Parameshvara Samhita 108 Inspirierende Verse und Mantras

Aus Yogawiki

Parameshvara Samhita – 108 inspirierende Verse und Mantras

Die Parameshvara Samhita eröffnet einen Weg, auf dem Bhakti, Mantra, Meditation und spirituelle Erkenntnis zusammenwirken. Lies diese Stellen als Einladung zur eigenen Betrachtung: Was sammelt deinen Geist, vertieft deine Hingabe und lässt dich im Alltag bewusster handeln? Die Auswahl versammelt genau 108 unterschiedliche Textstellen. Eine Stelle kann mehrere zusammengehörige Verse enthalten, damit ein Gedanke nicht mitten im Satz abbricht. Es handelt sich daher um 108 Auswahlstellen, nicht um die Behauptung, jeder Eintrag entspreche genau einem Sanskrit-Śloka.

Im Mittelpunkt stehen Gottesgegenwart, Lehrerbeziehung, Japa, Sammlung, ethisches Leben, Shakti und Moksha. Die Auswahl ist thematisch gewichtet, keine gleichmäßige Stichprobe aller Kapitel. Besonders ergiebig sind die innere Verehrung in Kapitel 5, die Yoga-Unterweisung in Kapitel 7 und die späten Kapitel über Gnade, Mitgefühl und Bewusstsein.

Die Auswahltexte sind deutsche Übersetzungen; genaue Fundstellen stehen in der Konkordanz. Kurze eckige Anmerkungen gehören zur Übersetzungshilfe. Mantraformeln in IAST und Devanagari folgen erst nach der Konkordanz. Die Formulierungen sind mit der vollständigen Übersetzung im Hauptartikel abgestimmt. Ergänzungen in eckigen Klammern erläutern erforderlichenfalls den Zusammenhang einer ausgewählten Passage.

Hauptartikel · Sanskrit IAST · Devanagari, Teil 1 · Devanagari, Teil 2 · 108 inspirierende Verse und Mantras

Sich dem Göttlichen zuwenden: mit Aufmerksamkeit, Vertrauen und einem offenen Herzen.

108 inspirierende Stellen

Suche, Lehrer und göttliche Führung

1 Om. Verehrung dem Träger des Diskus, der alles Heil schenkt und die im Meer der Sinnesgegenstände Versunkenen emporhebt.

2 Der große Asket und Yoga-Weise Sanaka, ein Sohn Brahmas, übte dort schwer zu vollbringende Askese, um die Erkenntnis Gottes zu erlangen. Hundert Jahre meditierte er in sich selbst über das höchste Selbst. Doch selbst nach äußerst strenger Askese erreichte er das ersehnte Ziel nicht.

3 Da wurde der Weise von großer Trauer ergriffen. Er hatte Zorn und Sinne überwunden und war dennoch in einem Meer des Kummers versunken. Zu diesem beherrschten Verehrer, der sich den Gliedern des Yoga widmete, sprach der Schöpfer der Welt, der seine Verehrer liebt, zum Wohl der Welt folgende Worte. Es war Vasudeva, das höchste Licht, der unsichtbare höchste Purusha. Der ehrwürdige Herr sprach: „Du, Herr unter den Yogis, hast hier eine ausgezeichnete Askese vollbracht. Bald wirst du, o Brahmane, die Frucht deiner großen Askese erlangen. Fasse Zuversicht! Heil sei dir! Verzweifle nicht, du Verständiger.

4 In dieser Welt wird der große Shandilya als einer gerühmt, der sein Ziel erreicht hat. Suche bei ihm Zuflucht, damit du den Weg der Gottesverehrung verwirklichst. Heil sei dir!

5 Dieser Shandilya, der alle Lehrschriften kennt, ist ein hervorragender Guru. Von Schülern umgeben weilt er in seiner Einsiedelei, die Erschöpfung aufhebt. Stets beherrscht vollzieht er den hohen Gottesdienst zu den fünf Tageszeiten. Er kennt den Dharma und wird dir, o Weiser, den Weg der Gottesverehrung lehren. Suche bei ihm Zuflucht, um die Erkenntnis Gottes zu erlangen. Heil sei dir!“ Nach diesen Worten verstummte die von Vasudeva ausgegangene Stimme.

6 Als der große Weise diese überaus wunderbaren Worte hörte, sträubten sich ihm vor Freude die Körperhaare. Schon jetzt meinte er, sein Ziel erreicht zu haben. Voll Sehnsucht, Shandilya zu sehen, durchwanderte er den großen Berg. Da erblickte er die vortreffliche Einsiedelei dieses großen Weisen. Sie war voller verschiedener Blumen und Früchte; viele Arten von Vögeln und Wildtieren lebten dort.

7 Teiche mit roten und blauen Lotosblumen schmückten sie. Friedvolle, neidlose Menschen, die den Weg der Gottesverehrung erkennen wollten, hervorragende Weise und Befreiungssuchende belebten den ganzen Ort. Sanaka trat ein und sah Shandilya, dem die Besten unter den Weisen ihre Verehrung erwiesen. Friedvolle Schüler umgaben ihn. Er ruhte im Selbst, war voller Mitgefühl, besaß göttliche Erkenntnis und widmete sich heiligen Handlungen. Er trug höchste Hingabe an Vasudeva, den Höchsten über allem, in sich. Als Sanaka ihn so sah, verneigte er sich demütig zu seinen Füßen.

8 Er sprach freundlich: „Du hast dein Ziel erreicht, großer Weiser. Der Herr ist dir sehr gewogen. Deine ausgezeichnete Askese ist wohl vollbracht. Der Herr hat mich um deinetwillen angewiesen, du Schatz der Askese.“ Nach diesen Worten lehrte er ihn den Veda namens Ekayana, jene große Wurzel des mächtigen Veda-Baumes, der allein in der höchsten Wirklichkeit gründet, im wahren Brahman, das Vasudeva heißt. Er ist geschmückt mit göttlichen Mantras wie Bala und den weiteren, die diese Wirklichkeit unmittelbar ausdrücken. Er ist frei von Zweifeln und vertreibt das Dunkel des Nichtwissens.

9 Nachdem er ihn darin unterwiesen hatte, erklärte er ihm dessen Wesen und Überlieferung. Shandilya sprach: „Dies ist der Dharma des Krita-Zeitalters; er heißt Handeln ohne Verlangen nach Lohn. Er wird Yoga, Yoga-Dharma und Lehrüberlieferung genannt. Der Herr setzt ihn jeweils im ersten Zeitalter in Bewegung.

10 Dies ist der große, ursprüngliche und ewige Dharma, o Brahmane. Schwer zu verstehen und schwer zu verwirklichen, wird er von den Sattvatas beständig bewahrt: von jenen, die stets der vierfachen göttlichen Gestalt zugewandt sind, sich den fünf Gottesdienstzeiten widmen, in den Bala- und weiteren Mantras aufgehen und keine anderen Gottheiten verehren.

11 Es gibt aber einen höchsten Dharma, über den hinaus nichts Größeres besteht: Er ist allein auf Vasudeva gerichtet und schließt die Verehrung anderer Gottheiten aus. Ihn zu erkennen wurde mein mächtiges Verlangen. Deshalb übte ich hier auf dem vortrefflichen Berg höchste Askese.

12 Nach vielen Tausenden von Jahren der Askese, am Ende des Dvapara- und am Beginn des Kali-Zeitalters, empfing ich unmittelbar vom offenbarten Sankarshana diesen erhabenen Ekayana-Veda, der als Sattvata-Ordnung bekannt ist. Er ist schwer zu erkennen und schwer zu vollbringen; die Erwachten widmen sich ihm. Zum Gang in die Befreiung gibt es keinen anderen Weg als diesen. Deshalb nennen ihn die Weisen Ekayana, den einen Weg. Einst lernte ihn der göttliche Weise Narada auf der Weißen Insel.

13 So habe ich es früher gehört, und so erscheint mir sein Sinn. Sumantu, Jaimini, Bhrigu, Aupagayana, und Maunjyayana habe ich all dies gründlich gelehrt. Nara und Narayana vollziehen zum Wohl der Welt eben diesen ursprünglichen Dharma im Ashram von Badari. Dieser Prakriti-Dharma hat allein Vasudeva zum Gegenstand.

14 Dieser große Veda ist die Wurzel des mächtigen Veda-Baumes. Rig-Veda und die übrigen bilden dessen Stamm und Äste, o Weiser. Er heißt zu Recht ursprünglicher Veda, weil er vor allem den Gott Vasudeva verkündet, die Wurzel der Welt.

15 Dann verschwindet diese gesamte Lehre, von Vasudeva zurückgenommen. Einem dazu befähigten Menschen offenbart der Herr sie später selbst erneut. So wie ich sie einst vom Gott empfing, dessen Wesen Erkenntnis und Kraft ist, habe ich dir den Veda mitsamt seinem Geheimnis erschlossen, großer Weiser.“

16 Demütig sprach er zu Shandilya. Sanaka sagte: „Ehrwürdiger, du kennst alle Formen des Dharma und hast den Sinn sämtlicher Lehrschriften durchdrungen. Durch deine Gnade habe ich diesen großen, vorzüglichen Dharma erlangt, der durch Abkehr von Bindung gekennzeichnet ist und von Erwachten geübt wird. Wie aber können die noch nicht Erwachten, die im großen Meer des Werdens versunken sind, den Gottesdharma erlangen, den Menschen ausschließlicher Hingabe verwirklichen?“

17 Sie ist zweigeteilt: in einen Erkenntnisteil und einen Handlungsteil. Wo das Wesen des allgegenwärtigen Vasudeva angemessen beschrieben wird, seine göttliche Eigenwirklichkeit und seine ewigen Eigenschaften wie Erkenntnis – vor allem die sechs, gemeinsam und auf drei Paare verteilt –, ferner Eigenschaften wie Herrlichkeit und seine höchste Gestalt, die eine, ewige, Vasudeva genannte, und aus ihr zum Zweck der Schöpfung und weiterer Tätigkeiten die Entfaltungen Sankarshana und die übrigen sowie die Entstehung der Welt: Das alles dient der Verehrung durch gläubige, hingebungsvolle große Seelen.

18 Zum Nutzen der Welten wird von Vasudeva, dessen Wesen das Höchste über allem ist, die vierfache Entfaltung mit ihrem vierten, transzendenten Zustand beschrieben, ebenso die Entfaltungen, die Tiefschlaf, Traum und Wachen heißen, und weitere Entfaltungen und andere Gestalten. Dazu kommen die Vibhava genannten Erscheinungen und weitere Offenbarungen sowie die ewigen, mit dem Herrn verbundenen Wesensformen von Lakshmi und Pushti.

19 Beschrieben werden die ewige, allerhöchste Stätte des allgegenwärtigen Vasudeva sowie die Wohnstätten seiner anderen Entfaltungen und Erscheinungen: ihre vielen verschiedenen makellosen Bereiche, deren Ausdehnung und Maß und ihre jeweils bestimmte Anordnung, die Zahl, Maße und Merkmale ihrer Mauern und Tore sowie das Wesen der individuellen Seelen, sowohl der befreiten als auch der unbefreiten, und ausführlich ihre verschiedenen Wege und Zustände. Ferner werden der Reihe nach die Mantragestalten des Herrn und der anderen Wesen behandelt. Wo Mantrameditation, Mudras und das Wesen des Yoga beschrieben werden, wird dieser Abschnitt als Erkenntnisteil bezeichnet.

Gottesnamen und innere Vorbereitung

20 Wenn er am Morgen erwacht, soll er sich aufrichten und noch auf seinem Lager aufmerksam die sechzehn Namen preisen. „Om, Verehrung Vasudeva! Verehrung dir, Sankarshana! Verehrung sei Pradyumna! Verehrung dir, Aniruddha!“

21 Dann folgen der Reihe nach die Namen von Keshava bis Damodara, o Brahmane: „Wieder und wieder Verehrung Keshava! Verehrung Narayana! Verehrung Madhava! Verehrung Govinda!“ Danach verehre man Vishnu: „Verehrung dir, Madhusudana! Verehrung Trivikrama! Verehrung Vamana! Verehrung Shridhara! Om, Verehrung Hrishikesha! Verehrung dir, Padmanabha! Verehrung Damodara!“ Danach folgt der Lobpreis der zehn göttlichen Herabkünfte.

22 Die Erscheinungen des Herrn, angefangen mit dem Einhornigen, werden der Reihe nach angerufen: „Verehrung dir in Fischgestalt! Wieder und wieder Verehrung der Schildkröte! Verehrung dem ursprünglichen Eber! Verehrung dir, Narasimha! Verehrung der Zwerggestalt! Verehrung den drei Ramas! Verehrung dem mit Axt, Bogensehne und Pflug Bewaffneten! Verehrung Krishna, dem Schöpfer! Kalkin, Vishnu, Verehrung sei dir!“ Dabei setzt man jeweils Om voran, o Brahmane. In der überlieferten Reihenfolge soll man diese verschiedenen Gestalten des allgegenwärtigen Hari am Morgen, am Ende der Verehrung und beim Tagesausklang grüßen.

23 Mit lauter, Freude weckender Stimme soll man danach weitere Lobgesänge und Mantras sprechen. Nachdem man den Gemahl Shris mit solchen Lobgesängen gepriesen hat, richtet man seine Bitte an Hari, den Spender von Gaben. [Die Erzählform wechselt hier in der Vorlage.]

24 Einmal oder mehrmals, den eigenen Kräften entsprechend, meditiere man über den lichtvollen Hari: über den Gott im Lotos des Herzens und im Raum zwischen den Augen.

25 Nach Mantranyasa und dem Formen der Mudra vergegenwärtige man sich Hari. Auch im Wasser bringe man ihm die Gaben des Gottesdienstes dar, angefangen mit dem Sitz. Dann verehre der Mantraübende den Herrn mit Blättern, Blüten und Früchten. Sind Blumen vorhanden, ist ihre Darbringung vorgesehen. Mit Wassergaben und in der Vorstellung vollzogenen Darbringungen erfreue man ihn. Wie zuvor bringe man alles mit Wasser dar und stelle sich dabei das Feueropfer vor.

26 Nach Vollendung des Abhigamana, des ehrfürchtigen Herantretens, lege der Verständige die Handlung nieder. Danach beschaffe er die Verehrungsgaben auf rechtmäßige Weise.

27 Nun erkläre ich das Meditationsbad, das beide übertrifft. Man vergegenwärtige sich den lotosäugigen Herrn, dessen Gestalt Mantra ist, im Raum über sich.

28 Man stelle sich einen Strom des Wassers von seinen Füßen vor, der auf den eigenen Kopf fällt und durch die Öffnung am Scheitel in den Körper eintritt. Mit diesem Strom wasche man sämtliche inneren Verunreinigungen fort. Augenblicklich wird der Mantraübende makellos wie ein Kristall.

29 Durch Bad, Achamana, Reinigung und Pranayama wird der Lehrer beziehungsweise Übende innerlich und äußerlich rein.

30 Ist kein Tempel vorhanden, wähle man einen angenehmen Ort und errichte dort geistig ein Mantrahaus. Dies wird nun erklärt. Zuerst meditiere man über den Grundmantra als alldurchdringend wie Brahman, in den Haupt- und Zwischenrichtungen und in der Mitte leuchtend wie Millionen Sonnen. In ihm vergegenwärtige man den Herzmantra, der alles mit seinem Wesen durchdringt; in dessen Mitte den Kopfmantra in Gestalt der Brahma-Nadi, als tragende Säule des Universums und leuchtenden Weg des Auf- und Abstiegs. Der Schikha-Mantra stehe außen um alles herum wie eine Umfassungsmauer. Den Schutzpanzer-Mantra durchdringe man mit dem höchsten Selbst; den Augenmantra stelle man sich als Fenster und Tür vor. [Der erste Halbvers ist in seiner Konstruktion unsicher.] Außen vergegenwärtige man den Waffenmantra, umgeben von Tausenden Wogen sprühender Funken, der sämtliche Hindernisse befriedet.

31 Zur Ankunft der Götter und zum Fortgang störender Wesen lasse man die Glocke erklingen: Sie ist das Zeichen der göttlichen Einladung.

32 Wer Vishnus Verehrung begonnen hat und wirklich schweigt, dessen Aufmerksamkeit soll unzerstreut bleiben. Zu sprechen widerspricht diesem Zustand. Deshalb sollen die Ausführenden ein durchbrochenes Schweigen vermeiden und sich in allen Verrichtungen an ein ununterbrochenes, heilsames Schweigen halten.

33 Schweigen, das durch Körperzeichen, undeutliche Nasenlaute oder Mitteilungen hinter geschlossenen Lippen ersetzt wird, beeinträchtigt die Vollendung. Wenn man alle Angelegenheiten aus eigener Einsicht erledigt, ohne sie durch Worte anzuweisen, ist dies ein Schweigen, das alle Vollendung gewährt.

34 Damit der stürmische, hartnäckige und bewegliche Geist für Samadhi geeignet wird und die Lebenskräfte beherrscht werden, und um Dunkelheit zu entfernen, übe man Atemlenkung. Zuvor erkenne man die Anordnung der Nadis im Körper, die Stellung der Lebenskräfte und das Wesen des Pranayama; dann vollziehe man die Übungen. Ich werde dir das Nadi-System richtig erklären, hervorragender Weiser.

35 Pranayama gilt als zweifach: ohne inneren Gehalt oder mit innerem Gehalt. Ohne Japa und Meditation heißt es Agarbha; mit ihnen heißt es Sagarbha. Dem mit innerem Gehalt verbundenen Pranayama wird gegenüber dem anderen die hundertfache Wirkung zugeschrieben. Unter Rezitation des Waffenmantras führe man den Atem durch die rechte Nasenöffnung nach außen.

36 Das Bewusstsein, das als individuelle Seele lebt und wie ein Stern aufleuchtet, stelle man sich aus dem Käfig der Elemente befreit und ruhend vor im höchsten Mantra jenseits der Vielheit, dessen Gestalt die fünf Kräfte bilden. Durch diese stufenweise Verbindung soll die Seele mit sich selbst ihr eigenes Wesen im Raum des Herzens schauen: unbewegt, sonnenhell, von funkelnden Strahlen umgeben, den höchsten alldurchdringenden Herrn.

37 In der Mantragestalt verweilend, übe man höchste Versenkung. Weil diese Gestalt noch mit den fünf Kräften von Geruch an verbunden ist, erkenne man auch sie als etwas, das zu überschreiten ist. Wenn man, durch diesen Zustand gestärkt, noch nicht erfüllt und noch nicht am Ziel ist, stelle man sich das eigene Selbst wie eine Biene vor, die den Herzlotos des Mantras besucht, sich am Seil der Erkenntnis hält und aus der Herzhöhle nach oben steigt. Ihr Weg ist die lichtförmige Nadi, die Flamme des Mantrafeuers: die aufwärtsführende Sushumna, fein wie ein Lotosfaden. Man vergegenwärtige sie als bis zur Scheitelöffnung reichend und führe das Selbst auf diesem guten Weg allmählich mit dem Atem der Erkenntnis hinaus.

38 So lasse man auch die sechs Mantra-Werkzeuge hinter sich, die nicht alldurchdringend sind, und gelange darüber hinaus zu dem, was aus der höchsten Gestalt des Herrn hervorgeht: einer unvergleichlichen Lichtfülle. In der Nabe dieses Strahlenkreises erfreue man sich an der Glückseligkeit des eigenen Selbst. Für das so von Stufe zu Stufe gehende Selbst, das den von den Prinzipien gebildeten Körper abgelegt hat und als reines Bewusstsein besteht, geht große Glückseligkeit auf: die höchste Kraft Vishnus. Sie nimmt die individuelle Seele, deren Fähigkeit zu handeln nicht aufgehoben ist, in sich auf und kehrt dahin zurück, woher sie hervorgetreten ist. Erkenne dies als frei von begrifflichen Vorstellungen und unaussprechlich, o Trefflicher.

39 Erkenntnis setze man ins Herz, weil sie dort offenbar wird; Herrschaft in den Kopfbereich, weil dieser oben steht über allem Stofflichen und Prinzipiellen, bester Weiser. In die aufwärtssteigende Flamme des Herzfeuers setze der Herr der Mantras die Shakti ein. Kraft setze man mit der Luft in die Haut aller Glieder ein; Wirkmacht, welche den ganzen Körper erfüllt, in die Hände. Lichtglanz, dessen Wesen inneres Erwachen ist und der die Dunkelheit der Natur vertreibt, wird beim Nyasa dem zugehörigen Lichtort zugeordnet.

Das Herz als Ort der Verehrung

Begleitvortrag zur Puja: äußere Handlung und innere Hinwendung.


40 Nachdem man dies vollzogen hat, beginne man die innere Verehrung. Man nehme den Lotossitz oder eine andere geeignete Haltung ein und halte die Hände fest im Brahmanjali vor dem Nabel. Die nach außen gerichteten Sinne bringe man im Geist zur Ruhe, den Geist lasse man in der unterscheidenden Einsicht ruhen und diese Einsicht im Bereich der Erkenntnis. Mit der Vergegenwärtigung der Erkenntnis vollziehe man die auf die höchste Wirklichkeit gerichtete Handlung im Körper, der neuntorigen Stadt mit vier Rädern, dem Haus Gottes.

41 Es umschließt aus sich selbst Anfang und Ende, wie eine Schnur ihre Perlen. Zunächst erscheint es als tragender Grund, danach als Gestalt der Welt, darüber als die vielfältigen Mantras; in Wahrheit bleibt es wellenlos. Diese Anordnung dient dazu, das Handeln jener zur Ruhe zu bringen, die von eingeübten Prägungen bestimmt sind, und den durch seinen Willen offenbar gewordenen Wesen Lebensfülle und Befreiung zu ermöglichen. Solche Begrenzung besteht nur für die von anfangslosem Nichtwissen Getroffenen, nicht in der Wirklichkeit selbst. Für die, welche die Wirklichkeit erkennen, gibt es in Wahrheit kein Oben, kein Seitwärts, Hinten oder Vorn und keine begriffliche Einteilung in das, was abzulegen wäre, und anderes, o Paushkara.

42 Die Kraft des Herrn Vishnu, deren Wesen sich den unterscheidenden Vorstellungen entzieht, wird die tragende Shakti genannt.

43 In ihm sind die Elemente enthalten, auf ihm ruht alles. Von der ersten Entfaltung bis zur großen Auflösung verläuft die Zeitfolge, welche alle Dinge unterscheidet. Das nur durch Benennungen unterschiedene, in Wahrheit ungeteilte viergestaltige Brahman mit seiner Fülle von Eigenschaften wie Erkenntnis ist dagegen immer offenbar, ewig und alldurchdringend: die höchste Stätte. Weil es vollkommen und mit den sechs göttlichen Eigenschaften ausgestattet ist, hat die Zeit keinen Zugriff darauf. Aus dem Klang geht das Ichbewusstsein hervor, dem die Sonne zugeordnet wird, und aus diesem der Geist, dem der Mond entspricht. Die Einsicht hat Licht zur Gottheit und gehört dem Herrn an, dessen Wesen offenbarte Glückseligkeit ist.

44 Die unvergängliche Ursache der Prinzipien von Einsicht an heißt das Unmanifeste. Ihre Eigenschaften sind noch nicht voneinander geschieden. Sie ordnet ihre Eigenschaften unter und besteht in sich selbst, nachdem sie alle inneren Vorgänge im Herzen zusammengezogen hat. Aus ihr entstehen alle Erscheinungen, bester Brahmane; in ihr gehen sie wieder unter. Deshalb gilt dieser Lotos als ein höchster Grund.

45 In ihm ist die Fülle der Strahlen der Bewusstseinssonne gegenwärtig, welche Erkennbares und Erkennenden umfasst: ihr eigenes Licht und ihre eigene Kraft.

46 Die Vimalā genannte Kraft ist Reinheit, die Erkenntniskraft ist Erkennen, Prabhvī ist Herrschaft und Satyā ist Wahrhaftigkeit. Nityā ist Ewigkeit, Prakāśā ist Leuchten, Anantā ist Unendlichkeit, Lotosgeborener. Hinzu kommt die Anugraha-Shakti, die höchste Gnade. Diese acht Kräfte bestehen in sich selbst.

47 Denen, deren Geist vor dem Fallen zurückschreckt und erschüttert ist, schenkt er Furchtlosigkeit: „Fürchte dich nicht!“ – bis hinauf zur Welt Brahmas.

48 Man meditiere über das formlose Bewusstseinslicht als Schatz aller Kräfte. Alle Gestalten des Herrn, angefangen mit dem tragenden Grund, ruhen in ihren jeweiligen Entfaltungen.

49 Die Fülle der Kräfte von Vimala an heißt Entfaltung des Purusha. All dies gehört dem allgegenwärtigen Mantraselbst und wird von den Unsterblichen verehrt. Die Scharen der verschiedenen Mantras bis hin zu den großen Herren der Mantras, ausgestattet mit ihren eigenen Kräften, sind Entfaltungen Vishnus, des höchsten Selbst. Mit diesem Verständnis verehre man ihn beständig, Lotosgeborener. Darüber befindet sich die Klangentfaltung in Gestalt von Sonne, Mond und Feuer.

50 An dem zuvor bezeichneten Zielort in ihrem Inneren, in der Sonne und Mond genannten Verbindung von Schließen und Öffnen, verweilt die höchste Sprache wie eine Biene, gestützt auf Lotos und Sonne. Sie ist die Mutter aller Mantras, die Shakti des friedvollen Herrn. Sie lässt den aus Lauten bestehenden Klang ertönen, der Klang-Brahman genannt wird: einen fortlaufenden Strom von a bis ha.

51 Im Raum am Ende dieses Klanges weilt der unendliche, ewige Gott, mit den Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit sowie den Zeichen von Muschelhorn und Diskus, mit Händen, die fähig sind, die drei Welten zu tragen: friedvoll und seinem Wesen nach Bewusstsein. Aus dem Wunsch, seinen Verehrern Gnade zu erweisen, hat er, der Formlose, eine unvergleichliche Gestalt angenommen. Darum vollziehe man seine Anrufung. Höre, wie dies geschieht.

52 Inmitten des Herzlotos befindet sich das unvergängliche Bewusstseinslicht, rund wie eine Kadamba-Blüte, allgestaltig und glänzend wie ein Edelstein. Es gleicht einer Edelsteinlampe, groß und ununterbrochen ausstrahlend. Durch die Körperöffnungen, angefangen mit den Ohren, treten seine Strahlen hervor. Wie aus einem mit Öffnungen versehenen Krug, in dem eine große Lampe brennt, Licht nach außen dringt, so geschieht es auch aus dem Körper.

53 Die Strahlenfülle des Mantras strömt durch die Nadis nach außen. Obwohl das Mantraselbst den Sinnen nicht unmittelbar sichtbar ist, kann es auf diese Weise doch erfahrbar werden. Die fünf Eigenschaften der äußeren Elemente von Erde an lassen das Verborgene durch das Wahrnehmbare erkennen. Seine Erdeneigenschaft ist Festigkeit; durch diese Eigenschaft ist die Erde fest. Durch ihre wechselseitige Wirksamkeit gehe man zu ihrer bewussten Erkenntnis über. Die ihm eigene erquickende Freude lässt sich auch im Wasser erfahren. Diese Wassereigenschaft ist auch in ihm vorhanden. Wie sonst, o Weiser, könnte schon die bloße Erinnerung an den Mantra dem Geist große Freude schenken?

54 In Feuer ist der höchste Herr als sichtbare Gestalt entfaltet. Die Eigenschaft des Feuers, Gestalt sichtbar zu machen, besteht im Mantraselbst. Denn ohne Lichtglanz ist keine Meditation möglich. Ebenso gehört ihm die Berührungseigenschaft der Luft, großer Weiser. Die subtile Lufteigenschaft besteht im Mantrakörper. Bei geistiger Sammlung wird sie durch das innere Wahrnehmungsvermögen erfahrbar. Die Weite des Raumes geht aus ihm hervor; auch diese Eigenschaft ist mit dem Mantraselbst verbunden.

55 Dann stelle man sich die Ganga vor, die aus dem hochgelegenen Raumlotos auf das Haupt des Herrn herabströmt. Mit diesem Nektarwasser bereite man geistig sämtliche heiligen Gaben, angefangen mit dem Willkommenswasser. Welche Gabe man auch vorstellt, man betrachte sie als aus Nektar bestehend, rasch aus dem Raum herabfallend und vom Nektarmond durchflutet. Durch diese unterschiedlichen, aus Nektar entstandenen Gaben stelle man den Herrn der Mantras sich gestärkt, erfreut und ganz erfüllt vor. Dann bringe man dem Gott der Götter vorschriftsmäßig die Willkommensgabe dar.

56 Nachdem man alles angemessen bis zur Darbringung seiner selbst vollzogen und im Geist Siegesrufe gesprochen hat, trage man folgende Bitte vor: „Willkommen, Herr der Götter! Achyuta, sei mir gegenwärtig. Nimm diese innere Verehrung an, die ich mit aufrichtiger Vergegenwärtigung darbringe.“

57 Man erkenne den Herrn als freundlich gestimmt und bereit, Gnade zu schenken, und entfalte dann ausführlich die innere Verehrung, bester Brahmane. Die durch die Vorstellung hervorgebrachten Gaben seien rein, unerschöpflich und heilsam: solche zur Berührung, solche zum zeremoniellen Dienst und solche zum Genuss, großartig und reichlich, aus allen sieben Welten, wie beschrieben ordnungsgemäß und von höchster Güte. Solche Gaben bringe man mit wahrer Hingabe dar und wiederhole im Geist den Mantra, mit einem freudigen inneren Wesen.

58 Sich selbst, die eigenen Kinder, die Gefährtin und den gesamten Besitz bringe man dar, verneige den Kopf und lasse Tränen der Freude fließen.

59 Man meditiere über Narayana, bedeckt mit funkelnden Strahlen und leuchtend wie Hunderte Feuer, Sonnen und Monde, und vergegenwärtige ihn in den zusammengelegten Händen.

60 Mit heiligen Hymnen und Mantras preise man den Herrn und suche seine Gunst. Nachdem man so die innere Verehrung in ihrer Reihenfolge vollzogen hat, vollziehe man das entsprechende innere Feueropfer, das die Herrlichkeit der Befreiung schenkt. Im Nabelzentrum vergegenwärtige man den Feuerraum, dreieckig, rings von der unmanifesten Natur mit ihren drei Eigenschaften umgeben. Durch Reiben der Meditationshölzer entzünde man das Bewusstseinsfeuer, ganz rein, geheiligt, leuchtend und stets aufwärtsflammend. Es besteht aus Vasudeva, weil dieser im Inneren der Wesen wohnt.

61 Man spreche den Grundmantra bis zur Grenze des hörbaren Klanges und bringe dort den höchsten göttlichen Nektar geklärter Butter dar, dessen Wesen Freude ist. Diese Gabe stammt aus dem wellenlosen Ozean des Brahman. Man nehme sie auf dem Nektarweg entgegen und lasse sie durch die Scheitelöffnung eintreten. Vom Herzen aus stelle man sich den Mantra auf dem mittleren Weg vor, aus Bewusstsein und Licht bestehend, aufleuchtend und durch Brahmans Kraft gestärkt, im eigenen ursächlichen Feuer am Nabel, wie aufgerichtetes Brennholz, im aus sich selbst leuchtenden Brahmanfeuer, das den Bauchraum rings erhellt. Man vergegenwärtige das Yantra darüber, das aus dem Raum herabkommt, und stelle sich den zuvor aufgenommenen Nektar als Opferbutter vor.

62 Nachdem man dieses Bewusstseinsfeuer am Nabel, dessen Wesen Mantra ist, erfreut hat, vergegenwärtige man die an seiner Flammenspitze befindliche Gestalt erneut im Herzlotos. Man rezitiere den Herrn der Mantras gedehnt und mit Meditation verbunden. So stelle man die Einheit der an beiden Orten befindlichen Gestalt her: Vishnus, dessen Wesen Mantra ist und der aus vielen Mantras besteht. Danach lege man alles durch die Handlung Vollbrachte in ihn hinein.

63 Man stelle sich die rechte Hand mit Wasser, Blumen und ungebrochenem Reis gefüllt vor. In ihrer Mitte vergegenwärtige man den ungeteilten, von Strahlen erfüllten Mantra. Die aus der Verehrung hervorgegangene Fruchtfülle betrachte man als Gestalt Lakshmis, rezitiere den Grundmantra und vergegenwärtige sie in der Handmitte. Darüber stelle man wiederum den ungeteilten Mantra vor. Kopf und Knie zur Erde geneigt, bringe man alles Vishnu dar. Man stelle sich vor, wie er es freundlich, zufrieden und voller Zuwendung annimmt, bester Brahmane.

64 Wenn das Ziel im Herzen oder auch äußerlich erreicht ist, vergegenwärtige man der Reihe nach, wie die Schar der Mantras im Herrn der Mantras aufgeht. Die offenbarte Mantragestalt bringe man in der eigenen Vorstellungskraft zur Ruhe; mit dieser Kraft zusammen führe man dann die eigene Erkenntnisgestalt in die eigenen Kräfte zurück und diese wiederum in das Selbst. So wird man wie zuvor ganz von einer Fülle der Glückseligkeit erfüllt.

65 Dieser Weltsitz hat die Gestalt wahrhafter Vorstellung. Obwohl er vom allgegenwärtigen Herrn durch dessen eigene Kraft getragen und durchdrungen wird, nimmt der Herr für die in ihm wohnenden Seelen, die seine Körper bilden und durch seine Kraft begnadet werden, darin seinen Platz ein und weilt in diesem vielfältigen Grund als die vielen Mantras. So ist das Wesen des tragenden Grundes seinem wirklichen Zusammenhang entsprechend erklärt.

66 Wer ihn vollständig erkennt, dessen Bindung durch Handlungen wird vermindert. Diese innere Verehrung vertreibt nach Aussage des Textes Fieber, Krankheit und geistiges Versinken. Sie befriedet Verfehlungen und Bedrängnisse und beendet das gebundene Werden. Durch beständige Übung befreit sie beim Ablegen des Körpers.

67 Wer sie auch nur einmal mit höchster Hingabe in der beschriebenen Reihenfolge ausführt, mit dem bin ich zufrieden, o Weiser. Er nimmt unter allen Verehrern eine hervorragende Stellung ein und führt seine Ahnen hinüber: die vergangenen, die künftigen und die gegenwärtigen.

68 Wie viel mehr gilt dies von einem Menschen, der beständig verbunden ist, dessen Geist ganz darin aufgeht und der, von Vertrauen und Hingabe erfüllt, auf dem Weg der Mantraverehrung bleibt! Für ihn gibt es keine Rückkehr in die Gebundenheit; er erreicht die höchste Stätte. Wer dies erkannt hat, vollziehe deshalb täglich mit Sorgfalt die innere Verehrung.

69 Dieses höchste Geheimnis habe ich dir heute mitgeteilt, Narada. Es soll weder denen, die keine Schüler sind, noch Menschen ohne Hingabe weitergegeben werden. Den Verehrern aber, die sich tief vor dem gebundenen Werden fürchten und ihr Inneres geläutert haben, soll dieses Geheimnis mitgeteilt werden, nachdem ihre Haltung sorgfältig geprüft wurde.

Ethik, Meditation und gelebte Hingabe

70 Nachdem man die innere Verehrung nach diesem Verfahren vollzogen hat, verehre man den Herrn anschließend äußerlich durch eine von Hingabe erfüllte Handlung. Sanaka sprach: Ehrwürdiger, durch deine Gnade habe ich die Verehrung im Herzen verstanden, die Nichtwissen zerstört, Erkenntnis und verwirklichtes Wissen verbindet und alle Vollendung schenkt.

71 Der Mantra, den man aus dem Mund eines wahren Gurus empfangen hat und der Lebensfülle und Befreiung schenkt, soll von den Verehrern heiliger Handlungen an fünf Orten erkannt werden: im äußeren Götterbild und ähnlichen Trägern, an der Zungenspitze, im Herzlotos, in der aufsteigenden Räucherfahne und im wohlklingenden Glockenton.

72 Bei drei täglichen Verehrungszeiten vollziehe man eine achtgliedrige und zwei sechsgliedrige Verehrungen. Wer Yoga erstrebt, übe Schriftstudium und den als innerlich bezeichneten Yoga zu den jeweils passenden Zeiten. Nun wird das Schriftstudium erklärt: Nach einer Verneigung mit acht Gliedern lasse man sich vor dem Herrn nieder, studiere die Agamas und bedenke den Sinn ihrer Aussagen. Wenn die Abenddämmerung kommt, bade man oder wasche wenigstens den Körper bis zu den Hüften. Danach wechsle man die Gewänder und vollziehe die sechsgliedrige Abendverehrung, die mit der Bali-Gabe endet.

73 Nach Japa im Rahmen der eigenen Kräfte begebe man sich zur Schlafstätte und sammle den Geist auf den Gott, der außerhalb in der stützenlosen Stätte gegenwärtig ist, ohne Anstrengung und ohne den Geist gewaltsam festzuhalten, bis der Schlaf eintritt, während man mit ihm verbunden bleibt.

74 Um die Entfaltung des Yoga zu erlangen, übe man den Vishnu-Yoga an einem gut geschützten, einsamen Ort, frei von störenden Gegensätzen und mit günstigen Merkmalen. Man mache den Geist frei von Hochmut und bleibe auf das Wohl aller Wesen ausgerichtet, hingebungsvoll gegenüber Gott, heiligem Feuer und Guru und stets den guten Schriften zugewandt, ohne Wesen zu verletzen, ohne zu stehlen und mit beherrschten Sinnen. Man lasse sich auf einem sehr reinen, geeignet beschaffenen Sitz nieder.

75 Man übe Pratyahara, das Zurückziehen, welches die Zügelung des inneren Bewusstseins ist. Dieses wird aus drei Faktoren beschrieben: Urteilskraft, Denkvermögen und Ichbewusstsein. Dabei ziehe man besonders das Denkvermögen mit Sorgfalt zurück. Der Geist wird als vierfach bezeichnet; durch Pratyahara beherrscht, bleibt er auf dem Weg zum Meditationsgegenstand, andernfalls niemals. Dhyana heißt dessen inneres Gegenwärtigwerden und anhaltende Betrachtung.

76 Mit geschlossenen Augen vollziehe man Japa der lautlichen Mantra-Gestalt, um das durch sie Bezeichnete zu erkennen: in Form von Keimsilben, Silbenverbänden und Wörtern. Diese drei Formen sind angegeben und nach der zuvor erklärten Vorschrift zu vergegenwärtigen. Auch Yoga wird dreifach gelehrt; höre ihn vollständig von mir. Er betrifft die Natur, den Purusha und als dritte Form den höchsten Herrn. Das erwägende Erschließen heißt Tarka; erkenne es als unterscheidende Betrachtung. Samadhi ist das Erlangen des Selbst und wird als Wonne bezeichnet. Dabei lässt man den Meditationsgegenstand los und verzichtet auf die Rezitation des Mantras.

77 Paryanka, Kamala, Bhadra oder das feste Svastika. In einer von ihnen sitzend, richte man den Körper nach oben auf, entspanne die Gelenke, halte die Oberschenkel breit und den Nacken gut ausgerichtet. Man bringe die Arme oben auf gleiche Höhe und neige den Kopf ein wenig. Die Hände liegen schildkrötenartig am Nabel beziehungsweise in der Mitte des Schoßes, die linke über der rechten oder die rechte über der linken. Beide Handflächen seien nach oben gewandt und in der Schildkrötenhaltung zusammengefügt. Der Hals, vom Herzen aufwärts, sei weder übermäßig steif noch eingezogen. Man schließe die Augen ein wenig und blicke auf die Nasenspitze. Der Mund sei geschlossen, doch die Zähne berühren einander nicht. [Ein Ausdruck zur Mundhaltung ist beschädigt.]

78 Pranayama wird in vier Formen gelehrt, beginnend mit dem Ausatmen. Stets bemühe man sich, den Geist zu meistern, den selbst Götter und Dämonen schwer bezwingen. Auch wenn sich der Geist durch Übung und Loslösung kraftvoll sammeln lässt, soll man sich dennoch darum bemühen, störende Bedingungen zu vermeiden. Diese sind zweifach: unmittelbar äußere und im Geist befindliche. Die äußeren entstehen durch den Aufenthaltsort, die inneren durch eingeprägte Neigungen.

79 Man sitze an einem Ort ohne Bremsen und Mücken, ohne störenden Lärm und Geruch, mit geschlossenen Augen und zurückgenommenen Sinnestätigkeiten. So lasse man alle durch die äußere Nähe entstehenden Störungen los und ebenso die vielfältigen, aus Gewohnheitsspuren entstandenen, indem man sich ganz auf den Meditationsgegenstand ausrichtet.

80 Den auf alle möglichen Dinge zerstreuten Geist ziehe man stets zurück. Einen solchen überall umherschweifenden Geist erkenne man als von Tamas geprägt. Den durch Begehren und Ähnliches bewegten Geist erkenne man als rajasisch; durch Übung wird jener Geist gut genannt, der fest mit dem Bereich des Meditationsgegenstands verbunden ist. Ist er danach ganz darin aufgegangen, gilt er als jenseits der Gunas, o Reich an Askese. Eine solche Meditation mit innerem Inhalt übe man bei der Atemzügelung.

81 Ferner wird ein dreifacher Weg der Yogis gelehrt: Vishnu mit gegliederter Gestalt, ohne Gliederung und in seiner höchsten Form. Eine weitere Dreiteilung betrifft Klang, Raum und sichtbare Gestalt. Man betrachte die Gestalt des Gottes der Götter als Meditationsgegenstand. So wird die Meditation gelehrt, bis sie den Raum erreicht. Man vergegenwärtige den Gegenstand so lange, bis kein Gegenstand mehr eigens vergegenwärtigt wird. Wenn die gegenständliche Vorstellung in Gegenstandslosigkeit übergeht, gilt das Höchste als in seinem eigenen Wesen offenbar. Zuerst übe man das Grobe, danach das Feine, danach das Höchste.

82 Auf diese Weise lösen sich Geist und Meditationsgegenstand mitsamt ihren begrenzenden Bedingungen auf. Man meditiere die Gestalt des Gottes der Götter im Herzlotus und betrachte dann den weiteren Gegenstand: zuerst grob, dann fein, dann höchst. Wer so übt, dessen innere Eigenschaften veredeln sich.

83 Dieser Yoga ist als allgemeiner Weg erklärt, o Hervorragender unter den Weisen. Aus Vasudeva, der höher als das Höchste und durch Licht und Wonne gekennzeichnet ist, der über den Sinnen steht, unvergleichlich ist, Sein und Bewusstsein als Wesen besitzt, stets offenbar ist, zwei Arme und eine einzige Gestalt hat und mit seinen Händen Gaben und Furchtlosigkeit schenkt, der durch seine eigene Seinsfülle in den sechs Eigenschaften vollkommen ist, seinem Wesen nach die vier göttlichen Gestalten umfasst und als wahres Brahman von stiller höchster Wonne ist, der aus freiem Willen zur Begnadung der Gläubigen herabgestiegen ist und als höchste Form, als Vyuha und in weiteren Formen leuchtet wie eine Lampe, die eine andere entzündet, ist diese eine und zugleich vielfältige Gestalt offenbar geworden. Darauf sammle der Yogi seinen Geist und übe die Vergegenwärtigung der Erkenntnis, indem er mit dem jeweiligen Mantra Yoga praktiziert. Wer so handelt, gelangt mit der Zeit zu dem, das höher als das Höchste ist.

84 [Man] vollziehe alles Beschriebene, beginnend mit dem Wecken und der Verehrung. Wer nach dieser Vorschrift auch nur einmal, drei Tage, eine Woche, vierzehn Tage oder einen Monat voller Hingabe und Vertrauen verehrt, gelangt nach der Verheißung des Textes zur höchsten Stätte; um wie viel mehr derjenige, der beständig darin lebt.

85 [Man] vollziehe die Mantra-Verehrung mit Japa und Meditation. Danach begebe er sich zur Schlafstätte und gedenke des Herrn der Mantras im Herzen.

86 Mit gefalteten Händen sang der Herr die höchste Rezitation. Brahma sprach: Verehrung dir, Herz Brahmans! Verehrung dir, der du Brahma vorausgehst! Vorzüglichster Führer auf dem Weg des Yoga, Schatz von Samkhya und Yoga, Allgegenwärtiger! Schöpfer des Offenbaren und Unoffenbaren, Unbegreiflicher, der du auf dem Weg des Heils stehst! [Der erste zusammengesetzte Ausdruck ist beschädigt.] Genießer des Alls, inneres Selbst aller Wesen, nicht aus einem Mutterschoß Geborener! Ich bin aus deiner Gnade entstanden; dir, der Stätte der Welten, dem aus sich selbst Seienden, verdanke ich meine erste, geistige Geburt, die von Brahmanen verehrt wird. Meine zweite, uralte Geburt hier ging aus deinem Auge hervor.

87 Du bist das Ziel derer, die die fünf Zeiten erfüllen, du bist der Herr des Pancharatra. Du hast mich erschaffen, o der du die Veden als Auge hast und die Rede übersteigst, damit ich diese ganze Welt aus Bewusstem und Unbewusstem hervorbringe. Doch welche Kraft besitze ich, Herr der Götter, um die Welt zu erschaffen, Herr der Welt? So gepriesen, zeigte ihm Bhagavan, der nach allen Seiten gewandte Purusha, seine unvergleichliche göttliche Eigengestalt. Als der Lotusgeborene sie sah, erfüllte ihn große Freude. Von Freudentränen überströmt verneigte er sich und blieb mit gefalteten Händen stehen.

88 Dieser Mensch wird von allen Angehörigen und den anderen Menschen geehrt. Ganz Viṣṇus Hingabe ergeben, o Brahmane, gelangt er zu Viṣṇus Stätte.

89 Was immer der Auftraggeber wünscht, erlangt er vollständig. Den Verehrern ohne eigennützige Wünsche aber wird unerschütterliche Hingabe zuteil sowie bleibende Erkenntnis, verbunden mit Dharma. So ist die Einsetzung selbst angefertigter Bilder gelehrt.

90 „Was ich wissentlich oder unwissentlich nicht so ausgeführt habe, wie es vorgeschrieben ist, möge dennoch vollständig werden. Sei stets ganz zufriedengestellt!

91 „Erhabener, Lotusäugiger, dessen Wesen Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist! Du Unvergänglicher bist durch die Gaben göttlicher Stärke und Wirksamkeit ewig erfüllt. Dennoch möchte ich dich jetzt zu meiner eigenen Vollendung mit dieser großen Speisegabe erfreuen. Sie ist vollständig für dich bereitet. Um deinen Verehrern Gnade zu erweisen, Herr, lass dich dazu bewegen, sie anzunehmen.“ Nach dieser Bitte vollzieht er für den allgegenwärtigen Herrn Nīrājana wie zuvor.

Gnade, Mitgefühl und das Licht des Bewusstseins

92 Bei Menschen jedoch, die durch wahre Hingabe gereinigt und innerlich Vāsudeva zugewandt sind, begründet eine Unterbrechung oder Unvollkommenheit des Vollzugs nicht in gleicher Weise einen Fehler.

93 Denn der Herr des Mantras wird den durch wahre Hingabe Gereinigten, die bei ihm Zuflucht genommen und ihr Inneres auf ihn ausgerichtet haben, rasch gnädig, selbst ohne vollkommene Ritualfolge. Um wie viel mehr gilt dies für diejenigen, die in Ritual und Erkenntnis vollständig geschult, Vertrauen und Hingabe ergeben und von Lehrern unterwiesen sind, bester Zweimalgeborener! Deshalb sollen in dieser Lehre, hochgesinnter Weiser, Einweihung und alle weiteren Handlungen für die Verehrer mit größter Sorgfalt im Dienst des seinen Verehrern liebevoll zugewandten Herrn ausgeführt werden.

94 Der Gott umfasst alle Götter; Hari umfasst alle Veden. Viṣṇu umfasst alle Opfer; der Alldurchdringende umfasst alle Welten. Der Unendliche umfasst alle Formen des Dharma, der Unerschütterliche alle Wesen. Der Yogin umfasst alle heiligen Badestätten. Ihn soll man nach der vorgeschriebenen Ordnung einsetzen.

95 Zusammen mit seinem Hauspriester, seinen Ministern und den Vertretern seiner Untertanen soll [der König] sich ehrerbietig an einen Kenner der Pāñcarātra-Vorschriften wenden, der dem Wohl aller Wesen dient, an einen nicht habgierigen, nicht zornigen, aufrichtigen brahmanischen Gottesverehrer, einen hervorragenden Lehrer, der beide Arten ritueller Handlung kennt.

96 [Der König] Auch dort gebe er dem Lehrer und den übrigen Beteiligten der Reihe nach ihre Vergütung. Bedürftige, Blinde, Arme, Schutzlose, Kinder, Alte, Ausgezehrte und Kranke lasse er angemessen speisen und ihnen Wertgegenstände und andere Gaben zukommen; auch verschiedene Saaten, Reis und anderes Getreide lasse er verschenken. Gefangene, die im Gefängnis festgehalten werden, soll er freilassen. Damit habe ich dir, o Brahmane, das Verfahren der Tulābhāra-Gabe Schritt für Schritt erklärt.

97 Aus seinem eigenen Herzenslotus übertrage er in diese Bilder, eingeleitet durch eine mit beiden Händen dargebrachte Blumengabe, das große Licht: ungreifbar, unbegrenzbar, gestaltlos und makellos, ewig rein, unvergleichlich, überaus fein, unbeweglich und offenbar, von der Natur des Seins und Bewusstseins, allem gemeinsam, strahlend, unerschütterlich und groß. Nachdem er dieses Licht übertragen hat, werfe er sich lang ausgestreckt nieder und bringe dem Herrn sämtliche vollzogenen Handlungen dar, ihr hervorragenden Zweimalgeborenen.

98 [Der Herr wird verehrt als] unvergänglich, mit zwei Ansichten, strahlend wie Sonne und Weltenbrand am Ende eines Weltalters, alle Welten und alle Gottheiten umfassend, wunderbar, Grundlage von allem und selbst ohne Grundlage, Wesen sämtlicher Kräfte und Handlungen, mit seinem eigenen Glanz die ganze Schar schädlicher Fehler verbrennend.

99 Alle tragen gelbe Gewänder, haben freundliche Gesichter und Blicke, von Mitgefühl erfüllte Herzen und sind bereit, die Welt zu erretten. Um die Bedrängnis der Menschen zu stillen, die den Glanz des Yantras nicht ertragen, lassen sie ringsum beständig Nektarschauer niedergehen.

100 [Man vergegenwärtige den Herrn] mit Menschen-Löwen-Gesicht, einen großen Ozean voller Erkenntnis und der übrigen göttlichen Eigenschaften, dreiäugig, vierarmig, vier Diskusse tragend, den Höchsten. [Die Gesichtsbezeichnung ist im Grundtext beschädigt.] Sein Körper ist von einem Yogaband gehalten, zwei Arme ruhen auf den Knien. Śrīvatsa und Kaustubha schmücken seine Brust; er ist mit Krone und weiterem Schmuck versehen, mit Halsketten, Kopfschmuck, Oberarmreifen, Armreifen und Fußringen. Den ihm liebend zugewandten Verehrern, deren Inneres in der Lehre gefestigt ist, nimmt er das Leid gleichsam unter dem Schatten eines Aśoka-Baumes. Mit freudigem Herzen ist sein Wirken ganz auf den Schutz der Guten gerichtet.

101 Die Kraft des Selbst, die zu überwinden vermag und Schöpfung, Erhaltung und Auflösung zugewandt ist, wurde zuvor als Handlungskraft, als Erzeugerin des göttlichen Entschlusses, bezeichnet. Indem sie die Gestalt der Zeit annimmt, entfaltet sie diese Welt. Daher ist der Leib Sudarśanas das Rad der Zeit und das Rad der Welt. Diese Kraft nimmt darin ihren Sitz als belebendes Prinzip. Ohne sie wäre all dies dem Nichtseienden gleich. Deshalb leite man zuerst die vaiṣṇavische Śakti ab, leuchtend wie Feuer und Mond, ewige Grundlage der Achse, ohne Anfang und Ende.

102 Wie der Puruṣa in Verbindung von Feld und Feldkenner innerhalb der Urnatur als grob und fein meditiert wird, so soll Hari als Sudarśana meditiert werden. [Die Schreibung des Wortes „fein“ ist beschädigt.] Die Schau der höchsten Wirklichkeit ist die Schau dessen, was dieser Name bezeichnet. Für die darin Gefestigten vertreibt sie beständig die Finsternis der Unwissenheit. Sie durchschneidet ihre Zweifel, damit sie den geeigneten Weg beschreiten. Dies ist eine weitere Gestalt jenes Herrn, der Zweifel zerschneidet.

103 Über der Mitte des Herzenslotos befindet sich zuerst die aus Klang-Brahman bestehende Kraft; sie lässt den in der Achse verborgenen, mit Mantra erfüllten inneren Klang ertönen. Diese Kraft des friedvollen Viṣṇu, die von den Übenden gesammelt und gelenkt wird, heißt Klangkraft und steht in der Mitte des Raumes der Sockelsonne.

104 Im wellenlosen höchsten Raum, glückverheißend und frei von begrenzender Gliederung, im Zustand jenseits des vierten, ist der Gott von Licht und Wonne erfüllt: das wahre Brahman, Vāsudeva genannt, dessen Gestalt die sechs göttlichen Eigenschaften vollständig enthält, erfüllt von großer Herrlichkeit, der Herr von der Natur sämtlicher Kräfte, von vollkommen friedvoller, höchster Wonne, immer offenbar, mit Muschel und Diskus gekennzeichnet, mit Händen, die Gaben und Furchtlosigkeit gewähren, tausend Sonnen gleich und mit den Strahlen von tausend Monden, geschmückt mit selbstleuchtender Krone und weiterem Schmuck bis zu den Fußringen, versehen mit Śrīvatsa und Kaustubha, strahlend mit der Waldblumengirlande, in gelber Seide, mit freundlichem Gesicht und Blick. Das Mondlicht seiner Zahnreihen erhellt die Zwischenräume der Richtungen. Śrī und Puṣṭi dienen ihm in besonderer Weise von allen Seiten, ebenso die göttlichen Waffen Muschel, Diskus und weitere, die alle Wirklichkeitsprinzipien verkörpern. Durch wissende Vergegenwärtigung soll er von denen meditiert werden, die ohne Erwartung eigener Früchte handeln.

105 Zur Vollendung beharrlicher Yoga-Übung verehre man ihn beständig außen und innen, an den Orten seiner Gegenwart, in den dafür bereiteten Bildern, Sockeln und weiteren Trägern. Wird er als höchste Gestalt, als Vyūha und in weiteren Formen verehrt, wird alles erreicht. Aus jener ewig offenbaren Wirklichkeit von der Natur des Lichtes und der Wonne nimmt er eine ihr wesensgleiche Erscheinung an, im Wunsch, den Verehrern Gnade zu erweisen. Er nimmt die Handlungskraft in sich auf, die zur Errettung der Welt bereit ist, und tritt als Bewusstseinsanteil hervor, erfüllt von Licht und Wonne: Durch sein Licht ist er schwer anzuschauen für diejenigen, die gute Menschen bedrängen; durch seine beglückende Natur ist er für seine eigenen Verehrer „Sudarśana“, die schöne Schau. Der Gott steht über den sechs Wegen und nimmt die Natur des Zeitenfeuers an. Als Nṛhari, als Hari, vernichtet er, wenn seiner gedacht wird, die Verfehlungen der Verehrer. Wer diese beiden verehrt, die überreich an Glanz sind, wird selbst glanzvoll, im Inneren geläutert und überall glücklich. Hat man so das wahre Wesen des Mantras erkannt, beginne man die Verehrung.

106 Aus der höchsten Wirklichkeit des Erhabenen lasse man die höchste, aus Bewusstsein bestehende Gestalt über den Sockel herabsteigen, während man den Mantra im Geist spricht. Sudarśanas Wesen ist dabei zweifach: das Bezeichnete und das Bezeichnende. Die sichtbar gestaltete Form ist das Bezeichnete; die Mantragestalt ist das Bezeichnende. Beide sind ehrwürdig, unterschieden als höher und nachgeordnet. Als höher erkenne man die bezeichnete Gestalt, als nachgeordnet die durch den Mantra gebundene Ausdrucksform.

107 Aus dem Raum des Herzenslotos des Bildes vergegenwärtige man das höchste, makellose Bewusstsein, von der Natur des Lichtes und der Wonne, ewig offenbar und unvergleichlich, wie es in der Mitte der Lotosmitte seinen Sitz nimmt. Unter dem Wurzelmantra erfahre man es als erwacht und strahlend.

108 Alles vollziehe man wie zuvor zur Verwirklichung von Lebensfülle und Befreiung. Bei befriedenden und weiteren Handlungen mit diesem König der Yantras, durch Meditation, Verehrung, Feueropfer und Mantrawiederholung erfüllen sich die Wünsche der Verehrer, deren Inneres davon durchdrungen ist.

Konkordanz der 108 Verse

Eine Auswahlstelle kann mehrere zusammengehörige Verse umfassen. Alle Fundstellen beziehen sich auf die bewahrte Kapitel- und Verszählung dieser Ausgabe.

Auswahl Fundstelle
1 1.1
2 1.6–7
3 1.8–11
4 1.12
5 1.20–22
6 1.23–25
7 1.26–29
8 1.31–34
9 1.35–36
10 1.43–44
11 1.53–54
12 1.55–58
13 1.72–74
14 1.76–77
15 1.80–81
16 1.83–85
17 1.95–98
18 1.99–101
19 1.105–109
20 2.5–6
21 2.7–10
22 2.11–14
23 2.15–16
24 2.86
25 2.110–112
26 2.117
27 2.127
28 2.128–129
29 2.137
30 3.38–43
31 3.69
32 3.74–75
33 3.76–77
34 3.88–90
35 3.125–126
36 3.179–181
37 3.182–186
38 3.187–191
39 4.32–35
40 5.1–3
41 5.19–22
42 5.23
43 5.39–43
44 5.45–47
45 5.48
46 5.49–51
47 5.59
48 5.74
49 5.81–83
50 5.87–89
51 5.90–92
52 5.102–104
53 5.105–109
54 5.110–113
55 5.121–124
56 5.134–135
57 5.136–139
58 5.141
59 5.145
60 5.149–152
61 5.153–157
62 5.158–160
63 5.161–164
64 5.165–167
65 5.173–175
66 5.176–177
67 5.178–179
68 5.180–181
69 5.182–183
70 6.1–2
71 6.89–90
72 7.434–437
73 7.438–439
74 7.441–443
75 7.447–449
76 7.451–454
77 7.458–462
78 7.464–466
79 7.467–468
80 7.469–471
81 7.472–475
82 7.476–477
83 7.478–483
84 7.524–525
85 9.166
86 10.121–124
87 10.129–132
88 13.211
89 15.910–911
90 16.453
91 18.368–370
92 19.323
93 19.327–329
94 19.586–587
95 20.7–8
96 20.138–140
97 22.25–27
98 23.5–6
99 23.80–81
100 23.103–106
101 24.11–14
102 24.25–27
103 25.46–47
104 25.49–55
105 25.56–62
106 25.63–65
107 25.90–91
108 26.37–38
Mantra und Japa: mit dem Klang auch die Bedeutung im Herzen bewahren.

Wichtige Mantras der Parameshvara Samhita

Die folgenden Formeln sind im Text ausgeschrieben oder werden dort ausdrücklich zusammengesetzt. Die Art des Belegs ist jeweils angegeben. Kurze Auszüge sind als Teilformeln bezeichnet. Die Devanagari-Schreibung wurde regelbasiert aus den angegebenen IAST-Lesungen erzeugt. Ritualgebete und eigentliche Mantrabezeichnungen werden unterschieden.

Verehrung der vier Entfaltungen

IAST:
oṃ namo vāsudevāya namaḥ saṃkarṣaṇāya te |
pradyumnāya namaste'stu aniruddhāya te namaḥ
Devanagari:
ॐ नमो वासुदेवाय नमः संकर्षणाय ते ।
प्रद्युम्नाय नमस्तेऽस्तु अनिरुद्धाय ते नमः

Bedeutung: Om, Verehrung Vasudeva! Verehrung dir, Sankarshana! Verehrung sei Pradyumna! Verehrung dir, Aniruddha!

Gottheit: Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha. Fundstelle: 2.6.

Der vollständige Vers gehört zum morgendlichen Namenslob. Das einmal genannte Om wird hier nicht stillschweigend vor jede folgende Anrufung gesetzt.

Verehrung Narayanas

IAST:
namo nārāyaṇāya
Devanagari:
नमो नारायणाय

Bedeutung: Verehrung Narayana.

Gottheit: Narayana. Fundstelle: 2.7, zweiter Halbvers.

Eine ausdrücklich belegte Teilformel aus dem Namenslob. Das Verbindungswort am Versende gehört nicht zum Namen. Der verbreitete Zusatz Om ist in genau dieser Teilformel nicht ausgeschrieben.

Verehrung Padmanabhas und Damodaras

IAST:
namaste padmanābhāya namo dāmodarāya ca
Devanagari:
नमस्ते पद्मनाभाय नमो दामोदराय च

Bedeutung: Verehrung dir, Padmanabha, und Verehrung Damodara.

Gottheit: Vishnu als Padmanabha und Damodara. Fundstelle: 2.10, erster Halbvers.

Die beiden Namen beschließen hier die Folge von Keshava an. Die Formel wird mit ihrem verbindenden „und“ wiedergegeben.

Verehrung Achyutas und seines Gefolges

IAST:
samastaparivārāya acyutāya namo namaḥ
Devanagari:
समस्तपरिवाराय अच्युताय नमो नमः

Bedeutung: Achyuta mit seinem gesamten Gefolge sei wieder und wieder Verehrung.

Gottheit: Achyuta mit seinem Gefolge. Fundstelle: 3.35, erster Halbvers; Kontext 3.34.

Die vorausgehende Anweisung verlangt eine mit Om beginnende Verehrungsformel. Hier steht zunächst die tatsächlich ausgeschriebene Versfassung; Om wird nicht als angeblich bereits ausgeschriebener Bestandteil ausgegeben.

Gebet der inneren Verehrung

IAST:
svāgataṃ tava deveśa sannidhiṃ bhaja me'cyuta |
gṛhāṇa mānasīṃ pūjā yathārthaparibhāvitām
Devanagari:
स्वागतं तव देवेश सन्निधिं भज मेऽच्युत ।
गृहाण मानसीं पूजा यथार्थपरिभाविताम्

Bedeutung: Willkommen, Herr der Götter! Achyuta, sei mir gegenwärtig. Nimm diese innere Verehrung an, die ich mit aufrichtiger Vergegenwärtigung darbringe.

Gottheit: Achyuta / Vishnu. Fundstelle: 5.135.

Ein im Ritual gesprochenes Gebet, kein Bija-Mantra. Die Vorlage liest pūjā statt des grammatisch erwartbaren pūjām; die Sanskritfassung bewahrt diese Lesung.

Bitte um Vollendung des Unvollkommenen

IAST:
jñānato'jñānato vāpi yathoktaṃ na kṛtaṃ mayā |
tat sarvaṃ pūrṇamevāstu sutṛpto bhava sarvadā
Devanagari:
ज्ञानतोऽज्ञानतो वापि यथोक्तं न कृतं मया ।
तत् सर्वं पूर्णमेवास्तु सुतृप्तो भव सर्वदा

Bedeutung: Was ich wissentlich oder unwissentlich nicht so getan habe, wie es gelehrt wurde: Möge all dies dennoch vollständig sein. Sei stets ganz zufrieden!

Gottheit: Der Herr im Tempelritual. Fundstelle: 16.453.

Eine rituelle Bitte um Annahme und Vollendung. Sie verbindet sorgfältiges Handeln mit dem Eingeständnis menschlicher Begrenzung.

Anrufung des ewig erfüllten Herrn

IAST:
bhagavan puṇḍarīkākṣa saccidānandalakṣaṇa |
balavīryamayairbhogairnityatṛptastvamavyayaḥ
Devanagari:
भगवन् पुण्डरीकाक्ष सच्चिदानन्दलक्षण ।
बलवीर्यमयैर्भोगैर्नित्यतृप्तस्त्वमव्ययः

Bedeutung: Herr, Lotosäugiger, dessen Wesen Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist! Du Unvergänglicher bist durch die aus Kraft und Wirkmacht bestehenden Gaben ewig erfüllt.

Gottheit: Narayana / Vishnu. Fundstelle: 18.368.

Beginn eines Gebets vor der Speisedarbringung. Die anschließenden Verse erklären, dass die Gabe der eigenen Vollendung des Verehrers und dem Empfang göttlicher Gnade dient.

Der achtsilbige Narayana-Mantra

IAST:
oṃ namo nārāyaṇāya
Devanagari:
ॐ नमो नारायणाय

Bedeutung: Om, Verehrung Nārāyaṇa.

Gottheit: Nārāyaṇa. Fundstelle: 24.36.

Der Vers nennt „namo nārāyaṇāya“ und ordnet ausdrücklich das Hinzufügen des Oṃ an. Die hier ausgeschriebene Gesamtform folgt dieser eindeutigen Zusammensetzungsanweisung. Sie richtet die Aufmerksamkeit auf Nārāyaṇa als göttliche Zuflucht.

Der achtsilbige Narasimha-Mantra

IAST:
oṃ namo narasiṃhāya
Devanagari:
ॐ नमो नरसिंहाय

Bedeutung: Om, Verehrung Narasiṃha.

Gottheit: Viṣṇu als Narasiṃha. Fundstelle: 24.74–76, insbesondere 24.75.

24.75 setzt die Formel ausdrücklich aus Oṃ, Namaḥ, „nara“ und „siṃhāya“ zusammen; die Verbindung Namaḥ + nara ergibt „namo nara“. Die ausgeschriebene Form folgt dieser Anweisung. Ihre spirituelle Ausrichtung ist vertrauensvolle Hinwendung zum schützenden Herrn; die anschließenden technischen Bīja- und Nyāsa-Anweisungen werden hier nicht zu einer selbständigen Ritualanleitung erweitert.

Genannte und verschlüsselte Mantras

Der zwölfsilbige Mantra spielt eine zentrale Rolle, etwa in 3.6, 4.5–12 und 5.117. Seine Silben werden beim Nyasa auf Körperstellen verteilt; 4.28 nennt Om als Anfang und ya als Ende. Die verbreitete vollständige Formel wird hier nicht allein aus diesen Hinweisen als wörtliches Zitat ergänzt. Ebenso werden Herz-, Kopf-, Schikha-, Schutzpanzer-, Augen- und Waffenmantra oft nur mit ihren Funktionsnamen genannt.

Die Kapitel 23–26 enthalten spezialisierte, teilweise verschlüsselt angegebene Mantra- und Yantra-Anordnungen. Der Sanskritgrundtext bewahrt sie vollständig. Eine sichere Auflösung sämtlicher Lautchiffren und beschädigter Bija-Folgen ist mit der vorliegenden Textgrundlage nicht geleistet. Deshalb werden daraus hier keine vermeintlich gesicherten Rezitationsfolgen zusammengestellt. Die Liste oben ist eine Auswahl wichtiger ausdrücklich belegter Formeln, kein vollständiges Mantrainventar.

Mit der Auswahl üben

Swami Sivananda: Bild zur heutigen Verbindung von Sammlung und spirituellem Leben.

Lies eine Stelle langsam. Lass ihren Gedanken nachklingen und frage dich, welche kleine Handlung heute dazu passen könnte. Vielleicht ist es ein freundliches Wort, ein kurzer Augenblick bewussten Japa oder das Loslassen eines Anspruchs auf die Frucht deiner Arbeit.

Die Verse über Guru, Mitgefühl und das Wohl aller Wesen erinnern daran, dass innere Sammlung im Leben sichtbar werden darf. Die technischen Einweihungsrituale bleiben Sache sachkundiger Unterweisung; für die tägliche Hinwendung genügen Aufrichtigkeit, Regelmäßigkeit und ein offenes Herz.

Einen Gedanken mit in den Tag nehmen

Nicht jede Stelle muss sofort ganz verstanden sein. Verweile bei einem Gedanken, der dich anspricht: beim Wohl aller Wesen, beim Vertrauen auf Gnade oder bei der Gegenwart Narayanas im Herzen. Lies die Fundstelle im Zusammenhang der vollständigen Übersetzung, wenn du ihre Bedeutung vertiefen möchtest.

Lass aus dem Gelesenen eine kleine, konkrete Handlung werden: ein aufmerksamer Moment des Japa, eine bewusste Gabe oder ein freundliches Wort. So verbindet sich Svadhyaya mit gelebter Bhakti – und die alte Schrift kann den heutigen Tag erhellen.

Textgrundlage

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