nicht ergänzt.
10.27 aghorebhyo'tha ghorebhyo ghoraghoratarebhyaśca |
sarvataḥ sarvebhyo namaste rudrarupebhyaḥ || 27 ||
Übersetzung: „Den nichtschrecklichen, den schrecklichen und den schrecklicher als schrecklichen [Gestalten], überall und allen: Verehrung euch, den Rudra-Gestalten!“
Wort-für-Wort: aghora – nichtschrecklich; ghora – schrecklich; ghoraghoratara – noch schrecklicher; sarvataḥ – überall; rudrarūpa – Rudra-Gestalt.
10.28 tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi tanno rudraḥ pracodayāt || 28 ||
Übersetzung: „Wir erkennen jenen Purusha; wir meditieren über den großen Gott. Möge Rudra unseren Geist anregen!“
Wort-für-Wort: tatpuruṣāya vidmahe – wir erkennen jenen Purusha; mahādevāya dhīmahi – wir meditieren über Mahadeva; pracodayāt – möge anregen.
10.29 iśānaḥ sarvavidyānāmīśvaraḥ sarvabhūtānāṃ brahmādhipatirbrahmaṇo'dhipatirbrahmaṇi me śivo'stu sadāśivo'm || 29 ||
Übersetzung: „Herr aller Wissensgebiete, Herr aller Wesen, Oberherr Brahmas, Oberherr des Brahman: Im Brahman sei Shiva mir günstig, Sadashiva, Om.“
Wort-für-Wort: īśāna – Herr; sarvavidyā – alles Wissen; sarvabhūta – alle Wesen; adhipati – Oberherr; śivo'stu – möge günstig sein; sadāśiva – immergütiger Shiva. Der Wortlaut brahmaṇi me bleibt erhalten und wird nicht einer anderen Fassung angeglichen.
10.30 praṇavādyo mahāmantraḥ sadāśivamiti kramāt |
saṃskṛtyaivaṃ budho mālāṃ tatprāṇāṃstatra yojayet || 30 ||
Übersetzung: Das große Mantra beginnt mit Om [und reicht] der Folge nach bis Sadashiva. Nachdem der Weise die Mala so geweiht hat, setze er ihre Lebenskräfte in sie ein.
Wort-für-Wort: praṇavādya – mit Om beginnend; mahāmantra – großes Mantra; saṃskṛtya – geweiht habend; prāṇa – Lebenskraft.
10.31 mūlamantreṇa tāṃ mālāṃ pūjayed dvijasattamaḥ |
guruṃ sampūjya taddhastāt gṛhṇīyādakṣamālikām || 31 ||
Übersetzung: Der beste Zweimalgeborene verehre die Mala mit dem Grundmantra. Nach Verehrung des Gurus empfange er die Gebetskette aus dessen Hand.
Wort-für-Wort: mūlamantra – Grundmantra; akṣamālikā – Gebetskette; taddhasta – dessen Hand; gṛhṇīyāt – empfangen.
10.32 na spṛśed vāmahastena karabhraṣṭāṃ na kārayet |
aṅguṣṭhaṃ mokṣadaṃ proktaṃ tarjanī śatrunāśinī || 32 ||
Übersetzung: Man berühre sie nicht mit der linken Hand und lasse sie nicht aus der Hand fallen. Der Daumen gilt als Befreiung gebend, der Zeigefinger als Feinde vernichtend.
Wort-für-Wort: vāmahasta – linke Hand; karabhraṣṭa – aus der Hand gefallen; aṅguṣṭha – Daumen; tarjanī – Zeigefinger; mokṣada – Befreiung gebend.
10.33 madhyamā ghanasiddhiḥ syāt śāntikarmaṇyanāmikā |
kaniṣṭhākarṣaṇe jñeyā japakarmaṇi siddhidā || 33 ||
Übersetzung: Der Mittelfinger [verleihe] starke Vollendung, der Ringfinger dient der Befriedung; der kleine Finger gilt bei Anziehungsritualen als vollendungsfördernd im Japa.
Wort-für-Wort: madhyamā – Mittelfinger; ghanasiddhi – dichte/starke Vollendung; anāmikā – Ringfinger; kaniṣṭhā – kleiner Finger; ākarṣaṇa – Anziehung. ghanasiddhi ist auffällig; eine Vermögensdeutung wäre eine andere Lesung.
10.34 aṅguṣṭhaparvamadhyasthaṃ parivartta samācaret |
puraścaryāṃ tataḥ kuryāt svayameva samāhitaḥ || 34 ||
Übersetzung: Man bewege [die Perlen] in der Mitte des Daumengliedes weiter. Danach vollziehe man selbst, gesammelt, die Purascharana.
Wort-für-Wort: aṅguṣṭhaparvan – Daumenglied; parivarta – Weiterdrehen; puraścaryā – vorbereitende Intensivpraxis; samāhita – gesammelt.
10.35 guruṇā svānugenaiva tadbhrātṛputrakaistathā |
sarvāsu dīkṣitenaiva puraścaryāṃ samācaret || 35 ||
Übersetzung: Die Purascharana lasse man durch den Guru, einen eigenen Anhänger, dessen Brüder oder Söhne ausführen; in allen [Fällen] ausschließlich durch einen Eingeweihten.
Wort-für-Wort: guru – Lehrer; svānuga – eigener Anhänger; bhrātṛputraka – Brüder und Söhne; dīkṣita – eingeweiht. Die genaue Beziehung der genannten Angehörigen bleibt knapp.
10.36 pulastya uvāca — Pulastya sprach:
saṅkalpaśca puraścaryāvidhānaṃ tatra kīdṛśam |
tat sarvaṃ kṛpayā nātha saṅkṣepeṇa prakathyatām || 36 ||
Übersetzung: „Wie lauten dabei der Entschluss und die Ordnung der Purascharana? Erkläre mir dies alles gnädig und kurz, o Herr!“
Wort-für-Wort: saṅkalpa – Entschluss; puraścaryāvidhāna – Ordnung der Intensivpraxis; saṃkṣepeṇa – kurz; prakathyatām – möge erklärt werden.
10.37 sanatkumāra uvāca — Sanatkumara sprach:
praṇavaṃ tatsaditi ca māsapakṣatithāvapi |
amuko'mukagotro'haṃ mūlamuccārya tatparam || 37 ||
Übersetzung: „[Man spreche] Om tat sat, nenne Monat, Monatshälfte und Mondtag: ‚Ich, der Soundso, aus dem und dem Gotra‘, und spreche danach das Grundmantra aus.
Wort-für-Wort: māsa – Monat; pakṣa – Monatshälfte; tithi – Mondtag; amuka – Soundso; gotra – Abstammungsgruppe.
10.38 siddhikāmo'sya mantrasya iyatsaṅkhyaṃ japet tataḥ |
daśāṃśaṃ havanaṃ kuryād daśāṃśaṃ tarpaṇaṃ tataḥ || 38 ||
Übersetzung: ‚Die Vollendung dieses Mantras erstrebend, werde ich so viele Wiederholungen ausführen, ein Zehntel davon als Feueropfer, dann ein Zehntel als Wassergabe,
Wort-für-Wort: siddhikāma – Vollendung erstrebend; iyatsaṅkhya – festgelegte Anzahl; havana – Feueropfer; tarpaṇa – Wassergabe.
10.39 daśāṃśaṃ mārjanaṃ tasmād daśāṃśaṃ viprabhojanam |
puraścaraṃamevaṃ hi kariṣye prāgudaṅmukhaḥ || 39 ||
Übersetzung: davon ein Zehntel als Besprengung, hiervon ein Zehntel als Brahmanenspeisung. So werde ich die Purascharana vollziehen, nach Osten oder Norden gewandt.‘
Wort-für-Wort: mārjana – Besprengung, Reinigung; viprabhojana – Brahmanenspeisung; kariṣye – ich werde tun; prāgudaṅmukha – ost- oder nordwärts gewandt.
10.40 iti saṅkalpya viprendra japayajñādikaṃ caret |
mantraṃ ca prātarārambhya japenmadhyandināvadhi || 40 ||
Übersetzung: Nach diesem Entschluss, bester Brahmane, vollziehe man Japa, Opfer und Weiteres. Man beginne die Mantrawiederholung morgens und setze sie bis Mittag fort.
Wort-für-Wort: saṅkalpya – beschlossen habend; japayajña – Rezitationsopfer; prātar – morgens; madhyandināvadhi – bis Mittag.
10.41 ityādi vidhinālabya puraścaryāṃ samācaret |
athavā'nyaprakāreṇa puraścaraṇamucyate || 41 ||
Übersetzung: Nach solchen Regeln beginne und vollziehe man die Purascharana. Oder die Purascharana wird auf eine andere Weise beschrieben:
Wort-für-Wort: vidhi – Regel; ārabhya – begonnen habend, hier in auffälliger Schreibung; anyaprakāra – andere Weise.
10.42 grahaṇe'rkasya cendorvā śuciḥ pūrvamupoṣitaḥ |
nadyāṃ samudragāminyāṃ nābhimātrodake sthitaḥ || 42 ||
Übersetzung: Bei Sonnen- oder Mondfinsternis sei man rein und habe zuvor gefastet. In einem ins Meer mündenden Fluss stehe man bis zum Nabel im Wasser,
Wort-für-Wort: grahaṇa – Finsternis; arka – Sonne; candra – Mond; upoṣita – gefastet habend; nābhimātrodaka – Wasser bis zum Nabel.
10.43 grahaṇānmokṣaparyantaṃ japenmantraṃ samāhitaḥ |
dṛṣṭvā snātvā tu saṅkalpapya vimokṣāntaṃ japaṃ caret || 43 ||
Übersetzung: und rezitiere gesammelt das Mantra vom Beginn bis zum Ende der Finsternis. Nachdem man sie gesehen, gebadet und den Entschluss gefasst hat, übe man Japa bis zur Freigabe [des Gestirns].
Wort-für-Wort: mokṣa, vimokṣa – Ende der Finsternis; dṛṣṭvā – gesehen habend; snātvā – gebadet habend; japa – Mantrawiederholung.
10.44 tāvajjapādikaṃ kuryād grahaṇānte śuciḥ pumān |
iti jāpānmantrasiddhirbhavatyeva na saṃśayaḥ || 44 ||
Übersetzung: Entsprechend dieser Japa-Zahl vollziehe der gereinigte Mensch nach der Finsternis die weiteren [Ritualglieder]. Durch solche Rezitation entsteht gewiss Mantravollendung.
Wort-für-Wort: grahaṇānta – Ende der Finsternis; śuci – rein; japādi – Japa und Folgeglieder; mantrasiddhi – Mantravollendung.
10.45 śrāddhāderanurodhena yadi jāpaṃ tyajennaraḥ |
sa bhaved devatādrohī pitṝn sapta nayatyadhaḥ || 45 ||
Übersetzung: Wenn jemand aus Rücksicht auf ein Ahnenopfer oder Ähnliches das Japa unterbricht, wird er zum Gegner der Gottheit und führt sieben [Generationen] seiner Ahnen hinab.
Wort-für-Wort: śrāddha – Ahnenopfer; tyajet – aufgeben; devatādrohin – gegen die Gottheit handelnd; pitṛ – Ahne; adhaḥ – hinab. Dies ist eine disziplinierende Drohaussage des Textes.
10.46 māsakṛtyaṃ pravakṣyāmi sāvadhāno'vadhāraya |
kṛṣṇabhaktasya suddhyarthaṃ yaduktaṃ brahmaṇā purā || 46 ||
Übersetzung: Ich werde die monatlichen Pflichten erklären; höre aufmerksam zu. Sie wurden einst von Brahma zur Reinigung des Krishna-Verehrers gelehrt.
Wort-für-Wort: māsakṛtya – monatliche Pflicht; sāvadhāna – aufmerksam; kṛṣṇabhakta – Krishna-Verehrer; śuddhi – Reinigung.
10.47 tattat sarvaṃ samāsena vakṣye'hamañjasā śṛṇu |
pūrṇīmāpratipatsandhau phalgunyāṃ phālgune mune || 47 ||
Übersetzung: Dies alles will ich zusammengefasst darlegen; höre unmittelbar zu. Beim Übergang von Vollmond zum ersten Mondtag im Monat Phalguna, unter dem Phalguni-Stern, o Weiser,
Wort-für-Wort: samāsena – zusammengefasst; pūrṇimā-pratipat-sandhi – Übergang Vollmond/erster Mondtag; phālguna – Monatsname; phalgunī – Sternname.
10.48 rājopacāraiḥ sampūjya dolayed yo janārdanam |
aśvamedhasahasrasya bājapeyaśatasya ca || 48 ||
Übersetzung: wer Janardana nach Verehrung mit königlichen Diensten schaukelt, [erlangt die Frucht] von tausend Pferdeopfern und hundert Vajapeya-Opfern
Wort-für-Wort: rājopacāra – königliche Verehrungsdienste; dolayet – schaukeln; Janārdana – Vishnu/Krishna; aśvamedha – Pferdeopfer.
10.49 gosasahasrapradānasya phalaṃ prāpnoti mānavaḥ |
dakṣiṇābhimukhaṃ kṛṣṇaṃ dolamānañca sannaraḥ || 49 ||
Übersetzung: und der Schenkung von tausend Kühen. Der gute Mensch, der Krishna nach Süden gewandt auf der Schaukel
Wort-für-Wort: go-sahasra-pradāna – Schenkung tausend Kühe; dakṣiṇābhimukha – südwärts blickend; dolamāna – schaukelnd.
10.50 dṛṣṭvā'parādhanicayairmuktāste nā'tra saṃśayaḥ |
dolārūḍhasya kṛṣṇasya ye'gre kurvanti jāgaram || 50 ||
Übersetzung: sieht, wird von angesammelten Verfehlungen befreit, ohne Zweifel. Wer vor dem auf der Schaukel sitzenden Krishna die Nachtwache hält,
Wort-für-Wort: aparādhanicaya – Ansammlung von Verfehlungen; mukta – befreit; dolārūḍha – auf der Schaukel; jāgara – Nachtwache.
10.51 sarvapuṇyaphalāvāptiṃ nimeṣāllabhate naraḥ |
tato vidhiṃ pravakṣyāmi yatra yattu samācaret || 51 ||
Übersetzung: erlangt in einem Augenblick die Frucht aller verdienstvollen Werke. Nun werde ich erklären, was jeweils zu tun ist.
Wort-für-Wort: sarvapuṇyaphala – Frucht allen Verdienstes; nimeṣa – Augenblick; vidhi – Vorschrift; samācaret – ausführen.
10.52 paurṇamāsyāṃ mahatpūjā saṅghī ca dolayet prabhuḥ |
trayodaśākṣareṇaiva aṣṭādaśākṣareṇa vā || 52 ||
Übersetzung: Am Vollmond verrichte man die große Puja und schaukle den Herrn gemeinsam [mit anderen], mit dem dreizehn- oder achtzehnsilbigen Mantra.
Wort-für-Wort: paurṇamāsī – Vollmond; mahāpūjā – große Puja; saṅghin – mit einer Gemeinschaft; trayodaśākṣara – dreizehnsilbig.
10.53 phalgunyāṃ ca prakartavyā pūjā pūrvoktavartmanā |
utthāya mantraṃ japtavyamaṣṭādhikasahasrakam || 53 ||
Übersetzung: Unter Phalguni vollziehe man die Verehrung auf dem zuvor beschriebenen Weg. Nach dem Aufstehen wiederhole man das Mantra eintausendachtmal.
Wort-für-Wort: pūrvoktavartman – zuvor genannter Weg; utthāya – aufgestanden; aṣṭādhikasahasra – eintausendacht.
10.54 sūtraṃ caitat prakathitaṃ vistareṇa śṛṇuṣva me |
revatyāṃ tu vāstubaliṃ maṇḍalaṃ racayet sudhīḥ || 54 ||
Übersetzung: Dies ist die knappe Leitschnur; höre nun die ausführliche Darstellung. Unter Revati [vollziehe man] die Baugrundgabe; der Verständige zeichne ein Mandala,
Wort-für-Wort: sūtra – Leitschnur; vistareṇa – ausführlich; Revatī – Mondstation; vāstubali – Baugrundgabe; maṇḍala – Ritualdiagramm.
10.55 dikṣu dhvajān samāropya lokapālasamaprabhān |
govindaṃ phalakādhastād dolārūḍhaṃ jagatpatim || 55 ||
Übersetzung: errichte in den Himmelsrichtungen Fahnen, strahlend wie die Weltenhüter, und [betrachte] Govinda, den Weltenherrn, unter einem Brett auf der Schaukel,
Wort-für-Wort: dhvaja – Fahne; lokapāla – Weltenhüter; phalakādhastāt – unter einem Brett; dolārūḍha – auf der Schaukel. Die räumliche Beschreibung ist knapp.
10.56 pūjayed vidhivad bhaktyā maṇḍale ca samāhitaḥ |
ṛgyayuḥsāmasūktaiśca mantraiḥ paurāṇikastathā || 56 ||
Übersetzung: verehre ihn vorschriftsgemäß mit Hingabe und Sammlung im Mandala, mit Hymnen aus Rig-, Yajur- und Samaveda sowie mit puranischen Mantras,
Wort-für-Wort: bhaktyā – hingebungsvoll; ṛg-yajuḥ-sāma – drei Veden; sūkta – Hymne; paurāṇika – aus den Puranas.
10.57 mantrairāgamikaiścaiva vaiṣṇavaiḥ pūjayeddharim |
tadguṇotkīrtanaṃ caiva divārātriṃ nayed budhaḥ || 57 ||
Übersetzung: auch mit agamischen und vaishnavischen Mantras verehre man Hari. Der Verständige verbringe Tag und Nacht mit dem Lob seiner Eigenschaften.
Wort-für-Wort: āgamika – aus den Agamas; vaiṣṇava – Vishnu zugehörig; guṇotkīrtana – Lob der Eigenschaften; divārātri – Tag und Nacht.
10.58 keśavāgre nṛtyagītaṃ yaḥ karoti kalau yuge |
aparādhasahasraistairmuktaḥ syānnātra saṃśayaḥ || 58 ||
Übersetzung: Wer im Kali-Zeitalter vor Keshava tanzt und singt, wird von tausend Verfehlungen befreit, daran besteht kein Zweifel.
Wort-für-Wort: nṛtya – Tanz; gīta – Gesang; kalau yuge – im Kali-Zeitalter; aparādhasahasra – tausend Verfehlungen.
10.59 karmāntaraṃ pravakṣyāmi yena viṣṇuḥ prasīdati |
brahmaṇā kathitaṃ pūrvaṃ pratiṣṭhāvidhinirṇayam || 59 ||
Übersetzung: Ich werde ein weiteres Werk erklären, durch das Vishnu erfreut wird: die Bestimmung der Weiheordnung, die Brahma einst lehrte,
Wort-für-Wort: karmāntara – weiteres Werk; prasīdati – wird gnädig; pratiṣṭhāvidhi – Weiheordnung; nirṇaya – Festlegung.
10.60 gṛhasya bhagavadviṣṇoḥ sāvadhāno'vadhāraya |
tṛṇaistṛṇadhvajaiścaiva mandiraṃ nirmitaṃ śuciḥ || 60 ||
Übersetzung: für das Haus des erhabenen Vishnu. Höre aufmerksam zu. Ein reiner Mensch, der einen Tempel aus Gras und Grashalmen mit Fahnen erbaut
Wort-für-Wort: gṛha – Haus; bhagavat – erhaben; tṛṇa – Gras; mandira – Tempel; śuci – rein. tṛṇadhvaja ist nicht völlig eindeutig.
10.61 vidhinā'nena yo dadyād viṣṇave manujottamaḥ |
koṭyabdaśatasaṅkhyāni viṣṇuloke bhaveddhruvam || 61 ||
Übersetzung: und ihn nach dieser Ordnung Vishnu darbringt, wird gewiss hundert Kotis von Jahren in Vishnus Welt verweilen.
Wort-für-Wort: dadyāt – schenken; koṭyabdaśata – hundert Kotis Jahre; Viṣṇuloka – Vishnus Welt; dhruvam – gewiss.
10.62 mandiraṃ dāravaṃ citraṃ vāsudevāya yo dadet |
yugānāmayutaṃ tatra nivaset satyamīritam || 62 ||
Übersetzung: Wer Vasudeva einen schönen hölzernen Tempel schenkt, wohnt dort zehntausend Weltzeitalter; dies ist wahrhaft gesagt.
Wort-für-Wort: dārava – hölzern; citra – schön, kunstvoll; ayuta – zehntausend; yuga – Weltzeitalter.
10.63 iṣṭakairvividhaiścitraṃ vāsudevāya yo janaḥ |
tatrānusaṅkhyakān kalpān viṣṇuloke vaset sadā || 63 ||
Übersetzung: Wer Vasudeva [einen Tempel] aus verschiedenartigen Ziegeln schenkt, wohnt in Vishnus Welt für die entsprechende Zahl von Kalpas.
Wort-für-Wort: iṣṭakā – Ziegel; tatrānusaṅkhya – der dortigen Anzahl entsprechend; kalpa – kosmische Periode; vaset – wohnen.
10.64 pāṣāṇairmandiraṃ citraṃ vāsudevāya yo naraḥ |
pradadyāt vidhivad bhaktyā proktaṃ śataguṇaṃ tataḥ || 64 ||
Übersetzung: Wer Vasudeva vorschriftsgemäß und hingebungsvoll einen schönen steinernen Tempel schenkt, [erlangt] das Hundertfache davon.
Wort-für-Wort: pāṣāṇa – Stein; bhaktyā – hingebungsvoll; śataguṇa – hundertfach; pradadyāt – schenken.
10.65 pulastya uvāca — Pulastya sprach:
kena vā vidhinā nātha pradadyānmandiraṃ budhaḥ mokṣapradāya kṛṣṇāya kramaśaḥ kathyāṃ prabho || 65 ||
Übersetzung: „Nach welcher Vorschrift, o Herr, soll der Weise Krishna, dem Befreiungsschenkenden, einen Tempel darbringen? Erkläre die Reihenfolge, o Herr!“
Wort-für-Wort: vidhi – Vorschrift; mandira – Tempel; mokṣaprada – Befreiung schenkend; kramaśaḥ – der Reihe nach.
10.66 sanatkumāra uvāca — Sanatkumara sprach:
ādau vāstubaliṃ dattvā lokeśā'nudhvajeṣu ca |
uktavarṇeṣu gandhādyairmūlapāriṣadānvitān || 66 ||
Übersetzung: „Zuerst bringe man die Baugrundgabe dar und [verehre] die Weltenhüter an den Fahnen in den genannten Farben, mit Duft und weiteren Gaben, samt ihrem wesentlichen Gefolge,
Wort-für-Wort: vāstubali – Baugrundgabe; lokeśa – Weltenhüter; dhvaja – Fahne; varṇa – Farbe; pāriṣada – Gefolgsmann.
10.67 hetijātyadhipopetān pūrvādikkramato yajet |
vajrādīna tantrakumbheṣu gandhādyaistatkramād yajet || 67 ||
Übersetzung: mit ihren Waffen, Zugehörigkeiten und Oberherren, beginnend im Osten. Donnerkeil und weitere [Waffen] verehre man der Reihe nach mit Duft in den Ritualkrügen.
Wort-für-Wort: heti – Waffe; adhipa – Oberherr; pūrvadiś – Osten; vajrādi – Donnerkeil und folgende; kumbha – Krug.
10.68 tattanmaṇḍapataḥ pūrve yāgamandiramācaret |
tatribhāgamite kṣetre'ratnimātrasamunnatām || 68 ||
Übersetzung: Östlich der betreffenden Halle errichte man den Opferraum; auf einer Fläche im Maß ihres Drittels [errichte man einen Altar], eine Elle hoch,
Wort-für-Wort: maṇḍapa – Halle; yāgamandira – Opferraum; tribhāga – Drittel; aratni – Elle; samunnata – erhöht. Die Maßangabe der Fläche ist knapp.
10.69 vediṃ kṛtvā tu tatraiva sarvatobhadramālikhet |
pradhānamandire cāpi sarvatobhadramaṇḍalam || 69 ||
Übersetzung: und zeichne darauf das Sarvatobhadra. Auch im Haupttempel [zeichne man] ein Sarvatobhadra-Mandala.
Wort-für-Wort: vedi – Altar; sarvatobhadra – „allseits glückverheißend“, Mandalatyp; pradhānamandira – Haupttempel.
10.70 vidhāya pūjayet tatra toraṇeṣu samāhitaḥ |
jayaṃ ca vijayaṃ caiva vighneśaṃ kṣetranāyakam || 70 ||
Übersetzung: Nach dessen Herstellung verehre man dort gesammelt an den Toren Jaya und Vijaya, Vighnesha und den Herrn des heiligen Bezirks,
Wort-für-Wort: toraṇa – Tor; Jaya, Vijaya – Torhüter; Vighneśa – Ganesha; kṣetranāyaka – Herr des Bezirks.
10.71 gaṅgā ca yamunāṃ caiva mahālakṣmīṃ sarasvatīm |
pūrvadikkramato yugmaṃ kramśo gandhapūrvakaiḥ || 71 ||
Übersetzung: Ganga und Yamuna, Mahalakshmi und Sarasvati, paarweise und der Reihe nach im Osten beginnend, mit Duft und weiteren Gaben.
Wort-für-Wort: yugma – Paar; pūrvadikkramataḥ – im Osten beginnend; gandhapūrvaka – mit Duft beginnend.
10.72 sampūjya vidhivad bhaktyā gandhapuṣpaiśca dhūpakaiḥ |
tato gṛhaṃ praviśyā'tha vāstvīśamajamarcayet || 72 ||
Übersetzung: Nach ihrer vorschriftsgemäßen, hingebungsvollen Verehrung mit Duft, Blumen und Räucherwerk betrete man das Haus und verehre den Herrn des Baugrundes, den Ungeborenen.
Wort-für-Wort: gṛha – Haus; praviśya – betreten habend; vāstvīśa – Baugrundherr; aja – ungeboren, auch Brahma.
10.73 pañcagavyā'rghyatoyābhyāṃ prokṣayenmaṇḍalaṃ tataḥ |
nirasya vighnān tatraiva baddhapadmāsano bhavet || 73 ||
Übersetzung: Man besprenge das Mandala mit den fünf Kuhprodukten und Arghya-Wasser, beseitige dort die Hindernisse und nehme den gebundenen Lotussitz ein.
Wort-für-Wort: pañcagavya – fünf Kuhprodukte; prokṣayet – besprengen; vighna – Hindernis; baddhapadmāsana – gebundener Lotussitz.
10.74 pūrvoktenaiva vidhinā bhūtaśuddhyādikaṃ caret |
arghyapātraṃ tataḥ kṛtvā maṇḍale pīṭhamarcayet || 74 ||
Übersetzung: Nach der zuvor genannten Vorschrift vollziehe man Elementereinigung und die folgenden Handlungen, bereite dann das Arghya-Gefäß und verehre den heiligen Sitz im Mandala.
Wort-für-Wort: bhūtaśuddhi – Elementereinigung; arghyapātra – Arghya-Gefäß; pīṭha – Sitz; arcayet – verehren.
10.75 pratimāṃ vāsudevākhyāṃ tatra saṃsthāpayed budhaḥ |
gṛtpadme devamārādhya gandhādyairmānasairyajet || 75 ||
Übersetzung: Dort stelle der Weise das als Vasudeva bezeichnete Bild auf. Er verehre den Gott im Herzlotus mit geistig vorgestelltem Duft und weiteren Gaben.
Wort-für-Wort: pratimā – Kultbild; hṛtpadma – Herzlotus, Vorlage gṛtpadma; mānasa – geistig; ārādhya – verehrt habend.
10.76 karasthakusume tejaḥ samānīya śvāsamārgataḥ |
mūrtau tasyāṃ sasāropya tat tejomūlamantrataḥ || 76 ||
Übersetzung: Durch den Weg des Atems führe er den göttlichen Glanz in die Blume in seiner Hand und übertrage ihn mit dem Grundmantra in dieses Bild.
Wort-für-Wort: karasthakusuma – Blume in der Hand; tejas – Glanz, göttliche Kraft; śvāsamārga – Atemweg; mūrti – Bildgestalt; samāropya – übertragen habend.
10.77 hṛdaye karamādāya jīvanyāsaṃ samācaret |
māyāpāśāṅkuśādyantā yādīn saptasabindukān || 77 ||
Übersetzung: Er lege die Hand ans Herz und vollziehe den Jiva-Nyasa: [Man spreche die Folge] mit Maya, Schlinge und Stachel am Anfang und Ende sowie die sieben mit ya beginnenden, mit Bindu versehenen [Laute],
Wort-für-Wort: jīvanyāsa – Einsetzung des Lebens; māyā – hrīṃ; pāśa – āṃ als übliche Chiffre; aṅkuśa – kroṃ als übliche Chiffre; yādi – mit ya beginnend.
10.78 viyatsatyendusaṃyuktaṃ samaste'haṃ samuccaret |
tasya prāṇā iha prāṇāḥ punarjīva iha sthitaḥ || 78 ||
Übersetzung: [verbunden mit den Chiffren] Raum, Wahrheit und Mond; im Ganzen spreche man 'haṃ. „Seine Lebenskräfte [seien] hier die Lebenskräfte; seine individuelle Seele sei hier gegenwärtig“,
Wort-für-Wort: viyat – Raum; satya – Wahrheit; indu – Mond; prāṇa – Lebenskräfte; jīva – Seele; iha – hier. Die einleitende Bija-Folge ist nicht sicher rekonstruierbar.
10.79 punaruccārya tasyaiva sarvendriyāṇi pnarvadet |
tasyāpi vāṅmanaścakṣuḥśrotraghrāṇapadānyatha || 79 ||
Übersetzung: man spreche [die Formel] erneut und dann „seine sämtlichen Sinne“; ferner die Worte „seine Sprache, Geist, Auge, Gehör, Geruchssinn“,
Wort-für-Wort: sarvendriyāṇi – alle Sinne; vāk – Sprache; manas – Geist; cakṣus – Auge; śrotra – Gehör; ghrāṇa – Geruchssinn.
10.80 prāṇā ihāgatya sukhaṃ ciraṃ tiṣṭhantu ṭhadvayam |
iti prāṇān pratiṣṭhāpya devamāvāhya pūrvat |
karakacchapikāṃ kṛtvā tato dhyāyedananyadhīḥ || 80 ||
Übersetzung: „die Lebenskräfte mögen hierher kommen und glücklich lange verweilen“, gefolgt vom doppelten ṭha. Nach solcher Lebenseinsetzung rufe man die Gottheit wie zuvor herbei, bilde die Schildkrötengeste der Hände und meditiere mit ungeteilter Aufmerksamkeit.
Wort-für-Wort: sukham – glücklich; ciraṃ tiṣṭhantu – mögen lange bleiben; karakacchapikā – Schildkrötengeste der Hände; ananyadhī – ungeteilte Aufmerksamkeit.
10.81 viṣṇuṃ śāradakoṭicandrasadṛśaṃ śaṅkhaṃ rathāṅgaṃ gadā - mambhojaṃdhataṃ sitābjanilayaṃ kāntyā jaganmohanam |
ābaddhāṅgadahārakuṇḍalamahāmauliṃ sphuratkaṅkaṇaṃ śrīvatsāṅkamudārakaustubhadharaṃ vande munīndraiḥ stutam || 81 ||
Übersetzung: Ich verehre Vishnu, den Millionen Herbstmonden Gleichen, der Muschel, Diskus, Keule und Lotus trägt, auf einem weißen Lotus ruht und mit seinem Glanz die Welt bezaubert. Er trägt Armspangen, Halskette, Ohrringe, große Krone und funkelnde Armreifen, ist mit Shrivatsa gekennzeichnet, trägt den herrlichen Kaustubha und wird von den höchsten Weisen gepriesen.
Wort-für-Wort: śāradacandra – Herbstmond; rathāṅga – Diskus; sitābjanilaya – auf weißem Lotus ruhend; mauli – Krone; kaṅkaṇa – Armreif; munīndra – höchster Weiser.
10.82 iti dhyātvā japenmantraṃ rājopacāravat sudhīḥ |
tārohṛdbhagavān ḍento vāsudevāya tatparam || 82 ||
Übersetzung: Nach solcher Meditation wiederhole der Verständige das Mantra und [verehre] mit königlichen Diensten. [Das Mantra lautet in Chiffren:] Om, Herzensformel, Bhagavan im Dativ, danach vāsudevāya.
Wort-für-Wort: tāra – Om; hṛd – namaḥ; bhagavān ḍenta – bhagavate; vāsudevāya – Vasudeva; rājopacāra – königlicher Verehrungsdienst.
10.83 sarveṣu viṣṇumantreṣu pradhānamanurīritaḥ |
manunā'nena tatsarvānāsanādīn pradāpayet || 83 ||
Übersetzung: Dieses wird als das vornehmste unter allen Vishnu-Mantras bezeichnet. Mit diesem Mantra bringe man sämtliche Dienste, beginnend mit dem Sitz, dar.
Wort-für-Wort: pradhānamanu – Hauptmantra; āsanādi – mit Sitz beginnend; pradāpayet – darbringen.
10.84 āsanaṃ svāgataṃ pādyamarghyamācamanīyakam |
madhuparkācamanaṃsnānaṃ vasanābharaṇāni ca || 84 ||
Übersetzung: Sitz, Willkommen, Fußwasser, Ehrengabe, Mundspülwasser, Madhuparka und erneutes Mundspülen, Bad, Gewand und Schmuck,
Wort-für-Wort: āsana – Sitz; svāgata – Willkommen; pādya – Fußwasser; arghya – Ehrengabe; madhuparka – süße Ehrenspeise; ābharaṇa – Schmuck.
10.85 gandhapuṣpadhūpadīpanaivedyācamanaṃ tathā |
pradakṣiṇaṃ namaskāro visargaścaiva ṣoḍaśa || 85 ||
Übersetzung: Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speisegabe und Mundspülen, Umschreitung, Verneigung und Entlassung: [So werden] sechzehn [Dienste genannt].
Wort-für-Wort: gandha – Duft; pradakṣiṇa – ehrfürchtige Umschreitung; namaskāra – Verneigung; visarga – Entlassung; ṣoḍaśa – sechzehn. Die Aufzählung enthält bei Einzelzählung mehr als sechzehn Positionen; sie setzt Gruppierung voraus.
10.86 chāyāmaṇḍalamāgatya maṇḍale pūrvavaddharim |
abhyarcya juhuyād vanhau saṃskṛte pūrvavartmanā || 86 ||
Übersetzung: Man begebe sich zum Chhaya-Mandala, verehre Hari dort im Mandala wie zuvor und opfere in das nach der früheren Ordnung geweihte Feuer.
Wort-für-Wort: chāyāmaṇḍala – Schatten- oder Stellvertretermandala; abhyarcya – verehrt habend; vahni – Feuer; saṃskṛta – geweiht.
10.87 śatamaṣṭottaraṃ hutvā manunā'nena vaiṣṇavaḥ |
punaryajed devatāgre tataḥ pāriṣadān yajet || 87 ||
Übersetzung: Nachdem der Vaishnava mit diesem Mantra einhundertacht Opfergaben dargebracht hat, verehre er erneut vor der Gottheit und dann die Angehörigen ihres Gefolges.
Wort-für-Wort: aṣṭottaraśata – 108; hutvā – geopfert habend; vaiṣṇava – Vishnuverehrer; pāriṣada – Gefolgsmann.
10.88 prathamāvṛttiraṅgaiḥ syād vāsudevādibhiḥ parā |
śāntyādiśaktisahitaiḥ parā dvādaśamūrtibhiḥ || 88 ||
Übersetzung: Der erste Umkreis besteht aus den Gliedern, der nächste aus Vasudeva und den weiteren [Vyuhas], zusammen mit Shanti und den übrigen Shaktis; der folgende aus den zwölf Gestalten.
Wort-für-Wort: āvṛtti – Umkreis; aṅga – Glied; Vāsudevādi – Vasudeva und folgende; Śāntyādi – Shanti und folgende; dvādaśamūrti – zwölf Gestalten.
10.89 caturthī suranāthādyairvajrādyaiḥ pañcamī matā |
evaṃ sampūjito viṣṇuḥ prasīdatyeva satvaram || 89 ||
Übersetzung: Der vierte [besteht] aus Indra und den übrigen [Weltenhütern], der fünfte aus Vajra und den übrigen [Waffen]. So verehrt, wird Vishnu rasch gnädig.
Wort-für-Wort: suranātha – Götterherr, Indra; vajrādi – Donnerkeil und folgende; prasīdati – wird gnädig; satvaram – rasch.
10.90 tāreṇa hṛdayaṃ proktaṃ namasā śira īritam |
caturvarṇaiḥ śikhā proktā pañcārṇaiḥ kavacaṃ matam || 90 ||
Übersetzung: Om wird dem Herzen, namaḥ dem Kopf zugeordnet; mit vier Silben [wird] die Haarlocke, mit fünf Silben der Schutzpanzer [gebildet].
Wort-für-Wort: tāra – Om; hṛdaya – Herz; śiras – Kopf; caturvarṇa – vier Silben; pañcārṇa – fünf Silben; kavaca – Schutzpanzer.
10.91 samastena bhavedastramaṅgakalpanamīritam |
vāsudevaḥ saṅkarṣaṇaḥ pradyumnaścā'niruddhakaḥ || 91 ||
Übersetzung: Mit dem ganzen [Mantra] entsteht die Waffenformel; so ist die Gliederbildung erklärt. [Die vier Gestalten heißen:] Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha.
Wort-für-Wort: samasta – ganz; astra – Waffe; aṅgakalpana – Gliederbildung; Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna, Aniruddha – vier Vyuhas.
10.92 śaṅkhacakragadāmbhojadharā ete caturbhujāḥ |
tataśca mandiraṃ dadyānmanunā'nena mānavaḥ || 92 ||
Übersetzung: Sie sind vierarmig und tragen Muschel, Diskus, Keule und Lotus. Danach bringe der Mensch mit diesem Mantra den Tempel dar.
Wort-für-Wort: caturbhuja – vierarmig; śaṅkha-cakra-gadā-ambhoja – Muschel, Diskus, Keule, Lotus; mandira – Tempel; dadyāt – schenken.
10.93 puṇyātmā vaiṣṇavaśreṣṭhaḥ sa devo na tu mānavaḥ |
kṛtvaivaṃ kṛtakṛtyaḥ syāt satyaṃ satyaṃ na saṃśayaḥ || 93 ||
Übersetzung: Der verdienstvolle, hervorragende Vaishnava ist dann ein Gott und kein [gewöhnlicher] Mensch. Wer so gehandelt hat, hat seine Aufgabe erfüllt: wahrlich, wahrlich, ohne Zweifel.
Wort-für-Wort: puṇyātman – verdienstvoll; vaiṣṇavaśreṣṭha – hervorragender Vaishnava; kṛtakṛtya – dessen Aufgabe erfüllt ist; satyam – wahrlich.
10.94 ṛgyajuḥsāmasūktaiśca smārtaiḥ paurāṇikairapi |
mantrairāgamikaiścaiva vaiṣṇavaiḥ kīrtayeddhām || 94 ||
Übersetzung: Mit Hymnen aus Rig-, Yajur- und Samaveda, mit Smriti-, Purana-, Agama- und vaishnavischen Mantras preise man die Stätte [beziehungsweise Herrlichkeit].
Wort-für-Wort: smārta – aus der Smriti; paurāṇika – puranisch; āgamika – agamisch; kīrtayet – preisen; dhām – wohl dhāman, Stätte oder Glanz; Lesung unsicher.
10.95 darpaṇaṃ cāmaraṃ chatraṃ vyañjanaṃ ca pṛthak pṛthak |
dattvā ca manunā'nena prāṇāyāmaṃ tataścaret || 95 ||
Übersetzung: Nachdem man mit diesem Mantra einzeln Spiegel, Yakschweifwedel, Schirm und Fächer dargebracht hat, übe man Pranayama.
Wort-für-Wort: darpaṇa – Spiegel; cāmara – Wedel; chatra – Schirm; vyañjana – hier Fächer; pṛthak – einzeln.
10.96 śatamaṣṭottaraṃ japtvā pūrṇāṃ dadyāt tataḥ param |
gāyatryā mūlamantreṇa svāhāntena dvijottamaḥ || 96 ||
Übersetzung: Nach einhundertacht Mantrawiederholungen vollziehe der beste Zweimalgeborene die volle Opfergabe mit Gayatri und dem auf svāhā endenden Grundmantra.
Wort-für-Wort: śatam aṣṭottaram – 108; pūrṇā – volle Opfergabe; gāyatrī – Gayatri; svāhānta – auf svāhā endend.
10.97 pūrṇāgutiṃ tataḥ kṛtvā visarjanamataḥ param |
ṛtvigbhyo dakṣiṇāṃ dattvā bhojayecca dvijottamān || 97 ||
Übersetzung: Nach Vollzug der abschließenden Vollopfergabe folge die Entlassung. Man gebe den Opferpriestern Ehrengaben und speise die besten Zweimalgeborenen.
Wort-für-Wort: pūrṇāhuti – volle Schlussopfergabe; visarjana – Entlassung; ṛtvij – Opferpriester; dakṣiṇā – Ehrengabe; bhojayet – speisen.
10.98 evaṃ kṛtvā tu puṇyātmā sākṣānnārāyaṇo bhavet |
gṛhādīnāṃ ca dāneṣu brāhmaḥaḥ kṣatrīyastathā |
vaiśyaśca pādajaścaiva sarve'pyatrā'dhikāriṇaḥ || 98 ||
Übersetzung: Wer so handelt, wird als Verdienstvoller Narayana selbst. Zur Schenkung von Häusern und Ähnlichem sind Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und die aus den Füßen Geborenen [Shudras] sämtlich berechtigt.
Wort-für-Wort: sākṣāt – unmittelbar; gṛhādi-dāna – Schenkung von Häusern und Ähnlichem; pādaja – fußgeboren, Shudra; adhikārin – berechtigt.
Kolophon: || iti sanatkumārīye mālānirṇayo nāma daśamaḥ paṭalaḥ ||
10 ||
Übersetzung: Damit endet im Sanatkumariya das zehnte Kapitel, genannt „Bestimmung der Mala“.
Kapitel 11: Einweihung, Yoga und Abschluss
Zum Abschluss nennt das Werk Eigenschaften von Guru und Schüler, behandelt Einweihungszeiten und beschreibt Yoga als Einheit. Für die Betrachtung sind besonders Hilfsbereitschaft, Friedfertigkeit, Wohlwollen und der Umgang mit inneren Hindernissen bedeutsam (11.5–10 und 11.19–20).
athaikādaśa paṭalaḥ
11.1 tato dīkṣāvadhiṃ vakṣye yathāvadavadhāraya |
kriyāvatī kalāvatī varṇātmā vedamapyapi || 1 ||
Übersetzung: Nun werde ich die Bestimmung der Einweihung erklären; höre genau zu: Kriyavati, Kalavati, die aus Lauten bestehende und [die im Text als vedamapyapi bezeichnete Einweihung].
Wort-für-Wort: dīkṣā – Einweihung; kriyāvatī – mit Ritualhandlung; kalāvatī – mit Teilkräften; varṇātmā – aus Lauten bestehend. vedamapyapi ist verderbt; die naheliegende Korrektur zur „durchdringenden“ Initiation wird nicht in den Grundtext eingesetzt.
11.2 pañcāyatanadīkṣāyāṃ sarvadīkṣottamottamā |
pitṛmātṛkṛtaṃ nāma tyaktāyurvarṇavarṇakān || 2 ||
Übersetzung: Die Panchayatana-Einweihung ist die höchste unter allen Einweihungen. [Es folgt eine beschädigte Anweisung über] den von Vater und Mutter gegebenen Namen, ein Weglassen sowie Lebensdauer, Stand und Buchstaben.
Wort-für-Wort: pañcāyatana – fünf Heiligtümer/Gottheiten; sarvadīkṣottamottamā – höchste aller Initiationen; pitṛmātṛkṛtanāma – elterlich gegebener Name. Die zweite Vershälfte tyaktāyurvarṇavarṇakān ist beschädigt und nicht zuverlässig übersetzbar.
11.3 saṃsṛṣtimantrato vidvān cakreṣu gaṇayet kramāt |
āṣāḍho nindito jyeṣṭhaḥ pauṣo bhādrapadastathā || 3 ||
Übersetzung: der Kundige zähle sie zusammen mit dem Mantra der Reihe nach in den Chakras. Ashadha, Jyeshtha, Pausha und Bhadrapada werden [als Einweihungsmonate] getadelt.
Wort-für-Wort: cakra – hier Berechnungsdiagramm; gaṇayet – zählen; nindita – getadelt; Āṣāḍha, Jyeṣṭha, Pauṣa, Bhādrapada – Monatsnamen. saṃsṛṣtimantrataḥ ist unsicher.
11.4 māseṣvaninditeṣveva dīkṣoktā grahaṇe śubhā |
puruṣārthasamāvāptyai sa śiṣyo gurumāśrayet || 4 ||
Übersetzung: Einweihung ist in den nicht getadelten Monaten vorgeschrieben und bei einer Finsternis günstig. Zur Erlangung der menschlichen Lebensziele nehme der Schüler Zuflucht zu einem Guru.
Wort-für-Wort: anindita – nicht getadelt; grahaṇa – Finsternis; śubha – günstig; puruṣārtha – Lebensziel; gurum āśrayet – Zuflucht zum Guru nehmen.
11.5 mātṛtaḥ pitṛtaḥ śuddhaḥ śuddhabhāvo jitendriyaḥ |
sarvāgamānāṃ sārajñaḥ sarvaśāstrārthatattvavit || 5 ||
Übersetzung: [Dieser sei] von Mutter- und Vaterseite rein, von reiner Gesinnung und sinnenbeherrscht, kenne den Kern aller Agamas und die wahre Bedeutung aller Lehrschriften,
Wort-für-Wort: mātṛtaḥ pitṛtaḥ śuddha – mütterlicher- und väterlicherseits rein, eine historische Herkunftsanforderung; śuddhabhāva – reine Gesinnung; jitendriya – sinnenbeherrscht; āgamasārajña – Kenner des Agama-Kerns; śāstrārthatattvavit – Kenner der wahren Schriftbedeutung.
11.6 paropakāranirataḥ pūjājapaparāyaṇaḥ |
amoghavacanaḥ śānto vedavedāṅgapāragaḥ || 6 ||
Übersetzung: sei dem Wohl anderer hingegeben, in Puja und Japa verwurzelt, von wirksamer Rede, friedvoll und in Veda und Vedangas bewandert,
Wort-für-Wort: paropakāranirata – dem Wohl anderer hingegeben; pūjājapaparāyaṇa – Puja und Japa gewidmet; amoghavacana – von nicht vergeblicher Rede; śānta – friedvoll; pāraga – vollständig bewandert.
11.7 yogamārgānusandhāyī devatāhṛdayaṅgamaḥ |
ityādiguṇasampanno gururbhavati mānavaḥ || 7 ||
Übersetzung: erforsche den Yogaweg und sei in das Herz der Gottheit eingegangen. Ein mit solchen Eigenschaften ausgestatteter Mensch ist ein Guru.
Wort-für-Wort: yogamārgānusandhāyin – den Yogaweg erforschend; devatāhṛdayaṅgama – ins Herz der Gottheit gelangt; guṇasampanna – mit Eigenschaften ausgestattet.
11.8 śiṣyaḥ kulīnaḥ śuddhātmā puruṣārthaparāyaṇaḥ |
adhītavedaḥ kuśalo dūramuktamanobhavaḥ || 8 ||
Übersetzung: Der Schüler sei von guter Herkunft, reinen Wesens und den Lebenszielen hingegeben; er habe den Veda studiert, sei fähig und weit entfernt vom Getriebensein durch sinnliches Begehren,
Wort-für-Wort: kulīna – von guter Herkunft; śuddhātman – reinen Wesens; adhītaveda – Veda studiert habend; kuśala – fähig; manobhava – Kama, Begehren. Herkunft und Vedastudium gehören hier zum historischen Schülerideal des Werkes.
11.9 hitaiṣī prāṇināṃ nityamāstikastyaktanāstikaḥ |
svadharmanirato nityaṃ pitṛmātṛhite rataḥ || 9 ||
Übersetzung: wünsche stets allen Lebewesen Gutes, bejahe die heilige Überlieferung und habe ihre Verneinung aufgegeben; er erfülle stets seine eigene Pflicht und sei dem Wohl von Vater und Mutter zugewandt,
Wort-für-Wort: hitaiṣin – Gutes wünschend; prāṇin – Lebewesen; āstika – Überlieferung bejahend; svadharma – eigene Pflicht; pitṛmātṛhita – Elternwohl.
11.10 vāṅmanaḥkāyakṛtibhirguruśuśrūṣaṇodyataḥ |
ebhireva guṇairyuktaḥ śiṣyo bhavati nā'paraḥ || 10 ||
Übersetzung: und sei mit Wort, Geist und körperlichem Handeln zum Dienst am Guru bereit. Wer mit diesen Eigenschaften versehen ist, ist Schüler, kein anderer.
Wort-für-Wort: vāṅmanaḥkāya – Wort, Geist, Körper; guruśuśrūṣaṇa – Gurudienst; udyata – bereit; guṇa – Eigenschaft.
11.11 dvādaśeṣu ca māseṣu yānyeva śubhadāni ca |
dināni tāni viprendra sāvadhānā'vadhāraya || 11 ||
Übersetzung: Welche Tage in den zwölf Monaten Glück bringen, das höre aufmerksam, bester Brahmane.
Wort-für-Wort: dvādaśa-māsa – zwölf Monate; śubhada – Glück bringend; dina – Tag; sāvadhāna – aufmerksam.
11.12 caitre trayodaśī śuklā vaiśākhaikādaśī sitā |
jyeṣṭhe ca daśamī kṛṣṇā cāṣāḍhe nāgapañcamī || 12 ||
Übersetzung: Im Chaitra der dreizehnte Tag der hellen Hälfte, im Vaishakha der elfte helle Tag; im Jyeshtha der zehnte dunkle Tag und im Ashadha Nagapanchami,
Wort-für-Wort: śukla, sita – helle Monatshälfte; kṛṣṇa – dunkle Monatshälfte; trayodaśī – 13.; ekādaśī – 11.; daśamī – 10.; nāgapañcamī – Schlangenfest am 5. Mondtag.
11.13 śrāvaṇe dvādaśī bhādre rohiṇīsahitā'ṣṭamī |
āśvine ca mahāpuṇyā mahāṣṭamyapayabhīṣṭadā || 13 ||
Übersetzung: im Shravana der zwölfte, im Bhadra der mit Rohini verbundene achte Tag; im Ashvina der hochheilige Mahashtami, der Wünsche erfüllt,
Wort-für-Wort: dvādaśī – 12. Mondtag; Rohiṇī – Mondstation; aṣṭamī – 8.; mahāṣṭamī – großer achter Festtag; abhīṣṭada – Gewünschtes gebend.
11.14 kārtike pūrṇimā śuklā mārgaśīrṣe sitā tathā |
ṣaṣṭhī caturdaśī pauṣe māghe'pyekādaśī sitā || 14 ||
Übersetzung: im Kartika der helle Vollmond, im Margashirsha der helle sechste Tag, im Pausha der vierzehnte, im Magha der elfte helle Tag,
Wort-für-Wort: pūrṇimā – Vollmond; ṣaṣṭhī – 6. Mondtag; caturdaśī – 14.; ekādaśī – 11. Die helle Hälfte wird im Wortlaut nicht jedem Datum ausdrücklich zugeordnet.
11.15 phālgune ca sitā ṣaṣṭhī ceti kālavinirṇayaḥ |
praśastāstithayaḥ puṇyāḥ siddhidāḥ śrūyatām budhaḥ || 15 ||
Übersetzung: im Phalguna der sechste helle Tag: So ist die Zeitbestimmung. Höre, o Weiser, [auch allgemein] die gepriesenen, heiligen, Vollendung gebenden Mondtage:
Wort-für-Wort: kālavinirṇaya – Zeitbestimmung; praśasta – gepriesen; puṇya – heilig; siddhida – Vollendung gebend.
11.16 pañcamī saptamī ṣaṣṭhī pūrṇimā ca sitā tathā |
trayodaśī tu daśamī praśastā sarvakarmaṇi || 16 ||
Übersetzung: der fünfte, siebte, sechste, der Vollmond und der helle dreizehnte sowie der zehnte gelten für alle Handlungen als günstig.
Wort-für-Wort: pañcamī – 5.; saptamī – 7.; ṣaṣṭhī – 6.; trayodaśī – 13.; daśamī – 10.; sarvakarman – alle Handlungen.
11.17 ekādaśī sitā kṛṣṇā praśastā kīrtitā budhaiḥ |
aśvinī śravaṇārdrā ca revatī cottarātrayam || 17 ||
Übersetzung: Der elfte Tag sowohl der hellen als auch der dunklen Hälfte wird von den Wissenden gerühmt. Ashvini, Shravana, Ardra, Revati und die drei Uttara [sind günstig],
Wort-für-Wort: ekādaśī – 11.; sitā kṛṣṇā – hell und dunkel; Aśvinī, Śravaṇā, Ārdrā, Revatī – Mondstationen; uttarātraya – drei Uttara-Mondstationen.
11.18 puṇyā śatabhiṣā caiva dīkṣādiṣu prakīrtitā |
atha yogaṃ pravakṣyāmi sādhakānāṃ hitāya ca || 18 ||
Übersetzung: auch die heilige Shatabhisha wird für Einweihung und Ähnliches genannt. Nun werde ich zum Wohl der Übenden Yoga erklären.
Wort-für-Wort: Śatabhiṣā – Mondstation; dīkṣādi – Einweihung und Ähnliches; sādhakahita – Wohl der Übenden; yoga – Vereinigung.
11.19 aikyaṃ jīvātmanorāhuryogaṃ yogaviśāradāḥ |
śivātmanorabhedena pratipattiṃ pare viduḥ || 19 ||
Übersetzung: Die im Yoga Erfahrenen nennen die Einheit von Jiva und Atman Yoga; andere verstehen darunter die Erkenntnis der Nichtverschiedenheit von Shiva und dem Selbst.
Wort-für-Wort: aikya – Einheit; jīva-ātman – individuelle Seele und Selbst; yogaviśārada – yogaerfahren; abheda – Nichtverschiedenheit; pratipatti – Erkenntnis.
11.20 kāmakrodhau lobhamohau tatparaṃ madamatsarau |
vadanti viṣamānetān viṣamaṃ durgamātmanaḥ || 20 ||
Übersetzung: Begehren und Zorn, Gier und Verblendung, dann Hochmut und Missgunst: Diese gelten als gefährliche Hindernisse, als schwer zugängliches Gelände für das Selbst.
Wort-für-Wort: kāma – Begehren; krodha – Zorn; lobha – Gier; moha – Verblendung; mada – Hochmut; matsara – Missgunst; durgama – schwer zu durchqueren.
11.21 iḍayā karṣayed vāyuṃ bāhyaṃ ṣoḍaśamātrayā |
madhyamā kumbhayed vāyuṃ vidyayā mātrayā śanaiḥ || 21 ||
Übersetzung: Durch Ida ziehe man die äußere Luft sechzehn Zähleinheiten lang ein; durch die mittlere [Bahn] halte man den Atem sanft entsprechend dem mit vidyā bezeichneten Maß,
Wort-für-Wort: iḍā – linker Kanal; ṣoḍaśamātrā – sechzehn Zähleinheiten; madhyamā – mittlere Bahn; kumbhayet – Atem halten; śanaiḥ – sanft, langsam. Die Haltezahl ist nicht eindeutig ausgeschrieben.
11.22 nāḍyā piṅgalayā cainaṃ recayed yogavittamaḥ |
prāṇāyāmamidaṃ prāhuryogaśāstraviśāradāḥ || 22 ||
Übersetzung: und entlasse ihn durch die Pingala-Nadi, als im Yoga Kundiger. Dies nennen die Kenner der Yogalehre Pranayama.
Wort-für-Wort: piṅgalā – rechter Kanal; nāḍī – Energiebahn; recayet – ausatmen; yogaśāstraviśārada – Kenner der Yogalehre.
11.23 bhūyo bhūyaḥ samākramya abhyāsena samācaret |
sanatkumāratantraṃ tat sambhūtaṃ munipuṅgavāt || 23 ||
Übersetzung: Immer wieder nehme man es auf und übe es durch regelmäßige Wiederholung. Dieses Sanatkumara-Tantra stammt von dem hervorragenden Weisen,
Wort-für-Wort: bhūyo bhūyaḥ – immer wieder; abhyāsa – wiederholte Übung; samācaret – ausführen; munipuṅgava – hervorragender Weiser.
11.24 sanatkumārāt sāraṃ ca tantrāṇāṃ brahmabhāvanāt |
yaḥ paṭhecchuṇuyād vā'pi so'pi puṇyavatāṃ varaḥ || 24 ||
Übersetzung: von Sanatkumara, aus der Betrachtung Brahmans, als Essenz der Tantras. Wer es liest oder auch hört, gehört zu den hervorragendsten Verdienstvollen.
Wort-für-Wort: sāra – Essenz; brahmabhāvana – Betrachtung Brahmans; paṭhet – lesen; śṛṇuyāt – hören; puṇyavat – verdienstvoll.
11.25 pustakaṃ likhitaṃ yasya gṛhe tiṣṭhati nityaśaḥ |
lakṣmīstasya gṛhaṃ sākṣāt trisandhyaṃ na vimuñcati || 25 ||
Übersetzung: In wessen Haus eine Abschrift dieses Buches beständig verweilt, dessen Haus verlässt Lakshmi selbst zu keiner der drei Tagesübergänge.
Wort-für-Wort: pustaka – Buch; likhita – geschrieben; gṛha – Haus; Lakṣmī – Göttin des Wohlergehens; trisandhyam – zu den drei Tagesübergängen; na vimuñcati – verlässt nicht.
Kolophon: || iti sanatkumāratantre sanatkumārapulastyasaṃvāde śrīgopālapūjāprayogavidhānaṃ nāmaikadaśaḥ paṭalaḥ ||
11 ||
Übersetzung: Damit endet im Sanatkumara Tantra, im Gespräch zwischen Sanatkumara und Pulastya, das elfte Kapitel, genannt „Anordnung der rituellen Durchführung der Shri-Gopala-Verehrung“.
Deutsche Lesefassung
Diese Lesefassung führt die deutsche Übersetzung ohne die dazwischenstehenden Sanskrit- und Worterklärungsblöcke zusammen. Sie umfasst alle 384 nummerierten Einheiten. Die Nummern in Klammern ermöglichen den Vergleich; bei beschädigten Stellen gelten weiterhin die Erläuterungen im Haupttext. In den mantratechnischen Kapiteln bleiben die notwendigen Sanskritbezeichnungen erhalten.
Om. Verehrung Ganesha.
Lesefassung – Kapitel 1: Krishna und der Mantrakönig
(1) Verehrung dem Träger des Diskus! Sein makelloses Gewand ist gelb wie goldener Blütenstaub; sein Diskus streift die Schultern starkarmiger Feinde. (2) An einem abgeschiedenen, schönen Ort, den Siddhas und himmlische Sänger aufsuchten, verneigte sich Pulastya vor Sanatkumara und fragte ihn: (3) „Du mögest die Größe des starkarmigen Krishna und den König der Mantras in gehöriger Weise erklären. Erweise mir diese Gnade, du mit den guten Gelübden!“ (4) Sanatkumara sprach: „Höre! Ich werde die Gestalt Krishnas beschreiben, der die Taten eines Kindes vollbringt. Seiner Macht unterstehen beständig ich, die Sonne, die Rudras und Indra.“
(5) Was soll dir noch über seine Größe gesagt werden, bester Zweimalgeborener? Im Himmel, auf der Erde und im Zwischenraum wird er Vishnu genannt. (6) Ich werde seine Verehrungsordnung erklären; höre sie wahrheitsgemäß. Zuerst empfange man, von Hingabe erfüllt, das Mantra aus dem Mund des Gurus, (7) gebe dem Guru die Ehrengabe und vollziehe die vorbereitende Verehrung. Nachdem man die Zweimalgeborenen zufriedengestellt hat, handle man mit innerer Freude. (8) Zuerst verrichte man die anlassbezogenen Pflichten, verehre hingebungsvoll die Sonne und die Gottheiten und vollziehe dann, von Mitgefühl erfüllt, das Opfer.
(9) Auf einem Berg, an einem Fluss, im Wald, an einer Pilgerstätte, bei einer Kuhherde, in einem Tempel, bei einem Ashvattha-Baum oder am Meer vollziehe man Japa in Tausendergruppen. (10) Der Verständige vollziehe einhundertacht Wiederholungen und nehme an diesen Orten Nahrung zu sich; er verehre Madhusudana mit sechzehn Darbringungen. (11) Zur rechten Zeit meditiere er vorschriftsgemäß und bringe die Speisegabe dar. Höre nun den Mantrakönig, die Herzensanrufung Vishnus. (12) Gesammelt, rein und hingebungsvoll erschließe der Weise das Mantra: Zuerst bilde er den Om-Laut und [nenne] dreimal den höchsten Herrn.
(13) Welchen Wunsch der Mantrapraktizierende auch hat, er bringe ihn am Anfang des Mantras dar. [Es folgt die Lautchiffre:] den Lotusgeborenen, mit dessen Mund versehen, über Shakra stehend, (14) mit Mond, Punkt und Spitze versehen: dies ist das erste, alle Wünsche gewährende [Bija]. Das Tirtha, auf Feuer erhoben, mit Shri am Haupt, (15) von Mond, Punkt und Spitze durchdrungen: dies ist das zweite, Wohlergehen schenkende [Bija]. Rudra, mit dem Lotus verbunden und auf Feuer stehend, (16) von Mond, Punkt und Spitze gekrönt: dies gilt als das dritte, Befreiung schenkende [Bija]. [Es folgen Lautangaben:] kha-Ende, na-Ende, cha-Ende, dha-Ende, la-Ende und zweimal ca, (17) va-Ende, ma-Ende, ṣa-Ende, la-Ende und sāntāntaka; ferner epara, aipara, aparānta und parātraya.
(18) Zuerst setze man das Wort gopījana, danach vallabhāya und anschließend svāhā. So vervollständigt, verleiht [das Mantra] Vollendung.
Damit ist im Sanatkumariya das erste Kapitel abgeschlossen.
Lesefassung – Kapitel 2: Grundfolge der Puja
(1) Nun werde ich Verehrung und Meditation richtig erklären. Höre die Meditation zu den drei Tageszeiten und die jeweiligen Speisegaben. (2) Man stehe in der Brahma-Muhurta auf, werde rein und gesammelt, setze sich auf den Sitz, verneige sich vor dem Guru und lege die Hände zusammen. (3) Immer wieder betrachte man sich selbst als Gestalt Brahmans. Durch Wiederholung des Mantras werde man siegreich gegenüber allen Disputierenden. (4) Nach dem Bad und der Reinigung verrichte der kundige Übende die vedischen Pflichten, beginnend mit der Sandhya, und auch die weltlichen Pflichten nach der Unterweisung des Gurus.
(5) Mit dem Grundmantra und den Worten „Ich erquicke Shri Krishna“ vollziehe man die Wassergabe. Am Eingang des Verehrungsraums sitzend, wasche der Verständige die Füße. (6) Der Mantrakundige binde die Haarlocke mit dem Waffenmantra, vollziehe das rituelle Wasserschlürfen und verehre die Gottheiten des Eingangs. (7) Nach Beseitigung der Hindernisse reinige er Hände und Boden. Er verneige sich vor dem Guru und Ganesha und vollziehe die Verehrung des heiligen Baugrundes. (8) Nach der Verehrung Brahmas [weihe er] seinen eigenen Sitz. Dann vollziehe der Weise die Reinigung der Elemente und betrachte: „Ich bin die Gottheit.“
(9) Er vollziehe sämtliche Nyasas, beginnend mit dem Seher, und dann den Nyasa der Buchstaben. Der Mantrakundige übe dreimal Pranayama und den Nyasa der Körperglieder. (10) [Die Namen lauten:] Achakra, Suchakra, Vichakra, das die drei Welten schützende Chakra und der Vernichter der Asuras, o bester Zweimalgeborener. (11) Man setze jeweils zuerst die betreffende Bezeichnung, füge das Wort cakra hinzu, bilde den Dativ und lasse das Wort svāhā folgen. (12) Ebenso spreche man das jeweilige Körperglied aus und ordne ihm einzeln namaḥ, svāhā, svadhā, vauṣaṭ, vaṣaṭ und die Waffenformel zu.
(13) Am Herzen, Kopf, Haarbüschel, Körper und in den Himmelsrichtungen vollziehe der Einsichtige der Reihe nach den Nyasa mit Keshava und den folgenden Formen samt ihren Shaktis. (14) Nach dem Einsetzen des „Gitters der Herrlichkeiten“ setze man das „Gitter seiner Gestalten“ ein; der Weise vollziehe Tattva-Nyasa und Hand-Nyasa. (15) Er vollziehe Mantra-Nyasa und dreimal den durchdringenden Nyasa. Beim Vibhuti-Panjara-Nyasa [verwende er] jeweils das zehnsilbige Mantra. (16) So ordne er die im Ritualhandbuch genannten Nyasas der Reihe nach an. Auch die Aufstellung der Muschel vollziehe er gemäß der Guruunterweisung.
(17) Er bereite die Ehrengabe, besprenge sorgfältig die Gegenstände und stelle sich den heiligen Sitz im eigenen Körper vor; dort verehre er Dharma und die übrigen [Trägerkräfte]. (18) Im Herzen verehre er vorschriftsgemäß Ananta und die folgenden [Gottheiten]. Für den Haushälter ist die äußere Verehrung vorrangig, für den Gelübdehaltenden die innere. (19) Er fertige ein Yantra auf Kupfer an und ordne Ananta und die weiteren [Gottheiten] darin an; in seinen Ecken Dharma und die übrigen, daneben die zuvor genannten [Gegenkräfte]. (20) In der Mitte verehre er stets die vierzehn mit Ananta beginnenden [Kräfte], an den Lotusstaubfäden die Gottheiten Vimala und die weiteren.
(21) Nachdem er sich selbst als Gottheit vergegenwärtigt hat, lasse er [ihre Gegenwart] durch die eigene Nasenöffnung hervortreten, rufe den Gott sorgfältig herbei und verehre ihn. (22) Mit Ananta und den weiteren [Namen] und Bijas vollziehe er die Einsetzung der Lebenskraft; mit Fußwasser und den weiteren Gaben verehre er sorgsam die Schar der Gestalten. (23) Nach Bereitstellung von Räucherwerk und Licht bringe er die Speisegabe dar, wiederhole das im Tantra gelehrte Mantra und verehre selbst, der Gottheit gleich. (24) Mit dem Grundmantra und den Worten „Ich erquicke Shri Krishna“ erquicke er ihn sorgfältig dreimal durch das Wasser der Ehrengabe, [die Worte] in das Mantra einfügend.
(25) Er übe dreimal Pranayama und vollziehe dreimal den durchdringenden Nyasa. So führt der Verständige die Praxis nach der im Tantra gelehrten Ordnung aus.
Damit endet im Sanatkumara Tantra das zweite Kapitel, genannt „Leitschnur der Puja“.
Lesefassung – Kapitel 3: Elementereinigung, Atem und heiliger Sitz
(1) Nun werde ich es zum Wohl der Übenden ausführlich erklären: Mit dem Hamsa-Mantra führe man die individuelle Seele mitsamt den Tattvas und Kundalini (2) nach der mit Yoga verbundenen Methode in das höchste Brahman. In der linken Nasenöffnung vergegenwärtige man sich das rauchfarbene Bija des Windes. (3) Nachdem der Körper dadurch gereinigt ist, atme man rechts aus. In der rechten Nasenöffnung vergegenwärtige man sich das rote Bija des Feuers. (4) Das so hervorgerufene Feuer mache den ausgetrockneten Körper zu Asche; dann [erfolge] links die Besprengung. Das weiße Bija ṭhaṃ (5) setze man auf die Stirn, wo der Mond ist, und rege damit [den Mond] an. Den dadurch neu hervorgebrachten, reinen und überaus schönen Körper (6) stelle man sich vorschriftsgemäß vor. Mit dem Mantra so'haṃ führe man die individuelle Seele an ihren eigenen Ort zurück, von Kundalini und den Tattvas umgeben.
(7) Dies ist die Reinigung der Elemente, die alle Fülle verleiht. Nun werde ich Pranayama erklären; höre genau zu. (8) Rechts atme man zweiunddreißig Zähleinheiten lang aus; durch Ida ziehe man den Atem während sechzehn Mantra-Zähleinheiten ein. (9) Man führe ihn in die Mitte der Sushumna und halte ihn entsprechend der mit vidyā bezeichneten Zählung an. Durch die Seite, durch die man gefüllt hat, entlasse man den Atem wieder. (10) Durch die Seite, durch die man zuvor ausgeatmet hat, atme man wieder ein. Nachdem man [den Atem] in die Mitte beider geführt hat, halte man ihn jeweils für die entsprechende Zähldauer.
(11) So ist das zuvor beschriebene Pranayama festgelegt. Nun werde ich den Matrika-Nyasa erklären; höre genau zu. (12) Auf Stirn und Gesicht, an beiden Augen und Ohren, an den Nasenöffnungen und Wangen, an Lippen und Zahnreihen (13) sowie auf Kopf und Mund setze man der Reihe nach die Vokale ein. An Händen und Füßen, ihren Gelenken und Spitzen, gemäß der Vorschrift, (14) an den Seiten, am Rücken, Nabel und Bauch setze man die jeweils zugehörigen Buchstaben von ka bis ma ein.
(15) Am Herzen, an den beiden Schultern und Schulterbereichen sollen die vier mit ya beginnenden Laute sorgfältig eingesetzt werden. (16) Die sechs mit śa beginnenden [Laute] ordne man den beim Herzen beginnenden Stellen zu, dem Hand- und Fußpaar, Nabel, Mund und Lippen. (17) Dieser Matrika-Nyasa ist als Verleiher allen Gedeihens gelehrt. Nun werde ich den Pitha-Nyasa erklären; höre genau zu. (18) Im eigenen Körper stelle man sich den Sitz vor, der Reihe nach mit Dharma beginnend. Man verehre die Sonne, Ganesha, Shiva und Durga.
(19) An den beiden Schultern und Schenkeln setze der kundige Lehrer in Rechtsrichtung der Reihe nach Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrlichkeit ein. (20) An Gesicht, Flanke, Nabel und anderer Flanke stelle er sich Adharma und die übrigen [Gegensätze] vor. Dharma und die weiteren gelten als Füße des Sitzes, die anderen als sein übriger Aufbau. (21) [Er stelle sich] Ananta im Herzen, darauf den Lotus und in diesem Sonne, Mond und Feuer [vor]. Ihre jeweiligen Kalas sollen mit vorangestelltem Om eingesetzt werden. (22) Er setze die drei Gunas, beginnend mit Sattva, ein und ebenso die drei höchsten Gurus, das Selbst, das innere Selbst und das höchste Selbst.
(23) Der Einsichtige setze das Erkenntnisselbst mit vorangestelltem Maya-Bija ein. Er spreche namo bhagavate und dann das Wort viṣṇave, (24) darauf sarvātmasaṃyoga und yogapadma, sodann pīṭhātmane und abschließend [die Herzensformel] namaḥ. So ist dieses Mantra als Anfang des Lobes überliefert. (25) Die Shaktis heißen Vimala, Utkarshini, Jnana, Kriya und Yoga; ferner [die Textformen] Brahmi, Isha und Ishana; als neunte gilt Nāntargrahā. (26) Auf dem jeweils zugehörigen Sitz verehre man die Gottheit. [Es folgen die Kräfte:] Wille, Erkenntnis, Handlung, Kamini und Kamadayini, (27) Rati und Ratipriya, und in der Mitte Manonmani. Mit so'haṃ [und der Angabe] „Sadashiva als Leichensitz“, im Dativ, nehme man Zuflucht zur Göttin. Nachdem man so den Pitha-Nyasa vollzogen hat, meditiere man über seine gewählte Gottheit.
Damit endet im Sanatkumara Tantra das dritte Kapitel, genannt „Verehrung des heiligen Sitzes“.
Lesefassung – Kapitel 4: Tägliche Krishna-Verehrung
(1) Man meditiere über den die Welt umfassenden Gott, leuchtend wie eine frische Regenwolke, mit Butter in der rechten Hand und in gelbem Gewand. (2) Man rufe ihn herbei und verehre ihn mit dem Mantra, nachdem die Muschel aufgestellt wurde. Die Muschel besprenge man mit mantrageweihtem Wasser und [stelle sie] links im Feuermandala auf. (3) Der Kundige stelle sie samt Unterlage auf und verehre sie vorschriftsgemäß mit Wasser, das aus herabträufelndem Nektar besteht, mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben. (4) Er betrachte die Unterlage als Feuer, die Muschel als Sonne und das Wasser als Mond; an ihnen vergegenwärtige er der Reihe nach die Kalas von Feuer, Sonne und Mond.
(5) Er berühre [die Muschel], wiederhole das Grundmantra und setze dessen Glieder ein. Nach der Verehrung mit dem Herzensmantra bedecke er sie wieder mit beiden Händen. (6) Der Lehrer wiederhole das Mantra zur entsprechenden Zeit im Bewusstsein der Gottheit; er schütze [die Muschel] mit dem Waffenmantra und umhülle sie mit dem Schutzpanzer. (7) Er bilde die Kuh-Mudra und erwecke [die Gegenwart] mit ihrer eigenen Mudra: „Ganga und Yamuna, Godavari, Sarasvati, (8) Narmada, Sindhu und Kaveri, seid in diesem Wasser gegenwärtig!“ Dies ist das alle Fülle gewährende Mantra zur Herbeirufung der heiligen Gewässer.
(9) Rechts nehme man ein mit Wasser gefülltes Sprenggefäß; man entnehme etwas Arghya-Wasser und gebe es in das Sprengwasser. (10) Nördlich der Ehrengabe bereite man Fußwasser, Arghya und Wasser zum Mundspülen. Der Guru besprenge sich selbst und sämtliche Opfergegenstände. (11) So ist die Muschelaufstellung richtig erklärt, die alle Fülle gewährt. Shiva und die anderen sind bei [der Verehrung] Keshavas als Gliedgottheiten zu verehren. (12) Man rufe [die Gottheit] mit dem Lebensmantra herbei und setze die Lebenskraft ein. Nach den drei mit pāśa beginnenden Silben spreche man haṃsa und danach das Wort amuṣya, (13) dann der Reihe nach „die Lebenskräfte – hier die Lebenskräfte“, ebenso „die individuelle Seele ist hier gegenwärtig“, „dessen sämtliche Sinne“ und erneut das Wort „dessen“, (14) darauf die Worte „Sprache, Geist, Augen, Ohren, Geruchssinn, Lebenskräfte“, danach „hierher gekommen … lange mögen sie bleiben“ und zweimal ṭha.
(15) Dies ist das Lebensmantra, das allen Leben schenkt. Dann spreche der Guru vor [der Gottheit] Willkommensgruß und Frage nach dem Wohlergehen. (16) Mit der Herzensformel gebe er Fußwasser an die Lotusfüße des Gottes. Als Zutaten werden Shyamaka, Durva, Lotus und Vishnukranta genannt. (17) Mit der Svadhā-Formel gebe er Wasser zum Mundspülen an den Mund; die Tantrakundigen nennen dafür Jati, Gewürznelke und Kakkola. (18) Dann gebe der Lehrer mit dem Kopfmantra Arghya an das Haupt: Duftstoff, Blumen, ungebrochene Reiskörner, Gerste, Kusha-Wasser, Sesam und Senf, (19) zusammen mit Durva-Gras: Dies ist als Arghya für alle Gottheiten bezeichnet. Danach bereite er gesammelt mit svadhā den Madhuparka.
(20) Dieser besteht nach den Weisen aus einer Mischung von Ghee, Dickmilch und Honig. Anschließend biete man mit svadhā erneut Wasser zum Mundspülen an. (21) Man lasse [den Gott] mit duftendem Wasser baden, lege ihm zwei Gewänder an und gebe ihm die heilige Schnur zusammen mit Halsketten und weiteren Schmuckstücken. (22) Nach Besprengung des Götterherrn mit Arghya verehre man ihn mit Duftstoffen und weiteren Gaben. Als Duftstoffe werden Sandel, Kampfer und dunkles Aloeholz genannt. (23) Nachdem man ihn sorgfältig mit sechzehn Diensten verehrt hat, verehre man hingebungsvoll die umgebenden Kreise. Höre genau zu.
(24) Auf den Lotusblättern [verehre man] Vasudeva und Devaki, Nanda und Nandas Geliebte, Kamala, Bharati, Rati und Shanta. (25) Man verehre Muschel, Diskus, Keule, Lotus, den Kaustubha-Edelstein, Shrivatsa, das Kälbchen und den Waldblumenkranz. (26) Danach verehre man mit dem Grundmantra den Herrn der Vögel; dann den Gott mit seinem eigenen Bija, der Reihe nach mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben. (27) Dann wiederhole man das Mantra in der festgelegten Anzahl mit Lotusperlen. Anschließend verehre man den Gott und darauf seine beim Herzen beginnenden Glieder.
(28) Nachdem man [ihn] mit dem eigenen Körper geeint hat, vollziehe man Pranayama. Dann verehre man Vishvaksena mit den bereits dem Gott dargebrachten Gaben. (29) So ist die Krishna-Puja von Gesammelten der Reihe nach zu vollziehen. Danach ehre man die Kühe und bereite ihnen einen guten Bissen. (30) [Man betrachte Krishna] mit Schulterspangen, Armreifen, Halsketten, Ohrringen, Hüftschnüren, Fußringen, Waldblumen und mannigfachen Edelsteinen geschmückt, (31) rein, sich am Himmel bewegend, zusammen mit Mond, Planeten und Sternen, von Edelsteinglanz erfüllt und mit allem Schmuck geziert.
(32) Von Sanaka und den übrigen [Weisen], die in Himmelsfahrzeugen am Himmel stehen, gepriesen und mit allen glückverheißenden Merkmalen versehen: So verehre man Krishna am Morgen. (33) Sodann [betrachte man ihn] in einer goldenen Halle im Wald, vom Glanz des Wunschbaums umgeben, auf einem Edelsteinsitz, inmitten Hunderter liebender Frauen, (34) mit Yakschweifwedeln und anderen Fächern umweht, mit Sandel und Aloeholz gesalbt. So meditiere man mittags über Krishna, den Schönen, der die Liebe wachsen lässt. (35) Inmitten der Hirten und Hunderter schöner Frauen, alle durch seine Macht an sich ziehend, spielt er voller Freude.
(36) Mit Duftstoffen, Sandel und Kränzen geschmückt, ein Fest für die Augen: Wie am Mittag betrachte man nachts den Lotusäugigen. (37) In einem goldenen, silbernen oder, wenn diese fehlen, kupfernen Gefäß bringe man Krishna nach hingebungsvoller Verehrung die Speisegabe dar. (38) Morgens gebe man Reis mit Dickmilch, danach Milchreis; nachts gebe man als schöne Gabe gezuckerte Milch. (39) Mit diesen Verrichtungen ist dem höchsten Herrn zu dienen. Wer Japa übt, erlangt Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung.
Damit endet im Sanatkumara Tantra das vierte Kapitel.
Lesefassung – Kapitel 5: Herzmantra und kindlicher Gopala
(1) Nun werde ich ein anderes Mantra erklären; höre genau zu. Ich werde den Mantraleib darlegen, der in den drei Welten schwer zu erlangen ist. (2) Allein durch dessen Empfang wird ein Mensch allwissend, erlangt beständiges Glück und eine von Bhava anerkannte dichterische Gabe. (3) Der Mantrapraktizierende vermag selbst das sonst Unvollbringbare zu vollbringen, das sogar Göttern schwer zugänglich ist. Dies ist mein verborgenes Herz, wonach zu fragen ist, großer Weiser. (4) Andere Mantras bringen Frucht, nachdem sie vervollkommnet wurden. Dieses Mantra gewährt dem, der es empfangen hat, Frucht, auch wenn es noch nicht vervollkommnet ist.
(5) Wo der Guru zufrieden ist, dort ist der Herr der Welt zufrieden. Nach Einsetzung des Mantras zweifle man niemals an der Unterweisung des Gurus. (6) Der Mantraleib ruht auf dem Leib des Gurus. Darum verehre man den Guru mit dem Mantra und mit seinem ganzen Wesen. (7) Nachdem man den Guru mit Duft, Kränzen, Räucherwerk und Licht mittels des Guru-Mantras verehrt hat, empfange man das Mantra, den Kopf mit einem Tuch bedeckt. (8) Als Ehrengabe gebe man dem Guru Gold oder eine Kuh. Alle Handlungen verrichte man ohne unehrliches Zurückhalten des eigenen Vermögens.
(9) Ein ohne Ehrengabe vollzogenes Ritual ist gewiss vergeblich, bester Brahmane. Vishnu selbst erklärte einst dem Narada ohne Nachlässigkeit: (10) „Gib mir Gold als Ehrengabe, zusammen mit Gebetsschnur und Wasserkrug; danach empfange das Mantra in gebührender Weise, großer Weiser.“ (11) Eine ohne vorgeschriebene Ordnung verrichtete Handlung verleiht keine Vollendung. Auf ebenem, reinem und mit Kuhdung bestrichenem Boden (12) stelle man die Muschel auf und setze die Buchstabenkräfte in den Körper ein. Mit dem höchsten Brahman beginnend erschließe man die Lautgruppe.
(13) [Man bilde] sānta, mathānta, mā und Feuer, mit vāmatrika und Bindu verbunden; die drei zu einem Lautmeer vereinigt, bilde man das auf svāhā endende Mantra. (14) Nachdem man es aus dem Mund des Gurus empfangen hat, nehme man es ins Herz auf. Man übe zehntausend Wiederholungen, esse opfergeeignete Speisen und beherrsche die Sinne. (15) Ein Zehntel davon opfere man ins Feuer, mit den drei süßen Stoffen vermischt; oder [man opfere] tausend für Vishnu geeignete Blumen, in Selbstbeherrschung. (16) Zur Erlangung von Edelsteinen rezitiere man tausend zusätzlich. Ein Zehntel davon opfere man; [ferner] ist das Doppelte des Japa genannt.
(17) Vernimm sein Wesen, großer Weiser, wie es [hier] vorgetragen wird: Shambhus Grundsilbe ist darin, und die dreifache Kraft ist darin gegenwärtig. (18) [Es folgen die Chiffren] Shiva, manta und Brahma, versehen mit Mond und Punkt. So ist dir, mein Kind, das Herz, das höchste Mantra, mitgeteilt. (19) Es soll niemandem [unbefugt] mitgeteilt werden, denn es ist in den drei Welten schwer zu erlangen. Ist das Mantra auf diese Weise vervollkommnet, sind die drei Welten gemeistert. (20) Nachdem er seinen Wunsch gefasst hat, wiederhole der Mantrapraktizierende rein und sinnenbeherrscht das Mantra. Was er mit Tat, Geist und Wort zu vollbringen begehrt, (21) das gelingt ihm rasch, selbst wenn es äußerst schwer wäre. Vishnu, Brahma, Rudra, Durga und sämtliche Gottheiten— (22) in ihrer aller Herzen ruht dieses große Mantra. Wer dieses Mantra ausspricht, erlangt doppelte Frucht.
(23) Höre nun, wie die Verehrung dieses Mantras auszuführen ist. Mit seiner Silbe [vollziehe man] den Nyasa der Körperglieder und Hände, (24) zeichne einen achtblättrigen Lotus und rufe die Gottheit sorgfältig herbei; dann verehre man Gopala auf dem Opferplatz oder im Wasser. (25) Ich werde die Meditation über Gopala, den Weltenlehrer, erklären: mit verfilztem Haar, zwei Armen, unbekleidet, leuchtend wie das Blatt eines blauen Lotus, (26) als etwa sechs Monate alten Knaben, als Hari, der auf den Knien kriecht, am Bauch mit einem Seil gebunden und [durch] den Mörser mit den beiden Bäumen [verbunden], (27) spielerisch den quer liegenden Mörser ziehend und rasch, im Spiel, zwischen die beiden Arjuna-Bäume gelangend, (28) mit diesem Mantra die beiden je ein Yojana hohen Bäume entwurzelnd, Vasuki in das Seil einsetzend und [den Mörser] durch dieses Mantra bindend, (29) [den Mörser], an dem der Schlangenkönig festhaftet und den er umschlingt, heranziehend und die beiden Arjuna-Bäume entwurzelnd, dabei lachend, (30) von Hirten und Hirtinnen umgeben, die „Ach! Ach!“ rufen, und von der weinend herbeieilenden Yashoda auf den Schoß genommen, (31) die Gestalt der ganzen Welt, verborgen unter dem Hirtengewand: So betrachte man Gopala, erfüllt von Maya und doch frei von allem Leiden.
(32) Nach der Verehrung mit Fußwasser und den übrigen Gaben vollende man die Japa-Handlung. Mit eben diesen [Gaben] ist die Verehrung des als suravairin bezeichneten [Gottes] zu vollziehen; man bringe Räucherwerk, Licht, Speise, Betel und anderes dar.
Damit endet im Sanatkumariya das fünfte Kapitel.
Lesefassung – Kapitel 6: Krishna- und Gopala-Mantras
(1) Man spreche kṛṣṇāya, danach govindāya, sodann gopījana und anschließend vallabhāya; den Abschluss bildet das doppelte ṭha [svāhā]. (2) Mit dem Kama-Bija am Anfang heißt es das achtzehnsilbige Mantra. So ist das aus achtzehn Lauten bestehende Mantra vorschriftsgemäß gelehrt. (3) Werden dem achtzehnsilbigen Mantra Shakti und Shri vorangestellt, hat es zwanzig Silben. Smara, kṛṣṇāya und das doppelte ṭha bilden das sechssilbige Mantra. (4) Man spreche Om, die Herzensformel, Krishna im Dativ und dann ebenso „Sohn der Devaki“, verbunden mit huṃ phaṭ svāhā.
(5) Dies ist als sechzehnsilbiges Govinda-Mantra bezeichnet. [Ein weiteres beginnt:] śrīmanmukundacaraṇam, dann yadeti und śaraṇam, (6) dann aham prasanna: So ist das achtzehnsilbige Mukunda-Mantra genannt. [Ferner:] das Ende der Fünfergruppe, auf Erde stehend, als Mantra mit Bindu geschmückt. (7) Dies heißt Pinda-Bija und verleiht alle Vollendungen. [Für ein weiteres Mantra:] Pinda, das Bija des Liebesgottes, dann namo bhagavate, (8) nandaputrāya, bālādivapuṣe, śyāmalāya, dann gopījana, vallabhāya und das doppelte ṭha.
(9) Dies heißt das Anushtubh-Mantra Gopalas, des Weltenherrn. Gopālāya, mit „Feuergattin“ endend, ist als sechssilbig genannt. (10) Krishna und Govinda, beide im Dativ, gelten als siebensilbiges Mantra. Shri, Shakti, Mara, kṛṣṇāya, Mara bilden ein weiteres siebensilbiges. (11) Klīṃ glauṃ śrīṃ śyāmalāṅgāya und der Verehrungsruf bilden das zehnsilbige [Mantra]. „Diskusträger“, „Vamana“ und „Ausströmung“ ergeben ein einsilbiges Mantra. (12) Kama, Indra und Maya, dessen Haupt mit la-va gekennzeichnet ist: So ist ein einsilbiges Mantra genannt; das Kama-Mantra wurde zuvor gelehrt.
(13) [Nach] all diesem: Hṛṣīkeśa im Dativ und das Wort namaḥ. Das achtlautige Mantra ist als im Herzen aller gegenwärtig bezeichnet. (14) Vagbhava, Kama-Bija, kṛṣṇāya, Surasundari, Govinda im Dativ und danach das Rama-Bija, (15) anschließend das zehnsilbige [Mantra] und danach sein eigenes Bija: Dieses zweiundzwanzigsilbige Mantra verleiht alle Vollendungen. (16) Kama, Maya, Lakshmi und danach das zehnsilbige [Mantra]: Dies ist das dreizehnsilbige Mantra, das alles Gedeihen gewährt.
(17) Kama, Lakshmi, Maya, die zwei Worte jaya kṛṣṇa, dann Maya, Lakshmi, Kama und die zwei Worte jayaṃ dehi: (18) Als auf svāhā endendes Mantra ist es mit vierundzwanzig Silben bezeichnet. [Ein weiteres:] Kama, Pinda, Lakshmi, dann gopālāya, (19) Lakshmi, Pinda, Kama, dann govindāya, darauf Kama, Pinda, Lakshmi; es endet mit svāhā und beginnt mit Om.
Damit endet im Sanatkumariya das sechste Kapitel.
Lesefassung – Kapitel 7: Meditation, Japa und Feueropfer
(1) Ich werde die Verehrungsordnung der Reihe nach erklären; höre genau zu. Als Seher dieses [Mantras] wird Narada, als Versmaß Gayatri genannt. (2) Als Gottheit wird Krishna genannt, der die Frucht aller Wünsche gewährt. Mit den Silbengruppen [entsprechend den Zahlchiffren] vier, karaṇa, Veda und Augenpaar der Reihe nach (3) bilde der Mantrakundige die fünf Glieder des Mantras, ohne das Augen-Glied. Auch bei den übrigen Mantras sind Seher und weitere Angaben sowie die Gottheit wie zuvor. (4) Die Glieder einschließlich der Augen [bilde man] mit dem Kama-Bija und verlängerten Vokalen. Beim zehnsilbigen Mantra ist das Versmaß Viraj; die Fünfergruppe wird mit Achakra und den weiteren gebildet.
(5) Der Einsichtige mit reinem Geist vollziehe die zuvor genannten Nyasas und übrigen Handlungen vorschriftsgemäß. So meditiere er über den Herrn der Welt: (6) Man gedenke Govindas, des Lotusäugigen, der im lieblichen Vrindavana unablässig Tausende von Hirtinnen bezaubert, (7) deren augengleiche Bienen zu seinem Lotusgesicht hingezogen werden, die von Liebespfeilen getroffen sind und sich lange nach seiner Umarmung sehnen, (8) gebeugt unter der Last voller, hoher Brüste, an denen Perlenketten glänzen; ihre Haarknoten und Gewänder lösen sich, ihr Schmuck verrutscht im Liebesrausch, (9) geschmückt mit bebenden Lippen, die durch den Glanz ihrer Zahnreihen erstrahlen, und [Krishna] mit mannigfachen, von stolzer Liebesempfindung erfüllten Gebärden betrachtend.
(10) Ich verehre Govinda: Er leuchtet wie ein aufgeblühter blauer Lotus, sein Gesicht gleicht dem Mond, er liebt den Pfauenfederschmuck. Er trägt Shrivatsa und den herrlichen Kaustubha, ist schön und gelb gekleidet. Die Augenlotusse der Gopis verehren seinen Leib. Kühe und Hirten umgeben ihn. Er ist dem süßen Klang seiner Flöte hingegeben und mit himmlischem Schmuck geziert. (11) Nach solcher Meditation wiederhole man das achtzehnsilbige Mantra fünfhunderttausendmal; die anderen je hunderttausendmal und das zehnsilbige eine Million Mal. (12) Zuvor vollziehe man die vorbereitende Praxis nach der bereits genannten Ordnung. Höre nun die vorgeschriebene Meditation für die Mantras des kindlichen Gopala. (13) [Man betrachte] den Herrn, dunkel wie eine frische Regenwolke, mit Lippen wie eine reife Bimba-Frucht, Butter und Milchreis in seinen beiden Händen haltend.
(14) Das Feueropfer soll ein Zehntel der Japa-Zahl betragen und mit Ghee, Butter, Dickmilch oder Milchreis vollzogen werden, (15) mit Mallika- und Malati-Blüten oder weißem Lotus. Die Wassergabe betrage ein Zehntel davon, gegebenenfalls mit reinem Wasser. (16) Man vollziehe die Begießung des Hauptes mit [Wasser,] dem Duft, Blumen und Reiskörner beigegeben sind, und speise Brahmanen, jeweils in der fortlaufenden Zehntelordnung. (17) Wenn ein Glied [des Rituals] ausfällt, wiederhole man Japa in der doppelten Zahl dieses Gliedes. Bei Unvermögen zum Feueropfer ist Japa in vierfacher Opferzahl vorgeschrieben.
(18) Für Brahmanen und Kshatriyas ist [im Wortlaut] die mit rasa bezeichnete Vervielfachung genannt, für Vaishyas die mit vasu bezeichnete. Diese Ordnung gilt auch für die Frauen dieser Gruppen. (19) Ein Shudra befolge die Vorschrift des Standes, an den er angeschlossen ist. Für einen an Vaishyas angeschlossenen Shudra wird jedoch die zehnfache Zahl genannt. (20) Diese Regel wurde für das Feueropfer erklärt. Höre auch zur Wassergabe: Bei Tarpaṇa ist das Doppelte genannt; besteht die Fähigkeit, führe man sämtliche Teile aus.
Damit endet im Sanatkumariya das siebte Kapitel, die Bestimmung von Japa, Feueropfer und weiteren Handlungen.
Lesefassung – Kapitel 8: Anwendungen, Verehrung und Selbsthingabe
(1) Nun werde ich die Anwendungen erklären; höre genau zu. Wer untadeliges Wohlergehen wünscht, opfere Lakshmis Blumen ins Feuer. (2) Für Fülle an Ghee und Nahrung opfere man mit Ghee vermischte Speise. Mit Waldblumen [ziehe man] Brahmanen, mit Jati-Blüten Könige [in seinen Bann], (3) mit Champaka-Blüten samt Zucker die Vaishyas, mit schönen Lotusblüten die Shudras. Der Mantrapraktizierende mache sie so, jeweils mit den drei süßen Stoffen bestrichen, gefügig. (4) Nach solcher Opferung erlange der beste Zweimalgeborene alle Wünsche. Sodann gedenke er hingebungsvoll des dunkelgliedrigen, freundlichen Gottes, der Herrlichkeit Gokulas, (5) in Kindesgestalt, mit einem Gürtel kleiner Glöckchen geschmückt, und erquicke ihn als Mantrapraktizierender mit reinem Wasser, das er als Milch betrachtet.
(6) Zufrieden gibt er ihm Geld, Getreide, Gewänder und anderes. Wer den Gott vorschriftsgemäß mit Malati-Blüten verehrt, (7) erlangt langes Leben, Gesundheit, Herrlichkeit und Herzenswünsche. Mit Kasha-Blüten opfere man eintausendachtmal, (8) dann werden ihm alle Könige schon durch die bloße Nennung [seines] Namens gefügig. Durch Opfer reifer Bilva-Früchte erlangt man untadeliges Wohlergehen. (9) Durch voll erblühte rote Lotusse erlangt man dasselbe. Wer Jyotishmati-Öl tausendfach oder vielfach ins Feuer opfert, (10) wird bei allen beliebt, daran besteht kein Zweifel. Durch diese Vorschrift werde der Mantrapraktizierende von schwerer Krankheit frei.
(11) Ein Feueropfer mit Ashvattha-Zweigen bringt weggenommenes Vermögen zurück; durch Opfer von mit Ghee bestrichenem Durva-Gras wird man von großer Furcht frei. (12) Wessen Namen man mit dem heiligen [Mantra] verbunden zehntausendmal wiederholt, der werde einem wie ein Diener ergeben; darüber sei nicht zu zweifeln. (13) Was bedarf es vieler Worte? Mit diesem Mantra verwirkliche der hervorragende Übende alle Wünsche, gleichsam als ein zweiter Vishnu selbst. (14) Wer keinen Sohn hat, verehre am zwölften Mondtag den Weltenlehrer [und bete]: „Sohn Devakis, Govinda, Vasudeva, Herr der Welt, (15) schenke mir einen Sohn, o Gott; bei dir habe ich Zuflucht genommen!“ Nach solchem Lob verehre man vorschriftsgemäß die umgebenden Gottheitengruppen.
(16) Zuerst sind die Umkreise der Glieder zu verehren, danach Dama und die weiteren: in den Himmelsrichtungen Dama, Sudama, Vasudama und Kinkini. (17) Dann verehre man auf den Blättern die acht Hauptgemahlinnen, mit Rukmini beginnend; sie halten rechts einen Lotus und [tragen] die andere Hand mit einer mit Saft gefüllten [Schale oder Geste]. (18) Sie heißen Rukmini, Satya, Nagajitya, Sunanda, Mittavindha, Sulakshana, Rikshaja und Sushila. (19) Danach verehre man an den Blattspitzen Vasudeva und Devaki, den Hirten Nanda und Yashoda, Balabhadra und Subhadrika.
(20) Hirten und Hirtinnen sind zu verehren, mit bunten Kränzen und Salben geschmückt. Nachdem diese vorschriftsgemäß verehrt wurden, [folgen] Brahma und die weiteren. (21) Indra und die weiteren sind zu verehren, danach Vajra und die übrigen [Waffen]. [Es folgen:] Brahmi, Maheshvari, Kaumari und Vaishnavi, (22) Varahi, Indrani und als siebte Chamunda. Die achte ist Mahalakshmi; sie gelten als Mütter des Weltalls. (23) Außen verehre man Indra und die weiteren samt ihren Zugehörigkeiten, Waffen und Shaktis; Donnerkeil, Speer, Stab, Schwert, Schlinge und Stachel, (24) Keule, Dreizack, Diskus und Lotus verehre man dort ebenfalls. Nach vorschriftsgemäßer Darbringung der Speise meditiere der Verständige über den Gott und übe Japa.
(25) Nach Lobpreis und Verneigung des Hauptes bringe man sich selbst mit Wasser dar. [Die Formel beginnt:] itaḥ pūrvam, dann die Worte prāṇa und buddhi, (26) dann dehadharmādhikārataḥ, die Worte jāgrat, svapna und suṣuptyavasthāsu, ferner manasā, vācā und karmaṇā, (27) „mit beiden Händen“, ebenso „mit beiden Füßen“, „mit dem Bauch“ und „mit dem Geschlechtsorgan“; dann „was gedacht, was gesagt und was getan wurde“, (28) „das alles möge nun Darbringung an Brahman sein“, dann die „Feuerschöne“ [svāhā]. Mich und alles Meine bringe man Hari vollständig dar.
(29) Om tat sat: So ist das Mantra zur Hingabe des eigenen Selbst gelehrt. Täglich verehre man den Gott mit sechzehn Diensten. (30) Vermag man dies nicht, geschehe die Verehrung mit [wohl zehn] Diensten; vermag man auch das nicht, mit fünf Diensten. (31) Sitz, Willkommen, die fünf mit Fußwasser beginnenden [Gaben], Bad, Gewand, Schmuck, Duft, Blume und Räucherwerk, (32) Licht, Speisegabe und danach eine Handvoll Blumen: Die Verehrung mit fünf Diensten beginnt mit Duft und endet mit Speise.
(33) [Bei der verkürzten Ordnung gibt es] fünf mit Arghya und fünf mit Duft beginnende [Gaben], entsprechend der Unterscheidung. Man verneige sich vorschriftsgemäß mit sechs oder fünf Gliedern, (34) entlasse den Gott in das Herz und verehre Vishvaksena. Dann werfe man sich wie ein Stab nieder, mit beiden Wangen, dem Kinn, (35) Nase und Stirn, mit Geist und Wort. Dies sei die achtgliedrige Verneigung, die Hari Freude bereitet. (36) Dies alles habe ich in direkter und umgekehrter Folge erklärt. Was gesagt und was nicht gesagt wurde, höre nun vollständig in der Reihenfolge.
(37) Morgenpflicht, Mantraübermittlung, Verneigung, Bad und eigene Sandhya, die bis zum Entschluss reichenden Schritte, Elementereinigung, vollständiger Buchstaben-Nyasa, innere Opferung, äußere Verehrung, Aufstellung der Muschel und weiterer Geräte, Verehrung des Sitzes, Verehrung der Gliedgottheiten und Einsetzung der Lebenskraft— (38) Herbeirufung, Bildung der eigenen Mudras, Meditation über den Herrn, Verehrung, Anbetung der Umkreise, Räucherwerk, Licht und vorzügliche Speisegabe, stille Mantrawiederholung, Darbringung des Japa, Atemhalten, Hingabe des eigenen Selbst, Lobpreis und Entlassung: So ist die Verehrungsfolge des Mura-Bezwingers genannt. (39) Diese Leitschnur wurde erklärt; nach ihr verehre man Achyuta. Einst hat Narayana selbst diese Leitschnur (40) Brahma mitgeteilt; Brahma offenbarte sie mir zuvor aus Zuneigung. Pulastya, nach dieser Ordnung habe ich Krishna verehrt.
Damit endet im Sanatkumariya das achte Kapitel, genannt „Verehrungsordnung“.
Lesefassung – Kapitel 9: Trailokyamangala-Kavacha
(1) Pulastya sprach: „Erhabener, Kenner aller Pflichten, erkläre mir gnädig den offenbarten Schutzpanzer namens Trailokyamangala, o Herr!“ (2) Sanatkumara sprach: „Höre, bester Brahmane: Ich werde den überaus wunderbaren Schutzpanzer erklären, den Narayana einst gnädig Brahma mitteilte, (3) und den Brahma mir erklärte. Aus großer Zuneigung sage ich ihn dir: das überaus verborgene Wesen, dessen Leib eine Fülle von Brahman-Mantras ist. (4) Durch dessen Tragen und Rezitieren entfaltet Brahma die Schöpfung; durch dessen Tragen und Rezitieren bewahrt Mahalakshmi die drei Welten.
(5) Durch Rezitieren und Tragen ist Shambhu der Auflöser und Kenner aller Prinzipien. Durga, die Mutter der drei Welten, [besiegte] Mahisha und die anderen großen Asuras, (6) die übermütig waren, indem sie ihn rezitierte und trug. Ebenso erlangten Indra und alle anderen sämtliche Herrlichkeiten. (7) Man offenbare ihn einem Schüler, der Vishnu hingegeben ist und praktiziert. Gibt man ihn einem Betrüger oder dem Schüler eines anderen [ohne Berechtigung], könne man den Tod erleiden. (8) Der Seher dieses Trailokyamangala-Schutzpanzers ist Prajapati, sein Versmaß Gayatri, seine Gottheit Narayana selbst.
(9) Seine Anwendung ist auf Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung gerichtet. Om schütze meinen Kopf, und namo nārāyaṇāya (10) schütze die Stirn; das achtlautige, Genuss und Befreiung gewährende [Mantra schütze] beide Augen. Klīṃ schütze beide Ohren, die eine, alles bezaubernde Silbe. (11) Klīṃ kṛṣṇāya [schütze] stets die Nase, govindāya die Zunge; gopījana, vallabhāya, svāhā [schütze] mein Gesicht. (12) Das achtzehnsilbige Mantra schütze die Kehle; das zehnsilbige—gopījana, vallabhāya, svāhā—[schütze] beide Arme.
(13) Klīṃ glīṃ klīṃ śyāmalāṅgāya namaḥ, das zehnsilbige [Mantra], [schütze] beide Schultern. Klīṃ kṛṣṇa klīṃ schütze die Hände. Die Folge klīṃ kṛṣṇāya, gefolgt vom Kama-Bija, möge (14) das Herz [schützen]; śrīṃ klīṃ [Bhuvaneshi-Bija] klīṃ kṛṣṇāya klīṃ [schütze] meine Brüste. Gopālāya mit der Feuergattin am Ende schütze stets beide Bauchseiten. (15) Klīṃ kṛṣṇāya, das höchste Mantra, schütze stets beide Flanken. Krishna und Govinda im Dativ, mit Smara am Anfang, mögen (16) als achtlautiges Mantra den Nabel schützen. Das zweisilbige kṛṣṇa schütze den Rücken; klīṃ kṛṣṇa das Knochengerüst. Klīṃ kṛṣṇāya mit doppeltem ṭha am Ende (17) schütze stets die Hüft- beziehungsweise Schenkelbereiche. Śrīṃ hrīṃ klīṃ kṛṣṇa und doppeltes ṭha, das siebensilbige [Mantra], schütze die Oberschenkel. Das dreizehnsilbige möge schützen: (18) Śrīṃ hrīṃ klīṃ, danach die Worte gopījana-vallabha … bhāyasvāhā: [Es schütze] den After. Klīṃ hrīṃ śrīṃ und das zehnsilbige [Mantra] (19) schütze stets die Knie. Hrīṃ śrīṃ klīṃ zusammen mit dem zehnsilbigen, also das dreizehnsilbige [Mantra], schütze die Unterschenkel—der Diskusträger selbst.
(20) Das achtzehnsilbige, dem hrīṃ śrīṃ vorangestellt sind und das so zwanzig Silben hat, schütze stets meinen ganzen Körper: der mächtige Herr von Dvaraka. (21) Namo bhagavate, danach vāsudevāya, mit Om am Anfang: Dieses zwölfsilbige [Mantra] schütze mich stets im Osten. (22) Śrīṃ hrīṃ klīṃ, das zehnsilbige [Mantra], klīṃ hrīṃ śrīṃ: Dieses sechzehnsilbige [Mantra], Vishnu mit Keule und weiteren erhobenen Waffen, schütze mich in Feuerrichtung. (23) Hrīṃ śrīṃ und das zehnsilbige Mantra schütze mich stets im Süden. Om, namo bhagavate, rukmiṇīvallabhāya (24) und svāhā: Dieses sechzehnsilbige [Mantra] schütze mich im Südwesten. Klīṃ, hṛṣīkeśāya, namaḥ schütze mich in Varunas Richtung.
(25) Das achtzehnsilbige mit Kama am Ende schütze mich stets im Nordwesten. Śrīṃ, Maya, Kama, kṛṣṇāya, govindāya und doppeltes ṭha— (26) in diesem zwölfsilbigen [Mantra] schütze mich Vishnu stets im Norden. Vagbhava, Kama, kṛṣṇāya, hrīṃ, govindāya, danach (27) śrīṃ, gopījanavallabha, dann bhāyasvāhā und sauḥ: Das zweiundzwanzigsilbige Mantra schütze mich stets im Nordosten. (28) „Ich verneige mich vor Devakis Sohn, Achyuta, dem König des Tanzes, der auf den Hauben Kaliyas den göttlichen Tanz vollführt.“
(29) Auch das zweiundzwanzigsilbige Mantra schütze mich von unten und von allen Seiten. „Wir erkennen den Gott der Liebe; wir meditieren über den Träger der Blumenpfeile. (30) Möge jener Körperlose unseren Geist anregen!“ Dieses [Mantra] schütze mich von oben. So habe ich dir, Brahmane, die Gestalt aus der Fülle der Brahman-Mantras mitgeteilt, (31) den Schutzpanzer namens Trailokyamangala, dessen Gestalt Brahman ist: [mit Bezug auf] Brahma, Isha und die vornehmsten Herren, Narayana und Achyuta. (32) Aus Zuneigung zu dir habe ich ihn erklärt; er soll keinem [Unbefugten] mitgeteilt werden. Nach vorschriftsgemäßer Verneigung vor dem Guru rezitiere man den Schutzpanzer.
(33) Einmal, zweimal oder dreimal, entsprechend dem eigenen Wissen: Auch ein solcher [Rezitierender] verkörpert sämtliche Askese und ist Lehrer aller Mantras, daran besteht kein Zweifel. (34) Als seine vorbereitende Vollendung gelten einhundertacht [Rezitationen]; mit Feueropfer und den übrigen Gliedern in jeweiliger Zehntelzahl bringe man ihn sicher zur Vollendung. (35) Ist der Schutzpanzer vervollkommnet, wird [der Übende] Vishnu selbst; nach der Purascharana-Ordnung erlangt er Mantravollendung. (36) Lakshmi und Vani wohnen beständig [bei ihm], ihre Rivalität ablegend. Nachdem man acht Blumenhandvoll dargebracht hat, rezitiere man einmal mit dem Grundmantra.
(37) Man erlangt die Frucht von zehntausend Jahren Verehrung. Schreibt man [den Schutzpanzer] auf Birkenrinde und trägt ihn als in Gold gefasste Rolle, (38) am Hals oder am rechten Arm, so ist man Vishnu, ohne Zweifel. Tausend Pferdeopfer und hundert Vajapeya-Opfer, (39) alle großen Schenkungen und das Umschreiten der Erde sind nicht einmal einen Bruchteil einer einzigen Rezitation wert. (40) Durch die Gnade des Schutzpanzers wird der Mensch zu Lebzeiten befreit; er erschüttert die drei Welten und wird ihr Bezwinger.
(41) Wer den höchsten Purusha verehrt, ohne diesen Schutzpanzer zu kennen, dem verleiht das Mantra selbst nach zehn Millionen Wiederholungen keine Vollendung.
Damit endet im Sanatkumariya das neunte Kapitel, genannt „Segen der drei Welten“.
Lesefassung – Kapitel 10: Mala, Festverehrung und Tempelweihe
(1) Pulastya fragte: „Erkläre die Gebetskette neben der Hand-Zählkette und die Japa-Mala.“ Sanatkumara antwortete: „Höre, bester Brahmane; ich werde die Mala erklären, nach der du gefragt hast.“ (2) Beginnend beim mittleren Glied des Ringfingers, dann über den kleinen Finger bis zur Wurzel des Zeigefingers, wiederhole man [das Mantra] an zehn Fingergliedern. (3) Zeigefinger, [im Text nochmals] Mittelfinger und kleiner Finger werden in dieser Reihenfolge genannt: drei Finger mit je drei Gliedern, der Mittelfinger mit einem Glied. (4) Die ersten beiden Glieder des Mittelfingers stelle man sich als Meru vor. [Eine weitere] Mala entsteht durch die mit Bindu versehenen Matrika-Laute in Vorwärts- und Rückwärtsfolge, (5) mit kṣa als einzelnem [Grenzlaut] und den acht Lautgruppen, bei der inneren Verehrung. Die acht Gruppen heißen ādi, ka, ca, ṭa, ta, pa, ya und śa-la.
(6) Für die äußere Verehrung [gibt es] Malas aus Lotussamen und anderen Stoffen; höre sie: Rudraksha, Muschel, Lotussamen, Putrajivaka und Perlen, (7) Kristall, Edelsteine, Gold, Koralle und Kusha-Blätter: Zwölf [Arten] von Gebetsketten seien es für Haushälter. (8) Die Zählung an Fingern gilt einfach, die an Linien achtfach, die mit Putrajiva-Samen zehnfach; [die Muschelzählung] wird mit hundert beziehungsweise tausend verbunden. (9) Bei Korallen und Edelsteinen wird die zehntausendfache [Frucht] genannt; dasselbe gilt für Kristall. Für Perlen werden hunderttausend angegeben.
(10) Bei Kusha-Knoten [sei die Frucht] hundert Kotis, bei Rudraksha unendlich. Mit aus Tulasi-Holz gefertigten Malas [vollziehe man] Japa; (11) [diese Mala] schenkt bei allen Handlungen allen die gewünschte Frucht. Eine Mala [bestehe] aus einhundertacht [Perlen] oder aus fünfzig mit zusätzlicher [Hauptperle], (12) oder aus siebenundzwanzig für allgemeines Japa. Wer Befreiung sucht, wiederhole mit fünfundzwanzig, wer Reichtum sucht, mit [wohl dreißig Perlen]. (13) Wer Gedeihen sucht, [verwende] fünfundzwanzig, für schädigende Magie fünfzehn. Nun erkläre ich das Auffädeln der Mala, wie Brahma es einst lehrte.
(14) Die Mala sei einem Kuhschweif ähnlich oder schlangenförmig. Man verbinde Vorderseite mit Vorderseite und Rückseite mit Rückseite. (15) Der Faden, bester Brahmane, sei von Mädchen oder Frauen gefertigt. Man nehme ihn dreifach, verdreifache ihn und verdreifache ihn nochmals. (16) [Man verwende] weißen, roten oder schwarzen Faden, gegebenenfalls Seidenfaden, für Befriedung, Gefügigmachung und Schadenszauber, ebenso auch für Tötungsrituale. (17) Für die gesellschaftlichen Stände gelten der Reihe nach Weiß, Rot, Gelb und Schwarz. Für alle Stände gewährt Rot sämtliche Wünsche.
(18) Ebenso in den Lebensstadien: Rot verleiht in allen Vollendung. Nachdem man Krishna nach dem Tantra mit Früchten und Verehrungsdiensten geehrt hat, (19) rezitiere der Verständige jeden Matrika-Laut hundertmal, nehme eine Perle und beginne das Auffädeln vom mittleren [Bereich] her. (20) So setze er jeweils einen Zwischenknoten und befestige die Meru-Perle mit einem Knoten. Nach dem Auffädeln lege er die Mala vor sich und beginne ihre Weihe. (21) Er wasche sie mit den fünf Kuhprodukten und Wasser unter dem Sadyojata-Mantra; mit dem Vamadeva-Mantra reibe er sie mit Sandel, Aloeholz und weiteren Duftstoffen ein.
(22) Mit Aghora beräuchere er sie, mit Purusha erfreue er sie; mit dem fünften [Mantra] bespreche er jede [Perle] einzeln. (23) Die Meru-Perle bespreche er einmal und geistig hundertmal [jeweils]. Mit der Mala wiederhole er genau das Mantra, durch das sie geweiht wurde. (24) Ein anderes Mantra darauf zu wiederholen, soll von Wissenden niemals praktiziert werden. „Zu Sadyojata nehme ich Zuflucht; Verehrung wahrlich dem Sadyojata. (25) In jedem Werden, im anfangslosen Werden, nimm dich meiner an, des aus Werden Entstandenen.“ Man rezitiere der Reihe nach [die Namen] im Dativ, mit Om am Anfang und namaḥ am Ende.
(26) „Verehrung Vamadeva; Verehrung dem Ältesten; Verehrung Rudra; Verehrung Kala; Verehrung Kalavikarana; Verehrung Balapramathana.“ (27) „Den nichtschrecklichen, den schrecklichen und den schrecklicher als schrecklichen [Gestalten], überall und allen: Verehrung euch, den Rudra-Gestalten!“ (28) „Wir erkennen jenen Purusha; wir meditieren über den großen Gott. Möge Rudra unseren Geist anregen!“ (29) „Herr aller Wissensgebiete, Herr aller Wesen, Oberherr Brahmas, Oberherr des Brahman: Im Brahman sei Shiva mir günstig, Sadashiva, Om.“
(30) Das große Mantra beginnt mit Om [und reicht] der Folge nach bis Sadashiva. Nachdem der Weise die Mala so geweiht hat, setze er ihre Lebenskräfte in sie ein. (31) Der beste Zweimalgeborene verehre die Mala mit dem Grundmantra. Nach Verehrung des Gurus empfange er die Gebetskette aus dessen Hand. (32) Man berühre sie nicht mit der linken Hand und lasse sie nicht aus der Hand fallen. Der Daumen gilt als Befreiung gebend, der Zeigefinger als Feinde vernichtend. (33) Der Mittelfinger [verleihe] starke Vollendung, der Ringfinger dient der Befriedung; der kleine Finger gilt bei Anziehungsritualen als vollendungsfördernd im Japa.
(34) Man bewege [die Perlen] in der Mitte des Daumengliedes weiter. Danach vollziehe man selbst, gesammelt, die Purascharana. (35) Die Purascharana lasse man durch den Guru, einen eigenen Anhänger, dessen Brüder oder Söhne ausführen; in allen [Fällen] ausschließlich durch einen Eingeweihten. (36) Pulastya sprach: „Wie lauten dabei der Entschluss und die Ordnung der Purascharana? Erkläre mir dies alles gnädig und kurz, o Herr!“ (37) Sanatkumara sprach: „[Man spreche] Om tat sat, nenne Monat, Monatshälfte und Mondtag: ‚Ich, der Soundso, aus dem und dem Gotra‘, und spreche danach das Grundmantra aus.
(38) ‚Die Vollendung dieses Mantras erstrebend, werde ich so viele Wiederholungen ausführen, ein Zehntel davon als Feueropfer, dann ein Zehntel als Wassergabe, (39) davon ein Zehntel als Besprengung, hiervon ein Zehntel als Brahmanenspeisung. So werde ich die Purascharana vollziehen, nach Osten oder Norden gewandt.‘ (40) Nach diesem Entschluss, bester Brahmane, vollziehe man Japa, Opfer und Weiteres. Man beginne die Mantrawiederholung morgens und setze sie bis Mittag fort. (41) Nach solchen Regeln beginne und vollziehe man die Purascharana. Oder die Purascharana wird auf eine andere Weise beschrieben: (42) Bei Sonnen- oder Mondfinsternis sei man rein und habe zuvor gefastet. In einem ins Meer mündenden Fluss stehe man bis zum Nabel im Wasser, (43) und rezitiere gesammelt das Mantra vom Beginn bis zum Ende der Finsternis. Nachdem man sie gesehen, gebadet und den Entschluss gefasst hat, übe man Japa bis zur Freigabe [des Gestirns].
(44) Entsprechend dieser Japa-Zahl vollziehe der gereinigte Mensch nach der Finsternis die weiteren [Ritualglieder]. Durch solche Rezitation entsteht gewiss Mantravollendung. (45) Wenn jemand aus Rücksicht auf ein Ahnenopfer oder Ähnliches das Japa unterbricht, wird er zum Gegner der Gottheit und führt sieben [Generationen] seiner Ahnen hinab. (46) Ich werde die monatlichen Pflichten erklären; höre aufmerksam zu. Sie wurden einst von Brahma zur Reinigung des Krishna-Verehrers gelehrt. (47) Dies alles will ich zusammengefasst darlegen; höre unmittelbar zu. Beim Übergang von Vollmond zum ersten Mondtag im Monat Phalguna, unter dem Phalguni-Stern, o Weiser, (48) wer Janardana nach Verehrung mit königlichen Diensten schaukelt, [erlangt die Frucht] von tausend Pferdeopfern und hundert Vajapeya-Opfern (49) und der Schenkung von tausend Kühen. Der gute Mensch, der Krishna nach Süden gewandt auf der Schaukel (50) sieht, wird von angesammelten Verfehlungen befreit, ohne Zweifel. Wer vor dem auf der Schaukel sitzenden Krishna die Nachtwache hält, (51) erlangt in einem Augenblick die Frucht aller verdienstvollen Werke. Nun werde ich erklären, was jeweils zu tun ist.
(52) Am Vollmond verrichte man die große Puja und schaukle den Herrn gemeinsam [mit anderen], mit dem dreizehn- oder achtzehnsilbigen Mantra. (53) Unter Phalguni vollziehe man die Verehrung auf dem zuvor beschriebenen Weg. Nach dem Aufstehen wiederhole man das Mantra eintausendachtmal. (54) Dies ist die knappe Leitschnur; höre nun die ausführliche Darstellung. Unter Revati [vollziehe man] die Baugrundgabe; der Verständige zeichne ein Mandala, (55) errichte in den Himmelsrichtungen Fahnen, strahlend wie die Weltenhüter, und [betrachte] Govinda, den Weltenherrn, unter einem Brett auf der Schaukel, (56) verehre ihn vorschriftsgemäß mit Hingabe und Sammlung im Mandala, mit Hymnen aus Rig-, Yajur- und Samaveda sowie mit puranischen Mantras, (57) auch mit agamischen und vaishnavischen Mantras verehre man Hari. Der Verständige verbringe Tag und Nacht mit dem Lob seiner Eigenschaften.
(58) Wer im Kali-Zeitalter vor Keshava tanzt und singt, wird von tausend Verfehlungen befreit, daran besteht kein Zweifel. (59) Ich werde ein weiteres Werk erklären, durch das Vishnu erfreut wird: die Bestimmung der Weiheordnung, die Brahma einst lehrte, (60) für das Haus des erhabenen Vishnu. Höre aufmerksam zu. Ein reiner Mensch, der einen Tempel aus Gras und Grashalmen mit Fahnen erbaut (61) und ihn nach dieser Ordnung Vishnu darbringt, wird gewiss hundert Kotis von Jahren in Vishnus Welt verweilen.
(62) Wer Vasudeva einen schönen hölzernen Tempel schenkt, wohnt dort zehntausend Weltzeitalter; dies ist wahrhaft gesagt. (63) Wer Vasudeva [einen Tempel] aus verschiedenartigen Ziegeln schenkt, wohnt in Vishnus Welt für die entsprechende Zahl von Kalpas. (64) Wer Vasudeva vorschriftsgemäß und hingebungsvoll einen schönen steinernen Tempel schenkt, [erlangt] das Hundertfache davon. (65) Pulastya sprach: „Nach welcher Vorschrift, o Herr, soll der Weise Krishna, dem Befreiungsschenkenden, einen Tempel darbringen? Erkläre die Reihenfolge, o Herr!“
(66) Sanatkumara sprach: „Zuerst bringe man die Baugrundgabe dar und [verehre] die Weltenhüter an den Fahnen in den genannten Farben, mit Duft und weiteren Gaben, samt ihrem wesentlichen Gefolge, (67) mit ihren Waffen, Zugehörigkeiten und Oberherren, beginnend im Osten. Donnerkeil und weitere [Waffen] verehre man der Reihe nach mit Duft in den Ritualkrügen. (68) Östlich der betreffenden Halle errichte man den Opferraum; auf einer Fläche im Maß ihres Drittels [errichte man einen Altar], eine Elle hoch, (69) und zeichne darauf das Sarvatobhadra. Auch im Haupttempel [zeichne man] ein Sarvatobhadra-Mandala.
(70) Nach dessen Herstellung verehre man dort gesammelt an den Toren Jaya und Vijaya, Vighnesha und den Herrn des heiligen Bezirks, (71) Ganga und Yamuna, Mahalakshmi und Sarasvati, paarweise und der Reihe nach im Osten beginnend, mit Duft und weiteren Gaben. (72) Nach ihrer vorschriftsgemäßen, hingebungsvollen Verehrung mit Duft, Blumen und Räucherwerk betrete man das Haus und verehre den Herrn des Baugrundes, den Ungeborenen. (73) Man besprenge das Mandala mit den fünf Kuhprodukten und Arghya-Wasser, beseitige dort die Hindernisse und nehme den gebundenen Lotussitz ein.
(74) Nach der zuvor genannten Vorschrift vollziehe man Elementereinigung und die folgenden Handlungen, bereite dann das Arghya-Gefäß und verehre den heiligen Sitz im Mandala. (75) Dort stelle der Weise das als Vasudeva bezeichnete Bild auf. Er verehre den Gott im Herzlotus mit geistig vorgestelltem Duft und weiteren Gaben. (76) Durch den Weg des Atems führe er den göttlichen Glanz in die Blume in seiner Hand und übertrage ihn mit dem Grundmantra in dieses Bild. (77) Er lege die Hand ans Herz und vollziehe den Jiva-Nyasa: [Man spreche die Folge] mit Maya, Schlinge und Stachel am Anfang und Ende sowie die sieben mit ya beginnenden, mit Bindu versehenen [Laute], (78) [verbunden mit den Chiffren] Raum, Wahrheit und Mond; im Ganzen spreche man 'haṃ. „Seine Lebenskräfte [seien] hier die Lebenskräfte; seine individuelle Seele sei hier gegenwärtig“, (79) man spreche [die Formel] erneut und dann „seine sämtlichen Sinne“; ferner die Worte „seine Sprache, Geist, Auge, Gehör, Geruchssinn“, (80) „die Lebenskräfte mögen hierher kommen und glücklich lange verweilen“, gefolgt vom doppelten ṭha. Nach solcher Lebenseinsetzung rufe man die Gottheit wie zuvor herbei, bilde die Schildkrötengeste der Hände und meditiere mit ungeteilter Aufmerksamkeit.
(81) Ich verehre Vishnu, den Millionen Herbstmonden Gleichen, der Muschel, Diskus, Keule und Lotus trägt, auf einem weißen Lotus ruht und mit seinem Glanz die Welt bezaubert. Er trägt Armspangen, Halskette, Ohrringe, große Krone und funkelnde Armreifen, ist mit Shrivatsa gekennzeichnet, trägt den herrlichen Kaustubha und wird von den höchsten Weisen gepriesen. (82) Nach solcher Meditation wiederhole der Verständige das Mantra und [verehre] mit königlichen Diensten. [Das Mantra lautet in Chiffren:] Om, Herzensformel, Bhagavan im Dativ, danach vāsudevāya. (83) Dieses wird als das vornehmste unter allen Vishnu-Mantras bezeichnet. Mit diesem Mantra bringe man sämtliche Dienste, beginnend mit dem Sitz, dar. (84) Sitz, Willkommen, Fußwasser, Ehrengabe, Mundspülwasser, Madhuparka und erneutes Mundspülen, Bad, Gewand und Schmuck, (85) Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speisegabe und Mundspülen, Umschreitung, Verneigung und Entlassung: [So werden] sechzehn [Dienste genannt].
(86) Man begebe sich zum Chhaya-Mandala, verehre Hari dort im Mandala wie zuvor und opfere in das nach der früheren Ordnung geweihte Feuer. (87) Nachdem der Vaishnava mit diesem Mantra einhundertacht Opfergaben dargebracht hat, verehre er erneut vor der Gottheit und dann die Angehörigen ihres Gefolges. (88) Der erste Umkreis besteht aus den Gliedern, der nächste aus Vasudeva und den weiteren [Vyuhas], zusammen mit Shanti und den übrigen Shaktis; der folgende aus den zwölf Gestalten. (89) Der vierte [besteht] aus Indra und den übrigen [Weltenhütern], der fünfte aus Vajra und den übrigen [Waffen]. So verehrt, wird Vishnu rasch gnädig.
(90) Om wird dem Herzen, namaḥ dem Kopf zugeordnet; mit vier Silben [wird] die Haarlocke, mit fünf Silben der Schutzpanzer [gebildet]. (91) Mit dem ganzen [Mantra] entsteht die Waffenformel; so ist die Gliederbildung erklärt. [Die vier Gestalten heißen:] Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha. (92) Sie sind vierarmig und tragen Muschel, Diskus, Keule und Lotus. Danach bringe der Mensch mit diesem Mantra den Tempel dar. (93) Der verdienstvolle, hervorragende Vaishnava ist dann ein Gott und kein [gewöhnlicher] Mensch. Wer so gehandelt hat, hat seine Aufgabe erfüllt: wahrlich, wahrlich, ohne Zweifel.
(94) Mit Hymnen aus Rig-, Yajur- und Samaveda, mit Smriti-, Purana-, Agama- und vaishnavischen Mantras preise man die Stätte [beziehungsweise Herrlichkeit]. (95) Nachdem man mit diesem Mantra einzeln Spiegel, Yakschweifwedel, Schirm und Fächer dargebracht hat, übe man Pranayama. (96) Nach einhundertacht Mantrawiederholungen vollziehe der beste Zweimalgeborene die volle Opfergabe mit Gayatri und dem auf svāhā endenden Grundmantra. (97) Nach Vollzug der abschließenden Vollopfergabe folge die Entlassung. Man gebe den Opferpriestern Ehrengaben und speise die besten Zweimalgeborenen.
(98) Wer so handelt, wird als Verdienstvoller Narayana selbst. Zur Schenkung von Häusern und Ähnlichem sind Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und die aus den Füßen Geborenen [Shudras] sämtlich berechtigt.
Damit endet im Sanatkumariya das zehnte Kapitel, genannt „Bestimmung der Mala“.
Lesefassung – Kapitel 11: Einweihung, Yoga und Abschluss
(1) Nun werde ich die Bestimmung der Einweihung erklären; höre genau zu: Kriyavati, Kalavati, die aus Lauten bestehende und [die im Text als vedamapyapi bezeichnete Einweihung]. (2) Die Panchayatana-Einweihung ist die höchste unter allen Einweihungen. [Es folgt eine beschädigte Anweisung über] den von Vater und Mutter gegebenen Namen, ein Weglassen sowie Lebensdauer, Stand und Buchstaben. (3) der Kundige zähle sie zusammen mit dem Mantra der Reihe nach in den Chakras. Ashadha, Jyeshtha, Pausha und Bhadrapada werden [als Einweihungsmonate] getadelt. (4) Einweihung ist in den nicht getadelten Monaten vorgeschrieben und bei einer Finsternis günstig. Zur Erlangung der menschlichen Lebensziele nehme der Schüler Zuflucht zu einem Guru.
(5) [Dieser sei] von Mutter- und Vaterseite rein, von reiner Gesinnung und sinnenbeherrscht, kenne den Kern aller Agamas und die wahre Bedeutung aller Lehrschriften, (6) sei dem Wohl anderer hingegeben, in Puja und Japa verwurzelt, von wirksamer Rede, friedvoll und in Veda und Vedangas bewandert, (7) erforsche den Yogaweg und sei in das Herz der Gottheit eingegangen. Ein mit solchen Eigenschaften ausgestatteter Mensch ist ein Guru. (8) Der Schüler sei von guter Herkunft, reinen Wesens und den Lebenszielen hingegeben; er habe den Veda studiert, sei fähig und weit entfernt vom Getriebensein durch sinnliches Begehren, (9) wünsche stets allen Lebewesen Gutes, bejahe die heilige Überlieferung und habe ihre Verneinung aufgegeben; er erfülle stets seine eigene Pflicht und sei dem Wohl von Vater und Mutter zugewandt, (10) und sei mit Wort, Geist und körperlichem Handeln zum Dienst am Guru bereit. Wer mit diesen Eigenschaften versehen ist, ist Schüler, kein anderer.
(11) Welche Tage in den zwölf Monaten Glück bringen, das höre aufmerksam, bester Brahmane. (12) Im Chaitra der dreizehnte Tag der hellen Hälfte, im Vaishakha der elfte helle Tag; im Jyeshtha der zehnte dunkle Tag und im Ashadha Nagapanchami, (13) im Shravana der zwölfte, im Bhadra der mit Rohini verbundene achte Tag; im Ashvina der hochheilige Mahashtami, der Wünsche erfüllt, (14) im Kartika der helle Vollmond, im Margashirsha der helle sechste Tag, im Pausha der vierzehnte, im Magha der elfte helle Tag, (15) im Phalguna der sechste helle Tag: So ist die Zeitbestimmung. Höre, o Weiser, [auch allgemein] die gepriesenen, heiligen, Vollendung gebenden Mondtage: (16) der fünfte, siebte, sechste, der Vollmond und der helle dreizehnte sowie der zehnte gelten für alle Handlungen als günstig.
(17) Der elfte Tag sowohl der hellen als auch der dunklen Hälfte wird von den Wissenden gerühmt. Ashvini, Shravana, Ardra, Revati und die drei Uttara [sind günstig], (18) auch die heilige Shatabhisha wird für Einweihung und Ähnliches genannt. Nun werde ich zum Wohl der Übenden Yoga erklären. (19) Die im Yoga Erfahrenen nennen die Einheit von Jiva und Atman Yoga; andere verstehen darunter die Erkenntnis der Nichtverschiedenheit von Shiva und dem Selbst. (20) Begehren und Zorn, Gier und Verblendung, dann Hochmut und Missgunst: Diese gelten als gefährliche Hindernisse, als schwer zugängliches Gelände für das Selbst.
(21) Durch Ida ziehe man die äußere Luft sechzehn Zähleinheiten lang ein; durch die mittlere [Bahn] halte man den Atem sanft entsprechend dem mit vidyā bezeichneten Maß, (22) und entlasse ihn durch die Pingala-Nadi, als im Yoga Kundiger. Dies nennen die Kenner der Yogalehre Pranayama. (23) Immer wieder nehme man es auf und übe es durch regelmäßige Wiederholung. Dieses Sanatkumara-Tantra stammt von dem hervorragenden Weisen, (24) von Sanatkumara, aus der Betrachtung Brahmans, als Essenz der Tantras. Wer es liest oder auch hört, gehört zu den hervorragendsten Verdienstvollen.
(25) In wessen Haus eine Abschrift dieses Buches beständig verweilt, dessen Haus verlässt Lakshmi selbst zu keiner der drei Tagesübergänge.
Damit endet im Sanatkumara Tantra, im Gespräch zwischen Sanatkumara und Pulastya, das elfte Kapitel, genannt „Anordnung der rituellen Durchführung der Shri-Gopala-Verehrung“.
Vollständiger Sanskrittext in Devanagari
Der folgende Abschnitt enthält dieselben elf Kapitel und die Originalnummerierung in Devanagari. Mehrzeilige Vers- und Mantrablöcke sind vollständig erhalten. Die Übersetzung steht im Haupttext; die Schriftfassung dient dem Lesen und Rezitieren im Rahmen der jeweiligen eigenen Unterweisung.
सनत्कुमारतन्त्रम्
प्रथमः पटलः
ओं नमो गणेशाय
नमः कनक - किञ्जल्क - पीत - निर्मल - वाससे |
महाभुज - रिपुस्कन्ध - घृष्टचक्राय चक्रिणे || १ ||
विविक्ते भुवने रम्ये सिद्धचारणसेविते |
सनत्कुमारं नत्वाऽथ पप्रच्छेदं पुलस्त्यकः || २ ||
कृष्णस्य च महाबाहोर्माहात्म्यं वक्तुमर्हसि |
मन्त्रराजं यथान्यायं प्रसादं कुरु सुव्रत || ३ ||
सनत्कुमार उवाच
शृणु रूपं प्रवक्ष्म्यामि कृष्णस्यार्भककर्मणः |
यस्याऽहं वशगा नित्यं रविरुद्राः सवासवाः || ४ ||
किं वा ते महिमा तस्य वक्तव्यो द्विजसत्तमः |
दिवि भुव्यन्तरिक्षे च विष्णुरित्यभिधीयते || ५ ||
विधानं तस्य वक्ष्यामि यथातत्त्वं निशामय |
आदौ गुरुमुखाल्लब्ध्वा मन्त्रं भक्तिसमन्वितः || ६ ||
गुरवे दक्षिणां दत्त्वा पूर्वसेवां समाचरेत् |
द्विजसन्तर्पणं कृत्वा प्रहृष्टेनाऽन्तरात्मना || ७ ||
आदौ नैमित्तिकं कृत्वा सूर्यं सम्पूज्य भक्तितः |
देवार्चनं तथा कृत्वा यागं कुर्याद् दयान्वितः || ८ ||
गिरौ नद्यां वने तीर्थे गोष्ठे देवालये तथा |
अश्वत्थे सागरान्ते वा जपेत् प्रतिसहस्रकम् || ९ ||
शतं चैवाष्टकं कृत्वा भुक्त्वा स्थानेषु बुद्धिमान् |
षोडशेनोपचारेण संपूज्य मधुसूदनम् || १० ||
काले ध्यात्वा यथान्यायं नैवेद्यं च निवेदयेत् |
विष्णवे हृदयाह्वानं मन्त्रराजं निशामय || ११ ||
समाहितः शुचिर्भूत्वा भक्तिमानुद्धरेत् बुधः |
ओङ्कारं पूर्वमुद्धृत्य त्रिवारं परमेश्वरम् || १२ ||
यद् यत् कामो भवेन्मन्त्री मन्त्रस्यादौ निवेदयेत् |
पद्मजं तन्मुखोपेतं शक्रस्योपरि संस्थितम् || १३ ||
सेन्दुबिन्दुशिखोपेतं प्रथमं सर्वकामदम् |
तीर्थं वह्निसमारूढं श्रिया मूर्ध्निं व्यवस्थितम् || १४ ||
शशिबिन्दुशिखाव्याप्तं द्वितीयं श्रीप्रदायकम् |
रुद्रं पद्मसमायुक्तं पावकोपरि संस्थितम् || १५ ||
सेन्दुबिन्दुशिखाक्रान्तं तृतीयं मोक्षदं मतम् |
खान्तं नान्तं तथा छान्तं धान्तं लान्तं चलद्वयम् || १६ ||
वान्तं मान्तं तथा षान्तं लान्तं सान्तान्तकं तथा |
एपरम् ऐपरं चैव अपरान्तं परात्रयं || १७ ||
आद्यं गोपीजनपदं वल्लभाय ततः परम् |
स्वाहा शब्दं ततो दद्यात् सम्पूर्णं सिद्धिदायकम् || १८ ||
|| इति सनत्कुमारीये प्रथमः पटलः समाप्तः || १ ||
अथ द्वितीयः पटलः
अथ सम्यक् प्रवक्ष्यामि यजनं ध्यानमेव च |
ध्यानं चैव त्रिकालस्य नैवेद्यं च निशामय || १ ||
ब्राह्मे मुहूर्ते उत्थाय शुचिर्भूत्वा समाहितः |
आसने उपविश्याथ गुरुं नत्वा पुटाञ्जलिः || २ ||
आत्मानं ब्रह्मणो रूपं चिन्तयेच्च मुहुर्मुहुः |
जप्त्वामन्त्रं च सर्वेषां वादिनां विजयी भवेत् || ३ ||
ततः स्नात्वा शुचिर्भूत्वा सन्ध्यादीन् वैदिकांस्तथा |
कुर्याद् गुरूपदेशेन लौकिकानपि देशिकः || ४ ||
श्रीकृष्णं तर्पयामीति मूलमुच्चार्य तर्पयेत् |
पूजाद्वारे चोपविश्य पादप्रक्षालनं सुधीः || ५ ||
शिखाया बन्धनं चैव चास्त्रमन्त्रेण मन्त्रवित् |
आचम्य द्वारदेवांस्तु पूजयेत् साधकोत्तमः || ६ ||
विघ्नानुत्सादयित्वा तु हस्तभूम्योर्विशोधनम् |
गुरुं नत्वा गणेशं च वास्तुपूजां समाचरेत् || ७ ||
ब्रह्माणं पूजयित्वा तु आत्मासनमतः परम् |
भूतशुद्धिं विधायाऽथ देवेऽहं चिन्तयेद् बुधः || ८ ||
ऋष्यादिन्याससर्वांश्च मातृकाणां ततो न्यसेत् |
प्राणायामत्रयं कुर्यादङ्गन्यासं च मन्त्रवित् || ९ ||
आचक्रं च सुचक्रं च विचक्रं च द्विजोत्तमः |
त्रैलोक्यरक्षणं चक्रमसुरान्तकमेव च || १० ||
एकैकं पूर्वतः कृत्वा चक्रशब्दं नियोजयेत् |
चतुर्थ्यन्तं तु संसाध्य स्वाहाशब्दमनन्तरम् || ११ ||
तथा चाङ्गं समुच्चार्य प्रत्येकैकं नियोजयेत् |
नमः स्वाहा स्वधा वौषट् वषट्कारं तथास्त्रकम् || १२ ||
हृदि मूर्ध्नि शिखादेशे तनौ दिक्षु तथाक्रमम् |
स्वशक्तिभिः केशवाद्यैर्न्यासं कुर्याद् विचक्षणः || १३ ||
विभूतिपञ्जरं न्यस्य न्यसेत् तन्मूर्तिपञ्जरम् |
तत्त्वन्यासं प्रकुर्वीत करन्यासं तथा बुधः || १४ ||
मन्त्रन्यासं प्रकुर्वीत व्यापकं च त्रिधा न्यसेत् |
विभूतिपञ्जरन्यासं यत्र यत्र दशाक्षरम् || १५ ||
एवं कल्पोक्तकान् न्यासान् क्रमेण परिकल्पयेत् |
शङ्खस्थापनकं चापि कुर्याद् गुरुपदेशतः || १६ ||
अर्घ्यं चापि तथा कृत्वा द्रव्यमभ्युक्ष्य यत्नतः |
पीठं प्रकल्प्य देहे स्वे धर्मादीन वै प्रपूजयेत् || १७ ||
हृदि चैवमनन्तादीन् पूजयेच्च यथाविधि |
बाह्यं मुख्यं गृहस्थस्य वर्णिनोऽन्तःप्रपूजनम् || १८ ||
यन्त्रं निर्माय ताम्रे तु ह्यनन्तादीन् प्रकल्पयेत् |
तस्य कोणेषु धर्मादीन् तत्पार्श्वे पूर्वधर्मकान् || १९ ||
मध्येऽपि पूजयेन्नित्यमनन्तादि चतुर्दश |
केशरेषु च पूजा वै विमलाद्याश्च देवताः || २० ||
आत्मानं देवतां भाव्य स्वनासापुटकेन तु |
निःसार्य पूजयेद् देवं समावाह्य च यत्नतः || २१ ||
अनन्ताद्यैश्च बीजैश्च प्राणस्थानं समाचरेत् |
पाद्यादींश्चैव यत्नेन पूजयेदाकृतीगणान् || २२ ||
धूपदीपौ समासाद्य नैवेद्यं च निवेदयेत् |
जप्त्वा मन्त्रं च तन्त्रोक्तं पूजयेद् देववत् स्वयम् || २३ ||
श्रीकृष्णं तर्पयामीति मूलमुचार्य यत्नतः |
वारत्रिरर्घ्यतोयेन तर्पयेन्मन्त्रमध्यके || २४ ||
प्राणायामत्रयं कुर्याद् व्यापकं च त्रयं न्यसेत् |
तन्त्रोक्तेन विधानेन प्रयोगं कुरुते सुधीः || २५ ||
|| इति सनत्कुमारतन्त्रे पूजासूत्रं नाम द्वितीयः पटलः || २ ||
अथ तृतीयः पटलः
अथ विस्तार्य वक्ष्यामि साधकानां हिताय च |
हंसमन्त्रेण जीवं वै सतत्त्वं कुण्डलीयुतम् || १ ||
योगयुक्तेन विधिना परं ब्रह्मणि योजयेत् |
वामनासापुटे धूम्रं वायुबीजं विचिन्तयेत् || २ ||
तेन संशोधिततनुर्दक्षे वातं विरेचयेत् |
दक्षनासापुटे रक्तं वह्निबीजं विचिन्तयेत् || ३ ||
तेन सञ्जनितो वह्निः शुष्कं देहं च भस्मसात् |
कृत्वा तं वामया सेच्यं ठं बीजं शुक्लवर्णकम् || ४ ||
ललाटे योज्य चन्द्रस्थं तेन वै ताडयेत् ततः |
तेन सञ्जनितं देहं पवित्रं सुमनोहरम् || ५ ||
भावयित्वा विधानेन जीवं स्वस्थानमानयेत् |
सोऽहं मन्त्रेण कुण्डल्या तत्त्वैश्च परिवारितम् || ६ ||
भूतशुद्धिरियं प्रोक्ता सर्वसम्पत्प्रदायिनी |
प्राणयाममथो वक्ष्ये यथावदवधारय || ७ ||
दक्षया रेचयेद् वायुं द्वात्रिंशन्मानमानतः |
ईडया कर्षयेद् वायुं मनोः षोडशमात्रया || ८ ||
सुषुम्नामध्यगं कृत्वा विद्यासङ्ख्येन धारयेत् |
येनैव पूरयेद् वायुं तेनैव रेचयेत् पुनः || ९ ||
येनैव रेचयेत् पूर्वं तेनैव पूरयेत् पुनः |
उभयोर्मध्यगं कृत्वा तत्तन्मात्राभिधारणम् || १० ||
ततः पूर्वोक्तरूपं तत् प्राणायामं व्यवस्थितम् |
मातृकान्यासकं वक्ष्ये यथावदवधारय || ११ ||
ललाटे च मुखे चैव चक्षुषोः कर्णयोस्तथा |
नसोश्च गण्डयोश्चैव ओष्ठयोर्दन्तयोस्तथा || १२ ||
मस्तके च मुखे चैव स्वरान् वै क्रमतो न्यसेत् |
हस्तयोः पादयोश्चैव सन्धिष्वग्रे यथाविधि || १३ ||
पार्श्वयोः पृष्ठतश्चैव नाभौ च उदरे तथा |
ककारादीन् मकारान्तान् वर्णान् तत्तद्गतान् न्यसेत् || १४ ||
हृदये स्कन्धद्वन्द्वे च अंसयोश्च निरामयः |
यादयश्चैव चत्वारो न्यसनीयाः प्रयत्नतः || १५ ||
शादयश्च षडेवैते हृदयादिषु निर्दिर्शत् |
हस्तपादयुगे नाभौ वक्त्रौष्ठसुविनिश्चयः || १६ ||
मातृकान्यासमेतद्धि प्रोक्तं सर्वसमृद्धिदम् |
पीठन्यासमथो वक्ष्ये यथावदवधारय || १७ ||
कल्पयेदात्मनो देहे पाठं धर्मादितः क्रमात् |
भास्करं च गणेशानं शिवं दुर्गां प्रपूजयेत् || १८ ||
अंशोरुयुगयोर्विद्वान् प्रादक्षिण्येन देशिकः |
धर्मं ज्ञानं च वैराग्यमैश्वर्यं न्यसतु क्रमात् || १९ ||
मुखपार्श्वनाभिपार्श्वेष्वधर्मादीन् प्रकल्पयेत् |
धर्मादयः स्मृताः पादाः पीठगात्राणि चापरे || २० ||
अनन्तहृदये पद्ममस्मिन् सूर्येन्दुपावकान् |
एषां स्वस्वकला न्यस्याः प्रणवाक्षरपूर्विकाः || २१ ||
सत्वादींस्त्रीन् गुणान् न्यस्येत् तथैव त्रिगुरूत्तमः |
आत्मानमन्तरात्मानं परमात्मानमेव च || २२ ||
ज्ञानात्मानं न्यसेद् धीमान् मायाबीजपुरःसरम् |
नमो भगवते ब्रूयात् विष्णवे च पदं वदेत् || २३ ||
सर्वात्मसंयोगपदं योगपद्मपदं वदेत् |
पीठात्मने हृदन्तोऽयं मनुस्तवादिरीरितः || २४ ||
विमलोत्कर्षिणी ज्ञाना क्रियायोगा च शक्तयः |
ब्रह्मीशयोस्तथेशाना नान्तर्ग्रहा नवमी मता || २५ ||
यदासनं भवेद् यस्य तस्मिन् देवासने यजेत् |
इच्छा ज्ञानं क्रिया चैव कामिनी कामदायिनी || २६ ||
रती रतिप्रिया चैव मध्ये चैव मनोन्मनी |
सोऽहं सदाशिवप्रेतं ङेऽतं देव्या समाश्रयेत् ||
पीठन्यासं विधायेत्थं चिन्तयेदिष्टदेवताम् || २७ ||
|| इति सनत्कुमारतन्त्रे पीठयजनं नाम तृतीयः पटलः || ३ ||
अथ चतुर्थः पटलः
ध्यात्वा विश्वमयं देवं नवीनजलदप्रभम् |
नवनीतं दक्षहस्ते दधानं पीतवाससम् || १ ||
आवाह्य पूजयेन्मंत्रे शङ्खस्थापनपूर्वकम् |
शङ्खमन्त्राम्बुभिः प्रोक्ष्य वामतो वह्निमण्डले || २ ||
साधारं स्थापयेद् विद्वान् बिन्दुश्रुतसुधामयैः |
तोयैः सुगन्धिपुष्पाद्यैः पूजयेत् तं यथाविधि || ३ ||
आधारं पावकं शङ्खं सूर्यं तोयं सुधाकरम् |
स्मरेद् वह्न्यर्कचन्द्राणां कलास्तास्ताष्वनुक्रमात् || ४ ||
मूलमन्त्रं जपेत् स्पृष्ट्वा न्यसेत् तस्याऽङ्गमन्त्रवित् |
हृन्मन्त्रेणाऽभिसम्पूज्य हस्ताभ्यां छादयेत् पुनः || ५ ||
जपेन्मन्त्रं यथाकालं देशिको देवताधिया |
अस्त्रमन्त्रेण संरक्ष्य कवचेनाऽवगुण्ठ्य च || ६ ||
धेनुमुद्रां समापाद्य बोधयेत् तं स्वमुद्रया |
गंगे च यमुने चैव गोदावरि सरस्वति || ७ ||
नर्मदे सिन्धु कावेरि जलेऽस्मिन् सन्निधिं कुरु |
तीर्थावाहनमन्त्रोऽयं प्रोक्तः सर्वसमृद्धिदः || ८ ||
दक्षिणे प्रोक्षणीपात्रमादायाऽद्भिः प्रपूरितम् |
किञ्चिदर्घ्याम्बु सङ्गृह्य प्रोक्षण्यम्भसि योजयेत् || ९ ||
अर्घ्यस्योत्तरतः कार्यं पाद्यार्घ्याचमनीयकम् |
आत्मानं यागवस्तूनि सर्वत्र प्रोक्षयेद् गुरुः || १० ||
शङ्खस्थापनकं सम्यक् प्रोक्तं सर्वसमृद्धिदम् |
शिवादयश्च सम्पूज्याः केशवेष्वङ्गदेवताः || ११ ||
आवाह्य प्राणमनुना प्राणस्थापनमाचरेत् |
पाशादित्र्यक्षरस्यान्ते हंसोऽमुष्य पदं पुनः || १२ ||
क्रमात् प्राणा इह प्राणास्तथा जीव इह स्थितः |
अमुष्य सर्वेन्द्रियाणि भूयोऽमुष्यपदं वदेत् || १३ ||
वाङ्मनोनयनश्रोत्रघ्राणप्राणाः पदान्यथ |
पश्चादिहागत्य मुखं चिरं तिष्ठन्तु ठद्वयम् || १४ ||
अयं प्राणमनुः प्रोक्तः सर्वेषां प्राणदायकः |
स्वागतं कुशलप्रश्नं निगदेदग्रतो गुरुः || १५ ||
पाद्यं पादाम्बुजे दद्याद् देवस्य हृदयात्मना |
एतच्छ्यामाकदूर्वाब्जविष्णुक्रान्ताभिरीरितम् || १६ ||
स्वधामन्त्रेण वदने दद्यादाचमनीयकम् |
जाती - लवङ्ग - कक्कोलैस्तदुक्तं तन्त्रवेदिभिः || १७ ||
अर्घ्यं दिशेत् ततो मूर्ध्नि शिरोमन्त्रेण देशिकः |
गन्ध - पुष्पाऽक्षत - यव - कुशाम्बु - तिल - सर्षपैः || १८ ||
दूर्वाभिः सर्व - देवानामेतदर्घ्यमुदीरितम् |
स्वधात्मना ततः कुर्यान्मधुपर्कं समाहितः || १९ ||
आज्यं दधिमधून्मिश्रमेतदुक्तं मनीषिभिः |
स्वधात्मना ततः कुर्यादद्भिराचमनीयकम् || २० ||
गन्धाद्भिः कारयेत् स्नानं वाससी परिधापयेत् |
दद्याद् यज्ञोपवीतं च हाराद्याभरणैः सह || २१ ||
अर्घ्येणाऽभ्युक्ष्य देवेशं गन्धाद्यैः पूजयेत् तदा |
गन्ध - चन्दन - कर्पूर - कालागुरुभिरीरितम् || २२ ||
षोडशैरुपचारैश्च पूजयित्वा प्रत्यत्नतः |
आवृतीः पूजयेद् भक्त्या यथावदवधारय || २३ ||
वासुदेवं देवकीं च नन्दं नन्दप्रियं तथा |
कमलां भारतीं चैव रतिं शान्तं च पत्रतः || २४ ||
शङ्खं चक्रं गदां चैव पद्मंकौस्तुभमेव च |
श्रीवत्सं वत्सकं चैव वनमालां समर्चयेत् || २५ ||
मूलैनैव खगाध्यक्षं पूजयेत् तदनन्तरम् |
स्वबीजेन ततो देवं गन्धपुष्पादिभिः क्रमात् || २६ ||
यथासङ्ख्यं ततो मन्त्रं पद्माक्षेण जपेदथ |
समर्चयेत् ततो देवं हृदयादीननन्तरम् || २७ ||
आत्मदेहमयं कृत्वा प्राणायामं समाचरेत् |
अथ देवस्य निर्माल्यैर्विष्वक्सेनं समर्चयेत् || २८ ||
एवं क्रमेण कर्तव्या कृष्णपूजा समाहितैः |
पश्चाद् गोभ्यः समभ्यर्च्यग्रासं कुर्यात् सुशोभनम् || २९ ||
केयूराङ्गदहारैश्च कुण्डलैः कटिसूत्रकैः |
नूपुरैर्वन्यपुष्पैश्च नानारत्नैर्विभूषितम् || ३० ||
सचन्द्रग्रहनक्षत्रैर्निर्मलं गगनेचरं |
अथ रत्नप्रभायुक्तं सर्वालङ्कारभूषितम् || ३१ ||
सनकाद्यैः स्तूयमानं विमानस्थैर्नभोगतैः |
सर्वलक्षणसंयुक्तं प्रातः कृष्णं समर्चयेत् || ३२ ||
तथा कल्पप्रभायुक्ते वन्ये काञ्चनमण्डपे |
रत्नपीठे समासीनं कामिनीशतमध्यगम् || ३३ ||
चामराद्यैर्वीज्यमानं चन्दनाऽगुरुचर्चितम् |
ध्यायेन्मध्यन्दिनं कृष्णं सुन्दरं स्मरवर्धनम् || ३४ ||
गोपालगणमध्यस्थं सुन्दरीशतमध्यगम् |
तत्सर्वं स्ववशं कृत्वा क्रीडयन्तं मुदान्वितम् || ३५ ||
गन्धचन्दनमालाद्यैर्भूषितं नयनोत्सवम् |
यथा मध्ये तथारत्रौ चिन्तयेत् कञ्जलोचनम् || ३६ ||
काञ्चने राजते पात्रे ताम्रके वाऽप्यभावतः |
भक्त्या कृष्णं समभ्यर्च्य नैवेद्यं च निवेदयेत् || ३७ ||
प्रातर्दध्यौदनं दद्यात् पायसं च तथोत्तरम् |
तथा सशर्करं क्षीरं रात्रौ दद्यात् सुशोभनम् || ३८ ||
एभिरेव विधानैश्च संसेव्यः परमेश्वरः |
धर्मार्थकाममोक्षांश्च लभते जपकृन्नरः || ३९ ||
|| इति सनत्कुमारतन्त्रे चतुर्थः पटलः || ४ ||
अथ पञ्चमः पटलः
अथ मन्त्रान्तरं वक्ष्ये यथावदवधारय |
मन्त्रदेहं प्रवक्ष्यामि त्रिषु लोकेषु दुर्लभम् || १ ||
यस्य ग्रहणमात्रेण सर्वज्ञो जायते नरः |
अचलां च लभेत् लक्ष्मीं कवित्वं भवसम्मतम् || २ ||
असाध्यं साधयेन्मन्त्री देवानामपि दुर्लभम् |
इदं मे हृदयं गुह्यं यत् प्रष्टव्यं महामुने || ३ ||
अन्येषु साधिता मन्त्राः सर्वे च फलदायकाः |
गृहीतस्य फलं दाता मन्त्रोयद्यप्यसाधितः || ४ ||
सन्तुष्टो हि गुरुर्यत्र तस्य तुष्टो जगत्पतिः |
मन्त्रं न्यस्य गुरोर्वाक्यं न कदाचिद् विकल्पयेत् || ५ ||
गुरोर्देहं समाश्रित्य मन्त्रदेहोऽवतिष्ठते |
ततः सर्वेण भावेन गुरुं मन्त्रेण पूजयेत् || ६ ||
गन्धमाल्यैर्धूपदीपैः सम्पूज्य गुरुमन्त्रतः |
ततो मन्त्रं च गृह्णीयात् वस्त्रेणाऽऽच्छाद्य मस्तकम् || ७ ||
दक्षिणां गुरवे दद्यात् सुवर्णं धेनुमेव वा |
सर्वकर्म प्रकुर्वीत वित्तशाठ्यविवर्जितः || ८ ||
अदक्षिणं कृतं कर्म वृथा विप्रेन्द्रनिश्चितम् |
नारदाय पुरा प्रोक्तं स्वयं विष्णुरतन्द्रितः || ९ ||
स्वर्णं मे दक्षिणा देहि साक्षसूत्रकमण्डलुम् |
ततो मन्त्रं गृहाण त्वं यथाविधि महामुने || १० ||
विधिहीनं कृतं कर्म सिद्धिं नैव प्रयच्छति |
भूमिभागे समे शुद्धे गोमयेनोपलेपिते || ११ ||
तत्र शङ्खं प्रतिष्ठाप्य मातृकावपुषि न्यसेत् |
परं ब्रह्मादितः कृत्वा वर्णसङ्घं समुद्धरेत् || १२ ||
सान्तं मथान्तं मां वह्निं वामत्रिकबिन्दुसंयुतम् |
त्रिभिरेकार्णवीभूतं स्वाहान्तं मन्त्रमुद्धरेत् || १३ ||
ततो गुरुमुखाल्लब्ध्वा हृदये च निवेशयेत् |
अयुतं च जपं कृत्वा हविष्याशी जितेन्द्रियः || १४ ||
दशांशं जुहुयादग्नौ मधुरत्रयसंयुतम् |
सहस्रं वाऽपि पुष्पाणां वैष्णवानां सुसंयतः || १५ ||
माणिक्यसाधनार्थं च सहस्रमधिकं जपेत् |
दशांशं जुहुयात् तस्य जपस्य द्विगुणं स्मृतम् || १६ ||
तस्य तत्त्वं निबोध त्वं वाह्यमानं महामुने |
शंभोर्मूलाक्षरं ह्यस्य त्रिशक्तिश्चाप्यवस्थिता || १७ ||
शिवोमन्तं तथा ब्रह्मा चेन्दुबिन्दुस्वरूपवान् |
एतत् ते कथितं वत्स हृदयं मन्त्रमुत्तमम् || १८ ||
कस्यचिन्न हि वक्तव्यं त्रिषु लोकेषु दुर्लभम् |
एवं संसाधिते मन्त्रे साधितं भुवनत्रयम् || १९ ||
कामं कृत्वा जपेन्मन्त्रं शुचिर्भूत्वा जितेन्द्रियः |
कर्मणा मनसा वाचा कुर्याद् यदभिवाञ्छितम् || २० ||
तत् तस्य सिद्ध्यति क्षिप्रं यद्यपि स्यात् सुदुष्करम् |
विष्णुर्ब्रह्मा च रुद्रश्च दुर्गा च सर्वदेवताः || २१ ||
अयं मन्त्रो महामन्त्रः सर्वेषां हृदये स्थितः |
मन्त्रमेनं समुच्चार्य लभते द्विगुणं फलम् || २२ ||
पूजनं चास्य मन्त्रस्य यथाकार्यं तथा शृणु |
अङ्गन्यासकरन्यासौ मन्त्रस्याऽप्यक्षरेण तु || २३ ||
कृत्वा चाऽष्टदलं पद्मं देवमावाह्य यत्नतः |
स्थण्डिले वा जले वाऽपि गोपालं पूजयेत् तदा || २४ ||
ध्यानं चैव प्रवक्ष्यामि गोपालस्य जगद्गुरोः |
जटिलं द्विभुजं नग्नं नीलोत्पलदलप्रभम् || २५ ||
बालं षण्मासदेशीयं देवं जानुचलं हरिम् |
दाम्ना चैवोदरे बद्धं वृक्षावुदूखलेन च || २६ ||
लीलया कर्षमाणं च तिर्यक्कृतमुदूखलम् |
यमलार्जुनयोर्मध्ये द्रुतमागत्य लीलया || २७ ||
मन्त्रेणाऽनेन चोत्पाट्य वृक्षौ द्वौ योजनायतौ |
दाम्नि वासुकिमारोप्य मन्त्रेणाऽनेन यन्त्रितम् || २८ ||
उदूखले द्रुतं लग्नं नागराजेन वेष्टितम् |
समाकृष्य समुत्पाट्य हसन्तं यमलार्जुनौ || २९ ||
हाहाकारपरैः सर्वैर्गोपगोपीजनैर्वृतम् |
यशोदया कृतं क्रोडे क्रन्दन्त्याऽऽगत्य सत्वरम् || ३० ||
सर्वतो जगतो रूपं गोपवेशतिरोहितम् |
एवं सञ्चिन्त्य गोपालं मायामयमनामयम् || ३१ ||
पाद्यादिभिः समभ्यर्च्य जपकर्म समापयेत् |
एभिरेवाऽथवा पूजा कर्तव्या सुरवैरिणः ||
धूपं दीपं च नैवेद्यं ताम्बूलादिकमर्पयेत् || ३२ ||
|| इति सनत्कुमारीये पञ्चमः पटलः || ५ ||
अथ षष्ठः पटलः
कृष्णाय पदमाभाष्य गोविन्दाय ततः परम् |
गोपीजनपदस्याऽन्ते वल्लभाय द्विठावधिः || १ ||
कामबीजादिराख्यातो मनुरष्टादशाक्षरः |
अष्टादशार्णसंयुक्त उक्तो मन्त्रो यथाविधि || २ ||
शक्तिश्रीपूर्वकोऽष्टादशार्णो विंशतिवर्णकः |
स्मरः कृष्णाय ठद्वन्द्वं षड्वर्णो मनुरीरितः || ३ ||
प्रणवं हृदयं कृष्णं डेऽन्तमुक्त्वा ततः परम् |
तादृशं देवकीपुत्रं हुंफट् - स्वाहासमन्वितम् || ४ ||
षोडशाक्षरमन्त्रोऽयं गोविन्दस्य समीरितः |
श्रीमन्मुकुन्दचरणं यदेति शरणं ततः || ५ ||
अहं प्रसन्न इत्युक्तो मौकुन्दोऽष्टादशाक्षरः |
पञ्चान्तको धरासंस्थो मनुर्बिन्दुविभूषितः || ६ ||
पिण्डबीजमिदं प्रोक्तं सर्वसिद्धिप्रदायकम् |
पिण्डं रतिपतेर्बीजं नमो भगवते ततः || ७ ||
नन्दपुत्राय बालादिवपुषे श्यामलाय च |
गोपीजनपदस्यान्ते वल्लभाय द्विठावधिः || ८ ||
अनुष्टुब् मन्त्र आख्यातो गोपालस्य जगत्पतेः |
गोपालायाऽग्निजायान्तः षडक्षर उदाहृतः || ९ ||
कृष्णगोविन्दकौ डेन्तौ सप्तवर्णो मनुर्मतः |
श्रीशक्तिमाराः कृष्णाय मारः सप्ताक्षरः परः || १० ||
क्लीं ग्लौं श्रीं श्यामलाङ्गाय नतिः स्याद् दशवर्णकः |
चक्री वामनसर्गौ च मनुरेकाक्षरः स्मृतः || ११ ||
काममिन्द्रश्च माया च लवलाञ्छितमस्तकः |
एकवर्णो मनुः प्रोक्तः काममन्त्रः पुरोदितः || १२ ||
एतत् सर्वं हृषीकेशं चतुर्थ्यन्तं नमःपदम् |
अष्टवर्णो मनुः प्रोक्तः सर्वेषां हृदयस्थितः || १३ ||
वाग्भवं कामबीजं च कृष्णाय सुरसुन्दरी |
गोविन्दं ङेयुतं चैव रमाबीजमनन्तरम् || १४ ||
दशाक्षरं ततः पश्चात् स्वबीजं तदनन्तरम् |
द्वाविंशत्यक्षरो मन्त्रः सर्वसिद्धिप्रदायकः || १५ ||
कामं मायां च लक्ष्मीं च दशार्णं च ततः परम् |
त्रयोदशार्णमन्त्रोऽयं प्रोक्तः सर्वसमृद्धिदः || १६ ||
कामं लक्ष्मीं च मायां च जयकृष्णपदद्वयम् |
मायां लक्ष्मीं तथा कामं जयं देहि पदद्वयम् || १७ ||
चतुर्विंशत्यक्षरात्मा स्वाहान्तो मनुरीरितः |
कामं पिण्डं तथा लक्ष्मीं गोपालाय ततः परम् || १८ ||
लक्ष्मीं पिण्डं तथा कामं गोविन्दाय पदं तथा |
कामपिण्डं तथा लक्ष्मीं स्वाहान्तः प्रणवादिकः || १९ ||
|| इति सनत्कुमारीये षष्ठः पटलः || ६ ||
अथ सप्तमः पटलः
क्रमात् पूजाविधिं वक्ष्ये यथावदवधारय |
नारदोऽस्य ऋषिः प्रोक्तो गायत्रीच्छन्द ईरितम् || १ ||
देवता कथितः कृष्णः सर्वकामफलप्रदः |
चतुष्करणवेदाद्धि नेत्रयुग्माक्षरैः क्रमात् || २ ||
पञ्चाङ्गानि मनोः कुर्यात् मन्त्रविन्नेत्रवर्जितम् |
अन्येषामपि मन्त्राणां ऋष्याद्याः पूर्वदेवताः || ३ ||
अङ्गानि कामबीजेन सनेत्रं दीर्घयुक्तकैः |
दशाक्षरे विराट् छन्द आचक्राद्यैश्च पञ्चकम् || ४ ||
पूर्वप्रोक्तानि कर्माणि न्यासादीनि विधानतः |
कुर्याच्छुद्धमतिर्धीमान् ध्यानमेवं जगत्पतेः || ५ ||
स्मरेद् वृन्दावने रम्ये मोहयन्तमनारतम् |
गोविन्दं पुण्डरीकाक्षं गोपकन्याः सहस्रशः || ६ ||
आत्मनो वदनाम्भोजे प्रेरिताक्षिमधुव्रताः |
पिडिताः कामबाणेन चिरमाश्लेषणोत्सुकाः || ७ ||
मुक्ताहारलसत्पीनतुङ्गस्तनभरानताः |
स्रस्तधम्मिल्लवसना मदस्खलितभूषणा || ८ ||
दन्तपङ्क्तिप्रभोद्भासिस्पन्दमालाधराञ्चिताः |
विलोकयन्तीर्विविधैर्विभ्रमैर्भावगर्वितैः || ९ ||
फुल्लेन्दीवरकान्तिमिन्दुवदनं बर्हावतंसप्रियं
श्रीवत्साङ्कमुदारकौस्तुभधरं पीताम्बरं सुन्दरम् |
गोपीनां नयनोत्पलार्चिततनुं गोगोपसङ्घावृतं
गोविन्दं कलवेणुनादनपरं दिव्याङ्गभूषं भजे || १० ||
एवं ध्यात्वा जपेल्लक्षं पञ्च चाऽष्टादशाक्षरम् |
अन्येषां लक्षमेकं च दशलक्षं दशार्णकम् || ११ ||
पूर्वसेवां पुरा कुर्यात् पूर्वोक्तविधिना स्मृतः |
बालगोपालमन्त्राणां ध्यानं शृणु यथाविधि || १२ ||
नवीननीरदश्यामं पक्वबिम्बाधरं विभुम् |
नवनीतं पायसं च धारयन्तं करद्वये || १३ ||
होमश्चैव तथा कार्यो जपस्यैव दशांशतः |
सर्पिषा नवनीतेन दध्ना वा पायसेन वा || १४ ||
मल्लिका - मालती - पुष्पैः शुक्लपद्मेन चैव हि |
तर्पणं तद्दशांशेन विशुद्धेन जलेन वा || १५ ||
गन्धपुष्पाक्षतैर्युक्तमभिषेकं च मस्तके |
ब्राह्मणान् भोजयेच्चैव दशांशक्रमयोगतः || १६ ||
यद् यदङ्गं भवेद् भङ्गं तत्सङ्ख्याद्विगुणो जपः |
होमाशक्तौ जपः प्रोक्तो होमसङ्ख्याचतुर्गुणः || १७ ||
विप्राणां क्षत्रियाणां च रससङ्ख्यागुणः स्मृतः |
वैश्यानां वसुसङ्ख्याकमेषां स्त्रीणामयं विधिः || १८ ||
यं वर्णमाश्रितः शूद्रः स च तस्य विधिं चरेत् |
वैश्याश्रितस्य शूद्रस्य दशसङ्ख्यागुणः स्मृतः || १९ ||
होमार्थोऽयं विधिः प्रोक्तस्तर्पणेऽपि निबोधत |
तर्पणे द्विगुणं प्रोक्तं शक्तौ च सर्वसाधनम् || २० ||
|| इति सनत्कुमारीये जपहोमादिनिर्णयः सप्तमः पटलः || ७ ||
अथाष्टमः पटलः
अथ प्रयोगान् वक्ष्यामि यथावदवधारय |
लक्ष्मीप्रसूनैर्जुहुयात् श्रियमिच्छन्ननिन्दिताम् || १ ||
साज्येनाऽन्नेन जुहुयाद् आज्यान्नस्य समृद्धये |
आरण्यैः कुसुमैर्विप्रान् जातिभिः पृथिवीपतीन् || २ ||
चम्पकैश्च सितोपेतैर्वैश्यांश्च कमलैः शुभैः |
शूद्रांश्च वशयेन्मन्त्री त्रिमध्वक्तैर्यथाक्रमात् || ३ ||
एवं हुत्वा द्विजश्रेष्ठः सर्वान् कामानवाप्नुयात् |
ततो भक्त्या श्यामलाङ्गं प्रसन्नं गोकुलश्रियम् || ४ ||
शिशुवेषधरं देवं किङ्किणीदाममण्डितम् |
स्मृत्वा तं तर्पयेन्मन्त्री दुग्धबुद्ध्या शुभैर्जलैः || ५ ||
धनधान्यांशुकादीनि प्रीतस्तस्मै ददाति सः |
मालती कुसुमैर्देवमर्चयित्वा यथाविधि || ६ ||
आयुरारोग्यमैश्वर्यं मनोऽभीष्टानि विन्दति |
काशप्रसूनैर्जुहुयादष्टोत्तरसहस्रकम् || ७ ||
नाममात्रेण वशगास्तस्य स्युः सकला नृपाः |
हुत्वा बिल्वफलैः पक्वैः श्रियमाप्नोत्थनिन्दिताम् || ८ ||
प्रफुल्लैररुणाम्भोजैस्तामेव लभते पुनः |
हुत्वा ज्योतिष्मतीतैलं सहस्रं बहुसङ्ख्यया || ९ ||
सुभगो जायते सम्यक् सर्वेषां नाऽत्र संशयः |
विधानेनाऽमुना मन्त्री महारोगात् प्रमुच्यते || १० ||
अश्वत्थसमिधैर्होमः पराहृतधनावहः |
आज्याक्तदूर्वाहोमेन मुच्यते महतो भयात् || ११ ||
यस्य नामयुतं पुण्यं जपेदयुतसङ्ख्यया |
स भवेद् दासवत् तस्य नात्र कार्या विचारणा || १२ ||
बहुनाऽत्र किमुक्तेन मनुना साधकोत्तमः |
साधयेदखिलान् कामान् साक्षाद् विष्णुरिवाऽपरः || १३ ||
अपुत्रो द्वादशीं प्राप्य पूजयित्वा जगद्गुरुम् |
देवकीसुत गोविन्द वासुदेव जगत्पते || १४ ||
देहि मे तनयं देव त्वामहं शरणं गतः |
इति स्तुत्वा विधानेन पूजयेदावृतिगणान् || १५ ||
आदावङ्गावृतीः पूज्या दामादि तदनन्तरम् |
दिक्षु दामसुदामौ च वसुदामश्च किङ्किणी || १६ ||
रुक्मिण्याद्यष्टमहिषीर्दलेषु पूजयेत् ततः |
दक्षिणकरधृतकमलारसपूरितमुद्रि तान्यकराः || १७ ||
रुक्मिण्याख्या तथा सत्या नागजित्या सुनन्दा च |
मित्तविन्धा सुलक्षणा ऋक्षजा सुशीला तथा || १८ ||
ततो यजेद् दलाग्रेषु वसुदेवं च देवकीम् |
नन्दगोपं यशोदां च बलभद्रं सुभद्रिकाम् || १९ ||
गोपा गोप्यश्च सम्पूज्याश्चित्रमाल्यानुलेपनाः |
यथाविधि इमाः पूज्या ब्रह्माद्यास्तदनन्तरम् || २० ||
इन्द्राद्याः पूजनीयाश्च वज्राद्यास्तदनन्तरम् |
ब्राह्मी माहेश्वरी चैव कौमारी वैष्णवीति च || २१ ||
वराही च तथेन्द्राणी चामुण्डा सप्तमी तथा |
अष्टमी स्यान्महालक्ष्मीः प्रोक्ताः स्युर्विश्वमातरः || २२ ||
इन्द्रादीन् पूजयेद् बाह्ये जातिहेतिसशक्तिकान् |
वज्रं शक्तिं च दण्डं च खड्गं पाशं तथाऽङ्कुशम् || २३ ||
गदां शूलं च चक्रं च पद्मं तत्रैव पूजयेत् |
नैवेद्यं विधिवद् दत्वा देवं ध्यात्वा जपेत् सुधीः || २४ ||
स्तुत्वा प्रणम्य शिरसा जलेनाऽऽत्मानमर्पयेत् |
इतः पूर्वं पदं दत्त्वा प्राणबुद्धिपदं ततः || २५ ||
देहधर्माधिकारतो जाग्रत्स्वप्नपदान्यथ |
सुषुप्त्यवस्थासु मनसा वाचा कर्मणा तथा || २६ ||
हस्ताभ्यां च यथा पद्भ्यामुदरेण पदं तथा |
शिश्ना च यत् स्मृतं चैव यदुक्तं यत् कृतं तथा || २७ ||
तत् सर्वं ब्रह्मार्पणमतो भवतु वह्निसुन्दरी |
मां मदीयं च सकलं हरये सम्यक् समर्पयेत् || २८ ||
ओं तत्सदिति च प्रोक्तो मन्त्रः स्वात्मसमर्पणे |
प्रत्यहं पूजयेद् देवं षोडशैरुपचारकैः || २९ ||
तदशक्तौ तु पूजा स्याद् देशोपचारिकी तथा |
तदशक्तौ पञ्चभिस्तु पूजा स्यादुपचारकैः || ३० ||
आसनं स्वागतं चैव पाद्यादिपञ्चकं तथा |
स्नानं वासो भूषणं च गन्धपुष्पं च धूपकम् || ३१ ||
प्रदीपं चैव नैवेद्यं पुष्पाञ्जलिरतः परम् |
गन्धादयो नैवेद्यान्ता पूजा पञ्चोपचारिका || ३२ ||
अर्घ्याद्याः पञ्च पञ्चैव गन्धाद्या इति भेदतः |
नमस्कृत्य षडङ्गं च पञ्चाङ्गं च विधानतः || ३३ ||
देवं विसृज्य हृदये विष्वक्सेनं समर्चयेत् |
दण्डवत् प्रणिपत्याऽथ गण्डाभ्यां चिबुकेन च || ३४ ||
नासया च कपालेन मनसा वचसा तथा |
साष्टाङ्गकः प्रणामः स्यात् हरेः प्रीतिप्रदायकः || ३५ ||
एतत् सर्वं मयाऽऽख्यातं क्रमेण व्युत्क्रमेण च |
कथितं यन्न कथितं तत् सर्वं क्रमतः शृणु || ३६ ||
प्रातः कृत्यमनुप्रदाय विनतिः स्नानं स्वसन्ध्यात्मकं
सङ्कल्पान्तकभूतशूधिसकलामालामयं न्यासनम् |
अन्तर्यागविधिर्बहिर्यजनकं शङ्खादिसंस्थापनं
पिठस्याऽर्चनमङ्गदेवयजनं प्राणप्रतिष्ठा ततः || ३७ ||
आह्वानं निजमुद्रिकाविरचनं ध्यानं प्रभोः पूजनं
वृत्याऽऽराधनधूपदीपवरनैवेद्यं जपो गुह्यतः |
जापस्याऽर्पणवायुधारणमतः स्वात्मार्पणं संस्तुति-
र्लभ्यन्ते च विसर्जनं मुररिपोः पूजाक्रमः कीर्तितः || ३८ ||
सूत्रं चैतत् प्रकथितमनेनाऽऽराधयेदच्युतम् |
इति नारायणेनैव सूत्रं प्रकथितं पुरा || ३९ ||
ब्रह्मणे ब्रह्मणा पूर्वं मयि स्नेहात् प्रकाशितम् |
पुलस्त्यविधिनाऽनेन मया कृष्ण उपासितः || ४० ||
|| इति सनत्कुमारीये पूजाविधानं नामाऽष्टमः पटलः || ८ ||
अथ नवमः पटलः
पुलस्त्य उवाच
भगवन् सर्वधर्मज्ञ कवचं यत् प्रकाशितम् |
त्रैलोक्यमङ्गलं नाम कृपया कथय प्रभो || १ ||
सनत्कुमार उवाच
शृणु वक्ष्यामि विप्रेन्द्र कवचं परमाद्भुतम् |
नारायणेन कथितं कृपया ब्रह्मणे पुरा || २ ||
ब्रह्मणा कथितं मह्यं परं स्नेहाद् वदामि ते |
अतिगुह्यतरं तत्त्वं ब्रह्ममन्त्रौघविग्रहम् || ३ ||
यद् धृत्वा पठनाद् ब्रह्मा सृष्टिं वितनुते ध्रुवम् |
यद् धृत्वा पठनात् पाति महालक्ष्मीर्जगत्त्रयम् || ४ ||
पठनाद् धारणात् शम्भुः संहर्ता सर्वतत्त्ववित् |
त्रैलोक्यजननी दुर्गा महिषादिमहासुरान् || ५ ||
नरदृप्तान् जघानैव पठनाद् धारणाद् यतः |
एवमिन्द्रादयः सर्वे सर्वैश्वर्यमवाप्नुयुः || ६ ||
शिष्याय विष्णुभक्ताय साधकाय प्रकाशयेत् |
शठाय परशिष्याय दत्त्वा मृत्युमवाप्नुयात् || ७ ||
त्रैलोक्यमङ्गलस्याऽस्य कवचस्य प्रजापतिः |
ऋषिः च्छन्दश्च गायत्री देवो नारायणः स्वयम् || ८ ||
धर्मार्थकाममोक्षेषु विनियोगः प्रकीर्तितः |
प्रणवो मे शिरः पातु नमो नारायणाय च || ९ ||
भालं पायान्नेत्रयुग्ममष्टार्णो भुक्तिमुक्तिदः |
क्लीं पायात् श्रौत्रयुग्मं चैकाक्षरः सर्वमोहनः || १० ||
क्लीं कृष्णाय सदा घ्राणं गोविन्दायेति जिह्निकाम् |
गोपीजनपदं वल्लभायं स्वाहाङनं मम || ११ ||
अष्टादशाक्षरो मन्त्रं कण्ठं पातु दशाक्षरः |
गोपीजनपदं वल्लभाय स्वाहा भुजद्वयम् || १२ ||
क्लीं ग्लीं क्लीं श्यामलाङ्गाय नमः स्कन्धौ दशाक्षरः |
क्लीं कृष्ण क्लीं करौ पायात् क्लीं कृष्णाय चाङ्गजोऽवतु || १३ ||
हृदयं श्रीं क्लीं भुवनेशीं क्लीं कृष्णाय क्लीं स्तनौ मम |
गोपालायाऽग्निजायान्तं कुक्षियुग्मं सदाऽवतु || १४ ||
क्लीं कृष्णाय सदा पातु पार्श्वयुग्मं मनूत्तमः |
कृष्णगोविन्दकौ पातु स्मराद्यौ ङेयुतौ मनुः || १५ ||
अष्टाक्षरः पातु नाभि कृष्णेति द्व्यक्षरोऽवतु |
पृष्ठं क्लीं कृष्ण कङ्कालं क्लीं कृष्णाय द्विठान्तकः || १६ ||
सक्थिनी सततं पातु श्रीं ह्रीं क्लीं कृष्ण ठद्वयम् |
ऊरू सप्ताक्षरः पातु त्रयोदशाक्षरोऽवतु || १७ ||
श्रीं ह्रीं क्लीं पदतो गोपीजनवल्लभदं ततः |
भायस्वाहेति पायुं वै क्लीं ह्रीं श्रीं दशवर्णकः || १८ ||
जानुनी च सदा पातु ह्रीं श्रीं क्लीं सदशाक्षरः |
त्रयोदशाक्षरः पातु जङ्घे चक्रायुधः स्वयम् || १९ ||
अष्टादशाक्षरो ह्रीं श्रीं पूर्वको विंशवर्णकः |
सर्वाङ्गं मे सदा पातु द्वारकानायको बली || २० ||
नमो भगवते पश्चाद् वासुदेवाय तत्परम् |
ताराद्या द्वादशार्णोऽयं प्राच्यां मां सर्वदाऽवतु || २१ ||
श्रीं ह्रीं क्लीं दशवर्णं तु क्लीं ह्रीं श्रीं षोडशाक्षरः |
गदाद्युदायुधो विष्णुर्मामग्नेर्दिशि रक्षतु || २२ ||
ह्रीं श्रीं दशाक्षरो मन्त्रो दक्षिणे मां सदाऽवतु |
तारो नमो भगवते रुक्मिणीवल्लभाय च || २३ ||
स्वाहेति षोडशार्णोऽयं नैर्-ऋत्यां दिशि रक्षतु |
क्लीं हृषीके पदंशाय नमो मां वारुणेऽवतु || २४ ||
अष्टादशार्णः कामान्तो वायव्ये मां सदाऽवतु |
श्रीं मायाकामकृष्णाय गोविन्दाय द्विठो मनुः || २५ ||
द्वादशाक्षरके विष्णुरुत्तरे मां सदाऽवतु |
वाग्भवं कामकृष्णाय ह्रीं गोविन्दाय ततः परम् || २६ ||
श्रीं गोपीजनवल्लभान्ते भायस्वाहेति सौस्ततः |
द्वाविंशत्यक्षरो मन्त्रो मामैशान्यां सदाऽवतु || २७ ||
काली यस्य फणामध्ये दिव्यं नृत्यं करोति यः |
नमामि देवकीपुत्रं नृत्यराजानमच्युतम् || २८ ||
द्वाविंशत्यक्षरो मन्त्रोऽप्यधो मां सर्वतोऽवतु |
कामदेवाय विद्महे पुष्पबाणाय धीमहि || २९ ||
तन्नोऽनङ्गः प्रचोदयादेष मां पातु चोर्द्ध्वतः |
इति ते कथितं विप्र ब्रह्ममन्त्रौघविग्रहम् || ३० ||
त्रैलोक्यमङ्गलं नाम कवचं ब्रह्मरूपकम् |
ब्रह्नेशप्रमुखाऽधीशनारायणमुखाऽच्युतम् || ३१ ||
तव स्नेहान्मयाख्यातं प्रवक्तव्यं न कस्य चित् |
गुरुं प्रणम्य विधिवत् कवचं प्रपठेत् ततः || ३२ ||
सकृद् द्वित्रिर्यथाज्ञानं सोऽपि सर्वतपोमयः |
मन्त्रेषु सकलेष्वेव देशिको नाऽत्र संशयः || ३३ ||
शतमष्टोत्तरं चास्य पुरश्चर्यांविधिः स्मृतः |
हवनादीन् दशांशेन कृत्वा तत् साधयेद् ध्रुवम् || ३४ ||
यदि स्यात् सिद्धकवचो विष्णुरेव भवेत् स्वयम् |
मन्त्रसिद्धिर्भवेत् तस्य पुरश्चर्याविधानतः || ३५ ||
स्पर्धामुद्धूय सततं लक्ष्मीर्वाणी वसेत् सदा |
पुष्पाञ्जल्यष्टकं दत्त्वा मूलेनैव पठेत् सकृत् || ३६ ||
दशवर्षसहस्राणां पूजायाः फलमाप्नुयात् |
भूर्जे विलिख्य गुलिकां स्वर्णस्थां धारयेद् यदि || ३७ ||
कण्ठे वा दक्षिणे बाहौ सोऽपि विष्णुर्न संशयः |
अश्वमेधसहस्राणि वाजपेयशतानि च || ३८ ||
महादानानि यान्येव प्रादक्षिण्यं भुवस्तथा |
कलां नार्हन्ति तान्येव सकृदुच्चारणात् ततः || ३९ ||
कवचस्य प्रसादेन जीवन्मुक्तो भवेन्नरः |
त्रैलोक्यं क्षोभयत्येव त्रैलोक्यविजयी भवेत् || ४० ||
इदं कवचमज्ञात्वा भजेद् यः पुरुषोत्तमम् |
शतलक्षप्रजप्तोऽपि न मन्त्रः सिद्धिदायकः || ४१ ||
इति सनत्कुमारीये त्रैलोक्यमङ्गल नाम नवमः पटलः || ९ ||
अथ दशमः पटलः
पुलस्त्य उवाच
करमालान्तरे माला जपमाला च कथ्यताम् |
सनत्कुमार उवाच
शृणु वक्ष्यामि विप्रेन्द्र माला पृष्टा त्वया हि या || १ ||
अनामामध्यमारभ्य कनिष्ठादित एव च |
तर्जनीमूलपर्यन्तं दशपर्वसु सञ्जपेत् || २ ||
तर्जनी मध्यमा चेति कनिष्ठा चापि ताः क्रमात् |
तिस्रोऽङ्गुल्यस्त्रिपर्वाः स्युर्मध्यमा चैकपर्विका || ३ ||
पूर्वद्वयं मध्यमाया मेरुत्वेनोपकल्पयेत् |
क्रमोत्क्रमगतैर्माला मातृकार्णैः सबिन्दुकैः || ४ ||
क्षमेककैः साष्टवर्गैरन्तर्यजनकर्मणि |
आदिकचटतपयशला इत्येवं चाष्टवर्गाः || ५ ||
पद्मबीजादिभिर्माला बहिर्यागे शृणुष्व ताः |
रुद्राक्ष - शङ्ख - पद्माक्ष - पुत्र - जीवक - मौक्तिकैः || ६ ||
स्फाटिकैर्मणिरत्नैश्च सौवर्णैर्विद्रुमैस्तथा |
कुशपत्रैर्द्वादश स्युर्गृहस्थस्याऽक्षमालिका || ७ ||
अङ्गुलीगणनादेकं रेखायाऽष्टगुणं भवेत् |
पुत्रजीवैर्दशगुणं शतशङ्खैः सहस्रकम् || ८ ||
प्रवालैर्मणिरत्नैश्च दशसाहस्रकं स्मृतम् |
तदेव स्फटिकं प्रोक्तं मौक्तिकैर्लक्षमुच्यते || ९ ||
कुशग्रन्थ्या कोटिशतं रुद्राक्षं स्यादनन्तकम् |
तुलसीकाष्ठघटितैर्मालाभिर्जपमालिका || १० ||
सर्वकर्माणि सर्वेषामीप्सितार्थफलप्रदा |
अष्टोत्तरशतैर्माला पञ्चाशत्तूत्तराधिकैः || ११ ||
सप्तविंशतिभिः कार्या सर्वसाधारणे जपे |
मोक्षार्थी पञ्चविंशत्या धनार्थी र्त्रिशता जपेत् || १२ ||
पुष्ट्यर्थी पञ्चविंशत्या पञ्चदश्याभिचारके |
मालासङ्ग्रथनं वक्ष्ये यदुक्तं ब्रह्मणा पुरा || १३ ||
गोपुच्छसदृशी माला यद्वा सर्पाकृतिर्भवेत् |
मुखं मुखेन संयोज्य पुच्छं पुच्छेन योजयेत् || १४ ||
सूत्रं विप्रेन्द्र कन्याभिः स्त्रीभिर्वाऽपि विनिर्मितम् |
त्रिगुणं त्रिगुणीकृत्य तदेव त्रिगुणं तथा || १५ ||
शुक्लं रक्तं तथा कृष्णं पट्टसूत्रमथापि वा |
शान्तिवश्याभिचारेषु तथैव मारणेऽपि च || १६ ||
शुक्लं रक्तं तथा पीतं कृष्णं वर्णेषु च क्रमात् |
सर्वेषामेव वर्णानां रक्तं सर्वेप्सितप्रदम् || १७ ||
आश्रमेषु तथाऽप्येवं रक्तं सर्वेषु सिद्धिदम् |
फलोपचारतः कृष्णमिष्ट्वा तन्त्रानुसारतः || १८ ||
एकैकं मातृकार्णं तु शतारं प्रजपेत् सुधीः |
मणिमादाय सूत्रेषु ग्रथनं मध्यमाग्रतः || १९ ||
मध्यग्रन्थिं विधायेत्थं मेरुं च ग्रन्थियन्त्रितम् |
ग्रथयित्वा पुरो मालां ततः संस्कारमारभेत् || २० ||
क्षालयेत् पञ्चगव्यैस्तु सद्योजातेन सज्जलैः |
चन्दनागरुगन्धाद्यैर्वामदेवेन घर्षयेत् || २१ ||
धूपयेत् तामघोरेण प्रीणयेत् पुरुषेण तु |
मन्त्रयेत् पञ्चमेनैव प्रत्येकं तु सकृत् स्कृत् || २२ ||
मेरुं सकृन्मन्त्रयेच्च मनसा च शतं शतम् |
येन प्रतिष्ठिता माला तयैव तु मनुं जपेत् || २३ ||
अन्यमन्त्रं जपेद् विद्वान् न कार्या कार्हिचिद् बुधैः |
सद्योजातं प्रपद्यामि सद्योजाताय वै नमः || २४ ||
भवे भवेऽनादिभवे भजस्व मां भवोद्भवम् |
ङेन्तान्तप्रणावाद्येन नमोऽन्तेन क्रमाज्जपेत् || २५ ||
वामदेवाय नमो ज्येष्ठाय नमः रुद्राय नमः |
कालाय नमः कलविकरणाय नमो बलप्रमथनाय || २६ ||
अघोरेभ्योऽथ घोरेभ्यो घोरघोरतरेभ्यश्च |
सर्वतः सर्वेभ्यो नमस्ते रुद्ररुपेभ्यः || २७ ||
तत्पुरुषाय विद्महे महादेवाय धीमहि
तन्नो रुद्रः प्रचोदयात् || २८ ||
इशानः सर्वविद्यानामीश्वरः सर्वभूतानां
ब्रह्माधिपतिर्ब्रह्मणोऽधिपतिर्ब्रह्मणि मे शिवोऽस्तु सदाशिवोऽम् ||
२९ ||
प्रणवाद्यो महामन्त्रः सदाशिवमिति क्रमात् |
संस्कृत्यैवं बुधो मालां तत्प्राणांस्तत्र योजयेत् || ३० ||
मूलमन्त्रेण तां मालां पूजयेद् द्विजसत्तमः |
गुरुं सम्पूज्य तद्धस्तात् गृह्णीयादक्षमालिकाम् || ३१ ||
न स्पृशेद् वामहस्तेन करभ्रष्टां न कारयेत् |
अङ्गुष्ठं मोक्षदं प्रोक्तं तर्जनी शत्रुनाशिनी || ३२ ||
मध्यमा घनसिद्धिः स्यात् शान्तिकर्मण्यनामिका |
कनिष्ठाऽऽकर्षणे ज्ञेया जपकर्मणि सिद्धिदा || ३३ ||
अङ्गुष्ठपर्वमध्यस्थं परिवर्त्त समाचरेत् |
पुरश्चर्यां ततः कुर्यात् स्वयमेव समाहितः || ३४ ||
गुरुणा स्वानुगेनैव तद्भ्रातृपुत्रकैस्तथा |
सर्वासु दीक्षितेनैव पुरश्चर्यां समाचरेत् || ३५ ||
पुलस्त्य उवाच
सङ्कल्पश्च पुरश्चर्याविधानं तत्र कीदृशम् |
तत् सर्वं कृपया नाथ सङ्क्षेपेण प्रकथ्यताम् || ३६ ||
सनत्कुमार उवाच
प्रणवं तत्सदिति च मासपक्षतिथावपि |
अमुकोऽमुकगोत्रोऽहं मूलमुच्चार्य तत्परम् || ३७ ||
सिद्धिकामोऽस्य मन्त्रस्य इयत्सङ्ख्यं जपेत् ततः |
दशांशं हवनं कुर्याद् दशांशं तर्पणं ततः || ३८ ||
दशांशं मार्जनं तस्माद् दशांशं विप्रभोजनम् |
पुरश्चरंअमेवं हि करिष्ये प्रागुदङ्मुखः || ३९ ||
इति सङ्कल्प्य विप्रेन्द्र जपयज्ञादिकं चरेत् |
मन्त्रं च प्रातरारम्भ्य जपेन्मध्यन्दिनावधि || ४० ||
इत्यादि विधिनाऽऽलब्य पुरश्चर्यां समाचरेत् |
अथवाऽन्यप्रकारेण पुरश्चरणमुच्यते || ४१ ||
ग्रहणेऽर्कस्य चेन्दोर्वा शुचिः पूर्वमुपोषितः |
नद्यां समुद्रगामिन्यां नाभिमात्रोदके स्थितः || ४२ ||
ग्रहणान्मोक्षपर्यन्तं जपेन्मन्त्रं समाहितः |
दृष्ट्वा स्नात्वा तु सङ्कल्पप्य विमोक्षान्तं जपं चरेत् || ४३ ||
तावज्जपादिकं कुर्याद् ग्रहणान्ते शुचिः पुमान् |
इति जापान्मन्त्रसिद्धिर्भवत्येव न संशयः || ४४ ||
श्राद्धादेरनुरोधेन यदि जापं त्यजेन्नरः |
स भवेद् देवताद्रोही पितॄन् सप्त नयत्यधः || ४५ ||
मासकृत्यं प्रवक्ष्यामि सावधानोऽवधारय |
कृष्णभक्तस्य सुद्ध्यर्थं यदुक्तं ब्रह्मणा पुरा || ४६ ||
तत्तत् सर्वं समासेन वक्ष्येऽहमञ्जसा शृणु |
पूर्णीमाप्रतिपत्सन्धौ फल्गुन्यां फाल्गुने मुने || ४७ ||
राजोपचारैः सम्पूज्य दोलयेद् यो जनार्दनम् |
अश्वमेधसहस्रस्य बाजपेयशतस्य च || ४८ ||
गोससहस्रप्रदानस्य फलं प्राप्नोति मानवः |
दक्षिणाभिमुखं कृष्णं दोलमानञ्च सन्नरः || ४९ ||
दृष्ट्वाऽपराधनिचयैर्मुक्तास्ते नाऽत्र संशयः |
दोलारूढस्य कृष्णस्य येऽग्रे कुर्वन्ति जागरम् || ५० ||
सर्वपुण्यफलावाप्तिं निमेषाल्लभते नरः |
ततो विधिं प्रवक्ष्यामि यत्र यत्तु समाचरेत् || ५१ ||
पौर्णमास्यां महत्पूजा सङ्घी च दोलयेत् प्रभुः |
त्रयोदशाक्षरेणैव अष्टादशाक्षरेण वा || ५२ ||
फल्गुन्यां च प्रकर्तव्या पूजा पूर्वोक्तवर्त्मना |
उत्थाय मन्त्रं जप्तव्यमष्टाधिकसहस्रकम् || ५३ ||
सूत्रं चैतत् प्रकथितं विस्तरेण शृणुष्व मे |
रेवत्यां तु वास्तुबलिं मण्डलं रचयेत् सुधीः || ५४ ||
दिक्षु ध्वजान् समारोप्य लोकपालसमप्रभान् |
गोविन्दं फलकाधस्ताद् दोलारूढं जगत्पतिम् || ५५ ||
पूजयेद् विधिवद् भक्त्या मण्डले च समाहितः |
ऋग्ययुःसामसूक्तैश्च मन्त्रैः पौराणिकस्तथा || ५६ ||
मन्त्रैरागमिकैश्चैव वैष्णवैः पूजयेद्धरिम् |
तद्गुणोत्कीर्तनं चैव दिवारात्रिं नयेद् बुधः || ५७ ||
केशवाग्रे नृत्यगीतं यः करोति कलौ युगे |
अपराधसहस्रैस्तैर्मुक्तः स्यान्नात्र संशयः || ५८ ||
कर्मान्तरं प्रवक्ष्यामि येन विष्णुः प्रसीदति |
ब्रह्मणा कथितं पूर्वं प्रतिष्ठाविधिनिर्णयम् || ५९ ||
गृहस्य भगवद्विष्णोः सावधानोऽवधारय |
तृणैस्तृणध्वजैश्चैव मन्दिरं निर्मितं शुचिः || ६० ||
विधिनाऽनेन यो दद्याद् विष्णवे मनुजोत्तमः |
कोट्यब्दशतसङ्ख्यानि विष्णुलोके भवेद्ध्रुवम् || ६१ ||
मन्दिरं दारवं चित्रं वासुदेवाय यो ददेत् |
युगानामयुतं तत्र निवसेत् सत्यमीरितम् || ६२ ||
इष्टकैर्विविधैश्चित्रं वासुदेवाय यो जनः |
तत्रानुसङ्ख्यकान् कल्पान् विष्णुलोके वसेत् सदा || ६३ ||
पाषाणैर्मन्दिरं चित्रं वासुदेवाय यो नरः |
प्रदद्यात् विधिवद् भक्त्या प्रोक्तं शतगुणं ततः || ६४ ||
पुलस्त्य उवाच
केन वा विधिना नाथ प्रदद्यान्मन्दिरं बुधः
मोक्षप्रदाय कृष्णाय क्रमशः कथ्यां प्रभो || ६५ ||
सनत्कुमार उवाच
आदौ वास्तुबलिं दत्त्वा लोकेशाऽनुध्वजेषु च |
उक्तवर्णेषु गन्धाद्यैर्मूलपारिषदान्वितान् || ६६ ||
हेतिजात्यधिपोपेतान् पूर्वादिक्क्रमतो यजेत् |
वज्रादीन तन्त्रकुम्भेषु गन्धाद्यैस्तत्क्रमाद् यजेत् || ६७ ||
तत्तन्मण्डपतः पूर्वे यागमन्दिरमाचरेत् |
तत्रिभागमिते क्षेत्रेऽरत्निमात्रसमुन्नताम् || ६८ ||
वेदिं कृत्वा तु तत्रैव सर्वतोभद्रमालिखेत् |
प्रधानमन्दिरे चापि सर्वतोभद्रमण्डलम् || ६९ ||
विधाय पूजयेत् तत्र तोरणेषु समाहितः |
जयं च विजयं चैव विघ्नेशं क्षेत्रनायकम् || ७० ||
गङ्गा च यमुनां चैव महालक्ष्मीं सरस्वतीम् |
पूर्वदिक्क्रमतो युग्मं क्रम्शो गन्धपूर्वकैः || ७१ ||
सम्पूज्य विधिवद् भक्त्या गन्धपुष्पैश्च धूपकैः |
ततो गृहं प्रविश्याऽथ वास्त्वीशमजमर्चयेत् || ७२ ||
पञ्चगव्याऽर्घ्यतोयाभ्यां प्रोक्षयेन्मण्डलं ततः |
निरस्य विघ्नान् तत्रैव बद्धपद्मासनो भवेत् || ७३ ||
पूर्वोक्तेनैव विधिना भूतशुद्ध्यादिकं चरेत् |
अर्घ्यपात्रं ततः कृत्वा मण्डले पीठमर्चयेत् || ७४ ||
प्रतिमां वासुदेवाख्यां तत्र संस्थापयेद् बुधः |
गृत्पद्मे देवमाराध्य गन्धाद्यैर्मानसैर्यजेत् || ७५ ||
करस्थकुसुमे तेजः समानीय श्वासमार्गतः |
मूर्तौ तस्यां ससारोप्य तत् तेजोमूलमन्त्रतः || ७६ ||
हृदये करमादाय जीवन्यासं समाचरेत् |
मायापाशाङ्कुशाद्यन्ता यादीन् सप्तसबिन्दुकान् || ७७ ||
वियत्सत्येन्दुसंयुक्तं समस्तेऽहं समुच्चरेत् |
तस्य प्राणा इह प्राणाः पुनर्जीव इह स्थितः || ७८ ||
पुनरुच्चार्य तस्यैव सर्वेन्द्रियाणि प्नर्वदेत् |
तस्यापि वाङ्मनश्चक्षुःश्रोत्रघ्राणपदान्यथ || ७९ ||
प्राणा इहाऽऽगत्य सुखं चिरं तिष्ठन्तु ठद्वयम् |
इति प्राणान् प्रतिष्ठाप्य देवमावाह्य पूर्वत् |
करकच्छपिकां कृत्वा ततो ध्यायेदनन्यधीः || ८० ||
विष्णुं शारदकोटिचन्द्रसदृशं शङ्खं रथाङ्गं गदा -
मम्भोजंधतं सिताब्जनिलयं कान्त्या जगन्मोहनम् |
आबद्धाङ्गदहारकुण्डलमहामौलिं स्फुरत्कङ्कणं
श्रीवत्साङ्कमुदारकौस्तुभधरं वन्दे मुनीन्द्रैः स्तुतम् || ८१ ||
इति ध्यात्वा जपेन्मन्त्रं राजोपचारवत् सुधीः |
तारोहृद्भगवान् डेन्तो वासुदेवाय तत्परम् || ८२ ||
सर्वेषु विष्णुमन्त्रेषु प्रधानमनुरीरितः |
मनुनाऽनेन तत्सर्वानासनादीन् प्रदापयेत् || ८३ ||
आसनं स्वागतं पाद्यमर्घ्यमाचमनीयकम् |
मधुपर्काऽऽचमनंस्नानं वसनाऽऽभरणानि च || ८४ ||
गन्धपुष्पधूपदीपनैवेद्याचमनं तथा |
प्रदक्षिणं नमस्कारो विसर्गश्चैव षोडश || ८५ ||
छायामण्डलमागत्य मण्डले पूर्ववद्धरिम् |
अभ्यर्च्य जुहुयाद् वन्हौ संस्कृते पूर्ववर्त्मना || ८६ ||
शतमष्टोत्तरं हुत्वा मनुनाऽनेन वैष्णवः |
पुनर्यजेद् देवताग्रे ततः पारिषदान् यजेत् || ८७ ||
प्रथमाऽऽवृत्तिरङ्गैः स्याद् वासुदेवादिभिः परा |
शान्त्यादिशक्तिसहितैः परा द्वादशमूर्तिभिः || ८८ ||
चतुर्थी सुरनाथाद्यैर्वज्राद्यैः पञ्चमी मता |
एवं सम्पूजितो विष्णुः प्रसीदत्येव सत्वरम् || ८९ ||
तारेण हृदयं प्रोक्तं नमसा शिर ईरितम् |
चतुर्वर्णैः शिखा प्रोक्ता पञ्चार्णैः कवचं मतम् || ९० ||
समस्तेन भवेदस्त्रमङ्गकल्पनमीरितम् |
वासुदेवः सङ्कर्षणः प्रद्युम्नश्चाऽनिरुद्धकः || ९१ ||
शङ्खचक्रगदाम्भोजधरा एते चतुर्भुजाः |
ततश्च मन्दिरं दद्यान्मनुनाऽनेन मानवः || ९२ ||
पुण्यात्मा वैष्णवश्रेष्ठः स देवो न तु मानवः |
कृत्वैवं कृतकृत्यः स्यात् सत्यं सत्यं न संशयः || ९३ ||
ऋग्यजुःसामसूक्तैश्च स्मार्तैः पौराणिकैरपि |
मन्त्रैरागमिकैश्चैव वैष्णवैः कीर्तयेद्धाम् || ९४ ||
दर्पणं चामरं छत्रं व्यञ्जनं च पृथक् पृथक् |
दत्त्वा च मनुनाऽनेन प्राणायामं ततश्चरेत् || ९५ ||
शतमष्टोत्तरं जप्त्वा पूर्णां दद्यात् ततः परम् |
गायत्र्या मूलमन्त्रेण स्वाहान्तेन द्विजोत्तमः || ९६ ||
पूर्णागुतिं ततः कृत्वा विसर्जनमतः परम् |
ऋत्विग्भ्यो दक्षिणां दत्त्वा भोजयेच्च द्विजोत्तमान् || ९७ ||
एवं कृत्वा तु पुण्यात्मा साक्षान्नारायणो भवेत् |
गृहादीनां च दानेषु ब्राह्मःअः क्षत्रीयस्तथा |
वैश्यश्च पादजश्चैव सर्वेऽप्यत्राऽधिकारिणः || ९८ ||
|| इति सनत्कुमारीये मालानिर्णयो नाम दशमः पटलः || १० ||
अथैकादश पटलः
ततो दीक्षावधिं वक्ष्ये यथावदवधारय |
क्रियावती कलावती वर्णात्मा वेदमप्यपि || १ ||
पञ्चायतनदीक्षायां सर्वदीक्षोत्तमोत्तमा |
पितृमातृकृतं नाम त्यक्तायुर्वर्णवर्णकान् || २ ||
संसृष्तिमन्त्रतो विद्वान् चक्रेषु गणयेत् क्रमात् |
आषाढो निन्दितो ज्येष्ठः पौषो भाद्रपदस्तथा || ३ ||
मासेष्वनिन्दितेष्वेव दीक्षोक्ता ग्रहणे शुभा |
पुरुषार्थसमावाप्त्यै स शिष्यो गुरुमाश्रयेत् || ४ ||
मातृतः पितृतः शुद्धः शुद्धभावो जितेन्द्रियः |
सर्वागमानां सारज्ञः सर्वशास्त्रार्थतत्त्ववित् || ५ ||
परोपकारनिरतः पूजाजपपरायणः |
अमोघवचनः शान्तो वेदवेदाङ्गपारगः || ६ ||
योगमार्गानुसन्धायी देवताहृदयङ्गमः |
इत्यादिगुणसम्पन्नो गुरुर्भवति मानवः || ७ ||
शिष्यः कुलीनः शुद्धात्मा पुरुषार्थपरायणः |
अधीतवेदः कुशलो दूरमुक्तमनोभवः || ८ ||
हितैषी प्राणिनां नित्यमास्तिकस्त्यक्तनास्तिकः |
स्वधर्मनिरतो नित्यं पितृमातृहिते रतः || ९ ||
वाङ्मनःकायकृतिभिर्गुरुशुश्रूषणोद्यतः |
एभिरेव गुणैर्युक्तः शिष्यो भवति नाऽपरः || १० ||
द्वादशेषु च मासेषु यान्येव शुभदानि च |
दिनानि तानि विप्रेन्द्र सावधानाऽवधारय || ११ ||
चैत्रे त्रयोदशी शुक्ला वैशाखैकादशी सिता |
ज्येष्ठे च दशमी कृष्णा चाऽऽषाढे नागपञ्चमी || १२ ||
श्रावणे द्वादशी भाद्रे रोहिणीसहिताऽष्टमी |
आश्विने च महापुण्या महाष्टम्यपयभीष्टदा || १३ ||
कार्तिके पूर्णिमा शुक्ला मार्गशीर्षे सिता तथा |
षष्ठी चतुर्दशी पौषे माघेऽप्येकादशी सिता || १४ ||
फाल्गुने च सिता षष्ठी चेति कालविनिर्णयः |
प्रशस्तास्तिथयः पुण्याः सिद्धिदाः श्रूयताम् बुधः || १५ ||
पञ्चमी सप्तमी षष्ठी पूर्णिमा च सिता तथा |
त्रयोदशी तु दशमी प्रशस्ता सर्वकर्मणि || १६ ||
एकादशी सिता कृष्णा प्रशस्ता कीर्तिता बुधैः |
अश्विनी श्रवणाऽऽर्द्रा च रेवती चोत्तरात्रयम् || १७ ||
पुण्या शतभिषा चैव दीक्षादिषु प्रकीर्तिता |
अथ योगं प्रवक्ष्यामि साधकानां हिताय च || १८ ||
ऐक्यं जीवात्मनोराहुर्योगं योगविशारदाः |
शिवात्मनोरभेदेन प्रतिपत्तिं परे विदुः || १९ ||
कामक्रोधौ लोभमोहौ तत्परं मदमत्सरौ |
वदन्ति विषमानेतान् विषमं दुर्गमात्मनः || २० ||
इडया कर्षयेद् वायुं बाह्यं षोडशमात्रया |
मध्यमा कुम्भयेद् वायुं विद्यया मात्रया शनैः || २१ ||
नाड्या पिङ्गलया चैनं रेचयेद् योगवित्तमः |
प्राणायाममिदं प्राहुर्योगशास्त्रविशारदाः || २२ ||
भूयो भूयः समाक्रम्य अभ्यासेन समाचरेत् |
सनत्कुमारतन्त्रं तत् सम्भूतं मुनिपुङ्गवात् || २३ ||
सनत्कुमारात् सारं च तन्त्राणां ब्रह्मभावनात् |
यः पठेच्छुणुयाद् वाऽपि सोऽपि पुण्यवतां वरः || २४ ||
पुस्तकं लिखितं यस्य गृहे तिष्ठति नित्यशः |
लक्ष्मीस्तस्य गृहं साक्षात् त्रिसन्ध्यं न विमुञ्चति || २५ ||
|| इति सनत्कुमारतन्त्रे सनत्कुमारपुलस्त्यसंवादे
श्रीगोपालपूजाप्रयोगविधानं नामैकदशः पटलः || ११ ||
Mantras, Bijas und Rezitationsformeln
Diese Sammlung unterscheidet ausgeschriebene Formeln, aus eindeutigen Wortanweisungen zusammengesetzte Formeln und verschlüsselte oder beschädigte Angaben. Die bloße Nennung eines Mantras ist keine vollständige Einweihungsanweisung. Besonders bei Bija-Folgen werden abweichende Lesungen und unpassende Silbenzählungen nicht stillschweigend beseitigt. Bijas besitzen eine rituelle Funktion, aber keine gewöhnliche wörtliche Übersetzung.
Gut lesbare Anrufungen und Gebete
| Fundstelle | Devanagari und IAST | Bedeutung und Status | |
|---|---|---|---|
| Eingang | ओं नमो गणेशाय oṃ namo gaṇeśāya |
„Om. Verehrung Ganesha.“ Ausgeschriebene Eingangsverehrung. | |
| 2.5; 2.24 | श्रीकृष्णं तर्पयामि śrīkṛṣṇaṃ tarpayāmi |
„Ich erquicke Shri Krishna.“ Ausgeschriebene Tarpaṇa-Formel; das Grundmantra wird laut Anweisung zusätzlich verwendet. | |
| 3.1; 3.6 | हंस — सोऽहं haṃsa — so'haṃ |
Hamsa-Mantra und „Ich bin Das“. Die beiden Bezeichnungen stehen in der inneren Rückführung von Jiva und Kundalini. Dies sind keine zwei vollständigen Atemanleitungen. | |
| 3.4 | ठं ṭhaṃ |
Weißes Bija im Zusammenhang der Mond- und Nektarvorstellung; die auffällige Silbe wird so bewahrt, wie sie in der Vorlage steht. | |
| 4.7–8 | narmade sindhu kāveri jale'smin sannidhiṃ kuru |
„Ganga und Yamuna, Godavari, Sarasvati, Narmada, Sindhu und Kaveri: Seid in diesem Wasser gegenwärtig.“ Vollständig ausgeschriebene Gewässeranrufung. Die Devanagari-Schreibung गंगे folgt hier der IAST-Vorlage mit Anusvara. | |
| 6.1–2 | क्लीं कृष्णाय गोविन्दाय गोपीजनवल्लभाय स्वाहा klīṃ kṛṣṇāya govindāya gopījanavallabhāya svāhā |
Achtzehnsilbiges Krishna-Mantra. „[Kama-Bija.] Krishna, Govinda, dem Geliebten der Gopis: svāhā.“ Aus den Wortanweisungen zusammengesetzt; das Kama-Bija ist die übliche Auflösung von kāmabīja. | |
| 6.3 | क्लीं कृष्णाय स्वाहा klīṃ kṛṣṇāya svāhā |
Sechssilbige Form: „[Kama-Bija.] Krishna: svāhā.“ Aus der Wortanweisung smaraḥ kṛṣṇāya ṭhadvandvam zusammengesetzt. | |
| 6.4–5 | ओं नमः कृष्णाय देवकीपुत्राय हुं फट् स्वाहा oṃ namaḥ kṛṣṇāya devakīputrāya huṃ phaṭ svāhā |
„Om. Verehrung Krishna, dem Sohn Devakis; huṃ phaṭ svāhā.“ Zusammengesetzt aus der eindeutigen Namens- und Endungsanweisung; als sechzehnsilbig bezeichnet. | |
| 6.9 | गोपालाय स्वाहा gopālāya svāhā |
„Gopala: svāhā.“ Sechssilbige Form; agnijāyā, die Feuergattin, bezeichnet svāhā. | |
| 6.10 | कृष्णाय गोविन्दाय kṛṣṇāya govindāya |
„Krishna, Govinda.“ Siebensilbige Form aus den beiden Dativangaben. Kein zusätzliches Om wird ergänzt. | |
| 6.11 | क्लीं ग्लौं श्रीं श्यामलाङ्गाय नमः klīṃ glauṃ śrīṃ śyāmalāṅgāya namaḥ |
„[Bijas.] Verehrung dem Dunkelgliedrigen.“ Nati, Verneigung, wird zu namaḥ aufgelöst. Kapitel 9.13 bietet eine abweichende Bija-Folge. | |
| 8.14–15 | dehi me tanayaṃ deva tvāmahaṃ śaraṇaṃ gataḥ |
„Sohn Devakis, Govinda, Vasudeva, Weltenherr! Schenke mir einen Sohn, o Gott; bei dir habe ich Zuflucht genommen.“ Gebet im historischen Kontext des Sohneswunsches. Tanaya wird nicht stillschweigend durch eine moderne Wunschformel ersetzt. | |
| 8.29; 10.37 | ओं तत्सत् oṃ tat sat |
„Om. Das. Das Wirkliche.“ Abschluss der Selbsthingabe und Beginn des rituellen Entschlusses. | |
| 9.9–10 | ओं नमो नारायणाय oṃ namo nārāyaṇāya |
„Om. Verehrung Narayana.“ Aus Om und dem ausdrücklich genannten Namensmantra zusammengesetzte achtlautige Formel. | |
| 9.21; 10.82 | ओं नमो भगवते वासुदेवाय oṃ namo bhagavate vāsudevāya |
„Om. Verehrung dem erhabenen Vasudeva.“ Zwölfsilbige Formel, nach der Wortanweisung zusammengesetzt. | |
| 9.23–24 | ओं नमो भगवते रुक्मिणीवल्लभाय स्वाहा oṃ namo bhagavate rukmiṇīvallabhāya svāhā |
„Om. Verehrung dem Erhabenen, dem Geliebten Rukminis: svāhā.“ Schutzformel für den Südwesten; nach der Wortanweisung zusammengesetzt. | |
| 9.24 | क्लीं हृषीकेशाय नमः klīṃ hṛṣīkeśāya namaḥ |
„[Bija.] Verehrung dem Herrn der Sinne.“ Westliche Schutzformel; die beschädigte Worttrennung wird hier zu Hṛṣīkeśa zusammengeführt. | |
| 9.29–30 | tanno'naṅgaḥ pracodayāt |
„Wir erkennen den Gott der Liebe; wir meditieren über den Träger der Blumenpfeile. Möge jener Körperlose unseren Geist anregen!“ Ausgeschriebene Kama-Gayatri. Der Grundtext setzt hier kein Om davor. | |
| 10.28 | tanno rudraḥ pracodayāt |
„Wir erkennen jenen Purusha; wir meditieren über Mahadeva. Möge Rudra unseren Geist anregen!“ Vollständig ausgeschriebene Rudra-Gayatri. |
Das Gebet der Selbsthingabe (8.25–29)
Die Quelle gibt die längere Formel als Anweisung zum Zusammensetzen an. Ihr Sinn lautet: Was unter den Bedingungen von Lebenskraft, Einsicht und Körper im Wachen, Träumen und Tiefschlaf mit Geist, Wort und Tat, Händen, Füßen, Bauch und Geschlechtsorgan gedacht, gesagt und getan wurde, möge Brahman dargebracht sein; ich und alles Meine seien Hari ganz übergeben. Der sichere Schlussgedanke lautet tat sarvaṃ brahmārpaṇam … bhavatu; vahnisundarī bezeichnet den Abschluss svāhā. Oṃ tat sat folgt ausdrücklich in 8.29. Eine geglättete Gesamtformel würde mehrere grammatische Entscheidungen erfordern; deshalb bleibt die genaue Wortanweisung im folgenden Register sichtbar.
Fünf Shiva-Mantras bei der Mala-Weihe (10.24–30)
Diese Formeln stehen im vaishnavischen Grundtext selbst. Ihre hier wiedergegebene Gestalt wird nicht durch geläufigere Versionen aus anderen Quellen ersetzt.
- Sadyojata, 10.24–25: sadyojātaṃ prapadyāmi sadyojātāya vai namaḥ | bhave bhave'nādibhave bhajasva māṃ bhavodbhavam || — „Zu Sadyojata nehme ich Zuflucht; Verehrung dem Sadyojata. In jedem Werden, im anfangslosen Werden, nimm dich meiner an, des aus Werden Entstandenen.“ Die zweite Hälfte weicht von verbreiteten Fassungen ab und bleibt philologisch prüfbedürftig.
- Vamadeva, 10.26: vāmadevāya namo jyeṣṭhāya namaḥ rudrāya namaḥ | kālāya namaḥ kalavikaraṇāya namo balapramathanāya || — Verehrung Vamadeva, dem Ältesten, Rudra, Kala, Kalavikarana und Balapramathana. Die verkürzte Liste und das nicht ausgeschriebene Schluss-namaḥ werden nicht ergänzt.
- Aghora, 10.27: aghorebhyo'tha ghorebhyo ghoraghoratarebhyaśca | sarvataḥ sarvebhyo namaste rudrarupebhyaḥ || — Verehrung den nichtschrecklichen, schrecklichen und noch schrecklicheren Rudra-Gestalten überall. Die Schreibung rudrarupebhyaḥ der Vorlage bleibt im Grundtext erhalten.
- Tatpurusha, 10.28: siehe die vollständig wiedergegebene Rudra-Gayatri oben.
- Ishana, 10.29: iśānaḥ sarvavidyānāmīśvaraḥ sarvabhūtānāṃ brahmādhipatirbrahmaṇo'dhipatirbrahmaṇi me śivo'stu sadāśivo'm — „Herr aller Wissensgebiete, Herr aller Wesen, Oberherr Brahmas, Oberherr des Brahman: Im Brahman sei Shiva mir günstig, Sadashiva, Om.“ Die Vorlage hat kurzes i am Wortanfang sowie den auffälligen Wortlaut brahmaṇi me; beides wird im Grundtext nicht stillschweigend verändert.
Bija-Schlüssel und ihre Grenzen
| Bezeichnung im Werk | Übliche Auflösung beziehungsweise Funktion | Beleg |
|---|---|---|
| praṇava, oṅkāra, tāra | oṃ | 1.12; 6.4; 9.21; 10.82 |
| kāma, smara, māra, ratipati, aṅgaja | klīṃ, Kama-Bija | 6.2–3; 6.7; 9.13 |
| māyā, śakti, bhuvaneśī | gewöhnlich hrīṃ; nicht jede beschädigte Passage wird damit automatisch gelöst | 3.23; 6.3; 9.14 |
| śrī, lakṣmī, ramā | śrīṃ | 6.3; 6.14–19 |
| vāgbhava | aiṃ | 6.14; 9.26 |
| dviṭha, ṭhadvaya, agnijāyā, vahnisundarī | svāhā | 6.1; 6.9; 8.28 |
| hṛd, hṛdaya, nati | im Formelschlüssel meist namaḥ; „Herz“ kann andernorts den Körperort bezeichnen | 3.24; 6.4; 6.11; 10.82 |
| piṇḍa | verschlüsselte Keimsilbe; 6.6–7 erklärt sie wiederum chiffriert | 6.6–8; 6.18–19 |
| vāyubīja, vahnibīja | Wind- und Feuerbija werden genannt, aber dort nicht ausgeschrieben | 3.2–3 |
| pāśa, aṅkuśa | üblicherweise āṃ und kroṃ; die gesamte Prana-Formel bleibt in der Vorlage teilweise verschlüsselt | 4.12; 10.77 |
| glauṃ / glīṃ | abweichende ausdrücklich überlieferte Bijas; keine Vereinheitlichung | 6.11 / 9.13 |
| huṃ, phaṭ, sauḥ | rituelle Keim- und Abschlusslaute ohne gewöhnliche Wortübersetzung | 6.4; 9.27 |
| namaḥ, svāhā, svadhā, vauṣaṭ, vaṣaṭ | unterschiedliche Verehrungs- und Opferrufe | 2.12; 4.17–20 |
Vollständiges Stellenregister der Mantraanweisungen
Das folgende Register bewahrt auch die unaufgelösten Teile und die körper- beziehungsweise richtungsbezogenen Varianten des Kavacha. Die Sanskritauszüge sind wortgleich mit den betreffenden Abschnitten des Haupttextes; sie enthalten daher auch verbindende Ritualanweisungen. Ihre deutsche Bedeutung steht unmittelbar beim jeweiligen Originalvers oben. Mūlamantra, astramantra, kavaca, hṛnmantra und gurumantra können bloße Verweise sein: Wo die Quelle keine vollständige Formel ausschreibt, wird hier keine ergänzt.
1.12–18: Mantrakönig: dreifache Keimsilbenchiffre und Schlussformel
1.12 samāhitaḥ śucirbhūtvā bhaktimānuddharet budhaḥ |
oṅkāraṃ pūrvamuddhṛtya trivāraṃ parameśvaram || 12 ||
1.13 yad yat kāmo bhavenmantrī mantrasyādau nivedayet |
padmajaṃ tanmukhopetaṃ śakrasyopari saṃsthitam || 13 ||
1.14 sendubinduśikhopetaṃ prathamaṃ sarvakāmadam |
tīrthaṃ vahnisamārūḍhaṃ śriyā mūrdhniṃ vyavasthitam || 14 ||
1.15 śaśibinduśikhāvyāptaṃ dvitīyaṃ śrīpradāyakam |
rudraṃ padmasamāyuktaṃ pāvakopari saṃsthitam || 15 ||
1.16 sendubinduśikhākrāntaṃ tṛtīyaṃ mokṣadaṃ matam |
khāntaṃ nāntaṃ tathā chāntaṃ dhāntaṃ lāntaṃ caladvayam || 16 ||
1.17 vāntaṃ māntaṃ tathā ṣāntaṃ lāntaṃ sāntāntakaṃ tathā |
eparam aiparaṃ caiva aparāntaṃ parātrayaṃ || 17 ||
1.18 ādyaṃ gopījanapadaṃ vallabhāya tataḥ param |
svāhā śabdaṃ tato dadyāt sampūrṇaṃ siddhidāyakam || 18 ||
2.5–6: Tarpaṇa und nicht ausgeschriebenes Waffenmantra
2.5 śrīkṛṣṇaṃ tarpayāmīti mūlamuccārya tarpayet |
pūjādvāre copaviśya pādaprakṣālanaṃ sudhīḥ || 5 ||
2.6 śikhāyā bandhanaṃ caiva cāstramantreṇa mantravit |
ācamya dvāradevāṃstu pūjayet sādhakottamaḥ || 6 ||
2.9–16: Rishi-, Matrika- und Gliedernyasa; fünf Chakranamen und Abschlussrufe
2.9 ṛṣyādinyāsasarvāṃśca mātṛkāṇāṃ tato nyaset |
prāṇāyāmatrayaṃ kuryādaṅganyāsaṃ ca mantravit || 9 ||
2.10 ācakraṃ ca sucakraṃ ca vicakraṃ ca dvijottamaḥ |
trailokyarakṣaṇaṃ cakramasurāntakameva ca || 10 ||
2.11 ekaikaṃ pūrvataḥ kṛtvā cakraśabdaṃ niyojayet |
caturthyantaṃ tu saṃsādhya svāhāśabdamanantaram || 11 ||
2.12 tathā cāṅgaṃ samuccārya pratyekaikaṃ niyojayet |
namaḥ svāhā svadhā vauṣaṭ vaṣaṭkāraṃ tathāstrakam || 12 ||
2.13 hṛdi mūrdhni śikhādeśe tanau dikṣu tathākramam |
svaśaktibhiḥ keśavādyairnyāsaṃ kuryād vicakṣaṇaḥ || 13 ||
2.14 vibhūtipañjaraṃ nyasya nyaset tanmūrtipañjaram |
tattvanyāsaṃ prakurvīta karanyāsaṃ tathā budhaḥ || 14 ||
2.15 mantranyāsaṃ prakurvīta vyāpakaṃ ca tridhā nyaset |
vibhūtipañjaranyāsaṃ yatra yatra daśākṣaram || 15 ||
2.16 evaṃ kalpoktakān nyāsān krameṇa parikalpayet |
śaṅkhasthāpanakaṃ cāpi kuryād gurupadeśataḥ || 16 ||
2.23–25: Grundmantra, Krishna-Tarpaṇa und durchdringender Nyasa
2.23 dhūpadīpau samāsādya naivedyaṃ ca nivedayet |
japtvā mantraṃ ca tantroktaṃ pūjayed devavat svayam || 23 ||
2.24 śrīkṛṣṇaṃ tarpayāmīti mūlamucārya yatnataḥ |
vāratrirarghyatoyena tarpayenmantramadhyake || 24 ||
2.25 prāṇāyāmatrayaṃ kuryād vyāpakaṃ ca trayaṃ nyaset |
tantroktena vidhānena prayogaṃ kurute sudhīḥ || 25 ||
3.1–7: Hamsa, Soham sowie Wind-, Feuer- und Mondbija
3.1 atha vistārya vakṣyāmi sādhakānāṃ hitāya ca |
haṃsamantreṇa jīvaṃ vai satattvaṃ kuṇḍalīyutam || 1 ||
3.2 yogayuktena vidhinā paraṃ brahmaṇi yojayet |
vāmanāsāpuṭe dhūmraṃ vāyubījaṃ vicintayet || 2 ||
3.3 tena saṃśodhitatanurdakṣe vātaṃ virecayet |
dakṣanāsāpuṭe raktaṃ vahnibījaṃ vicintayet || 3 ||
3.4 tena sañjanito vahniḥ śuṣkaṃ dehaṃ ca bhasmasāt |
kṛtvā taṃ vāmayā secyaṃ ṭhaṃ bījaṃ śuklavarṇakam || 4 ||
3.5 lalāṭe yojya candrasthaṃ tena vai tāḍayet tataḥ |
tena sañjanitaṃ dehaṃ pavitraṃ sumanoharam || 5 ||
3.6 bhāvayitvā vidhānena jīvaṃ svasthānamānayet |
so'haṃ mantreṇa kuṇḍalyā tattvaiśca parivāritam || 6 ||
3.7 bhūtaśuddhiriyaṃ proktā sarvasampatpradāyinī |
prāṇayāmamatho vakṣye yathāvadavadhāraya || 7 ||
3.12–17: Alphabet als Nyasa-Mantra
3.12 lalāṭe ca mukhe caiva cakṣuṣoḥ karṇayostathā |
nasośca gaṇḍayoścaiva oṣṭhayordantayostathā || 12 ||
3.13 mastake ca mukhe caiva svarān vai kramato nyaset |
hastayoḥ pādayoścaiva sandhiṣvagre yathāvidhi || 13 ||
3.14 pārśvayoḥ pṛṣṭhataścaiva nābhau ca udare tathā |
kakārādīn makārāntān varṇān tattadgatān nyaset || 14 ||
3.15 hṛdaye skandhadvandve ca aṃsayośca nirāmayaḥ |
yādayaścaiva catvāro nyasanīyāḥ prayatnataḥ || 15 ||
3.16 śādayaśca ṣaḍevaite hṛdayādiṣu nirdirśat |
hastapādayuge nābhau vaktrauṣṭhasuviniścayaḥ || 16 ||
3.17 mātṛkānyāsametaddhi proktaṃ sarvasamṛddhidam |
pīṭhanyāsamatho vakṣye yathāvadavadhāraya || 17 ||
3.21–27: Om, Maya-Bija, Vishnu-Sitzformel, Shaktinamen und Sadashiva-Sitz
3.21 anantahṛdaye padmamasmin sūryendupāvakān |
eṣāṃ svasvakalā nyasyāḥ praṇavākṣarapūrvikāḥ || 21 ||
3.22 satvādīṃstrīn guṇān nyasyet tathaiva trigurūttamaḥ |
ātmānamantarātmānaṃ paramātmānameva ca || 22 ||
3.23 jñānātmānaṃ nyased dhīmān māyābījapuraḥsaram |
namo bhagavate brūyāt viṣṇave ca padaṃ vadet || 23 ||
3.24 sarvātmasaṃyogapadaṃ yogapadmapadaṃ vadet |
pīṭhātmane hṛdanto'yaṃ manustavādirīritaḥ || 24 ||
3.25 vimalotkarṣiṇī jñānā kriyāyogā ca śaktayaḥ |
brahmīśayostatheśānā nāntargrahā navamī matā || 25 ||
3.26 yadāsanaṃ bhaved yasya tasmin devāsane yajet |
icchā jñānaṃ kriyā caiva kāminī kāmadāyinī || 26 ||
3.27 ratī ratipriyā caiva madhye caiva manonmanī |
so'haṃ sadāśivapretaṃ ṅe'taṃ devyā samāśrayet ||
pīṭhanyāsaṃ vidhāyetthaṃ cintayediṣṭadevatām || 27 ||
4.5–8: Herzens-, Waffen- und Schutzmantra sowie Gewässeranrufung
4.5 mūlamantraṃ japet spṛṣṭvā nyaset tasyā'ṅgamantravit |
hṛnmantreṇā'bhisampūjya hastābhyāṃ chādayet punaḥ || 5 ||
4.6 japenmantraṃ yathākālaṃ deśiko devatādhiyā |
astramantreṇa saṃrakṣya kavacenā'vaguṇṭhya ca || 6 ||
4.7 dhenumudrāṃ samāpādya bodhayet taṃ svamudrayā |
gaṃge ca yamune caiva godāvari sarasvati || 7 ||
4.8 narmade sindhu kāveri jale'smin sannidhiṃ kuru |
tīrthāvāhanamantro'yaṃ proktaḥ sarvasamṛddhidaḥ || 8 ||
4.12–20: Lebenseinsetzungsformel, Herzens- und Kopfmantra, svadhā
4.12 āvāhya prāṇamanunā prāṇasthāpanamācaret |
pāśāditryakṣarasyānte haṃso'muṣya padaṃ punaḥ || 12 ||
4.13 kramāt prāṇā iha prāṇāstathā jīva iha sthitaḥ |
amuṣya sarvendriyāṇi bhūyo'muṣyapadaṃ vadet || 13 ||
4.14 vāṅmanonayanaśrotraghrāṇaprāṇāḥ padānyatha |
paścādihāgatya mukhaṃ ciraṃ tiṣṭhantu ṭhadvayam || 14 ||
4.15 ayaṃ prāṇamanuḥ proktaḥ sarveṣāṃ prāṇadāyakaḥ |
svāgataṃ kuśalapraśnaṃ nigadedagrato guruḥ || 15 ||
4.16 pādyaṃ pādāmbuje dadyād devasya hṛdayātmanā |
etacchyāmākadūrvābjaviṣṇukrāntābhirīritam || 16 ||
4.17 svadhāmantreṇa vadane dadyādācamanīyakam |
jātī - lavaṅga - kakkolaistaduktaṃ tantravedibhiḥ || 17 ||
4.18 arghyaṃ diśet tato mūrdhni śiromantreṇa deśikaḥ |
gandha - puṣpā'kṣata - yava - kuśāmbu - tila - sarṣapaiḥ || 18 ||
4.19 dūrvābhiḥ sarva - devānāmetadarghyamudīritam |
svadhātmanā tataḥ kuryānmadhuparkaṃ samāhitaḥ || 19 ||
4.20 ājyaṃ dadhimadhūnmiśrametaduktaṃ manīṣibhiḥ |
svadhātmanā tataḥ kuryādadbhirācamanīyakam || 20 ||
5.5–7: Guru-Mantra als nicht ausgeschriebener Verweis
5.5 santuṣṭo hi gururyatra tasya tuṣṭo jagatpatiḥ |
mantraṃ nyasya gurorvākyaṃ na kadācid vikalpayet || 5 ||
5.6 gurordehaṃ samāśritya mantradeho'vatiṣṭhate |
tataḥ sarveṇa bhāvena guruṃ mantreṇa pūjayet || 6 ||
5.7 gandhamālyairdhūpadīpaiḥ sampūjya gurumantrataḥ |
tato mantraṃ ca gṛhṇīyāt vastreṇācchādya mastakam || 7 ||
5.12–18: Geheimes Herzmantra: ungesicherte Lautchiffren
5.12 tatra śaṅkhaṃ pratiṣṭhāpya mātṛkāvapuṣi nyaset |
paraṃ brahmāditaḥ kṛtvā varṇasaṅghaṃ samuddharet || 12 ||
5.13 sāntaṃ mathāntaṃ māṃ vahniṃ vāmatrikabindusaṃyutam |
tribhirekārṇavībhūtaṃ svāhāntaṃ mantramuddharet || 13 ||
5.14 tato gurumukhāllabdhvā hṛdaye ca niveśayet |
ayutaṃ ca japaṃ kṛtvā haviṣyāśī jitendriyaḥ || 14 ||
5.15 daśāṃśaṃ juhuyādagnau madhuratrayasaṃyutam |
sahasraṃ vā'pi puṣpāṇāṃ vaiṣṇavānāṃ susaṃyataḥ || 15 ||
5.16 māṇikyasādhanārthaṃ ca sahasramadhikaṃ japet |
daśāṃśaṃ juhuyāt tasya japasya dviguṇaṃ smṛtam || 16 ||
5.17 tasya tattvaṃ nibodha tvaṃ vāhyamānaṃ mahāmune |
śaṃbhormūlākṣaraṃ hyasya triśaktiścāpyavasthitā || 17 ||
5.18 śivomantaṃ tathā brahmā cendubindusvarūpavān |
etat te kathitaṃ vatsa hṛdayaṃ mantramuttamam || 18 ||
6.1–2: Achtzehnsilbiges Krishna-Mantra
6.1 kṛṣṇāya padamābhāṣya govindāya tataḥ param |
gopījanapadasyā'nte vallabhāya dviṭhāvadhiḥ || 1 ||
6.2 kāmabījādirākhyāto manuraṣṭādaśākṣaraḥ |
aṣṭādaśārṇasaṃyukta ukto mantro yathāvidhi || 2 ||
6.3: Zwanzigsilbige Erweiterung und sechssilbige Kurzform
6.3 śaktiśrīpūrvako'ṣṭādaśārṇo viṃśativarṇakaḥ |
smaraḥ kṛṣṇāya ṭhadvandvaṃ ṣaḍvarṇo manurīritaḥ || 3 ||
6.4–5: Sechzehnsilbige Devakiputra-Form und Beginn der Mukunda-Form
6.4 praṇavaṃ hṛdayaṃ kṛṣṇaṃ ḍe'ntamuktvā tataḥ param |
tādṛśaṃ devakīputraṃ huṁphaṭ - svāhāsamanvitam || 4 ||
6.5 ṣoḍaśākṣaramantro'yaṃ govindasya samīritaḥ |
śrīmanmukundacaraṇaṃ yadeti śaraṇaṃ tataḥ || 5 ||
6.6–9: Mukunda, Pinda-Bija, Anushtubh-Gopala und sechssilbige Gopala-Form
6.6 ahaṃ prasanna ityukto maukundo'ṣṭādaśākṣaraḥ |
pañcāntako dharāsaṃstho manurbinduvibhūṣitaḥ || 6 ||
6.7 piṇḍabījamidaṃ proktaṃ sarvasiddhipradāyakam |
piṇḍaṃ ratipaterbījaṃ namo bhagavate tataḥ || 7 ||
6.8 nandaputrāya bālādivapuṣe śyāmalāya ca |
gopījanapadasyānte vallabhāya dviṭhāvadhiḥ || 8 ||
6.9 anuṣṭub mantra ākhyāto gopālasya jagatpateḥ |
gopālāyā'gnijāyāntaḥ ṣaḍakṣara udāhṛtaḥ || 9 ||
6.10–13: Sieben-, zehn-, ein- und achtlautige Varianten
6.10 kṛṣṇagovindakau ḍentau saptavarṇo manurmataḥ |
śrīśaktimārāḥ kṛṣṇāya māraḥ saptākṣaraḥ paraḥ || 10 ||
6.11 klīṃ glauṃ śrīṃ śyāmalāṅgāya natiḥ syād daśavarṇakaḥ |
cakrī vāmanasargau ca manurekākṣaraḥ smṛtaḥ || 11 ||
6.12 kāmamindraśca māyā ca lavalāñchitamastakaḥ |
ekavarṇo manuḥ proktaḥ kāmamantraḥ puroditaḥ || 12 ||
6.13 etat sarvaṃ hṛṣīkeśaṃ caturthyantaṃ namaḥpadam |
aṣṭavarṇo manuḥ proktaḥ sarveṣāṃ hṛdayasthitaḥ || 13 ||
6.14–16: Zweiundzwanzig- und dreizehnsilbige Folgen
6.14 vāgbhavaṃ kāmabījaṃ ca kṛṣṇāya surasundarī |
govindaṃ ṅeyutaṃ caiva ramābījamanantaram || 14 ||
6.15 daśākṣaraṃ tataḥ paścāt svabījaṃ tadanantaram |
dvāviṃśatyakṣaro mantraḥ sarvasiddhipradāyakaḥ || 15 ||
6.16 kāmaṃ māyāṃ ca lakṣmīṃ ca daśārṇaṃ ca tataḥ param |
trayodaśārṇamantro'yaṃ proktaḥ sarvasamṛddhidaḥ || 16 ||
6.17–19: Siegformel und Gopala-Govinda-Bija-Folge
6.17 kāmaṃ lakṣmīṃ ca māyāṃ ca jayakṛṣṇapadadvayam |
māyāṃ lakṣmīṃ tathā kāmaṃ jayaṃ dehi padadvayam || 17 ||
6.18 caturviṃśatyakṣarātmā svāhānto manurīritaḥ |
kāmaṃ piṇḍaṃ tathā lakṣmīṃ gopālāya tataḥ param || 18 ||
6.19 lakṣmīṃ piṇḍaṃ tathā kāmaṃ govindāya padaṃ tathā |
kāmapiṇḍaṃ tathā lakṣmīṃ svāhāntaḥ praṇavādikaḥ || 19 ||
7.1–4: Rishi, Chandas und Mantraglieder
7.1 kramāt pūjāvidhiṃ vakṣye yathāvadavadhāraya |
nārado'sya ṛṣiḥ prokto gāyatrīcchanda īritam || 1 ||
7.2 devatā kathitaḥ kṛṣṇaḥ sarvakāmaphalapradaḥ |
catuṣkaraṇavedāddhi netrayugmākṣaraiḥ kramāt || 2 ||
7.3 pañcāṅgāni manoḥ kuryāt mantravinnetravarjitam |
anyeṣāmapi mantrāṇāṃ ṛṣyādyāḥ pūrvadevatāḥ || 3 ||
7.4 aṅgāni kāmabījena sanetraṃ dīrghayuktakaiḥ |
daśākṣare virāṭ chanda ācakrādyaiśca pañcakam || 4 ||
8.14–15: Gebet um einen Sohn
8.14 aputro dvādaśīṃ prāpya pūjayitvā jagadgurum |
devakīsuta govinda vāsudeva jagatpate || 14 ||
8.15 dehi me tanayaṃ deva tvāmahaṃ śaraṇaṃ gataḥ |
iti stutvā vidhānena pūjayedāvṛtigaṇān || 15 ||
8.25–29: Selbsthingabe und Om tat sat
8.25 stutvā praṇamya śirasā jalenātmānamarpayet |
itaḥ pūrvaṃ padaṃ dattvā prāṇabuddhipadaṃ tataḥ || 25 ||
8.26 dehadharmādhikārato jāgratsvapnapadānyatha |
suṣuptyavasthāsu manasā vācā karmaṇā tathā || 26 ||
8.27 hastābhyāṃ ca yathā padbhyāmudareṇa padaṃ tathā |
śiśnā ca yat smṛtaṃ caiva yaduktaṃ yat kṛtaṃ tathā || 27 ||
8.28 tat sarvaṃ brahmārpaṇamato bhavatu vahnisundarī |
māṃ madīyaṃ ca sakalaṃ haraye samyak samarpayet || 28 ||
8.29 oṃ tatsaditi ca prokto mantraḥ svātmasamarpaṇe |
pratyahaṃ pūjayed devaṃ ṣoḍaśairupacārakaiḥ || 29 ||
9.9–12: Schutz von Kopf bis Armen
9.9 dharmārthakāmamokṣeṣu viniyogaḥ prakīrtitaḥ |
praṇavo me śiraḥ pātu namo nārāyaṇāya ca || 9 ||
9.10 bhālaṃ pāyānnetrayugmamaṣṭārṇo bhuktimuktidaḥ |
klīṃ pāyāt śrautrayugmaṃ caikākṣaraḥ sarvamohanaḥ || 10 ||
9.11 klīṃ kṛṣṇāya sadā ghrāṇaṃ govindāyeti jihnikām |
gopījanapadaṃ vallabhāyaṃ svāhāṅanaṃ mama || 11 ||
9.12 aṣṭādaśākṣaro mantraṃ kaṇṭhaṃ pātu daśākṣaraḥ |
gopījanapadaṃ vallabhāya svāhā bhujadvayam || 12 ||
9.13–16: Schutz von Schultern bis Rumpf; abweichende Bijas
9.13 klīṃ glīṃ klīṃ śyāmalāṅgāya namaḥ skandhau daśākṣaraḥ |
klīṃ kṛṣṇa klīṃ karau pāyāt klīṃ kṛṣṇāya cāṅgajo'vatu || 13 ||
9.14 hṛdayaṃ śrīṃ klīṃ bhuvaneśīṃ klīṃ kṛṣṇāya klīṃ stanau mama |
gopālāyā'gnijāyāntaṃ kukṣiyugmaṃ sadā'vatu || 14 ||
9.15 klīṃ kṛṣṇāya sadā pātu pārśvayugmaṃ manūttamaḥ |
kṛṣṇagovindakau pātu smarādyau ṅeyutau manuḥ || 15 ||
9.16 aṣṭākṣaraḥ pātu nābhi kṛṣṇeti dvyakṣaro'vatu |
pṛṣṭhaṃ klīṃ kṛṣṇa kaṅkālaṃ klīṃ kṛṣṇāya dviṭhāntakaḥ || 16 ||
9.17–20: Schutz von Hüften bis Unterschenkeln und Ganzkörperschutz
9.17 sakthinī satataṃ pātu śrīṃ hrīṃ klīṃ kṛṣṇa ṭhadvayam |
ūrū saptākṣaraḥ pātu trayodaśākṣaro'vatu || 17 ||
9.18 śrīṃ hrīṃ klīṃ padato gopījanavallabhadaṃ tataḥ |
bhāyasvāheti pāyuṃ vai klīṃ hrīṃ śrīṃ daśavarṇakaḥ || 18 ||
9.19 jānunī ca sadā pātu hrīṃ śrīṃ klīṃ sadaśākṣaraḥ |
trayodaśākṣaraḥ pātu jaṅghe cakrāyudhaḥ svayam || 19 ||
9.20 aṣṭādaśākṣaro hrīṃ śrīṃ pūrvako viṃśavarṇakaḥ |
sarvāṅgaṃ me sadā pātu dvārakānāyako balī || 20 ||
9.21–24: Richtungsschutz Osten bis Westen
9.21 namo bhagavate paścād vāsudevāya tatparam |
tārādyā dvādaśārṇo'yaṃ prācyāṃ māṃ sarvadā'vatu || 21 ||
9.22 śrīṃ hrīṃ klīṃ daśavarṇaṃ tu klīṃ hrīṃ śrīṃ ṣoḍaśākṣaraḥ |
gadādyudāyudho viṣṇurmāmagnerdiśi rakṣatu || 22 ||
9.23 hrīṃ śrīṃ daśākṣaro mantro dakṣiṇe māṃ sadā'vatu |
tāro namo bhagavate rukmiṇīvallabhāya ca || 23 ||
9.24 svāheti ṣoḍaśārṇo'yaṃ nair-ṛtyāṃ diśi rakṣatu |
klīṃ hṛṣīke padaṃśāya namo māṃ vāruṇe'vatu || 24 ||
9.25–27: Richtungsschutz Nordwesten bis Nordosten
9.25 aṣṭādaśārṇaḥ kāmānto vāyavye māṃ sadā'vatu |
śrīṃ māyākāmakṛṣṇāya govindāya dviṭho manuḥ || 25 ||
9.26 dvādaśākṣarake viṣṇuruttare māṃ sadā'vatu |
vāgbhavaṃ kāmakṛṣṇāya hrīṃ govindāya tataḥ param || 26 ||
9.27 śrīṃ gopījanavallabhānte bhāyasvāheti saustataḥ |
dvāviṃśatyakṣaro mantro māmaiśānyāṃ sadā'vatu || 27 ||
9.28–30: Kaliya-Lob, Schutz nach unten und Kama-Gayatri
9.28 kālī yasya phaṇāmadhye divyaṃ nṛtyaṃ karoti yaḥ |
namāmi devakīputraṃ nṛtyarājānamacyutam || 28 ||
9.29 dvāviṃśatyakṣaro mantro'pyadho māṃ sarvato'vatu |
kāmadevāya vidmahe puṣpabāṇāya dhīmahi || 29 ||
9.30 tanno'naṅgaḥ pracodayādeṣa māṃ pātu corddhvataḥ |
iti te kathitaṃ vipra brahmamantraughavigraham || 30 ||
10.4–5: Matrika-Mala als innere Lautfolge
10.4 pūrvadvayaṃ madhyamāyā merutvenopakalpayet |
kramotkramagatairmālā mātṛkārṇaiḥ sabindukaiḥ || 4 ||
10.5 kṣamekakaiḥ sāṣṭavargairantaryajanakarmaṇi |
ādikacaṭatapayaśalā ityevaṃ cāṣṭavargāḥ || 5 ||
10.19–30: Alphabetrezitation und fünf Shiva-Mantras
10.19 ekaikaṃ mātṛkārṇaṃ tu śatāraṃ prajapet sudhīḥ |
maṇimādāya sūtreṣu grathanaṃ madhyamāgrataḥ || 19 ||
10.20 madhyagranthiṃ vidhāyetthaṃ meruṃ ca granthiyantritam |
grathayitvā puro mālāṃ tataḥ saṃskāramārabhet || 20 ||
10.21 kṣālayet pañcagavyaistu sadyojātena sajjalaiḥ |
candanāgarugandhādyairvāmadevena gharṣayet || 21 ||
10.22 dhūpayet tāmaghoreṇa prīṇayet puruṣeṇa tu |
mantrayet pañcamenaiva pratyekaṃ tu sakṛt skṛt || 22 ||
10.23 meruṃ sakṛnmantrayecca manasā ca śataṃ śatam |
yena pratiṣṭhitā mālā tayaiva tu manuṃ japet || 23 ||
10.24 anyamantraṃ japed vidvān na kāryā kārhicid budhaiḥ |
sadyojātaṃ prapadyāmi sadyojātāya vai namaḥ || 24 ||
10.25 bhave bhave'nādibhave bhajasva māṃ bhavodbhavam |
ṅentāntapraṇāvādyena namo'ntena kramājjapet || 25 ||
10.26 vāmadevāya namo jyeṣṭhāya namaḥ rudrāya namaḥ |
kālāya namaḥ kalavikaraṇāya namo balapramathanāya || 26 ||
10.27 aghorebhyo'tha ghorebhyo ghoraghoratarebhyaśca |
sarvataḥ sarvebhyo namaste rudrarupebhyaḥ || 27 ||
10.28 tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi tanno rudraḥ pracodayāt || 28 ||
10.29 iśānaḥ sarvavidyānāmīśvaraḥ sarvabhūtānāṃ brahmādhipatirbrahmaṇo'dhipatirbrahmaṇi me śivo'stu sadāśivo'm || 29 ||
10.30 praṇavādyo mahāmantraḥ sadāśivamiti kramāt |
saṃskṛtyaivaṃ budho mālāṃ tatprāṇāṃstatra yojayet || 30 ||
10.37–39: Saṅkalpa mit Namens-, Datums- und Zahlenfeldern
10.37 sanatkumāra uvāca — Sanatkumara sprach:
praṇavaṃ tatsaditi ca māsapakṣatithāvapi |
amuko'mukagotro'haṃ mūlamuccārya tatparam || 37 ||
10.38 siddhikāmo'sya mantrasya iyatsaṅkhyaṃ japet tataḥ |
daśāṃśaṃ havanaṃ kuryād daśāṃśaṃ tarpaṇaṃ tataḥ || 38 ||
10.39 daśāṃśaṃ mārjanaṃ tasmād daśāṃśaṃ viprabhojanam |
puraścaraṃamevaṃ hi kariṣye prāgudaṅmukhaḥ || 39 ||
10.52–53: Dreizehn- und achtzehnsilbige Form beim Schaukelfest
10.52 paurṇamāsyāṃ mahatpūjā saṅghī ca dolayet prabhuḥ |
trayodaśākṣareṇaiva aṣṭādaśākṣareṇa vā || 52 ||
10.53 phalgunyāṃ ca prakartavyā pūjā pūrvoktavartmanā |
utthāya mantraṃ japtavyamaṣṭādhikasahasrakam || 53 ||
10.56–57: Vedische, puranische, agamische und vaishnavische Mantras als Sammelverweis
10.56 pūjayed vidhivad bhaktyā maṇḍale ca samāhitaḥ |
ṛgyayuḥsāmasūktaiśca mantraiḥ paurāṇikastathā || 56 ||
10.57 mantrairāgamikaiścaiva vaiṣṇavaiḥ pūjayeddharim |
tadguṇotkīrtanaṃ caiva divārātriṃ nayed budhaḥ || 57 ||
10.77–85: Lebenseinsetzung und Vasudeva-Grundmantra
10.77 hṛdaye karamādāya jīvanyāsaṃ samācaret |
māyāpāśāṅkuśādyantā yādīn saptasabindukān || 77 ||
10.78 viyatsatyendusaṃyuktaṃ samaste'haṃ samuccaret |
tasya prāṇā iha prāṇāḥ punarjīva iha sthitaḥ || 78 ||
10.79 punaruccārya tasyaiva sarvendriyāṇi pnarvadet |
tasyāpi vāṅmanaścakṣuḥśrotraghrāṇapadānyatha || 79 ||
10.80 prāṇā ihāgatya sukhaṃ ciraṃ tiṣṭhantu ṭhadvayam |
iti prāṇān pratiṣṭhāpya devamāvāhya pūrvat |
karakacchapikāṃ kṛtvā tato dhyāyedananyadhīḥ || 80 ||
10.81 viṣṇuṃ śāradakoṭicandrasadṛśaṃ śaṅkhaṃ rathāṅgaṃ gadā - mambhojaṃdhataṃ sitābjanilayaṃ kāntyā jaganmohanam |
ābaddhāṅgadahārakuṇḍalamahāmauliṃ sphuratkaṅkaṇaṃ śrīvatsāṅkamudārakaustubhadharaṃ vande munīndraiḥ stutam || 81 ||
10.82 iti dhyātvā japenmantraṃ rājopacāravat sudhīḥ |
tārohṛdbhagavān ḍento vāsudevāya tatparam || 82 ||
10.83 sarveṣu viṣṇumantreṣu pradhānamanurīritaḥ |
manunā'nena tatsarvānāsanādīn pradāpayet || 83 ||
10.84 āsanaṃ svāgataṃ pādyamarghyamācamanīyakam |
madhuparkācamanaṃsnānaṃ vasanābharaṇāni ca || 84 ||
10.85 gandhapuṣpadhūpadīpanaivedyācamanaṃ tathā |
pradakṣiṇaṃ namaskāro visargaścaiva ṣoḍaśa || 85 ||
10.90–91: Gliederbildung des Vasudeva-Mantras
10.90 tāreṇa hṛdayaṃ proktaṃ namasā śira īritam |
caturvarṇaiḥ śikhā proktā pañcārṇaiḥ kavacaṃ matam || 90 ||
10.91 samastena bhavedastramaṅgakalpanamīritam |
vāsudevaḥ saṅkarṣaṇaḥ pradyumnaścā'niruddhakaḥ || 91 ||
10.94–97: Hymnenverweise, Gayatri und Grundmantra zur Vollopfergabe
10.94 ṛgyajuḥsāmasūktaiśca smārtaiḥ paurāṇikairapi |
mantrairāgamikaiścaiva vaiṣṇavaiḥ kīrtayeddhām || 94 ||
10.95 darpaṇaṃ cāmaraṃ chatraṃ vyañjanaṃ ca pṛthak pṛthak |
dattvā ca manunā'nena prāṇāyāmaṃ tataścaret || 95 ||
10.96 śatamaṣṭottaraṃ japtvā pūrṇāṃ dadyāt tataḥ param |
gāyatryā mūlamantreṇa svāhāntena dvijottamaḥ || 96 ||
10.97 pūrṇāgutiṃ tataḥ kṛtvā visarjanamataḥ param |
ṛtvigbhyo dakṣiṇāṃ dattvā bhojayecca dvijottamān || 97 ||
Die Gliederformeln werden in 2.12 als namaḥ, svāhā, svadhā, vauṣaṭ, vaṣaṭ und Waffenformel aufgeführt. Die Zuordnungen im Register sind Belege der vorliegenden Fassung, kein vereinheitlichtes Handbuch: Gerade die Formel- und Zahlabweichungen dürfen beim praktischen Gebrauch nicht überlesen werden.
64 Verse für Betrachtung und spirituelle Vertiefung
Die Auswahl verbindet Morgenpraxis, innere Verehrung, Gottesliebe, Hingabe und ethische Eigenschaften. Zusammenhängende Versgruppen sollen gemeinsam gelesen werden, da einzelne Sätze über die Versgrenze weiterlaufen. Auch hier bleiben historische Formulierungen erhalten; die Auswahl macht nicht jede Ritualanweisung zur allgemeinen Alltagspraxis. Die Erläuterungen zu unsicheren Stellen stehen bei der vollständigen Ausgabe.
Mit Ehrfurcht und Mitgefühl beginnen
Die Eröffnung verbindet die Frage nach Krishna mit dem Wunsch, unterwiesen zu werden. Beachte besonders 1.8: Zum Opfer gehört Mitgefühl. Als heutige Betrachtungsfrage eignet sich: Welche Haltung möchte ich in meine Praxis und in meine Begegnungen mitnehmen?
Auswahl 1 — 1.1 namaḥ kanaka - kiñjalka - pīta - nirmala - vāsase |
mahābhuja - ripuskandha - ghṛṣṭacakrāya cakriṇe || 1 ||
Übersetzung: Verehrung dem Träger des Diskus! Sein makelloses Gewand ist gelb wie goldener Blütenstaub; sein Diskus streift die Schultern starkarmiger Feinde.
Worterklärung und Texthinweise zu 1.1
Auswahl 2 — 1.2 vivikte bhuvane ramye siddhacāraṇasevite |
sanatkumāraṃ natvā'tha papracchedaṃ pulastyakaḥ || 2 ||
Übersetzung: An einem abgeschiedenen, schönen Ort, den Siddhas und himmlische Sänger aufsuchten, verneigte sich Pulastya vor Sanatkumara und fragte ihn:
Worterklärung und Texthinweise zu 1.2
Auswahl 3 — 1.3 kṛṣṇasya ca mahābāhormāhātmyaṃ vaktumarhasi |
mantrarājaṃ yathānyāyaṃ prasādaṃ kuru suvrata || 3 ||
Übersetzung: „Du mögest die Größe des starkarmigen Krishna und den König der Mantras in gehöriger Weise erklären. Erweise mir diese Gnade, du mit den guten Gelübden!“
Worterklärung und Texthinweise zu 1.3
Auswahl 4 — 1.4 sanatkumāra uvāca — Sanatkumara sprach:
śṛṇu rūpaṃ pravakṣmyāmi kṛṣṇasyārbhakakarmaṇaḥ |
yasyā'haṃ vaśagā nityaṃ ravirudrāḥ savāsavāḥ || 4 ||
Übersetzung: „Höre! Ich werde die Gestalt Krishnas beschreiben, der die Taten eines Kindes vollbringt. Seiner Macht unterstehen beständig ich, die Sonne, die Rudras und Indra.“
Worterklärung und Texthinweise zu 1.4
Auswahl 5 — 1.5 kiṃ vā te mahimā tasya vaktavyo dvijasattamaḥ |
divi bhuvyantarikṣe ca viṣṇurityabhidhīyate || 5 ||
Übersetzung: Was soll dir noch über seine Größe gesagt werden, bester Zweimalgeborener? Im Himmel, auf der Erde und im Zwischenraum wird er Vishnu genannt.
Worterklärung und Texthinweise zu 1.5
Auswahl 6 — 1.6 vidhānaṃ tasya vakṣyāmi yathātattvaṃ niśāmaya |
ādau gurumukhāllabdhvā mantraṃ bhaktisamanvitaḥ || 6 ||
Übersetzung: Ich werde seine Verehrungsordnung erklären; höre sie wahrheitsgemäß. Zuerst empfange man, von Hingabe erfüllt, das Mantra aus dem Mund des Gurus,
Worterklärung und Texthinweise zu 1.6
Auswahl 7 — 1.7 gurave dakṣiṇāṃ dattvā pūrvasevāṃ samācaret |
dvijasantarpaṇaṃ kṛtvā prahṛṣṭenā'ntarātmanā || 7 ||
Übersetzung: gebe dem Guru die Ehrengabe und vollziehe die vorbereitende Verehrung. Nachdem man die Zweimalgeborenen zufriedengestellt hat, handle man mit innerer Freude.
Worterklärung und Texthinweise zu 1.7
Auswahl 8 — 1.8 ādau naimittikaṃ kṛtvā sūryaṃ sampūjya bhaktitaḥ |
devārcanaṃ tathā kṛtvā yāgaṃ kuryād dayānvitaḥ || 8 ||
Übersetzung: Zuerst verrichte man die anlassbezogenen Pflichten, verehre hingebungsvoll die Sonne und die Gottheiten und vollziehe dann, von Mitgefühl erfüllt, das Opfer.
Worterklärung und Texthinweise zu 1.8
Den Tag und die Verehrung bewusst gestalten
Die Morgenverse lassen sich als Einladung zur Sammlung lesen. Die späteren Verse führen von der inneren Vorstellung zum äußeren Ritual. Frage beim Lesen: Welche kleine, wiederkehrende Handlung hilft mir, mich an das Heilige zu erinnern? Die Nyasa- und Prana-Rituale gehören zur besonderen Unterweisung des Werkes.
Auswahl 9 — 2.1 atha samyak pravakṣyāmi yajanaṃ dhyānameva ca |
dhyānaṃ caiva trikālasya naivedyaṃ ca niśāmaya || 1 ||
Übersetzung: Nun werde ich Verehrung und Meditation richtig erklären. Höre die Meditation zu den drei Tageszeiten und die jeweiligen Speisegaben.
Worterklärung und Texthinweise zu 2.1
Auswahl 10 — 2.2 brāhme muhūrte utthāya śucirbhūtvā samāhitaḥ |
āsane upaviśyātha guruṃ natvā puṭāñjaliḥ || 2 ||
Übersetzung: Man stehe in der Brahma-Muhurta auf, werde rein und gesammelt, setze sich auf den Sitz, verneige sich vor dem Guru und lege die Hände zusammen.
Worterklärung und Texthinweise zu 2.2
Auswahl 11 — 2.3 ātmānaṃ brahmaṇo rūpaṃ cintayecca muhurmuhuḥ |
japtvāmantraṃ ca sarveṣāṃ vādināṃ vijayī bhavet || 3 ||
Übersetzung: Immer wieder betrachte man sich selbst als Gestalt Brahmans. Durch Wiederholung des Mantras werde man siegreich gegenüber allen Disputierenden.
Worterklärung und Texthinweise zu 2.3
Auswahl 12 — 2.4 tataḥ snātvā śucirbhūtvā sandhyādīn vaidikāṃstathā |
kuryād gurūpadeśena laukikānapi deśikaḥ || 4 ||
Übersetzung: Nach dem Bad und der Reinigung verrichte der kundige Übende die vedischen Pflichten, beginnend mit der Sandhya, und auch die weltlichen Pflichten nach der Unterweisung des Gurus.
Worterklärung und Texthinweise zu 2.4
Auswahl 13 — 2.17 arghyaṃ cāpi tathā kṛtvā dravyamabhyukṣya yatnataḥ |
pīṭhaṃ prakalpya dehe sve dharmādīna vai prapūjayet || 17 ||
Übersetzung: Er bereite die Ehrengabe, besprenge sorgfältig die Gegenstände und stelle sich den heiligen Sitz im eigenen Körper vor; dort verehre er Dharma und die übrigen [Trägerkräfte].
Worterklärung und Texthinweise zu 2.17
Auswahl 14 — 2.18 hṛdi caivamanantādīn pūjayecca yathāvidhi |
bāhyaṃ mukhyaṃ gṛhasthasya varṇino'ntaḥprapūjanam || 18 ||
Übersetzung: Im Herzen verehre er vorschriftsgemäß Ananta und die folgenden [Gottheiten]. Für den Haushälter ist die äußere Verehrung vorrangig, für den Gelübdehaltenden die innere.
Worterklärung und Texthinweise zu 2.18
Auswahl 15 — 2.19 yantraṃ nirmāya tāmre tu hyanantādīn prakalpayet |
tasya koṇeṣu dharmādīn tatpārśve pūrvadharmakān || 19 ||
Übersetzung: Er fertige ein Yantra auf Kupfer an und ordne Ananta und die weiteren [Gottheiten] darin an; in seinen Ecken Dharma und die übrigen, daneben die zuvor genannten [Gegenkräfte].
Worterklärung und Texthinweise zu 2.19
Auswahl 16 — 2.20 madhye'pi pūjayennityamanantādi caturdaśa |
keśareṣu ca pūjā vai vimalādyāśca devatāḥ || 20 ||
Übersetzung: In der Mitte verehre er stets die vierzehn mit Ananta beginnenden [Kräfte], an den Lotusstaubfäden die Gottheiten Vimala und die weiteren.
Worterklärung und Texthinweise zu 2.20
Auswahl 17 — 2.21 ātmānaṃ devatāṃ bhāvya svanāsāpuṭakena tu |
niḥsārya pūjayed devaṃ samāvāhya ca yatnataḥ || 21 ||
Übersetzung: Nachdem er sich selbst als Gottheit vergegenwärtigt hat, lasse er [ihre Gegenwart] durch die eigene Nasenöffnung hervortreten, rufe den Gott sorgfältig herbei und verehre ihn.
Worterklärung und Texthinweise zu 2.21
Auswahl 18 — 2.22 anantādyaiśca bījaiśca prāṇasthānaṃ samācaret |
pādyādīṃścaiva yatnena pūjayedākṛtīgaṇān || 22 ||
Übersetzung: Mit Ananta und den weiteren [Namen] und Bijas vollziehe er die Einsetzung der Lebenskraft; mit Fußwasser und den weiteren Gaben verehre er sorgsam die Schar der Gestalten.
Worterklärung und Texthinweise zu 2.22
Auswahl 19 — 2.23 dhūpadīpau samāsādya naivedyaṃ ca nivedayet |
japtvā mantraṃ ca tantroktaṃ pūjayed devavat svayam || 23 ||
Übersetzung: Nach Bereitstellung von Räucherwerk und Licht bringe er die Speisegabe dar, wiederhole das im Tantra gelehrte Mantra und verehre selbst, der Gottheit gleich.
Worterklärung und Texthinweise zu 2.23
Auswahl 20 — 2.24 śrīkṛṣṇaṃ tarpayāmīti mūlamucārya yatnataḥ |
vāratrirarghyatoyena tarpayenmantramadhyake || 24 ||
Übersetzung: Mit dem Grundmantra und den Worten „Ich erquicke Shri Krishna“ erquicke er ihn sorgfältig dreimal durch das Wasser der Ehrengabe, [die Worte] in das Mantra einfügend.
Worterklärung und Texthinweise zu 2.24
Auswahl 21 — 2.25 prāṇāyāmatrayaṃ kuryād vyāpakaṃ ca trayaṃ nyaset |
tantroktena vidhānena prayogaṃ kurute sudhīḥ || 25 ||
Übersetzung: Er übe dreimal Pranayama und vollziehe dreimal den durchdringenden Nyasa. So führt der Verständige die Praxis nach der im Tantra gelehrten Ordnung aus.
Worterklärung und Texthinweise zu 2.25
Den inneren Sitz verstehen
Die ersten sieben Verse bilden eine zusammengehörige meditative Folge von Auflösung und Erneuerung. Für das Studium ist ihre Bewegung wichtig; eine eigenständige Atemanleitung ergibt sich aus diesen Versen nicht. In 3.19 werden die tragenden Kräfte des Sitzes genannt: Dharma, Erkenntnis, Loslassen und Herrlichkeit. Welche dieser Qualitäten möchte ich heute nähren?
Auswahl 22 — 3.1 atha vistārya vakṣyāmi sādhakānāṃ hitāya ca |
haṃsamantreṇa jīvaṃ vai satattvaṃ kuṇḍalīyutam || 1 ||
Übersetzung: Nun werde ich es zum Wohl der Übenden ausführlich erklären: Mit dem Hamsa-Mantra führe man die individuelle Seele mitsamt den Tattvas und Kundalini
Worterklärung und Texthinweise zu 3.1
Auswahl 23 — 3.2 yogayuktena vidhinā paraṃ brahmaṇi yojayet |
vāmanāsāpuṭe dhūmraṃ vāyubījaṃ vicintayet || 2 ||
Übersetzung: nach der mit Yoga verbundenen Methode in das höchste Brahman. In der linken Nasenöffnung vergegenwärtige man sich das rauchfarbene Bija des Windes.
Worterklärung und Texthinweise zu 3.2
Auswahl 24 — 3.3 tena saṃśodhitatanurdakṣe vātaṃ virecayet |
dakṣanāsāpuṭe raktaṃ vahnibījaṃ vicintayet || 3 ||
Übersetzung: Nachdem der Körper dadurch gereinigt ist, atme man rechts aus. In der rechten Nasenöffnung vergegenwärtige man sich das rote Bija des Feuers.
Worterklärung und Texthinweise zu 3.3
Auswahl 25 — 3.4 tena sañjanito vahniḥ śuṣkaṃ dehaṃ ca bhasmasāt |
kṛtvā taṃ vāmayā secyaṃ ṭhaṃ bījaṃ śuklavarṇakam || 4 ||
Übersetzung: Das so hervorgerufene Feuer mache den ausgetrockneten Körper zu Asche; dann [erfolge] links die Besprengung. Das weiße Bija ṭhaṃ
Worterklärung und Texthinweise zu 3.4
Auswahl 26 — 3.5 lalāṭe yojya candrasthaṃ tena vai tāḍayet tataḥ |
tena sañjanitaṃ dehaṃ pavitraṃ sumanoharam || 5 ||
Übersetzung: setze man auf die Stirn, wo der Mond ist, und rege damit [den Mond] an. Den dadurch neu hervorgebrachten, reinen und überaus schönen Körper
Worterklärung und Texthinweise zu 3.5
Auswahl 27 — 3.6 bhāvayitvā vidhānena jīvaṃ svasthānamānayet |
so'haṃ mantreṇa kuṇḍalyā tattvaiśca parivāritam || 6 ||
Übersetzung: stelle man sich vorschriftsgemäß vor. Mit dem Mantra so'haṃ führe man die individuelle Seele an ihren eigenen Ort zurück, von Kundalini und den Tattvas umgeben.
Worterklärung und Texthinweise zu 3.6
Auswahl 28 — 3.7 bhūtaśuddhiriyaṃ proktā sarvasampatpradāyinī |
prāṇayāmamatho vakṣye yathāvadavadhāraya || 7 ||
Übersetzung: Dies ist die Reinigung der Elemente, die alle Fülle verleiht. Nun werde ich Pranayama erklären; höre genau zu.
Worterklärung und Texthinweise zu 3.7
Auswahl 29 — 3.18 kalpayedātmano dehe pāṭhaṃ dharmāditaḥ kramāt |
bhāskaraṃ ca gaṇeśānaṃ śivaṃ durgāṃ prapūjayet || 18 ||
Übersetzung: Im eigenen Körper stelle man sich den Sitz vor, der Reihe nach mit Dharma beginnend. Man verehre die Sonne, Ganesha, Shiva und Durga.
Worterklärung und Texthinweise zu 3.18
Auswahl 30 — 3.19 aṃśoruyugayorvidvān prādakṣiṇyena deśikaḥ |
dharmaṃ jñānaṃ ca vairāgyamaiśvaryaṃ nyasatu kramāt || 19 ||
Übersetzung: An den beiden Schultern und Schenkeln setze der kundige Lehrer in Rechtsrichtung der Reihe nach Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrlichkeit ein.
Worterklärung und Texthinweise zu 3.19
Auswahl 31 — 3.20 mukhapārśvanābhipārśveṣvadharmādīn prakalpayet |
dharmādayaḥ smṛtāḥ pādāḥ pīṭhagātrāṇi cāpare || 20 ||
Übersetzung: An Gesicht, Flanke, Nabel und anderer Flanke stelle er sich Adharma und die übrigen [Gegensätze] vor. Dharma und die weiteren gelten als Füße des Sitzes, die anderen als sein übriger Aufbau.
Worterklärung und Texthinweise zu 3.20
Auswahl 32 — 3.21 anantahṛdaye padmamasmin sūryendupāvakān |
eṣāṃ svasvakalā nyasyāḥ praṇavākṣarapūrvikāḥ || 21 ||
Übersetzung: [Er stelle sich] Ananta im Herzen, darauf den Lotus und in diesem Sonne, Mond und Feuer [vor]. Ihre jeweiligen Kalas sollen mit vorangestelltem Om eingesetzt werden.
Worterklärung und Texthinweise zu 3.21
Auswahl 33 — 3.22 satvādīṃstrīn guṇān nyasyet tathaiva trigurūttamaḥ |
ātmānamantarātmānaṃ paramātmānameva ca || 22 ||
Übersetzung: Er setze die drei Gunas, beginnend mit Sattva, ein und ebenso die drei höchsten Gurus, das Selbst, das innere Selbst und das höchste Selbst.
Worterklärung und Texthinweise zu 3.22
Auswahl 34 — 3.23 jñānātmānaṃ nyased dhīmān māyābījapuraḥsaram |
namo bhagavate brūyāt viṣṇave ca padaṃ vadet || 23 ||
Übersetzung: Der Einsichtige setze das Erkenntnisselbst mit vorangestelltem Maya-Bija ein. Er spreche namo bhagavate und dann das Wort viṣṇave,
Worterklärung und Texthinweise zu 3.23
Auswahl 35 — 3.24 sarvātmasaṃyogapadaṃ yogapadmapadaṃ vadet |
pīṭhātmane hṛdanto'yaṃ manustavādirīritaḥ || 24 ||
Übersetzung: darauf sarvātmasaṃyoga und yogapadma, sodann pīṭhātmane und abschließend [die Herzensformel] namaḥ. So ist dieses Mantra als Anfang des Lobes überliefert.
Worterklärung und Texthinweise zu 3.24
Krishna als lebendige Gegenwart betrachten
Die Bilder führen von der kosmischen Gestalt zur Schönheit und Freude des spielenden Krishna. Lies die zusammenhängenden Beschreibungen langsam. Ein Bild darf nachklingen, etwa die Butter in seiner Hand oder die freudige Gemeinschaft. Die Speisegaben zeigen die persönliche Zuwendung innerhalb der Puja.
Auswahl 36 — 4.1 dhyātvā viśvamayaṃ devaṃ navīnajaladaprabham |
navanītaṃ dakṣahaste dadhānaṃ pītavāsasam || 1 ||
Übersetzung: Man meditiere über den die Welt umfassenden Gott, leuchtend wie eine frische Regenwolke, mit Butter in der rechten Hand und in gelbem Gewand.
Worterklärung und Texthinweise zu 4.1
Auswahl 37 — 4.29 evaṃ krameṇa kartavyā kṛṣṇapūjā samāhitaiḥ |
paścād gobhyaḥ samabhyarcyagrāsaṃ kuryāt suśobhanam || 29 ||
Übersetzung: So ist die Krishna-Puja von Gesammelten der Reihe nach zu vollziehen. Danach ehre man die Kühe und bereite ihnen einen guten Bissen.
Worterklärung und Texthinweise zu 4.29
Auswahl 38 — 4.30 keyūrāṅgadahāraiśca kuṇḍalaiḥ kaṭisūtrakaiḥ |
nūpurairvanyapuṣpaiśca nānāratnairvibhūṣitam || 30 ||
Übersetzung: [Man betrachte Krishna] mit Schulterspangen, Armreifen, Halsketten, Ohrringen, Hüftschnüren, Fußringen, Waldblumen und mannigfachen Edelsteinen geschmückt,
Worterklärung und Texthinweise zu 4.30
Auswahl 39 — 4.31 sacandragrahanakṣatrairnirmalaṃ gaganecaraṃ |
atha ratnaprabhāyuktaṃ sarvālaṅkārabhūṣitam || 31 ||
Übersetzung: rein, sich am Himmel bewegend, zusammen mit Mond, Planeten und Sternen, von Edelsteinglanz erfüllt und mit allem Schmuck geziert.
Worterklärung und Texthinweise zu 4.31
Auswahl 40 — 4.32 sanakādyaiḥ stūyamānaṃ vimānasthairnabhogataiḥ |
sarvalakṣaṇasaṃyuktaṃ prātaḥ kṛṣṇaṃ samarcayet || 32 ||
Übersetzung: Von Sanaka und den übrigen [Weisen], die in Himmelsfahrzeugen am Himmel stehen, gepriesen und mit allen glückverheißenden Merkmalen versehen: So verehre man Krishna am Morgen.
Worterklärung und Texthinweise zu 4.32
Auswahl 41 — 4.33 tathā kalpaprabhāyukte vanye kāñcanamaṇḍape |
ratnapīṭhe samāsīnaṃ kāminīśatamadhyagam || 33 ||
Übersetzung: Sodann [betrachte man ihn] in einer goldenen Halle im Wald, vom Glanz des Wunschbaums umgeben, auf einem Edelsteinsitz, inmitten Hunderter liebender Frauen,
Worterklärung und Texthinweise zu 4.33
Auswahl 42 — 4.34 cāmarādyairvījyamānaṃ candanā'gurucarcitam |
dhyāyenmadhyandinaṃ kṛṣṇaṃ sundaraṃ smaravardhanam || 34 ||
Übersetzung: mit Yakschweifwedeln und anderen Fächern umweht, mit Sandel und Aloeholz gesalbt. So meditiere man mittags über Krishna, den Schönen, der die Liebe wachsen lässt.
Worterklärung und Texthinweise zu 4.34
Auswahl 43 — 4.35 gopālagaṇamadhyasthaṃ sundarīśatamadhyagam |
tatsarvaṃ svavaśaṃ kṛtvā krīḍayantaṃ mudānvitam || 35 ||
Übersetzung: Inmitten der Hirten und Hunderter schöner Frauen, alle durch seine Macht an sich ziehend, spielt er voller Freude.
Worterklärung und Texthinweise zu 4.35
Auswahl 44 — 4.36 gandhacandanamālādyairbhūṣitaṃ nayanotsavam |
yathā madhye tathāratrau cintayet kañjalocanam || 36 ||
Übersetzung: Mit Duftstoffen, Sandel und Kränzen geschmückt, ein Fest für die Augen: Wie am Mittag betrachte man nachts den Lotusäugigen.
Worterklärung und Texthinweise zu 4.36
Auswahl 45 — 4.37 kāñcane rājate pātre tāmrake vā'pyabhāvataḥ |
bhaktyā kṛṣṇaṃ samabhyarcya naivedyaṃ ca nivedayet || 37 ||
Übersetzung: In einem goldenen, silbernen oder, wenn diese fehlen, kupfernen Gefäß bringe man Krishna nach hingebungsvoller Verehrung die Speisegabe dar.
Worterklärung und Texthinweise zu 4.37
Auswahl 46 — 4.38 prātardadhyaudanaṃ dadyāt pāyasaṃ ca tathottaram |
tathā saśarkaraṃ kṣīraṃ rātrau dadyāt suśobhanam || 38 ||
Übersetzung: Morgens gebe man Reis mit Dickmilch, danach Milchreis; nachts gebe man als schöne Gabe gezuckerte Milch.
Worterklärung und Texthinweise zu 4.38
Auswahl 47 — 4.39 ebhireva vidhānaiśca saṃsevyaḥ parameśvaraḥ |
dharmārthakāmamokṣāṃśca labhate japakṛnnaraḥ || 39 ||
Übersetzung: Mit diesen Verrichtungen ist dem höchsten Herrn zu dienen. Wer Japa übt, erlangt Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung.
Worterklärung und Texthinweise zu 4.39
Überlieferung und Vertrauen
Diese beiden Verse sprechen aus der Perspektive einer verbindlichen Guru-Mantra-Beziehung. Zum Verständnis gehören die später genannten Lehrereigenschaften: Friedfertigkeit, Einsicht und Einsatz für das Wohl anderer (11.5–7). Die heutige Betrachtung kann bei Dankbarkeit für empfangene Unterweisung ansetzen.
Auswahl 48 — 5.5 santuṣṭo hi gururyatra tasya tuṣṭo jagatpatiḥ |
mantraṃ nyasya gurorvākyaṃ na kadācid vikalpayet || 5 ||
Übersetzung: Wo der Guru zufrieden ist, dort ist der Herr der Welt zufrieden. Nach Einsetzung des Mantras zweifle man niemals an der Unterweisung des Gurus.
Worterklärung und Texthinweise zu 5.5
Auswahl 49 — 5.6 gurordehaṃ samāśritya mantradeho'vatiṣṭhate |
tataḥ sarveṇa bhāvena guruṃ mantreṇa pūjayet || 6 ||
Übersetzung: Der Mantraleib ruht auf dem Leib des Gurus. Darum verehre man den Guru mit dem Mantra und mit seinem ganzen Wesen.
Worterklärung und Texthinweise zu 5.6
Dem Klang der Flöte lauschen
Dieser vollständige Meditationsvers sammelt Farbe, Klang, Schönheit und Gemeinschaft in einem Bild Govindas. Lies ihn zunächst als Dichtung, dann als Einladung zur Sammlung. Welches Detail öffnet den Zugang zu Freude und Hingabe?
Auswahl 50 — 7.10 phullendīvarakāntiminduvadanaṃ barhāvataṃsapriyaṃ śrīvatsāṅkamudārakaustubhadharaṃ pītāmbaraṃ sundaram |
gopīnāṃ nayanotpalārcitatanuṃ gogopasaṅghāvṛtaṃ govindaṃ kalaveṇunādanaparaṃ divyāṅgabhūṣaṃ bhaje || 10 ||
Übersetzung: Ich verehre Govinda: Er leuchtet wie ein aufgeblühter blauer Lotus, sein Gesicht gleicht dem Mond, er liebt den Pfauenfederschmuck. Er trägt Shrivatsa und den herrlichen Kaustubha, ist schön und gelb gekleidet. Die Augenlotusse der Gopis verehren seinen Leib. Kühe und Hirten umgeben ihn. Er ist dem süßen Klang seiner Flöte hingegeben und mit himmlischem Schmuck geziert.
Worterklärung und Texthinweise zu 7.10
Das eigene Handeln darbringen
Der Beginn von 8.28 schließt das Gebet aus 8.25–27 ab: Alles Gedachte, Gesprochene und Getane soll Brahman dargebracht sein. Lies bei der ersten Beschäftigung diese vorausgehenden Verse mit. Die anschließende Vereinfachung der Puja lädt dazu ein, aufrichtig mit den eigenen Möglichkeiten umzugehen.
Auswahl 51 — 8.28 tat sarvaṃ brahmārpaṇamato bhavatu vahnisundarī |
māṃ madīyaṃ ca sakalaṃ haraye samyak samarpayet || 28 ||
Übersetzung: „das alles möge nun Darbringung an Brahman sein“, dann die „Feuerschöne“ [svāhā]. Mich und alles Meine bringe man Hari vollständig dar.
Worterklärung und Texthinweise zu 8.28
Auswahl 52 — 8.29 oṃ tatsaditi ca prokto mantraḥ svātmasamarpaṇe |
pratyahaṃ pūjayed devaṃ ṣoḍaśairupacārakaiḥ || 29 ||
Übersetzung: Om tat sat: So ist das Mantra zur Hingabe des eigenen Selbst gelehrt. Täglich verehre man den Gott mit sechzehn Diensten.
Worterklärung und Texthinweise zu 8.29
Auswahl 53 — 8.30 tadaśaktau tu pūjā syād deśopacārikī tathā |
tadaśaktau pañcabhistu pūjā syādupacārakaiḥ || 30 ||
Übersetzung: Vermag man dies nicht, geschehe die Verehrung mit [wohl zehn] Diensten; vermag man auch das nicht, mit fünf Diensten.
Worterklärung und Texthinweise zu 8.30
Persönliche und gemeinsame Praxis
Die Mala verbindet das persönliche Japa mit der empfangenen Unterweisung. Das Schaukelfest weitet die Verehrung auf gemeinsames Singen und Tanzen aus. Für heutige Leser kann dies eine Erinnerung sein, dass Stille und gemeinschaftliche Freude beide ihren Platz im spirituellen Leben haben.
Auswahl 54 — 10.31 mūlamantreṇa tāṃ mālāṃ pūjayed dvijasattamaḥ |
guruṃ sampūjya taddhastāt gṛhṇīyādakṣamālikām || 31 ||
Übersetzung: Der beste Zweimalgeborene verehre die Mala mit dem Grundmantra. Nach Verehrung des Gurus empfange er die Gebetskette aus dessen Hand.
Worterklärung und Texthinweise zu 10.31
Auswahl 55 — 10.56 pūjayed vidhivad bhaktyā maṇḍale ca samāhitaḥ |
ṛgyayuḥsāmasūktaiśca mantraiḥ paurāṇikastathā || 56 ||
Übersetzung: verehre ihn vorschriftsgemäß mit Hingabe und Sammlung im Mandala, mit Hymnen aus Rig-, Yajur- und Samaveda sowie mit puranischen Mantras,
Worterklärung und Texthinweise zu 10.56
Auswahl 56 — 10.57 mantrairāgamikaiścaiva vaiṣṇavaiḥ pūjayeddharim |
tadguṇotkīrtanaṃ caiva divārātriṃ nayed budhaḥ || 57 ||
Übersetzung: auch mit agamischen und vaishnavischen Mantras verehre man Hari. Der Verständige verbringe Tag und Nacht mit dem Lob seiner Eigenschaften.
Worterklärung und Texthinweise zu 10.57
Auswahl 57 — 10.58 keśavāgre nṛtyagītaṃ yaḥ karoti kalau yuge |
aparādhasahasraistairmuktaḥ syānnātra saṃśayaḥ || 58 ||
Übersetzung: Wer im Kali-Zeitalter vor Keshava tanzt und singt, wird von tausend Verfehlungen befreit, daran besteht kein Zweifel.
Worterklärung und Texthinweise zu 10.58
Die Frucht der Praxis im Verhalten erkennen
Lehrer und Schüler werden auch an ihrer Haltung zu anderen gemessen. Historische Herkunfts- und Bildungsanforderungen stehen neben Hilfsbereitschaft und Wohlwollen. Nimm die letzteren als Betrachtungsimpuls und verbinde sie mit 11.19–20: Erkenntnis der Einheit und Beobachtung von Zorn, Gier oder Missgunst gehören zusammen.
Auswahl 58 — 11.6 paropakāranirataḥ pūjājapaparāyaṇaḥ |
amoghavacanaḥ śānto vedavedāṅgapāragaḥ || 6 ||
Übersetzung: sei dem Wohl anderer hingegeben, in Puja und Japa verwurzelt, von wirksamer Rede, friedvoll und in Veda und Vedangas bewandert,
Worterklärung und Texthinweise zu 11.6
Auswahl 59 — 11.7 yogamārgānusandhāyī devatāhṛdayaṅgamaḥ |
ityādiguṇasampanno gururbhavati mānavaḥ || 7 ||
Übersetzung: erforsche den Yogaweg und sei in das Herz der Gottheit eingegangen. Ein mit solchen Eigenschaften ausgestatteter Mensch ist ein Guru.
Worterklärung und Texthinweise zu 11.7
Auswahl 60 — 11.8 śiṣyaḥ kulīnaḥ śuddhātmā puruṣārthaparāyaṇaḥ |
adhītavedaḥ kuśalo dūramuktamanobhavaḥ || 8 ||
Übersetzung: Der Schüler sei von guter Herkunft, reinen Wesens und den Lebenszielen hingegeben; er habe den Veda studiert, sei fähig und weit entfernt vom Getriebensein durch sinnliches Begehren,
Worterklärung und Texthinweise zu 11.8
Auswahl 61 — 11.9 hitaiṣī prāṇināṃ nityamāstikastyaktanāstikaḥ |
svadharmanirato nityaṃ pitṛmātṛhite rataḥ || 9 ||
Übersetzung: wünsche stets allen Lebewesen Gutes, bejahe die heilige Überlieferung und habe ihre Verneinung aufgegeben; er erfülle stets seine eigene Pflicht und sei dem Wohl von Vater und Mutter zugewandt,
Worterklärung und Texthinweise zu 11.9
Auswahl 62 — 11.10 vāṅmanaḥkāyakṛtibhirguruśuśrūṣaṇodyataḥ |
ebhireva guṇairyuktaḥ śiṣyo bhavati nā'paraḥ || 10 ||
Übersetzung: und sei mit Wort, Geist und körperlichem Handeln zum Dienst am Guru bereit. Wer mit diesen Eigenschaften versehen ist, ist Schüler, kein anderer.
Worterklärung und Texthinweise zu 11.10
Auswahl 63 — 11.19 aikyaṃ jīvātmanorāhuryogaṃ yogaviśāradāḥ |
śivātmanorabhedena pratipattiṃ pare viduḥ || 19 ||
Übersetzung: Die im Yoga Erfahrenen nennen die Einheit von Jiva und Atman Yoga; andere verstehen darunter die Erkenntnis der Nichtverschiedenheit von Shiva und dem Selbst.
Worterklärung und Texthinweise zu 11.19
Auswahl 64 — 11.20 kāmakrodhau lobhamohau tatparaṃ madamatsarau |
vadanti viṣamānetān viṣamaṃ durgamātmanaḥ || 20 ||
Übersetzung: Begehren und Zorn, Gier und Verblendung, dann Hochmut und Missgunst: Diese gelten als gefährliche Hindernisse, als schwer zugängliches Gelände für das Selbst.
Worterklärung und Texthinweise zu 11.20
Konkordanz der 64 ausgewählten Verse
| Auswahl | Originalstelle | Auswahl | Originalstelle |
|---|---|---|---|
| 1 | 1.1 | 33 | 3.22 |
| 2 | 1.2 | 34 | 3.23 |
| 3 | 1.3 | 35 | 3.24 |
| 4 | 1.4 | 36 | 4.1 |
| 5 | 1.5 | 37 | 4.29 |
| 6 | 1.6 | 38 | 4.30 |
| 7 | 1.7 | 39 | 4.31 |
| 8 | 1.8 | 40 | 4.32 |
| 9 | 2.1 | 41 | 4.33 |
| 10 | 2.2 | 42 | 4.34 |
| 11 | 2.3 | 43 | 4.35 |
| 12 | 2.4 | 44 | 4.36 |
| 13 | 2.17 | 45 | 4.37 |
| 14 | 2.18 | 46 | 4.38 |
| 15 | 2.19 | 47 | 4.39 |
| 16 | 2.20 | 48 | 5.5 |
| 17 | 2.21 | 49 | 5.6 |
| 18 | 2.22 | 50 | 7.10 |
| 19 | 2.23 | 51 | 8.28 |
| 20 | 2.24 | 52 | 8.29 |
| 21 | 2.25 | 53 | 8.30 |
| 22 | 3.1 | 54 | 10.31 |
| 23 | 3.2 | 55 | 10.56 |
| 24 | 3.3 | 56 | 10.57 |
| 25 | 3.4 | 57 | 10.58 |
| 26 | 3.5 | 58 | 11.6 |
| 27 | 3.6 | 59 | 11.7 |
| 28 | 3.7 | 60 | 11.8 |
| 29 | 3.18 | 61 | 11.9 |
| 30 | 3.19 | 62 | 11.10 |
| 31 | 3.20 | 63 | 11.19 |
| 32 | 3.21 | 64 | 11.20 |
Fünf Lehren für Yoga-Aspiranten
- Erkenntnis und Hingabe können einander vertiefen. Die Betrachtung des eigenen Wesens als Brahman (2.3) und die Hingabe an Krishna (8.25–29) stehen im selben Werk. In heutiger Lektüre kann daraus die Frage wachsen: Kann ich mich dem Göttlichen öffnen und zugleich die Tiefe meines eigenen Bewusstseins erforschen?
- Regelmäßigkeit macht einen heiligen Raum im Alltag. Der Tag beginnt mit Reinigung, Sammlung und Ehrfurcht (2.2–4); Krishna wird morgens, mittags und abends vergegenwärtigt (4.30–38). Auch eine kleine verlässliche Praxis kann den Tageslauf bewusst gestalten.
- Die innere Haltung trägt die äußere Handlung. Mitgefühl wird bereits vor dem Opfer gefordert (1.8). Der Guru soll dem Wohl anderer dienen (11.6), der Schüler allen Wesen Gutes wünschen (11.9). Diese Eigenschaften sind ein wichtiger Maßstab für den Umgang mit Macht- und Erfolgsversprechen des Werkes.
- Vereinfachung ist möglich. Der Text reduziert die sechzehn Dienste bei fehlender Möglichkeit auf eine kleinere Ordnung und schließlich auf fünf (8.29–32). Das eröffnet eine Praxis, in der Ehrlichkeit gegenüber den eigenen Möglichkeiten und lebendige Hingabe zusammenfinden.
- Yoga verlangt auch Selbsterkenntnis im Unangenehmen. Unmittelbar nach der Definition des Yoga nennt der Text Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Hochmut und Missgunst als Hindernisse (11.19–20). Spirituelle Vertiefung zeigt sich daher auch darin, diese Regungen zu erkennen und verantwortlich mit ihnen umzugehen.
Fünf konkrete Praxistipps
Die folgenden Anregungen sind heutige, einfache Ableitungen aus den genannten Versen. Sie beanspruchen nicht, eine traditionelle Sanatkumara-Tantra-Einweihung oder dessen vollständige Ritualpraxis wiederzugeben.
- Fünf Minuten bewusster Tagesbeginn. Setze dich nach dem Aufstehen ruhig hin, lass den Atem natürlich fließen und erinnere dich an deine spirituellen Lehrer. Lies 2.2–3. Nimm die Frage mit: „Was trägt mein Erleben, bevor ich mich in meinen Aufgaben verliere?“ Bleibe anschließend einen Moment still.
- Ein vertrautes Mantra mit ganzer Aufmerksamkeit. Wiederhole dein bereits vertrautes oder empfangenes Mantra einige Minuten. Höre auf seinen Klang und erinnere dich an seine Bedeutung. Wenn du eine Mala verwendest, lass jede Perle eine freundliche Rückkehr zur Sammlung sein. Die langen Zahlenvorgaben des Grundtextes müssen dafür nicht übernommen werden.
- Eine kleine Gabe mit großem Herzen. Stelle Wasser oder eine Blume vor ein Krishna-Bild oder dein vertrautes Symbol des Göttlichen. Sage innerlich: „Was ich heute tue, möchte ich mit Liebe tun.“ Diese freie Anregung nimmt die vereinfachte Puja von 8.29–32 auf, ohne eine formelle Weihehandlung nachzubilden.
- Eine gute Handlung als Teil der Meditation. Verbinde dein Lesen von 11.6 und 11.9 mit einer konkreten Hilfe: höre jemandem aufmerksam zu, entlaste einen Menschen oder handle freundlich gegenüber einem Tier. Frage dich abends, ob deine Praxis dein Verhalten etwas mitfühlender gemacht hat.
- Den Tag darbringen. Lies 8.25–29 und erinnere dich an eine gelungene und eine schwierige Handlung des Tages. Bringe beides innerlich dar. Wo etwas zu korrigieren ist, nimm dir einen konkreten nächsten Schritt vor. Lass dann den Anspruch los, alles vollkommen machen zu müssen, und beschließe die Stille mit oṃ tat sat, wenn diese Formel deiner Praxis entspricht.

Spirituelle Gesamtsicht
Das Sanatkumara Tantra entfaltet eine reich gegliederte Welt aus Klängen, Gesten, Bildern, Opfergaben und heiligen Zeiten. In ihrer Mitte steht die lebendige Beziehung zum Göttlichen. Krishna wird gebadet, bekleidet, mit Nahrung versorgt, besungen und im Herzen betrachtet. Die Aufmerksamkeit, mit der dies geschieht, ist für heutige Leser eine Brücke zwischen Ritual und Alltag: Eine Handlung kann zur bewussten Gabe werden.
Besonders berührend ist, dass die Gottheit am Ende nicht einfach außerhalb des Übenden zurückbleibt. Die äußere Verehrung wird in das Herz zurückgenommen. Gedanken, Worte und Taten werden dargebracht. Der Schluss des Werkes verbindet dies mit der Einheit des Selbst und mit wiederholter Übung. Wer so liest, kann aus der komplexen Ritualsprache einen klaren Impuls gewinnen: Sammle dich, erinnere dich an das Heilige und lass diese Erinnerung in Wohlwollen und verantwortliches Handeln übergehen.
Siehe auch
- Krishna, Gopala, Govinda, Vishnu, Sanatkumara, Pulastya
- Bhakti Yoga, Mantra Yoga, Japa, Puja, Nyasa, Diksha, Mala
- Kama Kala Vilasa
- Kularnava Tantra
- Mahanirvana Tantra
- Gandharva Tantra
- Tara Tantra
- Kulacudamani Tantra
- Yogini Hridaya
- Nitya Shodashikarnava
- Vijnana Bhairava Tantra
- Shiva Sutra
- Spandakarika
- Pratyabhijnahridaya
- Tantraloka
- Tantrasara
- Bhagavata Purana, Bhagavad Gita, Alle Upanishaden
Die Tantra-Verweise dienen dem vergleichenden Studium. Sie besagen nicht, dass alle genannten Werke dieselben Gottheiten, Einweihungsformen oder Mantrasysteme lehren.
Literatur und Weblinks
Verwendete Textgrundlage
- Muktabodha Indological Research Institute: Sanatkumāratantra, Katalognummer M00530, IAST- und Devanagari-Fassung; Revision 0 vom 13. September 2021. Datenerfassung durch Mitarbeiter des Instituts unter Aufsicht von Mark S. G. Dyczkowski.
- Im Dateikopf genannte Druckgrundlage: Sanatkumāratantra, Verleger Rasika Monana Caṭṭopādhyāya, Kalkutta, vor 1900. Die Schreibung des Verlegernamens und die ungenaue Datierung werden aus dem Katalog übernommen; ein genaues Druckjahr und Seitenangaben sind dort nicht genannt.
Weiterführende Lektüre und Praxis
- Bhagavad Gita: besonders Kapitel 9 und 12 zum Verständnis von Gotteshingabe sowie Kapitel 6 zur Meditation; keine Ersatzquelle für den hier edierten Sanskritwortlaut.
- Bhagavata Purana: besonders der zehnte Skandha zu Krishnas Kindheit und Vrindavana-Lila; weiterführender Erzählhintergrund, kein hier vollständig kollationierter Paralleltext.
- Yoga – Grundlagen und Praxis
- Meditation – Einführung und Vertiefung
- Indische Schriften im Yoga Vidya Wiki
Seminare
Diese Angebote dienen dem vertiefenden Studium von Yoga, Meditation und tantrischen Begriffen. Sie sind keine Zusage einer Einweihung in die speziellen Rituale des Sanatkumara Tantra.
Kundalini Yoga Mittelstufe
- 30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Arjuna Wingen
- 13.11.2026 - 15.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Manuel Hirning
Indische Schriften
- 26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung
Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…- Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer
- 01.01.2027 - 10.01.2027 Yogalehrer Weiterbildung Intensiv A1 - Jnana Yoga und Vedanta
Kompakte, vielseitige Weiterbildung für Yogalehrer rund um Jnana Yoga und Vedanta.
Tauche tief ein ins Jnana Yoga und Vedanta, studiere die indischen S…- Vedamurti Dr Olaf Schönert
Chakras
- 18.10.2026 - 25.10.2026 Nada Yoga Grundausbildung
Nada Yoga bezeichnet das Jahrtausende alte Wissen um die Verbindung von Nada, dem Klang, den Nadis und Chakras (Energiebahnen und Körperzentren) und Na…- Anne-Careen Engel
- 23.10.2026 - 30.10.2026 Klangtherapie Chakra Kur
Klang und Klangschwingungen haben einen intensiven Bezug zu den Chakras, den Energiezentren. Im Yoga ist es daher eine alte Tradition, Chakras mit Klang…- Maik Hofmeister, Jeannine Hofmeister
Energiearbeit
- 18.10.2026 - 23.10.2026 Tantra Vinyasa Yoga Ausbildung - Teil 2
Buchung nur nach Besuch von Teil 1 möglich (Termin: 18.-23.5.2025) möglich. www.yoga-vidya.de/ausbildung-weiterbildung
Vorkenntnisse: Lektüre der Bü…- Ravi Ott
- 23.10.2026 - 30.10.2026 Klangtherapie Chakra Kur
Klang und Klangschwingungen haben einen intensiven Bezug zu den Chakras, den Energiezentren. Im Yoga ist es daher eine alte Tradition, Chakras mit Klang…- Maik Hofmeister, Jeannine Hofmeister
Textgrundlage, Lesungen und Hinweise zur Übersetzung
Umfang und Editionsweise
Die Ausgabe enthält die vollständige vorliegende Fassung M00530 mit elf Kapiteln und 384 nummerierten Texteinheiten, einschließlich Eingangsverehrung, Sprecherangaben, der unnummerierten Frage zu Beginn von Kapitel 10 und sämtlichen Schlussformeln. Bei 3.27, 5.32, 10.80 und 10.98 sind längere Versblöcke bewahrt; 10.28–29 enthalten Mantraformen, die nicht durchgehend im gewöhnlichen Zweizeilenschema stehen. Es wird keine darüber hinausgehende Vollständigkeit sämtlicher unter ähnlichem Titel überlieferter Schriften behauptet.
IAST und Devanagari stammen aus den beiden elektronischen Fassungen derselben Katalognummer. Sie sind deshalb keine zwei voneinander unabhängigen Handschriftenzeugen. Die originale Kapitel- und Versfolge bleibt erhalten. Satzanschlüsse, die über Versgrenzen hinweg laufen, werden nicht durch frei erfundene Sanskritwörter geschlossen. Im Devanagari-Teil wird die bereitgestellte Schriftfassung verwendet, nicht eine neu erzeugte Rücktransliteration. Die Devanagari-Zeilen in der kurzen Mantratabelle sind dagegen entsprechend den dort erläuterten, teils zusammengesetzten IAST-Formeln gesetzt.
Textprobleme
Die Vorlage enthält zahlreiche Schreib- und Übertragungsfehler. Eine kritische Edition auf Grundlage von Druckscan und Handschriften wurde hier nicht vorgenommen. Besonders prüfbedürftig sind die verschlüsselten Lautfolgen in 1.13–17 und 5.12–18, Teile der Bija- und Silbenzählungen in Kapitel 6, die Schutzformeln in 9.13–19 und 9.27 sowie einzelne Angaben über Malas und Einweihung in 10.3–12 und 11.1–3. Diese Stellen werden ausdrücklich als unsicher erläutert. Eine technisch vollständige Wiedergabe ist deshalb nicht mit philologischer Fehlerfreiheit gleichzusetzen.
Offenkundig auffällige Formen wie deve'haṃ (2.8), pāṭhaṃ (3.18), deśopacārikī (8.30), gṛtpadme (10.75) und pūrṇāgutiṃ (10.97) bleiben im Sanskrit erhalten; die deutsche Übersetzung folgt jeweils der im Kontext naheliegenden Bedeutung und nennt die wichtigeren Eingriffe in der Worterklärung. Die deutsche Lesefassung übernimmt dieselben Übersetzungsentscheidungen. In schwierigen Passagen kann sie deshalb keine Sicherheit herstellen, die der Grundtext nicht bietet.
Die Mantras zur Mala-Weihe in 10.24–29 sind nicht aus einer geläufigen liturgischen Parallelfassung ergänzt. Ebenso werden die unterschiedlichen Bija-Folgen in 6.11 und 9.13 nicht vereinheitlicht. Die wiederkehrenden Angaben „zehnsilbig“ und „achtzehnsilbig“ können auf zuvor erklärte Mantras zurückverweisen. Wo die konkrete Formel nicht eindeutig ist, bleibt es bei der belegten Bezeichnung.
Begriffe und Übersetzungsentscheidungen
Brahman bezeichnet das Absolute; Brahmā den Schöpfergott. Manu steht in diesem Werk häufig für Mantra. Cakra kann Diskus, Ritualkreis oder Berechnungsdiagramm bedeuten und meint nicht automatisch ein Körperchakra. Bhāvanā ist hier vor allem meditative Vergegenwärtigung. Tarpaṇa wird als erquickende Wassergabe übersetzt, upacāra als Verehrungsdienst oder Darbringung. Die Worterklärungen lösen zentrale Komposita auf und machen notwendige Deutungen sichtbar.
Die sozialen Regeln, weitreichenden Wirkungsversprechen und Geheimhaltungsdrohungen sind Aussagen des historischen Textes. Moderne Praxisanregungen sind als solche gekennzeichnet. Die spirituelle Auslegung würdigt den Reichtum der Gottesliebe und erläutert zugleich die historischen Bedingungen der Überlieferung.
Herkunft und Lizenz
Die elektronischen Sanskritvorlagen sanatkumAratantra-M00530-IAST.txt und sanatkumAratantra-M00530-DEV.txt stammen vom Muktabodha Indological Research Institute. Ihre Dateiköpfe nennen Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell 4.0. Gegenüber den Vorlagen wurden die Darstellung für MediaWiki eingerichtet, Kapitel- und Querverweise ergänzt und zusätzliche Auszüge angeordnet; deutsche Übersetzung und Erläuterungen sind neu hinzugefügt. Der Lizenzhinweis der Sanskritvorlagen bleibt erhalten. Er ist keine pauschale Lizenzangabe für eingebundene Bilder, Videos oder die übrigen redaktionellen Bestandteile.
Einzelnachweise
- ↑ Muktabodha Indological Research Institute: Sanatkumāratantra, M00530, IAST- und Devanagari-Fassung, Revision 0 vom 13. September 2021; bibliografische und historische Angaben nach dem Dateikopf. Die vermutete bengalische Herkunft und die Einordnung als spätes Werk sind dort ausdrücklich nicht als gesichert angegeben.