Paramahamsa Upanishad

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Die Paramahamsa Upanishad (Sanskrit: f.) ist ein Teil der indischen Heiligen Schriften, die Veda genannt werden. Die Paramahamsa Upanishad gehört zum Atharvaveda und wird außerdem den Sannyasa Upanishaden zugeordnet. Sie zeigt dem Sannyasin Verhaltensregeln auf dem Entwicklungsweg zum Paramahamsa auf.

"Da sprach der Bhagavan: 'All sein Denken ist allezeit bei mir; darum bin auch ich allezeit in ihm.'" Zitat: Paramahamsa Up., Bild: Paramahamsa Yogananda

Paramahamsa Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen

Artikel aus „Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 848 - 850.

Einleitung

Hamsa, der wandernde (wilde) Schwan, dessen Umherschweifen schon im Rigveda (1,163,10. 3,8,9) und öfter in den Upanishaden (Chand. 4,1. Svet. 1,6. 3,18) erwähnt wird, dient als Symbol einerseits der wandernden Seele, anderseits des heimatlos umherpilgernden Parivrajaka, welcher im Stadium seiner höchsten Vollendung Paramahamsa "höchster Wandervogel" heißt. Von ihm entwirft unsere Upanishad ein schönes und anschauliches Bild, indem sie schildert, wie derselbe auf die Welt und allen Hang zu ihr verzichtet hat, um in dem Bewußtsein der Einheit mit Brahman, mit dem Bhagavan, einen vollen Ersatz für dieselbe zu finden. Unter dem Bhagavan kann hier nicht mit Narayana, der sich auf Chand. 7 beruft, Sanatkumara, sondern nur, wie Samkarananda bemerkt, Hiranyagarbha, d. h. der persönlich aufgefaßte Brahma verstanden werden (vgl. die Worte zu Anfang: "all sein Denken ist allezeit bei mir, darum bin auch ich allezeit in ihm"). Die Schilderung, welche der Bhagavan von dem vollendeten Asketen entwirft, stimmt im wesentlichen mit der der vorhergehenden Upanishaden überein, macht aber im ganzen den Eindruck, einer späteren Zeit anzugehören, in welcher, wie die eingelegten Verse sowie auch die Warnungen am Schluß zu verstehen geben, der Stand des Sannyasin und seine Freiheit vom Gesetze gelegentlich schon als Deckmantel zügelloser Gelüste benutzt werden mochte.

Die Paramahamsa Upanishad

1. Welches ist jener Weg der Yogins, der Paramahamsas? Und, welches ist ihr Verhalten? - So befragte den Bhagavan, ihm sich nahend, Narada.

Da sprach der Bhagavan:

Jener Weg der Paramahamsas ist schwer in der Welt zu finden und nicht vielbetreten. Wenn ihn aber einer betritt, der ist in steter Reinheit verharrend, der ist ein vedischer Mann, so meinen die Weisen, ist ein großer Mann. All sein Denken ist allezeit bei mir; darum bin auch ich allezeit in ihm.

Er aber tut von sich Kinder, Freunde, Weib, Verwandte, die Haarlocke und Opferschnur, das Vedastudium und alle Werke, er verzichtet auf die ganze Welt und greift zum Lendentuch, zu Stab und Decke, nur noch bestrebt, seinen Leib zu erhalten und anderen hilfreich beizustehen. -

Aber dieser ist noch nicht der höchste; und fragst du, wer der höchste ist, - der ist es, 2. welcher als Paramahamsa nicht Stab, nicht Haarlocke, nicht Opferschnur, nicht Decke mehr trägt, nicht mehr nach Kälte und Hitze, nach Lust und Schmerz, nach Ehre und Unehre fragt, sondern frei ist von den sechs Wogen [des Samsara: Hunger, Durst, Kummer, Wahn, Alter und Tod], indem er Tadel, Stolz, Eifersucht, Trug, Hochmut, Wunsch, Haß, Lust, Schmerz, Verlangen, Zorn, Habgier, Wahn, Freude, Ärger, Selbstsucht und alles dergleichen dahinten läßt; und weil von ihm sein eigener Leib nur als ein Aas wird angesehen, so wendet er sich von diesem verkommenen Leib, welcher die Ursache ist von Zweifel, Verkehrtheit und Irrtum, für immer ab, richtet auf jenes [Brahman] beständig sein Erkennen, nimmt in ihm selber seinen Stand und weiß von ihm dem Ruhigen, Unwandelbaren: "jener Zweitlose, ganz aus Wonne und Erkenntnis Bestehende bin ich selbst, er ist meine höchste Stätte, meine Haarlocke, meine Opferschnur!" Dann ist durch die Erkenntnis der Einheit des Atman und Paramatman die Scheidewand zwischen beiden eingerissen, und das ist die wahre Verbindungszeit (auch: Dämmerungsandacht, Sandhya).

3. Wer, alle Lüste aufgebend,

Im Zweitlosen, im Höchsten steht,
Erkenntnis nur als Stab tragend,
Der heißt mit Recht Einstabiger (Asket).
Doch wer, des Wissens bar, weil er
Den Hochstab trägt, von allem ißt,
Der fährt zur furchtbarsten Hölle,
Die da heißt "große Brüllerin".

Wer diesen Unterschied versteht, der ist ein Paramahamsa.

4. Sein Kleid ist der Weltraum, er kennt nicht Verehrung, nicht Manenspende, nicht Tadel noch Lob, nicht Opferruf, sondern lebt, wie es eben kommt[1], als Bettler. Er lockt nicht an, und er stößt nicht ab; für ihn gibt es keine Vedasprüche mehr, keine Meditation, keine Verehrung, kein Sichtbares und kein Unsichtbares, kein Gesondertes und kein Ungesondertes, kein Ich, kein Du und keine Welt. Ohne Behausung lebt er als Bettler; mit Gold und dergleichen befaßt er sich nicht, kein Sichtbares gibt es für ihn und kein Anschauen. - Aber durch bloßes Anschauen, meint ihr, schade er sich nicht? - Wohl schadet er sich dadurch. Weil er ein Asket ist, darum, wenn er das Gold mit Lust anschaut, wird er zum Brahmanmörder; weil er ein Asket ist, darum, wenn er das Gold mit Lust berührt, wird er zum Paulkasa; weil er ein Asket ist, darum, wenn er das Gold mit Lust ergreift, wird er zum Seelenmörder. Darum soll der Asket das Gold nicht mit Lust ansehen, berühren, ergreifen; von allen Wünschen, die ihm in den Sinn kommen, soll er sich wegwenden. Im Schmerz unentwegt, in der Lust ohne Verlangen, in der Begierde entsagend, allerwärts weder am Schönen noch Unschönen hängend, ist er ohne Haß und ohne Freude. Aller Sinne Regung ist zur Ruhe gekommen nur in der Erkenntnis verharrt er, festgegründet im Atman. Das ist der wahre Yogin, ist der Wissende; sein Bewußtsein ist erfüllt mit dem, dessen einziger Geschmack vollkommene Wonne ist. Dieses Brahman bin ich, so weiß er und hat das Ziel erreicht, - dieses Brahman bin ich, so weiß er und hat das Ziel erreicht.

Fußnoten

  1. Vgl. Brih. 3,5. Gaudap. 2,37 (oben S. 437 Anm., 587).

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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