Sahajoli

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Sahajoli bzw.Sahajoli Mudra (Sanskrit: सहजोलि sahajoli u. सहजोली sahajolī f.) ist eine zu den Mudras gehörende Praxis zur Sublimierung der sexuellen Energie. In der Hatha Yoga Pradipika (Kap. 3, Verse 92-95) gilt sie neben Amaroli Mudra als eine spezielle Art der Ausführung von Vajroli Mudra.

Sukadev über Sahajoli

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Sahajoli

Sahajoli Mudra ist ein Mudra zur Sublimierung der Sexualenergie. Eine der stärksten Energien des Menschen ist die sexuelle Energie, und diese kannst du sublimieren. Es gibt verschiedene Methoden, die Energie zu sublimieren. Eine wäre, im Partner Gott zu sehen, in der Partnerin die Göttin zu sehen, und Sexualität als Teil der Liebe zu sehen, der Liebe zu Gott, die sich ausdrückt in der Liebe zum Menschen, Liebe zu Menschen, die auch körperlich sein kann.

Eine weitere Weise, Sexualenergie zu sublimieren, wäre die Enthaltsamkeit, Brahmacharya bzw. Sannyasa. Du versuchst, die Energie ganz nach oben zu ziehen. Und dann gibt es verschiedene Techniken, die in der Sexualität selbst, also im Geschlechtsverkehr, die Energie nach oben ziehen wollen. Dort gibt es Formen von Amaroli, von Sahajoli usw. In der Hatha Yoga Pradipika gibt es einige Andeutungen. Ich muss allerdings sagen, wie es in der Hatha Yoga Pradipika erklärt wird, klingt es oft etwas eigenartig.

Im Wesentlichen würde es heißen, dass man sich auch im Geschlechtsverkehr Gottes bewusst ist, im Geschlechtsverkehr mit Gott verschmilzt und damit mit dem anderen die Energie nach oben zieht. Es gibt noch viel Technisches dazu, was ich aber nicht im Vortrag weiter sagen will und was auch nicht wirklich so bedeutsam ist.

Roter Tantra wird oft etwas übertrieben und manchmal als Entschuldigung genommen, um Sexualpartner zu gewinnen. Sahajoli heißt eben eine Praxis, um die Energie nach oben zu bringen. Und die einfachste Form der Sublimierung wäre, den Partner, die Partnerin mit Liebe zu behandeln, im anderen Gott zu sehen und die Partnerschaft als Teil des spirituellen Weges zu sehen.

Sahajoli in der Hatha Yoga Pradipika

Svadhisthana Chakra

Kommentar zum Kapitel 3, Verse 92 bis 95 der Hatha Yoga Pradipika

92. Vers:

Sahajoli, Amaroli und Vajroli sind grunsätzlich drei Mudras, die zu den sogenannten Oli Mudras gehören. Von ihnen wird manchmal gesagt, dass sie nicht zur sattvigen Praxis gehören. Swami Vishnu-devananda sagt in seinem Buch „Hatha Yoga Pradipika“ etwas lapidar als Kommentar: Diese Verse werden ausgelassen, weil es Übungen sind, die bei sattvigem Sadhana nicht berücksichtigt werden. Also sie stehen ein bisschen im Zwielicht. Bei Yoga Vidya lehren wir mindestens Sahajoli und Amaroli nicht. Vajroli lehren wir nur in einer anderen Variation.

Ich lese mal den 92. Vers:

atha sahajoliḥ-sahajoliś cāmarolir vajrolyā bheda ekataḥ
jale su-bhasma nikṣipya dagdha-gomaya-sambhavam ||92|

„Nun Sahajoli. Sahajoli und Amaroli zusammen mit Vajroli sind drei Teile von Einem. Reine heilige Asche, entstanden aus der Vereinigung aus verbranntem Kuhdung in das Wasser gegossen.“

Um Sahajoli zu üben, nimmt man also erst einmal heilige Asche. Das heißt verbrannten Kuhdung und diesen gießt man dann ins Wasser. Verbrannter Kuhdung, auch Bhasma oder Vibhuti genannnt, hat besondere Fähigkeiten. Es gilt als spirituelle Asche, wir nennen es auch gerne die heilige Asche. Man kann sie auf das dritte Auge auftragen. Bei Yoga Vidya produzieren wir sie zum Teil selbst durch die Homas (Feuerrituale). Man kann sie inzwischen auch im Internet bestellen unter Vibhuti, Bhasma oder Holy Ash.

93. Vers:

„Nach dem Akt des Vajroli sollen Frau und Mann ihren eigenen Körper mit Asche beschmieren und für einen Augenblick frei von Sorgen glücklich zusammen sitzen.“

Das soll heißen, man kann Geschlechtsverkehr haben und der Geschlechtsverkehr wird mit Vajroli Mudra verbunden. Vajroli Mudra heißt das Hochziehen der Energien nach oben. Das soll heißen, dass Sexualität nicht nur auf dem Svadhisthana Chakra stattfindet. Sondern man sollte sich in dem Moment auch über die anderen Chakras vereinigen und die Energie nach oben ziehen. Nachdem der Geschlechtsakt abgeschlossen ist, sollte man sich dann heilige Asche auftragen.

Das kann man auch so sehen: Nach dem Geschlechtsverkehr sollte man sich nicht einfach wegdrehen oder einfach nur ein bisschen romantisch sein, sondern voreinander sitzen, vielleicht meditieren. Natürlich, der Kommentator Brahmananda sagt man solle die Asche auf Kopf, Stirn, die Herzgegend, Schultern, Arme und so weiter geben. Letztlich soll das heißen, da man ja heilige Asche auch verwendet, um Shiva zu verehren: Man soll den oder die andere wie ein Gott oder eine Göttin verehren.

In diesem Sinne könnte man sagen, dass das Beschreibungen sind wie du den Geschlechtsverkehr spiritualisieren kannst. Durch Vajroli Mudra stelle dir vor du ziehst die Energie nach oben. Nach dem Geschlechtsverkehr bleibt eine Weile sitzen, verneigt euch voreinander als Manifestation des Göttlichen und spürt die Gegenwart. Wenn ihr einen Bezug zu heiligen Aschen habt, nutzt diese. Wenn ihr auf eine andere Weise die Ehrerbietung ausdrücken wollt, macht es so.

94. Vers:

sahajolir iyaṁ proktā śraddheyā yogibhiḥ sadā
ayaṁ śubha-karo yogo bhoga-yukto’pi muktidaḥ ||94||

„Dieses hier beschriebene Sahajoli soll fortwährend von Yogis befolgt werden. Es ist eine gute Weise Yoga zu praktizieren. Obschon es mit Vergnügen (Bhoga) verbunden ist, führt es doch zur Befreiung (Mukti).“

Bhoga heißt Vergnügen. Yoga heißt letztlich Vereinigung. Normalerweise sagt man: Bhoga ohne Yoga gibt Roga – Vergnügen ohne Yoga gibt Krankheit. Roga heißt Krankheit. Aber, wenn man Bhoga mit Yoga verbindet, kommt man zur Befreiung. Es gibt den Weg der Entsagung. Es gibt aber auch den Weg des sattvigen Vergnügens. Wenn man Geschlechtsverkehr hat, kann man ihn als einen heiligen Akt ausführen und den oder die andere wie Gott verehren.

95. Vers:

Sexualenergie durch die Sushumna nach oben ziehen
ayaṁ yogaḥ puṇyavatāṁ dhīrāṇāṁ tattva-darśinām
nirmatsarāṇāṁ vai sidhyen na tu matsara-śālinām ||95||

„Dieses Yoga kann wahrlich vom Tugendhaften, Gottsuchenden, Kenner der Wahrheit, Makellosen erreicht werden, Wahrlich nicht von dem von Selbstsucht getriebenen.“

Manchmal werden tantrische Praktiken gerade von Männern als Ausrede verwendet, um jede Menge Sexualpartnerinnen zu gewinnen und letztlich im Namen des Yoga einfach nur ihre Selbstsucht zu befriedigen. Da sagt er: Das sollte man nicht tun. Diese Gefahr gab es schon zu Svatmaramas Zeiten. Ich kenne eine Reihe von sogenannten Meistern, von denen es heißt, sie haben das Gelübde von Brahmacharya abgelegt, die mehrere Schülerinnen immer wieder verführt haben und gesagt haben, sie weihen sie in die heiligen Manifestationen des Tantras ein, das war dann letztlich ein Geschlechtsverkehr und sie sollten es als großen Segen ansehen. Genau das ist nicht das, was hier gemeint ist. Wenn man schon eine feste Beziehung hat und zusammen auf dem spirituellen Weg ist, dann kann man auch Vajroli und Sahajoli in dieser Art üben und aus dem Geschlechtsverkehr eine heilige Handlung machen.

Soweit zu Sahajoli in der Hatha Yoga Pradipika. Wenn es dir gefallen hat, klicke doch auf „Gefällt mir“, teile es mit anderen oder schreib’s doch in die Kommentare. Danke.

Video - Sahajoli in der Hatha Yoga Pradipika

Sahajoli wird in der Hatha Yoga Pradipika im dritten Kapitel Verse 92-95, beschrieben. Hier ein Vortrag dazu:

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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