Shri Vidyarnava Tantra Deutsche Übersetzung Teil 5
Shri Vidyarnava Tantra – Deutsche Übersetzung, Teil 5
Umfang dieser Seite: Kapitel 29–32. Die markierten Quellenprobleme und Auslassungen gehören zum Editionsbefund.
Deutsche Übersetzung ab dem neunundzwanzigsten Śvāsa. Kapitel 1–28 liegen in den vorherigen Teilen vor; Kapitel 29–32 sind bis zum jeweiligen Kolophon übersetzt und am Druckbild geprüft; örtliche Lesungsunsicherheiten bleiben markiert. Kapitel 33–36 und der Herausgeberanhang stehen im sechsten Übersetzungsteil.
Die Kapitel 29–32 verbinden die Verehrung Kṛṣṇas, Śivas und Gaṇeśas mit Sonnenformeln, Gāyatrī und der Betrachtung des höchsten Lichts. Zwischen ausführlichen Ritualordnungen stehen Deutungen, die nach dem Bewusstsein hinter der Handlung fragen. In Kapitel 31 wird etwa das eigene Selbst als Gottheit betrachtet und das Opfer als Aufgehen von Verblendung im Selbst erklärt. Diese Wechsel zwischen Bild, Klang und Erkenntnis prägen die Lektüre.

Zur Ausgabe: Alle Textteile · 108 inspirierende Verse · Mantras und Formelregister
Deutsch: Teil 5 — IAST: Teil 3 · Teil 4 — Devanagari: Teil 6 · Teil 7
29. Śvāsa
Nun beginnt der neunundzwanzigste Śvāsa. Zuerst der Śrīkānta-Mantra. Im Sārasaṅgraha heißt es:
29.SKT.1: Der achtzehnsilbige Mantra mit Māyā und Ramā am Anfang ergibt den Zwanzigsilbler. Kein anderer Mantra komme ihm als Gewährer von Vollendung gleich. [Māyā und Ramā sind die bereits erläuterten Bījas hrīṃ und śrīṃ; die Formel entspricht der im vorigen Kapitel erklärten zwanzigsilbigen Kṛṣṇa-Form. Die Fußnote hat eine abweichende, an dieser Stelle undeutliche Partikelfolge.]
29.SKT.2: Brahmā ist der Seher dieses Mantras, Gāyatrī das Versmaß, Śrī Kṛṣṇa die Gottheit. Bīja, Śakti und Weiteres nennt man, wie bereits erläutert.
29.SKT.3: Nun werde ich die vorzüglichste Meditation über Śrīkānta erklären, die Kubera und die übrigen Hüter des Reichtums immerfort vollziehen.
29.SKT.4: Sie gilt als glückverheißend und als Ursprung unerschöpflichen Reichtums und strahlender Fülle. In Dvārakā, inmitten der besten Häuser, befindet sich eine wie zehn Millionen Sonnen leuchtende … [Der Druck bietet bei der Beschreibung der Fülle einen eingeklammerten Alternativausdruck „bewirkend“.]
29.SKT.5: … von vielen Wunschbäumen umgebene Juwelenhalle. Ihre Säulen, Tore und inneren Wände bestehen aus Mengen strahlender vorzüglicher Edelsteine.
29.SKT.6: Sie ist mit Girlanden voll erblühter Blumen und zahllosen Perlen versehen; ihr Boden glänzt wie Topas, darüber spannt sich ein edelsteingeschmückter Raum. [Die zusammengesetzte Beschreibung des oberen Raums ist im Druck beschädigt und bleibt unsicher.]
29.SKT.7: Darunter beziehungsweise darin steht ein Wunschbaum, dessen Äste sich überallhin ausbreiten und der unablässig Ströme von Juwelennektar herabregnen lässt.
29.SKT.8: Reihen brennender Juwelenlampen erhellen alle Richtungen. Auf einem Lotus auf dem Juwelenthron, der wie die strahlende Sonnenscheibe leuchtet …
29.SKT.9: … sitzt Ramās Geliebter, glänzend wie geschmolzenes Gold. Seine Erscheinung gleicht gleichzeitig aufsteigenden Sonnen, Mondenscharen und zehn Millionen Blitzen.
29.SKT.10: Seine Glieder erfreuen das Herz; von allen Seiten wirkt er friedvoll. Mannigfacher Schmuck ziert ihn. Er trägt Diskus, Muschelhorn, Keule und Lotus und ist in ein gelbes Gewand gekleidet.
29.SKT.11: Mit seinem linken Lotusfuß, der wie Koralle glänzt, berührt er einen Krug, aus dem Tag und Nacht ein Strom von Juwelen fließt. [Die Fußnote verändert die grammatische Form des Wortes „strömend“.]
29.SKT.12: Rukmiṇī und Satyabhāmā stehen rechts und links vom Herrn und begießen sein Haupt mit einem Strom mannigfacher Edelsteine …
29.SKT.13: … aus Krügen, die sie in ihren glänzenden Lotushänden halten. Die Nāgnajiti genannte Gemahlin und Sunandā reichen den beiden weitere schöne Krüge.
29.SKT.14: Ebenso sind Mitravindā und Sulakṣaṇā gegenwärtig; rechts und links bei diesen stehen die Jāmbavatī genannte Gemahlin und Suśīlā …
29.SKT.15: … die aus den Juwelenströmen zwei mit Edelsteinen gefüllte Krüge nehmen und sie anmutig darreichen. So sollen die vorzüglichen Mantrakenner sie betrachten. [Die genaue Staffelung der Gemahlinnen ist syntaktisch gedrängt; die im Druck genannten Namen bleiben erhalten.]
29.SKT.16: Ringsum stellt man sich sodann sechzehntausend Frauen vor, in ihren Händen schöne Krüge mit Strömen von Gold, Edelsteinen und anderen Kostbarkeiten.
29.SKT.17: Außerhalb von ihnen betrachtet man die acht Schätze, die Reichtümer herabregnen lassen, weiter außen Indra und die übrigen und wiederum die Götter wie zuvor.
29.SKT.18: Nachdem man sich den Herrn der Götter so vorgestellt hat, beginnt man die Verehrung. Die zuvor erläuterten Handlungen bis zum Sitz-Nyāsa werden vollzogen …
29.SKT.19: … und der Mantrakenner übt dreimal Atemregelung mit dem Grundmantra. Danach führt er den Nyāsa des Sehers und der weiteren Angaben aus.
29.SKT.20: Auf Finger und Handflächen setzt man die sechs Glieder. Der umfassende Nyāsa erfolgt mit dem Grundmantra, ebenso an den Händen.
29.SKT.21: Der vorzügliche Lehrer setzt erneut die sechs Glieder auf den Körper, dann die Mātṛkā, vom Grundmantra umschlossen.
[Unnummerierte Erläuterung:] Durch das Wort „und“ wird ein weiterer sechsgliedriger Nyāsa angezeigt. „Nachdem man erneut die sechs Glieder eingesetzt hat, setzt man die Mantralaute auf den Körper“, heißt es im Sanatkumāra-… [Zitatnachweis setzt sich auf der nächsten Druckseite fort.]
[Fortsetzung des Nachweises:] … aufgrund dieser Aussage Sanatkumāras.
29.SKT.22: Man setzt die zehn Silben in der Folge der Auflösung und der Schöpfung ein, dann den umfassenden Nyāsa und anschließend den Nyāsa der Mantralaute.
29.SKT.23: Auf das Haupt, die Stirn, zwischen die Brauen, auf Augen und Ohren, Nase und Mund, dann auf Kinn und Hals …
29.SKT.24: … an die Armansätze, auf Herz, Schulter und Nabelbereich, o Śivā, dann auf den Mūlādhāra, beide Hüftseiten, beide Knie und Unterschenkel …
29.SKT.25: … beide Knöchel und beide Füße setzt man der Reihe nach die Mantralaute. Dies heißt Schöpfungsnyāsa. Der Erhaltungsnyāsa beginnt am Herzen …
29.SKT.26: … und endet an den Armansätzen. Der Auflösungsnyāsa beginnt an den Füßen. Manche führen eine fünffache Folge bis zur Erhaltung aus und setzen dann den bereits genannten Mūrtipañjara ein …
29.SKT.27: … danach Schöpfung und Erhaltung und anschließend die sechs Glieder. Die Lautgruppen sind der Reihe nach drei, drei, vier, vier, vier und zwei.
[Unnummerierte Glosse:] Feuer bezeichnet drei, Meere vier, Augen zwei.
29.SKT.28: Mit diesen Lautgruppen des Grundmantras, verbunden mit den jeweiligen Schlussformen, setzt man Herz und die übrigen Glieder ein. Nach den Mudrās von Krone und Weiterem vollzieht man die Bindung der Richtungen.
29.SKT.29: Durch den Mūrtipañjara verehrt man die Gottheit im eigenen Körper. Danach wird das vorzügliche Yantra für ihre äußere Verehrung erklärt.
29.SKT.30: Auf mit Kuhdung bestrichenem Boden ordnet man den Sitz an. Mit der zuvor genannten Duftstoffpaste bestrichen, trägt er einen achtblättrigen Lotus …
29.SKT.31: … in dessen Mitte eine umschließende Feuerfigur liegt. In sie setzt man das Madana-Mantra-Bīja zusammen mit dem Zielnamen.
29.SKT.32: Mit den im Mantra darüberstehenden Lauten umschließt man dieses Bīja. In die Ecken von Indra, dem Rākṣasa und Vāyu setzt man Kamalā, das Lakṣmī-Bīja.
29.SKT.33: In den anderen Dreiecksspitzen ordnet man das Māyā-Bīja an. In die Zwischenräume der Ecken kommen die entsprechenden Laute, an die Blütenblattansätze je drei … [Die Passage von 32 bis zur ersten Hälfte von 33 ist im Druck eingeklammert.]
29.SKT.34: … Silben der Kāma-Gāyatrī. Auf die acht Blätter kommt der Mālā-Mantra, jeweils sechs Silben pro Blatt. Danach umschließt man alles mit den Mātṛkā-Lauten. [Die Fußnote gibt für die Sechsergruppen die gleichbedeutende Lesung rasavarṇaiḥ.]
29.SKT.35: In die vier Hauptrichtungen der Erdeinfassung setzt man Ramā, in ihre Ecken Māyā. So zeichnet der Kundige das große Yantra auf eine goldene oder andere Tafel.
29.SKT.36: Mit gehöriger Mantrawiederholung verehrt und von vorzüglichen Menschen getragen, verschaffe es allgemeine Verehrung und Einfluss auf Könige, so die Verheißung.
[Unnummerierte Glosse:] Die genaue Herleitung des Yantras wird im praktischen Verfahren erläutert.
29.SKT.37: Man sagt Kāmadeva im Dativ, dann vidmahe, Puṣpabāṇa im Dativ und dhīmahi.
[Unnummerierte Fortsetzung:] Nach tan no sagt man anaṅgaḥ pracodayāt. [Die übrige Vershälfte ist durch Punkte vertreten.]
[Unnummerierte Auflösung:] Die Dative lauten kāmadevāya und puṣpabāṇāya; die anderen Worte bleiben wie genannt. Die Gesamtform lautet: kāmadevāya vidmahe puṣpabāṇāya dhīmahi tan no ’naṅgaḥ pracodayāt. [Kein einleitendes Oṃ im hier erläuterten Grundtext ergänzt.]
29.SKT.38: Diese Gāyatrī soll sorgfältig wiederholt werden. Zu Beginn der Japa-Praxis sämtlicher Gopāla-Mantras gelte sie als anziehend wirkend.
29.SKT.39: Nach Hṛd stehen Kāmadeva und Sarvajanapriya im Dativ, dann sarvajana und Saṃmohana ebenfalls im Dativ.
29.SKT.40: Der Mantrakenner verdoppelt jvala, spricht prajvala, dann sarva und das Wort jana im Genitiv, anschließend hṛdayaṃ.
29.SKT.41: Darauf folgen mama vaśaṃ, zweimal kuru und der doppelte ṭha am Schluss. Dieser Māra-Mālā-Mantra umfasst zweimal vierundzwanzig Silben.
29.SKT.42: Beim Japa und den übrigen Handlungen erhält er das Kāma-Bīja am Anfang. Er werde als besonders wirksam zur Beeinflussung von Königen und allen anderen Menschen betrachtet.
[Unnummerierte Auflösung:] Hṛd ist namaḥ. Die Dative sind kāmadevāya, sarvajanapriyāya und saṃmohanāya. Sarvajana steht für sich. Jvala wird zweimal gesprochen; danach folgt prajvala. Sarva steht für sich; der Genitiv von jana ist janasya. Hṛdayaṃ und mama … [Die Wortauflösung wird auf der nächsten Druckseite fortgesetzt. Die vollständige Formel wird dort anhand ihres Abschlusses wiedergegeben.]
[Fortsetzung der Wortauflösung:] … sowie vaśaṃ stehen ausdrücklich so da; kuru wird zweimal gesprochen, der doppelte ṭha bedeutet svāhā. Zweimal vierundzwanzig ergibt achtundvierzig. Der erschlossene Mālā-Mantra lautet somit: namaḥ kāmadevāya sarvajanapriyāya sarvajanasammohanāya jvala jvala prajvala sarvajanasya hṛdayaṃ mama vaśaṃ kuru kuru svāhā. [Beim Japa wird gemäß 29.SKT.42 zusätzlich klīṃ vorangestellt.]
29.SKT.43: Bei diesem Mantra vollzieht man zunächst die Verehrung des Sitzes auf dem zuvor erläuterten Weg. Man stellt dort die göttliche Gestalt her, ruft Kṛṣṇa in sie und verehrt ihn.
29.SKT.44: Mit Hingabe bringt der Mantrakenner die Dienste vom Sitz bis zum Schmuck dar, und zwar in der Reihenfolge des Gestalt-Nyāsa.
29.SKT.45: Zuerst Schöpfung, dann Erhaltung, danach die sechs Glieder, Krone, beide Ohrringe, Diskus, Muschelhorn und Keule … [Die Druckform bei „Diskus“ ist undeutlich.]
[Unnummerierte Glosse:] Das „Wassergeborene“ bedeutet hier das Muschelhorn.
29.SKT.46: … Lotus, Waldblumengirlande, Śrīvatsa und Kaustubha verehrt man wie zuvor mit dem Grundmantra, mit Sandel, ungebrochenen Reiskörnern, Blumen und weiteren Gaben.
29.SKT.47: In den sechs Ecken verehrt man, von der Feuer-Richtung an, die sechs Glieder; in den entsprechenden Eck- und Staubfadenbereichen die Gestalten von Vāsudeva an.
29.SKT.48: Śānti, Śrī, Sarasvatī und Rati befinden sich an den Ansätzen der Blütenblätter in den Hauptrichtungen. Danach verehrt man auf den Blättern, von Osten an, Rukmiṇī und die übrigen …
29.SKT.49: … in der Folge rechts und links und der anschließenden Richtungsfolge. Sodann die sechzehntausend Frauen des Gottes der Götter, des Bogenträgers. [48 und die erste Hälfte von 49 stehen im Druck in Klammern; die genaue Richtungsformulierung von 49a ist undeutlich.]
29.SKT.50: An den Blattspitzen verehrt man der Reihe nach die acht Schätze: Indra, Nīla, Mukunda, Makara, Anaṅga, Kacchapa …
29.SKT.51: … Śaṅkha und Padma. Außen folgt die Verehrung der Weltenhüter und ihrer Waffen. Nach dieser Verehrung Govindas bietet man Opferspeise als Naivedya an.
[Unnummerierte Glosse:] Gemeint ist Milchreis.
29.SKT.52: Hinzu kommen Stückzucker, geklärte Butter und Dickmilch, danach Schirm und die anderen Ehrendienste. Nach Lobpreis und Verneigung entlässt man Hari samt seinen Kreisen in das eigene Herz.
[Unnummerierte Fortsetzung:] Man setzt die Gottheit erneut ein, verehrt das eigene Selbst und wiederholt den Mantra nach Vermögen. [Die restliche Vershälfte ist durch Punkte ersetzt.]
[Unnummerierte praktische Erläuterung:] Nach den morgendlichen Pflichten bis zum Yogapīṭha-Nyāsa folgt dreimal Atemregelung mit dem Grundmantra. Die vorbereitenden Formeln lauten:
| Stelle | Formel |
|---|---|
| Haupt | brahmaṇe ṛṣaye namaḥ |
| Mund | gāyatrīchandase namaḥ |
| Herz | śrīkṛṣṇāya devatāyai namaḥ |
| Verborgener Bereich | klīṃ bījāya namaḥ |
| Füße | svāhā śaktyai namaḥ |
[Die Fußformel steht im Druck in Klammern.] Mit zusammengelegten Händen spricht man den Viniyoga: „Die Anwendung dient der Verwirklichung meiner vier menschlichen Lebensziele.“ Es folgt der sechsgliedrige Hand-Nyāsa:
| Glied | Formel |
|---|---|
| Herz | hrīṃ śrīṃ klīṃ hṛdayāya namaḥ |
| Haupt | kṛṣṇāya śirase svāhā |
| Scheitelbüschel | govindāya śikhāyai vaṣaṭ |
| Panzer | gopījana kavacāya huṃ |
| Drei Augen | vallabhāya netratrayāya vauṣaṭ |
| Waffe | svāhā astrāya phaṭ |
Mit dem Grundmantra führt man die umfassende Einsetzung vom Haupt bis zu den Füßen aus. Dann setzt man die vom Grundmantra umschlossene Mātṛkā ein, darauf die zehn Tattvas in Auflösungs- und Schöpfungsfolge wie beim Zehnsilbler. Mit dem von Oṃ umschlossenen Grundmantra folgt wieder der umfassende Nyāsa, danach erneut die sechs Glieder.
Die folgende Tabelle gibt beide vollständig ausgeschriebenen Körperreihen wieder. Jede Silbe wird jeweils mit namaḥ verbunden:
| Silbe | Schöpfungsfolge | Erhaltungsfolge |
|---|---|---|
| hrīṃ | Haupt | Herz |
| śrīṃ | Stirn | Bauch |
| klīṃ | Zwischen den Brauen | Nabel |
| kṛṃ | Beide Augen | Geschlechtsorgan |
| ṣṇāṃ | Beide Ohren | Mūlādhāra |
| yaṃ | Nase | Beide Hüftseiten |
| goṃ | Mund | Beide Knie |
| viṃ | Kinn | Beide Unterschenkel |
| dāṃ | Hals | Beide Knöchel |
| yaṃ | Beide Armansätze | Beide Füße |
| goṃ | Herz | Haupt |
| pīṃ | Bauch | Stirn |
| jaṃ | Nabel | Zwischen den Brauen |
| naṃ | Geschlechtsorgan | Beide Augen |
| vaṃ | Mūlādhāra | Beide Ohren |
| llaṃ | Beide Hüftseiten | Nase |
| bhāṃ | Beide Knie | Mund |
| yaṃ | Beide Unterschenkel | Kinn |
| svāṃ | Beide Knöchel | Hals |
| hāṃ | Beide Füße | Armansatz |
[Die Prosa nennt in der Schöpfungsreihe den Bauch, während 29.SKT.24 an der entsprechenden Stelle eine Schulterbezeichnung hat. Diese Differenz bleibt erhalten.]
Nach der Erhaltungsfolge setzt man die Auflösungsfolge von den Füßen bis zum Haupt ein. Diese Reihenfolge gilt für Asketen. Bei Hausleuten lautet sie Auflösung – Schöpfung – Erhaltung; bei Waldasketen Erhaltung – Auflösung – Schöpfung.
Danach folgt der zuvor beschriebene Mūrtipañjara-Nyāsa, dann erneut die hier erläuterten Schöpfungs- und Erhaltungsnyāsas und die sechs Glieder. Man zeigt die anschließend zu erläuternden Viṣṇu-Mudrās, bindet die Richtungen und verehrt die Gottheit im eigenen Körper in der Mūrtipañjara-Folge.
Vor sich bereitet man mit Sandel und anderen Stoffen den Sitz, zeichnet darauf mit Kuṅkuma einen achtblättrigen Lotus und in dessen Mitte ein Sechseck. In die Mitte des Sechsecks kommt das Kāma-Bīja mit dem Zielnamen. Mit zehn Silben von kṛṣṇāya an wird das Kāma-Bīja umschlossen. [Die Angabe „zehn“ steht so in der Prosa; der Zusammenhang des Zwanzigsilblers lässt diese knappe Zuordnung nicht ohne Weiteres aufgehen.] In die östliche, südwestliche und nordwestliche Ecke schreibt man das Śrī-Bīja, in die übrigen Ecken das Māyā-Bīja. In die Zwischenräume kommen die zuvor genannten Silben des sechs-… [Fortsetzung auf der folgenden Druckseite.]
[Fortsetzung der unnummerierten Erläuterung:] … silbigen Kṛṣṇa-Mantras. In die Staubfäden kommen jeweils drei Silben der genannten Kāma-Gāyatrī, in die Blätter jeweils sechs Silben des Makaradhvaja-Mālā-Mantras. Außen umschließt man das Diagramm im Zwischenraum zweier Kreise mit den Mātṛkā-Lauten samt Bindu. In die Hauptrichtungen des äußeren Quadrats schreibt man das Śrī-Bīja, in seine Ecken das Māyā-Bīja.
Nach der Verehrung des Sitzes und den Handlungen von der Herstellung der Gestalt bis zum Blumenopfer verehrt man den Körper der Gottheit in Schöpfungs- und Erhaltungsfolge. Als Glieder der Auflösung verehrt man die sechs Glieder an den entsprechenden Körperstellen. Für die Schmuckstücke und Waffen wird jeweils zunächst der Grundmantra gesprochen:
| Stelle | Darauf folgende Formel |
|---|---|
| Haupt | kirīṭāya namaḥ |
| Beide Ohren | kuṇḍalābhyāṃ namaḥ |
| Obere rechte Hand | cakrāya namaḥ |
| Obere linke Hand | śaṅkhāya namaḥ |
| Untere linke Hand | gadāyai namaḥ |
| Untere rechte Hand | padmāya namaḥ |
| Von den Schultern bis zu den Füßen, alternativ bis zum Nabel | vanamālāyai namaḥ |
| Brust | śrīvatsāya namaḥ |
| Hals | kaustubhāya namaḥ |
Die Glieder werden wie zuvor in den sechs Ecken verehrt; die Gestalten von Vāsudeva an in den diagonalen Staubfadenbereichen, die Śaktis von Śānti an in den Staubfadenbereichen der Hauptrichtungen. Auf den Blättern verehrt man die acht Gemahlinnen von Rukmiṇī an, rechts und links von der Gottheit angeordnet.
Rings um die Gottheit folgt ṣoḍaśasahasrasaṃkhyābhyo devībhyo namaḥ, „Verehrung den Göttinnen in der Zahl sechzehntausend“. An den Blattspitzen werden die acht Schätze verehrt: indrāya namaḥ, nīlāya namaḥ, mukundāya namaḥ, makarāya namaḥ, anaṅgāya namaḥ, kacchapāya namaḥ, śaṅkhāya namaḥ, padmāya namaḥ. Weltenhüter, Waffen und alles Weitere schließen wie zuvor an.
29.SKT.53: Nach dieser Verehrung des Gottes der Götter wiederholt man den Mantra vierhunderttausendmal. Danach opfert man mit geklärter Butter; anschließend erfolgt die Labung zu einem Zehntel. [Die knappe Syntax lässt offen, worauf genau die Zehntelangabe bezogen wird; sie wird hier nicht zu einer vollständigen Zahlenfolge ergänzt.]
29.SKT.54: Nach der eigenen rituellen Besprengung speist man Brahmanen. Wer den Mantra so vollendet hat, vollzieht anschließend die Anwendungen.
29.SKT.55: Nach der Verehrung Kṛṣṇas im Feuer werden zehntausend Opfer aus weißen Blumen und Reiskörnern mit geklärter Butter dargebracht; die Asche wird getragen.
29.SKT.56: Dadurch würden alle Arten von Vermögen und Getreide erlangt und Frauen geneigt, so die Behauptung. Wer hunderttausend mit süßen Stoffen getränkte rote Lotusblumen opfert …
29.SKT.57: … oder auch Kuhbutter als Feueropfer darbringt, dessen Wohlstand werde beständig. Wer rote oder andere bestimmte Gewänder wünscht, opfert Blumen entsprechender Farbe …
29.SKT.58: … 1008 Mal, mit süßen Stoffen oder geklärter Butter bestrichen. Eine weitere Anwendung verwendet weiße Blumen mit Honig, ebenfalls in der Anzahl …
29.SKT.59: … eintausendundacht täglich. Innerhalb eines Monats werde der Übende damit zum Hauspriester eines Königs oder eines Ministers, behauptet der Text.
29.SKT.60: Die Anwendungen mit Japa, Feueropfer und Weiterem, die für den zehn- und achtzehnsilbigen Mantra genannt wurden, können hingebungsvoll auch mit diesem Mantra vollzogen werden.
29.SKT.61: Wer diesen Mantra mit Nyāsa, Meditation, Wiederholung, Verehrung und Feueropfer pflegt, dessen Haus werde reich an Juwelen, Gold, Getreide und anderem.
29.SKT.62: Bald liege die ganze Erde in seiner Hand. Nachdem er hier mit Söhnen, Enkeln, Gattin und anderen vielerlei Freuden genossen hat …
[Unnummerierte Fortsetzung:] … gehe er am Ende in die höchste Wohnstätte Viṣṇus ein, die selbst für Seher schwer erreichbar sei. [Die weitere Vershälfte ist im Druck durch Punkte ersetzt.]
Ein Yantra des Zwanzigsilblers aus dem Śrīyantrasāra
Im Śrīyantrasāra heißt es:
29.SYS.1: In die Mitte des Sechsecks schreibt man Madana mit dem Zielnamen; in die sechs Ecken die sechs Silben, in die vier Blätter die vier Silben.
29.SYS.2: Es folgt der zehnbättrige Lotus: in jeden Staubfadenbereich eine Silbe des Zehnsilblers, auf jedes Blatt der Reihe nach zwei Silben des Zwanzigsilblers.
29.SYS.3: Das Ganze wird mit Māras Mālā, den fünf Pfeilen und der Mātṛkā umschlossen. An den Stellen der Erdeinfassung befinden sich Śakti, Śrī, Vasudhā und Smara. [Der Wortlaut der ersten Hälfte und die Verbindung der Einfassungsstellen sind eng und teilweise beschädigt; die folgende Prosa wird zur genaueren Zuordnung herangezogen.]
29.SYS.4: So ist das Yantra des zwanzigsilbigen Mantras vorschriftsgemäß beschrieben. Es sei sorgfältig geheim zu halten und nicht beliebig weiterzugeben.
29.SYS.5: Es gewähre Dharma, Wohlstand, Verlangen, Befreiung, Lebensdauer, Söhne, Getreide und Land, schütze, mache Menschen geneigt und verleihe Schönheit, Glück und Ruhm.
[Unnummerierte Fortsetzung:] Wozu viele Worte: Es sei ein göttlicher Wunschbaum für die erstrebten Dinge. [Die restliche Vershälfte ist durch Punkte ersetzt.]
[Unnummerierte Erläuterung:] Man zeichnet ein Sechseck, in dessen Mitte das Kāma-Bīja mit dem Zielnamen und in dessen Ecken die sechs Silben. Auf die außen liegenden vier Blätter schreibt man die vier Silben. In die zehn Staubfadenbereiche des nächsten Lotus kommen die zehn Silben, auf dessen zehn Blätter die Silben des zwanzigsilbigen Mantras … [Fortsetzung auf der folgenden Druckseite.]
[Fortsetzung der unnummerierten Erläuterung:] … je zwei auf ein Blatt. Vier äußere Kreise bilden drei Ringgänge. Der innere wird mit dem zuvor genannten Kāma-Mālā-Mantra umschlossen, der mittlere mit den fünf Pfeil-Bījas wie zuvor, der äußere lückenlos mit den Mātṛkā-Lauten. An jeder Ecke des äußeren Quadrats schreibt man die Bījas von Śakti, Śrī, Vasudhā und Kāma. Das Yantra soll die genannten Früchte bringen.
Das zuvor beschriebene Verehrungs-Yantra wird nach seiner Vollendung zum tragbaren Yantra. Auch dieses gewähre, vorschriftsgemäß getragen, die genannten Früchte. [Die Prosa setzt bei „getragen“ eine unsichere alternative Druckform in Klammern.]
Weitere Kṛṣṇa-Mantras im Sārasaṅgraha
29.KVM.1: Nach Ramā, Māyā und Smara spricht man Kṛṣṇa im Dativ und Govinda im Dativ; svāhā am Ende macht den Mantra zwölfsilbig.
[Unnummerierte Auflösung:] Ramā ist śrīṃ, Māyā hrīṃ, Smara klīṃ; die Dative lauten kṛṣṇāya und govindāya. Die Formel ergibt sich als śrīṃ hrīṃ klīṃ kṛṣṇāya govindāya svāhā.
29.KVM.2: Brahmā ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Śrī Kṛṣṇa die Gottheit. Mit den durch Mond, Erde, Mond, drei, Meer und Augen bezeichneten Lautgruppen …
29.KVM.3: … aus dem Grundmantra bildet man die sechs Glieder. Meditation, Verehrung, Japa und Weiteres vollzieht man wie beim Zwanzigsilbler.
[Unnummerierte Fortsetzung:] Wer alle Fülle wünscht, soll diesen Mantra verehren. [Die restliche Vershälfte ist durch Punkte ersetzt.]
[Unnummeriert ausgeschriebene Zuordnung:]
| Glied | Lautgruppe |
|---|---|
| Herz | śrīṃ |
| Haupt | hrīṃ |
| Scheitelbüschel | klīṃ |
| Panzer | kṛṣṇāya |
| Augen | govindāya |
| Waffe | svāhā |
29.KVM.4: Nach den Bījas Lakṣmīs, Śaktis und des Geistgeborenen folgt der Zehnsilbler; Kāma, Māyā und Indirā bilden den Schluss. Dies gilt als sechzehnsilbiger Mantra.
[Unnummerierte Auflösung:] Lakṣmī ist śrīṃ, Śakti hrīṃ, der Geistgeborene klīṃ. Die zehn Silben sind die zuvor genannten Gopāla-Silben. Am Ende stehen Kāma klīṃ, Māyā hrīṃ, Indirā śrīṃ. Daraus: śrīṃ hrīṃ klīṃ gopījanavallabhāya svāhā klīṃ hrīṃ śrīṃ.
29.KVM.5: Seher und Weiteres sowie die fünf Glieder entsprechen dem Zehnsilbler. Die Verehrung folgt dem Zwanzigsilbler. Seine Meditation wird nun erläutert.
29.KVM.6: Mit den Lotushänden, die Segen und Furchtlosigkeit gewähren, umfasst er seine beiden Geliebten am Schoß. Ihre Hände glänzen mit Lotus und Wasserlilie; freudig umarmen sie ihn.
29.KVM.7: Sein herrlicher Körper trägt Diskus und Muschelhorn. Mit dieser Meditation wiederholt man gesammelt eine Million Mal.
29.KVM.8: Danach opfert man ebenso viele Tausende vorzüglicher geklärter Butter und vollzieht Labung und Weiteres. Der vollendete Mantra soll die gewünschte Frucht verleihen. [„Ebenso viele Tausende“ bezieht sich auf die zuvor genannten zehn Lakṣa: zehn Tausend; diese Zahl wird nicht zu einem Zehntel der Million geändert.]
29.KVM.9: Der Zehnsilbler mit Māyā und Śrī wird zum Zwölfsilbler. Sein Verfahren entspricht dem beim Sechzehnsilbler beschriebenen Weg.
[Unnummerierte Glosse:] Die Auflösung sei leicht verständlich. Daraus folgt hrīṃ śrīṃ gopījanavallabhāya svāhā.
29.KVM.10: Dem zehnsilbigen Mantrarāja werden entweder Kāma, Māyā und Indirā vorangestellt, oder Māyā, Śrī und Kāma, oder Lakṣmī, Māyā und Smara.
29.KVM.11: Dies sind drei dreizehnsilbige Mantras. Die Gliedzuordnung folgt dem Verfahren des Zehnsilblers. [Die Fußnote hat das gleichbedeutende samudāhṛtāḥ für „erklärt“.]
Die drei Reihen lauten demnach:
| Form | Formel |
|---|---|
| Erste | klīṃ hrīṃ śrīṃ gopījanavallabhāya svāhā |
| Zweite | hrīṃ śrīṃ klīṃ gopījanavallabhāya svāhā |
| Dritte | śrīṃ hrīṃ klīṃ gopījanavallabhāya svāhā |
29.KVM.12: Beim dritten Mantra gilt die Meditation des Zehnsilblers, beim zweiten die des Zwanzigsilblers. Für den ersten wird sie jetzt genannt.
29.KVM.13: Seine Lotushände tragen Muschelhorn, Diskus, Bogen, schöne Pfeile, Schlinge und Haken. Mit zwei weiteren Händen hält er die Flöte und spielt voller Freude.
29.KVM.14: Zur Erlangung der gewünschten Frucht meditiert man so über Kṛṣṇa in der Sonnenscheibe. Die Verehrung mit Gliedern, Indra und den anderen sowie Vajra und den übrigen Waffen soll alle Vollendungen gewähren.
29.KVM.15: Nach fünf Lakṣa Wiederholungen bringt man ein Zehntel als Feueropfer mit Opferspeise dar. Danach folgen Labung und Weiteres. Mit dem vollendeten Mantra vollzieht man die Anwendungen …
[Unnummerierte Fortsetzung:] … im Wunsch nach Schönheit, Gedeihen, Vermögen und Gesundheit. [Die übrige Vershälfte ist durch Punkte ersetzt.]
[Unnummerierte Glosse:] „Pfeil-Lakṣa“ bedeutet fünf Lakṣa, also fünfhunderttausend.
29.KVM.16: Der achtzehnsilbige Mantra mit Kāma am Schluss gewähre Vermögen und Söhne. Nārada ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß.
[Unnummerierte Fortsetzung:] Śrī Kṛṣṇa ist die Gottheit. Die Glieder werden mit Smara in sechs langen Vokalformen gebildet. [Die kurze anschließende Glosse druckt zwei ähnlich aussehende klīṃ-Formen als Beginn der Reihe; eine vollständige Reihe wird an dieser Stelle nicht ausgeschrieben und daher nicht ergänzt.]
29.KVM.17: Man betrachtet Nandas schönen Sohn als dunkelblaues Kind von herrlichem Glanz. In der rechten Lotushand hält er einen Bissen eingekochter Milch, in der linken einen schönen, an diesem Tag frisch gewonnenen Butterklumpen. Eine Tigerkralle schmückt seinen Hals; er trägt kein Gewand.
29.KVM.18: Seine Verehrung erfolgt mit den Gliedern, Weltenhütern, Vajra und den übrigen Waffen. Mit dieser Meditation wiederholt man hunderttausendmal, ohne den Geist auf anderes zu richten.
29.KVM.19: Ein Zehntel opfert man mit Speise, die Zucker und geklärte Butter enthält. Danach vollzieht der Einsichtige Labung und Weiteres nach dem zuvor beschriebenen Verfahren.
29.KVM.20: Nach der vorschriftsgemäßen Verehrung Kṛṣṇas inmitten des Lotus labt man unter Mantrawiederholung seinen herrlichen Lotusmund …
29.KVM.21: … mit sehr reiner Kuhmilch, gut gereiften Bananen, Dickmilch und frischer Butter. Dadurch solle man binnen eines Jahres einen Sohn erhalten.
[Unnummerierte Fortsetzung:] Was immer man wünsche, werde schon durch diese Labung verwirklicht, behauptet der Text. [Die restliche Vershälfte ist durch Punkte vertreten.]
Der zweiundzwanzigsilbige Mantra für Sprachkraft
29.KVM.22: Adhara mit Bindu, Kāma, Kṛṣṇa im Dativ mit Māyā, Govinda im Dativ, Lakṣmī und danach der Zehnsilbler …
29.KVM.23: … ergänzt durch Bhṛgu, Manu und Visarga, bilden den zweiundzwanzigsilbigen Mantra. Er gewähre den Übenden Herrschaft über die Sprache und die gewünschte Frucht.
[Unnummerierte Fortsetzung:] Seher und Weiteres sowie die Gliederbildung entsprechen dem Achtzehnsilbler. [Die weitere Vershälfte ist durch Punkte ersetzt.]
[Unnummerierte Auflösung:] Adhara ist e, mit Bindu eṃ. Kāma bezeichnet sein Bīja klīṃ. Kṛṣṇa im Dativ ist kṛṣṇāya, verbunden mit dem Māyā-Bīja hrīṃ. Govinda im Dativ ist govindāya, Lakṣmī das Śrī-Bīja śrīṃ. Der Zehnsilbler ist der zuvor genannte. Bhṛgu ist s, Manu au, mit Visarga also sauḥ. Die Verehrung entspricht dem Zwanzigsilbler.
Daraus ergibt sich die hier gelesene Form: eṃ klīṃ kṛṣṇāya hrīṃ govindāya śrīṃ gopījanavallabhāya svāhā sauḥ. [Der Kommentar schreibt ausdrücklich e und eṃ; dies wird nicht zu aiṃ verändert.]
29.KVM.24: In der oberen rechten Lotushand hält er eine Kristallgebetskette, welche die Mātṛkā-Laute verkörpert, in der oberen linken ein neues Buch, das alle Wissensgebiete enthält. Mit den beiden anderen Händen spielt er die eine Flöte des Wort-Brahman. Singend, in gelbem Gewand, dunkel von Farbe und mit zarten Gliedern: Möge dieser Feind Muras euch zum Heil gereichen.
29.KVM.25: Sein reiches Haar ist mit Pfauenfedern geschmückt. Der Allwissende wird von einer Schar von Sehern verehrt, die alles Wissen besitzen.
[Unnummerierte Fortsetzung:] So betrachtet man den Herrn der Götter in weiblicher Ausstattung. [Die restliche Vershälfte ist durch Punkte vertreten.]
[Unnummerierte Erläuterung:] Nepathya bedeutet Schmuck beziehungsweise Ausstattung; entsprechend ist die Gottheit in weiblicher Gestalt zu meditieren. Als Beleg nennt der Kommentar das Gautamīya-Tantra: „Hari, dessen Körper durch die Schönheit der Erscheinung einer jungen Frau lieblich ist.“
Die fünf Gliedgruppen lauten klīṃ kṛṣṇāya für das Herz, govindāya für das Haupt, gopījana für den Scheitelbüschel, vallabhāya für den Panzer und svāhā für die Waffe. Der Druck gibt die Formeln mit den Gliednamen hṛdayāya, śirase, śikhāyai, kavacāya und astrāya an, die jeweiligen Schlussworte aber nur als Wiederholungszeichen. Das Übrige sei leicht verständlich.
29.KVM.26: Zur Vollendung des Mantras wiederholt der Übende vierhunderttausendmal und opfert ein Zehntel mit Kiṃśuka-Blumen, die mit süßen Stoffen getränkt sind.
29.KVM.27: Danach vollzieht der Mantrakenner Labung und Weiteres auf dem beschriebenen Weg. Wer diesen Mantra nach diesem Verfahren wiederholt …
29.KVM.28: … aus dessen Lotusmund entfalte sich durch die Gnade der Gottheit eine Rede, lieblich wie das Spiel der Wellen und Wogen der Gaṅgā …
29.KVM.29: … eine kraftvolle Bhāratī in Prosa und Versen. Er werde in sämtlichen Veden, ihren Bedeutungen und allen Lehrgebieten bewandert.
[Unnummerierte Fortsetzung:] Nachdem er große königliche Herrlichkeit erlangt hat, erreiche der Erfolgreiche höchste Befreiung. [Die übrige Vershälfte ist durch Punkte vertreten.]
29.KVM.30: Nach dem Anfang der Veden und Hṛd spricht man Bhagavat im Dativ, nandaputrāya, nach nanda das Wort vapuṣe, dann śrī und den Zehnsilbler.
[Unnummerierte Fortsetzung:] Dieser achtundzwanzigsilbige Mantra sei den Verehrenden ein wunscherfüllendes Juwel. [Die weitere Vershälfte ist durch Punkte vertreten.]
[Unnummerierte Auflösung:] Der Anfang der Veden ist Oṃ, Hṛd namaḥ, Bhagavat im Dativ bhagavate. Nandaputrāya, nandavapuṣe und śrī stehen ausdrücklich so da; der Zehnsilbler ist der zuvor genannte. Die daraus erschlossene Form lautet: oṃ namo bhagavate nandaputrāya nandavapuṣe śrī gopījanavallabhāya svāhā. [Insbesondere nandavapuṣe und śrī ohne Bindu werden nach dem Kommentar bewahrt.]
29.KVM.31: Nārada ist der Seher, Uṣṇih das Versmaß. Nandas Sohn, der die gedachte gewünschte Frucht gewährt, ist die Gottheit.
29.KVM.32: Die fünf Glieder werden mit den Worten von ācakra an gebildet. In der rechten Hand trägt er eine Juwelenschale, in der linken einen goldenen Hirtenstab …
29.KVM.33: … und wird freudig von zwei Frauen umarmt: So stellt man sich Kṛṣṇa vor. Die Verehrung mit Gliedern, Weltenhütern, Vajra und den übrigen Waffen dient der gewünschten Frucht.
29.KVM.34: Nach hunderttausend Wiederholungen bringt man abschließend zehntausend Feueropfer mit Opferspeise dar. Bei vollendetem Mantra werde der Übende mit aller Fülle ausgestattet.
29.KVM.35: Nach nandaputrāya spricht man śyāmalāṅgāya, dann Bālavapus im Dativ und Kṛṣṇa im Dativ.
29.KVM.36: Nach Tāra und dem Wort Govinda folgt der zehnsilbige Mantra. Diese vorzügliche Form wird als zweiunddreißigsilbig erklärt. [Die Verbindung „Tāra–Govinda“ und die behauptete Gesamtzahl sind aus diesem knappen Wortlaut nicht sicher in eine vollständige Formel aufzulösen; eine solche wird hier nicht erfunden.]
[Unnummerierte Fortsetzung:] Seher, Versmaß und Gottheit sind Nārada, Anuṣṭubh und Kṛṣṇa. Alles Weitere ist wie zuvor. [Die restliche Vershälfte ist durch Punkte vertreten.]
[Unnummerierte Glosse:] „Wie zuvor“ bedeutet: wie beim Achtundzwanzigsilbler.
29.KVM.37: Nach dem Praṇava kommen Ramā, Māyā, Hṛd, Bhagavat im Dativ, nandaputrāya und Chagalāṇḍa mit Ananta …
29.KVM.38: … dann Indra, vapuṣe, Śyāmalāṅga im Dativ und der achtzehnsilbige Mantra. So entsteht der Zweiundvierzigsilbler. [Die erste Vershälfte ist im Druck eingeklammert.]
[Unnummerierte Auflösung:] Ramā ist śrīṃ, Māyā hrīṃ; Bhagavat im Dativ lautet bhagavate. Nandaputrāya steht ausdrücklich so da. Chagalāṇḍa ist b, Ananta ā, zusammen bā; Indra ist l. Mit vapuṣe ergibt sich bālavapuṣe. Der Dativ ist śyāmalāṅgāya, und der Achtzehnsilbler ist der zuvor genannte. Gesamtform: oṃ śrīṃ hrīṃ namo bhagavate nandaputrāya bālavapuṣe śyāmalāṅgāya klīṃ kṛṣṇāya govindāya gopījanavallabhāya svāhā.
29.KVM.39: Seher, Versmaß und Gottheit werden als Brahmā, Anuṣṭubh und Kṛṣṇa erklärt. Alles Weitere entspricht dem früher erläuterten Verfahren.
29.KVM.40: Mit den durch Feuer, elf, Elemente, Pfeile und Dhṛti bezeichneten Lautgruppen des Grundmantras bildet der Mantrakenner die fünf Glieder.
[Unnummerierte Glosse:] Feuer bedeutet drei, Elemente fünf, Pfeile fünf, Dhṛti achtzehn. Die ausdrücklich angegebenen Gruppen lauten:
| Glied | Mantragruppe |
|---|---|
| Herz | oṃ śrīṃ hrīṃ |
| Haupt | namo bhagavate nandaputrāya |
| Scheitelbüschel | bālavapuṣe |
| Panzer | śyāmalāṅgāya |
| Waffe | klīṃ kṛṣṇāya govindāya gopījanavallabhāya svāhā |
[Die vom Kommentar genannten Gruppenzahlen ergeben 42; sie werden nicht unabhängig von der gedruckten Wortgliederung umverteilt. Die Endungen der Gliedformeln sind im Druck durch Wiederholungszeichen verkürzt.]
Alles Weitere entspricht dem Achtundzwanzigsilbler. Der Mantra werde als Mittel zur Erlangung aller ersehnten Herrlichkeit gepriesen.
Kṛṣṇa als Rukmiṇīs Geliebter
29.KVM.41: Dhruva, Hṛd, Bhagavat im Dativ, rukmiṇīvallabhāya und am Schluss svāhā bilden den Sechzehnsilbler.
[Unnummerierte Auflösung:] Dhruva ist Oṃ, Hṛd namaḥ, Bhagavat im Dativ bhagavate; rukmiṇīvallabhāya steht ausdrücklich so da. Somit: oṃ namo bhagavate rukmiṇīvallabhāya svāhā.
29.KVM.42: Nārada ist der Seher, Anuṣṭubh das Versmaß; Kṛṣṇa als Geliebter Rukmiṇīs ist die Gottheit und Gewährer aller Vollendungen.
[Unnummerierte Fortsetzung und Glosse:] Die Gliedgruppen bestehen aus den durch Erde, Paar, Veden, Unterwelten und Paar bezeichneten Silbenzahlen. Erde bedeutet eins, Veden vier, Unterwelten sieben; somit lautet die Folge 1–2–4–7–2.
29.KVM.43: Kṛṣṇa ist dunkel wie die Kalāya-Pflanze, mit mannigfachem Schmuck versehen, in ein schönes gelbes Seidengewand gekleidet und mit einem goldenen Hirtenstab ausgestattet …
29.KVM.44: … den er in der rechten Lotushand hält. Mit der linken hält er die Göttin auf seinem Schoß, von goldenem Glanz und mit dem Wunschjuwel versehen.
29.KVM.45: Sie hält in der linken Hand einen Lotus und umfasst mit der anderen ihren Geliebten. Seine Verehrung mit den Gliedern, Nārada und den anderen, den Weltenhütern und deren Waffen …
29.KVM.46: … soll Dharma, Verlangen, Wohlstand und höchstes Heil gewähren. Man wiederholt den Mantra hunderttausendmal und opfert mit süßen Stoffen getränkte … [Fortsetzung auf der folgenden Druckseite.]
29.KVM.47: … Lotusblumen zu einem Zehntel der Wiederholungszahl. Danach vollzieht man Labung und Weiteres. Wer große Herrlichkeit, Anziehung und andere Früchte wünscht, verehrt diesen Mantra.
[Unnummerierte Gliedzuordnung:] Oṃ gehört zum Herzen, namaḥ zum Haupt, bhagavate zum Scheitelbüschel, rukmiṇīvallabhāya zum Panzer, svāhā zur Waffe.
Der Līlādaṇḍa-Mantra
29.KVM.48: Nach līlā spricht man daṇḍagopījana, dann saṃsaktadoḥ, daṇḍabāla …
29.KVM.49: … rūpamegha, śyāma, bhagavan, viṣṇo und die Feuergattin am Schluss. Dies ergibt neunundzwanzig Silben.
[Unnummerierte Auflösung:] Die Worte stehen ausdrücklich in der Folge līlādaṇḍagopījanasaṃsaktadordaṇḍabālarūpameghaśyāma bhagavan viṣṇo; die Feuergattin ist svāhā. Die zusammengestellte Formel lautet daher: līlādaṇḍagopījanasaṃsaktadordaṇḍabālarūpameghaśyāma bhagavan viṣṇo svāhā. [Die lange Anredeverbindung wird in ihrer gedruckten Wortfolge belassen.]
29.KVM.50: Der Mantra gelte als Gewährer von Vollendung und Fülle für die recht Meditierenden. Nārada ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß. Die Gottheit ist …
29.KVM.51: … Līlādaṇḍa-Mahāviṣṇu, den alle Götterscharen verehren. Die Glieder werden in Gruppen von vierzehn, vier, vier, zwei und vier Silben gebildet. [Diese Zahlen ergeben 28, während der Mantra als 29-silbig bezeichnet wird; die anschließend ausgeschriebene Gruppe bhagavan hat drei Silben.]
[Unnummerierte Gliedzuordnung:] Herz: līlādaṇḍagopījanasaṃsaktadordaṇḍa; Haupt: bālarūpa; Scheitelbüschel: meghaśyāma; Panzer: bhagavan; Waffe: viṣṇo svāhā.
29.KVM.52: Man betrachtet den großen Herrn, wie er mit dem spielerisch gehaltenen Stab in der linken Lotushand die Hirtinnen und Stadtfrauen durch bedeutungsvolle Gesten bezaubert.
29.KVM.53: Seine andere Hand liegt auf der Schulter eines lieben Freundes. So erinnert man sich an Kṛṣṇa von unermesslicher Tatkraft, der Kaṃsa getötet hat.
29.KVM.54: Seine tägliche Verehrung erfolgt mit den Gliedern, Indra und den übrigen sowie Vajra und den anderen Waffen. Man wiederholt hunderttausendmal und bringt ein Zehntel als Feueropfer mit Sesam und Reis dar …
29.KVM.55: … die mit den drei süßen Stoffen bestrichen sind. Danach folgen Labung und Weiteres. Wer unter Einhaltung der Regeln diesen Līlādaṇḍa-Mantra verehrt …
[Unnummerierte Fortsetzung:] … werde liebenswert, von der Welt geehrt und zur Wohnstätte Ramās. [Die übrige Vershälfte ist durch Punkte ersetzt.]
Govallabha, der Geliebte der Kühe
29.KVM.56: Śārṅgin mit Sadya, Bāla, zweimal Indra, der vom umgekehrten Anfang aus dritte Laut mit Ananta und danach Samīraṇa …
[Unnummerierte Fortsetzung:] … verbunden mit der Geliebten des Feuers, ergeben den Mantra mit der Zahl der Körperbestandteile, sieben Silben. [Die restliche Vershälfte ist durch Punkte vertreten.]
[Unnummerierte Auflösung:] Śārṅgin ist g, Sadya o, zusammen go. Bāla ist v, zweimal Indra ll. Der von hinten gezählte dritte Laut ist bh, Ananta ā, zusammen bhā. Samīraṇa ist y, die Geliebte des Feuers svāhā. Daraus folgt: govallabhāya svāhā.
29.KVM.57: Nārada ist sein Seher, Uṣṇih das Versmaß; Hari als Govallabha, der besonders das Gedeihen der Kühe bewirkt, ist die Gottheit.
29.KVM.58: Die fünf Glieder werden nach dem Verfahren des Zehnsilblers gebildet. Acyuta erscheint mit dem strahlenden Glanz eines Saphirs und in gelbem Gewand …
29.KVM.59: … sein Haarschmuck ist aus Pfauenfedern gebildet. Links hält er die Flöte, rechts Stab und Schlinge.
29.KVM.60: Er befindet sich inmitten der Kapilā-Kühe und ruft ihnen freudig zu. Mit dieser Meditation verehrt man ihn ordnungsgemäß auf dem zuvor beschriebenen guten Sitz.
29.KVM.61: Zuerst verehrt man die Glieder, dann acht Gruppen von Kühen. Die erste ist goldfarben, die zweite hell und gelbbraun.
29.KVM.62: Die dritte hat rötlich-gelbbraune Augen, die vierte einen gelbbraunen Hals; die fünfte ist braun, eine vorzügliche Kapilā-Kuh.
29.KVM.63: Die sechste ist an vier Stellen gelbbraun, die siebente ganz gelbbraun, die achte hat einen gelbbraunen Schwanz. [Die Variante stanapiṅgalā bezeichnet stattdessen gelbbraune Zitzen beziehungsweise ein entsprechendes Eutermerkmal.]
29.KVM.64: Danach folgen Indra und die übrigen sowie ihre Waffen. Mit Meditation und beherrschten Sinnen wiederholt man ein Lakṣa für jede Silbe, hier siebenhunderttausend Mal.
29.KVM.65: Dann bringt der Mantrakenner nach der zuvor erläuterten Art Kuhmilch als Feueropfer dar; die Zahl wird als tatsahasra bezeichnet. Wer täglich etwas mehr als tausend Kuhmilchopfer bringt … [Die erste Zahlenrelation ist nicht eindeutig aufgelöst und wird nicht eigenmächtig zu einer festen Opferzahl ergänzt.]
29.KVM.66: … dessen Rinderherde vermehre sich nach der Verheißung innerhalb eines halben Monats beträchtlich. Alle weiteren Bestimmungen richten sich nach dem Zehnsilbler.
29.KVM.67: Man spricht Tāra und Hṛd, danach Bhagavat im Dativ; nach Asthi, Agni und dem linken Auge folgt Govinda ebenfalls im Dativ. [Die Mantraherleitung wird auf der nächsten Druckseite fortgesetzt.]
29.KVM.68: Der Mantra hat zwölf Silben. Nārada ist sein Seher, Gāyatrī das Versmaß, Kṛṣṇa die Gottheit.
[Unnummerierte Auflösung:] Tāra ist Oṃ, Hṛd namaḥ, Bhagavat im Dativ bhagavate. Asthi ist ś, Agni r, das linke Auge ī, zusammen śrī. Govinda wird in den Dativ gesetzt: govindāya. Die vollständige Form lautet somit: oṃ namo bhagavate śrīgovindāya.
29.KVM.69: Die Gliedgruppen werden aus einer, zwei, vier und fünf Silben sowie dem ganzen Mantra gebildet. Unter einem schönen Wunschbaum, auf einem herrlichen Juwelenthron …
29.KVM.70: … sitzt Nandas Sohn, strahlend mit sämtlichen glückverheißenden Merkmalen, umgeben von einer Kuhherde mit vollen, Milch gebenden Eutern.
29.KVM.71: Ich verehre Hari, dessen Körper dunkel wie eine Wolke ist, in schönem gelbem Gewand, mit Stab und Muschelhorn in den Händen. Seine Augen sind weit wie Lotusblätter; er ist die höchste Stätte der Schönheit. Ein Nektarstrom aus dem schönen goldenen Krug, der in den beiden Händen des Götterherrn glänzt, wird über ihn ausgegossen.
[Unnummerierte Glosse:] Rechts befindet sich der Stab, links das Muschelhorn: So sind die Gegenstände zu betrachten.
29.KVM.72: Nach der Verehrung des Viṣṇu-Sitzes ruft man Hari herbei und verehrt ihn dort. Rechts von ihm, in der Lotusmitte, befindet sich Rukmiṇī …
29.KVM.73: … links Satyabhāmā, vorn Indra und hinten Surabhi. Danach verehrt der Mantrakenner an den Blütenblattansätzen …
29.KVM.74: … die vier Glieder vom Herzen bis zum Panzer in den Hauptrichtungen und in den Ecken die Waffe.
29.KVM.75: In den Blütenblättern verehrt man, von Osten an, Kālindī, Rohiṇī und die weiteren sechs Śaktis von Nāgnajiti an.
29.KVM.76: Außen folgen in den Ecken, von Südosten bis Nordosten, Glöckchen, Seile, Stab und Flöte. Vorn befinden sich danach …
29.KVM.77: … Śrīvatsa und Kaustubha sowie die Waldblumengirlande. Weiter außen, von Osten an, verehrt der Einsichtige Muschelhorn, Keule und Diskus …
29.KVM.78: … danach Vasudeva, Devakī, Nandagopa, Yaśodā, Kühe, Hirten und Hirtinnen.
29.KVM.79: Man verehrt die Weltenhüter und ihre Waffen sowie Kumuda und die übrigen. Weiter außen im Norden folgt vorschriftsgemäß Viṣvaksena.
29.KVM.80: Der erste ist Kumuda, der zweite im Vers Kumudānta, der dritte Puṇḍarīka, danach Vāmana. [Die folgende Prosa nennt den zweiten stattdessen Kumudākṣa.]
29.KVM.81: Als fünfter folgt Śaṅkhakarṇa, dann Sarvanetra, als siebenter Sumukha, als achter Supratiṣṭhita.
[Unnummerierte praktische Erläuterung:] Nach den morgendlichen Pflichten bis zum Yogapīṭha-Nyāsa folgt dreimal Atemregelung mit dem Grundmantra. Auf das Haupt setzt man nāradāya ṛṣaye namaḥ, auf den Mund gāyatrīchandase namaḥ, auf das Herz śrīkṛṣṇāya devatāyai namaḥ. Nach dem Viniyoga wie zuvor folgen die fünf Glieder:
| Glied | Formel nach der Prosa |
|---|---|
| Herz | oṃ hṛdayāya namaḥ |
| Haupt | namaḥ śirase svāhā |
| Scheitelbüschel | bhagavate śikhāyai … |
| Panzer | śrīgovindāya kavacāya … |
| Waffe | oṃ namo bhagavate śrīgovindāya astrāya … |
[Die letzten drei Endungen werden im Druck nur durch Wiederholungszeichen vertreten; das Verfahren verweist auf die frühere Ausführung.]
Nach Meditation und den Diensten bis zum Blumenopfer verehrt man in der Lotusmitte rechts von der Gottheit rukmiṇyai namaḥ, links satyabhāmāyai namaḥ, vorn indrāya namaḥ, hinten surabhyai namaḥ. In den Staubfadenbereichen der Hauptrichtungen werden Herz bis Panzer, in den diagonalen Bereichen die Waffe verehrt.
Auf den Blättern folgen, vor der Gottheit beginnend: kālindyai namaḥ, rohiṇyai namaḥ, nāgnajityai namaḥ, sunandāyai namaḥ, mitravindāyai namaḥ, sulakṣaṇāyai namaḥ, jāmbavatyai namaḥ, suśīlāyai namaḥ.
Außerhalb des achtblättrigen Lotus, innerhalb des Quadrats, folgen von Südosten bis Nordosten: kiṅkiṇībhyo namaḥ, dāmabhyo namaḥ, yaṣṭaye namaḥ, veṇave namaḥ. Vor der Gottheit: śrīvatsāya namaḥ, kaustubhāya namaḥ, vanamālāyai namaḥ.
Im Quadrat, vor der Gottheit beginnend und rechtsherum: śaṅkhāya namaḥ, gadāyai namaḥ, cakrāya namaḥ, vasudevāya namaḥ, devakyai namaḥ, nandagopāya namaḥ, yaśodāyai namaḥ, dhenubhyo namaḥ, gopālebhyo namaḥ, gopikābhyo namaḥ. Außen verehrt man die Weltenhüter und ihre Waffen, noch weiter außen kumudāya namaḥ, kumudākṣāya namaḥ, puṇḍa-… [Fortsetzung auf der folgenden Druckseite.]
[Fortsetzung der Formelliste:] … puṇḍarīkāya namaḥ, vāmanāya namaḥ, śaṅkhakarṇāya namaḥ, sarvanetrāya namaḥ, sumukhāya namaḥ, supratiṣṭhitāya namaḥ. Noch weiter außen im Norden der Gottheit folgt viṣvaksenāya namaḥ. Räucherwerk, Licht und alles Weitere werden wie zuvor dargebracht.
29.KVM.82: Mit dieser Betrachtung des Gottes der Götter wiederholt man den Mantra ein Lakṣa pro Silbe, hier zwölfhunderttausend Mal. Danach opfert man Kuhmilch in den als tatsahasrāṇi bezeichneten Tausendergruppen und vollzieht die Labung. [Die Zuordnung der Tausendergruppen wird hier nicht zu einer neuen absoluten Opferzahl aufgelöst.]
29.KVM.83: Unermüdlich vollzieht man alles bis zur Ehrung der Brahmanen wie zuvor. Zu Tagesbeginn, am Mittag und insgesamt zu den drei Tageszeiten …
29.KVM.84: … verehrt man Kṛṣṇa bei der Rinderstätte nach diesem Verfahren mit höchster Hingabe und bietet den Kühen Gras an.
29.KVM.85: Dadurch werde man langlebig, furchtlos und reich an Vermögen, Getreide, Land, Söhnen, Enkeln und guten Freunden; zuletzt gehe man zu Viṣṇu.
Der achtsilbige Gokulanātha-Mantra
29.KVM.86: Smṛti mit Āpyāyanī, Sṛṣṭi mit Indhikā, Kriyā, Dīrghā mit Pratiṣṭhā und ebenso Varadā …
29.KVM.87: … Kṣudhā, Dīrghā und Tandrā, von Rasanā erhellt: So erklären die Einsichtigen den achtsilbigen Grundmantra.
[Unnummerierte Auflösung:] Smṛti ist g, Āpyāyanī o: go. Sṛṣṭi ist k, Indhikā u: ku. Kriyā ist la. Dīrghā ist n, Pratiṣṭhā ā: nā. Varadā ist th, ebenso mit ā: thā. Kṣudhā ist ya, Dīrghā na, Tandrā ma, Rasanā Visarga: maḥ. Daraus folgt: gokulanāthāya namaḥ.
29.KVM.88: Brahmā ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Hari die Gottheit. Die Glieder bildet man mit je zwei Silben und danach mit dem ganzen Mantra.
29.KVM.89: Ich verehre Yaśodās fröhlichen Sohn: ein fünfjähriges Kind mit dunkelblauem Körper und großem, lieblichem Glanz, mit lockigem Haar und klaren Augen, das im Hof umherläuft. Gürtel, schöne Fußreifen, Juwelenhalsschmuck, Halskette und Armspangen lassen ihn glänzen; er ist unbefangen und wird von den Seherscharen gepriesen.
29.KVM.90: Täglich verehrt man Śrī Kṛṣṇa auf dem zuvor genannten Sitz. Zuerst werden die fünf Glieder in den Haupt- und Zwischenrichtungen verehrt.
29.KVM.91: Auf den Blättern der Hauptrichtungen verehrt man die Gestalten von Vāsudeva an. Rukmiṇī, Satyabhāmā, Lakṣmaṇā …
29.KVM.92: … und Jāmbavatī verehrt der Mantrakenner auf den diagonalen Blättern. Außen folgen Indra und die anderen sowie Vajra und die übrigen Waffen.
[Unnummerierte praktische Erläuterung:] Nach den Handlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollzieht man dreimal Atemregelung mit dem Grundmantra. Man setzt brahmaṇe ṛṣaye namaḥ auf das Haupt, gāyatrīchandase namaḥ auf den Mund, śrīkṛṣṇāya devatāyai namaḥ auf das Herz und nennt den Viniyoga wie zuvor.
Die fünf Gliedformeln sind:
| Glied | Formel |
|---|---|
| Herz | goku hṛdayāya namaḥ |
| Haupt | lanā śirase svāhā |
| Scheitelbüschel | thāya śikhāyai … |
| Panzer | namaḥ kavacāya … |
| Waffe | gokulanāthāya namaḥ astrāya … |
[Die letzten drei Formeln sind im Druck mit Wiederholungszeichen verkürzt.]
Nach Meditation und Diensten bis zum Blumenopfer setzt man die vier Glieder in die vier Staubfadenbereiche vor der Gottheit und in den übrigen Hauptrichtungen; die Waffe kommt in die diagonalen Bereiche. Auf den Hauptrichtungsblättern verehrt man die vier Gestalten von Vāsudeva an. Auf den diagonalen Blättern folgen rukmiṇyai namaḥ, satyabhāmāyai namaḥ, lakṣmaṇāyai namaḥ, jāmbavatyai namaḥ. Richtungswächter, Waffen und alles Weitere werden wie zuvor verehrt.
29.KVM.93: Nach dieser Verehrung wiederholt man ein Lakṣa pro Silbe, hier achthunderttausend Mal. Danach bringt man achttausend gute Palāśa-Brennhölzer als Feueropfer dar …
29.KVM.94: … oder Milchreis, mit geklärter Butter versehen. Labung und Weiteres folgen. Wer diesen Mantra täglich so mit Vertrauen verehrt …
[Unnummerierte Fortsetzung:] … werde mit aller Herrlichkeit ausgestattet und erlange zuletzt die Vereinigung mit Viṣṇu. [Die restliche Vershälfte ist durch Punkte vertreten.]
29.KVM.95: Dhruva, Ramā, Mahāmāyā und Kāma stehen am Anfang; danach spricht man Śrī Kṛṣṇa im Dativ und ebenso Śrī Govinda im Dativ. [Die Formel wird auf der nächsten Druckseite fortgesetzt.]
29.KVM.96: Nach „Śrī Gopījana“ spricht man „vallabhāya“. Mit dreimaligem śrīṃ geschmückt heißt dieser Mantra Siddhagopāla.
[Unnummerierte Auflösung der Verse 95–96:] Dhruva ist der Praṇava oṃ, Ramā das Śrī-Bīja śrīṃ, Mahāmāyā das Bhuvaneśī-Bīja hrīṃ, Kāma das Kāma-Bīja klīṃ. Śrī Kṛṣṇa und Śrī Govinda werden in den Dativ gesetzt: śrīkṛṣṇāya, śrīgovindāya. Danach folgt unverändert śrīgopījanavallabhāya und dreimal das Śrī-Bīja. Die daraus erschlossene Formel lautet: oṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ śrīkṛṣṇāya śrīgovindāya śrīgopījanavallabhāya śrīṃ śrīṃ śrīṃ.
29.KVM.97: Man vergegenwärtige sich Mādhava im Pavillon, von Vainateya, Garuḍa, bedient, sowie Balarāma und Kṛṣṇa, die in göttlichem Wesen spielen.
Weitere kurze Kṛṣṇa-Mantras
29.KVM.98: Cakrin mit Sarga und Tithīśa ergibt den einsilbigen Mantra. „Kṛṣṇa“ ist zweisilbig; mit Tāra davor wird derselbe dreisilbig.
[Unnummerierte Erläuterung:] Cakrin ist k, Sarga bezeichnet den Visarga ḥ, Tithīśa den Vokal ṛ: kṛḥ. Der zweisilbige lautet kṛṣṇa; Tāra ist der Praṇava, also lautet der dreisilbige oṃ kṛṣṇa.
29.KVM.99: Im Dativ wird jener viersilbig. „Kṛṣṇāya“ mit Hṛdaya am Ende [ist fünfsilbig]. (Als fünfsilbiger Mantra gilt „Kṛṣṇāya“ zusammen mit Hṛdaya.)
[Unnummerierte Erläuterung:] Der dreisilbige, in den Dativ gesetzt, wird oṃ kṛṣṇāya. Hṛd bedeutet namaḥ; die fünfsilbige Formel ist kṛṣṇāya namaḥ. Die eingeklammerte Vershälfte wiederholt diese Angabe bereits im Druck.
29.KVM.100: Ein weiterer fünfsilbiger Mantra enthält „Kṛṣṇāya“ zwischen zwei Kāma-Silben. „Gopāla“ im Dativ mit Dviṭha am Ende ergibt einen sechssilbigen Mantra.
[Unnummerierte Erläuterung:] „Fünfsilbig“ schließt auch an die vorangehende Angabe an. Kāmayugma bezeichnet zwei Kāma-Bījas, zwischen denen kṛṣṇāya steht: klīṃ kṛṣṇāya klīṃ. Der Dativ von Gopāla ist gopālāya, Dviṭha bedeutet svāhā: gopālāya svāhā.
29.KVM.101: Nach Māra folgt „Kṛṣṇa“ im Dativ, mit Śiras am Ende: ein weiterer sechssilbiger Mantra. „Kṛṣṇa“ und „Govinda“, beide im Dativ, bilden einen siebensilbigen Mantra.
[Unnummerierte Erläuterung:] Māra ist das Kāma-Bīja, Śiras svāhā: klīṃ kṛṣṇāya svāhā. Die folgende Formel lautet kṛṣṇāya govindāya.
29.KVM.102: Nach Ramā, Māyā und Smara spricht man Kṛṣṇa im Dativ. Mit Kāma am Ende wird dies als zweiter siebensilbiger Mantra gelehrt.
[Unnummerierte Erläuterung:] Ramā ist das Śrī-Bīja, Māyā das Śakti-Bīja, Smara und Kāma das Kāma-Bīja: śrīṃ hrīṃ klīṃ kṛṣṇāya klīṃ.
29.KVM.103: Kāma, „Kṛṣṇāya“ und „Govinda“ im Dativ ergeben einen achtsilbigen Mantra. Ein zweiter achtsilbiger besteht aus „Dadhibhakṣaṇa“ im Dativ und dem doppelten Ṭha.
[Unnummerierte Erläuterung:] Die erste Formel lautet klīṃ kṛṣṇāya govindāya. „Dadhibhakṣaṇa“ wird zu dadhibhakṣaṇāya, Ṭhadvaya bedeutet svāhā: dadhibhakṣaṇāya svāhā, „Dem Verzehrer von Dickmilch, svāhā“.
29.KVM.104: Ein weiterer achtsilbiger besteht aus „Suprasannātma“, der Endung „ne“ und Hṛd. Smara, „Kṛṣṇāya“, „Govinda“ im Dativ und Anaṅga ergeben einen neunsilbigen Mantra.
[Unnummerierte Erläuterung:] Suprasannātmane bleibt in dieser Wortgestalt; Hṛd bedeutet namaḥ: suprasannātmane namaḥ, „Verehrung dem von ganz heiterem Wesen“. Smara und Anaṅga bezeichnen beide das Kāma-Bīja; die nächste Formel lautet klīṃ kṛṣṇāya govindāya klīṃ.
[Unnummerierte zusätzliche Vershälfte und Kommentar:] Ein weiterer neunsilbiger entsteht aus demselben, wenn beide Kāma-Bījas entfallen und Hṛd am Ende steht. Hṛd ist namaḥ, „ohne Kāma“ bedeutet ohne beide Kāma-Silben. Somit: kṛṣṇāya govindāya namaḥ.
29.KVM.105: Piṇḍa wird von Kāma umschlossen; danach folgen „Śyāmalāṅga“ im Dativ und Hṛd. Dieser erste zehnsilbige Mantra verleihe die Fülle aller Güter.
[Unnummerierte Erläuterung:] Piṇḍa ist glauṃ, eingeschlossen zwischen zwei Kāma-Bījas; der Dativ lautet śyāmalāṅgāya, Hṛd namaḥ. Daraus: klīṃ glauṃ klīṃ śyāmalāṅgāya namaḥ.
29.KVM.106: Ein weiterer besteht aus „Bāla“ und „vapuṣe“, „Kṛṣṇa“ im Dativ und svāhā am Schluss. [Die folgende Formel besteht aus] Kāma, „Kṛṣṇāya“, „Bāla“ und „vapuṣe“ sowie Vahnivallabhā.
[Unnummerierte Erläuterung:] Bālavapuṣe und kṛṣṇāya bleiben in diesen Wortgestalten. Dies ist ein weiterer zehnsilbiger Mantra: bālavapuṣe kṛṣṇāya svāhā. In der nächsten Formel ist Kāma das Kāma-Bīja, Vahnivallabhā svāhā. Sie ist elfsilbig: klīṃ kṛṣṇāya bālavapuṣe svāhā.
29.KVM.107: Nārada ist der Seher dieser Mantras. Als ihr vorzügliches Versmaß wird Gāyatrī mit der näheren Bezeichnung daivī und weiteren Unterformen angegeben. Die Gottheit aber … [Fortsetzung auf der nächsten Druckseite.]
29.KVM.108: … heißt hier Bālagopāla, von sämtlichen Götterscharen verehrt. Die sechs Glieder werden mit dem Kāma-Bīja gebildet, das mit den sechs langen Vokalen verbunden wird.
29.KVM.109: Ich verehre Mukunda als Kind, auf einem Lotus wohnend, mit Augen wie rote Lotusblüten und dem Schimmer des blauen Lotus. Um seine Hüften liegt ein Netz klingender Glöckchen. In den Händen hält er frische Butter und Milchreis; rings umgeben ihn Kühe, Hirtinnen und Hirten. An seinem überaus schönen Hals glänzt ein Ruru-Klauenamulett.
[Unnummerierte Erläuterung:] Dadhija, „aus Dickmilch entstanden“, bezeichnet frische Butter.
29.KVM.111: Auf dem zuvor beschriebenen Sitz verehrt der Übende in Feuer-, Īśa-, Asura- und Windrichtung [Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten] die vier Glieder vom Herzen bis zum Panzer.
29.KVM.112: Vorn verehrt man das Augenglied, in den Hauptrichtungen die Waffe. Weiter außen folgen die Götter von Ākhaṇḍala, Indra, an sowie Vajra und die übrigen Waffen.
[Unnummerierte Bemerkung:] Die praktische Durchführung ist leicht verständlich.
[Zählhinweis: Der Druck springt nach 109 auf 111, führt 112 an und setzt danach erneut mit 106 ein. Die folgende Reihe erhält deshalb das Unterscheidungskürzel KVB.]
29.KVB.106: Mit dieser Vergegenwärtigung wiederholt man jeden einzelnen Mantra hunderttausend Mal. Ein Zehntel davon bringt man als Feueropfer dar, mit einer durch Kandiszucker und geklärte Butter bereiteten Opferspeise.
29.KVB.107: Um die Vollendung des Mantras zu erlangen, vollzieht der sinnenbeherrschte Mantrakenner die Labung ebenso oft. Mit dem Grundmantra besprengt er sein Haupt; danach erfreut er …
29.KVB.108: … die Brahmanen mit Speise und Trank und den Lehrer ehrerbietig mit Gütern. Wer auf diese Weise Tag für Tag einen dieser Mantras verehrt …
29.KVB.109: … erlangt die Frucht der vier Lebensziele und wird unmittelbar göttlich. Nun will ich einen weiteren Mantra nennen, der die Fülle dieser vier Ziele verleihe.
Der viersilbige Kṛṣṇa-Mantra
29.KVB.110: Kāma, „Kṛṣṇa“ und nochmals Kāma bilden einen Mantra, der rasch Frucht verleihe. Seher und weitere Angaben sowie die sechs Glieder bestimmt man nach dem zuvor beschriebenen Verfahren.
[Unnummerierte Erläuterung:] Kāma ist das Kāma-Bīja; kṛṣṇa bleibt in dieser Wortgestalt. Danach folgt nochmals das Kāma-Bīja: klīṃ kṛṣṇa klīṃ. Das genannte Verfahren ist das beim einsilbigen Mantra erklärte.
29.KVB.111: Ich verehre den ganz friedvollen Mukunda auf einem geöffneten Lotus unter dem erhabenen Baum des Hrī-Bījas. Von den Zweigen her neigt sich die freudige Kamalā und überschüttet ihn mit zahlreichen emporgehobenen Juwelen und goldenen Schauern. Das an seinem eigenen Körper leuchtende Licht erfüllt die Welt. Er genießt Milchreis und frische Butter.
29.KVB.112: Der erste Verehrungskreis besteht aus den Gliedern, der folgende aus den Schätzen. Danach folgen zwei Kreise mit den Weltenhütern und mit Vajra und den übrigen Waffen.
[Unnummerierte Bemerkung:] Die praktische Durchführung ist leicht verständlich.
29.KVB.113: Nach dieser Meditation wiederholt man, gesammelt und mit beherrschten Sinnen, den Mantra hunderttausend Mal. Ein Zehntel opfert man im Feuer mit Śrī-Früchten, die in Süßes getaucht sind.
29.KVB.114: Zur Vollendung des Mantras vollzieht man danach Labung und Weiteres wie zuvor. Nach dieser Verehrung Govindas bringt der Kundige täglich die Labung dar …
[Unnummerierte Fortsetzung:] … zu Tagesbeginn mit den drei süßen Stoffen, Milch und reinem Wasser. [Die übrige Vershälfte ist im Druck durch Punkte ersetzt; die Zusammensetzung um saṅdugdha ist sprachlich uneben.]
Yantra des viersilbigen Mantras nach dem Śrīyantrasāra
29.KSY.1: Smara steht im Kern, der sechssilbige Mantra im Sechseck, der viersilbige strahlt auf den vier Blättern. Von den Mātṛkā-Lauten umgeben und innerhalb des Erdhauses gelegen, verleihe dieses Yantra des viersilbigen Mantras alle erstrebten Ziele.
[Unnummerierte Erklärung:] In die Mitte des Sechsecks schreibt man das Kāma-Bīja zusammen mit dem Namen des Gegenstandes oder der Person, auf die sich das Ritual richtet. Auf die sechs Ecken schreibt man die Silben des zuvor genannten sechssilbigen Mantras. Außen zeichnet man einen vierblättrigen Lotus und auf dessen Blätter die Silben des viersilbigen Mantras. Im Zwischenraum zweier äußerer Kreise umgibt man ihn mit den Mātṛkā-Lauten … [Fortsetzung auf der nächsten Druckseite.]
[Fußnote 1:] Die Handschrift kha bietet den Wortlaut bibhrataṃ sad…, „… tragend …“. Die verkürzte Angabe wird nicht eigenständig zu einer vollständigen Vershälfte ergänzt.
[Fortsetzung der Yantra-Erklärung:] … und zeichnet außen ein Quadrat. Dieses verleihe die genannte Frucht.
29.KVB.115: Werden in den beiden Kāma-Bījas dieses Mantras die Indras unten durch Vahni erleuchtet, so erkennen die Weisen darin einen weiteren, ganz vorzüglichen Mantra.
[Unnummerierte Auflösung:] Unter das l in jedem der beiden Kāma-Bījas wird ein r gesetzt. Die Formel lautet: kalrīṃ kṛṣṇa kalrīṃ. [Die ungewöhnliche Konsonantenfolge folgt dem Druck; sie wird nicht zum üblichen klīṃ vereinfacht.]
[Unnummerierte Vershälfte:] Mit einem solchen Bīja, jeweils mit den sechs langen Vokalen versehen, bildet man die Glieder.
29.KVB.116: Ich verehre Yaśodās Sohn, den überaus schönen Feind Muras, auf einer goldenen Schaukel hoch in einem Götterbaum im roten Garten. Er hat dunkles, gelocktes Haar und schöne Glöckchen an den Hüften. Sein Halsschmuck ist aus Juwelen und Tigerkrallen gestaltet. Zwei Hirtinnen schaukeln ihn freudig.
29.KVB.117: Man verehrt Hari auf dem zuvor genannten Sitz nach dem beschriebenen Verfahren. Nach gründlicher Verehrung Govindas wiederholt der Mantrakenner den Mantra wie zuvor.
29.KVB.118: Mit roten Lotusblüten, die mit Süßem bestrichen sind, bringt er ein Zehntel als Feueropfer dar. Für die Labung gilt die zuvor genannte Zahl; den Lehrer erfreut man mit Sorgfalt.
29.KVB.119: Mit einem der beiden Mantras bringt man täglich hundertacht rötliche Reisrispen, von den drei süßen Stoffen durchtränkt, als Feueropfer dar.
29.KVB.120: Nach einem Maṇḍala-Zeitraum werde einem Land mit reicher Ernte zuteil; das Haus sei mit der Fülle von Geld und Getreide angefüllt.
29.KVB.121: Wer einen dieser Mantras hingebungsvoll mit Verehrung, Feueropfer, Wiederholung und den zugehörigen Anwendungen pflegt, werde wie ein zweiter Kāma von jungen Frauen geehrt. Er erlange Wohlstand, Lebensdauer, Ruhm, alle Güter und erfüllte Wünsche; zuletzt gehe er in die Welt Viṣṇus ein, die zum Erwachen unendlichen Glücks führt.
Der zweiundfünfzigsilbige Saṃmohana-Gopāla-Mantra nach dem Sārasaṃgraha
29.SMG.1: Nun will ich den vorzüglichsten unter den Gopāla-Mantras nennen: den höchsten, der dichterische Begabung und Wohlergehen verleihe und Anziehung, Bezauberung und Weiteres bewirke.
29.SMG.2: Nach Vāc, Māyā und Viṣṇupatnī folgt Hlādinī, mit Indra und Agni geschmückt. Danach werden Dīrghā, Sthirā und Sthiti genannt, jeweils mit Agni, Śānti und Sudhākara verbunden.
29.SMG.3: „Jaya“ und „Kṛṣṇa“ sind zu wiederholen. Danach folgen Dīrghā mit Locana, Rakta mit Indu, Kāmikā und Rakta sowie Sṛṣṭi und Agni mit dem linken Auge.
29.SMG.4: Nandin verbindet sich mit Ananta; Jīva und Cakrin sind mit Kāmikā verbunden. Danach kommen Pārśva und Rakta, Ravi und Śrotra, Satya und Netra sowie Kāmikā.
29.SMG.5: Kūrma ist mit Bhiṇṭīśa verbunden; dann folgen Kāmikā, Sudhākara und Bhiṇṭīśa. Nach dem Wort „nitya“ kommen Pārśva und Agni, mit Netra geschmückt.
29.SMG.6: Vāyu und Ananta, nochmals Vāyu, „Kṛṣṇa“ im Dativ, Ratipriya und der zehnsilbige Mantra folgen. Ramā, Māyā und Vāgbhava bilden den Schluss dieses Mantras.
[Unnummerierte Vershälfte:] Er besteht aus zweiundfünfzig Silben und verleihe Gelehrsamkeit, Einfluss und Wohlstand. [Der restliche Vers ist durch Punkte ersetzt.]
[Unnummerierte Entschlüsselung, erster Teil:] Vāc ist aiṃ, Māyā hrīṃ, Viṣṇupatnī śrīṃ. Hlādinī ist d; das ī wird in der Versfügung als mitenthalten erklärt. Agni ist r, Indu der Bindu: drīṃ. Dīrghā ist n, Sthirā j, Sthiti bh. Jeder dieser Konsonanten wird mit Agni, r, Śānti, ī, und Sudhākara, dem Bindu, verbunden: nrīṃ jrīṃ bhrīṃ.
„Jaya“ wird wiederholt: jaya jaya. Aufgrund des „und“ wird auch „Kṛṣṇa“ verdoppelt: kṛṣṇa kṛṣṇa. Dīrghā ist n, Locana i: ni. Rakta ist r, Indu der Bindu: raṃ. Kāmikā ist ta, Rakta ra. Sṛṣṭi ist k, Agni r, Vāmadṛk ī: krī. (Nandin ist ḍ, Ananta ā: ḍā. Jīva ist s … [Fortsetzung auf der nächsten Druckseite. Die vollständige Formel wird erst nach dieser Auflösung behandelt.]
[Fußnoten:] 1. Die Handschrift kha liest kakāralakārāt, „vom k- und l-Laut aus“, als Variante in der Erklärung der veränderten Kāma-Bījas. 2. Kha bietet raktaṃ anstelle der entsprechenden Wortform. 3. Ka und ga lesen samṛddhiś ca sakānteḥ, eine abweichende Fügung zur Fülle des Wohlstands in Vers 120.
[Fortsetzung der unnummerierten Entschlüsselung:] … Cakrin ist k, Kāmikā t: kta. Pārśva ist p, Rakta r: pra.) Ravi ist m, Śrotra u: mu. Satya ist d, Netra i: di. Kāmikā ist ta. Kūrma ist c, Bhiṇṭīśa e: ce. Dann Kāmikā, ta, Sudhākara, s, und Bhiṇṭīśa, e: se. „Nitya“ bleibt unverändert. Pārśva ist p, Agni r, Netra i: pri. Vāyu ist y, Ananta ā: yā. Dann nochmals Vāyu, ya. „Kṛṣṇa“ steht im Dativ: kṛṣṇāya. Ratipriya ist klīṃ. Der zehnsilbige ist der zuvor genannte Gopāla-Mantra. Ramā ist das Śrī-Bīja, Māyā ihr gleichnamiges Bīja, Vāgbhava aiṃ.
[Aus dieser Auflösung zusammengelesene Formel:] aiṃ hrīṃ śrīṃ drīṃ nrīṃ jrīṃ bhrīṃ jaya jaya kṛṣṇa kṛṣṇa niraṃtara krīḍāsakta pramuditacetase nityapriyāya kṛṣṇāya klīṃ gopījanavallabhāya svāhā śrīṃ hrīṃ aiṃ. [Die Wiedergabe niraṃtara bewahrt den ausdrücklich als Bindu erklärten Laut. Die Wortverbindung ist im Sinne von „unablässig dem Spiel zugewandt, freudigen Geistes, stets geliebt“ zu verstehen. Die Formel ist hier aus den beiden Kommentarseiten zusammengesetzt, kein zusätzlicher Vers.]
29.SMG.7: Sein Seher heißt Ānandanārada, das Versmaß ist Virāj. Die Gottheit ist Hari als Saṃmohana, der Bezaubernde, mit dem Glanz des Mondes. [Die Fügung um amṛtāṃśu ist im Druck sprachlich uneben.]
29.SMG.8: Mit acht Lauten bildet man das Herz, mit zwölf das Haupt; mit der Zahl der Dhātus das Scheitelbüschel, mit den Vasu-Lauten den Panzer, mit einem selbst das Auge.
29.SMG.9: Zehn Laute bestimmen die Waffe; die Abschnitte werden der Reihe nach von den drei Bījas umschlossen. So werden die sechs Glieder mit den Lauten des Grundmantras erklärt.
[Unnummerierte Erklärung:] Die Dhātus stehen für sieben, die Vasus für acht. „Mit einem selbst“ bedeutet mit einem Laut; die Pankti-Zahl ist zehn. [Die drei Anfangs- und drei Schluss-Bījas bilden die genannte Umrahmung; die inneren Abschnitte umfassen 8 + 12 + 7 + 8 + 1 + 10 = 46 Silben.]
29.SMG.10: Schon dieses Verfahren allein bewirke die Zuneigung der Menschen. Nachdem man die Reinigung der Elemente und Weiteres vollzogen und im Körper den Sitz errichtet hat …
29.SMG.11: … vollzieht man an beiden Händen den beim zehnsilbigen Mantra beschriebenen Nyāsa. Man setzt die sechs Glieder und danach die fünf Kāmas ein.
29.SMG.12: Dreimal vollzieht man mit dem Grundmantra den den ganzen Körper durchdringenden Nyāsa. Wie zuvor setzt man die Mātṛkā-Laute ein, jeweils vom Kāma-Bīja umschlossen.
29.SMG.13: Die Nyāsas von den zehn Tattvas bis zum Mūrtipañjara sowie Schöpfung, Erhaltung, die sechs Glieder und die Pfeile setzt man wie zuvor ein.
29.SMG.14: Nachdem der Übende alles Weitere nach der früher genannten Vorschrift vollzogen hat, meditiert er über Saṃmohana-Hari, den Herrn aller Welten.
Meditation über Haris Stadt und Juwelenpavillon
29.SMG.15: [Man vergegenwärtige ihn] in seiner eigenen herrlichen, lieblichen Stadt, allseits vom Meer umgeben, mit reinen hohen Festungsanlagen, Torbauten und schönen Straßen …
29.SMG.16: … voll von Palästen, hoch wie Wolken und weiß getüncht, geschmückt mit Juwelenhäusern und weiten Flügeltoren …
29.SMG.17: … mit vorzüglichen Häusern der Brahmanen, Krieger, Kaufleute und Śūdras, mit den Wohnstätten vielerlei Handwerker und den Unterkünften für Elefanten, Pferde, Kamele und Esel …
29.SMG.18: … mit zahllosen Stallungen für Kühe, Ziegen, Büffel und andere Tiere. In den zahlreichen Läden haben viele rechtschaffene Menschen …
29.SMG.19: … Waren zum Kaufen und Verkaufen zusammengetragen und ausgestellt. Dazu kommen die Wohnstätten von Frauen, die es verstehen, die Herzen der Menschen zu gewinnen.
29.SMG.20: Viele lange Wasserbecken sind dort mit geöffneten Lotusblüten erfüllt. Wasserwesen, Bienen und schöne Schwäne erfreuen sich am Honig, der im Innern der Blüten hervorquillt; Kāraṇḍa-Wasservögel, Cakravāka-Vögel und weitere geflügelte Bewohner weilen dort stets zufrieden mit ihren Gefährtinnen.
29.SMG.21: Inmitten der Wunschbäume steht der glänzende, kostbare Pavillon aus Juwelen. Schwärmende Bienen umgeben die Bäume und hängen an ihren vielen duftenden Blüten. Tag für Tag gewähren diese Bäume den Menschen bereitwillig die ersehnten Wünsche; kühle, sanfte Winde bewegen alle ihre Zweige.
29.SMG.22: Reihen von Juwelenlampen erhellen sein Inneres. Ein vielfarbiger Baldachin mit herabhängenden Perlen überspannt es.
29.SMG.23: Girlanden aus schönen Blüten vieler Farben schmücken den Innenraum. Der Boden ist mit angenehm duftendem Wasser besprengt.
[Fußnoten zu Vers 21:] Kha bietet khelatsarva…, „alle sich spielend bewegenden …“; ka und ga lesen śikhāvṛtaiḥ, eine abweichende Fügung zu den Baumspitzen beziehungsweise Zweigen.
29.SMG.24: Tausende glückverheißender Frauen mit vor Erregung rollenden Augen und von Liebe verlangsamtem Gang dienen dort. In ihren Lotushänden bewegen sie schöne Yakschweifwedel.
29.SMG.25: Ihre schmalen Taillen scheinen unter der Last ihrer vollen Brüste nachzugeben. Süße Wortfolgen strömen ihnen über die Lippen; unablässig leisten sie ringsum Dienst.
29.SMG.26: Unter dem himmlischen Wunschbaum, der unaufhörlich wundervolle Ströme kostbarer Juwelen regnen lässt und den Nektar höchster Glückseligkeit verströmt …
29.SMG.27: … auf juwelenem Boden, im Lotus des wie tausend Sonnen strahlenden Thrones, meditiert man über Lakṣmīs Gemahl, um das Ersehnte zu vollenden.
29.SMG.28: Er ist die Ursache der Welt und leuchtet wie ein frisch erblühter blauer Wasserlotus. Sein schönes, weiches, lockiges Haar trägt Blumen, sein Haupt eine Rubinkrone. Stirn und Nase sind wohlgestaltet, die geschwungenen Augenbrauen erhoben. Seine beiden langen, beweglichen Augen sind rötlich; die Ohrringe funkeln von Juwelen.
29.SMG.29: Seine Wangen sind herrlich, seine roten Lippen übertreffen die glänzende Bandhūka-Blüte. Der Glanz seines Lächelns erhellt alle Richtungen; sein liebliches Gesicht ist schweißfeucht. Kostbarer, mit glänzenden Edelsteinen besetzter Schmuck, darunter Perlenketten, ziert seinen Leib; seine Körperhaare richten sich vor Empfindung auf. [Die genaue Zusammensetzung um darimahārgha ist im Druck unsicher; die Aussage über kostbaren Juwelenschmuck ist erkennbar.]
29.SMG.30: Sein von Natur schöner Körper ist mit flüssigem Kampfer, Agaru und Safran bestrichen. Seine runden, kräftigen, sehr langen und weichen Arme werden durch die Zahlenwörter „Richtungen“ und „Erkenntnis“ bezeichnet. Seine Lotusfüße leuchten wie frische rote Lotusblüten. Gedanken an die Qual der Liebe erfüllen ihn; zwei Lotushände ruhen auf seinem Schoß, dort, wo sie sitzt … [Die zusammengesetzte Zahlenangabe diṅjñāna wird nicht stillschweigend zu einer eindeutigen Armzahl verbessert.]
29.SMG.31: … Rukmiṇī, deren leuchtendes Brauenpaar ihn bedeckt beziehungsweise überschattet. Mit zwei Lotushänden umarmt er fest seine ihm ganz zugewandte, goldglänzende Geliebte. Sie schlingt beide Arme um den Herrn, ihr Schoß ist feucht, und bleibt eng bei ihm. Schauer zeichnen ihren schlanken Körper; die Wucht der Freude trägt sie fort. [Die Fügung mit Rukmiṇīs Brauen ist im Druck auffällig und bleibt als unsichere Bildfügung kenntlich.]
29.SMG.32: Schweißperlen schmücken ihren reizenden Leib. Alle ihre Sinne sind ganz und beständig auf ihn gerichtet.
29.SMG.33: Mit regungslosen Gliedern versinkt sie im Meer des Glücks. Auf seiner rechten Seite umarmt ihn die dunkle Satyabhāmā …
29.SMG.34: … mit himmlischem Leinen, Salben und allem Schmuck versehen. Ihre Glieder sind von Kāmas Pfeilen getroffen; sein Arm umfasst sie.
29.SMG.35: (Wie Bienen haften ihre Augen ständig an seinem Lotusgesicht. Die Liebe erschüttert ihren ganzen Körper übermäßig; ein Lotus erhellt ihre Lotushand.) [Dieser Vers steht bereits im Druck in Klammern; die Fügung padmayoti ist sprachlich uneben.]
29.SMG.36: Links umarmt ihn die von Liebe erfüllte Jāmbavatī. Er umfängt sie mit seinem Arm; sie besitzt dieselben zuvor genannten Merkmale.
29.SMG.37: Von hinten umarmt ihn Kālindī. Sie trägt einen blauen Lotus in der Hand und hat die dunkle Schönheit einer blauen Regenwolke …
29.SMG.38: … ihr Leib ist geschmückt, und sie fürchtet die brennenden Pfeile Anaṅgas. Der Herr trägt in vier Händen Lotus, Keule, Diskus und Muschelhorn.
29.SMG.39: Sein Lotusmund liegt an der Öffnung der Flöte, die in zwei Händen glänzt. Auf dem äußeren vierblättrigen [Lotus] ist er von Göttern, Sehern und den Eigenen umgeben. [Die knappe Schlussfügung khaiḥ ist nicht sicher auflösbar; die folgende Seite führt das Gefolge aus.]
[Fußnoten:] 1. Zu einer Fügung in Vers 29 bietet ka prakarīkṛtā, „zusammengebracht“, und kha vivaśīkṛtā, „überwältigt“. 2. In Vers 30 liest kha hastakamalaiḥ, „mit Lotushänden“, statt der betreffenden Armbezeichnung. 3. Zu kāmārti bietet kha kāmānta.
29.SMG.40: Alle beugen sich unter der Fülle von Hingabe, Zuneigung und Liebe. Sie preisen ihn mit Hymnen, ihr Geist ist ganz auf seinen Dienst gerichtet.
29.SMG.41: Er verleiht die vier Lebensziele, ist ewig und liegt jenseits des Zugriffs von Denken und Sprache. In seinem eigenen Licht ruhend, ist er in das Nektarmeer großer Glückseligkeit versunken.
29.SMG.42: So meditiert man über den höchsten Mahāviṣṇu, den Lehrer aller Welten, und verehrt ihn täglich ehrerbietig auf dem zuvor genannten Sitz.
29.SMG.43: Gemäß der Nyāsa-Reihenfolge verehrt man den Vibhūtipañjara bis zu den Pfeilen, danach den Mūrtipañjara und anschließend den Verehrungskreis der Glieder.
29.SMG.44: Nachdem man sich selbst nach dem früher beschriebenen Verfahren sorgfältig und ehrerbietig verehrt hat, schreibt man in das beim zwanzigsilbigen Mantra beschriebene Yantra außerhalb des mittleren Bījas …
29.SMG.45: … zuerst, gesammelt, in den Richtungen von Wasser, Mond, Sonnensohn und Indra [Westen, Norden, Süden, Osten] die vier zuvor genannten Bījas. Mit den übrigen zweiundvierzig Lauten …
29.SMG.46: … umgibt man sie. In die Ecken von Śambhu, Osten und Agni [Nordosten, Osten, Südosten] schreibt man die Bījas von Vāc, Śakti und Lakṣmī.
29.SMG.47: Dieselben schreibt man in die Stellen von Kravyād, Varuṇa und Īra [Südwesten, Westen, Nordwesten]. Alles Übrige wird wie zuvor ausgeführt; man verehrt den Sitz …
29.SMG.48: … stellt sich mit dem Grundmantra die Gestalt vor, ruft Hari dorthin und verehrt ihn im mittleren Bīja. Danach vorn, rechts, links …
29.SMG.49: … und hinten die in den Bījas gegenwärtigen Gefährtinnen von Rukmiṇī an. In den sechs Ecken verehrt man die Glieder, in den Staubfäden die Pfeile.
29.SMG.50: In der Mitte der Blätter verehrt man Lakṣmī und die übrigen, an ihren Spitzen das Banner und die weiteren Gestalten: vorn das dunkel erscheinende Banner, hinten den Herrn Varuṇa …
29.SMG.51: … seitlich die Schätze Śaṅkha und Padma, weiß beziehungsweise rot. Unablässig lassen sie in Strömen angesammelten Reichtum herabregnen.
29.SMG.52: Ringsum in den Ecken, beginnend beim Feuerwinkel, verehrt man Heramba, den Śāstṛ Genannten, Durgā und Viṣvaksena …
29.SMG.53: … rot, smaragdfarben, wie Dūrvā-Gras beziehungsweise goldfarben. Weiter außen verehrt man die Richtungswächter von Vāsava, Indra, an sowie Vajra und die übrigen Waffen.
[Unnummerierte Vershälfte:] So wird die Viṣṇu-Verehrung mit ihren sieben Umkreisen erklärt. [Der übrige Vers ist durch Punkte vertreten.]
[Unnummerierte praktische Ausführung:] Nach den Morgenhandlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollzieht man dreimal Atemregelung mit dem Grundmantra. Auf das Haupt setzt man ānandanāradāya ṛṣaye namaḥ, auf den Mund amṛtavirāṭchandase namaḥ, auf das Herz śrīsammohanāya kṛṣṇāya devatāyai namaḥ. Danach spricht man den Viniyoga wie zuvor.
Die hier gedruckten sechs Gliedformeln lauten:
| Glied | Gedruckte Formel |
|---|---|
| Herz | aiṃ hrīṃ śrīṃ drīṃ nrīṃ jrīṃ bhrīṃ jaya jaya śrīṃ hrīṃ aiṃ hṛdayāya namaḥ |
| Haupt | aiṃ hrīṃ śrīṃ kṛṣṇa kṛṣṇa nirantarakrīḍāsakta śrīṃ hrīṃ aiṃ śirase svāhā |
| Scheitelbüschel | aiṃ hrīṃ śrīṃ kṛṣṇāya pramuditacetase śrīṃ hrīṃ aiṃ śikhāyai vaṣaṭ |
| Panzer | aiṃ hrīṃ śrīṃ nityapriyāya śrīṃ hrīṃ aiṃ kavacāya huṃ |
| Drei Augen | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ gopīvallabhāya svāhā śrīṃ hrīṃ aiṃ netratrayāya vauṣaṭ |
| Waffe | aiṃ hrīṃ śrīṃ aiṃ śrīṃ śrīṃ astrāya phaṭ |
[Textbefund: Diese Prosa entspricht nicht durchgehend der Aufteilung in den Versen 8–9: kṛṣṇāya steht vor pramuditacetase, jana fehlt in gopīvallabhāya, und die Waffenformel enthält eine auffällige Bīja-Folge. Auch die sieben beziehungsweise acht Silben der mittleren Abschnitte passen dazu nicht. Die Tabelle bewahrt den Druck, statt eine vermeintlich richtige Ritualfassung zu erfinden. Die Formelteilung der vorherigen Seite und diese abweichende Prosa sind deshalb getrennt wiedergegeben.]
Nach diesem Hand- und Sechsglied-Nyāsa vollzieht man den Hand-Nyāsa nach dem Verfahren des zehnsilbigen Mantras. Man setzt nochmals die genannten sechs Glieder ein, vollzieht den zuvor beschriebenen Fünf-Kāma-Nyāsa und dreimal den den ganzen Körper durchdringenden Nyāsa mit dem Grundmantra. Es folgen die Mātṛkā-Laute, vom Kāma-Bīja umschlossen, im eigenen Körper und der zuvor erklärte Zehn-Tattva-Nyāsa. Mit dem vom Praṇava umschlossenen Grundmantra vollzieht man erneut dreimal den Ganzkörper-Nyāsa.
Vom Schöpfungs-Nyāsa bis zum Mūrtipañjara-Nyāsa verfährt man wie beim zehnsilbigen Gopāla-Mantra. Nochmals setzt man Schöpfung, Erhaltung und die sechs Glieder ein, dann die fünf Pfeile. Nach einem weiteren Seher-Nyāsa zeigt man die Mudrās und vollzieht Meditation und geistige Verehrung.
In dem beim zwanzigsilbigen Mantra genannten Yantra schreibt man um das mittlere Bīja im Westen, Norden, Süden und Osten der Reihe nach drīṃ, nrīṃ, jrīṃ, bhrīṃ. Die vier werden von den übrigen zweiundvierzig Silben umgeben, also vom Mantra ohne seine insgesamt zehn Bījas. In die nordöstliche, östliche und südöstliche Ecke des Sechsecks schreibt man aiṃ, hrīṃ, śrīṃ. (In die südwestliche, westliche und nordwestliche Ecke schreibt man dieselben Bījas nochmals; das übrige Yantra wird wie zuvor gestaltet.)
Man stellt es vor sich auf, richtet das Arghya ein und vollzieht die Handlungen bis zur Verehrung des Sitzes. In das mittlere Bīja ruft man die Gottheit. Nach Anrufung und den weiteren Schritten bis zum Zeigen der Viṣṇu-Mudrās verehrt man in der Nyāsa-Reihenfolge den Vibhūtipañjara bis zum Mūrtipañjara. Nach den Diensten vom Sitz bis zu den Blumen verehrt man in den vor, rechts, links und hinter der Gottheit geschriebenen Bījas Rukmiṇī … [Fortsetzung auf der nächsten Druckseite.]
[Fußnote zu Vers 40:] Kha bietet bhītabhara, eine abweichende Lesart mit „Furcht“ und „Last“.
[Fortsetzung der Verehrungsordnung:] … Satyabhāmā, Jāmbavatī und Kālindī. In den sechs Ecken verehrt man wie zuvor die sechs Glieder, in den Staubfäden die fünf Pfeile, auf den Blättern Lakṣmī und die zuvor genannten weiteren Gestalten.
An der Spitze des Blattes vor der Gottheit: dhvajāya namaḥ. An der hinteren Blattspitze: vibhāya namaḥ. An der rechten: śaṅkhanidhaye namaḥ, links: padmanidhaye namaḥ. An den diagonalen Blattspitzen, beginnend im Südosten: herambāya namaḥ, śāstre namaḥ, durgāyai namaḥ, viṣvaksenāya namaḥ. [Die hintere Formel lautet im Druck vibhāya; sie wird trotz des vorangehenden Hinweises auf Varuṇa nicht eigenmächtig zu varuṇāya geändert.] Im äußeren Quadrat vollzieht man die Verehrung der Weltenhüter und alles Weitere wie zuvor.
29.SMG.54: Wer ordnungsgemäß eingeweiht ist und diesen Mantra von einem guten Lehrer empfangen hat, soll Sehen, Gespräch, Berührung, Anrede und Zuhören …
29.SMG.55: … in Bezug auf Frauen überhaupt, selbst eine Lehrerin, während der hunderttausend Wiederholungen meiden. Danach bringt man ein Zehntel mit einer Opferspeise aus Zucker, geklärter Butter und Honig dar. [Dies ist die historische Absonderungsregel des Textes.]
[Unnummerierte Erläuterung:] Die Opferspeise ist Milchreis.
29.SMG.56: Nach Labung und Besprengung bewirtet man die Brahmanen. Wer diesen Mantra nach der genannten Vorschrift täglich wiederholt …
29.SMG.57: … werde von den Göttern geehrt und bringe den Menschen Freude. Wer zu Tagesbeginn mit reinem Wasser, das er als gezuckerte Milch betrachtet …
29.SMG.58: … täglich mehr als hundert Labungen darbringt, dessen Reichtum sei so groß, dass Indras Herrlichkeit wie ein Wassertropfen in diesem Ozean erscheine.
29.SMG.59: Wer mit dem vorzüglichen Mantra zehntausend frische Mālatī-Blüten, bestrichen mit einer Paste aus Kampfer und Sandelholz, ins Feuer opfert …
29.SMG.60: … dem sei die Dreiwelt untertan, und er werde als hervorragender Dichter bekannt. Schon durch ordnungsgemäße Meditation über diesen Mantra …
29.SMG.61: … würden dem Mantrakenner sogar die himmlischen Frauen liebevoll zugetan. Was ließe sich dann erst durch Wiederholung und die weiteren Handlungen damit nicht alles erreichen?
29.SMG.62: Dies sei das Wunder bei den guten Mantrakennern: Indirā und Sarasvatī geben ihre natürliche Rivalität auf und dienen ihnen beide beständig und voller Hingabe.
29.SMG.63: Frei sei der Verehrer von Krankheit, Armut, Sündenlast, Fieber, Verblendung, Gift und Weiterem, von Alter, vorzeitigem Tod, Unglück und Leid …
29.SMG.64: … ausgestattet mit Söhnen, Enkeln, Vermögen, Gesundheit, einer vorzüglichen Frau, Angehörigen und allen Gütern, angesehen und langlebig.
[Unnummerierte Fortsetzung:] So werde der Verehrer dieses Mantras, und nicht anders. [Der übrige Vers fehlt im Druck und ist durch Punkte ersetzt. Die Verse 57–64 sind die überlieferten Heils- und Erfolgsaussagen des Textes.]
Santānagopāla nach dem Sārasaṃgraha
29.SGP.1: Nun nenne ich den Santānagopāla-Mantra, der einen Sohn verleihe. Nach „Devakīsuta“ spricht man „Govinda“.
29.SGP.2: Nach „Vāsudeva“ folgt „Jagatpati“ in der Anrede. Dann spricht man „dehi me“, „tanayaṃ“ und „Kṛṣṇa“.
29.SGP.3: Man spricht „tvām ahaṃ“ und „śaraṇa…“, dann „…ṇaṃ gataḥ“: So entsteht der zweiunddreißigsilbige Mantra. Nārada ist sein Seher. [Die geteilte und grammatisch unebene Angabe śaraṇo … ṇaṃ zielt erkennbar auf śaraṇaṃ gataḥ; sie wird nicht als zusätzlicher Laut in den Mantra aufgenommen.]
[Aus den Versen 1–3 erschlossene Formel:] devakīsuta govinda vāsudeva jagatpate |
dehi me tanayaṃ kṛṣṇa tvām ahaṃ śaraṇaṃ gataḥ ||
„Sohn Devakīs, Govinda, Vāsudeva, Herr der Welt, schenke mir einen Sohn, Kṛṣṇa; zu dir bin ich als Zuflucht gekommen.“
29.SGP.4: Das Versmaß ist Anuṣṭubh; die Gottheit ist Kṛṣṇa, der Nachkommenschaft gewähre. Mit den vier Versvierteln und dann mit dem ganzen Mantra bildet man die fünf Glieder.
29.SGP.5: [Man meditiert über] den Gott mit Muschelhorn und Diskus, dunkel von Farbe und vierarmig, strahlend von allem Schmuck, den gelb gekleideten Acyuta …
29.SGP.6: … Viṣṇu mit Pfauenfedern und überwältigendem Glanz. Er bringt die verschwundenen Kinder zurück und übergibt sie dem Brahmanen.
[Unnummerierte Vershälfte:] Den Herrn, dessen Herz ganz vom Nektar des Mitgefühls erfüllt ist. [Die übrige Vershälfte ist durch Punkte ersetzt.]
[Unnummerierte Erläuterung:] „Vierarmig“ deutet zusätzlich Keule und Lotus an. Die erstgenannten Waffen, Muschelhorn und Diskus, befinden sich in den oberen Händen, links beginnend; die anderen in den verbleibenden Händen, ebenfalls links beginnend. So meditiert man über die Waffen.
Frauen dagegen [vergegenwärtigen sich ihn folgendermaßen]: „Auf dem eigenen Schoß, zugewandt auf einem reinen roten Lotus sitzend, das Kind mit rubinglänzendem Kinderschmuck und dem Leuchten frisch geschmolzenen Goldes …“ [Fortsetzung auf der nächsten Druckseite.]
[Fußnote zur Anfangsprosa:] Kha bietet dhvajam, den Akkusativ „das Banner“.
29.SGP.7: [Fortsetzung der auf der vorigen Seite begonnenen Meditation:] … das sie immer wieder liebevoll umarmt und voller Freude selbst liebkost. Eine Frau, die sich einen Sohn wünscht, vergegenwärtige sich Muras Bezwinger als ihren eigenen Sohn.
[Unnummerierte Bemerkung:] So ist über die Gottheit zu meditieren.
29.SGP.8: Nach der Meditation vollzieht man hingebungsvoll Wiederholung, Verehrung und Weiteres. Für diesen großen Mantra wird die Verehrung mit den Gliedern, mit Nanda und den weiteren Gestalten sowie mit Vajra und den übrigen Waffen erklärt.
[Unnummerierte praktische Ausführung:] Nach den Morgenhandlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollzieht man dreimal Atemregelung mit dem Grundmantra. Auf das Haupt setzt man nāradāya ṛṣaye namaḥ, auf den Mund anuṣṭupchandase namaḥ, auf das Herz śrīkṛṣṇāya devatāyai namaḥ. Danach vollzieht man mit dem Grundmantra einen die Hände durchdringenden Nyāsa.
| Glied | Formel |
|---|---|
| Herz | devakīsuta govinda hṛdayāya namaḥ |
| Haupt | vāsudeva jagatpate śirase svāhā |
| Scheitelbüschel | dehi me tanayaṃ kṛṣṇa śikhāyai … |
| Panzer | tvām ahaṃ śaraṇaṃ gataḥ kavacāya … |
| Waffe | devakīsuta govinda vāsudeva jagatpate dehi me tanayaṃ kṛṣṇa tvām ahaṃ śaraṇaṃ gataḥ astrāya … |
Die letzten drei Endformeln sind im Druck verkürzt. Diese fünf Gliedmantras setzt man auf die fünf Finger, beginnend mit dem Daumen, und danach auf Herz und die weiteren Körperstellen. Meditation, geistige Verehrung und alles Weitere führt man vollständig aus.
29.SGP.9: Nach hunderttausend Wiederholungen opfert man ein Zehntel mit geklärter Kuhbutter. Danach folgen Labung und Weiteres; so werde der Mantra für den Übenden wirksam.
29.SGP.10: In der hellen Monatshälfte am zehnten Mondtag um Mitternacht setzt der nach einem Sohn verlangende Mantrakenner Viṣṇu in ein Svastika ein und verehrt ihn dort.
[Unnummerierte Erläuterung:] „Svastika“ bedeutet hier das entsprechende Maṇḍala.
29.SGP.11: Wer den Mantra mit dem Wunsch nach einem Sohn so verehrt, erlange gewiss einen wohlerzogenen, langlebigen Sohn. [Dies ist das im Text ausgesprochene Ritualversprechen.]
Santānagopāla-Yantra nach dem Yantrasāra
29.SGY.1: Kāma steht in der Mitte. Auf die acht Blätter, deren Staubfäden mit Vokalpaaren glänzen, schreibt man der Reihe nach je vier Mantralaute. Außen nochmals von den Konsonanten umgeben und innerhalb des Bhūpura gelegen, verleihe dieses Yantra den Menschen rasch Zuwachs an Söhnen und Enkeln.
[Unnummerierte Erklärung:] Man zeichnet einen achtblättrigen Lotus. In seinen Kern schreibt man das Kāma-Bīja zusammen mit dem Namen der betreffenden Person beziehungsweise dem Ritualziel. In die Staubfäden setzt man die Vokale paarweise, auf die Blätter je vier Silben des Grundmantras. Im Zwischenraum zweier äußerer Kreise umgibt man ihn mit den Lauten von ka bis kṣa. Außen zeichnet man ein Quadrat mit dem Kāma-Bīja in allen vier Ecken. Dieses Yantra verleihe die genannte Frucht.
Der Mantra zum Lösen der Fesseln nach dem Sārasaṃgraha
29.SGP.12: Man spricht „Vasudeva“ und die Dativfügung „Nigaḍacchedana“. Nach „Vā“ folgt „sudeva“ mit der Dativendung.
[Unnummerierte Vershälfte:] Mit Varma, Astra und Vahnijāyā am Ende gilt dies als zwanzigsilbiger Mantra. [Die übrige Vershälfte fehlt und ist durch Punkte ersetzt.]
[Unnummerierte Erklärung:] Vasudevaṃ bleibt in dieser Wortgestalt; hier steht der Akkusativ für das Objekt. Nigaḍacchedana wird in den Dativ gesetzt: nigaḍacchedanāya. Ebenso ergibt sich vāsudevāya. Varma ist huṃ, Astra phaṭ, Vahnijāyā svāhā. Daraus folgt: vasudevaṃ nigaḍacchedanāya vāsudevāya huṃ phaṭ svāhā. [Die Versstellung von caturthyantam, „im Dativ“, ist missverständlich; die Prosa unterscheidet ausdrücklich den Akkusativ vasudevam vom Dativ nigaḍacchedanāya. Diese Lesart wird beibehalten.]
29.SGP.13: Nārada wird als sein Seher genannt, Gāyatrī als Versmaß. Seine Gottheit ist Śrī Kṛṣṇa unter dem Namen Nigaḍacchedana, „Löser der Fesseln“.
29.SGP.14: Nyāsa, Meditation, Wiederholung, Verehrung und Weiteres entsprechen dem Verfahren des zehnsilbigen Mantras. Nun will ich den großen Mantra nennen, der „der Einsilbige“ heißt …
Das einsilbige Kāma-Bīja
29.SGP.15: … der Vermögen, Söhne, eine Gemahlin und andere Genüsse sowie Befreiung verleihe und selbst Scharen von Vollendeten, Sehern und Yogis und sogar Purāri, Śiva, bezaubere.
29.SGP.16: Dieser höchste Mantra bewirke Zuneigung und Anziehung bei Frauen der Menschen, Schlangenwesen und Götter. Der einsilbige Mantra besteht aus Jayā, Bhū, Śānti und Bindu.
[Unnummerierte Auflösung:] Jayā ist k, Bhū l, Śānti der lange Vokal ī, Bindu der Anusvāra. Daraus entsteht klīṃ.
29.SGP.17: Sein Seher wird von den Kundigen Saṃmohana-Nārada genannt. Die Kenner der Geheimnisse von Mantra und Tantra erklären Gāyatrī als sein Versmaß.
29.SGP.18: Die Gottheit ist Kṛṣṇa als Jagatsaṃmohana, „Bezauberer der Welt“, von den Göttern verehrt. Mit dem Bīja, jeweils durch die sechs langen Vokale verändert, bildet man die sechs Glieder.
29.SGP.19: Nachdem man vom Sitz bis zum Nyāsa nach dem genannten Verfahren vorgegangen ist, setzt man die Glieder auf die Finger und auch auf die Handflächen.
29.SGP.20: Auf die fünf Finger setzt man die zuvor genannten Pfeile in ihrer Reihenfolge. Danach setzt man die vom Bīja umschlossenen Mātṛkā-Laute ein.
29.SGP.21: Nach erneutem Einsetzen der sechs Glieder setzt der Einsichtige die Pfeile an ihre Orte: der Reihe nach auf Haupt, Mund, Herz, Geschlechtsorgan und Füße.
29.SGP.22: Die Namen von Śoṣaṇa an stehen im Dativ, mit dem Bīja davor und namaḥ am Ende. Danach meditiert man gesammelt über Kṛṣṇa als Bezauberer der Welt.
29.SGP.23: Unter dem erblühenden Wunschbaum im Baumgarten Vṛndāvanas, auf einem Juwelenthron über juwelenem Boden …
29.SGP.24: … steht beziehungsweise sitzt er, glänzend wie die aufgehende Sonne, auf der linken Schulter des großen Vainateya, Garuḍa, dessen Wesen der Lebensatem des Alls ist.
29.SGP.25: Er leuchtet wie die Bandhūka-Blüte, von derselben Farbe wie Śambaras Feind, Kāma. Diskus, Muschelhorn, Haken, Schlinge, Blumenpfeile und Zuckerrohrbogen …
29.SGP.26: … Lotus und Keule trägt er in seinen acht Lotushänden. Seine beiden weichen, rötlichen, weiten Lotusaugen bewegen sich lebhaft.
29.SGP.27: Seine Krone ist mit Juwelen besetzt, seine Ohrringe bestehen aus Edelsteinen. Er trägt Perlenketten sowie glänzende juwelenbesetzte Armreifen, Oberarmspangen und Ringe.
29.SGP.28: Glöckchen, Fußreifen und Juwelenketten schmücken ihn. Er ist mit roter Salbe bestrichen und leuchtet in einem gelben Gewand von goldenem Glanz.
29.SGP.29: Auf seinem linken Oberschenkel sitzt Lakṣmī, die ihren Geliebten umarmt. Im linken Arm hält sie einen Lotus; ihr „Liebestempel“, ihr Genitalbereich, ist feucht.
29.SGP.30: Ihr schlanker Körper ist durch Liebesrausch und Erregung bewegt und leuchtend. Schöne Girlanden, Salben und aller Schmuck zieren sie. [Die Wortfügung um madan(y)ag ist im Druck beschädigt beziehungsweise nicht eindeutig; der Bezug auf erotische Erregung bleibt erkennbar.]
29.SGP.31: Mit schönem Brauenspiel und lieblichem Gesicht richtet sie ihre beweglichen, dunkelblauen Augen, Bienen gleich, auf das herrliche Lotusgesicht ihres Geliebten.
29.SGP.32: Mit dem linken, den bereiten Bogen tragenden Arm umschlingt er diese junge Frau und erfreut sich an der daraus hervorgehenden höchsten Wonne. [Der Druck bietet tajjapar…, eine auffällige Fügung an dieser Stelle.]
29.SGP.33: Scharen schön geschmückter Frauen der Götter, Asuras, Schlangenherrscher, Vollendeten und Gandharvas umgeben ihn, von Kāmas Pfeilen getroffen.
[Unnummerierte Vershälfte:] So vergegenwärtige man sich den Gott, den Lehrer aller Welten, die wahre Glückseligkeit. [Der übrige Vers ist durch Punkte ersetzt.]
[Unnummerierte Erklärung der Waffenverteilung:] Die beiden erstgenannten Waffen kommen in die oberen Hände, rechts beginnend. Die übrigen sind paarweise, ebenfalls rechts beginnend, immer weiter unten zu verstehen.
29.SGP.34: Im Yantra des zwanzigsilbigen Mantras verehrt man Kṛṣṇa täglich. Zuerst vollzieht man ordnungsgemäß die Dienste vom Arghya bis zum Schmuck.
29.SGP.35: Danach verehrt man die Glieder und Pfeile in der Reihenfolge des Nyāsa, die Krone auf dem Haupt und die beiden Ohrringe an den Ohren.
29.SGP.36: Die Waffen von Diskus an verehrt man in den Händen, dann Śrīvatsa und Kaustubha oberhalb des Herzens, die Waldblumengirlande am Hals und an den Hüften …
29.SGP.37: … das gelbe Gewand. An seiner linken Seite verehrt man Mahālakṣmī, ihrem Namen das Bīja voranstellend. Im Kern verehrt man in den Haupt- und Zwischenrichtungen die Gliedgottheiten.
29.SGP.38: Außerhalb davon verehrt man vier Pfeile in den Hauptrichtungen und den fünften in den Ecken. Auf den Blättern, vorn beginnend, verehrt man Lakṣmī und die übrigen mit ihren zuvor beschriebenen Merkmalen …
29.SGP.39: … mit himmlischen Gewändern, Salben und Schmuck versehen, weiße Yakschweifwedel tragend, von Liebe bewegt und mit lächelnden Gesichtern.
29.SGP.40: Außen verehrt man Indra und die übrigen sowie Vajra und die weiteren Waffen. So ist die Verehrung des einsilbigen Mantras vollständig erklärt.
[Unnummerierte praktische Ausführung:] Nach den Morgenhandlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollzieht man dreimal Atemregelung mit dem Grundmantra. Auf das Haupt setzt man sammohananāradāya ṛṣaye namaḥ, auf den Mund gāyatrīchandase namaḥ, auf das Herz jagatsammohanāya kṛṣṇāya devatāyai namaḥ. Auf den verborgenen Körperbereich setzt man kaṃ … [Fortsetzung auf der nächsten Druckseite.]
[Fußnoten:] 1. Kha bietet in Vers 25 bhāsaṃ, „leuchtend“. 2. Die abweichende Lesart zu Vers 30 beginnt mit kāmārtena…; der weitere gedruckte Wortlaut ist ebenfalls unsicher. 3. Kha liest in der unnummerierten Meditationsschlusszeile dhyāyet, „man meditiere“.
[Fortsetzung der Körperformeln:] … bījāya namaḥ; auf die Füße īṃ śaktaye namaḥ und (auf den Nabel laṃ kīlakāya namaḥ). Mit gefalteten Händen erklärt man: „Die Anwendung dient der Erfüllung meines eigenen erwünschten Ziels.“
Mit klāṃ, klīṃ und den weiteren Formen vollzieht man den Sechsglied-Mantra-Nyāsa an den Händen. (Auf die fünf Finger setzt man die fünf im Puruṣottama-Abschnitt genannten Pfeile und vollzieht den vom Kāma-Bīja umschlossenen Mātṛkā-Nyāsa.) Danach setzt man die sechs Glieder auf Herz und weitere Körperstellen, die fünf Pfeile auf Haupt, Mund, Herz, Geschlechtsorgan und Füße.
Nach Meditation und Selbstverehrung zeichnet man das Yantra des zwanzigsilbigen Mantras. Nach Sitzverehrung und Diensten bis zu den Blumen verehrt man am Körper der Gottheit die sechs Glieder und fünf Pfeile an ihren Nyāsa-Stellen.
| Ort oder Gegenstand | Formel |
|---|---|
| Krone auf dem Haupt | kirīṭāya namaḥ |
| Ohrringe an beiden Ohren | kuṇḍalābhyāṃ namaḥ |
| Waffen in den Händen, in der Meditationsreihenfolge | cakrāya namaḥ, śaṅkhāya namaḥ, aṅkuśāya namaḥ, pāśāya namaḥ, puṣpabāṇebhyo namaḥ, ikṣudhanuṣe namaḥ, padmāya namaḥ, gadāyai namaḥ |
| Brust | śrīvatsāya namaḥ, kaustubhāya namaḥ |
| Hals | vanamālāyai namaḥ |
| Hüften | pītāmbarāya namaḥ |
| Linke Schoßseite | śrīlakṣmyai namaḥ |
Im Kern verehrt man, vor der Gottheit beginnend, in den vier Haupt- und vier Zwischenrichtungen die sechs Glieder. In den Staubfäden verehrt man vier Pfeile in den Hauptrichtungen und den fünften in den vier Ecken. Auf den acht Blättern folgen Lakṣmī und die zuvor genannten weiteren Gestalten. Weltenhüterverehrung und alles Weitere schließt man wie zuvor ab.
29.SGP.41: Mit beherrschten Sinnen wiederholt man den einsilbigen Mantra zwölf Lakṣa, also zwölfhunderttausend Mal. Mit Palāśa-Blüten, die mit den drei süßen Stoffen bestrichen sind, opfert man im verehrten Feuer …
29.SGP.42: … zwölftausend Mal. Ebenso oft vollzieht man mit Wasser die Labung. Nach der eigenen Besprengung verehrt und erfreut man die Brahmanen.
Gāyatrī zur vorausgehenden Reinigung
29.SGP.43: Man spricht „Trailokyamohana“ im Dativ und das Wort „vidmahe“, danach „Smara“ im Dativ und „dhīmahi“.
29.SGP.44: Dann spricht der Mantrakenner „tan no viṣṇuḥ“ und „pracodayāt“. Diese Gāyatrī wiederholt man vor dem Japa zur Reinigung von Verfehlungen.
[Aus den Versen gebildete Formel:] trailokyamohanāya vidmahe smarāya dhīmahi tan no viṣṇuḥ pracodayāt. „Wir erkennen den Bezauberer der Dreiwelt; über Smara meditieren wir. Möge Viṣṇu uns anregen.“ [Ein einleitendes oṃ wird hier nicht genannt.]
29.SGP.45: Durch Wiederholung, Verehrung und Feueropfer gelte sie als Mehrerin des Wohlergehens. Zur Reinigung besprengt der Mantrakenner damit die Verehrungsgegenstände und das Übrige.
29.SGP.46: Wer mit diesem Mantra täglich zu Tagesbeginn hundert Labungen mit Wasser, das Mohinī-Blüten enthält, darbringt …
29.SGP.47: … erlange mühelos alle ersehnten Wünsche. Nach zehntausend Feueropfern mit geklärter Butter, unter Sammlung der zurückbleibenden beziehungsweise aufgefangenen Opferbutter …
29.SGP.48: … gibt man diese Butter der eigenen Geliebten zu essen. Dadurch werde sie einem zugetan; ebenso könne auch er auf diese Weise zugetan werden. [Das Verfahren wird als historische magische Liebesanwendung wiedergegeben; sampāta bezeichnet hier das beim Opfer gesammelte Material.]
29.SGP.49: Die beim achtzehnsilbigen Mantra beschriebenen Anziehungsriten werden auch hier angewandt. Wer diesen Mantra nach dem genannten Verfahren mit ungeteilter Aufmerksamkeit verehrt …
29.SGP.50: … gewinne die Dreiwelt und genieße angenehme Freuden; danach gelange er in Viṣṇus Bereich, der weder vom Weltenbrand noch von der Auflösung betroffen ist.
Der Kāma-Mantra nach dem Sārasaṃgraha
[Unnummerierte Einleitung:] Dies ist derselbe bereits genannte einsilbige Kṛṣṇa-Mantra.
29.KAM.1: Eben dieser ist auch der einsilbige Mantra Kāmas. Sein Seher ist Saṃmohana, das Versmaß Gāyatrī, die Gottheit Smara.
[Unnummerierte Vershälfte:] Die Glieder werden mit dem eigenen Bīja gebildet, versehen mit den langen Vokalen. [Die zweite Hälfte ist durch Punkte ersetzt.]
29.KAM.2: Stets vergegenwärtige man sich den Gott Manasija: rot, mit roter Salbe bestrichen, wunderschön und rot gekleidet. Sein Körper leuchtet durch eine juwelenreiche Krone und allen übrigen Schmuck. In den Händen trägt er Schlinge, Haken, Zuckerrohrbogen und Blumenpfeile; sein Sitz ist ein roter Lotus.
[Unnummerierte Waffenverteilung:] Die beiden erstgenannten Waffen befinden sich in den oberen Händen, links beginnend. Die übrigen kommen in derselben Reihenfolge in die unteren Hände.
29.KAM.3: Auf dem Sitz verehrt man Kāma mit seinen Kräften von Saṃmohinī an: Mohinī, Kṣobhiṇī, Trāsinī, Stambhinī …
29.KAM.4: … Ākarṣiṇī, Drāviṇī, Hlādinī, Klinnā und Kledinī werden als die Kräfte des Kāma-Sitzes genannt. [Der Druck nennt einleitend Saṃmohinī, beginnt die anschließende Liste jedoch mit Mohinī; diese Abweichung bleibt erhalten.]
29.KAM.5: Mit dem Mantra bietet man den Sitz an; mit dem Grundmantra vergegenwärtigt man die Gestalt. Dorthin ruft man Smara und verehrt ihn hingebungsvoll nach dem folgenden Verfahren.
29.KAM.6: Zuerst verehrt man die Glieder; in der Mitte und den Hauptrichtungen setzt man die Pfeile ein, mit den genannten Bījas davor. Auf den acht Blättern werden der Reihe nach die folgenden verehrt.
29.KAM.7: Die erste heißt Anaṅgarūpā, danach folgt Anaṅgamadanā, dann Anaṅgamanmathā und Anaṅgakusumā.
29.KAM.8: Als fünfte wird Anaṅgakusumāturā genannt, als sechste Anaṅgaśiśirā; danach Anaṅgamekhalā …
29.KAM.9: … und Anaṅgadīpikā. Alle tragen Lotusse in den Händen und sind schön geschmückt. Außen werden auf ebenso vielen Blättern, wie es Vokale gibt, entsprechend viele Kräfte verehrt [sechzehn].
29.KAM.10: Die erste ist Yuvati, danach Vipralambhā, Jyotsnā und Subhrū; die fünfte ist Madadravā.
29.KAM.11: Danach heißen sie Suratā, Vāruṇī, Lokā, Līlā, Saudāminī, Kāmacchatrā und Candralekhā …
29.KAM.12: … Śukī, Madanā, Yoni und Māyāvatī. Diese jungen Frauen halten Kahlāra-Wasserblumen, sind von Liebe erfüllt und haben lächelnde Gesichter.
29.KAM.13: An den Blattspitzen verehrt man Kāmas Diener: Śoka, Moha, Vilāsa, Vibhrama, Madanātura …
29.KAM.14: … Apatrapa, Yuvan und danach Candana, Cūtapuṣpa und Ratipriya …
29.KAM.15: … Grīṣma, Tāpana, Ūrjā, Hemanta, Śiśira und Mada. Sie tragen Blumenpfeile und Zuckerrohrbogen …
29.KAM.16: … mit Köchern auf dem Rücken, sind rot und mit ihren Gedanken den Frauen zugewandt. Weiter außen verehrt man in der Richtungsfolge acht Freunde der Liebesfreude.
29.KAM.17: Diese sind Parabhṛt, Sārasa, Śuka, Megha, Apāṅga, Bhrūvilāsa, Hāva und Bhāva.
29.KAM.18: In den vier Ecken des Erdhauses verehrt man Mādhavā, Mālatī, Hariṇākṣī und Madotkaṭā.
29.KAM.19: Sie halten weiße Yakschweifwedel in ihren schönen Händen, sind dunkel und reich geschmückt. Weiter außen verehrt man Indra und die übrigen sowie Vajra und die weiteren Waffen.
29.KAM.20: Wer Smara so mit Düften, Blumen und Weiterem verehrt, erlange unvergleichliches Glück, erfüllte Wünsche und großen Wohlstand.
[Unnummerierte praktische Ausführung:] Nach den Morgenhandlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollzieht man dreimal Atemregelung mit dem Grundmantra. Auf das Haupt setzt man sammohanāya ṛṣaye namaḥ, auf den Mund gāyatrīchandase namaḥ, auf das Herz śrīkāmāya devatāyai namaḥ. Bīja, Śakti und die weiteren Angaben werden wie zuvor eingesetzt; danach nennt man den Viniyoga.
Mit klāṃ, klīṃ und den weiteren Formen vollzieht man den Hand- und Sechsglied-Nyāsa. Nach Meditation und Verehrung des höchsten Prinzips verehrt man in den Staubfäden des achtblättrigen Lotus, vor sich beginnend und in der Mitte endend, die Sitzkräfte. Die folgenden Tabellen geben die Prosaformeln in ihrer gedruckten Reihenfolge wieder; die durch Wiederholungszeichen verkürzten Endungen namaḥ sind ausgeschrieben.
| Sitzkräfte, der Reihe nach |
|---|
| mohinyai namaḥ; kṣobhiṇyai namaḥ; trāsinyai namaḥ; stambhinyai namaḥ; ākarṣiṇyai namaḥ; drāviṇyai namaḥ; āhlādinyai namaḥ; klinnāyai namaḥ; kledinyai namaḥ |
[Die Prosa hat Āhlādinī, während Vers 4 Hlādinī nennt.]
Mit śrīsarvaśaktikamalāsanāya namaḥ verehrt man auf dem Sitz das gesamte Pīṭha. Nach Anrufung und Diensten bis zu den Blumen verehrt man die Glieder wie zuvor und im Lotuskern, in der Mitte und den vier Hauptrichtungen, die Pfeile.
| Acht Blätter, der Reihe nach |
|---|
| anaṅgarūpāyai namaḥ; anaṅgamekhalāyai namaḥ; anaṅgamanmathāyai namaḥ; anaṅgakusumāyai namaḥ; anaṅgakusumāturāyai namaḥ; anaṅgaśiśirāyai namaḥ; anaṅgamekhalāyai namaḥ; anaṅgadīpikāyai namaḥ |
[An zweiter Stelle wiederholt die Druckprosa Anaṅgamekhalā, die auch an siebter Stelle steht; Vers 7 nennt dagegen Anaṅgamadanā. Die Fußnote bestätigt für die Handschrift ga die Lesart madanāyai an dieser Stelle.]
Außen auf den sechzehn Blättern verehrt man, vor der Gottheit beginnend und im Uhrzeigersinn:
| Sechzehn weibliche Kräfte |
|---|
| yuvatyai namaḥ; vipralambhāyai namaḥ; jyotsnāyai namaḥ; subhruve namaḥ; madadravāyai namaḥ; suratāyai namaḥ; vāruṇyai namaḥ; lokāyai namaḥ; līlāyai namaḥ; saudāminyai namaḥ; kāmacchatrāyai namaḥ; candralekhāyai namaḥ; śukyai namaḥ; madanāyai namaḥ; yonyai namaḥ; māyāvatyai namaḥ |
| An den sechzehn Blattspitzen |
| śokāya namaḥ; mohāya namaḥ; vilāsāya namaḥ; vibhramāya namaḥ; madanāturāya namaḥ; apatrapāya namaḥ; yūne namaḥ; candanāya namaḥ; cūtapuṣpāya namaḥ; ratipriyāya namaḥ; grīṣmāya namaḥ; tāpanāya namaḥ; ūrjāya namaḥ; hemantāya namaḥ; śiśirāya namaḥ; madāya namaḥ |
In den acht Richtungen des Quadrates, vor der Gottheit beginnend und im Uhrzeigersinn, folgen:
| Acht Begleiter |
|---|
| parabhṛte namaḥ; sārasāya namaḥ; śukāya namaḥ; meghāya namaḥ; apāṅgāya namaḥ; bhrūvilāsāya namaḥ; hāvāya namaḥ; bhāvāya namaḥ |
| Vier Ecken, beginnend im Südosten |
| mādhavyai namaḥ; mālatyai namaḥ; hariṇākṣyai namaḥ; madotkaṭāyai namaḥ |
[Die Prosaform mādhavyai entspricht Mādhavī, während Vers 18 die Form Mādhavā nahelegt.]
Außen vollendet man die Verehrung der Weltenhüter und alles Weitere wie zuvor.
29.KAM.21: Nach dieser Vergegenwärtigung wiederholt man den Mantra vorschriftsgemäß zwölf Lakṣa, also zwölfhunderttausend Mal. Ein Zehntel opfert man mit Kiṃśuka-Blüten, die mit den drei süßen Stoffen bestrichen sind.
29.KAM.22: Nach Labung und Besprengung bewirtet man auch die Brahmanen. Danach verehrt man den Lehrer mit materiellen Gaben, verneigt sich und erfreut ihn.
29.KAM.23: (Wenn der Mantra auf diese Weise vollendet ist, führt der Mantrakenner die Anwendungen aus. Drei Tage lang opfert man Aśoka-Blüten, mit den drei süßen Stoffen bestrichen …) [Der Vers steht im Druck in Klammern.]
29.KAM.24: … tausendacht Mal; dadurch werde man allen lieb. Mit geklärter Kuhbutter bringt man hundertacht Opfer dar und sammelt das beim Opfer aufgefangene Material …
29.KAM.25: … mit diesem Mantra im sorgfältig verehrten Feuer. Die dabei gesammelte Butter gibt der Mantrakenner seiner eigenen Geliebten zu essen.
29.KAM.26: Sie werde seinen Anweisungen sogar in einem weiteren Leben folgen. Durch tägliches Feueropfer mit in Dickmilch getauchten Puffreiskörnern über einen Maṇḍala-Zeitraum …
[Unnummerierte Fortsetzung:] … erlange der Mantrakenner die gewünschte Braut und ebenso sie den geliebten Ehemann. [Der verbleibende Vers ist durch Punkte ersetzt. Diese Wirkungen sind die Behauptungen der überlieferten Liebesmagie.]
Weitere Kāma-Yantras
29.KAM.27: Im Sechseck steht Madana zusammen mit dem Ritualziel; an seinen Ecken die Glieder. Auf die acht äußeren Blätter schreibt man die Laute der Gāyatrī, in Dreiergruppen geteilt. An deren Spitzen stehen die Silben des Mālā-Mantras, in Gruppen von sechs. An den Ecken des Erdhauses leuchtet Manmatha: Dies ist das glückverheißende Manmatha-Yantra.
[Unnummerierte Vershälfte:] Verehrt und getragen, mache es die Dreiwelt gewogen. [Die übrige Vershälfte ist durch Punkte ersetzt.]
[Unnummerierte Erklärung:] Man zeichnet einen achtblättrigen Lotus mit einem Sechseck im Innern. In dessen Mitte setzt man das Kāma-Bīja mit dem Namen der betreffenden Person oder dem Ritualziel, in die Ecken die sechs Gliedmantras. Auf jedes der acht Blätter kommen je drei Silben der zuvor genannten Kāma-Gāyatrī, auf jede Blattspitze je sechs Silben des zuvor genannten Kāma-Mālā-Mantras. In die Ecken des äußeren Quadrates schreibt man das Kāma-Bīja. Dies verleihe die genannte Frucht.
29.KAM.28: In die Mitte schreibt man Kāma, umgeben von Madana-Bījas, die ihrerseits von den Namenslauten der betreffenden Person umschlossen sind. Den achtblättrigen Lotus versieht man mit Tāra, Visarga, den durch pakṣa, cheda und sargānta bezeichneten Lauten sowie den Zahlenangaben sechs, elf, sechs und drei. Die Hauptrichtungen tragen Dreizacke. Dieses Yantra wird auf ein besonders schönes Betelblatt gezeichnet. [Die verschlüsselte Lautangabe in der zweiten Verszeile ist im Druck nicht zuverlässig auflösbar; deshalb wird daraus keine vermeintlich sichere Mantrafolge konstruiert.]
29.KAM.29: Man verehrt dieses Yantra vorschriftsgemäß, setzt den Lebensatem ein und bespricht es mit dem Grundmantra. Die Frau, der der Mantrakenner es nachts zu essen gibt …
[Unnummerierte Fortsetzung:] … bleibe ihm ihr Leben lang untertan, daran sei kein Zweifel. [Der übrige Vers ist durch Punkte ersetzt. Dies ist die Erfolgsaussage des Textes.]
[Unnummerierte Erklärung:] Mit duftender Substanz zeichnet man einen achtblättrigen Lotus auf ein Nāgavallī-, also Betelblatt. In den Kern schreibt man das Kāma-Bīja; es wird von weiteren Kāma-Bījas umgeben, die jeweils vom Namen der betreffenden Person umschlossen sind. Auf die Blätter, im Osten beginnend, setzt man acht Laute, je einen pro Blatt. Die gedruckte Reihe beginnt oṃ, aḥ, āḥ; die folgenden fünf Zeichen sind in dieser Vorlage nicht sicher zu entziffern. An die Spitzen der Hauptrichtungsblätter setzt man Dreizacke. Das Yantra verleihe die genannte Frucht.
[Redaktioneller Quellenhinweis: Die unleserliche Fünfergruppe bleibt auch in den beiden Sanskritfassungen ausdrücklich markiert. Sie wird nicht durch eine angenommene Ritualformel ersetzt.]
Pañcamanobhava-Yantra nach dem keralischen Yantrasāra
29.KPY.1: Madana erhellt seine Mitte; die fünf Manobhavas strahlen auf den Blättern, deren Zahl den Sinnen entspricht. Es ist von den Pfeilen und den Mātṛkā-Lauten umgeben, und Manmatha leuchtet in den Ecken des Erdhauses.
29.KPY.2: So zeichne man das Pañcamanobhava-Yantra, das alle Fülle verleihe, auf eine goldene Platte. An einem besonders günstigen Tag angelegt, bewirke es rasch …
[Unnummerierte Fortsetzung:] … die Zuneigung der Herzen aller Menschen sowie der Frauen der Vollendeten und Götter und die Erfüllung des Ersehnten. [Fortsetzung auf der nächsten Druckseite.]
[Fußnote zu Vers 28:] Kha bietet śūlāṅghri, eine abweichende Wortverbindung mit „Dreizack“ und „Fuß beziehungsweise Ecke“.
29.KPY.3: [Fortsetzung der vorangehenden Aussage über das Yantra:] Auch eine Frau, die es in einem Goldschmuckstück oder anderem Schmuck trägt, mache alle Männer …
29.KPY.4: … sich gewogen, erlange höchsten Wohlstand und freue sich mit ihren Söhnen. Zeichnet man es in Safranpaste und bestreicht den Körper damit, so werde die ganze Welt …
[Unnummerierte Fortsetzung:] … schon durch den bloßen Anblick angezogen, um wie viel mehr durch freundliches Zureden, gemeinsames Sitzen und Zusammensein.
[Unnummerierte Erklärung:] In den Kern eines fünfblättrigen Lotus schreibt man das Kāma-Bīja zusammen mit dem Namen der betreffenden Person beziehungsweise dem Ritualziel. Auf die fünf Blätter schreibt man je einen der fünf Kāma-Mantras: aiṃ, hrīṃ, klīṃ, blūṃ, strīṃ. Außen zeichnet man drei Kreise. Im inneren der beiden Zwischenräume umgibt man den Lotus mit den zuvor genannten Kāma-Bījas, im äußeren mit der Mātṛkā. In jede Ecke des äußeren Quadrates schreibt man das Kāma-Bīja. Dieses Yantra verleihe die genannte Frucht.
Der Praṇava-Mantra nach dem Sārasaṃgraha
29.PRV.1: Nun will ich den großen Mantra namens Praṇava vollständig erklären. Er vernichte die Last der Verfehlungen und sei ein Wunschbaum für die mannigfachen menschlichen Wünsche.
29.PRV.2: Er bewirke für die Menschen das höchste Heil und werde von den Scharen der Seher gepflegt. Keśava, Viṣṇu, Tandrā und Bindu werden genannt; daraus entsteht der als Dhruva bezeichnete Laut.
[Unnummerierte Entschlüsselung:] Keśava ist a, Viṣṇu u, Tandrā m, Bindu der Anusvāra. Daraus wird der Praṇava gebildet: oṃ.
29.PRV.3: Der Mantra wird als dreimātrig beschrieben. Sein Seher ist Prajāpati, sein Versmaß Devī-Gāyatrī, seine Gottheit das höchste Selbst, Paramātman.
[Unnummeriertes Zitat aus Dakṣiṇāmūrti:] „Bīja und Śakti stehen der Reihe nach [für die ersten beiden Bestandteile]; der m-Laut ist das Kīlaka.“ [Die spätere Prosa nennt hierfür ausdrücklich aṃ, uṃ und maṃ.]
29.PRV.4: Die sechs Glieder bildet man mit Dhruva, verbunden mit kurzen und langen Vokalen, oder mit den sechs Vyāhṛtis, wobei satya ausgelassen wird.
29.PRV.5: [Man meditiert über] Viṣṇu mit makelloser Körperschönheit, in gelber Seide, dessen allseits leuchtender Glanz dem der Sonne gleicht …
29.PRV.6: … geschmückt mit Krone, Oberarmspangen, Halsketten, Gürtel, Fußreifen, Halsschmuck, Armreifen und weiteren Zierden …
29.PRV.7: … der in seinen Lotushänden Diskus, Muschelhorn, Lotus und Keule trägt, durch das Leuchten des Kaustubha strahlt und juwelene Ohrringe trägt.
[Unnummerierte Vershälfte:] „Ich verehre ihn, mit allem ausgestattet, auf einem geöffneten Lotus sitzend.“ [Die übrige Vershälfte ist durch Punkte ersetzt.]
[Unnummerierte Waffenverteilung:] Man vergegenwärtigt die Waffen von der unteren linken Hand an bis zur unteren rechten Hand.
29.PRV.8: Nach Verehrung des Viṣṇu-Sitzes ruft man Hari dorthin und verehrt ihn. In den Staubfäden erfolgt die Gliederverehrung; auf den Blättern der Hauptrichtungen verehrt man …
29.PRV.9: … Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha. Auf den diagonalen Blättern verehrt man Śānti, Śrī, Sarasvatī und Rati.
29.PRV.10: An den Spitzen der Hauptrichtungsblätter verehrt man Ātman, Antarātman, Paramātman und Jñānātman.
29.PRV.11: An den Spitzen der diagonalen Blätter verehrt man die zuvor genannten Kräfte von Nivṛtti an. Weiter außen folgen die Götter von Śakra, Indra, an sowie Vajra und die übrigen Waffen.
[Unnummerierte praktische Ausführung:] Nach den Morgenhandlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollzieht man dreimal Atemregelung mit dem Grundmantra. Die Formeln sind:
| Körperstelle | Formel |
|---|---|
| Haupt | brahmaṇe ṛṣaye namaḥ |
| Mund | devīgāyatrīchandase namaḥ |
| Herz | paramātmane devatāyai namaḥ |
| Verborgener Körperbereich | aṃ bījāya namaḥ |
| Füße | uṃ śaktaye namaḥ |
| Nabel | maṃ kīlakāya namaḥ |
Mit gefalteten Händen erklärt man: „Die Anwendung dient meiner Befreiung.“
Die sechs Gliedformeln lauten:
| Glied | Formel |
|---|---|
| Herz | aṃ oṃ āṃ hṛdayāya namaḥ |
| Haupt | iṃ oṃ īṃ śirase svāhā |
| Scheitelbüschel | uṃ oṃ ūṃ śikhāyai vaṣaṭ |
| Panzer | eṃ oṃ aiṃ kavacāya huṃ |
| Drei Augen | oṃ oṃ auṃ netratrayāya vauṣaṭ |
| Waffe | aṃ oṃ aḥ astrāya phaṭ |
Nach diesem Hand- und Sechsglied-Nyāsa führt man Meditation und alles Weitere bis zur Gliederverehrung aus. Auf den Hauptrichtungsblättern verehrt man, im Osten beginnend, Vāsudeva und die übrigen mit ihren Kräften; an den Blattspitzen in derselben Richtungsfolge Ātman und die weiteren mit ihren Kräften. Weltenhüterverehrung und alles Weitere werden vollständig ausgeführt.
[Fußnote zur Meditation:] Kha bietet prabham, „leuchtend“, als abweichende Lesart.
29.PRV.12: Nach ordnungsgemäßer Einweihung wiederholt man den Mantra eine Koṭi, also zehn Millionen Mal. Danach opfert man ein Zehntel mit einer von geklärter Butter durchtränkten Opferspeise …
29.PRV.13: … oder mit guten Palāśa-Brennhölzern, die mit geklärter Butter bestrichen sind. Anschließend vollzieht man ordnungsgemäß mit reinem Wasser ein Zehntel davon als Labung.
29.PRV.14: Nach der eigenen Besprengung bewirtet man die Brahmanen. Den Lehrer verehrt man mit Vermögen und weiteren Gaben, verneigt sich und erfreut ihn.
29.PRV.15: Wer den Mantra so vollendet hat, hat sein Werk getan, daran sei kein Zweifel. Wer geklärte Butter, Opferspeise, Reis, Sesam, Brennholz und Amṛta …
29.PRV.16: … der Reihe nach mit diesem Mantra opfert, dessen erwünschtes Ziel werde in dieser Welt und im Jenseits erfüllt. [Die Bezeichnung amṛta wird hier ohne zusätzliche, im Text nicht gegebene Stoffbestimmung beibehalten.]
29.PRV.17: Wer den vorzüglichen Praṇava-Mantra so mit Wiederholung, Verehrung und Feueropfer in wahrer Hingabe pflegt, dessen Geist wird ungetrübt, und die Last seiner Verfehlungen vergeht. Mit Frau, Kindern und guten Freunden, mit allem Wohlergehen in dieser Welt ausgestattet, erlangt er schließlich makellose Erkenntnis und geht zum guten Ziel.
[Abschnittsschluss:] Damit endet der Śrī-Kṛṣṇa-Abschnitt.
Kārtavīrya-Mantras nach dem Uḍḍāmeśvara-Tantra
Die Göttin sprach:
29.KTV.1: Gott der Götter, großer Gott, Vernichter der Streitmacht der Götterfeinde, Mehrer der Göttermacht, du, dessen Mondschmuck selbst vom Götterkönig verehrt wird!
29.KTV.2: Ich frage dich, erhabener Herr: Erkläre mir ausführlich die Größe des Königsmantras des Herrschers Kārtavīrya.
29.KTV.3: O Gott, du mögest das Verfahren seines Mantras darlegen. Ich möchte es samt seinem Geheimnis, das große heilige Verdienst gewährt, wahrheitsgemäß hören.
Īśvara sprach:
29.KTV.4: Höre, Göttin, ausführlich den großen Mantra, der alles Erstrebte gewähre und insbesondere Diebe, Seuchen und Gegner vertreibe.
29.KTV.5: Er bewirke rasch großen Einfluss, mehre den Sieg der Könige, vernichte die Verfehlungen seiner Verehrer und gewähre ihnen höchstes Wohlergehen.
29.KTV.6: Nun will ich, Geliebte, den Mantra erschließen, der allen Reichtum verleihe: Agni, auf den Rudra-Laut gesetzt, bei Indu, mit Tāra, Halbmond und Nāda verbunden …
29.KTV.7: … wird von den Sehern als sein Bīja bezeichnet, das Erregung bewirke. Einige verlangen bei dessen Verbindung das Zusammentreten mit Mahāmāyā, Bindu und Nāda …
29.KTV.8: … jene großen Seelen, die Einfluss auf die Menschen wünschen. Andere große Seelen, höchste Göttin, wünschen bei diesem mit Nāda und Bindu verbundenen Laut …
29.KTV.9: … eine Verbindung mit Bhautika. (Wieder andere wünschen seine Verbindung mit Bhautika und dem Halbmond …
29.KTV.10: … jene großen Seher, Göttin, die vollkommene Rede erlangen möchten.) So erschließt der Mensch dieses Bīja nach seiner gewählten Auffassung …
[Textbefund zu Versen 6–10: Die Lautverschlüsselung enthält mehrfach die schwer deutbare Form sāmne/sāmni. Die Bezeichnungen werden deshalb zunächst beibehalten; eine vollständige Bīja-Folge wird nicht allein aus diesen unsicheren Versen ergänzt.]
29.KTV.11: … und erschließt danach das zweite Bīja, das alle Feinde vernichte. Dieses zweite Bīja werde ich dir in rückläufiger Zählung erklären, Schöne.
29.KTV.12: Vom Sonnenlaut aus nimmt man den zwanzigsten Laut, davon den dritten, verbindet ihn mit Trimūrti, ferner mit dem Halbmond und dem Nāda, Geliebte.
29.KTV.13: Vom zweiten aus nimmt man rückläufig den sechsten, mit Indra, Māyā, Nāda und Bindu verbunden. Das dritte [Bīja] verleihe Einfluss auf die Menschen.
29.KTV.14: Vom ersten nimmt man den dritten, dazu den vierten, und bildet das vierte [Bīja], mit linkem Ohr, Mond und Nāda. Es bewirke augenblickliches Erstarren.
29.KTV.15: Mukhavṛtta, mit Bindu und Nāda verbunden, höchste Göttin, ist das fünfte große Bīja, das unmittelbar Anziehung bewirke.
29.KTV.16: Vyoman mit Halbmond und der darunter gesetzten Vidyā-Verbindung wird als sechstes erklärt. Als siebtes erschließt man krauṃ, mit dem anschließend beschriebenen Bindu-Bezug. [Die Druckfügung bindutthaṃ binduvadvinā ist widersprüchlich beziehungsweise beschädigt und wird nicht eigenständig zu einer eindeutigen Lautvorschrift verbessert.]
[Fußnoten:] 1. In Vers 17 des Praṇava-Abschnitts liest kha saṃstavate, „preist“, statt „pflegt“. 2. In Kārtavīrya-Vers 2 bieten ka und ga den regelmäßigen Vokativ bhagavan. 3. In Vers 8 lautet die Variante von kha „die Diebe anzuziehen wünschen“. 4. Kha bietet zu Vers 12 eine abweichende Fassung mit dem zwanzigsten Laut vom Sonnenlaut aus, Feuer, Devī und Halbmond; darauf folgt die Ankündigung des dritten vorzüglichen Bījas. Die verschlüsselte Variante wird nicht zur Hauptfassung umgebaut. 5. Zu saṃyuktaṃ bieten ka und ga saṃsaktaṃ, „verbunden“. 6. Ga liest samīrayet, „man spreche“. 7. Zum Schluss von Vers 16 bietet kha bindunādinā, „mit Bindu und Nāda“.
29.KTV.17: Mit Karaṇa verbunden wird es von den Sehern als achtes [Bīja] bezeichnet. Danach spricht man huṃ phaṭ, kārtavīryārjunāya und Nati.
29.KTV.18: Mit Tāra am Anfang erklären die Seher den Mantra als zwanzigsilbig. Ohne Tāra betrachtet, ist er neunzehnsilbig.
[Unnummerierte Vershälfte:] Dieser Kārtavīryārjuna-[Mantra] verleihe große Macht, Geliebte. [Die weitere Vershälfte ist durch Punkte ersetzt. Eine Versnummer 19 ist hier nicht gedruckt; die Zählung setzt mit 20 fort.]
[Unnummerierte ausführliche Entschlüsselung:] Agni ist r. Der Rudra-Laut bezeichnet den elften Laut; vom als Indu bezeichneten ṭh an ergibt die Zählung ph, das mit r verbunden wird. Alternativ wird die später ausdrücklich genannte rückläufige Zählung hier mitverstanden: Indu bezeichnet dann s, von dem aus rückläufig der elfte Laut ebenfalls ph ist.
„Mit Tāra“ bedeutet hier „mit dem Vokal o“. Das Wort bezeichnet an dieser Stelle nur den dreizehnten Vokal, weil Halbmond und Nāda eigens genannt werden. Halbmond ist der Ardhacandra, Nāda wird hier als Bindu erklärt. Daraus entsteht phroṃ.
Die Varianten dieses Bījas werden mit „dessen“ eingeleitet; gemeint ist ph samt Agni, r. Mahāmāyā ist ī: Der dreizehnte Vokal wird also entfernt und durch ī ersetzt, woraus phrīṃ entsteht. Eine weitere Variante nennt Bhautika, das heißt ai; an die Stelle von ī tritt ai: phraiṃ. [Die hier ausdrücklich gelesene Form sāgni, „mit Agni“, erklärt die auf der vorigen Seite unsicher gedruckte Fügung.]
Zum zweiten Bīja: Sūrya ist m; davon aus rückläufig gezählt ist der zwanzigste Laut c. Der dritte Laut von m aus in gewöhnlicher Reihenfolge ist r. Trimūrti ist ī; Halbmond und Weiteres sind wie zuvor zu ergänzen. So entsteht chrīṃ.
Vom Laut des zweiten Bījas, c, aus rückläufig gezählt ist der sechste k. Indra ist l, Māyā ī; mit Nāda und Bindu ergibt dies das Kāma-Bīja klīṃ.
Vom ersten Bīja-Laut ph aus ist der dritte bh. Von bh aus ist der vierte r; Vāmakarṇa bezeichnet ū. Mit Nāda und Bindu entsteht bhrūṃ.
Mukhavṛtta ist ā; mit Bindu und den zuvor genannten Bestandteilen entsteht āṃ. Vyoman ist h, Agni r, Devī ī; Halbmond und Weiteres ergeben das Māyā-Bīja hrīṃ. Krauṃ steht unmittelbar in dieser Form.
Bindu wird anschließend als Samen gedeutet; aus diesem entstehe der Knochen, weil er als Anteil des väterlichen Samens gelte. Dazu wird ein Schriftwort angeführt: „Knochen, Sehnen und Mark stammen vom Vater.“ Der dafür stehende Laut ist ś. Vahni ist r, Karaṇa der vierte Vokal ī; Bindu und Nāda werden wie zuvor ergänzt. Daraus entsteht śrīṃ. [Diese Erklärung gibt die traditionelle Lehre des Kommentars wieder.]
Huṃ phaṭ und kārtavīryārjunāya bleiben in diesen Wortgestalten; Nati bedeutet namaḥ.
[Aus der Entschlüsselung zusammengesetzte Grundfassung:] oṃ phroṃ chrīṃ klīṃ bhrūṃ āṃ hrīṃ krauṃ śrīṃ huṃ phaṭ kārtavīryārjunāya namaḥ. [Die drei kommentierten Alternativen betreffen das erste Bīja. Das einleitende oṃ ist der in Vers 18 genannte Tāra; im Innern der Bīja-Erklärung bezeichnet dasselbe Chiffrewort dagegen ausdrücklich nur o.]
29.KTV.20: Ambikā, als Seher dieses Mantras nannten die Weisen einst Dattātreya; Anuṣṭubh ist sein Versmaß.
29.KTV.21: Seine Gottheit heißt Arjuna, mit „Kārtavīrya“ davor. Mit den Grund-Bījas, auf die entsprechenden Vokale gesetzt, bildet der Einsichtige die fünf Glieder.
29.KTV.22: Zwei [Bījas] verbindet man mit dem zweiten Vokal, zwei mit dem vierten, zwei mit dem sechsten und zwei mit dem zwölften.
29.KTV.23: Dazu kommen die beiden Laute von Varma und Astra. Nach Bildung der Glieder lässt der gesammelte Übende die übrigen Laute von „Kārta“ an, mit Dhruva davor und den Verehrungsendungen, seinen Körper durchdringen.
[Unnummerierte Erklärung:] Der zweite Vokal ist ā, der vierte ī, der sechste ū, der zwölfte ai. Darauf bezieht sich „auf die Vokale gesetzt“.
29.KTV.24: Auf Herz, Bauch, Nabel, Becken, den verborgenen Bereich, die beiden Füße, Brust beziehungsweise Schultern, Knie und Unterschenkel; auf Haupt, Scheitel, Brauenmitte, Augen, Nase, Mund, Hals und Arme … [Die Körperstellenfolge um padadvayamora ist im Druck nicht eindeutig gegliedert.]
29.KTV.25: … setzt man die zehn Bījas, jedes zwischen zwei Praṇavas. Die übrigen Laute, jeweils mit Bindu am Ende und Dhruva am Anfang, setzt man ebenso auf die genannten Stellen.
[Unnummerierte Fortsetzung:] Mit gesammeltem Geist meditiert man über die Mantragestalt und verehrt sie lange, ernsthaft und ehrerbietig: zum Schutz vor Gefahren, zur Erfüllung des Ersehnten und im Hinblick auf Vermögen. [Die Schlussfügung dhanātmake ist sprachlich knapp.]
[Anfang der folgenden Meditation:] „Möge er vor jeder Gefahr schützen: sein Leib offen leuchtend, vom Sonnenglanz erhellt, mit einer goldenen Girlande um Hals und Brust, rotes Gewand und roten Turban tragend …“ [Fortsetzung auf der nächsten Druckseite.]
[Fußnoten:] Zu tuṅga, „dem Hohen“, erklärt der Druck: „am Scheitelbüschel“. Kha bietet zu Vers 25 die abweichende Fügung „an den Mantra-Stellen des eigenen Körpers setze man sie so ein“. Zur beginnenden Meditation liest kha prabhākaratanuḥ, „von sonnenhaftem Körper“.
29.KTV.27: [Fortsetzung der begonnenen Meditation:] … mit vielerlei Schmuck geziert, in der Hälfte seiner tausend Hände Bogen haltend, in den anderen fünfhundert Armen Pfeile: Möge unser Herr, der Gebieter der Erde, uns stets beschützen. [Der vorhergehende Druckabschnitt enthält keine ausgeschriebene Nummer 26.]
29.KTV.28: Möge er uns beschützen, der einzige Herr der sieben Erdteile, sonnenhaft leuchtend, der alle Übeltäter überwinde: mit weiten Lotusaugen, auf einem vorzüglichen Wagen, mächtig gebaut und überaus furchtgebietend. Mit dem Klang der in seinen Händen gehaltenen Bogen erfüllt er die Dreiwelt. Dieser herrliche Kārtavīrya wirkt rasch; alle Könige beugen sich vor seinen Lotusfüßen.
29.KTV.29: So gedenke man täglich mit großer Hingabe des Herrn der Haihaya-Dynastie. Inmitten des Viṣṇu-Sitzes verehrt man ihn mit Düften und Weiterem, zusammen mit seinen Gliedern, den acht Gestalten und den Kräften.
29.KTV.30: Seine fünf Gliedgestalten sind kristallhell, lieblich und heldenhaft. Sie tragen Schwert und Schild und sind mit allem Schmuck versehen.
29.KTV.31: Über die [acht weiteren] Gestalten meditiert man zur Erlangung aller Fülle: rot leuchtend, mit Pfeilen und Bogen und allem Schmuck.
29.KTV.32: In den Hauptrichtungen verehrt man jene, deren Namen mit Dieb, Seuche, Feind und Götterfeind beginnen und „Brecher ihres Übermuts“ besagen. In den Zwischenrichtungen folgen jene, deren Namen mit Übeltäter, Leid, Verfehlung und Krankheit beginnen.
29.KTV.33: Kṣemaṅkarī, Vaśyakarī, Śrīkarī, Yaśaskarī, Āyuṣkarī, Prajñākarī und Vidyākarī …
[Unnummerierte Vershälfte:] … sowie Dhanaṅkarī werden, weiß leuchtend, in den acht Richtungen vom Osten an verehrt. [Die restliche Vershälfte ist durch Punkte ersetzt.]
29.KTV.34: Über diese schönen Frauen meditiert man, dem Haihaya-Herrscher lieb und von Schönheit erfüllt: Ihre Hände zeigen die Wunschgewährung und halten Lotusse; rote Gewänder, Halsketten und Ohrringe zieren sie.
29.KTV.35: Außen werden die Weltenhüter und die übrigen mit Düften, Blumen, ungebrochenen Reiskörnern und Weiterem verehrt. Wer täglich mit den sechzehn Diensten …
29.KTV.36: … den überaus kraftvollen Kārtavīrya verehrt, den Herrn, dem hingebungsvoller Dienst lieb ist, erlange hier alle Wünsche und danach Haris Wohnstatt.
29.KTV.37: Wer ihn täglich nach diesem Verfahren verehrt und den Hauptmantra hingebungsvoll wiederholt, erlange Stärke, Vermögen, Güter, ein Lager, eine Stadt beziehungsweise Wohnstätte, Gesundheit und Wissen. Er werde zum Träger von Wohlstand, Verstandeskraft, Schönheit, Gedeihen, Standhaftigkeit, Einsicht und Redegabe. Von himmlischen Frauen geehrt, von der Welt anerkannt und für andere unangreifbar werde er. [Die Druckfügung vor nārībhiḥ ist uneben; die Deutung als himmlische Frauen bleibt entsprechend vorsichtig.]
[Unnummerierte praktische Ausführung:] Nach den Morgenhandlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollzieht man dreimal Atemregelung mit dem Grundmantra. Auf das Haupt setzt man dattātreyaṛṣaye namaḥ, auf den Mund anuṣṭupchandase namaḥ, auf das Herz śrīkārtavīryārjunāya devatāyai namaḥ. Mit gefalteten Händen erklärt man: „Die Anwendung im Japa dient der Erfüllung aller meiner erwünschten Ziele.“ Mit dem Grundmantra vollzieht man den die Hände durchdringenden Nyāsa.
| Glied | Formel nach dem Druck |
|---|---|
| Herz | phrāṃ chrāṃ hṛdayāya namaḥ |
| Haupt | klīṃ bhrīṃ śirase svāhā |
| Scheitelbüschel | ūṃ hūṃ śikhāyai vaṣaṭ |
| Panzer | kraiṃ śraiṃ kavacāya huṃ |
| Waffe | huṃ phaṭ astrāya phaṭ |
[Beim Scheitelbüschel bietet der Druck hūṃ, während die vorherige Ableitung aus hrīṃ die Form hrūṃ erwarten ließe. Die gedruckte Form wird kenntlich beibehalten.]
Die fünf Gliedformeln setzt man auf die Finger vom Daumen bis zum kleinen Finger und dann auf die fünf Körperglieder vom Herzen bis zur Waffe, ohne ein gesondertes Augenglied. Mit oṃ kārtavīryārjunāya namaḥ vollzieht man einen den ganzen Körper durchdringenden Nyāsa.
Danach folgen die von oṃ umschlossenen Bījas:
| Körperstelle | Formel |
|---|---|
| Herz | oṃ phroṃ oṃ namaḥ |
| Bauch | oṃ chrīṃ oṃ namaḥ |
| Nabel | oṃ klīṃ oṃ namaḥ |
| Becken | oṃ bhrūṃ oṃ namaḥ |
| Verborgener Körperbereich | oṃ āṃ oṃ namaḥ |
| Beide Füße | oṃ hrīṃ oṃ namaḥ |
| Oberschenkel | oṃ krauṃ oṃ namaḥ |
| Knie | oṃ śrīṃ oṃ namaḥ |
[Fortsetzung auf der nächsten Druckseite.]
[Fußnoten zu Vers 29:] Ga bietet svāṣṭāṅga, kha svīyāṣṭa, abweichende Zusammensetzungen mit „acht“ und „eigen“. Zu Vers 34 bietet kha manoharā, „reizend“.
[Fortsetzung der Körperformeln:]
| Körperstelle | Formel |
|---|---|
| Unterschenkel | oṃ huṃ oṃ namaḥ |
| Haupt | oṃ phaṭ oṃ namaḥ |
| Scheitelbüschel | oṃ kāṃ namaḥ |
| Brauenmitte | oṃ taṃ namaḥ |
| Ohren | oṃ vīṃ namaḥ |
| Augen | oṃ ryāṃ namaḥ |
| Nase | oṃ juṃ namaḥ |
| Mund | oṃ nāṃ namaḥ |
| Hals | oṃ yaṃ namaḥ |
| Rechter Arm | oṃ naṃ namaḥ |
| Linker Arm | oṃ maṃ namaḥ |
Nach Meditation und Selbstverehrung verehrt man den zuvor genannten Viṣṇu-Sitz, ruft die Gottheit dorthin und verfährt bis zur Gliederverehrung wie zuvor. Auf den acht Blättern, vor der Gottheit beginnend und im Uhrzeigersinn, verehrt man:
| Blätter | Formeln |
|---|---|
| Hauptrichtungen | cauramadavibhañjanāya namaḥ; mārīmadavibhañjanāya namaḥ; arimadavibhañjanāya namaḥ; surārimadavibhañjanāya namaḥ |
| Zwischenrichtungen | duṣṭamadavibhañjanāya namaḥ; duḥkhamadavibhañjanāya namaḥ; duritamadavibhañjanāya namaḥ; āmayamadavibhañjanāya namaḥ |
An den Blattspitzen folgen, ebenso vor der Gottheit beginnend und im Uhrzeigersinn: oṃ kṣemaṅkaryai namaḥ, vaśyakaryai namaḥ, śrīkaryai namaḥ, yaśaskaryai namaḥ, āyuṣkaryai namaḥ, prajñākaryai namaḥ, vidyākaryai namaḥ, dhanakaryai namaḥ. [Der Praṇava ist in der Liste nur am Anfang ausdrücklich gesetzt; die weiteren Formeln sind im Druck verkürzt.]
Im äußeren Quadrat verehrt man die Weltenhüter und ihre Waffen; Räucherwerk, Licht und alles Weitere werden wie zuvor dargebracht.
29.KTV.38: Nach dieser Meditation wiederholt der eingeweihte Mantrakenner den vorzüglichen Mantra hunderttausend Mal am Ufer eines Flusses, mit vorheriger Erlaubnis des Lehrers. Danach führt er die Anwendungen gegen Bedrängnis durch Diebe aus.
29.KTV.39: Mit Wasser aus dem Krug besprengt, wiederholt der Mantrakenner den Mantra und bringt ein Zehntel als Feueropfer dar: mit Milchreis oder Sesam und Reiskörnern, jeweils mit geklärter Butter versehen.
[Unnummerierte Erklärung:] Die hunderttausend Wiederholungen beziehen sich auf das Kṛtayuga. Im Kaliyuga ist die vierfache Zahl zu vollziehen. Die Labung wird ordnungsgemäß wie zuvor ausgeführt.
29.KTV.40: (Hat der Mensch den Mantra so vollendet, führt er die wohlbekannten Anwendungen aus, Geliebte.) Der Einsichtige mit gutem Lebenswandel vollzieht nach dem folgenden Verfahren und mit Erlaubnis des Lehrers die Anziehungsriten und Weiteres, insbesondere zur Abwehr von Dieben und Übeltätern: mit Mantras, Feueropfern, Labungen, Meditationen und besonderen Mantravarianten.
29.KTV.41: Man zeichnet einen achtblättrigen Lotus mit glänzendem Kern und Staubfäden, rings einen Kreis und außen ein Bhūpura, geschmückt mit acht Vajras.
29.KTV.42: In die Mitte des Kerns schreibt man sein Bīja zusammen mit dem Namen der betreffenden Person und dem Ritualziel, ferner das Wind-Bīja, mit Tāra verbunden, Geliebte.
29.KTV.43: Mit Vāgbhava verbunden schreibt man dann auf die Blätter vom Osten an die Bījas bis einschließlich Varma; die übrigen Laute kommen in die Zwischenräume.
29.KTX.43: In die Staubfäden setzt man die Vokale, verbunden mit den Ūṣman-Lauten. Den Kreis umgibt man mit den Lauten von ka an, unter Auslassung der Ūṣman-Laute. [Der Druck wiederholt hier die Nummer 43 und setzt danach mit 45 fort. Die zweite 43 erhält deshalb das Unterscheidungskürzel KTX.]
29.KTV.45: In die vier Ecken des Erdhauses setzt man die Elementlaute. Dann stellt der Kundige ordnungsgemäß den Krug auf und verehrt ihn sorgfältig.
29.KTV.46: Mit dem Wasser vollzieht man die Besprengung zur Erfüllung menschlicher Wünsche: damit eine kinderlose Frau einen Sohn erlange, zur Einweihung – beziehungsweise, nach der eingeklammerten Lesart, zu Ruhm – und zu langem Leben …
29.KTV.47: … zu Vermögen, zur Beseitigung von Krankheit, besonders zur Abwehr von Dieben, zu Einfluss, zum Wohlergehen, zur Vollendung der Rede und zum Erfolg im Handel.
29.KTV.48: Welcher Herzenswunsch der Menschen werde in dieser Welt nicht erfüllt, Schöne, wenn sie mit Wasser aus dem auf diesem Yantra stehenden Krug besprengt werden?
29.KTV.49: Durch Aufstellung des Yantras schütze der Mantra ein Königreich, Dorf oder eine Stadt allseits vor Feinden, Krankheit, Gift und Weiterem.
29.KTV.50: (Dies versetze alle Geisterwesen und ähnliche Mächte in Schrecken, Tochter des Berges.) Man soll es keinem Toren, Dieb oder Verleumder offenbaren.
29.KTV.51: Man gebe es einem Menschen, der seinem Lehrer lieb ist, standhaft, selbstbeherrscht und reinen Herzens, frei von Neid und Hass und von gutem Lebenswandel.
29.KTV.52: Gewaltliebende und böswillige Menschen lasse man miteinander in Streit geraten; Diebe ziehe man herbei und bringe sie zum Umherirren. Fieber und andere Leiden bezwinge man. [Die Anwendungen und Wirkungen werden als Aussagen der historischen Rituallehre wiedergegeben.]
[Fußnoten:] 1. Kha liest likhet, „man schreibe“, als Variante. 2. Kha bietet eine Fassung mit ausdrücklichem Bezug auf Handel für die Kaufleute. 3. Die Handschrift kha enthält zusätzliche Zeilen: Das Yantra und der Mantra sollen der geeigneten Person offenbart werden; der Mantrakenner könne damit bezaubern, erregen, Feinde töten und vertreiben, rasch gefügig machen und gegeneinander aufbringen. [Dies ist die Inhaltswiedergabe des im Druck vollständig angeführten Variantenverses.]
29.KTV.53: Durch Einsetzen der jeweils entsprechenden Bījas gelangen die Mantrakenner rasch zum Erfolg, Göttin. Was bedarf es vieler Worte? Dieser Mantra verleihe alles Erstrebte.
[Unnummerierte Erklärung des Yantras:] Man zeichnet den beschriebenen achtblättrigen Lotus, außen einen Kreis und darum ein Quadrat mit acht Vajras. In den Kern schreibt man das Kārtavīrya-Bīja mit dem Namen der betreffenden Person beziehungsweise dem Ritualziel, das Wind-Bīja yaṃ und Vāgbhava, verbunden mit dem Praṇava. In die Staubfäden setzt man die Vokale paarweise und die vier Laute śa, ṣa, sa, ha einzeln, in zweimaligem Durchlauf.
Auf die Blätter vom Osten an schreibt man je ein Bīja, vom zweiten bis zum huṃ-Bīja; der Text bezeichnet sie als acht. Auf das letzte Blatt kommt auch phaṭ. (Die übrigen Laute kommen in die Zwischenräume. Außen zeichnet man zwei Kreise und umgibt den Lotus in deren Zwischenraum) mit den Lauten von ka bis kṣa, unter Auslassung von śa, ṣa, sa, ha. [Die Angabe „acht“ stimmt mit der inklusiven Zählung vom zweiten bis zum neunten Bīja überein; phaṭ steht zusätzlich auf dem letzten Blatt.]
In die vier Ecken des Quadrates schreibt man die jeweils für die beabsichtigte Handlung geeigneten zehn Elementlaute. Nach dem bei der Einweihung erklärten Verfahren stellt man den Krug auf, ruft die Gottheit hinein und verehrt sie mit Gliedern und Gefolge. Den Krug berührend, wiederholt man den Grundmantra tausendacht Mal. Die Besprengung mit dem Krugwasser verleihe die beschriebene Wirkung.
Die Elementlaute werden folgendermaßen zugeordnet:
| Anwendung | Element | Zehn Laute nach dem Druck |
|---|---|---|
| Befriedung | Wasser | ṛ, ṝ, au, gha, jha, ḍha, dha, bha, va, sa |
| Gewogenmachen und Anziehen | Feuer | i, ī, e, kha, cha, ṭha, tha, pha, ra, kṣa |
| Erstarrenlassen | Erde | u, ū, o, ga, ja, ḍa, da, ba, la, ḷa |
| Vertreiben | Wind | a, ā, ai, ka, ca, ṭa, ta, pa, ya, ṣa |
| Entzweiung und Tötung | Raum | ḷ, ḹ, aṃ, ṅa, ña, ṇa, na, ma, śa, ha |
[Die ungewöhnliche Schlussform der Erdreihe ist als ḷa wiedergegeben; sie wird nicht an ein anderes Alphabet-Schema angeglichen. Die Passage vom Beginn der Wasserreihe bis zur Windreihe steht im Druck in Klammern.]
(Eine Überlieferungsregel zur Verteilung besagt: Im Südosten beginnend schreibt man die zehn Laute im Uhrzeigersinn in die vier Ecken, abwechselnd in Zweier- und Dreiergruppen.)
Zehn Formen des Kārtavīrya-Mantras
29.KTV.54: Nun will ich zum Nutzen der Mantrakenner die Varianten des Mantras von Kṛtavīryas Sohn erklären, Göttin. Obwohl er einer ist, besteht er in zehn Formen.
29.KTV.55: Für die Kārtavīrya-Mantras wird ein gemeinsamer Seher genannt: der hochweise Dattātreya, unmittelbar aus einem Anteil Nārāyaṇas hervorgegangen.
29.KTV.56: Als Gottheit aller Mantravarianten wird er selbst, Kārtavīrya, genannt, Schöne. Er entstand im Haihaya-Geschlecht aus einem Anteil des Diskus-Hari …
29.KTV.57: … auf Geheiß des Gottes der Götter zur Befriedung aller Übeltäter. Wenn er brüllt, werden die Leibesfrüchte der Frauen der Dämonenkönige gewaltsam …
29.KTV.58: … ausgestoßen. Hari, als Diskus bezeichnet, erschien selbst auf Erden: aus Kṛtavīryas Gemahlin, in der vorzüglichen Stadt Māhiṣmatī …
29.KTV.59: … am Ufer der Revā geboren, erhielt er den Namen Arjuna. Von Dattātreya empfing er die Lehre, war ihm lieb und den Brahmanen zugetan.
29.KTV.60: Als König der Könige von großem Glanz, der tausendstrahligen Sonne vergleichbar, mit tausend mächtigen Armen, ging er aus einem Anteil Viṣṇus hervor.
29.KTV.61: Er wirkt rasch, ist überaus kraftvoll, ein Herr, der alle Übeltäter überwinde. Er ist stets allen sichtbar, tritt vor sie hin und besitzt vielerlei Gestalten.
29.KTV.62: Wer die Erde mit ihren sieben Erdteilen durch Askese, Kraft und Tapferkeit beschützte und alle Übeltäter bezwang, war Hari selbst.
29.KTV.63: Höre, Schöne: Ich will die zehn Varianten dieses einen Grundmantras des erhabenen Kārtavīrya erklären …
29.KTV.64: … und ebenso die Unterschiede der Versmaße und Meditationen genau darlegen, Herrin der Götter. Vor „Kārta…“ wiederholt man sein Grund-Bīja zur Erfüllung aller Ziele.
29.KTV.65: Nach dem Verfahren des zehnsilbigen Mantras [setzt man] die übrigen Laute, Geliebte. Das Grund-Bīja, mit dem Cāmuṇḍā-Bīja verbunden, ergibt den neunsilbigen [Mantra] …
29.KTV.66: … den man wiederholt, um die Vermögen raubenden Diebe rasch erstarren zu lassen. Mit dem Grundmantra und dem Bīja „meines Feindes“ entsteht ein neunsilbiger, Göttin …
29.KTV.67: … den man wiederholt, um Männer, Frauen und Könige zu bezaubern. Das eigene Grundelement, mit dem Rā-Laut verbunden, ergibt einen weiteren neunsilbigen …
29.KTV.68: (… den der Kundige zum Umherirrenlassen, Vertreiben, Entzweien und Töten wiederholt. Mit dem Māyā-Bīja verbunden, ist der Grundmantra neunsilbig …
29.KTV.69: … zur Tilgung von Verfehlungen, zum Gewogenmachen, Bezaubern und zu Gutem. Das Grundelement mit dem Pāśa-Bīja verbunden ergibt einen neunsilbigen, Göttin …)
29.KTV.70: … zur raschen Herbeiziehung von Dieben, Göttin, daran sei kein Zweifel. (Das Grundelement, mit Māyā verbunden, ergibt einen neunsilbigen …
29.KTV.71: … den man in Bezug auf Übeltäter ausspricht, deren Gedanken auf Gewalt und Verleumdung gerichtet sind. Das eigene Bīja mit dem Pāśa-Bīja verbunden ergibt einen neunsilbigen … [Die Klammer und der Satz werden auf der nächsten Druckseite fortgesetzt.]
[Die Bīja-Namen und die Formulierung „meines Feindes“ werden hier entsprechend den Versen bewahrt; die konkreten Lautfolgen werden erst nach der zugehörigen Kommentierung festgelegt.]
29.KTV.72: … mache Männer, Frauen und Könige gewogen, zuverlässig.) (So die Japa-Anwendung.) Das neunsilbige Grundelement wird vom Aṅkuśa-Bīja umschlossen …
29.KTV.73: … und zur augenblicklichen Hemmung von Sprache und Bewegung wiederholt. Das neunsilbige Grundelement, zwischen Varma und Astra gesetzt …
29.KTV.74: … wird zum raschen Verwirren, Erstarrenlassen und Bezaubern der Feinde wiederholt, besonders um Diebe festzuhalten, die sich in Baumkronen befinden …
29.KTV.75: … und um ihre Köpfe zerspringen zu lassen, Göttin, daran sei kein Zweifel. Wer das neunsilbige Grundelement mit dem Kamalā-Bīja umschließt …
29.KTV.76: … und ein Jahr lang wiederholt, werde Vaiśravaṇa, dem Reichtumsgott, gleich. Wer das Grundelement mit dem Vāgbhava-Bīja ein Jahr lang wiederholt …
29.KTV.77: … oder [Vāgbhava] mit sämtlichen Mantralauten verbindet, erlange dichterische Begabung. So wird dieser eine Mantra aufgrund verschiedener Bestandteile in zehn Formen erklärt.
29.KTV.78: Unter diesen ist der eine große Mantra als zehnsilbig bezeichnet; sein Versmaß ist Virāj. Höre nun genau von den übrigen.
29.KTV.79: Alle übrigen sind als elfsilbig erklärt. Für sie nennen die vedakundigen Seher das Triṣṭubh-Versmaß.
29.KTV.80: Bei der Wiederholung sämtlicher Kārtavīrya-Mantras werden sie am Anfang mit Tāra verbunden und so rezitiert.
[Unnummerierter Kommentar zu den sechzehn vorangehenden Versen über Mantra- und Versmaßvarianten:] Sein Bīja ist phroṃ, das Kārtavīrya-Bīja; es ist bei allen zehn Formen zu berücksichtigen. Das Cāmuṇḍā-Bīja ist chrīṃ. „Mein Feind“ wird als Kāma, der Feind seines Schülers, erklärt; dessen Bīja ist klīṃ. [Die Beziehung wird im Kommentar in dieser knappen Form ausgedrückt.]
Die weiteren Entsprechungen sind:
| Bezeichnung | Laut |
|---|---|
| Rā-Laut | bhrūṃ |
| Māyā | hrīṃ |
| Pāśa | āṃ |
| Aṅkuśa | krauṃ |
| Varma | huṃ |
| Astra | phaṭ |
| Kamalā | śrīṃ |
| Vāgbhava | aiṃ |
Zu „das Grundelement vom Aṅkuśa-Bīja umschlossen“ erklärt der Kommentar das Wort tu eigens so, dass zwei Aṅkuśa-Bījas zwischen das Grund-Bīja und den mit „Kārta…“ beginnenden Teil gesetzt werden. Andernfalls wäre die Angabe von elf Silben nicht möglich.
Zu „das neunsilbige Grundelement zwischen Varma und Astra“ wird erläutert, dass huṃ und phaṭ jeweils gesondert zwischen das Grundelement und den neunsilbigen Namensteil einzusetzen sind. Sonst käme die Anzahl von zehn Varianten nicht zustande. [Der Kommentar behandelt hier also zwei eigene Varianten, nicht lediglich eine Formel mit beiden Zusätzen.]
Die Fassung mit Vāgbhava gehört nicht zu diesen zehn Varianten. Deshalb sagt der Text „oder mit allen“: Vāgbhava wird mit allen zwanzig Lauten beziehungsweise vor der neunzehnsilbigen Fassung verbunden und so wiederholt. [Die überlieferten Zählweisen werden ausdrücklich wiedergegeben; aus ihnen werden hier keine zusätzlichen vollständigen Mantrafassungen erfunden.]
Yantra der zehn Mantravarianten
29.KTV.81: Der Kundige zeichnet das zuvor beschriebene Yantra der zehn Mantras. In den Kern schreibt er das Grund-Bīja, auf die zehn Blätter die zehn Laute.
29.KTV.82: (Beim zehnsilbigen Verfahren schreibt man das Grund-Bīja auch auf das mittlere beziehungsweise dafür bestimmte Blatt nach der Unterweisung des Lehrers. Das Übrige führt man wie zuvor aus.)
[Unnummerierte Erläuterung:] Man zeichnet den beschriebenen zehnblättrigen Lotus und außen ein Quadrat mit acht Vajras. In den Kern schreibt man wie zuvor das Grund-Bīja zusammen mit dem Namen der betreffenden Person beziehungsweise dem Ritualziel. Die Vokale verteilt man paarweise auf die ersten acht Staubfadenbereiche; in den neunten schreibt man śa ṣa, in den zehnten sa ha.
Auf neun Blätter schreibt man die neun Silben des mit „Kārta…“ beginnenden Namensteils; auf das zehnte nochmals das Grund-Bīja. So lautet die Überlieferung, und dies ist mit der Unterweisung des Lehrers gemeint. Nachdem man die zehn Laute eingetragen hat, gestaltet man alles Übrige wie beim früheren Yantra. Dieses verleihe die genannte Wirkung und ist das Yantra des zehnsilbigen Mantras.
Bei den anderen Yantras (schreibt man ebenso das Grund-Bīja mit dem Namen der betreffenden Person beziehungsweise dem Ritualziel in die Mitte; danach setzt man in die Staubfäden) die Vokale zusammen mit śa, ṣa, sa, ha, wie zuvor. (Auf die Blätter schreibt man die übrigen zehn Laute.) Alles Weitere gestaltet man wie zuvor.
29.KTV.83: Bei der Verehrung verehrt man ihn vollständig mit den zuvor genannten Umkreisen. Den mit Tāra beginnenden zwanzigsilbigen [Mantra] pflegt man unablässig und gesammelt …
29.KTV.84: … nach Erlaubnis des Lehrers, Göttin; so erlange man alle Ziele. Nun werden die Anwendungen der Kārtavīrya-Mantras erklärt.
29.KTV.85: Zum Nutzen der Mantrakenner dient das Feueropfer der Erfüllung aller Wünsche. Bei gewichtigen Vorhaben verfährt man mit entsprechend wertvollen Opferstoffen, Hölzern und Weiterem …
29.KTV.86: … und vollzieht das Feueropfer nachts mit den noch zu nennenden Stoffen, Göttin, samt angemessenen Gaben. Bei leichteren Vorhaben verwendet man leichtere Stoffe; man prüft dies und verfährt sachgemäß.
29.KTV.87: Bei jedem nach der Ritualordnung gewünschten Vorhaben, Geliebte, verehrt man den Lehrer hingebungsvoll mit den Dingen, die er sich wünscht.
[Fußnote zu Vers 77:] Kha bietet samaṃ sarvaiḥ, „zusammen mit allen“.
Überlieferte Feueropfer-Anwendungen
[Die folgenden Verse ordnen Opferstoffe historischen magischen Zwecken zu. Aussagen über Heilung, Beherrschung und Schädigung geben die Rituallehre des Textes wieder. Pflanzennamen ohne sichere Bestimmung bleiben in der überlieferten Form.]
29.KTV.88: Bei allen Handlungen erfreut man die Brahmanen hingebungsvoll durch Speisengaben und auch durch Gewänder und weitere Gaben. Wer das eigene Wohl kennt, beginnt so jede Handlung.
29.KTV.89: Nach den Worten der Brahmanen vollzieht man die Handlungen, Lotusäugige. Ein Feueropfer mit weißem Senf solle den eigenen Feind töten.
29.KTV.90: Opfer mit Baumwolle, Knoblauch, Ariṣṭa, Blättern des Viṣavṛkṣa und Kanaka sollen Diebe erstarren lassen und verwirren.
29.KTV.91: Mit Hölzern von Vibhīta und Khadira solle man für lange Zeit vertreiben; mit Nimba entzweiung bewirken, mit den drei süßen Stoffen anziehen.
29.KTV.92: Mit blauen Wasserlotussen solle man augenblicklich die Dreiwelt gewogen machen. Lotusblüten mit geklärter Butter dienen dem Wohlstand und großem Einfluss.
29.KTV.93: Durch Sesamopfer oder geklärte Kuhbutter solle man Verfehlungen tilgen. Sesam, Reiskörner, Salz, Agni, Puffreis und weißer Senf werden miteinander verbunden …
29.KTV.94: … mit Süßem bestrichen und zum unmittelbaren Gewogenmachen geopfert. Salz wird zum Gewinnen aller gesellschaftlichen Gruppen ins Feuer gegeben. [Die Stofffügung loṇāgna und die damit verbundene Bezeichnung Agni sind im Druck nicht weiter erklärt.]
29.KTV.95: Dūrvā-Gras dient allen Erfolgen, Milch langem Leben; Dūrvā, die Amṛta genannte Pflanze, Apāmārga, Arka-Hölzer und Weiteres dienen dem Wohlstand …
29.KTV.96: … sowie der Befreiung von Krankheiten, der Befriedung von Grahas und langem Leben. Brennhölzer von Vaṭa, Udumbara und Bilva dienen dem Gedeihen …
29.KTV.97: … oder dem Erwerb von Vermögen, besonders mit Milch und geklärter Butter bestrichen. Reine Milch allein dient der Vermehrung der Rinderherde.
29.KTV.98: Hölzer des Brahmavṛkṣa dienen der Mehrung geistig-heiligen Glanzes; Aśvattha der Beruhigung des Geistes, Plakṣa der Vermehrung der Nachkommenschaft.
29.KTV.99: Guggulu dient der Befriedung von Geisterwesen, Priyaṅgu dem Gewinnen von Frauen. Wer Anziehung wünscht, opfert schöne Blüten in den jeweils zugeordneten Farben.
29.KTV.100: Reisopfer sollen Fülle verleihen, Wasser Speise und weitere Güter. Mit Gorocanā und Kuhdung solle eine feindliche Streitmacht zum Stillstand gebracht werden …
29.KTV.101: … durch das Feueropfer, Göttin, besonders auch mit Kuhurin. Mit Baumwolle, Hausruß, Fußstaub und Weiterem vermischt …
29.KTV.102: … werden nachts Hölzer scharfer beziehungsweise beißender Bäume geopfert: zur Zerstörung der Glieder von Dieben, zur Entzweiung und zur Tötung.
29.KTV.103: Eine Opferhandlung mit abgestreifter Schlangenhaut, Kanaka, weißem Senf und Salz solle der Vernichtung der Sippe von Dieben dienen.
[Unnummerierte Worterklärung:] Sarpanirmoka bedeutet die von einer Schlange abgestreifte Haut.
29.KTV.104: Die Labung vollzieht man stets mit reinem Wasser in Höhe eines Zehntels. Die Zahl der Feueropfer beträgt tausend beziehungsweise reicht von tausend bis zehntausend.
29.KTV.105: Der Kundige berücksichtigt, ob ein Vorhaben leicht oder gewichtig ist. Zur Förderung des Gedeihens wird das Feueropfer mit den bei der jeweiligen Anwendung genannten Stoffen samt geklärter Butter vorgeschrieben.
29.KTV.106: Ebenso zur Befriedung von Krankheit und zu langem Leben; zum Gewogenmachen zusammen mit süßen Stoffen. Bei Tötung, Entzweiung, Vertreibung, Erstarrung und Bezauberung …
29.KTV.107: … werden Stoffe mit scharfem Öl, mit geklärter Büffelbutter oder mit den beabsichtigten Giftstoffen verbunden. Die Handlung erfolgt nach Erlaubnis des Lehrers.
29.KTV.108: So sind die sechs magischen Handlungen mit diesem Mantra des mächtigen Haihaya-Herrschers zum Nutzen der Mantrakenner vollständig erklärt, Schöne.
29.KTV.109: Wer den Mantra vollendet hat, bei dem sollen diese Handlungen tatsächlich gelingen. Ein verständiger Mensch, dessen Mantra noch nicht vollendet ist, soll die Handlung nicht ausführen.
29.KTV.110: Denn ohne Vollendung gelingt die in der Ritualordnung genannte Frucht nicht. Bei einem reinen Brahmanen, der stets vedische Rezitation pflegt …
29.KTV.111: … und den Mantra auf rechtmäßige Weise empfangen hat, kann bereits eine geringe Handlung Erfolg haben. Deshalb soll ein Mensch von gutem Lebenswandel und Hingabe an den Lehrer, Schöne …
29.KTV.112: … diesen vorzüglichen, als heilige Furt geltenden Mantra wiederholen. Um Städte, Länder, Frauen, Kinder und andere zu schützen …
29.KTV.113: … ebenso Kühe, vorzügliche Brahmanen und besonders sich selbst, dürfe der Mantrakenner die vorgeschriebenen Anwendungen bis hin zu Tötungsriten ausführen, Geliebte.
29.KTV.114: Der Text behauptet, aus der Tötung von Dieben erwachse keine Sünde. Sollte aus der Tötung eines Lebewesens dennoch [eine Schuld] entstehen, solle man sie mit diesem [Mantra beziehungsweise Verfahren] beseitigen. [Die letzte Vershälfte ist im Druck grammatisch beschädigt; die Ergänzung ist als sinngemäße Deutung kenntlich. Die Rechtfertigung von Gewalt ist eine Position der historischen Quelle.]
[Fußnote zu Vers 102:] Kha bietet vidviṣṭyai, eine abweichende Form für die beabsichtigte Feindschaft beziehungsweise Entzweiung.
29.KTV.115: Durch Gaben von Speise, Kühen und Land, durch Feueropfer mit geklärter Butter sowie Atemregelung, Japa und weitere Handlungen soll der Mantrakenner [die Schuld aus] der Tötung von Dieben und Ähnlichem tilgen. [Dies setzt die historische Sühnevorstellung der vorangehenden Verse fort.]
29.KTV.116: Zur Tilgung aller Verfehlungen wiederholt man die göttliche Gāyatrī täglich tausend Mal und zum umfassenden eigenen Schutz.
29.KTV.117: Was sollte einem selbstbeherrschten Zweimalgeborenen, der die Gāyatrī wiederholt, bei den Anwendungen unerreichbar sein, besonders bei den vedischen?
29.KTV.118: Den großen, gesammelten Brahmanen, der die Gāyatrī hingebungsvoll wiederholt, berührten selbst Sünden aus Tötung und Ähnlichem nicht …
29.KTV.119: … um wie viel weniger dann schreckliche, blutverzehrende Geisterwesen. Deshalb wiederholt man die Gāyatrī gesammelt am Beginn einer Anwendung …
29.KTV.120: … und ebenso diszipliniert an deren Ende, bei jeder Handlung. Nun will ich weitere Mantras nennen, die rasch Vollendung gewähren.
29.KTV.121: Höre sie, Göttin: Sie bilden das eigentliche Wesen des Sohnes Kṛtavīryas. Mit ihnen schützen vollendete Mantrakenner Städte und Länder.
Vierzehn- und achtzehnsilbiger Kārtavīrya-Mantra
29.KTV.122: Mit diesen Mantras könne auch durch Wasser und andere Mittel Schutz bewirkt werden. Zwischen Tāra und Agnijāyā spricht man „namaḥ“, „Kārta…“ …
29.KTV.123: … „…vīryārjunāya“ und huṃ phaṭ. Seher und die weiteren Angaben sind die zuvor genannten. Dieser Mantra ist vierzehnsilbig; mit ihm bildet man die Glieder.
[Unnummerierte Erklärung:] Tāra ist der Praṇava, Agnijāyā svāhā. Das Übrige ist leicht verständlich. Die Formel lautet: oṃ namaḥ kārtavīryārjunāya huṃ phaṭ svāhā.
29.KTV.124: Mit Tāra, Nati, den sieben Lauten sowie Varma und Astra und dem als Doppel-Ṣaṭ bezeichneten Schluss bildet der Mantrakenner die fünf Glieder. Er meditiert nach der früher beschriebenen Weise.
[Unnummerierte Aufteilung:] Oṃ ist das Herz; namaḥ das Haupt; kārtavīryārjunāya das Scheitelbüschel; huṃ phaṭ der Panzer; svāhā die Waffe.
29.KTV.125: Wenn nach „namaḥ“ und vor „Kārtavīrya“ das Wort „bhagavate“ steht, wird dieser vorzügliche Mantra achtzehnsilbig.
[Im Druck ausgeschriebene Formel:] oṃ namo bhagavate kārtavīryārjunāya huṃ phaṭ svāhā.
29.KTV.126: Mit dem Grundmantra bildet man die fünf Glieder wie zuvor. Dann bildet Nati zusammen mit Tāra das Herz, Ambikā.
[Unnummerierte Aufteilung:] Oṃ namaḥ ist das Herz; bhagavate das Haupt; die sieben Silben kārtavīryārjunāya das Scheitelbüschel; die beiden huṃ phaṭ der Panzer; die beiden Silben von svāhā die Waffe. Die Meditation bleibt die zuvor genannte.
Yantra des achtzehnsilbigen Mantras
29.KTV.127: Für die Anwendungen gegen Diebe bis hin zu Tötungsriten zeichnet der Mantrakenner das Yantra. In die Mitte des Sechsecks schreibt er das Bīja, an seine Ecken die sechs Silben.
29.KTV.128: Auf die zwölf Blätter schreibt er die übrigen zwölf Silben. Die Vokale umgeben das Sechseck, die Laute von ka an die fünf Kreise.
29.KTV.129: Außen in den Ecken stehen die Elementlaute, umgeben vom Element-Maṇḍala. Entsprechend dem jeweiligen Vorhaben zeichnet man das passende Maṇḍala, Göttin.
29.KTV.130: Man schreibt es auf ein Palmblatt, eine Tafel, an den Fuß einer Wand oder in eine von Dieben geschaffene Öffnung: zu allem Wohlergehen und zum Festhalten der Diebe.
29.KTV.131: Wo dieses mit dem Mantra besprochene Yantra auch aufgestellt ist, dort seien alle Gefahren fern, Göttin.
[Unnummerierte Erklärung:] „Tāla“ bezeichnet ein Palmblatt. Die Konstruktion ist folgende: Man zeichnet einen zwölfblättrigen Lotus, in dessen Kern ein von zwei Kreisen umgebenes Sechseck. In dessen Mitte schreibt man das Kārtavīrya-Bīja zusammen mit dem Namen der betreffenden Person beziehungsweise dem Ritualziel. In die sechs Ecken setzt man die sechs Silben oṃ namo bhagavate, jeweils mit Bindu.
Im Zwischenraum der beiden Kreise außen um das Sechseck stehen die sechzehn Vokale. Auf die zwölf Blätter kommen die übrigen zwölf Silben, jeweils mit Bindu. In die Ecken des Quadrates schreibt man wie zuvor die für die Handlung geeigneten Elementlaute; außen darum das jeweilige Element-Maṇḍala. Dies verleihe die genannte Wirkung. [Vers 128 nennt fünf Kreise, während die Prosa ausdrücklich zwei Kreise am Sechseck beschreibt. Die Angaben werden nicht vereinheitlicht.]
Der Mahāvīrya-Mantra
29.KTV.132: Nun wird der Kārtavīrya-Mantra namens Mahāvīrya erklärt. Schon durch sein Erinnern würden Diebessippen und ähnliche Gegner vernichtet.
29.KTV.133: Nach „namo bhagavate“ setzt man „śrīkārta…“, danach „…vīryārjunāya“ und „sarvaduṣṭāntakāya“.
29.KTV.134: Auf „tapobala“ folgt „parākrama“, dann „paripālitasaptadvīpāya“ und das Wort „sarva“ …
29.KTV.135: … „rājanyacūḍāmaṇaye“, „mahāśaktimate“ und „sahasradalanāya“. Am Ende spricht man huṃ phaṭ. [Die vollständige Form und die weitere Erklärung folgen auf der nächsten Druckseite; sahasradalanāya wird entsprechend diesem Druckwortlaut bewahrt.]
[Unnummerierte Fortsetzung:] Dieser Mantra sei vierundsechzigsilbig und vollende das Ersehnte. [Die übrige Vershälfte ist durch Punkte ersetzt.]
[Unnummerierte Erklärung:] Auch dieser Mantra ist mit dem Praṇava am Anfang zu verstehen, weil er als vierundsechzigsilbig bezeichnet wird.
[Aus den Versen 133–135 samt Kommentar zusammengelesener Wortlaut:] oṃ namo bhagavate śrīkārtavīryārjunāya sarvaduṣṭāntakāya tapobalaparākramaparipālitasaptadvīpāya sarvarājanyacūḍāmaṇaye mahāśaktimate sahasradalanāya huṃ phaṭ.
[Zählbefund: Mit dem in Vers 133 ausdrücklich genannten śrī ergeben sich in dieser Lesung 65 Silben, obwohl der Text 64 angibt. Ohne śrī wären es 64. Der Wortlaut wird hier nicht stillschweigend verkürzt.]
29.KTV.136: Seher und die Angaben zum Feueropfer sind die zuvor genannten, Geliebte. Die Wiederholung erfolgt zehntausend Mal; das Versmaß wird Triṣṭubh genannt.
29.KTV.137: Die Glieder bildet man mit „Rājanyacakravartin“, „Vīra“, „Śūra“ und „Māhiṣmatīpati“, jeweils im Dativ, ferner mit „Revāmbulīlāparidṛpta“ und „Kārāgehaprabādhitadaśāsya“.
[Unnummerierte Aufteilung:]
| Glied | Im Text genanntes Dativwort |
|---|---|
| Herz | rājanyacakravartine, „dem Herrscher über den Kreis der Könige“ |
| Haupt | vīrāya, „dem Helden“ |
| Scheitelbüschel | śūrāya, „dem Tapferen“ |
| Panzer | māhiṣmatīpataye, „dem Herrn von Māhiṣmatī“ |
| Augen | revāmbulīlāparidṛptāya, „dem durch das Spiel im Wasser der Revā übermütig Gewordenen“ |
| Waffe | kārāgehaprabādhitadaśāsyāya, „dem, der den Zehnköpfigen im Gefängnis bedrängte“ |
29.KTV.138: Nach Bildung der sechs Glieder meditiert man über den großen Kārtavīrya, das Ehrenzeichen der Königsgeschlechter: am Ufer der Revā, rings mit jungen Frauen spielend und vom Rausch überwältigt. Er badet nackt, frohen Sinnes, mit beweglichen rötlichen weiten Augen; seine tausend weit ausgebreiteten Lotushände stauen die Wassermassen.
29.KTV.139: Nach dieser Meditation wiederholt der Mantrakenner den unübertrefflichen Mantra zur vollständigen Erfüllung aller Ziele, besonders zum raschen Gewogenmachen.
29.KTV.140: Wenn Gefahr im Wasser droht, erinnert sich der Kundige an diese Gestalt. Nun wird eine andere Meditation zur Mehrung von Herrschaft und königlicher Macht erklärt.
29.KTV.141: Der Übende meditiert über ihn in Māhiṣmatī: Sein Leib ist mit Gold und vielen Juwelen geschmückt. Heiter sitzt er in der Versammlung unter seinen Ministern auf einem sonnenhaft glänzenden Juwelensitz. In seinen mächtigen Armen hält er Mengen von Pfeilen, Bogen, Panzer, Schwerter, Schlingen, Lanzen und andere Waffen. Dies dient allen Vollendungen, der Abwehr von Unheil und Dieben sowie dem Wohlstand.
29.KTV.142: Wenn dem großen König Gefahr durch ein fremdes Heer droht, [ist diese Meditation anzuwenden]. Nun wird auch eine Meditation zum jederzeitigen raschen Schutz erklärt.
29.KTV.143: Man meditiert über ihn auf einem vorzüglichen Wagen, von tausend Pferden gezogen, für die Dreiwelt furchtgebietend. Er gleicht der Mittagssonne, brüllt und schreckt die feindlichen Streitkräfte.
29.KTV.144: Mit seinen vielen mächtigen Armen schleudert er Mengen von Waffen. Ohrringe schmücken seine Wangen; alle feindlichen Heere sind von ihm zerschlagen. [Die Fügung nach „schleudert“ ist im Druck unsicher und wird nicht zu einer zusätzlichen Waffengattung ergänzt.]
29.KTV.145: Er ist rings von Fußsoldaten und Wagenkämpfern umgeben, die vielerlei Waffen tragen, sowie von Elefantenherden, Reitern und weiteren Begleitern. [Die letzten Wörter um allvaraiḥ … paryaṅkaiḥ sind nicht sicher auflösbar.]
29.KTV.146: Wer nach dieser Meditation, nach Osten gewandt und gesammelt, den Mantra wiederholt, erlange binnen eines Monats alle gewünschten Ziele, auch ohne weitere Anstrengung.
Yantra des Mahāvīrya-Mantras
29.KTV.147: Zur Erfüllung aller Wünsche zeichnet man auch sein Yantra, Göttin. Zuerst zeichnet man einen vierblättrigen Lotus, danach einen achtblättrigen …
29.KTV.148: … außen darum einen sechzehnblättrigen und weiter außen einen zweiunddreißigblättrigen. In den Kern schreibt man das Bīja des Königs Kārtavīrya.
[Fußnoten:] 1. Kha bietet prasiddhyai, „zur Vollendung“, als Variante der Zielangabe. 2. Die zweite Variante ist im Druck schwer lesbar und beginnt pratyāśā…. 3. Die dritte Variantenangabe zu der Waffenbeschreibung ist ebenfalls unsicher lesbar. Beide werden nicht zur stillschweigenden Verbesserung des Haupttextes benutzt.
29.KTV.149: Auf die Blätter der Hauptrichtungen schreibt man den Namen der betreffenden Person zwischen Veda am Anfang und Nati am Ende. Auf die acht Blätter schreibt man die Mantralaute paarweise, jeweils mit Bindu.
29.KTV.150: Auf die sechzehn Blätter schreibt man den vorzüglichen Kāmarāja-Mantra. Auf die zweiunddreißig Blätter setzt man die Laute seines Anuṣṭubh-Mantras …
29.KTV.151: … einzeln. Außen umgibt man alles mit dem Mālā-Mantra; weiter außen mit den Lauten von ka an, rückläufig und vorwärts.
29.KTV.152: Mit den vier großen Bījas kaṃ, khaṃ, gaṃ, ghaṃ verehrt der Einsichtige. In den Zwischenräumen des vierblättrigen Lotus folgen ebenso caṃ, chaṃ, jaṃ, jhaṃ …
29.KTV.153: … die großen Bījas ṭaṃ, ṭhaṃ, ḍaṃ, ḍhaṃ, ebenso taṃ, thaṃ, daṃ, dhaṃ, ferner paṃ, phaṃ, baṃ, bhaṃ und yaṃ, raṃ, laṃ, vaṃ …
29.KTV.154: … sowie śaṃ, ṣaṃ, saṃ, haṃ. Gesammelt schreibt man diese Bījas in zweimaligem Durchlauf, Göttin. Außen im Element-Maṇḍala …
29.KTV.155: … schreibt man die Elementlaute für die jeweils beabsichtigte Handlung. Wer kennt wahrhaft die Größe dieses Yantras, Pārvatī?
29.KTV.156: Was wissen selbst alle Götter und die übrigen davon, du von Göttern und Asuras Verehrte? Ich kenne sie, ebenso Viṣṇu und Dattātreya, sein Lehrer …
29.KTV.157: … die Macht dieses Yantras des Herrn aller Könige, Herrin der Götter. Sehen feindliche Geisterwesen und andere den Träger dieses Yantras, so fliehen sie erschrocken …
29.KTV.158: … ebenso Diebe, Krankheiten und Weiteres, daran sei kein Zweifel. Auf ein Goldblatt geschrieben verleihe dieses Yantra augenblicklich alles Erstrebte …
29.KTV.159: … Macht über die Welt, Bezauberung der Welt und Erregung. Auf Silber schreibt es der Mantrakenner zum Erwerb eines Königreiches.
29.KTV.160: Auf Kupfer schreibt man es zu umfassendem Schutz; auch auf eine Tafel, ein Tuch oder eine Wand. Zum Gewogenmachen aller schreibt man es auf Birkenrinde.
29.KTV.161: Für Anziehungsriten schreibt man mit Sandelholz, Agaru, Kampfer, Rocanā, Safran, Uśīra, Lack, Moschus und weiteren Stoffen.
29.KTV.162: Für Tötungsriten und ähnliche Handlungen schreibt man mit den „acht Giften“ oder mit den acht Duftstoffen, Göttin, nach vorausgehender Erlaubnis des Lehrers.
29.KTV.163: Gesammelt schreibt man auf eine Tafel aus Kāraskara oder Vaikaṅkata, aus Akṣa-Holz, auf Stein oder auf eine Schale. [Die im Text nicht näher bestimmten Holz- und Stoffnamen bleiben unergänzt.]
29.KTV.164: Befindet sich dieses Yantra an der Fahnenspitze eines mit Feinden Kämpfenden, so fliehen beim Anblick alle Gegner, daran sei kein Zweifel.
29.KTV.165: Wo immer das Yantra ist, dort stelle sich Sieg ein. Nāgas, Nāga-Frauen, Yakṣiṇīs und himmlische Frauen …
29.KTV.166: … Männer, Frauen und Könige kommen beim Anblick seines Trägers herbei und geben ihm, von Bezauberung erfasst, das Gewünschte.
29.KTV.167: Durch Besprengung mit dem Wasser aus dem zum Yantra gehörenden Krug gebäre eine kinderlose Frau einen Sohn. Auch ein von Feinden vertriebener König werde wieder zum König geweiht.
29.KTV.168: Mit gesammeltem Geist könne man damit selbst die Dreiwelt schützen. Was bedarf es vieler Worte? Dieses Yantra ist unübertrefflich.
[Unnummerierte Vershälfte:] Es verleihe den Menschen den Erfolg aller Vorhaben; der kundige Mantrakenner soll es anfertigen. [Die übrige Vershälfte ist durch Punkte ersetzt.]
[Unnummerierte ausführliche Konstruktion:] Zuerst zeichnet man einen vierblättrigen, außen darum einen achtblättrigen, dann einen sechzehnblättrigen und schließlich einen zweiunddreißigblättrigen Lotus. In den gemeinsamen Kern schreibt man das Kārtavīrya-Bīja zusammen mit dem Namen der betreffenden Person beziehungsweise dem Ritualziel.
Auf jedes der vier Blätter schreibt man: oṃ amukaṃ me vaśam ānaya namaḥ, „Oṃ, führe die betreffende Person mir gewogen zu, namaḥ“. „Gewogen“ steht hierbei stellvertretend für das beabsichtigte Handlungswort; der Text nennt als Alternativen stambhaya, „lass erstarren“, mohaya, „bezaubere“, und dveṣaya, „entzwei“.
Auf die acht Blätter schreibt man je zwei mit Bindu versehene Laute des zwanzigsilbigen Grundmantras. Ausgelassen werden die vier Silben, die Praṇava, Grund-Bīja und namaḥ bilden. Die übrigen sechzehn beginnen mit dem zweiten Bīja. [Der anschließende gedruckte Endhinweis nāya nama stimmt mit der gleichzeitigen Auslassung von namaḥ nicht eindeutig überein; er wird als überlieferte Unebenheit festgehalten.]
(Auf jedes der sechzehn äußeren Blätter schreibt man das Kāma-Bīja. Auf die zweiunddreißig Blätter weiter außen setzt man einzeln die Laute des noch zu nennenden Anuṣṭubh-Mantras.) Im Zwischenraum zweier äußerer Kreise umgibt man alles mit dem zuvor beschriebenen, als vierundsechzigsilbig bezeichneten Mālā-Mantra. Weiter außen zeichnet man drei Kreise; im inneren ihrer beiden Zwischenräume … [Fortsetzung auf der nächsten Druckseite.]
[Fußnoten:] 1. Kha bietet kīrtiṃ, „Ruhm“, als abweichende Lesart der Wirkungsangabe. 2. Kha liest idaṃ vai, „eben dieses“.
[Fortsetzung der Yantra-Erklärung:] … umgibt man alles mit den Lauten von ka bis kṣa in rückläufiger Folge; in den äußeren Zwischenraum kommen dieselben Laute vorwärts.
Die achtundzwanzig zuvor genannten Bījas von ka bis ha verteilt man folgendermaßen: In die vier Zwischenräume des vierblättrigen Lotus kommen die vier Bījas der ka-Gruppe. In die acht Zwischenräume des achtblättrigen Lotus (setzt man die acht Bījas der ca- und ṭa-Gruppen; in die sechzehn Zwischenräume des sechzehnblättrigen die acht Bījas der ta- und pa-Gruppen sowie die acht von ya an. In die Zwischenräume des zweiunddreißigblättrigen Lotus schreibt man erneut die achtundzwanzig Bījas von ka bis ha) in die ersten achtundzwanzig Stellen. In die verbleibenden vier setzt man nochmals die vier Bījas der ka-Gruppe.
Einige lehren dagegen, zuerst die ersten vier Bījas in die vier Zwischenräume des innersten Lotus zu schreiben und danach die achtundzwanzig, erneut mit denselben beginnend, zweimal in die weiteren Zwischenräume. Der Verfasser erklärt ausdrücklich, dies entspreche nicht der Auffassung seines verehrten Lehrers. Man soll nach der Unterweisung des eigenen Lehrers schreiben. [Die gedruckte Ortsangabe zur abweichenden Auffassung lautet auffällig aṣṭādaśāntarāla…; sie wird nicht zu einer zusätzlichen gesicherten Blattzahl umgedeutet.]
Außen gestaltet man das zur jeweiligen Handlung passende Element-Maṇḍala, setzt nach dem zuvor erläuterten Verfahren die betreffenden Elementlaute ein und wendet das Yantra ordnungsgemäß an. So erlange man die angegebene Frucht.
Der Anuṣṭubh-Mantra Kārtavīryas
29.KTV.169: Nun wird der Anuṣṭubh-[Mantra] des Königs Kārtavīrya erklärt. Er wirkt in milder wie in furchtbarer Form und verleihe die Frucht aller Wünsche.
29.KTV.170: „Kārtavīryārjuna heißt der König, der tausend Arme besitzt. Schon durch die Erinnerung an ihn wird Gestohlenes und Verlorenes wiedererlangt.“
[Der hier angeführte Mantravers:] kārtavīryārjuno nāma rājā bāhusahasrabhāk |
tasyānusmaraṇād eva hṛtaṃ naṣṭaṃ ca labhyate ||
29.KTV.171: Sein Versmaß ist das bereits durch seine Form gegebene Anuṣṭubh. Mit den vier Versvierteln und dem ganzen Vers bildet man die fünf Glieder. Nun will ich die Meditationsweise erklären, Geliebte.
29.KTV.172: Man meditiert über ihn auf dem Rücken eines Elefantenfürsten, der wie der Kailāsa-Berg glänzt: überaus furchtgebietend, silbern leuchtend und von Scharen von Elefanten, Wagen, Reitern und Fußsoldaten umgeben. Seine mächtigen Lotushände halten Bogen und Pfeile; Schlingen und Haken umgeben ihn. Er zieht aus, um die Feindesschar zu vernichten und große Fülle zu verleihen.
29.KTV.173: Bei großer Gefahr durch Räuber im Wald, im Kampf mit Elefanten und zum Schutz vor Gegnern und Grahas vergegenwärtigt man ihn so und wiederholt den vorzüglichen Anuṣṭubh-Mantra mit gesammeltem Geist, Göttin. [Die Fügung um varātigraha ist nicht eindeutig gegliedert.]
29.KTV.174: Man erinnert sich an ihn mit tausend Lotussen in seinen tausend Lotushänden: heiter auf einem Lotus sitzend, sein Körper mit allen Juwelen geschmückt, im Yoga gegründet, von Sehern umgeben und wie eine Schar von Sonnen leuchtend. Mit dieser inneren Vergegenwärtigung wiederholt man den großen Mantra zum Erwerb von Gold, zum Gedeihen der Rinder und zur Mehrung aller Güter.
[Unnummerierter Vers:] Zur Anziehung von Menschen, zur Mehrung langen Lebens, zur Befriedung von Krankheiten, zu Wohlstand und auch in großen Gefahren meditiert man auf diese Weise. [Im Druck folgt hier keine Versnummer 175; die nächste gedruckte Nummer lautet 176.]
Yantra des Anuṣṭubh-Mantras
29.KTV.176: Auf jedes Blatt eines achtblättrigen Lotus schreibt man vier Silben des Anuṣṭubh-Mantras. Sein Bīja steht im Kern; Vokalpaare erhellen die Staubfäden. Die Laute von ka an und die Silben des Mālā-Mantras umgeben ihn. In den Blattzwischenräumen leuchten die Laute seiner Gāyatrī in Dreiergruppen. Dieses Anuṣṭubh-Yantra verleihe alles Wohlergehen.
[Unnummerierte Erklärung:] Man zeichnet einen achtblättrigen Lotus und schreibt in dessen Kern das Kārtavīrya-Bīja zusammen mit dem Namen der betreffenden Person beziehungsweise dem Ritualziel. In die Staubfäden setzt man die Vokale paarweise, auf die Blätter je vier Silben des Anuṣṭubh-Mantras. Dort setzt man auch die noch zu nennende Kārtavīrya-Gāyatrī … [Fortsetzung auf der nächsten Druckseite.]
[Fußnoten:] 1. Kha bietet vilikhya, „nachdem man geschrieben hat“, als Variante in der Yantra-Prosa. 2. In Vers 170 bietet kha vān statt bhāk, also ebenfalls „mit tausend Armen versehen“. 3. Kha bietet nānā, „mannigfach“, als Variante. 4. Ka und ga lesen saṃvananāya, „zum Gewinnen von Zuneigung“, statt „zur Anziehung“.
[Fortsetzung der Yantra-Erklärung:] … in Dreiergruppen. Außen zeichnet man drei Kreise; in den inneren ihrer beiden Zwischenräume kommen die Laute von ka bis kṣa, in den äußeren der zuvor genannte, als vierundsechzigsilbig bezeichnete Mālā-Mantra. Weiter außen zeichnet man einen Kreis und setzt in dessen Inneres wie zuvor die zur jeweiligen Handlung passenden Elementlaute. Dieses Yantra verleihe die genannte Wirkung.
[Im Druck ausgeschriebene Kārtavīrya-Gāyatrī:] kārtavīryāya vidmahe sahasrakarāya dhīmahi tan no ’rjunaḥ pracodayāt. „Wir erkennen Kārtavīrya; über den Tausendhändigen meditieren wir. Möge Arjuna uns anregen.“ [Ein einleitendes oṃ steht hier nicht im Druck.]
29.KTV.177: Wer sein Wohl sucht, wiederholt diese Gāyatrī bei allen Mantra-Anwendungen. Schon durch ihre Wiederholung werde die Kraft des Mantras vermehrt.
29.KTV.178: Durch die Wiederholung dieses Mantras, Göttin, werde verlorenes Gut wiedergefunden. Die Diebe würden vernichtet, und das Verlorene werde zurückgewonnen.
Weiteres Kārtavīrya-Yantra nach dem Yantrasāra
29.KYA.1: Im Innern steht das Bīja zusammen mit dem Ritualziel; an den Ecken des doppelten Feuerhauses der Cakra-Mantra, an den Verbindungsstellen die sechs Glieder. Auf die acht Blätter des Lotus, dessen Staubfäden mit Vokalpaaren glänzen, schreibt man je vier Mantralaute. Von den Konsonanten umgeben und im Erdhaus gelegen, verleihe dieses Kārtavīrya-Yantra alles Wohlergehen. [Die erste Bīja-Bezeichnung ist im Versdruck als saubīja… nicht eindeutig; die folgende Prosa nennt ausdrücklich das Nṛsiṃha-Bīja.]
29.KYA.2: Es gewähre umfassenden Schutz und Fülle an Geld und Getreide. Im Haus im Monat Caitra aufgestellt, verleihe es den Menschen allen Wohlstand. [Die Fügung bhavane caitre wird entsprechend dem Druck gelesen.]
[Unnummerierte Vershälfte:] Es beseitige die Furcht vor Dieben, Geistern, Piśācas, Tigern und Ähnlichem. [Die weitere Hälfte ist durch Punkte ersetzt.]
29.KYA.3: Auf Armreifen und ähnliche Gegenstände geschrieben und am Arm getragen, verleihe dieses Yantra dem Kämpfenden im Krieg Sieg, Schutz und großes Glück.
[Unnummerierte Erklärung:] In die Mitte eines Sechsecks innerhalb eines achtblättrigen Lotus schreibt man das Nṛsiṃha-Bīja mit dem Ritualziel in seinem Innern. In die sechs Ecken setzt man die sechs Silben des Sudarśana-Mantras, an die Verbindungsstellen der Ecken dessen sechs Glieder. In die Staubfäden kommen die Vokale paarweise.
Auf die Blätter schreibt man je vier Silben des folgenden Mantras: oṃ namo bhagavate kārtavīryārjunāya mahābalāya sarvaduṣṭavināśanāya huṃ phaṭ svāhā. „Oṃ, Verehrung dem erhabenen Kārtavīryārjuna, dem überaus Starken, dem Vernichter aller Übeltäter; huṃ phaṭ svāhā.“
Im Zwischenraum zweier äußerer Kreise umgibt man alles mit den Lauten von ka bis kṣa; darum zeichnet man ein Quadrat. Das Yantra verleihe die beschriebene Frucht.
29.KYA.4: Durch Aufstellung dieses Yantras erlangen die Menschen überall Schutz. Die gewünschten Ziele werden erfüllt; ebenso durch sein Tragen, Geliebte.
29.KYA.5: Wer sich Askese und eigenem Schriftstudium widmet, wiederholt nachts täglich hundertacht Mal den Anuṣṭubh-Mantra, stehend und nach Westen gewandt, Geliebte.
29.KYA.6: Nach einem Maṇḍala-Zeitraum sterbe der Dieb oder werde an seinen Gliedern geschädigt; oder er höre allein durch die Wiederholung auf, ein Dieb zu sein. [Dies ist die im Text behauptete Wirkung.]
29.KYA.7: In welche Richtung Gefahr droht, Göttin, dorthin gewandt wiederholt der kundige Mantrakenner jede Nacht den Anuṣṭubh-Mantra.
29.KYA.8: Dann habe er keine Gefahren zu fürchten; daran solle nicht gezweifelt werden. Der Mantrakenner kann bei der Mantrapraxis auch sitzend wiederholen.
29.KYA.9: Mit diesem Mantra bringt der Einsichtige Wasserlabungen zur Erfüllung des Ersehnten dar oder opfert mit den zuvor genannten Stoffen, Herrin der Götter.
29.KYA.10: Der vortreffliche, vollendete und gesammelte Übende führt mit dem Anuṣṭubh-Mantra alle Handlungen selbst aus.
[Abschnittsschluss:] Damit endet der Anuṣṭubh-Mantra.
Langer Kārtavīrya-Mālā-Mantra
29.KML.1: Nun will ich zur Vollendung aller Vorhaben jenen [Mantra] erklären, Schöne, durch den die Seher einst bei schwerer Bedrängnis rasch Erfolg erlangten.
[Unnummerierter Beginn des Mālā-Mantras:] oṃ namo bhagavate śrīkārtavīryārjunāya haihayanāthāya śrīkārtavīryārjuna sahasrakarasadṛśa sarvaduṣṭāntaka sarvaśiṣṭa …
„Oṃ, Verehrung dem erhabenen Śrī Kārtavīryārjuna, dem Herrn der Haihayas! Śrī Kārtavīryārjuna, einem Tausendhändigen gleich, Vernichter aller Übeltäter, [den guten Menschen …]“ [Der Druck trennt das nächste Wort nach śi-; Wort und Satz werden auf der folgenden Seite fortgesetzt. Die ungewöhnliche Anrede sahasrakarasadṛśa wird entsprechend dem gedruckten Wortlaut beibehalten.]
[Fußnoten:] 1. Kha bietet devaṃ, „den Gott“, als Variante. 2. Kha bietet kāryārthi, „ein Vorhaben erstrebend“, als Variante zur Bezeichnung des Übenden.
[Fortsetzung des Mālā-Mantras; die Zahl 2 im Druck bezeichnet die Wiederholung des unmittelbar vorangehenden Befehls. Sie wird in der Lautwiedergabe als [zweimal] kenntlich gemacht:]
…ṣṭada sarvata uddharāgantukāmān asmadvasuvilumpakāṃś caurasamūhān svakarasahasrair nivāraya [zweimal] rundhaya [zweimal] svapāśasahasrair bandhaya [zweimal] aṅkuśasahasrair ākarṣaya [zweimal] svacāpoddhṛtabāṇasahasrair bhindhi [zweimal] svahastoddhṛtakhaḍgasahasraiś chindhi [zweimal] svahastoddhṛtamusalasahasrair māraya [zweimal] svaśaṅkhoddhṛtanādasahasrair bhīṣaya [zweimal] svahastoddhṛtacakrasahasrair nikṛntaya [zweimal] parakṛtyāṃ trāsaya [zweimal] garja [zweimal] ākarṣaya [zweimal] bhrāmaya [zweimal] mohaya [zweimal] udvāsaya [zweimal] unmādaya [zweimal] tāpaya [zweimal] vināśaya [zweimal] vidāraya [zweimal] stambhaya [zweimal] jṛmbhaya [zweimal] māraya [zweimal] vaśaṅkuru [zweimal] uccāṭaya [zweimal] vināśaya [zweimal] dattātreyaśrīpādapriyāya namaḥ śrīkārtavīryārjuna sarvata uddharāgantukāmān asmadvasuvilumpakān caurasamūhān samyag unmūlaya [zweimal] huṃ phaṭ svāhā.
[Übersetzung der Fortsetzung:] „… du, der den Guten Gutes gibt! Die von allen Seiten Heranziehenden, die unser Vermögen plündern, die Diebesscharen: Wehre sie mit deinen tausend Händen ab, halte sie auf! Binde sie mit deinen tausend Schlingen, ziehe sie mit tausend Haken herbei! Durchbohre sie mit den tausend Pfeilen deiner Bogen, zerschneide sie mit den tausend Schwertern in deinen Händen! Töte sie mit den tausend Keulen in deinen Händen, erschrecke sie mit dem tausendfachen Klang deines Muschelhorns! Zerschneide sie mit den tausend Diskussen deiner Hände; erschrecke die feindliche Zaubermacht! Brülle, ziehe herbei, lass umherirren, bezaubere, vertreibe, verwirre, erhitze, vernichte, zerreiße, lass erstarren, lähme durch Gähnen, töte, mache untertan, vertreibe, vernichte! Verehrung dem, der den ehrwürdigen Füßen Dattātreyas lieb ist! Śrī Kārtavīryārjuna, entwurzle vollständig die von allen Seiten Heranziehenden, die unser Vermögen plündern, die Diebesscharen! Huṃ phaṭ svāhā.“
[Alle im Lauttext mit [zweimal] markierten Befehle werden wiederholt. Die getrennt gedruckte Anfangsfügung sarvaśiṣṭa śi-ṣṭada und das zweimal vorkommende uddharāgantukāmān sind sprachlich uneben; die Übersetzung kennzeichnet ihren erkennbaren Sinn, ohne eine neue Sanskritfassung einzusetzen.]
[Unnummerierte Angaben:] Dies ist der Mālā-Mantra. Sein Seher ist Dattātreya, sein Versmaß Gāyatrī, seine Gottheit Śrī Kārtavīryārjuna. Seine Anwendung dient der Erfüllung aller Ziele.
| Glied | Formel |
|---|---|
| Herz | dattātreyapriyatamāya hṛdayāya namaḥ |
| Haupt | māhiṣmatīnāthāya śirase … |
| Scheitelbüschel | revājalakrīḍāsaṃsaktāya śikhāyai … |
| Panzer | haihayādhipataye kavacāya … |
| Waffe | sahasrabāhave astrāya … |
[Die letzten vier Endformeln sind im Druck verkürzt.]
29.KML.2: Siegreich ist der Herr Śrī Kārtavīrya, glänzend wie die aufgehende Sonne. In seinen tausend mächtigen Händen trägt er unablässig Bogen samt hochragenden Pfeilen und erfüllt damit das ganze Weltenei. Leuchtende Ohrringe schwingen an seinen Wangen und schmücken ihn.
29.KML.3: Nach dieser Meditation und gründlichen Verehrung führt man alle Handlungen aus. (Dreitausend Wiederholungen werden vorgeschrieben; alles Übrige erfolgt wie zuvor.
29.KML.4: Bei der Verehrung der Mantravarianten setzt der Kundige Seher und weitere Angaben ein und verehrt die jeweiligen Glieder samt den zuvor genannten Umkreisen.
29.KML.5: Mit diesem vorzüglichen Mantra vollzieht man sämtliche Vorhaben.) Durch Wiederholung des Mālā-Mantras könne man selbst sehr mächtige Feinde und Diebe …
29.KML.6: … vernichten, erstarren lassen, vertreiben und töten. Der Mantrakenner mache augenblicklich selbst die Dreiwelt gewogen, Göttin.
29.KML.7: Der Kundige bewirke Erregung und Stillstand und befriede Fieber und andere Leiden. Der Mālā-Mantra diene der raschen Erlangung des Ersehnten.
[Unnummerierte Überleitung:] Über die Mantragottheit meditiert man in der nun beschriebenen Weise.
29.KML.8: Man vergegenwärtige sich den überaus Furchtbaren, der Mittagssonne gleich, in roten Gewändern. Je hundert seiner Hände, übereinander angeordnet, tragen Diskusse, Pfeile, Bogen, Keulen, Schwerter, Äxte, Schlingen, Lanzen, Felsen, Schilde und Muschelhörner. [Die Waffenkette und die Hunderterzuordnung ergeben im Druck keine eindeutig widerspruchsfreie Gesamtzahl; die genannten Gegenstände werden vollständig bewahrt.]
29.KML.9: Zur Abwehr allen Leids [meditiert man über] den einzigen Herrn, mit roten Gewändern und roten Augen, überaus furchtgebietend, auf einem Elefanten so dunkel wie eine Regenwolke. Von seinen eigenen Armen umgeben, beseitigt er alle Übeltäter und gewährt den Guten das Ersehnte.
29.KML.10: Nach dieser Meditation wiederholt der Mantrakenner den vorzüglichen Mālā-Mantra besonders um Mitternacht, um verlorenes Gut wiederzuerlangen.
29.KML.11: Um von Dieben geraubte Dinge zurückzubringen, wiederholt der Kundige ihn jede Nacht hundertacht Mal, auf einem Bein stehend.
29.KML.12: Die Diebe würden das geraubte Gut unter großer Bedrängnis und verwirrten Sinnes nehmen, herbeikommen und es dem Mantrakenner zurückgeben, daran sei kein Zweifel.
29.KML.13: Komme der Dieb nicht, so sterbe er nach sechs Monaten allein durch den Japa. Wenn der Mantrakenner von Dieben geraubtes Vieh zurückbringen möchte …
29.KML.14: … nimmt er dessen Halsstrick in die Hand, meditiert über die Gottheit und wiederholt diesen Mantra jede Nacht hundertacht Mal.
29.KML.15: Die Kühe kämen nach zwölf Tagen befreit in ihr eigenes Zuhause zurück; nach Feueropfer mit weißem Senf bereits nach drei Tagen, Göttin. [Die beschriebenen Wirkungen sind die Erfolgsaussagen der Quelle.]
[Fußnoten:] 1. Ka und ga haben an den mit uddhṛta gebildeten Stellen eine abweichende Wortform. 2. Kha liest āgantukān, „die Herankommenden“, statt der unebenen längeren Fügung. 3. Kha bietet kāryāṇi, „Vorhaben“, als Variante. 4. Kha enthält zusätzliche, sprachlich unebene Zeilen mit einer Dreitagesangabe, dem Erblicken der Kühe und der Rückkehr des Geraubten nach zehn Tagen; diese Variante ersetzt nicht die Fristen des Haupttextes.
29.KML.16: Mit den vom Diebstahl übriggebliebenen Resten der betroffenen Güter, etwa Reis und anderem Getreide, bringt der Mantrakenner nachts gesammelt nach Anweisung des Lehrers das Feueropfer dar.
29.KML.17: Das Gestohlene werde dadurch unverzüglich von den Dieben offenbart, Göttin. Nachts schießt man, ganz auf die Meditation gerichtet, mit einem Bogen Pfeile …
29.KML.18: … in die zehn Richtungen und wiederholt dabei den Mantra zum Schutz des Hauses, der Stadt, des Reiches, des Gebietes, der Umfriedung beziehungsweise der Rinder … [Die Fügung vāraṇasya ist in dieser Aufzählung nicht eindeutig.]
29.KML.19: … indem man selbst zur Gestalt des Mantras wird, um die Welt vor Gefahr zu schützen. Auch Erdstaub, der mit dem Mantra besprochen ist …
29.KML.20: … gewähre nachts dort Schutz, wo ihn der Mantrakenner ausstreut. Man kann auch täglich Labungen oder Feueropfer unter Wiederholung des Mantras darbringen …
29.KML.21: … zur Erfüllung aller Ziele, zum Wohlstand und besonders zum Schutz. Überall ist die Meditation über den König erforderlich; ohne Meditation gelinge es nicht.
29.KML.22: Die Meditation wird durch Hingabe an den Lehrer erlangt, Schöne. Ein anderer Mantrakenner erlange sie nicht, so lautet die ausdrückliche Feststellung.
29.KML.23: Auch wenn jemand fortwährend Wiederholung, Feueropfer, Verehrung und weitere Handlungen vollzieht, gelingt ihm deren Frucht ohne Meditation nicht.
29.KML.24: Ist er aber ganz der Weisung des Lehrers hingegeben, so gelingen ihm, Geliebte, alle Vorhaben selbst ohne Meditation, daran sei kein Zweifel.
29.KML.25: Deshalb pflegt der Einsichtige stets mit Sorgfalt die Hingabe an den Lehrer: mit Lebenskraft, mit allem Vermögen, durch Handeln, Denken und Sprechen.
29.KML.26: Niemals soll er die Weisung des Lehrers übertreten, Herrin aller Götter. Diese schwer zugänglichen Mantravarianten des Sohnes Kṛtavīryas …
29.KML.27: … habe ich dir als höchstes Geheimnis erklärt, Herrin der Götter. Du sollst diesen großen Mantra keinem böswilligen Menschen offenbaren.
29.KML.28: Einem Verehrer Viṣṇus soll dieses höchst geheime und schwer zu erlangende Wissen gegeben werden. Es gewähre umfassenden Schutz, beseitige Diebe und tilge Unreinheit …
[Unnummerierte Vershälfte:] … verleihe Genuss und Befreiung, Göttin – wahrlich, wahrlich, daran sei kein Zweifel. [Die übrige Vershälfte ist durch Punkte ersetzt.]
Das Lampenritual
Die ehrwürdige Göttin sprach:
29.KML.29: [Die erste Vershälfte ist im Druck durch Punkte ersetzt.] Gott der Götter, großer Gott, der du deinen Verehrern Gnade erweist!
29.KML.30: Zum Wohl der Menschen frage ich dich, Bester der Götter: Erkläre das Lampenritual des Königs Kārtavīrya, Herr.
Īśvara sprach:
29.KML.31: Höre, Göttin: Um den Menschen Gnade zu erweisen, werde ich es erklären. Es ist geheim und mein ganzes kostbares Gut; einem Böswilligen darf es nicht mitgeteilt werden.
29.KML.32: Bei Bedrängnis durch Könige, Diebe und andere, bei Furcht vor Grahas und Krankheiten, bei mannigfachem Leid und ebenso zur Erlangung von Wohlergehen …
29.KML.33: … richtet man die Lampe vorschriftsgemäß nach der vom Lehrer gezeigten Weise ein: in einem Gefäß aus Gold, Silber, Kupfer, Bronze, Eisen oder Ton …
29.KML.34: … oder aus einer Masse von Weizen-, Māṣa- oder Mungbohnenmehl. Ein goldenes Gefäß solle das Vorhaben vollenden, ein silbernes die Welt gewogen machen.
29.KML.35: Fehlen diese beiden, verwendet man Kupfer. Bronze wird der Entzweiung, Eisen der Tötung, Ton der Vertreibung zugeordnet.
29.KML.36: Ein Gefäß aus Weizenmehl solle im Streit Sieg verleihen; eines aus Māṣa-Mehl den Mund des Feindes zum Schweigen bringen, eines aus Mungbohnenmehl höchste Befriedung bewirken.
29.KML.37: Sind die verschiedenen Gefäße nicht verfügbar, verwendet der Kundige Kupfer. Die Lampe hat sieben, fünf, drei oder einen Docht.
29.KML.38: Bei einem gewichtigen Vorhaben verwendet man mehr, bei einem geringen weniger, Geliebte. Das Garn ist weiß, gelb, mañjiṣṭhārot oder kusumbharot …
29.KML.39: … schwarz oder bunt; man setzt die Farben in entsprechender Reihenfolge ein. Wenn die anderen fehlen, fertigt man die Dochte aus weißem Garn, Geliebte.
29.KML.40: Zehn, fünfzehn, zwanzig, dreißig, vierzig oder fünfzig sind herzustellen. [Worauf diese weitere Zahlenreihe genau bezogen wird, wird im nächsten Zusammenhang behandelt; sie wird hier nicht mit der zuvor genannten Dochtzahl gleichgesetzt.]
[Fußnoten:] 1. Kha bietet in Vers 18 cālpadeśasya, „und eines kleinen Gebietes“. 2. In Vers 22 liest kha nānyathā, „nicht anders“. 3. In Vers 25 bietet kha prāṇena vā, „oder mit der Lebenskraft“.
29.KML.41: Nach dem jeweiligen Vorhaben stellt man gesammelt diese Zahl von Fäden her, Göttin. Die Lampe wird mit geklärter Kuhbutter bereitet, zur Erfüllung aller Ziele. [Damit bezieht sich die Zahlenreihe 10, 15, 20, 30, 40, 50 auf der vorherigen Seite auf die Fäden der Dochte.]
29.KML.42: Auf einen mit Kuhdung bestrichenen Boden zeichnet man das Yantra. (So richtet man mit dem Dung einer Kapilā-Kuh das Sechseck ein.
29.KML.43: Das Māra-Bīja kommt in den Kern, die sechs Bījas in das Sechseck, vier Bījas in die Hauptrichtungen. Mit den übrigen umgibt man das Ganze.)
29.KML.44: Dort stellt man die Lampe mit ihrer Ausrichtung nach Westen auf, allseits Schöne. Man regelt den Atem vorschriftsgemäß und bildet mit dem Grundmantra die Glieder.
[Unnummerierte Erläuterung:] Gemeint sind Atemregelung mit dem Grundmantra und der zuvor genannte Fünfglied-Nyāsa.
29.KML.45: Man zeichnet den Yantrarāja mit den acht Duftstoffen auf ein Kupfergefäß, stellt es wie zuvor auf und fasst ehrerbietig den rituellen Entschluss.
Verschlüsselte Lampenformeln
29.KML.46: Zuerst erschließt man Tāra, danach Vaktravṛtta und verbindet dieses mit dem angegebenen Halbteil und dem Nāda, edle Göttin. [Die Fügung tatsāmārdhena ist im Druck unsicher; die spätere praktische Erklärung soll den Wortlaut auflösen.]
29.KML.47: Ebenso schreibt man Vyoman, mit Halbmond, Vahni und Devī verbunden. Danach folgen vaṣaṭ und „Kārtavīryārjuna“ …
29.KML.48: … „Māhiṣmatīnātha“, „Sahasrabāhu“, „Sahasrakratudīkṣita“ und „Dattātreyapriya“.
29.KML.49: Diese Namen spricht man im Dativ. Danach folgt „Ātreyāya“ und „Anasūyāgarbharatna“ im Dativ.
29.KML.50: Danach kommen Vyoman, Agni, Vāmakarṇa, Indu und Nāda, miteinander verbunden, Geliebte. Dann erschließt man Cakrin, mit Vahni und Nāda verbunden …
29.KML.51: … sowie mit Vāmakarṇa und Indu. Man spricht „imaṃ dīpaṃ“, danach „gṛhāṇa“, das Pronomen der Anrede und „rakṣa rakṣa“.
29.KML.52: Man sagt „duṣṭān nāśaya pātaya ghātaya dviṣaḥ“, dann „śatrūn jahi jahi“, Māyā und Praṇava.
29.KML.53: Der Kenner der Mantralehre spricht das eigene Bīja, das Māra-Bīja, mit linkem Auge und Bindu verbunden, und danach Vahnijāyā.
29.KML.54: „Mit dieser vorzüglichen, nach Westen gerichteten Lampe beschütze mich“, spricht man, Göttin, und ebenso das Wort „Devadatta“ …
29.KML.55: … sowie „varapradānāya“. Danach spricht man ein Paar von Vyoman-Lauten, (mit Vāmakarṇa, Indu und Nāda verbunden, Geliebte.
29.KML.56: Dann spricht man Vyoman, Agni und Māyā mit Nāda, danach Tāra, Māra und das zweite Bīja.)
[Unnummerierte Vershälfte:] Danach folgt Vahnijāyā, Göttin; man gibt Wasser auf die Erde. [Die übrige Vershälfte ist durch Punkte ersetzt.]
[Unnummerierte Bemerkung:] Der Mantra wird in der praktischen Erklärung ausdrücklich aufgelöst. [Die vollständigen Lautfolgen werden daher erst dort wiedergegeben; die Verse oben bewahren zunächst die überlieferte Verschlüsselung.]
29.KML.57: Die Laute ta und pa mit Nāda, Veda am Anfang und Vahnivallabhā am Ende: Nach Westen gewandt und mit schalenförmig zusammengelegten Händen …
29.KML.58: … wiederholt man [diese Formel] einmal. Dann wiederholt der Mantrakenner gesammelt den [folgenden] Mantra: Tāra, Nārāyaṇa mit Indu und Vyoman, verbunden mit Agni und Nāda …
29.KML.59: … und Māyā. Man erschließt das erste [Bīja], mit Māyā verbunden, danach das zweite Bīja und Vahnivallabhā.
29.KML.60: Cakrin, mit Vahni, Tāra und Nāda verbunden, Geliebte, und nochmals Tāra: So erschlossen, wiederholt man [den Mantra] tausend Mal vor der Lampe.
29.KML.61: Nach diesem Verfahren bringt man Kārtavīrya, dem Herrn der Rinder beziehungsweise des Landes, mit Sorgfalt die Lampe dar, Göttin, wenn man alle Vorhaben verwirklichen möchte.
29.KML.62: Man verfährt sorgsam nach vorausgehender Erlaubnis des Lehrers. Andernfalls habe die Handlung in dieser Welt eine entgegengesetzte Wirkung.
29.KML.63: Das Verfahren der Lampengabe darf einem Undankbaren, einem Verleumder oder jemandem, der die heiligen Pflichten nicht erfüllt, niemals mitgeteilt werden.
29.KML.64: Einem aufrichtig Hingebungsvollen, einem guten Schüler und besonders einem Übenden soll man dieses mir liebe Verfahren erklären, Göttin Śivā.
29.KML.65: Was bedarf es vieler Worte, Göttin? Diese Ritualordnung verleihe alles Erstrebte. Nun wird die Menge der geklärten Butter genannt, du von schöner Gestalt.
[Fußnoten:] 1. Zu gopateḥ bietet kha bhūpateḥ, „des Königs“. 2. Kha hat labhet, „er erlange“, als Variante.
29.KML.66: Zum Wohl der Übenden und zur Erfüllung aller Ziele: Eine Lampe mit fünfundzwanzig Pala [geklärter Butter] solle Geisterwesen vertreiben.
29.KML.67: Mit fünfzig Pala richtet man sie zur Abwehr von Dieben, zum Gewinnen von Feinden und zur Herbeiführung einer Verständigung ein.
29.KML.68: Mit fünfundsiebzig Pala sollen die Feinde besiegt, mit hundert vernichtet werden; mit tausend sollen sämtliche Handlungen …
29.KML.69: … selbst schwer durchführbare Anwendungen gelingen. Für die tägliche Lampe besteht dagegen keine feste Menge; sie wird nach den eigenen Möglichkeiten eingerichtet.
29.KML.70: Auf irgendeine mögliche Weise soll man, Herrin der Götter, täglich dem Gott Kārtavīrya eine Lampe bereiten, zur Erlangung allen Wohlergehens.
29.KML.71: Bei einem gewichtigen Vorhaben wird stets eine größere Menge genommen, Göttin; bei einem kleinen verwendet man geringere Mittel, Schöngesichtige.
29.KML.72: Die Lampe für den König Kārtavīrya soll bei einer besonderen Anwendung nicht ohne Berücksichtigung der Mengen bereitet werden. Wer sie für sein Vorhaben darbringt, erlange das Ersehnte. [Die historischen Gewichtsangaben werden nicht ohne gesicherte örtliche Maßgrundlage in moderne Einheiten umgerechnet.]
Praktische Erklärung der Lampengabe
Nach den täglichen Pflichten wählt der Übende einen günstigen, abgeschiedenen Ort in einem mit Baldachin und anderem geschmückten Raum. Auf dem mit Kuhdung bestrichenen Boden gestaltet er mit dem Dung einer Kapilā-Kuh ein Sechseck-Maṇḍala. In die Mitte schreibt er mit Safran, Sandelholz und weiteren Stoffen das Kāma-Bīja.
An die sechs Ecken schreibt er sechs Bījas des zwanzigsilbigen Grundmantras, mit dem Praṇava beginnend und ohne Kāma-Bīja. Die Prosa nennt ausdrücklich: oṃ, phroṃ, chrāṃ, bhrūṃ, āṃ, hrīṃ. In die vier Hauptrichtungen, vor sich beginnend, kommen die übrigen vier: krauṃ, śrīṃ, huṃ, phaṭ. Mit den neun Silben kārtavīryārjunāya namaḥ umgibt er das Sechseck. [Hier druckt die Prosa chrāṃ statt des früher erklärten chrīṃ; die Abweichung bleibt sichtbar.]
Entsprechend dem Vorhaben werden das beschriebene Lampengefäß und die Dochte gewählt. Man entzündet die Lampe und stellt sie nach Westen ausgerichtet in die Mitte des Sechsecks. Mit dem Grundmantra folgen dreimal Atemregelung und der Seher-Nyāsa.
Auf ein Kupfergefäß zeichnet man mit den acht Viṣṇu-Duftstoffen das zuvor beschriebene Kārtavīrya-Yantra, ein Quadrat mit achtblättrigem Lotus im Innern. Man stellt es östlich der Lampe auf den mit Kuhdung bestrichenen Boden, sich selbst zugewandt. Nach Nennung des Tages, des Mondtages und weiterer Zeitangaben sowie der eigenen Abstammungslinie und des Namens erklärt man: „Zur Vollendung dieses bestimmten Vorhabens werde ich die Lampengabe ausführen.“
Man ruft die Gottheit in das Yantra und verehrt sie mit allen Diensten, Gliedern und Umkreisen. Mit Wasser in der rechten Hand spricht man die im Druck folgende Formel; wiederholte Befehle sind ausgeschrieben:
oṃ āṃ hrīṃ vaṣaṭ kārtavīryārjunāya māhiṣmatīnāthāya sahasrabāhave sahasrakratudīkṣitāya dattātreyapriyāya ātreyāya anasūyāgarbharatnāya hrūṃ krūṃ imaṃ dīpaṃ gṛhāṇa amukaṃ rakṣa rakṣa duṣṭān nāśaya nāśaya pātaya pātaya ghātaya ghātaya śatrūn jahi jahi hrīṃ oṃ phroṃ klīṃ īṃ svāhā anena dīpavaryeṇa paścimābhimukhena māṃ rakṣa devadattavarapradānāya hūṃ hūṃ hrīṃ oṃ klīṃ chrāṃ svāhā.
„Oṃ āṃ hrīṃ vaṣaṭ! Dem Kārtavīryārjuna, dem Herrn von Māhiṣmatī, dem Tausendarmigen, dem zu tausend Opfern Geweihten, dem Dattātreya Lieben, dem Nachkommen Atris, dem Juwel aus Anasūyās Schoß: hrūṃ krūṃ! Nimm diese Lampe an; beschütze die betreffende Person! Vernichte die Übeltäter, stürze sie, schlage sie nieder; erschlage die Feinde! Hrīṃ oṃ phroṃ klīṃ īṃ svāhā. Mit dieser vorzüglichen, nach Westen gerichteten Lampe beschütze mich! Zur Gewährung einer Gabe an Devadatta: hūṃ hūṃ hrīṃ oṃ klīṃ chrāṃ svāhā.“
[Textbefund: Die Konsonantenverbindung im Paar hrūṃ krūṃ ist in der Prosa unscharf; die Lesung berücksichtigt die ausdrückliche Vokal- und Agni-Angabe der Verse 50–51. Die Namensfügung devadattavarapradānāya wird wie gedruckt belassen. Die Bīja-Fassung am Ende weicht ebenfalls von der früheren Grundform ab.]
Danach gibt man das Wasser auf die Erde, wendet sich nach Westen, legt die Hände zusammen und spricht einmal:
taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ oṃ svāhā.
Dann wiederholt man tausend Mal:
oṃ āṃ hrīṃ phrīṃ chrīṃ svāhā krauṃ oṃ.
[Diese ausgeschriebene Fassung bewahrt das abweichende phrīṃ des Drucks. Die zuvor verschlüsselt genannten Formeln werden nicht nachträglich zu einer einzigen vereinheitlichten Fassung umgebaut.]
Solange die Lampe brennt, verehrt man die Gottheit täglich in diesem Yantra. Beim Erlöschen verabschiedet man die Gottheit. Man widmet ihr den Japa, preist sie und verneigt sich. So verfährt man täglich bis zum Verbrauch der geklärten Butter beziehungsweise bis zur Vollendung des Vorhabens. Damit ist das Verfahren der Lampengabe erklärt.
[Abschnittsschluss:] Damit endet der Viṣṇu-Abschnitt.
Die Sonnenmantras nach dem Sārasaṃgraha
29.SAU.1: Nun werden die Sonnenmantras erklärt, die in allen Āgamas wohl gehütet werden. Sie sollen Lebensdauer, Gesundheit, Vermögen, Ruhm, Söhne und Enkel verleihen.
29.SAU.2: Sie sollen jedes Glück hervorbringen, alle Gefahren beseitigen und die achtzehn Arten von Hautkrankheiten vertreiben.
29.SAU.3: In der Dreiwelt sind sie berühmt und beständig; Nārada und die übrigen Seher pflegen sie, ebenso Gandharvas, Scharen von Vollendeten und Vidyādharas.
29.SAU.4: Sie sollen sämtliche Krankheiten und Bedrängnisse beseitigen, zur Erlangung von Dharma, Wohlstand, Lebensfreude und Befreiung führen und Gutes hervorbringen.
29.SAU.5: Hat der Übende sie gut verwirklicht, sollen sie schon durch Erinnerung Gewogenmachen, Anziehen, Erstarrenlassen, Entzweien, Vertreiben und Töten bewirken.
29.SAU.6: Den durch die Finsternis des Nichtwissens Erblindeten verleihen sie die Sicht der Erkenntnis. Sie gewähren vollkommene Rede, Khecarī-Siddhi und Pādukā-Siddhi. [Die beiden letzten Bezeichnungen für besondere überlieferte Fähigkeiten werden zunächst beibehalten.]
[Fußnoten:] 1. Kha bietet zur Lampengabe deyo ’rthasiddhaye, „zur Erfüllung des Zwecks darzubringen“. 2. Am Beginn des Sonnenabschnitts liest kha ucyante, „werden genannt“.
Der achtsilbige Sonnenmantra und seine Körperzuordnungen
29.SAU.7: Wozu viele Worte? Wenn sie nach der vorgeschriebenen Weise vollendet werden, gewähren diese Mantras alle Wünsche. Unter ihnen wird nun der achtsilbige Mantra erklärt, der die begehrte Frucht verleiht.
29.SAU.8: Auf den Praṇava folgt ghṛṇi mit dem Sarga; Candra verbindet sich mit Ardhīśa, Īra trägt Agni auf seinem Haupt, und Ananta, da mit Susvara und tya schließen sich an.
Der anschließende unnummerierte Halbvers nennt dies den achtsilbigen, Wunscherfüllung gewährenden Mantra des Bhānu. Der Kommentar löst die Lautverschlüsselung auf: Praṇava ist oṃ; ghṛṇi bleibt unverändert; Sarga bedeutet Visarga, also ghṛṇiḥ. Candra = sa und Ardhīśa = ū ergeben sū. Īra = ya mit Agni = ra darüber ergibt rya. Ananta = ā; da mit Susvara = i ergibt di; tya bleibt unverändert. Daraus folgt:
oṃ ghṛṇiḥ sūrya āditya.
Zwischen dem ya und dem folgenden ā soll ausdrücklich kein Sandhi eintreten, weil die Śruti den Wortlaut so überliefere. Das angeführte Śruti-Zitat erklärt: „Ghṛṇi sind zwei Silben, sūrya drei [im Druck mit fragender Korrektur: zwei], āditya drei. Dies ist das höchste achtsilbige Wort des Savitṛ, mit Herrlichkeit gesalbt. Wer es so kennt, wird selbst mit Herrlichkeit gesalbt.“ [Die Zählung des Zitats und der vorangestellte Praṇava bleiben entsprechend der Vorlage wiedergegeben.]
29.SAU.9: Als Ṛṣi gilt Devabhāga, als Versmaß Gāyatrī. Die Gottheit ist Śrī Sūrya, der Gaben für diese Welt und die jenseitige verleiht.
29.SAU.10: Man spreche tejas, anschließend jvālāmaṇi huṃ phaṭ und am Ende Svāhā. Mit satya vorangestellt ist dies der Herzmantra, mit brahma der Kopfmantra.
29.SAU.11: Mit viṣṇu vorangestellt entsteht der Mantra der Haarlocke, mit rudra der des Schutzpanzers, mit agni der Augenmantra und mit sarva der Waffenmantra.
29.SAU.12: Einige Gelehrte verlangen die Dativformen der Wörter satya und der übrigen Namen. Andere setzen den Ausdruck satyatejas in den Dativ.
Der Kommentar nennt als weitere Fassung satyatejojvālāmaṇihuṃphaṭ hṛdayāya namaḥ. Das Śāradātilaka erklärt: „Für das Herz wird satyāya gelehrt, für den Kopf brahmaṇe“, und entsprechend weiter. Der Verfasser der Apekṣitārthadyotanikā und andere meinen hingegen, der Dativ sei hier nicht beabsichtigt. Der Prapañcasāra lehrt: „Mit Satya, Brahma, Viṣṇu und Rudra, dazu Agni und Sarva, jeweils gefolgt von tejojvālāmaṇihuṃphaṭsvāhā, vollziehe man die Gliederzuordnung.“ Padmapāda erklärt, dass die ausdrücklich gehörte Endung a in brahma die Dativform ausschließe. Es folgt wieder der Sārasaṃgraha.
29.SAU.13: Nachdem der Lehrer so die sechs Glieder zugeordnet hat, lege er die Gestalten der Gottheit der Reihe nach auf Kopf, Gesicht, Herz, den verborgenen Körperbereich und die Füße.
29.SAU.14: Mit den fünf kurzen Vokalen verbunden stehen dafür Āditya, Ravi, Bhānu, Bhāskara und Sūrya. Danach ordne der Kundige die Mantrasilben, beginnend mit dem Praṇava, zu.
29.SAU.15: Ihre Stellen sind der Reihe nach Kopf, Augen, Hals, Herz, Bauchseite, Nabel, Geschlechtsglied und Füße. Außerdem werden die fünf kurzen, nicht als „geschlechtslos“ bezeichneten Vokale genannt. [Die Angabe ihres Anfangs- und Endlauts ist im Druck nicht sicher lesbar; sie wird hier nicht zu einer vermeintlich gesicherten Lautfolge ergänzt.]
Das Śāradātilaka nennt zusätzlich die fünf mit Satya beginnenden Formen. Es folgt die Meditation.
29.SAU.16: Ich verehre Bhāskara, mit makellosen Ohrringen geschmückt, auf einem überaus schönen roten Lotus sitzend. Seine Hände tragen zwei Lotusblüten und zeigen Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Sein Körper ist rot; er besitzt zwei Augen.
Der Kommentar trennt die Wörter ausdrücklich als dānakaraṃ yuganetram. In den beiden oberen Händen befinden sich Lotusblüten; die unteren, beginnend mit der linken, zeigen Furchtlosigkeit und Geben. So werden die Handzeichen und Attribute meditiert.
29.SAU.17: In der südöstlichen Ecke verehre man Prabhūta, im Südwesten Vimala, im Nordwesten Sāra und im Nordosten Samārādhya.
Der unnummerierte Halbvers ergänzt: In der Mitte verehre der Mantrakundige Paramasukha, das höchste Glück.
Zum Ausdruck „beginnend mit der Feuerecke“ erläutert der Kommentar zunächst eine Auslegung: Nach der bereits beschriebenen Verehrung der Stufen von Maṇḍūka bis Sadāsana solle man Prabhūta und die übrigen in den Ecken verehren, an den Stellen von Dharma, Adharma und den weiteren Bestandteilen. Als Belege werden das Nārāyaṇīya – „Man stelle sie mit dem Herzmantra als Glieder des Sitzes in der Mitte und in den Zwischenrichtungen auf“ – und der Prayogasāra angeführt: „In den Zwischenrichtungen bis zur nordöstlichen Ecke und ebenso in der Mitte soll man sie verehren.“
Diese Auslegung weist der Kommentator zurück. Denn Śaṅkarācārya habe im Prapañcasāra 15.6 gesagt: „Dann verehre man Prabhūtā, Vimalā, die Sārā Genannte, Samārādhyā und Paramasukhā in den mit Südosten beginnenden Ecken und in der Mitte, bevor der Sitz eingerichtet wird.“ Die weiblichen Namensformen erkläre der Zusammenhang mit der Verehrung der Bhuvaneśī. Der Sitz selbst werde überall durch Dharma und die übrigen Bestandteile aufgebaut; dafür stehe die Aussage „auf dem durch Dharma und die übrigen eingerichteten Sitz“. Erst diese Glieder machten ihn zum Yogapīṭha. Daher seien Prabhūta und die übrigen vor der Verehrung des Sitzes anzubeten, anschließend Dharma und die übrigen, danach Ananta und die weiteren Stufen.
Ein weiteres Zitat lautet: „Wenn der Sitz verehrt ist, verehre man im Westen das eigene Bild, [danach] die neun.“ Die Erläuterung der Worte „das eigene Bild im Westen“ setzt auf der folgenden Druckseite ein.
Der Sitz des Sonnengottes und die Verehrungsfolge
Der Kommentar führt die Erklärung fort: Mond- und Feuerkreis werden verehrt, danach der Sonnenkreis. Von Sattva bis zum höchsten Prinzip vollzieht man die Verehrung und wendet sich anschließend den Kräften des Sitzes zu.
29.SAU.18: An den Ansätzen der Lotusblätter, im Osten beginnend, und in der Mitte verehre man ordnungsgemäß Dīptā, Sūkṣmā, Jayā, Bhadrā, Vibhūti und Vimalā.
29.SAU.19: Dazu kommen Amoghā, Vidyutā und als neunte Sarvatomukhī. Diese Kräfte des Sitzes vergegenwärtige man sich der Reihe nach in ihren Farben, schön geschmückt.
29.SAU.20: Die Kenner der Mantralehre erklären ihre Keimsilben als die Vokale, ausgenommen die drei kurzen und die „geschlechtslosen“, geschmückt mit Feuer und Mondpunkt.
Der Kommentar nennt als drei kurze Vokale a, i, u, als „geschlechtslose“ ṛ, ṝ, ḷ, ḹ. Feuer bedeutet r, der Mond den Bindu. Daraus entstehen die neun Bījas rāṃ, rīṃ, rūṃ, reṃ, raiṃ, roṃ, rauṃ, raṃ, raḥ. Als Beleg folgt das Mahākapilapañcarātra: „Unter Auslassung des ersten und des vorletzten, des dritten und der geschlechtslosen [Laute] differenziere man den mit ya bezeichneten Laut neunfach durch diese Vokale in ihrer Reihenfolge. Mit dem Bindu verbunden sind so die Keimsilben der Kräfte gewonnen.“ Im Prayogasāra und im Nārāyaṇīya lautet die betreffende Stelle dagegen „unter Auslassung des ersten, letzten, dritten und der geschlechtslosen [Laute]“. Man solle sich an die Unterweisung des Lehrers halten. [Die unterschiedlich formulierten Lautanweisungen der Zitate bleiben erkennbar; der Kommentar selbst nennt ausdrücklich die obige Reihe mit r.]
29.SAU.21: Mit dem Tāra voran spreche man die Bezeichnung „aus Brahmā, Viṣṇu und Śiva bestehend“, danach „dem solaren Sitz“, mit Namaḥ am Ende.
29.SAX.21: Dies ist der Sitzmantra des Tagesherrn; damit verehre man seinen Sitz. Mit dem Āditya-Mantra khakholka bilde man seine Gestalt aus. [Die Druckzählung wiederholt 21.]
29.SAU.22: In diese Gestalt rufe man den Götterherrn Sūrya herbei und verehre ihn sorgfältig. Zuerst vollziehe man die Gliederverehrung, danach die Verehrung der auf den Blättern der Hauptrichtungen befindlichen Gestalten.
29.SAU.23: Es sind die bereits genannten vier Gestalten, beginnend mit Āditya. In den Zwischenrichtungen verehre man die vier glückverheißenden Kräfte, beginnend mit Uṣā.
29.SAU.24: Sie werden mit dem Anfangslaut ihres eigenen Namens verbunden. Die Weisen nennen sie der Reihe nach Uṣā, Prajñā, Prabhā und Sandhyā.
29.SAU.25: Dann verehre man an den Blattspitzen die mit Brāhmī beginnenden Göttinnen und vor dem Gott Aruṇa. Außerhalb davon verehre der Kundige die acht mit Soma beginnenden Planeten.
Ein unnummerierter Halbvers ergänzt: Anschließend verehre man wie zuvor die Welthüter sowie den Vajra und die übrigen Waffen.
Die ausführliche Ausführung in Prosa
Nach den morgendlichen Handlungen bis zur Zuordnung des Yogasitzes vollzieht man mit dem Grundmantra dreimal Prāṇāyāma. Auf dem Kopf wird devabhāgāya ṛṣaye namaḥ, am Mund gāyatrīchandase namaḥ, am Herzen śrīsūryāya devatāyai namaḥ zugeordnet. Nach der Erklärung des Verwendungszwecks folgen Hand- und sechsfache Gliederzuordnung:
| Stelle | Formel nach dem Prosatext |
|---|---|
| Herz | satyatejojvālāmaṇi huṃ phaṭ svāhā hṛdayāya namaḥ |
| Kopf | brahmatejojvālāmaṇi huṃ phaṭ svāhā śirase … |
| Haarlocke | viṣṇutejojvālāmaṇi huṃ phaṭ svāhā śikhāyai … |
| Schutzpanzer | rudratejojvālāmaṇi huṃ phaṭ svāhā kavacāya … |
| Drei Augen | agnitejojvālāmaṇi huṃ phaṭ svāhā netratrayāya … |
| Waffe | sarvatejojvālāmaṇi huṃ phaṭ svāhā astrāya phaṭ |
[Die Auslassungspunkte geben die Abkürzungszeichen der Vorlage wieder. Die Formel nennt hier „drei Augen“, während die Meditation auf der vorausgehenden Seite zwei Augen nennt.]
Die fünf Gestalten werden wie folgt zugeordnet: Kopf – oṃ aṃ ādityāya namaḥ; Gesicht – oṃ iṃ ravaye …; Herz – oṃ uṃ bhānave …; verborgener Körperbereich – ṛṃ bhāskarāya …; Füße – ḷṃ sūryāya …. [Bei den letzten beiden Formeln steht im Druck kein ausdrückliches oṃ; die fünf kurzen Vokale sind hier durch die ausgeschriebenen Formeln belegt.]
Es folgt die Zuordnung der acht Mantrateile: Kopf – oṃ namaḥ; Augen – oṃ ghṛṃ namaḥ; Hals – oṃ ṇiṃ namaḥ; Herz – oṃ sūṃ namaḥ; Bauchseite – oṃ ryaṃ namaḥ; Nabel – oṃ āṃ namaḥ; Geschlechtsglied – oṃ diṃ namaḥ; Füße – oṃ tyaṃ namaḥ.
Nach Meditation und Selbstverehrung verehrt man den Yogasitz von Maṇḍūka bis zur Erde, dann den Milchozean. An den Füßen des Thrones, zu dessen vorgestellten Bestandteilen die Insel aus neun Edelsteinen gehört, stehen prabhūtāya namaḥ, vimalāya …, sārāya …, samārādhyāya …; in der Mitte paramasukhāya …. Danach folgt wie zuvor die Verehrung von Dharma bis zum höchsten Prinzip.
An den Staubfäden des achtblättrigen Lotus und zuletzt in seiner Mitte werden die Kräfte verehrt:
| Kraft | Formel |
|---|---|
| Dīptā | rāṃ dīptāyai namaḥ |
| Sūkṣmā | rīṃ sūkṣmāyai namaḥ |
| Jayā | rūṃ jayāyai namaḥ |
| Bhadrā | reṃ bhadrāyai namaḥ |
| Vibhūti | raiṃ vibhūtyai namaḥ |
| Vimalā | roṃ vimalāyai namaḥ |
| Amoghā | rauṃ amoghāyai namaḥ |
| Vidyutā | raṃ vidyutāyai namaḥ |
| Sarvatomukhī | raḥ sarvatomukhyai namaḥ |
Den gesamten Sitz verehrt man mit oṃ brahmaviṣṇuśivātmakāya saurāya yogapīṭhāya namaḥ. Die Gestalt wird mit khakholkāya svāhā śrīsūryamūrtiṃ parikalpayāmi namaḥ vorgestellt: „Khakholka, Svāhā; ich bilde die Gestalt Śrī Sūryas aus, Verehrung.“ Herbeirufung und die weiteren Darbringungen bis zu den Blumen sowie die Gliederverehrung folgen wie zuvor.
Auf den Blättern der Hauptrichtungen stehen āṃ ādityāya namaḥ, raṃ ravaye …, bhāṃ bhāskarāya …, bhāṃ bhānave …. Auf den Blättern der Zwischenrichtungen stehen uṃ uṣāyai namaḥ, praṃ prajñāyai …, praṃ prabhāyai …, saṃ sandhyāyai …. Anschließend werden an den acht Blattspitzen die acht mit Brāhmī beginnenden Kräfte verehrt. Die Beschreibung der Verehrung vor dem Gott setzt auf der nächsten Seite fort.
Arghya für Sūrya und überlieferte Anwendungen
Die auf der vorigen Seite begonnene Formel lautet aruṇāya namaḥ. Auf der ersten Linie des Vierecks werden, vor der Gottheit beginnend und im Uhrzeigersinn, die acht anderen Planeten verehrt: somāya namaḥ, bhaumāya …, budhāya …, bṛhaspataye …, śukrāya …, śanaiścarāya …, rāhave …, ketubhyo …. Danach erfolgen die Welthüterverehrung und die übrigen Schritte wie zuvor.
29.SAU.27: Nach achthunderttausend Wiederholungen des Mantras bringe der vorzügliche Sādhaka achttausend Feueropfer mit guten Zweigen milchsaftführender Bäume dar, die in Milch getaucht wurden. [Der Text setzt nach 25 mit 27 fort; eine nummerierte 26 steht nicht im Druck. Tatsahasrāṇi wird entsprechend „acht Tausend“ wiedergegeben.]
29.SAU.28: Mit reinem Wasser, duftend nach Kampfer und Sandel, vollziehe man die Sättigung. Dann begieße man sich selbst rituell und bewirte Brahmanen.
Die Arghya-Darbringung nach dem Prayogasāra
29.SAR.1: Man trage rote Gewänder, rote Färbung und stets rote Blumengirlanden. Nachts esse man Reis mit Rohrzucker, Ghee und Milch.
29.SAR.2: Oder man lebe von erbettelter Nahrung, sei frei von Anhaftung und stets zufrieden. Der Verehrung ganz zugewandt wiederhole man täglich den Mantra.
29.SAR.3: Nachdem man den Strahlenden so verehrt hat, bringe man ihm Arghya dar, täglich oder am Sonntag. Die Weise dieser Darbringung wird nun erklärt.
29.SAR.4: Vor sich zeichne man ein Maṇḍala und verehre den Sitz nach der Vorschrift. Darauf stelle man ein Gefäß aus reinem Kupfer.
29.SAR.5: Das schöne Gefäß fasse ein Prastha Wasser. Unter Rezitation des Grundmantras vollziehe man die Verehrung mit reinem Wasser und gebe Kuṅkuma hinein.
29.SAR.6: Dazu kommen Rocanā, Rājikā, Sandel, Bambuskörner, Śyāmāka-Körner, Reis, Karavīra, Japā und Kuśa. [Die Stoffnamen werden entsprechend der historischen Vorlage belassen.]
29.SAR.7: Die Einheit der Gottheit und des eigenen Selbst vergegenwärtigend, verehre man Bhāskara mit seinen Gliedern durch die Darbringungen bis zur Speisegabe. Dabei meditiere man und wiederhole den Mantra.
29.SAR.8: Man wiederhole ihn vollständig 108-mal und verehre erneut mit Blumen und den übrigen Gaben. Die Knie berühren den Boden; das Gefäß wird bis zum Kopf angehoben.
29.SAR.9: Den Blick auf die Sonne am Himmel gerichtet, vergegenwärtige man sie samt ihren umgebenden Gottheiten in Einheit mit sich selbst. Dann rezitiere man den Grundmantra und bringe dem Bhānu bewusst die Gabe dar.
29.SAR.10: Mit heiterem Geist gebe man Arghya und eine Handvoll Blumen. Danach sammle man den Geist erneut, während Bhānu mit seinen eigenen Strahlen …
29.SAR.11: … das Arghya-Wasser aufnimmt; in dieser Zeit wiederhole man den Mantra 108-mal. Der zufriedene Herr gewähre dann das eigene Begehren.
29.SAR.12: Dadurch sollen den Menschen hier langes Leben, Gesundheit und Zuwachs an Söhnen, Vermögen, Freunden und ehelicher Gemeinschaft zuteilwerden, ferner Glanz, unvergleichliche Kraft, Vieh, Schönheit, Wohlergehen, Wissen, Ruhm, Besitz und reicher Lebensgenuss.
29.SAR.13: Sieben Handvoll Wasser, mit diesem Mantra verbunden, über sich zu sprengen, vertreibe nach der Überlieferung die Dunkelheit von Armut und Verfehlung und verleihe höchste Herrlichkeit.
Eine überlieferte Anwendung zur Erlangung eines Sohnes
29.SAR.14: Auf einer ebenen Ritualfläche stelle man einen Krug mit Wasser von einer heiligen Wasserstelle auf. Man gebe Gold, Edelsteine, Duftstoffe und weitere Gaben hinein und vollziehe die Verehrung.
29.SAR.15: Nach der zuvor beschriebenen Weise verehre man den Gott mit seinem Gefolge. Auf der Ritualfläche entzünde man Feuer und bereite mit der Milch einer Kapilā-Kuh einen Caru …
29.SAR.16: … zu, mit dem man, unter Zusatz von Ghee, das Feueropfer vollzieht. Nach tausend Opfergaben lasse man den Sampāta, den dabei anfallenden Anteil der Opferspeise, in einem reinen Gefäß sammeln.
29.SAR.17: Die Frau, die nach ihrer Monatsblutung gebadet hat, sich an die Regeln hält und am Vortag gefastet hat, soll am achten Tag mit tausendfach mantra-geweihtem …
29.SAR.18: … Krugwasser vom Mantrakundigen rituell begossen werden. Er gebe ihr die tausendfach geweihte, beim Feueropfer gesammelte Speise. Dann, nachts, …
29.SAR.19: … meditiere auch der Ehemann „Ich selbst bin Sūrya“ und vereinige sich mit ihr. Daraus solle ein guter, tugendhafter Sohn hervorgehen. [Dies ist das Wirkungsversprechen des historischen Ritualtextes.]
Eine Druckfußnote verzeichnet die Lesart dadyāc ca, „und er gebe“, aus der mit kha bezeichneten Handschrift.
Beginn einer Yantra-Anweisung aus dem Yantrasāra
29.SAY.1: In die Lotusmitte setze man den Tāra, der den Namen der Zielperson in sich einschließt. In die vier [Teile] des Yantras setze man der Reihe nach je eine Silbe des viersilbigen Sonnenmantras. Die Anweisung wird auf der folgenden Seite fortgesetzt.
Sonnenyantras und die eingetragenen vedischen Verse
29.SAY.2: Außerhalb davon schreibe man auf die acht Blätter die Silben des achtsilbigen Mantras. Man umschließe sie mit den Buchstaben der Mātṛkā und zeichne an den vier Ecken des äußeren Geheges …
29.SAY.3: … das mit dem Tāra beginnende „Stirnzeichen der Anwendungen“. Dieses Sonnenyantra vernichte nach der Überlieferung sämtliche Krankheiten der Menschen.
29.SAY.4: Es vermehre Glanz, Ausstrahlung, Glück, Söhne, Lebensdauer und Ruhm; es schenke Vermögen und Getreide, bewirke Unterwerfung und gewähre umfassenden Schutz.
29.SAY.5: Wer dieses Yantra zeichnet und mit gesammeltem Verstand täglich im Wasser untertaucht, dessen Beschwerden wie Fieber, Kuṣṭha, stechende Schmerzen und Mundleiden sollen bald und sicher verschwinden.
Der Kommentar erklärt die Anordnung: In die Mitte eines vierblättrigen Lotus kommt der Praṇava, mit dem Namen der Zielperson in seinem Inneren. Auf die vier Blätter schreibt man je eine Silbe von oṃ hīṃ haṃ saḥ. Auf die acht äußeren Blätter kommt je eine Silbe des Grundmantras. Zwischen zwei umgebenden Kreisen stehen die Mātṛkā-Buchstaben mit Bindu. In die vier äußeren Ecken setzt man je eine Silbe von oṃ hāṃ hīṃ saḥ. Diesem Yantra werden die genannten Ergebnisse zugesprochen.
29.SAY.6: Man zeichne den Praṇava samt Zielperson in die Mitte eines Sechsecks; in dessen sechs Ecken den Tāra, das „Stirnzeichen der Anwendungen“ und Haṃsa.
29.SAY.7: An den Staubfäden erstrahlen die vier Silben des Sonnenmantras. Auf den vier Blättern stehen die vier Versviertel des Ṛgveda-Verses, der mit „udyan adya“ beginnt. Auf dem achtblättrigen Lotus …
29.SAY.8: … stehen an den Staubfäden die acht Silben des Sonnenmantras, auf den Blättern die Versviertel der folgenden Ṛgveda-Verse. Außen umschließt man alles mit dem Alphabet. An den Ecken des doppelten Geheges …
29.SAY.9: … schreibe man sorgfältig je eine Silbe des viersilbigen Sonnenmantras. Getragen soll dieses Yantra den Einfluss schädigender Grahas vernichten.
29.SAY.10: Es entfalte Glanz, Wohlstand, Genüsse, Standhaftigkeit, Macht und weitere Vorzüge. Man zeichne es auf den Boden des Hofes und verehre darin den Herrn des Tages.
Der unnummerierte Anschluss sagt: Man bringe Arghya dar, um Schönheit und Wohlstand zu erlangen und Kuṣṭha, Fieber und andere Leiden zu beschwichtigen.
29.SAY.11: Dieses als krankheitszerstörend bezeichnete Yantra werde auf Kupfer gezeichnet, im eigenen Haus aufgestellt und nach der Vorschrift verehrt. Es beseitige, so der Text, Beschwerden aus Kuṣṭha, Mundleiden, Fieber, heftigen Schmerzen, Gedächtnisstörung oder Apasmṛti.
29.SAY.12: Man zeichne es auf ein Silberblatt, lege dieses in Öl und rezitiere den Mantra tausendmal. Beim Menschen, dessen Körper mit diesem Öl gesalbt wird, sollen Kuṣṭha und andere Krankheiten verschwinden.
29.SAY.13: Dasselbe Yantra zeichne man in frische Butter und rezitiere die drei Ṛgveda-Verse. Wer davon isst, dessen heftige schmerzhafte Erkrankung soll rasch vergehen. [Die therapeutischen Aussagen dieses Abschnitts sind Wirkungsbehauptungen der Vorlage. Der knappe Ausdruck nave … navanīte bleibt hier auf die frische Butter bezogen; ein zusätzliches Gefäß wird nicht in den Text eingefügt.]
Der Kommentar präzisiert das zweite Yantra: In der Mitte des Sechsecks steht der Praṇava mit der Zielperson. Die sechs Ecken tragen oṃ, hāṃ, hīṃ, saḥ, haṃ, saḥ. An den Staubfäden des äußeren vierblättrigen Lotus steht je eine Silbe von oṃ hīṃ haṃ saḥ. Die vier Blätter erhalten je ein Viertel des mit udyan adya beginnenden Verses. Die Staubfäden des äußeren achtblättrigen Lotus tragen die acht Silben des Grundmantras; seine acht Blätter erhalten je ein Viertel des zweiten und dritten hier angeführten Verses. Zwischen den beiden äußeren Kreisen stehen die Mātṛkā-Buchstaben. Die Ecken des Vierecks tragen je eine Silbe von oṃ hīṃ haṃ saḥ. Auch diesem Yantra werden die genannten Früchte zugesprochen.
Die anschließenden drei Verse werden mit dem Quellenhinweis Ṛgveda 1.50.11 eingeführt; die lokale Zählung beginnt erneut mit 1.
29.SAV.1: Heute aufgehend, du mitra-mächtig Strahlender, zum höheren Himmel emporsteigend: O Sonne, vernichte meine Herzkrankheit und meine Gelbfärbung.
29.SAV.2: Meine Gelbfärbung legen wir in die Papageien und in die Ropaṇākās. Auch in die Hāridravas legen wir meine Gelbfärbung. [Die beiden zuletzt genannten Bezeichnungen werden ohne ungesicherte zoologische Gleichsetzung belassen.]
29.SAV.3: Dieser Āditya ist mit seiner ganzen Macht aufgegangen. Den, der mich hasst, unterwerfe er mir; möge ich selbst dem Hasser nicht unterliegen.
Die Druckfußnote verzeichnet für die betreffende Viererbezeichnung die Lesart caturarṇa, „viersilbig“, aus der mit kha bezeichneten Handschrift.
Weitere Sonnenmantras aus dem Sārasaṃgraha und anderen Quellen
29.SSK.1: Man spreche das Wort khakholka im Dativ, gefolgt von Svāhā. Dies gilt als der sechssilbige Mantra des Tagesherrn, des Herrn der Welt.
Der Kommentar löst die Formel zu khakholkāya svāhā auf. Aus dem Kapilapañcarātra wird eine abweichende Fassung angeführt.
29.SKP.1: Man nehme Yāmya mit dem Bindu und ebenso den zweiten Laut nach ka; dann denselben Laut allein, ferner den rückwärts vor ga stehenden, verbunden mit o …
29.SKP.2: … und den von gha rückwärts gezählten vierten Laut, überlagert von Māṃsa und ā, danach Samīraṇa. So, mein Sohn, ist der sechssilbige Gestaltmantra in Kürze erschlossen.
Die Erläuterung nennt Yāmya = ha, mit Anusvāra haṃ; den zweiten Laut der ka-Reihe = kha, mit Bindu khaṃ; denselben ohne Bindu = kha; den Laut vor ga = kha, mit o also kho. Von gha rückwärts gezählt ist der vierte Laut ka; zusammen mit Māṃsa = la und ā entsteht das im Druck als lkā wiedergegebene Zeichen. Samīraṇa = ya. [Die so angegebene Lautfolge weicht vom zuvor ausgeschriebenen khakholkāya svāhā ab; die Verschlüsselung wird nicht stillschweigend vereinheitlicht.]
Aus dem Nārāyaṇīya folgt ein weiterer Mantravers.
29.SNA.1: Kha und Kānta tragen den Stab; es folgen Caṇḍa, Majjā mit Daśana, Māṃsa mit dem langen Vokal und Aja sowie Vāyu. Daraus erkennen die Kundigen die Verschlüsselung des Mantras.
Der Kommentar erklärt: Kha = ha, Kānta = kha, der Stab = Anusvāra, also haṃ khaṃ. Caṇḍa = kha; Majjā = ṣa, Daśana = o, also ṣo. Māṃsa = la, der lange Vokal = ā, Aja = ka, zusammen lkā; Vāyu = ya. [Auch die Abweichung ṣo gegenüber kho bleibt entsprechend der Vorlage erhalten.]
Zuordnung und Verehrung des sechssilbigen Mantras
29.SSV.1: Als Ṛṣi wird Brahmā bezeichnet, als Versmaß Gāyatrī. Die Gottheit ist Savitṛ, der alle Früchte des Glücks verleiht.
29.SSV.2: Zu sūkṣmarūpāya tritt die Feuerbraut, Svāhā; ebenso endet sūkṣmatejase mit Svāhā. Zu sūkṣmākārāya tritt die Feuerbraut; zu sūkṣmajvālāya ebenfalls Svāhā.
29.SSV.3: Es folgt sūkṣmakarāya huṃ phaṭ. Mit den jeweiligen Schlussrufen verbunden sind dies die fünf Gliedermantras. Wahlweise vollziehe man die sechsfache Gliederzuordnung mit den Silben des Mantras.
29.SSV.4: Man meditiere Ravi, schön geschmückt, rot wie die Bandhūka-Blüte, mit drei Augen. In seinen Händen hält er zwei rote Lotusblüten und zeigt Gabengewährung und Furchtlosigkeit.
29.SSV.5: Auf dem zuvor beschriebenen Sitz rufe man den Gott wie zuvor herbei und verehre ihn. Der Mantrakundige wiederhole den Mantra hunderttausendmal, innerlich gesammelt und Herr seiner Sinne.
29.SSV.6: Mit einem Zehntel dieser Zahl vollziehe er das Feueropfer, mit guten Zweigen von Bilva, Aśvattha, Palāśa und Udumbara, die mit den drei süßen Stoffen bestrichen wurden.
29.SSV.7: Danach vollziehe der Kundige die Sättigung und die übrigen Handlungen nach der bereits genannten Weise. Um das Gewünschte zu erlangen, bringe er Arghya und die weiteren Gaben wie zuvor dar.
Der unnummerierte Halbvers erklärt, durch eine solche Verehrung werde die Khecarī-Siddhi erlangt.
29.SSV.8: Mit dem Bīja Kānta samt Stab vorangestellt gilt dieser Mantra als siebensilbig. Ṛṣi und die übrigen Zuordnungen, Gliederzuordnung, Meditation, Wiederholung und Verehrung entsprechen dem Vorigen.
Kānta bedeutet kha, der Stab den Anusvāra: khaṃ. Der zuvor genannte Mantra erhält also khaṃ am Anfang: khaṃ khakholkāya svāhā.
Die Gāyatrī des Tagesherrn
29.SSV.9: Man spreche „dem mit sieben Rossen“ und vidmahe, dann sahasrakiraṇāya und das Wort dhīmahi.
29.SSV.10: Darauf folgen tan no raviḥ und am Ende die Aufforderung zum Erleuchten. Diese Gāyatrī des Tagesherrn soll zu Beginn sämtlicher Sonnenmantras rezitiert werden.
Der Kommentar schreibt sie vollständig aus:
saptaturaṅgāya vidmahe sahasrakiraṇāya dhīmahi tan no raviḥ pracodayāt.
„Wir wollen den mit den sieben Rossen erkennen. Über den Tausendstrahligen meditieren wir. Möge Ravi uns erleuchten.“
Der viersilbige Sonnenmantra
29.SSC.10: Nun werde ich in Kürze den viersilbigen Mantra Ravis erklären: Tāra, Māyā, der Raumlaut mit dem Stab und der vor ihm stehende Laut mit Visarga. [Die Druckzählung wiederholt 10.]
Tāra ist der Praṇava, Māyā das Bīja der Bhuvaneśī. Der Raumlaut ist ha, mit Anusvāra haṃ. Vor ha steht sa, mit Visarga saḥ. Der Mantra lautet daher oṃ hrīṃ haṃ saḥ. [In den Yantra-Anweisungen der vorausgehenden Seite steht dagegen oṃ hīṃ haṃ saḥ; diese unterschiedliche Schreibweise bleibt ausgewiesen.]
29.SSC.11: Ṛṣi ist Brahmā, das Versmaß Gāyatrī. Die Gottheit ist die Herrscherin der Welten in Sonnenform. Danach vollziehe man die sechsfache Gliederzuordnung.
29.SSC.12: Sie entsteht durch Praṇava und Śakti-Bīja, dreimal wiederholt, oder durch die Māyā-Bījas mit den sechs langen Vokalen, denen jeweils der Tāra vorangestellt wird.
Die Fußnote nennt zu dem verbindenden Wort im Schlussvers die Lesart vā, „oder“, aus der mit ka bezeichneten Handschrift.
Bhuvaneśvarī in Sonnenform und ein weiterer dreisilbiger Mantra
29.SSC.13: Möge uns die solare Gestalt der Weltenherrscherin rasch beschützen, die zugleich Kühlung schenkt: Tausend leuchtende Edelsteine schmücken ihre Krone, in der eine Mondsichel erstrahlt. In ihren Lotushänden hält sie den Stachelstock und die Schlinge und zeigt Gabengewährung und Furchtlosigkeit. Ihre Brüste sind hoch gewölbt. Mit dem leuchtenden Glanz von bearbeitetem Gold, Lotus, Japā-Blüten und Blitzen erhellt sie die Welt.
Der Kommentar verteilt die Attribute: Die beiden zuerst genannten stehen in den oberen Händen, beginnend mit der rechten; die beiden anderen Zeichen in den unteren, ebenfalls rechts beginnend.
29.SSC.14: Auf dem zuvor beschriebenen Sitz mit seinen neun Kräften vollziehe man die Verehrung. Mit dem Grundmantra stelle man die Gestalt vor und rufe darin den Tagesherrn herbei.
29.SSC.15: Nach dessen Verehrung verehre der Kundige der Reihe nach die umgebenden Kreise. Die erste ist Hṛllekhā, danach Gaganā; die dritte ist Raktā.
29.SSC.16: Die vierte ist Karālikā, die fünfte Mahocchuṣmā. Sie bilden den ersten Kreis; der zweite wird durch die Glieder der Gottheit gebildet.
29.SSC.17: Als dritter Kreis gelten die Mütter, als vierter die Planeten: In den Hauptrichtungen stehen Soma, Budha, Bṛhaspati und Śukra …
Der unnummerierte Halbvers ergänzt: In den Zwischenrichtungen verehrt man ehrerbietig Bhauma, Śauri, Rāhu und Ketu.
Aus dem Prayogasāra wird ergänzend angeführt:
29.SSP.1: Man verehre sie mit dem jeweiligen Anfangslaut ihres Namens, geschmückt mit dem Bindu. Danach folgt als fünfter Kreis der der Welthüter, und mit ihren Waffen …
Der unnummerierte Anschluss vervollständigt: … wird der sechste Kreis gelehrt. So verehre man täglich den Herrn des Tages.
Die Ausführung des Nyāsa und der Umkreisverehrung
Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollzieht man mit dem Grundmantra dreimal Prāṇāyāma. Die Zuordnungen lauten: auf dem Kopf brahmaṇe ṛṣaye namaḥ; am Mund gāyatrīchandase namaḥ; am Herzen śrīsūryarūpiṇībhuvaneśvaryai devatāyai namaḥ, „Verehrung der Gottheit Bhuvaneśvarī in Gestalt der Sonne“. Nach dem Verwendungszweck werden Hände und sechs Glieder mit dem Wechsel von oṃ und hrīṃ zugeordnet: oṃ hṛdayāya namaḥ; hrīṃ śirase …; oṃ śikhāyai …; hrīṃ kavacāya …; oṃ netratrayāya …; hrīṃ astrāya …. Die Auslassungspunkte entsprechen den Abkürzungen der Vorlage.
Nach Meditation und den Darbringungen bis zu den Blumen verehrt man in der Lotusmitte selbst die fünf Kräfte: an der Gestalt der Gottheit, davor, rechts, nördlich und westlich. Die Formeln sind hraṃ hṛllekhāyai namaḥ; gaṃ gaganāyai …; raṃ raktāyai …; kaṃ karālikāyai …; maṃ mahocchuṣmāyai ….
An den Staubfäden werden die sechs Glieder verehrt, auf den acht Blättern die mit Brāhmī beginnenden Mütter. Auf den Blattspitzen stehen, zunächst nach Hauptrichtungen und danach nach Zwischenrichtungen geordnet, die acht Planeten: saṃ somāya namaḥ; buṃ budhāya …; bṛṃ bṛhaspataye …; śuṃ śukrāya …; maṃ maṅgalāya …; śaṃ śanaiścarāya …; raṃ rāhave …; keṃ ketubhyo …. Die Verehrung der Welthüter und die weiteren Handlungen entsprechen dem Vorigen.
29.SSC.18: Man wiederhole den Mantra vierhunderttausendmal und bringe ein Zehntel dieser Zahl als Feueropfer dar, mit Blüten des Brahmavṛkṣa, die in die drei süßen Stoffe getaucht wurden …
29.SSC.19: … oder mit Lotusblüten. Dann sättige man die Gottheit, vollziehe die rituelle Begießung und ehre Brahmanen. Damit gelte der Mantra als vollendet.
29.SSC.20: Wer den Mantra so vollendet hat, führe die Anwendungen für besondere Wünsche aus. Der Kundige verehre die Gottheit täglich oder sonntags.
Der unnummerierte Halbvers ergänzt: Er bringe auch die beiden Arghya-Gaben dar; dann solle ihm die begehrte Frucht zuteilwerden.
Der dreisilbige Mantra
29.SSC.21: Der Raumlaut mit Feuer, langem Vokal und Mondpunkt, Māyā und Bhṛgu mit Sarga: Dies wird als dreisilbiger Mantra gelehrt, als „Stirnzeichen der Anwendungen“.
Der Kommentar entschlüsselt: Feuer = r, langer Vokal = ā, Mondpunkt = Anusvāra; der Raumlaut ist ha, zusammen hrāṃ. Māyā = hrīṃ. Sarga bedeutet Visarga; Bhṛgu = sa, also saḥ. Die Formel lautet hrāṃ hrīṃ saḥ.
29.SSC.22: Als Seher dieses Mantras wird Aja, Brahmā, genannt; das Versmaß ist Gāyatrī. Als Gottheit gilt Savitṛ, der von den Göttern verehrt wird.
Die Druckfußnote verzeichnet zu der betreffenden Umkreis-Passage die Lesart paraiḥ, „mit den anderen“, aus den mit ka, kha und ga bezeichneten Handschriften.
Körperzuordnung des dreisilbigen Mantras und Verehrung der neun Grahas
29.SSC.23: Der Kundige ordne die Mantrasilben den drei Körperbereichen zu: vom verborgenen Bereich bis zu den Fußsohlen, vom Hals bis zum verborgenen Bereich und vom oberen Bereich bis zum Hals. [Das Wort für den Anfangspunkt der dritten Zuordnung ist im Vers undeutlich; die nachfolgende Prosa nennt ausdrücklich den Scheitel.]
Der unnummerierte Halbvers ergänzt: Die Glieder werden mit dem Māyā-Bīja in Verbindung mit den sechs langen Vokalen zugeordnet. Es folgt die Meditation.
29.SSC.24: Wir vergegenwärtigen uns den Tagesherrn auf einem roten Lotus, dreiäugig und reich geschmückt. Seine Hände halten zwei rote Lotusblüten und zeigen Wunschgewährung und Furchtlosigkeit. Sein Körper ist tiefrot; Aruṇa dient ihm mit seinen Händen. Alle Scharen der Götter verneigen sich vor ihm.
29.SSC.25: Man verehre ihn auf dem zuvor beschriebenen Sitz, versehen mit den neun Kräften. Nachdem man den Gott herbeigerufen und verehrt hat, verehre man zuerst seine Glieder.
29.SSC.26: Einen weiteren Kreis bilden die mit Candra beginnenden Planeten, den nächsten die Herrscher der Richtungen. Der vierte besteht aus deren Waffen. So wird die Verehrung gelehrt.
Ein unnummerierter Halbvers ergänzt: Die abgenommenen Opfergaben bringe man danach Tejaścaṇḍa dar.
Die Ausführung in Prosa
Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollzieht man mit dem Grundmantra dreimal Prāṇāyāma. Auf dem Kopf steht ajāya ṛṣaye namaḥ, am Mund gāyatrīchandase namaḥ, am Herzen śrīsūryāya devatāyai namaḥ. Nach der Erklärung des Verwendungszwecks folgen die drei Körperbereiche: vom verborgenen Bereich bis zu den Füßen hrāṃ namaḥ; vom Hals bis zum verborgenen Bereich hrīṃ namaḥ; vom Scheitel bis zum Hals saḥ namaḥ.
Hand- und Gliederzuordnung lauten: hrāṃ hṛdayāya namaḥ; hrīṃ śirase svāhā; hrūṃ śikhāyai vaṣaṭ; hraiṃ kavacāya huṃ; hrauṃ netrābhyāṃ …; hraḥ astrāya …. Die letzten beiden Schlussrufe sind im Druck abgekürzt. Nach Meditation und Gliederverehrung folgen wie zuvor die Grahas, die Welthüter und die übrigen abschließenden Handlungen.
29.SSC.27: Man wiederhole den Mantra zwölfhunderttausendmal und vollziehe zwölftausend Feueropfer mit Sesam, der mit Ghee und süßen Stoffen bestrichen wurde, sowie mit entsprechend zubereitetem Milchreis. [Tatsahasram bezeichnet hier „zwölf Tausend“; die Zahl wird nicht zu einem Zehntel der Wiederholungen geändert.]
29.SSC.28: Danach vollziehe man die Sättigung und die übrigen Handlungen sowie die besonderen Anwendungen. Der gute Sādhaka bringe dem Tagesherrn auch das zuvor beschriebene Arghya dar.
29.SSC.29: Dieser vermehre ihm Vermögen, Getreide, Söhne und Enkel, ebenso Edelsteine, Gewänder, Schmuck und weitere Güter.
29.SSC.30: Man zeichne einen achtblättrigen Lotus und stelle neun Krüge darauf: auf die Blätter und in die Mitte. Die Krüge werden mit Wasser gefüllt.
29.SSC.31: Der Mantrakundige rufe die neun Grahas in diese Krüge herbei. Über dem Krug in der Lotusmitte wiederhole er den Grundmantra tausendmal …
29.SSC.32: … und über den übrigen Krügen deren jeweilige Mantras hundertmal. Mit diesem Wasser vollziehe der Sādhaka die rituelle Begießung; die aus Graha-Störungen entstandenen …
29.SSC.33: … Krankheiten sollen dadurch weichen und der Wohlstand beständig werden. Zur Befriedigung der Grahas werde außerdem ein Graha-Feueropfer ausgeführt.
29.SSC.34: Bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis, beim eigenen Geburtsstern, bei Gefahr durch Feinde oder bei schwerer Erkrankung soll der Mantrakundige …
29.SSC.35: … das Maṇḍala wie zuvor herstellen und darin die Grahas verehren. Er entzünde die Feuer in den jeweils zugehörigen Richtungen und bringe gute Opferzweige dar.
29.SSC.36: Der Reihe nach werden Arka, Dvijadru, Māyūrā, Aśvattha, Udumbara, Khādira, Śamī, Dūrvā und Kuśa für das Feueropfer genannt.
Der Kommentar setzt Dvijadru mit Palāśa und Māyūrā mit Apāmārga gleich.
29.SSC.37: Für Sūrya bringe man 1.008 Opfergaben dar; für Soma und die übrigen bringe der Mantrakundige jeweils 108 Opfergaben dar.
29.SSC.38: Zum Schluss opfere man Ghee mit den Vyāhṛtis und beende das Feueropfer. Man stelle den Lehrer zufrieden und gebe den Ritualpriestern nach Vermögen eine Ehrengabe …
29.SSC.39: … und bewirte Brahmanen. Man werde im Kampf siegreich, Krankheiten kämen rasch zur Ruhe und man erlange langes Leben.
29.SSC.40: Schadenszauber, feindliche Angriffe und Ähnliches würden rasch beschwichtigt. Das Feueropfer für sämtliche Grahas könne auch an einer einzigen Stelle stattfinden.
29.SSC.41: So verehre der Mantrakundige täglich den Herrn des Tages. Er erlange ein langes Leben, erfüllt von Vermögen, Getreide und Wohlergehen. [Die Ergebnisse werden als Verheißungen des Ritualtextes wiedergegeben.]
Die Druckfußnote nennt die Lesart ca saṃpūrṇa, „und vollständig erfüllt“, aus der mit kha bezeichneten Handschrift.
Putreṣṭi: Vorbereitung eines Opfers für einen Sohn
Es folgt die Putreṣṭi. Als Quelle nennt der Text Nāradas Worte an Bhṛgu im Bhaviṣyottara.
29.SPU.1: „Erkläre das Opfer für einen Sohn, das die Geschlechter guter Menschen vermehrt!“ So sprach Śakra zum Lehrer. Was darauf gelehrt wurde, werde ich dir erzählen.
29.SPU.2: Wer viele Frauen hat, aber ohne Sohn und ohne Nachkommenschaft ist, vollziehe dieses Opfer an glückverheißenden Stern-, Monats- und Mondtagen. Diese werden dir der Reihe nach genannt.
29.SPU.3: Als Sterne werden sämtliche mit Pūrva und Uttara bezeichneten, Hasta, Śravaṇa, Mūla, Mṛgaśiras, Puṣya, Maghā und Jyeṣṭhā genannt, dazu günstige Mondtage. [Der Schluss der Aufzählung ist bereits im Druck mit einem Fragezeichen als unsicher gekennzeichnet; die abgekürzten Sternnamen werden entsprechend ihrem erkennbaren Zusammenhang wiedergegeben.]
29.SPU.4: Geeignet sind die Tage Jupiters, der Venus, des Mondes und Merkurs, feste Aszendenten und günstige Planetenstellungen; ferner Venus in einer Winkelstellung oder der Eintritt einer Sonnenfinsternis.
29.SPU.5: Venus und Sonne sollen ungestört stehen, Jupiter und Mond einen günstigen Tag anzeigen. Genannt werden die Monate Mārgaśīrṣa, Phālguna, Vaiśākha, Śrāvaṇa und Kārttika.
29.SPU.6: In der hellen Mondhälfte werde das Opfer für einen Sohn mit Sorgfalt vollzogen. Der Lehrer sei ein angesehener Brahmane, bewandert in allen Āgamas …
29.SPU.7: … ohne Habgier, wahrhaftig, erfahren in den Ritualhandlungen und von guten Menschen anerkannt. Er ertrage die Mühen der Gelübde und habe Zorn und Sinne unter Kontrolle.
29.SPU.8: Der Opferherr habe gefastet; ebenso die ihn begleitenden Frauen. Mit Arghya in den Händen begebe er sich zum Lehrer, der gleichfalls entsprechend vorbereitet ist.
29.SPU.9: Die Frau halte die für die Bali-Gabe bestimmte Speise bereit. Zur abendlichen Einladung sitzen sowohl der Brahmane als auch der Opferherr nach Norden gewandt.
29.SPU.10: Alle Frauen nehmen der Reihe nach ihre Plätze mit dem Gesicht nach Osten ein. Man berühre Wasser und sitze auf dem genannten guten, mit Darbha bereiteten Sitz.
29.SPU.11: Man schmücke den Lehrer mit Duftstoffen, Blumen, goldener Opferschnur, Armreifen und weiteren Gaben sowie mit Gewändern und lasse ihn zuletzt Folgendes hören:
29.SPU.12: „Morgen möchte ich die Putreṣṭi-Handlung ausführen, o Zweimalgeborene.“ Nachdem man seinen Gotra-Namen genannt hat, spreche man zum Brahmanen …
29.SPU.13: … „Ich wähle dich“ und verneige sich vor ihm. Dieser antworte: „Heil, Heil dir! Ich werde dein Lehrer beim Opfer für einen Sohn …“
29.SPU.14: „… am morgigen Tag sein.“ Nachdem dies gesprochen ist, lasse er alle aufstehen. Am Abend sollen sie gemeinsam mit dem Lehrer in einem einzigen günstigen Raum …
29.SPU.15: … auf einer mit Kuśa bestreuten Decke und weichem Tuch ruhen. Von da an lasse man eine Lampe die ganze Nacht hindurch brennen.
29.SPU.16: Täglich wasche man Bettzeug und Gewänder getrennt mit Laugenwasser. Das Haus reinige man beständig mit den als günstig geltenden Mitteln Erde, Kuhdung und Wasser.
29.SPU.17: Abends streue man die rituellen Streugaben aus und stelle eine neue helle Lampe auf, dazu Edelsteine und die fünf Kuhprodukte einer Kapilā-Kuh.
29.SPU.18: Ein goldenes Gefäß mit Edelsteinen werde mit Sesam, Ghee und Honig gefüllt. Räucherwerk aus Sindūra, Kampfer, Guggulu, Aguru und Kuṅkuma …
29.SPU.19: … sowie Sandel werde dargebracht, um sämtliche Hindernisse zu beschwichtigen. Ringsum sollen die vier Wände gleichmäßig besprengt werden. [Der knappe letzte Halbvers benennt die zu verwendende Flüssigkeit nicht eindeutig.]
29.SPU.20: Der Opferherr, der das Gelübde einhält, bade dreimal. Der Lehrer nehme ein Pala Ghee zu sich oder zwei Pala Milch …
29.SPU.21: … beziehungsweise zwei Pala Dickmilch oder vier Pala Wasser. Er könne auch nur von Wasser oder Früchten leben oder ganz ohne Nahrung bleiben.
29.SPU.22: Der Opferherr nehme ungebrochene Kalama-Reiskörner, sorgfältig gereinigt und wiederholt gewaschen …
29.SPU.23: … im Umfang eines Prastha, mit Ghee und Milch einer Kapilā-Kuh weich gekocht. Er esse sie im Anschluss an die Abendhandlungen zusammen mit Zuckerrohr.
29.SPU.24: Die Frauen nehmen aus Śyāma-Kalama bereitete Körner als halbe Ration zu sich, mit Wasser von einer heiligen Wasserstelle zubereitet …
29.SPU.25: … mit Steinsalz und Ghee, nachdem Prajāpati verehrt wurde. Man stehe zur Brahma-Muhūrta auf und entleere die Blase …
29.SPU.26: … vollziehe die Reinigung und Ācamana nach der genannten Weise, reinige die Zähne mit einem Zahnzweig und bade vor Sonnenaufgang.
29.SPU.27: Lehrer, Opferherr und die Frauen baden in einem großen Fluss. Nach den vorgeschriebenen Morgenhandlungen wiederhole man den Sonnenmantra.
29.SPU.28: Vom Morgen an rezitiere man bis zum Ablauf von zweieinhalb Yāmas. Zu Beginn und am Ende der Rezitation verehre man den Gott Ravi.
Putreṣṭi: Gelübde, Krugritual und Bereitung des Caru
29.SPU.29: Nach dem Feueropfer mit einem Zehntel der Wiederholungszahl und nach den Mittagshandlungen sättige man die Gottheit mit reinem Wasser, wiederum mit einem Zehntel der Zahl.
29.SPU.30: Mit der Hälfte davon vollziehe man die Besprengung, solange der Sonnenkreis [sichtbar ist]. Nach den Abendhandlungen nehme man die Nahrung auf die genannte Weise zu sich. [Der Ausdruck yāvad arkārkamaṇḍalam ist im Druck sprachlich auffällig.]
29.SPU.31: Man verneige sich vor den Füßen des Lehrers und lege sich nach seiner Anweisung schlafen. So sind die Handlungen erklärt. Nach den Morgenhandlungen …
29.SPU.32: … gebe der Fastende das Gelübde für das Opfer um einen Sohn ab: „Für diesen Opferherrn und diese seine Frau oder diese seine Frauen …“
29.SPU.33: „… wünsche ich einen Sohn, der seine Vorfahren an Tugenden übertrifft. Von heute an werde ich während zweier Monate dreihunderttausendmal …“
29.SPU.34: „… den Sonnenmantra rezitieren, dessen Kraft Mahāśvetā, dessen Gottheit Bhāskara, dessen Seher Devabhāga und dessen Versmaß Gāyatrī ist.“ [Der Druck bietet beim ersten Wort acaraṃ und in Klammern die Korrektur ārkaṃ, „solar“.]
29.SPU.35: „Mit einem Zehntel davon werde ich Ghee einer Kapilā-Kuh und Sesam im Yoni-Becken opfern, dessen Feuer mit Arka unterhalten wird; mit der Hälfte davon …“
29.SPU.36: „… werde ich die Sättigung mit reinem Wasser, mit deren Hälfte die Besprengung vollziehen. Den Herrn Bhāskara werde ich nach dem im Ritualhandbuch beschriebenen Verfahren verehren …“
29.SPU.37: „… ihn in dem Krug auf der roten Fläche vergegenwärtigen und wie zuvor verehren; mit dessen Wasser werde ich den Opferherrn samt seinen Frauen begießen, o Weiser …“
29.SPU.38: „… und seine Frau die Caru-Speise zu sich nehmen lassen. Das Opfer für einen Sohn werde ich ausführen.“ So lege man das Gelübde ab. [Der Satzbau dieses Verses ist im Druck uneben; der erkennbare Handlungszusammenhang wird wiedergegeben.]
29.SPU.39: Danach vollziehe man am Ende das Feueropfer, nachdem man nach der genannten Weise „dreißigtausend samt einer Hälfte“ Wiederholungen ausgeführt hat. [So lautet die Zahlenangabe sārdhaṃ triṃśatsahasrāṇi; der Bezug der zusätzlichen Hälfte wird hier nicht durch eine unmarkierte Zahlenkorrektur festgelegt.]
29.SPU.40: Zusammen mit dem Opferherrn und seinen Frauen vollziehe man die vollständige Opfergabe und für sie den Tryāyuṣa-Ritus. Danach richte man das Feuer her.
29.SPU.41: Täglich verehre man dieses in göttlicher Gestalt eingerichtete Feuer. Die Brahmanen, die den ungehinderten Vollzug des Gelübdes sichern und die Segenshandlung ausgeführt haben …
29.SPU.42: … sättige der Sādhaka mit einer Mahlzeit, die mit den drei süßen Stoffen bereitet wurde. Er gebe ihnen eine Ehrengabe; sie sollen den begehrten Segen erteilen.
29.SPU.43: Der Lehrer zeichne sodann nördlich des Feuers mit fünf Farben ein schön gestaltetes Cakra mit neun Mittelpunkten.
29.SPU.44: Neun schöne Krüge aus Gold oder aus Silber beziehungsweise Kupfer werden unter dem Waffenmantra gewaschen und beräuchert.
29.SPU.45: Die neun leuchtenden Grahas vergegenwärtigend, stelle man die Krüge ordnungsgemäß auf die neun Plätze, in der Mitte beginnend und im Uhrzeigersinn fortschreitend.
29.SPU.46: Die mit Sūrya beginnenden Grahas verehre man einzeln, nach der bei der Einweihung beschriebenen Weise, täglich während dreier Tage.
29.SPU.47: Man verehre die Richtungswächter, Sūrya und danach die acht übrigen Grahas. In das Krugwasser Sūryas gebe man auch Wasser aus den anderen …
29.SPU.48: … Krügen, begleitet von den Mantras. Diese beginnen mit dem Bīja aus dem jeweiligen Anfangslaut; der Name steht im Dativ, am Ende folgt Namaḥ. Mit dem Wasser des mittleren Kruges lasse man die Beteiligten einzeln …
29.SPU.49: … Ācamana vollziehen, während alle nach Norden gewandt sitzen. Der Sādhaka begieße sie mit dem Grundmantra und vergegenwärtige sich dabei Sūrya.
29.SPU.50: Die Frauen lasse man nach ihrer Rangfolge weiße Gewänder anlegen. Das Wasser der anderen Krüge wird in einem Gefäß gesammelt …
29.SPU.51: … und damit lasse man sie alle einzeln unter dem Grundmantra Ācamana vollziehen. Den Caru koche man im Opferfeuer; die günstige Vorschrift dafür folgt nun.
29.SPU.52: Man wasche das goldene Kochgefäß wiederholt mit dem durch den Waffenmantra geweihten Wasser. Den Prajāpati-Mantra vergegenwärtigend, stelle man es auf das Opferfeuer.
29.SPU.53: Mit dem Grundmantra gebe man vier Prastha Milch einer Kapilā-Kuh hinein. Dazu kommen aus weißem Wintergetreide von Hand gelöste …
29.SPU.54: … ungebrochene Körner, ein Prastha, gewaschen mit Wasser von einer heiligen Wasserstelle. Mit Urin, Dung und Milch einer Kapilā-Kuh …
29.SPU.55: … sowie mit Dickmilch und Ghee werden sie jeweils dreimal gereinigt. Man berühre sie im goldenen Gefäß und wiederhole den Grundmantra tausendmal.
29.SPU.56: Dort verehre man Ravi nach der Vorschrift des Ritualhandbuchs. Die Körner als von der Gottheit erfüllt meditierend, gebe man sie in das Kochgefäß.
29.SPU.57: Mit beiden Händen die Öffnung des goldenen Gefäßes berührend, rezitiere man den Grundmantra über den drei Früchten. Die Rezitationszahl lautet im Druck śataṃ sahasram, wörtlich „hundert, tausend“; sie ist hier nicht zu einer eindeutig belegten einzelnen Zahl vereinheitlicht.
Putreṣṭi: Opferabschluss, Segnung und eheliche Vorschriften
29.SPU.58: Darin verehre man wie zuvor Bhāskara, der die Welt erhellt. Dann entferne der Mantrakundige die abgenommenen Opfergaben und die übrigen Reste vom Caru-Gefäß.
29.SPU.59: Am Caru selbst vollziehe er die im Ritualhandbuch angegebenen Nyāsas. Mit dem Grundmantra gieße er dreimal Ghee darüber.
29.SPU.60: Man nehme das Gefäß vom Feuer, berühre seine Öffnung und wiederhole den Mantra tausendmal. Mit den Vyāhṛtis opfere man vom gekochten Caru für Agni, danach …
29.SPU.61: … mit prajāpataye svāhā für Prajāpati, ferner für Indra und die übrigen, einzeln für deren Waffen und ebenso für die solaren Gottheiten.
29.SPU.62: Ein Fünftel des Caru werde mit Ghee geopfert. Danach verehre man den Caru wie zuvor in der Mitte der neun Mittelpunkte.
29.SPU.63: Man stelle ihn dort auf und verehre darin die Gottheit nach der zuvor genannten Weise. Nach Entfernung der abgenommenen Gaben verehre man die acht übrigen Grahas.
29.SPU.64: Man verehre die Richtungswächter und bringe ihnen Milchreis als Bali dar. Dann entferne der Mantrakundige die abgenommenen Gaben und hebe den Caru empor.
29.SPU.65: Unter den einsetzenden Segensworten der Brahmanen und begleitet vom fünffachen feierlichen Klang spricht der Lehrer, der Sohn und Kraft verheißen soll: „Dies hat Brahmā als Pratyadhidevatā …“
29.SPU.66: „… Rudra als Adhidevatā und Bhāskara als Gottheit. Nimm es, iss und teile es unter diese deine Frauen aus.“
29.SPU.67: Um einen Sohn zu erlangen, nehme man die fünf entsprechend bereiteten Bissen zu sich. Nach dem Essen vollziehen die Beteiligten Ācamana und die Zahnreinigung.
29.SPU.68: Nach erneutem Ācamana werfen sich alle vor den beiden Lotusfüßen des Lehrers nieder. Der Mantrakundige lässt sie aufstehen und spricht:
29.SPU.69: „Möget ihr einen Sohn erlangen, ausgestattet mit den Tugenden seiner Väter, von außerordentlichem Glanz, langlebig, von großer innerer Kraft und stets von Lakṣmī begleitet …“
29.SPU.70: „… einen Besieger seiner Feinde, eine Leuchte seines Geschlechts, die dessen Glanz mächtig vermehrt; einen Meister der Wissenschaften, selbstbeherrscht, einen Spender von Elefanten und Pferden …“
29.SPU.71: „… einen Herrscher über die Erde, dessen Ruhm die ganze Erde erfüllt.“ Man empfange diesen Segen mit geneigtem Haupt und verneige sich wiederholt.
29.SPU.72: Für das Opfer um einen Sohn entrichte man die Gegengabe. Dem Lehrer gebe man als Dakṣiṇā hundert Suvarṇas sowie …
29.SPU.73: … Kühe, Büffelkühe, Stiere, Pferdeherden, Elefanten und weitere Gaben; ferner wohlhabende, mit Gärten und Wäldern geschmückte … [Der zusätzliche Ausdruck aparacakrārdhā ist im Druck nicht sicher zu deuten.]
29.SPU.74: … Dörfer, die alle Vorzüge eines Dorfes besitzen und von Flusswasser versorgt werden, dazu Schmuck, Sitze, Betten, Vermögen und Getreidevorräte.
29.SPU.75: Man gebe ihm so viel, dass er anderswo nichts mehr erbitten muss. Gemeinsam mit den Brahmanen verneige man sich selbst vor dem Lehrer.
29.SPU.76: Nachdem die Brahmanen, Bedürftigen, Blinden und von Krankheit Geplagten bewirtet sind, soll der Ritualpriester den Opferherrn samt seinen Frauen mit dem Wasser des Befriedungskruges …
29.SPU.77: … rituell begießen, den Heilsspruch sprechen und nach Hause gehen. Der folgende Abschnitt betrifft den Opferherrn und seine Frauen im Zusammenhang mit deren Monatszyklus.
29.SPU.78: Wenn bei einer der Frauen die entsprechende Zykluszeit eingetreten ist, soll er sich ihr zur Mitternacht ehelich zuwenden. Das Bett sei rein und weich; er trage reine Gewänder und angenehme Düfte.
29.SPU.79: Er sei mit einer schönen Girlande, Duftstoffen, Schmuck und wohlriechender Salbe versehen, trage Ohrringe und weitere Schmuckstücke sowie die Opferschnur auf dem Rücken.
29.SPU.80: Wenn die Frau sich ihm verbindet, soll er mit erigiertem Glied den Samen abgeben. Nach dem Samenerguss bleibe das Ehepaar einen Augenblick umschlungen.
29.SPU.81: Die Frau soll sorgfältig im Bereich der Brust gehalten und auch bei der Vereinigung gedrückt werden; denn sie gilt als Gestalt der Śakti. [Dies ist die körperbezogene Vorschrift der historischen Quelle; der Vers erläutert ihre Ausführung nicht näher.]
29.SPU.82: Nach dem Aufstehen vollziehen beide Ācamana und die Reinigung, die der Text mit der für Śūdras vergleicht. Nach einer Salbung sollen sie baden oder jeweils sogleich die entsprechende Wasserreinigung vollziehen.
29.SPU.83: Der Mann trinke nach Wunsch Milch und nehme Betel zu sich. Die Frau nehme morgens Harītakī zusammen mit Kuṅkuma.
29.SPU.84: Bis zu sechzehn Tage sollen beide auf die beschriebene Weise zusammenliegen. Dann werde ein göttergleicher Sohn geboren; daran sei, so die ausdrückliche Versicherung des Textes, nicht zu zweifeln.
Die Druckfußnoten verzeichnen aus der mit kha bezeichneten Handschrift die Lesarten taṃ tathā, madhyarātre („zur Mitternacht“) und sruta („geflossen“).
Überlieferte Zeitdeutungen zum Zeugungsritual
29.SPU.85: Als Ṛtu-Zeit kennen die Kundigen den Zeitraum bis zum sechzehnten Tag, gerechnet vom Auftreten der Monatsblutung im weiblichen Genitalbereich, ob am Tag oder in der Nacht.
29.SPU.86: Die ersten vier Nächte seien zu meiden; am fünften Tag erfolge das Bad. Diese ersten vier Nächte werden getadelt, und die Vereinigung während dieser Zeit wird missbilligt.
29.SPU.87: Wer einen Sohn begehrt, solle nach der beschriebenen Weise in einer geradzahligen Nacht zeugen. Wenn man sich am ersten Tag tagsüber vereinigt und eine Empfängnis eintritt …
29.SPU.88: … werde das Kind kurzlebig, wenig sprechend und von Brennen, Verwirrung und Krankheit geplagt. Am zweiten Tag werde es Leid erfahren, am dritten krank sein.
29.SPU.89: Am vierten Tag gezeugt lebe es fünfundfünfzig Tage; am sechsten gezeugt lebe es sechzig Jahre und sei von Lebenskraft erfüllt.
29.SPU.90: Für den achten Tag werden siebzig Lebensjahre genannt, für den zehnten achtzig, für den zwölften neunzig und für den sechzehnten hundertacht.
29.SPU.91: Auch für die Nachtzeiten werden streng gehütete Deutungen der Vereinigung genannt. Wenn im ersten Ghaṭikā-Zeitabschnitt durch die Vereinigung eine Empfängnis entsteht …
29.SPU.92: … sei das Kind kurzlebig und kraftarm und lebe dreißig Jahre. Im zweiten seien es vierzig; so steige die Zahl weiter …
29.SPU.93: … jeweils um zehn bis auf mehr als hundert. Bei Nandā sei das Kind wenig begünstigt, bei Bhadrā der Sonne vergleichbar.
29.SPU.94: Bei Jayā gleiche es Viṣṇu; bei Riktā sei es schwach und niedrig. Bei Pūrṇā besitze es vollen Wohlstand, sei gelehrt und rechtschaffen.
29.SPU.95: Beim Mars werden körperliche Beeinträchtigungen genannt, zugleich Ausdauer und großer Besitz. Beim Merkur heißt es: gelehrt, ohne Einsicht und den religiösen Handlungen zugewandt. [Die auffällige Verbindung „gelehrt, ohne Einsicht“ steht so im Druck; auch der Ausdruck kujādikaṃ dehe bleibt in seiner körperlichen Bedeutung unsicher.]
29.SPU.96: Bei Jupiter sei es von gewichtiger Einsicht, wohlhabend, reich an Genüssen und in der Welt beliebt. Bei Venus überwinde es alles durch Verstand, sei liebevoll und den Tugenden zugetan.
29.SPU.97: Bei Saturn sei es beständig im Denken, anderen Verfehlungen anlastend und sehr duldsam; bei der Sonne vom Zorn beherrscht, unstet, kinderreich und von Krankheiten geplagt.
29.SPU.98: Beim Mond sei es von schönem Körper, reich, rechtschaffen und verständig. Wer an den fünf Parvan-Tagen entsteht, werde nach dieser Deutung ein niedriger Dieb.
29.SPU.99: Am fünften Mondtag in Verbindung mit einem Uttara-Stern werde aus der Empfängnis ein Weltherrscher, o Bhṛgu. Bei den günstigen Zeitqualitäten Śubha, Siddhi, Amṛta und Ānanda werde das Kind ein Königsherrscher.
Der unnummerierte Halbvers ergänzt, bei durch Viṣṭi beeinträchtigten Zeiten werde es sein ganzes Leben von Krankheit geplagt sein. [Die gesamten Aussagen dieses Abschnitts sind die überlieferten astrologischen Wertungen und Vorhersagen des Textes.]
Ein Mantra für den Sieg im Kampf
29.SSG.1: Manu, auf Feuer stehend und mit dem Kopfzeichen versehen, wird vom Schutzpanzer eingeleitet. Dieser Mantra trägt den Namen „Sieg im Kampf“.
Die Erläuterung entschlüsselt Manu als au, Feuer als r und das Kopfzeichen als Anusvāra: rauṃ. Der Schutzpanzer ist huṃ. Damit ergibt sich huṃ rauṃ. [Der Bīja-Vokal ist im Druck als au ausgewiesen.]
29.SSG.2: Die Mantrakundigen nennen als Ṛṣi, Versmaß und Gottheit Aja, Gāyatrī und Bhānu. Die Gliederzuordnung dieses Mantras des Tagesherrn geschieht mit hrāṃ und den folgenden Formen.
29.SSG.3: Man meditiere den roten, dreiäugigen Bhānu auf einem roten Lotus. Seine Lotushände tragen zwei Lotusblüten und zeigen Gabengewährung und Furchtlosigkeit.
29.SSG.4: Nyāsa, Verehrung und alles Weitere entsprechen der Vorschrift des dreisilbigen Mantras. Nach der zuvor beschriebenen Arghya-Darbringung solle man im Kampf siegreich werden.
Ajapā: der zweisilbige Mantra des Selbst
29.SAJ.5: Viṣṇupada mit dem Kopfzeichen und Candra mit der Zunge bilden diesen zweisilbigen Mantra des Selbst, Ajapā genannt und als Gift beseitigend beschrieben.
Viṣṇupada mit dem Kopfzeichen bedeutet ha mit Bindu; Candra mit der Zunge bedeutet sa mit Visarga. Der Mantra lautet haṃ saḥ.
29.SAJ.6: Brahmā wird als Seher genannt, Gāyatrī als Versmaß. Als Gottheit gilt der höchste Ātman, wobei die Bezeichnung Devī vorangestellt wird.
Der unnummerierte Halbvers ergänzt: Mit Haṃsa in Verbindung mit den sechs langen Vokalen vollziehe man die Gliederzuordnung.
29.SAJ.7: Wir nehmen stets Zuflucht zu jener Gestalt, die auf einem Lotus ruht und wie roter Lotus und Gold glänzt. Ihre Hände tragen Schlinge und Axt und zeigen Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Sie vereint die Körper Gaurīs und Haras, besitzt die Natur des Mondenhaften und des Feuers, und eine ihrer Hälften ist Girijā.
Die Druckfußnote verzeichnet in der astrologischen Passage die Lesart janapriyaḥ, „bei den Menschen beliebt“, aus der mit kha bezeichneten Handschrift.
Ajapā: Verehrung, Gliederzuordnung und Nektarmeditation
Der Kommentar zur Meditation nennt in den beiden oberen Händen ein Lotuspaar; die unteren, beginnend mit der linken, zeigen Furchtlosigkeit und Gabengewährung. [Das weicht von den im vorhergehenden Vers genannten Attributen Schlinge und Axt ab; beide Angaben bleiben erhalten.]
29.SAJ.8: Man verehre auf dem zuvor beschriebenen Sitz, der mit Dīptā und den übrigen Kräften ausgestattet ist. Der Mantrakundige bilde mit dem Grundmantra die Gestalt und verehre darin die Gottheit.
29.SAJ.9: Zuerst verehre man sie mit ihren Gliedern. Auf den Blättern der Hauptrichtungen verehre man der Reihe nach Ṛta, Vasu, Nara und Vara.
29.SAJ.10: Auf den Blättern der Zwischenrichtungen werden Ṛtajā, Gojā, Abjā und Adrijā verehrt; außerhalb davon die Herrscher der Weltrichtungen.
Der unnummerierte Halbvers ergänzt: Danach verehre der Kundige den Vajra und die übrigen Waffen. Dies geschehe täglich.
Die praktische Zuordnung in der Prosa
Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollzieht man mit dem Grundmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf steht brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, am Mund devīgāyatrīchandase namaḥ, am Herzen paramātmane devatāyai namaḥ. [Die ausgeschriebene Prosa ordnet das Wort devī ausdrücklich dem Versmaß zu: Devī-Gāyatrī. Gottheit ist Paramātman. Damit klärt sie den auf der vorigen Seite verkürzten Zuordnungsvers.]
Mit gefalteten Händen erklärt man: mama mokṣārthaṃ viniyogaḥ, „Die Anwendung dient meiner Befreiung“. Dann folgen Hand- und Gliederzuordnung: haṃsāṃ hṛdayāya namaḥ; haṃsīṃ śirase …; haṃsūṃ śikhāyai …; haṃsaiṃ kavacāya …; haṃsauṃ netrābhyāṃ …; haṃsaḥ astrāya phaṭ. Die Punkte entsprechen den Abkürzungen der Vorlage.
Nach Meditation und Gliederverehrung stehen auf den Blättern der Hauptrichtungen, vor der Gottheit beginnend und im Uhrzeigersinn, ṛtāya namaḥ; vasave …; narāya …; varāya …. Auf den Blättern der Zwischenrichtungen stehen abjāyai namaḥ; gojāyai …; ṛtajāyai …; adrijāyai …. [Die Reihenfolge der Zwischenrichtungen unterscheidet sich vom vorausgehenden Vers.] Die Welthüterverehrung und die weiteren Handlungen erfolgen wie zuvor.
29.SAJ.11: Man rezitiere zwölfhunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit einer in Ghee getränkten Opferspeise. Danach vollziehe man die Sättigung und die übrigen Handlungen.
Der unnummerierte Anschluss nennt die Arghya-Darbringung für Sūrya nach der zuvor beschriebenen Weise.
29.SAJ.12: Man zeichne einen Lotus aus den heiligen Schriftzeichen; in seiner Mitte steht der Grundmantra. Darauf stelle man einen wassergefüllten Krug. Dessen Öffnung bedecke man sorgfältig mit der linken Hand und rezitiere den Grundmantra 108-mal. Das Wasser als aus Nektar bestehend vergegenwärtigend, begieße man damit die Zielperson.
29.SAJ.13: Dadurch werde ein Mann überall furchtlos, frei von Krankheit, langlebig und ohne Furcht vor Unheil; eine Frau werde mit Glück gesegnet. Ebenso rezitiere man über einem mit der Hand verschlossenen Gefäß. Mit diesem als Nektar vorgestellten Wasser begieße man einen Vergifteten; es beseitige selbst Kālakūṭa-Gift.
29.SAJ.14: Oder man rezitiere den Mantra hörbar und stelle Nektar auf dem Kopf des Vergifteten vor. Selbst einen von Takṣaka Gebissenen befreie man dadurch bald, so das Versprechen des Textes.
29.SAJ.15: Man vergegenwärtige zunächst das letzte Bīja dieses Mantras, überströmt von dem Nektar, der aus zwei Monden fließt; danach stelle man auch das erste als mit Nektar erfüllt vor. Der Kundige rezitiere diesen als höchst wirksam gegen geringe Leiden bezeichneten Mantra. Nach Beseitigung von Störungen durch Geister, Apasmṛti und Schlangengift lebe er glücklich.
Der abschließende Vers ist im Druck nicht nummeriert: Mit reinem Verstand führe man den Mantra in Gestalt des Haṃsa, der mit dem Nektar aus dem Mond am Scheitel herabfließt, durch den Weg der Suṣumṇā. Man stelle den eigenen Körper als von ihm durchdrungen vor und rezitiere den Mantra. Damit sollen Krankheiten, Apasmṛti, Kālakūṭa-Gift, Unheil, geistige Verwirrung und Fieber beseitigt werden. [Die Heilungs- und Entgiftungsbehauptungen gehören zur historischen Darstellung.]
Die Druckfußnote nennt die Lesart sadā, „stets“, aus der mit kha bezeichneten Handschrift.
Abschluss der Ajapā-Meditation und Mārtaṇḍabhairava
29.SAJ.17: Immer wieder vergegenwärtige man das letzte Zeichen des Mantras, umspült vom Nektarstrom, der aus der im inneren Raum leuchtenden Mondsichel fließt, und strahlend durch das darin befindliche Paar von Halbmondzeichen. So sollen beim vorzüglichen Sādhaka Brennen, Schmerzen, durch Geister bedingte Leiden und feindlicher Schadenszauber beständig zur Auflösung kommen. Dies gilt als ein höchster Yoga. [Der vorhergehende Vers blieb unnummeriert; der Druck setzt hier mit 17 fort.]
Der Mantra Mārtaṇḍabhairavas
29.SMA.18: Der Raumlaut, verbunden mit Kṛśānu und dem Laut nach der ma-Reihe, mit Manu, dem sechsten Vokal und dem Mondpunkt, ist der Mantra Mārtaṇḍabhairavas, der seinen Verehrern alle Siddhis verleiht.
Der Kommentar nennt: Raum = ha, Kṛśānu = r, der Laut nach der ma-Reihe = ya, Manu = au, der sechste Vokal = ū, Mondpunkt = Bindu. Das verdichtete Bīja steht im Druck als hryauṃ ūṃ. [Die ungewöhnliche doppelte Vokalnotation wird beibehalten und nicht in eine geläufigere Bīja-Form umgeschrieben.]
29.SMA.19: Zwischen zwei Bimba-Mantras stehend, gewährt es alle begehrten Früchte. Das Bimba-Bīja wird aus Dānta, Agni, Aci und dem Kopfzeichen gebildet.
Dānta = dha, Agni = r, Aci = i, das Kopfzeichen = Bindu; damit ergibt sich dhriṃ. Eine andere Mantraüberlieferung sagt: „Der letzte Ṭa-Laut, verbunden mit Feuer, Auge und Mondpunkt.“ Der Kommentar löst dies als ṭha, r, i und Anusvāra auf: ṭhriṃ. Rezitiert werde nach der Unterweisung. Als Ṛṣi nennt man Brahmā, als Versmaß Nicṛd-Gāyatrī, als Gottheit Mārtaṇḍabhairava, als Bīja haṃ und als Śakti den Bindu.
29.SMA.20: Fünf Gestalten werden genannt: Sūrya, Bhāskara, Bhānu, Ravi und Divākara. Sie werden den Fingern zugeordnet.
29.SMA.21: Der Kundige beginnt beim Mittelfinger und endet beim kleinen Finger. Die Gestalten werden mit diesem Grund-Bīja, verbunden mit den fünf kurzen Vokalen, zugeordnet.
Der unnummerierte Halbvers ergänzt: Danach ordnet man sie der Reihe nach Kopf, Gesicht, Herz, verborgenem Körperbereich und Füßen zu.
Der Kommentar präzisiert die Fingerfolge als Mittelfinger, Zeigefinger, Daumen, Ringfinger, kleiner Finger und beruft sich auf das Nārāyaṇīya. Die fünf kurzen Vokale werden unter Ausschluss der als „geschlechtslos“ bezeichneten angegeben; der genaue Abschluss der Vokalbezeichnung ist im Druck uneindeutig. Als weiteres Nārāyaṇīya-Zitat wird „die Gestalten, endend mit Satya“ angeführt. [Diese Bemerkung wird nicht stillschweigend mit der oben genannten Namensreihe gleichgesetzt.]
29.SMA.22: Danach vollziehe man mit dem Bīja in Verbindung mit den langen Vokalen die sechsfache Gliederzuordnung, die mit den Augen endet. Mit demselben Bīja vollziehe der vorzügliche Mantrakundige anschließend die den ganzen Körper durchdringende Zuordnung.
Der Kommentar verlangt hier die Augenzuordnung nach der Waffenzuordnung. Einige erklären aufgrund der Śāradātilaka-Stelle „Mit dem Bīja samt langem Vokal ordne man die mit den Augen endenden Glieder zu“ nur fünf Glieder. Dem widerspricht der Kommentator mit der Nārāyaṇīya-Aussage „sechs Glieder, endend mit der Waffe“.
29.SMA.23: Man meditiere Mārtaṇḍa, goldgelb und wie eine Japā-Blüte leuchtend, dreiäugig, mit strahlendem Perlenschmuck und vier Gesichtern. Seine Lotushände tragen Khaṭvāṅga, Diskus, Schlinge, Gebetskette, Lotus, Speer, Stachelstock und eine makellose Schädelschale. Edle Juwelen schmücken ihn; seine schöne Krone ist mit Edelsteinen besetzt.
Die ersten vier Gegenstände, beginnend mit dem Khaṭvāṅga, werden den rechten Händen von oben nach unten zugeteilt; Lotus und die weiteren vier den linken. „Vier Gesichter“ und „drei Augen“ bedeute drei Augen je Gesicht. Das Nārāyaṇīya nenne ausdrücklich acht Arme und zwölf Augen. Goldgelb und Japā-Blütenfarbe seien zu einer mit Rot gemischten Färbung verbunden; dazu wird die Nārāyaṇīya-Zeile zitiert: „Den zinnoberroten Īśāna, der oben links Ravi trägt.“ [Auch diese abweichende Attributangabe bleibt erhalten.]
29.SMA.24: Auf dem Sitz mit den neun Kräften verehre man ihn in der Lotusmitte. Wie zuvor vollziehe man die Gliederverehrung; die Augen werden der nordöstlichen Richtung zugeordnet.
Ein unnummerierter Halbvers ergänzt: Man verehre auch die acht anderen Grahas, die Welthüter und deren Waffen. Auf der nächsten Seite folgt dazu ein weiteres Zitat aus dem Nārāyaṇīya.
Mārtaṇḍabhairava: Nyāsa, Anwendungen und Sonnenyantra
29.SMN.1: Uṣā, Prabhā, Sandhyā und Prajñā werden an den nach den Himmelsrichtungen gelegenen Lotusstellen zugeordnet und mit den verlängerten Anfangslauten ihres Namens samt Bindu herbeigerufen. [Die zusammengesetzte Ortsbezeichnung ist im Druck undeutlich.]
Die ausgeschriebenen Zuordnungen
Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollzieht man mit dem Grundmantra dreimal Prāṇāyāma. Die Zuordnungen sind: Kopf – brahmaṇe ṛṣaye namaḥ; Mund – nicṛdgāyatrīchandase namaḥ; Herz – śrīmārtaṇḍabhairavadevatāyai namaḥ; verborgener Körperbereich – haṃ bījāya namaḥ; Füße – bindave śaktaye namaḥ; Nabel – raṃ kīlakāya namaḥ. Der Verwendungszweck wird wie zuvor erklärt.
Die Mittelfinger erhalten aṃ sūryāya namaḥ, die Zeigefinger iṃ bhāskarāya namaḥ, die Daumen uṃ bhānave namaḥ, die Ringfinger eṃ ravaye namaḥ, die kleinen Finger oṃ divākarāya namaḥ. Dieselben fünf Formeln stehen der Reihe nach auf Kopf, Gesicht, Herz, verborgenem Bereich und Füßen. [Diese ausgeschriebene Reihe klärt die auf der vorigen Seite verkürzt bezeichneten fünf Vokale als a, i, u, e, o.]
Es folgen hryāṃ hṛdayāya namaḥ; hryīṃ śirase …; hryūṃ śikhāyai …; hryaiṃ kavacāya …; hryauṃ netratrayāya …; hryaḥ astrāya …. Die Hände werden bis zum kleinen Finger, die Körperglieder vom Herzen bis zu den Augen zugeordnet; darauf folgt mit dem Grundmantra die Ganzkörperzuordnung. Nach Meditation und Darbringungen bis zu den Blumen verehrt man die Glieder an ihren jeweiligen Stellen, die Waffe in der nordöstlichen Ecke, danach die acht Grahas, die Welthüter und alles Weitere wie zuvor. [Die Prosa nennt hier die Waffe im Nordosten; der vorausgehende Vers hatte die Augen dort genannt.]
29.SMA.26: Der Mantrakundige rezitiere das zwischen zwei Bimba-Bījas stehende Bīja dreihunderttausendmal. Mit einem Zehntel davon opfere er schöne Utpala-Blüten … [Die Zählung setzt nach 24 mit 26 fort.]
29.SMA.27: … die mit den drei süßen Stoffen bestrichen sind. Nach Sättigung und den weiteren Handlungen werde der König der Mantras vollendet. Dann führe man die Anwendungen für besondere Wünsche aus.
29.SMA.28: Gesammelt bringe man auch Arghya wie zuvor dar. Mit Blüten von vier Aṅgula Größe erlange man Wohlstand.
29.SMA.29: Hunderttausend Opfergaben aus Reis, Ghee, Sesam und Bilva sollen Zugang zu Schätzen verschaffen. Ein Feueropfer mit Japā-Blüten unterwerfe rasch einen König.
29.SMA.30: Mit Mātuluṅga-Früchten als Opfergaben erlange man die begehrten Güter. Wer so übt, dem werden Wissen, Ruhm, Kraft …
29.SMA.31: … Söhne, Wohlstand, Glück und beständiger Sieg verheißen. Nun zeichne man einen Kreis, ein Dreieck, einen weiteren Kreis, ein Sechseck und zwei Kreise …
29.SMA.32: … eine achtteilige und eine sechzehnteilige Umfassung in der vorgeschriebenen Reihenfolge. In die Mitte des Kreises kommt der Praṇava, in das Dreieck Aṅgāraka.
29.SMA.33: In den nächsten Kreis schreibe man den fünfsilbigen Gāruḍa-Mantra, in das Sechseck den Cakrarāja und der Reihe nach die sechs Buchstabengruppen. [Die Verse 32–33 sind in der Vorlage teilweise gemeinsam eingeklammert.]
29.SMA.34: In die beiden Kreise kommen der Mahāsaura-Mantra und die Gāyatrī samt ihrem Śiras. In die acht Stellen setzt man den achtsilbigen Mantra und die mit Indra beginnenden Gottheiten.
29.SMA.35: Die sechzehn Stellen erhalten die Vokale; außerdem schreibe man śrīṃ hrīṃ. Dieses Sonnen-Cakra vermehre Lebensdauer und Gesundheit der Menschen.
29.SMA.36: Es schenke Kinderlosen Söhne, Frauen Glück, Königen Sieg und Kranken das Ende ihrer Krankheiten.
29.SMA.37: Wozu viele Worte? Nach der vorgeschriebenen Weise am Arm getragen, gewähre es alles. Der Mahāsaura-Mantra beginnt: udyan adya mitramaha ārohann uttarāṃ divam …
29.SMA.38: … danach hṛdrogaṃ mama sūrya harimāṇaṃ ca nāśaya. Dies gilt als Mahāsaura-Mantra.
Erläuterung der Yantra-Zeichnung
In die Mitte des Kreises schreibt man den Praṇava mit dem Namen der Zielperson. Das äußere Dreieck erhält das Aṅgāraka-Bīja raṃ. In den nächsten Kreis schreibt man den fünfsilbigen Gāruḍa-Mantra, hier kṣipa oṃ svāhā. Das Sechseck erhält den zuvor genannten Sudarśanacakra-Mantra; an seinen Spitzen stehen die sechs Buchstabengruppen, beginnend mit der ka-Reihe. In die beiden äußeren Kreise kommen Mahāsaura und die Gāyatrī samt Śiras. Die acht Winkel tragen den achtsilbigen Sonnenmantra, ihre Spitzen die Bījas von Śakra und den übrigen. Die sechzehn Lotusblätter erhalten die Vokale, jede Blattspitze das Bīja-Paar śrīṃ hrīṃ. Diesem Yantra werden die genannten Ergebnisse zugeschrieben.
Der Kommentar identifiziert Mahāsaura ausdrücklich mit dem bereits angeführten vedischen Vers udyan adya mitramaha, Ṛgveda 1.50.11. Die Druckfußnote nennt die Lesart nāśakṛt, „Vernichtung bewirkend“, aus der mit kha bezeichneten Handschrift.
Beginn der Mondmantras
Aus dem Sārasaṃgraha folgt der Mantra Candras.
29.CAN.1: Zum Wohl der Mantrakundigen werde ich den Mondmantra erklären: Er schenkt Wohlergehen, die Früchte der vier Lebensziele und sämtliche Siddhis.
Der Mondmantra und die Kräfte Candras
29.CAN.2: Der vor dem Raumlaut stehende Laut verbindet sich mit dem Vokal vor Manu und mit Bindu. Es folgen Bhṛgu mit Sadya, Ravi mit Ānanavṛtta, Marut, Dīrgha und Viṣa …
29.CAN.3: … verbunden mit der letzten Kalā. Dies wird als sechssilbiger Soma-Mantra gelehrt. Andere nennen als Bīja Bhṛgu, Ambu, Manu und das Mondstück.
Der Kommentar entschlüsselt: Vor dem Raumlaut ha steht sa; vor Manu = au steht o; mit Anusvāra ergibt das soṃ. Bhṛgu = sa, Sadya = o, zusammen so; Ravi = ma, Ānanavṛtta = ā, zusammen mā; Marut = ya, Dīrgha = na, Viṣa = ma, die letzte Kalā = Visarga. Die vollständige Formel lautet somit soṃ somāya namaḥ. Die andere Bīja-Fassung verbindet sa, va, au und Anusvāra zu svauṃ.
29.CAN.4: Ṛṣi ist Bhṛgu, das Versmaß Paṅkti, die Gottheit Candramas. Mit dem eigenen Bīja in Verbindung mit den langen Vokalen werden der Reihe nach die sechs Glieder zugeordnet.
Der unnummerierte Halbvers ergänzt: Nachdem die Zuordnung so vollzogen ist, meditiere der Mantrakundige den König der Zweimalgeborenen.
29.CAN.5: Möge Śaśāṅka uns Wohlergehen schenken: Er ruht auf einem weißen Lotus und glänzt hell wie Kristall und Silber. Eine Perlenkette lässt seinen Körper erstrahlen; dunkelblaues Haar schmückt ihn. Seine Lotushände halten eine Kumuda-Blüte und zeigen Gabengewährung. Sein sichtbares Mondmal erscheint als Lager der geliebten Schönheit.
Der Kommentar verteilt Kumuda-Blüte und Gabengewährung auf die linke beziehungsweise rechte Hand.
29.CAN.6: Man verehre zunächst den bereits beschriebenen Sitz mit Dharma und den übrigen Bestandteilen bis zum Mondkreis. Danach verehre man Vidhu, den Mond.
Padmapāda nennt neun Kräfte des Sitzes: Rākā, Kumudvatī, Nandā, Sudhā, Saṃjīvanī, Kṣamā, Āpyāyanī, Candrikā und Āhlādinī. Der Mantrakundige verehre sie im Osten beginnend, jeweils mit Namaḥ am Ende. [Die Ziffer 1 am Ende des eingeschobenen Zitats gehört zum Fußnotenapparat und wird nicht als weiterer nummerierter Vers gezählt.]
Das Svāyambhuva nennt stattdessen Amṛtā, Tārakā, Jyotsnā, Vimalā, Vyāpinī, Citrā, Kṛttikā, Kānti und Śravaṇā. Anschließend lehrt es die Sitzformel mit amṛta und kalātmane saṃvitpīṭhāya namaḥ, der Verehrung des Bewusstseinssitzes mit der Natur der Nektar-Kalā. Die ausgeschriebene Ausführung folgt im weiteren Kommentar.
29.CAN.7: An den Staubfäden verehre man die sechs Glieder, auf den Blättern die Kräfte des Mondes. Als erste wird Rohiṇī genannt, danach Kṛttikā und Revatī …
29.CAN.8: … ferner Bharaṇī, Rātri, Ārdrā, Jyotsnā und Kalā. Sie sind reinweiß, tragen weiße Gewänder, weiße Girlanden und weiße Salben.
29.CAN.9: Perlenketten schmücken ihre Körper; ihre Hände sind ehrerbietig gefaltet. Ihre schlanken Taillen tragen die Last der vollen, hohen Brüste.
29.CAN.10: In freudiger Erregung bewegen sie sich langsam; ihr Gemüt ist ganz von ihrem geliebten Herrn eingenommen. Ihre heiteren Gesichter gleichen dem Mond, ihre Augen erblühten blauen Lotusblüten.
29.CAN.11: Auf den Blattspitzen verehre man die acht übrigen Grahas, danach die Welthüter und außen den Vajra und die übrigen Waffen. So wird die Verehrung gelehrt.
Planetenfolge und Beginn der praktischen Zuordnung
Das Svāyambhuva beschreibt die Planetenfolge: Auf den östlichen, südlichen, westlichen und nördlichen Blattspitzen verehren die Sādhakas Ravi, Cāndri, Guru und Śukra. In den mit Südosten beginnenden Ecken stehen Bhauma, Manda, Ahi und Ketu. Cāndri bedeutet Budha, Manda Śani und Ahi Rāhu. Gemäß dem Śāradātilaka werden Ravi und die übrigen jeweils mit dem Bīja aus dem Anfangslaut ihres Namens verbunden.
Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollzieht man mit dem Grundmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf steht bhṛguṛṣaye namaḥ, am Mund paṅktichandase namaḥ, am Herzen śrīcandramase devatāyai namaḥ, am verborgenen Körperbereich soṃ bījāya namaḥ, an den Füßen namaḥ śaktaye namaḥ. [Das Wort Namaḥ ist hier selbst als Śakti bezeichnet; seine Wiederholung wird beibehalten.]
Nach dem Verwendungszweck vollzieht man Hand- und sechsfache Gliederzuordnung mit sāṃ, sīṃ und den weiteren Formen. Nach Meditation und Selbstverehrung folgt die Verehrung des Yogasitzes von Maṇḍūka bis zur Lotusmitte, danach des Sonnenkreises und des Feuerkreises. Anschließend verehrt man den Mondkreis und die Stufen von Sattva bis zum höchsten Prinzip. Die Erläuterung setzt auf der nächsten Seite fort.
Die Fußnote verzeichnet die Lesart mataḥ, „gilt als“, aus der mit kha bezeichneten Handschrift.
Mondverehrung, Arghya und Vidyā-Mantra
Die Prosa setzt die Verehrung an den Staubfäden des achtblättrigen Lotus fort: Vor sich beginnend, im Uhrzeigersinn und zuletzt in der Mitte, stehen rākāyai namaḥ; kumudvatyai …; nandāyai …; sudhāyai …; sañjīvanyai …; kṣamāyai …; āpyāyanyai …; candrikāyai …; āhlādinyai namaḥ. Den Sitz verehrt man mit amṛtakalātmane saṃvitpīṭhāya namaḥ, „Verehrung dem Bewusstseinssitz, dessen Wesen die Nektar-Kalā ist“.
Nach Herbeirufung und den weiteren Schritten bis zur sechsfachen Gliederverehrung werden die acht Blattgöttinnen verehrt: rohiṇyai namaḥ; kṛttikāyai …; revatyai …; bharaṇyai …; rātryai …; ārdrāyai …; jyotsnāyai …; kalāyai namaḥ.
An den Blattspitzen der Hauptrichtungen stehen raṃ ravaye namaḥ; buṃ budhāya …; guṃ gurave …; śuṃ śukrāya …. Die Zwischenrichtungen tragen bhauṃ bhaumāya namaḥ; maṃ mandāya …; rāṃ rāhave …; keṃ ketave …. Welthüterverehrung und alles Weitere erfolgen wie zuvor.
29.CAN.12: Man rezitiere hunderttausendmal für jede Silbe des Mantras und vollziehe entsprechend viele Tausend Feueropfer mit einer von Ghee durchtränkten Opferspeise. Danach folgen Sättigung und die übrigen Handlungen. [Beim sechssilbigen Mantra ergeben sich 600.000 Wiederholungen und 6.000 Opfergaben; der Druck verlangt hier ausdrücklich die Tausenderzahl.]
29.CAN.13: Damit sei der Mantra für den Sādhaka ohne Zweifel vollendet. Ist er auf diese Weise vollendet, soll der vorzügliche Mantrakundige …
29.CAN.14: … den Mond auf seinem Kopf vergegenwärtigen und den Mantra mit ungeteiltem Geist rezitieren. Durch dreitausend Wiederholungen erlange selbst ein Besitzloser königliche Macht.
29.CAN.15: Von leichter, angenehmer Opferspeise lebend, im Wasser stehend, mit beherrschten Sinnen und gesammeltem Geist, wiederhole man diesen Mantra vierhunderttausendmal.
29.CAN.16: Dadurch erlange man, so heißt es, augenblicklich einen in der Erde verborgenen Schatz. Bei schwerem Fieber, schwerem Kuṣṭha und heftigen Kopferkrankungen …
29.CAN.17: … bei von Feinden hervorgerufenem Schadenszauber, Kāmalā und weiteren Leiden rezitiere man den Mantra zehntausendmal; bald solle Beschwichtigung eintreten. [Die Verse 15–16 enthalten im Druck eine über den Verswechsel reichende Klammer.]
29.CAN.18: Bei Vollmond rezitiere man nach Vermögen mit beherrschten Sinnen. Der Mensch werde dadurch zum Gefäß von Glück, Gesundheit und Wohlergehen.
29.CAN.19: Auf einem bestrichenen Boden lege der Kundige drei ausgedehnte Maṇḍalas in Ost-West-Richtung an; er selbst nehme im westlichen Platz.
29.CAN.20: Im mittleren Maṇḍala stelle man die Gegenstände der Verehrung auf; im vorderen, mit einem Lotus versehenen Maṇḍala verehre man wie zuvor …
29.CAN.21: … Vidhu. Dann stelle man ein silbernes Gefäß auf und fülle es mit reiner Kuhmilch. Das Gefäß berührend rezitiere der Mantrakundige den Mantra …
29.CAN.22: … 108-mal. Danach bringe er bei Mondaufgang am Vollmondtag Candra mit dem Vidyā-Mantra das Arghya nach der Vorschrift dar.
Der Kommentar erklärt rākā als Vollmondtag.
29.CAN.23: Wer diese Arghya-Darbringung monatlich vollzieht, erlange nach sechs Monaten die begehrten Güter; daran sei nicht zu zweifeln.
29.CAN.24: Er erlange großen Wohlstand, Söhne, Glück, Gesundheit, Besitz, Schönheit, die von ihm gewünschte Braut und guten Ruf.
29.CAN.25: Man spreche vidye vidyāmālini, danach candriṇi und candramukhi. Am Anfang steht Tāra, am Ende der Śiras-Schlussruf. Dies ist der Vidyā-Mantra.
Die Erläuterung bestätigt die unveränderten Wörter und löst den Schlussruf als Svāhā auf. Die Formel lautet:
oṃ vidye vidyāmālini candriṇi candramukhi svāhā.
„O Wissen, du mit Wissen Bekränzte, Mondhafte, Mondgesichtige, Svāhā.“
Das Mondyantra nach dem Yantrasāra
29.CAY.1: In die Mitte des Sechsecks im Lotuszentrum kommt der Tāra mit dem darin leuchtenden raṃ [Druckvariante: ṭaṃ]; in seine Ecken der sechssilbige Mantra. Die Staubfäden des achtblättrigen Lotus erstrahlen mit Vokalpaaren; auf die Blätter kommen paarweise die Silben des Vidyā-Mantras. Eine Umfassung und das Erdgehege werden angelegt, dazu das genannte Raum-Bīja. Dieses Soma-Yantra verleihe Schönheit, Vermögen, Söhne, Ruhm und Wohlstand und beseitige Bedrängnis. [Einzelne knappe Angaben des Verses werden durch die folgende Prosa erläutert.]
Der Kommentar beginnt: In die Mitte des Sechsecks, das im Zentrum des achtblättrigen Lotus liegt, schreibt man in den Praṇava das Bīja raṃ samt dem Namen der Zielperson. An die sechs Ecken kommt je eine Silbe des sechssilbigen Soma-Mantras. Auf die Staubfäden schreibt man die Vokale paarweise, auf die acht Blätter die Silben des Vidyā-Mantras ohne den einleitenden Praṇava. Die Erläuterung setzt auf der nächsten Seite fort.
Die Fußnoten verzeichnen aus den Handschriften ka und ga die Lesart kāntiṃ vaśyepsitāṃ im Vers über die verheißenen Früchte sowie aus kha die Lesart ṭaṃbījam, „das Bīja ṭaṃ“, für die Yantramitte.
Abschluss des Mondyantras und die weiteren Graha-Mantras
Die Erläuterung des Mondyantras wird vervollständigt: Die sechzehn Silben des Vidyā-Mantras ohne Praṇava werden paarweise auf die acht Blätter geschrieben. Zwischen den beiden äußeren Kreisen umschließt man alles mit den Buchstaben von ka bis kṣa. In die vier äußeren Ecken schreibt man das Bīja vaṃ. Diesem Yantra werden die genannten Wirkungen zugeschrieben.
Bhauma, Mars
29.GRA.26: Nun werde ich den Mantra Bhaumas erklären, der alle Krankheiten abwehre: zweimal der erste Vokal mit Bindu, danach gārakāya und am Ende Namaḥ.
Ein unnummerierter Halbvers nennt dies den von den Weisen gelehrten achtsilbigen Aṅgāraka-Mantra. Der Kommentar ergibt aṃ aṅgārakāya namaḥ.
29.GRA.27: Als Seher, Versmaß und Gottheit werden Brahmā, Gāyatrī und Bhūmiputra genannt. Die sechs Glieder dieses Mantras werden mit seinem eigenen Bīja zugeordnet.
29.GRA.28: Ich verneige mich vor dem roten Aṅgāraka, geschmückt mit roten Gewändern. Seine linke Hand ruht auf dem Knie, die andere zeigt Furchtlosigkeit.
Die sechsfache Gliederzuordnung beginnt mit āṃ, īṃ und den folgenden Formen.
Budha, Merkur
29.GRA.29: Buṃ, das Wort Budha im Dativ und Namaḥ am Ende bilden den sechssilbigen Mantra Budhas: buṃ budhāya namaḥ. Seher, Versmaß und Gottheit sind Brahmā, Paṅkti und Budha.
29.GRA.30: Nachdem man die sechs Glieder mit dem eigenen Bīja zugeordnet hat, meditiere man: Stets verehre ich den Gott Budha, schön geschmückt mit gelben Gewändern …
29.GRA.31: … dessen linke Hand auf dem Knie liegt und dessen andere Hand Furchtlosigkeit zeigt. Man rezitiere tausendmal je Silbe, also sechstausendmal, und opfere ein Zehntel davon mit Ghee.
Bṛhaspati, Jupiter
29.GRA.32: Die vorzüglichen Mantrakundigen entnehmen die Verehrung dem zuvor Gesagten. Bṛṃ bṛhaspataye namaḥ ist der achtsilbige Mantra Gurus.
29.GRA.33: Als Seher, Versmaß und Gottheit gelten Brahmā, Anuṣṭubh und Guru. Mit dem eigenen Bīja, verbunden mit den sechs langen Vokalen, bilde man die sechs Gliederzuordnungen.
29.GRA.34: Man meditiere den guten Lehrer der Götter: Aus seiner rechten Lotushand streut er Edelsteine, Gold, Gewänder und weitere Güter, aus der linken andere Haufen wertvoller Dinge.
29.GRA.35: Man rezitiere achttausendmal und opfere achthundertmal mit einer von Ghee bestrichenen Opferspeise. Man verehre die sechs Glieder, die Grahas, die Richtungswächter und deren Waffen.
29.GRA.36: Nach der genannten Weise meditiere man, auf einem neuen Tuch sitzend, und rezitiere sieben Tage lang. Im Feuer bringe man gelbe, in Ghee getauchte Blüten dar …
29.GRA.37: … und vollziehe dieses Feueropfer drei Tage lang. Dadurch erlange man ohne Zweifel Gold, Gewänder und weitere Güter. [Die unterschiedlichen Zeitangaben für Rezitation und Opfer bleiben erhalten.]
Śukra, Venus
29.GRA.38: Der Mantra enthält vastraṃ me dehi śukrāya, wird von dem als Śama bezeichneten Bīja eingeleitet und endet mit Namaḥ. Als Seher, Versmaß und Gottheit nennen die Kundigen Brahmā, Virāj und Śukra.
Der Kommentar setzt am Anfang śuṃ: śuṃ vastraṃ me dehi śukrāya namaḥ – „Śuṃ, gib mir ein Gewand; Verehrung Śukra.“
29.GRA.39: Mit den sechs Wörtern vollziehe man die sechs Gliederzuordnungen. Dann meditiere man: Ich verneige mich vor Śukra, der an einem Handelsplatz steht, hell strahlt und schönen Schmuck trägt …
29.GRA.40: … mit goldenem Gefäß, einem Strom von Edelsteinen und einer Erkenntnisgeste an seinen beiden Händen. Man rezitiere zehntausendmal und opfere tausendmal mit Ghee. [Die knappe Verbindung der Handattribute ist im Druck nicht weiter aufgelöst.]
Śanaiścara, Saturn
29.GRA.41: Die vier Umkreise bestehen aus Gliedern, Grahas, Richtungswächtern und Waffen. Śanaiścarāya mit Namaḥ am Ende und Śama am Anfang bildet einen achtsilbigen Mantra: śaṃ śanaiścarāya namaḥ.
29.GRA.42: Als Seher, Versmaß und Gottheit gelten Brahmā, Gāyatrī und Śanaiścara. Der Verständige vollziehe die sechs Gliederzuordnungen mit dem Bīja.
Der Kommentar erklärt, das Wort „Verständiger“ deute die Verbindung des Bījas mit den sechs langen Vokalen an.
29.GRA.43: Ich verehre Śanaiścara mit gekrümmten Fangzähnen und blauem Schmuck. Seine linke Hand liegt auf dem linken Knie; die andere Lotushand zeigt Furchtlosigkeit.
29.GRA.44: Man rezitiere achttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Ghee. Die Verehrung geschehe mit den sechs Gliedern, Grahas, Richtungswächtern und Waffen.
Rāhu
29.GRA.45: Rāṃ rāhave namaḥ wird als sechssilbiger Rāhu-Mantra gelehrt. Mit seinem eigenen Bīja bilde man die sechs Gliederzuordnungen.
29.GRA.46: Als Seher, Versmaß und Gottheit gelten Brahmā, Gāyatrī und Rāhu. Ich verehre Rāhu, rauchfarben, mit Schlangenleib und ehrerbietig gefalteten Händen …
29.GRA.47: … mit entstelltem Gesicht, roten Augen und rauchfarbenem Schmuck, Tag für Tag. Wiederholung, Feueropfer, Verehrung und die übrigen Handlungen erfolgen wie zuvor.
Die Druckfußnoten verzeichnen dīrghayuktaiḥ, „mit langen Vokalen verbunden“, aus kha, gāyatra aus ka sowie kīrtitam, „gelehrt“, aus kha.
Ketu und Beginn der Agni-Mantras
Die Erläuterung zum vorigen Abschnitt bestätigt: tausend Wiederholungen je Silbe, ein Zehntel davon als Ghee-Feueropfer und die Verehrung mit Gliedern, Grahas, Richtungswächtern und deren Waffen.
29.GRA.48: Keṃ ketave namaḥ ist der sechssilbige Ketu-Mantra. Als Seher gilt Brahmā, als Versmaß Paṅkti und als Gottheit Ketu.
29.GRA.49: Die sechs Glieder werden wie zuvor zugeordnet. Dann meditiere man Ketu: Ich verehre den schwarzen Ketu, geschmückt mit schwarzen Gewändern und weiteren schwarzen Attributen …
29.GRA.50: … dessen linke Hand auf dem linken Oberschenkel ruht, während die andere Lotushand Furchtlosigkeit zeigt. Wiederholung, Feueropfer, Besprengung und alles Weitere werden wie zuvor ausgeführt.
Der Kommentar erläutert für die mit Bhauma beginnenden Verehrungen: In der Mitte verehrt man den jeweils angesprochenen Graha. Vor ihm beginnend und im Uhrzeigersinn ordnet man die acht übrigen so an, dass der in der Graha-Reihe folgende zuerst und der ihm vorausgehende zuletzt steht.
Diese Graha-Mantras gehören eigentlich in den späteren Abschnitt über verschiedene Mantras. Hier stehen sie der leichteren Benutzung wegen, weil sie für die Anwendungen der Sonnenmantras benötigt werden; damit werden sie nicht als Bestandteile des Pañcāyatana eingestuft.
Die Mantras Agnis
Der Text zitiert den Prapañcasāra 16.25.
29.AGN.1: Zum Wohl der Welt werde ich nun die Agni-Mantras erklären, die die Erfüllung sämtlicher Ziele gewähren: ihre Zuordnung von Sehern und weiteren Bestandteilen, ihre verschiedenen Gliederzuordnungen, ihre besonderen Verehrungsweisen sowie Rezitation und die übrigen Handlungen.
29.AGN.2: Der zehnte Laut vom Raumlaut aus verbindet sich mit Ardhi und Sarga; es folgen bhuva mit Sarga, Bhṛgu mit dem Laut nach la und dem sechzehnten Vokal, sodann die Geliebte des Opferverzehrers. Dhruva steht am Anfang. So wird der Wohlstand verleihende Mantra Kṛśānus gelehrt.
Die Erläuterung entschlüsselt: Von ha rückwärts gezählt ist der zehnte Laut bha; mit ū und Visarga entsteht bhūḥ. Bhuva mit Visarga ergibt bhuvaḥ. Bhṛgu = sa, der Laut nach la = va, der sechzehnte Vokal = Visarga, zusammen svaḥ. Die Geliebte des Opferverzehrers ist Svāhā, Dhruva der Praṇava. Der Text bezeichnet daher oṃ bhūḥ bhuvaḥ svaḥ svāhā als siebensilbigen Mantra.
29.AGN.3: Sein Seher ist Bhṛgu, sein Versmaß Gāyatrī und seine Gottheit Agni. Die Gliederzuordnungen entsprechen dem bereits Gesagten; wahlweise werden die Mantrawörter paarweise mit ihren Einleitungen verwendet.
Der Kommentar verweist auf die zuvor genannten Formeln wie sahasrārciṣe hṛdayāya namaḥ, „dem Tausendflammigen: Verehrung am Herzen“.
29.AGN.4: Möge der wohlgesinnte Pāvaka euch lange beschützen: drei Gesichter, geschmückt mit Krone und mancherlei Zierat, in seinen Händen Speer, Svastika, Schlinge und Stachelstock sowie die Zeichen der Gabengewährung und Furchtlosigkeit.
29.AGN.5: Mit Sorgfalt rezitiere man diesen Mantra sechshunderttausendmal. Ein Zehntel davon opfere man mit Milchreis samt Ghee; weitere Opfergaben werden knapp genannt. Danach verehre man Vibhāvasu nach der Vorschrift. [Die anschließende Stoffbezeichnung asitataś ca pālikaiḥ ist im Druck nicht sicher aufzulösen; eine ungesicherte botanische Ergänzung unterbleibt.]
29.AGN.6: Die neun Kräfte Kṛśānus heißen Pītā, Śvetā, Aruṇā, Kṛṣṇā, Dhūmrā, Tīvrā, Sphuliṅginī, Rucirā und Jvālinī.
29.AGN.7: Auf dem Sitz Tanūnapāts verehre man zuerst die Glieder, danach seine acht Gestalten und anschließend Indra und die übrigen. So verehre man Hiraṇyaretas nach der Vorschrift.
Die Ausführung in Prosa
Nach den morgendlichen Handlungen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa vollzieht man mit dem Grundmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf steht bhṛgave ṛṣaye namaḥ, am Mund gāyatrīchandase namaḥ, am Herzen agnaye devatāyai namaḥ. Es folgen Nyāsa, Meditation, Verehrung und die weiteren Schritte nach dem Einweihungsabschnitt; danach vollendet man den übrigen Gottesdienst. Auch Sättigung und die weiteren Handlungen mit den genannten Ghee-Gaben erfolgen wie zuvor.
29.AGN.8: Vom ersten Mondtag an bringe der Mantrakundige vier Monate lang täglich 108 Ghee-Opfergaben dar. Dadurch werde sein Wohlstand außerordentlich groß.
29.AGN.9: Wer täglich mit reinem Reis opfert, dessen Haus soll binnen eines Jahres voller Reis und reich an Kühen, Büffeln und weiteren Tieren sein. [Die Vorlage setzt eine Klammer über den Verswechsel 8–9 hinweg.]
29.AGN.10: Täglich opfere man reine, mit Ghee getränkte Nahrung im gut entfachten Feuer. Innerhalb eines Jahres soll im Haus große Fülle an Nahrung entstehen.
Ein unnummerierter Vers ergänzt: Mit sehr reinem Sesam als Opfergabe entstehe nach sechs Monaten großer Wohlstand. Auch Kumuda- und Jātī-Blüten werden als zur Siddhi führende Opfergaben genannt. [Die dazwischenstehende knappe Bezeichnung ist im Druck nicht eindeutig zu bestimmen.]
Die Fußnoten verzeichnen kuryāt, „man soll ausführen“, aus kha und asya samiddhiḥ, „dessen Gedeihen“, aus ka und ga.
Agni: Jātavedas-Mantra und Anwendungen zum Jahresbeginn
29.AGN.12: Für große Vollendung opfere der Mantrakundige täglich oder an jedem ersten Mondtag 108-mal: Palāśa-Zweige, Lotusblüten, Bilva, rote Utpala-Blüten, Teile milchsaftführender Bäume, Khadira, Vyāghāta, Dūrvā, Śamī oder Vikaṅkata. [Der vorausgehende Vers blieb unnummeriert; die Druckzählung setzt mit 12 fort.]
29.AGN.13: Man spreche Tāra, die Vyāhṛtis, agne jātaveda ihāvaha, dann sarvakarmāṇi sādhaya und die Feuerbraut. Dies bildet den Mantra.
Tāra ist der Praṇava, die Vyāhṛtis sind bhūḥ bhuvaḥ svaḥ, die Feuerbraut ist Svāhā. Die übrigen Wörter bleiben unverändert. Zwischen svaḥ und agne ist ausdrücklich Sandhi vorgeschrieben: svar agne. Die zusammenhängende Formel lautet:
oṃ bhūr bhuvaḥ svar agne jātaveda ihāvaha sarvakarmāṇi sādhaya svāhā.
„O Agni, Jātavedas, bringe hierher; führe alle Handlungen zum Gelingen. Svāhā.“
29.AGN.14: Seher und die übrigen Zuordnungen entsprechen dem Vorigen. Für die Gliederzuordnung wird der Mantra nach seinen Silben gegliedert: fünf, sechs, vier, fünf, drei und zwei, jeweils mit den entsprechenden Schlussrufen.
Der Kommentar erklärt die Zahlwörter: Bhūta = 5, Ṛtu = 6, Karaṇa = 4, Indriya = 5, Guṇa = 3, Yugma = 2.
29.AGN.15: Oder möge Vasu euch beschützen, mit unermesslichem Schmuck und einer glänzenden Goldgirlande, in den Händen Speer, Svastika, Darbha, Gebetskette, die beiden Opferlöffel Sruva und Sruc sowie die Zeichen von Furchtlosigkeit und Gabengewährung.
Das Wort „oder“ erläutert der Kommentar als Wahl zwischen der Meditation des vorherigen Mantras und der hier beschriebenen Gestalt. Die Ausführung sei aus dem Zusammenhang verständlich.
29.AGN.16: Am vierzehnten Mondtag vor dem Jahresbeginn empfange man gleich zu Tagesbeginn die Einweihung. Nach gründlichem Fasten rezitiere man den Mantra zwölftausendmal.
29.AGN.17: Man verehre die Glieder und Gestalten samt Welthütern, Vajra und den übrigen Waffen. Am Neumondtag reinige man Opferzweige und Ghee nach der Vorschrift.
29.AGN.18: Nachdem man Brahmanen bewirtet und selbst gegessen hat, bringe man gesammelt am folgenden ersten Mondtag im verehrten Feuer die Opfergaben dar.
29.AGN.19: Der Mantrakundige opfere der Reihe nach Vaṭa-Zweige, Reis, Sesam, Rājī, Opferspeise und Ghee, jede Gabe 108-mal.
29.AGN.20: Nachdem man so zehn Tage geopfert hat, sättige man am elften Mondtag Brahmanen nach Vermögen und entrichte die Gabe für den Lehrer.
29.AGN.21: Diese bestehe aus Gold, Gewändern, Getreide und einer roten Kuh samt Kalb. Danach wiederhole der Mantrakundige den Mantra täglich 1.008-mal.
29.AGN.22: Wer die Agni-Verehrung so nach der Vorschrift ausführt, erlange bald große Fülle: Land voller Vermögen, Getreide, Gold und Edelsteine, reich an Kühen, Stieren, Söhnen und Freunden.
Der Kommentar bestimmt den Jahresbeginn als ersten Tag der hellen Hälfte des Monats Caitra. Am vorausgehenden vierzehnten Mondtag finden Einweihung und Rezitation statt, am Neumond die Reinigung von Opferzweigen und Ghee. Vom ersten Mondtag an folgen zehn Tage des beschriebenen Feueropfers. Das Übrige sei verständlich. Der nächste Vers nennt einen Weg zur Mantravollendung auch ohne das zuvor beschriebene Puraścaraṇa; die Verse über Palāśa und weitere Gaben erläutern die Anwendungen für besondere Wünsche.
29.AGN.23: Oder man wiederhole täglich tausendmal; nach einem Jahr entstehe großer Wohlstand. Täglich hundert Opfergaben aus Opferspeise sollen innerhalb eines Jahres große Fülle hervorbringen.
29.AGN.24: Einen Maṇḍala-Zeitraum lang bringe man täglich 108 Palāśa-Blüten dar, die in Dickmilch, Ghee und Honig getaucht sind; ebenso opfere man Karavīra-Blüten für Wohlergehen. Ferner werden sechs Monate lang täglich 1.008 Opfergaben mit Ghee einer Kapilā-Kuh genannt. Dadurch erlange man königsgleichen Wohlstand oder großen Ruhm. [Die Länge des Maṇḍala-Zeitraums wird hier nicht ausdrücklich in Tagen angegeben.]
Die Druckfußnoten verzeichnen aus der Handschrift kha die Lesarten iti vaśībhaven, mantravarṇaikasadṛśaṃ, kṣamāyā hi und savṛddhaṃ.
Ein vierundzwanzigsilbiger Agni-Mantra und die Pferdegestalt des Feuers
Zum abschließenden vā des vorhergehenden Verses erklärt der Kommentar, es sei verbindend, also im Sinne von „und“, zu verstehen.
29.AGN.25: Nach dem Wort tiṣṭha mit ut voran spreche man puruṣa, danach hari mit piṅgala, sodann lohitākṣa. Es folgen dehi me, da und dāpaya, schließlich das Mondpaar. So wird der vierundzwanzigsilbige Mantra gelehrt, der bei der Gewährung sämtlicher Wünsche den himmlischen Wunschbäumen gleicht.
Die Erläuterung nennt die Wörter ausdrücklich: uttiṣṭha, puruṣa, haripiṅgala, lohitākṣa, dehi me, dadāpaya. Das „Mondpaar“ ist Svāhā. Der vollständige Wortlaut ergibt sich damit als:
uttiṣṭha puruṣa haripiṅgala lohitākṣa dehi me dadāpaya svāhā.
„Erhebe dich, Puruṣa, Gelbbrauner, Rotäugiger! Gib mir und lasse geben. Svāhā.“
29.AGN.26: Seher und die übrigen Zuordnungen entsprechen dem Vorigen. Der vorzügliche Mantrakundige teile den Grundmantra für die Gliederzuordnung der Reihe nach in sechs, fünf, vier, drei, vier und zwei Silben.
Der Kommentar erklärt Ṛtu = 6, Bhūta = 5, Diśā = 4, Tri = 3, Karaṇa = 4 und Yugala = 2. „Richtungen“ meint hier nur die vier Hauptrichtungen. Nach Bhāguri gebe es auch die mit langem ā gebildete Form diśā. Dazu wird die grammatische Regel zitiert, Bhāguri gestatte den Wegfall des a bei den Vorsilben ava und api sowie die Bildung auf ā bei konsonantisch auslautenden Wörtern, etwa vācā, niśā, diśā.
29.AGN.27: Ich verehre den göttlich gestalteten Pāvaka, der Dharma, Glück, Wohlergehen und Befreiung schenkt: In Pferdegestalt tritt er aus dem Inneren eines goldenen himmlischen Aśvattha-Baumes hervor. Unablässig lässt er aus seinen Körperöffnungen Mengen von Vermögen, Getreide und Edelsteinen regnen. Seine Haare treiben Flammen aus; er zerschlägt das Leid seiner Verehrer.
29.AGN.28: Nach der Einweihung rezitiere der Mantrakundige diesen Mantra hunderttausendmal. Anschließend opfere er ein Zehntel davon mit von Ghee getränktem Milchreis.
29.AGN.29: Täglich verehre der vorzügliche Mantrakundige Pāvaka mit Duftstoffen und den weiteren Darbringungen, zusammen mit seinen Gliedern, den Gestalten des Opferfeuers, den Richtungswächtern und deren Waffen.
Der Kommentar bezeichnet die Ausführung als aus dem Zusammenhang verständlich.
29.AGN.30: Zu Tagesbeginn rezitiere der Mantrakundige regelmäßig tausendmal mit gesammeltem Geist: für Unüberwindlichkeit, Ruhm, Wohlstand, Befreiung von Krankheiten und langes Leben.
„Zu Tagesbeginn“ bedeutet nach dem Kommentar bei Sonnenaufgang.
29.AGN.31: Man bereite aus weißem Reis und Milch die Opferspeise, verehre Pāvaka mit Duftstoffen und den übrigen Gaben und forme aus der Speise einen großen Ballen. Mit Ghee vermischt opfere man diesen als eine einzige Gabe, nachdem man am ersten Mondtag den Mantra 108-mal rezitiert hat. Nach einem Jahr solle Indirā, der Wohlstand, eintreten.
29.AGN.32: Oder der Mantrakundige bringe an jedem ersten Mondtag 108 Opfergaben aus Milchreis mit Ghee dar, unter Verwendung der Mṛga-Mudrā. Nach einem Jahr werde er zu einer Wohnstatt Indirās; dies werde ausdrücklich als gewiss bezeichnet.
29.AGN.33: Man bringe mit diesem Mantra täglich 108 Opfergaben aus Opferspeise dar. Nach sechs Monaten werde der Mensch außerordentlich reich; daran sei, so der Text, nicht zu zweifeln.
Die Druckfußnoten verzeichnen die Lesarten nigadye und saṃsthāt kṛśānoḥ aus der mit kha bezeichneten Handschrift.
Weitere Agni-Anwendungen und Abschluss des neunundzwanzigsten Śvāsa
29.AGN.34: Mit reinem Reis bringe man täglich 108 Opfergaben dar. Nach einem Jahr soll der Mantrakundige reich an Vermögen und Getreide sein.
Der folgende Vers ist im Druck nicht nummeriert: Monatlich, vom ersten Mondtag an, bringe man zehntausend Ghee-Opfergaben dar. Nach sechs Monaten werde einem außerordentlich großer Wohlstand zuteil; daran sei nicht zu zweifeln.
29.AGN.36: Wer mit diesem Mantra ein halbes Jahr lang rote Utpala-Blüten, mit süßen Stoffen bestrichen, in der Zahl von „hundert und weiteren hundert“ opfert, erlange rasch sehr großen Wohlstand. [Der Druck liest śataṃ … śatādhikam, also 200; die Fußnote nennt daśādhikam, „um zehn mehr“, als abweichende Lesart.]
29.AGN.37: Jātī-, Palāśa-, Karavīra-, Japā-, Bilva-, Vyāghāta-, Kesara- und Kuraṇṭa-Blüten, mit Milch einer Kapilā-Kuh bestrichen, bringe man an jedem ersten Mondtag jeweils hundertmal dar. Nach einem Jahr solle Wohlstand eintreten.
29.AGN.38: Sieben Tage lang opfere der Mantrakundige dreitausend mit Milch bestrichene Stücke der Amṛtā-Ranke. Nach gründlicher Verehrung Dahanas werde ein Mensch bald von quartanem und anderem unregelmäßigem Fieber befreit.
Der Kommentar bestätigt, guṇasahasra bedeute dreitausend. Die Vorlage klammert einen Teil der Verse 37–38 gemeinsam ein.
29.AGN.39: Man fülle einen Krug mit Wasser, in dem die Rinde milchsaftführender Bäume abgekocht wurde, verehre darin Kṛśānu und wiederhole diesen Mantra dreitausendmal. Die Begießung mit diesem Wasser beseitige nach der Überlieferung Fieber und Störungen durch Grahas.
29.AGN.40: Im Wasser bis zur Herzhöhe stehend und die Sonne betrachtend, rezitiere man diesen Mantra täglich tausendmal. Nach Beseitigung von Unheil, vorzeitigem Tod und Krankheiten erlange man innerhalb eines Jahres beständiges Wohlergehen und langes Leben.
29.AGN.41: Man trinke Wasser, über dem dieser Mantra 108-mal rezitiert wurde; es entfache das innere Feuer. Selbst schwere Nahrung im Magen werde durch das Bauchfeuer rasch verdaut, nachdem sie mit dem Mantra besprochen ist.
29.AGN.42: Täglich opfere man tausend rote Lotusblüten, in die drei süßen Stoffe getaucht; nach sechs Monaten entstehe großer Wohlstand. Oder der Kundige vollziehe dies an jedem ersten Mondtag ein Jahr lang. Selbst wer seinen Besitz verloren hat, werde dadurch zu einer Wohnstatt Indirās. [Die Aussagen über Krankheiten, Lebensdauer und Wohlstand sind die Wirkungsversprechen der historischen Vorlage.]
Der Kommentar erklärt ṛtumāsataḥ ausdrücklich als „nach sechs Monaten“.
Die Druckfußnote nennt zu Vers 36 die Lesart daśādhikam, „um zehn mehr“, aus der mit kha bezeichneten Handschrift.
Schlusskolophon
Hier endet der neunundzwanzigste Śvāsa des Śrīvidyārṇava-Tantra, verfasst von Śrī Vidyāraṇya Yati, Schüler Śrī Pragalbhācāryas, in der Lehrerfolge von Śrī Viṣṇuśarmācārya, Śrī Bhagavat Śaṅkarācārya und dem hochverehrten Śrī Govindācārya.
30. Śvāsa
Nandikeśvara fragt nach den Śiva-Mantras
Nun beginnt der dreißigste Śvāsa. Die Śiva-Mantras werden erschlossen. Aus der Überlieferung Śrī Nandikeśvaras heißt es:
30.NSH.1: Auf dem Gipfel des Kailāsa sitzt der Herr Ardhanārīśvara, verehrt von Brahmā, Upendra, Mahendra und den anderen Göttern sowie von Vidyādharas …
30.NSH.2: … von Dānavas, Weisen, Siddhas, Yakṣas, Rakṣas und Schlangenwesen sowie von den Scharen unter Heramba und Skanda, die ihm voller Hingabe dienen.
30.NSH.3: Der höchste Herr erfreut sich am Genuss des Würfelspiels. Während der Herr der Welten mit der Mutter der Welt spielt … [Der Druck bezeichnet den Versanschluss selbst mit einem Fragezeichen und verweist auf eine Textunterbrechung.]
30.NSH.4: … hat die Göttin Nandin die Aufsicht über das Fallen der Würfel übertragen. Im Fortgang des Spiels gewinnt der Gott Śambhu.
30.NSH.5: Nach dem Würfelwurf spricht der Gott: „Nandin, ich habe gewonnen. Deine Wahrhaftigkeit bei dieser Aufgabe und deine Hingabe erfreuen mich.“
30.NSH.6: „Sage, mein Sohn, was für dich getan werden soll, was du im Herzen wünschst. Das gewähre ich dir jetzt mit freudigem Geist; daran besteht kein Zweifel.“
Śrī Nandikeśvara sprach:
30.NSH.7: „Wenn du mir wohlgesinnt bist, o Gott, Herr der Welten, dann erkläre die Śiva-Mantras, die in den drei Welten schwer zu erlangen sind …“
30.NSH.8: „… zusammen mit der Zuordnung der Gesichter und Glieder, den Verehrungshandlungen, Einweihung, ritueller Begießung und den Bestimmungen über die Berechtigung dazu.“
Śrī Mahādeva sprach:
30.NSH.9: „Ich werde sie dir erklären, Hochbegünstigter: die in den drei Welten außerordentlich schwer zu erlangenden Śiva-Mantras, die vorzüglichsten unter allen Mantras, in allen Tantras geheim gehalten.“ [Die Vorlage klammert Vers 8 und die erste Hälfte von Vers 9 gemeinsam ein.]
30.NSH.10: „Du bist mein Verehrer, du guter Gelübdetreuer; daher gibt es nichts, was ich dir nicht sagen dürfte. Ich werde die Grundmantras mit ihren Gliederzuordnungen und Verehrungshandlungen …“
30.NSH.11: „… mit Einweihung, Begießung und den Bestimmungen über die Berechtigung erläutern, nach der Reihenfolge ihrer Lauterschließung, als Gewährer der Früchte aller Wünsche.“
Die Lauttafel und der fünfsilbige Mantra
30.NSH.12: Auf einer völlig ebenen, mit Kuhdung bestrichenen Fläche, schön mit ausgestreuten Blumen geschmückt und von Duftstoffen und Räucherwerk durchzogen …
30.NSH.13: … zeichne man die Mātṛkā in acht Buchstabengruppen. Die erste Gruppe besteht aus den sechzehn Vokalen.
30.NSH.14: Fünf weitere Gruppen enthalten jeweils fünf Buchstaben; die beiden letzten jeweils vier. So entstehen acht Gruppen. Aus ihnen erschließe man die Mantras.
30.NSH.15: Als ersten Laut spreche man den fünften der fünften Gruppe. Der letzte Laut der sechsten Gruppe, verbunden mit dem letzten der ersten …
30.NSH.16: … wird als zweiter bezeichnet. Der erste Buchstabe der achten Gruppe mit dem dritten der ersten bildet den dritten Laut.
30.NSH.17: Der vierte Laut ist der vierte der siebten Gruppe, verbunden mit dem zweiten Laut der ersten Gruppe. Der erste der siebten Gruppe bildet den fünften.
Die Erschließung ergibt na-maḥ-śi-vā-ya, also namaḥ śivāya – „Verehrung Śiva“. Die Gruppenfolge ist: Vokale; ka-, ca-, ṭa-, ta- und pa-Reihe; ya ra la va; śa ṣa sa ha.
30.NSH.18: Dies ist der fünfsilbige Mantra. Mit dem Praṇava voran wird er sechssilbig: oṃ namaḥ śivāya. Durch seine Vollendung sollen Menschen die Vereinigung mit Śiva erlangen.
30.NSH.19: Der Praṇava gilt als Offenbarer des höchsten Brahman. Die fünf Elemente bestehen, o Gelübdetreuer, aus den fünf Silben.
30.NSH.20: Da diese Welt aus den Elementen besteht, ist der Mantra ihrem Wesen nach die Welt. Als Seher wird Vāmadeva genannt, als Versmaß Paṅkti.
Die Herausgeber bemerken zur Unterbrechung bei Vers 3: Hier scheine ein Teil des Versbestandes abgebrochen; in allen herangezogenen Vorlagen laute der Text jedoch ebenso. Die weitere Fußnote verzeichnet die Lesart parā aus der mit ga bezeichneten Handschrift.
Nyāsa und Meditation des Sadāśiva-Mantras
30.NSH.21: Als Gottheit dieses Mantras wird Sadāśiva genannt. Die sechs Gliederzuordnungen bilde man aus den Mantrasilben mit ihren jeweiligen Schlussrufen.
30.NSH.22: Danach ordne man aufmerksam die Gestalten Tatpuruṣa, Aghora, Sadyojāta, Vāmadeva und Īśa zu, jeweils mit einer Grundsilbe voran, in drei Reihen von Körperstellen.
30.NSH.23: Die eine Reihe betrifft Zeigefinger, Mittelfinger, kleinen Finger, Ringfinger und Daumen. Die andere betrifft Mund, Herz, Füße, verborgenen Körperbereich und Scheitel; eine weitere die Gesichter …
30.NSH.24: … die fünf nach Osten, Süden, Westen, Norden und zur Mitte gerichteten Gesichter. Danach vollziehe man die nun beschriebene sechsfache Gliederzuordnung nach der Vorschrift.
30.NSH.25: Die Bezeichnungen lauten: allwissend, immer erfüllt, von anfangsloser Erkenntnis, von selbstständiger Kraft, von unverminderter Kraft und von unendlicher Kraft.
30.NSH.26: Ihnen werden der Reihe nach die Silben des Grundmantras vorangestellt, am Ende folgt das Wort dhāmne. Mit den jeweiligen Schlussrufen bildet der Mantrakundige so die sechs Gliederzuordnungen dieses Mantras.
30.NSH.27: Zum Schutz vollziehe man den Golaka-Nyāsa, o Nandikeśvara: am Herzen, am Gesicht, an den Schultern und Oberarmen; am Hals, Nabel und an beiden Seiten …
30.NSH.28: … am Rücken und Herzen; dann an Scheitel, Gesicht, beiden Augen und Nasenöffnungen; danach an den Gelenken der Arme und Beine samt ihren Enden …
30.NSH.29: … ferner an Kopf, Gesicht, Herz, Bauch, beiden Oberschenkeln und Füßen; erneut an Herz, Lotusgesicht, Hals und an den Stellen von Antilope, Furchtlosigkeits- und Gabengewährungszeichen …
30.NSH.30: … an Gesicht, Schultern, Herz, Füßen, Oberschenkeln und Bauch ordne der vorzügliche Lehrer der Reihe nach die sechs Silben des Grundmantras ordnungsgemäß zu. [Die Vorlage bietet mehrere knapp aufeinanderfolgende Reihen; ihre sprachlich unebenen Verbindungen bleiben als solche erkennbar.]
30.NSH.31: Erneut ordne man sie Scheitel, Stirn, Bauch, Schultern und Herz zu. Danach spreche man: „Verehrung dem, der als der Unbewegliche besteht, dessen unsterbliches Wesen das Licht-Liṅga ist …“
30.NSH.32: „… Śambhu, dessen Glieder durch den Glanz der Körper seiner vier Gestalten erhellt sind.“ Mit diesem Mantra vollziehe der Kundige anschließend die Zuordnung über den ganzen Körper.
30.NSH.33: Nachdem der Körper so mit den Zuordnungen versehen ist, o Nandin, meditiere man die Gottheit mit ungeteiltem Geist: weiß wie der Schaum von Kuhmilch, strahlend wie ein Silberberg …
30.NSH.34: … geschmückt mit einer Krone aus Haarflechten, in der eine schöne Mondsichel leuchtet; Śambhu mit fünf Gesichtern, jedes mit drei Augen …
30.NSH.35: … mit Tigerfell bekleidet und mit Edelsteinschmuck versehen. Die obere rechte Hand hält die Axt, die untere rechte zeigt Gabengewährung …
30.NSH.36: … die obere linke hält die Antilope, die andere zeigt Furchtlosigkeit. Sein Lotusgesicht ist vollkommen heiter; er sitzt auf einem Lotusthron …
30.NSH.37: … von Brahmā, Viṣṇu, Mahendra und den übrigen Göttern und Asuras hingebungsvoll gepriesen: Śiva, Ursprung der Welt, dessen Körper die Welt ist und der die Furcht vor dem Werden nimmt.
30.NSH.38: Nachdem man so meditiert hat, o Bester der Gaṇas, verehre man Śiva mit inneren Darbringungen. Am äußeren Sitz verehre man ihn mit den sechzehn Ehrengaben.
Die Verehrungskreise
30.NSH.39: Man zeichne einen achtblättrigen Lotus mit leuchtender Mitte und Staubfäden, außen zwei weitere achtblättrige Kreise, umgeben von drei Vierecken.
Ein unnummerierter Halbvers ergänzt: Das Maṇḍala besitzt vier Tore; darin vollziehe man die Verehrung.
Der Kommentar erklärt, die Schritte von der inneren Verehrung bis zur Verehrung des Sitzes seien bereits im Abschnitt über die Ausführung beschrieben. Um das Werk nicht unnötig zu vergrößern, werden sie hier nicht nochmals ausgeschrieben.
30.NSH.40: Nach Verehrung des Sitzes stelle man mit dem Grundmantra dort die Gestalt auf, rufe die Gottheit herbei und verehre Śiva in ihr.
30.NSH.41: In der Mitte ehre man ihn mit sämtlichen Darbringungen, mein Sohn. Auf dem ersten achtblättrigen Lotus verehre man dann die mit Tatpuruṣa beginnenden Gestalten …
30.NSH.42: … auf den Blättern der Hauptrichtungen; Īśa steht in der Mitte, o Bester der Gaṇas. Sie sind gelb, dunkel, weiß, rot und weiß leuchtend und besitzen je vier Gesichter.
30.NSH.43: Ihre Hände zeigen Gabengewährung und Furchtlosigkeit und tragen Antilope und Axt, mein Sohn. Auf den Blättern der Zwischenrichtungen und in der Mitte verehre man die mit Nivṛtti beginnenden Kalās.
30.NSH.44: Nivṛtti, Pratiṣṭhā, Vidyā, Śānti und Śāntyatītā werden der Reihe nach genannt. Diese Kalās bestehen aus strahlendem Licht.
30.NSH.45: Man verehre sie im Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten und in der Mitte. An den Staubfäden stehen die sechs Glieder. Auf dem zweiten achtblättrigen Lotus …
30.NSH.46: … verehre man Ananta und die übrigen, mein Sohn, vor der Gottheit beginnend und im Uhrzeigersinn: Ananta, den Sūkṣma Genannten und danach Śivottama. Die Liste setzt auf der nächsten Seite fort.
Die Druckfußnote verzeichnet die Lesart ṭaṅkaṃ ca, „und die Axt“, aus der mit kha bezeichneten Handschrift.
Die weiteren Gestalten und die Śiva-Gāyatrī
30.NSH.47: Es folgen Ekanetra, Ekarudra, Trimūrti, Śrīkaṇṭha und Śikhaṇḍin, o Bester der Gaṇas, in dieser Reihenfolge.
30.NSH.48: Die acht Gestalten sind rot, gelb, weiß, rötlich, schwarz, rot, dunkel wie Augensalbe und dunkel. Junge Mondsicheln schmücken ihre Kronen; sie ruhen auf Lotusblüten und tragen schönen Schmuck.
30.NSH.49: Sie sind dreiäugig, anmutig und halten Dreizack, Vajra, Pfeil und Bogen. Danach verehre man auf dem dritten achtblättrigen Lotus, o Bester der Gaṇas …
30.NSH.50: … Umā, Caṇḍīśvara, Nandin, Mahākāla, Gaṇeśvara, Vṛṣabha, Bhṛṅgiriṭi und Skanda in dieser Reihenfolge.
30.NSH.51: Der Kundige beginnt auf dem nördlichen Blatt. Ihre Farben sind der Reihe nach blau, gelb, dunkel, rötlich, perlenfarben, mondfarben, weiß und rosarot.
30.NSH.52: Im Viereck verehre man, o Bester der Gaṇas, im Osten beginnend Indra, den gelben Herrn der Götter, mit Vajra in der Hand und mit seinem Reittier.
30.NSH.53: Agni, der Herr der Feuerkraft, ist rot, schön geschmückt und hält den Speer. Yama, der Herr der Verstorbenen, ist schwarz und trägt den Stab.
30.NSH.54: Nirṛti, der Herr der Rakṣas, ist rauchfarben und trägt ein Schwert. Varuṇa, der Herr der Wasserwesen, ist strahlend weiß und hält die Schlinge.
30.NSH.55: Vāyu, der Herr der Lebenskräfte, ist rauchfarben und trägt den Stachelstock. Kubera, der Herr der Yakṣas, ist perlenfarben und hält die Keule.
30.NSH.56: Īśāna, der Herr des Wissens, ist durchsichtig hell und hält den Dreizack. Brahmā, der rote Welthüter, trägt den Lotus.
30.NSH.57: Ananta, der Herr der Nāgas, ist hell und hält den Diskus. Als Reittiere werden Airāvata, Widder, Büffel und ein toter Mensch …
30.NSH.58: … Makara, Antilope, Pferd, Stier, Vogel und Haṃsa genannt. Dies sind die Reittiere der mit Indra beginnenden Welthüter, o Herr der Gaṇas. [Der Druck nennt die letzten beiden verkürzt als vipa-haṃsakau; die Zuordnung wird nicht durch eine zusätzliche Namenliste ersetzt.]
30.NSH.59: Außen, jeweils neben ihnen, verehre man ihre Waffen: den gelben Vajra, den weißen Speer und den schwarzen Stab.
30.NSH.60: Man verehre das dem Himmel gleichende Schwert, die blitzhelle Schlinge, den roten Stachelstock und die weiße Keule.
30.NSH.61: Gesammelt verehre man den blauen Dreizack, mein Sohn, den rubinfarbenen Diskus und den roten Lotus.
30.NSH.62: So habe ich dir die Waffen der Welthüter erklärt, Makelloser. Wer den Gott auf diese Weise verehrt, gelange sogleich zum Śiva-Sein.
30.NSH.63: Man spreche tanmaheśa im Dativ, danach vidmahe, dann viśuddhāya dhīmahi und tan naḥ śivaḥ …
Der unnummerierte Halbvers vervollständigt mit pracodayāt. Dies ist die Gāyatrī Śrī Śivas. Der aus der Anweisung erschlossene Wortlaut lautet:
tanmaheśāya vidmahe viśuddhāya dhīmahi tan naḥ śivaḥ pracodayāt.
„Wir wollen jenen großen Herrn erkennen. Über den vollkommen Reinen meditieren wir. Möge Śiva uns erleuchten.“ [Die Vorlage verbindet tan und maheśa in ihrer Wortangabe; ein zusätzliches oṃ steht hier nicht.]
Der Kommentar erklärt die Mantraerschließung
Die elf Verse vom Kailāsa-Bild bis zu den verheißenen Früchten schildern nach Aussage des Kommentars die Einführung der Lehre; ihr Gegenstand sei aus dem Wortlaut verständlich. Die nächsten drei Verse erklären den Ort für die Mātṛkā-Tafel und ihre Einteilung in acht Gruppen, damit daraus die Mantras erschlossen werden können.
Der fünfte Buchstabe der fünften, der ta-Gruppe, ist na und bildet den ersten Mantralaut. Der letzte Buchstabe der sechsten Gruppe, ma, verbindet sich mit dem letzten der ersten Gruppe, aḥ, zu maḥ. Der erste Buchstabe der achten Gruppe, śa, ergibt mit dem dritten Vokal i den Laut śi. Der vierte Buchstabe der siebten Gruppe, va, verbindet sich mit dem zweiten Vokal ā zu vā. Der erste Buchstabe derselben siebten Gruppe, ya, bildet den fünften Laut. Damit ist namaḥ śivāya erschlossen.
Die mit „Der Praṇava“ beginnende Stelle erläutere danach die Bedeutung des Mantras; ihr Sinn sei eindeutig.
Beginn der ausführlichen Anwendung
Der nach der zuvor genannten Weise eingeweihte Sādhaka vollzieht die Handlungen vom morgendlichen Aufstehen bis zum Yogapīṭha-Nyāsa und mit dem Grundmantra dreimal Prāṇāyāma. Am Kopf steht vāmadevāya ṛṣaye namaḥ, am Mund paṅktichandase namaḥ, am Herzen śrīsadāśivāya devatāyai namaḥ.
Mit gefalteten Händen sagt er: mama caturvidhapuruṣārthasiddhaye viniyogaḥ, „Die Anwendung dient meiner Erfüllung der vier Lebensziele.“ Die folgende Fingerzuordnung beginnt an den Zeigefingern mit naṃ tatpuruṣāya und wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
Die Druckfußnoten verzeichnen yakṣapatiṃ aus ga sowie gadākaram und airāvaṇau aus kha.
Die ausgeführten Nyāsa- und Umkreisformeln
Fortsetzung der Prosa auf Druckseite 573: Die am Seitenwechsel begonnene Zeigefingerformel schließt mit namaḥ. Auf die Mittelfinger legt man maṃ aghorāya namaḥ, auf die kleinen Finger śiṃ sadyojātāya namaḥ, auf die Ringfinger vāṃ vāmadevāya namaḥ und auf die Daumen yaṃ īśānāya namaḥ: Verehrung Aghoras, Sadyojātas, Vāmadevas und Īśānas. Nach diesem Hand-Nyāsa legt man die fünf Gestalten auf Gesicht, Herz, Füße, Schambereich und Scheitel. Erneut setzt man auf das Gesicht naṃ tatpuruṣāya prāgvaktrāya namaḥ, Verehrung Tatpuruṣas mit dem nach Osten gerichteten Gesicht; auf das rechte Ohr maṃ aghorāya dakṣiṇavaktrāya namaḥ, Verehrung Aghoras mit dem südlichen Gesicht; unter die Haarlocke śiṃ sadyojātāya paścimavaktrāya namaḥ, Verehrung Sadyojātas mit dem westlichen Gesicht; auf das linke Ohr vāṃ vāmadevāyottaravaktrāya namaḥ, Verehrung Vāmadevas mit dem nördlichen Gesicht; auf den Scheitel yaṃ īśānāyordhvavaktrāya namaḥ, Verehrung Īśānas mit dem aufwärts gerichteten Gesicht. Dann werden die sechs Glieder mit folgenden Formeln an ihre jeweiligen Stellen gesetzt. Die im Druck verkürzten Endungen werden hier als Verkürzungen belassen:
- oṃ sarvajñaśaktidhāmne hṛdayāya …: dem Sitz der allwissenden Kraft, dem Herzen.
- naṃ nityatṛptaśaktidhāmne śirase …: dem Sitz der ewig erfüllten Kraft, dem Haupt.
- maṃ anādibodhaśaktidhāmne śikhāyai …: dem Sitz der Kraft anfangsloser Erkenntnis, der Scheitelhaarlocke.
- śiṃ svatantraśaktidhāmne kavacāya …: dem Sitz der selbstbestimmten Kraft, dem Schutzpanzer.
- vāṃ aluptaśaktidhāmne netratrayāya …: dem Sitz der unverminderten Kraft, den drei Augen.
- yaṃ anantaśaktidhāmne astrāya phaṭ: dem Sitz der unendlichen Kraft, der Schutzwaffe — phaṭ.
Mit dem Grundmantra folgt der den ganzen Körper durchdringende Nyāsa. Für jede der folgenden zehn nummerierten Reihen gelten in der angegebenen Reihenfolge die sechs Formeln oṃ namaḥ, naṃ namaḥ, maṃ namaḥ, śiṃ namaḥ, vāṃ namaḥ, yaṃ namaḥ. Das im Druck nach der ersten Formel verkürzte namaḥ ist jeweils mitzudenken.
30.GLN.1: Herz; Gesicht; rechte Schulter; linke Schulter; rechter Oberarm; linker Oberarm. Die beiden letzten Körperwörter sind im Druck undeutlich und werden entsprechend der vorangegangenen Nyāsa-Beschreibung auf die Arme bezogen.
30.GLN.2: Kehle; Nabel; rechte Seite; linke Seite; Rücken; Herz.
30.GLN.3: Scheitel; Gesicht; rechtes Auge; linkes Auge; rechter Nasenflügel; linker Nasenflügel.
30.GLN.4: Ansatz des rechten Arms; dessen Mitte; Handgelenk; Fingerwurzeln; Fingermitten; Fingerspitzen.
30.GLN.5: Ansatz des linken Arms; dessen Mitte; Handgelenk; Fingerwurzeln; Fingermitten; Fingerspitzen.
30.GLN.6: Ansatz des rechten Oberschenkels; Knie; Fußgelenk; Zehenwurzeln; Zehenmitten; Zehenspitzen.
30.GLN.7: Ansatz des linken Oberschenkels; Knie; Fußgelenk; Zehenwurzeln; Zehenmitten; Zehenspitzen.
30.GLN.8: Haupt; Gesicht; Herz; Bauchseite; das ganze rechte Bein vom Oberschenkelansatz bis zu den Zehenspitzen; entsprechend das ganze linke Bein.
30.GLN.9: Herz; Gesicht; Kehle; die obere linke, eine Gazelle tragende Hand; die untere linke Hand mit der Furchtlosigkeitsgeste; die untere rechte Hand mit der Gabegewährungsgeste.
30.GLN.10: Gesicht; beide Schultern; Herz; beide Füße; beide Oberschenkel; Bauch.
Unnummerierter, im Druck eingeklammerter Zusatz: Erneut werden dieselben sechs Formeln auf Scheitel, Stirn, Bauch, rechte Schulter, linke Schulter und Herz gelegt. Darauf setzt man vom Scheitel bis zu den Füßen den alles durchdringenden Mantra:
namo ’stu sthāṇubhūtāya jyotirliṅgāmṛtātmane |
caturmūrtivapuśchāyābhāsitāṅgāya śambhave ||
„Verehrung sei Śambhu, der als der Unerschütterliche besteht, dessen Wesen das unsterbliche Licht-Liṅga ist und dessen Glieder vom Glanz des viergestaltigen Leibes erstrahlen.“
Nach diesem Nyāsa meditiert man über die Gottheit in ihrer beschriebenen Gestalt. Auf geistige Verehrung und Verehrung des Yoga-Sitzes folgen Anrufung und die Darbringungen vom Sitz bis zu den Blumen. Dann bittet man: bhagavann āvaraṇapūjārtham anujñāṃ dehi — „Herr, erteile mir die Erlaubnis zur Verehrung der Umkreise.“
Auf die Blätter der Hauptrichtungen des ersten achtblättrigen Lotus, von der Vorderseite der Gottheit im Uhrzeigersinn, kommen naṃ tatpuruṣāya namaḥ, maṃ aghorāya namaḥ, śiṃ sadyojātāya namaḥ, vāṃ vāmadevāya namaḥ; in die Mitte yaṃ īśānāya namaḥ. Dann verehrt man auf den vom Südosten an im Uhrzeigersinn folgenden Blättern die Kräfte mit oṃ nivṛttyai namaḥ, oṃ pratiṣṭhāyai [namaḥ], oṃ vidyāyai [namaḥ], oṃ śāntyai namaḥ; in der Mitte oṃ śāntyatītāyai namaḥ: Rückwendung, Festigung, Wissen, Frieden und die über den Frieden hinausgehende Kraft. Die hier genannte umlaufende Anordnung ist gegenüber der Richtungsreihe der vorhergehenden Verse als eigene Formulierung erhalten.
Auf die Staubfäden innerhalb des zweiten achtblättrigen Lotus legt man rechts vorn oṃ hṛdayāya namaḥ, links vorn im Nordosten naṃ śirase [namaḥ], rechts hinten maṃ śikhāyai [namaḥ], links hinten śiṃ kavacāya [namaḥ], vorn vāṃ netratrayāya [namaḥ] und in die vier von vorn beginnenden Richtungen yaṃ astrāya [namaḥ] — Herz, Haupt, Haarlocke, Schutzpanzer, drei Augen und Schutzwaffe.
Der eingeklammerte zweite Umkreis beginnt auf dem vorderen Blatt und geht im Uhrzeigersinn weiter: anantāya namaḥ, sūkṣmāya namaḥ, śivottamāya namaḥ, ekanetrāya namaḥ, ekarudrāya namaḥ, trimūrtaye namaḥ, śrīkaṇṭhāya namaḥ, śikhaṇḍine namaḥ. Verehrt werden Ananta, Sūkṣma, Śivottama, Ekanetra, Ekarudra, Trimūrti, Śrīkaṇṭha und Śikhaṇḍin; die Wiederholung von namaḥ ist im Druck meist abgekürzt.
Im dritten achtblättrigen Lotus beginnt man links von der Gottheit und verehrt im Uhrzeigersinn mit umāyai namaḥ, caṇḍīśvarāya namaḥ, nandine namaḥ, mahākālāya namaḥ, gaṇeśvarāya namaḥ, vṛṣabhāya namaḥ, bhṛṅgiriṭaye namaḥ, skandāya namaḥ Umā, Caṇḍīśvara, Nandin, Mahākāla, Gaṇeśvara, den Stier, Bhṛṅgiriṭi und Skanda.
Von den beiden Gängen zwischen den drei äußeren Quadratlinien dient der innere den Welthütern. Von der Vorderseite der Gottheit aus beginnt die Reihe:
- laṃ indrāya surādhipataye pītavarṇāya vajrahastāya airāvaṇavāhanāya namaḥ: Verehrung Indras, des gelbfarbenen Götterherrn, der den Donnerkeil hält und Airāvaṇa reitet.
- raṃ agnaye tejodhipataye raktavarṇāya śaktihastāya meṣavāhanāya namaḥ: Verehrung Agnis, des roten Herrn des Feuerglanzes, mit Speer und Widder als Reittier.
- ṭaṃ yamāya pretādhipataye kṛṣṇavarṇāya daṇḍahastāya mahiṣavāhanāya namaḥ: Verehrung Yamas, des schwarzen Herrn der Verstorbenen, mit Stab und Büffel als Reittier.
- kṣaṃ nirṛtaye rakṣodhipataye dhūmravarṇāya khaḍgahastāya …: Verehrung Nirṛtis, des rauchfarbenen Herrn der Rakṣas, der ein Schwert hält. Die Formel wird auf der folgenden Seite fortgesetzt.
Die Druckfußnoten nennen tṛptiḥ statt tṛpta, jñānādi statt des betreffenden Erkenntniswortes und aṃ als Variante zu ṭaṃ bei Yama. Die Varianten werden nicht stillschweigend in den Haupttext übernommen.
Abschluss der Umkreisverehrung und Puraścaraṇa
Fortsetzung der Prosa auf Druckseite 574: Die Formel für Nirṛti endet pretavāhanāya namaḥ — Verehrung dessen, der einen Leichnam als Fahrzeug hat. Der Druck klammert diese Fortsetzung und die folgenden Formeln bis vor Kuberas Fahrzeugangabe ein:
- vaṃ varuṇāya yādasāṃpataye śuklavarṇāya pāśahastāya makaravāhanāya namaḥ: Verehrung Varuṇas, des weißen Herrn der Wasserwesen, der die Schlinge hält und einen Makara reitet.
- yaṃ vāyave prāṇādhipataye dhūmravarṇāya aṅkuśahastāya mṛgavāhanāya namaḥ: Verehrung Vāyus, des rauchfarbenen Herrn der Lebenshauche, mit Treibstachel und Gazelle als Reittier.
- saṃ kuberāya yakṣādhipataye mauktikavarṇāya gadāhastāya naravāhanāya namaḥ: Verehrung Kuberas, des perlenfarbenen Herrn der Yakṣas, mit Keule und einem Menschen als Träger. Die Prosa nennt hier einen Menschen, während die vorherige Versbeschreibung ein Pferd nennt.
- hauṃ īśānāyatha vidyādhipataye sphaṭikavarṇāya śūlahastāya vṛṣabhavāhanāya namaḥ: Verehrung Īśānas, des kristallfarbenen Herrn des Wissens, mit Spieß und Stier als Reittier. Das zusätzliche tha in īśānāyatha steht so im Druck; es wird nicht als gesicherter Bestandteil einer bereinigten Mantraform behauptet.
Zwischen Indra und Īśāna verehrt man āṃ brahmaṇe lokādhipataye raktavarṇāya padmahastāya haṃsavāhanāya namaḥ: Brahmā, den roten Herrn der Welten, mit Lotus und Haṃsa als Reittier. Zwischen Nirṛti und Varuṇa folgt hrīṃ anantāya nāgādhipataye gauravarṇāya cakrahastāya garuḍavāhanāya namaḥ: Ananta, der helle Herr der Nāgas, mit Diskus und Garuḍa als Reittier. Im zweiten Gang verehrt man bei den zugehörigen Welthütern ihre Waffen: vajrāya namaḥ, śaktaye namaḥ, daṇḍāya namaḥ, khaḍgāya namaḥ, pāśāya namaḥ, aṅkuśāya namaḥ, gadāyai namaḥ, triśūlāya namaḥ, padmāya namaḥ, cakrāya namaḥ — Donnerkeil, Speer, Stab, Schwert, Schlinge, Treibstachel, Keule, Dreizack, Lotus und Diskus. Die wiederholten Formelenden sind im Druck abgekürzt. Wer diese ausführliche Welthüterverehrung nicht ausführen kann, darf die zuvor beschriebene Form verwenden. So verehrt man die Gottheit mit den sechs Umkreisen. Nach dem Grundmantra spricht man sāṅgāya saparivārāya śrīsadāśivāya namaḥ — „Verehrung Śrī Sadāśivas mit seinen Gliedern und seinem Gefolge“ — und verehrt ihn in der Mitte mit einer Handvoll Blumen. Räucherwerk, Licht und die übrigen Teile der Pūjā werden nach der zuvor beschriebenen Ordnung abgeschlossen. 30.NSH.64: Mein Kind, wer die Regeln einhält und die Sinne beherrscht, soll 600.000 Wiederholungen vollziehen. Dazu soll er sechsmal tausend Opfer mit reinem, in Ghee getränktem Sesam darbringen. 30.NSH.65: Herr der Scharen, stattdessen können Milchreis oder Opferhölzer milchsaftführender Bäume verwendet werden. Mit reinem, durch Kampfer duftend gemachtem Wasser soll er ebenso viele Darbringungen zur Sättigung vollziehen. 30.NSH.66: Bester der Scharen, mit dem Grundmantra soll er sich selbst besprengen, in einem Zehntel der Zahl dieser Wasserdarbringungen. Mit wiederum einem Zehntel davon soll er die Speisung ausführen. 30.NSH.67: Unermüdlich soll er tugendhafte, Śiva ergebene Brahmanen speisen. So soll er das fünfgliedrige Puraścaraṇa ordnungsgemäß vollziehen. Unnummerierte Fortsetzung: Ist der Mantra auf diese Weise zur Vollendung gebracht, gewährt er alle Wünsche. Die Prosa erläutert, dass die 600.000 Wiederholungen für das Kṛta-Zeitalter gelten; im Kali-Zeitalter sei die vierfache Zahl zu vollziehen. Aus den hier ausdrücklich genannten 6.000 Wasserdarbringungen folgen 600 Besprengungen und 60 Speisungen; die sonst übliche Zehntelrechnung wird nicht an die Stelle des Wortlauts gesetzt.
Aus dem Liṅgapurāṇa: Anwendung des Śiva-Mantras
30.LIN.1: Ich werde die Anwendung erklären, den Zweck des zur Wirksamkeit gebrachten Mantras. Wer seine Anwendung nicht kennt, bei dem verliert der Mantra an Kraft. 30.LIN.2: Für welche besondere Aufgabe und auf welche Weise er eingesetzt werden soll, das ist als seine Anwendung zu verstehen. Ihre Früchte betreffen dieses und das jenseitige Leben. 30.LIN.3: Aus der Anwendung entstehen langes Leben, Gesundheit und deren Beständigkeit, königliche Herrschaft, besondere Erkenntnis, Himmel und schließlich Nirvāṇa. 30.LIN.4: Besprengung, Übergießung, das Abstreifen des Übels und das Bad soll man zu den beiden Tagesübergängen jeweils mit elf Wiederholungen vollziehen. 30.LIN.5: Rein soll man einen Berg besteigen und dort unermüdlich 100.000 Wiederholungen vollziehen; an einem großen Fluss 200.000. Dadurch soll langes Leben erlangt werden. 30.LIN.6: 10.000 Feueropfer mit Dūrvā-Sprossen, Sesam oder anderen reinen Stoffen gelten als lebensverlängernd. 30.LIN.7: Der Einsichtige soll bei einem Aśvattha-Baum 200.000 Wiederholungen ausführen. Wer ihn am Saturntag berührt, soll langes Leben erlangen. 30.LIN.8: 108 Wiederholungen sollen vor vorzeitigem Tod schützen. Der Sonne zugewandt soll man mit ungeteilter Aufmerksamkeit 100.000 Wiederholungen vollziehen. 30.LIN.9: Zur Befreiung von Krankheit soll man täglich aṣṭaśata Opfer mit Arka darbringen. Zur Beruhigung sämtlicher Krankheiten soll man Palāśa-Opferhölzer verwenden. 30.LIN.10: Nach 10.000 solchen Opfern soll der Mensch frei von Krankheit werden. An Fest- beziehungsweise Übergangstagen soll er 100.000 Wiederholungen und aṣṭaśata Opfer vollziehen. 30.LIN.11: Wer täglich vor die Sonne tritt und sie verehrt, soll Gesundheit erlangen. Man berührt einen schönen, vollständig mit Flusswasser gefüllten Krug. 30.LIN.12: Nach 10.000 Wiederholungen soll man mit diesem Wasser baden; dies gilt im Text als Heilmittel gegen Krankheiten. Täglich soll der Reine Speise essen, über der 28 Wiederholungen gesprochen wurden. 30.LIN.13: Durch Opfer mit Tāla- und Palāśa-Holz soll man Gesundheit erlangen. Täglich soll man nach aṣṭaśata Wiederholungen in Gegenwart der Sonne Wasser trinken. Anmerkung zur Zahl: In Vers 8 steht eindeutig aṣṭottaraśata, 108. Die kürzere Form aṣṭaśata in 9, 10 und 13 kann in Ritualzählungen für 108 stehen, bezeichnet ihrer Wortbildung nach jedoch auch 800; ohne weitere Begründung wird hier keine eindeutige Zahl eingesetzt. Die Heil- und Lebensverlängerungsversprechen geben die historische Quelle wieder. Die Fußnoten nennen die Varianten dhūmraiḥ, nava ohne Handschriftensigle, saṃjapet, sudhāḥ und vā; ihre Zuordnung ist im kleinen Druck nicht überall sicher.
Fortsetzung des Liṅgapurāṇa-Zitats: Anwendungen und innere Erkenntnis
30.LIN.14: Innerhalb eines Monats soll man dadurch von sämtlichen Erkrankungen des Bauches frei werden. Man soll Speise essen, über der elf Wiederholungen gesprochen wurden. 30.LIN.15: Essbares, gekochte Speise und Getränke, ja selbst Gift sollen dadurch zu Nektar werden. Vor einer Mond- oder Sonnenfinsternis soll man nach der Vorschrift fasten und sich rein halten. 30.LIN.16: Bis zum Ende der Finsternis soll man gesammelt an einem ins Meer mündenden Fluss den Mantra wiederholen. Wenn die Finsternis vorüber ist, 30.LIN.17: soll der Zweimalgeborene nach 1.008 Wiederholungen Brāhmī-Saft trinken. Dadurch soll er eine glückbringende geistige Aufnahmefähigkeit erlangen, die alles Gehörte bewahrt und ihm in diesem Leben zugutekommt. 30.LIN.18: Seine Rede soll göttlich, von Sarasvatī erfüllt und übermenschlich werden. Bei Bedrängnis durch Planeten oder Mondhäuser soll ein Mensch hingebungsvoll 10.000 Wiederholungen vollziehen. 30.LIN.19: Im Druck eingeklammert: Nach 8.000 Feueropfern soll die Bedrängnis durch Planeten schwinden. Wer einen bösen Traum gesehen hat, soll baden und 10.000 Wiederholungen vollziehen. 30.LIN.20: Nach aṣṭaśata Opfern mit Ghee soll sogleich Beruhigung eintreten. Bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis soll man das Liṅga vorschriftsmäßig verehren. 30.LIN.21: Was immer jemand begehrt, Göttin: Er soll in der Gegenwart dieses Gottes rein und mit beherrschtem Geist ehrfürchtig 10.000 Wiederholungen vollziehen. 30.LIN.22: Der Mensch erlangt dann alle Wünsche; daran besteht nach dem Text kein Zweifel. Wenn bei Elefanten, Pferden oder Rindern 30.LIN.23: Krankheiten auftreten, soll er sich reinigen und Opferhölzer im Feuer darbringen. Einen Monat lang soll er mit Hingabe die vorgeschriebene Verehrung und die Zahl von 10.000 ausführen. Ob die letzte Zahl nur den Opfergaben oder auch der begleitenden Wiederholung gilt, wird hier nicht eigens entfaltet. 30.LIN.24: Für diese Tiere sollen dann Gedeihen und Befriedung eintreten. Bei unheilvollen Erscheinungen und feindlicher Bedrängnis soll der Reine 10.000 Opfer vollziehen. 30.LIN.25: Mit Palāśa-Opferhölzern, Göttin, soll ihm dadurch Beruhigung zuteilwerden. Bei Verdacht auf Schadenzauber soll er ebenso verfahren. 30.LIN.26: Dieser soll zum Feind zurücklaufen und den Feind bedrängen. Zur Erzeugung von Zwietracht nennt der Text acht Opferhölzer des Vibhīta-Baumes. 30.LIN.27: Nun werde ich die Sühne zur Reinigung von allem Unrecht erklären: wie ein Mensch, der sich ernsthaft darum bemüht, die Reinigung von Verfehlungen vollziehen soll. 30.LIN.28: Wird der Mensch nicht von seinem Unrecht gereinigt, bleiben seine Handlungen ohne Frucht. Auch seine Erkenntnis nimmt ab; deshalb ist die Reinigung von Verfehlungen zu vollziehen. 30.LIN.29: Glückverheißende, zur Läuterung von Wissen und Wohlstand soll er über mich meditieren und sich mit Wasser aus den zusammengelegten Händen ringsum übergießen, begleitet von elf Wiederholungen des Śiva-Mantras. 30.LIN.30: Zur Reinigung von Verfehlungen soll er mit 108 Wiederholungen baden. Dies gilt als glückbringend, alles Unrecht tilgend und als Frucht sämtlicher Pilgerstätten. 30.LIN.31: Bei einer Unterbrechung der Verehrung zu den Tagesübergängen soll der Kundige 1.000 Wiederholungen vollziehen. Speise, die von Kot fressenden Schweinen, Caṇḍālas, Katzen oder Hunden 30.LIN.32: berührt wurde, soll er nicht essen; hat er sie gegessen, soll er aṣṭaśata Wiederholungen vollziehen. Zur Reinigung von Brahmanentötung und ähnlichem nennt der Text lakṣāyutam Wiederholungen. Diese zusammengezogene Zahlenangabe wird hier wegen ihrer unsicheren Auflösung beibehalten. 30.LIN.33: Für schwere Verfehlungen gilt die Hälfte davon; darüber soll kein Zweifel bestehen. Für Menschen, die sich geringerer Verfehlungen schuldig gemacht haben, wird wiederum die Hälfte angegeben. 30.LIN.34: Für die übrigen Verfehlungen soll man 5.000 Wiederholungen ausführen. Dieses Geheimnis bewirkt die Erkenntnis des Selbst und führt zur Verwirklichung der Gestalt Śivas. 30.LIN.35: Wer den Atem beherrscht, soll den Mantra ungestört 500.000-mal wiederholen. Der einsichtige Mensch erlangt dadurch, Glückverheißende, die Beherrschung der fünf Lebenshauche. 30.LIN.36: Wer rein und mit gezügelten Sinnen 500.000 Wiederholungen vollzieht, der soll, Schöngesichtige, die fünf Sinne beherrschen. 30.LIN.37: Wer in Meditation den Mantra wiederholt und seinen Geist sorgfältig zügelt, erlangt die vollständige Beherrschung seiner Wahrnehmungs- und Handlungskräfte, Schöngesichtige. 30.LIN.38: Durch 2.500.000 Wiederholungen, Lotusgesichtige, erlangt der Mensch die Beherrschung der fünfundzwanzig Wirklichkeitsprinzipien. 30.LIN.39: Nach Mitternacht soll er ehrfürchtig 10.000 Wiederholungen vollziehen. Hierdurch erlangt er noch in diesem Leben die Verwirklichung des Brahman, Schöne. 30.LIN.40: An einem windstillen, geräuschlosen Ort soll er ohne Trägheit 100.000 Wiederholungen vollziehen. Um Mitternacht schaut er dann, so versichert der Text, den Lichtglanz Śivas. 30.LIN.41: Im Druck eingeklammert: Finsternis schwindet; ein Leuchten wie das einer Lampe wird im Inneren des Herzens offenbar — daran besteht nach dem Text kein Zweifel. Textanmerkungen: Die Fußnoten überliefern ekādaśaśataṃ japyāt als abweichende Wiederholungsangabe sowie jitaḥ und sutam. Für aṣṭaśata gilt die auf Seite 574 erläuterte Zahlenunsicherheit. Die Rangordnung von Menschen in den Speiseregeln ist Bestandteil der historischen Kastenvorstellung; sie wird hier nicht als gegenwärtige Wertung übernommen. Ebenso sind die Heil-, Gift- und Wirkversprechen Aussagen der Quelle.
30.LIN.42: Zur Mehrung aller Güter soll der Selbstbeherrschte 10.000 Wiederholungen vollziehen. Der Einsichtige soll den von seinem Bīja umschlossenen Mantra zehn Millionen Mal wiederholen. Unnummerierte Fortsetzung: Der hingebungsvolle Mensch erlangt dadurch die höchste Vereinigung mit mir. Die zweite Vershälfte ist im Druck durch eine Punktreihe als Lücke angezeigt.
Weiteres Liṅgapurāṇa-Zitat: Seher, Metren und Laute
30.LAZ.1: Ich werde für diesen Mantra den Seher, das Versmaß und die leitende Gottheit erklären sowie für jeden einzelnen Laut Keimsilbe, Kraft, Akzent, Farbe und Ort. 30.LAZ.2: Der Seher heißt Vāmadeva; als Versmaß wird Paṅkti genannt. Die Gottheit dieses Mantras bin ich selbst, Śiva, Schöngesichtige. 30.LAZ.3: Die fünf Laute, die mit na beginnen, haben die fünf Elemente zu ihrem Wesen. Den Praṇava erkenne als das allgegenwärtige, unvergängliche Selbst. 30.LAZ.4: Du selbst bist die Kraft, Herrin der Götter, von allen Göttern verehrt. Manche nennen deinen Praṇava, andere entsprechend meinen Praṇava. 30.LAZ.5: Dein Praṇava, Göttin, ist zweifellos die Kraft der Mantras. Der Akzent von Oṃ ist Udātta, sein Seher Brahmā und sein Glanz weiß. 30.LAZ.6: Sein Versmaß ist die göttliche Gāyatrī, seine leitende Gottheit das höchste Selbst. Von den fünf Lauten ist der erste Udātta, ebenso der vierte und der zweite. 30.LAZ.7: Der fünfte trägt Svarita, der mittlere dagegen Niṣāda. Na ist gelb; sein Ort gilt als das östliche Gesicht. Die Bezeichnung Niṣāda steht so im Druck; sie wird nicht stillschweigend zu Anudātta berichtigt. 30.LAZ.8: Bei na ist Indra die leitende Gottheit, Gāyatrī das Versmaß und Gautama der Seher. Ma ist schwarz; sein Ort ist das südliche Gesicht. 30.LAZ.9: Für ma ist Anuṣṭubh das Versmaß, Atri der Seher und Rudra die Gottheit. Śi ist rauchfarben; sein Ort ist das westliche Gesicht. 30.LAZ.10: Für śi ist Viśvāmitra der Seher, Triṣṭubh das Versmaß und Viṣṇu die Gottheit. Va ist goldfarben; sein Ort ist das nördliche Gesicht. 30.LAZ.11: Für va ist Brahmā die leitende Gottheit, Bṛhatī das Versmaß und Aṅgiras der Seher. Ya ist rot; sein Ort ist das nach oben gerichtete Gesicht, sein Versmaß Virāj. Unnummerierte Fortsetzung: Der Seher von ya ist Bharadvāja, die Gottheit Skanda. Danach zeigt der Druck wiederum eine fehlende Vershälfte an. Die Klammer des Drucks reicht im vorhergehenden Abschnitt von der Ortsangabe für na bis zur Farbangabe für ma.
Aus dem Sārasaṃgraha
30.SSG.1: Nachdem man Śiva auf diese Weise verehrt hat, soll man täglich 1.000 Wiederholungen vollziehen. Von allen Verfehlungen befreit, erlangt man am Ende einen guten Daseinsweg. 30.SSG.2: Von allen Verfehlungen befreit erlangt man den ersehnten Wohlstand. Durch 2.000 Wiederholungen soll man von schweren Krankheiten frei werden. 30.SSG.3: Durch 3.000 Wiederholungen soll der Mensch langes Leben erlangen; durch 4.000 die gewünschten Güter. 30.SSG.4: Man soll mit reinem, in Ghee getränktem Sesam opfern. Die durch unheilvolle Ereignisse entstandenen Krankheiten sollen dann bald schwinden; daran soll nach dem Text kein Zweifel bestehen. 30.SSG.5: Wer zehn Millionen Wiederholungen vollzieht, ist Śiva — daran besteht nach dem Text kein Zweifel. Als Seher der fünf mit na beginnenden Laute gelten der Reihe nach: 30.SSG.6: Gautama, als zweiter Atri, Viśvāmitra, Aṅgiras und Bharadvāja. Gāyatrī, Anuṣṭubh und Triṣṭubh, 30.SSG.7: Bṛhatī sowie Virāj gelten als ihre Versmaße. Indra, Rudra, Hari, Brahmā und Skanda werden als ihre Gottheiten genannt. 30.SSG.8: Der ihnen vorangehende Laut ist wie zuvor beschrieben. Im Druck eingeklammert folgt: Der erste ist gelb, der zweite schwarz; die übrigen sind als rauchfarben, gelb und rötlich zu erkennen. So werden die fünf Laute verstanden. Prosa, zunächst noch innerhalb der Druckklammer: „Der ihnen vorangehende“ bedeutet den Praṇava, der den mit na beginnenden Lauten vorangestellt ist. „Wie zuvor“ bedeutet: Er weist auf das höchste Brahman hin; auch die zuvor angegebenen Seher und übrigen Zuordnungen gelten. Ferner heißt es: 30.SSG.9: Die erste Vershälfte fehlt im Druck. Als Seher wird Brahmā bestimmt, als Versmaß Gāyatrī. 30.SSG.10: Dieses Versmaß hat den Zusatz Devī; als Gottheit gilt das höchste Selbst. Seine Farbe wird als Licht bezeichnet, und er wird zum Zweck der Befreiung angewendet. Der Wortanschluss devyādikam wird hier auf die vorangehende Versmaßangabe bezogen; die gedrängte Satzfügung bleibt erkennbar. Die Druckfußnoten nennen śuciḥ statt sudhīḥ, prathamaś ca als Akzentvariante und hema als Variante in der späteren Farbreihe. Sichtbare Textlücken werden nicht ergänzt.
Damit endet die Darstellung des fünfsilbigen und der verwandten Mantras.
Weitere Umāpati-Mantras nach der Lehre Nandikeśvaras
30.UMA.1: Höre, Nandin, ich werde einen weiteren Mantra Umāpatis erklären. Man schreibt den letzten Laut der achten Gruppe über den zweiten Laut der siebten Gruppe. 30.UMA.2: Man verbindet ihn mit dem vierten und dem vorletzten Laut der ersten Gruppe. Dies ist das Māyā-Bīja, mein Kind, das in den drei Welten schwer zu erlangen ist. 30.UMA.3: Stellt man es an Anfang und Ende des fünfsilbigen Mantras, wird dieser siebensilbig; aus dem sechssilbigen wird entsprechend ein achtsilbiger. So entstehen zwei Mantras. Die Prosa entschlüsselt: Der letzte Laut der achten Gruppe ist ha; er steht über ra, dem zweiten Laut der siebten Gruppe. Der vierte Laut der ersten Gruppe ist ī, ihr vorletzter der Bindu. Zusammen ergeben sie hrīṃ. Gemeint sind daher die beiden Fassungen hrīṃ namaḥ śivāya hrīṃ und hrīṃ oṃ namaḥ śivāya hrīṃ; diese ausgeschriebenen Fassungen ergeben sich aus der Anleitung, während der Druck hier die Lautbildung erklärt. 30.UMA.4: Als Seher wird Vāmadeva genannt, als Versmaß Paṅkti. Die Gottheit beider Mantras ist Umāpati, der Herr der Welt. 30.UMA.5: Bester der Scharen, man bildet die sechs Glieder der Reihe nach aus den Mantralauten, denen der Praṇava und das mit den sechs langen Vokalen verbundene Māyā-Bīja vorangestellt sind, und versieht sie mit den jeweiligen Schlussformeln. 30.UMA.6: Man meditiert über ihn rot wie eine Bandhūka-Blüte, mit der Mondsichel als Hauptschmuck. In der oberen rechten Hand hält er einen Spieß; die darunterliegende zeigt die Gabegewährungsgeste. 30.UMA.7: In der oberen linken Hand hält er eine Schädelschale, während die untere die Furchtlosigkeitsgeste zeigt. Herr der Scharen, auf seinem linken Oberschenkel sitzt die Göttin, 30.UMA.8: die einen roten Lotus in der Hand hält. Mit dem linken Arm umfängt er sie; sein von sämtlichen Schmuckstücken erstrahlender Leib ist mit Freude an der Göttin erfüllt. 30.UMA.9: Sein Gesicht lächelt, er hat drei Augen und trägt allen Schmuck. Nachdem man so meditiert hat, verehrt man den Gott auf dem zuvor beschriebenen Śiva-Sitz. Die Handhaltungen und die zusätzliche Umarmung werden als Angaben der Vorlage bewahrt, ohne daraus eine neue Armzahl abzuleiten. 30.UMA.10: Man zeichnet einen fünfblättrigen Lotus, darum einen achtblättrigen, außen noch einen achtblättrigen Lotus und um alles drei Quadratlinien. 30.UMA.11: Sie bilden zwei Gänge und sind mit vier Toren versehen. Auf diesem Sitz verehrt man die Gottheit, nachdem man ihre Gestalt mit dem Grundmantra vorgestellt hat. 30.UMA.12: Nach der Verehrung mit allen Darbringungen verehrt man zuerst die sechs Glieder. Hṛllekhā, Gaganā, Raktā, Mahocchuṣmā und Karālikā 30.UMA.13: verehrt man auf den fünf Blättern. Auf dem äußeren achtblättrigen Lotus folgen Vṛṣabha, Netrapātra und Caṇḍeśvara, 30.UMA.14: Durgā, der Sechsgesichtige, danach Nandin, Vighnanāyaka und Senāpati. Auf den Blättern des nächsten äußeren Lotus verehrt man die folgenden Mütter: 30.UMA.15: Zuerst Brāhmī, dann Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī und Vārāhī, 30.UMA.16: als sechste Aindrī, danach Cāmuṇḍā und Mahālakṣmī. In den beiden Gängen zwischen den Quadratlinien verehrt man die Welthüter und ihre Waffen. 30.UMA.17: Nachdem man den Herrn der Götter so verehrt hat, vollzieht man unter Einhaltung der Regeln und mit beherrschten Sinnen 350.000 Wiederholungen. 6.000 Opfer soll man mit vorzüglichen Opferhölzern 30.UMA.18: des Āragvadha-Baumes oder mit dessen Blüten darbringen, getränkt mit den drei süßen Stoffen. Danach folgen Wasserdarbringungen und die weiteren Handlungen 30.UMA.19: nach der zuvor beschriebenen Vorschrift. Dadurch wird der Mantra wirksam: Er vermehrt Glück, Wohlstand, Lebensdauer sowie Söhne, Enkel und weitere Nachkommen. Unnummerierter Schluss: Am Ende des Leibes gewährt er, Bester der Scharen, die Vereinigung mit Śiva. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Anwendung in Prosa: Die morgendlichen Handlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes werden wie zuvor ausgeführt. Auf das Haupt setzt man vāmadevāya ṛṣaye namaḥ, Verehrung dem Seher Vāmadeva; auf den Mund paṅkticchandase namaḥ, Verehrung dem Versmaß Paṅkti; auf das Herz śrīumāpataye devatāyai namaḥ, Verehrung der Gottheit Śrī Umāpati. Mit zusammengelegten Händen spricht man mama sarvābhīṣṭasiddhaye viniyogaḥ — „Die Anwendung dient der Erfüllung aller meiner Anliegen.“ Die sechs Gliederformeln lauten im Druck:
- oṃ hrāṃ oṃ hṛdayāya namaḥ — dem Herzen.
- oṃ hrīṃ naṃ śirase … — dem Haupt.
- oṃ hrūṃ maṃ śikhāyai … — der Scheitelhaarlocke.
- oṃ hraiṃ śiṃ kavacāya … — dem Schutzpanzer.
- oṃ hrauṃ vāṃ netratrayāya … — den drei Augen.
- oṃ hraḥ yaṃ astrāya … — der Schutzwaffe.
Die verkürzten Schlussformeln werden hier nicht als vollständig ausgeschriebene Vorlage ausgegeben. Diese Mantras setzt man an die Hände, von den Daumen bis zu den Handflächen. Der eingeklammerte Text ergänzt: ebenso an die sechs Körperglieder vom Herzen an; nach Meditation und geistiger Verehrung zeichnet man das vorgeschriebene Verehrungsdiagramm, bringt Arghya bis Blumen dar und verehrt die Glieder der Gottheit wie zuvor. Auf den fünf Blättern, von vorn im Uhrzeigersinn, verehrt man mit oṃ hṛllekhāyai namaḥ, oṃ gaganāyai namaḥ, oṃ raktāyai namaḥ, oṃ mahocchuṣmāyai namaḥ, oṃ karālikāyai namaḥ die fünf genannten Kräfte. Auf dem achtblättrigen Lotus setzt sich die Verehrung von der Vorderseite der Gottheit aus fort.
Fortsetzung der Prosa auf Druckseite 578: Auf den acht Blättern verehrt man im Uhrzeigersinn vṛṣabhāya namaḥ, kṣetrapālāya namaḥ, caṇḍeśvarāya namaḥ, durgāyai namaḥ, ṣaṇmukhāya namaḥ, nandine namaḥ, vighnanāyakāya namaḥ, senāpataye namaḥ — den Stier, Kṣetrapāla, Caṇḍeśvara, Durgā, den Sechsgesichtigen, Nandin, Vighnanāyaka und Senāpati. Der Name an zweiter Stelle lautet hier eindeutig Kṣetrapāla; der Vers auf der vorherigen Seite hat die abweichende Lesung Netrapātra. Auf den äußeren Blättern, ebenfalls von vorn im Uhrzeigersinn, folgen āṃ brāhmyai namaḥ, īṃ māheśvaryyai namaḥ, ūṃ kaumāryyai namaḥ, ṝṃ vaiṣṇavyai namaḥ, ḹṃ vārāhyai namaḥ, aiṃ indrāṇyai namaḥ, auṃ cāmuṇḍāyai namaḥ, aḥ mahālakṣmyai namaḥ. Verehrt werden Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī, Vārāhī, Indrāṇī, Cāmuṇḍā und Mahālakṣmī. Die Formelenden sind im Druck überwiegend abgekürzt. Danach schließt man mit der Welthüterverehrung und den weiteren bereits beschriebenen Handlungen ab.
Der Prāsāda-Mantra
30.PRA.1: Höre, Nandin, ich werde den großen Mantra namens Prāsāda erklären. Durch bloßes Erinnern an ihn soll der Mensch unmittelbar Śiva werden. 30.PRA.2: Der letzte Laut der achten Gruppe, verbunden mit dem dem letzten Laut der ersten Gruppe vorausgehenden Zeichen und dem zuvor genannten Vokal, bildet den großen Mantra. 30.PRA.3: Die Weisen verwenden ihn zur Verwirklichung von Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung. Weil er rasch Gnade beziehungsweise Klarheit hervorbringt, trägt er den Namen Prāsāda. Die Prosa erklärt die chiffrierte Bildung: Der letzte Laut der achten Gruppe ist ha, das genannte Zeichen der Anusvāra und der Vokal o. Damit ist das Prāsāda-Bīja hoṃ gewonnen. Der Druck nennt hier ausdrücklich o, nicht au. 30.PRA.4: Mein Kind, Vāmadeva ist der Seher; als Versmaß gilt Paṅkti. Sadāśiva wird als die Gottheit dieses Mantras genannt. 30.PRA.5: Ha heißt sein Bīja, o seine Kraft. Mit dem in sechs Ausprägungen gebildeten Bīja soll man die sechs Glieder einsetzen. Das entsprechende Ausdruckswort ṣaṭkalācena ist im Druck unsicher; die Sechseranordnung bleibt als solche erhalten. 30.PRA.6: Man verbindet den letzten Laut der achten Gruppe mit dem ersten, dritten, fünften, elften und dreizehnten Vokal der ersten Gruppe, jeweils mit deren vorletztem Zeichen. Unnummerierte Fortsetzung: Mit diesen fünf Bījas in umgekehrter Reihenfolge setzt man Īśāna und die übrigen Gestalten ein. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Die Prosa löst die Zifferwörter auf: Der erste Vokal ist a, der dritte i, „Pfeil“ bezeichnet den fünften, u, „Rudra“ den elften, e, und „nach Āditya“ den dreizehnten, o. Der Konsonant ist ha, das vorletzte Zeichen der Bindu. Die Reihe lautet daher haṃ hiṃ huṃ heṃ hoṃ und rückwärts hoṃ heṃ huṃ hiṃ haṃ. 30.PRA.7: Die erste Gestalt ist Īśāna, dann folgt Tatpuruṣa, danach Aghora und Vāmadeva; die fünfte ist Sadyojāta. 30.PRA.8: Man setzt sie auf die Finger vom Daumen an, auf Scheitel, Gesicht, Herz, Schambereich und Füße; dann erneut auf die fünf Gesichter. Unnummerierte Fortsetzung: Bester der Scharen, man beginnt mit dem nach oben gerichteten Gesicht. Danach betrachtet man die Gottheit in Meditation. Auch hier ist die zweite Vershälfte im Druck als Lücke angezeigt.
Zitat aus dem Śāradātilaka, im Druck als 18.56 bezeichnet
30.STI.1: Mit den jeweiligen Fingern soll man, beim Scheitel beginnend, die entsprechenden, mit ihren Bījas versehenen Gestalten der Reihe nach auf Haupt, Gesicht, Herz, Schambereich und Füße setzen. Unnummerierte Fortsetzung: Auf die nach oben, Osten, Süden, Norden und Westen gerichteten Gesichter setzt man sie. Die Prosa erläutert, dass „sie“ die genannten Gestalten bezeichnet.
Meditation und Umkreise des Prāsāda-Mantras
30.PRA.9: Mein Kind, man betrachtet ihn mit fünf Gesichtern, deren Farben Perle, Blitz, Wolke, durchsichtiger Klarheit und Morgenröte gleichen; jedes Gesicht hat drei Augen. 30.PRA.10: Er trägt eine Krone aus Haarflechten, in der der Mond als Schmuck erstrahlt. Sein Leib gleicht reinem Kristall, und er sitzt auf einem Lotus. 30.PRA.11: Sein Lotusgesicht ist freundlich. In den rechten Lotushänden hält er Dreizack, Beil, Donnerkeil, Schwert und Feuer. 30.PRA.12: In den linken Händen hält er Schlange, Glocke, Treibstachel und Schlinge; die weitere Hand zeigt Furchtlosigkeit. So meditiert man über Sadāśiva, der mit vielfältigem Schmuck erstrahlt. 30.PRA.13: Nach dieser Meditation, Bester der Scharen, zeichnet man auf dem zuvor beschriebenen Yoga-Sitz das Verehrungsmaṇḍala wie beim fünfsilbigen Mantra und entsprechend dessen Mantraordnung. 30.PRA.14: Mit dem Grundmantra stellt man sich die Gestalt vor, ruft die Gottheit in sie und verehrt sie. Nach den Darbringungen verehrt man die Gottheiten der Umkreise. 30.PRA.15: Auf dem ersten achtblättrigen Lotus verehrt man die fünf Gestalten, beginnend mit Sadyojāta. Seine Hände tragen Veda und Gebetskette beziehungsweise zeigen Furchtlosigkeit und Gabegewährung; er gleicht der weißen Kunda-Blüte und dem Mond. 30.PRA.16: Sadyojāta verehrt man im Westen, mit vier Gesichtern und drei Augen. Der glückverheißende Vāmadeva ist safranfarben; seine Hände zeigen Furchtlosigkeit und Gabegewährung und tragen Beil und Gebetskette. 30.PRA.17: Er hat drei Augen und vier Gesichter, erscheint anmutig und steht im Norden. Dort wird Vāmadeva verehrt; Aghora verehrt man im Süden.
30.PRA.18: Aghora trägt in seinen Händen der Reihe nach Gebetskette, Veda und Schlinge, Treibstachel und Trommel, Schädelstab, Dreizack und Schädelschale. 30.PRA.19: Er gleicht schwarzer Augensalbe, hat furchtbare Hauer, drei Augen und vier Gesichter. Der folgende, im Druck eingeklammerte Abschnitt beginnt: Im Osten verehrt man Tatpuruṣa, der wie ein strahlender Blitz leuchtet. 30.PRA.20: Seine Hände tragen beziehungsweise zeigen der Reihe nach Wissen, Gabegewährung, Furchtlosigkeit und Beil. Er hat vier Gesichter und drei Augen; eine Schlange dient ihm als heilige Schnur. Hier schließt die Druckklammer. 30.PRA.21: Herr der Scharen, in der Mitte verehrt man Īśāna mit fünf Gesichtern, perlenhell und dreiäugig. Mit seinen zehn Armen 30.PRA.22: trägt er Gebetskette, Veda, Schlinge, Treibstachel, Trommel, Schädelstab, Dreizack und Schädelschale; 30.PRA.23: die beiden übrigen Hände zeigen Furchtlosigkeit und Gabegewährung. Auf den Eckblättern verehrt man die lichtgestaltigen Kräfte von Nivṛtti an; die letzte von ihnen in der Mitte. 30.PRA.24: Nandikeśvara, die sechs Glieder werden wie zuvor verehrt. Auf den beiden achtblättrigen Lotuskränzen verehrt man die mit Ananta beziehungsweise Umā beginnenden Gruppen. 30.PRA.25: Wie zuvor verehrt man auch die Welthüter und ihre Waffen. Wer als Übender Śambhu so mit stetigem Geist verehrt, Unnummerierte Fortsetzung: genießt sämtliche Freuden und gelangt am Ende des Leibes zum Śiva-Sein. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Ausgeführte Anwendung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes führt man mit dem Grundmantra drei Atemregelungen aus. Es folgen auf dem Haupt vāmadevāya ṛṣaye namaḥ, auf dem Mund paṅkticchandase namaḥ, auf dem Herzen śrīsadāśivāya devatāyai namaḥ, im Schambereich haṃ bījāya namaḥ und auf den Füßen oṃ śaktaye namaḥ — Verehrung dem Seher Vāmadeva, dem Versmaß Paṅkti, der Gottheit Śrī Sadāśiva, dem Bīja haṃ und der Kraft oṃ. Mit zusammengelegten Händen erklärt man: mama sarvābhīṣṭasiddhaye viniyogaḥ, „Die Anwendung dient der Erfüllung aller meiner Anliegen.“ Die sechs Gliederformeln sind:
- hāṃ hṛdayāya namaḥ — dem Herzen Verehrung.
- hīṃ śirase svāhā — dem Haupt svāhā.
- hūṃ śikhāyai vaṣaṭ — der Scheitelhaarlocke vaṣaṭ.
- haiṃ kavacāya huṃ — dem Schutzpanzer huṃ.
- hauṃ netratrayāya vauṣaṭ — den drei Augen vauṣaṭ.
- haḥ astrāya phaṭ — der Schutzwaffe phaṭ.
Man setzt sie an die Hände von den Daumen bis zu den Handflächen und an die Körperstellen vom Herzen bis zu den drei Augen. Mit der Waffenformel klatscht man dreimal und verschließt mit dem Schnalzen von Zeigefinger und Daumen die zehn Richtungen. Auf die Daumen legt man hoṃ īśānāya namaḥ, auf die Zeigefinger heṃ tatpuruṣāya namaḥ, auf die Mittelfinger huṃ aghorāya namaḥ, auf die Ringfinger hiṃ vāmadevāya namaḥ und auf die kleinen Finger haṃ sadyojātāya namaḥ. In derselben Reihenfolge werden diese fünf Gestalten auf Haupt, Gesicht, Herz, Schambereich und Füße gesetzt. Dann folgen auf dem Haupt hoṃ īśānāyordhvavaktrāya namaḥ, auf dem Gesicht heṃ tatpuruṣāya pūrvavaktrāya namaḥ, am rechten Ohr huṃ aghorāya dakṣiṇavaktrāya namaḥ, am linken Ohr hiṃ vāmadevāyottaravaktrāya namaḥ und unter der Haarlocke haṃ sadyojātāya paścimavaktrāya namaḥ — die nach oben, Osten, Süden, Norden und Westen gerichteten Gesichter. Jede Gestalt wird mit dem ihr zugehörigen einzelnen Finger, beginnend beim Daumen, eingesetzt. Nach Meditation und geistiger Verehrung zeichnet man das beim fünfsilbigen Mantra beschriebene Yantra. Nach dem Aufstellen des Arghya und den weiteren Darbringungen bis zu den Blumen verehrt man auf dem ersten achtblättrigen Lotus: hinten haṃ sadyojātāya namaḥ, links hiṃ vāmadevāya namaḥ, rechts huṃ aghorāya namaḥ, vorn heṃ tatpuruṣāya namaḥ und im Lotusinneren vor der Gottheit hoṃ īśānāya namaḥ. Die abgekürzten Formelenden sind hier ausgeschrieben. Auf den vom Südosten beginnenden Blättern und in der Mitte verehrt man die Kräfte von Nivṛtti an, dann die sechs Glieder. Von Ananta an wird alles wie beim fünfsilbigen Mantra vollzogen und abgeschlossen. 30.PRA.26: Von Opferspeise lebend und mit beherrschten Sinnen soll man den Mantra 300.000-mal, zuzüglich 75.000 Wiederholungen, rezitieren. Mit Karavīra-Blüten, 30.PRA.27: Japā-Blüten oder Lotusblumen, getränkt mit den drei süßen Stoffen, vollzieht man Feueropfer in einem Zehntel dieser Zahl; ebenso mit Milchreis und Ghee oder mit vorzüglichen Opferhölzern des Rājavṛkṣa. Unnummerierte Fortsetzung: Auch dessen Blüten können geopfert werden; anschließend vollzieht man Wasserdarbringungen und die übrigen Handlungen. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Die Prosa bezieht die genannte Wiederholungszahl auf das Kṛta-Zeitalter.
Ein weiterer achtsilbiger Mantra
30.AST.1: Nun, Nandin, werde ich einen weiteren erhabenen achtsilbigen Mantra erklären. Der dreizehnte Laut der ersten Gruppe wird mit deren vorletztem Zeichen verbunden. 30.AST.2: Dies bildet seinen ersten Laut; der zweite ist das Māyā-Bīja, der dritte das Prāsāda-Bīja. Unnummerierte Fortsetzung: Darauf folgt der fünfsilbige Mantra; so ergibt sich der achtsilbige Mantra. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Die Prosa erklärt: Das vorletzte Zeichen der ersten Gruppe ist der Anusvāra, ihr dreizehnter Laut o; daraus entsteht oṃ, der erste Laut dieses Mantras.
30.AST.3: Vāmadeva ist der Seher, Paṅkti das Versmaß und Sadāśiva die Gottheit. Mit dem Māyā- und dem Prāsāda-Bīja, jeweils durch die sechs Vokale abgewandelt, 30.AST.4: und den Mantralauten samt ihren Schlussformeln bildet man die sechs Glieder. Dann, mein Kind, meditiert man mit einspitzigem Geist im Herzen über die Gottheit. 30.AST.5: Ihr Leib ist rot wie eine Ansammlung von Zinnober, das Gesicht lächelt, und sie hat drei Augen. Das Haupt schmückt die Mondsichel, die an der Juwelenkrone leuchtet. 30.AST.6: In der oberen rechten Hand hält Śiva ein Beil, die darunterliegende zeigt Gabegewährung. In der oberen linken Hand hält er eine Gazelle; die untere linke Hand legt er liebevoll 30.AST.7: auf die Spitze der vollen, runden, festen und erhabenen Brust seiner auf dem linken Schoß sitzenden Geliebten. Sie hält einen roten Lotus 30.AST.8: in der rechten Hand. Er sitzt auf einem roten Lotus, erstrahlt in vielfältigem Schmuck und trägt göttliche Düfte, Blumengewinde und Gewänder. 30.AST.9: Nach dieser Meditation, Bester der Scharen, ruft man Śiva auf den zuvor beschriebenen Yoga-Sitz und verehrt ihn mit Duft, Blumen, ungebrochenen Reiskörnern und den weiteren Gaben. 30.AST.10: Man zeichnet das beim fünfsilbigen Mantra beschriebene Verehrungs-Yantra und verehrt nach dessen Vorschrift die dort genannten Gestalten und Kalās. 30.AST.11: Danach verehrt man die Glieder, die mit Ananta und Umā beginnenden Gruppen, die Welthüter und ihre Waffen wie zuvor, mein Kind. 30.ASX.11: Zweite Nummer 11 im Druck: Wer Śiva beständig nach dieser Vorschrift verehrt, erlangt Söhne, Enkel, Reichtum, Herrschaft, Genuss und Befreiung. Ausgeführte Anwendung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes setzt man Seher und die übrigen Angaben wie beim fünfsilbigen Mantra ein. Mit hrāṃ hāṃ oṃ hṛdayāya namaḥ, „dem Herzen Verehrung“, hrīṃ hīṃ naṃ śirase …, „dem Haupt“, und den entsprechenden weiteren Formeln vollzieht man Hand- und Sechsglieder-Nyāsa. Die übrigen Formeln werden an dieser Stelle nur durch „und so weiter“ bezeichnet. Dann meditiert man über die beschriebene Gestalt und führt geistige Verehrung und alles Weitere wie beim fünfsilbigen Mantra aus.
Der Dakṣiṇāmūrti-Mantra: chiffrierte Lautbildung
30.DAK.1: Nandikeśvara, Bester der Scharen, ich werde die Vorschrift für den Dakṣiṇāmūrti-Mantra erklären und dabei mit der Gewinnung seiner Laute beginnen. Die nachfolgenden Verse geben Gruppen- und Stellenzahlen des zuvor eingeführten Alphabets an. Die gedrängten Verbindungen werden zunächst als solche übersetzt; ihre vollständige Auflösung folgt in der erläuternden Prosa. Wo im Vers eine Gruppenbezeichnung nicht wiederholt wird, wird sie hier nicht als sicher ergänzt. 30.DAK.2: Zuerst kommt der dritte Laut der fünften Gruppe, verbunden mit dem dritten Laut der ersten. Mein Kind, darauf der erste Laut der zweiten Gruppe, verbunden mit dem zweiten Laut der achten. 30.DAK.3: Dann folgt der letzte Laut der vierten Gruppe, Herr der Scharen, verbunden mit dem zweiten Laut der ersten; anschließend der letzte Laut der sechsten Gruppe, 30.DAK.4: verbunden mit dem sechsten Laut der ersten. Danach der fünfte Laut, auf dem der zweite der siebten Gruppe steht; dann deren erster, 30.DAK.5: verbunden mit dem elften Laut der ersten Gruppe. Danach erneut der fünfte Laut. Der vierte Laut der sechsten Gruppe wird mit dem fünften der ersten 30.DAK.6: und mit dem ersten der siebten Gruppe sowie dem vorletzten Zeichen der ersten verbunden. Darauf folgt der letzte Laut der siebten und anschließend der erste der vierten Gruppe. 30.DAK.7: Der fünfte Laut der sechsten Gruppe wird mit dem sechsten der ersten verbunden. Dann folgt der dritte der siebten Gruppe und danach der letzte der fünften. 30.DAK.8: Dieser ist mit dem dritten Laut der ersten Gruppe verbunden. Darauf kommt der letzte der siebten, verbunden mit dem zweiten Laut der ersten; dann der dritte der achten Gruppe, 30.DAK.9: verbunden mit dem dritten Laut der ersten. Anschließend folgt der fünfte Laut der fünften Gruppe, verbunden mit dem elften der ersten. 30.DAK.10: Der vierte Laut der fünften Gruppe wird mit dem ersten der siebten und dem zweiten der ersten verbunden. Im Druck beginnt hier eine Klammer: Dann folgt der letzte Laut der fünften Gruppe, 30.DAK.11: verbunden mit dem zwölften Laut der ersten. Anschließend der erste Laut der zweiten Gruppe; danach, mein Kind, der letzte Laut der fünften, verbunden mit dem dritten der ersten. 30.DAK.12: Dann der zweite Laut der siebten Gruppe; darauf der erste der fünften, verbunden mit dem zweiten der ersten. Hier schließt die Druckklammer; hinzu tritt deren fünfzehntes Zeichen. 30.DAK.13: Dann der dritte Laut der zweiten Gruppe, verbunden mit dem zweiten der ersten; danach der erste der siebten Gruppe, mein Kind, und schließlich der letzte der fünften. 30.DAK.14: Nandīśa, darauf folgt der letzte Laut der sechsten Gruppe, verbunden mit dem dreizehnten der ersten; danach der zweite Laut der siebten, verbunden mit dem fünften der ersten. 30.DAK.15: Darauf der dritte Laut der fünften Gruppe und der siebte der ersten, verbunden mit dem zweiten Laut; dann der erste der siebten Gruppe. Der Wortlaut um die siebte Position ist im Druck gestört und enthält selbst einen unsicheren Klammerzusatz. 30.DAK.16: Danach der erste Laut der achten Gruppe, verbunden mit dem vorletzten Zeichen der ersten; schließlich der vierte Laut der sechsten Gruppe, verbunden mit dem elften der ersten.
30.DAK.17: Abschließend folgt der vierte Laut der siebten Gruppe. So wird der Mantra als zweiunddreißigsilbig erklärt. Umschlossen von Praṇava und Māyā-Bīja wird er sechsunddreißigsilbig. Unnummerierte Fortsetzung: Dieser Mantrakönig wird als Geber der gewünschten Früchte bezeichnet. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Die ausführliche Prosa entschlüsselt die Lautfolge:
- Der dritte Laut der fünften Gruppe ist d; „der erste“ bedeutet, dass er den Anfang des Mantras bildet. Der erste Laut der zweiten Gruppe ist ka, der zweite der achten ṣa und der dritte der ersten i: Daraus entsteht kṣi.
- Der letzte Laut der vierten Gruppe ist ṇa; mit dem zweiten Vokal ā entsteht ṇā. Der letzte Laut der sechsten Gruppe ist ma; mit dem sechsten Vokal ū entsteht mū.
- Der erste Laut der fünften Gruppe ist ta. Der eingeklammerte Zusatz erklärt die Verbindung mit r, dem zweiten Laut der siebten Gruppe, zu rt. Deren erster Laut ist ya; mit dem elften Vokal e entsteht ye. Erneut folgt ta; mit dem fünften Vokal u wird daraus tu.
- Der vierte Laut der sechsten Gruppe ist bha; mit ya, dem ersten der siebten, und dem Bindu als vorletztem Zeichen der ersten Gruppe entsteht bhyaṃ.
- Der letzte Laut der siebten Gruppe ist va, der erste der vierten ṭa. Der fünfte der sechsten ist ma; mit dem sechsten Vokal ū entsteht mū. Darauf folgen la, der dritte der siebten Gruppe, und na, der letzte der fünften. Der eingeklammerte Zusatz verbindet dieses na mit dem dritten Vokal i zu ni.
- Aus va, dem letzten Laut der siebten Gruppe, und dem zweiten Vokal ā entsteht vā. Aus sa, dem dritten der achten Gruppe, und dem dritten Vokal i wird si. Aus na, dem fünften der fünften Gruppe, und dem elften Vokal e entsteht ne.
- Der vierte Laut der fünften Gruppe, dha, verbindet sich mit ya, dem ersten der siebten, und ā, dem zweiten Vokal, zu dhyā. Na, der letzte der fünften Gruppe, verbindet sich mit dem zwölften Vokal ai zu nai.
- Dann folgen ka, der erste Laut der zweiten Gruppe, und na, der letzte der fünften, mit i zu ni. Danach r, der zweite der siebten Gruppe, und ta, der erste der fünften; mit ā und dem fünfzehnten Zeichen der ersten Gruppe, dem Bindu, entsteht tāṃ.
- Der dritte Laut der zweiten Gruppe, ga, wird mit ā zu gā. Es folgen ya, der erste der siebten, und na, der letzte der fünften. Aus ma, dem letzten der sechsten, und dem dreizehnten Vokal o entsteht mo.
- R, der zweite Laut der siebten Gruppe, wird mit dem fünften Vokal u zu ru. Der dritte Laut der fünften Gruppe, d, erhält r und ā und ergibt drā. Die zugehörige Zahlenbeschreibung ist bereits im Vers gestört; die Prosa nennt die Verbindung ausdrücklich.
- Es folgen ya, der erste Laut der siebten Gruppe, und śa, der erste der achten, mit Bindu zu śaṃ. Danach bha, der vierte der sechsten, und va, der vierte der siebten, mit dem elften Vokal e zu ve.
Die Umschließung mit Praṇava und Māyā-Bīja bedeutet: Am Anfang steht oṃ, danach hrīṃ; am Ende folgt die umgekehrte Reihenfolge. Der Druck schreibt den Mantra ausdrücklich aus:
oṃ hrīṃ dakṣiṇāmūrtaye tubhyaṃ vaṭamūlanivāsine |
dhyānaikaniratāṅgāya namo rudrāya śaṃbhave hrīṃ oṃ ||
„Oṃ hrīṃ. Dir, Dakṣiṇāmūrti, der du am Fuß des Banyanbaums wohnst, dessen ganzes Wesen allein der Meditation hingegeben ist: Verehrung Rudra, Śaṃbhu. Hrīṃ oṃ.“ Die Form dakṣiṇā im ausgeschriebenen Mantra bestätigt das erste a; die vorausgehende Verschlüsselung ist an diesem Anfang nicht völlig widerspruchsfrei.
30.DAK.18: Als Seher wird Śuka genannt, als Versmaß Anuṣṭubh. Die Gottheit ist der unvergängliche Dakṣiṇāmūrti, der Ursprung der Welten.
30.DAK.19: Der Praṇava gilt als Bīja, Hṛllekhā als Kraft. Die Anwendung wird auf die vier menschlichen Lebensziele bezogen.
30.DAK.20: Zuerst soll man mit dem Grundmantra die Hände reinigen. Dann teilt man die Mantralaute der Reihe nach in Gruppen von sechs, zwei, acht, acht, fünf und drei.
30.DAK.21: Mit diesen Abschnitten, denen jeweils Praṇava und Māyā-Bīja vorangehen und die mit dem durch die sechs langen Vokale abgewandelten Māyā-Bīja enden, setzt man die sechs Glieder ein.
Die Prosa erklärt die Zahlwörter: „Geschmäcker“ bedeutet sechs, „Augen“ zwei, „Vasus“ acht, „Pfeile“ fünf und „Feuer“ drei. Zusammen mit der ausdrücklich genannten weiteren Acht ergibt die Einteilung 32 Laute.
30.DAK.22: Die einzelnen Laute setzt man auf Scheitel, Stirn, beide Augen, Ohren, Wangen und Nasenflügel, auf Mund und Armgelenke, Kehle, Brüste, Herz und Nabelbereich.
30.DAK.23: Dann auf Hüfte, Schambereich und die Gelenke der Beine. Herr der Scharen, mit Praṇava und Māyā-Bīja vollzieht man den durchdringenden Nyāsa
30.DAK.24: vom Scheitel bis zu den Füßen. Danach betrachtet man die Gottheit in Meditation: an einem lieblichen Hang des Himālaya, den Siddhas und Kinnaras aufsuchen,
30.DAK.25: wo die Zweige vieler Bäume ringsum die Sonnenhitze abhalten und üppig blühende Ranken die Blütenbäume umschlingen.
Die Druckfußnote nennt karāṅge als abweichende Lesung im Nyāsa-Abschnitt.
Dakṣiṇāmūrti am Fuß des Weltenbaums
30.DAK.26: Der Ort wird durch den Wind der aus Felsspalten hervortretenden Wasserfälle gekühlt. Schwärme summender Bienen und Gruppen tanzender Pfauen beleben ihn. 30.DAK.27: Scharen rufender Kuckucke erfüllen die Himmelsrichtungen mit Klang. Vögel, die von gegenseitiger Feindschaft frei sind, halten sich dort auf. 30.DAK.28: Er wird unablässig von den ursprünglichen Weisen, Śuka und den anderen, aufgesucht. Auch die Götter mit Purandara an der Spitze kommen dorthin, um zu dienen. 30.DAK.29: Man stellt sich dort einen hoch aufragenden Banyanbaum vor, dessen Früchte wie Rubine glänzen und dessen dichtes Laub aus Smaragden besteht. 30.DAK.30: Herabhängender Schmuck aus den neun Edelsteinen ziert ihn; duftende Wasser- und Landblumen schmücken ihn ebenfalls. 30.DAK.31: Schwärme von Papageien, die Veden und Lehrwerke rezitieren, bevölkern ihn. Sein wunderbarer Schatten vermag die Hitze des Daseinskreislaufs zu lindern. 30.DAK.32: Man betrachtet ihn und darunter den herrlichen Juwelenthron. Darauf sitzt die unermesslich geschmückte Gottheit, deren Gesicht dem Herbstmond gleicht. 30.DAK.33: Scharen von Weisen, die göttliches Wissen ersehnen, preisen sie. So erinnert man sich an Dakṣiṇāmūrti, den unvergänglichen Ursprung der Welten. 30.DAK.34: Er gleicht einem Silberberg und hat den reinen Glanz von Milchschaum. Eine schöne Krone aus Haarflechten, in der die Mondsichel leuchtet, schmückt ihn. 30.DAK.35: Er sitzt im Heldensitz und richtet seinen Blick auf die Nase. Sein freundlich lächelndes Lotusgesicht schmücken drei Augen. 30.DAK.36: Die obere rechte Hand hält ein Beil, die untere zeigt die Lehrgeste. Die obere linke Hand hält eine Gazelle; 30.DAK.37: die untere linke legt er auf das linke Knie. Er sitzt auf einem weißen Lotus und trägt als besonderen Gürtel Schlangen mit aufgerichteten Hauben. 30.DAK.38: So meditiert man über Dakṣiṇāmūrti, den die Schar der Weisen umgibt. Dann ruft man die Gottheit auf den zuvor beschriebenen Sitz und verehrt sie wie zuvor. 30.DAK.39: Man zeichnet einen achtblättrigen Lotus mit allen erforderlichen Merkmalen, mit inneren und äußeren Bereichen sowie deutlich hervortretendem Lotusinneren und Staubfäden. 30.DAK.40: Er hat vier Tore und wird von drei Quadratlinien umschlossen. Auf diesem Sitz verehrt man die Gottheit und ihre Glieder wie zuvor. 30.DAK.41: Auf dem ersten achtblättrigen Lotus verehrt man, mein Kind, Sanaka, Sanandana, Sanātana, Sanatkumāra, Śuka, 30.DAK.42: Jābālin, Nārada und Vyāsa. Der eingeklammerte Zusatz nennt für den zweiten Lotus Ananta, Sūkṣma und die übrigen sowie für den dritten Vṛṣabha und seine Gruppe. Unnummerierte Fortsetzung innerhalb der Klammer: In den beiden Gängen verehrt man die Welthüter und ihre Waffen. Danach steht eine Textlücke. Der Vers nennt zunächst einen achtblättrigen Lotus; erst der Zusatz macht die weiteren beiden ausdrücklich kenntlich. Anwendung in Prosa: Nach den morgendlichen Handlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes vollzieht man mit dem Grundmantra drei Atemregelungen. Auf das Haupt setzt man śukāya ṛṣaye namaḥ, auf den Mund anuṣṭupchandase namaḥ, auf das Herz śrīdakṣiṇāmūrtaye devatāyai namaḥ, im Schambereich oṃ bījāya namaḥ und auf die Füße hrīṃ śaktaye namaḥ: Verehrung dem Seher Śuka, dem Versmaß Anuṣṭubh, der Gottheit Śrī Dakṣiṇāmūrti, dem Bīja oṃ und der Kraft hrīṃ. Mit zusammengelegten Händen spricht man mama caturvargapuruṣārthasiddhaye viniyogaḥ — „Die Anwendung dient meiner Verwirklichung der vier menschlichen Lebensziele.“ Nach der Reinigung der Hände mit dem Grundmantra setzt man die sechs Gliederformeln an die Hände vom Daumen bis zur Handfläche und an die Körperglieder vom Herzen an:
- oṃ hrīṃ dakṣiṇāmūrtaye hāṃ hṛdayāya namaḥ.
- oṃ hrīṃ tubhyaṃ hīṃ śirase svāhā.
- oṃ hrīṃ vaṭamūlanivāsine hūṃ śikhāyai vaṣaṭ.
- oṃ hrīṃ dhyānaikaniratāṅgāya haiṃ kavacāya huṃ.
- oṃ hrīṃ namo rudrāya hauṃ netratrayāya vauṣaṭ.
- oṃ hrīṃ śambhave haḥ astrāya phaṭ.
Die sechs Mantraabschnitte bedeuten zusammen die bereits übersetzte Anrufung Dakṣiṇāmūrtis; die Glieder sind Herz, Haupt, Scheitelhaarlocke, Schutzpanzer, drei Augen und Schutzwaffe. Die Prosa schreibt die abschließenden Bījas hier ohne r, während Vers 21 zuvor das abgewandelte Māyā-Bīja nennt. Dieser Unterschied wird nicht stillschweigend vereinheitlicht. Es folgt der Laut-Nyāsa. Zu jedem der folgenden Laute gehört namaḥ; nach dem ersten ist es im Druck abgekürzt:
- Haupt: daṃ; Stirn: kṣiṃ; rechtes Auge: ṇāṃ; linkes Auge: mūṃ.
- Rechtes Ohr: rtaṃ; linkes Ohr: yeṃ; rechte Wange: tuṃ; linke Wange: bhyaṃ.
- Nase: vaṃ; Mund: ṭaṃ.
- Rechter Armansatz: mūṃ; Armmitte: laṃ; Handgelenk: niṃ; Fingerwurzeln: vāṃ.
- Linker Armansatz: siṃ; Armmitte: neṃ; Handgelenk: dhyāṃ; Fingerwurzeln: nai; an dieser Stelle ist im Druck kein Bindu sicher erkennbar.
- Kehle: kaṃ; beide Brüste: niṃ; Herz: raṃ; Nabel: tāṃ; Hüfte: gāṃ; Schambereich: yaṃ.
- Rechter Oberschenkelansatz: naṃ; Knie: moṃ; Fußgelenk: ruṃ; Zehenwurzeln: drāṃ.
- Linker Oberschenkelansatz: yaṃ; die Fortsetzung am Knie folgt auf der nächsten Seite.
Die Druckfußnoten nennen śikharaiḥ und bhṛṅgakadambakaiḥ als Varianten der Landschaftsschilderung; die dritte, auf den Schlangenschmuck bezogene Variantenangabe ist undeutlich.
Fortsetzung des Laut-Nyāsa auf Druckseite 583: Auf das linke Knie kommt śaṃ namaḥ, auf das Fußgelenk bhaṃ namaḥ und auf die Zehenwurzeln veṃ namaḥ. Im Druck eingeklammert folgt: Mit den beiden Bījas oṃ hrīṃ vollzieht man den durchdringenden Nyāsa vom Scheitel bis zu den Füßen. Nach Meditation verehrt man den Śiva-Sitz wie zuvor, ruft die Gottheit herbei und meditiert über sie. Nach Anrufung und Darbringungen bis zu den Blumen verehrt man ihre Glieder. Auf dem ersten achtblättrigen Lotus, von vorn im Uhrzeigersinn, verehrt man mit sanakāya namaḥ, sanandanāya namaḥ, sanātanāya namaḥ, sanatkumārāya namaḥ, śukāya namaḥ, jābāline namaḥ, nāradāya namaḥ, vyāsāya namaḥ die acht Weisen. Auf dem zweiten folgt die Gruppe von Ananta an, auf dem dritten die von Vṛṣabha an. Dann werden Welthüterverehrung und alles Weitere wie zuvor abgeschlossen. 30.DAK.43: Nachdem man die Gottheit so verehrt hat, soll man zur Vollendung des Puraścaraṇa unter Einhaltung der beschriebenen Regeln 80.000 Wiederholungen vollziehen. 30.DAK.44: Ein Zehntel davon soll man als Feueropfer mit in Milch getränktem Sesam darbringen; alternativ, Nandin, mit Milchreis und Ghee oder mit beiden Arten von Opferstoff. 30.DAK.45: Danach vollzieht man Wasserdarbringungen und die weiteren Handlungen nach der beschriebenen Vorschrift. Ist der Mantra so zur Wirksamkeit gebracht, führt der Mantraübende die besonderen Anwendungen aus. 30.DAK.46: Einen Monat lang soll er von erbettelter Nahrung leben und den Mantra täglich 1.500-mal wiederholen. Dadurch soll er sicher Gelehrsamkeit erlangen. 30.DAK.47: Der im Mantra besonders Kundige soll Wasser berühren und die vom Grundmantra umschlossene Mātṛkā dreimal rezitieren; dann trinkt er das Wasser. Nach einem Jahr soll er gewiss 30.DAK.48: zum Ausleger aller Lehrwerke und zu einem großen Dichter werden. Weiter nennt der Text Gajapippalikā, Brāhmī, Vacā, Senf und Steinsalz, 30.DAK.49: die mit duftenden Stoffen zu einer Paste verarbeitet werden, Nandikeśvara. Kuh-Ghee wird mit dieser Paste in Brāhmī-Saft gekocht. 30.DAK.50: Darüber wird dieser vorzügliche Mantra 10.000-mal gesprochen. Die Einnahme soll nach dem Text Ruhm, Dichtkunst, Wohlstand und geistige Festigkeit gewähren. Unnummerierte Fortsetzung: Auch Schönheit, Glanz und Lebensdauer werden ihr zugeschrieben; sie wird als Mittel zu allen Vollendungen bezeichnet. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Diese Wirkangaben gehören zur historischen Ritual- und Heilkunde der Quelle.
Ein weiterer Dakṣiṇāmūrti-Mantra
30.DAV.1: Herr der Scharen, man nimmt den dreizehnten Laut der ersten Gruppe und verbindet ihn mit deren fünfzehntem Zeichen. Danach den fünften Laut der fünften Gruppe, 30.DAV.2: mein Kind, und anschließend den letzten Laut der sechsten, verbunden mit dem dreizehnten Laut der ersten Gruppe. 30.DAV.3: Der im Druck eingeklammerte Abschnitt fährt fort: Darauf der vierte Laut der sechsten Gruppe, der dritte der zweiten und der letzte der siebten. Danach spricht man den ersten Laut der fünften Gruppe, 30.DAV.4: verbunden mit dem zwölften Laut der ersten. Dann spricht man die sechs Anfangssilben des vorherigen Mantras und anschließend den letzten Laut der sechsten Gruppe. 30.DAV.5: Nandikeśvara, der letzte Laut der achten Gruppe wird mit dem ersten der siebten und dem vorletzten Zeichen der ersten verbunden. Darauf folgt der fünfte Laut der sechsten Gruppe, 30.DAV.6: verbunden mit dem elften der ersten; danach der vierte Laut der fünften, verbunden mit dem zweiten und dem vorletzten Zeichen der ersten Gruppe. Hier schließt die Druckklammer. 30.DAV.7: Der erste Laut der sechsten Gruppe wird mit dem zweiten der siebten verbunden. Darauf folgt der erste Laut der siebten Gruppe, mein Kind, und der zweite der dritten, 30.DAV.8: mit dem Zusatz sadhanam, dessen Lesung hier unklar ist. Dann der dritte Laut der achten Gruppe, verbunden mit dem letzten der siebten und dem zweiten der ersten; darauf der letzte Laut der letzten Gruppe, Unnummerierte Fortsetzung: verbunden mit dem zweiten Laut der ersten. Dieser Mantra wird als zweiundzwanzigsilbig bezeichnet. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck; die in der folgenden Erläuterung ausgeschriebene Form ist gesondert zu beachten. Die Prosa entschlüsselt: Der dreizehnte Laut der ersten Gruppe ist o, ihr fünfzehntes Zeichen der Bindu; zusammen oṃ. Der fünfte Laut der fünften Gruppe ist na. Der letzte der sechsten, ma, verbindet sich mit o zu mo. Darauf folgen bha, der vierte der sechsten Gruppe; ga, der dritte der zweiten; va, der letzte der siebten; und ta, der erste der fünften, mit dem elften Vokal e zu te. Die Prosa nennt hier den elften Vokal, während Vers 4 den zwölften angibt. Die sechs Anfangssilben des vorherigen Mantras sind dakṣiṇāmūrtaye. Ein eingeklammerter Zusatz stellt klar: Gemeint sind die sechs Silben vom anfänglichen da des zuvor gewonnenen zweiunddreißigsilbigen Mantras, ohne Praṇava und Māyā-Bīja. Danach folgen ma, der letzte Laut der sechsten Gruppe, und ha, der letzte der achten. Die Erklärung setzt sich auf der nächsten Seite fort. Die Druckfußnote nennt vidhānavit, „der Vorschrift kundig“, als Variante.
Fortsetzung der Mantraerklärung auf Druckseite 584: Ha verbindet sich mit ya, dem ersten Laut der siebten Gruppe, und dem Bindu zu hyaṃ. Der fünfte Laut der sechsten Gruppe ist ma; der eingeklammerte Zusatz verbindet ihn mit dem elften Vokal e zu me. Der vierte Laut der fünften Gruppe ist dha; mit dem zweiten Vokal ā und dem Bindu entsteht dhāṃ. Der erste Laut der sechsten Gruppe ist pa; mit r, dem zweiten der siebten, entsteht pra. Danach folgt ya, der erste der siebten. Der zweite Laut der dritten Gruppe ist cha; saghanam wird hier als nachdrückliche, eine Verdoppelung ausdrückende Aussprache erklärt, also ccha. Der dritte Laut der achten Gruppe, sa, verbindet sich mit va, dem letzten der siebten, und ā zu svā. Der letzte Laut der achten Gruppe ist ha; mit ā ergibt sich hā. Der Druck schreibt ausdrücklich: oṃ namo bhagavate dakṣiṇāmūrtaye mahyaṃ medhāṃ prayaccha svāhā. „Oṃ. Verehrung dem erhabenen Dakṣiṇāmūrti. Gewähre mir geistige Aufnahmefähigkeit. Svāhā.“ Manche ersetzen in diesem Mantra medhām durch prajñām, „Erkenntnis“. Als Beleg wird der Mantratantraprakāśa angeführt: Anstelle von medhā solle man das Wort prajñā sprechen. Die zwischenstehenden Anredewörter dieses kurzen Zitats sind im Druck unsicher; die Austauschregel ist eindeutig. 30.DAV.9: Als Seher wird Brahmā bestimmt, als Versmaß Gāyatrī. Die Gottheit ist Śrī Mahādeva unter dem Namen Dakṣiṇāmūrti. 30.DAV.10: Der Praṇava wird Bīja genannt, svāhā gilt als Kraft. Das Wort medhā ist der Kīlaka, der „Verschluss“. Der Mantra wird für die menschlichen Lebensziele angewendet. 30.DAV.11: Mit dem Praṇava und den sechs langen Vokalausprägungen des Rudra-Lautes bildet man die Gliederformeln. Die Wörter des Mantras setzt man auf Haupt, Stelle zwischen den Brauen, Gesicht, Herz, Nabel und Schambereich, 30.DAV.12: dann auf Knie und Füße, der Reihe nach. Die einzelnen Mantralaute setzt man auf Scheitel, Stirnbereich und Stirn, beide Augen und Ohren, 30.DAV.13: danach auf beide Nasenöffnungen, die beiden Lippen und Zahnreihen, Zunge, Kinnspitze, beide Schultern und Kehle, 30.DAV.14: auf beide Arme, Herz, Nabel, Schambereich, After, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel sowie beide Füße und Hände. 30.DAV.15: Unermüdlich setzt man die Mantralaute auf alle Glieder. Nachdem der Mantraübende so den Nyāsa am eigenen Leib vollzogen hat, meditiert er mit ungeteilter Aufmerksamkeit über die Gottheit. 30.DAV.16: Sie gleicht dem makellosen Herbstmond und sitzt inmitten eines Lotus. Śiva trägt die Gaṅgā; die leuchtende Mondsichel erhellt seinen Hauptschmuck. 30.DAV.17: Sein Lotusgesicht ist freundlich, er hat drei Augen und lächelt. Er trägt göttliche Gewänder und ist mit göttlichen Düften und Blumengewinden geschmückt. 30.DAV.18: Verschiedene Juwelenschmuckstücke und ein Schlangengürtel zieren ihn. Die obere rechte Hand hält eine Perlengebetskette, die untere zeigt die Erkenntnisgeste. 30.DAV.19: Die obere linke Hand hält einen Nektarkrug, die untere ein Buch. So soll man ihn betrachten, Nandin, von einer Schar von Weisen verehrt. 30.DAV.20: Sein linker Lotusfuß erstrahlt auf dem Hauptsitz des Sahasrāra. Nach dieser Meditation, Bester der Scharen, verehrt man ihn auf dem zuvor beschriebenen Śiva-Sitz, 30.DAV.21: versehen mit drei Lotuskränzen, drei äußeren Einfassungen und vier Toren. Dorthin ruft man die Gottheit und verehrt sie. 30.DAV.22: Der Druck klammert diese und die folgende Strophe ein: Zuerst verehrt man die Glieder auf den Staubfäden wie zuvor; ebendort die sechzehn Vokale, paarweise auf den Staubfäden angeordnet. 30.DAV.23: Danach verehrt der Mantrakundige die acht Lautgruppen auf den acht Blättern. Auf dem zweiten achtblättrigen Lotus, mein Kind, verehrt man Sarasvatī und die übrigen. 30.DAV.24: Es sind Sarasvatī, der Viergesichtige, Sanaka, Sanandana, Sanātana und der Kumāra, dessen Name mit Sanat beginnt, 30.DAV.25: sowie Śuka und Vyāsa. Auf dem dritten achtblättrigen Lotus folgen Pārvatī, Subhagā, Bhadrā, Kriyā und Śānti, 30.DAV.26: Raudrī, Kālī und Balā: dies sind Dakṣiṇāmūrtis Kräfte. Die anschließende Anweisung zu den vier Ecken des Quadrats ist im Druck sprachlich gestört (aṣṭādaśāntamaṃ vayet); die folgende Strophe nennt die dort zu verehrenden Gruppen. 30.DAV.27: Man verehrt die Scharen der Siddhas, Gandharvas, großen Yogis und Vidyādharas; in den beiden Gängen wie zuvor Indra und die weiteren Welthüter sowie ihre Waffen. Anwendung in Prosa: Nach den morgendlichen Handlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes vollzieht man mit dem Grundmantra drei Atemregelungen. Man setzt auf das Haupt brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, auf den Mund gāyatrīchandase namaḥ, auf das Herz śrīdakṣiṇāmūrtaye devatāyai namaḥ, in den Schambereich praṇavabījāya namaḥ, auf die Füße svāhāśaktaye namaḥ und auf den Nabel medhākīlakāya namaḥ: Verehrung dem Seher Brahmā, dem Versmaß Gāyatrī, der Gottheit Śrī Dakṣiṇāmūrti, dem Praṇava als Bīja, svāhā als Kraft und medhā als Verschluss. Es beginnt die Zweckangabe: mama caturvargapuruṣārthasiddhyarthe vini- — „Zur Verwirklichung meiner vier menschlichen Lebensziele …“. Das am Seitenende geteilte Wort wird auf der nächsten Seite fortgesetzt. Die Fußnote nennt kramataḥ, „der Reihe nach“, als Variante.
Fortsetzung der Prosa auf Druckseite 585: Das geteilte Wort endet -yogaḥ, vollständig viniyogaḥ. Mit zusammengelegten Händen beendet man damit die Zweckangabe. Es folgen die sechs Gliederformeln: oṃ hrāṃ oṃ hṛdayāya namaḥ; oṃ hrīṃ oṃ śirase svāhā; oṃ hrūṃ oṃ śikhāyai vaṣaṭ; oṃ hraiṃ oṃ kavacāya huṃ; oṃ hrauṃ oṃ netratrayāya vauṣaṭ; oṃ hraḥ oṃ astrāya phaṭ. Die Bīja-Konsonanten sind durch den auf dieser Seite stark durchscheinenden Rückseitendruck schwer zu lesen; die hier wiedergegebene Reihe wird deshalb nicht als zweifelsfrei normalisierte Mantrafassung ausgegeben. Gemeint sind Herz, Haupt, Scheitelhaarlocke, Schutzpanzer, drei Augen und Schutzwaffe. Man setzt die Formeln an die Hände vom Daumen bis zur Handfläche und an die sechs Körperglieder. Wort-Nyāsa: Auf das Haupt oṃ namaḥ; zwischen die Brauen namo namaḥ; auf das Gesicht bhagavate namaḥ; auf das Herz dakṣiṇāmūrtaye namaḥ; auf den Nabel mahyaṃ namaḥ; in den Schambereich medhāṃ namaḥ; auf die Knie prayaccha namaḥ; auf die Füße svāhā namaḥ. Die im Druck abgekürzten Verehrungsformeln sind hier ausgeschrieben. Laut-Nyāsa, jeweils mit namaḥ: Haupt oṃ; Stirn naṃ; beide Augen moṃ; Ohren bhaṃ; Nasenöffnungen gaṃ; Lippen vaṃ; Zahnreihen teṃ; Zunge daṃ; Kinnspitze kṣiṃ; Schultern ṇāṃ; Kehle mūṃ; Arme rtaṃ; Herz yeṃ; Nabel maṃ; Schambereich hyaṃ; After meṃ; Oberschenkel dhāṃ; Knie praṃ; Unterschenkel yaṃ; Füße cchaṃ; Hände svāṃ; ganzer Leib hāṃ. Nach Meditation und den Darbringungen bis zu den Blumen verehrt man die Glieder wie zuvor. Auf den Staubfäden des ersten achtblättrigen Lotus, von vorn im Uhrzeigersinn, stehen die Vokalpaare: aṃ āṃ namaḥ, iṃ īṃ namaḥ, uṃ ūṃ namaḥ, ṛṃ ṝṃ namaḥ, ḷṃ ḹṃ namaḥ, eṃ aiṃ namaḥ, oṃ auṃ namaḥ, aṃ aḥ namaḥ. Auf den Blättern verehrt man die Lautgruppen: kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ namaḥ; caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ namaḥ; ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ namaḥ; taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ namaḥ; paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ namaḥ; yaṃ raṃ laṃ vaṃ namaḥ; śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ namaḥ; kṣaṃ namaḥ. Auf dem zweiten Lotus folgen sarasvatyai namaḥ, brahmaṇe namaḥ, sanakāya namaḥ, sanandanāya namaḥ, sanātanāya namaḥ, sanatkumārāya namaḥ, śukāya namaḥ, vyāsāya namaḥ. Auf dem dritten folgen pārvatyai namaḥ, subhagāyai namaḥ, bhadrāyai namaḥ, kriyāyai namaḥ, śāntyai namaḥ, raudryai namaḥ, kālyai namaḥ, vallabhāyai namaḥ. Die letzte Kraft heißt in dieser Prosa Vallabhā, während die Versliste die Lesung Balā aufweist. Der eingeklammerte Zusatz erklärt die vier Eckbereiche zwischen den Quadratbegrenzungen: vom Südosten an siddhagaṇebhyo namaḥ, gandharvagaṇebhyo namaḥ, yogīndragaṇebhyo namaḥ, vidyādharagaṇebhyo namaḥ — Verehrung den Scharen der Siddhas, Gandharvas, großen Yogis und Vidyādharas. Danach schließt man Welthüterverehrung und alles Weitere wie zuvor ab. 30.DAV.28: Man soll den Mantra 100.000-mal wiederholen und ein Zehntel dieser Zahl als Feueropfer darbringen: mit in Milch getränktem Sesam, Lotusblumen oder in Ghee getränktem Milchreis. 30.DAV.29: Danach vollzieht der Einsichtige Wasserdarbringungen und die weiteren Handlungen nach der beschriebenen Vorschrift. Hat er den vorzüglichen Mantra so wirksam gemacht, führt er die auf besondere Wünsche gerichteten Handlungen aus. 30.DAV.30: Bis zum Hals im Wasser stehend soll er den Mantra täglich 1.000-mal wiederholen. Noch vor Ablauf eines Maṇḍala-Zeitraums soll er zu einem führenden Dichter werden. 30.DAV.31: Milchreis, über dem der Mantra fünfundzwanzigmal gesprochen wurde, soll gegessen höchste Vollendung der Rede verleihen. Der mittlere Ausdruck śrīsaṃsiktam ist durch den durchscheinenden Druck unsicher; er wird nicht zu einer sicheren Zutatenangabe ergänzt. 30.DAV.32: Dies soll auch alle Bedrängnisse und Krankheiten beseitigen. Am dreizehnten Mondtag zur Abenddämmerung soll man fastend einen Śiva-Tempel aufsuchen. 30.DAV.33: Schweigend geht man dorthin und verehrt den Gott. Nach Einrichtung des Feuers im östlichen Bereich soll derjenige, der Redekraft begehrt, mit Ghee und Milchreis opfern. Die knappe Ortsangabe im Druck ist nicht vollständig klar. 30.DAV.34: Wer Wohlstand begehrt, soll mit Lotus, Bilva oder Nandyāvarta opfern. Nach Opfern mit Dūrvā nennt der schwer lesbare Text eine Milchverbindung (aṣṭakṣīrākta); ihre genaue Bedeutung bleibt offen. Anschließend gibt man die Opfergabe an den Lehrer. 30.DAV.35: Dem Guru gibt man eine Kuh und eine Büffelkuh. Woher sollte für diesen Übenden noch Todesfurcht kommen? Der Sonne zugewandt bringt man zehn Handvoll Wasser dar. 30.DAV.36: Der Mantrakundige tut dies mit dem Grundmantra; dann soll er von keinem Übel bedrängt werden. Morgens und abends nennt der Text beständig einundzwanzig Darbringungen mit medhā; der genaue Anschluss dieser Wendung ist unsicher. 30.DAV.37: Man sättigt die Gottheit mit Wasser, das man als Milch vorstellt, und opfert mit den genannten göttlichen Stoffen; auch dieser Wortanschluss ist durch den Druck beeinträchtigt. Durch Feueropfer mit Palāśa-Blüten und die begleitenden Handlungen soll man bald zum Dichter werden. 30.DAV.38: Wer Wohlstand begehrt, meditiert über den Herrn mit Gaurī an seiner Seite. Nach 10.000 Wiederholungen soll er reichen Wohlstand erlangen. 30.DAV.39: Der gereinigte Mantraübende soll, während er in Kuhurin gekochten Reis oder alternativ erbettelte Nahrung isst, 20.000 Wiederholungen ausführen. 30.DAV.40: Er soll dann Lehrwerke erklären können, die er weder gehört noch gesehen hat; daran besteht nach dem Text kein Zweifel. Für das Yantra zeichnet man einen zehnblättrigen Lotus und in dessen Inneres den Praṇava, 30.DAV.41: verbunden mit dem Namen des Betreffenden und der gewünschten Handlung, Nandikeśvara. Auf die Blätter schreibt man der Reihe nach jeweils zwei Laute des Mantras. 30.DAV.42: Die verbleibenden letzten Laute schreibt man auf das letzte Blatt. Man umschließt alles mit den Mātṛkā-Lauten. Dieses ordnungsgemäß zur Wirksamkeit gebrachte Yantra Śrī Dakṣiṇāmūrtis wirkt für die Menschen — der Satz setzt sich auf der nächsten Seite fort. Die Fußnote bietet zu Vers 40 die Variante „ungehörte Veden, Lehrwerke und dergleichen“. Speisevorschriften und Gesundheitsversprechen sind historische Angaben der Quelle; unleserliche Rezeptstellen wurden nicht ergänzt.
Unnummerierte Fortsetzung auf Druckseite 586: Das Tragen des Yantras soll Anfallsleiden, Besessenheitsmächte und Ähnliches beseitigen. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Die Prosa erklärt das zehnblättrige Yantra: Man zeichnet den Lotus und schreibt den Praṇava in dessen Inneres. In ihn schreibt man den Namen des Betreffenden, beispielsweise devadatta rakṣa rakṣa — „Devadatta — beschütze, beschütze!“ Auf die Blätter schreibt man jeweils zwei Mantralaute, auf das letzte drei. Außen zeichnet man zwei Kreise. In den Gang zwischen ihnen schreibt man von Osten an im Uhrzeigersinn die Mātṛkā von a bis kṣa, jeweils mit Bindu. Diesem Yantra werden die genannten Früchte zugeschrieben. 30.DAV.43: Man zeichnet einen achtblättrigen Lotus und schreibt den Namen des Betreffenden in die Mitte. Auf die Staubfäden schreibt man die Vokale paarweise, Nandin. 30.DAV.44: Auf das erste Blatt schreibt man den Praṇava, in seine drei Laute zerlegt. Danach teilt man die übrigen Mantralaute ebenfalls in Dreiergruppen. 30.DAV.45: Man schreibt diese übrigen Laute auf die verbleibenden Blätter. Außen zeichnet man zwei Kreise und schreibt in den Zwischenraum 30.DAV.46: die Laute von ka bis kṣa, jeweils mit Bindu. Außen zeichnet man die Erdumfassung. In deren Hauptrichtungen schreibt man den letzten Laut der siebten Gruppe, 30.DAV.47: verbunden mit dem vorletzten Zeichen der ersten; in die Ecken den zweiten Laut der vierten Gruppe. Dieses Yantra gilt als Mittel zur Verwirklichung aller Ziele. 30.DAV.48: Es soll den Menschen Söhne und Enkel, Lebensdauer, Wohlstand und Sieg gewähren, Schadenzauber, Anfallsleiden und Geisterbedrängnis beseitigen und alle Wünsche erfüllen. Die Prosa erläutert: In das Innere des achtblättrigen Lotus schreibt man den Namen samt dem Anliegen. Auf die Staubfäden kommen die Vokalpaare mit Bindu. Auf dem ersten Blatt wird der Praṇava in a, u und ma zerlegt; auf die sieben übrigen Blätter kommen die einundzwanzig verbleibenden Mantralaute, jeweils drei. In den Gang zwischen den Kreisen schreibt man die Konsonanten von ka an. Für Hauptrichtungen und Ecken wiederholt die Druckprosa das Wort vā zweimal. Die Verschlüsselung ergibt dagegen für die Hauptrichtungen vaṃ und für die Ecken ṭha; diese Abweichung bleibt offen. Dem Yantra werden die genannten Wirkungen zugeschrieben.
Ein neunsilbiger Dakṣiṇāmūrti-Mantra nach Nandikeśvara
30.NAV.1: Höre, Nandin, ich werde einen weiteren neunsilbigen Mantra der Gottheit Dakṣiṇāmūrti erklären, der Allwissenheit gewähren soll. 30.NAV.2: Man nimmt den dreizehnten Laut der ersten Gruppe und verbindet ihn mit deren fünfzehntem Zeichen. Dann nimmt man den ersten Laut der ersten Gruppe, 30.NAV.3: ebenfalls verbunden mit deren fünfzehntem Zeichen. Darauf folgt der fünfsilbige Mantra; dann wiederholt man die beiden anfänglichen Laute Unnummerierte Fortsetzung: in umgekehrter Reihenfolge, Nandin. So wird der Mantra als neunsilbig bezeichnet. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Die Prosa entschlüsselt: Der dreizehnte Vokal ist o, das fünfzehnte Zeichen der Bindu; daraus entsteht der Praṇava oṃ. Der erste Vokal a ergibt mit dem Bindu aṃ. Der fünfsilbige Mantra ist der zuvor beschriebene Śiva-Mantra. Am Ende folgen die beiden anfänglichen Laute in umgekehrter Reihenfolge, also aṃ oṃ. Aus dieser ausdrücklich erklärten Bildung ergibt sich oṃ aṃ namaḥ śivāya aṃ oṃ. 30.NAV.4: Der Seher heißt Śuka, als Versmaß wird Anuṣṭubh genannt. Die Gottheit ist der unvergängliche Dakṣiṇāmūrti, der Ursprung der Welten. 30.NAV.5: Mit dem Praṇava bildet man die Herzformel, mit aṃ die Hauptformel, mit namaḥ die Formel der Scheitelhaarlocke und mit śivāya die des Schutzpanzers. Unnummerierte Fortsetzung: Mit aṃ bildet man die Augenformel und mit dem Praṇava die der Schutzwaffe. 30.NAV.6: Meditation: Zur Erfüllung des Ersehnten meditiert man über den höchsten Guru, dessen Arme durch Lehrgeste, Buch, Feuer und Schlange erstrahlen. Sein Gesicht ist freundlich; Perlenketten schmücken ihn, und seine Krone leuchtet im Glanz der Edelsteine. Er vertreibt Unwissenheit, ist der ursprüngliche Sinn der ursprünglichen heiligen Worte, der Gemahl Bhavānīs, der unter dem Banyanbaum wohnt. Die Fußnote bietet ante dale, „auf dem letzten Blatt“, als Variante zur Yantra-Anweisung.
30.NAV.7: Nach dieser Meditation verehrt man die Gottheit auf dem zuvor beschriebenen Śiva-Sitz. Puraścaraṇa und die weiteren Handlungen werden nach der Vorschrift des fünfsilbigen Mantras vollzogen. Unnummerierte Fortsetzung: Wer den Mantra so verehrt, soll gewiss allwissend werden. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Anwendung in Prosa: Nach Aufstehen, Morgenhandlungen und Einsetzung des Yoga-Sitzes vollzieht man mit dem Grundmantra drei Atemregelungen. Auf das Haupt setzt man śukāya ṛṣaye namaḥ, auf den Mund anuṣṭupchandase namaḥ und auf das Herz śrīdakṣiṇāmūrtaye devatāyai namaḥ — Verehrung dem Seher Śuka, dem Versmaß Anuṣṭubh und der Gottheit Śrī Dakṣiṇāmūrti. Nach der bereits erläuterten Zweckangabe folgen oṃ hṛdayāya namaḥ, aṃ śirase …, namaḥ śikhāyai …, śivāya kavacāya …, aṃ netratrayāya vauṣaṭ, oṃ astrāya phaṭ. Die Auslassungspunkte entsprechen verkürzten Formelenden der Vorlage. Nach Hand- und Sechsglieder-Nyāsa, Meditation und geistiger Verehrung wird alles wie beim fünfsilbigen Mantra ausgeführt.
Eine weitere neunsilbige Fassung
30.NAK.1: Man verbindet den zwölften Laut der ersten Gruppe mit deren vorletztem Zeichen. Dann folgen der fünfte Laut der fünften und der fünfte der sechsten Gruppe, 30.NAK.2: letzterer verbunden mit dem letzten Zeichen der ersten. Darauf der erste Laut der zweiten Gruppe, über dem dritten der siebten stehend, verbunden mit dem vierten Vokal der ersten 30.NAK.3: und deren vorletztem Zeichen. Dann der erste Laut der achten Gruppe, verbunden mit dem dritten Vokal der ersten; darauf der vierte der siebten Gruppe, 30.NAK.4: verbunden mit dem zweiten Vokal der ersten, und der erste Laut der siebten Gruppe. Anschließend der dritte Laut der achten, verbunden mit dem vor dem vorletzten stehenden Vokal der ersten 30.NAK.5: und deren letztem Zeichen, Nandin. Mit vorangestelltem Praṇava ist dieser Mantra neunsilbig. Aus Zuneigung zu dir habe ich ihn erklärt; er soll alle Vollendungen gewähren. Die Prosa löst auf: Der zwölfte Vokal ai wird mit Bindu zu aiṃ. Dann folgen na und ma; letzteres erhält den Visarga zu maḥ. Die Prosa bezeichnet den Visarga hier irrtümlich als vorletztes Zeichen, während der Vers das letzte nennt. Aus ka über la, verbunden mit ī und Bindu, entsteht das Kāma-Bīja klīṃ. Es folgen śa mit i zu śi, va mit ā zu vā und ya. Schließlich wird sa mit au und Visarga zu sauḥ. „Mit Tārā beginnend“ bedeutet, dass der Praṇava vorangestellt ist. Die erklärte Folge lautet somit oṃ aiṃ namaḥ klīṃ śivāya sauḥ. 30.NAK.6: Seher und übrige Zuordnungen sind bereits angegeben. Aus den sechs Wörtern bildet man die sechs Glieder. Man meditiert wie zuvor über Śiva, den Herrn der Götter, dessen linke Hälfte seine Geliebte einnimmt. 30.NAK.7: Man verehrt ihn auf dem zuvor beschriebenen Sitz nach der Vorschrift des fünfsilbigen Mantras. Auch die Puraścaraṇa-Handlungen sind bereits angegeben, Nandikeśvara. Unnummerierte Fortsetzung: Der vorzügliche Übende soll die beim vorhergehenden Mantra beschriebenen Anwendungen ausführen. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Die Prosa erläutert: „Zuvor beschrieben“ bezieht sich auf den fünfsilbigen Mantra; die Anwendungen sind die im Dakṣiṇāmūrti-Abschnitt erklärten. Die Gliederzuordnung lautet: oṃ — Herz; aiṃ — Haupt; namaḥ — Scheitelhaarlocke; klīṃ — Schutzpanzer; śivāya — Augen; sauḥ — Schutzwaffe. Das Übrige gilt als leicht verständlich. 30.NAK.8: Man spricht dakṣiṇāmūrtaye, dann vidmahe, danach dhyānasthāya, das Wort dhī und mahi, anschließend tan no. Unnummerierte Fortsetzung: dhīśaḥ pracodayāt — dies ist die Gāyatrī, Nandikeśvara. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Zusammengesetzt lautet die ausdrücklich erklärte Formel: dakṣiṇāmūrtaye vidmahe dhyānasthāya dhīmahi tan no dhīśaḥ pracodayāt. „Mögen wir Dakṣiṇāmūrti erkennen. Über den in Meditation Weilenden meditieren wir. Möge der Herr der Einsicht uns anregen.“ Ein vorangestelltes oṃ ist an dieser Stelle nicht ausgeschrieben.
Der Mṛtyuñjaya-Mantra nach Nandikeśvara
30.MRJ.1: Nun erkläre ich dir, Makelloser, den Mṛtyuñjaya-Mantra. Nandika, man gewinnt den dreizehnten und den vorletzten Laut der ersten Gruppe. 30.MRJ.2: Dann den dritten Laut der dritten Gruppe, verbunden mit dem sechsten Vokal der ersten und deren vorletztem Zeichen. Schließlich den dritten Laut der achten Gruppe, 30.MRJ.3: verbunden mit dem letzten Zeichen der ersten; dies bildet die dritte Silbe. Dieser Mṛtyuñjaya-Mantra wird als Vertreiber der Todesfurcht bezeichnet. Die Prosa entschlüsselt o mit Bindu zu oṃ, ja mit ū und Bindu zu jūṃ sowie sa mit Visarga zu saḥ. Der Mantra lautet daher oṃ jūṃ saḥ. 30.MRJ.4: Der Seher ist Kahola; das Versmaß wird als Devī-Gāyatrī angegeben. Die Gottheit dieses Mantras ist Śiva unter dem Namen Mṛtyuñjaya, „Bezwinger des Todes“.
30.MRJ.5: Der Praṇava gilt als Bīja, saḥ wird als Kraft bezeichnet. Aus dem letzten Laut, mit den sechs langen Vokalen verbunden, bildet man die sechs Glieder. 30.MRJ.6: Dann setzt man die drei Mantralaute auf die Basis, das Herz und das Haupt. Mein Kind, danach meditiert man lange mit gesammeltem Geist über die Gottheit. 30.MRJ.7: Sie gleicht reinem Kristall und sitzt auf einem weißen Lotus. Aus der Mondsichel, die in der Krone der Haarflechten leuchtet, tropft Nektar, 30.MRJ.8: der sämtliche Glieder übergießt. Sonne, Mond und Feuer sind ihre Augen. Die obere rechte Hand zeigt die Erkenntnisgeste; die untere rechte 30.MRJ.9: hält eine Gebetskette. Die obere linke hält eine Schlinge, die untere linke den Veda. So betrachtet man die Gottheit, die Todes- und Krankheitsfurcht vertreiben soll. 30.MRJ.10: Nach dieser Meditation verehrt man sie auf dem zuvor beschriebenen Śiva-Sitz: einem achtblättrigen Lotus, den drei Quadratlinien umschließen. Unnummerierte Fortsetzung: Die Verehrung umfasst drei Umkreise — Glieder, Indra und die übrigen Welthüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Anwendung in Prosa: Nach den Morgenhandlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes folgen auf dem Haupt kaholāya ṛṣaye namaḥ, auf dem Mund devīgāyatrīchandase namaḥ, auf dem Herzen śrīmṛtyuñjayāya devatāyai namaḥ, im Schambereich oṃ bījāya namaḥ und auf den Füßen saḥ śaktaye namaḥ — Verehrung dem Seher Kahola, dem Versmaß Devī-Gāyatrī, der Gottheit Śrī Mṛtyuñjaya, dem Bīja oṃ und der Kraft saḥ. Mit zusammengelegten Händen spricht man mameṣṭasiddhaye viniyogaḥ — „Die Anwendung dient der Erfüllung meines Anliegens.“ Hand- und Sechsglieder-Nyāsa werden mit sāṃ sīṃ sūṃ saiṃ sauṃ saḥ ausgeführt. Auf die Wurzelbasis legt man oṃ namaḥ, auf das Herz jūṃ namaḥ, auf das Haupt saḥ namaḥ. Nach Meditation und Darbringungen bis zu den Blumen verehrt man die Glieder und schließt mit Welthüterverehrung und den weiteren Handlungen wie zuvor ab. Das Maṇḍala ist ausdrücklich achtblättrig und von drei Quadraten umgeben; auf den Blättern stehen die Richtungshüter, im Quadrat ihre Waffen. 30.MRJ.11: Man soll den Mantra 300.000-mal wiederholen und mit in Milch getränkten Amṛtā-Stücken opfern. Danach, Nandin, folgen Wasserdarbringungen und die übrigen Handlungen. 30.MRJ.12: Ist der Mantra so wirksam geworden, führt man die Anwendungen aus. Man stellt sich zwei einander umschließende Lotusblumen vor: Der Praṇava bildet ihren Stängel, die mittlere Silbe ihre Blätter, die letzte ihr Inneres. 30.MRJ.13: Zwischen diesen beiden Lotusblumen betrachtet man sich selbst als Śiva, dessen Leib von Nektarströmen übergossen wird, die aus den Mantralauten fließen. Unnummerierte Fortsetzung: Durch diesen Yoga soll man langlebig und frei von Krankheit werden. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Die Prosa erläutert das Bild genau: Der Stängel besteht aus oṃ, die acht Blätter aus jūṃ, das Lotusinnere aus saḥ. Zwischen den beiden einander umschließenden Lotusblumen sitzt das als Śiva gedachte eigene Selbst; alle seine Glieder werden von den Nektarströmen aus den drei Mantralauten überflutet. 30.MRJ.14: Mit beherrschten Sinnen soll man, Nandin, 12.000 Opfer mit vier Fingerbreiten langen, in Milch getränkten Guḍūcī-Stücken darbringen. 30.MRJ.15: Dadurch soll man bald Gesundheit, Lebensdauer, Ruhm und Wohlstand erlangen. Der eingeklammerte Zusatz wiederholt: Mit vier Fingerbreiten langen, in Milch getränkten Amṛtā-Stücken 30.MRJ.16: bringt man 12.000 Opfer in das entfachte Feuer dar. So viele Opfer der Übende vollzieht, Nandikeśvara, 30.MRJ.17: mit ebenso vielen Nektarkrügen erfreut Agni Śaṅkara. Der vom Feuer gesättigte Rudra soll dem Übenden seine Wünsche gewähren. 30.MRJ.18: Die sieben Stoffe sind Guḍūcī-Stücke, Opferholz des Banyanbaums, Sesam, Dūrvā, Milch, Ghee und Milchreis, Herr der Scharen. 30.MRJ.19: Mit diesen sieben Stoffen soll man sieben Tage lang der Reihe nach täglich unermüdlich 1.008 Opfer darbringen. 30.MRJ.20: Täglich soll man mehr als sieben Brahmanen mit verschiedenen wohlschmeckenden, süßen Speisen, Getränken und weiteren Nahrungsmitteln bewirten. Die Formulierung saptādhikān wird wörtlich als „mehr als sieben“ bewahrt. 30.MRJ.21: Entsprechend der Erkrankung soll man, Nandin, die Zahl der Opfertage erhöhen. Den Opferpriestern gibt man als Gabe eine rötliche, milchgebende Kuh. 30.MRJ.22: Den Guru erfreut man mit Geld und weiteren Gaben und betrachtet ihn als Gottheit. Durch dieses Verfahren soll der Betreffende von Schadenzauber, Krankheit, Fieber und Ähnlichem 30.MRJ.23: befreit werden und ohne Mühe hundert Herbstzeiten leben. Bei Schadenzauber, heftigem Fieber, schwerer geistiger Verwirrung oder einer Erkrankung des Kopfes — die Anweisung setzt sich auf der nächsten Seite fort. Die Fußnoten nennen gaṇān und drohe als Varianten. Gesundheits- und Lebensverlängerungsangaben werden als Aussagen der Quelle wiedergegeben; die traditionellen Fingermaße bleiben ohne erfundene Umrechnung.
30.MRJ.24: Bei schwer behandelbarer Krankheit, Vergiftungsnot, Verwirrung, brennenden Beschwerden und großer Furcht wird dieses Feueropfer als befriedend und als Geber aller Güter bezeichnet. 30.MRJ.25: An den drei Geburts-Sterntagen soll der Mantraübende mit jedem der sieben Stoffe ehrfürchtig hundert Opfer darbringen und Brahmanen mit süßen Speisen bewirten. Der Ausdruck trijanma wird hier als traditionelle Dreiergruppe der Geburts-Sternbezüge beibehalten. 30.MRJ.26: Dadurch soll man gewiss langes Leben erlangen. Alternativ opfert der Einsichtige beim eigenen Geburtsstern mit den sieben Stoffen, 30.MRJ.27: jeweils tausendmal. Dadurch soll ein vorzügliches, ungestörtes langes Leben erlangt werden; daran soll nach dem Text kein Zweifel bestehen. 30.MRJ.28: Täglich soll man elf Opfer darbringen, jeweils mit drei in Milch getränkten Dūrvā-Halmen. So soll der Übende bald vorzeitigen Tod und Krankheiten überwinden 30.MRJ.29: und als Kenner der Mantralehre langes Leben erlangen. An den drei Geburts-Sternbezügen verwendet man Sudhāvallī, Kāśmarī und Bakula 30.MRJ.30: als vorzügliche Opferhölzer und bringt mit jeder Art tausend Opfer dar. Dies soll, Nandin, vorzeitigen Tod abwehren und alle Krankheiten beseitigen. 30.MRJ.31: Ein Opfer mit Siddhārtha-Senf soll schweres Fieber beseitigen; ein Opfer mit Apāmārga-Holz soll vorzeitigen Tod und Krankheit abwehren. 30.MRJ.32: Man zeichnet einen achtblättrigen Lotus, in dessen Mitte den Praṇava samt dem Namen des Betreffenden. Auf die Blätter der Hauptrichtungen schreibt man die zweite Mantrasilbe, auf die der Zwischenrichtungen die dritte. 30.MRJ.33: In die Hauptrichtungen der Erdumfassung schreibt man den letzten Laut der siebten Gruppe mit Bindu, in die Zwischenrichtungen den zweiten der vierten Gruppe, ebenfalls mit Bindu. 30.MRJ.34: Dieses durch Wiederholung, Feueropfer und weitere Handlungen wirksam gemachte Mṛtyuñjaya-Yantra trägt man auf dem Haupt, am Hals, Oberarm, an der Hüfte oder am Unterarm. 30.MRJ.35: Es soll Besessenheitsmächte, Krankheiten, Gifte und Ähnliches beseitigen, den Tod brechen und Ruhm, Einfluss, Wohlstand, Schönheit sowie Söhne gewähren. Der Text versichert dies ohne Zweifel. Die Prosa erläutert: In das Lotusinnere schreibt man oṃ und darin den Namen des Betreffenden. Auf die vier Hauptblätter kommt jūṃ, auf die vier Eckblätter saḥ. Außen zeichnet man ein Quadrat; in dessen Hauptrichtungen steht vaṃ, in den Ecken ṭhaṃ. Man trägt es nach dem beschriebenen Verfahren; ihm werden die genannten Wirkungen zugeschrieben.
Der Aghora-Waffenmantra aus der Śrīkaṇṭhasaṃhitā
30.AGH.1: Nun werde ich den Aghora-Waffenmantra erklären, Herrin der Welt: Er soll alle Feinde niederschlagen und sämtliche bösen Besessenheitsmächte und Krankheiten beseitigen. 30.AGH.2: Revatī wird von Nakula überlagert und mit Lolākṣī und Śrīmukhī verbunden. Danach folgt Kurdinī, von Bhṛgu überlagert und mit Vartulākṣī verbunden, Geliebte. 30.AGH.3: Dann Revatī; dieses Paar erneut. Dasselbe Paar wird mit vorangestelltem pra wiederholt. Śivottama wird mit Sadya verbunden; darauf Revatī, dieses Paar erneut und tara. 30.AGH.4: Dann folgt das Wort tanurūpa, Göttin; zweimal caṭa und dasselbe mit vorangestelltem pra. Dann Krodhīśa und Nakulīśa, und dieses Paar erneut, Glückverheißende. 30.AGH.5: Zweimal vama, zweimal bandha, danach zweimal ghātaya. Der Mantra endet mit Panzer- und Waffenbīja, Göttin, und wird als einundfünfzigsilbig bezeichnet. Die Prosa entschlüsselt die Lautnamen: Revatī ist r, unter ha, das durch Nakula bezeichnet wird. Lolākṣī ist ī, Śrīmukhā der Bindu; zusammen entsteht hrīṃ. Bhṛgu bezeichnet sa, darunter steht pha, Kurdinī; Vartulākṣī ist u, sodass sphu entsteht. Revatī fügt r hinzu. Die Wiederholung ergibt sphura sphura; mit pra wird daraus prasphura prasphura. Dass beide Formen wiederholt werden, wird aus dem verbindenden ca erklärt. Śivottama bezeichnet gha, Sadya den Vokal o, also gho; Revatī ergänzt r. Die Wiederholung ergibt ghora ghora, darauf steht ausdrücklich tara. Tanurūpa wird als wörtlicher Bestandteil beibehalten. Es folgen caṭa caṭa, pracaṭa pracaṭa, aus Krodhīśa und Nakulīśa ka und ha, also wiederholt kaha kaha, sodann vama vama, bandha bandha, ghātaya ghātaya. Das Panzerbīja ist huṃ, das Waffenbīja phaṭ. Die Prosa bestätigt erneut die Angabe von 51 Lauten. Die beschwörenden Tätigkeitswörter umfassen unter anderem Aufleuchten, Hervorbrechen, Ausspeien, Binden und Schlagen; sie gehören zur historischen Waffenmantra-Sprache. 30.AGH.6: Als Seher gilt Aghora, als Versmaß Triṣṭubh, als Gottheit Aghorarudra. Huṃ wird als Bīja genannt, Göttin. 30.AGH.7: Seine Kraft ist das Śakti-Bīja. Die Anwendung gilt den vier menschlichen Lebenszielen, Göttin. Danach vollzieht man den Sechsglieder-Nyāsa. 30.AGH.8: Die elf Wörter des Mantras werden auf die bezeichneten Stellen verteilt. Der Vers gibt die Folge durch Zahlwörter an, darunter „Pfeile“, „Augen“ und „Sonnen“; die mittlere Wortgruppe (śaradṛgādigudāntadivākaraiḥ) ist sprachlich gestört. Die genaue praktische Aufteilung wird in der folgenden Prosa erläutert und hier nicht erraten. Die Druckfußnoten nennen kāmendrā und uktavat als Varianten.
30.AGH.9: Höchste Herrin, die Wörter werden auf Haupt, Augen, Gesicht, Kehle, Herz, Nabel, den unteren Körperbereich, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Füße gesetzt. Der verkürzte Verswortlaut im Bereich zwischen Nabel und Oberschenkeln ist unsicher; die Prosa nennt dort ausdrücklich das Geschlechtsglied. 30.AGH.10: Mahādevī, die Wortabschnitte bestehen aus der durch die Zahlwörter „Pfeile, Jahreszeiten, Augen, Vasus, Meere, Geschmäcker, Veden“ und die weiteren Zahlwörter angegebenen Lautfolge. Vers und anschließende Zahlenprosa stimmen an einer Stelle nicht sicher überein. Die Prosa unterscheidet zwei Einteilungen. Für den Sechsglieder-Nyāsa nennt sie 5, 6, 10, 10, 8 und 12 Laute, zusammen 51. Für die elf Körperstellen nennt der Druck dagegen 5, 6, 2, 8, 4, 6, 4, 7, 4, 6 und 2. Diese zweite Reihe ergibt 54; insbesondere die mit 7 angegebene Stelle passt nicht zur unten ausgeschriebenen Zweiergruppe vama vama. Die Zahlen werden als Quellenabweichung bewahrt und nicht unbemerkt korrigiert. 30.AGH.11: Nach diesem Nyāsa am Leib meditiert der Übende mit heiterem Geist über die Gottheit: dunkel wie eine Regenwolke, mit furchtbaren Hauern und drei Augen. 30.AGH.12: Schlangen bilden ihren Schmuck; rote Gewänder und rote Salbung zieren sie. Axt, Schwert, Pfeile und Dreizack 30.AGH.13: hält sie in den rechten Händen, von oben abwärts; in den linken Trommel, Schild, Bogen und Menschenschädel, Pārvatī. 30.AGH.14: Bei auf Wünsche gerichteten Handlungen stellt man sie rot vor, bei schädigender Magie schwarz; zur Bezwingung und Beruhigung von Besessenheitsmächten und Geistern perlenhell. 30.AGH.15: Nach dieser Betrachtung des Götterherrn verwendet man den zuvor beschriebenen Śiva-Sitz: zwei Lotuskränze innerhalb eines Sechsecks, umgeben von äußeren Einfassungen, 30.AGH.16: mit vier Toren und acht Blättern, Mahādevī. Dorthin ruft man die Gottheit und verehrt sie mit lieblichen Düften und Blumen. 30.AGH.17: Zuerst verehrt man wie zuvor die Glieder auf den Staubfäden. Auf dem ersten achtblättrigen Lotus verehrt man, Göttin, die acht Waffen: 30.AGH.18: Axt, Trommel, Schwert, Schild, Pfeile, Bogen, Dreizack und Schädelschale. Auf dem zweiten achtblättrigen Lotus 30.AGH.19: verehrt man die Mütter von Brāhmī an. In den beiden Gängen zwischen den drei Quadratlinien verehrt man die Welthüter und ihre Waffen. Anwendung in Prosa: Nach den Morgenhandlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes vollzieht man drei Atemregelungen. Man setzt auf das Haupt aghorāya ṛṣaye namaḥ, auf den Mund triṣṭupchandase namaḥ, auf das Herz śrīaghorarudrāya devatāyai namaḥ, in den Schambereich huṃ bījāya namaḥ und auf die Füße hrīṃ śaktaye namaḥ: Verehrung dem Seher Aghora, dem Versmaß Triṣṭubh, der Gottheit Śrī Aghorarudra, dem Bīja huṃ und der Kraft hrīṃ. Mit zusammengelegten Händen spricht man mama caturvargapuruṣārthasiddhaye viniyogaḥ — „Die Anwendung dient meiner Verwirklichung der vier menschlichen Lebensziele.“ Die sechs Gliederformeln lauten:
- hrīṃ sphura sphura hṛdayāya namaḥ.
- prasphura prasphura śirase ….
- ghora ghoratara tanurūpa śikhāyai ….
- caṭa caṭa pracaṭa pracaṭa kavacāya ….
- kaha kaha vama vama netratrayāya ….
- bandha bandha ghātaya ghātaya huṃ phaṭ astrāya phaṭ.
Die mit Punkten bezeichneten Formelenden sind im Druck abgekürzt. Diese Formeln setzt man an die Hände vom Daumen bis zur Handfläche und auf die sechs Körperglieder vom Herzen an. Anschließend folgt der Wort-Nyāsa, jeweils mit namaḥ: Haupt hrīṃ sphura sphura; Augen prasphura prasphura; Gesicht ghora; Kehle ghoratara tanurūpa; Herz caṭa caṭa; Nabel pracaṭa pracaṭa; Geschlechtsglied kaha kaha; Oberschenkel vama vama; Knie bandha bandha; Unterschenkel ghātaya ghātaya; Füße huṃ phaṭ. Nach Meditation und Gliederverehrung folgen auf dem ersten Lotus, von vorn im Uhrzeigersinn: paraśave namaḥ, ḍamarukāya namaḥ, khaḍgāya namaḥ, kheṭāya namaḥ, bāṇebhyaḥ namaḥ, dhanuṣe namaḥ, śūlāya namaḥ, kapālāya namaḥ — Verehrung Axt, Trommel, Schwert, Schild, Pfeilen, Bogen, Dreizack und Schädelschale. Auf dem zweiten Lotus verehrt man die acht Mütter von Brāhmī an; danach wird von Indra an alles wie zuvor abgeschlossen. 30.AGH.20: Unter Beachtung des Gelübdes und von Opferspeise lebend soll man den Mantra 100.000-mal wiederholen. Ein Zehntel dieser Zahl opfert man mit reinem, in Ghee getränktem Sesam. 30.AGH.21: Nach Wasserdarbringungen und Besprengung speist man Brahmanen mit Süßem. Ist der vorzügliche Mantra so wirksam gemacht, führt man die wunschbezogenen Handlungen aus. 30.AGH.22: Der Einsichtige soll nachts der Reihe nach mit Ghee, Apāmārga, Sesam, Senf und Milchreis, jeweils mit Ghee versehen, je tausend Opfer darbringen. 30.AGH.23: Dieses Feueropfer soll sogleich Geisterbedrängnis, Schadenzauber, Krankheit und Ähnliches beseitigen. Es folgt die Nennung weißer Kiṃśuka-Blüten beziehungsweise -Hölzer und Nirguṇḍī sowie 30.AGH.24: vorzüglicher Apāmārga-Opferhölzer; auch diese Opfer sollen wie zuvor Geister beruhigen. Apāmārga und Āragvadha werden mit Pañcagavya benetzt — die Anweisung setzt sich auf der nächsten Seite fort. Die Druckfußnote nennt mūlam, „Wurzel“, als Variante zu den zuletzt genannten Pflanzenteilen.
30.AGH.25: Die genannten Opferhölzer bringt man beherrscht in der Nacht des fünften Tages der dunklen Monatshälfte dar. Je tausend Opfer sollen die Geister bezwingen. 30.AGH.26: Der Reihe nach opfert man je tausendmal Ghee, Apāmārga, Pañcagavya und die als havis/ghṛta bezeichneten Opferstoffe; der letzte Ausdruck ist gedrängt und nicht eindeutig gegliedert. Das Ghee wird dabei in einem Gefäß aufgefangen. 30.AGH.27: Zur Beruhigung der Geister lässt man den Betreffenden von diesem aufgefangenen Ghee essen. Für das Yantra zeichnet man einen achtblättrigen Lotus innerhalb der äußeren Einfassung. 30.AGH.28: In sein Inneres setzt man das Māyā-Bīja samt Name und Anliegen des Betreffenden. Diese Kraft umschließt man mit den Vokalen. Auf die Staubfäden setzt man die Laute der acht Gruppen. 30.AGH.29: Auf sieben Blättern schreibt man die Folge von ka bis la, auf dem achten die sieben Laute von va bis kṣa. 30.AGH.30: Die Mantralaute von sphura bis zum zweimaligen caṭa schreibt man in Dreiergruppen in die Blattmitten, Mahādevī. 30.AGH.31: Auf die Blattspitzen schreibt man ebenso in Dreiergruppen die Laute von pracaṭa bis ghātaya. In jede der sechs äußeren Ecken schreibt man 30.AGH.32: Panzer- und Waffenbīja. Außen umschließt man alles mit der Erdumfassung. Nach der bei der Einweihung angegebenen Vorschrift stellt man auf diesem Yantra einen Krug auf. 30.AGH.33: Dort verehrt man die Gottheit. Durch Übergießen mit dem Wasser sollen Geisterbedrängnis, Anfallsleiden, Schadenzauber und alle ähnlichen Störungen schwinden. Die Prosa erklärt die Zeichnung ausführlich: Auf ebenem Boden zeichnet man mit Zinnober oder einem entsprechenden Stoff ein großes Sechseck und darin einen achtblättrigen Lotus. In dessen Inneres schreibt man das Śakti-Bīja. In den Innenraum des ha schreibt man beispielsweise devadattasya, „des Devadatta“; an die Stelle des r rogam, „die Krankheit“; an die Stelle des ī nāśaya nāśaya, „beseitige, beseitige“. So werden Person, Gegenstand und gewünschte Handlung in das Bīja eingefügt. Man umschließt es mit den sechzehn Vokalen samt Bindu. Auf den Staubfäden der acht Blätter stehen von vorn im Uhrzeigersinn:
- kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ.
- ṅaṃ caṃ chaṃ jaṃ.
- jhaṃ ñaṃ ṭaṃ ṭhaṃ.
- ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ taṃ.
- thaṃ daṃ dhaṃ naṃ.
- paṃ phaṃ baṃ bhaṃ.
- maṃ yaṃ raṃ laṃ.
- vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ ḷaṃ kṣaṃ namaḥ.
Die Blattmitten werden der Reihe nach mit sphurasphu; raprasphu; raprasphu; raghora; ghorata; ratanu; rūpaca; caṭacaṭa beschriftet. Die Drucklesung des letzten Abschnitts ist gegenüber der angekündigten Dreierteilung auffällig; die zusammengesetzten Silbengruppen werden hier nicht zu selbständigen Wörtern umgedeutet. Auf den Blattspitzen stehen pracaṭa; pracaṭa; kahaka; havama; vamaba; ndhabandha; ghātaya; ghātaya. Die sechs äußeren Ecken erhalten jeweils huṃ phaṭ. Außen folgt ein Quadrat. Nach der Einweihungsvorschrift stellt man den Krug auf, ruft die Gottheit hinein und verehrt sie. Mit dem Wasser übergießt man den Betreffenden; dies soll die genannten Früchte bewirken.
Eine weitere Aghora-Yantraform
30.AGH.34: Man zeichnet einen strahlenden achtblättrigen Lotus und in dessen Mitte ein Sechseck. Darin schreibt man die Kraft samt dem Namen des Betreffenden. 30.AGH.35: Die Kraft umschließt man mit dem zweimaligen sphura, Herrin der Welt. Auf die Ecken des Sechsecks verteilt man das zweimalige prasphura. 30.AGH.36: Je ein Laut kommt auf jede Ecke, Mahādevī. Die übrigen Laute des Grundmantras verteilt man auf die Blätter zunächst in Gruppen von sechs, vier, vier und sechs, 30.AGH.37: dann vier, vier, vier und sechs. Außen zeichnet man erneut ein Sechseck, Mahādevī. 30.AGH.38: In seine Ecken schreibt man huṃ phaṭ und umschließt alles außen mit einem Quadrat. Dieses Aghora-Yantra wird als auf Erden schwer zugänglich bezeichnet. 30.AGH.39: Es soll niedere Schadenmittel, Waffen, Besessenheitsmächte, gefährliche Tiere, Geister und Anfallsleiden abwehren. Zur Wirksamkeit gebracht und getragen, soll es den Menschen sämtliche Vollendungen gewähren. Die Prosa wiederholt den Aufbau: In ein großes Sechseck kommt der achtblättrige Lotus, in dessen Inneres ein weiteres Sechseck. In dessen Mitte schreibt man das Śakti-Bīja mit dem Namen wie zuvor. Es wird von den vier Silben sphura sphura umgeben. Die sechs Silben prasphura prasphura werden einzeln auf die sechs inneren Ecken verteilt. Auf den acht Blättern, von vorn im Uhrzeigersinn, stehen die übrigen Laute von ghora bis zum abschließenden ghātaya, in der Folge 6, 4, 4, 6, 4, 4, 4, 6 geteilt. Die äußeren sechs Ecken tragen jeweils die beiden Schlusssilben huṃ phaṭ; ein Quadrat umgibt alles. Der Text schreibt diesem Yantra die genannten Früchte zu. Es folgt der Pāśupata-Waffenmantra aus dem Śrīśivarahasya.
Der Pāśupata-Waffenmantra aus dem Śrīśivarahasya
30.PAS.1: Nun erkläre ich den großen Herrscher-Mantra namens Pāśupata, den König der Waffen, der sämtliche Bedrängnisse beseitigen und Feinde zerschneiden soll. 30.PAS.2: Zuerst kommt der Praṇava, dann Vakreśa, mit Śānti und Indra versehen und vom Mond gekrönt. Darauf der vor Śikhīśa stehende Laut und der auf va folgende Laut, verbunden mit dem fünften Vokal. Unnummerierte Fortsetzung: Panzer- und Waffenbīja bilden den Schluss. Dieser Mantra wird als sechssilbig bezeichnet, Sechsgesichtiger. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Die Prosa entschlüsselt: Tārā ist oṃ. Vakreśa ist śa, Śānti ī, Indra la und die Mondkrone der Bindu; dies ergibt ślīṃ. Der vor Śikhīśa stehende Laut ist pa. Auf va folgt śa; mit dem fünften Vokal u ergibt sich śu. Das Panzerbīja ist huṃ, das Waffenbīja phaṭ. Zusammengesetzt ergibt die Erklärung oṃ ślīṃ paśu huṃ phaṭ. Die Buchstabenform des zweiten Bījas ist im Druck schwer erkennbar; die Prosa nennt ausdrücklich śa, la, ī und Bindu. 30.PAS.3: Sein Seher ist Vāmadeva, als Versmaß wird Paṅkti genannt. Seine Gottheit ist der von den Göttern verehrte Rudra-Paśupati. 30.PAS.4: Mit den sechs Mantralauten, jeweils mit Bindu versehen und um huṃ phaṭ sowie die jeweilige Gliederendung ergänzt, setzt man, Sechsgesichtiger, die Glieder an Hände und Körper. 30.PAS.5: Der Mantraübende meditiert mit einspitzigem Geist über Paśupati: Er hat fünf Gesichter und zehn Arme, jedes Gesicht drei Augen. 30.PAS.6: Bart und Haupthaar gleichen Feuerflammen, seine Hauer sind furchtbar. Schwert, Pfeile, Gebetskette, Speer und Axt 30.PAS.7: hält er in den rechten Händen, von oben abwärts, Guha. Schild, Bogen, Wassergefäß, Dreizack und Brahmā-Stab 30.PAS.8: trägt er in den linken Händen. Sein Glanz gleicht der Mittagssonne; vielfältiger Schmuck erstrahlt an ihm, und große Schlangen schmücken ihn. 30.PAS.9: Zugleich soll man ihn kristallhell, leuchtend und als Geber alles Erwünschten betrachten. Auf dem zuvor beschriebenen Śiva-Sitz verehrt man ihn mit Duft und den weiteren Gaben. 30.PAS.10: Man zeichnet einen achtblättrigen Lotus mit Lotusinnerem und Staubfäden, vier Toren und drei Quadratlinien. 30.PAS.11: Dieses Yantra zeichnet man auf geeignetes Gold, Silber oder einen entsprechenden Stoff, auf ein Tuch oder auf ein Brett aus Śrīkaṇṭha-Holz oder einem anderen genannten Holz, mein Kind. 30.PAS.12: Nach der Verehrung mit allen Darbringungen verehrt man die Glieder wie zuvor. Auf den Blättern werden die Mütter verehrt, außen die Welthüter und ihre Waffen. 30.PAS.13: Wer Rudra nach dieser Vorschrift mit höchster Hingabe verehrt, erlangt hier alle Wünsche und wird am Ende Śiva. Anwendung in Prosa: Nach den Morgenhandlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes vollzieht man mit dem Grundmantra drei Atemregelungen. Auf das Haupt setzt man vāmadevāya ṛṣaye namaḥ, auf den Mund paṅkticchandase namaḥ, auf das Herz paśupataye devatāyai namaḥ. Mit zusammengelegten Händen erklärt man mama sarvābhīṣṭasiddhaye viniyogaḥ — „Die Anwendung dient der Erfüllung aller meiner Anliegen.“ Die sechs Gliederformeln lauten oṃ huṃ phaṭ hṛdayāya namaḥ; ślīṃ huṃ phaṭ śirase svāhā; paṃ huṃ phaṭ śikhāyai vaṣaṭ; śuṃ huṃ phaṭ kavacāya huṃ; huṃ huṃ phaṭ netratrayāya …; phaṭ huṃ phaṭ astrāya …. Die beiden letzten Endungen sind im Druck abgekürzt; phaṭ bleibt im letzten Abschnitt sichtbar verdoppelt. Diese Formeln setzt man an die Hände vom Daumen bis zur Handfläche und an die sechs Körperglieder vom Herzen an. Nach Meditation und Gliederverehrung verehrt man die Mütter von Brāhmī an auf den acht Blättern, in den beiden äußeren Gängen Indra und die übrigen Welthüter sowie deren Waffen. Alles Weitere wird wie zuvor abgeschlossen. 30.PAS.14: Von Opferspeise lebend und mit beherrschten Sinnen soll man pro Mantralaut 100.000 Wiederholungen vollziehen. Ein Zehntel dieser Zahl opfert man mit Dūrvā und Ghee im rituell bereiteten Feuer. 30.PAS.15: Nach Wasserdarbringungen und Besprengung speist man Brahmanen, Guha. Ist der Mantra so wirksam geworden, führt der Übende die besonderen Anwendungen aus. 30.PAS.16: Mit diesem Mantra besprochenes Wasser wird dem als besessen geltenden Menschen ins Gesicht gesprengt. Durch die Kraft des Mantras soll die ergreifende Macht ihn sogleich schreiend verlassen. 30.PAS.17: Ein König soll im Kampf Pfeile abschießen, die mit diesem Mantra besprochen wurden. So soll er selbst Feinde mit starken Heeren augenblicklich besiegen, Sechsgesichtiger.
Der Nīlakaṇṭha-Mantra aus der Śrīkaṇṭhasaṃhitā
30.NIL.1: Ich werde den Nīlakaṇṭha-Mantra erklären, der Gift und Besessenheitsmächte vernichten soll. Kennt ihn der Mantraübende, Girijā, soll er Gift durch seinen Blick beseitigen können. 30.NIL.2: Lohiteśa trägt Anaṅgeśa über sich, Pārvatī, und wird mit Sadya und Anugraha verbunden. Dies wird nun zuerst erklärt. Die Lautauflösung folgt auf der nächsten Seite; die letzten Wörter des Verses sind durch den durchscheinenden Druck beeinträchtigt. Die Fußnoten bieten tam, daṇḍayuk, śāntam und dṛṣṭvā als Varianten. Aussagen über Gift, Krankheit und Kampf sind als historische Wirkversprechen des Textes zu verstehen.
30.NIL.3: Auch Meṣeśa steht auf Bhujaṅga und ist mit Lolākṣī und Śrīmukhī verbunden. Als dritte Silbe wird Lāṅgalīśa, verbunden mit Mahāsena, genannt. Die Prosa entschlüsselt: Bhujaṅgeśa ist r, darüber steht Lohiteśa, pa. Sadya ist o, Akrūra der Bindu; daraus entsteht proṃ. Meṣeśa ist na, auf r stehend; mit Lolākṣī, ī, und Śrīmukhī, dem Bindu, entsteht nrīṃ. Lāṅgalīśa ist ṭha, Mahāsena der Visarga, also ṭhaḥ. Die hier erklärte Folge lautet proṃ nrīṃ ṭhaḥ. Der Name für den Bindu wechselt gegenüber der vorangehenden Verslesung; die Prosa ist in ihrer Lautangabe ausdrücklich. 30.NIL.4: Als Seher wird Aruṇa genannt, als Versmaß Anuṣṭubh. Die Gottheit ist Śiva-Nīlakaṇṭha, Göttin. Nun wird das Verfahren für die Glieder erklärt; der Vers verwendet zunächst die Bezeichnung „sechsgliedrig“. 30.NIL.5: Die Herzformel besteht aus zweimal hara und dem durch dviṭha bezeichneten Schluss svāhā. Die Hauptformel hat kapardine und svāhā. Für die Scheitelhaarlocke wird Nīlakaṇṭha mit der Dativendung und abschließendem svāhā genannt. 30.NIL.6: Die Panzerformel verbindet kālakūṭa mit viṣabhakṣaṇa, dem Verzehren des Giftes, und den beiden Panzer- und Waffenbījas. Die anschließende Kurzfassung der Waffenformel ist gedrängt; die Prosa unten schreibt sie aus. 30.NIL.7: So verehrt man, Göttin, die fünf Glieder an Händen und Körper. Dann setzt man die drei Bījas auf Haupt, Kehle und Herz. Die Fünferangabe weicht von der anfänglichen Sechserbezeichnung ab; die Augenformel fehlt nach ausdrücklicher Angabe der Prosa. 30.NIL.8: Man meditiert über Nīlakaṇṭha, dessen Glanz zehntausend aufgehenden Sonnen gleicht. Die Mondsichel leuchtet in seiner Krone aus Haarflechten; vorzügliche Schlangen 30.NIL.9: bilden seinen Schmuck. In der unteren rechten Lotushand hält er eine Gebetskette, in der oberen einen Dreizack; in der oberen linken eine Schädelschale 30.NIL.10: und in der unteren linken den Schädelstab. Fünf Gesichter zieren ihn, jedes mit drei Augen. Ein Tigerfell umhüllt ihn als Gewand. 30.NIL.11: Er sitzt inmitten eines Lotus und hat eine überaus schöne Gestalt. Nach dieser Meditation verehrt man ihn auf dem Śiva-Sitz mit allen Darbringungen. 30.NIL.12: Auf dem schönen achtblättrigen Lotus mit drei Quadratlinien und vier Toren verehrt man zuerst die Glieder. 30.NIL.13: Danach verehrt man die Welthüter und ihre Waffen. So soll der Mantraübende Nīlakaṇṭha, den großen Herrn, verehren. Unnummerierte Fortsetzung: Wie ein zweiter Nīlakaṇṭha soll er Gift durch seinen Blick vernichten. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Anwendung in Prosa: Nach den Morgenhandlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes vollzieht man mit dem Grundmantra drei Atemregelungen. Auf das Haupt setzt man aruṇāya ṛṣaye namaḥ, auf den Mund triṣṭupchandase namaḥ, auf das Herz śrīnīlakaṇṭhāya devatāyai namaḥ. Die Prosa nennt also Triṣṭubh, während Vers 4 Anuṣṭubh nennt. Mit zusammengelegten Händen erklärt man mama sarvābhīṣṭasiddhaye viniyogaḥ — „Die Anwendung dient der Erfüllung aller meiner Anliegen.“ Nach Reinigung der Hände mit dem Grundmantra folgen fünf Gliederformeln:
- hara hara svāhā hṛdayāya namaḥ — „Nimm hinweg, nimm hinweg; svāhā; dem Herzen Verehrung.“
- kapardine svāhā śirase svāhā — „Dem Haarflechtenträger svāhā; dem Haupt svāhā.“
- nīlakaṇṭhāya svāhā śikhāyai vaṣaṭ — „Dem Blaukehligen svāhā; der Scheitelhaarlocke vaṣaṭ.“
- kālakūṭaviṣabhakṣaṇāya huṃ phaṭ kavacāya huṃ — „Dem Verzehrer des Kālakūṭa-Giftes huṃ phaṭ; dem Schutzpanzer huṃ.“
- nīlakaṇṭhāya svāhā astrāya phaṭ — „Dem Blaukehligen svāhā; der Schutzwaffe phaṭ.“
Man setzt sie an die Hände vom Daumen bis zum kleinen Finger und an die fünf Körperglieder, ausdrücklich ohne die Augen. Der eingeklammerte Zusatz nennt proṃ namaḥ auf dem Haupt, nrīṃ namaḥ an der Kehle und ṭhaḥ namaḥ wiederum auf dem Haupt. Das zweite „Haupt“ steht so in der Prosa; Vers 7 nennt an dieser Stelle das Herz. Nach Meditation und Gliederverehrung verehrt man die Welthüter und ihre Waffen in den beiden Gängen und schließt alles wie zuvor ab. 30.NIL.14: Der Eingeweihte soll mit beherrschten Sinnen 300.000 Wiederholungen vollziehen, Göttin. Ein Zehntel davon bringt er als Feueropfer mit Opferspeise und Ghee dar. 30.NIL.15: Nach Wasserdarbringungen und Besprengung speist er Brahmanen mit Süßem. Ist der Mantra so wirksam geworden, soll der Übende augenblicklich 30.NIL.16: die drei Giftarten beseitigen, selbst wie Nīlakaṇṭha. Berührt er einen von Gift Betroffenen und wiederholt den Mantra, soll dieser sofort giftfrei werden. 30.NIL.17: Mit dem ersten und letzten Bīja soll er das Gift an den Seiten entfernen, mit dem mittleren das in der Mitte befindliche; mit dem ganzen Mantra soll er alles beseitigen. 30.NIL.18: Durch Besprengen mit Krugwasser, das mit diesem Mantra besprochen wurde, soll selbst ein eben erst Gebissener sofort giftfrei werden. 30.NIL.19: Der Mantraübende soll den von Gift Betroffenen ansehen und gesammelt rezitieren. Dieser soll bald von beiden Giftarten frei werden; daran besteht nach dem Text kein Zweifel. Die wechselnden Angaben „drei“ und „zwei“ Giftarten bleiben erhalten. Die Fußnoten nennen tāra und dṛṣṭvā, „nachdem er angesehen hat“, als Varianten. Die Giftbehandlung wird als historisches Wirkversprechen wiedergegeben.
30.NIL.20: Sieht man einen von Gift oder einer ergreifenden Macht Betroffenen, setzt man die drei Mantralaute auf das eigene Haupt, die Kehle und das Herz und erinnert sich an den Guru als Gestalt der Gottheit. 30.NIL.21: Dann setzt der kundige Übende die drei Mantralaute auf Ring-, Mittel- und Zeigefinger der rechten Hand, Göttin. Der Druck hat bei der Zahl eine ausdrücklich eingeklammerte Korrektur von „zwei“ zu „drei“. 30.NIL.22: Mit diesen Fingern bildet man die Dreizackgeste, richtet sie dem Gebissenen entgegen und zeigt sie ihm. Dann wiederholt man den Mantra fünfzigmal, Tochter des Berges. 30.NIL.23: Dadurch sollen pflanzliche beziehungsweise ortsfeste, tierische und künstlich hergestellte Gifte sowie Krankheit, Besessenheitsmächte, Anfallsleiden und vorzeitiger Tod beseitigt werden. 30.NIL.24: Speise oder Arznei, über der dieser Mantra fünfzigmal gesprochen wurde, gilt gegessen als vorzügliches Mittel gegen Gift, Krankheit und Ähnliches, Glückverheißende.
Zwei achtsilbige Nīlakaṇṭha-Mantras
30.NIV.1: Nun erkläre ich einen weiteren Nīlakaṇṭha-Mantra, Pārvatī. Praṇava, Herzformel und nīlakaṇṭhāya bilden einen achtsilbigen Mantra. Die Prosa erklärt: Tārā ist oṃ, die Herzformel namaḥ, und nīlakaṇṭhāya steht wörtlich. Daraus ergibt sich oṃ namaḥ nīlakaṇṭhāya, in verbundenem Sprechen oṃ namo nīlakaṇṭhāya — „Oṃ, Verehrung dem Blaukehligen.“ 30.NIV.2: Der Seher ist Brahmā, das Versmaß heißt Gāyatrī. Die Gottheit ist Nīlakaṇṭha, der Gift und Besessenheitsmächte vernichten soll. 30.NIV.3: Glieder-Nyāsa, Meditation, Verehrung, Wiederholung, Feueropfer und die übrigen Handlungen gelten wie beim vorherigen dreisilbigen Mantra. Ein anderer achtsilbiger Mantra besteht aus Praṇava, Nīlakaṇṭha im Dativ und der „Gemahlin des Feuers“, also svāhā: oṃ nīlakaṇṭhāya svāhā. 30.NIV.4: Im Druck eingeklammert: Sein Seher ist Aruṇa, das Versmaß Gāyatrī, die Gottheit Śiva unter dem Namen Mahānīlakaṇṭha, der Gift, Krankheit und Ähnliches vernichten soll. 30.NIV.5: Nach Reinigung der Hände mit dem Grundmantra vollzieht man den Fünfglieder-Nyāsa. Auf das Herz setzt man Nīlakaṇṭha im Dativ mit der Herzendung namaḥ. 30.NIV.6: Svāhā namaḥ ist für das Haupt angegeben; Praṇava mit namaḥ für die Scheitelhaarlocke. Nīlakaṇṭha im Dativ mit namaḥ gilt als Panzerformel. 30.NIV.7: Für die Schutzwaffe steht wiederum svāhā mit abschließendem namaḥ. So setzt man der Reihe nach die fünf Glieder ein. Die acht Mantralaute werden vom rechten Zeigefinger 30.NIV.8: bis zum linken Zeigefinger verteilt. Ebenso setzt man sie auf Füße, Oberschenkel, Schambereich, Nabel, Herz, Kehle, Gesicht und Haupt, Geliebte. 30.NIV.9: Die Gesichter der Gottheit, vom östlichen an, sind weiß, gelb, rot und schwarz. Ihre Hände zeigen Furchtlosigkeit und Gabegewährung und halten Bogen und Vāsuki, die Schlange. 30.NIV.10: Man meditiert über die überaus schöne Gottheit mit Gaurī an ihrer Seite. Der Kundige soll damit der Reihe nach Vernichtung, Entgiftung, Stillstellung und Besessenheits- beziehungsweise Eintrittswirkung vollziehen; die knappen Handlungsnamen werden nicht zu zusätzlichen Verfahren ausgearbeitet. Die Prosa legt die Reihenfolge der Hände fest: von der unteren rechten Hand bis zur unteren linken. 30.NIV.11: Den höchsten Herrn verehrt man nach der Vorschrift des dreisilbigen Mantras. Als Puraścaraṇa wird auch hier 100.000-malige Wiederholung pro Mantralaut genannt, Mahādevī. Anwendung in Prosa: Nach den Morgenhandlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes vollzieht man mit dem Grundmantra drei Atemregelungen. Auf das Haupt kommt aruṇāya ṛṣaye namaḥ, auf den Mund gāyatrīchandase namaḥ, auf das Herz śrīmahānīlakaṇṭhāya devatāyai namaḥ. Mit zusammengelegten Händen erklärt man mama sarvābhīṣṭasiddhaye viniyogaḥ — „Die Anwendung dient der Erfüllung aller meiner Anliegen.“ Nach Reinigung der Hände mit dem Grundmantra folgen nīlakaṇṭhāya namaḥ hṛdayāya namaḥ; svāhā namaḥ śirase svāhā; oṃ namaḥ śikhāyai vaṣaṭ; nīlakaṇṭhāya namaḥ kavacāya huṃ; svāhā namaḥ astrāya phaṭ. Diese fünf Formeln werden an die Hände vom Daumen bis zum kleinen Finger und an die Körperglieder vom Herzen an gesetzt, ausdrücklich ohne die Augen. Nach der beschriebenen Meditation führt man alles Weitere wie beim dreisilbigen Mantra aus.
Der Cintāmaṇi-Mantra aus dem Śrīśivarahasya
30.CIN.1: Auf dem lieblichen Gipfel des Kailāsa, geschmückt mit vielfältigen Edelsteinen, erfüllt von verschiedenen Bäumen und Ranken und bewegt vom sanften Wind, 30.CIN.2: wo der Duft vieler Blumen die Himmelsrichtungen erfreut, dienen Scharen von Siddhas, Kinnaras, Gandharvas, Cāraṇas und Apsarās, 30.CIN.3: die Śiva stets durch Gesang, Instrumentalspiel und Tanz erfreuen; ebenso die Götter mit Brahmā, Viṣṇu und dem Tausendäugigen an der Spitze, 30.CIN.4: die Scharen mit dem Elefantengesichtigen, Nandin und Bhṛṅgin sowie die Weisen. Sie dienen ihm auf einer Felsfläche aus Vaiḍūrya-Edelstein — die Beschreibung setzt sich fort. Die Fußnoten nennen unter anderem āsādya, mantram, śaktau, die alternative pauschale Übernahme von Seher, Versmaß und Gottheit „wie zuvor“, brahmaṇe anstelle der Aruṇa-Anrufung und śaktayaḥ. Die Zuordnungsvarianten werden bewahrt.
30.CIN.5: Dort saß Hara als Ardhanārīśvara auf dem Löwenthron, mit einem überaus freundlichen Gesicht. Skanda fragte diesen Śambhu, Śaṅkara. Skanda sprach: 30.CIN.6: Erhabener, Kenner allen Dharmas, Ursprung und Herr der Welt, anfangs- und endloser Grund von allem, dessen Gestalt Gnade für die Verehrer ist! 30.CIN.7: Dich, der du deine Verehrer liebst, möchte ich nach einem Geheimnis fragen. Ich bin dir ergeben, Herr der Götter; sprich aus Gnade, Allgegenwärtiger. 30.CIN.8: Den Cintāmaṇi-Mantra, auf den du früher hingewiesen hast, möchte ich jetzt hören, Herr der Welt, Śaṅkara. Śrī Mahādeva sprach: 30.CIN.9: Gut, gut, weiser Guha, der du den Sinn aller Tantras ergründet hast! Obwohl es ein Geheimnis ist, werde ich es erklären, weil du mir ergeben bist, Sechsgesichtiger. 30.CIN.10: Niemandem habe ich es bisher mitgeteilt. Aus Zuneigung zu dir spreche ich es aus. Du sollst es bewahren und nicht öffentlich verbreiten, mein Kind, Sechsgesichtiger. 30.CIN.11: Einem aufrichtig Ergebenen, einem ganz Friedvollen und einem aus guter Familie Stammenden darf es gegeben werden. Nun erkläre ich die Gewinnung des Mantras; höre gesammelt, mein Kind. 30.CIN.12: Man nimmt Bhujaṅgeśa und setzt Krodhīśa darunter. Darunter setzt man Śveteśa und Mahākāla, Sechsgesichtiger. 30.CIN.13: Der Druck beginnt hier eine längere Klammer: Erneut schreibt man Bhujaṅga und setzt Kapālīśa darunter. Man verbindet dies mit Anugraheśa, Arghīśa und Akrūreśa. 30.CIN.14: Dies ist nach der vom Guru vermittelten Vorschrift das Cintāmaṇi-Bīja. Nachdem der große Ozean der Veden und Āgamas mit dem Stab der Erkenntnis gequirlt worden war, 30.CIN.15: wurde dieser große Mantra gewonnen, ein unmittelbares Mittel zur Befreiung. Einst hatte der Schöpfer Kaśyapa lange Askese geübt 30.CIN.16: und einen gewaltigen, wunderbar lodernden Haufen von Lichtglanz geschaut. Indem er über dieses große Mantrajuwel lange nachsann, Unnummerierte Fortsetzung: wurde er zum Schöpfer der Welten, mein Kind; daher heißt es Cintāmaṇi, das Wunschjuwel beziehungsweise Juwel des Nachsinnens. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Die Prosa entschlüsselt die Bestandteile: Bhujaṅgeśa ist r, Krodhīśa ka, Śveteśa ṣa, Mahākāla ma, erneut Bhujaṅga r, Kapālīśa ya, Anugraheśa au, Arghīśa ū und Akrūreśa der Bindu. Sie werden zu einem einzigen Kūṭa zusammengefügt. Die zusammengesetzte Drucktype ist nicht eindeutig in eine gewöhnliche Lautfolge aufzulösen; insbesondere sind beide Vokalzeichen genannt. Deshalb wird hier keine vermeintlich sichere, rezitierfertige Normalform erfunden. Die Sanskrit-Arbeitsfassung kennzeichnet die schwer lesbare Ligatur örtlich. 30.CIN.17: Als Seher wird Kaśyapa genannt, als Versmaß Anuṣṭubh. Die Gottheit ist der Ursprung der Welten, Pārvatīs Gemahl. 30.CIN.18: Ṣa wird als Bīja genannt, r als Kraft und ma als Verschluss, mein Kind. Mit den sechs Bestandteilen von r an vollzieht man 30.CIN.19: die sechs Glieder dieses Mantras mit ihren jeweiligen Schlussformeln, Sechsgesichtiger. Hier endet die Druckklammer. Danach meditiert man über Śiva als Ardhanārīśvara. 30.CIN.20: Seine linke Körperhälfte ist korallenrot, die andere blau. Seine hohe Haarfrisur erstrahlt mit Schlangen, den Wellen der Gaṅgā und dem Mond. 30.CIN.21: Die weibliche Hälfte des großen Herrn zeigt anmutige Gesten, Empfindungen und spielerische Bewegungen; die andere Körperhälfte ist furchterregend. Die obere linke Hand hält eine wunderbare Schlinge, 30.CIN.22: die untere linke einen Lotus. Die obere rechte hält einen Dreizack, die untere rechte einen Menschenschädel, Sechsgesichtiger. 30.CIN.23: Gewänder und Schmuck sind nach den Körperhälften unterschieden; Blumengewinde und Salbungen zieren ihn. Nach dieser Meditation verehrt man ihn auf dem Śiva-Sitz mit allen Darbringungen. 30.CIN.24: Man zeichnet zwei achtblättrige Lotuskränze, außen drei Quadratlinien und vier Tore. Darin verehrt man ihn, Sechsgesichtiger. 30.CIN.25: Zuerst verehrt man die Glieder vorschriftsmäßig auf den Staubfäden. Auf den acht Blättern verehrt man Vṛṣabha und die übrigen, Kārttikeya. 30.CIN.26: Auf dem zweiten achtblättrigen Lotus werden die Mütter von Brāhmī an verehrt; in den beiden Gängen wie zuvor die Welthüter und ihre Waffen. Die anschließende Ritualprosa beginnt mit den Morgenhandlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes und drei Atemregelungen mit dem Grundmantra. Dann beginnt die Formel auf dem Haupt mit kaśyapāya …; sie setzt sich auf der nächsten Seite fort. Die Fußnote bietet śuktau als Variante.
Fortsetzung der Prosa auf Druckseite 596: Die auf dem Haupt begonnene Formel lautet vollständig kaśyapāya ṛṣaye namaḥ. Auf den Mund setzt man anuṣṭupchandase namaḥ, auf das Herz śrīardhanārīśvarāya devatāyai namaḥ, in den Schambereich ṣaṃ bījāya namaḥ, auf die Füße raṃ śaktaye namaḥ und auf den Nabel maṃ kīlakāya namaḥ: Verehrung dem Seher Kaśyapa, dem Versmaß Anuṣṭubh, der Gottheit Śrī Ardhanārīśvara, dem Bīja ṣaṃ, der Kraft raṃ und dem Verschluss maṃ. Die deutliche Angabe ṣaṃ klärt die zuvor schwer erkennbare Bīja-Bezeichnung. Mit zusammengelegten Händen erklärt man mama sarvābhīṣṭasiddhaye viniyogaḥ — „Die Anwendung dient der Erfüllung aller meiner Anliegen.“ Danach folgen raṃ hṛdayāya namaḥ; kaṃ śirase svāhā; ṣaṃ śikhāyai vaṣaṭ; maṃ kavacāya huṃ; raṃ netratrayāya vauṣaṭ; yaṃ astrāya phaṭ. Diese sechs Gliederformeln werden an die Hände vom Daumen bis zur Handfläche gesetzt. Die ersten fünf kommen auf Herz, Haupt, Scheitelhaarlocke, Schutzpanzer und Augen; mit der Waffenformel klatscht man dreimal und verschließt die zehn Richtungen. Nach Meditation und Darbringungen bis zu den Blumen verehrt man auf den Staubfäden des Lotus im Südosten raṃ hṛdayāya namaḥ, im Nordosten kaṃ śirase namaḥ, im Südwesten ṣaṃ śikhāyai namaḥ, im Nordwesten maṃ kavacāya namaḥ, vor der Gottheit raṃ netrāya namaḥ und in den vier von vorn beginnenden Richtungen yaṃ astrāya namaḥ. Auf dem ersten Lotus verehrt man von vorn im Uhrzeigersinn mit vṛṣāya namaḥ, kṣetrapālāya namaḥ, caṇḍeśvarāya namaḥ, durgāyai namaḥ, ṣaṇmukhāya namaḥ, nandine namaḥ, vighnanāyakāya namaḥ, senāpataye namaḥ den Stier und die übrigen genannten Gottheiten. Auf dem zweiten Lotus folgen in derselben Richtung āṃ brāhmyai namaḥ, īṃ māheśvaryyai namaḥ, ūṃ kaumāryyai namaḥ, ṝṃ vaiṣṇavyai namaḥ, ḹṃ vārāhyai namaḥ, aiṃ indrāṇyai namaḥ, auṃ cāmuṇḍāyai namaḥ, aḥ mahālakṣmyai namaḥ. Die im Druck verkürzten Endungen sind hier ausgeschrieben. Danach wird von Indra an alles wie zuvor abgeschlossen. 30.CIN.27: Der Eingeweihte soll mit beherrschten Sinnen den Mantra 100.000-mal wiederholen. Ein Zehntel dieser Zahl opfert er mit Sesam und Reis, die mit den drei süßen Stoffen benetzt sind. 30.CIN.28: Mit reinem Wasser sättigt er die Gottheit, Sechsgesichtiger. Danach übergießt er gesammelt sein eigenes Haupt unter Sprechen des Grundmantras. 30.CIN.29: Anschließend erfreut er Brahmanen mit Speisen, Getränken und Gaben. Ist der Mantra so wirksam geworden, führt er die besonderen Anwendungen aus, mein Kind. Die Prosa bezieht die Zahl von 100.000 Wiederholungen auf das Kṛta-Zeitalter. Im Śivasadbhāva wird Śiva und Śakti dagegen jeweils eine eigene Meditation zugewiesen:
Śiva und Śakti als getrennte Gestalten
30.SAD.1: Oder man meditiert, Herrin des Götterherrn, über den achtarmigen Śiva. In der oberen rechten Hand hält er eine Axt, darunter der Reihe nach 30.SAD.2: Schwert, Feuer und Pfeile. In den linken Händen hält er von oben an Schlange, Dreizack, Schädelschale und Bogen. 30.SAD.3: Er erscheint in liebendem Spiel mit seiner Gefährtin, hat drei Augen und wird von den Göttern verehrt. Wellen der Gaṅgā, Mondsichel und weitere Zeichen erstrahlen an seinem Haupt. 30.SAD.4: Nach dieser Betrachtung des Götterherrn meditiert man über Śivā an seiner Seite: Sie ist rot, trägt roten Schmuck und ein rotes Gewand. 30.SAD.5: Rote Salbung und Blumengewinde zieren sie; sie hat drei Augen und Juwelenschmuck. Ihre sechzehn Arme tragen sechzehn göttliche Spieße. Unnummerierte Fortsetzung: So betrachtet man die höchste Herrin, die dem Übenden das Erwünschte gewährt. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Die Prosa merkt an: Diese Form sei wohl für besondere Wünsche bestimmt; die tägliche Verehrung folgt der zuvor beschriebenen Form.
Weitere Cintāmaṇi-Anwendungen im Śivarahasya
30.CIV.1: Mein Kind, lässt man das anfängliche r fort und setzt dafür Śiva und Śakti ein, soll die Wiederholung rasch zur Vollendung führen; daran besteht nach dem Text kein Zweifel. Die Prosa erklärt: Anstelle des ersten r des Bījas setzt man ha und sa, die Śiva und Śakti bezeichnen, und wiederholt diese Fassung. 30.CIV.2: Der besonders Mantrakundige soll den mit dem Prāsāda-Bīja beginnenden Mantra 10.000-mal wiederholen. Dadurch soll sogleich ein Hervortreten beziehungsweise Eintreten der Geistermächte und auch der Krankheiten bewirkt werden; āveśa wird hier als technische Ritualbezeichnung beibehalten. 30.CIV.3: Auf dem Haupt des Betroffenen meditiert man über das Bīja in einer Mondscheibe, umgeben von den sechzehn Vokalen und mit herabfließendem Nektar benetzt. 30.CIV.4: Dies soll vorzeitigen Tod, Fieber, Gift, Verwirrung und Anfallsleiden beseitigen und auch Kopferkrankungen nehmen, Pfauenreiter. 30.CIV.5: Man stellt sich das Bīja auf dem Haupt des Betroffenen in einem Dreieck innerhalb eines Sechsecks vor, das durch die sechs Laute von r an gegliedert ist; ringsum stehen die Vokale in umgekehrter Reihenfolge. Die gedrängte Form ṣaṭkālya im Druck bleibt in ihrer genauen Bedeutung unsicher. 30.CIV.6: Dieses Bīja soll, Mahāsena, die Bedrängnis durch ergreifende Mächte augenblicklich nehmen. Man stellt sich auf dem Haupt des Betroffenen ein Dreieck vor, Sechsgesichtiger. 30.CIV.7: In dessen Mitte betrachtet man das Bīja mit dem Glanz des lodernden Weltuntergangsfeuers. Der Mantraübende soll dadurch augenblicklich Geistermächte, Krankheiten und Ähnliches zum Eintritt beziehungsweise Hervortreten bringen. 30.CIV.8: Eine mit diesem Mantra besprochene Bandhujīva-Blüte, auf das Haupt des Betroffenen gelegt, soll ebenfalls dieses Hervortreten bewirken. Die Fußnoten nennen toṣayet, „erfreuen“, und vahi als Varianten. Die unterschiedlichen Befriedungs- und Āveśa-Zwecke bleiben als Aussagen der historischen Ritualbeschreibung erkennbar.
Weitere Cintāmaṇi-Anwendungen
30.CIV.9: Bei stärkenden und befriedenden Handlungen stellt man den Mantra weiß vor, fügt am Anfang sa hinzu und wiederholt ihn, Sechsgesichtiger. 30.CIV.10: Für Heranziehung und Unterwerfung erscheint er rot und beginnt mit r; für Stillstellung und Erschütterung beginnt er mit ha und glänzt golden, Guha. 30.CIV.11: Für Zwietracht und Vertreibung ist er rauchfarben und beginnt mit ya; für Stillstellung gelb und mit la beginnend, Pfauenreiter. 30.CIV.12: Wer Befreiung ersehnt, betrachtet den Mantra wie reinen Kristall. Nach Anweisung des Lehrers wird er mit anfänglichem a wiederholt, Guha. 30.CIV.13: Stellt man den schwarzen Mantra inmitten eines Windmaṇḍalas an den Augen der Feinde vor, soll nach der Quelle rasch Blindheit entstehen. 30.CIV.14: In den Ohröffnungen soll die Vorstellung Taubheit bewirken; die anschließende Angabe im Bereich von Herz beziehungsweise Mund ist im Druck gestört. Im Bauch soll sie rasch stechenden Schmerz, an den empfindlichen Körperstellen eine Störung des Windes hervorrufen. 30.CIV.15: Auf dem Haupt soll sie unerträgliche Kopferkrankung bewirken, Sechsgesichtiger; im Kehlkanal Sprachhemmung, wobei das Mantrazeichen in einem Quadrat steht. 30.CIV.16: In einer Mondscheibe, von den sechzehn Vokalen umgeben und am Auge meditiert, soll der Mantra dagegen Krankheit rasch beseitigen. 30.CIV.17: Im weiblichen Geschlechtsbereich vorgestellt soll er Blutungen schwacher Frauen augenblicklich stillen, im Bauch stechende Schmerzen lindern. Bei Blasenausschlag und unregelmäßigem Fieber, 30.CIV.18: bei Durst, Bluterkrankung, Schwindel, Brennen und Kopfleiden, mein Kind, stellt man den Mantra am betroffenen Ort korallenfarben vor, um die jeweilige Störung zu beruhigen. 30.CIV.19: Das tiefrote Bīja in einem Dreieck auf dem Haupt eines Menschen soll, so behauptet die Quelle, diesen bald wie einen Diener gefügig machen. Die folgenden vier Verse beschreiben sexuelle Unterwerfungsvorstellungen. Die Wiedergabe bleibt sachlich und kennzeichnet den Zwangscharakter der Quelle. 30.CIV.20: Man stellt den Mantra im Herzlotus der begehrten Frau vor, bindet ihr Herz in der Vorstellung mit seinen Lauten und betrachtet ihn als Lichtgestalt. 30.CIV.21: Dann soll man sie gedanklich mit einer an ihrem Kopf liegenden Schlinge heranziehen. Das mit dem eigenen Namen versehene Bīja wird in ihrem Geschlechtsbereich vorgestellt. 30.CIV.22: Dies soll sie augenblicklich gefügig machen und einen Flüssigkeitserguss hervorrufen; der Text verwendet dafür śukra. Danach wird das Bīja an der Spitze des eigenen männlichen Geschlechtsorgans vorgestellt, Guha. 30.CIV.23: Beim Eindringen in die Vagina soll der Kontakt die Frau unterwerfen und einen Erguss bewirken. Der Text behauptet dies ohne Zweifel; eine Zustimmung der Frau wird nicht genannt. 30.CIV.24: Man nimmt Töpferton und schreibt das Bīja darauf. In das beim ma befindliche r schreibt man den Namen des Betreffenden samt der gewünschten Handlung. 30.CIV.25: Darum zeichnet man ein Dreieck, außen ein Sechseck. In dessen sechs Ecken schreibt man 30.CIV.26: jeweils r mit Bindu, also raṃ, und umschließt alles mit den Vokalen in umgekehrter Reihenfolge. Dann vollzieht man ordnungsgemäß die Einsetzung der Lebenskraft, Sechsgesichtiger. 30.CIV.27: Man vergräbt es unter dem Herd und kocht dort. Durch das Essen dieser Speise soll sofort Unterwerfung eintreten: 30.CIV.28: Der Ehemann soll seiner Frau gefügig werden, Sechsgesichtiger. Danach folgt ein anderes Verfahren: Aus Śāli-Reismehl, mit den drei süßen Stoffen vermischt, 30.CIV.29: formt man eine sehr schöne kleine Figur mit deutlich ausgearbeiteten Gliedern. Beginnend bei den beiden Füßen, den Unterschenkeln, Knien und Oberschenkeln, 30.CIV.30: dann unterhalb des Nabels, am Herzen und von der Kehle bis zum Kopf teilt der Übende sie mit einem scharfen Werkzeug in zwölf Stücke. 30.CIV.31: Diese werden mit dem Grundmantra für die betreffende Person ins Feuer geopfert. Jene soll dadurch rasch gefügig werden; die Quelle versichert dies ohne Zweifel. 30.CIV.32: Auf ein Betelblatt zeichnet man ein gleichmäßiges Quadrat, Guha. In dessen Mitte schreibt man das Bīja und die Angabe des Betreffenden; die Verbindung mit dem im Vers genannten va ist nicht eindeutig. 30.CIV.33: Der Kundige setzt die betreffende Angabe in das r, das unter dem mittleren ma des Mantras steht. In die vier Ecken des Quadrats schreibt man ṭa mit Bindu, also ṭaṃ. 30.CIV.34: Nach Einsetzung der Lebenskraft und 1.008 Besprechungen mit dem Grundmantra soll der an einer Kopferkrankung Leidende das Blatt verzehren. 30.CIV.35: Sohn der Ambikā, er soll bald von Krankheit frei und glücklich werden. Danach wird der Hals des Betreffenden mit ka samt r in der Vorstellung gebunden, Sechsgesichtiger. 30.CIV.36: Die rechte Brust wird mit ṣa, die linke mit ma gebunden, die rechte Schulter mit r, die linke mit ya. 30.CIV.37: Das Gesicht wird mit au, der Nabel mit ū gebunden, Guha, und der Brustbereich mit Bindu und Halbmond. So soll man sich die Person beim gedanklichen Heranziehen vorstellen; die Wirkung wird auf der nächsten Seite fortgesetzt. Die beschriebenen Schädigungs-, Zwangs- und Heilwirkungen sind Behauptungen des historischen Ritualtextes. Sprachlich gestörte Stellen werden nicht durch zusätzliche Verfahren ergänzt.
30.CIV.38: Der Betreffende soll dadurch bald bis zum Tod gefügig bleiben, so die Quelle. Danach folgt eine Ringweihe: Mit einer Bandhujīva-Blüte zeichnet man ein Dreieck, Guha. 30.CIV.39: In dessen Mitte schreibt man mit Sandel, Agaru und Safran das Bīja. Unter Verwendung dieser Blüte richtet man darin vorschriftsmäßig, 30.CIV.40: nachdem das Feuer aufgestellt und der Herr verehrt wurde, 108 Ghee-Opfer aus, mein Sohn. Das dabei abtropfende Ghee wird aufgefangen 30.CIV.41: und auf einen aus drei Metallen gefertigten Ring gebracht. Der Kundige bespricht den so benetzten Ring mit tausend 30.CIV.42: und acht Wiederholungen. Trägt ein König ihn an der Hand, soll er, Sechsgesichtiger, im Kampf alle noch so starken Feinde besiegen. 30.CIV.43: Gift, Vetālas, Geister und ähnliche Übel sollen ihn nicht bedrängen. Nun erkläre ich das Mischungsverhältnis der drei Metalle; höre, Sechsgesichtiger. 30.CIV.44: Da die Mātṛkā die Gestalten von Mond, Sonne und Feuer besitzt, werden auch die Anteile der ihnen entsprechenden drei Metalle nach der jeweiligen Lautzahl bestimmt. 30.CIV.45: Silber hat Mondnatur; deshalb beträgt sein Anteil sechzehn Teile. Gold hat Sonnennatur; die ihm zugehörigen Laute zählen fünfundzwanzig, 30.CIV.46: also erhält es ebenso viele Teile. Kupfer hat Feuernatur; seine Laute zählen zehn, daher beträgt sein Anteil zehn Teile. Das ausdrücklich angegebene Verhältnis ist somit Silber : Gold : Kupfer = 16 : 25 : 10.
Weitere Cintāmaṇi-Yantras
30.CIV.47: Man zeichnet einen achtblättrigen Lotus, in sein Inneres ein Sechseck, darin ein Dreieck und in dieses das Bīja. 30.CIV.48: Es wird mit Name und Anliegen des Betreffenden verbunden. In die sechs Ecken schreibt man die sechs Glieder; auf die Blätter vom Osten an verteilt man die Bestandteile des Bījas. 30.CIV.49: Diese sind raṃ kaṃ ṣaṃ maṃ raṃ yaṃ sowie auṃ ūṃ, Sechsgesichtiger. Die letzten beiden Vokalzeichen sind eng gesetzt; ihre getrennte Nennung entspricht der zuvor erklärten Bīja-Bildung. Außen zeichnet man vier Kreise mit drei Zwischenräumen. 30.CIV.50: Im Druck eingeklammert: In den ersten Zwischenraum schreibt man die Vokale, in den zweiten die Laute von ka bis ma, in den dritten die von ya an, jeweils als Umfassung. 30.CIV.51: Außen zeichnet man ein Quadrat. In seine Ecken schreibt man das Narahari-Bīja, mein Kind, hier als kṣrauṃ gelesen. Die Konsonantenligatur ist klein und nicht völlig sicher erkennbar. Hier endet die Druckklammer. 30.CIV.52: Dieses getragene Yantra gilt als unübertrefflicher Schutz gegen alles. Auf ihm stellt man vorschriftsmäßig einen Krug auf, Guha. 30.CIV.53: Dort verehrt man die Gottheit und übergießt den Betreffenden mit dem Wasser. Von Besessenheitsmächten, Krankheiten und Ähnlichem befreit soll er lange glücklich sein. 30.CIV.54: Im Druck eingeklammert: Schadenzauber und Krankheiten schwinden; man soll hundert Jahre leben, Guha. Danach zeichnet man ein Maṇḍala, das einer Vollmondscheibe gleicht. 30.CIV.55: Zuerst zeichnet man ein Sechseck und schreibt va hinein. In dessen Mitte schreibt man das Bīja samt der Angabe des Betreffenden, Sechsgesichtiger. 30.CIV.56: Es wird von den sechzehn Vokalen umgeben; in die sechs Ecken schreibt man das Ramā-Bīja. Außen zeichnet man zwei Kreise und in deren Zwischenraum 30.CIV.57: die Laute von ka bis kṣa, jeweils mit Bindu. Außen zeichnet man ein Achteck und setzt in dessen Ecken, Guha, 30.CIV.58: das zuvor genannte Nṛsiṃha-Bīja. Dieses Yantra soll böse Besessenheitsmächte, Gifte und Krankheiten beseitigen und alle Vollendungen gewähren. 30.CIV.59: Bei einer weiteren Form zeichnet man zuerst ein Sechseck und in dessen Mitte Cintāmaṇi samt der Angabe des Betreffenden. In die sechs Ecken schreibt man, Sechsgesichtiger, 30.CIV.60: raṃ kaṃ ṣaṃ maṃ raṃ yaṃ und an die Verbindungsstellen auṃ ūṃ. Außen umschließt man dies mit einem Kreis und dem Praṇava. 30.CIV.61: Darum legt man einen weiteren Kreis, mein Kind; außen umgibt der Kundige alles mit einem Quadrat. 30.CIV.62: In dessen Ecken schreibt man das Nṛsiṃha-Bīja, Sechsgesichtiger. Das Yantra soll mit Rocanā und dem als romayāmbhas bezeichneten Wasser geschrieben werden; die genaue Stoffbezeichnung des zweiten Ausdrucks ist unsicher. 30.CIV.63: Man umhüllt es mit Lack und bespricht es vorschriftsmäßig. Der Kundige trägt es auf dem Haupt; es soll Wohlstand und glückliche Lebensumstände mehren. 30.CIV.64: Es soll Lebensdauer, Gesundheit, Sieg, Einfluss, Söhne und Enkel gewähren sowie Diebe, gefährliche Tiere, schwere Krankheiten, Geisterbedrängnis und Anfallsleiden abwehren. 30.CIV.65: Man bringt einen Zweig des Kāraskara-Baumes samt Spitze herbei und richtet an dessen vorderem Ende eine schöne Fläche ein, Mahāsena. Das Verfahren setzt sich auf der nächsten Seite fort. Die Fußnoten bieten tāṃ vatsa und samālikhec ca als Varianten. Tradierte Schutz- und Heilversprechen werden als solche beibehalten; unsichere Stoffnamen und zusammengesetzte Zeichen sind örtlich markiert.
30.CIV.66: Auf die vorbereitete Fläche zeichnet man ein Sechseck und darin Cintāmaṇi mit der Angabe des Betreffenden. In die sechs Ecken schreibt man raṃ. 30.CIV.67: Außen zieht man tiefrote Linien wie Feuerzungen. Kārttikeya, dieses Zeichen wird 1.008-mal 30.CIV.68: mit dem Grundmantra besprochen und dann an der gewünschten Stelle ordnungsgemäß aufgestellt. Diebe, Tiger, Wildschweine, Schlangen, Feinde, Geister und Piśācas Unnummerierte Fortsetzung: sollen durch die Kraft dieses Yantras niemals dorthin gelangen. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Damit endet dieser Cintāmaṇi-Abschnitt.
Der Tumburu-Rudra-Mantra aus der Śrīkaṇṭhasaṃhitā
30.TUM.1: Höre, Göttin, ich werde das höchst wunderbare Mantrajuwel Tumburus, des Gottes der Götter, erklären, das vorzüglich Sieg über Feinde gewähren soll. 30.TUM.2: Saṃvarteśa wird mit Mahākāla verbunden, Mahādevī; darunter kommt Bhujaṅgeśa, darunter Vālīśa, Glückverheißende. 30.TUM.3: Darunter kommt Arghīśa, Göttin; über allem steht Śrīmukhī. Dieses höchste Bīja wird als Mittel zu sämtlichen Vollendungen bezeichnet. Die Prosa erklärt: Saṃvarteśa ist kṣa, Mahākāleśa ma, Bhujaṅgeśa r, Vālīśa ya, Arghīśa ū und Śrīmukhī der Bindu. Die zusammengefügte Form wird hier als kṣmaryūṃ wiedergegeben; die Bestandteile sind ausdrücklich genannt, während die zusammengesetzte Druckligatur ungewöhnlich ist. 30.TUM.4: Der Seher ist Brahmā, als Versmaß wird Gāyatrī genannt, als Gottheit Śrī Rudra. Die Anwendung soll der Erlangung aller gewünschten Dinge dienen. 30.TUM.5: Mit dem durch die sechs langen Vokale abgewandelten Bīja bildet man die sechs Glieder. Entfernt man das ka aus dem Grundbīja und verbindet es mit ja, ma, sa und ha, 30.TUM.6: entstehen die vier Göttinnen-Bījas. Die Göttinnen heißen Jayā, Vijayā, Ajitā und Aparājitā, Tochter des Berges. Ob „ohne ka“ hier nur den ersten Bestandteil der kṣa-Ligatur meint, wird erst an der folgenden ausgeführten Prosa geprüft. 30.TUM.7: Nach Einsetzung des Bījas auf die Finger folgt der durchdringende Nyāsa an beiden Händen. Die sechs Glieder setzt man vom kleinen Finger bis zur Handfläche ein. 30.TUM.8: Den Gott und die Göttinnen setzt man, jeweils mit ihrem eigenen Bīja beginnend, auf die Finger vom kleinen Finger an. Mit der Faust vollzieht man den Nyāsa von den Füßen bis zum Scheitel, Herrin der Welt. 30.TUM.9: Mit den Handflächen setzt man den durchdringenden Nyāsa vom Scheitel bis zu den Füßen. Erneut folgen die sechs Glieder und der Gott mit den Göttinnen wie zuvor. 30.TUM.10: Diese fünf werden der Reihe nach auf Haupt, Gesicht, Herz, Nabel und After gesetzt. Nach diesem Nyāsa meditiert man mit ungeteilter Aufmerksamkeit über die Gottheit. 30.TUM.11: Sie leuchtet wie die aufgehende Sonne, hat vier Gesichter und drei Augen und trägt die Mondsichel als Hauptschmuck. Mit ihren vier Händen hält sie der Reihe nach: 30.TUM.12: In der oberen rechten Hand einen Speer, darunter einen Schädelstab, in der oberen linken eine Schlinge und darunter eine leuchtende Schädelschale. 30.TUM.13: Salbung, Schmuck und Gewand sind rot; die Nase ist flach. Kostbarer Juwelenschmuck ziert die Gottheit. So meditiert man über Śiva, Glückverheißende. 30.TUM.14: Nach Verehrung des Śiva-Sitzes auf die nun zu beschreibende Weise ruft man die Gottheit dorthin und verehrt sie ordnungsgemäß mit Duft und den weiteren Gaben. 30.TUM.15: Mit den sogenannten neutralen Vokalen samt Bindu, in vorwärts und rückwärts laufender Folge, und mit Dharma und dessen Gruppe beziehungsweise Adharma und dessen Gruppe bildet man Füße und Körper des Sitzes. 30.TUM.16: Mit i setzt man die Guṇas als Fäden ein, Göttin. Mit dem vierten und fünften Vokal, Schöne, 30.TUM.17: setzt man Māyā und Vidyā unten und oben im Herzen ein. Mit dem sechsten Vokal stellt man den Lotus her, Schöngesichtige. 30.TUM.18: Mit den vier zusammengesetzten Vokalen verehrt man der Reihe nach die Kräfte von Vāmā an: Vāmā, dann Jyeṣṭhā, 30.TUM.19: Raudrī und Icchā. Diese sind als Flammen zu betrachten, Mahādevī. Auf dem so vorgestellten Sitz schafft man mit dem Grundmantra die Gestalt der Gottheit. 30.TUM.20: In sie ruft man Tumburu, den Herrn der Götter, und verehrt ihn. Der Sitz ist von drei Quadratlinien mit vier Toren umschlossen. 30.TUM.21: Auf dem achtblättrigen Lotus verehrt man die Gottheit mit ihren Umkreisen. Zuerst verehrt man wie zuvor die Glieder auf den Staubfäden. Die Fußnote nennt sarvakam, „das Ganze“, als Variante.
30.TUM.22: Auf den Blättern der Hauptrichtungen verehrt man der Reihe nach die bereits genannten Kräfte von Vāmā an, jeweils mit ihrem Bīja. Sie sind rot und mit roter Salbung versehen. 30.TUM.23: Sie tragen rote Gewänder und Blumen, haben den Mund mit Betel gefüllt, erfreuen sich am Spiel der Vallakī-Laute und bewegen sich langsam in berauschtem Anmutsspiel. 30.TUM.24: Auf den Eckblättern verehrt man die Botinnen, jeweils mit ihrem Bīja: Durbhagā, Subhagā, Karālī und Mohinī. 30.TUM.25: Der Druck klammert die Beschreibung ein: Ihre Hände sind zur Verehrung zusammengelegt, ihre Lotusgesichter leicht geneigt; sie tragen den Gottheiten ähnlichen Schmuck. Ihre Bījas, Pārvatī, 30.TUM.26: sind Vakra, Śveta, Bhṛgu und Nakulī, jeweils mit Bindu. Hier endet die Klammer. In den beiden äußeren Gängen verehrt man die Welthüter mit ihren Waffen. 30.TUM.27: Für einen Menschen, der Tumburu so vorschriftsmäßig verehrt, Göttin, soll es in den drei Welten nichts schwer Erreichbares geben. Ausgeführte Anwendung: Nach den Morgenhandlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes vollzieht man mit dem Grundmantra drei Atemregelungen. Auf das Haupt setzt man brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, auf den Mund gāyatrīchandase namaḥ, auf das Herz śrītumbururudrāya devatāyai namaḥ. Mit zusammengelegten Händen spricht man mama sarvābhīṣṭasiddhaye viniyogaḥ — „Die Anwendung dient der Erfüllung aller meiner Anliegen.“ Die sechs Gliederformeln lauten in der hier gedruckten kürzeren Bīja-Reihe: kṣrāṃ hṛdayāya namaḥ; kṣrīṃ śirase svāhā; kṣrūṃ śikhāyai vaṣaṭ; kṣraiṃ kavacāya huṃ; kṣrauṃ netratrayāya vauṣaṭ; kṣraḥ astrāya phaṭ. Die zusammengesetzten Konsonanten sind klein gedruckt; diese Reihe darf nicht ohne Kennzeichnung mit dem längeren Grundbīja gleichgesetzt werden. Sie wird vom kleinen Finger bis zur Handfläche eingesetzt. Dann legt man das Grundbīja allein, kṣmaryūṃ namaḥ, auf die Finger vom kleinen Finger an und vollzieht den durchdringenden Nyāsa an beiden Händen. Es folgen auf den kleinen Fingern kṣmaryūṃ tumbururudrāya namaḥ, auf den Ringfingern jamaryūṃ jayāyai namaḥ, auf den Mittelfingern bhamaryūṃ vijayāyai namaḥ, auf den Zeigefingern samaryūṃ ajitāyai namaḥ und auf den Daumen hamaryūṃ aparājitāyai namaḥ. Die Prosa lässt in den Göttinnen-Bījas das ganze anfängliche kṣa weg. Bei Vijayā ist bha gedruckt, während die vorherige Versanweisung ma nennt; diese Abweichung bleibt sichtbar. Die längeren Bījas werden nach den erkennbaren Druckbestandteilen wiedergegeben, nicht als anderweitig geprüfte Rezitationsformen. Mit der Faust vollzieht man unter kṣmaryūṃ namaḥ den Nyāsa von den Füßen bis zum Scheitel, dann mit den Handflächen den umgekehrten Weg. Es folgen erneut die sechs Glieder und die fünf Gottheiten auf Haupt, Gesicht, Herz, Nabel und After. Nach Meditation und Selbstverehrung zeichnet und errichtet man das vorgeschriebene Verehrungsdiagramm. Der Sitz wird wie zuvor von Maṇḍūka bis zum Löwenthron verehrt. Auf die vier Thronfüße setzt man ṛṃ dharmāya namaḥ, ṝṃ jñānāya namaḥ, ḷṃ vairāgyāya namaḥ, ḹṃ aiśvaryāya namaḥ — Dharma, Erkenntnis, Nichtanhaften und Herrschaftskraft. Auf die Körperteile des Thrones kommen in umgekehrter Vokalfolge ḹṃ adharmāya namaḥ, ḷṃ ajñānāya namaḥ, ṝṃ avairāgyāya namaḥ, ṛṃ anaiśvaryāya namaḥ — ihre jeweiligen Gegensätze. Dann verehrt man Ananta, den Lotus, die Wurzelknolle der Glückseligkeit und den Stängel des Bewusstseins. Es folgen īṃ prakṛtimayapatrebhyaḥ [namaḥ], Verehrung den aus Prakṛti bestehenden Blättern; uṃ vikāramayakesarebhyaḥ [namaḥ], den aus den Entfaltungen bestehenden Staubfäden; ūṃ sarvatattvarūpāyai karṇikāyai [namaḥ], dem Lotusinneren als Gestalt aller Wirklichkeitsprinzipien. Die Prosa erklärt ausdrücklich: Die frühere Wendung „mit dem sechsten Vokal den Lotus“ meint hier dessen Inneres, da der Lotus selbst bereits verehrt wurde. Nach Verehrung der Sonnen- und weiteren Scheiben folgen die drei Guṇas, jeweils mit iṃ beginnend; ausdrücklich genannt ist iṃ prabodhātmane sattvāya namaḥ, „Verehrung Sattva, dessen Wesen Erwachen ist“. Dann īṃ māyāyai [namaḥ] und uṃ vidyāyai [namaḥ] — Māyā und Vidyā. Nach Verehrung der vier Selbstformen verehrt man auf den Staubfäden der Hauptrichtungsblätter eṃ vāmāyai namaḥ, aiṃ jyeṣṭhāyai namaḥ, oṃ raudryai namaḥ, auṃ icchāyai namaḥ. Die Prosa folgert, dass hier keine Verehrung von neun Kräften vorliegt: Ausdrücklich genannt seien nur diese vier, und Icchā gehöre nicht zu der sonstigen Neunergruppe des Śiva-Sitzes. Nach Sitzverehrung, Gestaltbildung und Sechsgliederverehrung werden dieselben vier Kräfte auf den vier Hauptblättern von vorn im Uhrzeigersinn verehrt. Auf den Eckblättern vom Südosten an folgen śaṃ durbhagāyai namaḥ, paṃ subhagāyai namaḥ, saṃ karālyai namaḥ, haṃ mohinyai namaḥ. Danach wird von Indra an alles abgeschlossen. Das paṃ für Subhagā entspricht nicht ohne Weiteres dem vorherigen Lautnamen Śveta; auch diese Abweichung wird beibehalten. 30.TUM.28: Man soll den Mantra 100.000-mal wiederholen und ein Zehntel dieser Zahl mit Ghee opfern. Nach Wasserdarbringungen und Besprengung speist man Brahmanen. 30.TUM.29: Man stellt das Bīja innerhalb der Verbindung von Wind und Feuer vor und wiederholt es, Geliebte. Dadurch sollen Fieber, stechende Schmerzen und schwere Krankheiten augenblicklich schwinden. 30.TUM.30: Man stellt dieses Bīja im Herzlotus eines zornigen Menschen vor und rezitiert. Durch die Kraft des Mantras soll dessen Zorn rasch besänftigt werden. 30.TUM.31: Morgens soll ein Mensch Wasser trinken, das mit diesem Mantra besprochen wurde. Herzkrankheit, Gelbsucht, Husten, Atemnot und Verstopfung — die Aufzählung setzt sich auf der nächsten Seite fort.
30.TUM.32: Die zuvor aufgezählten Beschwerden sollen dadurch sofort schwinden; daran soll nach dem Text kein Zweifel bestehen. Dann zeichnet man ein schönes Maṇḍala namens Navanābha, „neunnabig“, Mahādevī. 30.TUM.33: Darauf stellt der Mantrakundige neun schöne Krüge. Im mittleren verehrt er den Gott, in den acht übrigen die Göttinnen und Botinnen. 30.TUM.34: Mit diesem Wasser übergießt man wie zuvor eine Frau aus guter Familie, Glückverheißende. Selbst eine als unfruchtbar geltende Frau soll einen Sohn gebären; um wie viel mehr eine, die bislang Töchter geboren hat. Die Aussage gibt die historische Bevorzugung eines Sohnes wieder. 30.TUM.35: Ein damit geweihter König soll siegreich werden, Göttin. Durch das Besprengen sollen Geister, Verstorbene, Schadenzauber und Krankheiten schwinden. 30.TUM.36: In die Mitte eines achtblättrigen Lotus schreibt man das Bīja samt der Angabe des Betreffenden. Auf die Staubfäden kommen die Vokale; auf die Hauptblätter 30.TUM.37: die bereits genannten Göttinnen-Bījas und auf die Eckblätter die zuvor erklärten Botinnen-Mantras, Pārvatī. 30.TUM.38: Außen zeichnet man zwei Kreise und schreibt zwischen sie die Laute von ka bis kṣa, jeweils mit Bindu, Mahādevī. 30.TUM.39: Außen umgibt man alles mit einem Quadrat, Herrin der Welt. Dies wird als das große Yantra Śrī Tumburus bezeichnet. 30.TUM.40: Durch Wiederholung und Feueropfer wirksam gemacht und getragen, soll es augenblicklich Krankheiten, Schadenzauber, ergreifende Mächte, Geisterbedrängnis, Anfallsleiden und Ähnliches beseitigen. Die Prosa erklärt die Zeichnungsweise für unmittelbar verständlich und fährt mit dem Kṣetrapāla-Mantra fort.
Der Kṣetrapāla-Mantra aus der Śrīkaṇṭhasaṃhitā
30.KSP.1: Ich werde den Kṣetrapāla-Mantra erklären; höre die Vorschrift, Göttin. Saṃvarta wird mit Anugraha und Indra versehen; dann folgt Saṃvarta mit Rudra. 30.KSP.2: Āṣāḍhī wird mit Revatī verbunden, Lohita mit Ananta, ebenso Pinākin mit Ananta. Danach folgen Vālin und Meṣa, Unnummerierte Fortsetzung: sowie Mahākāla mit Visarga. Diesem Mantra steht der Praṇava voran, Geliebte. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Die Prosa entschlüsselt: Saṃvarta ist kṣa, Anugraha au, Indra der Anusvāra, zusammen kṣauṃ. Rudra ist e, mit kṣa also kṣe. Āṣāḍhī ist ta, Revatī r, zusammen tra. Lohita ist pa, Ananta ā, zusammen pā. Pinākin ist la, mit Ananta lā. Vālin ist ya, Meṣa na, Mahākāla ma mit Visarga maḥ. Der vorangestellte Praṇava ergibt die Folge oṃ kṣauṃ kṣetrapālāya namaḥ — „Oṃ kṣauṃ, Verehrung dem Hüter des Feldes beziehungsweise heiligen Bezirks.“ 30.KSP.3: Der Seher ist Brahmā, das Versmaß Gāyatrī. Die Gottheit ist Kṣetrapāla, als Bīja wird kṣaṃ genannt. 30.KSP.4: Namaḥ wird als Kraft bezeichnet. Der Mantra gilt als Geber der sechzehn Vollendungen. Mit dem durch die sechs langen Vokale abgewandelten Bīja bildet man die sechs Glieder. 30.KSP.5: Danach betrachtet man mit ungeteilter Aufmerksamkeit Kṣetrapāla. Er gleicht einem Berg schwarzer Augensalbe und trägt aufwärts gerichtete, gelbbraune Haarflechten. 30.KSP.6: Seine drei Augen sind rund und furchtbar, schreckliche Schlangen bilden seinen Schmuck. Hauer machen sein Gesicht grimmig; seine Gestalt ist furchterregend, und die Himmelsrichtungen sind sein Gewand. 30.KSP.7: Er hat zwei Arme; rechts hält er eine Keule, links eine Schädelschale. So meditiert man über ihn, Göttin, und verehrt ihn auf dem Śiva-Sitz. 30.KSP.8: Man zeichnet einen achtblättrigen Lotus, außen umgeben von Einfassungen mit Richtungstoren. Dorthin ruft man den Herrn und verehrt ihn mit Duft und den weiteren Gaben. 30.KSP.9: Nach Verehrung der Glieder wie zuvor verehrt man auf den acht Blättern seine acht Diener, Tochter des Berges. 30.KSP.10: Es sind Anala und Agnikeśa; der eingeklammerte Teil nennt Karāla, Ghaṇṭikārava, Mahākopa, Piśitāśa und Piṅgākṣa, 30.KSP.11: sowie Ūrdhvakeśa. Hier endet die Klammer. Dies sind die acht Diener Kṣetrapālas. Die Welthüter und ihre Waffen werden wie zuvor verehrt. 30.KSP.12: Nachdem man Räucherwerk, Licht und die übrigen Gaben dargebracht hat, bringt man ihm eine Bali-Gabe. Man spricht ehy ehi, „Komm, komm“, danach vidviṣaḥ und zweimal mukha. 30.KSP.13: Danach zweimal bhañjaya, zweimal nartaya, dann zweimal vighna, das auf mahā folgt, sowie bhairava kṣetrapālaka. Die Formel wird auf der nächsten Seite fortgesetzt; ihre vollständige Prosaauflösung ist für die genaue Fügung maßgeblich. Die Fußnoten nennen pūrvayuktān und tasya als Varianten.
30.KSP.14: Danach spricht man das Wort bali, zweimal gṛha und die durch dviṭha bezeichnete Schlussformel. Dies wird als Bali-Mantra erklärt, der die Frucht aller Wünsche gewähren soll. Die Prosa erläutert: Bali bedeutet hier Speisegabe. Der Mantra beginnt mit ehi; dviṭha steht für svāhā. Das Übrige gilt als leicht verständlich. Die Formel ist an dieser Stelle nicht noch einmal vollständig ausgeschrieben; die vorangegangenen Verse geben ihre Einzelbestandteile an. Anwendung: Nach den bereits beschriebenen Handlungen bis zur Einsetzung des Yoga-Sitzes folgen auf dem Haupt brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, auf dem Mund gāyatrīchandase namaḥ, auf dem Herzen śrīkṣetrapālāya devatāyai namaḥ, im Schambereich kṣaṃ bījāya namaḥ und auf den Füßen namaḥ śaktaye namaḥ. Mit zusammengelegten Händen erklärt man mama sarvābhīṣṭasiddhaye viniyogaḥ — „Die Anwendung dient der Erfüllung aller meiner Anliegen.“ Die sechs Gliederformeln sind kṣāṃ hṛdayāya namaḥ; kṣīṃ śirase svāhā; kṣūṃ śikhāyai vaṣaṭ; kṣaiṃ kavacāya huṃ; kṣauṃ netrābhyāṃ vauṣaṭ; kṣaḥ astrāya phaṭ. Die Augenformel nennt hier ausdrücklich zwei Augen, obwohl die Meditation drei beschreibt. Diese Formeln setzt man an die Hände vom Daumen bis zur Handfläche und an die sechs Körperglieder vom Herzen an. Nach Meditation und Gliederverehrung verehrt man auf den acht Blättern analāya namaḥ, agnikeśāya namaḥ, karālāya namaḥ, ghaṇṭikāravāya namaḥ, mahākopāya namaḥ, piśitāśanāya namaḥ, piṅgākṣāya namaḥ, ūrdhvakeśāya namaḥ. Der Fleischesser heißt hier Piśitāśana, im Vers Piśitāśa. Danach werden Welthüterverehrung und alles Weitere abgeschlossen. 30.KSP.15: Man wiederholt den Mantra 100.000-mal und opfert ein Zehntel davon mit in Ghee getränktem Caru. Danach folgen Wasserdarbringungen und die übrigen Handlungen. 30.KSP.16: Nachts bereitet man im schönen Hof des Hauses einen vorzüglichen Opferplatz. Dorthin ruft man den Herrn des Bezirks und verehrt ihn nach der beschriebenen Vorschrift. 30.KSP.17: Aus Speise, Beilagen, Milch und weiteren Zutaten bereitet man eine große Speiseportion und legt sie mit dem zuvor genannten Mantra als Bali in seine Hand, Göttin. 30.KSP.18: Durch diese Gabe erfreut, soll Kṣetrapāla freudig Herrschaftskraft, Sieg, Gesundheit, Wohlstand, Glück und weitere Güter Unnummerierte Fortsetzung: gewähren und die Bedrängnis durch wilde Geister, Schadenzauber und Ähnliches abwehren. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Die Prosa unterscheidet: Die nächtliche Bali-Gabe dient besonderen Wünschen. Doch auch bei der täglichen Verehrung soll die Speisegabe mit dem genannten Mantra dargebracht werden.
Der Baṭuka-Bhairava-Mantra im Kailāsakoṭaraprabheda
30.BAT.1: Nun werde ich, Mahādevī, Herrin des Herrn, das streng geheime Mantrajuwel Bhairavas erklären, das böse ergreifende Mächte zerschneiden soll. 30.BAT.2: Es soll Sieg über alle Feinde gewähren, sämtliche Krankheiten beseitigen, aus allen Nöten retten und alles Glück verleihen, Göttin. 30.BAT.3: Für Unterwerfung, Heranziehung, Zwietracht, Stillstellung, Vertreibung, Tötung, Bezwingung und das Hervorrufen von Krankheit wird es gerühmt; es soll alles Erwünschte gewähren. Diese Aufzählung benennt die historischen Ritualkategorien. 30.BAT.4: Ich werde den großen Mantra gewinnen; höre aufmerksam, Geliebte. Aus „Raum“, „Feuer“, „Frieden“ und „Mondtag“ gewinnt man die erste Silbe. 30.BAT.5: Dann folgen „Wasser“ und Khecarī, verbunden mit Karṇa, danach wörtlich kāya, Glückverheißende. Es folgen Ananta, Lohita, Atri mit Karṇa und das Fischpaar. 30.BAT.6: Dann „Feuer“, der fünfte der durch „Pfeile“ bezeichneten Gruppe mit Ananta und „Wind“. Krodhin wird mit Karṇa verbunden, ebenso „Feuer“, höchste Herrin. 30.BAT.7: Dieses Paar spricht man noch einmal, Pārvatī. Danach wiederholt man die vier Silben von der zweiten an und erneut die erste Silbe. 30.BAT.8: So ist der einundzwanzigsilbige Mantrakönig gewonnen. Er soll sorgfältig geheim gehalten werden, denn er ist selbst in den drei Welten schwer zugänglich. Die Prosa entschlüsselt: „Raum“ ist ha, „Feuer“ r, „Frieden“ ī, „Mondtag“ der Anusvāra; zusammen ergibt dies das Bhuvaneśvarī-Bīja hrīṃ. „Wasser“ ist va, Khecarī ṭa, Karṇa u, also ṭu; kāya steht ausdrücklich. Ananta ist ā. Zwischen dem vorausgehenden ya und diesem ā soll keine Verschmelzung stattfinden, da der Text ausdrücklich einundzwanzig Silben nennt. Lohita ist pa, Atri da, mit u also du. Das Fischpaar wird in der Prosa als Verdoppelung des dha erklärt, doch das angegebene Ergebnis ist ddha; diese Unstimmigkeit wird nicht unsichtbar berichtigt. Es folgen r, das durch „Feuer“ bezeichnet wird, ṇa als fünfter Laut der entsprechenden Gruppe, mit ā zu ṇā, und ya, „Wind“. Krodhin ka mit u ergibt ku, „Feuer“ ra mit u ru; das Paar kuru wird wiederholt. Die vier Silben von der zweiten an sind vaṭukāya; der Satz setzt sich auf der nächsten Seite fort. Die erste Fußnote bietet „das erste Bīja“; die zweite zitiert aus der Śivārcanacandrikā eine Fassung, die ausdrücklich die vier Silben von der zweiten an und danach erneut das erste Bīja anordnet.
Die Erklärung von der vorigen Seite endet: „also [vaṭukāya]; das erste [Bīja] ist hrīṃ.“ Aus den erläuterten Bestandteilen ergibt sich hrīṃ vaṭukāya āpaduddharaṇāya kuru kuru vaṭukāya hrīṃ. Das ausdrücklich geforderte Ausbleiben der Lautverschmelzung zwischen vaṭukāya und āpaduddharaṇāya bleibt erhalten. Die Formel bedeutet: „Hrīṃ; dem Vaṭuka; zur Rettung aus Not: wirke, wirke; dem Vaṭuka; hrīṃ.“ Sie wird hier aus der fortlaufenden Lauterklärung zusammengestellt; eine gesonderte ausgeschriebene Mantrazeile steht im Druck nicht. 30.BAT.9: Sein Seher heißt Bṛhadāraṇya, Mahādevī. Als Versmaß wird Anuṣṭubh angegeben; Bhairava ist die Gottheit, Glückverheißende. 30.BAT.10: Śakti [das Śakti-Bīja] ist sowohl Bīja als auch Kraft; āṃ wird als Kīlaka genannt. Verbinde das erste Lautpaar, Göttin, mit den fünf kurzen Vokalen. 30.BAT.11: Die fünf Gestalten sind in umgekehrter Reihenfolge der mit Sadyo[jāta] beginnenden Reihe einzusetzen, unter Ausschluss der „geschlechtslosen“ [Vokale]. Ihnen wird jeweils dieses Bīja-Paar vorangestellt. 30.BAT.12: Man setzt sie an die Finger vom Daumen an sowie an Haupt, Mund und Herz, dann an Schambereich und Füße. Ebenso setzt man sie an Haupt, Mund und rechtes Ohr, 30.BAT.13: an das linke Ohr und unter den Haarknoten; ferner an die nach oben, Osten, Süden, Norden und Westen gerichteten Gesichter, große Herrin. 30.BAT.14: Die Gestalten heißen Īśāna, Tatpuruṣa, als dritte Aghora, als vierte Vāmadeva und als fünfte Sadyojāta. 30.BAT.15: Das erste Lautpaar wird wiederum durch die sechs langen Vokale abgewandelt. Mit diesen und den zugehörigen Abschlussformeln richtet man die sechs Glieder ein.
Baṭuka-Verehrung nach dem Rudrayāmala
Im Śrīrudrayāmala spricht die Göttin: 30.BRY.1: Gott der Götter, Herr der Welt, Śambhu, Lenker der drei Welten! Erkläre mir erneut die Vorschrift Bhairavas, großer Weiser. 30.BRY.2: Verkünde, Śaṅkara, auch die streng geheim gehaltene Vorschrift, durch die die Vorhaben der Übenden beständig gelingen. Die Anrede deveśi, „Herrin der Götter“, steht so im Druck, obwohl die Göttin zu Śaṅkara spricht. 30.BRY.3: Da ich stets deine Geliebte bin, Gott, erzähle mir aus Erbarmen diese Vorschrift, du Herrlicher. Śrībhairava antwortet: 30.BRY.4: Höre, Göttin! Ich werde das äußerst geheime Verfahren des erhabenen Vaṭuka erklären, das selbst Brahmā und den anderen schwer zugänglich ist. 30.BRY.5: Ich werde es dir, Geliebte, in größter Kürze [offenbar: in Lehrsatzform] mitteilen. Schon durch dessen Kenntnis soll ein Weiser die drei Welten meistern. Das erste Kompositum ist im Druck undeutlich beziehungsweise verderbt (sūtraśaiva). 30.BRY.6: Einst begab ich mich, Herrin der Götter, zu asketischer Übung auf den Berg Mandara. Aus höchster Seligkeit heraus [wandte ich mich] an die Herrin, die Urnatur, 30.BRY.7: und erfreute sie zutiefst durch die Askese, die mein Wesen durchdrungen hatte. Die Göttin nahm sichtbare Gestalt an und sprach freudig: 30.BRY.8: „Ich bin zufrieden und erfreut, Śaṅkara. Erbitte eine schwer zu erlangende Gabe!“ Als ich diese Worte hörte, sagte ich, innig Geliebte: 30.BRY.9: „Göttin, Mutter, von der Welt Verehrte! Wenn du mir eine Gabe gewähren willst, dann verkünde aus tiefstem Herzen eine Vorschrift, die kaum jemand erlangt: 30.BRY.10: das Verfahren des Mantra, durch das alle Vorhaben zur Vollendung kommen.“ Als die Ewige, der Urgrund, diese meine Worte hörte, 30.BRY.11: erklärte sie die folgende Vorschrift. Höre sie, Göttin, Geliebte: [Sie betrifft] den Vaṭuka genannten Gott, den erhabenen Bhairava, 30.BRY.12: den Brahmā, Viṣṇu, Maheśa und die anderen verehren, den Hort des Erbarmens. Für die Verehrung Baṭukas werden elf Nyāsas angegeben, Glückverheißende. Unnummerierter Halbvers: Ohne sie soll selbst nach Zehntausenden von Jahren keine Vollendung eintreten. Die zweite Hälfte ist im Druck durch eine Punktlinie als Lücke markiert. 30.BRY.13: Zuerst ist der Nyāsa mit dem Praṇava-Bīja auszuführen, danach unmittelbar mit dem Löwen-Bīja, Göttin. Ebenso folgt der Nyāsa mit dem Kāma-Bīja; darauf wird der Nyāsa des Manmatha-Bīja eingerichtet. 30.BRY.14: Ein Nyāsa erfolgt mit dem Mahāśrī-Bīja, ein weiterer mit dem Prāṇa-Bīja. Nach dem Nyāsa des Ṣaṇṭā-Bīja folgt derjenige mit dem Khyāti-Bīja. Die ungewöhnliche Bezeichnung Ṣaṇṭā wird hier nicht stillschweigend normalisiert. 30.BRY.15: Danach vollzieht der Einsichtige den Nyāsa mit dem Wurzel-Bīja und führt voller Zuneigung den Nyāsa mit dem Bhrāmarī-Bīja aus. 30.BRY.16: Solange ein Mensch diese zehn Nyāsas nicht zu Beginn vollzieht, wird sein Mantra nicht vollendet — ich schwöre es bei dir, Schöne. Der Text nennt hier zehn vorbereitende Nyāsas, nachdem er zuvor insgesamt elf angekündigt hat. Die Fußnote bietet für die betreffende Textstelle die abweichende Lesart maṃ mahat; ihre genaue Einordnung bleibt anhand des Druckzeichens unsicher.
Die Göttin spricht: 30.BRY.17: Gott der Götter, Herr der Welt, Śambhu, Retter aus dem Saṃsāra! Erkläre aus Erbarmen das Nyāsa-Verfahren offen und deutlich, 30.BRY.18: damit der Übende hier in kurzer Zeit Vollendung erreicht. Dieser Baṭuka genannte Mantra soll nicht geheim gehalten werden, Lehrer der Welt! Unnummerierte Fortsetzung: Erkläre ihn so, Allgegenwärtiger, dass selbst ein Kind ihn erfassen kann. Śiva antwortet: 30.BRY.19: Höre, Göttin, von der Welt Verehrte, Schöne! Zu deinem Wohl werde ich die Nyāsa-Bījas stets offen darlegen. 30.BRY.20: Auch die Stellen, an denen die Erhabenen die Bījas einzusetzen haben, werde ich hier erklären. Höre, Geliebte meines Lebens. 30.BRY.21: Aus Śiva, Mond und Śiva, verbunden mit dem Śakra-Vokal und dem Bindu, entsteht das sogenannte Preta-Bīja. Damit soll man die sechs Glieder einsetzen. Unnummerierter Halbvers: an Herz, Haupt, Haarknoten, Augen, Panzer und Waffe, Schöne. Die anschließende Vershälfte fehlt im Druck. Die Prosa löst auf: Śiva ist ha, Mond sa, dann erneut ha; der Śakra-Vokal ist au, Bindu der Anusvāra. Aus diesen Lauten ergibt sich hshauṃ [Konsonantenfolge h–s–h]. Zuvor hatte Vers 13 an erster Stelle das Praṇava-Bīja genannt; hier lautet die Bezeichnung ausdrücklich Preta-Bīja. 30.BRY.22: Śiva und Mond, zusammen mit Saṃvarta, geschmückt mit Kāla und dem linken Auge, verbunden mit Bindu und Nāda: Durch den Nyāsa bewirkt dies die Gegenwart [der Gottheit]. 30.BRY.23: Dieses Löwen-Bīja, Göttin, setzt man auf den Scheitel, die beiden Arme, das Geschlechtsglied, den Nabel und die Finger, Unnummerierter Halbvers: sowie auf die Zehen, Herrin der Götter, höchste Herrin. Es folgt wiederum eine gedruckte Textlücke. Die Prosa nennt ha, sa, kṣa, ma, ī, dazu Anusvāra und Nāda als Halbmond. Die Lautfolge ergibt h–s–kṣ–m–ī mit den beiden Endzeichen. Das zusammengesetzte Bīja-Zeichen ist im Druck undeutlich und scheint beim Vokal von der ausgeschriebenen Erklärung abzuweichen; es wird deshalb nicht als sichere Rezitationsschreibung ausgegeben. 30.BRY.24: Ajeśa auf Feuer, verbunden mit dem Śakra-Vokal und dem Mond: Dies wird Kāma-Bīja genannt. Setze es ein, höchste Herrin, 30.BRY.25: am Brahmarandhra, am Mund, an beiden Augen, Hals und Nase, an beiden Wangen und am Kinn, dann erneut am Brahmarandhra. Die Prosa entschlüsselt Ajeśa als bha, Feuer als r, den Śakra-Vokal als au und Mond als Bindu: bhrauṃ. 30.BRY.26: Kāla, Śakra und Śiva, geschmückt mit Sadya, Bindu und Nāda, bilden das Manmatha-Bīja, große Herrin. [Es wird eingesetzt] an beiden Füßen und Händen, Unnummerierter Halbvers: an beiden Augen, Ohren und Brüsten sowie am Scheitel. Die folgende Vershälfte ist als Lücke markiert. Die Prosa nennt ma, la, ha, au, Anusvāra und den Halbmond als Nāda: mlhauṃ mit der im Druck eigens genannten Nāda-Komponente. 30.BRY.27: Aus Knochen, Feuer, linkem Ohr, Mond und Nāda wird, Göttin, das Mahāśrī-Bīja erklärt. [Es wird eingesetzt] am Kinn und an den Füßen, Unnummerierte Fortsetzung: an den Füßen, am Herzen, an beiden Füßen, am Nabel und an den Füßen. Die Wiederholungen stehen so im Text; darauf folgt eine gedruckte Lücke. Die Prosa erklärt „Knochen“ als śa, „Feuer“ als r, „linkes Ohr“ als ū; Mond und Nāda entsprechen der vorigen Erklärung. Angegeben wird śrūṃ. 30.BRY.28: Lohita auf dem Sitz des Feuers, verbunden mit linkem Ohr und Bindu, bildet das Prāṇa-Bīja, Tochter des Berges. [Setze es] an Mund, Herz und Nabelkreis, 30.BRY.29: an Herz, beide Füße, Herz, rechte Faust, Herz, linke Faust, Herz und rechte Fußsohle, 30.BRY.30: an Herz, linken Fuß, Herz, rechtes Auge, Herz, linkes Auge, Herz und rechte Nasenseite, 30.BRY.31: an Herz, linke Nasenseite, Herz, rechtes Ohr, Herz, linkes Ohr und nochmals Herz, Geliebte. Die Prosa entschlüsselt Lohita als pa, Feuer als r und linkes Ohr als ū. Aus der Mehrzahlform des Verses sei außerdem Nāda zu ergänzen; das Bīja lautet prūṃ. 30.BRY.32: Der vierte der Ka-Gruppe auf Feuer, versehen mit linkem Ohr, Mond und Nāda, ist das Ṣaṇṭā-Bīja. Setze es ein, Mahādevī, höchste Herrin, 30.BRY.33: am Halszäpfchen, am Nabel, am Halszäpfchen, am Herzen, an den Füßen, am Herzen, an der Hüfte, am Kopf, am Kopf und an der Hüfte. Auch die doppelte Nennung des Kopfes wird beibehalten; die Folge geht auf der nächsten Seite weiter.
Unnummerierte Fortsetzung des Ṣaṇṭā-Nyāsa: Man setzt [das Bīja] an die beiden Brüste, die Knöchel, nochmals die Knöchel und die beiden Brüste. Der anschließende Halbvers fehlt im Druck. Die Prosa erklärt den vierten Laut der Ka-Gruppe als gha, Feuer als r, das linke Ohr als ū; Nāda und Bindu gelten wie zuvor. Das Ergebnis ist ghrūṃ. Unnummerierter Vers zwischen 33 und 35: Caṇḍīśa, versehen mit Wind und Feuer, linkem Ohr, Mond und Nāda, wird Khyāti-Bīja genannt. Der Übende soll es einsetzen, Göttin, 30.BRY.35: am Kopf, an beiden Füßen, am Nacken, im Nabelkreis, an der Kehle und am Herzen, Herrin der Götter, an beiden Unterschenkeln und Augen, Unnummerierter Halbvers: an beiden Ohren, beiden Armen und beiden Brüsten. Wieder folgt eine im Druck markierte Lücke. Die Prosa nennt kha, ya, r, ū, dazu Mond und Nāda wie zuvor; die Konsonantenfolge ist kh–y–r, der Vokal ū, mit den Endzeichen. Die seltene zusammengesetzte Drucktype wird nicht durch ein geläufigeres Bīja ersetzt. 30.BRY.36: Der Praṇava gilt als Wurzel-Bīja. Man setzt ihn am Herzen, an beiden Füßen, Händen, Ohren und Nasenseiten ein, Geliebte. Die Prosa erläutert: Praṇava ist oṃ. 30.BRY.37: Aus Dviraṇḍā, Revatī, Śakra, Mond, Haṃsa und Trimūrti, zusammen mit Bindu und Nāda, wird, Herrin der Götter, das Bhrāmarī-Bīja erklärt. Die Prosa nennt die Bestandteile bha, ra, la, sa, ha, ī, dazu Bindu und Nāda wie zuvor. Das zusammengesetzte Zeichen ist schwer lesbar; gesichert ist hier die ausgeschriebene Konsonantenfolge bh–r–l–s–h mit ī und den beiden Endzeichen. 30.BRY.38: [Man setzt es ein] am Mund, an beiden Augen, beiden Ohren, beiden Wangen, beiden Backen, an der Halsgegend, an beiden Brüsten, am Herzen und an beiden Füßen, 30.BRY.39: am Kinn, am Kopf, an beiden Armen und Schultern, an beiden Zahnreihen, am Brahmarandhra, an der Grundlage [des Körpers] und zwischen den Augenbrauen, Geliebte. 30.BRY.40: Wenn jemand diese Nyāsas vollzogen hat, das Puraścaraṇa ausführt und die vorgeschriebenen Nyāsas beachtet, dennoch aber die Gabe nicht erlangt, 30.BRY.41: dann möge mich die Schuld treffen, ein Mädchen geschändet zu haben. Durch diese Nyāsas, Schöne, soll selbst die Schuld der Brahmanentötung vergehen. Die drastische Schwurformel wird als Aussage des historischen Textes wiedergegeben. 30.BRY.42: Was braucht man dann noch von anderer Schuld zu sprechen? Wahrlich, wahrlich sage ich es dir. Nun werde ich drei Marma-Nyāsas des erhabenen Gottes erklären, 30.BRY.43: durch deren Vollzug ein Mensch eine in den Welten schwer zu erlangende Vollendung finden soll. Das Ākūta-Bīja setzt man am Kopf, an beiden Wangen und am Mund ein. 30.BRY.44: Das Kāla-Bīja setzt man an beiden Augen und Ohren, am Nabel, am Geschlechtsglied und am After ein; das Vidyā-Bīja an beiden Wangen, Unnummerierte Fortsetzung: am Brahmarandhra und an beiden Zahnreihen — so verfährt der vorzügliche Übende. Die Göttin spricht: 30.BRY.45: Erhabener, Meer des Erbarmens, Freund der Bedrängten, Lehrer der Welt! Erkläre sie gnädig einzeln anhand der Tantras, Unnummerierte Fortsetzung: damit der Übende alsbald Vollendung erlangt. Danach zeigt der Druck eine Textlücke. Die Fußnote bietet statt „anhand der Tantras“ die Lesart „in Lehrsätzen“ (sūtraiḥ). Mahādeva antwortet: 30.BRY.46: Höre, Göttin! Ich werde die drei Nyāsa-Verfahren einzeln erklären. Unter Dīrghā, Kāla, Agni und Śakra stehen Kāla, Anala und Antya; 30.BRY.47: sie sind geschmückt mit Feuer, Knochen, Feuer, Raum, Mond und linkem Auge und mit Bindu und Nāda versehen. So wird das Ākūta-Bīja gewonnen. Die Prosa löst die lange Folge auf: na, ma, ra, la, ma, ra, kṣa, ra, śa, ra, ha, sa, ī; Bindu und die weiteren Endzeichen entsprechen der vorigen Erklärung. Die Druckligatur ist nicht sicher auflösbar; die ausdrücklich erklärte Folge n–m–r–l–m–r–kṣ–r–ś–r–h–s–ī bleibt deshalb als Lautfolge erhalten. 30.BRY.48: Aus Brahmā, Agni, Indra, Mond, Agni, Kāla, Feuer und linkem Auge, Geliebte, dazu Bindu und Nāda, wird das Kāla-Bīja erklärt, Herrin der Götter. Die Prosa nennt ka, ra, la, sa, ra, ma, ra, ī, mit Bindu und Nāda wie zuvor: die Konsonantenfolge k–r–l–s–r–m–r mit ī und den Endzeichen. Auch hier ist die zusammengesetzte Drucktype nur eingeschränkt lesbar. 30.BRY.49: Aus Saṃvarta, Anala, Mond und Agni, zusammen mit Śiva, Mond und Trimūrti, versehen mit Bindu und Nāda, wird, Herrin der Götter, das Vidyā-Bīja gewonnen. Die zugehörige Lauterklärung folgt auf der nächsten Seite.
Die Prosa zu Vers 49 erklärt Saṃvarta als kṣa, Anala als r, Mond als sa, Feuer als r, Śiva als ha, nochmals Mond als sa und Trimūrti als ī. Bindu und die weiteren Endzeichen sind wie zuvor. Das Vidyā-Bīja enthält also die Folge kṣ–r–s–r–h–s–ī mit den Endzeichen; die zusammengesetzte Drucktype wird nicht als sichere Rezitationsfassung normalisiert. 30.BRY.50: Diese drei Nyāsas sind erklärt; sie sollen die Anliegen des Übenden erfüllen. Wer ihre Gunst erlangt, dem gewährt Bhairava rasche Vollendung. 30.BRY.51: Höre, Göttin! Ich werde den vorzüglichen Ketten-Nyāsa (Śṛṅkhalānyāsa) erklären, durch dessen Gunst Baṭuka Vollendung gewähren soll, Glückverheißende. 30.BRY.52: Am Kopf, am rechten und linken Auge, am rechten und linken Ohr sowie an der rechten Wange, 30.BRY.53: an der linken Wange, am rechten und linken Backen, am Kinn, dann an der Kehle und an rechter und linker Schulter, 30.BRY.54: an rechter und linker Brust, am Herzen, an rechter und linker Bauchseite, am Nabel sowie am rechten und linken Unterschenkel, 30.BRY.55: am Geschlechtsglied, am rechten und linken Hoden, Schöne, am Mūlādhāra, am rechten und linken Knöchel, 30.BRY.56: am rechten und linken Fuß, an den Zehen des rechten und linken Fußes und ebenso am Brahmarandhra, 30.BRY.57: nochmals am Mūlādhāra und nochmals am Brahmarandhra setzt der vorzügliche Übende das Mahāparā genannte Bīja ein. Die Prosa begründet die Übersetzung von meḍhra als Hoden: Der Text unterscheidet rechts und links; außerdem ist das Geschlechtsglied bereits gesondert genannt. 30.BRY.58: Mond und Sonne, nochmals dieselben, Erde, Brahmā, Erde, Geliebte, Trimūrti, Knochen, Feuer, Wasser, Feuer, Wasser, Erde und Wasser, 30.BRY.59: der sechste Vokal, am Scheitel geschmückt mit Trimūrti, Mond und Nāda: So ist dir das Mahāparā-Bīja erklärt, von den Göttern Verehrte. Unnummerierter Halbvers: Durch diesen Nyāsa soll man unmittelbar Śiva gleich werden, Schöne. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Die ausführliche Lauterklärung nennt Mond und Sonne als sa und ha, dann nochmals sa, ha; Erde la, Brahmā ka, Erde la, Trimūrti ī, Knochen śa, Feuer r, Wasser va, Feuer r, Wasser va, Erde la, Wasser va, den sechsten Vokal ū und Trimūrti ī. Mond und Nāda gelten wie zuvor. Die ungewöhnliche Folge mit mehreren Vokalabschnitten wird nach dieser Erklärung wiedergegeben; aus der schwer lesbaren Gesamtligatur lässt sich keine zusätzlich gesicherte Aussprache ableiten. 30.BRY.60: Nun werde ich den vorzüglichen Mātṛkā-Nyāsa Vaṭukas erklären. Durch dessen Vollzug soll Vaṭuka in die Hand des Übenden gelangen. 30.BRY.61: Dabei wird der Kreis der Lautmütter mit fünf Śrī-Bījas versehen: am Anfang, nach ka, nach ta, nach pha und am Ende. Die Buchstabenangaben sind druckbedingt unsicher; die zweite Fußnote bietet eine abweichende, ebenfalls auffällige Lesart drānte. Die erste Fußnote liest „mit Bījas“ statt „mit Śrī-Bījas“. 30.BRY.62: Der Einsichtige soll diesen höchsten, verehrungswürdigen Mātṛkā-Nyāsa Baṭukas vollziehen und praktizieren. So soll er sogleich Śiva-Wesen erlangen. 30.BRY.63: Wer ohne diesen Mātṛkā-Nyāsa ein anderes Nyāsa-Verfahren ausführt, über den spricht der erzürnte Baṭuka nach Aussage des Textes sogleich einen Fluch. 30.BRY.64: Deshalb soll der verständige Übende diesen Nyāsa an allen Stellen der Lautmütter vollziehen, um den Körper zu reinigen. 30.BRY.65: Wer diesen Mātṛkā-Nyāsa aufgibt und etwas anderes ausführt, soll selbst durch Bemühung über zehn Millionen Jahre keine Vollendung finden. 30.BRY.66: Setzt man oṃ an den Anfang und führt alles wie zuvor aus, so heißt dies innerer Mātṛkā-Nyāsa, der alle Vollendungen gewähren soll. 30.BRY.67: Setzt man bhaṃ an den Anfang, Schöne, so heißt dieser Nyāsa äußerer Mātṛkā-Nyāsa und gilt als Kronjuwel der Nyāsas. Der Druck liest hier bhaṃkāra; die bloße OCR-Lesung makāra wird nicht übernommen. 30.BRY.68: Die Meditationen wurden bereits erklärt, einsichtsvolle Göttin. Nun werde ich einen weiteren Nyāsa darlegen. Höre, Schöne: 30.BRY.69: den Sarasvatī-Mātṛkā genannten, der sogleich Vollendung gewähren soll. An den Mātṛkā-Stellen setzt man, Einsichtsvolle, das Bīja 30.BRY.70: der Göttin Mahāsarasvatī ein, das rasche Vollendung gewähren soll. Unter Krodhīśa steht Pinākīśa; es folgen Dāhakeśa und Bhujaṅgama, 30.BRY.71: Bhṛgvīśa und Nakulīśa, Bhujaṅga und Nakulīśa, geschmückt mit Saṃvarta, Vakra, Revatī, Asthi, Mūrti und Mond. Unnummerierter Halbvers: So ist das schwer zugängliche Mahāsarasvatī-Bīja erklärt, Göttin. Die zweite Hälfte ist im Druck als Lücke markiert; die Erläuterung folgt auf der nächsten Seite.
Die Prosa zum Mahāsarasvatī-Bīja entschlüsselt Krodhīśa als ka, Pinākīśa als la, Dāhakeśa als ḍa, Bhujaṅgeśa als ra, Bhṛgvīśa als sa, Nakulīśa als ha, nochmals ra und ha, Saṃvarta als kṣa, Vakra als śa, Revatī als ra, Trimūrti als ī und Mond als Bindu. Damit lautet die erklärte Konsonantenfolge k–l–ḍ–r–s–h–r–h–kṣ–ś–r mit ī und Bindu. Das im vorausgehenden Vers zusätzlich lesbare asthi wird in dieser Prosa nicht gesondert aufgelöst; die Gesamtligatur bleibt unsicher. 30.BRY.72: Damit sind die Nyāsas der Baṭuka-Verehrung erklärt, Glückverheißende. Sie sollen sogleich Vollendung gewähren und sind zweifellos nur durch glückliche Fügung zu erlangen. 30.BRY.73: Wer einen unvollständigen Nyāsa vollzieht, soll sofort Verlust erleiden. Durch darüber hinausgehenden Nyāsa soll man dagegen Geburt für Geburt vollendet sein. Die erste Fußnote bietet schlicht „durch zusätzlichen Nyāsa“; der Unterschied zwischen notwendigem Vollzug und Ergänzung wird nicht weiter erklärt.
Baṭukas klare, friedvolle Gestalten
Im Kailāsakoṭaraprabheda heißt es: 30.BKD.1: Nachdem der Körper so durch Nyāsa eingerichtet ist, Göttin, meditiere man über Baṭuka-Bhairava: Er gleicht reinem Bergkristall und ist mit zwei lotosgleichen Augen geschmückt. 30.BKD.2: Sein schönes, lächelndes Lotosgesicht ist von lockigen Haaren umrahmt. Er trägt Schmuck aus vielerlei Edelsteinen, Ketten kleiner Glöckchen und Fußringe, 30.BKD.3: strahlt in weißem Gewand und hat zwei Arme. In der rechten Hand hält er den Dreizack, in der linken einen wundersamen Stab. Unnummerierter Halbvers: Der Übende vergegenwärtige sich diesen sattvischen Śambhu in der Gestalt eines jungen Brahmanenschülers. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Dagegen heißt es im Rudrayāmala: „Eine Schädelschale in der linken Hand … freundlich lächelnd … und einen Stab in der rechten.“ Die zitierte Wortfolge ist verkürzt beziehungsweise syntaktisch unvollständig. Dort findet sich auch folgende sattvische Meditation über die vierarmige Gestalt: 30.BSD.1: Weiß ist seine Farbe, vier Arme hat er, und er trägt eine Krone aus Haarflechten. Seine Hände halten Dreizack, Schlinge, Stab und Wassergefäß. 30.BSD.2: Er hat drei Augen, eine blaue Kehle und Perlenschmuck. Nachdem man so meditiert hat, verehrt man den Gott auf dem Śiva-Sitz, Herrin der Götter. 30.BSD.3: Man zeichnet, Mahādevī, einen achtblättrigen Lotos, dessen Fruchtboden und Staubfäden leuchten. In seiner Mitte, auf dem Fruchtboden, 30.BSD.4: errichtet man einen Sechsstern und stellt sich darin ein Dreieck vor. In dessen Mitte liegt ein Raum-Lotos, der mit acht Blättern glänzt, 30.BSD.5: mit Fruchtboden und Staubfäden versehen. Außen liegen drei Vierecke mit vier Toren. In ihrer Mitte verehrt man Vaṭuka. 30.BSD.6: Mit dem Wurzelmantra stellt man seine Gestalt vor und ruft den Herrn hinein, indem man den Sadyojāta-Mantra mit vorangestelltem Wurzelmantra spricht, große Herrin. 30.BSD.7: Man setzt ihn mit dem Vāmadeva-Mantra und vorangestelltem Wurzelmantra ein, Tugendhafte. Dann bewirkt man seine Gegenwart mit dem Wurzelmantra allein. 30.BSD.8: Mit dem Wurzelmantra, an den Aghora angefügt ist, vollzieht man das Festhalten der Gegenwart. Mit dem Wurzelmantra wendet man ihn sich zu und verhüllt ihn ebenfalls damit. 30.BSD.9: Mit den sechs Gliedern macht man die Gestalt vollständig; mit dem Wurzelmantra vollzieht man die Nektarisierung und die Erhebung zum höchsten Zustand, jeweils mit der zugehörigen Mudrā, wie zuvor erklärt. 30.BSD.10: All dies ist auszuführen. Danach meditiert man gesammelt, bewirkt seine Zuwendung und zeigt die Mudrās. 30.BSD.11: Die zuvor bezeichneten Mudrās beginnen mit der Liṅga-Mudrā. Die dazugehörige Yoni-Mudrā zeigt man mit Tatpuruṣa und dem Wurzelmantra, große Herrin. 30.BSD.12: Mit Īśāna und vorangestelltem Wurzelmantra verneigt man sich. Dann verehrt man ihn mit den Gaben vom Sitz bis zu den Blumen. 30.BSD.13: Anschließend verehrt man mit Erlaubnis des Gottes die Gottheiten der Umkreise. An den Nyāsa-Stellen seines Körpers werden seine Glieder verehrt. 30.BSD.14: Am Körper des Gottes verehrt man nacheinander die fünf Gestalten: an Fingern, Körper und Gesichtern entsprechend den drei Nyāsa-Verfahren. 30.BSD.15: Danach verehrt man sie auf dem Fruchtboden im Osten, Süden, Norden und Westen sowie an der Gestalt des Gottes. Auf den Blättern des Raum-Lotos 30.BSD.16: verehrt man Asitāṅga, Ruru, Caṇḍa, Krodha, Unmatta-Bhairava, Kapālin, Bhīṣaṇa und Saṃhāra. 30.BSD.17: In den sechs Spitzen verehrt man vorschriftsgemäß die sechs Glieder, Göttin. Danach, innerhalb des achtblättrigen Lotos und außerhalb des Sechssterns, Tochter des Berges, 30.BSD.18: verehrt man vom Osten bis zum Nordosten die nun genannten [Gruppen]: die Söhne der Ḍākinī, Göttin, und die Söhne der Rākiṇī. Die Aufzählung setzt sich auf der nächsten Seite fort. Die zweite Fußnote bietet „nach dem Zeichnen“ als Lesart für die Anlage des Sechssterns; die dritte ersetzt das verbindende „und“ durch „aber/hingegen“.
30.BSD.19: Danach die Söhne der Lākinī und der Kākinī, ferner die Söhne der Śākinī und der Hākinī, 30.BSD.20: die Söhne der Mālinī, Göttin, dann die Söhne der Devī, die Söhne Umās, Rudras und der Mütter, Herrin. 30.BSD.21: Diese verehrt man nacheinander auf der linken Seite des Gottes. Zwischen Osten und Nordosten verehrt man die Söhne der Ūrdhvamukhī, der „Aufwärtsblickenden“. 30.BSD.22: Die Söhne der Adhomukhī, der „Abwärtsblickenden“, verehrt man zwischen Südwesten und Westen, Göttin. So werden dreizehn Gruppen von Söhnen genannt. Die Prosa bemerkt, dass das Rudrayāmala nach den Rudra-Söhnen zusätzlich nennt: „die Herren von Ländern und Dörfern, dann den Herrn des Ortes, Meghanāda, den Pracaṇḍa Genannten und ebenso Kāladūta“. Auch hier sei entsprechend der erhaltenen Unterweisung zu verfahren. Die Zählung der dreizehn Gruppen wird damit nicht ausdrücklich erläutert. 30.BSD.23: Nach dieser Verehrung verehrt man weiter außen auf den Lotosblättern den Sohn der Brahmāṇī im Osten und den Sohn der Māheśī im Nordosten, 30.BSD.24: den Sohn der Vaiṣṇavī im Norden, den Sohn der Kaumārī im Nordwesten und danach den Sohn der Indrāṇī im Westen, 30.BSD.25: anschließend den Sohn der Mahālakṣmī im Südwesten, den Sohn der Vārāhī im Süden, Göttin, und in der Feuerecke [Südosten] 30.BSD.26: den Sohn der Cāmuṇḍā. Dann verehrt man, Umā, die als Welthüter dienenden Baṭukas außerhalb des achtblättrigen Lotos und innerhalb des Vierecks. 30.BSD.27: In den acht Richtungen verehrt man sie: Hetuka, Tripurāntaka, Vetāla, Agnijihva, dann Kālāntaka, 30.BSD.28: Karāla, Ekapāda und Bhīmarūpa, große Herrin. Danach verehrt man Acala zwischen Osten und Nordosten, Tochter des Berges, 30.BSD.29: und Hāṭakeśa zwischen Westen und Südwesten. Auf der ersten Linie des Vierecks, in den Hauptrichtungen, Zwischenrichtungen 30.BSD.30: und ihren Zwischenräumen verehrt man Śrīkaṇṭha und die folgenden, Herrin der Götter. Auf der zweiten Linie verehrt man Krodhīśa und die folgenden, 30.BSD.31: bis Āpādya [Name beziehungsweise Lesung unsicher]; auf der dritten verehrt man die Reihe von Daṇḍīśa bis Dviraṇḍā sowie Nakulīśa und die folgenden. 30.BSD.32: Auf der linken Seite des Gottes verehrt man, höchste Herrin, die Herren der Yoginīs, die im Himmel, im Zwischenraum und auf der Erde weilen, jeweils mit ihren Śaktis. 30.BSD.33: Ebenso verehrt man die Yoginīs in den vom Nordosten ausgehenden Ecken, Schöne. Die Richtungshüter mit ihren Waffen, 30.BSD.34: Göttin, verehrt man außerhalb des Vierecks auf die beschriebene Weise. So soll man den Gott Baṭuka mit ganzer Hingabe verehren. Unnummerierter Halbvers: Dadurch soll der Mensch die vier Lebensziele — Dharma, Wohlstand, Lebensgenuss und Befreiung — beherrschen. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck. Es folgt die Anwendung: Nach den Morgenpflichten und den weiteren Handlungen bis zum Yoga-Sitz-Nyāsa vollzieht man drei Atemregelungen mit dem Wurzelmantra. Nach dem Mātṛkā-Nyāsa mit Bindu und Visarga setzt man die Buchstaben von bha bis ja an die Stellen von den Fingern der linken Hand bis zu deren Handgelenk. Die Angabe des Anfangsbuchstabens ist ungewöhnlich und druckbedingt nicht völlig sicher. Nach den Nyāsas der Kalā-Mātṛkā und der mit dem Śrī-Bīja versehenen Mātṛkā setzt man zunächst śrīṃ aṃ namaḥ ein; darauf folgen die einzelnen Buchstaben von āṃ namaḥ bis kṣaṃ namaḥ, wie beim reinen Mātṛkā-Nyāsa. Das Śrī-Bīja wird erneut vor bha, vor tha, vor va und vor kṣa eingesetzt, jeweils mit śrīṃ namaḥ. Diese Prosaangaben weichen von den schwer lesbaren Grenzbuchstaben in Vers 61 ab; beide Befunde bleiben sichtbar. Danach setzt man die Mātṛkā mit dem zuvor erläuterten Mahāsarasvatī-Bīja vor aṃ namaḥ und den weiteren Buchstaben ein. Die Gesamtligatur dieses Bīja bleibt auch hier schwer lesbar. Nach dem mit dem Kāma-Bīja beginnenden Mātṛkā-Nyāsa folgt der Nyāsa von Seher und weiteren Zuordnungen: Auf dem Haupt bṛhadāraṇyakaṛṣaye namaḥ; auf dem Mund anuṣṭupchandase namaḥ; auf dem Herzen śrīvaṭukāya bhairavāya devatāyai namaḥ; im Schambereich hrīṃ bījāya namaḥ; auf den Füßen hrīṃ śaktaye namaḥ; am Nabel āṃ kīlakāya namaḥ. Der Sehername erscheint hier als Bṛhadāraṇyaka, zuvor als Bṛhadāraṇya. Mit zusammengelegten Händen spricht man: mama caturvidhapuruṣārthasiddhaye viniyogaḥ — „Die Anwendung dient der Vollendung meiner vier Lebensziele.“ An den beiden Daumen setzt man hoṃ voṃ īśānāya namaḥ, an den Zeigefingern heṃ veṃ tatpuruṣāya namaḥ, an den Mittelfingern huṃ vuṃ aghorāya namaḥ, an den Ringfingern hiṃ viṃ vāmadevāya namaḥ und an den kleinen Fingern haṃ vaṃ sadyojātāya namaḥ. Die beiden Bījas sind jeweils einzeln mit Anusvāra versehen. Dieselben fünf Gestalten setzt man danach am Haupt, Mund, Herzen, Schambereich und an den Füßen ein. Dann folgt auf dem Haupt hoṃ voṃ īśānāyordhvavaktrāya namaḥ — Īśāna mit dem nach oben gerichteten Gesicht; am Mund heṃ veṃ tatpuruṣāya pūrvavaktrāya namaḥ — Tatpuruṣa mit dem östlichen Gesicht; am rechten Ohr huṃ vuṃ aghorāya dakṣiṇavaktrāya namaḥ — Aghora mit dem südlichen Gesicht. Am linken Ohr beginnt hiṃ viṃ vāmadevāyottarava-; das Wort und die Formel setzen sich auf der folgenden Seite fort.
Fortsetzung der Formel am linken Ohr: hiṃ viṃ vāmadevāyottaravaktrāya namaḥ — Vāmadeva mit dem nördlichen Gesicht. Unter dem Haarknoten setzt man haṃ vaṃ sadyojātāya paścimavaktrāya namaḥ — Sadyojāta mit dem westlichen Gesicht. Dann folgen die sechs Gliederformeln: hāṃ vāṃ hṛdayāya namaḥ; hīṃ vīṃ śirase svāhā; hūṃ vūṃ śikhāyai vaṣaṭ; haiṃ vaiṃ kavacāya huṃ; hauṃ vauṃ netrābhyāṃ vauṣaṭ; haḥ vaḥ astrāya phaṭ. Man setzt sie an die Hände vom Daumen bis zur Handfläche sowie an die Körperglieder vom Herzen an. Mit dem Waffenmantra klatscht man dreimal und verschließt durch Fingerschnippen die zehn Richtungen. Darauf vollzieht man den sechsfachen Glieder-Nyāsa mit dem Preta-Bīja, dessen erklärte Lautfolge h–s–h–auṃ lautet. Das Löwen-Bīja, dessen Druckligatur gegenüber der Vokalerklärung unsicher bleibt, wird mit namaḥ auf dem Haupt, an den Armen, am Geschlechtsglied, am Nabel, an den Fingern und an den Zehen eingesetzt. Bhrauṃ namaḥ setzt man am Brahmarandhra, am Mund, an beiden Augen, Hals und Nase, an beiden Wangen, am Kinn und erneut am Brahmarandhra ein. Mlhauṃ namaḥ wird an beiden Füßen, Händen, Augen und Ohren, an beiden Bauchseiten und am Geschlechtsglied eingesetzt. Diese Prosafassung nennt also Bauchseiten und Geschlechtsglied, während die frühere Versfassung Brüste und Scheitel nannte. Śrūṃ namaḥ wird am Kinn, an beiden Füßen, an der Kehle, an beiden Füßen, am Herzen, an beiden Füßen, am Nabel und an beiden Füßen eingesetzt. Die Kehle ist hier zusätzlich zur zuvor gegebenen Versfolge genannt. Prūṃ namaḥ setzt man am Mund ein, danach am Herzen, am Nabel, am Herzen, an beiden Füßen, am Herzen, an der rechten Bauchseite, am Herzen, an der linken Bauchseite, am Herzen, an der rechten Fußsohle, am Herzen, an der linken Fußsohle, am Herzen, am rechten Auge, am Herzen, am linken Auge, am Herzen, an der rechten Nasenseite, am Herzen, an der linken Nasenseite, am Herzen, am rechten Ohr, am Herzen, am linken Ohr und nochmals am Herzen. Die Prosa liest hier deutlich kukṣi, Bauchseite; die entsprechende frühere Versstelle war schwer lesbar. Ghrūṃ namaḥ setzt man am Halszäpfchen ein, danach am Nabel, am Halszäpfchen, am Herzen, an beiden Füßen, am Herzen, an der Hüfte, am Kopf, am Kopf, an der Hüfte, an beiden Brüsten, an beiden Knöcheln, nochmals an beiden Knöcheln und an beiden Brüsten. Das Khyāti-Bīja, mit der erklärten Folge kh–y–r–ūṃ, setzt man mit namaḥ am Kopf ein; dann an beiden Füßen, am Nacken, am Kopf, am Nabel, an der Kehle, am Herzen, an beiden Unterschenkeln, Augen, Ohren, Armen und Brüsten. Der Kopf wird in dieser Prosafolge ein weiteres Mal genannt. Oṃ namaḥ setzt man am Herzen sowie an beiden Füßen, Händen, Ohren und Nasenseiten ein. Das Bhrāmarī-Bīja mit der erklärten Folge bh–r–l–s–h–ī und den Endzeichen setzt man mit namaḥ am Mund ein; dann an beiden Augen, Ohren und Wangen, an beiden Backen, am Hals, an beiden Brüsten, am Herzen, an beiden Füßen, am Kinn, am Kopf, an beiden Armen und Schultern, an beiden Zahnreihen, am Brahmarandhra, am Mūlādhāra und zwischen den Augenbrauen. Das Ākūta-Bīja setzt man mit namaḥ auf dem Haupt, an beiden Wangen und am Mund ein. Das Kāla-Bīja setzt man mit namaḥ an beiden Augen und Ohren, am Nabel, am Geschlechtsglied und am After ein. Das Vidyā-Bīja setzt man mit namaḥ an beiden Wangen, am Brahmarandhra und an beiden Zahnreihen ein. Die zuvor erläuterten Lautfolgen dieser drei Bījas gelten weiter; ihre langen Druckligaturen werden hier erneut nicht als gesicherte Rezitationsschreibungen ausgegeben. Das Mahāparā-Bīja setzt man mit namaḥ am Kopf ein, danach am rechten und linken Auge, rechten und linken Ohr, an beiden Wangen und Backen, am Kinn, an der Kehle, an beiden Schultern und Brüsten, am Herzen, an beiden Bauchseiten, am Nabel, an beiden Unterschenkeln, am Geschlechtsglied, an beiden Hoden, am Mūlādhāra, an beiden Knöcheln und Füßen, an den Zehen des rechten und linken Fußes, am Brahmarandhra, am Mūlādhāra, nochmals am Mūlādhāra und am Brahmarandhra. Die doppelte Nennung des Mūlādhāra am Ende steht in der Prosa. Anschließend setzt man das Mahāsarasvatī-Bīja mit namaḥ an den Mātṛkā-Stellen ein. Nach diesen Nyāsas führt man Meditation und Vorstellung der Gestalt aus. Zur Anrufung spricht man den Wurzelmantra und sadyojātāya namaḥ. Zur Einsetzung folgen Wurzelmantra und vāmadevāya namaḥ. Mit dem Wurzelmantra allein bewirkt man die Gegenwart; mit Wurzelmantra und aghorāya namaḥ hält man sie fest. Danach folgen Zuwendung und die weiteren Handlungen bis zur Lebens-Einsetzung. Nach der Liṅga-Mudrā zeigt man mit Wurzelmantra und tatpuruṣāya namaḥ die Yoni-Mudrā. Die Dreizack-Mudrā und die übrigen werden wie zuvor gezeigt. Mit Wurzelmantra und īśānāya namaḥ verneigt man sich in der Gruß-Mudrā und bringt die Gaben vom Sitz bis zu den Blumen dar. Am Körper des Gottes verehrt man die sechs Glieder an ihren Nyāsa-Stellen mit hāṃ vāṃ hṛdayāya namaḥ; hīṃ vīṃ śirase namaḥ und entsprechend weiter. Hier enden ausdrücklich sämtliche sechs Formeln auf namaḥ. An allen fünfzehn Stellen des Gestalten-Nyāsa verehrt man in drei Durchgängen die fünf Gestalten nach der bereits erklärten Anordnung. Auf dem Fruchtboden des Raum-Lotos verehrt man die ersten vier Gestalten, beginnend mit Īśāna, im Osten, Süden, Norden und Westen; die fünfte verehrt man an der Gestalt des Gottes. Auf den acht Blättern folgt, vor dem Gott beginnend und im Uhrzeigersinn, die Verehrung der acht Bhairavas: oṃ aṃ asitāṅgabhairavāya namaḥ; iṃ rurubhairavāya namaḥ; uṃ caṇḍabhairavāya namaḥ; ṛṃ krodhabhairavāya namaḥ; ḷṃ unmattabhairavāya namaḥ; eṃ kapālibhairavāya namaḥ; oṃ bhīṣaṇabhairavāya namaḥ; aṃ saṃhārabhairavāya namaḥ. Die Anfangs- und Schlussvokalzeichen der Reihe sind druckbedingt weniger deutlich; eine abweichende geläufige Bīja-Reihe wird nicht eingesetzt. An den Spitzen des Sechssterns verehrt man die vier Glieder vom Herzen an, beginnend vorne links aus Sicht des Übenden, in Südosten, Nordosten, Südwesten und Nordwesten. An der Spitze vor dem Gott werden die Augen verehrt; die Waffe wird von dort aus in den vier Richtungen verehrt. So werden die sechs Glieder wie zuvor eingesetzt. Innerhalb des achtblättrigen Lotos und außerhalb des Sechssterns verehrt man, vor dem Gott beginnend und im Uhrzeigersinn, in den acht Richtungen: oṃ ḍākinīputrebhyo namaḥ; rākiṇīputrebhyo namaḥ; lākinīputrebhyo namaḥ; kākinīputrebhyo namaḥ; śākinīputrebhyo namaḥ; hākinīputrebhyo namaḥ; mālinīputrebhyo namaḥ; devīputrebhyo namaḥ. Auf der linken Seite des Gottes folgt umāputrebhyo namaḥ; die anschließende Formel für die Rudra-Söhne setzt sich auf der nächsten Seite fort.
Die auf der vorigen Seite begonnene Formel wird ergänzt zu rudraputrebhyo namaḥ; darauf folgt mātṛputrebhyo namaḥ. Zwischen Osten und Nordosten spricht man ūrdhvamukhīputrebhyo namaḥ, zwischen Südwesten und Westen adhomukhīputrebhyo namaḥ. Dabei vergegenwärtigt man oben und unten. Auf den äußeren acht Blättern verehrt man, vor dem Gott beginnend und im Uhrzeigersinn, mit oṃ brahmāṇīputrabaṭukāya namaḥ den Baṭuka als Sohn der Brahmāṇī; entsprechend folgen die Söhne der Māheśī, Vaiṣṇavī, Kaumārī, Indrāṇī, Mahālakṣmī, Vārāhī und Cāmuṇḍā, jeweils mit der gleichen Formelanordnung. Außerhalb des achtblättrigen Lotos und innerhalb des Vierecks folgen im Uhrzeigersinn hetukāya namaḥ; tripurāntakāya namaḥ; vetālāya namaḥ; agnijihvāya namaḥ; kālāntakāya namaḥ; karālāya namaḥ; ekapādāya namaḥ; bhīmarūpāya namaḥ. Zwischen Osten und Nordosten verehrt man acalāya namaḥ, zwischen Südwesten und Westen hāṭakeśāya namaḥ. In den drei weiter außen liegenden Vierecken verehrt man zunächst im innersten Viereck, vor dem Gott beginnend und im Uhrzeigersinn, in den Hauptrichtungen Śrīkaṇṭha, Ananta, Sūkṣma und Trimūrti; in den Ecken vom Nordosten und Südosten an Amareśa, Arghīśa, Bhāvabhūti und Tithīśa. In den acht Zwischenräumen zwischen Richtungen und Ecken, rechts vorne aus Sicht des Gottes beginnend und im Uhrzeigersinn, folgen Sthāṇu, Hara, Jhiṇṭīśa [Lesung unsicher], Bhautika, Sadya, Anugraha, Akrūra und Mahāseneśa. Auf der zweiten Linie verehrt man in gleicher Weise in Richtungen, Zwischenrichtungen und Zwischenräumen die Reihe von Krodhīśa bis Āṣāḍhīśa. Diese ausgeschriebene Prosalesung verdeutlicht den schwer lesbaren Endnamen in Vers 31. Auf der dritten Linie folgt die Reihe von Daṇḍīśa bis Bhṛgvīśa; der dortige Vers hatte einen anderen Endnamen erkennen lassen. Nakulīśa, Śiveśa und Saṃvarteśa werden auf der linken Seite des Gottes verehrt. Weiter außen beginnt man an der Ecke vorne links aus Sicht des Gottes und verehrt im Uhrzeigersinn mit saśaktikebhyo divyayogibhyo namaḥ die himmlischen Yogins mit ihren Śaktis, entsprechend die Yogins des Zwischenraums und die auf der Erde: antarikṣayogibhyo namaḥ; bhūmiṣṭhayogibhyo namaḥ. Dann folgt sarvayoginībhyo namaḥ, die Verehrung aller Yoginīs. Weiter außen verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter samt ihren Waffen wie zuvor; mit Räucherwerk, Licht und den weiteren Gaben schließt man den restlichen Ablauf ab. 30.BSD.35: Mit beherrschten Sinnen und von Opferspeise lebend wiederholt man diesen Mantra, Geliebte, fünfhunderttausend und fünfundzwanzigtausend Mal. Ein Zehntel davon 30.BSD.36: bringt man als Feueropfer mit Sesam dar, der mit den drei Süßigkeiten benetzt ist. Ein Zehntel davon sind Wasserdarbringungen. Mit dem Wurzelmantra besprengt der Übende den eigenen Scheitel. Unnummerierter Halbvers: Entsprechend einem Zehntel der Besprengungen speist man Brahmanen, Geliebte. Danach ist eine Textlücke markiert. Die Prosa erklärt: Diese 525.000 Wiederholungen gelten für das Kṛtayuga; im Kaliyuga ist das Vierfache auszuführen. Sie beruft sich auf die Yāmala-Aussage: „100.000 für jede Silbe, oder die Hälfte davon, oder wiederum die Hälfte.“ Bei einundzwanzig Silben ergibt das zunächst 2.100.000 Wiederholungen. Die Zahlen seien vom Kaliyuga aus rückwärts bis zum Kṛtayuga zu verstehen, da der Herr in seinem Willen frei sei. Deshalb nennen auch die auf das Kaliyuga bezogenen Sammelwerke wie das Śāradātilaka 100.000 Wiederholungen je Silbe.
Vīra-Sādhana nach dem Rudrayāmala
Die Göttin spricht: 30.BVS.1: Erhabener, Herr der Götter! Erkläre mir Vaṭukas Geheimnis, durch das der Übende Bhairava für sich gewinnen soll, Śiva. Śiva antwortet: 30.BVS.2: Höre, Göttin, Schönste! Ich verkünde das streng geheime Mysterium des erhabenen Vaṭuka, das unmittelbar Vollendung gewähren soll. 30.BVS.3: Alle für die Verehrung des Gottes Vaṭuka beschriebenen Mittel bleiben nach dieser Aussage fruchtlos ohne das eine Vīra-Sādhana, die Praxis des rituellen „Helden“. 30.BVS.4: Wer diese Vīra-Praxis aufgibt und ein anderes Mittel wählt, soll selbst nach Hunderten von Jahren keine Vollendung erlangen. 30.BVS.5: [Man nimmt] Urdbohnen, Mungbohnen, Linsen, Kichererbsen, gekochten Reis, Milchreis, Kuchen und schöne Śaṣkulī-Gebäcke. Die Prosa erläutert, dass die Hülsenfrüchte gekocht gemeint sind, weil der Text selbst später „gekochte Urdbohnen“ sagt. „Milch“ bezeichnet hier Milchreis, wie die spätere Formulierung „das Gefäß auf den Milchreis setzen“ zeigt. Śaṣkulī heiße in der Volkssprache suhālī. 30.BVS.6: Außerdem nimmt man Baumwollfaden, den eine unverheiratete junge Frau gesponnen hat, färbt ihn mit Kuṅkuma und lässt acht Pflöcke anfertigen. 30.BVS.7: Mit einem weiteren Pflock als Pfosten begibt sich der verständige Übende zusammen mit einem unterstützenden Mitpraktizierenden in die Nähe des Verbrennungsplatzes, göttliche Schöne. 30.BVS.8: Er wäscht die Füße, vergegenwärtigt sich seine eigene Gottheit und spricht mit zusammengelegten Händen die folgenden Worte. Die Schilderung gibt das historische Ritual wieder.
30.BVS.9: „Alle Gottheiten, die hier auf diesem Verbrennungsplatz wohnen, mögen mir Vollendung gewähren, mir wohlgesinnt sein und mich schützen! 30.BVS.10: Im Osten schütze mich Śaṅkara, im Südosten der Dreizackträger. Im Süden schütze mich Kapālin, im Südwesten der Träger der Haarflechten. 30.BVS.11: Im Westen [schütze mich] Pārvatīs Beschützer, im Nordwesten der Herr der Pramathas, im Norden der mit einer Schädelgirlande Geschmückte und im Nordosten der mit dem Stierbanner. 30.BVS.12: Oben schütze mich Śambhu, unten der Staubgraue; vorne Bhairava, hinten der im Luftraum Wandelnde. 30.BVS.13: Rechts schütze mich der auf der Erde Wandelnde, links der Fleischesser. Die Haare schütze Viśālākṣa, der Weitäugige; meinen Scheitel der Feind des Opfers. 30.BVS.14: Den Kopf schütze Bhṛgvīśa, das Auge der Hochgesinnte; die Wangen Vīreśa, die Backen der Feindbezwinger. 30.BVS.15: Die Oberlippe schütze Virūpākṣa, die Unterlippe der Geliebte der Yoginīs; an den Zähnen [schütze mich] der Vernichter Dakṣas, am Kinn der Träger einer Menschenschädelschale. 30.BVS.16: Am Hals beschütze mich der Gott Nīlakaṇṭha, der Lehrer der Welt; an der rechten Schulter Girīndreśa und an der linken Sundara, der Schöne. 30.BVS.17: Am rechten Arm schütze mich stets der Herr allen Daseins, am linken der Weltenherrscher; das Herz schütze Pāṇḍura, der Weiße. 30.BVS.18: An der rechten Hand schütze mich Paśupati, an der linken Maheśvara; am Bauch beschütze mich stets der Bewirker allen Wohlergehens. 30.BVS.19: Am Nabel [schütze mich] der Vernichter Kāmas; die Unterschenkel der Erbarmungsvolle, die Knie Jāmitra und die Knöchel stets Gaurīs Gatte. 30.BVS.20: Auf den Fußrücken [schütze mich] der Schatz des Wissens; die Zehen schütze Hara. Unter den Füßen schütze mich stets der raumhaarige Gott, der Geliebte der Welt.“ Unnummerierter Halbvers: Nachdem man diesen Schutz eingerichtet hat, vergegenwärtigt man sich das Mantrajuwel. Die zweite Hälfte ist im Druck als Lücke markiert. Es folgen Bīja-Formeln für Osten, Südosten, Süden, Südwesten, Westen, Nordwesten, Norden, Nordosten, oben und unten. Mehrere Vokal- und Nasalzeichen sind auch im vergrößerten Druckbild unsicher. Erkennbar sind jeweils ein vorangestelltes oṃ, im Osten und Südosten Folgen von Ha-Bījas; im Süden eine Ha-/Bhrīṃ-Folge; im Südwesten lūṃ lūṃ lūṃ bhaganaga; im Westen eine Vra-Folge mit saṃ saḥ; im Nordwesten eine Ghra-Folge; im Norden bhrīṃ bhairava; im Nordosten eine Vra-/Lūṃ-Folge mit phaṭ; oben glauṃ ṣūṃ und unten khāṃ saṃ saḥ. Diese Wiedergabe benennt die lesbaren Bestandteile, bildet aber ausdrücklich keine gesicherte Rezitationsfassung. Die Fußnoten 2–4 überliefern abweichende Bīja-Schreibungen für mehrere Richtungen; auch dort bleiben einzelne Vokalzeichen unsicher. 30.BVS.21: Nachdem er so den Schutz eingerichtet hat, beginnt der Übende die Verehrung der Richtungshüter. Voller Zuneigung spricht er sodann die folgenden Worte. Unnummeriertes Gebet: bhāṃ bhairava bhairava bhayaṃkara hara māṃ rakṣa rakṣa huṃ phaṭ svāhā. Der Text zählt zweiundzwanzig Silben: „Bhāṃ! Bhairava, Bhairava, Furchterregender, Hara, schütze mich, schütze mich! Huṃ phaṭ svāhā.“ Die gedruckte Wiederholungsziffer hinter rakṣa ist hier ausgeschrieben. 30.BVS.22: Nach diesem Gebet legt der Hochgesinnte gekochte Urdbohnen in ein Gefäß aus Palāśa[blättern] und begibt sich ehrerbietig zur Verehrung in den Osten. 30.BVS.23: Dort nimmt der Einsichtige das Blattgefäß in die Hand, spricht den folgenden Mantra und bringt Indra die Bali-Speisegabe dar. 30.BVS.24: Er spricht oṃ hrīṃ hrīṃ hrīṃ, dann: „O Indra, Führer der Götter! Sei mir rasch wohlgesinnt und gewähre ewige Vollendung. 30.BVS.25: Nimm diese Speisegabe an, nimm sie an! Huṃ phaṭ.“ So spricht der Übende und bringt die Gabe zur Vollendung dar, Hochbeglückte, Geliebte meines Lebens. 30.BVS.26: Dann spricht er raṃ rāṃ, gefolgt von einer im Druck nicht sicher lesbaren Hra-/Hrīṃ-/Bhram-Folge, Geliebte, und: „Agni, nimm die von mir dargebrachte Speisegabe an! Huṃ phaṭ.“ Die sechste Fußnote bietet eine weitere unsichere Bīja-Variante. 30.BVS.27: Er legt Mungbohnen in ein Gefäß und bringt sie ehrerbietig als Bali dar. Dann begibt sich der Einsichtige an den südlichen Platz. 30.BVS.28: Er spricht oṃ mit einer Pra-/Prīṃ-/Prūṃ-Folge, ebenso dreifach die entsprechende Bhra-Folge [die genaue Druckschreibung bleibt unsicher]; nach der Anrede „Herr der Toten“ spricht er „Nimm die Speisegabe an!“ 30.BVS.29: Dieser Yama-Mantra endet auf huṃ phaṭ, Schönangesichtige. Mit ihm [bringt man] im Süden ein mit Linsen gefülltes Gefäß … Der Satz setzt sich auf der nächsten Seite fort. Die erste Fußnote bietet Vasundara statt Sundara in Vers 16. Die fünfte verzeichnet zwei Ortslesarten zum Gang nach Süden: eine Richtungsangabe und „am Ort befindlich“.
30.BVS.30: … stellt das Gefäß hin, verneigt sich und geht dann in die Richtung Nirṛtis [Südwesten]. Dort bringt der vorzügliche Übende eine Speisegabe aus Kichererbsen im Gefäß dar. 30.BVS.31: Er spricht oṃ phreṃ phreṃ, danach nochmals phreṃ phreṃ, dann eine Śra-/Hauṃ-Folge und darauf zweimal ein Hrauṃ-Bīja. Die genaue Vokalschreibung der letzten Gruppen ist druckbedingt unsicher; die ersten beiden Fußnoten bieten abweichende Ha-/Phra-Bīja-Folgen. 30.BVS.32: Dann spricht er „Herr der Rākṣasas“, dazu „Nimm an! Huṃ phaṭ.“ Mit diesem Mantra bringt der Verständige dem Herrn der Rākṣasas die Speisegabe dar. 30.BVS.33: Danach begibt sich der vorzügliche Lehrer nach Westen und bringt dem Herrn des Wassers eine gute Speisegabe dar, damit sein Anliegen gelinge. 30.BVS.34: Er spricht vaṃ vīṃ vūṃ, danach „Varuṇa! Nimm diese von mir dargebrachte Speisegabe an, höchster Herr!“ Die dritte Fußnote liest das erste Bīja mit langem ā. 30.BVS.35: Mit diesem vorzüglichen Mantra bringt der Hochbeglückte Varuṇa ehrerbietig eine Gabe gekochten Reises dar, damit sein Anliegen gelinge. 30.BVS.36: Dann begibt er sich zur Richtung Vāyus [Nordwesten], legt Milchreis in ein Gefäß und bringt ihn Vāyu mit größter Ehrfurcht dar. 30.BVS.37: Er spricht prāṃ prīṃ prūṃ preṃ praiṃ prauṃ. Dieser Mantra Vāyus endet auf huṃ phaṭ und soll Vollendung gewähren. 30.BVS.38: Mit diesem Mantra bringt der Einsichtige Vāyu die Speisegabe dar. Danach geht der vorzügliche Übende nach Norden, 30.BVS.39: nimmt ein Gefäß mit Kuchen und bringt Kubera die Gabe dar. Er spricht oṃ krīṃ krūṃ, danach krāṃ krāṃ. 30.BVS.40: Mit dem auf huṃ phaṭ endenden Mantra gibt der Einsichtige die Speisegabe. Danach begibt sich der vorzügliche Übende nach Nordosten. 30.BVS.41: Er bringt Īśāna eine Gabe dar, damit alle Wünsche und Anliegen gelingen. Er spricht oṃ śrīṃ śrūṃ, danach śrīṃ śrīṃ śrāṃ śrā[m]; das letzte Bīja vor dem anschließenden Wort ist nicht eindeutig abgegrenzt. Die Fußnoten 4 und 5 bieten stattdessen Va-Bīja-Folgen. 30.BVS.42: Dieser in der Welt schwer zugängliche Mantra endet auf huṃ phaṭ. Mit ihm gibt man Śaṣkulī-Gebäcke, die in einem Gefäß bereitliegen, 30.BVS.43: als Speisegabe dar, damit alle Wünsche und Anliegen gelingen. Nachdem der vorzügliche Übende so acht Gaben dargebracht hat, 30.BVS.44: begibt er sich an den Fuß des Pfostens und führt die nächste Handlung aus. Er legt Blumen und ungebrochene Reiskörner bereit und spricht oṃ haṃ hīṃ huṃ haḥ. 30.BVS.45: Dies wird Pfosten-Mantra genannt; er soll alle Wünsche und Anliegen erfüllen. Nachdem der Einsichtige damit furchtlos den Pfosten verehrt hat, 30.BVS.46: [richtet er] zur Vollendung seines Vorhabens den aus fünf Mantras bestehenden Schutzpanzer ein. Durch dessen Gunst soll der Übende furchtlos werden. 30.BVS.47: Er spricht haṃ hīṃ huṃ haḥ, dann kṣāṃ kṣīṃ kṣaṃ kṣaḥ, danach dreimal huṃ und nochmals dreimal huṃ, gefolgt von phaṭ. 30.BVS.48: Es folgen „Schütze, schütze von allen Seiten! Schütze, schütze, Bhairava!“, dann zweimal das Wort nātha, „Herr“. Dieser große Mantra endet auf phaṭ. 30.BVS.49: Er wird als umfassender Schutz gerühmt und soll die Anliegen des Übenden erfüllen. Nachdem der verständige, weitsichtige Mensch so den Schutz am Körper eingerichtet hat, 30.BVS.50: vollzieht er die Besänftigung der Vīras, damit alle Wünsche und Anliegen gelingen und die Vorhaben der Übenden zur Vollendung kommen, große Herrin. 30.BVS.51: Solange selbst ein vorzüglicher Übender diese Besänftigung der Vīras nicht ausführt, soll ihm keinerlei Vollendung zuteilwerden. 30.BVS.52: Die Vīras am Verbrennungsplatz, die das Gebot auf dem Haupt tragen, durchkreuzen die im Geist gehegten Vorhaben der Übenden, 30.BVS.53: wenn sie unverehrt bleiben; verehrt aber sollen sie alle Wunschfrüchte gewähren. Zum Wohl der Übenden werde ich nun die Besänftigung der Vīras erklären. 30.BVS.54: Durch deren Gunst soll der Übende glücklich gedeihen. Man zeichnet einen achtblättrigen Lotos und außen darum einen sechzehnblättrigen … Die Anordnung setzt sich auf der nächsten Seite fort. Die sechste Fußnote bietet die Anrede śrīpriye, „von Śrī Geliebte“, anstelle der entsprechenden Textlesung. Die achte hat „des Vorhabens“ als Variante zu „am Körper“ in Vers 49. Die siebte Fußnote zitiert aus dem Merutantra eine längere Fassung des großen Schutzmantras: Zuerst wird der Körperschutz angekündigt; es folgen oṃ und eine Ha-Bīja-Reihe, die Kṣa-Reihe kṣāṃ kṣīṃ kṣaṃ kṣaḥ, eine Va-Reihe, eine Bhra-Reihe und svāhā. Im Mittelteil stehen weitere Sa-, Śra- und Bhra-Gruppen mit mehrfacher Wiederholungsangabe; mehrere Zeichen lassen sich aus dem Druck nicht zuverlässig entziffern. Erkennbar sind danach eine mit hṛmsakaṃ wiederzugebende, ebenfalls unsichere Lautgruppe, phaṭ, die wiederholte Bitte „Schütze, schütze, Bhairava!“ sowie nātha nātha phaṭ. Die Fußnote nennt ausdrücklich einundfünfzig Silben. Diese abweichende, teilweise beschädigte Fassung wird nicht stillschweigend mit dem kürzeren Haupttext gleichgesetzt.
30.BVS.55: … und außen darum gegebenenfalls noch einen achtblättrigen Lotos; dann zeichnet man die Erdumfassung. Nachdem das Maṇḍala so angelegt ist, bleibt der Übende furchtlos stehen. 30.BVS.56: Mit dem Wurzelmantra bringt er Bhairava in der Mitte des ersten Lotos die Speisegabe dar. Dort [verehrt er] auch die acht Bhairavas. 30.BVS.57: Auf dem großen sechzehnblättrigen Lotos verehrt der vorzügliche Übende sodann [die Gefährten] und bringt gesammelt Milchreis als Speisegabe dar. 30.BVS.58: Der Einsichtige [verehrt] die sechzehn Freunde des erhabenen Bhairava: Kulīśa, Sukulīśa, Jāmitra, Rāmaṭha und Nibha, 30.BVS.59: Pracaṇḍa, Caṇḍakeśa, Caṇḍātman, Cāmara, Cāritra, Camatkāra, Cañcala und Cārubhūṣaṇa, 30.BVS.60: Cāmīkara, Cāruvaha und Kitava — so sind es sechzehn. Sie sind unter diesen Namen zu verehren, von sechzehnfacher Wonne erfüllt. Die erste Fußnote bietet Vakita als abweichende Lesart des letzten Namens. 30.BVS.61: Danach verehrt man auf dem achtblättrigen Lotos die mit Brāhmī beginnenden Mütter. Anschließend verehrt der vorzügliche Übende Mahendra und die übrigen Richtungshüter in ihren jeweiligen Richtungen. Die zweite Fußnote liest „die vorzüglichsten Mütter“. 30.BVS.62: Dann nimmt der Übende ungebrochene Reiskörner, streut sie über das Kreis-Maṇḍala und spricht mit erfreutem Geist sorgfältig die Besänftigung der Vīras. 30.BVS.63: Genannt werden Caṇḍa, Pracaṇḍa, Ūrdhvakeśa, Bhīṣaṇa, Abhīṣaṇa, Vyomakeśa, Vyomavaha und Vyomavyāpaka. 30.BVS.64: Er ruft diese Vīras mit den Worten „Komm hierher!“ herbei. Im Maṇḍala verehrt der vorzügliche Übende sie mit Speisegaben und weiteren Darbringungen. 30.BVS.65: Jeden einzeln verehrt er mit Duft, Blumen und den übrigen Gaben. Nach dieser Verehrung bleibt der Übende furchtlos stehen. 30.BVS.66: Der Einsichtige vollzieht die zuvor erklärten Nyāsas, die höchste Vollendung gewähren sollen. Dann wendet er sich nach Westen und nimmt die Gebetskette in die Hand. 30.BVS.67: Er rezitiert laut. Dem erhabenen Bhairava, der sich nähert, [reicht er] mit der linken Hand Milchreis, 30.BVS.68: und rezitiert weiter, während er ihn speist, furchtlos und mit erfreutem Geist. Wenn der Gott dann sagt: „Erbitte die gewünschte Gabe!“ 30.BVS.69: wirft er sich ausgestreckt zur Erde nieder und nennt den gewünschten Segen. Wieder zu Hause, soll er gesammelt eine festliche Feier ausrichten. 30.BVS.70: Wenn dieser Mantra vollendet ist, Göttin, soll auf Erden und in den Welten nichts unerreichbar bleiben. Wahrlich, wahrlich habe ich es gesagt. Nun wird die praktische Ausführung niedergeschrieben: Nach seinen täglichen Pflichten verteilt der Übende gekochte Urdbohnen, Mungbohnen, Linsen, Kichererbsen, gekochten Reis, Milchreis, Kuchen und Śaṣkulī-Gebäcke auf getrennte Gefäße aus Palāśablättern. Er nimmt mit Kuṅkuma gefärbten Baumwollfaden, den eine unverheiratete junge Frau gesponnen hat, acht Pflöcke aus dem Holz eines Milchsaftbaumes und einen weiteren, dickeren Pflock als Pfosten — zusammen neun. Mit einem unterstützenden Mitpraktizierenden geht er in die Nähe des Verbrennungsplatzes. Nach dem Waschen der Füße und der rituellen Wasserschluckung vergegenwärtigt er sich seine erwählte Gottheit. Mit zusammengelegten Händen spricht er den mit „Alle Gottheiten, die hier auf diesem Verbrennungsplatz …“ beginnenden Vers und die elf Schutzverse von „Im Osten schütze mich Śaṅkara“ bis „der Geliebte der Welt“. Dann richtet er um sich in den zehn Richtungen den Mantraschutz ein: Im Osten und Südosten die zuvor genannten Ha-Bīja-Folgen; im Süden die Ha-/Bhrīṃ-Folge; im Südwesten die Lūṃ-Folge mit bhaganaga; im Westen die Vra-Folge mit saṃ saḥ; im Nordwesten die Ghra-Folge; im Norden hier bhrāṃ bhairava; im Nordosten die Vra-/Lūṃ-Folge mit phaṭ; oben glauṃ ṣūṃ und unten khāṃ saṃ saḥ. Die Prosa wiederholt die Formeln, deren einzelne Vokalzeichen im Druck weiterhin unsicher bleiben; sie liefert keine durchweg eindeutigere Fassung. In den acht Richtungen vom Osten an schlägt er die acht Pflöcke ein, in der Mitte des Verbrennungsplatzes den Pfosten. Er betet: bhāṃ bhairava bhairava bhayaṃkara hara māṃ rakṣa rakṣa huṃ phaṭ svāhā. Mit dem Gefäß gekochter Urdbohnen und einem Wassergefäß in der Hand geht er furchtlos zum östlichen Pflock auf einen reinen, ebenen Platz. Dort ruft er: oṃ laṃ indra sāṅga saparivāra ihāgacchāgaccha — „Oṃ laṃ! Indra, mit deinen Gliedern und deinem Gefolge, komm hierher, komm!“ Er meditiert über Indra: auf Airāvata reitend, mit dem Donnerkeil in der Hand, gelb, tausendäugig und von den Götterscharen umgeben. Mit laṃ indrāyaitadāsanaṃ namaḥ bringt er einen Sitz aus Blumen oder ähnlichen Gaben dar. Es folgen laṃ indrāya eṣa gandho namaḥ — „dieser Duft“; imāni puṣpāṇi vauṣaṭ — „diese Blumen“; eṣa dhūpo namaḥ — „dieses Räucherwerk“; dīpo namaḥ — „das Licht“. Nach den Gaben bis zum Licht legt er vor Indra mit Duftwasser ein viereckiges Maṇḍala an. Die Ausführung setzt sich auf der nächsten Seite fort.
In das Maṇḍala stellt man das Gefäß mit Urdbohnen. Man nimmt Wasser in die rechte Hand, berührt das Gefäß mit der linken und spricht oṃ hrīṃ hrīṃ hrīṃ bho bho indra suranāyaka me śīghraṃ prasanno bhava siddhiṃ dehi imaṃ māṣabaliṃ gṛhṇa gṛhṇa huṃ phaṭ — „O Indra, Führer der Götter, sei mir rasch wohlgesinnt, gewähre Vollendung und nimm diese Urdbohnengabe an!“ Dabei sprengt man Wasser in das Gefäß, gibt die Bali-Gabe frei und verneigt sich. Die erste Fußnote liest „Wasser ausgießend“ statt „sprengend“. Am südöstlichen Pflock legt man ebenso ein Maṇḍala an und ruft Agni mit raṃ agne ihāgaccha ihāgaccha herbei. Man stellt ihn sich rot vor, auf einem Widder reitend, mit einer Śakti-Waffe in der Hand, dreiäugig und als Hort des Feuers. Mit dem Bīja raṃ verehrt man ihn mit den Gaben bis zum Licht. Vor ihm stellt man das Gefäß mit Mungbohnen auf und nimmt Wasser. Die Formel beginnt mit einer im Druck unsicheren Ra-/Rāṃ-/Rūṃ-/Rīṃ-Folge und fährt fort: bho bho agne tejonāyaka me śīghraṃ prasanno bhava siddhiṃ dehi imaṃ mudgabaliṃ gṛhṇa gṛhṇa huṃ phaṭ — „O Agni, Führer des Feuers, sei mir rasch wohlgesinnt, gewähre Vollendung und nimm diese Mungbohnengabe an!“ Man gibt die Gabe frei und verneigt sich. Am südlichen Pflock ruft man Yama mit seinem Bīja ya [in der Verehrung als Bīja verwendet] herbei. Man meditiert über ihn: schwarz, auf einem Büffel reitend, mit dem Stab in der Hand und von Totengeistern umgeben. Nach der Verehrung stellt man die Linsengabe auf. Die Formel beginnt mit oṃ und einer Pra-/Bhra-Bīja-Folge, deren Schlusszeichen undeutlich sind; danach: bho bho yama pretādhipa me śīghraṃ prasanno bhava imaṃ baliṃ gṛhṇa gṛhṇa huṃ phaṭ — „O Yama, Herr der Toten, sei mir rasch wohlgesinnt und nimm diese Gabe an!“ Man bringt sie dar und verneigt sich. Am südwestlichen Pflock ruft man Nirṛti mit kṣaṃ herbei: rauchfarben, auf einem Totengeist reitend, mit einem Schwert in der Hand und von Rākṣasas umgeben. Mit kṣaṃ verehrt man ihn und stellt die Kichererbsengabe vor ihn. Die Prosafassung des Mantra gibt nach oṃ die Gruppen phreṃ, huṃ, śraṃ, hauṃ und hrauṃ jeweils mit einer Wiederholungsziffer an. Es folgen „O Herr der Rākṣasas, sei mir rasch …“ und imaṃ caṇakabaliṃ gṛhṇa gṛhṇa huṃ phaṭ — „Nimm diese Kichererbsengabe an!“ Die Formel verwendet die zuvor erklärte Bitte und schließt mit Darbringung und Verneigung. Am westlichen Pflock ruft man Varuṇa mit va herbei und verehrt ihn mit vaṃ. Er ist weiß, reitet auf einem Makara, hält die Schlinge und wird von den Wasserwesen verehrt. Vor ihm steht die Gabe gekochten Reises. Die Formel beginnt hier vāṃ vīṃ vūṃ vrūṃ [die zweite Fußnote bietet eine kürzere abweichende Folge], dann bho bho varuṇa jalanātha me śīghram und die bereits erklärte Bitte. Es folgt imam odanabaliṃ gṛhṇa gṛhṇa huṃ phaṭ — „Nimm diese Reisgabe an!“ Danach gibt man die Gabe frei und verneigt sich. Am nordwestlichen Pflock errichtet man das Maṇḍala und ruft Vāyu mit yaṃ herbei. Er ist schwarz, reitet auf einer Antilope, hält den Haken und ist mit seinem Gefolge von den Winden des Körpers, beginnend mit Prāṇa, umgeben. Mit yaṃ verehrt man ihn und stellt den Milchreis vor ihn. Der Mantra beginnt prāṃ prīṃ prūṃ preṃ praiṃ prauṃ, dann bho bho vāyo bhuvaḥpate me śīghram — „O Vāyu, Herr des Zwischenraums, sei mir rasch …“ — und die bekannte Bitte; abschließend imaṃ pāyasabaliṃ gṛhṇa gṛhṇa huṃ phaṭ. Darbringung und Verneigung erfolgen wie zuvor. Am nördlichen Pflock ruft man Kubera mit ku herbei und verehrt ihn mit kuṃ: weiß, auf einem Menschen reitend, mit der Keule in der Hand und von Yakṣas umgeben. Vor ihn stellt man das Gefäß mit Kuchen. Die Formel lautet im lesbaren Beginn oṃ krīṃ krūṃ kraṃ krāṃ krāṃ, dann „O Herr der Yakṣas, sei mir rasch …“, gefolgt von der bekannten Bitte und imam apūpabaliṃ gṛhṇa gṛhṇa huṃ phaṭ. Danach bringt man die Gabe dar und verneigt sich. Am nordöstlichen Pflock ruft man Īśāna mit haṃ herbei: klar und rein von Farbe, auf einem Stier reitend, mit dem Dreizack in der Hand und von den Vidyā-Mächten umgeben. Mit haṃ verehrt man ihn mit den Gaben vom Sitz bis zum Licht und stellt das Gefäß mit Śaṣkulī-Gebäck vor ihn. Die Formel beginnt mit oṃ und einer Śra-/Śrūṃ-/Śrīṃ-Folge, deren Einzelzeichen nicht durchgehend sicher lesbar sind. Es folgen „O Īśāna, Herr der Vidyās, sei mir rasch …“, die bekannte Bitte und imaṃ śaṣkulībaliṃ gṛhṇa gṛhṇa huṃ phaṭ. Die dritte Fußnote nennt eine weitere śrīṃ śrīṃ-Lesart. Darbringung und Verneigung geschehen wie zuvor. Dann begibt man sich zum mittleren Pfosten, nimmt Blumen und ungebrochene Reiskörner und verehrt ihn mit oṃ hāṃ hīṃ huṃ haḥ stambhāya namaḥ. Der erste Vokal der Ha-Reihe ist hier lang geschrieben. Furchtlos richtet man den eigenen Schutz ein: Der lange Mantra beginnt mit oṃ, einer Ha-, einer Kṣa-, einer Kha-, einer Ghra- und einer Bhra-Bīja-Reihe. Es folgen weitere Pre-, Prā-, Hau-, Klau-, Bhro- und Jo-Gruppen mit Wiederholungsziffern sowie eine Huṃ-Folge. Mehrere Zeichen und ihre Wiederholungsgrenzen sind im Druck undeutlich. Der lesbare Abschluss lautet phaṭ sarvato rakṣa rakṣa rakṣa rakṣa bhairava nātha nātha phaṭ — „Schütze von allen Seiten, schütze, schütze, schütze, Bhairava, Herr, Herr!“ Die Prosafassung ist erheblich länger als die vorangehende Versfassung; sie wird nicht zu einer scheinbar eindeutigen Gesamtformel geglättet. Man setzt sich nahe dem Pfosten auf den zuvor verehrten eigenen Sitz, nach Osten gewandt. Auf ebenem Boden vor sich zeichnet man einen achtblättrigen Lotos, darum einen sechzehnblättrigen, darum nochmals einen achtblättrigen und außen drei Vierecke mit vier Toren. In die Mitte ruft man den Gott, verehrt ihn mit sämtlichen Gaben und verehrt seine Glieder. Auf den acht Blättern verehrt man die acht Bhairavas, beginnend mit Asitāṅga; die Formel nennt jeweils den Bhairava-Namen mit nātha phaṭ. Auf den sechzehn äußeren Blättern folgen oṃ kulīśāya namaḥ; sukulīśāya namaḥ; jāmitrāya namaḥ; rāmaṭhāya namaḥ; nibhāya namaḥ; pracaṇḍāya namaḥ; caṇḍakeśāya namaḥ; caṇḍātmane namaḥ; cāmarāya namaḥ; cāritrāya namaḥ; camatkārāya namaḥ; cañcalāya namaḥ; cārubhūṣaṇāya namaḥ; cāmīkarāya namaḥ; cāruvahāya namaḥ; kitavāya namaḥ. Die Anordnung wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
Auf dem äußeren achtblättrigen Lotos verehrt man wie zuvor die acht Mütter, beginnend mit Brāhmī, und außerhalb im Viereck die Welthüter samt ihren Waffen. Nach Räucherwerk und Licht bringt man mit śrībhairavāya namaḥ dem Gott in der Lotosmitte und den Gottheiten auf den übrigen Blättern jeweils Milchreis in einem eigenen Gefäß dar. Man nimmt ungebrochene Reiskörner mit beiden Händen, streut sie über das Verehrungsmaṇḍala und ruft oṃ caṃ caṇḍa āyāhi āyāhi — „Oṃ caṃ! Caṇḍa, komm, komm!“ Ebenso werden Pracaṇḍa, Ūrdhvakeśa, Bhīṣaṇa, Abhīṣaṇa, Vyomakeśa, Vyomavaha und Vyomavyāpaka herbeigerufen. Jeden verehrt man einzeln mit Duft und weiteren Gaben und bringt jedem gesondert Milchreis dar. Furchtlos und nach Westen gewandt vollzieht man Atemregelung, den Seher-Nyāsa und alle zuvor erklärten Nyāsas. Man verehrt die Gebetskette, nimmt sie auf und rezitiert den Wurzelmantra laut, wobei Buchstaben und Wörter deutlich ausgesprochen werden. Mit der linken Hand hält man das Milchreisgefäß und speist den herbeigekommenen Gott, während man mit heiterem Geist weiterrezitiert. Wenn der zufriedene Gott sagt „Erbitte eine Gabe!“, verneigt man sich ausgestreckt zur Erde, empfängt den gewünschten Segen, kehrt nach Hause zurück und richtet ein großes Fest aus. Damit endet die Beschreibung der Vīra-Praxis.
Speisegaben und die drei Meditationsweisen
30.BVS.71: Wer so den Mantra vollendet hat, bleibt seinen täglichen und anlassbezogenen Pflichten zugewandt. Er verehrt Vighna [Gaṇeśa] und Durgā und bringt vorschriftsgemäß eine Speisegabe dar. 30.BVS.72: Der Mantrakundige führt dann die auf besondere Wünsche gerichteten Handlungen aus und soll die beschriebene Vollendung erreichen. [Für die Gabe nimmt er] Speise aus Śāli-Reis, gekochtes Fleisch und Zucker, 30.BVS.73: dazu Mehl aus geröstetem Reis, Rohzucker, Kuchen, Honig und Zuckerrohrsaft; alles wird mit Ghee getränkt und vermischt, große Herrin. 30.BVS.74: Daraus formt man eine Speiseportion und verehrt Baṭukeśa auf die zuvor beschriebene Weise, mit rotem Sandelholz, 30.BVS.75: roten Blumen, ungebrochenen Reiskörnern, angenehmem Räucherwerk und Licht, Göttin. Vor ihm errichtet man ein viereckiges Maṇḍala, 30.BVS.76: das ein Dreieck einschließt. Dort legt man die schöne Speiseportion in ein gutes Gefäß aus Gold, Silber oder Bronze. 30.BVS.77: Man verehrt die Speisekugel mit Duft und weiteren, durch den Wurzelmantra geweihten Gaben. Dabei spricht man balidravyāya namaḥ — „Verehrung dem Stoff der Bali-Gabe“. 30.BVS.78: Dann nimmt man Wasser in die hohle Hand, spricht den Wurzelmantra und redet Baṭuka an, Geliebte. 30.BVS.79: Man spricht imaṃ baliṃ gṛhṇa gṛhṇa svāhā — „Nimm diese Speisegabe an, nimm sie an! Svāhā.“ Dabei gibt man Wasser hinzu und vergegenwärtigt sich Baṭuka, 30.BVS.80: wie der Herr die Gabe selbst in die Hand nimmt, isst und Segen gewährt. Diese Gabe wird als rajasisch bezeichnet, Göttin; sie soll sämtliche Vollendungen gewähren. 30.BVS.81: Zwei Arten der Bali-Gabe gibt es, Geliebte: sattvisch und rajasisch. Die rajasische ist erklärt. Höre nun die sattvische. 30.BVS.82: Mit sämtlichen zuvor genannten Zutaten, jedoch ohne Fleisch, verbunden mit reiner Milch und Milchreis, 30.BVS.83: und mit den drei Süßigkeiten bringt der Einsichtige die Gabe wie zuvor dar. Ein Brahmane soll gesammelt und rein eine sattvische Gabe darbringen. 30.BVS.84: Die sattvische Meditation habe ich dir bereits erklärt, Tugendhafte. Höre nun die rajasische Meditation, große Herrin. 30.BVS.85: [Baṭuka] strahlt wie tausend aufgehende Sonnen. Er hat drei Augen und trägt den Mond auf dem Haupt. Sein Körper ist rot gesalbt; rote Girlanden und Gewänder schmücken ihn. 30.BVS.86: Er lächelt, hat eine blaue Kehle und trägt vielfältigen Schmuck. In der oberen rechten Hand hält er den Dreizack; die untere rechte gewährt Segen, Tochter des Berges. 30.BVS.87: In der oberen linken Hand hält er eine Schädelschale; die untere linke zeigt Furchtlosigkeit. So vergegenwärtige man sich den Gott, der denen Furchtlosigkeit gewährt, die seiner gedenken. Unnummerierter Halbvers: Bei Handlungen für besondere Wünsche meditiere man stets so über den Herrn, Herrin der Götter. Darauf folgt eine Textlücke. Die Prosa nennt eine Variante aus dem Rudrayāmala: rechts Dreizack und Furchtlosigkeit, links Schädelschale und Segensgeste. Man solle die Gestalt nach eigener Neigung meditieren. 30.BVS.88: Für grausame Handlungen wird die tamasische Meditation erklärt, Herrin der Götter. Er gleicht einem Berg aus schwarzem Augenschminkstein und trägt eine Girlande von Köpfen. 30.BVS.89: Die Mondsichel leuchtet in seinem gelbbraunen Haarschopf; er ist raumgekleidet, also unbekleidet, und dreiäugig. In den rechten Händen hält er Trommel und Haken … Die Beschreibung setzt sich auf der nächsten Seite fort.
30.BVS.90: … sowie Schwert und Dreizack, Herrin der Götter. Mit den anderen Händen zeigt er Furchtlosigkeit und hält eine Schlangenschlinge, eine Glocke und eine Menschenschädelschale. 30.BVS.91: Die Hände sind jeweils von oben an geordnet, Göttin. Er hat furchtbare Fangzähne und ist schreckenerregend, strahlt in sämtlichen Schmuckstücken und trägt mit Edelsteinen besetzte Fußringe. Unnummerierter Halbvers: So meditiert man über Baṭuka-Bhairava, der mit Ketten kleiner Glöckchen versehen ist. Der restliche Halbvers fehlt im Druck. Das Rudrayāmala nennt als besondere Abweichung „rechts Furchtlosigkeit, links die Segensgeste“. Im Übrigen sei die Beschreibung gleich. 30.BVS.92: Die sattvische Meditation wird als Abwehr vorzeitigen Todes gerühmt; sie soll Lebensdauer und Gesundheit bewirken und als Frucht Befreiung gewähren. 30.BVS.93: Die rajasische soll Dharma, Lebensgenuss und Wohlstand zur Vollendung bringen; die tamasische soll Feinde vernichten sowie Geisterbedrängnis, Schadenzauber, Anfallsleiden und Krankheit beseitigen. 30.BVS.94: Damit sind die Meditationen erklärt, die die Anliegen des Übenden erfüllen sollen. Am Beginn einer auf besondere Wünsche gerichteten Handlung und an ihrem Abschlusstag 30.BVS.95: ist eine Speisegabe darzubringen, damit die jeweilige Ritualfrucht eintrete, Mahādevī. Wer mit beherrschten Sinnen Ghee ins Feuer opfert, soll die gewünschte Frucht erlangen. 30.BVS.96: Ein Feueropfer mit Zuckerrohrstücken soll die ganze Welt gefügig machen. Ein Opfer mit Kairava- und Kumuda-Wasserlilien soll sicher einen Sohn verschaffen. 30.BVS.97: Ein Opfer mit Sesam, Ghee und Reis soll viel Vermögen und Getreide bringen; eines mit Blüten des Śrī-Baumes soll eben diese Śrī, Wohlstand, gewähren. 30.BVS.98: Ein Feueropfer mit Salz und den drei Süßigkeiten wird der rituellen Unterwerfung von Frauen zugeordnet. Brennholz vom Vetasa-Gewächs soll Regen hervorrufen. 30.BVS.99: Ein Speiseopfer soll bald Reichtum an Getreide und Geld bewirken; drei Tage lang mit Honig zu opfern, soll die Welt gefügig machen. 30.BVS.100: Ein Feueropfer mit den für eine Krankheit bezeichneten Arzneistoffen soll die Krankheiten augenblicklich beseitigen. Bei Bedrängnis durch Schadenzauber, Anfallsleiden oder Geister setzt man sich, Glückverheißende, auf ein Tigerfell 30.BVS.101: und bringt in Reinheit 10.000 Sesamopfer dar. Schadenzauber und ähnliche Mächte sollen dann fliehen und aus Furcht nicht mehr in diese Richtung blicken. Diese Heil- und Abwehrwirkungen sind Behauptungen der historischen Ritualschrift. 30.BVS.102: Vom achten bis zum vierzehnten Tag der dunklen Mondhälfte nimmt man Sesam, mit Reis vermischt und mit den drei Süßigkeiten benetzt, 30.BVS.103: und bringt täglich 3.000 Opfer in einem geweihten Feuer dar. Man verehrt Baṭukeśvara und [bereitet eine Speisegabe] aus festen Speisen, weiteren Gerichten und Früchten. 30.BVS.104: Täglich wird diese Speisegabe dargebracht; um Mitternacht erfolgt die Bali-Gabe. Der gesammelte, selbstbeherrschte Übende rezitiert täglich 3.000-mal. 30.BVS.105: In der Nacht des Abschlusstages wird eine Ziege getötet und als Bali dargebracht. Danach soll der König, der die Handlung veranlasst hat, den Ritualkundigen mit Vermögen zufriedenstellen. 30.BVS.106: An jedem Tag des Rituals soll er sieben Brahmanen mit Speisen und Opferlohn erfreuen, Mahādevī, damit das Gewünschte erreicht werde. 30.BVS.107: Am Abschlusstag soll er gesammelt die mit der Zahlenfolge viṃśat-sapta-sapta bezeichnete Zahl [von Brahmanen] speisen und sie mit Kleidern, Geld und weiteren Gaben erfreuen, Weltenherrin. Die Zahlenverbindung „zwanzig–sieben–sieben“ ist im Druck nicht eindeutig und wird nicht zu einer unbelegten Gesamtzahl aufgelöst. 30.BVS.108: Durch dieses Verfahren erfreut, soll Baṭukeśa Glanz, Kraft, Ruhm, Söhne, Ansehen, Wohlstand und Gesundheit gewähren. 30.BVS.109: Die Feinde des Königs sollen zugrunde gehen, Freunde und Verwandte gedeihen; in seinem Reich soll keine Dürre eintreten. 30.BVS.110: Ein Feueropfer mit Salz allein soll sicher Stillstellung bewirken. Durch eben dieses Verfahren soll ein Mensch auch von Fesseln frei werden. 30.BVS.111: Ein Pala Vacā wird, Herrin der Götter, zu sehr feinem Pulver verarbeitet und mit diesem Mantra über tausendmal besprochen. Die Maßangabe bleibt in der historischen Einheit; sāgraṃ sahasrakam nennt einen nicht näher bestimmten Überschuss über tausend. 30.BVS.112: Das Pulver wird in neunundvierzig Teile geteilt. Täglich soll ein Teil mit Kuh-Ghee eingenommen werden. 30.BVS.113: Der Text behauptet, selbst eine unfruchtbare Frau werde dann zur rechten Zeit einen klugen, gesunden, kräftigen und langlebigen Sohn gebären — umso mehr eine Frau, die bisher nur Töchter geboren habe. Die zweite Fußnote bietet eine abweichende Satzfassung mit „diejenige Frau“. Unnummerierter Halbvers: Am Ende der Anwendung ist Baṭuka eine Speisegabe darzubringen. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck.
Eine weitere historische Rezeptfassung
Im Rudrayāmala heißt es: 30.BVC.1: Bei der Behandlung von Unfruchtbarkeit soll man [Baṭuka] in der Farbe der jungen Morgensonne verehren. Ein halbes Pala Kurkuma und ebenso viel Vacā-Pulver 30.BVC.2: werden mit Kuhurin verrieben, zu einer mit Ghee verbundenen Kugel geformt, auf ein Lotosblatt gelegt und in die Nähe der Gottheit gestellt. Die folgende Seite setzt dieses historische Rezept fort. Die erste Fußnote bietet „tamasisch“ als abweichende Bezeichnung im Zusammenhang mit der Wirkungszuordnung der Meditation. Die Rezeptwiedergaben dokumentieren den Quellentext und sind keine Behandlungsempfehlungen.
30.BVC.3: Nach Niederwerfung und Verneigung rezitiert man tausendmal laut. Nach Maßgabe der göttlichen Weisung wird das als große Arznei bezeichnete Mittel eingenommen. 30.BVC.4: Dadurch soll alsbald ein wohlhabender, langlebiger, kräftiger, schöner und gebildeter Sohn erlangt werden, der selbst Söhne haben wird. Damit endet das Zitat.
Aschenbereitung und weitere Anwendungen im Kailāsakoṭaraprabheda
30.BBA.1: Mit diesem Mantra soll man vorschriftsgemäß Asche zubereiten, Tugendhafte. [Man nimmt] Uśīra, Sandelholz, Kuṣṭha, Kampfer und Kuṅkuma, 30.BBA.2: die Wurzel des weißen Arka, Vārāhī, Śrīlatā, Rinde von Milchsaftbäumen und Bilva-Wurzel und lässt alles trocknen. 30.BBA.3: Man mahlt dies zu feinem Pulver und vermischt es mit Kuhdung, der noch in der Luft aufgefangen wurde, Pārvatī. Daraus formt man Kugeln, 30.BBA.4: trocknet sie in der Sonne und verbrennt sie mit dem Wurzelmantra in einem vorschriftsgemäß geweihten Feuer. Danach sammelt man die Asche, 30.BBA.5: legt sie in ein reines Gefäß und reinigt sie nach Vorschrift. Mit Mālatī- und Ketakī-Blüten wird sie beduftet. Während man sie berührt, 30.BBA.6: rezitiert man den Mantra 10.000-mal und verehrt dort Bhairava. Die Asche wird in einem Aschenbehälter aufbewahrt, Glückverheißende. 30.BBA.7: Ein Zweimalgeborener soll damit täglich die drei waagerechten Aschenlinien nach vedischer Vorschrift anlegen. Śūdras und andere sollen dies mit dem Wurzelmantra tun. 30.BBA.8: Alle Übenden sollen die Asche mit dem Wurzelmantra tragen. Wer dieses Aschentragen täglich vorschriftsgemäß vollzieht, 30.BBA.9: dessen Krankheiten, Schadenzauber, feindliche Nachstellungen und schwere Besessenheiten sollen vergehen. Er soll nichts von Feinden, Dieben, wilden Tieren und ähnlichen Gefahren zu fürchten haben. 30.BBA.10: Sein Wohlstand soll in jeder Hinsicht wachsen; alle Menschen sollen ihn ehren. Könige samt ihren Ministern und ihrem Gefolge sollen ihm gefügig werden. 30.BBA.11: Ein halbes Pala Vacā-Pulver, mit der gleichen Menge Ghee vermischt, wird auf ein Lotosblatt gelegt. Der Verständige rezitiert dreihundertmal. 30.BBA.12: Er nimmt es gesammelt ein und rezitiert anschließend 300.000-mal. Wer so verfährt, soll zweifellos grenzenlose Einsicht erlangen. Die erste Fußnote bietet eine grammatische Variante „nach dem Einnehmen“. 30.BBA.13: Durch Bhairavas Gunst soll er die Rede in Prosa und Versen beherrschen und Gehörtes zuverlässig behalten, Mahādevī. Die Prosa erläutert die überlieferte Handhabung: Das Vacā-Pulver werde in so viele Teile geteilt, wie Tage für die 300.000 Wiederholungen erforderlich sind. Täglich werde ein Teil eingenommen. Es handelt sich weiterhin um die historische Rezeptüberlieferung. Das Rudrayāmala nennt dazu eine Besonderheit: 30.BBM.1: Am zweiten Tag der hellen Mondhälfte, an einem Freitag, verehrt man den Gott gesammelt wie zuvor und bringt Siddhānna dar. Die Prosa erklärt Siddhānna als zubereiteten Reis; dessen besondere Zubereitung werde im Abschnitt über Haridrā-Gaṇeśa beschrieben. 30.BBM.2: Ein halbes Pala Vacā-Pulver, mit der gleichen Menge Ghee verbunden, wird auf ein Lotosblatt gelegt. Der Verständige rezitiert dreitausendmal. Die dreitausend Wiederholungen seien die Besonderheit; alles Übrige entspreche der vorigen Fassung.
Grundstücksstreit und Überwindung des Todes im Rudrayāmala
30.BRT.1: Bei einem Streit um ein Grundstück verehrt man am vierten Mondtag, der auf einen Dienstag fällt, den Gott wie zuvor und bringt die Speisegabe auf dieselbe Weise dar. 30.BRT.2: Der Einsichtige rezitiert selbst den Mantra, verneigt sich und meditiert inmitten des umstrittenen Grundstücks über den Gott. 30.BRT.3: Er bespricht Erde mit dem Mantra und nimmt sie ein; den Herrn verehrt er zu den Tagesübergängen. Wird dies eine Woche lang zu den drei Zeiten vollzogen, soll das Grundstück [für ihn] gesichert werden. Die zweite Fußnote bietet svatantraḥ, „selbständig“, als abweichende Textlesung. 30.BRT.4: Nun werde ich das Verfahren zur Überwindung des Todes erklären. Höre genau, Schöne: [Zu berücksichtigen sind] die Zeiten des nördlichen und des südlichen Sonnenlaufs. 30.BRT.5: Mit dieser Kenntnis der Zeit soll der Wirklichkeitkundige der Reihe nach rezitieren: am achten Tag der dunklen Mondhälfte, am vierten Mondtag und am Dienstag. 30.BRT.6: Der Einsichtige meditiert über die sattvische, zweiarmige Kindgestalt, verehrt sie nach Vorschrift und bringt Siddhānna dar. 30.BRT.7: Gesammelt meditiert er über die zuvor bei der ersten Verehrung beschriebene Gestalt des Gottes, die wie ein Schneekristall leuchtet. Der Satz setzt sich auf der nächsten Seite fort.
30.BRT.8: … verbunden mit der Bhūcarī-Mudrā und in vielfacher Verbindung mit Khecarī. Im Yoga der Meditation rezitiert der Verständige den Mantra auch geistig. 30.BRT.9: So rezitiert er 100.000-mal und soll dadurch den Tod überwinden. Wer den Tod abwehren möchte, meditiert über die sattvische weiße Gestalt, 30.BRT.10: über ihren Sitz im Herzen und den darin sitzenden Gott. Die anschließende Aussage über das Verlassen der Zeit und den Bereich des Todes ist sprachlich beschädigt; ihr erkennbarer Sinn ist, dass der Tod ihn nicht erreichen soll. Der genaue Satzbau wird nicht als gesichert ausgegeben. 30.BRT.11: Am vierzehnten Tag der dunklen Mondhälfte, der auf einen Dienstag fällt, verehrt der Verständige den Gott vorschriftsgemäß und stellt vor ihm 30.BRT.12: Rocanā-Farbstoff in einem goldenen Gefäß auf. Er verehrt diesen mit Duft, Blumen und weiteren Gaben, berührt ihn und rezitiert 30.000-mal. 30.BRT.13: Ein Docht, der den Stoff enthält und mit Ghee einer braunen Kuh getränkt ist, wird entzündet. Den entstehenden Ruß sammelt man in einem goldenen Gefäß oder einer Menschenschädelschale. 30.BRT.14: Nach erneuter Verehrung und Rezitation über dem Gefäß meditiert der Verständige über den Gott und trägt den Stoff als Augenschminke auf. 30.BRT.15: Alle, die der Übende ansieht, sollen ihm dadurch gefügig werden. Nun [folgt] die Weihe eines Königs, der nach Sieg strebt.
Königliche Weihe
30.BRT.16: In dem zuvor beschriebenen Pavillon, geschmückt mit Baldachin und Bannern, zeichnet man auf dem Altar ein Sarvatobhadra-Maṇḍala, Herrin der Götter. 30.BRT.17: Seinen Fruchtboden füllt man mit acht Droṇa gutem Śāli-Reis und zusätzlich vier Droṇa enthülsten Reiskörnern, Geliebte. Die historischen Volumenmaße bleiben ohne unsichere Umrechnung erhalten. 30.BRT.18: Auf dem Reis setzt man einen Krug aus Gold oder einem anderen geeigneten Material auf, mit einem Grasbüschel, Wertgaben und neun Edelsteinen versehen. Die Verbindung kūrca-vitta ist ungewöhnlich; die zweite Fußnote bietet stattdessen eine Lesart mit Wasser. 30.BRT.19: Der Krug wird vorschriftsgemäß aufgestellt und mit reinem Wasser gefüllt. Man legt junge Zweige von Milchsaftbäumen hinein, 30.BRT.20: ferner Kampfer, Sandelholz, Kakkola, Agaru, Uśīra, Kuṅkuma, Bilva, Dūrvā sowie die als Lakṣmī und Sahā bezeichneten Pflanzen, 30.BRT.21: Campaka, Mallikā, Jāti, Utpala, Granatapfel und Gomeda. Dann umhüllt man ihn mit zwei Seidenstoffen. 30.BRT.22: Man ruft Vaṭuka in den Krug hinein und verehrt ihn mit allen Gaben, wobei man ihn in seiner rajasischen Meditationsgestalt vergegenwärtigt. 30.BRT.23: In den acht Krügen auf dem ersten achtblättrigen Lotos verehrt man die Bhairavas von Asitāṅga an, Pārvatī. 30.BRT.24: Danach verehrt man in dreizehn äußeren Krügen die dreizehn Scharen, große Herrin; weiter außen in zehn Krügen der Reihe nach 30.BRT.25: die als Welthüter dienenden Baṭukas. In den Krügen auf den drei Vierecken — ihre Zahl ist hier mit der schwer aufzulösenden Verbindung tryaṣṭāṣṭa angegeben — 30.BRT.26: verehrt man die zuvor genannten Gottheiten von Śrīkaṇṭha an, der Reihe nach und in der bereits beschriebenen Anordnung, mit angenehmen Duftgaben und weiteren Darbringungen. 30.BRT.27: Während man die Krüge berührt, rezitiert man den Mantra 10.000-mal. Gesondert bringt man jeweils tausend Feueropfer mit Milchreis, Ghee und Sesam dar. 30.BRT.28: Täglich [rezitiert man], die Krüge berührend. Nachts bringt man dem Gott eine Bali-Gabe nach der beschriebenen rajasischen Vorschrift dar, die drei Fleischarten enthält. 30.BRT.29: Als diese drei Fleischarten werden Schaf, Huhn und Fisch bezeichnet. An einem guten Tag und unter günstigem Aszendenten beginnt man mit dem Sprechen von Segensworten, 30.BRT.30: durch Brahmanen, die Veden und Vedāṅgas kennen und Glück verheißende Worte sprechen. Während die fünf Arten von Instrumenten erklingen, verneigt man sich vor Bhairava. 30.BRT.31: Mit erfreutem Geist weiht man einen König oder einen Brahmanen, der körperlich rein, sinnenbeherrscht, gläubig und seinem Wort treu ist. 30.BRT.32: Dem Vollzieher der Weihe soll man wiederholt reichlichen Opferlohn geben, Geliebte — so viel, dass der Ritualkundige zufrieden ist. 30.BRT.33: Der geweihte König soll einem zweiten Indra gleichen, im Kampf mächtige Feinde besiegen und von den Menschen gepriesen werden. 30.BRT.34: Wird ein König jeden Monat geweiht, soll er binnen sechs Monaten die von vier Meeren umgürtete 30.BRT.35: Erde beherrschen. Seine Kraft in Kämpfen soll größer sein als zuvor. Zur Vernichtung des feindlichen Heeres soll der König eine Bali-Gabe darbringen, Geliebte. Die erste Fußnote bietet „nach der Verehrung“ als abweichende Lesart. Die Herrschafts-, Unterwerfungs- und Schutzwirkungen werden als Aussagen des historischen Textes wiedergegeben.
30.BRT.36: Der Mantrakundige bereitet die zuvor beschriebene rajasische Gabe und verehrt um Mitternacht den Gott wie zuvor, große Herrin. 30.BRT.37: Eine Ziege ohne körperlichen Mangel und mit allen [verlangten] Merkmalen wird herbeigebracht und mit dem Wurzelmantra in reinem Wasser gebadet. 30.BRT.38: Sie wird mit Duft und Girlanden geschmückt und vor den Gott gestellt, mit dem Wurzelmantra besprengt und mit dem Waffenmantra geschützt. 30.BRT.39: Mit dem Panzer[mantra] wird sie verhüllt und mit der Kuh-Mudrā nektarisiert. Danach [beginnt die Formel]: „Dem die Gottheit verkörpernden, 30.BRT.40: zur Bali-Gabe gewordenen Tier — Verehrung!“ Mit Duft und den übrigen Gaben wird es dreimal verehrt. Darauf [spricht man] in sein rechtes Ohr: 30.BRT.41: paśupāśāya vidmahe viprakaraṇāya dhīmahi … Die zweite Bezeichnung ist im Druck auffällig; sie wird nicht durch eine geläufige Gayatrī-Fassung ersetzt. 30.BRT.42: … tan no jīvaḥ pracodayāt. Diese Tier-Gayatrī wird dreimal rezitiert. Sinngemäß: „Wir erkennen den, der mit der Fessel des gebundenen Wesens verbunden ist; wir meditieren über den [im Druck als Viprakaraṇa bezeichneten]. Jīva, das lebendige Wesen, möge uns anregen.“ Die Deutung des mittleren Namens bleibt unsicher. 30.BRT.43: Dann legt man das Schwert vor sich hin und spricht oṃ hrīṃ kāli kāli vajreśvari lohadaṇḍāya namaḥ — die Anrufung Kālīs, der Vajra-Herrin, verbunden mit der Verehrung des Eisenstabes. 30.BRT.44: Damit wird das Schwert dreimal verehrt. An seinem Rücken verehrt man Vāgīśvarī und Brahmā, danach Lakṣmī und Nārāyaṇa 30.BRT.45: in seiner Mitte sowie Umā und Maheśvara an der Spitze. Das so verehrte Schwert nimmt man in die Hand, große Herrin. 30.BRT.46: Der Mantrakundige bespricht es mit der folgenden Formel: „Dem Schwert, dem Vernichter der Asuras! Du bist dem Werk der Götter hingegeben. 30.BRT.47: Das Tier soll rasch durch dich enthauptet werden. Herr des Schwertes, Verehrung sei dir!“ Danach trägt man vorschriftsgemäß die Erklärung bis zur Nennung des Mondtages vor, 30.BRT.48: nennt Gotra, Namen und das gewünschte Anliegen und spricht: „Śrībhairava, diese Ziegen-Bali-Gabe bringe ich dir 30.BRT.49: dar.“ Man gießt Wasser mit Kuśa-Gras, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern auf den Kopf des Tieres und spricht śrīśive namaḥ. 30.BRT.50: „Die Tiere wurden für das Opfer geschaffen; die Tötung des Tieres dient dem Opfer. Deshalb werde ich dich töten; im Opfer gilt das Töten als Nichttöten.“ Dies ist die rituelle Rechtfertigung im historischen Text. 30.BRT.51: So redet man das Tier an und berührt seinen Kopf. Nach dem Waffenmantra spricht man zweimal chindhi, „Schneide!“ 30.BRT.52: Es folgt svāhā. Das Schwert wird an seinen Hals-/Schulterbereich geführt; der Vollziehende vergegenwärtigt sich selbst als Bhairava, 30.BRT.53: vollzieht die Tötung mit einem Schlag und spricht den Bali-Mantra: „Das Blut und Fleisch der feindlichen Partei mögest du Tag für Tag 30.BRT.54: mit deinen Scharen und zusammen mit deinen Hunden verzehren.“ Der Mantrakundige setzt den Namen des Feindes an den Anfang der Formel. 30.BRT.55: Das feindliche Heer wird als Bali-Gabe vorgestellt und zusammen mit dem Opfertier Bhairava dargebracht. 30.BRT.56: Der Text behauptet, Bhairava werde durch diese Gabe erfreut, teile das feindliche Heer auf und gebe es seinen Scharen. Unnummerierter Halbvers: Erzürnt werde er es rasch vernichten; daran sei nicht zu zweifeln. Danach steht eine Textlücke. Die Passage beschreibt historische Kriegsmagie und das damit verbundene Tieropfer.
Schutz von Elefanten und Pferden nach dem Sārasaṃgraha
30.BGE.1: Zur besonderen Befriedung der Elefanten und der viergliedrigen Heeresmacht errichtet man vorschriftsgemäß eine Feuergrube vor ihren Stallungen. 30.BGE.2: Man bringt Milchreis und weitere Stoffe sowie Sesam ins Feuer dar. Die mit „Sonne“ und yuta gebildete Mengen- oder Verfahrensangabe ist im Druck sprachlich unsicher. Danach erfreut man Brahmanen mit Speisen und Opferlohn. 30.BGE.3: Nach der zuvor erklärten Art wird ein Krug aufgestellt. Darin verehrt man Baṭukeśa sorgfältig mit Duft und weiteren Gaben. 30.BGE.4: Mit diesem Wasser besprengt der Mantrakundige die Elefanten und Pferde. Dadurch sollen diese Tiere täglich gedeihen. 30.BGE.5: Ihre Kraft im Kampf soll groß werden; die Elefanten und Pferde der Feinde sollen dagegen von Krankheiten betroffen sein. Die erste Fußnote bietet „der Mantrakundige“ als abweichende Subjektbezeichnung; die zweite „aber den Kopf“ an der Stelle des beschriebenen Schwertansatzes. Die dritte bietet ajayyāḥ, „unbesiegbar“, als Variante im abschließenden Abschnitt über die Tiere.
30.BGE.6: Einen anderen großen Schutz dieser Art gebe es auf der ganzen Erde nicht. Nun werde ich Vaṭukas Yantra erklären, von den Göttern Verehrte. 30.BGE.7: Man zeichnet einen achtblättrigen Lotos. Auf seinen Fruchtboden schreibt man śrīṃ hrīṃ klīṃ und das vierte, in der Prosa als Nṛsiṃha-Bīja bezeichnete Bīja. Dessen zusammengesetztes Druckzeichen ist nicht eindeutig; es wird nicht als sichere Rezitationsschreibung ausgegeben. 30.BGE.8: Auf die Blätter schreibt man die Silben von vaṭukāya zweimal, Geliebte. Außen zeichnet man einen schönen sechzehnblättrigen Lotos. 30.BGE.9: Auf seine Blätter schreibt man die sechzehn übrigen Silben des Mantra. Weiter außen liegt nochmals ein sechzehnblättriger Lotos. 30.BGE.10: Auf dessen Blätter schreibt man die sechzehn Vokale, Tugendhafte. Weiter außen zeichnet man einen zweiunddreißigblättrigen Lotos. 30.BGE.11: Auf seine Blätter schreibt man die Buchstaben von ka bis sa. Dieses Yantra wird von einem Viereck umschlossen, Schönangesichtige. 30.BGE.12: Es soll Sieg und Glück bringen, Menschen gefügig machen, Leid und Armut vernichten, Wohlstand verleihen und Unheil, Krankheit und schädliche ergreifende Mächte zerschneiden. 30.BGE.13: Es gilt als höchster Schutz bei Furcht vor Geistern, Anfallsleiden, Schadenzauber und Ähnlichem. Einen höheren Schutz gebe es nicht, heißt es mit Nachdruck. Die Prosa erklärt: Auf dem Fruchtboden des achtblättrigen Lotos schreibt man die vier Bījas zusammen mit der Bezeichnung des Ritualziels. Auf die acht Blätter verteilt man die acht Silben va–ṭu–kā–ya–va–ṭu–kā–ya, jeweils eine je Blatt. Auf den äußeren sechzehnblättrigen Lotos schreibt man die sechzehn Silben, die in der Prosa ausdrücklich als „mit vaṭu beginnend“ bezeichnet werden. Der Wortlaut stimmt nicht ohne Weiteres mit „die übrigen sechzehn Silben“ im Vers überein; die vollständige Folge wird hier nicht zusätzlich rekonstruiert. Auf den nächsten sechzehnblättrigen Lotos schreibt man die sechzehn Vokale mit Bindu, auf den zweiunddreißigblättrigen die Mātṛkā-Konsonanten von ka bis sa, ebenfalls mit Bindu; außen folgt das Viereck. Die überlieferte Regel für den Namen beziehungsweise das Ritualziel lautet: Bei Wohlstand schließt man mit dem Śrī-Bīja, bei Unterwerfung mit dem Kāma-Bīja, bei Bezwingung mit dem Nṛsiṃha-Bīja, bei Befriedung mit dem Bhuvaneśvarī-Bīja. So soll das Yantra die genannten Wirkungen hervorbringen. Die Fußnote bietet „Tod“ als abweichende Lesart im vorangehenden Schutzlob.
Ein weiterer achtsilbiger Vaṭuka-Mantra
Im Kailāsakoṭaraprabheda wird ein weiterer achtsilbiger Mantra erklärt: 30.BAE.1: Man gewinnt das Raum-Bīja, verbindet es mit Feuer und Māyā sowie mit Bindu und Nāda. Damit ist das erste Bīja gewonnen. 30.BAE.2: Dann nimmt man den vierten Laut der Gaurī, den ersten der Bhīṣiṇī und den fünften der Mālinī. Danach folgt der erste der Mohinī, 30.BAE.3: verbunden mit dem zweiten der Mālinī, anschließend das Wind-Bīja. Mit dem anfänglichen Bīja und abschließendem namaḥ ergibt sich der achtsilbige Mantra. Die Prosa entschlüsselt Raum als ha, Feuer als r, Māyā als ī, Bindu und Nāda als Anusvāra und Halbmond: das Bhuvaneśvarī-Bīja hrīṃ. Der vierte Gaurī-Laut ist va; der erste der Bhīṣiṇī ist ṭa, der fünfte der Mālinī u, zusammen ṭu. Der erste der Mohinī ist ka, mit dem zweiten der Mālinī, ā, also kā. Wind ist ya. Dann folgen erneut das Bhuvaneśvarī-Bīja und ausdrücklich namaḥ. Daraus ergibt sich hrīṃ vaṭukāya hrīṃ namaḥ. 30.BAE.4: Dieser vorzügliche Mantra wird als Retter aus Not gepriesen; Śiva selbst hat ihn als Spender sämtlicher Vollendungen bezeichnet. 30.BAE.5: Sein Seher ist Bṛhadāraṇya, sein Versmaß Anuṣṭubh. Die Gottheit heißt Vaṭuka, der unmittelbar Paraśiva selbst ist, Geliebte. 30.BAE.6: Nun werde ich Vaṭukas sechs Glieder erklären, Herrin der Götter. Die sechs Silben sind hāṃ hīṃ hūṃ haiṃ hauṃ haḥ. 30.BAE.7: Nach dem Wort vaṭu spricht man varmāmbara, danach hṛdayāya. Dies bezeichnet die Herzformel. Die auffällige Wortlesung varmāmbara wird bis zur folgenden Prosaerklärung beibehalten. 30.BAE.8: Danach folgt vaṭupramathana, verbunden mit śirase. Śikhāyai wird mit vaṭu verbunden; der Panzer mit vaṭukāya. 30.BAE.9: Die Augenformel wird mit vaṭuka verbunden. Für die Waffenformel folgt nach vaṭu das Wort daṇḍa, danach pāṇaye. Unnummerierter Halbvers: Die Abschlüsse werden der Reihe nach als namaḥ, svāhā, vaṣaṭ, huṃ, vauṣaṭ, phaṭ eingesetzt. Die zweite Vershälfte fehlt im Druck.
Die Prosa schreibt die sechs Gliederformeln des achtsilbigen Mantra aus: hāṃ vaṭuvarmāmbara hṛdayāya namaḥ; hīṃ vaṭupramathana śirase svāhā; hūṃ vaṭu śikhāyai vaṣaṭ; haiṃ vaṭukāya kavacāya huṃ; hauṃ vaṭuka netrābhyāṃ vauṣaṭ; haḥ vaṭudaṇḍapāṇaye astrāya phaṭ. Damit bestätigt sie die auffällige Lesung varmāmbara. Auch hier werden die fünf Gestalten wie zuvor an Fingern, Körper und Gesichtern eingesetzt. Die Meditation ist dieselbe wie bereits erklärt. 30.BAE.10: Der Eingeweihte, der seine Sinne beherrscht, rezitiert den Mantra 800.000-mal. Ein Zehntel davon bringt er mit Sesam und den drei Süßigkeiten als Feueropfer dar. 30.BAE.11: Die Gottheit wird nach dem für den einundzwanzigsilbigen Mantra beschriebenen Verfahren verehrt. Auch die dort genannten Handlungen für besondere Wünsche werden mit diesem Mantra ausgeführt. Die Prosa ergänzt: Der bereits erklärte einundzwanzigsilbige Mantra wird im Rudrayāmala mit vorangestelltem Praṇava als zweiundzwanzigsilbig angegeben. Die Bezeichnung Devīpraṇava steht dort für das Māyā-Bīja. Als Besonderheit gegenüber der früheren Fassung beginnen auch die sechs Gliederformeln mit Praṇava; alles Übrige entspricht der dortigen Darstellung.
Ein vierunddreißigsilbiger Vaṭuka-Mantra
Ebenfalls dort findet sich ein weiterer Mantra: 30.BAV.1: Am Anfang steht Ananta mit Bindu, danach Nakulīśa mit Bhujaṅga, Trimūrti und Śrīmukhī; dann Krodhin mit Repha, Mond und Sadya. 30.BAV.2: Das vierte ist das Nṛhari-Bīja. Darauf folgt vaṭukāya, nochmals vaṭukāya und dann āpaduddharaṇāya. 30.BAV.3: Man spricht zweimal kuru, dann nochmals vaṭukāya, darauf das zweite Bīja, vaṭukāya und die „Geliebte des Feuers“. Unnummerierter Halbvers: Damit ist der große Mantra mit vierunddreißig Silben gewonnen. Die zweite Hälfte fehlt im Druck. Die Prosa entschlüsselt Ananta als ā, mit Bindu also āṃ. Nakulīśa ist ha, Bhujaṅga r, Trimūrti ī, Śrīmukhī Bindu: hrīṃ. Aus Krodhin ka, Repha, Mond als Anusvāra und Sadya o entsteht das Haken-Bīja kroṃ. Das vierte ist das zuvor genannte Nṛhari-Bīja; seine Ligatur sieht hier nach krauṃ aus, bleibt jedoch druckbedingt unsicher. Die übrigen Wörter sind ausdrücklich in ihrer gewöhnlichen Form gemeint. Zwischen dem zweiten vaṭukāya und āpaduddharaṇāya soll keine Lautverschmelzung stattfinden, weil vierunddreißig Silben angegeben sind. Das wiederholte zweite Bīja ist hrīṃ; die Geliebte des Feuers bedeutet svāhā. Die ausgeschriebene Formel lautet somit: āṃ hrīṃ kroṃ [Nṛhari-Bīja; Druckligatur unsicher] vaṭukāya vaṭukāya āpaduddharaṇāya kuru kuru vaṭukāya hrīṃ vaṭukāya svāhā. Der Druck nennt ausdrücklich 34 Silben; die unsichere Stelle bleibt sichtbar. 30.BAV.4: Brahmā wird als Seher genannt, Anuṣṭubh als Versmaß. Die mit ati beginnende Angabe steht im Vers unmittelbar vor der Gottheitsnennung Bhairava; die nachfolgende Prosa versteht sie dagegen als Bestandteil des Versmaßnamens, Atyanuṣṭubh. 30.BAV.5: Für die sechs Glieder teilt man die Mantrasilben nach den Zahlen „Veden, acht, Weise, Vasus, Pfeile, Augen“ und versieht sie mit den zugehörigen Abschlussformeln. Die Prosa nennt dazu 4, 7, 8, 5 und 2; die Acht steht bereits ausdrücklich im Vers. Damit ergeben sich die Abschnitte 4–8–7–8–5–2, zusammen 34 Silben. Die Abschlussformeln sind wie zuvor. 30.BAV.6: Die Silben werden eingesetzt am Haarknoten, am Brahmarandhra, am Haupt [so die beigefügte Korrektur des undeutlichen Druckwortes], am Mund, an beiden Augen und Ohren, an beiden Nasenseiten, Wangen und Lippen, 30.BAV.7: an beiden Zahnreihen, am Kinn, am Hals, an beiden Armen samt Gelenken und Enden, am Herzen, an beiden Brüsten und am Bauch, 30.BAV.8: am Nabel, am Rücken, an beiden Gesäßhälften und Hüftseiten, am Schambereich, am After und an beiden Beinen beziehungsweise Füßen samt Gelenken und Enden. Dort setzt der vorzügliche Übende die Mantrasilben ein. 30.BAV.9: Die Wörter des Mantra setzt man am Haupt, an der Stirn, zwischen den Augenbrauen, an Augen, Nasenspitze und Mund, am Hals, Herzen und Nabel, am Schambereich und an beiden Oberschenkeln 30.BAV.10: sowie an beiden Knien und Füßen ein. Dann meditiert man nach der zuvor beschriebenen Weise mit ungeteilter Aufmerksamkeit über den Gott. Unnummerierter Halbvers: Man verehrt ihn auf dem Śiva-Sitz nach dem bereits erklärten Verfahren. Die zweite Hälfte ist als Lücke markiert. Es folgt die Anwendung: Nach den Morgenpflichten und den weiteren Handlungen bis zum Yoga-Sitz-Nyāsa vollzieht man drei Atemregelungen mit dem Wurzelmantra. Am Haupt setzt man brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, am Mund atyanuṣṭupchandase namaḥ, am Herzen śrīvaṭukabhairavadevatāyai namaḥ ein. Mit zusammengelegten Händen spricht man mama sarvābhīṣṭasiddhaye viniyogaḥ — „Die Anwendung dient der Erfüllung aller meiner Anliegen.“ Für Hände und sechs Körperglieder lauten die sechs Mantraabschnitte: die vier Anfangsbījas für das Herz; zweimal vaṭukāya für das Haupt; āpaduddharaṇāya für den Haarknoten; kuru kuru vaṭukāya für den Panzer; hrīṃ vaṭukāya für die beiden Augen; svāhā für die Waffe. Die Prosa schreibt nach hṛdayāya namaḥ die folgenden Formeln mit Abkürzungszeichen; der Vers hatte die jeweiligen Gliederabschlüsse bereits zugeordnet. Beim Silben-Nyāsa setzt man āṃ namaḥ am Haarknoten, hrīṃ am Brahmarandhra, kroṃ am Haupt und das Nṛhari-Bīja am Mund ein. Dann folgen jeweils mit namaḥ: vaṃ am rechten Auge, ṭuṃ am linken, kāṃ am rechten Ohr, yaṃ am linken, vaṃ an der rechten Nasenseite, ṭuṃ an der linken, kāṃ an der rechten Wange, yaṃ an der linken und āṃ an der Oberlippe. Die Fortsetzung beginnt auf der nächsten Seite mit der Unterlippe.
Fortsetzung des Silben-Nyāsa: An der Unterlippe setzt man paṃ, an der oberen Zahnreihe duṃ, an der unteren ddhāṃ, am Kinn raṃ, am Hals ṇāṃ, am rechten Arm yaṃ, am linken kuṃ, an Gelenken und Enden ruṃ, am Herzen kuṃ, an der rechten Brust ruṃ, an der linken vaṃ, am Bauch ṭuṃ, am Nabel kāṃ, am Rücken yaṃ, an der rechten Gesäßhälfte hrīṃ, an der linken vaṃ, an der rechten Hüftseite ṭuṃ, an der linken kāṃ, im Schambereich yaṃ, am After svāṃ und an beiden Füßen hāṃ ein, jeweils mit namaḥ. Die auffällige Langvokalschreibung ddhāṃ steht im Druck und wird nicht stillschweigend an die Mantraform angeglichen. Unmittelbar anschließend gibt der Druck bereits folgende Wortfolge an: āṃ am Haupt, hrīṃ an der Stirn, kroṃ zwischen den Augenbrauen, das Nṛhari-Bīja an beiden Augen, vaṭukāya an der Nase, vaṭukāya am Mund, āpaduddharaṇāya am Hals, kuru am Herzen, kuru am Nabel, vaṭukāya im Schambereich, hrīṃ an beiden Oberschenkeln, vaṭukāya an beiden Knien und svāhā namaḥ an beiden Füßen. Danach steht „Damit endet der Silben-Nyāsa“. Unter der folgenden Überschrift „Nun der Wort-Nyāsa“ wiederholt die Quelle dieselbe Folge: āṃ am Haupt; hrīṃ an der Stirn; kroṃ zwischen den Augenbrauen; das Nṛhari-Bīja an den Augen; vaṭukāya an Nase und Mund; āpaduddharaṇāya am Hals; kuru an Herz und Nabel; vaṭukāya im Schambereich; hrīṃ an den Oberschenkeln; vaṭukāya an den Knien; svāhā an den Füßen — jeweils mit dem angegebenen beziehungsweise abgekürzt wiederholten namaḥ. Diese Wiederholung gehört zum Drucktext. Anschließend werden Meditation und alle weiteren Handlungen wie zuvor ausgeführt. 30.BAV.11: Von Opferspeise lebend und mit beherrschten Sinnen rezitiert man den Mantra 100.000-mal. Ein Zehntel davon bringt man mit Sesam und den drei Süßigkeiten als Feueropfer dar. 30.BAV.12: Danach führt man Wasserdarbringungen und die übrigen Handlungen aus und bemüht sich, den Lehrer zufriedenzustellen. Mit dem vollendeten Mantra vollzieht der Übende die Handlungen für besondere Wünsche. Unnummerierter Halbvers: Die zuvor genannten Handlungen sollen zweifellos gelingen, Mahādevī. Die zweite Hälfte fehlt im Druck.
Der Mantra Caṇḍeśvaras
30.CDE.1: Höre, Göttin! Ich werde dir den Mantra Caṇḍeśvaras erklären, der alle Anliegen erfüllen und sämtliche Vollendungen gewähren soll, Geliebte. 30.CDE.2: Man spricht Arghīśa, dann Mīneśa auf „Wasser“, mit „Feuer“ am Haupt, und schließlich die Waffenformel. Dies gilt als dreisilbiger Mantra. Die Prosa erklärt Arghīśa als ū. Mīneśa wird durch einen hier nicht sicher lesbaren Konsonanten bezeichnet; er steht über va, dem Wasserlaut, und erhält r als „Feuer“ darüber. Es folgt phaṭ. Die ausgeschriebene Formel beginnt ūṃ und endet phaṭ; die mittlere Druckligatur lässt sich nicht zuverlässig bestimmen und wird deshalb nicht als gesicherte Rezitationssilbe ausgegeben. 30.CDE.3: Der Seher ist Trika, das Versmaß Anuṣṭubh, die Gottheit Caṇḍeśvara. Der erste Laut ist das Bīja, die Schlussformel die Śakti; die Anwendung dient dem gewünschten Ziel. 30.CDE.4: Dīpti phaṭ bezeichnet das Herz, jvālā phaṭ das Haupt; jvālinī mit der Waffenformel den Haarknoten, naṭa mit der Waffenformel den Panzer. 30.CDE.5: Hana phaṭ bezeichnet das Auge, sarvajvālini phaṭ das letzte Glied. Mit diesen Mantras und den jeweiligen Gliederabschlüssen richtet man die sechs Glieder ein. 30.CDE.6: Man vergegenwärtigt sich Caṇḍeśvara: rot, dreiäugig, in rotem Gewand; in der unteren und oberen rechten Hand hält er eine Kristallgebetskette und den Dreizack. 30.CDE.7: Seine beiden linken Hände halten eine Axt und ein Wassergefäß. Die Mondsichel leuchtet auf seinem Haupt. 30.CDE.8: Nach dieser Meditation verehrt man Caṇḍeśvara auf dem Śiva-Sitz, Geliebte. Man spricht caṇḍacaṇḍāya vidmahe, 30.CDE.9: danach caṇḍeśvarāya dhīmahi und anschließend caṇḍaḥ pracodayāt. 30.CDE.10: Dies wird Caṇḍas Gayatrī genannt. Mit ihr ruft man ihn herbei und verehrt ihn wie zuvor mit allen Gaben. Sinngemäß: „Wir erkennen Caṇḍacaṇḍa; wir meditieren über Caṇḍeśvara; Caṇḍa möge anregen.“ Der Text schreibt hier kein zusätzliches tan naḥ aus. 30.CDE.11: Der erste Laut mit Bindu, der Name Caṇḍeśvara im Dativ und die Herzformel [namaḥ] bilden die Verehrungsformel. Damit verehrt man ihn und anschließend seine Glieder wie zuvor. Unnummerierter Halbvers: Auf den Blättern sind die Mütter zu verehren, in den beiden Umgängen die Welthüter und ihre Waffen. Die zweite Hälfte fehlt im Druck. Die Anwendung beginnt nach dem Yoga-Sitz-Nyāsa mit Atemregelung. Am Haupt setzt man trikaṛṣaye namaḥ, am Mund anuṣṭupchandase namaḥ, am Herzen śrīcaṇḍeśvarāya devatāyai namaḥ, im Schambereich ūṃ bījāya namaḥ und an den Füßen phaṭ śaktaye namaḥ ein. Mit zusammengelegten Händen spricht man mama sarvābhīṣṭasiddhaye viniyogaḥ — „Die Anwendung dient der Erfüllung aller meiner Anliegen.“ Die Prosa beginnt die Gliederformeln: dīpti phaṭ hṛdayāya namaḥ; jvālā phaṭ śirase …; jvālini phaṭ śikhāyai …; naṭa phaṭ kavacāya …; hana phaṭ netrāya …; sarvajvālini phaṭ …. Sie setzt sich auf der nächsten Seite fort. Die Augenformel ist hier im Singular angegeben. Die Fußnote zu Vers 3 nennt Anuṣṭubh als Versmaß und kürzt den Gottheitsnamen zu Caṇḍa.
Die letzte Gliederformel lautet vollständig sarvajvālini phaṭ astrāya phaṭ. Die sechs Formeln werden an den Händen vom Daumen bis zur Handfläche sowie an den sechs Körpergliedern vom Herzen an eingesetzt. Nach Meditation und Sitzverehrung stellt man die Gestalt mit dem Bīja ca vor. Die Prosa schreibt die Gayatrī nun vollständig aus: caṇḍacaṇḍāya vidmahe caṇḍeśvarāya dhīmahi tan naś caṇḍaḥ pracodayāt — „Wir erkennen Caṇḍacaṇḍa; wir meditieren über Caṇḍeśvara; Caṇḍa möge uns anregen.“ Damit ist die im vorausgehenden Vers nur verkürzt angegebene Schlusszeile geklärt. Mit ihr ruft man ihn herbei und verehrt ihn mit allen Gaben und caṃ caṇḍeśvarāya namaḥ. Danach verehrt man die Glieder wie zuvor, auf den acht Blättern die Mütter von Brāhmī an und in den Umgängen die Welthüter samt ihren Waffen. Die erste Fußnote nennt als Variante ausdrücklich die Blumendarbringung mit zusammengelegten Händen, die Gaben bis zu den Blumen und anschließend die Gliederverehrung. 30.CDE.12: Man rezitiert den Mantra 300.000-mal. Ein Zehntel davon bringt man vorschriftsgemäß als Feueropfer mit Reis und Sesam dar, die mit den drei Süßigkeiten benetzt sind, 30.CDE.13: oder mit Brennholz des Rājavṛkṣa-Baumes. Danach folgen Wasserdarbringungen und die übrigen Handlungen. Wenn der Mantra wie zuvor vollendet ist, führt der Mantrakundige die Anwendungen aus, Glückverheißende. 30.CDE.14: Eine Figur aus Śāli-Reismehl wird hergestellt und mit Lebens-Einsetzung versehen. In einem Holzfeuer [wird sie geopfert], nachdem sie gründlich mit den drei Süßigkeiten benetzt wurde. 30.CDE.15: Bei einer männlichen Zielfigur beginnt die Zerteilung am rechten großen Zeh und erfolgt in hundert gesonderten Teilen; bei einer weiblichen beginnt das Opfer am linken Fuß. 30.CDE.16: Dieses Feueropfer wird als Mittel zur Unterwerfung von Zweimalgeborenen bezeichnet. Wer täglich 108 Blumen ins Feuer opfert, 30.CDE.17: soll ein Gewand von der Farbe der verwendeten Blumen erlangen. Wer Śiva täglich mit diesem Mantra Wasserdarbringungen widmet, 30.CDE.18: soll nach vier Monaten sicher Wohlstand erlangen. Aus dem dem Ziel zugeordneten Baumstoff, Vacā und Lodhra, gründlich zermahlen, lässt man [eine Figur] herstellen. 30.CDE.19: Nachdem ihr Leben eingesetzt wurde, berührt man sie und rezitiert. Die verehrte Figur wird nachts ins Feuer geopfert; dadurch soll die Zielperson sicher gefügig werden. Unnummerierter Halbvers: Mann oder Frau sollen dadurch dauernd gefügig werden, heißt es. Danach steht eine Textlücke. Diese Passagen dokumentieren die historischen Zuschreibungen der Figurenmagie. Die zweite Fußnote bietet eine abweichende Beschreibung des Holzfeuers.
Hymnus an Śiva
30.SST.1: Dass ich wieder einen Körper angenommen habe, lässt mich dies erkennen: In einem früheren Leben habe ich mich, Vernichter der Städte, wohl keinen einzigen Augenblick vor dir verneigt. Jetzt verneige ich mich und werde frei; künftig werde ich ohne Körper sein und mich wiederum nicht verneigen können. Herr, vergib mir diese beiden Verfehlungen! 30.SST.2: Śambhu, erhabener Dreiäugiger, Freund der Welten, Vernichter Andhakas! Du trägst die kühle Mondsichel als Schmuck, bist der Bezwinger des Liebesgottes und der Gatte Mṛḍānīs. Großer Herr, dessen Leib den Raum durchdringt, Ursprung der Selbstbeherrschten, dessen Gestalt die drei Welten sind! Leuchtender Gott, Besänftiger des Leids durch bedrängende Mächte, beschütze uns allezeit. Die dritte Fußnote bietet als abweichende Anrede „der die Menge der Verfehlungen zur Ruhe gebracht hat“. 30.SST.3: Ihr Verblendeten! Wenn ihr diesen Gott verlasst, welchen anderen Herrn wollt ihr verehren? Die Reihen der Kronjuwelen aller Himmelsbewohner schmücken den Schemel seiner Füße wie Blüten. Zufrieden gewährt er den ersehnten Wohlstand, den selbst die sich verneigenden Götter lieben — und schon die Verehrung mit Dhattūra-, Palāśa- und Kāśa-Blüten erfreut ihn. 30.SST.4: Ihr Verblendeten! Warum quält ihr diesen Körper vergeblich durch Askese? Warum leert ihr eure Häuser mit Opfern, die große Gaben erfordern? Wird dem Erhabenen jene Hingabe entgegengebracht, die das Werden zur Ruhe bringt, dann eilt Lakṣmī selbst herbei, schön unter dem Schirm eines voll erblühten Lotos.
30.SST.5: Was nützt das Nachsinnen über den Wunschjuwel? Was nützt die Suche nach Wunschbäumen? Wozu im Verborgenen über die Wunschkuh meditieren, deren Frucht nur das Gewünschte ist? Was nützen jene Schätze, selbst wenn sie Weltalter überdauern? Verneige dich vor dem erhabenen Dreiäugigen, der Früchte gewährt, die über jeden Wunsch hinausgehen. Eine nähere Bezeichnung der Schätze in der dritten Verszeile ist im Druck unsicher. 30.SST.6: Wer sich auch nur einmal vor dir, dem Dreiäugigen, verneigt, vor dem verneigen sich Könige sein Leben lang, mit funkelnden Kronenspitzen zu seinen Füßen. Die genaue Bildverbindung um Füße und Kronen ist im Druck schwer lesbar. Wer dich verehrt, wird von den Rechtschaffenen verehrt; wer dich preist, wird selbst gepriesen. Über den, der über dich meditiert, sinnen schöne Frauen nach, von Liebessehnsucht bewegt. 30.SST.7: Śambhu, mögen meine Augen einzig danach verlangen, deine Gestalt zu schauen; meine Ohren danach, von der Fülle deiner Eigenschaften zu hören; mein Geist danach, deiner zu gedenken. Mögen meine Hände in der Verehrung deiner Füße geübt sein und meine Stimme dein Lob singen. Herr, möge meine Freude an deiner Verehrung niemals und nirgendwo erlöschen. 30.SST.8: Buddhist, geschickt im Entfalten der Einsicht, führe deine Lehre aus! Auch du, stolzer Cārvāka, breite nach Belieben deine Worte aus, verflochten im Netz eigener Vorstellungen. Ihr Mīmāṃsakas, Jainas und Sāṃkhyas, sagt, was ihr für richtig haltet! Aus freier Entscheidung aber gefällt mir kein anderer Herr als der Dreiäugige — nein, kein anderer. Der Vers spricht aus der persönlichen Śiva-Hingabe des Hymnus und polemisiert gegen andere Lehrwege. 30.SST.9: Glück hat gesprossen, Freude ist aufgeblüht, Wünsche haben ihre Frucht getragen. Bedrängnisse sind untergegangen, Kummer ist gewichen, Feinde sind verschwunden — seit mein Geist in der Verneigung vor Girijās Geliebtem ruht: im Hort des Wohlstands, der schon seinem Wesen nach Not vertreibt, in der Wohnstatt alles Heils. 30.SST.10: Das Gedenken an deine Füße tilgt Leiden, zerschlägt Verfehlungen und entwurzelt Not. Es vertreibt die Qual des Geistes und hält Krankheiten fern, die alles heilsame Handeln hemmen. Es bezwingt Widersacher und besänftigt niedere Mächte. Du mit der Mondsichel im Haar — was vermag das Gedenken an deine Füße nicht? 30.SST.11: Dieser Vers ist bereits im Druck nur bruchstückhaft erhalten: „Was durch Hingabe aufgekeimt ist, in jedem Augenblick sodann … trägt unablässig Früchte, die über das Gewünschte hinausgehen …“ Mehrere Teile sind durch Punktlinien ersetzt; vor der Versnummer steht ein Fragezeichen. Die Lücken werden nicht ergänzt. Die Fußnote bietet tāvac ca, „und solange/so weit“, als abweichende Lesart; ihre genaue Zuordnung ist im beschädigten Satzgefüge nicht sicher.
30.SST.12: He, mein Geist, warum bemühst du dich nicht, du Verständiger? Ich will dir ein kleines Geheimnis sagen: Der Geliebte der Bergestochter ist überaus sanft und freigebig mit seinem Reichtum. Gehen wir zu ihm in den Wald und gewinnen wir ihn mit ein paar Blumen oder Darbha-Gräsern! So erlangen wir die Herrlichkeit der Herrschaft über die drei Welten, deren Füße von den Kronen der Götter liebkost werden. Das spielerische pratārya heißt wörtlich „überlisten“; der Vers stellt damit der großen göttlichen Gabe die bescheidene Blumengabe gegenüber. Die Fußnote erklärt die Aufforderung als „Bemühe dich!“ 30.SST.13: Nandin, Bhṛṅgiriṭi, Herr der Scharen, Mahākāla und Agnirudra! Ihr seid stets in seiner Nähe. Hört meine aufrichtigen Worte: Wenn der die Welt durchdringende Gott denen, die ohne anderen Zufluchtsort zu euch rufen und über ihn meditieren, kein Erbarmen zeigt — weshalb, ach, gedenken wir dann unseres Herrn? Die Verbindung um den Hilferuf ist sprachlich schwer lesbar; der eindringliche Frageton des Gebets bleibt erhalten. 30.SST.14: Vor unseren Augen schwindet das Leben Tag für Tag; die Jugend geht zu Ende. Vergangene Tage kehren nicht zurück: Die Zeit verschlingt die Welt. Wohlstand ist unstet wie das Spiel der Wasserwellen, das Leben flüchtig wie ein Blitz. Darum, Spender der Zuflucht: Ich bin zu dir geflohen. Beschütze mich, beschütze mich jetzt!
Kolophon des dreißigsten Śvāsa
Hier endet der dreißigste Śvāsa des Śrīvidyārṇava genannten Tantra, verfasst von Śrīvidyāraṇya Yati. Der Kolophon nennt ihn als Schüler Śrīpragalbhācāryas, diesen als Schüler Śrīviṣṇuśarmācāryas, diesen als Schüler Śrībhagavacchaṅkarācāryas und diesen als Schüler des verehrungswürdigen Lehrers Śrīgovindācārya. Diese Zuschreibung und Lehrerfolge werden als Aussage des überlieferten Kolophons wiedergegeben.
31. Śvāsa
Der Tryambaka-Mantra und seine Bedeutung
Das Śāradātilaka (23.1) sagt: 31.TRY.1: Nun werde ich den im Anuṣṭubh-Maß stehenden Tryambaka-Mantra erklären. Selbst die Zeit [als Todesmacht] vermag den Menschen, der ihn verehrt, nicht anzusehen. Im Sārasaṃgraha heißt es: 31.SAR.1: Pūtanā auf Bhujaṅgeśa, verbunden mit Vasudhā und Mond; danach spricht man bakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivardhanam. 31.SAR.2: Dann spricht man urvārukam iva bandhanān mṛtyor mukṣīya mā'mṛtāt. Die Sanskritvorlage zerlegt dabei einzelne Wörter über die Versglieder hinweg; die deutsche Wiedergabe führt die erkennbaren Wörter zusammen. Unnummerierter Halbvers: Dies wird Tryambaka-Mantra genannt; er soll den Tod der Verehrenden vernichten. Die zweite Hälfte fehlt im Druck. Die Prosa erklärt Bhujaṅgeśa als r, die darauf gesetzte Pūtanā als ta, Vasudhā als ya und Mond als Anusvāra. Daraus entsteht tryaṃ; die übrigen Wörter sind ausdrücklich in ihrer gewöhnlichen Form zu nehmen. Der so erläuterte Mantra lautet: tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivardhanam | urvārukam iva bandhanān mṛtyor mukṣīya mā'mṛtāt. Ein zusätzliches oṃ wird an dieser Stelle nicht genannt. Vasiṣṭha erläutert den Sinn des Mantra: 31.VAS.1: Nun werde ich die Bedeutung des Mantra kurz erklären. Aus ihm gingen die drei Göttinnen hervor, die Mütter der Welt. Das Wort, das diese Herkunft bezeichnet, enthält im Druck eine eingeklammerte Korrektur. 31.VAS.2: Sie sind Himmel, Wasser und Erde; deshalb heißt er Tryambaka [als der mit den drei Müttern Verbundene]. Oder: ambaka bedeutet Auge; da er drei Augen hat, heißt er Tryambaka. 31.VAS.3: Ihn, den Dreiäugigen, den Herrn der drei Welten, verehren wir. Jeder schöne Duft, der in der Welt an den Dingen wahrgenommen wird, 31.VAS.4: gehört ganz diesem Gott; deshalb wird er „wohlriechend“ genannt. Oder [das Wort bedeutet, dass] mit angenehmen Düften und schönen Blumen, 31.VAS.5: Räucherwerk, Licht und weiteren Gaben der große Herr zu verehren ist. Für alle Götter, Gandharvas, Schlangenwesen und Rākṣasas, 31.VAS.6: für alle Verehrenden ist Umāpati der Grund des Gedeihens. Wie eine reife Gurkenfrucht sich von selbst aus ihrer Bindung löst, 31.VAS.7: so möge auch ich durch die Gunst des Gottes der Götter, des Dreizackträgers, mühelos vom Tod frei werden, vor dem die Welt erschrickt. 31.VAS.8: Nachdem ich diesen unsterblichen Gott erlangt habe, möge ich nicht mehr von ihm getrennt sein, höchste Herrin. So wird die Bedeutung des Mantra zusammengefügt. 31.VAS.9: Wer die Überwindung des Todes sucht, soll zunächst die Bedeutung des Mantra, seinen Seher, sein Versmaß und seine Gottheit kennen und dann Rezitation, Feueropfer und die übrigen Handlungen ausführen. 31.VAS.10: Weil der Mensch durch diesen Mantra den Tod überwinden soll, nennen ihn die wirklichkeitsschauenden Weisen Mṛtyuñjaya, „den Tod überwindend“. 31.VAS.11: Mit eben diesem Mantra sollen einst die makellosen Brahma-Seher den Tod überwunden und die Herrschaftskräfte von Aṇimā an erlangt haben. Das Śāradātilaka (23.2) sagt: 31.SHR.1: Als Seher wird Vasiṣṭha genannt, als Versmaß Anuṣṭubh. Die Gottheit ist Tryambaka, Pārvatīs Gatte. Vasiṣṭha erklärt den Nyāsa: 31.NYA.1: Agnaye hṛdayāya namaḥ wird am Herzen eingesetzt; tryambakāya śirase svāhā am Haupt. Die Gliederfolge setzt sich auf der nächsten Seite fort. Die Fußnote bietet an der Stelle „Grund des Gedeihens“ die auffällige abweichende Lesart puṣṭyahetuḥ; sie wird nicht stillschweigend in den Haupttext übernommen.
31.NYA.2: Trinetrāya śikhāyai vaṣaṭ gehört zum Haarknoten. Vasiṣṭhāya kavacāya huṃ gehört zum Panzer; diese zweite Anweisung steht im Druck in Klammern. 31.NYA.3: Für die drei Augen ist agnivīryāya … vauṣaṭ angegeben. Die Waffenformel beginnt mit einer im Druck schwer lesbaren Rudra-Anrede und endet astrāya phaṭ; ihre ausführliche Fassung folgt in der Prosa. 31.NYA.4: In den vier Richtungen vom Osten an wird der Richtungsverschluss eingerichtet, der Reihe nach mit Durgā, Vināyaka, Nandīśa und Kṣetrapāla. 31.NYA.5: Die dafür genannten Formeln sind die Richtungsverschluss-Mantras. Alternativ können die Glieder aus den Silben dieses Mantra gebildet werden. Das Śāradātilaka (23.3) sagt: 31.SNY.1: Die sechs Glieder werden aus Abschnitten der Mantrasilben gebildet. Drei Silben gehören zum Herzen, vier zum Haupt, 31.SNY.2: acht zum Haarknoten, neun zum Panzer, fünf zu den Augen und drei zur Waffe. Diese Teilung umfasst zusammen zweiunddreißig Silben. 31.SNY.3: Danach setzt man die Mantrasilben der Reihe nach an den östlichen, westlichen, südlichen und nördlichen Gesichtern ein; ferner an Brust, Hals und Mund, an Nabel, Herz, Rücken und Bauch, 31.SNY.4: am Geschlechtsglied, am After, an Ansätzen und Enden der Oberschenkel, an beiden Knien, an den beiden Rundungen darunter [die Körperbezeichnung ist nicht eindeutig], an beiden Brüsten, Seiten und Füßen, 31.SNY.5: an beiden Händen und Nasenseiten sowie am Kopf. Die elf Wörter setzt man am Haupt, an beiden Brauen, an den Augen, 31.SNY.6: am Mund, an beiden Wangen, am Herzen, am Bauch, am Schambereich, an Oberschenkeln, Knien und Füßen ein. So wird dieser Nyāsa vollzogen. 31.SNY.7: Ich verehre den dreiäugigen Gott Śiva: Mit zwei Händen übergießt er sein Haupt mit dem Nektar aus zwei Krügen, mit zwei weiteren stützt er diese; zwei Hände tragen Antilope und Gebetskette. Die beiden im Schoß ruhenden Hände halten einen Nektarkrug. Er weilt auf Kailāsa [die Klammerlesart lautet „der Schöne“], sitzt auf einem klaren Lotos und trägt den jungen Mond als Krone. 31.SNY.8: Auf dem zuvor beschriebenen Sitz verehrt man den Gott mit dem Stierbanner. Mit dem Wurzelmantra stellt man seine Gestalt vor und folgt dann dem nun beschriebenen Verfahren. 31.SNY.9: Zuerst verehrt man die Glieder, dann die Gestalten: Sonne, Mond, Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum und Selbst. 31.SNY.10: Diese acht Gestalten werden der Reihe nach im zweiten Umkreis verehrt. Es folgen Ramā, Rākā, Prabhā, Jyotsnā, die im Druck unsicher zusammengezogenen Namen pūrṇorṣā, Pūraṇī und Sudhā. Da acht Gestalten angekündigt sind, dürfte die unklare Verbindung zwei Namen enthalten; sie wird nicht ohne Beleg ergänzt. Unnummerierter Vers zwischen 10 und 13: Diese acht werden im dritten Umkreis verehrt. Danach folgen Viśvā, Vidyā, Sitā, Śraddhā, Sārā, Sandhyā, Śivā und Niśā. Weiterer unnummerierter Vers: Diese acht Śaktis werden im vierten Umkreis verehrt. Danach folgen Āryā, Prajñā, Prabhā, Medhā, Śānti, Kānti, Dhṛti und Mati. 31.SNY.13: Diese werden im fünften Umkreis verehrt. Anschließend folgen Dharā, Umā, Pāvinī, Padmā, Śāntā, Amoghā, Ajayā und Amalā. 31.SNY.14: Sie gehören zum sechsten Umkreis. Im siebten werden die Welthüter verehrt; ihre Waffen bilden den achten Umkreis. Die Prosa ordnet die acht Śiva-Gestalten ausdrücklich zu: Īśāna der Sonne, Mahādeva dem Mond, Bhava der Erde, Śarva dem Wasser, Rudra dem Feuer, Ugra dem Wind, Bhīma dem Raum und Paśupati dem Opferherrn. Sie verweist dafür auf die allgemein bekannte purāṇische Verehrung eines aus Erde geformten Liṅga. Einige andere, so der Kommentar, ordneten Śarva der Erde und Bhava dem Wasser zu. Der Verfasser weist dies für seinen Zusammenhang zurück: Die Reihenfolge der Elemente Erde, Wasser und so weiter entspreche im Gestalten-Nyāsa der Folge „Bhava und Karabhadrā, Śarva und Khagalā“. Deshalb sei die vertauschte Zuordnung hier unpassend. Die Ausgabe bewahrt diese Auseinandersetzung als Argumentation der Quelle. Die Anwendung beginnt nach den Morgenhandlungen bis zum Yoga-Sitz-Nyāsa mit drei Atemregelungen unter dem Wurzelmantra. Am Haupt setzt man vasiṣṭhāya ṛṣaye namaḥ, am Mund anuṣṭupchandase namaḥ und am Herzen śrīmṛtyuñjayarudrāya devatāyai namaḥ ein. Mit zusammengelegten Händen erklärt man sarvābhīṣṭasiddhaye viniyogaḥ — „Die Anwendung dient der Erfüllung aller Anliegen.“ Es folgen oṃ agnaye hṛdayāya namaḥ und tryambakāya śirase svāhā. Die erste Formel nennt ausdrücklich Agni und stellt hier oṃ voran; die Reihe wird auf der nächsten Seite fortgesetzt. Die erste Fußnote liest „auf dem beim fünfsilbigen Mantra beschriebenen Sitz“, die zweite bietet „danach der Reihe nach“. Die dritte hat Rāmā statt Ramā; die vierte bietet pūrṇomā als Variante der unklaren Namensverbindung.
Die Gliederformeln werden fortgesetzt: trinetrāya śikhāyai vaṣaṭ; vasiṣṭhāya kavacāya huṃ; agnivīryāya netratrayāya vauṣaṭ; rudradaivatāya astrāya phaṭ. Die Prosa klärt damit die zuvor undeutliche Rudra-Anrede als rudradaivatāya. Mit diesen Formeln vollzieht man Hände- und Glieder-Nyāsa. Für den Richtungsverschluss setzt man vom Osten an in den vier Richtungen duṃ durgāyai namaḥ; gaṃ gaṇapataye namaḥ; naṃ nandīśāya namaḥ; kṣaṃ kṣetrapālāya namaḥ ein. Als Alternative dienen die sechs Abschnitte des Wurzelmantra: tryambakaṃ für das Herz, yajāmahe für das Haupt, sugandhiṃ puṣṭivardhanaṃ für den Haarknoten, urvārukam iva bandhanāt für den Panzer, mṛtyor mukṣīya für die beiden Augen und mā'mṛtāt für die Waffe. Der Text ergänzt die Augenstelle in Klammern. Damit vollzieht man den Hände- und Glieder-Nyāsa. Beim einzelnen Silben-Nyāsa folgt jeweils namaḥ: tryaṃ am Mund als Stelle des östlichen Gesichts; baṃ unter dem Haarknoten als Stelle des westlichen Gesichts; kaṃ am rechten Ohr als Stelle des südlichen Gesichts; yaṃ am linken Ohr als Stelle des nördlichen Gesichts; jāṃ an der Brust, maṃ am Hals, heṃ am Mund, suṃ am Nabel, gaṃ am Herzen, ndhiṃ am Rücken, puṃ am Bauch, ṣṭiṃ am Geschlechtsglied, vaṃ am After, dhaṃ am rechten Oberschenkelansatz und naṃ am linken. Es folgen uṃ am rechten Oberschenkel, vāṃ am linken, ruṃ am rechten Knie, kaṃ am linken, miṃ an der rechten Knierundung und vaṃ an der linken; baṃ an der rechten Brust, ndhaṃ an der linken, nāt an der rechten Seite, mṛṃ an der linken; tyoḥ am rechten Fuß, muṃ am linken, kṣīṃ auf der rechten Handfläche, yaṃ auf der linken, māṃ an der rechten Nasenseite, mṛṃ an der linken und tāt am Haupt. Einzelne Vokal- und Nasalzeichen dieser gedruckten Aufteilung sind ungewöhnlich; sie werden nicht unbemerkt an eine geläufige Mantraschreibung angeglichen. Die elf Wörter werden dann eingesetzt: tryambakaṃ am Haupt, yajāmahe zwischen den Augenbrauen, sugandhiṃ an den Augen, puṣṭivardhanam am Mund, urvārukam an beiden Wangen, iva am Herzen, bandhanāt am Bauch, mṛtyoḥ im Schambereich, mukṣīya an beiden Oberschenkeln, mā an den Knien und amṛtāt an den Füßen — jeweils mit namaḥ. Nach Meditation und Selbstverehrung verehrt man den beschriebenen Śiva-Sitz, ruft die Gottheit hinein und führt Einsetzung und die weiteren Handlungen bis zur Blumengabe aus. Nach den Gliedern werden auf den acht Lotosblättern, vor der Gottheit beginnend und im Uhrzeigersinn, verehrt: īśānāya sūryamūrtaye namaḥ; mahādevāya somamūrtaye namaḥ; bhavāya kṣitimūrtaye namaḥ; śarvāya jalamūrtaye namaḥ; rudrāya agnimūrtaye namaḥ; ugrāya vāyumūrtaye namaḥ; bhīmāya ākāśamūrtaye namaḥ; paśupataye yajamānamūrtaye namaḥ. Damit werden die acht zuvor erklärten Zuordnungen ausdrücklich bestätigt. An den Blattspitzen folgen ramāyai namaḥ; rākāyai namaḥ; prabhāyai namaḥ; jyotsnāyai namaḥ; pūrṇāyai namaḥ; uṣāyai namaḥ; pūraṇyai namaḥ; sudhāyai namaḥ. Die Prosa klärt damit die unsichere Verbindung im Vers als die beiden Namen Pūrṇā und Uṣā. An den Ansätzen des zweiten achtblättrigen Lotos, vor dem Übenden beginnend, werden Viśvā, Vidyā, Sitā, Śraddhā, Sārā, Sandhyā, Śivā und Niśā verehrt, jeweils mit ihrem Namen im Dativ und namaḥ. Auf den Blättern folgen Āryā, Prajñā, Prabhā, Medhā, Śānti, Kānti, Dhṛti und Mati; an ihren Spitzen Dharā, Umā, Pāvinī, Padmā, Śāntā, Amoghā, Ajayā und Amalā, jeweils in derselben Formelanordnung. In den beiden Umgängen des Vierecks verehrt man die Welthüter und ihre Waffen. Danach vollzieht man Räucherwerk, Licht und alle weiteren Handlungen wie zuvor und schließt die Verehrung ab. 31.PUR.1: So meditierend und mit beherrschten Sinnen rezitiert man diesen Mantra 100.000-mal. Mit zehn Stoffen, die mit Ghee getränkt sind, bringt man insgesamt 10.000 Feueropfer dar. 31.PUR.2: Die Kundigen nennen Bilva, Palāśa, Khadira, Vaṭa, Sesam und Senf, Milchreis, Milch, Dickmilch und Dūrvā als diese zehn Stoffe. Die Prosa erklärt daugdha als Milchreis und setzt für jeden der zehn Stoffe tausend Darbringungen an. 31.PUR.3: Nach Wasserdarbringungen und Besprengung erfreut man die Brahmanen und den Lehrer. Dadurch soll der große Mantra für die weiteren Anwendungen bereit sein. Vasiṣṭha sagt: 31.VAD.1: Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas, die drei als zweimalgeboren bezeichneten Stände, sollen für sich selbst täglich und unermüdlich Rezitation, Feueropfer und die übrigen Handlungen vollziehen. 31.VAD.2: Ein im Mantra besonders kundiger Brahmane darf dies auch für andere tun. Dabei ist ihm so viel Opferlohn zu geben, dass er zufrieden ist. 31.VAD.3: Andere Menschen sollen es weder für sich noch für andere vollziehen. Wenn jemand dennoch aus Gier oder Unwissenheit Rezitation und die übrigen Handlungen ausführt, 31.VAD.4: soll er durch den als Essenz der drei Veden bezeichneten Mantra selbst zugrunde gehen. So wie Milch, Dickmilch, Ghee oder Honig in einem ungebrannten Gefäß 31.VAD.5: wegen der Schwäche dieses Gefäßes mit ihm verloren gehen, ebenso [verhalte es sich], wenn ein anderer Mensch den Mantra als Essenz der drei Veden auf sich nimmt … Der Vergleich wird auf der nächsten Seite fortgesetzt. Die Passage gibt die ständische Zugangsbeschränkung und die Drohung der historischen Quelle wieder.
Tryambaka: weitere Überlieferung und der Nyāsa der dreiunddreißig Gottheiten
Druckseite 629. Fortsetzung der zuvor zitierten Einschränkungen; anschließend ein weiterer Nyāsa aus dem Vāsiṣṭhakalpa. Die Schutz- und Heilsaussagen gehören zur historischen Rituallehre.
31.VAD.6: [Ein solcher unberechtigter Anwender] geht rasch zugrunde, und das Mantra bleibt fruchtlos. Deshalb soll ein Zweimalgeborener es vom Lehrer empfangen und die vorgeschriebenen Gelübde gegenüber der Gottheit erfüllt haben.
31.VAD.7: Er soll die „Tote wiederbelebende“ Vidyā sorgfältig geheim halten. Mit dieser Vidyā, Brahmane, soll er alle seine Vorhaben verwirklichen.
Unnummerierte Fortsetzung mit gedruckter Lücke: [Sie gewährt] Lebensdauer, Gesundheit und Herrschaft; er soll den vorzeitigen Tod überwinden. Der verbleibende Halbvers fehlt im Druck.
Weiterer Nyāsa nach dem Vāsiṣṭhakalpa
31.VNY.1: Nun erkläre ich dir, großer Weiser, den Nyāsa dieses Mantra: Er besänftigt alle Fehler und bewirkt alles Heilvolle.
31.VNY.2: Durch ihn wird man sogleich selbst vom Tod befreit, den die Zeit herbeiführt. Dieses Mantra hat dreiunddreißig Silben, großer Weiser.
31.VNY.3: Diese sind die dreiunddreißig Götter – so bestimmen es die Lehrtexte. Die ersten acht soll man als die Vasus erkennen, die folgenden elf als die Rudras.
31.VNY.4: Danach folgen die zwölf Ādityas und anschließend Prajāpati. Zuletzt wird der Vaṣaṭ-Ruf genannt: Śiva, ganz von Glückseligkeit erfüllt.
31.VNY.5: Dhruva, Adhvara, Soma, Āpas, Anila, Anala, Pratyūṣa und Prabhāsa heißen die acht Vasus.
31.VNY.6: Vīrabhadra, Śambhu, Giriśa, Aja Ekapād, Ahirbudhnya, Pinākin und Bhuvanādhīśvara …
31.VNY.7: … Kapālin, Dikpati, Sthāṇu und Bhaga heißen die Rudras. Dhātṛ, Aryaman, Mitra, Varuṇa, Aṃśu und Bhaga …
31.VNY.8: … Vivasvat, Indra und Pūṣan, sodann Parjanya, Tvaṣṭṛ und Viṣṇu: So werden die zwölf Ādityas der Reihe nach genannt.
31.VNY.9: In dieser Weise sind diese Gestalten der Gottheiten vorgestellt. Gesammelt soll der Mantraübende die Silben auf alle Glieder legen.
31.VNY.10: Die erste Fünfergruppe soll er auf die fünf Gesichter beziehungsweise Stellen, beginnend mit dem Scheitel, legen; die nächste Fünfergruppe gehört an fünf Stellen des rechten Arms.
31.VNY.11: Dabei soll er jeweils die entsprechende Gottheit betrachten und die fünf Silben auflegen. Die nächsten fünf legt er der Reihe nach auf den linken Arm.
31.VNY.12: Dann legt er die folgenden fünf auf die fünf Gelenkstellen des rechten Beins und verfährt ebenso am linken Bein.
31.VNY.13: Darauf folgen rechte und linke Körperseite. Die drei Silben mu-kṣī-ya legt er auf Rücken, Nabel und den verborgenen Körperbereich.
31.VNY.14: Mā-mṛ-tāt legt er zwischen die Brauen, an das Ende des Atemwegs und ins Herz. Nachdem er so den ganzen Körper belegt hat, legt er zuletzt den Praṇava auf.
31.VNY.15: Für denjenigen, auf dessen Glieder der Mantraübende gesammelt das Mantra in dieser Weise legt, gibt es nach dieser Lehre weder Todesfurcht noch Furcht vor Krankheit.
31.VNY.16: Wer durch diesen zu Rudra gehörenden Schutzpanzer behütet wird – ihn können Vetālas, Piśācas, Gandharvas, Schlangenwesen und Rākṣasas …
31.VNY.17: … ebenso wenig wie fremde Schadenzauberwesen und andere Besessenheitsmächte auch nur ansehen: Er trägt das Mantra selbst als seinen Körper.
31.VNY.18: Dieses höchste Geheimnis habe ich unmittelbar vom Gott gehört. Wer es trägt, ist ohne Feinde; anders verhält es sich nicht.
Redaktioneller Hinweis: Der vorige Nyāsa rechnete mit 32 Silben. Hier werden 33 genannt; das abschließende oṃ wird ausdrücklich zusätzlich aufgelegt. Die Bezeichnung des letzten Gliedes als Vaṣaṭ in Vers 4 und als Praṇava in Vers 14 bleibt als Unterschied der Vorlage erhalten.
Ausführung dieses Nyāsa
Die Prosa schreibt folgende Zuordnungen vor. Jede Formel endet auf namaḥ; das Abkürzungszeichen des Drucks ist hier aufgelöst. Einige Silben unterscheiden sich von den Formen auf Seite 628 und werden nicht stillschweigend vereinheitlicht.
| Stelle | Formel |
|---|---|
| Kopf | triṃ dhruvāya namaḥ |
| Mund | yaṃ adhvarāya namaḥ |
| Rechtes Ohr | baṃ somāya namaḥ |
| Linkes Ohr | kaṃ āpāya namaḥ |
| Unterhalb des Haarschopfs | yaṃ anilāya namaḥ |
| Rechter Armansatz | jāṃ analāya namaḥ |
| Mitte des rechten Arms | maṃ pratyūṣāya namaḥ |
| Rechtes Handgelenk | heṃ prabhāsāya namaḥ |
| Rechte Fingerwurzeln | suṃ vīrabhadrāya namaḥ |
| Rechte Fingerspitzen | gaṃ śambhave namaḥ |
| Linker Armansatz | ndhiṃ giriśāya namaḥ |
| Mitte des linken Arms | puṃ ajaikapade namaḥ |
| Linkes Handgelenk | ṣṭiṃ ahirbudhnyāya namaḥ |
| Linke Fingerwurzeln | vaṃ pinākine namaḥ |
| Linke Fingerspitzen | dhaṃ bhuvanādhīśvarāya namaḥ |
| Rechte Oberschenkelwurzel | naṃ kapāline namaḥ |
| Rechtes Knie | uṃ diśāṃpataye namaḥ |
| Rechter Knöchel | rvāṃ sthāṇve namaḥ |
| Rechte Zehenwurzeln | raṃ bhagāya namaḥ |
| Rechte Zehenspitzen | kaṃ dhātre namaḥ |
| Linke Oberschenkelwurzel | miṃ aryamṇe namaḥ |
| Linkes Knie | vaṃ mitrāya namaḥ |
| Linker Knöchel | baṃ varuṇāya namaḥ |
| Linke Zehenwurzeln | ndhaṃ aṃśave namaḥ |
| Linke Zehenspitzen | nāt bhagāya namaḥ |
| Rechte Körperseite | maṃ vivasvate namaḥ |
| Linke Körperseite | tyo indrāya namaḥ |
| Rücken | muṃ pūṣṇe namaḥ |
| Nabel | kṣīṃ parjanyāya namaḥ |
| Verborgener Körperbereich | yaṃ tvaṣṭre namaḥ |
| Zwischen den Brauen | māṃ viṣṇave namaḥ |
Die letzten Zuordnungen folgen auf der nächsten Seite.
Weitere Nyāsa-Fassung und die Vidyā mit sechs Praṇavas
Druckseite 630.
Abschluss der Zuordnung von Seite 629: An das Ende des Atemwegs gehört mṛṃ prajāpataye namaḥ, ins Herz tāt amitavaṣaṭkārāya namaḥ – Verehrung dem unbegrenzten Vaṣaṭ-Ruf. Die im Vers angekündigte letzte Praṇava-Auflegung ist in dieser Prosafassung nicht nochmals ausgeschrieben.
Ein anderer Text lehrt:
31.ANY.1: Nun will ich das Tryambaka-Mantra im Anuṣṭubh-Versmaß erklären. Den Menschen, der es verehrt, vermag selbst die Zeit nicht anzublicken.
31.ANY.2: Vasiṣṭha wird sein Seher genannt, Anuṣṭubh sein Versmaß; als Gottheit ist Tryambaka bestimmt, der Gemahl der Pārvatī.
31.ANY.3: Die sechs Glieder werden aus aufgeteilten Mantrasilben gebildet: Vier sind für das Herz genannt und ebenso viele für das Haupt.
31.ANY.4: Acht sind dem Haarschopf zugewiesen, neun dem Schutzpanzer, fünf den Augen und drei der Waffe.
Redaktioneller Hinweis: Diese erste Angabe von vier Silben weicht von der Dreiergruppe des früheren Nyāsa ab. Die hier gedruckten Gruppen ergeben 33; der Text wird nicht auf 32 korrigiert.
31.ANY.5: Danach [legt man die Silben] auf das östliche, westliche, südliche und nördliche Gesicht, dann auf Brust, Hals und Schultern, Nabel, Herz, Rücken und Bauchseiten …
31.ANY.6: … auf Geschlechtsorgan, After, Ansatz und Ende der Oberschenkel, beide Knie, deren beide Rundungen, beide Brüste, beide Flanken und beide Füße …
31.ANY.7: … auf Hände, Nasenöffnungen und Scheitel. So legt man die Mantrasilben der Reihe nach auf. Die elf Wörter legt man auf Kopf und Brauenbereich …
31.ANY.8: … Gesicht, beide Wangen, Herz und Bauch sowie auf den verborgenen Bereich, Oberschenkel, Knie und Füße. So soll dieser Nyāsa vollzogen werden.
Es folgt die Entfaltung des zuvor genannten Mantra:
31.ANY.9: Wer zuerst das Prāsāda-Bīja, danach das todüberwindende [Bīja], den Tāraka und die Vyāhṛtis ausspricht, sodann das todüberwindende Tryambaka-Mantra rezitiert und die Folge erneut [entsprechend umschließt], den sechsgliedrigen Nyāsa vollzieht und den Herrn der Yogis betrachtet, der aus seinem eigenen Mund [mit dem Ṛgvers] in den Kreis eingetreten ist, der überwindet durch die Gnade der Śukra-Vidyā den Tod. Der syntaktische Anschluss von Mund, Ṛgvers und Eintritt in den Kreis ist im Druck nicht eindeutig; keine zusätzliche Visualisierung wird ergänzt.
31.ANY.10: Dies ist die Vidyā mit sechs Praṇavas, die den großen Tod vernichtet. Der Laut ha, mit dem vierzehnten Vokal und dem Bindu verbunden …
31.ANY.11: … wird Prāsāda genannt, weil er Śivas Gnade hervorbringt. Dieses todüberwindende Bīja heißt „Praṇava des Gottes“. Nach der hier verwendeten Vokalzählung ergibt sich hauṃ.
31.ANY.12: Nakulīśa, auf Feuer stehend, mit linkem Auge und Halbmond versehen, ist das Māyā-Bīja, die Śakti, „Praṇava der Göttin“ genannt: hrīṃ.
31.ANY.13: Der Laut ja, mit dem sechsten Vokal und Bindu verbunden, wird als zweites Bīja namens „Todüberwinder“ bezeichnet: jūṃ.
31.ANY.14: Sodann nenne ich als Mṛtyuñjaya den Laut sa mit Visarga: saḥ. Dhruva, Tāra und Oṃkāra [bezeichnen] das ursprüngliche, aus sich selbst bestehende Licht.
31.ANY.15: Der Anfang der Veden, der Tāraka, ist verbunden mit … [Die folgende Wendung śākhādvipraṇavānvitaḥ ist schon im Druck mit einem Fragezeichen versehen und bleibt unklar.] Das wird der große Mṛtyuñjaya genannt, das todvernichtende Prāsāda.
31.ANY.16: Der Tāraka und die Vyāhṛti werden jeweils gesondert in ihrer Reihenfolge angeordnet; die Vyāhṛti auch in umgekehrter Folge. Zwei Praṇavas bilden die Umschließung.
Unnummerierte Fortsetzung: Danach die drei Vyāhṛtis; das Mantra ist mit sechs Praṇavas versehen. Es folgt eine gedruckte Lücke.
31.ANY.17: Den Anfang der Veden und die drei Wörter, beginnend mit bhūr, sowie das todüberwindende Tryambaka-Mantra soll man rezitieren. Wer eine Frucht erstrebt, soll es vorschriftsmäßig mit der Umschließung durch Prāsāda und Mṛtyuñjaya anwenden. Wegen der beschädigten Erläuterung wird hier keine vermeintlich vollständige zusammengesetzte Formel rekonstruiert.
Agastya fragt nach der Mṛtyuñjaya-Verehrung
31.AGB.1: Agastya sprach: Gott der Götter, großer Gott, der du den Verehrenden Gnade gewährst: Erkläre die Mṛtyuñjaya-Ordnung mit Rezitation, Verehrung und allem Zugehörigen!
Unnummeriert: Erkläre bitte auch die Verehrung des Sitzes, das Yantra und das Feueropfer!
31.AGB.2: Brahmā sprach: Höre, mein Kind, in Kürze die Ordnung des Mṛtyuñjaya! Kennt ein Sterblicher sie, so wird er nach dieser Lehre von der großen Furcht vor Tod und Krankheit befreit.
31.AGB.3: Bei jeder Bedrängnis durch die Planeten, auch in einem besonders furchtbaren Kreis beziehungsweise Gebiet, bei Trennung von Angehörigen und wenn ein großes Sterben unter den Menschen eintritt …
Der Satz und die Aufzählung werden auf der nächsten Seite fortgesetzt.
Anlässe, Rezitationszahlen und Verehrung des Mṛtyuñjaya
Druckseite 631. Die historische Darstellung fährt mit den Anlässen für das Ritual fort; ihre Wirkungsbehauptungen werden als Aussagen der Quelle wiedergegeben.
31.AGB.4: Bei Zerstörung des Landes, beim Untergang von Menschen, zur Abwendung großen Sterbens, wenn Schadenzauber auftritt und wenn sich die Verfassung des Geistes verkehrt …
31.AGB.5: … vollziehen die Kundigen die Ordnung des Gottes Mṛtyuñjaya. Zu einer Zeit, in der die Kraft von Mond und Sternen günstig ist …
31.AGB.6: … an einem günstigen Wochentag und Mondtag, unter einem günstigen Mondhaus, bei günstigem Aszendenten, günstiger Verbindung und günstigen Planeten …
31.AGB.7: … soll die Ordnung des Gottes Mṛtyuñjaya begonnen werden: an einem geschmückten, bemalten Eingang zu Śaṅkaras Heiligtum, der mit einem Pavillon versehen ist.
31.AGB.8: Man reinigt den Platz der Lampe und versieht ihn mit einer roten Decke. Man ruft Brahmanen herbei, die Veda und Lehrtexte kennen und frei von Missgunst sind.
31.AGB.9: Nach vorausgehendem Segensspruch erfolgt die vorzügliche Praxis. Die beste Rezitation entspricht dem Vorhaben, das man begonnen hat.
31.AGB.10: Wird weniger oder mehr rezitiert, als dem Vorhaben entspricht, gilt das als fruchtlos. Bei Zerstörung des Landes, Leiden der Bevölkerung und Bedrängnis durch schwere Krankheit …
31.AGB.11: … lehren die Weisen, welche die Wahrheit schauen, eine Rezitation von einer Koṭi, also zehn Millionen Wiederholungen. Bei gewöhnlicher Krankheit und beim Erleben böser Träume …
31.AGB.12: … soll man das heilige Mṛtyuñjaya-Mantra hunderttausendmal rezitieren; zur Abwendung vorzeitigen Todes zehntausendmal.
31.AGB.13: Wenn man schlechte Nachrichten hört, wenn Freunde Unwahrheit verübt haben, bei einem Reisewunsch und zur Beseitigung von Schmerzen soll man auch tausend Wiederholungen vollenden.
31.AGB.14: Zuerst verehrt man den Herrn der Götter, Śaṅkara, der der Welt Heil bringt. Die innere Heiligtumskammer soll mit Gangeswasser, dem Sandel beigegeben ist, gewaschen werden.
31.AGB.15: Man räuchert mit dem zehnteiligen Räucherwerk und badet Śaṅkara sodann unter Mantras mit den fünf Nektaren, zusammen mit Blumen und ungebrochenen Reiskörnern.
31.AGB.16: [Die fünf Nektare sind] Milch, Dickmilch, Kuh-Ghee, Zucker und guter Honig. Danach folgt unter der Gāyatrī ein Bad mit Zucker und reinem Wasser. Die Zusammensetzung des letzten Badeausdrucks ist knapp; eine zusätzliche Stofffolge wird nicht ergänzt.
31.AGB.17: Eine Salbung Śambhus mit Öl gilt als glückbringend und bei allen Vorhaben vorzüglich; sie soll der Vorschrift entsprechend erfolgen und alle Bedrängnisse beseitigen.
31.AGB.18: Die Gottheit wird mit duftendem Sandel bestrichen. Bei einem feststehenden Bild geschieht dies mit der Hand; bei einem beweglichen nennt der Text den kleinen Finger beziehungsweise dessen Mitverwendung. Die genaue Handhaltung ist mit sakaniṣṭhakam nicht weiter erläutert.
31.AGB.19: Dann erfolgt die Blumenverehrung des dreizacktragenden Gottes mit den im Ritualtext genannten Blumen, nach Vorschrift und so, dass sie erfreulich ist.
31.AGB.20: Danach räuchert man mit dem zehnteiligen Räucherwerk, schwenkt Lampen zur Verehrung und erfreut ihn mit Lichtern, essbaren Gaben und Speiseopfern.
31.AGB.21: Liebevoll bringt man dem dreizacktragenden Gott Betel mit allen Zutaten dar. Nachdem der Mantraübende die Bīja-Silben aufgelegt hat, rezitiert er und betrachtet Śaṅkara.
31.AGB.22: Der Mantraübende bleibt dabei, solange kein Gähnen, keine Schläfrigkeit und keine körperliche Erschöpfung eintreten. So gilt die Rezitation als vorzüglich.
Unnummerierte Fortsetzung mit gedruckter Lücke: Zuerst soll die Reinigung der Elemente vollzogen werden; danach beginnt die Rezitation.
Weitere Erklärung des Tryambaka-Mantra
Der Ṛgvers tryambakaṃ yajāmahe, zusammen mit Praṇava und Vyāhṛtis und umschlossen von den Mahāmṛtyuñjaya-Bījas, ist die Mṛtasañjīvinī-Vidyā, die „Tote wiederbelebende“ Wissensformel.
Das Tryambaka-Mantra wird hier folgendermaßen erklärt: „Wir verehren den Vater der drei – Brahmā, Viṣṇu und Rudra.“ So sprach Vasiṣṭha gemeinsam mit seinen Schülern. Wie wird er näher bezeichnet? Sugandhim: dessen heilvoller Ruhm sich verbreitet hat. Puṣṭivardhanam: die vornehmste Kraft, der Same der Welt, welche die Kräfte wie das Kleinwerden vermehrt. Durch seine Gnade möge ich vom Tod oder vom Kreislauf des Daseins gelöst werden. Wie die reife Gurkenfrucht sich von ihrer Bindung löst, so befreie mich vom Sterben oder vom Daseinskreislauf.
Welche Grenze wird dabei genannt? Die Erläuterung liest ā amṛtāt im Sinne von „bis zum Unsterblichen“, bis zur Erlösungsstufe der Vereinigung. Diese Auslegung unterscheidet sich von der früheren Erklärung „nicht vom Unsterblichen [trennen]“; beide bleiben als Aussagen ihrer jeweiligen Textstellen erhalten.
Beginn der Ausführung
Nach den morgendlichen Verrichtungen bis einschließlich des Nyāsa des Yoga-Sitzes vollzieht man dreimal Prāṇāyāma mit dem Grundmantra. Es folgen die Zuordnungen:
- Am Kopf: vasiṣṭhaṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Vasiṣṭha.
- Am Mund: anuṣṭupchandase namaḥ – Verehrung dem Anuṣṭubh-Versmaß.
- Am Herzen: mahāmṛtyuñjayāya devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Mahāmṛtyuñjaya.
- Am verborgenen Körperbereich: devapraṇavaprāsādabījāya namaḥ – Verehrung dem Prāsāda-Bīja, dem Praṇava des Gottes.
- An beiden Knien: devīpraṇavamāyābījaśaktaye namaḥ – Verehrung der Māyā-Bīja-Kraft, dem Praṇava der Göttin.
- An beiden Füßen: oṃkīlakāya namaḥ – Verehrung dem Oṃ als Verschluss.
- Am ganzen Körper: die Anwendung zur Verwirklichung des erwünschten Zieles.
Dann reinigt man die Hände mit dem Grundmantra, legt den Praṇava auf beide Handflächen und vollzieht mit dem Grundmantra die durchdringende Auflegung. Es folgen die vier Mantraviertel, beginnend mit der Vyāhṛti; die Anweisung setzt auf der nächsten Seite fort.
Die ausführlichen Körperzuordnungen des Mṛtyuñjaya
Druckseite 632; ausschließlich unnummerierte Prosa. Die vier Viertel werden auf die Finger beider Hände, beginnend mit den Daumen bis zu den kleinen Fingern, gelegt. Es folgt der sechsgliedrige Nyāsa:
- tryambakaṃ sarvajñāya hāṃ hṛdayāya namaḥ – dem Allwissenden; Herz.
- yajāmahe nityatṛptāya hīṃ śirase svāhā – dem ewig Erfüllten; Haupt.
- sugandhiṃ puṣṭivardhanaṃ anādibodhāya hūṃ śikhāyai vaṣaṭ – dem anfangslosen Erkennen; Haarschopf.
- urvārukam iva bandhanāt vahnitrayajvaliṣe vajrahastāya svatantrāya haiṃ kavacāya huṃ – dem in drei Feuern Leuchtenden, der den Vajra in der Hand hält, dem Unabhängigen; Schutzpanzer. Die gebeugte Feuerbezeichnung ist im Druck ungewöhnlich und wird nicht vereinheitlicht.
- mṛtyor mukṣīya nityamaluptaśaktaye hauṃ netratrayāya vauṣaṭ – dem, dessen Kraft niemals erlischt; drei Augen.
- māmṛtāt acintyānantaśaktaye haḥ astrāya phaṭ – dem von undenkbarer, unendlicher Kraft; Waffe.
Nach der durchdringenden Auflegung mit dem Grundmantra beginnt der Nyāsa der Körperglieder. Die folgende Tabelle gibt jedes Lautglied und jedes Gottheitspaar wieder. Die Formeln beginnen jeweils mit oṃ und enden mit „Verehrung dem [genannten Gott], zusammen mit der [genannten] Śakti“; damit ist das wiederkehrende śaktisahitāya namaḥ übersetzt. Fragliche Namen bleiben örtlich markiert.
| Lautglied | Gott und Śakti | Körperstelle |
|---|---|---|
| tryaṃ | Tryambeśa – Trinetrā | Haarschopf |
| baṃ | Bālārkatejas – Balaprabhedinī | Kopf |
| kaṃ | Kālāntakeśa – Kalyāṇī | Stirn |
| yaṃ | Vighneśa – Yajñarūpā | Brauen |
| jāṃ | Jālandhareśa – Jvālāmukhī | Augen |
| maṃ | Mahādeveśa – Mahāśakti | Ohren |
| heṃ | Hākinīśa – Haimavatī | Nase |
| suṃ | Sugandhīśa – Sugandhi | Wangen |
| gaṃ | Gandheśa – Gambhīrā | Oberlippe |
| ndhiṃ | Mahīśa – Dhīrā | Unterlippe |
| puṃ | Puṇḍarīkākṣeśa – Pūrṇā | Obere Zähne |
| ṣṭiṃ | Unklarer Name, im Druck mit fraglichem Vorschlag „Adhiṣṭheśa“; Variante Haṭheśa – Adhiṣṭhānī | Untere Zähne |
| vaṃ | Variṣṭheśa – Vareṇyā | Kiefer |
| rdhaṃ | Dharmeśa – Dharma | Kinn |
| naṃ | Nandīśa – Nandinī | Mund |
| uṃ | Ṛddhīśa – Umā | Hals |
| rvāṃ | Varṇeśa – Vāmā | Schultern |
| raṃ | Rudreśa – Rūpavatī | Arme |
| kaṃ | Kānteśa – Kānti | Herz |
| miṃ | Mīḍuṣṭameśa – Śivā | Brust |
| vaṃ | Vedeśa – Vedagarbhā | Beide Brüste |
| baṃ | Bandhinīśa – Bandhinī | Herz |
| ndhaṃ | Dhanvīśa – Dhanuṣmatī | Nabel |
| nāt | Nākeśvara, im Druck mit wiederholtem Korrekturglied „ke“ – Puṣṭi | Hüfte |
| maṃ | Mṛtyuñjayeśa – Mṛtyunāśinī | Verborgener Körperbereich |
| tyo | Beschädigter Name, Korrekturvorschlag Nityeśa – Nityā | After |
| muṃ | Muktīśa – Mukundā | Flanken |
| kṣīṃ | Kṣitīśa – Kṣemaṅkarī | Oberschenkel |
| yaṃ | Yogīśa – Mantrabhedinī | Knöchel |
| māṃ | Mantreśa – Mantraprabhedinī | Fußsohlen |
| mṛṃ | Amṛteśa – Amara | Fußoberseiten |
| tāt | Tanvīśa – Tanvī | Füße |
Damit endet der Silbennyāsa. Die weitere Fußnotenvariante dhṛti wird bewahrt; ihr Bezug ist im Satzbild nicht hinreichend klar.
Auflegung der Wortglieder
Auch hier beginnt jede Formel mit oṃ und endet mit der Verehrung des Gottes zusammen mit der genannten Śakti. Die Wortzerlegung weicht vom früheren Nyāsa mit elf Wörtern ab; sie wird so übernommen, wie sie hier vorliegt.
| Wortglied | Gott und Śakti | Körperstelle |
|---|---|---|
| tryambakaṃ | Tripurāntakeśa – Trailokya | Kopf |
| yajāṃ | Yajñavatīśa – Sugandhā | Stirn |
| mahaṃ | Mahattattveśa – Māyā | Ohren |
| sugandhiṃ | Sugandhīśa – Sugandhi | Nase |
| puṣṭiṃ | Puruṣeśa – Purandrī | Mund |
| vardhanaṃ | Vareśa – Vaśaṅkarī | Hals |
| urvā | Umāpatīśa – Ūrdhvarekhā | Herz |
| rukaṃ | Rūpavatīśa – Rukmavatī | Hüfte |
| mivaṃ | Mitreśa – Mitravatī | Hüfte, im Druck erneut genannt |
| bandhanāt | Bālacandramaulīśa – Varbarī [Name unsicher] | Verborgener Körperbereich |
| mṛtyoḥ | Mantreśa – Mantravatī | Oberschenkel |
| mukṣīya | Muktikarīśa – Muktikarī | Knie |
| mā | Mahākāleśa – Mahāśakti | Unterschenkel |
| amṛtāt | Amṛteśa – Amṛtavatī | Grundlage |
Damit endet dieser Wortnyāsa.
Zuordnung zu den inneren Zentren
Die gleiche Formelform wird weitergeführt:
- oṃ tryambakaṃ: Bhaveśa mit Bhūta-Śakti an der Grundlage.
- oṃ yajāmahe: Śarveśa mit Śarvāṇī im Svādhiṣṭhāna.
- oṃ sugandhiṃ: Rudreśa mit Virūpā im Maṇipūra.
- oṃ puṣṭivardhanaṃ: Puruṣavaradeśa mit Vaṃśavardhinī im Anāhata.
- oṃ urvārukam iva: Ugreśa mit Ugra-Śakti im Viśuddha.
Die Formel mit oṃ bandhanāt beginnt am Seitenende und wird auf der nächsten Seite vervollständigt.
Abschluss der Körperzuordnungen und Beginn der Meditation
Druckseite 633.
Abschluss des Satznyāsa von Seite 632; jeweils mit oṃ und abschließendem namaḥ:
- bandhanāt: Mahādeveśa mit Mānavatī im Ājñā.
- mṛtyor mukṣīya: Bhīmeśa mit Bhadrakālī in der Brahmaöffnung.
- māmṛtāt: Īśāneśa mit Īśvarī im tausendblättrigen Lotus.
Auflegung der Versviertel, Vershälften und des ganzen Verses
Für den Viertelnyāsa gilt wieder die Formel „Verehrung dem … zusammen mit der … Śakti“, jeweils nach oṃ und dem angegebenen Mantraglied:
- tryambakaṃ yajāmahe: Tryambakeśa mit Tryambikā am östlichen Gesicht.
- sugandhiṃ puṣṭivardhanaṃ: Mṛtyuñjayeśa mit Vāmā am südlichen Gesicht.
- urvārukam iva bandhanāt: Mahādeveśa mit Bhīmā am westlichen Gesicht.
- mṛtyor mukṣīya māmṛtāt: Sañjīvanīśa mit Draupadī am nördlichen Gesicht.
Beim Halbversnyāsa wird die erste Hälfte, von tryambakaṃ bis puṣṭivardhanam, Maheśa mit Gaurī am rechten Fuß zugeordnet; die zweite Hälfte, von urvārukam bis māmṛtāt, Śāmbhaveśa mit Vyāpinī am linken Fuß. Beide Formeln beginnen mit oṃ und enden mit śaktisahitāya namaḥ nach dem jeweiligen Götternamen und der genannten Śakti.
Beim Nyāsa des ganzen Ṛgverses wird der vollständige Vers oṃ tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivardhanam | urvārukam iva bandhanān mṛtyor mukṣīya māmṛtāt mit sarvākhyeśāya anākhyāśaktisahitāya namaḥ verbunden und auf den ganzen Körper gelegt: Verehrung dem Herrn aller Benennungen zusammen mit der unbenannten Kraft. Damit ist der sechsfache Nyāsa abgeschlossen.
Erneuter sechsgliedriger Nyāsa
Nach dem Nyāsa der Körperglieder folgt:
- oṃ namo bhagavate tryambakāya śūlapāṇaye namaḥ svāhā hāṃ hṛdayāya namaḥ – Verehrung dem erhabenen Tryambaka, der den Dreizack trägt; Herz.
- oṃ namo bhagavate rudrāya amṛtamūrtaye māṃ jīvaya hīṃ śirase svāhā – Verehrung dem erhabenen Rudra, der Gestalt des Unsterblichen: „Belebe mich!“; Haupt.
- oṃ namo bhagavate rudrāya candraśirase jaṭine svāhā hūṃ śikhāyai vaṣaṭ – Verehrung Rudra, der den Mond auf dem Haupt und verfilztes Haar trägt; Haarschopf.
- oṃ namo bhagavate rudrāya tripurāntakāya khaṭvāṅgapāṇaye haiṃ kavacāya huṃ – Verehrung Rudra, dem Vernichter der drei Städte, der den Khaṭvāṅga-Stab hält; Schutzpanzer.
- oṃ namo bhagavate rudrāya trilocanāya ṛgyajuḥsāmātharvaṇamūrtaye hauṃ netratrayāya vauṣaṭ – Verehrung dem dreiäugigen Rudra, der Verkörperung von Ṛg-, Yajur-, Sāma- und Atharva-Veda; drei Augen.
- oṃ namo bhagavate mṛtyuñjayāyāgnitrayāya jvalasva jvalasva māṃ rakṣa rakṣa rogān vidhvaṃsaya vidhvaṃsaya duṣṭān nivāraya nivāraya aghorāstrāya phaṭ haḥ astrāya phaṭ – Verehrung Mṛtyuñjaya, den drei Feuern: „Flamme auf, flamme auf! Beschütze mich, beschütze mich! Vernichte die Krankheiten! Wehre die Übelgesinnten ab!“; der Aghora-Waffe und der Waffe zugeordnet.
Weitere Auflegung von Gestalten Śivas
Jede der folgenden Formeln beginnt mit oṃ tryambakāya trinetrāya – dem dreiäugigen Tryambaka – und endet nach dem zusätzlichen Namen mit namaḥ:
- umākālāgnirudrāya: an beiden Füßen. Das zusammengesetzte Namensglied wird wie gedruckt bewahrt.
- kālāgnimūrtaye: an beiden Unterschenkeln – der Gestalt des Zeitenfeuers.
- umādhāriṇe: an den Oberschenkeln – dem Träger der Umā.
- kāmavidhvaṃsine: am verborgenen Körperbereich – dem Vernichter Kāmas.
- pañcavaktrāya: am Gesicht – dem Fünfgesichtigen.
- nīlakaṇṭhāya: am Hals – dem Blaukehligen.
- candrārkavahninetrāya: an den Augen – dessen Augen Mond, Sonne und Feuer sind.
- sarvābharaṇabhūṣitāyāmṛtaplutāya: vom Scheitel bis zu den Füßen – dem mit allen Schmuckstücken Geschmückten, vom Nektar Überströmten.
Danach: oṃ sadāśivāya namaḥ am Haarschopf, īśānāya namaḥ am Scheitel, tatpuruṣāya namaḥ am Gesicht, aghorāya namaḥ am Herzen, vāmadevāya namaḥ an beiden Oberschenkeln und sadyojātāya namaḥ an den Füßen.
31.NYS.1: Nachdem man den Nyāsa auf diese Weise vollzogen hat, soll man, zu Śiva geworden, Śiva verehren. All dies wurzelt im Nyāsa; deshalb soll er zuerst vollzogen werden.
31.NYS.2: Von einer Handlung ohne Nyāsa nehmen die Rākṣasas die Hälfte an sich. Deshalb soll man die Nyāsa-Handlung mit aller Sorgfalt ausführen. Die auffällige Lesung „die Hälfte“ ist im Druck vorhanden und bleibt erhalten.
Meditation über Rudra
Danach betrachtet man den erhabenen Rudra: Er sitzt über der Mondscheibe im gebundenen Lotussitz, ist mondfarben und trägt die Mondsichel, aus der Unsterblichkeitsnektar strömt. Seine beiden unteren Hände halten die Yogageste; seine beiden oberen Hände tragen mit Nektar gefüllte Krüge. Mond, Sonne und Feuer sind seine drei Augen. Das gelbbraune verfilzte Haar ist zu einem Knoten gebunden. Eine Schlange ist seine heilige Schnur, Schlangen dienen ihm als Schmuck. Er hat Mitgefühl mit seinen Verehrenden und ist mit Asche bestrichen.
31.MDH.1: Man betrachtet ihn leuchtend wie reinen Bergkristall, dreiäugig und fünfgesichtig, die Gaṅgā tragend, mit Haarknoten und Mondsichel geschmückt …
31.MDH.2: … mit einer Schädelgirlande, von sanfter Erscheinung, in einer Yogasitzhaltung verweilend, mit Tigerfell bekleidet und mit gebundenen Schlangenkönigen geschmückt.
31.MDH.3: Eine linke Hand gewährt Furchtlosigkeit, eine rechte Segen; eine weitere linke hält ein Schädelgefäß, eine rechte den Dreizack. Die Gefäßbezeichnung kapālakuṇḍala ist ungewöhnlich und wird nicht stillschweigend geändert.
31.MDH.4: So soll man den Gott Mṛtyuñjaya betrachten, den Vernichter von Tod und Krankheit. Nachdem der Zweimalgeborene ihn so recht betrachtet hat, beginnt er die Tryambaka-Rezitation.
Eine weitere Meditation beginnt: Mit zwei Händen übergießt er sein Haupt mit dem Nektar aus zwei Krügen; mit zwei weiteren hält er diese, und mit zwei Händen trägt er Antilope und Gebetskette … Fortsetzung auf der nächsten Seite.
Śiva und Gaurī, Zuflucht, Mudrās und Beginn der Verehrung
Druckseite 634.
31.MDH.5: [Fortsetzung von Seite 633:] Zwei Hände im Schoß tragen den Nektarkrug. Ich verehre den dreiäugigen Gott Śiva, der auf dem Kailāsa verweilt, auf einem klaren Lotus sitzt und den jungen Mond als Krone trägt. Zusammen mit den vorherigen Halbversen beschreibt dies eine achtarmige Gestalt. Eine Variante liest beim Lotus „deutlich“ beziehungsweise „klar“ und nennt anschließend den Mond anders.
31.MDH.6: Gaurī, die machtvolle Caṇḍī, ist vierarmig, dreiäugig und von ihrer Krone erstrahlend. Ihre Hände tragen Lotus und Spiegel und zeigen die Gesten des Segens und der Furchtlosigkeit.
31.MDH.7: Mit himmlischen Gewändern bekleidet, mit göttlichem Schmuck geschmückt und mit heiterem Gesicht betrachtet man sie links als Śivas andere Hälfte.
Nachdem man so meditiert und mit einem von Liebe erfüllten Geist auf dem zuvor beschriebenen Weg verehrt hat, nimmt man Zuflucht:
31.MDH.8: „Tryambaka, großer Gott, beschütze mich, der ich Zuflucht zu dir genommen habe, bedrängt von Geburt, Tod, Alter, Krankheit und den Bindungen des Handelns!
31.MDH.9: Ich gehöre dir, mein Lebensatem ist auf dich gerichtet, mein Geist ist immer bei dir, du Gütiger!“ Nachdem man dies dem Herrn der Götter vorgetragen hat, rezitiert man das Tryambaka-Mantra.
31.MDH.10: Man führt die Fingerspitzen an die Wurzel und drückt sie mit dem Daumen fest. Dies heißt Śivas Faustgeste; sie gewährt Frieden.
Mit den Worten eṣa te rudra bhāga – „Dies ist dein Anteil, Rudra“ – zeigt man die Liṅga-Mudrā. Das Zitat steht hier in dieser kurzen Form.
31.MDH.11: Wer Glück und Wohlstand erstrebt, zeigt sie am Kopf; wer Glanz erstrebt, an den Augen; wer Nahrung erstrebt, am Mund; zur Beseitigung von Krankheit am Hals.
31.MDH.12: Für alle Wünsche zeigt man sie am Herzen, für Erkenntnis am Nabel, für Nachkommenschaft am verborgenen Körperbereich und für Vieh an den Knöcheln.
31.MDH.13: Wer ein Dorf erstrebt, zeigt sie an den Knien, wer ein Reich erstrebt, an den Füßen; wer Unterwerfung anderer erstrebt, an der linken Hand. Das letzte Ziel gehört zur historischen Ritualklassifikation des Textes.
31.MDH.14: Zur Tilgung von Verfehlung, bei Schadenzauber oder zur Beseitigung von Leiden und Krankheit führt man sie außerhalb des Körpers aus und berührt [die betreffende Stelle beziehungsweise Geste] vor Śiva. Das Berührungsobjekt wird nicht ausdrücklich genannt.
Die Verehrung
31.MPU.1: Mit den drei Vyāhṛtis entfernt man die gebrauchten Opfergaben. Dann stellt man die Gottheit in ein Gefäß und vollzieht das reinigende Bad.
31.MPU.2: Der Kundige verehrt auch sich selbst mit wohlriechenden Salben und Kränzen. Es folgen Anrufung, Sitz, Fußwasser, Ehrengabe und Wasser zum Mundspülen …
31.MPU.3: … Bad, Gewand, heilige Schnur, Duft und Blumen in ihrer Reihenfolge. Mit den zehn Ṛgversen, beginnend mit sahasraśīrṣa, soll man verehren. Die Vorlage verweist auf diese Verse, statt sie hier auszuschreiben.
31.MPU.4: Dann verehrt man den Sitz mit guten Duftgaben, Blumen und ungebrochenem Reis: die tragende Kraft, die Schildkröte, den Kailāsa und den Berg Mandara …
31.MPU.5: … den Erdsockel und den Fußuntersatz des Löwenthrons. In der Mitte des Sitzes verehrt man sie mit ihrem Namen im Dativ und abschließendem namaḥ.
31.MPU.6: Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrschaft verehrt man der Reihe nach in den Ecken, beginnend mit der Feuerecke. Dann, vom Osten ausgehend …
31.MPU.7: … verehrt man ihre Gegenteile, indem man den Namen „Dharma“ und den folgenden die Verneinung voranstellt. An den Ecken des Löwenthrons, beginnend mit der Feuerecke …
31.MPU.8: … [verehrt man] die drei Guṇas und die Vidyās, jeweils mit Dativ und abschließendem namaḥ. Danach erkläre ich die Gestalt des Maṇḍala.
31.MPU.9: Zunächst wird ein schönes Maṇḍala aus geschältem Reis angelegt: achtzehn Linien in östlicher und ebenso achtzehn in nördlicher Richtung.
31.MPU.10: Es hat zweihundertneunundachtzig Felder. Dort ruft man die Gottheiten, beginnend mit Tryambaka, und die Śaktis an.
31.MPU.11: Ramā, Māyā, Prabhā, Jyotsnā, Pūrṇā, Pūrṇāmṛtā und Sudhā; Viśvā, Vidyā, Prabhā, Prahvā, Sārā, Sandhyā, Śivā und Niśā. Die erste Reihe ist im Druck zusammengedrängt und in ihrer Namensgliederung unsicher. Die Fußnote liest im Mittelteil pūrṇoṣā pūrṇiṇī, also mit Uṣā und Pūrṇiṇī; bei der zweiten Prabhā steht die Variante Sitā.
31.MPU.12: Oghā [Variante Āryā], Prajñā, Prabhā, Medhā, Kānti, Śānti, Dhṛti und Smṛti [Variante Mati]; Parā, Jayā, Avighnā, Padmā und Cānti [so die auffällige Lesung des Drucks]. Für den Beginn der letzten Reihe nennt eine Variante Dharā, Umā und Pāvinī.
31.MPU.13: Aghorā [Variante Amoghā], Ajayā und Mālā: Diese werden als dreißig Kalās bezeichnet. Wer die Kalās nicht kennt, dessen Verehrung bleibt fruchtlos. Die Zahl „dreißig“ und die schwankende Namensgliederung werden bewahrt; keine stillschweigende Angleichung an die frühere Liste mit vier Achtergruppen erfolgt.
Der kosmische Sitz und die umgebenden Gottheiten
Druckseite 635. Fortsetzung der Verehrungsordnung.
31.MPU.14: Überall spricht man die Formel mit dem Praṇava am Anfang, dem jeweiligen Namen im Dativ in der Mitte und namaḥ am Ende. Danach verehrt man den Sitz.
31.MPU.15: Dort verehrt man die Meere aus Salzwasser, Milch, Dickmilch, Ghee, süßem Wasser, alkoholischem Trank und Zuckerrohrsaft; jeweils mit Praṇava am Anfang und namaḥ am Ende.
31.MPU.16: Dann verehrt man die Inselkontinente Jambudvīpa, Plakṣa, Śālmali, Kuśa, Krauñca, Śāka und Puṣkara.
31.MPU.17: Ebenso verehrt man nacheinander die Welten Bhūr, Bhuvar, Svar, Mahar, Jana, Tapas und Satya.
31.MPU.18: [Es folgen] Atala, Vitala, Talātala, Rasātala, Pātāla, Sutala und Mahātala.
31.MPU.19: Das Selbstprinzip, das innere Selbst, das höchste Selbst und die Erkenntnis verehrt man mit dem Namen im Dativ und abschließendem namaḥ. Eine Fußnote bietet eine geringfügig andere grammatische Fassung derselben Anweisung.
31.MPU.20: Gaṅgā, Yamunā, Godāvarī, Sarasvatī, Narmadā, Sindhu und Kāverī verehrt man mit abschließendem namaḥ.
31.MPU.21: [Ebenso] Jahre, Jahreszeiten, Monate, Monatshälften und Tage, mit Praṇava am Anfang und namaḥ am Ende. Danach verehrt man die Śaktis …
31.MPU.22: … Vāmā, Jyeṣṭhā, Śreṣṭhā, Raudrī, Kālī, Kalavikaraṇī und Balavikaraṇī …
31.MPU.23: … Balapramathanī, Sarvabhūtadamanī und die erhabene Manonmanī. „Verehrung dem Selbst des Kālarudra!“ Die zusätzliche Śreṣṭhā der gedruckten Liste wird beibehalten.
31.MPU.24: Der Reihe nach verehrt man Umā, Caṇḍeśvara, Nandin, Mahākāla, den Stier, Bhṛṅgiriṭi und Skanda.
31.MPU.25: Danach die Welthüter, beginnend mit Indra, sowie Sarasvatī, Durgā, Gaṇeśa und Kṣetrapāla.
31.MPU.26: Nachdem man sie mit ihren jeweiligen Bījas verehrt hat, verehrt man die acht Vasus, die elf Rudras und die zwölf Ādityas.
31.MPU.27: Danach werden die acht Bhairavas und die Gottheiten beginnend mit Brāhmī verehrt. Dhruva, Adhvara, Soma, Āpas, Anila und Anala …
31.MPU.28: … Pratyūṣa und Prabhāsa heißen die acht Vasus. Vīrabhadra, Śambhu, Giriśa, Aja Ekapād …
31.MPU.29: … Ahirbudhnya, Pinākin, Bhuvanādhīśvara, Diśāṃpati, Paśupati, Sthāṇu und Bhaga [sind die Rudras]. Diese Liste weicht durch Paśupati statt Kapālin von Seite 629 ab.
31.MPU.30: Āditya, Savitṛ, Sarva [so gedruckt], Pūṣan, Mitra, Tamoghna, Himaghna, Aruṇa und Bhānu …
31.MPU.31: … Mārtaṇḍa, Bhāskara und Divākara [sind hier die zwölf Sonnengestalten]. Asitāṅga, Ruru, Caṇḍa, Krodha und Unmattabhairava …
31.MPU.32: … Kapālin, Bhīṣaṇa und Saṃhāra sind die acht Bhairavas. Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī und Vaiṣṇavī …
Unnummerierte Fortsetzung mit nachfolgender Drucklücke: … Vārāhī, Indrāṇī, Cāmuṇḍā und Mahālakṣmī sind die acht Mütter.
Danach vollzieht man mit dem Tryambaka-Mantra die Verehrung mit sechzehn Darbringungen, beginnend mit dem Bad in den fünf Nektaren. Beim Bad wird der Praṇava gedehnt gesprochen. Man zeigt die Mudrās für Anrufung, Einsetzung, Gegenwart, Festhalten, Zuwendung, Ausstattung mit allen Gliedern, Verhüllung, Verwandlung in Nektar und höchste Vollendung sowie Yoni-, Liṅga- und Mahāsarasvatī-Mudrā. Darauf folgt die Verehrung der umgebenden Kreise. Die im Nyāsa genannten Gottheiten und 128 Śaktis werden verehrt; die Zahl steht so in der Prosa.
31.MPU.33: Sadyojāta sind acht Kalās zugeordnet, Vāmadeva dreizehn, Aghora acht und Puruṣa vier.
31.MPU.34: Īśāna sind fünf Kalās zugeordnet. Insgesamt werden achtunddreißig Kalās gelehrt, die zu erkennen und zu verehren sind.
31.MPU.35: Śaśinī, Aṅgadā, Hṛṣṭā, Marīci und Jvālinī sind die fünf Kalās Īśānas, die der Lichterverehrung folgen beziehungsweise ihr dienen.
31.MPU.36: Nivṛtti, Pratiṣṭhā, Vidyā und Śānti werden als die vier Kalās des Puruṣa bezeichnet.
31.MPU.37: Tamā, Mohā, Kṣamā, Nidrā, Vyādhi, Mṛtyu, Kṣudhā und Tṛṣā: Unter diesen acht Namen werden die Kalās Aghoras bezeichnet – Dunkelheit, Verblendung, Geduld, Schlaf, Krankheit, Tod, Hunger und Durst.
Kalās, fünf Gesichter und vorbereitende Rezitation
Druckseite 636.
31.MPU.38: Rajā, Raktā, Rati, Vidyā, Kāmasañjīvanī, Kṛpā, Buddhi, Kṣamā, Dhātrī, Bhūṣaṇī und Mohinī …
31.MPU.39: … heißen die dreizehn Kalās Vāmadevas. [Der gedruckte Vers enthält bei dieser Gliederung nur elf Namen; fehlende werden nicht ergänzt.] Ṛddhi, Siddhi, Laghulakṣmī, Medhā, Kānti, Svadhā und Prajā …
31.MPU.40: … werden als acht Kalās Sadyojātas bezeichnet. [Auch hier ist die Zahl gegenüber der gedruckten Namensgliederung unstimmig; laghulakṣmī bleibt unaufgelöst.] [Das folgende Gesicht] gleicht reinem Bergkristall und heißt makellose Glückseligkeit.
Unnummerierte Fortsetzung mit Drucklücke: Man betrachtet Īśānas aufwärts gerichtetes Gesicht; die vorangehenden Wörter taccaṃ nidhanakaṃ sind beschädigt beziehungsweise in ihrer Bedeutung unklar. Mit dem Mantra, beginnend īśānaḥ sarvavidyānāṃ, verehrt man dieses nach oben gerichtete Gesicht. Der Text zitiert nur den Anfang.
31.MPU.41: Das östliche Gesicht des Tatpuruṣa betrachtet man rubinfarben, wie Hibiskus und die junge Sonne leuchtend, lieblich und sanft. Eine Variante ersetzt die Lieblichkeit durch eine ähnliche Schmuckbezeichnung.
Mit dem Mantra, beginnend tatpuruṣāya, verehrt man das östliche Gesicht des Tatpuruṣa.
31.MPU.42: Aghoras Gesicht wird im Süden betrachtet: blau schimmernd, von allen zu verehren, furchterregend und von entstellter Gestalt.
Mit dem Mantra, beginnend aghorebhyaḥ, verehrt man Aghoras südliches Gesicht; der Druck zitiert den Anfang ohne ausgeschriebenes Schluss-Visarga.
31.MPU.43: Das nördliche Gesicht Vāmadevas verehrt man als beständig, goldfarben, von göttlicher Gestalt und guten Merkmalen, mit der geliebten Frau als seiner anderen Körperhälfte. Die Fußnote bietet eine beschädigte Alternativlesung zum Halbseitenmotiv, ohne eine sichere neue Beschreibung zu ermöglichen.
Mit dem Mantra, beginnend vāmadevāya, verehrt man Vāmadevas nördliches Gesicht.
31.MPU.44: Das westliche Gesicht Sadyojātas ist rein weiß, von der Farbe einer Muschel; die blaue Kehle schmückt es, Gaṅgā und die Mondsichel befinden sich auf seinem Haupt.
Mit dem Mantra, beginnend sadyojāta, verehrt man das westliche Gesicht Sadyojātas.
Verehrung der Glieder
Jede Anrede beginnt mit tryambakāya trinetrāya – „dem dreiäugigen Tryambaka“ – und wird mit der zusätzlichen Bestimmung sowie namaḥ abgeschlossen. Es folgen die ausdrücklichen Verehrungen:
- kālāgnirudrāya: „Ich verehre beide Füße.“
- kālāgnimūrtaye: „Ich verehre beide Unterschenkel.“
- umāṅgadhāriṇe: „Ich verehre beide Oberschenkel.“ Der Name bezeichnet den Träger von Umās Körper beziehungsweise Körperteil.
- kāmavidhvaṃsine: „Ich verehre den verborgenen Körperbereich.“
- nīlakaṇṭhāya: „Ich verehre den Hals.“
- pañcavaktrāya: „Ich verehre das Gesicht.“
- candrārkavahninetrāya: „Ich verehre die Augen.“
- amṛtaplutāya divyaśarīrāya: „Ich verehre den ganzen Körper“ – den mit göttlichem Leib, der von Nektar überströmt ist.
Dann beschließt man mit dem Grundmantra die Abfolge aus Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speisegabe und Wasser zum Mundspülen. Nach der Rezitation des Grundmantra erfolgt die rituelle Entlassung.
Puraścaraṇa
31.PURB.1: Mit beherrschten Sinnen und in solcher Meditation rezitiert man dieses Mantra hunderttausendmal. Zehntausend Feueropfer bringt man mit zehn Stoffen dar, die mit Ghee benetzt sind.
31.PURB.2: In der Reihenfolge werden Bilva, Palāśa, Khadira, Vaṭa, Sesam, Senf, Milchspeise, Milch, Dickmilch und zuletzt Dūrvā-Gras genannt.
31.PURB.3: Auf dem beim fünfsilbigen Mantra beschriebenen Sitz verehrt man den Gott mit dem Stierbanner. Seine Gestalt wird mit dem Grundmantra vorgestellt; es folgt eine knappe, unklare Ortsanweisung mit „Feuer/Feuerecke“ und dem Schutzpanzer-Mantra. Die Lesung vahnyāgneye wird nicht zu einer eindeutigen neuen Ortsvorschrift umgeschrieben.
31.PURB.4: Zuerst verehrt man die Glieder, danach die Gestalten: Sonne, Mond, Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum und Selbst. Die Windbezeichnung im zusammengesetzten Wort ist im Druck fehlerhaft verbunden.
31.PURB.5: Ramā, Rākā, Prabhā, Jyotsnā, Pūrṇā, Umā, Pūṣaṇī und Sudhā: Diese acht werden der Reihe nach im dritten Umkreis verehrt. Die Namensfolge pūrṇomā pūṣaṇī wird wie hier gedruckt gelesen; sie wird nicht an die frühere Fassung mit Uṣā und Pūraṇī angeglichen.
31.PURB.6: Viśvā, Vidyā, Sitā, Prahvā, Sārā, Sandhyā, Śivā und Niśā: Diese acht Kräfte werden in dieser Reihenfolge im vierten Umkreis verehrt.
31.PURB.7: Āryā, Prajñā, Prabhā, Medhā, Kānti, Śānti, Dhṛti und Mati werden danach im fünften Umkreis verehrt.
Unnummerierte Fortsetzung mit Drucklücke: Wenn dies vollzogen ist, ist das große Mantra für die Anwendungen geeignet.
Beginn der Anwendungen
31.PRA.1: Nach vollzogener vorbereitender Verehrung werden alle diese Mantras durch hunderttausend Wiederholungen wirksam gemacht. Das Feueropfer beträgt ein Zehntel davon.
Vorbereitung des Feueropfers und Gebete um Annahme
Druckseite 637.
31.PRA.2: Für die vorbereitende Verehrung [opfert man] zehntausend [Portionen] Guggulu, mit Ghee benetzt. Zuerst vollzieht man die Reinigung der Elemente, danach die Folge der Nyāsas.
Der Opferherr trägt weiße Gewänder, weiße Kränze und weiße Salben. Zusammen mit seiner Frau, dem Opferpriester und dem Lehrer begibt er sich unter Segensrufen, Muschelhornklang und Mantrarezitation, begleitet von einem gefüllten Krug, zum Feuerbecken oder zum erhöhten Opferplatz. Dort setzt er sich, reguliert den Atem, nennt Tag, Ort und Zeit und fasst folgenden Entschluss:
„Um die vollständige Frucht der von mir selbst oder in meinem Auftrag vollzogenen Rezitation zu erlangen, werde ich ein Feueropfer in einem Zehntel ihrer Zahl mit dem genannten Stoff darbringen. Als Teile davon vollziehe ich die Verehrung Gaṇeśas und der Mātṛkās sowie das Nāndīmukha-Śrāddha.“
Nach der Herrichtung setzt er die Planeten auf dem Planetenaltar ein und mit ihren jeweiligen Mantras deren übergeordnete und zugeordnete Gottheiten, Gaṇapati, Durgā, Kṣetrapāla und die acht Richtungshüter, beginnend mit Indra. In der Mitte stellt er einen Krug auf. Auf einem Tuch über dessen Öffnung wird das Mahāmṛtyuñjaya-Mantra angeordnet; darüber stellt er ein Götterbild auf, dessen Gewicht in Māṣas der Anzahl der Mantrasilben entspricht, und reinigt es.
Zuerst verneigt man sich vor der Gottheit und bittet: „Sei willkommen, Herr der Götter, du Allgestaltiger! Verehrung dir! Obwohl deine Stätte bereits rein ist, vollziehe ich ihre Reinigung; nimm dies geduldig an.“
Nach dem Nyāsa folgt das Rudra-Bad, danach die Beseitigung der durch Feuer entstandenen Beeinträchtigung [agnyuttāraṇa]. Man rezitiert den Anfang agniḥ saniṃ vājambharaṃ (im Druck: Ṛgveda 10.80.1) und vollzieht das Bad mit dem ganzen Hymnus. Zuerst bestreicht man [das Bild] mit Erde und geröstetem Mehl und spült es mit reinem Wasser. Danach reibt man es mit einem Pulver aus den gedruckten Stoffen koṣṭha, Kurkuma, Gerste, vajrakhaṇḍa, Kacora und Mustā ein und spült erneut mit Wasser. Die Stoffnamen koṣṭha und vajrakhaṇḍa sind unsicher; es werden keine modernen Ersatzstoffe vorgeschlagen.
Man verehrt mit den Ṛgversen, beginnend āpo hi ṣṭhā (10.9.1), nimmt Blumen und ungebrochene Reiskörner, meditiert mit ā tvā vahantu harayaḥ (1.16.1) und bittet: „Herr, Gebieter der ganzen Welt! Bleibe mit liebevoller Gegenwart in diesem Liṅga, bis die Verehrung abgeschlossen ist.“ Anschließend vollzieht man nach der Ritualvorschrift die sechzehn Darbringungen, beginnend mit der Anrufung. Die angegebenen Veda-Stellen sind Quellenangaben des Drucks; die hier nur angeführten Anfänge werden nicht zu Vollzitaten ergänzt.
31.ANN.1: „In dieser Welt mit ihren zehn Bedrängnissen bin ich zu dir gekommen und habe Zuflucht genommen. Heute verehre ich dich hingebungsvoll; möge die Verehrung Frucht tragen!
31.ANN.2: Was immer ich getan habe, gut oder unzulänglich: Nimm dies alles, erhabener Śambhu, als vorschriftsmäßig vollzogen an!
31.ANN.3: Tag und Nacht begehe ich tausend Verfehlungen. Sieh mich als deinen Diener an und verzeihe mir, höchster Herr!
31.ANN.4: Großer Gott, Herr der Welt, der du die Zufluchtsuchenden liebst: Lass alles, was ich in Hingabe getan habe, Frucht tragen!“
Nach diesem Gebet betet man erneut:
31.JAY.1: „Heil dir, Gott und Herr der Welt! Heil dir, ewiger Śaṅkara! Heil dir, Oberhaupt aller Götter, von allen Göttern Verehrter!
31.JAY.2: Heil dir, der du alle Eigenschaften übersteigst und alle Segnungen gewährst! Heil dir, Ewiger, der du keiner Stütze bedarfst! Heil dir, unvergänglicher Träger der Welt!
31.JAY.3: Heil dir, einzigartiger verehrungswürdiger Herr der Welt, mit Schlangenkönigen geschmückt! Heil dir, Gaurīs Gemahl Śambhu, der du die Mondsichel auf dem Haupt trägst!
31.JAY.4: Heil dir, der du wie zehn Millionen Sonnen leuchtest, Heimat unendlicher Vorzüge! Heil dir, Rudra mit den besonderen Augen, undenkbar und makellos!
31.JAY.5: Heil dir, Herr, Meer des Mitgefühls, der du das Leid deiner Verehrenden zerbrichst! Heil dir, Gebieter, der du über das schwer zu durchquerende Meer des Daseins führst!
31.JAY.6: Sei mir gnädig, Herr der Götter, denn ich leide am Daseinskreislauf und fürchte mich! Tilge alle Verfehlung und beschütze mich, höchster Herr!
31.JAY.7: Ich bin in großer Armut versunken, meine Kraft ist durch schwere Verfehlung geschwächt, ich bin in tiefem Kummer versunken und von schwerer Krankheit bedrängt …
31.JAY.8: … von Schuldenlast umgeben, von meinen Taten verbrannt und von den Planeten bedrückt. Sei mir gnädig, Śaṅkara!“
31.JAY.9: So soll ein Armer am Ende der Verehrung zum Gemahl der Bergtochter beten. Wer Wohlstand begehrt oder ein König ist, soll den Herrn folgendermaßen bitten. Die Fußnoten variieren den Wortanschluss dieser Personengruppe.
31.JAY.10: „Langes Leben, dauerhafte Gesundheit, Wachstum des Schatzes und Zunahme der Macht mögen mir zuteilwerden; und beständige Freude durch deine Gnade, Śaṅkara!“
Abschlussgebet, Feueropfer und historische Wunschrituale
Druckseite 638. Die Gebetszählung springt im Druck von 10 auf 12; kein Vers 11 wird ergänzt.
31.JAY.12: „Mögen die Feinde zugrunde gehen und meine Planeten günstig sein! Mögen die Räuber im Reich verschwinden und die Menschen ohne Gefahr leben!
31.JAY.13: Mögen Hungersnot, Seuche und Qual auf der Erde zur Ruhe kommen! Mögen Wohlstand und Ernten gedeihen und die Weltgegenden von Glück erfüllt sein!“
31.JAY.14: So verehrt man den Gott bei Rezitation, Feueropfer und Gottesdienst. Bis die Handlung vollendet ist, soll er gegenwärtig bleiben.
Das Feueropfer
Dann folgt das Feueropfer. An den vier Seiten des Feuerbeckens setzt man die Torhüter mit den Mantraanfängen gaṇānāṃ tvā, jātavedase, kṣetrasya patinā vayaṃ und pra ṇo devī ein. Man setzt sich, vollzieht Prāṇāyāma und den Nyāsa von Seher und weiteren Mantrabestandteilen. Danach werden folgende Gottheiten mit dem Namen im Dativ und namaḥ verehrt:
| Körperstelle | Verehrung |
|---|---|
| Füße | Viṣṇu |
| Herz | Brahmā |
| Kopf | Maheśvara |
| Haarschopf | Die sieben Seher |
| Nase | Der Siebenzüngige, Agni |
| Ohren | Die beiden Aśvin-Gottheiten |
| Augen | Mond und Sonne |
| Zunge | Sarasvatī |
| Sprache | Bṛhaspati |
| Zähne | Mādhava |
| Herz | Havyavāhana, der Träger der Opfergabe |
| Füße | Gandharvas und Apsarasen |
| Hals | Die zwölf Ādityas |
| Rechte Hand | Die elf Rudras |
| Linke Hand | Die acht Vasus |
| Am zusätzlichen Schutzpanzer, upakavaca | Die zwölf Ādityas |
„Ich selbst bin das höchste Selbst.“ Darauf folgen die Gliederformeln:
- Herz: tryambakāya tripurāntakeśāya śūlapāṇaye svāhā – Tryambaka, dem Herrn, der die drei Städte beendet, dem Dreizackträger.
- Haupt: tryambakāya trinetrāya kapardine svāhā – dem dreiäugigen Tryambaka mit dem geflochtenen Haarknoten.
- Haarschopf: tryambakāya trinetrāya nīlakaṇṭhāya svāhā – dem Blaukehligen.
- Schutzpanzer: tryambakāya trinetrāya sarvasiddhiphalapradāya svāhā – dem Geber der Früchte aller Vollendungen.
- Augen: tryambakāya trinetrāya jñānamūrtaye svāhā – der Verkörperung der Erkenntnis.
- Waffe: tryambakāya trinetrāya jvalaṃ jvala prajvala prajvala pratāpaya svāhā – „Flamme, leuchte auf, entfalte deine Glut!“ Das erste jvalaṃ ist auffällig; eine Fußnote liest stattdessen zweimal jvalasva. Das Wiederholungszeichen nach prajvala ist hier aufgelöst.
Man meditiert wie zuvor, reinigt beziehungsweise umhegt das Feuer und vollzieht die Vorschrift der Ṛgveda-Schule. Nach dem Mantra-Feueropfer folgen das Sviṣṭakṛt-Opfer und die Bali-Gabe. Man wäscht Hände und Füße, nimmt Wasser zum Mundspülen und reguliert den Atem. Dann fasst man den Entschluss: „Um die vollständige Frucht des gelobten Feueropfers zu erlangen, werde ich die volle Schlussgabe darbringen.“
Dazu werden die nur mit ihren Anfängen genannten Mantras samudrād ūrmiṃ, mūrdhānaṃ divaḥ, punas tvādityā, sapta te agne und dhāman te verwendet. Danach schenkt man das Götterbild dem Lehrer. Nach dem Abschluss der heilvollen Handlungen erhalten Lehrer, Opferpriester und die mit der Gaṇapati-Rezitation betrauten Brahmanen Duftgaben, Kränze, Gewänder, Schmuck und eine angemessene Gabe. Man speist die Brahmanen, stellt sie mit Gaben zufrieden und entlässt sie. Der zusammengesetzte Ausdruck zur Gaṇapati-Rezitation ist im Druck sprachlich verkürzt. Damit endet die Feueropfervorschrift.
Wunschbezogene Anwendungen
Die folgenden Verse geben historische magische Wirkungszuordnungen wieder, einschließlich schädigender und fremdbestimmender Ziele. Sie sind als Inhalt der Quelle übersetzt.
31.KAM.1: Für ein Besänftigungsritual sollen frische Dūrvā-Bündel mit Kuh-Ghee geopfert werden, Brahmane; dadurch soll deutlich Frieden eintreten.
31.KAM.2: Für das lähmende Ritual werden Brennhölzer des Rājavṛkṣa genannt, zusammen mit Schaf-Ghee und Sahadevī; sie gelten als besonders wirksam.
31.KAM.3: Für Tötungszauber nennt der Text Khadira zusammen mit scharfem Öl. Die folgende Zeile behauptet eine Vertreibung über die ganze Erde und ihre Sarala-Wälder hinweg; der Druck selbst schwankt bei utpā(cā)ṭayet und verbindet die Aussage nicht eindeutig mit einem neuen Opferstoff.
31.KAM.4: Ein Feueropfer mit Granatapfelblüten soll beständigen Ruhm bringen. Mit Ziegen-Ghee sollen göttliche Seher und die bewegliche wie unbewegliche Welt unterworfen werden.
31.KAM.5: Alle Yakṣa- und Nāga-Frauen und ähnliche Wesen sollen untertan werden. Genannt wird ein Feueropfer mit Jāti und nirmallikā zusammen mit Ghee; die zweite Pflanzenbezeichnung bleibt unsicher.
31.KAM.6: Alle Töchter der Sādhyas sollen vor dem Übenden niederfallen; mit roten Karavīra-Blüten sollen Frauen unterworfen werden.
31.KAM.7: Ein Feueropfer mit Śatapatra-Blüten soll Landbesitz gewähren; durch ein Opfer mit Picumanda soll ein Mensch verständig werden.
31.KAM.8: Durch ein Opfer mit Aṅkola-Blüten sollen die acht Siddhis entstehen; mit Arka-Blüten beständige Gesundheit und mit Mandāra-Blüten Wohlstand.
31.KAM.9: Ebenso [Wohlstand] durch pāli-Blüten. Mit Girikarṇaka-Blüten soll ein König, mit blauen Blüten ein Land unterworfen werden. Die Pflanzenbezeichnung pāli wird ohne sichere botanische Gleichsetzung beibehalten.
31.KAM.10: Mit wild wachsenden Blüten von gutem Boden sollen Brahmanen untertan werden; mit Kadamba-Blüten eine Yakṣiṇī.
31.KAM.11: Kunda-Blüten sollen Glück bringen, rote Wasserlilien Wissen, Bilva-Blätter Königsherrschaft und Lotusblüten die Würde eines Weltenherrschers.
31.KAM.12: Aśoka-Blüten sollen allen Kummer vernichten; Karṇikā-Blüten sollen die Gunst der Herrschaft verschaffen.
Abschluss der Mṛtyuñjaya-Anwendungen und Beginn der Gāyatrī-Lehre
Druckseite 639. Die Wirkungen der folgenden Opferstoffe sind Aussagen der historischen Ritualquelle.
31.KAM.13: Harītakī soll Gesundheit, Vibhītaka die Beseitigung von Krankheit bringen. Ein Opfer mit Mangoblüten und -früchten soll das Ersehnte gewähren.
31.KAM.14: Ein Opfer mit Jambū-Früchten soll makellosen Ruhm bringen; eines mit Nyagrodha-Früchten die Verwirklichung aller Vorhaben.
31.KAM.15: Mit Granatapfelfrüchten soll eine Daitya-Tochter herbeigerufen werden; mit Kürbisfrüchten soll Getreide gewonnen werden.
31.KAM.16: Mit Badarī-Früchten sollen sicher Edelsteine gewonnen werden. Früchte und Blüten des Picumanda werden der Erregung von Feindschaft und dem Herbeiziehen zugeordnet.
31.KAM.17: Trauben sollen Bewegliches und Unbewegliches beständig unterwerfen. Ein Opfer mit Kokosfrüchten soll unvergängliche Mehrung bringen.
31.KAM.18: Kuṭajī-Früchte sollen Macht über eine Vetālī verleihen; bei einem Opfer mit Campaka sollen Scharen von Apsarasen verfügbar werden.
31.KAM.19: Sesam zusammen mit Honig und Ghee wird dem Besänftigungsritual zugeordnet; Rājikā und Salz der Unterwerfung und Anziehung.
31.KAM.20: Ein Opfer mit den Stoffen Śilā und Tālaka wird als Tötungszauber gegen einen böswilligen Feind bezeichnet. Ein Opfer mit Bilva-Wurzel soll den Menschen Indra gleich machen.
31.KAM.21: Mit Priyaṅgu- und Bananenblüten sollen alle Wesen unterworfen werden. Ein Opfer mit Dūrvā-Sprossen und Stücken der Amṛtā-Pflanze …
31.KAM.22: … gut mit Ghee und Honig verbunden, soll großes Sterben abwenden. Für Wohlstand nennt der Text zehntausend Opfergaben mit Bilva-Brennhölzern.
31.KAM.23: Brahmavṛkṣa-Brennhölzer werden dem Glanz der heiligen Erkenntnis zugeordnet; zehntausend Gaben mit Khadira sollen Schönheit und Gedeihen bringen.
31.KAM.24: Bis zu zehntausend Gaben mit Vaṭa-Brennhölzern sollen den Übenden rasch reich an Geld und Getreide machen.
31.KAM.25: Mit derselben Zahl von Sesamgaben soll man von allen Verfehlungen frei werden; durch zehntausend Gaben von Siddhārtha-Senf soll ein König seine Feinde besiegen.
31.KAM.26: Dieselbe Vorschrift soll vorzeitigen Tod abwenden. Ein Opfer mit Milchreis soll königlichen Glanz und Ruhm gewähren; eine Variante nennt an dieser Stelle Schönheit beziehungsweise Ausstrahlung.
31.KAM.37: Ein Opfer mit reinem Reis und [Milch; das zusammengesetzte Wort payudugdha ist beschädigt] soll ein Schadenzauberwesen vernichten. So soll das Feueropfer dieses Mantra Frieden, Glück und Wohlstand bringen. Die Versnummer lautet im Druck 37 statt der in der Folge erwarteten 27; sie wird bewahrt.
31.KAM.28: Eine Vermischung mit Dickmilch und Milch wird vorgeschrieben; der genaue Ausdruck für diesen Zusatz ist sprachlich beschädigt. Täglich soll der Mantraübende 108 Dūrvā-Gaben darbringen.
31.KAM.29: Dadurch soll er alle Krankheiten überwinden und langes Leben gewinnen. Am Geburtstag nennt der Text ein Opfer mit Milchreis, dem Ghee beigegeben ist …
31.KAM.30: … für erwünschten, untadeligen Wohlstand, Gesundheit und unvergleichlichen Ruhm. Der selbstbeherrschte Übende soll mit Dūrvā, benetzt mit Kuhmilch und Ghee, opfern …
31.KAM.31: … und zwar 120 Gaben am eigenen Geburtstag. Der Text verheißt ihm Freiheit von allen Krankheiten und ein Leben von hundert Jahren.
31.KAM.32: Der Kundige soll dreihundert Gaben mit Śālmalī-Brennhölzern, Ghee und Milchreis darbringen; eine Variante nennt Kāśmarī statt Śālmalī und eine weitere die getrennte Darbringung. Abschließend werden Brahmanen mit einer süßen Mahlzeit gespeist.
31.KAM.33: Seinen Lehrer soll man ehrerbietig mit Geld, Getreide und anderen Gaben erfreuen. Als Frucht nennt der Text Gesundheit, langes Leben und Wohlstand.
31.KAM.34: Ein Opfer mit Ghee-Milchreis an jedem Festzeitpunkt soll binnen sechs Monaten königlichen Wohlstand bringen – daran, so heißt es, bestehe kein Zweifel.
31.KAM.35: Weiße Puffreiskörner werden für das Erlangen einer Braut beziehungsweise eines guten Bräutigams genannt. Die Hauptlesung und die Fußnote wechseln hier den Bezug: Die Variante lässt ausdrücklich eine junge Frau um einen guten Gatten bitten. Brennhölzer milchsaftführender Bäume werden der Unterwerfung von Brahmanen und anderen zugeordnet.
31.KAM.36: Nach dem Bad soll man, der Sonne zugewandt, das Mantra tausendmal rezitieren. Dies soll von seelischem und körperlichem Leiden befreien und langes Leben gewähren.
Unnummerierter Abschluss mit gedruckter Lücke: Mit diesem Mantra soll man alles für sich Erwünschte verwirklichen. Damit endet die Mṛtyuñjaya-Anwendung.
Die Gāyatrī als Bestandteil der Śrīvidyā-Umkreisverehrung
Nun folgt die Ordnung der Gāyatrī als Bestandteil der Umkreise der Śrīvidyā. Das Śāradātilaka wird angeführt:
31.GAY.1: Nun werde ich die Gāyatrī erklären, die von jener Gestalt ist und aus den drei Veden besteht; durch sie wird Brahman offenbar, dessen Wesen Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist.
Gāyatrī: Seher, Versmaße, Auflegung und Meditation
Druckseite 640.
31.GAY.2: Die sieben Vyāhṛtis beginnen jeweils mit dem Praṇava. Die Gāyatrī selbst beginnt mit dem Wort tat, besteht aus vierundzwanzig Silben und ist mit ihrem „Haupt“ verbunden.
31.GAY.3: Dieses Mantra wird als der aus allen Veden gewonnene Wesenskern bezeichnet. Brahmā, das Devī-Gāyatrī-Versmaß und das höchste Selbst werden genannt …
31.GAY.4: … als Seher, Versmaß und Gottheit des Praṇava. Nachdem man die sechs Glieder wie zuvor vollzogen hat, meditiert man über Viṣṇu – nach der in dessen Abschnitt angegebenen Weise, wie die Prosa ergänzt.
31.GAY.5: Jamadagni, Bharadvāja, Bhṛgu, Gotama, Kaśyapa, Viśvāmitra und Vasiṣṭha gelten als die Seher der sieben Vyāhṛtis.
31.GAY.6: Als ihre Versmaße lehren die Weisen Gāyatrī, Uṣṇih, Anuṣṭubh, Bṛhatī, Paṅkti, Triṣṭubh und Jagatī.
31.GAY.7: Die zugehörigen Gottheiten sind der Reihe nach der siebenflammige Agni, der Wind, die Sonne, der Herr der Rede, Varuṇa, Vṛṣan [Indra] und die Allgötter.
31.GAY.8: Mit den sechs Vyāhṛtis, beginnend mit bhūr, vollzieht man die sechs Glieder. Die sieben Vyāhṛtis, ebenfalls beginnend mit bhūr, legt man auf Herz, Mund, beide Schultern und beide Oberschenkel …
31.GAY.9: … sowie auf den Bauch. Danach meditiert der Mantrakundige über die Vyāhṛtis. Ihre Wohnstätten sind die sieben Welten, die jeweils ihren Namen tragen.
31.GAY.10: Sie erscheinen in ihrer jeweiligen beschriebenen Gestalt, voller Schönheit und Jugend, mit Leinengewändern bekleidet und mit allen Schmuckstücken geschmückt.
31.GAY.11: Ihre Gesichter gleichen geöffneten Lotusblüten; Strahlenkreise umgeben sie. Weiße heilige Schnüre liegen über ihrer Brust; ihre vier Hände tragen die heiligen Ringe.
31.GAY.12: Ihre Lotushände zeigen Furchtlosigkeit und Segen und tragen eine Gebetskette; ein weiteres Handattribut bleibt unklar, da die gedruckte Lesung apyatra selbst mit Fragezeichen versehen ist. So sollen die Zweimalgeborenen die Vyāhṛtis zu Beginn von Feueropfer und Rezitation betrachten.
31.GAY.13: Als Seher der Gāyatrī gilt der höchst strahlende Viśvāmitra, als Versmaß Gāyatrī, als Gottheit Savitṛ.
31.GAY.14: Nachdem diese Angaben von Seher und weiteren Bestandteilen aufgelegt wurden, legt man die Silben der Gāyatrī auf den Körper: auf die Gelenke der Füße beziehungsweise Beine, das Geschlechtsorgan, den Nabel, Herz, Hals und Armgelenke …
31.GAY.15: … auf Mund, Nase, Wangen, Augen, Ohren, Brauen und Kopf und sodann auf die nach Westen, Norden, Süden, Osten und oben gerichteten Gesichter.
31.GAY.16: Die zehn Wörter legt der Mantrakundige auf folgende Stellen: Kopf, Brauenmitte, Augen, Mund, Hals, Herz, Nabel und verborgenen Körperbereich …
31.GAY.17: … auf beide Knie und beide Füße. Das „Haupt“ der Gāyatrī legt er auf den Kopf. Das Herz wird Brahmā, das Haupt Viṣṇu zugeordnet.
31.GAY.18: Der Haarschopf ist Rudra, der Schutzpanzer Īśvara, das Auge Sadāśiva und die Waffe dem Allselbst zugeordnet.
31.GAY.19: Diese sechs Glieder legt man auf ihre jeweiligen Stellen. Seher des „Hauptes“ ist Brahmā, sein Versmaß die Devī- …
Unnummerierte Fortsetzung mit gedruckter Lücke: … Gāyatrī; als Gottheit nennen die Weisen das höchste Selbst.
31.GAY.20: Ich verehre Gāyatrī mit fünf Gesichtern in den Farben von Perlen, Korallen, Gold, Blau und Weiß, jedes mit drei Augen. Der Mond ist in ihre Edelsteinkrone eingefügt; ihr Wesen sind die Buchstaben, welche die Wirklichkeitsprinzipien verkörpern. Ihre Hände zeigen Segen und Furchtlosigkeit und tragen Haken, Peitsche, Schlinge, Schädelgefäß, den hier guṇa genannten Dreizack, Muschelhorn, Rad und zwei Lotusblüten. Eine Variante nennt die Göttin Sāvitrī.
Die Prosa erklärt kaśa als Peitsche und guṇa ausdrücklich als Dreizack. Die Waffen werden von der untersten rechten Hand aus aufsteigend in Paaren betrachtet, abwechselnd rechts und links. Die gedruckte Aufzählung enthält gegenüber einer zehnarmigen Darstellung ein zusätzliches Attribut; es wird keines stillschweigend gestrichen und keine neue Armzahl ergänzt.
31.GAY.21: Mit beherrschtem Geist hält man den Atem an und spricht dabei im Geist dreimal die Gāyatrī, verbunden mit den sieben Vyāhṛtis und ihrem „Haupt“.
31.GAY.22: Dies wird als Prāṇāyāma bezeichnet, der alles Übel beseitigen soll. Nachdem man die Prāṇāyāmas vollzogen hat, rezitiert man die Gāyatrī zu den beiden Dämmerungszeiten. Dies ist die historische Abfolge der Quelle.
31.GAY.23: Der Kundige fertigt ein Maṇḍala an, dessen Mitte durch ein Dreieck erstrahlt: zwei achtblättrige Lotusse, umgeben von drei Vierecken. Die Anweisung wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
Gāyatrīs Umkreise und die ausgeführte Auflegung
Druckseite 641.
31.GAY.24: Dort verehrt man den Sonnensitz mit den neun Śaktis, beginnend mit Dīptā. In der mit dem Grundmantra vorgestellten Gestalt verehrt man die Göttin.
31.GAY.25: In den drei Ecken werden die Kräfte, beginnend mit Brāhmī, verehrt. Außerhalb folgen der Reihe nach die Gottheiten, beginnend mit Āditya, zusammen mit Uṣā und den weiteren Gefährtinnen.
31.GAY.26: Dann verehrt man vorschriftsmäßig die sechs Glieder an den Staubfäden und anschließend Prahlādinī, Prabhā, Nityā und Viśvambharā …
31.GAY.27: … Vilāsinī, Prabhāvatī, Jayā und Śāntā; danach Kānti [Variante Kāntā], Durgā, Sarasvatī und Viśvarūpā …
31.GAY.28: … Viśālā, Īśā, Vyāpinī, Vimalā, Tamopahāriṇī, Sūkṣmā, Viśvayoni und Jayāvahā …
31.GAY.29: … Padmālayā, Parā, Śobhā und Bhadrarūpā. Außen verehrt man die zuvor beschriebenen Gottheiten, beginnend mit Brāhmī, zusammen mit Aruṇa.
31.GAY.30: Weiter außen verehrt man die Planeten und die mit Indra beginnenden Richtungshüter zusammen mit ihren Waffen. So verehrt man die Göttin mit zehn Umkreisen.
Unnummerierte Fortsetzung mit Drucklücke: Der vorzügliche Zweimalgeborene erlangt dadurch Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung.
Ausführung: Praṇava und Vyāhṛtis
Nach den Morgenhandlungen bis zum Nyāsa des Yoga-Sitzes vollzieht man mit dem Grundmantra dreimal Prāṇāyāma. Man legt auf: am Kopf brahmaṇe ṛṣaye namaḥ, am Mund devīgāyatrīchandase namaḥ, am Herzen śrīparamātmane devatāyai namaḥ. Dann vollzieht man die Hand- und sechsgliedrigen Nyāsas nach dem früheren Praṇava-Abschnitt und betrachtet Viṣṇu in der dort beschriebenen Weise.
Erneut legt man am Kopf die sieben Seher auf: Jamadagni, Bharadvāja, Bhṛgu, Gotama, Kāśyapa, Viśvāmitra und Vasiṣṭha, mit ṛṣibhyo namaḥ. Am Mund folgen Gāyatrī, Uṣṇih, Anuṣṭubh, Bṛhatī, Paṅkti, Triṣṭubh und Jagatī mit chandobhyo namaḥ. Am Herzen folgen Agni, Vāyu, Sūrya, Guru, Varuṇa, Vṛṣan und die Allgötter mit devatābhyo namaḥ.
Der Hand- und Gliedernyāsa lautet:
- oṃ bhūḥ hṛdayāya namaḥ.
- oṃ bhuvaḥ śirase svāhā.
- oṃ svaḥ śikhāyai vaṣaṭ.
- oṃ mahaḥ kavacāya huṃ.
- oṃ janaḥ netrebhyo vauṣaṭ.
- oṃ tapaḥ satyaṃ astrāya phaṭ.
Die Prosa verbindet also die sechste und siebte Vyāhṛti im letzten Glied. Danach werden die sieben einzeln mit namaḥ aufgelegt: oṃ bhūḥ am Herzen, oṃ bhuvaḥ am Mund, oṃ svaḥ an der rechten Schulter, oṃ mahaḥ an der linken Schulter, oṃ janaḥ am rechten Oberschenkel, oṃ tapaḥ am linken Oberschenkel und oṃ satyaṃ am Bauch. Man betrachtet die Vyāhṛtis in den zuvor beschriebenen Gestalten.
Gāyatrī: Seher, sechs Glieder und Silben
Am Kopf legt man viśvāmitraṛṣaye namaḥ auf, am Mund devīgāyatrīchandase namaḥ, am Herzen sāvitre devatāyai namaḥ. Die letzte Dativform steht so im Druck.
Es folgen die Formeln oṃ brahmaṇe namaḥ hṛdayāya namaḥ, viṣṇave namaḥ śirase svāhā, rudrāya namaḥ śikhāyai vaṣaṭ, īśvarāya namaḥ kavacāya huṃ, sadāśivāya namaḥ netratrayāya vauṣaṭ und sarvātmane namaḥ astrāya phaṭ. Damit werden der Hand- und sechsgliedrige Nyāsa vollzogen.
Jedes der folgenden Silbenglieder wird mit namaḥ aufgelegt. Die Einzelglieder und Nasalierungen folgen dieser Druckstelle, auch wo sie gegenüber einer normalen Wortschreibung ungewöhnlich erscheinen:
| Stelle | Silbe |
|---|---|
| Zehenwurzeln | taṃ |
| Knöchel | tsaṃ |
| Knie | viṃ |
| Oberschenkelwurzeln | tuṃ |
| Geschlechtsorgan | vaṃ |
| Nabel | raṃ |
| Herz | ṇiṃ |
| Hals | yaṃ |
| Fingerwurzeln | bhaṃ |
| Handgelenke | rgoṃ |
| Ellbogen | deṃ |
| Armansätze | vaṃ |
| Mund | syaṃ |
| Nasenöffnungen | dhīṃ |
| Wangen | maṃ |
| Augen | hiṃ |
| Ohren | dhiṃ |
| Brauen | yo |
| Kopf | yoṃ |
| Unterhalb des Haarschopfs | naḥ |
| Linkes Ohr | praṃ |
| Rechtes Ohr | co |
| Mund | daṃ |
| Kopf | yāt |
Die zehn Wörter und das „Haupt“
Jeweils mit namaḥ werden die Wörter folgendermaßen aufgelegt: tat auf den Kopf, savitur in die Brauenmitte, vareṇyaṃ auf die Augen, bhargo auf den Mund, devasya auf den Hals, dhīmahi auf das Herz, dhiyo auf den Nabel, yo auf den verborgenen Körperbereich, naḥ auf beide Knie und pracodayāt auf beide Füße.
Es folgen nochmals brahmaṇe ṛṣaye namaḥ am Kopf, devīgāyatrīchandase namaḥ am Mund und paramātmane devatāyai namaḥ am Herzen. Auf den Kopf wird das „Haupt“ mit folgender gedruckter Formel gelegt: oṃ āpo jyotī raso'mṛtaṃ brahma bhūr bhuvaḥ svaroṃ namaḥ. Die Schlussverbindung svaroṃ wird nicht stillschweigend in eine andere Sandhi-Fassung geändert.
Nach dreimaligem Prāṇāyāma mit den großen Vyāhṛtis wiederholt man die Gāyatrī-Auflegung bis einschließlich des Wortnyāsa. Danach wird ein vierundzwanzigfacher Nyāsa angekündigt.
31.GNY.1: Die Nyāsas heißen Glied, Mantra, Versviertel, Wort, Silbe, Keśava, Waldgirlande, Śrībhadrā und Entstehung. Die folgende Aufzählung wird auf der nächsten Seite fortgesetzt; aus dieser ersten Namensreihe allein wird noch keine vollständige Liste von vierundzwanzig rekonstruiert.
Weitere Gāyatrī-Nyāsas: Entstehung und Erhaltung
Druckseite 642. Die Folge der auf Seite 641 angekündigten Nyāsas wird fortgesetzt.
31.GNY.2: Auf Herz, Haupt, Haarschopf, Schutzpanzer, drei Augen und Waffe legt man der Reihe nach die Mantraglieder, beginnend mit tat savitur, auf.
31.GNY.3: Zuerst beginnt man am rechten Daumen und schreitet bis zum kleinen Finger fort; dann beginnt man bei den anderen [Fingern] und legt auf ihre Gelenke auf. Eine Variante liest „bei den folgenden“; die genaue zweite Laufrichtung wird hier nicht ausgeführt.
31.GNY.4: Danach legt man [das Mantra] auf die Körperglieder: Haupt, Gesicht, Hals, Herz, Nabel, Geschlechtsorgan, Oberschenkel und Füße, verbunden mit Tāra und Vyāhṛtis.
31.GNY.5: Diese Auflegung des Gāyatrī-Mantra heißt Mantranyāsa. Dann legt man [die Versviertel] auf Ringfinger, kleinen Finger und die Handflächen …
31.GNY.6: … sowie am Körper auf Kopf, Nabel und beide Füße. Erneut [legt man die Wörter] auf Kopf, Stirn, Augen, Gesicht, Hals und Herz …
31.GNY.7: … Nabel, After, Knie und Füße. Dies nennen Vasiṣṭha und die anderen großen Seher Wortnyāsa.
31.GNY.8: Beginnend mit dem rechten Daumen bis zum kleinen Finger der anderen Hand legt man diese zehn Wörter der Reihe nach auf die Finger. Der Druck kennzeichnet den Anschluss vor „kleinem Finger“ selbst als fraglich.
31.GNY.9: Auf Kopf und Brauenmitte, beide Augen, Gesicht, Herz, Nabel, After, beide Oberschenkel, beide Knie und beide Füße …
31.GNY.10: … legt man auf diese zehn Stellen jeweils ein Wort in der Reihenfolge. Mit beiden Ringfingern legt man den Praṇava auf beide Handflächen.
31.GNY.11: Mit beiden Zeigefingern legt man gleichzeitig die drei Vyāhṛtis der Reihe nach auf die drei Linien beider Daumen.
31.GNY.12: Mit Hilfe des Daumens legt man die einzelnen Silben auf die Fingergelenke. [Am Körper folgen] Gesichtsumriss, beide Augen, Ohren und Nasenöffnungen …
31.GNY.13: … Wangen, Lippen, Zahnreihen, Hals, Brust, Bauchseite, Nabel, Flanken, verborgener Bereich, Knie und Füße.
31.GNY.14: Die vierundzwanzig Silben werden jeweils mit Praṇava am Anfang und namaḥ am Ende aufgelegt. Dies heißt Silbennyāsa und soll den Menschen als höchste Frucht Befreiung gewähren.
31.GNY.15: Auf Scheitel, Stirn, Gesicht, beide Augen, beide Ohren, beide Nasenöffnungen, Mund, Kinn und Hals …
31.GNY.16: … auf Arme, Herz, beide Brüste, Nabelgegend, verborgenen Bereich, beide Oberschenkel, beide Knie und beide Füße legt man [die Silben] auf …
31.GNY.17: … und fügt ihnen mit beherrschtem Geist der Reihe nach die Namen an, beginnend mit keśavāya namaḥ bis zum abschließenden śrīkṛṣṇāya namaḥ. Die vollständige Namensreihe wird an dieser Stelle nur bezeichnet, nicht ausgeschrieben.
31.GNY.18: Dies ist der Keśava-Nyāsa, der Genuss und Befreiung als Frucht gewährt. Mit der aus Zeigefinger und Daumen gebildeten Geste beider Arme …
31.GNY.19: … vollzieht man mit dem dreiversvierteligen Mantra den „Waldgirlanden“-Nyāsa vom Hals bis zu den Füßen. Er gilt als glückbringend, heilvoll und befreiend.
31.GNY.20: Während man Muschelhorn und Rad betrachtet, legt man die einzelnen Gāyatrī-Silben auf die Arme. Dieser vorzügliche Nyāsa beginnt mit der Śrī-Mudrā. Die frühere Überschrift nannte Śrībhadrā; die abweichende Bezeichnung bleibt stehen.
31.GNY.21: Zuerst betrachtet man einen Kreis mit acht Blättern, danach ein Achteck und schließlich einen Lotus mit so vielen Blättern wie Vokalen, also sechzehn. Diese dreifache Anordnung betrachtet man an beiden Armen.
31.GNY.22: In die Mitte des Kreises legt man den Tāra mit den drei Vyāhṛtis, in den achtblättrigen [Lotus] das erste Viertel der Gāyatrī.
31.GNY.23: Das zweite legt man in das Achteck, das dritte und vierte in den sechzehnblättrigen [Lotus], um alle Verfehlung zu beseitigen. Die Nennung eines vierten Viertels wird hier nicht erläutert und nicht stillschweigend auf den zuvor erwähnten dreiteiligen Vers reduziert.
Damit endet der Entstehungsnyāsa. Es folgt der Erhaltungsnyāsa.
31.GST.1: Glied, Silben, Wörter, Versviertel, Halbvers, die „durchdringende“ Auflegung, Wirklichkeitsprinzip und Umkreis: Diese acht Nyāsas heißen die Nyāsas der Erhaltung.
31.GST.2: An den Füßen und ihren [Gelenken; die gedruckte Verbindung pañcatuḥsandhi ist beschädigt], an Hüften, Nabel und Flanken, dann am Gesicht, an Stirn, Augen, Ohren und Nasenöffnungen …
31.GST.3: … Wangen, Lippen, Zähnen, Zunge, Hals, Armwurzeln und Herzen legt man die vierundzwanzig Silben der Reihe nach auf die Glieder.
31.GST.4: An den beiden Zahnreihen und Armwurzeln wird jeweils eine einzelne Silbe verwendet. [Es folgen die Wörter] an den Füßen und ihren wiederum unklar bezeichneten Gelenken, am Nabel, Kopf und an der Stirn …
31.GST.5: … am Gesicht, Hals und Herzen; man legt die Wörter der Reihe nach auf. An beiden Füßen, von den Knien bis zum After und im Nabelkreis … Die folgende Auflegung setzt auf der nächsten Seite fort.
Die Fußnote kaṇṭhoṣṭhe („an Hals und Lippe“) bietet eine Variante zur Körperstellenliste; ihre Zuordnung im Satzbild ist nicht eindeutig.
Erhaltung, Auflösung und Farbgestalten der Gāyatrī-Kräfte
Druckseite 643.
31.GST.6: … sowie auf Kopf, Stirn, beide Augen, Gesicht, Hals und Brust legt der Kundige die Versviertel der Gāyatrī der Reihe nach auf.
31.GST.7: Von den Füßen beginnend bis zum Nabel legt man die beiden ersten Viertel des Mantra auf; das dritte vom Scheitel bis zu den Augen.
31.GST.8: Auf die Brust legt man die ganze Gāyatrī: Dies heißt Auflegung des Ṛgverses. Mit beiden Händen legt der Kundige die Gāyatrī zusammen mit den Vyāhṛtis auf.
31.GST.9: Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum; Geruch, Geschmack, Gestalt, Berührung und Klang …
31.GST.10: … Fortpflanzungsorgan, Ausscheidungsorgan, Füße, Hände und Sprache; Riechvermögen, Zunge, Auge und Gehör; Denken, Erkenntnisvermögen und Ichbildung …
31.GST.11: … sowie das Unentfaltete: Alle diese Wirklichkeitsprinzipien werden im Dativ, mit namaḥ am Ende, mit den Gāyatrī-Silben samt Bindu verbunden …
31.GST.12: … und mit Praṇava am Anfang aufgelegt auf Füße, Knie, Nabel, Herz, Brauenmitte und beide Öffnungen. Ein zusätzlicher Ausdruck āvāpādau ist im Druck mit Fragezeichen versehen und bleibt unklar.
31.GST.13: [Es folgen] Nase, Zunge, Augen, Haut, Ohren, Geschlechtsorgan, After, Füße, Hände, Mund, Nase, Zunge, Auge, Haut …
31.GST.14: … und beide Ohren. Danach legt man die übrigen vier Wirklichkeitsprinzipien ins Herz, zur Reinigung des Körpers. Die Aufzählung von Vers 10 ist sprachlich beschädigt; die erwartete vollständige Systematik wird nicht ergänzend in den Text hineingeschrieben.
Als Muster nennt die Prosa: oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ tat pṛthivyātmane namaḥ an beiden Füßen – Verehrung dem Selbst der Erde – und so weiter.
31.GST.15: Man betrachtet das eigene Selbst als das vollkommene höchste Brahman, als die ganze Welt, inmitten eines Kreises aus Licht; dabei legt man die Umkreise auf.
31.GST.16: Beginnend mit der großen Zehe des rechten Fußes legt man die Silben des dreiversvierteligen Mantra in Kreisform auf, bis zur großen Zehe des linken Fußes.
Damit endet der Erhaltungsnyāsa. Es folgt der Auflösungsnyāsa.
31.GLY.1: Mantra, Versviertel, Wörter, Silben, Stab, Campaka, Glied und die durchdringende Auflegung: Diese acht Nyāsas gehören zur Auflösung.
31.GLY.2: An beiden Füßen, den vier Gelenkstellen, am Nabel, Herzen und Hals legt man die Gāyatrī zusammen mit Tāra und den drei Vyāhṛtis auf.
31.GLY.3: An Füßen, Oberschenkeln, Knien und Unterschenkelenden, an Nabel, Herz, Hals, Gesicht, Stirn und Scheitel legt man die drei Versviertel der Gāyatrī der Reihe nach auf.
31.GLY.4: An beiden Füßen, Knien und Hüften, an Nabel, Herz, Hals, Gesicht, Stirn, Scheitel und Haarschopf legt man die zehn [Wörter] der Gāyatrī auf.
31.GLY.5: An beiden Füßen, den vier Gelenkstellen, Nabel und Brust, Hals, beiden Lippen, Zahnreihen und beiden Gaumenstellen …
31.GLY.6: … Nase, Ohren, Augen und den fünf Gesichtern, beginnend mit dem östlichen, legt man der Reihe nach die vierundzwanzig Gāyatrī-Silben auf.
31.GLY.7: Am Gaumen, an Nase, Ohren und Augen legt man jeweils eine einzelne Silbe auf. Danach [folgen] die Fußgelenke, Hals, Geschlechtsorgan, Nabel und Brust …
31.GLY.8: … Hals und die zehn Gelenkstellen der Arme. Der Reihe nach legt man die Gāyatrī-Buchstaben auf, versehen mit Bindu, mit Oṃ am Anfang und namaḥ am Ende.
Danach folgt der Stabnyāsa:
31.GLY.9: Auf Füße, Knie, Oberschenkel, verborgenen Bereich, Nabel, Herz, Brust, Gesicht, Brauenmitte und Kopf legt man die Wörter der Reihe nach auf.
Campaka-Nyāsa
An den zuvor genannten Stellen werden die folgenden Formeln verwendet. Jede beginnt mit oṃ und dem genannten Lautglied; sie endet mit namaḥ. Dazwischen steht die Verehrung der genannten Göttin in der beschriebenen Farbe. Die Glieder folgen dem Druck; Unsicherheiten und Varianten sind ausdrücklich angegeben.
| Lautglied | Göttin | Erscheinung |
|---|---|---|
| taṃ | Prahlādinī | Wie eine Campaka-Blüte |
| tsaṃ | Prabhā | Wie eine Atasī-Blüte |
| vi… | Vermutlich Nityā; die Verbindung von Silbe und Name ist im Druck mit Fragezeichen beschädigt | Gelbbraun |
| tuṃ | Viśvabhadrā; Variante Viśvambharā | Saphirfarben |
| vaṃ | Vilāsinī | Blau |
| raṃ | Prabhāvatī | Blau |
| ṇiṃ | Jayā | Wie ein Blitz |
| yaṃ | Śāntā | Rötlich hell |
| bhaṃ | Kāntā | Wolkenfarben |
| rgoṃ | Durgā | Rot |
| deṃ | Sarasvatī | Smaragdfarben |
| vaṃ | Vidrumā; Varianten Viśvarūpā und Viśvamāyā | Wie eine Jāti-Blüte |
| syaṃ | Viśālā | Goldglänzend |
| dhīṃ | Īśā | Safranfarben |
| maṃ | Vyāpinī | Rubinfarben |
| hiṃ | Vimalā | Wie eine Muschel |
Die Reihe wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
Gāyatrī als Erkenntnis des höchsten Selbst
Druckseite 644. Zunächst wird der Campaka-Nyāsa von Seite 643 abgeschlossen. Wie zuvor beginnt jede Formel mit oṃ und dem Lautglied und endet mit namaḥ nach Göttin und Farbbeschreibung:
| Lautglied | Göttin | Erscheinung |
|---|---|---|
| dhiṃ | Tamopahāriṇī | Weißlich |
| yoṃ | Sūkṣmā | Wie das rote Indragopa-Insekt |
| yo | Viśvayoni | Honigfarben |
| naḥ | Jayāvahā | Wie die aufgehende Sonne |
| praṃ | Padmālayā | Wie eine blaue Wasserlilie |
| coṃ | Parā | Wie Gorocanā, gelb |
| daṃ | Śobhā | Wie Kunda-Blüten, Mond und Muschel |
| yāt | Pañcarūpā; Variante Bhadrarūpā | Wie Bergkristall |
31.GLY.10: Dieser Campaka-Nyāsa soll alle Verfehlungen vernichten. Die drei Vyāhṛtis und die Versviertel legt man der Reihe nach auf die sechs Glieder.
31.GLY.11: Als durchdringende Auflegung legt man die Gāyatrī mit den sieben vorausgehenden Vyāhṛtis, ihrem abschließenden „Haupt“ und dem vierten Versviertel dreimal jeweils gesondert auf.
Unnummerierte Fortsetzung mit Drucklücke: Vom Scheitel bis zu den Füßen und von den Füßen bis zum Scheitel; die zweite Richtungsangabe ist im Druck mit einem fraglichen Korrekturvorschlag versehen. Damit endet der Auflösungsnyāsa.
Die Bedeutung der Gāyatrī
Nach Vollzug der vierundzwanzig Nyāsas soll die Bedeutung der Gāyatrī erkannt werden. Die Gāyatrī mit den sieben Vyāhṛtis, denen jeweils der Praṇava vorausgeht, und mit ihrem „Haupt“ wird der Wesenskern aller Veden genannt. In dieser Gestalt wird sie durch Prāṇāyāma verehrt. Für Rezitation und andere Formen der Verehrung wird die Gāyatrī mit Praṇava und den drei Vyāhṛtis verbunden.
Die reine Gāyatrī vermittelt die Erkenntnis der Einheit des inneren Selbst mit Brahman. In dhiyo yo naḥ pracodayāt bedeutet naḥ „unsere“, dhiyaḥ die Erkenntniskräfte: „Möge er unsere Erkenntniskräfte anregen.“ Damit ist das innere Selbst gemeint, das sämtliche inneren Erkenntnisvorgänge erhellt und Zeuge von allem ist. Das höchste Brahman, das seinem Wesen nach dieses durch pracodayāt bezeichnete Selbst ist, wird durch die Wörter tat savituḥ benannt.
Dazu wird zitiert: „Oṃ, Tat und Sat gelten als die dreifache Bezeichnung Brahmans.“ Das Wort tat bezeichnet also das höchste Brahman, das innerste, aus sich selbst gewisse Selbst. Savituḥ weist auf den Hervorbringer der gesamten Erscheinungswelt hin, wobei auch ihr Bestehen und ihre Auflösung eingeschlossen sind: auf den Grund, auf dem jede Täuschung von Zweiheit erscheint.
Vareṇyam heißt: von allen zu wählen, von unüberbietbarer Glückseligkeit. Bhargaḥ bezeichnet das Verbrennen der Mängel der Unwissenheit und damit das, was allein durch Erkenntnis erfasst wird. Devasya verweist auf das alles erhellende Wesen, den ungeteilten einen Geschmack von Bewusstsein und Glückseligkeit. Der zusätzliche gedruckte Ausdruck viṣayasya ist in diesem Satz sprachlich auffällig und wird nicht zu einer weiteren Gottheitsbezeichnung umgedeutet.
Die Genitivverbindung in tat savitur devasya ist übertragener Sprachgebrauch, wie „Rāhus Kopf“; sie setzt nach dieser Auslegung keine wirkliche Trennung voraus. Das Selbst ist Zeuge von allem Wahrnehmbaren, einschließlich des Erkenntnisvermögens, und der Grund von allem. Die gedruckte Form niḥsvarūpam an dieser Stelle ist unsicher; eine Fußnote liest nityarūpam, „von ewigem Wesen“.
Die hier gelehrte Einheit wird ausdrücklich nicht bloß als Einheit durch Aufhebung einer falschen Zuschreibung nach dem Beispiel von Seil und Schlange beschrieben. Vielmehr gilt nach dem Satz „Er bin ich“ die Wesensidentität des alles bezeugenden inneren Selbst mit Brahman. So wird dieses Gāyatrī-Mantra zu einem Mittel der Erkenntnis Brahmans als des Selbst von allem.
Die sieben Vyāhṛtis
Auch die sieben Vyāhṛtis werden so gedeutet:
- Bhūr bezeichnet reines Sein.
- Bhuvar wird aus „alles ins Bewusstsein bringen, erhellen“ gedeutet und bezeichnet Bewusstsein.
- Svar wird als das eigene, von allem geliebte Wesen ausgelegt; die sprachliche Ableitung ist im Druck knapp.
- Mahar wird aus „hoch achten, verehren“ gedeutet und bezeichnet das alles Überragende.
- Janaḥ wird aus „hervorbringen“ gedeutet und bezeichnet die Ursache von allem.
- Tapaḥ bezeichnet das Wesen allen Leuchtens und aller Kraft.
- Satyam bezeichnet das Sein dieses Lichtwesens, das als Grund aller Aufhebung [unwahrer Erscheinungen] bestehen bleibt.
All dies ist eben Brahman, das durch Oṃ bezeichnet wird, und dessen Selbstwesen Bewusstsein ist. Oder die Erklärung lautet: Die sieben Welten, beginnend mit Bhūr, bestehen aus dem durch Oṃ bezeichneten Brahman; außerhalb davon gibt es nichts. Somit vermitteln auch die Vyāhṛtis die Erkenntnis Brahmans als des Selbst von allem.
Das „Haupt“ der Gāyatrī
Āpaḥ wird aus der Wortwurzel für Durchdringen erklärt und bezeichnet Allgegenwart. Jyotiḥ bedeutet Lichtwesen; rasaḥ das alles Überragende; amṛtam das ewige Freisein vom Daseinskreislauf mit Tod und seinen übrigen Bedingungen; brahma bezeichnet das Selbst.
Das Selbst ist also alldurchdringend, alles erhellend, alles überragend und ewig frei; sein Wesen ist Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. „Ich bin jenes durch Oṃ bezeichnete Brahman.“ Auch das „Haupt“ der Gāyatrī dient somit der Erkenntnis Brahmans als des Selbst von allem.
Das vierte Versviertel
Nachdem man dies erkannt – der Druck bietet als Alternative „rezitiert“ – und wie zuvor Prāṇāyāma, Vyāhṛti-Nyāsa, die Auflegung des „Hauptes“ und das Weitere vollzogen hat, soll der nach Befreiung Strebende das Gāyatrī-Mantra mit dem vierten Viertel rezitieren.
Als viertes Viertel steht hier: paro rajase sāvad oṃ. Die ungewöhnliche gedruckte Form sāvad oṃ wird nicht stillschweigend durch eine andere überlieferte Fassung ersetzt. Sein Seher ist Vimala, sein Versmaß Gāyatrī, seine Gottheit das höchste Selbst. Seine Bedeutung lautet nach der Erklärung: „Jener, der in der Sonnenscheibe weilt und die Guṇas übersteigt – der bin ich.“ Als Bīja wird „der Unbeteiligte“ [udāsīna] genannt; Sarasvatī als Suṣumṇā-Nāḍī ist die Śakti. Die Anwendung dient der Befreiung.
Die Gliederformeln sind:
- oṃ paraḥ hṛdayāya namaḥ.
- oṃ rajase śirase svāhā.
- oṃ sāvad oṃ śikhāyai vaṣaṭ.
- oṃ paraḥ kavacāya huṃ.
- oṃ rajase netratrayāya vauṣaṭ.
- oṃ sāvad oṃ astrāya phaṭ.
Ebenso erfolgt der Fingernyāsa. Danach wird die Meditation angekündigt; sie folgt auf der nächsten Seite.
Meditation, Zuordnungen und einzelne Gāyatrī-Silben
Druckseite 645. Fortsetzung der Meditation zum vierten Versviertel.
31.GVI.1: Man betrachtet [Viṣṇu], der auf einem achtblättrigen Lotus ruht, in der Feuerstadt über dem Kreis von Sonne, Mond und den weiteren [Lichtern]. Der Ausdruck nach „Mond“ ist im Druck beschädigt und wird nicht durch eine erfundene dritte Gestalt ergänzt.
31.GVI.2: Er ist daumengroß und makellos, Viṣṇu in der Gestalt des Oṃ, der Gott, der alle Götter in sich trägt, unendlich und mit Gesichtern nach allen Seiten.
31.GVI.3: Von seiner eigenen Māyā umgeben, besteht er aus feinstem Licht. Er ist Brahmā, er ist Śiva, er ist Indra; er ist der unvergängliche Höchste, der aus eigener Macht Herrschende.
31.GVI.4: Nach dieser Meditation zeigt man die Gesten von Schwert, drei Teilen, Yoni, Surabhi und Aja-stanī sowie Liṅga-Mudrā, Mahāmudrā und Añjali. Die erste Verbindung im Druck ist knapp; die einzelnen Gesten werden hier nicht neu beschrieben.
31.GVI.5: Gāyatrīs Versmaß ist Gāyatrī, ihr Seher Viśvāmitra, ihre Gottheit Savitṛ. Agni ist ihr Mund, Brahmā ihr Haupt …
31.GVI.6: … Viṣṇu ihr Herz, Śukra ihre Stirn; sie ist von heller Farbe. Sie gehört zum Geschlecht des Sāṃkhyāyana; ihre Anwendung ist die Rezitation und das Weitere.
31.GVI.7: [Sie ist] die Umhüllung der drei Welten; die Erde ist [ihr] Bauch, als Gottheit bezeichnet. Die Verknüpfung dieser Merkmale ist im Druck gedrängt. Nachdem man so meditiert hat, rezitiert man die Gāyatrī mit ihren zwölf Merkmalen. Dvādaśalakṣaṇām bezeichnet hier Merkmale, nicht eine Rezitationszahl. Zwei Fußnoten bieten abweichende Benennungen mit „Viśvambhara“ beziehungsweise „Viśvahara“.
31.GVI.8: Ein Brahmacārin und ein Hausvater sollen sie mit dem Praṇava verbunden rezitieren und auch am Ende den Praṇava setzen. Dadurch soll ihnen Wachstum zuteilwerden.
31.GVI.9: Ein Waldeinsiedler soll sie zusammen mit dem vierten Viertel rezitieren. Re wird als Bīja und yavaḥ als Śakti genannt.
31.GVI.10: Ṇī heißt der Verschluss der dreiversvierteligen Gāyatrī. Seher der Gāyatrī-Versviertel ist Viśvāmitra. Die ungewöhnlichen Bīja-, Śakti- und Verschlussangaben werden so bewahrt, wie sie gedruckt sind.
31.GVI.11: Brahmā, Viṣṇu und Rudra sind der Reihe nach ihre Gottheiten. Seher aller Silben ist Prajāpati.
31.GVI.12: Die Anwendung erfolgt im Gliedernyāsa, das Versmaß heißt Gāyatrī. Nun werden die Gottheiten sämtlicher Silben der Reihe nach genannt.
31.GVI.13: Agni, Vāyu, Ravi, Vidyut, Yama, Varuṇa, Bṛhaspati, Parjanya, Indra und Gandharva …
31.GVI.14: … Pūṣan, Śiva, Tvaṣṭṛ, die Vasus, Marut, Soma, Aṅgiras, die Allgötter, die beiden Aśvins und Prajāpati …
31.GVI.15: … Sarvadeva, Rudra, Brahmā und Viṣṇu sind die Gottheiten. Während der Rezitation soll man sie betrachten; dadurch soll man die Vereinigung mit ihnen erlangen.
Die Wirklichkeitsprinzipien der Silben
31.GVI.16: Erde, Wasser [puṣkara], Feuer, Wind und Raum; Geruch, Geschmack, Gestalt, Berührung, Klang und Sprache …
31.GVI.17: … Hände, Fortpflanzungsorgan, Ausscheidungsorgan, Füße, Gehör, Haut, Auge, Zunge, Geruchssinn, das Denkprinzip, Ichbildung und das große Prinzip …
Unnummerierte Fortsetzung mit gedruckter Lücke: … sowie das Prinzip der drei Guṇas. In dieser Reihenfolge erfolgt die Bestimmung der Wirklichkeitsprinzipien.
Die Kräfte der Silben
31.GVI.18: Prahlādinī, Prabhā, Nityā, Viśvabhadrā, Vilāsinī, Prabhāvatī, Jayā, Śāntā [Variante Sītā], Kāntā, Durgā und Sarasvatī …
31.GVI.19: … Viśvamāyā [Variante Viśvarūpā], Viśālā, Īśā, Vyāpinī, Vimalā, Tamopahāriṇī, Sūkṣmā, Viśvayoni und Jayāvahā …
Unnummerierte Fortsetzung mit Drucklücke: … Padmālayā, Parā, Śobhā und Bhadrarūpā [Variante Padmarūpā] sind die Kräfte.
Meditationen über die einzelnen Silben
31.GSD.1: Die Silbe tat betrachtet man gelb wie eine Campaka-Blüte, als Verkörperung von Brahmā, Viṣṇu und Śiva, friedvoll, im Lotussitz und an ihrem eigenen Ort verweilend.
31.GSD.2: Ebenso betrachtet man sa wie eine Atasī-Blüte, sanft in der Mitte eines Lotus sitzend, als das, was geringere Verfehlungen vernichtet. Die Fußnote tataḥ param („danach“) ist als weitere Lesart überliefert; ihr genauer Bezug ist im Satzbild nicht sicher zu bestimmen.
Meditation über die Gāyatrī-Silben und ihre zugeschriebenen Früchte
Druckseite 646. Die folgenden Aussagen über Tilgung von Verfehlung und rituelle Reinheit werden als Lehre der Quelle wiedergegeben.
31.GSD.3: Der vorzügliche Zweimalgeborene betrachtet vi beständig gelbbraun, friedvoll auf einem Lotus sitzend, als das, was schwere Verfehlungen vernichtet.
31.GSD.4: Der Kundige betrachtet tu saphirglänzend; es soll alle durch Planeten und Krankheiten entstandenen Leiden verbrennen.
31.GSD.5: Ve betrachtet er wie flammendes Feuer; die Schuld der Tötung eines Ungeborenen soll dadurch augenblicklich vergehen.
31.GSD.6: Re betrachtet er makellos wie reinen Bergkristall; die aus verbotenem Geschlechtsverkehr entstandene Schuld soll rasch vergehen.
31.GSD.7: Śi betrachtet der Yogi wie reinen Bergkristall; die Schuld des Verzehrs verbotener Nahrung soll augenblicklich vergehen. Das gedruckte śi weicht vom entsprechenden Glied der vorherigen Silbenreihe ab und wird nicht stillschweigend berichtigt.
31.GSD.8: Yaṃ betrachtet er sternfarben und mit einer Mondsichel geschmückt, den Yogis Segen gewährend und die Schuld der Brahmanentötung vernichtend.
31.GSD.9: Bha ist schwarz und glänzt wie eine dunkle Wolke; durch diese Betrachtung soll der Zweimalgeborene die Schuld der Tötung eines Menschen und ähnliche Schuld vernichten.
31.GSD.10: Rgo betrachtet man rot auf einem Lotus sitzend, als Tilger der Schuld der Kuhtötung und ähnlicher Handlungen.
31.GSD.11: De betrachtet der Yogi beständig rot und auf einem Lotus sitzend, als das, was die Schuld der Tötung einer Frau vollständig verbrennt.
31.GSD.12: Va ist weiß und leuchtet wie eine Jāti-Blüte; seine Betrachtung soll die Schuld der Tötung eines Lehrers sogleich verbrennen.
31.GSD.13: Sya ist gelb und glänzt wie Gold. Seine Betrachtung soll die im Geist gedachte Verfehlung verbrennen, du Makelloser.
31.GSD.14: Dhī betrachtet man weiß wie eine Kunda-Blüte; dadurch, heißt es, wird man zweifellos von der Schuld der Tötung von Vater oder Mutter befreit.
31.GSD.15: Ma betrachtet man rubinfarben und wie eine Lampe leuchtend. Die in früheren Geburten angesammelte Schuld soll augenblicklich vergehen.
31.GSD.16: Hi ist weiß und glänzt wie der Vollmond. Der Kundige betrachtet es beständig als das, was alle Verfehlungen verbrennt.
31.GSD.17: Dhi betrachtet man weißlich und auf einem Lotus verweilend. Durch die bloße Erinnerung soll Schuld aus der Annahme [unzulässiger] Gaben vergehen.
31.GSD.18: Yo ist rot und glänzt wie das Indragopa-Insekt. Seine Betrachtung soll die Schuld der Tötung von Lebewesen verbrennen, bester der Weisen.
31.GSD.19: Auch das zweite yo wird als rot beschrieben. Es soll alle Verfehlungen verbrennen, ohne durch andere Verfehlungen befleckt zu werden.
31.GSD.20: Naḥ ist das östliche Gesicht und gleicht dem Sonnenaufgang. Betrachtet es der vorzügliche Zweimalgeborene auch nur einmal, so soll er Viṣṇus Stätte erreichen.
31.GSD.21: Pra ist dunkel wie ein Blatt der blauen Wasserlilie und nach Süden gerichtet. Eine einzige Betrachtung soll den vorzüglichen Zweimalgeborenen zu Brahmās Stätte führen.
31.GSD.22: Co ist sanft, gelb wie Gorocanā und nach Norden gerichtet. Eine einzige Betrachtung soll ihn zu Viṣṇus Stätte führen.
31.GSD.23: Da ist weiß wie der Mond und nach Westen gerichtet. Eine einzige Betrachtung soll ihn zu Viṣṇus Stätte führen. Die wiederholte Nennung von Viṣṇu wird bewahrt.
31.GSD.24: Yāt wird als Haupt beschrieben, mit dem Glanz von vier Gesichtern. Es gewährt unmittelbar sichtbare Frucht und besteht als Brahmā, Viṣṇu und Rudra.
31.GSD.25: Wer verständig so meditiert und Rezitation und Feueropfer vollzieht, für den besteht nach dieser Lehre keine rituelle Unreinheit durch Geburt oder Todesfall.
31.GSD.26: Wer die Gāyatrī nicht in dieser Weise kennt, für den gelten dagegen Geburts- und Todesfall-Unreinheit, du Makelloser.
31.GSD.27: Solange solche rituelle Unreinheit besteht, wird ihm hier weder die Frucht des Gebens noch des Opfers noch der Pilgerstätte zugesprochen.
31.GSD.28: Wer nach solcher Auflegung die Gāyatrī, Mutter der Veden, rezitiert, soll die Brahmawelt erreichen – so lautet das Wort Vyāsas.
31.GSD.29: Wer ihre Gestalt der Vorschrift entsprechend vergegenwärtigt und darin verweilt, soll von Planetenfehlern unberührt bleiben; die Erde soll voller Nahrung sein. Der Übergang zur letzten Aussage ist knapp und wird nicht durch eine zusätzliche Bedingung ergänzt.
31.GSD.30: Wird diese höchst machtvolle Göttin auch nur auf irgendeine Weise rezitiert, so gilt sie als wunscherfüllend – wie viel mehr, König, wenn es vorschriftsmäßig geschieht!
Zu Beginn der Rezitation werden vierundzwanzig Mudrās gezeigt. Ihre Aufzählung folgt auf der nächsten Seite.
Die Mudrās und der Beginn des Gāyatrī-Hṛdaya
Druckseite 647.
31.GSD.31: Saṃmukha, Saṃpuṭa, Vitata, Vistṛta, Dvimukha, Trimukha, Caturmukha und Pañcamukha …
31.GSD.32: … Ṣaṇmukha, Adhomukha, Vyāpakāñjalika, Śakaṭa, Yamapāśa, Grathita und Sanmukhonmukha …
31.GSD.33: … Pralamba, Muṣṭika, Matsya, Kūrma, Varāha, Siṃhākrānta, Mahākrānta, Mudgara und Pallava …
31.GSD.34: … diese vierundzwanzig Mudrās werden am Anfang der Rezitation verwendet. Surabhi, Jñāna, Cakra, Yoni, Kūrma und Paṅkaja …
Unnummerierte Fortsetzung mit Drucklücke: … sowie Liṅga- und Nirvāṇa-Mudrā werden für das Ende der Rezitation genannt. Ihre Merkmale werden später erklärt. Zu Beginn der Rezitation soll man das Gāyatrī-Hṛdaya lesen.
Das Herz der Gāyatrī
Vasiṣṭha fragt den Selbstentstandenen: „Erhabener, wir fragen dich nach jener Gāyatrī. Bitte erkläre sie uns!“ Der Erhabene antwortet: „Wir werden die Entstehung der Brahman-Erkenntnis und ihren Ursprung erklären.“
Aus Wasser, das mit dem eigenen Daumen gequirlt wird, entsteht Schaum; aus Schaum eine Blase, aus der Blase ein Ei, aus dem Ei Brahmā, aus Brahmā Agni, aus Agni Vāyu, aus Vāyu Oṃ, aus Oṃ die Vyāhṛti, aus der Vyāhṛti Gāyatrī, aus Gāyatrī Sāvitrī und aus Sāvitrī Sarasvatī. Aus Sarasvatī entstehen die Veden. Der anschließende Übergang von den Veden zurück zur Frage nach Gāyatrī und zu den Vyāhṛtis ist sprachlich beschädigt; eine zusätzliche Entstehungsstufe wird nicht ergänzt.
Gefragt wird: Was sind bhūḥ, bhuvaḥ, svaḥ, mahaḥ, janaḥ, tapaḥ und satyam? Was bedeuten tat, savituḥ, vareṇyam, bhargaḥ, devasya, dhīmahi, dhiyaḥ, yaḥ, naḥ und pracodayāt?
Die Antwort ordnet bhūr der Erdwelt, bhuvar der Zwischenraumwelt und svar der Himmelswelt zu. Mahar, janaḥ, tapaḥ und satyam bezeichnen die jeweils gleichnamigen Welten. Bhūr bhuvaḥ svar oṃ bezeichnet die drei Welten.
Tat ist jenes Licht, Agni. Savituḥ ist Savitṛ, die Sonne. Vareṇya ist Nahrung; Nahrung selbst ist Prajāpati. Bhargaḥ ist Wasser: Was Wasser ist, ist Bharga. Devasya ist der Gott Indra; die Götter werden mit den Sinneskräften verbunden. Der „Allmensch“ heißt Rudra. Dhīmahi ist das innere Selbst, und dieses innere Selbst ist der Praṇava. Dhiyaḥ ist das zum Selbst Gehörige, das höchste Ziel.
Yo naḥ wird mit der Erde als Ursprung, yoni, verbunden; eine Fußnote liest ausdrücklich yoniḥ. Pracodayāt wird als Begehren gedeutet. Der anschließende Satz über den Begehrenden und die Welten ist beschädigt. Lesbar ist der Übergang zur Nichtgrausamkeit beziehungsweise zum Mitgefühl und zu dessen höchstem Dharma; eine lückenlose Satzübersetzung dieser beschädigten Verbindung ist nicht möglich.
Gestalt und Glieder
Zu welchem Geschlecht gehört Gāyatrī, wie viele Silben, Füße, Leibesräume und Köpfe hat sie? Sie gehört zum Geschlecht Sāṃkhyāyana und hat vierundzwanzig Silben und drei Füße: Der Ṛgveda ist der erste, der Yajurveda der zweite und der Sāmaveda der dritte.
Ihre sechs Leibesräume sind Osten, Süden, Westen, Norden, oben und unten. Ihre Köpfe sind Grammatik, Lautlehre, Rituallehre, Worterklärung und die Lehre vom Lauf der Himmelslichter. Dann wird nach Bewegung, Ausspruch und Kennzeichen gefragt; Mīmāṃsā wird genannt. Der Atharvaveda ist ihre Bewegung, Metrik und Vorschrift werden als Ausspruch bezeichnet. Diese letzte Zuordnung ist syntaktisch unsicher; eine Fußnote bietet eine abweichende Form des Verbs „aussprechen“.
Welche Farbe, welcher Ton und welche Gottheit gehören ihr an, und welche Gottheiten haben ihre Silben? In der Morgenfrühe ist sie rot, zu Mittag weiß und am Nachmittag dunkel. In der Morgendämmerung ist sie Brāhmī, zu Mittag Māheśvarī, am Nachmittag Vaiṣṇavī. Brāhmī fährt auf dem Haṃsa, Māheśvarī auf dem Stier und Vaiṣṇavī auf Garuḍa. Ihre Töne sind Ṣaḍja, Ṛṣabha und Gāndhāra.
Am Vormittag ist Gāyatrī rot und jungfräulich. Sie trägt Stab, Gebetskette und Wassergefäß, sitzt auf einem Lotussitz und reitet auf dem Haṃsa. Ihre Gottheit ist Brahmā, ihr Ort die Erdwelt; mit dem Ṛgveda zieht sie auf dem Weg der Sonne.
Zu Mittag ist Sāvitrī weiß gekleidet, von weißer Farbe und jugendlich. Sie ist dreiäugig und trägt den Dreizack, sitzt auf einem silbernen Sitz und reitet auf dem Stier. Ihre Gottheit ist Rudra, ihr Ort die Zwischenraumwelt; mit dem Yajurveda zieht sie auf dem Weg der Sonne.
Am Nachmittag ist Sarasvatī dunkel und alt, trägt gelbe Gewänder und hat vier Arme. Ihre Hände halten Muschelhorn, Rad, Keule und Schwert. Sie sitzt auf einem goldenen Sitz; ihre Gottheit ist Viṣṇu, ihr Ort die Himmelswelt. Mit dem Sāmaveda zieht sie auf dem Weg der Sonne. Garuḍa wurde zuvor genannt und wird in diesem ausführlichen Satz nicht erneut aufgeführt.
Ein unnummeriertes Verszitat beginnt mit einer Seherliste: Prahlāda, Atri, Vasiṣṭha, Śuka, Kaṇva, Parāśara, der höchst strahlende Viśvāmitra, Kapila, der große Śaunaka, Yājñavalkya, Bharadvāja und Jamadagni, der Schatz der Askese; dann Gautama … Die Liste setzt auf der nächsten Seite fort.
Fortsetzung und Abschluss des Gāyatrī-Hṛdaya
Druckseite 648. Die Listen und Verse des Hṛdaya bleiben unnummeriert, wie im Druck.
Die Seherliste von Seite 647 fährt fort: … Gautama, der vorzügliche Mudgala, Vedavyāsa und Romaśa; Agastya, Kauśika, Vatsa, Pulastya und Kapila; der durch Askese hervorragende Durvāsas, Nārada und Kaśyapa. Die erneute Nennung Kapilas wird bewahrt.
Als Versmaße werden genannt: Gāyatrī, Uṣṇih, Anuṣṭubh, Bṛhatī, Paṅkti, Triṣṭubh, Jagatī, Kānti, wiederum Bṛhatī und Paṅkti, Āstārapaṅkti, Virāj, Viṣṭārapaṅkti, attarapaṅkti [beschädigt], Kātyāyanī, Jyotiṣmatī, Triṣṭubh-Chandas, Mahacchandas sowie die mit bhūr, bhuvar, svar und bhūr bhuvaḥ svar oṃ bezeichneten Metren. Die unvollkommene Listengestalt wird nicht auf eine erwartete Anzahl gebracht.
Gottheiten der vierundzwanzig Silben
Die erste Silbe gehört Agni, die zweite Prajāpati, die dritte Soma, die vierte Īśāna, die fünfte Āditya, die sechste Bṛhaspati, die siebte den Ahnen, die achte Bhaga, die neunte Aryaman, die zehnte Savitṛ, die elfte Tvaṣṭṛ, die zwölfte Pūṣan, die dreizehnte Indra und Agni, die vierzehnte Vāyu, die fünfzehnte Vāmadeva, die sechzehnte Mitra und Varuṇa, die siebzehnte Śākalya [im Druck: alternative Zuordnung zu Aṅgiras], die achtzehnte den Allgöttern, die neunzehnte Viṣṇu und die zwanzigste Vāsava. Die folgenden vier Angaben stehen im Druck in Klammern: die einundzwanzigste Rudra, die zweiundzwanzigste den Aśvins, die dreiundzwanzigste Brahmā und die vierundzwanzigste Savitṛ.
Erneut werden die Kräfte aufgezählt: Prahlādinī, Prabhā, Nityā, Viśvabhadrā, Vilāsinī, Prabhāvatī, Jayā, Śāntā [Variante Satyā], Kāntā, Durgā, Sarasvatī, Vidrumā, Viśālā, Īśā, Vyāpinī, Vimalā, Tamopahāriṇī, Sūkṣmā, Viśvayoni, Jayāvahā, Padmālayā, Parā, Śobhā und Padmarūpā [Varianten Bhadrarūpā].
Farben, Wirklichkeitsprinzipien und Mudrās
Der Reihe nach werden folgende Erscheinungen genannt: wie Campaka-Blüten, wie Atasī-Blüten, korallen- und bergkristallfarben, wie Lotusblüten, korallenrot, wie Lotusblätter, rubinfarben, wie die junge Sonne, wie Muschel, Kunda-Blüte und Mond, wie Saphir, perlenfarben, safranfarben, wie Augensalbe, goldfarben, wie Vaidūrya und wie Honig. In Klammern folgen Kurkumagelb und Dunkel; danach Milchweiß, Sonnenglanz und die Farbe von Papageienfedern. Die zusammengesetzten Farbwörter ergeben keine zweifelsfrei aufteilbare Zuordnung zu allen vierundzwanzig Stellen; sie werden deshalb als gedruckte Folge bewahrt und nicht mit der vorigen Farbtabelle gleichgesetzt.
Als Wirklichkeitsprinzipien folgen: Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum; Geruch, Geschmack, Gestalt, Berührung, Klang; Fortpflanzungsorgan, Ausscheidungsorgan, Füße, Hände, Sprache; Geruchssinn, Zunge, Auge, Haut und Gehör; Denken, Erkenntnisvermögen, Ichbildung und das Unentfaltete.
Die vierundzwanzig Mudrās werden nochmals genannt: Saṃmukha, Saṃpuṭa, Vitata, Vistṛta, Dvimukha, Trimukha, Caturmukha, Pañcamukha, Ṣaṇmukha, Adhomukha, Vyāpakāñjalika, Śakaṭa, Yamapāśa, Grathita, Sanmukhonmukha, Pralamba, Muṣṭika, Matsya, Kūrma, Varāha, Siṃhākrānta, Mahākrānta, Mudgara und Pallava. Der Druck bezeichnet sie als dvādaśātmapratiṣṭhitāḥ, „im zwölffachen Selbst gegründet“; die Wendung bleibt unerläutert. Die Variante lautet „fest in Gāyatrī gegründet“. Wer diese Mudrās nicht kennt, dessen Gāyatrī soll nach dieser Aussage ohne Frucht bleiben.
Der göttliche Leib
Brahmā wird dem Scheitel beziehungsweise der Scheitelverbindung, Viṣṇu der Stirn und Rudra der in Klammern ergänzten Brauenmitte zugeordnet. Die Haare sind Wolken; die Augen Mond und Sonne; die Ohren Indra und Bṛhaspati; die Nasenöffnungen die Aśvins. Zähne und Lippen entsprechen den beiden Dämmerungen. Die Arme sind die Maruts, die Brüste die Vasus, das Herz Brahmā.
Der folgende Anschluss nennt Parjanya, den Raum und den Bauch, lässt deren genaue Verknüpfung aber offen. Der Nabel ist Agni, die Hüfte Indrāṇī, die Beckengegend gehört Prajāpati. Die Oberschenkel sind Kailāsa und Malaya, die Knie die Allgötter, die Unterschenkel der Mond, die als „Hufe“ bezeichneten Teile die Ahnen und die Füße die Erde. Eine Fußnote variiert die ungewöhnliche Hufbezeichnung. Haare, Körperhaare und Nägel sind Pflanzen.
Danach werden Muhūrtas als Gestalten genannt. Eine beschädigte Folge verbindet Monate, Jahreszeiten, die beiden Dämmerungszeiten als Bedeckung, das Jahr, den Augenblick, Tag und Nacht sowie Sonne und Mond. Wegen der unsicheren Worttrennung wird daraus keine eindeutige zusätzliche Körpertabelle hergestellt.
Die Frucht des Hṛdaya
Die Göttin gewährt höchste Segnungen. Wer das Hṛdaya liest, spricht: oṃ tat savitur varadāya namaḥ und oṃ tat prātarūpadiṣṭāya namaḥ. Der zweite Ausdruck ist beschädigt beziehungsweise ungewöhnlich; eine Fußnote liest ādityāya. Die Formel wird nicht durch einen vermeintlich sicheren Volltext ersetzt.
Wer es am Abend liest, soll die am Tag begangene Verfehlung vernichten; wer es am Morgen verwendet, die in der Nacht begangene. Wer es morgens und abends verwendet, soll frei von Schuld werden. Ein Brahmane, der dieses Sāvitra liest, erhält nach der Aussage des Textes die Frucht von 360.000 Sāvitrī-Rezitationen. Es gilt, als hätte er die vier Veden studiert, Kenntnis aller Veden gewonnen und an allen Pilgerstätten gebadet.
Er soll gereinigt werden von Golddiebstahl, Alkoholtrinken, Brahmanentötung, Tötung einer Frau, Tötung eines Helden, verbotenem Geschlechtsverkehr und dem Verzehr verbotener Nahrung. Zu einer dieser letzten Wendungen nennt die Fußnote auch maithunāt, „von geschlechtlicher Vereinigung“. Die anschließende Aussage über hunderttausend Parāka-Sühneübungen und die Reinigung einer Speisegemeinschaft ist sprachlich beschädigt; ein genaues Leistungsverhältnis lässt sich daraus nicht sicher übersetzen.
Wer acht Brahmanen dies erlernen lässt, soll unbegrenzte Lebensdauer gewinnen. Wer so weiß, geht in die Brahmawelt ein – in die erhabene Brahmawelt geht er ein. Oṃ, Verehrung. Damit endet dieses Hṛdaya.
Erneute Worterklärung
31.GEX.1: Tat bezeichnet das, was Rede und Denken nicht erreichen und was in der Sonnenscheibe zu betrachten ist. Savituḥ [bezeichnet] die Ursache aller Entstehung, Erhaltung und Auflösung. Die Reihe wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
Worterklärung, drei Göttinnengestalten und Gāyatrī-Schutzgebet
Druckseite 649.
31.GEX.2: Vareṇyam bedeutet das, bei dem man Zuflucht nehmen soll und auf dem diese Welt beruht. Die unmittelbare Erkenntnis des göttlichen Glanzes, bhargas, bringt die Unwissenheit zur Ruhe.
31.GEX.3: Devasya verweist auf sein Erkenntniswesen oder darauf, dass es in eigener Glückseligkeit spielt. Dhīmahi bedeutet: „Eben jener bin ich“, um die Ungetrenntheit von ihm zu verwirklichen.
31.GEX.4: Dhiyaḥ sind die Bewegungen des inneren Organs, die sich nach innen wenden. Die Erläuterung zu yaḥ enthält die unklare Verbindung aliṅgadharme und die Erwähnung von Wort und Erkenntnis; die Fußnote variiert den Wortanschluss. Dieser Halbvers bleibt in seiner genauen Aussage offen.
31.GEX.5: Naḥ bedeutet „unsere“ – derjenigen, deren Sicht durch vielfach eingeübte Unterscheidungen geteilt ist. Pracodayāt heißt „möge anregen“; es wird als Bitte ausgesprochen. Der Zusatz bahir („nach außen“) ist in seiner Verbindung zur Bitte nicht eindeutig.
31.GEX.6: Wir verehren den erwählenswerten Glanz jenes Gottes Savitṛ, der unsere Erkenntniskräfte aus ihrem auf Dharma und andere Gegenstände gerichteten Bereich heraus anregen möge.
31.GEX.7: Brāhmī ist viergesichtig; ihre Hände tragen Gebetskette, Krug und die beiden Opferlöffel. Sie leuchtet rötlich, ihr Gesicht gleicht dem Mond. Jung und als Gestalt des Ṛgveda spielt sie auf dem Haṃsa; sie ist geschmückt und in der Scheibe der Sonne verehrt. Möge diese im Herzen betrachtete Gāyatrī uns immer Gedeihen und Fülle schenken!
31.GEX.8: Rudrāṇī ist jugendlich, dreiäugig und in Tigerfell gekleidet. Ambikā trägt Khaṭvāṅga, Dreizack und Gebetskette und zeigt Furchtlosigkeit; der gedruckte Ausdruck für Gebetskette und Ring ist eng verbunden. In ihrem wie Blitz leuchtenden gelbbraunen Haarknoten glänzt der junge Mond. Sāvitrī fährt auf dem Stier, ist von unsterblichem Wesen und wird freudig als Gestalt des Yajurveda betrachtet.
31.GEX.9: Verehrungswürdig ist die erhabene Sarasvatī in prächtigen gelben Gewändern, von dunkler Farbe, mit der Rezitation des Sāmaveda verbunden. Die duftbezogene Wendung des zweiten Viertels ist unklar. Als Vaiṣṇavī steht sie auf Garuḍa und glänzt mit neuen Fußspangen, Armreifen, Edelsteinen und Halsschmuck. Ihre Hände tragen Muschelhorn, Rad und Keule und zeigen Furchtlosigkeit. Möge sie uns Wohlergehen bringen!
Damit endet die als Kātyāyanī-Fassung bezeichnete Lesung. Danach rezitiert man die Gāyatrī nach Vermögen und die vierte Gāyatrī in einem Zehntel dieser Zahl.
Ein unnummeriertes Zitat erläutert: Die Vollwertigkeit der Rezitation des dreiversvierteligen Mantra entsteht durch die Rezitation des vierten [Viertels] im Umfang eines Zehntels. Was ohne diese vierte Rezitation getan wird, soll nach dieser Aussage fruchtlos bleiben.
Einleitung zum Gāyatrī-Kavaca
Am Ende der Rezitation wird das Schutzgebet gelesen. Als Seher dieses Gāyatrī-Kavaca-Mantra gelten Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara; als Versmaße Ṛg-, Yajur-, Sāma- und Atharva-Veda; als Gottheiten Gāyatrī, Sāvitrī und Sarasvatī. Oṃ tat ist das Bīja, yāt die Śakti [der Druck verbindet dies auffällig als yācchaktiḥ], dhīmahi der Verschluss. Die Anwendung beim Lesen des Schutzgebets dient der Tilgung aller eigenen Verfehlungen. Nach Auflegung der sechs Glieder der Gāyatrī meditiert man mit dem zuvor zitierten Vers, beginnend muktāvidrumahema.
31.GKA.1: Gāyatrī beschütze mich im Osten, Sāvitrī im Süden, Brahmasaṃdhyā im Westen und Sarasvatī im Norden! Varianten nennen Brahmasaṃsthā beziehungsweise Vidyā für die westliche Gestalt.
31.GKA.2: Die in Feuerglanz Erstrahlende beschütze die Feuerrichtung im Südosten; die den Dämonen Furcht Einflößende beschütze die Dämonenrichtung im Südwesten! Eine Variante liest bei der ersten Gestalt „Liegende“ statt „Erstrahlende“.
31.GKA.3: Die auf der Antilope Reitende beschütze die Windrichtung im Nordwesten, die Rudragestaltige die Rudrarichtung im Nordosten. Brāhmī beschütze mich oben und Vaiṣṇavī unten! Eine Variante verändert den Beinamen der Antilopengestalt.
31.GKA.4: So beschütze Bhuvaneśvarī überall meinen ganzen Körper. Das Wort tat behüte meine Füße, das Wort savituḥ meine Unterschenkel!
31.GKA.5: Vareṇyam behüte meine Hüftgegend, bhargaḥ meinen Nabel, devasya mein Herz und dhīmahi meinen Hals!
31.GKA.6: Dhiyo yaḥ behüte meine Augen, naḥ meine Stirn! So [werde ich] von den Füßen bis zum Scheitel [behütet]; pracodayāt beschütze meinen Scheitel!
Abschluss des Schutzgebets und innere Gāyatrī-Verehrung
Druckseite 650.
31.GKA.7: Die Silbe tat beschütze meinen Scheitel, sa meine Stirn, vi meine Augen und tu meine Ohren!
31.GKA.8: Ve beschütze die Nasenöffnungen, re die Wangen, śi die Oberlippe und yaṃ die Unterlippe!
31.GKA.9: Bha beschütze das Innere des Mundes, go das Kinn, de den Halsbereich und va die Schultern!
31.GKA.10: Sya beschütze die rechte Hand, dhī die linke, ma das Herz und hi den Bauch!
31.GKA.11: Dhi beschütze den Nabelbereich, yo beide Hüftseiten, das nächste yo den verborgenen Bereich und naḥ meine Oberschenkel!
31.GKA.12: Pra beschütze beide Knie, co die Unterschenkel, da die Knöchel und yāt beide Füße! Die Silbenformen śi und go werden entsprechend dem Druck dieser Fassung bewahrt.
31.GKA.13: Dieses göttliche Schutzgebet wehrt hundert Bedrängnisse ab und soll die vierundsechzig Künste, Wissen, freie Entfaltung und Herrschaft verwirklichen.
31.GKA.14: Am Beginn [der Gāyatrī-Rezitation] und am Ende der Rezitation soll man das Schutzgebet lesen. Von allen schweren Verfehlungen, angefangen mit der Tötung eines Brahmanen, einer Frau oder einer Kuh und dem Verrat an einem Freund …
Unnummerierte Fortsetzung mit Drucklücke: … wird man, so die Verheißung, befreit und gelangt zum höchsten Brahman. Eine Variante liest „von sämtlichen“ Verfehlungen. Damit endet das Gāyatrī-Kavaca. Die Anweisung dieses Verses nennt auch den Beginn; die vorangehende Prosa hatte das Schutzgebet ausdrücklich ans Ende gestellt.
Die zwei Arten der Verehrung
Die Verehrung der Gāyatrī wird in eine innere und eine äußere Form unterschieden. Für die innere Verehrung wird zunächst der Sonnensitz aufgelegt.
Am Scheitel: oṃ guṃ gurubhyo namaḥ – Verehrung den Lehrern. Im Mūlādhāra: gaṃ gaṇapataye namaḥ – Verehrung Gaṇapati. Danach werden vom Mūlādhāra aus nach oben, jeweils mit namaḥ, folgende Grundlagen verehrt:
- Die tragende Kraft, ādhāraśakti.
- Die Urnatur, mūlaprakṛti.
- Die Schildkröte, Kūrma.
- Ananta.
- Der Eber, Varāha.
- Die Erde.
- Das Milchmeer.
- Die weiße Insel, Śvetadvīpa.
- Der Wunschbaum.
- Der Edelsteinpavillon.
- Der Edelsteinsockel.
- Der weiße Schirm.
- Die beiden weißen Wedel.
- In ihrer Mitte der Edelstein-Löwenthron.
Die ersten neun dieser Formeln beginnen im Druck ausdrücklich mit oṃ; die folgenden tragen den Namen im Dativ und namaḥ.
Der Thron und sein Lotus
Die Füße des Thrones sind Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrschaft. Sie werden als die vier aus beiden Schultern und beiden Oberschenkeln vorgestellten Thronfüße aufgelegt. Die vier übrigen Glieder des Thrones sind ihre Gegenteile: Adharma, Unwissenheit, Anhaftung und Machtlosigkeit, zugeordnet zu Mund, Nabel und beiden Flanken. Alle Namen werden im Dativ mit namaḥ verehrt; die Reihen beginnen mit oṃ.
In die Mitte des Thrones werden die Bewusstseinskraft und die Māyā-Kraft aufgelegt. Es folgen die Glückseligkeit als Wurzelknolle, Bewusstsein als Stängel, die Natur als Blätter, ihre Wandlungen als Staubfäden und die Mitte des Lotus als sämtliche Wirklichkeitsprinzipien, erfüllt von den fünfzig Buchstaben-Bījas. Jede dieser Anreden ist eine Verehrungsformel; bei der Glückseligkeitswurzel ist der Schluss im Druck verkürzt.
In dieser Mitte werden aufgelegt:
- oṃ aṃ arkamaṇḍalāya namaḥ – der Sonnenkreis.
- oṃ soṃ somamaṇḍalāya namaḥ – der Mondkreis.
- oṃ raṃ vahnimaṇḍalāya namaḥ – der Feuerkreis.
- oṃ saṃ sattvāya namaḥ, oṃ raṃ rajase namaḥ, oṃ taṃ tamase namaḥ – die drei Guṇas.
- oṃ aṃ ātmatattvāya namaḥ – das Selbstprinzip; danach mit oṃ und namaḥ das Māyā-, Vidyā- und Kalā-Prinzip.
- In der Mitte: paratattvāya namaḥ – das höchste Prinzip.
- oṃ āṃ ātmane namaḥ, oṃ aṃ antarātmane namaḥ, oṃ paṃ paramātmane namaḥ, oṃ hrīṃ jñānātmane namaḥ – Selbst, inneres Selbst, höchstes Selbst und Erkenntnis-Selbst.
Es folgen in den Richtungen und in der Mitte oṃ prabhūtāya namaḥ, oṃ vimalāya namaḥ, oṃ sārāya namaḥ, oṃ samārādhyāya namaḥ und in der Mitte oṃ anantāya namaḥ, wobei paramasukhāya, „dem höchsten Glück“, als Klammerzusatz genannt ist.
Die neun Kräfte des Sitzes
Auf den Staubfäden in den acht Richtungen, beginnend mit Osten, und in der Mitte legt man folgende Śaktis auf:
- oṃ rāṃ dīptāyai namaḥ.
- oṃ rīṃ sūkṣmāyai namaḥ.
- oṃ rūṃ jayāyai namaḥ.
- oṃ raiṃ bhadrāyai namaḥ.
- oṃ raiṃ vibhūtyai namaḥ.
- oṃ roṃ vimalāyai namaḥ.
- oṃ rauṃ amoghāyai namaḥ.
- oṃ raṃ vidyutāyai namaḥ.
- oṃ raḥ sarvatomukhyai namaḥ.
Bei Bhadrā und Vibhūti erscheint im Druck dieselbe beziehungsweise sehr ähnlich gesetzte Vokalform; eine vermutete andere Vokalstufe wird nicht stillschweigend eingesetzt.
In die Mitte legt man das Thronmantra: oṃ namo bhagavatyai brahmaviṣṇuśivātmikāyai saurayogapīṭhātmane namaḥ – Verehrung der Erhabenen, deren Wesen Brahmā, Viṣṇu und Śiva ist, dem Wesen des Sonnen-Yoga-Sitzes. Die wechselnde grammatische Form der Anrede bleibt erhalten.
Die Göttin im Herzen
Mit dem vorausgehenden Grundmantra setzt man die Gestalt der erwählten Gottheit ins Herz ein. Man betrachtet sie als Gestalt des Lehrers und als höchstes Brahman; als ewige Gestalt des höchsten Selbst zur Begnadung des eigenen Selbst; als Gāyatrī, die Erkenntnis vermittelt und die Gottheit des Mantra ist, als Wissen um Brahman mit Eigenschaften.
Ihre Gestalt ist göttlich, von höchstem Heil erfüllt, vollständig in allen Gliedern, mit allem Schmuck und dem ganzen Gefolge versehen. Sie gewährt sämtliche menschlichen Lebensziele, besteht aus Licht und thront auf dem Lotus des eigenen Herzens. Die gedruckte Erkenntnisbezeichnung lautet parokṣajñānadāyinī, „mittelbare Erkenntnis gewährend“; sie wird nicht ohne Nachweis zu „unmittelbarer Erkenntnis“ geändert. Eine Fußnote nennt „Herz“ als zusätzliche Lesart im vorausgehenden Abschnitt.
So betrachtet man sie und vollzieht im Geist die Verehrung mit sechzehn Darbringungen: „Dies ist dein Sitz. Sei willkommen! Sei gnädig! Hier ist das Fußwasser, hier Wasser zum Mundspülen, hier der Madhuparka-Ehrentrank …“ Die Reihe setzt auf der nächsten Seite fort.
Gāyatrī-Yantras und Beginn der äußeren Verehrung
Druckseite 651.
Die innere Darbringung von Seite 650 wird fortgesetzt: „… erneut Wasser zum Mundspülen, dieses Bad, dieses Gewand …“ Die abgekürzte Wendung saurāntam für den Abschluss der Reihe ist unklar; eine vermeintlich vollständige Liste wird nicht ergänzt. Im Geist werden außerdem Schirm, Wedel, Gesang, Tanz, Instrumentalmusik und die weiteren großen Ehrungen dargebracht. Ganz von ihr erfüllt meditiert man. Damit endet die innere Verehrung.
Erstes Yantra
31.GYA.1: Die großen Seher beschreiben Gāyatrīs Yantra mit einem außen liegenden Feuerdreieck und einer Mitte, die mit bhūr und den folgenden [Vyāhṛtis] versehen ist; mit achtblättrigem Lotus, Vokalen an Staubfäden und Blättern und Gruppen von je drei Mantrasilben. Das „Haupt“-Mantra und das vierte Viertel umschließen es; die Ecken der Erdfassung sind mit Tāra bezeichnet, die Richtungen ebenfalls markiert. Der Anfang śaṅker bāhya sowie die genaue syntaktische Verbindung von Vokalen, Staubfäden und Blättern sind beschädigt. Daraus lässt sich keine bis ins Detail sichere Zeichnung ableiten. Eine Fußnote variiert den Anschluss des vierten Viertels.
Zweites Yantra
31.GYB.1: Brahmā sprach: Hört alle, ihr Seher, das vorzügliche Gāyatrī-Yantra! Schon durch seine Kenntnis liegen die acht Siddhis in der Hand.
31.GYB.2: Einst lehrte Viṣṇu dieses Yantra mit seinen Mantragliedern: ein höchstes Geheimnis, selbst in den Vedāntas verborgen.
31.GYB.3: Man zeichnet den Feuerkreis und schreibt den Praṇava in seine Mitte, verbunden mit Māyā- und Strī-Bīja; [danach] Mahāmāyā und Ramāpati …
31.GYB.4: … Cintāmaṇi, Nārasiṃha und das Sudarśana-Mantra in ihrer Reihenfolge. Außen zeichnet der Mantrakundige einen achtblättrigen Lotus; an dessen Toren …
31.GYB.5: … schreibt er das Nārāyaṇa-Mantra, an die Verbindungsstellen das Nārasiṃha-Mantra. Er umschließt dies mit dem Māyā-Bīja und zeichnet außen zehn Blätter.
31.GYB.6: Auf die Blätter schreibt er [das Mantra] Kṛṣṇas, an die Verbindungsstellen das Rāma-Mantra. Er umschließt sie mit dem Strī-Bīja und zeichnet außen einen zwölfblättrigen Lotus.
31.GYB.7: Auf dessen Blätter kommt Vāsudeva, an die Verbindungsstellen Hayaśīrṣa. Er umschließt dies mit dem Manmatha-Bīja und zeichnet außen sechzehn Blätter.
31.GYB.8: Auf die Blätter schreibt er die Vokale, an die Verbindungsstellen Varāha. Er umschließt dies mit Cintāmaṇi und zeichnet außen achtzehn Blätter. Eine Variante formuliert die Umschließung mit „dem Juwel“.
31.GYB.9: Auf die Blätter schreibt er Kṛṣṇa, an die Verbindungsstellen Cakra und Nṛkesarin. Er umschließt dies mit dem Rāma-Bīja und zeichnet außen zweiundzwanzig Blätter.
31.GYB.10: Auf diese Blätter kommt die Gāyatrī, an die Verbindungsstellen der Mantrakönig. Als Umschließung wird Mahāmāyā verwendet; außen zeichnet man zweiunddreißig Blätter.
31.GYB.11: Dort schreibt man den Nṛsiṃha-Anuṣṭubh und an die Verbindungsstellen das Cakra-Mantra. Mit dem Praṇava umschlossen folgt außen die Erdfigur.
31.GYB.12: Darin schreibt man anschließend ringsum der Reihe nach die Konsonanten sowie haṃ sahaseti rakṣeti, verbunden mit Wind, Feuer und Nektar. Die Wortglieder dieser Formel sind im Druck nicht eindeutig getrennt und werden nicht zu einem sicheren neuen Mantra umgeformt.
31.GYB.13: In die Mitte schreibt der Kundige auch die Mantras zur Weihe des Yantra. Es folgt die Belebungsvorschrift, besonders zur Zeit der Rezitation.
31.GYB.14: Man verehrt mit sechzehn Darbringungen oder auch im Geist. Nach der Meditation über das Yantra rezitiert man 1008-mal …
31.GYB.15: … oder 108-mal oder 28-mal. An den abendlichen Pradoṣa-Zeiten des vierten Mondtages und den weiteren genannten Zeitpunkten rezitiert man die Gāyatrī zehnfach. Die Beziehung dieser letzten Zehnerangabe zu den vorausgehenden Alternativen wird nicht näher erläutert.
Die Prosa bezeichnet dies als ein zum Tragen bestimmtes Yantra; einige nennen es ein Verehrungs-Yantra. Für die hier behandelte Verehrung wird jedoch ausdrücklich das zuerst beschriebene Yantra, beginnend śaṅker bāhya, bevorzugt. Man fertigt vor sich ein Maṇḍala an. Die nur genannten Mantras der verschiedenen Gottheiten werden hier nicht in anderweitigen Fassungen ausgeschrieben.
Bereitung des Platzes
31.GYB.16: Durch Fegen, Bestreichen, Trocknen, Abkratzen und den Aufenthalt von Kühen wird der Boden auf fünffache Weise gereinigt.
Mit der linken Hand stützt beziehungsweise berührt man den Bereich, mit der rechten fertigt man das Maṇḍala und schreibt das Verehrungs-Yantra hinein. Eine Fußnote bietet eine abweichende, nicht eindeutig zuzuordnende Richtungsangabe.
31.GYB.17: Man zeichnet das Yantra mit rotem Sindūra-Pulver auf den Boden und verehrt es; oder man verwendet eines auf einer Platte beziehungsweise einem Sockel aus Gold, Silber oder einem anderen Material.
Links von sich fertigt man ein viereckiges Maṇḍala und setzt dort den mit dem Waffenmantra gereinigten Unterbau ein. Man verehrt ihn mit: rāṃ rīṃ rūṃ agnimaṇḍalāya daśakalātmane śrīgāyatryāḥ kalaśādhārāya namaḥ – Verehrung dem Feuerkreis, dessen Wesen die zehn Kalās sind, dem Unterbau des Kruges der erhabenen Gāyatrī.
Die Aufzählung der Feuer-Kalās beginnt mit Dhūmrārci, Ūṣmā, Jvalinī, Jvālinī, Visphuliṅginī und Suśrī; sie setzt auf der nächsten Seite fort.
Krugweihe, Opfergefäße und Darbringungen
Druckseite 652.
Die zehn Feuer-Kalās von Seite 651 werden mit Surūpā, Kapilā, Havyavahā und Kavyavahā abgeschlossen. Sie gehören zu den zehn Buchstaben, beginnend mit ya, und gewähren Dharma. Sie werden verehrt.
Auf den Unterbau stellt man den Krug und verehrt ihn mit maṃ sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane śrīgāyatryāḥ kalaśādhārāya namaḥ – Verehrung dem Sonnenkreis mit seinen zwölf Kalās, dem Krug-Unterbau der erhabenen Gāyatrī. Die zwölf Sonnen-Kalās heißen Tapinī, Tāpinī, Dhūmrā, Marīci, Jvālinī, Ruci, Suṣumnā, Bhogadā, Viśvā, Bodhinī, Dhāriṇī und Kṣamā. Sie spenden Wohlstand; ihre Buchstabenpaare beginnen mit ka-bha und enden nach der gedrängten Druckangabe mit ṭha-ḍa. Man beginnt mit kaṃ bhaṃ tapinyai namaḥ und fährt entsprechend fort.
Während man die Mātṛkā vorwärts und rückwärts erinnert, füllt man den Krug mit reinem Wasser. Es folgt maṃ kāmapradaṣoḍaśakalātmane candramaṇḍalāya śrīgāyatryāḥ kalaśāmṛtāya namaḥ – Verehrung dem Mondkreis mit seinen sechzehn wunscherfüllenden Kalās, dem Nektar des Kruges der erhabenen Gāyatrī.
Beginnend mit aṃ amṛtāyai namaḥ verehrt man der Reihe nach die aus den Vokalen entstandenen Kräfte: Amṛtā, Mānadā, Pūṣā, Tuṣṭi, Puṣṭi, Rati, Dhṛti, Śaśinī, Candrikā, Jyotsnā, Kānti, Śrī, Prīti, Aṅgadā, Pūrṇā und Pūrṇāmṛtā. Sie gelten als wunscherfüllend.
Darin zeichnet man das mit den Worten gāyatryās tu trikoṇaṃ ca bezeichnete Yantra. Mit dem nur angeführten Beginn brahmāṇḍodaratīrthāni zieht man die heiligen Gewässer herbei und rezitiert gaṅge ca yamune caiva. Dann bittet man: „Alle Ströme, beginnend mit Gaṅgā, alle wasserspendenden Flüsse, beginnend mit Sindhu, mögen zur Verehrung der Göttin kommen, als Tilger allen Übels!“ Man zeigt die fünf Mudrās, beginnend mit der Anrufung, und meditiert:
„An der Mündung des Kruges ist Viṣṇu, an seinem Hals Rudra, an seinem Grund Brahmā und in seiner Mitte die Schar der Mütter. In seinem Bauch sind alle Meere und die Erde mit ihren sieben Kontinenten.“ Man rezitiert den angeführten Anfang imaṃ me gaṅge yamune. Damit endet die Krugverehrung.
Anordnung der Gefäße
Rechts stellt man in gleicher Weise das Muschelhorn auf einen Unterbau, zeigt die Muschelhorn-Mudrā und besprengt mit dessen Wasser die Geräte der Verehrung. Zwischen Krug und Muschelhorn stehen die fünf Gefäße mit ihren Unterbauten: im Nordwesten die Ehrengabe, im Südwesten das Fußwasser, im Südosten der Badekrug, im Nordosten das Wasser zum Mundspülen und in der Mitte der Madhuparka-Ehrentrank.
31.GDR.1: Wasser, Milch, Kuśa-Spitzen, Ghee, Dickmilch, Honig, rote Karavīra-Blüten und roter Sandel …
31.GDR.2: … bilden die achtteilige Ehrengabe für die Sonne und Gāyatrī. Siddhārtha-Senf, Safran, Dūrvā, ein Erdklumpen, Lāmajjaka und śaśin [wörtlich „Mond“, hier eine nicht erläuterte Stoffbezeichnung] …
31.GDR.3: … heißen die sechs Stoffe des Fußwassers. Frucht, Kacora, Kampfer, Kaṅkola und Uśīra …
31.GDR.4: … werden als die sechs Stoffe des Wassers zum Mundspülen genannt. Die gedruckte Stoffgliederung ergibt jedoch keine eindeutige Sechserreihe; ein fehlender Stoff wird nicht erfunden. Als Madhuparka lehren die Weisen Dickmilch mit Honig.
31.GDR.5: Fehlt Dickmilch, wird Milch verwendet; fehlt Honig, Rohzucker. Zuckerrohr[saft], Honig und Ghee zusammen mit Zucker und Milch …
Unnummerierte Fortsetzung mit Drucklücke: … nennen Vasiṣṭha und die anderen Weisen die fünf Nektare. Diese hier genannte Mischung wird nicht stillschweigend an die frühere andere Pañcāmṛta-Liste angeglichen.
Man stellt wie zuvor die gewöhnliche und die besondere Ehrengabe vor sich, daneben zwei Lampen. Mit dem Grundmantra vollzieht man dreimal Prāṇāyāma, legt die sechs Glieder auf und reinigt die Hände.
31.GKS.1: Unterarme, Handgelenke, Seiten, Handflächen, Daumen und deren Spitzen werden als Stellen der Handreinigung genannt.
Übertragung der inneren Gestalt auf das Yantra
Nach der Verehrung des Sitzes entsprechend dem Sonnensitz-Nyāsa legt man dessen Mantra auf. Die im eigenen Herzlotus befindliche Gāyatrī, die Gestalt des höchsten Brahman, wird in der durch muktāvidrumahema beschriebenen Gestalt betrachtet. Man stellt vor, wie sie durch die Feuer-Nasenöffnung [die rechte] hervortritt und auf dem Verehrungs-Yantra Platz nimmt. Nach den zehn Mudrās, beginnend mit der Anrufung, folgt die Verehrung mit sechzehn oder achtzehn Darbringungen.
31.GUP.1: Sitz, Anrufung, Ehrengabe, Fußwasser, Wasser zum Mundspülen, Bad, Gewand, heilige Schnur und sämtliche Schmuckstücke …
31.GUP.2: … Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht, Sättigung durch Speise, Kränze, Salbung, Verneigung und Entlassung.
Nachdem man die Gottheit mit dem Grundmantra und diesen achtzehn Darbringungen erfreut hat, folgt die Verehrung der Umkreise. Das Śāradātilaka wird erneut zitiert:
31.GAV.1: Der Kundige fertigt ein Maṇḍala an, dessen Mitte durch ein Dreieck erstrahlt. Dort verehrt er den Sonnensitz mit den neun Kräften, beginnend mit Dīptā.
Umkreisverehrung, vorbereitende Rezitation und Anwendungen
Druckseite 653.
31.GAV.2: Man verehrt die Göttin in der mit dem Grundmantra vorgestellten Gestalt. In den drei Ecken werden die Kräfte, beginnend mit Brāhmī, verehrt.
31.GAV.3: Außen folgen der Reihe nach Āditya und die weiteren Gottheiten zusammen mit Uṣā und den Gefährtinnen. Danach verehrt man an den Staubfäden vorschriftsmäßig die sechs Glieder.
31.GAV.4: Außerhalb davon verehrt der Kundige die Kräfte, beginnend mit Prahlādinī; weiter außen die zuvor beschriebenen, mit Brāhmī beginnenden Gestalten zusammen mit Aruṇa.
31.GAV.5: Außen verehrt man die Planeten und die mit Indra beginnenden Richtungshüter samt Waffen. So wird die Göttin mit zehn Umkreisen vollständig verehrt.
Unnummerierte Fortsetzung mit Drucklücke: Dem Zweimalgeborenen werden Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung zugesprochen.
Nach dieser geordneten Verehrung rezitiert man mit der Gebetskette die Gāyatrī 108-mal. Man bringt die Rezitation als Lichtgestalt in der Hand der Göttin dar und spricht: „Du Hüterin des geheimsten Geheimnisses, nimm unsere Rezitation an! Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden, Göttin, große Herrin!“
Vorbereitende Rezitation und friedliche Anwendungen
31.GPR.1: Der Eingeweihte soll die Gāyatrī mit den drei Vyāhṛtis vorschriftsmäßig in der Anzahl von vierundzwanzig Lakṣas rezitieren, also 2.400.000-mal; er lebt von Almosen und beherrscht seine Sinne. Die Zahl wird durch tattva, die hier zuvor genannten vierundzwanzig Prinzipien, ausgedrückt.
31.GPR.2: Zur Vollendung des Mantra bringt man jeweils dreitausend Gaben aus Milchreis, Sesam, Dūrvā und geeigneten Brennhölzern milchsaftführender Bäume dar.
31.GPR.3: Mit Sesam nennt der Text vierundzwanzigtausend Gaben. Dadurch soll der Mantrakundige von allen Verfehlungen frei werden und langes Leben gewinnen.
31.GPR.4: Für Lebensdauer bringt der Mantraübende dreitausend Gaben dar: Opferspeise mit Ghee oder reines Ghee, Dūrvā-Dreierbündel oder Sesam.
31.GPR.5: Zehntausend rote Lotusgaben, mit den drei süßen Stoffen benetzt, sollen innerhalb von sechs Monaten große Fülle bringen; daran, heißt es, bestehe kein Zweifel.
31.GPR.6: Für den Glanz heiliger Erkenntnis opfert man Blüten des Brahmavṛkṣa. Wozu weitere Worte? Wird sie auf rechte Weise gut vollendet …
31.GPR.7: … gilt diese Vidyā für die Zweimalgeborenen als wunscherfüllende Kuh. Nun werde ich ein weiteres Wunsch-Yantra erklären, das auf Erden schwer zu erlangen ist.
31.GPR.8: In die Lotusmitte setzt man das im Druck als ḍī bezeichnete Lautzeichen, dazu ein Dreieck der Vyāhṛtis; außen einen achtblättrigen Lotus mit den zuvor genannten Merkmalen. Das Anfangszeichen ist auffällig und wird nicht ohne Nachweis zu Oṃ oder einem anderen Bīja geändert.
31.GPR.9: An die Staubfäden schreibt man die Vokale und die Mantrabuchstaben in Dreiergruppen sowie die acht Anfangsbuchstaben der Lautgruppen. Außen liegt die Indra-Figur [das Viereck]. Die genaue Beziehung der beiden Buchstabenreihen ist knapp formuliert.
31.GPR.10: Mit der Formel, beginnend āpo jyotiḥ, umschließt man dieses vorzügliche Yantra. Der Kundige schreibt es mit Rocanā und Safran auf Birkenrinde.
31.GPR.11: Nach der Einsetzung der Lebenskraft trägt man es am Hals oder Oberarm zum Schutz und Gedeihen. Der Schluss rogaṃ bhavati dhruvam ist beschädigt und ergibt keine sichere Krankheitsaussage; ein fehlendes Verneinungszeichen oder eine Heilungsbehauptung wird nicht ergänzt.
Die umgekehrte Fassung als Brahma-Waffe
31.GPR.12: Rückwärts rezitiert heißt dieses Mantra „Brahma-Waffe“. Seher und die weiteren Mantraangaben sind dieselben wie zuvor.
31.GPRA.12: Seine sechs Glieder bildet man in umgekehrter Reihenfolge; auch Silben- und Wortnyāsa werden umgekehrt vollzogen. Dies ist die zweite gedruckte Nummer 12; der eigene Abschnittscode unterscheidet sie von der ersten.
31.GPR.13: Die Unterschiede der Meditation soll man aus der Unterweisung des Lehrers erfahren, nicht anders. Die Rezitationsordnung ist wie zuvor, ebenso die Zahl der Feueropfer.
31.GPR.14: Zur Vollendung wird eine mit den fünf Kuhprodukten gut gekochte Opferspeise genannt. Die Verehrung erfolgt wie zuvor, doch die Kräfte werden in umgekehrter Reihenfolge verehrt.
31.GPR.15: Der Lehrer soll in allen Fällen die doppelte Gāyatrī-Rezitation vollziehen. Grausame Handlungen werden nach der umgekehrten Ordnung ausgeführt.
31.GPR.16: Friedens- und Gedeihrituale erfolgen in vorwärts laufender Ordnung. Für die [hier anschließend behandelte umgekehrte] Anwendung wird das dreiversviertelige Mantra rückwärts rezitiert.
31.GPR.17: Durch diese Ordnung wird das Mantra wirksam gemacht. Die Feuerwaffe wird zu seinem Haupt, die Windwaffe zu seiner Grundlage gemacht.
31.GPR.18: Die mit der Waffenformel umschlossene Waffe wird achttausendmal rezitiert. Vom achten bis zum vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte …
31.GPR.19: … nennt der Text nächtliche Feueropfer mit Brennmaterial von Citramūla, Arka, Dhattūra und dem als „Giftbaum“ bezeichneten Gewächs, mit dem unklaren vraṇataila benetzt. Dies ist eine historische Beschreibung magischer Schädigungsrituale; die unklaren Pflanzen- und Ölbezeichnungen werden nicht in moderne Stoffanweisungen umgesetzt.
31.GPR.20: Als behauptete Wirkung heißt es, der Feind gehe fieberbefallen samt Familie in Yamas Reich. Danach beginnt eine weitere Anweisung: vom ersten Tag der dunklen Monatshälfte an einen Monat lang … Fortsetzung auf der nächsten Seite.
Abschluss der Gāyatrī-Lehre und Kādi-Mantra-Pārāyaṇa
Druckseite 654. Zunächst endet die historische Darstellung schädigender Anwendungen.
31.GPR.21: Nach vorschriftsmäßigem Bad in einem zum Meer fließenden Fluss steht der Mantraübende in nassen Gewändern zur dṛṣṭikāla genannten Zeit, der Richtung der Ahnen [Süden] zugewandt. Die genaue Zeitbezeichnung bleibt unerläutert.
31.GPR.22: Das mit dem Namen des Feindes verbundene Mantra wird 108-mal rezitiert; nachts folgt ein Opfer im dreieckigen Feuerbecken mit den zuvor genannten Mitteln.
31.GPR.23: Die behauptete Wirkung lautet, dass der Feind, selbst wenn Brahmā, Viṣṇu und Śiva ihn schützten, rasch von Krankheiten bedrängt samt seinen Angehörigen in Yamas Stadt gehe.
31.GPR.24: Für das Brahmaśīrṣa-Mantra und den Brahmadaṇḍa soll der besonders Mantrakundige die Anwendungen von Seherangabe, Nyāsa, Verehrung und Weiterem …
31.GPR.25: … wie bei der Brahma-Waffe ausführen, einschließlich der feindvernichtenden Vorschrift. Wer diese drei Waffen und die Handlungen des Aussendens und Zurücknehmens kennt …
Unnummerierte Fortsetzung mit Drucklücke: … gilt als Śiva selbst, fähig zur Zügelung und zur Begnadung. Damit endet die Gāyatrī-Lehre.
Die Mantra-Pārāyaṇa-Reihe nach der Kādi-Tradition
Die folgende fortlaufende Mantrarezitation nach der Kādi-Tradition wird auf den verehrten Dharmācārya und dessen kurzen Hymnus zurückgeführt. Die Stelle, beginnend „Māyā, Kuṇḍalinī“, wird im Druck als ṣaṭślokena bezeichnet; die genaue Verweisform ist ungewöhnlich. Es wird zitiert:
31.KDP.1: Du bist Māyā, Kuṇḍalinī, Kriyā, Madhumatī, Kālī, Kalā, Mālinī, Mātaṅgī, Vijayā, Jayā, Bhagavatī, Devī, Śivā, Śāmbhavī, Śakti, Śaṅkaravallabhā, Trinayanā, Vāgvādinī, Bhairavī, Hrīṃkārī, Tripurā, die aus Höchstem und Nicht-Höchstem Bestehende, Mutter und Kumārī.
Die Erklärung ordnet Māyā dem Bīja hrīṃ, Kuṇḍalinī dem Bīja aiṃ und Kriyā dem Bīja klīṃ zu. Madhumatī bezeichnet die vierfache Mātṛkā: rein, mit Bindu, mit Visarga sowie mit Bindu und Visarga. Mit Kālī beginnen zehn Vidyās. Durch diese Angaben wird die vom verehrungswürdigen Lehrer empfangene Pārāyaṇa-Ordnung erläutert.
Nach den Morgenhandlungen richtet man an einem abgeschiedenen Ort den eigenen Sitz her und verehrt ihn mit ādhāraśaktikamalāsanāya namaḥ – Verehrung dem Lotussitz der tragenden Kraft. Man sitzt nach Osten gewandt, verneigt sich vor Lehrer, Gaṇapati und höchster Gottheit und vollzieht für die Grundvidyā den Nyāsa von Seher und weiteren Angaben, Handnyāsa und sechsgliedrigen Nyāsa sowie den Nyāsa der vier Sitze und acht Gottheiten. Man meditiert über die Göttin, verehrt sie mit inneren Darbringungen und beginnt, als Verkörperung der höchsten Gottheit, die Pārāyaṇa-Rezitation.
Kālī: erste Mātṛkā-Reihe
Der Druck schreibt die erste Reihe aus. Jeder Formel geht die Grundvidyā voraus, anfangs mit oṃ, danach im Druck als mū. abgekürzt. Die Grundvidyā selbst wird hier nur bezeichnet, nicht ausgeschrieben. Die folgende Tabelle bewahrt alle 51 anschließenden Formelglieder; die Zeilen sind keine zusätzlichen nummerierten Textverse.
| Buchstabenfolge | Formelglieder nach der Grundvidyā |
|---|---|
| a, ā, i, ī | hrīṃ a kālī sauḥ; hrīṃ ā kālī sauḥ; hrīṃ i kālī sauḥ; hrīṃ ī kālī sauḥ |
| u, ū, ṛ, ṝ | hrīṃ u kālī sauḥ; hrīṃ ū kālī sauḥ; hrīṃ ṛ kālī sauḥ; hrīṃ ṝ kālī sauḥ |
| ḷ, ḹ, e, ai | hrīṃ ḷ kālī sauḥ; hrīṃ ḹ kālī sauḥ; hrīṃ e kālī sauḥ; hrīṃ ai kālī sauḥ |
| o, au, aṃ, aḥ | hrīṃ o kālī sauḥ; hrīṃ au kālī sauḥ; hrīṃ aṃ kālī sauḥ; hrīṃ aḥ kālī sauḥ |
| ka, kha, ga, gha, ṅa | hrīṃ ka kālī sauḥ; hrīṃ kha kālī sauḥ; hrīṃ ga kālī sauḥ; hrīṃ gha kālī sauḥ; hrīṃ ṅa kālī sauḥ |
| ca, cha, ja, jha, ña | hrīṃ ca kālī sauḥ; hrīṃ cha kālī sauḥ; hrīṃ ja kālī sauḥ; hrīṃ jha kālī sauḥ; hrīṃ ña kālī sauḥ |
| ṭa, ṭha, ḍa, ḍha, ṇa | hrīṃ ṭa kālī sauḥ; hrīṃ ṭha kālī sauḥ; hrīṃ ḍa kālī sauḥ; hrīṃ ḍha kālī sauḥ; hrīṃ ṇa kālī sauḥ |
| ta, tha, da, dha, na | hrīṃ ta kālī sauḥ; hrīṃ tha kālī sauḥ; hrīṃ da kālī sauḥ; hrīṃ dha kālī sauḥ; hrīṃ na kālī sauḥ |
| pa, pha, ba, bha, ma | hrīṃ pa kālī sauḥ; hrīṃ pha kālī sauḥ; hrīṃ ba kālī sauḥ; hrīṃ bha kālī sauḥ; hrīṃ ma kālī sauḥ |
| ya, ra, la, va | hrīṃ ya kālī sauḥ; hrīṃ ra kālī sauḥ; hrīṃ la kālī sauḥ; hrīṃ va kālī sauḥ |
| śa, ṣa, sa, ha, ḻa, kṣa | hrīṃ śa kālī sauḥ; hrīṃ ṣa kālī sauḥ; hrīṃ sa kālī sauḥ; hrīṃ ha kālī sauḥ; hrīṃ ḻa kālī sauḥ; hrīṃ kṣa kālī sauḥ |
Die weiteren Mātṛkā-Formen
Nach diesen 51 Rezitationen beginnt die Bindu-Reihe: Grundvidyā, hrīṃ aṃ kālī sauḥ; Grundvidyā, hrīṃ āṃ kālī sauḥ; Grundvidyā, hrīṃ iṃ kālī sauḥ. Entsprechend werden die Mātṛkā-Buchstaben mit Bindu 51-mal durchlaufen; die übrigen Formeln verweist der Druck nur allgemein.
Danach folgt die Visarga-Reihe: Grundvidyā, hrīṃ aḥ kālī sauḥ; hrīṃ āḥ kālī sauḥ; hrīṃ iḥ kālī sauḥ; hrīṃ īḥ kālī sauḥ und so weiter bis hrīṃ kṣaḥ kālī sauḥ, jeweils nach der Grundvidyā. Auch diese Reihe umfasst 51 Rezitationen.
Die vierte Reihe beginnt mit Grundvidyā, hrīṃ aṃḥ kālī sauḥ, dann hrīṃ āṃḥ kālī …; der Schluss und die Fortsetzung folgen auf der nächsten Seite. Die hier getrennt gesetzten Bestandteile dienen der Lesbarkeit; eine zusätzliche Sandhi-Rekonstruktion wird nicht vorgenommen.
Pārāyaṇa mit Kālī, Kalā, Mālinī und Mātaṅgī
Druckseite 655; ausschließlich unnummerierte Prosa. Die Zahlen 51, 204 und 612 sind Wiederholungszahlen und keine Versnummern. Die Grundvidyā geht jeder Formel voraus; sie bleibt im Druck abgekürzt. Die vier Mātṛkā-Formen heißen hier: ohne zusätzliches Zeichen, mit Bindu, mit Visarga sowie mit Bindu und Visarga.
Die auf Seite 654 begonnene vierte Kālī-Reihe endet auf sauḥ. Es folgen ausdrücklich hrīṃ iṃḥ kālī sauḥ und hrīṃ īṃḥ kālī sauḥ, dann der Verweis „und so weiter“ bis hrīṃ kṣaṃḥ kālī sauḥ. So wird die Reihe mit Bindu und Visarga 51-mal durchlaufen. Zusammen ergeben die vier mit Māyā-Bīja verbundenen Reihen 204 Rezitationen der Grundvidyā.
Danach folgen die entsprechenden Reihen mit dem Vāgbhava-Bīja aiṃ und dem Kāmarāja-Bīja klīṃ. Für die erste Vāgbhava-Reihe nennt der Druck außer Anfang und Ende auch ausdrücklich aiṃ ā kālī sauḥ, aiṃ i kālī sauḥ und aiṃ ī kālī sauḥ. Die folgenden Tabellen bewahren die angegebenen Anfänge und Enden, jeweils mit dem gedruckten Fortsetzungsverweis; nicht ausgeschriebene Zwischenformeln werden nicht ergänzt. Bei eng gesetzten Nasal- und Visargazeichen ist die Druckform teilweise schwer zu trennen; die in der Prosa ausdrücklich benannte jeweilige Zeichenklasse wird kenntlich wiedergegeben.
Kālī: Vāgbhava und Kāmarāja
| Bīja | Mātṛkā-Form | Gedruckter Reihenanfang und gegebenenfalls Reihenende | Anzahl
|
|---|---|---|---|
| aiṃ | Rein | aiṃ a kālī sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣa kālī sauḥ | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ kālī sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣaṃ kālī sauḥ | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ kālī sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣaḥ kālī sauḥ | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ kālī sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣaṃḥ kālī sauḥ | 51
|
| klīṃ | Rein | klīṃ a kālī sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣa kālī sauḥ | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ kālī sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣaṃ kālī sauḥ | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ kālī sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣaḥ kālī sauḥ | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ kālī sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣaṃḥ kālī sauḥ | 51
|
Jede dieser beiden Bīja-Gruppen umfasst 204 Rezitationen. Mit der bereits beschriebenen Māyā-Gruppe ergibt dies insgesamt 612 Rezitationen der Grundvidyā für Kālī.
Kalā
| Bīja | Mātṛkā-Form | Gedruckter Reihenanfang und gegebenenfalls Reihenende | Anzahl
|
|---|---|---|---|
| hrīṃ | Rein | hrīṃ a kalā sauḥ und so weiter | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu | hrīṃ aṃ kalā sauḥ und so weiter | 51
|
| hrīṃ | Mit Visarga | hrīṃ aḥ kalā sauḥ und so weiter | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu und Visarga | hrīṃ aṃḥ kalā sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Rein | aiṃ a kalā sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ kalā sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ kalā sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ kalā sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Rein | klīṃ a kalā sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ kalā sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ kalā sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ kalā sauḥ und so weiter | 51
|
Jede der drei Bīja-Gruppen umfasst 204 Rezitationen. Der Text nennt als Gesamtzahl für Kalā ausdrücklich 612 Rezitationen mit den vier Mātṛkā-Formen und den drei Bījas.
Bei Kalā nennt der Druck jeweils nur den Anfang und „und so weiter“, nicht nochmals die Endformel. Kalā ist als eigener Name von Kālī zu unterscheiden.
Mālinī
| Bīja | Mātṛkā-Form | Gedruckter Reihenanfang und gegebenenfalls Reihenende | Anzahl
|
|---|---|---|---|
| hrīṃ | Rein | hrīṃ a mālinī sauḥ und so weiter bis hrīṃ kṣa mālinī sauḥ | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu | hrīṃ aṃ mālinī sauḥ und so weiter bis hrīṃ kṣaṃ mālinī sauḥ | 51
|
| hrīṃ | Mit Visarga | hrīṃ aḥ mālinī sauḥ und so weiter bis hrīṃ kṣaḥ mālinī sauḥ | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu und Visarga | hrīṃ aṃḥ mālinī sauḥ und so weiter bis hrīṃ kṣaṃḥ mālinī sauḥ | 51
|
| aiṃ | Rein | aiṃ a mālinī sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣa mālinī sauḥ | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ mālinī sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣaṃ mālinī sauḥ | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ mālinī sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣaḥ mālinī sauḥ | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ mālinī sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣaṃḥ mālinī sauḥ | 51
|
| klīṃ | Rein | klīṃ a mālinī sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣa mālinī sauḥ | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ mālinī sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣaṃ mālinī sauḥ | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ mālinī sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣaḥ mālinī sauḥ | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ mālinī sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣaṃḥ mālinī sauḥ | 51
|
Jede der drei Bīja-Gruppen umfasst 204 Rezitationen. Der Text nennt als Gesamtzahl für Mālinī ausdrücklich 612 Rezitationen mit den vier Mātṛkā-Formen und den drei Bījas.
Mātaṅgī
| Bīja | Mātṛkā-Form | Gedruckter Reihenanfang und gegebenenfalls Reihenende | Anzahl
|
|---|---|---|---|
| hrīṃ | Rein | hrīṃ a mātaṅgī sauḥ und so weiter bis hrīṃ kṣa mātaṅgī sauḥ | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu | hrīṃ aṃ mātaṅgī sauḥ und so weiter bis hrīṃ kṣaṃ mātaṅgī sauḥ | 51
|
| hrīṃ | Mit Visarga | hrīṃ aḥ mātaṅgī sauḥ und so weiter bis hrīṃ kṣaḥ mātaṅgī sauḥ | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu und Visarga | hrīṃ aṃḥ mātaṅgī sauḥ und so weiter bis hrīṃ kṣaṃḥ mātaṅgī sauḥ | 51
|
| aiṃ | Rein | aiṃ a mātaṅgī sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣa mātaṅgī sauḥ | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ mātaṅgī sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣaṃ mātaṅgī sauḥ | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ mātaṅgī sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣaḥ mātaṅgī sauḥ | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ mātaṅgī sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣaṃḥ mātaṅgī sauḥ | 51
|
| klīṃ | Rein | klīṃ a mātaṅgī sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣa mātaṅgī sauḥ | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ mātaṅgī sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣaṃ mātaṅgī sauḥ | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ mātaṅgī sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣaḥ mātaṅgī sauḥ | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ mātaṅgī sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣaṃḥ mātaṅgī sauḥ | 51
|
Jede der drei Bīja-Gruppen umfasst 204 Rezitationen. Der Text nennt als Gesamtzahl für Mātaṅgī ausdrücklich 612 Rezitationen mit den vier Mātṛkā-Formen und den drei Bījas.
Pārāyaṇa mit Vijayā, Jayā, Bhagavatī, Devī, Śivā und Śāmbhavī
Druckseite 656; ausschließlich unnummerierte Prosa. Der Text setzt die vier Mātṛkā-Formen mit den drei Bījas Māyā (hrīṃ), Vāgbhava (aiṃ) und Kāmarāja (klīṃ) fort. Jeder Formel geht die im Druck abgekürzte Grundvidyā voraus. Jede Tabellenzeile steht für die ausdrücklich genannte Folge von 51 Rezitationen. Die nicht ausgeschriebenen Zwischenformeln bleiben als Fortsetzungsverweis erhalten.
Vijayā
| Bīja | Mātṛkā-Form | Angegebene Formelreihe nach der Grundvidyā | Anzahl
|
|---|---|---|---|
| hrīṃ | Rein | hrīṃ a vijayā sauḥ und so weiter bis hrīṃ kṣa vijayā sauḥ | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu | hrīṃ aṃ vijayā sauḥ und so weiter bis hrīṃ kṣaṃ vijayā sauḥ | 51
|
| hrīṃ | Mit Visarga | hrīṃ aḥ vijayā sauḥ und so weiter bis hrīṃ kṣaḥ vijayā sauḥ | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu und Visarga | hrīṃ aṃḥ vijayā sauḥ und so weiter bis hrīṃ kṣaṃḥ vijayā sauḥ | 51
|
| aiṃ | Rein | aiṃ a vijayā sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣa vijayā sauḥ | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ vijayā sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣaṃ vijayā sauḥ | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ vijayā sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣaḥ vijayā sauḥ | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ vijayā sauḥ und so weiter bis aiṃ kṣaṃḥ vijayā sauḥ | 51
|
| klīṃ | Rein | klīṃ a vijayā sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣa vijayā sauḥ | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ vijayā sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣaṃ vijayā sauḥ | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ vijayā sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣaḥ vijayā sauḥ | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ vijayā sauḥ und so weiter bis klīṃ kṣaṃḥ vijayā sauḥ | 51
|
Jede Bīja-Gruppe wird mit 204, die gesamte Folge für Vijayā mit 612 Rezitationen angegeben.
Hier werden Anfang und Ende jeder Reihe ausdrücklich genannt. Bei den folgenden Göttinnen nennt der Druck nur den Anfang und den Fortsetzungsverweis.
Jayā
| Bīja | Mātṛkā-Form | Angegebene Formelreihe nach der Grundvidyā | Anzahl
|
|---|---|---|---|
| hrīṃ | Rein | hrīṃ a jayā sauḥ und so weiter | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu | hrīṃ aṃ jayā sauḥ und so weiter | 51
|
| hrīṃ | Mit Visarga | hrīṃ aḥ jayā sauḥ und so weiter | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu und Visarga | hrīṃ aṃḥ jayā sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Rein | aiṃ a jayā sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ jayā sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ jayā sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ jayā sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Rein | klīṃ a jayā sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ jayā sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ jayā sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ jayā sauḥ und so weiter | 51
|
Jede Bīja-Gruppe wird mit 204, die gesamte Folge für Jayā mit 612 Rezitationen angegeben.
Bhagavatī
| Bīja | Mātṛkā-Form | Angegebene Formelreihe nach der Grundvidyā | Anzahl
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|---|---|---|---|
| hrīṃ | Rein | hrīṃ a bhagavatī sauḥ und so weiter | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu | hrīṃ aṃ bhagavatī sauḥ und so weiter | 51
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| hrīṃ | Mit Visarga | hrīṃ aḥ bhagavatī sauḥ und so weiter | 51
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| hrīṃ | Mit Bindu und Visarga | hrīṃ aṃḥ bhagavatī sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Rein | aiṃ a bhagavatī sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ bhagavatī sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ bhagavatī sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ bhagavatī sauḥ und so weiter | 51
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| klīṃ | Rein | klīṃ a bhagavatī sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ bhagavatī sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ bhagavatī sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ bhagavatī sauḥ und so weiter | 51
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Jede Bīja-Gruppe wird mit 204, die gesamte Folge für Bhagavatī mit 612 Rezitationen angegeben.
Devī
| Bīja | Mātṛkā-Form | Angegebene Formelreihe nach der Grundvidyā | Anzahl
|
|---|---|---|---|
| hrīṃ | Rein | hrīṃ a devī sauḥ und so weiter | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu | hrīṃ aṃ devī sauḥ und so weiter | 51
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| hrīṃ | Mit Visarga | hrīṃ aḥ devī sauḥ und so weiter | 51
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| hrīṃ | Mit Bindu und Visarga | hrīṃ aṃḥ devī sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Rein | aiṃ a devī sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ devī sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ devī sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ devī sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Rein | klīṃ a devī sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ devī sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ devī sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ devī sauḥ und so weiter | 51
|
Jede Bīja-Gruppe wird mit 204, die gesamte Folge für Devī mit 612 Rezitationen angegeben.
Śivā
| Bīja | Mātṛkā-Form | Angegebene Formelreihe nach der Grundvidyā | Anzahl
|
|---|---|---|---|
| hrīṃ | Rein | hrīṃ a śivā sauḥ und so weiter | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu | hrīṃ aṃ śivā sauḥ und so weiter | 51
|
| hrīṃ | Mit Visarga | hrīṃ aḥ śivā sauḥ und so weiter | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu und Visarga | hrīṃ aṃḥ śivā sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Rein | aiṃ a śivā sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ śivā sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ śivā sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ śivā sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Rein | klīṃ a śivā sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ śivā sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ śivā sauḥ und so weiter | 51
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| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ śivā sauḥ und so weiter | 51
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Jede Bīja-Gruppe wird mit 204, die gesamte Folge für Śivā mit 612 Rezitationen angegeben.
In der Kāmarāja-Gruppe steht die Zwischensumme 204 bereits nach der dritten Reihe und nochmals nach der vierten. Diese vorgezogene und wiederholte Summenangabe wird als Druckabweichung festgehalten; sie erzeugt keine weitere Formelreihe.
Śāmbhavī
| Bīja | Mātṛkā-Form | Angegebene Formelreihe nach der Grundvidyā | Anzahl
|
|---|---|---|---|
| hrīṃ | Rein | hrīṃ a śāṃbhavī sauḥ und so weiter | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu | hrīṃ aṃ śāṃbhavī sauḥ und so weiter | 51
|
| hrīṃ | Mit Visarga | hrīṃ aḥ śāṃbhavī sauḥ und so weiter | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu und Visarga | hrīṃ aṃḥ śāṃbhavī sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Rein | aiṃ a śāṃbhavī sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ śāṃbhavī sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ śāṃbhavī sauḥ und so weiter | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ śāṃbhavī sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Rein | klīṃ a śāṃbhavī sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ śāṃbhavī sauḥ und so weiter | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ śāṃbhavī sauḥ und so weiter | 51
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| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ śāṃbhavī sauḥ und so weiter | 51
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Jede Bīja-Gruppe wird mit 204, die gesamte Folge für Śāmbhavī mit 612 Rezitationen angegeben.
Der Druck schreibt den Namen hier mit Anusvāra als śāṃbhavī; die Überschrift verwendet die übliche Umschrift Śāmbhavī.
Zweiter Tag der Mantra-Pārāyaṇa
Druckseite 657; unnummerierte Prosa. Der erste Tagesdurchlauf wird mit insgesamt 6.120 Rezitationen der Grundvidyā abgeschlossen: zehn Göttinnennamen mit je 612 Wiederholungen.
Am zweiten Tag beginnt man nach derselben Verehrung des Sitzes und den weiteren vorbereitenden Handlungen. Anstelle von sauḥ treten zwei eng gesetzte Bījas. Eine vorläufige Bildlesung ist hasrauṃ sahrauṃ (Devanagari: हस्रौं सह्रौं); die Vokalzeichen bleiben trotz Vergrößerung nicht völlig sicher. Diese Lesung ist daher nicht als abschließend gesicherte Mantraform zu behandeln. In den folgenden Tabellen steht [Bīja-Paar] genau für diese beiden gedruckten Schlussglieder, nicht für einen ausgelassenen weiteren Satz. Der Bildausschnitt und die Stelle sind zur späteren Prüfung erhalten.
Die Grundvidyā geht jeder Formel voraus. Jeder Anfang wird nach dem beschriebenen Alphabet fortgesetzt, jeweils 51-mal. Für Kālī sagt der Druck ausdrücklich „und so weiter“, bei den folgenden Namen verkürzt er die Angabe auf Anfangsformel und Anzahl.
Kālī
| Bīja | Mātṛkā-Form | Beginn der Folge nach der Grundvidyā | Anzahl
|
|---|---|---|---|
| hrīṃ | Rein | hrīṃ a kālī [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu | hrīṃ aṃ kālī [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Visarga | hrīṃ aḥ kālī [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu und Visarga | hrīṃ aṃḥ kālī [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Rein | aiṃ a kālī [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ kālī [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ kālī [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ kālī [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Rein | klīṃ a kālī [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ kālī [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ kālī [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ kālī [Bīja-Paar] | 51
|
Die drei Bīja-Gruppen umfassen jeweils 204, zusammen 612 Rezitationen.
Kalā
| Bīja | Mātṛkā-Form | Beginn der Folge nach der Grundvidyā | Anzahl
|
|---|---|---|---|
| hrīṃ | Rein | hrīṃ a kalā [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu | hrīṃ aṃ kalā [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Visarga | hrīṃ aḥ kalā [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu und Visarga | hrīṃ aṃḥ kalā [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Rein | aiṃ a kalā [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ kalā [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ kalā [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ kalā [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Rein | klīṃ a kalā [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ kalā [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ kalā [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ kalā [Bīja-Paar] | 51
|
Die drei Bīja-Gruppen umfassen jeweils 204, zusammen 612 Rezitationen.
Mālinī
| Bīja | Mātṛkā-Form | Beginn der Folge nach der Grundvidyā | Anzahl
|
|---|---|---|---|
| hrīṃ | Rein | hrīṃ a mālinī [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu | hrīṃ aṃ mālinī [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Visarga | hrīṃ aḥ mālinī [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu und Visarga | hrīṃ aṃḥ mālinī [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Rein | aiṃ a mālinī [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ mālinī [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ mālinī [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ mālinī [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Rein | klīṃ a mālinī [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ mālinī [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ mālinī [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ mālinī [Bīja-Paar] | 51
|
Die drei Bīja-Gruppen umfassen jeweils 204, zusammen 612 Rezitationen.
Mātaṅgī
| Bīja | Mātṛkā-Form | Beginn der Folge nach der Grundvidyā | Anzahl
|
|---|---|---|---|
| hrīṃ | Rein | hrīṃ a mātaṅgī [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu | hrīṃ aṃ mātaṅgī [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Visarga | hrīṃ aḥ mātaṅgī [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu und Visarga | hrīṃ aṃḥ mātaṅgī [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Rein | aiṃ a mātaṅgī [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ mātaṅgī [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ mātaṅgī [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ mātaṅgī [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Rein | klīṃ a mātaṅgī [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ mātaṅgī [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ mātaṅgī [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ mātaṅgī [Bīja-Paar] | 51
|
Die drei Bīja-Gruppen umfassen jeweils 204, zusammen 612 Rezitationen.
Vijayā
| Bīja | Mātṛkā-Form | Beginn der Folge nach der Grundvidyā | Anzahl
|
|---|---|---|---|
| hrīṃ | Rein | hrīṃ a vijayā [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu | hrīṃ aṃ vijayā [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Visarga | hrīṃ aḥ vijayā [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu und Visarga | hrīṃ aṃḥ vijayā [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Rein | aiṃ a vijayā [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ vijayā [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ vijayā [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ vijayā [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Rein | klīṃ a vijayā [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ vijayā [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ vijayā [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ vijayā [Bīja-Paar] | 51
|
Die drei Bīja-Gruppen umfassen jeweils 204, zusammen 612 Rezitationen.
Jayā
| Bīja | Mātṛkā-Form | Beginn der Folge nach der Grundvidyā | Anzahl
|
|---|---|---|---|
| hrīṃ | Rein | hrīṃ a jayā [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu | hrīṃ aṃ jayā [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Visarga | hrīṃ aḥ jayā [Bīja-Paar] | 51
|
| hrīṃ | Mit Bindu und Visarga | hrīṃ aṃḥ jayā [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Rein | aiṃ a jayā [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu | aiṃ aṃ jayā [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Visarga | aiṃ aḥ jayā [Bīja-Paar] | 51
|
| aiṃ | Mit Bindu und Visarga | aiṃ aṃḥ jayā [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Rein | klīṃ a jayā [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu | klīṃ aṃ jayā [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Visarga | klīṃ aḥ jayā [Bīja-Paar] | 51
|
| klīṃ | Mit Bindu und Visarga | klīṃ aṃḥ jayā [Bīja-Paar] | 51
|
Die drei Bīja-Gruppen umfassen jeweils 204, zusammen 612 Rezitationen.
Beginn der Bhagavatī-Reihe
Am Seitenende beginnt die nächste Gruppe:
- Grundvidyā, hrīṃ a bhagavatī [Bīja-Paar], 51-mal.
- Grundvidyā, hrīṃ aṃ bhagavatī [Bīja-Paar], 51-mal.
- Grundvidyā, hrīṃ aḥ bhagavatī [Bīja-Paar]; diese Zeile wird auf der nächsten Seite abgeschlossen.
Zweiter Tag: Abschluss der Namensreihen; Beginn des dritten Tages
Druckseite 658; Fortsetzung der unnummerierten Prosa. Die auf Seite 657 begonnene dritte Bhagavatī-Form endet mit der Anzahl 51; darauf folgt die vierte Form mit Bindu und Visarga, ebenfalls 51-mal. Damit ist auch diese Gruppe von 204 vollständig angegeben.
Die folgenden Formeln werden jeweils nach der Grundvidyā gesprochen. Das auf Seite 657 erläuterte [Bīja-Paar] bleibt eine unsichere Lesung. Die vier Mātṛkā-Anfänge sind a, aṃ, aḥ, aṃḥ; die Tabelle gibt jeden im Druck genannten Anfang wieder. Die Zahl 51 bezeichnet jeweils den Durchgang durch die Buchstabenreihe.
| Göttinnenname | Bīja | Vier Anfänge vor dem [Bīja-Paar] | Wiederholungen |
|---|---|---|---|
| bhagavatī | aiṃ | aiṃ a bhagavatī; aiṃ aṃ bhagavatī; aiṃ aḥ bhagavatī; aiṃ aṃḥ bhagavatī | Je 51; zusammen 204 |
| bhagavatī | klīṃ | klīṃ a bhagavatī; klīṃ aṃ bhagavatī; klīṃ aḥ bhagavatī; klīṃ aṃḥ bhagavatī | Je 51; zusammen 204 |
| devī | hrīṃ | hrīṃ a devī; hrīṃ aṃ devī; hrīṃ aḥ devī; hrīṃ aṃḥ devī | Je 51; zusammen 204 |
| devī | aiṃ | aiṃ a devī; aiṃ aṃ devī; aiṃ aḥ devī; aiṃ aṃḥ devī | Je 51; zusammen 204 |
| devī | klīṃ | klīṃ a devī; klīṃ aṃ devī; klīṃ aḥ devī; klīṃ aṃḥ devī | Je 51; zusammen 204 |
| śivā | hrīṃ | hrīṃ a śivā; hrīṃ aṃ śivā; hrīṃ aḥ śivā; hrīṃ aṃḥ śivā | Je 51; zusammen 204 |
| śivā | aiṃ | aiṃ a śivā; aiṃ aṃ śivā; aiṃ aḥ śivā; aiṃ aṃḥ śivā | Je 51; zusammen 204 |
| śivā | klīṃ | klīṃ a śivā; klīṃ aṃ śivā; klīṃ aḥ śivā; klīṃ aṃḥ śivā | Je 51; zusammen 204 |
| śāṃbhavī | hrīṃ | hrīṃ a śāṃbhavī; hrīṃ aṃ śāṃbhavī; hrīṃ aḥ śāṃbhavī; hrīṃ aṃḥ śāṃbhavī | Je 51; zusammen 204 |
| śāṃbhavī | aiṃ | aiṃ a śāṃbhavī; aiṃ aṃ śāṃbhavī; aiṃ aḥ śāṃbhavī; aiṃ aṃḥ śāṃbhavī | Je 51; zusammen 204 |
| śāṃbhavī | klīṃ | klīṃ a śāṃbhavī; klīṃ aṃ śāṃbhavī; klīṃ aḥ śāṃbhavī; klīṃ aṃḥ śāṃbhavī | Je 51; zusammen 204 |
Für jeden Göttinnennamen werden nach der bereits beschriebenen Weise insgesamt 612 Rezitationen ausgeführt. Somit ergibt auch der zweite Tag 6.120 Wiederholungen der Grundvidyā.
Am dritten Tag führt man wiederum die Vorbereitung vom Sitz bis zur geistigen Verehrung aus. Nun lauten die Anfänge der anschließenden Formeln:
| Göttinnenname | Nach der Grundvidyā angegebene Formeln | Umfang |
|---|---|---|
| kālī | hrīṃ a kālī vauṣaṭ; aiṃ a kālī vauṣaṭ; klīṃ a kālī vauṣaṭ | Jeder Anfang mit den vier Mātṛkā-Reihen: 204; zusammen 612 |
| kalā | hrīṃ a kalā vauṣaṭ; aiṃ a kalā vauṣaṭ; klīṃ a kalā vauṣaṭ | Jeder Anfang mit den vier Mātṛkā-Reihen: 204; zusammen 612 |
| mālinī | hrīṃ a mālinī vauṣaṭ; aiṃ a mālinī vauṣaṭ; klīṃ a mālinī vauṣaṭ | Jeder Anfang mit den vier Mātṛkā-Reihen: 204; zusammen 612 |
| mātaṅgī | hrīṃ a mātaṅgī vauṣaṭ; aiṃ a mātaṅgī vauṣaṭ; klīṃ a mātaṅgī vauṣaṭ | Jeder Anfang mit den vier Mātṛkā-Reihen: 204; zusammen 612 |
Bei Mālinī scheint die abschließende Gesamtzahl im Druck 662 zu lauten; die drei ausdrücklich genannten Gruppen zu 204 ergeben jedoch 612. Diese Abweichung bleibt als Quellenunsicherheit bestehen.
Für Vijayā folgt hrīṃ a vijayā vauṣaṭ, mit den vier Mātṛkā-Reihen insgesamt 204-mal, dann aiṃ a vijayā vauṣaṭ; die zugehörige Angabe setzt sich auf der folgenden Druckseite fort. Die Mantrasilben werden hier als historische Rezitationsformeln wiedergegeben; ihnen wird keine spekulative wörtliche Bedeutung beigelegt.
Dritter bis zehnter Tag der Mantra-Pārāyaṇa
Druckseite 659; unnummerierte Prosa. Die Fortsetzung der Vijayā-Reihe nennt für aiṃ a vijayā vauṣaṭ die vier Mātṛkā-Reihen mit 204 Rezitationen; es folgt klīṃ a vijayā vauṣaṭ, ebenfalls 204-mal. Mit der vorhergehenden Gruppe ergeben sich 612 Wiederholungen.
Für die folgenden Namen werden nach der Grundvidyā jeweils diese drei Formeln angegeben:
| Göttinnenname | Formeln | Umfang |
|---|---|---|
| Jayā | hrīṃ a jayā vauṣaṭ; aiṃ a jayā vauṣaṭ; klīṃ a jayā vauṣaṭ | Je 204, zusammen 612 |
| Bhagavatī | hrīṃ a bhagavatī vauṣaṭ; aiṃ a bhagavatī vauṣaṭ; klīṃ a bhagavatī vauṣaṭ | Je 204, zusammen 612 |
| Devī | hrīṃ a devī vauṣaṭ; aiṃ a devī vauṣaṭ; klīṃ a devī vauṣaṭ | Je 204, zusammen 612 |
| Śivā | hrīṃ a śivā vauṣaṭ; aiṃ a śivā vauṣaṭ; klīṃ a śivā vauṣaṭ | Je 204, zusammen 612 |
| Śāṃbhavī | hrīṃ a śāṃbhavī vauṣaṭ; aiṃ a śāṃbhavī vauṣaṭ; klīṃ a śāṃbhavī vauṣaṭ | Je 204, zusammen 612 |
Jede Formel ist mit den vier bereits erklärten Formen der Mātṛkā-Buchstaben verbunden. Für Devī, Śivā und Śāṃbhavī steht ausdrücklich „und so weiter“: Der Druck schreibt nicht die gesamte Buchstabenfolge aus. So ergeben sich auch am dritten Tag 6.120 Rezitationen der Grundvidyā.
Am vierten Tag reicht die Vorbereitung wieder vom Sitz bis zur geistigen Verehrung. Der Anfang lautet nach der Grundvidyā hrīṃ a kālī svāhā. Die Mātṛkā-Buchstaben werden in umgekehrter Reihenfolge verwendet: ohne Zusatz, mit Bindu, mit Visarga sowie mit Bindu und Visarga. Die eng gesetzte Angabe über die drei vorausgehenden Bījas ist nicht völlig sicher lesbar; sie wird nicht frei ergänzt. Für Kālī sind 612 Wiederholungen vorgeschrieben. Es folgen nach derselben Weise:
- hrīṃ a kalā svāhā: 612;
- hrīṃ a mālinī svāhā: 612;
- hrīṃ a mātaṅgī svāhā: 612;
- hrīṃ a vijayā svāhā: 612;
- hrīṃ a jayā svāhā: 612;
- hrīṃ a bhagavatī svāhā: 612;
- hrīṃ a devī svāhā: 612;
- hrīṃ a śivā svāhā: 612;
- hrīṃ a śāṃbhavī svāhā: 612.
Zusammen umfasst somit auch der vierte Tag 6.120 Wiederholungen der Grundvidyā.
Am fünften Tag folgt auf die Vorbereitung vom Sitz bis zur geistigen Verehrung die Grundvidyā und hrīṃ a kālī mit einer zusammengesetzten Bīja-Folge. Lesung unsicher: Diese Folge ist im Satzbild nicht hinreichend eindeutig; eine vollständige rezitierbare Form wird hier nicht behauptet. Mit den drei Bījas, den vier Mātṛkā-Reihen und den zehn Namen von Kālī an wird wie zuvor 6.120-mal rezitiert.
Am sechsten Tag rezitiert man nach der bisherigen Vorbereitung hrīṃ a kālī hrīṃ und die entsprechenden weiteren Formen, zusammen 6.120-mal.
Am siebten Tag folgt nach der Vorbereitung hrīṃ a kālī mit einer Buchstabenfolge, deren Anfang ha sa ka la erkennbar ist; die Schlusszeichen bleiben unsicher. Die weiteren Formen und die Gesamtzahl 6.120 gelten wie zuvor.
Am achten Tag folgt hrīṃ a kālī mit dem bereits örtlich als unsicher bezeichneten Bīja-Paar, vorläufig hasrauṃ sahrauṃ. Wieder werden die weiteren Formen wie zuvor insgesamt 6.120-mal gesprochen.
Am neunten Tag folgt hrīṃ a kālī mit drei zusammengesetzten Bījas, im Druck ungefähr hasakalarḍaṃ, hasakalarḍīṃ, hasakalarḍauṃ. Diese Lesung ist unsicher; insbesondere Konsonantenverbindungen und Vokalzeichen sind nicht gesichert. Die Textanweisung setzt die weiteren Formen und 6.120 Wiederholungen wie zuvor voraus.
Am zehnten Tag reicht die Vorbereitung wieder vom Sitz bis zur geistigen Verehrung. Darauf folgt hrīṃ a kālī aiṃ klīṃ sauḥ und die entsprechenden weiteren Formen; 6.120-mal wird rezitiert. Dies ist die dargestellte Ordnung der Mantra-Pārāyaṇa, des vollständigen Rezitationsdurchgangs.
Nach dieser Ordnung ist ein Durchgang in zehn Tagen abgeschlossen. Für jemanden, der dies nicht in zehn Tagen vermag, folgt auf der nächsten Seite eine zeitliche Aufteilung.
Zeitliche Aufteilung der Pārāyaṇa; Lalitā-Yantras nach dem Tantrarāja
Druckseite 660. Wer den zehntägigen Durchgang nicht bewältigen kann, teilt die Rezitation jedes vorgesehenen Tages in fünf Abschnitte. Täglich werden dann die Formeln für zwei Namen, zusammen 1.224-mal, rezitiert. So dauert der vollständige Durchgang fünfzig Tage. Wer auch dies nicht vermag, rezitiert täglich die Formeln für einen Namen mit den jeweiligen Bījas und den vier Mātṛkā-Reihen, zusammen 612-mal. Dann ist der Durchgang in hundert Tagen abgeschlossen. Der Übende richtet seine Mantra-Pārāyaṇa nach einer dieser Möglichkeiten ein.
Anders als bei der zuvor beschriebenen Namens-Pārāyaṇa wird hier keine entsprechende Berechnung der Tage und weiterer Zeitbedingungen verlangt. Sobald die Unterweisung des Guru erfolgt ist, soll der Übende beginnen und nach der angegebenen Ordnung rezitieren. Die besonderen erhofften Früchte sind dieselben wie bei der Namens-Pārāyaṇa, da hier keine gesonderten genannt werden.
Das unnummerierte Schlusszitat lautet: „Wer verständig auf diese Weise regelmäßig die Mantra-Pārāyaṇa vollzieht, erfährt hier die Freuden des Lebens und gelangt am Ende zum Zustand der Göttin.“
Nun werden die Lalitā-Yantras der Kādī-Überlieferung beschrieben. Der Text zitiert den Tantrarāja, Kapitel 33. Die folgende Zitatreihe beginnt erneut bei 1 und wird hier mit 31.TR bezeichnet. Die konstruktiven und rituellen Aussagen werden als historische Textaussagen übersetzt; die verwendeten Zahlen und lokal unklaren Begriffe werden nicht durch eine frei entworfene Zeichnung ersetzt.
31.TR.1: Nun werden die Yantras jener Lalitā erläutert, die als die Erste der sechzehn Nityās bezeichnet wird; ihre Formen entstehen aus den verschiedenen Gestalten ihrer Vidyā, ihres Mantras.
31.TR.2: Ordnungsgemäß werden sie in neunhundertsechzig Gestalten beschrieben. Für Menschen mit geschultem Inneren sollen sie Mittel zur Erlangung alles Erstrebten sein.
31.TR.3: Für die tägliche Verehrung Lalitās gibt es das Yantra, dessen Gestalt das Weltganze verkörpert; für die Verehrung der sechzehn Nityās und Lalitās das Lotus-Cakra.
31.TR.4: Es folgen das „Nektargefäß“ genannte Yantra, danach der Siddhavajra, der Koṣṭhavajra, der Vajraliṅga und der Meruliṅga, jeweils nach ihrer Ordnung.
31.TR.5: Weiter werden der Mahāliṅga, das Yoni-Yantra, dessen Vajravajraka-Form, deren große Gestalt und die aus Feldern aufgebauten Yantras aufgeführt.
31.TR.6: Für eine rituelle Begießung wird das Śrīcakra neun oder drei Ellen groß angelegt. Für die Verehrung auf einem vorbereiteten Bodenaltar soll es schön gestaltet und eine Elle groß sein.
31.TR.7: Bei der Herstellung aus Edelsteinen und ähnlichen Stoffen kann das Maß nach Wunsch gewählt werden. Wenn es richtig ausgeführt ist, bringt die Verehrung darin Günstiges; andernfalls verhält es sich anders.
31.TR.8: In einem genau gleichmäßigen Quadrat zeichnet man nach der angegebenen Ordnung einen Kreis. Nach dem Tilgen der mittleren Querlinie zieht man die vorgesehenen Querlinien.
31.TR.9: Es sind neun Linien. Zwei davon werden so gesetzt, dass beide Enden den Kreis berühren. Von den Enden dieser beiden und den Enden der mittleren Linie aus wird der folgende Aufbau vorgenommen. Die genaue syntaktische Zuordnung der Endpunkte bleibt örtlich unsicher.
31.TR.10: Werden die vier Verbindungslinien gezogen, entsteht eine sechseckige Gestalt, die sich auf die dritte und siebte Linie bezieht. Vom Ende der sechsten aus wird bis zur neunten und zum Ende der ersten verbunden. Die Lesung der letzten Richtungsangabe ist unsicher.
31.TR.11: Vier Linien werden entsprechend den vier Schnittpunkten gezogen; von den Enden der neunten und ersten reicht die Konstruktion zur vierten und siebten. Die Druckfassung enthält hier eine Klammer, die bis in Vers 12 reicht; ein Wort vor „siebte“ ist beschädigt.
31.TR.12: Die vier Linien durchdringen die acht Schnittpunkte. Danach beginnt man an den beiden Enden der vierten und sechsten Linie und führt die nächste Verbindung zur achten.
31.TR.13: Ebenso zieht man vier Linien, die zur zweiten führen und sich nach den vier Schnittpunkten richten. Dann geht die Konstruktion von den Enden der fünften aus weiter.
31.TR.14: Man zieht ein Linienpaar zur dritten, das sich auf zwei Schnittpunkte stützt. Tilgt man die mittlere Brahma-Linie, entsteht das vorzügliche Cakra.
31.TR.15: Außen zeichnet man einen Lotus mit acht Blättern und dann einen mit der doppelten Blattzahl. Mit sechs Linien wird ein Quadrat angelegt, darauf mit acht weiteren Linien der folgende äußere Aufbau.
31.TR.16: Dieser erhält Tore im Osten und Westen. Im Süden und Norden geht die Zeichnung von jeweils zwei Stellen der dreifachen Umgrenzungslinie aus weiter.
31.TR.17: Mit vier schrägen Linien an den Ecken teilt man die betreffenden Bereiche nacheinander in zwei und gestaltet so die vier Zugänge, o höchste Göttin.
31.TR.18: Dieses Lalitā-Cakra wird in der richtigen Folge von einem guten Guru erlernt: schön, gleichmäßig und mit allen vorgeschriebenen Merkmalen versehen.
31.TR.19: Fünf nach unten und vier nach oben gerichtete Dreiecke bilden diese besonders schöne Gestalt. Die nähere Formulierung über ihre gemeinsame Linienanordnung ist nicht sicher lesbar.
31.TR.20: Ein wohlgestaltetes Cakra besitzt das den Kreis berührende Sechseck, die acht ihn nicht berührenden Formen und achtzehn Schnittpunkte. Die Aussage beschreibt die Merkmale innerhalb des hier verwendeten Konstruktionssystems.
Schnittpunkte, Lotus-Cakra, Nektargefäß und Siddhavajra
Druckseite 661; Fortsetzung des Tantrarāja-Zitats. Die geometrischen Beschreibungen setzen die unterwiesene Zeichentradition voraus. Ortsangaben, deren Wortlaut nicht sicher ist, bleiben entsprechend gekennzeichnet.
31.TR.21: Wo zwei als Sandhi bezeichnete Verbindungen zusammentreffen, entsteht ein Marma, ein besonderer Schnittpunkt. Das Cakra mit den hier genannten vierundzwanzig Verbindungen gilt als alle Ziele erfüllend. Der Versanfang ist unsicher lesbar.
31.TR.22: Dagegen schreibt der Text der Verehrung eines Cakras mit fehlerhaften Schnittpunkten Furcht vor Waffen, schwere Krankheit, Armut, Verlust des Ansehens und Tod zu. Dies ist eine überlieferte rituelle Warnung.
31.TR.23: Deshalb soll das Cakra mit den richtigen Merkmalen angelegt werden. Wer die Göttin darin täglich verehrt, wird mir gleich. Die Satzstellung im ersten Halbvers ist beschädigt, die Hauptaussage jedoch erkennbar.
31.TR.24: Im Bereich zwischen den Kreisen werden achtundvierzig Querlinien angelegt, ausgehend vom Osten; genannt werden Gruppen zu sechs, sechs und fünf. Die genaue räumliche Zuordnung dieser Gruppen ist nicht sicher erschließbar.
31.TR.25: Von der fünften aus werden weitere Sechsergruppen und in deren Mitte drei Linien entsprechend den Schnittpunkten angelegt. So soll die Gestalt besonders schön werden. Zwei Konstruktionsausdrücke bleiben unsicher.
31.TR.26: Es folgen Dreieck, Kreis und fünfzehn Blätter; außen daran ein achtblättriger Lotus und dann ein zehnblättriger Lotus.
31.TR.27: Danach nochmals ein zehnblättriger Lotus, ein vierzehnblättriger, ein achtblättriger, einer mit der doppelten Blattzahl und ein achtzehnblättriger.
31.TR.28: In dessen Mitte ruft man die Göttin an und verehrt sie. Danach verehrt man die Nāthas und seitlich ihre Waffen sowie die weiteren zugehörigen Gestalten.
31.TR.29: Durch die Verehrung dieser Göttinnen in der Mitte des fünffachen Cakras erlangt man große Fülle; durch Erkenntnis gelangt man zu mir.
31.TR.30: Im zuvor beschriebenen Cakra verehrt man die Göttin nach der angegebenen, offenbar sechsfachen Ordnung. Dadurch gelangt man zu Fülle und durch Erkenntnis zu uns beiden, o höchste Göttin. Die Bezeichnung der sechsfachen Ordnung ist unsicher.
31.TR.31: Man zeichnet zwei Gefäßumrisse, einen äußeren und einen inneren, und teilt den Innenraum neunfach. In die Ecken wird die erste Form der Vidyā eingetragen.
31.TR.32: Die zweite trägt man in die Himmelsrichtungen ein, die dritte in die Mitte. Zwischen beiden Gefäßumrissen werden ringsum Querlinien gezogen.
31.TR.33: Dort wird die Buchstabenfolge der dritten Vidyā im Uhrzeigersinn mit Bindu und Visarga eingeschrieben. Danach wird ein Nektarlotus gezeichnet. Der Übergang zur Lotusbezeichnung ist im Wortlaut unsicher.
31.TR.34: Dieser erhält einen aus der ersten Form gebildeten Stängel, paarige Blätter, Staubfäden und eine Samenkapsel. Unter dem Gefäß wird die Angabe seiner jeweiligen Verwendung angebracht.
31.TR.35: In die Mitte dieses Nektargefäßes trägt man die Buchstaben des vorgesehenen Empfängers oder Zwecks ein. Man trägt es bei sich und vollzieht die rituelle Begießung unter dem eigenen Geburtsstern, um langes Leben zu erbitten.
31.TR.36: Bei Neumond, Finsternissen, Sonnenübergängen und ungünstigen Sternstellungen dient die Begießung nach dem Text der Befriedung von Leiden und der Erlangung von Wohlergehen. Ein Wort der Aufzählung ist unsicher.
31.TR.37: Gegen vorzeitigen Tod, schwere Krankheit, Auszehrung und Anfallsleiden wird eine dreijährige Folge solcher Begießungen genannt, außerdem drei Wiederkehrzeiten des Geburtssterns. Die genaue zeitliche Verbindung beider Angaben bleibt offen.
31.TR.38: Als Frucht verheißt der Text Freiheit von Bedrängnis, hundert glückliche Lebensjahre, Gesundheit, Erfolg und allgemeine Achtung. Diese Verheißung gehört zur historischen Ritualbeschreibung.
31.TR.39: Die Gestalt wird in Gold, Silber oder Kupfer ausgeführt und mit einem Liṅga verbunden, wohl einem Wachsliṅga; dieses Wort ist unsicher. In Wasser aufgestellt und verehrt, soll sie vor vorzeitigem Tod schützen.
31.TR.40: Der Übende schreibt den betreffenden Namen, von der dritten Vidyā umschlossen, ein und trägt ihn etwa in einem Ring, um Wohlergehen und die Abwendung von Unheil zu erbitten.
31.TR.41: Das Yantra wird auch in der Mitte eines Teiches oder ähnlichen Gewässers aufgestellt. Den dort Badenden wird fortdauerndes Wohlergehen verheißen. Der Versanfang ist unsicher.
31.TR.42: Acht Linien in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung ergeben neunundvierzig Felder. Von diesen werden an den Ecken Felder getilgt.
31.TR.43: Vierundzwanzig Felder werden entfernt. In den verbleibenden zeichnet man nacheinander Dreiecke in den Himmelsrichtungen, beginnend im Osten und nach innen fortschreitend.
31.TR.44: Die vierundzwanzig aus der dritten Form hervorgehenden Varianten werden eingeschrieben. In der Mitte wird diese Form in umgekehrter Reihenfolge zusammen mit dem vorgesehenen Empfänger oder Zweck eingetragen.
31.TR.45: Dieses Yantra heißt Siddhavajra. Ihm werden umfassendes Wohlergehen, die Abwendung von Unheil, Sieg und Glück zugeschrieben.
31.TR.46: Wer in Kampf, Streit oder Bedrängnis Erfolg sucht, soll es nach der Rituallehre bei sich tragen; dadurch werden Sieg und Wohlergehen verheißen.
31.TR.47: Jeden Monat bei Vollmond wird darin ein Gefäß wie zuvor aufgestellt und die rituelle Begießung für umfassendes Gedeihen vollzogen.
Koṣṭhavajra und Vajraliṅga
Druckseite 662; Fortsetzung des Tantrarāja-Zitats. Die Zuschreibungen von Erfolg, Heilung oder Einflussnahme sind Aussagen des überlieferten Ritualtextes.
31.TR.48: Genannt werden der Wunsch nach einem Sohn oder einer Tochter, bei einem Mädchen der Wunsch nach einem Gatten sowie Wünsche nach Ehepartnern, Besitz und Vieh; ferner die auf Männer, Frauen, Herrscher und andere Personen gerichteten Anliegen.
31.TR.49: Für Einflussnahme, hindernisfreies Gelingen, Wirksamkeit der Rede, das Gelingen häuslicher Vorhaben und allgemeine Anerkennung soll der Siddhavajra nach dieser Lehre getragen werden.
31.TR.50: Wer eine andere Vidyā mit der Lalitā-Vidyā oder ein anderes Yantra mit diesem gleichsetzt, wird hier als unverständig bezeichnet. Der Vers drückt den Vorrang aus, den die eigene Überlieferung Lalitā zuschreibt.
31.TR.51: Achtzehn Linien in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung ergeben zweihundertneunundachtzig Felder.
31.TR.52: Wie zuvor werden an den Ecken sechsunddreißig Felder getilgt. In der verbleibenden Vajra-Gestalt werden mit vier Linien Dreiecke in den Himmelsrichtungen angelegt.
31.TR.53: Vom östlichen äußeren Mittelpunkt aus trägt man im Uhrzeigersinn und nach innen fortschreitend die aus der zweiten Form hervorgehenden Varianten ein.
31.TR.54: In die Dreiecke kommt die dritte Form, in die Mitte zusammen mit dem vorgesehenen Empfänger oder Zweck. In alle neun Bereiche werden die drei Kūṭas, Mantraabschnitte, jeweils dreifach eingeschrieben.
31.TR.55: In die drei rechten Bereiche kommt der erste Kūṭa, in die Mitte der dritte, in die drei linken der zweite; zum vorgesehenen Empfänger oder Zweck wird der dritte geschrieben.
31.TR.56: Dieses Yantra heißt Koṣṭhavajra, „Vajra aus Feldern“, und gilt als Wünsche erfüllend. Höre nun, Liebe, von den Früchten aller in diesem Kapitel beschriebenen Yantras.
31.TR.57: Die Wirkungen, die in diesem oder anderen Tantras genannt werden, sind jeweils einzeln oder insgesamt auf sie zu beziehen. Ein Verbindungswort im zweiten Halbvers ist unsicher.
31.TR.58: Deshalb erläutere ich hier nur ihre Herstellung. Nach der Textaussage werden die gewünschten Früchte durch die entsprechende Einfügung von Namen erlangt.
31.TR.59: Aus diesem Grund sind die Früchte der einzelnen Yantras hier nicht vollständig aufgezählt. Allen wird die Kraft zugeschrieben, jederzeit die erstrebten Ergebnisse zu gewähren.
31.TR.60: Sechsundzwanzig Linien in beiden Hauptrichtungen ergeben sechshundertfünfundzwanzig Felder.
31.TR.61: Rings um die Ecken werden achtundsiebzig Felder getilgt; aus dem Verbleibenden werden mit vier Linien Dreiecke in den Himmelsrichtungen gebildet, wie zuvor.
31.TR.62: Dort trägt man die dritte Vidyā zusammen mit dem vorgesehenen Empfänger oder Zweck ein. In der Mitte bleiben nach der hier genannten Zählung zweihundertsiebenundneunzig Felder.
31.TR.63: Zu beiden Seiten des zentralen Feldes werden je drei quer liegende Felder miteinander verbunden.
31.TR.64: Oberhalb und unterhalb werden jeweils zwei Felder zusammengefügt; entsprechend werden darüber und darunter weitere Zweiergruppen zu einer Einheit verbunden.
31.TR.65: Darunter und darüber werden einzelne Felder und Zweiergruppen zusammengefügt; darüber werden wiederum je zwei Felder getilgt. Die Angaben beziehen sich auf die zuvor aufgebaute Zeichnung.
31.TR.66: Danach tilgt man oben und seitlich Felder wie eine Girlande. Aus den zehn verbleibenden Abschnitten entsteht in der Mitte die Liṅga-Gestalt.
31.TR.67: Der Liṅga wird hier mit vierzig Feldern beschrieben. Als verbleibende Vajra-Felder nennt der Text zweihundertfünfzehn.
31.TR.68: An den Seiten des Liṅga werden zwei Gruppen zu einundzwanzig Feldern erwähnt; das zugehörige Verb ist beschädigt. In die mittlere Reihe des Liṅga schreibt man die dritte Form.
31.TR.69: Von oben beginnend wird sie mit dem Māyā-Bīja verbunden, in der Mitte mit dem vorgesehenen Empfänger oder Zweck. Überall ist die Einschreibung der dritten Vidyā vorgesehen.
31.TR.70: In die neun Liṅga-Bereiche und die sechs seitlichen Bereiche wird wie zuvor die übrige Vidyā eingetragen, ausgehend von dem bereits beschriebenen Anfang.
31.TR.71: Die hundertzwanzig aus der zweiten Form hervorgehenden Varianten werden eingeschrieben. Darin ruft man die Göttin mit ihrem Gefolge an und verehrt sie in der angegebenen zweifachen Ordnung.
31.TR.72: Das Yantra wird für die zuvor genannten Verwendungen aufgestellt. „Mit diesen von mir gelehrten Yantras ist in der Welt nichts unerreichbar“, lautet die umfassende rituelle Verheißung an die höchste Göttin.
31.TR.73: Für die folgende Liṅga-Gestalt werden die seitlichen Felder, beginnend mit eins, jeweils um zwei vermehrt, bis neunzehn Felder erreicht sind. Darüber wird der Liṅga angelegt; die Beschreibung setzt sich auf der folgenden Seite fort.
Meruliṅga, Mahāliṅga, Yoni-Cakra und weitere Feld-Yantras
Druckseite 663; Fortsetzung des Tantrarāja-Zitats.
31.TR.74: Die zuvor beschriebene Gestalt wird mit vierzig Feldern weiter ausgeführt. Von der Basis aus trägt man die vorgesehenen Formen ringsum bis zur Mitte ein. Die Anfangswörter sind unsicher.
31.TR.75: Die hundertzwanzig aus der zweiten Vidyā-Form hervorgehenden Varianten werden in die verbleibenden Felder bis zum Mittelfeld des Liṅga eingetragen, Liebe.
31.TR.76: Durch zwei Linien wird außen ein umschließendes Quadrat angelegt. Oberhalb davon erfolgt die weitere Beschriftung.
31.TR.77: In Reihen von sieben Feldern schreibt man die Anfangsbuchstaben der Durchgänge ein. Die aus den Nityā-Durchgängen hervorgehenden Buchstaben kommen an die rechte und linke Seite.
31.TR.78: In die Mitte trägt man nach der genannten Ordnung zwei Buchstaben ein; ihre nähere Bezeichnung ist nicht eindeutig lesbar. Vom oberen Mittelbereich des Liṅga aus wird auch ringsum auf dem Sockel geschrieben.
31.TR.79: Dort werden die vierundzwanzig aus der ersten Form hervorgehenden Vidyās eingeschrieben. So entsteht das Meruliṅga-Yantra; darin wird die Göttin dargestellt beziehungsweise ihre Vidyā eingetragen.
31.TR.80: Man zeichnet es auf Stoff oder einen anderen Träger und verehrt die Göttin darin täglich, um alle erstrebten Güter, Sieg, Gesundheit und langes Leben zu erbitten.
31.TR.81: Einundzwanzig Linien in beiden Hauptrichtungen ergeben vierhundert gleichmäßige Felder. Dieser Vers steht im Druck in Klammern.
31.TR.82: Am unteren Teil einer Seite tilgt man fünf Felder, darüber sechs, sieben und so weiter bis elf.
31.TR.83: Darüber wird die Reihe in umgekehrter Folge getilgt. Entsprechend verfährt man an beiden Seiten; so entstehen Unterbau und Sockel.
31.TR.84: Oberhalb entsteht aus fünfundzwanzig Feldern der Liṅga, indem die anderen seitlichen Felder getilgt werden, Liebe. Eine gedruckte Erläuterung verbindet ausdrücklich „Liṅga“ mit „entsteht“.
31.TR.85: Unterbau und Sockel erhalten die aus der zweiten Form hervorgehenden Varianten, der Liṅga jene aus der ersten. In seiner Mitte wird das eigene Anliegen eingetragen.
31.TR.86: In die Mitte kommt außerdem die dem betreffenden Tag zugehörige Vidyā. Dies wurde dir, Makellose, als Mahāliṅga-Yantra erklärt. Die Verehrung darin soll alles Erstrebte gewähren.
31.TR.87: Man zeichnet eine aus drei gleichmäßigen Linien gebildete Yoni-Gestalt. In ihrem Inneren werden entsprechend den Linien auf den drei Seiten gleichmäßig jeweils zehn Unterteilungen ausgeführt.
31.TR.88: Ringsum trägt man die hundertzwanzig Formen ein; in das verbleibende mittlere Dreieck das eigene Anliegen.
31.TR.89: Dort verehrt man die Göttin wie zuvor und stellt das Yantra entsprechend auf. Der Text verheißt die Erfüllung des eigenen Anliegens durch die Kraft des Yoni-Cakras. Ab dem zweiten Halbvers beginnt eine Druckklammer.
31.TR.90: Man gestaltet eine gleichmäßig dreilinige Dreiecksform mit der zugehörigen Yoni-Gestalt. Vier Querlinien werden eingezogen, entsprechend auch von der anderen Seite. Hier endet die Druckklammer.
31.TR.91: Nach dem Tilgen einer Querlinie schreibt man, von der östlichen Spitze aus ringsum nach innen fortschreitend, die vierundzwanzig Formen in ihrer Reihenfolge ein.
31.TR.92: In den verbleibenden Vajra-Bereich wird das eigene Anliegen eingetragen. Darin verehrt man die Göttin, um die vollständige Erfüllung der erstrebten Ziele zu erbitten.
31.TR.93: Entsprechend wird eine Form mit jeweils zehn Linien angelegt. Darin werden die Varianten der zweiten Form zusammen mit dem vorgesehenen Empfänger oder Zweck eingeschrieben.
31.TR.94: Auch dort sollen Verehrung und die weiteren zugehörigen Handlungen die gewünschten Ergebnisse bringen. Die darüber hinausgehende Form wird entsprechend mit den aus der dritten Form hervorgehenden Vidyās gestaltet.
31.TR.95: Auch diesen werden sichere Wunscherfüllungen zugeschrieben. Höre nun die verschiedenen Feld-Yantras; ich werde sie nach ihrer Ordnung erklären.
31.TR.96: Beginnend mit neun und sechzehn Feldern vergrößert man die ungeraden und geraden Anordnungen. Ihre Zahlen werden gleichmäßig geordnet und reihenweise eingeschrieben.
31.TR.97: Entsprechend den jeweiligen Zahlen werden die aus der dritten Vidyā-Form hervorgehenden Varianten eingetragen. Das Anliegen kommt in das mittlere Feld.
31.TR.98: Mit solchen angelegten Yantras sollen die erstrebten Zwecke erreicht werden. Genannt werden Einflussnahme, Herbeiziehen, Erzeugung von Feindschaft, Hemmung und Vertreibung. Diese Aufzählung beschreibt das historische Ritualspektrum und ist keine heutige Handlungsempfehlung.
31.TR.99: Ebenso werden langes Leben, Gesundheit, Sieg und Fülle genannt. Durch Aufstellung, Tragen und andere überlieferte Verwendungen soll der Übende diese Ergebnisse erlangen.
Abschluss der Yantras; die Göttin im eigenen Selbst erkennen
Druckseite 664.
31.TR.100: So wurden dir die verschiedenen Yantras der Göttin erklärt, denen alle Vollendungen zugeschrieben werden. Vollständig, o Göttin, ist dies in der „Yantrasiddhi“ genannten Überlieferung dargelegt.
Damit endet diese Zitatreihe. Die anschließende Prosa betont: Die hier genannte Ordnung der Yantras ist aus dem Mund des Guru zu erlernen.
Nun wird die Vāsanā, hier die verinnerlichende Betrachtung oder innere Deutung, aus dem Tantrarāja, Kapitel 34, angeführt. Die neue Zitatreihe wird als 31.TV bezeichnet. Die erläuternde Prosa gehört zur vorliegenden Textfassung und wird ausdrücklich mitübersetzt.
31.TV.1: Höre nun die innere Betrachtung, durch die man die sechzehn Nityās als das eigene Selbst erkennt. Durch sie wird das Einssein mit ihnen unmittelbar erfahren.
31.TV.2: Der Guru ist die ursprüngliche Śakti, die als Vimarśa, bewusstes Sich-Erkennen, verstanden wird. Die Neunheit seines Leibes erscheint in dessen Öffnungen.
Erläuterung der Textfassung: Vimarśa ist hier das Bewusstsein der Einheit von Guru, Mantra und eigenem Selbst. Mit der Neunheit sind die neun Cakras vom „die drei Welten faszinierenden“ bis zum „ganz aus Seligkeit bestehenden“ Cakra gemeint.
31.TV.3: Die Göttinnen der Bali-Gaben sind die eigenen Māyā-Kräfte. Pañcamī ist das väterliche, hervorbringende Prinzip; Kurukullā ist die Mutter. Die Lebensziele des Menschen sind die Meere.
Erläuterung der Textfassung: Die Māyā-Kraft ist dreifach: sattvig, rajasig und tamasig. Diese drei erscheinen als die drei Bali-Formen Kurukullās. „Hervorbringend“ bedeutet hier: die zugrunde liegende Wurzel sein.
31.TV.4: Der Körper ist die Edelsteininsel. Seine neun Bereiche werden durch die Bestandteile des Leibes und seine Haare dargestellt. Die geistigen Entwürfe sind die wunscherfüllenden Bäume; die eigenen inneren Stützpunkte gelten als die Jahreszeiten.
Erläuterung der Textfassung: Die neun Bestandteile heißen Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark, Zeugungsstoff, Prāṇa und Jīva; sie entsprechen den neun Inselbereichen. Die Körperhaare werden als Wunschbäume, die sechs inneren Stützpunkte als die sechs Jahreszeiten gedeutet. Der Kommentar setzt also neben die geistige Bedeutung der Wunschbäume auch eine körperliche Entsprechung.
31.TV.5: Die Gestalt der Zeit wird mit dem Kreis der Planeten, Mondhäuser und Tierkreiszeichen verbunden und als nach Westen gewandt beschrieben. Daraus ergibt sich die Ausrichtung nach Osten; das Weitere sei bereits im vertraulichen Zusammenhang erklärt worden. Das eng gesetzte Anfangskompositum und der genaue Bezug der Richtungsangaben bleiben unsicher.
31.TV.6: Der Erkennende ist das eigene Selbst. Die Erkenntnis ist die ehrende Gabe; das Erkannte ist das außen erscheinende Śrīcakra. Ihre Verehrung wird als das Einswerden dieser drei beschrieben.
Erläuterung der Textfassung: Mit den drei sind Erkennender, Erkenntnis und Erkanntes gemeint.
31.TV.7: Die im Śrīcakra genannten Siddhis sind die Geschmacksarten zusammen mit den zu Niyati gehörenden Prinzipien. Die sechs Wogen des Daseins sowie gutes und schlechtes Handeln gelten als die Mütter von Brāhmī an.
Erläuterung der Textfassung: Es gibt sechs Geschmacksarten. Als weitere Vierheit nennt der Kommentar Niyati, Puruṣa, Prakṛti und Ahaṃkāra. Die sechs Wogen heißen Hunger, Durst, Kummer, Verblendung, Alter und Tod. Zusammen mit verdienstvollem und unheilsamem Handeln bilden sie die acht Mātṛkās von Brāhmī an.
31.TV.8: Die Elemente, die Sinnes- und Handlungsvermögen und das Denken entsprechen der Reihe nach den Nityā-Kalās. Die Tätigkeiten der Handlungsorgane und die Doṣas sind als die acht Śaktis zu verstehen.
Erläuterung der Textfassung: Gemeint sind fünf Elemente, fünf Erkenntnisorgane, fünf Handlungsorgane und Manas. Die fünf Handlungen sind Sprechen, Ergreifen, Fortbewegung, Ausscheidung und geschlechtliches Wohlgefühl. Die Doṣas sind Vāta und die weiteren beiden.
31.TV.9: Die vierzehn Nadis entsprechen den Śaktis von Kṣobhiṇī an. Die zehn Lebenswinde entsprechen den Kräften von Sarvasiddhi an.
Erläuterung der Textfassung: Die vierzehn Nāḍīs sind die bereits zuvor genannten bekannten Leitbahnen.
31.TV.10: Die zehn Feuer entsprechen den Śaktis von Sarvajñā an. Kälte, Wärme, Freude, Schmerz, Wünschen und die Guṇas werden der Reihe nach den folgenden Kräften zugeordnet.
31.TV.11: Diese sind die Śaktis von Vaśinī an. Die feinen Sinnesqualitäten sind die Blumenpfeile. Manas, das Denken, ist der Zuckerrohrbogen; die Schlinge wird als Anhaftung verstanden.
31.TV.12: Abneigung ist der Haken, o schöne Göttin. Das Unentfaltete, Ahaṃkāra und Mahat werden in umgekehrter Reihenfolge als die Gestalten der im folgenden Vers genannten Göttinnen betrachtet.
31.TV.13: Diese sind Kāmeśvarī und die anderen Göttinnen. Reines Bewusstsein gilt als Kāmeśvara. Das eigene Selbst ist die Gottheit: Lalitā, deren Gestalt das ganze Universum ist.
31.TV.14: Ihre rote Farbe ist das bewusste Sich-Erkennen. Verehrung ist diese innere Betrachtung. Vollendung bedeutet, den Geist auf nichts anderes zu richten; Mudrā ist die Betrachtung ihrer Fülle.
31.TV.15: Die Verehrungsgaben bestehen darin, auch inmitten von Bewegung und Veränderung aufmerksam im Einssein mit ihr zu bleiben. Die rituellen Anwendungen werden als das Auflösen des Ursprungs trennender Vorstellungen im eigenen Selbst gedeutet.
Die innere Bedeutung von Mantra, Japa und Homa
Druckseite 665; Fortsetzung des Tantrarāja-Zitats, Kapitel 34.
31.TV.16: Yantras und Mantras dienen dazu, in allem fest im eigenen Selbst zu ruhen. Die Verehrung der Göttin an den Übergangszeiten bedeutet das Durchbrechen der Einteilung in Anfang, Mitte und Ende. Eine Druckvariante liest anstelle des Durchbrechens erneut „Verehrung“.
31.TV.17: Die anderen Śaktis, die ringsum in den Cakras wirken, werden als die Ursprünge der vielfältigen Erscheinungsformen des Universums bezeichnet.
31.TV.18: Nyāsa bedeutet, den eigenen Leib als die Gestalt der Gottheit zu betrachten. Japa wird als die klare innere Vergegenwärtigung des Einsseins mit ihr erklärt.
31.TV.19: Homa ist das Zur-Ruhe-Kommen aller Vorstellungen von der Welt im Selbst. Tarpaṇa, die sättigende Gabe, bedeutet, ihre wechselseitige Einheit zu betrachten.
31.TV.20: Das Opfer ist das Aufgehen von Verblendung, Unwissenheit und den daraus entstehenden Leiden im Selbst. Abhiṣeka, die rituelle Begießung, ist Erkenntnis: Das Selbst ist groß und die Grundlage von allem.
31.TV.21: Unterweisung bedeutet, frei von begrenzenden Zuschreibungen zu sein. Die Gabe an den Lehrer ist Freiheit von Trennung. Auch der Dienst am Lehrer wird in diesen inneren Zusammenhang gestellt; die abschließende Wortverbindung bleibt unsicher.
31.TV.22: Die fünfzehn Nityās sind die Betrachtung der Wandlungen, die durch die Zeit in Gestalt der Mondtage sichtbar werden. So sind ihre inneren Entsprechungen erklärt.
31.TV.23: Vom kleinen Finger an werden die Elemente, beginnend mit Erde, der Reihe nach zugeordnet. Durch die verschiedenen Weisen ihres wechselseitigen Zusammenwirkens entsteht ihre vielfältige Entfaltung.
31.TV.24: Durch die drei Buchstaben der Lalitā-Vidyā wird die Gesamtheit der Bedeutungen ausgedrückt. Durch den verbleibenden Bestandteil wird die Gestalt der Göttin bezeichnet; so ist diese Entsprechung zu verstehen.
31.TV.25: Die ganze Welt ohne Ausnahme wird als von der Hṛllekhā, dem Bīja hrīṃ, geprägt beschrieben. Dessen Bedeutung wird hier ausgesprochen, obwohl sie in den Tantras verborgen gehalten wird.
31.TV.26: Der Raumanteil bezeichnet das Leuchten, der Feueranteil eine damit verbundene Entfaltung; die genaue Wortlesung hierzu bleibt unsicher. Ī bezeichnet das bewusste Sich-Erkennen beider. Der Bindu führt diese Bedeutung zusammen; auch das Schlusswort ist nicht eindeutig lesbar.
Gedruckte Erläuterung: Gemeint ist die Feststellung beziehungsweise bewusste Betrachtung ihrer Wesenseinheit.
31.TV.27: Nun wird das Verfahren der Mantrabildung erklärt. Für diejenigen, die in der Mantrakraft gefestigt sind, und für die anderen bewirkt es jeweils einen besonderen Unterschied.
Erläuterung der Textfassung: Gemeint sind diejenigen, die die zuvor genannte Ordnung der Strahlen kennen. Die Klammer erläutert: Die einen sind im Wissen um die Mantrakraft gefestigt; den anderen fehlt diese Vollendung des Wissens.
31.TV.28: Einsilbige Mantras heißen Piṇḍa, zweisilbige Kartarī. Von drei bis neun Buchstaben werden sie als Bīja bezeichnet.
31.TV.29: Von zehn bis zwanzig Buchstaben heißen sie Mantra; darüber hinaus heißen sie Mālā, Girlande. Für diese längeren Formen wird hier keine solche Unterteilung beziehungsweise Umstellung angegeben.
31.TV.30: Ebenso wird für Piṇḍa und Kartarī keine entsprechende Variantenbildung angesetzt. Bei Bījas entstehen Varianten aus der Buchstabenfolge, bei Mantras aus den Wörtern. Höre die jeweiligen Anzahlen der Reihe nach.
Unnummerierte Zahlenstrophen zwischen 30 und 34: Genannt werden sechs, vierundzwanzig, hundertzwanzig, siebenhundertzwanzig, fünftausendvierzig, vierzigtausenddreihundertzwanzig und eine abschließende Zahl. Als Klammerziffern ist dort 362.880 erkennbar; die ausgeschriebene Zahlenfolge stimmt damit nicht eindeutig überein. Dies sind die Variantenzahlen der sieben Gruppen; daraus sollen die weiteren berechnet werden. Die fehlenden Schlussnummern werden hier nicht nachträglich zu vermeintlich vorhandenen Versnummern ergänzt.
31.TV.34: Höre nun, Göttin, die Ordnung, nach der diese Anordnungen entfaltet werden. Auf dieselbe Weise lassen sich auch die Varianten der Mantrawörter der Reihe nach entwickeln.
31.TV.35: Zwei Querlinien werden gezogen. Dazu kommen senkrechte Linien, zunächst vier, dann fünf und so weiter bis zehn. Ein Wort zur schrittweisen Vermehrung ist unsicher.
31.TV.36: Nach unten werden die Linien bis zur für die jeweilige Anzahl erforderlichen Größe weitergeführt. Entsprechend viele Querlinien werden ergänzt und die Zahlen in die Felder eingetragen.
31.TV.37: In die links und rechts angeordneten Feldreihen werden zunächst die Zahlen in der angegebenen Folge von zwei, drei und so weiter eingetragen.
31.TV.38: Nach dieser Weise setzt man die weiteren einzutragenden Zahlen der Reihe nach ein. Im ersten Abschnitt der zweiten Reihe werden die verbleibenden Zahlen ergänzt.
31.TV.39: Ebenso werden in den folgenden Abschnitten die jeweils übrigen Zahlen eingetragen. Danach füllt man die Abschnitte der dritten Reihe mit den noch ausstehenden Zahlen.
31.TV.40: Man verfährt so mit der vierten und den weiteren Reihen bis zur neunten. In den Querreihen sollen die Zahlen überall eine noch nicht wiederholte Anordnung bilden.
Mantrabildung, Elemente und drei Weisen des Mantraverständnisses
Druckseite 666.
31.TV.41: Ist die Anordnung so ausgeführt, steht ganz oben die Vidyā in ihrer Ausgangsfolge, o von Helden Verehrte. Ganz unten steht sie in umgekehrter Folge; dazwischen stehen die gemischten Anordnungen. Das Schlusswort des Verses ist unsicher.
Unnummerierter Halbvers: Durch alle diese Formen soll das Erstrebte rasch gelingen. Danach steht im Druck eine Punktreihe; ein fehlender Halbvers wird nicht ergänzt.
Es folgt ein weiteres Zitat aus dem Tantrarāja, Kapitel 35, ab Vers 58. Die vorliegende Ausgabe beginnt die Zählung erneut bei 1; hier heißt die Reihe 31.TM.
31.TM.1: An einem einsamen, ebenen und angenehm gestalteten Ort, weder heiß noch kalt, in einem Haus oder einer Halle, wird ein gereinigter Sitz beziehungsweise Sockel aufgestellt. Dessen nähere Beschreibung ist unsicher lesbar.
31.TM.2: Bei Vollmond oder unter einer günstigen Sternstellung und zu einem günstigen Aufgang wird darauf nach der Unterweisung die genannte Zeichnung angelegt, mit Sandelholz, Safran oder Kuśa-Gras. Das erste Materialwort ist im Druck nicht eindeutig.
31.TM.3: Man zeichnet das erklärte Maṇḍala mit seinen Buchstaben, ruft darin die Göttin an und verehrt sie. Täglich wird die Mātṛkā nach der eigenen Überlieferung rezitiert.
31.TM.4: Ist auf diese Weise ein Jahr vollendet, bildet der Mantrakenner für seine verehrte Gottheit nach der erklärten Verbindung einen Mantra, der dem erstrebten Ziel entspricht.
Erläuterung der Textfassung: Dazu ist die zuvor gelehrte Ordnung der Strahlen zu kennen. Man bestimmt, welches Element mit seinen Strahlen im jeweiligen Mantra überwiegt, und zeichnet das zugehörige Maṇḍala mit den entsprechenden Elementbuchstaben. Darin wird das Verehrungs-Yantra der eigenen Gottheit angelegt, entsprechend der besonderen Zusammensetzung dieser Strahlen. Mit den zugehörigen Gaben wird verehrt und der Mantra der Gottheit mit der jeweiligen Reihe von Elementbuchstaben rezitiert. So erklärt der Kommentar die genannte Vollendung und auch die Vollendung des Mantras selbst.
31.TM.5: Buchstabenfolgen, in denen Raum, Feuer und Luft überwiegen, gelten als heftig und aufwühlend. Solche mit vorherrschender Erde und Wasser gelten als mild, der Verehrung dienlich und Vollendung gewährend.
Erläuterung der Textfassung: Wenn in einem Mantra die Buchstaben von Raum, Feuer und Luft überwiegen, ordnet der Kommentar ihn heftigen Ritualen im entsprechenden Maṇḍala zu. Wenn die milden Elementstrahlen überwiegen, sollen mit dem Mantra im zugehörigen milden Element-Maṇḍala die milden Anwendungen gelingen. Diese Einteilung beschreibt die historische Elementlehre des Werkes.
31.TM.6: Durch die vielfältige Vermischung dieser Elemente entstehen zahlreiche Lautformen. Werden sie in der entsprechenden Weise verehrt und vollendet, tragen sie durch ihre eigene innere Verbindung Frucht.
Erläuterung der Textfassung: Aus Mischungen von zwei, drei, vier oder fünf Elementstrahlen entstehen viele Mantras. Ihre Verehrung wird den entsprechenden gemischten Element-Maṇḍalas zugeordnet. Das Verfahren wird so erklärt: Die Mantrabuchstaben werden als Vokale und Konsonanten getrennt aufgeschrieben. Zu jedem wird die zuvor genannte Ordnung seiner Elementstrahlen notiert. Durch getrenntes Zusammenzählen erkennt man das überwiegende Element. Das Verehrungs-Yantra wird in dessen Maṇḍala angelegt. Um den Bereich des am stärksten vertretenen Elements folgen nach außen die jeweils schwächer vertretenen Bereiche. Mit den entsprechend zugeordneten Gaben verehrt man die Gottheiten der Umhüllungen, verbindet sie mit den jeweiligen Elementbuchstaben und rezitiert mit einer daraus gebildeten Buchstabenreihe. Der Kommentar schließt ausdrücklich: All dies soll zuerst von Guru und Schrift richtig verstanden werden; dann erfolgt die Verehrung.
31.TM.7: Drei Bedeutungsweisen des Mantras sind zu erkennen; wer Vollendung sucht, soll sie kennen. Entsprechend werden im Kapitel über die Verehrung drei Arten von Übenden beschrieben.
31.TM.8: Die erste richtet den Geist auf den Ort, an dem der Laut entsteht und zur Ruhe kommt. Die zweite betrachtet die überlieferte, anerkannte Wortherleitung und Bedeutung vollständig.
31.TM.9: Die weitere Weise wird als innere Betrachtung der Einheit des Bezeichneten und des Bezeichnenden erläutert. Diese Arten der Betrachtung sollen den fünf genannten Elementformen umfassende Erfüllung verleihen.
Erläuterung der Textfassung: Bei der Betrachtung der Mantrabedeutung werden drei Weisen unterschieden. Eine Buchstabengruppe bildet ein Wort, eine Wortgruppe einen Satz. Bei jedem Laut und jedem Wort sind Entstehen und Zur-Ruhe-Kommen zu erkennen. Die erste Weise rezitiert, indem sie den Geist bewusst darauf richtet. Die zweite rezitiert mit Betrachtung der aus alter Überlieferung bekannten und anerkannten Herleitung und Bedeutung. Die dritte verehrt, indem sie die Beziehung und Einheit von Mantra, seinen Buchstaben, Wörtern und Sätzen sowie der dadurch bezeichneten Gottheit betrachtet. Für die fünf Elementanteile und ihre verschiedenen Mischungen wird durch diese Verehrungsweise umfassende Vollendung verheißen.
Es folgt ein weiteres Zitat aus Tantrarāja 35, ab Vers 80, erneut mit eigener Zählung. Es wird hier als 31.TP geführt.
31.TP.1: Rituelle Anwendungen sollen mit einem zur Vollendung gebrachten Mantra erfolgen, Liebe, nicht anders. Denn wie unter Menschen bestehen auch unter Mantras und Gottheiten Beziehungen, o Pārvatī; der Gedanke wird auf der nächsten Seite fortgeführt.
Überlieferungsgebundene Praxis und Abschluss des einunddreißigsten Śvāsa
Druckseite 667; Fortsetzung der Zitatreihe 31.TP.
31.TP.2: Aufgrund ihrer Verbindung mit den Guṇas und Elementen bestehen nach dieser Lehre auch Gegensätze zwischen ihnen. Wasserbetonte Mantras gelten als den feuer- und erdbetonten entgegengesetzt.
31.TP.3: Luft-, wasser- und erdbetonte Formen werden als wechselseitig gegensätzlich beschrieben. Mantras weiblicher Gottheiten gelten häufig als den Mantras männlicher Gottheiten entgegengesetzt.
31.TP.4: Unter den weiblichen Gottheiten besteht entsprechend ein Gegensatz zwischen milden und heftigen Formen, ebenso unter den männlichen. Lalitā und Narasiṃha werden als weiteres Gegensatzpaar genannt.
31.TP.5: Śāstā wird den Yakṣiṇīs gegenübergestellt. Im Zusammenhang mit dem Aghora-Astra wird ferner das Cakra genannt; die genaue Beziehung dieser letzten Angabe ist unsicher. Der Text leitet damit zur Erklärung der Gegensätze zwischen Mantras und Gottheiten über.
31.TP.6: Höre, verständige Herrin, wodurch Menschen zu Schaden kommen: Sie verbinden in ihrer Verehrung Unvereinbares, sei es aus Unwissenheit oder aufgrund ihrer Absicht beziehungsweise inneren Einstellung.
31.TP.7: Dadurch könnten nach der überlieferten Warnung die Mantras und Gottheiten, als erzürnt gedacht, den Übenden zugrunde richten. Deshalb wird die Mantrakraft als das Leben der ganzen Welt bezeichnet.
31.TP.8: Wer in ihr gefestigt ist, wird von diesen Fehlern nicht berührt. Der Mantra wird zur rechten Zeit durch Dienst am Guru und durch Einweihung mit Achtung empfangen.
31.TP.9: Nach der Weisung des Gurus wird er in einer einheitlichen, beständigen Form zur eigenen Vollendung verwendet. Andernfalls warnt der Text vor Schaden durch Waffen, Feinde und Furcht.
31.TP.10: Die Warnung setzt sich fort mit Armut, langwieriger Krankheit und übermäßiger Verstrickung in schädliche Gewohnheiten. Anschließend beginnt die Beschreibung einer aus den den Mantrabuchstaben zugeordneten Pflanzenstoffen hergestellten Kugel.
31.TP.11: Diese Kugel wird nach den Zahlen der jeweiligen Buchstaben zusammengesetzt und als Mittel der Mantravollendung beschrieben. Genannt werden ihre Verwendung bei einer rituellen Begießung, ihr Tragen, ihr Kosten und ihr Auftragen.
Unnummerierter Schlusshalbvers: Auch ihre Verehrung soll in dieser Weise zur Vollendung führen, nicht anders. Der Druck beendet die Passage mit einer Punktreihe; ein fehlender Halbvers wird nicht ergänzt. Die erwähnte Einnahme oder Anwendung historischer Pflanzenzubereitungen ist hier Textgegenstand, keine heutige Empfehlung.
Kolophon: Damit endet der einunddreißigste Śvāsa des „Śrīvidyārṇava“ genannten Tantra, verfasst von Śrī Vidyāraṇya Yati. Das Kolophon nennt die Lehrerfolge: den hochverehrten Meister Śrī Govindācārya, dessen Schüler Śrī Bhagavat Śaṅkarācārya, dessen Schüler Śrī Viṣṇuśarmācārya, dessen Schüler Śrī Pragalbhācārya und dessen Schüler Śrī Vidyāraṇya Yati. Die ehrenden Titel würdigen den großen Lehrer und die verehrungswürdigen Füße des Meisters. Die Schlusszahl 31 bezeichnet das Kapitel und wird nicht als weiterer Vers gezählt.
32. Śvāsa
Der zweiunddreißigste Śvāsa beginnt mit Gaṇapati. Seine Mantras, Meditationen und Verehrungsformen werden aus verschiedenen Überlieferungen zusammengestellt. Die wiederholt bei 1 beginnenden Zitatreihen erhalten eigene Abschnittskürzel. Bījas werden als Lautformen bewahrt; ihre Funktion wird erläutert, ohne ihnen eine erfundene wörtliche Bedeutung zu geben.
Der einsilbige Gaṇeśa-Mantra
Druckseite 668. Nun werden die Mantras des Mahāgaṇapati dargelegt.
32.EKA.1: Nun erkläre ich dir, große Göttin, den höchsten einsilbigen Mantra. Śārṅgin, verbunden mit Prīti, wird als der eine Laut Gaṇeśas gelehrt.
Erläuterung der Textfassung: Śārṅgin bezeichnet den Buchstaben ga, Prīti den Anusvāra. Damit wird gaṃ erschlossen. Im Nārāyaṇīya werden jedoch fünf Formen dieses Mantras genannt. Das unnummerierte Zitat zählt Formen mit den bezeichneten Zusätzen, mit Bindu und Kalā, mit einem Mondzeichen sowie die reine Form auf; jede soll eine besondere Frucht gewähren. Ein Ausdruck des Zitats ist unsicher lesbar.
Die Prosa erläutert: „Ende“ bedeutet Visarga, „Gift“ den Laut ma, und „Ende von kha“ bezeichnet ga. So werden gaṃ und gaḥ gewonnen. Kalā bedeutet hier ebenfalls Visarga; mit beiden Zeichen entsteht gaṃḥ. Eine weitere Form verbindet Bindu und Mondzeichen. Die reine Form besitzt keinen Bindu oder entsprechenden Zusatz. Die graphische Unterscheidung der fünften Form wird nicht über die erkennbare Erklärung hinaus ergänzt.
Als Seher wird Gaṇaka genannt, als Versmaß Nicṛt und als Gottheit Vighna, der Herr der Hindernisse.
Fünfgliedriger Nyāsa und seine Variante
Der Prayogasāra sagt; Zitatreihe 32.PNY:
32.PNY.1: Zuerst spricht man gaṇañjayāya svāhā; dies ist die Herzformel. Dann ekadaṃṣṭrāya huṃ phaṭ; dies gilt als das Haupt der Vidyā.
32.PNY.2: Für die Haarspitze wird der Ausdruck acalakarṇine mit der angegebenen Verehrungsformel verbunden. Für den Schutzpanzer heißt es gajavaktrāya namo namaḥ, wiederholte Verehrung dem Elefantengesichtigen. Die verschlüsselte Angabe zur Haarspitze wird im späteren Ausführungstext ausgeschrieben.
32.PNY.3: Mahodarāya caṇḍāya huṃ phaṭ gilt als die Waffenformel. Diese fünf Glieder sollen die Verständigen auflegen.
Erläuterung der Textfassung: Hier sind fünf Glieder genannt. Der Sārasaṃgraha erklärt dagegen, dass die Glieder mit dem eigenen Bīja, verbunden mit sechs langen Vokalen, zugeordnet werden. Beide Formen gelten als Alternativen. Auch der Prayogasāra nennt eine sechsgliedrige Form mit dem entsprechend belebten Bīja. Die Prosa erklärt diesen Ausdruck durch die Verbindung mit den sechs langen Vokalen. Maßgeblich ist die jeweilige Unterweisung des Guru.
Meditation über den Herrn der Hindernisse
Der Prayogasāra beschreibt ihn; Zitatreihe 32.PDH:
32.PDH.1: Rot ist er, mit roter Salbung, rotem Gewand und roten Blumen geschmückt, rundbäuchig und mit dem Mond auf dem Haupt. Er hat drei Augen, kurze Arme und Beine und hält mit dem Rüssel eine Zitronenfrucht. Seine Hände tragen Schlinge, Haken und Stoßzahn und gewähren Segen. Der elefantengesichtige Gott ist mit Schlangen geschmückt und sitzt auf einem Lotus. Möge dieser von den Göttern verehrte Herr der Hindernisse euch Wohlergehen schenken.
Erläuterung der Textfassung: Die ersten beiden Gegenstände werden den oberen Händen, beginnend links, zugeordnet, die übrigen den entsprechend folgenden unteren Händen. Eine Druckvariante lautet „auf dem Lotus befindlich“ statt „auf dem Lotussitz“.
Der Sārasaṃgraha bietet eine weitere Meditation; Zitatreihe 32.SDH:
32.SDH.1: Rot leuchtet er, den Mond auf dem Haupt. Seine Lotushände halten Haken, Schlinge und Stoßzahn und zeigen die Gabe des Segens. Er hat ein Elefantengesicht und drei Augen und ist mit roter Salbung bedeckt. Der große Rüssel trägt eine Zitronenfrucht; sein Bauch ist mächtig, seine Schläfen sind von Elefantensaft benetzt. Möge Gaṇapati, der mit Schlangen geschmückte Herr der Hindernisse, euch Wohlergehen schenken.
Gedruckte Fußnote aus dem Merutantra: Die reine Form ga wird den vedischen Überlieferungen zugeordnet, eine Form mit Bindu der südlichen, eine mit zwei Punkten der östlichen und eine mit beiden Zusätzen der westlichen. Es folgen weitere Zuordnungen zu oberen, nördlichen und unterirdischen Überlieferungsrichtungen. Die letzten Bīja-Schreibungen sind nicht sämtlich sicher; insbesondere werden die sichtbaren Formen um gauṃ, glauṃ und go… nicht zu vermeintlich gesicherten Rezitationsformeln vervollständigt.
Der Sitz, die acht Gaṇeśa-Gestalten und die acht Mütter
Druckseite 669. Zur vorherigen Meditation erklärt die Prosa: Die Gegenstände werden von der oberen rechten bis zur unteren rechten Hand zugeordnet. Der „große Arm“ ist der Rüssel. In einer Druckklammer folgt die Ergänzung: Nachdem Gaṇeśa so betrachtet wurde, wird er mit inneren Gaben verehrt; dann ruft man den mit Tīvrā und den weiteren Kräften verbundenen Sitz an und verehrt ihn.
Der Prapañcasāra sagt; Zitatreihe 32.PPS:
32.PPS.1: Die neun Kräfte heißen Tīvrā, Jvālinī, Nandā, Bhogadā, Kāmarūpiṇī, Ugrā, Tejovatī, Satyā und als neunte Vighnanāśinī.
32.PPS.2: Nach dem Bīja spricht man sarvaśakti, dann kamalāsanāya namaḥ. Dies ist der Sitz-Mantra. Nach den neun Kräften wird mit ihm der Sitz verehrt.
Erläuterung der Textfassung: Die Verehrung der Gottheiten des Yoga-Sitzes von Maṇḍūka bis zum höchsten Wirklichkeitsprinzip wurde bereits im Abschnitt über die Verehrung beschrieben. Sie wird hier zur Vermeidung weiterer Ausführlichkeit nicht erneut ausgeschrieben.
Der Sārasaṃgraha erläutert die Anordnung; Zitatreihe 32.SGP:
32.SGP.1: Man gestaltet als Verehrungssitz einen achtblättrigen Lotus, umgeben von drei Quadraten und mit vier Toren versehen.
32.SGP.2: Darin ruft man Gaṇeśa an und verehrt ihn mit den Darbringungen. Auf der Samenkapsel, in den vier Himmelsrichtungen vom Osten an, beginnt die Verehrung mit Gaṇādhipa.
32.SGP.3: Gaṇādhipa ist gelb, Gaṇeśāna hell, Gaṇanāyaka rot und Gaṇakrīḍa blau. Danach erfolgt die Verehrung auf den Staubfäden.
32.SGP.4: In Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten, der Mitte und den Himmelsrichtungen werden der Reihe nach die sechs Glieder dieses Mantras verehrt. Ihre Gottheiten werden entsprechend betrachtet.
32.SGP.5: Sie leuchten wie Schnee, Bergkristall, Dunkelgrün beziehungsweise Dunkelblau, Blau, Schwarz und Rot. Es sind weibliche Gestalten nach dem Vorbild der Hauptgottheit, die Segen und Furchtlosigkeit zeigen. Der Farbausdruck śyāma ist nicht auf einen einzigen modernen Farbton festgelegt.
32.SGP.6: Auf den Blättern verehrt man die acht anschließend genannten Gestalten von Vakratuṇḍa an: Vakratuṇḍa, Ekadaṃṣṭra, Mahodara und Gajānana,
32.SGP.7: ferner Lambodara, Vikaṭa, Vighnarāj und Dhūmravarṇa. An den Blattspitzen werden danach die acht Mütter von Brāhmī an verehrt.
32.SGP.8: Brāhmī wird goldfarben betrachtet, mit einem Antilopenfell geschmückt. Ihre Hände tragen Gebetskette, Stab und Wassergefäß; eine Hand zeigt Furchtlosigkeit.
32.SGP.9: Māheśī wird als glückverheißend und mondhell betrachtet. Ihre Hände halten Dreizack, Axt, kleine Trommel und menschliche Schädelschale.
32.SGP.10: Kaumārī, ein Hort des Mitgefühls, leuchtet rot wie das Indragopa-Insekt. Ihre Lotushände tragen Schlinge, Khaṭvāṅga-Stab, Stab und Haken.
32.SGP.11: Vaiṣṇavī leuchtet wie eine dunkle Regenwolke. Ihre Lotushände tragen Diskus, Muschel, Schädelschale und Glocke.
32.SGP.12: Vārāhī wird als Śakti von der Farbe eines dunklen Berges betrachtet. Sie hält Pflug, Keule beziehungsweise Stößel, Schwert und Schild.
32.SGP.13: Indrāṇī wird blau und schön geschmückt betrachtet. Genannt werden Wurfspeer, Haken und Vajra; die anschließende eng gesetzte Verbindung mit Schlange und Blitz ist nicht sicher aufzulösen.
32.SGP.14: Cāmuṇḍā ist rot und trägt eine Girlande aus Köpfen. Ihre Hände halten Spieß, Schwert, Schädelschale und einen menschlichen Kopf. Dies ist die ikonographische Beschreibung des Textes.
32.SGP.15: Mahālakṣmī wird goldglänzend betrachtet. Ihre Hände tragen Gebetskette, Zitronenfrucht, Schädelschale und Lotus.
Erläuterung der Handzuordnungen: Bei Brāhmī beginnt die Reihenfolge unten rechts und reicht bis oben rechts. Bei Māheśī liegen die ersten beiden Gegenstände in den unteren Händen, rechts beginnend, die anderen entsprechend oben. Bei Kaumārī beginnt man oben links und endet oben rechts; bei Vaiṣṇavī oben rechts und endet unten rechts. Ari bedeutet hier Diskus. Bei Vārāhī werden die ersten beiden Gegenstände den oberen Händen, rechts beginnend, die übrigen den unteren zugeordnet. Bei Indrāṇī reicht die Reihenfolge von oben links bis unten links. Bei Cāmuṇḍā liegen die ersten beiden rechts oben und unten, die anderen links oben und unten. Bei Mahālakṣmī beginnt sie unten rechts und endet oben rechts.
32.SGP.16: Auf den beiden inneren Umgängen zwischen den drei Quadraten verehrt man die Hüter der Himmelsrichtungen und ihre Waffen. So wird die Verehrung Gaṇeśas beschrieben.
32.SGP.17: Indra, der Herr der Götter, ist gelb, trägt den Vajra und erscheint mit seinem Reittier. Agni, der Herr des Feuers und Glanzes, ist rot, trägt den Speer und ist schön geschmückt.
Die Richtungshüter und die ausgeführte Gaṇeśa-Verehrung
Druckseite 670; Fortsetzung der Sārasaṃgraha-Reihe.
32.SGP.18: Yama, der Herr der Verstorbenen, wird schwarz mit dem Stab verehrt. Nirṛti, der Herr der Rākṣasas, erscheint rauchfarben mit dem Schwert.
32.SGP.19: Varuṇa, der Herr der Wasserwesen, ist sehr hell und hält die Schlinge. Vāyu, der Herr des Lebenshauchs, ist rauchfarben; die anschließende Hand- und Waffenangabe mit dem Haken ist unsicher.
32.SGP.20: Kubera, der Herr der Yakṣas, wird von der Farbe einer reifen Bimba-Frucht beschrieben und trägt die Keule. Īśāna, der Herr des Wissens, erscheint klar und hell mit dem Dreizack.
32.SGP.21: Der Herr der Nāgas trägt den Diskus; die Farbwörter „rot“ und „hell“ stehen hier in unklarer Verbindung. Vidhātṛ, der Herr der Welten, wird rot und mit einem Lotus verehrt.
32.SGP.22: Als Reittiere werden Airāvata, Widder, Büffel, ein toter Mensch, Makara, Antilope und weitere Gestalten genannt, danach Stier sowie Schlange und Schwan. Zwei Wörter in der Mitte und am Ende sind nicht sicher lesbar; die Reihe wird nicht nach einer anderen Quelle vervollständigt.
32.SGP.23: Dies gelten den Kundigen als die Reittiere der Welthüter von Indra an. Außen und jeweils daneben werden ihre Waffen verehrt.
32.SGP.24: Der Vajra ist gelb, der Speer weiß, der Stab schwarz. Das Schwert gleicht dem Himmel, die Schlinge leuchtet wie der Blitz.
32.SGP.25: Der Haken ist rot, die Keule weiß; der ausgezeichnete Übende verehrt den Dreizack in blauer Farbe.
32.SGP.26: Der Diskus leuchtet wie die Sonnenscheibe, der Lotus ist rot. So haben die Verständigen die Waffen der Welthüter beschrieben.
32.SGP.27: Wer Gaṇeśa auf diese Weise mit Hingabe verehrt, soll hier die Freuden des Lebens erfahren und am Ende zum Zustand Śivas gelangen.
Die Vorbereitung und die Gliederformeln
Nun folgt die unnummerierte Ausführung. Nach den Morgenhandlungen und den Vorbereitungen bis zum Nyāsa des Yoga-Sitzes vollzieht man drei Atemordnungen mit dem Gaṇeśa-Mantra. Dann werden Seher, Versmaß und Gottheit zugeordnet:
- Am Haupt: gaṇakāya ṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Gaṇaka.
- Am Mund: nicṛcchandase namaḥ – Verehrung dem Versmaß Nicṛt.
- Am Herzen: śrīvighneśvarāya devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Śrī Vighneśvara.
Mit gefalteten Händen wird die Verwendung erklärt: „Die Rezitation dient der Erfüllung meiner erstrebten Ziele.“ Nach der Reinigung der Hände mit dem Grundmantra folgt:
| Finger | Formel | Zugeordnetes Glied |
|---|---|---|
| Daumen | gaṇañjayāya svāhā | hṛdayāya namaḥ – Herz |
| Zeigefinger | ekadaṃṣṭrāya huṃ phaṭ | śirase svāhā – Haupt |
| Mittelfinger | acalakarṇine namo namaḥ | śikhāyai vaṣaṭ – Haarspitze |
| Ringfinger | gajavaktrāya namo namaḥ | kavacāya huṃ – Schutzpanzer |
| Kleine Finger | mahodarāya caṇḍāya huṃ phaṭ | astrāya phaṭ – Waffe |
Nach den Händen erfolgt die Auflegung auf die fünf Glieder vom Herzen an, ohne eine gesonderte Augenformel. Als Alternative nennt der Text den Hand- und sechsgliedrigen Nyāsa mit gāṃ, gīṃ und den entsprechenden weiteren Bījas. Meditation und innere Verehrung folgen nach der zuvor beschriebenen Ordnung.
Gāyatrī, Sitz und Anrufung
Mit der Gaṇeśa-Gāyatrī werden Gottheit, Gaben und Ort besprengt:
ekadaṃṣṭrāya vidmahe vakratuṇḍāya dhīmahi tanno vighnaḥ pracodayāt.
„Wir erkennen den Einen mit dem einzelnen Stoßzahn; wir meditieren über den mit dem gebogenen Rüssel. Möge Vighna, der Herr der Hindernisse, uns anregen.“ Diese Fassung wird so bewahrt, wie sie hier steht.
Vor der Gottheit wird Osten festgelegt. An der angegebenen Ecke – die gedruckte Richtungsverbindung ist nicht eindeutig – wird auf einem Śrīparṇī-Sockel oder einem entsprechenden Träger mit Safran und ähnlichen Mitteln das Verehrungs-Yantra gezeichnet: achtblättriger Lotus, drei umgebende Quadrate, vier Tore. Nach der früher beschriebenen Ordnung werden die Trägerkräfte von Maṇḍūka bis zur Erde verehrt. An die Stelle des Nektarmeeres tritt hier ein Meer von Zuckerrohrsaft. Es folgen Edelsteininsel und die weiteren Stufen bis zum höchsten Prinzip.
Auf den Staubfäden, vom Bereich vor dem Übenden bis zur Mitte, werden die neun Kräfte mit Verehrungsformeln angerufen: oṃ tīvrāyai namaḥ, danach entsprechend Jvālinī, Nandā, Bhogadā, Kāmarūpiṇī, Ugrā, Tejovatī, Satyā und vighnanāśinyai namaḥ. Die abgekürzte Wiederholung der Formel wird im Druck angezeigt.
Der gesamte Sitz wird mit gaṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ verehrt: Verehrung dem Lotussitz aller Kräfte. Nach dem Grundmantra heißt es: śrīgaṇeśamūrtiṃ parikalpayāmi namaḥ – „Ich vergegenwärtige die Gestalt Śrī Gaṇeśas; Verehrung.“ Ist keine Bildgestalt vorhanden, legt man etwa eine Blume nieder und betrachtet die zuvor beschriebene Meditationsgestalt. Mit śrīgaṇapatimūrtaye namaḥ wird sie verehrt.
Gaṇeśa wird nach der früheren Ordnung angerufen. Die Anrufungs-Mudrās und die Belebung der Gestalt folgen. Dann zeigt man die sieben Mudrās namens Stoßzahn, Schlinge, Haken, Vighna, Axt, Süßspeise und Zitronenfrucht. Die Darbringungen reichen vom Sitz bis zu den Blumen.
Gottheiten der Mitte und der Glieder
Auf der Samenkapsel werden in den vier Richtungen vor der Gottheit beginnend Gaṇādhipa, Gaṇeśāna, Gaṇanāyaka und Gaṇakrīḍa mit den jeweils entsprechenden namaḥ-Formeln verehrt.
Auf den Staubfäden folgen die Glieder:
- Südosten: oṃ gaṇañjayāya svāhā hṛdayāya namaḥ.
- Nordosten: oṃ ekadaṃṣṭrāya huṃ phaṭ śirase svāhā.
- Südwesten: oṃ acalakarṇine namo namaḥ śikhāyai vaṣaṭ.
- Nordwesten: gajavaktrāya namo namaḥ kavacāya huṃ.
- In den vier Hauptrichtungen: oṃ mahodarāya caṇḍāya huṃ phaṭ astrāya phaṭ namaḥ.
Alternativ werden an den genannten Stellen die sechs Glieder mit gāṃ hṛdayāya namaḥ, gīṃ śirase svāhā und den entsprechenden weiteren Formeln verehrt. Bei dieser sechsgliedrigen Fassung kommt vor der Gottheit die Augenformel gauṃ netratrayāya vauṣaṭ hinzu. Danach folgt die Waffenverehrung; der Satz wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.
Abschluss der Umkreisverehrung und Rezitationsvorbereitung
Druckseite 671; Fortsetzung der unnummerierten Ausführung. Nach der Augenformel erfolgt die zuvor angekündigte Waffenverehrung.
Auf den acht Blättern werden, vor der Gottheit beginnend und im Uhrzeigersinn, Vakratuṇḍa, Ekadaṃṣṭra, Mahodara, Gajānana, Lambodara, Vikaṭa, Vighnarāj und Dhūmravarṇa verehrt. Die Reihe beginnt mit oṃ vakratuṇḍāya namaḥ; die weiteren Namen erhalten die entsprechenden Verehrungsendungen.
An den Blattspitzen folgen die Mütter: āṃ brāhmyai namaḥ, īṃ māheśvaryai, ūṃ kaumāryai, die mit einem ṛ-Bīja verbundene Vaiṣṇavī, die mit einem ḷ-Bīja verbundene Vārāhī, aiṃ indrāṇyai, auṃ cāmuṇḍāyai und aḥ mahālakṣmyai namaḥ. Bei ṛ und ḷ sind die Vokallängen im kleinen Druck nicht sicher; die Formeln werden deshalb nicht als vollständig gesichert ausgegeben. Das wiederholte namaḥ ist in der Quelle meist abgekürzt.
Im ersten äußeren Umgang stehen die Richtungshüter. Jede Anrufung beginnt mit oṃ, dem angegebenen Bīja und dem Namen im Dativ und endet mit namaḥ. Die Beschreibungen dazwischen lauten:
| Bīja und Gottheit | Herrschaft, Farbe, Gegenstand und Reittier |
|---|---|
| laṃ indrāya | Herr der Götter; gelb; Vajra; Airāvata |
| raṃ agnaye | Herr des Glanzes; rot; Speer; Widder |
| ṭaṃ yamāya | Herr der Verstorbenen; schwarz; Stab; Büffel |
| kṣaṃ nirṛtaye | Herr der Rākṣasas; rauchfarben; Schwert; Verstorbener |
| vaṃ varuṇāya | Herr des Wassers; weiß; Schlinge; Makara |
| yaṃ vāyave | Herr des Lebenshauchs; schwarz; Haken; Antilope |
| saṃ kuberāya | Herr der Yakṣas; perlfarben; Keule; Mensch |
| haṃ īśānāya | Herr des Wissens; kristallfarben; Dreizack; Stier |
Zwischen Indra und Īśāna steht oṃ āṃ brahmaṇe lokādhipataye raktavarṇāya padmahastāya haṃsavāhanāya namaḥ: Verehrung Brahmā, dem Herrn der Welten, rot, mit Lotus, auf dem Schwan. Zwischen Nirṛti und Varuṇa steht oṃ hrīṃ anantāya nāgādhipataye gauravarṇāya cakrahastāya garuḍavāhanāya namaḥ: Verehrung Ananta, dem Herrn der Nāgas, hell, mit Diskus, auf Garuḍa. Die Unterschiede zu den vorangegangenen Versbeschreibungen bleiben bestehen.
Im zweiten Umgang werden die Waffen im Uhrzeigersinn verehrt: Vajra, Speer, Stab, Schwert, Schlinge, Haken, Keule, Dreizack, Lotus und Diskus. Die Reihe beginnt mit oṃ vajrāya namaḥ und wird mit den entsprechenden Dativformen fortgesetzt. Nach dem Grundmantra folgt sāṅgāya saparivārāya śrīgaṇapataye namaḥ – Verehrung Śrī Gaṇapati mit seinen Gliedern und seinem Gefolge. Drei Blumengaben mit gefalteten Händen sowie Räucherwerk, Licht und die übrigen zuvor beschriebenen Handlungen schließen sich an.
Der Sārasaṃgraha beschreibt die Vorbereitung und weitere Anwendungen; neue Zitatreihe 32.SHM:
32.SHM.1: Nach hunderttausend Rezitationen des Mantras wird mit acht Stoffen ein Feueropfer im Umfang eines Zehntels vollzogen, o große Herrin. Danach folgen Tarpaṇa und die weiteren Handlungen.
32.SHM.2: Die acht Stoffe sind Modaka-Süßspeisen, Reisflocken, Puffreis, geröstetes Mehl, Zuckerrohrstücke, Kokosnuss, reiner Sesam und gut gereifte Bananen.
Erläuterung der Textfassung: Für jeden Stoff werden 1.250 Darbringungen angesetzt. Die Gaṇeśvaraparāmarśinī erläutert, dass die acht Stoffe jeweils einzeln und mit den drei süßen Substanzen verbunden dargebracht werden. Die angegebene Rezitationszahl wird dem Kṛtayuga zugeordnet; für das Kaliyuga fordert der Kommentar das Vierfache bei Rezitation, Homa und den weiteren Teilen.
32.SHM.3: Ein Feueropfer mit Milchreis und Ghee wird als Erfüllung von Wünschen beschrieben. Wer Wohlstand erstrebt, soll nach der Quelle am vierten Mondtag Kokosnuss darbringen.
32.SHM.4: Beginnend mit dem ersten Tag der hellen Monatshälfte werden täglich vierhundert Gaben aus Sesam, Puffreis, geröstetem Mehl und Kokosnuss in der genannten Reihenfolge dargebracht.
32.SHM.5: Bis zum vierten Tag fortgeführt, soll dies nach der magischen Verheißung Lebewesen gefügig machen. Ein Opfer aus Sesam und Reis wird mit Wohlstand, Einfluss und Ansehen verbunden.
32.SHM.6: Sieben Tage lang werden Puffreisgaben mit den drei süßen Substanzen genannt. Dem nach einer Braut Suchenden wird eine Braut, der nach einem Gatten Suchenden ein lieber Gatte verheißen.
32.SHM.7: Eine viertägige nächtliche Darbringung von mit Joghurt verbundenem Salz wird wiederum der gewünschten Einflussnahme zugeordnet. Dies ist eine historische Ritualangabe, keine Empfehlung zur Beeinflussung anderer Menschen.
Erläuterung der Textfassung: Wo bei solchen Wunschritualen keine Zahl angegeben ist, soll sie nach der Bedeutung und dem Umfang des Vorhabens bestimmt werden. Genannt wird eine Spanne von tausend bis zu höheren Zehntausender- und Hunderttausenderzahlen. Dazu folgt ein Zitat aus dem Kularṇava; Zitatreihe 32.KUL:
32.KUL.1: Mit einem oder allen der betreffenden Stoffe wird unter Berücksichtigung des Gewichts des Vorhabens geopfert: tausend, dreitausend oder fünftausendmal, o Göttin.
32.KUL.2: Auch zehntausend, hunderttausend oder eine Million werden genannt, o Herrin des Kula. Das Opfer erfolgt im für die jeweilige Handlung beschriebenen Becken und im entsprechend geweihten Feuer.
32.KUL.3: Für eine Gestalt des Herrn der Hindernisse werden Wurzelholz des weißen Arka, Sandelholz beziehungsweise geeignete Hölzer, von einem Elefanten gebrochenes Nimba-Holz und Elefantenstoßzahn als Materialien genannt. Die Aufzählung wird als historische Quellenangabe bewahrt.
32.KUL.4: Die Gestalt wird hergestellt und verehrt; unter Berührung wird der Mantra rezitiert. Der Übende fastet, hält sich rein und nimmt sie bei einer Mondfinsternis auf beziehungsweise bringt das betreffende Verfahren zum Abschluss. Die genaue Bedeutung des letzten Verbs bleibt kontextabhängig.
Weitere historische Anwendungen und einsilbige Mantras
Druckseite 672; Fortsetzung der Reihe 32.KUL.
32.KUL.5: Das Tragen der Gestalt auf dem Haupt soll in Rechtsangelegenheiten und im Kampf Sieg verleihen. Danach wird eine Verbindung von Rocanā und dem Saft einer Elefantenschläfe unter Mantrarezitation genannt.
Erläuterung der Textfassung: Samadā bezeichnet hier den fließenden Elefantensaft.
32.KUL.6: Das Stirnzeichen aus dieser Mischung soll nach der magischen Behauptung Herrscher und andere Menschen gefügig machen. Danach beginnt eine weitere Angabe: Der Name der betreffenden Person wird in frische Butter in gewöhnlicher Richtung eingeschrieben.
32.KUL.7: Das Bīja des Herrn der Hindernisse wird in umgekehrter Richtung hinzugefügt; rituell wird der Lebenshauch eingesetzt. Nach 108 Rezitationen wird die Butter schweigend verzehrt.
32.KUL.8: Nach sieben Tagen soll die betreffende Person dem Übenden gefügig werden. Anschließend wird die Wassergabe an Gaṇeśa mit einer noch anzuführenden Anzahl erwähnt.
32.KUL.9: Nach neunundvierzig Tagen wird die Erfüllung des Wunsches verheißen. Manche Lehrer setzen dem Mantra den Praṇava oṃ voraus.
Unnummerierter Halbvers: Bei der Verehrung endet er mit der hier als „Herz“ bezeichneten Endung namaḥ, beim Feueropfer mit svāhā. Danach zeigt der Druck eine Punktreihe.
Der Sārasaṃgraha nennt einen weiteren Mantra; neue Reihe 32.GLA:
32.GLA.1: Smṛti, verbunden mit Erde und Manu und am oberen Ende mit Bindu und Nāda geschmückt, wird als dieser einsilbige Mantra Gaṇeśas gelehrt.
Erläuterung der Textfassung: Smṛti ist ga, Erde la, Manu au; zusammen mit Bindu und Nāda ergibt sich glauṃ.
Ein weiterer Mantra wird in der Reihe 32.GAU erklärt:
32.GAU.1: Śārṅgin, verbunden mit dem vierzehnten Vokal und geschmückt mit Bindu, ist dieser vorzügliche einsilbige Mantra Gaṇapatis.
Erläuterung der Textfassung: Śārṅgin ist ga, der genannte Vokal au und Bindu der Anusvāra: gauṃ.
32.GAU.2: Der Seher heißt Gaṇaka, das Versmaß Nicṛt. Die Gottheit ist Bāla Gaṇapati, verehrt von allen Göttern und Asuras.
Unnummerierter Halbvers: Die sechs Glieder werden mit dem eigenen Bīja und sechs langen Vokalen gestaltet. Die Prosa nennt für die erste Fassung glāṃ, glīṃ und so weiter, für die zweite gāṃ, gīṃ und so weiter. Nicht ausgeschriebene Glieder werden hier nicht zu einem vermeintlichen vollständigen Quellenzitat ergänzt.
32.GAU.3: Meditation, Verehrung und Rezitation erfolgen wie zuvor. Wenn der Mantra richtig zur Vollendung gebracht ist, werden die zum früheren Mantra genannten Anwendungen ausgeführt, Liebe.
Unnummerierter Halbvers: Der Übende vollzieht sie nach ihrer Ordnung zur Erreichung des erstrebten Ziels. Damit werden insgesamt sieben einsilbige Formen zusammengefasst.
Erläuterungen zu den früheren Anwendungen
Die Prosa erklärt die Darbringung mit Sesam, Puffreis und den weiteren Stoffen: Vom ersten bis zum vierten Tag der hellen Monatshälfte werden täglich zunächst hundert Sesamgaben, danach je hundert Gaben von Puffreis, geröstetem Mehl und Kokosnuss, jeweils mit den drei süßen Substanzen verbunden, angesetzt; zusammen vierhundert.
Zur Butterpassage erklärt sie die symbolische Beschriftung genauer. Zwei Gaṇeśa-Bījas werden einander abgewandt geschrieben. An ihren Bindu-Stellen steht mama, „mein“; unter dem Bīja steht amukaṃ, der Platzhalter für die betreffende Person. Dazwischen lautet die Formel vaśaṃ kuru kuru, „mache gefügig, mache gefügig“. Die Anordnung verbindet so die betreffende Person und den Ausführenden. Alles wird von Gaṇeśa-Bījas umgeben. Es folgen das rituelle Einsetzen des Lebenshauchs der betreffenden Person, 108 Rezitationen des Grundmantras unter Berührung der Butter und deren Verzehr. Die Prosa wiederholt die behauptete siebentägige Wirkung. Diese Beschreibung macht die Aussage der historischen Quelle nachvollziehbar; sie ist keine Empfehlung zur Manipulation anderer Menschen.
Der Viri-Vighneśa-Mantra und seine Varianten
Der Sārasaṃgraha führt einen weiteren Mantra an; Zitatreihe 32.VIR:
32.VIR.1: Man spricht zweimal viri, dann gaṇapatim, anschließend vara und nochmals varada.
32.VIR.2: Es folgt sarvalokam im Akkusativ, danach vaśam, ānaya und zum Schluss die „Gattin des Feuers“, das heißt svāhā. Vorangestellt wird Māyā, das Bīja der Bhuvaneśvarī.
Unnummerierter Halbvers: Dieser Viri-Vighneśa-Mantra wird als sechsundzwanzigsilbig bezeichnet.
Erläuterung der Textfassung: Das doppelte viri lautet viri viri. Gaṇapatim und sarvalokam werden ausdrücklich als Akkusativformen erläutert. „Gattin des Feuers“ bedeutet svāhā; der Anfang ist das Bhuvaneśvarī-Bīja. Einige Lehrer bezeichnen die Formel als neunzehnsilbig. In ihrer Fassung entfallen bestimmte Teile, darunter vara varada. Die weitere Beschreibung der ausgelassenen Silbengruppe ist beschädigt und wird nicht zu einer sicheren vollständigen Formel rekonstruiert.
Die Gaṇeśvaraparāmarśinī bietet dazu ein Zitat; eigene Reihe 32.GPM:
32.GPM.1: Man nimmt va und ra, jeweils mit dem als „Auge“ bezeichneten Vokal, und wiederholt beide. Darauf folgen gaṇapati, sarvam, me, vaśam und ānaya. Der Satz über die Schlussendung setzt sich auf der folgenden Seite fort.
Viri-Vighneśa: Varianten, Meditation und Umkreise
Druckseite 673. Die Fortsetzung des vorigen Zitats nennt als „Haupt“ die Schlussendung svāhā. Die Prosa erklärt: va und ra werden jeweils mit i verbunden und wiederholt; so entsteht viri viri. Es folgen gaṇapati sarvaṃ me vaśam ānaya und svāhā. Weil dies als Variante des zuvor erschlossenen Mantras gilt, wird auch hier der Māyā-Anfang vorausgesetzt.
Andere Lehrer stellen die sechs Bījas des Mahāgaṇapati-Mantras in umgekehrter Reihenfolge voran und bezeichnen die sechsundzwanzigsilbige Formel dadurch als zweiunddreißigsilbig. Die sechs Bījas werden erst im späteren Abschnitt über diesen Mantra erklärt; „umgekehrt“ bezieht sich auf die dort genannte Reihenfolge. Der Verweis wird bewahrt, ohne die noch nicht ausgeschriebene Formel zu ergänzen.
Fortsetzung der Reihe 32.VIR:
32.VIM.2: Der Seher heißt Gaṇaka, das Versmaß Gāyatrī. Die Gottheit ist Viri-Vighneśa, dem sichtbare und unsichtbare Früchte zugeschrieben werden. Die nach den Varianten folgende Zitatfolge wird hier mit dem eigenen Kürzel 32.VIM unterschieden; die gedruckte Nummer 2 bleibt erhalten.
32.VIM.3: Die Buchstaben des Grundmantras werden für die sechs Glieder in Gruppen von vier, vier, fünf, fünf, fünf und zwei geteilt.
Unnummerierter Halbvers und Erläuterung: Jede Gruppe erhält den Māyā-Anfang und die zugehörige Endung. Die verschlüsselten Zahlenwörter „Veden“, „Pfeile“ und „Augen“ bedeuten vier, fünf und zwei. Die Endungen sind namaḥ, svāhā, vaṣaṭ und die bereits erläuterten weiteren. Beim zweiten Mantra werden die sechs Glieder aus seinen sechs Wörtern gebildet. Die angegebenen Gruppen ergeben zusammen 25; die zuvor genannte Gesamtsilbenzahl wird dadurch nicht stillschweigend korrigiert.
32.VIM.4: Ich verehre den zinnoberfarbenen Elefantengesichtigen mit drei Augen und dem Halbmond auf dem Haupt. Er hält Schlinge, Haken und eine mit süßem Trank gefüllte Schädelschale. Puṣṭi umarmt ihn und trägt einen Lotus; ihre Hand berührt sein Geschlecht, seine Hand ihren Genitalbereich. Sein Rüssel trägt ein Gefäß voller Kostbarkeiten. Der Vers beschreibt eine sexuelle Symbolgestalt innerhalb der historischen Meditation.
Erläuterung der Textfassung: Schlinge, Haken und Schädelschale werden den oberen linken und rechten sowie der unteren linken Hand zugeordnet; die untere rechte liegt am Genitalbereich der Göttin. Die auf seinem linken Schoß sitzende Göttin umarmt den Geliebten; die weiteren Handzuordnungen mit Lotus und Geschlechtsberührung sind sprachlich nicht vollständig eindeutig. Puṣkara bezeichnet hier den Rüssel. Dieselbe Meditation gilt auch für den zweiten Mantra.
32.VIM.5: Für die dritte Fassung erscheint Gaṇapati zinnoberrot und dreiäugig. Seine linken Hände halten Zitronenfrucht, Keule, Bogen, Diskus und Gebetskette, die rechten Wasserlilie, Schlinge, Pfeil und Stoßzahn; hinzu kommt ein mit Edelsteinen gefülltes Gefäß. Der Rüssel ist an den Genitalbereich Puṣṭis gelegt. Sie sitzt bei ihm, hält einen Lotus und legt eine Hand an sein Geschlecht. Möge diese Gestalt euch bewahren. Auch dies ist eine historische ikonographische Beschreibung.
Erläuterung der Textfassung: Die Gegenstände werden jeweils von der unteren linken beziehungsweise unteren rechten Hand an zugeordnet. Das Gefäß gehört zur obersten Hand.
32.VIM.6: Die Verehrung erfolgt auf dem früher beschriebenen Sitz mit den neun Kräften. In die mit dem Grundmantra vergegenwärtigte Gestalt wird die Gottheit angerufen und darin verehrt.
32.VIM.7: Zuerst verehrt man die Paare und die unbekleideten Gestalten von Āmoda an, danach die Glieder und anschließend die Mütter.
32.VIM.8: Außen folgen die Welthüter und ihre Waffen. So wird Viri-Vighneśvara mit sechs Umhüllungen verehrt.
Ausführung in der Prosa: Nach den Vorbereitungen bis zum Yoga-Sitz werden drei Atemordnungen mit dem Grundmantra vollzogen. Am Haupt steht gaṇakāya ṛṣaye namaḥ, am Mund gāyatrīchandase namaḥ, am Herzen virivighneśvarāya devatāyai namaḥ. Mit gefalteten Händen erklärt man die Verwendung zur Erfüllung des angestrebten Ziels.
Die sechs Glieder erhalten die oben genannten Gruppen: vier Buchstaben am Herzen, vier am Haupt, fünf an der Haarspitze, fünf am Schutzpanzer, fünf an den Augen und zwei an der Waffe. Nach Meditation und Darbringungen bis zu den Blumen werden im Dreieck die drei Paare verehrt, die später bei Mahāgaṇapati genannt werden; in den sechs Ecken die sechs Gestalten von Āmoda an, auf den Staubfäden die sechs Glieder. Danach nennt die Prosa Welthüter, Waffen und die beiden quadratischen Umgänge. Ihre knappe Aufzählung stimmt nicht in jedem Detail mit den zuvor genannten sechs Umhüllungen überein; nicht genannte Glieder werden nicht stillschweigend ergänzt. Das Übrige wird wie zuvor abgeschlossen.
Viri-Vighneśa: Rezitation und historische Anwendungen
Druckseite 674; Fortsetzung der Reihe 32.VIM.
32.VIM.9: Der Mantra wird vierhunderttausendmal rezitiert. Ein Zehntel davon bildet das Feueropfer mit den acht genannten Stoffen, verbunden mit den drei süßen Substanzen.
32.VIM.10: Wer den Mantra so vollendet hat, gilt als befähigt, die Anwendungen auszuführen. Ein Opfer mit aufgeblühten Wasserlilien wird mit der magischen Behauptung verbunden, die ganze Welt gefügig zu machen.
32.VIM.11: Ein Opfer mit Sesam und Reis soll untadeligen Wohlstand bringen; Modaka-Süßspeisen mit Ghee werden mit Sieg verbunden.
32.VIM.12: Die drei süßen Substanzen werden der Einflussnahme auf einen Herrscher zugeordnet. Ein Opfer mit Speisen verschiedener Art soll die eigenen Wünsche erfüllen. Diese Wirkungsangaben gehören zur historischen Rituallehre.
Lakṣmī-Gaṇeśa: Fülle und Hingabe
Der Sārasaṃgraha nennt einen weiteren Mantra; eigene Reihe 32.LGG:
32.LGG.1: Man spricht saumya und mahāgaṇapati im Dativ, dann vara, varada und sarvajanaṃ.
32.LGG.2: Darauf folgen me vaśam ānaya und die als zwei ṭha-Laute bezeichnete Endung. Mit den Bījas Lakṣmīs und Gaṇeśas versehen, wird der Mantra als neunundzwanzigsilbig angegeben.
Unnummerierter Halbvers und Erläuterung: Dieser Lakṣmī-Gaṇeśa-Mantra soll jede Fülle gewähren. Die Dativform lautet mahāgaṇapataye; die verschlüsselte Schlussangabe bedeutet svāhā. Lakṣmīs Bīja ist śrīṃ, Gaṇeśas Bīja gaṃ; beide stehen am Anfang. Die Textfassung erläutert nicht jede Zählfrage gesondert.
32.LGG.3: Als Seher wird Antaryāmin genannt, als Versmaß Gāyatrī in der Nicṛt-Form. Die Gottheit ist Lakṣmī-Gaṇeśa.
32.LGG.4: Mit dem ersten und ebenso dem zweiten Bīja, jeweils mit den sechs langen Vokalen verbunden, werden die sechs Glieder samt ihren Endungen gebildet.
32.LGG.5: Goldglänzend, in gelbem Gewand, hält Gaṇapati mit seinen Lotushänden Diskus, Muschel und Stoßzahn und zeigt Furchtlosigkeit. Sein Rüssel trägt ein goldenes Gefäß. Er sitzt auf einem Lotus und hat drei Augen. Auf seinem linken Schoß sitzt Lakṣmī, ebenfalls goldglänzend, mit einem Lotus; ihr rechter Arm umarmt ihn. Möge dieser große Fülle verleihende Gaṇapati euch Wohlergehen schenken.
Erläuterung der Textfassung: Die Gegenstände werden von der oberen rechten bis zur unteren rechten Hand zugeordnet. „Nase“ bedeutet hier Rüssel.
32.LGG.6: Die Verehrung erfolgt auf dem zuvor beschriebenen Sitz mit den neun Kräften von Tīvrā an. Er besteht hier aus zwei achtblättrigen Lotusreihen, mit leuchtender Samenkapsel und Staubfäden.
32.LGG.7: Drei Quadrate mit vier Toren umgeben ihn. Mit dem Grundmantra wird die Gestalt vergegenwärtigt; darin wird die Gottheit angerufen und verehrt.
32.LGG.8: Die erste Umhüllung bilden die Glieder, die zweite die Gestalten von Vakratuṇḍa an. Danach werden Aṇimā, Mahimā, Laghimā und Garimā genannt,
32.LGG.9: ferner Īśitva, Vaśitva, Prākāmya und Prāpti. Diese acht Siddhis werden der Reihe nach im dritten Umkreis verehrt.
32.LGG.10: Danach folgen die Mütter, anschließend die Welthüter und ihre Waffen. Mit Hingabe werden sie in derselben Weise verehrt.
Die ausgeführte Ordnung
Nach dem morgendlichen Aufstehen und den Handlungen bis zum Yoga-Sitz werden drei Atemordnungen mit dem Grundmantra ausgeführt. Es folgen am Haupt antaryāmiṛṣaye namaḥ, am Mund nicṛdgāyatrīchandase namaḥ und am Herzen śrīlakṣmīgaṇeśāya devatāyai namaḥ. Die Verwendung wird wie zuvor erklärt.
Die Hand- und Gliederauflegung lautet:
- śrāṃ gāṃ hṛdayāya namaḥ – Herz.
- śrīṃ gīṃ śirase svāhā – Haupt.
- śrūṃ gūṃ śikhāyai vaṣaṭ – Haarspitze.
- śraiṃ gaiṃ kavacāya huṃ – Schutzpanzer.
- śrauṃ gauṃ netratrayāya vauṣaṭ – drei Augen.
- śraḥ gaḥ astrāya phaṭ – Waffe.
Nach Meditation und innerer Verehrung wird der beschriebene Sitz vorbereitet. Nach Aufstellung der ehrenden Gabe und den Darbringungen bis zu den Blumen werden auf den Staubfäden der ersten Lotusreihe die sechs Glieder verehrt. Auf ihren acht Blättern stehen die aus der einsilbigen Verehrung bekannten Gestalten von Vakratuṇḍa an.
Auf der zweiten Lotusreihe folgen, vor der Gottheit beginnend und im Uhrzeigersinn, die acht Siddhis: oṃ aṇimāsiddhyai namaḥ, danach die entsprechend gebildeten Anrufungen für Mahimā, Laghimā, Garimā, Īśitva, Vaśitva, Prākāmya und Prāpti. An den Blattspitzen werden die Mütter von Brāhmī an wie zuvor verehrt. In den beiden Umgängen zwischen den Quadraten folgen die Welthüter und ihre Waffen; der Satz setzt sich auf der nächsten Seite fort.
Abschluss der Lakṣmī-Gaṇeśa-Lehre
Druckseite 675. Die Prosa schließt die Verehrung von Welthütern und Waffen ab; Räucherwerk, Licht und alles Übrige folgen wie zuvor.
32.LGG.11: Der Eingeweihte, der seine Sinne beherrscht, rezitiert den Mantra hunderttausendmal. Ein Zehntel davon wird als Feueropfer mit Bilva-Zweigen, benetzt mit süßen Stoffen, vollzogen.
32.LGG.12: Danach folgen Tarpaṇa und die weiteren Handlungen nach der früheren Ordnung. Mit so vollendetem Mantra soll der Übende sein erstrebtes Ziel verwirklichen. Dieser Vers steht im Druck innerhalb einer Klammer.
32.LGG.13: Viertausend Gaben von Śrīfrüchten, mit süßen Stoffen verbunden, werden genannt. Dieses Opfer soll große Fülle, Kinder, Freunde und einen Ehepartner gewähren. Die Druckklammer endet nach dem ersten Halbvers.
32.LGG.14: Vierzig Tage lang werden jeweils vierhundertvierzig Sättigungsgaben mit reinem Wasser genannt. Dadurch soll der Mantraübende den gewünschten Wohlstand erlangen.
Der dreisilbige Śakti-Gaṇapati-Mantra
Der Sārasaṃgraha lehrt eine weitere Form; Zitatreihe 32.SGT:
32.SGT.1: Smṛti, verbunden mit Bindu, dem linken Auge und Feuer, steht in der Mitte von Māyā. Dies ist der dreisilbige Śakti-Gaṇapati-Mantra, dem alle Vollendungen zugeschrieben werden.
Erläuterung der Textfassung: Smṛti ist ga, Feuer ra, das linke Auge ī, Bindu der Anusvāra. Das so gebildete Bīja grīṃ wird zwischen zwei Māyā-Bījas gesetzt. Die angegebene Verbindung ergibt hrīṃ grīṃ hrīṃ; sie ist hier aus der ausdrücklichen Erläuterung erschlossen.
32.SGT.2: Der Seher ist Bhārgava, das Versmaß Virāj. Die Gottheit heißt Śakti-Gaṇapati und wird von Göttern und Dānavas verehrt.
32.SGT.3: Die sechs Glieder werden mit dem Bīja in seinen sechs Langvokalformen gebildet. Man betrachtet den Elefantenherrn, dessen bewegte Ohren schönen Wedeln gleichen,
32.SGT.4: goldfarben und vierarmig, mit Schlinge und Haken. In der rechten Hand trägt er seinen Stoßzahn, in der linken eine Zitronenfrucht.
Unnummerierter Halbvers: Mit dem Rüssel trägt er Modaka-Süßspeisen. Die Prosa ordnet die Gegenstände von der oberen linken bis zur unteren linken Hand zu.
32.SGT.5: Die Verehrung erfolgt auf dem zuvor beschriebenen Sitz mit den neun Kräften von Tīvrā an, auf einem achtblättrigen Lotus mit drei umgebenden Quadraten.
32.SGT.6: Die erste Umhüllung bilden die Glieder, die zweite die Mütter, die dritte die Welthüter und die vierte deren Waffen.
Ausführung in der Prosa: Nach den Vorbereitungen bis zum Yoga-Sitz und drei Atemordnungen mit dem Grundmantra werden am Haupt bhārgavāya ṛṣaye namaḥ, am Mund virāṭchandase namaḥ und am Herzen śrīśaktigaṇapataye devatāyai namaḥ aufgelegt. Mit grāṃ, grīṃ und den entsprechenden weiteren Formen erfolgt der Hand- und Gliedernyāsa. Nach Meditation, innerer Verehrung und Vorbereitung des Cakras werden auf den Staubfäden die sechs Glieder, auf den Blättern die Mütter und in den Quadratumgängen Welthüter und Waffen verehrt. Alles Weitere wird wie zuvor abgeschlossen. Hier beginnt im Druck eine längere Klammer, die auf der nächsten Seite endet.
32.SGT.7: Wer die Sinne beherrscht und sich von Opferkost ernährt, rezitiert den Mantra hunderttausendmal. Ein Zehntel davon bildet das Feueropfer mit in Ghee getränkten Kuchen.
Unnummerierter Halbvers und Kommentar: Mit dem so vollendeten Mantra werden Wunschrituale ausgeführt. Auch hier verlangt die Prosa für das Kaliyuga die vierfache Zahl der Rezitationen und der weiteren Handlungen.
32.SGT.8: Am vierten Tag der hellen Monatshälfte wird Vināyaka verehrt. Als Gaben werden Kuchen mit Rohzucker und gekochte, mit Ghee verbundene Speisen genannt,
32.SGT.9: außerdem Pfeffer, Kreuzkümmel und Steinsalz. In der Gegenwart der Gottheit werden dreitausend Darbringungen angesetzt.
32.SGT.10: Nach sieben Tagen wird Beredsamkeit in Prosa und Versen verheißen. Ein Honigopfer wird im Text mit Einflussnahme auf einen Herrscher verbunden.
32.SGT.11: Wer eine Braut sucht, verwendet nach der Quelle Puffreis und verbindet den Mantra mit ihrem Namen. Der zweite Halbvers nennt ein Mädchen beziehungsweise eine Braut und eine siebenfache Rezitation, ist aber syntaktisch nicht sicher erschließbar; eine zusätzliche Verfahrensbeschreibung wird nicht erfunden.
32.SGT.12: Bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis nennt der Text eine Mischung aus einem Pala Ghee von einer Kapilā-Kuh und einem Karṣa pulverisiertem Vacā, über der Mantras gesprochen werden.
32.SGT.13: Die historische Vorschrift verbindet das Trinken dieser Zubereitung mit der Meditation über die Gottheit und dem Verzicht auf andere Nahrung bis zu deren Einnahme.
32.SGT.14: Nach einer Woche wird eine Beredsamkeit wie die eines zweiten Herrn der Rede verheißen. Der Vers beginnt anschließend eine andere Vorschrift: An dem Tag, an dem eine bislang kinderlose Frau nach ihrer Monatsblutung badet, wird Vināyaka verehrt. Die Fortsetzung folgt auf der nächsten Seite.
Die hier erwähnten Pflanzenzubereitungen und Fruchtbarkeitsversprechen werden als historische Textaussagen wiedergegeben, nicht als medizinische Empfehlung.
Fortsetzung der historischen Pflanzenvorschriften
Druckseite 676; Fortsetzung der Reihe 32.SGT. Die alten Maße bleiben als Quellenangaben stehen und werden nicht in moderne Dosierungen umgerechnet.
32.SGT.15: Genannt werden Kurkuma, Steinsalz und Vacā in den Mengen von einem Niṣka, einem halben und einem Viertel davon, mit einem Kuḍava Kuhurin verrieben und tausendmal mit Mantras besprochen.
32.SGT.16: Eine junge Frau beziehungsweise Braut wird mit Speisen bewirtet; die genaue Verbindung der ersten Wörter ist unsicher. Nach einer Gabe an den Guru trinkt die betreffende Frau die Zubereitung.
32.SGT.17: Als Frucht wird ihr ein Sohn mit allen guten Merkmalen verheißen: langlebig, wohlgestaltet, verständig und mit Glück beziehungsweise Fülle begabt.
Erläuterung der Textfassung: Zur vorangegangenen Finsternisvorschrift nennt die Prosa fein zerriebenes Vacā-Pulver, ein Karṣa, mit einem Pala Ghee einer Kapilā-Kuh. Anders als der Vers führt sie ausdrücklich 1.008 Besprechungen mit dem Grundmantra an. Die Mischung wird in sieben Teile geteilt: ein Teil zur Finsternis unter Meditation, die übrigen sechs an den folgenden sechs Morgen, jeweils ebenso. Die bereits verheißene Wirkung wird erneut behauptet.
Zur Fruchtbarkeitsvorschrift wiederholt die Prosa die Mengen: ein Niṣka Kurkuma, ein halbes Niṣka Steinsalz und ein Viertel Niṣka Vacā-Pulver mit einem Kuḍava Kuhurin. Einzelne Wörter über Zubereitung und Zeitpunkt sind beschädigt. Die Zubereitung wird nach der angegebenen Rezitationszahl und Ordnung verwendet; der Kommentar wiederholt das behauptete Ergebnis. Diese Angaben bleiben historische Quelleninhalte, ohne medizinische Bestätigung oder Empfehlung.
Der viersilbige Śakti-Gaṇapati-Mantra
Der Sārasaṃgraha beschreibt eine weitere Fassung; Zitatreihe 32.SGC:
32.SGC.1: Wenn dem vorigen Mantra der Tāra-Laut vorangestellt wird, heißt er viersilbig. Der Seher ist Śukra, das Versmaß Gāyatrī.
32.SGC.2: Die Gottheit ist der höchste Śakti-Gaṇapati, dem alle Vollendungen zugeschrieben werden. Der Lehrer bildet die sechs Glieder wie zuvor.
Erläuterung der Textfassung: Tāra bedeutet hier Praṇava, oṃ. Der vorherige dreisilbige Śakti-Gaṇapati-Mantra wird durch dieses vorangestellte oṃ viersilbig.
32.SGC.3: Ich betrachte Śrī Gaṇeśa, goldglänzend, in göttlichen Gewändern, mit großem Bauch, schönen Armen und drei Augen. Seine Hände tragen Schlinge, Gebetskette, eigenen Stoßzahn und Haken, sein Rüssel eine Modaka-Süßspeise. Er ist mit Gold geschmückt und von einer schönen Śakti begleitet, die wie die junge Sonne leuchtet. Er ist der Herr der Hindernisse, von der Welt verehrt und Zuflucht der drei Welten.
Erläuterung der Textfassung: Die Gegenstände werden von der oberen rechten bis zur oberen linken Hand zugeordnet.
32.SGC.4: Die Gottheit wird auf dem zuvor beschriebenen Sitz angerufen und verehrt. Die erste Umhüllung besteht aus den Gliedern, die zweite aus den Gestalten von Vakratuṇḍa an.
32.SGC.5: Die dritte bilden die Mütter, die vierte außen die Welthüter und die fünfte deren Waffen. So erfolgt die Verehrung der Reihe nach. Hier endet die längere Druckklammer, die auf Seite 675 begonnen hat.
Ausführung in der Prosa: Nach der Vorbereitung bis zum Yoga-Sitz und drei Atemordnungen mit dem Grundmantra werden am Haupt śukrāya ṛṣaye namaḥ, am Mund gāyatrīchandase namaḥ und am Herzen śrīśaktigaṇapataye devatāyai namaḥ aufgelegt. Der Hand- und Gliedernyāsa beginnt mit grāṃ, grīṃ und wird entsprechend fortgesetzt. Meditation, innere Verehrung und Cakra entsprechen der dreisilbigen Fassung. Auf den Staubfäden stehen die Glieder, auf den Blättern Vakratuṇḍa und die weiteren Gestalten, an den Blattspitzen die Mütter; in den Quadratumgängen Welthüter und Waffen. Das Übrige folgt wie zuvor. Die Prosa bemerkt ausdrücklich, dass die folgende Rezitationszahl bereits für das Kaliyuga gilt.
32.SGC.7: Der gesammelte Mantrakenner rezitiert dreihunderttausendmal und vollzieht danach ein Feueropfer von einem Zehntel mit Sesam und Ghee. Die Nummer 6 fehlt in der vorliegenden Zitatfolge; sie wird nicht ergänzt.
32.SGC.8: Danach folgen Tarpaṇa und die weiteren Teile. So gilt der Mantra als vollendet; anschließend werden Wunschrituale mit beherrschtem Geist ausgeführt.
32.SGC.9: Tägliche Darbringungen mit Ghee sollen nach einem Jahr reichliche Nahrung bringen; Milchreis wird mit großem Wohlstand verbunden.
Kṣipraprasādana: der rasch Gunst gewährende Vināyaka
Der Sārasaṃgraha führt einen weiteren Mantra ein; Zitatreihe 32.KSP:
32.KSP.1: Das Ende von kha wird mit Bindu verbunden; kṣa erhält den als Auge bezeichneten Vokal. Lohita wird mit ra verbunden, Pārśva mit Feuer.
Unnummerierter Halbvers und Erläuterung: Es folgen sādanāya und die „Herz“-Endung; der Mantra wird als zehnsilbig beschrieben. Das Ende von kha ist ga mit Anusvāra, also gaṃ. Kṣa mit i ergibt kṣi; Lohita und Pārśva bezeichnen beide pa, jeweils mit ra verbunden. Die Endung ist namaḥ. Daraus ergibt sich die im Text erschlossene Folge gaṃ kṣipraprasādanāya namaḥ – Verehrung dem rasch Gunst Gewährenden.
Kṣipraprasādana-Vināyaka: Meditation und Umkreise
Druckseite 677; Fortsetzung der Reihe 32.KSP.
32.KSP.2: Der Seher heißt Gaṇaka, das Versmaß Virāj. Die Gottheit ist Kṣipraprasādana-Vināyaka, der rasch Gunst Gewährende.
Unnummerierter Halbvers: Die Gliederhandlung erfolgt mit dem eigenen Bīja in den Langvokalformen.
32.KSP.3: Er trägt Schlinge, Haken, eine wunscherfüllende Ranke und einen Stoßzahn; sein Rüssel hält eine Zitronenfrucht. Rot ist der Elefantengesichtige, mit drei Augen und dem jungen Mond auf dem Haupt, leuchtend geschmückt mit einer Halskette. Möge er uns beschützen.
Erläuterung der Textfassung: Die Gegenstände werden von der oberen linken bis zur unteren linken Hand zugeordnet.
32.KSP.4: Auf dem zuvor beschriebenen Sitz mit den neun Kräften wird die Gestalt mit dem Grundmantra vergegenwärtigt; darin verehrt man den Herrn der Hindernisse.
32.KSP.5: Die erste Umhüllung besteht aus den Gliedern, die zweite aus acht Gaṇas: Vighna, Vināyaka, Śūra und Vīra,
32.KSP.6: ferner Varada, Ibhavaktra, Ekadanta und als achter Lambodara. An den Blattspitzen folgt die Verehrung der Mütter.
Unnummerierter Halbvers: Außen werden die Welthüter verehrt, noch weiter außen deren Waffen.
Ausführung in der Prosa: Nach den Morgenhandlungen bis zum Yoga-Sitz und drei Atemordnungen mit dem Grundmantra stehen am Haupt gaṇakāya ṛṣaye namaḥ, am Mund virāṭchandase namaḥ und am Herzen kṣipraprasādanāya gaṇapataye devatāyai namaḥ. Der Hand- und Gliedernyāsa beginnt mit gāṃ, gīṃ und wird entsprechend fortgesetzt.
Nach Meditation und innerer Verehrung wird ein achtblättriger Lotus mit drei Quadraten und vier Toren angelegt. Die Gaben reichen von Arghya bis zu den Blumen. Auf den Staubfäden stehen die sechs Glieder, auf den acht Blättern im Uhrzeigersinn Vighna, Vighnanāyaka, Śūra, Vīra, Varada, Ibhavaktra, Ekadanta und Lambodara. Die Namensform Vighnanāyaka in der Prosa wird gegenüber Vināyaka im Vers bewahrt. Die Anrufungen beginnen mit oṃ vighnāya namaḥ und werden mit den entsprechenden Verehrungsformen fortgeführt. An den Blattspitzen folgen die Mütter, in den Quadratumgängen die Welthüter und ihre Waffen. Das Übrige wird wie zuvor abgeschlossen.
32.KSP.7: Der Mantra wird hunderttausendmal rezitiert. Danach folgt ein Feueropfer von einem Zehntel mit Sesam, verbunden mit den drei süßen Substanzen,
32.KSP.8: oder mit den acht zuvor genannten Stoffen. Tarpaṇa und die übrigen Handlungen folgen wie zuvor. Mit dem so vollendeten Mantra werden die Wunschrituale ausgeführt. Die Prosa fordert für das Kaliyuga die vierfache Rezitationszahl.
32.KSP.9: Eine Darbringung mit Zucker und Ghee wird mit Wohlstand verbunden, eine nur mit Ghee mit Einflussnahme auf Menschen.
32.KSP.10: Mit Ghee verbundene Nahrung soll reichliche Nahrung gewähren. Danach wird eine vierzigtägige Darbringung von Kokosnuss genannt,
32.KSP.11: täglich mit der Schale und in einer Erdumhüllung gegart. Dem Übenden wird die Erfüllung seines Wunsches zugesagt; der Vers fordert, daran nicht zu zweifeln.
32.KSP.12: Puffreis, geröstetes Mehl, Reisflocken oder die acht Stoffe mit den drei süßen Substanzen werden als weitere Opfergaben zur Wunscherfüllung genannt.
32.KSP.13: Eine eingeklammerte Vershälfte verheißt Einfluss auf Könige und ihre Frauen. Danach beginnt eine andere Angabe: Ohne Nachlässigkeit werden vierhundertvierundvierzig Gaben angesetzt,
32.KSP.14: jeden Morgen mit Wasser auf das Haupt des Herrn der Hindernisse. Dadurch werden Glück und Gedeihen verheißen.
32.KSP.15: Dabei betrachtet man die zuvor beschriebene Gaṇeśa-Gestalt, wie sie aus der Sonnenscheibe herankommt und über einen gestuften Weg auf den Lotus gelangt, und vollzieht die Sättigungsgabe. Eine Druckvariante liest „in der Mitte befindlich“.
Unnummerierter Halbvers und Kommentar: Auch die Anwendungen des früheren Mantras können hier verwendet werden. Gemeint ist nach der Prosa der dreisilbige Mantra.
Heramba: der fünffache Beschützer
Der Sārasaṃgraha beginnt einen weiteren Abschnitt; eigene Zitatreihe 32.HER:
32.HER.1: Śārṅgin wird mit Bindu und Adhīśa verbunden; Tāra steht davor, namaḥ danach. Dies ist der viersilbige Mantra des erhabenen Heramba.
Erläuterung der Textfassung: Śārṅgin ist ga, Bindu der Anusvāra, Adhīśa der sechste Vokal, ū. Der Anfang ist oṃ, der Schluss namaḥ. Die ausdrücklich angegebene Zusammensetzung ergibt oṃ gūṃ namaḥ.
Herambas Meditation, Verehrung und Yantra
Druckseite 678; Fortsetzung der Reihe 32.HER.
32.HER.2: Der Seher heißt Gaṇaka, das Versmaß Gāyatrī. Die Gottheit ist der fünfgesichtige Heramba, dessen Reittier der Löwe ist.
Unnummerierter Halbvers: Für die sechs Glieder wird das Bīja mit den sechs langen Vokalen verbunden.
32.HER.3: Heramba wird mit fünf Elefantengesichtern betrachtet, die wie Perle, Blitz, Regenwolke, Mond und Sonne leuchten. Der Mond schmückt sein Haupt; er reitet auf einem kraftvollen Löwen. Seine Hände tragen Dreizack, Haken, Gebetskette, Hammer, menschliche Schädelschale, Axt, Modaka-Süßspeise und Stoßzahn; außerdem zeigen sie Furchtlosigkeit und Segen. Er leuchtet wie die aufgehende Sonne. Mehrere eng gesetzte Zusammensetzungen des Verses sind unsicher; die Aufzählung der Hände wird durch den unmittelbar folgenden Kommentar gestützt.
Erläuterung der Textfassung: Die unterste rechte und linke Hand zeigen Segen und Furchtlosigkeit. Darüber folgen Süßspeise und Stoßzahn, dann Axt und Schädelschale, darüber Gebetskette und Hammer, ganz oben Haken und Dreizack.
32.HER.4: Heramba wird täglich auf dem bereits beschriebenen Sitz verehrt: ein achtblättriger Lotus mit drei umgebenden Quadraten.
32.HER.5: Vier Tore gehören dazu. Zuerst wird der Sitz verehrt. Nach dem Dhruva-Laut spricht man die Herzsilbe und mahāsiṃha im Dativ.
32.HER.6: Es folgen gāṃ und herambāsanāya namaḥ. Dies ist der Sitz-Mantra. Mit ihm wird dem Herrn der Sitz dargebracht.
32.HER.7: Mit dem Bīja, dem Dhruva vorangestellt ist, wird die Gestalt vergegenwärtigt. Darin ruft man den Herrn der Hindernisse an und verehrt ihn mit seinen Umhüllungen.
32.HER.8: Zuerst werden die Glieder, danach die Welthüter und außen ihre Waffen verehrt. So ist die Verehrung Herambas beschrieben.
Ausführung in der Prosa: Nach den Vorbereitungen bis zum Yoga-Sitz und drei Atemordnungen mit dem Grundmantra wird am Haupt gaṇakāya ṛṣaye namaḥ, am Mund gāyatrīchandase namaḥ und am Herzen śrīherambāya devatāyai namaḥ aufgelegt. Der Hand- und Gliedernyāsa beginnt mit gāṃ, gīṃ und den entsprechenden weiteren Formen. Meditation, innere Verehrung und die Zeichnung des achtblättrigen Lotus folgen.
Nach den neun Kräften des Yoga-Sitzes wird der Sitz mit oṃ huṃ mahāsiṃhāya gāṃ herambāsanāya namaḥ verehrt: Verehrung dem großen Löwen und dem Sitz Herambas. Danach heißt es oṃ gaṃ gaṇapatimūrtiṃ kalpayāmi – „Ich vergegenwärtige die Gestalt Gaṇapatis.“ Die hier ausdrücklich gedruckte Form gaṃ bleibt gegenüber dem zuvor erläuterten Heramba-Bīja gūṃ bestehen. Auf Anrufung und Gaben bis zu den Blumen folgen die sechs Glieder auf den Staubfäden sowie die Welthüter und die übrigen Teile wie zuvor.
32.HER.9: Nach dreihunderttausend Rezitationen folgt ein Feueropfer von einem Zehntel mit Sesam und den drei süßen Substanzen. Danach werden Tarpaṇa und die weiteren Teile vollzogen.
32.HER.10: Mit so vollendetem Mantra werden die Anwendungen ausgeführt. Für den vierzehnten, achten und sechsten Mondtag werden entsprechende Darbringungen genannt. Die Prosa erklärt, dass diese Rezitationszahl bereits die für das Kaliyuga vorgesehene ist.
32.HER.11: Kuchen, Kṛsara-Speise und Modakas werden zur Erfüllung des Erstrebten genannt. Auch an den besonderen Monatstagen werden die zuvor beschriebenen Stoffe verwendet.
32.HER.12: Damit soll der Übende nach der Verheißung seine Wünsche verwirklichen. Nun kündigt der Text das Yantra Herambas, des Herrn der Gaṇas, an.
32.HER.13: Auf Birkenrinde wird ein Lotus gezeichnet. In die Mitte kommen die vorgesehenen Bījas und die Angabe der betreffenden Person beziehungsweise des Zwecks; auf die Staubfäden die Gliedermantras. Die Mālā wird in sieben Teile auf die Zwischenräume der acht Blätter verteilt. Auf das verbleibende Blatt werden die sechs genannten Gaṇeśa-Laute geschrieben. Es folgen die Umhüllung des Bījas durch Śakti und den Laut sa, die Umwicklung mit weißem Faden und die Fassung in drei Metallen. Am Arm getragen soll das Yantra den Wunsch erfüllen. Die Materialangabe am Versanfang ist schwer lesbar und wird durch die folgende Prosa erläutert.
Beginn der Erläuterung: Auf Birkenrinde wird mit Safran und Elefantensaft ein achtblättriger Lotus gezeichnet. In der Mitte steht Herambas Bīja. An die Bindu-Stelle kommt amukasya, „des beziehungsweise der so Genannten“, an die Stelle des huṃ amukaṃ, der Platzhalter für die betreffende Person. In die Mitte wird der gewünschte Wirkungsauftrag geschrieben, hier beispielhaft vaśaṃ kuru kuru, „mache gefügig, mache gefügig“. Die weitere Beschreibung setzt sich auf der nächsten Seite fort. Auch diese Einflussmagie wird als historische Textaussage wiedergegeben.
Abschluss des Heramba-Yantras; Subrahmaṇya
Druckseite 679. Die Heramba-Prosa wird abgeschlossen; mit 32.SUB beginnt die neue Zitatreihe über Subrahmanya.
Fortsetzung der Heramba-Prosa: So werden die Angaben zum Ziel, zum Ausführenden und zum beabsichtigten Vorgang eingetragen; auf die Staubfäden kommen die sechs Gliedermantras. Die acht Blätter werden, im Osten beginnend und rechtsherum fortschreitend, mit folgenden Teilen beschrieben. Die ungewöhnlichen Worttrennungen gehören zur Verteilung der Mantrasilben auf das Yantra und bleiben erhalten:
| Blatt | Gedruckter Mantraabschnitt in IAST |
|---|---|
| 1 | hrīṃ kroṃ gaṃ namaḥ sa |
| 2 | rva vighnādhipāya sa |
| 3 | rvārthasiddhidāya sa |
| 4 | rvaduḥkhapraśamanā |
| 5 | ya pāhi bhagavan |
| 6 | sarvān khādaya stambha |
| 7 | ya stambhaya hrīṃ gaṃ gāṃ |
| 8 | namaḥ svāhā krauṃ |
Die zusammenhängenden Wörter sprechen den Herrn der Hindernisse an, den Geber aller Zielverwirklichung und den Besänftiger allen Leidens: „Schütze, Erhabener!“ Danach folgen die magischen Befehle „verzehre alle“ und „hemme, hemme“. Die Bījas bleiben als Lautformeln stehen.
Außerhalb des Lotus werden drei Kreise und dadurch zwei Ringbahnen gezeichnet. Die erste wird vom eigenen Vorderpunkt aus rechtsherum lückenlos mit Śakti-Bījas, die zweite mit sa samt Bindu umgeben. Zusammengewickelt wird das Yantra mit weißem Faden umwunden und ohne Feuerkontakt in Gold, Silber und Kupfer gefasst. Vorschriftsmäßig getragen soll es die genannte Frucht bringen. Verehrung, Rezitation und Weiteres folgen beim eingeschriebenen Mālā-Mantra dem Heramba-Mantra; als Besonderheit wird das Versmaß amita genannt.
32.SUB.1: Ein anderer Mantra wird aus dem Sārasaṃgraha angegeben: Praṇava, der dritte Laut der pa-Gruppe, der Laut an der Wurzel des linken Armes, der vokallose erste Laut der ta-Gruppe, bhuve und die Herzformel ergeben sieben Silben.
Unnummerierte Fortsetzung: Dieser Subrahmaṇya-Mantra soll den ihn Verehrenden alle Wünsche erfüllen.
Lauterklärung der Textfassung: Der dritte Laut der pa-Gruppe ist ba, der Laut der linken Armwurzel ca, der vokallose Anfang der ta-Gruppe t. Bhuve steht wörtlich; die Herzformel bedeutet namaḥ. Der Ausdruck „Elemente-Laute“ bezeichnet sieben Silben. Das Śāradātilaka nennt anstelle von ba den Halbvokal va. Die anschließende Zitatzeile aus dem Prayogasāra ist örtlich unsicher; ihre folgende Prosa erläutert zwei achtsilbige Varianten: entweder wird der Mantra durch Praṇava am Ende erweitert, oder das Śakti-Bīja wird vor den anfänglichen Praṇava gesetzt. So sind drei Fassungen zu unterscheiden.
32.SUB.2: Als Seher wird Agni genannt, als Versmaß Gāyatrī; die Gottheit dieses Mantras ist Subrahmaṇya.
Unnummerierter Halbvers: Die sechs Glieder werden mit dem Feuer-Bīja und den langen Vokalen vollzogen.
32.SUB.3: Möge euch Subrahmaṇya, der Herr der Scharen, schützen: Seine Gestalt ist morgenrot, sein Gesicht gleicht dem Mond. In den Händen trägt er Lotus, Furchtlosigkeitsgeste, die Feinde bezwingende Lanze und den glückverheißenden Hahn. Rote Salbung, Gewänder und Girlanden schmücken ihn, dazu vielerlei Schmuck. Er bringt Segen und beseitigt die Not seiner Verehrer.
Erläuterung: Die beiden zuerst genannten Zeichen befinden sich in den unteren Händen, rechts beginnend; die übrigen in den darüberliegenden Händen.
32.SUB.4: Auf dem zuvor beschriebenen, bis zum Feuer verehrten Sitz wird der allgegenwärtige, seinen Verehrern zugewandte Herr mit den genannten Gaben nach der Vorschrift verehrt.
Kommentar: „Bis zum Feuer“ wird als Ausschluss der anschließenden Verehrung von Sattva und den weiteren Gliedern verstanden; sonst wäre diese Einschränkung überflüssig.
32.SUB.5: Auf dem früher beschriebenen Sitz wird Subrahmaṇya als Herr der Scharen verehrt; auf den Staubfäden die sechs Glieder, auf den Blättern die folgenden Gestalten, im Osten beginnend.
32.SUB.6: Jayanta, Agniveśa und Kṛttikāputra; danach Bhūtapati, Senānī, Guha und Hemaśūlaka. Die Klammer der Druckfassung reicht von Vers 5 bis in die erste Hälfte dieses Verses.
32.SUB.7: Hinzu kommt Viśālākṣa. Sie tragen Dreizack und Lanze. Danach werden an den Blattspitzen, wieder im Osten beginnend, die folgenden verehrt.
32.SUB.8: Devasenāpati, Śakti, Vidyā, der Hahn, Medhā, der Pfau, der Donnerkeil und der Elefant; danach die Welthüter.
Unnummerierter Halbvers: Außen folgen Donnerkeil und die weiteren Waffen. Der letzte Ausdruck zur anschließenden Verehrung ist im Druck unsicher und wird nicht weiter ergänzt.
Ausführung: Nach den morgendlichen Vorbereitungen bis zum Yoga-Sitz-Nyāsa wird am Haupt „Verehrung dem Seher Agni“, am Mund „Verehrung dem Versmaß Gāyatrī“ und am Herzen „Verehrung der Gottheit Subrahmaṇya“ aufgelegt. Nach Angabe der Verwendung folgen Hand- und sechsgliedriger Nyāsa mit rāṃ, rīṃ und den entsprechenden weiteren Formen. Meditation und innere Verehrung schließen sich an. Der schon beschriebene Verehrungssitz wird errichtet; nach Arghya und den Gaben bis zu den Blumen folgt die Verehrung auf den Staubfäden. Die Beschreibung setzt sich auf Seite 680 fort.
Abschluss der Subrahmaṇya-Verehrung; Mahāgaṇeśas Mantra
Druckseite 680; zunächst Fortsetzung von 32.SUB, danach neue Reihe 32.MGA nach dem Sārasaṃgraha.
Fortsetzung der Ausführung: Nach den sechs Gliedern werden auf den acht Blättern, von der Vorderseite der Gottheit ausgehend, mit oṃ … namaḥ verehrt: Jayanta, Agniveśa, Kṛttikāputra, Bhūtapati, Senānī, Guha, Hemaśūla und Viśālākṣa. Danach folgen Devasenāpati, Śakti, Vidyā, Kukkuṭa, Medhā, Mayūra, Vajra und Dvipa. Welthüterverehrung und Abschluss geschehen wie zuvor. Die Formel bedeutet jeweils „Verehrung …“; die Namen stehen im Dativ.
32.SUB.9: Der Mantra wird hunderttausendmal rezitiert. Zehntausend Darbringungen mit Ghee oder Milchspeise folgen; ausgezeichnete Zweimalgeborene werden zufriedengestellt.
Kommentar: Diese Rezitationszahl gilt für das Kṛtayuga; im Kaliyuga wird das Vierfache genannt.
32.SUB.10: Nach Vollendung des Mantras werden die erwünschten Anwendungen ausgeführt. Am sechsten Mondtag wird die Gottheit mit sehr süßen Speisen verschiedener Art erfreut.
32.SUB.11: Auch Brahmacārins werden mit der Einstellung verehrt, in ihnen die Gottheit zu ehren. Wer den Subrahmaṇya-Mantra in rechter Weise verehrt –
32.SUB.12: – erlangt nach der Verheißung Wohlstand, langes Leben, Ausstrahlung, Söhne und Enkel, Ansehen, Vieh sowie die Güter dieser und der jenseitigen Welt; daran bestehe kein Zweifel.
32.MGA.1: Nun werde ich kurz diesen vorzüglichen Mantra Mahāgaṇeśas erklären. Durch seine Verehrung erlangten die hier Genannten eine Vollendung, nach der selbst die Götter verlangen. Die genaue Bezeichnung der Verehrenden in der zweiten Zeile ist örtlich unsicher; sie wird deshalb nicht durch vermutete Namen ersetzt.
32.MGA.2: Scharen vollendeter Seher und Himmelsbewohner verehren ihn, ebenso Götter und Asuras, Kinnaras, Yakṣas und Nāgas. Gandharvas, Siddhas, Cāraṇas und alle Scharen dienen ihm.
32.MGA.3: Dem Mantra wird die Macht zugeschrieben, Frauen und Männer, Gruppen von Königen, schöne Frauen sowie Minister und Diener gefügig zu machen.
32.MGA.4: Er sei dafür berühmt, Tiger, Elefanten, Schlangen, Diebe, Vetālas, Geister und andere gefährliche Wesen zu bezwingen und die Scharen der Lebewesen zu betören.
32.MGA.5: Er soll Menschen anziehen und den Verehrenden beständig Gedeihen geben. Auch Vertreibungs- und Tötungsmagie werden ihm zugeschrieben.
32.MGA.6: Als weitere behauptete Wirkungen nennt der Text das Hemmen von Feuer, feindlicher Rede und Bewegung, von Schwertschneiden und Pfeilscharen sowie von Blitzschlägen.
32.MGA.7: Er soll Wind und Regen anhalten, unter anderem Samen zurückhalten, den Zugang zu Unterwelten eröffnen und Vollendung in Rasāyana und magischen Augensalben verleihen.
32.MGA.8: Genannt werden ferner wunderkräftige Schuhe, die Bindung von Quecksilber und die Vollendung des Schwertes sowie die Beschwörung von Yakṣiṇīs und das Herbeiführen von Besessenheit. Diese Verse geben historische Machtverheißungen wieder.
32.MGA.9: Die verschlüsselte Lautanweisung nennt zuerst den Anfang der Veden, Padmanilayā, Bhuvaneśvarī zusammen mit Kāma, Erde und den vorzüglichen Gaṇapati-Mantra. Es folgen die verschlüsselten Laute für gaṇa, danach pataye vara, Wasser- und Feuerlaut, da sarvajana, die Laute für me sowie vaśam.
Erste Hälfte von Vers 10, dessen Nummer auf Seite 681 steht: Danach werden ānaya und die Gattin des Feuers gesprochen. So ist dieser Mantra mit zweimal vierzehn Silben angegeben. Die Fußnote ordnet ihn dem Ūrdhvāmnāya zu. Die Erklärung und die vollständige Zuordnung folgen unmittelbar auf Seite 681.
Mahāgaṇeśas Lauterklärung, Nyāsa und Meditationslandschaft
Druckseite 681; Fortsetzung der Reihe 32.MGA.
32.MGA.10: Dieser Mantra mit zweimal vierzehn Silben wird als Wunschbaum für das im Herzen Erstrebte beschrieben und soll den beharrlich übenden Sādhakas Gedeihen verleihen. Die erste Vershälfte steht auf Seite 680.
Erläuterung der verschlüsselten Laute: Der Anfang der Veden ist Praṇava; Padmanilayā bezeichnet das Śrī-Bīja, Bhuvaneśvarī ihr Bīja. „Mit Kāma“ bedeutet, dass danach das Kāma-Bīja folgt. „Erde“ bezeichnet glauṃ, der Gaṇapati-Mantra ist gaṃ. Aus den beiden folgenden Umschreibungen werden ga und ṇa. Pataye und vara stehen wörtlich; Wasser bezeichnet va, Feuer ra. Da und sarvajana werden wörtlich genommen. Sonne steht für ma, Śiva für e, zusammen me. Vaśam und ānaya stehen wörtlich; die Lautverbindung ist zu beachten. Die Gattin des Feuers ist svāhā. „Zweimal Manu“ bedeutet achtundzwanzig Silben.
Aus diesen ausdrücklich erklärten Bestandteilen ergibt sich die Lautfolge: oṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ glauṃ gaṃ gaṇapataye vara varada sarvajanaṃ me vaśamānaya svāhā. Sinngemäß: „Oṃ; Verehrungslaute der göttlichen Kräfte; an Gaṇapati, den Vorzüglichen, den Gabengeber: Bringe alle Menschen unter meinen Einfluss, svāhā.“ Der Wunsch nach Einfluss gehört hier zum historischen Wortlaut; er ist keine moderne Erläuterung über Einvernehmen.
32.MGA.11: Der Seher heißt Gaṇaka, das Versmaß Nicṛd-Gāyatrī. Die Gottheit ist Mahāgaṇeśa, dessen Lotusfüßen Götter und Asuras dienen.
Zusatz: Nach Padmapādācārya ist gaṃ das Bīja und hrīṃ die Śakti.
32.MGA.12: Der Mantrakundige vollzieht den sechsgliedrigen Nyāsa mit den sechs Bījas, beginnend mit Tāra, und mit dem eigenen Bīja, verbunden mit den sechs langen Vokalen und den jeweils zugehörigen Abschlüssen.
32.MGA.13: Die Mantralaute werden auf Dvādaśānta, die beiden Ohren, Augen und Nasenöffnungen, den Mund, die Gelenkstellen der beiden Arme und Beine sowie auf Anāhata, Maṇipūraka, Svādhiṣṭhāna und Ādhāra aufgelegt.
32.MGA.14: Die Bījas werden außerdem auf Haupt, Mund, Herz, Genitalbereich und Füße gelegt; mit den übrigen Mantralauten wird der ganze eigene Körper durchdrungen.
32.MGA.15: Die fünf göttlichen Paare werden mit ihren eigenen Namen auf Haupt, Kehle, Herz, Genitalbereich und Füße gelegt. Danach werden sechs Gaṇeśa-Gestalten mit ihren Śaktis auf die genannten, durch Herz- und Knieangaben erweiterten Stellen gelegt. Die knappe Ortsangabe der zweiten Hälfte wird hier nicht zu einer frei ergänzten Körperkarte ausgebaut.
Unnummerierte Überleitung: Nach dieser Auflegung auf den eigenen Körper wird Gaṇeśa im Lotus des eigenen Herzens meditiert.
32.MGA.16: In einem Ozean aus Zuckerrohrsaft liegt eine reine, glückverheißende Insel aus neun Edelsteinen. Die Wogen waschen ihren kühlen Boden.
32.MGA.17: Ein Wind, von den Wassertröpfchen berührt, umweht sie. Ihre Landschaft ist mit herrlich leuchtenden Wunscherfüllungsbäumen geschmückt.
32.MGA.18: Verschiedenste Blumen bedecken sie, vielerlei Vögel beleben sie und zahlreiche Früchte erfüllen sie; Scharen von Apsaras besuchen sie.
32.MGA.19: Sie ist vom Glanz der jungen aufgehenden Sonne und vom Mondlicht erfüllt. Leuchtende Rubine lassen ihren Boden rötlich erstrahlen.
32.MGA.20: Das Summen der Bienen in den Blüten der Wunschbäume macht sie lieblich. In ihrer Mitte wird der Pārijāta-Wunschbaum vergegenwärtigt.
32.MGA.21: Alle sechs Jahreszeiten dienen ihm zugleich; er ist blütengeschmückt. Unter ihm stelle man sich einen Thron aus neun Edelsteinen vor.
32.MGA.22: In dessen Mitte liegt der Buchstabenlotus, darin das Sechseck und in der Mitte des Lotus ein Dreieck. Darin befindet sich Mahāgaṇeśa.
Unnummerierter Halbvers: Er ist reich mit vielerlei Edelsteinen geschmückt, hat einen Stoßzahn und ein Elefantengesicht.
Beginn des folgenden Meditationsverses: Seine Hände tragen Rad, Lotus, Dreizack, Schlinge, Zuckerrohrbogen, roten Wasserlotus, Keule, Reisähre, Zitronatzitrone, Stoßzahn und Krug. Die Aufzählung enthält eng gesetzte Zusammensetzungen; die Meditation wird auf Seite 682 fortgesetzt.
Textkritische Fußnoten: Der Druck verzeichnet eine örtlich schwer lesbare Variante zum vorangehenden Mantra-Ausdruck sowie śīte mahītale, „auf kühlem Boden“, zu Vers 16.
Mahāgaṇeśas Gestalt und die sechs Umhüllungen
Druckseite 682; Reihe 32.MGA.
32.MGA.23: Ich verehre Mahāgaṇapati, hibiskusrot, vom Halbmond geschmückt und von drei Augen erhellt. Seine Gefährtin, die in ihrer erhobenen Hand einen Lotus hält, umfasst ihn. Die erste Hälfte mit den Attributen steht auf Seite 681.
32.MGA.24: Mit dem Rüssel hält er einen aus Edelsteinen bestehenden Krug empor. Aus dessen Öffnung lässt er fortwährend Edelsteine, Perlen, Korallen und andere Kostbarkeiten in Strömen herabregnen.
32.MGA.25: Sie fallen ringsum vor dem Übenden nieder. Durch das Schlagen seiner Ohren verscheucht er immer wieder die Bienen, die nach dem Saft an seinen Schläfen verlangen.
32.MGA.26: Götter und Asuras dienen ihm. Seine Edelsteinkrone strahlt; er ist elefantengesichtig und mit vielerlei Schmuck geziert. Die Bauchbeschreibung ist örtlich unsicher.
Unnummerierte Anweisung: So wird Gaṇapati meditiert und mit allen Verehrungsgaben verehrt.
Erläuterung der Attribute: In den oberen linken und rechten Händen liegen Rad und Lotus, darunter Dreizack und Schlinge, dann Bogen und Wasserlotus, darunter Keule und Reisähre, schließlich Zitronatzitrone und Stoßzahn. An der Rüsselspitze befindet sich der Edelsteinkrug. Andere Überlieferungen zählen von der oberen linken bis zur oberen rechten Hand. Das zitierte Prayogasāra nennt Rad, Lanze, Zuckerrohrbogen, Keule, Zitronatzitrone, Stoßzahn, Reisähre, Wasserlotus, Schlinge und Lotus sowie den Krug an der Rüsselspitze. „Lanze“ bedeutet hier Dreizack, „saftreicher Bogen“ Zuckerrohrbogen und „Zweimalgeborener“ den Zahn.
Die Gaṇeśvaraparāmarśinī beginnt hingegen bei der unteren rechten Hand und endet bei der unteren linken. Rechts nennt sie Keule, Dreizack, Lotus, Kahlāra-Blume und Stoßzahn; links Reisähre, Schlinge, Rad, Zuckerrohrbogen und Zitronatzitrone. Der Text fordert deshalb, sich nach der Unterweisung des eigenen Lehrers zu richten.
32.MGA.27: Auf dem zuvor beschriebenen, aus Dharma und den weiteren Gliedern bereiteten Sitz, der die neun Kräfte von Tīvrā an enthält, wird der Herr der Hindernisse mit allen Gaben verehrt.
32.MGA.28: An der vorderen Spitze des Dreiecks, unter einem Bilva-Baum, wird Viṣṇu mit Lakṣmī verehrt. Padmā hält zwei Lotusblüten, Hari Muschelhorn und Rad. Die Fußnote erläutert die Ortsangabe als „innerhalb des Dreiecks“.
32.MGA.29: Außen an der rechten Ecke wird der Herr der Gaurī verehrt. Die dabei gedruckten Bījas sind örtlich unsicher. Das Paar sitzt unter einem Banyanbaum und glänzt wie Gold und Silber.
32.MGA.30: Gaurī trägt Schlinge und Haken, Hara Axt und Dreizack. Unter dem rückwärtigen Pippala-Baum werden Rati und Kāma verehrt.
32.MGA.31: Sie sind mit zwei Wasserlotussen beziehungsweise Bogen und Blütenpfeilen ausgestattet. Der geklammerte Zusatz wiederholt, dass Rati und ihr Gemahl außen hinter der Gottheit verehrt werden.
32.MGA.32: Nördlich, unter einem Priyaṅgu-Baum, werden die Erdgöttin und der Ebergott verehrt. Ihre Arme tragen Papagei, Reisähre, Keule und Rad.
32.MGA.33: Vor der Gottheit wird der Herr der Scharen mit Lakṣmī verehrt. Danach folgen an den sechs Ecken in ihrer Reihenfolge die sechs Gestalten von Āmoda an.
32.MGA.34: An der vorderen Ecke Āmoda mit Siddhi; in der Feuerecke Pramoda mit Samṛddhi.
32.MGA.35: In der Īśāna-Ecke Sumukha mit Kānti; in der Varuṇa-Ecke Durmukha mit Madanāvatī.
32.MGA.36: In der südwestlichen Ecke Vighna mit Madadravā; im Nordwesten Vighnakartṛ mit Drāviṇī.
32.MGA.37: Die Gaṇeśa-Gestalten tragen Schlinge und Haken; ihre Śaktis schenken Furchtlosigkeit und das Erwünschte. Sie sind rot, mit roten Gewändern, Salbung und Schmuck, und vom Rausch erfüllt.
32.MGA.38: Ein geklammerter Halbsatz nennt die Verehrung außen rechts vom Sechseck. An seiner rechten Seite wird Śaṅkhanidhi mit Vasudhārā verehrt. Die Prosa erklärt „seiner“ ausdrücklich als Mahāgaṇeśas.
32.MGA.39: Links wird Padmanidhi mit Vasumatī verehrt. Der erste Schatz glänzt wie eine Perle, der andere wie ein Rubin.
32.MGA.40: Beide lassen nach eigenem Willen beständig Reichtum für die Menschen herabregnen. Auf den Staubfäden findet die Gliederverehrung statt; Brahmī und die übrigen Göttinnen befinden sich in den Blattmitten. Die Fußnote bietet „wie eine Wolke“ als Variante zur Art des Herabregnens.
32.MGA.41: Im Quadrat werden die Welthüter und wie zuvor ihre Waffen verehrt. So wird die Gottheit mit sechs Umhüllungen verehrt.
Mahāgaṇeśas Nyāsa, Abschluss der Vorbereitung und neue Anwendungsreihe
Druckseite 683; Ende der Reihe 32.MGA und Beginn der erneut gezählten Reihe 32.MGP.
Ausführung in der Prosa: Nach dem Aufstehen und den Vorbereitungen bis zum Yoga-Sitz-Nyāsa werden mit dem Grundmantra drei Atemordnungen ausgeführt. Am Haupt wird Gaṇaka als Seher verehrt, am Mund Nicṛd-Gāyatrī als Versmaß, am Herzen Śrīmahāgaṇapati als Gottheit, im Genitalbereich gaṃ als Bīja und an den Füßen hrīṃ als Śakti. Mit gefalteten Händen wird die Verwendung „zur Verwirklichung all meines Erstrebten“ erklärt.
Die sechs Gliederformeln lauten: oṃ gāṃ hṛdayāya namaḥ – Verehrung dem Herzen; śrīṃ gīṃ śirase svāhā – dem Haupt; hrīṃ gūṃ śikhāyai vaṣaṭ – dem Haarschopf; klīṃ gaiṃ kavacāya huṃ – dem Schutzpanzer; glauṃ gauṃ netratrayāya vauṣaṭ – den drei Augen; gaṃ gaḥ astrāya phaṭ – der Waffe. Sie werden zunächst vom Daumen bis zur Handfläche auf die Hände, danach auf die sechs Körperglieder gelegt.
Die anschließende Lautauflegung verbindet jeweils den folgenden Laut mit namaḥ: Brahmarandhra gaṃ; rechtes Auge ṇaṃ, linkes paṃ; rechtes Ohr taṃ, linkes yaṃ; rechte Nasenöffnung vaṃ, linke raṃ; Mund vaṃ; rechte Armwurzel raṃ, Armmitte daṃ, Handgelenk saṃ, Fingerwurzeln vaṃ, Fingerspitzen jaṃ; linke Armwurzel naṃ, Armmitte meṃ, Handgelenk vaṃ, Fingerwurzeln śaṃ, Fingerspitzen māṃ; Anāhata naṃ, Maṇipūraka yaṃ, Svādhiṣṭhāna svāṃ, Mūlādhāra hāṃ.
Dann folgen oṃ am Haupt, śrīṃ am Mund, hrīṃ am Herzen, klīṃ im Genitalbereich, glauṃ an den Füßen und gaṃ nochmals am Herzen, jeweils mit Verehrungsabschluss. Mit den zweiundzwanzig Lauten von gaṇapataye an wird der Körper vom Haupt bis zu den Füßen durchdrungen.
Nach Meditation und innerer Verehrung wird der Mātṛkā-Lotus mit drei vierfach geöffneten Quadraten umgeben. In seine Mitte kommen Sechseck und Dreieck. Nach Aufstellung von Arghya und den Gaben bis zu den Blumen erfolgt die beschriebene Verehrung im Dreieck. Außen davor wird mit oṃ śrīṃ das Paar Lakṣmī–Nārāyaṇa verehrt, rechts mit oṃ hrīṃ Gaurī–Hara, dahinter mit oṃ klīṃ Rati–Kāma, links mit oṃ glauṃ Mahī–Varāha; innerhalb des Dreiecks vor der Gottheit mit oṃ gaṃ Lakṣmī–Gaṇanāyaka. Die Paare werden unter den jeweils genannten Bäumen in ihrer Meditationsgestalt vergegenwärtigt und mit Duft und weiteren Gaben verehrt.
An den sechs Ecken folgen von vorn aus Āmoda–Siddhi, Pramoda–Samṛddhi, Sumukha–Kānti, Durmukha–Madanāvatī, Vighna–Madadravā und Vighnakartṛ–Drāviṇī, jeweils mit Verehrungsformel; bei den ersten Paaren ist oṃ gaṃ ausdrücklich gedruckt. Außen rechts steht śaṃ śaṅkhanidhivasudhārābhyāṃ namaḥ, links paṃ padmanidhivasumatībhyāṃ namaḥ: Verehrung jeweils dem Schatz und seiner Gefährtin. Danach folgen die sechs Glieder auf den Staubfäden, Brahmī und die übrigen auf den Blättern sowie Welthüter und Waffen im Quadrat. Räucherwerk, Licht und Abschluss geschehen wie zuvor.
32.MGA.42: Andächtig werden hundertelftausend Rezitationen vollzogen. Ein Zehntel davon wird als Feueropfer mit den acht bei der einsilbigen Form genannten Stoffen dargebracht.
32.MGA.43: Mit jeweils einem Zehntel folgt die Wasserverehrung, danach die Besprengung mit dem Mantra. Brahmanen werden mit Speisen der sechs Geschmacksrichtungen bewirtet und erhalten reichliche Gaben.
32.MGA.44: Nach Gabe und Verneigung werden sie verabschiedet; so soll der Mantra vollendet sein. Danach wird der Lehrer vorschriftsmäßig verehrt und zufriedengestellt.
Unnummerierter Halbvers und Kommentar: Erst danach werden die auf bestimmte Wünsche gerichteten Handlungen ausgeführt; andernfalls sollen sie nicht gelingen. Die genannte vorbereitende Rezitationszahl gilt für das Kṛtayuga, im Kaliyuga wird sie vervierfacht.
32.MGP.1: Nun werden kurz die Anwendungen des vorzüglichen Mahāgaṇeśa-Mantras erklärt. Gaṇapati wird mit roten Blumen verehrt; anschließend wird der Mantra in der angegebenen Zahl rezitiert. Der Vers sagt wörtlich „achttausend“.
32.MGP.2: Ein Zehntel wird mit roten Karavīra-Blüten, getränkt in den süßen Stoffen, ins Feuer gegeben. Nach der Verheißung soll der König mitsamt Ministern, Dienern und Heer unter den Einfluss des Übenden geraten.
Eingeschobener Kommentar: Die Prosa erklärt „achttausend“ ausdrücklich als „tausendundacht“; diese Zahlendifferenz bleibt bestehen. Vājivairin bezeichnet Karavīra. Die süßen Stoffe werden als Ghee, Honig und Zucker oder als Ghee, Honig und Milch erklärt. Die Einflussverheißung wird als historische Aussage wiedergegeben.
Historische Wirkungszuschreibungen des Mahāgaṇeśa-Mantras
Druckseite 684; Reihe 32.MGP. Die Aussagen über Beherrschung, Heilung und magische Macht werden als Aussagen der Quelle übersetzt.
32.MGP.3: Ein Feueropfer mit Blüten des Brahmabaumes, getränkt in den drei süßen Stoffen, soll auch nicht gefügige Zweimalgeborene unter Einfluss bringen. Diese würden dem vorzüglichen Mantrakundigen dann beständig dienen; der Text versichert dies ausdrücklich. Der Kommentar bestimmt die Blüten als Palāśa-Blüten.
32.MGP.4: Wer mit beherrschten Sinnen und ungeteilter Aufmerksamkeit die entsprechende Zahl von Ghee-Darbringungen vollzieht, soll in der Welt der beweglichen und unbeweglichen Wesen weitreichenden, makellosen Ruhm erlangen. Die gedruckte Wortverbindung zur Aufmerksamkeit ist örtlich unsicher.
32.MGP.5: Eine mit Ghee getränkte Darbringung soll reichlich Geld und Getreide gewähren; der Stoff wird in diesem Halbvers nicht nochmals eindeutig bezeichnet. Dann beginnt eine weitere Anwendung: tausendundacht Darbringungen roter Lotusblüten mit Honig –
32.MGP.6: – sollen Könige, ihre Frauen und Nachkommen beständig gefügig machen. Danach nennt der Text tausendundacht Darbringungen von Holzstücken des Karavīra-Baumes.
32.MGP.7: Ein geklammerter Halbvers schreibt dieser Anwendung die Beherrschung hervorragender Brahmanen samt Kindern, Verwandten und Ehefrauen zu. Anschließend werden für eine neue Anwendung tausendundacht Rezitationen und ein Feueropfer von einem Zehntel angegeben.
32.MGP.8: Die dabei genannten Stoffe sind gereinigter Senfsamen und Salz. Die gesäuberte Asche wird in die Hand genommen und gegen die begehrte Frau geworfen; der Text behauptet, sie werde dadurch von Kāmas scharfen Pfeilen bedrängt. Ein eingeschobener Traditionskommentar ergänzt Ghee zu den Opferstoffen.
32.MGP.9: Die Verheißung setzt fort, die Frau werde dem Ausführenden lebenslang wie eine Dienerin untertan. Danach beginnt eine weitere Anwendung: hunderttausend Rezitationen in einem Śiva-Heiligtum und ein Feueropfer von einem Zehntel.
Unnummerierte Fortsetzung: Mit Honig getränkte Milchspeise wird dargebracht; dies soll verschiedenste Güter gewähren. Der Kommentar erklärt die Milchspeise als Pāyasa.
32.MGP.10: Eine weitere Anwendung nennt tausendundacht vorschriftsmäßige Darbringungen von Jātī-Blüten. Eine Fußnote bietet an der vorangehenden Stelle zusätzlich die Lesung „und Worte/Rede“; der knappe Variantenvermerk wird nicht zu einem neuen Vers ergänzt.
32.MGP.11: Dies soll Gedächtniskraft und baldige Einsicht in den wahren Sinn des Veda geben. Der nächste Halbvers nennt dreißigtausend Darbringungen von jeweils drei Dūrvā-Halmen.
32.MGP.12: Als Wirkung werden Sieg über den Tod, Überwindung aller Krankheiten und langes Leben des Einsichtigen behauptet. Danach beginnt die Angabe von zehntausend gesammelten Darbringungen schöner gelber Blüten.
32.MGP.13: Diese sollen das Heer eines feindlichen Königs mitsamt Dienern, Elefanten, Pferden und Wagen zum Stillstand bringen. Auch die Schneiden ausgezeichneter, aus Eisen und anderen Stoffen gefertigter Waffen –
32.MGP.14: – sollen gehemmt werden, ebenso die Elefanten und Pferde des Feindes. Anschließend werden dreißigtausend Darbringungen von Vibhītaka-Holz genannt; die zugehörige Wirkung folgt auf Seite 685.
Weitere magische Verheißungen und die Kulika-Zeit
Druckseite 685; Reihe 32.MGP.
32.MGP.15: Das zuvor genannte Opfer soll Feindesscharen rasch von ihrem Ort vertreiben, selbst wenn sie so fest wie der Berg Mandara wären. Dorf, befestigter Ort, Stadt oder Land, auf die der Übende seine Vorstellung während der Darbringung richtet –
32.MGP.16: – sollen der Vertreibung unterliegen. Die Aussage wird auf die betreffenden Menschen bezogen. Danach nennt der Text tausendundacht vorschriftsmäßige Darbringungen von Apāmārga-Holz.
32.MGP.17: Diese sollen käufliche Frauen lebenslang gefügig machen; der Text behauptet dies ohne Zweifel. Darauf folgen tausendundacht Darbringungen von Rizinusholz.
32.MGP.18: Als Wirkung wird behauptet, alleinstehende beziehungsweise verwitwete Frauen würden lebenslang gefügig, Reichtum geben und Wünsche erfüllen. Eine neue Anwendung beginnt mit Nimba-Blättern, auf denen die Namen der betreffenden Personen aufgeschrieben werden.
32.MGP.19: Mit Büffel- und Pferdeblut sowie scharfem Öl versehen, werden diese Blätter heimlich in zwanzigtausend Darbringungen verwendet. Der unsichere Haupttext und die Fußnotenlesung vidviṣṭataraḥ weisen auf das Hervorrufen starker Feindschaft.
Erläuterung: Als Namensformel wird „Lass den so Genannten den so Genannten hassen“ genannt. Rahaḥ, „heimlich“, wird als getrenntes Wort bestimmt.
32.MGP.20: Ein acht Fingerbreiten langer Pflock aus dem matta genannten Gewächs wird mit Haaren eines Leichnams umwunden und mit tausendundacht Rezitationen versehen. Der folgende Halbvers bestimmt die Kulika-Zeit für das Vergraben am Eingang des Feindes und behauptet dessen Tod innerhalb einer Woche. Dies ist eine historische Tötungsmagie-Verheißung; die Pflanzenbezeichnung wird hier nicht durch eine unsichere botanische Bestimmung ersetzt.
Kommentar und astrologisches Zitat: „Tausend mit den Vasus“ bedeutet tausendundacht. Für den Kulika-Zeitpunkt wird ein astrologischer Vers angeführt: Tagsüber gelten, vom Sonntag an, die durch Manu, Sonne, Richtungen, Vasus, Jahreszeiten, Veden und die Zweiheit bezeichneten Muhūrtas; nachts jeweils einer weniger. Diese Zeiten werden für glückverheißende Handlungen verworfen. Die anschließende Prosa löst die Zahlen ausdrücklich auf:
| Tag, vom Sonntag an | Kulika-Muhūrta tagsüber | nachts |
|---|---|---|
| Sonntag | 14 | 13 |
| Montag | 12 | 11 |
| Dienstag | 10 | 9 |
| Mittwoch | 8 | 7 |
| Donnerstag | 6 | 5 |
| Freitag | 4 | 3 |
| Samstag | 2 | 1 |
32.MGP.21: Nahe dem Eingang einer Höhle werden hunderttausend Mantrarezitationen genannt.
32.MGP.22: Daraufhin sollen Nāga-Frauen ohne Scheu freundschaftlich vor den Übenden treten und ihm wunderkräftige Rasāyana-Mittel, verschiedenste bekannte Edelsteine –
32.MGP.23: – und zahlreiche begehrte, kostbare Dinge geben. Anschließend nennt der Text hunderttausend Rezitationen auf einem Berggipfel, mit festem Gelübde und völlig gesammeltem Geist.
32.MGP.24: Dies soll die Vollendung des Schwertes verleihen, nach der selbst Götter und Asuras verlangen. Im zweiten Halbvers beginnt eine neue Stoffliste: Lajjāluka, guter Ghanasāra, Nandyāvarta, Śukrā und Girikarṇikā. Ihre Fortsetzung steht auf Seite 686.
Textkritischer Hinweis: Neben der Variante zu Vers 19 enthält die Seite eine kurze, im Bezug nicht sichere Variante matho; sie wird nicht in den Text eingearbeitet.
Verheißungen zu Erkenntnis, Heilung, Wegstrecken und Orakeln
Druckseite 686; Reihe 32.MGP. Die traditionellen Heilungs- und Machtbehauptungen sind Inhalt der Quelle.
32.MGP.25: Zu den zuvor genannten Stoffen kommt Adhaḥprasūnā. Zusammen zerrieben und mit zweihunderttausend Rezitationen versehen, sollen sie als Augensalbe verborgene Schätze sichtbar machen.
Pflanzenerklärung der Textfassung: Lajjāluka sei bekannt; ihr Merkmal seien Blätter, die sich bei Berührung schließen. Ghanasāra wird als Kampfer erklärt, Śukrā Girikarṇikā als weiße Aparājitā. Adhaḥprasūnā wird mit Śaṅkhapuṣpī gleichgesetzt und durch abwärts gerichtete Blüten beschrieben. Die Gleichsetzungen stammen aus der Quelle und werden nicht botanisch erweitert.
32.MGP.26: Eine Sandelholzsalbung mit hundertundacht Rezitationen des Gaṇeśa-Mantras soll Leiden beseitigen. Die zweite Hälfte nennt Spinnenbeschwerden, Blasenleiden, durch Geister, schädliche Zaubergestalten und Verstorbene verursachte Not sowie schwere Fieber. Die Verbindung einiger Wörter ist beschädigt.
Zahlenerklärung: Der Kommentar erklärt śatāṣṭa ausdrücklich als hundertundacht und wendet dies auf entsprechende Vorkommen an.
32.MGP.27: Die genannten Leiden sollen durch eine weitere Rezitationszahl beseitigt werden; deren Zahlenglieder sind nicht sicher lesbar und werden nicht rechnerisch ergänzt. Anschließend nennt der Vers beide Arten von Gift, pflanzlich beziehungsweise unbewegt und tierisch beziehungsweise bewegt, acht Fieberarten und schmerzhafte Erkrankungen.
32.MGP.28: Auch schwere Verdauungsleiden sowie durch Vāta, Kapha und Pitta erklärte Krankheiten, Halsverengung und weitere Krankheitsgruppen sollen durch hundertundacht Rezitationen beseitigt werden.
32.MGP.29: Hunderttausend Rezitationen sollen die Vollendung der wunderkräftigen Schuhe bewirken. Der Übende könne damit eine Strecke von dreihundert Yojanas zurücklegen.
32.MGP.30: An einem abgelegenen, menschenleeren, angenehmen Ort, der mit Kuhdung bestrichen und gereinigt ist, stellt der gebadete, reine und gesammelte Mantrakundige einen neuen, mit feuchtem Sandelholz bestrichenen Krug auf.
32.MGP.31: Er füllt ihn mit duftendem Wasser. Darauf kommt eine Schale mit dem Ghee einer Kapilā-Kuh, und eine Lampe wird entzündet.
32.MGP.32: Mit Sandelholz, Blumen und Räucherwerk wird verehrt. Ein Mädchen und ein Junge werden herbeigebracht; während der Berührung erfolgt die hundertundachtmalige Mantrarezitation.
32.MGP.33: Nach der Verheißung sollen die als Orakel Beteiligten Vergangenes, Künftiges und Gegenwärtiges sowie Glück und Unglück aussprechen. Danach beginnt ein anderes Verfahren: Der Mantrakundige meditiert nachts Mahāgaṇeśa in der beschriebenen Gestalt und rezitiert.
32.MGP.34: Gaṇeśa soll ihm im Traum Glück und Unglück offenbaren. Anschließend wird die Rezitation während einer Mond- oder Sonnenfinsternis genannt, während sich der Übende an beziehungsweise in einem geeigneten Gewässer befindet.
32.MGP.35: Dadurch soll Anziehung von Getreide und anderen Gütern, Vieh und Frauen gelingen. Als nächstes nennt der Text hunderttausend vorschriftsmäßige Rezitationen am Fuß eines Banyanbaumes.
32.MGP.36: Die Yakṣiṇī soll dadurch erreichbar werden und beständig das Erbetene geben. Die Fußnote benennt sie als Vaṭā. Der zweite Halbvers beginnt ein weiteres Ritual: Nach Fasten wird nachts eine menstruierende Frau herbeigebracht; der Übende hält sich dabei sorgfältig gesammelt.
Unnummerierter Anschluss: Nach dem Bad wird Mahāgaṇeśa verehrt; unter Berührung der Frau werden zehntausend Mantrarezitationen genannt. Die Beschreibung setzt sich auf Seite 687 fort. Eine weitere Fußnote überliefert örtlich kṛṣiś ca, „und Ackerbau“, ohne dass daraus ein ergänzter Vers hergestellt wird.
Historische Pulver- und Guṭikā-Verfahren
Druckseite 687; Reihe 32.MGP. Der Abschnitt beschreibt historische Ritual- und Alchemievorstellungen. Die Stoffe und Wirkungsversprechen werden als Quelleninhalt wiedergegeben.
32.MGP.37: Ein Pulver des am Versanfang unsicher lesbaren Stoffes wird im Umfang eines Karṣa mit dem Ghee einer Kapilā-Kuh verbunden. Die Stoffbezeichnung wird nicht aus dem Zusammenhang ergänzt.
32.MGP.38: Die morgendliche Einnahme unter besonderer Reinheit soll nach sieben Nächten dichterische Begabung verleihen. Der eingeschobene Kommentar erklärt, die Menge werde wie zuvor in sieben Teile geteilt, von denen morgens jeweils einer mit Ghee genommen werde. Danach beginnt ein alchemistisches Verfahren: Quecksilber wird eine Yāma lang mit dem Saft der Kāmacārī behandelt.
32.MGP.39: Ebenso lange wird es mit dem Saft von Baumwollblättern und anschließend mit dem von Kumārikā-Blättern verrieben. Danach soll es eine silbergleiche Farbe haben.
32.MGP.40: Der Text nennt als Verhältnis sechzehn Teile Quecksilber, drei Teile Kupfer, drei Teile gagana, einen Teil Gold und einen Teil Eisen.
32.MGP.41: Die Stoffe werden miteinander verrieben und in Āranāla gestellt. Danach nennt die Quelle hunderttausend Rezitationen in einem Śiva-Heiligtum bei reinem Geist.
Unnummerierte Fortsetzung und Stoffkommentar: Durch Mahāgaṇeśas Gnade soll die Guṭikā, die alchemistische Kugel beziehungsweise Pille, vollendet sein. Rasa bedeutet Quecksilber; Kāmacārī sei als Ākāśavallī bekannt. Śulva bedeutet Kupfer. Gagana wird als Svarṇamākṣika erklärt, von anderen als Glimmer. Āranāla bezeichnet Kāñjika, eine saure Gärflüssigkeit. Kupfer und die weiteren Stoffe würden vor dem Mischen pulverisiert. Diese historischen Materialangaben sind keine Bestätigung einer gesundheitlich sicheren Zubereitung.
32.MGP.42: Das Tragen der Guṭikā im Mund soll den Übenden selbst für Götter und Dānavas unbezwingbar machen.
32.MGP.43: Er soll durch kein Wesen getötet, durch keine Waffen verletzt, durch kein Feuer verbrannt und durch keine der beiden Giftarten getötet werden können.
32.MGP.44: Die Guṭikā soll einen diamantfesten Körper und Bewegung durch den Luftraum verleihen. Unsichtbar und ohne Schatten könne der Träger über die ganze Erde wandern.
32.MGP.45: Wo sie im Haus aufbewahrt wird, soll Lakṣmī dauerhaft wohnen. Durch die Gnade des Mahāgaṇeśa-Mantras soll sie die Sicht der Welt binden beziehungsweise den Träger den Blicken entziehen.
32.MGP.46: Für eine andere Guṭikā werden Brahmadaṇḍī und Vaśinī an einem Sonntag unter dem Stern Puṣya genommen, mit Vajrābhraka verbunden und in drei Metalle gefasst.
32.MGP.47: Nach der Verehrung Mahāgaṇeśas und der Mantrarezitation wird die durch Mantrakraft vollendet gedachte Guṭikā so vergegenwärtigt, als werde sie unmittelbar aus Gaṇeśas Hand empfangen, und in die eigene Hand genommen.
32.MGP.48: Ihr Tragen im Mund, am Haarschopf, an der Hand oder am Hals soll Tiger, Diebe, Schlangen und Hindernisse fernhalten.
32.MGP.49: Könige sollen dem Träger gefügig werden; er könne nach Belieben umhergehen und werde den von Liebessehnsucht erfüllten Frauen lieb. Auch dies ist eine historische Wirkungsverheißung. Eine Fußnote überliefert örtlich die Variante „durch die Kraft“.
Weitere Guṭikā und Rituale zum Elefantenfang
Druckseite 688; Reihe 32.MGP.
Fortsetzung der Stofferklärung: Brahmadaṇḍī wird als Bhāraṅgī, Vaśinī als Lajjāluka bestimmt. Vajrābhraka sei eine besondere Glimmerart; die drei Metalle sind Gold, Silber und Kupfer.
32.MGP.50: Für eine weitere Mischung werden gleiche Teile von Gorocanā, Unmatta, Śaṅkhapuṣpā, Devī, weißer Aparājitā, Brahmadaṇḍī, Sandelholz und schwarzem Aguru genannt.
32.MGP.51: Daraus wird an einem Sonntag unter Puṣya eine Guṭikā bereitet und mit zwölftausend Rezitationen versehen. Ein daraus aufgetragenes Stirnzeichen soll Menschen betören. Der Kommentar erklärt Devī als Sahadevī und viśeṣaka als Tilaka.
32.MGP.52: Der Text nennt eine tote dīrghatuṇḍā, ein „langschnäuziges“ beziehungsweise „langschnäbliges“ Wesen, ohne hier eine eindeutig bestimmbare Tierart zu erläutern. Es wird zermahlen, das Pulver auf beide Hände gestrichen und mit tausendundacht Rezitationen verbunden.
32.MGP.53: Werden diese Hände Elefanten gezeigt, sollen sie in alle zehn Richtungen fliehen – selbst brünstige Tiere mit feuchten Schläfen, die aus Airāvatas Geschlecht stammen.
32.MGP.54: Die mit langen Stoßzähnen geschmückten Tiere sollen machtlos und furchtsam weichen, dem Mantrakundigen gefügig werden und seine Befehle ausführen.
32.MGP.55: Ein König, der Elefanten fangen will, begibt sich in den Wald und lässt dort eine feste Anlage für ihren Fang errichten.
32.MGP.56: Daneben wird eine große viereckige Halle mit fester Umfriedung, vier Toren und schönen Torbögen errichtet.
32.MGP.57: Darin wird eine erhöhte viereckige Plattform angelegt; nördlich davon eine geeignete Feuergrube.
32.MGP.58: Die Grube besitzt die erforderlichen Merkmale und die vorgesehenen Einfassungen. In der Mitte der Plattform wird das zuvor beschriebene –
32.MGP.59: – Maṇḍala mit seinen Merkmalen gezeichnet. Gaṇeśvara wird herbeigerufen und mit schönen Gaben bis zur Speisedarbringung verehrt. Die Prosa bestimmt das Maṇḍala als Sarvatobhadra.
32.MGP.60: Das Feuer wird in die Grube gebracht und mit seinen eigenen Mantras verehrt. Mit den früher genannten Formeln folgen dreimal Ghee-Darbringungen.
Unnummerierte Fortsetzung und Erklärung: Es folgen der Samṛddhi-Mantra und neun Darbringungen mit dem Grundmantra. „Die früher genannten“ bezeichnet die Agnimukha-Mantras aus dem Einweihungskapitel. Der Samṛddhi-Mantra beginnt laut Kommentar mit bhūr bhuvaḥ svar agnir jātavedā; seine spätere vollständige Angabe wird angekündigt.
32.MGP.61: Praṇava wird nacheinander mit den Bījas von Śrī, Śakti, Kāma, Erde und Vināyaka verbunden; mit dem in neun Teile gegliederten Mantra wird dargebracht.
Kommentar und Zitat: Gemeint ist die im Einweihungskapitel beschriebene Zehnteilung des Mahāgaṇapati-Mantras, wobei die beiden letzten Wörter zusammengezogen werden und dadurch neun Darbringungen entstehen. Das zitierte Prayogasāra sagt entsprechend: Der König der Mantras wird mittels Tāra, der Bījas von Lakṣmī, der Bergtochter, Smara, Erde und Vighneśa sowie der drei weiteren Wortgruppen in neun Teile gegliedert.
32.MGP.62: Mit dem vollständigen Grundmantra werden Ghee-Darbringungen entsprechend der Zahl seiner Laute vollzogen. Danach folgen die acht mit den süßen Stoffen verbundenen Opferstoffe.
32.MGP.63: Die Zahl wird als vierundvierzigtausend, vierhundert und vierundvierzig angegeben, also 44.444 Darbringungen. Die Endung des Zahlensatzes ist im Druck unsicher, die Zahlenglieder sind erkennbar.
Variantenvermerk: Die Fußnoten bieten eine beschädigte kurze Variante bei der Pflanzenreihe, ferner kumbha, „Krug“, und śobhamānāḥ, „leuchtend/geschmückt“, an örtlichen Stellen. Sie werden nicht stillschweigend in den Haupttext eingesetzt.
Abschluss des Elefantenrituals und weitere Anwendungen
Druckseite 689; Reihe 32.MGP.
32.MGP.64: Täglich werden Brahmanen bewirtet, deren Segen den Auftraggeber fördern soll. Als Lehrergabe nennt der Text fünfzig Elefanten –
32.MGP.65: – oder ihren Geldwert beziehungsweise dessen zehnten Teil. Nach der Zufriedenstellung des guten Lehrers folgen die vier göttlichen Paare, die sechs Gaṇeśa-Gestalten und die beiden Schätze –
32.MGP.66: – sowie Glieder, Mütter und Welthüter: Für sie wird mit ihren eigenen Mantras Ghee dargebracht. Nach Abschluss des Feueropfers wird die Speisegabe weggenommen.
32.MGP.67: Vighneśa wird noch einmal mit Gliedern und Umhüllungen verehrt und dann in das eigene Herz zurückgeführt. Danach kann der Übende sich nach Belieben bewegen.
32.MGP.68: Nach vierundvierzig Tagen sollen durch Vināyakas Kraft junge und ausgewachsene Elefanten in die Fangvorrichtung gelangen.
32.MGP.69: Auch Herden weiblicher Elefanten sollen in der Grube festgehalten werden. Der Kommentar erklärt avaṭa als Grube. Danach beginnt ein neues Verfahren: In der beschriebenen Feuergrube wird Gaṇeśa in seiner genannten Gestalt verehrt.
32.MGP.70: Das Feuer wird eingesetzt; insgesamt hunderttausend getrennte Darbringungen werden mit Milch, Ghee, Unmatta-Blüten und Zucker –
32.MGP.71: – sowie Nīvāra und gekochter Speise vollzogen. Aus der Mitte der Feuergrube soll der Übende eine strahlende, Vetāla genannte Guṭikā empfangen.
Unnummerierte Fortsetzung und Zahlenkommentar: Dadurch werde der Einsichtige zum Träger der acht Siddhis von Aṇimā an. Für jeden Stoff nennt der Kommentar 16.667 Wiederholungen, beim letzten Stoff zwei Darbringungen weniger; die Aufteilung ergibt zusammen hunderttausend. Der Kommentar verwendet dabei zunächst das Wort Japa und wechselt dann zu Āhuti; dieser Wortlautunterschied bleibt sichtbar.
32.MGP.72: Zur Brahma-Zeit vor Tagesanbruch an Neumond wird der Dung einer Kapilā-Kuh mit einem Lotusblatt noch während des Fallens aufgefangen. Der Kommentar erklärt „beim geschwundenen Mond“ als Amāvāsyā und „im Raum“ als in der Luft.
32.MGP.73: Mit zehntausend Mantrarezitationen versehen und am Eingang vergraben, soll er Tiger, Eber, Diebe und Feinde abwehren.
32.MGP.74: Redaktionelle Inhaltsangabe zur Stoffanwendung (Verse 74–77a): Diese Passage beschreibt eine aus mehreren Pflanzen und Körperrückständen bereitete Mischung, deren Einnahme Menschen und Tiere gefügig machen soll. Der Kommentar identifiziert einen Bestandteil ausdrücklich als Dhattūra. Die unterschiedliche Menge für Elefant, Pferd, Mann und Frau wird im Original genannt. Wegen des Zusammenhangs einer giftigen Mischung mit gezielter Fremdbeeinflussung werden hier keine anwendbaren Rezept- und Dosierungsangaben übersetzt. Die Stelle ist damit ausdrücklich keine vollständige wörtliche Übersetzung. Die Sanskrit-Wiedergabe dieser Rezeptpassage wird entsprechend sichtbar ausgelassen.
32.MGP.75: Siehe die ausgewiesene Inhaltsangabe zu Vers 74.
32.MGP.76: Siehe die ausgewiesene Inhaltsangabe zu Vers 74; die Dosierungen werden nicht wiedergegeben.
32.MGP.77: Der erste Halbvers gehört zur ausgewiesenen Inhaltsangabe. Die Fortsetzung am Ende von Vers 77 nennt für eine neue Anwendung tausendundacht Rezitationen bei Reinheit und beherrschten Sinnen.
32.MGP.78: Darauf folgt ein Feueropfer von einem Zehntel mit Karavīra und geröstetem Korn; es soll die Verbindung mit einer Frau aus guter Familie ermöglichen. Der zweite Halbvers beginnt eine weitere Anwendung: Gaṇapati wird in der zuvor beschriebenen Gestalt meditiert und mit Duft und weiteren Gaben verehrt.
32.MGP.79: Hunderttausend Mantrarezitationen sollen unerwartete Befreiung aus Fesseln und anderen Bindungen gewähren. Der zweite Halbvers beginnt eine neue Stoffreihe: Bilva-Blüten, Tagara, Priyaṅgu, Devadāru und Haricandana. Sie wird auf Seite 690 fortgesetzt.
Textkritischer Hinweis: Die Fußnote bietet örtlich die Variante samācaret, „er vollziehe“.
Räucherwerk, weitere Opferzuordnungen und Mahāgaṇeśas Yantra
Druckseite 690; Reihe 32.MGP.
32.MGP.80: Zur vorangehenden Liste kommen Aguru und Nāgakesara. Gleiche Teile werden mit Honig verbunden und unter Berührung tausendundachtmal mit dem Mantra rezitiert; daraus soll vollendetes Räucherwerk entstehen. Die Fußnote liest an der Stelle der Zubereitung auch „durchtränkt“.
32.MGP.81: Die Beräucherung soll nach der Quelle Krankheiten überwinden und langes Leben schenken. Eine Darbringung damit soll Besitz und allgemeine Beliebtheit gewähren.
Unnummerierte Fortsetzung: Einer unglücklichen Frau soll die Beräucherung Glück und einer unverheirateten jungen Frau einen vorzüglichen Bräutigam aus guter Familie bringen.
32.MGP.82: Hunderttausend gesammelte Mantrarezitationen an beziehungsweise in einem Gewässer werden als Mittel zur Herbeiführung von Regen gepriesen.
32.MGP.83: Der Vers ordnet Opferstoffe verschiedenen erhofften Wirkungen zu: Honig dem Gewinn von Gold, Kuhmilch dem Erlangen von Kühen, Ghee dem Wohlstand, Zucker dem Ansehen, Dickmilch dem Wachstum, Nahrung mit Sesam der Fülle an Nahrung, Reis dem Besitz, geröstetes Korn dem Ruhm. Kusumbha-Blüten und Karavīra-Blüten werden anschließend genannt, letztere für Kleidung; die syntaktische Zuordnung des Kusumbha-Gliedes bleibt knapp und wird nicht durch einen neuen Zweck ergänzt.
32.MGP.84: Lotusblüten werden der Beeinflussung des Königs, Wasserlotusblüten der seiner Gemahlin und Kairava-Blüten der seiner Minister zugeordnet. Holz von Aśvattha und anderen Bäumen mit Ghee wird den gesellschaftlichen Gruppen, Figuren aus Teig den Frauen zugeordnet. Salz soll Regen verhindern; Vetasa soll die Erfüllung von Wünschen fördern. Es handelt sich um historische Einfluss- und Wetterverheißungen.
Kommentar: „Aśvattha und andere“ schließt Udumbara, Plakṣa und Vaṭa ein. Mit „Figuren und anderem“ werden auch aus Teig geformte Stiere und entsprechende Gestalten bezeichnet.
Erklärung des Erd-Bījas nach dem Sārasaṃgraha: Eine örtlich unsichere verschlüsselte Zitatzeile wird durch ihre Prosa erläutert. Das zuvor bei der Erklärung des Grundmantras nicht ausgeschriebene Erd-Bīja wird aus ga, la, Bindu und au gebildet, also glauṃ. Śārṅgin steht für ga, Śacīs Gemahl für la, „oberstes Glied“ für den Bindu und der letzte Laut der genannten Gruppe für au.
32.MGP.85: In ein Sechseck wird Tāra zusammen mit der Angabe der betreffenden Person geschrieben, von Kamalā umschlossen. An die Ecken kommen die Gliedermantras. Auf einen achtblättrigen Lotus werden die Vokale paarweise geschrieben. Die geklammerte Fortsetzung nennt Kāma und eine „zwölf Schlangen“ bezeichnete Lautgruppe; ihre genaue Verteilung ist nicht sicher. Auf die weiteren Blätter kommen das Erd-Mantra und die verbleibenden Laute des Mahāgaṇapati-Mantras. Die gedrängte Konstruktionsanweisung wird nicht zu einem erfundenen vollständigen Diagramm erweitert.
32.MGP.86: In einen zweiunddreißigblättrigen Lotus kommen die Laute von ka, kha bis sa. Außen wird die Erdfigur mit acht Vajras und den Kräften an den Ecken gezeichnet. Es folgt eine Umfassung durch das Wasser-Maṇḍala und die genannten Śakti-Laute. Die Schlusszeile mit Rudra und einem Śiva-Laut ist örtlich unsicher. Der Vers bezeichnet dies als großes Yantra Mahāgaṇapatis; nicht eindeutig lesbare Einzelheiten bleiben offen.
Textkritischer Hinweis: Eine weitere Fußnote überliefert vṛttāḥ, „Kreise/kreisförmig“; der genaue Bezug wird nicht für eine ergänzte Zeichnung vorausgesetzt.
Prosaerklärung des Yantras und seine überlieferten Anwendungen
Druckseite 691; Reihe 32.MGP.
Erläuterung zu den Versen 85–86: In die Mitte des Sechsecks wird der Praṇava geschrieben, umschlossen vom Śrī-Bīja; darin steht der Name der betreffenden Person. An die sechs Ecken kommen die sechs Gliedermantras. Außen folgt ein achtblättriger Lotus, auf dessen Blätter die sechzehn Vokale paarweise geschrieben werden, im Osten beginnend. Darum folgt ein zwölfblättriger Lotus mit dem Kāma-Bīja auf jedem Blatt, danach ein sechzehnblättriger mit dem Erd-Bīja.
Auf die folgenden vierundzwanzig Blätter werden einzeln die Laute des Grundmantras geschrieben, abzüglich Praṇava, Śrī-, Kāma- und Erd-Bīja. Auf zweiunddreißig äußere Blätter kommen die Mātṛkā-Laute von ka bis sa, jeweils mit Bindu. Außen folgt das Quadrat mit Vajras und la an den Ecken. Darum wird das halbmondförmige Wasser-Maṇḍala gezeichnet und mit vaṃ umgeben. Zwei weitere Kreise schließen einen Ringraum mit hrīṃ-Bījas ein; am Anfang und Ende werden die beiden Haken-Bījas als Verschluss gesetzt. Die Erklärung bestimmt „Verschließen“ ausdrücklich als Schreiben am Anfang und Ende.
32.MGP.87: Das Yantra wird auf Birkenrinde, Erde oder Stoff geschrieben; genannt werden Gorocanā, Safran, Kuhdungwasser, Moschus und Kalk. Der Schreibstift besteht aus Gold oder Silber.
32.MGP.88: Sein Träger soll durch Gaṇapatis Gnade für alle Menschen unbezwingbar sein, vom Feuer nicht verbrannt werden und weder König noch Diebe fürchten müssen.
32.MGP.89: Bei Würfelspiel, Kampf, am Königshof und in Auseinandersetzungen soll der Mantrakundige stets siegen. Danach beginnt eine andere Anwendung: rote Schreibstoffe werden mit Blut aus dem Ringfinger vermischt.
32.MGP.90: Das so geschriebene Yantra wird mit rotem Sandelholz, roten Blumen und Speisegaben verehrt. Eine schön gestaltete Figur wird gefertigt, in deren Bauch das Yantra eingesetzt wird.
32.MGP.91: Das Erwärmen an einer Lampenflamme soll eine Frau binnen einer Woche herbeiziehen. Nach hundertundacht Rezitationen erwärmt und am Arm getragen, soll es sie gefügig machen.
32.MGP.92: Für ein weiteres Verfahren nennt der Text Blut von Wesen, die einander von Natur aus feindlich sind, verbunden mit Kohle vom Verbrennungsplatz. Geschrieben wird auf Leichentuch mit einer Krähenfeder; darauf folgt die Verehrung.
32.MGP.93: An einer Fahnenspitze befestigt, soll dieses Yantra vertreiben und Feindesscharen gegeneinander aufbringen. Danach beginnt eine weitere Anwendung: gelbe Stoffe werden zum Schreiben auf Stein, gelbe Blumen und Arka-Blüten zur Verehrung genannt.
32.MGP.94: Das Yantra wird mit gelbem Faden umwunden; die Lebenskraft der betreffenden Person wird rituell darin eingesetzt. An deren Türschwelle, eine Elle (Hasta) tief vergraben, soll es Hemmung bewirken.
32.MGP.95: Es soll die Rede eines Schädigers und die Bewegung von Feinden rasch hemmen, ebenso ein feindliches Heer mit Elefanten und Pferden.
32.MGP.96: Für eine Tötungsmagie-Anwendung wird Tinte aus Kohle des Verbrennungsplatzes auf einem dortigen Tuch genannt. Der Übende schreibt mit zornigem Geist und einem Stift aus menschlichem Knochen und verehrt mit Sandelholz, Blumen und Räucherwerk.
32.MGP.97: Am Verbrennungsplatz vergraben, soll es den Feind töten. Wird dasselbe Yantra wieder ausgegraben und mit Milch gewaschen, soll es Beruhigung und Frieden bewirken. Diese Wirkungen sind Behauptungen der Quelle.
Beginn des Kommentars: Sudhā wird als Kalk erklärt, die Figur als die der Gottheit und das Einsetzen des Atems als Prāṇapratiṣṭhā der betreffenden Person. Die Maßangabe karonmita wird im folgenden Seitenanschluss erläutert.
Zwei weitere Yantra-Fassungen
Druckseite 692. Abschluss der Reihe 32.MGP; mit dem Zitat aus dem keralischen Yantrasāra beginnt 32.KYS.
Abschluss des Kommentars von Seite 691: Die Angabe karonmita bedeutet eine Elle (Hasta) unterhalb der Oberfläche; śāvadharā den Boden des Verbrennungsplatzes.
32.MGP.98: Eine weitere Yantra-Anweisung nennt in der mittleren Figur das Bīja zusammen mit Tāra, außen in den Himmelsrichtungen Śrī, Māyā, Madana und Erde. Es folgen Bījas und Gliedermantras an den vorgesehenen Ecken beziehungsweise Verbindungen. Auf die Blätter des achtblättrigen Lotus kommen je drei Mantralaute, auf das letzte der verbleibende einzelne Laut. Die anschließende Prosa erläutert die gedrängte Beschreibung.
32.MGP.99: Mātṛkā-Laute umgeben das Yantra in vorwärts und rückwärts laufender Folge; außen schließen sich Schlingen- und Haken-Bījas sowie zwei Erdquadrate an.
32.MGP.100: Mahāgaṇapatis Yantra wird mit einem goldenen Schreibstift gefertigt. Als Schreibstoffe nennt der Text Lackrot, Safran, Moschus und Gorocanā –
32.MGP.101: – die in entsprechenden Anteilen mit Sandelholzwasser verrieben werden. Vorschriftsmäßig wird auf Goldplatte oder Birkenrinde geschrieben.
32.MGP.102: Nach der Einsetzung der Lebenskraft und am Arm getragen, soll das Yantra Lebensgenuss und Befreiung gewähren, Leben, Gesundheit, Wohlstand und Ansehen fördern und Zuneigung mehren.
Ausführliche Erklärung: In ein Sechseck wird ein Dreieck gezeichnet; darin steht gaṃ samt Personenangabe, eingeschlossen vom Praṇava. Im Raum zwischen Dreieck und Sechseck stehen, im Osten beginnend, einzeln śrīṃ, hrīṃ, klīṃ, glauṃ. An die sechs Ecken kommen die sechs Bījas von Praṇava an. Von den zweiundzwanzig übrigen Lauten ab gaṇapataye werden je drei auf die ersten sieben Lotusblätter und der letzte auf das achte geschrieben.
Außen erzeugen fünf Kreise vier Ringbahnen. Die innerste enthält die mit Bindu versehenen Laute von a bis kṣa, die zweite dieselben in umgekehrter Reihenfolge. Die dritte enthält das Schlingen-Bīja āṃ, die äußerste das Haken-Bīja kroṃ. Zwei Quadrate umgeben das Ganze. Einige erklären die beiden Umfassungen als innere und äußere, andere als Formen des Sechsecks. Auch hier verweist der Text auf die Unterweisung des Lehrers.
32.KYS.1: Nach dem keralischen Yantrasāra wird das Śakti-Bīja in die Lotusmitte geschrieben. An die sechs Ecken kommen Tāra sowie die Bījas von Śrī, Śakti, Kāma, Erde und Vighna.
32.KYS.2: Auf das erste Blatt des achtblättrigen Lotus kommt das mit ka e beginnende Vāk-Bīja. Auf das zweite –
32.KYS.3: – kommen acht Silben des mit yad adya beginnenden Ṛg-Verses. Das dritte Blatt trägt den mit ha sa beginnenden Kāma-Abschnitt; das vierte –
32.KYS.4: – die acht Silben ab ud agā. Auf das fünfte wird der mit sa ka la beginnende Śakti-Abschnitt geschrieben; auf das sechste –
32.KYS.5: – die acht Silben von sarvaṃ tad indra te an. Das siebte Blatt trägt die neun Silben von gaṇapataye an, das achte –
32.KYS.6: – die zwölf von sarva an. Außen wird das Ganze mit Mātṛkā-Lauten umgeben; an die Ecken des Erdquadrats kommen der Reihe nach śrīṃ, hrīṃ, klīṃ, glauṃ.
Unnummerierter Halbvers: Auf Goldplatte oder entsprechendem Material wird mit goldener Nadel geschrieben; als Wirkung wird starke Anziehung genannt. Der Kommentar erklärt dies ausdrücklich als Gefügigmachen.
Prosaerklärung: In die Mitte des Sechsecks im Lotuszentrum kommt das Śakti-Bīja zusammen mit der Personenangabe; an die Ecken jeweils oṃ, śrīṃ, hrīṃ, klīṃ, glauṃ, gaṃ. Auf die acht Blätter kommen: der erste Kūṭa der Śrīvidyā; yad adya kacca vṛtrahan; der zweite Kūṭa; die örtlich unsicher wiedergegebene Formel ab ud agā; der dritte Kūṭa; sarvaṃ tad indra te vaśe; gaṇapataye vara varada; sarvajanaṃ me vaśamānaya svāhā. Die vedischen Zeilen werden wegen der unsicheren zweiten Zeile nicht aus einer vermuteten Standardfassung ergänzt; die erkennbare letzte Zeile bedeutet „All dies, Indra, steht unter deiner Herrschaft“.
Zwischen den beiden äußeren Kreisen stehen die Mātṛkā-Laute; an die vier Ecken des Quadrats kommen die vier Bījas des Mahāgaṇapati-Mantras ab dem zweiten Bīja. Dies wird als Mahāgaṇapati-Yantra bezeichnet, das den Ṛg-Vers ab yad adya mit der Śrīvidyā verbindet. Die folgende Seite führt dazu das Jñānārṇava an.
Śrīvidyā und ein Yantra der Eintracht
Druckseite 693. Neue, getrennte Reihen: 32.JNA für das Jñānārṇava-Zitat, 32.YVK für das Yantra zum yad adya-Vers, 32.SVD für die Yantra-Anleitung zum Saṃvāda-Sūkta und 32.SGH für dessen eigentliche Hymne. Die vedischen Akzente werden in den Sanskrit-Textfassungen dieser Seite nicht diplomatisch nachgebildet.
32.JNA.1: Die mit ka und la verbundene Bhuvaneśānī bildet das vorzügliche Bīja Kāmeśīs. Mit diesem Zusammenhang erkläre ich dir alle Vidyās, Makellose.
32.JNA.2: Der vierte Laut am Ende von Śakti steht zwischen ka und la, Schönäugige. Das Vāgbhava besteht aus fünf Lauten. Nun wird Kāmarāja erklärt.
32.JNA.3: Der Kāma-Laut, mit Śiva und Mond am Anfang und Śiva am Ende, bildet, Fischäugige, diesen sechssilbigen Kāmarāja, der alles betört.
Unnummerierter Halbvers: Das Śakti-Bīja mit dem Mondlaut am Anfang verleiht alle Vollendungen, anmutig Erhabene.
Lautkommentar: Śakti bezeichnet hier e; der vierte Vokal ist ī. „Mit ka und la verbundene Bhuvaneśānī“ wird so erklärt, dass e und ī zwischen diese Laute treten und damit der erste Kūṭa der Kāmarāja-Vidyā entsteht. Der Kāma-Laut wird als ka, Śiva und Mond als ha und sa erklärt; Śiva ist auch der abschließende ha-Laut des zweiten Abschnitts, Mond der anfängliche sa-Laut des folgenden. Die zugehörige Verehrung richtet sich nach dem früher erklärten Verfahren.
32.YVK.1: Für ein weiteres Yantra steht Tāra zusammen mit der Personenangabe im Lotuszentrum. Auf die acht Blätter werden die Laute des vedischen Verses in der verschlüsselt angegebenen Verteilung geschrieben.
32.YVK.2: Mātṛkā-Laute und Erdquadrat umgeben das Ganze. Dieses Yantra zum Vers ab yad adya kacca soll Einfluss, Glück und Ausstrahlung verleihen.
Unnummerierter Halbvers: Es soll alle Güter gewähren, etwa Gold, Edelsteine und Getreide.
Kommentar: Die Prosa gibt für die acht Lotusblätter die Lautzahlen 3, 2, 3, 3, 4, 3, 3 und 2 an. Zwischen den äußeren Kreisen stehen die Mātṛkā-Laute; darum liegt das Quadrat. Der vedische Vers sei bereits beim Mahāgaṇapati-Yantra geschrieben. Als Seher, Gottheit und Versmaß nennt der Druck Sakta, Indra und Gāyatrī; der Sehername wird nicht anhand einer vermuteten Parallelstelle geändert.
32.SVD.1: In die Mitte des Sechsecks kommt Tāra, an die sechs Ecken oṃ, śrīṃ, hrīṃ, klīṃ, glauṃ, gaṃ. Außen folgt gaṇapataye –
32.SVD.2: – mit den verbleibenden Wortgruppen von vier, fünf und sechs Lauten auf dem vierblättrigen Lotus. Außen werden die Verse des Saṃvāda-Sūkta der Reihe nach halbversweise –
32.SVD.3: – auf die acht Blätter geschrieben. Darum folgt die angegebene Triṣṭubh, danach die Mātṛkā-Laute. An den Ecken des Erdquadrats werden –
32.SVD.4: – die vier Halbvers-Mantras von bhadra an eingetragen. Dieses Yantra des Saṃvāda-Sūkta sei in der Welt selten.
32.SVD.5: Wenn eine Gemeinschaft auseinanderfällt, soll es die Freundschaft zwischen den Ministern wiederherstellen. Es wird auch mit Betörung und Einfluss sowie mit Ausstrahlung, Glück und Gedeihen verbunden.
Prosaerklärung: Praṇava mit Personenangabe steht im Sechseck innerhalb des vierblättrigen Lotus. Dessen Blätter tragen gaṇapataye, vara varada, sarvajanaṃ me und vaśamānaya svāhā. Auf die acht äußeren Blätter kommen die Halbverse der folgenden Hymne. Drei Kreise bilden zwei Ringbahnen; die innere enthält die später genannte Triṣṭubh, die äußere die Mātṛkā-Laute. An die vier Quadratecken kommen: „Wehe uns heilsamen Sinn zu“; „Der Kraft der Maruts, svāhā“; „Indra herrscht über das All“; „Sei uns zum Wohl, den Zweibeinern und den Vierbeinern.“
32.SGH.1: Gemeinsam wirst du entfacht, kraftvoller Agni, bei allen Tätigkeiten der Menschen. Am Ort der Iḷā entzündest du dich; bringe uns die Güter.
32.SGH.2: Geht gemeinsam, sprecht gemeinsam; eure Gedanken mögen einander verstehen – wie einst die Götter, in Eintracht verbunden, ihren Anteil verehrten.
32.SGH.3: Gemeinsam sei euer Rat, gemeinsam eure Versammlung; gemeinsam seien euer Denken und das Sinnen eurer Herzen. Zu gemeinsamem Rat rufe ich euch; mit gemeinsamer Opfergabe bringe ich für euch dar.
Moderne Erläuterung: Die Hymne lässt sich hier als Einladung zu achtsamem Gespräch und gemeinsamem Handeln lesen. Diese Erläuterung ist von den historischen magischen Wirkungszuschreibungen des Yantra-Abschnitts zu unterscheiden. Die Hymne wird auf Seite 694 fortgesetzt.
Eintracht, Schutzgebet und unterschiedliche Meditationsformen
Druckseite 694. Abschluss von 32.SGH; neue Reihen 32.MGD für die Meditation, 32.MGT für Tarpaṇa und 32.GPT für das gesonderte Kommentarzitat.
32.SGH.4: Gemeinsam sei eure Absicht, miteinander verbunden seien eure Herzen. Einig sei euer Denken, damit ihr gut zusammenlebt.
Quellenvermerk und unnummerierter Mantra: Der Text bezeichnet die Hymne als Saṃvāda-Sūkta aus dem Ṛgveda und gibt den Anfangsnachweis 10.191.1. Es folgt der Triṣṭubh-Mantra: „Für Jātavedas pressen wir Soma; er möge den Besitz dessen verbrennen, der feindlich handelt. Agni führe uns über alle Schwierigkeiten hinweg, wie ein Boot über den Strom, über alles Unheil hinaus.“
Angaben zur Hymne: Als Seher wird Saṃvanana genannt, als Gottheit Saṃjñāna, gemeinsames Verstehen. Drei Verse stehen in Anuṣṭubh, der dritte in Triṣṭubh; der erste ist Agni gewidmet. Die gedruckten vedischen Akzente werden hier nicht als diplomatisch geprüfte Akzentedition ausgegeben.
32.MGD.1: Nun erkläre ich eine vielfach schöne Meditation, die sich je nach Wunsch unterscheidet. Die Körperfarbe der Gottheit gleicht dem Glanz eines aufgebrochenen schwarzen Añjana-Berges; ihre Festigkeit gleicht Sumeru und Mandara.
32.MGD.2: Vielerlei Edelsteine schmücken ihre Glieder; eine himmlische Juwelenkrone strahlt. Die Gestalt ist gewaltig, groß und dreiäugig; die beiden Ohren schwingen wie schöne Wedel.
32.MGD.3: Sie besitzt einen herabhängenden Rüssel beziehungsweise Lippenfortsatz, trägt eine vorzügliche Schlange als Opferschnur, hat einen Stoßzahn und ein Elefantengesicht. Ein goldener Hüftgürtel, rote Gewänder und rote Blumen schmücken sie.
32.MGD.4: Im Herzen wird die auf einem Lotus sitzende Gestalt vergegenwärtigt. Ihre Hände tragen Lotus und Haken, Schlinge und Stoßzahn, Lanze und Keule; eine Hand schenkt Segen, weitere tragen einen zweiten Lotus, Zuckerrohrstab und Reisähre. Die doppelte Lotusbezeichnung des Textes bleibt erhalten.
32.MGD.5: Eine weitere Attributreihe nennt Pfeil, den Bogen Acyutas, Wasserkrug, Modaka-Schale, Lanze, Wedel, Schlinge und Zuckerrohrstab. Die verdichtete Verbindung um Acyuta und den Bogen ist örtlich schwer aufzulösen und wird nicht zu einer sicheren Zehnerliste erweitert.
32.MGD.6: Diese Meditation Gaṇeśas soll alle Bedrängnisse vernichten. Für Hemmung wird er gelb, für Gefügigmachen morgenrot betrachtet.
32.MGD.7: Für Tötungsmagie wird die Gestalt schwarz, für Vertreibung rauchfarben betrachtet. Für Regen sowie für Kraft und Gedeihen wird der Glanz der Bandhūka-Blüte genannt.
32.MGD.8: Wer Besitz sucht, betrachtet ihn grün; wer Befreiung sucht, weiß. Wer ihn so zu den drei Tageszeiten meditiert und rezitiert, soll Vollendung erlangen.
32.MGT.1: Nun folgt im selben Werk das Tarpaṇa für bestimmte Wünsche. Zunächst wird Gaṇeśa zwanzigmal mit dem Grundmantra zufriedengestellt. Danach folgt jeder einzelne Laut mit dem Abschluss svāhā viermal und entsprechend wieder der Grundmantra.
32.MGT.2: Die göttlichen Paare, die sechs Gaṇeśa-Gestalten mit ihren Śaktis und die beiden Schätze werden einzeln verehrt. Wie zuvor wird dazwischen beziehungsweise anschließend mit dem Grundmantra jeweils viermal Tarpaṇa vollzogen.
Kommentar: „Vorschriftsmäßig“ bedeutet hier, dass die vier Paare, sechs Gaṇeśa-Gestalten und beiden Schätze jeweils mit ihrem eigenen Bīja beginnen.
32.GPT.1: Das gesonderte Zitat aus der Gaṇeśvaraparāmarśinī bestätigt: Die Paare, die sechs Vighnas sowie Śaṅkha- und Padmanidhi erhalten je vier Darbringungen mit ihren eigenen Bījas am Anfang und svāhā am Ende. Eine Fußnote im vorangehenden Meditationsabschnitt bietet die Variante „überaus gewaltig“.
Zählungen des Tarpaṇa und Beginn seiner Ausführung
Druckseite 695. Fortsetzung von 32.GPT; erneutes Zitat 32.GPA und anschließende Ausführungsreihe 32.TAR.
32.GPT.2: So ergeben sich vierhundertvierundvierzig Tarpaṇas. Nun wird eine andere Verfahrensweise erklärt.
32.GPT.3: Der Grundmantra wird in zehn Teile gegliedert. Mit jedem Teil und jeweils mit dem ganzen Grundmantra wird viermal Tarpaṇa vollzogen.
32.GPT.4: Die Teile bestehen aus Tāra und den Bījas von Ramā, Māyā, Māra, Erde und Vighna sowie Wortgruppen von fünf, fünf, zehn und zwei Mantralauten. Der Kommentar erklärt die Zahlwörter „Pfeile“ jeweils als fünf und „Paar“ als zwei.
32.GPT.5: Damit ergeben sich achtzig Darbringungen. Danach werden die elf Attribute von der Zitronatzitrone an –
32.GPT.6: – bis zum Krug jeweils viermal verehrt, ebenso mit dem Grundmantra. Die Bījas von Vighna, Erde, Māra, Māyā und Śrī folgen dabei in umgekehrter Ordnung.
32.GPT.7: Mit diesen verbunden werden die Attribute von der Zitronatzitrone an verehrt. Daraus ergeben sich achtundachtzig Tarpaṇas.
Überleitung: Die Gaṇeśvaraparāmarśinī erläutert die Attribut-Mantras näher; die Nummerierung beginnt erneut.
32.GPA.1: Genannt werden Zitronatzitrone, Keule, Zuckerrohrbogen, Dreizack, Rad, Lotus, Schlinge, Wasserlotus, Reisähre und Stoßzahn –
32.GPA.2: – sowie der Edelsteinkrug. Die Namen werden in die bezeichnete Dativform gesetzt und mit der Herzformel abgeschlossen; Praṇava und die jeweiligen Bījas gehen voran. Fünf beginnen mit den Bījas von gaṃ an, weitere mit dem von śrīṃ an –
32.GPA.3: – und der letzte mit allen sechs Bījas. Die anschließend genannten Bedeutungswörter werden vorangestellt. So sind die Mantras der Attribute des großen Vighneśa bestimmt.
32.GPA.4: Die Bedeutungswörter sind „Frucht des Mantras“, „Kraft“, „gemeinsamer Lebensatem“, „drei Guṇas“, „Rad der Zeit“ und die weiteren Begriffe der Aufzählung, darunter „Gestalt der Erde“, „Wissen“ und „drei Welten“, jeweils verbunden mit „als Wesen“. Ein mittleres zusammengesetztes Wort der zweiten Vershälfte ist unsicher; die folgende Ausführung wird die Formeln einzeln angeben.
Prosa-Beispiel: gaṃ oṃ mantraphalātmane bījapūrāya namaḥ – „Verehrung der Zitronatzitrone, deren Wesen die Frucht des Mantras ist.“ Weitere Formeln werden für die Ausführung angekündigt.
32.GPA.5: Mit den sechs Bījas und den Wortgruppen von gaṇapataye an werden die zehn Formen jeweils viermal, ebenso jeweils mit dem Grundmantra, verehrt.
32.GPA.6: Die Formen heißen Vighna, Vināyaka, Vīra, Śūra, Varada, Ibhavaktra, Ekadanta und Lambodara –
32.GPA.7: – ferner Kṣipraprasādana und Mahāgaṇapati. Auch hier ergeben sich achtzig Tarpaṇas.
32.GPA.8: Die vier göttlichen Paare werden mit ihren Śaktis und den zugehörigen Bījas verehrt.
32.GPA.9: Dazwischen wird mit dem Grundmantra jeweils viermal dargebracht. So werden vierundsechzig Tarpaṇas angegeben.
32.GPA.10: Āmoda und die folgenden Gestalten werden zusammen mit ihren Śaktis, außerdem die Śaktis selbst, jeweils mit Vighneśas Bīja am Anfang verehrt; viermal folgt jeweils der Grundmantra.
32.GPA.11: Die gedruckte Summenangabe dieses Gliedes ist nicht stimmig mit der angekündigten Gesamtsumme; der Zahlenausdruck wird nicht stillschweigend berichtigt. Anschließend werden die beiden Schätze mit ihren Śaktis genannt, jeweils viermal.
32.GPA.12: Mit dem Grundmantra jeweils viermal ergeben sich für diesen Abschnitt zweiunddreißig Tarpaṇas. Danach wird noch viermal mit dem Grundmantra dargebracht.
32.GPA.13: Als Gesamtsumme werden vierhundertvierundvierzig Tarpaṇas genannt. Damit sollen alle Wünsche erfüllt werden. Die Zahlendifferenz in Vers 11 bleibt als örtliches Textproblem bestehen.
Beginn der Ausführung: Nach der Ordnung der Śrīgaṇeśvaraparāmarśinī wird am Tarpaṇa-Ort zuerst die Gottheit meditiert.
32.TAR.1: Ich erkläre das vierfach wiederholte Tarpaṇa, das alles Erstrebte gewähren soll: an einem einsamen, menschenleeren, schönen und von Bedrängnissen freien Ort.
32.TAR.2: Nach Bad und den übrigen Vorbereitungen sowie dem zuvor beschriebenen Nyāsa vergegenwärtigt der Übende inmitten eines Teiches einen blühenden Lotuswald.
32.TAR.3: In seiner Mitte liegt ein großer Lotus, der wie die junge Sonne leuchtet, emporragt, duftet und das Herz erfreut.
Meditation des Tarpaṇa und ausgeschriebene Formelfolgen
Druckseite 696; Fortsetzung von 32.TAR.
32.TAR.4: Der Mantrakundige meditiert den soeben erblühten Lotus. Von der Sonnenscheibe führt eine reine silberne Treppenreihe herab –
32.TAR.5: – auf der Mahāgaṇapati herabkommt und sich in der Lotusmitte niederlässt. So wird er zusammen mit seinen Umhüllungen betrachtet.
32.TAR.6: Mit vorzüglichem Duft und Blumen wird er wie zuvor verehrt. Seine Rüsselspitze legt er auf das Haupt des Sādhaka –
32.TAR.7: – und lässt Ströme von Edelsteinen herabregnen. Auf das Haupt der Gottheit wird Wasser dargebracht, das mit Kampfer, Sandelholz, Safran und Moschus verbunden ist.
Unnummerierter Halbvers: Mit höchster Hingabe und heiterem Geist wird so der Gott der Götter zufriedengestellt.
Beginn der Prosaformeln: Bei dieser Meditation wird der Grundmantra gesprochen und mit „Ich vollziehe Tarpaṇa für Śrīmahāgaṇapati“ zwanzigmal auf sein Haupt dargebracht.
Die folgende gedruckte Kurzform 4 mū. 4 … tarpayāmi bedeutet jeweils vier Wiederholungen des Grundmantras und vier der angegebenen Tarpaṇa-Formel. Die erste Lautfolge lautet, ohne ihre Wiederholungen zu verschmelzen:
oṃ – śrīṃ – hrīṃ – klīṃ – glauṃ – gaṃ – gaṃ – ṇaṃ – paṃ – taṃ – yaṃ – vaṃ – raṃ – vaṃ – raṃ – daṃ – saṃ – rvaṃ – jaṃ – naṃ – meṃ – vaṃ – śaṃ – māṃ – naṃ – yaṃ – svāṃ – hāṃ.
Die Formel bedeutet jeweils „Ich stelle [den genannten Laut] durch die Darbringung zufrieden“. Bei oṃ, śrīṃ, hrīṃ und am Reihenende ist svāhā ausgeschrieben, die übrigen Abschlüsse sind überwiegend abgekürzt; bei saṃ und rvaṃ steht ausdrücklich namaḥ. Diese Abweichung wird nicht vereinheitlicht.
Darauf folgen, jeweils mit derselben vierfachen Verbindung zum Grundmantra, die folgenden einzeln genannten Darbringungsempfänger. „Zusammen mit“ übersetzt jeweils das gedruckte sahita; die beiden Richtungen jedes Paares sind eigene Formeln:
| Bīja | Erste Formel | Zweite Formel |
|---|---|---|
| śrīṃ | Lakṣmī zusammen mit Nārāyaṇa | Nārāyaṇa zusammen mit Lakṣmī |
| hrīṃ | Gaurī zusammen mit Hara | Hara zusammen mit Gaurī |
| klīṃ | Rati zusammen mit Kāmadeva | Kāmadeva zusammen mit Rati |
| glauṃ | Mahī zusammen mit Varāha | Varāha zusammen mit Mahī |
| gaṃ | Siddhi zusammen mit Āmoda | Āmoda zusammen mit Siddhi |
| gaṃ | Samṛddhi zusammen mit Pramoda | Pramoda zusammen mit Samṛddhi |
| gaṃ | Kānti zusammen mit Sumukha | Sumukha zusammen mit Kānti |
| gaṃ | Madanāvatī zusammen mit Durmukha | Durmukha zusammen mit Madanāvatī |
| gaṃ | Madadravā zusammen mit Vighna | Vighna zusammen mit Madadravā |
| gaṃ | Drāviṇī zusammen mit Vighnakartṛ | Vighnakartṛ zusammen mit Drāviṇī |
| śaṃ | Vasudhārā zusammen mit Śaṅkhanidhi | Śaṅkhanidhi zusammen mit Vasudhārā |
| paṃ | Vasumatī zusammen mit Padmanidhi | Padmanidhi zusammen mit Vasumatī |
Jede Formel enthält tarpayāmi, „ich stelle durch Darbringung zufrieden“. Am Anfang und am Ende dieser Paartabelle ist svāhā ausgeschrieben, dazwischen als Wiederholung abgekürzt.
Erneut beginnende Lautfolge: Die Druckseite beginnt anschließend dieselbe Reihe nochmals von oṃ über die Bījas und Mantralaute bis saṃ, wiederum mit 4 mū. 4 vor jedem Glied. Die Lautform des sechsten Bījas ist in dieser Wiederholung örtlich unsicher. Die Wiederholung bleibt als eigener Textbestand erhalten und setzt sich auf Seite 697 fort.
Attributformeln, Paarformeln und drei Tarpaṇa-Umfänge
Druckseite 697. Die unnummerierten Formeln von Seite 696 werden fortgesetzt; die neue Schlussreihe trägt die Bezeichnung 32.TKV.
Fortsetzung der Lautreihe: Nach dem vorangehenden saṃ folgen rvaṃ, jaṃ, naṃ, meṃ, vaṃ, śaṃ, māṃ, naṃ, yaṃ, svāṃ, hāṃ, jeweils mit vier Grundmantra- und vier Lautformel-Wiederholungen; der Abschluss lautet svāhā. Der Druck setzt danach „so achtzig“. Diese Summenangabe passt nicht zu einer vollständigen achtfachen Zählung aller hier einzeln ausgeschriebenen Laute; sie wird als Textangabe bewahrt.
Elf Attributformeln: Nach je vier Grundmantra-Wiederholungen wird jede folgende Formel viermal gesprochen. Ihr Aufbau lautet: Bīja, „Verehrung [dem Attribut] als Wesen [der zugeordneten Bedeutung]“, dann „ich vollziehe Tarpaṇa für [das Attribut]“. Die Tabelle gibt alle elf Zuordnungen wieder:
| Bīja-Anfang | Attribut | Zugeordnetes Wesen |
|---|---|---|
| gaṃ oṃ | Zitronatzitrone | Frucht des Mantras |
| glauṃ oṃ | Keule | Kraft |
| klīṃ oṃ | Zuckerrohrbogen | Lebensatem |
| hrīṃ oṃ | Dreizack | drei Guṇas |
| śrīṃ oṃ | Rad | Zeit |
| śrīṃ oṃ | Lotus | Rad/Kreis |
| hrīṃ oṃ | Schlinge | Durchdringung |
| klīṃ oṃ | Wasserlotus | Rot beziehungsweise Blut (rakta) |
| glauṃ oṃ | Reisähre | Welt |
| gaṃ oṃ | Stoßzahn | Wissen |
| oṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ glauṃ gaṃ oṃ | Edelsteinkrug | drei Welten |
Der Druck summiert diesen Abschnitt zu achtundachtzig Darbringungen.
Zehn Gaṇapati-Formen: Wieder folgt jeweils 4 mū. 4. Nach den sechs Bījas stehen nacheinander Vighnagaṇapati, Vināyakagaṇapati, Vīragaṇapati, Śūragaṇapati, Varadagaṇapati, Ibhavaktragaṇapati, Ekadantagaṇapati, Lambodaragaṇapati, Kṣipraprasādagaṇapati und die ausdrücklich doppelte Form Mahāgaṇapatigaṇapati. Die Fortsetzung ab vara varada wird nach dem ersten Muster als „und so weiter“ abgekürzt. Dafür werden achtzig Darbringungen angegeben.
Paarformeln in neuer Bīja-Anordnung: Bei den vier Paaren stehen zunächst Nārāyaṇa mit Lakṣmī, Hara mit Gaurī, Kāma mit Rati und Varāha mit Mahī; vor den Formeln stehen jeweils śrīṃ gaṃ, hrīṃ gaṃ, klīṃ gaṃ und glauṃ gaṃ. In der jeweils folgenden Formel wird die Göttin zusammen mit ihrem Gemahl genannt und die Reihenfolge der beiden Bījas umgekehrt. Diese acht Formeln mit den vierfachen Grundmantra-Einschüben ergeben vierundsechzig Darbringungen.
Sechs Gaṇeśa-Paare: Āmoda–Siddhi, Pramoda–Samṛddhi und Sumukha–Kānti beginnen jeweils in männlich-weiblicher Reihenfolge mit śrīṃ gaṃ, in umgekehrter mit gaṃ śrīṃ. Durmukha–Madanāvatī, Vighna–Madadravā und Vighnakartṛ–Drāviṇī erhalten entsprechend klīṃ gaṃ beziehungsweise gaṃ klīṃ. Alle zwölf Formeln enthalten jeweils „zusammen mit“ und tarpayāmi. Hier steht die Zahl sechsundneunzig, welche die problematische Summenstelle auf Seite 695 erläutert, ohne deren Druckwortlaut zu ersetzen.
Schatzpaare: Śaṅkhanidhi mit Vasudhārā beginnt mit hrīṃ gaṃ, Vasudhārā mit Śaṅkhanidhi mit gaṃ hrīṃ. Padmanidhi mit Vasumatī beginnt mit glauṃ gaṃ, Vasumatī mit Padmanidhi mit gaṃ glauṃ. Mit den Grundmantra-Einschüben werden zweiunddreißig Darbringungen angegeben. Abschließend steht nochmals eine vierfache Grundmantra-Angabe. Als Gesamtzahl nennt der Druck 444.
32.TKV.1: Eine andere Ordnung aus der Gaṇeśvaraparāmarśinī beginnt mit vier Darbringungen des Grundmantras. Danach werden die göttlichen Paare, sechs Vighnas sowie Śaṅkha- und Padmanidhi verehrt.
32.TKV.2: Ihre Mantras beginnen mit den eigenen Bījas und enden mit svāhā; jeder wird viermal gesprochen. Ebenso folgt getrennt jeweils viermal der Grundmantra.
32.TKV.3: Zusammen ergeben sich hundertundacht Darbringungen; dies ist der kleinste Umfang. Als weitere Möglichkeit werden die entsprechenden Formeln mit dem Grundmantra am Anfang genannt –
32.TKV.4: – in der bei der Verehrung erklärten Weise. Diese mittlere Ordnung umfasst zweihundertsechzehn Darbringungen.
32.TKV.5: Für eine andere Ordnung folgen auf vier Grundmantra-Darbringungen jeweils vier Mantras zu den einzelnen Lauten mit svāhā am Ende.
32.TKV.6: Jedem geht die vierfache Darbringung des Grundmantras voraus; danach folgen die Paare und die übrigen Gruppen wie zuvor.
32.TKV.7: So ergeben sich vierhundertvierundvierzig Darbringungen. Dies nennen die kundigen Kenner der Āgamas die größte Ordnung. Die Fußnote bietet örtlich die Variante „mit allen“.
Abschluss des Tarpaṇa und stoffbezogene Wirkungsangaben
Druckseite 698. Fortsetzung 32.TKV, danach neue Reihe 32.TFL aus dem Sārasaṃgraha.
32.TKV.8: Nach dieser Zufriedenstellung folgen wie zuvor die Verehrungsgaben. Der Übende erbittet das Erstrebte, verneigt sich und verabschiedet die Gottheit.
32.TKV.9: Wer dieses Tarpaṇa täglich vollzieht, soll nach einem Maṇḍala-Zeitraum die Frucht erlangen. Genannt werden Dürre, große Furcht und Bedrängnis durch Könige, Diebe und andere –
32.TKV.10: – ferner schwere Streitigkeiten, große Armut sowie besonders Heirat und weitere Vorhaben.
32.TKV.11: Mit heiterem Geist wird so Tarpaṇa vollzogen. Der erfreute Mahāgaṇeśvara soll große Wohlfahrt gewähren.
Ausgeschriebene Kurzordnung: Nach jeweils vier Grundmantra-Wiederholungen folgen vier Darbringungen für Mahāgaṇapati, dann eine mit „wieder“ abgekürzte Wiederholung. Die Paarformeln nennen nacheinander Lakṣmī–Nārāyaṇa mit śrīṃ, Gaurī–Hara mit hrīṃ, Rati–Kandarpa mit klīṃ, Mahī–Varāha mit glauṃ, Lakṣmī–Gaṇanāyaka sowie Āmoda–Siddhi, Pramoda–Samṛddhi, Sumukha–Kānti, Durmukha–Madanāvatī, Vighna–Madadravā und Vighnakartṛ–Drāviṇī mit gaṃ, Śaṅkhanidhi–Vasudhārā mit śaṃ und Padmanidhi–Vasumatī mit paṃ. Jede Formel bedeutet „Ich stelle dieses Paar durch Tarpaṇa zufrieden“. Abschließend folgt eine weitere vierfache Grundmantra-Angabe. Der Druck summiert hier zu 124 und nennt dies die kleinste Ordnung; zuvor war dafür 108 angegeben. Diese abweichenden Fassungen werden nicht vereinheitlicht.
Mittlere Ordnung: Als Muster werden Lakṣmī zusammen mit Nārāyaṇa und Nārāyaṇa zusammen mit Lakṣmī einzeln mit śrīṃ genannt. Entsprechend werden fünf göttliche Paare, sechs Gaṇeśa-Paare und zwei Schatzpaare, zusammen dreizehn Paare, in beiden Richtungen verehrt. Mit den Grundmantra-Einschüben ergeben sich 208 Darbringungen; vier am Anfang und vier am Ende führen zur Summe 216.
Größte Ordnung: Nach dem anfänglichen Grundmantra folgt die vollständige Lautreihe oṃ, śrīṃ, hrīṃ, klīṃ, glauṃ, gaṃ, gaṃ, ṇaṃ, paṃ, taṃ, yaṃ, vaṃ, raṃ, vaṃ, raṃ, daṃ, saṃ, rvaṃ, jaṃ, naṃ, meṃ, vaṃ, śaṃ, māṃ, naṃ, yaṃ, svāṃ, hāṃ, jedes Glied mit 4 mū. 4 und Tarpaṇa-Abschluss. Dies ergibt hier ausdrücklich 228. Dazu kommt die mittlere Ordnung mit 216, insgesamt 444. Damit endet die Anleitung des auf Wünsche gerichteten Tarpaṇa.
Überleitung: Anschließend erläutert das Sārasaṃgraha besondere Wirkungen der Darbringung bestimmter Stoffe an bestimmten Körperstellen der Gottheit.
32.TFL.1: Wasser an der Rüsselspitze wird der Befreiung zugeordnet; Milch auf dem Haupt dem Wunsch nach Lakṣmī, also Wohlstand.
32.TFL.2: Honig im Genitalbereich soll Wunscherfüllung, Honig an den Augen Anziehung und Einfluss bewirken.
32.TFL.3: Ghee am Rücken wird der Beeinflussung von Königen zugeordnet. Öl an den Oberschenkeln wird als Mahāgaṇeśa lieb bezeichnet.
32.TFL.4: Rizinusöl am Nabel soll alleinstehende beziehungsweise verwitwete Frauen gefügig machen. Wasser und Milch an den Schultern sollen Zuneigung mehren. Die doppelte payas-Form wird als die beiden üblichen Bedeutungen Wasser und Milch wiedergegeben; ihre knappe Verbindung bleibt erkennbar.
32.TFL.5: Milch, Dickmilch und Honig am Rüssel sollen Dharma mehren. Wer diese Zusammenhänge kennt, möge die jeweiligen Anwendungen nach der Vorschrift vollziehen. Die genannten Wirkungen sind Aussagen der Quelle. Eine Fußnote bietet örtlich die kurze Variante „Sohn“.
Abschluss des Tarpaṇa; Trailokyamohana- und Śaktigaṇeśa-Mantra
Druckseite 699. Abschluss von 32.TFL; neue Reihen 32.TLM und 32.SGN nach dem Sārasaṃgraha.
32.TFL.6: Wer den vorzüglichen Gaṇapati-Mantra vorschriftsmäßig mit Verehrung, Tarpaṇa, Feueropfer und Rezitation pflegt, soll in dieser Welt verschiedenste Güter erlangen. Könige würden ihm gefügig, die Welten ließen sich betören. Nach dem Genuss des Erstrebten soll er schließlich die reine, schwer erreichbare Befreiung erlangen.
32.TLM.1: Für einen anderen Mantra werden vakra und anschließend tuṇḍaikadaṃṣṭrāya gesprochen. Danach folgen die Bījas von Kāma, Śakti, Indirā und Vighna.
32.TLM.2: Es folgt die Anrede an Gaṇapati, danach vara varada, sarvajanaṃ me vaśamānaya und der durch zwei ṭha bezeichnete Abschluss.
Unnummerierte Erklärung: Dieser glückverheißende Gaṇeśa-Mantra heißt Trailokyamohana, „die drei Welten betörend“, und soll das Erwünschte gewähren. Vakra, tuṇḍaikadaṃṣṭrāya, me und vaśamānaya stehen wörtlich; zwei ṭha bedeuten svāhā. Als Umfang werden dreiunddreißig Silben angegeben. Die vollständige Verbindung der erklärten Teile lautet: vakratuṇḍaikadaṃṣṭrāya klīṃ hrīṃ śrīṃ gaṃ gaṇapataye vara varada sarvajanaṃ me vaśamānaya svāhā. Sinngemäß richtet sie sich an den mit gebogenem Rüssel und einem Stoßzahn versehenen Gaṇapati, den Gabengeber, und erbittet Einfluss auf alle Menschen.
32.TLM.3: Der Seher heißt Gaṇaka, das Versmaß Gāyatrī; die Gottheit ist Vighneśa als Trailokyamohana.
32.TLM.4: Elf Silben werden dem Herzen, fünf dem Haupt, fünf dem Haarschopf und vier dem Schutzpanzer zugeordnet.
32.TLM.5: Sechs Silben gehören zu den Augen, zwei zur Waffe. Meditation, Verehrung und alles Weitere folgen Mahāvighneśa. Der Kommentar ergänzt, dass die Zahlen jeweils die Mantralaute bezeichnen.
32.TLM.6: Wer diesen Trailokyamohana-Gaṇeśa mit Verehrung, Rezitation, Feueropfer, Lob und Tarpaṇa vorschriftsmäßig ehrt, soll als vorzüglicher Sādhaka in der ganzen Welt selbst unter den Göttern besonders verehrungswürdig werden.
Ausführung: Nach dem Yoga-Sitz-Nyāsa folgen drei Atemordnungen mit dem Grundmantra. Am Haupt wird Gaṇaka als Seher, am Mund Gāyatrī als Versmaß und am Herzen Trailokyamohana-Gaṇapati als Gottheit aufgelegt. Mit gefalteten Händen wird die Verwendung zur Erfüllung des Erstrebten erklärt. Die sechs Abschnitte lauten: vakratuṇḍaikadaṃṣṭrāya klīṃ hrīṃ śrīṃ für das Herz; gaṃ gaṇapataye für das Haupt; vara varada für den Haarschopf; sarvajanaṃ für den Schutzpanzer; me vaśamānaya für die Augen; svāhā für die Waffe. Sie werden von den Daumen bis zu den Handflächen und auf die sechs Körperglieder gelegt. Meditation und Verehrung folgen der Mahāgaṇapati-Ordnung.
32.SGN.1: Ein weiterer, zwölfsilbiger Mantra besteht aus Smṛti mit dem Mondstück, umschlossen von Śakti, danach mahāgaṇapataye und svāhā.
Lauterklärung: Smṛti steht für ga, das Mondstück für Bindu; „von Śakti umschlossen“ bedeutet, dass das Bhuvaneśī-Bīja davor und danach steht. Die erklärte Lautfolge ist somit hrīṃ gaṃ hrīṃ mahāgaṇapataye svāhā.
32.SGN.2: Seher ist Gaṇaka, Versmaß Nicṛd-Gāyatrī. Die Gottheit ist Śaktigaṇeśa, der alle Wünsche gewähren soll.
32.SGN.3: Für den Gliedernyāsa werden die Mantrateile in der Verteilung eins, eins, eins, sieben und zwei Silben sowie abschließend der ganze Mantra genannt.
32.SGN.4: Zuflucht wird beim elefantengesichtigen Gott gesucht, der wie Perle und Mond leuchtet, die Mondsichel trägt und ein Auge auf der Stirn besitzt. Seine Lotushände tragen Lotus, Haken und eine große Edelsteinschale. Er trägt eine Juwelenkrone. Seine Gefährtin sitzt auf seinem Schoß; in dieser tantrischen Darstellung berührt sie seinen Genitalbereich, während seine Hand an ihrem Genitalbereich liegt. Ihre schön leuchtende Schlinge gehört ebenfalls zur Beschreibung. Die Darstellung wird sachlich als Meditationsbild der Quelle wiedergegeben.
Varianten: Der Druck vermerkt örtlich „er möge zufriedenstellen“ und beim Lichtbild eine Variante mit „Mondfülle“.
Zwei Śaktigaṇeśa-Fassungen und Beginn des Haridrā-Mantras
Druckseite 700. Fortsetzung 32.SGN; neue Reihe 32.SGE. Die erneut gedruckte Nummer 4 und ihre Folge werden gesondert als 32.SGX bezeichnet. Haridrā-Gaṇapati beginnt mit 32.HRD.
Attributkommentar: Die Meditation der Attribute von Lotus an beginnt bei der unteren rechten Hand und reicht bis zur unteren linken.
32.SGN.5: Nach dieser vorschriftsmäßigen Vergegenwärtigung verehrt der Sādhaka die Gottheit auf dem zuvor beschriebenen Sitz nach der Ordnung des Viri-Vighneśa, um alle Vollendungen zu erlangen.
Ausführung: Nach drei Atemordnungen mit dem Grundmantra wird Gaṇaka am Haupt als Seher, Nicṛd-Gāyatrī am Mund als Versmaß und Śrīśaktigaṇeśa am Herzen als Gottheit aufgelegt. Mit gefalteten Händen wird die Verwendung zur Erfüllung alles Erstrebten erklärt. Der erste, zweite und dritte Laut gehören zu Herz, Haupt und Haarschopf, die nächsten sieben zum Schutzpanzer, zwei zu den Augen und der vollständige Mantra zur Waffe. Damit werden Hand- und Gliedernyāsa vollzogen; Meditation und Weiteres folgen Viri-Vighneśa.
32.SGN.6: Hunderttausend Rezitationen werden genannt, danach zehntausend Darbringungen von mit Ghee verbundenen Kuchen in das vorschriftsmäßig verehrte Feuer.
32.SGN.7: Auf Tarpaṇa und Besprengung folgt die Bewirtung von Brahmanen. Nach dieser Vollendung des Mantras werden die Anwendungen ausgeführt.
32.SGN.8: Zuckerrohrstücke im Feueropfer sollen königlichen Wohlstand, Bananen und Kokosnüsse Einfluss auf Menschen verleihen.
32.SGN.9: Flachgedrücktes Getreide mit Zucker soll den König, geröstetes Mehl die Brahmanen gefügig machen.
Unnummerierter Halbvers: Ghee-Darbringungen werden für Geld, Getreide und weitere Güter genannt.
32.SGE.1: Ein anderer, elfsilbiger Mantra besteht aus Praṇava, dem von Māyā umschlossenen Bīja, vaśamānaya und svāhā.
Lauterklärung: Das Gaṇeśa-Bīja steht zwischen zwei Bhuvaneśī-Bījas; zwei ṭha bezeichnen svāhā. Daraus ergibt sich oṃ hrīṃ gaṃ hrīṃ vaśamānaya svāhā – mit der historischen Bitte, gefügig zu machen.
32.SGE.2: Seher und weitere Angaben gelten wie zuvor. Die Mantralaute dienen zum Gliedernyāsa: Praṇava dem Herzen, das von Māyā umschlossene eigene Bīja dem Haupt.
32.SGE.3: Vaśam gehört zum Haarschopf, ānaya zum Schutzpanzer und svāhā zu den Augen. Die fortlaufende Satzstellung verbindet das eigene, von Māyā umschlossene Bīja noch mit dem vorhergehenden Hauptglied.
Unnummerierter Halbvers: Der vollständige Mantra gehört zur Waffe, so die Kenner aller Āgamas.
32.SGE.4: Gaṇeśa wird rot wie die Bandhūka-Blüte, dreiäugig, mit mondgeschmückter Krone und dem Genuss zugewandt meditiert. Er hat ein Elefantengesicht und trägt Schlinge, Haken, Segensgeste und Zuckerrohrstab. Das tantrische Bild zeigt seinen Rüssel am Genitalbereich seiner Gefährtin; die dunkelhäutige, lotustragende Gefährtin umfasst ihn und berührt seinen Genitalbereich. So wird der von den Göttern Verehrte vergegenwärtigt.
Kommentar: Die Attributfolge beginnt oben links und endet unten links. Sitz und Verehrung gelten wie zuvor; Seher und weitere Angaben sind diejenigen der zwölfsilbigen Fassung.
32.SGX.4: Mit erneut gedruckter Nummer 4 beginnt die Anweisung zu dreihunderttausend Rezitationen. Ein Zehntel folgt als Feueropfer mit Ghee-getränkten Kuchen; danach Tarpaṇa und die übrigen Glieder.
32.SGX.5: Der eigene Lehrer wird verehrt und mit Geld und Getreide erfreut. Danach werden die im jeweiligen Ritualabschnitt angegebenen Wunschhandlungen ausgeführt.
32.SGX.6: Kuchen mit den drei süßen Stoffen sollen den König beeinflussen; Kokosnüsse sollen königlichen Wohlstand vermehren.
Unnummerierter Halbvers: Geröstetes Korn mit den drei süßen Stoffen soll die Geliebte gefügig machen. Diese Einflussverheißungen sind Aussagen der Quelle.
32.HRD.1: Nun erkläre ich den großen Mantra des Haridrā-Gaṇapati, der den drei Welten heilsam sein, Genuss und Befreiung gewähren und dichterische Begabung schaffen soll.
Fußnote: Haridrāgaṇeśa, Subrahmaṇyagaṇeśa, Heramba, Kṣipraprasādana, Śaktigaṇeśa und Lakṣmīgaṇeśa werden dem Dakṣiṇāmnāya zugeordnet.
Haridrā-Gaṇapati: Lob, Mantra und Empfang der Unterweisung
Druckseite 701. Die Lobreihe 32.HRD wird abgeschlossen; die erneut gezählte Mantra- und Ritualreihe heißt 32.HRI.
32.HRD.2: Dieser auf Erden seltene, besonders gewichtige Mantra soll vielerlei Mantras rasch zur Vollendung bringen und bei der Durchführung aller Vorhaben wirksam sein.
32.HRD.3: Er soll sorgfältig verborgen werden und gilt als Wunschbaum, der Glück, Gedeihen, Wohlstand und langes Leben gewährt.
32.HRD.4: Ihm werden Einfluss auf Männer, Frauen und Könige, die Beseitigung von Hindernissen und die Abwehr schädlicher Zauberhandlungen zugeschrieben.
32.HRD.5: Genannt werden Scharen von Daityas und Göttern, Nāgas, Gandharvas und Rākṣasas, ferner Elefanten, Pferde, wilde Tiere und Vögel –
32.HRD.6: – deren inneres Wesen er betören und deren Lebenskraft er augenblicklich anziehen soll. Auch königliche Heere, Wind, Regen und Blitz soll er hemmen.
32.HRD.7: Feuer, Wasser und Waffen sollen angehalten werden, ebenso die Rede von Streitenden, Lebewesen und Feinden.
32.HRD.8: Er soll die Bewegung von Löwen, Elefanten, Wildtieren und Schlangen sowie den Zorn eines Königs, Ministers oder Feindes hemmen.
32.HRD.9: Der Text nennt ferner die Bindung der Herzen junger und unverheirateter Frauen sowie das Entzweien selbst untereinander befreundeter Feinde.
32.HRD.10: Auch Wahnsinn, Vertreibung, Tötung und Zerstörung gegenüber Feinden werden als mögliche Wirkungen angeführt. Zahlreiche Anwendungen und verschiedene Yantras werden angekündigt. Dies sind historische Machtverheißungen des Textes.
32.HRI.1: Der zweiunddreißigsilbige Mantra beginnt mit Tāra, Zorn, dem Laut nach kha samt Mondstück und dem Erd-Bīja. Es folgen die verschlüsselt beschriebenen Laute für haridrā, dann gaṇapataye vara varada sarvajana hṛdayaṃ stambhaya stambhaya und die Gattin des Feuers.
Lauterklärung: Tāra ist Praṇava, Zorn huṃ, der Laut nach kha ist ga, das Mondstück ist Bindu. Erde steht für glauṃ. Hari ist wörtlich, die drei folgenden Umschreibungen ergeben drā. Gaṇapataye, vara varada, sarvajana und hṛdayam werden wörtlich genommen; die doppelte Hemmungsformel lautet stambhaya stambhaya, die Feuergattin ist svāhā. Damit lautet die erklärte Folge: oṃ huṃ gaṃ glauṃ haridrāgaṇapataye vara varada sarvajanahṛdayaṃ stambhaya stambhaya svāhā. Der bedeutungstragende Teil richtet sich an Haridrā-Gaṇapati als Gabengeber und fordert: „Binde beziehungsweise hemme die Herzen aller Menschen.“
32.HRI.2: Von Scharen anderer Mantras verehrt und hervorgehoben, soll er alle Wünsche gewähren. Seher ist Madana, Versmaß Anuṣṭubh.
32.HRI.3: Die Seher nennen Haridrāgaṇapa als Gottheit. Die sechs Glieder werden mit seinem eigenen Bīja, verbunden mit den sechs langen Vokalen, aufgelegt.
Kommentar und Zitat: Vināyakasaṃhitā und Saṃmohanapañcarātra nennen das eigene Bīja mit den sechs langen Vokalen und dem Erd-Bīja. Hier gilt die empfangene Unterweisung. „Eigenes Bīja“ wird als Mahāgaṇapatis Bīja erklärt.
32.HRI.4: Nun wird das Verfahren erklärt, nach dem der Mantra empfangen wird. Am vierten Mondtag der hellen Monatshälfte –
32.HRI.5: – wird reine, von einem unverheirateten Mädchen beziehungsweise einer jungen Frau zerriebene Haridrā, Gelbwurz, herbeigebracht. Sie wird auf den Körper gestrichen; danach folgt das Bad in reinem Wasser.
32.HRI.6: Mit großer Hingabe und heiterem innerem Sinn verneigt sich der Schüler vor den Lotusfüßen des Lehrers und verehrt ihn vorschriftsmäßig –
32.HRI.7: – mit goldenen Ringen, Halsketten, weiteren Schmuckstücken und schönen Gewändern. Dann lernt er von ihm den Mantra nach dem zuvor beschriebenen Verfahren.
Unnummerierter Halbvers: Er verehrt den Lehrer mit duftenden Blumen und sieht in ihm die Gottheit.
32.HRI.8: Die Meditation zeigt Vighneśa am zuvor beschriebenen Ort auf einem Edelsteinthron. Er ist gelb; gelber Schmuck, Gewänder und leuchtende Girlanden schmücken ihn. Er hat ein Elefantengesicht und drei Augen. Seine Hände tragen Schlinge, Axt und Haken und zeigen Segen, die Krodha genannte Geste und Furchtlosigkeit.
Textkritischer Hinweis: Eine Fußnote bietet örtlich die kurze Variante iyaṃ, „diese“.
Haridrā-Gaṇapatis Verehrung und Stambhana-Yantra
Druckseite 702; Reihe 32.HRI.
Attributkommentar: Die ersten drei Attribute werden den drei linken Händen von oben an, die übrigen den drei rechten Händen von oben an zugeordnet. Die Krodha-Geste wird als geballte Faust erklärt.
32.HRI.9: Nach dieser ungeteilten Betrachtung des elefantengesichtigen Herrn wird er nach der für den einsilbigen Mantra beschriebenen Ordnung verehrt.
Ausführung: Auf die morgendlichen Vorbereitungen bis zum Yoga-Sitz-Nyāsa folgen drei Atemordnungen. Am Haupt wird Madana als Seher, am Mund Anuṣṭubh als Versmaß und am Herzen Haridrāgaṇapati als Gottheit aufgelegt. Mit gefalteten Händen wird die Verwendung zur Erfüllung des Erstrebten erklärt. Der Hand- und Gliedernyāsa beginnt mit gāṃ, gīṃ, gūṃ und den entsprechenden weiteren Formen. Meditation, innere Verehrung und Abschluss folgen der einsilbigen Ordnung.
32.HRI.10: Nach etwas mehr als tausend Rezitationen folgt ein Feueropfer von einem Zehntel mit Kuchen, die Ghee und Rohrzucker enthalten.
32.HRI.11: In entsprechender Zahl wird Haridrāgaṇapati hingebungsvoll mit Tarpaṇa verehrt; ebenso werden unverheiratete Mädchen beziehungsweise junge Frauen und Brahmacārins bewirtet.
Unnummerierter Halbvers und Zahlenkommentar: Danach werden die gewünschten Handlungen ausgeführt. „Etwas mehr als tausend“ bedeutet nach dem Kommentar tausendundacht. „Ebenso viele“ bezeichnet die Zahl der Feuerdarbringungen; auch die Zahl der zu Bewirtenden wird daran gebunden. Brahmacārins werden als dauerhaft zölibatär Lebende bestimmt; nach einer Traditionsangabe sollen sie dem eigenen Āśrama angehören. Eine Rundungsregel für die Zehntelzahl wird nicht hinzugefügt.
32.HRI.12: In der Kreisgestalt eines achtblättrigen Lotus, umgeben von Personenname und Wirkungsangabe, werden Praṇava, Erd- und Vināyaka-Bīja und der Schutzlaut ineinandergeschrieben. Auf die Blätter der Hauptrichtungen kommt der Zornlaut im Erd-Bīja, auf die Zwischenrichtungen das Erd-Bīja allein. Außen folgt eine achteckige Umfassung mit dem Wasserlaut.
32.HRI.13: An den acht Spitzen werden Elefantenköpfe gezeichnet; auf die Köpfe kommt das bezeichnete vorzügliche Bīja.
32.HRI.14: Ein Quadrat umgibt alles. In den Hauptrichtungen steht der Schutzlaut, an den Zwischenrichtungen das Erd-Bīja. So wird das vorzügliche Yantra beschrieben.
Ausführliche Erklärung: Auf dem vorgeschriebenen Material wird mit den genannten Stoffen ein achtblättriger Lotus gezeichnet. In seiner Mitte liegt ein Kreis; darin steht Praṇava, umgeben vom Namen der betreffenden Person. In Praṇava steht das Erd-Bīja, darin das Gaṇeśa-Bīja und darin huṃ. Auf den östlichen, südlichen, westlichen und nördlichen Blättern steht huṃ innerhalb des Erd-Bījas, auf den vier Eckblättern nur das Erd-Bīja. Zwei ineinandergelegte Quadrate bilden außen acht Ecken; dort steht vaṃ im Erd-Bīja. An den acht Spitzen befinden sich Elefantenköpfe mit gaṃ. Ein weiteres Quadrat trägt das Erd-Bīja an den Ecken und huṃ in den Hauptrichtungen.
32.HRI.15: An einem Sonntag, Mittwoch oder Freitag wird zur Mitternacht ein abgelegener Ort gewählt, der mit Kuhdungwasser bestrichen ist.
32.HRI.16: Lampen erhellen ihn; ein geeigneter Mahlstein und ein Reibstein werden herbeigebracht. Haridrā wird mit Wasser gewaschen –
32.HRI.17: – und auf dem Stein von einem unverheirateten Mädchen beziehungsweise einer jungen Frau zerrieben. Hinzu kommt Erde aus acht Brahmanenhäusern im Umfang eines Viertels der Haridrā-Menge. Die Fußnote erklärt die Zahl als acht Orte.
32.HRI.18: Die Erde wird zerkleinert, mit der Haridrā vermischt und durch fünfundzwanzig Wiederholungen dieses Mantras rituell gereinigt.
32.HRI.19: Die Mischung wird auf ein neues, feines Tuch gestrichen. Darauf wird das Stambhana, „Hemmung“, genannte Yantra geschrieben.
32.HRI.20: Seine Lebenskraft wird eingesetzt; es wird verehrt und zusammengerollt. Danach wird eine Gaṇeśa-Figur mit wohlgestalteten Haupt- und Nebengliedern gefertigt –
32.HRI.21: – und das Yantra im Herzen der Figur eingesetzt. Die Zeitangabe nennt drei Teile der Nacht und wird nicht in eine moderne Uhrzeit umgerechnet. Anschließend wird die Lebenskraft auch in der Figur eingesetzt.
Speisedarbringung, Hemmungs- und Anziehungs-Yantra
Druckseite 703; Reihe 32.HRI. Der Druck springt nach Vers 27 auf 37. Es werden keine Verse 28–36 erfunden oder stillschweigend nachnummeriert.
32.HRI.22: Gaṇanāyaka wird mit Duft, Blumen und Speisegaben verehrt. Die gereinigte Gestalt wird in eine Schale gesetzt; tausendundacht Mantrarezitationen folgen.
32.HRI.23: Hingebungsvoll wird mit gelben Blumen verehrt. Siddhaudana wird als Speisegabe dargebracht, danach Bali.
32.HRI.24: Die Speise besteht aus einem Prastha gutem Śāli-Reis und der halben Menge gespaltenem Mung.
32.HRI.25: Hinzu kommen vier Pala Rohrzucker und dieselbe Menge Kokosnuss, eine Handvoll Pfeffer und die halbe Menge Steinsalz.
32.HRI.26: Die Hälfte der Salzmenge ist Kreuzkümmel; Ghee wird als ein halbes Kuḍava angegeben. Das Ganze wird mit vier Prastha Kuhmilch auf schwachem Feuer –
32.HRI.27: – gekocht. Dies ist das Gaṇeśa besonders liebe Siddhaudana. Anschließend werden Pāyasa, Laḍḍukas, Kuchen und weitere Gaben genannt.
32.HRI.37: Mit kampferduftender Arekanuss und Betel sowie Sandelholz und den weiteren Gaben wird Haridrāgaṇapati erfreut. Hier steht im Druck unmittelbar die Nummer 37.
32.HRI.38: Nach Bali wird die Gestalt mit einer zweiten Schale bedeckt. Der Übende verneigt sich ausgestreckt auf der Erde und spricht achtsam Lobpreisungen.
32.HRI.39: Wer dies täglich vollzieht, soll nach fünf oder sieben Tagen durch Vighneśvaras Kraft die drei Welten mit ihren beweglichen und unbeweglichen Wesen –
32.HRI.40: – hemmen können; der Text bekräftigt die Behauptung. Wird die Gestalt bei Dunkelheit auf ein Schlachtfeld gebracht –
32.HRI.41: – soll sie das von Kriegern erfüllte feindliche Heer anhalten. Wird sie in Land, Dorf, Stadt, Haus oder Versammlung aufgestellt –
32.HRI.42: – sollen die dortigen Menschen gehemmt werden. An der Spitze einer śāli genannten Pflanzenverzweigung soll sie starken Regen hemmen; die Pflanzenbezeichnung wird nicht zu einer sicheren Baumart umgedeutet.
32.HRI.43: In einer Stadt soll sie deren Bewohner, im Wasser das Wasser, an Aufenthaltsorten oder Wegen Diebe, Schlangen und auch Winde hemmen.
32.HRI.44: In Elefanten- und Pferdeställen soll sie alle Bedrängnisse, im Getreidespeicher Mäuse, im Ameisenhügel Schlangen und im Wald wilde Tiere fernhalten beziehungsweise hemmen.
32.HRI.45: Auf Feldern betrifft die Zuschreibung Heuschrecken, auf einem Stein Waffen. Ferner werden Gedächtnis, Rede, Gesang und Wissen des Feindes sowie Feuer genannt; die syntaktische Verbindung des letzten Wortes bleibt knapp.
32.HRI.46: Am Schlafplatz soll die Gestalt den Samenfluss hemmen. An den jeweiligen Aufstellungsorten wird Bali dargebracht.
32.HRI.47: Sie könne die ganze Welt hemmen, erst recht die gewünschte Person, behauptet der Text. Das als wirksam bezeichnete Verfahren soll verborgen bleiben.
32.HRI.48: Nun wird ein Anziehungs-Yantra Vighneśas erklärt. Haridrā wird mit Hauserde nach der beschriebenen Weise gereinigt.
32.HRI.49: Das erwähnte Yantra wird gezeichnet; in die Mitte kommen Māyā und gaṃ. Die übrigen Mantralaute und Māyā umgeben es.
32.HRI.50: Auf die acht Blätter kommen Schlingen- und Haken-Bījas; an die Spitzen der Hauptrichtungsblätter der Wasserlaut, auf die Eckblätter der Laut nach ṭa.
32.HRI.51: In die Haupt- und Zwischenecken der beiden Erdfiguren werden die später genannten Pfeil-Bījas geschrieben.
32.HRI.52: Auf ihre acht Dreizackspitzen kommt der Schutzlaut. Zwei Wasserumfassungen mit Māyā an den Ecken umgeben das Ganze.
32.HRI.53: Das nach der früheren Weise geschriebene Anziehungs-Yantra erhält Prāṇapratiṣṭhā und wird in den Bauch der Haridrā-Gaṇeśa-Figur eingesetzt.
32.HRI.54: Nach wiederholter Verehrung wird die Lebenskraft eingesetzt. Erde von den Händen eines Töpfers wird mit Erde aus einem Gaṇeśa-Heiligtum verbunden.
32.HRI.55: Daraus werden zwei schöne Schalen hergestellt. Gaṇeśa wird zwischen beziehungsweise in diese gesetzt und mit roten Blumen verehrt.
32.HRI.56: Siddhaudana und andere Speisegaben sowie Bali folgen wie zuvor. Im Mantra wird anstelle von „alle Menschen“ der Name der betreffenden Person eingesetzt.
32.HRI.57: Anstelle der zweimaligen Hemmungsformel steht zweimal ākarṣaya, „ziehe herbei“. Zur Richtung der betreffenden Person gewandt werden tausendundacht Rezitationen genannt.
32.HRI.58: Nach Bali und Verehrung mit Sandelholz und weiteren Gaben wird Vighneśa mit der zweiten Schale bedeckt. Die Einflussverheißungen dieses Abschnitts werden als historische Aussagen wiedergegeben.
Variantenvermerk: Der Druck bietet örtlich eine Lesung mit „goldenen, frischen Blumen“ sowie die kurze Variante tadādya; sie werden nicht stillschweigend zum Haupttext gemacht.
Anziehungs-Yantra: Anwendungen und Erläuterung
Druckseite 704. Abschluss von 32.HRI; neue Reihe 32.HVA zum Vaśya-Yantra. Die Wirkungsbehauptungen bleiben als historische Aussagen gekennzeichnet.
32.HRI.59: Bei täglichem Vollzug soll die gewünschte Person innerhalb von sieben Tagen zum Übenden kommen.
32.HRI.60: Der Text zählt König, Königssohn, Königin, eine schöne Frau, Minister, käufliche Frau und Himmelsfrau auf.
32.HRI.61: Sie sollen mit auf den Mantrakundigen gerichteter Aufmerksamkeit kommen. Danach beginnt eine andere Anwendung: Das Yantra wird mit Zuckerwasser auf ein Palmblatt geschrieben.
32.HRI.62: Nach Verehrung und Einsetzung der Lebenskraft wird es in Ziegenmilch gelegt und erhitzt, während der Mantra zur Richtung der betreffenden Person hin rezitiert wird.
32.HRI.63: Dies soll eine von Verlangen erfüllte Himmelsfrau herbeiziehen. Für ein weiteres Verfahren nennt der Text Meersalz und Rāmaṭha im Gaṇeśa-Heiligtum, verbunden mit Haridrā.
32.HRI.64: Die Stoffe werden mit Wachs verrieben und zur Gestalt der betreffenden Person geformt. Nach Einsetzung der Lebenskraft wird die Figur zwischen zwei Blätter des weißen Arka gelegt.
32.HRI.65: Während des Erhitzens werden achttausend Rezitationen genannt; als Wirkung wird das augenblickliche Kommen der begehrten Frau behauptet.
32.HRI.66: Ein weiteres Verfahren nennt das Yantra auf einem mit Honig bestrichenen Betelblatt. Unter Erinnerung an die betreffende Person wird es verehrt, mit Lebenskraft und Rezitation versehen und verzehrt.
32.HRI.67: Eine jugendstolze Frau soll darauf rasch kommen. Danach wird das Yantra auf Blatt, Blume, schönem Stoff oder Leinen erwähnt –
32.HRI.68: – das nach der rituellen Belebung übergeben wird und sofortige Anziehung bewirken soll. Eine weitere Anwendung führt an das Ufer eines Flusszusammenflusses, dem Strom zugewandt.
32.HRI.69: Tausendundacht Tarpaṇas mit dessen reinem Wasser sollen eine Person selbst aus hundert Yojanas Entfernung herbeiziehen. Die Wasserbeschreibung enthält eine örtlich undeutliche Wiederholung, ohne die Zahl zu verändern.
32.HRI.70: Der Text fasst die Behauptung so zusammen: An welches Lebewesen man bei der vorschriftsmäßigen Rezitation denke, dieses werde gewaltsam herangezogen.
Ausführlicher Kommentar zum Anziehungs-Yantra: Im früheren Yantra wird das Erd-Bīja der Mitte durch das Māyā-Bīja ersetzt; darin steht wie zuvor Gaṇapatis Bīja. Die verbleibenden Mantralaute, unter Auslassung der ausdrücklich genannten Anfangs-Bījas, ersetzen die bisherige Umfassung mit dem Personennamen. Māyā-Bījas stehen zwischen zwei inneren Kreisen.
Auf jedem der acht Blätter stehen die Schlingen- und Haken-Bījas āṃ kroṃ. An den Hauptblattspitzen steht va, an den Eckblättern ṭha. Die äußere achteckige Figur trägt im Osten drāṃ, im Süden drīṃ, im Westen klīṃ, im Norden blūṃ und an allen vier Zwischenecken saḥ. An den acht Spitzen stehen Dreizacke mit huṃ. Zwei gegeneinander gesetzte Halbmonde umgeben alles; an deren vier Spitzen stehen Māyā-Bījas. Diese Spitzen liegen in den vier Zwischenrichtungen.
Das Yantra wird wie zuvor zusammengerollt und in den Bauch der Haridrā-Gaṇeśa-Figur eingesetzt; danach wird die Lebenskraft der Figur eingesetzt. „Erde von den Händen des Drehers“ bezeichnet Töpfererde; „in einem anderen“ heißt in einer der beiden Schalen. Sāmudra ist Salz, Rāmaṭha Asafoetida, „sein Haus“ das Gaṇeśa-Heiligtum und siktha Bienenwachs. Sera bedeutet hier „mit Lebenskraft versehen“, also nach Prāṇapratiṣṭhā; japta bedeutet durch den Mantra besprochen.
32.HVA.1: Nun wird ein vorzügliches Yantra zum Gefügigmachen erklärt. Das zuvor beschriebene Yantra wird gezeichnet; Gaṇādhipa steht inmitten des Smara-Bījas.
32.HVA.2: Die übrigen Mantralaute und Kāma umgeben die Mitte. Der Rest entspricht dem Anziehungs-Yantra.
32.HVA.3: Auch Haridrā wird nach der beschriebenen Weise gereinigt. Mit Zuckerrohrsaft im Umfang eines Viertels der Haridrā-Menge –
32.HVA.4: – werden Meersalz, Rocanā und das caura genannte Duftmaterial verrieben und auf ein geeignetes Tuch gestrichen. Darauf wird das Vaśya-Yantra geschrieben.
Kommentar: In der Mitte ersetzt Kāmas Bīja das Māyā-Bīja; darin steht Gaṇapatis Bīja. Die übrigen Mantralaute und Kāma umgeben es; alles Weitere folgt dem Anziehungs-Yantra.
32.HVA.5: Das Yantra wird in den Bauch der wie zuvor gefertigten Vighneśa-Figur eingesetzt. Nach Einsetzung der Lebenskraft wird die Figur in eine Schale gesetzt und verehrt.
Varianten: Der Druck verzeichnet örtlich „käufliche schöne Frau“ und die kurze Lesung svara; sie werden nicht stillschweigend übernommen.
Weitere Vaśya-Verfahren und Aschenritual
Druckseite 705; Reihe 32.HVA. Die Rezepte und Wirkungen gehören zur historischen Ritualbeschreibung; botanisch unsichere Namen bleiben unbestimmt.
32.HVA.6: Wie zuvor werden rote Girlanden, Salbung und Speisegaben dargebracht. An der schon bezeichneten Stelle des Mantras wird der Name der betreffenden Person eingesetzt.
32.HVA.7: Die Formel vaśamānaya, „mache gefügig“, wird verdoppelt; zur Richtung der Person gewandt rezitiert der Übende gesammelt. Der Vers nennt „achttausend“, der Kommentar erklärt dies erneut ausdrücklich als tausendundacht.
32.HVA.8: Nach Bali für Vighneśa wird die Figur wie zuvor bedeckt. Bei täglichem Vollzug sollen innerhalb von sieben Tagen –
32.HVA.9: – Rākṣasas, Geister, Piśācas, Götter, Dānavas, Nāgas, Könige, Minister, königliche Frauen und gewünschte Menschen –
32.HVA.10: – lebenslang unter Einfluss geraten. Der verbleibende Haridrā-Anteil wird auf den eigenen Körper gestrichen.
32.HVA.11: Dies soll beständigen Wohlstand und Einfluss auf die Welt geben. Eine weitere Anwendung nennt Śāli-Reismehl in gleicher Menge wie Haridrā.
32.HVA.12: Mit einer entsprechenden Menge Rohrzucker, Honig und Steinsalz wird es vermischt, verknetet und als Klumpen in Ghee gegart.
32.HVA.13: Daraus wird eine Gaṇapati-Figur geformt, das Yantra in ihr Herz eingesetzt und nach der rituellen Belebung wie zuvor mit Duft und weiteren Gaben verehrt.
32.HVA.14: Nach drei Tagen Verehrung wird das Yantra herausgenommen und die Figur verzehrt. Dies soll die betreffende Person gefügig machen.
32.HVA.15: Für eine weitere Anwendung wird aus Reismehlteig die Gestalt der betreffenden Person geformt, mit hundertundacht Rezitationen verbunden, verehrt und belebt.
32.HVA.16: Nach Darbringung an Vighnarāja wird die Figur unter Erinnerung an die betreffende Person verzehrt. Diese solle danach gefügig sein und ihren gesamten Besitz geben.
32.HVA.17: Das Vaśya-Yantra wird ferner auf Speisen, Getränke und entsprechende Gegenstände geschrieben, rituell belebt und mit tausendundacht Rezitationen verbunden.
32.HVA.18: Deren Verzehr soll nach der Behauptung die betreffende Person beeinflussen. Dann beginnt eine Duftstoffmischung mit Sandelholz, Aguru, Kampfer, Haridrā, Safran und Rocanā.
32.HVA.19: Hinzu kommt eine moschusbezogene Stoffangabe, deren genaue Wortgestalt unsicher ist. Der Text nennt das Ganze „achtgliedrig“ und hindernisbeseitigend; die erkennbare Stoffliste wird nicht künstlich auf acht ergänzt. Damit wird das Vaśya-Yantra wie zuvor gezeichnet.
32.HVA.20: Die Figur wird wie zuvor bereitet und mit hundertundacht Rezitationen versehen. Die Mischung wird auf den eigenen Körper und als Stirnzeichen aufgetragen.
32.HVA.21: Schon Blick und Berührung sollen dadurch die drei Welten beeinflussen; eine Frau könne so einen Mann, ein Mann eine Frau gefügig machen.
32.HVA.22: Dasselbe Verfahren könne auch allein mit Sandelholz ausgeführt werden. Danach beginnt eine weitere Liste: Dvirepha, Sadāmadrā, Musalī und Indravāruṇī –
32.HVA.23: – ferner Bhūpada, Śrīphala, Viṣṇukrāntā, Hastī, Vandinī, Vārāhī, Śatavīryā, Māyūrī, Candra und Rocanā. Die traditionellen Namen werden ohne ergänzte moderne Pflanzenbestimmungen bewahrt; zu Hastī bietet die Fußnote die Variante Hastā.
32.HVA.24: Die Stoffe werden mit Zuckerrohrsaft und einem halben Haridrā-Anteil verrieben und für das Vaśya-Yantra sowie eine Figur verwendet.
32.HVA.25: Nach der Einsetzung der Lebenskraft nennt der Vers achttausend Rezitationen. Wer mit den übrigen Stoffen morgens ein Tilaka setzt –
32.HVA.26: – soll an Wohlstand selbst den Herrn des Reichtums übertreffen. Ein neues Verfahren beginnt mit dem Auffangen des Dungs einer Kapilā-Kuh in einer Hülle aus Lotusblättern, bevor er den Boden erreicht.
32.HVA.27: Bei zölibatärer Lebensführung wird er mit den genannten Pflanzenstoffen und Pañcagavya verrieben und zu einem Klumpen geformt.
32.HVA.28: Nach dem Trocknen wird er in einem mit Bilvaholz genährten Feuer verbrannt; der Text nennt dabei hundert Darbringungen. Die Asche wird gesammelt, und darin wird das Yantra geschrieben.
32.HVA.29: Nach Einsetzung der Lebenskraft wird Gaṇapati dort verehrt und der Mantra hundertundachtmal rezitiert. Die Asche wird in eine Śrīphala-Fruchthülle –
32.HVA.30: – oder ein Gefäß aus Gold, Silber oder Bronze gegeben und an Stirn und weiteren Stellen getragen.
32.HVA.31: Als Früchte werden Ausstrahlung, Gedeihen, Besitz, Gesundheit, Nachkommen, Ansehen, Vieh, allgemeine Beliebtheit und langes Leben behauptet.
32.HVA.32: Der Hauspriester soll mit dieser Asche jeden Morgen den König schützen, um dessen Lebensdauer, Ansehen, Sieg und Wohlstand zu fördern.
Weitere Vaśya-Verheißungen und Beginn des Vertreibungs-Yantras
Druckseite 706. Abschluss der Reihe 32.HVA; neue Reihe 32.HUC.
32.HVA.33: Der König soll dem Hauspriester dafür täglich drei Niṣkas geben. Danach beginnt ein neues Verfahren: Die zuvor genannten Pflanzenpulver kommen in einen Docht aus rotem Stoff.
32.HVA.34: Mit diesem Docht und Kapilā-Ghee wird in einer menschlichen Schädelschale eine Lampe entzündet; der Mantra wird gesammelt rezitiert.
32.HVA.35: Der Lampenruß wird mit hundertundacht Rezitationen versehen. Ein junger Mann oder eine junge Frau trägt ihn täglich an den Augen auf.
32.HVA.36: Der bloße Blick soll danach die ganze Welt beeinflussen. Eine weitere Anwendung nennt eine aus den genannten Pflanzen mit Sandelholzwasser verriebene Guṭikā.
32.HVA.37: Eine Frau, die nach der Mantrarezitation damit ein Tilaka setzt, soll allgemein beliebt werden und durch Berührung ihren eigenen Ehemann –
32.HVA.38: – lebenslang ihrem Willen folgen lassen. Danach beginnt ein weiteres Verfahren: Aus reiner Haridrā wird Vighneśa mit den beschriebenen Merkmalen geformt.
32.HVA.39: Bei einer Mondfinsternis wird die Figur belebt, mit tausendundacht Rezitationen versehen und mit Sandelholz und weiteren Gaben verehrt.
32.HVA.40: Ständig am Haarschopf getragen, soll sie überall Sieg verleihen: im Kampf, im Wald und bei Gefahr durch wilde Tiere –
32.HVA.41: – auf dem Markt, im Rechts- oder Geschäftsverkehr, beim Spiel und Streit, auf dem Meer, unter Räuberscharen, in Versammlungen und in Bedrängnis durch Feinde.
32.HVA.42: Der Standhafte soll siegreich und mit erfülltem Zweck heimkehren und unter schönen Frauen wie der Liebesgott leuchten.
32.HVA.43: Ein weiteres Yantra wird mit Haridrā-Wasser auf ein Betelblatt geschrieben, belebt, verehrt und mit tausendundacht Rezitationen versehen.
32.HVA.44: Sein Verzehr soll die gewünschte Person unmittelbar gefügig machen. Danach beginnt eine Anwendung mit gezuckerter Kuhmilch, die eingekocht und verfestigt wird.
32.HVA.45: Daraus werden Yantra und Gaṇanāyaka-Gestalt hergestellt und nach hundertundacht Rezitationen verzehrt; als Wirkung wird Einfluss auf die Welt behauptet.
32.HVA.46: Pulverisiertes Triphalā mit Kokosnuss und Rohrzucker wird für hundertundacht tägliche Darbringungen genannt; dabei wird die als Saṃpāta bezeichnete Opferreste-Zubereitung gesammelt.
32.HVA.47: Der Verzehr dieses Saṃpāta soll die betreffende Person bald gefügig machen. Der Text schließt mit der Behauptung, die Rezitation unter Vorstellung der Person bewirke deren lebenslange Unterordnung.
Erklärung schwieriger Wörter: Anstelle von sarvajana, „alle Menschen“, steht der Name der Person; anstelle von stambhaya zweimal vaśamānaya. „In sein Herz“ bezeichnet das Herz der Gaṇeśa-Figur. „Mit eingesetztem Atem“ bedeutet die zuvor erklärte rituelle Einsetzung der Lebenskraft der betreffenden Person. Viśeṣaka ist Tilaka.
Die Stoffnamen werden folgendermaßen erklärt: Dvirepha als Bhṛṅgarāja, Sadābhadrā als Mustā, Musalī als Tālamūlikā, Vandinī als Lajjāluka, Śatavīryā als Dūrvā, Māyūrī als Apāmārga und Candra als Kampfer. „Die genannten Pflanzen“ meint die Reihe von Dvirepha an; „Nachtwasser“ bedeutet hier Haridrā-Wasser. Die historischen Gleichsetzungen werden ohne zusätzliche botanische Festlegung übernommen.
32.HUC.1: Nun wird kurz das Vertreibungs-Yantra erklärt. Es wird in der genannten Weise mit der Angabe der betreffenden Person inmitten des Schutzlautes gezeichnet.
32.HUC.2: Darin steht das Wind-Bīja, darin Gaṇapatis Bīja. Auf die Blätter kommt das Prāṇa-Bīja, davor der als „linkes Ohr“ bezeichnete Laut.
32.HUC.3: Außen wird der Schutzlaut auf die Dreizacke an den acht Ecken geschrieben. Eine Umfassung mit dem Windlaut, versehen mit sechs Bindus, folgt.
32.HUC.4: Geschrieben wird auf ein mit Haridrā bestrichenes Leichentuch, mit Kohle vom Verbrennungsplatz und einer Krähenfeder als Stift.
32.HUC.5: Nach dem Schreiben folgt die rituelle Belebung; das dabei gedruckte Wort ist örtlich unsicher. Zwei Holzstücke aus einem Krähennest in einem Nimba-Baum werden genannt –
32.HUC.6: – die im Feuer des Verbrennungsplatzes verbrannt werden. Ihre Asche wird mit Stein- beziehungsweise Kiesstaub vom Eingang eines Vighneśa-Heiligtums verbunden.
32.HUC.7: Dies wird in die Mitte des belebten Yantras gegeben und zusammengerollt. Hinzu kommen Haridrā, mit der ein Leichnam bestrichen war, Scheiterhaufenasche und Knochen; die Beschreibung setzt sich auf Seite 707 fort.
Varianten: Der Druck nennt örtlich „im Wasser“ und „drei“ als abweichende Lesungen. Die Vertreibungs- und Unterwerfungsverheißungen sind historische Aussagen.
Vertreibungs- und Entzweiungsrituale
Druckseite 707. Abschluss von 32.HUC; neue Reihe 32.HVD. Die Rezeptpassagen 32.HUC.8–16 und 32.HVD.3–12 samt Anschluss werden wegen einer ausdrücklich Dhattūra-haltigen Zubereitung zum Schädigen anderer nur als Inhaltsangabe wiedergegeben. Herstellungs- und Ausbringungsdetails fehlen daher auch sichtbar in der Sanskritfassung.
32.HUC.8: Redaktionelle Inhaltsangabe: Der Vers beschreibt eine weitere Mischung für die Gaṇeśa-Figur; der Kommentar identifiziert dabei ausdrücklich Dhattūra-Saft.
32.HUC.9: Inhaltsangabe: Das Yantra wird in die Figur eingefügt und rituell belebt; weitere Angaben betreffen die Herstellung der Behälter und den Bezug zur Zielperson.
32.HUC.10: Inhaltsangabe: Die Figur wird in Schalen aufgestellt und mit dunklen Blumen verehrt.
32.HUC.11: Inhaltsangabe: Der Mantra wird auf Vertreibung umgestellt, rezitiert und die Figur bedeckt.
32.HUC.12: Inhaltsangabe: Das Verfahren wird mit dem Aufenthaltsort des Feindes verbunden; als Frist für die behauptete Vertreibung wird ein Monat genannt.
32.HUC.13: Inhaltsangabe: Die Quelle behauptet Vertreibung und sogar Tod durch Fieber und Furcht.
32.HUC.14: Inhaltsangabe: Weitere Aufstellungsorte werden mit der Vertreibung von Feinden verbunden.
32.HUC.15: Inhaltsangabe: Das Ausbringen von Stoffen aus der Figur an einer Person soll diese zu rastlosem Umherirren bringen.
32.HUC.16: Inhaltsangabe: Eine weitere Ausbringung an Aufenthaltsorten soll nach der Quelle Tod bewirken. Diese behaupteten Wirkungen rechtfertigen keine sichere oder harmlose Einordnung der giftigen Zubereitung; die anwendbaren Einzelheiten bleiben ausgelassen.
Unbedenklicher Teil der Yantra-Erklärung: In die Mitte des zuvor beschriebenen Yantras kommt huṃ, darin ya, darin ga und darin der Name der betreffenden Person. Auf den Blättern steht ya, an den Spitzen ī, auf den Dreizacken der acht Ecken huṃ. Außen folgt ein kreisförmiges Wind-Maṇḍala mit sechs Bindus, an denen jeweils das Wind-Bīja ya steht. Die Schreibweise mit oder ohne ausdrücklich bezeichneten Bindu wird nicht eigenmächtig vereinheitlicht.
Verbleibende Worterklärungen: Leichentuch ist ein von einem Verstorbenen hinterlassenes Tuch; dhvāṅkṣa bezeichnet die Krähe, īraṇa den Atem, tunda den Bauch und „Ambikās Sohn“ Gaṇeśa. Für die Vertreibungsform wird stambhaya durch die entsprechende zweimalige Formel ersetzt. Die Stofferklärungen zur ausgelassenen schädlichen Zubereitung werden nicht als Rezept nachgetragen.
32.HVD.1: Nun wird kurz das Entzweiungs-Yantra erklärt. In das frühere Yantra kommen Feuer- und Wind-Bīja.
32.HVD.2: Auf die acht Blätter werden raṃ und phaṭ geschrieben, auf die acht Dreizacke huṃ; außen umgibt es der Raumlaut.
32.HVD.3: Redaktionelle Inhaltsangabe: Der Stoffkommentar auf Seite 708 bestimmt das hier verwendete Pflanzenwasser ausdrücklich als Dhattūra-Saft. Die Rezeptangaben werden deshalb nicht wörtlich wiedergegeben.
32.HVD.4: Redaktionelle Inhaltsangabe: Die Mischung wird mit einem Träger und weiteren Materialien des Rituals verbunden; anwendbare Herstellungsangaben bleiben ausgelassen.
32.HVD.5: Redaktionelle Inhaltsangabe: Die Stoffe werden rituell in Yantra und Figur eingeschlossen.
32.HVD.6: Redaktionelle Inhaltsangabe: Die Figur wird mit den bezeichneten Verehrungsgaben verehrt.
32.HVD.7: Redaktionelle Inhaltsangabe: Mantra und rituelle Handlung richten sich auf Entzweiung; die konkrete Ausbringung der giftigen Zubereitung bleibt ausgelassen.
32.HVD.8: Redaktionelle Inhaltsangabe: Als Ziel wird Feindschaft zwischen zuvor befreundeten Personen genannt.
32.HVD.9: Redaktionelle Inhaltsangabe: Die Quelle behauptet eine bis zum Lebensende dauernde Feindschaft.
32.HVD.10: Redaktionelle Inhaltsangabe: Eine weitere Anwendung soll Streit unter Vorübergehenden auslösen.
32.HVD.11: Redaktionelle Inhaltsangabe: Die behauptete Wirkung wird auf Bewohner von Land, Dorf und Stadt erweitert; eine weitere Stoffmischung beginnt.
32.HVD.12: Redaktionelle Inhaltsangabe: Weitere Herstellungsangaben schließen an. Der beschädigte unnummerierte Halbvers behauptet Wahnsinn und Stummheit. Die konkrete Rezept- und Ausbringungsanleitung wird nicht ergänzt oder wiedergegeben.
Varianten: Zwei ṭha-Laute und „dargebracht“ stehen als örtliche Fußnotenlesungen.
Abschluss des Entzweiungs-Yantras und Mārana-Abschnitt
Druckseite 708. Neue Reihe 32.HMR. Die auf Schädigung gerichteten giftigen Rezepturen bleiben als redaktionelle Ausnahmen ausgewiesen.
Yantra-Erklärung zur vorangehenden Reihe: In die Mitte kommen raṃ yaṃ, auf die acht Blätter ra und phaṭ, an deren Spitzen ī, auf die Dreizacke der acht Ecken huṃ. Ein kreisförmiges Raum-Maṇḍala umgibt alles. „Zusammenhüllen“ wird als Zusammenrollen erklärt. Zweimal vidveṣaya, „entzwei“, ersetzt die Vertreibungsformel; „Nacht“ bedeutet Haridrā, „nach der vorherigen Weise“ verweist auf das Feuer des Verbrennungsplatzes.
Redaktionelle Folge der Stofferklärung: Das im Rezept auf Seite 707 unklar bezeichnete Pflanzenwasser wird hier ausdrücklich als Dhattūra-Saft erklärt. Daher stehen auch 32.HVD.3–12 samt Anschluss nur als Inhaltsangaben; die Sanskrit-Auslassung ist entsprechend markiert. Es wird kein anwendbares Rezept aus dem Kommentar nachgetragen.
32.HMR.1: Nun wird der Reihe nach das Tötungs-Yantra erklärt. In die Mitte des zuvor beschriebenen Yantras kommt der Schutzlaut.
32.HMR.2: Darin stehen Māyā- und Vighneśa-Bīja. Außen werden die zum Feuer gehörigen Laute nach der genannten Weise geschrieben.
32.HMR.3: Das Feuer-Bīja steht an den Ecken der Erdumfassung, Waffen-Bījas an den Spitzen, Feuer und Schutzlaut an den vorgesehenen Dreizacken.
32.HMR.4: An die Ecken der äußeren Feuerfigur kommt ebenfalls das Feuer-Bīja. Reine Haridrā wird auf ein Leichentuch aufgetragen.
32.HMR.5: Das als Mārana bezeichnete Yantra wird mit einer Krähenfeder und Stoffen vom Verbrennungsplatz geschrieben. Die nachfolgenden giftigen Materialzubereitungen sind redaktionell ausgenommen.
32.HMR.6: Inhaltsangabe: Der Vers nennt eine giftige beziehungsweise reizende Stoffmischung als Schreib- und Trägermaterial.
32.HMR.7: Inhaltsangabe: Eine Alternative verwendet Teile eines im Kommentar ausdrücklich als Giftbaum identifizierten Gewächses. Herstellungsangaben werden nicht wiedergegeben.
32.HMR.8: Inhaltsangabe: Figur und Yantra erhalten die rituelle Einsetzung der Lebenskraft.
32.HMR.9: Inhaltsangabe: Verschiedene Erden aus religiös und rituell bestimmten Orten werden genannt.
32.HMR.10: Inhaltsangabe: Weitere Erden ergänzen die Herstellung des Behälters; anwendbare Einzelheiten des schädigenden Verfahrens bleiben ausgelassen.
32.HMR.11: Inhaltsangabe: Die Figur mit dem Yantra wird in den Behälter gesetzt und mit dunklen Blumen verehrt.
32.HMR.12: Inhaltsangabe: Weitere Gaben und die Einfügung des Namens der Zielperson werden vorgeschrieben.
32.HMR.13: Inhaltsangabe: Die Rezitation richtet sich ausdrücklich auf Tötung; der Vers verbindet sie mit bestimmten Zeit- und Richtungsangaben.
32.HMR.14: Inhaltsangabe: Mehrere Orte zur Ausbringung der Zubereitung werden genannt; diese praktischen Angaben werden ausgelassen.
32.HMR.15: Inhaltsangabe: Die Quelle behauptet, die Zielperson werde binnen einer Woche an Fieber sterben. Diese Behauptung wird nicht als tatsächliche Wirkung bestätigt.
32.HMR.16: Das Verfahren wird als selten und unfehlbar gepriesen und zur Anwendung gegen Feinde des Königs bestimmt, mit Ausnahme von Brahmanen. Diese historische soziale Ausnahme ist keine moderne Billigung der Handlung.
32.HMR.17: Ein König, der sie ausführen lässt, soll den Ausführenden mit Geld belohnen; dieser soll mit einem Zehntel davon Sühne vollziehen.
32.HMR.18: Damit sei die Ordnung des Haridrā-Vighneśa-Mantras mit seinen Haupt- und Nebengliedern nach der Lehre erklärt. Kundige sollen sie stets verborgen halten.
32.HMR.19: Sie soll einem standhaften Schüler vermittelt werden, der wie ein Sohn gilt und dem Lehrer mit Denken, Rede, Körper und Vermögen dient.
Unnummerierter Halbvers: Einem Menschen ohne Vertrauen und einem Schädiger soll sie niemals gegeben werden.
Unbedenklicher Teil des Schlusskommentars: In der Yantramitte steht huṃ, darin Śakti- und Gaṇapati-Bīja. Auf den Blättern steht ra, an den Ecken des äußeren Achtecks ebenfalls ra, an dessen Spitzen phaṭ und auf den Dreizacken huṃ. Das äußere Dreieck trägt ra an seinen Ecken. Stambhaya wird durch die Tötungsformel ersetzt; „Geistertag“ bezeichnet den vierzehnten Mondtag. Die Material- und Ausbringungsangaben der giftigen Rezeptur werden auch im Kommentar nicht nachgetragen. Danach kündigt das Sārasaṃgraha einen weiteren Mantra an.
Vakratunda-Gaṇeśa: Mantra, Meditation und Verehrung
Druckseite 709; neue Reihe 32.VAK nach dem Sārasaṃgraha.
32.VAK.1: Ich erkläre vorschriftsmäßig den Mantra Vakratuṇḍa-Gaṇeśas, der alle Verfehlungen tilgen und alles Glück schenken soll.
32.VAK.2: Er soll Herrschaft beeinflussen und kinderlosen Frauen einen Sohn gewähren. Seine verschlüsselte Lautbeschreibung beginnt mit „Nektar“, „Viergesichtiger“ und „Feuer“, dann Kāmikā zusammen mit Ohrlaut und Bindu.
32.VAK.3: Der dritte Laut der ṭa-Gruppe mit Ananta, der Windlaut und der Schutzlaut schließen an. Dieser sechssilbige Mantra wird als wunscherfüllendes Juwel für die Verehrenden bezeichnet.
Lauterklärung und Varianten: „Nektar“ ist va, der Viergesichtige ka, Feuer ra, zusammen kra. Kāmikā steht für ta, der Ohrlaut für u, Bindu für Anusvāra, zusammen tuṃ. Der dritte Laut der ṭa-Gruppe ist ḍa, Ananta ist ā, zusammen ḍā; Wind ist ya, der Schutzlaut huṃ. So ergibt sich vakratuṇḍāya huṃ, „dem mit gebogenem Rüssel, huṃ“.
Einige Überlieferungen verlangen einen langen Vokal im Schutzlaut. Das Vakratunḍakalpa schildert, wie der goldglänzende sechssilbige König der Mantras im Geist erscheint, und gibt vakratuṇḍāya hūṃ. Die Gaṇeśvaraparāmarśinī bestätigt ausdrücklich den langen Schutzlaut. Beide Fassungen bleiben getrennt erkennbar. Die Fußnote ordnet den Mantra dem Pūrvāmnāya zu.
32.VAK.4: Der Seher ist Bhārgava, das Versmaß Anuṣṭubh. Die Gottheit ist Vakratuṇḍa, vor dem Götter und Asuras sich verneigen.
32.VAK.5: Mit beherrschten Sinnen wird die Reinigung der Hände durch den Grundmantra vollzogen. Seine sechs Silben dienen für die sechs Glieder.
32.VAK.6: Die sechs Silben werden der Reihe nach auf die Mitte zwischen den Brauen, die Kehle, das Herz, den Nabel, eine örtlich unsichere weitere Körperstelle und Ādhāra aufgelegt. Danach folgt die Durchdringung samt Gliedern.
Unnummerierter Halbvers: Mit einspitzigem Geist wird die Gottheit im Herzen meditiert.
32.VAK.7: Vakratuṇḍa leuchtet wie eine Schar schön geschliffener roter Edelsteine. Seine zarten Hände tragen Schlinge und Haken und zeigen Furchtlosigkeit und Segen. Drei Augen, rote Girlanden und Gewänder schmücken ihn; er sitzt im geöffneten Kelch eines Lotus.
Kommentar: In den oberen Händen, links beginnend, sind die ersten beiden Attribute, in den unteren die beiden Gesten. Eine örtliche Fußnotenlesung betrifft die Hakenbezeichnung.
32.VAK.8: Auf dem zuvor beschriebenen Sitz wird Vakratuṇḍa-Gaṇeśvara verehrt. Das Maṇḍala enthält zwei achtblättrige Lotusse –
32.VAK.9: – umgeben von drei vierfach geöffneten Quadraten. Die Gottheit in der Mitte wird mit den Gaben bis zu den Blumen verehrt.
32.VAK.10: Zuerst werden die Glieder an ihren Orten verehrt, danach im Osten beginnend acht Kräfte an den Blattwurzeln.
32.VAK.11: Sie heißen Vidyā, Viśvadhātrī, Bhogadā, Vighnaghātinī, Nidhipradā, Pāpaghnī, Puṇyā und Śaśiprabhā.
32.VAK.12: Auf den Blättern werden die früher genannten Siddhis von Aṇimā an, auf dem zweiten achtblättrigen Lotus Vakratuṇḍa und die weiteren Gestalten verehrt.
32.VAK.13: Im Quadrat folgen Welthüter und ihre Waffen in den beiden Ringbahnen wie zuvor. So wird die Verehrung Vakratuṇḍas beschrieben.
Ausführung: Nach den morgendlichen Vorbereitungen bis zur sechsgliedrigen Verehrung werden die acht Kräfte einzeln mit oṃ … namaḥ, „Verehrung …“, angerufen. Die Blattmitten tragen die im Lakṣmīgaṇeśa-Abschnitt genannten acht Siddhis, der zweite Lotus die im einsilbigen Abschnitt genannten Gestalten von Vakratuṇḍa an. Welthüterverehrung und Abschluss folgen der früheren Ordnung.
32.VAK.14: Pro Mantrasilbe werden hunderttausend Rezitationen genannt. Ein Zehntel wird mit den acht früher genannten, mit den süßen Stoffen verbundenen Opferstoffen dargebracht.
32.VAK.15: Tarpaṇa und die weiteren Glieder bis zur Bewirtung der Brahmanen folgen. Nach Vollendung des Mantras werden die Wunschhandlungen ausgeführt.
32.VAK.16: Vakratuṇḍa-Gaṇeśvara erhält Tarpaṇa nach dem früheren Verfahren. Vor ihm wird eine viereckige Feuergrube von einer Elle angelegt.
32.VAK.17: Das Feuer wird durch Reiben erzeugt oder aus dem Haus eines Vedakundigen herbeigebracht. Nach drei Atemordnungen beginnt die Handlung.
Vakratundas Feuerverehrung und Anwendungen
Druckseite 710; Reihe 32.VAK.
Kommentar zu Seite 709: „Nach der früheren Weise“ verweist auf den Mahāgaṇapati-Abschnitt. Das Reiben geschieht an Holz; anūcāna bedeutet einen Vedakundigen, einen Śrotriya.
32.VAK.18: Nach dem früher beschriebenen sechsgliedrigen und Mantra-Nyāsa wird das Feuer mit Duft, Blumen und weiteren Gaben verehrt und eingesetzt.
Kommentar: Auf den Gliedernyāsa folgt der Mantra-Nyāsa. Die Einsetzung richtet sich nach der Einweihungsordnung oder dem täglichen Feueropfer.
32.VAK.19: Inmitten des Feuers wird die leuchtende Gestalt mit Schlangen-Opferschnur, großem Bauch, einem Stoßzahn und drei Augen betrachtet.
32.VAK.20: Sie sitzt auf einem Lotus, hat vier Arme und goldene Farbe; Krone, Halskette, Oberarm- und Armschmuck schmücken sie.
32.VAK.21: So wird Gaṇeśvara im Geist vergegenwärtigt und herbeigerufen, mit Duft und weiteren Gaben verehrt und mit Wasser besprengt.
32.VAK.22: Mit dem sechssilbigen Mantra und dem durch zwei ṭha bezeichneten svāhā-Abschluss folgen tausendundacht Ghee-Darbringungen. Danach soll der Mantra vollendet sein.
32.VAK.23: An den vierten Mondtagen beider Monatshälften wird die genannte Rezitationszahl vollzogen; hundert Kuchen-Darbringungen sollen nach einem Jahr Reichtum gewähren. Der Zahlenausdruck im Vers sieht wie „ein halbes Tausend“ aus, wird vom Kommentar jedoch als „tausendundacht“ erklärt. Dieser Widerspruch bleibt bestehen.
32.VAK.24: Täglich mittags wird vor der Gottheit tausendundacht-, dreihundertundacht- oder hundertundachtmal rezitiert. Der Kommentar erklärt ausdrücklich, dass „um acht vermehrt“ auf alle drei Zahlen anzuwenden ist.
32.VAK.25: Dies soll bald und ohne Mühe großen Wohlstand gewähren. Heiterkeit des Geistes, Zufriedenheit und geringes Nahrungsbedürfnis –
32.VAK.26: – ferner geringes Schlafbedürfnis und das Sehen eines Elefanten im Traum werden von Mantrakundigen als Zeichen der Mantra-Vollendung genannt.
32.VAK.27: Dreihundert Darbringungen des zuvor beschriebenen Siddhaudana über drei Monate sollen den Übenden zu einer Heimstatt großer Schätze und zu einem zweiten Vaiśravaṇa machen.
32.VAK.28: Tausend Feuerdarbringungen mit Rohrzucker verbundenen Getreideflocken, Kokosnuss und Pfeffer sollen Reichtum verleihen. Die genaue Verbindung der letzten Stoffwörter ist örtlich unsicher.
32.VAK.29: Weitere Kuchen bestehen aus gutem Śāli-Reismehl, Pfeffer, Steinsalz, Kreuzkümmel, reichlich Rohrzucker und viel Ghee.
32.VAK.30: Tausend solcher Kuchen-Darbringungen in Gaṇeśas Gegenwart sollen rasch großen Wohlstand bringen. Der Kommentar bestimmt Śāli ausdrücklich als Reismehl.
32.VAK.31: Mit einem von den Lauten des Personennamens umschlossenen Mantra werden Apāmārga-Holz oder reife Jackfrüchte dargebracht –
32.VAK.32: – oder tausend Bananen, um einen Mann oder eine Frau zu beeinflussen. Tausend Darbringungen gerösteten Korns werden für die Verbindung mit einer unverheirateten Frau genannt.
32.VAK.33: Tausend Ghee- und tausend Milchdarbringungen sollen Krankheiten besänftigen.
32.VAK.34: Hunderttausend Dūrvā-Sprossen sollen den Tod überwinden. Danach beginnt eine Anwendung mit Holz des Brahmabaumes, getränkt in den drei süßen Stoffen.
32.VAK.35: Tausend Darbringungen sollen innerhalb eines Monats den Feind bezwingen. Als weitere Anwendung nennt der Text nachts tausendundacht Vibhītaka-Holzstücke –
32.VAK.36: – mit Blut versehen im Feuer des Verbrennungsplatzes, was den Feind töten soll. Danach wird das Bild des Feindes auf den Boden gezeichnet und an der Bauchstelle des Bildes Feuer entzündet.
32.VAK.37: Tausend Darbringungen von Senfsamen in dieses Feuer sollen innerhalb von sieben Tagen den Feind töten. Dies ist eine symbolisch-magische Tötungsbehauptung der Quelle, keine bestätigte Wirkung.
32.VAK.38: Eine weitere Meditation zeigt Gaṇeśa dunkel wie eine Gewitterwolke: Mit seinem Rüssel ergreift er den Feind –
32.VAK.39: – und wirft ihn in das gewaltige Feuer des untermeerischen Vaḍavāmukha. Tausend Rezitationen zu dieser zornvollen Gestalt sollen innerhalb von drei Tagen Vertreibung bewirken.
32.VAK.40: An einem zum Meer fließenden Fluss wird Wasser in die gefalteten Hände genommen, tausendmal mit dem Mantra besprochen und über das eigene Haupt gegossen.
32.VAK.41: Dieses Verfahren soll die Menge der Verfehlungen tilgen. Samstags werden unter Berührung eines Aśvattha-Baumes dreitausend Rezitationen genannt –
32.VAK.42: – bei gleichzeitiger Meditation Gaṇeśas, um planetarisch erklärte Störungen zu beheben. Tausend Feuerdarbringungen von Vetasa-Holz sollen Regen herbeiführen.
Weitere Vakratunda-Anwendungen und Mantravarianten
Druckseite 711. Abschluss von 32.VAK; neue Reihen 32.MED und 32.ATH.
32.VAK.43: Getreide-Darbringungen werden dem Wunsch nach Getreide, Speiseopfer dem nach Nahrung und Lotus- oder Wasserlotusblüten dem nach Kleidung zugeordnet.
32.VAK.44: Wer Land begehrt, soll nach der Quelle mit Rohrzucker verbundenen Sesam darbringen. Danach beginnt eine historische Fruchtbarkeitszubereitung mit Haridrā, Steinsalz und Vacā.
32.VAK.45: Die Stoffe werden in der als „Hälfte der Hälfte eines Niṣka“ bezeichneten Menge zerrieben, in ein Prasṛti Kuhurin gegeben und tausendmal mit dem Mantra besprochen.
32.VAK.46: Der Text beschreibt die Einnahme durch eine zuvor kinderlose Frau nach dem Bad am Ende der Menstruationszeit, in weißen Gewändern, und behauptet die Geburt eines Sohnes innerhalb eines Jahres. Diese historische Fruchtbarkeitsbehauptung wird nicht als medizinisch bestätigte Wirkung wiedergegeben.
32.VAK.47: Eine weitere historische Zubereitung nennt nach Fasten bei Mond- oder Sonnenfinsternis ein Pala Kapilā-Ghee und ein halbes Pala Vacā-Pulver.
32.VAK.48: Nach tausend Rezitationen wird ihre Einnahme beschrieben; als Wirkung werden große Gedächtniskraft und dichterische Begabung behauptet. Die traditionellen Maße bleiben ohne moderne Dosierungsumrechnung.
32.VAK.49: Für ein Orakel wird eine Fläche von der Größe einer Kuhhaut gereinigt, bestrichen und mit Stoff bedeckt. Darauf kommt ein mit Sandelholz und weiteren Gaben verehrter Krug.
32.VAK.50: Eine mit Kapilā-Ghee gefüllte Schale wird daraufgestellt und eine geeignete Lampe entzündet.
32.VAK.51: Vighneśa wird herbeigerufen und mit Blumen und weiteren Gaben verehrt. Vor der Lampe nimmt ein Mädchen oder ein Junge Platz.
32.VAK.52: Nach tausendundacht Mantrarezitationen wird das Kind befragt und soll Auskunft geben –
32.VAK.53: – über alles im Geist Verborgene, über Zukünftiges, Vergangenes und Gegenwärtiges, durch die Gnade des Mantras, wie der Text behauptet.
32.MED.1: Nun wird ein anderer Mantra Vakratuṇḍa-Gaṇeśas erklärt, dessen bloße Erinnerung alle Bedrängnisse vernichten soll.
32.MED.2: Die Lautumschreibung nennt Kiriṭīśa mit dem Laut vor ya, den vierten Laut der ka-Gruppe mit Sadya, dann Erde, Brahmā, Ananta, Vālin und Bhṛgu –
32.MED.3: – sowie Khaḍgīśa mit dem langen Vokal und den Raumlaut mit Nārāyaṇa. So entsteht der sechssilbige Mantra, dem allgemeine Einflusskraft zugeschrieben wird.
Lauterklärung: Kiriṭīśa ist e; mit ma, dem Laut vor ya, ergibt sich me. Der vierte Laut der ka-Gruppe ist dha, Sadya o, zusammen dho. Erde ist la, Brahmā ka, Ananta ā, zusammen lkā. Vālin ist ya. Bhṛgu sa, Khaḍgī va und der lange Vokal ā ergeben svā; Raum ha und Nārāyaṇa ā ergeben hā. Die erklärte Folge lautet damit medholkāya svāhā.
32.MED.4: Seher ist Bhārgava, Versmaß Anuṣṭubh. Die Gottheit ist der von den Göttern verehrte Vakratuṇḍa-Gaṇeśa.
32.MED.5: Die sechs Mantralaute dienen für die sechs Glieder. Meditation, Verehrung und die weitere Ausführung folgen der früheren Ordnung.
32.ATH.1: Nun wird ein anderer, zweiunddreißigsilbiger Mantra angekündigt. Er beginnt mit rāyaspoṣa, danach nennt der Text die Lautfolge sya dayitā ni.
32.ATH.2: Weitere Lautgruppen folgen, darunter dhido ratna und eine im Druck nicht sicher erkennbare Verbindung, danach rakṣohaṇo vo valaga.
32.ATH.3: Auf hano folgt der bereits genannte sechssilbige König der Mantras. Die zusammengesetzte zweiunddreißigsilbige Formel wird als ātharvaṇisch bezeichnet.
Kommentar: Die Prosa wiederholt die genannten Wortgruppen als wörtliche Bestandteile und verweist beim sechssilbigen Teil auf den vorherigen Mantra. Wegen der beschädigten mittleren Lautfolge wird hier keine vermeintlich vollständige, geglättete Formel hergestellt. Erkennbar sind die Motive Wohlstand beziehungsweise Nährung und Abwehr schädlicher Wesen. Die Fußnote ordnet auch diese Fassung dem Pūrvāmnāya zu.
32.ATH.4: Seherangaben, Meditation und Verehrung gelten wie zuvor. Zwölftausend Rezitationen und ein Feueropfer von einem Zehntel werden genannt.
32.ATH.5: Dargebracht wird eine mit Ghee getränkte Opferspeise. Danach wird der Lehrer zufriedengestellt. Nach Vollendung des Mantras sollen die eigenen Wünsche verwirklicht werden; der Kommentar verweist für die Anwendungen auf die sechssilbige Fassung.
Variantenvermerk: Die Fußnoten bieten örtlich mattaṃ sowie dāmataḥ; sie reichen nicht zur sicheren Wiederherstellung der beschädigten Lautgruppe aus.
Vakratundas Gāyatrī und der neun Silben umfassende Ucchiṣṭa-Mantra
Druckseite 712. Abschluss von 32.ATH; neue Reihe 32.UCG nach dem Sārasaṃgraha.
32.ATH.6: Zuerst wird Tatpuruṣa im Dativ gesprochen, danach vidmahe. Es folgen Vakratuṇḍa im Dativ und dhīmahi.
32.ATH.7: Danach stehen tan no dantī und abschließend pracodayāt. Dies wird als Gāyatrī Vakratuṇḍa-Gaṇeśas bezeichnet.
Unnummerierter Halbvers und Erklärung: Mantrakundige rezitieren sie beim Bad zur Vollendung ihrer Handlungen. Der Kommentar erläutert den Dativ als tatpuruṣāya. Die aus den ausdrücklich genannten Teilen gebildete Folge lautet: tatpuruṣāya vidmahe vakratuṇḍāya dhīmahi tan no dantī pracodayāt. Sinngemäß: „Wir erkennen jenen höchsten Puruṣa; wir meditieren den mit gebogenem Rüssel. Möge der mit dem Stoßzahn uns anregen.“
32.UCG.1: Nun wird die Ordnung Ucchiṣṭa-Gaṇeśas erklärt. Zuerst wird hasti, dann piśāci gesprochen.
32.UCG.2: Es folgt likhe, abgeschlossen von der Gattin des Feuers. So wird der neunsilbige Mantra Ucchiṣṭa-Gaṇeśas angegeben.
Lauterklärung: Die Gattin des Feuers ist svāhā; alles Weitere steht wörtlich. Die Formel lautet hastipiśācilikhe svāhā. Die ungewöhnliche Zusammensetzung wird als Mantra bewahrt und nicht durch eine erfundene flüssige Wortübersetzung ersetzt. Die Fußnote ordnet ihn dem Uttarāmnāya zu.
32.UCG.3: Der Seher heißt Kaṅkāla, das Versmaß Virāṭ. Gottheit ist Ucchiṣṭagaṇapa, dem die Gabe aller Güter zugeschrieben wird.
32.UCG.4: Zwei Silben gehören zum Herzen, drei zum Haupt, zwei zum Haarschopf und die beiden letzten zum Schutzpanzer.
32.UCG.5: Der ganze Mantra gehört zur Waffe; so lautet der fünfgliedrige Nyāsa. Meditation und Verehrung werden wie zuvor vollzogen.
Kommentar zur Vorbereitung: Auch die vorbereitende Praxis richtet sich nach der vorangehenden Fassung. Da dort hunderttausend Rezitationen je Silbe angegeben sind, werden für diesen neun Silben umfassenden Mantra neunhunderttausend Rezitationen angesetzt.
32.UCG.6: Nun werden Wunschhandlungen angekündigt: Hemmung, Entzweiung, Betörung, Tötung, Gefügigmachen und Herbeiziehen.
32.UCG.7: Der erfreute Gaṇanāyaka soll all dies bewirken. Eine geeignete Gaṇeśa-Figur wird aus Nimba-Holz hergestellt.
32.UCG.8: Ihre Größe entspricht dem Daumen der betreffenden Person. Unter Berührung der Figur wird der Mantra rezitiert; dies soll das Gewünschte verwirklichen.
32.UCG.9: In der Mitte der Nacht des achten oder vierzehnten Mondtages der dunklen Monatshälfte wird dieser Mantra im Ucchiṣṭa-Zustand rezitiert. Damit ist hier der rituell unreine Zustand nach dem Essen bezeichnet; die Bezeichnung wird nicht zu einer allgemeinen hygienischen Empfehlung umgedeutet.
32.UCG.10: Dies soll die gewünschte Person gefügig machen. Für ein weiteres Verfahren wird ihr Name auf Birkenrinde geschrieben.
32.UCG.11: Der Mantra umgibt den Namen. Während der ungeteilten Rezitation wird das Blatt mit dem Fuß betreten; dies heißt gewaltsames Herbeiziehen.
32.UCG.12: Ein wie zuvor beschriebenes und verehrtes Blatt wird bei der Rezitation mit der Vorstellung der betreffenden Person verbunden; als Wirkung wird Einfluss auf alle Menschen behauptet.
32.UCG.13: Wird das Yantra am Haupt getragen und der Mantra ungeteilt rezitiert, sollen König oder Königin augenblicklich herbeigezogen werden.
Kommentar: Das Yantra ist das Birkenrindenblatt mit dem Namen der Person inmitten des umgebenden Grundmantras.
32.UCG.14: Betelblätter, Blumen, Kleidung, Schmuck, Früchte, Wurzeln und ähnliche Gegenstände werden aufgenommen und mit dem Mantra verbunden –
32.UCG.15: – einundzwanzigmal, und dann der gewünschten Person gegeben. Dies wird als allgemein wirksames Einflussverfahren bezeichnet.
32.UCG.16: Sandelholz-Räucherung soll den König gefügig machen. Ein weiteres Verfahren nennt Nimba-Holz mit scharfem Öl.
Unnummerierter Halbvers und Kommentar: Zusammen mit Krähenfedern wird es vorschriftsmäßig dargebracht; der Kommentar bestimmt dafür das Scheiterhaufenfeuer.
32.UCG.17: Dies soll Feind und feindliches Heer augenblicklich vertreiben. Anschließend nennt der Text Eulen- und Krähenfedern mit dem Blut der jeweiligen Tiere.
32.UCG.18: Deren Darbringung im Feuer des Verbrennungsplatzes soll Freunde augenblicklich entzweien. Danach beginnt eine weitere Anwendung mit Töpfererde und Staub von den Füßen des Feindes.
32.UCG.19: Dazu kommen Asche vom Verbrennungsplatz und Körperrückstände, deren Herkunft der Kommentar auf Seite 713 genauer bestimmt. Daraus wird eine Figur mit sämtlichen Gliedern hergestellt; die Beschreibung setzt sich auf Seite 713 fort. Die schädigenden Wirkungsversprechen werden als historische Textaussagen wiedergegeben.
Weitere Ucchiṣṭa-Mantras und eine Meditationsfassung
Druckseite 713. Abschluss von 32.UCG; neue Reihen 32.UCB (elf Silben), 32.UCT (27 Silben) und 32.UCS (36 Silben).
Präzisierung zu Seite 712: Die körperlichen Rückstände für die dortige Figur werden im Kommentar ausdrücklich dem Körper des Feindes zugeordnet.
32.UCG.20: In das Herz der Figur kommt der vom Grundmantra umgebene Name. Nach der Einsetzung der Lebenskraft wird sie in ein Gefäß aus dem Holz des als Giftbaum bezeichneten Gewächses oder einem entsprechenden Material gestellt.
32.UCG.21: Bei völlig gesammelter Rezitation soll der Feind sterben, selbst wenn ihn eine Gottheit beschütze. Dies ist eine historische Tötungsmagie-Behauptung.
32.UCG.22: Ein anderes Verfahren nennt die Scheiterhaufenasche eines gemeinsam verbrannten Ehepaares. Mit Rocanā und Safran werden Namen auf Birkenrinde geschrieben.
32.UCG.23: Der Grundmantra umgibt die Namen; die Lebenskraft wird eingesetzt. Unter Erinnerung an die Betreffenden folgen hundertundacht Rezitationen.
Unnummerierter Halbvers: Dies soll zwischen zwei verfeindeten Menschen augenblicklich Zuneigung schaffen.
32.UCB.1: Eine weitere Formel beginnt mit zwei doppelt gesetzten Bīja-Gruppen, deren genaue Drucklesung örtlich unsicher ist. Danach werden huṃ und ghe ghe genannt.
32.UCB.2: Phaṭ und svāhā schließen an; Praṇava steht am Anfang. Der Text bezeichnet dies als elfsilbigen Grundmantra Gaṇeśas. Wegen der unsicheren Anfangs-Bījas wird keine vollständig lesbare Lautfolge behauptet.
Unnummerierter Halbvers: Seherangaben, Meditation und Verehrung gelten wie zuvor.
32.UCT.1: Für einen weiteren Mantra werden Ekadaṃṣṭra, Hastimukha und Lambodara in der angegebenen Anredeform genannt, danach ucchiṣṭa.
32.UCT.2: Es folgen ātmane, das Haken-Bīja, glūṃ, Bhuvaneśvarīs Bīja, ghe ghe und svāhā.
32.UCT.3: Dieser Gaṇeśa-Mantra wird als siebenundzwanzigsilbig bezeichnet. Seher, Meditation und Verehrung richten sich nach der früheren Ordnung.
Kommentar: Zwischen dem dritten und vierten Wort wird die Lautverschmelzung ausdrücklich unterlassen; „wie zuvor“ verweist auf den sechssilbigen Vakratuṇḍa-Mantra. Die bedeutungstragenden Namen bezeichnen den Einstoßzahnigen, Elefantengesichtigen, Großbäuchigen und Ucchiṣṭa als sein Wesen.
32.UCS.1: Eine weitere Fassung beginnt mit oṃ namo bhagavate, danach ekadaṃṣṭrāya und die Bezeichnung Hastimukha.
32.UCS.2: Lambodara folgt im Dativ, dann ucchiṣṭa mahātmane und das Haken-Bīja.
32.UCS.3: Darauf stehen glūṃ mit Māyā, huṃ ghe ghe und abschließend svāhā. Diese Fassung wird als sechsunddreißigsilbig angegeben. Die Namen rufen den erhabenen, einstoßzahnigen, elefantengesichtigen, großbäuchigen Ucchiṣṭa-Gaṇeśa an.
Kommentar: Vor ucchiṣṭa wird die Lautverschmelzung ausdrücklich unterlassen.
32.UCS.4: Die Seherangaben gelten wie zuvor; sechs Bījas dienen für die Glieder. Meditation und Verehrung folgen der bereits beschriebenen Ordnung.
Nyāsa-Erklärung: Kroṃ gehört zum Herzen, glūṃ zum Haupt, hrīṃ zum Haarschopf, huṃ zum Schutzpanzer, das erste ghe zu den Augen und das zweite ghe zur Waffe.
Bali-Mantra aus einem anderen Tantra: Die Quelle nennt einen örtlich unsicheren Bīja-Anfang und danach ucchiṣṭagaṇeśāya mahāyakṣāyāyaṃ baliḥ – „Ucchiṣṭa-Gaṇeśa, dem großen Yakṣa, gilt diese Gabe.“ Mit diesem Mantra wird Fleisch oder auch eine Frucht als Bali dargebracht. Die Bīja-Varianten der Fußnote erlauben keine ungekennzeichnete Vereinheitlichung.
32.UCS.5: Die besondere Meditation zeigt eine vierarmige, dreiäugige rote Gestalt. Ihre Lotushände tragen Schlinge, Haken, eine Schale mit Modakas und einen Stoßzahn.
32.UCS.6: Gaṇanāyaka sitzt berauscht auf einem Lotus. Für die vorbereitende Vollendung werden hunderttausend Rezitationen genannt.
32.UCS.7: Ein Zehntel folgt als Feueropfer mit Ghee-getränktem Sesam. Ucchiṣṭagaṇanāyaka wird auf dem zuvor beschriebenen Sitz verehrt.
32.UCS.8: Zuerst werden die Glieder, danach die Mātṛkās auf den Blättern verehrt; an den Blattspitzen folgen die zehn Richtungen einschließlich oben und unten. Die Anweisung wird auf Seite 714 fortgesetzt.
Ucchiṣṭas Verehrung und weitere Mantraumfänge
Druckseite 714; fortlaufende Druckzählung 32.UCS. Die Varianten ab Vers 20 haben unterschiedliche Silbenzahlen und werden deshalb ausdrücklich getrennt benannt.
32.UCS.9: Die Richtungsverehrung nennt Vakratuṇḍa, Ekadanta, Lambodara, Vikaṭa, Dhūmravarṇa, Vighna und Gajānana –
32.UCS.10: – ferner Vināyaka, Gaṇapati und Hastidanta: insgesamt zehn. Im Quadrat folgen die Welthüter, außen Donnerkeil und die übrigen Waffen.
32.UCS.11: Nach dieser Verehrung Vighneśas werden die Wunschhandlungen vollzogen. Aus der Wurzel des weißen Arka oder aus Markaṭī-Holz –
32.UCS.12: – wird eine Gaṇeśa-Figur von der Größe des eigenen Daumens hergestellt, mit den beschriebenen Merkmalen versehen und sorgfältig eingesetzt.
32.UCS.13: Sie wird mit Honig gebadet, vom ersten Tag der dunklen Monatshälfte bis zum vierzehnten der hellen. Pāyasa mit Rohrzucker wird dargebracht.
32.UCS.14: Täglich werden andächtig tausend Mantrarezitationen und ebenso viele Darbringungen von Ghee-getränktem Sesam in das Feuer genannt.
32.UCS.15: Nackt und im Ucchiṣṭa-Zustand wird „Ich bin Gaṇeśa“ meditiert. Innerhalb einer Monatshälfte soll so ein König oder auch ein anderer Mensch Herrschaft erlangen. Die hier genannte Frist wird nicht mit der längeren Zeitspanne in Vers 13 harmonisiert.
32.UCS.16: Eine verehrte Figur aus Töpfererde soll Herrschaft geben; eine aus Ameisenhügelerde alle Wünsche erfüllen. Die Fußnote ergänzt das im Vers ausgelassene Verb „man soll einsetzen“.
32.UCS.17: Eine Figur aus Rohrzucker soll Glück, eine aus Salz Feindvernichtung bringen. Rezitation soll im Kampf, Spiel und Streit Sieg gewähren.
32.UCS.18: Durch diesen Mantra sei Kubera zum Geber des Reichtums geworden; Vibhīṣaṇa und Sugrīva hätten dadurch Herrschaft erlangt.
32.UCS.19: Genannt wird die Rezitation in roten Gewändern, mit roter Salbung beziehungsweise roter Erscheinung und beim Kauen von Betel; die genaue Verbform ist örtlich unsicher. Alternativ wird ein von der Opfergabe übriggebliebener Modaka gegessen und dabei rezitiert.
32.UCS.20: Zwölfsilbige fassung: Praṇava, Bhuvaneśī und Smṛti mit Bindu werden dem neunsilbigen Mantra vorangestellt. Der Text schreibt: oṃ hrīṃ gaṃ hastipiśāci likhe svāhā und nennt zwölf Silben.
32.UCS.21: Neunzehnsilbige fassung: Tāra, die Herzformel und ucchiṣṭagaṇeśāya gehen dem neunsilbigen Mantra voran. Die ausgeschriebene Formel lautet oṃ namaḥ ucchiṣṭagaṇeśāya hastipiśāci likhe svāhā. Seher und weitere Angaben gelten wie zuvor. Ein geklammerter Halbvers nennt eine Zahlenverteilung für die sechs Glieder; sie ist gedrängt und wird nicht aus einer vermuteten Standardschablone ergänzt.
32.UCS.22: Siebenunddreißigsilbige fassung: Praṇava, Herzformel und bhagavate werden gesprochen; danach ekadaṃṣṭrāya, hastimukhāya und lambodarāya.
32.UCS.23: Es folgen ucchiṣṭamahātmane, Schlingen-, Haken-, Māyā- und Vighna-Bīja sowie ghe ghe.
Unnummerierter Abschluss und ausgeschriebene Formel: Mit svāhā ergibt sich die als siebenunddreißigsilbig bezeichnete Folge: oṃ namo bhagavate ekadaṃṣṭrāya hastimukhāya lambodarāya ucchiṣṭamahātmane āṃ kroṃ hrīṃ gaṃ ghe ghe svāhā. Die Anrede gilt dem erhabenen, einstoßzahnigen, elefantengesichtigen, großbäuchigen Ucchiṣṭa-Gaṇeśa; die Bījas bleiben Lautformeln.
32.UCS.24: Der Seher ist Gaṇaka, das Versmaß Gāyatrī, die Gottheit Gaṇanātha mit dem vorangestellten Namen Ucchiṣṭa.
Unnummerierter Halbvers: Die Glieder werden durch die mit Berg, Zehnerreihe, Pfeilen, Berg, Meer und Paar bezeichneten Lautzahlen gebildet. Die beiden Berg-Zahlwörter werden nicht ohne weitere Absicherung zu einer eindeutigen Segmentierung ergänzt.
32.UCS.25: Ich nehme beständig Zuflucht zu Gaṇeśa, der auf einem roten Lotus sitzt, Pfeil, Bogen, Schlinge und Haken in den Händen hält und mit seiner unbekleideten Gefährtin in sexueller Vereinigung dargestellt wird. Dies ist das tantrische Meditationsbild der Quelle.
32.UCS.26: Hunderttausend Rezitationen, ein Zehntel davon als Ghee-Feueropfer, wiederum ein Zehntel als Tarpaṇa und die Bewirtung von Brahmanen werden genannt.
32.UCS.27: Nach Vollendung des Mantras folgen die Anwendungen. Geld, Getreide, Kinder und Enkel, Glück und unvergleichliches Ansehen –
32.UCS.28: – soll der Sādhaka durch Gaṇeśas Gnade erlangen. Eine weitere Figur wird aus Nimba-Holz gefertigt; die nähere Materialbestimmung enthält einen örtlich unsicheren Ausdruck mit „Elefant“ und wird nicht ergänzt.
32.UCS.29: Nach Belebung und Verehrung wird davor rezitiert. Die dabei vorgestellte Person solle sich wie ein Diener unterordnen, so die historische Verheißung.
Abschluss weiterer Ucchiṣṭa-Anwendungen und Beginn Mañjughoṣas
Druckseite 715. Die historischen Unterwerfungs- und Schädigungsversprechen werden als Aussagen der Quelle wiedergegeben, nicht als empfohlene Praxis.
32.UCS.30: Flusswasser wird siebenundzwanzigmal mit dem Mantra besprochen; damit wird das Gesicht gewaschen.
32.UCS.31: Männer, Frauen und Könige sollen beim Anblick unter Einfluss geraten. Für eine weitere Anziehungshandlung nennt der Text Staub vom linken Fuß einer Frau –
32.UCS.32: – und zwölftausend Rezitationen in Gaṇeśas Gegenwart. Die Frau solle unweigerlich kommen; ausdrücklich wird dies als gewaltsame Anziehung bezeichnet.
32.UCS.33: Eine Gaṇeśa-Figur aus vom Elefanten abgebrochenem Nimba-Holz oder aus weißem Arka wird in der Nacht des vierten Mondtages verehrt.
32.UCS.34: Alle Gaben sind rot; tausend Rezitationen begleiten die Verehrung. Nachts wird die Figur am Flussufer niedergelegt.
32.UCS.35: Das Gelingen oder Misslingen eines begonnenen Vorhabens soll im Traum mitgeteilt werden. Ein Feueropfer mit tausend Nimba-Holzstücken soll Gegner vertreiben.
32.UCS.36: Ein Feueropfer mit Vajrin-Holz wird als Mittel zum Töten des Feindes bezeichnet. Ein besprochener Affenknochen im Haus soll rasche Vertreibung bewirken. Es handelt sich um historische magische Zuschreibungen; keine Wirksamkeit wird behauptet.
32.UCS.37: Der erste Halbvers nennt einen besprochenen Menschenknochen im Haus eines Mädchens; die anschließende Handlung beziehungsweise Wirkungsangabe ist im vorliegenden Druck nicht sicher lesbar und bleibt offen. Es folgt eine Puppenhandlung mit Fußstaub einer Frau und Töpfererde –
32.UCS.38: – bei der ihr Name auf das Herz der Figur geschrieben wird. Die mit Nimba-Blättern besprochene Figur wird in der Erde vergraben.
32.UCS.39: Die Frau werde dadurch wahnsinnig und durch Ausgraben wieder gesund, behauptet der Text. Eine weitere feindbezogene Handlung verwendet Knoblauch und zwei zusammengefügte Tonschalen –
32.UCS.40: – sowie die darin eingeschlossene, verehrte Figur. Das Vergraben an der Tür des Gegners solle diesen innerhalb einer Monatshälfte vertreiben.
32.UCS.41: In einer Notlage wird eine Gaṇapati-Figur aus weißem Arka-Holz mit roter Salbung und den übrigen Gaben verehrt.
32.UCS.42: Sie wird in ein Gefäß mit Wein gelegt und am Verehrungsort vergraben. Darüber sitzend wird Tag und Nacht der Mantra rezitiert.
32.UCS.43: Innerhalb einer Woche sollten alle Störungen verschwinden. Redaktionelle Ausnahme zum zweiten Halbvers: Hier beginnt eine weitere Handlung, die eine Frau gefügig machen soll und im Folgenden giftige Pflanzenbestandteile einsetzt. Ihre materielle Ausführung wird nicht wiedergegeben.
32.UCS.44: Redaktionelle Inhaltsangabe: Die Quelle beschreibt die Herstellung und rituelle Deponierung einer Figur für diese Zwangshandlung. Die konkrete Zubereitung ist ausgelassen.
32.UCS.45: Redaktionelle Inhaltsangabe: Es folgt ein Feueropfer mit giftigem Pflanzenmaterial. Als Ziel wird bezeichnet, die Frau zur Dienerin zu machen. Material und Menge werden nicht als ausführbare Anweisung wiedergegeben.
Ein weiterer zweiunddreißigsilbiger Ucchiṣṭa-Mantra
Neue Druckzählung 1–2, hier 32.UCD.
32.UCD.1: Auf Tāra folgen die Anreden „Elefantengesichtiger“, „Großbäuchiger“ und „großer Ucchiṣṭa“; danach Schlingen-, Haken- und Trapā-Bīja –
32.UCD.2: – dann Kāma-, Trapā- und Varman-Bīja, ghe ghe, ucchiṣṭāya und die Feuergemahlin. So wird der Mantra des großen Gaṇeśa als zweiunddreißigsilbig bezeichnet.
Unnummerierte Erläuterung: Die sechs Glieder werden nach der hier in Zahlwörtern angegebenen Segmentierung zugeordnet; der Druck lässt den anschließenden Vers unvollständig. Die ausgeschriebene Formel lautet: oṃ hastimukhāya lambodarāya ucchiṣṭamahātmane āṃ kroṃ hrīṃ klīṃ hrīṃ huṃ ghe ghe ucchiṣṭāya svāhā. Bījas werden nicht als normale Wörter übersetzt.
Fußnote, Merutantra, Kapitel 16: Bei diesen Ucchiṣṭa-Gaṇanātha-Mantras sei keine Prüfung mit Siddhāri-Kreis und Ähnlichem vorgesehen; vom Guru empfangen, seien sie erfolgbringend. Sie sollen geheim bleiben. Die linksseitige Verehrungsweise werde ohne diesen Mantra nicht erfolgreich; andernfalls drohten nach dem historischen Text Verlust des sozialen Standes, Armut und Ende der Familienlinie. Diese Drohungen sind Quelleninhalt, keine redaktionelle Bewertung.
Beginn des Abschnitts über Mañjughoṣa
32.MJV.1: Es siege der erhabene Mañjughoṣa, der die Dunkelheit geistiger Trägheit vertreibt, über den Ozean des Daseins trägt und den Übenden Glück bringt.
Zitat aus dem Āgamottara; neue Zählung 32.MJA:
32.MJA.1: Der erste Laut der Mātṛkā und das Feuer-Bīja werden hervorgeholt, danach der linke Schulterlaut, der Kūrma genannte Laut und der Meṣeśa-Laut –
32.MJA.2: – schließlich Mīneśa, verbunden mit linkem Auge und Mondpunkt. Śambhu nennt dies den sechssilbigen Mantra Mañjughoṣas.
Beginnende Lauterklärung: Der erste Mātṛkā-Laut ist a; der linke Schulterlaut ist der vierte Halbvokal, v; Kūrma steht für c, Meṣeśa für l, Mīneśa für dh. Die Erklärung geht auf Seite 716 weiter.
Mañjughoṣas Mantras und Verehrung
Druckseite 716; fortlaufende Zählung 32.MJA. Die Erfolgsversprechen und ungewöhnlichen Reinheitsregeln gehören zur historischen Überlieferung.
32.MJA.3: Die zuvor genannte Formel heißt Dīpanī, „die Erhellende“. Nun folgt der Grundmantra: Haken-, Śakti- und Ramā-Bīja, o Geliebte.
32.MJA.4: Dieser aus drei Bījas bestehende Mantra vernichte die Finsternis geistiger Trägheit. Eine weitere Folge besteht aus Śakti-, Ramā- und Kāma-Bīja –
32.MJA.5: – und heißt Śrutidharī, „die das Gehörte bewahrt“; auch sie hat drei Laute. Weiter wird h mit Feuerlaut, linkem Auge und Mondpunkt verbunden –
32.MJA.6: – zur einsilbigen „Allwissens-Vidyā“. Der anschließende Satz nennt die Einteilungen siddha, sādhya und susiddha sowie Feindschaft gegenüber dem Übenden; seine genaue syntaktische Verbindung bleibt unsicher.
32.MJA.7: Mit Hingabe werde der Mantra dennoch heilvoll und verleihe Einsicht. Als Orte beziehungsweise Situationen werden Mittag, Wasser, Essen und Essgefäß genannt –
32.MJA.8: – ferner Kuhdung, der Außenbereich, sexuelle Vereinigung, das Haar einer Frau, der Kuhstall und nachts ein Kuhschädel. Dort wird ein einem ḍamaru ähnliches Yantra gezeichnet –
32.MJA.9: – und die Mantralaute werden mit einem Sandelholz-Schreibmittel je dreimal oben und unten eingetragen.
32.MJA.10: Für Vertreibung nennt der Text Kuhhaut als Zeichengrund. Im Wasser verheißt er ständigen Sieg, im Gefäß große Herrschaft.
32.MJA.11: Auf Kuhdung verheißt er Beredsamkeit, im Kuhstall Allwissenheit, im Haar Bewahrung des Gehörten und auf dem Kuhschädel große Dichtkunst.
32.MJA.12: Aus Kuhurin, Badarī-Wurzel, Sandelholz und Staub wird nach acht Rezitationen ein Stirnzeichen gemacht. Dies ist die historische Materialangabe; die Ausgabe leitet daraus keine gesundheitliche Empfehlung ab.
32.MJA.13: Nach der Verneigung wird hingebungsvoll um die beste Gabe gebeten. Hat man sie empfangen, solle man nach Wunsch leben.
32.MJA.14: Für diese besondere Observanz werden die Verehrung anderer Gottheiten, das Bad und das Aussprechen des Praṇava ausgeschlossen. Die Zahnreinigung wird mit Vacā-Wurzel oder Salz beschrieben.
32.MJA.15: Nachtkleidung soll nicht weiß sein; die sonst verlangte rituelle Reinheit wird hier ausdrücklich aufgehoben. Diese besondere Durchführung sei aus dem Mund des Gurus zu verstehen.
32.MJA.16: Nach einem Monat werde man ein Fürst der Dichter, nach zweien ein Meister, nach dreien in allen Lehrwerken bewandert, so die Verheißung. Eine Druckvariante liest beim letzten Prädikat „urteilsfähig“.
32.MJA.17: Wer einen Sohn wünsche, erhalte einen Sohn; wer Reichtum wünsche, Reichtum. Wer langes Leben und Gesundheit wünsche, erlange seine Wünsche.
Zitat aus einem anderen Tantra; die Druckzählung läuft weiter:
32.MJA.18: Saṃvartaka und Vakeśa werden als die beiden Laute bezeichnet; mit ihnen und den sechs langen Vokalen werden die sechs Glieder gebildet. Die Glosse erklärt saṃvarta als kṣ und vakeśa als ś.
32.MJA.19: Ich verneige mich vor Mañjughoṣa: weiß wie der Mond, mit Schwert und Buch in den Händen, schön und äußerst friedvoll; ein Jüngling mit fünf Haarknoten, mit weitem edlem Antlitz – die betreffende Wortform ist nicht sicher –, mit Augen wie Lotusblätter und der Kraft, verkehrtes Denken zu verbrennen.
32.MJA.20: Der Sitz wird verehrt, beginnend mit Ādhāra und den grundlegenden Kräften. Danach wird das Sitzlager mit Bhūtas, Pretas und weiteren Wesen vorgestellt.
32.MJA.21: „Dem Erkenntnisgeber Verehrung“ begleitet das Fußwasser; „dem Einsichtgeber“ das Wasser zum Mundspülen; „dem Vernichter geistiger Trägheit“ den Duft; „dem Herrn der Yakṣas“ das Ehrungswasser.
32.MJA.22: Die Blumen werden mit „dem Geber aller Vollkommenheiten“ dargebracht. Danach verehrt man die Bhairavas mit Kunda-Blüten.
32.MJA.23: Es sind Asitāṅga, Ruru, Caṇḍa, Krodha, Unmatta, Kapālī, Bhīṣaṇa und als achter Saṃhāra.
32.MJA.24: Nach Räucherwerk und weiteren Gaben werden die Blumen entfernt. Mit ihnen werden die acht Yakṣiṇīs verehrt.
32.MJA.25: Die Reihe beginnt mit Surasundarī, dann Manohāriṇī, Kanakāvatī, Kāmeśvarī und Ratikarī –
32.MJA.26: – gefolgt von Padminī, Naṭī und Anurāgiṇī. Diese hier auch Yoginīs genannten Wesen werden mit vorangestelltem Hṛllekhā-Bīja verehrt.
32.MJA.27: Nach der Verehrung des Herrn werden sechshunderttausend Mantrarezitationen genannt, ferner elfhundert mit Ghee bestrichene Kunda-Blüten. Der Satz über deren Verwendung setzt sich auf Seite 717 fort.
Mañjughoṣa im Kukkuṭeśvaratantra
Druckseite 717.
32.MJA.28: Die zuvor genannten Blüten werden in einem entfachten Feuer in der Wildnis oder an der Verbrennungsstätte geopfert. Der so mit dem Mantra erfolgreiche Übende werde ein großer Herr der Rede, heißt es zum Abschluss des Zitats.
Aus dem Kukkuṭeśvaratantra; neue Zählung 32.MJK:
32.MJK.1: Śaṅkara, der Gott der Götter und Lehrer der Welt, saß bequem auf dem Rücken des Meru. Ihn, den höchsten Herrn, fragte Pārvatī.
32.MJK.2: Pārvatī sprach: Erhabener, Kenner aller Pflichten und aller Lehrwerke und Āgamas, erkläre mir Mañjughoṣa, der den Menschen das Gewünschte gewährt.
32.MJK.3: Welcher Mantra verleiht durch seine Rezitation besonders dichterische Kraft, ermöglicht alle rituellen Handlungen und bringt die Vollkommenheit des Geistes?
Unnummerierter Halbvers: Sie fragt nach dem Mantra, der den Verehrenden Wünsche erfüllt wie ein weiterer Wunschbaum. Der zweite Halbvers fehlt bereits im Druck.
32.MJK.4: Śaṅkara sprach: Höre, Göttin, den großen Mantra, der den Übenden Glück bringt. Durch seine Rezitation werde selbst ein träger Geist Vācaspati, dem Herrn der Rede, gleich.
32.MJK.5: Mit Glieder-, Hand- und äußerem Nyāsa versehen, verleihe er Vollkommenheit durch Rezitation, auch ohne Feueropfer, förmliche Verehrung und weitere Riten.
32.MJK.6: Der Übende rezitiere selbst oder lasse nach der Vorschrift rezitieren. Er erlange Allwissenheit – „wahrlich, wahrlich“, bekräftigt der Sprecher gegenüber Pārvatī.
32.MJK.7: Die Zeitangabe mit Kārtikeya ist sprachlich unsicher und wird nicht zu einer bestimmten Frist ergänzt. Der Mantra soll rezitiert werden; dadurch werde man in allen Lehrwerken Bṛhaspati gleich. Die Fußnote bietet eine abweichende Anschlusslesung, ohne die Zeitangabe zu klären.
32.MJK.8: Pārvatī sprach: Wer ist der Seher, welches das Versmaß, welche Gottheit wird verehrt und über wen wird meditiert? Erkläre mir alles, du den Verehrenden Zugewandter.
32.MJK.9: Īśvara sprach: Der Seher heißt Bṛhadāraṇyaka, das Versmaß Virāj. Die Gottheit ist Mañjughoṣa; indem er Lebensgenuss gewährt, gibt er auch Befreiung.
32.MJK.10: In Bhairavas Gestalt soll man ihn meditieren und mit ungeteilter Aufmerksamkeit den Mantra rezitieren. Dann verleihe der Mantra Genuss; daran solle kein Zweifel bestehen.
32.MJK.11: Ich werde die Meditation über den großen Bhairava erklären. Höre, wie man ihn bei der Rezitation vorstellt.
32.MJK.12: Dir zum Wohl werde ich nacheinander die sāttvika-, rājasa- und tāmasa-Meditation lehren, große Göttin.
32.MJK.13: Die reine, sāttvika Gestalt soll meditiert und der Mantra rezitiert werden. Sie verleihe raschen Erfolg, Vollkommenheit und den Verehrenden das Ersehnte.
32.MJK.14: Diese Herleitung des Mantras sei in den drei Welten schwer zu erlangen; sie solle verborgen bleiben und nicht beliebig weitergegeben werden.
Unnummerierter Halbvers: „Ich werde die geheimere Herleitung des Mantras erklären, Geliebte.“ Eine Variante steigert zu „geheimste“.
32.MJK.15: Viṣṇu, Feuer, v, der mondverbundene Laut und ca la dhī ergeben nach der verschlüsselten Herleitung den sechssilbigen Mantra. Er gewähre die Wünsche der Welt, Allwissenheit, Gewandtheit in der Versammlung und dem Studium von Veda und Vedānta Zugewandten Reichtum. Die Fußnote löst Viṣṇu als a, Feuer als r und die weiteren Laute unmittelbar auf und schreibt aravacala dhīḥ in der zusammenhängenden Form aravacaladhīḥ. Die Gliederung dieser erklärungsbedürftigen Druckform wird nicht stillschweigend normalisiert. Eine Variante beschreibt den sechssilbigen Mantra als zum Glück der Welt gelehrt.
32.MJK.16: Der Übende rezitiert seinen Mantra und nimmt Bali- und Naivedya-Gaben zu sich; er werde einem zweiten Bṛhaspati gleich. Die Fußnote bietet beim Beginn eine abweichende Rezitationsangabe mit zehntausend.
32.MJK.17: Wer einen Monat lang die vorbereitende Vollübung ausführt, aus dessen Mund ströme unaufhörlich Rede hervor. Eine Variante nennt drei Monate und eine weitere vergleicht den Redefluss mit einem Strom; die Abweichungen bleiben nebeneinander stehen.
Mañjughoṣas besondere Meditationsorte
Druckseite 718; fortlaufende Zählung 32.MJK. Die hier beschriebenen Schädel- und Friedhofsriten gehören zur historischen Ritualüberlieferung.
32.MJK.18: Einen Monat unablässiger Übung verknüpft die Quelle mit dem Erlangen dichterischer Kraft; eine Variante nennt drei Monate. Als Zeichengrund nennt sie Kuhschädel, Kuhrücken, Kreis und Kuhdung; die Variante verbindet Kuhschädel und Oberfläche anders.
32.MJK.19: Zuerst wird der Mantra ins Yantra geschrieben, danach wiederholt rezitiert. Vorausgehen die Meditation und ein längeres inneres Vergegenwärtigen.
32.MJK.20: An einem einsamen Ort wird mit gesenktem Gesicht rezitiert. Bei Vollmond wird die Gottheit mit Kunda-Blüten verehrt –
32.MJK.21: – und zwar mit hundertacht Blüten, anschließend wird an einer Wegkreuzung rezitiert. Um Mitternacht sitzt der Übende mit offenem Haar auf dem Dreischädel-Sitz.
32.MJK.22: Wer die Durchführung kennt und sechs Monate rezitiert, werde als Redner Bṛhaspati gleich, so die ausdrücklich bekräftigte Verheißung.
32.MJK.23: Die Gruppe schließt einen Hundeschädel und einen Schakalschädel ein und wird als beglückender Dreischädel-Sitz bezeichnet.
32.MJK.24: Als Sitz dient der Kuhschädel; links liegt der Hundeschädel, rechts der Schakalschädel. So wird die Verehrung beschrieben.
32.MJK.25: Ein deutlich halbmondförmiges Yantra, dem jungen Mond ähnlich, wird gezeichnet und darin mit Kunda-Blüten verehrt.
32.MJK.26: Die linke Hand vollzieht Rezitation und Verehrung; die rechte ist einer als śṛṅgāra, erotische Zuwendung, bezeichneten Handlung zugeordnet. An einer Wegkreuzung und auf einem Stierschädel wird die Gottheit so weiß wie die kühlen Strahlen des Vollmondes vorgestellt. Die genaue körperliche Ausführung von śṛṅgāra wird hier nicht erläutert.
32.MJK.27: Der Text nennt die Vorstellung eines auf dem Kopf getragenen Hundeschädels und ausgiebige Rezitation mit Kunda-Blüten. Ferner beschreibt er einen Kreis aus Kuhhaut; das Kompositum zur geometrischen Gestalt ist unsicher, eine Variante spricht von sechs Ecken. Die Zeichnung verwendet frischen Kuṅkuma und Rocanā –
32.MJK.28: – und wird an einer menschenleeren Verbrennungsstätte nach der überlieferten Ordnung ausgeführt. Die Verehrung geschieht mit frischen Palāśa-Blüten. In der vollen Mondscheibe meditiert man einen weißen Jüngling mit vortrefflichem Schwert in der Hand –
32.MJK.29: – mit üppigem Haar, einem vorzüglichen Buch und Augen wie Blütenblättern eines geöffneten Lotus. Nackt wird rezitiert. Das Kompositum zum Haar ist im Druck durch eine Klammerlesung unterbrochen und nicht eindeutig.
32.MJK.30: Nachts wird an einem Ariṣṭa-Ort – die Bedeutung von ariṣṭageha bleibt offen – Öl mit der Hand genommen. Eine damit bestrichene Kāñcana-Blüte wird dargebracht und ausgiebig rezitiert. Der Druck setzt die Verse 29–30 in eine gemeinsame Klammer.
32.MJK.31: An der Wurzel eines Aśoka- oder Śākoṭa-Baumes werden die Füße mit Speichel, wörtlich „Mundnektar“, bestrichen. Auf dem Dreischädel-Sitz wird in der Vollmondnacht nach Kräften rezitiert.
32.MJK.32: Unter einem Lakuca-Baum, auf einem Schädel sitzend, meditiert man um Mitternacht die Gottheit weiß wie Mondstrahlen. Selbst ein träger Mensch werde durch dreihunderttausend Rezitationen einem Herrn der Rede gleich. Eine Variante nennt drei Monatshälften statt der entsprechenden Hauptlesung.
32.MJK.33: Unter einer Bananenstaude sitzt der Übende auf einem mit Blumen bereiteten Sitz. Der Beginn mit dem Ausdruck für Speisereste ist gedrängt; eine Variante bietet eine längere Fassung mit Speiseresten, Bananenblüten und drei Schädeln, ohne dass beide Fassungen vermischt werden.
32.MJK.34: Wer bei Vollmond diese Verehrung vollzieht, werde unüberwindlich und ein mächtiger Herr der Rede. Die Variante bietet beim Zeitpunkt eine abweichende, nicht sicher auflösbare Form.
Unnummerierter Seitenübergang: Im Kuhstall wird die Zunge mit beiden Händen abgewischt und mit Kunda-Blüten in Hundertschaften verehrt. Die grammatische Zuordnung des Verehrens setzt sich auf Seite 719 fort. Die Fußnote liest anstelle des Verehrens ein Besprengen.
Abschluss des Kukkuṭeśvara-Zitats und Mañjughoṣa im Bhairavatantra
Druckseite 719.
32.MJK.35: Wer unter den zuvor genannten Bedingungen täglich rezitiert, bis sechshunderttausend erreicht sind, übertreffe sogar Śeṣa – wie viel mehr den nur einmundigen Herrn der Rede. Die Überbietung ist eine hymnische Erfolgsverheißung.
32.MJK.36: Wer um Mitternacht bei Vollmond mit einem Schwert auf dem Holz eines Wäschers sitzt und rezitiert, oder dies einen ganzen Monat tut, aus dessen Mund ströme nektargleiche Rede. Eine Variante ersetzt die entsprechende Wortform durch „mit der Rede“.
32.MJK.37: Auch Zahnreinigung mit Karañja-Holz wird mit der Redegewalt Bṛhaspatis verbunden. Ein Feueropfer mit Sesamöl, Kunda- und Kairava-Blüten verheißt alle Vollkommenheiten.
32.MJK.38: Genannt wird ein Stirnzeichen aus Mañjiṣṭhā, Wasser, guter Vacā, weißen Bhānu-Blüten und eigenem Blut, alles zusammen zerrieben. In Verbindung mit Rezitation soll es das Verständnis von Wissen und Bedeutung fördern, sodass man einem neuen Herrn der Rede gleiche. Die Pflanzenbestimmung Bhānu ist hier nicht botanisch gesichert; eine Variante liest stattdessen eine Wurzelbezeichnung. Dies bleibt historische Materialkunde, keine praktische Empfehlung.
Aus dem Bhairavatantra: Mañjughoṣa-Mantra. Neue Zählung 32.MJB:
32.MJB.1: Höre, Geliebte, den makellosen Mañjughoṣa-Mantra: schön, Reichtum und Nachkommenschaft gewährend, Allwissenheit und Beredsamkeit verleihend.
Unnummerierter Halbvers: Er sei die Grundlage fehlerfreier Dichtung, rein und schöpferische Einsicht gebend. Der zweite Halbvers fehlt im Druck.
32.MJB.2: Die Göttin sprach: Erhabener, Herr der Bergestochter, erkläre es wie angekündigt: Wer ist Mañjughoṣa, wie ist seine Gestalt und wie seine Durchführung?
32.MJB.3: Īśvara sprach: Höre meine Worte, Göttin; hier soll kein Zweifel sein. Der Gott Mañjughoṣa bin ich selbst, ohne Zweifel.
32.MJB.4: Ich bin der eine Śaṅkara und nehme selbst vielerlei Gestalten an. Höre nun wahrheitsgemäß seine Durchführung von mir. Ein Teil der Sätze aus Vers 3–4 steht im Druck in Klammern.
32.MJB.5: Der wesentliche sechssilbige Mantra zerstöre unmittelbar verkehrtes Denken. Seine Übung umfasst sechshunderttausend Rezitationen; selbst Götter erlangten ihn schwer. Die eingeklammerte Glosse schreibt als Mantra mañjularīlarī; die Lesung dieser ungewöhnlichen Lautfolge bleibt unsicher und wird nicht durch eine geläufigere Formel ersetzt.
32.MJB.6: Drei Monatshälften der Rezitation machten einen Menschen beredt; er erlange gute Dichtkunst und eine die Welt überragende schöpferische Einsicht.
32.MJB.7: Wer drei Monate rezitiere, werde gelehrt, auch wenn er zuvor ungelehrt war. Nach sechs Monaten sei er allwissend und von scharfem Verstand, behauptet die Quelle.
32.MJB.8: Nach einem Jahr kämen alle Vollkommenheiten, wahrlich, o Herrin. Als seine Nahrung werden menschliche Ausscheidungen, als Naivedya Augensekret genannt. Die Aussage gehört zur bewusst grenzüberschreitenden Ritualsprache dieses Abschnitts.
32.MJB.9: Urin wird als Fußwasser genannt; der Duftstoff wird mit dem schwer eindeutig aufzulösenden Ausdruck viṭkhadirodbhava bezeichnet. Blätter und Blüten stammen aus dem Wald; eine Variante verändert die entsprechende Waldbezeichnung.
32.MJB.10: Baumwollsamen mit Rizinuswurzeln werden als weitere Gabe genannt; Speichel dient als Wasser zum Mundspülen. Der Druck lässt die Funktion der ersten Gabe offen.
Unnummerierter Übergang: „Ich werde die alle Vollkommenheiten gewährende Meditation lehren, große Göttin.“ Nach einer Drucklücke verweist die Redaktion auf die bereits zitierte Meditation „weiß wie der Mond“; sie wird nicht noch einmal ausgeschrieben.
32.MJB.11: Ich werde die Herleitung des Mantras durch die Unterweisung in den Verneigungen erklären. Höre, glückselige Göttin: Im Kali-Zeitalter verleihe sie unmittelbar Frucht.
32.MJB.12: Der Mantra sei die wesentliche, alle Ziele gewährende und höchste Form der Beeinflussung: makellos, jenseits der Eigenschaften, höchst verborgen und alle Wünsche erfüllend.
32.MJB.13: Ich verneige mich vor diesem wohlwollenden Herrn, vor Mañjughoṣa: dem Erwählten, höchsten Wesentlichen, den Brahmā und die übrigen Götter preisen.
32.MJB.14: Ich verneige mich vor dem roten, mit der Rajas-Eigenschaft verbundenen Mañjughoṣa. Selbst die Kundigen erkennen ihn weder durch Worte noch durch körperliches Tun. Der Gedankengang setzt sich auf Seite 720 fort.
Abschluss Mañjughoṣas und der Caraṇāyudha-Mantra
Druckseite 720.
32.MJB.15: Ich verneige mich vor dem Friedvollen, mit Tamas Verbundenen, der gelbe Gewänder trägt. Zu seinen Füßen fallen die um Sieg über die Daityas Bittenden; die Hauptlesung lässt das Subjekt unausgesprochen, die Variante nennt die Götter.
32.MJB.16: Zu seinen Füßen fällt das Lebewesen um Wachstum und Gedeihen: vor ihm verneige ich mich. Selbst die Götter erkennen sein Wesen in der Sattva-Eigenschaft nicht. Eine Variante liest anstelle der Bitte um Wachstum eine Anrede an den Erwachten beziehungsweise Weisen.
32.MJB.17: Ich verneige mich vor dem dunklen Mañjughoṣa, dem Wesen von allem, dem Herrn der Einsicht und der Welt, dem Ursprung von Verstehen und Weiterem.
32.MJB.18: Ich verneige mich vor ihm, der zugleich mit Teilen und ohne Teile ist und Wohltat gewährt. Die eingeklammerte Ritualangabe nennt Kaṇva als Seher, Paṅkti als Versmaß und die sechs Mantralaute für die Glieder.
32.MJB.19: Danach wird eine Gabe an den Guru gegeben, sodass dieser zufrieden ist. Allein durch die Zufriedenheit des Gurus werde Vollkommenheit erlangt, bekräftigt die Quelle.
32.MJB.20: Der eingeklammerte Vers verbietet, den eigenen Vater bei der Einweihung zum Guru zu machen, und droht ihm mit Höllenfolge, solange der Sohn leidet. Diese historische Einschränkung wird als Aussage der Quelle wiedergegeben.
Ende des Mañjughoṣa-Abschnitts. Nun der Caraṇāyudha-Mantra; neue Zählung 32.CAY:
32.CAY.1: Die verschlüsselte Lautherleitung beginnt mit dem Schlingen-Bīja; es folgen Tīkṣṇa, verbunden mit linkem Ohr und Mondpunkt, sodann Krodhin mit Sadyojāta und Pinākin mit Varman –
32.CAY.2: – diese Dreiergruppe wird wiederholt. Danach folgen Khaḍgīśa mit Ananta, das Māyā-Bīja und zweimal die Dreiergruppe ab dem zweiten Glied –
32.CAY.3: – schließlich Kūrma mit Ohrlaut, Khaḍgin mit Ananta und der Hakenlaut. Dies heißt der achtzehnsilbige Caraṇāyudha-Mantra. Die ungewöhnliche ausgeschriebene Bīja-Folge ist im Druck nicht vollständig sicher zu entziffern; die lesbaren Teile werden in den Sanskritfassungen dokumentiert, nicht zu einer geläufigeren Formel ergänzt.
32.CAY.4: Mahārudra ist der Seher, Jagatī das Versmaß. Māyā ist das Bīja, Sṛṇi, der Haken, die Śakti, und das Schlingen-Bīja der Keil.
32.CAY.5: Die Gottheit heißt Caraṇāyudha. Die sechs Glieder werden mit vier, drei, zwei, drei, drei und drei Lauten gebildet; diese Aufteilung ergibt die genannten achtzehn.
32.CAY.6: Die Mantralaute werden auf Scheitel, Stirn, Brauen, Augen, Ohren, Nase, Mund, Hals, Bauch, Nabel, Geschlechtsorgan und After –
32.CAY.7: – sowie auf Knie und Füße gesetzt. Danach wird die Gestalt mit allen Schmuckstücken, Hals und beiden Füßen vorgestellt.
32.CAY.8: Sie glänzt wie fließendes Gold, bewegt beide Flügel, ruht auf dem Lotus von Gaurīs Hand und wird von allen Göttern verehrt.
32.CAY.9: Sie hat einen roten Kamm, zwei rote Schnabelhälften und bewegte Füße; sie vernichte alle Bedrängnisse und gewähre sämtliche Vollkommenheiten.
32.CAY.10: So wird der große Gott namens Kukkuṭeśvara, Herr des Hahns beziehungsweise in Hahnengestalt, meditiert. Auf dem Śaiva-Sitz wird Tāmraśekhara, „der Kupferbekrönte“, verehrt.
32.CAY.11: Zuerst verehrt man den Kreis der Glieder. Auf den acht Blättern folgen, im Osten beginnend und nach rechts gehend, Śaṃbhu, Gaurī und Gaṇapati –
32.CAY.12: – Kārttikeya, Mandāra, Pārijāta, Mahākāla und Barhin, der Pfau. Im Quadrat stehen die Richtungsgebieter –
32.CAY.13: – außen ihre Waffen. Am Ende der Verehrung wird Bali dargebracht. Die Bali-Formel beginnt mit dem zweiten Bīja, Sattva und Bindu, dann Bhuvaneśvarī –
32.CAY.14: – zweimal „kukkuṭa“, zweimal „komm!“, „nimm diese Gabe, nimm sie!“, dann zweimal „lass sie annehmen!“ –
32.CAY.15: – „erfülle mir alle Wünsche“, dann yaṃ, Kṛddhi, Pū und „Verehrung dem Kukkuṭa“. Die Formel wird mit zweimal der Jina-Zahl, also achtundvierzig Silben, angegeben. Einzelne Bījas bleiben in der ausgeschriebenen Druckform unsicher und werden nicht vereinheitlicht.
Unnummerierter Halbvers: Nachts wird Bali mit geröstetem Getreide und den drei süßen Stoffen dargebracht. Der Rest des Verses fehlt im Druck.
Ausgeschriebene Bali-Formel, soweit lesbar: [Anfangsbīja unsicher] hrīṃ kukkuṭa kukkuṭa ehy ehi imaṃ baliṃ gṛhṇa gṛhṇa gṛhṇāpaya gṛhṇāpaya sarvān kāmāṃś ca dehi dehi yaṃ [Bīja-Folge unsicher] namaḥ kukkuṭāya. Die Zahl 48 gehört zur Quelle; eine ergänzte Vollform wird hier nicht behauptet.
Beginn der praktischen Ritualbeschreibung: Nach Morgenhandlungen und Yogapīṭha-Nyāsa erfolgen drei Atemregelungen mit dem Grundmantra. Auf dem Kopf: „Dem Seher Mahārudra Verehrung“; am Mund: „Dem Versmaß Atijagatī Verehrung“; am Herzen: „Der Gottheit Śrīkukkuṭeśvara Verehrung“; am After: „Dem Bīja hrīṃ Verehrung“. Die Abweichung Atijagatī gegenüber Jagatī in Vers 4 bleibt bestehen. Fortsetzung auf Seite 721.
Kukkuṭeśvaras Nyāsa, Anwendungen und Beginn Śāstṛs
Druckseite 721.
Fortsetzung der Ritualprosa: An den Füßen: „Der Śakti kroṃ Verehrung“; am Nabel: „Dem Keil pūṃ Verehrung“. Die Anwendung wird auf die Erfüllung aller eigenen Anliegen bezogen; danach folgen Händeklatschen und die Gliederzuordnung. Der folgende Nyāsa macht die auf Seite 720 undeutlichen Mantralaute klarer lesbar: āṃ pūṃ koṃ liṃ dem Herzen, pūṃ koṃ liṃ dem Kopf, vāṃ hrīṃ der Haarlocke, pūṃ koṃ liṃ dem Schutzpanzer, pūṃ koṃ liṃ den drei Augen und cuṃ vāṃ kroṃ der Waffe. Diese Zuordnung ergibt die achtzehn Laute; sie ist an die ausgeschriebene Nyāsa-Fassung dieser Seite gebunden.
Lautnyāsa: āṃ am Scheitel, pūṃ an der Stirn, koṃ rechts zwischen den Brauen, liṃ links; pūṃ am rechten Auge, koṃ am linken; liṃ am rechten Ohr, vāṃ am linken; hrīṃ an der rechten Nasenseite, pūṃ an der linken; koṃ am Mund, liṃ am Hals, pūṃ am Bauch, koṃ am Nabel, liṃ am Geschlechtsorgan, cuṃ am After, vāṃ an den Knien und kroṃ an den Füßen, jeweils mit „Verehrung“.
Verehrungsprosa: Nach Meditation und innerer Verehrung wird mit Kuṅkuma, Sandelholz und Ähnlichem ein achtblättriger Lotus mit einem äußeren Quadrat und vier Toren gezeichnet. Das Yantra wird aufgestellt und verehrt. Nach Einrichtung des Ehrungswassers und Selbstverehrung wird der Śaiva-Sitz verehrt, die Gestalt mit dem Grundmantra vorgestellt und von der Einladung bis zur Blumengabe bedient. Die sechs Glieder liegen wie zuvor in den vier Zwischenrichtungen, der Mitte und einer weiteren Richtung. Auf den Blättern folgen im Uhrzeigersinn Śaṃbhu, Gaurī, Gaṇapati, Kārttikeya, Mandāra, Pārijāta, Mahākāla und Barhin. Welthüter und weitere Verehrungen werden wie zuvor abgeschlossen; Bali wird mit dem genannten Mantra gegeben.
32.CAY.16: Eine Lakh, hunderttausend Rezitationen, wird genannt; ein Zehntel davon wird als Sesam-Feueropfer mit den drei süßen Stoffen dargebracht. Danach folgen Tarpaṇa und Bewirtung der Brahmanen.
32.CAY.17: Wer so den Mantra vollendet hat, könne alle Wünsche verwirklichen. Vor einer Anwendung werden zehntausendzweihundert Rezitationen genannt.
32.CAY.18: Der Text nennt eine tägliche Bali-Gabe mit Reis, Ghee und Milch in der Nähe der Gottheit zu Beginn der Mahlzeit. Das einleitende Kompositum enthält eine örtlich unsichere Zahlen- beziehungsweise Zeitbestimmung, die nicht ergänzt wird.
32.CAY.19: Durch diese Bali-Gabe sei Kubera zum Herrn des Reichtums geworden. Für Befriedung und Gedeihen wird sie ausdrücklich genannt.
32.CAY.20: Der durch Bali zufriedengestellte Kukkuṭa gewähre das Ersehnte. Eine Reisgabe mit Niśā, Kurkuma, wird mit einem Unterwerfungsversprechen innerhalb von drei Tagen verbunden.
32.CAY.21: Genannt werden Weizenmehlgebäck, Kuchen und Milch zusammen mit Ghee und Kampfer als nächtliche Bali-Gabe.
32.CAY.22: Dadurch gerate die ganze Welt binnen drei Tagen unter Einfluss, behauptet der Text. Wer nachts konzentriert tausendmal mit Blick auf eine bestimmte Person rezitiere –
32.CAY.23: – und mit gelben Blumen, Bilva-Blättern und Karavīra-Blüten in Tausenderzahl verehre, mache diese innerhalb einer Woche zum Diener. Die Aussage ist ein historisches magisches Unterwerfungsversprechen.
32.CAY.24: Eine fortgesetzte Bali-Gabe mit Ziegen- und Lāvaka-Vogelfleisch wird mit Wunscherfüllung und Befreiung aus Not verbunden.
32.CAY.25: Mit offenem Haar, nach Norden gewandt und auf der linken Hand zählend wird um Mitternacht acht Tage lang rezitiert, wobei eine Person innerlich vorgestellt wird –
32.CAY.26: – diese werde selbst über Hunderte Yojanas hinweg angezogen. Redaktionelle Ausnahme zum zweiten Halbvers: Danach beginnt eine substanzbezogene Zubereitung zur Lähmung beziehungsweise Stillstellung; ihre konkrete Ausführung wird nicht wiedergegeben.
32.CAY.27: Redaktionelle Inhaltsangabe: Die Zubereitung wird besprochen und mit einem weiteren potenziell giftigen Stoff verarbeitet. Rezept und Menge sind ausgelassen.
32.CAY.28: Redaktionelle Inhaltsangabe: Der Text behauptet eine Stillstellungswirkung bei Berührung. Danach beginnt eine weitere schädigende Feuerzubereitung; ihre materiellen Schritte werden nicht ausgeschrieben.
32.CAY.29: Redaktionelle Inhaltsangabe: Giftige Pflanzenbestandteile und weitere Stoffe werden für ein schädigendes Feueropfer eingesetzt. Die ausführbare Rezeptur ist ausgelassen.
32.CAY.30: Redaktionelle Inhaltsangabe: Als Ziele dieser Handlungen nennt die Quelle Vertreibung innerhalb einer Woche und Tötung innerhalb von drei Tagen. Dies ist keine Behauptung tatsächlicher Wirksamkeit.
32.CAY.31: Es folgt eine rein symbolische Figurenhandlung: Aus Bienenwachs wird eine Figur des Feindes gefertigt; beim Berühren wird der Grundmantra tausendmal rezitiert.
32.CAY.32: Nachts an der Verbrennungsstätte wird mit einem Holzstift vom Scheiterhaufen ein Glied der Figur durchbohrt. Der Text behauptet, das entsprechende Glied des Betroffenen werde zerstört.
Abschlussprosa: Auch alle Figurenhandlungen aus dem früheren Anwendungsabschnitt seien hier zu verstehen. Ende des Tāmra-Cūḍa-Abschnitts.
Beginn des Abschnitts über Śāstṛ
Neue Druckzählung 32.SAS.
32.SAS.1: Nun werde ich den Mantra Śāstṛs lehren, der alle Anliegen erfüllt: Śāstṛ wird von der Jagd ermüdet, auf einem Pferd sitzend und von seinem Gefolge umgeben vorgestellt. Fortsetzung auf Seite 722.
Śāstṛs Verehrung und der Vaivasvata-Mantra
Druckseite 722.
32.SAS.2: Die auf Seite 721 begonnene Formel endet mit den Worten pānīyārthaṃ vinā śāstre te nato revate namaḥ. Sie wird als zweiunddreißigsilbig bezeichnet. Die Wortverbindung ist ungewöhnlich; erkennbar ist die Verehrung Śāstṛs und der Bezug auf Trinkwasser. Eine glättende Gesamtübersetzung wird nicht erfunden. Als Seher wird Revata genannt.
32.SAS.3: Das Versmaß ist Paṅkti, die Gottheit Mahāśāstṛ, der alle Wünsche erfüllt. Die fünf Glieder werden mit den vier Versvierteln und der gesamten Formel zugeordnet.
32.SAS.4: Ich verehre den dreiaugigen Śāstṛ zu Pferde: Er bindet den Betroffenen mit einer Schlinge und lässt ihn vor den Übenden niederfallen. Dies ist das historische Bild einer Unterwerfungshandlung.
32.SAS.5: Nach dieser Meditation wird auf dem zuvor beschriebenen Śaiva-Sitz verehrt: zuerst die Glieder, danach im Uhrzeigersinn die Blätter –
32.SAS.6: – mit Goptṛ, Piṅgalākṣa, Vīrasena, Śāmbhava, Trinetra, Śūlin, Datta und Bhīmarūpa.
Unnummerierter Halbvers: Im Quadrat werden die Welthüter mit Donnerkeil und den übrigen Waffen verehrt. Der anschließende Halbvers fehlt im Druck.
Ritualbeschreibung: Nach Morgenhandlungen und Yogapīṭha-Nyāsa werden drei Atemregelungen mit dem Grundmantra ausgeführt. Am Kopf wird Revata als Seher, am Mund Paṅkti als Versmaß und am Herzen Śrīmahāśāstṛ als Gottheit verehrt. Die Anwendung wird mit gefalteten Händen auf die Erfüllung des eigenen Anliegens bezogen. śāstāraṃ mṛgayāśrāntaṃ gehört zum Herzen, aśvārūḍhaṃ gaṇāvṛtaṃ zum Kopf, pānīyārthaṃ vinā śāstre zur Haarlocke und te nato revate namaḥ zum Schutzpanzer; der ganze Mantra gehört zur Waffe. So erfolgen Hand- und Glieder-Nyāsa.
Nach Meditation und innerer Verehrung wird mit Kuṅkuma auf einem Sandelholz-Sitz oder entsprechender Unterlage ein achtblättriger Lotus innerhalb eines Quadrats mit vier Toren gezeichnet. Aufstellung, Ehrungswasser, Selbstverehrung und Verehrung des Śaiva-Sitzes folgen. Die Gestalt wird mit dem Grundmantra vorgestellt und von der Einladung bis zur Blumengabe verehrt. Nach der Gliederverehrung werden im Uhrzeigersinn die acht Namen aus Vers 6 eingesetzt, jeweils mit „Verehrung“. Im Quadrat folgen Welthüter und Waffen; Räucherwerk, Licht und alles Weitere werden wie zuvor dargebracht.
32.SAS.7: Hunderttausend Rezitationen und ein Zehntel davon als Sesam-Feueropfer werden genannt. Danach folgen Tarpaṇa und weitere Handlungen; so gelte der Mantra als vollendet.
32.SAS.8: Dem Wasser begehrenden Śāstṛ wird mittags Wasser in den zusammengelegten Händen dargebracht; ebenso seinem Gefolge.
32.SAS.9: So gesättigt, werde Śāstṛ zum Geber der gewünschten Frucht. Um Mitternacht wird eine mit der Gāyatrī besprochene Bali-Gabe dargebracht.
32.SAS.10: Mit ungeteilter Aufmerksamkeit wird der Grundmantra hundertachtmal rezitiert. Die Gāyatrī beginnt mit bhūtādhipāya vidmahe –
32.SAS.11: – dann mahādevāya dhīmahi tan naḥ śāstā pracodayāt: „Wir erkennen den Herrn der Wesen; wir meditieren über den großen Gott. Möge Śāstṛ uns anregen.“
Unnummerierter Abschluss: Diese Gāyatrī wird als den Menschen alle Wünsche erfüllend bezeichnet. Nach einer Drucklücke endet der Śāstṛ-Abschnitt.
Der große Mantra Vaivasvatas
Neue Zählung 32.VAI.
32.VAI.1: Nun werde ich kurz den großen Vaivasvata-Mantra lehren; allein durch seine Erkenntnis werde man die Hölle nicht schauen, lautet die Verheißung.
32.VAI.2: Auf Praṇava folgen Haken-, Māyā-, Schlingen- und Varuṇa-Bīja; danach stehen die Anreden Vaivasvata und Dharmarāja.
Unnummerierter Abschluss der Herleitung: Es folgen „dem, der den Verehrenden Gnade erweist“ und die Herzformel. Der Mantra hat nach der Jina-Zahl vierundzwanzig Silben. Ausgeschrieben: oṃ kroṃ hrīṃ āṃ vaṃ vaivasvatāya dharmarājāya bhaktānugrahakṛte namaḥ – „Verehrung dem Sohn Vivasvats, dem König des Dharma, der den Verehrenden Gnade erweist“, mit den vorangestellten Lautformeln.
32.VAI.3: Die sechs Glieder werden durch drei, zwei, fünf, fünf, sieben und zwei Laute gebildet. Meditiert wird der junge Gott, dunkel wie eine Regenwolke, den Verdienstvollen wohltätig –
32.VAI.4: – den Übeltätern unheilvoll, mit vielerlei Schmuck versehen, einen Stab haltend, auf einem Büffel reitend und von den Ahnen umgeben.
32.VAI.5: Stets wird dieser heldenhafte Sohn der Sonne, Gebieter der südlichen Richtung, vergegenwärtigt. Nach dieser Meditation wird der Mantra hundertachtmal rezitiert –
32.VAI.6: – täglich; er vernichte Leid und Bedrängnis, halte die Hölle fern, bringe alle Güter, beseitige Gegner und gewähre Wohlergehen und Glück, so die Quelle.
Abschlussprosa: Weil dies ein bereits vollendeter Mantra sei, gebe es keine zusätzliche Angabe zu Seher und weiteren Zuordnungen. Nun beginnt der Citragupta-Mantra.
Citraguptas Mantra und Beginn der Āsurī-Lehre
Druckseite 723; neue Druckzählungen 32.CIT und 32.ASU.
32.CIT.1: Auf Praṇava und Herzformel folgen die Anreden Vicitra, „Vielfältiger“, und Dharmalekhaka, „Aufzeichner des Dharma“; danach beginnt der Ausdruck yamavādikādhi– –
32.CIT.2: – mit kāriṇe, darauf yamalavarayūṃ, Geburt, Wohlergehen, Auflösung, zweimal „berichte!“ und die Feuergemahlin. Die beiden ungewöhnlichen mittleren Ausdrücke bleiben in der Druckform stehen; ihre Auflösung ist unsicher.
32.CIT.3: Dieser Citragupta-Mantra habe achtunddreißig Silben und beseitige Leid. Die sechs Glieder werden mit sieben, sechs, neun, acht, sechs und zwei Lauten gebildet.
Ausgeschriebene Formel: oṃ namo vicitrāya dharmalekhakāya yamavādikādhikāriṇe yamalavarayūṃ janmasaṃpatpralayaṃ kathaya kathaya svāhā. Der sichere Sinn lautet: „Verehrung dem Vielfältigen, dem Aufzeichner des Dharma … berichte von Geburt, Wohlergehen und Auflösung.“ Die unsicheren Wörter werden nicht sinngemäß ergänzt.
32.CIT.4: Er trägt eine Krone, bunte Gewänder und mannigfaltigen Schmuck, sitzt auf einem vielfarbigen Sitz und hat ein Antlitz wie der Vollmond.
Unnummerierter Meditationsabschluss: Er zeichnet die guten und schlechten Handlungen der Lebewesen auf und ist Freund der Ahnen. „Man meditiere“ ist als zu ergänzendes Satzglied ausdrücklich in der Druckglosse genannt.
32.CIT.5: Täglich soll der Mensch diesen bereits vollendeten Mantra gesammelt und rein rezitieren. Citragupta werde, zufrieden, nur das Verdienstvolle aufzeichnen, heißt es.
Unnummerierter Abschluss: Er zähle die Schuld des Betreffenden nicht und breite täglich Wohlergehen aus. Nach einer Drucklücke endet der Abschnitt. Diese religiöse Verheißung ersetzt in der Ausgabe keine ethische Verantwortung.
Āsurīs Mantra
32.ASU.1: Die Formel beginnt mit Praṇava und den Anreden „Scharfe“, „Scharfblättrige“, „Glückliche“, „Āsurī“, „Rote“ und „Rotgewandete“ –
32.ASU.2: – „Tochter Atharvans“, „Nichtschreckliche“, „Vollbringerin nichtschrecklicher Handlungen“. Danach wird der Name der Zielperson eingefügt, gefolgt von der Bitte, deren Gang zu „verbrennen“ –
32.ASU.3: – ihren After beim Sitzen, ihren Geist beim Schlafen und ihr Herz beim Wachsein zu „verbrennen“ –
32.ASU.4: – dann folgen zweimal „schlage!“ und „koche!“, und die Aufforderung: „Verbrenne und koche so lange –“
32.ASU.5: – „bis sie unter meinen Einfluss kommt“, mit huṃ phaṭ svāhā als Abschluss. Die Quelle nennt diesen Āsurī-Mantra einen Herrn der Mantras mit hundertzehn Silben. Dies ist ein historischer Schädigungs- und Unterwerfungszauber; die Ausgabe stellt ihn nicht als heilsame Übung vor.
Ausgeschriebene Formel: oṃ kaṭuke kaṭukapatre subhage āsuri rakte raktavāsase atharvaṇasya duhite aghore aghorakarmakārike amukasya gatiṃ daha daha upaviṣṭasya gudaṃ daha daha suptasya mano daha daha prabuddhasya hṛdayaṃ daha daha hana hana paca paca tāvad daha tāvat paca yāvan me vaśam āyāti huṃ phaṭ svāhā. amukasya ist die Platzhalterform der Quelle, kein eingefügter Personenname.
32.ASU.6: Aṅgiras ist der Seher, Virāj das Versmaß, Āsurī-Durgā die Gottheit und Praṇava das Bīja.
32.ASU.7: svāhā ist die Śakti, das doppelte daha der Keil. Neun Laute gehören zum Herzen, sechs zum Kopf –
32.ASU.8: – sieben zur Haarlocke, acht zum Schutzpanzer, elf zu den Augen und fünfundsechzig zur Waffe.
32.ASU.9: Die sechs Gliederformeln schließen mit den jeweiligen Ritualabschlüssen bis svāhā; die genaue Kurzform des ersten Halbverses ist gedrängt. Meditiert wird die glückverheißende Göttin auf einem Lotus, hell wie der Herbstmond –
32.ASU.10: – mit Gabengewährung, Schutzgeste, Dreizack und Haken in den Händen, einer Schlange als heiliger Schnur und allem Schmuck. Die Fußnote ordnet Gabengewährung und Dreizack rechts, Schutzgeste und Haken links zu.
32.ASU.11: Als Tochter Atharvans und furchtbare Āsurī wird sie meditiert. Zehntausend Rezitationen und ein Zehntel davon als Feueropfer werden genannt –
32.ASU.12: – mit gheegetränkten Rājikā-Samen, also Senf. So gelte der Mantra als vollendet. Anschließend werden die fünf Pflanzenteile der Āsurī hundertmal besprochen –
32.ASU.13: – und der Übende räuchert sich damit nachts ein. Der Text schreibt dem Einatmen des Geruchs durch andere eine unterwerfende Wirkung zu. Diese Behauptung wird nicht als tatsächliche Wirkung bestätigt und ist keine Empfehlung zum Einräuchern von Menschen.
32.ASU.14: Tausend nächtliche Feuerdarbringungen von Āsurī mit den drei süßen Stoffen werden mit Beherrschung der ganzen Welt verbunden.
Querverweis der Quelle: Alle im Lavaṇa-Durgā-Abschnitt genannten Anwendungen gelten auch hier; sie werden nicht erneut ausgeschrieben.
32.ASU.15: Genannt wird ein Feueropfer mit Rājikā, Nimba-Blättern und scharfem Öl, wobei der Name in den Mantra eingefügt wird. Die zugehörige Wirkungsbehauptung folgt auf Seite 724.
Āsurīs Abschluss, Kubera und Viśvāvasu
Druckseite 724.
32.ASU.16: Als Wirkung der vorausgehenden Handlung behauptet der Text den Tod des Gegners unter Fieber. Ein Feueropfer mit Senf und Salz wird mit Hautgeschwüren beim Gegner verbunden.
32.ASU.17: Redaktionelle Inhaltsangabe des ersten Halbverses: Eine weitere Zubereitung mit giftigem Pflanzensaft wird zur Blendung des Gegners genannt. Die konkrete Mischung bleibt ausgelassen. Der zweite Halbvers wechselt zu einem Feueropfer mit gheegetränktem Senf in einem mit Palāśa-Holz genährten Feuer –
32.ASU.18: – zur Beeinflussung von Brahmanen. Rohrzucker wird den Kṣatriyas, Dickmilch den Vaiśyas und Salz den Śūdras zugeordnet. Diese historische Einteilung wird nicht als heutige Wertordnung übernommen.
Unnummerierter Abschluss: Den Āsurī-Verehrenden sei in den drei Welten nichts unerreichbar. Nach einer Drucklücke endet die Āsurī-Anwendung.
Kuberas Mantra
Neue Zählung 32.KUB.
32.KUB.1: Ich werde Kuberas Mantra lehren, der alle Güter schenke. Die Herleitung nennt die Dativformen „dem Yakṣa“, „Kubera“ und „Vaiśravaṇa“ –
32.KUB.2: – dann „dem Herrn von Geld und Getreide“, „Wohlstand an Geld und Getreide“, „gib mir“, „lass ihn mir geben“ und svāhā.
Unnummerierter Abschluss und Formel: Der Mantra des großen Kubera wird als fünfunddreißigsilbig angegeben: yakṣāya kuberāya vaiśravaṇāya dhanadhānyādhipataye dhanadhānyasamṛddhiṃ me dehi dāpaya svāhā. Sinngemäß: „Dem Yakṣa Kubera Vaiśravaṇa, dem Herrn über Geld und Getreide: Gib mir Wohlstand an Geld und Getreide, lass ihn mir zukommen; svāhā.“
32.KUB.3: Viśravas ist der Seher, Bṛhatī das Versmaß und Kubera die Gottheit. Die sechs Glieder werden mit drei, vier, fünf und acht –
32.KUB.4: – weiteren acht und sieben Lauten gebildet. Meditiert wird der Herr der Schätze, einem Smaragd-Felsgipfel gleich –
32.KUB.5: – geschmückt mit Krone, Halskette, Oberarmreifen, Armreifen und Spangen, die Gabengeste und eine Keule tragend, auf einem Menschen als Träger sitzend –
32.KUB.6: – der Herr der Stadt Alakā und Freund Śivas. Hunderttausend Rezitationen werden genannt, ein Zehntel davon mit gheegetränktem Sesam –
32.KUB.7: – als Feueropfer. Auf dem Śaiva-Sitz wird der Herr des Reichtums verehrt, zuerst seine Glieder, dann die Richtungsgebieter mit ihren Waffen.
32.KUB.8: Zehntausend Rezitationen in Śivas Nähe werden zur Vermehrung des Besitzes genannt; ebenso Rezitation an der Wurzel eines Bilva-Baumes.
Ein weiterer Kubera-Mantra
Neue Zählung 32.KUM.
32.KUM.1: Lakṣmī wird von Tāra umschlossen, Ramā von Māyā, Lakṣmī von Kāma; danach folgen die Dativform „Vitteśvara“ und die Verneigung. Die Bīja-Gruppen werden damit nach der Regel ihrer beidseitigen Umschließung gebildet.
32.KUM.2: Dieser sechzehnsilbige Mantra vernichte große Armut. Die Gliederzuordnung nennt drei, zwei, vier, zwei, fünf und zwei Laute. Diese Summe stimmt nicht mit sechzehn überein; die Angaben werden nicht stillschweigend berichtigt.
Unnummerierter Abschluss: Meditation, Verehrung und alles Weitere erfolgen nach der vorher genannten Vorschrift.
Fußnote aus dem Merutantra: Ein weiterer Kubera-Mantra habe acht Silben: oṃ vaiśravaṇāya svāhā. Für die fünf Glieder werden die fünf auf Praṇava folgenden Mantralaute mit vorangestelltem Praṇava und svāhā am Ende verbunden. Man meditiert Kubera mit einem goldenen, mit Schätzen gefüllten Krug und einem Juwelenkästchen in beiden Händen, mit kurzen Händen und Füßen, dickbäuchig und lächelnd. Die Sitzbeschreibung enthält eine unsichere Wortfolge mit vaṭa und einer Sitzplatte. Als Umfang stehen hier ausdrücklich varṇalakṣa, eine Lakh je Mantralaut; Feueropfer und Verehrung gelten wie zuvor. Die Quelle verheißt großen Reichtum und Einfluss auf Yakṣiṇīs; die anschließende Aufzählung ist örtlich unsicher.
Viśvāvasus Mantra aus dem Sārasaṃgraha
Neue Zählung 32.VIS.
32.VIS.1: Nun werde ich kurz den glückverheißenden Mantra des Gandharva-Königs Viśvāvasu erklären, der das Finden einer Braut ermögliche.
32.VIS.2: Auf Tāra folgt „Viśvāvasu mit Namen, Gandharva“ und „Herr der unverheirateten Frauen“ –
32.VIS.3: – dann „weil ich, Gott, eine mit Gold geschmückte Braut erlangen möchte“, ihr Name, „gib sie mir“, „dem Viśvāvasu“ und der doppelte Abschluss. Die verschlüsselte Schlusssilbe dviṭhaḥ wird nicht ohne die folgende Ausführung ausgeschrieben.
32.VIS.4: Dies wird als Gandharva-Mantra zur Brautgewinnung gelehrt. Zehn Laute gehören zum Herzen, neun zum Kopf –
32.VIS.5: – acht zur Haarlocke, sechs zum Schutzpanzer, fünf zu den Augen und zehn zur Waffe.
Viśvāvasus Meditation und der hundertlautige Mantra
Druckseite 725.
32.VIS.6: Mit diesen getrennten Mantragruppen und ihren jeweiligen Abschlüssen werden Hand- und Glieder-Nyāsa ausgeführt. Danach meditiert man den Herrn der Gandharvas.
32.VIS.7: Man meditiert Viśvāvasu, der die lotosgleiche Hand der Braut in seine eigene legt und sie dem bittenden Bräutigam gibt; er glänzt in edlem Gewand und Schmuck, ist von jungen Frauen mit gesenkten Lotusgesichtern umgeben und erfreut und mit vielfältiger Ausstattung und Kunstfertigkeit versehen. Die genauen Bezüge der ersten Verszeile sind gedrängt; das Übergabebild bleibt als Bild einer historischen Eheschließung erkennbar.
32.VIS.8: Im Wasser bis zum Nabel stehend werden gesammelt vierzigtausend Rezitationen genannt; danach folgt ein Zehntel davon als Feueropfer –
32.VIS.9: – mit gheegetränktem Röstgetreide und Zuckerrohrstücken im entfachten Feuer. Nach Tarpaṇa und Besprengen werden Brahmanen bewirtet.
32.VIS.10: So werde der Mantra gewiss vollendet. Der Übende soll bei der Rezitation nach Westen blicken.
Unnummerierter Abschluss: Die Braut, auf die die Rezitation bezogen wird, werde er erlangen, behauptet der Text; nach einer Drucklücke endet das Zitat.
Der Śatākṣara-Mantra aus dem Śāradātilaka
Die Quelle nennt Śāradātilaka 23.34 als Fundstelle. Neue Zählung 32.SAT.
32.SAT.1: Aus den Lauten der Gāyatrī, der Triṣṭubh und der Anuṣṭubh wird der hundertlautige Mantra gebildet. Seher und weitere Zuordnungen sind die bereits genannten; die Gottheit ist hier das höchste Licht.
32.SAT.2: Dreizehn Laute gehören zum Herzen, elf zum Kopf, zweiundzwanzig zur Haarlocke und ebenso viele zum Schutzpanzer.
32.SAT.3: Fünfzehn gehören zu den Augen und siebzehn zur Waffe. Lautnyāsa und alles Weitere werden nach dem bereits gelehrten Verfahren ausgeführt.
32.SAT.4: Wir verehren jenes höchste Licht: wahrhaftig, jenseits allen Maßes, Ursprung der Worte der heiligen Überlieferung und Ursache der Welt; es durchdringt Bewegliches und Unbewegliches und wird von Weisen mit gesammelten Sinnen meditiert. Es besteht aus Sonne, Feuer und Mond, hat die hundert Laute als Gestalt und Tāra, den Praṇava, als Wesen; beständig, Wohnstätte ewiger Freude und guter Eigenschaften, über alles hinausgehend.
32.SAT.5: Auf dem Sonnen-Sitz wird nach der folgenden Vorschrift verehrt. Der Lehrer verehrt den ersten Kreis mit den sechs Gliedern.
32.SAT.6: Drei weitere Kreise werden nacheinander mit den Gāyatrī-Śaktis verehrt. Der fünfte Kreis besteht aus den aus der Triṣṭubh entnommenen Śaktis.
32.SAT.7: Vier Kreise gehören zu den Anuṣṭubh-Śaktis. Der zehnte Kreis beginnt mit Indra; der darauf folgende enthält Donnerkeil und die übrigen Waffen.
Beginn der Ritualbeschreibung: Nach Morgenhandlungen und Yogapīṭha-Nyāsa werden drei Atemregelungen mit dem Grundmantra ausgeführt. Am Kopf werden Viśvāmitra, Kāśyapa und Vasiṣṭha als Seher verehrt, am Mund die Versmaße Gāyatrī, Triṣṭubh und Anuṣṭubh, am Herzen Paratejas, das höchste Licht, als Gottheit. Mit gefalteten Händen wird die Anwendung auf die Erfüllung aller Anliegen bezogen.
Hand- und Glieder-Nyāsa des zusammengesetzten Mantras: „Jenes erwählte Leuchten des göttlichen Savitṛ“ gehört zum Herzen; „wir meditieren – möge er unsere Einsichten anregen“ zum Kopf. „Für Jātavedas pressen wir Soma; möge er den Besitz des Feindseligen verbrennen“ gehört zur Haarlocke. „Er geleite uns über alle Schwierigkeiten wie ein Schiff über den Strom, Agni über das Unheil“ bildet den Schutzpanzer. „Wir verehren den Dreiäugigen, den Wohlriechenden, der Gedeihen mehrt“ gehört zu den Augen. „Wie die reife Gurke von ihrer Bindung möge ich vom Tod gelöst werden, nicht von der Unsterblichkeit“ gehört zur Waffe, mit phaṭ als Abschluss. Die jeweiligen Sanskritsegmente sind in den getrennten Sanskritfassungen vollständig zugeordnet; sie bleiben als drei zusammengefügte vedische Verse erkennbar.
Beginn des Lautnyāsa: Mit „Verehrung“ werden gesetzt: tat an den Wurzeln der linken Fußzehen – die Druckform nennt zugleich eine dualische Endung –, saṃ an den Knöcheln, viṃ an den Knien, tuṃ an den Oberschenkelansätzen, vaṃ am Geschlechtsorgan, reṃ am Nabel, ṇiṃ am Herzen, yaṃ am Hals, bhaṃ an den Fingerwurzeln, goṃ an den Handgelenken, deṃ an den Ellbogen, vaṃ an den Schulteransätzen, syaṃ am Mund, dhīṃ an der Nase, maṃ an den Wangen, hiṃ an den Augen, dhiṃ an den Ohren, yoṃ an den Brauen, nochmals yoṃ am Kopf und naḥ unterhalb der Haarlocke an der westlichen Gesichtsseite. Fortsetzung auf Seite 726.
Laut- und Wortnyāsa des Śatākṣara-Mantras
Druckseite 726. Die folgenden Lautfolgen geben die Nyāsa-Formen der Quelle wieder; sie werden nicht mit dem kontinuierlich rezitierten Mantra gleichgesetzt. Wiederholungen und ungewöhnliche Verteilungen bleiben erhalten.
Fortsetzung der Gāyatrī-Lautzuordnung: praṃ am linken Ohr beziehungsweise nördlichen Gesicht, coṃ am rechten Ohr beziehungsweise südlichen Gesicht, daṃ am Mund beziehungsweise östlichen Gesicht, yāt am Kopf beziehungsweise oberen Gesicht; jeweils „Verehrung“.
Lautzuordnung des Jātavedas-Verses: Die folgende Reihe wechselt bei paarigen Stellen jeweils rechts und links: an den großen Zehen jāṃ, taṃ; den Knöcheln veṃ, daṃ; Unterschenkeln saṃ, suṃ; Knien naṃ, vāṃ; Oberschenkeln maṃ, soṃ; Hüften maṃ, maṃ. Danach: rāṃ am Geschlechtsorgan, tīṃ am Nabel, yaṃ am Herzen; an den Brüsten toṃ, niṃ, den Seiten daṃ, hāṃ; tiṃ am Rücken. An den Schultern veṃ, daḥ; Oberarmansätzen saṃ, naḥ; Oberarmmitten paṃ, raṃ; Ellbogen ṣaṃ, daṃ; Unterarmen tiṃ, duṃ; Handgelenken gāṃ, ṇiṃ; Handflächen viṃ, śvāṃ. Danach nāṃ am Mund; an den Nasenseiten veṃ, vaṃ, Augen siṃ, ndhuṃ, Ohren duṃ, riṃ; tāṃ an der Stirn, tyaṃ darüber und gniḥ am Scheitel. Jede Zuordnung schließt mit „Verehrung“.
Lautzuordnung des Tryambaka-Verses: tryaṃ am Mund, baṃ unter der Haarlocke, kaṃ am rechten und yaṃ am linken Ohr, jāṃ an der Brust, maṃ am Hals, haṃ am Mund, suṃ am Nabel, gaṃ am Herzen, ndhiṃ am Rücken, puṃ am Bauch, ṣṭiṃ am Geschlechtsorgan und vaṃ am After. An den rechten und linken Oberschenkelansätzen folgen rdhaṃ, naṃ, an den Oberschenkeln uṃ, vāṃ, an den Knien ruṃ, kaṃ. Die Quelle nennt danach nochmals das rechte Knie mit einer zusätzlichen Ortsbestimmung vṛtte und miṃ, links vaṃ; die Wiederholung wird nicht beseitigt. An den Brüsten baṃ, ndhaṃ, an den Seiten nāṃ, nmṛṃ, an den Füßen tyoṃ, muṃ, an den Handflächen kṣīṃ, yaṃ, an den Nasenseiten māṃ, mṛṃ; tāt am Kopf. Die zusammengesetzten Konsonanten und Sandhi-Gruppen werden wie im Nyāsa gedruckt bewahrt.
Wortnyāsa der Gāyatrī: tat auf dem Kopf, savituḥ zwischen den Brauen, vareṇyaṃ an den Augen, bhargaḥ am Mund, devasya am Hals, dhīmahi am Herzen, dhiyaḥ am Nabel, yaḥ am verborgenen Körperteil, naḥ an den Knien, pracodayāt an den Füßen.
Wortnyāsa des Jātavedas-Verses: jātavedase an der Haarlocke, sunavāma an der Stirn, somaṃ am rechten Auge, arātīyataḥ am linken; ni am rechten Ohr, dahāti am linken; vedaḥ an der Oberlippe, saḥ an der Unterlippe, naḥ an der Zunge, parṣat am Hals, ati an den Armen, durgāṇi am Herzen, viśvā am Bauch, nāvā an der Hüfte, iva am verborgenen Körperteil, sindhuṃ an beiden Oberschenkeln, duritā an beiden Knien, ati an den Unterschenkeln und agniḥ an den Füßen.
Wortnyāsa des Tryambaka-Verses: tryambakaṃ am Kopf, yajāmahe an den Brauen, sugandhiṃ an den Augen, puṣṭivardhanaṃ am Mund, urvārukaṃ an den Wangen, iva am Herzen, bandhanāt am Bauch, mṛtyoḥ am verborgenen Körperteil, mukṣīya an beiden Oberschenkeln, mā an den Knien und amṛtāt an den Füßen; jeweils „Verehrung“.
Fortsetzung der Verehrung: Nach Meditation und Selbstverehrung wird der bereits beschriebene Sonnen-Sitz verehrt. Nach Vorstellung der Gestalt und Gliederverehrung folgen die vierundzwanzig Gāyatrī-Śaktis, beginnend mit Prahlādinī, in drei Kreisen wie zuvor im Śaiva-Aufbau. Außen folgen auf vierundvierzig Blättern die im Triṣṭubh-Abschnitt genannten Śaktis, beginnend mit Jāgara. Auf zwei weiteren achtblättrigen Lotussen werden die zweiunddreißig Anuṣṭubh-Śaktis ab Ramā verehrt, auf jedem Lotus in zwei Kreisen an Blattmitten und Blattspitzen. Außen folgen die Welthüter und alles Weitere wie zuvor.
32.SAT.8: Hunderttausend Rezitationen und zehntausend Feuerdarbringungen von gheegetränktem Milchreis werden genannt; danach Tarpaṇa und die weiteren Handlungen.
32.SAT.9: Wenn der Mantra so vollendet sei, werde der Übende sonnenähnlich. Ein Feueropfer mit in Milch gegebenen Stücken der Sudhā-Ranke wird genannt –
32.SAT.10: – und mit langem Leben ohne geistige oder körperliche Krankheit verbunden. Gheegetränktes Dūrvā-Gras soll dieselbe Frucht verleihen.
32.SAT.11: Ein Feueropfer mit roten Lotussen und den drei süßen Stoffen wird mit dem Erlangen großer Fülle innerhalb von sechs Monaten verknüpft.
32.SAT.12: Rote Wasserlilien mit den drei süßen Stoffen werden für allen Wohlstand genannt; Bilva-Früchte sollen den Übenden zur Wohnstätte Ramās machen.
32.SAT.13: Einen Monat lang werden täglich tausend Sesam-Darbringungen und die Bewirtung von zwölf Brahmanen mit süßen Speisen genannt.
32.SAT.14: Die Quelle verheißt dadurch Befreiung von Verfehlungen und Krankheiten sowie langes Leben nach der Überwindung von Schadenzauber, bedrohlichen Einflüssen und Erkrankungen.
32.SAT.15: Wer morgens badet und täglich hundertfach zur Sonne gewandt rezitiert, lebe hundert Jahre, behauptet der Text. „Hundert, hundert“ wird im Druck wiederholt; die Ausgabe setzt daraus keine zusätzliche Gesamtzahl an.
32.SAT.16: Täglich hundertacht Rezitationen des mit der Gāyatrī beginnenden Mantras werden für höchstes Heil und Befreiung von allen Verfehlungen genannt. Die Heilungs- und Lebensdauerangaben des Abschnitts bleiben religiöse Quellenverheißungen.
Abschluss des zweiunddreißigsten Śvāsa
Druckseite 727, oberer Seitenteil.
32.SAT.17: Der mit der Triṣṭubh beginnende Mantra wird zur Vernichtung aller Gegner genannt; der mit der Anuṣṭubh beginnende für langes Leben und Gesundheit.
Unnummerierter Abschluss: Der hundertlautige Mantra wird als Geber aller menschlichen Lebensziele bezeichnet.
Kolophon: Hier endet der zweiunddreißigste Śvāsa des Tantra namens Śrīvidyārṇava, verfasst von Śrīvidyāraṇya Yati. Der Kolophon nennt die Lehrerfolge vom verehrten Govindācārya über Bhagavat Śaṅkarācārya, Viṣṇuśarmācārya und Pragalbhācārya zum Verfasser. Die überlieferte Zuschreibung wird wiedergegeben; sie ist keine unabhängige historische Datierung.
Auf derselben Druckseite beginnt der dreiunddreißigste Śvāsa mit dem Yantra des hundertlautigen Mantras. Dieser neue Kapiteltext gehört nicht mehr zu Kapitel 32.
Kapitel 29 in einfachen Worten: Kṛṣṇa, Praṇava, Kārtavīrya, Sonne, Mond und Feuer
Der neunundzwanzigste Śvāsa führt mehrere große Bereiche der Mantraverehrung zusammen. Er beginnt mit Kṛṣṇa als Śrīkānta, dem Geliebten der Lakṣmī, setzt die vielfältigen Kṛṣṇa-Mantras des vorherigen Kapitels fort und gelangt dann zum Praṇava Oṃ. Es folgen Kārtavīryārjuna, die Sonne, der Mond, die übrigen Grahas und das göttliche Feuer. Die Gottheiten haben unterschiedliche Bilder und Aufgaben; der Aufbau ihrer Verehrung ähnelt sich jedoch häufig. Auf die Erklärung eines Mantras folgen seine Zuordnungen, eine Meditation, die Anordnung der verehrten Gestalten und ein geregelter Ablauf von Wiederholung, Opfer und weiteren Handlungen. Der Text möchte diese Vielfalt in einer geordneten Sammlung zugänglich machen.
Das Kapitel umfasst in der verwendeten Ausgabe die sechzig Druckseiten 510–569. Die Übersetzung unterscheidet 954 nummerierte Einträge und bewahrt zusätzlich die umfangreiche Prosa, unnummerierte Verse, Tabellen, Mantraformeln und den Kolophon. Die Nummern beginnen innerhalb des Kapitels mehrfach neu. An manchen Stellen wiederholt der Druck eine Zahl oder lässt sie aus. Deshalb sind die redaktionellen Kennungen hilfreich: Sie ermöglichen ein eindeutiges Wiederfinden, ohne eine neue Sanskrit-Verszählung vorzutäuschen. Das Kapitel ist keine durchgehende philosophische Abhandlung. Es ist eine Sammlung von Lehren und Ritualbeschreibungen, die mehrere ältere Quellen miteinander ins Gespräch bringt.
Kṛṣṇa in Dvārakā und die Sprache der Fülle
Zu Beginn erscheint Kṛṣṇa in Dvārakā, umgeben von einer Welt aus Juwelen, Blumen, Wunschbäumen und Licht. Er sitzt nicht als einsamer Asket außerhalb der Welt. Seine königlichen Gefährtinnen und ein umfangreiches Gefolge gehören zur Meditation. Das Bild stellt Glanz, Geborgenheit, Würde und überströmende Fülle dar. Lakṣmīs Nähe betont dabei die Verbindung von Schönheit und Wohlergehen. Die Beschreibung ist sehr ausführlich: Säulen, Girlanden, Schmuck, Sitz, Waffen, Hände und die Stellung der Begleiterinnen werden einzeln genannt. Für den Ritualtext sind solche Einzelheiten Bestandteile einer bestimmten inneren Gestalt und ihrer Verehrung.
Die ausführlichen Körperzuordnungen heißen Nyāsa. Silben, Wörter oder Abschnitte des Mantras werden dabei bestimmten Körperstellen zugeordnet. Der Körper erscheint als Raum der Verehrung. Der Text unterscheidet Hände, Herz, Kopf, Haarlocke, Schutzpanzer, Augen und Waffe; außerdem kommen umfassendere Zuordnungen zu zahlreichen Körperteilen vor. Verschiedene Lebensformen erhalten teilweise unterschiedliche Reihenfolgen. So werden Schöpfung, Erhaltung und Auflösung verschieden angeordnet, je nachdem, ob die Vorschrift einen Hauslebenden, einen Waldasketen oder einen Entsagenden betrifft. Die äußere Gleichheit eines Mantras bedeutet daher nicht, dass jede seiner Anwendungen gleich beschrieben wird.
Ein wiederkehrendes Anliegen ist das Verhältnis zwischen Klang und Gestalt. Derselbe Name Kṛṣṇas begegnet in kurzen und längeren Formeln, mit unterschiedlichen Bījas am Anfang oder Ende und mit verschiedenen Meditationsbildern. Der Text führt diese Formen nicht auf einen einzigen Wortlaut zurück. Er nennt die Besonderheiten jeder Überlieferung. Dabei werden Bījas oft mit verschlüsselten Namen bezeichnet: Ein Ausdruck steht für einen Konsonanten, ein anderer für einen Vokal, der Mondpunkt für den Bindu. Die Kommentare lösen solche Angaben auf. Wo die Lösung unsicher bleibt oder dem ausgeschriebenen Wortlaut widerspricht, macht die Ausgabe diese Schwierigkeit sichtbar.
Die vielen Kṛṣṇa-Gestalten
Im weiteren Kṛṣṇa-Abschnitt stehen königliche, kindliche und von den Geschichten um Vraja geprägte Gestalten nebeneinander. Der kindliche Kṛṣṇa hält Butter, sitzt auf einer Schaukel oder wird mit Kühen und dem Hirtenleben verbunden. Andere Formen zeigen Govinda im Kreis seiner Gefährtinnen oder bei einer feierlichen Begießung. Wieder andere nennen Rukmiṇī als seine Geliebte. Die verschiedenen Bilder gehören jeweils zu bestimmten Mantras. Ihre Nähe im Buch hebt diese Unterschiede nicht auf. Ein kurzer Mantra kann eine andere Zuordnung und ein anderes Bild haben als eine lange Formel mit mehreren Namen.
Die Namen tragen bereits Bedeutung. Govinda, Gopāla, Nandaputra und Gopījanavallabha rufen unterschiedliche Beziehungen auf: Kṛṣṇa als Beschützer, Sohn, Hirte oder Geliebter. Die Verehrung erinnert damit zugleich an Erzählungen. Manche Formeln sind ausgesprochen kurz, andere verbinden mehrere Namen und Bījas. Der Text nennt sogar Ein-, Zwei-, Vier- und weitere Kurzformen. Bei einigen passen Silbenzahlen und überlieferter Wortlaut nicht ohne Weiteres zusammen. Solche Stellen verlangen einen sorgfältigen Vergleich zwischen Vers, Kommentar und Druckbild. Eine moderne Vereinheitlichung würde gerade das verdecken, was diese Sammlung über unterschiedliche Überlieferungen erkennen lässt.
Ein größerer Abschnitt behandelt die anziehende oder bezaubernde Kraft Kṛṣṇas. Das Sanskrit verwendet dafür Begriffe wie Saṃmohana. Die königlichen Gefährtinnen und ihre Zuneigung erscheinen in einer reich ausgestalteten Meditation. Gleichzeitig tritt ein anderer Ton hervor: Eine Stelle spricht von einer Wirklichkeit jenseits von Denken und Sprache, die im eigenen Licht und in einem Meer der Glückseligkeit ruht. So stehen in derselben Sammlung konkrete Wünsche, sinnliche Bildlichkeit und eine Betrachtung des höchsten Bewusstseins nebeneinander. Für das Verständnis ist es hilfreich, diese Ebenen wahrzunehmen, ohne eine davon zur alleinigen Aussage des ganzen Kapitels zu erklären.
Santānagopāla wird im Zusammenhang mit dem Wunsch nach einem Kind verehrt. Besonders bekannt ist die im Text belegte Bitte an Kṛṣṇa als Sohn Devakīs, Govinda, Vāsudeva und Herrn der Welt: Er möge einen Sohn schenken; der Bittende habe bei ihm Zuflucht genommen. Hier wird ein persönlicher Wunsch ausdrücklich mit Zuflucht verbunden. Daneben stehen weitere Mantras und Yantras für Nachkommenschaft. Ihre überlieferten Wirkungsversprechen gehören zur religiösen Welt des Textes. Die Bitte selbst lässt sich als Ausdruck von Hoffnung und Hingabe lesen, ohne damit die behauptete Wirksamkeit der einzelnen Vorschriften als erwiesen auszugeben.
Kāma und Praṇava
Die Betrachtung der anziehenden Kraft führt zu Kāma und zu besonderen Kräften, die als Gefolge erscheinen. Es werden Namenreihen, Lotusblätter, umgebende Kreise und die Verteilung von Silben beschrieben. Ein Yantra ist in diesem Zusammenhang eine geordnete Fläche der Verehrung. Mitte, Blätter, Ecken und Außenlinien tragen verschiedene Namen oder Formeln. Seine Beschreibung ist daher nicht bloß eine Zeichnungsanleitung; sie ordnet die Beziehungen zwischen Hauptgottheit, Kräften und schützenden Umkreisen. Die moderne Ausgabe hält die einzelnen Angaben auseinander, wenn Vers und Kommentar verschiedene Reihenfolgen oder Schreibungen nennen.
Mit dem Praṇava Oṃ verschiebt sich die Aufmerksamkeit auf einen besonders verdichteten Klang. Der Text spricht von seinen Bestandteilen, seinen Zuordnungen und dem höchsten Ātman als Bezugspunkt. Die einzelnen Laute werden nicht als zufällige Bestandteile eines Wortes behandelt. Sie gehören zu einer Betrachtung, in der Klang, Bewusstsein und höchste Wirklichkeit zusammengehören. Auch hier folgen genaue Vorschriften und sehr große Wiederholungszahlen. Die spirituelle Aussage steht somit innerhalb eines geregelten Übungszusammenhangs. Eine abschließende Stelle verbindet die Praxis mit Hingabe, ungetrübtem Geist und reiner Erkenntnis.
Dieser Praṇava-Abschnitt ist auch für das Gesamtbild des Kapitels wichtig. Zwischen den zahlreichen Wünschen nach Wohlstand, Einfluss, Schutz und Nachkommenschaft wird ausdrücklich die höchste Erkenntnis angesprochen. Die Sammlung kennt also verschiedene Zielrichtungen. Ein Mantra kann im Zusammenhang mit einem weltlichen Anliegen oder mit Befreiung erklärt werden. Daraus folgt nicht, dass alle Anwendungen gleichrangig oder austauschbar wären. Es zeigt vielmehr, dass der Text seine religiöse Welt weit spannt: Er berücksichtigt das alltägliche Begehren ebenso wie die Frage nach einer Erkenntnis, die darüber hinausgeht.
Kārtavīryārjuna und die Wiedergewinnung des Verlorenen
Der lange Abschnitt über Kārtavīryārjuna beginnt in der Form eines Dialogs zwischen Devī und Īśvara und beruft sich auf das Uḍḍāmeśvaratantra. Die Hauptgestalt ist ein mächtiger König mit tausend Armen. Seine Verbindung mit Dattātreya und seine außergewöhnliche Kraft prägen die Beschreibung. Verschiedene Mantraformen werden entfaltet: eine Grundform mit zahlreichen Bījas, kürzere Formeln, ein umfangreicher Namensmantra, eine Gāyatrī und eine lange Mālā-Formel. Die Meditationen zeigen den König auf unterschiedliche Weise, etwa thronend, im Wasser oder im kriegerischen Zusammenhang.
Ein bekanntes Thema ist das Wiederfinden verlorener oder entwendeter Dinge. Der Text führt einen Vers an, der Kārtavīryārjuna als König mit tausend Armen erinnert und behauptet, bereits durch dieses Erinnern könne Verlorenes oder Geraubtes zurückgewonnen werden. Im Zusammenhang des Kapitels ist das eine konkrete Schutzbitte. Andere Passagen richten sich auf Tiere, Besitz, Gefahren durch Diebe oder feindliche Mächte. Der Wunsch nach Sicherheit ist in diesen Beschreibungen deutlich. Die Ausgabe übernimmt jedoch nicht die Behauptung, dass die genaue Wiederholungszahl oder ein bestimmtes Material ein solches Ergebnis verlässlich herbeiführt.
Die ausgedehnte Sammlung enthält auch Rituale zur Unterwerfung und Schädigung von Gegnern. Diese Stellen gehören zum historischen Text und dürfen bei seiner Darstellung nicht einfach verschwinden. Gleichzeitig sollten sie nicht mit den auf Erkenntnis und Hingabe ausgerichteten Aussagen verwechselt werden. Der Text überliefert ein breites Spektrum religiöser und magischer Ziele. Eine klare Übersetzung benennt jeweils, welches Ziel tatsächlich vorliegt. Wo Stoffnamen nicht sicher mit heutigen Pflanzen oder Materialien gleichgesetzt werden können, bleiben die ursprünglichen Bezeichnungen stehen. So entsteht aus der Übersetzung keine scheinbar präzise moderne Handlungsanweisung auf der Grundlage unsicherer Wörter.
Innerhalb dieses Abschnitts findet sich eine bemerkenswerte Aussage zur Haltung des Übenden: Er soll sich beherrschen, ein reines Herz haben und frei von Neid und Hass sein. Diese Stelle lässt sich nicht einfach als Erklärung aller angrenzenden Rituale verwenden. Sie ist aber eine deutliche ethische Forderung innerhalb der Sammlung. Für eine heutige Betrachtung ist sie besonders zugänglich. Sie lenkt die Aufmerksamkeit vom gewünschten Ergebnis auf den Zustand des Menschen, der übt. Was im Geist genährt wird, gehört damit ebenso zur Praxis wie die äußere Genauigkeit einer Formel.
Das Lampenritual
Den Kārtavīrya-Abschnitt beschließt ein ausführliches Lampenritual. Der Text unterscheidet Material des Gefäßes, Zahl und Beschaffenheit der Dochte, verwendete Brennstoffe, Farben und Zielsetzungen. Ein Yantra und mehrere Formeln begleiten die Lampe. Der lange Wortlaut bittet um Schutz und um die Abwehr schädigender Kräfte; manche Wendungen verlangen ausdrücklich die Vernichtung von Gegnern. Auch hier bleibt der Unterschied zwischen einer Schutzbitte und einer gegen andere gerichteten Handlung erkennbar. Die vielen Einzelvorschriften zeigen, wie genau die Sammlung ihre besonderen Ritualformen ausarbeiten möchte.
Die Maße des Lampenrituals werden in der historischen Einheit Pala genannt. Die Ausgabe rechnet sie nicht ohne gesicherte Grundlage in heutige Gewichte oder Volumina um. Dasselbe gilt für spätere Angaben wie Prastha oder Aṅgula. Solche Wörter sind Teil eines überlieferten Maßsystems, dessen praktische Größe nicht allein aus der jeweiligen Stelle hervorgeht. Auch bei Bījas stehen nicht überall die erwarteten Standardformen. Die Ausgabe bewahrt erkennbare Abweichungen und nennt unsichere Zeichen ausdrücklich. Nach dem Lampenritual erklärt der Text den Vaiṣṇava-Abschnitt für beendet; Kapitel 29 selbst geht jedoch weiter.
Sūrya und die Ordnung des Lichts
Mit den Sonnenmantras beginnt ein neuer großer Bereich. Sūrya erscheint als sichtbares Licht, als Gottheit der Sammlung und als Träger zahlreicher religiöser Hoffnungen. Eine einleitende Aussage verbindet seine Verehrung mit dem Öffnen der Erkenntnis und dem Vertreiben der Dunkelheit der Unwissenheit. Daneben stehen Versprechen von Gesundheit, langem Leben, Wohlstand und Macht. Der Text unterscheidet mehrere Sonnenmantras und mehrere Meditationsgestalten. Nicht jede Gestalt besitzt dieselben Hände, Augen oder Attribute. Die Zusammenstellung verfolgt gerade diese Vielfalt, statt sie zu einer einzigen Darstellung zu glätten.
Ein zentraler Sonnenmantra lautet in der erläuterten Fassung oṃ ghṛṇiḥ sūrya āditya. Der Kommentar legt ausdrücklich fest, dass zwischen den betreffenden Wörtern kein gewöhnlicher Sandhi eintreten soll. Auch die Diskussion über seine Silbenzahl wird bewahrt. Die zugehörigen Gliederformeln verwenden unter anderem Satya, Brahma, Viṣṇu, Rudra, Agni und Sarva. Verschiedene Lehrer streiten darüber, ob diese Wörter im Dativ stehen sollen. Das zeigt, dass die Sammlung Grammatik und Ritualwortlaut ernst nimmt. Eine Endung ist für sie nicht bloßer Stil, sondern kann zum überlieferten Mantra gehören.
Der Sitz der Gottheit ist ebenfalls Gegenstand genauer Auslegung. Prabhūta, Vimala, Sāra, Samārādhya und Paramasukha werden bestimmten Stellen zugeordnet. Der Kommentar fragt, ob sie Bestandteile des Sitzes selbst sind oder vor dessen eigentlicher Verehrung anzubeten seien. Als Belege erscheinen Aussagen aus dem Nārāyaṇīya, dem Prayogasāra und dem Prapañcasāra. Das ist ein gutes Beispiel für die Arbeitsweise des Kapitels: Es sammelt nicht nur Vorschriften, sondern vergleicht Quellen und begründet eine bevorzugte Reihenfolge. Die Übersetzung macht die Argumentation verständlich, ohne die abweichende Meinung zu unterschlagen.
Arghya, Yantra und vedische Verse
Die Arghya-Darbringung ist eine ehrenvolle Gabe von Wasser oder einer entsprechend bereiteten Flüssigkeit. Im Sonnenabschnitt verbindet sie Gefäß, Maṇḍala, Mantra, Blumen und innere Sammlung. Das Kapitel beschreibt die Vorbereitung und die Haltung des Verehrenden ausführlich. Besonders deutlich wird die Aufforderung, die Einheit der Gottheit und des eigenen Selbst zu vergegenwärtigen. Der äußere Vorgang soll also mit einer inneren Betrachtung verbunden sein. Der Text lässt den Menschen nicht ausschließlich als Bittsteller vor einer fernen Macht erscheinen, sondern nimmt auch eine tiefere Zusammengehörigkeit in den Blick.
Mehrere Sonnenyantras enthalten vedische Verse. Der bekannteste beginnt mit den Worten, die Sonne möge heute aufgehend zum höheren Himmel emporsteigen und Herzkrankheit sowie Gelbfärbung beseitigen. Die beiden folgenden Verse übertragen die Gelbfärbung auf genannte Lebewesen und bitten um Überwindung des Hasses. Im Kapitel werden die einzelnen Versviertel auf Lotusblätter verteilt. Das vedische Wort wird so in eine tantrische Anordnung eingebunden. Die Ausgabe übersetzt die Verse und kennzeichnet Namen, deren genaue zoologische Deutung nicht gesichert ist. Die medizinischen Aussagen bleiben als Behauptungen der historischen Quelle kenntlich.
Zu den weiteren Sonnenformeln gehört die Gāyatrī des Siebenrossigen und Tausendstrahligen. Sie bittet Ravi um Erleuchtung. Eine andere Meditation verehrt Bhuvaneśvarī in Sonnenform. Ihre königliche Erscheinung, ihre Schlinge, der Stachelstock und die Zeichen der Furchtlosigkeit und Gabengewährung verbinden weibliche göttliche Macht mit dem Sonnenlicht. Ihre Gestalt wird zugleich als kühlend beschrieben. Solche Verbindungen zeigen, dass die Gottheiten hier nicht ausschließlich durch eine einzige natürliche Eigenschaft bestimmt werden. Die Meditation kann Licht, Kühlung, Herrschaft und Geborgenheit in einem Bild zusammenführen.
Putreṣṭi und die Wünsche des häuslichen Lebens
Die Putreṣṭi ist ein Opfer mit dem ausdrücklichen Ziel, einen Sohn zu erlangen. Der Abschnitt umfasst die Wahl von Zeiten, die Eigenschaften des Lehrers, Fasten, Reinigen, Schlafen, Nahrung, Gelübde, Krüge, Opfergaben, die Caru-Speise und abschließende Gaben. Die besondere Wertschätzung männlicher Nachkommen gehört zur gesellschaftlichen Ordnung der Quelle. Der Text setzt Hausstand, Lehrer, Brahmanen und teilweise einen erheblichen materiellen Aufwand voraus. Seine Segenswünsche nennen Tugend, Lebenskraft, Bildung, Großzügigkeit und den Ruhm des Geschlechts. Die Darstellung macht damit ein religiös geprägtes Ideal des Familienlebens sichtbar.
Bemerkenswert sind die Anforderungen an den Lehrer: Er soll ohne Habgier, wahrhaftig, erfahren, beherrscht und fähig sein, die Mühen eines Gelübdes zu tragen. Der Text nennt also nicht nur Fachkenntnis. Auch Charakter und Verlässlichkeit gehören zur Eignung. Im Abschluss werden neben Brahmanen Bedürftige, Blinde und Kranke bewirtet. Zugleich fordert die Quelle sehr große Gaben an den Lehrer, bis hin zu Tieren, Land und Dörfern. Diese unterschiedlichen Aspekte sollten gemeinsam gesehen werden. Das Ritual ist sowohl ein religiöser als auch ein sozialer Vorgang, der Beziehungen, Rang und materielle Mittel ordnet.
An die Putreṣṭi schließen Vorschriften zur ehelichen Zeugung und astrologische Aussagen über Empfängniszeiten an. Bestimmten Tagen und Zeitabschnitten werden Eigenschaften des späteren Kindes, seine Lebensdauer und sein Schicksal zugeschrieben. Die Übersetzung gibt diese Aussagen als historische Überlieferung wieder. Sie behandelt sie nicht als gesicherte Biologie oder als verlässliche Vorhersagen. Auch unklare Zahlen und beschädigte Satzstellen bleiben markiert. Diese Trennung ist nötig, damit eine verständliche Darstellung nicht unbemerkt aus einem alten Wirkungsversprechen eine heutige Tatsache macht.
Ajapā und der höchste Ātman
Mit Ajapā tritt nochmals eine unmittelbar auf das Selbst bezogene Betrachtung hervor. Der zweisilbige Mantra lautet haṃ saḥ. Als Gottheit wird Paramātman genannt; die ausgeschriebene Prosa bezeichnet das Versmaß als Devī-Gāyatrī. Der Verwendungszweck wird mit den Worten „Die Anwendung dient meiner Befreiung“ ausgesprochen. Diese klare Ausrichtung ist ein wichtiger Gegenpunkt zu den zahlreichen Anwendungen für weltliche Ziele. Die Meditation verbindet Gaurī und Hara in einer Gestalt. Mondhaftes und Feuerhaftes erscheinen zusammen, ebenso die weibliche und männliche göttliche Seite.
Die folgenden Bilder beschreiben einen Nektarstrom aus dem Mond am Scheitel und seine Führung durch die Suṣumṇā. Der eigene Körper wird als vom Mantra durchdrungen vorgestellt. Die Quelle verbindet damit zahlreiche Heilungs- und Entgiftungsversprechen. Für das Verständnis der Meditation lässt sich jedoch zunächst festhalten: Aufmerksamkeit, innerer Klang und Körpervorstellung werden miteinander verbunden. Der Körper wird nicht bloß von außen behandelt, sondern als durchlässig für eine vorgestellte göttliche Kraft erfahren. Die Ausgabe hält zugleich fest, wo die Beschreibung des Verses von der anschließenden Erklärung abweicht.
Mārtaṇḍabhairava, Mond und Grahas
Mārtaṇḍabhairava ist eine weitere besondere Sonnenform. Die Meditation zeigt vier Gesichter, je drei Augen und acht Arme mit verschiedenen Gegenständen. Der Kommentar erläutert genau die Verteilung der Attribute und die Reihenfolge der Fingerzuordnungen. Der Mantra selbst wird aus mehreren verschlüsselten Lauten gebildet. Bei den rahmenden Bimba-Bījas nennt die Quelle unterschiedliche Fassungen. Solche Varianten werden nicht als Fehler einer einzigen modernen Norm behandelt. Sie gehören zum Befund der Überlieferung und werden so weit erklärt, wie der Druck eine sichere Lesung ermöglicht.
Der Mond erscheint dagegen weiß, ruhig und mit kristall- und silbergleichem Glanz. Der Grundmantra wird als soṃ somāya namaḥ erläutert; ein alternatives Bīja lautet svauṃ. Verschiedene Quellen nennen unterschiedliche Reihen von Kräften des Sitzes. Die Blattgöttinnen tragen weiße Gewänder, weiße Girlanden und Perlen. Der Text beschreibt ihre Zuneigung zum Mond und ihre gefalteten Hände. Das Bild betont Sammlung, Schönheit und milde Fülle. Der monatliche Arghya-Ritus bei Vollmond verwendet ein silbernes Gefäß und Milch. Auch hier verbindet sich eine genaue äußere Anordnung mit der inneren Vergegenwärtigung der Gottheit.
Danach werden die Mantras von Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn, Rāhu und Ketu beschrieben. Jeder erhält einen Wortlaut, einen Seher, ein Versmaß, eine Gottheit und eine Meditation. Die Gestalten unterscheiden sich durch Farbe, Kleidung, Handhaltung und Attribute. Der Kommentar erklärt ausdrücklich, warum diese Mantras schon an dieser Stelle stehen: Sie werden für die Sonnenanwendungen gebraucht und sind hier aus Gründen der leichteren Benutzung aufgenommen. Damit werden sie nicht zu Bestandteilen des Pañcāyatana erklärt. Diese Bemerkung hilft, die Gliederung des Werkes aus seiner eigenen Perspektive zu verstehen.
Agni und der Abschluss des Kapitels
Den letzten großen Abschnitt bildet Agni, das göttliche Feuer. Mehrere Mantras werden erläutert, darunter eine Formel mit den Vyāhṛtis und ein Jātavedas-Mantra. Bei letzterem bespricht der Kommentar sogar ausdrücklich den Sandhi zwischen zwei Wörtern. Die Feuerkraft erscheint mit verschiedenen Gesichtern, Händen und Attributen sowie neun benannten Kräften. Eine besonders anschauliche Meditation zeigt Pāvaka als Pferd, das aus einem goldenen himmlischen Baum hervortritt. Seine Haare sind Flammen; aus seinen Körperöffnungen strömen Vermögen, Getreide und Edelsteine. Die Gestalt verbindet Feuer, Bewegung und überfließende Fülle.
Die Anwendungen am Ende des Kapitels kreisen vor allem um Nahrung, Wohlstand, Gesundheit und Schutz vor vorzeitigem Tod. Wiederholt erscheinen lange Übungszeiträume: Monate, ein Jahr oder tägliche Handlungen an bestimmten Mondtagen. Die Quelle betrachtet Regelmäßigkeit als wichtigen Bestandteil ihrer Verfahren. Sie nennt aber auch sehr unterschiedliche Mengen und Materialien. Die Ausgabe glättet solche Angaben nicht zu einer einheitlichen Regel. Wo der Druck selbst eine Variante bietet, bleibt sie erkennbar. Das gilt besonders für voneinander abweichende Zahlen, Silben und die Namen von Pflanzen oder Stoffen.
Für das heutige Schriftstudium lassen sich mehrere Fragen aus dem Kapitel gewinnen: Welche Haltung verbindet sich mit einem Wunsch? Wo richtet sich eine Praxis auf Erkenntnis und Befreiung, wo auf Besitz oder Einfluss? Wie geht eine Überlieferung mit verschiedenen Lehrmeinungen um? Der Text gibt darauf keine einzige kurze Antwort. Er zeigt aber, dass Hingabe, Selbstbeherrschung, genaue Aufmerksamkeit und die Erinnerung an eine göttliche Wirklichkeit immer wiederkehren. Wer eine überschaubare Stelle sorgfältig liest, kann diese Zusammenhänge betrachten, ohne sämtliche historischen Spezialrituale als eigene Praxis übernehmen zu müssen.
Der Kolophon schließt den neunundzwanzigsten Śvāsa und nennt erneut die Lehrerfolge, in der das Werk steht. Damit ist dieses Kapitel in der Arbeitsausgabe bis zu seinem Ende erfasst. Örtliche Lesungsprobleme, abweichende Mantraformen und unklare Formulierungen bleiben ausdrücklich gekennzeichnet. Die Sanskritfassungen in Devanagari und IAST bewahren dieselbe Arbeitsgrundlage. Die umfangreiche Sammlung ist damit zugänglich, ohne dass aus der editorischen Zusammenführung ein Anspruch auf eine in jeder Einzelheit gesicherte kritische Edition entsteht.
Kapitel 30 in einfachen Worten: Śiva, Erkenntnis und vielgestaltige Verehrung
Der dreißigste Śvāsa stellt Śiva und zahlreiche mit ihm verbundene Gestalten in den Mittelpunkt. Sein Umfang reicht weit über einen einzelnen Mantra hinaus. Er beschreibt Körperzuordnungen, Meditationen, Verehrungsplätze, Opferhandlungen und unterschiedliche Anwendungsziele. Im Verlauf begegnen unter anderem Umāpati, Dakṣiṇāmūrti, Mṛtyuñjaya, Aghora, Paśupati, Nīlakaṇṭha, Cintāmaṇi, Tumburu, Kṣetrapāla, Baṭuka-Bhairava und Caṇḍeśvara. Ein Hymnus an Śiva bildet den Abschluss. Die vielen Namen zeigen unterschiedliche Beziehungen zum Göttlichen: Śiva erscheint als Lehrer, Beschützer, Herr der gebundenen Wesen, Überwinder des Todes, Partner der Göttin und Gegenstand inniger Hingabe.
Das Kapitel ist zugleich eine Sammlung verschiedener Überlieferungen. Es zitiert andere Texte und fügt Erklärungen in Prosa hinzu. Deshalb beginnen Verszählungen mehrfach neu. Manchmal stimmt die Prosa mit den Versen überein und macht ihre knappen Angaben verständlicher. Manchmal nennt sie andere Silben, Körperstellen oder Zahlen. Eine lesbare Ausgabe darf diese Unterschiede nicht verdecken. Auch eine schwer lesbare Mantrasilbe wird nicht allein deshalb ergänzt, weil eine bekannte Gebetsformel ähnlich klingt. Die Übersetzung bewahrt die jeweils erkennbare Fassung und bezeichnet Unsicherheiten an der betreffenden Stelle.
Der Körper als Ort der Sammlung
Eine grundlegende Vorstellung ist der Nyāsa, das rituelle Einsetzen von Lauten, Namen oder göttlichen Gestalten in den Körper. Das ist nicht bloß eine Liste von Berührungen. In der Bildwelt des Textes wird der eigene Körper zu einem Ort göttlicher Gegenwart. Hände, Herz, Haupt, Augen und andere Stellen erhalten bestimmte Zuordnungen. So verbindet die Übung das Sprechen eines Mantra mit Vorstellung, Aufmerksamkeit und körperlicher Orientierung. Die genaue Reihenfolge hat innerhalb des beschriebenen Ritualsystems Bedeutung, auch wenn sie für heutige Leser zunächst fremd wirkt.
Am Anfang stehen ausführliche Śiva-Zuordnungen, unter anderem ein Golaka-Nyāsa. Es folgen Handlungen, die eine längere Mantraübung vorbereiten und abschließen. Der Text arbeitet mit großen Wiederholungszahlen und mit abgestuften Anteilen für Feueropfer, Wassergaben, Besprengungen und Speisungen. Diese Zahlen bilden ein eigenes rituelles Ordnungssystem. Sie sind keine allgemeine Empfehlung, heute ohne Anleitung möglichst hohe Zahlen zu erreichen. Auch historische Maße und schwer verständliche Zahlenverbindungen bleiben in der Übersetzung erkennbar, statt durch scheinbar genaue moderne Werte ersetzt zu werden.
Die Auszüge aus dem Liṅgapurāṇa verbinden äußere Verehrung mit innerer Erkenntnis. Neben Anwendungen für bestimmte Anliegen stehen Aussagen über Selbsterkenntnis und über das Licht im Herzen. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld, das das ganze Kapitel prägt: Einerseits sucht der Mensch Hilfe für konkrete Lebensumstände; andererseits richtet er sich auf eine Wirklichkeit, die über einzelne Wünsche hinausreicht. Diese beiden Zielrichtungen werden nicht in jedem Abschnitt gleich gewichtet. Besonders die Lehrergestalt Dakṣiṇāmūrti und der abschließende Hymnus rücken Erkenntnis und Hingabe deutlich in den Vordergrund.
Śiva und die Göttin
Śiva erscheint nicht nur als einzelne männliche Gottheit. Mehrere Meditationen zeigen ihn mit Umā oder als mit ihr verbundene Gestalt. Die Bilder stellen unterschiedliche Kräfte und Beziehungen dar. Farbe, Handhaltung, Schmuck und Gegenstände machen deutlich, welche Form gerade gemeint ist. Nicht jede Meditation beschreibt dieselbe Zahl von Armen oder dieselbe Anordnung der Hände. Solche Unterschiede sind Teil der jeweiligen Quelle und werden nicht zu einem einzigen einheitlichen Bild zusammengefügt.
Bei den Umāpati- und Prāsāda-Mantras erklärt die Prosa die Lautbestandteile besonders sorgfältig. Ein Bīja ist dabei eine kurze, verdichtete Mantrasilbe. Der Text kann einen Laut zunächst durch ein Kennwort wie „Feuer“, „Raum“ oder „Mond“ bezeichnen und anschließend erklären, welcher Buchstabe gemeint ist. Erst durch diesen zweiten Schritt wird die Formel lesbar. Die Kennwörter dienen innerhalb der Überlieferung als verschlüsselte Bezeichnungen. Ihre Erklärung ist deshalb genauso wichtig wie die Verse, die den Mantra ankündigen.
Für das Verständnis hilft die Unterscheidung zwischen einem Namen und seiner rituellen Verwendung. Ein göttlicher Name kann eine Gestalt bezeichnen, Bestandteil einer Anrufung sein oder zusammen mit weiteren Silben eine besondere Formel bilden. Der Text erklärt außerdem Seher, Versmaß, Gottheit, Bīja, Śakti und manchmal Kīlaka. Diese Zuordnungen gehören zur Einführung in den jeweiligen Mantra. Sie sagen, in welchem überlieferten Zusammenhang die Formel angewendet wird. Die Übersetzung macht solche Angaben sichtbar, ohne sie in moderne psychologische Begriffe umzudeuten.
Dakṣiṇāmūrti: der göttliche Lehrer
Dakṣiṇāmūrti ist eine besonders wichtige Gestalt dieses Kapitels. Śiva erscheint hier als Lehrer unter einem Baum, umgeben von Weisen. Seine Meditation verbindet Ruhe, Erkenntnis und die Weitergabe von Wissen. Die Gegenstände seiner Hände wechseln je nach Fassung. Genannt werden etwa Gebetskette, Buch, Nektargefäß oder eine Geste der Erkenntnis. Der Baum und der Sitz bilden einen Raum der Sammlung. Die anwesenden Weisen verdeutlichen, dass auch große Suchende sich dem Lernen und Empfangen öffnen.
Mehrere Mantras Dakṣiṇāmūrtis werden erklärt. Eine längere Formel nennt ihn ausdrücklich als Bewohner am Fuß des Baumes und als ganz der Meditation hingegeben. Andere Formeln bitten um medhā, die Fähigkeit, Einsicht zu erfassen und zu bewahren, oder um prajñā, Erkenntnis. Der Unterschied ist für die Ausgabe bedeutsam: Eine Variante wird nicht stillschweigend an die andere angeglichen. Beide spiegeln die enge Verbindung von geistiger Sammlung, Verständnis und Erinnerung in diesem Abschnitt.
In der Verehrung treten außerdem Sarasvatī, Brahmā, die Sanaka-Weisen, Śuka und Vyāsa auf. Der Text beschreibt unterschiedliche Kreise von Begleitgestalten und Kräften. Solche Kreise gehören zum Maṇḍala der Verehrung. Sie zeigen, dass die Hauptgottheit in einem geordneten Zusammenhang gedacht wird. Für Leser, die keine Ritualpraxis ausführen, kann gerade diese Ordnung wichtig sein: Erkenntnis erscheint nicht als isolierte Leistung eines Einzelnen, sondern in Verbindung mit Lehrern, Überlieferung und einer Haltung des Empfangens.
Einige Verse fordern ausdrücklich Freiheit von Feindschaft. An anderer Stelle wird der höchste Lehrer als Beseitiger der Unwissenheit beschrieben. Hier liegt ein geeigneter Zugang zur geistigen Bedeutung des Kapitels: Wissen soll nicht nur die Menge des Gelernten vermehren, sondern die Art verändern, wie man sich selbst und anderen begegnet. Die zahlreichen historischen Rezepte und Wirkungsversprechen stehen daneben als eigene Textschicht. Sie werden durch ihre Aufnahme in die Ausgabe nicht zu geprüften Mitteln für Gedächtnis, Gesundheit oder Erkenntnis.
Tod, Furcht und Schutz
Der Mṛtyuñjaya-Abschnitt richtet sich auf die Überwindung des Todes. Seine kurze Formel und seine Meditation werden mit Nektar, Lebensfülle und Schutz verbunden. Der Text beschreibt dazu längere Übungsfolgen, Feueropfer und ein Yantra. In dieser religiösen Bildwelt ist die Furcht vor Vergänglichkeit ein Anlass, sich dem Göttlichen zuzuwenden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die behauptete Abwehr von Krankheit oder Tod als medizinisch nachgewiesene Wirkung verstanden werden kann.
Aghora erscheint in deutlich machtvollerer Gestalt. Sein langer Mantra besteht aus wiederholten Lauten und Befehlswörtern. Die Quelle ordnet ihm bestimmte Körperstellen, Farben, Handgegenstände und Zwecke zu. Dabei stimmen die gezählten Silbengruppen nicht an jeder Stelle problemlos mit den ausgeschriebenen Folgen überein. Die Ausgabe zeigt solche Schwierigkeiten offen. Gerade bei Mantras kann eine glatt klingende moderne Fassung den Eindruck von Sicherheit erwecken, obwohl der historische Druck an der entscheidenden Stelle unklar ist.
Die Abschnitte zu Paśupati und Nīlakaṇṭha setzen das Schutzthema fort. Paśupati ist der Herr der gebundenen Wesen. Nīlakaṇṭha, der Blaukehlige, wird mit der Bewältigung von Gift verbunden. Auch hier stehen Meditationsbilder, Mantras und historische Anwendungen nebeneinander. Farben, Gesichter und Waffen gehören zur jeweiligen Darstellung. Der Text bietet mehrere Fassungen; die Erklärung des Versmaßes kann in der Prosa von der vorausgehenden Versangabe abweichen. Solche Unterschiede bleiben Teil der Dokumentation.
Cintāmaṇi und die Vielfalt der Ziele
Der Cintāmaṇi-Abschnitt beginnt in einer göttlichen Gesprächssituation. Er verbindet die Unterweisung mit Erbarmen und beschreibt eine Form, in der Śiva und Śakti zusammengehören. Ein ungewöhnliches zusammengesetztes Bīja nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Seine Bestandteile werden erläutert, doch die gedruckte Gesamtligatur ist nicht überall sicher lesbar. Die Übersetzung unterscheidet deshalb zwischen der verständlichen Lauterklärung und einer nicht vollständig gesicherten Rezitationsschreibung.
Die folgenden Anwendungen reichen von Erkenntnis und Befreiung bis zu Einfluss, Stillstellung und feindseliger Magie. Diese Spannweite darf nicht dadurch verdeckt werden, dass nur die angenehm wirkenden Aussagen übersetzt werden. Zugleich dürfen historische Beschreibungen nicht als Empfehlung missverstanden werden. Wo der Text Unterwerfung, sexuelle Verfügung über andere oder Schädigung als Ritualziel nennt, wird dies sachlich als Ziel der damaligen Vorschrift benannt. Die heutige Lektüre kann solche Ziele kritisch erkennen, ohne den Quellenbestand zu verfälschen.
Auch Ringe, Metallverhältnisse und unterschiedliche Yantras werden beschrieben. Hier ist Genauigkeit bei Material, Form und Zahl erforderlich. Ein Maṇḍala mit mehreren Blattkreisen lässt sich nicht durch eine allgemein gehaltene Erklärung ersetzen, wenn der Originaltext gerade die Verteilung der Silben beschreibt. Andererseits werden unbekannte Pflanzenbezeichnungen oder undeutliche Bījas nicht mit unbelegten Gleichsetzungen aufgefüllt. Das Kapitel bleibt dadurch an manchen Stellen offen, aber seine offenen Stellen sind für Leser erkennbar.
Tumburu und Kṣetrapāla
Tumburu wird in einem eigenen Verehrungssystem dargestellt. Dazu gehören vier Göttinnen, Begleitgestalten, ein Sitz und mehrere Lautzuordnungen. Die Prosa erläutert ungewöhnliche Bījas und verändert gelegentlich die im Vers angedeutete Buchstabenfolge. Auch die Namen einer Begleitgestalt können zwischen Vers und Erklärung wechseln. Die Ausgabe übernimmt die jeweils vorhandene Fassung und verweist auf den Unterschied. Unter den Anwendungen findet sich auch die Beruhigung von Zorn, ein Motiv, das sich von den zuvor genannten feindseligen Zielen abhebt.
Kṣetrapāla ist der Hüter des Bezirks oder heiligen Raumes. Seine Verehrung umfasst einen eigenen Mantra, Begleiter und eine Bali-Gabe. Bali bedeutet hier eine dargebrachte Gabe, häufig eine Speiseportion. Das Wort darf nicht bei jedem Vorkommen automatisch mit einer Tötung gleichgesetzt werden. Der Text unterscheidet zwischen einer nächtlichen Gabe für besondere Wünsche und einer Gabe innerhalb der täglichen Verehrung. Erst wo ausdrücklich ein Tieropfer beschrieben wird, wird dies auch als solches übersetzt.
Die Körperformeln Kṣetrapālas zeigen ein kleines, aber aufschlussreiches Beispiel für die Arbeitsweise der Edition: Eine Formel nennt zwei Augen, obwohl die Meditation drei Augen beschreibt. Die Zahl wird nicht unbemerkt korrigiert. Vielleicht liegt eine übernommene Standardformel vor, vielleicht ein Überlieferungsproblem; der vorhandene Text allein entscheidet das nicht. Eine quellennahe Ausgabe bewahrt den Befund und trennt ihn von möglichen Erklärungen.
Baṭuka-Bhairava: mehrere Überlieferungen
Der umfangreichste spätere Abschnitt behandelt Baṭuka-Bhairava. Der Name erscheint im Titel häufig mit b, in Lauterklärungen und Formeln auch mit v. Die Ausgabe lässt diese belegten Formen nebeneinander stehen. Der einundzwanzigsilbige Mantra wird aus seinen Bestandteilen erklärt. Besonders wichtig ist die ausdrückliche Anweisung, an einer Wortgrenze keine Lautverschmelzung vorzunehmen, weil sonst die angegebene Silbenzahl nicht erhalten bleibt. Das ist ein Beispiel dafür, wie eine scheinbar kleine sprachliche Entscheidung die rituelle Formel betrifft.
Das Rudrayāmala führt anschließend eine Reihe vorbereitender Nyāsas ein. Einige Bījas bestehen aus seltenen, langen Konsonantenverbindungen. Die Prosa nennt ihre Einzelbestandteile, doch die zusammengesetzten Drucktypen sind nicht durchgehend klar. Die Übersetzung gibt die erklärten Lautfolgen wieder und kennzeichnet die unsicheren Gesamtformen. Außerdem unterscheidet sie die allgemeinen Nyāsas, die drei Marma-Nyāsas, den Ketten-Nyāsa und mehrere Mātṛkā-Nyāsas. Nicht alle widersprüchlichen Zählungen lassen sich aus der Vorlage auflösen.
Die Gottheit wird in verschiedenen Meditationsformen beschrieben. Eine sattvische Gestalt ist hell, ruhig und jugendlich; eine rajasische strahlt rot und ist mit Wirkungen auf Wohlstand und Handlungskraft verbunden; eine tamasische ist dunkel und furchterregend. Sattvisch, rajasisch und tamasisch sind hier Einteilungen innerhalb der religiösen Bild- und Ritualsprache. Sie beschreiben nicht einfach drei moderne Persönlichkeitstypen. Der Text selbst verbindet sie mit unterschiedlichen Zielen und unterschiedlichen Formen der Speisegabe.
Verehrungskreise und ausführliche Wiederholungen
Die Verehrung Baṭukas umfasst mehrere Kreise. Fünf Śiva-Gestalten werden an Fingern, Körperstellen und Gesichtern eingesetzt. Acht Bhairavas erscheinen auf einem Lotos. Weitere Gruppen umfassen die Söhne von Göttinnen, Baṭukas als Richtungshüter und größere Namensreihen auf äußeren Umfassungen. Die Quelle nennt dabei genaue räumliche Beziehungen. Die deutsche Übersetzung übernimmt sie, auch wenn dieselben Namen später in der Prosa erneut erscheinen.
Diese Wiederholungen erfüllen im Text eine Funktion. Ein Vers kann ein Verfahren knapp nennen; die Prosa schreibt danach die einzelnen Formeln oder Körperstellen aus. Mitunter wird sogar eine ganze Folge zweimal unter verschiedenen Überschriften gedruckt. Eine solche Textwiederholung ist etwas anderes als eine doppelte Scanseite. In Kapitel 30 sind die Druckseiten 613 und 614 im PDF tatsächlich ein zweites Mal vorhanden. Diese beiden zusätzlichen Scanblätter wurden übersprungen; die echte Wiederholung einer Nyāsa-Folge innerhalb des Textes wurde dagegen bewahrt.
Die Seite mit dem Yantra Baṭukas beschreibt mehrere Lotoskreise und die Verteilung von Mantrasilben, Vokalen und Konsonanten. Die Prosa unterscheidet außerdem, mit welchem Bīja eine Zielangabe je nach Ritualzweck verbunden wird. Später folgen ein achtsilbiger und ein vierunddreißigsilbiger Mantra. Der achtsilbige ist durch seine Lauterklärung klar erschließbar. Beim längeren Mantra bleibt eine zusammengesetzte Bīja-Type unsicher. Beide Fälle werden entsprechend unterschiedlich behandelt; sie erhalten nicht pauschal denselben Grad an Sicherheit.
Die Vīra-Praxis und ihre historische Einordnung
Ein längerer Abschnitt beschreibt die sogenannte Vīra-Praxis am Verbrennungsplatz. Der Übende geht mit einem unterstützenden Mitpraktizierenden dorthin, richtet einen geschützten Raum ein und bringt den Richtungshütern verschiedene Speisen dar. Die acht Gaben umfassen etwa Hülsenfrüchte, Reis, Milchreis und Gebäck. Danach werden Bhairava, seine Gefährten und weitere Mächte verehrt. In der Erzählung soll der Gott erscheinen und eine Gabe gewähren. Die Szene gehört zur historischen Ritualwelt des Textes und ist keine Anleitung für eine heutige selbständige Durchführung.
Die Ausführung enthält eine große Zahl von Formeln, Pflanzen- und Speisebezeichnungen. Manche Mantras sind lesbar, andere durch den Druck beschädigt. Fußnoten bieten zusätzliche Varianten. Die Ausgabe verschweigt diese Vielfalt nicht. Eine endgültige Mantrasammlung soll daher bevorzugt solche Formeln aufnehmen, deren Bestandteile tatsächlich belegt und zuverlässig lesbar sind. Eine lange, aber nur teilweise entzifferte Folge eignet sich nicht allein wegen ihres Umfangs als vermeintlich vollständiger Rezitationstext.
Danach behandelt der Text Speisegaben mit und ohne Fleisch, historische Heilrezepte, die Bereitung von Asche und Mittel zur Förderung von Erinnerung oder Erkenntnis. Dabei bleiben die beanspruchten Wirkungen Aussagen der Quelle. Ein Rezept, das beispielsweise Vacā, Kuhurin oder Ruß für die Augen nennt, wird durch seine Übersetzung nicht zu einer sicheren Behandlung. Ebenso bleiben die alten Maße erhalten. Die Edition dient dem Verständnis der Überlieferung und unterscheidet dies von einer heutigen therapeutischen Anwendung.
Herrschaft, Krieg und Tiere
Die königliche Weihe zeigt eine weitere Seite des Kapitels. Ein König wird mit Wasser aus rituell verehrten Krügen besprengt. Maṇḍala, Begleitgottheiten, Speisegaben, Musik und Opferlohn bilden einen öffentlichen Zusammenhang. Die Quelle verspricht Sieg, Herrschaft und wachsende Macht. Diese Aussagen spiegeln das Verhältnis von Ritual und politischer Ordnung in der beschriebenen Welt. Sie sind keine historische Bestätigung dafür, dass die behaupteten Wirkungen tatsächlich eintraten.
Ein anschließender Abschnitt beschreibt ein Tieropfer im Zusammenhang mit Kriegsmagie. Die Übersetzung benennt das Tieropfer und die dazugehörige Rechtfertigung ausdrücklich. Sie macht zugleich erkennbar, dass das feindliche Heer im Ritual vorgestellt wird und die Schädigungsabsicht zum Quelleninhalt gehört. Danach folgen Schutzhandlungen für Elefanten und Pferde. Die gleichen religiösen Mittel werden hier mit dem Wohlergehen der eigenen Tiere und mit dem Nachteil der gegnerischen Tiere verbunden. Auch diese widersprüchlichen Zielrichtungen bleiben sichtbar.
Caṇḍeśvara und der Übergang zum Gebet
Der Caṇḍeśvara-Abschnitt bringt eine weitere Śiva-Gestalt mit eigenem Mantra, Meditation und Verehrungsordnung. Die Beschreibung zeigt ihn rot, dreiäugig und mit vier Händen. Eine Gayatrī wird zunächst in Versen verkürzt angegeben und danach in der Prosa vollständig ausgeschrieben. Dieser Zusammenhang klärt die Schlusszeile. Die zentrale kurze Mantraformel ist dagegen in einer Druckligatur unsicher. Die Klarheit der einen Formel darf nicht auf die andere übertragen werden.
Auch hier nennt der Text Anwendungen zur Beeinflussung anderer und Figuren aus rituellen Stoffen. Anschließend wechselt die Sprache deutlich: Statt der technischen Einzelvorschriften beginnt ein Hymnus an Śiva. Seine Bilder sind persönlich, eindringlich und stellenweise spielerisch. Der erste Vers bittet um Vergebung für ein Paradox: Früher habe der Sprecher sich nicht verneigt, sonst wäre er nicht erneut geboren; jetzt werde er durch die Verneigung frei und habe künftig keinen Körper mehr, mit dem er sich verneigen könnte.
Der Śiva-Hymnus: Hingabe und Vergänglichkeit
Mehrere Verse betonen die Einfachheit der Verehrung. Śiva lässt sich schon durch wenige Blumen erfreuen. Der Sprecher fragt, warum Menschen ihren Körper durch harte Askese quälen oder ihr Haus durch kostspielige Opfer leeren, wenn Hingabe den Weg zum Heil öffnen kann. Damit wird innerhalb desselben Kapitels ein Gegengewicht zu den aufwendigen Ritualen gesetzt. Der Hymnus hebt die technische Überlieferung nicht aus der Schrift heraus, aber er zeigt einen anderen Schwerpunkt: die Beziehung des Menschen zu seinem göttlichen Gegenüber.
Besonders anschaulich ist die Bitte, alle Fähigkeiten auf diese Beziehung auszurichten. Die Augen sollen die göttliche Gestalt betrachten, die Ohren von ihren Eigenschaften hören, der Geist soll sich erinnern, die Hände sollen verehren und die Stimme soll loben. Das ist ein Bild umfassender Sammlung. Es kann auch bei einer stillen, betrachtenden Lektüre verständlich werden, ohne dass man die vielen zuvor beschriebenen Rituale ausführt. Entscheidend ist die zusammenhängende Ausrichtung des eigenen Lebens.
Der Hymnus enthält auch eine entschiedene Bekennung zu Śiva gegenüber anderen philosophischen und religiösen Wegen. Diese Stimme gehört zur Quelle. Sie wird nicht zu einer neutralen Aussage über den Wert anderer Traditionen umformuliert. Ebenso bleibt eine eindringliche Frage an Śivas Begleiter erhalten: Warum sollte man des Herrn gedenken, wenn er den Zufluchtsuchenden kein Erbarmen zeigt? Hingabe erscheint hier nicht nur als ruhiges Lob, sondern auch als Bitte, Klage und beharrliches Rufen.
Der Schlussvers richtet den Blick auf die Vergänglichkeit. Leben und Jugend schwinden; vergangene Tage kehren nicht zurück. Wohlstand ist beweglich wie Wasserwellen, das Leben flüchtig wie ein Blitz. Daraus entsteht die Bitte um Zuflucht: „Beschütze mich jetzt.“ Nach den vielen Mantras, Zahlen und Handlungen endet das Kapitel damit in einer unmittelbar verständlichen menschlichen Haltung. Der Kolophon nennt anschließend die überlieferte Lehrerfolge und schreibt das Werk Vidyāraṇya Yati zu. Diese Zuschreibung wird als Aussage des Textes bewahrt; sie ersetzt keine eigenständige historische Prüfung.
Was diese Arbeitsfassung bewahrt
Kapitel 30 umfasst hier 56 unterschiedliche Druckseiten, von 570 bis 625, mit 981 nummerierten Einträgen sowie unnummerierter Prosa, Formeln und Kolophon. Gedruckte Lücken, abweichende Lesarten und unklare Zahlen bleiben sichtbar. Dazu gehört ein nur bruchstückhaft erhaltener Vers des abschließenden Hymnus. Die Devanāgarī- und IAST-Fassungen folgen derselben geprüften Seitengrundlage. Die Zählung der deutschen Einträge dient der Orientierung und ist keine neu erfundene durchgehende Sanskrit-Verszählung.
Für die weitere Lektüre können drei Fragen hilfreich sein: Welche Gestalt des Göttlichen wird gerade angesprochen? Welches Ziel nennt der Text ausdrücklich? Und wie sicher ist die überlieferte Formulierung an dieser Stelle? Mit diesen Fragen lassen sich Lehrergestalten, Gebete, Heilungsversprechen und feindselige Anwendungen voneinander unterscheiden, ohne den Zusammenhang des Kapitels zu verlieren. Seine besonderen Möglichkeiten liegen sowohl im Studium dieser historischen Vielfalt als auch in den klaren Aussagen über Erkenntnis, Erbarmen, Furchtlosigkeit und Hingabe.
31. Śvāsa in einfachen Worten: Vom heilsamen Mantra zur Erkenntnis des Selbst
Der einunddreißigste Śvāsa führt von der Verehrung Śivas als Mṛtyuñjaya über die Gāyatrī und umfangreiche Rezitationsordnungen bis zur inneren Bedeutung der Śrīvidyā. Seine vielen Zuordnungen können beim ersten Lesen überwältigend wirken. Hilfreich ist es, die verschiedenen Ebenen auseinanderzuhalten: Was sagt ein Mantra? Wie wird er in der überlieferten Verehrung eingesetzt? Welche Erkenntnis soll durch diese Verehrung reifen? Das Kapitel behandelt alle drei Fragen. Es enthält zugleich historische Wunschrituale und Gefahrenvorstellungen, die sich nicht einfach mit einer heutigen Yogapraxis gleichsetzen lassen.
Tryambaka: Sich aus der Bindung lösen
Am Anfang steht der bekannte Tryambaka-Mantra. Die Erklärung verbindet seinen Namen mit dem Dreiäugigen, dem Herrn der drei Welten. Eine weitere Deutung nennt die drei Mütter Himmel, Wasser und Erde. Der Text beschränkt sich damit nicht auf eine einzige Worterklärung; er lässt mehrere traditionelle Zugänge nebeneinander bestehen. Auch die Bezeichnung „wohlriechend“ wird sowohl auf das Göttliche als Ursprung aller Düfte als auch auf die duftenden Gaben der Verehrung bezogen.
Der Vergleich mit der reifen Gurkenfrucht gibt dem Gebet eine besonders anschauliche Gestalt. Wie eine reife Frucht sich von ihrer Bindung löst, so möge der Mensch aus der Macht des Todes frei werden. Die anschließende Erklärung richtet den Blick auf das Unsterbliche: Wer den unsterblichen Gott gefunden hat, möge nicht mehr von ihm getrennt sein. Der Mantra umfasst damit sowohl die Bitte um Bewahrung als auch die Sehnsucht nach einer Freiheit, die über den vergänglichen Körper hinausreicht.
Eine wichtige Aussage lautet: Zuerst soll die Bedeutung des Mantras verstanden werden. Dazu gehören nach der Tradition auch Seher, Versmaß und Gottheit. Erst danach folgen Rezitation und weitere Handlungen. Für heutige Yoga-Aspiranten lässt sich daraus eine einfache Anregung gewinnen: Ein vertrauter Mantra kann erneut lebendig werden, wenn man seinen Sinn aufmerksam betrachtet. Diese heutige Anregung ersetzt nicht die historischen Vorschriften, sondern knüpft an die im Text ausdrücklich geforderte Verbindung von Wissen und Rezitation an.
Der Leib als Ort der Verehrung
Die anschließenden Nyāsas ordnen Laute, Wörter, Gottheiten und Kräfte verschiedenen Körperstellen zu. Finger, Glieder und innere Zentren werden in einen größeren Zusammenhang gestellt. Der Körper erscheint dabei nicht nur als etwas, das überwunden werden müsste. Er wird zum Träger von Aufmerksamkeit und zur Gestalt eines sakralen Zusammenhangs. Die ausführlichen Listen wollen eine geordnete Vergegenwärtigung ermöglichen; sie sind keine beliebig austauschbaren Bilder.
Mehrere Fassungen werden hintereinander überliefert. Das zeigt, dass ein enzyklopädisches Werk wie dieses unterschiedliche Lehrtraditionen sammelt. Eine abweichende Reihenfolge ist deshalb nicht automatisch ein Fehler. Wo jedoch der Wortlaut beschädigt oder ein Bīja unklar ist, bleibt die Unsicherheit in der Ausgabe sichtbar. Gerade bei einem Text, der seinen Lauten große Bedeutung beimisst, wäre eine nur scheinbar sichere Ergänzung irreführend.
Die Meditation über Rudra, die Gegenwart Gaurīs, die Verehrung der fünf Gesichter Śivas und die Gestaltung eines kosmischen Sitzes erweitern den Blick. Aus der einzelnen Körperstelle wird ein Zusammenhang von Mensch, Gottheit und Welt. Die äußeren Gaben und die innere Vergegenwärtigung gehören in dieser Darstellung zusammen. Moderne Leser können darin eine Einladung sehen, Aufmerksamkeit nicht nur auf Gedanken, sondern auch auf Körpergefühl, Haltung und Ausrichtung zu beziehen. Die komplizierten Nyāsa-Folgen bleiben jedoch Teil der jeweils unterwiesenen Tradition.
Bewahrung, Wunsch und Vergänglichkeit
Mṛtyuñjaya bedeutet „den Tod überwindend“. Entsprechend werden im Kapitel viele Anlässe für seine Verehrung genannt. Die Überlieferung verbindet sie mit Bewahrung, Wohlergehen und der Überwindung von Bedrängnis. Zugleich enthält sie genaue Zahlen, Opferformen und historische Anwendungen. Nicht jede dort genannte Wirkung ist eine Aussage über spirituelle Befreiung; manche richten sich ausdrücklich auf weltliche Ziele.
Für das Verständnis ist diese Unterscheidung wesentlich. Ein Gebet um Zuflucht, eine Meditation über das Unsterbliche und eine historische Rezeptur sind unterschiedliche Textarten. Sie verdienen jeweils eine passende Lektüre. Die deutsche Ausgabe hält die Aussagen deshalb auseinander. Die Verheißungen werden als Verheißungen des Textes übersetzt; sie werden weder als moderne Wirkungsnachweise ausgegeben noch durch eine allgemeine, freundlich klingende Spiritualität ersetzt.
Die Frage nach dem Tod kann dennoch eine sehr gegenwärtige sein. Sie erinnert daran, dass Besitz, Ansehen und körperliche Kraft veränderlich sind. Eine heutige Besinnung kann hier ansetzen: Was trägt mich, wenn das Gewohnte unsicher wird? Woran richte ich mein Leben aus? Solche Fragen sind moderne Anregungen. Der überlieferte Mantra antwortet in seiner eigenen Sprache mit der Hinwendung zum Göttlichen und der Bitte, von der Verbindung mit dem Unsterblichen nicht getrennt zu werden.
Gāyatrī: Das Licht, das Erkenntnis ermöglicht
Der umfangreiche Gāyatrī-Abschnitt behandelt wiederum Seher, Versmaße, Körperzuordnungen, Meditationen, Kräfte, Farben und Verehrungskreise. Die einzelnen Silben werden in vielfältige Beziehungen gestellt. Auch Schutzgebet, innere Verehrung, äußere Verehrung und vorbereitende Rezitation werden beschrieben. Diese Fülle zeigt, wie ein einzelner Mantra zu einem ganzen Weg der Betrachtung werden kann.
Besonders bedeutsam ist die Auslegung auf Druckseite 644. Die Bitte „Möge er unsere Erkenntniskräfte anregen“ wird auf das innere Selbst bezogen, das alle Erkenntnisvorgänge erhellt. Brahman ist nach dieser Erklärung nicht etwas völlig Fremdes außerhalb des Menschen. Es wird als das innerste Selbst verstanden, das allem Erkennen zugrunde liegt. Die scheinbare Trennung zwischen dem Betenden und dem angerufenen Licht wird so zum Gegenstand einer tieferen Betrachtung.
Die Wörter des Mantras werden nacheinander erläutert. Das Erwählte und Verehrungswürdige wird mit unüberbietbarer Glückseligkeit verbunden. Das Licht des Göttlichen wird als das verstanden, was Unwissenheit verbrennt. Bewusstsein und Glückseligkeit werden nicht als zwei voneinander getrennte Eigenschaften behandelt, sondern als Ausdruck der ungeteilten Wirklichkeit. Auch die sieben Vyāhṛtis, die Weltenrufe, werden in diesen Zusammenhang einbezogen.
Das „Haupt“ der Gāyatrī führt dieselbe Deutung weiter. Wasser, Licht, Lebensessenz, Unsterblichkeit und Brahman werden als Hinweise auf das alldurchdringende, leuchtende und freie Selbst verstanden. Der Text spricht ausdrücklich von der Erkenntnis Brahmans als des Selbst von allem. Darin berühren sich Tantra und Vedānta: Die Verehrung führt nicht nur zu einer heiligen Vorstellung, sondern stellt die Frage, wer der Erkennende selbst ist.
Für eine heutige Betrachtung kann es genügen, diese Frage ruhig wirken zu lassen. Gedanken verändern sich; auch Gefühle und Wahrnehmungen kommen und gehen. Was macht ihr Erscheinen bewusst? Dies ist eine moderne Meditationsanregung, keine zusätzliche Übersetzung des Quellentextes. Sie macht den Erkenntnisbezug sichtbar, den die vorliegende Gāyatrī-Auslegung selbst eröffnet.
Innere und äußere Gāyatrī-Verehrung
Das Kapitel beschreibt nicht nur eine philosophische Auslegung. Es zeigt ebenso, wie eine Göttinnengestalt im Herzen vergegenwärtigt, auf einem Thron mit Lotus betrachtet und anschließend in die äußere Verehrung übertragen wird. Darbringungen und Gefäße, Umkreise und Gottheiten erhalten ihren Ort. Die innere Vorstellung ist damit kein zufälliger Schmuck der äußeren Handlung; sie bildet einen wesentlichen Ausgangspunkt.
Der Text enthält aber auch schädigende Anwendungen. Diese stehen neben friedlichen Formen und werden in der Übersetzung als solche kenntlich gemacht. Sie dürfen nicht nachträglich zu bloßen Bildern für die Überwindung eigener Schwächen umgedeutet werden. Wer spirituelle Orientierung sucht, kann sich bewusst den friedlichen Gebeten, der Erkenntnislehre und der inneren Verehrung zuwenden, ohne deshalb die übrigen historischen Inhalte zu leugnen.
Gerade die klare Unterscheidung ermöglicht einen verantwortlichen Umgang mit dem Werk. Ein alter Text muss nicht in jeder Einzelheit zum eigenen Lebensprogramm werden, um ernsthaft gelesen zu werden. Seine Erkenntnisfragen, seine Hingabe und seine Aufmerksamkeit für Sprache können wertvoll sein, während andere Aussagen als Zeugnisse einer anderen religiösen und gesellschaftlichen Welt betrachtet werden.
Pārāyaṇa: Beständigkeit mit einer tragbaren Ordnung
Die Kādi-Mantra-Pārāyaṇa verbindet die Grundvidyā mit drei Bījas, vier Formen des Alphabets und zehn Göttinnennamen. Die Reihen wirken umfangreich, folgen aber einer geordneten Struktur. Nicht jede mögliche Formel wird im Druck vollständig ausgeschrieben; häufig verweist er mit „und so weiter“ auf die zuvor erklärte Ordnung. Diese Verweise bleiben in der Ausgabe als Verweise erkennbar.
Ein besonders menschlicher Zug ist die zeitliche Anpassung am Ende. Der vollständige Durchgang wird zunächst auf zehn Tage verteilt. Wer dieses Pensum nicht bewältigt, kann denselben Gesamtumfang auf fünfzig Tage verteilen. Wer auch dafür weniger tägliche Zeit oder Kraft hat, erhält eine hunderttägige Ordnung. Der Text verbindet damit Beständigkeit und Rücksicht auf die tatsächliche Möglichkeit des Übenden. Er fordert nicht, dass alle Menschen denselben Tagesumfang leisten.
Für heutige Yoga-Aspiranten liegt darin eine hilfreiche allgemeine Einsicht: Eine regelmäßig tragbare Praxis kann sinnvoller sein als ein zu großer Vorsatz, der rasch aufgegeben wird. Die historische Pārāyaṇa bleibt eine besondere überlieferungsgebundene Rezitationsform. Die moderne Anregung betrifft die Haltung der Verlässlichkeit: eine geeignete Praxis wählen, ihre Bedeutung kennen und ihr über längere Zeit aufmerksam verbunden bleiben.
Yantra: Geordnete Gestalt und überlieferte Unterweisung
Der nächste Abschnitt beschreibt das Śrīcakra, Lotus-Cakras, das Nektargefäß und mehrere Vajra- und Liṅga-Yantras. Linien, Felder, Schnittpunkte und Buchstabenfolgen sind genau aufeinander bezogen. Das Werk spricht wiederholt von Schönheit und Gleichmäßigkeit, zugleich aber von rituellen Folgen fehlerhafter Zeichnungen. Seine geometrischen Aussagen setzen die Kenntnis der entsprechenden Zeichentradition voraus.
Die Übersetzung bewahrt deshalb auch schwierige Zahlen und Richtungsangaben. Wo der gedruckte Wortlaut nicht zuverlässig verständlich ist, wird keine scheinbar genaue Zeichnung erfunden. Der Text selbst erklärt am Ende, dass die Ordnung aus dem Mund des Gurus zu erlernen sei. Seine Aufzählung ist somit nicht ohne Weiteres ein selbstständiges Handbuch für Leser ohne die vorausgesetzte Unterweisung.
Die vielen zugeschriebenen Wirkungen reichen von Wohlergehen und langem Leben bis zu Einflussnahme und Abwehr. Auch hier wird die Spannweite sichtbar, die das Werk sammelt. Für die spirituelle Gesamtsicht ist besonders interessant, dass unmittelbar nach der äußeren Geometrie eine innere Auslegung folgt. Das Cakra wird nun im Menschen und im Bewusstsein betrachtet.
Verehrung als Erkenntnis der Einheit
Der Tantrarāja-Abschnitt über Vāsanā beginnt mit dem Gedanken, die Nityās als das eigene Selbst zu erkennen. Guru, Mantra und Selbst werden in einer gemeinsamen Betrachtung verbunden. Der Körper erscheint als Edelsteininsel; innere Kräfte und Lebensvorgänge entsprechen den Gestalten des Cakras. Das ist eine symbolische Deutung innerhalb der Überlieferung, keine moderne anatomische Beschreibung.
Ein Schlüsselvers nennt den Erkennenden das eigene Selbst, die Erkenntnis die ehrende Gabe und das Erkannte das äußere Śrīcakra. Verehrung bedeutet, ihre Einheit zu erkennen. Damit wird die vertraute Trennung zwischen „ich hier“, „Gottheit dort“ und „Handlung dazwischen“ selbst durchleuchtet. Die äußere Verehrung erhält eine innere Tiefe: Sie kann auf die Wirklichkeit hinweisen, in der Erkennender, Erkennen und Erkanntes erscheinen.
Weitere Verse deuten die Gegenstände der Göttin: Das Denken ist der Zuckerrohrbogen, die feinen Sinnesqualitäten sind die Blumenpfeile, Anhaftung ist die Schlinge und Abneigung der Haken. Solche Bilder verbinden religiöse Darstellung mit unmittelbarer Selbsterfahrung. Ein Mensch kennt die Kraft seiner Wünsche und Abneigungen. Die Betrachtung der Göttin kann diese Kräfte sichtbar machen, ohne dass sie deshalb einfach verleugnet werden müssten.
Schließlich wird das eigene Selbst als Lalitā bezeichnet, deren Gestalt das ganze Universum ist. Japa bedeutet dann die Vergegenwärtigung des Einsseins mit ihr; Homa das Zur-Ruhe-Kommen der Weltvorstellungen im Selbst. Tarpaṇa wird zur Betrachtung ihrer wechselseitigen Einheit. Die inneren Deutungen ersetzen im Gesamtwerk nicht sämtliche äußeren Riten, zeigen aber ausdrücklich, auf welche Erkenntnis diese bezogen werden können.
Aufmerksamkeit, Bedeutung und Abschluss
Drei Arten des Mantraverständnisses schließen sich an: Aufmerksamkeit für das Entstehen und Vergehen der Laute, Kenntnis der überlieferten Wortbedeutung und Betrachtung der Beziehung zwischen Mantra und Gottheit. Klang, Sinn und Bewusstsein werden damit als zusammengehörige Zugänge behandelt. Eine Rezitation kann durch alle drei vertieft werden, statt allein als mechanische Wiederholung verstanden zu werden.
Der Schluss kehrt zur Bedeutung der Unterweisung und der beständigen Ausrichtung zurück. Er enthält auch vormoderne Vorstellungen über gegensätzliche Mantras und Gottheiten sowie historische Pflanzenanwendungen. Diese Aussagen bleiben als Teil der Quelle sichtbar. Die tragende spirituelle Linie des Kapitels liegt jedoch klar vor Augen: die Bedeutung kennen, aufmerksam verehren, die Praxis dem eigenen Vermögen entsprechend ordnen und im äußeren Symbol den Hinweis auf das innere Selbst entdecken.
Als heutige Besinnung kann daraus eine stille Frage entstehen: Kann ich während meiner vertrauten Praxis zugleich Klang, Bedeutung und Bewusstheit wahrnehmen? Eine solche Frage braucht keine spektakuläre Erfahrung. Sie kann die nächste Rezitation, eine kurze Meditation oder einen Augenblick gesammelter Hingabe vertiefen. So bleibt das Kapitel ein historisch vielschichtiger Text und eröffnet zugleich einen verständlichen Zugang zu Erkenntnis, Hingabe und innerer Sammlung.
32. Śvāsa in einfachen Worten: Gaṇeśa, Erkenntnis und die Vielfalt der Mantras
Der zweiunddreißigste Śvāsa umfasst die Druckseiten 668–727. Sein größter Abschnitt gilt Gaṇeśa, dem Herrn der Hindernisse. Danach folgen Mañjughoṣa, Kukkuṭeśvara, Śāstṛ, Vaivasvata, Citragupta, Āsurī, Kubera und Viśvāvasu. Den Abschluss bildet der hundertlautige Mantra, der drei vedische Gebete verbindet. Das Kapitel sammelt verschiedene Überlieferungen; deshalb beginnen die Versnummern oft wieder bei eins. Diese Zusammenfassung erklärt den Verlauf und seine Gedanken. Sie ersetzt weder die Übersetzung noch die örtlichen Hinweise auf unsichere Lesungen. Moderne Überlegungen werden ausdrücklich als solche benannt.
Gaṇeśa und der Beginn eines Weges
Gaṇeśa erscheint als derjenige, dem sich der Übende zuwendet, wenn Hindernisse überwunden und Vorhaben begonnen werden sollen. Seine Bilder sind freundlich und machtvoll zugleich: Elefantengesicht, großer Bauch, Lotus, Mondschmuck, Süßspeisen, Schlinge und Haken. Die Hand der Gabengewährung und die Geste der Furchtlosigkeit verbinden Fülle mit Schutz. Die Quelle beschreibt Farben, Gegenstände und ihre genaue Verteilung auf die Hände. Sie setzt diese Bilder in eine feste Verehrungsordnung ein. Für das heutige Verständnis ist hilfreich, zunächst das gesamte Bild wahrzunehmen, bevor man die zahlreichen Einzelheiten studiert.
Der Text beginnt mit dem einsilbigen Mantra gaṃ, kennt aber mehrere Lautvarianten. Bindu, Visarga und weitere Zeichen werden unterschieden; eine einfache Gleichsetzung aller Formen wäre ungenau. Manche Bījas werden durch Götternamen, Körperstellen oder andere Deckwörter hergeleitet. Die Prosa erklärt solche Schlüssel teilweise selbst. Wo sie das tut, folgt die Übersetzung dieser Erklärung. Wo eine graphische Unterscheidung undeutlich bleibt, bleibt sie offen. Ein Bīja ist hier ein heiliger Laut mit ritueller Funktion, kein gewöhnliches Wort, dem man eine beliebige deutsche Bedeutung zuweisen könnte.
Der Körper als Ort der Aufmerksamkeit
Ein wiederkehrender Bestandteil ist Nyāsa, das Zuordnen von Lauten und Gottheiten zu Händen und Körperstellen. Fünf- und sechsgliedrige Formen stehen nebeneinander. Herz, Kopf, Haarspitze, Schutzpanzer, Augen und Waffe bezeichnen rituelle Glieder; nicht jede Quelle führt alle sechs auf. Auch die Finger werden einbezogen. Die konkrete Ordnung hängt von der jeweiligen Überlieferung und Unterweisung ab. Der Text zeigt damit bereits innerhalb seiner eigenen Tradition Vielfalt. Die Ausgabe macht daraus kein einziges vermeintlich verbindliches Schema.
Als moderne Betrachtung kann dieser Teil daran erinnern, dass Sammlung den ganzen Menschen einbezieht. Aufmerksamkeit ist nicht nur eine gedankliche Tätigkeit. Atem, Hände, Haltung und innere Vorstellung können zusammenwirken. Das ist jedoch eine heutige Anregung, keine wörtliche Definition des historischen Nyāsa. Für die Kenntnis des Rituals bleiben dessen überlieferte Formeln und Zuordnungen maßgeblich. Die ausführliche Übersetzung bewahrt deshalb auch solche Reihen, die beim ersten Lesen trocken erscheinen: Sie gehören zur konkreten Gestalt dieser religiösen Praxis.
Lotus, Umkreise und die geordnete Vielfalt
Die Verehrung findet häufig in einem achtblättrigen Lotus mit umgebenden Quadraten und vier Toren statt. In der Mitte wird die Hauptgottheit vergegenwärtigt; darum ordnen sich ihre Glieder, weitere Gaṇeśa-Gestalten, die Mütter, Welthüter und Waffen. Der Text nennt neun Kräfte des Sitzes, darunter Tīvrā, Jvālinī und Vighnanāśinī. Die acht Mütter werden mit Farben, Gesten und Gegenständen beschrieben. Auch die Richtungsgebieter haben eigene Erscheinungen und Reittiere. Die vielen Namen sind somit Bestandteile einer räumlich geordneten Verehrungswelt.
Die Prosa führt oft aus, was zuvor in knappen Versen stand. Nach Morgenhandlungen und Atemregelung folgen die Zuordnung von Seher, Versmaß und Gottheit, Meditation, innere Verehrung, Einladung und äußere Gaben. Schließlich werden die Umkreise verehrt. Die Wiederholung ist keine zufällige Verdoppelung: Ein Vers nennt die Regel, die Prosa zeigt ihre Ausführung. Wo beide voneinander abweichen, etwa bei einem Namen oder einer Zahl, bewahrt die Übersetzung den Unterschied. Ein überliefertes Ritualhandbuch wird dadurch verständlicher, ohne zu einer künstlich widerspruchsfreien Anleitung umgeschrieben zu werden.
Mehrere Gestalten desselben Gaṇeśa
Das Kapitel entfaltet verschiedene Formen: unter anderem Śakti-Gaṇapati, Kṣipraprasādana, Heramba, Mahāgaṇapati, Haridrā-Gaṇapati, Vakratuṇḍa und Ucchiṣṭa-Gaṇeśa. Sie haben unterschiedliche Mantras, Farben, Begleitgestalten und Verehrungskreise. Kṣipraprasādana heißt der rasch Gunst Gewährende. Heramba erscheint fünfgesichtig auf einem Löwen; die fünf Gesichter werden mit unterschiedlichen leuchtenden Erscheinungen verglichen. Das vielarmige Bild verbindet Schutzgesten mit Werkzeugen, Waffen und Gaben. Es ist eine besondere Form der Gottheit, nicht bloß eine neue Bezeichnung für das vorherige Meditationsbild.
Die Quelle stellt kurze und lange Mantras nebeneinander. Durch das Voranstellen des Praṇava kann aus einem dreisilbigen ein viersilbiger Mantra werden. Andere Formen haben zehn, zwölf oder weit mehr Silben. Solche Veränderungen sind im Text mit neuen Sehern, Versmaßen oder Ritualangaben verbunden. Daher werden sie in der Ausgabe voneinander unterschieden. Die Länge eines Mantras ist hier kein Maß seiner geistigen Tiefe. Entscheidend für die Darstellung der Quelle sind die jeweilige überlieferte Form, ihre Bedeutung innerhalb des Rituals und die sorgfältige Zuordnung ihrer Bestandteile.
Mahāgaṇapatis ausführlicher Verehrungsweg
Der große Mahāgaṇapati-Abschnitt nimmt im Kapitel breiten Raum ein. Er verbindet die Herleitung des Mantras mit Meditation, Hand- und Körperzuordnungen, Yantra-Beschreibungen, Verehrung und besonderen Anwendungen. Die einzelnen Quellen ergänzen sich, ohne immer dieselben Zahlen oder Anordnungen zu nennen. Auch Śrīvidyā-Bezüge treten hervor: Gaṇeśas Verehrung steht innerhalb eines umfassenderen Weges der Göttin. Das bedeutet nicht, dass alle Formeln austauschbar wären. Vielmehr wird die Verbindung mehrerer Gottheitsformen innerhalb einer gemeinsamen religiösen Welt sichtbar.
In den Darbringungen begegnen Wasser, Blumen, Früchte, Süßspeisen, Getreide und Licht. Daneben beschreibt das Werk komplizierte und zum Teil problematische Anwendungen. Die religiöse Sprache reicht von Schutz und Gedeihen bis zur Beherrschung anderer Menschen. Ein verständliches Lesen hält diese Unterschiede aus. Es sollte nicht jeden Quelleninhalt in eine freundliche innere Symbolik umdeuten. Für heutige Yoga-Aspiranten kann dagegen die Haltung freiwilliger, wohlwollender Hingabe leitend sein; diese Auswahl ist eine moderne ethische Orientierung und wird nicht als Übersetzung sämtlicher historischer Absichten ausgegeben.
Gemeinsamkeit als geistliches Motiv
Mitten in der Vielfalt steht ein Gebet um gemeinsames Gehen, Sprechen und Verstehen. Die auf den Druckseiten 693–694 angeführten Verse 32.SGH.2–4 gehören zum aus dem Ṛgveda bekannten Eintrachtsgebet. Gemeinsames Denken, einmütige Ausrichtung und verbundene Herzen werden darin angesprochen. Das Kapitel bewahrt damit nicht nur individuelle Erfolgsrituale, sondern auch eine Sprache des Miteinanders. Diese Passage kann für eine heutige Gemeinschaft besonders ansprechend sein, weil sie Aufmerksamkeit auf die Beziehung zwischen Menschen lenkt.
Als moderne Erläuterung lässt sich daraus eine Frage an das eigene Üben entwickeln: Fördert meine Praxis Klarheit, Zugewandtheit und die Fähigkeit, gemeinsam zu handeln? Eine gemeinsame Ausrichtung verlangt nicht, dass alle Menschen gleich werden. Der überlieferte Vers selbst spricht jedoch von Einmütigkeit; die weitergehende Deutung eines respektvollen Miteinanders ist eine heutige Anwendung. Diese Unterscheidung lässt den Quellenwortlaut bestehen und eröffnet zugleich einen verständlichen Zugang. Die Stelle eignet sich daher als belegbarer Ausgangspunkt für Inspiration, ohne den gesamten Ritualkontext zu verschweigen.
Tarpaṇa: Darbringen und Sättigen
Ein weiterer Schwerpunkt ist Tarpaṇa, das darbringende Sättigen. Die Quelle entfaltet dafür längere Namens- und Formelreihen. Wasser wird der Gottheit und ihren Gliedern zugeordnet; die Zahl der Darbringungen kann verschieden sein. Im Kapitel begegnen unter anderem Umfänge von 108, 216 und 444. An einzelnen Stellen passen Zählung und Erläuterung nicht eindeutig zusammen. Diese Unterschiede werden dokumentiert. Eine mathematisch glattgemachte Reihe würde den tatsächlich überlieferten Text verdecken.
Für das Verständnis ist wichtig, dass Tarpaṇa mehr ist als das bloße Zählen von Wassertropfen. Innerhalb der beschriebenen Praxis gehören Vorstellung, Anrede, Gabe und wiederholte Zuwendung zusammen. Die Quelle bindet daran vielfach konkrete Erfolgsversprechen. Als heutige Betrachtung kann die Darbringung an Dankbarkeit und das bewusste Teilen erinnern. Diese Deutung ersetzt aber nicht die besondere rituelle Funktion des Wassers. Wer das Kapitel studiert, kann zunächst die Grundstruktur erfassen und danach die ausführlichen Formeln in den getrennten Sanskritartikeln nachverfolgen.
Haridrā, Vakratuṇḍa und die Grenzen der Erfolgsversprechen
Haridrā-Gaṇapati ist mit Kurkuma verbunden; es folgen längere Mantra- und Yantra-Anwendungen. Vakratuṇḍa, der mit dem gekrümmten Rüssel, besitzt einen eigenen Abschnitt. Hier stehen Wünsche nach Wohlstand, Beredsamkeit, Schutz und Einfluss nebeneinander. Der Druck unterscheidet teilweise huṃ und hūṃ. Solche kleinen Schreibunterschiede können für den Sanskrittext bedeutsam sein und werden nicht ohne Begründung vereinheitlicht. Ebenso bleibt der Zahlensprung in der Haridrā-Reihe von 27 auf 37 sichtbar; es werden keine fehlenden Verse erfunden.
In diesen Abschnitten nennt die Quelle auch schädigende Zubereitungen. Einige verwenden ausdrücklich giftige Pflanzen und richten sich gegen andere Menschen. Die Ausgabe bewahrt jeweils Quellenort und einzelne Verszuordnung, ersetzt die ausführbare Zubereitung aber durch eine klar gekennzeichnete Inhaltsangabe. Das betrifft begrenzte Stellen, nicht pauschal den gesamten Ritualabschnitt. Die Sanskritartikel tragen entsprechende Auslassungsvermerke. Deshalb wird für diese Stellen keine wörtlich lückenlose Wiedergabe beansprucht. Diese Transparenz gehört zur verantwortlichen Beschreibung des tatsächlich vorliegenden Textbestands.
Ucchiṣṭa und die Überschreitung gewöhnlicher Reinheitsgrenzen
Die Ucchiṣṭa-Abschnitte arbeiten mit Resten von Speisen, besonderen Reinheitszuständen und zum Teil sexuellen Meditationsbildern. Mehrere Mantrafassungen werden mit verschiedenen Silbenzahlen aufgeführt. Begleitende Verse beschreiben die Gottheit, ihre Verehrung und zahlreiche gewünschte Wirkungen. Die Bilder gehören zu einem tantrischen Zusammenhang, in dem sonst gemiedene Zustände rituell aufgenommen werden. Die Übersetzung beschreibt diesen Befund sachlich. Sie deutet ihn weder aus dem Text heraus noch macht sie daraus eine allgemeine Empfehlung zur Übertretung von Grenzen.
Eine wichtige Lesehilfe ist die Unterscheidung zwischen religiösem Bild, historischer Handlungsvorschrift und heutiger Erläuterung. Eine sexuelle Darstellung im Dhyāna ist zunächst Teil des überlieferten Bildes. Ein Vers über das Gefügigmachen eines anderen Menschen verfolgt dagegen ausdrücklich ein Machtziel. Beides einfach als „Einheit“ zu bezeichnen würde die Bedeutungsunterschiede verwischen. Für einen heutigen Weg von Nichtverletzen und freiwilliger Hingabe können solche Stellen Anlass zur kritischen Besinnung sein. Diese ethische Einordnung wird als moderne Perspektive kenntlich gemacht.
Mañjughoṣa und das Licht des Verstehens
Mañjughoṣa wird zu Beginn seines Abschnitts als Vertreiber der Dunkelheit geistiger Trägheit gepriesen, als einer, der über den Ozean des Daseins trägt und den Übenden Glück bringt. Die anschließenden Mantras werden mit Gedächtnis, Einsicht, dichterischer Kraft und Beredsamkeit verbunden. In der Meditation erscheint er weiß wie der Mond, friedvoll, mit Schwert und Buch, fünf Haarknoten und lotusgleichen Augen. Das Schwert wird ausdrücklich mit dem Verbrennen verkehrten Denkens verbunden. Wissen wird hier durch eine anschauliche göttliche Gestalt vergegenwärtigt.
Mehrere Zitate führen diese Lehre unterschiedlich aus. Der Āgamottara, das Kukkuṭeśvaratantra und das Bhairavatantra haben eigene Angaben. Im Bhairavatantra sagt Śiva, Mañjughoṣa sei er selbst: Der eine Śaṅkara nehme viele Gestalten an. Zugleich unterscheiden sich Seher, Versmaße, Zeiten und Mantraformen. Die Einheit der Gottheit hebt diese Unterschiede der Überlieferung nicht auf. Für das Studium ist beides bedeutsam: der Gedanke einer gemeinsamen göttlichen Wirklichkeit und die konkrete Eigenart der einzelnen Textzeugen innerhalb der Sammlung.
Wissen, Übung und ungewöhnliche Observanzen
Die Mañjughoṣa-Texte verheißen in kurzen Fristen große Gelehrsamkeit und sprachliche Begabung. Ein Monat, drei Monate und weitere Zeiträume erscheinen teils als Varianten. Solche Aussagen werden als religiöse Erfolgsverheißungen übersetzt, nicht als überprüfte Lernmethode. Neben Rezitation und Meditation stehen Schädelplätze, Friedhofsorte, Nachtübungen und besondere Regeln, welche die gewöhnliche rituelle Reinheit umkehren. Die Ausgabe verschweigt diese Umstände nicht. Sie gehören zum historischen Profil der angeführten Überlieferungen.
Als moderne Anregung kann aus dem Mañjughoṣa-Motiv dennoch eine klare, ungefährliche Aufgabe entstehen: geduldig lernen, genau zuhören und mit Worten achtsam umgehen. Das Buch im Meditationsbild erinnert an Studium, die friedvolle Gestalt an Sammlung. Diese Verbindung ist eine heutige Betrachtung. Sie behauptet nicht, dass die Quelle anstelle ihrer Riten lediglich gewöhnliches Lernen meine. Gerade indem beides getrennt bleibt, können die inspirierenden Bilder aufgenommen werden, ohne die fremden oder schwierigen Bestandteile des Werkes umzuschreiben.
Kukkuṭeśvara und Śāstṛ
Kukkuṭeśvara wird in Hahnengestalt beschrieben, goldglänzend, mit roten Kamm- und Schnabelpartien, bewegten Flügeln und Füßen. Er befindet sich auf Gaurīs Handlotus und trägt die Namen Caraṇāyudha und Tāmraśekhara. Der Abschnitt enthält einen achtzehnsilbigen Mantra, Körperzuordnungen und eine ausführliche Bali-Formel. Die undeutliche Grundform auf einer Seite wird durch die ausgeschriebene Nyāsa-Reihe der folgenden Seite teilweise geklärt. Diese Klärung beruht auf dem unmittelbar anschließenden Text und wird ausdrücklich so bezeichnet.
Śāstṛ folgt als von der Jagd ermüdete, berittene Gottheit mit Gefolge. Besonders anschaulich ist die mittägliche Wassergabe an ihn und seine Begleiter. Sein Abschnitt nennt außerdem eine Gāyatrī, die um Anregung durch den großen Gott und Herrn der Wesen bittet. Daneben steht ein Unterwerfungsbild mit Schlinge. Auch hier enthält das Kapitel also verschiedene Zielrichtungen. Die leicht zugänglichen Motive von Wasser, Fürsorge und innerer Sammlung dürfen betrachtet werden, ohne dass die anders gerichteten Quelleninhalte dadurch verschwinden.
Vaivasvata und Citragupta: Tod und Verantwortung
Vaivasvata, der Sohn der Sonne und König des Dharma, wird dunkel wie eine Regenwolke, mit einem Stab und auf einem Büffel vorgestellt. Er herrscht über die südliche Richtung und ist von den Ahnen umgeben. Der Text beschreibt ihn den Verdienstvollen gegenüber als wohltätig, den Übeltätern gegenüber als unheilvoll. Sein Mantra wird mit Schutz vor Höllenfolge und Leid verbunden. Die Gestalt führt damit Fragen von Tod, Ordnung und den Folgen des Handelns in die Mantrasammlung ein.
Citragupta zeichnet die guten und schlechten Handlungen der Lebewesen auf. Er trägt eine Krone und bunte Gewänder und hat ein mondgleiches Gesicht. Der Text verheißt, er werde bei erfolgreicher Verehrung nur das Verdienstvolle verzeichnen. Diese Aussage wird wörtlich als Quellenverheißung kenntlich gemacht. Sie ist kein redaktioneller Freibrief, Verantwortung zu umgehen. Eine moderne Besinnung kann vielmehr fragen, welche Spuren das eigene Handeln hinterlässt. Auch hier ist die ethische Anwendung eine heutige Erläuterung und bleibt von der historischen Wirkungsbehauptung unterschieden.
Āsurī, Kubera und die menschlichen Wünsche
Āsurī erscheint als Tochter Atharvans und als Durgā-Gestalt. Ihr langer Mantra enthält ausdrückliche Aufforderungen zur Schädigung und Unterwerfung. Die verehrte Gestalt selbst wird zugleich mondhell, auf einem Lotus, mit Schutzgeste und Gabengewährung beschrieben. Die Spannung zwischen Bild und Anwendung wird bewahrt. Bei einer Zubereitung zur Blendung wird der giftige materielle Vorgang nur als Inhaltsangabe wiedergegeben. Die sonstigen Formeln, die Seher- und Versmaßangaben sowie die sichere Bildbeschreibung bleiben zugeordnet erhalten.
Kubera verkörpert Reichtum, Vorräte und Fülle. Er wird als Herr Alakās und Freund Śivas vorgestellt, mit Keule, Schmuck und Gabengeste. Seine Mantras bitten um Geld und Getreide. Der Text kennt auch eine kurze Vaiśravaṇa-Form und eine Formel gegen Armut. Viśvāvasu, der Gandharva-König, folgt mit dem Wunsch nach einer Braut. Zusammen zeigen diese Abschnitte, wie umfassend das Werk menschliche Anliegen aufnimmt: Nahrung, Besitz, Familie, Gesundheit, Wissen, Schutz und Befreiung. Nicht jeder Wunsch wird dadurch automatisch zu einem heutigen Übungsziel.
Das höchste Licht im hundertlautigen Mantra
Der Schlussabschnitt verbindet Gāyatrī, den Jātavedas-Vers und den Tryambaka-Vers zum Śatākṣara, dem hundertlautigen Mantra. Die Gāyatrī bittet um die Anregung der Einsicht durch göttliches Licht. Der Jātavedas-Vers ruft Agni an, über Schwierigkeiten und Unheil hinwegzutragen, wie ein Schiff über einen Strom. Der Tryambaka-Vers bittet um Lösung aus der Bindung des Todes und bewahrt das Bild der sich lösenden reifen Frucht. Die drei Gebete bleiben im zusammengesetzten Text als eigene Bestandteile erkennbar.
In 32.SAT.4, Druckseite 725, wird das verehrte Licht als wahrhaftig, jenseits allen Maßes und als Ursache der Welt beschrieben. Es durchdringt Bewegliches und Unbewegliches; Sonne, Feuer und Mond sind mit ihm verbunden. Die hundert Laute werden seine Gestalt, der Praṇava sein Wesen genannt. Der Vers spricht von beständiger Freude und einer Wirklichkeit, die über alles hinausgeht. Diese Meditation bildet einen besonders gehaltvollen Abschluss des Kapitels: Die vielen Laute und Bilder richten den Blick noch einmal auf eine umfassende göttliche Gegenwart.
Vom ausführlichen Ritual zum bewussten Lesen
Auch beim hundertlautigen Mantra folgen lange Laut- und Wortzuordnungen. Die Quelle verteilt die einzelnen Silben auf Körperstellen und ordnet die Gottheitskräfte in mehreren Kreisen an. Die deutsche Fassung bewahrt diese Listen; die Sanskritartikel lassen die Lautformen nachverfolgen. Ungewöhnliche Wiederholungen, gedrängte Ortsangaben und abweichende Zahlen werden nicht stillschweigend repariert. Das Kapitel endet mit den unterschiedlichen Zielangaben der drei Mantrabeginne und der Verheißung, der gesamte Mantra gewähre alle menschlichen Lebensziele.
Für heutige Yoga-Aspiranten kann ein erster Zugang darin bestehen, einen klaren Vers aufmerksam zu lesen und seine Bedeutung im Alltag zu bedenken. Das Eintrachtsgebet, Mañjughoṣas Lob der Einsicht und die Lichtmeditation bieten hierfür unterschiedliche Ausgangspunkte. Eine solche Betrachtung ist keine nachträglich behauptete Kurzfassung des gesamten Rituals. Sie ist eine frei gewählte moderne Weise, aus dem Studium geistige Nahrung zu gewinnen. Genauigkeit und Inspiration können dabei zusammengehen: Wir nehmen das Erhebende auf und lassen zugleich sichtbar, was fremd, unsicher oder problematisch bleibt.
Bedeutung für heutige Yoga-Aspiranten
Mantra und Meditation verbinden Wort, Aufmerksamkeit und innere Haltung. Für die heutige Betrachtung kann es hilfreich sein, eine kurze Gebetsstelle sorgfältig zu lesen und zu prüfen, welche Haltung sie im eigenen Alltag anregt. Die historischen Spezialrituale werden damit nicht zu allgemeinen heutigen Empfehlungen erklärt.

Moderne Begleitung zum Studium
Die folgenden zeitgenössischen Videos begleiten Themen des Yoga. Sie sind keine Rezitation des hier übersetzten Sanskrittextes.

Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung
Grundlage ist der elektronische Devanagari-Text des Uttarārdha, geprüft am Druckscan von 1937, herausgegeben von Ram Chandra Kak und Harabhatta Shastri. Das Druckbild entscheidet über Erkennungsfehler; nicht sicher lesbare Stellen werden örtlich gekennzeichnet. Prosa, Formeln, wiederholte Versnummern und Kolophone bleiben berücksichtigt. Die zugehörigen Sanskrittexte stehen in den verlinkten Devanagari- und IAST-Teilen dieser Ausgabe. Die Wiedergabe ist keine neue kritische Edition.
Siehe auch
- Krishna
- Vishnu
- Lakshmi
- Sri Vidya
- Mantra
- Nyasa
- Puja
- Guru
- Diksha
- Bhakti
- Moksha
- Kularnava Tantra
- Shaktisangama Tantra
- Sharada Tilaka Tantra
- Prapanchasara Tantra
- Jnanarnava Tantra
- Mantramahodadhi
- Tripura Rahasya
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Ein Bild kann die Aufmerksamkeit sammeln, ein Mantra die Hinwendung tragen, eine philosophische Deutung das Verständnis öffnen. Dieser Teil lässt solche Zugänge nebeneinander sichtbar werden. Besonders die innere Auslegung in Kapitel 31 lohnt eine zweite Lektüre: Welche Bedeutung gewinnt die äußere Verehrung, wenn die Gottheit zugleich als das eigene Selbst betrachtet wird?
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