Kleidung und Schmuck

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Aus dem Buch "Altindisches Leben: Die Cultur der vedischen Arier", nach den Samhita dargestellt von Heinrich Zimmer, Berlin 1879

Es soll an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass das Wort Arier beim Indologen Zimmer ausschließlich im völkerkundlichen und sprachwissenschaftlichen Zusammenhang genannt wird.

Der vedische Sonnengott Surya mit Savitri

Kapitel 8: Kleidung und Schmuck

Die Nachrichten der vedischen Sänger über die gewöhnliche Tracht sind sehr dürftig. Der allgemeine Name für Kleid, sowohl das der Männer als auch das der Frauen ist vasas, vastra; es wird gewebt aus der gesponnenen Schafwolle (Urnasûtra V. S. 19, 80), weshalb das Schaf die Haut (tvac) der zwei- und vierfüßigen Wesen heisst V. S. 13, 50. Pûshan ist Rv. 10, 26, 6 Kleiderweber vasovaya genannt; der Kleider schenkt (vasoda) wird Rv. 10, 107, 2 neben dem Spender von Rossen und Gold gepriesen, ebenso vastrada Rv. 5, 42, B. Die Kleider wurden verziert (peçana); Agni zieht verzierte Gewänder an Rv. 10, 1, 6. Ein solch verziertes, buntes Gewand hiess peças: Die Morgenröthe legt bunte Gewänder an wie eine Tänzerin Rv. 1, 92, 4. Besonders die Frauen scheinen schon damals grossen Gefallen an schönen Kleidern gefunden zu haben: suvasas ist öfters Beiwort von jaya Gattin, vadhu Weib; wie Frauen prangen die Marut Rv. 1, 85, 1.

Die Kleider waren glänzend, lebhaft gefärbt: »An der Spitze der Streitwagen zieht der Heerführer dahin, der beutelustige Held; sein Heer jauchzt; die Gebete zu Indra macht er seinen Genossen glückbringend, glänzende (rabhasa) Gewänder zieht der Soma an« Rv. 9, 96, 1. Rv. 1, 166, 10 ist rabhasa Beiwort von Gold- und sonstigem Schmuck (anji) der Marut.

Wenn ein Gewand gut anlag, hiess es suvasana »schön kleidend«, surabhi »schön umfassend« Rv. 6, 29, 3; 10, 123, 7. - Ein anderer allgemeiner Ausdruck für Gewand ist atka (= vasas Rv. 9, 69, 4. 5; altb. adhka); es ausziehen heisst atkam munc, anziehen vya-, prati-munc; es ist gewoben (vyuta) Rv. 1, 122, 2. Die Gewänder der Marut sind goldgeschmückt Rv. 5, 55, 6. Eine Art Einfassung oder Franse am Gewand war tusha T.S. 1 , B. 1 , 1; 2, 4, 9, t ; vgl. T.S. 6, t, 1, 3. Specieller bezeichnet vasas das um den Körper gelegte Untergewand Av. 8, 2, 16: über ihm trug man den adhivasa Überwurf, Mantel Rv. 1, 140, 9: 162, 16; 10, 5, 4; unter dasselbe (tasyagre) band man, besonders die Frauen, einen Schurz (nivi) um den Leib Av. 14, 2, 50; 8, 2, 16 ; vgl. V. S. 4, 10 ; T.S. 6, 1, 1, 3. Auch drapi ist eine wenig bestimmte Bezeichnung für Mantel, Gewand; aus Vergleich von Rv. 1 , 116, 10 mit Rv. 5, 74, 5 ergibt sich die Identität von drapi und atka. Varuna auf seinem Throne trägt einen goldenen Überwurf Rv. 1, 25, 13; ein Gleiches wird Av. 5. 7, 10 von der Arati gesagt.

Wie weit Felle oder Pelze als Kleidungsstücke verwendet wurden, lässt sich nicht bestimmen. Die Marut tragen Hirschfelle (eta) um die Schultern (Rv. 1, 166, 10); darnach zu schliessen gehörte Pelzwerk zu einer ausgewählten Kleidung, da die Marut immer höchst kostbar gekleidet auftreten. Nach Rv. 10, 136, 2, einem späten Liede, kleiden sich die windumgürteten Muni, die auf der Bahn des Windes gehen, in gelbe (picamga) mala; Roth sieht in mala »gegerbtes Leder, ledernes Gewand«. Ludwig »schmutzige Kleider«. Solche Kleider, die also geradezu Schmutz (mala) genannt sind, passen in der That recht für den langhaarigen (keçin). Auch malaga Av. 12, 3, 21 spricht für Ludwigs Auffassung. - Während der Nacht hatte man ein wollenes Hemd an (çamulya) Rv. 10, 85, 29.

Über Fußbekleidung erfahren wir nichts; dass man aber solche trug, folgt aus Rv. 5, 54, 11, wo es von den Marut heisst, dass sie Spangen an den Füssen tragen. Bildeten dieselben auch einen Schmuckgegenstand, so war er doch sicherlich an einer Art Fußbekleidung angebracht.

Einzelne Theile des Gewandes waren mit Goldschmuck verziert: khadi war eine Spange oder Ring, der an den Handgelenken (Rv. 1, 168, 3), an der Fußbekleidung (Rv. 5, 54, 11) getragen wurde; vgl. M. Müller Hymns to the Maruts 1, 102. 218. Nishka ein goldener Halsschmuck: »Einen Halsschmuck soll er machen oder einen Kranz, o Tochter des Himmels« Rv. 8, 47, 15. Rudra trägt einen solchen Schmuck; derselbe ist vicvarupa »vielfarbig«. Die Ribhu heissen »schönen Halsschmuck tragend« (sunishka Rv. 4, 37, 4), ebenso die Marut (Rv. 7, 56, 11). Er wird angebunden (prati-munc) Av. 5, 14, 3. 19, 57, 5.

Rukma war ein bestimmter Goldschmuck, der auf der Brust getragen wurde (vakshahsu) Rv. 1 , 64, 4 u. 6.; die Marut sind rukma-vakshas »Goldschmuck an der Brust tragend«.

Mani wird Rv. 1. 33, 8 neben Goldschmuck genannt; dass der Gegenstand am Halse getragen wurde, zeigt das Compositum manigriva Rv. 1, 122, 14. Als Amulett wurde es vielfach getragen und war eine Schnur (pratisara, prativarta), die umgebunden wurde (bandh) Av. 8, 5, 1. 4. Derselbe führt weiterhin das Beiwort »kantig« (sraktya Av. 8, 5, 4, sraktya Av. 2, 11, 2), woraus man wohl folgern darf, dass entweder kantige, eckige Perlen oder Edelsteine in eine Schnur eingefasst waren oder dass, analog den altgermanischen Goldbracteaten, ein einzelner Edelstein an einer Schnur am Halse hing. Hiranyasraj »aus einem Goldkranz bestehend« heisst dieser Schmuck Av. 10, 6, 4. Vergleiche noch lat. monile und die altn. men, goldene Ketten mit eingefügten Zierrathen.

Goldschmuck trug man an den Ohren: Ohrenschmuck in Fülle (karnaçobhana puruni) erfleht Kurusuti Rv. 8, 78, 3; hiranyakarna »Goldschmuck im Ohre tragend« steht neben manigriva Rv. 1, 122, 14.

Vrshakhadi, ein Epitheton der Açvin, übersetzt Bollensen in Or. und Occ. 2, 461 Anm. »mit Ohrringen geschmückt«; es bedeutet nach Roth »grosse Spangen tragend« ; cf. M. Müller Hymns to the Maruts 1, 202.

Grosse Sorgfalt verwendete man auf das Haar. Man kämmte es regelmässig: »Dieser künstliche, hundertzähnige Kamm (kankata) soll wegkämmen jeglichen Schmutz aus ihrem Haar, von ihrem Kopf« Av. 14, 2, 68, und salbte es : »Mit glänzenden Salben (anji) salben sich die Marut, um zu strahlen« Rv. 1, 64, 4, sie sind fettspritzend (ghrtaprush) wie werbende Jünglinge Rv. 10, 78, 4. Die Haare ungesalbt (agharin), aufgelöst (vikeça) tragend und Thränen vergiessend ist Zeichen der Trauer Av. 11, 9, 14.

»Kämmen« heisst apa-likh Av. 14, 2, 68 »sich kämmen« pra-likh im Atmanepada T.S. 2, 5, 1, 7. Fielen die Haare aus oder spalteten sich, so wandte man eine aus der Heilpflanze Nitatni gewonnene Flüssigkeit an, mit der man dieselben übergoss; siehe die beiden Seite 68 aus dem Atharvaveda (6, 136. 137) übersetzten Hymnen. Auch Av. 6, 21 werden Haare befestigende (keçadrmhana) und Haare wachsen machende (keçavardhana) Heilmittel angerufen.

Die Frauen flochten das Haar; die Haarflechte heisst stu: Indra redet seine Gattin mit prthushtu an Rv. 10, 86, 8; Sinivali ist prthushtuka »breite Haarflechten tragend« ; vishitastuka »aufgelöste Haarflechten tragend« werden die Rodasi Rv. 1, 167, 5 genannt. Eine Art der Toilette war, dass sie das Haar in einen Zopf aufbanden, der opaça hiess Rv. 10, 85, B. Er scheint auch eine Tracht der Männer in älterer Zeit gewesen zu sein: »Das Opfer gab Indra Kraft, als er die Erde herumrollte, den Haarbusch zum Himmel erhebend« Rv. 8, 14, 5; Indra trägt den Himmel wie einen Zopf Rv. 1, 173, 6; vergleiche die Tracht der Sueben, Tacitus Germania 38. Späterhin wurde der opaça eine speciell weibliche Haartracht, wie aus Av. 6, 138, t. 2 erhellt: eine Pflanze wird daselbst beschworen, den Gegner zu einem Eunuchen, einem Opaçatragenden (opaçin) zu machen, Indra soll ihm die Eier zerschlagen. Sinivali heisst V. S. i 1, 56 svaupaça; dürfen wir dies in sva-opaça auflösen - Roth im Wtb. in sa + aupaça = opaça, was aber nicht vorkommt - und daraus schliessen. dass bei den Arierinnen auch das Gegentheil vorkam? Findet sich die Sitte, falsches Haar zu tragen, doch auch schon frühe bei den Römerinnen und dauert durchs ganze Mittelalter bis in unsere Zeit.

Die Haarflechten wand man häufig in Form einer Muschel (kaparda) auf dem Kopf; catushkaparda »vier gewundene Haarflechten habend« ist die schön geschmückte, strahlende Jungfrau Rv. 10, 119, 3; sukaparda ist Sinivali V. S. 1 1 , 56. Rudra (Rv. 1, 114, 1. 5) und Pushan (Rv. 6, 55, 2) haben diese Haartracht. Die Vasishthiden tragen als besonderes Merkmal das Haar an der rechten Seite aufgewunden; sie heissen daher dakshinataskaparda Rv. 7, 33, 1; cf. 7, 83, 8, Roth Zur Litt. S. 120 und A. Burnes Cabool pag. 202. Hiermit vergleiche die Tracht der altn. Haddingjar, des Königs- und Priestergeschlechts der Astingi bei den Vandalen (Grimm Deutsche Myth. S. 317, Gesch. d. D. Spr. 314. 333). Der Gegensatz zu kapardin ist, das Haupthaar schlicht zu tragen (pulasti) V. S. 16, 43.

Um und über das Haar schlangen die Männer eine Kopfbinde (ushnisha) Av. 15, 2, 1. Die Frauen setzten einen kumba aufs Haupt (adhi-ni-dha) oder ein kurira Av. 6, 138, 3. Ersteres muss eine uralte Kopfbedeckung sein, denn dem Wort entspricht vollständig das mhd. hube, das auch schon in ältern Sprachperioden des Germanischen vorkommt: ahd. huba, altn. húfa. Surira scheint die festlichere Kopfbedeckung gewesen zu sein, da nach Rv. 10, 85, 8 die Braut ein solches trägt bei der Fahrt zu des Gatten Hause. Sukurira ist Sinivali V. S. 11, 56.

Auch eine Art Netz — noch jetzt eine beliebte Bedeckung des Hauptes in ländlicher Frauenwelt — spannte man über das geordnete Haar: »Das Netz, das tausendäugige, das am Scheitel (vishûvati) über den Schopf (opaça) gespannt ist , das festgebundene, aufgelegte lösen wir durchs Gebet los« Av. 9, 3, 8, wo ein über ein neues Haus ausgebreitet gedachter Zauber gelöst wird. Einen weiblichen Kopfputz bezeichnet vermuthlich auch tirita; Av. 8, 6, 7 werden Dämonen »Eunuchengestaltig, Tirita-tragend« genannt. — Bei festlichen Gelegenheiten drückte man noch ein Blumengewinde (sraj) aufs Haupt, so der Brautführer Rv. 4, 38, 6; wenn die Marut in ihrem ganzen Schmucke sind, tragen sie auch Kränze Rv. 5, 53, 4. Kränze erhält ein Sänger ausser andern Geschenken Rv. 8, 56, 3 ; pushkarasraj »lotusbekränzt« sind die Açvin Rv. 10, 184, 2.

Als Zierde des Antlitzes trugen die Männer den Bart çmaçru und çmaçaru; das Wort bezeichnet wohl Vollbart und Schnurrbart. Indra wird bärtig gedacht; wie er blondes Haupthaar (harikeça) trägt, so auch einen blonden Bart (hariçmaçaru) Rv. 10, ,96, 8. Wenn er den Soma getrunken hat, dann schüttelt er zum Zeichen des Behagens den Bart aus : »An den starken Tränken dich erfreuend, o Held, trinke Indra den Soma aus den drei Kufen, den Bart ausschüttelnd freundlich gesinnt« Rv. 2, 11, 17. »Den Bart ausschüttelnd steht er aufrecht da« Rv. 10, 23, 1. V. S. 19, 92 wird das Aussehen Indras, der des Mannes Ideal war, folgendermassen geschildert:

Yava na barhirbhruvi kesarani, atmannupasthe na vrkasya loma, mukhe çmaçruni na vyaghraloma, keça na cirshanyaçase çriyai çikha simhasya loma tvishirindriyani »Wie Gersten(ähren) und Grasbüschel sind die Haare an seinen Brauen (bhruvi bhruvoh Mahidh.), am Körper, in seinem Schoß hat er Haare wie ein Wolf, im Antlitz einen Bart wie Tigerhaar (blond, hart), die Haare auf dem Kopf sind zur Zier, zum Schmuck der Haarbusch, wie Löwenhaar sind Glanz und gewaltige Erscheinung«.

Den Bart zu scheren verstand man auch; diente dies doch zur Verschönerung des Angesichts: »Wenn du mit dem reinigenden, wohlgeschärften Schermesser als Scherer Haupthaar und Bart wegscherst zur Verschönerung des Angesichts (mukha): dann raube uns nicht das Leben« Av. 8, 2, 17. »Wie ein Bartscherer den Bart scherst du Agni die Erde« RAT. 10, 142, 4. Ehe der Bart (çmaçru) geschoren wurde, badete man denselben mit heissem Wasser (ushnena udakena): Als an König Soma die Godânavidhi vorgenommen wurde, da brachte Vayu das heisse Wasser herbei, die Aditya, Rudra, Vasu wuschen ihm den Bart, und Savitar schor ihn kundiger Hand mit dem Schermesser Av. 6, 66. Auch dem Toten pflegte man vor der Bestattung den Bart zu waschen und zu scheren Av. 5, 19, 14. Der Bartscherer heisst vaptar, das Schermeaser kshura: in den drei Stellen des Rigveda, wo das Wort vorkommt, bedeutet es einfach Messer; cf. M. Müller Hymns to the Maruts 1, 224.

Der Bart scheint allgemein von den Männern getragen worden zu sein; T.S. 5, 5, 1 , 1, wo die Kennzeichen der verschiedenen Gattungen der Geschöpfe angegeben werden, heisst es: ,»Was Bart (çmaçru) hat, das gehört zu den Menschen (purushanam rupam), was ungehörnt (tupara), das zu den Pferden, was auf der einen Seite Schneidezähne hat, das zum Rindergeschlecht, was Hufe wie das Schaf, das zu den Schafen, was eine Ziege ist, zu den Ziegen«. Es ist also der Bart ein so wesentliches Merkmal des Mannes wie z. B. Schneidezähne nur unten für das Rindergeschlecht gegenüber Pferd und Esel.

Die erwachsenen Töchter herauszuputzen, war Sorge der Mutter: »Herrlich von Ansehen wie eine von der Mutter geschmückte (matrmrshta) Jungfrau entfaltest du, Ushas , dich (deinen Schoß tanvam) dem Anblick« Rv. 1, 123, l 1 ; cf. Av. 8,6, 1.

(Aus dem Buch "Altindisches Leben: Die Cultur der vedischen Arier", nach den Samhita dargestellt von Heinrich Zimmer, Berlin 1879)

Siehe auch

Ferner:

Literatur

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