Mohacurottara
Mohacurottara (Sanskrit: Mohacūrottara, auch Mohacūḍottara, मोहचूरोत्तर / मोहचूडोत्तर, n.) ist ein shaivisches Tantra über die Gegenwart des Göttlichen im Lingam, im Tempel und im Menschen. Wie wird aus einem Stein ein Ort der Shiva-Verehrung? Was verbindet ein äußeres Heiligtum mit dem inneren Bewusstsein? Das Mohacurottara beantwortet diese Fragen, indem es genaue Regeln für Bildgestaltung, Tempelbau und Weihe mit einer Lehre der inneren Sammlung verbindet. Sein besonderer Reiz liegt darin, dass handwerkliche Sorgfalt, Mantra, Meditation und Erkenntnis zusammengehören.

Für spirituelle Aspiranten eröffnet sich hier ein weiter Begriff von Sadhana: Ein heiliger Raum entsteht durch aufmerksames Handeln, eine klare innere Ausrichtung und Hingabe. Besonders eindrücklich deutet das Werk die innere Verehrung: Geduld wird zur Opfergabe, das makellose Selbst zum Licht, und die Rückkehr in das wellenlose höchste Prinzip zur Meditation. Der äußere Tempel erhält dadurch eine innere Entsprechung, ohne seine konkrete religiöse Bedeutung zu verlieren.
Der hier zugängliche Sanskritbestand reicht vom Eingangsdialog bis zum Schlusskolophon, ist jedoch stellenweise beschädigt. Alle vorhandenen Passagen werden wiedergegeben; unverständliche Lesarten und Ausfälle bleiben kenntlich. Eine lückenlos gesicherte Überlieferung des Gesamtwerks wird damit nicht behauptet. Die indische Schriftfassung steht unter Mohacurottara Sanskrit Devanagari, eine ausgewählte Sammlung für Studium und Besinnung unter Mohacurottara 108 Verse und Mantras.
Bedeutung und Einordnung
Uttara bezeichnet hier eine anschließende oder ergänzende Unterweisung. Schon der Eingangsdialog setzt eine vorausgehende Lehre namens Mohacūḍa beziehungsweise Mohacūra voraus und bittet um ausführlichere Erklärungen. Der Titel lässt sich deshalb sachgerecht als „ergänzende Lehre zum Mohachura“ verstehen. Die wechselnden Schreibungen des ersten Titelgliedes erlauben keine sichere, wörtliche Gesamtübersetzung; insbesondere sollte aus dem Titel allein keine Lehre vom „Zerstören der Verblendung“ abgeleitet werden.
Ein Gespräch mit Skanda
Lehrer des Rahmengesprächs ist Skanda, der Sohn Parvatis und Shivas. Sein Gesprächspartner wird ausdrücklich Shakra, Purandara und Shatakratu, also Indra, genannt. Die Bezeichnung Hari im Eingang und an weiteren Stellen darf deshalb nicht unbesehen als Sprecherwechsel zu Vishnu verstanden werden. Am Ende wird die Lehre auf Shiva zurückgeführt.
Ein Tantra der Weihe
Der Schluss bezeichnet das Mohacurottara als Pratiṣṭhātantra innerhalb eines großen Āgneyatantra. Pratishtha bedeutet hier die rituelle Einsetzung und Vergegenwärtigung der Gottheit. Das Werk gehört damit vor allem in den Zusammenhang shaivischer Weihe-, Tempel- und Rituallehren. Vergleichbare Themen begegnen in Kirana Tantra, Kamika Agama, Raurava Agama und Matanga Parameshwara Agama. Diese sachliche Nähe bedeutet nicht, dass die Texte dieselben Einzelvorschriften lehren.
Eine genaue Entstehungszeit ist aus dem überlieferten Text nicht sicher abzuleiten. Alexis Sanderson bespricht eine Palmblattvorlage mit der Jahreszahl 806, die wahrscheinlich nach der Valabhi-Ära zu verstehen ist und dann 1123/1124 n. Chr. entspricht. Das ist ein möglicher Überlieferungsbeleg, kein Datum der Abfassung. Die jüngere Abschrift und die widersprüchlichen Zahlen ihres Vermerks werden am Ende der Textausgabe erläutert.[1]
Aufbau und zentrale Lehren
Vier Kapitelabschlüsse sind ausdrücklich bezeichnet. Danach folgt ein umfangreicher Ritualteil ohne weitere eindeutig erhaltene Kapitelnummern. Die folgende Übersicht verwendet deshalb nur für die ersten vier Teile überlieferte Kapitelbezeichnungen.
| Bereich | Inhalt |
|---|---|
| Kapitel 1 | Materialwahl, Lingamformen, inneres Lingam, Kennzeichen und Steinprüfung. |
| Kapitel 2 | Maße und Gestalten der Gottheitsbilder: unter anderem Shiva, Ardhanarishvara, Uma-Maheshvara, Harihara, Vishnu, Brahma, Sonne, Ganesha, Skanda und die Göttinnen. |
| Kapitel 3 | Pindika als Shakti; Sockel, Fundamentsteine und Abflussrinne. |
| Kapitel 4 | Baugrund, Vastu, Tempeltypen, Türen, Turmabschlüsse, Klöster, Königssitze und Stadtanlagen. |
| Anschließender Ritualteil | Vorbereitung und Einsetzung, Sandhya, inneres Opfer, Mantranyasa, Vereinigung von Shiva und Shakti, Bannerweihe, Erneuerung, tägliche Verehrung, Pavitra-Fest und Sühne. |

Shiva und Shakti
Das Lingam wird als Träger des Erkennens, die Pindika, sein Sockel, als wirkende Shakti verstanden. Beide gehören zusammen. Die Weihe führt ihre zunächst gesondert vergegenwärtigten Kräfte zur Verbindung; deren inneres Wesen wird als Wonne bezeichnet. Form und Formlosigkeit stehen dabei in einem abgestuften Verhältnis: Der äußere Gegenstand trägt eine Bedeutung, die sich erst im bewussten Vollzug erschließt.
Das innere Lingam
Früh im Werk werden sakala, niṣkala und sakalākala unterschieden: gegliederte, ungegliederte und beide Aspekte verbindende Erscheinung. Besonders klar ist die Beschreibung des höchsten inneren Lingams: Wenn Erkennen im friedvollen, wellenlosen Zustand aufgeht, eröffnet sich Befreiung. Diese Lehre macht den Tempeltext auch für Leser von Shiva Sutra, Vijnana Bhairava Tantra und Pratyabhijnahridaya interessant. Die verwandte Fragestellung nach dem Bewusstsein hebt die Unterschiede ihrer Lehrsysteme nicht auf.
Spirituelle Bedeutung und innere Praxis
Im Mohacurottara soll der Guru die Handlungen nicht nur ausführen, sondern ihre Bedeutung kennen: Welche Kraft wird vergegenwärtigt? Was trägt sie? Wie weit reicht ein Mantra? Welche Aufgabe erfüllt seine Einsetzung? Erkenntnis und Ritual werden so aufeinander bezogen. Jnana gibt dem Handeln Richtung; Bhakti erfüllt es mit Hingabe; sorgfältige Ausführung macht diese Haltung sichtbar.
Für heutige Yoga-Übende liegt darin eine Anregung, äußere Ordnung und innere Aufmerksamkeit gemeinsam zu pflegen. Einen Meditationsplatz vorzubereiten, eine Blume darzubringen oder eine Aufgabe im Ashram gewissenhaft zu erfüllen kann zum Anlass werden, sich wieder auf das Wesentliche auszurichten. Dies ist eine heutige Anwendung des Grundgedankens, keine zusätzliche Ritualvorschrift des Sanskrittextes.
Vom Bild zur Sammlung
Das innere Opfer beginnt mit einer Lichtvorstellung: Blitz, Flamme, Schneekristall oder klarer Bergkristall. Entscheidend ist, dass der Geist bei seinem Gegenstand bleiben kann. Von hier führt die Betrachtung zu einer Verehrung, deren Gaben innere Haltungen sind. Wer Meditation übt, kann darin die Bewegung von einem fassbaren Symbol zu stiller Gegenwärtigkeit erkennen.
Als ergänzende heutige Praxisanregung, nicht als Rekonstruktion des historischen Rituals: eine Herzmeditation.
Atem, Konzentration und Versenkung
Pranayama begegnet als Bestandteil ritueller Verinnerlichung. Der Text nennt Ida, Pingala, Puraka, Kumbhaka und Rechaka und ordnet Atemphasen den Prinzipien Atman, Shiva und Vidya zu. Dharana dient der Reinigung und Sammlung, Dhyana wird als Aufgehen im wellenlosen höchsten Prinzip beschrieben. Eine eigenständige, systematische Darstellung aller Stufen bis Samadhi liegt hier nicht vor. Die knappen Atemhinweise setzen Unterweisung voraus und sind keine ausgearbeitete Übungsanleitung.
Die Göttin erscheint als tragende, erleuchtende, erkennende und handelnde Kraft. Das berührt Fragen, die heute häufig mit Kundalini und Chakra verbunden werden; eine übliche Sieben-Chakra-Lehre sollte dem Mohacurottara deshalb aber nicht zugeschrieben werden.
Sorgfalt und Mitgefühl
Neben aufwendigen Vorschriften kennt das Werk Anpassungen an verfügbare Mittel. Es verlangt die Speisung Armer und Schutzloser und fordert bei Sühnehandlungen Rücksicht auf Alter, Kraft und Krankheit. Daneben stehen historische Kasten- und Reinheitsordnungen sowie Vorzeichenlehren. Sie werden als Bestandteile des überlieferten Textes übersetzt, nicht als heutiger Maßstab für den Wert eines Menschen. Auch alte Materialrezepturen und Bußfasten sind hier Gegenstände des Studiums, keine praktischen Gesundheitsanweisungen.
Mohacurottara – Sanskrit und deutsche Übersetzung
Die fett gesetzten Zahlen dienen der Orientierung in dieser Ausgabe. Sie zählen Texteinheiten einschließlich Anrufung, Sprecherangaben und Kolophonen, nicht ausschließlich metrische Verse. Die Vorlage besitzt keine durchgehende Verszählung. Ein Sternchen kennzeichnet einen bereits in der Sanskritgrundlage markierten Ausfall; knappe Anmerkungen erläutern unsichere Stellen.
Kapitel 1: Lingam und inneres Bewusstsein
1 oṃ namaḥ śivāya ||
Om. Verehrung sei Shiva!
2 skandaṃ brahmavidaṃ śāntaṃ sarvajñapadasaṃsthitam |
praṇipatya hariḥ prāha jānubhyāmavanau sthitaḥ ||
Hari kniete auf der Erde nieder, verneigte sich vor Skanda, dem friedvollen Kenner des Brahman, der im Zustand allumfassenden Wissens ruht, und sprach.
3 śakra uvāca ||
Shakra sprach:
4 tvatprasādāt parijñātam mohacūḍaṃ mayā prabho |
tatrāsūci tvayā liṅgaṃ prāsādāśca samāsataḥ ||
Durch deine Gnade, Herr, habe ich das Mohachuda kennengelernt. Darin hast du das Lingam und die Tempelbauten in Kürze bezeichnet.
5 samāsena yataḥ proktantasmānnaivāvadhāritam |
mohacūrottaraṃ śāstrantadarthaṃ vaktumarhasi ||
Weil dies nur kurz gelehrt wurde, habe ich es noch nicht vollständig verstanden. Bitte lehre zu diesem Zweck die Schrift Mohacurottara.
6 iti tasya giraṃ śrutvā jagāda himajāsutaḥ |
liṅgādikaṃ pravakṣyāmi śṛṇu tasmācchatakrato ||
Als der Sohn der Himalayatochter seine Worte gehört hatte, antwortete er: Ich werde das Lingam und die weiteren Gegenstände erklären. Höre, Hundertopferer!
7 devāsuranarā yakṣā munayo vītamatsarāḥ |
liṅgārādhanataḥ siddhāgatā muktiñca sāśvatīm ||
Götter, Asuras, Menschen, Yakshas und von Missgunst freie Weise haben durch die Verehrung des Lingam Vollendung und ewige Befreiung erlangt.
8 bhuktimuktipariprāptikāraṇaṃ vacanantataḥ |
śrutvāṃ tadvivijijñāsuḥ sādhako vaktumudyataḥ ||
Als der Übende diese Worte über die Ursache weltlicher Erfüllung und Befreiung gehört hatte, wollte er Genaueres wissen und begann zu fragen.
9 kiṃ svarūpaṃ bhavelliṅgaṃ vidhibhedāśca liṅgakāḥ |
ācāryavanayāgañca dārupāṣāṇalakṣaṇaṃ ||
Welche Gestalt hat das Lingam, und welche unterschiedlichen Vorschriften gelten dafür? Wie vollzieht der Acharya das Waldritual, und welche Merkmale haben Holz und Stein?
10 liṅgalakṣaṇamapyantaṃ pratimālakṣaṇantathā |
piṇḍikālakṣaṇaṃ brūhi dharitrīlakṣaṇaṃ prabho ||
Herr, erkläre die Merkmale des Lingams, der Götterbilder, des Sockels und des Baugrundes.
11 parigraho yathā tasyā vāstulakṣaṇapūjane |
śilānyāsaṃ pīṭhabandhaṃ prāsādānāñca lakṣaṇam ||
Wie nimmt man das Grundstück in Besitz? Wie beschafft und verehrt man den Bauplatz? Wie erfolgen Grundsteinlegung und Sockelbau, und welche Merkmale haben Tempel?
12 maṇḍapānapi me brūhi snāna dravyaṃ samāsataḥ |
vedīpramāṇamunmānaṃ kuṇḍalakṣaṇa saṃyutam ||
Lehre mich auch die Hallen, die Materialien für die rituelle Waschung, die Abmessungen des Altars und die Merkmale der Feuergrube.
13 etat sarvaṃ samācakṣva prasādādamvikātmaja |
yanna pṛṣṭam mayā nātha buddhihīnāntarātmanā ||
Sohn der Ambika, erkläre mir dies alles aus Gnade, auch das, wonach ich wegen meines begrenzten Verständnisses nicht gefragt habe.
14 tatsarvaṃ mama gāṅgeya prasādād vaktumarhasi |
śrīskanda uvāca ||
Sohn der Ganga, bitte erläutere mir auch all dies aus Gnade. Der ehrwürdige Skanda sprach:
15 akṣmamṛllohamuddāruratnadravyādi sambhavam |
vidhinā hṛtpratiṣṭhaṃ syālliṅgaṃ bhuktivimuktidam ||
Ein aus Stein, Erde, Metall, Holz, Edelsteinen und ähnlichen Stoffen geschaffenes, vorschriftsmäßig mit dem Herzmantra eingesetztes Lingam gewährt Erfüllung und Befreiung. Der Beginn der Materialliste ist verderbt.
16 tat siddhyarthaṃ vrajed vidvān deśikaḥ śilpibhiḥ saha |
bhūdharaṃ vipinañcaiva puṇyakṣetramathāpi vā ||
Hierzu soll der kundige Lehrer zusammen mit den Handwerkern einen Berg, einen Wald oder einen heiligen Ort aufsuchen.
17 cīrṇavidyāvrato mantrī jñānavān susamāhitaḥ |
bhasmaniṣṭho yatiḥ khyātastad vinā bhautiko varaḥ ||
Der Mantrakundige soll das Vidyavrata erfüllt haben, wissend und innerlich gesammelt sein. Vorzuziehen ist ein mit heiliger Asche vertrauter Asket; fehlt ein solcher, ein geeigneter weltlicher Ritualkundiger.
18 sutithau vāranakṣatresu lagne karaṇānvite |
astraṃ saṃsmṛtya medhāvī vanayātrāṃ samārabhet ||
An einem günstigen Mondtag, Wochentag, Mondhaus und Aszendenten mit passendem Karana soll der Weise, des Waffenmantras gedenkend, den Aufbruch in den Wald beginnen.
19 śilāṃ śubhāṃ samāsādya tasyāḥ saumye yajecchivam |
hutāśanaṃ tato vidvān hared bhūtabaliṃ bahiḥ ||
Hat er einen geeigneten Stein gefunden, soll er nördlich davon Shiva und anschließend das Feuer verehren. Draußen bringt er den Wesen eine Opfergabe dar.
20 asinā prokṣya pāṣāṇaṃ varmaṇā veṣṭhya pūjayet |
tenaiva prokṣayet tatra śilpinaṃ sukulodbhavam ||
Er besprenge den Stein mit dem Schwertmantra, umhülle ihn mit dem Schutzmantra und verehre ihn. Ebenso besprenge er den Handwerker aus guter Familie.
21 sahāyānapi saṃprokṣya kuṭhāraṃ ṭaṅkamudgarān |
pūjayedastra rājena svapenmedhyāsanastataḥ ||
Auch die Gehilfen, Äxte, Meißel und Hämmer soll er besprengen und mit dem königlichen Waffenmantra verehren. Danach schlafe er auf einem reinen Lager.
22 bhuktimuktiprasiddhyarthaṃ pūrva va * sirā guruḥ |
dhyātvā maheśvaraṃ devaṃ svapnamantrañjapan budhaḥ ||
Zur Erlangung von Erfüllung und Befreiung meditiere der kundige Guru über Maheshvara und wiederhole das Traummantra. Die Angabe zur Lagerichtung ist lückenhaft.
23 svapnamantraṃ pravakṣyāmi sāmpratante śacīpate |
vāgviśuddhaṃ mahāvījaṃ netramaṇḍalabheditam ||
Herr der Shachi, ich lehre nun das Traummantra: das große Bija, durch Sprache gereinigt und durch den Augenkreis geteilt. Es handelt sich um eine verschlüsselte Lautbeschreibung.
24 sītayaṃ bhedayet paścā * * * * purandara |
chedanenāhataṃ kuryād bhūtavījaṃ sureśvara ||
Anschließend soll er es durchteilen [Textlücke] und das Element-Bija durch das „Schneiden“ ungeschlagen machen, Herr der Götter. Die Lautfolge bleibt unbestimmbar.
25 brahmapūrvāhataṃ vījanniścalantadanantaram |
vṛkodarayutaṃ bhadraṃ vījaṃ tārādhipantataḥ ||
Dann folgt das mit Brahma beginnende, unbewegliche Bija; darauf das glückverheißende, mit Vrikodara verbundene Bija und der Herr der Sterne. Die Lautschlüssel sind nicht sicher auflösbar.
26 śuddhaṃ payodharaṃ paścājjyosnāntasṛṣṭiyojitam |
abhinnaṃ bhīṣaṇaṃ sādho yakārañchedanīhatam ||
Danach das reine „Wolkentragende“, verbunden mit der Schöpfung am Ende des Mondlichts; das ungeteilte Furchtbare und der durch „Schneiden“ bearbeitete Laut ya. Verschlüsselte, teilweise unsichere Mantrabeschreibung.
27 svāhāntaḥ praṇavādiśca proktaḥ svapnādhipo manuḥ |
susvapnaṃ kathayediṣṭe duḥsvapneḥ śāntimācaret ||
Das so beschriebene Traummantra beginnt mit Om und endet mit Svaha. Einen günstigen Traum soll man einem Vertrauten mitteilen; bei einem ungünstigen vollziehe man ein Befriedungsritual.
28 prātaḥ saṃpūjya deveśaṃ śilāmākoṭayet tridhāḥ |
rudrāśād brahmaṇo vāpi bhogamokṣābhikāṃkṣayā ||
Am Morgen verehre man den Herrn der Götter und schlage dreimal an den Stein, von Rudras oder Brahmas Richtung her, je nachdem, ob man Erfüllung oder Befreiung erstrebt.
29 śilāṃ rathe samāropya siddhayātrāmupakramet |
anenaiva vidhānena gṛhṇīyāt tat saṃbhavam ||
Man hebe den Stein auf einen Wagen und beginne die glückverheißende Heimfahrt. Nach demselben Verfahren beschaffe man auch die anderen geeigneten Materialien.
30 adhunā kārayelliṅgaṃ vyaktāvyaktobhayātmakam |
jyeṣṭhādi kramabhedena karturvittānusārataḥ ||
Nun lasse man das Lingam in offenbarter, nichtoffenbarter oder beides verbindender Gestalt herstellen, in großer oder entsprechend kleinerer Ausführung und nach dem Vermögen des Stifters.
Das innere und das äußere Lingam
31 niskalaṃ sakalañcaiva tṛtīyaṃ sakalākalam |
liṅgavyūhaṃ samākhyātañcittavyūhāt purandara ||
Ohne Teile, mit Teilen und zugleich mit und ohne Teile: So wird die dreifache Gestalt des Lingams entsprechend den Gestalten des Geistes erklärt, Purandara.
32 ucchṛsantaṃ parantatvanna ca kenāpi khaṇḍitam |
talliṅgaṃ sakalaṃ proktaṃ nādarūpaṃ hṛdaṃ vraje ||
Das sich erhebende höchste Prinzip, durch nichts zerteilt, wird hier das gegliederte Lingam genannt; es hat die Gestalt des Nada und ist im Herzen aufzusuchen. Die Lesart sakala steht in Spannung zur Beschreibung; sie bleibt erhalten.
33 caitanyaṃ cittayā yuktaṃ cittenaiva sahaikataḥ |
bodharūpaṃ yadā yāti tadā liṅgaṃ parāparam ||
Wenn Bewusstsein, mit dem Geist verbunden und mit ihm eins geworden, die Gestalt des Erkennens annimmt, ist das Lingam zugleich höher und niedriger, transzendent und immanent.
34 bodharūpaṃ yadā śānte nistaraṅge vilīyate |
tadā liṅgaṃ paraṃ proktaṃ mokṣadantadudāhṛtam ||
Wenn diese Gestalt des Erkennens im friedvollen, wellenlosen Zustand aufgeht, heißt dies das höchste Lingam. Von ihm wird gesagt, dass es Befreiung schenkt.
35 etadābhyantaraṃ liṅgaṃ vāhyamanyat pracakṣate |
vyaktisthāna tayā bhākte tacchandaḥ saṃpravartate ||
Dies ist das innere Lingam. Ein anderes nennt man das äußere; weil es der Offenbarung als Ort dient, wird die Bezeichnung Lingam in übertragenem Sinn auf es angewandt.
36 śilāmṛddārulohotthaṃ tuṣṭhigraharasānalaiḥ |
jyeṣṭhajyeṣṭhaṃ karairliṅgaṃ caturdravyavibhedataḥ ||
Lingams aus Stein, Erde, Holz und Metall haben je eigene höchste Größen, in Ellen bemessen. Die Zahlenreihe tuṣṭi–graha–rasa–anala ist im ersten Glied unsicher; die übrigen Zahlwörter bezeichnen neun, sechs und drei.
37 tat tṛtīyāṃśa santyāgān madhyamasyottamaṃ bhavet |
kanyasāgryaṃ dalādasya tridhā liṅgamudāhṛtam ||
Durch Abzug eines Drittels erhält man die höchste Größe der mittleren Klasse; die Hälfte ergibt die höchste der kleinen Klasse. So wird das Lingam dreifach eingeteilt.
38 bhidyante svasvarāmāṃsairnavaliṅgaṃ yathā bhavet |
jyeṣṭhādikanyasāntāni liṅgāni kathitāni te ||
Durch weitere Dreiteilung der jeweiligen Klassen entstehen neun Lingamgrößen, von der größten bis zur kleinsten.
39 nāgabhakte ca liṅgārddhe rasavāṇakṛtairbhavet |
ā * * * ? sura jyeṣṭhaviṣkambhaḥ sarvataḥ same ||
Die Hälfte des Lingams wird in acht Teile geteilt; weitere Maße werden durch die Zahlen sechs, fünf und vier bestimmt. Die anschließende Breitenvorschrift ist lückenhaft.
40 santribhāgairbhaved dakṣairbrahmāṃśaścaturasrakaḥ |
tat karṇārddhe tarasyāgānmaṅgalāstraṃ śatakrato ||
Der Brahma-Anteil soll viereckig sein; durch Abtragen an den Diagonalen entsteht die nächste Kantenform. Der genaue Bruchteil ist verderbt.
41 munitrayeṇa madhyaṃ syāndhrāsastu karasaṃkhyayā |
ṣoḍaśāstramathaivaṃ syāt samaṃ paścāt pravarttayet ||
Danach wird durch weitere Teilung und Abnahme eine sechzehnkantige Form erzeugt und schließlich gleichmäßig gerundet. Die Zwischenmaße sind nicht sicher lesbar.
42 liṅgamuktaṃ śirastasya vakṣe sāmānyato hare |
puṇḍarīkaṃ viśālañca śrīvatsaṃ śatrumardakam ||
Das Lingam ist beschrieben. Nun erkläre ich seine Kopfformen: Pundarika, Vishala, Shrivatsa und Shatrumardaka.
43 trapuṣaṃ kukkuyaṇḍañca khaṇḍacandraṃ śacīpate |
iti saptaśiraḥ proktaṃ vartanāmadhunā śṛṇu ||
Hinzu kommen Gurkenform, Hühnereiform und Halbmondform: insgesamt sieben. Höre nun ihre Ausarbeitung, Herr der Shachi.
44 arcāṣṭāṃśe yugairbhakte puṇḍarīkaṃ tanukṣayāt |
karṇakṣayād viśālañca śrīvatsaṅguṇasaṃkṣayāt ||
Durch Teilung des Verehrungsabschnitts in acht und vier Teile und entsprechende Abnahme entsteht Pundarika; durch Abnahme an den Diagonalen Vishala, durch dreifache Abnahme Shrivatsa. Die genaue Maßfolge ist unsicher.
45 koṇakṣayād vijānīyāccaturthaṃ śatrumardakaṃ |
rasabhakte kṣapādāṃśasāṃtanān trapuṣākṛti ||
Durch Abtragen der Ecken entsteht die vierte Form, Shatrumardaka; aus einer Sechsteilung und entsprechender Abnahme ergibt sich die Gurkenform. Ein Maßausdruck ist verderbt.
46 śrutyaṃśasya parityāgāt kukkuṭāṇḍam bhavecchiraḥ |
guṇabhakteṃśasantyāgād vālenduḥ syāt parisphuṭam ||
Durch Abzug eines Viertels entsteht die Hühnereiform; durch Dreiteilung und Abnahme eines Teils die klar erkennbare junge Mondsichel.
47 vyaktāvyaktantathā kuryādekatriścaturāsyakam |
śaktibhakte ca rudrāṅge vahnibhāgādadhaḥ śiraḥ ||
Das zugleich gestaltlose und gestaltete Lingam soll ein, drei oder vier Gesichter tragen. Der Rudra-Abschnitt wird geteilt, und der Kopf entsprechend angesetzt. Die Maßsyntax ist unsicher.
48 lalāṭannāsikā vaktraṃ civukādi purandara |
kalpanīyaṃ hare samyak liṅgaviṣkambhavāhyataḥ ||
Stirn, Nase, Gesicht und Kinn sollen sorgfältig so gestaltet werden, dass sie über die Breite des Lingams hervortreten, Purandara.
49 liṅgadairghyavikārāṃśaṃ liṅgavistaravāhyataḥ |
caturāsye caturdikṣu nirgamāya pradāpayet ||
Bei vier Gesichtern sind die Vorsprünge in alle vier Himmelsrichtungen entsprechend einem Anteil der Lingamlänge auszubilden. Das Zahlwort ist nicht eindeutig.
50 bhāgān prakalpya kurvīta rūpakaṃ vyaktaliṅgavat |
uparibhāgañca liṅgābhaṃ mūlaviṣkaṃbhavistṛtam ||
Nach Einteilung der Maße schaffe man die Gestalt wie beim figürlichen Lingam. Der obere Teil bleibe lingamförmig und so breit wie die Basis.
51 bhāgābhyāṃ mukuṭaṃ kuryājjaṭābandhānvitaṃ śubham |
guṇāsya kārayed vidvān bhavāṃśe rasabhājite ||
Mit zwei Teilen bilde man die schöne Krone samt aufgebundenem Haar. Die folgende Vorschrift zur Gesichtsproportion ist verderbt; sie nennt eine Sechsteilung.
52 bhāgakhaṇḍabhujaskandhau ṛtvaṅgulaviniḥsṛtau |
grīvāsyād rāmabhāgo nā * *? māt tadūrdhvataḥ ||
Arme und Schultern sollen je sechs Fingerbreiten hervortreten; für Hals und Gesicht wird eine Dreiteilung genannt. Der Schluss ist lückenhaft.
53 pādāt pādāt prakartavyaṃ mukuṭaṃ pūrvalakṣaṇam |
liṅgadairghyārddhamutyaṃśe liṅgavyāsavahiṣkṛteḥ ||
Die Krone ist nach dem zuvor genannten Merkmal abschnittweise herzustellen; der Vorsprung wird zur halben Lingamlänge und zur Lingambreite in Beziehung gesetzt. Die Bruchangabe ist unsicher.
54 karṇanāsākapolāghaṃ tatra sarvam prakalpayet |
athaikavaktraike liṅge bhavāṃśe tu bhavājite ||
Ohren, Nase und Wangen sind dort auszuarbeiten. Beim eingesichtigen Lingam folgt eine besondere Teilung des betreffenden Abschnitts. Die Teilungszahl ist unklar.
55 adhobhāgaṃ dvidhā kuryāt punararddhamadhaḥ sthitam |
skandhau grīvāṃ ca bhāgābhyāṃ madhye sārddha punaryugaiḥ ||
Den unteren Teil teile man in zwei und die untere Hälfte wiederum. Schultern und Hals erhalten entsprechende Teile; in der Mitte wird eine weitere Teilung vorgeschrieben. Die Zuordnung ist unsicher.
56 bhāgaikaikena vaktrādi mastakāntaṃ vivartayet |
tadūrdhve tu guṇairbhakte dvābhyāṃ mauliṃ prakalpayet ||
Mit jeweils einem Teil gestalte man die Abschnitte vom Gesicht bis zum Kopf. Den darüberliegenden Bereich teile man dreifach und verwende zwei Teile für die Krone.
57 bhāgenaiva tu liṅgābhaṃ vaktranirgatirucyate |
liṅgadairghyārkabhāgena nirgamaḥ śubhakārakaḥ ||
Ein Teil bleibt lingamförmig. Als günstiger Gesichtsvorsprung wird ein Zwölftel der Lingamlänge angegeben.
58 vyaktāvyaktaṃ samuddiṣṭamubhayārthaprasādhakam |
gaṅgādisarito yātā purā pakṣenna samudbhavā ||
Damit ist die zugleich gestaltete und ungestaltete Form beschrieben, die beide Ziele erfüllt. Nun folgt die Herstellung aus Erde von Flüssen wie der Ganga. Der Übergang ist verderbt.
59 tayā tu ghaṭayelliṅgaṃ yathā vakṣyāmi lakṣaṇam |
mṛtsnāṃ * * * * kṛtvā triphalācūrṇasaṃyutām ||
Aus dieser Erde soll man das Lingam nach den folgenden Merkmalen formen: Man bereite den Ton [Textlücke] und mische Triphala-Pulver hinzu.
60 kunadītālasindūrarasagandhakayojitām |
suvarṇagairikayutāṃ kiñcid guggulumiśritām ||
Man füge die genannten Pflanzen- und Mineralstoffe, darunter Tala, Sindura, Rasa, Schwefel, Goldocker und etwas Guggulu, hinzu. Kunadī ist unsicher; Rasa kann hier Quecksilber bezeichnen. Historische Materialrezeptur.
61 mardayet supariśrāvyapadenānuvicakṣaṇaḥ |
śaṇamāṣātasīvilvasaurāṣṭrīrasamiśritām ||
Die Masse werde sorgfältig zerstoßen und durchgearbeitet, unter Zusatz von Hanf, schwarzen Bohnen, Leinsamen, Bilva und Saurashtri-Saft. Ein Ausdruck zur Verarbeitung ist verderbt.
62 kaṣāyodakasaṃklinnāṃ saptarātramathoṣitām |
sugandhi gandhamiśreṇa tathā sarjarasena ca ||
Mit einer herben Abkochung befeuchtet, lasse man sie sieben Nächte stehen und vermische sie mit wohlriechenden Stoffen und Sarja-Harz.
63 mardayet sarvato yena sa kaṣāyena yatnataḥ |
tato liṅgaṃ prakurvīta yathoktalakṣaṇaṃ śubham ||
Mit dieser Abkochung knete man alles gründlich und forme daraus das schöne Lingam nach den angegebenen Merkmalen.
64 pakvāpakvaṃ surādhyakṣa yathā manasi vāñchitam |
marakataṃ padmarāgaṃ ca vajravaidūryamauktikam ||
Es kann nach Wunsch gebrannt oder ungebrannt sein. Als weitere Materialien werden Smaragd, Rubin, Diamant, Vaidurya und Perle genannt.
65 candrapriyaṃ puṣparāgaṃ mahānīlādiṭiṭṭibham |
bhinnābhinna guṇāstveṣāṃ sphāṭikaṃ sarvakāmadam ||
Ferner Mondstein, Topas, großer Saphir und weitere Steine, deren Eigenschaften verschieden sind. Bergkristall gilt als alle Wünsche erfüllend. Ein Steinname ist unklar.
66 saritsalilasaṃkāśaṃ svacchaṃ snigdhaṃ prabhānvitam |
tuṣārakaṇikāhīnaṃ sarvadoṣavivarjitam ||
Er soll klarem Flusswasser gleichen, durchsichtig, glatt und leuchtend sein, ohne frostähnliche Einschlüsse und frei von Fehlern.
67 sphāṭikaṃ liṅgamāsādya kena siddhāḥ śatakrato |
vāṇe lauhe svayaṃ vyakte daive ca ṛṣikalpite ||
Wer hätte durch ein solches Kristall-Lingam nicht Vollendung erlangt, Shatakratu? Bei Bana-Lingams, metallenen, selbstmanifestierten, göttlichen und von Rishis geschaffenen Lingams …
68 asuraiḥ sthāpite liṅge lakṣaṇaṃ na puroditam |
mānonmānayutaṃ liṅgaṃ maṇḍalādividūṣitam ||
… sowie bei von Asuras eingesetzten Lingams gelten die zuvor genannten Formmerkmale nicht. Ein sonst maßgerechtes Lingam, das durch kreisförmige Fehlstellen entstellt ist, …
69 pratikūlaṃ vijānīyāt sarveṣāmapi prāṇinām |
śilāyāsthe dāna yatnāt takṣaṇe gharṣaṇe pi ca ||
… soll man als allen Lebewesen ungünstig erkennen. Schon bei Gewinnung, Bearbeitung und Schleifen des Steins muss man sorgfältig darauf achten.
70 niṣpannāvapi jñātavyaṃ garbhamaṇḍalakādikam |
māñjiṣṭhe kapile rakte sālūrākhukṛkālakāḥ ||
Auch am fertigen Stück sind innere Einschlüsse und Kreiszeichen zu prüfen. Krappfarbene, gelbbraune und rote Flecken werden mit Frosch, Maus und Eidechse in Verbindung gebracht.
71 kṛṣṇāsiguḍakarṇeṣu sarpa āpastathopalaḥ |
kapotabhasmacitreṣu godhikāsikatālinaḥ ||
Bestimmte dunkle Zeichen deuten nach dieser Lehre auf Schlange, Wasser oder Stein; taubenfarbene, aschfarbene und bunte auf Eidechse, Sand und weitere Einschlüsse. Mehrere Bezeichnungen sind verderbt.
72 pītabhṛṅgābhake godhāviṣañcaiva vinirdiśet |
nīle ca maṇḍale śyāme gonāse mānuṣantathā ||
Gelbe und bienenfarbene Kreise werden mit Waran und Gift verbunden; blaue und dunkle mit Gonasa-Schlange und Mensch. Die Zeichenlehre ist nicht an allen Stellen eindeutig.
73 cāṣābha pakṣiṇaṃ vidhācchyāma cāṣanṛpakṣiṇam |
dvike dvike dvirūpañca yadrūpantat tadādiśet ||
Blauhäherfarbene Zeichen sollen auf entsprechende Vögel weisen. Bei paarweise auftretenden Formen wird jeweils eine doppelte Bedeutung angesetzt. Die Vogelnamen sind teilweise verderbt.
74 vāhyato lakṣaṇābhāve lepaṃ yuñjita bhrāntitaḥ |
saurāṣṭrī vālakāsvaghna ṛddhivṛddhī dvijantathā ||
Sind außen keine Zeichen erkennbar und besteht Zweifel, trage man eine Prüfpaste auf: aus Saurashtri, Valaka, Ashvaghna, Riddhi, Vriddhi und dem als Dvija bezeichneten Stoff.
75 āranālena piṣṭvainamupalaṃ lepayenniśi |
ārdratā simikākledo vāṣpotthānamanukramāt ||
Man zerreibe dies mit saurem Reiswasser und bestreiche nachts den Stein. Feuchtigkeit, Benetzung und aufsteigender Dampf gelten nacheinander als Zeichen.
76 dvijaṃ mahītaṃ tathā mīnaṃ kṛṣṇaṃ jñātvānu tān tyajet |
ato doṣavinirmukte pṛṣṭeśāṇādibhirvudhāḥ ||
Erkennt man daraus die genannten inneren Fehler, verwerfe man den Stein. Einen fehlerfreien hingegen bearbeite der Kundige mit Schleifstein und ähnlichen Werkzeugen. Die Liste der Fehler ist verderbt.
77 dhautadehe tato liṅge cihnaṃ lakṣaṃ śubhāśubham |
hayebhavṛṣa śaṃkhābjasvastikacchatrabhūdharaiḥ ||
Nach dem Waschen prüfe man die günstigen und ungünstigen Zeichen am Lingam: Pferd, Elefant, Stier, Muschel, Lotus, Svastika, Schirm und Berg …
78 mṛgāridhvajabhṛṅgāramudgarā * śācāmaraiḥ |
kūrmormīmatsaśrīvatsacakranetrapavitrakaiḥ ||
… Löwe, Banner, Wasserkrug, Hammer, [Textlücke], Wedel, Schildkröte, Welle, Fisch, Shrivatsa, Rad, Auge und Reinigungsring …
79 siddhimebhirvijānīyānnirvāṇantadanantaram |
vyāghramārjārabhallūkakabandhakākakaṅkakaiḥ ||
… zeigen Vollendung und schließlich Nirvana an. Tiger, Katze, Bär, kopfloser Rumpf, Krähe und Reiher …
80 saṃdaṃsarpāsagṛdhroṣṭra ulūkavakapecakaiḥ |
ebhiḥ sarvairyutaṃ liṅgaṃ varṇaiścāgneyamārutaiḥ ||
… Zange, Schlange, Geier, Kamel, Eule und andere genannte Vögel sowie feuer- und windartige Farben am Lingam …
81 yajamānaprajārājñāṃ duḥkhamṛtyupradaṃ bhavet |
avyaktamukhaliṅgāni samāsāt kathitāni te ||
… gelten dagegen als Vorzeichen von Leid und Tod für Stifter, Bevölkerung und König. Die gestaltlosen und gesichtstragenden Lingams sind damit kurz erklärt.
82 sāmprataṃ kathyate vyaktanniḥsandigdhaṃ śacīpate |
iti mohacūrottare avyaktamukhaliṅgaprakhyāne prathamaḥ paṭalaḥ ||
Nun wird die deutlich ausgeformte Gestalt erklärt, Herr der Shachi. So endet das erste Kapitel des Mohacurottara über das gestaltlose und das gesichtstragende Lingam.
Kapitel 2: Gestalten der Gottheiten
83 pratimālakṣaṇaṃ vakṣe māne dvārakarātmake |
tiryagbhaktaguṇairdvāre dvābhyāmarcottamottamam ||
Ich lehre die Merkmale des Götterbildes, dessen Maß von Tür oder Elle ausgeht. Teilt man das Türmaß dreifach, erhält das größte Bild der höchsten Klasse zwei Teile.
84 pīṭhaṃ bhāgena kartavyaṃ madhyotkṛṣṭannigadyate |
nandavad bhājite dairghye tyaktā bhāgaṃ punastridhā ||
Ein Teil ist für den Sockel bestimmt. Für die nächstkleinere Hauptgröße teile man die Länge in neun Teile, ziehe einen ab und teile den Rest dreifach.
85 bhāgābhyāṃ pratimā kāryā bhāgaṃ pīṭhāya kalpayet |
siddhibhakte punardvāri tanubhāgaṃ parityajet ||
Zwei Teile erhält das Bild, einen der Sockel. Bei einer weiteren Einteilung des Türmaßes ziehe man wiederum einen Teil ab. Das Zahlwort siddhi ist hier nicht sicher bestimmt.
86 vibhajya guṇavaccheṣaṃ dvābhyāṃ jīvaprakalpanā |
aṃśaikena bhavet pīṭhaṃ pratyekād vā dvayandvayam ||
Der Rest wird gedrittelt: zwei Teile für die Gestalt, einer für den Sockel. Weitere Abstufungen entstehen paarweise aus den einzelnen Größen.
87 jyeṣṭhādibhedataḥ śakradvārmānāt pratimānava |
karamekaṃ sabhārabhya yāvat syādaṅkagocaram ||
So ergeben sich, Shakra, neun Bildgrößen entsprechend dem Türmaß. Bei der Elle beginne man mit einer und gehe bis neun.
88 liṅgavanmānametāsāṃ saṃkhyā tadvat purandara |
āyāmārddharasairbhakte ṣaṣṭhāṃśasya navāṃśake ||
Ihre Maße und ihre Anzahl entsprechen denen der Lingams. Zur Bestimmung der eigenen Fingerbreite folgt eine Teilung der halben Länge und eines Sechstels in neun Teile. Die Rechenfolge ist verderbt.
89 aṅgulaṃ svakamuddiṣṭantenāṅgopāṅgavartanā |
nava tālāḥ surā jñeyā brahmaviṣṇumaheśvarāḥ ||
Dieses eigene Angula dient zur Bemessung der Körperteile. Brahma, Vishnu und Maheshvara sind neun Tala hoch darzustellen.
90 tālaikādaśabhiḥ kāryā bhūtavetālarākṣasāḥ |
kiṅkarāḥ saptatālāśca pañca tālāśca vāmanāḥ ||
Bhutas, Vetalas und Rakshasas erhalten elf Tala, Dienergestalten sieben und Zwerggestalten fünf Tala.
91 paṅgukubjau ca bhūtāṃśaiḥ kuṣmāṇḍā yugatālikaḥ |
rucitaṃ rūpakāyāmaṃ vibhajya navabhāgikam ||
Lahme und Bucklige erhalten fünf, Kushmandas vier Tala. Die gewünschte Bildhöhe teile man in neun Teile.
92 rūpakaṃ vartayet tatra yasya devasya yad bhavet |
vikārāṅgulamutsedho mukuṭe pākaśāsana ||
Darin gestalte man das jeweilige Bild entsprechend der Gottheit. Für die Krone wird ein eigenes Höhenmaß in Fingerbreiten angegeben. Das Zahlwort ist unsicher.
93 āsyaṃ tālasamaṃ proktaṃ grīvā vedāṅgulā tataḥ |
grīvādhastād vijānīyād hṛdayaṃ nābhimaṇḍalam ||
Das Gesicht misst ein Tala, der Hals vier Fingerbreiten. Unterhalb des Halses bestimme man die Bereiche von Herz, Nabel und Leib.
94 jaṭharaṃ tālatālena jyeṣṭhāyāḥ kāraṇaṃ vinā |
dairghyāt kāmakalā 13 ūrūjānū pālīkṛtāṅgule ||
Herz- und Bauchabschnitte erhalten jeweils ein Tala, ausgenommen die besondere Gestalt der Jyeshtha. Für die Oberschenkel werden dreizehn Anteile genannt; die Kniemaße sind verderbt überliefert.
95 jaṅghe rudrakale kārye gulphe vedāṅgule tataḥ |
maṅgaladigaṅgulājñeyā pratimā tu parāharaḥ ||
Die Unterschenkel erhalten elf Anteile, die Knöchel vier Fingerbreiten. Das anschließende Gesamt- oder Fußmaß ist nicht sicher lesbar.
96 ūrddhvamānaṃ samākhyātaṃ tiryaṅmānādikaṃ śṛṇu |
bhāga trayañca vadane vaktrañcivuka saṃyutam ||
Die Höhenmaße sind beschrieben; höre nun die Breitenmaße. Das Gesicht mit dem Kinn wird in drei Bereiche gegliedert.
97 nāsā vaṃśa lalāṭaṃ * * * * syātsa tāṅgulam |
siddhyaṅgulaṃ lalāṭañca tiryak syāt pākaśāsana ||
Nasenrücken und Stirn [Textlücke]; für die Stirnbreite werden acht Fingerbreiten genannt. Die erste Maßangabe ist unvollständig.
98 lalāṭādhoṅgulā śakte subhuvau sārddhalocane |
mūledviyavavistīrṇe pādahīne tataḥ kramāt ||
Unterhalb der Stirn liegen die schönen Brauen über den Augen. An ihrer Wurzel sind sie zwei Gerstenkörner breit und nehmen stufenweise um ein Viertel ab. Das Abstandsmaß ist unklar.
99 prānteyavārddha vistāre vaktre vai kārmukā kṛtī |
mātrā śyāme śubhe kārye locane tryaṃśatārake ||
An den Enden sind die bogenförmigen Brauen ein halbes Gerstenkorn breit. Die schönen dunklen Augen werden maßgerecht mit dreigeteilter Pupillenregion gestaltet.
100 mīnodaranibhe tāre bhūtāṃśe jyotiṣī śubhe |
aṅgule pṛthunī madhye śeṣaṃ jñātvā prayojayet ||
Die Pupillen werden mit Fischbäuchen verglichen; ihre leuchtenden Bereiche werden in fünf Teile geteilt. Die Mitte ist eine Fingerbreite breit; die übrigen Maße sind entsprechend anzupassen.
101 yathā himavataṃ rūpantathā dṛṣṭinniyojayet |
agre samucchritā nāsā aṅgulyābhyāṃ śacīpate ||
Der Blick ist der dargestellten Gestalt gemäß anzubringen. Die Nase ragt vorn zwei Fingerbreiten hervor, Herr der Shachi. Der Vergleich mit Himavat ist textlich unsicher.
102 pārśve yavādhikāsādho mūle tāraka vicyute |
niṣpāvadalavad vāhye puṭau tārakavistṛtau ||
Seitlich wird ein zusätzliches Gerstenkorn genannt; die Nasenflügel gleichen Bohnenblättern und entsprechen einem Augenmaß. Die Maßbezüge sind nicht eindeutig.
103 dvyarddhayavadalau kāryau nāsā randhre caturyave |
apāṅge dvikale khyāte śrutī vaktra samāsake ||
Die Nasenflügel messen zweieinhalb Gerstenkörner, die Nasenöffnungen vier. Die Augenwinkel erhalten zwei Anteile; die Ohren werden nach dem Gesichtsmaß angeordnet.
104 yavādhikerddha vistīrṇe vartīyugma yave mate |
śaṣkulyaudviyave kārye kakunī tu caturyave ||
Für Breite und Ohrwülste werden Gerstenkornmaße genannt: zwei für die innere Ohrmuschel, vier für deren Erhebung. Die erste Bruchangabe ist verderbt.
105 khala patraṃ kalāmāna māyāmarddhi na vistṛtam |
tudūkāvaṅgulaṃ dīrghau pārśvau bhūṣānurodhataḥ ||
Das Ohrblatt erhält ein Anteilmaß; die Ohrläppchen sind eine Fingerbreite lang. Die seitliche Gestaltung richtet sich nach dem Schmuck. Einzelne anatomische Bezeichnungen bleiben unsicher.
106 karṇāntaraṃ samuddiṣṭaṅgrahagolakamānakam |
lalāṭāntāttuduyāvattadvindyāt paṅkti golakam ||
Der Abstand der Ohren wird mit neun Golaka-Einheiten angegeben, der Weg von der Stirngrenze bis zum genannten Ohrpunkt mit zehn. Die technischen Begriffe sind teilweise verderbt.
107 dalaṃ sārddhayavaṃ karṇe trinālā veṣṭitaṃ śiraḥ |
hanū daśāṅgulau karṇāt sandhānaṃ golakantayoḥ ||
Das Ohrblatt ist eineinhalb Gerstenkörner stark; der Kopf ist mit drei Linien umgeben. Der Kiefer misst vom Ohr zehn Fingerbreiten, seine Verbindung eine Golaka-Einheit. Die Bezugspunkte sind unsicher.
108 mukhantu dvidalaṃ dairghyādvistṛtaṃ sārddhamaṅgulam |
avistṛtaṃ samuddiṣṭaṃ vistṛtantvana lāṅgulam ||
Die Mundlänge wird zweigeteilt; seine Breite beträgt eineinhalb Fingerbreiten. Der geöffnete Mund erhält drei Fingerbreiten, der geschlossene entsprechend weniger.
109 kalārddhamadhare mā * * * * * paraṃ viduḥ |
tasyādhoṅgula vadgartāgojītatrārddhamaṅgulam ||
Die Unterlippe erhält einen halben Anteil [Textlücke]. Darunter liegt eine fingerbreite Vertiefung; für die Gojī genannte Rinne wird eine halbe Fingerbreite angegeben.
110 ūrddhvagojītunā sādho dviyavādalavistṛtaḥ |
sṛkkiṇau dṛṣṭi sūtreṇa kavirau puṭasūtragau ||
Die obere Rinne hat eine Breite von zwei Gerstenkörnern. Die Mundwinkel werden nach der Augenlinie, weitere Gesichtspunkte nach der Nasenflügellinie ausgerichtet. Einzelne Bezeichnungen sind unsicher.
111 madhyavaktro * * sādhū civukāścaiva sūtragāḥ |
grīvāvasvaṅgulā kāryā veṣṭanenārka golikā ||
Gesichtsmitte und Kinn liegen auf den Messlinien [Textlücke]. Der Hals wird acht Fingerbreiten bemessen; sein Umfang beträgt zwölf Golaka. Die Maßrichtung ist unsicher.
112 skandhau trigolakau kāryau vikārāṅgula veṣṭanau |
vāhū bhūyā vada * * vupa vāhū purandara ||
Die Schultern erhalten drei Golaka; es folgen Umfangs- und Armlängenmaße. Die entscheidenden Zahlwörter und der Versschluss sind beschädigt.
113 vasu rūpāṅgulāyāmau granthiṃ vindyāt kalārddhataḥ |
tadvatkara pravāhośca dairghyānyunyaṅgulantalam ||
Für die Arme werden achtzehn Fingerbreiten, für das Gelenk ein halber Anteil genannt. Die Handfläche ist um eine Fingerbreite kürzer als das betreffende Unterarmmaß. Die Zuordnung ist unsicher.
114 tiryakkāṇāṅgulaṃ madhyat tadvat sūnā yavaṃ vinā |
tarjanyanāmiketābhyāṃ kalārddho nāca kanyasā ||
Der Mittelfinger und seine Breite werden maßgerecht bestimmt; Zeige- und Ringfinger sind entsprechend kürzer, der kleine Finger um einen halben Anteil. Die erste Maßangabe ist verderbt.
115 dairghya tastat samāṅguṣṭho desinyāstryaṅgulo hyadhaḥ |
mūle vahni kalo jñeyaḥ sasyandreṇa paricyutaḥ ||
Der Daumen entspricht dem genannten Längenmaß und sitzt drei Fingerbreiten unterhalb des Zeigefingers. Seine Wurzel erhält drei Anteile; danach nimmt er ab. Das Abnahmemaß ist unklar.
116 vāhante ca tathā śakra kintu rāma yavositaḥ |
akṣāṅgulādi koṇānto viṣkambhastriguṇā vṛtiḥ ||
An der Hand gilt eine entsprechende Regel, Shakra, mit drei Gerstenkörnern als Zusatzmaß. Der Umfang beträgt das Dreifache der Breite. Der mittlere Ausdruck ist verderbt.
117 māṃsalaucakarau śreṣṭhā vaṅgulyedvartulāhare |
sāra netra sarairhīnaṃ madhyā yā golakaṃ yavaiḥ ||
Die besten Hände sind fleischig, die Finger rund. Vom Maß des Mittelfingers werden bestimmte Gerstenkornbeträge abgezogen. Die Zahlenreihe ist nicht zuverlässig lesbar.
118 dairghyaṃ svaparvaṇo nyāsāṃ paṅkti māṃsa paricyute |
caturthāṃśaṃ vinā kanyā prānte yarvārddha jānakhāḥ ||
Die anderen Finger werden nach ihren eigenen Gliedern bemessen und entsprechend verkürzt; beim kleinen Finger entfällt ein Viertel. Die Nägel erhalten am Ende ein halbes Gerstenkorn.
119 mūle ca tryaṅgulo madhyā madhye caiva yavohritāḥ |
guṇa yavohritaḥ prānte svāyāmādanyataḥ punaḥ ||
Der Mittelfinger misst an der Wurzel drei Fingerbreiten im Umfang, in der Mitte ein Gerstenkorn weniger, an der Spitze drei weniger. Die übrigen werden nach ihrer Länge angepasst.
120 kande granthau tathā madhye rasabhūtakṛtāṅgulaḥ |
parvaṇaḥ sayavāṅguṣṭhe cyutaścyutatarāgrataḥ ||
Wurzel, Gelenk und Mitte erhalten sechs, fünf und vier Fingerbreiten. Beim Daumenglied wird ein zusätzliches Gerstenkorn genannt; nach vorn nimmt das Maß stufenweise ab. Der Bezug ist unsicher.
121 kaṇṭhakūpa sa * * * * * ? kaurasa golakau |
antarañca tadeva syāt tayoḥ pakṣau ṣaḍaṅgulau ||
Von der Halsgrube [Textlücke] werden zwei Brustmaße bestimmt; ihr Abstand entspricht ihnen, ihre Seiten messen sechs Fingerbreiten. Die genaue Anatomie ist nicht sicher.
122 maṇḍalaṃ dviyavaṃ proktaṃ madhyasthaṃ yavamānakam |
vyāsaścaiva samastasya viparyaya yavirbhavet ||
Der Kreis misst zwei Gerstenkörner, seine Mitte eines. Für den Gesamtdurchmesser wird ein weiteres Gerstenkornmaß genannt. Das Zahlwort ist verderbt.
123 * * ? kau tu samuddiṣṭau nābhimānamathocyate |
nābhiḥ syād dakṣiṇāvartā gaṃbhīrā tu caturyavaiḥ ||
[Textlücke.] Nun wird der Nabel beschrieben: Er soll rechtsläufig gewunden und vier Gerstenkörner tief sein.
124 vistṛtaikāṅgule naiva veṣṭanantriguṇaṃ hare |
adhunāsaṃpravakṣyāmi nābhi deśādi vistaram ||
Seine Breite beträgt eine Fingerbreite, sein Umfang das Dreifache. Nun erkläre ich die Breiten des Nabelbereichs und der folgenden Körperteile.
125 vistṛtinnābhi deśe tu kuryādvṛtyaṅgulairbudhaḥ |
duḥkhā21ṅgulaistato dhastāt kaṭideśe jināṅgulaiḥ ||
Der Kundige bestimme die Breite am Nabel; darunter werden einundzwanzig Fingerbreiten, an der Hüfte vierundzwanzig genannt. Das erste Breitenmaß ist verderbt.
126 mehanaṃ dvikalañcādho vṛṣaṇau netramānakau |
viṣkaṃbhaḥ kalayā mūle sa tryaṃśā vikalāpuraḥ ||
Das Geschlechtsglied erhält zwei Anteile, die Hoden je zwei Maßeinheiten. An der Wurzel beträgt die Breite einen Anteil; nach vorn verändert sie sich. Der Bruchteil ist unsicher.
127 veṣṭanantriguṇaṃ sarvaṃ hastapādādikaṃ vinā |
ṣaṇmātravistṛtā brūhū jñātvā hāsantatontataḥ ||
Der Umfang ist allgemein dreimal so groß wie die Breite, außer bei Händen und Füßen. Die Oberschenkel sind sechs Maßeinheiten breit und verjüngen sich nach unten.
128 trikalā jānukandesyājjaṃghākande tathaiva ca |
tadranthau golakādhikya matsyā pādāṅgulena tu ||
Am Knieansatz und am Unterschenkelansatz gelten drei Anteile; am Gelenk kommt eine Golaka-Einheit hinzu. Die folgende Angula-Angabe ist verderbt.
129 triguṇā prāvṛtiḥ khyātā pūrvavataśatakrato |
pādau mantraṅgulau kāryau pārṣṇīṃ kṛtyaṅgulau tataḥ ||
Der Umfang beträgt wie zuvor das Dreifache. Für Füße und Fersen werden gesonderte Fingerbreitenmaße vorgeschrieben. Die beiden Zahlwörter sind unsicher.
130 pādo nastryaṅguloṅguṣṭo vahīnā pradeśinī |
pādapādavihīnāḥ syuraṅgulyonyāṃ śatakrato ||
Die große Zehe misst drei Fingerbreiten weniger ein Viertel; die zweite ist etwas kürzer, die weiteren nehmen jeweils um ein Viertel ab.
131 kande bhūtāṅgulo nābho madhye tu vikalācyutaḥ |
sārddhaviparyayāṅguṣṭhe cyutaścyutataraḥ kramāt ||
Am Ansatz werden fünf Fingerbreiten genannt, in der Mitte ein verminderter Anteil; an der großen Zehe nimmt das Maß stufenweise weiter ab. Die Maßverknüpfung ist verderbt.
132 rāmāṅgulastu deśinyāḥ kaṇṭhābhyāse karā * * |
* vā vyasta grato'nyāso māya 8 bhoga paricyutam ||
Für die zweite Zehe werden drei Fingerbreiten genannt; weitere Maße folgen [Textlücken]. Eine Acht steht in der Überlieferung, lässt sich aber nicht sicher zuordnen.
133 mūla nimnaṃ na svaṅkuryāt kiñcidagre samunnatam |
punnārī lakṣaṇaṃ proktaṃ lesānnamuci sūdana ||
Die Nägel sollen an der Wurzel tiefer und an der Spitze etwas erhöht sein. Damit sind die Körpermerkmale in Kürze gelehrt, Besieger des Namuchi.
134 adhunāsaṃpravakṣyāmi yathāmānaṃ bhavestriyaḥ |
nāryaṣṭa tālikā tanvī netra śroṇīstanādhikā ||
Nun erkläre ich die Maße der weiblichen Gestalt: Sie ist acht Tala hoch, schlank und an Augen, Hüften und Brüsten stärker ausgebildet.
135 bhruvau yavādhikā nāsā yavahīnā samucchrayāt |
dasrāṅgula * * * rghyataccyutaṃ vistareṇa tu ||
Die Brauen sind ein Gerstenkorn länger, die Nase in ihrer Erhebung eines kürzer. Die anschließenden Längen- und Breitenmaße sind lückenhaft.
136 tena hīnau subhāvaṅgau syātāṃ nabhrau mano ramau |
grīvāmaṣṭa yavairhīnāṃ tiryakkṛtvaurddhato nyaset ||
Die betreffenden Glieder sollen schön und anmutig sein. Der Hals wird in seiner Breite um acht Gerstenkörner vermindert und entsprechend aufgerichtet. Die erste Aussage ist verderbt.
137 evamakṣāṅgulairdairghya vistṛtā karaṇāṅgulaiḥ |
dvandva golakamādāya pravāhubhyāṃ śatakrato ||
Weitere Längen und Breiten werden in Fingerbreiten bemessen; an den Unterarmen werden zwei Golaka abgenommen. Die vorausgehenden Zahlen sind unsicher.
138 ūrū jānuka piṇḍīṣu dadyādarddhārddhamaṅgulam |
uccaistve pādayordadyāt pādau samatalau punaḥ ||
Oberschenkel, Knie und Waden erhalten jeweils eine halbe Fingerbreite zusätzlich. Die Füße werden in der Höhe angepasst und stehen gleichmäßig auf.
139 caturaṅgulamādāya vāhvāyāmādvivarddhitau |
pīnau vṛttau sphicau kāryā vaṅgulī mānamucyate ||
Von der Armlänge nimmt man vier Fingerbreiten ab; die Gesäßhälften werden voll und rund gebildet. Nun folgen die Fingermaße. Der erste Satzanschluss ist unsicher.
140 nāgāṃśaṃ svasvamādāya vistāreṇorddhato nyaset |
* * kūrmonnatañcaiva bhagaṃ kuryāt sa lakṣaṇam ||
Von der jeweiligen Breite wird ein Achtel genommen und zur Höhe geschlagen. Die Schamgegend soll schildkrötenartig gewölbt sein [Textlücke].
141 tanmadhyatastvadho bhāge randhraṃ syāt kuñjaroṣṭhavat |
pratimai tanmānataḥ kāryā karaṇa sthānakānvitā ||
In ihrer unteren Mitte liegt eine Öffnung wie die Lippe eines Elefanten. Das Bild soll mit diesen Maßen und einer passenden Haltung und Bewegung gestaltet werden.
142 * * * * pradādhanyāsyādatonyāna śobhanā |
hīnādhikaṃ bhavellakṣya yatra yadyuktamācaret ||
[Textlücke.] Andere Formen gelten als ungünstig. Wo ein Maß zu klein oder zu groß ausfällt, soll man die jeweils angemessene Korrektur vornehmen.
143 yuktādavāpyate yasmāt pāralauhikikaṃ phalam |
sampat karīdārumayī mṛṇmayī sukhadā sadā ||
Aus der richtigen Gestaltung entsteht jenseitiger Lohn. Ein Holzbild gewährt Wohlergehen, ein Tonbild beständig Glück.
144 puṣṭipradā hemamayī dhanyāratnamayī matā |
varṇa kramācchubhāśailī kṣemyātāṃ bhramayī tathā ||
Ein Goldbild gewährt Gedeihen, ein Edelsteinbild gilt als segensreich. Steinbilder sind je nach Farbe günstig, kupferne fördern Sicherheit und Wohlergehen.
145 jayadārājatī sādhoraitīratikarī nṛṇām |
saubhāgyānnādya paśudā kāṃsyapittalasaṃbhavā ||
Silber gewährt Sieg; das als Raiti bezeichnete Material Freude. Bronze und Messing bringen Glück, Nahrung und Vieh. Raiti ist als Materialname unsicher.
146 valadāsī sa jātāsyānna kāryā loha saṃbhavā |
kṣudbhayaṃ dīrghajaṭharā dhanahāniḥ kṛśodarī ||
Blei verleiht Stärke; aus Eisen soll das Bild nicht gefertigt werden. Ein überlanger Bauch gilt als Vorzeichen von Hunger, ein zu schmaler von Vermögensverlust.
147 rogaṅkaroti hīnāṅgī dirghāṅgī ca nṛpādbhayam |
bhartāraṃ dakṣiṇanatā hanti vāmanatāstriyam ||
Zu kleine Glieder gelten als krankheitsbringend, zu lange als Ursache von Furcht vor dem König. Eine Rechtsneigung bedrohe den Hausherrn, eine Linksneigung die Frau.
148 karoti sa kṣatā mṛtyuṃ sa garbhā rugbhayaṃ nṛpa |
ūrdhva dṛṣṭistathā vyādhirmadho dṛṣṭirjanakṣayam ||
Verletzungen am Bild gelten als Todeszeichen, innere Fehlstellen als Krankheit und Furcht. Ein aufwärts gerichteter Blick bringe Krankheit, ein abwärts gerichteter Menschenverlust.
149 nimnonnatoṣṭhī kalahaṃ mukharogaṃ mahāmukhī |
netrahīnā tu vaikalyamavaktrāvaktraśoṇitam ||
Ungleich hohe Lippen bedeuten Streit, ein übergroßer Mund Mundkrankheit. Fehlende Augen bedeuten Gebrechen; ein fehlendes Gesicht Blut aus dem Mund.
150 vadhiratvamakarṇā tu hīnāṅgā ca yaśaḥ kṣayam |
hīnāsyā śilpinaṃ hanti raudrāṅgī svāminantathā ||
Fehlende Ohren bedeuten Taubheit, unvollständige Glieder Verlust des Ansehens. Ein mangelhaftes Gesicht bedrohe den Handwerker, eine schreckliche Gestalt den Auftraggeber.
151 hīna pādakarā nityaṃ vālānāñca vināśanī |
hīnajaṃghā ca jāpāghnī jānu hīnāri varddhanī ||
Fehlende Hände und Füße gelten als verderblich für Kinder; fehlende Unterschenkel für die Nachkommenschaft, fehlende Knie als Stärkung der Feinde. Die Lesart zur Nachkommenschaft ist unsicher.
152 satrāsākṣi bhayaṅkuryāt sa rekhā sarpasaṃbhavam |
kaṭihīnā paśuṃ hanti nṛpaṃ hanti mahābhujā ||
Angstvolle Augen erzeugen Furcht, Streifen kündigen Schlangen an. Eine fehlende Hüfte bedrohe das Vieh, übergroße Arme den König.
153 sa vindukā sadonmādaṃ kurute nātra saṃśayaḥ |
puruhūta samākhyātā doṣāstvete samāsataḥ ||
Flecken gelten als Ursache von Wahnsinn. Damit sind diese Fehler kurz beschrieben, vielangerufener Indra. Dies sind traditionelle Vorzeichenlehren, keine medizinischen Aussagen.
Shiva und weitere Gottheitsgestalten

154 mūrtibheda mato vakṣe yānāstrādi vibhedataḥ |
sa deśānaḥ sarojastho digvāhu sthiti locanaḥ ||
Nun erkläre ich die verschiedenen Gottheitsgestalten nach Reittieren und Waffen. Sadeshana sitzt auf einem Lotus, mit zehn Armen und den vorgeschriebenen Augen. Name und Augenangabe sind unsicher; gemeint ist eine fünfgesichtige Shivaform.
155 pañcavaktro himābhaśca hārakuṇḍalamaṇḍitaḥ |
khaṭvāṅgamutpalannāgamabhayaṃ vījapūrakam ||
Er hat fünf Gesichter, ist schneeweiß und mit Halsketten und Ohrringen geschmückt. Khatvanga, Lotus, Schlange, Schutzgeste und Zitronenfrucht gehören zu seinen Attributen.
156 āyudhaṃgama hastasya dakṣiṇet vadhunā śṛṇu |
varadaṃ śaktiśūlañca sūtraṃ ḍamarūkantathā ||
Höre nun die Waffen der anderen Handreihe: Wunschgewährung, Speer, Dreizack, Gebetskette und Trommel. Die Seitenzuordnung ist verderbt.
157 sa deśānaḥ samākhyāto hyarddha nārīśvaraṃ śṛṇu |
arddhanārīśvaraḥ kāryo hyarddhārddha kṛti lakṣitaḥ ||
Damit ist Sadeshana beschrieben. Höre nun Ardhanarishvara: Er soll so gestaltet werden, dass jede Hälfte ihre besonderen Merkmale trägt.
158 arddhamindu jaṭābhāramarddhasatilakālakam |
kuṇḍalaṃ dakṣiṇe karṇe vāmesyā vāli kādikam ||
Die eine Hälfte trägt Mondsichel und verfilztes Haar, die andere Tilaka und Locken. Rechts befindet sich ein männlicher Ohrring, links weiblicher Ohrschmuck.
159 grīvāvyālārddha hārāṅgīstanamekañca vāmataḥ |
kapālandakṣiṇe haste vāme caivotpalannyaset ||
Am Hals liegen halb Schlange, halb Halskette; links befindet sich eine Brust. Die rechte Hand trägt eine Schädelschale, die linke einen Lotus.
160 arddhanārīśvaraḥ khyāta umeśaḥ kathyate dhunā |
umeśāvupaviṣṭhāṅgau puṃstrī rūpau śataktato ||
Ardhanarishvara ist beschrieben. Nun werden Uma und Isha als sitzendes Paar in männlicher und weiblicher Gestalt gelehrt.
161 soragendra jaṭābhāra dharastryakṣo haraḥ param |
grīvā sābhararagā kāryā karārgai kuṇḍala maṇḍitau ||
Hara trägt aufgebundenes Haar mit dem Schlangenkönig und hat drei Augen. Hals und Ohren werden mit Schmuck ausgestattet.
162 dvibhujaḥ sopavītāṅga arddhavīrāsana sthitaḥ |
vāmorusaṃsthitā gaurīmukhāloka na tatparā ||
Er ist zweiarmig, trägt die heilige Schnur und sitzt in halber Heldenhaltung. Gauri sitzt auf seinem linken Oberschenkel und blickt ihm ins Gesicht.
163 vāma vāhūpa gūḍhāṅgī lalāṭatilakojvalā |
kartavyaḥ keśa vinyāsaḥ subandhaḥ kusumāvilaḥ ||
Sein linker Arm umfasst ihren Körper; auf ihrer Stirn strahlt das Tilaka. Ihr Haar ist schön gebunden und mit Blumen geschmückt.
164 karṇau sābharaṇau kāryau pādau nūpura maṇḍitau |
darśayed dakṣiṇandevyā deva skandhe bhujaṃ hare ||
Ihre Ohren tragen Schmuck, ihre Füße Fußringe. Ihr rechter Arm ruht auf der Schulter des Gottes.
165 vāme ca darpaṇandadyāt kaṭyāṃ sūtraṃ samekhalam |
devahastaṃ punardakṣandevī civuke niveśayet ||
In ihre linke Hand gebe man einen Spiegel, um ihre Hüften Schnur und Gürtel. Die rechte Hand des Gottes ruht am Kinn der Göttin.
166 sunāsikā suvadanāsu netrīsu payodharā |
suvāhu latikā bhadrā keyūra kaṭakāṅkitā ||
Sie besitzt eine schöne Nase, ein schönes Gesicht, schöne Augen und volle Brüste; ihre anmutigen Arme tragen Armreifen und Oberarmschmuck.
167 umeśvara samākhyāto hara nārāyaṇaṃ śṛṇu |
haranārāyaṇaṃ rūpañjaṭā keśārddha mastakam ||
Damit ist Umeshvara beschrieben. Höre Hara-Narayana: Sein Kopf trägt zur Hälfte verfilztes Haar, zur Hälfte die Haartracht Vishnus.
168 lalāṭe cārddha nayanaṃ mudrā kuṇḍala maṇḍitam |
caturbhujaḥ samākhyāto haranārāyaṇastava ||
Auf der Stirn befindet sich ein halbes zusätzliches Auge; die Ohren tragen entsprechenden Schmuck. Hara-Narayana wird vierarmig dargestellt.
169 kapālakhaḍgakhaṭvāṅga cakraṃ syādvāmadakṣayoḥ |
vṛṣaṃ tārkṣyo tathā bhavyā śrīrdakṣiṇottarasthitā ||
Schädelschale, Schwert, Khatvanga und Diskus verteilen sich auf die Hände. Stier und Garuda sowie Bhavya und Shri stehen entsprechend rechts und links.
170 haranārāyaṇaḥ khyāto nṛtyeśaṃ kathyate dhunā |
nṛtya rudraṃ prakurvīta candrārddha kṛta mastakam ||
Hara-Narayana ist beschrieben. Nun folgt der Herr des Tanzes: Der tanzende Rudra trägt eine Mondsichel auf dem Kopf.
171 vaiśākha sthānakandharannāga yajñopavītinam |
saumyānanaṃ jaṭājūṭa dhāriṇaṃ vyāla mekhalam ||
Er steht in Vaishakha-Stellung, trägt eine Schlange als heilige Schnur, hat ein freundliches Gesicht, hochgebundenes Haar und einen Schlangengürtel.
172 pīnavakṣorujaghanaṃ sarvalakṣaṇasaṃyutam |
dvipi carmadharaṃ sādho vṛṣārūḍhaṃ smitānanam ||
Brust, Oberschenkel und Hüften sind kräftig, alle Merkmale vollständig. Er trägt Elefantenhaut, erscheint auf dem Stier und lächelt.
173 subhavyaṃ ṣoḍaśa bhujaṃ kuryād vā dvibhujaṃ śubham |
veṇūvīṇā mṛdaṅgādi vādyasaṃghopaśobhitam ||
Man gestalte ihn schön mit sechzehn Armen oder mit zwei, umgeben von Flöten, Vinas, Trommeln und anderen Instrumenten.
174 vāmaṃ prasārita bhujaṃ dvitīyamabhayapradam |
akṣasūtreṣu daṇḍāsi śūlaśakti varaṅkaraiḥ ||
Ein linker Arm ist ausgestreckt, ein anderer gewährt Furchtlosigkeit. Die Hände tragen Gebetskette, Pfeil, Stab, Schwert, Dreizack und Speer oder zeigen die Wunschgewährung.
175 kapālapāśakhaṭvāṅga kheṭacarmāṅkuśānvitam |
ekañcāpadharaṃ tadvatsusāritamathottaram ||
Hinzu kommen Schädelschale, Schlinge, Khatvanga, Schild, Fell und Elefantenhaken. Eine Hand trägt den Bogen, eine weitere ist ausgestreckt.
176 bhavyā brahmāhariskando nandī kālādayaścaye |
vīkṣyamāṇāḥ śivaṃ nṛtyaṃ bhṛṅgī kāryogrataḥ sthitaḥ ||
Bhavya, Brahma, Hari, Skanda, Nandi, Kala und andere betrachten Shivas Tanz; Bhringi steht vor ihm.
177 mālākhaḍgabhṛto ye tu siddhā yakṣādayastathā |
bāhyasthācca prakartavyā nṛtyeśaḥ kathitastava ||
Siddhas, Yakshas und weitere Wesen mit Girlanden und Schwertern stehen außen. Damit ist der Herr des Tanzes beschrieben.
178 tridhā viṣṇuṃ pravakṣyāmi vāsudevaṃ dvivāhukaṃ |
procyate lakṣaṇantasya samāse naiva suvrata ||
Nun erkläre ich Vishnu in drei Formen, darunter den zweiarmigen Vasudeva. Höre seine Merkmale in Kürze, du Gelübdetreuer.
179 sunāsasu kapolañca sa ratna mukuṭojvalam |
lalāṭa tilakopetaṃ śyāmaṃ pītāmbaraṃ hare ||
Seine Nase und Wangen sind schön, seine Edelsteinkrone strahlt. Er trägt ein Stirnzeichen, ist dunkel und in Gelb gekleidet.
180 gadā khaḍgāmvujaṃ dakṣe syāt turyaḥ śāntidaḥ karaḥ |
śaṅkha cakra dhanuḥ kheṭa vāme cāṣṭa bhuje harau ||
Beim achtarmigen Hari tragen die rechten Hände Keule, Schwert und Lotus; die vierte schenkt Frieden. Links befinden sich Muschel, Diskus, Bogen und Schild.
181 śaṅkha cakraṃ pradātavyaṃ vāmahaste caturbhuje |
dakṣiṇe tu kare padmaṃ gadā trailokya tarjanī ||
Beim vierarmigen Vishnu gebe man Muschel und Diskus in die linken Hände, Lotus und die die drei Welten bedrohende Keule in die rechten.
182 dvibhuje śaṅkha bhṛdvāme dakṣiṇaḥ śāntidaḥ karaḥ |
viṣṇureya samākhyāto brahmāṇamadhunā śṛṇu ||
Beim zweiarmigen trägt die linke Hand die Muschel, die rechte gewährt Frieden. Vishnu ist beschrieben; höre nun Brahma.
183 pitāmahaścaturvaktro lambakūrcaścaturbhujaḥ |
āpiṅgala jaṭābandha haṃsastho paṃkajāsanaḥ ||
Der Urvater hat vier Gesichter, einen langen Bart und vier Arme. Sein Haar ist rötlichbraun aufgebunden; er erscheint beim Schwan auf einem Lotussitz.
184 dakṣiṇe ca bhuje tasya daṇḍaḥ syādakṣasūtrakam |
kamaṇḍaluṃ kare vāme varhirājyādikantathā ||
Rechts trägt er Stab und Gebetskette, links Wassergefäß und die Geräte oder Stoffe des Opfers, darunter Opfergras und Butter.
185 sāvitrī dakṣiṇe kāryā vāme caiva sarasvatī |
iti brahmāsamākhyātaḥ kathyate te divākaraḥ ||
Rechts ist Savitri darzustellen, links Sarasvati. Damit ist Brahma beschrieben; nun folgt der Sonnengott.
186 ekacakro rataḥ saptaturagoruṇa sārathiḥ |
tatrastho bhāskaro devo maṇi kuṇḍalamaṇḍitaḥ ||
Sein Wagen besitzt ein Rad und sieben Pferde, Aruna lenkt ihn. Darauf steht der Sonnengott, mit Edelstein-Ohrringen geschmückt.
187 trapūṣāṅghri suraktāṅgaḥ sarvāṅga kavacā vṛtaḥ |
sukeśo vā kirīṭī vā trinetro vā dvinetrakaḥ ||
Sein Körper ist tiefrot und vollständig gepanzert; die Füße tragen besondere Bekleidung. Er hat schönes Haar oder eine Krone und drei oder zwei Augen. Der Ausdruck zur Fußbekleidung ist unsicher.
188 sa patra nālapadmau ca karābhyāṃ skandhayorvahan |
pārśve pratīhāra yutaḥ strībhiragne vibhūṣitaḥ ||
In beiden Händen hält er langstielige, beblätterte Lotusse bis zu den Schultern. Seitlich stehen Wächter, vorn weibliche Begleitgestalten.
189 sākṣasūtraṃ sitaṃ somaṃ surūpaṃ sa kamaṇḍalum |
raktākṣaṃ raktavarṇañca kujaṃ śaktyakṣamālinam ||
Soma ist weiß, schön und trägt Gebetskette und Wassergefäß. Mars ist rot, rotäugig und trägt Speer und Gebetskette.
190 budhañcāpadharaṃ pītaṃ rūpāḍhyaṃ śānta locanam |
vṛddhākāraṅguruṅgauraṃ sākṣasūtra kamaṇḍalum ||
Merkur ist gelb, schön, ruhig blickend und trägt einen Bogen. Jupiter erscheint als heller alter Mann mit Gebetskette und Wassergefäß.
191 dakṣaikākṣaṃ sitaṃ śukraṃ kuṇḍikā japamālinam |
bhānuputramadho dṛṣṭiṃ vakra pādaṃ subhīṣaṇam ||
Venus ist weiß, nur rechtsäugig, mit Wasserkrug und Gebetskette. Der Sonnensohn Saturn blickt nach unten, hat krumme Füße und erscheint furchterregend.
192 krūraṃ mahābhujañcaiva khiṅkhirī japamālinam |
rāhuṃ vyāttānanaṃ ghoraṃ kṛṣṇamarddhāṅga bhūṣaṇam ||
Er ist grimmig, großarmig und trägt Khinkhiri und Gebetskette. Rahu ist schwarz und schrecklich, mit geöffnetem Rachen und einem halben Körper.
193 arddhacandradharaṃ sādho kathitaṃ rāhurūpakam |
tribhoga bhūṣitaṃ dhūmrannara nāgārddha rūpiṇam ||
Rahu trägt eine Mondsichel. Ketu ist rauchfarben, mit drei Windungen geschmückt, halb Mensch und halb Schlange.
194 khaḍgakheṭadharaṃ ketuṃ kuryādvātha kṛtāñjalim |
heramvo vāmanākāro hasti vaktratvadantabhṛt ||
Ketu trägt Schwert und Schild oder hält die Hände zum Gruß zusammen. Heramba erscheint zwerggestaltig, mit Elefantengesicht und einem Stoßzahn. Die Zahnangabe ist orthographisch unsicher.
195 mahodaro mahākāyaḥ sālaṅkāraścaturbhujaḥ |
sarpayajñopavītī ca tryakṣaḥ khaṇḍendu śekharaḥ ||
Er besitzt einen großen Bauch und Körper, trägt Schmuck und hat vier Arme, eine Schlange als heilige Schnur, drei Augen und die Mondsichel als Kopfschmuck.
196 purandarāṅgula vistāraṃ dairghyādbhūyāṅgulaṃ bhavet |
tasyāsyaṃ vasuvistīrṇaṅgrivā syāttryaṅgulocchrayā ||
Für seine Körperbreite und -länge gelten besondere Fingerbreitenmaße. Das Gesicht ist acht Fingerbreiten breit, der Hals drei hoch. Die ersten Maßzahlen sind verderbt.
197 rasarāmāṅgulaṃ śuṇḍaṃ mūlantasyadigaṅgulam |
ante kṛtāṅgulaṃ yāvanmadhye sūtrānuyā tataḥ ||
Der Rüssel wird mit sechsunddreißig Fingerbreiten bemessen, an der Wurzel mit zehn und an der Spitze mit vier; die Mitte folgt der Verbindungslinie.
198 sa randhrādvyaṅgulā nābhirvyāsānmāsāṅgulau tataḥ |
ādau samunnatau vānte kuṃbho niviḍamastakaḥ ||
Der Nabel wird von seiner Vertiefung aus mit zwei Fingerbreiten bestimmt; weitere Breitenmaße folgen. Die Stirnwölbungen sollen hervortreten, der Kopf kräftig sein. Die Maßbezüge sind unsicher.
199 nandanandāṅgulau kuṃbhau tanmadhye sūtramānataḥ |
dantakośo bhavet tasya ghrāṇaṃ sārddhāṅgulaṃvilam ||
Die beiden Stirnwölbungen messen je neun Fingerbreiten; dazwischen liegt die Messlinie. Die Zahnregion wird bestimmt, die Nasenöffnung mit eineinhalb Fingerbreiten.
200 karṇau dṛganta vistīrṇau vāhulye nāṅgulau matau |
sarvāvayavasampūrṇa sarvaśobhāsamanvitaḥ ||
Die Ohren reichen in ihrer Breite bis zur Augenlinie und sind eine Fingerbreite dick. Die Gestalt besitzt sämtliche Glieder und jede Schönheit.
201 gaṇādhipaḥ samākhyātaḥ śarajanmānigadyate |
rasavaktraḥ śiśurveśaḥ syāt keśavā 12 kṣastathā bhujaḥ ||
Der Herr der Scharen ist beschrieben. Nun folgt der im Schilf Geborene, Skanda: mit sechs Gesichtern, kindlicher Gestalt, zwölf Augen und zwölf Armen.
202 śaktighaṇṭā patākābja pāśa kukkuṭadaṇḍakān |
varābhayaṃ dhanurvāṇaṃ paraśuṃ tatkare nyaset ||
In seine Hände lege man Speer, Glocke, Banner, Lotus, Schlinge, Hahn, Stab, Wunschgewährung, Schutzgeste, Bogen, Pfeil und Axt.
203 caturbhujaṃ dvivāhumvā kārayecchikhivāhanam |
tryakṣo jaṭānvito nandī śruti vāhuryuvā smṛtaḥ ||
Oder man stelle ihn vier- oder zweiarmig auf dem Pfau dar. Nandi gilt als jung, dreiäugig, mit verfilztem Haar und vier Armen.
204 śūlasūtradharaḥ kāryo varābhayasamanvitaḥ |
muṇḍamālī viśālākṣyaḥ śruti vāhurmahodaraḥ ||
Nandi trägt Dreizack und Gebetskette und zeigt Wunschgewährung und Furchtlosigkeit. Die nächste Gestalt trägt eine Schädelgirlande, hat große Augen, vier Arme und einen großen Bauch.
205 trinetraḥ pītakṛṣṇāṅgo vakraśmaśruśiroruhaḥ |
muṇḍakhaḍgau nyased dakṣe vāme kheṭa triśūlakam ||
Sie ist dreiäugig, gelbschwarz, mit gekräuseltem Bart und Haar. Rechts trägt sie Schädel und Schwert, links Schild und Dreizack.
206 mahākālaḥ samākhyātaḥ śṛṇvaparṇāṃ purandara |
kanyārūpātva parṇā ca bhūtā tapa parigrahā ||
Dies ist Mahakala. Höre nun Aparna: Sie erscheint als junges Mädchen, das sich der Askese hingibt. Die besondere Askeseform ist verderbt bezeichnet.
207 caturvāhustaponiṣṭhā dhyāyamānā maheśvaram |
daṇḍaṅkuṇḍī nyased vāme dakṣe sūtra varantathā ||
Vierarmig und in Askese gefestigt meditiert sie über Maheshvara. Links trägt sie Stab und Wassergefäß, rechts Gebetskette und Wunschgewährung.
208 tapo gaurī samākhyātā vacmi durgānta vā dhunā |
kuryād durgāṃ prasannāsyāṃ digbhujāṃ sāralocanām ||
Damit ist die asketische Gauri beschrieben. Nun lehre ich Durga: mit heiterem Gesicht, zehn Armen und den vorgeschriebenen Augen. Die Augenangabe ist unsicher.
209 sukeśa pāśa vinyāsāṃ pīnonnatapayodharām |
sarvalakṣaṇasampannāṃ sarvābharaṇabhūṣitām ||
Ihr Haar ist schön angeordnet, ihre Brüste voll und erhoben. Sie besitzt alle glückverheißenden Merkmale und trägt jeden Schmuck.
210 sa nūpura padākrānta talastha mahiṣāsurām |
tacchīrṣaccedanotpannāṃ sa khaḍganara bhedinīm ||
Mit dem fußringgeschmückten Fuß tritt sie auf den Büffeldämon und durchbohrt die schwerttragende Menschengestalt, die aus seinem abgeschlagenen Kopf hervortritt.
211 śūlacchedocchaladrakta dhārokṣita dharātalām |
triśūlamāśugaṃ khaḍgaṃ śaktiñcakraṃ śatakrato ||
Vom Dreizack verwundet, ergießt er Blut auf die Erde. Dreizack, Pfeil, Schwert, Speer und Diskus …
212 ṭaṅkapāśāṅkuśaṃ kheṭamānatajyandhanustathā |
savyāsavye kare devyā nyased etat sadā yudham ||
… Meißel oder Beil, Schlinge, Elefantenhaken, Schild und gespannter Bogen werden in die rechten und linken Hände der Göttin gelegt.
213 iti durgā sahasrākṣa kathyate te sarasvatī |
śubhapadma sthitā śubhrā śubhrabhūṣaṇabhūṣitā ||
Damit ist Durga beschrieben, Tausendäugiger. Nun Sarasvati: weiß, auf einem schönen Lotus stehend oder sitzend, mit weißem Schmuck geschmückt.
214 suprastākṣa karamāstā vīṇābhṛtsyāt sarasvatī |
anye ye vahavo bhedā mūrtīnāntu śatakrato ||
Sarasvati trägt die Vina in wohlgeordneten Händen. Darüber hinaus gibt es viele andere Formen der Gottheitsbilder, Shatakratu. Die Handbeschreibung ist verderbt.
215 samyaktā na yojayejjñātvā sthānamānādi bhedataḥ |
samāsena samuddiṣṭaṃ pratimā lakṣaṇaṃ mayā ||
Man soll sie entsprechend ihren jeweiligen Haltungen und Maßen sachgerecht gestalten. Damit habe ich die Merkmale der Götterbilder kurz erläutert.
216 punaḥ saṃkṣepato vakṣye piṇḍikāyāśca vartanām |
iti mohacūrottare vyaktaliṅga prakhyāne dvitīyaḥ paṭalaḥ ||
Nun erkläre ich kurz die Gestaltung des Sockels. So endet das zweite Kapitel des Mohacurottara über das figürlich ausgeformte Lingam.
Kapitel 3: Sockel und tragende Kraft
Ergänzend zur Betrachtung der Shakti: ein heutiger Vortrag über die kosmische Kraft. Seine Kundalini-Darstellung ist keine wörtliche Lehre des Mohacurottara.
217 yayāvyā mohitaṃ sarvaṃ jagatsthāvarajaṅgaman |
śaktikriyā hvayāśakra piṇḍikā saiva kīrtitā ||
Die Kraft, durch die die ganze bewegliche und unbewegliche Welt bezaubert wird, heißt wirkende Shakti; eben sie wird als Pindika, als Lingamsockel, bezeichnet.
218 jñātvā tasmāt paraṃ pīṭhaṃ dehasthaṃ susamāhitaḥ |
aparaṃ vartaye saścānnāmamānādi bhedataḥ ||
Darum erkenne zuerst gesammelt den höchsten, im eigenen Körper befindlichen Sitz. Danach gestalte den äußeren nach seinen unterschiedlichen Namen und Maßen.
219 vidhinā sthāpitaṃ liṅgaṃ piṇḍikā rahitaṃ yadā |
tadā pūjānna gṛhṇāti sānnidhyannaiva gacchati ||
Ist ein Lingam zwar vorschriftsmäßig eingesetzt, aber ohne Sockel, nimmt es die Verehrung nicht an, und die göttliche Gegenwart stellt sich nicht ein.
220 tasmāt pīṭhaṃ prakartavyaṃ yatnamāsthāya suvrata |
yena sarvaphalāvāptirjāyate sādhakasya tu ||
Darum soll man den Sockel mit Sorgfalt herstellen, du Gelübdetreuer; durch ihn erlangt der Übende alle Früchte.
221 sthūlatāṃ piṇḍikāyāśca tyāgamaṣṭāmra kasya tu |
ātmabhūtāgaveśañca jñātvā pīṭhaṃ prakalpayet ||
Bei der Gestaltung berücksichtige man Stärke, Aussparung und Einlassung des Sockels. Die technische Maßvorschrift ist stark verderbt und nicht genauer übersetzbar.
222 vyaktāvyakte ca suvyakte avyakte pāṃkaśāsana |
yathā teṣāṃ bhavet pīṭhaṃ tathā te kathyate dhunā ||
Nun erkläre ich, welcher Sockel zu den zugleich gestalteten und ungestalteten, zu den figürlichen und zu den gestaltlosen Formen gehört.
223 liṅgadairghyeṇa vistīrṇaṃ haribhāgānta mucchritam |
avyakte mukhaliṅge ca pīṭhamānamudāhṛtam ||
Bei gestaltlosen und gesichtstragenden Lingams ist der Sockel so breit wie die Lingamlänge und reicht in der Höhe bis zum Ende des Vishnu-Anteils.
224 svāyāmena bhavet pīṭhantadarddhādvismṛtaṃ matam |
ucchritiḥ pūrvamākhyātā suvyakte pīṭha kalpanā ||
Beim figürlichen Bild richtet sich die Sockellänge nach dessen eigenem Maß; die Breite beträgt die Hälfte. Die Höhe wurde bereits genannt.
225 pīṭha vyāsa caturthāṃśa praṇālaṃ vāhyanirgatam |
mūle tanmāna vistīrṇaṃ kuryādagre tadarddhataḥ ||
Die Abflussrinne ragt um ein Viertel der Sockelbreite heraus. An der Wurzel ist sie ebenso breit, an der Spitze halb so breit.
226 vistarasya tribhāgena toya mārga prakalpayet |
kuśasvabhrānvitā kāryā piṇḍikā lakṣaṇānvitā ||
Ein Drittel ihrer Breite bildet den Wasserkanal. Der Sockel erhält die vorgeschriebenen Einfassungen und Vertiefungen. Der technische Ausdruck kuśa bleibt unsicher.
227 piṇḍikāpārddha vāhulyaṃ kuśadairghyaṃ purandara |
kuśa vāhulyarūpeṇa pīṭhe svabhraṃ prakalpayet ||
Für die Länge der Einfassung wird die halbe Sockelstärke genannt; entsprechend ihrer Stärke wird die Vertiefung ausgebildet. Die Lesart ist unsicher.
228 mohacūrottare śāstre piṇḍikā vasusaṃkhyayā |
tāsānnāmāni kathyante sāṃpratante śacīpate ||
Im Mohacurottara werden acht Sockelarten gelehrt. Höre nun ihre Namen, Herr der Shachi.
229 prathamā kamalā tatra dvitīyā ca payodharā |
tṛtīyā ca bhaved vāpī caturthī vajrasaṃjñitā ||
Die erste heißt Kamala, die zweite Payodhara, die dritte Vapi und die vierte Vajra.
230 candrākhyā pañcamīkhyātā ṣaṣṭhī caivāmṛtā bhavet |
samvartā saptamī śakra nandikākhyā tu cāṣṭamī ||
Die fünfte heißt Chandra, die sechste Amrita, die siebte Samvarta und die achte Nandika.
231 liṅgadairghyasya sūryāṃśaṃ mekhalārthaṃ prakalpayet |
liṅgāśrayaśca sūryāṃśaṃ śeṣaṃ paścād vivartayet ||
Ein Zwölftel der Lingamlänge ist für den umlaufenden Rand bestimmt, ein weiteres Zwölftel für die Lingamauflage; den Rest gestalte man danach.
232 bhūtendu bhājite kṣetre pādapadmantathāmvujam |
karṇikā kaṇṭhadeśañca vartayet susamāhitaḥ ||
Die Fläche wird in fünfzehn Teile gegliedert; Fußlotus, Lotus, Mittelstück und Hals werden sorgfältig ausgearbeitet.
233 rūpavedakare candre rāma bhāgairyathā kramam |
candradvandvābdairjalaje tulye pūrvā pare hite ||
Die einzelnen Glieder erhalten der Reihe nach die angegebenen Teilmaße; die vorderen und hinteren Lotuspartien sind gleich. Die Zahlenfolge ist verderbt und nicht belastbar auflösbar.
234 jayā siddhā surā daityā munayo vītamatsarāḥ |
eṣāṃ padmeti vikhyātā mahāsiddhi nidhānabhūḥ ||
Götter, Daityas und missgunstfreie Weise erlangten dadurch Sieg und Vollendung. Dieser Padma genannte Sockel ist ein Ort großer Vollkommenheit.
235 bhūpāṃśe * ya koṇāgni kṣmāgni bhāgairyathā kramam |
yojagatkumbhavedyaḥ syāt kaṇṭho rūpāṃśaveśataḥ ||
Die Glieder Jagati, Kumbha und Vedi werden nach den genannten Anteilen angeordnet; der Hals tritt um einen Teil zurück. Die Maßreihe enthält eine Lücke.
236 śruti paṭṭīpayodhātryā vāpyāścaiva purandara |
purandara * * dāsā vāpī jñeyā tadā yatā ||
Payodhara erhält vier Leisten; es folgt Vapi, dessen längliche Form beschrieben wird. Die dazwischenstehende Maßvorschrift ist lückenhaft.
237 bhānubhakte ca pīṭhārddhe kṣmāgni dvikṣānti yugmakaiḥ |
pādorjagatī ghaṭo vedī grīvāsyādekaveśataḥ ||
Die halbe Sockelhöhe wird in zwölf Teile gegliedert und auf Fuß, Terrasse, Krugform und Altarleiste verteilt; der Hals tritt um einen Teil ein. Die Teilfolge ist nicht vollständig klar.
238 ekenottara vedī ca bhāgābhyāṃ paṭṭike nṛpa |
vajrāmevaṃ vijānīyāt putrarājya pradāyinī ||
Die obere Altarleiste erhält einen Teil, zwei weitere Leisten erhalten zwei. So erkennt man Vajra, der Nachkommenschaft und Königsherrschaft gewährt.
239 nāgāṃśabhājitotsedhe rūpamātrābda netrakaiḥ |
aṅghrijaṅghā tathā dhāraḥ kaṇṭhaścaivorddha paṭṭike ||
Bei achtgeteilter Höhe werden Fuß, Schaft, tragendes Glied, Hals und obere Leiste nach den angegebenen Anteilen gestaltet. Die Zahlenfolge ist unsicher.
240 śāntipuṣṭi pradādhanyā sarvasiddhi pradāyinī |
eṣā candrakalā sāmriścyutāpaścāmṛtā matā ||
Diese Chandraform schenkt Frieden, Gedeihen und alle Vollendung. Durch eine Veränderung an ihr entsteht die Amritaform. Die genaue Veränderung ist verderbt bezeichnet.
241 ṣaḍbhāgabhājite kṣetre jaṅghā kumbhorddha paṭṭikā |
kaṇṭhopakaṇṭha paṭṭaḥ syāt saṃvartā piṇḍikā hare ||
Bei sechsteiliger Gliederung entstehen Schaft, Krugform, obere Leiste, Hals, Nebenhals und Platte: dies ist der Samvarta-Sockel.
242 aṣṭāṃ 16 śabhājitocchrāye yakṣau turaga bhājitau |
pādamārabhyagrīvāntamekaikaṃ hrāsayet padam ||
Bei sechzehngeteilter Höhe werden die beiden Seiten weiter gegliedert; vom Fuß bis zum Hals verringert sich jeder Abschnitt stufenweise. Die Unterteilung ist nicht eindeutig.
243 grīvā dvābhyāntathā jaṅghā praveśo muni saṃkhyayā |
nirgamo ṛtubhāgena yathā pīṭhānumānataḥ ||
Der Hals erhält zwei Teile; Schaft und Einzug werden mit sieben, der Vorsprung mit sechs Anteilen bemessen, jeweils entsprechend dem Sockelmaß.
244 sarvasiddhipradā bhadrā sarveṣāṃ sarvadāhitā |
nandāvartāṅkitā bhadrā nandāvarteti viśrutā ||
Der günstige Sockel gewährt alle Vollendung und dient allen zum Heil. Mit dem Nandavarta-Zeichen versehen, heißt er Nandavarta.
245 iti piṇḍīsamākhyātā vakṣye brahmaśilāntava |
brahmabhāgasamābhadrā kāryā brahmaśilā śubhā ||
Die Sockel sind beschrieben. Nun erkläre ich die Brahmashila: Dieser glückverheißende Fundamentstein soll dem Brahma-Anteil entsprechen.
246 digaṅgulairyathā vyāsādadhikā jyeṣṭhajyeṣṭhake |
ekaikāṅgulamanyeṣāṃ hrāsayet kramato hare ||
Bei der größten Ausführung überragt seine Breite diesen um zehn Fingerbreiten; bei den übrigen nimmt der Überstand jeweils um eine Fingerbreite ab.
247 tanmānāmekhalā kāryā khātaṃ mekhala yā samam |
gaṃbhīrantatsamuddiṣṭaṃ vyāsaṃ vacmi tavādhunā ||
Der Rand erhält dieses Maß, die Vertiefung dieselbe Tiefe wie der Rand. Nun erkläre ich ihre Breite.
248 brahmavyāsena vistīrṇamadhikaṃ ṣaḍyavaṃ vahiḥ |
yavārddhārddhantu cānyeṣāṃ hrāsayet kramataḥ punaḥ ||
Sie entspricht der Breite des Brahma-Anteils mit sechs Gerstenkörnern zusätzlichem Raum; bei den übrigen Größen nimmt dieser jeweils um ein halbes Gerstenkorn ab.
249 adhikaṃ vistareṇaiva kanyasedviyavaṃ bhavet |
sūtreṇa saṃmitaṃ kṛtvā vartayet sutalaṃ samam ||
Bei der kleinsten beträgt der zusätzliche Raum zwei Gerstenkörner. Mit der Messschnur richte man alles aus und arbeite es eben.
250 khāta madhye tu patnena ratnādhārāṇi cotkiret |
digvidikṣu tato madhye vṛttavat parikalpayet ||
In der Vertiefung schaffe man sorgfältig Edelsteinlager: in den Haupt- und Zwischenrichtungen und in der Mitte, kreisförmig angeordnet.
251 yathā brahmaśilā kāryā brahmabhāgādhikā hare |
tathā kūrma śilāṅkuryāt kintu brahmaśilādhikām ||
Wie die Brahmashila den Brahma-Anteil überragt, so soll die Kurmashila, der Schildkrötenstein, die Brahmashila überragen.
252 iti brahmaśilā caiva praṇālamadhunocyate |
sa praṇālaṃ bhavet pīṭhaṃ lauhaṃ śailañca ratnajam ||
Die Brahmashila ist erklärt; nun die Abflussrinne. Sockel aus Metall, Stein und Edelstein sollen eine Rinne besitzen.
253 pārthivaṃ dārujaṃ proktaṃ praṇāla rahitaṃ hitam |
rudrabhāgasamāyāmaḥ prānte tadarddhavistaraḥ ||
Bei Sockeln aus Erde und Holz gilt das Fehlen einer Rinne als angemessen. Die Rinne ist so lang wie der Rudra-Anteil und an der Spitze halb so breit.
254 kaṇṭhādūrddha sadāśreṣṭhaḥ svatribhāgāmbunirgamaḥ |
kaṇṭhorddha karma sampannaḥ praṇālaṃ sukhado yataḥ ||
Oberhalb des Halses angeordnet, gilt sie als günstig; ein Drittel ihrer Breite bildet den Wasseraustritt. Eine so vollendete Rinne bringt Wohlergehen.
255 tato nyūnādhikaḥ puṃsāṃ duḥkhadaḥ syācchata krato |
śrutyasāṣṭāmrakaṃ pīṭhe brahmācyuta vibhāgataḥ ||
Zu geringe oder zu große Maße gelten dagegen als leidbringend. Die folgende Vorschrift zur Aussparung zwischen Brahma- und Vishnu-Anteil ist verderbt.
256 liṅgasthaulya pramāṇena randhraṃ syāt kaśilākhavat |
vasvasañcottame liṅge dṛśyaṃ bhūta yavaṃ bhavet ||
Die Öffnung richtet sich nach der Lingamstärke. Beim größten Lingam wird ein sichtbarer Zwischenraum von fünf Gerstenkörnern genannt. Der erste Vergleich ist unklar.
257 yavārddhārddhantu cānyeṣāṃ hrāsayet kramatastataḥ |
samāsena samuddiṣṭaṃ pīṭhaṃ brahmaśilādikam ||
Bei den übrigen nimmt er jeweils um ein halbes Gerstenkorn ab. Damit sind Sockel, Brahmashila und die übrigen Teile kurz erklärt.
258 suradhāmāni kathyante bhūparīkṣādi pūrvakam |
iti mohacūrottare pīṭha brahmaśilādi prakhyāne tṛtīyaḥ paṭalaḥ ||
Nun werden die Götterhäuser gelehrt, beginnend mit der Prüfung des Bodens. So endet das dritte Kapitel des Mohacurottara über Sockel, Brahmashila und weitere Grundlagen.
Kapitel 4: Tempel, Klöster und Siedlungen
259 ataḥ paraṃ pravakṣyāmi bhūmeścaiva parigraham |
śalyoddhārādikaṃ sarvaṃ valikarma gṛhādikam ||
Nun erkläre ich die Inbesitznahme des Bodens, die Entfernung verborgener Störstoffe, die Opfergaben und die Errichtung des Heiligtums.
260 saraḥ sunalinīcchannaṃ nirastaraviraśmiṣu |
haṃsakākṣika kalhāra vīthī vimalavīciṣu ||
An Seen, deren Lotusse die Sonnenstrahlen abhalten, zwischen Wasserpflanzen, Lotusreihen und reinen Wellen …
261 haṃsakāraṇḍa vā krauñca cakra vā kavirājiṣu |
paryanta pūritacchāyā viśrānta jalavīciṣu ||
… wo Schwäne, Enten, Kraniche und Chakravakas glänzen und am schattigen Ufer die Wellen zur Ruhe kommen …
262 puṇyakṣetrādi śaileṣu nirharopānta (?) bhūmiṣu |
nadītīre taḍāge vā vāpī puṣkariṇī taṭe ||
… an heiligen Orten, auf Bergen, bei Wasserfällen, an Flussufern, Teichen, Brunnen und Lotusteichen …
263 catvare dīrghikādyāsu śṛṅgāṭe ca catuṣpathe |
ramante devatā nityaṃ vaneṣū pavaneṣu ca ||
… auf Plätzen, an langgestreckten Wasserbecken, Weggabelungen und Kreuzungen, in Wäldern und Gärten verweilen die Gottheiten gern.
264 grāmakheṭapurādau tu svāmitvaṃ yatra vidyate |
ādau parīkṣya bhūbhāgaṃ varṇināṃ śubhamicchatām ||
In Dörfern, befestigten Siedlungen und Städten, wo Eigentumsrechte bestehen, prüfe man zunächst den Baugrund für diejenigen, die Wohlergehen wünschen.
265 sitāvipre nṛpe raktā pītā vaiśyo sitetarā |
dīpakhāta jale nādau varṇānāṃ lakṣayecchubham ||
Weißer Boden gilt für Brahmanen, roter für Könige, gelber für Vaishyas, dunkler für die übrigen als geeignet. Mit Lampe, Grube und Wasser prüfe man seine Gunst.
266 pūrvaplavā nṛpasyoktā vaiśye syād dakṣiṇaplavā |
udak plavādvijātīnāṃ śūdrāṇāṃ paścima plavā ||
Nach Osten geneigter Boden gilt für Könige, nach Süden geneigter für Vaishyas, nach Norden geneigter für Zweimalgeborene, nach Westen geneigter für Shudras als geeignet.
267 pūrvottare śato nimnā sarvasādhāraṇā mahī |
uptavījā tu sañjātā tṛtīye hyuttamā mahī ||
Nach Nordosten abfallender Boden ist für alle geeignet. Keimen eingesäte Samen am dritten Tag, gilt er als vorzüglich.
268 pañcame madhyamā proktā saptame vādhamāsmṛtā |
yāmye na godhanaṃ cāpye saumye sasyaṃ harerjalam ||
Keimen sie am fünften, gilt er als mittelmäßig, am siebten als gering. Die anschließende Richtungslehre zu Vieh, Feldfrucht und Wasser ist verderbt.
269 nāti mṛddīna kaṭhinā sukhasparśā samāghanā |
snigdhā gurvī dṛkā śuddhā sugandhā doṣavarjitā ||
Der Boden sei weder zu weich noch zu hart, angenehm anzufassen, gleichmäßig dicht, geschmeidig, schwer, fest, rein, wohlriechend und fehlerfrei.
270 svāṃdūdakāna sphuṭitā surūpāti manoharā |
sa garbhā soṣarāchidrā sa satvā ca sa śoṇitā ||
Er besitze wohlschmeckendes Wasser, sei rissfrei, schön und erfreulich. Boden mit verborgenen Einschlüssen, Salzstellen, Hohlräumen, störenden Wesen oder Blutspuren …
271 pūti gandhādibhirduṣṭā jñātvā samyak tyajen mahīm |
evaṃ parīkṣya bhūbhāgaṅgā hyodoṣavivarjitaḥ ||
… sowie mit üblem Geruch und anderen Fehlern ist nach sorgfältiger Prüfung zu verwerfen. Anzunehmen ist ein fehlerfreier Baugrund.
272 sadvāratithilagnendu yutehni japamaṅgalaiḥ |
evaṃ parigrahecchakra śivakumbha bhrameṇa tu ||
An einem Tag mit günstigem Wochentag, Mondtag, Aszendenten und Mondstand nehme man ihn unter Mantrawiederholung und Segenshandlungen durch Umtragen des Shiva-Kruges in Besitz.
273 sumāṃsutakṣitāṃ kṛtvā sīmāśuddhi puraḥsarām |
tataḥ prasārayet sūtramācāryaḥ śilpibhirvṛtaḥ ||
Nach Reinigung der Grenzen und sorgfältiger Einebnung spanne der Acharya, von Handwerkern begleitet, die Messschnur.
274 udīcīṃ dhruvavedhena prācīmvā dhruvatārayā |
puṣpapauṣṇamaghāvedhādatha saṃkvādi sādhanaiḥ ||
Norden bestimme man durch den Polarstern, Osten durch Sternbeobachtung oder durch den Schattenstab und andere Messverfahren. Die Sternnamen und Zuordnungen sind teilweise unsicher.
275 evaṃ pūrvā paraṃ jñātvā madhyeṃ kaṃ pārśvayorviyat |
matimān tulya sūtreṇa yathā syād dakṣiṇottaram ||
Hat der Kundige Osten und Westen festgestellt, bestimme er mit gleich langen Schnüren die Nord-Süd-Richtung. Die Zwischenanweisung ist verderbt.
276 tatopyarddhaṃ samādāya vidikkoṇeṣu lāñchayet |
caturasrantataḥ kṛtvā navadhā vibhajet punaḥ ||
Man nehme nochmals die Hälfte, markiere die Zwischenrichtungen, bilde ein Quadrat und teile es wiederum neunfach.
277 vāyavyā nalarakṣeśa gato vaṃśau śacīpate |
rajvaṣṭakantu kartavyaṃ ṣaṭpadantripadaṃ hare ||
Die Hauptlinien laufen zwischen Nordwesten und Südosten sowie Südwesten und Nordosten. Acht Schnüre und weitere Felder werden angelegt. Die genaue Feldanordnung ist unsicher.
278 tataḥ sragvali dhūpādyaiḥ pūjayed vāstu gānsurān |
tanmadhye pūjayet pṛthvīṃ dhārikāṃ śakti rūpiṇīm ||
Dann verehre man die Gottheiten des Bauplatzes mit Girlanden, Opfergaben und Räucherwerk; in der Mitte verehre man die Erde als tragende Shakti.
279 vāstuṃ saṃpūjayet paścād brahmāṇañca śacīpate |
randhrādhipaṃ vijānīyān marīcyāghārasādhipāḥ ||
Danach verehre man Vastu und Brahma. Brahma ist Herr des mittleren Bereichs, Marichi und die weiteren Gottheiten besitzen ihre jeweiligen Felder. Eine Feldzahl ist verderbt.
280 dvipadā āpavat sādyā jñeyāścāṣṭau surādhipa |
dvātriṃśad devatā bāhye harādyāḥ padikā sthitāḥ ||
Acht Gottheiten, beginnend mit Apavatsa, besitzen je zwei Felder. Außen stehen zweiunddreißig Gottheiten, beginnend mit Hara, auf einzelnen Feldern.
281 brahmādiditiparyantāścatvāriṃśacca pañca ca |
vāstvaṅge devatānāñca saṃkhyā hyeṣā purandara ||
Von Brahma bis Diti sind es insgesamt fünfundvierzig Gottheiten am Körper des Vastu.
282 vahirīśādi ca rakādyāḥ skandāyāḥ pūrvataḥ sthitāḥ |
ityaṣṭau devatā vāhye evaṃ vāstu naraḥ sthitaḥ ||
Außerhalb stehen acht weitere Gottheiten, darunter Charaki in den Zwischenrichtungen und Skanda im Osten. So ist der Vastu-Mensch angeordnet.
283 randrādyā lokapāḥ pūjyā ye cānye tat samāśritā |
bhūta vargāśca ye tatra sragdhūpavalibhirvaraiḥ ||
Die Welthüter und alle bei ihnen weilenden Wesen verehre man mit schönen Girlanden, Räucherwerk und Opfergaben. Der erste Name ist verderbt.
284 sarva marmamayo vāstustasyāt pīḍānna kārayet |
cālayitvā yavaṃ vārddhaṃ kiñcit pūrvottarannayet ||
Der Vastu ist voller empfindlicher Punkte; man darf sie nicht verletzen. Man verschiebe die Anordnung um ein Gerstenkorn oder ein halbes leicht nach Nordosten.
285 vastau pracālite śakramarmaughaścalito bhavet |
evaṃ yat kriyate dhāmasurāṇāṃ vāstu pūrvakam ||
Durch diese Verschiebung werden auch die empfindlichen Punkte versetzt. So wird das Götterhaus auf Grundlage der Vastu-Ordnung errichtet.
286 tadiṣṭa siddhaye jñeyamanyathā tu viparyayaḥ |
śākunoktyā janoktyā vā prāṇīnāṃ sūtra laṃghane ||
Dies dient dem gewünschten Erfolg; andernfalls entsteht das Gegenteil. Durch Vogelzeichen, Äußerungen von Menschen und Tiere, die die Schnur überschreiten …
287 kaṇḍūpa nādi vijñānairjñātvā śalyaṃ samuddharet |
kaivalya jñāna sampanno jyotiḥ śāstra vidhānavit ||
… sowie durch Zeichen wie Kratzen erkenne man verborgene Störstoffe und entferne sie. Der Verantwortliche soll Befreiungswissen besitzen und die Himmelskunde kennen.
288 adhyātma jñāna kuśalaḥ śalyoddhāre labhed yaśaḥ |
jalāntaṃ karkarāntaṃ vā khanedvāroparodhataḥ ||
Wer im Wissen vom inneren Selbst kundig ist, erlangt bei dieser Bodenreinigung Ansehen. Man grabe bis zum Wasser oder bis zu festem Kiesgrund, soweit das Wasser es erlaubt.
289 karāpūraistu pāṣāṇairmṛttikāṣṭāṅgulāntaraiḥ |
tāvadā pūrayet khātaṃ yāvat pādonamāgatam ||
Die Grube fülle man mit handgroßen Steinen und dazwischen acht Fingerbreiten starken Erdschichten, bis nur noch ein Viertel des vorgesehenen Maßes fehlt.
290 bhūtalaṃ susamaṅkṛtvā sūtrayitvā yathā purā |
śilānyāsaṃ prakurvīta tāsāṃ saṃkṣepa lakṣaṇam ||
Nach Einebnung und erneutem Ausmessen vollziehe man die Grundsteinlegung. Ihre Merkmale werden nun kurz genannt.
291 caturasrā hastamātrāḥ pañcavasva"gulocchritāḥ |
paṅkajāṃkāghaṭāḥ pañcaratna madhyādi pūritāḥ ||
Die Steine sind quadratisch, eine Elle breit und fünf oder acht Fingerbreiten hoch. Fünf lotusmarkierte Krüge werden unter anderem mit Edelsteinen gefüllt. Die Höhenlesart ist unsicher.
292 pañcagavya kaṣāyādi dhautāḥ suddhāḥ suveṣṭitāḥ |
nandā bhadrā jayā riktā pūrṇākhyābhiḥ supūjitāḥ ||
Mit Panchagavya und Abkochungen gewaschen, gereinigt und umhüllt, werden die Steine unter den Namen Nanda, Bhadra, Jaya, Rikta und Purna verehrt.
293 dharādi tatva vinyastā buddhyanta padagarbhitāḥ |
tatrātma tatvaṃ mātrāntaṃ vidyā tatvaṃ manottaram ||
In ihnen werden die Prinzipien von Erde bis Buddhi und die entsprechenden Mantrawörter niedergelegt. Atmatattva reicht bis zu den subtilen Elementen, Vidyatattva schließt den Geist ein.
294 garvabuddhī tṛtīye tu tatastatvādhipābhyaset |
sa lokape śive yaṣṭe dūtāgnau saṃvibhājite ||
Ichbewusstsein und Buddhi werden dem dritten Bereich zugeordnet; danach verehre man die Herren der Prinzipien, Shiva und die Welthüter und ordne das Botenfeuer. Die Tattva-Zuordnung ist textlich unsicher.
295 tarpiteṣu ca mantreṣu samastā dhvani śodhite |
nyaste tatra śilāvrāte kuṃbhanyāsa puraḥsare ||
Nachdem die Mantras gesättigt und sämtliche Wege gereinigt sind, lege man die Steine ein, wobei die Einsetzung der Krüge vorausgeht.
296 padmaṃ vātha mahāpadmaṃ śaṅkhaṃ marakatantathā |
samudraṃ pañcamanteṣu nāmamantrairviśodhanam ||
Diese heißen Padma, Mahapadma, Shankha, Marakata und als fünfter Samudra. Ihre Reinigung erfolgt mit den jeweiligen Namensmantras.
297 pūjayitvā purā vāstuṃ madhye śaktiṃ niveśayet |
tasyopari samudrākhyaṃ pūrṇāntasyorddhato nyaset ||
Nach der Verehrung des Vastu setze man Shakti in die Mitte, darüber den Samudra-Krug und darüber den Purna-Stein.
298 vahnyādau vinyasecchaktiṃ padmādīnānniveśanam |
sthāpitavyāḥ sunandādyābhittigarbhe suniścitāḥ ||
Beginnend im Südosten setze man Shakti und die Krüge Padma und die anderen ein. Die Steine Nanda und die übrigen werden sicher im Inneren der Mauern verlegt.
299 ucchreyeṇottamaṃ pīṭhaṃ prāsādārddhena kīrtitam |
madhyamaṃ pādahīnantu uttamārddhena kanyasam ||
Der höchste Sockel beträgt in der Höhe die Hälfte des Tempelmaßes, der mittlere ein Viertel weniger, der kleinste die Hälfte des höchsten.
300 evamācinuyātpīṭhaṃ sulepasandhivarjitam |
garbhabhityādi vinyāsaṃ tadūrdhvantu śacīpate ||
So errichte man den Sockel mit gutem Mörtel und ohne offene Fugen. Darüber folgen die Anordnung von Innenraum und Mauern.
Tempelmaße und Tempelformen

301 koṇahastaṃ samārabhya koṇavṛddhyā purandara |
ṛturāmāntaparyantāḥ prāsādāgrahasaṃkhyayā ||
Die Tempelgrößen steigen in festen Ellenschritten bis sechsunddreißig an; es werden neun Größen genannt. Ausgangswert und Schrittweite sind verderbt bezeichnet.
302 kharūpādbhuta vṛddhyā vā khabhūtāntāna daiva tu |
nāgabhakte yugaiḥ pīṭhaṃ garbhaḥ kāryo divākaraiḥ ||
Eine andere Reihe beginnt bei zehn und steigt in Fünferschritten bis fünfzig. Die anschließende Teilung für Sockel und Innenraum ist nicht eindeutig lesbar.
303 bhittayo vasuvedaiśca jaṃghābhitti samocchritā |
śikharandviguṇaṅkāryaṃ śukāghrāśikharārddhagā ||
Für die Mauern werden acht und vier Anteile genannt; die Wandzone ist so hoch wie das entsprechende Mauermaß. Der Turm ist doppelt so hoch, die Shukanasa reicht bis zur halben Turmhöhe.
304 pṛthutvaṃ garbhavat kāryaṃ tṛtīyāṃśena nirgamam |
pīṭhaṃ vā liṅgamānena pīṭhārddhena paribhramaḥ ||
Ihre Breite entspricht dem Innenraum, ihr Vorsprung einem Drittel. Alternativ richtet sich der Sockel nach dem Lingam; der Umgang misst die halbe Sockelbreite.
305 pīṭhavacca smṛtaṃ dvāraṃ dvidhoccaṃ bhittayoparāḥ |
śukāghrā pūrvavajjñeyā jaṃghā śikharaṃ śatakrato ||
Die Tür entspricht dem Sockelmaß und ist doppelt so hoch; die äußeren Mauern werden entsprechend bemessen. Shukanasa, Wandzone und Turm folgen den zuvor genannten Regeln.
306 caturasre caturbhakte vedagarbhārddha pīṭhake |
liṅgaṃ pīṭhasamaṃ dvāraṃ bhittayaśca tathā vidhāḥ ||
Bei viergeteilter quadratischer Grundfläche werden Innenraum und halber Sockel bestimmt; Lingam, Sockel, Tür und Mauern stehen in den angegebenen Maßverhältnissen. Die erste Relation ist verderbt.
307 garbhavannāsikā tatra pīṭhakoṇāntaroṅgatā |
samaṇḍape sarāṃśena vedagarbhārddha nirgatā ||
Die Nasika entspricht dem Innenraum und reicht zwischen die Sockelecken. Bei einer Vorhalle tritt sie entsprechend weiter hervor. Die zusätzliche Bruchangabe ist unsicher.
308 randhrabhakte padaṃ pīṭhaṃ garbhobhityantaraṃ punaḥ |
padikā ca vahirbhittiḥ śukāghre ca padodgate ||
Bei neungeteilter Anlage erhält der Sockel ein Feld; der Innenraum liegt innerhalb der Mauern, die äußere Mauer erhält ein Feld. Auch die Shukanasas treten um ein Feld hervor.
309 hemādi ratnaliṅgānāmukto paṅguptihetutaḥ |
āsādi vāṇavṛddheṣu hastarāśau dvidhā kṛte ||
Diese Anordnung dient dem Schutz von Lingams aus Gold und Edelsteinen. Die anschließende alternative Ellenreihe mit Fünferschritten ist verderbt.
310 liṅgavat pīṭhamarddhena saikenāvaraṇatrayam |
dvyadhikena vahirbhittiḥ śukāghrādi puroditam ||
Der Sockel entspricht dem Lingam; drei Umfassungen erhalten jeweils die Hälfte mit einem Zusatzmaß, die Außenmauer mit zwei. Shukanasa und weitere Teile wie zuvor.
311 vedayugmāditaḥ kṛtvā koṇahastavivṛddhitaḥ |
rasarāmānta paryantaḥ prāsādānāmanukramāt ||
Die Tempelmaße beginnen bei acht und steigen in bestimmten Ellenschritten bis sechsunddreißig. Die Schrittweite ist nicht sicher lesbar.
312 liṅgadairghya samaṃpīṭhaṃ tatribhāgā vṛti trayam |
vahirbhittiśca pīṭhārddhaṅkararāśau karāhate ||
Der Sockel entspricht der Lingamlänge; die drei Umfassungen erhalten je ein Drittel davon, die Außenmauer die Hälfte. Die abschließende Rechenanweisung ist verderbt.
313 dhāmatulyantu randhrāntaṃ bhityantaṅgarbhamānakam |
brahmasūtra śukāghrādvādhāmakoṇācca sūtrayet ||
Innenraum und Mauergrenzen werden auf das Tempelmaß bezogen. Von Brahmasutra, Shukanasa oder Tempelecke aus ziehe man die Messschnüre. Der erste Maßbezug ist unsicher.
314 dvādaśaite srāndhārāṇānturyāstāḥ syuḥ purandara |
prāsāda śatasaṃsthānā bhuktaye muktaye hitāḥ ||
So entstehen zwölf beziehungsweise weitere Formen mit Umgang; die verschiedenen Tempelgestalten dienen Erfüllung und Befreiung. Die Zählung ist verderbt und nicht sicher zusammenzuführen.
315 iti saṃkṣepa saṃsiddhaṃ lakṣaṇaṃ sarvadhāmasu |
viśeṣa vyaktayeśakra pṛthag bhūtannigadyate ||
Damit sind die allgemeinen Merkmale sämtlicher Tempel kurz erklärt. Zur Verdeutlichung ihrer Unterschiede werden sie nun einzeln behandelt.
316 ṣoḍaśārkāṣṭamaṃ bhāgaṃ vahiḥ kṛtvā purandara |
jyeṣṭhādīnāṅkrameṇaiva mervādau rūpasiddhaye ||
Bei großen, mittleren und kleinen Formen wie Meru nehme man jeweils ein Sechzehntel, Zwölftel oder Achtel als Vorsprung, damit die Gestalt gelingt.
317 merūstatpūrvaviṣkambho himayugbhadrako gajaḥ |
vimāno harihaṃsau ca śrīvatsotha khagādhipaḥ ||
Genannt werden Meru, die folgenden Bergformen, Bhadra, Gaja, Vimana, Hari, Hamsa, Shrivatsa und der Herr der Vögel. Einige Namen sind verderbt überliefert.
318 vaḍamīturya vasvastro vikārāstro gṛhādhipaḥ |
vṛttaścendra kalāsaṃkhyā svādhārāśca purandra ||
Ferner Valabhi, vier-, acht- und weitere mehreckige Formen, Grihadhipa und Rundformen; insgesamt wird eine mondzahlbezogene Reihe genannt. Die Gesamtzahl ist unsicher.
319 bhadrastu pañcadhā jñeyo jñeyo vṛttaścaturvidhaḥ |
śrīvatsopi tathā jñeyastrividho mandirādhipaḥ ||
Bhadra ist fünffach, die Rundform vierfach, ebenso Shrivatsa; der „Herr der Gebäude“ besitzt drei Ausprägungen.
320 vibhajya lakṣaṇaṃ spaṣṭaṃ mervādaute nigadyate |
sūryendu bhājite kṣetre tiryag veda vibhājite ||
Nun erkläre ich ihre Merkmale einzeln, beginnend mit Meru. Die Fläche wird in dreizehn und quer in vier Teile gegliedert.
321 catuṣkoṇe rasan tyaktā tat piṇḍī syād viparyaye |
saṃveśa nirgamaṃ śakra śeṣaṃ jñātvā vivartayet ||
An den vier Ecken werden sechs Teile abgenommen; daraus entsteht die Eckmasse. Die übrigen Teile werden als Einzüge und Vorsprünge gestaltet. Ein Maßbezug ist unsicher.
322 tuṣṭiṁ vāṇānalairveśaścaṇḍīvāraguṇairgatiḥ |
caturthe yatra bhaṅgāghaṃ kuryānmadhya rathoṅgatim ||
Einzüge und Vorsprünge erhalten die angegebenen Zahlenfolgen; am vierten Abschnitt wird der mittlere Wandvorsprung ausgebildet. Die Zahlen tuṣṭi und caṇḍī sind hier nicht sicher aufzulösen.
323 sūryadigrasabhāgaistu śeṣamevaṃ vivartayet |
caturdvāraścaturghrāṇaśṛṅgaṣoḍaśanāsikaḥ ||
Die übrige Gestaltung folgt zwölf, zehn und sechs Anteilen. Der Bau besitzt vier Türen, vier Nasika-Vorsprünge und sechzehn kleine Turmnasen.
324 vālavedānaladvidvibhūmikāghāṭa pañcakaḥ |
kāmārkeśadigaṣṭhādhi yūti śṛṅgaṃ tatoṣṭakam ||
Fünf Abstufungen mit je eigener Geschoss- und Turmzahl werden beschrieben. Die Folge der Zahlenwörter ist stark verderbt; eine genaue Verteilung lässt sich nicht sichern.
325 vedikorddhe sahaikena sapādantu śataṃ bhavet |
vedī nitambayormadhyaṃ khākāśa dvaya bhājitam ||
Über der Vedi ergibt sich mit dem Hauptturm eine Gesamtzahl; der Bereich zwischen Vedi und Dachansatz wird weiter unterteilt. Beide Zahlenangaben sind verderbt.
326 tatrādyā bhūmikā kāryā viṃśadbhāgaistadarddhataḥ |
bhāgaika hrāsato nyāsāmucchrayaḥ kramaśo hare ||
Das erste Geschoss erhält zwanzig Teile; die folgenden nehmen nach dem angegebenen halben Maß jeweils um einen Teil an Höhe ab.
327 bhūṣaṇairbhūṣitā kāryāḥ ṣoḍaśaiva tu bhūmayaḥ |
śukāghrārddhaṃ caturdikṣu surūpā syurmṛgārayaḥ ||
Alle sechzehn Geschosse sollen geschmückt werden. An den vier Seiten, auf halber Höhe der Shukanasa, stehen schöne Löwen.
328 vedikopari karṇeṣu vedīvyāsa tribhāgataḥ |
mṛgārayo vidhātavyāḥ keśarālaṅkṛtā hare ||
An den Ecken oberhalb der Vedi werden Löwen mit Mähnen angebracht, deren Maß ein Drittel der Vedi-Breite beträgt.
329 daṃṣṭrā vikaṭaghorāsyā mastakanyasta pucchakāḥ |
sarvāvayavasaṃpūrṇāḥ sarvaśobhāsamanvitāḥ ||
Sie besitzen Hauer, weit geöffnete schreckliche Mäuler und über den Kopf gelegte Schwänze; alle Glieder sind vollständig und schön gestaltet.
330 vedikorddhaṃ caturdikṣu catvāro nararūpiṇaḥ |
dikpālairapsarogāt vidyātadgrahakinnaraiḥ ||
Über der Vedi stehen in den vier Richtungen vier Menschengestalten, begleitet von Welthütern, Apsaras, Gandharvas, Vidyadharas und Kinnaras. Einige Gruppennamen sind orthographisch beschädigt.
331 mātṛbhirgaṇavidyeśairbhūṣayennavabhūmayaḥ |
garbhoṣmaṇā mañjarīṇāṃ prāyaḥ pātabhayaṃ bhavet ||
Neun Geschosse werden mit Müttern, Ganas und Vidyeshvaras geschmückt. Durch eingeschlossene Wärme besteht bei den Turmaufbauten die Gefahr des Herabfallens.
332 dve dve randhre tataḥ kuryād bhūmau bhūmau jalāntare |
surūpaḥ kathito merūrmandaraṃ śṛṇu sāmpratam ||
Daher schaffe man auf jedem Geschoss zwei Öffnungen in den Zwischenräumen. Der schöne Meru ist beschrieben; höre nun Mandara.
333 vedavasubhājite kṣetre tiryag brahmānanaiḥ kṛtaiḥ |
karṇaṃ gatyānalatyāgāt koṇa piṇḍīguṇāṃśakaiḥ ||
Die Fläche wird in achtundvierzig, quer in vier Teile geteilt; durch Abnahme von drei Teilen an der Diagonale entsteht eine dreiteilige Eckmasse.
334 saṃveśānairgamau kāryau ṛtu koṇa karairhare |
madhyoṅgamaḥ prakartavyo bhūbhupavana vibhākaraiḥ ||
Einzüge und Vorsprünge werden nach sechs und weiteren Anteilen bemessen; der Mittelvorsprung nach der angegebenen Zahlenfolge. Zwei Zahlwörter sind nicht sicher zu bestimmen.
335 anena vidhinā sarva vartanaṃ sarvavāhuṣu |
bhuvaścaturdaśaivātra yuktāḥ koṇeṣvayā śrayaiḥ ||
Nach diesem Verfahren werden alle Seiten gestaltet. Der Bau hat vierzehn Geschosse, an den Ecken mit eisernen Verbindungen gesichert.
336 caturā ghāṭakaiḥ sopi bhūtavedāgni locanaiḥ |
vedī nitambayormadhyamekaṣaṣṭyuttaraṃ śatam ||
Er besitzt vier Abstufungen mit fünf, vier, drei und zwei Geschossen. Zwischen Vedi und Dachansatz werden einhunderteinundsechzig Teile angesetzt.
337 prathamāṣṭā daśairbhūmi ratnāstvekaika mardanāt |
dvārāṇyasyāpi catvāri catasraḥ śukanāsikāḥ ||
Das erste Geschoss misst achtzehn Teile; die übrigen nehmen jeweils um einen ab. Auch dieser Bau hat vier Türen und vier Shukanasas.
338 prathamāyāṃ trayoviṃśadevaviṃśa dvitīyake |
ūnaviṃśattṛrtīye tu caturthe daśasapta ca ||
Die erste Abstufung trägt dreiundzwanzig, die zweite einundzwanzig, die dritte neunzehn und die vierte siebzehn kleine Türme.
339 ekaṃ prādhānikaṃ śṛṅgaṃ śukāghrāsu ca ṣoḍaśa |
mandiraṃ vartayedevaṃ saptānavati śṛṅgakam ||
Dazu kommen ein Hauptturm und sechzehn Türmchen an den Shukanasas. So entsteht ein Tempel mit siebenundneunzig Turmspitzen.
340 pūrvokta bhūṣaṇairyuktaḥ surūpoyaṃ surādhipa |
ṣaṭtriṃśa bhajite kṣetre tiryag veda vibhājite ||
Mit dem zuvor genannten Schmuck ist er schön, Herr der Götter. Bei der nächsten Form wird die Fläche in sechsunddreißig, quer in vier Teile geteilt.
341 madhyadeśe bhavedasya bhāgairaṣṭabhirudgatiḥ |
ādau tiryaktrayaṃ madhyādekaṃ cāntastrayantathā ||
In der Mitte tritt sie um acht Teile hervor. Zunächst werden quer drei, in der Mitte einer und innen wiederum drei Teile angesetzt.
342 luptvā vinirgatirvedairyāvatkoṇamavāpnuyāt |
brahmāsyaistu tataḥ koṇaḥ kailāsamiti vartayet ||
Nach entsprechender Abnahme entsteht ein vierteiliger Vorsprung bis zur Ecke; diese erhält vier Teile. So wird Kailasa gestaltet.
343 caturdvārañcaturnāsaṃ caturmaṇḍapa śobhitam |
vedīnitaṃvayormadhye ṛtu dvandvendu bhājite ||
Er besitzt vier Türen, vier Nasikas und vier schöne Vorhallen. Zwischen Vedi und Dachansatz werden einhundertsechsundzwanzig Teile angesetzt.
344 bhūpāṃśaiḥ prathamā bhūmiḥ śeṣāstvekaika vicyute |
caturā ghāṭakaḥpi catustribhṛdvibhūmayaḥ ||
Das erste Geschoss erhält fünfzehn Teile; die übrigen nehmen jeweils um einen ab. Vier Abstufungen tragen vier, drei, zwei und ein Geschoss.
345 vasvinduḥ prathamā ghāṭe dvitīye caiva ṣoḍaśa |
caturdaśa tṛtīye tu caturthe dvādaśaiva tu ||
Die erste Abstufung trägt achtzehn, die zweite sechzehn, die dritte vierzehn und die vierte zwölf Turmspitzen.
346 śukanāsāsu śṛṅgāṇi ṣoḍaśaikantu maulikam |
prāsādoyaṃ priyaḥ śaṃbhoḥ saptasaptati śṛṅgakaḥ ||
Sechzehn Spitzen stehen an den Shukanasas, eine bildet die Hauptspitze. Dieser Shiva lieb gewordene Tempel hat siebenundsiebzig Spitzen.
347 caturasrī kṛte kṣetre vasu locana bhājite |
karṇagatyāguṇatyāgāt koṇapiṇḍī guṇāṃśakaiḥ ||
Für die nächste Form wird die quadratische Fläche in achtundzwanzig Teile geteilt. Durch Abnahme von drei Teilen an der Diagonale entsteht eine dreiteilige Eckmasse.
348 netrāṃśe na ratho jñeyo guṇāṃśairaparastataḥ |
darśanāṃśarathaḥ śakra syādevaṃ śeṣa vāhuṣu ||
Ein Wandvorsprung erhält zwei, der nächste drei und ein weiterer sechs Teile; entsprechend verfahre man auf den übrigen Seiten.
349 bhadra eṣa samprakhyātaḥ karturiṣṭha vibhūtidaḥ |
śikharākulaḥ sa evoktaḥ sarvaḥ sarvārthasiddhidaḥ ||
Dies ist Bhadra, der dem Stifter die gewünschte Herrlichkeit schenkt. Mit vielen Turmspitzen versehen, gilt er als alle Ziele erfüllend.
350 kṣudrabhadrasvarairbhakte pārśvayorlocanacyuteḥ |
trimadhyo nalaḥ yuktastu hitoyaṃ nalinastadā |
śrīvatsa śikharovāyaṃ nandanaḥ kartṛbhūtikṛt |
yugāste bhūtabhāgena karṇāddhe bhramavartanāt ||
Der kleine Bhadra wird siebenteilig angelegt; seitlich werden je zwei Teile abgenommen. Mit den genannten Mittelvorsprüngen heißt er Nalina; mit Shrivatsa-Turm Nandana, der dem Stifter Wohlergehen bringt. Der Schluss zur Eckrundung ist verderbt.
351 vṛtto natapṛṣṭogre dvyasrastuṃgāprakogajaḥ |
vedāste rūpa yugmāṃśeradho madhye viparyaye ||
Rund, hinten geneigt und vorn zweieckig, mit hoher vorspringender Nase, heißt die Form Gaja. Es folgt eine viereckige Anlage mit abgestuften mittleren Rücksprüngen. Die Teilfolge ist unsicher.
352 veśaścatubhiraśenastaṃbho yugmaistu koṇagaḥ |
evamanyaṃ ca catvāra āghāṭā eka mānanam ||
Der Einzug erhält vier Teile, die Eckstütze zwei. Entsprechend werden vier Abstufungen gleichen Maßes angelegt.
353 vedarāmadvirūpaistu āghāṭāścaturo matāḥ |
śukāghraikenduśālāyāṃ nādyeśasya viveśanam ||
Die vier Abstufungen erhalten vier, drei, zwei und ein Geschoss. Die folgende Bestimmung zur Shukanasa und zum Innenraum ist verderbt.
354 bhūtāhna bhājite śikhare prathamābhūḥ purandaraiḥ |
ūrdhvamekaikasaṃhrāsād bhavanti daśabhūmayaḥ ||
Der Turm wird in die angegebenen Teile gegliedert; vom ersten Geschoss an nimmt jedes weitere um einen Teil ab, sodass zehn Geschosse entstehen. Ausgangsmaß und Gesamtteilung sind unsicher.
355 tribhānyā saptadaśataḥ pañcaśacchikharānvitaḥ |
vimānoyaṃ vimānībhiryukto vai mānavarddhanaḥ ||
Mit siebzehn und weiteren Turmgruppen ergeben sich fünfzig Spitzen. Dieser Vimana mit kleineren Vimanas erhöht das Ansehen. Die Unterzählung ist verderbt.
356 caturasrī kṛte kṣetre padandatvā tu pṛṣṭhataḥ |
vṛttavad bhrāmayed agre dvi koṇo vṛttagarbhakaḥ ||
Bei quadratischer Fläche füge man hinten ein Feld hinzu und runde den vorderen Bereich; so entsteht eine zweieckige Anlage mit rundem Innenraum.
357 tato jaṃghā pradeśe syān nirgataḥ kiñcid ūrdhvataḥ |
keśarālaṅkṛtaḥ siṃho munimūrddhādi bhūmikaḥ ||
Oberhalb der Wandzone tritt die Form etwas hervor: ein mähnengeschmückter Löwe mit siebenfach gegliedertem Aufbau. Die Geschossangabe ist nicht eindeutig.
358 priyo bhaven nṛsiṃhasya siṃhākārogra nāsikaḥ |
ibhakuṃbha karṇayormadhye prasakta haribhūṣaṇaḥ ||
Diese löwengestaltige Form mit kräftiger Nase ist Narasimha lieb. Zwischen elefantenförmigen Stirnwölbungen und Ohren wird Löwenschmuck angebracht.
359 vedāste turyadhā bhakte pārśvayorjagatī yute |
garbhāścaiva caturbhāgaistrayo vṛttastu madhyagaḥ ||
Eine viereckige Fläche wird vierfach gegliedert und seitlich mit Terrassen versehen. Drei Innenräume werden angeordnet, der mittlere rund.
360 syācchukāghrāyuto haṃso vimānasyaiva jaṃghayā |
bhadrasyaiva nitamvosya śrīvatsa syaiva mañjarī ||
Der Hamsa besitzt eine Shukanasa; seine Wandzone gleicht der des Vimana, sein Dachansatz dem des Bhadra, sein Turmaufbau dem des Shrivatsa.
361 haṃsaśobhita śṛṅgāgro haṃsaḥ keśava bhūmikaḥ |
hitaścatulya dharmābhyāṃ saṅgataṃ pārśvayordvayoḥ ||
Die Spitze ist mit einem Schwan geschmückt; die Geschosszahl wird durch Keshava bezeichnet. Seitlich werden zwei entsprechende Anlagen angeschlossen. Die genaue Zahl und der Anschluss sind unsicher.
362 brahmābja pīṭhago madhye harīśau vāma dakṣiṇe |
atha madhye haraḥ kāryastadā dakṣe pitāmahaḥ ||
In der Mitte sitzt Brahma auf einem Lotus, links und rechts Hari und Isha. Steht Hara in der Mitte, soll der Urvater rechts stehen.
363 vipadrūpāṃsite dvābhyāṃ koṇo madhyarathastribhiḥ |
sārddhatoya rathaḥ śakra khurādyairbhūṣaṇairyutaḥ ||
Die nächste Fläche wird nach den genannten Anteilen gegliedert: zwei für die Ecke, drei für den Mittelvorsprung; ein weiterer Vorsprung erhält eineinhalb. Der Bau trägt Fuß- und weiteren Schmuck. Das Ausgangsraster ist verderbt.
364 śṛṅgāṇyasya tu catvāri bhuvaḥ pañcarathāstathāḥ |
vibhūtaye satāṃ khyātaḥ śrīvatso varddhamānakaḥ ||
Er besitzt vier Turmspitzen, fünf Geschosse und die entsprechenden Wandvorsprünge. Dieser Shrivatsa heißt Vardhamanaka und dient dem Gedeihen guter Menschen.
365 caturasre sūrya saṃchinne tribhiḥ syān madhyago rathaḥ |
bhāgārddhe nāntarantyaktvā dvābhyāmuparathaṃ viduḥ ||
Bei einem zwölfgeteilten Quadrat erhält der mittlere Vorsprung drei Teile. Nach einem halben Teil Zwischenraum erhält der Nebenrisalit zwei.
366 tadarddha nirgato dvābhyāṃ koṇaḥ sampūrṇaśālake |
kṣarakuṃbhādi saṃyuktamapsarogaṇaśobhitam ||
Dieser tritt um die Hälfte hervor; die Ecke erhält zwei Teile. Die vollständige Shala wird mit Fuß-, Krug- und weiteren Profilen sowie Apsaras geschmückt.
367 jaṃghā madhye tu valayākhyā paṭṭikābhiḥ subhūṣitā |
andhārikā dvayo petā laṃghorddhaṃ syādvaraṇḍikā ||
In der Mitte der Wandzone liegt eine ringförmige Leiste. Zwei Umgangsbereiche sind vorgesehen, darüber ein auskragendes Gesims. Ein technischer Ausdruck ist verderbt.
368 paṭṭikābhirvasantaistu kaṇṭhehārāvalī yutām |
bhūṣaṇaiścandraśālāghaiḥ śṛṅgaireṣa subhūṣitaḥ ||
Leisten, Schmuckglieder und Ketten am Halsbereich, ferner Mondfenster und kleine Türme zieren den Bau.
369 yena siddhāsurāśakra yatra siddhaḥ svayaṃ śaśī |
lābhabhāgātsite kṣetre khaṇḍaśālepyayaṃ vidhiḥ ||
Durch diese Form erlangten die Götter Vollendung, darunter der Mond selbst. Auch bei geteilter Shala gilt dieses Verfahren. Die alternative Rasterzahl ist unsicher.
370 sārddhe noparathaḥ śakra vipakṣe yo vināśakaḥ |
bhuktaye muktaye śastaḥ śrīvatsoyantṛtīyakaḥ ||
Der Nebenrisalit erhält eineinhalb Teile. Diese dritte Shrivatsaform gilt als feindvernichtend und als günstig für Erfüllung und Befreiung.
371 vikārabhījite kṣetre caturbhirmadhyago rathaḥ |
sārddhe bhāgāntarantyaktā tathoparaya sthitiḥ ||
Bei der nächsten Teilung erhält der Mittelrisalit vier Teile; nach einem Zwischenraum von eineinhalb Teilen folgt der Nebenrisalit. Die Gesamtteilung ist verderbt.
372 bhāgārddha nirgatistasya tribhiḥ koṇaṃ purandara |
śālavadbhūṣaṇairyukto viśeṣālloka nāyakaiḥ ||
Er tritt um einen halben Teil hervor, die Ecke erhält drei. Der Bau wird wie eine Shala geschmückt, besonders mit den Weltenherren.
373 rūdraiḥ krīḍā vinodāghairgaṇairyakṣaiḥ suraistathā |
divya bhūtyai hitaḥ kartuḥ śrīvatso nandivarddhanaḥ ||
Rudras bei Spiel und Freude, Ganas, Yakshas und Götter bilden den Schmuck. Dieser Shrivatsa heißt Nandivardhana und fördert das göttliche Wohlergehen des Stifters.
374 turyabhāgī kṛte kṣetre ko'tulyāścaturdiśam |
dhāmavistara pādena niṣkāsāḥ sarva eva te ||
Die Fläche wird vierfach geteilt; in allen vier Richtungen entstehen gleiche Teile, die um ein Viertel der Tempelbreite vorspringen. Die Benennung dieser Teile ist verderbt.
375 ṣaḍasro madhyagarbhosya staṃbhādi racanā vahiḥ |
sa sarpa kaṭikaṇṭhosya sa kuṭādaśa bhūmayaḥ ||
Der mittlere Innenraum ist sechseckig, außen stehen Säulen und weitere Bauteile. Hüfte und Hals tragen Schlangen; der Bau hat zehn Geschosse mit Aufbauten.
376 viṣṇurmadhye śivo dakṣe vāmatastu pitāmahaḥ |
pucche lakṣmīḥ pratiṣṭhāpyā garuḍoyaṃ hari priyaḥ ||
Vishnu steht in der Mitte, Shiva rechts, Brahma links; im Schwanzbereich wird Lakshmi eingesetzt. Dieser Garuda-Tempel ist Hari lieb.
377 peṣṭakastuṅga nāsaśca pakṣāgrasthā hi sūdanaḥ |
nāgāṃśa ṣoḍaśa tyāgān māsasaṃ varddhitā patiḥ ||
Die Form besitzt eine hohe Nase und an den Flügelspitzen den Schlangentöter. Die folgende Umformung aus acht, sechzehn und zwölf Anteilen ist verderbt.
378 yugadānātpuraḥ siddhaḥ śukāghro vaḍabhī hare |
vyaktaliṅge svayaṃ yojyaścaṇḍikādau viśeṣataḥ ||
Durch Hinzufügen von vier Teilen vorn entsteht die Shukanasa der Valabhi. Diese Bauform eignet sich für figürliche Gottheiten, besonders Chandika.
379 vistārād dviguṇot sedhaḥ phāṃsādi kṛta saṃvṛtiḥ |
pārśve siṃhadvayopeto madhye kalaśa yuto varaḥ ||
Ihre Höhe ist doppelt so groß wie ihre Breite; die Bedachung besteht aus gestuften Gliedern. Seitlich stehen zwei Löwen, in der Mitte ein Krugaufsatz.
380 vedāsraḥ sa tathaivoktaḥ surādi bhūṣaṇānvitaḥ |
śikhāyāḥ saṃvṛttiḥ paṭṭairnirvikāraḥ śivaḥ priyaḥ ||
Die entsprechende viereckige Form trägt Götterschmuck und eine aus Leisten geschlossene Spitze. Unverändert gilt sie als Shiva lieb.
381 caturasrī kṛte kṣetre karṇārddhāṣṭāṃśa vicyute |
tatpramāṇe ca vedāsre dikṣu karṇamiti kṣipet ||
Bei quadratischer Fläche wird ein Achtel der halben Diagonale abgenommen; mit dem daraus gewonnenen Maß werden die Ecken abgeschnitten.
382 pātiteṣu ca sūtreṣu dikṣvaṣṭāsroṣṭabhūtidaḥ |
madhyabhāge karaṃ kṛtvā asṭabhyāṃ madhyato hvayet ||
Durch die in den Richtungen gelegten Schnüre entsteht eine achteckige Form, die achtfaches Gedeihen schenkt. Die folgende Erweiterungsregel ist verderbt.
383 tanmānaṃ vāhyataḥ kṛtvā dviguṇādvyaptṛlaṃghanāt |
sopi bhūti prado jñeyo bhūṣaṇādyaḥ purandara ||
Das entsprechende Maß wird außen angesetzt und verdoppelt weitergeführt. Auch diese geschmückte Form gilt als wohlergehenbringend. Die genaue Geometrie ist unsicher.
384 caturasraścaturbhadraḥ sāndhāraśca tribhūmikaḥ |
dārūjo gṛharājoyaṃ gṛhākāraḥ praśasyate ||
Der Griharaja ist quadratisch, besitzt vier Vorsprünge, einen Umgang und drei Geschosse. Er wird aus Holz errichtet und in Hausgestalt gepriesen.
385 gṛharājasamaḥ kintu vinā bhadraiḥ punaḥ punaḥ |
paṭṭaśālānvitopyarddha gṛharājaḥ prakīrtitaḥ ||
Eine ähnliche Form ohne die Vorsprünge, aber mit einer länglichen Halle, heißt halber Griharaja.
386 ekabhūmirdvibhūmirvā paṭṭaśālā vivarjitaḥ |
sarvadevālayaṃ śakra mārtaṇḍasya viśeṣataḥ ||
Ein- oder zweigeschossig und ohne diese Halle eignet sie sich für alle Gottheiten, besonders für die Sonne.
387 karṇārddhāṣṭāṃśasantyāgāt paribhramaṇavartitaḥ |
vṛttaḥ kuṃbhaḥ subhūṣāḍhyaḥ khyātaḥ kuṃbhaḥ surādhipa ||
Durch Abnahme eines Achtels der halben Diagonale und Rundführung entsteht die schön geschmückte Krugform Kumbha.
388 agre śukāghupā yukto vṛṣonte caturasrakaḥ |
sa eva vāhyato vṛttaḥ paṭṭakaiḥ suvibhūṣitaḥ ||
Vorn besitzt sie eine Shukanasa. Die als Vrisha bezeichnete Variante ist hinten viereckig; eine andere außen rund und mit Leisten geschmückt. Die Variantenbezeichnung ist unsicher.
389 gvāvṛkṣo vṛtta evasyānna bhaved bhavaṃ vināvṛṣaḥ |
etad devālayaṃ proktaṃ mukhyataste surādhipa ||
Eine weitere Form ist ebenfalls rund; Vrisha soll nicht ohne Bhava verwendet werden. Damit sind die wichtigsten Götterhäuser beschrieben. Der erste Bauformname ist verderbt.
390 anyonya miśra bhedaistu phalaṃ miśrantu yajvanām |
mervādi laghusaṃsthānāḥ prasādācchandanāmakāḥ ||
Durch Verbindung verschiedener Formen entstehen gemischte Früchte für die Stifter. Kleine Ausführungen von Meru und den anderen heißen Chanda-Tempel. Die Namenslesart ist unsicher.
391 caturhastādadhaḥ śakra prāsādāścāti kṣudrakā |
navadhā bhājitaṃ kṛtvā pīṭhaṃ bhāga samaṃ bhavet ||
Tempel unter vier Ellen sind sehr klein. Bei neunteiliger Gliederung entspricht der Sockel einem Teil.
392 dvibhāgaṃ garbhavistāraṃ bhittayaśca purandara |
caturhastādivasvantā bhūtabhāgavibhājitāḥ ||
Innenraumbreite und Mauern erhalten jeweils zwei Teile. Tempel von vier bis acht Ellen werden fünfteilig gegliedert.
393 pīṭhaṃ bhāgasamaṅgarbhantathā bhittiḥ śacīpate |
ucchritirbhitti hīnānāṃ sa jaṃghā dviguṇā matā ||
Sockel, Innenraum und Mauer erhalten je ihren Anteil. Bei Formen ohne die betreffende Mauer ist die Höhe samt Wandzone doppelt anzusetzen. Der Höhenbezug ist unsicher.
394 vartanāṃ śikharāṇāñca kathayāmi tavādhunā |
jaṃghorddha dviguṇocchāye pṛthutve daśadhā kṛte ||
Nun erkläre ich die Formung der Türme: Ihre Höhe ist doppelt so groß wie die Wandzone, ihre Breite wird zehnfach geteilt.
395 ucchrayasya caturthāṃśe caturddhā bhājite sati |
indu kaṇṭhopamaiḥ sāraḥ pade kuṃbha samunnatiḥ ||
Ein Viertel der Höhe wird viergeteilt; daraus werden Hals und Krugaufsatz bestimmt. Die dazwischenstehende Maßfolge ist verderbt.
396 ṣaḍbhirvedī tribhiḥ kaṇṭhaḥ śeṣaiḥ śikharasaṃvṛtiḥ |
tiryagūrddhañca bhūtāṃśaistyājya bhāge kṛte sati ||
Sechs Teile erhält die Vedi, drei der Hals; der Rest schließt den Turm. Quer und aufwärts werden die abzunehmenden Bereiche fünffach gegliedert.
397 bhāgabhāgānupātena bahutve ca tathā bhavet |
tiryak caturguṇaṃ sūtraṃ kṛtvā vā vartayeddhare ||
Die Proportionen gelten entsprechend auch bei größerem Maß. Alternativ kann man mit einer quer vierfach gelegten Schnur die Form bestimmen.
398 sāndhārikāśrayāṇāntu mervādīnāṃ yathākramam |
andhārikā vihīnānāṃ maṇḍapānvitalakṣaṇam ||
Dies gilt der Reihe nach für Meru und andere Anlagen mit Umgang. Nun folgen die Merkmale der Vorhallen bei Anlagen ohne Umgang.
399 dhāmagarbhañca tatkarṇabhukanāsā garbha karṇataḥ |
sūtraṅgṛhītvā'bja yoniḥ śukāghrā dhāmakoṇataḥ ||
Man ziehe die Schnur vom Innenraum und seiner Diagonale zur Shukanasa und zur Tempelecke. Die genaue Linienfolge ist verderbt.
400 prāsādasyārddha vistārastadagre maṇḍapaḥ śubhaḥ |
śikharantriguṇaṃ yeṣāṃ pādonaṃ sārddhaṃ dṛgguṇam ||
Die schöne Vorhalle vor dem Tempel hat dessen halbe Breite. Für Türme werden verschiedene Höhenverhältnisse von dreifacher bis geringerer Höhe genannt. Die mittleren Bruchwerte sind nicht eindeutig.
401 sa pādaṃ dviguṇaṃ vātha jaṃghā teṣāṃ tribhāgikā |
tadūrdhvaṃ turyadhā bhājya śamāṃśaṃ turagāṃsitam ||
Weitere Verhältnisse sind zweieinviertel und zweimal; die Wandzone erhält drei Teile. Der darüberliegende Bereich wird vierfach und weiter siebenfach geteilt. Ein Zwischenausdruck ist verderbt.
402 tribhirvedī tadūrdhvantu kaṇṭho dvābhyāṃ śiroṃśataḥ |
pādo na vṛttavat kuṃbhaḥ śeṣaṃ pūrvavadā caret ||
Drei Teile erhält die Vedi, zwei der Hals, einen die Spitze. Der Krugaufsatz wird annähernd rund gestaltet; alles Übrige wie zuvor.
403 kaṇṭhādūrdhvaṃ caturdikṣu dhvajādhārāṇi kārayet |
caturṇāmeva daṇḍānāṃ sthitiḥ syād vedikopariḥ ||
Über dem Hals schaffe man in den vier Richtungen Bannerhalter. Die vier Stangen stehen oberhalb der Vedi.
404 sarveṣāṃ maṇḍapānāntu nāsikānta śikhocchritiḥ |
phāṃsaiḥ saṃvaraṇaṅkāryamantaḥ kroḍe karoṭakaiḥ ||
Bei allen Hallen reicht die Dachhöhe bis zum Ende der Nasika. Die Abdeckung erfolgt mit gestuften Gliedern, innen mit gewölbten Teilen.
405 ṣaḍbhiḥ staṃbhaiḥ sa rūcakādyaiḥ kuṃbhādyaisturyadhāsanaiḥ |
caturbhirnandikādyaiśca śirobhiste virājitāḥ ||
Säulen der Ruchaka- und anderer Formen werden mit Kumbha-Gliedern, vierteiligen Basen und Kapitellen wie Nandika geschmückt. Die Zahl der Säulen ist im Satzbau unsicher.
406 staṃbhasaṃkhyā samāyuktāḥ pṛthuktyaṃjñāṃ bhajantite |
catuḥṣaṣṭisamārabhya staṃbha dvitayavarjitāḥ ||
Nach der Säulenzahl erhalten die Hallen unterschiedliche Namen: Die Reihe beginnt bei vierundsechzig und nimmt jeweils um zwei ab.
407 śrīvatsādi sa sūtrāntāḥ saptaviṃśati maṇḍapāḥ |
idānīṃ dvāra nirdeśaḥ samāsātte nigadyate ||
So entstehen siebenundzwanzig Hallen von Shrivatsa bis Sutra. Nun folgt kurz die Bestimmung der Türen.
408 vikārāṃśmaṃ vinā tulyaṃ vasvaṃ śodhika vistaram |
dviguṇañca samucchedhaṃ jyeṣṭhādau liṅgamānataḥ ||
Die Türbreite richtet sich nach den großen und kleineren Lingammaßen, mit entsprechenden Abzügen oder einem Achtel Zusatz; ihre Höhe ist doppelt so groß. Ein Abzug ist verderbt.
409 karṇasūtre rasairbhakte catubhirvāsamucchritiḥ |
kṣudradhāmnā mayaṃ nyāyo draṣṭavyaḥ pākaśāsana ||
Teilt man die Diagonalschnur in sechs Teile, ergibt sich aus vier Teilen die Höhe. Diese Regel gilt für kleine Tempel.
410 khavedaikaṃ samārabhya khamunyanta manu kramāt |
viyadindūcyute dvāraṃ bhūta ṣaṭkairgrahāntikam ||
Eine weitere Maßreihe reicht von einundvierzig bis siebzig; daraus werden durch Abzüge Türmaße gewonnen. Die zweite Zahlenfolge ist verderbt und nicht zuverlässig berechenbar.
Türen und Vergegenwärtigung im Bauwerk
411 aṅgulairvyakta liṅgānāṃ tadarddhaṃ vistareṇa tu |
tatpādena smṛte śākhe tayoḥ sthaulyantadarddhatāḥ ||
Bei figürlichen Bildern werden die Maße in Fingerbreiten angegeben; die Türbreite beträgt die halbe Höhe. Die Pfosten erhalten ein Viertel davon, ihre Stärke wiederum die Hälfte.
412 dvipādandehaliścārddhādunnatā vasu hānitaḥ |
ūrdhvasthāśca surāṃ dhyakṣa suvibhaktāḥ susaṃcitāḥ ||
Die Schwelle erhält zwei Viertel und eine entsprechend verminderte Höhe. Die oberen Glieder sollen gut aufgeteilt und fest zusammengefügt sein. Die Höhenformel ist unsicher.
413 pratiśākhāstribhāgena nyūnā kāryāḥ parasparam |
śaśirāmaśarairaścairnāgāntāḥ syuryathā kramam ||
Jede folgende Einfassung wird um ein Drittel schmaler; ihre Anzahl folgt einer Reihe von eins, drei, fünf bis acht. Die Schlusszahl steht in Spannung zur Reihe.
414 turyāṃśena pratīhārau nandī kālaśca śākhayoḥ |
saridvayaṃ bhāra vāhau mālāvidhau ca kinnarau ||
Im unteren Viertel der Pfosten stehen die Wächter Nandi und Kala, ferner die beiden Flussgöttinnen, Lastträger und girlandentragende Kinnaras.
415 gaurgiri hasti yugmaśca tataśca śeṣa vāsukī |
śākhādhikyepyayaṃ nyāso nyūne nāgādibhiścyutiḥ ||
Es folgen die genannten Tier- und Bergpaare sowie Shesha und Vasuki. Bei mehr Einfassungen wird die Anordnung fortgesetzt, bei weniger entfallen zunächst die Schlangen und weitere Figuren. Der Listenanfang ist unsicher.
416 itonyat yatra valyādi yathā śobhaṃ vibhūṣayet |
gaṇaṃ lakṣmī yakṣa kanyā viṣṇvīśau grahagāyakāḥ ||
Andere Ornamente bringe man nach ihrer Schönheit an: Ganas, Lakshmi, Yaksha-Mädchen, Vishnu, Isha, Planetengötter und Sänger.
417 nṛtyeśo mātaraścaiva kramādūrdhvaṃ vyavasthitāḥ |
dvārāgre arddhacandrañca śaṃkhayugmādi bhūṣitam ||
Darüber stehen der Herr des Tanzes und die Mütter. Vor der Tür befindet sich ein Halbmond, geschmückt mit einem Muschelpaar und anderen Motiven.
418 prāsādāya yutaṅkāryanna nyūnannādhikaṃ hitam |
yajamānānu kūle tu deśikaḥ su samāhitaḥ ||
Die Tür soll zum Tempel passen, weder zu klein noch zu groß. Ist der Zeitpunkt dem Stifter günstig, soll der Lehrer gesammelt handeln.
419 toṣito yajamānena dvārāropaṇa mārabhet |
dvārāṅgāni kaṣāyādi śuddhānyācchādya vāsasā ||
Vom Stifter angemessen geehrt, beginne er die Türeinsetzung. Die Türteile werden mit Abkochungen gereinigt und mit Stoff umhüllt.
420 nyastā tu dhārikāṃ śaktiṃ śāktāṃ mūrtintataḥ punaḥ |
tritatvandevatā yuktaṃ śivaṃ sāṅgañca vinyaset ||
Er lege die tragende Shakti, die Kraftgestalt, die drei Prinzipien samt ihren Gottheiten und Shiva mit seinen Gliedern darin nieder.
421 agnau santarpya saṃśodhya prokṣyasaṃspṛśya rodhayet |
susaṅgodhye pratīhārāñchivājñā padavodhitān ||
Er sättige sie im Feuer, reinige, besprenge, berühre und binde sie rituell fest. Die gereinigten Torwächter werden durch das Befehlswort Shivas erweckt.
422 dvāra pramāṇakaṃ vāstuṃ pūjayitvā pratarpayet |
yanmukantu bhaveddvāraṃ tarpayet tad diśāpatim ||
Nach Verehrung des zum Türmaß gehörenden Vastu sättige er den Herrn derjenigen Himmelsrichtung, nach der die Tür zeigt.
423 ratnanyāsaṃ tataḥ śaktiṃ jñātvā lagnanniveśayet |
purāmadhyaṃ suvijñāya kiñciduttarato yathā ||
Nach Niederlegung von Edelsteinen und Shakti setze er die Tür zum ermittelten günstigen Zeitpunkt ein, etwas nördlich der zuvor bestimmten Mittellinie.
424 kṛtvā ca mantravinyāsamachidramava dhārayet |
dvāravattoraṇānāñca pratiṣṭhā syāt purandara ||
Nach dem Mantranyasa befestige er sie lückenlos. Die Weihe der Torbögen erfolgt wie die der Türen.
425 vittaśāṭhyādasau kartā sthāpakādīṃśca tarpayet |
prāsādaṃ ghaṭayecchakra yāvadvedyantamāgatam ||
Der Stifter soll ohne Geiz den Einsetzer und die anderen Beteiligten zufriedenstellen. Der Tempel wird bis zur Vedi vollendet.
426 śukanāsā samāptau tu vedyadho bhūmikāntare |
kṛtvo varakantatra suguptañca suśobhanam ||
Nach Vollendung der Shukanasa schaffe man unterhalb der Vedi zwischen den Geschossen eine schöne, gut geschützte Kammer.
427 rūkmaraupyārkajaṃ vāpi ratnādi pañcakānvitam |
pāradaṃ vinyaset tatra gandhasragvastrabhūṣitam ||
Dort deponiere man Quecksilber in einem Gefäß aus Gold, Silber oder Kupfer, zusammen mit fünf Arten von Kostbarkeiten, geschmückt mit Duftstoffen, Girlanden und Stoff.
428 prakṛti rūpaṃ ghaṭaṃ dhyātvā madhye padmaṃ vicintayet |
darpaṇādau kṛta snānaṃ prokṣayet sa pidhānakam ||
Man betrachte den Krug als Gestalt der Prakriti und stelle sich darin einen Lotus vor. Nach der stellvertretenden Waschung am Spiegel besprenge man den Krug samt Deckel.
429 nyastvā tu dhārikāṃ śaktiṃ ṣaḍucchañcāsanantataḥ |
śakti mūrti samāyuktantatra kumbhanniveśayet ||
Nach Niederlegung der tragenden Shakti und des sechsfach erhöhten Sitzes stelle man den Krug auf, verbunden mit der Kraftgestalt.
430 tanmadhye vinyased bhūya aiśvarīṃ śakti madhyayām |
caitanyantu samāhūya vinyaset samarasena tu ||
In seine Mitte lege man die göttliche, unvergängliche Shakti. Man rufe das Bewusstsein herbei und setze es in vollkommener Einheit darin ein.
431 śakti saṃpuṭa madhyasthaṃ haṃsaṃ vindu svarūpiṇam |
dīpyamānaṃ svatejobhiḥ sandhāryāṇucidaṃśakāt ||
Den Hamsa, von der Kraft umschlossen, von der Gestalt des Bindu und aus eigenem Glanz leuchtend, halte man als feinen Bewusstseinsanteil gesammelt fest.
432 sthiradhīḥ samaraso bhūtvā śivājñā pada bodhitam |
svasaṃvityā samādāya pūrakeṇa nyased ghaṭe ||
Mit stetigem Geist und in Einheit nehme man ihn, durch Shivas Befehlswort erweckt, im eigenen Bewusstsein auf und lege ihn mit der Einatmung in den Krug.
433 tatkarmānu grahātmatvamadhikāramalānvitam |
puruṣārtha parijñānamupāde yakṣamaṃ padam ||
Ihm werden die Aufgabe gnädigen Wirkens, die mit dem Amt verbundene Begrenzung und die Erkenntnis menschlicher Ziele zugewiesen: ein Zustand, der dieses Wirken ermöglicht. Der Satzbau ist unsicher.
434 śivenādhiṣṭhitaṃ kṛtvā sarvavighna bhayaṅkaram |
tritatvaṃ devatā yuktannyastvā śodhya nirūdhya ca ||
Von Shiva durchdrungen, soll er alle Hindernisse erschrecken. Man lege die drei Prinzipien samt Gottheiten nieder, reinige sie und binde sie fest.
435 prāsādasthiti paryantaṃ kartuḥ karmānupūrakam |
jvalanvai dṛśyate vighnaiḥ prāsādaścāti duḥsaha ||
Solange der Tempel besteht, soll dies das Werk des Stifters vollenden. Den Hindernismächten erscheint der Tempel flammend und unerträglich.
436 tato bhūta valiṃ datvā tṛptā bhavatha sarvadā |
vācayitvā matantaistu tṛptāste sarvadā vayam ||
Dann gebe man den Wesen ein Opfer und spreche: „Seid stets gesättigt!“ Man lasse als Zustimmung erklären: „Wir sind durch dich stets gesättigt.“
437 evaṃ kṛte sa rāṣṭrasya rājñaḥ kartuḥ samīhitam |
phalamutpadyate śīghramārambhaḥ śreyase sadā ||
So entsteht rasch die gewünschte Frucht für König, Land und Stifter; der Beginn führt beständig zum Heil.
438 vidhāya vedikā bandhaṃ kaṇṭhasārādikañca yat |
mervādi cchandakāḥ proktāḥ suvibhaktāḥ pṛthak pṛthak ||
Nach Ausführung der Vedi, des Halses und der übrigen Teile werden die Formen Meru und andere klar voneinander unterschieden.
439 khurakuṃbhādi vinyāsaṃ teṣu leśānnigadyate |
ucchrayannavadhā bhājyaṃ bhāge kuṃbhādi kalpanā ||
Ihre Fuß-, Krug- und weiteren Profile werden nun kurz beschrieben. Die Höhe wird neunfach geteilt; die einzelnen Teile dienen zur Gestaltung der Krugglieder.
440 jaṃghabhāgadvaye noktāvaraṃḍādyantadūrdhvataḥ |
sārddhaliṅgañca nirvṛttantatordhva śikharaṃ yathā ||
Die Wandzone erhält zwei Teile, darüber liegen Gesims und weitere Glieder. Die anschließende Höhenbeziehung zum Lingam und zum Turm ist verderbt.
441 rathānuratha koṇādi khurakuṃbhādi bhūṣitam |
prāsāde kārayed etān pradhānāṅgamapīḍayan ||
Mittelrisalit, Nebenrisalit und Ecken werden mit Fuß- und Krugprofilen versehen, ohne die Hauptglieder des Tempels zu beeinträchtigen.
442 pīḍite tu pradhānāṅge mahāndoṣaḥ prajāyate |
rājñaḥ kartuḥ prajānāntu duḥkhaṃ prāṇāntikaṃ bhavet ||
Werden die Hauptglieder beeinträchtigt, entsteht großer Fehler: Für König, Stifter und Bevölkerung gilt dies als Ursache schweren, bis zum Tod reichenden Leids.
443 racanā kṣetrādvahistasyād pādāyaṃ vicakṣaṇaḥ |
hastasaṃkhyāṅgulaṃ śakra na nyūnannādhikaṃ kvacit ||
Der Kundige bestimme den Vorsprung außerhalb der Grundfläche; die Fingerbreiten richten sich nach der Ellenzahl, ohne Unter- oder Überschreitung. Die erste Maßrelation ist unsicher.
444 nyūnādhikepi doṣaḥ syād ityāha bhagavāñchivaḥ |
rūparāmairbhajedāghamūrdhvaṃ tiryagrasairbhavet ||
Auch Unter- und Übermaß gelten als Fehler, so lehrt Shiva. Der erste Bereich wird in dreizehn, quer in sechs Teile geteilt.
445 bhāgaveśātsaraiḥ pādo vedaiḥ kuṃbhastathā nalaiḥ |
veśād bhāgocchritaḥ kāryo vasantaḥ sorddha paṭṭikaḥ ||
Durch Einzug eines Teils entstehen Fuß- und Krugglieder; darüber ein einteiliger Vasanta mit oberer Leiste. Die genaue Folge der Fünf-, Vier- und Dreiteilungen ist unsicher.
446 valayākhyā yutaḥ kalaśastadūrddhve vasunoṅgataḥ |
praveśavad viniṣkrānto vṛttākāronuyā tataḥ |
kuṃbha kalaśa yormadhye chedo bhāga viparyayaiḥ |
tadūrdhve tu vasantākhyo yathāpūrvamudāhṛtaḥ ||
Darüber steht ein ringgeschmückter Kalasha, rund gestaltet und entsprechend Einzug und Vorsprung bemessen. Zwischen Kumbha und Kalasha liegt ein abgestufter Schnitt; darüber wieder ein Vasanta wie zuvor.
447 ūrdhvaṅkaṇṭhika yā yukto vasanto nirgamāt punaḥ |
tadūrdhve vedabhāgaistu paṭṭikā caturasrikā ||
Oberhalb folgt ein Vasanta mit Halsglied und Vorsprung; darüber eine viereckige Leiste von vier Teilen.
448 kalaśa paṭṭikayocchedo veda tulyo yathā bhavet |
bhāgaika veśatocchrāyo vasantastripraveśataḥ ||
Der Abstand zwischen Kalasha und Leiste beträgt vier Teile. Ein Vasanta wird mit einem Teil Höhe und den angegebenen Einzügen gestaltet.
449 ūrdhvapaṭṭika yā yuktaḥ paṭṭikorddhvantu kaṇṭhikā |
bhāga nyūnādhikorddhantu vasantaḥ syād yathā purā ||
Er trägt eine obere Leiste, darüber ein Halsglied. Der nächste Vasanta wird mit entsprechend größerer oder kleinerer Höhe wie zuvor geformt.
450 veda bhāgaistathā paṭṭistasyorddhamāya saṃvṛtiḥ |
jaṃghā madhye tu niṣkāsaṃ tulyā yaddviguṇonnata ||
Eine weitere Leiste erhält vier Teile, darüber folgt der Abschluss. In der Mitte der Wandzone wird ein Vorsprung angeordnet, dessen Höhe das Doppelte beträgt. Der Breitenbezug ist unsicher.
451 daśadhā bhājitañcorddhaṃ tiryak pañca vibhājitam |
bhāgabhāga praveśena nirgamānmekhalā trayam ||
Die Höhe wird zehnfach, die Breite fünffach gegliedert. Durch jeweils einteilige Einzüge und Vorsprünge entstehen drei Bänder.
452 caturbhiḥ paṭṭikā madhye tadūrdhvaṃ mekhalā trayam |
valayākhyātha madhye tu tadūrdhvaṃ syādadho yathā ||
Die mittlere Leiste erhält vier Teile, darüber liegen drei weitere Bänder. In der Mitte liegt der Ring; oberhalb wird die untere Anordnung wiederholt.
453 jaṃghorddhamāya niṣkāśaṃ datvā kāryaṃ varaṇḍakam |
vikāra bhājitocchrāyaṃ tiryag vedavibhājitam ||
Über der Wandzone wird mit dem vorgesehenen Vorsprung das Gesims angelegt; seine Höhe wird entsprechend geteilt, seine Breite vierfach. Die Höhenzahl ist verderbt.
454 bhāgaika veśataḥ kārya paṭṭikā dvitayantataḥ |
paṭṭikaikā yutaṃ vātha vasantantatra kārayet ||
Nach einem einteiligen Einzug bilde man zwei Leisten oder einen Vasanta mit einer Leiste.
455 tribhistu kuṃbhakocchrāyaṃ praviṣṭantad dvayena tu |
vasantaika yutaścorddhve vedaiḥ kaṇṭhasamudgamaḥ ||
Das Krugglied ist drei Teile hoch und tritt zwei Teile zurück. Darüber folgt ein Vasanta; der Hals steigt vier Teile auf.
456 paṭṭikā dvitayaṃ bhāgaṃ nirgamāt kuṃbhakaṃ punaḥ |
tribhiḥ vā samucchritaṅkṛtvā śeṣaśobhā yathā bhavet ||
Zwei Leisten treten um einen Teil vor; darüber folgt erneut ein Krugglied. Seine Höhe beträgt drei Teile, der übrige Schmuck wird passend gestaltet.
457 kaṇṭhe tu kalaśākāro vasantaḥ syādadhordhvayo |
paṭṭikā bhūṣitautau tu śeṣaṃ syācchikharānugam ||
Am Hals liegen oben und unten krugförmige Vasantas, beide mit Leisten geschmückt. Der Rest folgt der Turmform.
458 candramālādibhiḥ kūṭairbhūṣaṇaistu vibhūṣayet |
evantu chandakāḥ sarve bhūṣaṇaiḥ suvibhūṣitā ||
Mondgirlanden, kleine Aufbauten und weitere Ornamente bilden den Schmuck. So werden alle Chandaformen schön ausgestattet.
459 kandavedhyā virodhena śāntiḥ śreyaskarā nṛṇām |
vasu vedāṃsite dhāmni sārīsāraka bhūṣaṇam ||
Ohne Widerspruch zu den Hauptgliedern schafft diese Anordnung Frieden und Heil. Bei achtundvierziggeteilter Anlage folgt die Ausschmückung der Spitze. Die Fachausdrücke sind teilweise unsicher.
460 siddhyai muktyai samastāstu madhyaṃ lakṣānurodhataḥ |
adhastāt paṭṭike vṛtte sārordhvaṃ vṛtta paṭṭikā ||
Alle diese Formen dienen Vollendung und Befreiung; die Mitte folgt ihren besonderen Merkmalen. Unten liegen runde Leisten, über dem Kern wiederum eine runde Leiste.
461 tasyordhvaṃ kurparī kāryāstadūrdhvaṃ kalaśaṃ viduḥ |
triśūlantu tadūrdhvaṃ syāt tayorlakṣaṇamucyate ||
Darüber befinden sich Kurpari und Kalasha, über diesem der Dreizack. Ihre Merkmale werden nun erklärt.
462 ṣaḍbhānu bhājite kṣetre kalaśaṃ vartayeddhare |
liṅgāyāma samāyāme tadarddhena tu vistare ||
Den Kalasha forme man auf einer in sechsundzwanzig Teile gegliederten Fläche; seine Länge entspricht der Lingamlänge, seine Breite deren Hälfte.
463 aṅgahīnāṃśatocchre dhārasāṃśaistu pravistṛtā |
pādapaṭṭī samuddiṣṭā bhāge nollāsa nirmitiḥ ||
Die Fußleiste erhält die genannten Höhen- und Breitenanteile; ein Teil bildet den ansteigenden Übergang. Die Zahlenfolge ist verderbt.
464 ucchrayo vistarastasya vedabhāgena suvrata |
tatpaṭṭīpāda bhāgoccā yathā śobhā pravistṛtā ||
Dessen Höhe und Breite betragen vier Teile. Seine Leiste ist einen Viertelteil hoch und so breit, wie es der schönen Form entspricht.
465 kuṃbhikā tasya rāmāṃśairbhāgārddhena samucchritā |
kūrparaṃ vāma dakṣañca sārddhavahyaṃ śatocchritam ||
Das Krugglied erhält drei Teile in der Breite und einen halben in der Höhe. Links und rechts werden die Schulterwölbungen nach den angegebenen Anteilen gebildet. Die Schlusszahl ist unsicher.
466 sūtra bhrameṇa kartavyantataḥ skandhaṃ vivartanam |
kūrparānta dvibhāgānte savyaskandho bhramād bhavet ||
Mit kreisender Messschnur forme man die Wölbung und anschließend die Schulter. Zwei Teile vom Ende der Wölbung entfernt entsteht die linke Schulter.
467 apasavyo bhrameṇaiva dvibhāgānte śatakrato |
unnatā vistṛtā grīvāsārakarṇāṃśikā tataḥ ||
Die rechte entsteht entsprechend durch entgegengesetzte Kreisführung. Danach wird der Hals mit eigener Höhe und Breite angelegt. Die Halsmaße sind verderbt.
468 brahmānanaiḥ kapolaḥ syādarddhabhāgasamucchritaḥ |
arddhe naiva samullāsaḥ padmaṃ netrāṃśakocchritam ||
Die Wange erhält vier Teile und einen halben Teil Höhe, der ansteigende Übergang ebenfalls einen halben; der Lotus ist zwei Teile hoch.
469 andhālairbhūṣayet kuṃbhaṃ guṇabhāgāvalaṃvitaiḥ |
aśoka pallavaiścitrairyadvā cūta samudbhavaiḥ ||
Den Krug schmücke man mit drei Teile herabhängenden Gebinden und bunten Ashoka- oder Mangoblättern. Der erste Ornamentname ist unsicher.
470 kuṃbhāsyaṃ śobhayedetairyathā śobhā valaṃvibhiḥ |
lakṣānurodhataḥ kāryaṃ rūpaṃ nyūnādhikaṃ hare ||
Die Blätter hängen schön über die Krugöffnung. Nach den Formmerkmalen darf die Gestalt angemessen größer oder kleiner ausfallen.
471 kalaśa lakṣaṇaṃ khyātaṃ triśūlaṃ vacmi sāmpratam |
dvandvānalāṅgulaṃ jyeṣṭhe veda yugmaistu madhyame ||
Der Kalasha ist beschrieben; nun der Dreizack. Die große Ausführung misst zweiunddreißig Fingerbreiten, die mittlere vierundzwanzig.
472 rasa candraiḥ kaniṣṭheḥ syāt triśūlaṃ surasattama |
sa tāragolakatyāgādadhodaḥ syād dvayandvayam ||
Die kleine misst sechzehn Fingerbreiten. Weitere Zwischenstufen entstehen durch paarweise Abnahme der angegebenen Einheiten. Die Abnahmeeinheit ist verderbt.
473 koṇāsre tuṣṭi tuṣṭyaṃśe madhyaśūlaṃ grahāṃśakaiḥ |
yakṣāṃśa vistṛtirmadhye tīkṣṇāgra manupātataḥ ||
Die Fläche wird entsprechend gegliedert; die mittlere Spitze erhält neun Teile und läuft scharf zu. Breitenmaß und Ausgangsraster sind unsicher.
474 mūle bhāgapravistīrṇaṃ yadvā śobhānurūpataḥ |
mātrāṃśa vistṛtandīrghaṃ rasāṃśaiḥ sūtrabhramaṇāt ||
An der Wurzel ist sie einen Teil breit oder wird nach schöner Proportion gestaltet. Ein weiterer Abschnitt ist einen Teil breit und sechs lang, mit der Schnur gerundet.
475 madhye hastaṃ vyavasthāpya vṛttākāraṃ suśobhanam |
vahirmadhye karandhṛtvā madhye saptāṃśasaṃsthitam ||
Man setze den Zirkelpunkt in der Mitte und schlage eine schöne Rundung; ein weiterer Mittelpunkt liegt sieben Teile vom inneren Bezugspunkt entfernt. Der geometrische Bezug ist unsicher.
476 bhrāmayed dakṣa hastena pārśvayoḥ śūlasiddhaye |
adho rekhā dvayaṃ kāryamarddhacandro pumaṃ hare ||
Mit der rechten Hand führe man die Kreislinie, um die seitlichen Spitzen zu bilden. Unten zeichne man zwei halbmondähnliche Linien.
477 sārddhapakṣāṃśa sūtreṇa vistṛtirbhāgasaṃmitā |
śṛṅgayorvāhya rekhinyau vāhyavṛttena vinyaset ||
Mit einer zweieinhalbteiligen Schnur wird die einteilige Breite bestimmt. Die äußeren Linien der beiden Spitzen folgen dem äußeren Kreis.
478 mdhyasthe caiva rekhe dve madhya vṛttena yojayet |
adhobhāga dvayaṃ kiñcid vibhāgāntarasaṃsthitam ||
Die beiden inneren Linien verbinde man mit dem mittleren Kreis; die unteren Abschnitte bleiben durch einen kleinen Zwischenraum getrennt.
479 arddhacandravidhānena bhrāmayet syād yathā gatiḥ |
gaṇḍikā bhūṣitaṃ mūle kuśanturyāsrakantvadhaḥ ||
Man führe die Rundung halbmondförmig passend weiter. An der Basis liegen Knaufglieder, darunter ein viereckiger Zapfen.
480 śeṣarekhā vināśena triśūlaṃ parikīrtitam |
pārśvayorddhāmasūtreṇa vinyaset kalaśopari ||
Nach Tilgung der Hilfslinien ist der Dreizack vollendet. Mit den seitlichen Tempelachsen richte man ihn auf dem Kalasha aus.
481 agre pṛṣṭhe ca yat sūtraṃ madhyaśūlena saṅgatam |
jagatī vandhakaṃ vakṣe dikṣu devālayaiḥ saha ||
Die vordere und hintere Achse treffen die mittlere Spitze. Nun erkläre ich die Terrasse samt den Heiligtümern in den Himmelsrichtungen.
482 prāsādārddhena sā kāryā pādonā vātha tatsamā |
maṇḍapāgre ca tat tulyā caturasrā suśobhanā ||
Die Terrasse beträgt die Hälfte des Tempelmaßes, ein Viertel weniger oder das gleiche Maß. Vor der Halle ist sie entsprechend quadratisch und schön.
483 prāsādārddhena tadvāhye dikṣvaṣṭau devatā laye |
tadarddhaṃ vāhyatastyaktā bhittirvandhantu kārayet ||
Außerhalb stehen in einem halben Tempelabstand acht Götterhäuser in den Richtungen. Nochmals die Hälfte davon entfernt errichte man die Umfassungsmauer.
484 prāsādabhittivatkāryañjagatyā bhitti vandhanaṃ |
prāsāda samasaṃsthānākhurādi bhūṣaṇānvitā ||
Die Terrassenmauer wird wie die Tempelmauer ausgeführt, mit entsprechender Gestalt und Fuß- sowie weiteren Profilen.
485 ūrddhvaṃ varaṇḍikā yuktā yathā vā tuṣṭi mā vahet |
ajaṃ nandīṃ mahākālaṃ prāci vā vajrapāṇinam ||
Oben trägt sie ein Gesims oder die gewünschte schöne Ausformung. Im Osten stehen Brahma, Nandi, Mahakala oder Vajrapani.
486 arddhanārīśvaraṃ sūryamāgneyyāṃ vā hutāśanam |
mātṛcakraṅgaṇeśamvā kṛtāntandakṣiṇe sthitam ||
Im Südosten Ardhanarishvara, die Sonne oder das Feuer; im Süden der Kreis der Mütter, Ganesha oder Yama.
487 aśvinau snāyu (bhṛṅgī)sannaddhaṃ nir-ṛtyannair-ṛte nyaset |
mṛtyughnaṃ yoginaṃ devaṃ vāruṇe varuṇannyaset ||
Im Südwesten die Ashvins, Bhringi oder Nirriti; im Westen der todüberwindende yogische Gott oder Varuna. Die Lesart Bhringi steht als erklärende Variante in der Vorlage.
488 ṣaṇmukhaṃ viśvakarmāṇaṃ vāyavyāmeṇagaṃ nyaset |
kuberaṃ lokapairyuktaṃ saumye devīmumāṃ nyaset ||
Im Nordwesten der Sechsgesichtige, Vishvakarman oder der antilopenreitende Windgott; im Norden Kubera mit den Welthütern oder die Göttin Uma.
489 cakriṇaṃ caṇḍanāmānamīśānaṃ vā svagocare |
prāsādābhimukhāḥ sarve madhyasūtra vivarjitāḥ ||
Der Diskusträger, Chanda oder Ishana steht am eigenen Ort. Alle sind dem Haupttempel zugewandt, aber nicht unmittelbar auf dessen Mittellinien.
Klöster und Königssitze

490 maṭhaścāntaka digbhāge liṅgināṃ sthitaye hitaḥ |
yataste dakṣiṇāsāyāṃ vaseyuḥ śivabhāvitāḥ ||
Im Süden soll ein Kloster für die Lingaträger liegen, damit die auf Shiva Ausgerichteten dort wohnen können.
491 prāsādavistaraṃ sūtrantanmānañjagatī vahiḥ |
prākāraṅkārayet tyaktā tataścāśramiṇāṅgṛham ||
Außerhalb der Terrasse lasse man einen Abstand in Tempelbreite und errichte die Umfassung; daran schließen sich die Wohnhäuser der Ashrambewohner an.
492 maṭhāgre tatsamantyaktā siṃhoyaṃ dakṣiṇe sthitam |
vṛṣoya paścime jñeyaṃ dhvajeyaṃ pūrvataḥ sthitam ||
Vor dem Kloster bleibt ein entsprechender Raum frei. Die südliche Anlage wird dem Löwen, die westliche dem Stier und die östliche dem Banner zugeordnet.
493 vipulaṃ vā prakartavyaṃ karturicchāvasena tu |
caturasre śarairbhakte madhyantyaktā vilopayet ||
Nach Wunsch des Stifters kann die Anlage größer sein. Man teile das Quadrat fünffach und halte die Mitte frei.
494 gṛhāṇāṃ svecchayā nyāsaḥ saumye syād vaśanirgamaḥ |
ekabhaumaṃ dvibhaumaṃ vā tribhaumaṃ vā yathāsukham ||
Die Häuser können nach Wunsch angeordnet werden; im Norden liegt der Ausgang. Sie dürfen ein-, zwei- oder dreigeschossig sein.
495 dīrghaśālā vṛtaṃ vāhye prāciyāgālayānvitam |
pākādi gṛha vinyāsaṃ yathāyogaṃ niveśayet ||
Außen ist die Anlage von einer langen Halle umgeben, im Osten liegt der Opferraum. Küchen und weitere Räume werden zweckmäßig angeordnet.
496 pūrvoktamantarañcārddhantasyāpyarddhaṃ yathāyatham |
maṭhikaikā trayaṅkāryaṃ paṭṭaśālā catuṣkikā ||
Man nehme den zuvor genannten Abstand, dessen Hälfte oder wiederum die Hälfte. Ein oder drei kleine Klostergebäude und eine vierteilige Halle werden vorgesehen. Die Zuordnung ist unsicher.
497 bhūmayaḥ pūrvamuddiṣṭhā vittābhāve kuṭī matā |
samasūtraṃ su saṃsthānaṃ vāstu pūjāpuraḥsaram ||
Die Geschosszahlen sind bereits genannt; bei geringen Mitteln genügt eine Hütte. Alles werde achsengerecht und wohlgeordnet nach Verehrung des Vastu gebaut.
498 liṅgināñca gṛhaṅkāryammahāpuṇya jigīṣayā |
etadeva mahāpuṇyaṅkathayāmi tavākhilam ||
Wer großes religiöses Verdienst erstrebt, soll den Lingaträgern ein Haus errichten. Dieses große Verdienst erkläre ich dir vollständig.
499 saṃsthāpya sthāvaraṃ liṅgamprāsāde yad bhavet phalam |
tatphalaṃ labhate vidvān maṭhe saṃsthāpya jaṅgamam ||
Welchen Lohn die Einsetzung eines unbeweglichen Lingams im Tempel bringt, denselben erlangt der Kundige, wenn er im Kloster ein bewegliches, lebendiges Lingam beherbergt.
500 purādau nūtanārambhe ucchannevā purātane |
ādau saṃpūjayed vāstuṃ khaviyadindu bhājite ||
Beim Neubau einer Stadt oder der Wiederherstellung einer verlassenen alten Anlage verehre man zuerst den Vastu auf einem hundertfach gegliederten Plan.
501 carakyādyāḥ śarāvasthāḥ skandādyā vedasaṅgatāḥ |
ditīśāvantarikṣārci eṇa pitṛrūjānilaḥ ||
Charaki und die anderen erhalten ihre äußeren Plätze, Skanda und die übrigen vierteilige Bereiche. Es folgt die Aufzählung von Diti, Isha, Antariksha, Feuer, weiteren Gottheiten, Ahnen und Wind. Mehrere Namen sind verderbt.
502 padārddhārddha bhujaḥ śeṣāḥ padāvasthāḥ purandara |
tadvadā pādapastvaṣṭau marīcādyā rasādhipāḥ ||
Die genannten Gottheiten erhalten halbe Felder, die übrigen ganze. Apavatsa und die weiteren acht werden entsprechend angeordnet, Marichi und die übrigen erhalten je sechs Felder.
503 svayambhūrvedasaṃsthastu pūjā homādi pūrvavat |
ādiliṅgairguṇāñjñātvā bhruvo yatra guṇotkaṭam ||
Brahma steht auf vier Feldern; Verehrung und Feueropfer erfolgen wie zuvor. An den anfänglichen Zeichen erkenne man die hervorstechenden Eigenschaften des Bodens.
504 sthānaṃ bhūbhṛnnivāsāya trividhantadbhutyapekṣayā |
viyadrasagrahairekaṃ viyannāgayamendubhiḥ ||
Der Königswohnsitz wird nach Vermögen in drei Größen bestimmt; die ersten beiden Flächenmaße werden durch die angegebenen Zahlenwörter bezeichnet. Die Zahlenketten sind nicht sicher auflösbar.
505 khaviyadrasarūpaistu tṛtīyaṃ kṣetra lakṣaṇam |
caturasraṃ smṛtaṃ kṣetraṃ rājñāmāyatanasya tu ||
Eine weitere Zahlenfolge bezeichnet das dritte Maß. Der Grundriss des königlichen Wohnsitzes soll quadratisch sein.
506 durgādau sanniveśe tu pādabhāgāya taṃ smṛtam |
kanyasaṃ madhyamañjyeṣṭhannṛpā vāsaṃ vibhūtitaḥ ||
Bei Festungsanlagen gilt eine Verlängerung um ein Viertel. Klein, mittel oder groß ist der Königssitz je nach Wohlstand.
507 sādhayitvā purā tatra sūtrantārādi sādhanaiḥ |
digvidikṣu samaṅkṛtvā jñātvā vai mandirāpatim ||
Zuerst bestimme man die Achsen durch Sterne und andere Hilfsmittel, richte Haupt- und Zwischenrichtungen aus und bestimme den Herrn des Hauses.
508 prāsādavad yajed vāstuṃ śilānyāsantu kārayet |
pīṭhocchritiṃ tridhā jñātvā jyeṣṭhamadhya kanīyasīm ||
Wie beim Tempel verehre man den Vastu und lege die Grundsteine. Die Sockelhöhe wird in großer, mittlerer oder kleiner Ausführung bestimmt.
509 brahmasthāne gṛhaṅkuryānnāgadikkaramānakam |
bhūtayugmaistato vāhye prākāraṃ parikalpayet ||
Am Brahma-Ort errichte man das Hauptgebäude nach dem genannten Ellenmaß, außerhalb die Umfassung in dem vorgeschriebenen Abstand. Die Zahlenwerte sind textlich unsicher.
510 diśābhiścāntarantyaktā khaviyattanubbirgṛham |
dakṣiṇe yamarānnastanedanāgairjaleśagam ||
Nach Freilassen der Richtungsabstände folgen weitere Gebäude im Süden und Westen. Die zugehörigen Zahlenketten sind verderbt; eine zuverlässige Maßübersetzung ist nicht möglich.
511 uttaraṃ rasa gotraistu pāda saṃvarddhitāni tu |
pṛthak prākāra guptāni śeṣāṇyarddhārddhato bhajet ||
Im Norden wird ein weiteres Maß genannt; die Gebäude wachsen um ein Viertel und werden durch eigene Mauern geschützt. Die übrigen Bereiche teile man jeweils zur Hälfte.
512 dhvajaṃ dhūmaṃ tathā siṃhaṃ śvāvṛṣokhara kuñjarau |
dhvāṃkṣañcaiva yathā nyāyaṃ pūrvādāvāyasaṃsthitiḥ ||
Banner, Rauch, Löwe, Hund, Stier, Esel, Elefant und Krähe bezeichnen der Reihe nach die Ayas in den Richtungen, beginnend im Osten.
513 pūrvavadantarantyaktā vedāsraṃ kārayed vahiḥ |
mūla gṛhasya pādena navadhā bhājayet punaḥ ||
Nach Freilassen des früher genannten Abstands errichte man außen ein Quadrat und teile es nach einem Viertel des Hauptgebäudes neunfach.
514 īśādau kathyate nyāsaḥ saṃkṣiptante prarandara |
śānti cihnālayandharmastvakāndhāna vastrakam ||
Die Anordnung beginnt im Nordosten: Räume für Befriedungsrituale und Herrschaftszeichen, für religiöse Aufgaben, die genannten Vorräte und Kleidung. Einzelne Raumnamen sind verderbt.
515 yugme pākañca pātrāṇāṃ bhojanārthopayoginām |
vitathe mantriṇāṃ sthāna mantra mārgopadeśinām ||
Zusammen liegen Küche und Gefäße für die Mahlzeiten. Im Vitatha-Bereich wohnen die Ratgeber, die den Weg der Mantras lehren.
516 śastramantaḥ puraṅgāt kastūrī sauca veśma ca |
tāṃ mūlaṃ saṅgrahaḥ strīṇāṃ pācakānstrī niyāmakān ||
Es folgen Räume für Waffen, Frauengemächer, die genannten Duftstoffe, Reinigung, Betelvorräte, Frauen, Köche und die Aufsicht über die Frauen. Die Liste ist teilweise verderbt.
517 bhojyaṃ senāpatirmantrī vaidya gandhopajīvinām |
maṇipuṣpādi saṃsthānaṃ mukhye dūta gṛhantataḥ ||
Ferner Speisenlager und Räume für Heerführer, Minister, Ärzte, Duftstoffhändler sowie Edelsteine und Blumen; im Mukhya-Bereich das Botenhaus.
518 rājahastyādi saṃsthānaṃ kṣīrārthaṃ kāṣṭhikaṅgṛham |
utsāra kālayaṃ cānte ityevaṃ bhūbhujāṅgṛham ||
Hinzu kommen Plätze für königliche Elefanten, Milchversorgung, Holz und Reinigungspersonal. So ist das Haus des Herrschers gegliedert.
519 mahārājādhirājasya jñeyametacchacīpate |
vihāya vāhyage hāni sthitirmadhya yathā grahaiḥ ||
Dies gilt für einen Großkönig, Herr der Shachi. Bei Wegfall äußerer Gebäude bleibt die entsprechende mittlere Anlage erhalten.
520 sāmānyasya nṛpasyaivaṃ kanyasasya viparyayaiḥ |
nyūnaṃ vāpyadhikaṅkāryaṃ jñātvā bhūti valāvalam ||
So verfahre man bei einem gewöhnlichen König, mit weiteren Abwandlungen bei einem kleineren. Größe und Umfang richten sich nach Vermögen und Macht.
521 hastyaśvādi kṛte śeṣaṃ subhṛtyānāṃ yathā sukham |
prākāraṃ kārayed vāhye śikhāhālādi bhūṣitam ||
Die verbleibenden Räume sind für Elefanten, Pferde und gute Diener bestimmt. Außen errichte man eine Umfassungsmauer mit Zinnen und weiterem Schmuck.
522 pratolī turya saṃyuktaṃ vedāmrādyaiḥ sumaṇḍapaiḥ |
aṣṭhahastocchritaṃ kāryam pṛthutvaṃ sudṛḍhaṃ yathā ||
Sie besitzt vier Torbauten und schöne Hallen. Ihre Höhe beträgt acht Ellen, ihre Breite soll ausreichende Festigkeit gewährleisten.
523 vahirvahisthitānāntu madhyasthānāṃ ruciryathā |
yākṣaṃ jalādhipaṃśākraṃ tridvāraṃ vāhayet sadā ||
Die äußeren und inneren Bereiche werden passend angeordnet. Die drei Tore im Norden, Westen und Osten sollen gewöhnlich offenstehen.
524 dakṣadvāraṃ sadāpihitaṃ saṅgrāmeṇa vinā hare |
vahiḥ khāti kapāyuktantadvahiḥ śastribhirbhaṭaiḥ ||
Das Südtor bleibt außer im Kriegsfall geschlossen. Außen liegt ein Graben, jenseits davon stehen bewaffnete Soldaten.
525 saptaprākāra yuktaṃ vā mahārājādhi mandiram |
dvāre dvāre niyoktavyāḥ kāṣṭhikāḥ śaskiṇo bhaṭāḥ ||
Der Großkönigspalast kann sieben Umfassungen besitzen. An jedem Tor stehen Pförtner und bewaffnete Wachen.
526 dṛḍhaṃ parīkṣitaṃ dvāraṃ vāhyato viśataḥ kramāt |
antarvāso na kasyāsti yāvannā vedayennṛpaḥ ||
Die Tore sollen fest und die Eintretenden jeweils überprüft sein. Niemand erhält inneren Aufenthalt, bevor der König unterrichtet ist.
527 rājñatva viditāstatra na viśanti kadācana |
evaṃ nityanuraktasya kalyāṇaṃ nṛpateḥ sadā ||
Dem König Unbekannte dürfen nicht eintreten. Solche beständige Wachsamkeit dient dem Wohlergehen des Herrschers.
528 dvāre dvāre caturdikṣu haṭṭaḥ kāryaḥ suśobhanaḥ |
pūrva haṭṭasya madhye tu āyataḥ saumyayāmyayoḥ ||
An den Toren aller vier Richtungen errichte man schöne Märkte. In der Mitte des östlichen Marktes verläuft eine Nord-Süd-Verbindung.
529 nagarī niṣkāśa paryantaṃ haṭṭamārgaḥ suśobhanaḥ |
evaṃ dakṣe tathā varuṇe saumye mārga catuṣṭayam ||
Die schöne Marktstraße reicht bis zum Stadtausgang. Entsprechend entstehen im Süden, Westen und Norden die vier Straßen.
530 udak pūrvādi viprādī nyathā sthānaṃ niveśayet |
kharāsamāditaḥ kṛtvā koṇakoṇakaracyutam ||
Die sozialen Gruppen werden, beginnend im Norden und Osten, ihren Orten zugeordnet. Die Hausgrößen folgen einer abnehmenden Ellenreihe. Ausgangswert und Schrittweite sind verderbt.
531 aṣṭādaśāvasānañca dairghyād gṛha catuṣṭayam |
caturṇāmapi varṇānāṃ jñātvā hāniṃ prakalpayet |
pūrvāmukhañjapaṃ śakraṃ pūṣā * *? rva dakṣiṇam |
sugrīvaṃ puṣpadantañca pracetaḥ paścimāmukham ||
Vier Hauslängen reichen bis achtzehn Ellen und werden den vier Varnas zugeordnet. Die ost-, süd- und westgerichteten Türen liegen in den genannten Gottheitsfeldern, darunter Sugriva, Pushpadanta und Prachetas. Die südliche Namensreihe ist lückenhaft.
532 mukhyaṃ somañca bhallāṭaṃ dvāradairghyeṇa kārayet |
tadvāhye rakṣasārthantu bhṛtyavargānniveśayet ||
Im Norden gelten Mukhya, Soma und Bhallata als Türfelder. Außerhalb bringe man zum Schutz die Dienerschaft unter.
533 prajāpālaḥ smṛto rājā tasmānnyāyyantu rakṣaṇam |
varṇānāmanupūrveṇa dharmaṃ deśāpayennṛpaḥ ||
Der König gilt als Beschützer der Bevölkerung; darum muss sein Schutz gerecht sein. Er soll die Menschen entsprechend ihrer überlieferten Ordnung im Dharma unterweisen lassen.
534 śruti smṛti purāṇāni āgamā dharma deśakāḥ |
etairyo vartate rājā sa rājyaṃ bhuñjate ciram ||
Shruti, Smriti, Puranas und Agamas lehren Dharma. Ein König, der danach handelt, genießt seine Herrschaft lange.
535 purāṇaṃ vādhyate vedai rāgamaiśca taduktayaḥ |
sāmānyañca viśeṣañca śaivaṃ vaiśeṣikaṃ va ca ||
Puranische Aussagen werden durch die Veden und deren Aussagen durch die Agamas begrenzt. Es sind allgemeine und besondere Lehren sowie besondere shaivische Bestimmungen zu unterscheiden.
536 vādhyavādhaka bhāvena novikalpaṃ vicakṣaṇaiḥ |
yadyathāvasthitaṃ vastu sarvajñastattadā vradet ||
Die Kundigen sollen solche Beziehungen von Geltung und Begrenzung nicht willkürlich auflösen: Der Allwissende lehrte jedes Ding entsprechend seiner wirklichen Beschaffenheit.
537 āgamānāṃ vahutve tu yatra vākya dvayaṃ bhavet |
kiṃ pramāṇantadā grāhyaṃ pramāṇaṃ śāṅkaraṃ vacaḥ ||
Wenn in der Vielzahl der Agamas zwei widersprechende Aussagen auftreten, was ist dann maßgeblich? Maßgeblich ist das Wort Shankaras.
538 granthād granthāntaraṃ ṭīkā sāpekṣa nirapekṣayoḥ |
samādhanantapoḥ kāryamarthāpatyādi sādhanaiḥ ||
Texte, andere Texte und Kommentare, abhängige und unabhängige Aussagen sind durch begründete Folgerung und weitere Erkenntnismittel miteinander in Einklang zu bringen.
539 evaṃ jñātvā surādhyakṣa nirvṛti paramāmvuja |
evaṃ dharmānvite rājñi svarāṣṭre sarvadā śivam ||
Erkenne dies, Herr der Götter, und gelange zu höchstem Frieden. Unter einem im Dharma gefestigten König herrscht beständig Heil im Land.
540 nṛpālayādvahirdikṣurhaṭṭānāṃ pārśvayordvayoḥ |
pṛthaklīmā paricitāt prasādāt kārayen nṛpaḥ ||
Außerhalb des Königssitzes lasse der Herrscher in den Richtungen beiderseits der Märkte Tempel mit eigenen Grenzen errichten.
541 devatādhiṣṭhite sthāne dharmavṛddhirnṛpe yataḥ |
sanmukhā vimukhāḥ kāryāḥ karturicchāvasena tu ||
Wo Gottheiten gegenwärtig sind, wächst der Dharma des Königs. Die Tempel dürfen nach Wunsch des Stifters zugewandt oder abgewandt sein.
542 viśeṣavimukhānāntu rūpakasanmukhaṃ rathe |
tadrūpaṃ bhūṣaṇopetaṃ tadveṣāyudhadhāriṇam ||
Bei abgewandten Tempeln soll auf dem Wandvorsprung ein zugewandtes Gottheitsbild stehen, mit dem passenden Schmuck, Gewand und den zugehörigen Waffen.
543 varadābhayapāṇiñca nyasedevaṃ samāhitaḥ |
tulyamevaṃ dvayordṛṣṭaṃ rūpakaṃ sanmukhaṃ yataḥ ||
Es zeigt Wunschgewährung und Furchtlosigkeit. So besteht bei beiden Anordnungen Gleichwertigkeit, weil das Bild dem Betrachter zugewandt ist.
544 evaṃ kṛte mahāśāntirnṛperāṣṭre tu sarvadā |
tairevāntaritoścānye prasādāt tadvahiḥ sthitāḥ ||
Dies bringt König und Land großen Frieden. Weitere Tempel können dahinter, durch die ersten abgeschirmt, errichtet werden.
545 sanmukhā vimukhāḥ kāryāḥ karturicchā vasena tu |
sastairantaritāste tu nate doṣāvahāhare ||
Auch sie dürfen nach Wunsch zu- oder abgewandt sein; durch die dazwischenliegenden Anlagen verursachen sie keinen Fehler.
546 devatā rūpakairyuktā guṇotkarṣaṃ vahantite |
tebhyo yenye vahirbhūtāstatrāpyevaṃ vyavasthitiḥ ||
Mit Gottheitsbildern ausgestattet, erhöhen sie die günstigen Eigenschaften. Für weitere äußere Anlagen gilt dieselbe Ordnung.
547 nagarādvahiścaturdikṣu lakṣmī yakṣādhipau nyaset |
vibhūtiñcintyamānau tu nṛpasya tannivāsinām ||
Außerhalb der Stadt setze man in den vier Richtungen Lakshmi und den Herrn der Yakshas ein, auf das Wohlergehen des Königs und der Bewohner bedacht.
548 nagarābhimukhau kāryau varadā bhayapāṇinau |
niyamastatkṛte dṛṣṭo na sarvatra purandara ||
Sie sollen der Stadt zugewandt sein und Wunschgewährung und Furchtlosigkeit zeigen. Diese Regel gilt für diesen besonderen Fall, nicht unterschiedslos überall.
549 pūrvādau sarvato dikṣusvasthāne ye surālayāḥ |
sanmukhā vimukhāḥ kāryāḥ karturicchāvasena tu ||
Die sonstigen Götterhäuser in Osten und den weiteren Richtungen können an ihrem jeweiligen Ort nach Wunsch des Stifters zu- oder abgewandt sein.
550 pūrvavallakṣaṇairyuktāḥ śānti śreyaskarā nṛṇām |
evaṃ devālayairyukte yatphalantannigadyate ||
Mit den zuvor genannten Merkmalen bringen sie den Menschen Frieden und Heil. Nun wird die Frucht solcher Tempelanlagen erklärt.
551 dharma vṛddhirbhavennityaṃ kalyāṇaṃ sarvaprāṇiṣu |
rāja ca vartate nityaṃ sāmātyovalavāhanaiḥ ||
Dharma wächst beständig, allen Lebewesen wird Wohlergehen zuteil, und der König gedeiht mit Ministern, Heer und Fahrzeugen.
552 nopasargabhayantasya prātirājyo na durgatiḥ |
dharmavṛddhirbhavet kartuḥ putrapautrānvayaiḥ saha ||
Er braucht weder Unheil noch feindliche Herrschaft oder Niedergang zu fürchten. Das religiöse Verdienst des Stifters wächst mit Kindern, Enkeln und Nachkommen.
553 evaṃ sarvatra vijñeyaṃ purādau devatā layāt |
asmādi kalpitānāntu liṅgānāṃ nṛsvarūpiṇām ||
Dies gilt überall in Städten und anderen Orten für die Errichtung von Gotteshäusern und für die nach solchen Regeln gestalteten Lingams und menschenförmigen Bilder …
554 mānuṣaiḥ sthāpitānāntu nānyeṣāṃ pākaśāsana |
nāyaṃ vidhiḥ svayaṃ vaykte na vāṇe suranāyaka ||
… sofern Menschen sie eingesetzt haben. Für selbstmanifestierte Lingams und Bana-Lingams gilt diese Vorschrift nicht, Herr der Götter.
555 sanmukhau vimukhau kāryau sarvānugrahako yataḥ |
svocchavāṇe sadā devaḥ sannidhaḥ svecchayā śivaḥ ||
Sie dürfen zu- oder abgewandt sein, denn sie schenken allen Gnade. In selbstmanifestierten und Bana-Lingams ist Shiva aus eigenem Willen beständig gegenwärtig.
556 prāṇināmanukampārthanna tayorniyamaḥ kvacit |
prāsāde dvāra vinyāse pīṭhe caiva tu maṇḍape ||
Aus Mitgefühl mit den Lebewesen unterliegen diese beiden keiner entsprechenden Einschränkung, weder bei Tempel, Tür, Sockel noch Halle …
557 jagatī pāda vinyāse pratiṣṭhāsu na vidyate |
mahadbhiḥ sthāpitānāntu liṅgānāṃ ghaṭitātmanām ||
… noch bei Terrasse, Grundriss oder Einsetzungsritual. Für von großen Wesen eingesetzte, gestaltete Lingams …
558 vidhiḥ pūrvoditastatra prāsādādau na kutracit |
bhūparīkṣāṃ samārabhya prāsādāntampṛthakpṛthak ||
… gilt dagegen die zuvor genannte Regel, soweit sie deren Gestaltung betrifft. Von der Bodenprüfung bis zum Tempelbau wurden die Gegenstände einzeln behandelt. Die Abgrenzung im ersten Halbvers ist unsicher.
559 niḥsandigdhaṃ su saṃvedyaṃ sphuṭārthaṃ yat kramāgatam |
kathitante surādhyakṣa liṅgādau sthāpanaṃ śṛṇu ||
Was der Reihe nach klar zu erkennen ist, habe ich dir erklärt, Herr der Götter. Höre nun die Einsetzung des Lingams und der weiteren Heiligtümer.
560 iti mohacūrottare prāsādaprakhyāne caturthaḥ paṭalaḥ ||
So endet das vierte Kapitel des Mohacurottara über die Tempelbauten.
Weihe, Verehrung und Erneuerung
561 skanda uvāca ||
Skanda sprach:
562 kartuścaivānukūlena nakṣatrādau śubhe dine |
pratiṣṭhā śuklapakṣe tu śreṣṭhā codaggate ravau ||
Die Einsetzung soll an einem für den Stifter günstigen Tag mit passenden Sternkonstellationen geschehen, vorzugsweise in der hellen Monatshälfte und während des nördlichen Sonnenlaufs.
563 brāhmyaṃ śaivaṃ jalādhyakṣamāpyaṃ viśvādhi daivatam |
nāgaṃ sauraṃ hariṃ mitraṃ somaṃ śakraṃ sadāgatim ||
Günstig sind die Mondhäuser unter Brahma, Shiva, Varuna, den Wassern, den Vishvedevas, den Schlangen, der Sonne, Hari, Mitra, Soma, Indra und dem Wind …
564 tvaṣṭādhi daivataṃ pauṣṇaṃ vasavañca śubhāni tu |
pratiṣṭhā sarvadevānāmetaiḥ kāryā śatakrato ||
… sowie unter Tvashtri, Pushan und den Vasus. Unter diesen soll die Einsetzung aller Gottheiten erfolgen.
565 guruḥ śukro budhaścandro grahāḥ saumyāḥ prakīrtitāḥ |
dravyamāyuḥ prajāpuṣṭiṃ vāñchā prāpti karāstvime ||
Jupiter, Venus, Merkur und Mond gelten als freundliche Planeten; sie gewähren Besitz, Lebensdauer, Nachkommenschaft, Gedeihen und Wunscherfüllung.
566 na nyūnānādhikā kanyā jalādhāraṃ śivodvaham |
koṇalagnaṃ sadāśreṣṭhaṃ pratiṣṭhāyāṃ śivāgame ||
Jungfrau, Wasserträger und die weiteren bezeichneten Tierkreiszeichen gelten als günstig; bei der Einsetzung empfiehlt der Shaiva-Agama besonders einen günstigen Eckaszendenten. Die Zeichenliste ist verderbt.
567 chāgaṃ yugmaṅkulīrañca hariṃ kīṭantathaiva ca |
ṛtu rūpānalāgaiśca svarūpaiḥ śobhanaḥ śaśī ||
Widder, Zwillinge, Krebs, Löwe und Skorpion werden genannt; auch der Mond ist in den angegebenen Stellungen günstig. Die anschließende Zahlenreihe ist nicht sicher zuzuordnen.
568 maitraṃ paramamaitrañca saṃpatkṣemañca śāśvatam |
vavañca vālavañcaiva laulavantai tilantathā ||
Günstige Sternbeziehungen heißen Maitra, Paramamaitra, Sampat und Kshema; günstige Karanas Bava, Balava, Kaulava und Taitila.
569 tārākaraṇaṃ śubhaṃ śakra sarvadeva niveśane |
yugmābhūtārasānāgā diśā rudrā divākarāḥ ||
Diese Stern- und Karana-Konstellationen gelten bei jeder Göttereinsetzung als günstig. Von den Mondtagen werden der zweite, fünfte, sechste, achte, zehnte, elfte und zwölfte genannt …
570 kāmāpūrṇā surādhyakṣa tithayastu susammatāḥ |
bhaumamandau triṣaṣṭhasthau candrādityau tathā punaḥ ||
… ferner der dreizehnte und der Vollmondtag. Mars und Saturn gelten im dritten und sechsten Haus als günstig; es folgen Sonne und Mond.
571 daśamau tu muniścandrau dvisaptāhūḥ śarairguruḥ |
yugmaturya rasāṣṭaistu daśasthaḥ śobhano budhaḥ ||
Weitere günstige Planetenstellungen werden aufgezählt; Merkur ist im zweiten, vierten, sechsten, achten und zehnten Haus günstig. Die vorausgehenden Mond- und Jupiterangaben sind verderbt.
572 rasasapta daśārkastha śukrastyājyaḥ prayatnataḥ |
utpātañcaiva kāṇañca mṛtyuyogaṃ vivarjayet ||
Venus im sechsten, siebten, zehnten und zwölften Haus meide man sorgfältig, ebenso die ungünstigen Yogas Utpata, Kana und Mrityu.
573 kṣetra ṛkṣe grahāḥ sarve yamaghaṇṭeti niścitāḥ |
yasmāt te sarvakāryaghnā pratiṣṭhāyāṃ na yojayet ||
Die als Yamaghaṇṭa bezeichneten Verbindungen von Planeten und Sternbereichen gelten als zerstörerisch für Vorhaben und sind bei der Einsetzung zu meiden. Die Einzelzuordnung fehlt.
574 kṣīṇacandrastathāditya kujārkistairyuto budhaḥ |
pāpāḥ pāpāṃśayā yasmāt sarvakārye vivarjayet ||
Abnehmender Mond, Sonne, Mars, Saturn und der mit ihnen verbundene Merkur gelten als ungünstig und sollen bei entsprechenden schlechten Teilstellungen gemieden werden.
575 rajanīṃ prāpya sarveṣāṃ prabhāvo na yathā divā |
ānandāmṛta siddhaistu yogairnaimittikaiḥ śubhāḥ ||
Nachts ist ihre Wirkung nicht wie am Tag. Günstig sind die anlassbezogenen Verbindungen Ananda, Amrita und Siddha.
576 praśastā sarvakāryaṃṣu pratiṣṭhāyāṃ viśeṣataḥ |
māgha phālguna vaiśākhe āṣāḍhe vā śubhe dine ||
Sie werden für alle Vorhaben, besonders für die Einsetzung, gepriesen; günstig sind geeignete Tage in Magha, Phalguna, Vaishakha oder Ashadha.
577 kendrasthe ca gurau śukre na lagne doṣadā grahāḥ |
naṣṭa candre tathā śukre gurāvastavanaṅgate ||
Jupiter und Venus sollen in günstigen Eckhäusern stehen, schädliche Planeten nicht im Aszendenten. Sind Mond oder Venus unsichtbar oder Jupiter untergegangen …
578 pratiṣṭhādau śubhāraṃbhaṃ dūrayātrāṃ na kārayet |
saubhāgyaḥ śobhanā yuṣmān siddhaḥ sāddhyaḥ śivaḥ śubhaḥ ||
… beginne man weder Einsetzung noch andere glückverheißende Vorhaben oder weite Reisen. Günstige Yogas heißen Saubhagya, Shobhana, Ayushman, Siddha, Sadhya, Shiva und Shubha …
579 vṛddhiḥ prītirdhṛtiḥ siddhirdhruvaḥ śuklaśca śobhanāḥ |
yajamānasyānukūlena prāsādāgre tu kārayet ||
… ferner Vriddhi, Priti, Dhriti, Siddhi, Dhruva und Shukla. Dem Stifter entsprechend errichte man vor dem Tempel den Ritualbau.
580 uttamaṃ veda yugmaistu vasvekena tu madhyamam |
yugmendu kanyasandhāma jñātvānyatra prayojayet ||
Die große Ausführung misst vierundzwanzig, die mittlere achtzehn, die kleine zwölf Ellen; bei anderen Verhältnissen passe man dies sachgerecht an.
581 caturasraṃ samaṅkṛtvā vāstu miṣṭvā yathā purā |
khātvāśalyoddhṛtiṃ kṛtvā pūrayitvā dṛḍhaṃ yathā ||
Man bilde ein ebenes Quadrat, verehre den Vastu wie zuvor, grabe den Boden aus, entferne Störstoffe und fülle ihn wieder fest auf.
582 tribhāga vedikā yuktaṃ koṇastaṃbha virājitam |
vāhyepyeva vidhaṃ staṃbhairyajña vṛkṣa samudbhavaiḥ ||
Der Bau erhält eine entsprechend dreigeteilte Vedi und Eckpfosten; auch außen stehen Pfosten aus für Opfer geeigneten Bäumen.
583 daśāṣṭa ṣaṭkarocchedhairjyeṣṭhādīnāṃ krameṇa tu |
pradeśo vā yadā nāsti adho vā sudṛḍhaṃ yathā ||
Die Höhen betragen bei großer, mittlerer und kleiner Ausführung zehn, acht und sechs Ellen. Fehlt Raum, wähle man eine niedrigere, aber feste Ausführung.
584 yatrā bhāvastu vṛkṣāṇāntatra yadrucitaṅkuru |
uccā sūryāṅgulā vedī tatorddhāṅgula vicyutiḥ ||
Fehlen die vorgeschriebenen Bäume, verwende man geeignetes verfügbares Holz. Die Vedi ist zwölf Fingerbreiten hoch; bei den folgenden Größen nimmt sie um je eine halbe Fingerbreite ab.
585 jyeṣṭhajyeṣṭhyāsuraśreṣṭha jñātvānyatra prayojayet |
vindu vedāṅgulaṃ kuṇḍaṃ dṛktyāgāt tu yathākramam ||
Dies gilt ausgehend von der größten Ausführung. Die Feuergrube misst vierzig Fingerbreiten, bei den weiteren Größen jeweils zwei weniger. Das Zahlwort bindu wird hier als Null gelesen.
586 jyeṣṭhādikanyasāntāntāṃ vedī pādādvahiḥ kṛtam |
veda yugmāsitaṅkṛtvā aṅgulaṃ bhāgasaṃmitam ||
So werden die Größen von der größten bis zur kleinsten bestimmt. Die Grube liegt außerhalb eines Viertels der Vedi; das Maß wird in vierundzwanzig Angula geteilt.
587 tāvad bhiraṅgulairhastaṃ kuṇḍānāṃ parikalpayet |
hastamātraṃ khanet tiryag ūrdhvaṃ mekhalayā saha ||
Mit ebenso vielen Fingerbreiten bestimme man die Elle der Feuergruben. Die Grube wird eine Elle breit und einschließlich der Einfassung entsprechend tief angelegt.
588 vahiḥ khātāṅgulaṃ kaṇṭhaḥ sarvakuṇḍeṣvayaṃ vidhiḥ |
mekhalā tritayaṃ kāryaṃ koṇarāmayamāṅgulaiḥ ||
Außerhalb der Vertiefung liegt ein fingerbreiter Hals; dies gilt für alle Feuergruben. Drei Einfassungen werden mit den angegebenen Breiten angelegt. Das erste der drei Zahlenwörter ist unsicher.
589 dairghyāt sūryāṅgulānābhistryaṃśo nā vistareṇa tu |
ekāṅgulocchritā sā tu pratiṣṭhābhyantare tathā ||
Die als Nabel bezeichnete Zunge ist zwölf Fingerbreiten lang, in der Breite um ein Drittel vermindert und eine Fingerbreite hoch, entsprechend im Inneren angeordnet.
590 kuṃbha dvaya samāyuktā aśvatthadalavadyathā |
aṅuṣṭha mekhalā yuktā madhye tvājya dhṛtiryathā ||
Sie besitzt zwei Wölbungen und gleicht einem Ashvattha-Blatt. Ein daumenbreiter Rand hält in der Mitte die Opferbutter.
591 dakṣasthā pūrvayāmye tu jalasthā paścimottare |
dikṣu vedāsra vṛttāni pañcamantvīśagocare ||
Bei den östlichen und südlichen Gruben liegt sie rechts, bei westlichen und nördlichen wasserseitig. Die Gruben sind quadratisch oder rund; die fünfte steht im Nordosten.
592 tasya nābhirjale dakṣe yadiṣṭantatkariṣyati |
kuṇḍāni pañca ekaṃ vā kartavyaṃ pūrvataḥ sthitam ||
Deren Nabel kann westlich oder rechts liegen, je nach Ziel. Man errichte fünf Feuergruben oder nur eine im Osten.
593 caturmukhaḥ prakartavyaḥ snānākhyastasya cottare |
īśe prācyathavā kāryo vedikādvitayānvitaḥ ||
Der Badepavillon besitzt vier Zugänge und steht nördlich davon, alternativ im Nordosten oder Osten, mit zwei Altären.
594 nyagrodhodumvarośvattha plakṣāstoraṇa mūrtayaḥ |
sūryāṅgulādhikairnāgairaṣṭabhirmunibhiḥ karaiḥ ||
Die Torbögen bestehen aus Nyagrodha, Udumbara, Ashvattha und Plaksha. Ihre Höhen werden mit acht Ellen und zwölf Fingerbreiten, acht und sieben Ellen angegeben.
595 saptahastādadho yattu hastahasta paricyuteḥ |
toraṇadvitayaṃ khyātantadūrdhvaṃ toraṇa dvayam ||
Unterhalb von sieben Ellen nehmen zwei Torgrößen jeweils um eine Elle ab; zwei weitere liegen darüber. Die Einteilung der vier Hauptmaße ist nicht ganz klar.
596 antarālaṃ tridhābhājya ekatvena navaiva tu |
sarveṣāntoraṇānāntu pañcamāṃśaṃ praveśayet ||
Der Zwischenraum wird dreifach und weiter neunfach gegliedert. Alle Torpfosten werden zu einem Fünftel ihrer Länge eingelassen.
597 vistareṇocchrayantulyaṃ vāhulyena ṣaḍaṅgulam |
pañcahastāditaḥ kṛtvā varddhayedaṅgulāṅgulam ||
Höhe und Breite sind einander gleich; die Stärke beginnt bei sechs Fingerbreiten und nimmt von der fünfelligen Ausführung an jeweils um eine zu.
598 ucchrayaṃ pañcadhābhājya śūlaṃ pakṣāṃśa nirgatiḥ |
śākhayoraṅgulaiścūlā vasubhiścāṅgulantataḥ ||
Die Höhe wird fünffach geteilt; die Spitze ragt um zwei Anteile hervor. Die Pfostenköpfe erhalten acht Fingerbreiten und weitere Zuschläge. Der Schluss ist unsicher.
599 pūrvavṛkṣodbhavāstaṃbhā yājñikā vā abhāvataḥ |
dviguṇaṃ brahmaṇo bhāgāt kṣīravṛkṣasamudbhavam ||
Die Pfosten stammen aus den genannten Bäumen, ersatzweise aus anderem Opferholz. Ein weiteres Gerät wird aus milchsaftführendem Holz mit dem doppelten Brahma-Anteil gefertigt. Der Bezug ist unsicher.
600 padmāṅkañcatuścaraṇaṃ rasaikāṅgulamucchritam |
upaskarakuṭīkāryā vāruṇyāṃ maṇḍayārddhaka ||
Es ist lotusmarkiert, vierfüßig und sechzehn Fingerbreiten hoch. Im Westen errichte man eine Gerätehütte von halbem Hallenmaß.
601 sruk sruvau lakṣaṇo petau yajñavṛkṣasamudbhavau |
udumvarapalāśāmrarudrāśvatthamadhūkataḥ ||
Die Opferlöffel Sruk und Sruva werden nach ihren Merkmalen aus Opferholz gefertigt: Udumbara, Palasha, Mango, Rudra, Ashvattha oder Madhuka.
602 rasarāmāṅgulā kāryā dordaṇḍe nātha vā samā |
aṣṭāṅgulā smṛtā vedī kaṇṭhoṅguṣṭhaḥ phalaṃ svaraiḥ ||
Die Sruk misst sechsunddreißig Fingerbreiten oder eine Armlänge. Ihre Schale erhält acht, der Hals ein Daumenmaß, der vordere Teil sieben Fingerbreiten.
603 uttamāmadhyamā kanyā ekaikāṅgula hānitaḥ |
madhye vṛttantu saṃbhrāmya tyaktaikaṃ paṭṭikāṅgulam ||
Große, mittlere und kleine Ausführungen nehmen jeweils um eine Fingerbreite ab. Die Mitte wird rund ausgearbeitet, unter Belassung eines fingerbreiten Randes.
604 tatsamañcādha vāhulyaṃ samastañcaturaṅgulam |
pārśvayoraṅgulaṃ sthāpya kuṃbhākāramadho yathā ||
Die Stärke darunter entspricht diesem Maß, das Gesamtmaß beträgt vier Fingerbreiten. Seitlich bleibt je eine Fingerbreite; der untere Teil ist krugförmig.
605 agre tribhāga vistāramājyarandhra kaniṣṭhayā |
gaṇḍikādvyaṅgulā dīrghādaṇḍādekāṅgulādhikā ||
Vorn ist sie drei Teile breit; die Butteröffnung entspricht dem kleinen Finger. Der Knauf ist zwei Fingerbreiten lang und eine breiter als der Griff.
606 ṣaḍaṅgula parīṇāhaṃ śeṣaṃ daṇḍasya dīrghatā |
vṛttavatkalaśopetā tadaṅgohāstikaḥ sruvaḥ ||
Der Griff hat sechs Fingerbreiten Umfang und nimmt die restliche Länge ein. Die Sruva ist rund, mit Krugglied versehen und eine Elle lang.
607 pṛṣṭhe kuṃbha dvayopetaḥ paṅke gopadavadyathā |
dvyaṅgulaṃ puskarantasya daṇḍamekāṅgulaṃ viduḥ ||
Ihre Rückseite besitzt zwei Wölbungen wie ein Rinderhufabdruck im Schlamm. Die Schale misst zwei Fingerbreiten, der Griff eine.
608 gaṇḍikādviyavā tasya daṇḍāgre kalaśodgatiḥ |
vāhumātrāṃkuśaiḥ snigdhaiḥ kharāmadalavartitāḥ ||
Ihr Knauf misst zwei Gerstenkörner; am Griffende steht ein Krugglied. Aus geschmeidigem Kusha-Gras werden armlange, gedrehte Unterlagen gefertigt. Die Zahl der Halme ist verderbt.
609 viṣṭarāstu prakartavyā mūlāgre darbhagranthayaḥ |
tatsamā yajña vṛkṣotthā paridhayaḥ sulakṣaṇāḥ ||
Diese Unterlagen werden an Wurzel und Spitze mit Darbha geknotet. Gleich lang sind die wohlgeformten Begrenzungshölzer aus Opferbäumen.
610 prākṣeda mātrāḥ samidhaḥ sphuṭitā doṣavarjitāḥ |
arkodbhavāpalāśotthā khadirāṅgāpāmārgajā ||
Die Brennhölzer sind ungefähr eine Spanne lang, ohne Risse und Fehler: aus Arka, Palasha, Khadira und Apamarga …
611 aśvattho dumvarodbhūtāḥ śamīdūrvā samudbhavāḥ |
kuśotthā grahaśāntyarthantadabhāvāttilairyavaiḥ ||
… ferner Ashvattha, Udumbara, Shami, Durva und Kusha zur Befriedung der Planeten; fehlen diese, verwende man Sesam und Gerste.
612 indhanāni catuṣkāni praśastānyagni karmaṇi |
sauvarṇaṃ rājatantāmraṃ kukṣimatkamvukandharam ||
Vierkantige Brennhölzer werden für das Feuerwerk gepriesen. Gefäße aus Gold, Silber oder Kupfer sollen einen gewölbten Bauch und muschelförmigen Hals besitzen.
613 tadvaccakarkarī jñeyā surūpā cārūdarśanā |
abhāvānmṛdbhavaṃ sarvaṃ kṛṣṇāvartādi varjitam ||
Ebenso die schöne Karkari. Fehlen Metalle, dürfen alle Gefäße aus Ton sein, ohne schwarze Brandwirbel und andere Fehler.
614 kalaśāgaḍḍukāpyevaṃ kuṃbhāścaivopayoginaḥ |
lohitāḥ sasarāvāśca dīpavṛkṣādi mallikāḥ ||
Entsprechend beschaffe man Kalashas, Gießgefäße und sonstige Krüge, rötliche Tongefäße mit Deckelschalen, Lampenständer und kleine Schalen.
615 naivedyarandhanārthantu nānāpāka samuccayam |
akhilaṃ yāgasaṃbhāraṃ yāgabhūmau samāharet ||
Für die Speiseopfer sind die verschiedenen Kochgeräte bereitzustellen. Sämtliches Opferzubehör bringe man zum Ritualplatz.
616 pañcahastā dhvajāṃ kāryā vaipulyena dvihastikāḥ |
saptahastā patākāstu viṃśatyaṅgula vistṛtāḥ ||
Die Banner sind fünf Ellen lang und zwei breit; die Wimpel sieben Ellen lang und zwanzig Fingerbreiten breit.
617 pañcahastā dhvajānāntu pañcamāṃśa praveśitāḥ |
daśahastā patākānāṃ daṇḍāḥ pañcāṃśa veśitāḥ ||
Die Bannerstangen werden zu einem Fünftel eingelassen. Die Wimpelstangen sind zehn Ellen lang und werden ebenfalls zu einem Fünftel eingelassen. Die erste Stangenlänge ist textlich nicht klar vom Bannermaß getrennt.
618 sindūrā karvurā dhūmrā dhūsarā meghasannibhāḥ |
haritā pāṇḍuvarṇā ca śubhrāḥ pūrvāditaḥ kramāt ||
Beginnend im Osten lauten die Farben: zinnoberrot, bunt, rauchfarben, staubgrau, wolkenfarben, grün, blass und weiß.
619 evaṃ varṇādhvajāḥ kāryāḥ patākāpākaśāsana |
madhye śvetātha vā pītā darpaṇādyupaśobhitā ||
So werden Banner und Wimpel gefärbt. In der Mitte ist die Farbe weiß oder gelb, mit Spiegeln und weiterem Schmuck.
620 maṇḍapāntaṃ vitānaṃ syādatha vā vedikopari |
vastrairullocayet staṃbhāntathā toraṇa mūrtayaḥ ||
Ein Baldachin überdeckt die Halle oder den Altar. Pfosten und Torbögen werden mit Stoff behängt.
621 śāntaḥ śiśira paryanya viśokāpyāyakā mṛtān |
dhanaśrī śauca stambhādho dvau dvau ratna yutau nyaset ||
Unter den Pfosten stehen paarweise edelsteingefüllte Krüge namens Shanta, Shishira, Parjanya, Vishoka, Apyayaka, Amrita, Dhanashri und Shaucha. Einige Namen sind orthographisch unsicher.
622 cūtapallavaśobhāḍhyānpratyekaṃ kaṇṭha vāsasān |
kadalī staṃbha vinyāsaiḥ sragdāma cūta pallavaiḥ ||
Jeder trägt Mangoblätter und ein Tuch um den Hals. Bananenstämme, Blumengirlanden und Mangozweige schmücken die Anlage.
623 śobhayitvā vahiḥ paścāttataścābhyantaraṃ viśet |
vedikopari caiśānyāṃ sarvadhānyāsane sthitam ||
Nach der äußeren Ausschmückung betrete man das Innere. Im Nordosten auf der Vedi steht auf einem Sitz aus verschiedenen Getreiden …
624 vastrayugmāvṛtaṃ kaṇṭhe cūtapallavaśobhitam |
sa ratnaṃ śiva kumbhañca bhūṣayantaṃ makhālayam ||
… der Shiva-Krug, edelsteingefüllt, mit zwei Tüchern um den Hals und Mangoblättern geschmückt, als Zierde des Opferhauses.
625 karkarī tatsakhī vāme bhūṣitānāla paścimā |
dharmādyāḥ koṇasaṃsthāstu ratnavastravibhūṣitāḥ ||
Links steht seine Gefährtin Karkari, geschmückt, mit dem Ausguss nach Westen. Dharma und die weiteren Eckkrüge tragen Edelsteine und Stoff.
626 indrādi kalaśopyevaṃ tathā śānti ghaṭānapi |
evaṃ nidrā ghaṭo dṛṣṭo brahmalakṣmī harerghaṭāḥ ||
Ebenso die Krüge für Indra und die anderen, die Friedenskrüge, der Schlafkrug sowie die Krüge für Brahma, Lakshmi und Hari.
627 sragvastraveṣṭitaṃ kuṇḍaṃ sruksruvau tatsamīpagau |
upaskara kuṭī madhye sthāpayed yajñasādhanam ||
Die Feuergrube ist mit Girlanden und Stoff geschmückt; Sruk und Sruva liegen daneben. In der Gerätehütte werden die Opfergeräte aufgestellt.
628 tāmramayī carusthālī sa pidhānā sa caṭṭukā |
lohayantrikayā yuktā carusthālaṃ tathāvidham ||
Der Topf für den Opferbrei besteht aus Kupfer, mit Deckel und Rührlöffel und einem eisernen Gestell; entsprechend das weitere Kochgefäß.
629 sa nālantāmrapātrañca ghaṇṭādhūpaka ucchrakam |
khabhūtapalasaṃkhyantu tasyārddhaḥ syāt tatorddhvataḥ ||
Hinzu kommen ein Kupfergefäß mit Ausguss, Glocke, Räuchergefäß und weitere Geräte. Das größte Arghya-Gefäß wiegt fünfzig Pala, das mittlere die Hälfte. Der Übergang zur Gewichtsangabe ist unsicher.
630 jyeṣṭhādi kanyasāntānāntridhā syādarghapātrakam |
hemadravyādi nirvṛttam bhavādanurūpataḥ ||
Das Arghya-Gefäß ist dreifach abgestuft, groß, mittel und klein, aus Gold oder anderen Stoffen, entsprechend den Möglichkeiten.
631 yantrikā ca tathā jñeyā prati kuṇḍergha pātrakam |
tathā tilājya pātrāṇi gandhākhyaṃ syāt tathāvidham ||
Ebenso die Ständer; zu jeder Feuergrube gehört ein Arghya-Gefäß, ferner Gefäße für Sesam, Butter und Duftstoffe.
632 pañcagavyasya pātrāṇi pañcaiva parikalpayet |
tathābhyaṅgasya pātrañca lakṣaṇārthaṃ madhūdvaham ||
Für die fünf Kuhprodukte bereite man fünf Gefäße vor, außerdem eines für die Salbung und ein Honiggefäß für die Kennzeichnung.
633 rāmayugmaikamāsaistu śalākā jyeṣṭhataḥ kramāt |
tūlikā dvitayaṃ kāryaṃ sopadhānaṃ paṭāvṛtam ||
Die Stäbchen besitzen drei abgestufte Längen. Zwei gepolsterte Unterlagen mit Kissen und Stoffüberzug werden gefertigt. Die Längeneinheit ist verderbt.
634 śayyārthaṃ smṛtaḥ paṭṭaḥ paṭṭāścaivopaveśane |
gṛhārthantu carūsthālī pūrvalakṣaṇalakṣitā ||
Eine Liegeplatte dient dem Lager, weitere Bretter als Sitze. Für den Haushaltsgebrauch ist ein Opferbreitopf mit den zuvor genannten Merkmalen vorgesehen.
635 ghaṭītāmrī tathā pātraṃ bhojanārthaṃ prakalpayet |
mārjanīkaṇḍanīpeṣī gṛhopaskararaṇāni ca ||
Ein Kupferkrug und Essgefäße werden bereitgestellt, ebenso Besen, Stampfer, Mahlstein und weiteres Hausgerät.
636 karaṇḍāḍa ullikā vyajanaṃ kaṇḍālādyantathaiva ca |
aparyuṣita puṣpāṇi bilvapatrādi patrikām ||
Hinzu kommen Körbe, Fächer und andere Behälter, frische Blumen und Blätter wie Bilva.
637 dhūpārthaṃ guggulaṃ sājyaṃ candanaṃ bhojya santatiḥ |
homārthantilayavausarpiryathā yogaṃ samāharet ||
Für Räucherung Guggulu mit Butter, Sandelholz und verschiedene Speisen; für das Feueropfer Sesam, Gerste und Ghee in geeigneter Menge.
638 dravyāṇāmapya lābhe tu yathā lābhamupāharet |
liṅgādi śodhanārthantu snānadravyaṃ nigadyate ||
Fehlen vorgeschriebene Stoffe, nehme man das Verfügbare. Nun werden die Waschstoffe zur Reinigung des Lingams und der übrigen Gegenstände genannt.
639 gaṅgātīramṛdo grāhyāḥ kulādrau tīrthasaṅgatā |
padmakhaṇḍe ca valmīkena dīnāṃ saṅgamepi ca ||
Erde nehme man vom Ganga-Ufer, heiligen Orten auf den Hauptbergen, Lotusbeständen, Ameisenhügeln und Flusszusammenflüssen …
640 uddhṛtā dantināndantairvṛṣaiḥ sānandadarpitaiḥ |
nyagrodhodumvarośvattha jamvāmra tvak suśobhanā ||
… ferner von Stellen, die Elefanten mit den Stoßzähnen oder kraftvolle Stiere aufgewühlt haben. Geeignet sind Rinden von Nyagrodha, Udumbara, Ashvattha, Jambu und Mango.
641 murāmāṃsīvacā kuṣṭaṃ śailajaṃ rajanīyakam |
saṭīcampakamustañca sarvauṣadhigaṇaḥ smṛtaḥ ||
Mura, Mamsi, Vacha, Kushtha, Shailaja, Rajani, Shati, Champaka und Musta bilden die genannte Gruppe heiliger Kräuter.
642 uśīrañcandanaṃ lodhraṃ tagaraṃ phalinī jalā |
lakṣaṇāgirikarṇī ca kṣīriṇī vṛhati śikhā ||
Ferner Ushira, Sandelholz, Lodhra, Tagara, Phalini, Jala, Lakshana, Girikarni, Kshirini, Brihati und Shikha …
643 brahmadaṇḍī nāgakarṇī sahadevā punarnavā |
kumārī droṇapuṣpī ca śaṃkhinī kharamañjarī ||
… Brahmadandi, Nagakarni, Sahadeva, Punarnava, Kumari, Dronapushpi, Shankhini und Kharamanjari.
644 śivāgnau saṃskṛtaṃ bhasma vastreṇāntaritaṃsitam |
gomūtraṅgomayaṃ kṣīrandadhiśarpiḥ pṛthak pṛthak ||
Weiße, im Shiva-Feuer bereitete und durch Stoff gesiebte Asche; Kuhurin, Kuhdung, Milch, Dickmilch und Ghee, jeweils getrennt.
645 pañcāmṛtantathā bhūtaṃ phalāni vividhāni ca |
ratnādi pañcakañcaiva susaṃpūrṇaṃ pṛthak pṛthak ||
Auch Panchamrita, verschiedene Früchte und die fünf Arten von Kostbarkeiten werden jeweils vollständig bereitgestellt.
646 haimaṅkūrmantathā padmampāradaṃtvomatandulāḥ |
ityevamādi saṃbhāraṅkumbhādyaṃyanna coditam ||
Eine goldene Schildkröte, ein Lotus, Quecksilber und Reiskörner gehören dazu, ferner die bereits erwähnten Krüge und weiteres ungenanntes Zubehör. Ein Materialausdruck ist verderbt.
647 sarvaṃ susambhṛtaṃ kṛtvā jñāpayed deśikottamaḥ |
vṛṇuyād deśikaṃ pūrvaṃ vastrahemādi bhūṣaṇaiḥ ||
Wenn alles vollständig bereitliegt, unterrichte man den vorzüglichen Lehrer. Zuvor wähle und ehre man ihn mit Stoff, Gold und Schmuck.
648 tathānumūrtipānsarvānastu jāpi samanvitān |
ṛtvijānvedaniṣṭhāṃśca bodhayitvā ca śilpinaḥ ||
Ebenso die Hüter der Nebenformen mit den Mantrarezitierenden, die vedakundigen Opferpriester und die Handwerker, nachdem man sie unterwiesen hat.
649 śraddhāviṣṭaḥ śuciḥ kartā natvā vijñāpayedidam |
tvat prasādācca he nātha liṅgasaṃsthāpanaṃ mama ||
Der reine, von Vertrauen erfüllte Stifter verneige sich und bitte: „Herr, durch deine Gnade möge meine Lingam-Einsetzung geschehen.“
650 huṅkāromītyanujñāya nityanirvartito guruḥ |
āvaśyakantataḥ śaucamindriyāṇāñca śodhanam ||
Mit „Hum“ oder „Om“ erteile der Guru Zustimmung, nachdem er seine tägliche Praxis vollzogen hat. Es folgen die nötige Reinigung und die Reinigung der Sinne.
651 malasnānaṃ vidhisnānaṃ sa sandhyambhasmaguṇṭhanam |
yatino gṛhiṇaḥ pūrvasandhyādau samatā dvayoḥ ||
Körperwaschung, rituelles Bad, Sandhya und Bedeckung mit Asche gehören dazu. Bei der morgendlichen Sandhya gelten für Asketen und Hausleute dieselben Grundregeln.
Sandhya, Atem und innere Verehrung

652 sandhyāyā lakṣaṇaṃ śakra prasaṅgena nigadyate |
ādyā śaktiḥ purānityā yāsā kāraṇadharmiṇī ||
Bei dieser Gelegenheit erkläre ich Sandhya, Shakra: Jene ursprüngliche, ewige Kraft, die das Wesen der Ursache besitzt …
653 sā sandhyā paramārthena bodhenāva gatātmanaḥ |
dhyānaniṣṭhā pratiṣṭhānāṃ puṃsāṃ lakṣānurodhataḥ ||
… ist im höchsten Sinn Sandhya, für den, der sein Selbst durch Erkenntnis erfasst hat. Den in Meditation Gefestigten erscheint sie entsprechend ihrem inneren Ziel.
654 mṛṇālasūtrasaṅkāśā paścāt sthūlatarā'bhavat |
pūrvakālādi bhedena bhinnavarṇāḥ pṛthak pṛthak ||
Zunächst gleicht sie einer feinen Lotusfaser, danach wird sie gröber; entsprechend Morgen und weiteren Zeiten nimmt sie verschiedene Farben an.
655 raktāśuklā tathā śyāmā caturthī rūpavicyutā |
śyāmavarṇātha vā sandhyā paścimāsurasattama ||
Sie ist rot, weiß und dunkel; die vierte ist ohne Gestalt. Alternativ wird die letzte Sandhya als dunkel beschrieben, bester der Götter.
656 lakṣamātradharāḥ sarvālakṣaṇaistā vivarjitāḥ |
satvaṃ rajastamaścaiva trayāṇāntu guṇatrayam ||
Sie alle dienen als Meditationsziele und sind an sich ohne äußere Kennzeichen. Den ersten drei entsprechen die drei Gunas Sattva, Rajas und Tamas.
657 nirguṇā ca nirākārā tvantimā paramārthataḥ |
hṛdaye ca tathā vindau brahmarandhre nirāspade ||
Die letzte ist im höchsten Sinn eigenschafts- und gestaltlos. Herz, Bindu, Brahmarandhra und der stützenlose Zustand …
658 catasṛṇāṃ samuddiṣṭandhyānasthānaṃ śatakrato |
jñānināṅkathitaṅkiñcid yogināṃ kathyate hare ||
… sind als Meditationsorte der vier genannt. Damit ist etwas für die Erkennenden gesagt; nun wird die Sicht der Yogis erklärt.
659 ante sūryasya candrasya dve sandhye prāṇayoginām |
parayogena kathitātvanyathā mama śūlinā ||
Für Prana-Yogis liegen zwei Sandhyas an den Enden von Sonne und Mond. Im höchsten Yoga lehrte mich der Dreizackträger eine andere Bedeutung.
660 śuddha bodha padāvasthā ātmano yā śacīpate |
sandhyāntāmaparāṃ viddhi śūnyarūpāṃ parāṃ punaḥ ||
Jener Zustand des Selbst im reinen Erkennen gilt als die niedere Sandhya; die höchste erkenne als von der Gestalt der Leere.
661 yathākāla krameṇaiva sandhyāṃ dhyātvā svabhāvataḥ |
mantraiḥ śivātmakaiḥ paścāt kuryāt tīrthaṃ subhāvitaḥ ||
Nachdem man Sandhya der Zeit und ihrem Wesen entsprechend meditiert hat, bereite man gesammelt mit Shiva-Mantras das heilige Wasser.
662 mārjanaṃ saṃhitā mantraiḥ kṛtvā dakṣakare sthitam |
bodharūpantu tattoyamiḍāyā karṣayet tataḥ ||
Nach Reinigung mit den Samhita-Mantras halte man Wasser in der rechten Hand, betrachte es als Erkenntnis und ziehe es durch Ida ein.
663 kuṃbhakasthastadātiṣṭed yāvannodgacchate raviḥ |
piṅgayāravivāhiṇyā kārayedaghamarṣaṇam ||
Man verweile im Kumbhaka, bis die Sonne aufsteigt, und vollziehe durch die sonnenführende Pingala das Abwaschen der Verfehlungen. Gemeint ist eine ritualisierte Atemvisualisierung; der genaue Übergang bleibt knapp.
664 śivamantraṃ mṛṇanmantri svāhāntamudakāñjalim |
datvā śivāya gāyatrīñjapet paścāt subhāvitaḥ ||
Mit dem auf Svaha endenden Shiva-Mantra bringe man Shiva eine Handvoll Wasser dar und wiederhole danach gesammelt die Gayatri.
665 japtvā nivedya devāya tarpaṇaṅkārayet tataḥ |
mantrā devāśca ṛṣaye manuṣyāḥ kuṇapāstathā ||
Nach dem Japa widme man das Ergebnis der Gottheit und vollziehe die Sättigung: für Mantras, Götter, Rishis, Menschen und Verstorbene …
666 pitaro mātaraścaiva mantrairvai jāti yojitaiḥ |
etān santarpya medhāvī medhāvī ācamet pākaśāsana ||
… sowie Väter und Mütter, mit den jeweils passenden Mantra-Endungen. Danach vollziehe der Kundige Achamana.
667 ādityaṃ pūjayitvā tu paścād gacchen makhālayam |
abhyarcya toraṇā nādau dvārādhyakṣān yathākramam ||
Nach Verehrung der Sonne begebe er sich zum Opferhaus und verehre zunächst die Torbögen und deren Hüter der Reihe nach.
668 ārogyaṃ śānti bhūtiñca valaṃ saumyāditaḥ kramāt |
dhanaśrī śauca śāntādi yugmayugmanniveśayet ||
Arogya, Shanti, Bhuti und Bala werden beginnend im Norden angeordnet, Dhanashri, Shaucha, Shanta und die weiteren jeweils paarweise.
669 devīścaiva tu caṇḍīśaṃ nandinaṃ kālameva ca |
bhṛṅgīśañca gaṇādhyakṣaṃ durmukhaṃ skandameva ca ||
Ferner die Göttinnen, Chandisha, Nandi, Kala, Bhringisha, Ganadhipa, Durmukha und Skanda.
670 gandhaiḥ puṣpaiśca saṃpūjya śivājñāṃ saṃvidhāya ca |
yajñasya rakṣakatvena sthātavyamāṃ hitādaraiḥ ||
Nach Verehrung mit Duftstoffen und Blumen verkünde er Shivas Auftrag: „Bleibt aufmerksam hier zum Schutz des Opfers!“
671 vajrādīni patākāsu kumudādyaṃ dhvajeṣu ca |
sphurato vinyased vidvān sarvavighna bhayaṅkarān ||
Auf den Wimpeln setze der Kundige die Waffen Vajra und weitere ein, auf den Bannern Kumuda und die übrigen, leuchtend und für Hindernisse furchterregend.
672 pidhāya sarvadvārāṇi paścād dvāreṇasaṃviśet |
dvāradeśe tataḥ sthitvā smarannastraṃ subhāsvaram ||
Nach Schließen aller Türen trete er durch das Westtor ein und verweile am Eingang, des hell leuchtenden Waffenmantras gedenkend.
673 vilokyayāga saṃbhāraṃ bhūmau pādāhatiṃ tridhā |
vidyutpuñjanibhaṃ puṣpantanmadhye hetinākṣipet ||
Er betrachte das Opferzubehör, stampfe dreimal auf die Erde und werfe mit dem Waffenmantra eine wie ein Blitzbündel vorgestellte Blume in die Mitte.
674 tat tejaḥ pūritandhāma nirastā vighnasaṃhatiḥ |
duḥsahaṃ paramaṃ hyetadaho vismayamā gatāḥ ||
Das Haus ist von ihrem Glanz erfüllt, die Hindernisse sind vertrieben. „Wie gewaltig und unerträglich dies ist!“ So geraten sie in Staunen.
675 tarjayat saṃviśenmadhyaṃ gaṇānvai vighnarūpiṇaḥ |
hetinā vinyaset puṣpañjvalantandvārarakṣakam ||
Die hindernden Scharen bedrohend, betrete er die Mitte und setze mit dem Waffenmantra eine flammende Blume als Türwächter ein.
676 pradakṣiṇa krameṇaivamupa viśedvedikopari |
dakṣa hastantato vā mantayoḥ pṛṣṭhañca hetinā ||
Im Uhrzeigersinn gehe er weiter und setze sich auf die Vedi. Rechte Hand, linke Hand und ihre Rückseiten reinige er mit dem Waffenmantra.
677 saṃśodhya vinyasecchaktimsudhārūpaṃ śivena tu |
mūrtiṃ śivantadaṅgāni kaniṣṭhādyā suyojayet ||
Dann lege er mit dem Shiva-Mantra die nektargleiche Shakti hinein, ferner Gestalt, Shiva und seine Glieder, beginnend bei den kleinen Fingern.
678 paramī kṛtintayoḥ kṛtvā dharmaguptintataḥ punaḥ |
śodhayed bhūtasaṅghātandhāraṇābhiśca pañcabhiḥ ||
Nach ihrer Erhebung zum höchsten Zustand und dem Schutz des Dharma reinige er die Elementzusammensetzung durch fünf Konzentrationen.
679 udyānaiḥ pañcabhiḥ pūrvantatonyatraika vicyutiḥ |
śūnyaṃ śūnye tu vinyasya na kiñcidapi cintayet ||
Zunächst durch fünf aufsteigende Vorgänge, danach jeweils um einen vermindert; nachdem er Leere in Leere gelegt hat, soll er an nichts mehr denken. Der Fachausdruck udyāna ist unsicher.
680 amṛtañcintayet paścāllabdhvānandaguṇodayaḥ |
tataśca śāktāṃ mūrti śaktāṃ vīkṣaṃ svake nyaset ||
Danach stelle er sich Nektar vor und erfahre das Hervortreten der Wonne. Anschließend lege er die Kraftgestalt in den eigenen Körper. Ein Wort der Nyasa-Anweisung ist verderbt.
681 vaktre vaktraṃ hṛdighoraṃ guhyaṃ vāmamadhastvajam |
tataḥ śivaṃ ṣaḍaṅgañca yathā sthānanniveśayet ||
Das Gesichtsmantra komme ins Gesicht, Aghora ins Herz, Vama in den verborgenen Bereich, Aja nach unten; danach Shiva und seine sechs Glieder an ihre jeweiligen Orte.
682 paratvañca mahāmudrāṃ pādādārabhya vinyaset |
evaṃ kṛtvā purāśakra antaryāgamathārabhet ||
Den höchsten Zustand und die große Mudra lege er, von den Füßen beginnend, nieder. Nach dieser Vorbereitung beginne er das innere Opfer.
Ergänzende heutige Meditationspraxis: Chakra-Energie-Meditation. Sie ist keine Rekonstruktion des folgenden inneren Opfers.
683 taḍitpuñjanibhandhyātvā jvalad dvīpaśikhā kṛtim |
tuṣāradānarūpaṃ vā śuddha sphaṭika rūpi vā ||
Er meditiere die Gottheit wie ein Blitzbündel, wie eine leuchtende Lampenflamme, wie ein Schneekristall oder wie reinen Bergkristall.
684 eṣāmekatamandhyatvā yasmiṁllakṣye vrajenmanaḥ |
puṣpabhāvaḥ kṣamācārghaṃ dīpamamalātmakaṃ viduḥ |
adhyavasāyātmikā buddhiḥ puṃsilakṣasya vedane |
evaṃ vilepanaṃ śakra yenāṇuḥ syādalepakaḥ ||
Er wähle jene Gestalt, bei der sein Geist gesammelt bleibt. Die innere Haltung ist die Blume, Geduld oder Nachsicht das Begrüßungswasser, das makellose Selbst die Lampe. Die entschlossene Einsicht in das Ziel ist die Salbung, durch die die Seele unbefleckt wird.
685 agniḥ prāṇāmataḥ pātraṃ garvo dhūpaśikhā kulaḥ |
bhāvitastatvābhāvena yadā lakṣaṃ vrajet pumān ||
Das Feuer ist Prana; das Ichbewusstsein wird mit dem Gefäß und den aufsteigenden Räucherflammen verbunden. Wenn der Mensch die Prinzipien in sich vergegenwärtigt und das Ziel erreicht … Die genaue Zuordnung der Ritualgegenstände ist im ersten Halbvers unsicher.
686 svasamvittau śivatvena tadā gavīyate kila |
dhūpa eṣa samākhyāto naivedyaṃ viṣayāḥ smṛtāḥ ||
… wird er im eigenen Bewusstsein als Shiva besungen. Dies wird Räucheropfer genannt; die Sinnesgegenstände gelten als Speiseopfer.
687 āsanaṃ prakṛtirjñeyā pūjakaḥ puruṣaḥ smṛtaḥ |
nāda samanā samāyogāt svabhāvaṃ vrajate yadā ||
Der Sitz ist Prakriti, der Verehrende Purusha. Wenn er durch die Verbindung von Nada und Samana zu seinem eigenen Wesen gelangt …
688 tadā japaḥ samuddiṣṭo yenāṇuḥ syācchivaḥ svayam |
nābhāvevantu sampūjya prāṇāgnau teja sānnidhau ||
… heißt dies Japa, durch den die begrenzte Seele selbst Shiva wird. Nachdem er so im Nabel verehrt hat, im Feuer des Prana und in Gegenwart des Lichtes …
689 paramāmṛtarūpeṇa viṣayāñjuhuyāt samāhitaḥ |
homa eṣa samākhyāto hutvā kevalatāṃ vrajet ||
… opfere er gesammelt die Sinnesgegenstände als höchsten Nektar. Dies heißt inneres Feueropfer; nach dem Opfern gelangt er zur Ungebundenheit.
690 nistaraṅge pare tattve vyāpake bhāvavarjite |
tallayatvaṅgata ātmā dhyānametat prakīrtitam ||
Wenn das Selbst im höchsten, wellenlosen, alles durchdringenden und von begrenzten Vorstellungen freien Prinzip aufgeht, wird dies Meditation genannt.
691 prākāraścaiva digbandhastarjanaṃ khātikā tathā |
śaktijālañca vijñeyaṃ pañcamantatsuduḥsaham ||
Umfassungsmauer, Bindung der Richtungen, drohende Abwehr, Schutzgraben und als fünftes das schwer durchdringliche Netz der Shakti bilden den Schutz.
692 astrābhi mantritāṃ karakīṃ tejo rūpāṃ suduḥsahām |
tadamvu prokṣitaṃ sarvaṃ dravyajātamadoṣakṛt ||
Die Karkari wird mit dem Waffenmantra belebt und als unwiderstehliches Licht vorgestellt. Ihr Wasser reinigt alle damit besprengten Stoffe von Fehlern.
693 prakṣyālya cārghapātrantu pūrayeddhyānamāśritaḥ |
nyastvā śaktiṃ śivaṃ sāṅgaṃ paratvaṃ mudrayā kṛtam ||
Das Arghya-Gefäß werde ausgespült und in Meditation gefüllt; Shakti, Shiva und seine Glieder werden eingesetzt und durch Mudra zum höchsten Zustand erhoben.
694 viśoddhya dravyasaṃbhāramātmapūjāṃ prakalpayet |
savyahaste śivañceṣṭvā tattvanyāsapuraḥsaram ||
Nach Reinigung der Stoffe vollziehe man die Verehrung des eigenen Selbst. In der linken Hand verehre man Shiva nach vorherigem Tattvanyasa.
695 tejorūpaṃ nyaseddhyātvā samaste niṣkalaṃ śivam |
liṅgādi veśane patyuḥ sāmarthyaṃ madvaśaṃ yataḥ ||
Man meditiere den ungeteilten Shiva als Licht und setze ihn überall ein: „Die Kraft zur Einsetzung des Herrn in Lingam und andere Träger steht mir zu.“
696 bhāvayitvā dhiyā sarvaṃ yajñāraṃbhaṃ samārabhet |
ṛturāmadalanirvṛttaṃ jñānāsintāla sammitam ||
Nachdem man alles innerlich vergegenwärtigt hat, beginne man das Opfer. Das Wissensschwert wird aus den genannten Blättern in Tala-Länge hergestellt. Die Blattzahl ist verderbt.
697 saptābhi mantritaṃ kṛtvā vāma kakṣe niveśitam |
pañcagavyantataḥ kuryād vikarādabhi mantrya ca ||
Siebenmal mit Mantra besprochen, wird es unter die linke Achsel gelegt. Danach bereite man Panchagavya und bespreche es mit dem vorgeschriebenen Mantra. Dessen Name ist unsicher.
698 iṣṭvā vāstuṃ vikīryātha nānāśastra svarūpiṇaḥ |
lājā candana siddhārtha bhasma puṣpa kuśākṣatān ||
Nach Verehrung des Vastu streue man Puffreis, Sandelholz, weißen Senf, Asche, Blumen, Kusha und ungebrochene Reiskörner aus, als verschiedene Waffen vorgestellt.
699 sugandhairgandhapuṣpādyaiḥ pūjayet kalaśaṃvaram |
sāsanena sadehena śivena samadhiṣṭhitam ||
Mit Duftstoffen und Blumen verehre man den vorzüglichen Krug, in dem Shiva mit Sitz und Gestalt gegenwärtig ist.
700 evamastrālukaṃ ceṣṭvā lokapānpūjayet kramāt |
śivayāgaḥ samārabdhastvadbhaktānāṃ śivājñayā ||
Ebenso verehre man das Waffengefäß und nacheinander die Welthüter: „Auf Shivas Geheiß ist das Shiva-Opfer für seine Verehrer begonnen …“
701 rakṣaṇīyontarāyebhyo lokapāḥ susamāhitaiḥ |
ityājñāṃ śrāvayet kuṃbhān bhrāmayedagratostrakam ||
„… Ihr Welthüter sollt es gesammelt vor Hindernissen schützen.“ Diesen Auftrag verkünde man den Krügen und trage das Waffengefäß voran herum.
702 pradakṣiṇa krameṇātha sthāpayet kalaśāluke |
datvā sthirāsanaṃ pūrvaṃ vinyaset kalaśāluke ||
Im Uhrzeigersinn stelle man Krug und Waffengefäß auf, nachdem man ihnen einen festen Sitz gegeben hat. Die folgenden Worte werden in der Vorlage wiederholt.
703 datvā sthirāsanaṃ pūrvaṃ vinyaset tadanantaram |
dhārikādi krameṇaiva yāvat syād vimalāsanam ||
Nach Herstellung eines festen Sitzes lege man der Reihe nach Dharika und die weiteren Kräfte bis zum makellosen Sitz nieder.
704 prāptiṃ vyaptiñca sāmarthyaṃ mantrāṇāṃ pariṇati kramam |
yat svarūpañca vinyāsaṃ yena tatkāryasādhanam ||
Man erkenne Reichweite, Durchdringung, Wirksamkeit und Entfaltungsfolge der Mantras, ihre eigene Gestalt und ihre Einsetzung, durch die ihre Aufgabe erfüllt wird.
705 evaṃ jñātvā pṛthak sarvantato mantranniyojayet |
āsanaṅkāraṇāntantu mūrtiḥ śakti svarūpiṇī ||
Erst nachdem man all dies einzeln verstanden hat, wende man den Mantra an. Der Sitz reicht bis zur Ursache; die Gestalt besteht aus Shakti.
706 śodhyādhyānannyaset paścāt sṛṣṭimārga krameṇa tu |
icchāśakti mayīṃ mūrtiṃ kalpayecchāṃ bhavasya tu ||
Nach Reinigung und Meditation lege man sie in der Reihenfolge der Schöpfung nieder. Shivas Gestalt stelle man als reine Willenskraft vor.
707 āvāhayet tato devaṃ sūryāgni candrayogataḥ |
sannidhānannirodhañca kṛtvā vedāvaguṇṭhanam ||
Dann rufe man die Gottheit durch Verbindung von Sonne, Feuer und Mond herbei, bewirke ihre Gegenwart, halte sie fest und umhülle sie schützend. Die Umhüllungszahl ist unsicher.
708 amṛtīkaraṇaṃ yojyamarcāntārghañca candanam |
snānaṃ prakalpya * * * saṃpūjya dhūpayet tataḥ ||
Es folgen Verwandlung in Nektar, Begrüßungswasser, Sandelholz und rituelles Bad [Textlücke]; danach Verehrung und Räucherung.
709 aṅgānyāhūya saṃskṛtya pūjayitvā vidhānataḥ |
dhūpadīpādinaivedyamupacārānnivedayet ||
Die Gliedgottheiten werden herbeigerufen, bereitet und vorschriftsmäßig verehrt; Räucherwerk, Licht, Speise und weitere Ehrengaben werden dargebracht.
710 toyaṃ pavitra dānañca paramīkaraṇantataḥ |
yathoktantu japaṅkṛtvā varddhanyāmakhilantvidam ||
Es folgen Wasser, Pavitra-Gabe und Erhebung zum höchsten Zustand. Nach dem vorgeschriebenen Japa wird dies alles auch an der Vardhani vollzogen.
Vorbereitung und Einsetzung des Lingams
711 praṇipatya punaśceṣṭā tato vijñāpayedidam |
tvanmukhokta vidhānena rakṣitoyaṃ mayāmakha ||
Nach erneuter Verneigung und Verehrung erkläre man: „Nach der aus deinem Mund hervorgegangenen Vorschrift habe ich dieses Opfer geschützt.“
712 idānīmantarāyebhyaḥ saṃkāno tvat prasādataḥ |
tasmāt prabodhani striṃ śaṃgṛhāṇājñāṃ pradehi me ||
„Nun bin ich durch deine Gnade ohne Furcht vor Hindernissen. Nimm daher das erweckende Schwert an und erteile mir deinen Auftrag.“ Die Schwertbezeichnung ist verderbt.
713 liṅgādi sādhanaṃ deva śodhya bodhyatvamāgatam |
mamājñayā kuruṣvevaṃ liṅgādau śodhyasannidhiḥ ||
„Herr, Lingam und weiteres Zubehör sind zu reinigen und zu erwecken.“ Man stelle sich Shivas Antwort vor: „Vollziehe dies auf meinen Befehl; bewirke die reine Gegenwart im Lingam.“
714 uktaṃ śivena saṃbhāvya tataḥ kuṇḍāntikaṃ vrajet |
nirīkṣya prokṣya saṃbhāvya abhyukṣya ca yathākramam ||
Nach dieser innerlich vernommenen Antwort gehe man zur Feuergrube und vollziehe der Reihe nach Betrachtung, Besprengung, innere Vergegenwärtigung und Benetzung.
715 khātvāvikīrya tatpūrya samīkṛtyābhiṣecayet |
nirūḍhya mārjanaṃ kṛtvā lepanaṃ kuṇḍa kalpanā ||
Es folgen Ausgraben, Ausstreuen, Auffüllen, Einebnen, Begießen, Festigung, Reinigung und Bestreichen: so wird die Feuergrube bereitet.
716 paridhānaṃ trisūtreṇa rekhā turyaścatuṣpatham |
sarva mantreṇavasveka saṃskāraṃ kuṇḍakarmaṇi ||
Sie wird mit dreifacher Schnur umgeben und mit vier kreuzenden Linien versehen. Achtzehn Bereitungshandlungen werden mit den jeweiligen Mantras vollzogen.
717 varmaṇā tvakṣapāṭantu vistaraṃ catvare hṛdā |
vāgīśau pūjayet tatra vṛṣasyantau suyauvanau ||
Mit dem Schutzmantra bereite man die Unterlage, mit dem Herzmantra den Sitz. Dort verehre man Vagisha und Vagishvari als jugendliches, vereinigungsbereites Paar. Ein Gerätewort ist verderbt.
718 tāmre nālayute vahniṃ vīkṣaṇādyairviśodhayet |
bhāgaṃ palāśināṃ tyaktā tadaikatvaṃ yathā tridhā ||
Das Feuer im kupfernen Gefäß mit Ausguss wird durch Betrachtung und weitere Handlungen gereinigt. Nach Abgabe des Anteils für die Fleischesser führe man die Feuer dreifach zur Einheit.
719 tadvījaṃ vinyaset tatra ṣaḍaṅge nābhi mantrayet |
gṛhītvā bhrāmayitvā tu īśa vīja svarūpiṇam ||
Man lege sein Bija hinein, bespreche es mit den sechs Gliedmantras, nehme es auf und führe es herum, als Samen des Herrn vorgestellt.
720 garbhanāḍyāṃ kṣipecchakterdatvā toyantayostataḥ |
garbhādhānamaje naiva puṃstvevāmaṃ niyojayet ||
Man lege es in den Schoßkanal der Shakti und gebe beiden Wasser. Die Empfängnisweihe erfolgt mit Aja, die Sicherung männlicher Geburt mit Vama.
721 sīmante bahurūpantu vaktramvai jātakarmaṇi |
arghodakena saṃprokṣya sadidhyāḥ pañcahomayet ||
Für die Scheitelweihe verwende man Bahurupa, für das Geburtsritual das Gesichtsmantra. Nach Besprengung mit Arghya-Wasser bringe man fünf Opfergaben. Der Stoff der Gaben ist verderbt.
722 pūrvādau viṣṭaranyāsaṃ brahmādīṁllokapānyajet |
sruksruvau vīkṣya saṃprokṣya śaktiṃ śaṃbhuñca vinyaset ||
Beginnend im Osten lege man Sitze nieder und verehre Brahma und die Welthüter. Nach Betrachtung und Besprengung von Sruk und Sruva setze man Shakti und Shambhu darin ein.
723 śuddhājyena mukhāghāraṃ sandhānamekatāntataḥ |
nāmnī tvīśañca sandhāya pitarā viṣṭvā visarjayet ||
Mit reinem Ghee erfolgen die Güsse in die Feuermünder, Verbindung und Vereinigung. Bei der Namengebung verbinde man das Feuer mit Isha; nach Verehrung entlasse man die Eltern.
724 vibhajya pañcadhā paścād yathā kuṇḍe niyojayet |
dhūpādyarthaṃ pṛthak tyaktā vahniṃ saṃpūjya tarpayet ||
Danach teile man das Feuer fünffach auf die Gruben auf; einen Anteil halte man für Räucherung und anderes zurück. Man verehre und sättige das Feuer.
725 taddhṛdayāmbuje paścāllabdhvānujño yajecchivam |
samūrtiñcāsanannyastvā śodhyā dhyānañca vinyaset ||
Mit erhaltener Erlaubnis verehre man Shiva im Herzlotus des Feuers, lege Sitz und Gestalt nieder und vollziehe Reinigung und Meditation.
726 śivaṃ sāṅgaṃ tataḥ tveṣṭvā nāḍī sandhāna pūrvakam |
mantrasantarpaṇaṃ kṛtvā pūrṇāṃ datvā nivedya ca ||
Nach Verehrung Shivas mit seinen Gliedern und Verbindung der Nadis sättige man die Mantras, bringe die volle Opfergabe dar und widme sie ihm.
727 deśakāla nimittākṣyai durnimitta praśāntaye |
śataṃśatantu hotavyaṃ pūrṇācchinnaṃ śata krato ||
Zur Besänftigung ungünstiger Zeichen von Ort, Zeit und Anlass opfere man jeweils hundertmal und schließe mit einer vollen Gabe.
728 adhivāsa lagnayormadhyaṃ jñātvā kṛtyaṃ samārabhet |
atyāraṃbhamanāraṃbhaṃ tathāraṃbhaṃ na kārayet ||
Man bestimme die Zeit zwischen vorbereitender Niederlegung und eigentlicher Einsetzung und beginne entsprechend: weder verfrüht noch verspätet oder ohne rechten Beginn.
729 vaktraṃ varmayutaṃ prāci dakṣe ghoraṃ śikhāyutam |
sadyo hṛdā yutaṃ paścāt saumye vāmaṃ śiro yutam ||
Im Osten steht das Gesichtsmantra mit dem Schutzmantra, im Süden Aghora mit Shikha, im Westen Sadyojata mit dem Herzmantra, im Norden Vama mit dem Kopfmantra.
730 śivaṃ sarvaistu sāmānyaṃ sandhānaṃ mantra tarpaṇam |
mūrtipānāmidaṅkarma sarvakṛddeśikottamaḥ ||
Shiva ist allen gemeinsam; Verbindung und Mantrasättigung gehören dazu. Dies ist die Aufgabe der Hüter der Formen; der oberste Lehrer vollzieht das Ganze.
731 datvā pūrṇāhutiṃ paścācchivaṃ vijñāpya deśikaḥ |
nirasya vighnasaṃghātaṃ gatvā liṅgāntikantataḥ ||
Nach der vollen Opfergabe unterrichte der Lehrer Shiva, vertreibe die Hindernisse und gehe zum Lingam.
732 bhadrapīṭhe tu saṃsthāpya kṛtvā cihnaṃ sucihnitam |
mṛdbhirgomaya gomūtraiḥ snāpayedastra vāriṇā ||
Er stelle es auf einen günstigen Sockel, zeichne seine Merkmale und wasche es mit Erde, Kuhdung, Kuhurin und Waffenmantra-Wasser.
733 vastrayugmā vṛtaṃ kṛtvā svasti vācya pracālayet |
tataḥ sa yajamānastu śraddhā viṣṭaḥ samāhitaḥ ||
Mit zwei Tüchern umhüllt, werde es unter Segensrufen bewegt. Der Stifter folge voller Vertrauen und Sammlung.
734 agrataḥ pṛṣṭhato gacchanmucyate sarvapātakaiḥ |
pradakṣiṇa krameṇaiva puraprāsāda maṇḍape ||
Ob er vorangeht oder nachfolgt, er wird von allen schweren Verfehlungen befreit. Im Uhrzeigersinn führt der Weg durch Stadt, Tempel und Halle.
735 japa śabdaiḥ samānīya veśayet snāna maṇḍapam |
nirīkṣya prokṣya santāḍya kuśairullikhya maṇḍapam ||
Unter Mantrarezitation bringe man es in den Badepavillon. Diesen reinige man durch Betrachtung, Besprengung, rituelles Anschlagen und Ausstreichen mit Kusha.
736 akṣatai svastikaṃ vedyāṃ bhadrapīṭhaṃ nyaset tataḥ |
praṇave nāsanandatvā tato liṅganniveśayet ||
Auf der Vedi bilde man aus Reiskörnern eine Svastika und stelle den Bhadrapitha darauf. Mit Om gebe man einen Sitz und setze das Lingam darauf.
737 nirīkṣya prokṣya santāḍya śodhya mṛdgomayādibhiḥ |
dvitīya vedikāyāntu āsanantūlikopari ||
Nach Betrachtung, Besprengung und ritueller Berührung reinige man es mit Erde, Kuhdung und anderem. Auf der zweiten Vedi bereite man einen gepolsterten Sitz.
738 tasyopari nyaselliṅgaṃ saghṛtaṃ pāyasaṃ punaḥ |
śirodeśe vyavasthāpya tato lakṣaṇāmālikhet ||
Darauf lege man das Lingam; an seinem Kopfende stelle man Milchreis mit Ghee bereit. Dann zeichne man die vorgeschriebenen Merkmale ein.
739 lakṣaṇena vinirmuktaṃ yato liṅgamalakṣaṇam |
deśadeśādhipānāntu sarvadāsyādbhayaṅkaram ||
Ein Lingam ohne diese Kennzeichnung gilt als mangelhaft und als beständige Gefahr für Land und Landesherren.
740 tasmāt prayatnamāsthāya kuryālliṅgaṃ sa lakṣaṇam |
yena sarvaphalāvāptirjāyate sādhakasya tu ||
Darum versehe man es sorgfältig mit den richtigen Merkmalen, damit der Übende alle Früchte erlange.
741 norddhaṃ bhāga dvayāt kāryaṃ lakṣaṇaṃ bhūtimicchatām |
ṛtvekabhājitāyāme rūpe rāmatanūcyute ||
Wer Gedeihen wünscht, soll die Kennzeichnung nicht über die beiden entsprechenden Abschnitte hinaus anbringen. Die anschließende Sechzehnteilung und Abnahmeregel ist verderbt.
742 lakṣarekhāṅgulā jyeṣṭhe tāraikāṃśacyutenyataḥ |
bhāgadvayādadhaḥ pakṣa rekhāsyādvasubhājite ||
Bei der größten Form ist die Zeichenlinie eine Fingerbreite breit; bei den kleineren nimmt sie entsprechend ab. Die Seitenlinien beginnen unterhalb zweier Abschnitte. Die weitere Achtteilung ist nicht eindeutig.
743 bhramādbhāgadvayorddhantu pṛṣṭhataḥ saṅgamaṃ tayoḥ |
ūrdhvantu kuṇḍalākāraṃ dveṣṭhaṣṭhe granthyadhaḥ sthite ||
Oberhalb von zwei Teilen werden die Linien gerundet und hinten zusammengeführt. Oben entsteht eine Ringform; darunter liegen Knoten. Die Knotenmaße sind verderbt.
744 yathā liṅgaśiraḥ proktantathā lakṣa śirohitam |
sarvasiddhipradaṃ dhanyaṃ sarvavighnabhayaṅkaram ||
Die Spitze des Zeichens soll zur Kopfform des Lingams passen. So gilt es als glückverheißend, alle Vollendung schenkend und Hindernisse erschreckend.
745 sarvasādhāraṇaṃ śakralakṣaṇaṃ śubhalakṣaṇam |
anucchritena hastena gururhemaśalākayā ||
Dieses günstige Merkmal gilt allgemein. Mit nicht zu hoch erhobener Hand zeichne der Guru es mit einem goldenen Stift.
746 ālikhellakṣaṇaṃ vidvāñchilpīśastreṇa cotkiret |
japanmṛtyujitaṃ mantraṃ pūrayenmadhusarpiṣā ||
Der kundige Lehrer zeichnet, der Handwerker ritzt es mit dem Werkzeug ein. Unter Wiederholung des Mrityujit-Mantras fülle man die Linien mit Honig und Ghee.
747 rocanāṃ dadhidūrvāñca datvā kṛtvā vadhāraṇam |
āropya bhadrapīṭhe tu śodhya mṛdgomayādibhiḥ ||
Nach Zugabe von Rochana, Dickmilch und Durva und ritueller Festigung stelle man es auf den Bhadrapitha und reinige es mit Erde und Kuhdung.
748 astratoyena saṃsnāpya mantranyāsantu kārayet |
iṣṭvāsādhyāṇunā siddhyairmantrairvā brahmavācakaiḥ ||
Nach Waschung mit Waffenmantra-Wasser vollziehe man Mantranyasa und verehre mit dem anzuwendenden Mantra, Siddha-Mantras oder den Brahma-Mantras.
749 saṃśodhya dravya saṃghātaṃ snānamantraiḥ puroditaiḥ |
mṛdbhirgomaya gomūtrairbhasmanā salilāntaraiḥ ||
Die bereitgestellten Stoffe werden mit den zuvor genannten Waschmantras gereinigt; dann folgen Waschungen mit Erde, Kuhdung, Kuhurin, Asche und jeweils Wasser dazwischen.
750 pañcagavya kaṣāyaiśca tataḥ pañcāmṛtena tu |
hemasasyaphalaiḥ snānaṃ ratnau ṣadhyantataḥ punaḥ ||
Es folgen Panchagavya, Abkochungen, Panchamrita sowie Wasser mit Gold, Getreide, Früchten, Edelsteinen und Kräutern.
751 sarvauṣadhi yutañcānte sarvamaṅgalasādhanam |
kṣārādyairaṣṭabhiḥ snāpyamārjayenmṛduvāsasā ||
Am Ende steht die Waschung mit allen Kräutern, die jedes Heil fördert. Nach den acht Waschungen, beginnend mit den alkalischen Stoffen, trockne man mit weichem Tuch.
752 vilipya candanādyaistu varma japte tu vā sasī |
paridhāpya tato vidvān bhūṣayet kusumādibhiḥ ||
Man salbe mit Sandelholz und anderem, kleide das Lingam in zwei mit dem Schutzmantra besprochene Tücher und schmücke es mit Blumen.
753 deśikaṃ dakṣayitvā tu toṣayitvā ca śilpinam |
suyantritantato liṅgaṃ rathe kṛtvā subhāvitaḥ ||
Nach Ehrengabe an den Lehrer und Entlohnung des Handwerkers befestige man das Lingam sicher auf einem Wagen.
754 japaśabdādi nirghoṣairvedadhvani vimiśritaiḥ |
japanpāśupataṃ mantraṃ deśikaḥ susamāhitaḥ ||
Unter Mantrarufen, feierlichem Klang und vedischer Rezitation wiederhole der gesammelte Lehrer das Pashupata-Mantra.
755 rathayātrāntataḥ kṛtvā ānayenmaṇḍapāgrataḥ |
bhadrapīṭhantu saṃsthāpya tatra liṅganniveśayet ||
Nach der Wagenprozession bringe man es vor die Halle und setze es dort auf den Bhadrapitha.
756 sthiro bhavabhavetyuktā svapañcābhyantaraṃ viśet |
vīkṣaṇādibhiḥ saṃśodhya kuśairullikhya vedikām ||
Mit den Worten „Sei fest!“ betrete man das Innere. Die Vedi wird durch Betrachtung und weitere Handlungen gereinigt und mit Kusha ausgestrichen. Der Ausdruck zum Eintritt ist verderbt.
757 akṣataiḥ svastikaṃ kṛtvā tatra paṭṭaṃ sa tūlikam |
sopadhāna paṭacchannaṃ nyastvānantāsanaṃ nyaset ||
Auf einer Svastika aus Reiskörnern lege man das gepolsterte Brett mit Kissen und Stoffdecke nieder und setze darin den Ananta-Sitz ein.
758 arghyaṃ datvā tu devasya maṇḍapaṃ saṃpraveśayet |
vinyasya tūlikorddhantu nyasen mantrānyathā kramam ||
Nach Darbringung von Arghya führe man die Gottheit in die Halle, lege sie auf das Polster und vollziehe die Mantra-Einsetzung in der richtigen Reihenfolge.
759 piṇḍikāyāstvidaṃ karma mantraiḥ śāktaistu tadbhavet |
lakṣaṇantu bhagākāraṃ snānāghaṃ liṅga ca yathā ||
Beim Sockel erfolgt dieselbe Handlung mit Shakti-Mantras. Seine Kennzeichnung hat die Gestalt der Yoni; Waschung und weitere Handlungen geschehen wie beim Lingam.
760 evaṃ brahmaśilāyāntu kūrmākhyāyā mayaṃ vidhiḥ |
ānīya maṇḍapāntastu yathā sthānanniveśayet ||
Dasselbe Verfahren gilt für Brahmashila und Kurmashila. Man bringe sie in die Halle und lege sie an ihren jeweiligen Platz.
Die vier Bereiche und die Gegenwart der Gottheit
761 pādadeśe guruḥ sthitā mūrtyādi nyāsamārabhet |
jñātvā samyakparaṃ bhāvamaparaṃ lakṣaṇānvitam ||
Am Fußende stehend beginne der Guru die Einsetzung der Gestalt und der weiteren Prinzipien, nachdem er den höchsten Zustand und seine äußere Kennzeichnung verstanden hat.
762 yojānāti paraṃ bhāvaṃ tasya lakṣaṃ caturvidham |
caturgocarasaṃsthānaṃ yatsvarūpaṃ kriyākramam ||
Wer den höchsten Zustand, sein vierfaches Meditationsziel, die vier Bereiche, deren Wesen und Ritualfolge kennt …
763 sa evārādhakastasya sthāpakastu na cāparaḥ |
śivācchaivaṃ śikhaṃ śaktervindorjyotiradhastataḥ ||
… ist zu Verehrung und Einsetzung befähigt, kein anderer. Aus Shiva geht die Shaiva-Lehre hervor, aus Shakti die Shikha-Lehre, aus Bindu die Jyotis-Lehre …
764 nādātsāvitra saṃjñañca ebhyaḥ śāstra samuccayam |
svabhāvāvasthitaṃ śaivaṃ śikhaṃ saṃvittilakṣaṇam ||
… aus Nada die Savitra-Lehre; aus ihnen entfaltet sich die Gesamtheit der Schriften. Shaiva ruht im eigenen Wesen, Shikha ist durch Bewusstsein gekennzeichnet.
765 prakāśasthaṃ smṛtañjyotiḥ spaṣṭavijñāna lakṣaṇam |
sāvitrannādasaṃsthānaṃ dhvaniḥ saṃvittilakṣaṇam ||
Jyotis ruht im Licht und ist durch klares Erkennen gekennzeichnet; Savitra ruht im Nada und erkennt durch Klang.
766 śikhākulāsthitiḥ sākekuśe sāvitri saṃjñakāt |
caturṇāṃ saṃsthitiḥ krauñce caturvarṇa vyavasthayā ||
Die Shikha-Tradition ist auf Shaka angeordnet, die Savitra-Tradition auf Kusha; auf Krauncha bestehen alle vier gemäß einer vierfachen Zuordnung. Die erste Inselbezeichnung ist beschädigt.
767 śivākhyācchālmalī dvīpe puskare jyoti saṃjñakān |
prajānugraha hetvarthamevaṃ kula catuṣṭayam ||
Die Shiva-Tradition besteht auf Shalmali, die Jyotis-Tradition auf Pushkara. So bestehen diese vier Familien zum Wohl der Geschöpfe.
768 dīkṣādyavasthitau śakra saptadvīpe tviyaṃ sthitiḥ |
lakṣalakṣaṇayorbheda vijñānanturyagocare ||
Diese Ordnung von Einweihung und weiteren Handlungen gilt auf den sieben Inselkontinenten. Im vierfachen Bereich unterscheide man inneres Ziel und äußeres Kennzeichen.
769 samyajjñātvā tridhāvasthaṃ tato yajanamārabhet |
ādhāraṃ lakṣaṇaṃ viddhi ādheyaṃ lakṣarūpiṇam ||
Nachdem man die dreifache Zustandsordnung richtig verstanden hat, beginne man die Verehrung. Das Kennzeichen ist der Träger, das Ziel das in ihm Getragene.
770 lakṣaṇaṃ vedanā rahitaṃ dvividhaṃ lakṣaṃ sa vedanam |
samanañconmanaṃ viddhi caturlakṣeṣviyaṃ sthitiḥ ||
Das äußere Kennzeichen ist ohne Empfindung; das bewusste Ziel ist zweifach: mit Geist und jenseits des Geistes, Samana und Unmana. Dies gilt für alle vier Ziele.
771 svarūpaṃ yasya yo vetti tallayaṃ yāti sa dhruvam |
caturṇāmapi sāmānyaṃ sa deśe yajanaṃ viduḥ ||
Wer das Wesen eines solchen Zieles kennt, geht gewiss in ihm auf. Allen vieren gemeinsam ist die Verehrung an einem bestimmten Ort.
772 lakṣaṃ sadā śivākāraṃ liṅgamūrtau niyojayet |
kramo yamādi sargasya jñātvānyatra prayojayet ||
Das Ziel, stets von Shivas Gestalt, setze man in die Lingamgestalt ein. Dies entspricht der ursprünglichen Schöpfungsfolge und ist auf weitere Fälle anzuwenden.
773 icchāśaktimayīṃ mūrti kalpayet kāraṇasya tu |
kalānyāsaṃ purā kṛtvā tatva nyāsaṃ sadaivatam ||
Man stelle die Gestalt der Ursache als Willenskraft vor. Zuerst erfolge Kalanyasa, danach die Einsetzung der Tattvas mit ihren Gottheiten.
774 tatvānāṃ pañcakaṃ tadvattritatvaṃ sādhi daivatam |
mūrti vaktrāṇi vinyasya aṅgabhaṅgā nyaset punaḥ ||
Ebenso die fünf Prinzipien und die drei Prinzipien mit ihren Gottheiten; dann die Gesichter der Gestalt und ihre Glieder.
775 āvāhayet tato devaṃ śivaṃ parama kāraṇam |
aṅganyāsaṃ yathā sthānaṃ kṛtvā devaṃ nyaset punaḥ ||
Man rufe Shiva als höchste Ursache herbei, vollziehe den Anganyasa an den vorgesehenen Orten und setze die Gottheit erneut ein.
776 upacārantataḥ kṛtvā bhūṣayed bhūṣaṇaistataḥ |
sugandhaiḥ kusumairiṣṭvā sa ghṛtaṅguggulandahet ||
Nach den Ehrengaben schmücke man sie, verehre sie mit duftenden Blumen und verbrenne Guggulu mit Ghee.
777 lehya coṣyādi bhakṣyāṇi naivedyāni nivedayet |
bhuktānpratisarāndatvā pratibhāga pradarśakān ||
Man bringe Speisen zum Lecken, Saugen und Essen dar und lege Schutzbänder an, welche die jeweiligen Bereiche kennzeichnen. Der Bezug des ersten Partizips ist unsicher.
778 mudrāṃ vadhvā namaskṛtya vastreṇācchādayet tataḥ |
chatrādyupaskaraṃ sarvantasmin kāle nivedayet ||
Nach Mudra und Verneigung bedecke man die Gottheit mit Stoff und übergebe Schirm und sämtliche weiteren Ehrenzeichen.
779 nidrā kalaśaṃ śiro deśe śive naiva niveśayet |
abhyaṅgaṃ pādadeśe tu tataḥ śodhanamārabhet ||
Am Kopfende stelle man mit dem Shiva-Mantra den Schlafkrug auf, am Fußende die Salbung; danach beginne die Reinigung.
780 piṇḍikāni kaṭaṅgatvā śaktimantranniveśayet |
śivavidyātmatatvantu icchā jñānakriyānvitam ||
Am Sockel setze man das Shakti-Mantra und die Prinzipien Shiva, Vidya und Atman ein, verbunden mit Wille, Erkenntnis und Handlung.
781 śakti bhāvaṃ paraṅkṛtvā naivedyāni nivedayet |
evambrahmaśilāyāntu kūrmākhyāyāṃ mayaṃ vidhiḥ ||
Man erhebe den Kraftzustand zum höchsten und bringe Speisen dar. Dasselbe gilt für Brahmashila und Kurmashila.
782 ādhārādheya bhāvena tayorbhedampṛthak pṛthak |
śivaṃ sampūjya vijñāpya tatvaśuddhiṃ sabhārabhet ||
Ihre Unterschiede entsprechen dem Verhältnis von Träger und Getragenem. Nach Verehrung und Unterrichtung Shivas beginne man die Reinigung der Prinzipien.
783 bhūtānāṃ validānārthamādiśed deśikottamam |
tattvopasthāpanaṅkṛtvā yāyāt kuṇḍāntikaṅguruḥ ||
Der oberste Lehrer veranlasse die Opfergaben für die Wesen. Nach Vergegenwärtigung der Tattvas gehe der Guru zur Feuergrube.
784 iṣṭvā śivaṃ viśeṣeṇa pratiṣṭhā homamācaret |
śataṃ sahasramarddhamvā hutvā mūrtidharaiḥ saha ||
Er verehre Shiva besonders und vollziehe mit den Hütern der Formen das Einsetzungsopfer: hundert, tausend oder halb so viele Gaben.
785 datvā pūrṇāhutiṃ paścālliṅgaṃ śānti ghaṭāmbhasā |
samprokṣya saṃspṛśeddharbhairhoma saṃkhyaṃ japedaṇum ||
Nach der vollen Opfergabe besprenge er das Lingam mit Wasser aus dem Friedenskrug, berühre es mit Darbha und wiederhole den Mantra so oft wie die Opfergaben.
786 tatva sandhintataḥ kṛtvā tatvopasthāpanam bhavet |
tathā homastathā sparśaḥ punarhomastathā japaḥ ||
Es folgen Verbindung und Vergegenwärtigung der Tattvas, Feueropfer, Berührung, erneutes Feueropfer und Japa.
787 evantriṣvapi saṃpādya vidhiṃ bhāgeṣvanu kramāt |
śivādyavaniparyantamadhvānaṃ sandhayet tataḥ ||
Dies vollziehe man nacheinander in allen drei Bereichen und verbinde anschließend den gesamten Weg von Shiva bis zur Erde.
788 vyāpakantanmayandhyātvā homayenmūrtipaiḥ saha |
pūrṇāhutintato datvā śivāya vinivedayet ||
Man meditiere ihn als alles durchdringend und ganz von Shiva erfüllt, opfere mit den Formhütern und widme Shiva die volle Opfergabe.
789 evaṃ pīṭha saṃśuddhimumāmantreṇa kārayet |
brahmakūrmaśilāyāntu tataśchidrannirasya ca ||
Ebenso reinige man den Sockel mit dem Uma-Mantra, dann Brahmashila und Kurmashila, und beseitige alle rituellen Lücken.
790 śānti homantato hutvā ghṛtena madhunā saha |
prāyaścitte samutpanne pratyekaṃ rūpiṇā śatam ||
Es folgt ein Friedensopfer mit Ghee und Honig. Wird Sühne erforderlich, opfere man mit Bahurupa jeweils hundertmal.
791 hutvā pūrṇavacchinnaṃ śivāya vinivedayet |
śivaṃ sampūjya vijñāpya nicchidramava dhārayet ||
Man schließe mit der vollen Gabe und widme sie Shiva. Nach Verehrung und Bitte bewahre man den Zustand ohne Lücke.
792 prāsādanturutogacchejjapannastraṃ samūrtipaḥ |
mahāsrateja sā dagdhaṃ sarvavighnasamuccayam ||
Mit den Formhütern gehe man zum Tempel und wiederhole das Waffenmantra; alle Hindernisse werden als vom großen Waffenlicht verbrannt vorgestellt.
793 prāsādaṃ prokṣayeddhyātvā śastrarūpeṇa vāriṇā |
brahmasthāne tathāśvabhraṃ kūrma brahmaśilocchrayam ||
Man besprenge den Tempel mit Wasser, das als göttliche Waffe meditiert wird. Am Brahma-Ort schaffe man eine Vertiefung für Kurma- und Brahmashila.
794 praveśaṃ brahmabhāgasya jñātvāśvabhraṃ prakalpayet |
vasvaṃśaṃ pādabhāgañca tribhāgaṃ vā dvayantathā ||
Ihre Tiefe richtet sich nach dem einzulassenden Brahma-Anteil: ein Achtel, ein Viertel, ein Drittel oder zwei Drittel …
795 arddhaṃ samastakaṃ vāpi brahmabhāgampraveśayet |
pṛthak phala vibhedena jñātvā śvabhraṃ prakalpayet ||
… die Hälfte oder der ganze Brahma-Anteil. Entsprechend den verschiedenen gewünschten Früchten bestimme man die Vertiefung.
796 iṣṭvā vāstu gatān devān pūrvavat padayogataḥ |
madhyaṃ sucihnitaṃ kṛtvā nyaset kūrmaśilāntataḥ ||
Nach Verehrung der Vastu-Gottheiten auf ihren Feldern markiere man die Mitte deutlich und lege die Kurmashila ein.
797 tasyopari nyaset kūrmmaṃ haimaṃ dvārasya sanmukham |
ṛtumātrendu saṃbhakte dvāravyāse śatakrato ||
Darauf lege man die goldene Schildkröte, der Tür zugewandt. Die Türbreite wird nach der angegebenen Zahlenfolge geteilt. Die Teilungszahl ist verderbt.
798 madhyādekaṃ vahistyaktā tena madhyaṃ vivarjayet |
pūrvottareṇa tanmadhye śilāmadhyaṃ niveśayet ||
Man lasse einen Teil außerhalb der Mitte frei und vermeide die genaue Mittelachse; etwas nordöstlich davon setze man die Steinmitte.
799 madhyaṃ suniścitaṅkṛtvā śaktimantraṃ smared guruḥ |
kaśilān niveśayen madhye dhārikāśakti rūpiṇīm ||
Nach sicherer Bestimmung der Mitte gedenke der Guru des Shakti-Mantras und setze die Brahmashila als Gestalt der tragenden Kraft ein.
800 ādyāśaktistvamīśasya sarvadā dhārarūpiṇī |
tadājñayā tvayā tasmāt sthātavyamiha sarvadā ||
„Du bist die ursprüngliche Shakti des Herrn und trägst alles beständig. Auf seinen Befehl sollst du darum immer hier bleiben.“
801 parāvasthāntataḥ kṛtvā ratnādi nyāsamācaret |
vajraṃ sūryopalaṃ nīlamatinīlañca mauktikam ||
Nach Erhebung zum höchsten Zustand deponiere man Edelsteine und weitere Stoffe: Diamant, Sonnenstein, Saphir, tiefblauen Stein und Perle …
802 padmarāgañca vaidūryaṃ śaktiṃ prākāśikāṃ smaret |
rukmārka lohavaṅgañca candrāraṃ kāṃkṣapannagam ||
… Rubin und Vaidurya, im Gedenken an die erleuchtende Kraft. Gold, Kupfer, Eisen, Zinn, Silber, die weiteren Legierungen und Blei …
803 madhye samastakānyeva śaktiṃ śārīrikāṃ smaret |
haritālaṃ śilāṃtorīṃ hari sūtāgni gairikām ||
… lege man gemeinsam in die Mitte und gedenke der verkörpernden Kraft. Haritala, Manahshila und die übrigen genannten Mineralstoffe … Mehrere Stoffnamen sind verderbt.
804 valiṃvasā gaganaṃ caiva smṛti śaktyātmakāṃ nyaset |
candanantacca raktāhvamaguruñcāñjana mūlakam ||
… Bali, Vasa und Gagana werden als Erinnerungskraft niedergelegt. Sandelholz, rotes Sandelholz, Aguru und Anjana-Wurzel …
805 uśīrañcakriṇīṃ devīṃ lakṣyaśaktimanusmaran |
godhūmayava sa tilānmudgavīvāraśyāmakān ||
… Ushira und die als Chakrini bezeichnete Pflanze werden im Gedenken an die Zielkraft eingesetzt. Weizen, Gerste, Sesam, Mungbohnen, Wildreis und Shyamaka …
806 sarṣapānyājñikāndhānyān tṛptiśaktiṃ smarannyaset |
etaiḥ sarvaiḥ samāyuktaṃ madhye padmanniveśayet ||
… Senf und Opfergetreide lege man als Sättigungskraft nieder. In die Mitte komme ein Lotus, mit all diesen Stoffen verbunden.
807 guggulaṃ pāyasaṃ vātha randhrāṇāṃ lepane hitam |
eteṣāmapya lābhe tu yathā sthānanniveśayet ||
Guggulu oder Milchreis eignet sich zum Verschließen der Vertiefungen. Sind die genannten Stoffe nicht verfügbar, verwende man an den entsprechenden Stellen Ersatz.
808 vajrantālaṃ suvarṇañca sahadevāṃ yavaiḥ saha |
abhāvāt padmarāgantu kāñcanaṃ vāthapāradam ||
Genannt werden Diamant, Tala, Gold, Sahadeva und Gerste; bei deren Fehlen Rubin, Gold oder Quecksilber. Die Ersatzzuordnung ist nicht vollständig eindeutig.
809 randhraṃ sulepitaṅkṛtvā samyagbrahmaśilātalam |
śivā sanannyaset tatra śvabhre brahmaśilātmake ||
Nach sorgfältigem Verschließen und Bestreichen der Brahmashila setze man in deren Vertiefung den Sitz Shivas ein.
810 prāpti vyāptī ca sāmarthyaṃ sarvaṃ jñātvā pṛthak pṛthak |
kandāntaṃ pārthivantatvannālaṃ māyānta gocaram ||
Man erkenne Reichweite, Durchdringung und Wirksamkeit jedes Teils: Bis zur Wurzel liegt das Erdprinzip, der Stängel reicht bis Maya.
811 tadūrdhvañca raṇācchadane padmamīśāvadhiṣṭhitam |
atordhvaṅkarṇikājñeyā vāmādyaiḥ śaktibhirvṛtā ||
Darüber liegt der von den Herrschern getragene Lotus; seine Mitte ist von Vama und den übrigen Shaktis umgeben. Die Benennung des unteren Lotusbereichs ist verderbt.
812 śaktiṃ śivā sanandhyātvā sūryakoṭi samaprabham |
prīṇayantañjagatsarvaṃ vyāpayantaṃ śivāsanam ||
Man meditiere Shakti als Shivas Sitz, strahlend wie Millionen Sonnen, die ganze Welt erfreuend und alles durchdringend.
813 gandhadhūpādibhiḥ pūjya datvā kuṇḍāntikaṃ vrajet |
śivaṃ sampūjya vijñāpya mantrānsantarpya deśikaḥ ||
Nach Verehrung mit Duft und Räucherwerk gehe der Lehrer zur Feuergrube, verehre Shiva, unterrichte ihn und sättige die Mantras.
814 sandhānaṃ pūrṇayā sahitaṅkṛtvā vijñāpayecchivam |
labdhvānujñastato gacchet prāsādaṃ mantra vigrahaḥ ||
Nach Verbindung samt voller Opfergabe bitte er Shiva um Erlaubnis. Mit deren Empfang gehe er, selbst zur Mantragestalt geworden, zum Tempel.
815 dakṣiṇasyāṃ diśi sthitvā nyasen mantrān yathākramam |
sarvaśakti mayandhyātvā āsanantvā sanādhipam ||
Im Süden stehend lege er die Mantras der Reihe nach nieder und meditiere den Sitz als sämtliche Kräfte sowie dessen Herrn.
816 nirodhya pūjayitvā ca śanaiḥ pūjāṃ samuddharet |
śodhayitvā tu tacchūbhraṃ candanādi vilepitam ||
Nach Festigung und Verehrung entferne er behutsam die Opfergaben, reinige die Vertiefung und salbe sie mit Sandelholz.
817 rakṣitantatpaṭacchannaṅkṛtvā yāgālayaṃ vrajet |
śivaṃ saṃpūjya vijñāpya mūrtipaiḥ śilpibhiḥ saha ||
Er schütze sie mit einer Stoffdecke und gehe zum Opferhaus. Nach Verehrung und Unterrichtung Shivas versammle er Formhüter und Handwerker …
818 pūrvasaṅketitairdhīraiḥ sahāyairvalavattaraiḥ |
śubhe lagne hṛdotthāpya liṅgamarghyaṃ pracālayet ||
… sowie zuvor eingewiesene, verlässliche und kräftige Helfer. Zum günstigen Zeitpunkt hebe man mit dem Herzmantra das Lingam und bewege es nach der Arghya-Gabe.
819 tadagrato gururyāyāddhyānā viṣṭaḥ śivaṃ smaran |
svadiksthāmūrtipāḥ sarve svamantrāhita cetasā ||
Der Guru gehe voran, in Meditation versunken und Shiva gedenkend. Die Formhüter stehen in ihren Richtungen, geistig bei ihren Mantras.
820 kartā ca svajanaiḥ sārddhañchuddhāviṣṭaḥ spṛśañchivam |
vedagīta svarairdivyairmāṅgalyaiśca mahotsavaiḥ ||
Der Stifter folgt mit seinen Angehörigen, von Reinheit oder Vertrauen erfüllt und Shiva berührend, unter vedischen Gesängen und festlichen Segensklängen.
821 kṣipanratnādikaṅkartā prāsāda dvāramānayet |
dvāradeśe tu viśrāmya kiñcid dvārasya sanmukham ||
Kostbarkeiten ausstreuend, bringe er das Lingam zum Tempeltor; dort ruhe es kurz, der Tür zugewandt.
822 vinādvāreṇa deveśaṃ tanmārgeṇa praveśayet |
dvārārddhena śikhāśūnye śikhe śānti puraḥ smaran ||
Passt die Gottheit nicht durch die Tür, führe man sie auf einem anderen geeigneten Weg ein; bei vorhandenem Turm gehen Befriedungsrituale voraus. Die bauliche Einzelanweisung ist verderbt.
823 praviṣṭabhadra * * * * * * * * * * * ? |
* * * * * * * * * * * * * * * * ? ||
[Weitgehend ausgefallene Texteinheit; nur der Beginn „eingetreten … Bhadra …“ ist erkennbar. Keine zusammenhängende Übersetzung möglich.]
824 * * * ? tvā tu devasya prokṣya brahmaśilātalam |
tadūrdhvaṃ yantritandhāryaṃ sulagnaṃ yāvadā gatam ||
[Textlücke.] Man besprenge die Oberfläche der Brahmashila und halte das Lingam darüber mit einer Vorrichtung, bis der günstige Zeitpunkt gekommen ist.
Vereinigung von Shiva und Shakti

825 cihnamadhyaṃ suvijñāya liṅga madhyaṃ suniścitam |
śaktiśaktimatordhyātvā abhedaṃ dharmadharmiṇoḥ ||
Man bestimme die Mitte des Zeichens und des Lingams genau und meditiere die Ungetrenntheit von Shakti und ihrem Träger, von Eigenschaft und Eigenschaftsträger.
826 svabhāvasthaṃ smaranmantrantyaktaiśvaryalaya sthitam |
sṛṣṭyā sadeśa saṃsthānaṃ samyag liṅganniveśayet ||
Des in seinem eigenen Wesen ruhenden Mantras gedenkend und die Zustände von Herrschaft und Auflösung hinter sich lassend, setze man das Lingam nach der Schöpfungsfolge richtig ein.
827 rukmaraupyarkināgādikaṃ vibhiḥ sudṛḍhaṃ yathā |
mantranyāsantataḥ kṛtvā śivamāvāhayet sudhīḥ ||
Mit Stiften aus Gold, Silber, Kupfer, Blei oder anderem befestige man es gut. Dann vollziehe der Kundige Mantranyasa und rufe Shiva herbei.
828 kṛtvā cāṅgādi vinyāsaṃ pūjayecchivamādarāt |
mantranyāse kṛte śakra śilāmadhyānna cālayet ||
Nach Einsetzung der Glieder verehre man Shiva ehrfürchtig. Nach vollzogenem Mantranyasa darf das Lingam nicht mehr aus der Steinmitte bewegt werden.
829 pramādāccālite deve rāṣṭrabhaṅgaḥ prajāyate |
tataḥ sañcinuyātpīṭhañchilā śvabhrasamaṃ yathā ||
Wird die Gottheit aus Unachtsamkeit verschoben, gilt dies als Ursache des Landesverfalls. Danach errichte man den Sockel entsprechend der Steinvertiefung.
830 vālukāpuritaṃ liptantasyārddhe piṇḍikānnyaset |
dik cihnaiścihnitaṅkṛtvā devīmudvodhayet kriyām ||
Mit Sand gefüllt und verstrichen, nimmt er auf halber Höhe die Pindika auf. Man markiere die Richtungen und erwecke die Göttin als wirkende Kraft.
831 ānīyapūrvavat sarvaṃ mantraṃ śaktyantikaṃ smaran |
sulagne lamvanaiḥ praguṇāṃ sṛṣṭimārgeṇa vinyaset ||
Nach Herbeibringen wie zuvor, im Gedenken an das Shakti-Mantra, setze man sie zum günstigen Zeitpunkt mit Aufhängungen nach der Schöpfungsfolge ein.
832 śaktimūrtermaheśasya pṛthak śakti samarpaṇam |
sāmpratantu tayoryogastattvamānanda lakṣaṇam ||
Zuvor wurden Mahesha in Kraftgestalt und Shakti einzeln eingesetzt. Nun erfolgt ihre Vereinigung: das durch Wonne gekennzeichnete Prinzip.
833 dikcihnaiḥ saṃsthitāṅkṛtvā sandhilepaṃ samācaret |
śaṅkhacūrṇaṃ malaṃ lauhaṃ tathā sarvarasaṃ payaḥ ||
Nach Ausrichtung der Richtungszeichen verschließe man die Fuge mit einer Mischung aus Muschelpulver, Metallrückständen, Harz und Milch. Die Materiallesarten sind teilweise unsicher.
834 papitvā lepayet tena mantranyāsaṃ yathā purā |
muṣṭiṃ vaddhvā tato vidvāñchivaśakti svarūpiṇīm ||
Nach Bereitung und Auftrag dieser Masse vollziehe man den Mantranyasa wie zuvor. Dann bilde der Kundige eine Faust als Gestalt von Shiva und Shakti.
835 piṇḍikāyāṃ nyaselliṅgamaṅguṣṭhena spṛśet tataḥ |
umāmaheśamantrābhyāṃ sandhānaṃ muktikāṅkṣiṇām ||
Die Faust lege man auf die Pindika und berühre das Lingam mit dem Daumen. Für Befreiungssuchende erfolgt die Verbindung mit Uma- und Mahesha-Mantra.
836 śivomāmantrayogena sandhānaṃ bhūtimicchitām |
śāntikuṃbhāṃbha sā snāpya tathā pañcāmṛtairapi ||
Für Gedeihenwünschende erfolgt sie mit Shiva- und Uma-Mantra. Danach wasche man mit Friedenskrugwasser und Panchamrita.
837 vilipya kuṅkumādyaistu mantranyāsantu kārayet |
āsanasthānyathā sthānaṃ mūrtyādīṁlliṅgavigrahe ||
Nach Salbung mit Safran und anderem vollziehe man Mantranyasa: die Sitzgottheiten an ihren Orten, Gestalt und weitere Prinzipien im Lingamkörper.
838 pratyekaṃ vinyasen mantrī dhyānayuktasamāhitaḥ |
liṅge niveśayed vodhaṃ kriyāhvāṃ pīṭharūpiṇīm ||
Der Mantrakundige vollziehe dies einzeln, meditativ gesammelt: Erkenntnis setze er in das Lingam, die wirkende Kraft in den Sockel.
839 paratvantu tayordhyātvā bhinnābhinna svarūpayoḥ |
vyakti rūpantayordhyātvā snānaṃ vividhamācaret ||
Er meditiere beide in ihrem höchsten Zustand, zugleich verschieden und ungetrennt, dann ihre offenbarte Gestalt, und vollziehe die verschiedenen Waschungen.
840 vilipya pūrvavat tābhyāṃ kṛtvā pūjāṃ pṛthak pṛthak |
japaṅkṛtvā tayordatvā praṇipatya kṣamāpayet ||
Nach Salbung und getrennter Verehrung widme er beiden den Japa, verneige sich und bitte um Vergebung.
841 nyūnātiriktaśāntyarthaṃ rūpiṇā homamācaret |
vijñāpayet tato devaṃ lokānugraha hetutaḥ ||
Zum Ausgleich von Unterlassung und Übermaß opfere er mit Bahurupa und bitte die Gottheit um Gnade für die Welt.
842 sūryācandramasau yāvat sthiti loke pravartate |
tāvattātkālaṃ mahādeva liṅgesmin varado bhava ||
„Solange Sonne und Mond in der Welt bestehen, so lange, Mahadeva, sei in diesem Lingam gegenwärtig und gewähre Segen.“
843 labdhvānujñāṃ vibhorliṅge dhyāyantīśannirodhayet |
nirodhyaivaṃ namaskṛtvā punarvijñāpayedidam ||
Nach Empfang der Erlaubnis halte man den Herrn meditierend im Lingam fest, verneige sich und trage erneut die Bitte vor:
844 jñānato jñānato vāpi yaccoktanna kṛtaṃ mayā |
tatsarvaṃ pūrṇamevāstu tvatprasādānmaheśvara ||
„Was ich wissentlich oder unwissentlich von dem Gebotenen nicht vollzogen habe, möge durch deine Gnade ganz erfüllt sein, Maheshvara.“ Der zweite Ausdruck wird hier als ajñānataḥ, „unwissentlich“, verstanden; die Vorlage wiederholt jñānato.
845 yajamānasya yannāma yojayed īśvareṇa tu |
tataḥ sa yajamānastu pūjayed deśikottamam ||
Den Namen des Stifters verbinde man mit Ishvara. Danach verehre der Stifter den vorzüglichen Lehrer.
846 vittaśāṭhyādasau kartā grāmādyaṃ sannivedayet |
mūrtipebhyostra jāpibhyo viprebhyo gaṇakāya ca ||
Ohne Geiz bringe er ihm ein Dorf oder andere angemessene Gaben dar; auch die Formhüter, Waffenmantra-Rezitierenden, Brahmanen und den Astrologen …
847 sūtradhārāya śilpebhyo dakṣiṇā syāt sa saṃbhramā |
mahotsavaṃ mahānandaṅkuryād dinacatuṣṭayam ||
… den Baumeister und die Handwerker ehre er mit sorgfältig bemessenen Gaben. Vier Tage lang feiere man ein großes Fest voller Freude.
848 prāyaścittaṃ dvitīyehni śāntiścaiva tṛtīyake |
deśikādyāścaturthehni kuryuścāturthikāhnikam ||
Am zweiten Tag erfolgt Sühne, am dritten Befriedung; am vierten vollziehen Lehrer und Helfer das Ritual des vierten Tages.
849 susthālyāntu viśuddhāyāṃ brahmāṅgaiḥ sādhayeccarum |
saṃpātābhihutaṅkṛtvā pratikuṇḍaṃ yathākramam ||
In einem sauberen Gefäß bereite man mit den Brahma-Gliedmantras Opferbrei und weihe ihn durch die entsprechenden Güsse an jeder Feuergrube.
850 agrannivedya devāya tarpayeccaruṇā śivam |
sthirādyā hutayaḥ sapta pradadyādvana saṃkhyayā ||
Den ersten Anteil bringe man der Gottheit dar und sättige Shiva mit dem Brei. Es folgen sieben Gaben, beginnend mit Sthira. Die zusätzliche Zahlbestimmung ist verderbt.
851 pūrṇāndatvā śivaṃ jñāpya kṛtvā śāntiṃ pravācanam |
lokapāla valiṃ datvā kṣetrarakṣāṃ pravācayet ||
Nach voller Gabe, Bitte an Shiva und Friedensverkündigung bringe man den Welthütern Bali dar und beauftrage sie mit dem Schutz des Ortes.
852 anyeṣāmapi devānāñcaturthehni caturthikā |
tataḥ saṃpūjayed devaṃ snānādi vidhi vistaraiḥ ||
Auch bei anderen Gottheiten erfolgt dieses Ritual am vierten Tag. Danach verehre man die Gottheit ausführlich mit Bad und weiteren Handlungen.
853 vihāyaliṅgavinyāsaṃ nyastāṇuṃ saṃvisarjayet |
śaktibhāvo visargaḥ syād vyaktirāvāhanaṃ hare ||
Die eingesetzten Mantras werden entlassen, ausgenommen die im Lingam. Entlassung bedeutet Rückkehr in den Kraftzustand; Herbeirufung bedeutet Offenbarwerden.
854 śivakuṃbhavidhānena kṛtvā kubha dvayaṃ guruḥ |
ekena snāpayed devaṃ pūjayitvā yathā purā ||
Der Guru bereite zwei Krüge nach der Vorschrift des Shiva-Kruges. Mit einem bade er die Gottheit und verehre sie wie zuvor.
855 kartāramapareṇaiva tataḥ kuryāt phalārpaṇam |
tatastu sthāpako dṛṣṭho yajamānena pūjitaḥ ||
Mit dem anderen bade er den Stifter und übertrage ihm die Frucht des Rituals. Der Einsetzer wird dabei vom Stifter geehrt.
856 pratiṣṭhāyāḥ phalaṃ kartturyathā dadyāt taducyate |
mūlamantraṃ samuccārya yāvacchaktyanta gocaram ||
Wie die Frucht der Einsetzung dem Stifter gegeben wird, wird nun erklärt: Man spreche den Wurzelmantra bis zum Bereich der Shakti aus.
857 kāraṇatyāgayogena labdhvānandastu deśikaḥ |
tejo rūpanidhiṃ dhyātvā puṇyarāśiṃ svarekare ||
Durch das Überschreiten der Ursachen erlangt der Lehrer Wonne. In seiner Hand meditiere er den Vorrat religiösen Verdienstes als Licht.
858 vidyātattva pracāreṇa kare kartuḥ samarpayet |
tatphalaṃ bhuktimuktyākhyaṃ liṅgārādhana tastridhā ||
Durch den Weg des Vidyatattva übergebe er ihn in die Hand des Stifters. Diese Frucht heißt Erfüllung und Befreiung, entsprechend der dreifachen Lingamverehrung.
859 liṅge saṃsthāpite mokṣo bhūtayaśca nirantarāḥ |
tato vijñāpya deveśaṃ yajeccaṇḍeśvaraṃ guruḥ ||
Durch die Lingam-Einsetzung entstehen Befreiung und beständiges Gedeihen. Nach Unterrichtung des Götterherrn verehre der Guru Chandeshvara.
860 caṇḍamantraiḥ samāvāhya tārādyaiḥ phaṭkṛtāntakaiḥ |
snānaṃ pūjā japo homo naivedyādi yathā purā ||
Mit den Chanda-Mantras, beginnend mit Om und endend mit Phat, rufe er ihn herbei; Bad, Verehrung, Japa, Feueropfer und Speisegaben erfolgen wie zuvor.
Weitere Einsetzungen und Bannerweihe
861 kṛṣṇavarṇañcaturvaktraṃ tryakṣaṃ caṇḍā hi bhūṣaṇam |
śūlaṭaṅkakaraṃ bhīmaṃ kamaṇḍalvakṣamālinam ||
Man meditiere ihn schwarz, viergesichtig, dreiäugig, mit wilden Schlangen geschmückt, schrecklich, mit Dreizack, Beil, Wassergefäß und Gebetskette.
862 etad rūpaṃ sadādhyātuḥ sarvavighnavināśanam |
ādhāraśakti kamale mūrtivaktrāṅgasaṃyutam ||
Diese Gestalt vernichtet für den beständig Meditierenden alle Hindernisse. Auf dem Lotus der tragenden Kraft erscheint sie mit Gestalt, Gesichtern und Gliedern.
863 svasthāne prāṇamārgeṇa kṛtvātmasthaṃ niveśayet |
brūyādenaṃ śivaṃ dravyaṃ rakṣaṁstiṣṭhañchivāntike ||
Über den Prana-Weg nehme man sie zunächst in sich auf und setze sie an ihrem Ort ein: „Bleibe bei Shiva und schütze sein Eigentum.“
864 sampūjyagandhapuṣpādyairliṅgasthantannirudhya ca |
pṛthak pīṭhañcalaṃ liṅgaṃ pūrvavatsanniveśayet ||
Nach Verehrung mit Duft und Blumen halte man sie im Lingam fest. Ein bewegliches Lingam mit getrenntem Sockel wird wie zuvor eingesetzt.
865 kintu ratnādi vinyāsaṃ pīṭhagarbhe sa śaktikam |
ekapīṭhantvabhedena ratnādyaṃ cetasā nyaset ||
Dabei werden Edelsteine und Shakti im Inneren des Sockels niedergelegt. Bei einteiligem Sockel vollziehe man dies geistig.
866 pūrvavacca smṛtaṅkarma kintu caṇḍeśvaraṃ vinā |
vāṇakṣetrodbhavaṃ vāṇaṃ sarvaprāsādapīṭhagam ||
Die übrigen Handlungen erfolgen wie zuvor, jedoch ohne Chandeshvara. Ein Bana-Lingam aus seinem natürlichen Fundgebiet kann in jedem Tempelsockel stehen.
867 pīṭhasya saṃskṛtantatra svayaṃ vyaktepyayaṃ vidhiḥ |
sa mantraṃ sthāpayedrauhaṃ sarvaprāsādapīṭhagam ||
Bei ihm wird der Sockel geweiht; dasselbe gilt für selbstmanifestierte Lingams. Ein metallenes Lingam setze man mit Mantras in den passenden Tempelsockel ein.
868 vāṇavacca vidhiḥ khyāta ṛṣirdevādi kalpite |
pratiṣṭhā vyaktaliṅgānāṃ kriyāśakti puraḥsarā ||
Für von Rishis oder Göttern geschaffene Lingams gilt das Verfahren der Bana-Lingams. Bei figürlichen Lingams geht die wirkende Shakti voraus.
869 ratnāḍhyaṃ piṇḍikā garte vidhiścaṇḍeśvaraṃ vinā |
sarveṣāmeva devānāṃ snānādyaṃ pūrvavadyathā ||
Edelsteine werden in die Sockelvertiefung gelegt; das Chandeshvara-Ritual entfällt. Bei allen Gottheiten erfolgen Bad und weitere Handlungen wie zuvor.
870 svamantraiḥ sthāpanaṃ kāryaṃ jñātvā vyāptiṃ pṛthak pṛthak |
darpaṇe vihitaṃ snānaṃ leyacitrāgameṣu ca ||
Die Einsetzung geschieht mit ihren eigenen Mantras, deren jeweilige Reichweite bekannt sein muss. Bei verputzten oder gemalten Bildern wird die Waschung stellvertretend am Spiegel vollzogen.
871 pratiṣṭhā pūrvavat kāryā pīṭhādyaṃ śaktikalpitam |
pūjā teṣāmadhaḥ kāryā dhūpamātranna duṣyati ||
Die Weihe erfolgt wie zuvor; Sockel und weitere Teile werden als Shakti vorgestellt. Gaben bringe man unterhalb der Bilder dar; bloßer Räucherduft beschädigt sie nicht.
872 pratiṣṭhā cūlakādīnāṃ pūrvokta liṅgavadyathā |
na tatra lakṣaṇoddhārañcaturthī caṇḍakalpanā ||
Die Weihe von Turmabschlüssen und ähnlichen Teilen folgt der Lingamweihe, jedoch ohne Einritzen der Kennzeichen, Vierttagsritual und Chandeshvara-Einsetzung.
873 praveśo brahmaṇorddhena śaktiratnādi pūrvakam |
mūrtivaktrāṅga vinyāsaḥ sadeśākāra rūpadhṛk ||
Die Einlassung entspricht der halben Brahma-Partie; Shakti und Edelsteine gehen voraus. Gestalt, Gesichter und Glieder werden in der entsprechenden örtlichen Form eingesetzt.
874 kumbhe pyevaṃ triśūle tu triśaktiṃ vyāpinaṃ śivam |
niṣpannaṃ śikharaṃ dṛṣṭvā dhvajaśūnyanna dhārayet ||
Ebenso beim Kalasha; in den Dreizack setze man die drei Kräfte und den alldurchdringenden Shiva. Einen vollendeten Turm lasse man nicht ohne Banner.
875 dhvajaśūnyantu prāsādaṃ samāśritya vināyakāḥ |
janayanti bhayaṃ ghoraṃ tasmāt kāryo mahādhvajaḥ ||
Hindernismächte können einen bannerlosen Tempel besetzen und große Furcht erzeugen. Darum soll ein großes Banner errichtet werden.
876 prāsāda dairghyadīrghastu dvihasto vistareṇa tu |
jaghānto vātha kartavyo yathā lābhamathāpi vā ||
Seine Länge entspricht der Tempelhöhe, seine Breite zwei Ellen; es kann auch bis zur Wandzone reichen oder nach den verfügbaren Mitteln bemessen werden.
877 athavā pradakṣiṇī kṛtya yathā liṅgantu veṣṭhyate |
śikharatryaṃśato jyeṣṭhe madhyame pādavarjite ||
Alternativ bemesse man es nach einer Umrundung oder Umhüllung des Lingams. Die größte Stange beträgt ein Drittel des Turmmaßes, die mittlere ein Viertel weniger.
878 kanyase cottamorddhena samagranthistu vaiṇavaḥ |
muktaye viṣamaḥ śasto dṛḍhaḥ saddārūjothavā ||
Die kleinste beträgt die Hälfte der größten. Bambus soll gleichmäßige Knoten haben; für Befreiung wird eine ungerade Knotenzahl gepriesen. Auch festes gutes Holz ist geeignet.
879 samāhṛtya dvayaṃ kāryaṃ snānādyañca yathā purā |
mūrtyādi tatva vinyāsastathā kintvastra sannidhiḥ ||
Nach Beschaffung von Banner und Stange folgen Bad und weitere Handlungen wie zuvor sowie die Einsetzung von Gestalt und Prinzipien, jedoch mit Gegenwart des Waffenmantras.
880 pūjā homa japasparśantathā kāryaṃ makhādhipa |
prāsādo vāhyaliṅgantu jagatī piṇḍikāhare ||
Verehrung, Feueropfer, Japa und Berührung werden vollzogen. Der Tempel selbst ist das äußere Lingam, die Terrasse sein Sockel.
881 tatpratiṣṭhā prakartavyā yathā pūrvamudāhṛtā |
daṇḍādhāre nyasecchakti ratnādyaṃ pañcakantathā ||
Seine Weihe erfolgt daher nach der zuvor genannten Weise. In die Stangenhalterung lege man Shakti und die fünf Stoffgruppen, beginnend mit Edelsteinen.
882 dhvaja yuktannyased daṇḍamastrālaṅkṛtavigraham |
sūryakoṭisahasrābhaṃ jvalantamati bhīṣaṇam ||
Man setze die bannertragende Stange ein, als Körper der göttlichen Waffe vorgestellt, flammend wie tausend Millionen Sonnen und furchterregend.
883 surāsura praduṣṭānāṃ duḥprekṣyaṃ darpanāśakam |
mahāpātakino ye tu tepi dṛṣṭvā dhvajocchrayam ||
Für feindselige Götter und Asuras ist sie unerträglich und zerstört ihren Stolz. Selbst schwere Sünder werden durch den Anblick der Banneraufrichtung …
884 tatkṣaṇādeva niṣpāyāḥ kinnakartuḥ kuladvayam |
liṅgādi paramāṇūnāṃ saṃkhyāyāvacchivālaye ||
… augenblicklich von Schuld frei; um wie viel mehr beide Familien des Stifters! So viele kleinste Teilchen Lingam und Shiva-Heiligtum enthalten …
885 tāvat kalpa sahasrāṇi vaset kartā ca tatpure |
dhvajocchraye kṛte śakra bhavet koṭiguṇaṃ phalam ||
… so viele tausend Weltalter wohnt der Stifter in Shivas Stadt. Durch die Banneraufrichtung wird diese Frucht zehnmillionenfach vermehrt.
886 mandirepi prakartavyaṃ pratiṣṭhādyaṃ dhvajocchrayam |
anuṣaṅgāt pravakṣyāmi mandirepi dhvajocchrayam ||
Auch bei Wohngebäuden soll die Banneraufrichtung mit Weihe erfolgen. Bei dieser Gelegenheit erkläre ich sie ebenfalls.
887 jñātvā mandiramādau tu daṇḍamānañca kārayet |
ekabhaumaṃ dvibhaumamvā tribhaumaṃ mandiraṃ hare ||
Zuerst bestimme man das Gebäude und danach das Stangenmaß: Das Haus kann ein-, zwei- oder dreigeschossig sein.
888 kanyasaṃ madhyamaṃ jyeṣṭhaṃ teṣāṃ daṇḍamiti śṛṇu |
gāyatrī tuṣṭi bhuvanaiḥ karairdaṇḍantu kārayet ||
Höre die Stangenmaße der kleinen, mittleren und großen Ausführung; sie werden durch die Zahlenwörter Gayatri, Tushti und Bhuvana bezeichnet. Die Reihe ist nicht eindeutig auflösbar.
889 anyathā vā prakartavyā gṛhadaṇḍamiti śubhā |
veśma vyāsa tribhāgasthantatpādonaṃ dvitīyakam ||
Alternativ gelten entsprechende günstige Hausmaße: Die größte Stange entspricht einem Drittel der Hausbreite, die zweite ist ein Viertel kürzer.
890 tṛtīyamarddhabhāgena daṇḍamānamudāhṛtam |
dhvajānvitaṃ samādāya prokṣyāstreṇa paṭāvṛtam ||
Die dritte beträgt die Hälfte. Man nehme Stange und Banner, besprenge sie mit dem Waffenmantra und umhülle sie mit Stoff.
891 śivatatva vibhāgena tritatvantatva yā nyaset |
astraṃ nyastvā tato viddhānsannideho mamācaret ||
Entsprechend der Einteilung des Shiva-Prinzips setze man die drei Prinzipien ein, danach das Waffenmantra und vollziehe das Opfer zur Herbeiführung seiner Gegenwart.
892 mandire ca yathā nyāsastaṃ vakṣyehaṃ śatakrato |
mandire vinyaset tattvaṃ śaktiṃ vinyasya dhārikām ||
Nun erkläre ich die Einsetzung im Gebäude. Nach der tragenden Shakti lege man die Prinzipien darin nieder.
893 ātmatatvamadhobhāge brahmāṇḍo vadhi vinyaset |
vidhātattvannyasenmadhye buddhitatva padānugam ||
Im unteren Teil Atmatattva bis zum kosmischen Ei, in der Mitte Vidyatattva entsprechend dem Bereich der Buddhi.
894 ūrdhvaṃ vai śivatattvaṃ syācchuddha vidyāvasānikam |
kāraṇa tritayaṃ nyastvā śivaṃ sāṅgañca vinyaset ||
Oben liegt Shivatattva bis zur reinen Erkenntnis. Nach den drei Ursachen setze man Shiva mit seinen Gliedern ein.
895 tattvopasthāpanaṃ śuddhiḥ prokṣaṇa sparśanaṃ japaḥ |
sānnidhyaṃ rodhanaṃ pūjā sandhānaṃ pratitattvataḥ ||
Für jedes Prinzip erfolgen Vergegenwärtigung, Reinigung, Besprengung, Berührung, Japa, Herbeiführung der Gegenwart, Festigung, Verehrung und Verbindung.
896 evaṃ sarvatra vidhivadvidhānaṃ pūrṇatāṃ vrajet |
śubhalagnaṃ samāsādya vinyased dhvajamādarāt ||
So wird das Verfahren überall vorschriftsmäßig vollständig. Zum günstigen Zeitpunkt richte man das Banner ehrfürchtig auf.
897 mandiraṃ snapayet paścāt phalādyaiḥ śubhavastubhiḥ |
kāṣṭhikā tṛṇanirvṛtte gṛhe nyāsastu kathyate ||
Danach bade man das Gebäude mit glückverheißenden Stoffen wie Früchten. Nun folgt die Einsetzung bei Häusern aus Holz und Gras.
898 kaṃvīṣu pṛthivītattvaṃ tṛṇeṣvāpyaṃ niyojayet |
teja sambandhatoddeśe daṇḍakeṣu ca vāyavam ||
In die Querstäbe setze man Erde, in das Gras Wasser, in die Verbindungsstellen Feuer und in die Stangen Luft ein.
899 sthūṇāsu vyomatattvantu śivaṃ sāṅgañca vinyaset |
jīrṇepi saṃskṛte puṇyaṃ kartuḥ syānmaulikaṃ yataḥ ||
In die Pfosten lege man Raum, dann Shiva mit seinen Gliedern. Auch die Erneuerung eines verfallenen Baues verleiht dem Stifter das ursprüngliche Verdienst.
Erneuerung beschädigter Heiligtümer
900 tato jīrṇaṃ samuddhṛtya guṇavad vinyaset sudhīḥ |
mahābhayakarannityamatyantaṃ krūrarūpadhṛk ||
Darum entferne der Kundige das Verfallene und setze etwas Taugliches ein. Ein verdorbenes Heiligtum gilt als furchtbar und äußerst unheilvoll.
901 doṣaṃ karoti vahudhā rāṣṭre rājani sarvadā |
duṣṭaliṅge sthite rāṣṭre prajāmārīnirantaram ||
Es bringt nach der überlieferten Vorzeichenlehre Land und König vielfältigen Schaden; ein fehlerhaftes Lingam gilt als Ursache wiederkehrenden Sterbens der Bevölkerung.
902 rājā ca duḥkhaśokārtaḥ kṣīyate valavāhanaiḥ |
ātmaśūnyaṃ yathā dehaṃ saṃpraviśyeharākṣasāḥ ||
Der König leidet an Kummer und verliert Heer und Fahrzeuge. Wie Rakshasas in einen vom Selbst verlassenen Körper eindringen …
903 bhayamutpādayantyāśu dustaraṃ maraṇāntikam |
tathaiva devatāḥ śūnyaṃ dṛṣṭvāliṅgaṃ guṇojjhitam ||
… und schwer überwindbare Todesfurcht erzeugen, so sehen entsprechende Mächte ein von Gottheit und guten Eigenschaften verlassenes Lingam …
904 yajatāñca samāśritya janayanti mahadbhayam |
hīnañjīrṇaṅkṛśaṃ dagdhaṃ sthūlaṃ mānādhikaṃ hare ||
… besetzen es und erschrecken seine Verehrer. Zu klein, verfallen, abgemagert, verbrannt, zu dick oder übermäßig groß …
905 lakṣmaśūnyañca garbhāḍhyaṃ saṃpuṭaṃ sphuṭitantathā |
bhagnañca sa kṣatañcaiva tathā vajrahataṃ punaḥ ||
… ohne Kennzeichen, mit inneren Fehlern, eingeschlossen, rissig, gebrochen, verletzt oder vom Blitz getroffen …
906 evamādīni cānyāni liṅgāni parivarjayet |
jīrṇādyaiḥ procitairetaistyājyārcā piṇḍikādikam ||
… solche und ähnliche Lingams sind zu verwerfen. Ebenso verfallene Götterbilder, Sockel und weitere Teile.
907 calitañcālitaṃ liṅgaṃ patitaṃ pātitaṃ hare |
madhyasthaṃ viṣamaṃ nimnaṃ diṅmūḍhamati cocchritam ||
Ein von selbst verrücktes oder versetztes, gefallenes oder umgestoßenes, falsch mittig stehendes, schiefes, eingesunkenes, falsch ausgerichtetes oder zu hohes Lingam …
908 sthāpanīyāni tatraiva yadyetānye vraṇāni ca |
parityakta śilāyogaṃ nirvraṇañcalalakṣaṇam ||
… soll am selben Ort neu eingesetzt werden, sofern es unverletzt ist. Ist die Verbindung zum Stein gelöst, die Gestalt aber unbeschädigt, gilt es als beweglich.
909 saṃsaktāmuddharedvevīṃ tatraiva sthāpanāya ca |
jīrṇādyaṃ pūjitaṃ hanti nihanti tadapūjitam ||
Den verbundenen Sockel hebe man zur erneuten Einsetzung am selben Ort ebenfalls heraus. Verfallene Heiligtümer gelten sowohl verehrt als auch unverehrt als unheilbringend.
910 tasmāt taduddharelliṅgaṃ śāstravidvidhi pūrvakam |
vidhiṃ vinoddhṛtaṃ liṅgamaśāstrajñaistu deśikaiḥ ||
Darum soll ein Schriftkundiger das Lingam nach dem vorgeschriebenen Ritual entfernen. Wird es ohne dieses durch unkundige Lehrer entfernt …
911 rāṣṭraṃ rāṣṭrādhi pañcaiva drutamucchādayeddhare |
uddhṛtaṃ vidhinā liṅgaṃ deśikaiḥ samayacyutaiḥ ||
… gilt dies als rasch verderblich für Land und Herrscher. Auch wenn ein Lehrer die äußere Vorschrift befolgt, aber seine Gelübde verletzt hat …
912 tena doṣa vipākena gajavājikṣayo bhavet |
dakṣe maṇḍapastvīśe vā āpyadvāraika toraṇaḥ ||
… gilt dies als Ursache von Verlusten an Elefanten und Pferden. Im Süden oder Nordosten errichte man eine Halle mit einem westlichen Eingang und Torbogen.
913 atrāpi dvārapūjādi sthaṇḍile tu śivārcanam |
mantra santarpaṇaṃ kṛtvā dīpanādi yathā purā ||
Es folgen Torverehrung und weitere Handlungen; Shiva wird auf einem Bodenaltar verehrt, die Mantras werden gesättigt und wie zuvor belebt.
914 śivaṃ tu liṅgino bhojyā viṣṇvādau dvijasattamāḥ |
bhūtādibhyo valiṃ datvā śivamadhyeṣya śāntikam ||
Bei Shiva speise man Lingaträger, bei Vishnu und anderen vorzügliche Brahmanen. Nach Bali für die Wesen bitte man Shiva und vollziehe Befriedung.
915 kṣīrājya madhudūrvābhiḥ samidbhirvā vidhāya ca |
gatvā liṅgāntikaṃ mantrī tadā snāpya prapūjayet ||
Mit Milch, Ghee, Honig, Durva und geeigneten Opferhölzern werde geopfert. Danach gehe der Mantrakundige zum Lingam, bade und verehre es.
916 oṃ vyāpakeśvarā yeti namonto mūlavācakaḥ |
oṃ vyāpaka hṛdayāya nābhyantaṃ hṛdayaṃ smṛtam ||
„Oṃ vyāpakeśvarāya namaḥ“ ist der Wurzelmantra. Als Herzmantra gilt „Oṃ vyāpaka hṛdayāya …“. Die Endungsangabe des Herzmantras ist verderbt; nur der Wurzelmantra ist vollständig bestimmbar.
917 evaṃ śiro jvālinī varmanetrāstrāṇi krameṇa tu |
ebhistārāsane liṅgaṃ sthaṇḍilantu prapūjayet ||
Entsprechend folgen Kopf, flammende Haarspitze, Schutz, Augen und Waffe. Mit ihnen verehre man Lingam und Bodenaltar auf dem Om-Sitz.
918 tatastatrāśritaṃ sattvaṃ śrāvayedastra muccaret |
satvaḥ kopī hayaḥ kaścilliṅgamāśritya tiṣṭhati ||
Dann richte man unter Aussprache des Waffenmantras an das darin weilende Wesen die Aufforderung: „Welches Wesen auch immer hier im Lingam weilt …“
919 liṅgantyaktā sa yatreṣṭaṃ tatra yā tu śivājñayā |
evamuktā mahāstreṇa datvā cārghyaṃ visarjayet ||
„… es verlasse das Lingam auf Shivas Befehl und gehe, wohin es will.“ Nach dieser Erklärung mit dem großen Waffenmantra gebe man Arghya und entlasse es.
920 tataḥ pāśupatāstreṇa pratibhāge svaśaktitaḥ |
hutvāhare tatobhyukṣya śānti kumbhasya vāriṇā ||
Mit dem Pashupata-Waffenmantra opfere man für jeden Bereich nach Vermögen und besprenge danach mit Wasser aus dem Friedenskrug.
921 tato darbheṇa saṃspṛśya japtvāstraṃ homasaṃkhyayā |
arghaṃparāṅmukhaṃ datvā visṛjet tattva tattvapān ||
Man berühre mit Darbha, wiederhole das Waffenmantra entsprechend der Opferzahl, gebe abgewandt Arghya und entlasse die Prinzipien und ihre Herren …
922 dṛk kriye pīṭhamantrāśca bhāgatrayamanūnapi |
śivaṃ sāṅgaṃ trikhaṇḍādhva patīnatha samāyutān ||
… Erkenntnis- und Handlungskraft, die Sockelmantras, die Mantras der drei Teile, Shiva mit seinen Gliedern und die Herren des dreifachen Weges …
923 caṇḍanāthaṃ khanitreṇa haimenāstrāṇunākhanet |
vaddhvākāñcana pāśena vālarajvā ca yatnataḥ ||
… sowie Chandeshvara. Mit goldenem Werkzeug und Waffenmantra grabe man aus und befestige sorgfältig eine goldene Schlinge oder ein Haarseil.
924 skandha sthitayā vṛṣayorliṅga pīṭha śilāmapi |
dvayamekaṃ samastaṃ vā yatnādeṣāṃ samuddharet ||
Mit dem über die Schultern zweier Stiere geführten Seil hebe man Lingam, Sockel oder Stein, zwei davon, eines oder alle gemeinsam behutsam heraus.
925 śivamaṃtraṃ gṛṇaṁllokaiḥ prakṣipet tajjale guruḥ |
bhūyaḥ puṣṭyarthakaṃ hutvā dikpatīnāṃ pratarpaṇe ||
Unter Aussprache des Shiva-Mantras lasse der Guru sie mit Helfern ins Wasser bringen. Danach opfere man zum Gedeihen und zur Sättigung der Richtungshüter.
926 prāsāda vāstu śuddhyarthaṃ hotavyañca śataṃ śatam |
mahāpāśupataṃ śakra prāsādarakṣṇe nyaset ||
Zur Reinigung von Tempel und Bauplatz opfere man jeweils hundertmal. Zum Schutz des Tempels setze man das große Pashupata-Mantra ein …
927 yāvannaivā paraṃ liṅgaṃ sthāpayed vidhinā punaḥ |
pūrvamānānvitaṃ liṅgantadrūpaṃ saṃskṛtantathā ||
… bis ein anderes Lingam vorschriftsmäßig eingesetzt wird. Es soll die früheren Maße und die gleiche Gestalt besitzen und entsprechend vorbereitet sein.
928 svasthāne sanniveśyāpi vidhinā pūjayet tataḥ |
asurairmunibhirdevaistattvavidbhiḥ pratiṣṭhitam ||
Am ursprünglichen Ort eingesetzt, werde es vorschriftsmäßig verehrt. Ein von Asuras, Weisen, Göttern oder Tattvakundigen eingesetztes Lingam …
929 bhagnamvāpyatha jīrṇamvā vidhināpi na cālayet |
vidhimetam prakurvīta jīrṇadhāma samuddhṛtau ||
… darf dagegen selbst bei Bruch oder Verfall nicht versetzt werden. Bei der Erneuerung eines verfallenen Tempels vollziehe man das folgende Verfahren.
930 nistriṃśe vinyasen mantrān darpaṇe vā sunirmale |
aparantvārabhet paścāt pūrvarūpaṃ yathā bhavet ||
Die Mantras werden vorübergehend in ein Schwert oder einen makellosen Spiegel eingesetzt. Dann beginne man den Neubau in der früheren Gestalt.
931 samāpte mantrasaṃyogaḥ pratiṣṭhā pūrvavat smṛtā |
vāhyaṃ caiveṣṭakaṃ kāryamaiṣṭakatvau palaṃ hare ||
Nach Vollendung werden die Mantras wieder verbunden und die Weihe wie zuvor vollzogen. Ein einfacherer Bau kann durch Ziegel, ein Ziegelbau durch Stein ersetzt werden. Die erste Materiallesart ist verderbt.
932 hīnadhāmottamairdravyaiḥ kuryādvātanmayaṃ śubham |
yo yathā saṃsthito vāsturdīrgho vā samavistaraḥ ||
Ein geringerer Tempel darf aus besseren Stoffen oder erneut aus demselben Material schön errichtet werden. Der Bauplatz behält seine bisherige längliche oder quadratische Form.
933 tasmiṃstu kalpayed bhittiṃ hānirvṛddhiṃ vivarjayet |
hānau satyāṃ bhavenmṛtyurvṛddhau dravya kṣayo bhavet ||
Darauf errichte man die Mauer, ohne den Umfang zu verkleinern oder zu vergrößern. Verkleinerung gilt als Todeszeichen, Vergrößerung als Vermögensverlust.
934 tasmāt sarvaprayatnena hāniṃ vṛddhiṃ na kārayet |
dakṣiṇāṃ vastra hemādyairdatvā santoṣa yadgurum ||
Darum vermeide man beides sorgfältig. Den Guru stelle man durch Gaben von Stoff, Gold und anderem zufrieden.
935 kṣamastveti vadedvākyaṃ śivaṃ sopi vadet tataḥ |
iti kriyā samopetaṃ liṅgamantri sa sādhakaḥ ||
Man bitte: „Vergib!“ Er antworte: „Heil!“ Der Mantrakundige, der das Lingam mit solchen Handlungen verehrt …
Vergänglichkeit und tägliche Praxis

936 labhatebhi matāṃ siddhiṃ mokṣaṃ mokṣaparāyaṇaḥ |
patrapatre yathātoyaṃ vātoddhṛtaṃ sucañcalam ||
… erlangt die gewünschte Vollendung, der Befreiungssuchende Befreiung. Wie Wasser auf einem Blatt, vom Wind bewegt, unstet ist …
937 tadvatsu cañcalaṃ śakra prāṇināṃ hatajīvitam |
asthiraṃ yauvanaṃ śakra dravyamasthirameva ca ||
… so unstet ist das gefährdete Leben der Wesen. Jugend ist vergänglich, und auch Besitz ist unbeständig.
938 asthiraṃ putrapautrāghaṃ rambhāsārasamopamam |
tasmāt putrakalatrāṇi sudṛnmitradhanāni ca ||
Unbeständig sind Kinder, Enkel und alles Weitere, ohne festen Kern wie ein Bananenstamm. Darum soll man die Bindungen an Kinder, Partner, Freunde und Besitz …
939 vihāya mohajālāni kuryālliṅga parigraham |
kāliñjare mahīndre vā sahye vāma layepi vā ||
… als Netze der Verblendung loslassen und ein Lingam zur Verehrung annehmen, etwa auf Kalinjara, Mahendra, Sahya oder Malaya …
940 gaṅgā taṭe samudre vā śrīśaile saritāṃ taṭe |
patra puṣpa phalopete mṛtkuśopacite śubhe ||
… am Ganga-Ufer, am Meer, auf Shrishaila oder an Flüssen, an einem schönen Ort mit Blättern, Blumen, Früchten, Erde und Kusha …
941 māheśvara janākrānte sarvadoṣa vivarjite |
sutithau ca sunakṣatre suyoge karaṇānvite ||
… bewohnt von Shiva-Verehrern und frei von Fehlern. An einem günstigen Mondtag mit gutem Stern, Yoga und Karana …
942 sampūjya devadeveśaṃ kuryālliṅga parigraham |
sthāpitaṃ ṛṣibhiḥ pūrvaṃ sarvalakṣaṇasaṃyutam ||
… verehre man den Herrn der Götter und nehme das Lingam an: eines, das einst von Rishis eingesetzt wurde und alle Merkmale besitzt …
943 āśraye siddhidaṃ liṅgaṃ svayamvā parikalpitam |
kīlitaṃ varjayedvidvān skanda viṣṇvindra mātṛbhiḥ ||
… oder ein selbst geschaffenes, Vollendung schenkendes Lingam. Der Kundige meide eines, das durch Skanda, Vishnu, Indra oder die Mütter gebunden wurde. Die Bedeutung von kīlita ist hier nicht weiter erläutert.
944 uparyu pariliṅgañca varjayet sādhakaḥ sadā |
pūrvāsyaṃ paścimāsyantu śreṣṭhaṃ liṅga dvayaṃ hare ||
Auch übereinandergestellte Lingams soll der Übende meiden. Nach Osten und nach Westen gerichtete gelten als die beiden besten Formen.
945 yāmyaṃ kauvera cakrantu na siddhā viṣyate budhaiḥ |
parigṛhyekṣitaṃ liṅgaṃ yathāśāstraṃ śatakrato ||
Südliche und nördliche Ausrichtungen werden von den Kundigen nicht für Siddhi empfohlen. Nach schriftgemäßer Annahme und Prüfung des Lingams …
946 pūjayet satataṃ mantrī jñātvā dehamaśāśvatam |
pūjāhoma paro nityaṃ dhvajadhyāna parāyaṇaḥ ||
… verehre es der Mantrakundige beständig, im Wissen um die Vergänglichkeit des Körpers, hingegeben an Puja, Feueropfer und Meditation. Die Vorlage nennt ausdrücklich dhvajadhyāna, Banner-Meditation.
947 sarva kāryeṣu kuśalaḥ sādhakaḥ syājjitendriyaḥ |
kṣetrānte rakṣaṇaṃ pūjā valiṃ dānañca kārayet ||
Der Übende sei in allen Aufgaben geschickt und Herr seiner Sinne. Am Rand des heiligen Bezirks vollziehe er Schutz, Verehrung und Bali.
948 rakṣā gṛhepi kartavyā yathā kṣetre purandara |
parvakāleṣu sarveṣu nimitteṣvakhileṣu ca ||
Wie der heilige Bezirk soll auch das Wohnhaus geschützt werden. An allen Festtagen und besonderen Anlässen …
949 pūjāṃ viśeṣataḥ kuryājjapādyaṃ dviguṇañcaret |
śivapūjāpavitrañca kartavyaṃ sarvadā hare ||
… vollziehe man besondere Verehrung und verdopple Japa und weitere Übungen. Shiva-Verehrung und Pavitra-Gabe sind beständig zu pflegen.
950 pavitreṇa vinā pūjā tāmasī parikīrtitā |
rājasī ca bhavedindra paramīkaraṇādvinā ||
Verehrung ohne Pavitra gilt als tamasig, ohne Erhebung zum höchsten Zustand als rajasig.
951 tasmāt pūjā pavitrañca paramīkaraṇantathā |
kartavyaṃ satataṃ sadbhiḥ saṃsāra bhayabhīrūbhiḥ ||
Darum sollen gute Menschen, die die Bindung an Samsara überwinden wollen, beständig Verehrung, Pavitra und Erhebung zum Höchsten vollziehen.
952 patrikābhiḥ prasūnairvā kuśairvā parikalpayet |
pavitraṃ pratyahaṃśabhormahāpuṇyajigīṣayā ||
Aus Blättern, Blumen oder Kusha bereite man täglich ein Pavitra für Shambhu, wenn man großes religiöses Verdienst erstrebt.
Pavitra: das Fest der rituellen Erneuerung
953 iti nityakriyākhyātā śṛṇu naimittikī punaḥ |
āṣāḍhasyasitāviśvā śrāvaṇasya sitāsitā ||
Die tägliche Handlung ist erklärt; höre nun die anlassbezogene. Genannt werden Tage in der hellen Hälfte des Ashadha und in beiden Hälften des Shravana.
954 saptamyotha trayodaśyastatra gandha pavitrakam |
trayodaśyāṃ prakartavyaṃ pavitraṃ gandhasaṃjñitam ||
Der siebte und dreizehnte Mondtag werden genannt; am dreizehnten bereite man das duftende Gandhapavitra.
955 pavitramatha bhūtāyāmāṣāḍhaṃ niyamaḥ smṛtaḥ |
dīkṣādi sthāpanañcaiva pavitrādi śatakrato ||
Das eigentliche Pavitra folgt am durch Bhuta bezeichneten Tag; für Ashadha besteht eine besondere Regel. Einweihung, Einsetzung und Pavitra … Die Tageslesart ist hier unsicher.
956 adhimāsena kurvīta yadīcchecchubhamātmanaḥ |
darśadvayaṃ bhaved yatra ravisaṃkrānti varjitam ||
… soll man nicht im Schaltmonat vollziehen, wenn man sein Heil wünscht. Ein Zeitraum mit zwei Neumonden ohne Eintritt der Sonne in ein neues Zeichen …
957 adhimāsaḥ sa vijñeyo viṣṇuḥ svapitikarkaṭe |
tulyamāsedhi māse vā kartavyantu pavitrakam ||
… heißt Schaltmonat. Vishnu schläft im Krebs. Die anschließende Vorschrift zur Pavitra-Feier im gewöhnlichen oder eingeschobenen Monat ist mit der vorherigen Regel nicht eindeutig vereinbar.
958 supte caiva hṛṣīikeśe doṣabhāgaṃ yathā bhavet? |
kanyayā kartitaṃ sūtraṃ kartitantvātmanāpi vā ||
Auch der Satz über einen möglichen Fehler während Vishnus Schlaf ist unsicher. Für das Pavitra nehme man einen von einem Mädchen oder selbst gesponnenen Faden.
959 granthikeśa vinirmuktaṃ sarvadoṣa vivarjitam |
kṛtvā navaguṇaṃ śakra kṣālayed vidhinā tataḥ ||
Er sei frei von Knoten, Haaren und allen Fehlern. Man lege ihn neunfach und wasche ihn vorschriftsmäßig.
960 kuryāt tatkandukākāramantaḥ sūtraṃ prayatnataḥ |
aṅgavindvindumārabhya yāvannāgayamāvadhi ||
Man wickle ihn sorgfältig zu einem Knäuel mit innenliegendem Fadenende. Die Fadenzahl reicht von einer nicht sicher lesbaren oberen Zahl bis achtundzwanzig. Die Reihe in der folgenden Einheit legt 108 als Ausgangswert nahe; diese Zahl ist hier jedoch nur erschlossen, nicht eindeutig überliefert.
961 jyeṣṭhādi kanya sa prāntena valiṅge mayā tava |
daśahrāsānmayākhyātā sūtrasaṃkhyā purandara ||
Für die neun Lingamgrößen von der größten bis zur kleinsten nimmt die Fadenzahl jeweils um zehn ab.
962 ghaṭitānāṃ vidhiḥ khyāto nānyeṣāntu kadācana |
sthaṇḍile cala liṅge ca vāṇaliṅge svayambhuvi ||
Diese Vorschrift gilt für gefertigte Lingams. Für Bodenaltäre, bewegliche Lingams, Bana-Lingams und selbstmanifestierte …
963 rauhādau niyamo nāsti yathā pūrvamudāhṛtaḥ |
aṣṭottaraśatādūrddhanna kartavyaṃ kadācana ||
… sowie metallene und andere gilt diese Größenbindung nicht. Mehr als einhundertacht Fäden sollen jedoch niemals verwendet werden.
964 sarveṣāṃ niyamaḥ śakra ityājñā pārameśvarī |
aṣṭottara śataiḥ kuryāt sthaṇḍilādau pavitrakam ||
Dies ist die allgemeine Anordnung des höchsten Herrn. Für Bodenaltäre und ähnliche Träger bereite man ein Pavitra aus einhundertacht Fäden …
965 tasyārddhena tadarddhena yathā lābhena vā hare |
darbhamuñjādibhiścaiva sūtrā bhāvāt pavitrakam ||
… oder aus der Hälfte, deren Hälfte oder nach Verfügbarkeit. Fehlt Faden, verwende man Darbha, Munja und ähnliche Gräser.
966 kartavyaṃ sveśvarairlokaiḥ prāyaścittamatonyathā |
kartavyaṃ valayākāraṃ pavitratritayaṃ hare ||
Die Verehrer sollen es für ihre Gottheit herstellen, andernfalls ist Sühne nötig. Drei Pavitra-Ringe werden angefertigt.
967 samāntarāḥ prakartavyāḥ pratyekaṃ samagranthayaḥ |
piṇḍikāspṛkprakartavyaṃ gaṅgākhyantadudāhṛtam ||
Ihre Knoten stehen gleichmäßig und in gleicher Anzahl. Das Ganga genannte Pavitra soll bis zum Sockel reichen.
968 tatrāpi kathyate saṃkhyā granthīnānte nirākulam |
vinduvāṇaṃ samārabhya yāvat syānnāga candrakam ||
Auch seine Knotenzahl wird erklärt: Sie beginnt bei fünfzig und reicht bis achtzehn.
969 yugahrāsān samākhyātā granthayaḥ surasattama |
jyeṣṭhādi kanyase prānte pavitre sārvadaivike ||
Von der größten bis zur kleinsten Ausführung nimmt sie jeweils um vier ab, beim für alle Gottheiten bestimmten Pavitra.
970 granthisaṃkhyāsamuddiṣṭā kramāt teṣu nirākulā |
sārvadaivika saṃyuktantrayaṃ śambhoḥ pavitrakam ||
So ist die Knotenzahl der Reihe nach klar bestimmt. Shambhu erhält drei Pavitras zusammen mit dem allgemeinen.
971 ādityānalacaṇḍānāṃ sampattau syāccatuṣṭayam |
ekaikaṃ dvārapālānāmekañciavātma mūrtaye ||
Bei ausreichenden Mitteln gilt die Vierzahl auch für Sonne, Feuer und Chanda. Jeder Torwächter erhält eines, ebenso die eigene Gestalt.
972 vāhyāntarvali devānāmekaikaṃ parikalpayet |
ekaikaṃ lokapālānāmekaṃ pīṭhe niveśayet ||
Die äußeren und inneren Bali-Gottheiten sowie jeder Welthüter erhalten je eines; eines wird auf dem Sockel niedergelegt.
973 vaddhvā sarvapavitrāṇi rañjayet tadanantaram |
granthisthāne tataḥ śakra pavitraṃ maṇḍayet sudhīḥ ||
Nach Knüpfen aller Pavitras färbe man sie. Besonders die Knotenstellen schmücke der Kundige sorgfältig.
974 kuṅkumenendu yuktena candanenāruṇena ca |
maṇḍayed gomṛdāsūtraṃ rajanyāṃ śilayāthavā ||
Mit Safran und Kampfer, rotem Sandelholz, Kuh-Erde, Kurkuma oder dem genannten Mineral färbe man die Schnüre. Einzelne Stoffbezeichnungen sind unsicher.
975 dhātunā maṇḍayed vātha sarvā bhāvāt surādhipa |
pārthivaṃ dāruvañcaiva pātravrātañca vaṃśajam ||
Fehlt dies alles, verwende man einen geeigneten mineralischen Farbstoff. Alte Geräte aus Ton, Holz und Bambus …
976 vihāyasruksruvau śakra tyajet sarvaṃ purātanam |
sarvot pādita saṃbhāraḥ kṛtasnāna vidhikriyaḥ ||
… soll man mit Ausnahme von Sruk und Sruva aussondern. Nachdem alles Zubehör neu bereitgestellt ist, vollziehe man Bad und Reinigung.
977 sandhyāṃ naimittikīṃ smṛtvā kuryāt karma taducyate |
yāgadhāmādikaṃ sarvaṃ kumbhāntaṃ yadvyavasthitam ||
Nach der für den Anlass vorgesehenen Sandhya beginne man die folgende Handlung: Alles vom Opferhaus bis zu den Krügen …
978 trivṛtsūtreṇa tatsarvaṃ veṣṭayet kavacāṇunā |
sūryaṃ saṃpūjya vijñāpya dvārapālānyajet tataḥ ||
… werde mit dreifacher Schnur und dem Schutzmantra umwunden. Nach Verehrung und Unterrichtung der Sonne verehre man die Torwächter.
979 kṛtvā parigrahaṃ bhūmeḥ pūrvavat pūjayecchivam |
agniṃ sañjanayet kuṇḍe kuṇḍasaṃskārapūrvakam ||
Nach Inbesitznahme des Bodens verehre man Shiva wie zuvor. Die Feuergrube wird bereitet und das Feuer darin erzeugt.
980 āvāhayet tato devaṃ pūjayet tarpayet tataḥ |
pūrṇāṃ datvā kriyācchidrannirasya tadanantaram ||
Man rufe die Gottheit herbei, verehre und sättige sie, bringe die volle Gabe dar und beseitige rituelle Lücken.
981 aindrāntu vinyaset kāṣṭhaṃ suśuddhaṃ bhasmadakṣiṇe |
mṛttikāṃ vinyasecchakra pātrasthāmāpya gocare ||
Im Osten lege man gereinigtes Holz, im Süden Asche, im Westen Erde in einem Gefäß nieder.
982 sajalāñca nyaseddhātrīṃ kauveryā suranāyaka |
varmaṇā śikhayā caiva hṛdā ca śirasā hare ||
Im Norden lege man Dhatri mit Wasser nieder; Schutz-, Haarspitzen-, Herz- und Kopfmantra werden entsprechend verwendet.
983 gaṅgodakannyasedaiśe mūlamantramanusmaran |
mantrairetairnamontaiśca ḍhaukayecchiva sannidhau ||
Im Nordosten stelle man Ganga-Wasser mit dem Wurzelmantra hin. Mit diesen auf Namah endenden Mantras bringe man die Gaben vor Shiva.
984 puṣpairañjalimāpūrya pratyekaṃ kṣīramudrayā |
svāhā yutena mūlena sutṛptimbhāvayecchive ||
Jede Gabe erfolge mit blumengefüllten Händen und der genannten Mudra. Mit dem auf Svaha endenden Wurzelmantra stelle man sich Shiva vollkommen gesättigt vor. Der Mudraname kṣīra ist unsicher.
985 puṭaṃ nivedya pūtātmā kuryāt sūtrasya saṃsthitiḥ |
tāmrapātrādi saṃsthāni nikaṭīkṛtyakuṇḍataḥ ||
Nach Darbringung der gefüllten Hände bereite man die Schnüre; die kupfernen oder anderen Gefäße stelle man nahe an die Feuergrube.
986 tattva dṛṣṭyā samālokya prokṣyayecchiva vāriṇā |
mantritaḥ saṃhitā mantraiśchannaṃ pātrāntareṇa tu ||
Mit dem Blick auf ihre wahre Natur betrachte und besprenge man sie mit Shiva-Wasser, bespreche sie mit den Samhita-Mantras und bedecke sie mit einem zweiten Gefäß.
987 saṃpātābhihutaṃ kuryācchivaṃ varṣātmakaṃ smaran |
ghṛtapūrṇaṃ śruvaṃ kṛtvā svetyagnau bhāgamākṣipet ||
Man weihe sie durch die übertragenen Opfergüsse und meditiere Shiva als das Jahr. Aus dem mit Ghee gefüllten Löffel gieße man bei „sva“ einen Anteil ins Feuer …
988 hetiṃ yuñjyāt pavitreṣu saṃpātaḥ kathito hare |
mūlena hṛdaye naiva śirasā śikhayā tathā ||
… und vollziehe den entsprechenden Rest an den Pavitras. Dies heißt Sampata. Mit Wurzel-, Herz-, Kopf- und Haarspitzenmantra … Das Wort heti in der Gussanweisung ist unsicher.
989 kavacenāstra mantreṇa ekaikāmāhutiṃ kṣipet |
evaṃ saṃśodhya dātavyaṃ pavitraṃ gandhasaṃjñakam ||
… sowie Schutz- und Waffenmantra bringe man je eine Gabe dar. So gereinigt wird das Gandhapavitra übergeben.
990 sarvauṣadhi samālabdhaṃ mānonmāna vivarjitam |
sāmānyaṃ sarvadevānāmekagranthi śatakrato ||
Es ist mit allen Kräutern bestrichen, ohne festes Größenmaß, besitzt einen Knoten und ist allen Gottheiten gemeinsam.
991 āditya dvārapālādīntato gaṇapatiṃ gurum |
arcayitvā pavitreṇa śivamāmantrayet sudhīḥ ||
Nach Verehrung von Sonne, Torwächtern, Ganesha und Guru mit Pavitra lade der Kundige Shiva ein.
992 gandha pavitramādāya puṣpagandhopaśobhitam |
āmantritosi deveśa sarvacchidramacchidratām ||
Mit dem duft- und blumengeschmückten Pavitra spreche er: „Herr der Götter, du bist eingeladen. Jede Lücke möge zur Lückenlosigkeit …“
993 tvatprasādāt samabhye tu paṭhitvā mantramuccaran |
brahmādi kāraṇatyāgāllayāntaṃ susamāhitaḥ ||
„… durch deine Gnade gelangen.“ Unter Mantraaussprache und Überschreiten der Ursachen von Brahma an bleibe er bis zur Auflösung gesammelt.
994 samāropya vavitrantu patipatyakṣamāpayet |
vahnāvapi samāropya pavitraṃ saṃpuṭet tataḥ ||
Er lege das Pavitra auf, verneige sich und bitte um Vergebung. Auch dem Feuer bringe er eines dar; die übrigen werden geschützt verwahrt.
995 astraṃ varmahṛdaṃ pātre nyastvā datvā pavitrakam |
mantrayet saṃhitāmantrairhṛdaṃ varmāstrakaṃ punaḥ ||
Waffen-, Schutz- und Herzmantra werden in das Gefäß eingesetzt; nach der Pavitra-Gabe bespreche man es mit den Samhita-Mantras und erneut mit Herz, Schutz und Waffe.
996 nyastvā saṃveṣṭyasūtreṇa hṛdābhyarcya samarpayet |
kriyā samarpaṇaṃ kṛtvā kṣapedrātriṃ śivāgrataḥ ||
Mit Schnur umwunden, mit dem Herzmantra verehrt und dargebracht, wird das Ritual übergeben. Die Nacht verbringe man vor Shiva …
997 japadhyāna paro bhūtvā stutigītaparopi vā |
prātaḥkāle samutpanne kṛtvā cāvaśyakādikam ||
… hingegeben an Japa und Meditation oder an Lobpreis und Gesang. Am Morgen vollziehe man die notwendigen täglichen Handlungen.
998 snātvā sandhyāmupāsyaiva pavitramāhared vibhoḥ |
tato visarjayed devamaṣṭapuṣpā purārcitam ||
Nach Bad und Sandhya nehme man das Pavitra des Herrn ab und entlasse die zuvor mit acht Blumen verehrte Gottheit.
999 athāhnika dvayaṃ kṛtvā kuryānnaimittikaṃ hare |
sūryādīnāṃ tato datvā mantraiḥ svaiḥ svairyathoditaiḥ ||
Nach den beiden Tagesritualen vollziehe man die besondere Handlung und gebe Sonne und den übrigen ihre Pavitras mit ihren jeweiligen Mantras.

1000 ātmānampūjayecchakra pavitreṇa gaṇaṃ gurum |
viśeṣasnapanopetaṃ vistaraṃ pūjayecchivam ||
Man verehre das eigene Selbst, Ganesha und den Guru mit Pavitra und Shiva ausführlich mit besonderem Bad und weiteren Gaben.
1001 viśeṣā tarpayedvahniṃ datvā pūrṇāhutintataḥ |
gandhapuṣpasamopetaṃ dūrvākṣatasamanvitam ||
Man sättige das Feuer besonders und bringe die volle Gabe dar. Dann nehme man das mit Duftstoffen, Blumen, Durva und Reiskörnern versehene Pavitra …
1002 pavitramādāya devaṃ tato vijñāpayedidam |
sarvadeha sthito devaḥ sarvajñaḥ sarvago vibhuḥ ||
… und erkläre der Gottheit: „Du bist in allen Körpern gegenwärtig, allwissend, alldurchdringend und mächtig.“
1003 hīnādhikaṃ vibho karma tvayā dṛṣṭammayā kṛtam |
tadanena pavitreṇa saṃpūrṇan tvat prasādataḥ ||
„Du hast gesehen, Herr, was ich unvollständig oder im Übermaß getan habe. Durch dieses Pavitra und deine Gnade möge es vollständig werden.“
1004 evaṃ vijñāpya deveśaṃ pavitramadhiropayet |
pavitrāropaṇe śakra prayogamadhunā śṛṇu ||
Nach dieser Bitte lege man das Pavitra auf. Höre nun die Anwendung bei seiner Darbringung.
1005 śivamantraṃ samuccāryamāyāntat susamāhitaḥ |
ātmatattvādhipāya śivāya tadadhiropayet ||
Gesammelt spreche man den Shiva-Mantra bis zum Maya-Bereich und bringe das Pavitra Shiva als Herrn des Atmatattva dar.
1006 bhūyo mantraṃ samuccārya sa deśāntaṃ śatakrato |
vidyātatvādhipāya śivāya tadadhi ropayet ||
Erneut spreche man den Mantra bis zum bezeichneten örtlichen Bereich und bringe es Shiva als Herrn des Vidyatattva dar.
1007 punarmantraṃ samuccārya śaktyantaṃ pākaśāsana |
śivatatvādhipāya śivāya tadadhi ropayet ||
Dann spreche man den Mantra bis zur Shakti und bringe es Shiva als Herrn des Shivatattva dar.
1008 paścānmantraṃ samuccārya layāntaṃ suprasannadhīḥ |
sarvatattvādhipāya śivāya tadadhi ropayet ||
Schließlich spreche man ihn mit heiterem Geist bis zur Auflösung und bringe es Shiva als Herrn aller Prinzipien dar.
1009 āropayet pavitrāṇi jāti yuktāni sarvadā |
adhunā jātiṃ pravakṣyāmi pavitrāropaṇāyate ||
Die Pavitras werden stets mit der passenden Mantra-Endung aufgelegt. Nun erkläre ich diese Endung.
1010 prāṇāntāmṛta saṃviṣṭamālikhed vījamādarāt |
brahmavargadvitīyena mūrddhnibhinnaṃ yathā bhavet ||
Man bilde das Bija, verbunden mit dem Nektar am Ende des Atems und oben durch den zweiten Laut der Brahma-Gruppe geteilt. Verschlüsselte Lautanweisung; keine sichere vollständige Formel.
1011 aṃvaraṃ yojayet paścād dvitīya svarabheditam |
jātirekhā samākhyātā pavitrāropaṇāyate ||
Danach füge man den Raumlaut hinzu, durch den zweiten Vokal verändert. Damit ist die Endung zur Pavitra-Auflegung beschrieben.
1012 ityāropya pavitrāṇi arghapañcasubhūrddhasu |
yojayet sarvadā vidvān sarvakāmārtha siddhaye ||
Nach Auflegen der Pavitras bringe der Kundige Arghya an den fünf Köpfen dar, um alle gewünschten Ziele zu erfüllen.
1013 sthirabuddhiṃ prakurvīta paramīkaraṇantataḥ |
paścāt kuryājjapaṃ vidvān yathā pūrvamudāhṛtam ||
Er festige den Geist und vollziehe die Erhebung zum höchsten Zustand; danach den Japa nach der früheren Vorschrift.
1014 japaṃ kṛtvā mahāvāho saṃpuṭī kṛtyapūrvavat |
nivedayet prayogeṇa yathā vakṣyāmi lakṣaṇam ||
Nach dem Japa schließe er dessen Kraft wie zuvor ein und widme sie nach dem nun beschriebenen Verfahren.
1015 ātmatattvamadhaḥ kṛtvā śivatattvañca kārayet |
vidyātattva prabhāveṇa yadā niṣkala gocaram ||
Atmatattva werde unten, Shivatattva entsprechend darüber angeordnet; durch die Kraft des Vidyatattva gelange man in den ungeteilten Bereich.
1016 śivāya ca padañcānyat svāhāntaṃ samudīrayet |
japaṃ nivedaye devaṃ sarvakarmakaraṃ varam ||
Man spreche „shivaya“ und die weitere, auf Svaha endende Wendung und widme den Japa der Gottheit, die alle Handlungen vollendet. Die vollständige Widmungsformel wird nicht ausgeschrieben.
1017 ātmatattvaṃ vijānīyāt pūrakaṃ suranāyaka |
kumbhakaṃ śivatattvañca vidyākhyaṃ recakaṃ hare ||
Die Einatmung erkenne als Atmatattva, das Atemanhalten als Shivatattva, die Ausatmung als Vidyatattva.
1018 vahnāvapi samāropya pavitraṃ pūrvavad yathā |
valinā sa pavitreṇa rudrādīn pūjayet tataḥ ||
Auch dem Feuer lege man das Pavitra wie zuvor auf. Danach verehre man Rudra und die weiteren Gottheiten mit Bali samt Pavitra.
1019 stutvā praṇamya niyamaṃ pratijñāṃ śrāvayet tataḥ |
caturmāsaṃ dvimāsamvā māsaikaṃ pakṣameva vā ||
Nach Lobpreis und Verneigung verkünde man sein Gelübde: für vier Monate, zwei Monate, einen Monat oder eine Monatshälfte …
1020 daśāhaṃ saptarātramvā pañcāhamvā dina trayam |
dinadvayamathaikamvā pratijñāṃ kārayet sudhīḥ ||
… für zehn Tage, sieben Nächte, fünf Tage, drei Tage, zwei Tage oder einen Tag. Der Kundige lege eine entsprechende Verpflichtung ab.
1021 vittaśāṭhyaṃ vinā vidvān guruṃ sampūjayedatha |
bhojayelliṅginaḥ paścād dadyād vastraṃ sadakṣiṇam ||
Ohne Geiz verehre er den Guru, speise die Lingaträger und gebe ihnen Kleidung samt Ehrengabe.
1022 dīnānāthādikān sarvān tad dine bhojayeddhare |
rātrau mahotsavaḥ kāryaḥ śivāgre gītanartanaiḥ ||
An diesem Tag speise er auch alle Armen und Schutzlosen. Nachts feiere man vor Shiva mit Gesang und Tanz ein großes Fest.
1023 prabhāte tu samutpanne pavitraṃ pūrvavaddhare |
avatārya dhārayed yatnāt tato devaṃ visarjayet ||
Am Morgen nehme man das Pavitra wie zuvor ab und bewahre es sorgfältig; danach entlasse man die Gottheit.
1024 nityakarmottaraṃ śakra caṇḍanāthaṃ prapūjayet |
pūrvavan mantravinyāsaṃ gandhadhūpasragādibhiḥ ||
Nach dem täglichen Ritual verehre man Chandeshvara mit Mantranyasa, Duftstoffen, Räucherwerk und Girlanden.
1025 samāropya pavitrantu tanmantreṇaiva deśikaḥ |
śivasya puṣpadhūpādi nirmālyaṃ sa pavitrakam ||
Der Lehrer lege ihm mit dessen Mantra ein Pavitra auf; die Shiva dargebrachten Blumen, Räucherreste und das Pavitra …
1026 arpayeccaṇḍanāthasya kṣamasveti vadet tataḥ |
pratyahampūjayedyastu na sa pāpaiḥ pralipyate ||
… übergebe er Chandeshvara und bitte: „Vergib!“ Wer ihn täglich verehrt, wird von Verfehlungen nicht befleckt.
1027 hīnamvāpyadhikamvāpi yanmayā mohataḥ kṛtam |
sarvantadastu sampūrṇaṃ caṇḍanāthatavājñayā ||
„Was ich aus Verblendung zu wenig oder zu viel getan habe, möge auf dein Geheiß vollständig sein, Chandeshvara.“
1028 nirmālyamapanīyātha bhūmiṃ saṃśodhya yatnataḥ |
nadyāṃ nada hradādau ca nirmālyaṃ prakṣipet tataḥ ||
Nach Entfernung der Opferreste reinige man den Boden sorgfältig. Die Reste bringe man in einen Fluss, ein Flussbecken oder einen entsprechenden Ort.
1029 nadī saraḥ samudreṣu andhakūpanadī hrade |
pañcasthāne ṣvaduṣṭaṃ syāt sarvatrānyatra duṣyati ||
Fluss, See, Meer, ungenutzter tiefer Brunnen und Flussbecken gelten als fünf zulässige Ablageorte; andere als unzulässig. Historische Entsorgungsregel, keine heutige Umweltempfehlung.
1030 na gantavyaṃ sahasrākṣa pavitre tvavisarjite |
visarjite tu gantavyaṃ svecchamvai yatra rocayet ||
Solange das Pavitra nicht rituell entlassen ist, soll man nicht fortgehen. Danach darf man nach Wunsch reisen.
Sühne, Reinheit und Lebensführung
1031 prāyaścittampravakṣyāmi sāmpratantu śacīpate |
doṣavyapohanārthāya dharmasya sthitaye punaḥ ||
Nun erkläre ich die Sühnehandlungen, Herr der Shachi, zur Beseitigung von Fehlern und zur Bewahrung des Dharma.
1032 mohādajñānato vāpi aprasupte janārdane |
pavitraṃ kārayed yastu sa pāpī pāpamohitaḥ ||
Wer aus Verblendung oder Unwissen das Pavitra vollzieht, bevor Vishnu eingeschlafen ist, gilt als schuldig und von Verfehlung verblendet.
1033 pañcadinamanāhāro japtvā pañcāyutaṃ hare |
śuddhimevaṃ samabhyeti nānyathā tu kadācana ||
Als Reinigung werden fünf Tage ohne Nahrung und fünfzigtausend Mantrawiederholungen vorgeschrieben.
1034 bhādrādūrddhaṃ na kurvīta siddhānte doṣabhāg bhavet |
lakṣadvayamaghoreṇa japtvā caiva viśuddhyati ||
Nach Bhadra soll man das Ritual nicht mehr vollziehen; sonst entsteht nach dem Siddhanta ein Fehler. Zweihunderttausend Aghora-Wiederholungen gelten als Reinigung.
1035 daivādajñānato vāpi nāṣāḍhādi traye kṛtam |
tatrāpyevaṃ vinirdeśyaṃ prāyaścittaṃ purandara ||
Wurde es durch Schicksal oder Unwissen in den drei Monaten ab Ashadha versäumt, gilt dieselbe Sühneanweisung.
1036 suśāstre vartanannityaṃ samayācāra pālanam |
suparīkṣya prakartavyaṃ niṣiddhācāra varjanam ||
Man halte sich beständig an zuverlässige Schrift und bewahre die Verpflichtungen der Einweihung; nach sorgfältiger Prüfung meide man verbotene Handlungen.
1037 yathāśrutaṃ yathā dṛṣṭannivaddhaṃ gurubhiryathā |
svasiddhāntā virodhena tadvilaṃghya vilaṅghanam ||
Was man gehört, gesehen und von den Gurus festgelegt bekommen hat, bewahre man ohne Widerspruch zur eigenen Lehre; dessen Übertretung gilt als Verstoß.
1038 sakṛtsandhyā vilope tu ajātasya śatanjapet |
trikālalopāttriguṇaṃ sopavāsaṃ sa kāmataḥ ||
Bei einmaligem Versäumen der Sandhya wiederhole man Aja hundertmal, bei Versäumen aller drei Zeiten dreihundertmal; bei Absicht kommt Fasten hinzu.
1039 ekakālārcane lupte sahasraṃ dakṣiṇañjapet |
ekakālaṃ dvikālamvā trikālaṃ sārddharātrikam ||
Bei Versäumen einer Verehrungszeit wiederhole man den südlichen Mantra tausendmal. Als Fastenzeiten werden eine, zwei oder drei Mahlzeiten und anderthalb Nächte genannt …
1040 upavāsa samopetaṃ karmalope kṛte sati |
devārthe caiva gurvarthe kālalopena doṣabhāk ||
… entsprechend dem Ritualversäumnis. Bei Zeitüberschreitung im Dienst der Gottheit oder des Gurus entsteht dagegen kein Fehler. Die mehrdeutige Wortfolge wird als kālalope na doṣabhāk verstanden, nicht als kālalopena doṣabhāk.
1041 śāstranindā gurornindā liṅgādīnāṃ yatra vartate |
tasmāt sthānād vrajed dūraṃ sadyojātaṃ śatañjapet ||
Wo Schrift, Guru oder Lingam geschmäht werden, entferne man sich weit und wiederhole Sadyojata hundertmal.
1042 mahāpātakasaṃyuktā ye cānye pāpakarmiṇaḥ |
patitāścābhi śaptāśca te tu varjyāḥ prayatnataḥ ||
Menschen mit schweren Verfehlungen, andere Übeltäter, Ausgestoßene und Verfluchte soll man nach dieser Vorschrift sorgfältig meiden.
1043 ajñānāt saṅgatiṃ kṛtvā dakṣiṇasyā yutañjapet |
na laṅghayed gurośchāyāṃ na śivasya na liṅginām ||
Kam es unwissentlich zu solcher Gemeinschaft, wiederhole man den südlichen Mantra zehntausendmal. Den Schatten des Gurus, Shivas oder der Lingaträger überschreite man nicht.
1044 triśataṃ rūpiṇā japtvā gokanyā sa dvije śatam |
sahasrālluṭhite liṅge vartite dviguṇācchuciḥ ||
Bei diesem Überschreiten werden dreihundert Bahurupa-Wiederholungen genannt, bei Kuh, Mädchen oder Brahmanen hundert. Ein umgerolltes Lingam erfordert tausend, ein verdrehtes zweitausend Wiederholungen.
1045 ayutaṃ tricaturluṭhite cyute śvabhre daśāyutān |
gaḍḍūkādyabhighāte ca dvyayutālladyūtaddalāt ||
Bei drei- oder viermaligem Rollen werden zehntausend, beim Herausfallen aus der Vertiefung hunderttausend genannt; bei Anstoßen mit einem Gefäß zwanzigtausend, bei geringem Schaden die Hälfte.
1046 stutyādau śleṣma saṃsparśe dakṣiṇasyā yuta trayāt |
iṣṭaliṅge hṛtenaṣṭe vahnilīḍhe pramādataḥ ||
Bei Schleimkontakt während Lobpreis und ähnlichen Handlungen werden dreißigtausend Wiederholungen des südlichen Mantras genannt. Wird das verehrte Lingam geraubt, verloren oder versehentlich verbrannt …
1047 japtvā lakṣamaghoreṇa tadrūpasthāpanācchuciḥ |
sādhāre patite liṅge tāle tāle yutañjapet ||
… gelten hunderttausend Aghora-Wiederholungen und die Einsetzung einer gleichartigen Gestalt als Reinigung. Fällt das Lingam mit Unterlage, gelten zehntausend Wiederholungen je Tala Fallhöhe.
1048 nirādhāre tu dviguṇaṃ kalpyaṃ nyūnādhikantataḥ |
akṣasūtrāparādhe tu uktapādañcared budhaḥ ||
Ohne Unterlage ist die Zahl doppelt so groß; nach geringerem oder größerem Schaden wird angepasst. Bei einem Fehler an der Gebetskette gilt ein Viertel dieser Sühne.
1049 avisarjita pātre tu bhaṅge vātha vivartite |
śatadvayāt sahasrānte tadarddhāt kramataḥ śuciḥ ||
Bricht oder kippt ein noch nicht rituell entlassenes Gefäß, werden zweihundert bis tausend Wiederholungen beziehungsweise die Hälfte genannt. Die genaue Zuordnung ist verderbt.
1050 dviguṇaṃ sthaṇḍile prāhuḥ prāyaścittammakhādhipa |
nirvāṇe sa śive vahnau trirātra samupoṣitaḥ ||
Beim Bodenaltar gilt die doppelte Sühne. Erlischt das Feuer, während Shiva darin gegenwärtig ist, werden drei Nächte Fasten vorgeschrieben …
1051 ayutaṃ rūpiṇāṃ japtvā śuddhimicchantya saṃśayaḥ |
rakṣitepi hi nirvāṇe ahorātramupoṣitaḥ ||
… zusammen mit zehntausend Bahurupa-Wiederholungen. Erlischt ein anderweitig geschütztes Feuer, faste man einen Tag und eine Nacht …
1052 sahasraṃ vahurūpeṇa japtvā śuddhyati sādhakaḥ |
pūrvāhṇaṃ caiva madhyāhnaṃ samāpya sthitaye tanau ||
… und wiederhole Bahurupa tausendmal. Nach Vollendung der Morgen- und Mittagsrituale soll man zum Unterhalt des Körpers …
1053 carenmādhukarīṃ bhikṣāṃ bhukti mukti samīhakaḥ |
bhikṣāṃ yācayitvā tu kiñcit sthitvānyato vrajet ||
… bienengleich kleine Almosen sammeln, wenn man Erfüllung und Befreiung erstrebt. Nach der Bitte warte man kurz und gehe weiter.
1054 anivartitaṃ bhramed bhikṣāṃ jñātvā vṛttañca varṇinām |
sthitiṃ buddhāśramaṅgacchecchuci sthāne nidhāya ca ||
Man kehre beim Sammeln nicht ständig um und beachte den Lebenswandel der Gebenden. Ist der Unterhalt gesichert, kehre man zum Ashram zurück und stelle die Speise an einen reinen Ort.
1055 mṛdbhiḥ saṃśodhya caraṇau karau kṣālyā camettataḥ |
bhasmasnānantataḥ kṛtvā mantrakāyodya kṛt smaran ||
Man reinige die Füße mit Erde, wasche die Hände, vollziehe Achamana und das Aschebad und erinnere sich an den aus Mantras bestehenden Körper. Der letzte Ausdruck ist beschädigt.
1056 astraṃ dīptoktayā plāvya prokṣyatāṃ trirvibhajya ca |
śivāya guruve datvā bhuñjīta vidhipūrvakam ||
Man reinige die Nahrung mit dem leuchtend vorgestellten Waffenmantra, besprenge und teile sie dreifach. Nach Gaben an Shiva und Guru esse man vorschriftsmäßig.
1057 ācāntaḥ pūrvavat snātaḥ smṛtvānatvā śivaṃ gurūm |
ayācitaiḥ sthitiṃ kuryāt svadhanairvā kramāgataiḥ ||
Danach folgen Achamana, Reinigung, Gedenken und Verneigung vor Shiva und Guru. Man kann auch von ungebetenen Gaben oder rechtmäßig überliefertem eigenem Besitz leben.
1058 svajāti dīkṣitaiḥ spṛṣṭaḥ snātvā camya śatañjapet |
tasmin na dīkṣite spṛṣṭe snātvā camya śatadvayam ||
Nach Berührung durch einen Eingeweihten der eigenen sozialen Gruppe werden Bad, Achamana und hundert Wiederholungen genannt; bei einem Nichteingeweihten zweihundert.
1059 samīpa dīkṣite spṛṣṭe snātvā camya śatadvayam |
tasmin na dīkṣite spṛṣṭe sopa vāso japo mataḥ ||
Bei Berührung durch einen Eingeweihten der benachbarten Gruppe ebenfalls Bad, Achamana und zweihundert Wiederholungen; bei einem Nichteingeweihten kommt Fasten hinzu.
1060 evaṃ buddhvā prakartavyamitaraiḥ pādavarjitam |
puruṣāghora vāmājā jātīśā brāhmaṇāditaḥ ||
Für die übrigen Fälle wird entsprechend angepasst, jeweils um ein Viertel vermindert. Purusha, Aghora, Vama und Aja gelten als Herren der Gruppen, beginnend bei den Brahmanen.
1061 trirātramantyaja sparśādaṃ ghorasyā yutācchuciḥ |
sa kṛcchraṃ tryayutaṃ śakracaṇḍāla sparśane diśet ||
Nach Berührung eines Antyaja werden drei Nächte und zehntausend Aghora-Wiederholungen genannt; bei einem Chandala dreißigtausend samt Kricchra-Buße. Historische kastenbezogene Reinheitsvorschriften, keine Bewertung menschlicher Würde.
1062 jñātvā nyatra prakartavyaṃ prāyaścittaṃ surādhipa |
annāghraṃ madirā spṛṣṭaṃ yadi bhuṅktetva kāmataḥ ||
Die Sühne anderer Fälle ist entsprechend zu bestimmen. Wer unbeabsichtigt Speise isst, die mit Alkohol verunreinigt ist …
1063 viṇmūtra retasā duṣṭaṃ līḍhaṃ vā kākakukkuraiḥ |
kapi grāha śivādakṣairviḍvarāhaiśca dūṣitam ||
… oder mit Kot, Urin, Samen, von Krähen oder Hunden beleckt, durch Affen, Raubtiere, Schakale oder unreine Schweine verunreinigt … Ein Tiername ist verderbt.
1064 śūdrāducchiṣṭasaṃpṛktaṃ pṛṣṭaṃ vā tvanta jātibhiḥ |
kṛtvā snānannirāhāraḥ pañcagavyaṃ samācaret ||
… oder nach der sozialen Reinheitsordnung mit Speiseresten eines Shudra oder durch niedrig eingeordnete Gruppen berührt wurde, soll baden, fasten und Panchagavya einnehmen.
1065 pratisandhyaṃ sahasrantu japedaghoraṃ samāhitaḥ |
tridinannaktabhojī syāt triḥsnāyī dhyāna tatparaḥ ||
Zu jeder Sandhya wiederhole er gesammelt Aghora tausendmal. Drei Tage lang esse er nur nachts, bade dreimal täglich und widme sich der Meditation.
1066 devamiṣṭvā caturthehni sahasraṃ homayet tataḥ |
upavāsastathā naktaṃ pañcagavyaṃ viśuddhaye ||
Am vierten Tag verehre er die Gottheit und bringe tausend Feueropfer dar. Fasten, Nachtmahlzeit und Panchagavya werden als Reinigungsmittel genannt.
1067 kṣatriye dhyāna niṣṭhe tu śuddhimevaṃ vinirdiśet |
trikālāt plavanaṃ vaiśya sakṛcchūdre vinirdiśet ||
Für einen in Meditation gefestigten Kshatriya wird dieses Verfahren vorgeschrieben; für Vaishyas dreimaliges Baden, für Shudras einmaliges. Die Abstufung des Gesamtverfahrens bleibt knapp.
1068 akāmād dviguṇaṃ kāmāt sarveṣāṃ parikīrtitam |
gṛñjanālāvulaśunaṃ palāṇḍukavakāni ca ||
Bei absichtlichem Handeln gilt allgemein das Doppelte der unabsichtlichen Sühne. Grinjana, Alabu, Knoblauch, Zwiebel und Pilze …
1069 ameddhyodbhavamāṃsaṃ bhuktā syān nirasanastryaham |
matsyakaṇṭaka sāmvūka nakhañcaiva kapardikā ||
… sowie unreines Fleisch erfordern nach dieser Vorschrift drei Tage ohne Nahrung. Es folgen Fischgräten, Schnecken, Nägel und Muscheln. Der Anschluss dieser Liste ist verderbt.
1070 pītvā navodakaṃ mantrī pañcagavyopa vāsakam |
kṛmikīṭābhisaṃpṛktaṃ bhuktā kāntena śuddhyati ||
Nach Trinken neuen Wassers werden Panchagavya und Fasten genannt. Bei mit Würmern oder Insekten vermischter Speise folgt eine weitere Reinigung. Deren Bezeichnung ist unklar.
1071 makṣikā kīṭakeśaistu duṣṭaṃ tyaktālpa modanam |
bhasma saṃspṛśya saṃprokṣya śeṣaṃ bhojyanna duṣyati ||
Bei Fliegen, Insekten oder Haaren entferne man einen kleinen Teil der Speise, berühre den Rest mit Asche und besprenge ihn; danach gilt er rituell als essbar.
1072 pītaśeṣantu yattoyaṃ pramādādyadi tat pivet |
upoṣya rajanīmekāṃ pañcagavyena śuddhyati ||
Wer versehentlich bereits angetrunkenes Wasser trinkt, gilt nach einer Fastennacht und Panchagavya als gereinigt.
1073 pivantoyaṃ patatpanne tadannaṃ yonti mohitaḥ |
sahasraṃ rūpiṇī japtvā pañcagavyena śuddhyati ||
Wer aus Unachtsamkeit Speise isst, in die beim Trinken Wasser gefallen ist, reinigt sich nach der Vorschrift durch tausend Bahurupa-Wiederholungen und Panchagavya.
1074 bhuñjānasya gudasrāve ucchiṣṭasyendriya śurte |
ādau śaucantataḥ snānamācāntaḥ punarācamet ||
Bei Ausscheidung während des Essens oder körperlichem Ausfluss im Zustand der Speiseunreinheit erfolgen zuerst Reinigung, dann Bad und wiederholtes Achamana.
1075 sahasraṃ rūpiṇā japtvā sopa vāso viśuddhyati |
anācāntaḥ pivet toyaṃ bhakṣayed vātha mūtrayet ||
Tausend Bahurupa-Wiederholungen mit Fasten gelten als Reinigung. Wer ohne Achamana Wasser trinkt, isst oder uriniert …
1076 ajaptvāghoraṃ vināhāraḥ pañcagavyena śuddhyati |
adhocchiṣṭo yadā mantrī viṣṭāmadyādi nāhataḥ ||
… wird nach der Vorschrift durch Aghora-Japa, Fasten und Panchagavya gereinigt. Der Beginn des Verses ist verderbt. Wenn der Mantrakundige im unreinen Zustand mit Kot, Alkohol oder Ähnlichem in Berührung kommt …
1077 snātvo poṣya japed ghoraṃ pañcagavyena śuddhyati |
vinā yajñopavītena pivati bhuṅkte yadā naraḥ ||
… soll er baden, fasten, Aghora wiederholen und Panchagavya einnehmen. Wer ohne heilige Schnur trinkt oder isst …
1078 pañcagavya nirāhāro japtvā ghoraṃ viśuddhyati |
ucchiṣṭastu yadā spṛṣṭa ucchiṣṭairveṇukādibhiḥ ||
… reinigt sich nach derselben Vorschrift durch Panchagavya, Fasten und Aghora-Japa. Bei Berührung im unreinen Zustand durch ebenfalls Unreine …
1079 snānaṃ śauca nirāhāraḥ pañcagavya japācchuciḥ |
ghoṣārkarukmaraupyāṇāṃ vaṅgasīsakayorapi ||
… werden Bad, Reinigung, Fasten, Panchagavya und Japa genannt. Für Bronze, Kupfer, Gold, Silber, Zinn und Blei …
1080 bhasmāmlavāriṇā śuddhirnirlayaṃ syād yadā hare |
śaṅkhaśāmvūka śuktīnāṃ tejasavacchuddhiriṣyate ||
… erfolgt Reinigung mit Asche, saurer Flüssigkeit und Wasser, bis alle Anhaftung entfernt ist. Muscheln, Schneckengehäuse und Schalen werden ähnlich wie Metalle gereinigt.
1081 kvathitaṃ śuddhyate kṣīraṃ dadhi śuddhirnigadyate |
dadhipātrāntare dhṛtvā vīkṣayet tadanantaram ||
Milch wird durch Kochen gereinigt. Dickmilch gebe man in ein anderes Gefäß und prüfe sie sorgfältig.
1082 annādi lepanirmuktaṃ prokṣaṇācchuddhyate dadhi |
sutaptasya śrutasyātha śuddhirājyasya kīrtitā ||
Frei von anhaftender Speise und ähnlichen Stoffen wird Dickmilch durch Besprengung gereinigt; Ghee durch gründliches Erhitzen und Filtern. Die zweite Lesart ist unsicher.
1083 evammadhuguḍādīnām prokṣaṇādagni yogataḥ |
sa tṛṇā caiva sa kṣodā socchiṣṭā tu sa lepikā ||
Ebenso werden Honig, Zucker und anderes durch Besprengung oder Feuerkontakt gereinigt. Beim Boden unterscheidet man Gras, Staub, Speisereste und festhaftenden Schmutz.
1084 satṛṇā prokṣaṇācchuddhā sakṣodāmārjanādhikā |
socchiṣṭā gomayodvṛṣṭā pūrvasaṃskāra śodhitā ||
Grasbedeckter Boden wird besprengt, staubiger zusätzlich gefegt; mit Speiseresten verunreinigter wird mit Kuhdung bearbeitet und wie zuvor gereinigt.
1085 sa lepāntakṣitāṃ kṛtvā ghṛṣṭvā gomaya vāriṇā |
mārjayet prokṣayet paścād bhūmi śuddhirudāhṛtā ||
Festhaftenden Schmutz schabe man ab, reibe mit Kuhdungwasser, fege und besprenge. Damit ist die Bodenreinigung erklärt.
1086 anyacchuddhyantaraṃ vakṣye samāsāt pākaśāsana |
susnātaśca samācantaḥ śuddhavāsāḥ śuciḥ pumān ||
Weitere Reinigungen erkläre ich kurz: Ein gut gebadeter Mensch mit vollzogenem Achamana und reiner Kleidung gilt als rein.
1087 pitṛdevopayuktānām pratyahaṃ śaucamiṣyate |
tyāge paridhāna vastrāṇāṃ prāvaraṇasya malāgame ||
Für Ahnen- und Götterrituale ist tägliche Reinheit gefordert. Abgelegte Unterkleidung und verschmutzte Überkleidung sind zu reinigen. Der erste Bezug der Kleidungsregel ist knapp.
1088 rajaka kṣālitaṃ vastraṃ punarddhautaṃ viśuddhyati |
varmaṇāṃ rajju vastrāṇāṃ śuddhiḥ syāt kṣāra vāriṇā ||
Vom Wäscher gewaschene Kleidung wird nochmals gewaschen. Leder, Seile und Stoffe werden mit alkalischem Wasser gereinigt.
1089 kauśeyāvikayoruṣaiḥ kṣaumāṇāṃ gaurasarṣapaiḥ |
śrīphalairaṃśu paṭṭānāṃ kutapānāmariṣṭakaiḥ ||
Seide und Wolle mit mineralischer Lauge, Leinen mit weißem Senf, feine Gewebe mit Shriphala und Decken mit Seifennüssen.
1090 tṛṇakāṣṭhādikaṃ sarvaṃ prokṣaṇācchuddhimeti hi |
śuddhānāṃ saṃhatānāntu prokṣaṇācchuddhiriṣyate ||
Gras, Holz und Ähnliches werden durch Besprengung gereinigt; ebenso zusammenliegende, an sich reine Gegenstände.
1091 saṃhatānāṃ vahūnāntu yadyallepena dūṣitam |
tattattyaktā tṛṇādīnāṃ śodhayet syād yathā śuciḥ ||
Ist in einer größeren Menge Gras oder anderer Stoffe nur ein Teil durch Anhaftung verunreinigt, entferne man diesen und reinige den Rest.
1092 kārūhastākaraṃ dravyaṃ śuddhaṃ puṇyaṃ prasāritam |
phalānāṃ kṣālanācchuddhirvinādoṣaṃ purandara ||
Handwerkerhände, frisch gewonnene Rohstoffe und zum Verkauf ausgelegte Waren gelten als rein. Fehlerfreie Früchte werden durch Waschen gereinigt.
1093 daśāhācchuddhyate vipro dvādaśāhena bhūmipaḥ |
vaiśyaḥ pañcadaśāhena śuddhiḥ śūdrasya māsikā ||
Für die Trauerunreinheit gelten zehn Tage bei Brahmanen, zwölf bei Kshatriyas, fünfzehn bei Vaishyas und ein Monat bei Shudras.
1094 anuṣṭhāna vihīnānāṃ yāti mātrāt purandara |
vedavedāṅga sampannastvāhitāgnistu sa dvijaḥ ||
Dies gilt bei Menschen ohne besondere religiöse Praxis allein nach ihrer sozialen Zuordnung. Ein Zweimalgeborener, der Veden und Vedangas kennt und die heiligen Feuer unterhält …
1095 śuddhyate tatkṣaṇāt snānājjñātvānyatra prakalpayet |
amadyapāḥ kulīnāśca nityaṃ dharmaparāyaṇāḥ ||
… wird bereits durch ein Bad rein; andere Fälle sind entsprechend zu beurteilen. Nichttrinkende, aus geordneten Familien stammende und dem Dharma ergebene …
1096 śūdrāḥ śuddhyanti pakṣeṇa nātra kāryā vicāraṇā |
udvāhitāśca tasro vai brāhmaṇena yadāstriyaḥ ||
… Shudras werden nach einer Monatshälfte rein; darüber bestehe kein Zweifel. Hat ein Brahmane Frauen aus den drei weiteren Gruppen geheiratet …
1097 sūtakantu kramāt tāsāṃ daśaṣaṭ dvyeka vāsaram |
śavena śuddhyate vṛddhirna vṛddhyā śuddhyate śavaḥ ||
… gelten abgestufte Unreinheitsfristen. Die Zahlenfolge zehn, sechs, zwei, eins ist im Satzbau nicht sicher zuzuordnen. Todesunreinheit schließt Geburtsunreinheit ein, nicht umgekehrt.
1098 sarveṣāṃ vṛddhi vaddhānau praveśyāṃ nāsti sūtakam |
nṛpāṇāṃ kārukāṇāñca dāsīnāñca sūtakam ||
Die Regel zum Zusammentreffen von Geburt, Tod und Eintritt in den Haushalt ist verderbt. Es folgen besondere Bestimmungen für Könige, Handwerker und Dienerinnen.
1099 mṛtake tu pṛthak pākaṃ kuryād yogaṃ nataiḥ saha |
tyaktuṃ na cedasau yāti tadā śuddhirbhave tryahāt ||
Bei einem Todesfall soll getrennt gekocht und gemeinsames Essen vermieden werden. Ist die Trennung nicht möglich, gilt Reinigung nach drei Tagen.
1100 saṃsanāt pūrṇa garbhasya snānā deva viśuddhyati |
jīvanyāto yadi śreyān mṛto vā jāyate yadi ||
Bei Ausstoßung einer voll entwickelten Leibesfrucht wird eine Reinigung durch Bad genannt. Ob das Kind lebend zur Welt kommt und dann stirbt oder tot geboren wird … Der erste Vorgang ist nicht eindeutig bezeichnet.
1101 śāvāśaucaṃ na kartavyaṃ sūtīśaucaṃ samārabhet |
ānāmakaraṇāt sadya ekāho danta janmanaḥ ||
… soll keine gewöhnliche Todesunreinheit angesetzt werden, sondern Geburtsunreinheit. Vor der Namengebung tritt Reinigung sofort ein; bis zum Zahndurchbruch wird ein Tag genannt.
1102 cūḍāyāstridinamproktaṃ tatrāgnyadhikamavratāt |
atorddhvaṃ pūrvacchuddhiḥ sarvavarṇeṣviyaṃ sthitiḥ ||
Bis zur ersten Haarzeremonie werden drei Tage genannt, danach weitere Abstufungen bis zur Gelübdeaufnahme. Anschließend gelten die gewöhnlichen Fristen für alle Gruppen. Die mittlere Frist ist verderbt.
1103 ahastvadanta kanyāyā dantāyā dvidinam bhavet |
khabhrādiṣu ca vijñeyaṃ mātulān pāñca mātule ||
Bei einem zahnlosen Mädchen gilt ein Tag, bei einem mit Zähnen zwei. Die anschließende Verwandtschaftsliste, darunter mütterliche Onkel, ist verderbt.
1104 deśāntare pṛthak piṇḍe snānaṃ syāt tadgurumvinā |
paśutvaṃ saṃskṛtaṃ yeṣāṃ samyag nirvāṇa dīkṣayā ||
Bei fernem Tod oder getrenntem Ahnenopferkreis genügt ein Bad, ausgenommen beim Guru. Wer durch die Befreiungseinweihung seinen gebundenen Zustand überwunden hat …
1105 tasya samparka śūnyasya na syātāṃ mṛtasūtake |
ataśca parato devaḥ sampūjyaḥ sūtake sati ||
… und frei von entsprechenden Verstrickungen ist, unterliegt weder Todes- noch Geburtsunreinheit. Auch während solcher Zeiten bleibt die Gottheit zu verehren.
1106 parānnabhojanā nityaṃ parānnadraviṇa kriyaḥ |
gṛhasthaḥ sarvakarmāṇi nityādanyāni varjayet ||
Ein Hausvater, der von fremder Speise lebt und seine Handlungen mit fremden Mitteln vollzieht, soll dann alle nichttäglichen Rituale unterlassen.
1107 dravyaiḥ saṅkalpitaiḥ pūrvaṃ sūtakān mṛtakādapi |
dharmārtha dīkṣitaiḥ pūjā kāryā cotpāditaistathā ||
Mit vor Geburt oder Tod bereitgestellten Stoffen sowie von religiös Eingeweihten beschafften Gaben darf die Verehrung fortgesetzt werden.
1108 pṛthakpākaṃ vināpuṃbhirlokadīkṣānusāribhiḥ |
antaryāgaḥ prakartavyo japaḥ snānādikāḥ kriyāḥ ||
Wer keine getrennte Küche besitzt und den gewöhnlichen Einweihungsregeln folgt, vollziehe inneres Opfer, Japa, Bad und entsprechende Handlungen.
1109 prāyaścittaṃ samādeśyamanyathā niścitā sthitim |
evaṃ hi varttamānasya tridhā siddhirna dūrataḥ ||
Bei Abweichung ist eine passende Sühne anzuweisen. Wer so lebt, ist von der dreifachen Vollendung nicht weit entfernt.
1110 duḥsvapna darśane snānaṃ retotsarge śatakrato |
aghorāṣṭa śatañjāpyantathā saṃbhāṣya cādhamam ||
Nach bösem Traum, Samenerguss oder einem nach damaliger Sozialordnung als unrein geltenden Gespräch werden Bad und einhundertacht Aghora-Wiederholungen genannt.
1111 adbhiḥ saṃśuddhyate gātraṃ salepantanmṛdāmbubhiḥ |
devacaṇḍagurordravyaṃ bhakṣitaṃ yadya kāmataḥ ||
Der Körper wird mit Wasser gereinigt, bei Anhaftungen mit Erde und Wasser. Wer unbeabsichtigt Eigentum der Gottheit, Chandeshvaras oder des Gurus verzehrt …
1112 lakṣapādantadādeyād dviguṇannaiṣṭhike matam |
athākramya tu nirmālyañjapet pañcaśatāni tu ||
… soll fünfundzwanzigtausend Wiederholungen leisten, ein dauerhaft Gelübdegebundener doppelt so viele. Beim Überschreiten von Opferresten werden fünfhundert genannt.
1113 triguṇaṅkāmato jñeyaṃ pañcagavyasamanvitam |
yannirmālye na saṃspṛṣṭantadāhāropajīvinā ||
Bei Absicht gilt das Dreifache mit Panchagavya. Der folgende Satz über Berührung und Lebensunterhalt durch Opferreste ist verderbt.
1114 aṣṭāṃśonantu nirmālyaṃ dānalaṅghana bhakṣaṇāt |
laṅghayed yastu nirmālyaṃ dadyāda jñānatopi vā ||
Bei Gabe, Überschreiten oder Verzehr von Opferresten wird eine um ein Achtel verminderte Sühne genannt. Der Bezugsfall ist unklar. Wer solche Reste überschreitet oder weitergibt, selbst unwissentlich …
1115 guṇāyutañjaped ghoraṃ tathā poṣya viśuddhyati |
nirmālya sparśane tyājyaṃ puṇyadravyantathauṣadham ||
… soll dreißigtausend Aghora-Wiederholungen mit Fasten vollziehen. Durch Opferreste verunreinigte rituelle Stoffe und Heilpflanzen sind auszusondern.
1116 sa vikāraṃ payastoyantathekṣu hiṅgujīrakam |
saindhavādyaṃ sa karpūraṃ kaṭukādyaṃ sa taṇḍulam ||
Dazu zählen Milch samt Erzeugnissen, Wasser, Zuckerrohr, Asafoetida, Kreuzkümmel, Steinsalz, Kampfer, scharfe Gewürze und Reis …
1117 ghṛṣṭaṃ sa candanaṃ bhasma veṇumṛṇmaya dāravam |
sarvaṃ tyājya samuddiṣṭaṃ dhānyādyaṃ prokṣitaṃ śuci ||
… zerriebenes Sandelholz, Asche und Geräte aus Bambus, Ton oder Holz. Getreide und Ähnliches wird dagegen durch Besprengung gereinigt.
1118 evamanyatra voddhavyaṃ jñātvā dravya valāvalam |
śodhayet sarvadā dhīmāna śuddhe vandhanaṃ dhruvam ||
So verfahre man auch in anderen Fällen, unter Berücksichtigung der Widerstandsfähigkeit der Stoffe. Der Weise wahre stets Reinheit; Unreinheit führt nach der Lehre zur Bindung.
1119 hutaṃ yasyāpavargecchā sa śuddhau kṛta niścayaḥ |
śuddhi niṣṭha pratiṣṭhasya siddhimuktī na dūrataḥ ||
Wer Befreiung ersehnt, sei zur Reinheit entschlossen. Wer fest in Reinheit gegründet ist, dem sind Vollendung und Befreiung nicht fern.
Rücksicht auf die Kräfte des Menschen
1120 aśītiryasya varṣāṇi vālo vāpyū na ṣoḍaśaḥ |
prāyaścittārddhamarhanti striyo vyādhyādi pīḍitāḥ ||
Achtzigjährige, Kinder unter sechzehn, Frauen sowie von Krankheit oder Ähnlichem Betroffene erhalten nach dieser Vorschrift die halbe Sühne.
1121 tatrāpi ca parikleśaṃ jñātvārddhārddham prakalpayet |
suduṣkaraṃ svayaṅkartumakṣamād dviguṇonyataḥ ||
Auch dabei berücksichtige man die Belastung und vermindere weiter um die Hälfte. Kann jemand eine sehr schwere Handlung nicht selbst ausführen, wird für stellvertretende Ausführung das Doppelte genannt. Die Stellvertretungsregel ist knapp und unsicher formuliert.
1122 daśorddhaṃ triśataṃ yāvajjapāt snānena śuddhyati |
sa naktampañcamaṃ yāvat sopavāsantadūrddhvataḥ ||
Für kleinere Wiederholungszahlen bis dreihundert werden Japa und Bad genannt; bis zur nächsten Stufe nächtliches Essen, darüber Fasten. Die erste und mittlere Zahlgrenze sind verderbt.
1123 tattridhāyuta sañjāpe tadvṛddhyādviguṇantataḥ |
tadarddhena tu saṃyogī tasyāpyarddhantu śaṅkare ||
Bei dreißigtausend Wiederholungen und weiterer Zunahme wird eine Verdoppelung genannt; für den Samyogin die Hälfte, für den Shankara wiederum die Hälfte. Die Gruppenbezeichnungen und Staffelung sind nicht eindeutig.
1124 deśaṃ kālaṃ vayaḥ śaktiñjāti bhaktiṅkriyākramam |
suvicārya pradātavyaṃ nopavāsoruganvite ||
Ort, Zeit, Alter, Kraft, soziale Stellung, Hingabe und Ritualfolge sind sorgfältig zu bedenken, bevor eine Sühne auferlegt wird. Einem Kranken darf kein Fasten vorgeschrieben werden.
1125 śivārpitaika cittānāṃ suvṛttānām purandara |
prāyaścittaṃ samākhyātaṃ nokuvṛtti sthitātmanām ||
Diese Sühne gilt für Menschen mit gutem Lebenswandel, deren Geist ganz Shiva hingegeben ist, nicht für jene, die im schlechten Handeln verharren.
Abschluss der Unterweisung
1126 saptakoṭi pravistīrṇān mohacūrānmayā tava |
vyākhyātaṃ sāramādāya lakṣagranthena suvrata ||
Aus dem siebzig Millionen Texteinheiten umfassenden Mohachura habe ich dir den Kern in hunderttausend Einheiten erklärt, du Gelübdetreuer.
1127 punaḥ pṛṣṭaḥ samāsena tvayāhaṃ suranāyaka |
tadākhyātantadarddhena mohacūrammayāhare ||
Auf deine erneute Bitte um Kürze, Herr der Götter, habe ich das Mohachura nochmals in der Hälfte dieses Umfangs gelehrt.
1128 siddhisārasahasraistu yugmacandraistadantataḥ |
yogajñānādi saṃyuktaṃ vyākhyātaṃ śāstramuttamam ||
Danach erklärte ich eine vorzügliche Schrift mit Yoga, Erkenntnis und weiteren Themen in zwölftausend Einheiten als Essenz der Vollendung. Die Titel- und Zahlenverknüpfung ist nicht völlig sicher.
1129 susaṃkṣepaṃ sugambhīram pratiṣṭhā tantramuttamam |
caturgocara sambaddhaṃ bhūyaḥ khyātantadantaram ||
Darauf wurde erneut dieses sehr knappe, tiefgründige und vorzügliche Einsetzungs-Tantra gelehrt, verbunden mit den vier Bereichen.
1130 na deyaṃ duṣṭasatvānāṃ nindātarkānu vartinām |
gurudeva dviṣāṃ śakra deśikādi dviṣāntathā ||
Man gebe es nicht an Böswillige, an Menschen, die nur schmähen und streiten, oder an solche, die Guru, Gottheit und Lehrer hassen.
1131 ete cānye ca ye kecid duṣṭasatvāḥ purandara |
teṣāṃ śāstraṃ sadārakṣyam prāyaścittamato nyathā ||
Vor diesen und anderen Böswilligen soll die Schrift geschützt werden; andernfalls ist Sühne nötig.
1132 gurudevāgni bhaktāya śraddadhānāya suvrata |
tasmai deyamidaṃ śāstramityāha bhagavāñchivaḥ ||
Wer Guru, Gottheit und Feuer verehrt, Vertrauen besitzt und seine Gelübde hält, dem soll diese Schrift gegeben werden. So sprach der ehrwürdige Shiva.
1133 ityāgne ye mahātantre pratiṣṭhā tantraṃ mohacūḍottaram |
sampūrṇam || śubham || śivambhūyāt ||
Damit ist im großen Agneya-Tantra das Einsetzungs-Tantra Mohachudottara vollendet. Segen! Möge Heil sein!
Abschreibervermerk
1134 samvat 606 phālgunavadi 10 bhaume śrīmadbhogalesaramaṭhāvasthita paṇḍitācāryabhaṭṭāraka śrīsarvagaṇena pustakaṃ likhitamiti puṣpikāntalekhayutasya prācīnadevākṣaralipimayasya prācīnatāḍapatra pustakasyādhāreṇa 1982 vaikramavarṣe jyeṣṭhamāse śrīmahārājādhirāja tribhuvanavīravikramaśāha devavijayarājye pradhāna saciva śrī 3 mahārājacandrasaṃśerajaṅgarāṇā pratipālite nepāladeśe kāṣṭhamaṇḍaparājadhānyāṃ śrīmadrājagurumānyavara hemarāja vidvadvarairgaṇeśadattaśarma dvārā likhitamidaṃ pustakam ||
Diese Handschrift wurde im Vikrama-Jahr 1982, im Monat Jyeshtha, in Kathmandu in Nepal unter der Herrschaft des Großkönigs Tribhuvanaviravikramashahadeva und der Verwaltung des Premierministers Maharaja Chandrasamsher Jang Rana auf Veranlassung des gelehrten Rajaguru Hemaraja durch Ganeshadatta Sharma geschrieben. Grundlage war ein altes Palmblattbuch in alter Devanagari-Schrift mit einem Schlussvermerk: „Im Jahr 606, am zehnten Tag der dunklen Hälfte des Phalguna, an einem Dienstag, schrieb der gelehrte Acharya Bhattaraka Shri Sarvagana im ehrwürdigen Bhogaleshara-Kloster dieses Buch.“ Die Namen werden nach der vorliegenden Lesart wiedergegeben.
1135 asyādhārabhūtasya tāḍapatra pustakasya prācīnatayā tatpratilipī kṛtasya pustakāntarasyāpi triśatābdapūrvaprācīnatā darśanena tadullikhita 806 samvatsaro nepālasamvatsarādbhinno vaikramādiḥ saṃbhāvyate ||
Wegen des hohen Alters dieses zugrunde liegenden Palmblattbuches und weil bereits eine weitere Abschrift mehr als dreihundert Jahre alt erscheine, vermutet der Schreiber, das darin angegebene Jahr 806 gehöre nicht zur Nepal-Ära, sondern etwa zur Vikrama-Ära. Die zuvor genannte Zahl 606 und die hier genannte 806 widersprechen einander; die historische Ärenbestimmung ist damit nicht gesichert.
Mohacurottara – flüssige deutsche Lesefassung
Die Lesefassung verbindet die vorhandenen Texteinheiten zu zusammenhängenden Absätzen. Die Zahlenbereiche ermöglichen den Vergleich mit Sanskrit und Einzelübersetzung; unsichere Inhalte bleiben als solche erkennbar. Ausführliche Erläuterungen zu diesen Lesarten stehen bei der jeweiligen Einzelübersetzung.
Kapitel 1: Lingam und inneres Bewusstsein
1–6 Om. Verehrung sei Shiva! Auf den Knien verneigt sich Hari vor Skanda, dem friedvollen Kenner des Brahman, der im allwissenden Zustand ruht. Shakra erhebt das Wort: „Herr, durch deine Gnade kenne ich das Mohachuda. Dort hast du Lingam und Tempelbauten nur kurz angesprochen. Weil die Unterweisung so knapp war, habe ich sie noch nicht ganz erfasst. Bitte erläutere sie mir im Mohacurottara.“ Der Sohn der Himalayatochter antwortet: „Höre. Ich werde dir das Lingam und alles Weitere erklären.
7–12 Götter und Asuras, Menschen und Yakshas, Weise ohne Missgunst: Durch die Verehrung des Lingams haben sie Vollendung und bleibende Befreiung gefunden.“ Diese Worte über Erfüllung und Befreiung wecken im Übenden den Wunsch, genauer zu verstehen. Er beginnt zu fragen: Welche Gestalt hat das Lingam, und welche unterschiedlichen Vorschriften gelten dafür? Wie vollzieht der Acharya das Waldritual, und welche Merkmale haben Holz und Stein? Herr, erkläre die Merkmale des Lingams, der Götterbilder, des Sockels und des Baugrundes. Wie nimmt man das Grundstück in Besitz? Wie beschafft und verehrt man den Bauplatz? Wie erfolgen Grundsteinlegung und Sockelbau, und welche Merkmale haben Tempel? Lehre mich auch die Hallen, die Materialien für die rituelle Waschung, die Abmessungen des Altars und die Merkmale der Feuergrube.
13–18 Sohn der Ambika, erkläre mir dies alles aus Gnade, auch das, wonach ich wegen meines begrenzten Verständnisses nicht gefragt habe. Sohn der Ganga, bitte erläutere mir auch all dies aus Gnade. Der ehrwürdige Skanda sprach: Ein aus Stein, Erde, Metall, Holz, Edelsteinen und ähnlichen Stoffen geschaffenes, vorschriftsmäßig mit dem Herzmantra eingesetztes Lingam gewährt Erfüllung und Befreiung. (Lesart unsicher.) Hierzu soll der kundige Lehrer zusammen mit den Handwerkern einen Berg, einen Wald oder einen heiligen Ort aufsuchen. Der Mantrakundige soll das Vidyavrata erfüllt haben, wissend und innerlich gesammelt sein. Vorzuziehen ist ein mit heiliger Asche vertrauter Asket; fehlt ein solcher, ein geeigneter weltlicher Ritualkundiger. An einem günstigen Mondtag, Wochentag, Mondhaus und Aszendenten mit passendem Karana soll der Weise, des Waffenmantras gedenkend, den Aufbruch in den Wald beginnen.
19–24 Hat er einen geeigneten Stein gefunden, soll er nördlich davon Shiva und anschließend das Feuer verehren. Draußen bringt er den Wesen eine Opfergabe dar. Er besprenge den Stein mit dem Schwertmantra, umhülle ihn mit dem Schutzmantra und verehre ihn. Ebenso besprenge er den Handwerker aus guter Familie. Auch die Gehilfen, Äxte, Meißel und Hämmer soll er besprengen und mit dem königlichen Waffenmantra verehren. Danach schlafe er auf einem reinen Lager. Zur Erlangung von Erfüllung und Befreiung meditiere der kundige Guru über Maheshvara und wiederhole das Traummantra. (Lesart unsicher.) Herr der Shachi, ich lehre nun das Traummantra: das große Bija, durch Sprache gereinigt und durch den Augenkreis geteilt. Es handelt sich um eine verschlüsselte Lautbeschreibung.(Lesart unsicher.)Die Lautfolge bleibt unbestimmbar.
25–30 Dann folgt das mit Brahma beginnende, unbewegliche Bija; darauf das glückverheißende, mit Vrikodara verbundene Bija und der Herr der Sterne. (Lesart unsicher.) Danach das reine „Wolkentragende“, verbunden mit der Schöpfung am Ende des Mondlichts; das ungeteilte Furchtbare und der durch „Schneiden“ bearbeitete Laut ya. (Lesart unsicher.) Das so beschriebene Traummantra beginnt mit Om und endet mit Svaha. Einen günstigen Traum soll man einem Vertrauten mitteilen; bei einem ungünstigen vollziehe man ein Befriedungsritual. Am Morgen verehre man den Herrn der Götter und schlage dreimal an den Stein, von Rudras oder Brahmas Richtung her, je nachdem, ob man Erfüllung oder Befreiung erstrebt. Man hebe den Stein auf einen Wagen und beginne die glückverheißende Heimfahrt. Nach demselben Verfahren beschaffe man auch die anderen geeigneten Materialien. Nun lasse man das Lingam in offenbarter, nichtoffenbarter oder beides verbindender Gestalt herstellen, in großer oder entsprechend kleinerer Ausführung und nach dem Vermögen des Stifters.
Das innere und das äußere Lingam
31–36 Die drei Erscheinungsweisen des Lingams entsprechen den Zuständen des Geistes: ungegliedert, gegliedert und beides verbindend. Das sich erhebende höchste Prinzip, durch nichts zerteilt, wird hier das gegliederte Lingam genannt; es hat die Gestalt des Nada und ist im Herzen aufzusuchen. Die Lesart sakala steht in Spannung zur Beschreibung; sie bleibt erhalten. Wenn das Bewusstsein mit dem Geist eins wird und als Erkennen hervortritt, ist das Lingam zugleich immanent und transzendent. Geht dieses Erkennen im stillen, wellenlosen Zustand auf, heißt es das höchste Lingam, das Befreiung schenkt. So wird das innere Lingam beschrieben. Das äußere trägt seinen Namen, weil es der inneren Wirklichkeit einen Ort der Offenbarung gibt. Lingams aus Stein, Erde, Holz und Metall haben je eigene höchste Größen, in Ellen bemessen. (Lesart unsicher.)
37–42 Durch Abzug eines Drittels erhält man die höchste Größe der mittleren Klasse; die Hälfte ergibt die höchste der kleinen Klasse. So wird das Lingam dreifach eingeteilt. Durch weitere Dreiteilung der jeweiligen Klassen entstehen neun Lingamgrößen, von der größten bis zur kleinsten. Die Hälfte des Lingams wird in acht Teile geteilt; weitere Maße werden durch die Zahlen sechs, fünf und vier bestimmt. (Lesart unsicher.) Der Brahma-Anteil soll viereckig sein; durch Abtragen an den Diagonalen entsteht die nächste Kantenform. (Lesart unsicher.) Danach wird durch weitere Teilung und Abnahme eine sechzehnkantige Form erzeugt und schließlich gleichmäßig gerundet. (Lesart unsicher.) Das Lingam ist beschrieben. Nun erkläre ich seine Kopfformen: Pundarika, Vishala, Shrivatsa und Shatrumardaka.
43–48 Hinzu kommen Gurkenform, Hühnereiform und Halbmondform: insgesamt sieben. Höre nun ihre Ausarbeitung. Durch Teilung des Verehrungsabschnitts in acht und vier Teile und entsprechende Abnahme entsteht Pundarika; durch Abnahme an den Diagonalen Vishala, durch dreifache Abnahme Shrivatsa. (Lesart unsicher.) Durch Abtragen der Ecken entsteht die vierte Form, Shatrumardaka; aus einer Sechsteilung und entsprechender Abnahme ergibt sich die Gurkenform. (Lesart unsicher.) Durch Abzug eines Viertels entsteht die Hühnereiform; durch Dreiteilung und Abnahme eines Teils die klar erkennbare junge Mondsichel. Das zugleich gestaltlose und gestaltete Lingam soll ein, drei oder vier Gesichter tragen. Der Rudra-Abschnitt wird geteilt, und der Kopf entsprechend angesetzt. (Lesart unsicher.) Stirn, Nase, Gesicht und Kinn sollen sorgfältig so gestaltet werden, dass sie über die Breite des Lingams hervortreten.
49–54 Bei vier Gesichtern sind die Vorsprünge in alle vier Himmelsrichtungen entsprechend einem Anteil der Lingamlänge auszubilden. (Lesart unsicher.) Nach Einteilung der Maße schaffe man die Gestalt wie beim figürlichen Lingam. Der obere Teil bleibe lingamförmig und so breit wie die Basis. Mit zwei Teilen bilde man die schöne Krone samt aufgebundenem Haar. (Lesart unsicher.) Arme und Schultern sollen je sechs Fingerbreiten hervortreten; für Hals und Gesicht wird eine Dreiteilung genannt. (Lesart unsicher.) Die Krone ist nach dem zuvor genannten Merkmal abschnittweise herzustellen; der Vorsprung wird zur halben Lingamlänge und zur Lingambreite in Beziehung gesetzt. (Lesart unsicher.) Ohren, Nase und Wangen sind dort auszuarbeiten. Beim eingesichtigen Lingam folgt eine besondere Teilung des betreffenden Abschnitts. Die Teilungszahl ist unklar.
55–60 Den unteren Teil teile man in zwei und die untere Hälfte wiederum. Schultern und Hals erhalten entsprechende Teile; in der Mitte wird eine weitere Teilung vorgeschrieben. (Lesart unsicher.) Mit jeweils einem Teil gestalte man die Abschnitte vom Gesicht bis zum Kopf. Den darüberliegenden Bereich teile man dreifach und verwende zwei Teile für die Krone. Ein Teil bleibt lingamförmig. Als günstiger Gesichtsvorsprung wird ein Zwölftel der Lingamlänge angegeben. Damit ist die zugleich gestaltete und ungestaltete Form beschrieben, die beide Ziele erfüllt. Nun folgt die Herstellung aus Erde von Flüssen wie der Ganga. (Lesart unsicher.) Aus dieser Erde soll man das Lingam nach den folgenden Merkmalen formen: Man bereite den Ton [Textlücke] und mische Triphala-Pulver hinzu. Man füge die genannten Pflanzen- und Mineralstoffe, darunter Tala, Sindura, Rasa, Schwefel, Goldocker und etwas Guggulu, hinzu. (Lesart unsicher.)
61–66 Die Masse werde sorgfältig zerstoßen und durchgearbeitet, unter Zusatz von Hanf, schwarzen Bohnen, Leinsamen, Bilva und Saurashtri-Saft. (Lesart unsicher.) Mit einer herben Abkochung befeuchtet, lasse man sie sieben Nächte stehen und vermische sie mit wohlriechenden Stoffen und Sarja-Harz. Mit dieser Abkochung knete man alles gründlich und forme daraus das schöne Lingam nach den angegebenen Merkmalen. Es kann nach Wunsch gebrannt oder ungebrannt sein. Als weitere Materialien werden Smaragd, Rubin, Diamant, Vaidurya und Perle genannt. Ferner Mondstein, Topas, großer Saphir und weitere Steine, deren Eigenschaften verschieden sind. Bergkristall gilt als alle Wünsche erfüllend. Ein Steinname ist unklar. Er soll klarem Flusswasser gleichen, durchsichtig, glatt und leuchtend sein, ohne frostähnliche Einschlüsse und frei von Fehlern.
67–72 Wer hätte durch ein solches Kristall-Lingam nicht Vollendung erlangt? Bei Bana-Lingams, metallenen, selbstmanifestierten, göttlichen und von Rishis geschaffenen Lingams sowie bei von Asuras eingesetzten Lingams gelten die zuvor genannten Formmerkmale nicht. Ein sonst maßgerechtes Lingam, das durch kreisförmige Fehlstellen entstellt ist, soll man als allen Lebewesen ungünstig erkennen. Schon bei Gewinnung, Bearbeitung und Schleifen des Steins muss man sorgfältig darauf achten. Auch am fertigen Stück sind innere Einschlüsse und Kreiszeichen zu prüfen. Krappfarbene, gelbbraune und rote Flecken werden mit Frosch, Maus und Eidechse in Verbindung gebracht. Bestimmte dunkle Zeichen deuten nach dieser Lehre auf Schlange, Wasser oder Stein; taubenfarbene, aschfarbene und bunte auf Eidechse, Sand und weitere Einschlüsse. (Lesart unsicher.) Gelbe und bienenfarbene Kreise werden mit Waran und Gift verbunden; blaue und dunkle mit Gonasa-Schlange und Mensch. Die Zeichenlehre ist nicht an allen Stellen eindeutig.
73–78 Blauhäherfarbene Zeichen sollen auf entsprechende Vögel weisen. Bei paarweise auftretenden Formen wird jeweils eine doppelte Bedeutung angesetzt. (Lesart unsicher.) Sind außen keine Zeichen erkennbar und besteht Zweifel, trage man eine Prüfpaste auf: aus Saurashtri, Valaka, Ashvaghna, Riddhi, Vriddhi und dem als Dvija bezeichneten Stoff. Man zerreibe dies mit saurem Reiswasser und bestreiche nachts den Stein. Feuchtigkeit, Benetzung und aufsteigender Dampf gelten nacheinander als Zeichen. Erkennt man daraus die genannten inneren Fehler, verwerfe man den Stein. Einen fehlerfreien hingegen bearbeite der Kundige mit Schleifstein und ähnlichen Werkzeugen. (Lesart unsicher.) Nach dem Waschen prüfe man die günstigen und ungünstigen Zeichen am Lingam: Pferd, Elefant, Stier, Muschel, Lotus, Svastika, Schirm und Berg Löwe, Banner, Wasserkrug, Hammer, [Textlücke], Wedel, Schildkröte, Welle, Fisch, Shrivatsa, Rad, Auge und Reinigungsring …
79–82 … zeigen Vollendung und schließlich Nirvana an. Tiger, Katze, Bär, kopfloser Rumpf, Krähe und Reiher Zange, Schlange, Geier, Kamel, Eule und andere genannte Vögel sowie feuer- und windartige Farben am Lingam gelten dagegen als Vorzeichen von Leid und Tod für Stifter, Bevölkerung und König. Die gestaltlosen und gesichtstragenden Lingams sind damit kurz erklärt. Nun wird die deutlich ausgeformte Gestalt erklärt. So endet das erste Kapitel des Mohacurottara über das gestaltlose und das gesichtstragende Lingam.
Kapitel 2: Gestalten der Gottheiten
83–88 Ich lehre die Merkmale des Götterbildes, dessen Maß von Tür oder Elle ausgeht. Teilt man das Türmaß dreifach, erhält das größte Bild der höchsten Klasse zwei Teile. Ein Teil ist für den Sockel bestimmt. Für die nächstkleinere Hauptgröße teile man die Länge in neun Teile, ziehe einen ab und teile den Rest dreifach. Zwei Teile erhält das Bild, einen der Sockel. Bei einer weiteren Einteilung des Türmaßes ziehe man wiederum einen Teil ab. (Lesart unsicher.) Der Rest wird gedrittelt: zwei Teile für die Gestalt, einer für den Sockel. Weitere Abstufungen entstehen paarweise aus den einzelnen Größen. So ergeben sich, Shakra, neun Bildgrößen entsprechend dem Türmaß. Bei der Elle beginne man mit einer und gehe bis neun. Ihre Maße und ihre Anzahl entsprechen denen der Lingams. Zur Bestimmung der eigenen Fingerbreite folgt eine Teilung der halben Länge und eines Sechstels in neun Teile. (Lesart unsicher.)
89–94 Dieses eigene Angula dient zur Bemessung der Körperteile. Brahma, Vishnu und Maheshvara sind neun Tala hoch darzustellen. Bhutas, Vetalas und Rakshasas erhalten elf Tala, Dienergestalten sieben und Zwerggestalten fünf Tala. Lahme und Bucklige erhalten fünf, Kushmandas vier Tala. Die gewünschte Bildhöhe teile man in neun Teile. Darin gestalte man das jeweilige Bild entsprechend der Gottheit. Für die Krone wird ein eigenes Höhenmaß in Fingerbreiten angegeben. (Lesart unsicher.) Das Gesicht misst ein Tala, der Hals vier Fingerbreiten. Unterhalb des Halses bestimme man die Bereiche von Herz, Nabel und Leib. Herz- und Bauchabschnitte erhalten jeweils ein Tala, ausgenommen die besondere Gestalt der Jyeshtha. Für die Oberschenkel werden dreizehn Anteile genannt; die Kniemaße sind verderbt überliefert.
95–100 Die Unterschenkel erhalten elf Anteile, die Knöchel vier Fingerbreiten. (Lesart unsicher.) Die Höhenmaße sind beschrieben; höre nun die Breitenmaße. Das Gesicht mit dem Kinn wird in drei Bereiche gegliedert. Nasenrücken und Stirn [Textlücke]; für die Stirnbreite werden acht Fingerbreiten genannt. Die erste Maßangabe ist unvollständig. Unterhalb der Stirn liegen die schönen Brauen über den Augen. An ihrer Wurzel sind sie zwei Gerstenkörner breit und nehmen stufenweise um ein Viertel ab. Das Abstandsmaß ist unklar. An den Enden sind die bogenförmigen Brauen ein halbes Gerstenkorn breit. Die schönen dunklen Augen werden maßgerecht mit dreigeteilter Pupillenregion gestaltet. Die Pupillen werden mit Fischbäuchen verglichen; ihre leuchtenden Bereiche werden in fünf Teile geteilt. Die Mitte ist eine Fingerbreite breit; die übrigen Maße sind entsprechend anzupassen.
101–106 Der Blick ist der dargestellten Gestalt gemäß anzubringen. Die Nase ragt vorn zwei Fingerbreiten hervor. (Lesart unsicher.) Seitlich wird ein zusätzliches Gerstenkorn genannt; die Nasenflügel gleichen Bohnenblättern und entsprechen einem Augenmaß. (Lesart unsicher.) Die Nasenflügel messen zweieinhalb Gerstenkörner, die Nasenöffnungen vier. Die Augenwinkel erhalten zwei Anteile; die Ohren werden nach dem Gesichtsmaß angeordnet. Für Breite und Ohrwülste werden Gerstenkornmaße genannt: zwei für die innere Ohrmuschel, vier für deren Erhebung. (Lesart unsicher.) Das Ohrblatt erhält ein Anteilmaß; die Ohrläppchen sind eine Fingerbreite lang. Die seitliche Gestaltung richtet sich nach dem Schmuck. (Lesart unsicher.) Der Abstand der Ohren wird mit neun Golaka-Einheiten angegeben, der Weg von der Stirngrenze bis zum genannten Ohrpunkt mit zehn. (Lesart unsicher.)
107–112 Das Ohrblatt ist eineinhalb Gerstenkörner stark; der Kopf ist mit drei Linien umgeben. Der Kiefer misst vom Ohr zehn Fingerbreiten, seine Verbindung eine Golaka-Einheit. (Lesart unsicher.) Die Mundlänge wird zweigeteilt; seine Breite beträgt eineinhalb Fingerbreiten. Der geöffnete Mund erhält drei Fingerbreiten, der geschlossene entsprechend weniger. Die Unterlippe erhält einen halben Anteil [Textlücke]. Darunter liegt eine fingerbreite Vertiefung; für die Gojī genannte Rinne wird eine halbe Fingerbreite angegeben. Die obere Rinne hat eine Breite von zwei Gerstenkörnern. Die Mundwinkel werden nach der Augenlinie, weitere Gesichtspunkte nach der Nasenflügellinie ausgerichtet. (Lesart unsicher.) Gesichtsmitte und Kinn liegen auf den Messlinien [Textlücke]. Der Hals wird acht Fingerbreiten bemessen; sein Umfang beträgt zwölf Golaka. (Lesart unsicher.) Die Schultern erhalten drei Golaka; es folgen Umfangs- und Armlängenmaße. (Lesart unsicher.)
113–118 Für die Arme werden achtzehn Fingerbreiten, für das Gelenk ein halber Anteil genannt. Die Handfläche ist um eine Fingerbreite kürzer als das betreffende Unterarmmaß. (Lesart unsicher.) Der Mittelfinger und seine Breite werden maßgerecht bestimmt; Zeige- und Ringfinger sind entsprechend kürzer, der kleine Finger um einen halben Anteil. (Lesart unsicher.) Der Daumen entspricht dem genannten Längenmaß und sitzt drei Fingerbreiten unterhalb des Zeigefingers. Seine Wurzel erhält drei Anteile; danach nimmt er ab. Das Abnahmemaß ist unklar. An der Hand gilt eine entsprechende Regel, Shakra, mit drei Gerstenkörnern als Zusatzmaß. Der Umfang beträgt das Dreifache der Breite. (Lesart unsicher.) Die besten Hände sind fleischig, die Finger rund. Vom Maß des Mittelfingers werden bestimmte Gerstenkornbeträge abgezogen. Die Zahlenreihe ist nicht zuverlässig lesbar. Die anderen Finger werden nach ihren eigenen Gliedern bemessen und entsprechend verkürzt; beim kleinen Finger entfällt ein Viertel. Die Nägel erhalten am Ende ein halbes Gerstenkorn.
119–124 Der Mittelfinger misst an der Wurzel drei Fingerbreiten im Umfang, in der Mitte ein Gerstenkorn weniger, an der Spitze drei weniger. Die übrigen werden nach ihrer Länge angepasst. Wurzel, Gelenk und Mitte erhalten sechs, fünf und vier Fingerbreiten. Beim Daumenglied wird ein zusätzliches Gerstenkorn genannt; nach vorn nimmt das Maß stufenweise ab. (Lesart unsicher.) Von der Halsgrube [Textlücke] werden zwei Brustmaße bestimmt; ihr Abstand entspricht ihnen, ihre Seiten messen sechs Fingerbreiten. (Lesart unsicher.) Der Kreis misst zwei Gerstenkörner, seine Mitte eines. Für den Gesamtdurchmesser wird ein weiteres Gerstenkornmaß genannt. (Lesart unsicher.) [Textlücke.] Nun wird der Nabel beschrieben: Er soll rechtsläufig gewunden und vier Gerstenkörner tief sein. Seine Breite beträgt eine Fingerbreite, sein Umfang das Dreifache. Nun erkläre ich die Breiten des Nabelbereichs und der folgenden Körperteile.
125–130 Der Kundige bestimme die Breite am Nabel; darunter werden einundzwanzig Fingerbreiten, an der Hüfte vierundzwanzig genannt. (Lesart unsicher.) Das Geschlechtsglied erhält zwei Anteile, die Hoden je zwei Maßeinheiten. An der Wurzel beträgt die Breite einen Anteil; nach vorn verändert sie sich. (Lesart unsicher.) Der Umfang ist allgemein dreimal so groß wie die Breite, außer bei Händen und Füßen. Die Oberschenkel sind sechs Maßeinheiten breit und verjüngen sich nach unten. Am Knieansatz und am Unterschenkelansatz gelten drei Anteile; am Gelenk kommt eine Golaka-Einheit hinzu. (Lesart unsicher.) Der Umfang beträgt wie zuvor das Dreifache. Für Füße und Fersen werden gesonderte Fingerbreitenmaße vorgeschrieben. (Lesart unsicher.) Die große Zehe misst drei Fingerbreiten weniger ein Viertel; die zweite ist etwas kürzer, die weiteren nehmen jeweils um ein Viertel ab.
131–136 Am Ansatz werden fünf Fingerbreiten genannt, in der Mitte ein verminderter Anteil; an der großen Zehe nimmt das Maß stufenweise weiter ab. (Lesart unsicher.) Für die zweite Zehe werden drei Fingerbreiten genannt; weitere Maße folgen [Textlücken]. Eine Acht steht in der Überlieferung, lässt sich aber nicht sicher zuordnen. Die Nägel sollen an der Wurzel tiefer und an der Spitze etwas erhöht sein. Damit sind die Körpermerkmale in Kürze gelehrt, Besieger des Namuchi. Nun erkläre ich die Maße der weiblichen Gestalt: Sie ist acht Tala hoch, schlank und an Augen, Hüften und Brüsten stärker ausgebildet. Die Brauen sind ein Gerstenkorn länger, die Nase in ihrer Erhebung eines kürzer. (Lesart unsicher.) Die betreffenden Glieder sollen schön und anmutig sein. Der Hals wird in seiner Breite um acht Gerstenkörner vermindert und entsprechend aufgerichtet. (Lesart unsicher.)
137–142 Weitere Längen und Breiten werden in Fingerbreiten bemessen; an den Unterarmen werden zwei Golaka abgenommen. (Lesart unsicher.) Oberschenkel, Knie und Waden erhalten jeweils eine halbe Fingerbreite zusätzlich. Die Füße werden in der Höhe angepasst und stehen gleichmäßig auf. Von der Armlänge nimmt man vier Fingerbreiten ab; die Gesäßhälften werden voll und rund gebildet. Nun folgen die Fingermaße. (Lesart unsicher.) Von der jeweiligen Breite wird ein Achtel genommen und zur Höhe geschlagen. Die Schamgegend soll schildkrötenartig gewölbt sein [Textlücke]. In ihrer unteren Mitte liegt eine Öffnung wie die Lippe eines Elefanten. Das Bild soll mit diesen Maßen und einer passenden Haltung und Bewegung gestaltet werden. [Textlücke.] Andere Formen gelten als ungünstig. Wo ein Maß zu klein oder zu groß ausfällt, soll man die jeweils angemessene Korrektur vornehmen.
143–148 Aus der richtigen Gestaltung entsteht jenseitiger Lohn. Ein Holzbild gewährt Wohlergehen, ein Tonbild beständig Glück. Ein Goldbild gewährt Gedeihen, ein Edelsteinbild gilt als segensreich. Steinbilder sind je nach Farbe günstig, kupferne fördern Sicherheit und Wohlergehen. Silber gewährt Sieg; das als Raiti bezeichnete Material Freude. Bronze und Messing bringen Glück, Nahrung und Vieh. (Lesart unsicher.) Blei verleiht Stärke; aus Eisen soll das Bild nicht gefertigt werden. Ein überlanger Bauch gilt als Vorzeichen von Hunger, ein zu schmaler von Vermögensverlust. Zu kleine Glieder gelten als krankheitsbringend, zu lange als Ursache von Furcht vor dem König. Eine Rechtsneigung bedrohe den Hausherrn, eine Linksneigung die Frau. Verletzungen am Bild gelten als Todeszeichen, innere Fehlstellen als Krankheit und Furcht. Ein aufwärts gerichteter Blick bringe Krankheit, ein abwärts gerichteter Menschenverlust.
149–153 Ungleich hohe Lippen bedeuten Streit, ein übergroßer Mund Mundkrankheit. Fehlende Augen bedeuten Gebrechen; ein fehlendes Gesicht Blut aus dem Mund. Fehlende Ohren bedeuten Taubheit, unvollständige Glieder Verlust des Ansehens. Ein mangelhaftes Gesicht bedrohe den Handwerker, eine schreckliche Gestalt den Auftraggeber. Fehlende Hände und Füße gelten als verderblich für Kinder; fehlende Unterschenkel für die Nachkommenschaft, fehlende Knie als Stärkung der Feinde. (Lesart unsicher.) Angstvolle Augen erzeugen Furcht, Streifen kündigen Schlangen an. Eine fehlende Hüfte bedrohe das Vieh, übergroße Arme den König. Flecken gelten als Ursache von Wahnsinn. Damit sind diese Fehler kurz beschrieben, vielangerufener Indra. Dies sind traditionelle Vorzeichenlehren, keine medizinischen Aussagen.
Shiva und weitere Gottheitsgestalten
154–159 Nun erkläre ich die verschiedenen Gottheitsgestalten nach Reittieren und Waffen. Sadeshana sitzt auf einem Lotus, mit zehn Armen und den vorgeschriebenen Augen. (Lesart unsicher.) Er hat fünf Gesichter, ist schneeweiß und mit Halsketten und Ohrringen geschmückt. Khatvanga, Lotus, Schlange, Schutzgeste und Zitronenfrucht gehören zu seinen Attributen. Höre nun die Waffen der anderen Handreihe: Wunschgewährung, Speer, Dreizack, Gebetskette und Trommel. (Lesart unsicher.) Damit ist Sadeshana beschrieben. Höre nun Ardhanarishvara: Er soll so gestaltet werden, dass jede Hälfte ihre besonderen Merkmale trägt. Die eine Hälfte trägt Mondsichel und verfilztes Haar, die andere Tilaka und Locken. Rechts befindet sich ein männlicher Ohrring, links weiblicher Ohrschmuck. Am Hals liegen halb Schlange, halb Halskette; links befindet sich eine Brust. Die rechte Hand trägt eine Schädelschale, die linke einen Lotus.
160–165 Ardhanarishvara ist beschrieben. Nun werden Uma und Isha als sitzendes Paar in männlicher und weiblicher Gestalt gelehrt. Hara trägt aufgebundenes Haar mit dem Schlangenkönig und hat drei Augen. Hals und Ohren werden mit Schmuck ausgestattet. Er ist zweiarmig, trägt die heilige Schnur und sitzt in halber Heldenhaltung. Gauri sitzt auf seinem linken Oberschenkel und blickt ihm ins Gesicht. Sein linker Arm umfasst ihren Körper; auf ihrer Stirn strahlt das Tilaka. Ihr Haar ist schön gebunden und mit Blumen geschmückt. Ihre Ohren tragen Schmuck, ihre Füße Fußringe. Ihr rechter Arm ruht auf der Schulter des Gottes. In ihre linke Hand gebe man einen Spiegel, um ihre Hüften Schnur und Gürtel. Die rechte Hand des Gottes ruht am Kinn der Göttin.
166–171 Sie besitzt eine schöne Nase, ein schönes Gesicht, schöne Augen und volle Brüste; ihre anmutigen Arme tragen Armreifen und Oberarmschmuck. Damit ist Umeshvara beschrieben. Höre Hara-Narayana: Sein Kopf trägt zur Hälfte verfilztes Haar, zur Hälfte die Haartracht Vishnus. Auf der Stirn befindet sich ein halbes zusätzliches Auge; die Ohren tragen entsprechenden Schmuck. Hara-Narayana wird vierarmig dargestellt. Schädelschale, Schwert, Khatvanga und Diskus verteilen sich auf die Hände. Stier und Garuda sowie Bhavya und Shri stehen entsprechend rechts und links. Hara-Narayana ist beschrieben. Nun folgt der Herr des Tanzes: Der tanzende Rudra trägt eine Mondsichel auf dem Kopf. Er steht in Vaishakha-Stellung, trägt eine Schlange als heilige Schnur, hat ein freundliches Gesicht, hochgebundenes Haar und einen Schlangengürtel.
172–177 Brust, Oberschenkel und Hüften sind kräftig, alle Merkmale vollständig. Er trägt Elefantenhaut, erscheint auf dem Stier und lächelt. Man gestalte ihn schön mit sechzehn Armen oder mit zwei, umgeben von Flöten, Vinas, Trommeln und anderen Instrumenten. Ein linker Arm ist ausgestreckt, ein anderer gewährt Furchtlosigkeit. Die Hände tragen Gebetskette, Pfeil, Stab, Schwert, Dreizack und Speer oder zeigen die Wunschgewährung. Hinzu kommen Schädelschale, Schlinge, Khatvanga, Schild, Fell und Elefantenhaken. Eine Hand trägt den Bogen, eine weitere ist ausgestreckt. Bhavya, Brahma, Hari, Skanda, Nandi, Kala und andere betrachten Shivas Tanz; Bhringi steht vor ihm. Siddhas, Yakshas und weitere Wesen mit Girlanden und Schwertern stehen außen. Damit ist der Herr des Tanzes beschrieben.
178–183 Nun erkläre ich Vishnu in drei Formen, darunter den zweiarmigen Vasudeva. Höre seine Merkmale in Kürze, du Gelübdetreuer. Seine Nase und Wangen sind schön, seine Edelsteinkrone strahlt. Er trägt ein Stirnzeichen, ist dunkel und in Gelb gekleidet. Beim achtarmigen Hari tragen die rechten Hände Keule, Schwert und Lotus; die vierte schenkt Frieden. Links befinden sich Muschel, Diskus, Bogen und Schild. Beim vierarmigen Vishnu gebe man Muschel und Diskus in die linken Hände, Lotus und die die drei Welten bedrohende Keule in die rechten. Beim zweiarmigen trägt die linke Hand die Muschel, die rechte gewährt Frieden. Vishnu ist beschrieben; höre nun Brahma. Der Urvater hat vier Gesichter, einen langen Bart und vier Arme. Sein Haar ist rötlichbraun aufgebunden; er erscheint beim Schwan auf einem Lotussitz.
184–189 Rechts trägt er Stab und Gebetskette, links Wassergefäß und die Geräte oder Stoffe des Opfers, darunter Opfergras und Butter. Rechts ist Savitri darzustellen, links Sarasvati. Damit ist Brahma beschrieben; nun folgt der Sonnengott. Sein Wagen besitzt ein Rad und sieben Pferde, Aruna lenkt ihn. Darauf steht der Sonnengott, mit Edelstein-Ohrringen geschmückt. Sein Körper ist tiefrot und vollständig gepanzert; die Füße tragen besondere Bekleidung. Er hat schönes Haar oder eine Krone und drei oder zwei Augen. (Lesart unsicher.) In beiden Händen hält er langstielige, beblätterte Lotusse bis zu den Schultern. Seitlich stehen Wächter, vorn weibliche Begleitgestalten. Soma ist weiß, schön und trägt Gebetskette und Wassergefäß. Mars ist rot, rotäugig und trägt Speer und Gebetskette.
190–195 Merkur ist gelb, schön, ruhig blickend und trägt einen Bogen. Jupiter erscheint als heller alter Mann mit Gebetskette und Wassergefäß. Venus ist weiß, nur rechtsäugig, mit Wasserkrug und Gebetskette. Der Sonnensohn Saturn blickt nach unten, hat krumme Füße und erscheint furchterregend. Er ist grimmig, großarmig und trägt Khinkhiri und Gebetskette. Rahu ist schwarz und schrecklich, mit geöffnetem Rachen und einem halben Körper. Rahu trägt eine Mondsichel. Ketu ist rauchfarben, mit drei Windungen geschmückt, halb Mensch und halb Schlange. Ketu trägt Schwert und Schild oder hält die Hände zum Gruß zusammen. Heramba erscheint zwerggestaltig, mit Elefantengesicht und einem Stoßzahn. (Lesart unsicher.) Er besitzt einen großen Bauch und Körper, trägt Schmuck und hat vier Arme, eine Schlange als heilige Schnur, drei Augen und die Mondsichel als Kopfschmuck.
196–201 Für seine Körperbreite und -länge gelten besondere Fingerbreitenmaße. Das Gesicht ist acht Fingerbreiten breit, der Hals drei hoch. (Lesart unsicher.) Der Rüssel wird mit sechsunddreißig Fingerbreiten bemessen, an der Wurzel mit zehn und an der Spitze mit vier; die Mitte folgt der Verbindungslinie. Der Nabel wird von seiner Vertiefung aus mit zwei Fingerbreiten bestimmt; weitere Breitenmaße folgen. Die Stirnwölbungen sollen hervortreten, der Kopf kräftig sein. (Lesart unsicher.) Die beiden Stirnwölbungen messen je neun Fingerbreiten; dazwischen liegt die Messlinie. Die Zahnregion wird bestimmt, die Nasenöffnung mit eineinhalb Fingerbreiten. Die Ohren reichen in ihrer Breite bis zur Augenlinie und sind eine Fingerbreite dick. Die Gestalt besitzt sämtliche Glieder und jede Schönheit. Der Herr der Scharen ist beschrieben. Nun folgt der im Schilf Geborene, Skanda: mit sechs Gesichtern, kindlicher Gestalt, zwölf Augen und zwölf Armen.
202–207 In seine Hände lege man Speer, Glocke, Banner, Lotus, Schlinge, Hahn, Stab, Wunschgewährung, Schutzgeste, Bogen, Pfeil und Axt. Oder man stelle ihn vier- oder zweiarmig auf dem Pfau dar. Nandi gilt als jung, dreiäugig, mit verfilztem Haar und vier Armen. Nandi trägt Dreizack und Gebetskette und zeigt Wunschgewährung und Furchtlosigkeit. Die nächste Gestalt trägt eine Schädelgirlande, hat große Augen, vier Arme und einen großen Bauch. Sie ist dreiäugig, gelbschwarz, mit gekräuseltem Bart und Haar. Rechts trägt sie Schädel und Schwert, links Schild und Dreizack. Dies ist Mahakala. Höre nun Aparna: Sie erscheint als junges Mädchen, das sich der Askese hingibt. (Lesart unsicher.) Vierarmig und in Askese gefestigt meditiert sie über Maheshvara. Links trägt sie Stab und Wassergefäß, rechts Gebetskette und Wunschgewährung.
208–213 Damit ist die asketische Gauri beschrieben. Nun lehre ich Durga: mit heiterem Gesicht, zehn Armen und den vorgeschriebenen Augen. (Lesart unsicher.) Ihr Haar ist schön angeordnet, ihre Brüste voll und erhoben. Sie besitzt alle glückverheißenden Merkmale und trägt jeden Schmuck. Mit dem fußringgeschmückten Fuß tritt sie auf den Büffeldämon und durchbohrt die schwerttragende Menschengestalt, die aus seinem abgeschlagenen Kopf hervortritt. Vom Dreizack verwundet, ergießt er Blut auf die Erde. Dreizack, Pfeil, Schwert, Speer und Diskus Meißel oder Beil, Schlinge, Elefantenhaken, Schild und gespannter Bogen werden in die rechten und linken Hände der Göttin gelegt. Damit ist Durga beschrieben, Tausendäugiger. Nun Sarasvati: weiß, auf einem schönen Lotus stehend oder sitzend, mit weißem Schmuck geschmückt.
214–216 Sarasvati trägt die Vina in wohlgeordneten Händen. Darüber hinaus gibt es viele andere Formen der Gottheitsbilder. (Lesart unsicher.) Man soll sie entsprechend ihren jeweiligen Haltungen und Maßen sachgerecht gestalten. Damit habe ich die Merkmale der Götterbilder kurz erläutert. Nun erkläre ich kurz die Gestaltung des Sockels. So endet das zweite Kapitel des Mohacurottara über das figürlich ausgeformte Lingam.
Kapitel 3: Sockel und tragende Kraft

217–222 Die ganze bewegliche und unbewegliche Welt steht im Bann einer wirkenden Kraft. Diese Shakti ist es, die sich im Sockel des Lingams ausdrückt. Erkenne deshalb zuerst gesammelt den höchsten Sitz im eigenen Körper. Danach gestalte den äußeren Sitz entsprechend seinen Namen und Maßen. Ohne diesen Sockel bleibt selbst ein regelgerecht eingesetztes Lingam ohne Annahme der Verehrung und ohne göttliche Gegenwart. Sorgfalt bei seiner Gestaltung gehört deshalb zum Weg, auf dem der Übende die Früchte der Praxis empfängt. Bei der Gestaltung berücksichtige man Stärke, Aussparung und Einlassung des Sockels. (Lesart unsicher.) Nun erkläre ich, welcher Sockel zu den zugleich gestalteten und ungestalteten, zu den figürlichen und zu den gestaltlosen Formen gehört.
223–228 Bei gestaltlosen und gesichtstragenden Lingams ist der Sockel so breit wie die Lingamlänge und reicht in der Höhe bis zum Ende des Vishnu-Anteils. Beim figürlichen Bild richtet sich die Sockellänge nach dessen eigenem Maß; die Breite beträgt die Hälfte. Die Höhe wurde bereits genannt. Die Abflussrinne ragt um ein Viertel der Sockelbreite heraus. An der Wurzel ist sie ebenso breit, an der Spitze halb so breit. Ein Drittel ihrer Breite bildet den Wasserkanal. Der Sockel erhält die vorgeschriebenen Einfassungen und Vertiefungen. (Lesart unsicher.) Für die Länge der Einfassung wird die halbe Sockelstärke genannt; entsprechend ihrer Stärke wird die Vertiefung ausgebildet. (Lesart unsicher.) Im Mohacurottara werden acht Sockelarten gelehrt. Höre nun ihre Namen.
229–234 Die erste heißt Kamala, die zweite Payodhara, die dritte Vapi und die vierte Vajra. Die fünfte heißt Chandra, die sechste Amrita, die siebte Samvarta und die achte Nandika. Ein Zwölftel der Lingamlänge ist für den umlaufenden Rand bestimmt, ein weiteres Zwölftel für die Lingamauflage; den Rest gestalte man danach. Die Fläche wird in fünfzehn Teile gegliedert; Fußlotus, Lotus, Mittelstück und Hals werden sorgfältig ausgearbeitet. Die einzelnen Glieder erhalten der Reihe nach die angegebenen Teilmaße; die vorderen und hinteren Lotuspartien sind gleich. (Lesart unsicher.) Götter, Daityas und missgunstfreie Weise erlangten dadurch Sieg und Vollendung. Dieser Padma genannte Sockel ist ein Ort großer Vollkommenheit.
235–240 Die Glieder Jagati, Kumbha und Vedi werden nach den genannten Anteilen angeordnet; der Hals tritt um einen Teil zurück. Die Maßreihe enthält eine Lücke. Payodhara erhält vier Leisten; es folgt Vapi, dessen längliche Form beschrieben wird. (Lesart unsicher.) Die halbe Sockelhöhe wird in zwölf Teile gegliedert und auf Fuß, Terrasse, Krugform und Altarleiste verteilt; der Hals tritt um einen Teil ein. Die Teilfolge ist nicht vollständig klar. Die obere Altarleiste erhält einen Teil, zwei weitere Leisten erhalten zwei. So erkennt man Vajra, der Nachkommenschaft und Königsherrschaft gewährt. Bei achtgeteilter Höhe werden Fuß, Schaft, tragendes Glied, Hals und obere Leiste nach den angegebenen Anteilen gestaltet. (Lesart unsicher.) Diese Chandraform schenkt Frieden, Gedeihen und alle Vollendung. Durch eine Veränderung an ihr entsteht die Amritaform. (Lesart unsicher.)
241–246 Bei sechsteiliger Gliederung entstehen Schaft, Krugform, obere Leiste, Hals, Nebenhals und Platte: dies ist der Samvarta-Sockel. Bei sechzehngeteilter Höhe werden die beiden Seiten weiter gegliedert; vom Fuß bis zum Hals verringert sich jeder Abschnitt stufenweise. (Lesart unsicher.) Der Hals erhält zwei Teile; Schaft und Einzug werden mit sieben, der Vorsprung mit sechs Anteilen bemessen, jeweils entsprechend dem Sockelmaß. Der günstige Sockel gewährt alle Vollendung und dient allen zum Heil. Mit dem Nandavarta-Zeichen versehen, heißt er Nandavarta. Die Sockel sind beschrieben. Nun erkläre ich die Brahmashila: Dieser glückverheißende Fundamentstein soll dem Brahma-Anteil entsprechen. Bei der größten Ausführung überragt seine Breite diesen um zehn Fingerbreiten; bei den übrigen nimmt der Überstand jeweils um eine Fingerbreite ab.
247–252 Der Rand erhält dieses Maß, die Vertiefung dieselbe Tiefe wie der Rand. Nun erkläre ich ihre Breite. Sie entspricht der Breite des Brahma-Anteils mit sechs Gerstenkörnern zusätzlichem Raum; bei den übrigen Größen nimmt dieser jeweils um ein halbes Gerstenkorn ab. Bei der kleinsten beträgt der zusätzliche Raum zwei Gerstenkörner. Mit der Messschnur richte man alles aus und arbeite es eben. In der Vertiefung schaffe man sorgfältig Edelsteinlager: in den Haupt- und Zwischenrichtungen und in der Mitte, kreisförmig angeordnet. Wie die Brahmashila den Brahma-Anteil überragt, so soll die Kurmashila, der Schildkrötenstein, die Brahmashila überragen. Die Brahmashila ist erklärt; nun die Abflussrinne. Sockel aus Metall, Stein und Edelstein sollen eine Rinne besitzen.
253–258 Bei Sockeln aus Erde und Holz gilt das Fehlen einer Rinne als angemessen. Die Rinne ist so lang wie der Rudra-Anteil und an der Spitze halb so breit. Oberhalb des Halses angeordnet, gilt sie als günstig; ein Drittel ihrer Breite bildet den Wasseraustritt. Eine so vollendete Rinne bringt Wohlergehen. Zu geringe oder zu große Maße gelten dagegen als leidbringend. (Lesart unsicher.) Die Öffnung richtet sich nach der Lingamstärke. Beim größten Lingam wird ein sichtbarer Zwischenraum von fünf Gerstenkörnern genannt. Der erste Vergleich ist unklar. Bei den übrigen nimmt er jeweils um ein halbes Gerstenkorn ab. Damit sind Sockel, Brahmashila und die übrigen Teile kurz erklärt. Nun werden die Götterhäuser gelehrt, beginnend mit der Prüfung des Bodens. So endet das dritte Kapitel des Mohacurottara über Sockel, Brahmashila und weitere Grundlagen.
Kapitel 4: Tempel, Klöster und Siedlungen
259–264 Nun erkläre ich die Inbesitznahme des Bodens, die Entfernung verborgener Störstoffe, die Opfergaben und die Errichtung des Heiligtums. An Seen, deren Lotusse die Sonnenstrahlen abhalten, zwischen Wasserpflanzen, Lotusreihen und reinen Wellen wo Schwäne, Enten, Kraniche und Chakravakas glänzen und am schattigen Ufer die Wellen zur Ruhe kommen an heiligen Orten, auf Bergen, bei Wasserfällen, an Flussufern, Teichen, Brunnen und Lotusteichen auf Plätzen, an langgestreckten Wasserbecken, Weggabelungen und Kreuzungen, in Wäldern und Gärten verweilen die Gottheiten gern. In Dörfern, befestigten Siedlungen und Städten, wo Eigentumsrechte bestehen, prüfe man zunächst den Baugrund für diejenigen, die Wohlergehen wünschen.
265–270 Weißer Boden gilt für Brahmanen, roter für Könige, gelber für Vaishyas, dunkler für die übrigen als geeignet. Mit Lampe, Grube und Wasser prüfe man seine Gunst. Nach Osten geneigter Boden gilt für Könige, nach Süden geneigter für Vaishyas, nach Norden geneigter für Zweimalgeborene, nach Westen geneigter für Shudras als geeignet. Nach Nordosten abfallender Boden ist für alle geeignet. Keimen eingesäte Samen am dritten Tag, gilt er als vorzüglich. Keimen sie am fünften, gilt er als mittelmäßig, am siebten als gering. (Lesart unsicher.) Der Boden sei weder zu weich noch zu hart, angenehm anzufassen, gleichmäßig dicht, geschmeidig, schwer, fest, rein, wohlriechend und fehlerfrei. Er besitze wohlschmeckendes Wasser, sei rissfrei, schön und erfreulich. Boden mit verborgenen Einschlüssen, Salzstellen, Hohlräumen, störenden Wesen oder Blutspuren …
271–276 … sowie mit üblem Geruch und anderen Fehlern ist nach sorgfältiger Prüfung zu verwerfen. Anzunehmen ist ein fehlerfreier Baugrund. An einem Tag mit günstigem Wochentag, Mondtag, Aszendenten und Mondstand nehme man ihn unter Mantrawiederholung und Segenshandlungen durch Umtragen des Shiva-Kruges in Besitz. Nach Reinigung der Grenzen und sorgfältiger Einebnung spanne der Acharya, von Handwerkern begleitet, die Messschnur. Norden bestimme man durch den Polarstern, Osten durch Sternbeobachtung oder durch den Schattenstab und andere Messverfahren. (Lesart unsicher.) Hat der Kundige Osten und Westen festgestellt, bestimme er mit gleich langen Schnüren die Nord-Süd-Richtung. (Lesart unsicher.) Man nehme nochmals die Hälfte, markiere die Zwischenrichtungen, bilde ein Quadrat und teile es wiederum neunfach.
277–282 Die Hauptlinien laufen zwischen Nordwesten und Südosten sowie Südwesten und Nordosten. Acht Schnüre und weitere Felder werden angelegt. (Lesart unsicher.) Dann verehre man die Gottheiten des Bauplatzes mit Girlanden, Opfergaben und Räucherwerk; in der Mitte verehre man die Erde als tragende Shakti. Danach verehre man Vastu und Brahma. Brahma ist Herr des mittleren Bereichs, Marichi und die weiteren Gottheiten besitzen ihre jeweiligen Felder. (Lesart unsicher.) Acht Gottheiten, beginnend mit Apavatsa, besitzen je zwei Felder. Außen stehen zweiunddreißig Gottheiten, beginnend mit Hara, auf einzelnen Feldern. Von Brahma bis Diti sind es insgesamt fünfundvierzig Gottheiten am Körper des Vastu. Außerhalb stehen acht weitere Gottheiten, darunter Charaki in den Zwischenrichtungen und Skanda im Osten. So ist der Vastu-Mensch angeordnet.
283–288 Die Welthüter und alle bei ihnen weilenden Wesen verehre man mit schönen Girlanden, Räucherwerk und Opfergaben. (Lesart unsicher.) Der Vastu ist voller empfindlicher Punkte; man darf sie nicht verletzen. Man verschiebe die Anordnung um ein Gerstenkorn oder ein halbes leicht nach Nordosten. Durch diese Verschiebung werden auch die empfindlichen Punkte versetzt. So wird das Götterhaus auf Grundlage der Vastu-Ordnung errichtet. Dies dient dem gewünschten Erfolg; andernfalls entsteht das Gegenteil. Durch Vogelzeichen, Äußerungen von Menschen und Tiere, die die Schnur überschreiten sowie durch Zeichen wie Kratzen erkenne man verborgene Störstoffe und entferne sie. Der Verantwortliche soll Befreiungswissen besitzen und die Himmelskunde kennen. Wer im Wissen vom inneren Selbst kundig ist, erlangt bei dieser Bodenreinigung Ansehen. Man grabe bis zum Wasser oder bis zu festem Kiesgrund, soweit das Wasser es erlaubt.
289–294 Die Grube fülle man mit handgroßen Steinen und dazwischen acht Fingerbreiten starken Erdschichten, bis nur noch ein Viertel des vorgesehenen Maßes fehlt. Nach Einebnung und erneutem Ausmessen vollziehe man die Grundsteinlegung. Ihre Merkmale werden nun kurz genannt. Die Steine sind quadratisch, eine Elle breit und fünf oder acht Fingerbreiten hoch. Fünf lotusmarkierte Krüge werden unter anderem mit Edelsteinen gefüllt. (Lesart unsicher.) Mit Panchagavya und Abkochungen gewaschen, gereinigt und umhüllt, werden die Steine unter den Namen Nanda, Bhadra, Jaya, Rikta und Purna verehrt. In ihnen werden die Prinzipien von Erde bis Buddhi und die entsprechenden Mantrawörter niedergelegt. Atmatattva reicht bis zu den subtilen Elementen, Vidyatattva schließt den Geist ein. Ichbewusstsein und Buddhi werden dem dritten Bereich zugeordnet; danach verehre man die Herren der Prinzipien, Shiva und die Welthüter und ordne das Botenfeuer. (Lesart unsicher.)
295–300 Nachdem die Mantras gesättigt und sämtliche Wege gereinigt sind, lege man die Steine ein, wobei die Einsetzung der Krüge vorausgeht. Diese heißen Padma, Mahapadma, Shankha, Marakata und als fünfter Samudra. Ihre Reinigung erfolgt mit den jeweiligen Namensmantras. Nach der Verehrung des Vastu setze man Shakti in die Mitte, darüber den Samudra-Krug und darüber den Purna-Stein. Beginnend im Südosten setze man Shakti und die Krüge Padma und die anderen ein. Die Steine Nanda und die übrigen werden sicher im Inneren der Mauern verlegt. Der höchste Sockel beträgt in der Höhe die Hälfte des Tempelmaßes, der mittlere ein Viertel weniger, der kleinste die Hälfte des höchsten. So errichte man den Sockel mit gutem Mörtel und ohne offene Fugen. Darüber folgen die Anordnung von Innenraum und Mauern.
Tempelmaße und Tempelformen
301–306 Die Tempelgrößen steigen in festen Ellenschritten bis sechsunddreißig an; es werden neun Größen genannt. (Lesart unsicher.) Eine andere Reihe beginnt bei zehn und steigt in Fünferschritten bis fünfzig. (Lesart unsicher.) Für die Mauern werden acht und vier Anteile genannt; die Wandzone ist so hoch wie das entsprechende Mauermaß. Der Turm ist doppelt so hoch, die Shukanasa reicht bis zur halben Turmhöhe. Ihre Breite entspricht dem Innenraum, ihr Vorsprung einem Drittel. Alternativ richtet sich der Sockel nach dem Lingam; der Umgang misst die halbe Sockelbreite. Die Tür entspricht dem Sockelmaß und ist doppelt so hoch; die äußeren Mauern werden entsprechend bemessen. Shukanasa, Wandzone und Turm folgen den zuvor genannten Regeln. Bei viergeteilter quadratischer Grundfläche werden Innenraum und halber Sockel bestimmt; Lingam, Sockel, Tür und Mauern stehen in den angegebenen Maßverhältnissen. (Lesart unsicher.)
307–312 Die Nasika entspricht dem Innenraum und reicht zwischen die Sockelecken. Bei einer Vorhalle tritt sie entsprechend weiter hervor. (Lesart unsicher.) Bei neungeteilter Anlage erhält der Sockel ein Feld; der Innenraum liegt innerhalb der Mauern, die äußere Mauer erhält ein Feld. Auch die Shukanasas treten um ein Feld hervor. Diese Anordnung dient dem Schutz von Lingams aus Gold und Edelsteinen. (Lesart unsicher.) Der Sockel entspricht dem Lingam; drei Umfassungen erhalten jeweils die Hälfte mit einem Zusatzmaß, die Außenmauer mit zwei. Shukanasa und weitere Teile wie zuvor. Die Tempelmaße beginnen bei acht und steigen in bestimmten Ellenschritten bis sechsunddreißig. (Lesart unsicher.) Der Sockel entspricht der Lingamlänge; die drei Umfassungen erhalten je ein Drittel davon, die Außenmauer die Hälfte. (Lesart unsicher.)
313–318 Innenraum und Mauergrenzen werden auf das Tempelmaß bezogen. Von Brahmasutra, Shukanasa oder Tempelecke aus ziehe man die Messschnüre. (Lesart unsicher.) So entstehen zwölf beziehungsweise weitere Formen mit Umgang; die verschiedenen Tempelgestalten dienen Erfüllung und Befreiung. (Lesart unsicher.) Damit sind die allgemeinen Merkmale sämtlicher Tempel kurz erklärt. Zur Verdeutlichung ihrer Unterschiede werden sie nun einzeln behandelt. Bei großen, mittleren und kleinen Formen wie Meru nehme man jeweils ein Sechzehntel, Zwölftel oder Achtel als Vorsprung, damit die Gestalt gelingt. Genannt werden Meru, die folgenden Bergformen, Bhadra, Gaja, Vimana, Hari, Hamsa, Shrivatsa und der Herr der Vögel. (Lesart unsicher.) Ferner Valabhi, vier-, acht- und weitere mehreckige Formen, Grihadhipa und Rundformen; insgesamt wird eine mondzahlbezogene Reihe genannt. (Lesart unsicher.)
319–324 Bhadra ist fünffach, die Rundform vierfach, ebenso Shrivatsa; der „Herr der Gebäude“ besitzt drei Ausprägungen. Nun erkläre ich ihre Merkmale einzeln, beginnend mit Meru. Die Fläche wird in dreizehn und quer in vier Teile gegliedert. An den vier Ecken werden sechs Teile abgenommen; daraus entsteht die Eckmasse. Die übrigen Teile werden als Einzüge und Vorsprünge gestaltet. (Lesart unsicher.) Einzüge und Vorsprünge erhalten die angegebenen Zahlenfolgen; am vierten Abschnitt wird der mittlere Wandvorsprung ausgebildet. (Lesart unsicher.) Die übrige Gestaltung folgt zwölf, zehn und sechs Anteilen. Der Bau besitzt vier Türen, vier Nasika-Vorsprünge und sechzehn kleine Turmnasen. Fünf Abstufungen mit je eigener Geschoss- und Turmzahl werden beschrieben. (Lesart unsicher.)
325–330 Über der Vedi ergibt sich mit dem Hauptturm eine Gesamtzahl; der Bereich zwischen Vedi und Dachansatz wird weiter unterteilt. (Lesart unsicher.) Das erste Geschoss erhält zwanzig Teile; die folgenden nehmen nach dem angegebenen halben Maß jeweils um einen Teil an Höhe ab. Alle sechzehn Geschosse sollen geschmückt werden. An den vier Seiten, auf halber Höhe der Shukanasa, stehen schöne Löwen. An den Ecken oberhalb der Vedi werden Löwen mit Mähnen angebracht, deren Maß ein Drittel der Vedi-Breite beträgt. Sie besitzen Hauer, weit geöffnete schreckliche Mäuler und über den Kopf gelegte Schwänze; alle Glieder sind vollständig und schön gestaltet. Über der Vedi stehen in den vier Richtungen vier Menschengestalten, begleitet von Welthütern, Apsaras, Gandharvas, Vidyadharas und Kinnaras. (Lesart unsicher.)
331–336 Neun Geschosse werden mit Müttern, Ganas und Vidyeshvaras geschmückt. Durch eingeschlossene Wärme besteht bei den Turmaufbauten die Gefahr des Herabfallens. Daher schaffe man auf jedem Geschoss zwei Öffnungen in den Zwischenräumen. Der schöne Meru ist beschrieben; höre nun Mandara. Die Fläche wird in achtundvierzig, quer in vier Teile geteilt; durch Abnahme von drei Teilen an der Diagonale entsteht eine dreiteilige Eckmasse. Einzüge und Vorsprünge werden nach sechs und weiteren Anteilen bemessen; der Mittelvorsprung nach der angegebenen Zahlenfolge. (Lesart unsicher.) Nach diesem Verfahren werden alle Seiten gestaltet. Der Bau hat vierzehn Geschosse, an den Ecken mit eisernen Verbindungen gesichert. Er besitzt vier Abstufungen mit fünf, vier, drei und zwei Geschossen. Zwischen Vedi und Dachansatz werden einhunderteinundsechzig Teile angesetzt.
337–342 Das erste Geschoss misst achtzehn Teile; die übrigen nehmen jeweils um einen ab. Auch dieser Bau hat vier Türen und vier Shukanasas. Die erste Abstufung trägt dreiundzwanzig, die zweite einundzwanzig, die dritte neunzehn und die vierte siebzehn kleine Türme. Dazu kommen ein Hauptturm und sechzehn Türmchen an den Shukanasas. So entsteht ein Tempel mit siebenundneunzig Turmspitzen. Mit dem zuvor genannten Schmuck ist er schön, Herr der Götter. Bei der nächsten Form wird die Fläche in sechsunddreißig, quer in vier Teile geteilt. In der Mitte tritt sie um acht Teile hervor. Zunächst werden quer drei, in der Mitte einer und innen wiederum drei Teile angesetzt. Nach entsprechender Abnahme entsteht ein vierteiliger Vorsprung bis zur Ecke; diese erhält vier Teile. So wird Kailasa gestaltet.
343–348 Er besitzt vier Türen, vier Nasikas und vier schöne Vorhallen. Zwischen Vedi und Dachansatz werden einhundertsechsundzwanzig Teile angesetzt. Das erste Geschoss erhält fünfzehn Teile; die übrigen nehmen jeweils um einen ab. Vier Abstufungen tragen vier, drei, zwei und ein Geschoss. Die erste Abstufung trägt achtzehn, die zweite sechzehn, die dritte vierzehn und die vierte zwölf Turmspitzen. Sechzehn Spitzen stehen an den Shukanasas, eine bildet die Hauptspitze. Dieser Shiva lieb gewordene Tempel hat siebenundsiebzig Spitzen. Für die nächste Form wird die quadratische Fläche in achtundzwanzig Teile geteilt. Durch Abnahme von drei Teilen an der Diagonale entsteht eine dreiteilige Eckmasse. Ein Wandvorsprung erhält zwei, der nächste drei und ein weiterer sechs Teile; entsprechend verfahre man auf den übrigen Seiten.
349–354 Dies ist Bhadra, der dem Stifter die gewünschte Herrlichkeit schenkt. Mit vielen Turmspitzen versehen, gilt er als alle Ziele erfüllend. Der kleine Bhadra wird siebenteilig angelegt; seitlich werden je zwei Teile abgenommen. Mit den genannten Mittelvorsprüngen heißt er Nalina; mit Shrivatsa-Turm Nandana, der dem Stifter Wohlergehen bringt. (Lesart unsicher.) Rund, hinten geneigt und vorn zweieckig, mit hoher vorspringender Nase, heißt die Form Gaja. Es folgt eine viereckige Anlage mit abgestuften mittleren Rücksprüngen. (Lesart unsicher.) Der Einzug erhält vier Teile, die Eckstütze zwei. Entsprechend werden vier Abstufungen gleichen Maßes angelegt. Die vier Abstufungen erhalten vier, drei, zwei und ein Geschoss. (Lesart unsicher.) Der Turm wird in die angegebenen Teile gegliedert; vom ersten Geschoss an nimmt jedes weitere um einen Teil ab, sodass zehn Geschosse entstehen. (Lesart unsicher.)
355–360 Mit siebzehn und weiteren Turmgruppen ergeben sich fünfzig Spitzen. Dieser Vimana mit kleineren Vimanas erhöht das Ansehen. (Lesart unsicher.) Bei quadratischer Fläche füge man hinten ein Feld hinzu und runde den vorderen Bereich; so entsteht eine zweieckige Anlage mit rundem Innenraum. Oberhalb der Wandzone tritt die Form etwas hervor: ein mähnengeschmückter Löwe mit siebenfach gegliedertem Aufbau. (Lesart unsicher.) Diese löwengestaltige Form mit kräftiger Nase ist Narasimha lieb. Zwischen elefantenförmigen Stirnwölbungen und Ohren wird Löwenschmuck angebracht. Eine viereckige Fläche wird vierfach gegliedert und seitlich mit Terrassen versehen. Drei Innenräume werden angeordnet, der mittlere rund. Der Hamsa besitzt eine Shukanasa; seine Wandzone gleicht der des Vimana, sein Dachansatz dem des Bhadra, sein Turmaufbau dem des Shrivatsa.
361–366 Die Spitze ist mit einem Schwan geschmückt; die Geschosszahl wird durch Keshava bezeichnet. Seitlich werden zwei entsprechende Anlagen angeschlossen. (Lesart unsicher.) In der Mitte sitzt Brahma auf einem Lotus, links und rechts Hari und Isha. Steht Hara in der Mitte, soll der Urvater rechts stehen. Die nächste Fläche wird nach den genannten Anteilen gegliedert: zwei für die Ecke, drei für den Mittelvorsprung; ein weiterer Vorsprung erhält eineinhalb. Der Bau trägt Fuß- und weiteren Schmuck. (Lesart unsicher.) Er besitzt vier Turmspitzen, fünf Geschosse und die entsprechenden Wandvorsprünge. Dieser Shrivatsa heißt Vardhamanaka und dient dem Gedeihen guter Menschen. Bei einem zwölfgeteilten Quadrat erhält der mittlere Vorsprung drei Teile. Nach einem halben Teil Zwischenraum erhält der Nebenrisalit zwei. Dieser tritt um die Hälfte hervor; die Ecke erhält zwei Teile. Die vollständige Shala wird mit Fuß-, Krug- und weiteren Profilen sowie Apsaras geschmückt.
367–372 In der Mitte der Wandzone liegt eine ringförmige Leiste. Zwei Umgangsbereiche sind vorgesehen, darüber ein auskragendes Gesims. (Lesart unsicher.) Leisten, Schmuckglieder und Ketten am Halsbereich, ferner Mondfenster und kleine Türme zieren den Bau. Durch diese Form erlangten die Götter Vollendung, darunter der Mond selbst. Auch bei geteilter Shala gilt dieses Verfahren. (Lesart unsicher.) Der Nebenrisalit erhält eineinhalb Teile. Diese dritte Shrivatsaform gilt als feindvernichtend und als günstig für Erfüllung und Befreiung. Bei der nächsten Teilung erhält der Mittelrisalit vier Teile; nach einem Zwischenraum von eineinhalb Teilen folgt der Nebenrisalit. (Lesart unsicher.) Er tritt um einen halben Teil hervor, die Ecke erhält drei. Der Bau wird wie eine Shala geschmückt, besonders mit den Weltenherren.
373–378 Rudras bei Spiel und Freude, Ganas, Yakshas und Götter bilden den Schmuck. Dieser Shrivatsa heißt Nandivardhana und fördert das göttliche Wohlergehen des Stifters. Die Fläche wird vierfach geteilt; in allen vier Richtungen entstehen gleiche Teile, die um ein Viertel der Tempelbreite vorspringen. (Lesart unsicher.) Der mittlere Innenraum ist sechseckig, außen stehen Säulen und weitere Bauteile. Hüfte und Hals tragen Schlangen; der Bau hat zehn Geschosse mit Aufbauten. Vishnu steht in der Mitte, Shiva rechts, Brahma links; im Schwanzbereich wird Lakshmi eingesetzt. Dieser Garuda-Tempel ist Hari lieb. Die Form besitzt eine hohe Nase und an den Flügelspitzen den Schlangentöter. (Lesart unsicher.) Durch Hinzufügen von vier Teilen vorn entsteht die Shukanasa der Valabhi. Diese Bauform eignet sich für figürliche Gottheiten, besonders Chandika.
379–384 Ihre Höhe ist doppelt so groß wie ihre Breite; die Bedachung besteht aus gestuften Gliedern. Seitlich stehen zwei Löwen, in der Mitte ein Krugaufsatz. Die entsprechende viereckige Form trägt Götterschmuck und eine aus Leisten geschlossene Spitze. Unverändert gilt sie als Shiva lieb. Bei quadratischer Fläche wird ein Achtel der halben Diagonale abgenommen; mit dem daraus gewonnenen Maß werden die Ecken abgeschnitten. Durch die in den Richtungen gelegten Schnüre entsteht eine achteckige Form, die achtfaches Gedeihen schenkt. (Lesart unsicher.) Das entsprechende Maß wird außen angesetzt und verdoppelt weitergeführt. Auch diese geschmückte Form gilt als wohlergehenbringend. (Lesart unsicher.) Der Griharaja ist quadratisch, besitzt vier Vorsprünge, einen Umgang und drei Geschosse. Er wird aus Holz errichtet und in Hausgestalt gepriesen.
385–390 Eine ähnliche Form ohne die Vorsprünge, aber mit einer länglichen Halle, heißt halber Griharaja. Ein- oder zweigeschossig und ohne diese Halle eignet sie sich für alle Gottheiten, besonders für die Sonne. Durch Abnahme eines Achtels der halben Diagonale und Rundführung entsteht die schön geschmückte Krugform Kumbha. Vorn besitzt sie eine Shukanasa. Die als Vrisha bezeichnete Variante ist hinten viereckig; eine andere außen rund und mit Leisten geschmückt. (Lesart unsicher.) Eine weitere Form ist ebenfalls rund; Vrisha soll nicht ohne Bhava verwendet werden. Damit sind die wichtigsten Götterhäuser beschrieben. (Lesart unsicher.) Durch Verbindung verschiedener Formen entstehen gemischte Früchte für die Stifter. Kleine Ausführungen von Meru und den anderen heißen Chanda-Tempel. (Lesart unsicher.)
391–396 Tempel unter vier Ellen sind sehr klein. Bei neunteiliger Gliederung entspricht der Sockel einem Teil. Innenraumbreite und Mauern erhalten jeweils zwei Teile. Tempel von vier bis acht Ellen werden fünfteilig gegliedert. Sockel, Innenraum und Mauer erhalten je ihren Anteil. Bei Formen ohne die betreffende Mauer ist die Höhe samt Wandzone doppelt anzusetzen. (Lesart unsicher.) Nun erkläre ich die Formung der Türme: Ihre Höhe ist doppelt so groß wie die Wandzone, ihre Breite wird zehnfach geteilt. Ein Viertel der Höhe wird viergeteilt; daraus werden Hals und Krugaufsatz bestimmt. (Lesart unsicher.) Sechs Teile erhält die Vedi, drei der Hals; der Rest schließt den Turm. Quer und aufwärts werden die abzunehmenden Bereiche fünffach gegliedert.
397–402 Die Proportionen gelten entsprechend auch bei größerem Maß. Alternativ kann man mit einer quer vierfach gelegten Schnur die Form bestimmen. Dies gilt der Reihe nach für Meru und andere Anlagen mit Umgang. Nun folgen die Merkmale der Vorhallen bei Anlagen ohne Umgang. Man ziehe die Schnur vom Innenraum und seiner Diagonale zur Shukanasa und zur Tempelecke. (Lesart unsicher.) Die schöne Vorhalle vor dem Tempel hat dessen halbe Breite. Für Türme werden verschiedene Höhenverhältnisse von dreifacher bis geringerer Höhe genannt. (Lesart unsicher.) Weitere Verhältnisse sind zweieinviertel und zweimal; die Wandzone erhält drei Teile. Der darüberliegende Bereich wird vierfach und weiter siebenfach geteilt. (Lesart unsicher.) Drei Teile erhält die Vedi, zwei der Hals, einen die Spitze. Der Krugaufsatz wird annähernd rund gestaltet; alles Übrige wie zuvor.
403–408 Über dem Hals schaffe man in den vier Richtungen Bannerhalter. Die vier Stangen stehen oberhalb der Vedi. Bei allen Hallen reicht die Dachhöhe bis zum Ende der Nasika. Die Abdeckung erfolgt mit gestuften Gliedern, innen mit gewölbten Teilen. Säulen der Ruchaka- und anderer Formen werden mit Kumbha-Gliedern, vierteiligen Basen und Kapitellen wie Nandika geschmückt. (Lesart unsicher.) Nach der Säulenzahl erhalten die Hallen unterschiedliche Namen: Die Reihe beginnt bei vierundsechzig und nimmt jeweils um zwei ab. So entstehen siebenundzwanzig Hallen von Shrivatsa bis Sutra. Nun folgt kurz die Bestimmung der Türen. Die Türbreite richtet sich nach den großen und kleineren Lingammaßen, mit entsprechenden Abzügen oder einem Achtel Zusatz; ihre Höhe ist doppelt so groß. (Lesart unsicher.)
409–410 Teilt man die Diagonalschnur in sechs Teile, ergibt sich aus vier Teilen die Höhe. Diese Regel gilt für kleine Tempel. Eine weitere Maßreihe reicht von einundvierzig bis siebzig; daraus werden durch Abzüge Türmaße gewonnen. (Lesart unsicher.)
Türen und Vergegenwärtigung im Bauwerk
411–416 Bei figürlichen Bildern werden die Maße in Fingerbreiten angegeben; die Türbreite beträgt die halbe Höhe. Die Pfosten erhalten ein Viertel davon, ihre Stärke wiederum die Hälfte. Die Schwelle erhält zwei Viertel und eine entsprechend verminderte Höhe. Die oberen Glieder sollen gut aufgeteilt und fest zusammengefügt sein. (Lesart unsicher.) Jede folgende Einfassung wird um ein Drittel schmaler; ihre Anzahl folgt einer Reihe von eins, drei, fünf bis acht. Die Schlusszahl steht in Spannung zur Reihe. Im unteren Viertel der Pfosten stehen die Wächter Nandi und Kala, ferner die beiden Flussgöttinnen, Lastträger und girlandentragende Kinnaras. Es folgen die genannten Tier- und Bergpaare sowie Shesha und Vasuki. Bei mehr Einfassungen wird die Anordnung fortgesetzt, bei weniger entfallen zunächst die Schlangen und weitere Figuren. (Lesart unsicher.) Andere Ornamente bringe man nach ihrer Schönheit an: Ganas, Lakshmi, Yaksha-Mädchen, Vishnu, Isha, Planetengötter und Sänger.
417–422 Darüber stehen der Herr des Tanzes und die Mütter. Vor der Tür befindet sich ein Halbmond, geschmückt mit einem Muschelpaar und anderen Motiven. Die Tür soll zum Tempel passen, weder zu klein noch zu groß. Ist der Zeitpunkt dem Stifter günstig, soll der Lehrer gesammelt handeln. Vom Stifter angemessen geehrt, beginne er die Türeinsetzung. Die Türteile werden mit Abkochungen gereinigt und mit Stoff umhüllt. Er lege die tragende Shakti, die Kraftgestalt, die drei Prinzipien samt ihren Gottheiten und Shiva mit seinen Gliedern darin nieder. Er sättige sie im Feuer, reinige, besprenge, berühre und binde sie rituell fest. Die gereinigten Torwächter werden durch das Befehlswort Shivas erweckt. Nach Verehrung des zum Türmaß gehörenden Vastu sättige er den Herrn derjenigen Himmelsrichtung, nach der die Tür zeigt.
423–428 Nach Niederlegung von Edelsteinen und Shakti setze er die Tür zum ermittelten günstigen Zeitpunkt ein, etwas nördlich der zuvor bestimmten Mittellinie. Nach dem Mantranyasa befestige er sie lückenlos. Die Weihe der Torbögen erfolgt wie die der Türen. Der Stifter soll ohne Geiz den Einsetzer und die anderen Beteiligten zufriedenstellen. Der Tempel wird bis zur Vedi vollendet. Nach Vollendung der Shukanasa schaffe man unterhalb der Vedi zwischen den Geschossen eine schöne, gut geschützte Kammer. Dort deponiere man Quecksilber in einem Gefäß aus Gold, Silber oder Kupfer, zusammen mit fünf Arten von Kostbarkeiten, geschmückt mit Duftstoffen, Girlanden und Stoff. Man betrachte den Krug als Gestalt der Prakriti und stelle sich darin einen Lotus vor. Nach der stellvertretenden Waschung am Spiegel besprenge man den Krug samt Deckel.
429–434 Nach Niederlegung der tragenden Shakti und des sechsfach erhöhten Sitzes stelle man den Krug auf, verbunden mit der Kraftgestalt. In seine Mitte lege man die göttliche, unvergängliche Shakti. Man rufe das Bewusstsein herbei und setze es in vollkommener Einheit darin ein. Den Hamsa, von der Kraft umschlossen, von der Gestalt des Bindu und aus eigenem Glanz leuchtend, halte man als feinen Bewusstseinsanteil gesammelt fest. Mit stetigem Geist und in Einheit nehme man ihn, durch Shivas Befehlswort erweckt, im eigenen Bewusstsein auf und lege ihn mit der Einatmung in den Krug. Ihm werden die Aufgabe gnädigen Wirkens, die mit dem Amt verbundene Begrenzung und die Erkenntnis menschlicher Ziele zugewiesen: ein Zustand, der dieses Wirken ermöglicht. (Lesart unsicher.) Von Shiva durchdrungen, soll er alle Hindernisse erschrecken. Man lege die drei Prinzipien samt Gottheiten nieder, reinige sie und binde sie fest.
435–440 Solange der Tempel besteht, soll dies das Werk des Stifters vollenden. Den Hindernismächten erscheint der Tempel flammend und unerträglich. Dann gebe man den Wesen ein Opfer und spreche: „Seid stets gesättigt!“ Man lasse als Zustimmung erklären: „Wir sind durch dich stets gesättigt.“ So entsteht rasch die gewünschte Frucht für König, Land und Stifter; der Beginn führt beständig zum Heil. Nach Ausführung der Vedi, des Halses und der übrigen Teile werden die Formen Meru und andere klar voneinander unterschieden. Ihre Fuß-, Krug- und weiteren Profile werden nun kurz beschrieben. Die Höhe wird neunfach geteilt; die einzelnen Teile dienen zur Gestaltung der Krugglieder. Die Wandzone erhält zwei Teile, darüber liegen Gesims und weitere Glieder. (Lesart unsicher.)
441–446 Mittelrisalit, Nebenrisalit und Ecken werden mit Fuß- und Krugprofilen versehen, ohne die Hauptglieder des Tempels zu beeinträchtigen. Werden die Hauptglieder beeinträchtigt, entsteht großer Fehler: Für König, Stifter und Bevölkerung gilt dies als Ursache schweren, bis zum Tod reichenden Leids. Der Kundige bestimme den Vorsprung außerhalb der Grundfläche; die Fingerbreiten richten sich nach der Ellenzahl, ohne Unter- oder Überschreitung. (Lesart unsicher.) Auch Unter- und Übermaß gelten als Fehler, so lehrt Shiva. Der erste Bereich wird in dreizehn, quer in sechs Teile geteilt. Durch Einzug eines Teils entstehen Fuß- und Krugglieder; darüber ein einteiliger Vasanta mit oberer Leiste. (Lesart unsicher.) Darüber steht ein ringgeschmückter Kalasha, rund gestaltet und entsprechend Einzug und Vorsprung bemessen. Zwischen Kumbha und Kalasha liegt ein abgestufter Schnitt; darüber wieder ein Vasanta wie zuvor.
447–452 Oberhalb folgt ein Vasanta mit Halsglied und Vorsprung; darüber eine viereckige Leiste von vier Teilen. Der Abstand zwischen Kalasha und Leiste beträgt vier Teile. Ein Vasanta wird mit einem Teil Höhe und den angegebenen Einzügen gestaltet. Er trägt eine obere Leiste, darüber ein Halsglied. Der nächste Vasanta wird mit entsprechend größerer oder kleinerer Höhe wie zuvor geformt. Eine weitere Leiste erhält vier Teile, darüber folgt der Abschluss. In der Mitte der Wandzone wird ein Vorsprung angeordnet, dessen Höhe das Doppelte beträgt. (Lesart unsicher.) Die Höhe wird zehnfach, die Breite fünffach gegliedert. Durch jeweils einteilige Einzüge und Vorsprünge entstehen drei Bänder. Die mittlere Leiste erhält vier Teile, darüber liegen drei weitere Bänder. In der Mitte liegt der Ring; oberhalb wird die untere Anordnung wiederholt.
453–458 Über der Wandzone wird mit dem vorgesehenen Vorsprung das Gesims angelegt; seine Höhe wird entsprechend geteilt, seine Breite vierfach. (Lesart unsicher.) Nach einem einteiligen Einzug bilde man zwei Leisten oder einen Vasanta mit einer Leiste. Das Krugglied ist drei Teile hoch und tritt zwei Teile zurück. Darüber folgt ein Vasanta; der Hals steigt vier Teile auf. Zwei Leisten treten um einen Teil vor; darüber folgt erneut ein Krugglied. Seine Höhe beträgt drei Teile, der übrige Schmuck wird passend gestaltet. Am Hals liegen oben und unten krugförmige Vasantas, beide mit Leisten geschmückt. Der Rest folgt der Turmform. Mondgirlanden, kleine Aufbauten und weitere Ornamente bilden den Schmuck. So werden alle Chandaformen schön ausgestattet.
459–464 Ohne Widerspruch zu den Hauptgliedern schafft diese Anordnung Frieden und Heil. Bei achtundvierziggeteilter Anlage folgt die Ausschmückung der Spitze. (Lesart unsicher.) Alle diese Formen dienen Vollendung und Befreiung; die Mitte folgt ihren besonderen Merkmalen. Unten liegen runde Leisten, über dem Kern wiederum eine runde Leiste. Darüber befinden sich Kurpari und Kalasha, über diesem der Dreizack. Ihre Merkmale werden nun erklärt. Den Kalasha forme man auf einer in sechsundzwanzig Teile gegliederten Fläche; seine Länge entspricht der Lingamlänge, seine Breite deren Hälfte. Die Fußleiste erhält die genannten Höhen- und Breitenanteile; ein Teil bildet den ansteigenden Übergang. (Lesart unsicher.) Dessen Höhe und Breite betragen vier Teile. Seine Leiste ist einen Viertelteil hoch und so breit, wie es der schönen Form entspricht.
465–470 Das Krugglied erhält drei Teile in der Breite und einen halben in der Höhe. Links und rechts werden die Schulterwölbungen nach den angegebenen Anteilen gebildet. (Lesart unsicher.) Mit kreisender Messschnur forme man die Wölbung und anschließend die Schulter. Zwei Teile vom Ende der Wölbung entfernt entsteht die linke Schulter. Die rechte entsteht entsprechend durch entgegengesetzte Kreisführung. Danach wird der Hals mit eigener Höhe und Breite angelegt. (Lesart unsicher.) Die Wange erhält vier Teile und einen halben Teil Höhe, der ansteigende Übergang ebenfalls einen halben; der Lotus ist zwei Teile hoch. Den Krug schmücke man mit drei Teile herabhängenden Gebinden und bunten Ashoka- oder Mangoblättern. (Lesart unsicher.) Die Blätter hängen schön über die Krugöffnung. Nach den Formmerkmalen darf die Gestalt angemessen größer oder kleiner ausfallen.
471–476 Der Kalasha ist beschrieben; nun der Dreizack. Die große Ausführung misst zweiunddreißig Fingerbreiten, die mittlere vierundzwanzig. Die kleine misst sechzehn Fingerbreiten. Weitere Zwischenstufen entstehen durch paarweise Abnahme der angegebenen Einheiten. (Lesart unsicher.) Die Fläche wird entsprechend gegliedert; die mittlere Spitze erhält neun Teile und läuft scharf zu. (Lesart unsicher.) An der Wurzel ist sie einen Teil breit oder wird nach schöner Proportion gestaltet. Ein weiterer Abschnitt ist einen Teil breit und sechs lang, mit der Schnur gerundet. Man setze den Zirkelpunkt in der Mitte und schlage eine schöne Rundung; ein weiterer Mittelpunkt liegt sieben Teile vom inneren Bezugspunkt entfernt. (Lesart unsicher.) Mit der rechten Hand führe man die Kreislinie, um die seitlichen Spitzen zu bilden. Unten zeichne man zwei halbmondähnliche Linien.
477–482 Mit einer zweieinhalbteiligen Schnur wird die einteilige Breite bestimmt. Die äußeren Linien der beiden Spitzen folgen dem äußeren Kreis. Die beiden inneren Linien verbinde man mit dem mittleren Kreis; die unteren Abschnitte bleiben durch einen kleinen Zwischenraum getrennt. Man führe die Rundung halbmondförmig passend weiter. An der Basis liegen Knaufglieder, darunter ein viereckiger Zapfen. Nach Tilgung der Hilfslinien ist der Dreizack vollendet. Mit den seitlichen Tempelachsen richte man ihn auf dem Kalasha aus. Die vordere und hintere Achse treffen die mittlere Spitze. Nun erkläre ich die Terrasse samt den Heiligtümern in den Himmelsrichtungen. Die Terrasse beträgt die Hälfte des Tempelmaßes, ein Viertel weniger oder das gleiche Maß. Vor der Halle ist sie entsprechend quadratisch und schön.
483–488 Außerhalb stehen in einem halben Tempelabstand acht Götterhäuser in den Richtungen. Nochmals die Hälfte davon entfernt errichte man die Umfassungsmauer. Die Terrassenmauer wird wie die Tempelmauer ausgeführt, mit entsprechender Gestalt und Fuß- sowie weiteren Profilen. Oben trägt sie ein Gesims oder die gewünschte schöne Ausformung. Im Osten stehen Brahma, Nandi, Mahakala oder Vajrapani. Im Südosten Ardhanarishvara, die Sonne oder das Feuer; im Süden der Kreis der Mütter, Ganesha oder Yama. Im Südwesten die Ashvins, Bhringi oder Nirriti; im Westen der todüberwindende yogische Gott oder Varuna. Die Lesart Bhringi steht als erklärende Variante in der Vorlage. Im Nordwesten der Sechsgesichtige, Vishvakarman oder der antilopenreitende Windgott; im Norden Kubera mit den Welthütern oder die Göttin Uma.
489–489 Der Diskusträger, Chanda oder Ishana steht am eigenen Ort. Alle sind dem Haupttempel zugewandt, aber nicht unmittelbar auf dessen Mittellinien.
Klöster und Königssitze
490–495 Im Süden soll ein Kloster für die Lingaträger liegen, damit die auf Shiva Ausgerichteten dort wohnen können. Außerhalb der Terrasse lasse man einen Abstand in Tempelbreite und errichte die Umfassung; daran schließen sich die Wohnhäuser der Ashrambewohner an. Vor dem Kloster bleibt ein entsprechender Raum frei. Die südliche Anlage wird dem Löwen, die westliche dem Stier und die östliche dem Banner zugeordnet. Nach Wunsch des Stifters kann die Anlage größer sein. Man teile das Quadrat fünffach und halte die Mitte frei. Die Häuser können nach Wunsch angeordnet werden; im Norden liegt der Ausgang. Sie dürfen ein-, zwei- oder dreigeschossig sein. Außen ist die Anlage von einer langen Halle umgeben, im Osten liegt der Opferraum. Küchen und weitere Räume werden zweckmäßig angeordnet.
496–501 Man nehme den zuvor genannten Abstand, dessen Hälfte oder wiederum die Hälfte. Ein oder drei kleine Klostergebäude und eine vierteilige Halle werden vorgesehen. (Lesart unsicher.) Die Geschosszahlen sind bereits genannt; bei geringen Mitteln genügt eine Hütte. Alles werde achsengerecht und wohlgeordnet nach Verehrung des Vastu gebaut. Wer großes religiöses Verdienst erstrebt, soll den Lingaträgern ein Haus errichten. Dieses große Verdienst erkläre ich dir vollständig. Welchen Lohn die Einsetzung eines unbeweglichen Lingams im Tempel bringt, denselben erlangt der Kundige, wenn er im Kloster ein bewegliches, lebendiges Lingam beherbergt. Beim Neubau einer Stadt oder der Wiederherstellung einer verlassenen alten Anlage verehre man zuerst den Vastu auf einem hundertfach gegliederten Plan. Charaki und die anderen erhalten ihre äußeren Plätze, Skanda und die übrigen vierteilige Bereiche. Es folgt die Aufzählung von Diti, Isha, Antariksha, Feuer, weiteren Gottheiten, Ahnen und Wind. (Lesart unsicher.)
502–507 Die genannten Gottheiten erhalten halbe Felder, die übrigen ganze. Apavatsa und die weiteren acht werden entsprechend angeordnet, Marichi und die übrigen erhalten je sechs Felder. Brahma steht auf vier Feldern; Verehrung und Feueropfer erfolgen wie zuvor. An den anfänglichen Zeichen erkenne man die hervorstechenden Eigenschaften des Bodens. Der Königswohnsitz wird nach Vermögen in drei Größen bestimmt; die ersten beiden Flächenmaße werden durch die angegebenen Zahlenwörter bezeichnet. (Lesart unsicher.) Eine weitere Zahlenfolge bezeichnet das dritte Maß. Der Grundriss des königlichen Wohnsitzes soll quadratisch sein. Bei Festungsanlagen gilt eine Verlängerung um ein Viertel. Klein, mittel oder groß ist der Königssitz je nach Wohlstand. Zuerst bestimme man die Achsen durch Sterne und andere Hilfsmittel, richte Haupt- und Zwischenrichtungen aus und bestimme den Herrn des Hauses.
508–513 Wie beim Tempel verehre man den Vastu und lege die Grundsteine. Die Sockelhöhe wird in großer, mittlerer oder kleiner Ausführung bestimmt. Am Brahma-Ort errichte man das Hauptgebäude nach dem genannten Ellenmaß, außerhalb die Umfassung in dem vorgeschriebenen Abstand. (Lesart unsicher.) Nach Freilassen der Richtungsabstände folgen weitere Gebäude im Süden und Westen. (Lesart unsicher.) Im Norden wird ein weiteres Maß genannt; die Gebäude wachsen um ein Viertel und werden durch eigene Mauern geschützt. Die übrigen Bereiche teile man jeweils zur Hälfte. Banner, Rauch, Löwe, Hund, Stier, Esel, Elefant und Krähe bezeichnen der Reihe nach die Ayas in den Richtungen, beginnend im Osten. Nach Freilassen des früher genannten Abstands errichte man außen ein Quadrat und teile es nach einem Viertel des Hauptgebäudes neunfach.
514–519 Die Anordnung beginnt im Nordosten: Räume für Befriedungsrituale und Herrschaftszeichen, für religiöse Aufgaben, die genannten Vorräte und Kleidung. (Lesart unsicher.) Zusammen liegen Küche und Gefäße für die Mahlzeiten. Im Vitatha-Bereich wohnen die Ratgeber, die den Weg der Mantras lehren. Es folgen Räume für Waffen, Frauengemächer, die genannten Duftstoffe, Reinigung, Betelvorräte, Frauen, Köche und die Aufsicht über die Frauen. (Lesart unsicher.) Ferner Speisenlager und Räume für Heerführer, Minister, Ärzte, Duftstoffhändler sowie Edelsteine und Blumen; im Mukhya-Bereich das Botenhaus. Hinzu kommen Plätze für königliche Elefanten, Milchversorgung, Holz und Reinigungspersonal. So ist das Haus des Herrschers gegliedert. Dies gilt für einen Großkönig. Bei Wegfall äußerer Gebäude bleibt die entsprechende mittlere Anlage erhalten.
520–525 So verfahre man bei einem gewöhnlichen König, mit weiteren Abwandlungen bei einem kleineren. Größe und Umfang richten sich nach Vermögen und Macht. Die verbleibenden Räume sind für Elefanten, Pferde und gute Diener bestimmt. Außen errichte man eine Umfassungsmauer mit Zinnen und weiterem Schmuck. Sie besitzt vier Torbauten und schöne Hallen. Ihre Höhe beträgt acht Ellen, ihre Breite soll ausreichende Festigkeit gewährleisten. Die äußeren und inneren Bereiche werden passend angeordnet. Die drei Tore im Norden, Westen und Osten sollen gewöhnlich offenstehen. Das Südtor bleibt außer im Kriegsfall geschlossen. Außen liegt ein Graben, jenseits davon stehen bewaffnete Soldaten. Der Großkönigspalast kann sieben Umfassungen besitzen. An jedem Tor stehen Pförtner und bewaffnete Wachen.
526–531 Die Tore sollen fest und die Eintretenden jeweils überprüft sein. Niemand erhält inneren Aufenthalt, bevor der König unterrichtet ist. Dem König Unbekannte dürfen nicht eintreten. Solche beständige Wachsamkeit dient dem Wohlergehen des Herrschers. An den Toren aller vier Richtungen errichte man schöne Märkte. In der Mitte des östlichen Marktes verläuft eine Nord-Süd-Verbindung. Die schöne Marktstraße reicht bis zum Stadtausgang. Entsprechend entstehen im Süden, Westen und Norden die vier Straßen. Die sozialen Gruppen werden, beginnend im Norden und Osten, ihren Orten zugeordnet. Die Hausgrößen folgen einer abnehmenden Ellenreihe. (Lesart unsicher.) Vier Hauslängen reichen bis achtzehn Ellen und werden den vier Varnas zugeordnet. Die ost-, süd- und westgerichteten Türen liegen in den genannten Gottheitsfeldern, darunter Sugriva, Pushpadanta und Prachetas. (Lesart unsicher.)
532–537 Im Norden gelten Mukhya, Soma und Bhallata als Türfelder. Außerhalb bringe man zum Schutz die Dienerschaft unter. Der König gilt als Beschützer der Bevölkerung; darum muss sein Schutz gerecht sein. Er soll die Menschen entsprechend ihrer überlieferten Ordnung im Dharma unterweisen lassen. Shruti, Smriti, Puranas und Agamas lehren Dharma. Ein König, der danach handelt, genießt seine Herrschaft lange. Puranische Aussagen werden durch die Veden und deren Aussagen durch die Agamas begrenzt. Es sind allgemeine und besondere Lehren sowie besondere shaivische Bestimmungen zu unterscheiden. Die Kundigen sollen solche Beziehungen von Geltung und Begrenzung nicht willkürlich auflösen: Der Allwissende lehrte jedes Ding entsprechend seiner wirklichen Beschaffenheit. Wenn in der Vielzahl der Agamas zwei widersprechende Aussagen auftreten, was ist dann maßgeblich? Maßgeblich ist das Wort Shankaras.
538–543 Texte, andere Texte und Kommentare, abhängige und unabhängige Aussagen sind durch begründete Folgerung und weitere Erkenntnismittel miteinander in Einklang zu bringen. Erkenne dies, Herr der Götter, und gelange zu höchstem Frieden. Unter einem im Dharma gefestigten König herrscht beständig Heil im Land. Außerhalb des Königssitzes lasse der Herrscher in den Richtungen beiderseits der Märkte Tempel mit eigenen Grenzen errichten. Wo Gottheiten gegenwärtig sind, wächst der Dharma des Königs. Die Tempel dürfen nach Wunsch des Stifters zugewandt oder abgewandt sein. Bei abgewandten Tempeln soll auf dem Wandvorsprung ein zugewandtes Gottheitsbild stehen, mit dem passenden Schmuck, Gewand und den zugehörigen Waffen. Es zeigt Wunschgewährung und Furchtlosigkeit. So besteht bei beiden Anordnungen Gleichwertigkeit, weil das Bild dem Betrachter zugewandt ist.
544–549 Dies bringt König und Land großen Frieden. Weitere Tempel können dahinter, durch die ersten abgeschirmt, errichtet werden. Auch sie dürfen nach Wunsch zu- oder abgewandt sein; durch die dazwischenliegenden Anlagen verursachen sie keinen Fehler. Mit Gottheitsbildern ausgestattet, erhöhen sie die günstigen Eigenschaften. Für weitere äußere Anlagen gilt dieselbe Ordnung. Außerhalb der Stadt setze man in den vier Richtungen Lakshmi und den Herrn der Yakshas ein, auf das Wohlergehen des Königs und der Bewohner bedacht. Sie sollen der Stadt zugewandt sein und Wunschgewährung und Furchtlosigkeit zeigen. Diese Regel gilt für diesen besonderen Fall, nicht unterschiedslos überall. Die sonstigen Götterhäuser in Osten und den weiteren Richtungen können an ihrem jeweiligen Ort nach Wunsch des Stifters zu- oder abgewandt sein.
550–555 Mit den zuvor genannten Merkmalen bringen sie den Menschen Frieden und Heil. Nun wird die Frucht solcher Tempelanlagen erklärt. Dharma wächst beständig, allen Lebewesen wird Wohlergehen zuteil, und der König gedeiht mit Ministern, Heer und Fahrzeugen. Er braucht weder Unheil noch feindliche Herrschaft oder Niedergang zu fürchten. Das religiöse Verdienst des Stifters wächst mit Kindern, Enkeln und Nachkommen. Dies gilt überall in Städten und anderen Orten für die Errichtung von Gotteshäusern und für die nach solchen Regeln gestalteten Lingams und menschenförmigen Bilder sofern Menschen sie eingesetzt haben. Für selbstmanifestierte Lingams und Bana-Lingams gilt diese Vorschrift nicht, Herr der Götter. Sie dürfen zu- oder abgewandt sein, denn sie schenken allen Gnade. In selbstmanifestierten und Bana-Lingams ist Shiva aus eigenem Willen beständig gegenwärtig.
556–560 Aus Mitgefühl mit den Lebewesen unterliegen diese beiden keiner entsprechenden Einschränkung, weder bei Tempel, Tür, Sockel noch Halle noch bei Terrasse, Grundriss oder Einsetzungsritual. Für von großen Wesen eingesetzte, gestaltete Lingams gilt dagegen die zuvor genannte Regel, soweit sie deren Gestaltung betrifft. Von der Bodenprüfung bis zum Tempelbau wurden die Gegenstände einzeln behandelt. (Lesart unsicher.) Was der Reihe nach klar zu erkennen ist, habe ich dir erklärt, Herr der Götter. Höre nun die Einsetzung des Lingams und der weiteren Heiligtümer. So endet das vierte Kapitel des Mohacurottara über die Tempelbauten.
Weihe, Verehrung und Erneuerung
561–566 Skanda sprach: Die Einsetzung soll an einem für den Stifter günstigen Tag mit passenden Sternkonstellationen geschehen, vorzugsweise in der hellen Monatshälfte und während des nördlichen Sonnenlaufs. Günstig sind die Mondhäuser unter Brahma, Shiva, Varuna, den Wassern, den Vishvedevas, den Schlangen, der Sonne, Hari, Mitra, Soma, Indra und dem Wind sowie unter Tvashtri, Pushan und den Vasus. Unter diesen soll die Einsetzung aller Gottheiten erfolgen. Jupiter, Venus, Merkur und Mond gelten als freundliche Planeten; sie gewähren Besitz, Lebensdauer, Nachkommenschaft, Gedeihen und Wunscherfüllung. Jungfrau, Wasserträger und die weiteren bezeichneten Tierkreiszeichen gelten als günstig; bei der Einsetzung empfiehlt der Shaiva-Agama besonders einen günstigen Eckaszendenten. (Lesart unsicher.)
567–572 Widder, Zwillinge, Krebs, Löwe und Skorpion werden genannt; auch der Mond ist in den angegebenen Stellungen günstig. (Lesart unsicher.) Günstige Sternbeziehungen heißen Maitra, Paramamaitra, Sampat und Kshema; günstige Karanas Bava, Balava, Kaulava und Taitila. Diese Stern- und Karana-Konstellationen gelten bei jeder Göttereinsetzung als günstig. Von den Mondtagen werden der zweite, fünfte, sechste, achte, zehnte, elfte und zwölfte genannt ferner der dreizehnte und der Vollmondtag. Mars und Saturn gelten im dritten und sechsten Haus als günstig; es folgen Sonne und Mond. Weitere günstige Planetenstellungen werden aufgezählt; Merkur ist im zweiten, vierten, sechsten, achten und zehnten Haus günstig. (Lesart unsicher.) Venus im sechsten, siebten, zehnten und zwölften Haus meide man sorgfältig, ebenso die ungünstigen Yogas Utpata, Kana und Mrityu.
573–578 Die als Yamaghaṇṭa bezeichneten Verbindungen von Planeten und Sternbereichen gelten als zerstörerisch für Vorhaben und sind bei der Einsetzung zu meiden. Die Einzelzuordnung fehlt. Abnehmender Mond, Sonne, Mars, Saturn und der mit ihnen verbundene Merkur gelten als ungünstig und sollen bei entsprechenden schlechten Teilstellungen gemieden werden. Nachts ist ihre Wirkung nicht wie am Tag. Günstig sind die anlassbezogenen Verbindungen Ananda, Amrita und Siddha. Sie werden für alle Vorhaben, besonders für die Einsetzung, gepriesen; günstig sind geeignete Tage in Magha, Phalguna, Vaishakha oder Ashadha. Jupiter und Venus sollen in günstigen Eckhäusern stehen, schädliche Planeten nicht im Aszendenten. Sind Mond oder Venus unsichtbar oder Jupiter untergegangen beginne man weder Einsetzung noch andere glückverheißende Vorhaben oder weite Reisen. Günstige Yogas heißen Saubhagya, Shobhana, Ayushman, Siddha, Sadhya, Shiva und Shubha …
579–584 … ferner Vriddhi, Priti, Dhriti, Siddhi, Dhruva und Shukla. Dem Stifter entsprechend errichte man vor dem Tempel den Ritualbau. Die große Ausführung misst vierundzwanzig, die mittlere achtzehn, die kleine zwölf Ellen; bei anderen Verhältnissen passe man dies sachgerecht an. Man bilde ein ebenes Quadrat, verehre den Vastu wie zuvor, grabe den Boden aus, entferne Störstoffe und fülle ihn wieder fest auf. Der Bau erhält eine entsprechend dreigeteilte Vedi und Eckpfosten; auch außen stehen Pfosten aus für Opfer geeigneten Bäumen. Die Höhen betragen bei großer, mittlerer und kleiner Ausführung zehn, acht und sechs Ellen. Fehlt Raum, wähle man eine niedrigere, aber feste Ausführung. Fehlen die vorgeschriebenen Bäume, verwende man geeignetes verfügbares Holz. Die Vedi ist zwölf Fingerbreiten hoch; bei den folgenden Größen nimmt sie um je eine halbe Fingerbreite ab.
585–590 Dies gilt ausgehend von der größten Ausführung. Die Feuergrube misst vierzig Fingerbreiten, bei den weiteren Größen jeweils zwei weniger. Das Zahlwort bindu wird hier als Null gelesen. So werden die Größen von der größten bis zur kleinsten bestimmt. Die Grube liegt außerhalb eines Viertels der Vedi; das Maß wird in vierundzwanzig Angula geteilt. Mit ebenso vielen Fingerbreiten bestimme man die Elle der Feuergruben. Die Grube wird eine Elle breit und einschließlich der Einfassung entsprechend tief angelegt. Außerhalb der Vertiefung liegt ein fingerbreiter Hals; dies gilt für alle Feuergruben. Drei Einfassungen werden mit den angegebenen Breiten angelegt. (Lesart unsicher.) Die als Nabel bezeichnete Zunge ist zwölf Fingerbreiten lang, in der Breite um ein Drittel vermindert und eine Fingerbreite hoch, entsprechend im Inneren angeordnet. Sie besitzt zwei Wölbungen und gleicht einem Ashvattha-Blatt. Ein daumenbreiter Rand hält in der Mitte die Opferbutter.
591–596 Bei den östlichen und südlichen Gruben liegt sie rechts, bei westlichen und nördlichen wasserseitig. Die Gruben sind quadratisch oder rund; die fünfte steht im Nordosten. Deren Nabel kann westlich oder rechts liegen, je nach Ziel. Man errichte fünf Feuergruben oder nur eine im Osten. Der Badepavillon besitzt vier Zugänge und steht nördlich davon, alternativ im Nordosten oder Osten, mit zwei Altären. Die Torbögen bestehen aus Nyagrodha, Udumbara, Ashvattha und Plaksha. Ihre Höhen werden mit acht Ellen und zwölf Fingerbreiten, acht und sieben Ellen angegeben. Unterhalb von sieben Ellen nehmen zwei Torgrößen jeweils um eine Elle ab; zwei weitere liegen darüber. Die Einteilung der vier Hauptmaße ist nicht ganz klar. Der Zwischenraum wird dreifach und weiter neunfach gegliedert. Alle Torpfosten werden zu einem Fünftel ihrer Länge eingelassen.
597–602 Höhe und Breite sind einander gleich; die Stärke beginnt bei sechs Fingerbreiten und nimmt von der fünfelligen Ausführung an jeweils um eine zu. Die Höhe wird fünffach geteilt; die Spitze ragt um zwei Anteile hervor. Die Pfostenköpfe erhalten acht Fingerbreiten und weitere Zuschläge. (Lesart unsicher.) Die Pfosten stammen aus den genannten Bäumen, ersatzweise aus anderem Opferholz. Ein weiteres Gerät wird aus milchsaftführendem Holz mit dem doppelten Brahma-Anteil gefertigt. (Lesart unsicher.) Es ist lotusmarkiert, vierfüßig und sechzehn Fingerbreiten hoch. Im Westen errichte man eine Gerätehütte von halbem Hallenmaß. Die Opferlöffel Sruk und Sruva werden nach ihren Merkmalen aus Opferholz gefertigt: Udumbara, Palasha, Mango, Rudra, Ashvattha oder Madhuka. Die Sruk misst sechsunddreißig Fingerbreiten oder eine Armlänge. Ihre Schale erhält acht, der Hals ein Daumenmaß, der vordere Teil sieben Fingerbreiten.
603–608 Große, mittlere und kleine Ausführungen nehmen jeweils um eine Fingerbreite ab. Die Mitte wird rund ausgearbeitet, unter Belassung eines fingerbreiten Randes. Die Stärke darunter entspricht diesem Maß, das Gesamtmaß beträgt vier Fingerbreiten. Seitlich bleibt je eine Fingerbreite; der untere Teil ist krugförmig. Vorn ist sie drei Teile breit; die Butteröffnung entspricht dem kleinen Finger. Der Knauf ist zwei Fingerbreiten lang und eine breiter als der Griff. Der Griff hat sechs Fingerbreiten Umfang und nimmt die restliche Länge ein. Die Sruva ist rund, mit Krugglied versehen und eine Elle lang. Ihre Rückseite besitzt zwei Wölbungen wie ein Rinderhufabdruck im Schlamm. Die Schale misst zwei Fingerbreiten, der Griff eine. Ihr Knauf misst zwei Gerstenkörner; am Griffende steht ein Krugglied. Aus geschmeidigem Kusha-Gras werden armlange, gedrehte Unterlagen gefertigt. (Lesart unsicher.)
609–614 Diese Unterlagen werden an Wurzel und Spitze mit Darbha geknotet. Gleich lang sind die wohlgeformten Begrenzungshölzer aus Opferbäumen. Die Brennhölzer sind ungefähr eine Spanne lang, ohne Risse und Fehler: aus Arka, Palasha, Khadira und Apamarga ferner Ashvattha, Udumbara, Shami, Durva und Kusha zur Befriedung der Planeten; fehlen diese, verwende man Sesam und Gerste. Vierkantige Brennhölzer werden für das Feuerwerk gepriesen. Gefäße aus Gold, Silber oder Kupfer sollen einen gewölbten Bauch und muschelförmigen Hals besitzen. Ebenso die schöne Karkari. Fehlen Metalle, dürfen alle Gefäße aus Ton sein, ohne schwarze Brandwirbel und andere Fehler. Entsprechend beschaffe man Kalashas, Gießgefäße und sonstige Krüge, rötliche Tongefäße mit Deckelschalen, Lampenständer und kleine Schalen.
615–620 Für die Speiseopfer sind die verschiedenen Kochgeräte bereitzustellen. Sämtliches Opferzubehör bringe man zum Ritualplatz. Die Banner sind fünf Ellen lang und zwei breit; die Wimpel sieben Ellen lang und zwanzig Fingerbreiten breit. Die Bannerstangen werden zu einem Fünftel eingelassen. Die Wimpelstangen sind zehn Ellen lang und werden ebenfalls zu einem Fünftel eingelassen. Die erste Stangenlänge ist textlich nicht klar vom Bannermaß getrennt. Beginnend im Osten lauten die Farben: zinnoberrot, bunt, rauchfarben, staubgrau, wolkenfarben, grün, blass und weiß. So werden Banner und Wimpel gefärbt. In der Mitte ist die Farbe weiß oder gelb, mit Spiegeln und weiterem Schmuck. Ein Baldachin überdeckt die Halle oder den Altar. Pfosten und Torbögen werden mit Stoff behängt.
621–626 Unter den Pfosten stehen paarweise edelsteingefüllte Krüge namens Shanta, Shishira, Parjanya, Vishoka, Apyayaka, Amrita, Dhanashri und Shaucha. (Lesart unsicher.) Jeder trägt Mangoblätter und ein Tuch um den Hals. Bananenstämme, Blumengirlanden und Mangozweige schmücken die Anlage. Nach der äußeren Ausschmückung betrete man das Innere. Im Nordosten auf der Vedi steht auf einem Sitz aus verschiedenen Getreiden der Shiva-Krug, edelsteingefüllt, mit zwei Tüchern um den Hals und Mangoblättern geschmückt, als Zierde des Opferhauses. Links steht seine Gefährtin Karkari, geschmückt, mit dem Ausguss nach Westen. Dharma und die weiteren Eckkrüge tragen Edelsteine und Stoff. Ebenso die Krüge für Indra und die anderen, die Friedenskrüge, der Schlafkrug sowie die Krüge für Brahma, Lakshmi und Hari.
627–632 Die Feuergrube ist mit Girlanden und Stoff geschmückt; Sruk und Sruva liegen daneben. In der Gerätehütte werden die Opfergeräte aufgestellt. Der Topf für den Opferbrei besteht aus Kupfer, mit Deckel und Rührlöffel und einem eisernen Gestell; entsprechend das weitere Kochgefäß. Hinzu kommen ein Kupfergefäß mit Ausguss, Glocke, Räuchergefäß und weitere Geräte. Das größte Arghya-Gefäß wiegt fünfzig Pala, das mittlere die Hälfte. (Lesart unsicher.) Das Arghya-Gefäß ist dreifach abgestuft, groß, mittel und klein, aus Gold oder anderen Stoffen, entsprechend den Möglichkeiten. Ebenso die Ständer; zu jeder Feuergrube gehört ein Arghya-Gefäß, ferner Gefäße für Sesam, Butter und Duftstoffe. Für die fünf Kuhprodukte bereite man fünf Gefäße vor, außerdem eines für die Salbung und ein Honiggefäß für die Kennzeichnung.
633–638 Die Stäbchen besitzen drei abgestufte Längen. Zwei gepolsterte Unterlagen mit Kissen und Stoffüberzug werden gefertigt. (Lesart unsicher.) Eine Liegeplatte dient dem Lager, weitere Bretter als Sitze. Für den Haushaltsgebrauch ist ein Opferbreitopf mit den zuvor genannten Merkmalen vorgesehen. Ein Kupferkrug und Essgefäße werden bereitgestellt, ebenso Besen, Stampfer, Mahlstein und weiteres Hausgerät. Hinzu kommen Körbe, Fächer und andere Behälter, frische Blumen und Blätter wie Bilva. Für Räucherung Guggulu mit Butter, Sandelholz und verschiedene Speisen; für das Feueropfer Sesam, Gerste und Ghee in geeigneter Menge. Fehlen vorgeschriebene Stoffe, nehme man das Verfügbare. Nun werden die Waschstoffe zur Reinigung des Lingams und der übrigen Gegenstände genannt.
639–644 Erde nehme man vom Ganga-Ufer, heiligen Orten auf den Hauptbergen, Lotusbeständen, Ameisenhügeln und Flusszusammenflüssen ferner von Stellen, die Elefanten mit den Stoßzähnen oder kraftvolle Stiere aufgewühlt haben. Geeignet sind Rinden von Nyagrodha, Udumbara, Ashvattha, Jambu und Mango. Mura, Mamsi, Vacha, Kushtha, Shailaja, Rajani, Shati, Champaka und Musta bilden die genannte Gruppe heiliger Kräuter. Ferner Ushira, Sandelholz, Lodhra, Tagara, Phalini, Jala, Lakshana, Girikarni, Kshirini, Brihati und Shikha Brahmadandi, Nagakarni, Sahadeva, Punarnava, Kumari, Dronapushpi, Shankhini und Kharamanjari. Weiße, im Shiva-Feuer bereitete und durch Stoff gesiebte Asche; Kuhurin, Kuhdung, Milch, Dickmilch und Ghee, jeweils getrennt.
645–650 Auch Panchamrita, verschiedene Früchte und die fünf Arten von Kostbarkeiten werden jeweils vollständig bereitgestellt. Eine goldene Schildkröte, ein Lotus, Quecksilber und Reiskörner gehören dazu, ferner die bereits erwähnten Krüge und weiteres ungenanntes Zubehör. (Lesart unsicher.) Wenn alles vollständig bereitliegt, unterrichte man den vorzüglichen Lehrer. Zuvor wähle und ehre man ihn mit Stoff, Gold und Schmuck. Ebenso die Hüter der Nebenformen mit den Mantrarezitierenden, die vedakundigen Opferpriester und die Handwerker, nachdem man sie unterwiesen hat. Der reine, von Vertrauen erfüllte Stifter verneige sich und bitte: „Herr, durch deine Gnade möge meine Lingam-Einsetzung geschehen.“ Mit „Hum“ oder „Om“ erteile der Guru Zustimmung, nachdem er seine tägliche Praxis vollzogen hat. Es folgen die nötige Reinigung und die Reinigung der Sinne.
651–651 Körperwaschung, rituelles Bad, Sandhya und Bedeckung mit Asche gehören dazu. Bei der morgendlichen Sandhya gelten für Asketen und Hausleute dieselben Grundregeln.
Sandhya, Atem und innere Verehrung

652–657 Bei dieser Gelegenheit erkläre ich Sandhya, Shakra: Jene ursprüngliche, ewige Kraft, die das Wesen der Ursache besitzt, ist im höchsten Sinn Sandhya, für den, der sein Selbst durch Erkenntnis erfasst hat. Den in Meditation Gefestigten erscheint sie entsprechend ihrem inneren Ziel. Zunächst gleicht sie einer feinen Lotusfaser, danach wird sie gröber; entsprechend Morgen und weiteren Zeiten nimmt sie verschiedene Farben an. Sie ist rot, weiß und dunkel; die vierte ist ohne Gestalt. Alternativ wird die letzte Sandhya als dunkel beschrieben, bester der Götter. Sie alle dienen als Meditationsziele und sind an sich ohne äußere Kennzeichen. Den ersten drei entsprechen die drei Gunas Sattva, Rajas und Tamas. Die letzte ist im höchsten Sinn eigenschafts- und gestaltlos. Herz, Bindu, Brahmarandhra und der stützenlose Zustand …
658–663 … sind als Meditationsorte der vier genannt. Damit ist etwas für die Erkennenden gesagt; nun wird die Sicht der Yogis erklärt. Für Prana-Yogis liegen zwei Sandhyas an den Enden von Sonne und Mond. Im höchsten Yoga lehrte mich der Dreizackträger eine andere Bedeutung. Jener Zustand des Selbst im reinen Erkennen gilt als die niedere Sandhya; die höchste erkenne als von der Gestalt der Leere. Nachdem man Sandhya der Zeit und ihrem Wesen entsprechend meditiert hat, bereite man gesammelt mit Shiva-Mantras das heilige Wasser. Nach Reinigung mit den Samhita-Mantras halte man Wasser in der rechten Hand, betrachte es als Erkenntnis und ziehe es durch Ida ein. Man verweile im Kumbhaka, bis die Sonne aufsteigt, und vollziehe durch die sonnenführende Pingala das Abwaschen der Verfehlungen. Gemeint ist eine ritualisierte Atemvisualisierung; der genaue Übergang bleibt knapp.
664–669 Mit dem auf Svaha endenden Shiva-Mantra bringe man Shiva eine Handvoll Wasser dar und wiederhole danach gesammelt die Gayatri. Nach dem Japa widme man das Ergebnis der Gottheit und vollziehe die Sättigung: für Mantras, Götter, Rishis, Menschen und Verstorbene sowie Väter und Mütter, mit den jeweils passenden Mantra-Endungen. Danach vollziehe der Kundige Achamana. Nach Verehrung der Sonne begebe er sich zum Opferhaus und verehre zunächst die Torbögen und deren Hüter der Reihe nach. Arogya, Shanti, Bhuti und Bala werden beginnend im Norden angeordnet, Dhanashri, Shaucha, Shanta und die weiteren jeweils paarweise. Ferner die Göttinnen, Chandisha, Nandi, Kala, Bhringisha, Ganadhipa, Durmukha und Skanda.
670–675 Nach Verehrung mit Duftstoffen und Blumen verkünde er Shivas Auftrag: „Bleibt aufmerksam hier zum Schutz des Opfers!“ Auf den Wimpeln setze der Kundige die Waffen Vajra und weitere ein, auf den Bannern Kumuda und die übrigen, leuchtend und für Hindernisse furchterregend. Nach Schließen aller Türen trete er durch das Westtor ein und verweile am Eingang, des hell leuchtenden Waffenmantras gedenkend. Er betrachte das Opferzubehör, stampfe dreimal auf die Erde und werfe mit dem Waffenmantra eine wie ein Blitzbündel vorgestellte Blume in die Mitte. Das Haus ist von ihrem Glanz erfüllt, die Hindernisse sind vertrieben. „Wie gewaltig und unerträglich dies ist!“ So geraten sie in Staunen. Die hindernden Scharen bedrohend, betrete er die Mitte und setze mit dem Waffenmantra eine flammende Blume als Türwächter ein.
676–681 Im Uhrzeigersinn gehe er weiter und setze sich auf die Vedi. Rechte Hand, linke Hand und ihre Rückseiten reinige er mit dem Waffenmantra. Dann lege er mit dem Shiva-Mantra die nektargleiche Shakti hinein, ferner Gestalt, Shiva und seine Glieder, beginnend bei den kleinen Fingern. Nach ihrer Erhebung zum höchsten Zustand und dem Schutz des Dharma reinige er die Elementzusammensetzung durch fünf Konzentrationen. Zunächst durch fünf aufsteigende Vorgänge, danach jeweils um einen vermindert; nachdem er Leere in Leere gelegt hat, soll er an nichts mehr denken. (Lesart unsicher.) Danach stelle er sich Nektar vor und erfahre das Hervortreten der Wonne. Anschließend lege er die Kraftgestalt in den eigenen Körper. (Lesart unsicher.) Das Gesichtsmantra komme ins Gesicht, Aghora ins Herz, Vama in den verborgenen Bereich, Aja nach unten; danach Shiva und seine sechs Glieder an ihre jeweiligen Orte.
682–687 Den höchsten Zustand und die große Mudra lege er, von den Füßen beginnend, nieder. Nach dieser Vorbereitung beginne er das innere Opfer. Für die innere Verehrung erscheint das Göttliche als Blitz, als leuchtende Flamme, als Schneekristall oder als klarer Bergkristall. Wähle das Bild, bei dem dein Geist verweilen kann. Deine innere Haltung wird zur Blume, Geduld zum Wasser der Begrüßung und das makellose Selbst zur Lampe. Die entschlossene Einsicht in das Ziel ist die Salbung, die den Menschen unbefleckt werden lässt. Das Feuer ist Prana; das Ichbewusstsein wird mit dem Gefäß und den aufsteigenden Räucherflammen verbunden. Wenn der Mensch die Prinzipien in sich vergegenwärtigt und das Ziel erreicht … (Lesart unsicher.) Im eigenen Bewusstsein wird der Mensch als Shiva besungen: Dies heißt das innere Räucheropfer. Die Gegenstände der Sinne werden zur Speisegabe. Prakriti ist der Sitz, Purusha der Verehrende. In der Verbindung von Nada und Samana findet er zu seinem eigenen Wesen zurück.
688–693 Das ist Japa, durch den die begrenzte Seele selbst Shiva wird. Nach dieser Verehrung im Nabel, im Feuer des Prana und im Licht werden die Sinnesgegenstände gesammelt als höchster Nektar geopfert. Dieses innere Feueropfer führt zur Ungebundenheit. Meditation ist das Aufgehen des Selbst im höchsten Prinzip: still wie Wasser ohne Wellen, alldurchdringend und frei von begrenzten Vorstellungen. Umfassungsmauer, Bindung der Richtungen, drohende Abwehr, Schutzgraben und als fünftes das schwer durchdringliche Netz der Shakti bilden den Schutz. Die Karkari wird mit dem Waffenmantra belebt und als unwiderstehliches Licht vorgestellt. Ihr Wasser reinigt alle damit besprengten Stoffe von Fehlern. Das Arghya-Gefäß werde ausgespült und in Meditation gefüllt; Shakti, Shiva und seine Glieder werden eingesetzt und durch Mudra zum höchsten Zustand erhoben.
694–699 Nach Reinigung der Stoffe vollziehe man die Verehrung des eigenen Selbst. In der linken Hand verehre man Shiva nach vorherigem Tattvanyasa. Man meditiere den ungeteilten Shiva als Licht und setze ihn überall ein: „Die Kraft zur Einsetzung des Herrn in Lingam und andere Träger steht mir zu.“ Nachdem man alles innerlich vergegenwärtigt hat, beginne man das Opfer. Das Wissensschwert wird aus den genannten Blättern in Tala-Länge hergestellt. (Lesart unsicher.) Siebenmal mit Mantra besprochen, wird es unter die linke Achsel gelegt. Danach bereite man Panchagavya und bespreche es mit dem vorgeschriebenen Mantra. (Lesart unsicher.) Nach Verehrung des Vastu streue man Puffreis, Sandelholz, weißen Senf, Asche, Blumen, Kusha und ungebrochene Reiskörner aus, als verschiedene Waffen vorgestellt. Mit Duftstoffen und Blumen verehre man den vorzüglichen Krug, in dem Shiva mit Sitz und Gestalt gegenwärtig ist.
700–705 Ebenso verehre man das Waffengefäß und nacheinander die Welthüter: „Auf Shivas Geheiß ist das Shiva-Opfer für seine Verehrer begonnen …“ „… Ihr Welthüter sollt es gesammelt vor Hindernissen schützen.“ Diesen Auftrag verkünde man den Krügen und trage das Waffengefäß voran herum. Im Uhrzeigersinn stelle man Krug und Waffengefäß auf, nachdem man ihnen einen festen Sitz gegeben hat. Die folgenden Worte werden in der Vorlage wiederholt. Nach Herstellung eines festen Sitzes lege man der Reihe nach Dharika und die weiteren Kräfte bis zum makellosen Sitz nieder. Man erkenne Reichweite, Durchdringung, Wirksamkeit und Entfaltungsfolge der Mantras, ihre eigene Gestalt und ihre Einsetzung, durch die ihre Aufgabe erfüllt wird. Erst nachdem man all dies einzeln verstanden hat, wende man den Mantra an. Der Sitz reicht bis zur Ursache; die Gestalt besteht aus Shakti.
706–710 Nach Reinigung und Meditation lege man sie in der Reihenfolge der Schöpfung nieder. Shivas Gestalt stelle man als reine Willenskraft vor. Dann rufe man die Gottheit durch Verbindung von Sonne, Feuer und Mond herbei, bewirke ihre Gegenwart, halte sie fest und umhülle sie schützend. (Lesart unsicher.) Es folgen Verwandlung in Nektar, Begrüßungswasser, Sandelholz und rituelles Bad [Textlücke]; danach Verehrung und Räucherung. Die Gliedgottheiten werden herbeigerufen, bereitet und vorschriftsmäßig verehrt; Räucherwerk, Licht, Speise und weitere Ehrengaben werden dargebracht. Es folgen Wasser, Pavitra-Gabe und Erhebung zum höchsten Zustand. Nach dem vorgeschriebenen Japa wird dies alles auch an der Vardhani vollzogen.
Vorbereitung und Einsetzung des Lingams
711–716 Nach erneuter Verneigung und Verehrung erkläre man: „Nach der aus deinem Mund hervorgegangenen Vorschrift habe ich dieses Opfer geschützt.“ „Nun bin ich durch deine Gnade ohne Furcht vor Hindernissen. Nimm daher das erweckende Schwert an und erteile mir deinen Auftrag.“ (Lesart unsicher.) „Herr, Lingam und weiteres Zubehör sind zu reinigen und zu erwecken.“ Man stelle sich Shivas Antwort vor: „Vollziehe dies auf meinen Befehl; bewirke die reine Gegenwart im Lingam.“ Nach dieser innerlich vernommenen Antwort gehe man zur Feuergrube und vollziehe der Reihe nach Betrachtung, Besprengung, innere Vergegenwärtigung und Benetzung. Es folgen Ausgraben, Ausstreuen, Auffüllen, Einebnen, Begießen, Festigung, Reinigung und Bestreichen: so wird die Feuergrube bereitet. Sie wird mit dreifacher Schnur umgeben und mit vier kreuzenden Linien versehen. Achtzehn Bereitungshandlungen werden mit den jeweiligen Mantras vollzogen.
717–722 Mit dem Schutzmantra bereite man die Unterlage, mit dem Herzmantra den Sitz. Dort verehre man Vagisha und Vagishvari als jugendliches, vereinigungsbereites Paar. (Lesart unsicher.) Das Feuer im kupfernen Gefäß mit Ausguss wird durch Betrachtung und weitere Handlungen gereinigt. Nach Abgabe des Anteils für die Fleischesser führe man die Feuer dreifach zur Einheit. Man lege sein Bija hinein, bespreche es mit den sechs Gliedmantras, nehme es auf und führe es herum, als Samen des Herrn vorgestellt. Man lege es in den Schoßkanal der Shakti und gebe beiden Wasser. Die Empfängnisweihe erfolgt mit Aja, die Sicherung männlicher Geburt mit Vama. Für die Scheitelweihe verwende man Bahurupa, für das Geburtsritual das Gesichtsmantra. Nach Besprengung mit Arghya-Wasser bringe man fünf Opfergaben. (Lesart unsicher.) Beginnend im Osten lege man Sitze nieder und verehre Brahma und die Welthüter. Nach Betrachtung und Besprengung von Sruk und Sruva setze man Shakti und Shambhu darin ein.
723–728 Mit reinem Ghee erfolgen die Güsse in die Feuermünder, Verbindung und Vereinigung. Bei der Namengebung verbinde man das Feuer mit Isha; nach Verehrung entlasse man die Eltern. Danach teile man das Feuer fünffach auf die Gruben auf; einen Anteil halte man für Räucherung und anderes zurück. Man verehre und sättige das Feuer. Mit erhaltener Erlaubnis verehre man Shiva im Herzlotus des Feuers, lege Sitz und Gestalt nieder und vollziehe Reinigung und Meditation. Nach Verehrung Shivas mit seinen Gliedern und Verbindung der Nadis sättige man die Mantras, bringe die volle Opfergabe dar und widme sie ihm. Zur Besänftigung ungünstiger Zeichen von Ort, Zeit und Anlass opfere man jeweils hundertmal und schließe mit einer vollen Gabe. Man bestimme die Zeit zwischen vorbereitender Niederlegung und eigentlicher Einsetzung und beginne entsprechend: weder verfrüht noch verspätet oder ohne rechten Beginn.
729–734 Im Osten steht das Gesichtsmantra mit dem Schutzmantra, im Süden Aghora mit Shikha, im Westen Sadyojata mit dem Herzmantra, im Norden Vama mit dem Kopfmantra. Shiva ist allen gemeinsam; Verbindung und Mantrasättigung gehören dazu. Dies ist die Aufgabe der Hüter der Formen; der oberste Lehrer vollzieht das Ganze. Nach der vollen Opfergabe unterrichte der Lehrer Shiva, vertreibe die Hindernisse und gehe zum Lingam. Er stelle es auf einen günstigen Sockel, zeichne seine Merkmale und wasche es mit Erde, Kuhdung, Kuhurin und Waffenmantra-Wasser. Mit zwei Tüchern umhüllt, werde es unter Segensrufen bewegt. Der Stifter folge voller Vertrauen und Sammlung. Ob er vorangeht oder nachfolgt, er wird von allen schweren Verfehlungen befreit. Im Uhrzeigersinn führt der Weg durch Stadt, Tempel und Halle.
735–740 Unter Mantrarezitation bringe man es in den Badepavillon. Diesen reinige man durch Betrachtung, Besprengung, rituelles Anschlagen und Ausstreichen mit Kusha. Auf der Vedi bilde man aus Reiskörnern eine Svastika und stelle den Bhadrapitha darauf. Mit Om gebe man einen Sitz und setze das Lingam darauf. Nach Betrachtung, Besprengung und ritueller Berührung reinige man es mit Erde, Kuhdung und anderem. Auf der zweiten Vedi bereite man einen gepolsterten Sitz. Darauf lege man das Lingam; an seinem Kopfende stelle man Milchreis mit Ghee bereit. Dann zeichne man die vorgeschriebenen Merkmale ein. Ein Lingam ohne diese Kennzeichnung gilt als mangelhaft und als beständige Gefahr für Land und Landesherren. Darum versehe man es sorgfältig mit den richtigen Merkmalen, damit der Übende alle Früchte erlange.
741–746 Wer Gedeihen wünscht, soll die Kennzeichnung nicht über die beiden entsprechenden Abschnitte hinaus anbringen. (Lesart unsicher.) Bei der größten Form ist die Zeichenlinie eine Fingerbreite breit; bei den kleineren nimmt sie entsprechend ab. Die Seitenlinien beginnen unterhalb zweier Abschnitte. (Lesart unsicher.) Oberhalb von zwei Teilen werden die Linien gerundet und hinten zusammengeführt. Oben entsteht eine Ringform; darunter liegen Knoten. (Lesart unsicher.) Die Spitze des Zeichens soll zur Kopfform des Lingams passen. So gilt es als glückverheißend, alle Vollendung schenkend und Hindernisse erschreckend. Dieses günstige Merkmal gilt allgemein. Mit nicht zu hoch erhobener Hand zeichne der Guru es mit einem goldenen Stift. Der kundige Lehrer zeichnet, der Handwerker ritzt es mit dem Werkzeug ein. Unter Wiederholung des Mrityujit-Mantras fülle man die Linien mit Honig und Ghee.
747–752 Nach Zugabe von Rochana, Dickmilch und Durva und ritueller Festigung stelle man es auf den Bhadrapitha und reinige es mit Erde und Kuhdung. Nach Waschung mit Waffenmantra-Wasser vollziehe man Mantranyasa und verehre mit dem anzuwendenden Mantra, Siddha-Mantras oder den Brahma-Mantras. Die bereitgestellten Stoffe werden mit den zuvor genannten Waschmantras gereinigt; dann folgen Waschungen mit Erde, Kuhdung, Kuhurin, Asche und jeweils Wasser dazwischen. Es folgen Panchagavya, Abkochungen, Panchamrita sowie Wasser mit Gold, Getreide, Früchten, Edelsteinen und Kräutern. Am Ende steht die Waschung mit allen Kräutern, die jedes Heil fördert. Nach den acht Waschungen, beginnend mit den alkalischen Stoffen, trockne man mit weichem Tuch. Man salbe mit Sandelholz und anderem, kleide das Lingam in zwei mit dem Schutzmantra besprochene Tücher und schmücke es mit Blumen.
753–758 Nach Ehrengabe an den Lehrer und Entlohnung des Handwerkers befestige man das Lingam sicher auf einem Wagen. Unter Mantrarufen, feierlichem Klang und vedischer Rezitation wiederhole der gesammelte Lehrer das Pashupata-Mantra. Nach der Wagenprozession bringe man es vor die Halle und setze es dort auf den Bhadrapitha. Mit den Worten „Sei fest!“ betrete man das Innere. Die Vedi wird durch Betrachtung und weitere Handlungen gereinigt und mit Kusha ausgestrichen. (Lesart unsicher.) Auf einer Svastika aus Reiskörnern lege man das gepolsterte Brett mit Kissen und Stoffdecke nieder und setze darin den Ananta-Sitz ein. Nach Darbringung von Arghya führe man die Gottheit in die Halle, lege sie auf das Polster und vollziehe die Mantra-Einsetzung in der richtigen Reihenfolge.
759–760 Beim Sockel erfolgt dieselbe Handlung mit Shakti-Mantras. Seine Kennzeichnung hat die Gestalt der Yoni; Waschung und weitere Handlungen geschehen wie beim Lingam. Dasselbe Verfahren gilt für Brahmashila und Kurmashila. Man bringe sie in die Halle und lege sie an ihren jeweiligen Platz.
Die vier Bereiche und die Gegenwart der Gottheit
761–766 Am Fußende stehend beginne der Guru die Einsetzung der Gestalt und der weiteren Prinzipien, nachdem er den höchsten Zustand und seine äußere Kennzeichnung verstanden hat. Wer den höchsten Zustand, sein vierfaches Meditationsziel, die vier Bereiche, deren Wesen und Ritualfolge kennt ist zu Verehrung und Einsetzung befähigt, kein anderer. Aus Shiva geht die Shaiva-Lehre hervor, aus Shakti die Shikha-Lehre, aus Bindu die Jyotis-Lehre aus Nada die Savitra-Lehre; aus ihnen entfaltet sich die Gesamtheit der Schriften. Shaiva ruht im eigenen Wesen, Shikha ist durch Bewusstsein gekennzeichnet. Jyotis ruht im Licht und ist durch klares Erkennen gekennzeichnet; Savitra ruht im Nada und erkennt durch Klang. Die Shikha-Tradition ist auf Shaka angeordnet, die Savitra-Tradition auf Kusha; auf Krauncha bestehen alle vier gemäß einer vierfachen Zuordnung. (Lesart unsicher.)
767–772 Die Shiva-Tradition besteht auf Shalmali, die Jyotis-Tradition auf Pushkara. So bestehen diese vier Familien zum Wohl der Geschöpfe. Diese Ordnung von Einweihung und weiteren Handlungen gilt auf den sieben Inselkontinenten. Im vierfachen Bereich unterscheide man inneres Ziel und äußeres Kennzeichen. Nachdem man die dreifache Zustandsordnung richtig verstanden hat, beginne man die Verehrung. Das Kennzeichen ist der Träger, das Ziel das in ihm Getragene. Das äußere Kennzeichen ist ohne Empfindung; das bewusste Ziel ist zweifach: mit Geist und jenseits des Geistes, Samana und Unmana. Dies gilt für alle vier Ziele. Wer das Wesen eines solchen Zieles kennt, geht gewiss in ihm auf. Allen vieren gemeinsam ist die Verehrung an einem bestimmten Ort. Das Ziel, stets von Shivas Gestalt, setze man in die Lingamgestalt ein. Dies entspricht der ursprünglichen Schöpfungsfolge und ist auf weitere Fälle anzuwenden.
773–778 Man stelle die Gestalt der Ursache als Willenskraft vor. Zuerst erfolge Kalanyasa, danach die Einsetzung der Tattvas mit ihren Gottheiten. Ebenso die fünf Prinzipien und die drei Prinzipien mit ihren Gottheiten; dann die Gesichter der Gestalt und ihre Glieder. Man rufe Shiva als höchste Ursache herbei, vollziehe den Anganyasa an den vorgesehenen Orten und setze die Gottheit erneut ein. Nach den Ehrengaben schmücke man sie, verehre sie mit duftenden Blumen und verbrenne Guggulu mit Ghee. Man bringe Speisen zum Lecken, Saugen und Essen dar und lege Schutzbänder an, welche die jeweiligen Bereiche kennzeichnen. (Lesart unsicher.) Nach Mudra und Verneigung bedecke man die Gottheit mit Stoff und übergebe Schirm und sämtliche weiteren Ehrenzeichen.
779–784 Am Kopfende stelle man mit dem Shiva-Mantra den Schlafkrug auf, am Fußende die Salbung; danach beginne die Reinigung. Am Sockel setze man das Shakti-Mantra und die Prinzipien Shiva, Vidya und Atman ein, verbunden mit Wille, Erkenntnis und Handlung. Man erhebe den Kraftzustand zum höchsten und bringe Speisen dar. Dasselbe gilt für Brahmashila und Kurmashila. Ihre Unterschiede entsprechen dem Verhältnis von Träger und Getragenem. Nach Verehrung und Unterrichtung Shivas beginne man die Reinigung der Prinzipien. Der oberste Lehrer veranlasse die Opfergaben für die Wesen. Nach Vergegenwärtigung der Tattvas gehe der Guru zur Feuergrube. Er verehre Shiva besonders und vollziehe mit den Hütern der Formen das Einsetzungsopfer: hundert, tausend oder halb so viele Gaben.
785–790 Nach der vollen Opfergabe besprenge er das Lingam mit Wasser aus dem Friedenskrug, berühre es mit Darbha und wiederhole den Mantra so oft wie die Opfergaben. Es folgen Verbindung und Vergegenwärtigung der Tattvas, Feueropfer, Berührung, erneutes Feueropfer und Japa. Dies vollziehe man nacheinander in allen drei Bereichen und verbinde anschließend den gesamten Weg von Shiva bis zur Erde. Man meditiere ihn als alles durchdringend und ganz von Shiva erfüllt, opfere mit den Formhütern und widme Shiva die volle Opfergabe. Ebenso reinige man den Sockel mit dem Uma-Mantra, dann Brahmashila und Kurmashila, und beseitige alle rituellen Lücken. Es folgt ein Friedensopfer mit Ghee und Honig. Wird Sühne erforderlich, opfere man mit Bahurupa jeweils hundertmal.
791–796 Man schließe mit der vollen Gabe und widme sie Shiva. Nach Verehrung und Bitte bewahre man den Zustand ohne Lücke. Mit den Formhütern gehe man zum Tempel und wiederhole das Waffenmantra; alle Hindernisse werden als vom großen Waffenlicht verbrannt vorgestellt. Man besprenge den Tempel mit Wasser, das als göttliche Waffe meditiert wird. Am Brahma-Ort schaffe man eine Vertiefung für Kurma- und Brahmashila. Ihre Tiefe richtet sich nach dem einzulassenden Brahma-Anteil: ein Achtel, ein Viertel, ein Drittel oder zwei Drittel die Hälfte oder der ganze Brahma-Anteil. Entsprechend den verschiedenen gewünschten Früchten bestimme man die Vertiefung. Nach Verehrung der Vastu-Gottheiten auf ihren Feldern markiere man die Mitte deutlich und lege die Kurmashila ein.
797–802 Darauf lege man die goldene Schildkröte, der Tür zugewandt. Die Türbreite wird nach der angegebenen Zahlenfolge geteilt. (Lesart unsicher.) Man lasse einen Teil außerhalb der Mitte frei und vermeide die genaue Mittelachse; etwas nordöstlich davon setze man die Steinmitte. Nach sicherer Bestimmung der Mitte gedenke der Guru des Shakti-Mantras und setze die Brahmashila als Gestalt der tragenden Kraft ein. „Du bist die ursprüngliche Shakti des Herrn und trägst alles beständig. Auf seinen Befehl sollst du darum immer hier bleiben.“ Nach Erhebung zum höchsten Zustand deponiere man Edelsteine und weitere Stoffe: Diamant, Sonnenstein, Saphir, tiefblauen Stein und Perle Rubin und Vaidurya, im Gedenken an die erleuchtende Kraft. Gold, Kupfer, Eisen, Zinn, Silber, die weiteren Legierungen und Blei …
803–808 … lege man gemeinsam in die Mitte und gedenke der verkörpernden Kraft. Haritala, Manahshila und die übrigen genannten Mineralstoffe … (Lesart unsicher.) … Bali, Vasa und Gagana werden als Erinnerungskraft niedergelegt. Sandelholz, rotes Sandelholz, Aguru und Anjana-Wurzel Ushira und die als Chakrini bezeichnete Pflanze werden im Gedenken an die Zielkraft eingesetzt. Weizen, Gerste, Sesam, Mungbohnen, Wildreis und Shyamaka Senf und Opfergetreide lege man als Sättigungskraft nieder. In die Mitte komme ein Lotus, mit all diesen Stoffen verbunden. Guggulu oder Milchreis eignet sich zum Verschließen der Vertiefungen. Sind die genannten Stoffe nicht verfügbar, verwende man an den entsprechenden Stellen Ersatz. Genannt werden Diamant, Tala, Gold, Sahadeva und Gerste; bei deren Fehlen Rubin, Gold oder Quecksilber. Die Ersatzzuordnung ist nicht vollständig eindeutig.
809–814 Nach sorgfältigem Verschließen und Bestreichen der Brahmashila setze man in deren Vertiefung den Sitz Shivas ein. Man erkenne Reichweite, Durchdringung und Wirksamkeit jedes Teils: Bis zur Wurzel liegt das Erdprinzip, der Stängel reicht bis Maya. Darüber liegt der von den Herrschern getragene Lotus; seine Mitte ist von Vama und den übrigen Shaktis umgeben. (Lesart unsicher.) Man meditiere Shakti als Shivas Sitz, strahlend wie Millionen Sonnen, die ganze Welt erfreuend und alles durchdringend. Nach Verehrung mit Duft und Räucherwerk gehe der Lehrer zur Feuergrube, verehre Shiva, unterrichte ihn und sättige die Mantras. Nach Verbindung samt voller Opfergabe bitte er Shiva um Erlaubnis. Mit deren Empfang gehe er, selbst zur Mantragestalt geworden, zum Tempel.
815–820 Im Süden stehend lege er die Mantras der Reihe nach nieder und meditiere den Sitz als sämtliche Kräfte sowie dessen Herrn. Nach Festigung und Verehrung entferne er behutsam die Opfergaben, reinige die Vertiefung und salbe sie mit Sandelholz. Er schütze sie mit einer Stoffdecke und gehe zum Opferhaus. Nach Verehrung und Unterrichtung Shivas versammle er Formhüter und Handwerker sowie zuvor eingewiesene, verlässliche und kräftige Helfer. Zum günstigen Zeitpunkt hebe man mit dem Herzmantra das Lingam und bewege es nach der Arghya-Gabe. Der Guru gehe voran, in Meditation versunken und Shiva gedenkend. Die Formhüter stehen in ihren Richtungen, geistig bei ihren Mantras. Der Stifter folgt mit seinen Angehörigen, von Reinheit oder Vertrauen erfüllt und Shiva berührend, unter vedischen Gesängen und festlichen Segensklängen.
821–824 Kostbarkeiten ausstreuend, bringe er das Lingam zum Tempeltor; dort ruhe es kurz, der Tür zugewandt. Passt die Gottheit nicht durch die Tür, führe man sie auf einem anderen geeigneten Weg ein; bei vorhandenem Turm gehen Befriedungsrituale voraus. (Lesart unsicher.) [Weitgehend ausgefallene Texteinheit; nur der Beginn „eingetreten … Bhadra …“ ist erkennbar. Keine zusammenhängende Übersetzung möglich.] [Textlücke.] Man besprenge die Oberfläche der Brahmashila und halte das Lingam darüber mit einer Vorrichtung, bis der günstige Zeitpunkt gekommen ist.
Vereinigung von Shiva und Shakti
825–830 Die Mitte des Lingams und die Mitte seiner Kennzeichnung werden genau bestimmt. Dabei wird die Einheit von Kraft und Kraftträger meditiert, die Ungetrenntheit von Eigenschaft und ihrem Träger. Des in seinem eigenen Wesen ruhenden Mantras gedenkend und die Zustände von Herrschaft und Auflösung hinter sich lassend, setze man das Lingam nach der Schöpfungsfolge richtig ein. Mit Stiften aus Gold, Silber, Kupfer, Blei oder anderem befestige man es gut. Dann vollziehe der Kundige Mantranyasa und rufe Shiva herbei. Nach Einsetzung der Glieder verehre man Shiva ehrfürchtig. Nach vollzogenem Mantranyasa darf das Lingam nicht mehr aus der Steinmitte bewegt werden. Wird die Gottheit aus Unachtsamkeit verschoben, gilt dies als Ursache des Landesverfalls. Danach errichte man den Sockel entsprechend der Steinvertiefung. Mit Sand gefüllt und verstrichen, nimmt er auf halber Höhe die Pindika auf. Man markiere die Richtungen und erwecke die Göttin als wirkende Kraft.
831–836 Nach Herbeibringen wie zuvor, im Gedenken an das Shakti-Mantra, setze man sie zum günstigen Zeitpunkt mit Aufhängungen nach der Schöpfungsfolge ein. Was zuerst als Mahesha und Shakti einzeln vergegenwärtigt wurde, wird nun verbunden. Das Wesen dieser Vereinigung ist Wonne. Nach Ausrichtung der Richtungszeichen verschließe man die Fuge mit einer Mischung aus Muschelpulver, Metallrückständen, Harz und Milch. (Lesart unsicher.) Nach Bereitung und Auftrag dieser Masse vollziehe man den Mantranyasa wie zuvor. Dann bilde der Kundige eine Faust als Gestalt von Shiva und Shakti. Die Faust lege man auf die Pindika und berühre das Lingam mit dem Daumen. Für Befreiungssuchende erfolgt die Verbindung mit Uma- und Mahesha-Mantra. Für Gedeihenwünschende erfolgt sie mit Shiva- und Uma-Mantra. Danach wasche man mit Friedenskrugwasser und Panchamrita.
837–842 Nach Salbung mit Safran und anderem vollziehe man Mantranyasa: die Sitzgottheiten an ihren Orten, Gestalt und weitere Prinzipien im Lingamkörper. Gesammelt und meditierend setzt der Mantrakundige jedes Prinzip an seinen Ort: Erkenntnis in das Lingam, wirkende Kraft in den Sockel. Er meditiere beide in ihrem höchsten Zustand, zugleich verschieden und ungetrennt, dann ihre offenbarte Gestalt, und vollziehe die verschiedenen Waschungen. Nach Salbung und getrennter Verehrung widme er beiden den Japa, verneige sich und bitte um Vergebung. Zum Ausgleich von Unterlassung und Übermaß opfere er mit Bahurupa und bitte die Gottheit um Gnade für die Welt. „Mahadeva, solange Sonne und Mond über der Welt bestehen, bleibe in diesem Lingam und schenke deinen Segen.“
843–848 Nach Empfang der Erlaubnis halte man den Herrn meditierend im Lingam fest, verneige sich und trage erneut die Bitte vor: „Was ich wissentlich oder unwissentlich von dem Gebotenen nicht vollzogen habe, möge durch deine Gnade ganz erfüllt sein, Maheshvara.“ Der zweite Ausdruck wird hier als ajñānataḥ, „unwissentlich“, verstanden; die Vorlage wiederholt jñānato. Den Namen des Stifters verbinde man mit Ishvara. Danach verehre der Stifter den vorzüglichen Lehrer. Ohne Geiz bringe er ihm ein Dorf oder andere angemessene Gaben dar; auch die Formhüter, Waffenmantra-Rezitierenden, Brahmanen und den Astrologen den Baumeister und die Handwerker ehre er mit sorgfältig bemessenen Gaben. Vier Tage lang feiere man ein großes Fest voller Freude. Am zweiten Tag erfolgt Sühne, am dritten Befriedung; am vierten vollziehen Lehrer und Helfer das Ritual des vierten Tages.
849–854 In einem sauberen Gefäß bereite man mit den Brahma-Gliedmantras Opferbrei und weihe ihn durch die entsprechenden Güsse an jeder Feuergrube. Den ersten Anteil bringe man der Gottheit dar und sättige Shiva mit dem Brei. Es folgen sieben Gaben, beginnend mit Sthira. (Lesart unsicher.) Nach voller Gabe, Bitte an Shiva und Friedensverkündigung bringe man den Welthütern Bali dar und beauftrage sie mit dem Schutz des Ortes. Auch bei anderen Gottheiten erfolgt dieses Ritual am vierten Tag. Danach verehre man die Gottheit ausführlich mit Bad und weiteren Handlungen. Die eingesetzten Mantras werden entlassen, ausgenommen die im Lingam. Entlassung bedeutet Rückkehr in den Kraftzustand; Herbeirufung bedeutet Offenbarwerden. Der Guru bereite zwei Krüge nach der Vorschrift des Shiva-Kruges. Mit einem bade er die Gottheit und verehre sie wie zuvor.
855–860 Mit dem anderen bade er den Stifter und übertrage ihm die Frucht des Rituals. Der Einsetzer wird dabei vom Stifter geehrt. Wie die Frucht der Einsetzung dem Stifter gegeben wird, wird nun erklärt: Man spreche den Wurzelmantra bis zum Bereich der Shakti aus. Durch das Überschreiten der Ursachen erlangt der Lehrer Wonne. In seiner Hand meditiere er den Vorrat religiösen Verdienstes als Licht. Durch den Weg des Vidyatattva übergebe er ihn in die Hand des Stifters. Diese Frucht heißt Erfüllung und Befreiung, entsprechend der dreifachen Lingamverehrung. Durch die Lingam-Einsetzung entstehen Befreiung und beständiges Gedeihen. Nach Unterrichtung des Götterherrn verehre der Guru Chandeshvara. Mit den Chanda-Mantras, beginnend mit Om und endend mit Phat, rufe er ihn herbei; Bad, Verehrung, Japa, Feueropfer und Speisegaben erfolgen wie zuvor.
Weitere Einsetzungen und Bannerweihe
861–866 Man meditiere ihn schwarz, viergesichtig, dreiäugig, mit wilden Schlangen geschmückt, schrecklich, mit Dreizack, Beil, Wassergefäß und Gebetskette. Diese Gestalt vernichtet für den beständig Meditierenden alle Hindernisse. Auf dem Lotus der tragenden Kraft erscheint sie mit Gestalt, Gesichtern und Gliedern. Über den Prana-Weg nehme man sie zunächst in sich auf und setze sie an ihrem Ort ein: „Bleibe bei Shiva und schütze sein Eigentum.“ Nach Verehrung mit Duft und Blumen halte man sie im Lingam fest. Ein bewegliches Lingam mit getrenntem Sockel wird wie zuvor eingesetzt. Dabei werden Edelsteine und Shakti im Inneren des Sockels niedergelegt. Bei einteiligem Sockel vollziehe man dies geistig. Die übrigen Handlungen erfolgen wie zuvor, jedoch ohne Chandeshvara. Ein Bana-Lingam aus seinem natürlichen Fundgebiet kann in jedem Tempelsockel stehen.
867–872 Bei ihm wird der Sockel geweiht; dasselbe gilt für selbstmanifestierte Lingams. Ein metallenes Lingam setze man mit Mantras in den passenden Tempelsockel ein. Für von Rishis oder Göttern geschaffene Lingams gilt das Verfahren der Bana-Lingams. Bei figürlichen Lingams geht die wirkende Shakti voraus. Edelsteine werden in die Sockelvertiefung gelegt; das Chandeshvara-Ritual entfällt. Bei allen Gottheiten erfolgen Bad und weitere Handlungen wie zuvor. Die Einsetzung geschieht mit ihren eigenen Mantras, deren jeweilige Reichweite bekannt sein muss. Bei verputzten oder gemalten Bildern wird die Waschung stellvertretend am Spiegel vollzogen. Die Weihe erfolgt wie zuvor; Sockel und weitere Teile werden als Shakti vorgestellt. Gaben bringe man unterhalb der Bilder dar; bloßer Räucherduft beschädigt sie nicht. Die Weihe von Turmabschlüssen und ähnlichen Teilen folgt der Lingamweihe, jedoch ohne Einritzen der Kennzeichen, Vierttagsritual und Chandeshvara-Einsetzung.
873–878 Die Einlassung entspricht der halben Brahma-Partie; Shakti und Edelsteine gehen voraus. Gestalt, Gesichter und Glieder werden in der entsprechenden örtlichen Form eingesetzt. Ebenso beim Kalasha; in den Dreizack setze man die drei Kräfte und den alldurchdringenden Shiva. Einen vollendeten Turm lasse man nicht ohne Banner. Hindernismächte können einen bannerlosen Tempel besetzen und große Furcht erzeugen. Darum soll ein großes Banner errichtet werden. Seine Länge entspricht der Tempelhöhe, seine Breite zwei Ellen; es kann auch bis zur Wandzone reichen oder nach den verfügbaren Mitteln bemessen werden. Alternativ bemesse man es nach einer Umrundung oder Umhüllung des Lingams. Die größte Stange beträgt ein Drittel des Turmmaßes, die mittlere ein Viertel weniger. Die kleinste beträgt die Hälfte der größten. Bambus soll gleichmäßige Knoten haben; für Befreiung wird eine ungerade Knotenzahl gepriesen. Auch festes gutes Holz ist geeignet.
879–884 Nach Beschaffung von Banner und Stange folgen Bad und weitere Handlungen wie zuvor sowie die Einsetzung von Gestalt und Prinzipien, jedoch mit Gegenwart des Waffenmantras. Verehrung, Feueropfer, Japa und Berührung werden vollzogen. Der Tempel selbst ist das äußere Lingam, die Terrasse sein Sockel. Seine Weihe erfolgt daher nach der zuvor genannten Weise. In die Stangenhalterung lege man Shakti und die fünf Stoffgruppen, beginnend mit Edelsteinen. Man setze die bannertragende Stange ein, als Körper der göttlichen Waffe vorgestellt, flammend wie tausend Millionen Sonnen und furchterregend. Für feindselige Götter und Asuras ist sie unerträglich und zerstört ihren Stolz. Selbst schwere Sünder werden durch den Anblick der Banneraufrichtung augenblicklich von Schuld frei; um wie viel mehr beide Familien des Stifters! So viele kleinste Teilchen Lingam und Shiva-Heiligtum enthalten …
885–890 … so viele tausend Weltalter wohnt der Stifter in Shivas Stadt. Durch die Banneraufrichtung wird diese Frucht zehnmillionenfach vermehrt. Auch bei Wohngebäuden soll die Banneraufrichtung mit Weihe erfolgen. Bei dieser Gelegenheit erkläre ich sie ebenfalls. Zuerst bestimme man das Gebäude und danach das Stangenmaß: Das Haus kann ein-, zwei- oder dreigeschossig sein. Höre die Stangenmaße der kleinen, mittleren und großen Ausführung; sie werden durch die Zahlenwörter Gayatri, Tushti und Bhuvana bezeichnet. (Lesart unsicher.) Alternativ gelten entsprechende günstige Hausmaße: Die größte Stange entspricht einem Drittel der Hausbreite, die zweite ist ein Viertel kürzer. Die dritte beträgt die Hälfte. Man nehme Stange und Banner, besprenge sie mit dem Waffenmantra und umhülle sie mit Stoff.
891–896 Entsprechend der Einteilung des Shiva-Prinzips setze man die drei Prinzipien ein, danach das Waffenmantra und vollziehe das Opfer zur Herbeiführung seiner Gegenwart. Nun erkläre ich die Einsetzung im Gebäude. Nach der tragenden Shakti lege man die Prinzipien darin nieder. Im unteren Teil Atmatattva bis zum kosmischen Ei, in der Mitte Vidyatattva entsprechend dem Bereich der Buddhi. Oben liegt Shivatattva bis zur reinen Erkenntnis. Nach den drei Ursachen setze man Shiva mit seinen Gliedern ein. Für jedes Prinzip erfolgen Vergegenwärtigung, Reinigung, Besprengung, Berührung, Japa, Herbeiführung der Gegenwart, Festigung, Verehrung und Verbindung. So wird das Verfahren überall vorschriftsmäßig vollständig. Zum günstigen Zeitpunkt richte man das Banner ehrfürchtig auf.
897–899 Danach bade man das Gebäude mit glückverheißenden Stoffen wie Früchten. Nun folgt die Einsetzung bei Häusern aus Holz und Gras. In die Querstäbe setze man Erde, in das Gras Wasser, in die Verbindungsstellen Feuer und in die Stangen Luft ein. In die Pfosten lege man Raum, dann Shiva mit seinen Gliedern. Auch die Erneuerung eines verfallenen Baues verleiht dem Stifter das ursprüngliche Verdienst.
'(Lesart unsicher.)'
900–905 Darum entferne der Kundige das Verfallene und setze etwas Taugliches ein. Ein verdorbenes Heiligtum gilt als furchtbar und äußerst unheilvoll. Es bringt nach der überlieferten Vorzeichenlehre Land und König vielfältigen Schaden; ein fehlerhaftes Lingam gilt als Ursache wiederkehrenden Sterbens der Bevölkerung. Der König leidet an Kummer und verliert Heer und Fahrzeuge. Wie Rakshasas in einen vom Selbst verlassenen Körper eindringen und schwer überwindbare Todesfurcht erzeugen, so sehen entsprechende Mächte ein von Gottheit und guten Eigenschaften verlassenes Lingam besetzen es und erschrecken seine Verehrer. Zu klein, verfallen, abgemagert, verbrannt, zu dick oder übermäßig groß ohne Kennzeichen, mit inneren Fehlern, eingeschlossen, rissig, gebrochen, verletzt oder vom Blitz getroffen …
906–911 … solche und ähnliche Lingams sind zu verwerfen. Ebenso verfallene Götterbilder, Sockel und weitere Teile. Ein von selbst verrücktes oder versetztes, gefallenes oder umgestoßenes, falsch mittig stehendes, schiefes, eingesunkenes, falsch ausgerichtetes oder zu hohes Lingam soll am selben Ort neu eingesetzt werden, sofern es unverletzt ist. Ist die Verbindung zum Stein gelöst, die Gestalt aber unbeschädigt, gilt es als beweglich. Den verbundenen Sockel hebe man zur erneuten Einsetzung am selben Ort ebenfalls heraus. Verfallene Heiligtümer gelten sowohl verehrt als auch unverehrt als unheilbringend. Darum soll ein Schriftkundiger das Lingam nach dem vorgeschriebenen Ritual entfernen. Wird es ohne dieses durch unkundige Lehrer entfernt gilt dies als rasch verderblich für Land und Herrscher. Auch wenn ein Lehrer die äußere Vorschrift befolgt, aber seine Gelübde verletzt hat …
912–917 … gilt dies als Ursache von Verlusten an Elefanten und Pferden. Im Süden oder Nordosten errichte man eine Halle mit einem westlichen Eingang und Torbogen. Es folgen Torverehrung und weitere Handlungen; Shiva wird auf einem Bodenaltar verehrt, die Mantras werden gesättigt und wie zuvor belebt. Bei Shiva speise man Lingaträger, bei Vishnu und anderen vorzügliche Brahmanen. Nach Bali für die Wesen bitte man Shiva und vollziehe Befriedung. Mit Milch, Ghee, Honig, Durva und geeigneten Opferhölzern werde geopfert. Danach gehe der Mantrakundige zum Lingam, bade und verehre es. „Oṃ vyāpakeśvarāya namaḥ“ ist der Wurzelmantra. Als Herzmantra gilt „Oṃ vyāpaka hṛdayāya …“. (Lesart unsicher.) Entsprechend folgen Kopf, flammende Haarspitze, Schutz, Augen und Waffe. Mit ihnen verehre man Lingam und Bodenaltar auf dem Om-Sitz.
918–923 Dann richte man unter Aussprache des Waffenmantras an das darin weilende Wesen die Aufforderung: „Welches Wesen auch immer hier im Lingam weilt …“ „… es verlasse das Lingam auf Shivas Befehl und gehe, wohin es will.“ Nach dieser Erklärung mit dem großen Waffenmantra gebe man Arghya und entlasse es. Mit dem Pashupata-Waffenmantra opfere man für jeden Bereich nach Vermögen und besprenge danach mit Wasser aus dem Friedenskrug. Man berühre mit Darbha, wiederhole das Waffenmantra entsprechend der Opferzahl, gebe abgewandt Arghya und entlasse die Prinzipien und ihre Herren Erkenntnis- und Handlungskraft, die Sockelmantras, die Mantras der drei Teile, Shiva mit seinen Gliedern und die Herren des dreifachen Weges sowie Chandeshvara. Mit goldenem Werkzeug und Waffenmantra grabe man aus und befestige sorgfältig eine goldene Schlinge oder ein Haarseil.
924–929 Mit dem über die Schultern zweier Stiere geführten Seil hebe man Lingam, Sockel oder Stein, zwei davon, eines oder alle gemeinsam behutsam heraus. Unter Aussprache des Shiva-Mantras lasse der Guru sie mit Helfern ins Wasser bringen. Danach opfere man zum Gedeihen und zur Sättigung der Richtungshüter. Zur Reinigung von Tempel und Bauplatz opfere man jeweils hundertmal. Zum Schutz des Tempels setze man das große Pashupata-Mantra ein bis ein anderes Lingam vorschriftsmäßig eingesetzt wird. Es soll die früheren Maße und die gleiche Gestalt besitzen und entsprechend vorbereitet sein. Am ursprünglichen Ort eingesetzt, werde es vorschriftsmäßig verehrt. Ein von Asuras, Weisen, Göttern oder Tattvakundigen eingesetztes Lingam darf dagegen selbst bei Bruch oder Verfall nicht versetzt werden. Bei der Erneuerung eines verfallenen Tempels vollziehe man das folgende Verfahren.
930–935 Die Mantras werden vorübergehend in ein Schwert oder einen makellosen Spiegel eingesetzt. Dann beginne man den Neubau in der früheren Gestalt. Nach Vollendung werden die Mantras wieder verbunden und die Weihe wie zuvor vollzogen. Ein einfacherer Bau kann durch Ziegel, ein Ziegelbau durch Stein ersetzt werden. (Lesart unsicher.) Ein geringerer Tempel darf aus besseren Stoffen oder erneut aus demselben Material schön errichtet werden. Der Bauplatz behält seine bisherige längliche oder quadratische Form. Darauf errichte man die Mauer, ohne den Umfang zu verkleinern oder zu vergrößern. Verkleinerung gilt als Todeszeichen, Vergrößerung als Vermögensverlust. Darum vermeide man beides sorgfältig. Den Guru stelle man durch Gaben von Stoff, Gold und anderem zufrieden. Man bitte: „Vergib!“ Er antworte: „Heil!“ Der Mantrakundige, der das Lingam mit solchen Handlungen verehrt …
Vergänglichkeit und tägliche Praxis
936–941 … erlangt die gewünschte Vollendung, der Befreiungssuchende Befreiung. Wie Wasser auf einem Blatt, vom Wind bewegt, unstet ist so unstet ist das gefährdete Leben der Wesen. Jugend ist vergänglich, und auch Besitz ist unbeständig. Unbeständig sind Kinder, Enkel und alles Weitere, ohne festen Kern wie ein Bananenstamm. Darum soll man die Bindungen an Kinder, Partner, Freunde und Besitz als Netze der Verblendung loslassen und ein Lingam zur Verehrung annehmen, etwa auf Kalinjara, Mahendra, Sahya oder Malaya am Ganga-Ufer, am Meer, auf Shrishaila oder an Flüssen, an einem schönen Ort mit Blättern, Blumen, Früchten, Erde und Kusha bewohnt von Shiva-Verehrern und frei von Fehlern. An einem günstigen Mondtag mit gutem Stern, Yoga und Karana …
942–947 … verehre man den Herrn der Götter und nehme das Lingam an: eines, das einst von Rishis eingesetzt wurde und alle Merkmale besitzt oder ein selbst geschaffenes, Vollendung schenkendes Lingam. Der Kundige meide eines, das durch Skanda, Vishnu, Indra oder die Mütter gebunden wurde. Die Bedeutung von kīlita ist hier nicht weiter erläutert. Auch übereinandergestellte Lingams soll der Übende meiden. Nach Osten und nach Westen gerichtete gelten als die beiden besten Formen. Südliche und nördliche Ausrichtungen werden von den Kundigen nicht für Siddhi empfohlen. Nach schriftgemäßer Annahme und Prüfung des Lingams verehre es der Mantrakundige beständig, im Wissen um die Vergänglichkeit des Körpers, hingegeben an Puja, Feueropfer und Meditation. Die Vorlage nennt ausdrücklich dhvajadhyāna, Banner-Meditation. Der Übende sei in allen Aufgaben geschickt und Herr seiner Sinne. Am Rand des heiligen Bezirks vollziehe er Schutz, Verehrung und Bali.
948–952 Wie der heilige Bezirk soll auch das Wohnhaus geschützt werden. An allen Festtagen und besonderen Anlässen vollziehe man besondere Verehrung und verdopple Japa und weitere Übungen. Shiva-Verehrung und Pavitra-Gabe sind beständig zu pflegen. Verehrung ohne Pavitra gilt als tamasig, ohne Erhebung zum höchsten Zustand als rajasig. Darum sollen gute Menschen, die die Bindung an Samsara überwinden wollen, beständig Verehrung, Pavitra und Erhebung zum Höchsten vollziehen. Aus Blättern, Blumen oder Kusha bereite man täglich ein Pavitra für Shambhu, wenn man großes religiöses Verdienst erstrebt.
Pavitra: das Fest der rituellen Erneuerung
953–958 Die tägliche Handlung ist erklärt; höre nun die anlassbezogene. Genannt werden Tage in der hellen Hälfte des Ashadha und in beiden Hälften des Shravana. Der siebte und dreizehnte Mondtag werden genannt; am dreizehnten bereite man das duftende Gandhapavitra. Das eigentliche Pavitra folgt am durch Bhuta bezeichneten Tag; für Ashadha besteht eine besondere Regel. Einweihung, Einsetzung und Pavitra … (Lesart unsicher.) … soll man nicht im Schaltmonat vollziehen, wenn man sein Heil wünscht. Ein Zeitraum mit zwei Neumonden ohne Eintritt der Sonne in ein neues Zeichen heißt Schaltmonat. Vishnu schläft im Krebs. (Lesart unsicher.) (Lesart unsicher.) Für das Pavitra nehme man einen von einem Mädchen oder selbst gesponnenen Faden.
'959–964'(Lesart unsicher.)Die Reihe in der folgenden Einheit legt 108 als Ausgangswert nahe; diese Zahl ist hier jedoch nur erschlossen, nicht eindeutig überliefert. Für die neun Lingamgrößen von der größten bis zur kleinsten nimmt die Fadenzahl jeweils um zehn ab. Diese Vorschrift gilt für gefertigte Lingams. Für Bodenaltäre, bewegliche Lingams, Bana-Lingams und selbstmanifestierte sowie metallene und andere gilt diese Größenbindung nicht. Mehr als einhundertacht Fäden sollen jedoch niemals verwendet werden. Dies ist die allgemeine Anordnung des höchsten Herrn. Für Bodenaltäre und ähnliche Träger bereite man ein Pavitra aus einhundertacht Fäden …
965–970 … oder aus der Hälfte, deren Hälfte oder nach Verfügbarkeit. Fehlt Faden, verwende man Darbha, Munja und ähnliche Gräser. Die Verehrer sollen es für ihre Gottheit herstellen, andernfalls ist Sühne nötig. Drei Pavitra-Ringe werden angefertigt. Ihre Knoten stehen gleichmäßig und in gleicher Anzahl. Das Ganga genannte Pavitra soll bis zum Sockel reichen. Auch seine Knotenzahl wird erklärt: Sie beginnt bei fünfzig und reicht bis achtzehn. Von der größten bis zur kleinsten Ausführung nimmt sie jeweils um vier ab, beim für alle Gottheiten bestimmten Pavitra. So ist die Knotenzahl der Reihe nach klar bestimmt. Shambhu erhält drei Pavitras zusammen mit dem allgemeinen.
971–976 Bei ausreichenden Mitteln gilt die Vierzahl auch für Sonne, Feuer und Chanda. Jeder Torwächter erhält eines, ebenso die eigene Gestalt. Die äußeren und inneren Bali-Gottheiten sowie jeder Welthüter erhalten je eines; eines wird auf dem Sockel niedergelegt. Nach Knüpfen aller Pavitras färbe man sie. Besonders die Knotenstellen schmücke der Kundige sorgfältig. Mit Safran und Kampfer, rotem Sandelholz, Kuh-Erde, Kurkuma oder dem genannten Mineral färbe man die Schnüre. (Lesart unsicher.) Fehlt dies alles, verwende man einen geeigneten mineralischen Farbstoff. Alte Geräte aus Ton, Holz und Bambus soll man mit Ausnahme von Sruk und Sruva aussondern. Nachdem alles Zubehör neu bereitgestellt ist, vollziehe man Bad und Reinigung.
977–982 Nach der für den Anlass vorgesehenen Sandhya beginne man die folgende Handlung: Alles vom Opferhaus bis zu den Krügen werde mit dreifacher Schnur und dem Schutzmantra umwunden. Nach Verehrung und Unterrichtung der Sonne verehre man die Torwächter. Nach Inbesitznahme des Bodens verehre man Shiva wie zuvor. Die Feuergrube wird bereitet und das Feuer darin erzeugt. Man rufe die Gottheit herbei, verehre und sättige sie, bringe die volle Gabe dar und beseitige rituelle Lücken. Im Osten lege man gereinigtes Holz, im Süden Asche, im Westen Erde in einem Gefäß nieder. Im Norden lege man Dhatri mit Wasser nieder; Schutz-, Haarspitzen-, Herz- und Kopfmantra werden entsprechend verwendet.
983–988 Im Nordosten stelle man Ganga-Wasser mit dem Wurzelmantra hin. Mit diesen auf Namah endenden Mantras bringe man die Gaben vor Shiva. Jede Gabe erfolge mit blumengefüllten Händen und der genannten Mudra. Mit dem auf Svaha endenden Wurzelmantra stelle man sich Shiva vollkommen gesättigt vor. (Lesart unsicher.) Nach Darbringung der gefüllten Hände bereite man die Schnüre; die kupfernen oder anderen Gefäße stelle man nahe an die Feuergrube. Mit dem Blick auf ihre wahre Natur betrachte und besprenge man sie mit Shiva-Wasser, bespreche sie mit den Samhita-Mantras und bedecke sie mit einem zweiten Gefäß. Man weihe sie durch die übertragenen Opfergüsse und meditiere Shiva als das Jahr. Aus dem mit Ghee gefüllten Löffel gieße man bei „sva“ einen Anteil ins Feuer und vollziehe den entsprechenden Rest an den Pavitras. Dies heißt Sampata. Mit Wurzel-, Herz-, Kopf- und Haarspitzenmantra … (Lesart unsicher.)
989–994 … sowie Schutz- und Waffenmantra bringe man je eine Gabe dar. So gereinigt wird das Gandhapavitra übergeben. Es ist mit allen Kräutern bestrichen, ohne festes Größenmaß, besitzt einen Knoten und ist allen Gottheiten gemeinsam. Nach Verehrung von Sonne, Torwächtern, Ganesha und Guru mit Pavitra lade der Kundige Shiva ein. Mit dem duft- und blumengeschmückten Pavitra spreche er: „Herr der Götter, du bist eingeladen. Jede Lücke möge zur Lückenlosigkeit …“ „… durch deine Gnade gelangen.“ Unter Mantraaussprache und Überschreiten der Ursachen von Brahma an bleibe er bis zur Auflösung gesammelt. Er lege das Pavitra auf, verneige sich und bitte um Vergebung. Auch dem Feuer bringe er eines dar; die übrigen werden geschützt verwahrt.
995–1000 Waffen-, Schutz- und Herzmantra werden in das Gefäß eingesetzt; nach der Pavitra-Gabe bespreche man es mit den Samhita-Mantras und erneut mit Herz, Schutz und Waffe. Mit Schnur umwunden, mit dem Herzmantra verehrt und dargebracht, wird das Ritual übergeben. Die Nacht verbringe man vor Shiva hingegeben an Japa und Meditation oder an Lobpreis und Gesang. Am Morgen vollziehe man die notwendigen täglichen Handlungen. Nach Bad und Sandhya nehme man das Pavitra des Herrn ab und entlasse die zuvor mit acht Blumen verehrte Gottheit. Nach den beiden Tagesritualen vollziehe man die besondere Handlung und gebe Sonne und den übrigen ihre Pavitras mit ihren jeweiligen Mantras. Man verehre das eigene Selbst, Ganesha und den Guru mit Pavitra und Shiva ausführlich mit besonderem Bad und weiteren Gaben.
1001–1006 Man sättige das Feuer besonders und bringe die volle Gabe dar. Dann nehme man das mit Duftstoffen, Blumen, Durva und Reiskörnern versehene Pavitra und erkläre der Gottheit: „Du bist in allen Körpern gegenwärtig, allwissend, alldurchdringend und mächtig.“ „Herr, du kennst mein Handeln mit allem Mangel und allem Übermaß. Durch dieses Pavitra und deine Gnade möge es seine Vollständigkeit finden.“ Nach dieser Bitte lege man das Pavitra auf. Höre nun die Anwendung bei seiner Darbringung. Gesammelt spreche man den Shiva-Mantra bis zum Maya-Bereich und bringe das Pavitra Shiva als Herrn des Atmatattva dar. Erneut spreche man den Mantra bis zum bezeichneten örtlichen Bereich und bringe es Shiva als Herrn des Vidyatattva dar.
1007–1012 Dann spreche man den Mantra bis zur Shakti und bringe es Shiva als Herrn des Shivatattva dar. Schließlich spreche man ihn mit heiterem Geist bis zur Auflösung und bringe es Shiva als Herrn aller Prinzipien dar. Die Pavitras werden stets mit der passenden Mantra-Endung aufgelegt. Nun erkläre ich diese Endung. Man bilde das Bija, verbunden mit dem Nektar am Ende des Atems und oben durch den zweiten Laut der Brahma-Gruppe geteilt. Verschlüsselte Lautanweisung; keine sichere vollständige Formel. Danach füge man den Raumlaut hinzu, durch den zweiten Vokal verändert. Damit ist die Endung zur Pavitra-Auflegung beschrieben. Nach Auflegen der Pavitras bringe der Kundige Arghya an den fünf Köpfen dar, um alle gewünschten Ziele zu erfüllen.
1013–1018 Er festige den Geist und vollziehe die Erhebung zum höchsten Zustand; danach den Japa nach der früheren Vorschrift. Nach dem Japa schließe er dessen Kraft wie zuvor ein und widme sie nach dem nun beschriebenen Verfahren. Atmatattva werde unten, Shivatattva entsprechend darüber angeordnet; durch die Kraft des Vidyatattva gelange man in den ungeteilten Bereich. Man spreche „shivaya“ und die weitere, auf Svaha endende Wendung und widme den Japa der Gottheit, die alle Handlungen vollendet. Die vollständige Widmungsformel wird nicht ausgeschrieben. Die Einatmung erkenne als Atmatattva, das Atemanhalten als Shivatattva, die Ausatmung als Vidyatattva. Auch dem Feuer lege man das Pavitra wie zuvor auf. Danach verehre man Rudra und die weiteren Gottheiten mit Bali samt Pavitra.
1019–1024 Nach Lobpreis und Verneigung verkünde man sein Gelübde: für vier Monate, zwei Monate, einen Monat oder eine Monatshälfte für zehn Tage, sieben Nächte, fünf Tage, drei Tage, zwei Tage oder einen Tag. Der Kundige lege eine entsprechende Verpflichtung ab. Verehre den Lehrer ohne Geiz. Speise die Lingaträger und schenke ihnen Kleidung und angemessene Gaben. Auch die Armen und Schutzlosen sollen an diesem Tag satt werden. In der Nacht werde vor Shiva mit Gesang und Tanz gefeiert. Am Morgen nehme man das Pavitra wie zuvor ab und bewahre es sorgfältig; danach entlasse man die Gottheit. Nach dem täglichen Ritual verehre man Chandeshvara mit Mantranyasa, Duftstoffen, Räucherwerk und Girlanden.
1025–1030 Der Lehrer lege ihm mit dessen Mantra ein Pavitra auf; die Shiva dargebrachten Blumen, Räucherreste und das Pavitra übergebe er Chandeshvara und bitte: „Vergib!“ Wer ihn täglich verehrt, wird von Verfehlungen nicht befleckt. „Was ich aus Verblendung zu wenig oder zu viel getan habe, möge auf dein Geheiß vollständig sein, Chandeshvara.“ Nach Entfernung der Opferreste reinige man den Boden sorgfältig. Die Reste bringe man in einen Fluss, ein Flussbecken oder einen entsprechenden Ort. Fluss, See, Meer, ungenutzter tiefer Brunnen und Flussbecken gelten als fünf zulässige Ablageorte; andere als unzulässig. Historische Entsorgungsregel, keine heutige Umweltempfehlung. Solange das Pavitra nicht rituell entlassen ist, soll man nicht fortgehen. Danach darf man nach Wunsch reisen.
Sühne, Reinheit und Lebensführung
1031–1036 Nun erkläre ich die Sühnehandlungen, zur Beseitigung von Fehlern und zur Bewahrung des Dharma. Wer aus Verblendung oder Unwissen das Pavitra vollzieht, bevor Vishnu eingeschlafen ist, gilt als schuldig und von Verfehlung verblendet. Als Reinigung werden fünf Tage ohne Nahrung und fünfzigtausend Mantrawiederholungen vorgeschrieben. Nach Bhadra soll man das Ritual nicht mehr vollziehen; sonst entsteht nach dem Siddhanta ein Fehler. Zweihunderttausend Aghora-Wiederholungen gelten als Reinigung. Wurde es durch Schicksal oder Unwissen in den drei Monaten ab Ashadha versäumt, gilt dieselbe Sühneanweisung. Man halte sich beständig an zuverlässige Schrift und bewahre die Verpflichtungen der Einweihung; nach sorgfältiger Prüfung meide man verbotene Handlungen.
1037–1042 Was man gehört, gesehen und von den Gurus festgelegt bekommen hat, bewahre man ohne Widerspruch zur eigenen Lehre; dessen Übertretung gilt als Verstoß. Bei einmaligem Versäumen der Sandhya wiederhole man Aja hundertmal, bei Versäumen aller drei Zeiten dreihundertmal; bei Absicht kommt Fasten hinzu. Bei Versäumen einer Verehrungszeit wiederhole man den südlichen Mantra tausendmal. Als Fastenzeiten werden eine, zwei oder drei Mahlzeiten und anderthalb Nächte genannt entsprechend dem Ritualversäumnis. Bei Zeitüberschreitung im Dienst der Gottheit oder des Gurus entsteht dagegen kein Fehler. Die mehrdeutige Wortfolge wird als kālalope na doṣabhāk verstanden, nicht als kālalopena doṣabhāk. Wo Schrift, Guru oder Lingam geschmäht werden, entferne man sich weit und wiederhole Sadyojata hundertmal. Menschen mit schweren Verfehlungen, andere Übeltäter, Ausgestoßene und Verfluchte soll man nach dieser Vorschrift sorgfältig meiden.
1043–1048 Kam es unwissentlich zu solcher Gemeinschaft, wiederhole man den südlichen Mantra zehntausendmal. Den Schatten des Gurus, Shivas oder der Lingaträger überschreite man nicht. Bei diesem Überschreiten werden dreihundert Bahurupa-Wiederholungen genannt, bei Kuh, Mädchen oder Brahmanen hundert. Ein umgerolltes Lingam erfordert tausend, ein verdrehtes zweitausend Wiederholungen. Bei drei- oder viermaligem Rollen werden zehntausend, beim Herausfallen aus der Vertiefung hunderttausend genannt; bei Anstoßen mit einem Gefäß zwanzigtausend, bei geringem Schaden die Hälfte. Bei Schleimkontakt während Lobpreis und ähnlichen Handlungen werden dreißigtausend Wiederholungen des südlichen Mantras genannt. Wird das verehrte Lingam geraubt, verloren oder versehentlich verbrannt gelten hunderttausend Aghora-Wiederholungen und die Einsetzung einer gleichartigen Gestalt als Reinigung. Fällt das Lingam mit Unterlage, gelten zehntausend Wiederholungen je Tala Fallhöhe. Ohne Unterlage ist die Zahl doppelt so groß; nach geringerem oder größerem Schaden wird angepasst. Bei einem Fehler an der Gebetskette gilt ein Viertel dieser Sühne.
1049–1054 Bricht oder kippt ein noch nicht rituell entlassenes Gefäß, werden zweihundert bis tausend Wiederholungen beziehungsweise die Hälfte genannt. (Lesart unsicher.) Beim Bodenaltar gilt die doppelte Sühne. Erlischt das Feuer, während Shiva darin gegenwärtig ist, werden drei Nächte Fasten vorgeschrieben zusammen mit zehntausend Bahurupa-Wiederholungen. Erlischt ein anderweitig geschütztes Feuer, faste man einen Tag und eine Nacht und wiederhole Bahurupa tausendmal. Nach Vollendung der Morgen- und Mittagsrituale soll man zum Unterhalt des Körpers bienengleich kleine Almosen sammeln, wenn man Erfüllung und Befreiung erstrebt. Nach der Bitte warte man kurz und gehe weiter. Man kehre beim Sammeln nicht ständig um und beachte den Lebenswandel der Gebenden. Ist der Unterhalt gesichert, kehre man zum Ashram zurück und stelle die Speise an einen reinen Ort.
1055–1060 Man reinige die Füße mit Erde, wasche die Hände, vollziehe Achamana und das Aschebad und erinnere sich an den aus Mantras bestehenden Körper. (Lesart unsicher.) Man reinige die Nahrung mit dem leuchtend vorgestellten Waffenmantra, besprenge und teile sie dreifach. Nach Gaben an Shiva und Guru esse man vorschriftsmäßig. Danach folgen Achamana, Reinigung, Gedenken und Verneigung vor Shiva und Guru. Man kann auch von ungebetenen Gaben oder rechtmäßig überliefertem eigenem Besitz leben. Nach Berührung durch einen Eingeweihten der eigenen sozialen Gruppe werden Bad, Achamana und hundert Wiederholungen genannt; bei einem Nichteingeweihten zweihundert. Bei Berührung durch einen Eingeweihten der benachbarten Gruppe ebenfalls Bad, Achamana und zweihundert Wiederholungen; bei einem Nichteingeweihten kommt Fasten hinzu. Für die übrigen Fälle wird entsprechend angepasst, jeweils um ein Viertel vermindert. Purusha, Aghora, Vama und Aja gelten als Herren der Gruppen, beginnend bei den Brahmanen.
1061–1066 Nach Berührung eines Antyaja werden drei Nächte und zehntausend Aghora-Wiederholungen genannt; bei einem Chandala dreißigtausend samt Kricchra-Buße. Historische kastenbezogene Reinheitsvorschriften, keine Bewertung menschlicher Würde. Die Sühne anderer Fälle ist entsprechend zu bestimmen. Wer unbeabsichtigt Speise isst, die mit Alkohol verunreinigt ist oder mit Kot, Urin, Samen, von Krähen oder Hunden beleckt, durch Affen, Raubtiere, Schakale oder unreine Schweine verunreinigt … (Lesart unsicher.) … oder nach der sozialen Reinheitsordnung mit Speiseresten eines Shudra oder durch niedrig eingeordnete Gruppen berührt wurde, soll baden, fasten und Panchagavya einnehmen. Zu jeder Sandhya wiederhole er gesammelt Aghora tausendmal. Drei Tage lang esse er nur nachts, bade dreimal täglich und widme sich der Meditation. Am vierten Tag verehre er die Gottheit und bringe tausend Feueropfer dar. Fasten, Nachtmahlzeit und Panchagavya werden als Reinigungsmittel genannt.
1067–1072 Für einen in Meditation gefestigten Kshatriya wird dieses Verfahren vorgeschrieben; für Vaishyas dreimaliges Baden, für Shudras einmaliges. Die Abstufung des Gesamtverfahrens bleibt knapp. Bei absichtlichem Handeln gilt allgemein das Doppelte der unabsichtlichen Sühne. Grinjana, Alabu, Knoblauch, Zwiebel und Pilze sowie unreines Fleisch erfordern nach dieser Vorschrift drei Tage ohne Nahrung. Es folgen Fischgräten, Schnecken, Nägel und Muscheln. (Lesart unsicher.) Nach Trinken neuen Wassers werden Panchagavya und Fasten genannt. Bei mit Würmern oder Insekten vermischter Speise folgt eine weitere Reinigung. Deren Bezeichnung ist unklar. Bei Fliegen, Insekten oder Haaren entferne man einen kleinen Teil der Speise, berühre den Rest mit Asche und besprenge ihn; danach gilt er rituell als essbar. Wer versehentlich bereits angetrunkenes Wasser trinkt, gilt nach einer Fastennacht und Panchagavya als gereinigt.
1073–1078 Wer aus Unachtsamkeit Speise isst, in die beim Trinken Wasser gefallen ist, reinigt sich nach der Vorschrift durch tausend Bahurupa-Wiederholungen und Panchagavya. Bei Ausscheidung während des Essens oder körperlichem Ausfluss im Zustand der Speiseunreinheit erfolgen zuerst Reinigung, dann Bad und wiederholtes Achamana. Tausend Bahurupa-Wiederholungen mit Fasten gelten als Reinigung. Wer ohne Achamana Wasser trinkt, isst oder uriniert wird nach der Vorschrift durch Aghora-Japa, Fasten und Panchagavya gereinigt. (Lesart unsicher.) Wenn der Mantrakundige im unreinen Zustand mit Kot, Alkohol oder Ähnlichem in Berührung kommt soll er baden, fasten, Aghora wiederholen und Panchagavya einnehmen. Wer ohne heilige Schnur trinkt oder isst reinigt sich nach derselben Vorschrift durch Panchagavya, Fasten und Aghora-Japa. Bei Berührung im unreinen Zustand durch ebenfalls Unreine …
1079–1084 … werden Bad, Reinigung, Fasten, Panchagavya und Japa genannt. Für Bronze, Kupfer, Gold, Silber, Zinn und Blei erfolgt Reinigung mit Asche, saurer Flüssigkeit und Wasser, bis alle Anhaftung entfernt ist. Muscheln, Schneckengehäuse und Schalen werden ähnlich wie Metalle gereinigt. Milch wird durch Kochen gereinigt. Dickmilch gebe man in ein anderes Gefäß und prüfe sie sorgfältig. Frei von anhaftender Speise und ähnlichen Stoffen wird Dickmilch durch Besprengung gereinigt; Ghee durch gründliches Erhitzen und Filtern. (Lesart unsicher.) Ebenso werden Honig, Zucker und anderes durch Besprengung oder Feuerkontakt gereinigt. Beim Boden unterscheidet man Gras, Staub, Speisereste und festhaftenden Schmutz. Grasbedeckter Boden wird besprengt, staubiger zusätzlich gefegt; mit Speiseresten verunreinigter wird mit Kuhdung bearbeitet und wie zuvor gereinigt.
1085–1090 Festhaftenden Schmutz schabe man ab, reibe mit Kuhdungwasser, fege und besprenge. Damit ist die Bodenreinigung erklärt. Weitere Reinigungen erkläre ich kurz: Ein gut gebadeter Mensch mit vollzogenem Achamana und reiner Kleidung gilt als rein. Für Ahnen- und Götterrituale ist tägliche Reinheit gefordert. Abgelegte Unterkleidung und verschmutzte Überkleidung sind zu reinigen. Der erste Bezug der Kleidungsregel ist knapp. Vom Wäscher gewaschene Kleidung wird nochmals gewaschen. Leder, Seile und Stoffe werden mit alkalischem Wasser gereinigt. Seide und Wolle mit mineralischer Lauge, Leinen mit weißem Senf, feine Gewebe mit Shriphala und Decken mit Seifennüssen. Gras, Holz und Ähnliches werden durch Besprengung gereinigt; ebenso zusammenliegende, an sich reine Gegenstände.
1091–1096 Ist in einer größeren Menge Gras oder anderer Stoffe nur ein Teil durch Anhaftung verunreinigt, entferne man diesen und reinige den Rest. Handwerkerhände, frisch gewonnene Rohstoffe und zum Verkauf ausgelegte Waren gelten als rein. Fehlerfreie Früchte werden durch Waschen gereinigt. Für die Trauerunreinheit gelten zehn Tage bei Brahmanen, zwölf bei Kshatriyas, fünfzehn bei Vaishyas und ein Monat bei Shudras. Dies gilt bei Menschen ohne besondere religiöse Praxis allein nach ihrer sozialen Zuordnung. Ein Zweimalgeborener, der Veden und Vedangas kennt und die heiligen Feuer unterhält wird bereits durch ein Bad rein; andere Fälle sind entsprechend zu beurteilen. Nichttrinkende, aus geordneten Familien stammende und dem Dharma ergebene Shudras werden nach einer Monatshälfte rein; darüber bestehe kein Zweifel. Hat ein Brahmane Frauen aus den drei weiteren Gruppen geheiratet …
1097–1102 … gelten abgestufte Unreinheitsfristen. (Lesart unsicher.) Todesunreinheit schließt Geburtsunreinheit ein, nicht umgekehrt. (Lesart unsicher.) Es folgen besondere Bestimmungen für Könige, Handwerker und Dienerinnen. Bei einem Todesfall soll getrennt gekocht und gemeinsames Essen vermieden werden. Ist die Trennung nicht möglich, gilt Reinigung nach drei Tagen. Bei Ausstoßung einer voll entwickelten Leibesfrucht wird eine Reinigung durch Bad genannt. Ob das Kind lebend zur Welt kommt und dann stirbt oder tot geboren wird … (Lesart unsicher.) … soll keine gewöhnliche Todesunreinheit angesetzt werden, sondern Geburtsunreinheit. Vor der Namengebung tritt Reinigung sofort ein; bis zum Zahndurchbruch wird ein Tag genannt. Bis zur ersten Haarzeremonie werden drei Tage genannt, danach weitere Abstufungen bis zur Gelübdeaufnahme. Anschließend gelten die gewöhnlichen Fristen für alle Gruppen. (Lesart unsicher.)
1103–1108 Bei einem zahnlosen Mädchen gilt ein Tag, bei einem mit Zähnen zwei. (Lesart unsicher.) Bei fernem Tod oder getrenntem Ahnenopferkreis genügt ein Bad, ausgenommen beim Guru. Wer durch die Befreiungseinweihung seinen gebundenen Zustand überwunden hat und frei von entsprechenden Verstrickungen ist, unterliegt weder Todes- noch Geburtsunreinheit. Auch während solcher Zeiten bleibt die Gottheit zu verehren. Ein Hausvater, der von fremder Speise lebt und seine Handlungen mit fremden Mitteln vollzieht, soll dann alle nichttäglichen Rituale unterlassen. Mit vor Geburt oder Tod bereitgestellten Stoffen sowie von religiös Eingeweihten beschafften Gaben darf die Verehrung fortgesetzt werden. Wer keine getrennte Küche besitzt und den gewöhnlichen Einweihungsregeln folgt, vollziehe inneres Opfer, Japa, Bad und entsprechende Handlungen.
1109–1114 Bei Abweichung ist eine passende Sühne anzuweisen. Wer so lebt, ist von der dreifachen Vollendung nicht weit entfernt. Nach bösem Traum, Samenerguss oder einem nach damaliger Sozialordnung als unrein geltenden Gespräch werden Bad und einhundertacht Aghora-Wiederholungen genannt. Der Körper wird mit Wasser gereinigt, bei Anhaftungen mit Erde und Wasser. Wer unbeabsichtigt Eigentum der Gottheit, Chandeshvaras oder des Gurus verzehrt soll fünfundzwanzigtausend Wiederholungen leisten, ein dauerhaft Gelübdegebundener doppelt so viele. Beim Überschreiten von Opferresten werden fünfhundert genannt. Bei Absicht gilt das Dreifache mit Panchagavya. (Lesart unsicher.) Bei Gabe, Überschreiten oder Verzehr von Opferresten wird eine um ein Achtel verminderte Sühne genannt. Der Bezugsfall ist unklar. Wer solche Reste überschreitet oder weitergibt, selbst unwissentlich …
1115–1119 … soll dreißigtausend Aghora-Wiederholungen mit Fasten vollziehen. Durch Opferreste verunreinigte rituelle Stoffe und Heilpflanzen sind auszusondern. Dazu zählen Milch samt Erzeugnissen, Wasser, Zuckerrohr, Asafoetida, Kreuzkümmel, Steinsalz, Kampfer, scharfe Gewürze und Reis zerriebenes Sandelholz, Asche und Geräte aus Bambus, Ton oder Holz. Getreide und Ähnliches wird dagegen durch Besprengung gereinigt. So verfahre man auch in anderen Fällen, unter Berücksichtigung der Widerstandsfähigkeit der Stoffe. Der Weise wahre stets Reinheit; Unreinheit führt nach der Lehre zur Bindung. Wer Befreiung ersehnt, fasse den festen Entschluss zur Reinheit. Wer darin gegründet bleibt, ist von Vollendung und Befreiung nicht weit entfernt.
Rücksicht auf die Kräfte des Menschen
1120–1125 Achtzigjährige, Kinder unter sechzehn, Frauen sowie von Krankheit oder Ähnlichem Betroffene erhalten nach dieser Vorschrift die halbe Sühne. Auch dabei berücksichtige man die Belastung und vermindere weiter um die Hälfte. Kann jemand eine sehr schwere Handlung nicht selbst ausführen, wird für stellvertretende Ausführung das Doppelte genannt. (Lesart unsicher.) Für kleinere Wiederholungszahlen bis dreihundert werden Japa und Bad genannt; bis zur nächsten Stufe nächtliches Essen, darüber Fasten. (Lesart unsicher.) Bei dreißigtausend Wiederholungen und weiterer Zunahme wird eine Verdoppelung genannt; für den Samyogin die Hälfte, für den Shankara wiederum die Hälfte. (Lesart unsicher.) Bedenke Ort und Zeit, Alter und Kraft, soziale Lage, Hingabe und die Folge der Handlungen, bevor du eine Sühne auferlegst. Kranken darf kein Fasten vorgeschrieben werden. Diese Sühne gilt für Menschen mit gutem Lebenswandel, deren Geist ganz Shiva hingegeben ist, nicht für jene, die im schlechten Handeln verharren.
Abschluss der Unterweisung
1126–1131 Aus dem siebzig Millionen Texteinheiten umfassenden Mohachura habe ich dir den Kern in hunderttausend Einheiten erklärt, du Gelübdetreuer. Auf deine erneute Bitte um Kürze, Herr der Götter, habe ich das Mohachura nochmals in der Hälfte dieses Umfangs gelehrt. Danach erklärte ich eine vorzügliche Schrift mit Yoga, Erkenntnis und weiteren Themen in zwölftausend Einheiten als Essenz der Vollendung. Die Titel- und Zahlenverknüpfung ist nicht völlig sicher. Darauf wurde erneut dieses sehr knappe, tiefgründige und vorzügliche Einsetzungs-Tantra gelehrt, verbunden mit den vier Bereichen. Man gebe es nicht an Böswillige, an Menschen, die nur schmähen und streiten, oder an solche, die Guru, Gottheit und Lehrer hassen. Vor diesen und anderen Böswilligen soll die Schrift geschützt werden; andernfalls ist Sühne nötig.
1132–1133 Wer dem Guru, der Gottheit und dem Feuer mit Hingabe begegnet, Vertrauen hat und seine Gelübde wahrt, darf diese Schrift empfangen. So lautet Shivas Wort. Damit ist im großen Agneya-Tantra das Einsetzungs-Tantra Mohachudottara vollendet. Segen! Möge Heil sein!
Abschreibervermerk
1134–1135 Diese Handschrift wurde im Vikrama-Jahr 1982, im Monat Jyeshtha, in Kathmandu in Nepal unter der Herrschaft des Großkönigs Tribhuvanaviravikramashahadeva und der Verwaltung des Premierministers Maharaja Chandrasamsher Jang Rana auf Veranlassung des gelehrten Rajaguru Hemaraja durch Ganeshadatta Sharma geschrieben. Grundlage war ein altes Palmblattbuch in alter Devanagari-Schrift mit einem Schlussvermerk: „Im Jahr 606, am zehnten Tag der dunklen Hälfte des Phalguna, an einem Dienstag, schrieb der gelehrte Acharya Bhattaraka Shri Sarvagana im ehrwürdigen Bhogaleshara-Kloster dieses Buch.“ Die Namen werden nach der vorliegenden Lesart wiedergegeben. Wegen des hohen Alters dieses zugrunde liegenden Palmblattbuches und weil bereits eine weitere Abschrift mehr als dreihundert Jahre alt erscheine, vermutet der Schreiber, das darin angegebene Jahr 806 gehöre nicht zur Nepal-Ära, sondern etwa zur Vikrama-Ära. Die zuvor genannte Zahl 606 und die hier genannte 806 widersprechen einander; die historische Ärenbestimmung ist damit nicht gesichert.
Bedeutung für heutige Aspiranten
Das Mohacurottara lädt dazu ein, Verehrung zugleich als äußere Handlung und innere Ausrichtung zu verstehen. Ein Lingam wird sorgfältig geformt, ein Tempel achtsam gebaut, eine Gabe mit Hingabe überreicht. Zugleich fragt der Text nach jenem Bewusstsein, in dem Verehrender, Handlung und Gegenstand ihre Bedeutung erhalten. Darin liegt seine bleibende spirituelle Kraft.
Drei Fragen für das eigene Studium
- Welche innere Haltung entspricht heute meiner äußeren Praxis?
- Wo kann ich sorgfältiger handeln, ohne mich in bloßer Äußerlichkeit zu verlieren?
- Wie kann meine Verehrung anderen Menschen konkret zugutekommen?
Die Anweisung, Arme und Schutzlose zu speisen, gibt der dritten Frage einen greifbaren Inhalt. Die Rücksicht auf Kranke verhindert, dass Ernsthaftigkeit mit Härte verwechselt wird. Und die Bitte, unvollständiges Handeln möge durch Shivas Gnade vollständig werden, verbindet Bemühen mit Demut und Vertrauen.

Ein ergänzender Vortrag über Samadhi und den Weg zur Sammlung:
Siehe auch
- Mohacurottara Sanskrit Devanagari
- Mohacurottara 108 Verse und Mantras
- Kirana Tantra
- Kamika Agama
- Raurava Agama
- Matanga Parameshwara Agama
- Mrigendra Tantra
- Nishvasa Tattva Samhita
- Sarvajnanottara Agama
- Svacchanda Tantra
- Netra Tantra
- Malinivijayottara Tantra
- Tantraloka
- Tantrasara
- Vijnana Bhairava Tantra
- Shiva Sutra
- Lingam, Pratishtha, Puja, Vastu, Mantra, Shakti
Literatur
- Muktabodha Indological Research Institute: Mohacūḍottara, elektronische Sanskrittranskription M00304, IAST und Devanagari. Erfassung durch Mitarbeiter des Instituts unter Leitung von Mark S. G. Dyczkowski; Revisionsdatum 11. Februar 2014. Angegebene Handschrift: NGMCP 5-1977, Film A 182/2. Primäre Textgrundlage dieser Ausgabe.
- Libbie Mills: Temple Design in Six Early Śaiva Scriptures. Critical edition and translation of the prāsādalakṣaṇa-portions of the Bṛhatkālottara, Devyāmata, Kiraṇa, Mohacūrottara, Mayasaṃgraha & Piṅgalāmata. Collection Indologie 138, Institut Français de Pondichéry / École française d’Extrême-Orient, 2019. ISBN 978-81-8470-228-6. Kritische Vergleichsausgabe zum Architekturteil; nicht Grundlage einer vollständigen Kollation dieser Wiedergabe.
- Alexis Sanderson: Religion and the State: Śaiva Officiants in the Territory of the King’s Brahmanical Chaplain. Indo-Iranian Journal 47, 2004, S. 229–300. DOI: 10.1007/s10783-005-2927-y.
Weblinks
- Muktabodha Indological Research Institute
- Bibliographischer Nachweis zu Libbie Mills: Temple Design in Six Early Śaiva Scriptures
- Sanderson: Religion and the State
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- 29.11.2026 - 06.12.2026 Spirituelle Sterbebegleiter Ausbildung
Immer mehr Menschen wollen sich aktiv und offen mit Sterben und Tod beschäftigen und dabei zu einem neuen spirituellen Verständnis von Vergänglichkei…- Sukhavati Kusch
Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung
Grundlage sind die beiden Muktabodha-Fassungen M00304. Der vorhandene Bestand umfasst 1.135 hier gezählte Texteinheiten vom Eingangsmantra bis zum Abschreibervermerk. Die ersten vier Kapitel besitzen ausdrückliche Schlussbezeichnungen; die späteren Themenabschnitte erhalten beschreibende Orientierungstitel ohne ergänzte Kapitelnummern. Die Zählung ist ausschließlich eine Referenzzählung dieser Ausgabe. Manche Einheiten umfassen mehr als einen metrischen Vers oder verbinden einen abschließenden Halbvers mit einem Kolophon.
Der Text reicht bis zu einem Vollendungsvermerk, enthält aber lokale Ausfälle und zahlreiche schwierige Lesarten. Besonders stark beschädigt ist Einheit 823. Sternchen und Fragezeichen der Vorlage bleiben erhalten. Auch bei unmarkierten Verderbnissen, etwa in Architekturmaßen und Zahlenwörtern, lässt sich nicht überall ein eindeutiger Sinn sichern. Die deutsche Fassung ist eine kommentierte Studienübersetzung. An sprachlich ungesicherten Stellen bietet sie eine ausdrücklich vorläufige Deutung oder nennt nur den erkennbaren Sinn. Solche Stellen sind keine gesicherten Vollübersetzungen der jeweiligen Sanskritpassage. Besonders die bautechnischen Maßreihen bedürfen für eine belastbare Fachausgabe des Abgleichs mit einer kritischen Edition; eine solche Kollation ist hier nicht erfolgt. Eine einfach zugängliche Ergänzung der Ausfälle ließ sich nicht sichern. Fehlende Verse und Mantras sind nicht ergänzt.
Die beiden Schriftfassungen stimmen in Abfolge und Umfang überein. Unterschiede betreffen sechs Schreibungen des Anusvara (ṁ/ṃ), ein Anführungszeichen beziehungsweise doppeltes Avagraha in Einheit 291 sowie vier Schreibungen mit zusätzlichem inhärentem a in der Devanagari-Fassung (486, 533, 554, 634). Diese überlieferten Unterschiede bleiben kenntlich durch die getrennten Schriftfassungen; sie begründen keinen zusätzlichen Textbestand. Offensichtliche Worttrennungsfehler werden im Deutschen sinngemäß gelesen. Bei 844 wird die wiederholte Form jñānato jñānato als Gegensatz „wissentlich oder unwissentlich“ verstanden; bei 1040 wird die Wortfolge als kālalope na doṣabhāk gelesen: „bei Zeitversäumnis keine Schuld“. Beide Deutungen sind im Sanskrit nicht stillschweigend eingesetzt.
Der Abschreibervermerk nennt das Vikrama-Jahr 1982 für die jüngere Abschrift. Seine Angaben 606 und 806 zur älteren Vorlage widersprechen einander. Die dort vermutete Vikrama-Datierung des älteren Jahres ist nicht mit einer gesicherten Datierung des Werkes gleichzusetzen. Die riesigen Umfangszahlen am Ende der Lehre gehören zur traditionellen Erzählung ihrer stufenweisen Verkürzung.
Angula bedeutet Fingerbreite, Hasta Elle, Tala ein Proportionsmodul und Yava Gerstenkornmaß. Die Werte sind kontextabhängig; eine Umrechnung in Zentimeter würde hier eine nicht belegte Genauigkeit vortäuschen. Historische Aussagen zu Krankheit, Vorzeichen und ritueller Unreinheit werden als solche wiedergegeben.
Quellenangabe und Lizenz: Die Sanskrittranskriptionen tragen den Vermerk Creative Commons BY-NC 4.0 des Muktabodha Indological Research Institute. Diese Quellen- und Lizenzangabe gilt weiterhin für die übernommenen Sanskrittexte; sie werden nicht pauschal unter eine andere Wiki-Lizenz gestellt. Ergänzt sind deutsche Übersetzung, Einordnung, Referenzzählung und Wiki-Formatierung. Lizenzbedingungen CC BY-NC 4.0.
Einzelnachweise
- ↑ Alexis Sanderson: Religion and the State: Śaiva Officiants in the Territory of the King’s Brahmanical Chaplain. Indo-Iranian Journal 47, 2004, S. 229–300, Anmerkung zur Datierung des Mohacurottara.