Shankaracharya

Aus Yogawiki

Shankara oder Shankaracharya (Sanskrit: आदि शंकराचार्य Ādi Śaṃkarācārya m.) Ein großer Philosoph (788-820) und Lehrer des Vedanta. Schüler von Govindacharya und unter anderem Lehrer von Padmapada. Er war ein Einheimischer von Kerala oder Malabar und lebte ein sehr unstetes Leben. Er disputierte desöfteren mit Andersgläubigen und machten die Vedanta Philosophie durch seine Predigen und seine Schriften, überall wo er hinkam, bekannt.

Seine Reisen dehnten sich bis nach Kashmir aus. Bereit mit 32 Jahren starb er in Kedaranath im Himalayagebirge. Seine Lehren und seine Heiligkeit wurden so hoch geschätzt und verehrt, dass er als eine Inkarnation von Shiva angesehen wurde. Man glaubte, dass er vermochte, Wunder zu bewirken. Der Gott Shiva war der besonderer Gegenstand seiner Anbetung. Er war Gründer der großen Sekte der Smartava Brahmanas, die sehr zahlreich und mächtig im Süden sind.

Er gründete mehrere Maths oder Klöster für das Lehren und den Erhalt seiner Glaubenssätze. Einige davon sind noch immer vorhanden. Das Hauptkloster ist in Shringagiri oder Shringeri, am Ende des westlichen Ghats in Mysore und hat die Führungskontrolle über die ganze Smartava Sekte. Die Schriften, die ihm zugeschrieben werden, sind sehr zahlreich vorhanden. Die Hauptwerke sind seine Bhashyas oder Kommentare zu den Sutras oder Aphorismen von Vyasa, ein Kommentar zu der Bhagavad Gita und mehrere zu den Upanishaden und den Anandalahari, eine Hymne als Lobgesang für Parvati, die Gattin von Shiva.

Shankara mit den vier Schülern des Dashanami Ordens

Shankaracharyas Lehre

Shankaracharya war jener der die Lehre der Veden und Upanishaden in 3 Merksätzen zusammenfasste:

  • Brahma Satyam (Brahman ist die Wirklichkeit)
  • Jagan Mitya (das Universum ist Unwirklichkeit)
  • Jivo Brahmaiva Napara (Brahman und Atman sind eins)

Mit dem Ausspruch: "Nur das ist wirklich, was sich weder verändert, noch aufhört zu sein" zeigt Shankara klar die völlige Unwirklichkeit des Universums und aller Dinge in ihm.

Eine Auswahl aus Sri Shankaracharyas Werken

Auszug aus dem Buch "Jnana Yoga" von Swami Sivananda (Hrsg.: Divine Life Society, 2007), S. 179-188

Gebete

Oh Siva, als Fötus im Leib meiner Mutter war ich umgeben von Urin und Eiter und vom Feuer des Hungers versengt. In der Jugend befiel mich der Stolz darüber, dass ich all die Sinnesobjekte genießen konnte. Als alter Mann wurden Körper und Geist schwach. Ich führte ein Leben der Täuschung inmitten von Frauen, Geld und Sinnesobjekten. Ich wandte mich nicht Deinen Lotusfüßen zu! Vergib mir nun und segne mich, oh barmherziger Gott! Die Blätter des Lebens fallen ab. Die Jugend vergeht. Die Tage gehen dahin. Die Zeit, die Zerstörerin, legt ihre Hände an die gesamte Welt. Die Existenz in dieser Welt ist kurz wie eine Blase oder ein Blitz. Oh Shiva, beschütze mich.

Oh Shiva, Du trägst die Bettelschale und das abgeschlagene Haupt Brahmas in Händen. Kontrolliere diesen sprunghaften Geist, der von einem Ast der Wünsche zum nächsten hüpft und sich im Wald der Lust vergnügt. Lasse ihn für ewig in Dich eingehen. Oh Geist, Wohlstand, Autos, Söhne, Frauen, Herrschaft, Besitz sind wertlos, weil vergänglich. Suche die Lotusfüße Sivas und erlange Unsterblichkeit, ewige Glückseligkeit und höchsten Frieden.

So du nicht auf Gott meditierst wirst du als Schwein wiedergeboren. Wenn du Ihn nicht erkennst wird der Kreislauf von Geburt und Tod nie enden. Wenn du nicht an Ihn denkst, wirst du zahllose Wiedergeburten als Mikrobe und Insekt erleiden. Handle und erkenne Ihn. Dann hat alles Leid ein Ende.

Das Leid im Mutterleib

Der Jiva erlebt im Mutterleib zehn Monate unerträgliches Leid inmitten von Fäkalien, Urin, Blut, Fleisch, Schleim und Mark und wird von Jataragni (Verdauungsfeuer) verbrannt. Bei der Geburt sollte der Kopf zuerst erscheinen. Wenn das Kind im Mutterleib gedreht werden muss und verletzt wird, dann sterben Mutter oder Kind. Um die Mutter zu retten muss das Kind in Stücke geschnitten werden. Doch selbst wenn die Geburt normal verläuft erleiden Kind und Mutter unsägliche Schmerzen.

Der physische Körper

Hätte Gott diesen Körper, der aus Blut, Wind, Galle, Schleim, Mark, Fett und Fleisch zusammengesetzt ist, nicht mit Haut umspannt, wäre er dann nicht eine Mahlzeit für Krähen und Geier?

Der Schmutz, der aus Nase, Mund, Ohren und Anus kommt verursacht in uns Ekel. Würden wir Nahrung zu uns nehmen, wenn wir den Schmutz in unserem Körper sehen können? Würden sich nicht Bakterien ansiedeln in dem Schmutz des Körpers, wenn wir ihn nicht alle drei Tage waschen würden?

Kann der unangenehme Geruch, der den Körper von Kopf bis Fuß durchdringt, mit Safran, Sandelholzpaste, Kampfer und Düften entfernt werden? Ist er nicht ein Dummkopf, der dem Körper zu viel Aufmerksamkeit schenkt?

Der physische Körper vergeht mit Sicherheit. Was ist dann der Nutzen, dass du dich mit Ornamenten dekorierst, seidene Gewänder trägst und sechs verschiedene schmackhafte Speisen zu dir nimmst? Nur der Atman ist unsterblich und unzerstörbar. Deshalb beginne damit, das Selbst zu erkennen.

Weißt du nicht, dass dieser physische Körper, der sich nun in Blütenbetten und duftenden Betten wälzt, eines Tages auf einem Holzstoß verbrannt wird? Sind es nicht die, die den Körper mit Freude betrachten solange er als König auf dem Thron sitzt, jedoch erschaudern, wenn der Tod das Leben genommen hat?

Ist es nicht Dummheit, dass du dich mit diesem vergänglichen Körper identifizierst und das Höchste Wesen vergisst, das diesem Körper die Kraft gab, zu sprechen, zu sehen, zu riechen und zu laufen?

Die Weisen wissen, der Atman ist Existenz, Wissen und absolute Glückseligkeit. Sie werden diesen physischen Körper, der voll Blut, Knochen und Fleisch ist, diesen schmutzigen Hautsack, nie für ihr wahres Selbst halten.

Der Körper ist das Haus. Der Intellekt ist die Frau. Die Vrittis sind die Söhne. Shatsampat sind die Freude. Die Sinne sind die Diener. Der ist ein weltlicher Mensch, der an diesem Haus anhaftet und das Reich der ewigen Glückseligkeit vergessen hat.

Frauen

Lasse dich von der physischen Schönheit einer Frau nicht betören. Denke daran, dass ihr Körper auch nur aus Fleisch und Blut besteht.

Samsara

Samsara ist vom Schlamm der Avidya bedeckt. Es ist Asara (ohne Essenz, wertlos). Wenn du tief darüber nachdenkst erkennst du, dass es voll Leid ist, begleitet von Geburt, Tod, Krankheit und Alter. Löse den Knoten mit dem Schwert des Wissens.

Wer kann die Leiden der Menschen beschreiben, die da sind Sorge, Schmerz, Krankheit. Schmerz, der durch die Trennung von Verwandten und Freunden entsteht. Gefahr, die durch Feindschaft und Armut entsteht. Die Qual des Todes. Der Kreislauf von Geburt und Tod?

Solange du Geld verdienst lieben dich alle, doch sobald du alt bist, bist du nutzlos und niemand wird sich um dich kümmern. Der tote Körper ist ein Objekt des Terrors, selbst für die Frau, für die er einst die Ursache der Freude war.

Um dich von den Schätzen des Atmans abzulenken, haben Lust, Ärger und Egoismus – die Diebe – dich mit den Seilen der Wünsche nach Freuden und Liebe zu deinen Kindern gefesselt und dich im Wald des Samsaras allein gelassen.

So wenig dich Geburt oder Tod des Sohnes des Nachbarn betrifft, so wenig betreffen dich Geburt und Tod deines Sohnes oder deiner Tochter. Der Mensch stöhnt im Wald des Samsaras, da er Gefahren und Leid ausgesetzt ist. Die Gefahren sind die Schmerzen, die von den drei Arten von Tapa ausgelöst werden; die Leiden sind Hunger und Durst, Geburt und Tod.

Der Wunsch nach einem Haus ist die Fessel an den Füßen. Die Liebe zur Frau ist die Fessel um den Nacken. Lust und Ärger sind die Wachen. Täuschung ist das Gefängnis. Wie schwierig ist es, sich aus all diesen Fesseln zu befreien?

Wahrhaftigkeit, Hingabe, Charakterstärke, Keuschheit, Bildung, Respekt, ein Haus mit den acht Arten des Wohlstandes – alles ist vergänglich. Für den Menschen mit Unterscheidungskraft sind es nur Fesseln. Deshalb entwickeln diese Menschen Vairagya und verlassen ihr Heim. Der nichtwissende Mensch verbleibt im Samsara, verblendet durch ‚Ich‘ und ‚Mein‘.

Die Seele – die Ursache des Leides

Nachdem du etliche Opfer und Riten vollzogen hast, nachdem du gefastet und die Nächte durchgewacht hast, nachdem du große Verluste an Wohlstand und Gesundheit hingenommen hast, wurde dir ein Sohn geboren. Doch bist du dennoch nicht frei von Leid. Du wirst dich um das Wohlergehen des Neugeborenen sorgen. Wenn das Kind gesund ist, sorgst du dich um seine Bildung und seinen Charakter. Das Kind bringt dich in Verruf, wenn sich zeigt, dass es von schlechtem Charakter ist.

Wohlstand und Freuden

Ein König kennt keine Fröhlichkeit. Sein Geist dreht sich um die Möglichkeit eines feindlichen Angriffes, um den Kampf in der Schlacht, um Verrat durch Minister und den Feind, um die Möglichkeit, vergiftet zu werden und um heimtückischen Mord.

Wohlstand schafft Leid. Wer ihn sein eigen nennt ist in Sorge wegen Räubern, Königen und Söhnen. Wohlstand anzusammeln erzeugt Schwierigkeiten. Noch mehr Schwierigkeiten treten auf, ihn zu schützen. Schmerz entsteht, wenn er weniger wird. Noch mehr Schmerz entsteht, wenn du ihn verloren hast. Deshalb gib den Wunsch nach Wohlstand auf.

Die Freuden in dieser Welt und im Himmel sind flüchtig und mit Diabolischem vermischt. Sie sind wie Äpfel, die uns schön erscheinen, wenn wir sie aus der grobstofflichen Warte heraus betrachten. Der Weise mag sie nicht. Der Unwissende hegt den Wunsch nah ihnen. Er leidet im Samsara wie die Krabbe, die ihr Loch auch dann nicht verlässt, wenn der See ausgetrocknet ist. Unwissende glauben, dass Wohlstand Freude bringt. Doch der Reiche hat dieselben Sorgen wie der, der von einer Schlange im Bett gepeinigt wird. Er fürchtet Bettler und Ablehnung selbst von seinen eigenen Söhnen. Der Arme muss sich um nichts kümmern, ist frei von Sorgen und schläft gut wo immer er möchte. Deshalb hafte nicht an Wohlstand an.

Die Seidenraupe baut einen Kokon um ihren Körper und stirbt darin, da sie nicht mehr herauskommt. Genauso baut der Mensch Häuser, kauft Land, heiratet, bekommt Kinder und stirbt bei der Ausübung seiner Pflicht, sie zu versorgen. Wenn er nicht genug Zeit findet, um für seine Familie zu arbeiten, wie kann er dann an seiner eigenen Selbsterkenntnis arbeiten? Ohne Geld zu sein ist schmerzhaft. Wenn man es hat kommt der Schmerz der Gier. Wenn du es genießt wirst du stolz. Wenn du es spendest erwartest du Früchte und dies führt zu einer weiteren Geburt. Es macht dich blind und führt dich auf teuflischem Pfade.

Mangel ist das beste Mittel, um Stolz zu verhindern. Die Krankheit Egoismus wird durch Besitz verursacht und kann nur durch Mangel geheilt werden. Die drei Tore in die Stadt Yamas (der Herr des Todes) sind Frauen, Reichtum und Zunge. Wer diese drei überwunden hat braucht sich um den Tod nicht zu sorgen. Der hat keine Feinde, der auf dem Pferd der Unterscheidungskraft reitet mit dem Schwert der Leidenschaftslosigkeit und dem Schild der Standhaftigkeit.

Du hast viele Länder bereist, deine Lieben versorgt, Wohlstand angehäuft. Zu welchem Nutzen mein Freund? Hast du doch Brahman nicht erkannt.

Wünsche

Wunsch nach Name und Ruhm, Liebe zum Körper, Wunsch nach Gelehrsamkeit, all das sind Hindernisse auf dem Weg zur Erkenntnis des Selbstes. Wer sich aus Samsara befreien will muss den Wunsch nach diesen drei Dingen auslöschen.

Wenn Wünsche nach Objekten auftauchen, bedenke die teuflischen Eigenschaften dieser Objekte. Die Leidenschaft für das Objekt wird vergehen. Wenn der Wunsch auftaucht, eine schöne Frau zu erobern, denke an die Geschlechtskrankheit, die dich durch den Kontakt mit ihr befallen wird. Sofort wird der Wunsch vergehen.

Morgen und Abend, Tag und Nacht, Sommer und Winter drehen sich im Kreis. Die Zeit spielt. Das Leben vergeht. Menschen sterben. Sie werden befallen von allen möglichen Krankheiten. Schwöre den Wünschen ab und suche nach Befreiung.

Der Körper verkrüppelt. Das Haar wird weiß. Die Zähne fallen aus. Der alte Mann geht am Stock. Noch hat er das Wünschen nicht besiegt. Oh alter Mann! Der Bart wird grau, doch du hast den Wünschen noch nicht entsagt. Du hast einen Buckel bekommen, doch der Ärger hat dich nicht verlassen. Alle Indriyas werden kalt. Die Gliedmaßen werden kraftlos, doch das Ego hat sich noch nicht aufgelöst.

Der Geist verblendet

Erlaube deinem Geist nicht, sich von duftenden Blüten, Düften, schmackhaftem Essen, köstlichen Früchten, schattigen Bäumen, melodiöser Musik und singenden Vögeln hinwegtragen zu lassen. Setze dich auf die Erde, meditiere auf Gott und besiege die Sinnesorgane. Triumphiere über die Sinne.

Der Geist wandert herum und denkt stets an die Schönheit der Natur, Haus, Frau, Kinder, Berge und Flüsse. Wenn der Geist keines dieser Objekte erlangen kann, dann wird er wie ein Mann, der an Händen und Füßen gefesselt ist und erfährt durch Innenschau viele Arten von Leid. Der Geist ist wie ein Reh, das sein wahres Reich vergessen hat. Er wandert im Wald des Samsaras. Er wird verbrannt von den drei Feuern (Tapa) Adhyatma, Adhidaiva und Adhibhauta Tapa. Er ist gebunden durch die Fesseln der Wünsche und wird gefoltert vom Tiger der Sinnesobjekte.

Wann wird der Geist, der unzählige Leiden und zahllose Geburten hinter sich hat, in der Lage sein, ewiges Glück zu erlangen? Denke täglich darüber nach.

Oh Geist! Höre sofort auf herumzuwandern. Denke nicht an Frauen, Nahrung und Geld. Versuche, das zu erlangen, was dir ewigen Frieden und Glückseligkeit gibt. In der Kindheit ist dein Geist mit spielen beschäftigt, in der Jugend mit Frauen und im Alter mit Sorgen um die Familie. Wann gedenkst du an Gott zu denken?

Brahmacharya

Zölibat oder Brahmacharya ist nicht nur das Meiden von Sex, es ist das Meiden der Gedanken an Frauen, das Meiden des lustvollen Blickes auf sie, das Meiden über sie zu sprechen, das Meiden ihre Schönheit zu preisen, das Meiden mit ihnen zu scherzen, das Meiden des Umgangs mit ihnen, das Meiden sie zu berühren. Der wahre Brahmachari vermeidet diese acht Arten der Begegnung mit Frauen.

Unterscheidungskraft

Wer ist Frau? Wer ist Sohn? Wer bist du? Woher kamst du? Wie schön ist dieses Samsara? Wie bist du mit anderen verbunden? Denke tief über all das nach. Wer bist du? Wer bin ich? Woher kamst du? Wer ist Mutter? Wer ist Vater? Denke tief über all das nach. Verlasse diese Welt, die nur ein Traum ist, und suche das Ewige.

Was ist Vairagya?

Einiges über Shankara

Artikel aus dem Buch „Das System des Vedanta“ von Paul Deussen, Elibron Classics, 2. Auflage, 1906, S. 36 - 40.

Zeitalter und Lebensverhältnisse des Badarayana sind uns gänzlich unbekannt. Von Shankara scheint es festzustehen, dass er um 700 oder 800 n. Chr. lebte, in Shringagiri, wo er auch vielleicht geboren, eine berühmte Schule gründete, als asketischer Pilger (Paramahansa, Parivrajaka) weite Reisen bis nach Kaschmir hin unternahm, um für seine Lehre zu wirken, und in Kanci gestorben ist. Aus seiner Lehrtätigkeit, keit, an die sich ein neuer Aufschwung der Vedanta Lehre in Indien knüpfte, ging eine große Anzahl von Schriften hervor, die seinen Namen tragen, deren Echtheit aber noch zu untersuchen bleibt. Sein Hauptwerk ist der zusammen mit der Glosse des Govindananda (für 3,4 des Anandagiri) in der Bibl. Ind. 1155 Seiten zählende Kommentar zu den Brahmasutras, der ein im wesentlichen allseitiges und ausreichendes Bild seines Systemes bietet, und aus welchem allein wir unsere Darstellung desselben schöpfen, um auf diesem Wege einen sicheren Maßstab zu gewinnen, an dem sich weiterhin die Echtheit der übrigen, dem Shankara zugeschriebenen Werke, sowohl der kleineren Schriften, als auch seiner Kommentare zu den Upanishaden, ermessen lassen. Aus der Untersuchung der letztern werden sich dann wieder wichtige Rückschlüsse über die Entstehungszeit sowie über das Ansehen der verschiedenen Upanishaden selbst gewinnen lassen. Einen Beitrag dazu glauben wir durch den oben geführten, allerdings noch bedingten, Nachweis geliefert zu haben, dass Shankara im Brahma Sutra Kommentare keine anderen Upunishaden als Aitareya , Kaushitaki, Chandogya, Kena; Taittiriya, Kathaka, Shvetashvatara, Isha, Brihadaranyaka; Mundaka, Prashna (und gelegentlich Paingi, Anirahasya, Jabala [deren Autorität p. 911,5, vgl. 999,4, angefochten wird], Narayaniya und einmal, eine Atharva Upanishade benutzt. Überliefert werden unter dem Namen des Shankara die in der Bibl. Ind. (Vol. II. III. VII. VIII.) edierten Kommentare zu Brihadaranyaka, Chandogya, Taittiriya, Aitareya, Shvelshvatara, Isha, Kena, Katha, Prushna, Mundaka, Mandukya; auffallend ist es, dass Kaushitaki nicht darunter ist.

Außerdem soll er noch Atharvashikh (Weber, Ind. St., II, 53, L. G.2, S. 182), Nrisinhatapaniya (Colebr., p. 96) und Atharvashiras (Ind. St.,1, 383, L. G., S.188) kommentiert haben. Von andern Werken gehen unter seinem Namen: Aptavajrasuci(ed. Weber, Berlin 1860) und Tripuri, welche beide als Upanishaden aufgezählt werden (Weber, L. 0.2, S. 179), Upadeshasahasri (Colebr., p. 335, Hall, Bibliogr. Index, p. 09), Atmabodha (ed. Calc. 1858), Mohamudgara (Hall, p. 103), Balabodhani (ed. Windischmann in Sanc., Bonn 1833), Balabodhini (Berl. Handschr., Nr. 618,2) und eine Reihe anderer Schriften, die man bei Windischmann und Hall (vgl. Regnaud, Matériaux, p. 34. Weber Verz. der Berliner H. S., S. 180, L. G.2, S. 205 N. Lassen, Bhagavadgita, p. XII) aufgezählt findet.

Charakteristisch für das Zeitalter des Shankara wie für seine theologische Anschauung ist eine Stelle seines Kommentars zu den Brahma Sutras, p. 313,8 fg., die wir hier übersetzen: „Denn auch solches, was für uns nicht wahrnehmbar ist, war für die Altvordern wahrnehmbar; so wird überliefert, dass Vyasa [der Autor des Mahabharatam] und andere mit den Göttern und [[[Rishi]]s] in der Wahrnehmung Verkehr gepflogen haben. Wer aber behaupten wollte, dass es, so wie für die jetzt Lebenden, auch für die Altvordern nicht möglich gewesen sei, mit Göttern usw. zu verkehren, der würde die Mannigfaltigkeit der Welt leugnen; er könnte auch behaupten, dass es, so wie jetzt, auch zu andern Zeiten keinen weltbeherrschenden Fürsten (Sarvabhaumah Kshatriyah) gegeben habe, und somit würde er die auf die Königsweihe bezüglichen Gebote nicht gelten lassen.

Er könnte ferner annehmen, dass, so wie jetzt, auch zu andern Zeiten die Pflichten der Kasten und Ashramas keine feststehende Regel gehabt hätten, und somit würde er den Gesetzeskanon, welcher die Regeln dafür angibt, als zwecklos betrachten. Man muss daher festhalten, dass die Altvordern, zufolge hervorragender Verdienste, mit Göttern und [Rishis] sichtbarlich verkehrt haben. Auch sagt die Smriti [Yogasutra 2,44]: durch Studium [wird erlangt] mit der geliebten Gottheit Vereinigung. Und wenn dieselbe weiter lehrt, dass der Yoga als Lohn die Herrschaft über die Natur verleiht, bestehend [in „der Freiheit von der Körperlichkeit und ihren Gesetzen, und dadurch] in der Fähigkeit, sich atomklein zu machen usw. [2. sich leicht zu machen, 3. sich groß zu machen, 4. an alles zu reichen, 5. jeden Wunsch zu verwirklichen, 6. alle Wesen mit seinem Willen zu regieren, 7. Schöpferkraft zu besitzen, 8. in alles einzugehen, Gaudap. ad Sankhyak. 23, Vedavyasa ad Yogas. 3,44] — so ist auch das nicht durch einen bloßen Machtspruch von der Hand zu weisen."

Siehe auch

Literatur

  • Leben und Werk von Shankaracharya, mit Videos, Bildern, Lebensbeschreibung und ein Artikel von Swami Sivananda
  • Shankara - Leben und Werk, Artikel hier im Yoga Wiki
  • Vedanta für Anfänger von Swami Sivananda
  • Vedanta - Der Ozean der Weisheit von Swami Vivekananda
  • Paul Deussen: Das System des Vedanta, Elibron Classics, 2. Auflage, 1906.
  • Soami Divyanand: Vedamrit - Die Botschaft der Veden. ISBN 3-926696-03-6 (Übersetzung der Veden auf Deutsch, Bd. 1); ISBN 3-926696-13-3 (Bd. 2); ISBN 3-926696-26-5 (Bd. 3)
  • Wilfried Huchzermeyer: Die heiligen Schriften Indiens - Geschichte der Sanskrit-Literatur.(edition-sawitri.de) ISBN 3-931172-22-8
  • Moritz Winternitz: Geschichte der Indischen Literatur, Leipzig, 1905 - 1922, Vol. I - III. Reprint in englischer Übersetzung: Maurice Winternitz: History of Indian Literatur, Motilal Barnarsidass, Delhi, 1985, Vol I - III
  • Aurobindo: Das Geheimnis des Veda, 2. Auflage 1997, Hinder + Deelmann, ISBN 3-873481-65-0
  • Lokamanya Bâl Gangâdhar Tilak: Orion ou Recherches sur l'Antiquité des Védas, Milan, Éditions Archè, 1989
  • Dowson, John: A Classical Dictionary of Hindu Mythology and Religion – Geography, History and Religion; D.K.Printworld Ltd., New Delhi, India, 2005

Weblinks

Seminare

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Seminare zum Thema indische Schriften

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