Avadayakkal

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Indische Heilige und Yoga Meisterin, Verehrering von Shiva, vermutlich aus dem 16. Jahrhundert n.Chr., geschrieben auch Avadai

Swami Sivananda über Avadayakkal

aus: "Lives of Saints", von Swami Sivananda

Der allgemeine Glaube unter den Gottesverehrern ist, dass sich Shiva höchstselbst in diese Welt inkarniert hat als Sri Jagadguru Adi Shankaracharya von Kaladi, und dass sich Mutter Parvati als Sri Avadiyakkal von Shenkottai inkarnierte, wohl auch um zu beweisen, dass auch Frauen in diesem finsteren Kali Yuga (Zeitalter), Selbstverwirklichung erreichen können.

Avadayakkal wurde in Shenkottai in Südindien geboren von einem frommen Shaiva Vadama (Shiva Verehrer) Elternpaar. Schon als Kind zeigte sie Anzeichen eines hohen mentalen Zustandes. Sie tat nichts aus sich heraus, zu allem musste sie aufgefordert werden. Sie aß, was man ihr gab. Sie zog an, was man ihr gab. Sie ging, wohin man sie aufforderte zu gehen, und sie tat, was man ihr aufgab. Sie wurde schon als Mädchen verheiratet mit einem Brahmanenjungen. Als Avadai in das Alter kam, setzten die Eltern ein Datum für ihre Hochzeit fest. Avadai war hübsch angezogen für den Anlass und wurde von ihren Verwandten in das Hochzeitszimmer geführt, sie verschlossen die Tür und gingen. Ihr Ehemann saß auf dem Bett und beobachtete sie. Sie bewegte sich nicht fort von dem Fleck, wo sie von ihren Verwandten verlassen wurde. Der Junge nahm eine Blumengirlande, die auf dem Bett lag und roch daran. In der Girlande war eine giftige Kobra, und sie biss ihn, er fiel in Bewusstlosigkeit. Kurz darauf war er tot.

Am nächsten Morgen, in Übereinstimmung mit den Gebräuchen, kamen die Frauen des Hauses ins Hochzeitszimmer. Zu ihrem Erstaunen fanden sie Avadai wie angewurzelt auf demselben Fleck, wo sie sie verlassen hatten. Sie fragten sie, warum sie noch immer da stand. Sie antwortete: „ Warum! Ihr habt mich gebeten, hier zu sein!“ Sie schauten zum Ehemann und schöpften Verdacht. Als sie näher zum Bett kamen, erkannten sie, dass er tot war. Sie glaubten, dass Mädchen habe den bösen Blick und nahmen sie und die Leiche des Ehemannes mit aus dem Zimmer.

Das Leichenritual wurde durchgeführt und der Kopf des Mädchens rasiert. Es wurden ihr weisse Kleider gegeben und aller Schmuck abgelegt. Avadai hatte keinerlei Gefühle um den Verlust des jungen Ehemannes, man erklärte sie zur Witwe. Es war ihr verboten, aus ihrem Zimmer zu kommen oder an Festlichkeiten teilzunehmen.

Avadai stand sehr früh auf und ging zum Fluss für ein Bad, denn sie hatte zurück zu sein, bevor die anderen aufstanden. Eines Morgens ging sie zum Fluss, um ihr Bad zu nehmen. Vor dem Bad, pflückte sie ein Mangoblatt, um ihre Zähne zu putzen. In dem Moment, als sie das Mangoblatt an ihre Zähne hielt, hatte sie eine merkwürdige transzendente Erfahrung. Es geschah, dass gerade an diesem Morgen der Weise Ayyaval (ein Gurubhai des weltbekannten Weisen Sadashiva Brahman) dort unter einem Pipalbaum meditierte. Er hatte seine Zähne am Ufer desselben Flusses geputzt und sein Mangoblatt am Flussufer weggeworfen. Adavai hatte dieses Blatt benutzt und in dem Moment schluckte sie eine heilige Spur des Weisen. Der letzte Rest, der ihre Atma Jyoti (ihr göttliches Licht) bedeckte, wurde weggespült. Sie realisierte den Atman in sich. Unwillkürlich ging sie zu den Füßen des Weisen, der unter dem Pipalbaum saß.

Avadai warf sich vor ihm nieder. Er legte seine Hand auf ihren Kopf (Hastha-diksha) und erklärte: „Brahma Satyam.“ Adavais Herz wurde erleuchtet. Sie trat ein in Samadhi, diesen unbeschreibbaren Überbewußtseinszustand. Ein wenig später gab Ayyaval ihr einen Linga für ihre Verehrungsrituale und ging davon.

In diesem Moment nahm Saraswati ihren Platz auf Avadais Zunge ein, und ihre transzendente Erfahrung floss über ihre Zunge in göttliche Form, inspirierende Lieder. Sie erstaunte alle und jeden in der Stadt durch ihre außergewöhnliche Weisheit. Was auch immer sie sagte oder sang, zeigte ihre innere Erleuchtung. Die Leute nahmen jedoch an, dass Avadai verrückt geworden sei und sperrten sie in ihren Raum ein.

In der Zwischenzeit starben Avadais Eltern. Dies gab Avadai große Unabhängigkeit in der Bewegung. Sie öffnete die Tür ihres Zimmers und ging hinaus in die Welt – ihr eigentliches Zuhause! Sie ging von Ort zu Ort, eine junge Frau, singend, Weisheit ausstrahlend, Weisheit übertragend an alle, die ihr nahe kamen.

Avadai erreichte Tiruvanthapuram. Wie gewöhnlich nahm sie ihr Bad in einem der Wasserbecken und wollte Linga Puja durchführen. Der König, der von ihr gehört hatte und von ihren regelmäßigen Verehrungsritualen des Linga mit Baelblättern, sandte ihr einen Korb voller goldener Baelblätter. Avadai badete im Wasserbecken und setzte sich auf die Stufen, um ihren Gottesdienst mit den goldenen Baelblättern durchzuführen. Sobald die Puja vorüber war, sammelte Avadai die Blätter und warf sie in das Wasserbecken als Opfergaben, so wie es Brauch ist. Der König war erstaunt, davon zu hören. Er erkannte die große Hingabe von Avadai und ihr Para Vairagya (höchste Nicht-Bindung)! Für Avadai waren Gold und Blätter das gleiche!

Von Tiruvananthapuram ging Avadai zu einer Konferenz von religiösen Oberhäuptern. Sie überraschte das Publikum mit ihrer hohen Weisheit und setzte sich für die Einheit aller Sekten ein. Sie sprachen entschlossen von ihr, auf ihr rasiertes Haupt verweisend, nannten sie „Mottai!“ (Tonsur, geschorener Kopf; Anm.Übs.).

Avadai entgegenete rasch: „Wer ist Mottai? Ist es mein Körper? Ist es mein Geist? Ist es meine Energie? Ist es meine Person? Oder ist es meine Seele?“ Am Ende priesen sie alle für ihre göttliche Weisheit und verneigten sich vor ihr.

Bei anderer Gelegenheit machte ein König Avadai einen Heiratsantrag: „Du, so jung und wunderschön, solltest nicht herumziehen. Werde meine Frau und bleibe im Palast als meine Königin mit aller Macht ausgestattet.“

Avadai gab vor, einverstanden zu sein, wenn der König ihr einige Fragen beantworten würde. Diese Fragen waren so groß und erhaben, dass der König sich beschämt fühlte und durch sie in das Wissen eingeweiht wurde.

Avadai traf wieder auf Gurudev Sri Ayyaval und blieb eine Weile mit seinen Anhängern. Sie war das einzige weibliche Mitglied der Gruppe. Die anderen Schüler des Weisen behandelten sie sehr schlecht. Sie wurde mehr wie ein Hund behandelt, der die Überbleibsel des Ashram-Essens erhielt, als wie eine Hausgenossin. Sri Ayyaval wollte ihnen allen eine Lektion erteilen.

Eines Tages, alle Schüler von Sri Ayyaval ruderten zu einer Sandbank in der Mitte des Kauveri Flusses und meditierten dort. Ayyaval befand sich am Flussufer. Plötzlich bemerkten sie, wie das Wasser höher stieg. Sofort erkannten sie die Gefahr und wollten umkehren. Avadai, wie stets, war tief in Samadhi. Sie wollten sie versuchen und ließen sie zurück. Das Wasser stieg in rasender Geschwindigkeit, schon bald schien es, als würde Avadai ertrinken. Sie kam aus Samadhi zurück und stellte fest, dass alle fort waren. Sie schaute zu ihrem Gurudev hinüber. Er erhob nur den Arm, um ihr zu signalisieren: „Bleib da!“ Avadai gehorchte. Und, was für ein großes Wunder! Avadai blieb drei Tage stehen, und die ansteigende Flut ließ nur eine winzige Sandbank, da wo ihre Füße standen. Nach drei Tagen, als die Flut zurückging, kehrte sie ans Ufer zurück.

Durch dieses und andere Ereignisse erkannte jeder im Ashram die Größe dieser Heiligen Frau. Später machte Sri Ayyaval auch kein Geheimnis mehr aus ihrem Glanz. Leute begannen in Scharen für ihren Segen zu kommen. Sie sang und sang und durch ihre Lieder floss der Strom der göttlichen Weisheit der Upanishaden.

Aus "Lives of Saints" von Swami Sivananda, Divine Life Society Rishikesh