Murugan: Unterschied zwischen den Versionen
Weiterleitung auf Subrahmanya entfernt Markierung: Weiterleitung entfernt |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
'''Murugan''' ([[Tamil]]: முருகன், ''Murukaṉ''), auch '''Muruga''', ist der jugendliche Gott der Weisheit, der mutigen Überwindung des Bösen und der innigen Gottesliebe. In der tamilischen Tradition wird er besonders als [[Skanda]], [[Karttikeya]], [[Subrahmanya]] und [[Shanmukha]] verehrt. Er ist der Sohn von [[Shiva]] und [[Parvati]] und der Bruder von [[Ganesha]]. Mit seinem Speer ''[[Vel]]'' in der Hand, auf einem [[Pfau]] reitend und mit dem Hahn auf seiner Fahne, ist er einer der beliebtesten Götter Indiens und für viele Tamilen „der Gott der Tamilen“ schlechthin. | |||
Der Name ''Murugan'' kommt vom alten tamilischen Wort ''murugu'', das Schönheit, Jugend, Duft und Göttlichkeit bedeutet. Murugan ist also „der Schöne“, der ewig Junge, in dem sich göttliche Anmut und göttliche Kraft verbinden. Schon in der ältesten tamilischen Dichtung, der Sangam-Literatur vor rund 2000 Jahren, wird er als Gott der Berge verehrt. Später verband sich seine Gestalt mit dem Sanskrit-Gott Skanda, dem Heerführer der Götter. | |||
Murugan steht für Mut und Tatkraft, für die Erkenntnis, die jede Täuschung durchdringt, für die Gnade, die selbst den Gegner verwandelt, und für die Liebe Gottes zur suchenden Seele. In der Yoga-Tradition von [[Swami Sivananda]] wird er als [[Sharavanabhava]] und Subrahmanya verehrt; bei Yoga Vidya wird er täglich im [[Jaya Ganesha]] angerufen: „Sharavanabhava Sharavanabhava Sharavanabhava Pahimam, Subrahmanya Subrahmanya Subrahmanya Rakshamam.“ | |||
[[Datei:Murugan by Raja Ravi Varma.jpg|thumb|Murugan mit seinen Gemahlinnen auf dem Pfau, Gemälde von Raja Ravi Varma. Der göttliche Lehrer steht im Mittelpunkt vieler tamilischer Heiligenüberlieferungen.]] | |||
{{#ev:youtube| | __TOC__ | ||
{{# | |||
== Murugan auf einen Blick == | |||
{| class="wikitable" | |||
! Merkmal !! Einordnung | |||
|- | |||
| Name || Murugan, Muruga | |||
|- | |||
| Tamil || முருகன், ''Murukaṉ'' | |||
|- | |||
| Bedeutung || „Der Schöne“, von ''murugu'': Schönheit, Jugend, Duft, Göttlichkeit | |||
|- | |||
| Weitere Namen || [[Skanda]], [[Karttikeya]], [[Subrahmanya]], [[Shanmukha]], [[Sharavanabhava]], [[Kumara]], [[Guha]], [[Swaminatha]], Kandan, Velan, Senthil, Arumugam u. v. a. | |||
|- | |||
| Eltern || [[Shiva]] und [[Parvati]] | |||
|- | |||
| Bruder || [[Ganesha]] | |||
|- | |||
| Gemahlinnen || [[Valli]] und [[Deivanai]] (Devasena) | |||
|- | |||
| Waffe || [[Vel]], der göttliche Speer | |||
|- | |||
| Reittier || [[Pfau]] (Mayil) | |||
|- | |||
| Fahne || Hahn (Seval) | |||
|- | |||
| Mantra || ''[[Om Sharavanabhavaya Namaha]]'' | |||
|- | |||
| Heiliger Tag || Dienstag; der sechste Mondtag (Sashti) | |||
|- | |||
| Heilige Stätten || Die sechs Wohnsitze (''Arupadai Veedu'') in Tamil Nadu; Kataragama (Sri Lanka); Batu Caves (Malaysia) | |||
|- | |||
| Feste || [[Skanda Sashti]], [[Thaipusam]], Vaikasi Visakam, Panguni Uttiram, Karthigai | |||
|- | |||
| Heilige Texte || ''[[Tirumurugatrupadai]]'', ''[[Kanda Puranam]]'', ''[[Skanda Purana]]'', ''[[Tiruppugazh]]'', ''[[Kanda Sashti Kavacham]]'' | |||
|- | |||
| Tradition || ''Kaumaram'' (Murugan-Verehrung), eng verbunden mit dem [[Shivaismus]] | |||
|} | |||
== Die Namen Murugans == | |||
Kaum eine Gottheit Indiens trägt so viele Namen wie Murugan. Jeder erzählt ein Stück seiner Geschichte oder zeigt einen Aspekt seines Wesens: | |||
{| class="wikitable" | |||
! Name !! Bedeutung | |||
|- | |||
| '''Murugan''' || „Der Schöne“, der ewig Junge (Tamil) | |||
|- | |||
| '''[[Skanda]]''' || „Der Springende“, „der Angreifer“; auch „der zur Einheit Verbundene“ (Sanskrit) | |||
|- | |||
| '''[[Karttikeya]]''' || „Sohn der Krittikas“, der sechs Sternenmütter, die ihn nährten | |||
|- | |||
| '''[[Subrahmanya]]''' || „Das Gute von Brahman“, „der den spirituell Strebenden Liebe“ | |||
|- | |||
| '''[[Shanmukha]]''' (Tamil ''Arumugam'') || „Der Sechsgesichtige“ | |||
|- | |||
| '''[[Sharavanabhava]]''' || „Der im Schilfwald (Saravana) Geborene“ | |||
|- | |||
| '''[[Kumara]]''' || „Der Jüngling“, der ewig Junge | |||
|- | |||
| '''[[Guha]]''' || „Der Verborgene“, der in der Höhle des Herzens wohnt | |||
|- | |||
| '''[[Swaminatha]]''' || „Der Herr des Herrn“, Lehrer seines Vaters Shiva | |||
|- | |||
| '''Velan''', '''Velayudha''', '''Vadivelan''' || „Der Träger des Speeres“ | |||
|- | |||
| '''Kandan''', '''Kanda''' || Tamilische Form von Skanda | |||
|- | |||
| '''Seyon''', '''Sevvel''' || „Der Rote“, sein Name in der alten Sangam-Dichtung | |||
|- | |||
| '''Senthil''', '''Senthilandavar''' || Name in Tiruchendur | |||
|- | |||
| '''Dandayudhapani''' || „Der mit dem Stab in der Hand“, der Asket von Palani | |||
|- | |||
| '''Devasenapati''', '''Mahasena''' || „Heerführer der Götter“ | |||
|- | |||
| '''Kathirkamam''', '''Kataragama''' || Name und Ort seiner Verehrung in Sri Lanka | |||
|- | |||
| '''Balasubrahmanya''' || Murugan als göttliches Kind | |||
|- | |||
| '''Gangeya''', '''Agnibhu''' || „Sohn der Ganga“, „aus dem Feuer Geborener“ | |||
|- | |||
| '''Shikhivahana''' || „Der auf dem Pfau Reitende“ | |||
|} | |||
Sukadev erklärt dazu: Subrahmanya ist „das Gute von Brahman“ oder der, der auf gute Weise zu Brahman führt; Skanda ist der, der beherzt losgeht, wenn es nötig ist; Sharavanabhava steht für Kraft, Energie, Enthusiasmus und Durchsetzungsvermögen.<ref>Vgl. die Artikel [[Subrahmanya]] und [[Skanda]] im Yoga Wiki mit Vortragsniederschriften von Sukadev Bretz.</ref> | |||
== Wofür steht Murugan? Die Symbolik == | |||
=== Die sechs Gesichter === | |||
Die sechs Gesichter Murugans werden auf verschiedene Weise gedeutet: als die sechs Himmelsrichtungen (die vier Richtungen, oben und unten), was seine Allgegenwart zeigt; als die sechs göttlichen Eigenschaften (Weisheit, Leidenschaftslosigkeit, Stärke, Ruhm, Glück und Herrschaft); oder als die sechs Sinne, die er alle beherrscht. Nach der tamilischen Überlieferung hat jedes Gesicht eine eigene Aufgabe: Eines erleuchtet die Welt, eines segnet die Verehrer, eines schützt die Opfer, eines vermittelt Weisheit, eines besiegt das Böse und eines erfreut Valli. | |||
=== Die zwölf Arme === | |||
Seine zwölf Arme tragen Waffen und Segensgesten. Sie zeigen, dass er zugleich schützt, kämpft, lehrt und segnet. | |||
=== Der Vel === | |||
Der [[Vel]], sein Speer, ist das wichtigste Symbol Murugans. Er wurde ihm von seiner Mutter Parvati überreicht und ist Ausdruck ihrer Shakti, der göttlichen Kraft. Die Spitze ist scharf, der Schaft lang, die Klinge breit: So soll die Erkenntnis sein, scharf in der Unterscheidung, tief im Eindringen und weit im Umfassen. Der Vel steht für ''[[Jnana Shakti]]'', die Kraft der Erkenntnis, die jede Unwissenheit durchdringt. In manchen Tempeln wird der Vel selbst verehrt; der Ruf „Vetrivel Muruganukku Arohara!“ („Heil dem siegreichen Vel Murugans!“) erklingt bei allen großen Festen. | |||
=== Der Pfau und die Schlange === | |||
Der [[Pfau]], auf dem Murugan reitet, war nach der Legende einst der Asura Surapadman. Er steht für das gezähmte Ego, für Stolz und Eitelkeit, die durch die Gnade Gottes zu Schönheit und Dienst verwandelt wurden. Unter den Füßen des Pfaus liegt oft eine Schlange: Sie wird als die Zeit, als die Begierde oder als die [[Kundalini]] gedeutet, die unter der Herrschaft des Göttlichen steht. | |||
=== Der Hahn === | |||
Der Hahn auf seiner Fahne kündigt den Sonnenaufgang an. Er steht für das Erwachen der Erkenntnis nach der Nacht der Unwissenheit. | |||
=== Valli und Deivanai === | |||
Seine beiden Gemahlinnen werden oft als seine beiden Kräfte gedeutet: [[Valli]] als ''Iccha Shakti'', die Kraft der Liebe und des Wollens, und [[Deivanai]] als ''Kriya Shakti'', die Kraft des Handelns. Zusammen mit dem Vel als ''Jnana Shakti'' zeigen sie Murugan als Herrn aller drei göttlichen Kräfte. Eine andere Deutung sieht in Valli die Seele, die Gott in der Welt sucht und findet, und in Deivanai die himmlische Ordnung. | |||
=== Ewige Jugend === | |||
Murugan ist immer jung. Er steht für jugendliche Begeisterung, für Enthusiasmus auf dem spirituellen Weg, für den Mut, immer wieder neu anzufangen. Sukadev sagt: Werde „dieser ewig Jugendliche mit diesem ewig jugendlichen Enthusiasmus“. Wenn es schwer fällt, aus eigener Kraft aufzustehen, kann man Murugan um Hilfe bitten. | |||
== Überlieferung und Hintergrund == | |||
Murugan gehört zur göttlichen Familie von [[Shiva]] und [[Parvati]]. Seine sechs Gesichter, der Speer ''Vel'', der Pfau und die Hahnenfahne tragen jeweils eigene Erzählungen. Die folgenden Geschichten folgen vor allem der südindischen Überlieferung des ''[[Kanda Puranam]]'' von [[Kachiappa Sivachariyar|Kachiyappa Shivachariyar]]; andere Sanskrit- und Regionaltraditionen, etwa das ''[[Skanda Purana]]'' oder [[Kalidasa]]s ''[[Kumarasambhava]]'', erzählen manche Einzelheiten anders. | |||
=== Der Gott der Berge in der Sangam-Dichtung === | |||
In der ältesten tamilischen Literatur, der Sangam-Dichtung, ist Murugan der Gott der Berglandschaft (''Kurinji''). Das ''[[Tolkappiyam]]'', die älteste tamilische Grammatik, nennt ihn ''Seyon'', „den Roten“, als Gottheit der Berge. Die Liederbücher der Sangam-Zeit erzählen von ''Velan'', dem Priester Murugans, der in ekstatischem Tanz (''Veriyattu'') den Gott anrief. Die ''[[Paripadal]]'' enthält Hymnen auf Murugan und sein Heiligtum Tirupparankundram, und das ''[[Tirumurugatrupadai]]'' des Dichters [[Nakkirar]] ist das erste große Werk, das ganz Murugan gewidmet ist. Auch das Epos ''[[Silappatikaram]]'' beschreibt Tänze zu seinen Ehren. | |||
=== Skanda in der Sanskrit-Tradition === | |||
In Nordindien wurde der Gott als [[Skanda]] und [[Karttikeya]] verehrt, der Heerführer der Götter. Das [[Mahabharata]] und das [[Ramayana]] erzählen von seiner Geburt, das umfangreiche ''[[Skanda Purana]]'' trägt seinen Namen, und [[Kalidasa]]s großes Gedicht ''[[Kumarasambhava]]'' („Die Geburt des Kumara“) schildert die Vorgeschichte seiner Geburt. Schon auf Münzen der Kushana-Könige vor fast 2000 Jahren ist Skanda abgebildet. Im Laufe der Zeit verschmolzen der tamilische Murugan und der Sanskrit-Gott Skanda zu einer Gestalt. | |||
In Nordindien gilt Karttikeya meist als unverheirateter, asketischer Jüngling, während er in Südindien mit seinen beiden Gemahlinnen verehrt wird. Die Verehrung Murugans als höchster Gott wird ''Kaumaram'' genannt; sie ist eine der sechs klassischen Gottesverehrungen, die nach der Tradition auf [[Shankaracharya|Adi Shankara]] zurückgehen. | |||
== Geschichten über Murugan == | |||
=== Die Vorgeschichte: Kama wird verbrannt === | |||
Die Götter wurden von dem mächtigen Asura Taraka bedrängt, der nach einem Segen Brahmas nur von einem Sohn Shivas besiegt werden konnte. Doch Shiva saß in tiefer Meditation, versunken nach dem Tod seiner ersten Gemahlin Sati. Die Götter sandten [[Kama]], den Gott der Liebe, um Shiva zu erwecken. Als Kama seinen Blumenpfeil abschoss, öffnete Shiva sein drittes Auge, und Kama verbrannte zu Asche. Erst durch die hingebungsvolle Askese Parvatis, der Wiedergeburt Satis, wurde Shiva gewonnen. So erzählt es besonders [[Kalidasa]]s ''Kumarasambhava''. | |||
=== Sechs Kinder in den Armen der Mutter === | |||
Die Götter leiden unter der Gewalt mächtiger [[Asura]]s. Sie sehnen sich nach einem Retter, der aus Shivas göttlicher Kraft hervorgeht. Die tamilische Überlieferung erzählt von sechs strahlenden Funken aus Shivas drittem Auge, deren Glut gewöhnliche Wesen nicht tragen können. Über die göttlichen Träger, den Feuergott [[Agni]] und den Windgott [[Vayu]], und das heilige Wasser der [[Ganga]] gelangen sie in den Schilfwald Saravana. | |||
Dort erscheinen die Kinder, die von den sechs Krittika-Müttern genährt werden, den Sternen der Plejaden. Das große kosmische Geschehen bekommt eine zärtliche Gestalt: göttliche Macht liegt als Kind in sorgenden Armen. Als Parvati die sechs Kinder an sich drückt, werden sie zu einem Kind mit sechs Gesichtern und zwölf Armen. So zeigt die Legende Einheit, ohne die Vielfalt der mütterlichen Fürsorge auszulöschen. | |||
Der Name Shanmukha erinnert an diese sechs Gesichter, Karttikeya an die Krittikas und Saravanabhava an die Geburt im Schilfwald. Swami Sivananda erklärt, der Name Skanda bedeute auch „der zur Einheit Verbundene“: Parvati habe die sechs Kinder zu einem vereint, und so bewirke er auch die Einheit der Seele mit Gott. Wer diese Namen singt, ruft nicht nur verschiedene Bezeichnungen. Er erinnert sich an eine Geschichte, in der Licht, Schutz und mütterliche Liebe zusammenfinden.<ref>[https://www.projectmadurai.org/pm_etexts/utf8/pmuni0241.html Kachiyappa Shivachariyar: Kanda Puranam, Utpatti-Kandam], tamilischer Originaltext.</ref> | |||
=== Der Speer der Mutter === | |||
Bevor Murugan in den Kampf zog, überreichte ihm Parvati ihren Speer, den Vel, in den sie ihre ganze Kraft gelegt hatte. Nach der Überlieferung geschah dies in Sikkal bei Nagapattinam, wo Murugan als ''Singaravelan'' verehrt wird. Man erzählt, dass die Statue dort beim Fest dieses Ereignisses zu schwitzen beginnt. Der Vel ist deshalb nicht nur eine Waffe, sondern das Geschenk der Mutter, ihre Liebe in Gestalt der Kraft. | |||
=== Der Heerführer der Götter === | |||
Die Götter machten den jungen Murugan zu ihrem Heerführer (''Devasenapati''). Mit ihm zogen neun Heerführer, allen voran Veerabahu, und ein großes Heer. Zuerst besiegte er den Asura Taraka und dessen Berg Krauncha, den sein Vel spaltete. Dann zog er gegen die Brüder Simhamukha und Surapadman. | |||
=== Der Gegner findet einen Platz === | |||
Später tritt Murugan dem Asura Surapadman entgegen. Die Erzählung lässt einen gewaltigen Kampf durch immer neue Erscheinungsformen führen. Der Gegner klammert sich an seine Herrschaft und setzt seine Macht zur Täuschung ein. Murugan aber durchdringt diese Formen. | |||
Schließlich nimmt Surapadman die Gestalt eines großen Mangobaumes im Meer an. Der göttliche Speer spaltet die letzte Zuflucht seines Widerstandes. Aus den beiden Hälften entstehen Pfau und Hahn, die zunächst ebenfalls feindlich auftreten. Doch Murugans Gnade verwandelt ihr Verhältnis zu ihm: Der Pfau wird sein Reittier, der Hahn sein Fahnenzeichen. Was gegen ihn gerichtet war, wird in seinen Dienst aufgenommen. | |||
Darin liegt die ungewöhnliche Wärme dieses kämpferischen Mythos. Der Sieg endet nicht allein mit dem Bild vernichteter Feindschaft. Die bisher widerstrebende Kraft erhält eine neue Richtung und bleibt in der Nähe des Gottes. Nach der Überlieferung fand dieser Kampf in Tiruchendur am Meer statt, wo er bis heute beim Fest [[Skanda Sashti]] als ''Soorasamharam'' nachgespielt wird.<ref>[https://shaivam.org/to-practise/kandha-puranam-of-kachchiyappa-chivachariyar-surapadman-vathai-padalam/ Kanda Puranam: Surapadman Vathai Padalam], tamilischer Originaltext.</ref> | |||
=== Die Hochzeit mit Deivanai === | |||
Aus Dankbarkeit für die Befreiung der Götter gab [[Indra]], der König der Götter, Murugan seine Tochter Devasena, tamilisch [[Deivanai]], zur Frau. Die Hochzeit fand nach der Überlieferung in Tirupparankundram bei Madurai statt, dem ersten der sechs Wohnsitze Murugans. | |||
=== Die Liebe zu Valli === | |||
Eine der zärtlichsten Geschichten Murugans ist die Liebesgeschichte mit [[Valli]]. Valli war die Tochter eines Häuptlings der Kurava, eines Bergvolkes, und hütete die Hirsefelder vor den Vögeln. Murugan verliebte sich in sie und suchte sie in immer neuen Verkleidungen auf: als Jäger, als Händler, als alter Asket. Doch Valli erkannte ihn nicht und wies ihn ab. | |||
Da bat Murugan seinen Bruder Ganesha um Hilfe. Ganesha erschien als wilder Elefant, und die erschrockene Valli flüchtete in die Arme des alten Asketen und versprach, ihn zu heiraten, wenn er sie rette. In diesem Augenblick offenbarte sich Murugan in seiner wahren Gestalt. Die Hochzeit fand nach der Überlieferung in Tiruttani statt. | |||
Die Geschichte wird als Bild der Liebe Gottes zur Seele gedeutet: Gott sucht den Menschen, auch wenn dieser ihn nicht erkennt. Er kommt in vielen Gestalten, geduldig und liebevoll, bis sich die Seele ihm schließlich öffnet. | |||
=== Der Sohn wird zum Lehrer === | |||
Eine weitere Überlieferung zeigt Shiva selbst als Lernenden. Als [[Brahma]], der Schöpfer, eines Tages an Murugan vorbeiging, fragte ihn der Junge nach der Bedeutung der heiligen Silbe [[Om]]. Brahma konnte sie nicht erklären, und Murugan hielt ihn gefangen und übernahm selbst die Schöpfung. Als Shiva ihn bat, Brahma freizulassen, fragte er seinen Sohn, ob er denn selbst die Bedeutung des [[Pranava]] kenne. Murugan antwortete, er werde sie erklären, aber nur, wenn Shiva sie wie ein Schüler empfange. | |||
So wurde aus dem Verhältnis von Vater und Sohn das Verhältnis von Schüler und Lehrer. Shiva nimmt die Unterweisung seines Kindes an. Als [[Swaminatha]], „Herr des Herrn“, wird Murugan deshalb als Lehrer des Herrn verehrt, besonders in Swamimalai.<ref>[https://murugan.org/research/kannan2009.htm R. Kannan: The Story of Skanda], Abschnitt über Swaminatha.</ref> | |||
=== Die Frucht der Weisheit === | |||
Eines Tages brachte der Weise [[Narada]] eine besondere Frucht, die Frucht der Weisheit (''Jnana Pazham''), zu Shiva und Parvati. Beide Söhne wollten sie haben. Die Eltern sagten: Wer zuerst die ganze Welt umrundet, bekommt die Frucht. Murugan bestieg sofort seinen Pfau und flog um die Welt. Ganesha aber ging einfach dreimal um seine Eltern herum und sagte: „Ihr seid meine Welt.“ Er erhielt die Frucht. | |||
Als Murugan zurückkam und dies erfuhr, war er enttäuscht. Er legte seinen Schmuck ab, nahm nur einen Stab und ein Lendentuch und zog sich als Asket auf einen Berg zurück. Seine Eltern folgten ihm, und Shiva sagte liebevoll: „Pazham nee“, „Du selbst bist die Frucht.“ Daher soll der Ort seinen Namen Palani haben. Dort wird Murugan bis heute als Dandayudhapani verehrt, als Asket mit dem Stab, und Palani ist sein meistbesuchtes Heiligtum. | |||
Die Geschichte zeigt zwei Wege: Ganeshas Weisheit, das Göttliche im Nächsten zu erkennen, und Murugans Weg der Entsagung. Und sie lehrt: Wer Gott sucht, ist selbst die Frucht, die er sucht. | |||
=== Avvaiyar und die „heißen Früchte“ === | |||
Die große tamilische Dichterin [[Avvaiyar]] ruhte einst unter einem Baum. Ein Hirtenjunge saß oben in den Ästen und fragte sie: „Möchtest du heiße oder kalte Früchte?“ Avvaiyar lächelte über die seltsame Frage und bat um heiße Früchte. Der Junge schüttelte den Baum, und die Früchte fielen in den Sand. Als Avvaiyar den Sand von ihnen blies, um ihn zu entfernen, fragte der Junge: „Sind sie so heiß, dass du blasen musst?“ Da erkannte die gelehrte Dichterin, dass ein Kind sie etwas gelehrt hatte, und sah in dem Hirtenjungen Murugan selbst. Die Geschichte erinnert daran, dass Weisheit oft in einfacher Gestalt kommt. | |||
=== Idumban und der Kavadi === | |||
Der Diener Idumban trug im Auftrag des Weisen [[Agathiyar]] zwei Berge an einer Stange über den Schultern. Bei Palani wurden die Berge plötzlich so schwer, dass er sie absetzen musste. Auf einem der Hügel stand ein kleiner Junge, der sich weigerte, ihn zu verlassen. Es war Murugan. Idumban kämpfte gegen ihn und fiel, wurde aber durch die Gnade Murugans wiederbelebt und zu seinem Torhüter gemacht. Murugan versprach, alle zu segnen, die wie Idumban eine Last in Form eines ''[[Kavadi]]'' zu ihm tragen. Daraus entstand der Brauch, beim Fest Thaipusam einen geschmückten Kavadi zu seinen Tempeln zu tragen. | |||
=== Nakkirar wird gerettet === | |||
Der Sangam-Dichter [[Nakkirar]] wurde nach der Überlieferung von einem Dämon in einer Höhle gefangen gehalten, zusammen mit vielen anderen Gefangenen. Da sang er das ''Tirumurugatrupadai'', das große Loblied auf Murugan. Murugan erschien, tötete den Dämon mit seinem Vel und befreite alle. Seither gilt das Lied als besonders schützend. | |||
[[Datei:Shiva.jpg|thumb|Shiva, der Vater Murugans, der selbst von seinem Sohn die Bedeutung des Om empfing.]] | |||
=== Betrachtung: Kraft darf sich verwandeln === | |||
Die Geschichten laden ein, Mut mit Zärtlichkeit und Wissen mit Demut zu verbinden. Eine starke Fähigkeit muss nicht dem Stolz dienen. Eine schwierige Kraft in uns muss nicht unser ganzes Leben bestimmen. Sie kann, mit Geduld und klarer Führung, eine hilfreichere Aufgabe finden. Das Bild von Pfau und Hahn macht aus dieser Hoffnung eine bleibende Erinnerung. | |||
== Die sechs Wohnsitze (Arupadai Veedu) == | |||
Die sechs wichtigsten Heiligtümer Murugans in Tamil Nadu heißen ''Arupadai Veedu'', wörtlich die „sechs Heerlager“. Sie werden schon im ''Tirumurugatrupadai'' des Nakkirar und später in [[Arunagirinathar]]s ''[[Tiruppugazh]]'' besungen.<ref>[https://en.wikipedia.org/wiki/Six_Abodes_of_Murugan Wikipedia (englisch): Six Abodes of Murugan]; [http://murugan.org/temples/arupadaiveedu.htm murugan.org: Aru Padai Veedugal].</ref> | |||
{| class="wikitable" | |||
! Heiligtum !! Lage !! Bedeutung | |||
|- | |||
| '''Tirupparankundram''' || Bei Madurai || Ort der Hochzeit mit Deivanai; ein alter Felsentempel. Hier wird der Vel selbst gebadet. | |||
|- | |||
| '''Tiruchendur''' || Am Meer bei Thoothukudi || Ort des Sieges über Surapadman; Mittelpunkt des Skanda-Sashti-Festes. Der einzige der sechs Tempel am Meer. | |||
|- | |||
| '''Palani''' (Tiruvavinankudi) || Im Westen Tamil Nadus || Murugan als Asket Dandayudhapani nach der Geschichte von der Frucht der Weisheit; das meistbesuchte Heiligtum | |||
|- | |||
| '''Swamimalai''' || Bei Kumbakonam || Hier erklärte Murugan seinem Vater Shiva die Bedeutung des Om | |||
|- | |||
| '''Tiruttani''' || Nördlich von Chennai || Ort der Ruhe nach dem Kampf und der Hochzeit mit Valli | |||
|- | |||
| '''Pazhamudircholai''' || Bei Madurai || Ein Heiligtum im Wald; mit der Geschichte von Avvaiyar verbunden | |||
|} | |||
Weitere wichtige Tempel sind Kataragama in Sri Lanka, der Nallur-Tempel in Jaffna, die Batu Caves bei Kuala Lumpur in Malaysia mit ihrer riesigen goldenen Murugan-Statue sowie zahlreiche Tempel der tamilischen Gemeinschaften in Singapur, Mauritius, Südafrika, Europa, Nordamerika und Australien. | |||
== Feste == | |||
{| class="wikitable" | |||
! Fest !! Zeit !! Bedeutung | |||
|- | |||
| '''[[Skanda Sashti]]''' || Oktober/November, sechs Tage nach dem Neumond nach Deepavali || Der Sieg über Surapadman; sechs Tage des Fastens und Betens, Höhepunkt ist das ''Soorasamharam'' in Tiruchendur | |||
|- | |||
| '''[[Thaipusam]]''' || Januar/Februar, Vollmond im Monat Thai || Der Tag, an dem Parvati Murugan den Vel überreichte; große Prozessionen mit Kavadi, besonders in Palani, Malaysia und Singapur | |||
|- | |||
| '''Vaikasi Visakam''' || Mai/Juni || Murugans Geburtstag | |||
|- | |||
| '''Panguni Uttiram''' || März/April || Tag der göttlichen Hochzeiten, auch der Hochzeit mit Deivanai | |||
|- | |||
| '''Karthigai''' || Jeden Monat am Tag des Sterns Krittika || In Erinnerung an die sechs Krittika-Mütter | |||
|- | |||
| '''Sashti''' || Jeder sechste Mondtag || Murugan geweiht, oft mit Fasten | |||
|- | |||
| '''Dienstag''' || Jede Woche || Der Tag Murugans | |||
|} | |||
== Verehrung == | |||
=== Formen der Verehrung === | |||
Murugan wird auf vielfältige Weise verehrt: | |||
* '''Puja und Abhishekam''': Die Waschung der Statue mit Milch, Honig, Wasser und anderen Gaben; bei Yoga Vidya wird bisweilen ein Subrahmanya-Abhishekam gefeiert. | |||
* '''Mantra-Japa''': die Wiederholung des sechssilbigen Mantras ''Om Saravanabhava'' oder ''[[Om Sharavanabhavaya Namaha]]''. | |||
* '''Kirtan''': das Singen seiner Namen, etwa im ''Subrahmanya''-Kirtan oder im ''[[Jaya Ganesha]]''. | |||
* '''Kavacham-Rezitation''': das Singen schützender Hymnen wie des ''[[Kanda Sashti Kavacham]]'' oder des ''[[Shanmuga Kavacham]]''. | |||
* '''Kavadi''': das Tragen eines geschmückten Bogens mit Milch oder anderen Gaben zum Tempel als Zeichen der Hingabe und der Bereitschaft, eine Last für Gott zu tragen. | |||
* '''Fasten und Pilgerschaft''': besonders in den Tagen vor Skanda Sashti und Thaipusam, und die Pilgerfahrt zu den sechs Wohnsitzen. | |||
=== Das Mantra === | |||
Das sechssilbige Mantra ''Sa-ra-va-na-bha-va'' (''Shadakshara'') gilt als die Essenz der Murugan-Verehrung. Jede der sechs Silben wird mit einem der sechs Gesichter verbunden. ''[[Om Sharavanabhavaya Namaha]]'' ist das Mantra, das in der Sivananda-Tradition für die Einweihung in die Verehrung Subrahmanyas gegeben wird. | |||
Swami Sivananda gibt folgende Meditationsanleitung: | |||
:Zu Subrahmanya nehme ich immerdar meine Zuflucht, | |||
:zu dem Sechsgesichtigen, dessen Farbe rot wie Safran ist, | |||
:zu dem Einsichtigen, der auf einem göttlichen Pfau reitet, | |||
:zum Sohne des Rudra, dem Herrn über das Heer der Götter. | |||
=== Die Bedeutung seiner Verehrung === | |||
Die Verehrung Murugans spricht Menschen auf vielen Ebenen an: | |||
* '''Mut und Schutz''': Murugan ist der, der das Böse besiegt. Wer Angst hat, vor Hindernissen steht oder sich schwach fühlt, bittet ihn um Kraft und Schutz. | |||
* '''Erkenntnis''': Als Swaminatha, der Lehrer Shivas, und durch den Vel als Symbol der Erkenntnis ist er ein Gott der Weisheit. | |||
* '''Liebe''': Die Geschichte mit Valli zeigt ihn als liebenden Gott, der den Menschen sucht. | |||
* '''Jugend und Begeisterung''': Als ewig junger Gott schenkt er Enthusiasmus, Energie und Freude. | |||
* '''Verwandlung''': Wie Surapadman zum Pfau wurde, so kann auch das Schwierige in uns verwandelt werden. | |||
* '''Einheit''': Die sechs Kinder, die zu einem werden, zeigen, dass die vielen Kräfte in uns zu einer Einheit finden können. | |||
== Große Verehrer Murugans == | |||
Zahllose Heilige, Dichter und Musiker haben Murugan verehrt und besungen. Zu den bekanntesten gehören: | |||
* '''[[Nakkirar]]''' (Sangam-Zeit): Dichter des ''[[Tirumurugatrupadai]]'', des ältesten großen Murugan-Liedes. | |||
* '''[[Kachiappa Sivachariyar|Kachiyappa Shivachariyar]]''' (um 14. Jahrhundert): Verfasser des ''[[Kanda Puranam]]'', der großen tamilischen Nacherzählung der Murugan-Legenden, uraufgeführt im Kumarakottam-Tempel in Kanchipuram. | |||
* '''[[Arunagirinathar]]''' (15. Jahrhundert): Nach einem ausschweifenden Leben wurde er nach der Überlieferung von Murugan selbst gerettet, als er sich in Tiruvannamalai das Leben nehmen wollte, und wurde zum größten Murugan-Dichter. Seine Werke ''[[Tiruppugazh]]'', ''Kandar Anubhuti'' und ''Kandar Alankaram'' werden bis heute gesungen. | |||
* '''[[Shankaracharya|Adi Shankara]]''': Nach der Überlieferung wurde er in Tiruchendur von einer Krankheit geheilt und dichtete dort das ''Subrahmanya Bhujangam''. | |||
* '''[[Kumaraguruparar]]''' (17. Jahrhundert): Er war nach der Überlieferung als Kind stumm und begann in Tiruchendur durch die Gnade Murugans zu sprechen und zu dichten. | |||
* '''[[Muthuswami Dikshitar]]''' (1775–1835): Einer der drei großen Komponisten der karnatischen Musik. Nach der Überlieferung reichte ihm in Tiruttani ein alter Mann Kandiszucker, und er begann seine erste Komposition über Murugan als „Guruguha“, seinen Künstlernamen. | |||
* '''[[Devaraya Swamigal]]''' (19. Jahrhundert): Verfasser des ''[[Kanda Sashti Kavacham]]'', des wohl bekanntesten Murugan-Liedes. | |||
* '''[[Pamban Swamigal]]''' (1848–1929): Verfasser des ''[[Shanmuga Kavacham]]'' und zahlreicher weiterer Hymnen; nach der Überlieferung durch Murugan von einem gebrochenen Bein geheilt. | |||
* '''[[Ramalinga Swamigal]]''' (1823–1874): In seiner Jugend ein inniger Verehrer Murugans, dem er im Kandakottam-Tempel in Chennai Lieder widmete. | |||
* '''[[Swami Sivananda]]''' (1887–1963): Er schrieb ein Buch über Murugan und seine Verehrung (''Lord Shanmukha and His Worship'') und nahm das Mantra ''Om Sharavanabhavaya Namaha'' in seine Tradition auf. | |||
* '''[[Siva Yogaswami]]''' und '''[[Sivaya Subramuniyaswami]]''': Die Meister aus Jaffna und Hawaii verehrten Murugan als Teil ihrer Shiva-Tradition; der Name Subramuniya weist auf ihn hin. | |||
* '''[[Agathiyar]]''': Der Weise wird in der Siddha-Tradition als Schüler Murugans verehrt, der von ihm die tamilische Sprache und Grammatik empfangen haben soll. | |||
== Murugan und Yoga == | |||
=== Im Kirtan === | |||
Bei Yoga Vidya wird Murugan täglich im ''[[Jaya Ganesha]]'' angerufen. Das ''Subrahmanya''-Kirtan (Nr. 257 im Yoga Vidya Kirtanheft) lautet: | |||
:Subrahmanya Subrahmanya | |||
:Sharavanabhava Subrahmanya | |||
Ein weiteres Mantralied: | |||
:Subrahmanya Subrahmanya | |||
:Shanmuganātha Subrahmanya | |||
:Hara Hara Hara Hara Subrahmanya | |||
:Shiva Shiva Shiva Shiva Subrahmanya | |||
=== Spirituelle Namen === | |||
Namen wie Subrahmanya, Skanda, Karttikeya, Kumara oder Shanmukha werden bei Yoga Vidya als spirituelle Namen an Aspiranten gegeben, besonders an solche mit dem Mantra ''Om Sharavanabhavaya Namaha'' oder ''Om Namah Shivaya''. | |||
=== Der Dienstag als Subrahmanya-Tag === | |||
In der Yoga-Vidya-Tradition gilt der Dienstag als Subrahmanya-Tag, an dem es darum geht, sich an übergeordneten Zielen zu orientieren und mit Mut voranzugehen. | |||
=== Die Botschaft für Yoga-Übende === | |||
Murugan erinnert daran, dass der spirituelle Weg nicht nur Stille und Hingabe braucht, sondern auch Mut und Tatkraft. Sukadev sagt, es gehe darum, „nicht zu träge, nicht zu ruhig in der Spiritualität zu sein“, sondern immer wieder aufzustehen und mit Enthusiasmus weiterzugehen. Wenn die eigene Kraft nicht reicht, kann man Murugan um Hilfe bitten: „Subrahmanya, Subrahmanya, Subrahmanya Pahimam. Bitte, hilf mir, ich nehme bei dir Zuflucht.“ | |||
== Spirituelle Bedeutung == | |||
Murugan vereint jugendliche Schönheit, [[Jnana]] und [[Bhakti]]. Sein Vel wird als durchdringende Erkenntnis verehrt; seine Nähe zu seinen Gefährten zeigt die verwandelnde Kraft der Gnade. Er ist zugleich Krieger und Lehrer, Liebender und Asket, Kind und Herr des Universums. In ihm finden die Gegensätze zusammen: Kraft und Zärtlichkeit, Weisheit und Jugend, Kampf und Gnade. | |||
[[Datei:Meditation.Herz.Sonne.jpg|thumb|Symbolbild: Hingabe und innere Sammlung lassen das Herz weit werden.]] | |||
== Werke und weiterführende Texte == | |||
* [https://www.projectmadurai.org/pm_etexts/utf8/pmuni0241.html Kanda Puranam: Utpatti-Kandam], tamilischer Text von [[Kachiappa Sivachariyar|Kachiyappa Shivachariyar]]. | |||
* [[Tiruppugazh]] von [[Arunagirinathar]] und [[Tirumurugatrupadai]] von [[Nakkirar]]. | |||
* [[Kanda Sashti Kavacham]] von [[Devaraya Swamigal]]. | |||
* [[Shanmuga Kavacham]] von [[Pamban Swamigal]]. | |||
* ''Kandar Anubhuti'' und ''Kandar Alankaram'' von Arunagirinathar. | |||
* ''Subrahmanya Bhujangam'' von [[Shankaracharya|Adi Shankara]]. | |||
* ''[[Skanda Purana]]'' und [[Kalidasa]]s ''[[Kumarasambhava]]''. | |||
* ''[[Paripadal]]'': Sangam-Hymnen auf Murugan. | |||
* Swami Sivananda: ''Lord Shanmukha and His Worship''. | |||
* [https://murugan.org/sacred-texts/ Sammlung von Murugan-Hymnen und heiligen Texten]. | |||
* Fred W. Clothey: ''The Many Faces of Murukan. The History and Meaning of a South Indian God''. Den Haag 1978. | |||
* Kamil V. Zvelebil: ''Tamil Traditions on Subrahmanya-Murugan''. Madras 1991. | |||
== Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten == | |||
[[Valli]] und [[Deivanai]] sind seine Gemahlinnen in der tamilischen Überlieferung. [[Arunagirinathar]], [[Pamban Swamigal]], [[Devaraya Swamigal]], [[Kumaraguruparar]] und [[Nakkirar]] gehören zu seinen großen Verehrern. [[Agathiyar]] wird in der Siddha-Tradition mit seiner Unterweisung verbunden. [[Shiva]], [[Parvati]] und [[Ganesha]] bilden den familiären Zusammenhang seiner Legenden. [[Indra]] ist der Vater Deivanais, [[Narada]] der Überbringer der Frucht der Weisheit, [[Avvaiyar]] die Dichterin, die ihm als Hirtenjungen begegnete. | |||
== Anregungen für Yoga und Meditation == | |||
* '''Einen Namen wiederholen''': Wiederhole einen vertrauten Namen Murugans und verbinde ihn mit dem Wunsch nach Mut und gütiger Klarheit. Im [https://www.yoga-vidya.de/yoga/ Yoga] lässt sich dies als bewusste Verbindung von [[Achtsamkeit]], [[Mitgefühl]] und tätiger Verantwortung üben. | |||
* '''Das Mantra''': Eine kurze [https://www.yoga-vidya.de/meditation/ Meditation] kann damit beginnen, den Atem natürlich fließen zu lassen und dann innerlich ''Om Sharavanabhavaya Namaha'' zu wiederholen. Entscheidend ist anschließend eine kleine, tatsächlich ausgeführte Handlung. | |||
* '''Der Vel der Erkenntnis''': Stelle dir in der Meditation den leuchtenden Vel vor, der durch die Wolken der Unwissenheit dringt. Welche Täuschung in deinem Leben darf heute durchschaut werden? | |||
* '''Den Pfau zähmen''': Beobachte heute einen Moment von Stolz oder Eitelkeit. Kannst du ihn, wie Murugan den Pfau, in Dienst und Schönheit verwandeln? | |||
* '''Wieder aufstehen''': Wenn du dich müde oder entmutigt fühlst, denke an Murugan, den ewig Jungen, und fange mit neuem Enthusiasmus an. | |||
* '''Dienstag''': Widme den Dienstag Murugan, etwa mit einem Kirtan, einer kleinen Puja oder dem Singen des Kanda Sashti Kavacham. | |||
[[Datei:Meditation Licht Herz Anahata Chakra strahlen.jpg|thumb|Symbolbild für das Licht der Erkenntnis im Herzen.]] | |||
== Ein Gedanke für den Alltag == | |||
Frage dich, welche deiner Kräfte heute dem Schutz und der Ermutigung anderer dienen kann. | |||
== Häufige Fragen zu Murugan == | |||
'''Wer ist Murugan?'''<br> | |||
Murugan ist ein Sohn von Shiva und Parvati, der jugendliche Gott der Weisheit, des Mutes und der Liebe. Er wird besonders in Tamil Nadu, Sri Lanka, Malaysia und Singapur verehrt. | |||
'''Ist Murugan dasselbe wie Skanda, Karttikeya und Subrahmanya?'''<br> | |||
Ja. Murugan ist der tamilische Name; Skanda, Karttikeya und Subrahmanya sind Sanskrit-Namen desselben Gottes. | |||
'''Warum hat Murugan sechs Gesichter?'''<br> | |||
Nach der Legende wurde er als sechs Kinder im Schilfwald geboren, die Parvati zu einem Kind mit sechs Gesichtern vereinte. Die sechs Gesichter stehen für seine Allgegenwart und seine göttlichen Eigenschaften. | |||
'''Was bedeutet der Vel?'''<br> | |||
Der Vel ist der Speer, den Parvati ihm schenkte. Er steht für die Kraft der Erkenntnis, die jede Unwissenheit durchdringt. | |||
'''Was ist das Mantra von Murugan?'''<br> | |||
Das bekannteste Mantra ist ''Om Sharavanabhavaya Namaha''. | |||
'''Was sind die sechs Wohnsitze Murugans?'''<br> | |||
Tirupparankundram, Tiruchendur, Palani, Swamimalai, Tiruttani und Pazhamudircholai in Tamil Nadu. | |||
== Videos zur Vertiefung == | |||
Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen. | |||
'''Satsang „Anekdoten“ mit Sukadev – Yoga Vidya Live, 10.06.2023''' | |||
{{#ev:youtube|pbiGWqjLu4A}} | |||
'''Anahata Chakra Herzens-Meditation für Freude und Liebe''' | |||
{{#ev:youtube|IqrKmINxV8Y}} | |||
== Siehe auch == | |||
* [[Skanda]] | |||
* [[Karttikeya]] | |||
* [[Subrahmanya]] | |||
* [[Shanmukha]] | |||
* [[Sharavanabhava]] | |||
* [[Kumara]] | |||
* [[Guha]] | |||
* [[Swaminatha]] | |||
* [[Vel]] | |||
* [[Valli]] | |||
* [[Deivanai]] | |||
* [[Shiva]] | |||
* [[Parvati]] | |||
* [[Ganesha]] | |||
* [[Arunagirinathar]] | |||
* [[Tiruppugazh]] | |||
* [[Tirumurugatrupadai]] | |||
* [[Kanda Puranam]] | |||
* [[Skanda Purana]] | |||
* [[Kanda Sashti Kavacham]] | |||
* [[Shanmuga Kavacham]] | |||
* [[Pamban Swamigal]] | |||
* [[Devaraya Swamigal]] | |||
* [[Kumaraguruparar]] | |||
* [[Nakkirar]] | |||
* [[Kachiappa Sivachariyar|Kachiyappa Shivachariyar]] | |||
* [[Agathiyar]] | |||
* [[Avvaiyar]] | |||
* [[Skanda Sashti]] | |||
* [[Thaipusam]] | |||
* [[Kavadi]] | |||
* [[Om Sharavanabhavaya Namaha]] | |||
* [[Jaya Ganesha]] | |||
== Quellen und Literatur == | |||
<references /> | |||
* [https://www.projectmadurai.org/pm_etexts/utf8/pmuni0241.html Kanda Puranam: Utpatti-Kandam] | |||
* [https://shaivam.org/to-practise/kandha-puranam-of-kachchiyappa-chivachariyar-surapadman-vathai-padalam/ Kanda Puranam: Surapadmans Niederlage] | |||
* [https://murugan.org/research/kannan2009.htm R. Kannan: Skanda-Überlieferungen] | |||
* [https://murugan.org/ murugan.org: Lord Murugan Website], umfangreiche Sammlung zu Tempeln, Texten und Forschung | |||
* [https://en.wikipedia.org/wiki/Kaumaram Wikipedia (englisch): Kaumaram] | |||
* [https://en.wikipedia.org/wiki/Six_Abodes_of_Murugan Wikipedia (englisch): Six Abodes of Murugan] | |||
== Seminare == | |||
Gemeinsames Üben, Singen und Studieren kann die Inspiration dieser Texte im Alltag lebendig werden lassen. | |||
'''Bhakti Yoga und Hingabe'''<br> | |||
<rss max=4>https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/bhakti-yoga/rssfeed.xml</rss> | |||
'''Mantras und Musik'''<br> | |||
<rss max=4>https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/mantras-und-musik/rssfeed.xml</rss> | |||
'''Hinduistische Rituale'''<br> | |||
<rss max=4>https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/hinduistische-rituale/rssfeed.xml</rss> | |||
[[Kategorie:Tamilische Persönlichkeiten]] | |||
[[Kategorie:Tamilische mythologische und literarische Gestalten]] | |||
[[Kategorie:Hinduistische Gottheit]] | |||
[[Kategorie:Shivaismus]] | |||
[[Kategorie:Bhakti Yoga]] | |||
Aktuelle Version vom 29. September 2026, 12:59 Uhr
Murugan (Tamil: முருகன், Murukaṉ), auch Muruga, ist der jugendliche Gott der Weisheit, der mutigen Überwindung des Bösen und der innigen Gottesliebe. In der tamilischen Tradition wird er besonders als Skanda, Karttikeya, Subrahmanya und Shanmukha verehrt. Er ist der Sohn von Shiva und Parvati und der Bruder von Ganesha. Mit seinem Speer Vel in der Hand, auf einem Pfau reitend und mit dem Hahn auf seiner Fahne, ist er einer der beliebtesten Götter Indiens und für viele Tamilen „der Gott der Tamilen“ schlechthin.
Der Name Murugan kommt vom alten tamilischen Wort murugu, das Schönheit, Jugend, Duft und Göttlichkeit bedeutet. Murugan ist also „der Schöne“, der ewig Junge, in dem sich göttliche Anmut und göttliche Kraft verbinden. Schon in der ältesten tamilischen Dichtung, der Sangam-Literatur vor rund 2000 Jahren, wird er als Gott der Berge verehrt. Später verband sich seine Gestalt mit dem Sanskrit-Gott Skanda, dem Heerführer der Götter.
Murugan steht für Mut und Tatkraft, für die Erkenntnis, die jede Täuschung durchdringt, für die Gnade, die selbst den Gegner verwandelt, und für die Liebe Gottes zur suchenden Seele. In der Yoga-Tradition von Swami Sivananda wird er als Sharavanabhava und Subrahmanya verehrt; bei Yoga Vidya wird er täglich im Jaya Ganesha angerufen: „Sharavanabhava Sharavanabhava Sharavanabhava Pahimam, Subrahmanya Subrahmanya Subrahmanya Rakshamam.“

Murugan auf einen Blick
| Merkmal | Einordnung |
|---|---|
| Name | Murugan, Muruga |
| Tamil | முருகன், Murukaṉ |
| Bedeutung | „Der Schöne“, von murugu: Schönheit, Jugend, Duft, Göttlichkeit |
| Weitere Namen | Skanda, Karttikeya, Subrahmanya, Shanmukha, Sharavanabhava, Kumara, Guha, Swaminatha, Kandan, Velan, Senthil, Arumugam u. v. a. |
| Eltern | Shiva und Parvati |
| Bruder | Ganesha |
| Gemahlinnen | Valli und Deivanai (Devasena) |
| Waffe | Vel, der göttliche Speer |
| Reittier | Pfau (Mayil) |
| Fahne | Hahn (Seval) |
| Mantra | Om Sharavanabhavaya Namaha |
| Heiliger Tag | Dienstag; der sechste Mondtag (Sashti) |
| Heilige Stätten | Die sechs Wohnsitze (Arupadai Veedu) in Tamil Nadu; Kataragama (Sri Lanka); Batu Caves (Malaysia) |
| Feste | Skanda Sashti, Thaipusam, Vaikasi Visakam, Panguni Uttiram, Karthigai |
| Heilige Texte | Tirumurugatrupadai, Kanda Puranam, Skanda Purana, Tiruppugazh, Kanda Sashti Kavacham |
| Tradition | Kaumaram (Murugan-Verehrung), eng verbunden mit dem Shivaismus |
Die Namen Murugans
Kaum eine Gottheit Indiens trägt so viele Namen wie Murugan. Jeder erzählt ein Stück seiner Geschichte oder zeigt einen Aspekt seines Wesens:
| Name | Bedeutung |
|---|---|
| Murugan | „Der Schöne“, der ewig Junge (Tamil) |
| Skanda | „Der Springende“, „der Angreifer“; auch „der zur Einheit Verbundene“ (Sanskrit) |
| Karttikeya | „Sohn der Krittikas“, der sechs Sternenmütter, die ihn nährten |
| Subrahmanya | „Das Gute von Brahman“, „der den spirituell Strebenden Liebe“ |
| Shanmukha (Tamil Arumugam) | „Der Sechsgesichtige“ |
| Sharavanabhava | „Der im Schilfwald (Saravana) Geborene“ |
| Kumara | „Der Jüngling“, der ewig Junge |
| Guha | „Der Verborgene“, der in der Höhle des Herzens wohnt |
| Swaminatha | „Der Herr des Herrn“, Lehrer seines Vaters Shiva |
| Velan, Velayudha, Vadivelan | „Der Träger des Speeres“ |
| Kandan, Kanda | Tamilische Form von Skanda |
| Seyon, Sevvel | „Der Rote“, sein Name in der alten Sangam-Dichtung |
| Senthil, Senthilandavar | Name in Tiruchendur |
| Dandayudhapani | „Der mit dem Stab in der Hand“, der Asket von Palani |
| Devasenapati, Mahasena | „Heerführer der Götter“ |
| Kathirkamam, Kataragama | Name und Ort seiner Verehrung in Sri Lanka |
| Balasubrahmanya | Murugan als göttliches Kind |
| Gangeya, Agnibhu | „Sohn der Ganga“, „aus dem Feuer Geborener“ |
| Shikhivahana | „Der auf dem Pfau Reitende“ |
Sukadev erklärt dazu: Subrahmanya ist „das Gute von Brahman“ oder der, der auf gute Weise zu Brahman führt; Skanda ist der, der beherzt losgeht, wenn es nötig ist; Sharavanabhava steht für Kraft, Energie, Enthusiasmus und Durchsetzungsvermögen.[1]
Wofür steht Murugan? Die Symbolik
Die sechs Gesichter
Die sechs Gesichter Murugans werden auf verschiedene Weise gedeutet: als die sechs Himmelsrichtungen (die vier Richtungen, oben und unten), was seine Allgegenwart zeigt; als die sechs göttlichen Eigenschaften (Weisheit, Leidenschaftslosigkeit, Stärke, Ruhm, Glück und Herrschaft); oder als die sechs Sinne, die er alle beherrscht. Nach der tamilischen Überlieferung hat jedes Gesicht eine eigene Aufgabe: Eines erleuchtet die Welt, eines segnet die Verehrer, eines schützt die Opfer, eines vermittelt Weisheit, eines besiegt das Böse und eines erfreut Valli.
Die zwölf Arme
Seine zwölf Arme tragen Waffen und Segensgesten. Sie zeigen, dass er zugleich schützt, kämpft, lehrt und segnet.
Der Vel
Der Vel, sein Speer, ist das wichtigste Symbol Murugans. Er wurde ihm von seiner Mutter Parvati überreicht und ist Ausdruck ihrer Shakti, der göttlichen Kraft. Die Spitze ist scharf, der Schaft lang, die Klinge breit: So soll die Erkenntnis sein, scharf in der Unterscheidung, tief im Eindringen und weit im Umfassen. Der Vel steht für Jnana Shakti, die Kraft der Erkenntnis, die jede Unwissenheit durchdringt. In manchen Tempeln wird der Vel selbst verehrt; der Ruf „Vetrivel Muruganukku Arohara!“ („Heil dem siegreichen Vel Murugans!“) erklingt bei allen großen Festen.
Der Pfau und die Schlange
Der Pfau, auf dem Murugan reitet, war nach der Legende einst der Asura Surapadman. Er steht für das gezähmte Ego, für Stolz und Eitelkeit, die durch die Gnade Gottes zu Schönheit und Dienst verwandelt wurden. Unter den Füßen des Pfaus liegt oft eine Schlange: Sie wird als die Zeit, als die Begierde oder als die Kundalini gedeutet, die unter der Herrschaft des Göttlichen steht.
Der Hahn
Der Hahn auf seiner Fahne kündigt den Sonnenaufgang an. Er steht für das Erwachen der Erkenntnis nach der Nacht der Unwissenheit.
Valli und Deivanai
Seine beiden Gemahlinnen werden oft als seine beiden Kräfte gedeutet: Valli als Iccha Shakti, die Kraft der Liebe und des Wollens, und Deivanai als Kriya Shakti, die Kraft des Handelns. Zusammen mit dem Vel als Jnana Shakti zeigen sie Murugan als Herrn aller drei göttlichen Kräfte. Eine andere Deutung sieht in Valli die Seele, die Gott in der Welt sucht und findet, und in Deivanai die himmlische Ordnung.
Ewige Jugend
Murugan ist immer jung. Er steht für jugendliche Begeisterung, für Enthusiasmus auf dem spirituellen Weg, für den Mut, immer wieder neu anzufangen. Sukadev sagt: Werde „dieser ewig Jugendliche mit diesem ewig jugendlichen Enthusiasmus“. Wenn es schwer fällt, aus eigener Kraft aufzustehen, kann man Murugan um Hilfe bitten.
Überlieferung und Hintergrund
Murugan gehört zur göttlichen Familie von Shiva und Parvati. Seine sechs Gesichter, der Speer Vel, der Pfau und die Hahnenfahne tragen jeweils eigene Erzählungen. Die folgenden Geschichten folgen vor allem der südindischen Überlieferung des Kanda Puranam von Kachiyappa Shivachariyar; andere Sanskrit- und Regionaltraditionen, etwa das Skanda Purana oder Kalidasas Kumarasambhava, erzählen manche Einzelheiten anders.
Der Gott der Berge in der Sangam-Dichtung
In der ältesten tamilischen Literatur, der Sangam-Dichtung, ist Murugan der Gott der Berglandschaft (Kurinji). Das Tolkappiyam, die älteste tamilische Grammatik, nennt ihn Seyon, „den Roten“, als Gottheit der Berge. Die Liederbücher der Sangam-Zeit erzählen von Velan, dem Priester Murugans, der in ekstatischem Tanz (Veriyattu) den Gott anrief. Die Paripadal enthält Hymnen auf Murugan und sein Heiligtum Tirupparankundram, und das Tirumurugatrupadai des Dichters Nakkirar ist das erste große Werk, das ganz Murugan gewidmet ist. Auch das Epos Silappatikaram beschreibt Tänze zu seinen Ehren.
Skanda in der Sanskrit-Tradition
In Nordindien wurde der Gott als Skanda und Karttikeya verehrt, der Heerführer der Götter. Das Mahabharata und das Ramayana erzählen von seiner Geburt, das umfangreiche Skanda Purana trägt seinen Namen, und Kalidasas großes Gedicht Kumarasambhava („Die Geburt des Kumara“) schildert die Vorgeschichte seiner Geburt. Schon auf Münzen der Kushana-Könige vor fast 2000 Jahren ist Skanda abgebildet. Im Laufe der Zeit verschmolzen der tamilische Murugan und der Sanskrit-Gott Skanda zu einer Gestalt.
In Nordindien gilt Karttikeya meist als unverheirateter, asketischer Jüngling, während er in Südindien mit seinen beiden Gemahlinnen verehrt wird. Die Verehrung Murugans als höchster Gott wird Kaumaram genannt; sie ist eine der sechs klassischen Gottesverehrungen, die nach der Tradition auf Adi Shankara zurückgehen.
Geschichten über Murugan
Die Vorgeschichte: Kama wird verbrannt
Die Götter wurden von dem mächtigen Asura Taraka bedrängt, der nach einem Segen Brahmas nur von einem Sohn Shivas besiegt werden konnte. Doch Shiva saß in tiefer Meditation, versunken nach dem Tod seiner ersten Gemahlin Sati. Die Götter sandten Kama, den Gott der Liebe, um Shiva zu erwecken. Als Kama seinen Blumenpfeil abschoss, öffnete Shiva sein drittes Auge, und Kama verbrannte zu Asche. Erst durch die hingebungsvolle Askese Parvatis, der Wiedergeburt Satis, wurde Shiva gewonnen. So erzählt es besonders Kalidasas Kumarasambhava.
Sechs Kinder in den Armen der Mutter
Die Götter leiden unter der Gewalt mächtiger Asuras. Sie sehnen sich nach einem Retter, der aus Shivas göttlicher Kraft hervorgeht. Die tamilische Überlieferung erzählt von sechs strahlenden Funken aus Shivas drittem Auge, deren Glut gewöhnliche Wesen nicht tragen können. Über die göttlichen Träger, den Feuergott Agni und den Windgott Vayu, und das heilige Wasser der Ganga gelangen sie in den Schilfwald Saravana.
Dort erscheinen die Kinder, die von den sechs Krittika-Müttern genährt werden, den Sternen der Plejaden. Das große kosmische Geschehen bekommt eine zärtliche Gestalt: göttliche Macht liegt als Kind in sorgenden Armen. Als Parvati die sechs Kinder an sich drückt, werden sie zu einem Kind mit sechs Gesichtern und zwölf Armen. So zeigt die Legende Einheit, ohne die Vielfalt der mütterlichen Fürsorge auszulöschen.
Der Name Shanmukha erinnert an diese sechs Gesichter, Karttikeya an die Krittikas und Saravanabhava an die Geburt im Schilfwald. Swami Sivananda erklärt, der Name Skanda bedeute auch „der zur Einheit Verbundene“: Parvati habe die sechs Kinder zu einem vereint, und so bewirke er auch die Einheit der Seele mit Gott. Wer diese Namen singt, ruft nicht nur verschiedene Bezeichnungen. Er erinnert sich an eine Geschichte, in der Licht, Schutz und mütterliche Liebe zusammenfinden.[2]
Der Speer der Mutter
Bevor Murugan in den Kampf zog, überreichte ihm Parvati ihren Speer, den Vel, in den sie ihre ganze Kraft gelegt hatte. Nach der Überlieferung geschah dies in Sikkal bei Nagapattinam, wo Murugan als Singaravelan verehrt wird. Man erzählt, dass die Statue dort beim Fest dieses Ereignisses zu schwitzen beginnt. Der Vel ist deshalb nicht nur eine Waffe, sondern das Geschenk der Mutter, ihre Liebe in Gestalt der Kraft.
Der Heerführer der Götter
Die Götter machten den jungen Murugan zu ihrem Heerführer (Devasenapati). Mit ihm zogen neun Heerführer, allen voran Veerabahu, und ein großes Heer. Zuerst besiegte er den Asura Taraka und dessen Berg Krauncha, den sein Vel spaltete. Dann zog er gegen die Brüder Simhamukha und Surapadman.
Der Gegner findet einen Platz
Später tritt Murugan dem Asura Surapadman entgegen. Die Erzählung lässt einen gewaltigen Kampf durch immer neue Erscheinungsformen führen. Der Gegner klammert sich an seine Herrschaft und setzt seine Macht zur Täuschung ein. Murugan aber durchdringt diese Formen.
Schließlich nimmt Surapadman die Gestalt eines großen Mangobaumes im Meer an. Der göttliche Speer spaltet die letzte Zuflucht seines Widerstandes. Aus den beiden Hälften entstehen Pfau und Hahn, die zunächst ebenfalls feindlich auftreten. Doch Murugans Gnade verwandelt ihr Verhältnis zu ihm: Der Pfau wird sein Reittier, der Hahn sein Fahnenzeichen. Was gegen ihn gerichtet war, wird in seinen Dienst aufgenommen.
Darin liegt die ungewöhnliche Wärme dieses kämpferischen Mythos. Der Sieg endet nicht allein mit dem Bild vernichteter Feindschaft. Die bisher widerstrebende Kraft erhält eine neue Richtung und bleibt in der Nähe des Gottes. Nach der Überlieferung fand dieser Kampf in Tiruchendur am Meer statt, wo er bis heute beim Fest Skanda Sashti als Soorasamharam nachgespielt wird.[3]
Die Hochzeit mit Deivanai
Aus Dankbarkeit für die Befreiung der Götter gab Indra, der König der Götter, Murugan seine Tochter Devasena, tamilisch Deivanai, zur Frau. Die Hochzeit fand nach der Überlieferung in Tirupparankundram bei Madurai statt, dem ersten der sechs Wohnsitze Murugans.
Die Liebe zu Valli
Eine der zärtlichsten Geschichten Murugans ist die Liebesgeschichte mit Valli. Valli war die Tochter eines Häuptlings der Kurava, eines Bergvolkes, und hütete die Hirsefelder vor den Vögeln. Murugan verliebte sich in sie und suchte sie in immer neuen Verkleidungen auf: als Jäger, als Händler, als alter Asket. Doch Valli erkannte ihn nicht und wies ihn ab.
Da bat Murugan seinen Bruder Ganesha um Hilfe. Ganesha erschien als wilder Elefant, und die erschrockene Valli flüchtete in die Arme des alten Asketen und versprach, ihn zu heiraten, wenn er sie rette. In diesem Augenblick offenbarte sich Murugan in seiner wahren Gestalt. Die Hochzeit fand nach der Überlieferung in Tiruttani statt.
Die Geschichte wird als Bild der Liebe Gottes zur Seele gedeutet: Gott sucht den Menschen, auch wenn dieser ihn nicht erkennt. Er kommt in vielen Gestalten, geduldig und liebevoll, bis sich die Seele ihm schließlich öffnet.
Der Sohn wird zum Lehrer
Eine weitere Überlieferung zeigt Shiva selbst als Lernenden. Als Brahma, der Schöpfer, eines Tages an Murugan vorbeiging, fragte ihn der Junge nach der Bedeutung der heiligen Silbe Om. Brahma konnte sie nicht erklären, und Murugan hielt ihn gefangen und übernahm selbst die Schöpfung. Als Shiva ihn bat, Brahma freizulassen, fragte er seinen Sohn, ob er denn selbst die Bedeutung des Pranava kenne. Murugan antwortete, er werde sie erklären, aber nur, wenn Shiva sie wie ein Schüler empfange.
So wurde aus dem Verhältnis von Vater und Sohn das Verhältnis von Schüler und Lehrer. Shiva nimmt die Unterweisung seines Kindes an. Als Swaminatha, „Herr des Herrn“, wird Murugan deshalb als Lehrer des Herrn verehrt, besonders in Swamimalai.[4]
Die Frucht der Weisheit
Eines Tages brachte der Weise Narada eine besondere Frucht, die Frucht der Weisheit (Jnana Pazham), zu Shiva und Parvati. Beide Söhne wollten sie haben. Die Eltern sagten: Wer zuerst die ganze Welt umrundet, bekommt die Frucht. Murugan bestieg sofort seinen Pfau und flog um die Welt. Ganesha aber ging einfach dreimal um seine Eltern herum und sagte: „Ihr seid meine Welt.“ Er erhielt die Frucht.
Als Murugan zurückkam und dies erfuhr, war er enttäuscht. Er legte seinen Schmuck ab, nahm nur einen Stab und ein Lendentuch und zog sich als Asket auf einen Berg zurück. Seine Eltern folgten ihm, und Shiva sagte liebevoll: „Pazham nee“, „Du selbst bist die Frucht.“ Daher soll der Ort seinen Namen Palani haben. Dort wird Murugan bis heute als Dandayudhapani verehrt, als Asket mit dem Stab, und Palani ist sein meistbesuchtes Heiligtum.
Die Geschichte zeigt zwei Wege: Ganeshas Weisheit, das Göttliche im Nächsten zu erkennen, und Murugans Weg der Entsagung. Und sie lehrt: Wer Gott sucht, ist selbst die Frucht, die er sucht.
Avvaiyar und die „heißen Früchte“
Die große tamilische Dichterin Avvaiyar ruhte einst unter einem Baum. Ein Hirtenjunge saß oben in den Ästen und fragte sie: „Möchtest du heiße oder kalte Früchte?“ Avvaiyar lächelte über die seltsame Frage und bat um heiße Früchte. Der Junge schüttelte den Baum, und die Früchte fielen in den Sand. Als Avvaiyar den Sand von ihnen blies, um ihn zu entfernen, fragte der Junge: „Sind sie so heiß, dass du blasen musst?“ Da erkannte die gelehrte Dichterin, dass ein Kind sie etwas gelehrt hatte, und sah in dem Hirtenjungen Murugan selbst. Die Geschichte erinnert daran, dass Weisheit oft in einfacher Gestalt kommt.
Idumban und der Kavadi
Der Diener Idumban trug im Auftrag des Weisen Agathiyar zwei Berge an einer Stange über den Schultern. Bei Palani wurden die Berge plötzlich so schwer, dass er sie absetzen musste. Auf einem der Hügel stand ein kleiner Junge, der sich weigerte, ihn zu verlassen. Es war Murugan. Idumban kämpfte gegen ihn und fiel, wurde aber durch die Gnade Murugans wiederbelebt und zu seinem Torhüter gemacht. Murugan versprach, alle zu segnen, die wie Idumban eine Last in Form eines Kavadi zu ihm tragen. Daraus entstand der Brauch, beim Fest Thaipusam einen geschmückten Kavadi zu seinen Tempeln zu tragen.
Nakkirar wird gerettet
Der Sangam-Dichter Nakkirar wurde nach der Überlieferung von einem Dämon in einer Höhle gefangen gehalten, zusammen mit vielen anderen Gefangenen. Da sang er das Tirumurugatrupadai, das große Loblied auf Murugan. Murugan erschien, tötete den Dämon mit seinem Vel und befreite alle. Seither gilt das Lied als besonders schützend.

Betrachtung: Kraft darf sich verwandeln
Die Geschichten laden ein, Mut mit Zärtlichkeit und Wissen mit Demut zu verbinden. Eine starke Fähigkeit muss nicht dem Stolz dienen. Eine schwierige Kraft in uns muss nicht unser ganzes Leben bestimmen. Sie kann, mit Geduld und klarer Führung, eine hilfreichere Aufgabe finden. Das Bild von Pfau und Hahn macht aus dieser Hoffnung eine bleibende Erinnerung.
Die sechs Wohnsitze (Arupadai Veedu)
Die sechs wichtigsten Heiligtümer Murugans in Tamil Nadu heißen Arupadai Veedu, wörtlich die „sechs Heerlager“. Sie werden schon im Tirumurugatrupadai des Nakkirar und später in Arunagirinathars Tiruppugazh besungen.[5]
| Heiligtum | Lage | Bedeutung |
|---|---|---|
| Tirupparankundram | Bei Madurai | Ort der Hochzeit mit Deivanai; ein alter Felsentempel. Hier wird der Vel selbst gebadet. |
| Tiruchendur | Am Meer bei Thoothukudi | Ort des Sieges über Surapadman; Mittelpunkt des Skanda-Sashti-Festes. Der einzige der sechs Tempel am Meer. |
| Palani (Tiruvavinankudi) | Im Westen Tamil Nadus | Murugan als Asket Dandayudhapani nach der Geschichte von der Frucht der Weisheit; das meistbesuchte Heiligtum |
| Swamimalai | Bei Kumbakonam | Hier erklärte Murugan seinem Vater Shiva die Bedeutung des Om |
| Tiruttani | Nördlich von Chennai | Ort der Ruhe nach dem Kampf und der Hochzeit mit Valli |
| Pazhamudircholai | Bei Madurai | Ein Heiligtum im Wald; mit der Geschichte von Avvaiyar verbunden |
Weitere wichtige Tempel sind Kataragama in Sri Lanka, der Nallur-Tempel in Jaffna, die Batu Caves bei Kuala Lumpur in Malaysia mit ihrer riesigen goldenen Murugan-Statue sowie zahlreiche Tempel der tamilischen Gemeinschaften in Singapur, Mauritius, Südafrika, Europa, Nordamerika und Australien.
Feste
| Fest | Zeit | Bedeutung |
|---|---|---|
| Skanda Sashti | Oktober/November, sechs Tage nach dem Neumond nach Deepavali | Der Sieg über Surapadman; sechs Tage des Fastens und Betens, Höhepunkt ist das Soorasamharam in Tiruchendur |
| Thaipusam | Januar/Februar, Vollmond im Monat Thai | Der Tag, an dem Parvati Murugan den Vel überreichte; große Prozessionen mit Kavadi, besonders in Palani, Malaysia und Singapur |
| Vaikasi Visakam | Mai/Juni | Murugans Geburtstag |
| Panguni Uttiram | März/April | Tag der göttlichen Hochzeiten, auch der Hochzeit mit Deivanai |
| Karthigai | Jeden Monat am Tag des Sterns Krittika | In Erinnerung an die sechs Krittika-Mütter |
| Sashti | Jeder sechste Mondtag | Murugan geweiht, oft mit Fasten |
| Dienstag | Jede Woche | Der Tag Murugans |
Verehrung
Formen der Verehrung
Murugan wird auf vielfältige Weise verehrt:
- Puja und Abhishekam: Die Waschung der Statue mit Milch, Honig, Wasser und anderen Gaben; bei Yoga Vidya wird bisweilen ein Subrahmanya-Abhishekam gefeiert.
- Mantra-Japa: die Wiederholung des sechssilbigen Mantras Om Saravanabhava oder Om Sharavanabhavaya Namaha.
- Kirtan: das Singen seiner Namen, etwa im Subrahmanya-Kirtan oder im Jaya Ganesha.
- Kavacham-Rezitation: das Singen schützender Hymnen wie des Kanda Sashti Kavacham oder des Shanmuga Kavacham.
- Kavadi: das Tragen eines geschmückten Bogens mit Milch oder anderen Gaben zum Tempel als Zeichen der Hingabe und der Bereitschaft, eine Last für Gott zu tragen.
- Fasten und Pilgerschaft: besonders in den Tagen vor Skanda Sashti und Thaipusam, und die Pilgerfahrt zu den sechs Wohnsitzen.
Das Mantra
Das sechssilbige Mantra Sa-ra-va-na-bha-va (Shadakshara) gilt als die Essenz der Murugan-Verehrung. Jede der sechs Silben wird mit einem der sechs Gesichter verbunden. Om Sharavanabhavaya Namaha ist das Mantra, das in der Sivananda-Tradition für die Einweihung in die Verehrung Subrahmanyas gegeben wird.
Swami Sivananda gibt folgende Meditationsanleitung:
- Zu Subrahmanya nehme ich immerdar meine Zuflucht,
- zu dem Sechsgesichtigen, dessen Farbe rot wie Safran ist,
- zu dem Einsichtigen, der auf einem göttlichen Pfau reitet,
- zum Sohne des Rudra, dem Herrn über das Heer der Götter.
Die Bedeutung seiner Verehrung
Die Verehrung Murugans spricht Menschen auf vielen Ebenen an:
- Mut und Schutz: Murugan ist der, der das Böse besiegt. Wer Angst hat, vor Hindernissen steht oder sich schwach fühlt, bittet ihn um Kraft und Schutz.
- Erkenntnis: Als Swaminatha, der Lehrer Shivas, und durch den Vel als Symbol der Erkenntnis ist er ein Gott der Weisheit.
- Liebe: Die Geschichte mit Valli zeigt ihn als liebenden Gott, der den Menschen sucht.
- Jugend und Begeisterung: Als ewig junger Gott schenkt er Enthusiasmus, Energie und Freude.
- Verwandlung: Wie Surapadman zum Pfau wurde, so kann auch das Schwierige in uns verwandelt werden.
- Einheit: Die sechs Kinder, die zu einem werden, zeigen, dass die vielen Kräfte in uns zu einer Einheit finden können.
Große Verehrer Murugans
Zahllose Heilige, Dichter und Musiker haben Murugan verehrt und besungen. Zu den bekanntesten gehören:
- Nakkirar (Sangam-Zeit): Dichter des Tirumurugatrupadai, des ältesten großen Murugan-Liedes.
- Kachiyappa Shivachariyar (um 14. Jahrhundert): Verfasser des Kanda Puranam, der großen tamilischen Nacherzählung der Murugan-Legenden, uraufgeführt im Kumarakottam-Tempel in Kanchipuram.
- Arunagirinathar (15. Jahrhundert): Nach einem ausschweifenden Leben wurde er nach der Überlieferung von Murugan selbst gerettet, als er sich in Tiruvannamalai das Leben nehmen wollte, und wurde zum größten Murugan-Dichter. Seine Werke Tiruppugazh, Kandar Anubhuti und Kandar Alankaram werden bis heute gesungen.
- Adi Shankara: Nach der Überlieferung wurde er in Tiruchendur von einer Krankheit geheilt und dichtete dort das Subrahmanya Bhujangam.
- Kumaraguruparar (17. Jahrhundert): Er war nach der Überlieferung als Kind stumm und begann in Tiruchendur durch die Gnade Murugans zu sprechen und zu dichten.
- Muthuswami Dikshitar (1775–1835): Einer der drei großen Komponisten der karnatischen Musik. Nach der Überlieferung reichte ihm in Tiruttani ein alter Mann Kandiszucker, und er begann seine erste Komposition über Murugan als „Guruguha“, seinen Künstlernamen.
- Devaraya Swamigal (19. Jahrhundert): Verfasser des Kanda Sashti Kavacham, des wohl bekanntesten Murugan-Liedes.
- Pamban Swamigal (1848–1929): Verfasser des Shanmuga Kavacham und zahlreicher weiterer Hymnen; nach der Überlieferung durch Murugan von einem gebrochenen Bein geheilt.
- Ramalinga Swamigal (1823–1874): In seiner Jugend ein inniger Verehrer Murugans, dem er im Kandakottam-Tempel in Chennai Lieder widmete.
- Swami Sivananda (1887–1963): Er schrieb ein Buch über Murugan und seine Verehrung (Lord Shanmukha and His Worship) und nahm das Mantra Om Sharavanabhavaya Namaha in seine Tradition auf.
- Siva Yogaswami und Sivaya Subramuniyaswami: Die Meister aus Jaffna und Hawaii verehrten Murugan als Teil ihrer Shiva-Tradition; der Name Subramuniya weist auf ihn hin.
- Agathiyar: Der Weise wird in der Siddha-Tradition als Schüler Murugans verehrt, der von ihm die tamilische Sprache und Grammatik empfangen haben soll.
Murugan und Yoga
Im Kirtan
Bei Yoga Vidya wird Murugan täglich im Jaya Ganesha angerufen. Das Subrahmanya-Kirtan (Nr. 257 im Yoga Vidya Kirtanheft) lautet:
- Subrahmanya Subrahmanya
- Sharavanabhava Subrahmanya
Ein weiteres Mantralied:
- Subrahmanya Subrahmanya
- Shanmuganātha Subrahmanya
- Hara Hara Hara Hara Subrahmanya
- Shiva Shiva Shiva Shiva Subrahmanya
Spirituelle Namen
Namen wie Subrahmanya, Skanda, Karttikeya, Kumara oder Shanmukha werden bei Yoga Vidya als spirituelle Namen an Aspiranten gegeben, besonders an solche mit dem Mantra Om Sharavanabhavaya Namaha oder Om Namah Shivaya.
Der Dienstag als Subrahmanya-Tag
In der Yoga-Vidya-Tradition gilt der Dienstag als Subrahmanya-Tag, an dem es darum geht, sich an übergeordneten Zielen zu orientieren und mit Mut voranzugehen.
Die Botschaft für Yoga-Übende
Murugan erinnert daran, dass der spirituelle Weg nicht nur Stille und Hingabe braucht, sondern auch Mut und Tatkraft. Sukadev sagt, es gehe darum, „nicht zu träge, nicht zu ruhig in der Spiritualität zu sein“, sondern immer wieder aufzustehen und mit Enthusiasmus weiterzugehen. Wenn die eigene Kraft nicht reicht, kann man Murugan um Hilfe bitten: „Subrahmanya, Subrahmanya, Subrahmanya Pahimam. Bitte, hilf mir, ich nehme bei dir Zuflucht.“
Spirituelle Bedeutung
Murugan vereint jugendliche Schönheit, Jnana und Bhakti. Sein Vel wird als durchdringende Erkenntnis verehrt; seine Nähe zu seinen Gefährten zeigt die verwandelnde Kraft der Gnade. Er ist zugleich Krieger und Lehrer, Liebender und Asket, Kind und Herr des Universums. In ihm finden die Gegensätze zusammen: Kraft und Zärtlichkeit, Weisheit und Jugend, Kampf und Gnade.

Werke und weiterführende Texte
- Kanda Puranam: Utpatti-Kandam, tamilischer Text von Kachiyappa Shivachariyar.
- Tiruppugazh von Arunagirinathar und Tirumurugatrupadai von Nakkirar.
- Kanda Sashti Kavacham von Devaraya Swamigal.
- Shanmuga Kavacham von Pamban Swamigal.
- Kandar Anubhuti und Kandar Alankaram von Arunagirinathar.
- Subrahmanya Bhujangam von Adi Shankara.
- Skanda Purana und Kalidasas Kumarasambhava.
- Paripadal: Sangam-Hymnen auf Murugan.
- Swami Sivananda: Lord Shanmukha and His Worship.
- Sammlung von Murugan-Hymnen und heiligen Texten.
- Fred W. Clothey: The Many Faces of Murukan. The History and Meaning of a South Indian God. Den Haag 1978.
- Kamil V. Zvelebil: Tamil Traditions on Subrahmanya-Murugan. Madras 1991.
Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten
Valli und Deivanai sind seine Gemahlinnen in der tamilischen Überlieferung. Arunagirinathar, Pamban Swamigal, Devaraya Swamigal, Kumaraguruparar und Nakkirar gehören zu seinen großen Verehrern. Agathiyar wird in der Siddha-Tradition mit seiner Unterweisung verbunden. Shiva, Parvati und Ganesha bilden den familiären Zusammenhang seiner Legenden. Indra ist der Vater Deivanais, Narada der Überbringer der Frucht der Weisheit, Avvaiyar die Dichterin, die ihm als Hirtenjungen begegnete.
Anregungen für Yoga und Meditation
- Einen Namen wiederholen: Wiederhole einen vertrauten Namen Murugans und verbinde ihn mit dem Wunsch nach Mut und gütiger Klarheit. Im Yoga lässt sich dies als bewusste Verbindung von Achtsamkeit, Mitgefühl und tätiger Verantwortung üben.
- Das Mantra: Eine kurze Meditation kann damit beginnen, den Atem natürlich fließen zu lassen und dann innerlich Om Sharavanabhavaya Namaha zu wiederholen. Entscheidend ist anschließend eine kleine, tatsächlich ausgeführte Handlung.
- Der Vel der Erkenntnis: Stelle dir in der Meditation den leuchtenden Vel vor, der durch die Wolken der Unwissenheit dringt. Welche Täuschung in deinem Leben darf heute durchschaut werden?
- Den Pfau zähmen: Beobachte heute einen Moment von Stolz oder Eitelkeit. Kannst du ihn, wie Murugan den Pfau, in Dienst und Schönheit verwandeln?
- Wieder aufstehen: Wenn du dich müde oder entmutigt fühlst, denke an Murugan, den ewig Jungen, und fange mit neuem Enthusiasmus an.
- Dienstag: Widme den Dienstag Murugan, etwa mit einem Kirtan, einer kleinen Puja oder dem Singen des Kanda Sashti Kavacham.

Ein Gedanke für den Alltag
Frage dich, welche deiner Kräfte heute dem Schutz und der Ermutigung anderer dienen kann.
Häufige Fragen zu Murugan
Wer ist Murugan?
Murugan ist ein Sohn von Shiva und Parvati, der jugendliche Gott der Weisheit, des Mutes und der Liebe. Er wird besonders in Tamil Nadu, Sri Lanka, Malaysia und Singapur verehrt.
Ist Murugan dasselbe wie Skanda, Karttikeya und Subrahmanya?
Ja. Murugan ist der tamilische Name; Skanda, Karttikeya und Subrahmanya sind Sanskrit-Namen desselben Gottes.
Warum hat Murugan sechs Gesichter?
Nach der Legende wurde er als sechs Kinder im Schilfwald geboren, die Parvati zu einem Kind mit sechs Gesichtern vereinte. Die sechs Gesichter stehen für seine Allgegenwart und seine göttlichen Eigenschaften.
Was bedeutet der Vel?
Der Vel ist der Speer, den Parvati ihm schenkte. Er steht für die Kraft der Erkenntnis, die jede Unwissenheit durchdringt.
Was ist das Mantra von Murugan?
Das bekannteste Mantra ist Om Sharavanabhavaya Namaha.
Was sind die sechs Wohnsitze Murugans?
Tirupparankundram, Tiruchendur, Palani, Swamimalai, Tiruttani und Pazhamudircholai in Tamil Nadu.
Videos zur Vertiefung
Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.
Satsang „Anekdoten“ mit Sukadev – Yoga Vidya Live, 10.06.2023
Anahata Chakra Herzens-Meditation für Freude und Liebe
Siehe auch
- Skanda
- Karttikeya
- Subrahmanya
- Shanmukha
- Sharavanabhava
- Kumara
- Guha
- Swaminatha
- Vel
- Valli
- Deivanai
- Shiva
- Parvati
- Ganesha
- Arunagirinathar
- Tiruppugazh
- Tirumurugatrupadai
- Kanda Puranam
- Skanda Purana
- Kanda Sashti Kavacham
- Shanmuga Kavacham
- Pamban Swamigal
- Devaraya Swamigal
- Kumaraguruparar
- Nakkirar
- Kachiyappa Shivachariyar
- Agathiyar
- Avvaiyar
- Skanda Sashti
- Thaipusam
- Kavadi
- Om Sharavanabhavaya Namaha
- Jaya Ganesha
Quellen und Literatur
- ↑ Vgl. die Artikel Subrahmanya und Skanda im Yoga Wiki mit Vortragsniederschriften von Sukadev Bretz.
- ↑ Kachiyappa Shivachariyar: Kanda Puranam, Utpatti-Kandam, tamilischer Originaltext.
- ↑ Kanda Puranam: Surapadman Vathai Padalam, tamilischer Originaltext.
- ↑ R. Kannan: The Story of Skanda, Abschnitt über Swaminatha.
- ↑ Wikipedia (englisch): Six Abodes of Murugan; murugan.org: Aru Padai Veedugal.
- Kanda Puranam: Utpatti-Kandam
- Kanda Puranam: Surapadmans Niederlage
- R. Kannan: Skanda-Überlieferungen
- murugan.org: Lord Murugan Website, umfangreiche Sammlung zu Tempeln, Texten und Forschung
- Wikipedia (englisch): Kaumaram
- Wikipedia (englisch): Six Abodes of Murugan
Seminare
Gemeinsames Üben, Singen und Studieren kann die Inspiration dieser Texte im Alltag lebendig werden lassen.
Bhakti Yoga und Hingabe
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Harmonium Lernseminar
Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.- Alisa Yakhontova
- 08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts
Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…- Sukadev Bretz
Mantras und Musik
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Asana Intensiv - Musikalisch-Meditativ
Yoga und Musik ergänzen sich ideal. Jede Asana wird von Musik, Mantra Gesang und anderen Klängen auf deiner Reise nach innen begleitet! Die Yoga Stell…- Gopi Jana Kretschmer da Conceição
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Harmonium Lernseminar
Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.- Alisa Yakhontova
Hinduistische Rituale
- 08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts
Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…- Sukadev Bretz
- 08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts
Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…