Ashrama Upanishad

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Die Ashrama Upanishad (Sanskrit: f.) ist ein Teil der indischen Heiligen Schriften, die Veda genannt werden. Die Ashrama Upanishad gehört zum Atharvaveda und wird außerdem den Sannyasa Upanishaden zugeordnet. Sie beschreibt die vier Ashramas (Lebensstadien) mit sechzehn Unterarten.

Giotto di Bondone: Franziskus predigt zu den Vögeln, Gemälde, um 1295

Ashrama Upanishad mit Erläuterungen nach Paul Deussen

Artikel aus „Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 857 - 861.

Einleitung

Über die vier Asramas oder Übungsstadien, in welchen das Leben des Arya verlaufen sollte, und ihre Entstehung vgl. oben S. 3. 96. Das letzte Lebensstadium ist das des Sannyasin, Bhikshu, Parivrajaka, welcher, wie diese Namen besagen, "alles von sich wirft", "vom Bettel lebt" und "heimatlos umherpilgert". Öfter vorkommend ist die Einteilung dieser Sannyasins in vier Arten als Kuticaras (oder Kuticakas), Bahudakas, Hamsas und Paramahamsas; dieselbe scheint sich ursprünglich, nach den Namen zu schließen, auf die verschiedenen Aufenthaltsorte (in der Nähe von Hütten, am Wasser, unstet in Städten und Dörfern, gänzlich unbestimmt) des Parivrajaka zu beziehen und erst später zu einer Rangordnung der stufenweise zunehmenden Vollendung geworden zu sein. So in einem Verse des Mahabharatam (13,6478):

Caturvidha Bhikshavas Te, Kuticaka Bahudakau,
Hamsah Paramahamsas Ca; Yoh Yah Pascat, Sa Uttamah.

Man vergleiche dazu namentlich die von Madhava gesammelten Stellen älterer Autoritäten bei Aufrecht, Oxf. Cat. p. 269 a.

Diese vier Stufen des Sannyasatums werden kurz charakterisiert in einem Upanishadtext, welcher als Bhikshuka Upanishad in der Muktika- Sammlung (No. 60, Telugu-Druck p. 552) Aufnahme gefunden hat. Derselbe Text bildet (in etwas abweichender Rezension) nur das vierte Kapitel der gegenwärtigen Upanishad, welchem drei andere vorangestellt werden, die auch die drei übrigen Asramas in gleicher Weise durchgehen und in jedem derselben vier Klassen unterscheiden. Nicht deutlich erkennbar ist, ob alle diese Unterarten als verschiedene, nebeneinander bestehende Richtungen oder auch schon in den drei ersten Asramas als aufsteigende, nacheinander zu durchlaufende Stufen zu denken sind. Wahrscheinlich handelt es sich dabei, ähnlich wie bei den Asramas selbst (oben S. 96-97), um ursprünglich nebeneinander bestehende Spielarten, welche dann im System zu einer aufsteigenden Stufenreihe zusammengefaßt wurden. Jedenfalls ist diese Systematisierung nur sekundär und künstlich; auch wollen die Namen mehrfach mit der gegebenen Beschreibung nicht recht zusammenstimmen. Unverständlich ist namentlich, wie der Prajapatya, nach der ersten von ihm gegebenen Definition, zur Klasse der Brahmacarins gerechnet werden kann. Die hier gegebenen Namen und Erklärungen sind also wohl mit Vorsicht aufzunehmen und werden nur, so weit sie von anderer Seite Bestätigung finden, als Quelle zur Kenntnis des Asramawesens dienen dürfen.

Unsere Upanishad, welche in Colebrookes Liste die letzte bildet, fehlt im Oupnekhat, und auch von Narayana ist bis jetzt nicht sicher nachweisbar (oben S. 540), daß er dieselbe in seiner Liste aufgeführt und kommentiert habe; wie denn überhaupt ein Kommentar über sie bis jetzt nicht zum Vorschein gekommen ist.

Die Ashrama Upanishad

1.

Nun ist weiter zu sagen, daß es vier Asramas mit sechzehn Unterarten gibt.

Die Brahmacarins (Brahmanschüler) sind vierfach als Gayatra, Brahmana, Prajapatya und Brihan.

Gayatra ist derjenige, welcher nach geschehener Einführung, drei [Tage und] Nächte hindurch nichts Gesalzenes essend, mit dem Gayatra-Mantra sich beschäftigt.

Brahmana ist derjenige, welcher achtundvierzig Jahre hindurch die Veda-Lehrzeit durchhält, nämlich zwölf Jahre für jeden Veda, oder auch nur so lange, bis er den Veda ausstudiert hat.

Prajapatya ist derjenige, welcher, sich mit seiner Gattin begnügend, dieselbe zur Zeit der Ritus besucht und von anderen Frauen sich allezeit fern hält.

Oder auch: Brahmana ist der, welcher vierundzwanzig Jahre im Haus des Lehrers wohnt, Prajapatya, welcher daselbst achtundvierzig Jahre wohnt.

Brihan ist derjenige, welcher als Naishthika [beständig in der Keuschheit] bis zu seinem Tod den Lehrer nicht verläßt.

2.

Auch die Grihasthas (Hausväter) sind vierfach als Varttakavrittis, Salinavrittis, Yayavaras und Ghorasannyasikas.

Varttakavrittis (von Feldfrüchten lebend) sind diejenigen, welche, Ackerbau, Viehzucht und Handel unbescholten treibend und hundertjahrelange Opferwerke übend, nach dem Atman trachten.

Salinavrittis (seßhaft lebend) sind diejenigen, welche, opfernd ohne opfern zu lassen, studierend ohne zu lehren und gebend ohne zu nehmen und hundertjahrelange Opferwerke übend, nach dem Atman trachten.

Yayavaras (wanderlustig) sind diejenigen, welche opfernd und opfern lassend, studierend und lehrend, gebend und nehmend und hundertjahrelange Opferwerke übend, nach dem Atman trachten.

Ghorasannyasikas (furchtbare Entsagung übend) sind diejenigen, welche, nur mit auserlesenem und filtriertem Wasser ihr Werk vollbringend, nur mit täglich gelesenen Ähren ihren Unterhalt bestreitend und hundertjahrelange Opferwerke übend, nach dem Atman trachten.

3.

Auch die Vanaprasthas sind vierfach als Vaikhanasas, Udumbaras, Valakhilyas und Phenapas.

Vaikhanasas (Nachfolger des Vikhanasa) sind diejenigen, welche, mit Kräutern und Bäumen, die auf unbestelltem Boden wachsen, und mit außerhalb des Dorfes vollzogenen [[[Zeremonie]]n] die Pflege der heiligen Feuer übend und so den Brauch der fünf großen Opfer ausführend, nach dem Atman trachten.

Udumbaras (Audumbaras? Feigensammler) sind diejenigen, welche, wenn sie morgens aufstehen, aus der Gegend, auf welche ihr Blick fällt, Körner von Feigenbäumen, Judendorn, Reis und Hirse sammeln und, mit ihnen die Pflege der heiligen Feuer übend und so den Brauch der fünf großen Opfer ausführend, nach dem Atman trachten.

Valakhilyas (Kahlköpfe) sind diejenigen, welche, die Haarlocke tragend und mit einem Zeuglappen, Fell oder Baumbastgewand umkleidet, am Vollmondstage des Monats Karttika [dem Festtage des Siva] Blumen und Früchte spendend, die weiteren acht Monate [bis zum Eintritt der Regenzeit] sich ihren Lebensunterhalt beschaffend, die Pflege der heiligen Feuer übend und so den Brauch der fünf großen Opfer ausführend, nach dem Atman trachten.

Die Phenapas (Schaumtrinker) sind diejenigen, welche, in dem sie sich wie Unsinnige von abgefallenen Blättern und Früchten nähren und wo es immer ist wohnen, die Pflege der heiligen Feuer übend und so den Brauch der fünf großen Opfer ausführend, nach dem Atman trachten.

4.

Buddhistische Mönche beim Bettelgang

Auch die Parivrajakas sind vierfach als Kuticaras, Bahudakas, Hamsas und Paramahamsas.

Die Kuticaras (Hüttenbesucher) sind diejenigen, welche, in den Häusern ihrer Kinder das Betteln betreibend, nach dem Atman trachten.

Die Bahudakas (die Wasserfreunde) sind diejenigen, welche, ausgerüstet mit Dreistab, Wassertopf, Feldflasche, Seitenlocken, Wassersieb, Trinkschale, Schuhen, Sitz, Haarlocke, Opferschnur, Lendentuch und rotbraunem Gewand, in wohlgesitteten Brahmanenfamilien das Betteln betreibend, nach dem Atman trachten.

Die Hamsas (Wandervögel) sind diejenigen, welche, den Einstab tragend, ohne Haarlocke, die Opferschnur umhabend, mit Feldflasche und Wassertopf in der Hand, in einem Dorf nur eine Nacht, in einer Stadt und an heiligen Badeplätzen fünf Nächte wohnend, jedoch dabei eine Nacht oder zwei Nächte hindurch beschwerliche Übungen, wie das Mondlauffasten, anstellend, nach dem Atman trachten.

Die Paramahamsas (höchste Wandervögel) sind diejenigen, welche ohne Stab, kahlköpfig, mit Lumpen und Lendentuch bekleidet, ohne bestimmte Abzeichen und ohne bestimmte Lebensweise, obwohl nicht unsinnig, doch gleichwie Unsinnige einherziehend, Dreistab, Wassertopf, Feldflasche, Seitenlocken, Wassersieb, Trinkschale, Schuhe, Sitz, Haarlocke und Opferschnur von sich tuend, in einem verlassenen Haus oder bei einem Göttertempel weilend, kein Recht, kein Unrecht, keine Unwahrheit mehr kennen, alles ertragen, bei allem gelassen bleiben, Erdklumpen, Steine und Gold für gleich erachten, und, wie es gerade kommt, bei allen vier Kasten das Betteln betreibend, ihre Seele erlösen, - ihre Seele erlösen.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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