Homosexuelle Liebe

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Homosexuelle Liebe ist die Liebe zwischen zwei Liebespartnern des gleichen Geschlechts, also zwischen Mann und Mann beziehungsweise zwischen Frau und Frau. Homosexuelle Liebe ist weniger verbreitet als hetereosexuelle Liebe. Allerdings gibt es Menschen, die sowohl hetereosexuelle Liebe als auch homosexuelle Liebe empfinden. Dann nennt man das bisexuelle Liebe. Homosexuelle Liebe gibt es in zwei Ausprägungen, nämlich lesbische Liebe als Liebe zwischen zwei Frauen und schwule Liebe als Liebe zwischen zwei Männern. Manchmal wird unter homosexueller Liebe nur die Liebe zwischen zwei Männern verstanden, meist ist darin aber auch die Liebe zwischen zwei Frauen gemeint.

Liebe = Liebe - egal ob Homosexuelle Liebe oder hetereosexuelle Liebe

Der Begriff homosexuelle Liebe

Homosexuelle Liebe beinhaltet drei Begriffe:

  • Homo ist griechisch und heißt gleich
  • Sexuell ist geschlechtliche Liebe, also Liebe, welche auch die Sexualität mit einbezieht
  • Liebe - das ist ein tiefes Gefühl.

Der Begriff Homosexualität wurde 1869 von dem österreichisch-ungarischen Schriftsteller Karl Maria Benkert erfunden.

Homosexuelle Liebe in der Natur

Liebe bei Affen

Homosexuelle Liebe ist, ähnlich wie autoerotische Liebe, ganz natürlich. Bei vielen Tierarten, auch bei den meisten Affenarten, kommt homosexuelle Liebe vor. Homosexuelle Liebe hilft, evolutionsbiologisch verstanden, Tieren gleichen Geschlechts sich gegenseitiger Zuneigung zu versichern. Homosexuelle Liebe führt zum Gruppenzusammenhalt. Homosexuelle Liebe kann auch als Triebabfuhr genutzt werden, wenn kein Tier des anderen Geschlechts zur Liebe bereit ist.

Im Tierreich kommt homosexuelle Liebe als Teil bisexueller Liebe häufiger vor als ausschließliche homosexuelle Liebe. Dennoch gilt: Es gibt auch unter den Tieren Individuen, die vollständig homosexuell sind.

Etwa fünf Prozent aller Enten sind homosexuell. Nachwuchs bekommen sie trotzdem. "Alleinstehende Weibchen legen ihre Eier in die Nester von Homo-Paaren", sagt der Zoologe Petter Böckman. "Und dann zeigt es sich, dass die homosexuellen Paare geschickter in der Erziehung sind als die heterosexuellen." Bei Gänsen ist es genauso.

Im Jahr 2010 gab es eine Ausstellung im Naturhistorischen Museum in Oslo über homosexuelle Tiere. Es war die erste dieser Art auf der ganzen Welt. Darin wurde gezeigt: Es gibt nachweislich 1500 Tierarten, bei denen homosexuelle Liebe ausgelebt wird; unter ihnen sind Elefanten genauso wie Tintenfische oder Maden. "Natürlich gibt es noch viele weitere Arten mit homosexuellen Tieren", sagte Böckman, der für den Inhalt der Ausstellung verantwortlich ist, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. "Bisher wurde das aber wenig untersucht - es war ein Tabuthema, ähnlich wie es bei den Menschen lange Zeit gewesen ist."

Homosexuelle Liebe und Religionen

Die meisten Religionen gehen von hetereosexueller Liebe als die normale Liebe aus. Es gibt Religionen wie das Christentum, die in jeder sexuellen Liebe schon einen Fehler sehen und das Ideal des Mönchstums, der Keuschheit predigen. Aber auch im Christentum wird Sexualität in der Ehe als gut und gottgewollt empfunden. Die meisten Religionen empfehlen Sex nur in der Ehe, befürworten also die hetereosexuelle Liebe in einer geheiligten Beziehung.

Homosexuelle Liebe in den abrahamitischen Religionen

Insbesondere die abrahamitischen Religionen Christentum, Judentum und Islam haben bzw. hatten überwiegend eine negative Einstellung zur homosexuellen Liebe. Manchmal wurden Katastrophen wie zum Beispiel die Sintflut als Strafe für homosexuelle Liebe gedeutet ("Sodom und Gomorrha").

Heutzutage gibt es aber Bemühungen in Christentum, Judentum und teilweise auch Islam, homosexueller Liebe positiver gegenüber zu stehen. In manchen protestantischen Kirchen gibt es auch ein Ritual der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. In wenigen christlichen Kirchen gibt es sogar Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare.

Homosexuelle Liebe im Buddhismus

Buddhistische Mönche in Thailand

Die Haltung des Buddhismus zur homosexuellen Liebe ist nicht so einfach. Es wäre einerseits falsch, von einer Ablehnung der Homosexualität zu sprechen, andererseits wäre die Aussage irreführend, dass der Buddhismus Homosexualität offenherzig begrüßen würde. Im Buddhismus gibt es viele Richtungen und Schulen, so dass es auch unterschiedliche Sichtweisen der Homosexualität gibt.

Buddhisten setzen sich nicht mit der Frage nach „richtig“ und „falsch“ auseinander, so dass ein Buddhist kaum je anderen sagen würde, wie sie sich verhalten sollen. Buddha ermutigte vielmehr die Menschen, in ihr Inneres zu sehen und für sich selbst eine Wahrheit zu finden – selbst wenn dies bedeutete, dass sie seine Lehren nicht beachten – und daran ihr eigenes Leben auszurichten.

Buddha lehrte die große Bedeutung des Mitgefühls für alle lebenden Wesen und alle Menschen, ohne Rücksicht darauf, um wen es geht und was derjenige getan hat. Keine Handlung wird jemals als „gut“ oder „böse“ bezeichnet; vielmehr werden die Absicht und die Auswirkung im Gesamtzusammenhang betrachtet. Im Zen-Buddhismus gibt es beispielsweise sogar Berichte von Lehrern, die ihre Schüler durch unerwartetes oder gar aggressives Verhalten verwirrt haben – allein zum Zweck, ihnen zur Erleuchtung zu verhelfen.

So gibt es (oder gab es) buddhistische Lehrer wie Chögyam Trungpa, welche der Homosexualität recht positiv gegenüber standen.

Homosexuelle Liebe im Hinduismus

Traditionell stand die Kultur der Veden und der Hinduismus der homosexuellen Liebe positiv gegenüber. Erst unter dem Einfluss von Islam und Christentum wurde homosexuelle Liebe abschätzig angesehen. Unter dem Einfluss der englischen Kolonialherrschaft wurden auch in Indien Gesetze gegen die Homosexualität erlassen, die z.T. auch heute noch in Kraft sind, aber in Indien typischerweise nicht angewandt werden.

Traditionell gibt es im Hinduismus den Begriff "Tritiya Prakriti", was man als "Drittes Geschlecht" bezeichnen kann. Vorschnell wurden da von Europäern zunächst die Eunuchen verstanden, die auch als Hijras bezeichnet werden.

Ursprünglich jedoch wurde der Begriff des tritiya prakriti (Drittes Geschlecht) in einer weiten Definition auf alle nichtrepoduktiven Gruppen der Bevölkerung angewandt, also auf Bisexuelle, Homosexuelle, Transsexuelle, Intersexuelle und auch Asexuelle. Im Kamasutra findet man eine Reihe von Typisierungen und Kategorisierungen der verschiedenen Gruppen des Dritten Geschlechts. Dort werden recht detailliert die physischen und psychologischen Merkmale der verschiedenen „Napumsakas“ beschreiben, inklusive einer Beschreibung der damit zusammen hängenden Berufsgruppen. Dort lassen sich auch Analysen von Intersexualität finden, welches seit den 1980er Jahren wissenschaftlich untersucht wird.

Was die Homosexualität im Speziellen angeht, so werden in den indischen Schriften sowohl die männlichen Mitglieder dieser Gruppe als auch die weiblichen beschrieben und nach charakterlichen Merkmalen unterschieden. Sie erhalten durch die Erwähnung in den Schriften einen festen Platz innerhalb der Gesellschaft. Zum Beispiel wird das Friseur- und Barbierhandwerk als eine natürliche Beschäftigung für homosexuelle Männer beschrieben, während lesbischen Frauen (die Savarinis) das Recht gegeben wurde, aus dem vorherrschenden Paradigma, dass Frauen unter der Obhut eine Mannes zu leben haben, auszubrechen und sie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen durften.

In größeren Städten gab es spezielle Viertel, die der Gemeinschaft des Dritten Geschlechts vorbehalten waren und wo sie wie in einer Art Parallelgesellschaft lebten. Viele Regeln wurde auf sie nicht in der gleiche Weise angewandt wie auf Heterosexuelle; so verurteilt beispielsweise die traditionelle Rechtsgrundlage Indiens, die Manu Samhita bzw. Manu Smriti, den Ehebruch bei Heterosexuellen wesentlich strenger, als sexuelle Vergehen im Bereich der Homosexualität, der homosexuellen Liebe. Gurus, spirituelle Lehrer, erkannten die Zugehörigkeit zum Dritten Geschlecht im Laufe der Kindheit und Jugend ihrer Schüler und stellten sich in der Erziehung und Ausbildung darauf ein. Da nach der vedischen Astrologie Jyotisha die Planetenkonstellationen, die für Zugehörigkeit zum Dritten Geschlecht stehen, auch auf spirituelle Fähigkeiten hindeuten, wurden diese Schüler oft als Priester ausgebildet und eingesetzt, vorausgesetzt, sie konnten und wollten im Zölibat leben.

Manche spirituelle Gruppen aus Indien, die ab den 1960er und 1970er Jahren in Amerika und Europa ihre Verbreitung begannen und indische Spiritualität außerhalb des indischen Subkontinents, teilweise losgelöst von dort herrschenden kulturellen Traditionen (wie dem Kasten-System), präsentieren, vermischten die indische Spiritualität mit der westlichen Homophobie (Feindschaft zur homosexuellen Liebe), welche sich ja unter dem Einfluss von Islam und englischer Kolonialherrschaft auch in der indischen Gesellschaft im 18.-20. Jahrhunderts entwickelte. Die Ironie liegt dabei in der Tatsache, dass sie sich in einigen Fällen auf die Weisheit der vedischen Schriften berufen, jedoch im Bereich der Homosexualität genau die Vorurteile weiter verbreiten, die durch christliche und fremde Einflüsse die ursprüngliche Toleranz und Akzeptanz jeglicher sexueller Orientierung, also auch der homosexuellen Liebe, der Veden verdrängt haben. Festzuhalten bleibt jedoch auch, dass in den hinduistischen spirituellen Wegen im Allgemeinen jegliche sexuelle Aktivität als ein materieller Wunsch angesehen wird, den es gilt, durch spirituelle Reinheit zu ersetzen. Promiskuität und die Zurschaustellung von Sexualität, wie es heutzutage im westlichen Kulturkreis geschieht, war und ist im Falle jeglicher sexuellen Orientierung im Allgemeinen verpönt.

Homosexuelle Liebe und Yoga

Im Yoga gibt es verschiedene Konzepte zur Liebe, zur Sexualität. Dazu gibt es einen etwas umfangreicheren Artikel von Sukadev Bretz zu Yoga und Sexualität.

In den wichtigsten Yoga Schriften Bhagavad Gita, Yoga Sutra, Upanishaden, Hatha Yoga Pradipika steht nichts zur Frage von hetereosexuelle Liebe versus homosexuelle Liebe. Zwar gibt es auch im Hinduismus, vermutlich unter dem Einfluss von Islam und Christentum, heutzutage die Bevorzugung der hetereosexuellen Liebe, unter manchen hinduistischen Führern auch eine Verdammung homosexueller Liebe. Doch Yoga ist kein Hinduismus. So kann man die allgemeinen Prinzipien zu Liebe, zu Sexualität, zu Partnerschaft aus den Yoga Schriften sowohl auf die hetereosexuelle als auch auf die homosexuelle Liebe beziehen.

Zwar gibt es auch heute populäre Yoga Gurus, Yogalehrer, wie Swami Ramdev, die Homosexualität als durch Atemübungen (Pranayama) heilbare Krankheit ansehen. Allerdings ist das heutzutage, insbesondere bei Yogalehrern im Westen, eher die Ausnahme.

Homosexuelle Liebe in den heutigen Yoga Bewegungen

Heutzutage stehen die meisten moderneren Yoga Bewegungen der homosexuellen Liebe positiv gegenüber. Bei Yoga Vidya z.B. gelten hetereosexuelle Liebe und homosexuelle Liebe als gleichrangig. Allerdings gibt es trotz dieser theoretischen Gleichstellung von homosexueller Liebe und hetereosexueller Liebe kein homosexuelles Liebespaar unter den langjährigen Mitarbeitern bei Yoga Vidya, den Sevakas (Stand: April 2014). Im Haupt-Ashram, Yoga Vidya Bad Meinberg, bekommen langfristig zusammen lebende Paare und Familien mit Kindern ein Apartment zur Verfügung gestellt. Im April 2014 gab es kein homosexuelles Paar, das sich als langfristiges Paar geoutet hatte und daher in einem Paar-Apartment wohnt.

Siehe auch

Literatur

  • Anselm Grün, Das Hohelied der Liebe: Münsterschwarzacher Geschenkheft (2011)
  • Stephan Hachtmann, Berührt vom Klang der Liebe: Wege zum Herzensgebet (2012)
  • Thich Nhat Hanh, Jesus und Buddha - Ein Dialog der Liebe (2010)
  • Franz Jalics, Der kontemplative Weg (2010)
  • Johannes XXIII., Das Herz muss voll Liebe sein (2013)
  • Ayya Khema, Das Größte ist die Liebe: Die Bergpredigt und das Hohelied der Liebe aus buddhistischer Sicht (2009)
  • Margarethe Randow-Tesch u.a., Ein Kurs in Wundern: Textbuch, Übungsbuch und Handbuch für Lehrer (2012)
  • Ingrid Riedel, Stark wie der Tod ist die Liebe - Das Hohelied. Mit Bildern von Renate Gier (2013)

Weblinks

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