Uttara Gita

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Die Uttara Gita ist ein Teil des Brahmanda Purana. Die Uttara Gita stellt eine Ergänzung der berühmten Bhagavad Gita dar. Die Uttara Gita behandelt Jnana (höchste Erkenntnis) und Yoga und damit zusammenhängende Themen. Gaudapada, der Meister Shankaras, soll einen Kommentar zu dieser Gita geschrieben haben. Uttara heißt "höchste", Gita heißt "Gesang". Uttara Gita ist der Gesang des Höchsten.

Shankara, einer der großen Lehrer des Vedanta

Essenz der Uttara Gita

Swami Sivananda beschreibt die Essenz der Uttara Gita in seinem Buch Sarvagita Sara [1]:

Die Beherrschung des Geistes geschieht durch Rückzug der Sinne (Pratyahara) und Atemkontrolle, Pranayama. Der Weise, der in der unsterblichen Weisheit glücklich geworden ist, hat keine Pflichten mehr zu erfüllen. Sein Geist ist im Zustand des Samadhi eingetaucht, in dem nur noch reines Bewusstsein existiert. Der Körper ist im Yoga Sadhana eine wertvolle Hilfe und sollte daher niemals misshandelt werden. Der Körper ist Ausdruck des fundamentalen Gewahrseins. Sadhana ist ein nur relativer Prozess und spielt im Zustand des Absoluten keine Rolle mehr. Dem Studium von Büchern (Svadhyaya) sollte nicht zuviel Wert beigelegt werden. Über das Wesentliche muss ohne Unterbrechung meditiert werden. Das gesamte Universum ist nichts als nur Brahman allein. Darin besteht die Essenz der Uttara Gita.

Die wichtigsten Verse der Uttara Gita

Swami Sivananda erachtete die folgenden Verse als die wichtigsten der Uttara Gita und schloss sie deshalb ein in seinem Werk Sarvagita Sara:

I-7 Der gesegnete Herr sprach: Wer im Gehen und Stehen zu allen Zeiten durch ausgedehnte Praxis seinen Atem beherrscht, wird tausend Jahre lang leben.

I-17 Der Weise sollte nach dem Studium aller Bücher und nach dem Erwerb allen Wissens und der Weisheit sämtliche Schriften wie leere Getreidehülsen, aus denen die Körner herausgeschlagen wurden, verwerfen.

I-19 So wie es einen, der süßen Nektar gekostet hat, nicht mehr nach Wasser verlangt, so hat derjenige, der Brahman kennen gelernt hat, keinen Nutzen mehr von den Veden.

I-20 Ein Yogi, der zufrieden mit der unsterblichen Weisheit geworden ist und alles getan hat, was zu tun war, hat keinerlei Pflicht mehr, gleich welcher Art, zu erfüllen. Falls es eine solche für ihn geben sollte, kann er nicht Kenner der Wirklichkeit genannt werden.

I-29 Wessen Geist wie der ausgedehnte Himmel und frei von allen Wünschen ist und das unbewegte Sein kennen gelernt hat, wird als einer im Zustand des Samadhi bezeichnet.

I-30 Wer lange Zeit von Luft (Energie) gelebt und durch die yogische Praxis die Essenz des Nektars getrunken hat, lebt immer in der Seligkeit des Samadhi, die sogar den Tod selbst zerstört.

I-31 Im Zustand des Samadhi erfährt man das Selbst, wo es nichts Höheres, nichts Niedrigeres, nichts in der Mitte und überhaupt nichts irgendwo sonst gibt (weil es alles in allem ist).

I-34 Im Zustand des Samadhi erfährt man das Selbst, welches Fülle oben, Fülle unten, Fülle in der Mitte und Fülle überall ist, denn es allein ist alles.

I-36 Die gesegnete Person, rein im Herzen und meditierend über das makellose Eine als „Ich bin das Eine, dieses Alles“, erreicht das Höchste.

I-46 Der Raum ist ein Vakuum, denn er dehnt sich aus als reine Leere. Das (Brahman) durchdringt den Raum. Die Qualität des Raumes ist der Klang. Das klanglose Eine ist Brahman.

I-47 Die Menschen erschauen durch Zurücknehmen der Sinne das Selbst im Körper. Wenn der Körper nicht gesund erhalten wurde und zerstört ist, wie kann dann der Geist noch existieren, und wie kann ohne Intellekt Erkenntnis erlangt werden?

I-52 So lange man die Wahrheit nicht verwirklicht hat, sollte man Selbstbeherrschung praktizieren. Sobald die Wahrheit dann erkannt wurde, sieht man überall nur noch das Eine.

II-2 So wie sich Wasser mit Wasser, Milch mit Milch und geklärte Butter mit geklärter Butter vermischt, so vermischt sich die individuelle Seele mit der höchsten Seele in die Wahrheit, ohne den kleinsten Unterschied.

II-5 Sobald jemand durch Weisheit erleuchtet ist, wird der Geist zu einem Teil Brahmans selbst, und ein solcher Weiser verbrennt dann die Bindung an das Karma mit dem Feuer der Erkenntnis Brahmans.

II-8 An welchem Ort und unter welchen Bedingungen auch immer der Jnani stirbt – er taucht ins Sein ein und wird wie der alldurchdringende Raum.

II-37 So wie der Raum innerhalb eines zerbrochenen Kruges als der ursprüngliche große Raum existiert, so existiert der Jiva als ewig Unendliches, wenn seine Verkörperung zerbrochen ist.

II-38 Wer die Wahrheit erkennt, nämlich, dass das (individuelle) Selbst nur wie der Raum innerhalb des Kruges ist, der sich jederzeit auflösen kann, gelangt in den Zustand des existierenden Selbst, der durch Weisheit erreicht werden kann. Daran besteht nicht der geringste Zweifel.

II-40 Tausende von Sünden, wie sie durch das Töten von Brahmanas (Brahman-Priester), und hunderte von Sünden, wie sie durch das Morden von Embryos entstanden sind, werden durch den Yoga der Meditation verbrannt so wie Brennstoff vom Feuer verzehrt wird.

II-41 Wer sogar nach dem Studium der vier Veden und der Dharma Shastras (antike Rechtsbücher) immer noch nicht realisiert hat: „Ich bin Brahman“, der ist wie ein Löffel, der in ein erlesenes Getränk eingetaucht wird (der dessen Geschmack nicht zu kosten vermag).

II-42 Ein mit Sandelholz auf seinem Rücken beladener Esel kennt nur das Gewicht, aber nicht den Duft seiner Last. So trägt auch einer, der nur die zahlreichen Bücher studiert, aber nicht deren Essenz erfasst hat, nichts als die Lasten des schriftlichen Vermächtnisses mit sich herum.

II-43 So lange es keine Erkenntnis der Wirklichkeit gibt, pilgert man zu den heiligen Plätzen, nimmt heilige Bäder, vollführt zahlreiche wohltätige Akte, achtet auf Reinheit, praktiziert Buße und vollzieht Opferrituale zum Erlangen des Glücks.

II-45 Kühe sind verschiedenfarbig, aber ihre Milch ist stets von gleicher Farbe. So ähnlich ist es mit der Weisheit, die von derselben Natur ist, obwohl die Körper, wie die bunten Kühe, von unterschiedlicher Natur sind.

II-46 Nahrung, Schlaf, Furcht und Geschlechtsverkehr sind sowohl wilden Tieren als auch Menschen gemeinsam. Nur durch die Gabe der Erkenntnis gibt es einen Unterschied zwischen beiden. Jene, die keine Erkenntnis besitzen, sind nur wilde Tiere.

II-47 Am Morgen folgt man dem Drang der körperlichen Bedürfnisse, am Mittag dem Essen und Trinken und in der Nacht den ehelichen Bedürfnissen oder dem Schlaf. (Beides hat man mit den wilden Tieren gemeinsam.)

II-51 Wird der Geist getötet und zum Nicht-Geist, dann wird Dualität nicht mehr wahrgenommen. Die Zerstörung des Geistes bedeutet die Erlangung des höchsten Zustandes.

III-1 Es gibt zahllose Schriften. Das Wissen ist grenzenlos. Die Zeit ist sehr kurz. Es gibt zahllose Hindernisse. Folglich muss aus allem nur die Essenz entnommen werden – so wie ein Schwamm nur die Milch aufsaugt, wenn die Milch vom Wasser getrennt wird.

III-2 Die Puranas, das Mahabharata, die Veden, die verschiedenen Schriften, die Bindung an das Samsara in Gestalt von Söhnen, Ehefrauen, usw. sind allesamt Hindernisse in der Praxis des Yoga.

III-3 Dies ist die Erkenntnis, und dieses muss erkannt werden. Dies ist, was du zu wissen wünschst. Auch wenn du tausend Jahre lang lebtest, könntest du nicht zum Ende mit den Schriften und Büchern kommen.

III-4 Das Leben ist äußerst unsicher. Nur das unvergängliche Sein („seiend sein“) muss erkannt werden. Gib alle Schriften und Bücher auf und nimm Zuflucht zu dem, was die Wahrheit ist.

III-5 Alle Dinge dieser Erde konzentrieren sich auf die Zunge und die Genitalien. Sobald Zunge und Genitalien aufgegeben worden sind – was hat die Erde dann noch für einen Nutzen?

III-7 Für die Brahmins ist Gott im Feuer, für die Heiligen im Herzen, für die Dummköpfe in Götzenbildern, für gleichmütige Menschen ist Gott überall.

III-9 Wohin auch immer der Geist wandert, dort erblickt er stets nichts anderes als die höchste Wahrheit. Da und dort – überall – existiert das absolute Brahman.

III-15 Wo auch immer die Yogis sich aufhalten – wenn auch nur eine halbe Sekunde lang -, dort befindet sich Kurukshetra (historisches Schlachtfeld aus der Bhagavad Gita bzw. dem Mahabharata), Pravaga (Zusammentreffen der fünf heiligen Flüsse Indiens) und der Naimisha-Wald (im Mahabharate erwähnter Wald im Altertum).

III-16 Die spirituelle Kontemplation des Selbst – auch nur für einen Augenblick oder für sogar weniger als diesen Zeitraum – ist verdienstvoller als Abertausende und Abermillionen von Opfern. Nur die Meditation ist das Höchste.

III-17 Der Yogi sollte durch das Feuer des Brahma Jnana (Wissen um, Erkenntnis von Brahman) Tugenden und Untugenden, Freund und Feind, Glück und Leid, Erfreuliches und Hassenswertes, Gutes und Schlechtes, Ehre und Schande, Lob und Tadel, verbrennen.

III-19 Der Yogi, der Moksha zu erlangen wünscht, sollte mit demselben Blick die als Biksha erhaltene Nahrung zur Erhaltung des Körpers, die Kleidung zum Schutz vor Kälte, Steine und Gold, gute Mahlzeiten und ein Reisgericht unterschiedslos und ohne einen Sinn der Bevorzugung betrachten.

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