Brahmavidya Upanishad

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Brahmavidya Upanishad (Sanskrit) ist ein Teil der indischen Heiligen Schriften, die Veda genannt werden. Sie gehört zum Atharvaveda und wird außerdem den Yoga Upanishaden zugeordnet. Ihr Name bezieht sich auf Brahmavidya, die Wissenschaft von Brahman. Die kurze Brahmavidya Upanishad gibt Erklärungen zu Hamsa Yoga, Nada Yoga und der Kundalini Shakti. Sie umfasst insgesamt 111 Verse.

Brahma, Vishnu und Shiva im OM - Mahabharata Manuskript auf Seide, 1795

Brahma Vidya Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen

Artikel aus „Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 761 - 765.

Einleitung

Brahmavidya Upanishad[1] "die Geheimlehre der Wissenschaft von Brahman", mit diesem vielversprechenden Namen bezeichnet sich diese kleine, in unserer Rezension nur aus 11 Slokas bestehende (im Telugu-Drucke etwa das achtfache dieses Umfangs habende) Upanishad. Nachdem aber schon in den älteren Upanishaden die völlige Unerkennbarkeit des Brahman gelehrt worden war (Neti! Neti! - Yato vaco nivartante, - Avijnatam Vijanatam, usw.), konnte eine eigentliche Wissenschaft von Brahman nicht mehr aufgestellt werden, es wäre denn als die Wissenschaft von dem Symbol, unter welchem man das unerkennbare Brahman anschaute und verehrte. Als solches Symbol dient, schon seit Kath. 2,15. die alte Opfersilbe Om, bestehend aus den drei Moren (Matras) A U M, wozu sich noch als dreieinhalbte Mora der summende Nachhall (Nada) des M gesellte, der zugleich mit diesem durch den über die Silbe gesetzten Punkt (Bindu) des Anusvara bezeichnet wird: Diese Silbe Om als Symbol des Brahman hatte den Vorzug, vermöge ihrer vollkommenen Bedeutungslosigkeit alle Prädikate der Sinnenwelt von Brahman fern zu halten, aber den Nachteil, daß sie einer zügellosen Phantastik keine Schranken zu ziehen vermochte. Eine Probe derselben ist, wie so manche andere Upanishad des Atharvaveda, auch die vorliegende.

Die vier Teile der Brahmavidya Upanishad

Die Einleitung (v. 1-3) verkündet die Absicht, die Brahmanlehre mitzuteilen, in welcher man den Ursprung und Vergang aller Dinge aus Brahma, Visnu und Siva und in dieselben erkennt (v. 1). Namentlich ist es die Geheimlehre des Visnu und seiner Menschwerdungen, welche in der Brahmanlehre als das Dhruva-Feuer gepriesen wird. Dhruva (beständig) ist, wie Aksharam (unvergänglich, Silbe) eine Bezeichnung des höchsten Wesens (Dhruvam Visnu Samjnitam, Maitr. 6,38) und somit auch des Lautes Om (vgl. Ramatap. Up. ed. Weber p. 335,14 und Mahabh. 1,2430 Dhruva Aksharam). Der Om-Laut nämlich ist, wie v. 3 erklärt, das Brahman, dessen Wissenschaft hier gelehrt werden soll, und dieselbe besteht darin,

1) Sariram, den Leib,
2) Sthanam, den Standort,
3) Kala, die Zeit, d. h. hier den Endpunkt,
4) Laya, das Hinschwinden des Om-Lautes

zu erkennen. Hiermit sind die vier Teile der Upanishad (v. 4-7, 8-10, 11-12, 13-14) voraus bezeichnet.

I. Sariram, der Leib des Om-Lautes, v. 4-7

Als solcher werden bezeichnet:

drei Veden drei Feuer drei Welten drei Götter
Leib des a-Lautes: Rigveda Garhapatya Erde Brahman (n.)
Leib des u-Lautes: Yajurveda Daksina Luftraum Visnu
Leib des m-Lautes: Samaveda Ahavaniya Himmel Siva

Hierzu kommt noch die dreieinhalbte Mora, welche nur erwähnt wird (v. 4). Die Anordnung ist wie in Prasna 5.

II. Sthanam, Standort des Om-Lautes, v. 8-10

Inmitten der Hirnmuschel (Samkha) glänzt als Sonne der a-Laut; in ihm als Mond der u-Laut; in diesem wiederum (so müssen wir wohl verstehen) als Feuer der m-Laut, während die dreieinhalbte Mora aus ihnen als Spitzflamme (Sikha) aufsteigt. (Vgl. Maitr. 6,38, oben S. 362.)

III. Kala, die Zeit, d. h. wohl der Endpunkt des Om-Lautes, v. 11-12

Der Sinn dieser nach Lesung und Erklärung sehr problematischen Verse scheint dieser zu sein: sonnenähnlich und einer Spitzflamme an Glanz vergleichbar ist auch die Ader Sushumna; der Laut Om durchbricht, wenn das Ende (Kala) herankommt, die vorher (v. 8) beschriebene Sonne im Hirn sowie auch die 72 000 übrigen Adern und gelangt (auf jener Sushumna), im Haupt durchbrechend (Bhittva Murdhani) durch das Brahmarandhram, dazu, Allschöpfer und Alldurchdringer zu sein.

IV. Laya, Hinschwinden des Om-Lautes, v. 13-14

Wie ein Blechtopf oder eine Glocke, wenn angeschlagen, einen langsam verhallenden Ton geben, so soll man auch den Om-Laut ausklingen lassen; die Beruhigung (Santi), in welche er verhallt, ist das höchste Brahman; denn der Om-Laut (Dhruva) ist Brahman und hilft zur Unsterblichkeit.

Die Brahmavidya Upanishad

"Die Silbe Om ist das Brahman, so lehren Brahmankenner ja; was dieser Silbe Leib, Standort, Zeit und Aushall, will sagen ich." Einleitungsankündigung der Brahmavidya Up.

Einleitung

1. Die Brahman Wissenschaft kund' ich,

Die Allwissen, die höchste ist;
Sie zeigt als Ursprung und Ende
Brahman, Visnu, Mahesvara.

2. Visnu, durch Wunderkraft wirkend,

Wird Mensch aus Gnade zwischendurch,
Sein Geheimnis, als Om-Feuer,
Liegt in der Brahman-Wissenschaft.

3. Die Silbe Om ist das Brahman,

So lehren Brahmankenner ja;
Was dieser Silbe Leib, Standort,
Zeit und Aushall, will sagen ich.

I. Der Leib (sariram) des Om-Lautes

4. Drei Götter sind und drei Welten,

Drei Veden und der Feuer drei,
Drei Moren und die Halbmora
Im Dreilaute, dem seligen.

5. Der Rigveda, Garhapatya,

Die Erde und Brahman als Gott,
Das wird als Leib des a-Lautes
Von Brahmankennern ausgelegt.

6. Der Yajurveda und Luftraum,

Dazu das Feuer Daksina,
Und der heilige Gott Visnu
Als u-Laut wird verkündet uns.

7. Der Samaveda und Himmel,

Ahavaniya-Feuer auch,
Und Isvara, der höchste Gott
Wird als m-Laut verkündet uns.

II. Der Standort (Sthanam) des Om-Lautes

8. In der Mitte der Hirnmuschel

Als Sonnenscheibe glänzt das a;
Mitten in ihm, dem Mond ähnlich
An Glanz, findet der u-Laut sich.

9. Der m-Laut auch, gleich dem Feuer,

Rauchlos, ähnlich dem Blitzesschein, -
Also an Glanz die drei Moren
Wie Mond, Sonne und Feuer sind.

10. Darüber eine Spitzflamme

Wie Fackelglanz befindet sich;
Die wisse als die Halbmora,
Die man über der Silbe schreibt.

III. Der Endpunkt (kala) des Om-Lautes

11. Noch eine, ähnlich Spitzflammen,

Fein, lotosfasergleich erglänzt,
Die sonnenhafte Kopfader;
[Auf ihr fahrend] durchbricht [das Om]

12. Jene Sonn' und zweiundsiebzig

Tausend Adern, durchbricht das Haupt
Und bleibt als Wesenheilbringer,
Weltalldurchdringer dann bestehn.

IV. Das Hinschwinden, Ausklingen (Laya) des Om-Lautes

13. Doch wie der Ton eines Blechtopfs,

Einer Glocke in Ruh verhallt,
So läßt in Ruhe ausklingen
Den Om-Laut, wer das All begehrt.

14. Denn das, worin der Hall ausklingt,

Ist das Brahman, das höhere;
Ist doch der ganze Laut Brahman
Und fördert zur Unsterblichkeit!

Fußnoten

  1. Zur Anordnung. Als zweite Klasse der Atharva Upanishaden (oben S. 543) lassen wir, wiederum die Reihenfolge Narayanas und Colebrookes einhaltend, die bei ihnen aufgenommenen elf Yoga Upanishaden folgen. Die erste Gruppe derselben (3-5) wird durch Brahmavidya, Kshurika, Culika, die zweite (17-23) durch Nadabindu, Brahmabindu, Amritabindu, Dhyanabindu, Tejobindu, Yogasikha, Yogatattva, die dritte durch die vereinzelt stehende Hamsa Upanishad gebildet. Daß die letztgenannte, ihrer Stellung entsprechend, viel später als die anderen ist, zeigt ihr Inhalt; bei den übrigen dürfte die Reihenfolge in den genannten Sammlungen schwerlich der Zeit ihrer Entstehung genau entsprechen.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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