Atmabodha Upanishad

Aus Yogawiki
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Die Atmabodha Upanishad, auch Atmaprabodha Upanishad, (Sanskrit: आत्मबोधोपनिषत्, ātmabodhopaniṣat f.) ist ein Teil der indischen Heiligen Schriften, die Veda genannt werden. Die Atmabodha Upanishad gehört zum Atharvaveda und wird außerdem den Vishnu Upanishaden zugeordnet. Sie nimmt Bezug auf die Narayana Upanishad.

Kambodschanisches Vishnu-Standbild aus Bronze, 13. Jh.

Die Atmabodha Upanishad gehört zur Gruppe der Samanya Vedanta Upanishad und wird in der Muktika-Liste dem Rigveda zugeordnet. Im Mittelpunkt steht eine Folge meditativer Identitätsaussagen über Atman, Narayana und Brahman. Ihr Sanskrittext ist in unterschiedlichen Handschriften und Druckausgaben nicht immer gleich gegliedert; die folgende Ausgabe folgt der vollständig überlieferten Sanskrit-Documents-Fassung und nennt die verwendete Textgrundlage.

Inhaltlich behandelt die Schrift vor allem Mantra und innere Reinigung; der Zeuge der Zustände; Erkenntnis des ungeteilten Bewusstseins. Sie verbindet die Autorität der Upanishaden mit dem jeweiligen geistigen Milieu ihrer Überlieferung. Darum sollte sie zugleich aufmerksam, traditionssensibel und mit philosophischem Unterscheidungsvermögen gelesen werden.

Die Atmabodha Upanishad lädt dazu ein, ihre Symbole in eine lebendige Praxis von Erkenntnis, Hingabe und innerer Sammlung zu verwandeln.

Atmabodha Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Die folgende Studienfassung gliedert jeden nummerierten Vers und längere Prosapassagen in klare Sinneinheiten. Die deutsche Übersetzung steht unmittelbar unter dem jeweiligen Sanskrittext; danach folgt die Wort-für-Wort-Erläuterung. Redaktionelle Unterteilungen wie 1a oder 1b dienen nur der Orientierung und geben keine zusätzlichen überlieferten Verszahlen vor.

Eröffnungsvers
śrīmannārāyaṇākāramaṣṭākṣaramahāśayam |
svamātrānubhavātsiddhamātmabodhaṃ hariṃ bhaje ||

Ich verehre Hari als die Erkenntnis des Selbst, die durch unmittelbare Erfahrung des eigenen Wesens verwirklicht wird, als die Gestalt des ehrwürdigen Narayana und als die tiefe Bedeutung seines achtsilbigen Mantras.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śrīmat-nārāyaṇa-ākāram – von der Gestalt des ehrwürdigen Narayana; aṣṭākṣara-mahā-āśayam – die große Bedeutung des achtsilbigen Mantras; sva-mātra-anubhavāt – durch Erfahrung des eigenen Wesens; siddham – verwirklicht; ātma-bodham – Selbsterkenntnis; harim bhaje – Hari verehre ich.

Shanti Mantra
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā | mano me vāci pratiṣṭhitam |
āvirāvīrma edhi | vedasya ma āṇīsthaḥ | śrutaṃ me mā prahāsīḥ |
anenādhītenāhorātrān sandadhāmi | ṛtaṃ vadiṣyāmi | satyaṃ vadiṣyāmi |
tanmāmavatu | tadvaktāramavatu | avatu mām | avatu vaktāram |
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Meine Rede sei im Geist gegründet und mein Geist in der Rede. O Selbstleuchtender, offenbare dich mir. Möge mir die Erkenntnis des Veda nahe sein; möge das Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tag und Nacht. Ich will das Rechte sprechen, ich will die Wahrheit sprechen. Möge Brahman mich schützen und den Lehrenden schützen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: vāk me manasi pratiṣṭhitā – meine Rede sei im Geist gegründet; manaḥ me vāci pratiṣṭhitam – mein Geist sei in der Rede gegründet; āviḥ edhi – werde offenbar; śrutam me mā prahāsīḥ – möge das Gehörte mich nicht verlassen; ṛtam vadiṣyāmi – ich werde das Rechte sprechen; satyam vadiṣyāmi – ich werde die Wahrheit sprechen; avatu – möge schützen; śāntiḥ – Frieden.

Einleitender Lehrabschnitt – Om, Narayana und Prajnanam Brahma
oṃ pratyagānandaṃ brahmapuruṣaṃ praṇavasvarūpaṃ akāra ukāra
makāra iti tryakṣaraṃ praṇavaṃ tadetadomiti | yamuktvā mucyate
yogī janmasaṃsārabandhanāt | oṃ namo nārāyaṇāya
śaṅkhacakragadādharāya tasmāt oṃ namo nārāyaṇāyeti
mantropāsako vaikuṇṭhabhavanaṃ gamiṣyati | atha yadidaṃ
brahmapuraṃ puṇḍarīkaṃ tasmāttaḍitābhamātraṃ
dīpavatprakāśam ||

brahmaṇyo devakīputro brahmaṇyo madhusūdanaḥ |
brahmaṇyaḥ puṇḍarīkākṣo brahmaṇyo viṣṇuracyutaḥ ||

sarvabhūtasthamekaṃ nārāyaṇaṃ kāraṇapuruṣamakāraṇaṃ paraṃ
brahmom | śokamohavinirmukto viṣṇuṃ dhyāyanna sīdati |
dvaitādvaitamabhayaṃ bhavati | mṛtyoḥ sa mṛtyumāpnoti ya iha
nāneva paśyati | hṛtpadmamadhye sarvaṃ yattatprajñāne
pratiṣṭhitam | prajñānetro lokaḥ prajñā pratiṣṭhā
prajñānaṃ brahma | sa etena
prajñenātmanāsmāllokādutkramyāmuṣminsvarge loke
sarvānkāmānāptvā'mṛtaḥ samabhavadamṛtaḥ samabhavat |
yatra jyotirajasraṃ yasmiṃlloke'bhyarhitam | tasminmāṃ dehi
svamānamṛte loke akṣate acyute loke akṣate amṛtatvaṃ ca
gacchatyoṃ namaḥ || 1 ||

Om ist die nach innen gerichtete Glückseligkeit, der Brahman-Purusha und die Gestalt des Pranava aus A, U und M. Durch seine rechte Erkenntnis wird der Yogi aus der Bindung von Geburt und Samsara frei. Der Text verbindet diese Kontemplation mit dem Mantra „Om Namo Narayanaya“ und mit Narayana als Vishnu, Madhusudana, Pundarikaksha und Achyuta. Im Herzlotus, der „Stadt Brahmans“, leuchtet das Göttliche wie Blitz und Lampe. Narayana ist als der eine, ursachenlose höchste Brahman in allen Wesen gegenwärtig. Wer ihn meditiert, überwindet Trauer und Verblendung und geht von der Angst der Zweiheit zur Nichtdualität. Wer dagegen hier nur Vielheit sieht, geht „von Tod zu Tod“. Im Herzen ist alles im Bewusstsein gegründet: „Prajnanam Brahma – Bewusstsein ist Brahman.“ Durch dieses erkennende Selbst gelangt der Mensch zur Unsterblichkeit und zum unvergänglichen Licht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: pratyag-ānandam – innere, auf das Selbst bezogene Glückseligkeit; brahma-puruṣam – Brahman als Purusha; praṇava-svarūpam – von der Gestalt des Om; try-akṣaram – dreisilbig; mucyate – wird befreit; janma-saṃsāra-bandhanāt – aus der Bindung von Geburt und Samsara; brahma-puram – Stadt Brahmans, Herzraum; puṇḍarīkam – Lotus; sarva-bhūta-stham – in allen Wesen gegenwärtig; kāraṇa-puruṣam – ursächlicher Purusha; akāraṇam – selbst ursachenlos; śoka-moha-vinirmuktaḥ – frei von Trauer und Verblendung; nāna iva paśyati – sieht scheinbare Vielheit; prajñānam brahma – Bewusstsein ist Brahman; amṛtaḥ – unsterblich.

1. Vers Atmabodha Upanishad
pragalitanijamāyo'haṃ nistuladṛśirūpavastumātro'ham |
astamitāhanto'haṃ pragalitajagadīśajīvabhedo'ham || 1 ||

Ich bin frei von meiner eigenen Maya; ich bin unvergleichliches, reines Sehen und Wirklichkeit allein. Das Ich-Gefühl ist in mir erloschen; die Unterscheidung zwischen Welt, Ishvara und Jiva ist in mir zerflossen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: pragalita-nija-māyaḥ – dessen eigene Maya zerflossen ist; nistula-dṛśi-rūpa – von unvergleichlicher Schau/Bewusstheit; vastu-mātraḥ – Wirklichkeit allein; astamita-ahantā – erloschene Ichheit; jagat-īśa-jīva-bhedaḥ – Unterschied von Welt, Herr und Jiva.

2. Vers Atmabodha Upanishad
pratyagabhinnaparo'haṃ vidhvastāśeṣavidhiniṣedho'ham |
samudastāśramito'haṃ pravitatasukhapūrṇasaṃvidevāham || 2 ||

Ich bin das Höchste, nicht verschieden vom innersten Selbst. Alle Gebote und Verbote sind in dieser Erkenntnis überschritten; ich bin jenseits begrenzender Lebensrollen und bin allein das weithin ausgebreitete, von Glück erfüllte Bewusstsein.

Wort-für-Wort-Erläuterung: pratyak-abhinna-paraḥ – das Höchste, nicht verschieden vom inneren Selbst; vidhvasta-aśeṣa-vidhi-niṣedhaḥ – alle Gebote und Verbote aufgehoben; āśrama – Lebensstand; pravita-ta-sukha-pūrṇa-saṃvit – ausgebreitetes, von Glück erfülltes Bewusstsein.

3. Vers Atmabodha Upanishad
sākṣyahamanapekṣo'haṃ nijamahimni saṃsthito'hamacalo'ham |
ajaro'hamavyayo'haṃ pakṣavipakṣādibhedavidhuro'ham || 3 ||

Ich bin der Zeuge und von nichts abhängig. In meiner eigenen Größe gegründet bin ich unbeweglich, alterslos und unvergänglich; ich bin frei von Gegensätzen wie Partei und Gegenpartei.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sākṣī – Zeuge; anapekṣaḥ – unabhängig; nija-mahimni saṃsthitaḥ – in der eigenen Größe gegründet; acalaḥ – unbeweglich; ajaraḥ – alterslos; avyayaḥ – unvergänglich; pakṣa-vipakṣa-bheda – Gegensatz von Partei und Gegenpartei.

4. Vers Atmabodha Upanishad
avabodhaikaraso'haṃ mokṣānandaikasindhurevāham |
sūkṣmo'hamakṣaro'haṃ vigalitaguṇajālakevalātmā'ham || 4 ||

Ich bin von einer einzigen Essenz: Erwachen. Ich bin der eine Ozean der Glückseligkeit der Befreiung. Ich bin subtil und unvergänglich; das Netz der Gunas ist von mir abgefallen – ich bin das reine Selbst allein.

Wort-für-Wort-Erläuterung: avabodha-eka-rasaḥ – von der einen Essenz des Erwachens; mokṣa-ānanda-eka-sindhuḥ – Ozean der Befreiungsglückseligkeit; sūkṣmaḥ – subtil; akṣaraḥ – unvergänglich; vigalita-guṇa-jālaḥ – vom Netz der Gunas frei; kevala-ātmā – reines Selbst allein.

5. Vers Atmabodha Upanishad
nistraiguṇyapado'haṃ kukṣisthānekalokakalano'ham |
kūṭasthacetano'haṃ niṣkriyadhāmāhamapratarkyo'ham || 5 ||

Ich bin der Zustand jenseits der drei Gunas. Unzählige Welten erscheinen gleichsam in meinem Innern. Ich bin das unveränderliche Bewusstsein, die Stätte jenseits des Handelns und durch bloßes Schlussfolgern nicht erfassbar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: nis-traiguṇya-padaḥ – Zustand jenseits der drei Gunas; kukṣi-stha-aneka-loka – viele Welten im Innern tragend; kūṭastha-cetanaḥ – unveränderliches Bewusstsein; niṣkriya-dhāma – Stätte ohne Handlung; apratarkyaḥ – nicht durch Logik allein erfassbar.

6. Vers Atmabodha Upanishad
eko'hamavikalo'haṃ nirmalanirvāṇamūrtirevāham |
niravayo'hamajo'haṃ kevalasanmātrasārabhūto'ham || 6 ||

Ich bin der Eine und ungeteilt; ich bin die makellose Gestalt der Befreiung. Ich bin ohne Teile und ungeboren; meine Essenz ist reines Sein allein.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ekaḥ – einer; avikalaḥ – ungeteilt, vollständig; nirmala-nirvāṇa-mūrtiḥ – makellose Gestalt der Befreiung; niravayavaḥ – ohne Teile; ajaḥ – ungeboren; sat-mātra-sāra-bhūtaḥ – dessen Wesen reines Sein ist.

7. Vers Atmabodha Upanishad
niravadhinijabodho'haṃ śubhatarabhāvo'hamaprabhedyo'ham |
vibhurahamanavadyo'haṃ niravadhiniḥsīmatattvamātro'ham || 7 ||

Meine Selbsterkenntnis kennt keine Grenze; mein Wesen ist höchst heilvoll und unteilbar. Ich bin allgegenwärtig und makellos, reine Wirklichkeit ohne Grenze und ohne Maß.

Wort-für-Wort-Erläuterung: niravadhi-nija-bodhaḥ – grenzenlose Selbsterkenntnis; śubhatara-bhāvaḥ – höchst heilvolles Wesen; aprabhedyaḥ – unteilbar; vibhuḥ – alldurchdringend; anavadyaḥ – makellos; niḥsīma-tattva-mātraḥ – reine grenzenlose Wirklichkeit.

8. Vers Atmabodha Upanishad
vedyo'hamagamāstairārādhyo'haṃ sakalabhuvanahṛdyo'ham |
paramānandaghano'ham paramānandaikabhūmarūpo'ham || 8 ||

Ich bin das durch die heiligen Überlieferungen zu Erkennende und zu Verehrende; ich bin das Herz aller Welten. Ich bin eine dichte Fülle höchster Glückseligkeit, die grenzenlose Weite der einen höchsten Freude.

Wort-für-Wort-Erläuterung: vedyaḥ – zu erkennen; āgamaiḥ ārādhyaḥ – durch die Überlieferungen verehrt; sakala-bhuvana-hṛdyaḥ – Herz aller Welten; parama-ānanda-ghanaḥ – dichte Fülle höchster Glückseligkeit; bhūma-rūpaḥ – Gestalt der grenzenlosen Fülle.

9. Vers Atmabodha Upanishad
śuddho'hamadvayo'haṃ santatabhāvo'hamādiśūnyo'ham |
śamitāntatritayo'haṃ baddho mukto'hamadbhutātmāham || 9 ||

Ich bin rein und nichtdual, immer gegenwärtig und ohne Anfang. Die begrenzende Dreiheit ist in mir zur Ruhe gekommen. Jenseits der Vorstellungen von Gebundenheit und Befreiung bin ich das wunderbare Selbst.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śuddhaḥ – rein; advayaḥ – nichtdual; santata-bhāvaḥ – immerwährendes Sein; ādi-śūnyaḥ – ohne Anfang; śamita-anta-tritayaḥ – die begrenzende Dreiheit zur Ruhe gebracht; baddhaḥ/muktaḥ – gebunden/befreit, hier als überwundene Gegensätze; adbhuta-ātmā – wunderbares Selbst.

10. Vers Atmabodha Upanishad
śuddho'hamāntaro'haṃ śāśvatavijñānasamarasātmāham |
śodhitaparatattvo'haṃ bodhānandaikamūrtirevāham || 10 ||

Ich bin rein und innerstes Selbst; mein Wesen ist die einheitliche, ewige Erkenntnis. Ich bin die geläuterte höchste Wirklichkeit und die eine Gestalt von Erwachen und Glückseligkeit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: āntaraḥ – innerlich, innerstes Selbst; śāśvata-vijñāna – ewige Erkenntnis; samarasa-ātmā – Wesen von einer einzigen Essenz; śodhita-para-tattvaḥ – geläuterte höchste Wirklichkeit; bodha-ānanda-eka-mūrtiḥ – eine Gestalt aus Erkenntnis und Glückseligkeit.

11. Vers Atmabodha Upanishad
vivekayuktibuddhyāhaṃ jānāmyātmānamadvayam |
tathāpi bandhamokṣādivyavahāraḥ pratīyate || 11 ||

Durch Buddhi, die mit Viveka und vernünftiger Prüfung verbunden ist, erkenne ich den Atman als nichtdual. Dennoch erscheint auf der Ebene des gewöhnlichen Umgangs weiterhin die Rede von Bindung, Befreiung und Ähnlichem.

Wort-für-Wort-Erläuterung: viveka – Unterscheidungskraft; yukti – vernünftige Prüfung; buddhyā – durch Buddhi; ātmānam advayam – den nichtdualen Atman; bandha-mokṣa-ādi-vyavahāraḥ – Umgangssprache von Bindung, Befreiung usw.; pratīyate – erscheint.

12. Vers Atmabodha Upanishad
nivṛtto'pi prapañco me satyavadbhāti sarvadā |
sarpādau rajjusatteva brahmasattaiva kevalam |
prapañcādhārarūpeṇa vartate'to jaganna hi || 12 ||

Obwohl die eigenständige Wirklichkeit der Erscheinungswelt aufgehoben ist, scheint sie weiterhin wirklich. Wie beim vermeintlichen Schlangenbild nur das Seil wirklich ist, so besteht allein die Wirklichkeit Brahmans als Grundlage der Erscheinungen; eine davon unabhängige Welt gibt es nicht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: prapañcaḥ – Erscheinungswelt; nivṛttaḥ – aufgehoben, zurückgenommen; satyavat bhāti – erscheint wie wirklich; rajju-sattā – Wirklichkeit des Seils; brahma-sattā eva – allein die Wirklichkeit Brahmans; prapañca-ādhāra-rūpeṇa – als Grundlage der Erscheinungswelt; jagat na hi – keine eigenständige Welt.

13. Vers Atmabodha Upanishad
yathekṣurasasaṃvyāptā śarkarā vartate tathā |
advayabrahmarūpeṇa vyāpto'haṃ vai jagattrayam || 13 ||

Wie Zucker vollständig vom Saft des Zuckerrohrs durchdrungen ist, so durchdringe ich als nichtduales Brahman die drei Welten.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ikṣu-rasa – Zuckerrohrsaft; saṃvyāptā śarkarā – vollständig durchdrungener Zucker; advaya-brahma-rūpeṇa – in Gestalt des nichtdualen Brahman; vyāptaḥ aham – ich durchdringe; jagat-trayam – die drei Welten.

14. Vers Atmabodha Upanishad
brahmādikīṭaparyantāḥ prāṇino mayi kalpitāḥ |
budbudādivikārāntastaraṅgaḥ sāgare yathā || 14 ||

Von Brahma bis zum kleinsten Insekt werden alle Lebewesen in mir vorgestellt – wie Blasen, Wellen und andere Veränderungen im Ozean erscheinen, ohne vom Wasser getrennt zu sein.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brahmā-ādi-kīṭa-paryantāḥ – von Brahma bis zum Insekt; prāṇinaḥ – Lebewesen; mayi kalpitāḥ – in mir vorgestellt; budbuda – Blase; taraṅgaḥ – Welle; sāgare – im Ozean.

15. Vers Atmabodha Upanishad
taraṅgasthaṃ dravaṃ sindhurna vāñchati yathā tathā |
viṣayānandavāñchā me mā bhūdānandarūpataḥ || 15 ||

Wie der Ozean nicht nach dem Wasser verlangt, das bereits in seinen Wellen ist, so soll in mir kein Verlangen nach der Freude der Sinnesobjekte entstehen, denn mein eigenes Wesen ist Glückseligkeit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: taraṅga-stham dravam – Wasser in der Welle; sindhuḥ – Ozean; na vāñchati – verlangt nicht; viṣaya-ānanda-vāñchā – Wunsch nach Sinnesfreude; ānanda-rūpataḥ – weil mein Wesen Glückseligkeit ist.

16. Vers Atmabodha Upanishad
dāridryāśā yathā nāsti sampannasya tathā mama |
brahmānande nimagnasya viṣayāśā na tadbhavet || 16 ||

Wie ein wahrhaft Reicher keine Sehnsucht nach Armut hat, so besteht für mich, der in Brahman-Glückseligkeit versunken ist, kein Bedürfnis nach den vergänglichen Sinnesobjekten.

Wort-für-Wort-Erläuterung: dāridrya-āśā – Wunsch nach Armut; sampannasya – des Reichen; brahma-ānande nimagnasya – in Brahman-Glückseligkeit versunken; viṣaya-āśā – Begehren nach Sinnesobjekten; na bhavet – soll nicht entstehen.

17. Vers Atmabodha Upanishad
viṣaṃ dṛṣṭvā'mṛtaṃ dṛṣṭvā viṣaṃ tyajati buddhimān |
ātmānamapi dṛṣṭvāhamanātmānaṃ tyajāmyaham || 17 ||

Ein Verständiger lässt Gift zurück, wenn er Nektar erkannt hat. Ebenso lasse ich nach der Erkenntnis des Atman die Identifikation mit dem Nicht-Selbst zurück.

Wort-für-Wort-Erläuterung: viṣam – Gift; amṛtam – Nektar, Unsterblichkeit; buddhimān – der Verständige; tyajati – lässt los; ātmānam dṛṣṭvā – den Atman erkannt habend; anātmānam – das Nicht-Selbst.

18. Vers Atmabodha Upanishad
ghaṭāvabhāsako bhānurghaṭanāśe na naśyati |
dehāvabhāsakaḥ sākṣī dehanāśe na naśyati || 18 ||

Die Sonne, die einen Topf beleuchtet, vergeht nicht, wenn der Topf zerbricht. Ebenso vergeht der Zeuge, der den Körper erhellt, nicht mit dem Untergang des Körpers.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ghaṭa-avabhāsakaḥ bhānuḥ – Sonne, die den Topf beleuchtet; ghaṭa-nāśe – beim Zerbrechen des Topfes; deha-avabhāsakaḥ – den Körper erhellend; sākṣī – Zeuge; na naśyati – vergeht nicht.

19. Vers Atmabodha Upanishad
na me bandho na me muktirna me śāstraṃ na me guruḥ |
māyāmātravikāsatvānmāyātīto'hamadvayaḥ || 19 ||

Im höchsten Sinn gibt es für mich weder Bindung noch Befreiung, weder Schrift noch Guru als etwas Zweites. All dies entfaltet sich im Bereich der Maya; ich bin jenseits der Maya und nichtdual.

Wort-für-Wort-Erläuterung: na me bandhaḥ – für mich keine Bindung; na me muktiḥ – keine Befreiung; śāstram – Schrift; guruḥ – Lehrer; māyā-mātra-vikāsatvāt – weil dies Entfaltungen der Maya sind; māyā-atītaḥ – jenseits der Maya; advayaḥ – nichtdual.

20. Vers Atmabodha Upanishad
prāṇāścalantu taddharmaiḥ kāmairvā hanyatāṃ manaḥ |
ānandabuddhipūrṇasya mama duḥkhaṃ kathaṃ bhavet || 20 ||

Mögen die Pranas sich gemäß ihren Funktionen bewegen und mag der Geist von Wünschen bedrängt werden: Wie könnte für mich, der von der Erkenntnis der Glückseligkeit erfüllt ist, daraus wirkliches Leiden entstehen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: prāṇāḥ calantu – mögen die Lebenskräfte sich bewegen; tad-dharmaiḥ – gemäß ihren Funktionen; kāmaiḥ hanyatām manaḥ – der Geist mag von Wünschen bedrängt sein; ānanda-buddhi-pūrṇasya – von Erkenntnis der Glückseligkeit erfüllt; duḥkham katham bhavet – wie könnte Leiden entstehen?

21. Vers Atmabodha Upanishad
ātmānamañjasā vedmi kvāpyajñānaṃ palāyitam |
kartṛtvamadya me naṣṭaṃ kartavyaṃ vāpi na kvacit || 21 ||

Ich erkenne den Atman unmittelbar; die Unwissenheit ist verschwunden. Heute ist die Vorstellung, ich sei der Handelnde, vergangen, und im höchsten Sinn bleibt nichts, das ich zur Vollendung meiner selbst noch tun müsste.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ātmānam añjasā vedmi – ich erkenne den Atman unmittelbar; ajñānam palāyitam – Unwissenheit ist geflohen; kartṛtvam – Handelnd-sein; naṣṭam – vergangen; kartavyam – zu Tuendes; na kvacit – nirgends.

22. Vers Atmabodha Upanishad
brāhmaṇyaṃ kulagotre ca nāmasaundaryajātayaḥ |
sthūladehagatā ete sthūlādbhinnasya me nahi || 22 ||

Brahmanenstatus, Familie und Gotra, Name, Schönheit und soziale Herkunft gehören zum grobstofflichen Körper. Für mich, der vom grobstofflichen Körper verschieden ist, sind sie keine Eigenschaften des Selbst.

Wort-für-Wort-Erläuterung: brāhmaṇyam – Brahmanenstatus; kula-gotre – Familie und Gotra; nāma – Name; saundarya – Schönheit; jātayaḥ – Herkunft/Geburtsgruppen; sthūla-deha-gatāḥ – zum grobstofflichen Körper gehörig; sthūlāt bhinnasya – vom Grobstofflichen verschieden.

23. Vers Atmabodha Upanishad
kṣutpipāsāndhyabādhiryakāmakrodhādayo'khilāḥ |
liṅgadehagatā ete hyaliṅgasya na santi hi || 23 ||

Hunger, Durst, Blindheit, Taubheit, Begehren, Zorn und Ähnliches gehören zum subtilen Leib. Im formlosen, nicht durch den Linga-Körper begrenzten Selbst bestehen sie nicht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kṣut – Hunger; pipāsā – Durst; andhya – Blindheit; bādhirya – Taubheit; kāma – Begehren; krodha – Zorn; liṅga-deha-gatāḥ – zum subtilen Körper gehörig; aliṅgasya – des nicht durch den Linga-Körper Begrenzten.

24. Vers Atmabodha Upanishad
jaḍatvapriyamodatvadharmāḥ kāraṇadehagāḥ |
na santi mama nityasya nirvikārasvarūpiṇaḥ || 24 ||

Dumpfheit sowie die abgestuften Erfahrungen von Freude und Befriedigung werden dem Kausalkörper zugerechnet. Sie gehören nicht zu mir, dem Ewigen, dessen Wesen unveränderlich ist.

Wort-für-Wort-Erläuterung: jaḍatva – Dumpfheit, Unbewusstheit; priya-moda – Formen von Freude/Befriedigung; kāraṇa-deha-gāḥ – zum Kausalkörper gehörig; nityasya – des Ewigen; nirvikāra-svarūpiṇaḥ – dessen Wesen unveränderlich ist.

25. Vers Atmabodha Upanishad
ulūkasya yathā bhānurandhakāraḥ pratīyate |
svaprakāśe parānande tamo mūḍhasya jāyate || 25 ||

Wie die Sonne für die Eule wie Dunkelheit erscheint, so scheint dem Verblendeten Finsternis selbst dort zu bestehen, wo das Selbst aus sich selbst leuchtende höchste Glückseligkeit ist.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ulūkasya – für die Eule; bhānuḥ – Sonne; andhakāraḥ pratīyate – erscheint als Dunkelheit; sva-prakāśe – im Selbstleuchtenden; para-ānande – in höchster Glückseligkeit; mūḍhasya – für den Verblendeten; tamaḥ jāyate – Dunkelheit entsteht.

26. Vers Atmabodha Upanishad
cakṣurdṛṣṭinirodhe'bhraiḥ sūryo nāstīti manyate |
tathā'jñānāvṛto dehī brahma nāstīti manyate || 26 ||

Wenn Wolken den Blick versperren, meint man nicht deshalb zu Recht, die Sonne existiere nicht. Ebenso hält ein von Unwissenheit bedeckter Verkörperter Brahman für nicht existent, weil er es nicht erkennt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: cakṣuḥ-dṛṣṭi-nirodhe – wenn der Blick gehemmt ist; abhraiḥ – durch Wolken; sūryaḥ na asti iti manyate – meint, die Sonne sei nicht da; ajñāna-āvṛtaḥ – von Unwissenheit bedeckt; dehī – Verkörperter; brahma na asti – Brahman existiere nicht.

27. Vers Atmabodha Upanishad
yathāmṛtaṃ viṣādbhinnaṃ viṣadoṣairna lipyate |
na spṛśāmi jaḍādbhinno jaḍadoṣānprakāśataḥ || 27 ||

Wie Nektar, der vom Gift verschieden ist, von den Fehlern des Giftes nicht befleckt wird, so werde ich als das vom Unbewussten verschiedene Licht des Bewusstseins von dessen Begrenzungen nicht berührt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: amṛtam – Nektar; viṣāt bhinnam – vom Gift verschieden; viṣa-doṣaiḥ na lipyate – wird von den Fehlern des Giftes nicht befleckt; jaḍāt bhinnaḥ – vom Unbewussten verschieden; prakāśataḥ – als Licht/Erhellendes; na spṛśāmi – ich werde nicht berührt.

28. Vers Atmabodha Upanishad
svalpāpi dīpakaṇikā bahulaṃ nāśayettamaḥ |
svalpo'pi bodho nibiḍe bahulaṃ nāśayettamaḥ || 28 ||

Schon ein kleines Flämmchen kann große Dunkelheit vertreiben. Ebenso kann selbst ein zunächst kleiner Funke wahrer Erkenntnis dichte Unwissenheit zerstören.

Wort-für-Wort-Erläuterung: svalpā dīpa-kaṇikā – kleines Flämmchen; bahulam tamaḥ – große Dunkelheit; nāśayet – zerstört; svalpaḥ bodhaḥ – geringe/anfängliche Erkenntnis; nibiḍe – dicht; tamaḥ – Dunkelheit, Unwissenheit.

29. Vers Atmabodha Upanishad
kālatraye yathā sarpo rajjau nāsti tathā mayi |
ahaṅkārādidehāntaṃ jagannāstyahamadvayaḥ || 29 ||

Wie zu keiner Zeit wirklich eine Schlange im Seil existiert, so existiert in mir die Welt vom Ahamkara bis zum Körper nicht als selbständige zweite Wirklichkeit. Ich bin nichtdual.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kāla-traye – in den drei Zeiten; sarpaḥ rajjau – Schlange im Seil; na asti – existiert nicht; ahaṅkāra-ādi-deha-antam – vom Ahamkara bis zum Körper; jagat – Welt; aham advayaḥ – ich bin nichtdual.

30. Vers Atmabodha Upanishad
cidrūpatvānna me jāḍyaṃ satyatvānnānṛtaṃ mama |
ānandatvānna me duḥkhamajñānādbhāti satyavat || 30 ||

Weil mein Wesen Bewusstsein ist, gehört Unbewusstheit nicht zu mir; weil mein Wesen Wahrheit ist, gehört Unwahrheit nicht zu mir; weil mein Wesen Glückseligkeit ist, gehört Leiden nicht zu mir. Nur durch Unwissenheit erscheint das Gegenteil wie wirklich.

Wort-für-Wort-Erläuterung: cit-rūpatvāt – weil mein Wesen Bewusstsein ist; jāḍyam – Unbewusstheit; satyatvāt – weil mein Wesen Wahrheit ist; anṛtam – Unwahrheit; ānandatvāt – weil mein Wesen Glückseligkeit ist; duḥkham – Leiden; ajñānāt – durch Unwissenheit; satyavat bhāti – erscheint wie wirklich.

Abschluss
ātmaprabodhopaniṣadaṃ muhūrtamupāsitvā na sa punarāvartate na
sa punarāvartata ityupaniṣat ||

Wer diese Atmaprabodha Upanishad auch nur für eine Weile ernsthaft kontempliert, so verkündet der Text, kehrt nicht erneut in die bisherige Bindung zurück – er kehrt nicht zurück. So lautet die Upanishad.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ātmaprabodha-upaniṣadam – die Upanishad vom Erwachen zum Selbst; muhūrtam – für eine Weile; upāsitvā – meditiert/verehrt habend; na punaḥ āvartate – kehrt nicht wieder zurück; iti upaniṣat – so die Upanishad.

Atmabodha Upanishad: Datierung, Inhalt und Bedeutung

Name, Einordnung und Überlieferung

Der Name bezeichnet die Lehre über eine Folge meditativer Identitätsaussagen über Atman, Narayana und Brahman. Als Samanya Vedanta Upanishad verbindet die Schrift upanishadische Befreiungssprache mit Begriffen, Bildern und Praktiken ihrer besonderen Tradition. Die Zuordnung zum Rigveda beruht vor allem auf dem Muktika-Kanon und den Kolophonen der späteren Sammlungen; sie bedeutet nicht zwingend, dass der gesamte Text schon zur ältesten Schicht dieses Veda gehörte.

Die Überlieferung ist handschriftlich. Abschnitts- und Verszahlen können deshalb zwischen Ausgaben abweichen, besonders bei Prosateilen, Schlussformeln und eingeschobenen Mantras. Diese Ausgabe gibt den benutzten Text vollständig wieder und gliedert lange Prosa für Übersetzung und Worterklärung in redaktionelle Sinnabschnitte. Solche Zwischenüberschriften sind keine vorgetäuschten alten Verszahlen.

Datierung

Die genaue Entstehungszeit ist nicht gesichert. Sprache, Systematisierung und Stellung im Muktika-Kanon sprechen für eine jüngere Upanishad, deren überlieferte Gestalt wahrscheinlich im ersten Jahrtausend n. Chr. oder im frühen Mittelalter gewachsen ist. Die moderne Forschung behandelt die Schrift als eigenständiges Zeugnis ihrer jeweiligen religiösen und philosophischen Überlieferung; über Autor und exakten Entstehungsort besteht keine gesicherte Kenntnis. Datierungen von Neben-Upanishaden sind grundsätzlich Näherungen: Ein alter Lehrgedanke, die erhaltene sprachliche Fassung und der Zeitpunkt der Aufnahme in eine Sammlung können verschiedenen Epochen angehören.

Aufbau und Inhalt

Der Text entfaltet Mantra und innere Reinigung; der Zeuge der Zustände; Erkenntnis des ungeteilten Bewusstseins. Seine Bewegung führt von sichtbaren Formen, kosmologischen Zuordnungen oder Regeln immer wieder zur Frage nach dem tragenden Bewusstsein. Selbst dort, wo Ritual, Gottheit oder Mantra im Vordergrund stehen, zielt die upanishadische Deutung auf eine Umwandlung des Erkennenden.

Für die Lektüre ist es hilfreich, drei Ebenen auseinanderzuhalten: Erstens die wörtliche historische Vorschrift oder Erzählung, zweitens ihre symbolische und meditative Bedeutung und drittens die philosophische Aussage über Atman, Brahman und Befreiung. Nicht jede Passage beansprucht auf allen drei Ebenen dieselbe Art von Wahrheit.

Philosophische Kernlehre

Die zentrale Perspektive lautet: eine Folge meditativer Identitätsaussagen über Atman, Narayana und Brahman. Die wechselnden Erfahrungen, Namen und Formen sind nicht das letzte Maß des Menschen. Freiheit entsteht, wenn Identifikation, Unwissenheit und zwanghafte Anhaftung durch klare Erkenntnis, Sammlung und eine gereifte Lebensführung durchschaut werden.

Diese Lehre darf nicht als bloße Behauptung „Alles ist eins“ missverstanden werden. Die Upanishaden verbinden Einsicht mit Disziplin: Der Geist soll wahrhaftig, ruhig und fein werden. Erst dann wird Nichtdualität zu gelebter Freiheit statt zu einem abstrakten Gedanken.

Studium wird in der upanishadischen Tradition durch Kontemplation, Meditation und verantwortliches Handeln vertieft.

Beziehungen zu anderen Schriften

Thematisch steht die Atmabodha Upanishad besonders neben Vajrasuchi Upanishad, Shukarahasya Upanishad, Niralamba Upanishad, Sarvasara Upanishad, Mantrika Upanishad, Subala Upanishad, Kaushitaki Brahmana Upanishad. Gemeinsame Motive können wörtliche Übernahmen, geteilte mündliche Traditionen oder spätere Neuinterpretationen älterer Verse anzeigen. Ähnlichkeit allein beweist jedoch keine eindeutige chronologische Abhängigkeit.

Die Bhagavad Gita verbindet ebenfalls Erkenntnis, Hingabe und Handeln; das Yoga Sutra beschreibt die Sammlung des Geistes mit einer anderen systematischen Sprache. Ein Vergleich macht sichtbar, was allen Wegen gemeinsam ist und wo die Atmabodha Upanishad einen eigenen Akzent setzt.

Bedeutung für die Tradition

Für die zugehörige Tradition legitimiert die Schrift Praxis nicht nur durch Vorschrift, sondern durch eine Sicht des Menschen und des Kosmos. Die im Text behandelten Themen – Mantra und innere Reinigung; der Zeuge der Zustände; Erkenntnis des ungeteilten Bewusstseins – erhalten dabei einen gemeinsamen inneren Bezug. Ritual und Symbol gewinnen ihren tiefsten Sinn, wenn sie Erinnerung, Sammlung, Selbsthingabe und Erkenntnis fördern.

Historisch war die Unterweisung häufig in eine Guru-Schüler-Beziehung eingebettet. Das gilt besonders für Bija-Mantras, Nyasa, Gelübde, intensive Atemmethoden oder weitreichende Formen der Entsagung. Die schriftliche Überlieferung bewahrt die Lehre; sie ersetzt nicht in jedem Fall die persönliche Anleitung.

Bedeutung für heutige Yoga Aspiranten

Der moderne Yoga Aspirant kann die Schrift fruchtbar lesen, ohne jedes vormoderne Weltbild wörtlich übernehmen zu müssen. Er kann fragen: Welche Form von Unwissenheit wird hier beschrieben? Welche Haltung reinigt den Geist? Wie werden Körper, Atem, Gefühl, Denken und Bewusstsein miteinander verbunden? Und woran zeigt sich Befreiung im Umgang mit anderen Menschen?

Praktisch bedeutet dies: kurze Passagen regelmäßig studieren, zentrale Begriffe nachschlagen, die Lehre in stiller Meditation prüfen und ihre ethische Wirkung beobachten. Wachsende Geduld, Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Freiheit von zwanghaftem Begehren sind verlässlichere Zeichen als Visionen, Titel oder außergewöhnliche Erlebnisse.

Bedeutung für Yogalehrer und spirituelle Begleiter

Für Yogalehrer ist die Atmabodha Upanishad eine Erinnerung an sorgfältige Kontextualisierung. Ein Lehrer sollte zwischen Textaussage, traditioneller Kommentierung, persönlicher Erfahrung und überprüfbaren körperlichen Wirkungen unterscheiden. Er sollte schwierige soziale, medizinische oder sektarische Aussagen weder verschweigen noch unkritisch bestätigen.

Ein verantwortlicher Lehrer führt nicht in Abhängigkeit. Er hilft Lernenden, Schrift, Vernunft, Gewissen und eigene Erfahrung miteinander ins Gespräch zu bringen. Wo Übungen Risiken bergen oder eine Einweihung voraussetzen, gehören klare Grenzen zur spirituellen Redlichkeit.

Bleibende Botschaft

Die bleibende Einladung der Atmabodha Upanishad besteht in der vertieften Auseinandersetzung mit ihrem Kernanliegen: eine Folge meditativer Identitätsaussagen über Atman, Narayana und Brahman. Formen können verschieden sein; das Ziel ist eine Freiheit, die den ganzen Menschen verwandelt. Erkenntnis wird dann lebendig, wenn sie das Herz weitet, den Geist klärt und das tägliche Handeln wahrhaftiger macht.

Atmabodha Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen

Artikel aus "Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 899 - 901.

Einleitung

"Zum Zweck der Erklärung der achtsilbigen [Formel der] Narayana Upanishad", sagt der Kommentator, "dient diese Atmabodha Upanishad[1]; denn es kommt vor, daß ein Vedatext zur Erklärung eines anderen dient; wie z. B. die Brahmanas zu der der Mantras". In Wahrheit aber ist das vorliegende Stück bloß eine, fast wörtliche, Wiederholung von Nar. Up. 5, und die Zutaten sind teils ohne Belang, teils irreführend. So, wenn der Vijnanaghana (gleich Karanarupa) nicht der Atman selbst, sondern ein Produkt desselben sein soll, während doch sogleich darauf der Karanarupa wieder mit Narayana identifiziert wird. Und auch der Vers von Devakiputra wird, wie die Ergänzungen zeigen, anders als von uns Nar. Up. 5 verstanden und, wie wir glauben, mißverstanden. Auch die am Schluß angeflickten Zitate aus Brih. 4,4,19, Ait. 3,3-4 und Rigv. 9,113,7 bekunden die gänzliche Unselbständigkeit des Werkes, welches wir nur darum nicht übergehen, weil der Oupnekhat es aufgenommen und Narayana dasselbe kommentiert hat.

Die Atmabodha Upanishad

Om! Verehrung!

In die innere Wonne, das Brahman, den Purusha, den heiligen Laut, bestehend aus A, U und M, in diese Silbe, den Pranava, in den [ging Narayana ein], das ward der Laut Om.

Der Yogin, der begehrt diesen,
Wird Geburt und Samsara los.

Om! Verehrung sei dem Narayana, dem Muschel-Diskus-Keule-Träger! Darum, wer den Spruch: Om, Namo Narayanaya! verehrt, dem wird Vaikuntha, die Himmelswelt des Heiligen, zuteil. Und was hier diese Stadt ist, die Brahmanstadt, die Lotosblume als Haus, der Atman, der in dieser, in der Goldlotosblume Mitte weilt, aus dem entspringt das Ursachartige, Bewußtseinartige, ganz aus Erkenntnis bestehend; darum ist es nur wie Blitzes Glanz, wie eine Lampe sein Licht.

So war fromm Devakis Sprößling,
So war fromm Garudadvaja.
So war fromm Pundarikaksha,
So war fromm Madhusudana;

[denn er erkannte] den in allen Wesen weilenden, einen Narayana, das Ursachartige, das A, das höchste Brahman.

Wer den von Schmerz und Wahn freien
Visnu denkt, geht zugrunde nicht
Aus Zweiheit Unzweiheit, furchtlos

wird ihm zuteil. Aber

"Von Tod in neuen Tod stürzt sich,
"Wer hier Verschied'nes meint zu sehn" (Brih. 9,4,19).

In der Mitte der Herzlotosblume ist "alles dieses vom Bewußtsein gelenkt, in dem vom Bewußtsein Gelenkten gegründet; vom Bewußtsein gelenkt ist die Welt, das Bewußtsein ist ihr Grund, das Bewußtsein ist Brahman. Mittels dieses bewußten Selbstes aus dieser Welt emporsteigend, hat er [Vamadeva] in jener Himmelswelt alle Wünsche erlangt und ist unsterblich geworden, - ist unsterblich geworden" (Ait. 3,3-4).

"Wo Licht ist ohne Unterlaß,
Wo gegründet der Himmelsglanz,
In diese Welt, o Läuterer,
Die ewige, versetze mich,
— die ewige versetze mich" (Rig v. 9,113, 7).

So geht man zur Unsterblichkeit, - so geht man zur Unsterblichkeit. Om, Verehrung!

Wer die Atmaprabodha Upanishad nur eine Stunde verehrend überdenkt, für den ist keine Wiederkehr, - für den ist keine Wiederkehr.

Fußnoten

  1. Der Titel wechselt willkürlich mit Atmaprabodha Upanishad.

Atmabodha Upanishad – vollständiger Text in Devanagari

॥ आत्मबोधोपनिषत् अथवा आत्मप्रबोधोपनिषत् 42
श्रीमन्नारायणाकारमष्टाक्षरमहाशयम् ।
स्वमात्रानुभवात्सिद्धमात्मबोधं हरिं भजे ॥

ॐ वाङ्मे मनसीति शान्तिः ॥

ॐ प्रत्यगानन्दं ब्रह्मपुरुषं प्रणवस्वरूपं अकार उकार
मकार इति त्र्यक्षरं प्रणवं तदेतदोमिति । यमुक्त्वा मुच्यते
योगी जन्मसंसारबन्धनात् । ॐ नमो नारायणाय
शङ्खचक्रगदाधराय तस्मात् ॐ नमो नारायणायेति
मन्त्रोपासको वैकुण्ठभवनं गमिष्यति । अथ यदिदं
ब्रह्मपुरं पुण्डरीकं तस्मात्तडिताभमात्रं
दीपवत्प्रकाशम् ॥

ब्रह्मण्यो देवकीपुत्रो ब्रह्मण्यो मधुसूदनः ।
ब्रह्मण्यः पुण्डरीकाक्षो ब्रह्मण्यो विष्णुरच्युतः ॥

सर्वभूतस्थमेकं नारायणं कारणपुरुषमकारणं परं
ब्रह्मोम् । शोकमोहविनिर्मुक्तो विष्णुं ध्यायन्न सीदति ।
द्वैताद्वैतमभयं भवति । मृत्योः स मृत्युमाप्नोति य इह
नानेव पश्यति । हृत्पद्ममध्ये सर्वं यत्तत्प्रज्ञाने
प्रतिष्ठितम् । प्रज्ञानेत्रो लोकः प्रज्ञा प्रतिष्ठा
प्रज्ञानं ब्रह्म । स एतेन
प्रज्ञेनात्मनास्माल्लोकादुत्क्रम्यामुष्मिन्स्वर्गे लोके
सर्वान्कामानाप्त्वाऽमृतः समभवदमृतः समभवत् ।
यत्र ज्योतिरजस्रं यस्मिंल्लोकेऽभ्यर्हितम् । तस्मिन्मां देहि
स्वमानमृते लोके अक्षते अच्युते लोके अक्षते अमृतत्वं च
गच्छत्यों नमः ॥ १॥

प्रगलितनिजमायोऽहं निस्तुलदृशिरूपवस्तुमात्रोऽहम् ।
अस्तमिताहन्तोऽहं प्रगलितजगदीशजीवभेदोऽहम् ॥ १॥

प्रत्यगभिन्नपरोऽहं विध्वस्ताशेषविधिनिषेधोऽहम् ।
समुदस्ताश्रमितोऽहं प्रविततसुखपूर्णसंविदेवाहम् ॥ २॥

साक्ष्यहमनपेक्षोऽहं निजमहिम्नि संस्थितोऽहमचलोऽहम् ।
अजरोऽहमव्ययोऽहं पक्षविपक्षादिभेदविधुरोऽहम् ॥ ३॥

अवबोधैकरसोऽहं मोक्षानन्दैकसिन्धुरेवाहम् ।
सूक्ष्मोऽहमक्षरोऽहं विगलितगुणजालकेवलात्माऽहम् ॥ ४॥

निस्त्रैगुण्यपदोऽहं कुक्षिस्थानेकलोककलनोऽहम् ।
कूटस्थचेतनोऽहं निष्क्रियधामाहमप्रतर्क्योऽहम् ॥ ५॥

एकोऽहमविकलोऽहं निर्मलनिर्वाणमूर्तिरेवाहम् ।
निरवयोऽहमजोऽहं केवलसन्मात्रसारभूतोऽहम् ॥ ६॥

निरवधिनिजबोधोऽहं शुभतरभावोऽहमप्रभेद्योऽहम् ।
विभुरहमनवद्योऽहं निरवधिनिःसीमतत्त्वमात्रोऽहम् ॥ ७॥

वेद्योऽहमगमास्तैराराध्योऽहं सकलभुवनहृद्योऽहम् ।
परमानन्दघनोऽहम् परमानन्दैकभूमरूपोऽहम् ॥ ८॥

शुद्धोऽहमद्वयोऽहं सन्ततभावोऽहमादिशून्योऽहम् ।
शमितान्तत्रितयोऽहं बद्धो मुक्तोऽहमद्भुतात्माहम् ॥ ९॥

शुद्धोऽहमान्तरोऽहं शाश्वतविज्ञानसमरसात्माहम् ।
शोधितपरतत्त्वोऽहं बोधानन्दैकमूर्तिरेवाहम् ॥ १०॥

विवेकयुक्तिबुद्ध्याहं जानाम्यात्मानमद्वयम् ।
तथापि बन्धमोक्षादिव्यवहारः प्रतीयते ॥ ११॥

निवृत्तोऽपि प्रपञ्चो मे सत्यवद्भाति सर्वदा ।
सर्पादौ रज्जुसत्तेव ब्रह्मसत्तैव केवलम् ।
प्रपञ्चाधाररूपेण वर्ततेऽतो जगन्न हि ॥ १२॥

यथेक्षुरससंव्याप्ता शर्करा वर्तते तथा ।
अद्वयब्रह्मरूपेण व्याप्तोऽहं वै जगत्त्रयम् ॥ १३॥

ब्रह्मादिकीटपर्यन्ताः प्राणिनो मयि कल्पिताः ।
बुद्बुदादिविकारान्तस्तरङ्गः सागरे यथा ॥ १४॥

तरङ्गस्थं द्रवं सिन्धुर्न वाञ्छति यथा तथा ।
विषयानन्दवाञ्छा मे मा भूदानन्दरूपतः ॥ १५॥

दारिद्र्याशा यथा नास्ति सम्पन्नस्य तथा मम ।
ब्रह्मानन्दे निमग्नस्य विषयाशा न तद्भवेत् ॥ १६॥

विषं दृष्ट्वाऽमृतं दृष्ट्वा विषं त्यजति बुद्धिमान् ।
आत्मानमपि दृष्ट्वाहमनात्मानं त्यजाम्यहम् ॥ १७॥

घटावभासको भानुर्घटनाशे न नश्यति ।
देहावभासकः साक्षी देहनाशे न नश्यति ॥ १८॥

न मे बन्धो न मे मुक्तिर्न मे शास्त्रं न मे गुरुः ।
मायामात्रविकासत्वान्मायातीतोऽहमद्वयः ॥ १९॥

प्राणाश्चलन्तु तद्धर्मैः कामैर्वा हन्यतां मनः ।
आनन्दबुद्धिपूर्णस्य मम दुःखं कथं भवेत् ॥ २०॥

आत्मानमञ्जसा वेद्मि क्वाप्यज्ञानं पलायितम् ।
कर्तृत्वमद्य मे नष्टं कर्तव्यं वापि न क्वचित् ॥ २१॥

ब्राह्मण्यं कुलगोत्रे च नामसौन्दर्यजातयः ।
स्थूलदेहगता एते स्थूलाद्भिन्नस्य मे नहि ॥ २२॥

क्षुत्पिपासान्ध्यबाधिर्यकामक्रोधादयोऽखिलाः ।
लिङ्गदेहगता एते ह्यलिङ्गस्य न सन्ति हि ॥ २३॥

जडत्वप्रियमोदत्वधर्माः कारणदेहगाः ।
न सन्ति मम नित्यस्य निर्विकारस्वरूपिणः ॥ २४॥

उलूकस्य यथा भानुरन्धकारः प्रतीयते ।
स्वप्रकाशे परानन्दे तमो मूढस्य जायते ॥ २५॥

चक्षुर्दृष्टिनिरोधेऽभ्रैः सूर्यो नास्तीति मन्यते ।
तथाऽज्ञानावृतो देही ब्रह्म नास्तीति मन्यते ॥ २६॥

यथामृतं विषाद्भिन्नं विषदोषैर्न लिप्यते ।
न स्पृशामि जडाद्भिन्नो जडदोषान्प्रकाशतः ॥ २७॥

स्वल्पापि दीपकणिका बहुलं नाशयेत्तमः ।
स्वल्पोऽपि बोधो निबिडे बहुलं नाशयेत्तमः ॥ २८॥

कालत्रये यथा सर्पो रज्जौ नास्ति तथा मयि ।
अहङ्कारादिदेहान्तं जगन्नास्त्यहमद्वयः ॥ २९॥

चिद्रूपत्वान्न मे जाड्यं सत्यत्वान्नानृतं मम ।
आनन्दत्वान्न मे दुःखमज्ञानाद्भाति सत्यवत् ॥ ३०॥

आत्मप्रबोधोपनिषदं मुहूर्तमुपासित्वा न स पुनरावर्तते न
स पुनरावर्तत इत्युपनिषत् ॥

ॐ वाङ्मे मनसीति शान्तिः ॥

इति आत्मबोधोपनिषत्समाप्ता ॥

Atmabodha Upanishad – vollständiger Text in IAST

|| ātmabodhopaniṣat athavā ātmaprabodhopaniṣat 42
śrīmannārāyaṇākāramaṣṭākṣaramahāśayam |
svamātrānubhavātsiddhamātmabodhaṃ hariṃ bhaje ||

oṃ vāṅme manasīti śāntiḥ ||

oṃ pratyagānandaṃ brahmapuruṣaṃ praṇavasvarūpaṃ akāra ukāra
makāra iti tryakṣaraṃ praṇavaṃ tadetadomiti | yamuktvā mucyate
yogī janmasaṃsārabandhanāt | oṃ namo nārāyaṇāya
śaṅkhacakragadādharāya tasmāt oṃ namo nārāyaṇāyeti
mantropāsako vaikuṇṭhabhavanaṃ gamiṣyati | atha yadidaṃ
brahmapuraṃ puṇḍarīkaṃ tasmāttaḍitābhamātraṃ
dīpavatprakāśam ||

brahmaṇyo devakīputro brahmaṇyo madhusūdanaḥ |
brahmaṇyaḥ puṇḍarīkākṣo brahmaṇyo viṣṇuracyutaḥ ||

sarvabhūtasthamekaṃ nārāyaṇaṃ kāraṇapuruṣamakāraṇaṃ paraṃ
brahmom | śokamohavinirmukto viṣṇuṃ dhyāyanna sīdati |
dvaitādvaitamabhayaṃ bhavati | mṛtyoḥ sa mṛtyumāpnoti ya iha
nāneva paśyati | hṛtpadmamadhye sarvaṃ yattatprajñāne
pratiṣṭhitam | prajñānetro lokaḥ prajñā pratiṣṭhā
prajñānaṃ brahma | sa etena
prajñenātmanāsmāllokādutkramyāmuṣminsvarge loke
sarvānkāmānāptvā'mṛtaḥ samabhavadamṛtaḥ samabhavat |
yatra jyotirajasraṃ yasmiṃlloke'bhyarhitam | tasminmāṃ dehi
svamānamṛte loke akṣate acyute loke akṣate amṛtatvaṃ ca
gacchatyoṃ namaḥ || 1 ||

pragalitanijamāyo'haṃ nistuladṛśirūpavastumātro'ham |
astamitāhanto'haṃ pragalitajagadīśajīvabhedo'ham || 1 ||

pratyagabhinnaparo'haṃ vidhvastāśeṣavidhiniṣedho'ham |
samudastāśramito'haṃ pravitatasukhapūrṇasaṃvidevāham || 2 ||

sākṣyahamanapekṣo'haṃ nijamahimni saṃsthito'hamacalo'ham |
ajaro'hamavyayo'haṃ pakṣavipakṣādibhedavidhuro'ham || 3 ||

avabodhaikaraso'haṃ mokṣānandaikasindhurevāham |
sūkṣmo'hamakṣaro'haṃ vigalitaguṇajālakevalātmā'ham || 4 ||

nistraiguṇyapado'haṃ kukṣisthānekalokakalano'ham |
kūṭasthacetano'haṃ niṣkriyadhāmāhamapratarkyo'ham || 5 ||

eko'hamavikalo'haṃ nirmalanirvāṇamūrtirevāham |
niravayo'hamajo'haṃ kevalasanmātrasārabhūto'ham || 6 ||

niravadhinijabodho'haṃ śubhatarabhāvo'hamaprabhedyo'ham |
vibhurahamanavadyo'haṃ niravadhiniḥsīmatattvamātro'ham || 7 ||

vedyo'hamagamāstairārādhyo'haṃ sakalabhuvanahṛdyo'ham |
paramānandaghano'ham paramānandaikabhūmarūpo'ham || 8 ||

śuddho'hamadvayo'haṃ santatabhāvo'hamādiśūnyo'ham |
śamitāntatritayo'haṃ baddho mukto'hamadbhutātmāham || 9 ||

śuddho'hamāntaro'haṃ śāśvatavijñānasamarasātmāham |
śodhitaparatattvo'haṃ bodhānandaikamūrtirevāham || 10 ||

vivekayuktibuddhyāhaṃ jānāmyātmānamadvayam |
tathāpi bandhamokṣādivyavahāraḥ pratīyate || 11 ||

nivṛtto'pi prapañco me satyavadbhāti sarvadā |
sarpādau rajjusatteva brahmasattaiva kevalam |
prapañcādhārarūpeṇa vartate'to jaganna hi || 12 ||

yathekṣurasasaṃvyāptā śarkarā vartate tathā |
advayabrahmarūpeṇa vyāpto'haṃ vai jagattrayam || 13 ||

brahmādikīṭaparyantāḥ prāṇino mayi kalpitāḥ |
budbudādivikārāntastaraṅgaḥ sāgare yathā || 14 ||

taraṅgasthaṃ dravaṃ sindhurna vāñchati yathā tathā |
viṣayānandavāñchā me mā bhūdānandarūpataḥ || 15 ||

dāridryāśā yathā nāsti sampannasya tathā mama |
brahmānande nimagnasya viṣayāśā na tadbhavet || 16 ||

viṣaṃ dṛṣṭvā'mṛtaṃ dṛṣṭvā viṣaṃ tyajati buddhimān |
ātmānamapi dṛṣṭvāhamanātmānaṃ tyajāmyaham || 17 ||

ghaṭāvabhāsako bhānurghaṭanāśe na naśyati |
dehāvabhāsakaḥ sākṣī dehanāśe na naśyati || 18 ||

na me bandho na me muktirna me śāstraṃ na me guruḥ |
māyāmātravikāsatvānmāyātīto'hamadvayaḥ || 19 ||

prāṇāścalantu taddharmaiḥ kāmairvā hanyatāṃ manaḥ |
ānandabuddhipūrṇasya mama duḥkhaṃ kathaṃ bhavet || 20 ||

ātmānamañjasā vedmi kvāpyajñānaṃ palāyitam |
kartṛtvamadya me naṣṭaṃ kartavyaṃ vāpi na kvacit || 21 ||

brāhmaṇyaṃ kulagotre ca nāmasaundaryajātayaḥ |
sthūladehagatā ete sthūlādbhinnasya me nahi || 22 ||

kṣutpipāsāndhyabādhiryakāmakrodhādayo'khilāḥ |
liṅgadehagatā ete hyaliṅgasya na santi hi || 23 ||

jaḍatvapriyamodatvadharmāḥ kāraṇadehagāḥ |
na santi mama nityasya nirvikārasvarūpiṇaḥ || 24 ||

ulūkasya yathā bhānurandhakāraḥ pratīyate |
svaprakāśe parānande tamo mūḍhasya jāyate || 25 ||

cakṣurdṛṣṭinirodhe'bhraiḥ sūryo nāstīti manyate |
tathā'jñānāvṛto dehī brahma nāstīti manyate || 26 ||

yathāmṛtaṃ viṣādbhinnaṃ viṣadoṣairna lipyate |
na spṛśāmi jaḍādbhinno jaḍadoṣānprakāśataḥ || 27 ||

svalpāpi dīpakaṇikā bahulaṃ nāśayettamaḥ |
svalpo'pi bodho nibiḍe bahulaṃ nāśayettamaḥ || 28 ||

kālatraye yathā sarpo rajjau nāsti tathā mayi |
ahaṅkārādidehāntaṃ jagannāstyahamadvayaḥ || 29 ||

cidrūpatvānna me jāḍyaṃ satyatvānnānṛtaṃ mama |
ānandatvānna me duḥkhamajñānādbhāti satyavat || 30 ||

ātmaprabodhopaniṣadaṃ muhūrtamupāsitvā na sa punarāvartate na
sa punarāvartata ityupaniṣat ||

oṃ vāṅme manasīti śāntiḥ ||

iti ātmabodhopaniṣatsamāptā ||

Atmabodha Upanishad – vollständige gut verständliche deutsche Übersetzung

Eröffnungsvers
Ich verehre Hari als die Erkenntnis des Selbst, die durch unmittelbare Erfahrung des eigenen Wesens verwirklicht wird, als die Gestalt des ehrwürdigen Narayana und als die tiefe Bedeutung seines achtsilbigen Mantras.

Shanti Mantra
Om. Meine Rede sei im Geist gegründet und mein Geist in der Rede. O Selbstleuchtender, offenbare dich mir. Möge mir die Erkenntnis des Veda nahe sein; möge das Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tag und Nacht. Ich will das Rechte sprechen, ich will die Wahrheit sprechen. Möge Brahman mich schützen und den Lehrenden schützen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Einleitender Lehrabschnitt – Om, Narayana und Prajnanam Brahma
Om ist die nach innen gerichtete Glückseligkeit, der Brahman-Purusha und die Gestalt des Pranava aus A, U und M. Durch seine rechte Erkenntnis wird der Yogi aus der Bindung von Geburt und Samsara frei. Der Text verbindet diese Kontemplation mit dem Mantra „Om Namo Narayanaya“ und mit Narayana als Vishnu, Madhusudana, Pundarikaksha und Achyuta. Im Herzlotus, der „Stadt Brahmans“, leuchtet das Göttliche wie Blitz und Lampe. Narayana ist als der eine, ursachenlose höchste Brahman in allen Wesen gegenwärtig. Wer ihn meditiert, überwindet Trauer und Verblendung und geht von der Angst der Zweiheit zur Nichtdualität. Wer dagegen hier nur Vielheit sieht, geht „von Tod zu Tod“. Im Herzen ist alles im Bewusstsein gegründet: „Prajnanam Brahma – Bewusstsein ist Brahman.“ Durch dieses erkennende Selbst gelangt der Mensch zur Unsterblichkeit und zum unvergänglichen Licht.

1. Vers Atmabodha Upanishad
Ich bin frei von meiner eigenen Maya; ich bin unvergleichliches, reines Sehen und Wirklichkeit allein. Das Ich-Gefühl ist in mir erloschen; die Unterscheidung zwischen Welt, Ishvara und Jiva ist in mir zerflossen.

2. Vers Atmabodha Upanishad
Ich bin das Höchste, nicht verschieden vom innersten Selbst. Alle Gebote und Verbote sind in dieser Erkenntnis überschritten; ich bin jenseits begrenzender Lebensrollen und bin allein das weithin ausgebreitete, von Glück erfüllte Bewusstsein.

3. Vers Atmabodha Upanishad
Ich bin der Zeuge und von nichts abhängig. In meiner eigenen Größe gegründet bin ich unbeweglich, alterslos und unvergänglich; ich bin frei von Gegensätzen wie Partei und Gegenpartei.

4. Vers Atmabodha Upanishad
Ich bin von einer einzigen Essenz: Erwachen. Ich bin der eine Ozean der Glückseligkeit der Befreiung. Ich bin subtil und unvergänglich; das Netz der Gunas ist von mir abgefallen – ich bin das reine Selbst allein.

5. Vers Atmabodha Upanishad
Ich bin der Zustand jenseits der drei Gunas. Unzählige Welten erscheinen gleichsam in meinem Innern. Ich bin das unveränderliche Bewusstsein, die Stätte jenseits des Handelns und durch bloßes Schlussfolgern nicht erfassbar.

6. Vers Atmabodha Upanishad
Ich bin der Eine und ungeteilt; ich bin die makellose Gestalt der Befreiung. Ich bin ohne Teile und ungeboren; meine Essenz ist reines Sein allein.

7. Vers Atmabodha Upanishad
Meine Selbsterkenntnis kennt keine Grenze; mein Wesen ist höchst heilvoll und unteilbar. Ich bin allgegenwärtig und makellos, reine Wirklichkeit ohne Grenze und ohne Maß.

8. Vers Atmabodha Upanishad
Ich bin das durch die heiligen Überlieferungen zu Erkennende und zu Verehrende; ich bin das Herz aller Welten. Ich bin eine dichte Fülle höchster Glückseligkeit, die grenzenlose Weite der einen höchsten Freude.

9. Vers Atmabodha Upanishad
Ich bin rein und nichtdual, immer gegenwärtig und ohne Anfang. Die begrenzende Dreiheit ist in mir zur Ruhe gekommen. Jenseits der Vorstellungen von Gebundenheit und Befreiung bin ich das wunderbare Selbst.

10. Vers Atmabodha Upanishad
Ich bin rein und innerstes Selbst; mein Wesen ist die einheitliche, ewige Erkenntnis. Ich bin die geläuterte höchste Wirklichkeit und die eine Gestalt von Erwachen und Glückseligkeit.

11. Vers Atmabodha Upanishad
Durch Buddhi, die mit Viveka und vernünftiger Prüfung verbunden ist, erkenne ich den Atman als nichtdual. Dennoch erscheint auf der Ebene des gewöhnlichen Umgangs weiterhin die Rede von Bindung, Befreiung und Ähnlichem.

12. Vers Atmabodha Upanishad
Obwohl die eigenständige Wirklichkeit der Erscheinungswelt aufgehoben ist, scheint sie weiterhin wirklich. Wie beim vermeintlichen Schlangenbild nur das Seil wirklich ist, so besteht allein die Wirklichkeit Brahmans als Grundlage der Erscheinungen; eine davon unabhängige Welt gibt es nicht.

13. Vers Atmabodha Upanishad
Wie Zucker vollständig vom Saft des Zuckerrohrs durchdrungen ist, so durchdringe ich als nichtduales Brahman die drei Welten.

14. Vers Atmabodha Upanishad
Von Brahma bis zum kleinsten Insekt werden alle Lebewesen in mir vorgestellt – wie Blasen, Wellen und andere Veränderungen im Ozean erscheinen, ohne vom Wasser getrennt zu sein.

15. Vers Atmabodha Upanishad
Wie der Ozean nicht nach dem Wasser verlangt, das bereits in seinen Wellen ist, so soll in mir kein Verlangen nach der Freude der Sinnesobjekte entstehen, denn mein eigenes Wesen ist Glückseligkeit.

16. Vers Atmabodha Upanishad
Wie ein wahrhaft Reicher keine Sehnsucht nach Armut hat, so besteht für mich, der in Brahman-Glückseligkeit versunken ist, kein Bedürfnis nach den vergänglichen Sinnesobjekten.

17. Vers Atmabodha Upanishad
Ein Verständiger lässt Gift zurück, wenn er Nektar erkannt hat. Ebenso lasse ich nach der Erkenntnis des Atman die Identifikation mit dem Nicht-Selbst zurück.

18. Vers Atmabodha Upanishad
Die Sonne, die einen Topf beleuchtet, vergeht nicht, wenn der Topf zerbricht. Ebenso vergeht der Zeuge, der den Körper erhellt, nicht mit dem Untergang des Körpers.

19. Vers Atmabodha Upanishad
Im höchsten Sinn gibt es für mich weder Bindung noch Befreiung, weder Schrift noch Guru als etwas Zweites. All dies entfaltet sich im Bereich der Maya; ich bin jenseits der Maya und nichtdual.

20. Vers Atmabodha Upanishad
Mögen die Pranas sich gemäß ihren Funktionen bewegen und mag der Geist von Wünschen bedrängt werden: Wie könnte für mich, der von der Erkenntnis der Glückseligkeit erfüllt ist, daraus wirkliches Leiden entstehen?

21. Vers Atmabodha Upanishad
Ich erkenne den Atman unmittelbar; die Unwissenheit ist verschwunden. Heute ist die Vorstellung, ich sei der Handelnde, vergangen, und im höchsten Sinn bleibt nichts, das ich zur Vollendung meiner selbst noch tun müsste.

22. Vers Atmabodha Upanishad
Brahmanenstatus, Familie und Gotra, Name, Schönheit und soziale Herkunft gehören zum grobstofflichen Körper. Für mich, der vom grobstofflichen Körper verschieden ist, sind sie keine Eigenschaften des Selbst.

23. Vers Atmabodha Upanishad
Hunger, Durst, Blindheit, Taubheit, Begehren, Zorn und Ähnliches gehören zum subtilen Leib. Im formlosen, nicht durch den Linga-Körper begrenzten Selbst bestehen sie nicht.

24. Vers Atmabodha Upanishad
Dumpfheit sowie die abgestuften Erfahrungen von Freude und Befriedigung werden dem Kausalkörper zugerechnet. Sie gehören nicht zu mir, dem Ewigen, dessen Wesen unveränderlich ist.

25. Vers Atmabodha Upanishad
Wie die Sonne für die Eule wie Dunkelheit erscheint, so scheint dem Verblendeten Finsternis selbst dort zu bestehen, wo das Selbst aus sich selbst leuchtende höchste Glückseligkeit ist.

26. Vers Atmabodha Upanishad
Wenn Wolken den Blick versperren, meint man nicht deshalb zu Recht, die Sonne existiere nicht. Ebenso hält ein von Unwissenheit bedeckter Verkörperter Brahman für nicht existent, weil er es nicht erkennt.

27. Vers Atmabodha Upanishad
Wie Nektar, der vom Gift verschieden ist, von den Fehlern des Giftes nicht befleckt wird, so werde ich als das vom Unbewussten verschiedene Licht des Bewusstseins von dessen Begrenzungen nicht berührt.

28. Vers Atmabodha Upanishad
Schon ein kleines Flämmchen kann große Dunkelheit vertreiben. Ebenso kann selbst ein zunächst kleiner Funke wahrer Erkenntnis dichte Unwissenheit zerstören.

29. Vers Atmabodha Upanishad
Wie zu keiner Zeit wirklich eine Schlange im Seil existiert, so existiert in mir die Welt vom Ahamkara bis zum Körper nicht als selbständige zweite Wirklichkeit. Ich bin nichtdual.

30. Vers Atmabodha Upanishad
Weil mein Wesen Bewusstsein ist, gehört Unbewusstheit nicht zu mir; weil mein Wesen Wahrheit ist, gehört Unwahrheit nicht zu mir; weil mein Wesen Glückseligkeit ist, gehört Leiden nicht zu mir. Nur durch Unwissenheit erscheint das Gegenteil wie wirklich.

Abschluss
Wer diese Atmaprabodha Upanishad auch nur für eine Weile ernsthaft kontempliert, so verkündet der Text, kehrt nicht erneut in die bisherige Bindung zurück – er kehrt nicht zurück. So lautet die Upanishad.

Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Atmabodha Upanishad für ernsthafte Aspiranten

1. Mache die zentrale Lehre zur täglichen Kontemplation.
Die Atmabodha Upanishad richtet den Blick auf eine Folge meditativer Identitätsaussagen über Atman, Narayana und Brahman. Lies einen kurzen Abschnitt langsam, fasse ihn in einem eigenen Satz zusammen und bleibe danach einige Minuten in der Stille.

2. Studiere Begriffe, aber bleibe nicht bei Begriffen stehen.
Führe ein kleines Studienheft zu Atman, Brahman, Maya und Moksha. Prüfe danach in der Meditation, worauf die Begriffe in deiner Erfahrung verweisen.

3. Übe Sakshi Bhava im Alltag.
Beobachte Gedanken, Gefühle und Rollen als wechselnde Inhalte des Bewusstseins. Das schafft Abstand, ohne Verantwortung zu vermeiden.

4. Verbinde Erkenntnis mit Ethik.
Wahrhaftigkeit, Ahimsa, Maß und Mitgefühl sind keine Nebensache. Sie machen den Geist klar genug für tiefere Einsicht.

5. Lies vergleichend und mit offenem Urteil.
Vergleiche die Aussagen mit älteren Upanishaden, der Bhagavad Gita und lebendiger Lehrerfahrung. Unterscheide poetische Symbolik, historische Weltbilder und unmittelbar prüfbare Praxis.

Redaktioneller Hinweis: Die deutsche Fassung wurde für diesen Artikel neu formuliert und mit den genannten Vergleichsübersetzungen abgeglichen. Bei Komposita fasst die Wort-für-Wort-Erläuterung eng verbundene Wörter teilweise als Sinngruppe zusammen. Die Ausgabe ist eine Studien- und Lesefassung, keine neue kritische Sanskritedition.

Siehe auch

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