Khechari Vidya

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Khechari Vidya (Sanskrit: खेचरीविद्या, IAST: Khecarīvidyā; auch Khecari Vidya) ist eine mittelalterliche Yoga- und Tantra-Schrift über Khechari Mudra, die Entfaltung der Kundalini und Amrita, den Nektar der Unsterblichkeit. Im Gespräch zwischen Shiva und der Göttin verbindet sie körperliche Verfahren mit Mantra, innerer Versenkung und Hingabe. Sie gehört zu den wichtigen Quellentexten für das Verständnis des Hatha Yoga und seiner Verbindung mit tantrischen Wegen der Befreiung.

Shiva und Parvati: Die Khecarīvidyā entfaltet ihre Lehre als Gespräch zwischen dem göttlichen Lehrer und der Göttin.

Der Titel bedeutet „Wissen von Khechari“. Khecarī, „die sich im Raum Bewegende“, kann die Göttin, ihre heilige Formel und die mit ihr verbundene yogische Verwirklichung bezeichnen. Vidyā umfasst entsprechend Wissen, Lehre und Mantra. Die Schrift handelt deshalb von mehr als einer bestimmten Zungenhaltung: Sie beschreibt einen Weg, auf dem Körper, Lebenskräfte und Bewusstsein gemeinsam in die spirituelle Suche einbezogen werden.

Für Yoga-Aspiranten liegt ein besonderer Wert des Werkes in seiner Verbindung von beharrlicher Übung, verständiger Unterweisung und innerer Hingabe. Neben den eindrucksvollen Bildern von Nektarströmen und leuchtenden inneren Räumen stehen schlichte Fragen: Worauf richtet sich der Geist? Was bedeutet es, wirklich zu verstehen? Wie kann Übung zu Freiheit führen? Besonders am Ende des dritten Kapitels rückt die Beziehung zu Shiva in den Mittelpunkt: Technik allein genügt dem Text nicht; sie braucht Bhakti und Gnade.

Die vorliegende Ausgabe erschließt alle vier Kapitel mit vollständigem Sanskrit in IAST und Devanagari, deutscher Übersetzung, Worterklärungen und einer zusammenhängenden Lesefassung. Die Erläuterungen verbinden das historische Werk mit Fragen heutiger Yoga- und Meditationspraxis.

Leseorientierung: Wer sich zuerst mit der Lehre vertraut machen möchte, kann mit den Erläuterungen oder der deutschen Lesefassung beginnen. Für das genaue Studium stehen IAST, Versübersetzung, Worterklärungen und Devanagari bereit. Die fünf Anregungen am Ende übertragen ausgewählte Motive in den heutigen Alltag.

Historische Praxis und heutige Lektüre: Die Übersetzung bewahrt auch die körperlichen Spezialverfahren und Heilsversprechen des Werkes. Eingriffe am Zungenbändchen, Manipulationen im Nasen-Rachen-Raum, forcierte Atemstillstände, extreme Fastenpraktiken und die Rezepturen des vierten Kapitels sind keine Empfehlungen zur Selbstpraxis. Die Lehre vom Verlassen des Körpers gehört ebenfalls zum historischen religiösen Zusammenhang. Moderne spirituelle Anregungen werden davon ausdrücklich unterschieden.

Hintergrund und Bedeutung für Hatha- und Kundalini-Yoga

Überlieferung, Zuschreibung und Aufbau

Die Kapitelkolophone schreiben die Lehre Ādinātha, dem „ersten Herrn“, zu und stellen sie in den Zusammenhang eines Mahākālayogaśāstra. Ādinātha wird in der Yoga-Überlieferung mit Shiva verbunden. Diese traditionelle Zuschreibung ist kein historischer Nachweis eines menschlichen Autors. Die Form des Werkes ist ein Gespräch zwischen Uma und Maheshvara, also zwischen der Göttin und Shiva.

Die Khecarīvidyā gehört in die mittelalterliche Vorgeschichte und Entwicklung des Hatha Yoga. Ihre Überlieferung berührt den Kaula-Tantrismus und die Natha-Tradition; daraus sollte man keine durchgehend einheitliche Schulzugehörigkeit ableiten. James Mallinsons Untersuchung rekonstruiert eine Entwicklung von einer tantrischen Mantralehre zu einem Werk, das ausführliche körperliche Verfahren aufnimmt; der kurze vierte Abschnitt enthält zusätzliche stoffliche Mittel.[1]

Abschnitt Nummerierte Einheiten dieser Textgrundlage Schwerpunkte
Erster Paṭala 1.1–1.75 Schriftverehrung, Guru, Melaka, Mantraverschlüsselung, körperliche Vorbereitung, Nektar und Siddhis
Zweiter Paṭala 2.1–2.124 Kala-Orte, Körpermandalas, Kundalini, Elemente, Unmani, Störungen der Praxis und fünf „Mitgeborene“
Dritter Paṭala 3.1–3.69 Aufstieg und Rückkehr der Shakti, Zeitüberwindung, Körperverlassen, Befreiung und Shiva-Hingabe
Vierter Paṭala 4.1–4.14 Historische pflanzliche, mineralische und alchemistische Rezepturen

Die Ausgabe folgt den 282 nummerierten Einheiten des Sanskritdrucks und bewahrt auch die Sprecherzeilen, den unnummerierten Abschluss-Halbvers und die Kolophone. Einige Einheiten sind länger als ein gewöhnlicher Shloka. Einzelheiten zur abweichenden Umfangsangabe in der Einleitung der Edition stehen unter Textgrundlage.

Khechari Mudra: Körperhandlung und innerer Zustand

Heutige Yoga-Vidya-Darstellung von Khechari Mudra in einer Asana. Die heutigen Unterrichtsformen sind von den invasiven Verfahren des mittelalterlichen Textes zu unterscheiden.

Die Khecarīvidyā beschreibt die Zunge als einen Zugang zu inneren Räumen. Sie spricht von Toren, Riegeln, Mondbereichen und Nektarquellen. Diese Körperkarte verbindet körperliche Wahrnehmung mit Mantra, Gottheiten und Vorstellungen eines feinstofflichen Leibes. Ihre Begriffe lassen sich nicht durchgehend eindeutig in moderne anatomische Bezeichnungen übersetzen.

Im Yoga-Vidya-Unterricht werden auch sanftere, „kleine“ und „große“ Formen der Khechari Mudra erläutert. Der bestehende Wiki-Artikel unterscheidet diese ausdrücklich von dem dort besprochenen Verfahren mit einem Eingriff am Zungenbändchen.[2] Diese heutige Unterscheidung darf nicht rückwirkend als unveränderte Terminologie der Khecarīvidyā ausgegeben werden.

Video zur Einordnung: Sukadev erläutert Khechari Mudra anhand der Hatha Yoga Pradipika, Kapitel 3, Verse 32–43. Der Vortrag kommentiert die verwandte Schrift, nicht die vollständige Khecarīvidyā.

Prana, Nadis und Bewusstsein

Ida, Pingala, Sushumna und Chakras als Elemente yogischer Körpervorstellungen. Die Abbildung ist eine moderne Veranschaulichung, keine historische Illustration der Edition.

Prana bezeichnet in diesem Zusammenhang Lebenskraft und Lebenshauch. Eine Nadi ist eine Bahn dieser feinstofflichen Vorstellung. Die Khecarīvidyā verbindet Ida mit Mond und Nacht, Pingala mit Sonne und Tag und Sushumna mit dem inneren Aufstieg der Kundalini (2.45–47; 3.8–20). Der Wechsel der Atemwege wird dabei zugleich als Erfahrung von Zeit gedeutet. Seine Überschreitung verweist auf einen Zustand jenseits gewöhnlicher zeitlicher Begrenzung.

Bindu hat je nach Zusammenhang unterschiedliche Bedeutungen: Punkt, Lautzeichen, Tropfen oder eine verdichtete Essenz. Im Mantraabschnitt kann Bindu die lautliche Kennzeichnung einer Silbe meinen; in Verbindung mit Nada erscheint er als Teil einer inneren Verwirklichung (2.68). Die Übersetzung darf daher nicht jedes Vorkommen unterschiedslos mit „Samen“ oder mit einer bestimmten Körperflüssigkeit wiedergeben.

Amrita ist wörtlich das Nicht-Tote, der Nektar der Unsterblichkeit. Die Schrift beschreibt ihn als kühlend, nährend und den Leib erfüllend. Sie verbindet damit sowohl Befreiung zu Lebzeiten als auch körperliche Unvergänglichkeit. Diese Aussagen gehören zur religiösen Welt des Werkes. Eine heutige spirituelle Deutung kann darin ein Bild tiefer innerer Erfüllung erkennen; sie ersetzt jedoch nicht die teilweise sehr wörtlichen Unsterblichkeitsverheißungen des Sanskrittextes.

Wie diese Ausgabe gelesen werden kann

Der vollständige IAST-Text steht zunächst zusammenhängend. Danach folgen die versweise deutsche Übersetzung und die Wort-für-Wort-Erklärungen mit identischen Fundstellen. Die Worterklärungen gliedern auch zusammengesetzte Ausdrücke sinngemäß; häufige Partikeln werden nicht jedes Mal erneut erklärt: ca = und/auch, tu = aber/nun, eva = eben/nur, hi = nämlich/gewiss, api = auch/selbst, na = nicht, atha = nun.

Die Angabe 2.63 bedeutet zweiter Paṭala, nummerierte Einheit 63. Satzgrenzen stimmen häufig nicht mit Versgrenzen überein; ein angefangener Satz wird in der folgenden Einheit fortgesetzt. Eckige Klammern innerhalb der deutschen Übersetzung kennzeichnen notwendige Ergänzungen oder eine örtlich begrenzte Unsicherheit. Das Zeichen bewahrt eine von der Edition als verderbt markierte Sanskritstelle. Die fortlaufende deutsche Lesefassung am Ende bietet denselben gesamten Text ohne die Wortanalyse in geglätteter Form.


Vollständiger Sanskrittext in IAST

Die Paṭala-Gliederung und die jeweilige Originalnummer stehen im Text. Die vorangestellte fettgedruckte Kapitel-Vers-Angabe erleichtert den Vergleich mit Übersetzung und Worterklärung.

Erster Paṭala: Sanskrit in IAST

prathamaḥ paṭalaḥ

1.1
īśvara uvāca
atha devi pravakṣyāmi vidyāṃ khecarisaṃjñitām |
yayā vijñātayā ca syāl loke 'sminn ajarāmaraḥ || 1 ||

1.2
mṛtyuvyādhijarāgrastaṃ dṛṣṭvā viśvam idaṃ priye |
buddhiṃ dṛḍhatarāṃ kṛtvā khecarīṃ tu samāśrayet || 2 ||

1.3
jarāmṛtyugadaghnīṃ yaḥ khecarīṃ vetti bhūtale |
granthataś cārthataś caiva tadabhyāsaprayogataḥ || 3 ||

1.4
taṃ devi sarvabhāvena guruṃ natvā samāśrayet |
durlabhā khecarīvidyā tadabhyāsaś ca durlabhaḥ || 4 ||

1.5
abhyāso melakaṃ caiva yugapan naiva sidhyati |
abhyāsamātranirato na vindeteha melakam || 5 ||

1.6
abhyāsāl labhate devi janmajanmāntare kva cit |
melakaṃ janmanāṃ tat tu śatānte 'pi na labhyate || 6 ||

1.7
abhyāsaṃ bahujanmānte kṛtvā sadbhāvasādhitam |
melakaṃ labhate devi yogī janmāntare kva cit |
yadā tu melakaṃ kāmī labhate parameśvari || 7 ||

1.8
tadā tat siddhim āpnoti yad uktaṃ śāstrasaṃ tatau |
granthataś cārthataś caiva melakaṃ labhate yadā || 8 ||

1.9
tadā śivatvam āpnoti vimuktaḥ saṃsṛter bhayāt |
śāstraṃ vinā samāboddhuṃ guravo 'pi na śaknuyuḥ || 9 ||

1.10
tasmāt sudurlabhataraṃ labhyaṃ śāstram idaṃ priye |
yāvan na labhyate granthas tāvad gāṃ paryaṭed imām |
yadā sa labhyate devi tadā siddhiḥ kare sthitā || 10 ||

1.11
na śāstreṇa vinā siddhir aṭato 'pi jagattraye |
tasmān melakadātāraṃ śāstradātāram īśvari || 11 ||

1.12
tadabhyāsapradātāraṃ śivaṃ matvā sadā yajet |
tantrāś ca bahavo devi mayā proktāḥ surārcite || 12 ||

1.13
na teṣu khecarīsiddhir ākhyātā mṛtyunāśinī |
mahākālaṃ ca mārtaṇḍaṃ vivekādyaṃ ca śābaram || 13 ||

1.14
viśuddheśvarasaṃ jñaṃ ca tathā vai jālaśaṃvaram |
eteṣu tantravaryeṣu tadabhyāsaḥ prakāśitaḥ || 14 ||

1.15
kva cit spaṣṭaṃ tathāspaṣṭaṃ kva cit tanmelakādikam |
asmin tantravare divye melakādi prakāśitam || 15 ||

1.16
yad yaj jñeyaṃ bhavet kiṃ cid durjñeyaṃ khecarīmate |
tat tat sarvam ihāsmābhis tava prītyā prakāśitam || 16 ||

1.17
tasmāc chāstraṃ pralabhyeta mayoktam idam adbhutam |
gopanīyaṃ maheśāni na sarvatra prakāśitam || 17 ||

1.18
manmukhāmburuhāj jātaṃ yas tu śāstrāmṛtaṃ vadet |
sa eva hi guruḥ satyam arthato vetti yaḥ punaḥ || 18 ||

1.19
sa cādhikatamaḥ khyāto gurur nāsti tato 'dhikaḥ |
labdhvā śāstram idaṃ guhyam anyeṣāṃ na prakāśayet || 19 ||

1.20
suvicārya pravaktavyam etanmārgopajīvinām |
ya idaṃ paramaṃ śāstraṃ yatra tatra prakāśayet || 20 ||

1.21
sa śīghraṃ bhakṣyate devi yoginībhiḥ śivājñayā |
granthiṃ nodgranthayed asya vinā kaulikatarpaṇāt || 21 ||

1.22
pūjitaṃ śubhavastrasthaṃ divyadhūpasudhūpitam |
śrāvayed vijanasthāne yogine yogaśāline || 22 ||

1.23
yasminn apūjitaṃ śāstram idaṃ tiṣṭhati vai gṛhe |
tatrāgniruggrahārātipīḍā bhavati niścitam || 23 ||

1.24
yatredaṃ pūjitaṃ granthaṃ gṛhe tiṣṭhati pārvati |
tatra sarvārthadāyinyo vasanti kuladevatāḥ || 24 ||

1.25
tasmāt sarvaprayatnena gopanīyaṃ vijānatā |
yas tu yogī mayā proktā imāḥ siddhīḥ samīhate || 25 ||

1.26
sa yogī sarvabhāvena gopayet pustakaṃ tv idam |
ahaṃ tasya gurur devi yatrāste pustakaṃ svayam || 26 ||

1.27
guṇāguṇaṃ maheśāni pustakasya ca rakṣaṇāt |
prakaṭaṃ ca mayā proktam idānīṃ khecarīṃ śṛṇu || 27 ||

1.28
yatrāste ca gurur devi divyayogaprasādhakaḥ |
tatra gatvā ca tenoktāṃ vidyāṃ saṃgṛhya khecarīm || 28 ||

1.29
tenoktaṃ samyag abhyāsaṃ kuryād ādāv atandritaḥ |
vidyāṃ ca khecarīṃ devi pravakṣye yogasiddhidām || 29 ||

1.30
na tayā rahito yogī khecarīsiddhibhāg bhavet |
khecaryā khecarīṃ yuñjan khecarībījapūrvayā || 30 ||

1.31
khecarādhipatir bhūtvā khecareṣu sadā vaset |
khecarāvasathaṃ vahnim ambāmaṇḍalabhūṣitam || 31 ||

1.32
vyākhyātaṃ khecarībījaṃ tena yogaḥ prasidhyati |
mastakākhyā mahācaṇḍā śikhivahnikavajrabhṛt || 32 ||

1.33
pūrvabījayutā vidyā vyākhyātā hy atidurlabhā |
ṣaḍaṅgavidyāṃ vakṣyāmi tayā ṣaṭsvarabhinnayā || 33 ||

1.34
kuryād devi yathānyāyaṃ sarvasiddhyāptihetave |
someśān navamaṃ varṇaṃ pratilomena coddharet || 34 ||

1.35
tasmāt triṃśakam ākhyātam akṣaraṃ candrarūpakam |
tasmād apy aṣṭamaṃ varṇaṃ vilomenāparaṃ priye || 35 ||

1.36
tathā tatpañcamaṃ devi tadādir api pañcamaḥ |
indro 'pi bindusaṃbhinnaḥ kūṭo 'yaṃ parikīrtitaḥ || 36 ||

1.37
gurūpadeśalabhyaṃ ca sarvalokaprasiddhidam |
yatasya dehajā māyā virūpā karaṇāśrayā || 37 ||

1.38
svapne 'pi na bhavet tasya nityaṃ dvādaśajāpyataḥ |
ya imāṃ pañca lakṣāṇi japed atisuyantritaḥ || 38 ||

1.39
tasya śrīkhecarīsiddhiḥ svayam eva pravartate |
naśyanti sarvavighnāni prasīdanti ca devatāḥ || 39 ||

1.40
valīpalitanāśaś ca bhaviṣyati na saṃśayaḥ |
evaṃ labdhvā mahāvidyām abhyāsaṃ kārayet tataḥ || 40 ||

1.41
anyathā kliśyate devi na siddhiḥ khecarīpade |
yady abhyāsavidhau vidyāṃ na labheta sudhāmayīm || 41 ||

1.42
tataḥ saṃmelakādau ca labdhvā vidyāṃ samujjapet |
anayā rahito devi na kva cit siddhibhāg bhavet || 42 ||

1.43
yadedaṃ labhyate śāstraṃ tadā vidyāṃ samāśrayet |
tatas tatroditāṃ siddhim āśu saṃlabhate priye || 43 ||

1.44
tālumūlaṃ samudghṛṣya saptavāsaram ātmavit |
svagurūktaprakāreṇa malaṃ sarvaṃ viśodhayet || 44 ||

1.45
snuhīpatranibhaṃ śastraṃ sutīkṣṇaṃ snigdhanirmalam |
samādāya tatas tena romamātraṃ samucchinet || 45 ||

1.46
chittvā saindhavapathyābhyāṃ cūrṇitābhyāṃ pragharṣayet |
punaḥ saptadine prāpte romamātraṃ samucchinet || 46 ||

1.47
evaṃ krameṇa ṣaṇmāsaṃ nityodyuktaḥ samācaret |
ṣaṇmāsād rasanāmūlaśirābandhaḥ praṇaśyati || 47 ||

1.48
atha vāgīśvarīdhāmaśiro vastreṇa veṣṭitam |
śanair utkarṣayed yogī kālavelāvidhānavit || 48 ||

1.49
punaḥ ṣaṇmāsamātreṇa nityasaṃkarṣaṇāt priye |
bhrūmadhyāvadhi sābhyeti tiryak karṇabilāvadhi || 49 ||

1.50
adhaś ca cibukaṃ mūlaṃ prayāti kramakāritā |
punaḥ saṃvatsarāṇāṃ tu tritayād eva līlayā || 50 ||

1.51
keśāntam ūrdhvaṃ kramati tiryak śaṅkhāvadhi priye |
adhastāt kaṇṭhakūpāntaṃ punar varṣatrayeṇa tu || 51 ||

1.52
brahmarandhrāntam āvṛtya tiṣṭhaty amaravandite |
tiryak cūlitalaṃ yāti adhaḥ kaṇṭhabilāvadhi || 52 ||

1.53
śanair eva prakartavyam abhyāsaṃ yugapan na hi |
yugapad yaś caret tasya śarīraṃ vilayaṃ vrajet || 53 ||

1.54
tasmāc chanaiḥ śanaiḥ kāryam abhyāsaṃ varavarṇini |
yadā ca bāhyamārgeṇa jihvā brahmabilaṃ vrajet || 54 ||

1.55
tadā brahmārgalaṃ devi durbhedyaṃ tridaśair api |
aṅgulyagreṇa saṃghṛṣya jihvāṃ tatra niveśayet || 55 ||

1.56
evaṃ varṣatrayaṃ kṛtvā brahmadvāraṃ praviśyati |
brahmadvāre praviṣṭe tu samyaṅ mathanam ārabhet || 56 ||

1.57
mathanena vinā ke cit sādhayanti vipaścitaḥ |
khecarīmantrasiddhasya sidhyate mathanaṃ vinā || 57 ||

1.58
japaṃ ca mathanaṃ caiva kṛtvā śīghraṃ phalaṃ labhet |
svarṇajāṃ raupyajāṃ vāpi lohajāṃ vā śalākikāṃ || 58 ||

1.59
niyojya nāsikārandhre dṛḍhasnigdhena tantunā |
prāṇān nirudhya hṛdaye dṛḍham āsanam āsthitaḥ || 59 ||

1.60
śanaiś ca mathanaṃ kuryād bhrūmadhye nyasya cakṣuṣī |
ṣaṇmāsān mathanāvasthā tāvataiva prajāyate || 60 ||

1.61
samyaksaṃruddhajīvasya yoginas tanmayātmanaḥ |
yathā suṣuptir bālānāṃ tathā bhāvas tadā bhavet || 61 ||

1.62
na sadā mathanaṃ śastaṃ māse māse samācaret |
sadā rasanayā devi mārgaṃ tu parisaṃkramet || 62 ||

1.63
evaṃ dvādaśavarṣānte saṃsiddhiḥ parameśvari |
śarīre sakalaṃ viśvaṃ paśyaty ātmāvibhedataḥ || 63 ||

1.64
brahmāṇḍe yan mahāmārgaṃ rājadantordhvamaṇḍale |
bhrūmadhye tad vijānīyāt trikūṭaṃ siddhasevitam || 64 ||

1.65
caṇakāṅkurasaṃ kāśaṃ tatra saṃyojayen manaḥ |
lihan rasanayā tatra sravantaṃ paramāmṛtam || 65 ||

1.66
śanair abhyāsamārgasthaś caturvarṣaṃ pibet priye |
valīpalitanāśaś ca saṃsiddhiḥ paramā bhavet || 66 ||

1.67
sarvaśāstrārthavettā ca jīved varṣasahasrakam |
khanyābilamahīvādarasavādādisiddhayaḥ || 67 ||

1.68
yoginaḥ saṃpravartante pañcavarṣeṇa pārvati |
samyag rasanayā yogī sravantam amṛtodakam || 68 ||

1.69
saṃpītvopavaset svastho vratastho dvādaśābdakam |
anenābhyāsayogena valīpalitavarjitaḥ || 69 ||

1.70
vajrakāyo mahāyogī varṣalakṣaṃ sa jīvati |
daśanāgasahasrāṇāṃ balena sahitaḥ priye || 70 ||

1.71
sa dūradarśanaś caiva dūraśravaṇa eva ca |
nigrahānugrahe śaktaḥ sarvatra balavān bhavet || 71 ||

1.72
etā hi siddhayo devi bhrūmadhye saṃbhavanti hi |
ākāśe rasanāṃ kṛtvā dantapaṅktiṃ nipīḍayet || 72 ||

1.73
kākacañcupuṭaṃ vaktraṃ kṛtvā tadamṛtaṃ pibet |
pānād vatsarataḥ satyaṃ jarāmaraṇavarjitaḥ || 73 ||

1.74
khecaratvam avāpnoti jīvaty ācandratārakam |
pādukākhaḍgavetālasiddhidravyamanaḥśilāḥ || 74 ||

1.75
añjanaṃ vivaraṃ caiva ceṭakaṃ yakṣiṇī tathā |
yat kiṃ cit siddhisamayaṃ vidyate bhuvanatraye || 75 ||

tat sarvam eva sahasā sādhayet sādhakottamaḥ |
iti śrīmadādināthaprokte mahākālayogaśāstre umāmaheśvarasaṃ vāde
khecarīvidyāyāṃ prathamaḥ paṭalaḥ

Zweiter Paṭala: Sanskrit in IAST

dvitīyaḥ paṭalaḥ

2.1
yatra brahmārgaladvāraṃ durvijñeyaṃ maheśvari |
kalācatuṣkaṃ tatrasthaṃ caturvargātmakaṃ param || 1 ||

2.2
pūrvabhāge kṛtā nāma guptā dakṣiṇagocarā |
śivā paścimadigbhāge parāparaśivottare || 2 ||

2.3
tad dvāraṃ rasanāgreṇa bhittvā pūrvakalāmṛtam |
yadā pibati vai yogī māsād dharmādhipo bhavet || 3 ||

2.4
yadā guptāmṛtaṃ dakṣe yogī rasanayā lihet |
māsād eva na saṃdehaḥ sākṣād artheśvaro bhavet || 4 ||

2.5
tatpaścimakalājātam amṛtaṃ jihvayā pibet |
yadā tadā mahāyogī māsāt kāmeśvaro bhavet || 5 ||

2.6
uttarasthakalājātam amṛtaṃ prapibed yadā |
tadāsau parameṣṭhīnām ādhipatyam avāpnuyāt || 6 ||

2.7
tadūrdhvamaṇḍale līnaṃ brahmarandhre parāmṛtam |
yadā pibati yogīndro jīvanmuktaḥ śivo bhavet || 7 ||

2.8
māsamāsāvadhi yadā dvādaśābdaṃ samācaret |
sarvarogavinirmuktaḥ sarvajño munipūjitaḥ || 8 ||

2.9
jāyate śivavad yogī loke 'sminn ajarāmaraḥ |
catuṣkalāmṛtaṃ vāri pītvā pītvā maheśvari || 9 ||

2.10
brahmasthāne tathā jihvāṃ saṃniyojyāmṛtaṃ pibet |
susvādu śītalaṃ hṛdyaṃ kṣīravarṇam aphenilam || 10 ||

2.11
māsamātraprayogena jāyate devavat svayam |
dvimāse sarvaśāstrārthaṃ samyag jānāti pārvati || 11 ||

2.12
svatantraḥ śivavan māsatrayād bhavati vai śive |
caturmāsān maheśāni sarvajñatvaṃ pravartate || 12 ||

2.13
pañcamāse mahāsiddhas trailokyam api paśyati |
ṣaṇmāse paramānandaguṇasadbhāvapūritaḥ || 13 ||

2.14
jāyate nātra saṃdeho jīvanmuktaḥ parāpare |
saptamāse mahābhūtapiśācoragarākṣasaiḥ || 14 ||

2.15
saha saṃvartate nityaṃ svecchayā hṛṣṭamānasaḥ |
aṣṭame māsaparyāye devaiḥ saṃmelanaṃ bhavet || 15 ||

2.16
navame māsy adṛśyatvaṃ sūkṣmatvaṃ caiva jāyate |
daśame kāmarūpatvaṃ sarvalokaprakāśakam || 16 ||

2.17
ekādaśe trikālajñaḥ sarvalokeśvaraḥ prabhuḥ |
jāyate śivavad devi satyam etan mayoditam || 17 ||

2.18
yatra cūlitalaṃ proktaṃ kedāraṃ prāhur īśvari |
tatra somakalāś cāṣṭau vikhyātā vīravandite || 18 ||

2.19
amṛtā prathamā devi dvitīyā mānadāhvayā |
pūṣā tuṣṭiś ca puṣṭiś ca ratiś caiva dhṛtis tathā || 19 ||

2.20
śaśinī cāṣṭamī sarvāḥ parāmṛtamahārṇavāḥ |
taddhāmābhimukhīṃ jihvāṃ yadā yogī karoti ca || 20 ||

2.21
aṣṭadhā sravate tatra tadā tuhinasaṃtatiḥ |
tadāplāvanasaṃyogāt kalevaragadakṣayaḥ || 21 ||

2.22
aṣṭabhir māsaparyāyaiḥ khecaratvaṃ prajāyate |
bhrūmadhyaṃ nāma yad dhāma tat proktaṃ somamaṇḍalam || 22 ||

2.23
kalācatuṣkaṃ tatroktaṃ parāmṛtaniketanam |
candrikākhyā ca kāntiś ca jyotsnā śrīś ceti nāmataḥ || 23 ||

2.24
tatra jihvāṃ samāveśya pītvā pītvā samāpibet |
yogī māsacatuṣkeṇa jāyate nirupadravaḥ || 24 ||

2.25
vajrakāyo bhavet satyaṃ tadāplāvanapānataḥ |
tadūrdhvaṃ vajrakandākhyaṃ śilā khecaramaṇḍalam || 25 ||

2.26
lalāṭānte vijānīyāt tatra devi kalātrayam |
prītis tathāṅgadā pūrṇā tatra jihvāṃ praveśayet || 26 ||

2.27
kṣīradhārāmṛtaṃ śītaṃ sravantaṃ jihvayā pibet |
māsatrayeṇa deveśi sarvavyādhivivarjitaḥ || 27 ||

2.28
acchedyaḥ sarvaśastraiś ca abhedyaḥ sarvasādhanaiḥ |
acintyaḥ sarvavijñānair virūpaviṣayānvitaiḥ || 28 ||

2.29
bhairavābho bhavet satyaṃ vajrakandaprabhāvataḥ |
nāsikādho 'dharoṣṭhordhvaṃ rājadantaṃ mahāpadam || 29 ||

2.30
tatra pūrṇāmṛtā devi śītalā ca kalādvayam |
saṃprāpya kumbhakāvasthāṃ rasanāgreṇa saṃspṛśet || 30 ||

2.31
tatra saṃjāyate devi susvādu śītalaṃ jalam |
svamanas tatra saṃyojya piben māsatrayaṃ vratī || 31 ||

2.32
ajarāmaratām eti sarvavyādhivivarjitaḥ |
gudabījāntarasthānam ādhāraṃ parikīrtitam || 32 ||

2.33
tatra pañca kalāḥ proktāḥ pragalatparamāmṛtāḥ |
sudhā sudhāmayī prajñā kālaghnī jñānadāyinī || 33 ||

2.34
kalāḥ pañca sudhādhārāḥ kīrtitāḥ sarvasiddhidāḥ |
tatrasthā paramā śaktir ādyā kuṇḍalinī śive || 34 ||

2.35
tatrākuñcanayogena kumbhakena surārcite |
mūlaśaktyā samāsādya tatrasthaṃ śītalāmṛtam || 35 ||

2.36
suṣumṇayā samānīya svādhiṣṭhānādipaṅkajāt |
tatsudhāvṛṣṭisaṃsiktaṃ smared brahmāṇḍakāvadhi || 36 ||

2.37
tatrastham amṛtaṃ gṛhya śaktiḥ śrīkuṇḍalī parā |
suṣumṇāmārgam āsādya brahmadhāmāntam īyuṣī || 37 ||

2.38
mūlapañcakalājātasudhātṛptipariplutā |
āpādamastaparyantaṃ vyāpayantīṃ tanuṃ smaret || 38 ||

2.39
pañcamāsaprayogena pañcabhūtalayo bhavet |
śivasāmyo bhavet satyaṃ trikālābhyāsayogataḥ || 39 ||

2.40
liṅgasthānaṃ hi yad devi svādhiṣṭhānaṃ tad ucyate |
tatra divyāmṛtamayaṃ kalātrayam udīritam || 40 ||

2.41
susūkṣmā paramāhlādā vidyā ceti prakīrtitāḥ |
pūrvavat kumbhakāvasthāṃ prāpya śaktiṃ prabodhya ca || 41 ||

2.42
nītvā brahmāṇḍaparyantaṃ plāvayec ca svakāṃ tanum |
yogī trimāsaparyāye pūrvoktaṃ labhate phalaṃ || 42 ||

2.43
gudameḍhrāntaraṃ yad vai veṇudaṇḍaṃ tad ucyate |
kalācatuṣkaṃ tatroktaṃ parāmṛtarasātmakam || 43 ||

2.44
suśītā ca mahātṛptiḥ palitaghnī valikṣayā |
tatra śaktiṃ samudbodhya pūrvavat plāvayet tanum || 44 ||

2.45
caturmāsaprayogena pūrvoditaphalaṃ labhet |
piṅgalā ravivāhyā syād iḍā syāc candravāhinī || 45 ||

2.46
viṣavāho raviḥ proktaḥ sudhāvāho niśākaraḥ |
abhyāsaḥ sūryavāhākhye candravāhe ca śasyate || 46 ||

2.47
†dhāraṇā candravāhe ca† yogī kumbhakam ācaret |
śaśivāhena pavanaṃ pūrayed ātmanas tanum || 47 ||

2.48
ravivāhena cotsargaḥ śasyate dehavṛddhaye |
etat te vyāhṛtaṃ devi kalāsthānaṃ caturguṇam || 48 ||

2.49
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi parāmṛtamahāpadam |
vajrakandaṃ lalāṭe tu prajvalaccandrasaṃ nibham || 49 ||

2.50
laṃ garbhaṃ caturasraṃ ca tatra devaḥ paraḥ śivaḥ |
devatāḥ samupāsante yoginaḥ śaktisaṃyutam || 50 ||

2.51
cūlitale mahādevi lakṣasūryasamaprabham |
trikoṇamaṇḍalaṃ madhye devaṃ liṅgātmakaṃ śivam || 51 ||

2.52
raṃ garbhamadhyamaṃ devi svaśaktyāliṅgitaṃ param |
devatāgaṇasaṃjuṣṭaṃ bhāvayet parameśvari || 52 ||

2.53
dakṣaśaṅkhe mahābhāge ṣaḍbinduvalayānvitam |
yaṃ garbhaṃ dhūmravarṇaṃ ca tatra devaṃ maheśvaram || 53 ||

2.54
liṅgākāraṃ smared devi śaktiyuktaṃ gaṇāvṛtam |
vāmaśaṅkhe 'rdhacandrābhaṃ sapadmaṃ maṇḍalaṃ śive || 54 ||

2.55
vaṃ garbhaṃ ca dṛḍhaṃ madhye tatra liṅgaṃ sudhāmayam |
gokṣīradhavalākāraṃ śaraccandrāyutaprabham || 55 ||

2.56
svaśaktisahitaṃ sarvadevatāgaṇasevitam |
evaṃ devi caturdikṣu sthānāny uktāni vai mayā || 56 ||

2.57
teṣāṃ madhye mahāvṛttaṃ haṃ garbhaṃ tatra pārvati |
parameśaḥ paraḥ śambhuḥ svaśaktisahitaḥ sthitaḥ || 57 ||

2.58
liṅgākāro gaṇayutaḥ sūryakoṭisamaprabhaḥ |
pṛthivyadhipatir bhāle paścime sūryanāyakaḥ || 58 ||

2.59
dakṣaśaṅkhe 'nilapatir vāme jalapatiḥ śive |
madhye vyomādhipaḥ śambhusthānāḥ pañca mayoditāḥ || 59 ||

2.60
vyomādhipasya devasya śirordhve caturaṅgulam |
jyotirmaṇḍalamadhyasthaṃ koṭicandrasamaprabham || 60 ||

2.61
divyāmṛtamayaṃ bhāṇḍaṃ mūlabandhakapāṭakam |
ūrdhvacandraṃ mahāśailam abhedyam amṛtāspadam || 61 ||

2.62
śītalāmṛtamadhye tu vilīnaṃ liṅgam īśvari |
trasareṇupratīkāśaṃ koṭicandrasamaprabham || 62 ||

2.63
heyopādeyarahitam ajñānatimirāpaham |
atītya pañca sthānāni paratattvopalabdhaye || 63 ||

2.64
parāmṛtaghaṭādhārakapāṭaṃ kumbhakānvitam |
manasā saha vāgīśām ūrdhvavaktrāṃ prasārayet || 64 ||

2.65
niruddhaprāṇasaṃcāro yogī rasanayārgalam |
līlayodghāṭayet satyaṃ saṃprāpya manasā saha || 65 ||

2.66
śītalekṣurasasvādu tatra kṣīrāmṛtaṃ himam |
yogapānaṃ pibed yogī durlabhaṃ vibudhair api || 66 ||

2.67
tatsudhātṛptisaṃtṛptaḥ parāvasthām upetya ca |
unmanyā tatra saṃyogaṃ labdhvā brahmāṇḍakāntare || 67 ||

2.68
nādabindumayaṃ māṃsaṃ yogī yogena bhakṣayet |
etad rahasyaṃ deveśi durlabhaṃ parikīrtitam || 68 ||

2.69
sarvajñena śivenoktaṃ yat phalaṃ śāstrasaṃ tatau |
tat phalaṃ labhate satyaṃ ṣaṇmāsān nātra saṃśayaḥ || 69 ||

2.70
saṃprāpya siddhisaṃtānaṃ yo yogam imam īśvari |
na vetti tasya vaktavyaṃ na kiṃ cit siddhim icchatā || 70 ||

2.71
na jānanti guruṃ devaṃ śāstroktān samayāṃs tathā |
dambhakauṭilyaniratās teṣāṃ śāstraṃ na dāpayet || 71 ||

2.72
jihvāmūle sthito devi sarvatejomayo 'nalaḥ |
tadagre bhāskaraś candras bhālamadhye pratiṣṭhitaḥ || 72 ||

2.73
evaṃ yo vetti tattvena tasya siddhiḥ prajāyate |
mathitvā maṇḍalaṃ vahneḥ samudbodhya prayatnataḥ || 73 ||

2.74
taduṣṇasāradravitaṃ bhālajaṃ candramaṇḍalam |
bhāskarādhiṣṭhitāgreṇa rasanena samāśrayet || 74 ||

2.75
tac candragalitaṃ devi śītalaṃ paramāmṛtam |
nāsikārandhraniryātaṃ pātreṇa parisaṃgrahet || 75 ||

2.76
tenāṅgamardanāt satyaṃ nāḍīśuddhiḥ prajāyate |
gudaliṅgodgataṃ pātre nirgataṃ cāmarīrasam || 76 ||

2.77
kakṣāmṛtaṃ ca saṃloḍya saṃskṛtaṃ cādharārasaiḥ |
tenāṅgamardanaṃ kṛtvā yogī loke nirāmayaḥ || 77 ||

2.78
balavāñ jāyate satyaṃ valīpalitavarjitaḥ |
jihvāmūlaṃ samudghṛṣya tatra jātaṃ mahādravam || 78 ||

2.79
svadehaṃ mardayet pūrvaṃ rasanā vatsarārdhataḥ |
caturaṅgulavṛddhā ca jāyate nātra saṃśayaḥ || 79 ||

2.80
utkṛṣya rasanām ūrdhvaṃ dakṣiṇāṅgulibhiḥ śive |
vāmahastāṅgulībhiś ca ghaṇṭikāṃ sphoṭayec chive || 80 ||

2.81
mathitvā pāvakasthānam ūrdhvavaktraṃ śanaiḥ śanaiḥ |
trikūṭordhve ca candrāṃśe śivasthānaṃ samāśrayet || 81 ||

2.82
eṣā te khecarīmudrā kathitā mṛtyunāśinī |
evam abhyāsaśīlasya tadvighnārthaṃ bhavanti hi || 82 ||

2.83
bhaṭabhedāś ca catvāro naṭabhedās tathaiva ca |
aṅgaśoṣaḥ kṣudhālasyaṃ kaṇḍūr dehavivarṇatā || 83 ||

2.84
bhaṭasya pratyayā ete teṣāṃ śṛṇu ca bheṣajam |
mano nirviṣayaṃ kṛtvā trimāsam amarīrasam || 84 ||

2.85
deham udvartayet tena dehavṛddhiḥ prajāyate |
tris trir udvartanaṃ kuryād divā rātrau tathaiva ca || 85 ||

2.86
rasanām ūrdhvam āyojya vajrakandapadonmukhīm |
tatsudhāṃ lihataḥ satyaṃ kṣudhālasyaṃ ca naśyati || 86 ||

2.87
tatsudhām amarīṃ devi gṛhītvā cāṅgamardanāt |
svaśarīravivarṇatvaṃ kaṇḍūś cāpi praṇaśyati || 87 ||

2.88
naṭabhedāś ca catvāro bahudhā saṃsthitāḥ priye |
netrarogo 'ṅgavepaś ca dāho bhrāntis tathaiva ca || 88 ||

2.89
bhedam ekaṃ mayā proktaṃ dvitīyam adhunā śṛṇu |
dantaruk cālpasattvaṃ ca dehalāghavanāśanam || 89 ||

2.90
tṛtīyabhedaṃ ca tathā śṛṇu devi mahājvaraḥ |
śiroruk śleṣmadoṣaś ca caturthaḥ saṃpradhāryatām || 90 ||

2.91
vamanaṃ śvāsadoṣaś ca netrāndhatvaṃ tathaiva ca |
durjayā ca tathā nidrā teṣāṃ śṛṇu ca bheṣajam || 91 ||

2.92
mūlādhārāt suṣumnāyām ūrdhvaṃ kuṇḍalinīṃ nayet |
niścalām ūrdhvagāṃ jihvāṃ kṛtvā kuṃbhakam āśrayet || 92 ||

2.93
śaktikṣobhān maheśāni mahānādaḥ pravartate |
yadā śṛṇoti taṃ nādaṃ tadā muktaḥ sa ucyate || 93 ||

2.94
cintayed amṛtāsiktaṃ svadehaṃ parameśvari |
anena devi māsena pūrvadoṣaiḥ pramucyate || 94 ||

2.95
anenaiva vidhānena dvimāsaṃ tu yadācaret |
tadā śṛṇoti karṇābhyāṃ mahāgajaravadhvanim || 95 ||

2.96
pūrvavac cintayed dehaṃ dvitīyair mucyate gadaiḥ |
trimāsād brahmanādaṃ ca śṛṇutvā pūrvavat smaret || 96 ||

2.97
tṛtīyabhedadoṣaiś ca mucyate nātra saṃśayaḥ |
meghanādam aghorākhyaṃ caturthe māsaparyaye || 97 ||

2.98
śrutvā pūrvavad abhyasya bhrāntidoṣaiḥ pramucyate |
evaṃ sthiramatir dhyānam abhyāsaṃ ca trikālataḥ || 98 ||

2.99
sādhayet tryabdataḥ satyaṃ jāyate hy ajarāmaraḥ |
bhaṭadoṣacatuṣkasya naṭadoṣasya caiva hi || 99 ||

2.100
nivāraṇaṃ mayā proktaṃ bhūyaḥ śṛṇu surādhipe |
yo 'smin śānte pare tattve yoge yogī sukhātmake || 100 ||

2.101
praviṣṭaḥ sarvatattvajñas tasya pādau namāmy aham |
prathamaṃ cālanaṃ devi dvitīyaṃ bhedanaṃ bhavet || 101 ||

2.102
tṛtīyaṃ mathanaṃ śastaṃ caturthaṃ ca praveśanam |
tālumūlaṃ samudghṛṣya jihvām utkarṣayet priye || 102 ||

2.103
cālanaṃ tad vijānīyād brahmārgalavibhedanam |
bhedanaṃ tad vadanti sma †mathanaṃ tantunā priye || 103 ||

2.104
lohakīlapraveśena yadā mathanam ācaret |
mathanaṃ tad vijānīyād† yogavṛddhikaraṃ priye || 104 ||

2.105
udghāṭyārgalam ākāśe jihvām ūrdhvaṃ prasārayet |
praveśaṃ prāhur īśāni yogasiddhipravartakam || 105 ||

2.106
brahmārgalaprabhedena jihvāsaṃkramaṇena ca |
pratyayaḥ parameśāni kṣaṇāt satyaṃ prajāyate || 106 ||

2.107
ādāv ānandabhāvatvaṃ nidrāhānir ataḥ param |
saṃgamaṃ bhojanaṃ caiva svalpamātraṃ prajāyate || 107 ||

2.108
puṣṭiḥ saṃjāyate tejovṛddhiś ca bhavati priye |
na jarā na ca mṛtyuś ca na vyādhipalitāni ca || 108 ||

2.109
ūrdhvaretā maheśāni aṇimādiguṇānvitaḥ |
yadi niścalabhāvena yogam evaṃ prasādhayet || 109 ||

2.110
tadā proktān imān samyak phalān labhati pārvati |
jihvāgre śrīś ca vāgīśā saṃsthitā vīravandite || 110 ||

2.111
jihvāmūlādhārabhāge bandhamṛtyuḥ pratiṣṭhitaḥ |
bandhamṛtyupadaṃ sarvam unmūlaya gaṇāmbike || 111 ||

2.112
tadagreṇa viśet somadhāma śrīśambhusaṃjñitam |
anena devi yogena manasādhiṣṭhitena ca || 112 ||

2.113
unmanyāveśam āyāti yogī tallayam āpnuyāt |
layasya pratyayaḥ sadyaḥ saṃbhavaty avicārataḥ || 113 ||

2.114
jihvāgre mana ādhāya dṛśā tad dhāma lakṣayet |
mūlāt suṣumṇāmārgeṇa pavanaṃ cordhvam ānayet || 114 ||

2.115
brahmadhāmagato yogī manaḥ śūnye niveśayet |
dhyāyed evaṃ paraṃ tattvaṃ heyopādeyavarjitam || 115 ||

2.116
ākāśagaṅgā sravati brahmasthānāt suśītalā |
prapiban māsamātreṇa vajrakāyo bhaved dhruvam || 116 ||

2.117
divyadeho bhavet satyaṃ divyavāg divyadarśanaḥ |
divyabuddhir bhaved devi divyaśravaṇa eva ca || 117 ||

2.118
jihvāgre koṭicandrābhāṃ vāgīśāṃ paribhāvayet |
parāmṛtakalātṛptāṃ kavitvaṃ labhate kṣaṇāt || 118 ||

2.119
jihvāgre saṃsthitāṃ lakṣmīṃ parāmṛtavimoditām |
dhyāyan yogī maheśāni yogasāmrājyam āpnuyāt || 119 ||

2.120
sahajāḥ pañca vikhyātāḥ piṇḍe 'smin †paramātmake† |
yadā saṃjāyate deho mātṛdehe pitṛkṣayāt || 120 ||

2.121
tatra sārdhaṃ bhavanti sma dehe vṛddhim upeyuṣi |
ādyā kuṇḍalinīśaktiḥ sahajā prathamā smṛtā || 121 ||

2.122
dvitīyā ca suṣumṇākhyā jihvā caiva tṛtīyakā |
tālusthānaṃ caturthaṃ ca brahmasthānaṃ tu pañcamam || 122 ||

2.123
unnīya sahajām ādyāṃ dvitīyāṃ sahajāṃ nyaset |
tṛtīyāṃ sahajām ūrdhvaṃ caturthe sahaje viśet || 123 ||

2.124
caturthaṃ sahajaṃ bhittvā sahajaṃ pañcamaṃ viśet |
etad bhedaṃ mayā proktaṃ durvijñeyaṃ kuleśvari || 124 ||

iti śrīmadādināthaprokte mahākālayogaśāstre umāmaheśvarasaṃ vāde
khecarīvidyāyāṃ dvitīyaḥ paṭalaḥ

Dritter Paṭala: Sanskrit in IAST

tṛtīyaḥ paṭalaḥ

3.1
śiva uvāca
mūlāt kuṇḍalinīśaktiṃ suṣumṇāmārgam āgatām |
lūtaikatantupratimāṃ sūryakoṭisamaprabhām || 1 ||

3.2
praviśya ghaṇṭikāmārgaṃ śivadvārārgalaṃ śive |
bhittvā rasanayā yogī kumbhakena maheśvari || 2 ||

3.3
praviśet koṭisūryābhaṃ dhāma svāyambhuvaṃ priye |
tatrāmṛtamahāmbhodhau śītakallolaśālini || 3 ||

3.4
pītvā viśrāmya ca sudhāṃ paramānandapūrṇayā |
buddhyā tatsudhayā tṛptam ātmadehaṃ vibhāvayet || 4 ||

3.5
anena divyayogena jāyate divyadarśanam |
khecaratvaṃ bhavet satyaṃ sarvarogakṣayas tathā || 5 ||

3.6
vañcanaṃ kālamṛtyoś ca trailokyabhramaṇaṃ tathā |
aṇimādiguṇopetaḥ saṃsiddho jāyate dhruvam || 6 ||

3.7
yogīndratvam avāpnoti gatir avyāhatā bhavet |
navanāgasahasrāṇāṃ balena sahitaḥ svayam || 7 ||

3.8
jāyate śivavad devi satyaṃ satyaṃ mayoditam |
iḍāpiṅgalayor madhye suṣumṇā jyotirūpiṇī || 8 ||

3.9
varṇarūpaguṇais tyaktaṃ tejas tatra nirāmayam |
prasuptabhujagākārā yā sā kuṇḍalinī parā || 9 ||

3.10
gaṅgā ca yamunā caiva iḍāpiṅgalasaṃjñake |
gaṅgāyamunayor madhye tāṃ śaktiṃ saṃniveśayet || 10 ||

3.11
brahmadhāmāvadhi śive paramāmṛtarūpiṇīm |
tanmayo jāyate satyaṃ sadāmṛtatanuḥ svayam || 11 ||

3.12
śivadhāma gatā śaktiḥ parameśāt paraṃ padam |
tadbhogatṛptisaṃtṛptā paramānandapūritā || 12 ||

3.13
siñcantī yogino deham āpādatalamastakam |
sudhayā śiśirasnigdhaśītayā parameśvari || 13 ||

3.14
punas tenaiva mārgeṇa prayāti svapadaṃ śive |
etad rahasyam ākhyātaṃ yogaṃ yogīndravandite || 14 ||

3.15
utsṛjya sarvaśāstrāṇi japahomādi karma yat |
dharmādharmavinirmukto yogī yogaṃ samabhyaset || 15 ||

3.16
rasanām ūrdhvagāṃ kṛtvā trikūṭe saṃniveśayet |
brahmāṇḍe brahmarekhādho rājadantordhvamaṇḍale || 16 ||

3.17
trikūṭaṃ taṃ vijānīyāt tatra liṅgaṃ samujjvalam |
kālakramavinirmuktaṃ durvijñeyaṃ surair api || 17 ||

3.18
iḍāyāṃ rātrir uddiṣṭā piṅgalāyām ahaḥ smṛtam |
candrādityau sthitau devi nityaṃ rātridivātmakau || 18 ||

3.19
na divā pūjayel liṅgaṃ na rātrau ca maheśvari |
sarvadā pūjayel liṅgaṃ divārātrinirodhataḥ || 19 ||

3.20
ahorātrimayaṃ cedaṃ kālakramasvabhāvajam |
kālakramanirodhena kālamṛtyujayo bhavet || 20 ||

3.21
kālakramavinirmuktāṃ cintayed ātmanas tanum |
pūjayed bhāvapuṣpeṇa tarpayet paṅkajāmṛtaiḥ || 21 ||

3.22
evaṃ ṣaṇmāsayogena jāyate hy ajarāmaraḥ |
sarvajñatvaṃ labhet satyaṃ śivasāmyo nirāmayaḥ || 22 ||

3.23
tālumūle samāveśya rasanām ūrdhvavaktragām |
tatra jātāṃ sudhāṃ pītvā śītkāreṇa śanaiḥ śanaiḥ || 23 ||

3.24
prapibet pavanaṃ yogī nirālambe pade śive |
manaḥ saṃyojya conmanyā sahajaṃ yogam ācaret || 24 ||

3.25
anena yogī ṣaṇmāsāj jāyate hy ajarāmaraḥ |
cibukaṃ yojayed devi ṣoḍaśasvaramaṇḍale || 25 ||

3.26
bhrūmadhye cakṣuṣī nyasya jihvām ūrdhvaṃ prasārayet |
saṃprāpya kumbhakāvasthām iḍāpiṅgalarodhanāt || 26 ||

3.27
mūlaśaktiṃ samudbodhya bhittvā ṣaṭ sarasīruhān |
taḍitsahasrasaṃ kāśāṃ brahmāṇḍodaramadhyame || 27 ||

3.28
dhāmni śītāmṛtāmbhodhau saṃniveśya ciraṃ vaset |
yadā brahmamaye dhāmni yogī vasati līlayā || 28 ||

3.29
tadā nirjīvavad dehe bhā visphurati tatpadam |
anena devi yogena dinasaptakam ācaret || 29 ||

3.30
yadā tadā sa bhavati jarāmaraṇavarjitaḥ |
māsamātraprayogena jīved ācandratārakam || 30 ||

3.31
yadā brahmapuraṃ bhittvā yogī vrajati līlayā |
tadā śivatvam āpnoti nityadehamayaṃ śive || 31 ||

3.32
na punaḥ pibate mātuḥ stanaṃ saṃsāracakrake |
yadā tu yogino buddhis tyaktuṃ deham imaṃ bhavet || 32 ||

3.33
tadā sthirāsano bhūtvā mūlaśaktiṃ samujjvalām |
koṭisūryapratīkāśāṃ bhāvayec ciram ātmavit || 33 ||

3.34
āpādatalaparyantaṃ prasṛtaṃ jīvam ātmanaḥ |
saṃhṛtya kramayogena mūlādhārapadaṃ nayet || 34 ||

3.35
tatra kuṇḍalinīśaktiṃ saṃvartānalasaṃnibhām |
jīvānilaṃ cendriyāṇi grasantīṃ cintayed dhiyā || 35 ||

3.36
saṃprāpya kumbhakāvasthāṃ taḍidvalayabhāsurām |
mūlād unnīya deveśi svādhiṣṭhānapadaṃ nayet || 36 ||

3.37
tatrasthaṃ jīvam akhilaṃ grasantīṃ cintayed vratī |
taḍitkoṭipratīkāśāṃ tasmād unnīya satvaram || 37 ||

3.38
maṇipūrapadaṃ prāpya tatra pūrvavad ācaret |
samunnīya punas tasmād anāhatapadaṃ nayet || 38 ||

3.39
tatra sthitvā kṣaṇaṃ devi pūrvavad grasatīṃ smaret |
unnīya ca punaḥ padme ṣoḍaśāre niveśayet || 39 ||

3.40
tatrāpi cintayed devi pūrvavad yogamārgavit |
tasmād unnīya bhrūmadhyaṃ nītvā jīvaṃ graset punaḥ || 40 ||

3.41
grastajīvāṃ mahāśaktiṃ koṭisūryasamaprabhām |
manasā saha vāgīśī bhittvā brahmārgalaṃ kṣaṇāt || 41 ||

3.42
parāmṛtamahāmbhodhau viśrāmaṃ samyag ācaret |
tatrasthaṃ paramaṃ devi śivaṃ paramakāraṇam || 42 ||

3.43
śaktyā saha samāyojya tayor aikyaṃ vibhāvayet |
yadi vañcitum udyuktaḥ kālaṃ kālavibhāgavit || 43 ||

3.44
yāvad vrajati taṃ kālaṃ tāvat tatra sukhaṃ vaset |
brahmadvārārgalasyādho dehakālaprayojanam || 44 ||

3.45
tasmād ūrdhvapade devi na hi kālaprayojanam |
yadā devy ātmanaḥ kālam atikrāntaṃ prapaśyati || 45 ||

3.46
tadā brahmārgalaṃ bhittvā śaktiṃ mūlapadaṃ nayet |
śaktidehaprasūtaṃ tu svajīvaṃ cendriyaiḥ saha || 46 ||

3.47
tattatkarmaṇi saṃyojya svasthadehaḥ sukhaṃ vaset |
anena devi yogena vañcayet kālam āgatam || 47 ||

3.48
yadi mānuṣyakaṃ dehaṃ tyaktum icchā pravartate |
tataḥ paramasaṃtuṣṭo brahmasthānagataṃ śivam || 48 ||

3.49
śaktyā saṃyojya nirbhidya vyoma brahmaśilāṃ viśet |
vyomatattvaṃ mahāvyomni vāyutattvaṃ mahānile || 49 ||

3.50
tejastattvaṃ mahātejasy aptattvaṃ jalamaṇḍale |
dharātattvaṃ dharābhāge nirālambe manaḥ pade || 50 ||

3.51
vyomādiguṇatattveṣu svendriyāṇi niveśayet |
evaṃ sāṃsārikaṃ tyaktvā paratattvāvalambakaḥ || 51 ||

3.52
aspṛṣṭaḥ pañcabhūtādyair bhittvā sūryasya maṇḍalam |
paratattvapade śānte śive līnaḥ śivāyate || 52 ||

3.53
na kalpakoṭisāhasraiḥ punar āvartanaṃ bhavet |
anugrahāya lokānāṃ yadi dehaṃ na saṃtyajet || 53 ||

3.54
pralayānte tanuṃ tyaktvā svātmany evāvatiṣṭhate |
ity eṣā khecarīmudrā khecarādhipatitvadā || 54 ||

3.55
janmamṛtyujarārogavalīpalitanāśinī |
anayā sadṛśī vidyā kva cic chāstrāntare na hi || 55 ||

3.56
khecarīmelanaṃ devi suguhyaṃ na prakāśayet |
tasyāś cābhyāsayogo 'yaṃ tava snehāt prakāśitaḥ || 56 ||

3.57
khecarī nāma yā devi sarvayogīndravanditā |
naināṃ yo vetti loke 'smin sa paśuḥ procyate śive || 57 ||

3.58
nityam abhyāsaśīlasya aṭato 'pi jagattrayam |
guruvaktropasaṃlabdhāṃ vidyām abhyasato 'pi ca || 58 ||

3.59
khecarīmelakādyeṣu nityaṃ saṃsaktacetasaḥ |
na sidhyati mahāyogo madīyārādhanaṃ vinā || 59 ||

3.60
matprasādavihīnānāṃ mannindāparacetasām |
paśūnāṃ pāśabaddhānāṃ yogaḥ kleśāya jāyate || 60 ||

3.61
sarvajñena śivenoktāṃ pūjāṃ saṃtyajya māmakīm |
yuñjataḥ satataṃ devi yogo nāśāya jāyate || 61 ||

3.62
bhaktyā saṃtarpayed devi sarvalokamayaṃ śivam |
mayy evāsaktacittasya tuṣyanti sarvadevatāḥ || 62 ||

3.63
tan māṃ saṃpūjya yuñjīta matprasādena khecarīm |
anyathā kleśa eva syān na siddhir janmakoṭiṣu || 63 ||

3.64
sarve sidhyanti mantrāś ca yogāś ca parameśvari |
madārādhanaśīlasya mayy evāsaktacetasaḥ || 64 ||

3.65
tasmān māṃ pūjayed devi sarvayogābhivṛddhaye |
khecaryānandito yogī yogaṃ yuñjīta tanmayam || 65 ||

3.66
vijane janturahite sarvopadravavarjite |
sarvasādhanasaṃyuktaḥ sarvacintāvivarjitaḥ || 66 ||

3.67
mṛdvāsanaṃ samāsthāya svagurūktaprakārataḥ |
kuryād ekaikam abhyāsaṃ guruvākyāvalambakaḥ || 67 ||

3.68
ayaṃ yogo mayākhyātaḥ sarvayogaprasādhakaḥ |
tava prītyā maheśāni kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi || 68 ||

3.69
śrīdevy uvāca
śambho sadbhaktisaṃlabhya jaya candrārdhaśekhara |
tvayā śrīkhecarīvidyā guhyā sādhu nirūpitā || 69 ||

iti śrīmadādināthaprokte mahākālayogaśāstre umāmaheśvarasaṃ vāde
khecarīvidyāyāṃ tṛtīyaḥ paṭalaḥ

Vierter Paṭala: Sanskrit in IAST

caturthaḥ paṭalaḥ

4.1
atha te saṃpravakṣyāmi sudivyāny auṣadhāni ca |
auṣadhena vinā yogī na kva cit siddhim eṣyati || 1 ||

4.2
bhikṣūttamāṅgaparikalpitanāmadheyaṃ
tatpatrapuṣpaphaladaṇḍasamūlacūrṇam |
takrāranālapayasā madhuśarkarādyair
dadyāt pṛthakkavalitaṃ rasamaṇḍalāni |
†pālityahānim atisattvam udāravīryam
utsāharogaharaṇāni ca samyag eva† || 2 ||

4.3
karṇe varāho nayane garutmān
nakhāś ca dantāḥ kila vajratulyāḥ |
yuvā mahāmārutasāmyavego
jīvec ca yāvad dharaṇīndutārāḥ || 3 ||

4.4
vārāhīkandacūrṇaṃ ghṛtaguḍasahitaṃ bhakṣayet puṣṭivṛddhī
takre durnāmanāśas tv atha punar api gokṣīrake kuṣṭhanāśaḥ |
taccūrṇaṃ śarkarādyair madhum api ca payaḥ pāyayec ca dvikālam
dvau varṣau kṛṣṇakeśī hatavalipalitaḥ †kṛṣṇabhedī śarīre† || 4 ||

4.5
eraṇḍatailasaṃyuktaṃ gugguluṃ triphalāyutam |
gandhakaṃ bhakṣayet prājño jarādāridryanāśanam || 5 ||

4.6
aśvagandhā tilā māṣāḥ śarkarā viśvasarpikā |
māsamātraprayogena na rogo maraṇaṃ bhavet || 6 ||

4.7
pañcabhiḥ pañcamāsena prāpyate 'maratā priye |
gandhakatriphalākuṣṭhaṃ madhuratrayamelitam || 7 ||

4.8
bhakṣayet prātar utthāya ṣaṇmāsād valipālihā |
pāradaṃ gandhakaṃ devi tālakaṃ ca manaḥśilām || 8 ||

4.9
kunaṣṭikāyaṣṭirajo rudrākhyaṃ muṇḍikārajaḥ |
trimadhuplutam āsvādya vatsarāt khecaro bhavet || 9 ||

4.10
bhṛṅgaṃ samūlaṃ pariśoṣya cūrṇaṃ
kṛṣṇāṃs tilāṃś cāmalakaṃ tadardham |
madhutrayaiḥ svādya sadaiva varṣān
na vyādhayo nāpi jarā na mṛtyuḥ || 10 ||

4.11
nirguṇḍīpatram ekaikaṃ trikālaṃ paribhakṣayet |
dvādaśābde bhaved devi jarāmaraṇavarjitaḥ || 11 ||

4.12
nirguṇḍyamalamuṇḍīnāṃ samaṃ saṃsādhayed rajaḥ |
śarkarāghṛtamadhvaktaṃ vatsarād valipālihā || 12 ||

4.13
māṣakaṃ gandhakaṃ svarṇaṃ tālakaṃ rudralocanam |
madhutrayayutaṃ varṣād ajarāmaraṇapradam || 13 ||

4.14
rasaṃ śālmaliniryāsaṃgandhakaṃ madhuratrayaiḥ |
bhakṣayet prātar utthāya ṣaṇmāsād ajarāmaraḥ || 14 ||

iti śrīmadādināthaprokte mahākālayogaśāstre umāmaheśvarasaṃ vāde
khecarīvidyāyāṃ caturthaḥ paṭalaḥ

Deutsche Übersetzung versweise

Die Anweisungsform gehört zur historischen Stimme des Textes. Verheißungen über Heilung, Lebensdauer und besondere Kräfte werden als solche übersetzt. Sie sind keine bestätigten Wirkungsangaben.

Die Kundalini-Lehre verbindet Körper, Lebenskräfte und innere Versenkung. Der Sanskrittext besitzt seine eigene, nicht auf dieses moderne Bild reduzierbare Körperkarte.

Erster Paṭala: deutsche Übersetzung

1.1 Ishvara sprach: Nun, o Göttin, werde ich die Khechari genannte Vidya erklären. Wer sie erkennt, kann in dieser Welt frei von Alter und Tod werden.

1.2 Wenn man diese von Tod, Krankheit und Alter ergriffene Welt sieht, Geliebte, soll man seinen Entschluss festigen und bei Khechari Zuflucht suchen.

1.3 Wer auf Erden die Alter, Tod und Krankheit vernichtende Khechari kennt – aus der Schrift, ihrem Sinn und der Anwendung ihrer Übung –,

1.4 vor diesem Guru soll man sich mit ganzem Herzen verneigen und bei ihm Zuflucht suchen, Göttin. Selten ist die Khechari-Vidya, und selten ist auch ihre Übung.

1.5 Übung und Melaka kommen nicht einfach gleichzeitig zur Vollendung. Wer allein in der Übung aufgeht, findet dadurch hier noch kein Melaka.

1.6 Durch Übung erlangt man es, Göttin, irgendwann im Verlauf aufeinanderfolgender Geburten; doch jenes Melaka wird selbst nach hundert Geburten nicht ohne Weiteres erlangt.

1.7 Nachdem der Yogi über viele Geburten hinweg eine durch rechte innere Haltung getragene Übung ausgeführt hat, erlangt er, Göttin, irgendwann in einer weiteren Geburt Melaka. Wenn der danach Verlangende dieses Melaka erlangt, höchste Herrin,

1.8 dann erlangt er jene Vollendung, von der die Überlieferung der Lehrschriften spricht. Wenn er Melaka sowohl durch den Text als auch durch dessen verstandenen Sinn erlangt,

1.9 dann erlangt er das Shiva-Sein, befreit von der Furcht vor dem Daseinskreislauf. Ohne die Lehrschrift vermöchten selbst Gurus dies nicht vollständig zu verstehen.

1.10 Darum soll man diese äußerst schwer erhältliche Schrift erlangen, Geliebte. Solange der Text nicht gefunden ist, soll man diese Erde durchwandern. Ist er gefunden, Göttin, liegt die Vollendung gleichsam in der Hand.

1.11 Ohne die Lehrschrift gibt es keine Vollendung, selbst wenn man die drei Welten durchwandert. Deshalb soll man den Geber des Melaka, den Geber der Schrift, o Herrin,

1.12 und den Vermittler ihrer Übung als Shiva betrachten und stets verehren. Viele Tantras habe ich gelehrt, Göttin, die du von den Göttern verehrt wirst,

1.13 doch in ihnen ist die todvernichtende Vollendung der Khechari nicht [vollständig] erklärt. Im Mahakala, im Martanda mit »Viveka« am Titelanfang, also Vivekamartanda, und im Shabara,

1.14 im sogenannten Vishuddheshvara sowie im Jalasamvara – in diesen hervorragenden Tantras ist ihre Übung dargelegt.

1.15 Melaka und das damit Zusammenhängende erscheinen dort teils deutlich, teils undeutlich. In diesem erhabenen göttlichen Tantra werden Melaka und die zugehörigen Dinge erklärt.

1.16 Was immer in der Lehre der Khechari erkannt werden soll und schwer zu verstehen ist: All dies haben wir hier aus Liebe zu dir erklärt.

1.17 Darum soll man diese wunderbare, von mir gelehrte Schrift erlangen. Sie ist geheim zu halten, große Herrin, und nicht überall bekanntzumachen.

1.18 Wer den aus dem Lotus meines Mundes hervorgegangenen Nektar der Schrift ausspricht, ist wahrhaft ein Guru. Wer ihn darüber hinaus seinem Sinn nach kennt,

1.19 gilt als noch höherstehend; kein Guru steht über ihm. Wer diese geheime Schrift erlangt hat, soll sie anderen nicht wahllos offenbaren.

1.20 Nach sorgfältiger Prüfung soll sie denen erklärt werden, die diesen Weg leben. Wer aber diese höchste Schrift hier und dort unterschiedslos bekanntmacht,

1.21 wird, Göttin, auf Shivas Geheiß rasch von Yoginis verschlungen. Ohne die Kaula-Darbringung vollzogen zu haben, soll man nicht einmal die Verschnürung dieses Buches lösen.

1.22 Verehrt, in ein schönes Tuch gehüllt und mit vorzüglichem Räucherwerk beräuchert, soll die Schrift an einem abgeschiedenen Ort einem im Yoga bewanderten Yogi zu Gehör gebracht werden.

1.23 In einem Haus, in dem diese Schrift unverehrt liegt, entstehen, so heißt es, gewiss Bedrängnisse durch Feuer, Krankheit, schädliche Mächte und Feinde.

1.24 Wo dieser Text dagegen verehrt im Haus liegt, Parvati, wohnen die Gottheiten des Kula, die alle erstrebten Güter gewähren.

1.25 Darum soll der Wissende sie mit aller Sorgfalt bewahren. Der Yogi, der diese von mir genannten Vollendungen erstrebt,

1.26 soll dieses Buch mit seinem ganzen Wesen hüten. Wo das Buch selbst gegenwärtig ist, Göttin, bin ich sein Guru.

1.27 Die guten und schlechten Folgen des Umgangs mit dem Buch habe ich dir, große Herrin, deutlich erklärt. Höre nun von Khechari.

1.28 Man gehe dorthin, wo ein Guru weilt, der den göttlichen Yoga zur Vollendung führt, und empfange von ihm die Khechari-Vidya.

1.29 Zuerst soll man die von ihm gelehrte Übung sorgfältig und unermüdlich ausführen. Ich werde nun die Khechari-Vidya erklären, die Vollendung im Yoga gewährt.

1.30 Ohne sie hat der Yogi keinen Anteil an der Vollendung der Khechari. Wer Khechari mit der Khechari-Formel verbindet, der ihr Bija vorangestellt ist,

1.31 wird zum Herrn der im Raum Wandelnden und weilt stets unter ihnen. [Zur Gewinnung des Bija:] Die Wohnstätte der Raumwandler, das Feuer, geschmückt mit dem Kreis der Mutter,

1.32 wird als Khechari-Bija bezeichnet; durch dieses gelingt der Yoga. [Es folgt eine weitere Lautverschlüsselung:] die »Kopf« Genannte, die große Chanda, versehen mit Shikhi, Vahni, Ka und Vajra.

1.33 Mit dem vorher genannten Bija verbunden, ist dies die überaus schwer erhältliche Vidya. Ich werde die sechsgliedrige Vidya erklären; mit ihr, durch sechs Vokale unterschieden,

1.34 soll man vorschriftsgemäß [die zugehörige Einsetzung] vollziehen, Göttin, um alle Vollendungen zu erlangen. Vom Somesha aus soll man rückwärts den neunten Laut herausnehmen.

1.35 Von diesem aus wird der dreißigste Laut genannt, von Mondgestalt. Von dort wiederum nehme man, Geliebte, rückwärts den achten weiteren Laut.

1.36 Ebenso dessen fünften, Göttin, und wiederum den fünften von dessen Anfang aus. Auch Indra, mit Bindu versehen: Dies wird als Lautgruppe bezeichnet.

1.37 Sie ist durch die Unterweisung des Gurus zu erlangen und verleiht Erfolg in allen Welten. Die im Körper entstehende, entstellende und in den Sinnesorganen gründende Maya des Übenden,

1.38 tritt bei ihm nicht einmal im Traum auf, wenn er täglich zwölfmal rezitiert. Wer diese Vidya mit strenger Selbstbeherrschung fünfhunderttausendmal rezitiert,

1.39 bei dem stellt sich die Vollendung der ehrwürdigen Khechari von selbst ein. Alle Hindernisse vergehen, und die Gottheiten werden gnädig.

1.40 Auch Falten und graues Haar werden verschwinden, daran sei kein Zweifel. Nachdem man so die große Vidya erlangt hat, soll man die Übung [unter Anleitung] aufnehmen.

1.41 Andernfalls müht man sich nur ab, Göttin, ohne die Vollendung im Zustand der Khechari zu erreichen. Sollte man während der Übung die nektarvolle Vidya noch nicht erlangen,

1.42 soll man sie dann zu Beginn des Sammelaka empfangen und sorgfältig rezitieren. Ohne sie, Göttin, wird man niemals der Vollendung teilhaftig.

1.43 Sobald diese Lehrschrift erlangt ist, soll man sich der Vidya zuwenden. Dann erlangt man rasch die darin gelehrte Vollendung, Geliebte.

1.44 Der Selbstkundige soll sieben Tage lang den Gaumenansatz reiben und nach der von seinem Guru gelehrten Art alle Unreinheit beseitigen.

1.45 Dann soll er ein sehr scharfes, glattes und sauberes Instrument von der Gestalt eines Snuhi-Blattes nehmen und damit eine haarbreite Stelle [des Zungenbändchens] einschneiden.

1.46 Nach dem Schnitt soll er mit pulverisiertem Steinsalz und Pathya einreiben. Nach sieben Tagen soll er erneut eine haarbreite Stelle einschneiden.

1.47 So soll er schrittweise sechs Monate lang beharrlich verfahren. Nach sechs Monaten löst sich, dem Text zufolge, die bandartige Bindung am Zungenansatz.

1.48 Dann soll der Yogi die Spitze der Wohnstätte der Göttin der Rede [die Zungenspitze] mit einem Tuch umwickeln und langsam herausziehen; dabei soll er die Regeln über Zeit und Zeitpunkt kennen.

1.49 Durch tägliches Ziehen während weiterer sechs Monate erreicht sie, Geliebte, den Bereich zwischen den Augenbrauen und seitwärts die Ohröffnung.

1.50 Nach unten erreicht sie bei schrittweisem Vorgehen den Kinnansatz. Nach weiteren drei Jahren gelangt sie dann mühelos

1.51 nach oben bis zum Haaransatz und seitwärts bis zur Schläfe, Geliebte, nach unten bis zur Kehlgrube. Nach weiteren drei Jahren

1.52 bleibt sie bis zum Brahmarandhra herumgebogen, von den Unsterblichen Verehrte. Seitwärts reicht sie bis zum Hinterkopfbereich und nach unten bis in die Kehlöffnung.

1.53 Die Übung soll nur langsam durchgeführt werden, niemals auf einmal. Wer sie auf einmal durchführt, dessen Körper geht zugrunde.

1.54 Darum soll schrittweise geübt werden, du Schöne. Wenn die Zunge auf dem äußeren Weg die Brahma-Öffnung erreicht,

1.55 soll man den selbst für die Götter schwer zu durchbrechenden Brahma-Riegel mit der Fingerspitze reiben und die Zunge dort einführen, Göttin.

1.56 Wenn man drei Jahre so verfährt, dringt man in das Brahma-Tor ein. Sobald dieses betreten ist, soll man das Mathana sorgfältig beginnen.

1.57 Einige Kundige erreichen die Vollendung auch ohne Mathana. Wer den Khechari-Mantra verwirklicht hat, gelangt ohne Mathana zum Ziel.

1.58 Wer Rezitation und Mathana verbindet, erlangt rasch die Frucht. Ein kleines Stäbchen aus Gold, Silber oder Eisen

1.59 soll nach dieser historischen Anweisung mit einem festen, glatten Faden an der Nasenöffnung eingesetzt werden. In einer festen Sitzhaltung soll der Übende die Lebenskräfte im Herzen zurückhalten

1.60 und langsam das Mathana ausführen, während er die Augen auf die Brauenmitte richtet. Nach sechs Monaten stellt sich dadurch der mit Mathana verbundene Zustand ein.

1.61 Für den Yogi, dessen Lebenskraft vollständig gesammelt ist und dessen ganzes Wesen darin aufgeht, entsteht dann ein Zustand wie der Tiefschlaf von Kindern.

1.62 Mathana wird nicht ständig empfohlen; man soll es von Monat zu Monat ausführen. Mit der Zunge dagegen soll man den Weg regelmäßig durchschreiten, Göttin.

1.63 So tritt nach zwölf Jahren die Vollendung ein, höchste Herrin. Im eigenen Körper sieht man das ganze Weltall, ohne Trennung vom Selbst.

1.64 Den großen Weg im Brahmanda, oberhalb des Rajadanta und in der Brauenmitte, soll man als Trikuta erkennen, den von Vollendeten aufgesuchten Ort.

1.65 Dorthin, zu dem einer Kichererbsensprosse gleichenden [Ort], soll man den Geist richten und mit der Zunge den dort fließenden höchsten Nektar lecken.

1.66 Auf diesem allmählichen Übungsweg soll man vier Jahre trinken, Geliebte. Falten und graues Haar vergehen, und höchste Vollendung entsteht.

1.67 Man versteht den Sinn aller Lehrschriften und lebt tausend Jahre. Vollendungen bezüglich verborgener Schätze, unterirdischer Räume, der Erde und der Alchemie

1.68 stellen sich beim Yogi nach fünf Jahren ein, Parvati. Nachdem der Yogi mit der Zunge das fließende Nektarwasser gründlich

1.69 getrunken hat, soll er zwölf Jahre fastend verweilen, in sich ruhend und an sein Gelübde gebunden. Durch diesen Übungs-Yoga wird er frei von Falten und grauem Haar.

1.70 Mit einem diamantfesten Körper lebt der große Yogi hunderttausend Jahre und besitzt, Geliebte, die Kraft von zehntausend Elefanten.

1.71 Er sieht und hört in die Ferne, vermag zu hemmen und zu begnadigen und ist überall mächtig.

1.72 Diese Vollendungen entstehen, Göttin, in der Brauenmitte. Man soll die Zunge in den Raum legen und die Zahnreihen aufeinanderpressen.

1.73 Den Mund zur Form eines Krähenschnabels gemacht, soll man jenen Nektar trinken. Durch ein Jahr dieses Trinkens werde man, so die Verheißung, frei von Alter und Tod.

1.74 Man erlangt den Zustand eines Raumwandlers und lebt, solange Mond und Sterne bestehen. Magische Sandalen, Schwert, Vetala, wirksame Substanzen und Manahshila,

1.75 Augensalbe, unterirdischer Zugang, dienender Geist und Yakshini: Was immer es in den drei Welten an überlieferten Wegen zu besonderen Kräften gibt, all dies verwirklicht der vorzüglichste Praktizierende rasch.

Kolophon: So endet der erste Abschnitt der Khechari-Vidya im Gespräch zwischen Uma und Maheshvara, im vom ehrwürdigen Adinatha verkündeten Mahakala-Yogashastra.

Zweiter Paṭala: deutsche Übersetzung

2.1 Dort, wo das schwer zu erkennende Tor mit dem Brahma-Riegel liegt, große Herrin, befindet sich eine höchste Vierheit von Kalas, die den vier Lebenszielen entspricht.

2.2 Im Osten liegt die Kala namens Krita, im Süden Gupta, im Westen Shiva und im Norden Paraparashiva.

2.3 Wenn der Yogi dieses Tor mit der Zungenspitze durchbricht und den Nektar der östlichen Kala trinkt, wird er nach einem Monat zum Herrn des Dharma.

2.4 Wenn der Yogi rechts mit der Zunge den Nektar der Gupta leckt, wird er nach nur einem Monat, so die Verheißung, unmittelbar zum Herrn des Wohlstands.

2.5 Wenn er mit der Zunge den Nektar der westlichen Kala trinkt, wird der große Yogi nach einem Monat zum Herrn des Kama.

2.6 Wenn er den Nektar der nördlichen Kala trinkt, erlangt er die Herrschaft über die höchsten Wesen.

2.7 Wenn der höchste Yogi den im oberen Bereich, im Brahmarandhra verborgenen höchsten Nektar trinkt, wird er als Shiva zu Lebzeiten befreit.

2.8 Wenn man diese Übung Monat für Monat zwölf Jahre lang ausführt, wird man von allen Krankheiten frei, allwissend und von Weisen verehrt.

2.9 Der Yogi wird in dieser Welt wie Shiva, frei von Alter und Tod. Nachdem er immer wieder das Nektarwasser der vier Kalas getrunken hat, große Herrin,

2.10 soll er die Zunge in den Brahma-Ort führen und Nektar trinken: wohlschmeckend, kühl, herzerfreuend, milchfarben und ohne Schaum.

2.11 Durch nur einen Monat dieser Anwendung wird er selbst gottgleich. Nach zwei Monaten versteht er den Sinn aller Lehrschriften vollständig, Parvati.

2.12 Nach drei Monaten wird er frei und selbstbestimmt wie Shiva, o Shiva. Nach vier Monaten, große Herrin, stellt sich Allwissenheit ein.

2.13 Im fünften Monat sieht der große Siddha sogar die drei Welten. Im sechsten wird er von der wirklichen Fülle höchster Glückseligkeit erfüllt,

2.14 und ohne Zweifel zu Lebzeiten befreit, du Höchste und Nicht-Höchste. Im siebten Monat hält er sich unter großen Geistern, Pishachas, Schlangenwesen und Rakshasas auf,

2.15 stets nach eigenem Willen und frohen Gemüts. Wenn der achte Monat abgelaufen ist, kommt es zur Begegnung mit den Göttern.

2.16 Im neunten Monat entstehen Unsichtbarkeit und Feinheit. Im zehnten die Fähigkeit, beliebige Gestalt anzunehmen und alle Welten zu erhellen.

2.17 Im elften wird er zum Kenner der drei Zeiten und zum mächtigen Herrn aller Welten, gleich Shiva, Göttin. Dies habe ich als wahr ausgesprochen.

2.18 Den als Chulitala bezeichneten Ort nennt man Kedara, o Herrin. Dort sind acht Mond-Kalas bekannt, du von den Helden Verehrte.

2.19 Die erste ist Amrita, Göttin, die zweite heißt Manada; dann folgen Pusha, Tushti, Pushti, Rati und Dhriti,

2.20 und Shashini als achte. Sie alle sind große Ozeane höchsten Nektars. Wenn der Yogi die Zunge ihrem Sitz zuwendet,

2.21 fließt dort ein achtfacher kühlender Strom. Indem dieser den Leib überflutet, vergehen dessen Krankheiten.

2.22 Nach acht Monaten entsteht das Raumwandler-Sein. Der als Brauenmitte bekannte Sitz wird Mondkreis genannt.

2.23 Dort wird eine Vierheit von Kalas gelehrt, eine Wohnstätte höchsten Nektars. Ihre Namen sind Chandrika, Kanti, Jyotsna und Shri.

2.24 Dorthin soll der Yogi die Zunge führen und wieder und wieder trinken. Nach vier Monaten wird er frei von Bedrängnissen.

2.25 Durch Überflutung und Trinken wird sein Körper wahrhaft diamantfest. Oberhalb davon liegt die »Vajrakanda« genannte feste Stelle, der Kreis der Raumwandler.

2.26 Man soll ihn am Ende der Stirn erkennen. Dort befinden sich drei Kalas, Göttin: Priti, Angada und Purna. Dorthin soll man die Zunge führen.

2.27 Mit der Zunge soll man den kühl wie ein Milchstrom fließenden Nektar trinken. Nach drei Monaten, Herrin der Götter, ist man frei von allen Krankheiten,

2.28 von keiner Waffe zu schneiden und durch kein Mittel zu durchbrechen; durch gewöhnliche, auf vielfältige äußere Gegenstände gerichtete Erkenntnis nicht zu erfassen.

2.29 Durch die Macht der Vajrakanda wird man wahrhaft Bhairava gleich. Unter der Nase und oberhalb der Unterlippe liegt der große Ort Rajadanta.

2.30 Dort befinden sich die beiden Kalas Purnamrita und Shitala, Göttin. Im Zustand des Kumbhaka soll man sie mit der Zungenspitze berühren.

2.31 Dort entsteht wohlschmeckendes kühles Wasser, Göttin. Den Geist darauf gerichtet, soll der an sein Gelübde Gebundene es drei Monate lang trinken.

2.32 Er erlangt Alterslosigkeit und Unsterblichkeit, frei von allen Krankheiten. Der Ort zwischen After und Hoden wird Adhara genannt.

2.33 Dort werden fünf Kalas gelehrt, aus denen höchster Nektar strömt: Sudha, Sudhamayi, Prajna, Kalaghni und Jnanadayini.

2.34 Diese fünf nektarströmenden Kalas verleihen alle Vollendungen. Dort wohnt die höchste ursprüngliche Kraft, Kundalini, o Shiva.

2.35 Dort soll man durch Kontraktion und Kumbhaka, du von Göttern Verehrte, mittels der Wurzelkraft den dort befindlichen kühlen Nektar erreichen,

2.36 ihn durch die Sushumna aus den Lotussen, beginnend mit Svadhishthana, heraufführen und sich [den Körper] bis zum Brahmanda von diesem Nektarregen durchtränkt vorstellen.

2.37 Nachdem die höchste Kraft Shri Kundali den dortigen Nektar aufgenommen hat, nimmt sie den Sushumna-Weg und gelangt bis zur Brahma-Wohnstätte.

2.38 Man soll sie sich von der Sättigung mit dem Nektar der fünf Wurzel-Kalas durchdrungen vorstellen, während sie den Körper von den Füßen bis zum Scheitel erfüllt.

2.39 Durch fünfmonatige Anwendung erfolgt die Auflösung der fünf Elemente. Durch Übung zu den drei Tageszeiten wird man wahrhaft Shiva gleich.

2.40 Der Ort des Geschlechtsorgans, Göttin, heißt Svadhishthana. Dort werden drei aus göttlichem Nektar bestehende Kalas gelehrt.

2.41 Sie heißen Susukshma, Paramahlada und Vidya. Wie zuvor soll man in Kumbhaka eintreten und die Kraft erwecken,

2.42 sie bis zum Brahmanda führen und den eigenen Körper überfluten. Nach drei Monaten erlangt der Yogi die zuvor genannte Frucht.

2.43 Der Bereich zwischen After und Penis wird Venudanda genannt. Dort wird eine Vierheit von Kalas gelehrt, deren Wesen höchster Nektarsaft ist.

2.44 Sie heißen Sushita, Mahatripti, Palitaghni und Valikshaya. Man soll dort die Kraft erwecken und wie zuvor den Körper überfluten.

2.45 Nach vier Monaten dieser Anwendung erlangt man die zuvor genannte Frucht. Pingala führt die Sonne, Ida führt den Mond.

2.46 Die Sonne heißt Giftträger, der Mond Nektarträger. Übung wird sowohl im sogenannten Sonnen- als auch im Mondkanal empfohlen.

2.47 [Die Textstelle über Dharana im Mondkanal ist unsicher.] Der Yogi soll Kumbhaka ausführen und durch den Mondkanal seinen Körper mit Atem füllen.

2.48 Das Ausströmen durch den Sonnenkanal wird zur Kräftigung des Körpers empfohlen. So habe ich dir, Göttin, den vierfachen Kala-Ort erklärt.

2.49 Nun werde ich den großen Ort des höchsten Nektars erklären. An der Stirn befindet sich die Vajrakanda, leuchtend wie der Mond,

2.50 viereckig, mit der Silbe laṃ im Innern. Dort ist der höchste Gott Shiva, mit Shakti vereint, den Gottheiten und Yogis verehren.

2.51 Am Chulitala, große Göttin, befindet sich ein Dreiecksmandala, strahlend wie hunderttausend Sonnen; in dessen Mitte Shiva als Linga,

2.52 mit raṃ im Zentrum, der Höchste, von seiner eigenen Shakti umarmt und von Scharen von Gottheiten umgeben. So soll man ihn schauen, höchste Herrin.

2.53 An der rechten Schläfe, du Beglückte, [schaue man einen Kreis] mit sechs Punkten, rauchfarben und mit yaṃ im Innern, und darin Maheshvara,

2.54 in Linga-Gestalt, mit seiner Shakti vereint und von seinem Gefolge umgeben. An der linken Schläfe befindet sich, o Shiva, ein halbmondförmiges Mandala mit einem Lotus,

2.55 mit vaṃ im Innern und fest im Zentrum. Darin ist ein nektarvolles Linga, weiß wie Kuhmilch, leuchtend wie zehntausend Herbstmonde,

2.56 mit seiner eigenen Shakti vereint, von allen Gottheitenscharen verehrt. So habe ich dir, Göttin, die Orte in den vier Richtungen genannt.

2.57 In ihrer Mitte liegt ein großer Kreis mit haṃ im Innern, Parvati. Dort weilt der höchste Herr Shambhu mit seiner eigenen Shakti,

2.58 in Linga-Gestalt, mit Gefolge, strahlend wie zehn Millionen Sonnen. Der Herr der Erde liegt an der Stirn, der Herr der Sonne im Westen,

2.59 der Herr des Windes an der rechten Schläfe, der Herr des Wassers links, o Shiva; in der Mitte der Herr des Raumes. Dies sind die fünf von mir gelehrten Shambhu-Orte.

2.60 Vier Fingerbreiten oberhalb des Hauptes des Raumherrn befindet sich inmitten eines Lichtkreises, leuchtend wie zehn Millionen Monde,

2.61 ein Gefäß göttlichen Nektars, unten durch eine verschlossene Tür gesichert: der obere Mond, ein großer unzerbrechlicher Fels, die Wohnstätte des Nektars.

2.62 Inmitten des kühlen Nektars liegt verborgen ein Linga, Herrin, fein wie ein schwebendes Staubteilchen, strahlend wie zehn Millionen Monde,

2.63 jenseits von Verwerfen und Ergreifen, die Finsternis des Nichtwissens vertreibend. Um das höchste Prinzip zu erkennen, soll man die fünf Orte überschreiten,

2.64 und mit Kumbhaka die nach oben gerichtete Vagisha [Zunge] gemeinsam mit dem Geist zur unteren Tür des höchsten Nektargefäßes ausstrecken.

2.65 Der Yogi, dessen Pranaströmung angehalten ist, soll den Riegel mit der Zunge mühelos öffnen, nachdem er ihn gemeinsam mit dem Geist erreicht hat.

2.66 Dort soll er den milchigen Nektar trinken, kühl, kalt und süß wie Zuckerrohrsaft: den Yoga-Trank, der selbst den Göttern schwer zugänglich ist.

2.67 Durch diesen Nektar vollkommen gesättigt, erreicht er den höchsten Zustand und die Vereinigung mit Unmani im Innern des Brahmanda.

2.68 Durch Yoga soll der Yogi das aus Nada und Bindu bestehende »Fleisch« verzehren. Dieses Geheimnis, Herrin der Götter, gilt als schwer zugänglich.

2.69 Die Frucht, die der allwissende Shiva in der Überlieferung der Lehrschriften verheißen hat, erlangt man wahrhaft nach sechs Monaten; daran sei kein Zweifel.

2.70 Wer zwar eine Folge von Siddhis erlangt hat, diesen Yoga aber nicht kennt, dem soll der nach Vollendung Strebende nichts [von diesem Geheimnis] mitteilen, Herrin.

2.71 Denen, die weder Guru und Gott noch die in der Schrift gelehrten Verpflichtungen achten und sich Heuchelei und Hinterlist hingeben, soll man die Schrift nicht überlassen.

2.72 Am Zungenansatz liegt, Göttin, das aus aller Glut bestehende Feuer, an der Spitze die Sonne; der Mond befindet sich in der Stirnmitte.

2.73 Wer dies wahrhaft kennt, gelangt zur Vollendung. Nachdem man den Feuerkreis durch Mathana angeregt und sorgfältig erweckt hat,

2.74 soll man mit der von der Sonne beherrschten Zungenspitze den Stirnmond erreichen, der durch die Hitze jenes Feuers verflüssigt worden ist.

2.75 Den aus dem Mond geschmolzenen kühlen höchsten Nektar, Göttin, der aus der Nasenöffnung austritt, soll man in einem Gefäß auffangen.

2.76 Durch Einreiben des Körpers damit entsteht, so der Text, Reinigung der Nadis. Die aus After und Geschlechtsorgan abgegebenen [Stoffe] sowie den ausgetretenen Amari-Saft soll man in einem Gefäß

2.77 mit dem »Achselnektar« vermischen und mit Lippensäften zubereiten. Durch Einreiben des Körpers damit wird der Yogi, so die historische Verheißung, in der Welt frei von Krankheit,

2.78 kräftig und frei von Falten und grauem Haar. Nach Reiben des Zungenansatzes soll man mit der dort entstandenen reichlichen Flüssigkeit

2.79 zuerst den eigenen Körper einreiben. Nach einem halben Jahr sei die Zunge um vier Fingerbreiten gewachsen, daran sei kein Zweifel.

2.80 Mit den Fingern der rechten Hand soll man die Zunge nach oben ziehen, o Shiva, und mit denen der linken Hand die Ghantika [das Zäpfchen bzw. den zugehörigen Bereich] öffnen bzw. aufspreizen.

2.81 Nachdem der aufwärts gerichtete Feuersitz allmählich durch Mathana bewegt wurde, soll man oberhalb von Trikuta, im Mondbereich, Shivas Wohnstätte aufsuchen.

2.82 Damit ist dir die todvernichtende Khechari Mudra erklärt. Für den, der auf diese Weise übt, entstehen jedoch Hindernisse,

2.83 vier Arten von Bhata-Störungen und ebenso Nata-Störungen. Auszehrung des Körpers, Hunger und Trägheit, Juckreiz und Hautverfärbung

2.84 sind die Anzeichen des Bhata. Höre die dagegen angegebenen Mittel. Nachdem man den Geist von Gegenständen gelöst hat, soll man drei Monate lang mit Amari-Saft

2.85 den Körper einreiben; dadurch gedeihe er. Je dreimal soll die Einreibung bei Tag und bei Nacht erfolgen.

2.86 Wenn man die Zunge aufwärts zum Vajrakanda-Ort richtet und dessen Nektar leckt, schwinden Hunger und Trägheit.

2.87 Nimmt man jenen Nektar und Amari, Göttin, und reibt den Körper damit ein, verschwinden, dem Text zufolge, Verfärbung und Juckreiz.

2.88 Auch die Nata-Störungen sind vierfach und zeigen sich auf verschiedene Weise, Geliebte: Augenleiden, Zittern der Glieder, Brennen und Schwindel.

2.89 Damit habe ich die erste Art genannt. Höre nun die zweite: Zahnschmerz, geringe Lebenskraft und Verlust der Leichtigkeit des Körpers.

2.90 Höre auch die dritte Art, Göttin: starkes Fieber, Kopfschmerz und eine Schleimstörung. Beachte nun die vierte:

2.91 Erbrechen, Atemstörungen, Blindheit der Augen und schwer bezwingbare Schläfrigkeit. Höre die dafür angegebenen Mittel.

2.92 Man soll Kundalini vom Muladhara in der Sushumna aufwärtsführen, die Zunge unbeweglich nach oben richten und Kumbhaka anwenden.

2.93 Durch die Erregung der Shakti, große Herrin, entsteht ein mächtiger innerer Klang. Wenn man diesen Nada hört, wird man befreit genannt.

2.94 Man soll sich den eigenen Körper von Nektar benetzt vorstellen, höchste Herrin. Durch einen Monat dieser Übung werde man von den zuerst genannten Störungen befreit.

2.95 Wenn man nach demselben Verfahren zwei Monate übt, hört man mit beiden Ohren den mächtigen Laut eines Elefanten.

2.96 Man soll sich den Körper wie zuvor vorstellen; so werde man von der zweiten Gruppe der Leiden frei. Nach drei Monaten hört man den Brahma-Klang und vergegenwärtigt sich [den Körper] wie zuvor.

2.97 So werde man von der dritten Gruppe der Störungen befreit, ohne Zweifel. Im vierten Monat hört man den Wolkenklang, der Aghora genannt wird,

2.98 und übt wie zuvor; so werde man von Schwindelstörungen befreit. Mit festem Geist soll man derart Meditation und Übung zu drei Tageszeiten

2.99 verwirklichen. Nach drei Jahren werde man wahrhaft alterslos und unsterblich. Die Beseitigung der vier Bhata-Störungen und der Nata-Störungen

2.100 habe ich erklärt. Höre Weiteres, Herrin der Götter: Vor einem Yogi, der in diesen Yoga eingegangen ist, in die friedvolle höchste Wirklichkeit, deren Wesen Glück ist,

2.101 und alle Prinzipien kennt, verneige ich mich selbst vor seinen Füßen. Zuerst kommt Chalana, Göttin, an zweiter Stelle Bhedana,

2.102 als drittes wird Mathana empfohlen und als viertes Praveshana. Man soll den Gaumenansatz reiben und die Zunge herausziehen, Geliebte:

2.103 dies soll man als Chalana erkennen. Das Durchbrechen des Brahma-Riegels nennt man Bhedana. [Die folgende Beschreibung des Mathana mit einem Faden ist textlich unsicher.]

2.104 [Wenn man nach Einführung eines Metallstifts das Mathana ausführt, soll man dies als Mathana erkennen.] Es fördere, Geliebte, das Wachstum des Yoga.

2.105 Nachdem man den Riegel geöffnet hat, soll man die Zunge nach oben in den Raum ausstrecken. Dies nennt man Pravesha, o Herrin, das die Vollendung des Yoga hervorbringt.

2.106 Durch das Durchbrechen des Brahma-Riegels und das Hinüberführen der Zunge entsteht, höchste Herrin, unverzüglich eine unmittelbare Erfahrung.

2.107 Zuerst entsteht ein Zustand der Freude, danach vermindert sich der Schlaf; geschlechtlicher Verkehr und Nahrungsaufnahme werden gering.

2.108 Gedeihen und Zunahme der Ausstrahlung entstehen, Geliebte. Alter, Tod, Krankheit und graues Haar bestehen nicht mehr.

2.109 Der Yogi wird zu einem, dessen Samen aufwärtsgerichtet ist, große Herrin, und besitzt die mit Anima beginnenden Fähigkeiten. Wenn er diesen Yoga unbeirrbar vollendet,

2.110 erlangt er die hier genannten Früchte vollständig, Parvati. An der Zungenspitze wohnen Shri und Vagisha, du von den Helden Verehrte.

2.111 Im Grundbereich des Zungenansatzes sind Bindung und Tod angesiedelt. Entwurzle diesen ganzen Ort von Bindung und Tod, Mutter der Scharen.

2.112 Mit ihrer Spitze soll man in die Mondwohnung eintreten, die ehrwürdiger Shambhu heißt. Durch diesen vom Geist getragenen Yoga, Göttin,

2.113 gelangt der Yogi in Unmani und findet darin Auflösung. Die Erfahrung dieser Auflösung entsteht unmittelbar, jenseits des Überlegens.

2.114 Den Geist auf die Zungenspitze gelegt, soll man mit dem Blick ihren Sitz erfassen und den Atem von der Wurzel auf dem Sushumna-Weg aufwärtsführen.

2.115 Der zur Brahma-Wohnstätte gelangte Yogi soll den Geist in die Leere setzen. So meditiere er über das höchste Prinzip, frei von Verwerfen und Ergreifen.

2.116 Vom Brahma-Ort strömt die überaus kühle Himmels-Ganga. Wer davon trinkt, bekomme nach nur einem Monat gewiss einen diamantfesten Körper.

2.117 Sein Körper, seine Sprache, sein Sehen, seine Einsicht und sein Hören werden wahrhaft göttlich, Göttin.

2.118 An der Zungenspitze soll man sich Vagisha vorstellen, leuchtend wie zehn Millionen Monde und mit höchstem Nektar gesättigt. Augenblicklich erlange man dichterische Ausdruckskraft.

2.119 Wenn der Yogi über Lakshmi an der Zungenspitze meditiert, erfreut durch höchsten Nektar, erlangt er, große Herrin, die souveräne Herrschaft des Yoga.

2.120 Fünf »Mitgeborene« sind in diesem [höchsten; Lesung unsicher] Körper bekannt. Wenn im Körper der Mutter aus dem väterlichen Ausfluss ein Leib entsteht,

2.121 entstehen sie zusammen mit ihm und wachsen im Körper mit. Als erste Mitgeborene gilt die ursprüngliche Kundalini-Shakti.

2.122 Die zweite heißt Sushumna, die dritte ist die Zunge, die vierte der Gaumenort und die fünfte der Brahma-Ort.

2.123 Man soll die erste Mitgeborene erheben und in die zweite einsetzen; die dritte soll man aufwärts in die vierte führen.

2.124 Nachdem man die vierte Mitgeborene durchbrochen hat, soll man in die fünfte eintreten. Diese schwer zu erkennende Unterscheidung habe ich gelehrt, Herrin des Kula.

Kolophon: So endet der zweite Abschnitt der Khechari-Vidya im Gespräch zwischen Uma und Maheshvara, im vom ehrwürdigen Adinatha verkündeten Mahakala-Yogashastra.

Dritter Paṭala: deutsche Übersetzung

3.1 Shiva sprach: [Man vergegenwärtige sich] die Kundalini-Kraft, die von der Wurzel in den Sushumna-Weg eingetreten ist, fein wie ein einzelner Spinnenfaden und strahlend wie zehn Millionen Sonnen.

3.2 Nachdem der Yogi den Weg der Ghantika betreten und mit der Zunge den Riegel des Shiva-Tores durchbrochen hat, soll er mit Kumbhaka, große Herrin,

3.3 in die aus sich selbst entstandene Wohnstätte eintreten, die wie zehn Millionen Sonnen strahlt, Geliebte. Dort, im großen Nektarozean mit seinen kühlen Wellen,

3.4 soll er Nektar trinken und ruhen. Mit einer von höchster Glückseligkeit erfüllten Einsicht soll er sich seinen Körper von diesem Nektar gesättigt vorstellen.

3.5 Durch diesen göttlichen Yoga entsteht göttliches Schauen. Raumwandler-Sein und das Schwinden aller Krankheiten werden verheißen,

3.6 ebenso das Überlisten des zeitbestimmten Todes und das Durchwandern der drei Welten. Mit Anima und weiteren Kräften ausgestattet wird man gewiss ein Vollendeter.

3.7 Man erlangt die Herrschaft unter den Yogis, die Bewegung wird ungehindert, und man besitzt die Kraft von neuntausend Elefanten.

3.8 Man wird Shiva gleich, Göttin – wahrlich, wahrlich habe ich es gesagt. Zwischen Ida und Pingala liegt die lichtgestaltige Sushumna.

3.9 Dort ist das makellose Licht, frei von Farbe, Form und Eigenschaften; [dort ist] die höchste Kundalini, deren Gestalt einer schlafenden Schlange gleicht.

3.10 Ganga und Yamuna heißen Ida und Pingala. Zwischen Ganga und Yamuna soll man jene Shakti einsetzen,

3.11 bis zur Brahma-Wohnstätte, o Shiva, sie, deren Gestalt höchster Nektar ist. Wahrhaft wird man ganz zu ihr, selbst von beständiger Nektargestalt.

3.12 Die in Shivas Wohnstätte gelangte Shakti [erreicht] vom höchsten Herrn den höchsten Zustand. Durch den Genuss dessen vollkommen gesättigt und von höchster Glückseligkeit erfüllt,

3.13 übergießt sie den Körper des Yogi von den Fußsohlen bis zum Scheitel mit kühlendem, geschmeidigem, kaltem Nektar, höchste Herrin,

3.14 und kehrt auf demselben Weg wieder an ihren eigenen Ort zurück, o Shiva. Diesen geheimen Yoga habe ich erklärt, du von den höchsten Yogis Verehrte.

3.15 Der Yogi soll alle Lehrschriften und die Handlungen wie Rezitation und Feueropfer hinter sich lassen und, frei von Dharma und Adharma, Yoga üben.

3.16 Er soll die Zunge aufwärts richten und in Trikuta einsetzen: im Brahmanda, unterhalb der Brahma-Linie und oberhalb von Rajadanta.

3.17 Diesen Ort soll man als Trikuta erkennen. Dort befindet sich das hellstrahlende Linga, frei vom Ablauf der Zeit und selbst für die Götter schwer zu erkennen.

3.18 In Ida wird die Nacht verortet, in Pingala der Tag. Dort stehen Mond und Sonne, Göttin, beständig als Nacht und Tag.

3.19 Man soll das Linga weder bei Tag noch bei Nacht verehren. Man soll es vielmehr immer verehren, indem Tag und Nacht zum Stillstand kommen.

3.20 Denn dieses [Wechselspiel] von Tag und Nacht entspringt der Natur der Zeitfolge. Durch Stilllegung dieser Folge werde der zeitbestimmte Tod überwunden.

3.21 Man soll sich den eigenen Körper vom Zeitablauf befreit vorstellen, [das Linga] mit der Blüte der inneren Haltung verehren und mit dem Nektar der Lotusse sättigen.

3.22 Durch sechs Monate dieses Yoga werde man alterslos und unsterblich, erlange Allwissenheit und werde Shiva gleich, frei von Krankheit.

3.23 Nachdem man die aufwärts gerichtete Zunge am Gaumenansatz eingeführt und den dort entstandenen Nektar getrunken hat, soll man langsam mit zischendem Laut

3.24 Atem einziehen, o Shiva. Den Geist in den stützpunktlosen Zustand eingesetzt, soll der Yogi mit Unmani den natürlichen Yoga ausüben.

3.25 Dadurch werde der Yogi nach sechs Monaten alterslos und unsterblich. Das Kinn soll er, Göttin, an den Kreis der sechzehn Vokale anlegen,

3.26 die Augen auf die Brauenmitte richten und die Zunge aufwärts strecken. Durch das Anhalten von Ida und Pingala soll er den Kumbhaka-Zustand erreichen,

3.27 die Wurzelkraft erwecken und die sechs Lotusse durchbrechen. Die wie tausend Blitze leuchtende [Kraft] soll er in das Innere des Brahmanda,

3.28 in die Wohnstätte des kühlen Nektarozeans einsetzen und dort lange verweilen. Wenn der Yogi mühelos in der von Brahman erfüllten Wohnstätte ruht,

3.29 dann leuchtet jener Zustand im Körper auf, der wie leblos erscheint. Diesen Yoga soll man, Göttin, sieben Tage ausführen.

3.30 Dann werde man von Alter und Tod frei. Nach nur einem Monat dieser Anwendung lebe man, solange Mond und Sterne bestehen.

3.31 Wenn der Yogi mühelos die Brahma-Stadt durchbricht und weitergeht, erlangt er das Shiva-Sein, das von einem beständigen Körper geprägt ist, o Shiva.

3.32 Im Rad des Samsara trinkt er nicht erneut an der Brust einer Mutter. Wenn aber im Yogi der Entschluss entsteht, diesen Körper zu verlassen,

3.33 soll er einen festen Sitz einnehmen und sich lange die strahlende Wurzelkraft vorstellen, die zehn Millionen Sonnen gleicht, als Kenner des Selbst.

3.34 Die eigene bis zu den Fußsohlen ausgebreitete Lebenskraft soll er schrittweise zusammenziehen und an den Muladhara-Ort führen.

3.35 Dort soll er sich Kundalini-Shakti wie das Feuer der Weltauflösung vorstellen, wie sie Lebenskraft, Atem und Sinne verschlingt.

3.36 Nach Erreichen von Kumbhaka soll er sie, leuchtend wie ein Blitzring, von der Wurzel erheben und zum Svadhishthana-Ort führen, Herrin der Götter.

3.37 Der Gelübdetreue soll sie sich vorstellen, wie sie das gesamte dortige Leben verschlingt. Dann soll er sie, zehn Millionen Blitzen gleichend, rasch von dort erheben,

3.38 sie zum Manipura-Ort bringen und dort wie zuvor verfahren. Von dort wieder erhoben, soll er sie zum Anahata-Ort führen.

3.39 Dort kurz verweilend, Göttin, soll er sie wiederum als verschlingend schauen. Dann soll er sie erheben und in den sechzehnspeichigen Lotus setzen.

3.40 Auch dort soll der Kenner des Yoga-Weges sie wie zuvor schauen, Göttin. Von dort soll er sie zur Brauenmitte führen, [wo sie] wiederum die Lebenskraft verschlingt.

3.41 [Er schaue] die große Shakti, die die Lebenskraft verschlungen hat und wie zehn Millionen Sonnen strahlt. Gemeinsam mit dem Geist [soll] Vagishi den Brahma-Riegel augenblicklich durchbrechen,

3.42 und [der Yogi] soll im großen Ozean höchsten Nektars vollkommen ruhen. Den dort gegenwärtigen höchsten Shiva, Göttin, die höchste Ursache,

3.43 soll er mit Shakti verbinden und ihre Einheit vergegenwärtigen. Wenn er die Zeit überlisten will und ihre Abschnitte kennt,

3.44 soll er so lange glücklich dort verweilen, bis jene Zeit vergangen ist. Unterhalb des Riegels des Brahma-Tores hat die körperbezogene Zeit ihre Wirksamkeit;

3.45 oberhalb davon, Göttin, besitzt die Zeit keine Wirksamkeit. Wenn er erkennt, dass seine [Todes-]Zeit vorübergegangen ist,

3.46 soll er den Brahma-Riegel durchbrechen und Shakti zum Wurzelort zurückführen. Die aus dem Körper der Shakti hervorgehende eigene Lebenskraft samt den Sinnen

3.47 soll er wieder ihren jeweiligen Tätigkeiten zuweisen und mit gesundem Leib glücklich leben. Durch diesen Yoga soll er, Göttin, die herangekommene Todeszeit überlisten.

3.48 Wenn dagegen der Wunsch entsteht, den menschlichen Körper aufzugeben, soll der vollkommen Zufriedene den im Brahma-Ort gegenwärtigen Shiva

3.49 mit Shakti verbinden und, den Raum durchbrechend, in die Brahma-Platte eintreten. Das Raumelement [löse er] im großen Raum, das Windelement im großen Wind,

3.50 das Feuerelement im großen Feuer, das Wasserelement im Wasserbereich, das Erdelement im Erdbereich und den Geist im stützpunktlosen Zustand auf.

3.51 Die eigenen Sinne soll er in die Prinzipien ihrer Qualitäten, beginnend mit dem Raum, zurückführen. So das zum Samsara Gehörige aufgegeben, stützt er sich auf das höchste Prinzip,

3.52 unberührt von den fünf Elementen und allem Weiteren. Den Sonnenkreis durchbrochen, löst er sich im friedvollen höchsten Prinzip Shiva auf und wird Shiva.

3.53 Selbst nach Tausenden von Zehnmillionen Weltperioden erfolgt keine Rückkehr. Wenn er den Körper aber aus Gnade für die Welten nicht aufgibt,

3.54 gibt er ihn am Ende der Weltauflösung auf und ruht allein im eigenen Selbst. Dies ist Khechari Mudra, die Herrschaft über die Raumwandler verleiht,

3.55 und Geburt, Tod, Alter, Krankheit, Falten und graues Haar vernichtet. Eine dieser gleichende Vidya gibt es in keiner anderen Lehrschrift.

3.56 Das äußerst geheime Khechari-Melana soll man nicht offenbaren, Göttin. Den zugehörigen Übungs-Yoga habe ich aus Liebe zu dir erklärt.

3.57 Wer die Khechari genannte Göttin, die von allen höchsten Yogis verehrt wird, in dieser Welt nicht kennt, wird als Pashu bezeichnet, o Shiva.

3.58 Mag einer beständig üben, die drei Welten durchwandern und die aus dem Mund des Gurus empfangene Vidya praktizieren,

3.59 mag sein Geist stets auf Khechari-Melaka und das damit Verbundene gerichtet sein: Ohne meine Verehrung gelingt der große Yoga nicht.

3.60 Für diejenigen, die ohne meine Gnade sind, deren Geist auf meine Verunglimpfung gerichtet ist, für die mit Fesseln gebundenen Pashus, wird Yoga zur Mühsal.

3.61 Wer die vom allwissenden Shiva gelehrte Verehrung meiner selbst aufgibt und dennoch ständig übt, dem wird Yoga zum Verderben, Göttin.

3.62 Mit Hingabe soll man Shiva erfreuen, der alle Welten in sich umfasst, Göttin. Ist der Geist allein mir zugewandt, werden alle Gottheiten erfreut.

3.63 Darum soll man mich verehren und durch meine Gnade Khechari üben. Andernfalls gibt es nur Mühsal, keine Vollendung in Millionen Geburten.

3.64 Alle Mantras und Yogas gelingen, höchste Herrin, demjenigen, der mich beständig verehrt und dessen Geist allein mir zugewandt ist.

3.65 Darum soll man mich verehren, Göttin, damit alle Yogas gedeihen. Durch Khechari beglückt, soll der Yogi den Yoga ganz darin aufgehend ausüben,

3.66 an einem einsamen, von störenden Lebewesen und allen Bedrängnissen freien Ort, mit allen nötigen Mitteln versehen und frei von jeder Sorge.

3.67 Auf einem weichen Sitz soll er jede einzelne Übung nach der vom eigenen Guru gelehrten Weise ausführen und sich dabei auf dessen Wort stützen.

3.68 Diesen alle Yogas zur Vollendung führenden Yoga habe ich aus Liebe zu dir erklärt, große Herrin. Was möchtest du noch hören?

3.69 Die ehrwürdige Göttin sprach: Heil dir, Shambhu, der du durch wahre Hingabe erreichbar bist und die Mondsichel im Haar trägst! Du hast die geheime ehrwürdige Khechari-Vidya trefflich erklärt.

Kolophon: So endet der dritte Abschnitt der Khechari-Vidya im Gespräch zwischen Uma und Maheshvara, im vom ehrwürdigen Adinatha verkündeten Mahakala-Yogashastra.

Vierter Paṭala: deutsche Übersetzung

Historischer Rezepturabschnitt: keine Einnahme- oder Behandlungsanleitung. Unsichere Stoffnamen bleiben erkennbar; die abschließenden Heilsversprechen werden nicht medizinisch bestätigt.

4.1 Nun werde ich dir auch die überaus göttlichen Mittel erklären. Ohne ein solches Mittel wird der Yogi, so behauptet dieser Abschnitt, niemals Vollendung erlangen.

4.2 [Man verwende die Pflanze,] deren Name nach dem Kopf eines Bettelmönchs gebildet ist, und pulverisiere ihre Blätter, Blüten, Früchte, Stängel und Wurzeln. Man gebe sie jeweils portionsweise mit Buttermilch, saurem Reiswasser oder Milch sowie mit Honig, Zucker und anderem; [»Saftkreise« – Bezug unklar]. [Die verderbte Schlussstelle nennt das Schwinden grauer Haare, große Kraft, reichliche Wirksamkeit, Tatkraft und das Beseitigen von Krankheit; die genaue Satzverbindung bleibt offen.]

4.3 Im Hören werde man wie ein Eber, im Sehen wie Garuda; Nägel und Zähne seien diamantgleich. Jugendlich und so schnell wie der große Wind lebe man, solange Erde, Mond und Sterne bestehen.

4.4 Das Pulver der Varahi-Knolle soll mit Ghee und Rohzucker gegessen werden, um Kräftigung und Wachstum zu erlangen; mit Buttermilch beseitige es Hämorrhoiden, mit Kuhmilch Hautkrankheiten. Das Pulver soll mit Zucker und anderem, auch Honig, gegeben und Milch zweimal täglich getrunken werden. Nach zwei Jahren sei das Haar schwarz, Falten und graues Haar verschwunden. [Die anschließende Aussage über den Körper ist textlich verderbt.]

4.5 Der Kundige soll Guggulu mit Rizinusöl und Triphala sowie Schwefel einnehmen; dies wird als Mittel gegen Alter und Armut bezeichnet.

4.6 Ashvagandha, Sesam, schwarze Mungbohnen, Zucker und Vishvasarpika: Nach nur einem Monat der Anwendung soll es weder Krankheit noch Tod geben.

4.7 Mit den fünf [Mitteln] werde im fünften Monat Unsterblichkeit erlangt, Geliebte. Schwefel, Triphala und Kushtha, mit den drei Süßen vermischt,

4.8 soll man morgens nach dem Aufstehen einnehmen; nach sechs Monaten verschwänden Falten und graues Haar. Quecksilber, Schwefel, Göttin, Talaka und Manahshila,

4.9 Pulver von Kunashtika und Yashti, das »Rudra« Genannte sowie Mundika-Pulver: Mit den drei Süßen getränkt und eingenommen, solle dies nach einem Jahr zum Raumwandler machen.

4.10 Bhringa soll mitsamt der Wurzel getrocknet und pulverisiert werden, dazu schwarzer Sesam und die halbe Menge Amalaki. Mit den drei Süßen regelmäßig eingenommen, gebe es nach einem Jahr weder Krankheit noch Alter noch Tod.

4.11 Je ein Nirgundi-Blatt soll dreimal täglich gegessen werden. Nach zwölf Jahren werde man, Göttin, von Alter und Tod frei.

4.12 Von Nirgundi, Amala und Mundi soll man zu gleichen Teilen Pulver zubereiten. Mit Zucker, Ghee und Honig versehen, beseitige es nach einem Jahr Falten und graues Haar.

4.13 Mashaka, Schwefel, Gold, Talaka und Rudralochana: Mit den drei Süßen verbunden, verleihe dies nach einem Jahr Freiheit von Alter und Tod.

4.14 Rasa, den Ausfluss des Shalmali-Baumes und Schwefel soll man mit den drei Süßen morgens nach dem Aufstehen einnehmen. Nach sechs Monaten werde man alterslos und unsterblich.

Kolophon: So endet der vierte Abschnitt der Khechari-Vidya im Gespräch zwischen Uma und Maheshvara, im vom ehrwürdigen Adinatha verkündeten Mahakala-Yogashastra.

Wort-für-Wort-Erklärungen

Die Erläuterungen zerlegen bedeutungstragende Wörter und Wortgruppen. Zusammensetzungen werden ihrem Zusammenhang entsprechend erklärt; Sandhi-Verbindungen werden bei Bedarf aufgelöst. Häufige Partikeln sind im Lesehinweis oben zusammengefasst. Ein Wort kann je nach Stelle eine andere Bedeutung tragen.

Erster Paṭala: Worterklärungen

1.1 īśvaraḥ = der Herr; uvāca = sprach; atha = nun; devi = o Göttin; pravakṣyāmi = ich werde erklären; vidyām = Wissen, heilige Formel; khecarisaṃjñitām = Khechari genannt; yayā vijñātayā = durch deren Erkenntnis; loke 'smin = in dieser Welt; ajarāmaraḥ = nicht alternd und unsterblich.

1.2 mṛtyu-vyādhi-jarā-grastam = von Tod, Krankheit und Alter ergriffen; dṛṣṭvā = gesehen habend; viśvam = Welt; priye = Geliebte; buddhim = Einsicht, Entschluss; dṛḍhatarām = fester; kṛtvā = gemacht habend; khecarīm = Khechari; samāśrayet = man suche Zuflucht.

1.3 jarā-mṛtyu-gada-ghnīm = Alter, Tod und Krankheit vernichtend; yaḥ = wer; vetti = kennt; bhūtale = auf Erden; granthataḥ = aus dem Text; arthataḥ = dem Sinn nach; tad-abhyāsa-prayogataḥ = durch Anwendung ihrer Übung. Der Satz setzt sich in 1.4 fort.

1.4 tam gurum = diesen Lehrer; sarvabhāvena = mit dem ganzen Wesen; natvā = sich verneigt habend; samāśrayet = Zuflucht suchen; durlabhā = schwer zu erlangen; tadabhyāsaḥ = ihre Übung; ca = auch; durlabhaḥ = selten.

1.5 abhyāsaḥ = Übung; melakam = Zusammentreffen, hier besondere Begegnung bzw. Einweihungserfahrung; yugapat = gleichzeitig; naiva = keineswegs; sidhyati = gelingt; abhyāsa-mātra-nirataḥ = allein der Übung ergeben; na vindeta = findet nicht; iha = hier.

1.6 abhyāsāt = durch Übung; labhate = erlangt; janma-janma-antare = im Verlauf verschiedener Geburten; kva cit = irgendwann; melakam = Melaka; janmanām śatānte api = selbst am Ende von hundert Geburten; na labhyate = wird nicht erlangt. Die knappe Formulierung steht in Spannung zu 1.7; sie betont die Seltenheit.

1.7 abhyāsam kṛtvā = die Übung ausgeführt habend; bahujanmānte = nach vielen Geburten; sadbhāvasādhitam = durch rechte bzw. wahre Haltung verwirklicht; yogī = Yogi; janmāntare = in einer anderen Geburt; yadā = wenn; kāmī = der danach Verlangende; parameśvari = höchste Herrin.

1.8 tadā = dann; siddhim āpnoti = erlangt Vollendung; yad uktam = was gesagt ist; śāstrasaṃtatau = in der Folge der Lehrschriften; granthataḥ = durch die Schrift; arthataḥ = durch den Sinn; melakam labhate = erlangt Melaka; yadā = wenn.

1.9 śivatvam = Shiva-Sein; āpnoti = erlangt; vimuktaḥ = befreit; saṃsṛteḥ bhayāt = von der Furcht vor dem Daseinskreislauf; śāstram vinā = ohne die Lehrschrift; samāboddhum = vollständig zu verstehen; guravaḥ api = selbst Lehrer; na śaknuyuḥ = vermöchten nicht.

1.10 sudurlabhataram = außerordentlich schwer erhältlich; labhyam = zu erlangen; śāstram idam = diese Schrift; yāvat…tāvat = solange…so lange; granthaḥ = Text; gām imām = diese Erde; paryaṭet = man durchwandere; siddhiḥ kare sthitā = die Vollendung liegt in der Hand.

1.11 śāstreṇa vinā = ohne Lehrschrift; siddhiḥ = Vollendung; aṭataḥ api = selbst für einen Umherwandernden; jagattraye = in den drei Welten; tasmāt = deshalb; melakadātāram = Geber des Melaka; śāstradātāram = Geber der Schrift; īśvari = Herrin.

1.12 tad-abhyāsa-pradātāram = Vermittler jener Übung; śivam matvā = als Shiva betrachtend; sadā yajet = stets verehren; tantrāḥ bahavaḥ = viele Tantras; mayā proktāḥ = von mir gelehrt; surārcite = von Göttern Verehrte.

1.13 teṣu = in diesen; khecarīsiddhiḥ = Vollendung der Khechari; ākhyātā = erklärt; mṛtyunāśinī = todvernichtend; mahākālam = Mahakala; mārtaṇḍam vivekādyam = Martanda mit »Viveka« am Anfang, also Vivekamartanda; śābaram = Shabara. Die Identifikation der genannten Werke ist nicht durchweg sicher.

1.14 viśuddheśvarasaṃjñam = Vishuddheshvara genannt; tathā = ebenso; jālaśaṃvaram = Jalasamvara; eteṣu = in diesen; tantravaryeṣu = vorzüglichen Tantras; tadabhyāsaḥ = ihre Übung; prakāśitaḥ = offenbart, dargelegt.

1.15 kva cit = stellenweise; spaṣṭam = deutlich; aspaṣṭam = undeutlich; tanmelakādikam = jenes Melaka und Weiteres; asmin = in diesem; tantravare divye = vorzüglichen göttlichen Tantra; prakāśitam = dargelegt.

1.16 yad yat = was immer; jñeyam = zu erkennen; durjñeyam = schwer verständlich; khecarīmate = in der Khechari-Lehre; tat tat sarvam = all dies jeweils; iha = hier; asmābhiḥ = durch uns; tava prītyā = aus Liebe zu dir.

1.17 pralabhyeta = soll erlangt werden; mayā uktam = von mir gesprochen; adbhutam = wunderbar; gopanīyam = geheim zu halten; maheśāni = große Herrin; na sarvatra = nicht überall; prakāśitam = veröffentlicht, offenbart.

1.18 man-mukha-amburuhāt = aus dem Lotus meines Mundes; jātam = entstanden; śāstrāmṛtam = Nektar der Schrift; vadet = ausspricht; sa eva guruḥ = eben der ist ein Lehrer; satyam = wahrhaft; arthataḥ vetti = kennt dem Sinn nach.

1.19 adhikatamaḥ = am höchsten stehend; khyātaḥ = bekannt; na asti = es gibt nicht; tataḥ adhikaḥ = höher als dieser; labdhvā = erlangt habend; guhyam = geheim; anyeṣām = anderen; na prakāśayet = soll nicht offenbaren.

1.20 suvicārya = gründlich geprüft habend; pravaktavyam = zu erklären; etan-mārga-upajīvinām = denen, die auf diesem Weg leben; yaḥ = wer; paramam śāstram = höchste Lehrschrift; yatra tatra = hier und dort; prakāśayet = bekanntmacht.

1.21 śīghram = rasch; bhakṣyate = wird verschlungen; yoginībhiḥ = von Yoginis; śivājñayā = auf Shivas Befehl; granthim = Knoten, Verschnürung; na udgranthayet = nicht lösen; vinā = ohne; kaulikatarpaṇāt = rituelle Sättigung bzw. Darbringung im Kaula-Rahmen.

1.22 pūjitam = verehrt; śubhavastrastham = in schönem Tuch befindlich; divyadhūpasudhūpitam = mit vorzüglichem Räucherwerk beräuchert; śrāvayet = zu Gehör bringen; vijanasthāne = an einsamem Ort; yogine yogaśāline = einem mit Yoga vertrauten Yogi.

1.23 yasmin gṛhe = in welchem Haus; apūjitam = unverehrt; tiṣṭhati = liegt, verbleibt; agni = Feuer; rug = Krankheit; graha = ergreifende Macht, auch astrale Macht; arāti = Feind; pīḍā = Bedrängnis; niścitam = gewiss. Dies ist eine traditionelle Sanktionsdrohung.

1.24 yatra = wo; pūjitam grantham = verehrter Text; gṛhe = im Haus; pārvatī = Parvati; sarvārthadāyinyaḥ = alle Ziele bzw. Güter gewährend; vasanti = wohnen; kuladevatāḥ = Gottheiten des Kula, der spirituellen Familie.

1.25 sarvaprayatnena = mit jeder Bemühung; gopanīyam = zu bewahren, geheim zu halten; vijānatā = durch den Wissenden; mayā proktāḥ = von mir genannt; imāḥ siddhīḥ = diese Vollendungen; samīhate = erstrebt.

1.26 sarvabhāvena = mit ganzem Wesen; gopayet = soll hüten; pustakam idam = dieses Buch; aham = ich; tasya guruḥ = sein Lehrer; yatra āste = wo sich befindet; svayam = selbst.

1.27 guṇāguṇam = Vorzug und Nachteil; pustakasya rakṣaṇāt = hinsichtlich der Bewahrung des Buches; prakaṭam = deutlich; mayā proktam = von mir erklärt; idānīm = nun; khecarīm śṛṇu = höre von Khechari.

1.28 yatra āste guruḥ = wo ein Lehrer weilt; divyayogaprasādhakaḥ = Vollender des göttlichen Yoga; tatra gatvā = dorthin gegangen; tena uktām = von ihm gelehrt; vidyām khecarīm = Khechari-Vidya; saṃgṛhya = empfangen habend.

1.29 tena uktam = von ihm gelehrt; samyak abhyāsam = rechte Übung; kuryāt = ausführen; ādau = zuerst; atandritaḥ = unermüdlich; pravakṣye = ich werde erklären; yogasiddhidām = Yoga-Vollendung verleihend.

1.30 tayā rahitaḥ = ohne sie; siddhibhāk = an Vollendung teilhabend; khecaryā = durch Khechari, hier Mantra; khecarīm yuñjan = Khechari übend bzw. verbindend; khecarībījapūrvayā = mit vorangestelltem Khechari-Bija.

1.31 khecarādhipatiḥ = Herr der Raumwandler; bhūtvā = geworden; khecareṣu = unter den Raumwandlern; sadā vaset = stets weilen; khecarāvasatham = Wohnstätte der Raumwandler; vahnim = Feuer; ambāmaṇḍalabhūṣitam = mit dem Kreis der Mutter geschmückt. Die zweite Hälfte verschlüsselt Mantralaute.

1.32 vyākhyātam = erklärt, bezeichnet; khecarībījam = Khechari-Keimsilbe; tena = dadurch; yogaḥ prasidhyati = Yoga gelingt; mastakākhyā = »Kopf« genannt; mahācaṇḍā = große Chanda; śikhi-vahni-ka-vajra-bhṛt = Shikhi, Vahni, Ka und Vajra tragend. Auflösung und Segmentierung dieser Chiffren sind nicht eindeutig.

1.33 pūrvabījayutā = mit dem vorherigen Bija verbunden; vidyā = heilige Formel; atidurlabhā = äußerst schwer erhältlich; ṣaḍaṅgavidyām = sechsgliedrige Vidya; vakṣyāmi = ich werde erklären; ṣaṭsvarabhinnayā = durch sechs Vokale differenziert.

1.34 kuryāt = ausführen; yathānyāyam = entsprechend der Regel; sarvasiddhyāptihetave = zur Erlangung aller Vollendungen; someśāt = von Somesha aus; navamam varṇam = neunten Laut; pratilomena = in umgekehrter Reihenfolge; uddharet = herausnehmen.

1.35 tasmāt = von diesem aus; triṃśakam = dreißigster; akṣaram = Laut, Silbe; candrarūpakam = mondgestaltig; aṣṭamam varṇam = achter Laut; vilomena = rückwärts; aparam = weiteren. Die Zählung setzt eine bestimmte Lautordnung voraus.

1.36 tatpañcamam = dessen fünfter; tadādiḥ api pañcamaḥ = wiederum der fünfte, von dort beginnend; indraḥ = Indra, hier Lautchiffre; bindusaṃbhinnaḥ = mit Bindu versehen; kūṭaḥ = Lautgruppe, verschlüsselter Mantrakomplex; parikīrtitaḥ = erklärt.

1.37 gurūpadeśalabhyam = durch Lehrerunterweisung zu erlangen; sarvalokaprasiddhidam = Erfolg in allen Welten gewährend; yatasya = des sich Bemühenden; dehajā = im Körper geboren; māyā = Maya, Täuschungsmacht; virūpā = entstellt, entstellend; karaṇāśrayā = auf den Organen beruhend.

1.38 svapne api = selbst im Traum; na bhavet = tritt nicht auf; nityam = täglich; dvādaśajāpyataḥ = infolge zwölfmaliger Rezitation; pañca lakṣāṇi = fünf Hunderttausend; japet = rezitieren; atisuyantritaḥ = sehr streng beherrscht.

1.39 tasya = bei ihm; śrīkhecarīsiddhiḥ = Vollendung der ehrwürdigen Khechari; svayam eva = ganz von selbst; pravartate = tritt ein; naśyanti = vergehen; sarvavighnāni = alle Hindernisse; prasīdanti = werden gnädig; devatāḥ = Gottheiten.

1.40 valī = Hautfalte; palita = graues Haar; nāśaḥ = Verschwinden; bhaviṣyati = wird eintreten; na saṃśayaḥ = kein Zweifel; labdhvā = erlangt habend; mahāvidyām = große Vidya; abhyāsam kārayet = die Übung veranlassen, üben lassen; im Zusammenhang unter Lehrerführung aufnehmen.

1.41 anyathā = andernfalls; kliśyate = müht sich, leidet; na siddhiḥ = keine Vollendung; khecarīpade = im Khechari-Zustand; abhyāsavidhau = beim Übungsverfahren; vidyām = heilige Formel; na labheta = nicht erlangen sollte; sudhāmayīm = nektarvoll.

1.42 tataḥ = dann; saṃmelakādau = zu Beginn des Zusammentreffens bzw. Sammelaka; labdhvā = empfangen habend; samujjapet = intensiv rezitieren; anayā rahitaḥ = ohne sie; na kva cit = niemals; siddhibhāk = an Vollendung teilhabend.

1.43 yadā = sobald; idam śāstram = diese Lehrschrift; labhyate = erlangt wird; vidyām samāśrayet = bei der Vidya Zuflucht suchen; tatra uditām = darin genannt; siddhim = Vollendung; āśu = rasch; saṃlabhate = erlangt.

1.44 tālumūlam = Gaumenansatz; samudghṛṣya = gerieben habend; saptavāsaram = sieben Tage; ātmavit = Selbstkundiger; svagurūktaprakāreṇa = nach der vom eigenen Guru gelehrten Weise; malam sarvam = alle Unreinheit; viśodhayet = reinigen. Beginn der historischen körperlichen Verfahrensanweisung.

1.45 snuhīpatranibham = einem Snuhi-Blatt ähnlich; śastram = Schneidinstrument; sutīkṣṇam = sehr scharf; snigdhanirmalam = glatt und rein; samādāya = genommen habend; tena = damit; romamātram = ein Haarbreit; samucchinet = einschneiden. Historische Anweisung, keine Praxisempfehlung.

1.46 chittvā = geschnitten habend; saindhava = Steinsalz; pathyā = Pathya, gewöhnlich Haritaki; cūrṇitābhyām = mit beiden pulverisierten Stoffen; pragharṣayet = einreiben; punaḥ = wieder; saptadine prāpte = nach Ablauf von sieben Tagen; samucchinet = einschneiden.

1.47 evam krameṇa = so schrittweise; ṣaṇmāsam = sechs Monate; nityodyuktaḥ = stets bemüht; samācaret = verfahren; rasanāmūla = Zungenansatz; śirābandhaḥ = bandartige bzw. gefäßartige Bindung; praṇaśyati = vergeht.

1.48 atha = dann; vāgīśvarīdhāmaśiraḥ = Spitze des Sitzes der Göttin der Rede; vastreṇa veṣṭitam = mit Tuch umwickelt; śanaiḥ = langsam; utkarṣayet = herausziehen, verlängern; kālavelāvidhānavit = Kenner der zeitlichen Vorschriften.

1.49 punaḥ ṣaṇmāsamātreṇa = in weiteren sechs Monaten; nityasaṃkarṣaṇāt = durch tägliches Ziehen; sā abhyeti = sie erreicht; bhrūmadhyāvadhi = bis zur Brauenmitte; tiryak = seitwärts; karṇabilāvadhi = bis zur Ohröffnung.

1.50 adhaḥ = nach unten; cibukam mūlam = Kinnansatz; prayāti = gelangt; kramakāritā = schrittweise bearbeitet; saṃvatsarāṇām tritayāt = nach drei Jahren; līlayā = mühelos, spielend. Satzfortsetzung in 1.51.

1.51 keśāntam = bis zum Haaransatz; ūrdhvam = aufwärts; kramati = gelangt; śaṅkhāvadhi = bis zur Schläfe; adhastāt = nach unten; kaṇṭhakūpāntam = bis zur Kehlgrube; varṣatrayeṇa = innerhalb von drei Jahren.

1.52 brahmarandhrāntam = bis zum Brahmarandhra; āvṛtya = herumgebogen; tiṣṭhati = verbleibt; amaravandite = von Unsterblichen Verehrte; cūlitalam = Bereich unter dem Haarschopf, Hinterkopfbereich; kaṇṭhabilāvadhi = bis zur Kehlöffnung. Die Ortsbegriffe bilden die vormoderne Körperkarte des Textes ab.

1.53 śanaiḥ eva = ausschließlich langsam; prakartavyam = durchzuführen; abhyāsam = Übung; yugapat na = nicht auf einmal; yaḥ caret = wer verfährt; tasya śarīram = dessen Körper; vilayam vrajet = geht zugrunde.

1.54 śanaiḥ śanaiḥ = allmählich; kāryam = auszuführen; varavarṇini = du Schöne; yadā = wenn; bāhyamārgeṇa = auf dem äußeren Weg; jihvā = Zunge; brahmabilam = Brahma-Öffnung; vrajet = erreicht.

1.55 brahmārgalam = Brahma-Riegel; durbhedyam = schwer zu durchbrechen; tridaśaiḥ api = selbst für die Götter; aṅgulyagreṇa = mit der Fingerspitze; saṃghṛṣya = gerieben habend; jihvām = Zunge; tatra niveśayet = dort einsetzen.

1.56 evam = so; varṣatrayam = drei Jahre; kṛtvā = ausgeführt habend; brahmadvāram = Brahma-Tor; praviśyati = tritt ein; praviṣṭe = nach dem Eintritt; samyak = sorgfältig; mathanam ārabhet = das Reiben bzw. »Quirlen« beginnen.

1.57 mathanena vinā = ohne Mathana; ke cit = einige; sādhayanti = vollenden; vipaścitaḥ = Kundige; khecarīmantrasiddhasya = dessen, der im Khechari-Mantra vollendet ist; sidhyate = es gelingt.

1.58 japam = Mantrarezitation; mathanam = Reiben, Quirlen; kṛtvā = durchgeführt habend; śīghram = rasch; phalam = Frucht; svarṇajām = aus Gold; raupyajām = aus Silber; lohajām = aus Eisen; śalākikām = kleines Stäbchen.

1.59 niyojya = eingesetzt habend; nāsikārandhre = an bzw. in der Nasenöffnung; dṛḍhasnigdhena tantunā = mit festem, glattem Faden; prāṇān nirudhya = Lebenskräfte zurückgehalten habend; hṛdaye = im Herzen; dṛḍham āsanam āsthitaḥ = eine feste Sitzhaltung eingenommen habend.

1.60 śanaiḥ = langsam; mathanam kuryāt = Mathana ausführen; bhrūmadhye = in der Brauenmitte; nyasya cakṣuṣī = beide Augen gerichtet habend; ṣaṇmāsāt = nach sechs Monaten; mathanāvasthā = Mathana-Zustand; prajāyate = entsteht.

1.61 samyaksaṃruddhajīvasya = dessen Lebenskraft vollständig zurückgehalten ist; yoginaḥ = des Yogi; tanmayātmanaḥ = ganz darin aufgegangen; yathā = wie; suṣuptiḥ = Tiefschlaf; bālānām = von Kindern; tathā bhāvaḥ = ein solcher Zustand.

1.62 na sadā = nicht ständig; mathanam śastam = Mathana empfohlen; māse māse = jeden Monat; samācaret = ausführen; sadā rasanayā = regelmäßig mit der Zunge; mārgam = Weg; parisaṃkramet = durchschreiten.

1.63 dvādaśavarṣānte = am Ende von zwölf Jahren; saṃsiddhiḥ = vollkommene Verwirklichung; śarīre = im Körper; sakalam viśvam = das ganze Weltall; paśyati = sieht; ātmāvibhedataḥ = ohne Trennung vom Selbst.

1.64 brahmāṇḍe = im Brahmanda, Welt-Ei bzw. hier oberen Körperraum; mahāmārgam = großer Weg; rājadantordhvamaṇḍale = im Bereich oberhalb des Rajadanta; bhrūmadhye = zwischen den Brauen; vijānīyāt = erkennen; trikūṭam = Dreigipfel; siddhasevitam = von Vollendeten aufgesucht.

1.65 caṇakāṅkurasaṃkāśam = einer Kichererbsensprosse gleichend; tatra = dort; saṃyojayet manaḥ = den Geist ausrichten; lihan = leckend; rasanayā = mit der Zunge; sravantam = fließend; paramāmṛtam = höchster Nektar.

1.66 śanaiḥ = allmählich; abhyāsamārgasthaḥ = auf dem Übungsweg stehend; caturvarṣam = vier Jahre; pibet = trinken; valīpalitanāśaḥ = Verschwinden von Falten und grauem Haar; saṃsiddhiḥ paramā = höchste Vollendung; bhavet = entsteht.

1.67 sarvaśāstrārthavettā = Kenner des Sinns aller Lehrschriften; jīvet = lebt; varṣasahasrakam = tausend Jahre; khanyā-bila-mahīvāda-rasavāda-ādi-siddhayaḥ = Fähigkeiten im Umkreis von Schätzen, Höhlen, Erd- und alchemistischen Verfahren; die genaue Abgrenzung der Reihenglieder ist unsicher.

1.68 pravartante = stellen sich ein; pañcavarṣeṇa = innerhalb von fünf Jahren; samyak = gründlich, richtig; rasanayā = mit der Zunge; sravantam = fließend; amṛtodakam = Nektarwasser. Der Satz wird in 1.69 fortgesetzt.

1.69 saṃpītvā = vollständig getrunken habend; upavaset = fastend verweilen; svasthaḥ = in sich ruhend; vratasthaḥ = einem Gelübde folgend; dvādaśābdakam = zwölf Jahre; abhyāsayogena = durch den Übungs-Yoga; valīpalitavarjitaḥ = frei von Falten und grauem Haar. Keine Empfehlung zu Nahrungsverzicht.

1.70 vajrakāyaḥ = von diamantfestem Körper; mahāyogī = großer Yogi; varṣalakṣam = hunderttausend Jahre; jīvati = lebt; daśanāgasahasrāṇām = von zehntausend Elefanten; balena sahitaḥ = mit der Kraft ausgestattet.

1.71 dūradarśanaḥ = fernsehend; dūraśravaṇaḥ = fernhörend; nigraha = Hemmung, Bezwingung; anugraha = Begnadigung, Förderung; śaktaḥ = fähig; sarvatra = überall; balavān = mächtig.

1.72 etāḥ siddhayaḥ = diese Vollendungen; bhrūmadhye = in der Brauenmitte; saṃbhavanti = entstehen; ākāśe = im Raum; rasanām kṛtvā = die Zunge positioniert habend; dantapaṅktim = Zahnreihe; nipīḍayet = aufeinanderpressen.

1.73 kākacañcupuṭam = wie die Öffnung eines Krähenschnabels; vaktram = Mund; kṛtvā = gemacht habend; tadamṛtam pibet = jenen Nektar trinken; pānāt = durch Trinken; vatsarataḥ = nach einem Jahr; jarāmaraṇavarjitaḥ = frei von Alter und Tod.

1.74 khecaratvam = Raumwandler-Sein; avāpnoti = erlangt; ācandratārakam = solange Mond und Sterne bestehen; pādukā = Sandalen; khaḍga = Schwert; vetāla = leichenbelebender Geist; siddhidravya = magisch wirksamer Stoff; manaḥśilā = Manahshila, mineralischer Stoff im Siddhi-Kontext.

1.75 añjanam = Augensalbe; vivaram = Höhle, verborgener Zugang; ceṭakam = dienendes Geistwesen; yakṣiṇī = weibliches Yaksha-Wesen; yat kiṃ cit = was immer; siddhisamayam = überlieferter Weg zu einer Siddhi; bhuvanatraye = in den drei Welten; sahasā sādhayet = rasch verwirklichen; sādhakottamaḥ = bester Praktizierender.

Zweiter Paṭala: Worterklärungen

2.1 yatra = wo; brahmārgaladvāram = Tor mit Brahma-Riegel; durvijñeyam = schwer erkennbar; kalācatuṣkam = Vierheit von Kalas; tatrastham = dort befindlich; caturvargātmakam = aus den vier Lebenszielen bestehend; param = höchst.

2.2 pūrvabhāge = im östlichen Teil; kṛtā nāma = Krita genannt; guptā = Gupta; dakṣiṇagocarā = im Süden befindlich; śivā = Shiva; paścimadigbhāge = in westlicher Richtung; parāparaśivā = Paraparashiva; uttare = im Norden.

2.3 tad dvāram = dieses Tor; rasanāgreṇa = mit der Zungenspitze; bhittvā = durchbrochen habend; pūrvakalāmṛtam = Nektar der östlichen Kala; pibati = trinkt; māsāt = nach einem Monat; dharmādhipaḥ = Herr des Dharma.

2.4 guptāmṛtam = Nektar der Gupta; dakṣe = rechts; rasanayā lihet = mit der Zunge leckt; māsāt eva = nach einem Monat; na saṃdehaḥ = kein Zweifel; sākṣāt = unmittelbar; artheśvaraḥ = Herr des Wohlstands bzw. Artha.

2.5 paścimakalājātam = aus der westlichen Kala hervorgegangen; amṛtam = Nektar; jihvayā pibet = mit der Zunge trinken; yadā…tadā = wenn…dann; mahāyogī = großer Yogi; māsāt = nach einem Monat; kāmeśvaraḥ = Herr des Begehrens bzw. Kama.

2.6 uttarasthakalājātam = aus der im Norden befindlichen Kala entstanden; amṛtam prapibet = Nektar trinkt; tadā asau = dann dieser; parameṣṭhīnām = der höchsten Wesen; ādhipatyam = Herrschaft; avāpnuyāt = erlangt.

2.7 tadūrdhvamaṇḍale = im darüberliegenden Bereich; līnam = verborgen; brahmarandhre = im Brahmarandhra; parāmṛtam = höchster Nektar; yogīndraḥ = höchster Yogi; jīvanmuktaḥ = zu Lebzeiten befreit; śivaḥ bhavet = wird Shiva.

2.8 māsamāsāvadhi = Monat um Monat; dvādaśābdam = zwölf Jahre; samācaret = ausführt; sarvarogavinirmuktaḥ = von allen Krankheiten befreit; sarvajñaḥ = allwissend; munipūjitaḥ = von Weisen verehrt.

2.9 śivavat = wie Shiva; loke asmin = in dieser Welt; ajarāmaraḥ = alterslos und unsterblich; catuṣkalāmṛtam vāri = Nektarwasser der vier Kalas; pītvā pītvā = immer wieder getrunken habend; maheśvari = große Herrin.

2.10 brahmasthāne = im Brahma-Ort; jihvām saṃniyojya = die Zunge eingesetzt habend; amṛtam pibet = Nektar trinken; susvādu = wohlschmeckend; śītalam = kühl; hṛdyam = herzerfreuend; kṣīravarṇam = milchfarben; aphenilam = schaumlos.

2.11 māsamātraprayogena = durch nur einmonatige Anwendung; devavat = wie ein Gott; svayam = selbst; dvimāse = nach zwei Monaten; sarvaśāstrārtham = Sinn aller Lehrschriften; samyak jānāti = versteht vollständig.

2.12 svatantraḥ = selbstbestimmt, frei; śivavat = wie Shiva; māsatrayāt = nach drei Monaten; caturmāsāt = nach vier Monaten; sarvajñatvam = Allwissenheit; pravartate = tritt ein.

2.13 pañcamāse = im fünften Monat; mahāsiddhaḥ = großer Vollendeter; trailokyam = drei Welten; paśyati = sieht; ṣaṇmāse = im sechsten Monat; paramānanda-guṇa-sadbhāva-pūritaḥ = von der wirklichen Qualität höchster Glückseligkeit erfüllt.

2.14 jīvanmuktaḥ = zu Lebzeiten befreit; parāpare = Höchste und Nicht-Höchste; saptamāse = im siebten Monat; mahābhūta = großes Geistwesen; piśāca = Pishacha; uraga = Schlangenwesen; rākṣasa = Rakshasa; saha = zusammen mit.

2.15 saṃvartate = hält sich auf, verkehrt; nityam = stets; svecchayā = nach eigenem Willen; hṛṣṭamānasaḥ = freudigen Geistes; aṣṭame māsaparyāye = beim Ablauf des achten Monats; devaiḥ saṃmelanam = Begegnung mit Göttern; bhavet = entsteht.

2.16 navame māsi = im neunten Monat; adṛśyatvam = Unsichtbarkeit; sūkṣmatvam = Feinheit; daśame = im zehnten; kāmarūpatvam = Fähigkeit zur gewünschten Gestalt; sarvalokaprakāśakam = alle Welten erhellend.

2.17 ekādaśe = im elften; trikālajñaḥ = Kenner von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; sarvalokeśvaraḥ = Herr aller Welten; prabhuḥ = mächtiger Herr; śivavat = wie Shiva; satyam etat = dies ist wahr; mayā uditam = von mir ausgesprochen.

2.18 cūlitalam = Ort unter dem Haarschopf, Hinterkopfbereich; kedāram = Kedara; prāhuḥ = man nennt; somakalāḥ = Mond-Kalas; aṣṭau = acht; vikhyātāḥ = bekannt; vīravandite = von Helden bzw. Vira-Praktizierenden Verehrte.

2.19 amṛtā = Unsterbliche, Nektar; mānadā = Ehre verleihend; pūṣā = Nährende; tuṣṭiḥ = Zufriedenheit; puṣṭiḥ = Gedeihen; ratiḥ = Freude, Lust; dhṛtiḥ = Festigkeit. Hier sind dies Eigennamen von Kalas.

2.20 śaśinī = die Mondhafte; aṣṭamī = achte; sarvāḥ = alle; parāmṛtamahārṇavāḥ = große Ozeane höchsten Nektars; taddhāmābhimukhīm = ihrem Sitz zugewandt; jihvām karoti = die Zunge ausrichtet.

2.21 aṣṭadhā = achtfach; sravate = fließt; tuhinasaṃtatiḥ = kühler, schneeartiger Strom; tadāplāvanasaṃyogāt = durch Verbindung mit dieser Überflutung; kalevara = Leib; gada = Krankheit; kṣayaḥ = Schwinden.

2.22 aṣṭabhiḥ māsaparyāyaiḥ = nach acht Monatsabläufen; khecaratvam = Raumwandler-Sein; prajāyate = entsteht; bhrūmadhyam = Brauenmitte; dhāma = Sitz; somamaṇḍalam = Mondkreis; proktam = genannt.

2.23 kalācatuṣkam = Vierheit von Kalas; parāmṛtaniketanam = Wohnstätte höchsten Nektars; candrikā = Mondschein; kāntiḥ = Glanz; jyotsnā = Mondlicht; śrīḥ = Schönheit, Fülle; nāmataḥ = dem Namen nach.

2.24 jihvām samāveśya = die Zunge eingeführt habend; pītvā pītvā samāpibet = immer wieder vollständig trinken; māsacatuṣkeṇa = innerhalb von vier Monaten; nirupadravaḥ = frei von Störungen, Bedrängnissen; jāyate = wird.

2.25 vajrakāyaḥ = diamantfester Körper; āplāvanapānataḥ = durch Überflutung und Trinken; tadūrdhvam = darüber; vajrakanda = »Diamantknolle«, Ortsname; śilā = Stein, feste Platte; khecaramaṇḍalam = Kreis der Raumwandler.

2.26 lalāṭānte = am Stirnende; vijānīyāt = erkennen; kalātrayam = drei Kalas; prītiḥ = Freude, Liebe; aṅgadā = Angada, Eigenname; pūrṇā = die Volle; jihvām praveśayet = die Zunge einführen.

2.27 kṣīradhārāmṛtam = Nektar wie ein Milchstrom; śītam = kühl; sravantam = fließend; jihvayā pibet = mit der Zunge trinken; māsatrayeṇa = in drei Monaten; sarvavyādhivivarjitaḥ = aller Krankheiten ledig.

2.28 acchedyaḥ = unzerschneidbar; sarvaśastraiḥ = durch irgendwelche Waffen; abhedyaḥ = undurchdringlich; sarvasādhanaiḥ = durch irgendwelche Mittel; acintyaḥ = nicht erfassbar; sarvavijñānaiḥ = durch Erkenntnisweisen; virūpaviṣayānvitaiḥ = mit verschiedenartigen Gegenständen verbunden.

2.29 bhairavābhaḥ = Bhairava gleich; vajrakandaprabhāvataḥ = durch die Macht der Vajrakanda; nāsikādhaḥ = unterhalb der Nase; adharoṣṭhordhvam = oberhalb der Unterlippe; rājadantam = Rajadanta, wörtlich Königszahn; mahāpadam = großer Ort.

2.30 pūrṇāmṛtā = von Nektar erfüllt; śītalā = die Kühle; kalādvayam = zwei Kalas; saṃprāpya = erlangt habend; kumbhakāvasthām = Zustand des Atemanhaltens; rasanāgreṇa = mit der Zungenspitze; saṃspṛśet = berühren.

2.31 saṃjāyate = entsteht; susvādu = wohlschmeckend; śītalam jalam = kühles Wasser; svamanas tatra saṃyojya = den eigenen Geist dorthin gerichtet; pibet = trinken; māsatrayam = drei Monate; vratī = an ein Gelübde Gebundener.

2.32 ajarāmaratām eti = erlangt Alterslosigkeit und Unsterblichkeit; sarvavyādhivivarjitaḥ = frei von allen Krankheiten; guda = After; bīja = Samen, hier Hoden; antarasthānam = dazwischenliegender Ort; ādhāram = Grundlage; parikīrtitam = genannt.

2.33 pañca kalāḥ = fünf Kalas; pragalatparamāmṛtāḥ = höchsten Nektar ausströmen lassend; sudhā = Nektar; sudhāmayī = aus Nektar bestehend; prajñā = Weisheit; kālaghnī = Zeit bzw. Tod vernichtend; jñānadāyinī = Erkenntnis spendend.

2.34 sudhādhārāḥ = Nektarströme tragend; sarvasiddhidāḥ = alle Vollendungen verleihend; tatrasthā = dort befindlich; paramā śaktiḥ = höchste Kraft; ādyā = ursprüngliche; kuṇḍalinī = Kundalini; śive = o Shiva, Anrede der Göttin.

2.35 ākuñcanayogena = durch die Anwendung von Kontraktion; kumbhakena = durch Atemanhaltung; mūlaśaktyā = mit der Wurzelkraft; samāsādya = erreicht habend; tatrastham = dort befindlich; śītalam amṛtam = kühler Nektar.

2.36 suṣumṇayā = durch die Sushumna; samānīya = heraufgeführt habend; svādhiṣṭhānādipaṅkajāt = aus den Lotussen ab Svadhishthana; tatsudhāvṛṣṭisaṃsiktam = von diesem Nektarregen benetzt; smaret = vergegenwärtigen; brahmāṇḍakāvadhi = bis zum Brahmanda.

2.37 tatrastham amṛtam gṛhya = den dortigen Nektar aufgenommen habend; śaktiḥ śrīkuṇḍalī parā = höchste Kraft Shri Kundali; suṣumṇāmārgam āsādya = den Sushumna-Weg eingeschlagen; brahmadhāmāntam = bis zur Brahma-Wohnstätte; īyuṣī = gegangen.

2.38 mūlapañcakalājāta = aus den fünf Wurzel-Kalas entstanden; sudhātṛptipariplutā = von Nektarsättigung überflutet; āpādamastaparyantam = von Fuß bis Kopf; vyāpayantīm = durchdringend; tanum = Körper; smaret = vergegenwärtigen.

2.39 pañcamāsaprayogena = durch fünfmonatige Anwendung; pañcabhūtalayaḥ = Auflösung der fünf Elemente; bhavet = erfolgt; śivasāmyaḥ = Shiva gleich; satyam = wahrhaft; trikālābhyāsayogataḥ = durch Übung zu drei Zeiten.

2.40 liṅgasthānam = Ort des Geschlechtsorgans; svādhiṣṭhānam = Svadhishthana; ucyate = wird genannt; divyāmṛtamayam = aus göttlichem Nektar bestehend; kalātrayam = Dreiheit von Kalas; udīritam = gelehrt.

2.41 susūkṣmā = die überaus Feine; paramāhlādā = höchste Freude; vidyā = Wissen; pūrvavat = wie zuvor; kumbhakāvasthām prāpya = den Kumbhaka-Zustand erreicht; śaktim prabodhya = die Kraft erweckt habend.

2.42 nītvā = geführt habend; brahmāṇḍaparyantam = bis zum Brahmanda; plāvayet = überfluten; svakām tanum = eigenen Körper; trimāsaparyāye = nach drei Monaten; pūrvoktam phalam = zuvor genannte Frucht; labhate = erlangt.

2.43 gudameḍhrāntaram = zwischen After und Penis; veṇudaṇḍam = Bambusstab, hier Ortsname; kalācatuṣkam = Vierheit von Kalas; parāmṛtarasātmakam = aus höchstem Nektarsaft bestehend; uktam = gelehrt.

2.44 suśītā = sehr kühl; mahātṛptiḥ = große Sättigung; palitaghnī = graues Haar vernichtend; valikṣayā = Falten beseitigend; śaktim samudbodhya = die Kraft erweckt; pūrvavat = wie zuvor; plāvayet tanum = den Körper überfluten.

2.45 caturmāsaprayogena = durch viermonatige Anwendung; pūrvoditaphalam = zuvor genannte Frucht; labhet = erlangt; piṅgalā = Pingala; ravivāhyā = sonnenführend; iḍā = Ida; candravāhinī = mondführend.

2.46 viṣavāhaḥ = Gift führend; raviḥ = Sonne; sudhāvāhaḥ = Nektar führend; niśākaraḥ = Mond; abhyāsaḥ = Übung; sūryavāhākhye = im Sonnenkanal genannten; candravāhe = im Mondkanal; śasyate = wird empfohlen.

2.47 †dhāraṇā candravāhe ca† = unsichere Passage: »Dharana und im Mondkanal«; yogī = Yogi; kumbhakam ācaret = Atemanhaltung ausführen; śaśivāhena = durch den Mondkanal; pavanam = Atem; pūrayet = einfüllen; ātmanaḥ tanum = eigenen Körper.

2.48 ravivāhena = durch den Sonnenkanal; utsargaḥ = Ausströmen; śasyate = wird empfohlen; dehavṛddhaye = zum Gedeihen des Körpers; vyāhṛtam = erklärt; kalāsthānam = Kala-Ort; caturguṇam = vierfach. Der Rückbezug dieser Vierzahl ist im Zusammenhang nicht eindeutig.

2.49 ataḥ param = nun weiter; pravakṣyāmi = ich werde erklären; parāmṛtamahāpadam = großer Ort höchsten Nektars; vajrakandam = Vajrakanda; lalāṭe = an der Stirn; prajvalaccandrasaṃnibham = wie ein strahlender Mond.

2.50 laṃgarbham = laṃ im Innern tragend; caturasram = viereckig; devaḥ paraḥ śivaḥ = höchster Gott Shiva; devatāḥ = Gottheiten; yoginaḥ = Yogis; samupāsante = verehren; śaktisaṃyutam = mit Shakti verbunden.

2.51 cūlitale = am Chulitala; lakṣasūryasamaprabham = wie hunderttausend Sonnen strahlend; trikoṇamaṇḍalam = Dreiecksmandala; madhye = in der Mitte; devam = Gott; liṅgātmakam śivam = Shiva in Linga-Gestalt.

2.52 raṃgarbhamadhyamam = mit raṃ im inneren Zentrum; svaśaktyāliṅgitam = von eigener Shakti umarmt; param = höchst; devatāgaṇasaṃjuṣṭam = von Gottheitenscharen aufgesucht; bhāvayet = meditativ schauen.

2.53 dakṣaśaṅkhe = an der rechten Schläfe; mahābhāge = du Beglückte; ṣaḍbinduvalayānvitam = mit einem Kreis aus sechs Punkten; yaṃgarbham = yaṃ im Innern; dhūmravarṇam = rauchfarben; maheśvaram = großen Herrn.

2.54 liṅgākāram = lingaförmig; smaret = vergegenwärtigen; śaktiyuktam = mit Shakti verbunden; gaṇāvṛtam = vom Gefolge umringt; vāmaśaṅkhe = an der linken Schläfe; ardhacandrābham = halbmondförmig; sapadmam maṇḍalam = Mandala mit Lotus.

2.55 vaṃgarbham = vaṃ im Innern tragend; dṛḍham madhye = fest in der Mitte; liṅgam sudhāmayam = nektarvolles Linga; gokṣīradhavalākāram = weiß wie Kuhmilch; śaraccandrāyutaprabham = wie zehntausend Herbstmonde strahlend.

2.56 svaśaktisahitam = mit eigener Shakti verbunden; sarvadevatāgaṇasevitam = von allen Gottheitenscharen verehrt; caturdikṣu = in vier Richtungen; sthānāni = Orte; uktāni mayā = von mir genannt.

2.57 teṣām madhye = in ihrer Mitte; mahāvṛttam = großer Kreis; haṃgarbham = haṃ im Innern tragend; parameśaḥ paraḥ śambhuḥ = höchster Herr Shambhu; svaśaktisahitaḥ = mit eigener Shakti verbunden; sthitaḥ = weilend.

2.58 liṅgākāraḥ = lingaförmig; gaṇayutaḥ = mit Gefolge; sūryakoṭisamaprabhaḥ = wie zehn Millionen Sonnen strahlend; pṛthivyadhipatiḥ = Herr der Erde; bhāle = an der Stirn; paścime = im Westen; sūryanāyakaḥ = Herr der Sonne.

2.59 dakṣaśaṅkhe = an der rechten Schläfe; anilapatiḥ = Herr des Windes; vāme = links; jalapatiḥ = Herr des Wassers; madhye = in der Mitte; vyomādhipaḥ = Herr des Raumes; śambhusthānāḥ pañca = fünf Shambhu-Orte.

2.60 vyomādhipasya devasya = des Gottes, der den Raum beherrscht; śirordhve = oberhalb des Hauptes; caturaṅgulam = vier Fingerbreiten; jyotirmaṇḍalamadhyastham = inmitten des Lichtkreises; koṭicandrasamaprabham = wie zehn Millionen Monde strahlend.

2.61 divyāmṛtamayam bhāṇḍam = Gefäß göttlichen Nektars; mūlabandhakapāṭakam = mit unten verschlossener Tür; ūrdhvacandram = oberer Mond; mahāśailam = großer Fels; abhedyam = unzerbrechlich; amṛtāspadam = Nektarsitz.

2.62 śītalāmṛtamadhye = inmitten des kühlen Nektars; vilīnam liṅgam = verborgenes Linga; trasareṇupratīkāśam = einem feinsten Staubteilchen gleich; koṭicandrasamaprabham = wie zehn Millionen Monde leuchtend.

2.63 heyopādeyarahitam = frei von Aufzugebendem und Anzunehmendem; ajñānatimirāpaham = die Finsternis des Nichtwissens vertreibend; atītya = überschritten habend; pañca sthānāni = fünf Orte; paratattvopalabdhaye = zur Erkenntnis des höchsten Prinzips.

2.64 parāmṛtaghaṭādhārakapāṭam = untere Tür des höchsten Nektargefäßes; kumbhakānvitam = mit Kumbhaka verbunden; manasā saha = zusammen mit dem Geist; vāgīśām = Göttin der Rede, hier Zunge; ūrdhvavaktrām = aufwärts gerichtet; prasārayet = ausstrecken.

2.65 niruddhaprāṇasaṃcāraḥ = mit angehaltener Pranaströmung; rasanayā = mit der Zunge; argalam = Riegel; līlayā = mühelos; udghāṭayet = öffnen; saṃprāpya = erreicht habend; manasā saha = mit dem Geist zusammen.

2.66 śītala = kühl; ikṣurasasvādu = süß wie Zuckerrohrsaft; kṣīrāmṛtam = Milchnektar; himam = kalt; yogapānam = Yoga-Trank; pibet = trinken; durlabham vibudhaiḥ api = selbst für Götter schwer zu erlangen.

2.67 tatsudhātṛptisaṃtṛptaḥ = durch Nektar vollkommen gesättigt; parāvasthām upetya = den höchsten Zustand erreicht; unmanyā saṃyogam = Vereinigung mit Unmani; labdhvā = erlangt habend; brahmāṇḍakāntare = im Innern des Brahmanda.

2.68 nādabindumayam = aus Klang und Bindu bestehend; māṃsam = Fleisch; yogī yogena = der Yogi durch Yoga; bhakṣayet = verzehren; etat rahasyam = dieses Geheimnis; durlabham = schwer zugänglich. Das Fleisch wird hier ausdrücklich als Nada und Bindu bestimmt.

2.69 sarvajñena śivena uktam = vom allwissenden Shiva gesagt; phalam = Frucht; śāstrasaṃtatau = in der Folge der Lehrschriften; labhate = erlangt; ṣaṇmāsāt = nach sechs Monaten; na atra saṃśayaḥ = hier kein Zweifel.

2.70 saṃprāpya siddhisaṃtānam = eine Reihe von Siddhis erlangt habend; imam yogam na vetti = diesen Yoga nicht kennt; tasya = diesem; na kiṃ cit vaktavyam = nichts mitzuteilen; siddhim icchatā = durch den nach Vollendung Strebenden.

2.71 na jānanti = kennen, anerkennen nicht; gurum devam = Guru und Gott; śāstroktān samayān = schriftgelehrte Verpflichtungen; dambhakauṭilyaniratāḥ = Heuchelei und Hinterlist ergeben; teṣām = ihnen; śāstram na dāpayet = die Schrift nicht geben lassen.

2.72 jihvāmūle = am Zungenansatz; sarvatejomayaḥ analaḥ = aus aller Glut bestehendes Feuer; tadagre = an ihrer Spitze; bhāskaraḥ = Sonne; candraḥ = Mond; bhālamadhye = in der Stirnmitte; pratiṣṭhitaḥ = befindlich.

2.73 tattvena = der Wirklichkeit nach; vetti = kennt; siddhiḥ prajāyate = Vollendung entsteht; mathitvā = durch Mathana bewegt; maṇḍalam vahneḥ = Feuerkreis; samudbodhya = erweckt habend; prayatnataḥ = mit Bemühung.

2.74 taduṣṇasāradravitam = durch dessen konzentrierte Hitze verflüssigt; bhālajam candramaṇḍalam = Mondkreis in der Stirn; bhāskarādhiṣṭhitāgreṇa rasanena = mit der Zunge, deren Spitze von der Sonne beherrscht wird; samāśrayet = erreichen, aufsuchen.

2.75 candragalitam = aus dem Mond geschmolzen; śītalam paramāmṛtam = kühler höchster Nektar; nāsikārandhraniryātam = aus der Nasenöffnung hervorgetreten; pātreṇa = mit einem Gefäß; parisaṃgrahet = auffangen.

2.76 tena aṅgamardanāt = durch Einreiben des Körpers damit; nāḍīśuddhiḥ = Nadi-Reinigung; gudaliṅgodgatam = aus After und Geschlechtsorgan hervorgegangen; pātre = im Gefäß; amarīrasam = Amari-Saft, hier im Kontext körperlicher Ausscheidungen.

2.77 kakṣāmṛtam = »Achselnektar«, Achselsekret; saṃloḍya = vermischt habend; saṃskṛtam = zubereitet; adharārasaiḥ = mit Lippensäften, Speichel; aṅgamardanam kṛtvā = den Körper eingerieben habend; nirāmayaḥ = krankheitsfrei.

2.78 balavān = kräftig; valīpalitavarjitaḥ = frei von Falten und grauem Haar; jihvāmūlam samudghṛṣya = den Zungenansatz gerieben habend; tatra jātam = dort entstanden; mahādravam = reichliche Flüssigkeit.

2.79 svadeham mardayet = eigenen Körper einreiben; pūrvam = zuerst; rasanā = Zunge; vatsarārdhataḥ = nach einem halben Jahr; caturaṅgulavṛddhā = um vier Fingerbreiten gewachsen; na saṃśayaḥ = kein Zweifel.

2.80 utkṛṣya rasanām ūrdhvam = die Zunge nach oben gezogen habend; dakṣiṇāṅgulibhiḥ = mit rechten Fingern; vāmahastāṅgulībhiḥ = mit Fingern der linken Hand; ghaṇṭikām = Zäpfchen bzw. zugehöriger Bereich; sphoṭayet = öffnen, aufsprengen; die konkrete Bedeutung bleibt unsicher.

2.81 mathitvā = durch Mathana bewegt habend; pāvakasthānam = Feuersitz; ūrdhvavaktram = aufwärts gerichtet; śanaiḥ śanaiḥ = allmählich; trikūṭordhve = oberhalb von Trikuta; candrāṃśe = im Mondbereich; śivasthānam samāśrayet = Shivas Sitz aufsuchen.

2.82 eṣā khecarīmudrā = diese Khechari Mudra; kathitā = erklärt; mṛtyunāśinī = todvernichtend; evam abhyāsaśīlasya = für den so Übenden; tadvighnārtham = zur Behinderung dessen; bhavanti = entstehen.

2.83 bhaṭabhedāḥ catvāraḥ = vier Bhata-Arten; naṭabhedāḥ = Nata-Arten; aṅgaśoṣaḥ = Auszehrung der Glieder; kṣudhālasyam = Hunger und Trägheit bzw. hungerbedingte Trägheit; kaṇḍūḥ = Juckreiz; dehavivarṇatā = Körperverfärbung.

2.84 bhaṭasya pratyayāḥ = Anzeichen des Bhata; bheṣajam = Heilmittel; śṛṇu = höre; manaḥ nirviṣayam kṛtvā = den Geist gegenstandsfrei gemacht; trimāsam = drei Monate; amarīrasam = Amari-Saft. Bhata und Nata sind hier traditionelle Namen von Störungsgruppen.

2.85 deham udvartayet = Körper einreiben; tena = damit; dehavṛddhiḥ = körperliches Gedeihen; tris triḥ = jeweils dreimal; udvartanam kuryāt = Einreibung ausführen; divā = am Tag; rātrau = in der Nacht.

2.86 rasanām ūrdhvam āyojya = Zunge aufwärts gerichtet; vajrakandapadonmukhīm = dem Vajrakanda-Ort zugewandt; tatsudhām lihataḥ = bei dem, der dessen Nektar leckt; kṣudhā = Hunger; ālasyam = Trägheit; naśyati = vergeht.

2.87 tatsudhām = jener Nektar; amarīm = Amari; gṛhītvā = genommen habend; aṅgamardanāt = durch Einreiben; svaśarīravivarṇatvam = Verfärbung des eigenen Körpers; kaṇḍūḥ = Juckreiz; praṇaśyati = verschwindet.

2.88 naṭabhedāḥ catvāraḥ = vier Nata-Arten; bahudhā saṃsthitāḥ = vielfältig auftretend; netrarogaḥ = Augenleiden; aṅgavepaḥ = Gliederzittern; dāhaḥ = Brennen; bhrāntiḥ = Schwindel, Verwirrung.

2.89 bhedam ekam = erste Art; mayā proktam = von mir erklärt; dvitīyam śṛṇu = höre die zweite; dantaruk = Zahnschmerz; alpasattvam = geringe Kraft; dehalāghavanāśanam = Verlust körperlicher Leichtigkeit.

2.90 tṛtīyabhedam = dritte Art; mahājvaraḥ = starkes Fieber; śiroruk = Kopfschmerz; śleṣmadoṣaḥ = Schleimstörung; caturthaḥ = vierte; saṃpradhāryatām = möge beachtet werden.

2.91 vamanam = Erbrechen; śvāsadoṣaḥ = Atemstörung; netrāndhatvam = Blindheit; durjayā nidrā = schwer bezwingbarer Schlaf bzw. Schläfrigkeit; teṣām bheṣajam = Mittel dagegen; śṛṇu = höre.

2.92 mūlādhārāt = vom Muladhara; suṣumnāyām = in der Sushumna, Schreibvariante; ūrdhvam nayet = aufwärtsführen; kuṇḍalinīm = Kundalini; niścalām jihvām = unbewegliche Zunge; ūrdhvagām = aufwärts gerichtet; kumbhakam āśrayet = Kumbhaka anwenden.

2.93 śaktikṣobhāt = durch Bewegung bzw. Erregung der Shakti; mahānādaḥ = großer Klang; pravartate = entsteht; yadā śṛṇoti = wenn man hört; tam nādam = diesen Klang; muktaḥ = befreit; ucyate = wird genannt.

2.94 cintayet = sich vorstellen; amṛtāsiktam = mit Nektar benetzt; svadeham = eigenen Körper; anena = hierdurch; māsena = in einem Monat; pūrvadoṣaiḥ = von den vorherigen Störungen; pramucyate = wird befreit.

2.95 anena eva vidhānena = nach demselben Verfahren; dvimāsam = zwei Monate; ācaret = übt; śṛṇoti = hört; karṇābhyām = mit beiden Ohren; mahāgajaravadhvanim = Laut eines großen Elefanten.

2.96 pūrvavat = wie zuvor; cintayet deham = sich den Körper vorstellen; dvitīyaiḥ gadaiḥ = von den zweiten Leiden; mucyate = wird frei; trimāsāt = nach drei Monaten; brahmanādam = Brahma-Klang; śṛṇutvā = gehört habend, ungewöhnliche Form; smaret = vergegenwärtigen.

2.97 tṛtīyabhedadoṣaiḥ = von der dritten Störungsgruppe; mucyate = wird befreit; meghanādam = Wolken- bzw. Donnerklang; aghorākhyam = Aghora genannt; caturthe māsaparyaye = beim vierten Monatsablauf.

2.98 śrutvā = gehört habend; pūrvavat abhyasya = wie zuvor geübt habend; bhrāntidoṣaiḥ = von Schwindelstörungen; pramucyate = wird befreit; sthiramatiḥ = mit festem Geist; dhyānam = Meditation; abhyāsam = Übung; trikālataḥ = zu drei Zeiten.

2.99 sādhayet = verwirklichen; tryabdataḥ = nach drei Jahren; ajarāmaraḥ = alterslos und unsterblich; bhaṭadoṣacatuṣkasya = der vier Bhata-Störungen; naṭadoṣasya = der Nata-Störung; ca eva = ebenfalls.

2.100 nivāraṇam = Beseitigung; mayā proktam = von mir erklärt; bhūyaḥ śṛṇu = höre Weiteres; surādhipe = Herrin der Götter; śānte = friedvoll; pare tattve = im höchsten Prinzip; yoge sukhātmake = im glückseligen Yoga.

2.101 praviṣṭaḥ = eingetreten; sarvatattvajñaḥ = Kenner aller Prinzipien; tasya pādau namāmi aham = ich verneige mich vor seinen Füßen; prathamam cālanam = zuerst Bewegen; dvitīyam bhedanam = zweitens Durchbrechen.

2.102 tṛtīyam mathanam = drittens Reiben bzw. Quirlen; caturtham praveśanam = viertens Eintritt; tālumūlam = Gaumenansatz; samudghṛṣya = gerieben habend; jihvām utkarṣayet = Zunge herausziehen.

2.103 cālanam = Bewegen; vijānīyāt = erkennen; brahmārgalavibhedanam = Durchbrechen des Brahma-Riegels; bhedanam = Durchbrechen; vadanti = man nennt; †mathanam tantun↠= unsichere Passage: Mathana mit einem Faden.

2.104 †lohakīlapraveśena = durch Einführen eines Metallstifts; mathanam ācaret = Mathana ausführt; tad vijānīyāt† = dies erkennen; yogavṛddhikaram = das Wachsen des Yoga bewirkend. Der von † eingeschlossene Text ist in der Edition als verderbt markiert.

2.105 udghāṭya argalam = den Riegel geöffnet; ākāśe = in den Raum; jihvām ūrdhvam prasārayet = Zunge nach oben ausstrecken; praveśam = Eintritt; prāhuḥ = man nennt; yogasiddhipravartakam = Yoga-Vollendung hervorbringend.

2.106 brahmārgalaprabhedena = durch Durchbrechen des Brahma-Riegels; jihvāsaṃkramaṇena = durch Hinüberführen der Zunge; pratyayaḥ = Erfahrung, Gewissheitszeichen; kṣaṇāt = augenblicklich; satyam = wahrhaft; prajāyate = entsteht.

2.107 ādau = zuerst; ānandabhāvatvam = Zustand von Freude; nidrāhāniḥ = Verminderung des Schlafs; ataḥ param = danach; saṃgamam = Verkehr, Vereinigung; bhojanam = Nahrung; svalpamātram = nur wenig; prajāyate = wird.

2.108 puṣṭiḥ = Gedeihen, Kräftigung; saṃjāyate = entsteht; tejovṛddhiḥ = Zunahme der Ausstrahlung; jarā = Alter; mṛtyuḥ = Tod; vyādhi = Krankheit; palitāni = graue Haare; na = nicht.

2.109 ūrdhvaretāḥ = einer mit aufwärtsgerichtetem Samen; aṇimādiguṇānvitaḥ = mit Anima und weiteren Fähigkeiten ausgestattet; niścalabhāvena = mit unbeweglicher Haltung; yogam evam = diesen Yoga; prasādhayet = vollendet.

2.110 proktān imān phalān = diese genannten Früchte; samyak labhati = vollständig erlangt; jihvāgre = an der Zungenspitze; śrīḥ = Göttin Shri; vāgīśā = Göttin der Rede; saṃsthitā = befindlich.

2.111 jihvāmūlādhārabhāge = im Grundbereich des Zungenansatzes; bandhamṛtyuḥ = Bindung und Tod; pratiṣṭhitaḥ = angesiedelt; padam sarvam = gesamter Ort; unmūlaya = entwurzle; gaṇāmbike = Mutter der Scharen.

2.112 tadagreṇa = mit deren Spitze; viśet = eintreten; somadhāma = Mondwohnung; śrīśambhusaṃjñitam = ehrwürdiger Shambhu genannt; anena yogena = durch diesen Yoga; manasādhiṣṭhitena = vom Geist getragen.

2.113 unmanyāveśam = Eintreten in Unmani; āyāti = gelangt; tallayam = Auflösung darin; āpnuyāt = erreicht; layasya pratyayaḥ = Erfahrung der Auflösung; sadyaḥ = sofort; avicārataḥ = ohne diskursives Überlegen.

2.114 jihvāgre manaḥ ādhāya = Geist auf die Zungenspitze gelegt; dṛśā = mit dem Blick; tad dhāma lakṣayet = ihren Sitz erfassen; mūlāt = von der Wurzel; suṣumṇāmārgeṇa = auf dem Sushumna-Weg; pavanam ūrdhvam ānayet = Atem aufwärtsführen.

2.115 brahmadhāmagataḥ = zur Brahma-Wohnstätte gelangt; manaḥ = Geist; śūnye niveśayet = in die Leere setzen; dhyāyet = meditieren; param tattvam = höchstes Prinzip; heyopādeyavarjitam = frei von Aufzugebendem und Anzunehmendem.

2.116 ākāśagaṅgā = Himmels-Ganga; sravati = strömt; brahmasthānāt = vom Brahma-Ort; suśītalā = sehr kühl; prapiban = trinkend; māsamātreṇa = in nur einem Monat; vajrakāyaḥ = diamantfester Körper; dhruvam = gewiss.

2.117 divyadehaḥ = von göttlichem Körper; divyavāk = von göttlicher Sprache; divyadarśanaḥ = von göttlichem Sehen; divyabuddhiḥ = von göttlicher Einsicht; divyaśravaṇaḥ = von göttlichem Hören; bhavet = werde.

2.118 jihvāgre = an der Zungenspitze; koṭicandrābhām = wie zehn Millionen Monde leuchtend; vāgīśām = Göttin der Rede; paribhāvayet = meditativ vorstellen; parāmṛtakalātṛptām = durch höchsten Nektaranteil gesättigt; kavitvam = dichterische Fähigkeit; kṣaṇāt labhate = erlangt augenblicklich.

2.119 jihvāgre saṃsthitām = an der Zungenspitze befindlich; lakṣmīm = Lakshmi; parāmṛtavimoditām = durch höchsten Nektar erfreut; dhyāyan = meditierend; yogasāmrājyam = souveräne Herrschaft des Yoga; āpnuyāt = erlangt.

2.120 sahajāḥ pañca = fünf Mitgeborene; piṇḍe asmin = in diesem Körper; †paramātmake† = unsichere Bestimmung: vom Wesen des Höchsten; mātṛdehe = im Mutterleib; pitṛkṣayāt = aus väterlichem Ausfluss bzw. Samenverlust; saṃjāyate dehaḥ = entsteht der Körper.

2.121 sārdham bhavanti = entstehen zusammen; dehe vṛddhim upeyuṣi = im heranwachsenden Körper; ādyā kuṇḍalinīśaktiḥ = ursprüngliche Kundalini-Kraft; sahajā prathamā = erste Mitgeborene; smṛtā = gilt als.

2.122 dvitīyā = zweite; suṣumṇākhyā = Sushumna genannt; jihvā = Zunge; tṛtīyakā = dritte; tālusthānam = Gaumenort; caturtham = vierte; brahmasthānam = Brahma-Ort; pañcamam = fünfte.

2.123 unnīya = erhoben habend; sahajām ādyām = erste Mitgeborene; dvitīyām sahajām nyaset = in die zweite einsetzen; tṛtīyām = dritte; ūrdhvam = aufwärts; caturthe sahaje viśet = in die vierte Mitgeborene führen.

2.124 caturtham sahajam bhittvā = die vierte Mitgeborene durchbrochen; pañcamam viśet = in die fünfte eintreten; etat bhedam = diese Unterscheidung bzw. Durchbrechung; mayā proktam = von mir gelehrt; durvijñeyam = schwer zu erkennen; kuleśvari = Herrin des Kula.

Dritter Paṭala: Worterklärungen

3.1 śiva uvāca = Shiva sprach; mūlāt = von der Wurzel; kuṇḍalinīśaktim = Kundalini-Kraft; suṣumṇāmārgam āgatām = in den Sushumna-Weg eingetreten; lūtaikatantupratimām = einem einzelnen Spinnenfaden gleich; sūryakoṭisamaprabhām = wie zehn Millionen Sonnen strahlend. Das Satzgefüge reicht über mehrere Verse.

3.2 praviśya = eingetreten; ghaṇṭikāmārgam = Weg des Zäpfchens bzw. Ghantika-Bereichs; śivadvārārgalam = Riegel des Shiva-Tores; bhittvā = durchbrochen; rasanayā = mit der Zunge; kumbhakena = mittels Atemanhaltung.

3.3 praviśet = eintreten; koṭisūryābham = wie zehn Millionen Sonnen leuchtend; dhāma svāyambhuvam = aus sich selbst entstandene Wohnstätte; amṛtamahāmbhodhau = im großen Nektarozean; śītakallolaśālini = mit kühlen Wellen.

3.4 pītvā = getrunken habend; viśrāmya = geruht habend; sudhām = Nektar; paramānandapūrṇayā buddhyā = mit von höchster Glückseligkeit erfüllter Einsicht; tatsudhayā tṛptam = durch diesen Nektar gesättigt; ātmadeham = eigenen Körper; vibhāvayet = vorstellen.

3.5 anena divyayogena = durch diesen göttlichen Yoga; divyadarśanam = göttliches Sehen; jāyate = entsteht; khecaratvam = Raumwandler-Sein; sarvarogakṣayaḥ = Schwinden aller Krankheiten; tathā = ebenso.

3.6 vañcanam = Überlisten; kālamṛtyoḥ = des zeitbestimmten Todes; trailokyabhramaṇam = Durchwandern der drei Welten; aṇimādiguṇopetaḥ = mit Anima und weiteren Kräften ausgestattet; saṃsiddhaḥ = Vollendeter; dhruvam = gewiss.

3.7 yogīndratvam = Rang des Herrn der Yogis; avāpnoti = erlangt; gatiḥ avyāhatā = ungehinderte Bewegung; navanāgasahasrāṇām = von neuntausend Elefanten; balena sahitaḥ = mit der Kraft ausgestattet; svayam = selbst.

3.8 śivavat = wie Shiva; satyam satyam = wahrlich, wahrlich; mayā uditam = von mir gesagt; iḍāpiṅgalayoḥ madhye = zwischen Ida und Pingala; suṣumṇā = Sushumna; jyotirūpiṇī = lichtgestaltig.

3.9 varṇarūpaguṇaiḥ tyaktam = frei von Farbe, Form und Eigenschaften; tejas = Licht, Glanz; nirāmayam = makellos; prasuptabhujagākārā = von der Gestalt einer schlafenden Schlange; yā sā = diejenige; kuṇḍalinī parā = höchste Kundalini.

3.10 gaṅgā yamunā = Ganga und Yamuna; iḍāpiṅgalasaṃjñake = Ida und Pingala genannt; madhye = zwischen; tām śaktim = jene Kraft; saṃniveśayet = einsetzen, ansiedeln.

3.11 brahmadhāmāvadhi = bis zur Brahma-Wohnstätte; paramāmṛtarūpiṇīm = von der Gestalt höchsten Nektars; tanmayaḥ = ganz aus ihr bestehend; jāyate = wird; sadāmṛtatanuḥ = stets nektargestaltig; svayam = selbst.

3.12 śivadhāma gatā = zu Shivas Wohnstätte gelangt; śaktiḥ = Kraft; parameśāt = vom höchsten Herrn; param padam = höchster Zustand; tadbhogatṛptisaṃtṛptā = durch dessen Genuss vollkommen gesättigt; paramānandapūritā = mit höchster Glückseligkeit erfüllt.

3.13 siñcantī = übergießend; yoginaḥ deham = Körper des Yogi; āpādatalamastakam = von den Fußsohlen bis zum Kopf; sudhayā = mit Nektar; śiśira = kühlend; snigdha = geschmeidig, ölig; śīta = kalt.

3.14 punaḥ = wieder; tena eva mārgeṇa = auf demselben Weg; prayāti = kehrt zurück; svapadam = eigener Ort; etat rahasyam yogam = dieser geheime Yoga; ākhyātam = erklärt; yogīndravandite = von höchsten Yogis Verehrte.

3.15 utsṛjya = hinter sich gelassen; sarvaśāstrāṇi = alle Lehrschriften; japahomādi karma = Handlungen wie Rezitation und Feueropfer; dharmādharmavinirmuktaḥ = von Dharma und Adharma befreit; yogam samabhyaset = Yoga gründlich üben. Gemeint ist hier der fortgeschrittene Versenkungszustand.

3.16 rasanām ūrdhvagām kṛtvā = Zunge nach oben gerichtet; trikūṭe saṃniveśayet = in Trikuta einsetzen; brahmāṇḍe = im Brahmanda; brahmarekhādhaḥ = unterhalb der Brahma-Linie; rājadantordhvamaṇḍale = im Bereich oberhalb von Rajadanta.

3.17 trikūṭam tam vijānīyāt = diesen Ort als Trikuta erkennen; liṅgam samujjvalam = hellstrahlendes Linga; kālakramavinirmuktam = vom Zeitablauf befreit; durvijñeyam = schwer erkennbar; suraiḥ api = selbst für Götter.

3.18 iḍāyām = in Ida; rātriḥ = Nacht; piṅgalāyām = in Pingala; ahaḥ = Tag; candrādityau = Mond und Sonne; sthitau = beide befindlich; nityam = beständig; rātridivātmakau = von der Natur von Nacht und Tag.

3.19 na divā = nicht am Tag; na rātrau = nicht in der Nacht; pūjayet liṅgam = das Linga verehren; sarvadā = immer; divārātrinirodhataḥ = durch Stilllegung von Tag und Nacht. Im Zusammenhang bezieht sich dies auf die zuvor genannten Atemwege.

3.20 ahorātrimayam = aus Tag und Nacht bestehend; kālakramasvabhāvajam = aus der Natur der Zeitfolge geboren; kālakramanirodhena = durch Stilllegung der Zeitfolge; kālamṛtyujayaḥ = Sieg über den zeitbestimmten Tod; bhavet = entsteht.

3.21 kālakramavinirmuktām = von der Zeitfolge befreit; cintayet = sich vorstellen; ātmanaḥ tanum = eigenen Körper; bhāvapuṣpeṇa = mit der Blüte der inneren Haltung; pūjayet = verehren; paṅkajāmṛtaiḥ = mit Lotusnektaren; tarpayet = sättigen.

3.22 ṣaṇmāsayogena = durch sechsmonatigen Yoga; ajarāmaraḥ = alterslos und unsterblich; sarvajñatvam labhet = Allwissenheit erlangen; śivasāmyaḥ = Shiva gleich; nirāmayaḥ = krankheitsfrei; satyam = wahrhaft.

3.23 tālumūle samāveśya = am Gaumenansatz eingeführt; rasanām ūrdhvavaktragām = aufwärts gerichtete Zunge; tatra jātām sudhām = dort entstandener Nektar; pītvā = getrunken; śītkāreṇa = mit zischendem Laut; śanaiḥ śanaiḥ = langsam.

3.24 prapibet pavanam = Atem einziehen, wörtlich »trinken«; nirālambe pade = im stützpunktlosen Zustand; manaḥ saṃyojya = den Geist eingesetzt; unmanyā = mit Unmani; sahajam yogam = natürlichen bzw. angeborenen Yoga; ācaret = ausüben.

3.25 anena = dadurch; ṣaṇmāsāt = nach sechs Monaten; ajarāmaraḥ = alterslos und unsterblich; cibukam yojayet = das Kinn anlegen; ṣoḍaśasvaramaṇḍale = am Kreis der sechzehn Vokale, dem Kehlzentrum.

3.26 bhrūmadhye cakṣuṣī nyasya = Augen auf die Brauenmitte gerichtet; jihvām ūrdhvam prasārayet = Zunge aufwärtsstrecken; kumbhakāvasthām saṃprāpya = Kumbhaka-Zustand erreicht; iḍāpiṅgalarodhanāt = durch Stilllegung von Ida und Pingala.

3.27 mūlaśaktim samudbodhya = Wurzelkraft erweckt; bhittvā ṣaṭ sarasīruhān = sechs Lotusse durchbrochen; taḍitsahasrasaṃkāśām = tausend Blitzen gleichend; brahmāṇḍodaramadhyame = mitten im Innern des Brahmanda.

3.28 dhāmni = in der Wohnstätte; śītāmṛtāmbhodhau = im kühlen Nektarozean; saṃniveśya = eingesetzt; ciram vaset = lange verweilen; brahmamaye dhāmni = in der von Brahman erfüllten Wohnstätte; līlayā = mühelos.

3.29 nirjīvavat dehe = im wie leblos erscheinenden Körper; bhā = Leuchten; visphurati = strahlt auf; tat padam = jener Zustand; anena yogena = mit diesem Yoga; dinasaptakam = sieben Tage; ācaret = ausführen.

3.30 yadā tadā = wenn, dann; jarāmaraṇavarjitaḥ = frei von Alter und Tod; māsamātraprayogena = durch nur einmonatige Anwendung; jīvet = lebe; ācandratārakam = solange Mond und Sterne bestehen.

3.31 brahmapuram bhittvā = Brahma-Stadt durchbrochen; vrajati = geht weiter; līlayā = mühelos; śivatvam āpnoti = erlangt Shiva-Sein; nityadehamayam = von einem beständigen Körper bestehend bzw. geprägt. Die Körperverheißung wird nicht in eine bloße Metapher umgedeutet.

3.32 na punaḥ = nicht erneut; pibate mātuḥ stanam = trinkt an der Mutterbrust; saṃsāracakrake = im Samsara-Rad; yoginaḥ buddhiḥ = Entschluss des Yogi; tyaktum deham imam = diesen Körper aufzugeben; bhavet = entsteht.

3.33 sthirāsanaḥ bhūtvā = festen Sitz eingenommen; mūlaśaktim samujjvalām = leuchtende Wurzelkraft; koṭisūryapratīkāśām = zehn Millionen Sonnen gleichend; bhāvayet ciram = lange vergegenwärtigen; ātmavit = Kenner des Selbst.

3.34 āpādatalaparyantam = bis zu den Fußsohlen; prasṛtam jīvam ātmanaḥ = eigene ausgebreitete Lebenskraft; saṃhṛtya = zusammengezogen; kramayogena = in schrittweisem Verfahren; mūlādhārapadam nayet = zum Muladhara-Ort führen.

3.35 tatra = dort; kuṇḍalinīśaktim = Kundalini-Kraft; saṃvartānalasaṃnibhām = dem Weltauflösungsfeuer gleich; jīvānilam = Lebenshauch bzw. Lebenskraft und Atem; indriyāṇi = Sinne; grasantīm = verschlingend; cintayet dhiyā = im Geist vorstellen.

3.36 saṃprāpya kumbhakāvasthām = Kumbhaka erreicht; taḍidvalayabhāsurām = wie ein Blitzring leuchtend; mūlāt unnīya = aus der Wurzel erhoben; svādhiṣṭhānapadam nayet = zum Svadhishthana-Ort führen.

3.37 tatrastham jīvam akhilam = das ganze dort befindliche Leben; grasantīm cintayet = als verschlingend vorstellen; vratī = Gelübdetreuer; taḍitkoṭipratīkāśām = zehn Millionen Blitzen gleich; unnīya satvaram = rasch erhoben.

3.38 maṇipūrapadam prāpya = Manipura erreicht; pūrvavat ācaret = wie zuvor verfahren; samunnīya punaḥ = erneut erhoben; tasmāt = von dort; anāhatapadam nayet = zum Anahata-Ort führen.

3.39 tatra sthitvā kṣaṇam = dort einen Augenblick verweilt; pūrvavat grasantīm smaret = wie zuvor als verschlingend vergegenwärtigen; unnīya = erhoben; padme ṣoḍaśāre = im sechzehnspeichigen Lotus; niveśayet = einsetzen.

3.40 yogamārgavit = Kenner des Yoga-Weges; pūrvavat cintayet = wie zuvor schauen; tasmāt unnīya = von dort erhoben; bhrūmadhyam nītvā = zur Brauenmitte geführt; jīvam graset punaḥ = erneut die Lebenskraft verschlingen. Der Subjektwechsel ist im Sanskrit knapp.

3.41 grastajīvām = die Lebenskraft verschlungen habend; mahāśaktim = große Shakti; koṭisūryasamaprabhām = zehn Millionen Sonnen gleich leuchtend; manasā saha = mit dem Geist; vāgīśī = Vagishi, hier Zunge/Göttin der Rede; bhittvā brahmārgalam = Brahma-Riegel durchbrochen; kṣaṇāt = augenblicklich. Der Satzbau ist unregelmäßig.

3.42 parāmṛtamahāmbhodhau = im großen Ozean höchsten Nektars; viśrāmam samyak ācaret = vollkommen ruhen; tatrastham = dort befindlich; paramam śivam = höchsten Shiva; paramakāraṇam = höchste Ursache.

3.43 śaktyā saha samāyojya = mit Shakti verbunden; tayoḥ aikyam = beider Einheit; vibhāvayet = vergegenwärtigen; vañcitum udyuktaḥ = zum Überlisten entschlossen; kālam = Zeit, Tod; kālavibhāgavit = Kenner der Zeitabschnitte.

3.44 yāvat…tāvat = so lange…bis; vrajati tam kālam = jene Zeit vergeht, syntaktisch ungewöhnlich; sukham vaset = glücklich verweilen; brahmadvārārgalasya adhaḥ = unterhalb des Brahma-Tor-Riegels; dehakālaprayojanam = Wirksamkeit der körperbezogenen Zeit.

3.45 ūrdhvapade = am oberen Ort; na kālaprayojanam = keine Wirksamkeit der Zeit; yadā = wenn; ātmanaḥ kālam = eigene Zeit; atikrāntam = überschritten, vorübergegangen; prapaśyati = erkennt.

3.46 brahmārgalam bhittvā = Brahma-Riegel durchbrochen; śaktim mūlapadam nayet = Shakti zum Wurzelort führen; śaktidehaprasūtam = aus Shaktis Körper hervorgegangen; svajīvam = eigene Lebenskraft; indriyaiḥ saha = mit den Sinnen.

3.47 tattatkarmaṇi saṃyojya = den jeweiligen Tätigkeiten zugewiesen; svasthadehaḥ = bei gesundem Leib; sukham vaset = glücklich leben; anena yogena = durch diesen Yoga; vañcayet = überlisten; kālam āgatam = herangekommene Zeit bzw. Tod.

3.48 yadi icchā pravartate = wenn der Wunsch entsteht; mānuṣyakam deham tyaktum = den menschlichen Körper aufzugeben; paramasaṃtuṣṭaḥ = vollkommen zufrieden; brahmasthānagatam śivam = den im Brahma-Ort befindlichen Shiva. Beginn einer traditionellen Lehre vom endgültigen Körperverlassen.

3.49 śaktyā saṃyojya = mit Shakti verbunden; nirbhidya vyoma = Raum durchbrochen; brahmaśilām viśet = in die Brahma-Platte eintreten; vyomatattvam mahāvyomni = Raumelement im großen Raum; vāyutattvam mahānile = Windelement im großen Wind.

3.50 tejastattvam mahātejasi = Feuerelement im großen Feuer; aptattvam jalamaṇḍale = Wasserelement im Wasserbereich; dharātattvam dharābhāge = Erdelement im Erdbereich; manaḥ = Geist; nirālambe pade = im stützpunktlosen Zustand.

3.51 vyomādiguṇatattveṣu = in die Prinzipien der Qualitäten ab Raum; svendriyāṇi niveśayet = eigene Sinne einsetzen; sāṃsārikam tyaktvā = das Samsarische aufgegeben; paratattvāvalambakaḥ = auf das höchste Prinzip gestützt.

3.52 aspṛṣṭaḥ = unberührt; pañcabhūtādyaiḥ = von den fünf Elementen und Weiterem; bhittvā sūryasya maṇḍalam = Sonnenkreis durchbrochen; paratattvapade śānte = im friedvollen Zustand des höchsten Prinzips; śive līnaḥ = in Shiva aufgelöst; śivāyate = wird Shiva.

3.53 na punar āvartanam = keine erneute Rückkehr; kalpakoṭisāhasraiḥ = nach Tausenden von Zehnmillionen Kalpas; anugrahāya lokānām = zur Begnadigung der Welten; yadi = wenn; deham na saṃtyajet = den Körper nicht aufgibt.

3.54 pralayānte = am Ende der Weltauflösung; tanum tyaktvā = Körper aufgegeben; svātmani eva avatiṣṭhate = ruht allein im eigenen Selbst; khecarīmudrā = Khechari Mudra; khecarādhipatitvadā = Herrschaft über die Raumwandler verleihend.

3.55 janma-mṛtyu-jarā-roga-valī-palita-nāśinī = Geburt, Tod, Alter, Krankheit, Falten und graues Haar vernichtend; anayā sadṛśī vidyā = eine dieser gleichende Vidya; kva cit śāstrāntare = irgendwo in einer anderen Lehrschrift; na hi = gewiss nicht.

3.56 khecarīmelanam = Khechari-Begegnung bzw. -Vereinigung; suguhyam = höchst geheim; na prakāśayet = nicht offenbaren; tasyāḥ abhyāsayogaḥ = ihr Übungs-Yoga; tava snehāt = aus Liebe zu dir; prakāśitaḥ = erklärt.

3.57 khecarī nāma devī = Göttin namens Khechari; sarvayogīndravanditā = von allen höchsten Yogis verehrt; na enām vetti = kennt sie nicht; loke asmin = in dieser Welt; paśuḥ = gebundenes Wesen, wörtlich Tier; procyate = wird genannt.

3.58 nityam abhyāsaśīlasya = des beständig Übenden; aṭataḥ api jagattrayam = selbst wenn er drei Welten durchwandert; guruvaktropasaṃlabdhām = aus dem Gurumund empfangen; vidyām abhyasataḥ = die Vidya Praktizierenden; api ca = auch.

3.59 khecarīmelakādyeṣu = auf Khechari-Melaka und Weiteres; nityam saṃsaktacetasaḥ = mit stets daran haftendem Geist; na sidhyati = gelingt nicht; mahāyogaḥ = großer Yoga; madīyārādhanam vinā = ohne meine Verehrung.

3.60 matprasādavihīnānām = der meiner Gnade Ermangelnden; mannindāparacetasām = deren Geist meiner Schmähung gilt; paśūnām pāśabaddhānām = der mit Fesseln gebundenen Wesen; yogaḥ kleśāya jāyate = Yoga wird zur Mühsal.

3.61 sarvajñena śivena uktām = vom allwissenden Shiva gelehrt; pūjām māmakīm = Verehrung meiner selbst; saṃtyajya = aufgegeben; yuñjataḥ satatam = für den beständig Übenden; yogaḥ nāśāya jāyate = Yoga wird zum Verderben.

3.62 bhaktyā = mit Hingabe; saṃtarpayet = erfreuen, sättigen; sarvalokamayam śivam = alle Welten umfassenden Shiva; mayi eva āsaktacittasya = dessen Geist allein mir anhängt; tuṣyanti = sind erfreut; sarvadevatāḥ = alle Gottheiten.

3.63 tat = darum; mām saṃpūjya = mich verehrt; yuñjīta khecarīm = Khechari üben; matprasādena = durch meine Gnade; anyathā = andernfalls; kleśaḥ eva = nur Mühsal; na siddhiḥ = keine Vollendung; janmakoṭiṣu = in Millionen Geburten.

3.64 sarve mantrāḥ yogāḥ ca = alle Mantras und Yogas; sidhyanti = gelingen; madārādhanaśīlasya = dem meiner Verehrung Ergebenen; mayi eva āsaktacetasaḥ = dessen Geist allein mir zugewandt ist.

3.65 tasmāt mām pūjayet = darum mich verehren; sarvayogābhivṛddhaye = zum Gedeihen aller Yogas; khecaryānanditaḥ = durch Khechari beglückt; yogam yuñjīta = Yoga ausüben; tanmayam = ganz darin aufgehend.

3.66 vijane = an einsamem Ort; janturahite = frei von Lebewesen; sarvopadravavarjite = frei von allen Störungen; sarvasādhanasaṃyuktaḥ = mit allen Hilfsmitteln ausgestattet; sarvacintāvivarjitaḥ = frei von allen Sorgen.

3.67 mṛdvāsanam samāsthāya = weichen Sitz eingenommen; svagurūktaprakārataḥ = nach der Weise des eigenen Gurus; kuryāt ekaikam abhyāsam = jede einzelne Übung ausführen; guruvākyāvalambakaḥ = auf das Guru-Wort gestützt.

3.68 ayam yogaḥ = dieser Yoga; mayā ākhyātaḥ = von mir erklärt; sarvayogaprasādhakaḥ = alle Yogas vollendend; tava prītyā = aus Liebe zu dir; kim bhūyaḥ śrotum icchasi = was möchtest du weiter hören?

3.69 śrīdevī uvāca = die ehrwürdige Göttin sprach; śambho = o Shambhu; sadbhaktisaṃlabhya = durch wahre Hingabe erreichbar; jaya = sei siegreich, Heil dir; candrārdhaśekhara = Mondsichel als Kopfschmuck tragend; guhyā = geheim; sādhu nirūpitā = trefflich erklärt.

Vierter Paṭala: Worterklärungen

4.1 atha = nun; te = dir; saṃpravakṣyāmi = ich werde erklären; sudivyāni = überaus göttlich; auṣadhāni = Arzneien, pflanzliche bzw. stoffliche Mittel; auṣadhena vinā = ohne ein solches Mittel; na kva cit = niemals; siddhim eṣyati = wird Vollendung erlangen.

4.2 bhikṣu-uttamāṅga-parikalpita-nāmadheyam = nach dem Mönchskopf benannt, vermutlich Anspielung auf Muṇḍī; patra-puṣpa-phala-daṇḍa-samūla-cūrṇam = Pulver aus Blättern, Blüten, Früchten, Stängeln und Wurzeln; takra = Buttermilch; āranāla = saures Reiswasser; payas = Milch; madhu = Honig; śarkarā = Zucker; pṛthak kavalitam = jeweils als Portion; rasamaṇḍalāni = »Saftkreise«, unklar; †pālityahānim…utsāharogaharaṇāni† = verderbte Wirkungsaufzählung.

4.3 karṇe varāhaḥ = im Ohr bzw. Hören ein Eber; nayane garutmān = im Auge bzw. Sehen Garuda; nakhāḥ dantāḥ = Nägel und Zähne; vajratulyāḥ = diamantgleich; yuvā = jugendlich; mahāmārutasāmyavegaḥ = dem großen Wind an Schnelligkeit gleich; jīvet = lebe; dharaṇī-indu-tārāḥ = Erde, Mond und Sterne.

4.4 vārāhīkandacūrṇam = Pulver der Varahi-Knolle; ghṛtaguḍasahitam = mit Ghee und Rohzucker; bhakṣayet = essen; puṣṭivṛddhī = Kräftigung und Wachstum; takre = in Buttermilch; durnāma = Hämorrhoiden; gokṣīrake = in Kuhmilch; kuṣṭha = Hautkrankheit; dvikālam = zweimal täglich; dvau varṣau = zwei Jahre; kṛṣṇakeśī = schwarzhaarig; hatavalipalitaḥ = ohne Falten und graues Haar; †kṛṣṇabhedī śarīre† = verderbte, nicht verlässlich übersetzbare Stelle.

4.5 eraṇḍatailasaṃyuktam = mit Rizinusöl verbunden; guggulum = Guggulu-Harz; triphalāyutam = mit Triphala; gandhakam = Schwefel; bhakṣayet = einnehmen; prājñaḥ = Kundiger; jarādāridryanāśanam = Alter und Armut vernichtend. Historische Aussage, keine Einnahmeempfehlung.

4.6 aśvagandhā = Ashvagandha; tilāḥ = Sesamsamen; māṣāḥ = schwarze Mungbohnen bzw. Urdbohnen; śarkarā = Zucker; viśvasarpikā = nicht sicher aufgelöster Pflanzen- bzw. Stoffname; māsamātraprayogena = durch einmonatige Anwendung; na rogaḥ maraṇam = weder Krankheit noch Tod.

4.7 pañcabhiḥ = mit den fünf; pañcamāsena = nach fünf Monaten; amaratā = Unsterblichkeit; prāpyate = wird erlangt; gandhaka = Schwefel; triphalā = Triphala; kuṣṭha = hier ein Arzneipflanzenname; madhuratrayamelitam = mit den drei Süßen vermischt.

4.8 bhakṣayet = einnehmen; prātaḥ utthāya = morgens aufgestanden; ṣaṇmāsāt = nach sechs Monaten; valipālihā = Falten und graues Haar beseitigend; pāradam = Quecksilber; gandhakam = Schwefel; tālakam = Talaka, Auripigment; manaḥśilām = Manahshila, Realgar. Beginn einer historischen mineralischen Rezeptur.

4.9 kunaṣṭikā-yaṣṭi-rajaḥ = Pulver von Kunashtika und Yashti, Segmentierung bzw. Identifikation nicht ganz sicher; rudrākhyam = Rudra genannt; muṇḍikārajaḥ = Mundika-Pulver; trimadhuplutam = mit den drei Süßen getränkt; āsvādya = gekostet, eingenommen; vatsarāt = nach einem Jahr; khecaraḥ bhavet = Raumwandler werden.

4.10 bhṛṅgam samūlam = Bhringa mit Wurzel; pariśoṣya = vollständig getrocknet; cūrṇam = Pulver; kṛṣṇān tilān = schwarze Sesamsamen, im Text sandhibedingt kṛṣṇāṃs tilāṃś; āmalakam tadardham = Amalaki zur Hälfte davon; madhutrayaiḥ = mit drei Süßen; āsvādya = eingenommen; varṣāt = nach einem Jahr; na vyādhayaḥ na jarā na mṛtyuḥ = keine Krankheit, kein Alter, kein Tod.

4.11 nirguṇḍīpatram ekaikam = jeweils ein Nirgundi-Blatt; trikālam = dreimal täglich; paribhakṣayet = essen; dvādaśābde = nach zwölf Jahren; jarāmaraṇavarjitaḥ = von Alter und Tod frei; bhavet = werde.

4.12 nirguṇḍy-amala-muṇḍīnām = von Nirgundi, Amala und Mundi; samam = zu gleichen Teilen; saṃsādhayet rajaḥ = Pulver zubereiten; śarkarā-ghṛta-madhvaktam = mit Zucker, Ghee und Honig versehen; vatsarāt = nach einem Jahr; valipālihā = Falten und graues Haar beseitigend.

4.13 māṣakam = Mashaka, hier nicht sicher identifizierte Bezeichnung; gandhakam = Schwefel; svarṇam = Gold; tālakam = Talaka; rudralocanam = »Rudras Auge«, nicht sicher aufgelöste Stoffbezeichnung; madhutrayayutam = mit drei Süßen verbunden; varṣāt = nach einem Jahr; ajarāmaraṇapradam = Freiheit von Alter und Tod verleihend.

4.14 rasam = Rasa, hier wahrscheinlich Quecksilber; śālmaliniryāsam = Ausfluss bzw. Gummi des Shalmali-Baumes; gandhakam = Schwefel; madhuratrayaiḥ = mit den drei Süßen; bhakṣayet = einnehmen; prātaḥ utthāya = morgens aufgestanden; ṣaṇmāsāt = nach sechs Monaten; ajarāmaraḥ = alterslos und unsterblich.

Kapitelbezeichnungen und Kolophone: prathamaḥ / dvitīyaḥ / tṛtīyaḥ / caturthaḥ = erster / zweiter / dritter / vierter; paṭalaḥ = Abschnitt; iti = so, hiermit; śrīmad-ādinātha-prokte = im vom ehrwürdigen Adinatha verkündeten; mahākāla-yoga-śāstre = im Mahakala-Yogashastra; umā-maheśvara-saṃvāde = im Gespräch zwischen Uma und Maheshvara; khecarīvidyāyām = in der Khechari-Vidya. Die Sprecherformel uvāca bedeutet „sprach“; īśvara, śiva und śrīdevī bezeichnen den Herrn, Shiva und die ehrwürdige Göttin.

Erläuterungen zur Lehre der Khecarīvidyā

Vidyā, Melaka und die Rolle des Gurus

Die Anfangsverse unterscheiden Abhyasa, die beharrliche Übung, von Melaka beziehungsweise Melana, dem Zusammentreffen oder der Vereinigung. Die genaue Bedeutung richtet sich nach dem Zusammenhang. Der Begriff umfasst hier eine initiatorische und erfahrungsbezogene Dimension; ihn überall nur mit „Zungentechnik“ oder nur mit „Erleuchtung“ zu übersetzen, wäre zu eng.

Nach 1.3–4 soll ein Guru den Text, dessen Sinn und seine praktische Anwendung kennen. In 1.18–19 wird das Verstehen besonders hervorgehoben: Die Weitergabe von Worten allein steht unter einer Unterweisung, die deren Bedeutung wirklich erschließt. Der Text sieht auch die Schrift selbst als Gegenwart des göttlichen Lehrers (1.26). Persönliche Übertragung und sorgfältiges Schriftenstudium werden miteinander verbunden.

Diksha ist ein hilfreicher Vergleichsbegriff für diesen initiatorischen Rahmen, aber kein beliebig austauschbares Synonym für jedes Vorkommen von Melaka. Geheimhaltung, rituelle Darbringung und die Prüfung der Empfänger gehören zur historischen Lehrsituation. Die Drohungen gegen eine unbefugte Weitergabe (1.20–24) sind als religiöse Sicherung dieser Überlieferung zu verstehen, nicht als nachprüfbare Tatsachenaussagen über heutige Leser.

Schlüsselbegriffe für das Verständnis

Begriff Bedeutung im Zusammenhang der Schrift
Abhyāsa Wiederholte, beharrliche Übung. Der Text unterscheidet sie von der besonderen Begegnung beziehungsweise Übertragung, die er melaka nennt.
Kumbhaka Zurückhalten beziehungsweise Stillstand des Atems. Die im Werk genannten Anwendungen gehören zu seinen speziellen Übungsfolgen.
Kalā Anteil oder Teilkraft; häufig ein benannter Träger des Nektars an einem bestimmten inneren Ort.
Brahmadvāra und brahmārgala „Brahma-Tor“ und „Brahma-Riegel“. Es sind Begriffe der yogischen Körperkarte, deren genaue körperliche Zuordnung nicht vorausgesetzt werden sollte.
Brahmāṇḍa Wörtlich „Brahma-Ei“ oder „Welt-Ei“; in den Übungsbeschreibungen ein oberer innerer Raum. Der jeweilige Zusammenhang entscheidet über die Übersetzung.
Unmanī Zustand jenseits gewöhnlicher Gedankenbewegung; der Geist überschreitet seine alltägliche Tätigkeit. Der Begriff gehört zum Horizont von Dhyana und Samadhi, ohne überall mit ihnen gleichbedeutend zu sein.
Laya Auflösung oder Aufgehen. Gemeint sein kann etwa die Auflösung der Elemente oder das Aufgehen des Geistes in einem höheren Zustand.
Vajrakāya „Diamantfester Körper“. Die Schrift verbindet damit eine Unvergänglichkeitsverheißung; es handelt sich nicht um eine moderne physiologische Beschreibung.

Die fünf „Mitgeborenen“

In 2.120–124 bündelt die Schrift ihren Yoga in fünf sahaja, „mitgeborenen“ Gegebenheiten: Kundalini-Shakti, Sushumna, Zunge, Gaumenort und Brahma-Ort. Diese Fünfheit verbindet körperlich wahrnehmbare Bereiche mit dem feinstofflichen Modell. Der Text behauptet damit keine Trennung zwischen einem bloß „niederen“ Körper und einem ausschließlich „höheren“ Geist: Der Leib wird zum Schauplatz der inneren Bewegung.

Die Zunge erscheint außerdem als Sitz von Vagisha, der Göttin der Rede, und von Lakshmi (2.110; 2.118–119). Körperhandlung, Laut, Ausdruck und spirituelle Fülle werden so miteinander verknüpft. Das kann heutigen Lesern einen achtsamen Umgang mit Sprache nahelegen. Diese ethische Anwendung ist eine heutige Anregung, nicht die wörtliche Erklärung der dort verheißenen Siddhis.

Kalas und Chakras sind nicht einfach dasselbe

Die kalā ist ein Anteil, eine Teilkraft oder eine besondere Wirksamkeit. Die Khecarīvidyā nennt zahlreiche Kalas mit eigenen Namen und ordnet sie unterschiedlichen Orten zu. Diese Aufzählung ist nicht identisch mit einer einzigen modernen Übersicht über sieben Chakras. Auch dürfen ihre Richtungsangaben und poetischen Ortsnamen nicht zu einer vermeintlich exakten anatomischen Landkarte umgeformt werden.

Neben dieser reich gegliederten Kala-Lehre steht der Aufstieg durch Lotusse: Muladhara, Svadhishthana, Manipura, Anahata, der sechzehnspeichige Kehl-Lotus und die Brauenmitte werden in den Übungsfolgen angesprochen. Eine heutige Chakra-Abbildung kann die Lektüre unterstützen, bildet aber nicht alle Besonderheiten dieses Werkes ab.

Nada, Bindu und die innere Umdeutung ritueller Sprache

In 2.68 wird „Fleisch“ als aus Nada und Bindu bestehend bezeichnet. Damit stellt der Text selbst eine Verbindung zwischen einer stofflichen Ritualsprache und innerem Yoga her. Die Stelle ist weder als allgemeine Ernährungsempfehlung noch als Beweis zu lesen, sämtliche materiellen Aussagen des Werkes seien nur symbolisch. Gerade die benachbarten körperlichen Verfahren zeigen, dass verschiedene Sprachebenen nebeneinander bestehen.

Ähnlich verbindet das Werk das Trinken von Amrita mit dem Erreichen von Unmanī, einem Zustand jenseits gewöhnlicher Gedankenbewegung (2.67; 2.113). Dhyana und Samadhi helfen, diesen Horizont zu erschließen. Die Khecarīvidyā entfaltet jedoch keine durchgehende Systematik des achtgliedrigen Raja Yoga. Ihre besonderen Begriffe sollten deshalb erhalten bleiben, auch wenn man sie mit bekannten Yoga-Modellen vergleicht.

Video zur Vertiefung: Khechari Mudra, Soma, Sushumna und Turiya im Kommentar zur Hatha Yoga Pradipika.

Technische Praxis, Siddhi und Befreiung

Die Schrift verheißt überaus lange Lebensspannen, außergewöhnliche Kraft, Unsichtbarkeit, Fernwahrnehmung und andere Siddhis. Gleichzeitig spricht sie von der Aufhebung des Wiedergeburtenkreislaufs, von Jivanmukti und vom Aufgehen in Shiva. Diese Ziele sind im Text miteinander verbunden, aber begrifflich nicht identisch.

Besonders aufschlussreich ist die Spannung zwischen 3.15 und 3.58–64. Zunächst soll der weit fortgeschrittene Yogi äußere Handlungen einschließlich Rezitation und Feueropfer hinter sich lassen. Später erklärt Shiva, dass selbst ausdauernde Übung und empfangene Mantras ohne seine Verehrung nicht zur Vollendung führen. Eine verständige Lektüre kann dies als Unterscheidung zwischen äußerem Tun und innerer Hingabe lesen. Sie sollte aber nicht verschweigen, dass der überlieferte Text verschiedene Akzente setzt.

Für heutige Yoga-Aspiranten ergibt sich daraus eine hilfreiche Frage: Wird die Übung zu einem Mittel der Selbstdarstellung, oder führt sie zu größerer Klarheit, Hingabe und innerer Freiheit? Diese Frage ist eine gegenwärtige Anwendung. Der historische Text selbst spricht in seiner eigenen Sprache von Shiva-Verehrung und göttlicher Gnade.

Zeit, Tod und das Verlassen des Körpers

In 3.18–21 deutet die Schrift den Wechsel von Ida und Pingala als Tag und Nacht. Die innere Verehrung findet jenseits dieses Wechsels statt. Die „Blüte der inneren Haltung“ in 3.21 ist ein besonders eindrückliches Bild: Nicht nur eine äußere Blume wird dargebracht, sondern das gesamte innere Ausgerichtetsein.

Die Abschnitte 3.32–54 beschreiben darüber hinaus eine zeitweilige oder endgültige Ablösung des Lebensprinzips vom Körper. Dies gehört zu einer vormodernen religiösen Lehre über Tod und Befreiung. Es ist keine Anleitung zum Herbeiführen des eigenen Todes. Für eine heutige spirituelle Betrachtung lässt sich die grundlegende Frage aufnehmen, wie Bindung an begrenzte Selbstbilder sich lösen kann; eine solche Betrachtung ist von der wörtlichen historischen Lehre zu unterscheiden.

Bemerkenswert ist 3.53: Der Verwirklichte kann nach der Darstellung des Textes aus Gnade für die Welten im Körper bleiben. Neben der Überwindung persönlicher Begrenzung erscheint somit auch eine Hinwendung zu anderen Wesen. Selbstverwirklichung wird hier nicht ausschließlich als Rückzug aus jeder Beziehung gedacht.

Historische Körperverfahren und stoffliche Rezepturen

Der Text selbst kennt Schwierigkeiten und Störungen der Praxis. In 1.53 warnt er vor einem zu raschen Vorgehen; 2.82–100 nennt unter anderem Erschöpfung, Schmerzen, Atemstörungen und Beeinträchtigungen des Sehens. Seine anschließend beschriebenen Gegenmittel gehören zu seiner historischen Heilkunde und werden hier nicht als medizinisch wirksame Behandlung bestätigt.

Das vierte Kapitel führt pflanzliche und mineralische Mittel auf. Einige Namen lassen sich nicht sicher bestimmen. Ausdrücklich genannt werden auch Quecksilber und arsenhaltige Mineralien wie Auripigment und Realgar. Die Übersetzung dient dem Verständnis des Textes. Die Rezepturen sind nicht zur Einnahme oder Nachbereitung bestimmt; ebenso sind die im zweiten Kapitel beschriebenen Einreibungen mit Körperausscheidungen keine heutige Praxisempfehlung. Die botanische oder mineralogische Identifikation eines Namens würde für sich allein noch keine sichere Anwendung begründen.

Auch die Aussagen, bestimmte Übungen beseitigten Krankheiten oder machten unsterblich, bleiben als Aussagen der Schrift erkennbar. Eine spirituell offene Lektüre braucht solche Verheißungen weder als erwiesene Körperwirkungen zu übernehmen noch aus dem Text zu entfernen.

Khechari Vidya und verwandte Yoga- und Tantra-Schriften

Die folgenden Verbindungen dienen dem vergleichenden Studium. Eine thematische Nähe belegt für sich genommen keine direkte literarische Abhängigkeit.

  • Hatha Yoga Pradipika: Beide Werke behandeln Mudra, Amrita, die Sammlung der Lebenskräfte und die Überschreitung gewöhnlicher Geistestätigkeit. Die Hatha Yoga Pradipika bietet einen breiteren Lehrgang, die Khecarīvidyā eine besondere Ausarbeitung der Khechari-Lehre. Mallinson weist konkrete Textübernahmen in der Hatha Yoga Pradipika nach; die gemeinsame Überlieferung ist hier also mehr als eine allgemeine Themenähnlichkeit.[1]
  • Gheranda Samhita: Als Vergleichswerk eröffnet sie einen anderen systematischen Zugang zur Schulung von Körper, Atem und Sammlung. Die Khecarīvidyā ordnet ihre Lehre vor allem um Khechari, die Kalas und die mit ihnen verbundenen Verfahren.
  • Shiva Samhita: Die gemeinsame Bezugnahme auf Shiva und auf einen inneren yogischen Körper macht einen Vergleich fruchtbar. Einzelne Angaben über Nadis, Chakras oder Vollendung sollten dennoch jeweils aus dem betreffenden Werk heraus gelesen werden.
  • Goraksha Shataka: Es steht für den mit Goraksha verbundenen Überlieferungsraum des frühen Hatha Yoga. Gemeinsam ist das Interesse an der Verbindung von Körper, Atem und innerer Sammlung; Werkfassungen und Titelüberlieferungen verlangen dabei besondere Sorgfalt.
  • Siddha Siddhanta Paddhati: Der Vergleich richtet den Blick auf das Verhältnis zwischen individuellem Körper, Welt und höchster Wirklichkeit. Die Khecarīvidyā entwickelt ihre Körperlehre stärker in einzelnen Khechari-Verfahren und Nektar-Orten.
  • Vijnana Bhairava Tantra: Beide Texte erschließen Übergänge zwischen verkörperter Erfahrung und erweitertem Bewusstsein. Der Vijnana Bhairava bietet eine Vielzahl von Zugängen zur Versenkung; die Khecarīvidyā konzentriert sich auf einen besonderen körperlich-mantrischen Komplex.
  • Shiva Sutra: Die knappe Sutraform eröffnet einen anderen Zugang zum Verständnis von Bewusstsein und Befreiung. Eine Gleichsetzung ihrer Erkenntnislehre mit den technischen Anweisungen der Khecarīvidyā würde die Eigenart beider Werke verdecken.
  • Spandakarika: Das vergleichende Interesse gilt der lebendigen Dynamik des Bewusstseins. Spanda ist dabei nicht ohne Weiteres mit körperlichem Zittern, einem Atemphänomen oder einer bestimmten Khechari-Erfahrung gleichzusetzen.
  • Kularnava Tantra: Die Bedeutung von Guru, geeigneter Unterweisung, Diksha und verantworteter Überlieferung bietet einen sinnvollen Vergleich mit dem initiatorischen Rahmen der Khecarīvidyā. Übereinstimmende Themen rechtfertigen keine pauschale Behauptung, das eine Werk sei aus dem anderen entstanden.

Als weiterer enger Vergleich ist die Yoga Kundalini Upanishad wichtig: Die Khecarīvidyā darf nicht auf deren kürzeren Khechari-Abschnitt reduziert werden. Mallinson untersucht die textlichen Übernahmen ausdrücklich.[1] Die vorliegende Ausgabe gibt das eigenständige Werk in seinen vier Paṭalas wieder.


Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

Die folgende Schriftfassung gibt denselben Sanskrittext wie die IAST-Ausgabe wieder. Sie ist aus dieser transliteriert. Das Zeichen † hat dieselbe textkritische Bedeutung wie oben.

Innere Sammlung bildet einen Horizont der Schrift. Die Devanagari-Fassung ermöglicht das Studium desselben Textes in indischer Schrift.

Erster Paṭala: Devanagari

प्रथमः पटलः

1.1
ईश्वर उवाच
अथ देवि प्रवक्ष्यामि विद्यां खेचरिसंज्ञिताम् ।
यया विज्ञातया च स्याल् लोके ऽस्मिन्न् अजरामरः ॥ १ ॥

1.2
मृत्युव्याधिजराग्रस्तं दृष्ट्वा विश्वम् इदं प्रिये ।
बुद्धिं दृढतरां कृत्वा खेचरीं तु समाश्रयेत् ॥ २ ॥

1.3
जरामृत्युगदघ्नीं यः खेचरीं वेत्ति भूतले ।
ग्रन्थतश् चार्थतश् चैव तदभ्यासप्रयोगतः ॥ ३ ॥

1.4
तं देवि सर्वभावेन गुरुं नत्वा समाश्रयेत् ।
दुर्लभा खेचरीविद्या तदभ्यासश् च दुर्लभः ॥ ४ ॥

1.5
अभ्यासो मेलकं चैव युगपन् नैव सिध्यति ।
अभ्यासमात्रनिरतो न विन्देतेह मेलकम् ॥ ५ ॥

1.6
अभ्यासाल् लभते देवि जन्मजन्मान्तरे क्व चित् ।
मेलकं जन्मनां तत् तु शतान्ते ऽपि न लभ्यते ॥ ६ ॥

1.7
अभ्यासं बहुजन्मान्ते कृत्वा सद्भावसाधितम् ।
मेलकं लभते देवि योगी जन्मान्तरे क्व चित् ।
यदा तु मेलकं कामी लभते परमेश्वरि ॥ ७ ॥

1.8
तदा तत् सिद्धिम् आप्नोति यद् उक्तं शास्त्रसं ततौ ।
ग्रन्थतश् चार्थतश् चैव मेलकं लभते यदा ॥ ८ ॥

1.9
तदा शिवत्वम् आप्नोति विमुक्तः संसृतेर् भयात् ।
शास्त्रं विना समाबोद्धुं गुरवो ऽपि न शक्नुयुः ॥ ९ ॥

1.10
तस्मात् सुदुर्लभतरं लभ्यं शास्त्रम् इदं प्रिये ।
यावन् न लभ्यते ग्रन्थस् तावद् गां पर्यटेद् इमाम् ।
यदा स लभ्यते देवि तदा सिद्धिः करे स्थिता ॥ १० ॥

1.11
न शास्त्रेण विना सिद्धिर् अटतो ऽपि जगत्त्रये ।
तस्मान् मेलकदातारं शास्त्रदातारम् ईश्वरि ॥ ११ ॥

1.12
तदभ्यासप्रदातारं शिवं मत्वा सदा यजेत् ।
तन्त्राश् च बहवो देवि मया प्रोक्ताः सुरार्चिते ॥ १२ ॥

1.13
न तेषु खेचरीसिद्धिर् आख्याता मृत्युनाशिनी ।
महाकालं च मार्तण्डं विवेकाद्यं च शाबरम् ॥ १३ ॥

1.14
विशुद्धेश्वरसं ज्ञं च तथा वै जालशंवरम् ।
एतेषु तन्त्रवर्येषु तदभ्यासः प्रकाशितः ॥ १४ ॥

1.15
क्व चित् स्पष्टं तथास्पष्टं क्व चित् तन्मेलकादिकम् ।
अस्मिन् तन्त्रवरे दिव्ये मेलकादि प्रकाशितम् ॥ १५ ॥

1.16
यद् यज् ज्ञेयं भवेत् किं चिद् दुर्ज्ञेयं खेचरीमते ।
तत् तत् सर्वम् इहास्माभिस् तव प्रीत्या प्रकाशितम् ॥ १६ ॥

1.17
तस्माच् छास्त्रं प्रलभ्येत मयोक्तम् इदम् अद्भुतम् ।
गोपनीयं महेशानि न सर्वत्र प्रकाशितम् ॥ १७ ॥

1.18
मन्मुखाम्बुरुहाज् जातं यस् तु शास्त्रामृतं वदेत् ।
स एव हि गुरुः सत्यम् अर्थतो वेत्ति यः पुनः ॥ १८ ॥

1.19
स चाधिकतमः ख्यातो गुरुर् नास्ति ततो ऽधिकः ।
लब्ध्वा शास्त्रम् इदं गुह्यम् अन्येषां न प्रकाशयेत् ॥ १९ ॥

1.20
सुविचार्य प्रवक्तव्यम् एतन्मार्गोपजीविनाम् ।
य इदं परमं शास्त्रं यत्र तत्र प्रकाशयेत् ॥ २० ॥

1.21
स शीघ्रं भक्ष्यते देवि योगिनीभिः शिवाज्ञया ।
ग्रन्थिं नोद्ग्रन्थयेद् अस्य विना कौलिकतर्पणात् ॥ २१ ॥

1.22
पूजितं शुभवस्त्रस्थं दिव्यधूपसुधूपितम् ।
श्रावयेद् विजनस्थाने योगिने योगशालिने ॥ २२ ॥

1.23
यस्मिन्न् अपूजितं शास्त्रम् इदं तिष्ठति वै गृहे ।
तत्राग्निरुग्ग्रहारातिपीडा भवति निश्चितम् ॥ २३ ॥

1.24
यत्रेदं पूजितं ग्रन्थं गृहे तिष्ठति पार्वति ।
तत्र सर्वार्थदायिन्यो वसन्ति कुलदेवताः ॥ २४ ॥

1.25
तस्मात् सर्वप्रयत्नेन गोपनीयं विजानता ।
यस् तु योगी मया प्रोक्ता इमाः सिद्धीः समीहते ॥ २५ ॥

1.26
स योगी सर्वभावेन गोपयेत् पुस्तकं त्व् इदम् ।
अहं तस्य गुरुर् देवि यत्रास्ते पुस्तकं स्वयम् ॥ २६ ॥

1.27
गुणागुणं महेशानि पुस्तकस्य च रक्षणात् ।
प्रकटं च मया प्रोक्तम् इदानीं खेचरीं शृणु ॥ २७ ॥

1.28
यत्रास्ते च गुरुर् देवि दिव्ययोगप्रसाधकः ।
तत्र गत्वा च तेनोक्तां विद्यां संगृह्य खेचरीम् ॥ २८ ॥

1.29
तेनोक्तं सम्यग् अभ्यासं कुर्याद् आदाव् अतन्द्रितः ।
विद्यां च खेचरीं देवि प्रवक्ष्ये योगसिद्धिदाम् ॥ २९ ॥

1.30
न तया रहितो योगी खेचरीसिद्धिभाग् भवेत् ।
खेचर्या खेचरीं युञ्जन् खेचरीबीजपूर्वया ॥ ३० ॥

1.31
खेचराधिपतिर् भूत्वा खेचरेषु सदा वसेत् ।
खेचरावसथं वह्निम् अम्बामण्डलभूषितम् ॥ ३१ ॥

1.32
व्याख्यातं खेचरीबीजं तेन योगः प्रसिध्यति ।
मस्तकाख्या महाचण्डा शिखिवह्निकवज्रभृत् ॥ ३२ ॥

1.33
पूर्वबीजयुता विद्या व्याख्याता ह्य् अतिदुर्लभा ।
षडङ्गविद्यां वक्ष्यामि तया षट्स्वरभिन्नया ॥ ३३ ॥

1.34
कुर्याद् देवि यथान्यायं सर्वसिद्ध्याप्तिहेतवे ।
सोमेशान् नवमं वर्णं प्रतिलोमेन चोद्धरेत् ॥ ३४ ॥

1.35
तस्मात् त्रिंशकम् आख्यातम् अक्षरं चन्द्ररूपकम् ।
तस्माद् अप्य् अष्टमं वर्णं विलोमेनापरं प्रिये ॥ ३५ ॥

1.36
तथा तत्पञ्चमं देवि तदादिर् अपि पञ्चमः ।
इन्द्रो ऽपि बिन्दुसंभिन्नः कूटो ऽयं परिकीर्तितः ॥ ३६ ॥

1.37
गुरूपदेशलभ्यं च सर्वलोकप्रसिद्धिदम् ।
यतस्य देहजा माया विरूपा करणाश्रया ॥ ३७ ॥

1.38
स्वप्ने ऽपि न भवेत् तस्य नित्यं द्वादशजाप्यतः ।
य इमां पञ्च लक्षाणि जपेद् अतिसुयन्त्रितः ॥ ३८ ॥

1.39
तस्य श्रीखेचरीसिद्धिः स्वयम् एव प्रवर्तते ।
नश्यन्ति सर्वविघ्नानि प्रसीदन्ति च देवताः ॥ ३९ ॥

1.40
वलीपलितनाशश् च भविष्यति न संशयः ।
एवं लब्ध्वा महाविद्याम् अभ्यासं कारयेत् ततः ॥ ४० ॥

1.41
अन्यथा क्लिश्यते देवि न सिद्धिः खेचरीपदे ।
यद्य् अभ्यासविधौ विद्यां न लभेत सुधामयीम् ॥ ४१ ॥

1.42
ततः संमेलकादौ च लब्ध्वा विद्यां समुज्जपेत् ।
अनया रहितो देवि न क्व चित् सिद्धिभाग् भवेत् ॥ ४२ ॥

1.43
यदेदं लभ्यते शास्त्रं तदा विद्यां समाश्रयेत् ।
ततस् तत्रोदितां सिद्धिम् आशु संलभते प्रिये ॥ ४३ ॥

1.44
तालुमूलं समुद्घृष्य सप्तवासरम् आत्मवित् ।
स्वगुरूक्तप्रकारेण मलं सर्वं विशोधयेत् ॥ ४४ ॥

1.45
स्नुहीपत्रनिभं शस्त्रं सुतीक्ष्णं स्निग्धनिर्मलम् ।
समादाय ततस् तेन रोममात्रं समुच्छिनेत् ॥ ४५ ॥

1.46
छित्त्वा सैन्धवपथ्याभ्यां चूर्णिताभ्यां प्रघर्षयेत् ।
पुनः सप्तदिने प्राप्ते रोममात्रं समुच्छिनेत् ॥ ४६ ॥

1.47
एवं क्रमेण षण्मासं नित्योद्युक्तः समाचरेत् ।
षण्मासाद् रसनामूलशिराबन्धः प्रणश्यति ॥ ४७ ॥

1.48
अथ वागीश्वरीधामशिरो वस्त्रेण वेष्टितम् ।
शनैर् उत्कर्षयेद् योगी कालवेलाविधानवित् ॥ ४८ ॥

1.49
पुनः षण्मासमात्रेण नित्यसंकर्षणात् प्रिये ।
भ्रूमध्यावधि साभ्येति तिर्यक् कर्णबिलावधि ॥ ४९ ॥

1.50
अधश् च चिबुकं मूलं प्रयाति क्रमकारिता ।
पुनः संवत्सराणां तु त्रितयाद् एव लीलया ॥ ५० ॥

1.51
केशान्तम् ऊर्ध्वं क्रमति तिर्यक् शङ्खावधि प्रिये ।
अधस्तात् कण्ठकूपान्तं पुनर् वर्षत्रयेण तु ॥ ५१ ॥

1.52
ब्रह्मरन्ध्रान्तम् आवृत्य तिष्ठत्य् अमरवन्दिते ।
तिर्यक् चूलितलं याति अधः कण्ठबिलावधि ॥ ५२ ॥

1.53
शनैर् एव प्रकर्तव्यम् अभ्यासं युगपन् न हि ।
युगपद् यश् चरेत् तस्य शरीरं विलयं व्रजेत् ॥ ५३ ॥

1.54
तस्माच् छनैः शनैः कार्यम् अभ्यासं वरवर्णिनि ।
यदा च बाह्यमार्गेण जिह्वा ब्रह्मबिलं व्रजेत् ॥ ५४ ॥

1.55
तदा ब्रह्मार्गलं देवि दुर्भेद्यं त्रिदशैर् अपि ।
अङ्गुल्यग्रेण संघृष्य जिह्वां तत्र निवेशयेत् ॥ ५५ ॥

1.56
एवं वर्षत्रयं कृत्वा ब्रह्मद्वारं प्रविश्यति ।
ब्रह्मद्वारे प्रविष्टे तु सम्यङ् मथनम् आरभेत् ॥ ५६ ॥

1.57
मथनेन विना के चित् साधयन्ति विपश्चितः ।
खेचरीमन्त्रसिद्धस्य सिध्यते मथनं विना ॥ ५७ ॥

1.58
जपं च मथनं चैव कृत्वा शीघ्रं फलं लभेत् ।
स्वर्णजां रौप्यजां वापि लोहजां वा शलाकिकां ॥ ५८ ॥

1.59
नियोज्य नासिकारन्ध्रे दृढस्निग्धेन तन्तुना ।
प्राणान् निरुध्य हृदये दृढम् आसनम् आस्थितः ॥ ५९ ॥

1.60
शनैश् च मथनं कुर्याद् भ्रूमध्ये न्यस्य चक्षुषी ।
षण्मासान् मथनावस्था तावतैव प्रजायते ॥ ६० ॥

1.61
सम्यक्संरुद्धजीवस्य योगिनस् तन्मयात्मनः ।
यथा सुषुप्तिर् बालानां तथा भावस् तदा भवेत् ॥ ६१ ॥

1.62
न सदा मथनं शस्तं मासे मासे समाचरेत् ।
सदा रसनया देवि मार्गं तु परिसंक्रमेत् ॥ ६२ ॥

1.63
एवं द्वादशवर्षान्ते संसिद्धिः परमेश्वरि ।
शरीरे सकलं विश्वं पश्यत्य् आत्माविभेदतः ॥ ६३ ॥

1.64
ब्रह्माण्डे यन् महामार्गं राजदन्तोर्ध्वमण्डले ।
भ्रूमध्ये तद् विजानीयात् त्रिकूटं सिद्धसेवितम् ॥ ६४ ॥

1.65
चणकाङ्कुरसं काशं तत्र संयोजयेन् मनः ।
लिहन् रसनया तत्र स्रवन्तं परमामृतम् ॥ ६५ ॥

1.66
शनैर् अभ्यासमार्गस्थश् चतुर्वर्षं पिबेत् प्रिये ।
वलीपलितनाशश् च संसिद्धिः परमा भवेत् ॥ ६६ ॥

1.67
सर्वशास्त्रार्थवेत्ता च जीवेद् वर्षसहस्रकम् ।
खन्याबिलमहीवादरसवादादिसिद्धयः ॥ ६७ ॥

1.68
योगिनः संप्रवर्तन्ते पञ्चवर्षेण पार्वति ।
सम्यग् रसनया योगी स्रवन्तम् अमृतोदकम् ॥ ६८ ॥

1.69
संपीत्वोपवसेत् स्वस्थो व्रतस्थो द्वादशाब्दकम् ।
अनेनाभ्यासयोगेन वलीपलितवर्जितः ॥ ६९ ॥

1.70
वज्रकायो महायोगी वर्षलक्षं स जीवति ।
दशनागसहस्राणां बलेन सहितः प्रिये ॥ ७० ॥

1.71
स दूरदर्शनश् चैव दूरश्रवण एव च ।
निग्रहानुग्रहे शक्तः सर्वत्र बलवान् भवेत् ॥ ७१ ॥

1.72
एता हि सिद्धयो देवि भ्रूमध्ये संभवन्ति हि ।
आकाशे रसनां कृत्वा दन्तपङ्क्तिं निपीडयेत् ॥ ७२ ॥

1.73
काकचञ्चुपुटं वक्त्रं कृत्वा तदमृतं पिबेत् ।
पानाद् वत्सरतः सत्यं जरामरणवर्जितः ॥ ७३ ॥

1.74
खेचरत्वम् अवाप्नोति जीवत्य् आचन्द्रतारकम् ।
पादुकाखड्गवेतालसिद्धिद्रव्यमनःशिलाः ॥ ७४ ॥

1.75
अञ्जनं विवरं चैव चेटकं यक्षिणी तथा ।
यत् किं चित् सिद्धिसमयं विद्यते भुवनत्रये ॥ ७५ ॥

तत् सर्वम् एव सहसा साधयेत् साधकोत्तमः ।
इति श्रीमदादिनाथप्रोक्ते महाकालयोगशास्त्रे उमामहेश्वरसं वादे
खेचरीविद्यायां प्रथमः पटलः

Zweiter Paṭala: Devanagari

द्वितीयः पटलः

2.1
यत्र ब्रह्मार्गलद्वारं दुर्विज्ञेयं महेश्वरि ।
कलाचतुष्कं तत्रस्थं चतुर्वर्गात्मकं परम् ॥ १ ॥

2.2
पूर्वभागे कृता नाम गुप्ता दक्षिणगोचरा ।
शिवा पश्चिमदिग्भागे परापरशिवोत्तरे ॥ २ ॥

2.3
तद् द्वारं रसनाग्रेण भित्त्वा पूर्वकलामृतम् ।
यदा पिबति वै योगी मासाद् धर्माधिपो भवेत् ॥ ३ ॥

2.4
यदा गुप्तामृतं दक्षे योगी रसनया लिहेत् ।
मासाद् एव न संदेहः साक्षाद् अर्थेश्वरो भवेत् ॥ ४ ॥

2.5
तत्पश्चिमकलाजातम् अमृतं जिह्वया पिबेत् ।
यदा तदा महायोगी मासात् कामेश्वरो भवेत् ॥ ५ ॥

2.6
उत्तरस्थकलाजातम् अमृतं प्रपिबेद् यदा ।
तदासौ परमेष्ठीनाम् आधिपत्यम् अवाप्नुयात् ॥ ६ ॥

2.7
तदूर्ध्वमण्डले लीनं ब्रह्मरन्ध्रे परामृतम् ।
यदा पिबति योगीन्द्रो जीवन्मुक्तः शिवो भवेत् ॥ ७ ॥

2.8
मासमासावधि यदा द्वादशाब्दं समाचरेत् ।
सर्वरोगविनिर्मुक्तः सर्वज्ञो मुनिपूजितः ॥ ८ ॥

2.9
जायते शिववद् योगी लोके ऽस्मिन्न् अजरामरः ।
चतुष्कलामृतं वारि पीत्वा पीत्वा महेश्वरि ॥ ९ ॥

2.10
ब्रह्मस्थाने तथा जिह्वां संनियोज्यामृतं पिबेत् ।
सुस्वादु शीतलं हृद्यं क्षीरवर्णम् अफेनिलम् ॥ १० ॥

2.11
मासमात्रप्रयोगेन जायते देववत् स्वयम् ।
द्विमासे सर्वशास्त्रार्थं सम्यग् जानाति पार्वति ॥ ११ ॥

2.12
स्वतन्त्रः शिववन् मासत्रयाद् भवति वै शिवे ।
चतुर्मासान् महेशानि सर्वज्ञत्वं प्रवर्तते ॥ १२ ॥

2.13
पञ्चमासे महासिद्धस् त्रैलोक्यम् अपि पश्यति ।
षण्मासे परमानन्दगुणसद्भावपूरितः ॥ १३ ॥

2.14
जायते नात्र संदेहो जीवन्मुक्तः परापरे ।
सप्तमासे महाभूतपिशाचोरगराक्षसैः ॥ १४ ॥

2.15
सह संवर्तते नित्यं स्वेच्छया हृष्टमानसः ।
अष्टमे मासपर्याये देवैः संमेलनं भवेत् ॥ १५ ॥

2.16
नवमे मास्य् अदृश्यत्वं सूक्ष्मत्वं चैव जायते ।
दशमे कामरूपत्वं सर्वलोकप्रकाशकम् ॥ १६ ॥

2.17
एकादशे त्रिकालज्ञः सर्वलोकेश्वरः प्रभुः ।
जायते शिववद् देवि सत्यम् एतन् मयोदितम् ॥ १७ ॥

2.18
यत्र चूलितलं प्रोक्तं केदारं प्राहुर् ईश्वरि ।
तत्र सोमकलाश् चाष्टौ विख्याता वीरवन्दिते ॥ १८ ॥

2.19
अमृता प्रथमा देवि द्वितीया मानदाह्वया ।
पूषा तुष्टिश् च पुष्टिश् च रतिश् चैव धृतिस् तथा ॥ १९ ॥

2.20
शशिनी चाष्टमी सर्वाः परामृतमहार्णवाः ।
तद्धामाभिमुखीं जिह्वां यदा योगी करोति च ॥ २० ॥

2.21
अष्टधा स्रवते तत्र तदा तुहिनसंततिः ।
तदाप्लावनसंयोगात् कलेवरगदक्षयः ॥ २१ ॥

2.22
अष्टभिर् मासपर्यायैः खेचरत्वं प्रजायते ।
भ्रूमध्यं नाम यद् धाम तत् प्रोक्तं सोममण्डलम् ॥ २२ ॥

2.23
कलाचतुष्कं तत्रोक्तं परामृतनिकेतनम् ।
चन्द्रिकाख्या च कान्तिश् च ज्योत्स्ना श्रीश् चेति नामतः ॥ २३ ॥

2.24
तत्र जिह्वां समावेश्य पीत्वा पीत्वा समापिबेत् ।
योगी मासचतुष्केण जायते निरुपद्रवः ॥ २४ ॥

2.25
वज्रकायो भवेत् सत्यं तदाप्लावनपानतः ।
तदूर्ध्वं वज्रकन्दाख्यं शिला खेचरमण्डलम् ॥ २५ ॥

2.26
ललाटान्ते विजानीयात् तत्र देवि कलात्रयम् ।
प्रीतिस् तथाङ्गदा पूर्णा तत्र जिह्वां प्रवेशयेत् ॥ २६ ॥

2.27
क्षीरधारामृतं शीतं स्रवन्तं जिह्वया पिबेत् ।
मासत्रयेण देवेशि सर्वव्याधिविवर्जितः ॥ २७ ॥

2.28
अच्छेद्यः सर्वशस्त्रैश् च अभेद्यः सर्वसाधनैः ।
अचिन्त्यः सर्वविज्ञानैर् विरूपविषयान्वितैः ॥ २८ ॥

2.29
भैरवाभो भवेत् सत्यं वज्रकन्दप्रभावतः ।
नासिकाधो ऽधरोष्ठोर्ध्वं राजदन्तं महापदम् ॥ २९ ॥

2.30
तत्र पूर्णामृता देवि शीतला च कलाद्वयम् ।
संप्राप्य कुम्भकावस्थां रसनाग्रेण संस्पृशेत् ॥ ३० ॥

2.31
तत्र संजायते देवि सुस्वादु शीतलं जलम् ।
स्वमनस् तत्र संयोज्य पिबेन् मासत्रयं व्रती ॥ ३१ ॥

2.32
अजरामरताम् एति सर्वव्याधिविवर्जितः ।
गुदबीजान्तरस्थानम् आधारं परिकीर्तितम् ॥ ३२ ॥

2.33
तत्र पञ्च कलाः प्रोक्ताः प्रगलत्परमामृताः ।
सुधा सुधामयी प्रज्ञा कालघ्नी ज्ञानदायिनी ॥ ३३ ॥

2.34
कलाः पञ्च सुधाधाराः कीर्तिताः सर्वसिद्धिदाः ।
तत्रस्था परमा शक्तिर् आद्या कुण्डलिनी शिवे ॥ ३४ ॥

2.35
तत्राकुञ्चनयोगेन कुम्भकेन सुरार्चिते ।
मूलशक्त्या समासाद्य तत्रस्थं शीतलामृतम् ॥ ३५ ॥

2.36
सुषुम्णया समानीय स्वाधिष्ठानादिपङ्कजात् ।
तत्सुधावृष्टिसंसिक्तं स्मरेद् ब्रह्माण्डकावधि ॥ ३६ ॥

2.37
तत्रस्थम् अमृतं गृह्य शक्तिः श्रीकुण्डली परा ।
सुषुम्णामार्गम् आसाद्य ब्रह्मधामान्तम् ईयुषी ॥ ३७ ॥

2.38
मूलपञ्चकलाजातसुधातृप्तिपरिप्लुता ।
आपादमस्तपर्यन्तं व्यापयन्तीं तनुं स्मरेत् ॥ ३८ ॥

2.39
पञ्चमासप्रयोगेन पञ्चभूतलयो भवेत् ।
शिवसाम्यो भवेत् सत्यं त्रिकालाभ्यासयोगतः ॥ ३९ ॥

2.40
लिङ्गस्थानं हि यद् देवि स्वाधिष्ठानं तद् उच्यते ।
तत्र दिव्यामृतमयं कलात्रयम् उदीरितम् ॥ ४० ॥

2.41
सुसूक्ष्मा परमाह्लादा विद्या चेति प्रकीर्तिताः ।
पूर्ववत् कुम्भकावस्थां प्राप्य शक्तिं प्रबोध्य च ॥ ४१ ॥

2.42
नीत्वा ब्रह्माण्डपर्यन्तं प्लावयेच् च स्वकां तनुम् ।
योगी त्रिमासपर्याये पूर्वोक्तं लभते फलं ॥ ४२ ॥

2.43
गुदमेढ्रान्तरं यद् वै वेणुदण्डं तद् उच्यते ।
कलाचतुष्कं तत्रोक्तं परामृतरसात्मकम् ॥ ४३ ॥

2.44
सुशीता च महातृप्तिः पलितघ्नी वलिक्षया ।
तत्र शक्तिं समुद्बोध्य पूर्ववत् प्लावयेत् तनुम् ॥ ४४ ॥

2.45
चतुर्मासप्रयोगेन पूर्वोदितफलं लभेत् ।
पिङ्गला रविवाह्या स्याद् इडा स्याच् चन्द्रवाहिनी ॥ ४५ ॥

2.46
विषवाहो रविः प्रोक्तः सुधावाहो निशाकरः ।
अभ्यासः सूर्यवाहाख्ये चन्द्रवाहे च शस्यते ॥ ४६ ॥

2.47
†धारणा चन्द्रवाहे च† योगी कुम्भकम् आचरेत् ।
शशिवाहेन पवनं पूरयेद् आत्मनस् तनुम् ॥ ४७ ॥

2.48
रविवाहेन चोत्सर्गः शस्यते देहवृद्धये ।
एतत् ते व्याहृतं देवि कलास्थानं चतुर्गुणम् ॥ ४८ ॥

2.49
अतः परं प्रवक्ष्यामि परामृतमहापदम् ।
वज्रकन्दं ललाटे तु प्रज्वलच्चन्द्रसं निभम् ॥ ४९ ॥

2.50
लं गर्भं चतुरस्रं च तत्र देवः परः शिवः ।
देवताः समुपासन्ते योगिनः शक्तिसंयुतम् ॥ ५० ॥

2.51
चूलितले महादेवि लक्षसूर्यसमप्रभम् ।
त्रिकोणमण्डलं मध्ये देवं लिङ्गात्मकं शिवम् ॥ ५१ ॥

2.52
रं गर्भमध्यमं देवि स्वशक्त्यालिङ्गितं परम् ।
देवतागणसंजुष्टं भावयेत् परमेश्वरि ॥ ५२ ॥

2.53
दक्षशङ्खे महाभागे षड्बिन्दुवलयान्वितम् ।
यं गर्भं धूम्रवर्णं च तत्र देवं महेश्वरम् ॥ ५३ ॥

2.54
लिङ्गाकारं स्मरेद् देवि शक्तियुक्तं गणावृतम् ।
वामशङ्खे ऽर्धचन्द्राभं सपद्मं मण्डलं शिवे ॥ ५४ ॥

2.55
वं गर्भं च दृढं मध्ये तत्र लिङ्गं सुधामयम् ।
गोक्षीरधवलाकारं शरच्चन्द्रायुतप्रभम् ॥ ५५ ॥

2.56
स्वशक्तिसहितं सर्वदेवतागणसेवितम् ।
एवं देवि चतुर्दिक्षु स्थानान्य् उक्तानि वै मया ॥ ५६ ॥

2.57
तेषां मध्ये महावृत्तं हं गर्भं तत्र पार्वति ।
परमेशः परः शम्भुः स्वशक्तिसहितः स्थितः ॥ ५७ ॥

2.58
लिङ्गाकारो गणयुतः सूर्यकोटिसमप्रभः ।
पृथिव्यधिपतिर् भाले पश्चिमे सूर्यनायकः ॥ ५८ ॥

2.59
दक्षशङ्खे ऽनिलपतिर् वामे जलपतिः शिवे ।
मध्ये व्योमाधिपः शम्भुस्थानाः पञ्च मयोदिताः ॥ ५९ ॥

2.60
व्योमाधिपस्य देवस्य शिरोर्ध्वे चतुरङ्गुलम् ।
ज्योतिर्मण्डलमध्यस्थं कोटिचन्द्रसमप्रभम् ॥ ६० ॥

2.61
दिव्यामृतमयं भाण्डं मूलबन्धकपाटकम् ।
ऊर्ध्वचन्द्रं महाशैलम् अभेद्यम् अमृतास्पदम् ॥ ६१ ॥

2.62
शीतलामृतमध्ये तु विलीनं लिङ्गम् ईश्वरि ।
त्रसरेणुप्रतीकाशं कोटिचन्द्रसमप्रभम् ॥ ६२ ॥

2.63
हेयोपादेयरहितम् अज्ञानतिमिरापहम् ।
अतीत्य पञ्च स्थानानि परतत्त्वोपलब्धये ॥ ६३ ॥

2.64
परामृतघटाधारकपाटं कुम्भकान्वितम् ।
मनसा सह वागीशाम् ऊर्ध्ववक्त्रां प्रसारयेत् ॥ ६४ ॥

2.65
निरुद्धप्राणसंचारो योगी रसनयार्गलम् ।
लीलयोद्घाटयेत् सत्यं संप्राप्य मनसा सह ॥ ६५ ॥

2.66
शीतलेक्षुरसस्वादु तत्र क्षीरामृतं हिमम् ।
योगपानं पिबेद् योगी दुर्लभं विबुधैर् अपि ॥ ६६ ॥

2.67
तत्सुधातृप्तिसंतृप्तः परावस्थाम् उपेत्य च ।
उन्मन्या तत्र संयोगं लब्ध्वा ब्रह्माण्डकान्तरे ॥ ६७ ॥

2.68
नादबिन्दुमयं मांसं योगी योगेन भक्षयेत् ।
एतद् रहस्यं देवेशि दुर्लभं परिकीर्तितम् ॥ ६८ ॥

2.69
सर्वज्ञेन शिवेनोक्तं यत् फलं शास्त्रसं ततौ ।
तत् फलं लभते सत्यं षण्मासान् नात्र संशयः ॥ ६९ ॥

2.70
संप्राप्य सिद्धिसंतानं यो योगम् इमम् ईश्वरि ।
न वेत्ति तस्य वक्तव्यं न किं चित् सिद्धिम् इच्छता ॥ ७० ॥

2.71
न जानन्ति गुरुं देवं शास्त्रोक्तान् समयांस् तथा ।
दम्भकौटिल्यनिरतास् तेषां शास्त्रं न दापयेत् ॥ ७१ ॥

2.72
जिह्वामूले स्थितो देवि सर्वतेजोमयो ऽनलः ।
तदग्रे भास्करश् चन्द्रस् भालमध्ये प्रतिष्ठितः ॥ ७२ ॥

2.73
एवं यो वेत्ति तत्त्वेन तस्य सिद्धिः प्रजायते ।
मथित्वा मण्डलं वह्नेः समुद्बोध्य प्रयत्नतः ॥ ७३ ॥

2.74
तदुष्णसारद्रवितं भालजं चन्द्रमण्डलम् ।
भास्कराधिष्ठिताग्रेण रसनेन समाश्रयेत् ॥ ७४ ॥

2.75
तच् चन्द्रगलितं देवि शीतलं परमामृतम् ।
नासिकारन्ध्रनिर्यातं पात्रेण परिसंग्रहेत् ॥ ७५ ॥

2.76
तेनाङ्गमर्दनात् सत्यं नाडीशुद्धिः प्रजायते ।
गुदलिङ्गोद्गतं पात्रे निर्गतं चामरीरसम् ॥ ७६ ॥

2.77
कक्षामृतं च संलोड्य संस्कृतं चाधरारसैः ।
तेनाङ्गमर्दनं कृत्वा योगी लोके निरामयः ॥ ७७ ॥

2.78
बलवाञ् जायते सत्यं वलीपलितवर्जितः ।
जिह्वामूलं समुद्घृष्य तत्र जातं महाद्रवम् ॥ ७८ ॥

2.79
स्वदेहं मर्दयेत् पूर्वं रसना वत्सरार्धतः ।
चतुरङ्गुलवृद्धा च जायते नात्र संशयः ॥ ७९ ॥

2.80
उत्कृष्य रसनाम् ऊर्ध्वं दक्षिणाङ्गुलिभिः शिवे ।
वामहस्ताङ्गुलीभिश् च घण्टिकां स्फोटयेच् छिवे ॥ ८० ॥

2.81
मथित्वा पावकस्थानम् ऊर्ध्ववक्त्रं शनैः शनैः ।
त्रिकूटोर्ध्वे च चन्द्रांशे शिवस्थानं समाश्रयेत् ॥ ८१ ॥

2.82
एषा ते खेचरीमुद्रा कथिता मृत्युनाशिनी ।
एवम् अभ्यासशीलस्य तद्विघ्नार्थं भवन्ति हि ॥ ८२ ॥

2.83
भटभेदाश् च चत्वारो नटभेदास् तथैव च ।
अङ्गशोषः क्षुधालस्यं कण्डूर् देहविवर्णता ॥ ८३ ॥

2.84
भटस्य प्रत्यया एते तेषां शृणु च भेषजम् ।
मनो निर्विषयं कृत्वा त्रिमासम् अमरीरसम् ॥ ८४ ॥

2.85
देहम् उद्वर्तयेत् तेन देहवृद्धिः प्रजायते ।
त्रिस् त्रिर् उद्वर्तनं कुर्याद् दिवा रात्रौ तथैव च ॥ ८५ ॥

2.86
रसनाम् ऊर्ध्वम् आयोज्य वज्रकन्दपदोन्मुखीम् ।
तत्सुधां लिहतः सत्यं क्षुधालस्यं च नश्यति ॥ ८६ ॥

2.87
तत्सुधाम् अमरीं देवि गृहीत्वा चाङ्गमर्दनात् ।
स्वशरीरविवर्णत्वं कण्डूश् चापि प्रणश्यति ॥ ८७ ॥

2.88
नटभेदाश् च चत्वारो बहुधा संस्थिताः प्रिये ।
नेत्ररोगो ऽङ्गवेपश् च दाहो भ्रान्तिस् तथैव च ॥ ८८ ॥

2.89
भेदम् एकं मया प्रोक्तं द्वितीयम् अधुना शृणु ।
दन्तरुक् चाल्पसत्त्वं च देहलाघवनाशनम् ॥ ८९ ॥

2.90
तृतीयभेदं च तथा शृणु देवि महाज्वरः ।
शिरोरुक् श्लेष्मदोषश् च चतुर्थः संप्रधार्यताम् ॥ ९० ॥

2.91
वमनं श्वासदोषश् च नेत्रान्धत्वं तथैव च ।
दुर्जया च तथा निद्रा तेषां शृणु च भेषजम् ॥ ९१ ॥

2.92
मूलाधारात् सुषुम्नायाम् ऊर्ध्वं कुण्डलिनीं नयेत् ।
निश्चलाम् ऊर्ध्वगां जिह्वां कृत्वा कुंभकम् आश्रयेत् ॥ ९२ ॥

2.93
शक्तिक्षोभान् महेशानि महानादः प्रवर्तते ।
यदा शृणोति तं नादं तदा मुक्तः स उच्यते ॥ ९३ ॥

2.94
चिन्तयेद् अमृतासिक्तं स्वदेहं परमेश्वरि ।
अनेन देवि मासेन पूर्वदोषैः प्रमुच्यते ॥ ९४ ॥

2.95
अनेनैव विधानेन द्विमासं तु यदाचरेत् ।
तदा शृणोति कर्णाभ्यां महागजरवध्वनिम् ॥ ९५ ॥

2.96
पूर्ववच् चिन्तयेद् देहं द्वितीयैर् मुच्यते गदैः ।
त्रिमासाद् ब्रह्मनादं च शृणुत्वा पूर्ववत् स्मरेत् ॥ ९६ ॥

2.97
तृतीयभेददोषैश् च मुच्यते नात्र संशयः ।
मेघनादम् अघोराख्यं चतुर्थे मासपर्यये ॥ ९७ ॥

2.98
श्रुत्वा पूर्ववद् अभ्यस्य भ्रान्तिदोषैः प्रमुच्यते ।
एवं स्थिरमतिर् ध्यानम् अभ्यासं च त्रिकालतः ॥ ९८ ॥

2.99
साधयेत् त्र्यब्दतः सत्यं जायते ह्य् अजरामरः ।
भटदोषचतुष्कस्य नटदोषस्य चैव हि ॥ ९९ ॥

2.100
निवारणं मया प्रोक्तं भूयः शृणु सुराधिपे ।
यो ऽस्मिन् शान्ते परे तत्त्वे योगे योगी सुखात्मके ॥ १०० ॥

2.101
प्रविष्टः सर्वतत्त्वज्ञस् तस्य पादौ नमाम्य् अहम् ।
प्रथमं चालनं देवि द्वितीयं भेदनं भवेत् ॥ १०१ ॥

2.102
तृतीयं मथनं शस्तं चतुर्थं च प्रवेशनम् ।
तालुमूलं समुद्घृष्य जिह्वाम् उत्कर्षयेत् प्रिये ॥ १०२ ॥

2.103
चालनं तद् विजानीयाद् ब्रह्मार्गलविभेदनम् ।
भेदनं तद् वदन्ति स्म †मथनं तन्तुना प्रिये ॥ १०३ ॥

2.104
लोहकीलप्रवेशेन यदा मथनम् आचरेत् ।
मथनं तद् विजानीयाद्† योगवृद्धिकरं प्रिये ॥ १०४ ॥

2.105
उद्घाट्यार्गलम् आकाशे जिह्वाम् ऊर्ध्वं प्रसारयेत् ।
प्रवेशं प्राहुर् ईशानि योगसिद्धिप्रवर्तकम् ॥ १०५ ॥

2.106
ब्रह्मार्गलप्रभेदेन जिह्वासंक्रमणेन च ।
प्रत्ययः परमेशानि क्षणात् सत्यं प्रजायते ॥ १०६ ॥

2.107
आदाव् आनन्दभावत्वं निद्राहानिर् अतः परम् ।
संगमं भोजनं चैव स्वल्पमात्रं प्रजायते ॥ १०७ ॥

2.108
पुष्टिः संजायते तेजोवृद्धिश् च भवति प्रिये ।
न जरा न च मृत्युश् च न व्याधिपलितानि च ॥ १०८ ॥

2.109
ऊर्ध्वरेता महेशानि अणिमादिगुणान्वितः ।
यदि निश्चलभावेन योगम् एवं प्रसाधयेत् ॥ १०९ ॥

2.110
तदा प्रोक्तान् इमान् सम्यक् फलान् लभति पार्वति ।
जिह्वाग्रे श्रीश् च वागीशा संस्थिता वीरवन्दिते ॥ ११० ॥

2.111
जिह्वामूलाधारभागे बन्धमृत्युः प्रतिष्ठितः ।
बन्धमृत्युपदं सर्वम् उन्मूलय गणाम्बिके ॥ १११ ॥

2.112
तदग्रेण विशेत् सोमधाम श्रीशम्भुसंज्ञितम् ।
अनेन देवि योगेन मनसाधिष्ठितेन च ॥ ११२ ॥

2.113
उन्मन्यावेशम् आयाति योगी तल्लयम् आप्नुयात् ।
लयस्य प्रत्ययः सद्यः संभवत्य् अविचारतः ॥ ११३ ॥

2.114
जिह्वाग्रे मन आधाय दृशा तद् धाम लक्षयेत् ।
मूलात् सुषुम्णामार्गेण पवनं चोर्ध्वम् आनयेत् ॥ ११४ ॥

2.115
ब्रह्मधामगतो योगी मनः शून्ये निवेशयेत् ।
ध्यायेद् एवं परं तत्त्वं हेयोपादेयवर्जितम् ॥ ११५ ॥

2.116
आकाशगङ्गा स्रवति ब्रह्मस्थानात् सुशीतला ।
प्रपिबन् मासमात्रेण वज्रकायो भवेद् ध्रुवम् ॥ ११६ ॥

2.117
दिव्यदेहो भवेत् सत्यं दिव्यवाग् दिव्यदर्शनः ।
दिव्यबुद्धिर् भवेद् देवि दिव्यश्रवण एव च ॥ ११७ ॥

2.118
जिह्वाग्रे कोटिचन्द्राभां वागीशां परिभावयेत् ।
परामृतकलातृप्तां कवित्वं लभते क्षणात् ॥ ११८ ॥

2.119
जिह्वाग्रे संस्थितां लक्ष्मीं परामृतविमोदिताम् ।
ध्यायन् योगी महेशानि योगसाम्राज्यम् आप्नुयात् ॥ ११९ ॥

2.120
सहजाः पञ्च विख्याताः पिण्डे ऽस्मिन् †परमात्मके† ।
यदा संजायते देहो मातृदेहे पितृक्षयात् ॥ १२० ॥

2.121
तत्र सार्धं भवन्ति स्म देहे वृद्धिम् उपेयुषि ।
आद्या कुण्डलिनीशक्तिः सहजा प्रथमा स्मृता ॥ १२१ ॥

2.122
द्वितीया च सुषुम्णाख्या जिह्वा चैव तृतीयका ।
तालुस्थानं चतुर्थं च ब्रह्मस्थानं तु पञ्चमम् ॥ १२२ ॥

2.123
उन्नीय सहजाम् आद्यां द्वितीयां सहजां न्यसेत् ।
तृतीयां सहजाम् ऊर्ध्वं चतुर्थे सहजे विशेत् ॥ १२३ ॥

2.124
चतुर्थं सहजं भित्त्वा सहजं पञ्चमं विशेत् ।
एतद् भेदं मया प्रोक्तं दुर्विज्ञेयं कुलेश्वरि ॥ १२४ ॥

इति श्रीमदादिनाथप्रोक्ते महाकालयोगशास्त्रे उमामहेश्वरसं वादे
खेचरीविद्यायां द्वितीयः पटलः

Dritter Paṭala: Devanagari

तृतीयः पटलः

3.1
शिव उवाच
मूलात् कुण्डलिनीशक्तिं सुषुम्णामार्गम् आगताम् ।
लूतैकतन्तुप्रतिमां सूर्यकोटिसमप्रभाम् ॥ १ ॥

3.2
प्रविश्य घण्टिकामार्गं शिवद्वारार्गलं शिवे ।
भित्त्वा रसनया योगी कुम्भकेन महेश्वरि ॥ २ ॥

3.3
प्रविशेत् कोटिसूर्याभं धाम स्वायम्भुवं प्रिये ।
तत्रामृतमहाम्भोधौ शीतकल्लोलशालिनि ॥ ३ ॥

3.4
पीत्वा विश्राम्य च सुधां परमानन्दपूर्णया ।
बुद्ध्या तत्सुधया तृप्तम् आत्मदेहं विभावयेत् ॥ ४ ॥

3.5
अनेन दिव्ययोगेन जायते दिव्यदर्शनम् ।
खेचरत्वं भवेत् सत्यं सर्वरोगक्षयस् तथा ॥ ५ ॥

3.6
वञ्चनं कालमृत्योश् च त्रैलोक्यभ्रमणं तथा ।
अणिमादिगुणोपेतः संसिद्धो जायते ध्रुवम् ॥ ६ ॥

3.7
योगीन्द्रत्वम् अवाप्नोति गतिर् अव्याहता भवेत् ।
नवनागसहस्राणां बलेन सहितः स्वयम् ॥ ७ ॥

3.8
जायते शिववद् देवि सत्यं सत्यं मयोदितम् ।
इडापिङ्गलयोर् मध्ये सुषुम्णा ज्योतिरूपिणी ॥ ८ ॥

3.9
वर्णरूपगुणैस् त्यक्तं तेजस् तत्र निरामयम् ।
प्रसुप्तभुजगाकारा या सा कुण्डलिनी परा ॥ ९ ॥

3.10
गङ्गा च यमुना चैव इडापिङ्गलसंज्ञके ।
गङ्गायमुनयोर् मध्ये तां शक्तिं संनिवेशयेत् ॥ १० ॥

3.11
ब्रह्मधामावधि शिवे परमामृतरूपिणीम् ।
तन्मयो जायते सत्यं सदामृततनुः स्वयम् ॥ ११ ॥

3.12
शिवधाम गता शक्तिः परमेशात् परं पदम् ।
तद्भोगतृप्तिसंतृप्ता परमानन्दपूरिता ॥ १२ ॥

3.13
सिञ्चन्ती योगिनो देहम् आपादतलमस्तकम् ।
सुधया शिशिरस्निग्धशीतया परमेश्वरि ॥ १३ ॥

3.14
पुनस् तेनैव मार्गेण प्रयाति स्वपदं शिवे ।
एतद् रहस्यम् आख्यातं योगं योगीन्द्रवन्दिते ॥ १४ ॥

3.15
उत्सृज्य सर्वशास्त्राणि जपहोमादि कर्म यत् ।
धर्माधर्मविनिर्मुक्तो योगी योगं समभ्यसेत् ॥ १५ ॥

3.16
रसनाम् ऊर्ध्वगां कृत्वा त्रिकूटे संनिवेशयेत् ।
ब्रह्माण्डे ब्रह्मरेखाधो राजदन्तोर्ध्वमण्डले ॥ १६ ॥

3.17
त्रिकूटं तं विजानीयात् तत्र लिङ्गं समुज्ज्वलम् ।
कालक्रमविनिर्मुक्तं दुर्विज्ञेयं सुरैर् अपि ॥ १७ ॥

3.18
इडायां रात्रिर् उद्दिष्टा पिङ्गलायाम् अहः स्मृतम् ।
चन्द्रादित्यौ स्थितौ देवि नित्यं रात्रिदिवात्मकौ ॥ १८ ॥

3.19
न दिवा पूजयेल् लिङ्गं न रात्रौ च महेश्वरि ।
सर्वदा पूजयेल् लिङ्गं दिवारात्रिनिरोधतः ॥ १९ ॥

3.20
अहोरात्रिमयं चेदं कालक्रमस्वभावजम् ।
कालक्रमनिरोधेन कालमृत्युजयो भवेत् ॥ २० ॥

3.21
कालक्रमविनिर्मुक्तां चिन्तयेद् आत्मनस् तनुम् ।
पूजयेद् भावपुष्पेण तर्पयेत् पङ्कजामृतैः ॥ २१ ॥

3.22
एवं षण्मासयोगेन जायते ह्य् अजरामरः ।
सर्वज्ञत्वं लभेत् सत्यं शिवसाम्यो निरामयः ॥ २२ ॥

3.23
तालुमूले समावेश्य रसनाम् ऊर्ध्ववक्त्रगाम् ।
तत्र जातां सुधां पीत्वा शीत्कारेण शनैः शनैः ॥ २३ ॥

3.24
प्रपिबेत् पवनं योगी निरालम्बे पदे शिवे ।
मनः संयोज्य चोन्मन्या सहजं योगम् आचरेत् ॥ २४ ॥

3.25
अनेन योगी षण्मासाज् जायते ह्य् अजरामरः ।
चिबुकं योजयेद् देवि षोडशस्वरमण्डले ॥ २५ ॥

3.26
भ्रूमध्ये चक्षुषी न्यस्य जिह्वाम् ऊर्ध्वं प्रसारयेत् ।
संप्राप्य कुम्भकावस्थाम् इडापिङ्गलरोधनात् ॥ २६ ॥

3.27
मूलशक्तिं समुद्बोध्य भित्त्वा षट् सरसीरुहान् ।
तडित्सहस्रसं काशां ब्रह्माण्डोदरमध्यमे ॥ २७ ॥

3.28
धाम्नि शीतामृताम्भोधौ संनिवेश्य चिरं वसेत् ।
यदा ब्रह्ममये धाम्नि योगी वसति लीलया ॥ २८ ॥

3.29
तदा निर्जीववद् देहे भा विस्फुरति तत्पदम् ।
अनेन देवि योगेन दिनसप्तकम् आचरेत् ॥ २९ ॥

3.30
यदा तदा स भवति जरामरणवर्जितः ।
मासमात्रप्रयोगेन जीवेद् आचन्द्रतारकम् ॥ ३० ॥

3.31
यदा ब्रह्मपुरं भित्त्वा योगी व्रजति लीलया ।
तदा शिवत्वम् आप्नोति नित्यदेहमयं शिवे ॥ ३१ ॥

3.32
न पुनः पिबते मातुः स्तनं संसारचक्रके ।
यदा तु योगिनो बुद्धिस् त्यक्तुं देहम् इमं भवेत् ॥ ३२ ॥

3.33
तदा स्थिरासनो भूत्वा मूलशक्तिं समुज्ज्वलाम् ।
कोटिसूर्यप्रतीकाशां भावयेच् चिरम् आत्मवित् ॥ ३३ ॥

3.34
आपादतलपर्यन्तं प्रसृतं जीवम् आत्मनः ।
संहृत्य क्रमयोगेन मूलाधारपदं नयेत् ॥ ३४ ॥

3.35
तत्र कुण्डलिनीशक्तिं संवर्तानलसंनिभाम् ।
जीवानिलं चेन्द्रियाणि ग्रसन्तीं चिन्तयेद् धिया ॥ ३५ ॥

3.36
संप्राप्य कुम्भकावस्थां तडिद्वलयभासुराम् ।
मूलाद् उन्नीय देवेशि स्वाधिष्ठानपदं नयेत् ॥ ३६ ॥

3.37
तत्रस्थं जीवम् अखिलं ग्रसन्तीं चिन्तयेद् व्रती ।
तडित्कोटिप्रतीकाशां तस्माद् उन्नीय सत्वरम् ॥ ३७ ॥

3.38
मणिपूरपदं प्राप्य तत्र पूर्ववद् आचरेत् ।
समुन्नीय पुनस् तस्माद् अनाहतपदं नयेत् ॥ ३८ ॥

3.39
तत्र स्थित्वा क्षणं देवि पूर्ववद् ग्रसतीं स्मरेत् ।
उन्नीय च पुनः पद्मे षोडशारे निवेशयेत् ॥ ३९ ॥

3.40
तत्रापि चिन्तयेद् देवि पूर्ववद् योगमार्गवित् ।
तस्माद् उन्नीय भ्रूमध्यं नीत्वा जीवं ग्रसेत् पुनः ॥ ४० ॥

3.41
ग्रस्तजीवां महाशक्तिं कोटिसूर्यसमप्रभाम् ।
मनसा सह वागीशी भित्त्वा ब्रह्मार्गलं क्षणात् ॥ ४१ ॥

3.42
परामृतमहाम्भोधौ विश्रामं सम्यग् आचरेत् ।
तत्रस्थं परमं देवि शिवं परमकारणम् ॥ ४२ ॥

3.43
शक्त्या सह समायोज्य तयोर् ऐक्यं विभावयेत् ।
यदि वञ्चितुम् उद्युक्तः कालं कालविभागवित् ॥ ४३ ॥

3.44
यावद् व्रजति तं कालं तावत् तत्र सुखं वसेत् ।
ब्रह्मद्वारार्गलस्याधो देहकालप्रयोजनम् ॥ ४४ ॥

3.45
तस्माद् ऊर्ध्वपदे देवि न हि कालप्रयोजनम् ।
यदा देव्य् आत्मनः कालम् अतिक्रान्तं प्रपश्यति ॥ ४५ ॥

3.46
तदा ब्रह्मार्गलं भित्त्वा शक्तिं मूलपदं नयेत् ।
शक्तिदेहप्रसूतं तु स्वजीवं चेन्द्रियैः सह ॥ ४६ ॥

3.47
तत्तत्कर्मणि संयोज्य स्वस्थदेहः सुखं वसेत् ।
अनेन देवि योगेन वञ्चयेत् कालम् आगतम् ॥ ४७ ॥

3.48
यदि मानुष्यकं देहं त्यक्तुम् इच्छा प्रवर्तते ।
ततः परमसंतुष्टो ब्रह्मस्थानगतं शिवम् ॥ ४८ ॥

3.49
शक्त्या संयोज्य निर्भिद्य व्योम ब्रह्मशिलां विशेत् ।
व्योमतत्त्वं महाव्योम्नि वायुतत्त्वं महानिले ॥ ४९ ॥

3.50
तेजस्तत्त्वं महातेजस्य् अप्तत्त्वं जलमण्डले ।
धरातत्त्वं धराभागे निरालम्बे मनः पदे ॥ ५० ॥

3.51
व्योमादिगुणतत्त्वेषु स्वेन्द्रियाणि निवेशयेत् ।
एवं सांसारिकं त्यक्त्वा परतत्त्वावलम्बकः ॥ ५१ ॥

3.52
अस्पृष्टः पञ्चभूताद्यैर् भित्त्वा सूर्यस्य मण्डलम् ।
परतत्त्वपदे शान्ते शिवे लीनः शिवायते ॥ ५२ ॥

3.53
न कल्पकोटिसाहस्रैः पुनर् आवर्तनं भवेत् ।
अनुग्रहाय लोकानां यदि देहं न संत्यजेत् ॥ ५३ ॥

3.54
प्रलयान्ते तनुं त्यक्त्वा स्वात्मन्य् एवावतिष्ठते ।
इत्य् एषा खेचरीमुद्रा खेचराधिपतित्वदा ॥ ५४ ॥

3.55
जन्ममृत्युजरारोगवलीपलितनाशिनी ।
अनया सदृशी विद्या क्व चिच् छास्त्रान्तरे न हि ॥ ५५ ॥

3.56
खेचरीमेलनं देवि सुगुह्यं न प्रकाशयेत् ।
तस्याश् चाभ्यासयोगो ऽयं तव स्नेहात् प्रकाशितः ॥ ५६ ॥

3.57
खेचरी नाम या देवि सर्वयोगीन्द्रवन्दिता ।
नैनां यो वेत्ति लोके ऽस्मिन् स पशुः प्रोच्यते शिवे ॥ ५७ ॥

3.58
नित्यम् अभ्यासशीलस्य अटतो ऽपि जगत्त्रयम् ।
गुरुवक्त्रोपसंलब्धां विद्याम् अभ्यसतो ऽपि च ॥ ५८ ॥

3.59
खेचरीमेलकाद्येषु नित्यं संसक्तचेतसः ।
न सिध्यति महायोगो मदीयाराधनं विना ॥ ५९ ॥

3.60
मत्प्रसादविहीनानां मन्निन्दापरचेतसाम् ।
पशूनां पाशबद्धानां योगः क्लेशाय जायते ॥ ६० ॥

3.61
सर्वज्ञेन शिवेनोक्तां पूजां संत्यज्य मामकीम् ।
युञ्जतः सततं देवि योगो नाशाय जायते ॥ ६१ ॥

3.62
भक्त्या संतर्पयेद् देवि सर्वलोकमयं शिवम् ।
मय्य् एवासक्तचित्तस्य तुष्यन्ति सर्वदेवताः ॥ ६२ ॥

3.63
तन् मां संपूज्य युञ्जीत मत्प्रसादेन खेचरीम् ।
अन्यथा क्लेश एव स्यान् न सिद्धिर् जन्मकोटिषु ॥ ६३ ॥

3.64
सर्वे सिध्यन्ति मन्त्राश् च योगाश् च परमेश्वरि ।
मदाराधनशीलस्य मय्य् एवासक्तचेतसः ॥ ६४ ॥

3.65
तस्मान् मां पूजयेद् देवि सर्वयोगाभिवृद्धये ।
खेचर्यानन्दितो योगी योगं युञ्जीत तन्मयम् ॥ ६५ ॥

3.66
विजने जन्तुरहिते सर्वोपद्रववर्जिते ।
सर्वसाधनसंयुक्तः सर्वचिन्ताविवर्जितः ॥ ६६ ॥

3.67
मृद्वासनं समास्थाय स्वगुरूक्तप्रकारतः ।
कुर्याद् एकैकम् अभ्यासं गुरुवाक्यावलम्बकः ॥ ६७ ॥

3.68
अयं योगो मयाख्यातः सर्वयोगप्रसाधकः ।
तव प्रीत्या महेशानि किं भूयः श्रोतुम् इच्छसि ॥ ६८ ॥

3.69
श्रीदेव्य् उवाच
शम्भो सद्भक्तिसंलभ्य जय चन्द्रार्धशेखर ।
त्वया श्रीखेचरीविद्या गुह्या साधु निरूपिता ॥ ६९ ॥

इति श्रीमदादिनाथप्रोक्ते महाकालयोगशास्त्रे उमामहेश्वरसं वादे
खेचरीविद्यायां तृतीयः पटलः

Vierter Paṭala: Devanagari

चतुर्थः पटलः

4.1
अथ ते संप्रवक्ष्यामि सुदिव्यान्य् औषधानि च ।
औषधेन विना योगी न क्व चित् सिद्धिम् एष्यति ॥ १ ॥

4.2
भिक्षूत्तमाङ्गपरिकल्पितनामधेयं
तत्पत्रपुष्पफलदण्डसमूलचूर्णम् ।
तक्रारनालपयसा मधुशर्कराद्यैर्
दद्यात् पृथक्कवलितं रसमण्डलानि ।
†पालित्यहानिम् अतिसत्त्वम् उदारवीर्यम्
उत्साहरोगहरणानि च सम्यग् एव† ॥ २ ॥

4.3
कर्णे वराहो नयने गरुत्मान्
नखाश् च दन्ताः किल वज्रतुल्याः ।
युवा महामारुतसाम्यवेगो
जीवेच् च यावद् धरणीन्दुताराः ॥ ३ ॥

4.4
वाराहीकन्दचूर्णं घृतगुडसहितं भक्षयेत् पुष्टिवृद्धी
तक्रे दुर्नामनाशस् त्व् अथ पुनर् अपि गोक्षीरके कुष्ठनाशः ।
तच्चूर्णं शर्कराद्यैर् मधुम् अपि च पयः पाययेच् च द्विकालम्
द्वौ वर्षौ कृष्णकेशी हतवलिपलितः †कृष्णभेदी शरीरे† ॥ ४ ॥

4.5
एरण्डतैलसंयुक्तं गुग्गुलुं त्रिफलायुतम् ।
गन्धकं भक्षयेत् प्राज्ञो जरादारिद्र्यनाशनम् ॥ ५ ॥

4.6
अश्वगन्धा तिला माषाः शर्करा विश्वसर्पिका ।
मासमात्रप्रयोगेन न रोगो मरणं भवेत् ॥ ६ ॥

4.7
पञ्चभिः पञ्चमासेन प्राप्यते ऽमरता प्रिये ।
गन्धकत्रिफलाकुष्ठं मधुरत्रयमेलितम् ॥ ७ ॥

4.8
भक्षयेत् प्रातर् उत्थाय षण्मासाद् वलिपालिहा ।
पारदं गन्धकं देवि तालकं च मनःशिलाम् ॥ ८ ॥

4.9
कुनष्टिकायष्टिरजो रुद्राख्यं मुण्डिकारजः ।
त्रिमधुप्लुतम् आस्वाद्य वत्सरात् खेचरो भवेत् ॥ ९ ॥

4.10
भृङ्गं समूलं परिशोष्य चूर्णं
कृष्णांस् तिलांश् चामलकं तदर्धम् ।
मधुत्रयैः स्वाद्य सदैव वर्षान्
न व्याधयो नापि जरा न मृत्युः ॥ १० ॥

4.11
निर्गुण्डीपत्रम् एकैकं त्रिकालं परिभक्षयेत् ।
द्वादशाब्दे भवेद् देवि जरामरणवर्जितः ॥ ११ ॥

4.12
निर्गुण्ड्यमलमुण्डीनां समं संसाधयेद् रजः ।
शर्कराघृतमध्वक्तं वत्सराद् वलिपालिहा ॥ १२ ॥

4.13
माषकं गन्धकं स्वर्णं तालकं रुद्रलोचनम् ।
मधुत्रययुतं वर्षाद् अजरामरणप्रदम् ॥ १३ ॥

4.14
रसं शाल्मलिनिर्यासंगन्धकं मधुरत्रयैः ।
भक्षयेत् प्रातर् उत्थाय षण्मासाद् अजरामरः ॥ १४ ॥

इति श्रीमदादिनाथप्रोक्ते महाकालयोगशास्त्रे उमामहेश्वरसं वादे
खेचरीविद्यायां चतुर्थः पटलः

Vereinfachte und inspirierende deutsche Gesamtübersetzung

Diese vollständige Lesefassung folgt der versweisen Übersetzung, verbindet angefangene Sätze und erleichtert einige Ausdrücke. Die Angaben in Klammern nennen den jeweiligen Versbereich. Vidya bedeutet je nach Stelle heilige Lehre oder Mantra; Melaka die besondere Begegnung beziehungsweise Vereinigung; Shakti die göttliche Kraft; Unmani den Zustand jenseits gewöhnlicher Gedankenbewegung. Die historischen Eingriffe und Rezepturen bleiben Textaussagen, keine Übungsaufträge.

Erster Paṭala: zusammenhängende Lesefassung

(1.1–1.4) Ishvara sprach: Nun werde ich die Khechari genannte Vidya erklären. Wer sie erkennt, kann in dieser Welt frei von Alter und Tod werden. Wenn man diese von Tod, Krankheit und Alter ergriffene Welt sieht, soll man seinen Entschluss festigen und bei Khechari Zuflucht suchen. Wer auf Erden die Alter, Tod und Krankheit vernichtende Khechari kennt – aus dem Text, aus dem Verständnis seiner Bedeutung und aus eigener Übung –, vor diesem Guru soll man sich mit ganzem Herzen verneigen und bei ihm Zuflucht suchen. Selten ist die heilige Khechari-Lehre, und selten ist auch ihre Übung.

(1.5–1.9) Übung und Melaka kommen nicht einfach gleichzeitig zur Vollendung. Wer sich ausschließlich auf das Üben konzentriert, erfährt dadurch noch nicht notwendig Melaka, die besondere Begegnung beziehungsweise Vereinigung. Durch Übung erlangt man es irgendwann im Verlauf aufeinanderfolgender Geburten; doch jenes Melaka wird selbst nach hundert Geburten nicht ohne Weiteres erlangt. Nachdem der Yogi über viele Geburten hinweg eine durch rechte innere Haltung getragene Übung ausgeführt hat, erlangt er irgendwann in einer weiteren Geburt Melaka. Wenn der danach Verlangende dieses Melaka erlangt, höchste Herrin, dann erlangt er jene Vollendung, von der die Überlieferung der Lehrschriften spricht. Wenn er Melaka sowohl durch den Text als auch durch dessen verstandenen Sinn erlangt, dann erlangt er das Shiva-Sein, befreit von der Furcht vor dem Kreislauf der Wiedergeburten. Ohne die Lehrschrift könnten selbst Lehrer dies nicht vollständig verstehen.

(1.10–1.14) Darum soll man diese äußerst schwer erhältliche Schrift erlangen. Solange der Text nicht gefunden ist, soll man diese Erde durchwandern. Ist er gefunden, liegt die Vollendung gleichsam in der Hand. Ohne die Lehrschrift gibt es keine Vollendung, selbst wenn man die drei Welten durchwandert. Deshalb soll man den Geber des Melaka, den Geber der Schrift, o Herrin, und den Vermittler ihrer Übung als Shiva betrachten und stets verehren. Viele Tantras habe ich gelehrt, o Göttin, die du von den Göttern verehrt wirst; doch in ihnen ist die todvernichtende Vollendung der Khechari nicht [vollständig] erklärt. Im Mahakala, im Martanda mit »Viveka« am Titelanfang, also Vivekamartanda, und im Shabara, im sogenannten Vishuddheshvara sowie im Jalasamvara – in diesen hervorragenden Tantras ist ihre Übung dargelegt.

(1.15–1.17) Melaka und das damit Zusammenhängende erscheinen dort teils deutlich, teils undeutlich. In diesem erhabenen göttlichen Lehrwerk werden Melaka und die zugehörigen Dinge erklärt. Was immer in der Lehre der Khechari erkannt werden soll und schwer zu verstehen ist: All dies haben wir hier aus Liebe zu dir erklärt. Darum soll man diese wunderbare, von mir gelehrte Schrift erlangen. Sie ist geheim zu halten und nicht überall bekanntzumachen.

(1.18–1.21) Wer den aus dem Lotus meines Mundes hervorgegangenen Nektar der Schrift ausspricht, ist wahrhaft ein Guru. Wer auch seinen Sinn versteht, steht noch höher; über einen solchen Lehrer stellt die Schrift keinen anderen. Wer diese geheime Schrift erlangt hat, soll sie anderen nicht wahllos offenbaren. Die Lehre soll nach sorgfältiger Prüfung an Menschen weitergegeben werden, die diesen Weg tatsächlich leben. Wer aber diese höchste Schrift hier und dort unterschiedslos bekanntmacht, wird auf Shivas Geheiß rasch von Yoginis verschlungen. Ohne die Kaula-Darbringung vollzogen zu haben, soll man nicht einmal die Verschnürung dieses Buches lösen.

(1.22–1.24) Man soll die Schrift verehren, in ein schönes Tuch hüllen und mit wertvollem Räucherwerk beräuchern. An einem stillen Ort soll sie einem Menschen vorgelesen werden, der im Yoga erfahren ist. In einem Haus, in dem diese Schrift unverehrt liegt, entstehen, so heißt es, gewiss Bedrängnisse durch Feuer, Krankheit, schädliche Mächte und Feinde. Wo dieser Text dagegen verehrt im Haus liegt, Parvati, wohnen die Gottheiten des Kula, die alle erstrebten Güter gewähren.

(1.25–1.27) Darum soll der Wissende sie mit aller Sorgfalt bewahren. Der Yogi, der diese von mir genannten Vollendungen erstrebt, soll dieses Buch mit seinem ganzen Wesen hüten. Wo das Buch selbst gegenwärtig ist, bin ich sein Guru. Ich habe dir erklärt, welche guten und schlechten Folgen der Umgang mit diesem Buch haben soll. Höre nun von Khechari.

(1.28–1.32) Man gehe dorthin, wo ein Guru weilt, der den göttlichen Yoga zur Vollendung führt, und empfange von ihm die heilige Khechari-Lehre. Zuerst soll man die von ihm gelehrte Übung sorgfältig und unermüdlich ausführen. Ich werde nun die heilige Khechari-Lehre erklären, die Vollendung im Yoga gewährt. Ohne sie hat der Yogi keinen Anteil an der Vollendung der Khechari. Wer Khechari mit der Khechari-Formel verbindet, der ihr Bija vorangestellt ist, wird zum Herrn der im Raum Wandelnden und weilt stets unter ihnen. [Zur Gewinnung des Bija:] Die Wohnstätte der Raumwandler, das Feuer, geschmückt mit dem Kreis der Mutter, wird als Khechari-Bija bezeichnet; durch dieses gelingt der Yoga. [Es folgt eine weitere Lautverschlüsselung:] die »Kopf« Genannte, die große Chanda, versehen mit Shikhi, Vahni, Ka und Vajra.

(1.33–1.35) Mit dem vorher genannten Bija verbunden, ist dies die überaus schwer erhältliche Vidya. Ich werde die sechsgliedrige Vidya erklären; mit ihr, durch sechs Vokale unterschieden, soll man vorschriftsgemäß [die zugehörige Einsetzung] vollziehen, um alle Vollendungen zu erlangen. Vom Somesha aus soll man rückwärts den neunten Laut herausnehmen. Von diesem aus wird der dreißigste Laut genannt, von Mondgestalt. Von dort wiederum nehme man rückwärts den achten weiteren Laut.

(1.36–1.39) Ebenso dessen fünften und wiederum den fünften von dessen Anfang aus. Auch Indra, mit Bindu versehen: Dies wird als Lautgruppe bezeichnet. Sie ist durch die Unterweisung des Gurus zu erlangen und verleiht Erfolg in allen Welten. Die im Körper entstehende, entstellende und in den Sinnesorganen gründende Maya des Übenden tritt bei ihm nicht einmal im Traum auf, wenn er täglich zwölfmal rezitiert. Wer diese Vidya mit strenger Selbstbeherrschung fünfhunderttausendmal rezitiert, bei dem stellt sich die Vollendung der ehrwürdigen Khechari von selbst ein. Alle Hindernisse vergehen, und die Gottheiten werden gnädig.

(1.40–1.42) Auch Falten und graues Haar werden verschwinden, daran sei kein Zweifel. Nachdem man so die große Vidya erlangt hat, soll man die Übung [unter Anleitung] aufnehmen. Andernfalls müht man sich nur ab, ohne den Zustand der Khechari zu vollenden. Sollte man während der Übung die nektarvolle Vidya noch nicht erlangen, soll man sie dann zu Beginn des Sammelaka empfangen und sorgfältig rezitieren. Ohne sie wird man niemals der Vollendung teilhaftig.

(1.43–1.45) Sobald diese Lehrschrift erlangt ist, soll man sich der Vidya zuwenden. Dann erlangt man rasch die darin gelehrte Vollendung. Der Selbstkundige soll sieben Tage lang den Gaumenansatz reiben und nach der von seinem Guru gelehrten Art alle Unreinheit beseitigen. Dann soll er ein sehr scharfes, glattes und sauberes Instrument von der Gestalt eines Snuhi-Blattes nehmen und damit eine haarbreite Stelle [des Zungenbändchens] einschneiden.

(1.46–1.48) Nach dem Schnitt soll er mit pulverisiertem Steinsalz und Pathya einreiben. Nach sieben Tagen soll er erneut eine haarbreite Stelle einschneiden. So soll er schrittweise sechs Monate lang beharrlich verfahren. Nach sechs Monaten löst sich, dem Text zufolge, die bandartige Bindung am Zungenansatz. Dann soll der Yogi die Spitze der Wohnstätte der Göttin der Rede [die Zungenspitze] mit einem Tuch umwickeln und langsam herausziehen; dabei soll er die Regeln über Zeit und Zeitpunkt kennen.

(1.49–1.52) Durch tägliches Ziehen während weiterer sechs Monate erreicht sie den Bereich zwischen den Augenbrauen und seitwärts die Ohröffnung. Nach unten erreicht sie bei schrittweisem Vorgehen den Kinnansatz. Nach weiteren drei Jahren gelangt sie dann mühelos nach oben bis zum Haaransatz und seitwärts bis zur Schläfe, nach unten bis zur Kehlgrube. Nach weiteren drei Jahren bleibt sie bis zum Brahmarandhra herumgebogen, von den Unsterblichen Verehrte. Seitwärts reicht sie bis zum Hinterkopfbereich und nach unten bis in die Kehlöffnung.

(1.53–1.55) Die Übung soll nur langsam durchgeführt werden, niemals auf einmal. Wer sie auf einmal durchführt, dessen Körper geht zugrunde. Darum soll schrittweise geübt werden, du Schöne. Wenn die Zunge auf dem äußeren Weg die Brahma-Öffnung erreicht, soll man den selbst für die Götter schwer zu durchbrechenden Brahma-Riegel mit der Fingerspitze reiben und die Zunge dort einführen.

(1.56–1.60) Wenn man drei Jahre so verfährt, dringt man in das Brahma-Tor ein. Sobald dieses betreten ist, soll man das Mathana sorgfältig beginnen. Einige Kundige erreichen die Vollendung auch ohne Mathana. Wer den Khechari-Mantra verwirklicht hat, gelangt ohne Mathana zum Ziel. Wer Rezitation und Mathana verbindet, erlangt rasch die Frucht. Ein kleines Stäbchen aus Gold, Silber oder Eisen soll nach dieser historischen Anweisung mit einem festen, glatten Faden an der Nasenöffnung eingesetzt werden. In einer festen Sitzhaltung soll der Übende die Lebenskräfte im Herzen zurückhalten und langsam das Mathana ausführen, während er die Augen auf die Brauenmitte richtet. Nach sechs Monaten stellt sich dadurch der mit Mathana verbundene Zustand ein.

(1.61–1.63) Für den Yogi, dessen Lebenskraft vollständig gesammelt ist und dessen ganzes Wesen darin aufgeht, entsteht dann ein Zustand wie der Tiefschlaf von Kindern. Mathana wird nicht ständig empfohlen; man soll es von Monat zu Monat ausführen. Mit der Zunge dagegen soll man den Weg regelmäßig durchschreiten. So tritt nach zwölf Jahren die Vollendung ein. Im eigenen Körper sieht man das ganze Weltall, ohne Trennung vom Selbst.

(1.64–1.66) Den großen Weg im Brahmanda, oberhalb des Rajadanta und in der Brauenmitte, soll man als Trikuta erkennen, den von Vollendeten aufgesuchten Ort. Dorthin, zu dem einer Kichererbsensprosse gleichenden [Ort], soll man den Geist richten und mit der Zunge den dort fließenden höchsten Nektar lecken. Auf diesem allmählichen Übungsweg soll man vier Jahre trinken. Falten und graues Haar vergehen, und höchste Vollendung entsteht.

(1.67–1.69) Man versteht den Sinn aller Lehrschriften und lebt tausend Jahre. Vollendungen bezüglich verborgener Schätze, unterirdischer Räume, der Erde und der Alchemie stellen sich beim Yogi nach fünf Jahren ein. Nachdem der Yogi mit der Zunge das fließende Nektarwasser gründlich getrunken hat, soll er zwölf Jahre fastend verweilen, in sich ruhend und an sein Gelübde gebunden. Durch diesen Übungs-Yoga wird er frei von Falten und grauem Haar.

(1.70–1.72) Mit einem diamantfesten Körper lebt der große Yogi hunderttausend Jahre und besitzt die Kraft von zehntausend Elefanten. Er sieht und hört in die Ferne, vermag zu hemmen und zu begnadigen und ist überall mächtig. Diese Vollendungen entstehen in der Brauenmitte. Man soll die Zunge in den Raum legen und die Zahnreihen aufeinanderpressen.

(1.73–1.75) Den Mund zur Form eines Krähenschnabels gemacht, soll man jenen Nektar trinken. Durch ein Jahr dieses Trinkens werde man, so die Verheißung, frei von Alter und Tod. Man erlangt den Zustand eines Raumwandlers und lebt, solange Mond und Sterne bestehen. Magische Sandalen, Schwert, Vetala, wirksame Substanzen und Manahshila, Augensalbe, unterirdischer Zugang, dienender Geist und Yakshini: Was immer es in den drei Welten an überlieferten Wegen zu besonderen Kräften gibt, all dies verwirklicht der beste Praktizierende rasch.

So endet der erste Abschnitt der Khechari-Vidya im Gespräch zwischen Uma und Maheshvara, im vom ehrwürdigen Adinatha verkündeten Mahakala-Yogashastra.

Zweiter Paṭala: zusammenhängende Lesefassung

(2.1–2.3) Dort, wo das schwer zu erkennende Tor mit dem Brahma-Riegel liegt, befindet sich eine höchste Vierheit von Kalas, die den vier Lebenszielen entspricht. Im Osten liegt die Kala namens Krita, im Süden Gupta, im Westen Shiva und im Norden Paraparashiva. Wenn der Yogi dieses Tor mit der Zungenspitze durchbricht und den Nektar der östlichen Kala trinkt, wird er nach einem Monat zum Herrn des Dharma.

(2.4–2.6) Wenn der Yogi rechts mit der Zunge den Nektar der Gupta leckt, wird er nach nur einem Monat, so die Verheißung, unmittelbar zum Herrn des Wohlstands. Wenn er mit der Zunge den Nektar der westlichen Kala trinkt, wird der große Yogi nach einem Monat zum Herrn des Kama. Wenn er den Nektar der nördlichen Kala trinkt, erlangt er die Herrschaft über die höchsten Wesen.

(2.7–2.10) Wenn der höchste Yogi den im oberen Bereich, im Brahmarandhra verborgenen höchsten Nektar trinkt, wird er als Shiva zu Lebzeiten befreit. Wenn man diese Übung Monat für Monat zwölf Jahre lang ausführt, wird man von allen Krankheiten frei, allwissend und von Weisen verehrt. Der Yogi wird in dieser Welt wie Shiva, frei von Alter und Tod. Nachdem er immer wieder das Nektarwasser der vier Kalas getrunken hat, soll er die Zunge in den Brahma-Ort führen und Nektar trinken: wohlschmeckend, kühl, herzerfreuend, milchfarben und ohne Schaum.

(2.11–2.15) Durch nur einen Monat dieser Anwendung wird er selbst gottgleich. Nach zwei Monaten versteht er den Sinn aller Lehrschriften vollständig. Nach drei Monaten wird er frei und selbstbestimmt wie Shiva, o Shiva. Nach vier Monaten stellt sich Allwissenheit ein. Im fünften Monat sieht der große Siddha sogar die drei Welten. Im sechsten Monat erfüllt ihn die Erfahrung höchster Glückseligkeit und ohne Zweifel zu Lebzeiten befreit, du Höchste und Nicht-Höchste. Im siebten Monat hält er sich unter großen Geistern, Pishachas, Schlangenwesen und Rakshasas auf, stets nach eigenem Willen und frohen Gemüts. Wenn der achte Monat abgelaufen ist, kommt es zur Begegnung mit den Göttern.

(2.16–2.18) Im neunten Monat entstehen Unsichtbarkeit und Feinheit. Im zehnten die Fähigkeit, beliebige Gestalt anzunehmen und alle Welten zu erhellen. Im elften wird er zum Kenner der drei Zeiten und zum mächtigen Herrn aller Welten, gleich Shiva. Dies habe ich als wahr ausgesprochen. Den als Chulitala bezeichneten Ort nennt man Kedara, o Herrin. Dort sind acht Mond-Kalas bekannt, du von den Helden Verehrte.

(2.19–2.21) Die erste ist Amrita, die zweite heißt Manada; dann folgen Pusha, Tushti, Pushti, Rati und Dhriti, und Shashini als achte. Sie alle sind große Ozeane höchsten Nektars. Wenn der Yogi die Zunge ihrem Sitz zuwendet, fließt dort ein achtfacher kühlender Strom. Indem dieser den Leib überflutet, vergehen dessen Krankheiten.

(2.22–2.24) Nach acht Monaten entsteht das Raumwandler-Sein. Der Ort zwischen den Augenbrauen wird Mondkreis genannt. Dort wird eine Vierheit von Kalas gelehrt, eine Wohnstätte höchsten Nektars. Ihre Namen sind Chandrika, Kanti, Jyotsna und Shri. Dorthin soll der Yogi die Zunge führen und wieder und wieder trinken. Nach vier Monaten wird er frei von Bedrängnissen.

(2.25–2.28) Durch Überflutung und Trinken wird sein Körper wahrhaft diamantfest. Oberhalb davon liegt die »Vajrakanda« genannte feste Stelle, der Kreis der Raumwandler. Man soll ihn am Ende der Stirn erkennen. Dort befinden sich drei Kalas, Göttin: Priti, Angada und Purna. Dorthin soll man die Zunge führen. Mit der Zunge soll man den kühl wie ein Milchstrom fließenden Nektar trinken. Nach drei Monaten, Herrin der Götter, ist man frei von allen Krankheiten, von keiner Waffe zu schneiden und durch kein Mittel zu durchbrechen; durch gewöhnliche, auf vielfältige äußere Gegenstände gerichtete Erkenntnis nicht zu erfassen.

(2.29–2.31) Durch die Macht der Vajrakanda wird man wahrhaft Bhairava gleich. Unter der Nase und oberhalb der Unterlippe liegt der große Ort Rajadanta. Dort befinden sich die beiden Kalas Purnamrita und Shitala. Im Zustand des Kumbhaka soll man sie mit der Zungenspitze berühren. Dort entsteht wohlschmeckendes kühles Wasser. Den Geist darauf gerichtet, soll der an sein Gelübde Gebundene es drei Monate lang trinken.

(2.32–2.34) Er erlangt Alterslosigkeit und Unsterblichkeit, frei von allen Krankheiten. Der Ort zwischen After und Hoden wird Adhara genannt. Dort werden fünf Kalas gelehrt, aus denen höchster Nektar strömt: Sudha, Sudhamayi, Prajna, Kalaghni und Jnanadayini. Diese fünf nektarströmenden Kalas verleihen alle Vollendungen. Dort wohnt die höchste ursprüngliche Kraft, Kundalini, o Shiva.

(2.35–2.37) Dort soll man durch Kontraktion und Kumbhaka, du von Göttern Verehrte, mittels der Wurzelkraft den dort befindlichen kühlen Nektar erreichen, ihn durch die Sushumna aus den Lotussen, beginnend mit Svadhishthana, heraufführen und sich [den Körper] bis zum Brahmanda von diesem Nektarregen durchtränkt vorstellen. Nachdem die höchste Kraft Shri Kundali den dortigen Nektar aufgenommen hat, nimmt sie den Sushumna-Weg und gelangt bis zur Brahma-Wohnstätte.

(2.38–2.40) Man soll sich vorstellen, dass die Kraft den Nektar der fünf Wurzel-Kalas aufgenommen hat und den ganzen Körper von den Füßen bis zum Scheitel erfüllt. Durch fünfmonatige Anwendung erfolgt die Auflösung der fünf Elemente. Durch Übung zu den drei Tageszeiten wird man wahrhaft Shiva gleich. Der Ort des Geschlechtsorgans heißt Svadhishthana. Dort werden drei aus göttlichem Nektar bestehende Kalas gelehrt.

(2.41–2.43) Sie heißen Susukshma, Paramahlada und Vidya. Wie zuvor soll man in Kumbhaka eintreten und die Kraft erwecken, sie bis zum Brahmanda führen und den eigenen Körper überfluten. Nach drei Monaten erlangt der Yogi die zuvor genannte Frucht. Der Bereich zwischen After und Penis wird Venudanda genannt. Dort wird eine Vierheit von Kalas gelehrt, deren Wesen höchster Nektarsaft ist.

(2.44–2.46) Sie heißen Sushita, Mahatripti, Palitaghni und Valikshaya. Man soll dort die Kraft erwecken und wie zuvor den Körper überfluten. Nach vier Monaten dieser Anwendung erlangt man die zuvor genannte Frucht. Pingala führt die Sonne, Ida führt den Mond. Die Sonne heißt Giftträger, der Mond Nektarträger. Übung wird sowohl im sogenannten Sonnen- als auch im Mondkanal empfohlen.

(2.47–2.50) [Die Textstelle über Dharana im Mondkanal ist unsicher.] Der Yogi soll Kumbhaka ausführen und durch den Mondkanal seinen Körper mit Atem füllen. Das Ausströmen durch den Sonnenkanal wird zur Kräftigung des Körpers empfohlen. So habe ich dir den vierfachen Kala-Ort erklärt. Nun werde ich den großen Ort des höchsten Nektars erklären. An der Stirn befindet sich die Vajrakanda, leuchtend wie der Mond, viereckig, mit der Silbe laṃ im Innern. Dort ist der höchste Gott Shiva, mit Shakti vereint, den Gottheiten und Yogis verehren.

(2.51–2.56) Am Chulitala, große Göttin, befindet sich ein Dreiecksmandala, strahlend wie hunderttausend Sonnen; in dessen Mitte Shiva als Linga, mit raṃ im Zentrum, der Höchste, von seiner eigenen Shakti umarmt und von Scharen von Gottheiten umgeben. So soll man ihn schauen. An der rechten Schläfe, du Beglückte, [schaue man einen Kreis] mit sechs Punkten, rauchfarben und mit yaṃ im Innern, und darin Maheshvara, in Linga-Gestalt, mit seiner Shakti vereint und von seinem Gefolge umgeben. An der linken Schläfe befindet sich, o Shiva, ein halbmondförmiges Mandala mit einem Lotus, mit vaṃ im Innern und fest im Zentrum. Darin ist ein nektarvolles Linga, weiß wie Kuhmilch, leuchtend wie zehntausend Herbstmonde, mit seiner eigenen Shakti vereint, von allen Gottheitenscharen verehrt. So habe ich dir die Orte in den vier Richtungen genannt.

(2.57–2.59) In ihrer Mitte liegt ein großer Kreis mit haṃ im Innern. Dort weilt der höchste Herr Shambhu mit seiner eigenen Shakti, in Linga-Gestalt, mit Gefolge, strahlend wie zehn Millionen Sonnen. Der Herr der Erde liegt an der Stirn, der Herr der Sonne im Westen, der Herr des Windes an der rechten Schläfe, der Herr des Wassers links, o Shiva; in der Mitte der Herr des Raumes. Dies sind die fünf von mir gelehrten Shambhu-Orte.

(2.60–2.64) Vier Fingerbreiten oberhalb des Hauptes des Raumherrn befindet sich inmitten eines Lichtkreises, leuchtend wie zehn Millionen Monde, ein Gefäß göttlichen Nektars, unten durch eine verschlossene Tür gesichert: der obere Mond, ein großer unzerbrechlicher Fels, die Wohnstätte des Nektars. Inmitten des kühlen Nektars liegt verborgen ein Linga, Herrin, fein wie ein schwebendes Staubteilchen, strahlend wie zehn Millionen Monde, jenseits von Verwerfen und Ergreifen, die Finsternis des Nichtwissens vertreibend. Um das höchste Prinzip zu erkennen, soll man die fünf Orte überschreiten und mit Kumbhaka die nach oben gerichtete Vagisha [Zunge] gemeinsam mit dem Geist zur unteren Tür des höchsten Nektargefäßes ausstrecken.

(2.65–2.67) Der Yogi, dessen Pranaströmung angehalten ist, soll den Riegel mit der Zunge mühelos öffnen, nachdem er ihn gemeinsam mit dem Geist erreicht hat. Dort soll er den milchigen Nektar trinken, kühl, kalt und süß wie Zuckerrohrsaft: den Yoga-Trank, der selbst den Göttern schwer zugänglich ist. Durch diesen Nektar vollkommen gesättigt, erreicht er den höchsten Zustand und die Vereinigung mit Unmani im Innern des Brahmanda.

(2.68–2.70) Durch Yoga soll der Yogi das aus Nada und Bindu bestehende »Fleisch« verzehren. Dieses Geheimnis, Herrin der Götter, gilt als schwer zugänglich. Die Frucht, die der allwissende Shiva in der Überlieferung der Lehrschriften versprochen hat, erlangt man wahrhaft nach sechs Monaten; daran sei kein Zweifel. Wer zwar eine Folge von Siddhis erlangt hat, diesen Yoga aber nicht kennt, dem soll der nach Vollendung Strebende nichts [von diesem Geheimnis] mitteilen, Herrin.

(2.71–2.74) Denen, die weder Guru und Gott noch die in der Schrift gelehrten Verpflichtungen achten und sich Heuchelei und Hinterlist hingeben, soll man die Schrift nicht überlassen. Am Zungenansatz liegt das aus aller Glut bestehende Feuer, an der Spitze die Sonne; der Mond befindet sich in der Stirnmitte. Wer dies wahrhaft kennt, gelangt zur Vollendung. Nachdem man den Feuerkreis durch Mathana angeregt und sorgfältig erweckt hat, soll man mit der von der Sonne beherrschten Zungenspitze den Stirnmond erreichen, der durch die Hitze jenes Feuers verflüssigt worden ist.

(2.75–2.79) Den aus dem Mond geschmolzenen kühlen höchsten Nektar, der aus der Nasenöffnung austritt, soll man in einem Gefäß auffangen. Durch Einreiben des Körpers damit entsteht, so der Text, Reinigung der Nadis. Die aus After und Geschlechtsorgan abgegebenen [Stoffe] sowie den ausgetretenen Amari-Saft soll man in einem Gefäß mit dem »Achselnektar« vermischen und mit Lippensäften zubereiten. Durch Einreiben des Körpers damit wird der Yogi, so die historische Verheißung, in der Welt frei von Krankheit, kräftig und frei von Falten und grauem Haar. Nach Reiben des Zungenansatzes soll man mit der dort entstandenen reichlichen Flüssigkeit zuerst den eigenen Körper einreiben. Nach einem halben Jahr sei die Zunge um vier Fingerbreiten gewachsen, daran sei kein Zweifel.

(2.80–2.85) Mit den Fingern der rechten Hand soll man die Zunge nach oben ziehen, o Shiva, und mit denen der linken Hand die Ghantika [das Zäpfchen bzw. den zugehörigen Bereich] öffnen bzw. aufspreizen. Nachdem der aufwärts gerichtete Feuersitz allmählich durch Mathana bewegt wurde, soll man oberhalb von Trikuta, im Mondbereich, Shivas Wohnstätte aufsuchen. Damit ist dir die todvernichtende Khechari Mudra erklärt. Für den, der auf diese Weise übt, entstehen jedoch Hindernisse, vier Arten von Bhata-Störungen und ebenso Nata-Störungen. Auszehrung des Körpers, Hunger und Trägheit, Juckreiz und Hautverfärbung sind die Anzeichen des Bhata. Höre die dagegen angegebenen Mittel. Nachdem man den Geist von Gegenständen gelöst hat, soll man drei Monate lang mit Amari-Saft den Körper einreiben; dadurch gedeihe er. Je dreimal soll die Einreibung bei Tag und bei Nacht erfolgen.

(2.86–2.88) Wenn man die Zunge aufwärts zum Vajrakanda-Ort richtet und dessen Nektar leckt, schwinden Hunger und Trägheit. Nimmt man jenen Nektar und Amari und reibt den Körper damit ein, verschwinden, dem Text zufolge, Verfärbung und Juckreiz. Auch die Nata-Störungen sind vierfach und zeigen sich auf verschiedene Weise, Geliebte: Augenleiden, Zittern der Glieder, Brennen und Schwindel.

(2.89–2.91) Damit habe ich die erste Art genannt. Höre nun die zweite: Zahnschmerz, geringe Lebenskraft und Verlust der Leichtigkeit des Körpers. Höre auch die dritte Art, Göttin: starkes Fieber, Kopfschmerz und eine Schleimstörung. Beachte nun die vierte: Erbrechen, Atemstörungen, Blindheit der Augen und schwer bezwingbare Schläfrigkeit. Höre die dafür angegebenen Mittel.

(2.92–2.94) Man soll Kundalini vom Muladhara in der Sushumna aufwärtsführen, die Zunge unbeweglich nach oben richten und Kumbhaka anwenden. Durch die Erregung der Shakti entsteht ein mächtiger innerer Klang. Wenn man diesen Nada hört, wird man befreit genannt. Man soll sich den eigenen Körper von Nektar benetzt vorstellen. Durch einen Monat dieser Übung werde man von den zuerst genannten Störungen befreit.

(2.95–2.104) Wenn man nach demselben Verfahren zwei Monate übt, hört man mit beiden Ohren den mächtigen Laut eines Elefanten. Man soll sich den Körper wie zuvor vorstellen; so werde man von der zweiten Gruppe der Leiden frei. Nach drei Monaten hört man den Brahma-Klang und stellt sich [den Körper] wie zuvor innerlich vor. So werde man von der dritten Gruppe der Störungen befreit, ohne Zweifel. Im vierten Monat hört man den Wolkenklang, der Aghora genannt wird, und übt wie zuvor; so werde man von Schwindelstörungen befreit. Mit festem Geist soll man derart Meditation und Übung zu drei Tageszeiten verwirklichen. Nach drei Jahren werde man wahrhaft alterslos und unsterblich. Die Beseitigung der vier Bhata-Störungen und der Nata-Störungen habe ich erklärt. Höre Weiteres, Herrin der Götter: Ich selbst verneige mich vor den Füßen des Yogi, der alle Prinzipien kennt und in diesen Yoga eingegangen ist: in die friedvolle höchste Wirklichkeit, deren Wesen Glück ist. Zuerst kommt Chalana, an zweiter Stelle Bhedana, als drittes wird Mathana empfohlen und als viertes Praveshana. Man soll den Gaumenansatz reiben und die Zunge herausziehen, Geliebte: dies soll man als Chalana erkennen. Das Durchbrechen des Brahma-Riegels nennt man Bhedana. [Die folgende Beschreibung des Mathana mit einem Faden ist textlich unsicher.] [Wenn man nach Einführung eines Metallstifts das Mathana ausführt, soll man dies als Mathana erkennen.] Es fördere das Wachstum des Yoga.

(2.105–2.107) Nachdem man den Riegel geöffnet hat, soll man die Zunge nach oben in den Raum ausstrecken. Dies nennt man Pravesha, o Herrin, das die Vollendung des Yoga hervorbringt. Durch das Durchbrechen des Brahma-Riegels und das Hinüberführen der Zunge entsteht, höchste Herrin, unverzüglich eine unmittelbare Erfahrung. Zuerst entsteht ein Zustand der Freude, danach vermindert sich der Schlaf; geschlechtlicher Verkehr und Nahrungsaufnahme werden gering.

(2.108–2.110) Gedeihen und Zunahme der Ausstrahlung entstehen. Alter, Tod, Krankheit und graues Haar bestehen nicht mehr. Der Yogi wird zu einem, dessen Samen aufwärtsgerichtet ist, und besitzt die mit Anima beginnenden Fähigkeiten. Wenn er diesen Yoga unbeirrbar vollendet, erlangt er die hier genannten Früchte vollständig. An der Zungenspitze wohnen Shri und Vagisha, du von den Helden Verehrte.

(2.111–2.113) Im Grundbereich des Zungenansatzes sind Bindung und Tod angesiedelt. Entwurzle diesen ganzen Ort von Bindung und Tod, Mutter der Scharen. Mit der Zungenspitze soll man in die Mondwohnung eintreten, die den Namen des ehrwürdigen Shambhu trägt. Durch diesen vom Geist getragenen Yoga gelangt der Yogi in Unmani und findet darin Auflösung. Die Erfahrung dieser Auflösung entsteht unmittelbar, jenseits des Überlegens.

(2.114–2.116) Den Geist auf die Zungenspitze gelegt, soll man mit dem Blick ihren Sitz erfassen und den Atem von der Wurzel auf dem Sushumna-Weg aufwärtsführen. Der zur Brahma-Wohnstätte gelangte Yogi soll den Geist in die Leere setzen. So meditiere er über das höchste Prinzip, frei von Verwerfen und Ergreifen. Vom Brahma-Ort strömt die überaus kühle Himmels-Ganga. Wer davon trinkt, bekomme nach nur einem Monat gewiss einen diamantfesten Körper.

(2.117–2.119) Sein Körper, seine Sprache, sein Sehen, seine Einsicht und sein Hören werden göttlich. An der Zungenspitze soll man sich Vagisha vorstellen, leuchtend wie zehn Millionen Monde und mit höchstem Nektar gesättigt. Augenblicklich erlange man dichterische Ausdruckskraft. Wenn der Yogi über Lakshmi an der Zungenspitze meditiert, erfreut durch höchsten Nektar, erlangt er die souveräne Herrschaft des Yoga.

(2.120–2.122) Fünf »Mitgeborene« sind in diesem [höchsten; Lesung unsicher] Körper bekannt. Wenn im Körper der Mutter aus dem väterlichen Ausfluss ein Leib entsteht, entstehen sie zusammen mit ihm und wachsen im Körper mit. Als erste Mitgeborene gilt die ursprüngliche Kundalini-Shakti. Die zweite heißt Sushumna, die dritte ist die Zunge, die vierte der Gaumenort und die fünfte der Brahma-Ort.

(2.123–2.124) Man soll die erste Mitgeborene erheben und in die zweite einsetzen; die dritte soll man aufwärts in die vierte führen. Nachdem man die vierte Mitgeborene durchbrochen hat, soll man in die fünfte eintreten. Diese schwer zu erkennende Unterscheidung habe ich gelehrt, Herrin des Kula.

So endet der zweite Abschnitt der Khechari-Vidya im Gespräch zwischen Uma und Maheshvara, im vom ehrwürdigen Adinatha verkündeten Mahakala-Yogashastra.

Dritter Paṭala: zusammenhängende Lesefassung

(3.1–3.4) Shiva sprach: [Man vergegenwärtige sich] die Kundalini-Kraft, die von der Wurzel in den Sushumna-Weg eingetreten ist, fein wie ein einzelner Spinnenfaden und strahlend wie zehn Millionen Sonnen. Nachdem der Yogi den Weg der Ghantika betreten und mit der Zunge den Riegel des Shiva-Tores durchbrochen hat, soll er mit Kumbhaka in die aus sich selbst entstandene Wohnstätte eintreten, die wie zehn Millionen Sonnen strahlt. Dort, im großen Nektarozean mit seinen kühlen Wellen, soll er Nektar trinken und ruhen. Mit einer von höchster Glückseligkeit erfüllten Einsicht soll er sich seinen Körper von diesem Nektar gesättigt vorstellen.

(3.5–3.7) Durch diesen göttlichen Yoga entsteht göttliches Schauen. Raumwandler-Sein und das Schwinden aller Krankheiten werden versprochen, ebenso das Überlisten des zeitbestimmten Todes und das Durchwandern der drei Welten. Mit Anima und weiteren Kräften ausgestattet wird man gewiss ein Vollendeter. Man erlangt die Herrschaft unter den Yogis, die Bewegung wird ungehindert, und man besitzt die Kraft von neuntausend Elefanten.

(3.8–3.11) Man wird Shiva gleich, Göttin – wahrlich, wahrlich habe ich es gesagt. Zwischen Ida und Pingala liegt die lichtgestaltige Sushumna. Dort ist das makellose Licht, frei von Farbe, Form und Eigenschaften; [dort ist] die höchste Kundalini, deren Gestalt einer schlafenden Schlange gleicht. Ganga und Yamuna heißen Ida und Pingala. Zwischen Ganga und Yamuna soll man jene Shakti einsetzen, bis zur Brahma-Wohnstätte, o Shiva, sie, deren Gestalt höchster Nektar ist. Wahrhaft wird man ganz zu ihr, selbst von beständiger Nektargestalt.

(3.12–3.14) Die in Shivas Wohnstätte gelangte Shakti [erreicht] vom höchsten Herrn den höchsten Zustand. Durch den Genuss dessen vollkommen gesättigt und von höchster Glückseligkeit erfüllt, übergießt sie den Körper des Yogi von den Fußsohlen bis zum Scheitel mit kühlendem, geschmeidigem, kaltem Nektar, höchste Herrin, und kehrt auf demselben Weg wieder an ihren eigenen Ort zurück, o Shiva. Diesen geheimen Yoga habe ich erklärt, du von den höchsten Yogis Verehrte.

(3.15–3.17) Der Yogi soll alle Lehrschriften und die Handlungen wie Rezitation und Feueropfer hinter sich lassen und, frei von Dharma und Adharma, Yoga üben. Er soll die Zunge aufwärts richten und in Trikuta einsetzen: im Brahmanda, unterhalb der Brahma-Linie und oberhalb von Rajadanta. Diesen Ort soll man als Trikuta erkennen. Dort befindet sich das hellstrahlende Linga, frei vom Ablauf der Zeit und selbst für die Götter schwer zu erkennen.

(3.18–3.20) In Ida wird die Nacht verortet, in Pingala der Tag. Dort stehen Mond und Sonne beständig als Nacht und Tag. Man soll das Linga weder bei Tag noch bei Nacht verehren. Man soll es vielmehr immer verehren, indem Tag und Nacht zum Stillstand kommen. Denn dieses [Wechselspiel] von Tag und Nacht entspringt der Natur der Zeitfolge. Durch Stilllegung dieser Folge werde der zeitbestimmte Tod überwunden.

(3.21–3.24) Man soll sich den eigenen Körper vom Zeitablauf befreit vorstellen, [das Linga] mit der Blüte der inneren Haltung verehren und mit dem Nektar der Lotusse sättigen. Durch sechs Monate dieses Yoga werde man alterslos und unsterblich, erlange Allwissenheit und werde Shiva gleich, frei von Krankheit. Nachdem man die aufwärts gerichtete Zunge am Gaumenansatz eingeführt und den dort entstandenen Nektar getrunken hat, soll man langsam mit zischendem Laut Atem einziehen, o Shiva. Den Geist in einen Zustand ohne äußere Stütze eingesetzt, soll der Yogi mit Unmani den natürlichen Yoga ausüben.

(3.25–3.29) Dadurch werde der Yogi nach sechs Monaten alterslos und unsterblich. Das Kinn soll er an den Kreis der sechzehn Vokale anlegen, die Augen auf die Brauenmitte richten und die Zunge aufwärts strecken. Durch das Anhalten von Ida und Pingala soll er den Kumbhaka-Zustand erreichen, die Wurzelkraft erwecken und die sechs Lotusse durchbrechen. Die wie tausend Blitze leuchtende [Kraft] soll er in das Innere des Brahmanda, in die Wohnstätte des kühlen Nektarozeans einsetzen und dort lange verweilen. Wenn der Yogi mühelos in der von Brahman erfüllten Wohnstätte ruht, dann leuchtet jener Zustand im Körper auf, der wie leblos erscheint. Diesen Yoga soll man sieben Tage ausführen.

(3.30–3.33) Dann werde man von Alter und Tod frei. Nach nur einem Monat dieser Anwendung lebe man, solange Mond und Sterne bestehen. Wenn der Yogi mühelos die Brahma-Stadt durchbricht und weitergeht, erlangt er das Shiva-Sein, das von einem beständigen Körper geprägt ist, o Shiva. Im Rad des Samsara trinkt er nicht erneut an der Brust einer Mutter. Wenn aber im Yogi der Entschluss entsteht, diesen Körper zu verlassen, soll er einen festen Sitz einnehmen und sich lange die strahlende Wurzelkraft vorstellen, die zehn Millionen Sonnen gleicht, als Kenner des Selbst.

(3.34–3.36) Die eigene bis zu den Fußsohlen ausgebreitete Lebenskraft soll er schrittweise zusammenziehen und an den Muladhara-Ort führen. Dort soll er sich Kundalini-Shakti wie das Feuer der Weltauflösung vorstellen, wie sie Lebenskraft, Atem und Sinne verschlingt. Nach Erreichen von Kumbhaka soll er sie, leuchtend wie ein Blitzring, von der Wurzel erheben und zum Svadhishthana-Ort führen, Herrin der Götter.

(3.37–3.39) Der seinem Übungsversprechen treue Mensch soll sie sich vorstellen, wie sie das gesamte dortige Leben verschlingt. Dann soll er sie, zehn Millionen Blitzen gleichend, rasch von dort erheben, sie zum Manipura-Ort bringen und dort wie zuvor verfahren. Von dort wieder erhoben, soll er sie zum Anahata-Ort führen. Dort kurz verweilend, soll er sie wiederum als verschlingend schauen. Dann soll er sie erheben und in den sechzehnspeichigen Lotus setzen.

(3.40–3.47) Auch dort soll der Kenner des Yoga-Weges sie wie zuvor schauen. Von dort soll er sie zur Brauenmitte führen, [wo sie] wiederum die Lebenskraft verschlingt. [Er schaue] die große Shakti, die die Lebenskraft in sich aufgenommen hat und wie zehn Millionen Sonnen strahlt. Gemeinsam mit dem Geist [soll] Vagishi den Brahma-Riegel augenblicklich durchbrechen, und [der Yogi] soll im großen Ozean höchsten Nektars vollkommen ruhen. Den dort gegenwärtigen höchsten Shiva, die höchste Ursache, soll er mit Shakti verbinden und sich ihre Einheit innerlich vorstellen. Wenn er die Zeit überlisten will und ihre Abschnitte kennt, soll er so lange glücklich dort verweilen, bis jene Zeit vergangen ist. Unterhalb des Riegels des Brahma-Tores hat die körperbezogene Zeit ihre Wirksamkeit; oberhalb davon besitzt die Zeit keine Wirksamkeit. Wenn er erkennt, dass seine [Todes-]Zeit vorübergegangen ist, soll er den Brahma-Riegel durchbrechen und Shakti zum Wurzelort zurückführen. Die aus dem Körper der Shakti hervorgehende eigene Lebenskraft samt den Sinnen soll er wieder ihren jeweiligen Tätigkeiten zuweisen und mit gesundem Leib glücklich leben. Durch diesen Yoga soll er die herangekommene Todeszeit überlisten.

(3.48–3.50) Wenn dagegen der Wunsch entsteht, den menschlichen Körper aufzugeben, soll der vollkommen Zufriedene den im Brahma-Ort gegenwärtigen Shiva mit Shakti verbinden und, den Raum durchbrechend, in die Brahma-Platte eintreten. Das Raumelement [löse er] im großen Raum, das Windelement im großen Wind, das Feuerelement im großen Feuer, das Wasserelement im Wasserbereich, das Erdelement im Erdbereich und den Geist in einem Zustand ohne äußere Stütze auf.

(3.51–3.55) Er soll die Sinne in die zugehörigen Grundprinzipien zurückführen, beginnend mit dem Raum. So lässt er das dem Kreislauf der Wiedergeburten Angehörige los und richtet sich auf das höchste Prinzip aus. Die fünf Elemente und alles Weitere berühren ihn dann nicht mehr. Den Sonnenkreis durchbrochen, löst er sich im friedvollen höchsten Prinzip Shiva auf und wird Shiva. Selbst nach tausendmal zehn Millionen und noch mehr Weltperioden erfolgt keine Rückkehr. Wenn er den Körper aber aus Gnade für die Welten nicht aufgibt, gibt er ihn am Ende der Weltauflösung auf und ruht allein im eigenen Selbst. Dies ist Khechari Mudra: Sie verleiht Herrschaft über die Raumwandler und vernichtet Geburt, Tod, Alter, Krankheit, Falten und graues Haar. Eine dieser gleichende Vidya gibt es in keiner anderen Lehrschrift.

(3.56–3.59) Das äußerst geheime Khechari-Melana soll man nicht offenbaren. Den zugehörigen Übungs-Yoga habe ich aus Liebe zu dir erklärt. Wer die von allen großen Yogis verehrte Göttin Khechari nicht kennt, gilt in dieser Lehre als Pashu: als ein noch gebundenes Wesen. Mag einer beständig üben, die drei Welten durchwandern und die aus dem Mund des Gurus empfangene Vidya praktizieren, mag sein Geist stets auf Khechari-Melaka und das damit Verbundene gerichtet sein: Ohne meine Verehrung gelingt der große Yoga nicht.

(3.60–3.62) Für diejenigen, die ohne meine Gnade sind, deren Geist auf meine Verunglimpfung gerichtet ist, für diese noch gebundenen Wesen wird Yoga zur Mühsal. Wer die vom allwissenden Shiva gelehrte Verehrung meiner selbst aufgibt und dennoch ständig übt, dem wird Yoga zum Verderben. Mit Hingabe soll man Shiva erfreuen, der alle Welten in sich umfasst. Ist der Geist allein mir zugewandt, werden alle Gottheiten erfreut.

(3.63–3.66) Darum soll man mich verehren und durch meine Gnade Khechari üben. Andernfalls gibt es nur Mühsal, keine Vollendung in Millionen Geburten. Alle Mantras und Yogas gelingen, höchste Herrin, demjenigen, der mich beständig verehrt und dessen Geist allein mir zugewandt ist. Darum soll man mich verehren, damit alle Yogas gedeihen. Durch Khechari beglückt, soll der Yogi den Yoga ganz darin aufgehend ausüben, an einem einsamen, von störenden Lebewesen und allen Bedrängnissen freien Ort, mit allen nötigen Mitteln versehen und frei von jeder Sorge.

(3.67–3.69) Auf einem weichen Sitz soll er jede einzelne Übung nach der vom eigenen Guru gelehrten Weise ausführen und sich dabei auf dessen Wort stützen. Diesen alle Yogas zur Vollendung führenden Yoga habe ich aus Liebe zu dir erklärt. Was möchtest du noch hören? Die ehrwürdige Göttin sprach: Heil dir, Shambhu, der du durch wahre Hingabe erreichbar bist und die Mondsichel im Haar trägst! Du hast die geheime, ehrwürdige Khechari-Lehre trefflich erklärt.

So endet der dritte Abschnitt der Khechari-Vidya im Gespräch zwischen Uma und Maheshvara, im vom ehrwürdigen Adinatha verkündeten Mahakala-Yogashastra.

Vierter Paṭala: zusammenhängende Lesefassung

Dieser Abschnitt gehört zur historischen Arznei- und Alchemieüberlieferung. Seine Aussagen sind als Versprechen des Textes zu lesen; die Mittel sollen nicht eingenommen oder nachbereitet werden.

(4.1–4.3) Nun werde ich dir auch die überaus göttlichen Mittel erklären. Ohne ein solches Mittel wird der Yogi, so behauptet dieser Abschnitt, niemals Vollendung erlangen. [Man verwende die Pflanze,] deren Name nach dem Kopf eines Bettelmönchs gebildet ist, und pulverisiere ihre Blätter, Blüten, Früchte, Stängel und Wurzeln. Man gebe sie jeweils portionsweise mit Buttermilch, saurem Reiswasser oder Milch sowie mit Honig, Zucker und anderem; [»Saftkreise« – Bezug unklar]. [Die verderbte Schlussstelle nennt das Schwinden grauer Haare, große Kraft, reichliche Wirksamkeit, Tatkraft und das Beseitigen von Krankheit; die genaue Satzverbindung bleibt offen.] Im Hören werde man wie ein Eber, im Sehen wie Garuda; Nägel und Zähne seien diamantgleich. Jugendlich und so schnell wie der große Wind lebe man, solange Erde, Mond und Sterne bestehen.

(4.4–4.6) Das Pulver der Varahi-Knolle soll mit Ghee und Rohzucker gegessen werden, um Kräftigung und Wachstum zu erlangen; mit Buttermilch beseitige es Hämorrhoiden, mit Kuhmilch Hautkrankheiten. Das Pulver soll mit Zucker und anderem, auch Honig, gegeben und Milch zweimal täglich getrunken werden. Nach zwei Jahren sei das Haar schwarz, Falten und graues Haar verschwunden. [Die anschließende Aussage über den Körper ist textlich verderbt.] Der Kundige soll Guggulu mit Rizinusöl und Triphala sowie Schwefel einnehmen; dies wird als Mittel gegen Alter und Armut bezeichnet. Ashvagandha, Sesam, schwarze Mungbohnen, Zucker und Vishvasarpika: Nach nur einem Monat der Anwendung soll es weder Krankheit noch Tod geben.

(4.7–4.9) Mit den fünf [Mitteln] werde im fünften Monat Unsterblichkeit erlangt. Schwefel, Triphala und Kushtha, mit den drei Süßen vermischt, soll man morgens nach dem Aufstehen einnehmen; nach sechs Monaten verschwänden Falten und graues Haar. Quecksilber, Schwefel, Talaka und Manahshila, Pulver von Kunashtika und Yashti, das »Rudra« Genannte sowie Mundika-Pulver: Mit den drei Süßen getränkt und eingenommen, solle dies nach einem Jahr zum Raumwandler machen.

(4.10–4.12) Bhringa soll mitsamt der Wurzel getrocknet und pulverisiert werden, dazu schwarzer Sesam und die halbe Menge Amalaki. Mit den drei Süßen regelmäßig eingenommen, gebe es nach einem Jahr weder Krankheit noch Alter noch Tod. Je ein Nirgundi-Blatt soll dreimal täglich gegessen werden. Nach zwölf Jahren werde man von Alter und Tod frei. Von Nirgundi, Amala und Mundi soll man zu gleichen Teilen Pulver zubereiten. Mit Zucker, Ghee und Honig versehen, beseitige es nach einem Jahr Falten und graues Haar.

(4.13–4.14) Mashaka, Schwefel, Gold, Talaka und Rudralochana: Mit den drei Süßen verbunden, verleihe dies nach einem Jahr Freiheit von Alter und Tod. Rasa, den Ausfluss des Shalmali-Baumes und Schwefel soll man mit den drei Süßen morgens nach dem Aufstehen einnehmen. Nach sechs Monaten werde man alterslos und unsterblich.

So endet der vierte Abschnitt der Khechari-Vidya im Gespräch zwischen Uma und Maheshvara, im vom ehrwürdigen Adinatha verkündeten Mahakala-Yogashastra.

Video zum Nektarmotiv: Sukadev über Soma und Khechari Mudra anhand der Hatha Yoga Pradipika, Kapitel 3, Verse 44–54.

Fünf Anregungen für Yoga-Aspiranten

Die Wahrnehmung des Atems kann eine ruhige Grundlage für Sammlung sein. Die hier vorgeschlagenen Anregungen verlangen weder Atemzwang noch die körperlichen Spezialverfahren der Khecarīvidyā.

Die folgenden fünf Anregungen sind heutige, allgemein gehaltene Übertragungen ausgewählter Motive. Sie ersetzen keine traditionelle Unterweisung und geben die Spezialtechniken des Werkes nicht als Selbstpraxis weiter.

  1. Übe regelmäßig und ohne Ehrgeiz. Wähle eine vertraute, angenehme Sitzhaltung und eine überschaubare Zeit für stille Meditation. Lass den Atem natürlich kommen und gehen. Die Betonung von Abhyasa kann dich an Beständigkeit erinnern; außergewöhnliche Erfahrungen müssen nicht zum täglichen Maßstab werden.
  2. Verbinde Lernen mit Verstehen. Lies einen kurzen Abschnitt, etwa 1.3–4 oder 1.18–19, und frage: Was steht tatsächlich dort? Was verstehe ich noch nicht? Halte diese Fragen fest und besprich sie gegebenenfalls mit einem erfahrenen Lehrer. So wird Schriftenstudium zu bewusster Auseinandersetzung statt zum Sammeln von Techniken.
  3. Begegne dem Körper mit Achtung. Nimm beim Sitzen den Kontakt zum Boden, das Gesicht und die Hände wahr. Löse unnötige Spannung, ohne Zunge, Atem oder Hals zu manipulieren. Der Gedanke eines von Lebenskräften erfüllten Leibes kann Dankbarkeit fördern, ohne dass du dir eine bestimmte Energieerfahrung abverlangst.
  4. Bringe die „Blüte der inneren Haltung“ dar. Nimm 3.21 als Anregung, eine alltägliche Handlung mit Aufrichtigkeit, Freundlichkeit und Hingabe zu tun. Wer sich Shiva verbunden fühlt, kann ihm die Handlung innerlich widmen. Die Blüte ist dann die Qualität deiner Aufmerksamkeit.
  5. Lass Erkenntnis anderen zugutekommen. Denke über die in 3.53 genannte Hinwendung zum Wohl der Welten nach. Wähle eine konkrete kleine Handlung: aufmerksam zuhören, zuverlässig helfen oder einen Konflikt mit mehr Ruhe ansprechen. So erhält das Streben nach Moksha einen mitfühlenden Ausdruck im Alltag.

Wichtige Mantras und Lautformeln

Die verschlüsselte Khechari-Vidya

Die zentrale Mantralehre steht in 1.30–43. Sie wird nicht durchgehend als unmittelbar rezitierbare Lautfolge ausgeschrieben, sondern mittels mantroddhāra, einer verschlüsselten Lautgewinnung, vermittelt. Die Namen von Gottheiten, Feuer, Mond, Lautpositionen und Bindu dienen dabei als Hinweise.

  • 1.31–32: Beschreibung des khecarībīja, der Khechari-Keimsilbe, durch „Wohnstätte der Raumwandler“, „Feuer“ und „Kreis der Mutter“; anschließend eine weitere Chiffrenfolge.
  • 1.33–34: Hinweis auf eine sechsgliedrige Vidya und ihre Unterscheidung durch sechs Vokale. Der Text bietet an dieser Stelle keine vollständig ausgeschriebene moderne Nyasa-Reihe.
  • 1.34–36: Eine Folge von Lautzählungen in umgekehrter Reihenfolge, abgeschlossen durch die Verbindung mit Bindu. Ohne geklärte Chiffren und Lautordnung entsteht daraus keine verlässlich eindeutige Rezitationsfassung.
  • 1.37–43: Lehrerunterweisung und Rezitation werden als Voraussetzungen beschrieben; genannt werden unter anderem zwölf tägliche Wiederholungen und fünfhunderttausend Wiederholungen. Diese historischen Zahlen werden nicht als allgemeiner Übungsauftrag übernommen.

Die Ausgabe bewahrt die verschlüsselten Sanskritstellen vollständig. Sie druckt keine vermeintlich gesicherte Khechari-Gesamtformel ab, wo die gewählte Textgrundlage eine solche nicht unmittelbar ausschreibt. Ebenso werden Om Namah Shivaya oder andere bekannte Shiva-Mantras nicht nachträglich als wörtliche Mantras dieser Schrift ausgegeben.

Ausdrücklich genannte Bija-Silben im Körpermandala

In 2.49–59 sind fünf Lautsilben unmittelbar genannt. Sie gehören dort zu visualisierten Mandalas und Shiva-Orten; sie werden nicht als eigenständiger allgemeiner Japa-Lehrgang präsentiert.

Fundstelle IAST Devanagari Funktion im Text
2.50, erläutert durch 2.58 laṃ लं Im viereckigen Mandala an der Stirn; Zuordnung zum Herrn der Erde.
2.52, erläutert durch 2.58 raṃ रं Im Dreiecksmandala am Chulitala; der westliche Ort wird mit dem Sonnenherrn verbunden.
2.53 und 2.59 yaṃ यं Im rauchfarbenen Mandala an der rechten Schläfe; Zuordnung zum Windherrn.
2.55 und 2.59 vaṃ वं Im halbmondförmigen Mandala an der linken Schläfe; Zuordnung zum Wasserherrn.
2.57 und 2.59 haṃ हं Im großen Kreis in der Mitte; Zuordnung zum Raumherrn.

Bija-Silben haben hier eine rituelle und meditative Funktion, keine gewöhnliche wörtliche Übersetzung. Die Anrufung Shambhus in 3.69 ist eine ehrerbietige Rede der Göttin; der Vers ist in der Schrift nicht als gesondert vorgeschriebene Japa-Formel ausgewiesen.

Spiritueller Schluss

Die Khecarīvidyā betrachtet den menschlichen Körper als einen Ort, an dem sich die Suche nach dem Unbegrenzten entfalten kann. Ihre Bilder sind kraftvoll: eine feine Lichtbahn, ein Meer von Nektar, die Vereinigung von Shiva und Shakti. Wer sie aufmerksam liest, begegnet einer Tradition, für die Selbstverwirklichung den ganzen Menschen berührt – seine Wahrnehmung, seine Lebenskraft, sein Denken und seine Hingabe.

Drei Motive können über die historischen Spezialverfahren hinaus besonders tragen. In 1.18–19 erhält das wirkliche Verstehen einen höheren Rang als die bloße Weitergabe von Worten. In 3.21 wird die innere Haltung zur Blume der Verehrung. In 3.53 bleibt der Verwirklichte aus Gnade für die Welten dem Leben zugewandt. Einsicht, Hingabe und Mitgefühl bilden so einen fruchtbaren Zugang zur Lektüre.

Am Ende des dritten Kapitels mündet die technische Unterweisung in Bhakti: Shiva wird als derjenige verehrt, der alle Welten umfasst. Das eigene Bemühen erhält seinen Sinn in dieser Beziehung zum Göttlichen. Für einen heutigen Aspiranten kann dies heißen, sorgfältig zu üben und zugleich offen zu bleiben für das, was sich nicht erzwingen lässt.

Lies mit wachem Geist und offenem Herzen. Lass aus einer verstandenen Zeile eine aufrichtige Handlung werden, aus stiller Sammlung mehr Geduld und aus spiritueller Sehnsucht eine liebevolle Hinwendung zum Leben. So kann das Studium einer alten Schrift auch heute ein lebendiger Weg zu innerer Weite sein.

Siehe auch

Literatur

  • James Mallinson: The Khecarīvidyā of Ādinātha: A Critical Edition and Annotated Translation. Dissertation, University of Oxford, zugängliche Fassung von 2003. Sanskritedition S. 89–129. Dies ist die hier verwendete Textgrundlage.
  • James Mallinson: The Khecarīvidyā of Ādinātha: A Critical Edition and Annotated Translation of an Early Text of Haṭhayoga. Routledge, 2007, ISBN 978-0-415-39115-3. Weiterführende veröffentlichte Buchausgabe; ihre Lesarten werden hier nicht stillschweigend mit der Dissertation vermischt.
  • James Mallinson und Mark Singleton: Roots of Yoga. Penguin Classics, 2017, ISBN 978-0-241-25304-5. Weiterführende Sammlung von Quellentexten zur Yoga-Geschichte.

Weblinks

Seminare

Die folgenden Angebote vertiefen den allgemeinen Hintergrund von Yoga, Schriftenstudium und Meditation. Ihre Nennung bedeutet nicht, dass dort die invasiven oder stofflichen Verfahren der Khecarīvidyā unterrichtet werden.

Kundalini Yoga

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Kundalini Yoga Meditationen sind ein faszinierendes weites Gebiet, dessen Potential noch bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Kundalini Meditationen kön…
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Galit Zairi

Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung

Sanskritgrundlage: Haupttext der kritischen Edition in Mallinsons Oxford-Dissertation, zugängliche Fassung von 2003, gedruckte Seiten 89–129. Der kritische Apparat, handschriftliche Varianten und die vom Herausgeber ergänzten Sanskrit-Zwischentitel werden nicht als Werktext mitgedruckt. Die vier Paṭala-Titel, die Sprecherzeilen und die Kolophone bleiben erhalten. Die Übersetzung des letzten Halbverses des ersten Kapitels ist bei 1.75 eingeschlossen, obwohl dieser Halbvers in der Vorlage nach der gedruckten Versnummer steht.

Umfang und Nummerierung: Vollständig wiedergegeben werden 1.1–1.75, 2.1–2.124, 3.1–3.69 und 4.1–4.14. Die Nummern innerhalb jedes Paṭala folgen dem Sanskritdruck. Sie werden in der deutschen Fassung durch die Kapitelnummer ergänzt. Die Einleitung der Dissertation nennt 284 Verse insgesamt und 77 für den ersten Paṭala, während der benutzte Sanskritdruck bis 1.75 zählt. Diese Abweichung zwischen Umfangsangabe und gedruckter Nummerierung bleibt dokumentiert; die vorliegende Ausgabe ergänzt keine unbelegten Verse und nimmt keine Umnummerierung vor.

Schriftformen: Die IAST-Fassung normalisiert die typographische Darstellung der diakritischen Zeichen und der Interpunktion. Ein offensichtlicher Druckfehler śṛīkuṇḍalī in 2.37 wird als śrīkuṇḍalī wiedergegeben. Grammatisch auffällige Formen und die von der Edition verwendeten Verderbniszeichen † bleiben ansonsten erhalten. Die Devanagari-Fassung ist eine Transliteration dieses IAST-Textes, kein unabhängig überlieferter Sanskritzeuge und keine zweite kritische Edition.

Deutsche Fassung: Eigene Übersetzung des Sanskrit-Haupttextes mit erläuternden Wortgruppen. Sie übernimmt nicht die vollständige moderne englische Übersetzung oder deren Anmerkungsapparat. Die deutsche Lesefassung folgt demselben gesamten Text, glättet den Ausdruck und verbindet über Versgrenzen reichende Sätze. An schwierigen Stellen bleibt die Unsicherheit auch dort sichtbar.

Besonders unsichere Stellen: Die Lautchiffren in 1.31–36 sind ohne zusätzliche Festlegungen nicht eindeutig in eine einzige rezitierbare Formel aufzulösen. Von der Edition als verderbt markiert sind insbesondere 2.47, 2.103–104, 2.120 sowie Teile von 4.2 und 4.4. Mehrere Orts- und Stoffnamen erlauben keine sichere anatomische, botanische oder mineralogische Zuordnung. Unsichere Wörter werden deshalb weder stillschweigend ersetzt noch durch erfundene Mantras oder Rezepte ergänzt.

Einordnung: Die nach den Textteilen stehenden Erläuterungen unterscheiden historische Textaussagen, vergleichende Betrachtung und heutige spirituelle Anregungen. Die Videos stammen aus Yoga-Vidya-Kommentaren zur Hatha Yoga Pradipika. Die Seminarfeeds sind in bestehenden Yoga-Vidya-Wiki-Artikeln zu Kundalini Yoga, Chakra und Indischen Schriften belegt.

  1. 1,0 1,1 1,2 James Mallinson: The Khecarīvidyā of Ādinātha: A Critical Edition and Annotated Translation. Dissertation, University of Oxford, zugängliche Fassung von 2003; Einleitung S. 1–22, Sanskritedition S. 89–129. Oxford Research Archive.
  2. Khechari Mudra im Yoga Vidya Wiki, insbesondere Sukadev Bretz: Kommentar zu Hatha Yoga Pradipika 3.32–43, Abschnitt „Khechari Mudra mit durchgetrenntem Zungenband“.