Kavadi

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Kavadi Zeremonie in Hamm ©

Kavadi ist ein wichtiger Ritualgegenstand bei der Verehrung von Shanmuga, Karthikeya, Skanda, und Murugan im Hinduismus. Aus einer einfachen Balkenwaage oder aus dem Lager eines Straßenhändlers — ein schwerer Holzstab, der auf den Schultern zu liegen kommt, und an dessen Enden zwei in Tuch eingeschlagene Körbe hängen — der Kavadi variiert in seiner Form bis hin zum teuersten Sänftenüberbau, über und über mit Blumen bedeckt und mit eingeflochtenen Pfauenfedern (eine Feder, die bei der Shanmukha Verehrung von großer Bedeutung ist). In jedem Fall ist der Kavadi immer mit vielen Glöckchen geschmückt, die den Träger ankündigen. Da der Kavadi-Träger oft gerade Mauna praktiziert, also ein Schweigegelübde abgelegt hat, ist nur die Glocke die Stimme der Kavadi-Prozession.

Die beiden am Kavadi hängenden Töpfe können Reis, Milch oder andere Waren enthalten, die der Träger geschworen hat Lord Shanmukha darzubringen. Die devoteren unter den Kavadi-Trägern und besonders die, die dem Herrn den Kavadi als Mittel zur Versöhnung für spirituelle Entwicklung darbringen, als Teil ihres Sadhana, sammeln diese Waren durch betteln. Zu Fuß wandern sie von Dorf zu Dorf, und betteln von Haus zu Haus. Die Menschen geben die Waren direkt in die Körbe des Kavadi. Der Kavadi-Träger macht so weiter, bis die Körbe gefüllt sind, oder bis die erklärte Menge erreicht ist, und bringt Shanmukha dann den Kavadi dar. Manchmal gelobt der Gottesverehrer auch, dass er barfuß von zu Hause bis zu einer der Gedenkstätten Lord Shanmukhas laufen, den Kavadi tragen und die zu opfernden Waren sammeln wird. Manchmal muss er bis zu 100 Meilen laufen! Die, die Milch, Reis oder andere Waren in diesen Kavadi spenden, erhalten ebenfalls die Segnung des Herrn.

Kavadi - das Symbol von Tapasya und Mut

Lord Shanmukha als Kartikeyan

Lord Shanmukha ist der Pratyaksha Devata dieses Kali Yugas. Er ist mit seinen Gottesverehrern sehr zufrieden, denen er sowohl Bhukti als auch Mukti gewährt (Vergnügung hier und danach Moksha). Es leben noch immer Millionen, die von Momenten aus ihren eigenen Leben erzählen können, die die Wunder zeigen, die es durch die Versöhnung Lord Shanmukhas gab. Der vielleicht wichtigste und wirkungsvollste versöhnende Ritus, den ein Gottesverehrer Shanmukhas durchführen kann, ist der als Kavadi bekannte. Den Nutzen, den der Gottesverehrer aus einem Kavadi für den Herrn zieht, ist millionenfach größer als das bisschen Schmerz, das der Gottesverehrer sich dabei zufügt.

Normalerweise wird der Eid, dem Herrn ein Kavadi darzubringen, geschworen, um über ein großes Unglück hinwegzukommen oder ein solches abzuwenden. Wenn zum Beispiel der einzige Sohn des Gottesverehrers mit einer tödlichen Krankheit darniederliegt, betet er zu Shanmukha, dem Jungen ein längeres Leben zu gewähren, wofür er im Gegenzug den Eid ablegt, Ihm ein Kavadi darzubringen. Obwohl dies auf den ersten Blick materialistisch erscheinen mag, wird ein Moment der Reflektion darüber offenbaren, dass es in sich den Samen höchster Gottesliebe trägt. Das weltliche Objekt wird erreicht und der Gottesverehrer bringt das Kavadi dar. Nach der Zeremonie wird er derart von der Liebe zu Gott berauscht, dass seine spirituelle innere Kammer sich nun öffnet. Auch dies führt letztlich zu Para Bhakti.

Kavadi-Träger

Der Kavadi-Träger muss in dem Zeitraum, ab dem er den Kavadi aufnimmt, bis zur Opfergabe, verschiedene Niyamas (Regeln) einhalten. Er muss zu dem Zeitpunkt, an dem er den Kavadi aufnimmt, und zum Zeitpunkt der Opfergabe komplizierte Zeremonien durchführen. Er gewandet sich wie ein Pandaaram — oder saivitischer Bettelmönch. Das Gewand besteht aus safranfarbenem Stoff, einer feuerroten, kegelförmigen Kopfbedeckung und einem silbernen, an beiden Enden umhüllten Stab. Lord Shiva selbst ist ein höchster Pandaaram. Er liebt es, in diesem Gewand umherzuwandeln. Daher ist das Gewand für den Shaiviten heilig. Der Pandaaram darf nur von Bhiksha (Almosen) leben. Die nackte Brust des Kavadi-Trägers ist mit Rudraksha-Malas bedeckt. Der Kavadi-Träger hält sich an das Zölibat. Er isst nur sattwige Nahrung und verzichtet auf jegliche Art berauschender Getränke und Drogen. Er ist mit seinen Gedanken stets bei Gott.

Viele der Kavadi-Träger, besonders die, die es als Sadhana praktizieren, fügen sich selbst verschiedenste Selbstqual zu. Sie stoßen einen scharfen kleinen ‘Vel’ (Shanmukhas Speer) durch ihre Zunge, die aus dem Mund herausragen soll. Oder sie führen einen ‘Vel’ durch ihre Wangen. Der Körper wird auch an anderen Stellen auf diese Art und Weise durchbohrt. Dies ist in der Tat ein großes Vrata und im Wert mit Chandrayana und Krichhra Vratas vergleichbar. Der Kavadi-Träger rasiert sich nicht; er lässt sich einen Bart wachsen. Er isst nur einmal am Tag. Der ‘Vel’ durch seine Zunge oder Wangen erinnert ihn ständig an Lord Shanmukha und hält ihn vom Sprechen ab. Er gibt ihm großes Durchhaltevermögen.

In allen Fällen endet die Kavadi Prozession mit einer aufwändigen, farbenfrohen und inspirierenden Zeremonie. Die Priester singen verschiedenen Hymnen, um Lord Shanmukha zu preisen. Räucherwerk wird angesteckt. Trommeln werden geschlagen. Musikinstrumente werden gespielt. Der Gottesverehrer selbst ist in einem Zustand religiöser Inbrunst. Er tanzt in Ekstase. Schon seine Erscheinung ist ehrfurchtgebietend; auf seinem Gesicht ist Divya Tejas. Die Gottesverehrer erleben oft Bhava Samadhi; oder erhalten Shanmukha-Avesha, wenn die Gottheit in ihren Körper eindringt und ihn für eine Weile in Besitz hält.

Agni Kavadi

Dies ist das schwierigste Kavadi-Opfer. Mit dem Kavadi auf seinen Schultern läuft der Gottesverehrer durch eine Mulde voller brennender Kohlen. Um die Mulde herum werden überall Hymnen gesungen, um den Herrn zu preisen. Trommeln werden geschlagen. Räucherwerk wird verbrannt. Die ganze Atmosphäre ist beeindruckend. Der wahre Gottesverehrer kommt in einen Zustand der Ekstase und läuft ganz einfach über das Feuer.

Die Herrlichkeit des Kavadi

Als Sadhana ist Kavadi eine wunderschöne Synthese von Bhakti, Hatha und Raja Yoga. Der Gottesverehrer, insbesondere, wenn er noch kein Bhikshu oder Mönch ist, muss bettelnd von Tür zu Tür wandern, oft in bekannten, aber auch in ihm unbekannten Dörfern. Aufrichtige Bhaktas geben dem Bhiksha bereitwillig; aber es gibt auch welche, die ihn vertreiben. Der Gottesverehrer erhält so die Chance, sein Ego zu brechen und zerfallen zu lassen und so geistige Kraft für Durchhaltevermögen zu erhalten. Für Lord Shanmukha ist er bereit, sich jeglicher Entbehrung und Demütigung auszusetzen. Das Leben eines wandernden Parivrajaka gibt ihm einen Eindruck der Unermesslichkeit menschlichen Leidens und stählt sein Herz, fleischlichen Verlockungen zu widerstehen. Eine reine, sattwige Ernährung trägt dazu bei, dass sein Geist sattwig bleibt. Das Zölibat stärkt seinen Willen und klärt sein Verständnis. Sein nicht allzu gutes äußeres Erscheinungsbild, mit dem er umherwandert, überzeugt ihn, dass Äußerlichkeiten trügerisch sind und entfacht Viveka (Unterscheidungskraft) in ihm. Der Aspirant lernt außerdem die Herrlichkeit von Mauna. Vorallem aber intensiviert der ständige Gedanke an Lord Shanmukha seine Hingabe zu ihm in jeder Minute.

Diejenigen, die Lord Shanmukha Kavadi für spirituelles Wachstum opfern, erreichen Ihn bald. Diejenigen, die es zum Erreichen weltlicher Dinge durchführen, erhalten bald Shanmukha-Bhakti, was mit der Zeit zu Maha Bhava erblüht und schließlich zu Sayujya (Vereinigung) mit Lord Shanmukha führt.

Lord Shanmukha, der oberste Befehlshaber der Devas, der allmächtige Sohn Lord Shivas, wird durch das Kavadi-Opfer sicher versöhnt, das nach Ausdauer, Mut und nach konzentrierter Hingabe zu ihm verlangt. Wer durch die Entbehrungen einer Kavadi-Darbringung geht, ist mit Sicherheit ein Dheera oder Held. Solche Dheeras werden von Lord Shanmukha am meisten geliebt, der seinen allerfeinsten Segen über sie ergießt, sie mit dem inneren Auge der Intuition ausstattet und sie zu sich zieht. Ehre dem Kavadi, der das Symbol für Shanmukha Bhakti ist! Ehre den Kavadi-Trägern! Gepriesen sei Lord Shanmukha!

Quelle