Nakkirar

Aus Yogawiki

Nakkirar war ein Verehrer von Shanmukha. Er ist ein Heiliger, der aus Tamil Nadu/Südindien, Muruga Bhakta stammt.

Nakkirar (Tamil: நக்கீரர், Nakkīrar) bezeichnet in der tamilischen Literaturgeschichte und Heiligenüberlieferung mehrere Gestalten. Besonders verehrt wird der Dichter des Tirumurukarruppatai, eines großen Wegweisungsgedichts zu Murugan, der auch Shanmukha, Skanda oder Subrahmanya genannt wird. In den Legenden erscheint Nakkirar als mutiger, gelehrter Dichter, dessen Selbstvertrauen durch göttliche Gnade geläutert und vertieft wird.

Murugan: Nakkirar besang ihn im Tirumurukarruppatai.

Nakkirar auf einen Blick

Merkmal Einordnung
Name Nakkirar
Tamil நக்கீரர் (Nakkīrar)
Zeit Umstritten; die Tradition setzt ihn in die frühe Sangam-Zeit, die Heiligengeschichten geben keine gesicherte Chronologie
Wirkungsort Hof des Pandya-Königs in Madurai
Tradition Tamilische Dichtung; Verehrung Murugans und Shivas
Hauptwerk Tirumurukarruppatai, Teil der Pattuppattu und des elften Tirumurai
Bekannte Legenden Der Streit mit Shiva um das Gedicht Dharumis; die Befreiung der tausend Gefangenen aus der Höhle

Leben und Hintergrund

Das Tirumurukarruppatai gehört zu den Pattuppattu, den „Zehn Liedern“ der klassischen tamilischen Dichtung, und ist zugleich in das elfte Buch des Tirumurai aufgenommen, des heiligen Schriftenkanons des tamilischen Shivaismus. Der ebenfalls Nakkirar zugeschriebene Netunalvatai und die spätere Nakkiradeva-Überlieferung lassen sich nicht ohne Weiteres auf einen einzigen Autor zurückführen. Genaue Lebensdaten bleiben umstritten. Die Heiligengeschichten entfalten ein dichterisches Erinnerungsbild, keine gesicherte Chronologie.

Sivananda schrieb über Nakkirar

Vor mehr als 2000 Jahren lebte im alten Tamilland ein sehr großer Weiser und Gelehrter, Nakkirar genannt. Sogar Götter fürchteten seine Belesenheit und Bildung; und seine Hingabe zu Subrahmanya kannte keine Grenzen.

Nakkirar war ein Brahmanischer Hofdichter des Pandiakönigreichs Madurai in Südindien. Aus Arroganz und Hochmut hielt dieser Poet einen armen Brahmanenpoeten davon ab Geschenke vom König zu erhalten. Er ging sogar so weit und kritisierte feindlich die Verse die der arme Brahmane im Auftrag Shivas verfasste. Dies hatte zur Folge dass Gott den Hofdichter mit einem Lepraleiden verfluchte, der Dichter bat um Vergebung. Gott zeigte Erbarmen und empfahl ihm nach Kailash zu pilgern wo sein Lepra heilen würde. Nakkirar begann seine Pilgerreise. Unterwegs an einem Ort namens Kalahasti in Südindien hielt Nakkirar an den Bänken eines Sees und setzte sich unter einen riesigen Ficus für Dhyana. Während seiner Meditation wurde er durch einen merkwürdigen Zwischenfall unterbrochen. Ein Blatt fiel herunter, aber es fiel halb ins Wasser und halb aufs Land. Die Wasserhälfte wurde zum Fisch und die Landhälfte zum Vogel. Der Fisch versuchte den Vogel mitzureißen aber der Vogel versuchte den Fisch hoch zu ziehen und weg zu fliegen. Ein trockenes Blatt initiierte einen Krieg zwischen zwei Kreaturen welche sich aus sich selbst heraus entwickelt hatten. Nakkirars Meditation wurde durch dieses seltsame Ereignis gestört.

Ach! Hier war ein großer Teufel beherbergt, ein Brahmarakshas, der geschworen hatte 1000 Siva Bhaktas zu versammeln, deren Meditation auf diese Weise gestört würde und sobald die Zahl 1000 vollendet wäre, sie alle gemeinsam zu verschlingen. Das schreckliche Monster kam nun und warf ihn in eine Höhle wo er bereits 999 gesammelt hatte. Jetzt bei 1000 angelangt ging er zum wundersamen Fluss um zu baden; denn selbst Teufel haben bestimmte gute Eigenschaften.

Die 999 Sivaanhänger, deren Meditation also gestört wurde, wurden vom Teufel gefangen und in diese Höhle gebracht. Dort wurden sie unzählige Jahre festgehalten und wurden aufwendig vom Teufelsheer beköstigt, um sie bis zu ihrer schlagenden Stunde kräftig zu halten. Dies war das Vorhaben des Teufels. Sie schrien und beschimpften den Neuankömmlinng, Nakkirar, dass er kam um sie alle in wenigen Minuten in einen miserablen Tod zu bringen. Sie gaben Gott und Gottes lieben Nakkirar die Schuld! Der weise Nakkirar wusste nun um dies ganze Situation bescheid, der Teufel war immer noch außer Reichweite der Höhle. Sollte dieses Kailash Yantra in einem Nachtod Yatra enden und wird der Wille von Gott [Madurai] durch den Teufel frustriert? Sollte all diese Hingabe von den 999 frommen Menschen für einen gemeinen Anlass einer momentanen Störung durch die Machenschaffen des Teufels in Unnützigkeit enden? Natürlich war es alles eine Probe, eine schwere Probe noch dazu; und sicherliche muss Gott sie alle retten. Den Moment ihrer Massenvernichtung bahnte sich dennoch an.

Nakkirar gab seinen unglücklichen Kameraden Vertrauen und begann seinen inspirierenden Lobgesänge für seinen liebsten Gott, Shanmukha. Dieses berühmte Literaturstück exquisiter tamilischer Poesie wird selbst heute noch mit Begierde von den Anhängern gelesen, es trägt den Namen Tirumurugatruppadai. Die mit heftiger Hingabe und leidenschaftlicher Bewunderung der großen Qualitäten des sechsgesichtigen Gottes angereicherten Lieder bewegten den ganzen Himmel und bewegten das göttliche Herz von Gott selbst.

Und siehe da: Ein Wunder und ein Unglück! Sobald der Teufel seinen Fuß in die Höhle setzte bebten ihre dunklen Wände im ärgerlichen Puls von Subrahmanya; und darin rauschte die schreckliche Figur des sechsgesichtigen Gottes, mit seinen zwölf zu Fäusten geballten Händen, die seine göttlichen Waffen trugen und er tanzte mit dem Teufel und zerriss ihn dabei in Stücke. Er ließ die 1000 Anhänger frei, die 999 segneten Nakkirars Herrlichkeit und verehrten sie, alle sangen die infinitive Glorie des sechsgesichtigen Gott mit.

Die von Nakkirar zur Verehrung der Lilas von Skanda gesungene Hymne die als Tirumurugatruppadai bekannt ist, ist ein eloquenter Mahnruf an die leidende Menschheit sich Gott und seiner Verehrung, der in den Herzen aller innewohnt, hinzugeben.

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Shiva, der göttliche Herr und die Zuflucht seiner Verehrer.

Weitere Fassungen der Legenden

Die Geschichten um Nakkirar werden in verschiedenen Fassungen erzählt. Swami Sivananda folgt einer Überlieferung, in der Nakkirar mit Lepra geschlagen wird und auf der Pilgerreise nach Kailash in Kalahasti in die Gewalt des Dämons gerät. Andere Fassungen erzählen die Begebenheiten etwas anders und verlegen die Höhle nach Tirupparankundram bei Madurai.

Der Dichter vor Shiva

Die Vorgeschichte, die Swami Sivananda nur kurz andeutet, erzählt das Tiruvilaiyadal Puranam ausführlich. In Madurai sucht ein armer Dichter namens Dharumi Hilfe. Eine königliche Frage über den Duft des Frauenhaares soll durch ein Gedicht beantwortet werden, und dem besten Dichter ist ein Preis versprochen. Shiva schenkt Dharumi ein solches Gedicht. Doch Nakkirar, der kundige Prüfer der Dichtung am Königshof, beanstandet dessen Aussage: Der Duft sei nicht von Natur aus im Haar.

Der göttliche Verfasser tritt dem Kritiker selbst entgegen. Selbst angesichts Shivas drittem Auge hält Nakkirar an seinem Einwand fest. Die Erzählung bringt zwei Kräfte in ein spannungsvolles Gegenüber: Treue zur erkannten Wahrheit und den Stolz, der sich mit Gelehrsamkeit verbinden kann. In dieser Fassung trifft ihn das Feuer aus Shivas drittem Auge, und der Dichter sucht Zuflucht im Tempelteich. Die Geschichte endet nicht bei seiner Niederlage. Göttliche Gnade nimmt ihn wieder an; der Widersprechende bleibt nicht für immer ausgeschlossen. So erzählt das Tiruvilaiyadal Puranam von einer Begegnung, in der auch ein großer Gelehrter verwandelt werden muss.[1]

Ein bekannter Satz aus dieser Geschichte ist in Tamil Nadu bis heute sprichwörtlich: Nakkirar soll gesagt haben, auch wenn Shiva sein drittes Auge öffne, ein Fehler bleibe ein Fehler. Er steht für den Mut, an der erkannten Wahrheit festzuhalten, auch vor dem Mächtigsten.

Ein Gesang öffnet die Höhle

In der Fassung, die die Höhle mit Tirupparankundram verbindet, hält ein Ungeheuer dort Menschen gefangen. Auch hier sind bereits 999 eingeschlossen; mit Nakkirar ist die erwartete Zahl tausend erreicht. Was für den Neuankömmling zuerst persönliches Unglück ist, enthüllt sich als gemeinsame Bedrohung.

Nakkirar ruft Murugan an. Sein Lobpreis gilt dem Gott, der den Suchenden entgegenkommt und an vielen heiligen Orten verehrt wird. Die Tradition erkennt in diesem Gesang das Tirumurukarruppatai. Murugan befreit die Gefangenen. Der Dichter geht nicht als einziger aus der Höhle: Seine Rettung schließt die anderen ein. Einzelheiten, Orte und Zahlen variieren zwischen den Fassungen; das gemeinsame Herzstück bleibt der befreiende Ruf zu Murugan.[2]

Das Tirumurukarruppatai

Ein Gedicht, das den Weg weist

Der Name Tirumurukarruppatai bedeutet etwa „heiliger Wegweiser zu Murugan“. Die Gattung der Arruppatai ist in der klassischen tamilischen Dichtung ein Gedicht, in dem ein Dichter, der bereits Gunst und Gaben empfangen hat, einem anderen den Weg zu demselben Wohltäter beschreibt. Nakkirar überträgt diese Form auf das Göttliche: Er weist den Suchenden den Weg zu Murugan, dem göttlichen Geber aller Gnade.

Das Gedicht führt seine Hörer durch eine reiche Welt: Berglandschaften, Heiligtümer, Verehrer und die verschiedenen Erscheinungsweisen Murugans, seine sechs Gesichter und zwölf Arme und die Bedeutung jeder einzelnen Gestalt. Es bleibt nicht beim Bericht einer privaten Begnadung stehen. Ein Mensch, der einen Zugang gefunden hat, zeigt einem anderen den Weg.

Die sechs heiligen Wohnstätten Murugans

Das Tirumurukarruppatai besingt sechs Orte, an denen Murugan besonders gegenwärtig ist. Die Tradition hat daraus die Arupadai Veedu, die „sechs Wohnstätten“ Murugans, abgeleitet, die bis heute die wichtigsten Pilgerorte seiner Verehrung in Tamil Nadu sind:

  • Tirupparankundram bei Madurai, wo Murugan Devasena heiratete,
  • Tiruchendur am Meer, wo er den Dämon Surapadma besiegte,
  • Palani, wo er als entsagender Asket verehrt wird und wo nach der Legende der Siddha Bogar seine Figur schuf,
  • Swamimalai, wo er seinem Vater Shiva die Bedeutung des Om erklärte,
  • Tiruttani, wo er nach dem Sieg über die Dämonen Ruhe fand und Valli heiratete,
  • Pazhamudircholai bei Madurai, in den Hügeln des Waldes.

Die Pilgerfahrt zu diesen sechs Orten gilt als eine der verdienstvollsten Übungen der Murugan-Verehrung.

Der gerettete Sänger wird zum Wegweiser

Für die spirituelle Betrachtung gehören Höhle und Weg zusammen. In der Enge scheint nur noch das eigene Leid zu bestehen. Im Gesang wird das Herz wieder weit genug, die anderen Gefangenen wahrzunehmen. Die spätere Freiheit wird deshalb nicht zum Besitz, den man bewacht, sondern zur Einladung. Wer Trost erfahren hat, kann selbst jemandem Mut machen, der noch im Dunkeln sitzt.

Gerade darin liegt die Schönheit der Arruppatai-Form: Glück wird weitergegeben. Swami Sivananda nennt das Gedicht deshalb einen „Mahnruf an die leidende Menschheit“, sich Gott zuzuwenden.

Symbolbild: Hingabe und innere Sammlung lassen das Herz weit werden.

Spirituelle Bedeutung

Nakkirars Geschichten verbinden Wahrhaftigkeit, die Läuterung von Ahamkara, dem Ich-Gefühl, und die Kraft des gemeinsamen Gebets. Die beiden großen Legenden zeigen zwei Seiten desselben Menschen: den Gelehrten, der in seinem Stolz gegen Gott selbst streitet, und den Verehrer, der in der Not die anderen Gefangenen tröstet und durch seinen Gesang alle befreit. Der Weg führt von der Selbstbehauptung zur Hingabe, ohne dass der Mut zur Wahrheit verloren geht. Seine literarische Bedeutung geht über jede einzelne Legende hinaus.

Werke und weiterführende Texte

Die Zuschreibung verschiedener Werke an gleichnamige Dichter bleibt gesondert zu prüfen.

Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten

Paranjothi Munivar erzählt die Madurai-Legenden in späterer Zeit. Arunagirinathar und Tirumuruga Kirupananda Variyar gehören zur späteren Murugan-Frömmigkeit. Bogar und Pambatti Siddhar sind mit der Murugan-Verehrung in Palani und Marudamalai verbunden. In Kalahasti, dem Ort, den Swami Sivananda nennt, wird auch Kannappa Nayanar verehrt, der große Jäger-Heilige Shivas. Kapilar ist ein anderer großer Name der klassischen Dichtung, kein hier nachgewiesener persönlicher Mitschüler.

Anregungen für Yoga und Meditation

Verbinde einen Gottesnamen mit dem Wunsch, dass auch andere Menschen Hilfe finden. Im Yoga lässt sich dies als bewusste Verbindung von Achtsamkeit, Mitgefühl und tätiger Verantwortung üben. Eine kurze Meditation kann damit beginnen, den Atem natürlich fließen zu lassen und die gewählte Anregung ohne Selbstverurteilung zu betrachten. Entscheidend ist anschließend eine kleine, tatsächlich ausgeführte Handlung.

Wer Murugan verehren möchte, kann das Mantra Om Saravanabhava wiederholen, das in der Murugan-Tradition besonders beliebt ist.

Ein Gedanke für den Alltag

Bewahre den Mut zur Wahrheit und zugleich die Bereitschaft, durch eine größere Liebe belehrt zu werden.

Videos zur Vertiefung

Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.

Ankommenssatsang - Kirtan, Mantra und Arati mit Sukadev - Yoga Vidya Live, 15.07.2022, 20:00 Uhr

Licht-Meditation mit Sukadev

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

Seminare

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