Rudrayamala Tantra
Rudrayamala Tantra (Sanskrit: रुद्रयामलतन्त्र, Rudrayāmalatantra) bezeichnet eine tantrische Überlieferung, in der die Begegnung von Shiva und Shakti zur Lehre über den Menschen, seine verborgenen Kräfte und seine Befreiung wird. Der hier zugrunde gelegte Uttarakanda (Uttarakāṇḍa, „späterer Teil“), auch Uttaratantra genannt, entfaltet in 90 Kapiteln ein Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava. Im Mittelpunkt stehen Guru, Mantra, die drei inneren Haltungen des Praktizierenden, die Verehrung der Göttin und der Weg durch die Chakras. Die Göttin erscheint dabei als Lehrerin: Sie offenbart, wie äußere Verehrung, innere Sammlung und Erkenntnis zusammenwirken können.

Für Yoga-Aspiranten ist eine Aussage besonders fruchtbar: Die entscheidende Kraft einer Übung liegt nicht allein in ihrer äußeren Form. Der Text nennt sie Bhava: eine lebendige innere Haltung, in der Aufmerksamkeit, Hingabe und Verständnis zusammenkommen. Das Rudrayamala fragt damit auch heutige Leser: Ist meine Praxis bloße Gewohnheit geworden – oder bin ich in ihr wirklich gegenwärtig? Seine Antwort verbindet die Verehrung des Göttlichen mit dem Bemühen um Unterscheidungskraft, beständige Übung und die Erkenntnis des eigenen Wesens.
Textumfang: Die deutsche Übersetzung umfasst alle 90 Kapitel des hier überlieferten Uttarakanda mit 7.791 nummerierten Texteinheiten sowie den zugehörigen Sprecherangaben, Prosapassagen und Kapitelabschlüssen. Die Sanskritfassungen stehen unter Rudrayamala Tantra Sanskrit IAST und Rudrayamala Tantra Sanskrit Devanagari.
Die thematisch geordnete Auswahl Rudrayamala Tantra – 108 inspirierende Verse und Mantras erschließt ausgewählte Lehren in deutscher Sprache; ihre Konkordanz ermöglicht das Nachlesen im Sanskrit.
Titel und Überlieferung
Rudra ist ein Name Shivas; yāmala bedeutet „Paar“ oder „Zwillingspaar“ und dient zugleich als Bezeichnung einer Gruppe tantrischer Schriften. Der Titel lässt sich daher annähernd als „Rudras Yamala-Lehre“ wiedergeben. Im vorliegenden Text erhält das Paarmotiv durch das Gespräch von Bhairava und Bhairavi eine anschauliche Gestalt. Daraus folgt jedoch nicht, dass jedes Vorkommen des Wortes Yamala dieselbe Textfassung bezeichnet.
Die Ausgabe behandelt ausdrücklich den Uttarakanda in der 90 Kapitel umfassenden Überlieferung des Muktabodha-Textes M00074. Ein daneben vorauszusetzender „früherer Teil“ wird hier nicht ergänzt. Ebenso werden andere Werke, Auszüge oder Überlieferungen, die den Namen Rudrayamala führen, nicht stillschweigend in diesen Text aufgenommen. Ein sicheres Entstehungsdatum lässt sich aus dem verwendeten Quellenvermerk nicht gewinnen; das dort genannte Jahr 2007 ist das Datum der elektronischen Veröffentlichung, nicht das Entstehungsjahr des Sanskritwerks.
Bereits das erste Kapitel nennt Brahma Yamala, Vishnu-Yamala und Shakti-Yamala. Das zeigt einen Horizont verwandter Yamala-Lehren. Der vorliegende Uttarakanda ist stark shaktisch und kaulisch geprägt und zugleich von Shiva- und Bhairava-Verehrung durchzogen. Auch Vishnu, Krishna, Brahma und weitere Gottheiten haben in seinen Meditationen ihren Platz. Für thematische Vergleiche bieten sich Kularnava Tantra, Kubjikamata Tantra, Yogini Hridaya und Vijnana Bhairava Tantra an. Eine gemeinsame Begrifflichkeit bedeutet dabei nicht, dass Ritualordnungen oder einzelne Mantras beliebig austauschbar wären.
Aufbau und zentrale Themen
Der erste Abschnitt führt vom Überblick über zahlreiche Gottheiten und Praktiken zur Guru-Verehrung, zur Prüfung von Mantras und zu Kumari-Ritualen. Der weitere Aufbau lässt sich anhand der Kapitelkolophone als Entfaltung von Bhava, Yoga und Chakra-Verehrung erkennen.
| Kapitel | Thematischer Schwerpunkt |
|---|---|
| 1–5 | Themenübersicht, Bhava und Guru; Einweihung, Buchstaben- und Zahlendiagramme zur Mantraprüfung |
| 6–10 | Kundalini-Hymnus, Kumari-Verehrung, Lobpreis, Schutztext und 1.008-Namen-Hymnus |
| 11–20 | Weitere Bhava-Lehren, Atem- und Zeichenkunde, Ajna- und andere Prüfdiagramme |
| 21–36 | Chakra-Lehre, Yoga-Unterweisung, Haltungen, Pranayama, subtiler Yoga und Kundalini-Verehrung |
| 37–42 | Svadhishthana, Krishna und Rakini |
| 43–55 | Manipura, Rudra und Lakini; Mantras, Lobpreisungen und rituelle Verfahren |
| 56–63 | Anahata, Ishvara und Kakini |
| 64–78 | Halslotus, Shakini und Sadashiva; Buchstaben, Hymnen, Schutztexte und Yoga |
| 79–87 | Stirnlotus, Hakini und Parashiva; Knoten, Verehrung und Namenshymnen |
| 88–90 | Höchste Shakti, innere Verehrung und die heiligen Sitze von Varanasi |
Chakra ist nicht überall dasselbe. In den frühen Kapiteln bezeichnet das Wort häufig ein Prüfdiagramm für Buchstaben, Namen und Zahlen. In den Yoga-Kapiteln bezeichnet es zugleich einen inneren Lotus beziehungsweise ein Zentrum der Meditation. Wer beides auseinanderhält, versteht die Bewegung des Werkes leichter: vom Ordnen ritueller Beziehungen zur Verinnerlichung im eigenen Bewusstsein.
Drei Haltungen, unterschiedliche Zugänge. Pashu bezeichnet in diesem Lehrzusammenhang den noch gebundenen, an Regeln orientierten Praktizierenden; Vira den „Helden“, der eine besondere kaulische Praxis trägt; Divya die göttliche Haltung. Die Wertungen sind nicht durchweg einheitlich. Einerseits wird Pashu-Praxis als notwendige Grundlage gewürdigt, andererseits wird sie gegenüber Vira und Divya herabgesetzt. Diese Spannungen gehören zum Text und werden in der Übersetzung nicht beseitigt.
Begriffe für die Lektüre
| Begriff | Bedeutung im Zusammenhang dieses Werkes |
|---|---|
| Bhava | Innere Haltung, Empfindungs- und Bewusstseinsweise; je nach Stelle auch Zustand oder Werden. |
| Vidya | Wissen und Erkenntniskraft; in Ritualabschnitten auch Göttinnen-Mantra oder dessen personifizierte Gottheit. |
| Kula | Familie, Überlieferung oder zusammengehörige Kräfte; ein Schlüsselwort der kaulischen Lehre mit wechselndem Bezug. |
| Bija und Kuta | Keimsilbe und Silbengruppe. Ihre verschlüsselte Benennung ist von einer vollständig ausgeschriebenen Formel zu unterscheiden. |
| Nyasa | Rituelles Einsetzen von Lauten und Gottheiten an bestimmten Körperstellen. |
| Mudra | Je nach Zusammenhang Handgeste, yogisches Siegel oder eine besondere rituelle Darbringung. |
| Pitha und Yantra | Heiliger Sitz und rituelles Diagramm; beide können als äußere Orte oder innere Meditationsräume erscheinen. |
| Siddhi | Vollendung oder Gelingen; auch eine bestimmte, im Text verheißene außergewöhnliche Fähigkeit. |
| Jivanmukti | Befreiung zu Lebzeiten: Erkenntnis und Freiheit mitten im verkörperten Dasein. |
Ein Zugang für Yoga-Aspiranten
Im Yoga kann der Körper als kostbarer Ort der Übung verstanden werden. Das Rudrayamala formuliert dies in 1.158 ausdrücklich: Den Körper bewahren und Erkenntnis verwirklichen gehören zusammen. Die inneren Lotusse, die Nadis, Prana und Kundalini bilden eine tantrische Sprache dieser Verinnerlichung. Sie sind im Text mit Gottheiten, Buchstaben und Ritualen verbunden; sie lassen sich deshalb nicht auf ein modernes anatomisches Modell reduzieren.
Meditation bedeutet hier auch, eine Aussage so lange innerlich zu bewegen, bis sie das eigene Sehen verändert. Ein besonders klarer Wegweiser findet sich in 22.27: Als Zeichen göttlicher Gnade entsteht zuerst Frieden im Herzen; daraus wächst Erkenntnis, und aus Erkenntnis Befreiung. Dieser Vers erlaubt eine nüchterne Frage an die eigene Praxis: Werden Aufmerksamkeit, Friedfertigkeit und Klarheit tatsächlich größer?
Historischen Text und heutige Anwendung unterscheiden. Zur Überlieferung gehören gesellschaftliche Ausschlüsse, körperbezogene Abwertungen, Heiratsvorschriften, Drohungen mit Höllenstrafen und Versprechen außergewöhnlicher Kräfte. Die Übersetzung gibt diese Aussagen als Aussagen des Werkes wieder. Sie sind keine heutigen Maßstäbe für den Wert eines Menschen. Ebenso ist die im Text verlangte Guru-Hingabe von unkritischem Gehorsam gegenüber beliebigen Personen zu unterscheiden: Die eigene Prüfung, Würde und Verantwortlichkeit bleiben wesentlich.
Bei Kumari-Puja ist für einen heutigen Zugang die ehrfürchtige, fürsorgliche Begegnung entscheidend. Spiel, passende Speisung und Schutz werden im Text ausdrücklich genannt (6.89–91; 6.103–104). Historische Heiratsregeln sowie Alkohol-, Fleisch- und andere besondere Ritualgaben werden hier nicht zur Nachahmung empfohlen. Die kaulischen Spezialrituale, intensiven Atemverfahren und verschlüsselten Mantras sind keine allgemeine Selbstpraxisanleitung. Für die persönliche Kontemplation sind die klaren Aussagen über Bhava, Erkenntnis, Dankbarkeit und Frieden unmittelbar zugänglicher.
Direkt zu den Kapiteln
1–10: 1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10
11–20: 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 16 · 17 · 18 · 19 · 20
21–30: 21 · 22 · 23 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29 · 30
31–40: 31 · 32 · 33 · 34 · 35 · 36 · 37 · 38 · 39 · 40
41–50: 41 · 42 · 43 · 44 · 45 · 46 · 47 · 48 · 49 · 50
51–60: 51 · 52 · 53 · 54 · 55 · 56 · 57 · 58 · 59 · 60
61–70: 61 · 62 · 63 · 64 · 65 · 66 · 67 · 68 · 69 · 70
71–80: 71 · 72 · 73 · 74 · 75 · 76 · 77 · 78 · 79 · 80
81–90: 81 · 82 · 83 · 84 · 85 · 86 · 87 · 88 · 89 · 90
Deutsche Übersetzung des Rudrayamala Tantra
Leseschlüssel: Die Kapitel lassen sich über die Nummernleiste direkt aufrufen. Die erste Zahl bezeichnet das Kapitel, die zweite die Texteinheit. Eckige Klammern kennzeichnen Ergänzungen oder örtliche Unsicherheiten. Aufeinanderfolgende Verse können einen einzigen Satz bilden. Die deutsche Übersetzung enthält keine eingeschobenen Sanskritverse. Die Kapitelüberschriften dienen der Orientierung; die traditionellen Schlussformeln werden am Ende der Kapitel übersetzt.
Kapitel 1: Überblick, Bhava und Guru
Bhairava sprach:
1.1 Das erhabene große Yamala-Tantra, das eigenständige Vishnu-Yamala, ist aus dem Lotusmund der höchsten erhabenen Herrscherin hervorgegangen.
1.2 Das Shakti-Yamala wurde verkündet, um Brahma zum Lobpreis zu veranlassen; auch das Brahma-Yamala und die Glieder des Veda wurden vollständig dargelegt, Geliebte.
1.3 Sprich nun den Uttarakanda des erhabenen Rudrayamala aus, o Göttin, wenn durch glückliche Fügung aus deinem herrlichen Lotusmund
1.4 jene eigenständigen Lehren offenbar werden, die auf Erden übermittelt worden sind. Offenbare das große Tantra; in den anderen Tantras habe ich noch keine Erfüllung gefunden.
1.5 Das über alle Veden und Vedanta-Lehren Hinausführende soll anschließend verkündet werden. Dann wird sich bei den Scharen deiner Verehrer gewiss Vollendung einstellen.
1.6 Wenn du Erbarmen mit deinem Verehrer hast, du Gütige, so sprich, Tripurasundari! Die Göttin mit den weiten Lotusaugen hörte diese Worte Mahabhairavas.
1.7 Mahakali antwortete und sprach zu Bhairava. Bhairavi sprach: O Shambhu, du Vernichter des Hochmuts großer Seelen, frei von Begierde, Kula und Akula umfassend!
1.8 Du, dessen Haupt und Auge die Mondscheibe tragen, der das Halahala-Gift aufnahm; du unvergleichliche Gestalt des Aghora, strahlend mit rötlicher Flamme!
1.9 Herr der großen Rishis, Gott aller: Verehrung, immer wieder Verehrung! Du, der du die Lebenskräfte aller erschütterst, höre, Anandabhairava!
Überblick über die Sadhanas
1.10 Zuerst kommt die aus sechs Kalas bestehende Praxis der Bala-Bhairavis, danach die überaus wunderbare Praxis der Kumari-Lalita.
1.11 Es folgen die Praxis von Kurukulla und Vipracitta, die Shakti-Praxis sowie die Praxis der Yoginis, Khecharis und Yaksha-Mädchen.
1.12 Es folgen die Vidya der Unmatta-Bhairavi, die Praxis der Kali-Vidya und weiterer Lehren, die Praxis der fünf Mudras und die der fünf Pfeile.
1.13 Die Praxis der Pratyangira gewährt im Kali-Zeitalter unmittelbare Vergegenwärtigung; hinzu kommen die Praktiken von Haritalika, Svarna-Vidya und Dhumra-Vidya.
1.14 Es folgen die verschiedenen Praktiken der Akasha-Ganga und der Mädchen, dann die Praxis der Bhrulata und die Praxis der Siddhas.
1.15 Es folgen die Praxis der Ulka-Vidya und der fünf Taras sowie die Praktiken von Aparajita, Puruhuta und Chamunda.
1.16 Es folgen die Kalika-Praxis, die Kaula-Praxis, die Ghana-Praxis, danach die Praxis der Chachika und die der Gharghara.
1.17 Es folgen die Praktiken von Vimala, Raudri und Tripura, von Sampatprada, Saptakuta und Cheti sowie von Shaktikuta, den sechs Kutas und den neun Kutas.
1.18 Dann die Praktiken von Kanakabha, Kanchanabha und Vahnyabha, anschließend von Vajrakuta, Panchakuta und Sakala.
1.19 Danach werden die Praxis der Tarini und die der Shodashi genannt; ferner die überaus anziehenden Praktiken der Chhinna, der Ugra und der Prachanda.
1.20 Es folgen die Praktiken von Ulkamukhi und Raktamukhi, die Vira-Praxis und die nach verschiedenen Vorschriften ausgestaltete Praxis an einem Leichnam.
1.21 Nach der Devi-Praxis und der Schlangenpraxis folgen der Abschnitt über die Sternbild-Vidya und der Abschnitt über Kali.
1.22 Es folgen die Praxis der Göttin Shmashana-Kalika, die Geisterpraxis, die Praxis des Liebesspiels und die Sundari-Praxis.
1.23 Es folgen die Mahamala-Praxis, die Praktiken von Mahamaya und weiteren Göttinnen, die Bhadrakali-Praxis und die Nila-Praxis.
1.24 Es folgen die Praktiken von Bhuvaneshi und Durga sowie die überaus wunderbaren Praktiken von Varahi, Garudi und Chandri.
1.25 Danach die Brahmani-Praxis, die vorzügliche Hamsi-Praxis, die Maheshvari-Praxis und die Kaumari-Praxis.
1.26 Es folgen die Praktiken von Vaishnavi, Dhatri, Dhanada und Rati sowie die wirksamen Praktiken von Panchabhra, Balipurnasya und Narasimhi.
1.27 Es folgen die Vidyas von Kalindi und Rukmini, die Radha-Vidya und weitere Praktiken sowie die von Gopishvari, Padmanetra und Padmamala.
1.28 Es folgen die Mundamala-Praxis, dann die Bhringari-Praxis sowie die Vidya der Sakalakarshini und die Praxis der Kapalini.
1.29 Es folgen die Guhyakali-Praxis, die Bagalamukhi-Praxis, die Mahabala-Praxis und die Praktiken von Kalavati und weiteren Göttinnen.
1.30 Es folgen die große Praxis von Kulaja, Kalika, Kaksha und Kukkuti, die Chinchadevi-Praxis und die geheime Shankari-Praxis.
1.31 Es folgen die Vidya der Praphullabjamukhi, die Kakini-Praxis, die Kubjika-Praxis sowie die Praktiken von Nitya und Sarasvati.
1.32 Es folgen die Praktiken von Bhurlekha, Shashimukuta und Ugrakali, von Manidvipesvari und Dhatri sowie die Yaksha-Praxis.
1.33 Es folgen die Praktiken von Ketaki, Kamala, Kantiprada und Abhedya, die große Vidya der Vagishvari und die Praktiken von Annapurna und weiteren Göttinnen.
1.34 Es folgen die Praktiken von Vajradanda, Raktamayi und Manvari, von Hastini und Hastikarna sowie die Matangi-Praxis.
1.35 Es folgen die Praktiken von Parananda und Anandamayi, die Praxis des Gehens beziehungsweise Erlangens sowie die von Kameshvari, Mahalajja, Jvalini und Vasu. [Die Gliederung der Namensreihe ist unsicher.]
1.36 Es folgen die Praktiken von Gauri, Vetala, Kankali und Vasavi, dann von Chandrasya, Suryakirana und Ratanti.
1.37 Hinzu kommen Kingini, die Pavani-Vidya und Avadhuteshvari. Wer diese vollendeten Vidyas praktiziert, wird selbst zu Rudra.
1.38 Es folgen die Praktiken von Alaka, Kaliyugastha und Shaktitankara sowie von Harini, Mohini, Kshipra und Trishya.
1.39 Es folgen die Praktiken von Attahasa, Ghoranada und Mahamegha sowie die überaus wunderbaren Praktiken von Vallari und Kauravini.
1.40 Es folgen die Rankini-Praxis, danach die Praktiken von Nandakanya und weiteren Göttinnen, die Mandira-Praxis und die Katyayani-Praxis.
1.41 Es folgen die Praktiken von Rajani, Rajati und Ghona, die Tala-Praxis, die Paduka-Praxis, die Chitta-Praxis und die Ravi-Praxis.
1.42 Ebenso die Praktiken von Muninatheshvari und Shantivallabha, die Madira-Praxis und die Virabhadra-Praxis.
1.43 Dann die Praktiken von Mundali, Kalini und Daityadamshini sowie die große Praxis von Pravishtavarna, Laghima und Mina.
1.44 Es folgen die Phetkari-Praxis, die wunderbare Bhallataki-Praxis sowie die Praktiken von Uddiyaneshvari und Purnagirija.
1.45 Es folgen die Praktiken von Saukari, Rajavashini und Dirghajangha sowie die wunderbare Praxis der in Ayodhya verehrten Göttin und der Dravini.
1.46 Es folgen die Jvalamukhi-Praxis, die Praktiken von Krishnajihva und weiteren Göttinnen sowie die Vidyas von Panchavaktrapriya und Ananta.
1.47 Es folgen die Praktiken von Shrividya und Bhuvaneshani, die Körperpraxis sowie die Praktiken von Raktamala, Mahachandi und Mahajvala.
1.48 Es folgen die Praktiken von Prakshipta, Mantrika und Kamapujita sowie der Hingabe; ferner die Praktiken von Shvasastha, Vayavi, Prapta und Lelihana. [Die Namensgrenzen sind teilweise unsicher.]
1.49 Ebenso die Praktiken von Bhairavi, Lasita, Prithvi und Vatuki sowie die Mantrapraxis von Agamya, Akuli, Mauli und Indranjana. [Unsichere Namensgliederung.]
1.50 Es folgen die Praktiken von Kulavati, Kulakshipta, Rati und China sowie die Mantrapraxis der jungen Nayikas, beginnend mit Shivakroda.
1.51 Es folgt die Praxis der Shailavasini, die unvermittelt die Vollendung mehrt. Diese über alles Erhabenen werden durch Mantra, Yantra und eigenständige Lehrverfahren verehrt.
1.52 Sie alle sind im Kali-Zeitalter Formen der Kalika, Hara zugetan. Durch sie werden die Mantras und die übrigen Verfahren wirksam: wahrlich, wahrlich, daran besteht kein Zweifel.
1.53 O Mahakala, Shiva-Wonne, der du jenseits der höchsten Wonne angelangt bist: Höre aus Liebe zu den Verehrern erneut das Juwel der Vidya!
1.54 Zuerst kommt die tägliche Praxis der Mantras der Vishnu-Gottheit; danach die für dich heilvolle, überaus wunderbare Mantrapraxis,
1.55 durch die auf Erden unerwartet Vollendung eintritt: die Praxis des Bala-Bhairava, des Herrn der Yogis, und die Shiva-Praxis.
1.56 Es folgen die Mahakala-Praxis und die des Rameshvara. O Aghora-Gestalt, höre aufmerksam die Praxis des Ramana! [Der letzte Name ist nicht sicher zu deuten.]
1.57 Es folgen die Praktiken von Krodharaja, Bhutaraja und Ekachakra, danach die Girindra-Praxis und die des Kulanatha.
1.58 Es folgen die Praktiken von Batukesha und Shrikanthesha sowie die des Mrityunjaya, des Raudra und des Kalantakahara.
1.59 Ebenso die des Unmatta-Bhairava, des Fünfgesichtigen, des Kailash-Herrn, des Shambhu und des Dreizackträgers.
1.60 Es folgen die Praktiken von Bhargavesha, Sarva und Mahakala, von Surantaka und Purna sowie der Gottheit, o Shankara. [Die Namensreihe ist syntaktisch unklar.]
1.61 Es folgen die Praktiken von Haridra-Gananatha, Varadeshvaramalin, Urdhvakesha, Dhumra und Jatila.
1.62 Es folgen die Praktiken von Anandabhairava und Bananatha, von Karindra, Shubhanga und Hillolamardaka.
1.63 Ebenso die Praxis von Pushpanatheshvara und Vrishanatha, die der achtgestaltigen Gottheit, der Zeitgestalt und des Chandrashekhara.
1.64 Es folgen die Praktiken von Kramuka, Ghora und dem von Kubera Verehrten sowie die Praxis des Tripurantaka-Mantras und die des Kamalaksha.
1.65 Die vielfältige Bedeutung solcher vollendeten Mantras wurde freudig verkündet. Höre nun ihre besondere, ausführliche Darlegung!
1.66 Höre aufmerksam, Mahadeva, auf welche Weise alle Gottheiten, beginnend mit Indra, auf Erden zur Wirksamkeit gelangen.
1.67 Es folgen die Praxis der ergänzenden Vidyas, vielfältige Mantras, unterschiedliche Handlungen und Pflichten sowie die Praxis der sechs rituellen Wirkhandlungen.
1.68 Es folgen die Shri-Rama-Praxis, die Yaksha-Praxis, die Yoga-Praxis, die Praxis aller Vidyas und die von Rajajvala und weiteren Gestalten.
1.69 Es folgen die Verfahren zur Mantra-Vollendung, die Hanuman-Praxis und weitere Praktiken, die Vishajvala-Praxis und die Praxis in Bezug auf die Unterwelt.
1.70 Es folgen die Verfahren der Bhuta-Schrift und die jeweiligen zugehörigen Praktiken, die Praxis der neun Mädchen und die Beschreibung der acht Siddhis.
1.71 Es folgen die Sitze, die Glieder und viele Übungsverfahren, die Katyayani-Praktiken und die Cheti-Praxis.
1.72 Es folgen die Siddhi der schwarzen Katze, sodann die Schwert-Siddhi, die Siddhis von Sandalen und Beinen sowie die Praxis der eigenen Zunge.
1.73 Es folgen die Siddhi der zubereiteten Kügelchen, die Khechari-Siddhi, das Verfahren des Eindringens in die Erde und die Praktiken von Nityatunga und Weiterem.
1.74 Danach folgen das furchtbare Stillstellen und das Heranziehen sogar eines Weisen sowie die mannigfaltigen Kräuter und anderen Mittel, Herr der Götter.
1.75 Es folgen die Verfahren mit Haritala und weiteren Stoffen, die Praxis mit Quecksilber sowie die Gewinnung verschiedener Essenzen und die Praxis mit deren Aschen.
1.76 Es folgen die überaus wunderbare Praxis, einem Alten jugendliche Gestalt zu verleihen, die Vaijayanti-Praxis und die Verhaltenskunde des Vasaka. [Letzteres ist unklar.]
1.77 Es folgen die Verhaltenskunde des Schakals, des Pferdes und der Krähe, die Unterscheidung der Mädchen und die Abwehr von Blitzen.
1.78 Es folgen die Praktiken zur Erlangung von Wohlstand, Land und Wunscherfüllung, die Vorschrift zur Guru-Verehrung und die Praxis, den Guru zufriedenzustellen.
1.79 Es folgen die Verehrung der eigenen Gottheit und die eigene Praxis sowie die Zubereitung von Varuni, Paishtiki, Gaudi, Kaitaki und Madhvi, verschiedenen berauschenden Getränken.
1.80 Es folgen das den Sterblichen schwer zugängliche Gelangen in den Himmel im eigenen Körper, die Stärkung des Körpers und die Praxis des Krishna-Bhava.
1.81 Es folgen das Anziehen durch den Blick, das Schauen der Kalaschlange, Verfahren zur Erschütterung im Kampf und die Zurückhaltung der fünf Sinne.
1.82 Es folgen die Praxis der Yoga-Vidya, die Bestimmung von Nahrung und Menge sowie das Chandrayana-Gelübde. Höre dies zur Vollendung des Yoga!
1.83 Was immer an der Spitze des Yamala gerühmt wird, alle Dinge des Weltalls: Überall ist das heilvolle Shiva-Prinzip schwer zu erlangen. [Der Satzanschluss ist unsicher.]
1.84 Wer das große Yamala-Tantra übt, sei es durch Bala oder durch Mantra – dieses Tantra, das dem schönen Lotus meines Mundes entspringt,
1.85 das höchst geheime, tief verborgene, in seinem Wortlaut geheime und ungestörte, das heilvolle, vom Yoga erfüllte Haus ganzer Meere verschiedenster Siddhis,
1.86 die Essenz des Netzes der Schriften, voller vielfältiger Mantras, liebenswert, dem Herrn von Varanasi stets Freude und Glück bereitend,
1.87 dessen Gottheit Sarasvati ist, das unter den Kali-Lehren an der Spitze steht, das große Befreiung und das Tor zur Befreiung ist, geschmückt mit allen Geheimzeichen,
1.88 dieses wunscherfüllende Tantra, durch Shiva-Weihen geweiht, nicht öffentlich preiszugeben, Essenz des rituellen Handelns, durch tausend Lobpreisungen verherrlicht,
1.89 mit den 108 Namen und dem heilvollen Tausendnamenhymnus, bereichert durch Praktiken mit verschiedenen Substanzen und bereitete Augensalben,
1.90 mit der Darlegung unmittelbarer Kali-Schau und der Einfassung durch Kalis sechsfachen Nyasa, überaus staunenerregend, Bestand, Auflösung und Bewahrung umfassend,
1.91 mit den achtzehn Formen des sechsfachen Verfahrens zu Glück und Befreiung – wer dieses Yamala kennt, o Mahakala, das das Kali-Zeitalter läutert,
1.92 dem liegt alles von Brahma bis zum Grashalm in der Hand, daran besteht kein Zweifel. Seine heilvolle, Nigama und Agama umfassende Weise werde ich darlegen.
1.93 Durch dieses wird der Wissende zu Rudra und durchdringt den Sinn der verschiedenen Tantras: Es umfasst das für die Nacht vorgeschriebene Handeln und die Verwirklichung des Kula-Tantra.
1.94 Es dient dem Wohl der großen Viras und hat die fünf Tattvas zu seiner Gestalt. Für mich gibt es keine Übertretung, o Herr; in diesem Tantra ist dies gut verborgen. [Die erste Aussage des zweiten Halbverses ist mehrdeutig.]
1.95 Darum wird es Yamala genannt, mondbekrönter Shankara. Es behandelt Rudraksha, die vorzügliche Praxis und das, was die Frucht von hundert Opferfeiern gewährt.
1.96 Als reich an Befriedigung des Geistes wird das Yamala gepriesen. Es lehrt die Praxis der Bhairavas, beginnend mit Ruruka, und der Göttin Brahmi.
1.97 Darin sind die Praxis der goldspendenden Jambunada-Lata und ihrer Vielzahl, die Manasa-Praxis und die Verehrung der Lanka-Lakshmi enthalten. [Der erste Ausdruck ist textlich schwierig.]
1.98 Darin sind die Schutztexte der Gottheiten, mannigfaltige Meditationen und große Gelübde, die Vorschriften des inneren Opfers und ihre Früchte im Kali-Zeitalter enthalten.
1.99 Es erstrahlt wie ein Licht des Bemühens und erörtert die Sühneverfahren. Wer beständig den „in dreißig [Teile] ausgedehnten Abschnitt“ liest – so die unklare Umfangsangabe dieser Stelle –,
1.100 erlangt gewiss die auf Erden gewünschte Vollendung. Wer mit Handeln, Geist und Sprache die Praxis dieses großen Tantra ausführt,
1.101 das von den Lotushänden des Lakshmi-Herrn verehrt wird, und das alles tragende, in der Welt umfassende Tantra erkennt,
1.102 der erlangt als Praktizierender bereits nach einem Monat Vollendung, daran besteht kein Zweifel. Es umfasst die Herrlichkeit vieler Chakras und ist von unterschiedlich bezeichneten Mandalas umgeben.
1.103 Es umfasst Hunderte von Vollendungen der Allwissenheit und den Wohnsitz des Khanda-Kali-Kula. Wie die junge Sonne leuchtend, mit einer Waldblumengirlande geschmückt,
1.104 ist die höchste Gottheit, der Hamsa, der Herr, der das Kalakuta-Gift verschlang. Nachdem man zuerst über ihn meditiert und ihn verehrt hat, verneige man sich vor Maheshvara: „Ich verneige mich vor dem höchsten Hamsa, der wie das erste Morgenrot leuchtet, mit Juwelenschmuck geziert, Wünsche gewährend und von Varuni berauscht.“
1.105 Bhairava sprach: Wenn jemand dieses alles beglückende Yamala-Tantra nicht liest, auf welche Weise kann der Praktizierende dann an der Vollendung teilhaben?
1.106 Manche Menschen haben wenig Verstand und geringe Auffassungskraft; sie sind vom Glück verlassen, arglistig, verwirrt und von allerlei Unglück umgeben.
1.107 Wie erlangen sie Vollendung? Sage, wie Erbarmen mit diesen Unwissenden und Geringen entsteht, denen der Sinn der Schriften fehlt.
1.108 Wodurch entsteht die makellose, von Zweiheit freie Erkenntnis? Erkläre aus Zuneigung diese Weise, damit das Verdienst der Menschen wachse.
Die Kraft der inneren Haltung
1.109 Bhairavi sprach: Wer täglich, solange er im Körper weilt, den Faden des Karma durchschneidet, der schaut, Herr der Welt, den Lotus meiner erhabenen Füße.
1.110 Die Menschen sind durch die Prägungen ihres Verstricktseins in die Welt in Denken und Handeln auseinandergerissen. Darum erkennen sie mich nicht; heftig sind sie von vielerlei Geschäften umfangen.
1.111 Der furchtbare Bote der Zeit ergreift ihren Körper. Wer hingegen großen Yoga übt und dem Gesetz von Entsagung und Verzicht folgt,
1.112 wird dennoch, wenn er mich verlässt, unglückselig in einen tierischen Mutterschoß gelangen. Selten und den Menschen lieb ist derjenige, der seine innere Haltung auf mich richtet.
1.113 Durch Bhava, die innere Haltung, wird alles erlangt; durch Bhava kommt die Schau der Gottheit, durch Bhava die höchste Erkenntnis. Darum stütze dich auf Bhava.
1.114 Bhava ist das in allen Schriften Verborgene und wohnt in sämtlichen Sinnen. Wenn man den Devi-Bhava erlangt, der allem zugrunde liegt,
1.115 dann ist alle Vollendung da; dann wird man fest in der Meditation, makellos, ohne Nahrung und mit gesammeltem Geist an seinem Aufenthaltsort. [Der letzte Ausdruck ist unsicher.]
1.116 Wenn der von innerer Haltung erfüllte Mensch, dessen Praxis tägliches Bad und Verehrung einschließt, Bhava erlangt, ist er im Handeln geschickt, in der hohen Unterweisung erfahren und Herr seiner Sinne.
1.117 Er kennt den verborgenen Sinn aller Schriften und ist von Nyasa frei. „Sprich von dem Bhava, der ihnen zur Hand ist, und wie er im Körper besteht.“ [Der Übergang zur Frage ist im Text nicht als Sprecherwechsel gekennzeichnet.]
1.118 Es gibt nichts Höheres als Bhava, durch den man der Gnade teilhaftig wird. Aus Bhava wird Gnade empfangen; durch Gnade wird man zutiefst glücklich.
1.119 Aus Glück erwächst die Kraft des Verdienstes, aus Verdienst die Schau des Unvergänglichen. Dann [entsteht] der Segen der Schau des Lotus. [Der zweite Halbvers ist gestört und nicht sicher übersetzbar.]
1.120 Zum Yogi geworden, schaut man die subtile Stätte, die selbst Yogis nicht sehen, den läuternden Fußlotus der Mahavidya.
1.121 Das Wort der Gurus, der Paramahamsas, läutert die drei Welten. Wenn der Yogi es zur Vollendung seiner Praxis hört, erlangt er Yoga.
1.122 Papagei und Maina im Käfig, die Vögel und geflügelten Wesen – der Praktizierende ergreift meinen großen, makellosen Namen [und die Himmelswelten]. [Der Zusammenhang beider Halbverse ist unklar.]
1.123 Bis Erkenntnis in ihm lebendig geworden ist, soll der Mensch, Herr des Kula, in der Nähe von Praktizierenden und heiligen Menschen bleiben.
1.124 Wer die Vidya übt und sich der Einsicht widmet, fällt nicht. Andernfalls dient das Leben lediglich dem Auslegen und dem Reden über den Sinn vieler Schriften.
1.125 Ohne Erkenntnis der Gottheit gelingt auf Erden nichts. Wie könnten dann Mantra und die Vollendung des erhabenen Körpers zustande kommen, Bhairava?
1.126 Die Kenntnis des Sankhya, der Sprache des Veda und der rituellen Vorschriften steht dem gleich: Ohne Gotteserkenntnis ist man wie ein Shakta ohne Shakti.
1.127 Wie schädliche Lebensführung im Haus eines Armen zunimmt, so [ist es], wenn im Haus eines Praktizierenden die Shakti und die Unterscheidung von Erkenntnis und Lebensführung
1.128 nur zur Zerstörung des Zustands der Vereinigung führen. Wenn die eigene Shakti, die Shiva begehrt, durch Unwissenheit geprägt ist,
1.129 soll man sie nicht annehmen und auch die Shakti-Praxis nicht mit ihr vollziehen. Wenn selbst ein vorzüglicher Praktizierender ohne vorbereitende Weihe eine Verbindung eingeht,
1.130 entsteht durch den Mangel an Weihe und ähnliche Fehler Verlust der Vollendung. Shakti ist das Entscheidende bei den drei Bhavas und beim Praktizierenden.
1.131 Divya, Vira und Pashu werden als die drei Bhavas genannt. Im Pashu-Bhava besteht Erkenntnisvollendung; die Pashu-Lebensführung wird erläutert.
1.132 Im Vira-Bhava besteht die Vollendung des Handelns; man ist unmittelbar Rudra, daran besteht kein Zweifel. Divya-Bhava und Vira-Bhava unterscheiden sich innerhalb der einen inneren Haltung.
1.133 „Das Ei ist das Frühere, alles durchdringend“ – so lautet die schwierige Kennzeichnung des Divya-Bhava. Im Divya-Bhava wird die Schau der Gottheit gelehrt.
1.134 Im Vira-Bhava besteht Mantra-Vollendung, gekennzeichnet durch nichtduale Lebensführung. Zuerst soll man Pashu-Bhava erlangen und nächtliche Rituale meiden.
1.135 Tag für Tag soll man baden, verehren und die täglichen Handlungen ausführen. Man soll wie bei einem Purashcharana verfahren; durch reine Haltung gelangt man zur Vollendung.
1.136 Wer könnte ohne Pashu-Bhava ein Vira und wahrhaft selbstbeherrscht werden? Dazu gehören die Zügelung der Sinne und die Überwindung des Todesherrn. [Die zweite Wendung ist mehrdeutig.]
1.137 Der Entsagende soll sich ganz in die Yoga-Unterweisung vertiefen und dem Yoga widmen, zu jeder Zeit übend, in den Nächten bis zum Morgengrauen.
1.138 Zu jeder Zeit ist Yoga zu üben, der alles Glück gewährt: ein stets junger Wunschbaum, der Verfehlungen fortnimmt.
1.139 Wenn der Mantrapraktizierende im Pashu-Bhava steht, soll er aufmerksam üben. Kenntnis der Sprache und Vorschriften des Yoga ist unter allen Bhavas schwer zu erlangen.
1.140 Dennoch wird sie durch Pashu-Bhava gewiss rasch verwirklicht. Wer feste Hingabe an den erhabenen Fußlotus der Gurus besitzt,
1.141 wird die Begierden aufgeben; daran allein erkennt man seine innere Haltung. Vira-Bhava ist eine große Haltung, keine Haltung für Menschen mit verdorbenem Herzen.
1.142 Die subtile, langsam sich entfaltende Haltung wird durch die Rudra-Gestalt vollendet. Sie überschreitet die gewöhnliche Lebensordnung, ist sehr verborgen und den drei Welten heilvoll. [„Überschreitet“ gibt hier das schwierige bhraṣṭācāra wieder.]
1.143 Sie dient der Vollendung der fünf Tattvas, geht mit großer Verblendung und Berauschung einher, umfasst die Kula-Praxis aller heiligen Sitze und wird unvermittelt zum Meer der Wonne.
1.144 Im Vira-Sadhana ist Hingabe allein ein Ozean des Erbarmens. Nachdem man im Pashu-Bhava wissend geworden ist, folgt darüber hinaus der Vira-Weg.
1.145 Durch Vira-Praxis wird man Rudra, anders nicht, keineswegs. Der Mantrapraktizierende, der in diesen beiden Haltungen gefestigt ist, soll den Divya-Bhava erwägen.
1.146 Stets rein und völlig gesammelt soll er Divya-Bhava leben und jede Handlung zur Freude der Gottheit ausführen, Herr des Kula.
1.147 Was immer er tut, das alles gelingt; daraus erwächst heilvoller Dharma. Die der Gottheit entsprechende Haltung und das ihrer Verehrung gewidmete Handeln –
1.148 dies erkenne als Gottheits-Bhava, als Anteil am wahrhaft Göttlichen. Sämtliche Arten innerer Haltung haben Shakti zur Wurzel, daran besteht kein Zweifel.
1.149 Auf welche Weise erlangt der vorzügliche Praktizierende Hingabe? Indem er das Wesen des göttlichen Körpers erkennt und die ihm eigene Aufgabe befolgt.
1.150 Auch Erkenntnis wird als dreifach bezeichnet, aus der Lebensführung der Agamas hervorgehend. Sie ist vom Wort-Brahman erfüllt; auf dem Erkenntnisweg schaut man sie.
1.151 Nachdem er sämtliche Schriften und die Verkündigungen über das eigene Handeln gelesen hat, soll der Praktizierende sich stets auf Unterscheidungskraft stützen und wissend sein. [Ein Wort vor „Unterscheidungskraft“ ist unklar.]
1.152 Die aus Unterscheidungskraft geborene Erkenntnis offenbart Shiva-Erkenntnis. Sie ist unabhängig von den beiden Augen und frei von äußerer Einstellung.
1.153 Sie ist von den Welten ganz gelöst und bringt Zeit und Nichtzeit in Bewegung. Erkenne diese ewige, höchste Erkenntnis als im Bereich des Prana erfahrbar.
Der Wert der menschlichen Geburt
1.154 Die menschliche Geburt ist fruchtbar; dies wird in allen Schriften erkannt. Unter den 8,4 Millionen Körperformen verkörperter Wesen
1.155 gibt es außer im Menschsein keine Erkenntnis der Wirklichkeit. Nur gelegentlich wird durch angesammeltes Verdienst eine menschliche Geburt erlangt.
1.156 Die menschliche Geburt, zur Stufe der Befreiung geworden, ist schwer zu erlangen. Unter Menschen werden die vorzüglichen Siddhis gerühmt,
1.157 verbunden mit Eigenschaften wie der Fähigkeit, winzig klein zu werden. Darum ist der vorzügliche Mensch göttlich. Ohne Körper kann niemand eines der menschlichen Lebensziele erlangen.
1.158 Darum bewahre den Körper und verwirkliche beständig Erkenntnis. Das Menschsein gilt als Fülle der Erkenntnis; das höchste Selbst wird als Erkenntniswesen erkannt.
1.159 Die schweigsamen Weisen kennen dies durch die Lehren der Weisen. Der Mensch kann überallhin gelangen und ungestört in der ewigen Stätte ruhen. [Der Satzbau ist unsicher.]
1.160 Durch Mantra-Japa und Yoga-Japa, welche Verfehlungen beseitigen, erlangt der Mensch die höchste Befreiung, daran besteht kein Zweifel. [Die Vorlage bietet vor mantra die Variante „mitra“.]
1.161 Meine Verehrer lesen die von mir verkündeten Tantras. Nach dem Lesen handeln sie danach; durch dieses Handeln gelangen sie in meine Nähe.
1.162 Wenn ein Praktizierender meine Schriften nicht kennt, sondern andere Schriften studiert, erreicht er erst nach zehn Millionen Jahren Vollendung.
1.163 Wie man, Bhairava, irrtümlich Silber in einer Muschelschale sieht, so erwartet man Genuss und Befreiung von anderen Lehrsystemen.
1.164 Wo Genuss ist, dort ist Befreiung – wo sollte beides nicht gelingen? Wer dem Lotus meiner erhabenen Sandalen dient, gelangt zu Befreiung und Genuss.
1.165 Wer nach außen schaut, erfasst den im Raum befindlichen Glanz; wer mit Erkenntnis das Weltei schaut, sieht, was sich im räumlichen Weltei befindet. [Der zweite Halbvers ist unsicher.]
1.166 Wie beim unmittelbaren Wahrnehmen eines Kruges das Licht ihn sichtbar macht, so wird ohne die Verbindung mit seinem Krugsein der Krug nicht unmittelbar erkannt.
1.167 Obwohl von anderem unterschieden, geht er nicht in wirkliche Trennung über. Auch im Purusha besteht keinerlei Unterscheidung ohne Shakti.
1.168 Wie ein verkörpertes Wesen ohne Shakti kraftlos und ohne Yoga ist, so erkennt ein Mensch ohne Erkenntnis das Selbst und die beiden Füße nicht. [Der Bezug von „beiden Füßen“ bleibt offen.]
1.169 Von weltlichem Wissen verblendet, erfassen die Menschen ihr eigenes Wesen nicht. Man schaut jene Haltung, über die man wiederholt kontempliert. [Ein Wort im zweiten Halbvers ist gestört.]
1.170 Sie geraten in die Fessel des Yama, des königlichen Todesboten, und gehen dem Tod entgegen, während sie auf Kinder und Besitz blicken.
1.171 Die Welt hat den Rauschtrank der Verblendung getrunken und kennt ihr eigenes Wohl nicht. Reichtum gleicht einem Traum, Jugend einer Blüte.
1.172 Das Leben ist flüchtig wie ein Blitz; nur aus Unwissenheit hält jemand es für beständig. Selbst wenn ein Sterblicher hundert Jahre lebt, raubt der Schlaf die Hälfte.
1.173 Eine weitere Hälfte raubt die Geliebte, welche Kraft und Verstand bedrängt. Schlechter Lebenswandel vernichtet Tag und Nacht die Lebenszeit der Verblendeten.
1.174 Durch Kindheit, Krankheit, Alter und Leid wird auch das Übrige unfruchtbar. Aus welchem Grund bestehen die Bindungen an Frau, Kinder, Vater, Mutter und andere?
1.175 Samsara wurzelt im Leiden; wer ihm verhaftet ist, leidet. Wer ihn aufgegeben hat, ist glücklich, daran besteht kein Zweifel.
1.176 Was könnte derjenige, der Glück und Leid losgelassen hat, durch sein Handeln nicht erlangen? Wer hingegen Ritualvorschriften lediglich aus Furcht vor gesellschaftlichen Erwartungen erfüllt,
1.177 und ohne Ehrfurcht wiederholt: „Ich bin einer, der Brahman im Ganzen kennt“ – wer an weltlichem Glück hängt und sagt: „Ich bin ein Brahman-Kenner“ –,
1.178 den soll der Besonnene stets von fern meiden, wie einen Chandala. Im Haus und im Wald ziehen ohne Scham und unbekleidet
1.179 auch Esel und andere Tiere umher: Sind sie deshalb Gelübde tragende Asketen? Ständig im Wald lebend, von Gras, Blättern und Wasser ernährt,
1.180 leben auch Hirsche und andere Wildtiere: Sind sie deshalb Büßer? Kälte, Wind und Hitze ertragend, Essbares und Unessbares gleichermaßen behandelnd,
1.181 ziehen auch Schweine und andere Tiere umher: Sind sie deshalb Asketen? Alle Vögel, Geister und Gespenster bewegen sich im Luftraum,
1.182 und alle Nachtwanderer ziehen umher: Sind diese Luftgänger deshalb große Götter? Von der Geburt bis zum Tod in der Ganga und anderen Flüssen leben
1.183 Frösche, Fische und andere Wesen: Sind sie deshalb Gelübde tragende Asketen? Selbst wenn Gelehrte, in solche Kenntnisse vertieft, umherziehen,
1.184 gelangen sie durch fehlerhaftes Handeln dennoch in die Hölle. Diejenigen hingegen, die von Hinterlist, Trägheit und Verstrickung frei sind,
1.185 erreichen meine Stätte, ganz meiner Verehrung hingegeben. Die Wesen steigen mit ihrem überführenden, feinstofflichen Körper empor.
1.186 Durch den Fluch des eigenen Körpers nimmt der Mensch verschiedene Gestalten an; durch körperlich begangene karmische Verfehlungen gelangt er in einen unbeweglichen Daseinszustand.
1.187 Manche durch schlechte Taten in diesem Leben, andere durch frühere Taten: So erfahren übelgesinnte Menschen eine Veränderung ihrer Daseinsgestalt.
Guru und Übertragung
1.188 Wer ohne die Füße des Guru ist, geht nach meinem Gebot zugrunde. Der Guru ist die Wurzel der Mantras; der Guru ist die Wurzel, o Bezwinger der Feinde.
1.189 Allein durch die Gnade des Guru entsteht Vollendung, daran besteht kein Zweifel. Ich bin der Guru, ich bin die Gottheit, ich bin die Bedeutung des Mantras, daran besteht kein Zweifel.
1.190 Wer hier Trennung schafft und den Sinn der vielfältigen Schriften nicht erfasst, gelangt in die Hölle. Wie die Einweihung die Wurzel aller Vidyas ist, o Herr,
1.191 so ist der Guru das Selbst der eigenständigen, im Guru wurzelnden Lehre, daran besteht kein Zweifel. Das Selbst allein ist der Freund des Selbst; das Selbst allein ist sein eigener Feind.
1.192 Durch das Selbst wird die Handlung vollzogen; dann entsteht Vollendung der inneren Haltung. Wer körperlich beeinträchtigt, unaufrichtig, krank, ein Vielesser oder ohne gute Lebensführung ist,
1.193 soll sich meiner Verehrung zuwenden und stets die ergänzende Vidya üben. Geld, Getreide, Kinder, Vermögen, Königsherrschaft und die Speisung von Brahmanen
1.194 sollen zu heilsamen Zwecken eingesetzt werden; andere Gedanken bringen vergebliche Früchte. Der Sterbliche, der täglich die Ahnenriten vollzieht, ist ein rechtschaffener, vorzüglicher Mensch.
1.195 Ein König von liebenswürdiger Lebensführung widme sich der Wanderung zu heiligen Sitzen. Wenn an jedem dieser Sitze die Schau der Mahavidya erlangt wird,
1.196 dann liegen sämtliche Siddhis, deren Wirkbereiche unsichtbar sind, in seiner Hand. Durch Mahamayas Gnade entsteht die Vollendung unvermittelt.
1.197 Ob großer Vira, sehr standhafter Mensch, im Divya-Bhava Stehender oder im Pashu-Bhava Stehender: Man soll am Mantra-Sitz wohnen. [Das Verb der Vorlage ist ungewöhnlich.]
1.198 Er wird als Fruchtgeber der rituellen Handlung und als erfreulich für die drei Bhavas bezeichnet. Entsprechend der Beschaffenheit des Zeitalters schauen durch Divya- und Vira-Haltung, Bhairava,
1.199 die großen Viras [die Wirklichkeit]; die Pashus von niedriger Geburt, deren Geist durch Schriften überwältigt ist, schauen sie im Kali-Zeitalter nicht.
1.200 Selbst in tausend Jahren gelangt man nicht ans Ende der Schriften. Es gibt viele Lehrwerke über Logik und anderes; das Leben ist kurz und die Hindernisse zählen nach Millionen.
1.201 Darum erkenne die Essenz, wie der Hamsa die Milch aus dem Wasser scheidet. Im Kali-Zeitalter sind die großen Verehrer durch Divya- und Vira-Bhava beständig darauf ausgerichtet
1.202 und schauen die höchste Stätte der Mahavidya. Heilige Menschen, die Schweigen pflegen und sich stets der Praxis widmen,
1.203 schauen durch Divya- und Vira-Haltung meinen Fußlotus. Diese beiden Haltungen gelten für Brahmanen, die große, wahrhaft gute Früchte wünschen,
1.204 oder auch für Avadhutas. Durch die Kraft dieser beiden Haltungen wird der Mensch zu einem großen Yogi.
1.205 Selbst ein Ungelehrter wird durch die Gnade dieser beiden Haltungen ein vorzüglicher Meister der Rede. Diejenigen, Mahadeva, die den praktischen Sinn meines Tantra erkennen,
1.206 kennen diese beiden Haltungen für die sozialen Stände; sie sind Rudras, daran besteht kein Zweifel. Der Mensch voller Bhava ist ein Meister des Bhakti-Yoga, dessen Praxis alle Haltungen kennt.
1.207 Er erscheint beständig wie berauscht oder wie stumpf, während er den Sinn seiner eigenen Lehre durchdrungen hat. Der Baum trägt die Blüten, doch die Nase erkennt ihren Duft.
1.208 Viele lesen sämtliche Schriften; selten sind die, welche Bhava verstehen. Das Lesen eines Menschen ohne Einsicht ist wie das Schauen eines Blinden in einen Spiegel.
1.209 Für den Einsichtigen kann eine Dharma-Schrift zur Fessel werden. „Die Wirklichkeit ist so und so“ – darin besteht die Festlegung des Schriftensinns. [Die Textfassung lässt auch einen problematischen Satzanschluss zu.]
1.210 „Ich bin der Handelnde, ich bin das Selbst, alldurchdringend und ungestört“: Auch der Meister der Rede bedenkt im Geist auf diese Weise sein eigenes Wesen.
1.211 Wenn der große Wissende den Glanz des Blitzes oder [etwas über] tausend Jahre schaut, [sieht er] den einen Mond als tausendfach. [Die Lesung erlaubt keine sichere zusammenhängende Deutung.]
1.212 Welche Frucht der Mensch in hundert mal zehn Millionen Jahren erlangt, diese genießt er, wenn er einen einzigen Augenblick über den Staub [meiner] Füße meditiert.
1.213 Wenn er überallhin wandert, einzig die Wonne mehrend, zum großen heiligen Sitz Kamarupa, der im dreieckigen Grund als Licht erstrahlt,
1.214 bis zum Verklingen des Geräuschs einer Wasserblase, von unendlichem Heil erfüllt, dann wird er zum vorzüglichsten meiner Diener, mir lieb wie Ganesha und Guha. [Der Übergang zwischen den Versen ist schwierig.]
1.215 Der vorzügliche Praktizierende soll die Nebensitze Kankala, Attahasa und Vikataksha aufsuchen, wenn er meinen Fußlotus begehrt.
1.216 Wer zu meiner Freude den großen heiligen Sitz Jvalamukhi besucht, der mir lieb und dem bloßen Argumentieren unzugänglich ist, wird gewiss ein Yogi.
1.217 Die vorzüglichen Praktizierenden, welche mit den beiden Haltungen die heiligen Sitze wie Jvalamukhi aufsuchen, sind Siddhas, daran besteht kein Zweifel.
1.218 Für diejenigen, die Vollendung in den drei Welten wünschen, gibt es nichts Höheres als Bhava. Bhava ist höchste Erkenntnis, unübertreffliche Brahman-Erkenntnis.
1.219 Was nützt die Verheiratung von zehn Millionen Mädchen, hundertfaches Wandern in Varanasi oder eine Reise nach Kurukshetra, wenn Bhava nicht erlangt wird?
1.220 Was nützen Ahnenopfer in Gaya, Wanderungen zu vielen heiligen Sitzen, vielfältige Feueropfer und Rituale, wenn Bhava nicht erlangt wird?
1.221 Durch Bhava entsteht Erkenntnis; durch Erkenntnis erlangt man Befreiung. [Der zweite Halbvers verbindet Selbst, Geist, Göttin, Guru und Ishvara; sein genauer Satzsinn ist gestört.]
1.222 Meditation wird als Vereinigung bezeichnet, Befreiung als Aufgehen des Geistes im Selbst. Allein durch die Gnade des Guru entsteht die große Zufriedenheit der Shakti.
1.223 Allein dadurch, dass Shakti erfreut wird, erlangt der Praktizierende Befreiung. Die ganze Welt wurzelt im Guru, sie wurzelt im Guru, o Bezwinger der Feinde.
1.224 Allein durch die Gnade des Guru erlangt der wahrhaft Selbstbeherrschte Befreiung. Man soll das Gebot des Guru nicht übertreten und ihm nicht widersprechen.
1.225 Tag und Nacht soll man das Gebot des Guru wie ein Diener erfüllen. In ausgesprochenen wie unausgesprochenen Aufgaben soll der Verständige keine Nachlässigkeit zeigen.
1.226 Wenn der Guru geht, soll man gesammelt mitgehen und sein Gebot nicht übertreten. Wer das Wort des Guru nicht hört oder sich beim Hören abwendet,
1.227 ob es ihm nachteilig oder vorteilhaft erscheint, gelangt in die Raurava-Hölle. Wer aus Verblendung oder durch Schicksalsfügung das Gebot des Guru verletzt,
1.228 gelangt in eine furchtbare Hölle und wird als Schwein geboren. Wer das Gebot des Guru verletzt, ihn verleumdet, ihm unliebsam begegnet
1.229 oder ihm feindlich handelt, mit dem soll man keinen Umgang pflegen. Wer das Eigentum des Guru begehrt oder mit dessen Frau verkehrt,
1.230 begeht eine schwere Verfehlung, für die er keine Sühne vollziehen kann. Wer den Guru wie einen Feind misshandelt und ihn durch Verleumdung vertreibt,
1.231 wird in einer menschenleeren Waldgegend zum Brahmarakshasa. Sandalen, Sitz, Gewand, Lager und Schmuck des Guru
1.232 soll man sehen und sich vor dem Guru verneigen, sie jedoch nicht selbst benutzen. Wer stets das Paduka-Mantra auf der Zungenspitze trägt,
1.233 erlangt mühelos Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung. Stets soll er über den Fußlotus des erhabenen Guru meditieren.
1.234 [Er verehre] den Vira um Hingabe und Befreiung willen; kein anderer Verehrer ist höher als er. Ein Schüler, der im selben Dorf wohnt, soll stets seine Gegenwart aufsuchen.
1.235 Auch ein Schüler, der in derselben Gegend wohnt, soll stets seine Gegenwart aufsuchen. Bei einer Entfernung von sieben Yojanas soll er sich einmal im Monat vor dem Guru verneigen.
1.236 In welche Richtung der Fußlotus des erhabenen Guru leuchtet, in diese Richtung soll man sich mit Körper, Geist und Einsicht verneigen.
1.237 Die Glieder der Vidya, Sitz, Mantra, Mudra und Tantra: Alles wird fruchtbar, wenn man es aus dem Mund des Guru empfängt, anders nicht, o Herr.
1.238 Man soll es vermeiden, mit dem Guru denselben Sitz zu teilen, sei es auf einer Decke, auf einer weichen Unterlage, im Palast, auf einer langen Holzbank oder auf einer erhöhten Fläche. [Die letzte Sitzbezeichnung ist unsicher.]
1.239 Das Paduka-Mantra des erhabenen Guru, das Wurzelmantra und die eigene Paduka-Formel soll man, Herr der Götter, nicht irgendeinem beliebigen Schüler mitteilen.
1.240 Was immer einem selbst wohltut, solche Dinge soll man dem Guru nicht vorenthalten. Selbst wenn man von einem Guru nur eine einzige Silbe empfangen hat, o Treuer im Gelübde,
1.241 gilt die ihm zugedachte Speise nach Maßgabe des eigenen Vermögens: Auch Weniges ist Großem gleich. [Der Schluss über Welt und Armut ist beschädigt.]
1.242 Wer selbst seinen gesamten Besitz hingibt, aber ohne Guru-Hingabe ist, gelangt in die Tiefe der Hölle. Hingabe allein ist das Entscheidende.
1.243 Durch Guru-Hingabe wird man Indra; durch fehlende Hingabe wird man ein Schwein. Nichts steht über dem Guru-Verehrer – so in allen Schriften über Hingabe.
1.244 Ohne Verehrung des Guru, o Herr, wird das Verdienst von zehn Millionen guten Taten vergeblich.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Ausübung aller Vidyas, im Abschnitt über vollendete Mantras, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das erste Kapitel.
Kapitel 2: Guru-Meditation, Einweihung und Mantraprüfung

2.1 Nun werde ich durch die alle Anschauungen umfassende Vidya weiter sprechen, o Allwissender, höchste Wonne, Keim des Erbarmens und Furchterregender.
2.2 Höre mit gesammeltem Geist, Shambhu! Höre die Vorschrift der Kula-Lebensführung und zuerst die Vorschrift für Pashus bei Gelübdeverletzungen und ähnlichen Verfehlungen, o Herr.
2.3 Bei Verletzung eines Gelübdes oder Versäumnis einer täglichen Pflicht, etwa der täglichen Verehrung, soll der Mantrapraktizierende tausendmal rezitieren, um den Fehler des Gelübdes zu befrieden.
2.4 Das tägliche Ahnenopfer, die Verehrung zu den Tagesübergängen, die Wasserspende für die Ahnen, die Schau der Gottheit, der Besuch heiliger Sitze und heiliger Badeplätze,
2.5 die Befolgung des Guru-Gebots und die tägliche Verehrung der Gottheit: Dadurch erlangt der Mensch im Pashu-Bhava gewiss große Vollendung.
2.6 Die erste Haltung ist die der Pashus; dem Vira entspricht Vira-Bhava, dem Divya Divya-Bhava. Dies sind ihre drei überlieferten Haltungen.
2.7 Ein Praktizierender, der die Lebensführung seines eigenen Kula nicht beachtet, wird trotz festen Geistes rasch vergeblich nach einem Ergebnis streben; so groß ist die Wirksamkeit der Kula-Praxis.
2.8 Bhairava sprach: Durch welches Mittel erlangt ein Mensch im Pashu-Bhava die Schau des Fußlotus der erhabenen Göttin, du Lotusgesichtige?
2.9 Erkläre diese Weise ausführlich, Geliebte des Kula, wenn meine Hingabe fest ist und du mir Zuneigung entgegenbringst.
2.10 Mahabhairavi sprach: Vom Aufstehen am Morgen zur Zeit des Sonnenrots bis acht Dandas in die Nacht hinein wird die Praxiszeit der Pashus angegeben.
2.11 Nachdem der Pashu am Morgen die Verrichtungen am Lager und Ähnliches erledigt hat, setze er sich erneut auf das Lager und stelle sich den Guru im tausendblättrigen Lotus am Haupt vor:
2.12 den großen Guru, strahlend wie die junge Sonne, eine Lichtscheibe, einen Ozean unendlicher, unendlicher Herrlichkeit, mit dem Mond bekrönt;
2.13 vollkommen weiß, mit leuchtendem Körper, zwei Augen und zwei Armen, alldurchdringend, in der Selbsterfahrung schwer zu erfassen, strahlend und weiß gekleidet;
2.14 oberhalb des Ajna-Chakra befindlich, Ursache und Antlitz der Welten, Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung verkörpernd, mit den Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit;
2.15 auf einem geöffneten Lotus sitzend, allwissend, Herr der Welt, lebendig vom inneren Licht, mit einer Waldblumengirlande geschmückt.
2.16 Diesen mit kostbarem Schmuck reich gezierten Gott der Götter verehre man stets. Nach der Ordnung des inneren Opfers bringe man ihm Lotusblüten dar.
2.17 Mit ungeteilter Hingabe verneige man sich zur Mehrung von Lebenszeit und Gesundheit. Dann rezitiere man das Mantra, am Anfang und am Ende mit dem Pranava versehen.
2.18 In der Mitte füge man das Vagbhava-Bija und danach den Namen des Guru ein. Nach dem Namensbestandteil „Anandanatha“ setze man „Guru“ in den Dativ.
2.19 Dann spreche man „Namah“ und den alle Vollendung gebenden Pranava. Wer das Mantra des großen Guru rezitiert, wird zum Herrn aller Siddhis.
2.20 Durch die Kraft des Guru-Mantras entsteht Vollendung der Rede im Lotusmund. Täglich rezitiere man 108-mal oder 1.008-mal.
2.21 Nach dem Japa und dessen Darbringung vollziehe man drei Pranayamas. Mit dem Vagbhava-Bija führe man freudig die Pranayama-Vorschrift aus.
Lobpreis des Guru
2.22 „Verehrung jenem erhabenen Guru, der jene Stätte gezeigt hat, welche die Gestalt eines ungeteilten Ganzen besitzt und von der Bewegliches und Unbewegliches durchdrungen sind.“ [Die Vorlage schreibt daśītaṃ für das erwartete „gezeigt“.]
2.23 „Verehrung jenem erhabenen Guru, der mir, blind im Dunkel der Unwissenheit, mit dem Stäbchen der Erkenntnissalbe die Augen geöffnet hat.“
2.24 „Ich verneige mich vor dem erhabenen Guru, dem Schatz des Erbarmens, der die Schau der Gottheit ermöglicht und alle Vollendungen gewährt.“
2.25 „Ich verneige mich vor dem göttlichen Guru, der stets Segen und Furchtlosigkeit gewährt, im weißen Lotus wohnt und die große Furcht vernichtet.“
2.26 „Sein Körper ist von großer Erkenntnis geprägt; er hat Menschengestalt und gewährt Segen. Er schenkt die vier Lebensziele und umfasst Grobstoffliches wie Feinstoffliches.“ [Das Partizip des ersten Halbverses ist unsicher.]
2.27 „Der Gott ist immer von Wonne erfüllt, ewige Wonne, fleckenlos, ganz aus reinem Sattva bestehend, die ewige Zeit, Herr des Kula.“
2.28 „Im großen Lotus am Brahmarandhra, in der ungestörten Lichtscheibe, im weißen, strahlenden Chakra, das Yogis durch Meditation erreichen,
2.29 im tausendblättrigen Lotus, genau in der Mitte seines Fruchtbodens, leuchtet er in vollkommener Weiße, mit dem gewaltigen Glanz von Abermillionen strahlender Sonnen.“
2.30 „Er weilt an allen heiligen Sitzen, ist makellos, höchster Hamsa, über das Höchste erhaben, stets den Veda erhebend und die Früchte wunschorientierter Handlungen gewährend.“
2.31 „Seine beiden Füße sind stets der Ort, an dem Geist, Shakti und Maya sich auflösen. Sein Antlitz gleicht Millionen Monden, umwoben von Girlanden herbstlichen Mondlichts.“
2.32 „Mit ihm eins geworden verehre ich den Guru, der mehr schenkt als gewünscht, den Herrn aller Siddhis, der über dem Hamsa-Mandala thront.“
2.33 „Er ist das Selbst, gestaltlos und gestaltet, von Brahmans Wesen, der Geber der großen Vidya und des großen Mantras, der höchste Herr.“
2.34 „Ich verneige mich vor dem göttlichen Guru, der alle Vollendungen schenkt.“ Diejenigen, die sich mit Körper, Geist und Sprache unablässig verneigen,
2.35 wohnen gewiss am Fußlotus des erhabenen Guru. Am Morgen erlangt der vorzügliche Praktizierende dadurch Verdienst in zehnmillionenfachem Maß.
2.36 Am Mittag sind es eine Million, am Abend wiederum zehn Millionen Verdienste. Am Morgen lese man gesammelt den Lobpreis oder die Meditationsbeschreibung.
2.37 Dann erlangt man Vollendung; daran soll kein Zweifel erwogen werden.
2.38 „Ich verehre den segenspendenden Guru im weißen Lotus am Haupt, leuchtend wie zehn Millionen junge Monde, mit den Lotushänden in den Gesten von Segen und Furchtlosigkeit, alle Gottheiten verkörpernd. Seine beiden Fußlotusse erstrahlen in der Schönheit ihrer Strahlen, mit dem Glanz millionenfachen roten Lacks.“
2.39 „Siegreich sind die beiden Fußlotusse des Guru, die der Welt die Furcht nehmen und Genuss sowie Befreiung schenken; in ihnen liegt der Sieg des Yoga. Ich verehre den höchsten Guru, inmitten des Augenlotus gegenwärtig, der die Furcht vor dem Meer des Werdens vernichtet und Todesnot, Krankheit und körperlichen Verfall tilgt.“ [Die abschließende Wortverbindung ist unsicher.]
2.40 „Im erhellten, zarten, sechzehnblättrigen Lotus verehre ich den Herrn als Para-Apara-Guru, der alle äußeren Freuden gewährt. Seine beiden weiten Lotusaugen bilden einen blitzenden Lichtkreis; [er leuchtet] bräunlich, juwelenrot, mondhaft und als Bindu.“ [Der letzte Versfuß ist beschädigt.]
2.41 „Im bewegten zwölfblättrigen Lotus des Herzens, auf der [im Text unklar bezeichneten] Seite des Uma-Herrn, verehre ich den Parameshthin-Guru: Er umfasst Bewegliches und Unbewegliches, ist von großer Strahlkraft, hell wie hundert Sonnen, mit einem Antlitz wie Millionen makelloser Monde, überaus herrlich leuchtend.“
2.42 „Am Morgen meditiere man stets über den ursprünglichen Guru, heilvoll, den Liebesgott verbrennend, die Essenz goldener Blütenrispen. Wunderbare Klänge erfreuen sein Gefolge; [seine Gestalt trägt] eine schöne dreifache Biegung im Chakra. Er leuchtet wie hundert Morgenröten, ist durch Yoga erreichbar und wird von den Yogis im überaus schönen, juwelengleichen zehnblättrigen Nabellotus betrachtet.“ [Mehrere Wortgrenzen sind unsicher.]
2.43 „Die Mutter wird von mir im Wohnsitz Svadhishthana, im sechsblättrigen Lotus, an Vishnus Wurzel meditiert: Sie führt über Geburt und Wandlung hinaus, schlägt sie nieder, ist der Glanz des Veda, Vishnu lieb und zu Shankara gehörig, Mutter des befriedeten Ursprungs des Liebesgottes.“ [Die Eingangsverbindung mit Maya-Danava und dem Grenzort des Nirvana ist textlich unklar.]
2.44 „Über die Guru-Mutter wird meditiert: Kundalini, deren Antlitz Sprache ist, auf dem Kula-Weg von dunklem Glanz, im vierblättrigen Wurzellotus, Kula-Trägerin, am Ort des Atems. Sie ist unmittelbar die gewünschte Ranke des Wunschbaums, die geliebte, gutes Sprechen verleihende, ewige, den Yogis Furcht nehmende und Gift beseitigende Göttin.“
2.45 „Möge die lichtvolle, strahlende Kraft mit dem Antlitz des Guru, die den feinen Weg durchschreitet, uns beschützen! Sie ist überflutet von der Wonne des Nektargefäßes, das aus dem oberen Lotus hervorströmt. Wann wird die stets aufwärtsgehende Mutter hier auf Erden im Bewusstsein als die erfüllte meditiert – subtil, durch Praxis erfahrbar, nektarhaft, vom Wurzellotus bis zum Hauptlotus?“
2.46 Wer dies täglich vollständig liest, verbunden mit Erhaltung und Bewahrung, Meditation oder Verehrung, ist ein Gott und kein gewöhnlicher Mensch.
2.47 Wohlergehen, Geld und Getreide, Ruhm, Lebensdauer, Ansehen und Glück [erlangt] der Verständige, wenn er morgens und abends liest.
2.48 Er wird zum vorzüglichsten Praktizierenden, sein Körper gleicht einem Wunschbaum. Durch die Gnade dieses Hymnus wird er zum Herrn der Rede.
2.49 Auch diejenigen, die im Pashu-Bhava stehen, werden zu Vollendeten, daran besteht kein Zweifel. Zuerst soll der gottgleiche Praktizierende stets gute Lebensführung im Sinn haben.
2.50 Zuerst Pashu-Bhava, dann Vira und am Abend Divya-Bhava: Der Guru dieser Haltungen hat den Vedanta durchdrungen.
Eigenschaften des Guru und des Schülers
2.51 Er ist friedvoll, selbstbeherrscht, von guter Herkunft, bescheiden, von reinem Äußeren, rein in seiner Lebensführung, fest gegründet, lauter, geschickt und verständig.
2.52 Er lebt in einem anerkannten Lebensstand, ist in Meditation gefestigt, kennt Mantra und Tantra, vermag zu zügeln und Gnade zu schenken, beherrscht sich selbst und rezitiert mit Verständnis des Mantrasinns.
2.53 Er ist gesund, ohne Ich-Hochmut, frei von Entstellungen, großherzig, gelehrt, redegewandt und von Würde; stets vollzieht er die Opferordnung.
2.54 Er hat Purashcharana vollzogen, ist vollendet, frei von Vorteils- und Nachteilsdenken, mit allen guten Kennzeichen versehen und von bedeutenden Menschen geachtet.
2.55 Er hat Pranayama und die übrigen Verfahren zur Vollendung gebracht, ist wissend, schweigsam und leidenschaftslos, asketisch, wahrhaftig und stets der Meditation zugewandt.
2.56 Er kennt den besonderen Sinn der Agamas und folgt seinem eigenen Dharma. Seine äußeren Kennzeichen bleiben unauffällig; er ist von innerer Haltung erfüllt und schenkt Gutes.
2.57 Er besitzt Glück und Standhaftigkeit; ein solcher Herr wird Guru genannt. Auch der Schüler soll solche Eigenschaften entwickeln und bei einem wahren Guru Zuflucht suchen.
2.58 Meiden soll man einen Guru ohne höchste Wonne, ohne Wohlgestalt, mit Aussatz, grausamen Taten, schlechtem Ruf oder Krankheit.
2.59 Ebenso einen von einer der acht Aussatzformen Befallenen, insbesondere mit nässendem Aussatz, einen mit weißen Hautflecken, einen, der Menschen schädigt oder ständig Geld verlangt.
2.60 Ebenso einen Goldverkäufer, Dieb, Unverständigen, sehr Kleinwüchsigen, einen mit schwärzlichen Zähnen, ohne Kula-Lebensführung und ohne Frieden.
2.61 Ebenso einen Makelbehafteten, von Augenleiden Geplagten, einen, der fremde Ehefrauen aufsucht, ohne Weihe lehrt, von einer Frau beherrscht wird oder überzählige Glieder hat.
2.62 Ebenso einen Unaufrichtigen, Gewalttätigen, Vielredner, Vielesser, Geizigen und Lügner.
2.63 Einen Unfriedlichen, ohne Bhava, ohne die fünf Verhaltensweisen, dessen Wesen von Fehlern erfüllt ist, soll man nicht als Guru verehren. [Der Schluss der Vorlage ist syntaktisch gestört.]
2.64 Wer im Guru nur einen Menschen, in Mantras bloße Schriftzeichen und in Götterbildern lediglich Stein sieht, gelangt nach dieser Lehre in die Hölle.
2.65 Vater und Mutter sind als Ursache der Geburt sorgfältig zu verehren. Besonders zu verehren ist der Guru, der Dharma und Adharma unterscheidbar macht.
2.66 Der Guru ist Vater, der Guru ist Mutter, der Guru ist Gottheit, der Guru ist Zuflucht. Wenn Shiva erzürnt ist, rettet der Guru; wenn der Guru erzürnt ist, rettet niemand.
2.67 Mit den Handlungen von Sprache, Geist und Körper soll man das Wohl des Guru fördern. Wer ihm schadet, o Gott, wird als Wurm im Kot geboren.
2.68 Das Aufgeben des Mantras führt zum Tod, das Aufgeben des Guru zu Armut; wer Guru und Mantra zugleich aufgibt, gelangt in die Raurava-Hölle.
2.69 Wer in Gegenwart des Guru eine andere Gottheit verehrt, gelangt in eine furchtbare Hölle; seine Verehrung bleibt ohne Frucht.
2.70 Die Söhne des Guru und deren Nachkommen sind wie der Guru zu behandeln. Ob wissend oder unwissend: Der Guru selbst ist die Gottheit.
2.71 Ob er vom Weg abweicht oder auf dem Weg steht: Der Guru selbst ist die Gottheit. Von dem, der den Körper zeugt, und dem, der Brahman schenkt, ist der Brahman schenkende Guru gewichtiger.
2.72 Darum soll man den Guru stets höher achten als selbst den Vater: „Ich bin vom göttlichen Guru abhängig – in Schrift, Mantra, Kula und Akula.“
2.73 „Ohne die innere Hinwendung zu den Füßen des erhabenen Guru besitzt man keine Berechtigung, o Herr. Der Guru ist Mutter, Vater, Herr, Verwandter, Freund und Shiva.“ [Die Negation des ersten Halbverses ist nur mit diesem ergänzten Bezug verständlich.]
2.74 So richte man stets den Geist aus und verehre den Guru mit seinem ganzen Wesen: das eine höchste Brahman, dessen sichtbare Gestalt wie ein weißes Juwel leuchtet.
2.75 Beim Guru als dem Selbst, das alle Handlungen lenkt, suche man Zuflucht. Der Guru ist die eine innere Wirklichkeit sämtlicher Bhavas, daran besteht kein Zweifel.
2.76 Das Wort des Guru sei ohne Zweifel aufgenommen; der Zweifelnde geht zugrunde. Wer an den Füßen des Guru nicht zweifelt und alles aufgibt, erreicht die Stätte.
2.77 Bereits nach einem Monat erlangt er das Wandeln im Luftraum, daran besteht kein Zweifel. Einen Schüler, der bei einem wahren Guru Zuflucht gesucht hat, soll dieser ein Jahr lang prüfen.
2.78 Nachdem er erkannt hat, ob der Schüler gute Eigenschaften besitzt oder nicht, soll er das Mantra geben; sämtliche Merkmale des Schülers, günstige und ungünstige, sind abzuwägen.
2.79 Andernfalls verbrennt der Fehler die Frucht der Siddhi-Verehrung. Einen begehrlichen, verschlagenen, öffentlich getadelten und unwahrhaftigen Menschen,
2.80 einen Unbescheidenen, Unfähigen, Einsichtslosen, einen Freund der Feinde, einen stets schlecht Handelnden, Ungebildeten und Stumpfen,
2.81 einen von den Fehlern des Kali-Zeitalters Erfüllten, ohne vedisches Handeln, ohne die Lebensführung seines Lebensstandes, mit unreinem innerem Organ,
2.82 einen stets Glaubenslosen, Ungeduldigen, Zornigen, Verwirrten, von schlechtem Wandel, ohne gute Eigenschaften, ständig nach fremden Ehefrauen Verlangenden,
2.83 einen von schlechten Gedanken Getriebenen, ohne Hingabe, im Geist gespaltenen und von vielerlei Tadel Betroffenen – einen solchen Schüler soll der Guru meiden.
2.84 Wenn er ihn, o Vira, wegen Geldspenden und anderer Gaben nicht zurückweist, wird auch er wie der Schüler sündig und zum Höllenbewohner; er erlangt dessen besonderen Zustand.
2.85 Durch die vom Schüler angehäuften Verfehlungen verliert er augenblicklich seine Vollendung, gelangt unvermittelt in die Hölle und erfährt nur die Vernichtung seines Wirkens.
2.86 Darum soll er nach sorgfältiger, vorschriftsmäßiger Prüfung Schüler annehmen. Andernfalls gerät der Guru durch die Fehler des Schülers in die Hölle.
Einweihung und Familienbeziehungen
2.87 Der Ehemann soll seine Frau nicht einweihen; der Vater soll weder Tochter noch Sohn einweihen; ebenso soll ein Bruder seinen Bruder nicht einweihen.
2.88 Wenn der Ehemann jedoch sein Mantra vollendet hat, darf er seine Frau einweihen: Als Bhairava weiht er sie als Shakti ein, sodass sie nicht als seine geistige Tochter gilt. Die Gottheit der Mantras ist als eine Gottheit in Guru-Gestalt zu erkennen.
2.89 Wer sein eigenes Wohl wünscht, soll zwischen ihnen keine Trennung vornehmen. Ein Schüler im selben Dorf soll sich zu den drei Tagesübergängen vor dem Guru verneigen.
2.90 Wohnt er eine Krosha entfernt, verneige er sich täglich mit Hingabe; wohnt er eine halbe Yojana entfernt, verneige er sich zu den fünf Festterminen.
2.91 Wohnt der Schüler fern, zwischen einer und zwölf Yojanas entfernt, soll er mit Hingabe die Gegenwart des Guru aufsuchen
2.92 und sich in einem Abstand von so vielen Monaten verneigen, wie die im Tantra genannte Yojana-Zahl beträgt. Ein Brahmane erlangt durch die Beziehung zum Guru nach einem Jahr die Eignung.
2.93 Ein Kshatriya nach zwei Jahren, ein Vaishya nach drei Jahren und ein Shudra nach vier Jahren: So wird die Eignung des Schülers angegeben.
2.94 Wenn man jedoch durch glückliche Fügung ein vollendetes Mantra, die Mahavidya oder die Vidya der drei Shaktis erhält, soll man es gewiss aus jener Überlieferung annehmen, o Herr.
2.95 Überall ist der Guru zu prüfen; Vater und mütterlicher Großvater sind dabei ausgenommen beziehungsweise ausgeschlossen. Wer aus Unachtsamkeit oder Unwissenheit von diesen ein Mantra empfangen hat,
2.96 soll Sühne vollziehen und sich erneut einweihen lassen: hunderttausend Wiederholungen des Savitri-Mantras oder [des Mantras] des Weltenherrn,
2.97 Vishnus, oder hunderttausendmal den Pranava – dies wird als Sühne überliefert. Wer dazu nicht fähig ist, Mahadeva, rezitiere das Mantra zehntausendmal.
2.98 Durch zehntausend Wiederholungen vernichtet Gayatri alle Befleckung. Sie ist die Mutter der Versmaße, ein Feuer für die Baumwollmassen der Verfehlungen,
2.99 die Offenbarung meiner Gestalt, frei vom Pashu-Bhava. Im Abschnitt über das Hervorbringen der Frucht wird sie nachts von Brahma erreicht. [Der zweite Halbvers ist unklar.]
2.100 Wenn durch glückliche Fügung ein vollendetes Mantra und ein solcher Guru begegnen, o Gott, soll man sogleich diese Einweihung empfangen, allein um der acht Herrlichkeiten willen.
2.101 Ein vom Vater gegebenes Mantra ohne Bija gilt in Shaiva- und Shakta-Traditionen nicht als fehlerhaft. Von Kula-Kundigen guter Herkunft soll es dem ältesten Sohn übermittelt werden,
2.102 wenn dieser mit dem Kula verbunden und selbstbeherrscht ist: das große Mantra, den Herrn des Kula. Dann erlangt man Befreiung – wahrlich, wahrlich, daran besteht kein Zweifel.
2.103 Den Jüngeren, einen Feind, den leiblichen Bruder, einen Angehörigen der feindlichen Partei, den mütterlichen Großvater, den Vater, einen Entsagenden oder Waldbewohner,
2.104 einen Menschen ohne anerkannten Lebensstand, mit schlechtem Umgang oder einen, der sein Kula verlassen hat: Solche Schüler schließe man aus, bevor man die Einweihung vollzieht.
2.105 Andernfalls werden durch den Widerspruch dazu Wunscherfüllung und Genuss zerstört. Ein vollendetes Mantra jedoch soll man selbst aus einer gering angesehenen Familie annehmen, Bhairava.
2.106 Wenn der wahre Guru in einer heilvollen, Gestalt tragenden Form erscheint, die seine innere Haltung verhüllt, erlangt man durch die dort empfangene Einweihung die acht Herrlichkeiten. [Der erste Halbvers ist schwierig.]
2.107 Bei Einweihungen im Traum bestehen die gewöhnlichen Regeln für Guru und Schüler nicht. Was im Traum empfangen oder von einer Frau gegeben wurde, wird durch das Weiheverfahren gereinigt.
2.108 Eine rechtschaffene Frau von guter Lebensführung, dem Guru ergeben, mit beherrschten Sinnen, die den wirklichen Sinn aller Mantras kennt, guten Charakters und der Verehrung zugewandt,
2.109 mit allen guten Merkmalen versehen, Japa übend, lotusäugig, mit Juwelen und weiterem Schmuck geziert,
2.110 friedvoll, von guter Familie und aus dem Kula stammend, mondgesichtig, alles Wachstum fördernd, mit unendlichen Vorzügen ausgestattet, liebenswert und Rudra-Sein schenkend,
2.111 kann als Guru wirken: Sie schenkt Befreiung und erklärt Shiva-Erkenntnis. Eine Witwe ist [nach dieser ersten Regel] ausgeschlossen.
2.112 Die Einweihung durch eine Frau wird als heilvoll, ihr Mantra als achtfach wirksam bezeichnet. Eine Witwe mit Kindern ist anzunehmen; eine alleinstehende [kinderlose] Witwe bewirkt dagegen Verschuldung.
2.113 Ist das Mantra jedoch vollendet, soll man es auch aus dem Mund einer Witwe empfangen. Daraus erwächst nur gute Frucht; von der Mutter ist diese gewiss achtfach.
2.114 Wenn eine verheiratete Frau aus eigenem Antrieb das Mantra gibt, erlangt man achtfache Frucht, sofern sie tugendhaft ist und Kinder hat.
2.115 Wenn die Mutter ihrem eigenen Sohn ihr eigenes Mantra gibt, erlangt er auf dem Weg der Hingabe die acht Siddhis, daran besteht kein Zweifel.
2.116 Selten ist es, o Gott, dass [das Mantra] von der Mutter gegeben wird. Zuerst erlangt man Hingabe, dann Befreiung und trägt die Gestalt der Zeit.
2.117 Man erkennt den Sinn von tausend mal zehn Millionen Vidyas, daran besteht kein Zweifel. Wenn aber die Mutter im Traum das reine Mantra gibt,
2.118 und man daraufhin nochmals eine Einweihung vollzieht, erlangt man Dämonenwesen. Wenn durch glückliche Fügung die Mutter freigebig ist [die Lesung dānavatīnī ist unsicher],
2.119 erlangt man Vollendung; dabei soll man das Mantra prüfen. Bei der Übermittlung ihres eigenen Mantras soll man keine weitere Guru-Prüfung vornehmen.
2.120 Ebenso [gilt es] beim großen Mantra von Shri Lalita, Kali und der Mahavidya: Mit allen Siddhis versehen, schaut man sie nach einem Jahr.
2.121 Bei der Praxis der Göttin Kali, der Wunschbaumranke, und der Mahavidyas soll keine weitere Grübelei über den Guru stattfinden, sofern man das Wort des Guru kennt.
2.122 Wenn ein vorzüglicher Praktizierender das Mantra sorgfältig prüft und dann annimmt, entsteht gewiss das Doppelte des Verdienstes unendlicher Millionen guter Taten.
2.123 Wer nach Prüfung der Essenz der Chakras das Mantra annimmt, wohnt selbst über hundert Geburten in der Stadt Vaikuntha.
Die Prüfdiagramme
2.124 Als Mahadeva diese Rede der großen Göttin hörte, sprach er erneut, seine Gestalt vor Freude und Wonne von aufgerichteten Härchen bedeckt.
2.125 Er wollte die sechzehn Chakras kennenlernen, die Segen gewähren, wunderbare Früchte tragen und Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung schenken.
2.126 Der erhabene Bhairava sprach: Erkläre sie, große Göttin, damit ich den wahren Kula-Zustand erlange, wenn dein gnadenvoller Blick auf mir ruht, Ozean der Zuneigung.
2.127 Durch deine Gnade bin ich Bhairava, bin ich Kala, der Herr der Welt, Geber von Genuss und Befreiung, dem Yoga gewachsen und mit dem Raum bekleidet.
2.128 [Erkläre] jetzt die Chakra-Mandalas für Einweihung und weitere Verfahren sämtlicher Vidyas, frei von unpassender Zeit und Kula-[Unverträglichkeit], das Akadama und das Kulakula. [Der erste Name beziehungsweise die Gliederung ist unsicher.]
2.129 Die erhabene Bhairavi sprach: Das Tara-Chakra, das Rashi-Chakra, ferner das Kurma-Chakra, das Shiva-Chakra, das Vishnu-Chakra und das besondere Brahma-Chakra,
2.130 das Deva-Chakra, das Rini-Dhani, danach das Ulka-Chakra, das Vama-Chakra, das Chatush-Chakra und das Sukshma-Chakra sind zu nennen.
2.131 Hinzu kommt das Kathaha-Chakra; so ist die Sechzehnzahl angegeben, o Herr. Die vorzüglichen Menschen, die ein durch diese Prüfung hindurchgegangenes Mantra annehmen,
2.132 für sie gibt es in der Welt gewiss nichts Unerreichbares. Was soll ich noch sagen? Sie erlangen die Schau der Gottheit.
2.133 Durch die Gnade des Königs der Chakras kann ein solcher Mensch überallhin gelangen. Wenn der vorzügliche Zweimalgeborene nicht die Prüfung sämtlicher Chakras kennt,
2.134 soll er nach dem prüfen, was er kennt und was die Gottheit erfreut: für Vishnu-Mantras die Sternprüfung, für Shiva die Prüfung des Felderdiagramms.
2.135 Für Tripura die Rashi-Prüfung; für Gopala wird Akadama genannt, ebenso für Vamana; für Ganesha die Prüfung mittels Hara-Chakra.
2.136 Für Varaha das Koshtha-Chakra, für Mahalakshmi Kulakula; für alle [Mantras] das Namens-Chakra und ebenso das Bhuta-Chakra.
2.137 Der Verständige soll das Tripura-Mantra verehren, das im Tara-Chakra als rein erwiesen ist; das Vishnu-Mantra, das durch das Rashi-Chakra gereinigt ist; für Shiva wird Akadama genannt.
2.138 Für Kalika und Tara gilt das Hara-Chakra als günstig; für Chandika das Felderdiagramm, für Gopala das Sternbild-Chakra.
2.139 Im Hara-Chakra nehme man alle Mantras bei Überwiegen der Schuldzahl an. Überwiegt die Schuldzahl, erkenne man dies als günstig; bei Überwiegen der Vermögenszahl gilt das Verfahren nicht als passend.
2.140 Nach Bereinigung der Fehler soll der Praktizierende [das Mantra] im mittleren Bereich annehmen. Den von Vater und Mutter gegebenen Namen benutze er unter Weglassung von Zusätzen wie „Sharma“, „Deva“
2.141 und der Silbe „Shri“ und trage ihn der Reihe nach in die Vidya-Chakras ein. Höre dies alles der Reihe nach, was günstige und ungünstige Früchte hervorbringt.
2.142 Für Rezitierende, die von Bhava erfüllt sind, wird das reine Mantra augenblicklich wirksam. Für die Verehrer gelangt schon das Mantra allein zur Vollendung – dies steht fest.
2.143 Für Menschen von Kula-Herkunft, die dem Ziel des Meditationswegs entgegengehen, werden die Mahavidya und die große Erkenntnis, gehörig gereinigt, wirksam.
2.144 Was im Abschnitt über die vollendeten Mantras gelehrt wird, Maheshvara, gewährt die acht Siddhis; dadurch erreicht man die Stätte der Vereinigung.
2.145 Die Essenz der sechzehn Chakras dient der Vollendung aller Mantras.
2.146 Man soll jedes Mantra nach der von mir zu eurem Wohl verkündeten Weise prüfen. Für die Bala-Bhairavis halte ich zuerst Akadama für maßgeblich.
2.147 Für die Praxis der Göttin Kumari-Lalita, der Kurukulla und weiterer Göttinnen wird das Shri-Chakra als fruchtgebend bezeichnet; es schenkt die Früchte aller Chakras.
2.148 Bei den Praktiken der Yoginis und weiterer Wesen bringt das Tara-Chakra große Frucht. Bei der reinen Praxis der Unmatta-Bhairavi-Vidya und verwandter Lehren
2.149 bringt das Rashi-Chakra zehnmillionenfache Frucht, vielerlei Juwelen und Heil. Bei der Pratyangira-Praxis und der Praxis der Ulka-Vidya
2.150 ist das Shiva-Chakra sehr verdienstvoll und schenkt die Früchte aller Chakras. Beim Mantra von Kalika und Chachika sowie bei den Praktiken von Vimala und weiteren Göttinnen,
2.151 beim Empfangen der Mantras von Sampatprada und den Bhairavis erlangt der Mensch durch das Vishnu-Chakra hundert mal zehn Millionen Verdienste.
2.152 Bei der Praxis von Chhinna, Shrividya und der Göttin Kritya, bei den wirksamen Praktiken der Nakshatra-Vidya, Kamakhya und Brahmani
2.153 ist das Brahma-Chakra sehr verdienstvoll und gewährt die Frucht aller Vidyas. Die Frucht, die man durch zehn Millionen Wiederholungen erlangt, erhält man schon durch das Empfangen [des so geprüften Mantras].
2.154 Bei der Praxis und Mantrarezitation der Vajrajvala-Mahavidya, bei der Guhyakali-Praxis und der Kubjika-Mantrapraxis
2.155 wird das Deva-Chakra als heilvoll und Vollendung der Rede schenkend bezeichnet. Bei der Mantrapraxis von Kameshvari und Attahasa,
2.156 bei Rakini, der Göttin Mandira und ihrer Mantrapraxis prüfe man das große Rini-Dhani-Chakra, das alle Vollendung gewährt.
2.157 Ebenso bei der Praxis von Shrividya, Bhuvaneshani und Bhairavi, bei Prithvi, Kulavati und Vina sowie dem Vamani-Mantra
2.158 ist das Ulka-Chakra sehr verdienstvoll, heilvoll und schenkt Königsherrschaft. Beim Mantra der Nayikas, beginnend mit Shiva, gewährt das Bala-Chakra Glück.
2.159 Bei der Rezitation des Phetkari-Mantras und des Mantras der Uddiyaneshvari bringt das Chatush-Chakra hundertfache Frucht und die Frucht des großen Mantras.
2.160 Bei den Praktiken von Dravini, Dirghajangha und Jvalamukhi sowie bei der Narasimhi-Praxis entsteht die Frucht aus dem Sukshma-Chakra.
2.161 Bei den Praktiken von Harini, Mohini und Katyayani, bei Vishnu-, Shiva- und Devi-Mantras, Bhairava,
2.162 soll man das große Akathaha-Chakra sorgfältig prüfen. Wer so das große Mantra annimmt, ist Shiva, daran besteht kein Zweifel.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Yantra [so hier die Vorlage], bei der Anwendung aller Chakras, im Abschnitt über den großen Guru und bei der Bestimmung des Bhava, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das zweite Kapitel.
Kapitel 3: Buchstaben, Elemente und Prüfdiagramme
3.1 Bhairavi sprach: Nun werde ich das Chakra erklären, das günstige und ungünstige Zeit beurteilen lässt und auf das sich ein großer Vira, ein Divya oder ein im Pashu-Bhava Stehender stützt.
3.2 Nach Prüfung dieses Königs der Chakras soll man ein vollendetes Mantra nicht verändern. Bei den großen Mantras des Prabala, Prachanda und Prasada,
3.3 bei den Mantras von Shaktikuta und weiteren sowie bei Varaha, Arka, Narasimha und dem fünfsilbigen Mantra soll man nicht auf „vollendet“ und die anderen Kategorien prüfen.
3.4 Ebenso soll man beim großen Kala-Mantra, beim wahren Mantra des Chandrachuda und bei einem neutralen Mantra nicht auf diese Kategorien prüfen.
3.5 Mantras mit mehr als zwanzig Silben werden Mala-Mantras genannt. Beim Sonnenmantra, beim Yoga-Mantra und beim Kritya-Mantra, Shankara,
3.6 beim Bija des göttlichen Shambhu soll man nicht auf diese Kategorien prüfen; ebenso bei den großen Mantras von Chakreshvara, Chandra und Varuna.
3.7 Bei den Mantras von Kali, Tara und anderen soll man gleichfalls nicht so prüfen. Prüft man sie dennoch, dient dies allein ihrer besonderen Würdigung.
3.8 Wo die besondere Würdigung vorliegt, gilt die betreffende Handlung als göttlich. Wo eine solche Würdigung fehlt, soll man die Handlung nicht ausführen lassen.
3.9 Zur Bewahrung des Kula nehme man ein überaus fruchtbares Mantra an. Ein Dhani-Mantra und ein nicht zum eigenen Kula passendes Mantra soll man nicht annehmen.
3.10 Wer es annimmt, geht zugrunde oder erreicht erst durch zehn Millionen Wiederholungen Vollendung. Manana ist das Erkennen des Alls; Trana ist die Rettung aus der Fessel des Samsara.
3.11 Weil es dies bei seiner Vollendung bewirkt, wird es „Mantra“ genannt. Ein mit dem Pranava beginnendes Mantra soll einem Shudra keinesfalls gegeben werden.
3.12 Das eigene Mantra, das Mantra des Guru, das als „Anapa“ bezeichnete Mantra, das Mantra des Vaters und ebenso das heilvolle, Mantravollendung gebende Mantra der Mutter – [der Zusammenhang mit dem folgenden Verbot ist unklar].
3.13 Der Shudra gelangt in die Hölle und der Brahmane geht abwärts. Diejenigen, die uneingeweiht Japa, Verehrung und ähnliche Handlungen vollziehen,
3.14 erlangen daraus kein Gedeihen; es ist wie Saat, die auf einen Stein gestreut wird. Wer ohne Devi-Einweihung ist, erlangt weder Vollendung noch einen guten Daseinsweg.
3.15 Darum bemühe man sich mit aller Kraft, durch einen Guru eingeweiht zu werden. Die Prüfung nach der Essenz der Chakras muss unbedingt erfolgen.
3.16 Ein Uneingeweihter gelangt nach dem Tod in die Raurava-Hölle. Darum soll man sich stets sorgfältig durch einen Tantra-Kundigen einweihen lassen.
3.17 Am Tag vor der Einweihung soll man gründlich und sorgfältig prüfen. In dieser Weise ist gewissenhaft zu verfahren, du von den Bergen Verehrter.
3.18 Zuerst [erfolgt] die Vollendungsprüfung im Akadama. Der Verständige ordne das Mantra darin ein. Man zeichne zwei Linien in Ost-West-Richtung und zwei Linien durch die Mitte.
3.19 So entsteht das viereckige Akadama-Chakra aus vier Linien. Man umgebe es mit einem großen Kreis und trage die Buchstaben ein.
3.20 Man schreibe die Buchstaben von A bis Ksha ein, unter Ausschluss der neutralen Laute. Jeweils einen trage man in die Felder vom Widder bis zu den Fischen ein. [Die Vorlage vermerkt eine Variante zu Stier.]
3.21 Man zähle der Reihe nach gegen den Uhrzeigersinn, Geliebter der Viras. Nach der tantrischen Methode beginne man mit dem Anfangsbuchstaben des Namens.
3.22 Der Schriftkundige zähle vom Widder bis zu den Fischen der Reihe nach „Siddha, Sadhya, Susiddha“ und die weiteren Kategorien und beginne dann erneut bei Siddha.
3.23 Das neunte, erste und fünfte Feld ist Siddha; das sechste, zehnte und zweite Sadhya; das dritte, siebte und elfte Susiddha; das vierte, achte und zwölfte feindlich.
3.24 So ist dir, o Herr, das vorzügliche Akadama und sein Verfahren erklärt. [Es folgt] ein großes lotusförmiges Chakra mit acht Blättern.
3.25 Im Osten stehen die beiden Buchstaben A und Ā, im zweiten Blatt das zweite Paar, im dritten das Ohrenpaar und im vierten das Nasenpaar.
3.26 Im fünften ist das Augenpaar angegeben, im sechsten Ober- und Unterlippe, im siebten das Zahnpaar; im achten [wird die Reihe] der sechzehn Vokale [vollendet]. [Die anatomischen Lautbezeichnungen sind ohne weitere Erläuterung überliefert.]
3.27 Die Ka-Gruppe steht im östlichen Blatt, die Cha-Gruppe im zweiten, die retroflexe Ta-Gruppe im dritten, die dentale Ta-Gruppe im vierten.
3.28 Die Pa-Gruppe steht im fünften Blatt, Ya bis Va im sechsten; im siebten schreibe man Sha, retroflexes Sha und Sa, im achten Ha und Ksha. [Die Vorlage nennt zusätzlich ein unsicheres La.]
3.29 Nach Prüfung des Chakra erlangt man Glück, Königsherrschaft, Reichtum, Wissen, Jugend und Lebensdauer sowie Nachkommenschaft und den Erhalt des eigenen Lebens.
3.30 Man trage dort den Buchstaben des eigenen Namens und den des Gottheitsnamens ein. Gleicher Ort, gepaarter Ort und gegenseitiger Widerspruch werden dabei unterschieden. [Die anschließende Zweiteilung ist nicht eindeutig.]
3.31 Leben und Tod [werden] in die mit A beginnenden Blätter [eingetragen]. Nach dem Eintragen soll der Mantrapraktizierende zählen und stets die Todeskonstellation meiden.
3.32 Wo Tod besteht, ist gewiss kein Leben. Aufgrund gegenseitigen Widerstreits [wirkt] auch ein vollendetes Mantra [an der Wurzel]. [Der Schlusssinn ist beschädigt.]
3.33 Bei der Lebenskonstellation ist das Lebenbringende anzunehmen; Tod ist überall zu meiden. Nun werde ich den Mantrapraktizierenden den Unterschied von Kula und Akula erklären.
3.34 Die fünfzig Schriftzeichen werden der Reihe nach Wind, Feuer, Erde, Wasser und Raum zugeordnet: fünf kurze, fünf lange Vokale, die aus Lautverbindung entstehenden [Vokale] bis zum Bindu,
3.35 die mit Ka beginnenden Fünfergruppen und die mit Ya beginnende Reihe bis La, Sa, Ha und Ksha. [Die genaue Schlussreihe enthält eine Variante.] Der Anfangsbuchstabe des Praktizierenden und der entsprechende Anfangsbuchstabe des Mantras
3.36 sind, wenn sie dieselbe Elementgottheit besitzen, als zum gleichen Kula gehörig und günstig zu erkennen. Wasser ist Freund der Erde, Wind Freund des Feuers.
3.37 Für alle Erd-[Buchstaben] und für Wasser-[Buchstaben] ist Feuer ein Feind; Wind wird als Feind der Indra- und Varuna-[Zuordnungen] bezeichnet. [Die Zuordnung ist hier textlich nicht widerspruchsfrei.]
3.38 Wasser ist der Erde Freund, Feuer ihr Feind. Raum sei mit allem befreundet; eine widerstreitende Verbindung soll man nicht pflegen.
3.39 Acht Linien ziehe man mit ihren Enden nach Osten, elf Linien durch die Mitte in Nord-Süd-Richtung, bis zur südlichen Grenze.
3.40 Damit ist Kulakula erklärt. Höre nun das Tara-Chakra: Man zeichne vier Linien in Nord-Süd-Richtung.
3.41 Zehn Linien sollen nach Westen ausgerichtet sein, du von Viras Verehrter. Dann trage man die Mondhäuser in ihrer Reihenfolge, beginnend mit Ashvini, ein.
3.42 In ihre Felder schreibe man die Buchstaben in der nun zu erklärenden Folge: zwei, eins, drei, vier, eins, eins, zwei,
3.43 eins, zwei, eins, zwei, zwei, zwei, eins, zwei, drei, Mond [eins], Augen [zwei], verschieden, Mond [eins]. [Die Zahlenreihe ist teilweise gestört.]
3.44 Mond–Paar, Mond–Paar, Rama–Veden [eins–zwei, eins–zwei, drei–vier] in die günstigen Häuser. Die Buchstaben und Vokale stehen der Reihe nach; Revati und Ashvini betreffen dabei beide [das Ende und den Anfang]. [Der Satzschluss ist unsicher.]
3.45 Die beiden A-Laute stehen in Ashvini und gehören zur Göttergruppe. I steht in Bharani; die U-Laute vollständig in Krittika. [Die Zuordnung der Zwischenlaute ist nicht ausdrücklich erläutert.]
3.46 Krittika gehört zur Rakshasa-Gruppe auf Erden und vernichtet alle Hindernisse. Das Nasen- und Wangen-Mantra [die entsprechenden Laute] gehört zu Rohini, deren Gestalt der Herr ist.
3.47 Im Bereich der Oberlippe steht Mrigashiras, das als göttlich bezeichnet wird. Der Unterlippenlaut gehört zu Ardra, das menschliche Kennzeichnung besitzt.
3.48 Das Zahnpaar wird von Punarvasu umfasst, menschlich und liebenswert. Ka gehört zu Pushya, das als göttlich zu erkennen ist; Kha und Ga zu Ashlesha, das rakshasisch ist.
3.49 Gha und Nga stehen in Magha; Cha in Purva-Phalguni; Chha und Ja in Uttara-Phalguni. [Die Phalguni-Mondhäuser] werden als menschlich bezeichnet; die genaue Aussage zu Magha ist unklar.
3.50 Jha und Nya stehen in Hasta, das zur Göttergruppe gehört; retroflexes Ta und Tha in Chitra, das rakshasisch ist; retroflexes Da in Svati, einer göttlichen Geliebten; retroflexes Dha und Na in Vishakha, das rakshasisch ist.
3.51 Dentales Ta, Tha und Da werden von Anuradha geschmückt, einer göttlichen Führerin. Dha gehört zu Jyeshtha, das als rakshasisch gilt; Na, Pa und Pha zu Mula, das ebenfalls rakshasisch ist.
3.52 Purvashadha ist menschlich und trägt den unvergänglichen Buchstaben Ba als Girlande. Bha gehört zum menschlichen Uttarashadha; Ma wird Shravana zugeordnet.
3.53 Dhanishtha trägt Ya und Ra und ist eine Rakshasa-Gestalt; Shatabhishaj steht in La und ist ebenso. Va und Sha gehören zu Purva-Bhadrapada und werden als menschlich bezeichnet.
3.54 Ebenso ist Uttara-Bhadrapada menschlich und heilbringend. Aṃ, Aḥ, [das unsichere] Ḷha und Ksha gehören zu Revati, das als göttliches Mädchen bezeichnet wird.
3.55 In derselben Gruppe besteht höchste Zuneigung, in verschiedenen Gruppen mittlere. Zwischen Rakshasa und Mensch droht Vernichtung, zwischen Danava und Gott Feindschaft.
3.56 Man zähle wiederholt: Geburt, Gedeihen, Gefahr, Sicherheit, Gegenfeind, Bewirkendes, Tötung, Freund und höchster Freund.
3.57 Zu meiden sind das Geburtsmondhaus sowie das dritte, fünfte und siebte. Günstig sind das sechste, achte und neunte sowie das zweite und vierte. [Der letzte Zahlenausdruck ist redundant überliefert.]
3.58 Wenn der vorzügliche Zweimalgeborene sein eigenes Geburtsmondhaus nicht kennt, leite er aus dem Anfangsbuchstaben seines Namens sein entsprechendes, nicht widerstreitendes Mondhaus ab.
3.59 Dieses zugrunde legend, soll der Mantrapraktizierende Günstiges und Ungünstiges abzählen. Der Verständige zähle im Uhrzeigersinn vom Anfangsbuchstaben des Praktizierenden aus.
3.60 So habe ich dir, o Herr, mein Selbst, Herr der Menschen, das unbegrenzt genannte Kulakula und das Tara-Chakra als Eigenschaftsprüfung des Mantras erklärt.
3.61 Das Tara-Mantra gleicht einer Lampe und dem Nektar in einem Juwelengefäß. Durch diese Prüfung erlangt der Mensch große Vollendung.
3.62 Nun werde ich das Rashi-Chakra, das vorzügliche Kennzeichen der Vollendung, erklären. Der Reihe nach ziehe man zwei Linien in Ost-West-Richtung.
3.63 Durch deren Mitte ziehe man zwei weitere Linien, dann Linien nach Südosten und Süden sowie der Reihe nach nach Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten. [Die Richtungsfolge ist teilweise redundant.]
3.64 Man trage alle Buchstaben in die Tierkreiszeichen vom Widder bis zu den Fischen ein und schreibe die mit Sha beginnenden Buchstaben sorgfältig in das Haus der Jungfrau.
3.65 Der vorzügliche Praktizierende zähle vom Aszendenten bis zum Haus des Verlusts. Er verehre die Mantras, deren Gottheitsfelder zum eigenen Tierkreiszeichen passen.
3.66 So ist die Reinheit der Tierkreiszeichen zu erkennen; Feind-, Todes- und Verlusthaus sind zu meiden. Die Verständigen zählen vom eigenen Zeichen bis zum Zeichen des Mantras.
3.67 Vom Buchstaben des Praktizierenden bis zum Tierkreiszeichen des Anfangsbuchstabens des zu Verwirklichenden zähle man: Das erste, fünfte und neunte gilt als Verwandter.
3.68 Das zweite, sechste und zehnte wird als Diener bezeichnet; das dritte, elfte und siebte als Ernährer.
3.69 Das zwölfte, achte und vierte dagegen töten und bringen alle Fehler hervor. Bei Shakti-[Mantras], Mahadeva, soll der Entsagende als Kronjuwel des Kula
3.70 das sechste, achte und zwölfte Haus meiden. Aszendent, Vermögen, Geschwister, Verwandte, Kinder, Feinde, Ehepartner,
3.71 Tod, Dharma, Tätigkeit, Gewinn und Verlust: Dies sind die zwölf Tierkreis-[Häuser]. Entsprechend ihren Namen sind ihre günstigen und ungünstigen Früchte anzugeben.
3.72 Bei Vishnu-[Mantras] wird an der Stelle des großen Feindes ein Verwandter genannt. Nun werde ich das Kurma-Chakra erklären, das günstige und ungünstige Früchte bezeichnet.
3.73 Wer es kennt, kennt als vorzüglicher Gelehrter alle Schriften. Höre ehrfürchtig dieses Chakra, das selbst das Undurchdringliche durchdringt.
3.74 Das große Chakra hat Schildkrötengestalt und vier Füße. Auf dem Kopf stehen die Vokale, auf dem rechten Fuß die Ka-Gruppe, auf dem linken Fuß
3.75 die Cha-Gruppe; auf einem unteren Fuß die retroflexe Ta-Gruppe, darunter die dentale Ta-Gruppe; im Bauch die Pa-Gruppe.
3.76 Im Herzen steht Ya bis Va, in der Mitte des Rückens [die Reihe] bis Sa und Ha; am Schwanz das Feind-Bija und in der Mitte des Geschlechtsorgans Ksha.
3.77 Nach dem Zeichnen zähle der Mantrapraktizierende in diesem Chakra, das die Befleckung des Kali-Zeitalters fortnimmt. Bei einem Vokal ist Gewinn, in der Ka-Gruppe Glück, in der Cha-Gruppe Unterscheidungskraft.
3.78 In der retroflexen Ta-Gruppe erlangt man Königswürde, in der dentalen Ta-Gruppe Reichtum. Im Bauch droht vollständige Vernichtung, im Herzen vieles Leid.
3.79 Am Rücken besteht allseitige Zufriedenheit, am Schwanz gewiss Tod; im Bereich des Geschlechtsorgans Wohlstand, am linken Fuß Leid. [Zum Bereich des Geschlechtsorgans steht eine unsichere Rücken-Variante.]
3.80 Bei zwei widerstreitenden Ergebnissen soll man die Chakra-Prüfung nicht weiterverfolgen. Bei einem Widerspruch wird Dharma zerstört; bei einem doppelten Fehler droht Tötung.
3.81 Wenn dort, wo der Buchstabe der Gottheit steht, auch der eigene Buchstabe steht und die Stelle feindlich ist, verwerfe man dieses feindliche Mantra und prüfe ein anderes.
3.82 Wenn die Buchstaben an getrennten Orten stehen, Maheshvara, und dies eine glückliche Konstellation bildet, soll man das Glückbringende nicht verwerfen.
3.83 Wenn in verschiedenen Häusern ein Fehler vorliegt, soll man selbst ein sonst günstiges Mantra aufgeben. So wurde dir erklärt, o Gott [die Vorlage bietet auch „Göttin“], was sichtbare und unsichtbare Früchte schenkt.
3.84 Wer als Herr der Mantra-Reihe den Buchstaben prüft und entsprechend verfährt – wenn der König der Chakras sich als rein erweist, ist dies heilvoll und schenkt Mantravollendung. [Die Syntax ist unregelmäßig.]
3.85 Nun werde ich das Shiva-Chakra erklären, Mahakala, Herr des Kula. Durch die Kraft dieses Chakra erlangt man gewiss Vollendung.
3.86 In die Mitte eines Sechsecks zeichne der Verständige ein Viereck und darin ein weiteres schönes Viereck mit Buchstaben.
3.87 In das obere Dreieck setze man das Mantra des Shiva-Bereichs und zähle alle Mantras im Uhrzeigersinn.
3.88 Im Vishnu-Bereich, dem zweiten Dreieck, steht dessen eigenes Mantra; im dritten Dreieck das Mantra des Brahma-Bereichs.
3.89 In einem nach unten gerichteten Dreieck liegt der Bereich der Shakti-Mantras; ebenso wird der Bereich der Nayika-Mantras einem nach unten gerichteten Dreieck zugewiesen.
3.90 Der seltene, heilvolle Bereich der Nayika-Mantras liegt links davon; im darüberliegenden Dreieck das Mantra des Bhuta-Bereichs. [Die Wiederholung gegenüber Vers 89 bleibt bestehen.]
3.91 Unter Shiva liegt der schwer zugängliche Bereich der Yaksha-Mantras; an der Verbindung von Vishnu und Brahma liegt gewiss die Stätte der Mahavidya.
3.92 Höre nun den Ort der Vokale und der übrigen Buchstaben, großer Herr. Im Shiva-Bereich stehen A und Ā sowie die Ka-Gruppe mit Bindu.
3.93 Im Vishnu-Bereich stehen die Augen-[Vokale] und die Cha-Gruppe; die retroflexe Ta-Gruppe wird Brahma zugeordnet. In der Shakti stehen Nasen-[Vokale] und die dentale Ta-Gruppe, den Sinn aller Mantras belebend.
3.94 Im Nayika-Bereich steht die Pa-Gruppe; „nicht das Paar“ heißt es dazu [unklare Lesung]. Im Bhuta-Bereich schreibe man Ya bis Va zusammen mit Ober- und Unterlippen-[Vokal].
3.95 Beim Yaksha-Mantra wird der Pranava und Sha angegeben. Im Pishacha-Bereich der untere Zahn-[Vokal], mit retroflexem Sha verbunden und mit Bindu geschmückt.
3.96 Beim Deva-Mantra stehen das Shiva-Bija und Sa mit Bindu. Im Bereich der Mahavidyas werden La und Ksha genannt.
3.97 So habe ich es dir erklärt, Shambhu. Höre nun die Darlegung der Buchstabenzahlen: Bei Shiva einundzwanzig, im Vishnu-Winkel zweiunddreißig,
3.98 bei Brahma sechzehn; beim Shakti-Kuta „Paar–Acht“; bei der Nayika „Feuer–Pfeile“; beim Bhuta „Sieben–Ziffer“. [Die symbolischen Zahlenwörter werden hier bewahrt; ihre Stellenfolge ist nicht sicher aufzulösen.]
3.99 Beim Yaksha „Mond–Veden“, beim Pishacha „Acht–Vasus“, bei allen Devas „Pfeile–Veden“, bei Kritya „Sechs–Sechs“.
3.100 In der Mitte, im sechsten [Feld], Feuer, im heilvollen Haus der Mahavidya. Für Praktizierenden und Gegenstand der Praxis [steht] eine Zahl im Haus des zu Verwirklichenden. [Die Rechenanweisung ist gestört.]
3.101 Die Zahl des Praktizierenden oben, die des zu Verwirklichenden unten soll man berechnen. Bei Shiva ist „Arme–Paar“ angegeben, bei Vishnu „Vama–Acht“.
3.102 Bei Brahma „Rishis–Mond“, bei Shakti „Rama–Acht“, bei Nayika „Veden–Pfeile“, bei Bhuta „Acht–Neun“.
3.103 Bei Yaksha „Paar–Vier“, bei Pishacha „Vajra–Acht“; bei Shakti sind die beiden „Vasha–Krita“ zu erkennen; bei Kritya [Variante: Laya] „Weise–Sechs“. [Mehrere Zahlencodes sind unklar.]
3.104 In welchen Häusern die Gottheiten von großer Frucht stehen, dort gilt der im Körper des Namensbuchstabens befindliche Buchstabe als verdoppelt. Verbunden mit der Zahl des zu Verwirklichenden, vervielfache man durch Sechs und Fünf. [Die Vorlage enthält eine isolierte Zusatzsilbe und eine gestörte Namensbezeichnung.]
3.105 Dieses Haus soll man sorgfältig erfassen, entsprechend dem Anfangsbuchstaben der Gottheit. Bei einem Buchstaben mit Rest eins soll man keine weitere Prüfung vornehmen.
3.106 Dies erkenne man als rein; eine andere Prüfung [verbindet] die Zahl Sechs, die Vedenzahl [vier] und den Buchstaben der Gottheit.
3.107 Die Mondzahl, die gemischte Zahl und der verdoppelte Gottheitsbuchstabe [sind zu berücksichtigen]. Danach bilde man die Zahl und teile durch Rama [drei], Geliebter. Wenn die Zahl des zu Verwirklichenden größer ist, ist dies nicht günstig.
3.108 Wenn dagegen die Zahl des Praktizierenden größer ist und sich im Haus ergibt, wird er zum Herrn aller Kulas, Rudra. [Der letzte Ausdruck über Hören und Zweifel ist beschädigt.]
3.109 Den verdoppelten Gottheitsbuchstaben verbinde man mit der Zahl des Praktizierenden. Der vorzügliche Praktizierende schreibe die Buchstabenzahl auf und berechne sie.
3.110 Man vervielfache durch „Geschmäcker–Pfeile“ [Sechs–Fünf] und teile durch die Zahl der Geschmäcker [sechs]. Danach vermische man mit der eigenen Zahl; wenn nichts übrig bleibt,
3.111 füge man auch die verdoppelte Zahl des eigenen Namens hinzu. Anschließend teile man durch die Feuerzahl [drei], zur Befreiung dessen, der Glück wünscht.
3.112 Die größere Zahl auf Seiten des Praktizierenden ist anzunehmen und bringt ihm Glück. Ist die Zahl des zu Verwirklichenden größer, ist sie nicht anzunehmen: So lautet die Entscheidung der Schrift.
3.113 Durch die Prüfung dieses Chakra erlangt man gewiss Königsherrschaft. Bei gleicher Zahl soll man [das Mantra] annehmen, die zu multiplizierende Zahl dagegen hier verwerfen. [Die letzte Vorschrift ist nicht eindeutig.]
3.114 Dieses Chakra muss von Göttern und Asuras unbedingt geheim gehalten werden. Nun werde ich das Vishnu-Chakra erklären, kreisförmig und gut verborgen.
3.115 Nachdem man das reine, alle Vollendung und Frucht gewährende Chakra gezeichnet hat, höre, o Herr, die heilbringende Stätte des großen Vishnu.
3.116 Sie ist Lakshmi lieb, aus Zahlen gebildet, neunwinklig und von großem Glanz. Man zeichne sie darüber und darüber die günstigen acht Grahas beziehungsweise Felder.
3.117 Man zeichne ein viereckiges Haus und an den Verbindungen acht Nullen; darüber zeichne man jenes Chakra, Herr des Reichtums.
3.118 Im Osten befindet sich die Zierde Mahendras, oben mit strahlender Hand. Die mit „Weise–Rama–Raum–Mond“ [Sieben–Drei–Null–Eins] beginnende Zahl schenkt alles Gedeihen.
3.119 Im Süden steht der Feuer-Bereich mit „Geschmäcker–Veden–Raum–Paar“ [Sechs–Vier–Null–Zwei]. Darunter das Rama-Chakra und „Sieben–Sechs–Rama“ [Sieben–Sechs–Drei].
3.120 Darunter, im Nairrita-Bereich, „Zeitalter–Ziffer–Null–Veden“. Unmittelbar darunter befindet sich das sehr schöne Haus des Wasserherrn.
3.121 Es ist mit „Rama–Null–Pfeile“ versehen; links davon liegt das Windhaus mit „Arme–Hände–Raum–Geschmäcker“. Dieses Chakra hat das Wesen des Herrn. [Die Zahlenwörter bleiben wegen unsicherer Anordnung unaufgelöst.]
3.122 In die Mitte des Neunecks zeichne man einen fünfgliedrigen Bereich. Darin setze man die Buchstaben in das Fünfeck und das Dreieck.
3.123 Unter Indra schreibe der Besonnene die ersten sieben Buchstaben; im südlichen Winkelbereich trage man die mit Ṛ beginnende Reihe ein.
3.124 Darunter schreibe der Verständige die Buchstaben von Ka bis zum retroflexen Ta; links davon die Reihe vom retroflexen Tha bis Ma, als Grundlage der Buchstabenkennzeichnung.
3.125 Darüber die mit Ya beginnenden Buchstaben; dann berechne man das Chakra. Herr des östlichen Winkels ist Indra, Herren des zweiten sind Yama und Feuer.
3.126 Nirriti und Varuna sind Herren des dritten Hauses; Vayu und Kubera werden als Herren des vierten genannt, o Herr.
3.127 Herr des fünften Hauses ist Isha, der Allwissende, dessen Gewand der Raum ist. In den fünf Winkeln stehen sie, in den fünf Elementen gegründet.
3.128 Bei Prana erlangt man Vollendung, bei Apana wird man von Krankheit bedrängt; bei Samana entsteht aller Wohlstand, bei Udana wird man mittellos.
3.129 Bei Vyana erlangt man den Herrn: Dies ist hier das günstige Kennzeichen. Wer das große Mantra im östlichen Haus [behandelt] und das Mantra aufgibt,
3.130 ist insofern ein vorzüglicher Praktizierender auf dem Vishnu-Weg, Shankara. [Der Anschluss an „aufgibt“ ist gestört.] Höre sorgfältig die besondere Erklärung und nimm sie aufmerksam auf.
3.131 Wenn die siebte, dritte und zehnte Silbe zusammen mit dem Anfangsbuchstaben im östlichen Haus stehen,
3.132 entsteht Vollendung; alles ist auf diese Weise zu behandeln. Die sechste Silbe, der vierte Buchstabe und das zwanzigsilbige große Mantra
3.133 samt dem Anfangsbuchstaben der Überlieferung soll der Verständige als fruchtbar berechnen. Ebenso ist in meinem Haus ein siebensilbiges Mantra günstig.
3.134 Auch die sechste und die dreißigste Silbe soll man berechnen, verbunden mit dem Anfangsbuchstaben sowohl des zu Verwirklichenden als auch des Praktizierenden.
3.135 Wenn auch nur eines davon [günstig] getroffen wird, ist die Mantravollendung ungebrochen. Den Treffer des Mantrabuchstabens und der weiteren Angaben muss man hier berechnen.
3.136 Im Bereich von Nirriti und des Wasserherrn sind das Zweite und das Neunte sowie „Null–Gottheitsbuchstabe“ von den Verständigen zu berechnen, o Herr.
3.137 Ebenso soll man hier das Silben-Mantra, das fünfsilbige Mantra und das fünfzigsilbige Mantra im Haus als günstig berechnen. [Die erste Mantrabezeichnung ist unklar.]
3.138 Im Windwinkel und im Haus Kuberas berechne man ebenso das zweiundzwanzigsilbige Mantra und das „Null–Sechs“-Mantra.
3.139 Das fünfsilbige Tara-Mantra und ebenso das fünfsilbige Shiva-Mantra werden beim Empfangen der sieben guten Mantras als fruchtbar bezeichnet. [Die Siebenerangabe ist unklar.]
3.140 Im fünften Winkel, bei Ishana, ist das neunsilbige [Mantra] fruchtbar. Der Verständige berechne ebenso die achtsilbige Vidya gemeinsam damit.
3.141 Man berechne, was hier gelehrt wurde, und pflege keine widerstreitende Verbindung. Samana ist Freund von Prana; Samana ist auch mit Vyana verwandt.
3.142 Das darin Stehende soll man annehmen; andernfalls kann man Fehler auf sich laden. Bei derselben Gottheit besteht Zuneigung, Geliebter, und im selben Haus ebenso günstige Nähe.
3.143 Indem er [ein solches Mantra] annimmt, erlangt der Mensch augenblicklich Vishnus Stätte. Wenn er hingegen ohne Chakra-Prüfung stets ein feindliches Mantra einsetzt,
3.144 verkürzt er sein eigenes Leben und wird gewiss stumm. Wenn er dagegen sorgfältig das in allen Chakras Günstige und Heilsame geprüft hat,
3.145 wird das große Mantra auf Erden rasch vollendet, Mahadeva.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Anwendung aller Chakras, im Abschnitt über vollendete Mantras und bei der Bestimmung des Bhava, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das dritte Kapitel.
Kapitel 4: Weitere Chakras der Mantraprüfung

4.1 Die erhabene Bhairavi sprach: Nun werde ich ein weiteres Chakra erklären. Höre ehrfürchtig, Bhairava! Ohne dieses gelangen die segenspendenden Mahavidyas nicht zur Vollendung.
4.2 Dein Chakra wurde von Brahma offenbart und Brahma-Chakra genannt. Durch seine Kenntnis erschafft Brahma selbst aus eigener Kraft die Welt.
4.3 Es nimmt vorzeitigen Tod hinweg und führt zur höchsten Brahman-Stätte. Man zeichne in ein Viereck ein weiteres Viereck und darin viermal vier [Felder].
4.4 Das mittlere Haus umgebe man mit dem vorzüglichen Haus der erwählten Gottheit. In das Achteck schreibe man, Mahadeva, die sechzehn Vokale.
4.5 Der Verständige umgebe das Achteck mit zwei Kreisen. In das mittlere viereckige Haus schreibe er die Buchstaben von Ka bis Ksha.
4.6 Der vorzügliche Praktizierende schreibe sie im Uhrzeigersinn. Darüber trage der Verständige im jeweiligen Haus die Zahl ein und berechne sie.
4.7 Oberhalb der vier Häuser schreibe er in die gepaarten Häuser der Reihe nach für das zu Verwirklichende und den Praktizierenden die Zeichen vom Widder bis zur Jungfrau.
4.8 Darunter schreibe er die mit Waage beginnende Reihe bis zum Ende; so ist die heilvolle Tierkreisanordnung. Dann schreibe er rechts vom Haus in die gepaarten Häuser, Maheshvara,
4.9 die Mondhäuser von Ashvini bis zum Ende, rechts beginnend. Nach der Buchstabenfolge schreibe er sie in das Mandala der vier Häuser.
4.10 Oben und unten sind der Reihe nach die zugehörigen Stern-[Felder] einzutragen, Herr der Götter. Dann verbinde der Mantrapraktizierende die Angaben der Reihe nach und zähle.
4.11 Glück, Königsherrschaft, Reichtum, Wachstum, Streit, Begegnung mit dem Tod, Vollendung und Gedeihen: Diese günstigen und ungünstigen Ergebnisse erkenne er in den acht Winkeln.
4.12 Man berechne Tierkreiszeichen und Mondhaus und meide [die unklare Angabe manucāha]. Im Glücksfeld erlangt man Glück, im Königsfeld Königsherrschaft.
4.13 Im Reichtumsfeld erlangt man Reichtum, im Wachstumsfeld Wachstum. Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe und Jungfrau sind als Gottheiten zu erkennen. Höre nun die Mondhäuser.
4.14 Höre, großer Herr, welche Mondhäuser sich rechts und links in den oberen gepaarten Häusern befinden.
4.15 Ashvini, Mrigashiras, Ashlesha, Hasta und Anuradha sowie Uttarashadha, Ardra oder Purva-Bhadrapada.
4.16 Die rechts vorn stehenden Sterne sind offenbare Gottheiten. Ihre Herren sind diese Tierkreiszeichen in Gestalt der Grahas.
4.17 Krebs, Löwe und Jungfrau werden als ihre Gottheiten bezeichnet. Diese Tierkreiszeichen sind auch Herren der folgenden Buchstaben:
4.18 Ka [Variante: retroflexes Dha], Kha, Nya, retroflexes Ta, Da, Pha, Ya und Sa,
4.19 auch Na; ihre Herren sind der Reihe nach zu erkennen, o Herr. Höre nun: Rohini, Pushya und Uttara-Phalguni,
4.20 ferner Vishakha, das Mondhaus Purvashadha und Shatabhishaj befinden sich in den Abteilungen des linken Hauses.
4.21 Ihre Herren sind diese Tierkreiszeichen in Graha-Gestalt: Widder, Stier und Zwillinge werden als ihre Herrscher genannt.
4.22 Sie bewahren die in diesem Haus stehenden Buchstaben [die Zeitangabe ist unklar]: Ka, Na, Ṛ und U,
4.23 A, Pa, Ma, Va und Ha. Dies sind deren Herren; sie gewähren Gedeihen und Befreiung.
4.24 Die Gottheiten des unteren rechten Hauses sind die Tierkreiszeichen Waage, Skorpion und Schütze, die Herren der Grahas.
4.25 Als Herren folgender Mondhäuser werden sie von mir genannt: Bharani, Ardra, Magha, Chitra, Jyeshtha und Shravana,
4.26 ebenso Uttara-Bhadrapada. Höre nun die in diesem Haus stehenden Buchstaben, o Herr, der die Furcht fortnimmt.
4.27 Ya, Da, retroflexes Ta, Na, Dha, Va, Cha und Ya –
4.28 und Ksha: Als ihre Herren werden diese Tierkreiszeichen bezeichnet, die beständig Wohlstand und Unterhalt gewähren und in ihrer bleibenden Stätte wohnen.
4.29 Herren des unteren linken Hauses sind die Tierkreiszeichen, beginnend mit Steinbock bis Fische, in den unteren Feldern, die Früchte des Tierkreises tragend.
4.30 Mit Speer, Schlinge und Schwert bewahren sie diese Mondhäuser: Punarvasu, Krittika und Purva-Phalguni,
4.31 Svati, Mula, Dhanishtha und Revati im linken Haus. Ihre Herren sind diese im Wasser befindlichen Graha-Gottheiten.
4.32 Die im Haus stehenden neun [so die Vorlage] Tierkreiszeichen bewahren folgende Buchstaben: Dha, Ja, retroflexes Ta und dentales Ta,
4.33 Na, Bha, La und Ta. Sie bewirken schwere Fehler wie Streit und die Begegnung mit dem Tod.
4.34 Diese Tierkreiszeichen vernichten Menschen, o Herr; ein solches Mantra ist zu meiden. Wenn ein Haus derselben Gottheit [vorliegt], ist auch ein getrenntes [Feld] sehr günstig.
4.35 Vier Orte und gepaarte Orte wirken überall verbietend. Ein im selben Haus stehendes Mantra schenkt großes Glück. [Die Abgrenzung gegenüber Vers 34 bleibt unklar.]
4.36 Wenn Tierkreiszeichen und Mondhaus unbekannt sind, nehme der vorzügliche Praktizierende den Anfangsbuchstaben des Namens samt seiner Zuordnung. Im Streitfeld entsteht Streit.
4.37 Ist es feindlich, werden die Wurzeln vernichtet und es entsteht Streit, Herr der Götter. Löwe und Jungfrau bewahren die beiden Augen-Vokale.
4.38 Waage bewahrt das Ohrenpaar; Skorpion und Schütze ein verbundenes Paar. Steinbock bewahrt das „Cha-Paar“; auch Wassermann und Fische bewahren [die ihnen zugehörigen Laute]. [Die Bezeichnungen sind teilweise gestört.]
4.39 [Ein Zeichen] bewahrt die Oberlippe, Widder die Unterlippe. Stier bewahrt das Zahnpaar, Zwillinge die übrigen Buchstaben.
4.40 Welche Tierkreiszeichen jemandem entsprechen, diese gelten für ihn als günstig. Dasselbe Tierkreiszeichen schenkt stets Heil und Wunscherfüllung.
4.41 Anderes wird als leidbringend bezeichnet; der Praktizierende soll an Vollendung teilhaben. Bei verschiedenen Zeichen sind Streit und Todesbegegnung zu meiden.
4.42 Höre, Herr der Bergestochter, das erhabene Chakra, dessen Wesen die Götter sind. Man zeichne sechs Linien in Ost-West-Richtung.
4.43 Von links nach rechts zeichne man zehn Linien. In die fünf Häuser kommt die Multiplikationszahl, ganz unten die Divisionszahl.
4.44 Dazwischen zeichne man die Buchstaben, verbunden mit Gottheiten und Grahas. Im mittleren Haus trage man als Multiplikationszahl die sieben Rishis [sieben] ein.
4.45 Rechts davon zwölf, weiter rechts sechs, dann achtzehn und danach sechzehn.
4.46 So sind die Multiplikationszahlen einzutragen; rechts die mit Indra beginnenden Zahlen. In Indras Haus steht hundert, was die Frucht von Vorschrift und Vidya gewährt.
4.47 In Dharmas Haus schreibe der Verständige „Null–Sieben–Paar“, in Anantas Haus „Null–Acht–Vasus“.
4.48 In Kalis Haus schreibe man „Null–Veden–Vama“ und die folgenden Zahlen, in Dhumavatis Haus „Null–Raum–Mond“.
4.49 Rechts sind die mit Indra beginnenden Gottheiten einzutragen, die Zahlen haben Chandra als übergeordnete Gottheit. „Null–Acht–Mond“ verbunden [trage man ein]; überall schreibe man die Gottheit.
4.50 Ebenso die beiden Ashvini-Kumaras mit „Null–Feuer–Paar–Paar“; danach das östliche Haus, versehen mit „Tausend–Sonne“.
4.51 Die Zahl im Haus der Tarini ist „Null–Veden“; im Haus Bagalamukhis „Null–Acht–Mond“.
4.52 Unterhalb des Mondhauses liegt das schöne Haus Vayus mit „Öffnungen–Veden“; es schenkt alle Vollendung.
4.53 Das Rahu-Haus ist sehr unheilvoll, mit „Null–Null–Weise“. Danach steht zusammen „Hand–Raum–Null–Paar“.
4.54 Im Haus der Shodashi steht „Null–Acht–Mond“, im Haus Matangis „Null–Rudras–Mond“.
4.55 Unter Vayu liegt Varunas Haus mit „Sieben–Mond“. Im Haus der Taruni steht „Null–Acht“.
4.56 Die Zahl in Budhas Haus ist „Null–Mond–Paar“; im Haus Bhuvaneshi steht „Null–Acht–Mond“.
4.57 Unter Varuna liegt Kuberas Haus mit „Sechs–Paar“; im Haus Anantabhairavis wird zehn angegeben.
4.58 Im Haus der Dharani steht „Null–Paar–Mond“, in der Mitte des Bhairavi-Hauses ebenfalls „Null–Paar–Mond“.
4.59 Im Tierkreis-Haus steht „Null–Rishis–Mondscheibe“. Unter Kubera liegt die Zahl des eigenen Chakra, die alle Vollendung schenkt.
4.60 Im Haus Ishvaras steht „Sieben–Null–Paar“, im Haus Tiraskarini eine Tausenderzahl.
4.61 Danach das Haus Kinkini mit „Acht–Mond“, dann das Haus Chhinnamasta mit „Null–Acht–Mondscheibe“.
4.62 Danach Vagishvaris Haus mit „Sieben–Mondscheibe“, große Frucht gewährend; Dharma schützt es wiederum.
4.63 Unter dem Haus Ishvaras liegt das Haus Batukas; sein eigenes Haus beginnt mit „Null–Acht“ und schenkt die vier Lebensziele.
4.64 Danach folgt das Dakini-Haus mit „Raum–Null–Weise“. Es vernichtet augenblicklich das Glück des Praktizierenden, daran besteht kein Zweifel.
4.65 Im eigenen Haus wird das eigene Mantra jedoch als fruchtbar bezeichnet. Danach folgt das Haus der Göttin Bhima mit „Raum–Sieben–Mondscheibe“.
4.66 Es ist überall furchtbringend; ein anderes Haus ist zu meiden. In die beiden letzten Häuser schreibe der vorzügliche Gelehrte La und Ksha.
4.67 Der Besonnene schreibe vom Indra-Haus an die Buchstaben von Va bis Ksha ein; dann berechne der Praktizierende.
4.68 Die Multiplikationszahl schreibe man oben, die Divisionszahl unten. Wo der Buchstabe des eigenen Namens steht, nehme man dessen Feldzahl, Maheshvara,
4.69 und vervielfache sie mit der über dem jeweiligen Haus stehenden Zahl. Danach dividiere man durch die untere Zahl und bestimme den Rest, o Herr. [Die Vorlage hat bei „vervielfache“ eine ungewöhnliche Verbform.]
4.70 Wenn die Zahl der Gottheit größer ist, gilt ihr Anteil als heilvoll; die kleinere Zahl wird für den Praktizierenden als günstig und glückbringend bezeichnet.
4.71 Bei demselben Buchstaben entsteht großes Glück; auch dort soll man das Gesagte berechnen. Wenn die Zahl des Besonnenen und ebenso die der Gottheit null ergeben,
4.72 darf man das nicht als günstig erkennen; es gilt als unheilvoll. Bei eins erlangt man Vermögen, bei zwei wird man zum Günstling des Königs.
4.73 Bei drei entsteht Japa-Vollendung, bei vier gewiss Tod; bei fünf entsteht „fünffaches Maß“ [unklar], bei sechs heftiges Leid.
4.74 So wird die Zahl für Shaiva- und Shakta-Buchstaben angenommen. Bei Vishnu-Mantras ist im Verbotsfall die fünfte Zahl ausschließend.
4.75 Bei den Gottheiten, in deren Bewusstsein Gewalt gegenwärtig ist, wird man bereits durch das Annehmen ihres Mantras mit den acht Herrlichkeiten versehen.
4.76 Wer sich auf eine bestimmte Gottheit stützt, verwendet die Zahl ihres Hauses. Stets multipliziere man mit der oberen Zahl und dividiere durch die untere.
4.77 Nun erkläre ich das große Rini-Dhani-Chakra. Höre es in Wahrheit! Schon durch den Anblick des Felderdiagramms erkennt man das aus einer früheren Geburt Herrührende.
4.78 Wenn man die Gottheit in den vielfältigen Gliederungen erkennt, wird man zum Herrn der Siddhis. Nimmt man die eigene, zu verehrende Mahavidya an, erlangt man Befreiung.
4.79 Die Leiden der vorzüglichen Zweimalgeborenen, die ein durch das Felderdiagramm gereinigtes Mantra annehmen, werden vernichtet. Mein Gebot ist äußerst mächtig.
4.80 Ein durch das Felderdiagramm gereinigtes großes Mantra trägt Frucht, Rudrabhairava. Man soll ein großes Mantra, das man durch die beglückende Begegnung mit einem wahren Guru empfängt, nicht aufgeben.
4.81 Dort ist die Felderprüfung nicht nötig; wer sie kennt, mag dennoch prüfen. Wer die Mahavidya und das große Mantra prüft, erhält zehnmillionenfaches Verdienst.
4.82 Auch ohne Prüfung schenkt Kamasundari die genannte Frucht. Die elf Felder sind mit der Gottheit erfüllt.
4.83 Der Wirklichkeitskenner schreibe A bis Ha in die Felder; zuerst in die fünf ersten Felder nach der Reihenfolge kurzer und langer Vokale.
4.84 Bei der Prüfung schreibe der Praktizierende dort jeweils zwei hinein; in die übrigen Felder schreibe der Verständige der Reihe nach je einen Buchstaben.
4.85 Bis zur Hälfte des Buchstabenpaares „A–Ma“ [unsichere Lesung] stehen der Reihe nach die Zahlen. In das erste Haus schreibe der Verständige sechs.
4.86 In das zweite ebenfalls das Zeichen sechs, ebenso in das dritte; in das vierte die Raumzahl [null], in das fünfte drei Kreise [drei].
4.87 In das sechste Feld vier, in das siebte ebenfalls vier, in das achte die Raumzahl [null], in das neunte zehn.
4.88 In die Mitte des letzten Hauses schreibe man drei. Dies sind, o Herr, der Reihe nach die Werte für die Buchstaben des zu Verwirklichenden. [Die elf angekündigten Felder sind in dieser Zahlenfolge nicht vollständig eindeutig zuzuordnen.]
4.89 Nun erkläre ich die Werte des Praktizierenden, die alle Ergebnisse bestimmen: im ersten Haus zwei, im zweiten drei,
4.90 im dritten fünf, im vierten und fünften Raum [null], im sechsten zwei, im siebten die Mondscheibe [eins],
4.91 im achten Raum [null], im neunten vier, im zehnten die Veden [vier], im elften der Mond [eins].
4.92 Dies sind die im Buchstabenkreis stehenden Werte des Praktizierenden. Die Buchstaben des zu Verwirklichenden, Mahadeva, trenne man in Vokale und Konsonanten.
4.93 So vervielfache man alle Mantrabuchstaben mit den mit Acht beginnenden Zahlen; nach Zusammenfassung dividiere man durch acht, Geliebter des Augenblicks. [Die Zahlenreferenz passt nicht eindeutig zur vorhergehenden Reihe.]
4.94 Der Buchstabe beziehungsweise Wert, der als Rest bestehen bleibt, ist beim heilvollen Mantra zu berücksichtigen. Die Buchstaben des Namens des Praktizierenden trenne man ebenfalls in Vokale und Konsonanten.
4.95 Höre nochmals deutlich die jeweils getrennt stehenden [Werte]: mit den Zahlen von zwei bis zur abschließenden Mondzahl versehen, dividiere man durch acht.
4.96 Ist die Zahl des Mantras größer, soll der Verständige das Mantra rezitieren. Auch bei Gleichheit rezitiere er es; bei Überwiegen der Schuldzahl soll er es nicht rezitieren.
4.97 Bei null erkenne man Tod; darum meide man null. Die mit zwei beginnende Zahlenreihe gilt bei Vishnu-Mantras als glückbringend.
4.98 Die mit zwei beginnende Zahlenreihe gilt bei Vishnu-Mantras als glückbringend; die mit zwei beginnende Zahlenreihe wird so bezeichnet. [Die Wiederholung steht in der Vorlage.]
4.99 Die mit Indra beginnende Zahl ist bei Sonnen- und Shakti-Mantras heilbringend, o Herr; ebenso die Zahl der Himmelsrichtungen [zehn] für den Praktizierenden.
4.100 Höre diese Zahlen sorgfältig; alles gilt wie zuvor. Der Ort und die unterschiedlichen Zahlen oben und unten [werden] der Reihe nach [bestimmt].
4.101 Die Zahlen des zu Verwirklichenden und des Praktizierenden vervielfache man mit der Hauszahl. Was nach Multiplikation und Division deutlich als Rest entsteht,
4.102 diese Zahlen in den elf Häusern erkläre ich hier: Indra, Sterne, Himmel, Sonne, Mondtage, Sechs, Veden und Feuer,
4.103 Acht, Vasus und Neun – mit diesen werden die Buchstaben des zu Verwirklichenden multipliziert. Himmelsrichtungen, Erde, Berg, Offenbarung, Elefanten, Feuer, Berge, Fünf,
4.104 Veden, Sechs und Feuer: Damit berechne man die Buchstaben des Praktizierenden. Vom Anfangsbuchstaben des Namens bis zum Buchstaben des Mantras
4.105 nehme man die Zahl, verdreifache sie und teile sie durch sieben. Das Übermaß wird Schuld genannt, der Rest Vermögen.
4.106 Oder man nehme nach einem anderen Verfahren das Mantra an: vom Anfangsbuchstaben des Namens bis zum Buchstaben des Praktizierenden [so die Vorlage],
4.107 diese Zahl versiebenfache der Verständige und teile sie durch „Vama“. Diese Berechnung gilt für Vidyas außer Shrividya. [Der Divisor ist nicht eindeutig aufgelöst.]
4.108 Oder noch anders: Der Praktizierende verdopple alle Buchstaben seines Namens, getrennt nach Vokalen und Konsonanten.
4.109 Dann füge er die nach Vokalen und Konsonanten getrennten Buchstaben des zu Verwirklichenden hinzu und teile die Zahl durch acht. Höre die Gestalt der Division.
4.110 Das zuvor beschriebene Verfahren gilt überall für günstig und ungünstig. Schon durch diese Prüfung entsteht die Vollendung, die sämtliche Ziele verwirklicht.
4.111 Man erlangt die Gottheit, die in einer früheren Geburt verehrt wurde. Nun werde ich ein anderes Verfahren erklären; nimm es aufmerksam auf.
4.112 Das Ulka-Chakra ist die Essenz aller [Chakras] und entscheidet über Fehler von Mantras. Es hat die Gestalt eines Fisches mit aufwärts gerichtetem Maul und verkörpert alle Mantras.
4.113 Vom Schulterbereich bis zum Schwanz, o Herr, stehen die Mantras von einer bis zwölf Silben.
4.114 Man schreibe sie auf den Rücken, um Günstiges und Ungünstiges zu klären. Dann [folgen] dreizehn- bis einundzwanzigsilbige Mantras.
4.115 Die Praktizierenden sollen das auf dem Rücken oder im Bauch stehende Mantra annehmen; es wird als glückbringend bezeichnet. Vom Hals bis zum Schwanzende
4.116 stehen die günstigen Mantras von zweiundzwanzig bis vierunddreißig Silben. Was im Schwanz oder im Maul steht, soll man dagegen keinesfalls annehmen. [Die Ortsangaben sind nicht widerspruchsfrei.]
4.117 Was im Kopf steht, soll man annehmen; höre seine Silbenzahl, o Herr: von fünfunddreißig bis [wohl zweiundvierzig; die Zahl der Vorlage ist gestört].
4.118 Das im Kopf Stehende wird als günstig bezeichnet. Höre die Silben des Maules: von dreiundvierzig bis einundfünfzig.
4.119 Das im Maul stehende Mantra ist ungünstig und niemals anzunehmen. Höre sorgfältig das auf dem Rücken Stehende, das sinnlose große Mühe bewirkt. [Dies widerspricht der früheren Rückenbewertung.]
4.120 Durch Mühe und körperliche Qualen wird die Gottheit ständig erzürnt. Von zweiundfünfzig bis einundsechzig Silben
4.121 stehen diese Buchstaben im Schwanz. Höre nun die im Auge Stehenden, Geliebter: von zweiundsechzig bis vierundsechzig Silben.
4.122 Diese Zahl befindet sich im Auge, das Weitere auf der Zunge. Dies alles gilt als günstig; es wird als eine andere [Prüfweise] bezeichnet.
4.123 Bei der Mantrarezitation von Vaishnavas, Shaivas und Shaktas sowie anderen Gottesverehrern schenkt es den Menschen Genuss und Befreiung.
4.124 Nun werde ich, Mahadeva, die schwer zugängliche Essenz des Chakra erklären: das Rama-Chakra, die große Vidya, die alle Häuser umfasst.
4.125 Man nehme das alle Vollendung gewährende Mantra an, das beim eigenen Namen steht. Dann erlangt man Vollendung, wahrlich, wahrlich, Maheshvara.
4.126 Höre seine Weise, Krodhabhairava, lieber Geliebter. Der Wissende schreibe neun Zahlen von links nach rechts.
4.127 Dazwischen setze er der Reihe nach siebzehn Zahlen und schreibe, rechts beginnend, die genannten Vidyas ein.
4.128 In alle Häuser schreibe er A bis Ksha und alle Gottheiten von Bala bis Bhramari.
4.129 In dem zum Raum gehörenden Haus ist [die Reihe] bis Sa stets fruchtgebend. Danach verfahre man in umgekehrter Richtung in den Häusern der Buchstaben von A bis Ksha.
4.130 Der Verständige schreibe von Raktadanta bis zum Shrividya-Mantra; dann schreibe er von Ksha an in umgekehrter Buchstabenfolge bis A.
4.131 Die übrigen Vidyas schreibe er stets in die verbleibenden Häuser: von den Verfahren, die mit der Körperreinigung beginnen, bis zum Mantra der Shailavasini.
4.132 Dann berechne der Praktizierende das in den fünfundzwanzig Häusern Stehende. Ich erkläre die Hauszahlen; höre, Geliebter des Herrn der Yogis.
4.133 Vom Haus der Bala bis zum letzten [Haus gelten die Angaben] „Weise–Hand–Mond“. Höre alles der Reihe nach und nimm es aufmerksam auf.
4.134 Der Verständige berechne im Uhrzeigersinn der Reihe nach: Vasus [acht], Sieben, Fünf, Pfeile [fünf], Feuer [drei], Veden [vier], Feuer [drei],
4.135 Weise [sieben], Sechs, [„Anfang“], Veden [vier], Sieben, Pfeile [fünf], Weise [sieben], Fünf, Veden [vier], Pfeile [fünf], Vasus [acht], Veden [vier], Pfeile [fünf], Feuer [drei].
4.136 Dann Feuer [drei] und Veden [vier], danach Raum [null]; im Haus nach Raum wird Feuer [drei] angegeben.
4.137 Höre danach, von rechts ausgehend, sämtliche Zahlen in allen Häusern: Feuer, Feuer–Veden–Feuer, Veden–Feuer,
4.138 Ohren–Augen–Veden–Pfeile, Veden–Pfeile–Sieben; Sechs–Acht–Sieben; Feuer–Feuer–Pfeile–Weise,
4.139 Weise–Pfeile–Pfeile–Veden, Weise–Feuer–Feuer; Feuer–Veden–Pfeile–Sieben, Acht–Ziffer–Veden–Pfeile,
4.140 Fünf–Sieben–Feuer–Feuer, Feuer–Pfeile–Pfeile–Pfeile; Pfeile–Veden–Geliebter–Veden–Geliebter–Offenbarung–Vier,
4.141 Rama–Rishis–Weise–Sechs; Sieben–Pfeile–Rama–Veden; Veden–Sieben–Acht–Vasus; Neun–Acht–Sieben,
4.142 Feuer–Feuer–Veden–Pfeile; Vasus–Acht–Feuer–Veden; Sieben–Acht: Dies sind die Hauszahlen. [Die Gruppen in 4.137–142 bewahren die symbolischen Zahlenwörter; Feldgrenzen und einige Lesungen sind nicht sicher rekonstruierbar.]
4.143 Welche Vidya jemandem stets in der inneren Betrachtung gegenwärtig ist, auf diese stütze sich der Wissende und rezitiere: Dann tritt gewiss Vollendung ein.
4.144 Den eigenen Namen und den Gottheitsnamen vervielfache man mit sechzehn; der vorzügliche Praktizierende dividiere durch die Zahl des eigenen Hauses.
4.145 Ein größerer Rest ist für die Gottheit gewiss günstig; eine kleinere Zahl bringt auch dem Praktizierenden Glück, daran besteht kein Zweifel.
4.146 Der Praktizierende berechne mit festem Geist nach der genannten Reihenfolge bei der Praxis der Mahavidyas, Nayikas, Opfer und Bhutas.
4.147 So wurde die in allen Tantras verborgene Essenz der Chakras erklärt. Durch die Chakra-Prüfung erlangt der Praktizierende Vollendung.
4.148 Nun erkläre ich das Chatush-Chakra; höre, Gemahl Parvatis. Man zeichne fünf Linien von links nach rechts.
4.149 Fünf weitere Linien zeichne man in Ost-West-Richtung. In vier Felder rechts und [jeweils weitere] vier Felder soll der Mantra-Kundige
4.150 und darunter in vier Felder sowie links davon in vier Häuser der Reihe nach eintragen. Zuerst in die vier ersten Häuser:
4.151 „Schnell“, „Kühl“, „Rezitiert“ und „Vollendet“. A und U und danach „Ḷ–Sa–O“ [beschädigte Buchstabenfolge]
4.152 stehen oben. Höre die im „Kühlen“ stehenden Buchstaben, o Herr: A und U, danach „Ḷ–Ḹ–Sa–Au“ [die Vorlage hat Varianten und eine unsichere Folge].
4.153 Höre darunter die Buchstaben im Haus des Japa, großer Herr: I, Ṛ und danach E.
4.154 Höre den im „Vollendet“-Haus stehenden Buchstaben, der alles Glück schenkt. Ich nenne nun die Buchstaben in den vier Häusern rechts davon. [Die vorher angekündigte Angabe fehlt an dieser Stelle.]
4.155 „Freude“, „Gewissheit“, „Mund“ und „Rein“: Die in diesen Gruppen stehenden Buchstaben schenken günstige und ungünstige Früchte.
4.156 Ka, Ṛ, Ṝ und Nya werden als im „Freude“-Haus stehend bezeichnet; schon ihr Erlangen schenkt Vollendung.
4.157 Im „Gewissheit“-Haus stehen Ga, Gha, retroflexes Ta und Tha; im „Mund“-Haus Nga, Cha, retroflexes Da und Dha.
4.158 Im „Rein“-Haus stehen U, Ja, retroflexes Na und dentales Ta. Die vier Häuser darunter sind „Weltlich“, „Sattvisch“,
4.159 „Geistig“ und „Rajasisch“; diese stehen in den vier Häusern. Im „Weltlich“-Haus stehen dentales Tha, Da und Ma.
4.160 Im „Sattvisch“-Haus stehen Dha, La und Ya. Höre die „Geistigen“: Pa und Pha.
4.161 Höre die „Rajasischen“: Bha, Va und Na. Höre nun die vier so benannten Häuser, fünfgesichtiger Herr:
4.162 „Schlafend“, „Fortgeschleudert“, „Befleckt“ und „Verdorbenes Mantra“. Wer die in den oberen Häusern stehenden Buchstaben-Mantras annimmt
4.163 und das schlafende, fortgeschleuderte, befleckte und verdorbene Mantra meidet, erlangt hier Vollendung und jenseits Befreiung.
4.164 Wenn man durch Unglück ein Mantra in den Häusern „Schlafend“ und den übrigen empfängt, soll man es von Schlaf, Erstarrung und Verriegelung reinigen,
4.165 von vermehrten Fehlernetzen und Ungünstigem, zur Reinigung der Elemente. Man fasse es in die Bhuta-Schrift ein und rezitiere; dann erlangt man Vollendung.
4.166 Oder man meide die vier von diesen Buchstaben umgebenen Häuser. Höre den im Schlafhaus stehenden Buchstaben, fünfgesichtiger Herr.
4.167 Va und Ha; danach im anderen Haus Sha und La: Diese beiden stehen im Haus „Fortgeschleudert“.
4.168 Dha und Ksha stehen im „Befleckt“-Haus; im Haus „Verdorben“, o Herr, Sha und Raum [der entsprechende Laut bleibt unklar].
4.169 Man stütze sich auf das Mantra, das für einen selbst mit Glück verbunden ist. Nun erkläre ich das Sukshma-Chakra, das günstige und ungünstige Früchte gewährt.
4.170 Man nehme die hier gelehrten Buchstaben an, Shambhu, und übe Japa. Von links nach rechts zeichne man sieben Linien.
4.171 Diese mit ihren Zahlen teilend, zeichne der Mantrapraktizierende vier weitere Linien. In die dadurch abgegrenzten Häuser, rechts beginnend,
4.172 schreibe der Praktizierende die Mantrabuchstaben entsprechend der Zahlenordnung. Höre sorgfältig diese Zahlen, die Menschen Genuss und Befreiung schenken.
4.173 In das erste Haus schreibe man die Armzahl [zwei], o Herr; in das Haus der Vishnu-Mantras schreibe der Verständige die Vedenzahl [vier].
4.174 Danach acht; unter zwei schreibe man sechs: Dies ist Shankaras Haus. Danach stehe zehn im Haus.
4.175 Danach zwölf, der Ort der Nayika; unter sechs stehe zwei, danach acht.
4.176 Dieses Haus ist von Shambhu angeordnet; danach wiederum acht. In das Haus unter zwei kommen vierzehn Buchstaben.
4.177 Rechts davon liegt das Sonnenhaus, mit vierzehn Buchstaben versehen. Danach schreibe man sechzehn und wiederum die Zahl.
4.178 Rechts davon vier Buchstaben, danach acht Buchstaben: So ist Brahmas Haus. Höre nun, was unter sechzehn steht.
4.179 Acht, dann zwei, danach achtzehn Buchstaben. Das im ersten und zweiten [Feld] Stehende soll man annehmen; es gilt als günstig.
4.180 Das im dritten Stehende wird bei allen Mantras als großes Unheil bezeichnet. Im zweiten [Bereich] bringt das erste Leid, das dritte alles Glück.
4.181 Auch das dritte soll man, o Herr, zur eigenen Vollendung annehmen. Im dritten [Bereich] ist das erste heilvoll, das zweite leidbringend.
4.182 Auch das dritte wird so bezeichnet; das Haus mit acht Buchstaben bringt Furcht. Vierzehn Buchstaben sind günstig, das zweite ist das Sonnenmantra. [Die Bereichsbezüge bleiben teilweise unklar.]
4.183 Das im dritten [Haus] bei sechzehn Stehende schenkt großes Heil. Die achtgestaltige Gottheit bei sechzehn im vierten [Bereich] bewirkt Feindvernichtung.
4.184 Was im dritten Haus steht, schenkt Brahmans Heil; die acht Buchstaben stehen in der Mitte des allerletzten Hauses.
4.185 Das Achte ist sehr heilvoll; „Kshama“ bringt Furcht ins Bewusstsein [unklare Lesung]. Achtzehn ist günstig, ebenso in den drei letzten Häusern.
4.186 Welche Mantras und Buchstaben jemand im Bewusstsein trägt: Nach Erkenntnis ihres Günstigen und Ungünstigen soll er die entsprechenden Mantrabuchstaben üben.
4.187 Ein Shakta darf ein Mantra aus dem Vishnu-, Nayika-, Shiva-, Sonnen- oder Brahma-Bereich annehmen.
4.188 Ein Vaishnava stütze sich auf Vishnus Mantra, ein Shaiva auf Shiva; wer Nayika-Mantras rezitiert, übe stets die Nayika-Buchstaben.
4.189 Wer das Sonnenmantra prüfen möchte, stütze sich auf das Sonnenmantra. Die erste, zweite und dritte Stellung
4.190 soll man erkennen und dann das Mantra annehmen; andernfalls entsteht Unheil. Dieses besondere Mantra wird unter Divyas und Viras besungen.
4.191 So wurde das Chakra für den Pashu gelehrt, das gewiss alle Vollendung schenkt. Durch die Kraft dieses Chakra gilt der Pashu als einem Vira gleich.
4.192 Mit allen Siddhis versehen, schaut er sie nach einem Jahr.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Mantras [so hier die Vorlage], bei der Anwendung aller Chakras, im Abschnitt über vollendete Mantras und bei der Bestimmung des Bhava, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das vierte Kapitel.
Kapitel 5: Siddha und Sadhya; die Grenzen formaler Prüfung
5.1 [Ich erkläre] den Sinn des großen Kathaha-Chakra, des vorzüglichsten unter allen Chakras. Schon durch seine Prüfung wird der Mensch fähig, nach Wunsch Gestalt anzunehmen. [Die Vorlage zählt hier lediglich „1“.]
5.2 Höre nun der Reihe nach dieses Verfahren, du Herr der Viras. In ein Viereck mit vier Feldern schreibe man die Buchstaben.
5.3 Jedes der vier Felder wird wiederum in vier Häuser geteilt: So werden sechzehn Häuser angegeben, die sämtliche Wünsche und Ziele verwirklichen.
5.4 Man zeichne das viereckige Feld mit seinen vier Feldern. Dann zeichne der Verständige in jedes davon wiederum eine Viererteilung.
5.5 In alle Häuser schreibe man im Uhrzeigersinn A bis Ksha und zähle dann.
5.6 Mond [eins], Feuer [drei], Rudras [elf], Neun, Paar [zwei], Veden [vier], Sonne [zwölf], Zehn, Geschmäcker [sechs], Vasus [acht] und Sechzehn,
5.7 Vierzehn, Elemente [fünf], Sieben und Fünfzehn: Die in den Feuer- und Mondfeldern stehenden Buchstaben habe ich mit Zahlenzeichen angegeben. [Die Zahlenfolge ergibt keine zweifelsfreie Zuordnung aller sechzehn Felder.]
5.8 Dann zähle man die bei diesen Zahlen stehenden Buchstaben, vom Anfangsbuchstaben des Namens bis zum Anfangsbuchstaben des Mantras.
5.9 Je vier Felder bilden eine Einheit, also vier Gruppen. In den Feldern dieser Felder beginne man wiederum tatsächlich beim Anfang des Namens.
5.10 Der Verständige zähle der Reihe nach Siddha, Sadhya, Susiddha und Ari. Siddha wird mit der Zeit vollendet, Sadhya durch Japa und Feueropfer.
5.11 Susiddha macht schon beim Empfangen wissend [die Vorlage hat eine problematische Negationsform]; das feindliche Mantra vernichtet das eigene Leben. Der Siddha-Buchstabe gilt als Verwandter, Sadhya als Diener.
5.12 Die Buchstaben im Siddha-Feld sind Verwandte und gewähren alle Wünsche. Durch Japa entsteht vielfache Vollendung; der Diener [hilft] durch vermehrten Dienst.
5.13 Der gewünschte Ernährer ernährt, der Vernichter zerstört gewiss. Siddha-Siddha wirkt nach der angegebenen Wiederholungszahl, Siddha-Sadhya nach deren Verdopplung.
5.14 Siddha-Susiddha wirkt durch erhöhten Japa; Siddha-Ari tötet die Verwandten. Sadhya-Siddha [erfordert] Verdopplung; Sadhya-Sadhya ist nutzlos.
5.15 Sadhya-Susiddha wirkt durch doppelten Japa; Sadhya-Ari tötet die Angehörigen der Abstammungslinie. Susiddha-Siddha wirkt durch erhöhten Japa; Susiddha-Sadhya durch mehr als das Doppelte.
5.16 Susiddha-Susiddha wirkt bereits beim Empfangen; Susiddha-Ari vernichtet die eigene Abstammungslinie. Ari-Siddha tötet die Söhne, Ari-Sadhya die Töchter.
5.17 Ari-Susiddha tötet die Ehefrau; Ari-Ari die Angehörigen der Abstammungslinie. Wenn ein Praktizierender auf Erden in die Gewalt eines feindlichen Mantras geraten ist,
5.18 soll er danach zu seinem Schutz die folgenden Handlungen vollziehen. Höre diese Weise, großer Vira, Gemahl der Bergestochter.
5.19 Man schreibe das feindliche Mantra auf ein Banyanblatt und werfe es in einen Wasserstrom. So wird man aufgrund der Kraft meines Gebots vom Mantra gelöst.
5.20 Ein anderes Verfahren: Der Brahmane rezitiere freudig das Mantra 108-mal über einem Drona Kuhmilch.
5.21 Nachdem er von der Milch getrunken hat, meditiere er im Geist und spreche das Mantra; im Wasser gebe er es auf, um vom feindlichen Mantra frei zu werden.
5.22 Ich erkläre noch ein Verfahren: Man faste drei Nächte oder einen Tag, vollziehe nach dieser Vorschrift die Verehrung an einem Samstag oder Dienstag,
5.23 rezitiere 1.008- oder 108-mal und gebe das Mantra im Mandala des Milchozeans auf.
5.24 Oder man prüfe beim selben Guru oder an einem anderen Ort die Mantrabuchstaben erneut, nehme [ein geeignetes Mantra] an und erlange Befreiung.
5.25 Wenn der vorzügliche Praktizierende ein großes Mantra im Traum empfängt, erlangt er Vollendung – wahrlich, wahrlich, Herr des Kula.
5.26 Wenn er dieses Mantra sorgfältig von einem Kaula-Guru empfängt, o Herr, tritt augenblicklich Vollendung ein, daran besteht kein Zweifel.
5.27 Wenn man ein feindliches Mantra angenommen hat, Herr der Götter, prüfe man ein anderes Mantra Vishnus oder Shivas.
5.28 Wenn ein Shakti-Mantra feindlich ist, verfahre man folgendermaßen: Man versehe Anfang, Ende und Mitte mit Om, Vaushat und Svaha,
5.29 und rezitiere. So erlangt man große Vollendung wie jene in Kamarupa, daran besteht kein Zweifel. Mein Gebot ist von vorzüglicher Gestalt. [Der letzte Ausdruck ist unklar.]
5.30 Höre die Frucht des Chakra, o Herr, das Heil der Prüfung und Lebensführung. Wenn man das große Prasada-Mantra aus dem Lotusmund eines wahren Guru
5.31 durch glückliche Fügung empfängt, entsteht gewiss Vollendung. Fehlt dies, [empfängt man] ein vollendetes Mantra, das sichtbare und unsichtbare Früchte hervorbringt,
5.32 großes Staunen bewirkt und die Freude des Herzens mehrt. Ob im Traum oder bei einem wahren Guru: Schon sein Empfang schenkt Befreiung.
5.33 Wer dieses Mantra aufgibt, wohnt für alle Zeit in der schrecklichen, finsteren Raurava-Hölle; dies unterliegt meinem Gebot.
5.34 In diesem Fall ist das Prüfen der Chakra-Essenz und Ähnliches leeres Reden. Selbst das [nach der Berechnung] feindliche Mantra ist dann hochverdienstvoll und das vorzüglichste aller Mantras.
5.35 Durch Verdienste, die in zehn Millionen Geburten erworben wurden, findet man Zuflucht bei der Mahavidya. Durch die millionenfache Frucht des in Millionen Familien entstandenen Verdienstes
5.36 empfängt der Praktizierende im Traum das Mantra, gewiss zu Genuss und Befreiung. Dann soll man das Chakra nicht prüfen; eine solche Prüfung führt zum Tod.
5.37 Wenn jedoch im Traum die Chakra-Prüfung selbst auf wunderbare Weise offenbart wird, gewährt das Prüfen dieser Chakra-Buchstaben die acht Siddhis.
5.38 [Es gewährt] Wind beziehungsweise Lebenskraft, Befreiung, Reichtum, Yoga-Vollendung, Gedeihen, heilvollen Besitz, Dharma und Reinheit des Körpers sowie die Aufhebung vorzeitigen Todes.
5.39 Man erlangt Wunscherfüllung, die Schau des Fußlotus der Gauri, Genuss, Befreiung und Haras Stätte, daran besteht kein Zweifel.
5.40 So sind für diese Chakras und die Zeit [der Anwendung] die Früchte der Reihe nach berechnet. Wenn der vorzügliche Praktizierende sämtliche Prüfungen vornimmt,
5.41 erlangt er stets alle Früchte, daran besteht kein Zweifel. Durch die Prüfung gewinnt er gewiss das große Gelübde und Unterscheidungskraft.
5.42 Durch die Prüfung des Königs der Chakras erlangt er unvermittelt Vollendung. Alle Götter preisen das durch Chakra und Mantra geheiligte Wasser.
5.43 Rasch entsteht Vollendung der Rede; man gewinnt die Vollendung von Pranayama und Weiterem. Der kraftvolle Praktizierende soll sich auf der Erde vor allen verneigen und umherziehen.
5.44 So habe ich dir, o Herr, die heilvollen sechzehn Chakras erklärt. Schon durch den Anblick der Chakras erlangt man die Stätte der Vereinigung.
5.45 Darum [übe man] überall die Prüfung, das Heil aller Chakras und der übrigen Verfahren.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Anwendung aller Chakras, im Abschnitt über das vollendete Tantra das fünfte Kapitel.
Kapitel 6: Kundalini, Bhava und Kumari

6.1 Bhairava sprach: Sprich nun über die innere Haltung, Glückspendende, in der Folge Divya, Vira und Pashu. Ich sehne mich danach, von der überaus wunderbaren Haltung der Pashus zu hören.
6.2 Im Meer der Freude stehend wünsche ich dies, Herrin der Welt. Wenn es durch glückliche Fügung möglich ist, bedenke die Essenz der Weisung zur Vollendung.
6.3 Mahabhairavi sprach: Herr der Pashus, Herr der Viras, Herr der Divyas, Schatz des Erbarmens, Offenbarung und Freude des Herzens, Mondbekrönter, höre!
6.4 Höre ausführlich von der Gottheit im Pashu-Bhava, o Herr: Kali, in Gestalt einer Ranke der Kalas, verbunden mit der Zweiheit der Askese. [Die letzte Verbindung ist unsicher.]
6.5 Wer Durga und Shiva verehrt, ist ein vorzüglicher Pashu. Wer dies zuverlässig ausführt, wird als der höchste unter den Pashus bezeichnet.
6.6 Wenn der Praktizierende allein Shiva verehrt, gilt er als ein glückbegünstigter Pashu mittleren Ranges; verehrt er Shiva zusammen mit Shiva, der Göttin, ist er vorzüglich.
6.7 Wer ausschließlich Vaishnava ist, gilt, o Herr, als Pashu mittleren Ranges. Diejenigen, die stets Geistern und Gottheiten dienen,
6.8 werden als Pashus mittleren Ranges bezeichnet und befinden sich [nach dieser polemischen Aussage] in der Hölle, daran besteht kein Zweifel. Wenn man jedoch dich und mich sowie Vishnu, Brahma und andere verehrt hat,
6.9 ist danach die Verehrung aller anderen Wesen, Nayikas, Yakshinis und Bhutinis heilbringend, großer Herr.
6.10 Die Pashus, die stets Brahma, Krishna und andere verehren, ebenso die vorzüglichen Menschen in der zweifachen Verehrung des erhabenen Taraka-Brahman,
6.11 können die alles Wünschenswerte gewährenden Bhuta-Gottheiten nicht verwirklichen. Wer Vishnus Verehrung folgt, soll [diese Praxis] auf dem Pashu-Weg meiden.
6.12 Dies wird jeweils in den betreffenden Abschnitten nach den jeweiligen Vorschriften erklärt. Höre es der Reihe nach, Herr und Geliebter.
6.13 Am Morgen stehe der vorzügliche, gelehrte Pashu auf und stelle sich im Hauptlotus das Heil des Fußlotus der Gurus vor.
6.14 Danach betrachte er erneut die eine erhabene Fußstätte. Er verehre den Vira mit Gaben, nicht mit meinen Lobpreisungen. [Die Negation wird entsprechend der Vorlage bewahrt.]
Kundalini im inneren Weg
6.15 [Dann meditiere er über die Göttin,] die mit ihrem Licht die drei Welten durchdringt, im Mandala weilt und ein großes Freudenfest ist, hell wie Millionen Blitze und kühl wie Millionen Monde.
6.16 Sie liegt in dreieinhalb Windungen um den Svayambhu-Linga. Diese große Göttin, tiefrot und aus Geist bestehend, lasse er aufsteigen.
6.17 Sie bewegt sich im Wechsel von Ein- und Ausatmen, misst zwölf Fingerbreiten, ist Yogini und Khechari, von Windgestalt, im Wurzellotus gegenwärtig.
6.18 Sie umfasst vier Buchstaben, von Va bis zu den beiden Sha- und Sa-Lauten, strahlt wie Abermillionen Sonnen und bezaubert das Kula.
6.19 Sie zieht durch das Innerste des großen subtilen Weges, schützt die drei Welten, ist Gottheit der Sprache und von Shambhus Gestalt.
6.20 Sie schenkt große Einsicht und steigt zum tausendblättrigen Lotus auf; auf dem großen subtilen Weg ist sie lichtvoll und von der Gestalt des Todes.
6.21 Sie ist Gestalt der Zeit, alle Gestalten und überall ganz Bewusstsein. Wieder und wieder meditiere man über sie, wie sie am Haupt in den Nektarozean eingeht.
6.22 Nachdem man sie Nektar trinken ließ, führe man sie an ihren Ort zurück. Während des Zurückführens, mitten in der Sushumna,
6.23 lasse man sie von Nektar durchfluten und verehre sie erneut an den Stätten. Beim Aufstieg erinnere man sich ihrer als von gewaltigem Licht erfüllt.
6.24 Bei der Rückkehr [betrachte man] die große Kula-Kundalini, von Nektarströmen überflutet, deren Gestalt unsterbliche Wonne ist.
6.25 Indem man über sie meditiert, meditiert und erneut meditiert, wird man zum Herrn aller Siddhis. An dieser Stätte vergegenwärtige man die große Göttin, in Strahlen leuchtend.
6.26 Freudig verehre man diese heilvolle, nektarhafte Wonne und Befreiung. Mit einem geistig ausgesprochenen Bija, dem Maya- oder dem Kama-Bija,
6.27 rezitiere man anhand der Reihe der fünfzig Buchstaben in vorwärtsgerichteter Ordnung und danach rückwärts. Den überall Sieg gewährenden Lobpreis
6.28 lese man und erlange Vollendung. Höre diesen Hymnus, Bhairava.
Achtstrophiger Kundalini-Hymnus
6.29 „Wann wird die jugendliche Beschützerin, die aus Geburt emporführt, Ursprung der Veden und ihrer Keimsilben, hier auf Erden stets im Bewusstsein betrachtet – sie, die wahre Rede in Bewegung setzt? Mögest du mich schützen, die du Liebes schenkst und Gefahren vernichtest, Trägerin und Erhalterin! Du bist selbst die Gefährtin des Urgottes: [Schütze] mich, den überaus bedürftigen Pashu.“
6.30 „Du rötlich leuchtende, aus den Schriftzeichen des nektarhaften Mondlichts bestehende Göttin schläfst in Schlangengestalt und stützt dich erwachend auf die Schildkröte. Blicke auf mich! Mache meinen von Fleischgeruch, üblem Geruch und Fehlern befleckten, mit vedischen Aufgaben verbundenen Körper durch deine makellosen, millionenfachen Mondstrahlen stets [rein].“ [Die letzte Bitte ist textlich gestört.]
6.31 „Wer Vollendung sucht und seine eigenen Fehler kennt, wird durch die Vidya [geführt]; Kundalini [öffnet] auf dem Kula-Weg die Stadt der Befreiung und [überwindet] Mayas Irrweg. Wer morgens oder mittags stets den Fußlotus der Kula-Kundalini mit Japa verehrt, wird ein Siddha.“ [Der erste Teil ist nur teilweise sicher übersetzbar.]
6.32 „Im überaus reinen vierblättrigen [Lotus], im Wind-Raum, am Ort der Wunscherfüllung, ist sie stets mit dem Körper verbunden und durch Geheimzeichen angedeutet. Die eigene Mutter, welche die Vidya-Windung trägt und durch Maya wirkt, wird von den dem vollendeten Kula Entstammenden, den Shambhus, durch Verneigungen und wahre Lobpreisungen meditiert.“
6.33 „Sie bezaubert den Schöpfer und Shankara, lässt den Schattenvorhang der drei Welten hervortreten und schlägt das große Glück des Samsara nieder. Als Yogini ist sie dort gegenwärtig, durchbricht sämtliche Knoten, ist die eigene Schlangenkraft, feiner als das Feinste und die Höchste. Sie erfreut sich an Brahman-Erkenntnis und durchbricht die Hütte des Kula: Über sie wird meditiert.“
6.34 „Ich verehre die erhabene Kula-Kundalini, die mit drei Windungen und ihren Gliedern den geliebten Svayambhu umschlingt, den Raum und den Geist des Liebesgottes bewegend, jung, stark und teillos. Sie erstrahlt als Göttin mit dem Antlitz des Veda, schöpferisch und glühend. Am Haupt der Gefestigten betrachte ich sie als Gefährtin des Svayambhu und als tätige Kraft.“ [Einzelne Wortverbindungen sind mehrdeutig.]
6.35 „Sie ertönt wie Millionen Stimmen und Trommeln, wie zahllose Klangreihen, ist Herrin des Prana, mit einem Antlitz ganz erfüllt von der Freude des Wurzellotus und seinen Essenzen. Sie weilt im Dunkel von Millionen donnernder Regenwolken des Monats Ashadha. Möge diese Mutter auf dem subtilen Weg mich schützen, die den Yogis Heil bringt.“ [Mehrere Komposita sind unsicher.]
6.36 „Bei dir Zuflucht suchend gelangen die Menschen rasch nach Vaikuntha und Kailasha. Du spielst allein in Wonne, dein Antlitz erfreut wie hundert Monde, du bist die Ursache. Mutter, erhabene Kula-Kundalini, Liebes wirkende Kali, Licht des Kula! Vor deiner Stätte verneige ich mich, heilvolle Göttin; führe mich, den Pashu, empor.“
6.37 Dieser achtstrophige Hymnus gehört zum Weg der Kundalini-Shakti und trägt große Frucht. Wer ihn nach dem morgendlichen Aufstehen liest, wird gewiss ein Yogi.
6.38 Schon durch augenblickliches Lesen wird man hier zum Herrn der Dichter. Wer ihn liest, [erlangt] den erhabenen Kundalini-Yoga und wird groß, in Brahman aufgegangen. [Die Wortverbindung ist unregelmäßig.]
6.39 So habe ich dir, o Herr, den zarten Lobpreis der Kundalini erklärt. Durch die Gnade dieses Hymnus ist der Herr der Rede der Guru unter den Göttern.
6.40 Alle Götter besitzen durch die Gnade dieses Lobpreises Siddhi. Brahma, Herr aller Götter, lebt zwei Parardhas lang.
6.41 Auch Tvashtar weilt an meiner Seite als Herr der Göttin. Erkenne mich als höchste Shakti, von grobstofflicher und feinstofflicher Gestalt,
6.42 die alles offenbar macht, im Vindhya-Gebirge wohnt, Himalayas Tochter ist, vollendet und selbst die Gestalt des vollendeten Mantras;
6.43 die im Vedanta und im Shakti-Tantra wohnt, den Sinn des Kula-Tantra durchdringt, mitten im Rudrayamala gegenwärtig ist und Bestand begründet;
6.44 die Gestalt der fünf Mudras, mit dem Shakti-Yamala als Girlande, in Millionen Juwelengirlanden leuchtend, Sonne und Mond offenbarend;
6.45 die allen Wesen große Einsicht schenkt, die Danavas beseitigt, Erhaltung, Entstehung und Auflösung bewirkt und im Ozean des Erbarmens ruht;
6.46 die reich am Wohnsitz großer Verzauberung ist, Damodaras Körper durchdringt, mit Schirm, Yakschweifwedel und Juwelen versehen, den großen Dreizack in der Hand, die Höchste;
6.47 die Erkenntnis und Wachstum schenkt und das Geflecht der Juwelengirlande der Erkenntnis verleiht, von allem Licht erfüllt, mit unendlich vielen Millionen Gestalten;
6.48 die den Armen Reichtum schenkt, Lakshmi ist und Narayanas Herz erfreut. So betrachte mich stets, Shambhu, gelehrter Führer des Yoga.
6.49 Höre erneut ehrfürchtig vom Pashu-Bhava. Der Pashu erlangt unvermittelt Vollendung und wird Narayana gleich.
6.50 Er gelangt nach Vaikuntha mit vierarmigem Körper, trägt Muschel, Diskus, Keule und Lotus und reitet auf Garuda.
6.51 Durch die Gnade der Mahavidya wird er zur Gestalt des großen Dharma. Pashu-Bhava ist eine große Haltung, welche die Haltungen zur Vollendung führt.
6.52 Zuerst soll man Pashu-Bhava verwirklichen, danach unbedingt Vira-Bhava, die große Haltung, die vorzüglichste unter den Haltungen.
6.53 Danach den überaus schönen, fruchtbaren Divya-Bhava. Wer Frucht wünscht, Befreiung anstrebt und sich am Wohl aller Wesen erfreut,
6.54 wer Wissen, Reichtum oder Juwelen begehrt, soll diese drei göttlichen Haltungen üben, die vorzügliche Praxis der inneren Haltung.
6.55 Durch Bhava erlangt man Musik [oder eine besondere Redeleistung; die Lesung ist unklar], Reichtum, Juwelen und große Frucht. Welches Verdienst aus dem Verschenken von zehn Millionen Kühen und zehn Millionen Shalagrama-Steinen entsteht,
6.56 und welche Frucht aus der Verehrung von zehn Millionen Lingas in Varanasi entsteht, diese Frucht erlangt der Sterbliche in einem Augenblick, daran besteht kein Zweifel.
6.57 Für die ersten zehn Dandas wird Pashu-Bhava angegeben; für die zehn Dandas um die Mittagszeit Vira-Bhava.
6.58 Für die zehn Dandas des Abends gilt der heilvolle Divya-Bhava. Oder man verehre im Pashu-Bhava die erwählte und die anderen Gottheiten.
6.59 Wenn der Mantrapraktizierende dies lebenslang tut, erlangt er große Vollendung, wird für alle zur Guru-Gestalt und gewinnt Tag für Tag Herrlichkeit.
6.60 Wenn er Guru-Wesen besitzt, erlangt er Madhumati. Wenn er Unterscheidungskraft besitzt, zieht er hinaus und wohnt in einem großen Wald,
6.61 im Gelübde des Brahmacharya; oder er bleibt in seiner eigenen Stadt. Durch [die unklare Angabe über] Pitha und Brahmane und durch die Anstrengung des großen sechsfachen Verfahrens
6.62 erlangt der Mantrapraktizierende im Pashu-Bhava die vollendete Vidya. Wenn [er sich] der in Vergangenheit und Zukunft gegenwärtigen großen Kaulika-Gottheit [zuwendet],
6.63 erlangt er auf dem Kula-Weg gewiss Vollendung. Wenn die Vidyas gnädig werden, erlangt er Vira-Bhava.
6.64 Durch die Gnade des Vira-Bhava erlangt er Divya-Bhava. Die vorzüglichen Menschen, die Divya- und Vira-Bhava annehmen,
6.65 sind Herren der wunscherfüllenden Baumranke, daran besteht kein Zweifel. In einem Lebensstand lebend, in Meditation gefestigt und in Mantra und Tantra erfahren,
6.66 soll der Entsagende an einem großen heiligen Sitz wohnen und stets wissend sein. Was nützen andere Früchte, wenn die innere Haltung erlangt wird?
6.67 Schon indem der Mensch Bhava annimmt, wird er zu einem, der mich erkennt. Rasch entsteht Vollendung der Rede; Sarasvati zieht ins Herz ein.
6.68 Lakshmi verlässt Narayana und wohnt in seinem Haus. Mein voller Blick ruht auf seinem Körper, daran besteht kein Zweifel. [Die Formulierung des zweiten Halbverses ist beschädigt.]
6.69 Er erlangt gewiss Vollendung, wahrlich, wahrlich, ohne Zweifel. Mahabhairava sprach: Große Göttin, erkläre aus Erbarmen das, was nur angedeutet wurde.
6.70 In allen Tantras und Vidyas findet sich das Geheimzeichen des Bhava, besonders aber in den Shakti-Tantras, wo es alle Vollendung gewährt.
6.71 O Vidya, erkläre ausführlich die Vorschrift der Bhava-Vidya und die Praxis der inneren Haltung. Anandabhairava sprach [so die Sprecherangabe der Vorlage]: Bhava ist dreifach, o Gott, in der Folge Divya, Vira und Pashu.
6.72 Auch der Guru ist dabei dreifach, ebenso die Mantragottheiten. Divya-Bhava schenkt, Mahadeva, alle Vollendung des höchsten Wohls.
6.73 Der zweite gilt als mittel, der dritte als von allen getadelt. Auch durch vielen Japa, Feueropfer und ausgedehnte körperliche Mühen
6.74 tragen Tantra und Mantra ohne Bhava keine Frucht, o Göttin. Was nützt Vira-Praxis allein, was die Fülle der Befreiungslehren?
6.75 Was nützt allein die Verehrung heiliger Sitze, was die Speisung von Mädchen und Ähnliches? Was nützt, der eigenen Frau Freude zu schenken, oder anderen?
6.76 Was nützen Sinnesbeherrschung und Kula-Ritual, wenn keine gereinigte, dem Kula ganz zugewandte innere Haltung vorhanden ist?
6.77 Durch Bhava erlangt man Befreiung, durch Bhava das Wachsen des Kula, durch Bhava das Gedeihen der Abstammungslinie, durch Bhava deren Läuterung.
6.78 Was nützt die Verehrung, wenn Bhava nicht entsteht? Wodurch wird die Vidya verehrt, wodurch das Mantra?
6.79 Das Ausbleiben der Frucht entsteht, Herr der Götter, durch das Fehlen von Bhava. Mein Geist zögert, dieses Mantra auszusprechen.
6.80 [Dadurch] könnte man die drei Welten bezwingen und alle Juwelen erlangen. Ohne die Abgeschiedenheit zu prüfen, soll man nicht handeln; wie könnte ich es dir erklären? [Sprecheranschluss und Satzbau sind unsicher.]
6.81 Der erhabene Anandabhairava sprach: Durch deine Gnade, große Göttin, die du aus dem Traum der Vidya erweckst, ist die Einweihung für alle fünf Entfaltungen zu geben, große Herrscherin.
6.82 Was immer die Ursache des Schlafs aller Wesen ist, o Gott, [das] bewirke ich. Erkläre mir den vorzüglichsten aller Bhava-Wege. [Die Anrede und der Satzanschluss sind gestört.]
Göttliche Haltung und Kumari-Verehrung
6.83 Die erhabene Mahabhairavi sprach: Höre zuerst sorgfältig den Divya-Bhava im Kaula-Weg: die von allen Göttern verehrte Vidya, ganz mit Lichtfülle erfüllt.
6.84 Man betrachte die ganze Welt als lichtvoll und entfalte die Vorstellung der Gestalt in den entsprechenden göttlichen Formen, nicht ohne Zuneigung. [Die doppelte Negationsverbindung ist unregelmäßig.]
6.85 Man mache sich selbst und alle Zustände zu ihr gehörig, meditiere über sie als jede Frau und verehre mit gesammeltem Geist.
6.86 [Man verehre ein Mädchen] aus irgendeinem Kula, aus verschiedensten sozialen Gruppen, aus verschiedensten Ländern, mit guten Eigenschaften und [nach der Lesung] auch Trägheit versehen.
6.87 Von über zwei Jahren bis zum achten Lebensjahr: Ein solches schönes, bezauberndes Mädchen verehre man unter Japa.
6.88 Im Divya-Bhava gefestigt, erlangt man unmittelbar die Frucht von Tantra und Mantra durch Kumari-Verehrung und die Speisung der Kumari.
6.89 Diese schenkt die Frucht der ein-, zwei- und mehrsilbigen Bijas, daran besteht kein Zweifel. Man gebe den Mädchen Blumen, Früchte, Salben und weitere Gaben,
6.90 Opfergaben und Speisen, erfüllt von der entsprechenden inneren Haltung. Freudig [versehe man] ihren Körper mit Girlanden und begegne ihnen mit kindgemäßem Verhalten,
6.91 mit ihnen lieben Geschichten, Gesprächen, Spielen und Unterhaltung. Wer so auf das eingeht, was sie tatsächlich erfreut, wird zum Herrn der Siddhis.
6.92 Die Kumari ist alles Gedeihen, die Kumari [überwindet] alle Feinde. Feueropfer, Mantraverehrung, tägliche Riten und gute Kaula-Handlungen,
6.93 ihre vielfältigen Früchte und der große Dharma bringen ohne Kumari-Verehrung dem vorzüglichen Praktizierenden jeweils nur die halbe Frucht, o Herr.
6.94 Durch Kumari-Verehrung erlangt der Vira zehnmillionenfache Frucht. Wenn der Kula-Kundige der Kumari eine volle Handvoll Blumen darbringt,
6.95 ist es, als verschenkte er zehn Millionen Meru-Berge. Das daraus erwachsende große Verdienst der Erkenntnis erlangt er in einem Augenblick.
6.96 Wer eine Kumari gespeist hat, hat die drei Welten gespeist. Die Einjährige gilt als Sandhya, die Zweijährige als Sarasvati.
6.97 Die Dreijährige ist Tridhamurti, die Vierjährige Kalika, die Fünfjährige Suryaga, die Sechsjährige Rohini.
6.98 Die Siebenjährige ist unmittelbar Malini, die Achtjährige Kubjika, die Neunjährige Kalasandatri, die Zehnjährige Aparajita.
6.99 Die Elfjährige ist Rudrani, die Zwölfjährige Bhairavi, die Dreizehnjährige Mahalakshmi, die Vierzehnjährige Pithanayika.
6.100 Die Fünfzehnjährige ist Kshetrajna, die Sechzehnjährige Ambika. So verehre man der Reihe nach, solange noch keine Menstruation eingetreten ist.
6.101 Vom ersten Mondtag bis zum Vollmond verehre man entsprechend der Zunahme, bei allen großen Festzeiten und besonders beim Pavitraka-Fest.
6.102 An Mahanavami soll man die Kumaris verehren, Herr der Götter. Bis zum sechzehnten Lebensjahr wird sie [hier] als junge Frau bezeichnet.
6.103 Darin soll Bhava offenbar werden; diese Haltung gilt als die höchste. Sie sind sorgfältig zu schützen; so geschützt lasse man [die göttliche Gegenwart] offenbar werden. [Der letzte Bezug ist nicht eindeutig.]
6.104 Nachdem man große Verehrung und weitere Riten vollzogen hat, verehre man sie durch Kleidung, Schmuck und Speisung. Selbst ein Unglücklicher erlangt dadurch Sieg und Heil.
6.105 Was bedarf es weiterer Ausführungen über andere? Groß ist der Nutzen und die Frucht. Wer nach Vorschrift verehrt, ob in Divya-, Vira- oder Pashu-Bhava,
6.106 erlangt in allen drei Haltungen großes Glück; im Divya-Bhava tragen gute Handlungen gute Frucht.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Entfaltung der Kumari-Verehrung, im Abschnitt über vollendete Mantras und bei der Bestimmung des Bhava das sechste Kapitel.
Kapitel 7: Verehrung der Kumari
7.1 Anandabhairavi sprach: Nun werde ich die schwer zugängliche Verehrung der Kumari erklären. Für diejenigen, die von Krankheiten frei sind, wird sie auf Erden rasch wirksam.
7.2 Höre ihre Weise, Mahadeva, höchster Herr der Viras. Der Verehrungsort sei ein großer heiliger Sitz oder ein Tempel.
7.3 [Man verehre] die Schöne, welche höchste Wonne mehrt und Sieg schenkt, in der Gestalt Kalaratris, als Shri und Gauri, mit roter Körpersalbe geschmückt.
7.4 Ein Mädchen aus göttlicher Familie, eine Rakshasi oder ein vorzügliches menschliches Mädchen, die Tochter einer Schauspielerin, ein Mädchen aus gering angesehener Gruppe oder die Tochter eines Kapalika,
7.5 eine Wäscherstochter, eine Barbierstochter, eine Hirtentochter oder eine Brahmanentochter,
7.6 eine Shudra-, Vaishya- oder Arzttochter, auch eine Chandala-Tochter, wo immer sie in einem Lebensbereich wohnt,
7.7 oder ein Mädchen aus dem Freundeskreis soll man sorgfältig herbeiholen und mit höchster Freude verehren, ganz der Meditation über das Selbst zugewandt.
7.8 Höre die Reihenfolge, Herr der Götter, von segenspendenden Händen Verehrter, Schönheit höchster Wonne, Gestalt ursächlicher Glückseligkeit.
7.9 Wer mich täglich mit reiner Hingabe verehrt, muss auch die Kumaris verehren und speisen. [Das anschließende „der Sonne“ leitet zur nächsten Aussage über.]
7.10 Die Lichtgestalt von Sonne, Mond und Feuer wird in jeder Haltung gepriesen. Ihre Verehrung, das Gespräch mit ihnen und ihre Speisung sind heilvoll.
7.11 Daraus entsteht unmittelbar meine Freude, in der die Gottheiten verborgen gegenwärtig sind. [Die Kumari ist] Geliebte des göttlichen Bala-Bhairava, des Batuka,
7.12 meines von allen Welten verehrten, glanzvollen Sohnes. Durch vielfältige göttliche Verehrungsformen wird die Kumari verehrt, o Gott.
7.13 Kumari wird das Mädchen genannt, die allwissende Herrin der Welt. Die Götterherren holen sie zur Verehrung durch die ganze Welt herbei
7.14 und verehren die große Göttin, die in verborgener Haltung wohnt, stets Speisung wünscht, Gaben verdient und, durch Girlanden erfreut, lächelt.
7.15 Diese Göttin, die Kumari, Führerin der Götter, weint nicht vergeblich. Sie ist Sarasvatis Gestalt und wird von allen Führern verehrt.
7.16 Von Shiva-Verehrern, Vishnu-Verehrern und Verehrern anderer Gottheiten, von allen Welten wird sie verehrt; die Verständigen sollen sie unbedingt verehren.
7.17 Durch Verehrung erlangt man Verehrung, durch Verehrung Glück, durch Verehrung Reichtum, durch Verehrung Land.
7.18 Durch Verehrung erlangt man Lakshmi, Sarasvati und großen Glanz. Die Mahavidyas und alle Götter werden gnädig, daran besteht kein Zweifel.
7.19 Bala-Bhairava, Brahma und Indra, Brahmanen und Brahman-Kenner, die Rudras, die Götterscharen und die Vaishnavas in Vishnu-Gestalt,
7.20 die Inkarnationen, die zweiarmigen Vishnu-Gestalten mit ihren Mantras, die übrigen Richtungswächter und der Guru des Beweglichen und Unbeweglichen,
7.21 alle mit verschiedenen Vidyas Begabten, die vielgestaltigen Danavas und alle in Befreiung Ruhenden werden zufrieden, daran besteht kein Zweifel.
7.22 Wenn ich selbst Zufriedenheit verkörpere, was soll dann von den anderen in der Welt gesagt werden? Durch Kumari-Verehrung bringt man die drei Welten unter seinen Einfluss.
7.23 Rasch entsteht großer Frieden; jedes Verdienst trägt Frucht. Schon durch das rechte Anführen des jeweiligen Mantras wird man augenblicklich mit Verdienst versehen.
7.24 Man fasse [die Formel] in das Mantra ein, rezitiere und werde zum Herrn der Siddhis. Welche Ausführungsweise ich jeweils ausspreche, Schöner unter den Göttern,
7.25 diese soll unbedingt vollzogen werden; man soll keine abweichende Vorstellung entwickeln. Bhairava sprach: Erkläre nun die Unterschiede der Bijas, du von Shankara Verehrte.
7.26 Wenn du mir große Zuneigung entgegenbringst und den Sinn meines Kula durchdringst, sprich, Bhairavi höchster Wonne, Geliebte meines Lebens.
Mantra und Verehrung
7.27 Anandabhairavi sprach: Höre, o Herr, mein Kula-Mantra für die Kumari-Verehrung: ein großes Mantra, ein großes Mantra, ein vollendetes Mantra, daran besteht kein Zweifel.
7.28 Durch die Gnade dieses Mantras wird der Verständige schon zu Lebzeiten befreit. Am Ende erreicht er die Stätte der Göttin, wahrlich, Anandabhairava.
7.29 Der Sterbliche erlangt gewiss irdisches Glück und Gedeihen sowie Madhumatis Gnade. Vertraue darauf, Shankara.
7.30 Durch Vagbhava wird vorn Erschütterung bewirkt, durch das Maya-Bija achtfache Eigenschaft, durch Shris Bija die Erlangung von Glück, durch das Maya-Bija die Vernichtung der Feinde.
7.31 Durch das Bhairava-Bija erlangt man mit den Göttern das Wandeln im Luftraum. Ich bin die Kumari, o Herr; du bist stets der Kumara.
7.32 Man verehre 108 Kumaris oder auch nur eine. Verehrt gewähren sie [die Frucht]; missachtet verbrennen sie [den Missachtenden].
7.33 Die Kumari ist unmittelbar Yogini, die Kumari ist die höchste Gottheit. Asuras, die acht Nagas und alle schädlichen Grahas,
7.34 Bhutas, Vetalas, Gandharvas, Dakinis, Yakshas und Rakshasas, alle übrigen Gottheiten und die Welten Bhur, Bhuvar und Svar, Bhairava,
7.35 alle Elemente, beginnend mit Erde, das Weltei samt Beweglichem und Unbeweglichem, Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva –
7.36 sie alle sind zufrieden, wenn jemand das Mädchen verehrt. Man verehre die Kumari als mit Schätzen versehen, Bhairava.
7.37 Fußwaschwasser, Ehrengabe, Räucherwerk, Kumkuma und heilvolle Sandelpaste bringe man den Kumaris dar, nachdem man sie mit Hingabe und Bhava verehrt hat.
7.38 Drei Umwandlungen vollziehe man am Anfang, in der Mitte und am Ende. Danach gebe man eine Ehrengabe aus Silber, Gold oder Perlen.
7.39 Nachdem man den Kumaris der Reihe nach die vorgeschriebene Ehrengabe gegeben hat, richte man selbst die Verheiratung eines Mädchens aus; dies tilgt [nach dem Text] Brahmanenmord.
7.40 Wenn man zur verdienstvollen Zeit die Übergabe eines Mädchens zur Ehe ausrichtet, erwachsen daraus Genuss, Befreiung, Glück und aller Wohlstand.
7.41 Man wohnt stets in Rudras Welt als der dreiäugige erhabene Hara. Tausende mal zehn Millionen Pilgerorte und Hunderte Pferdeopfer –
7.42 deren Frucht erlangt sofort, wer die Heirat eines Mädchens ausrichtet. So viele Tausende von Jahren, wie es Sandkörner im Meer gibt,
7.43 wird er, nachdem er jede seiner Familienlinien emporgeführt hat, in Rudras Welt verherrlicht. Zur Freude und Zufriedenheit der jeweiligen erwählten Gottheiten soll der Verständige
7.44 die Übergabe eines Mädchens ausrichten und dadurch Befreiung erlangen, Bhairava. Der Praktizierende vergegenwärtige sich entsprechend dem jeweiligen Alter des Mädchens
7.45 und der dazugehörigen Vorstellung die Shiva-Gestalt des Empfangenden bei der Übergabe. Er meditiere über den Bräutigam als vollständigen Shiva, an allen Gliedern schön,
7.46 lichtvoll, von Ruhm strahlend, in Bala-Bhairavas Gestalt. Den Batukesha, den großen Gott, soll der vorzügliche Praktizierende als Bräutigam wählen.
7.47 Über Bhairavi in jugendlicher Gestalt, die schönste der drei Welten, vorzüglich, deren Körper sich unter vielerlei Schmuck neigt, die heilvolle Vidya offenbart,
7.48 die lieblich lächelt, deren Herz von großer Wonne erfüllt ist, die Heil schenkt und heilvoll ist, mit vollmondgleichem Antlitz, meditiere er im zwölfblättrigen Lotus.
7.49 Dann bringe er sie zur Übergabe herbei und übergebe sie mit dem jeweiligen Mantra. Als der große, makellose Vira in jugendlicher [Variante: kraftvoller] Gestalt dies hörte,
7.50 fragte er erneut die Bhairavi höchster Wonne. Anandabhairava sprach: Den wirklichen Sinn des Kumari-Kula, den Mantrasinn, die Reihenfolge des Japa,
7.51 die Weise der Verehrung, die Reihenfolge der Speisung, ihre Feueropferriten und die jeweiligen Lobpreisungen,
7.52 sowie die Schutztexte der Kumaris erkläre der Reihe nach, Geliebte. Nach welchem Verfahren spricht diese Vidya, die Kumari, die höchste Gottheit,
7.53 an einem einsamen Ort vor dem Praktizierenden selbst das große Wort? Wodurch wird das Mädchen mit den schönen Augen gnädig?
7.54 Erkläre diese Weise aus Zuneigung, Geliebte Anandabhairavas. Anandabhairavi sprach: Höre, Shambhu, ich werde die Kula-Mantras der Kumari erklären.
7.55 Schon durch ihre Erkenntnis wird der vorzügliche Mensch zum Herrn der Erde; durch Kumari-Verehrung wird er für alle zur Guru-Gestalt.
7.56 Höre das vorzügliche Mantra für Sandhya, die erhabene Einjährige, und die weiteren [Göttinnen] bis zur friedvollen Sechzehnjährigen, großer Herr.
7.57 Auch die Reihenfolge und die guten Handlungen zur Vollendung des lebendigen Bewusstseins [höre]. Man bringe die schöne Kumari, die vorzügliche Führerin, herbei,
7.58 mit Juwelen geschmückt, mit Muschelschmuck, Kleidung und Weiterem geziert. Mit Vagbhava und ihrem Namen gebe man ihr Wasser, o Herr.
7.59 Der vorzügliche Praktizierende meditiere stets über sie als Göttin und verehre sie. Mit dem Maya-Bija und ihrem Namen gebe er Fußwaschwasser.
7.60 Mit Lakshmis Bija bereite er die Ehrengabe, mit dem Bija die Sandelpaste. Mit dem Maya-Bija lasse der Verständige der Kumari Blumen darbringen.
7.61 Mit dem Sadashiva-Mantra gebe er vorzügliches Räucherwerk und Licht; danach verehre der Götterführer sie mit dem sechsgliedrigen Mantra.
7.62 Höre diese Weise, Mahadeva, der du Wonnegestalt trägst. Das Herz stelle man sich als von großem Licht erfüllt und weiß vor; mit der rechten Hand
7.63 vollziehe der Verständige die Vergegenwärtigung und spreche das Mantra. Höre, Shankara: Zuerst spreche man Vagbhava, dann Maya, Lakshmi und Kurcha.
7.64 Danach spreche man das Preta-Bija mit Visarga, Mond und Bindu, dann das Wort „Kula“ und anschließend „Kumarike“.
7.65 Nach „Hridayaya Namah“ vergegenwärtige man [die Kraft] am Haupt, weiß und alles umfassend; man spreche das Bija und vollziehe Nyasa.
7.66 Ha mit Vagbhava, Va in der Bedeutung des Vagbhava, Maya, Lakshmi und Vagbhava; nach dem doppelten Tha das Wort „Shirase“.
7.67 Das Mantra endet mit der Gattin des Feuers [Svaha]; der Praktizierende setze es auf das Haupt. In der Mitte des Haarschopfs vergegenwärtige er die schwarze Gestalt, leuchtend wie eine Masse dunkler Augensalbe.
7.68 Der Mantrapraktizierende vollziehe dort Nyasa zur Vollendung des Kumari-Kula. Zuerst setze er den Pranava, an sein Ende die Schöne des Feuers.
7.69 Dann füge er „Shikhayai“ hinzu und spreche „Vashat“. Danach meditiere er im Schutzpanzer über die kraftvolle, lichtreiche,
7.70 wie das erste Morgenrot strahlende, schönleibige Gestalt. Er spreche Vagbhava, danach das Wort „Kula“,
7.71 anschließend „Vagishvari“ und „Kavachaya“, dann das Taraka-Brahman-Wort: So [entsteht] die Anordnung des Schutzpanzer-Nyasa.
7.72 Danach meditiere er über die drei Augen, das große Bija von mächtigem Glanz, rot und mit Abermillionen [unklar bezeichneten] Kreisen geschmückt,
7.73 strahlend in der Sonne, deren Licht durch zehnmillionenfaches Verdienst erworben wurde. Er spreche Vagbhava und dann „Kuleshvari“.
7.74 Nach „Netratrayaya“ [spreche er] „Vaushat“: Dies ist das Augenmantra. Dann soll der Mantrapraktizierende auf die linke Handfläche
7.75 mit Mittel- und Zeigefinger zweimal schlagen. Das Mantra hat den Glanz von Millionen Sonnen und eines mächtigen Geflechts von Mondlicht,
7.76 ist Klang aus dem großen Raum und bedrängt das überaus Furchtbare. Man nehme sorgfältig das Maya-Bija und das Wort „Astraya“,
7.77 füge die auf Pa und Tha endende [Silbe, Phat] hinzu: So wird das große Mantra erklärt. Danach meditiere man in ihrem Herzensraum über das Gefolge.
7.78 Der Mantrapraktizierende verehre es sorgfältig mit dem Strom heilenden Nektars. Mit Hingabe bringe er Trankspenden dar und verehre Bhairava, Bala-Bhairava.
7.79 Nach der Verehrung des Gefolges mit den Gottheiten der Reihe nach spreche man Vagbhava, dann „Siddhajayaya“,
7.80 dann das Wort „Purva“ und „Vaktraya Namah“. Danach spreche man Vagbhava und das Wort „Jayaya“.
7.81 Man füge „Uttaravaktra“ im Dativ und „Namah“ hinzu. Dann spreche man sorgfältig Vagbhava, Maya und das Shri-Bija.
7.82 Dann „Kubjike“ und nach „Pashchima“ „Vaktraya Namah“. Danach spreche man Vagbhava und „Kalike“.
7.83 Am Ende „Dakshavaktraya“: So werden verschiedene Mantras angegeben. Nachdem man diese Mantrabuchstaben ausgesprochen hat, o Herr des Kula,
7.84 und der Reihe nach verehrt hat, verehre man die Sonne, den Mond, die Richtungswächter sowie Sandhya und die weiteren Göttinnen.
7.85 Virabhadra, Mahakali, Kaulini, Kulagamini, die achtzehnarmige Kali und die vier Gruppen soll man verehren. [Die weibliche Form Virabhadra wird bewahrt.]
7.86 Man bringe verschiedene Speisegaben herbei: Milch, eingedickte Milchspeise, gekochte Nahrung und gute reife Früchte,
7.87 was immer zur jeweiligen Zeit geeignet und mit Zucker und Honig vermischt ist, die fünf Tattvas und Kula-Substanzen, welche das eigene Heil mehren sollen.
7.88 Verschiedene Gaben und Speisen, nach der jeweiligen Ritualvorschrift zubereitet und mit mannigfaltigem Wohlgeruch versehen, bringe man so den Kumaris dar.
7.89 Der sehr Verständige bringe kühles Wasser und gebe es ihnen. Danach [rezitiere er] das heilvolle, schwer zugängliche große Mantra der Kumari,
7.90 oder sein eigenes Wurzelmantra; durch dessen Japa wird er zum Herrn der Siddhis.
7.91 Man halte die dazu befähigten Lebenswinde und vollziehe es selbst. Während man achtgliedrige und andere Verneigungen ausführt, trage man den Lobpreis vor.
7.92 „Ich verneige mich vor der Kula-Geliebten, die höchstes Glück schenkt, die sich auf die Liebe zu Kumara versteht und an allen Siddhis erfreut.“
7.93 „Ich verehre die Kumari, die Sprache der Welt, rein wie Korallenperlen, in silberfarbenes Gewand gekleidet und mit goldenem Kula-Schmuck geziert.“
7.94 Nach dem Nyasa mit diesem Mantra verehre man Tarini vollständig. Nachdem der vorzügliche Praktizierende Shiva und Ganesha verehrt hat, verneige er sich.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Anordnung der Kumari-Verehrung, im Abschnitt über vollendete Mantras und bei der Bestimmung des Divya-Bhava das siebte Kapitel.
Kapitel 8: Kumari-Hymnus und Trankspenden

8.1 Die erhabene Anandabhairavi sprach: Nun erkläre ich dir, Mahadeva, Japa und Feueropfer der Kumari. Man vollziehe hunderttausend Wiederholungen von Maya, Vagbhava oder Rama,
8.2 oder vom Kali-Bija, o Herr, vom Maya- oder Kama-Bija, eingefasst durch Sadashiva und mit Bindu und Mond versehen,
8.3 oder eingefasst durch den Pranava, Herr der Götter. Nachdem man das Wurzelmantra nach Vorschrift hunderttausendmal rezitiert hat,
8.4 vollziehe man ein großes Feueropfer mit einem Zehntel dieser Zahl, mit Ghee benetzten Bilvablättern oder mit weißen Blüten und Kunda-Blüten, was große Frucht bringt.
8.5 In dieser Reihenfolge opfere man Karavira-Blüten, mit Ghee benetzt oder allein, auch mit Sandelholz und Agaru vermischt.
8.6 Am Tag esse man Opferspeise, nachts widme man sich der Verehrung. Mit den von der eigenen Verehrung verbliebenen Kula-Substanzen verehre man [die Göttin].
8.7 Man rezitiere dabei dieselbe Zahl wie am Tag, die Gestalt höchster Wonne tragend. Nach dem Japa opfere der Mantrapraktizierende mit den von mir genannten Substanzen.
8.8 Dann reinige er wiederholt den Wind, dessen Wesen Prana ist, vollziehe drei Pranayamas und verneige sich freudig mit acht Gliedern.
8.9 Während der Verneigung, o Herr, soll der Entsagende diesen Hymnus lesen, ebenso den Schutztext der Kumaris,
8.10 oder den großen Hymnus der eigenen Göttin und danach ihren Schutztext. Die tausend Namen der Kumaris samt dem achtstrophigen Hymnus, Mahadeva,
8.11 lesend, erlangt der vorzügliche Praktizierende Vollendung. Er lasse sie alle vor sich Platz nehmen, kühlend wie Millionen Juwelen.
8.12 Dann lese der Verständige mit gesammeltem Geist und Selbstbeherrschung den Lobpreis, ob der großen Divya-Lebensführung ergeben oder von Vira-Bhava erfüllt.
8.13 So lese er der Reihe nach, ganz der Hingabe und inneren Haltung zugewandt, von großer Vidya, großem Dienst, Hingabe und Vertrauen durchtränkt.
8.14 Rasch wird er zu einem großen Wissenden und erlangt die Erfüllung seiner Wünsche.
Lobpreis der Göttinnen
8.15 Anandabhairava sprach: „Zum Heil verehre ich die vorzügliche Kumari: strahlend wie Millionen Monde, in Varanasi wohnend, Vidya und Geliebte des Vagbhava, dreiäugig, mit subtiler Tätigkeit flammend. Sie durchschneidet heftige Angriffe, trägt die drei Welten, wohnt im Wurzellotus und hat ein Mondantlitz.“ [Die Eingangsanrede der Götter ist grammatisch gestört.]
8.16 „Ich verehre Sandhya, die von Göttern, Shiva, Indra und Befreiung suchenden Entsagenden betrachtete Jugendliche, in der beständig gute Eigenschaften aufgehen, die unter den Zweimalgeborenen vorzüglich hervortritt: rötlich und weiß leuchtend, höchste Herrscherin, heilwirkend, gütig und weitgesichtig, Gayatri, Mutter der Scharen, Lauf des Tages, dunkel und alt.“
8.17 „Stets verehre ich zur Förderung der Befreiung die jugendliche, von Knaben verehrte, den Scharen und Wissenden Befreiung schenkende Erhalterin: die weiße Sarasvati, die junge Vorzügliche, Rede verleihende Chandika, Haris Geliebte im Svadhishthana, Freude und Vedanta-Wissen schenkend, mit einem Körper aus Yoga und von der Gestalt des Bewusstseins.“
8.18 „Ich verneige mich vor der von Göttern verehrten Jugendlichen in einem aus vielen Juwelen errichteten Haus, im geistgeborenen Nandana-Garten, deren Antlitz das Bija der endgültigen Lehre ist. Gib dem mittellosen Menschen Sinn und Mittel! Kumari, mögest du wahrhaft schützen, mit deiner dreifachen, lichtvollen Gestalt.“ [Die Wendung über das Verlassen einer Kumari-Kala bleibt unsicher.]
8.19 „Du mit dem vorzüglichen Antlitz trägst als Sakalika das einzige Bija der Freude des Kula-Weges, bist furchtbar im Duft von Fleisch und schenkst deinen Verehrern mehr, als sie wünschen. Ich bin ein Kind und suche stets Zuflucht beim Fußlotus Batukeshvaras. O junge Kumari, [nach dem unklaren Wort hitvā] verehre ich den Herrn des weißen Lotus am Haupt.“
8.20 „Stets im Herzlotus, im Sonnenblatt, verehre ich Suryaga: Sie erfreut die Sonne, nimmt die Qualen der schweren Verfehlungen des Kali-Zeitalters fort, ist auf Erden lichtleibig, nimmt Furcht und ist eine lichtvolle Jugendliche. Du makellose Kumari bist die wahre Vidya des jungen Herrn, unmittelbar Vollendung schenkend, Herrin der Gestalt.“ [Einzelne Epitheta sind unsicher.]
8.21 „Stets verehre ich dich, erhabene Kula-Geliebte, Kula-Trägerin, Kola, Uma und Ambika, in vielfältigem Yoga wohnend, Juwel der Götter, ewig und asketisch. Du wohnst im besonderen Sinn des Vedanta und in der besonderen Sprache. Ich, der Kala liebt, verneige mich vor dir, Tochter des höchsten Bergkönigs.“
8.22 „Ich verehre Kaumari, die Kula-Geliebte, die Feuer zur Erschütterung der Feindscharen hervorbringt, mit rötlich leuchtenden Augen, heilvoll und die Erkenntnis der Befreiung auf dem höchsten Weg schenkend. Sie ist die göttliche Gattin und Einsicht, erfreut die Welt, hat fünf Antlitze, ist die geliebte Gefährtin des Fünfgesichtigen, nimmt Furcht und trägt Schlangen als Schmuck.“
8.23 „Die schöne erhabene Kubjika hat ein Mondantlitz, erfreut durch den großen Glanz ihrer beiden Fußlotusse, ist ein Strom, vernichtet Verblendung und gewährt Segen. Wer sie täglich verehrt, erlangt rasch die Würde eines Kronjuwels unter Königen, Reichtum und Lebensdauer; ihm wird durchdringende Herrschaft zugeschrieben.“
8.24 „Ich meditiere über den Herrn der Yogis und der Welt, der Freude schenkt und durch die erhabene Kalasandarbha in den Ozean der Schönheit eingeht: aus Hara hervorgegangen und Wunscherfüllung entfachend. Mit Shiva, der Shri genannten Vidya, vernichtet er die Verfehlungen der Welten; für die sich Verneigenden ist er der Wunschbaum und die Gottheit des Dharma-Lebens.“
8.25 „Zur Befreiung preise ich jene Vidya Aparajita, deren Antlitz von der Freude der Liebe berauscht ist, deren Sandalen im Herzlotus stehen, die Kula-Kala, Katyayani und Bhairavi. Menschen von verdienstvoller Einsicht verehren sie freudig im Ozean höchster Wonne; sie ist furchterregend durch [ihren allumfassenden] Glanz.“ [Das Partizip zu „Glanz“ ist gestört.]
8.26 „Ich verneige mich vor Rudrani, lotusgesichtig, lichtvoll wie Millionen Sonnen, vielfältig geschmückt, Kula tragend und Wonne schenkend. Mit Shri, Maya und Kamala verbunden, wohnt sie im Herzen und wirkt als Bija des Fortbestehens. Im Herzen verehre ich sie, deren einzige Wohnstatt Wonne ist und die unmittelbar [schwer] zu erlangen ist.“
8.27 „Ich verneige mich vor der erhabenen Bhairavi, dem urzeitlichen Vernichtungsfeuer der Erde und der übrigen Elemente, zart und rötlich wie ein Lotusstängel, welche die Fehler der Welt reinigt. Sie nimmt der Welt Furcht, ist Hara und Herrin des Yoga, tilgt tausend große Gefahren und gewährt sämtliche Freuden.“
8.28 „Die Vidya mit den großen Kennzeichen schenkt Königsherrschaft, wenn man sie bittet. Du Mahalakshmi gewährst unmittelbar achtfaches Gedeihen und beseitigst die Erschütterung des Kula. Im schönen Svadhishthana-Lotus wohnend, unendlich geliebt von Vishnu, verehre ich dich als Königswürde schenkende, heilwirkende Kauleshvari und Kauliki.“
8.29 „Ich verehre Pithanayika, höchste Herrin der heiligen Sitze, Leben tragende, heilvolle Vidya und Führerin, mit allem Schmuck versehen, die Erschütterung der drei Welten beseitigende Varuni. Von den Schatten der drei Welten umhüllt, wirkt sie das Wohl aller und ist für die Siegreichen die Herrin in Wonnegestalt.“
8.30 „[Ich verehre] Kshetrajna, von Berauschung bewegt, Kula-Trägerin, der Siddhi zugetan, die geliebte Gefährtin Shambhus, des erhabenen Batukeshvara, die den Großen Wonne vermittelt.“
8.31 „Ich verneige mich vor der silberhellen Mahabhairavi, die unmittelbar das Selbst ins Höchste emporführt, inmitten des Lotus hervortritt und im tausendblättrigen Lotus am Haupt die Ströme des großen Nektarozeans trägt. Als Shakini beseitigt sie die Unruhe des eigenen Geistes und offenbart die äußeren Gegenstände.“
8.32 „Ich verneige mich vor der höchsten Ambika, die der Verneigung Frucht schenkt, alles Äußere unter ihren Einfluss bringt und die Fehler der Sinnesgegenstände vernichtet. Ihr Antlitz gleicht dem Vollmond; sie tritt im Lotus hervor und trägt im tausendblättrigen Lotus am Haupt die Ströme des großen Nektarozeans.“
8.33 „Ich verneige mich und verehre unmittelbar die Kauleshvari, deren Körper mit dem Nektar der drei Welten erfüllt ist, Sandhya und die weiteren göttlichen Lotusse, die höchste Kula-Kundige. Inmitten des tausendblättrigen Lotus ist sie die Zuflucht aller göttlichen Menschen.“
8.34 „Dich, Weltenherrin in der Vokalfamilie, vorzügliche Jugendliche, grüße ich täglich im Siddhasana mit Hingabe. Gewähre mir Hingabe, Vermögen, den Zustand des Sieges und Dienstbarkeit; darin [möge] die große Madhumati rasch [gegenwärtig sein].“ [Der letzte Versfuß ist beschädigt.]
8.35 Durch die Gnade dieses Hymnus wird man dichterisch begabt und ein Herr der Rede, ein göttlicher Herr großer Siddhis, dem Vira-Bhava ganz ergeben.
8.36 Man gewinnt überall Sieg und wird zum Liebling der Götter. Rasch wird der Mensch zum Herrn der Sprache und kann nach Wunsch Gestalt annehmen.
8.37 Selbst der Pashu wird gewiss zum großen Vira und zum Divya. Alle Vidyas werden gnädig und alle Richtungsherren zufrieden.
8.38 Feuer wird kühl, Wasser kann er zum Stillstand bringen. Der Mensch wird in dieser Lebenszeit reich, mit Söhnen versehen und ein König.
8.39 Danach gelangt er nach Vaikuntha oder Kailasha in Shivas Nähe. Wer ihn täglich und stets liest, erlangt Befreiung, Mahadeva.
8.40 Er schaut gewiss den Fußlotus der Mahavidya. Höre, o Herr, ich werde die Trankspenden für die Kumaris und die übrigen Handlungen erklären.
Trankspenden
8.41 Schon durch diese Trankspenden entsteht gewiss Kula-Vollendung. „Die Kula-Bala, im Wurzellotus wohnend und im Wunsch sich ergehend,
8.42 sättige ich hundertfach mit dem Wurzelmantra, deine Geliebte. Die mit dem gewaltigen Licht des Muladhara und einem Kranz von Haarflechten geschmückte
8.43 Göttin Sandhya sättige ich mit dem Kama-Bija, du Heilvolle. Die Kumari, die erhabene Sarasvati, deren Glieder Yoga im Wurzellotus sind,
8.44 sättige ich mit Kula-Substanzen zu deiner Freude. Die jugendliche Führerin Trimurti im Chakra des Muladhara-Lotus,
8.45 die Göttin, die alles Heil schenkt, sättige ich mit höchsten Nektaren. Die im großen sechblättrigen Svadhishthana-Lotus von innen Leuchtende
8.46 sättige ich mit dem Shri-Bija, allein um Genuss und Befreiung willen. Die im Kula des Svadhishthana Freude Entfaltende, die zu Vishnus Geheimzeichen gelangt,
8.47 Kalika, sättige ich mit ihrem eigenen Bija und Kula-Nektaren. Die im Svadhishthana genannten Lotus stehende, von großem Licht erfüllte Shiva,
8.48 Suryaga, die Herrin des Kula, sättige ich mit dem Honig des Hauptes. Die schönleibige Göttin Uma im Ozean des Manipura
8.49 sättige ich als Parvati mit dem Maya-Bija. Die im Manipura-Lotus von den drei Welten verehrte
8.50 Malini, die gute Einsicht eines befleckten Geistes, sättige ich. Die im Manipura stehende Raudri, welche höchste Wonne mehrt,
8.51 die im Raum wandelnde Göttin Kubjika, sättige ich. Ich sättige die große Göttin, die ganz der großen Praxis zugewandt ist.
8.52 Ich sättige die Yogini Kalasandarbha, das Antlitz des Kula, die Shakti-Mantras schenkende Raudri, mit beweglicher Zunge,
8.53 Aparajita, die große Göttin und Herrin des Kula. Die den großen Kaulas liebe Vollendete, welche das Glück der Rudra-Welt schenkt,
8.54 Rudrani mit ihren furchtbaren Strahlen, die der Braut liebe, sättige ich. Die Vollendung der sechzehn Vokale, die große Raurava-Hölle vernichtend,
8.55 Bhairavi, deren Geist auf das Trinken des großen Rauschtranks gerichtet ist, sättige ich. Die den drei Welten Segen schenkende Göttin, von der Girlande des Shri-Bijas umgeben,
8.56 Mahalakshmi, die Herrlichkeit im Dasein schenkt, sättige ich. Die zum Wohl der Menschen Wirkende, die Günstigen und Ungünstigen lieb ist,
8.57 Pithanayika, die erste der heiligen Sitze, mit Ramas Bija, sättige ich. Die siegreiche Mutter der Veden und Vedangas, die Mutter der Sonne,
8.58 Kshetrajna, von Maya umgeben, sättige ich mit Nektar. Ich sättige die Höchste der Kula-Wonne, deren Antlitz erhaben ist.
8.59 Ich sättige die Göttin Ambika, die im Herzen von Maya und Lakshmi wohnt.“
8.60 „Stets sättige ich zu unserem Glück die gesamte [Göttinnenfülle], deren Leib die beiden Fußlotusse aller sind, die mit der Vidya des Bewusstseins versehen ist, mit den heilvollen sechzehn Vokalen und der erhabenen Shodashi: im Sitz inmitten des weißen Lotus, auf dem schönen, mit Rubinen besetzten Löwenthron im Ozean der Wonne.“
8.61 Wer täglich diesen schönen, fruchtbaren Lobpreis samt Trankspende liest, gelangt zu [der Göttin], deren Wesen Maya ist, zur höchsten Befreiung und zum Ursprung der Wissensgabe. Die Herrscher der Erde, die alle Gefahren verursachen, gehen zugrunde; [die Verehrer] gewinnen Einfluss auf Könige, erlangen ganzen Yoga und werden augenblicklich beständig. [Der erste Halbvers ist gestört.]
8.62 Wenn Menschen diesen als Befreiung bezeichneten Text der Trankspende lesen, werden sie mit den acht Herrlichkeiten versehen und schauen sie nach einem Jahr.
8.63 Durch einen Monat Übung wird man ein großer Yogi, o Herr; rasch erschüttert man die drei Welten und erlangt Wunscherfüllung.
8.64 Auf Erden wird man zum König der Könige und empfängt vorzügliches Heil. Bei Feindvernichtung, Vertreibung, Gefangenschaft und Krankheitsnot,
8.65 bei einer viergliedrigen Armee, in schrecklicher Gefahr, bei Entsendung in die Ferne und in großen Schlachten der Könige erlangt man durch das Lesen Vollendung.
8.66 Wer mit ungeteilter Haltung liest, erlangt die Frucht der Trankspende. Durch das Lesen des Kumari-Hymnus wird seine Verehrung erfolgreich.
8.67 Wer weder die Kumari-Verehrung noch den beständig heilvollen Lobpreis vollzieht, bleibt einem Pashu ähnlich; auf Schritt und Tritt steht ihm der Tod bevor.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Entfaltung der Kumari-Verehrung, im Abschnitt über vollendete Mantras und bei der Bestimmung des Divya-Bhava das achte Kapitel.
Kapitel 9: Schutztext der Kumari
9.1 Anandabhairava sprach: Nun werde ich den heilvollen Schutztext der Kumari erklären, genannt „Heil der drei Welten“, der schwere Verfehlungen vernichtet.
9.2 Durch sein Lesen und Tragen werden die Menschen große Siddhas, Lichtbringer. [So wurden] Indra zum glückbegünstigten Herrscher der Götter, Brihaspati zum Götterguru,
9.3 Agni von großem Licht erfüllt, Dharmaraja furchtgebietend und Varuna, von den Göttern verehrt, selbst zum Herrn der Gewässer,
9.4 der große Wind zum Fortnehmer von allem, Kubera zum Herrn der Elefanten und Herr der Erde, Shambhu lieb; alle Götter wurden Richtungsherren.
9.5 „Nicht Meru ist Herr der Einen; der Herr aller ist makellos in den Zweien.“ [Dieser Halbvers ist nicht sicher zu deuten.] Durch das Lesen dieses Schutztexts werden alle Könige zu Herren des Reichtums.
Der Schutztext
9.6 „Der Pranava schütze mein Haupt, Maya, die wahre Gebende! Über der Stirn schütze mich Mahamaya, die erhabene Sarasvati.
9.7 Kamaksha, Batukeshani und Trimurti [schützen] meine Stirn; Chamunda in Bija-Gestalt und Kalika mein Gesicht.
9.8 Suryaga schütze stets mich und meine beiden Augen. Das Kama-Bija, dessen Gestalt die asketische Uma ist, [schütze] mein Ohrenpaar.
9.9 Die Redegöttin Malini schütze meine Zungenspitze; die im Damara stehende, jede Wunschgestalt annehmende Kunjika meine Zahnspitzen.
9.10 Die Göttin Shiva in der Gestalt des Pranava schütze mich stets; die aus dem Shakti-Bija bestehende, Svaha verkörpernde [schütze] Ober- und Unterlippe.
9.11 Kalasandashta, deren Gestalt die fünf Lebenswinde sind, beschütze mich. Maharaudri und Aparajita schützen meinen Halsbereich.
9.12 Das Bija Kshaum und Rudrani, mit Svaha verbunden, schützen meinen Hals. Die Bhairavi-Vidya, die sechzehn schönen Vokale, schütze mein Herz.
9.13 Die ursprüngliche Mahalakshmi schütze überall meine beiden Arme; Pithanayika, die Gestalt aller Mantras, meinen Bauch.
9.14 Die Kumari, deren Wesen Vagbhava ist, schütze meine beiden Seiten; Kaishori, deren Gestalt das Maya-Bija ist, meinen Hüftbereich.
9.15 Jayanti, die Yogini mit Kulluka, schütze meine beiden Unterschenkel. Die Göttin Ambika, die den Sinn der Mantras durchdringt, schütze meinen ganzen Körper.
9.16 Kamala schütze meine Haarspitzen, Vindhyavasini meine Nasenspitze; die Göttin Chandika, die Kumari, schütze stets mein Kinn.
9.17 Lalita schütze mein Herz, die Bergbewohnerin meinen Rücken; die Göttin Shodashi als dreifache Shakti schütze stets mein Geschlechtsorgan und meinen verborgenen Bereich.
9.18 Auf dem Leichenverbrennungsplatz [schütze mich] Ambika, in der Ganga Vaishnavi; im leeren Haus die fünf Mudras verkörpernde, Mantra und Yantra offenbarende Göttin.
9.19 An der Wegkreuzung schütze mich die Vajra-Trägerin, Chanda, die auf einem Leichnam sitzt und mit einer Schädelgirlande geschmückt ist.
9.20 In [dem unklaren Ort] Mana und in Kalinga schütze mich Vaikhari in Shakti-Gestalt; im Wald Mahabala, im großen Wald die kampfliebende Göttin.
9.21 In großen Gewässern und Teichen sowie unter Feinden [schütze mich] Sarasvati; auf dem Weg durch den großen Raum Prithvi. Shitala schütze mich stets.
9.22 Mitten im Kampf [schütze mich] Rajalakshmi, die Kumari, die Kula-Geliebte. Ardhanarishvara schütze mich; die Erde meine Fußsohlen.
9.23 Die neunhunderttausend Mahavidyas tragende Kumari-Gestalt, strahlend wie Millionen Sonnen und kühl wie Millionen Monde,
9.24 die segenspendende Vani, Batukeshvaras Geliebte, schütze mich.“ So habe ich dir, o Herr, den überaus wunderbaren Schutztext
9.25 der Kumari, der Kula-Spenderin, erklärt, du Kenner des Sinns der fünf Tattvas. Wer mit den fünf Tattvas, dem Hymnus und dem Schutztext Japa übt,
9.26 erlangt die Siddhi des Wandelns im Raum, daran besteht kein Zweifel.
9.27 Durch das Lesen des Schutztexts erhält er rasch einen vajragleichen Körper. Wer ihn liest, wird ein Yogi, Wissender und Herr aller Siddhis.
9.28 Im Streit, bei gerichtlichen Angelegenheiten, im Kampf, im Kula-Kreis, auf der großen Straße und auf dem Leichenverbrennungsplatz ist er im Yoga vollendet.
9.29 Durch das Lesen erlangt er Sieg, wahrlich, wahrlich, Herr des Kula. Es ist ein heilvoller Schutztext zur Einflussgewinnung, der überall Sieg schenkt.
9.30 Wer heilsame Gelübde hält, lese ihn täglich und wird gewiss ein glückbegünstigter Entsagender. Die Kumari, die vollendete Vidya, schenkt höchste Vollendung.
9.31 Wer ihn liest oder hört, wird einem Wunschbaum gleich. Hingabe, Befreiung, Zufriedenheit, Gedeihen, königliches Glück und gute Güter
9.32 erlangt der vorzügliche Praktizierende, wenn er ihn trägt und rezitiert. Durch das Lesen des heilvollen Schutztexts verwirklicht der Wissende das Unverwirklichbare.
9.33 Er schenkt den Wohlhabenden großes Glück und die vier Lebensziele. Wer bei Tag stets selbstbeherrscht ist und nachts die Kumari verehrt,
9.34 bringt durch besondere Verehrungsgaben die drei Welten unter seinen Einfluss: mit Fleisch, berauschendem Getränk, Fisch und Mudra,
9.35 mit verschiedenen essbaren Speisen, Duftstoffen, Girlanden, Gold- und Silberschmuck sowie schönen Gewändern.
9.36 Nachdem der Praktizierende die Schönangesichtige verehrt, Japa geübt und Trankspenden gegeben hat, mit Opfer, Gaben, Askese und Anwendung, Maheshvara,
9.37 sie gepriesen hat und den Kumari-Schutztext mit ungeteilter Haltung liest, erlangt er rasch Vollendung und wird zum Herrscher der Könige.
9.38 Er erlangt die Frucht dessen, was er wünscht und im Geist trägt. Er schreibe den Schutztext auf Birkenrinde und trage ihn am Herzen.
9.39 An einem Samstag oder Dienstag, am neunten oder achten Mondtag, am vierzehnten oder am Vollmondtag, besonders in der dunklen Monatshälfte,
9.40 schreibe ihn der Wissende, nach Norden gewandt, auf und trage ihn. Selbst mit schweren Verfehlungen belastet, wird er von allen Verfehlungen frei.
9.41 Eine Frau, die ihn am linken Arm trägt, erlangt alles Heil; sie wird eine geliebte Frau mit vielen Söhnen und allen Gütern.
9.42 Ebenso trage ein vorzüglicher, glückbegünstigter Mann ihn am rechten Arm. Hier erlangt er einen göttlichen Körper und den Glanz des Fünfgesichtigen.
9.43 Danach gelangt er in Shivas Welt, schnell wie der Wind und ohne Krankheit. Er durchbricht den Sonnenkreis und erreicht die höchste Welt.
9.44 Dieser heilvolle Schutztext, aus dem Ozean der Wonne hervorgegangen, schenkt den Menschen großes Glück, nimmt Furcht und verleiht Hingabe an die erhabenen Füße. Wer ihn zur Befreiung liest, [erfährt] Sieg und die Vernichtung der furchtbaren Befleckung des Kali-Zeitalters. Wer die Namen liest, gelangt augenblicklich zu unvergleichlichem Dharma und Befreiung. [Die Anrede pārthānām ist nicht eindeutig.]
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Anordnung der Kumari-Verehrung und der Entfaltung des Kumari-Schutztexts, im Abschnitt über vollendete Mantras und bei der Bestimmung des Divya-Bhava das neunte Kapitel.
Kapitel 10: Der Hymnus der 1.008 Namen der Kumari

Zur Namensreihe: Die Göttinnennamen folgen über weite Strecken dem Sanskritalphabet. Einige sind geläufige Namen oder übersetzbare Beiwörter, andere lautsymbolische Bildungen. Nicht sicher deutbare Namen bleiben als Eigennamen erhalten; die Zahl 1.008 ist die traditionelle Bezeichnung des Hymnus und hier nicht als nachgezählte Zahl eindeutig abgrenzbarer Namen behauptet.
10.1 Anandabhairava sprach: Sprich, Geliebte, deren Wesen ewige Wonne ist, Geliebte der Wonne, den die höchste Wonne mehrenden
10.2 wunderbaren, heilvollen Hymnus der 1.008 Namen der Kumari, der vorzüglichsten Göttin, wenn mir, o Vidya, ein makelloser Anteil deiner Zuneigung gilt.
10.3 Dann verkünde den großen Lobpreis, der die Früchte der für Kumari ausgeführten Handlungen schenkt und die Frucht von Abermillionen Mädchengaben [zur Heirat] gewährt.
10.4 Anandabhairavi sprach: Höre, o Herr, Geliebter des Allherrn, den überaus wunderbaren, hochverdienstvollen [Hymnus] der Kumari, genannt „Die 1.008 Namen“.
10.5 Durch Lesen oder Tragen wird ein Mensch aus Bedrängnis befreit. Überall schwer zugänglich, heilvoll und von glückbegünstigten Menschen gepflegt,
10.6 umfasst er die acht Siddhis, beginnend mit dem Kleinwerden, und schenkt alle Wonne. [Die Wendung über das Maya-Mantra ist unklar.] Er verleiht den Menschen Mantravollendung.
10.7 Keine Verehrung, kein Japa, kein Bad und kein Purashcharana-Verfahren [sind dafür erforderlich]: Durch das Lesen der tausend Namen erlangt man unvermittelt Vollendung.
10.8 Der Praktizierende empfängt in einem Augenblick die Frucht aller Opfer, o Herr, den Sinn des Mantras, das lebendige Mantrabewusstsein und die Gestalt der Yoni-Mudra.
10.9 Selbst in hundert mal zehn Millionen Jahren könnte man die Frucht nicht vollständig beschreiben. Dennoch möchte ich sie zum Wohl der Welten erklären, o Herr.
10.10 Für diesen Tausendnamen-Schutztext der erhabenen Kumari ist Batuka-Bhairava der Seher, Anushtubh das Versmaß und Kumari die Gottheit. Seine Anwendung dient der Vollendung und dem Gedeihen aller Mantras.
Die Namensreihe
10.11 Om. Kumari, Kaushiki, Kali, Kurukulla, Herrin des Kula; Goldglänzende, Goldfarbene, Kamala, Geliebte der Zeit.
10.12 Schädelträgerin, Zeitgestalt, Kaumari, Bewahrerin des Kula; Geliebte, Geliebte Kumaras, Ursache, mit Elefantengang.
10.13 Kandhakanta [unklar], Geliebte der Kaulas, Geberin der Früchte vollbrachter Taten; dem Tun und Nichttun Zugewandte, Kaksha, Vernichterin Kamsas, Kuru-Verderberin.
10.14 Krishnas Geliebte, Nacht der Zeit, mit pfeiltragender Hand am Ohr [unsichere Namensgliederung]; Begierdenvernichterin, die Rötlichbraune, Kala, Kalika, Kuru-Geliebte.
10.15 Liebhaberin Kurukshetras, Kaula, Kunti, von Verlangen bewegt, Kacha; Verzehrerin von Kalanja [unklare Speisebezeichnung], Kaikeyi, mit Krähenschwanz-Banner, Kala.
10.16 Kamala, Glück der Liebe, Geliebte des Lotusgesichtigen; in Gestalt der Wunschkuh, Vernichterin und Bezwingerin der Begierde.
10.17 Wünsche Gewährende, vom Liebesgott Verehrte, über Verlangen Erhabene, Trägerin der Künste; Bhairavi, reich an Ursachen, Jugendliche, Kushalangala [unklar].
10.18 Mit muschelgleichem Hals, dunkel leuchtend, deren Gestalt dem Liebeskönig gefällt; mit Armreifen geschmückt, Kanka, die Eine, Kakini, Kira.
10.19 Kiratin, Krähenverzehrerin, mit schrecklichem Antlitz, die Schlanke; Haarreiche, Vernichterin Keshis, Kesha, Kasambashtha [unklar], Elefantenfreundin.
10.20 Gestalt des Herrn der Dichter, scharf Redende, in Schärfe Verweilende; Höhlung, Hohläugige, Bewohnerin Karnatakas.
10.21 Im Kataka [Lager oder Armreif] Wohnende, im Holz Stehende, Kandarpa, Liebhaberin der Ketaki; Spielfreudige, auf einer Decke Sitzende, Vernichterin des Kala-Dämons.
10.22 Von Ketaki-Blüten geschmückt, deren Zunge mit Kampfer erfüllt ist; Karpurakara-Kakola [unsichere Verbindung], Bewohnerin des Kailasha-Berges.
10.23 Auf einem Kusha-Sitz Ruhende, Kadamba, Herrin der Elefanten, Antlitz des Kula; die Kleine, Schwertträgerin, das Schwert, Vernichterin der Bösen, Geberin boshafter Einsicht.
10.24 Khanjana, von rauer Gestalt, in Alkalischem, Saurem und Bitterem Gegenwärtige; die Spielende, Schildträgerin, scharf Redende, heftig und rau.
10.25 Beweglich wie ein Leuchtkäfer, Spiel, Leuchtkäfergestalt, auf einem Vogel Reitende; im Schild Verweilende, Khalakhastha [unklar], Luftwandlerin, Freundin der Luftwandler.
10.26 Im Raum Wandelnde, mit rauer Liebe, reich an Wildheit, mit dem Antlitz eines Luftgängers; Herrin der Luftwandler, heftig und furchtbar, den Luftwandlern freundlich Zusprechende.
10.27 Von Dattelwein berauscht, Dattelfrüchte Genießende; in der Grube Stehende, die Ausgegrabene, eine Grube mit Wasser Füllende.
10.28 Ruhm, Freude am weithin bekannten Wasser, Khulana, mit dem Gang der Bachstelze; Khalva, die sehr Raue, Khari, Abschneiderin heftiger Unruhe. [Mehrere Namen sind allein durch den Wortlaut bestimmbar.]
10.29 Im Himmel Stehende, die Erschrockene, tief Tönende, Gaya; Ganga, die Tiefe, Gauri, Geliebte Gananathas, der Weg.
10.30 Dem Guru Ergebene, Gvalihina [unklar], Hausherrin, Beschützerin beziehungsweise Hirtin, Rede; unter den Kühen Stehende, Ganapati Zugehörige, Berggeborene, von den Bergen Verehrte.
10.31 Geliebte des Berges, unter den Scharen Stehende, Bergestochter, Herrin der Scharen; Tochter König Gadhis, Halsgestalt, die Gewichtige, Guru-Mutter, Shankari.
10.32 Geliebte der Gandharvas, Gesang, Gayatri, Eigenschaften Schenkende, die Eigenschaften; im Guggulu-Harz Wohnende, vom Guru Verehrte, Freude des Gesangs Offenbarende.
10.33 Deren Haus Gayasura lieb ist, in einem Netz von Fenstern Verweilende; Guru-Tochter, Guru-Gattin, die Unergründliche, Guru-Nagini.
10.34 Im Wind der Fußknöchel Stehende, Fußknöchelgestalt, Eselin, Eselsfreundin; die Verborgene, unter den geheimen Scharen Wohnende, Schwere, Gaurika, Aftergestalt.
10.35 Oberhalb des Afters Stehende, die Dahingeflossene, Kurtisane, Kugelgestalt, Hals; Gandharvi, Stadt des Gesangs, von Gandharva-Scharen Verehrte.
10.36 Furchtbar Tönende, mit furchtbarem Gesicht, die Furchtbare, Hitze Abwehrende; Wolkenspenderin, wolkenfarben, auf dem Wolkenfahrzeug Fahrende.
10.37 Im polternden Klang Bewegliche, Ghata-Aghata-Pata-Aghata [Lautname]; die Gefügte, das Fügen, Ghona, Wolkengestalt, Herrin der Wolken.
10.38 Über Ghunya Erhabene [unklar], Gharghara, Bezauberin furchtbarer Gesichter; mit furchtbaren Augen, dunklem Glanz, Tochter des schrecklichen Bhairava.
10.39 Vernichterin von Schlag und Schläger, die zu Schlagende, Geruch und Geruchsherrin, Windgestalt; im tiefen Dunkel Wohnende, Verzehrerin, Ghasvara, Ghara.
10.40 Auf dem Pferd Stehende, Stute, Reittier des Pferdeherrn; dunkel wie dichter blauer Edelstein, Geliebte Gharghareshvaras.
10.41 Mit dem Lautkomplex Nga versehen, im Nga-Chakra Wandelnde; Ngakari, Ngasamsha, Nganita und Ngakarini. [Die letzten Namen sind klanggebundene Bildungen ohne sichere Wortbedeutung.]
10.42 Inmitten der Mondscheibe Stehende, die Gewandte, lieblich Lächelnde; mit schönem Mondgesicht, Freundin beweglichen Ganges.
10.43 Die Bewegliche, Flüchtige, Chandi, die Aufmerksame, in Schönheit Stehende; die Bewegte, Chanana, Charva, mit lieblichem Bienensummen.
10.44 Diebesvernichterin, Mondwohnung, Chandri, in der Mondstadt Wohnende; Chakra-Kaula, Chakra-Gestalt, im Chakra Stehende, Chakra-Vollendung Schenkende.
10.45 Diskusträgerin, mit dem Diskus in der Hand, dem Kula des Chakra-Herrn lieb; vom Chakra Undurchdringliche, Chakra-Kula, mit dem Chakra-Mandala Geschmückte.
10.46 Geliebte Chakreshvaras, Gewandgestalt, über Stoff, Fell und Kusha Ruhende; in den vier Veden Wohnende, die Heftige, kühl wie Millionen Monde.
10.47 Vierfach Qualifizierte, mondfarben, Gewandtheit, Freundin der Gewandten; im Auge Stehende, Augenwohnung, Kichererbse, Freundin der Kichererbse.
10.48 Mit schönen Gliedern, Mondwohnung, mit beweglichen Lotusaugen; Charvarisha [unklar], schönangesichtig, schönzähnig, in Bewegung Stehende.
10.49 Als Rauschtrank im Becher Stehende, Bewusstsein, im Bewusstsein Wohnende, im Chaitra Verehrte; zum Sehen Gehörige, mit einer Mondgirlande, vom Glanz des Chandrahāsa-Juwels.
10.50 In Täuschung Verweilende, von kleiner Gestalt, im Schatten des Schirms und in Täuschung Stehende; Täuschung Kennende, Cheshvarachhaya [unklar], Schatten, abgeschnittene Shiva, Täuschung. [Die Vorlage zählt nur „50“.]
10.51 Mit Schirm und Yakschweifwedel geschmückt, den Beschirmten den Schirm Tragende; über das Abgeschnittene Erhabene, Chhinnamasta, mit abgeschnittenem Haar, aus Täuschung Geborene.
10.52 Täuschung Vernichtende, Täuschung Gebende, Schatten, die Verborgene, Freundin verborgener Menschen; deren Täuschung abgeschnitten ist, Verkleidete, in einem verborgenen Haus Wohnende.
10.53 Mit verborgenem Duft, durch eine Decke Verhüllte, Verkleidung Tragende, Chhakarika; Ziege, Blutverzehrerin, am Ziegenduft erfreute Bluttrinkerin.
10.54 Tochter des Chhagalanda-Herrn, junge Chhagalanda; Messer, Messerträgerin, im Messerfeind Wohnende. [Die Eigennamen und die letzte Bildung sind unsicher.]
10.55 Mit abgeschnittener Nase, mit abgeschnittenen Händen, nach Rot verlangend, mit trügerischem Bauch; durch Täuschung Beunruhigte, Girlande der Chhanga-Bijas, Chhanga-Segen Schenkende.
10.56 Haarflechten Tragende, dem Leib Gedeihen Schenkende, Alter, Opferfreundin, Sieg; im Yantra Stehende, Leben Nehmende, Leben, Sieg Schenkende, Verbindung des Lebens Gewährende. [Die Vorlage zählt nur „56“.]
10.57 Siegerin, im Yamala Stehende, aus dem Yamala hervorgegangene Führerin; dem Yamala liebe Tochter, Yamala-Herrin, Freundin des Hibiskus.
10.58 Wie zehn Millionen Hibiskusblüten Leuchtende, Hibiskusblüten Liebende, Menschengestalt; im Wasser Stehende, auf die Welt Bezogene, über Alter Erhabene, im Wasser Wohnende.
10.59 Leben Nehmende, Tochter des Lebens, Janardanas Mädchen; Fledermausgestalt, mit Wasser Verehrte, Geliebte Jagannathas und weiterer Herren.
10.60 Mit gealterten Gliedern, frei von Alter, von Wolken überaus schön geschmückt; Jamada, Jamada [wiederholt], Gähnen beziehungsweise Entfaltung, Trägerin der Gähnen bewirkenden Waffe und weiterer Waffen. [Die Vorlage zählt nur „60“.]
10.61 Die Unterste, aus einem Liebhaber Geborene, die Erfreute, Freude der Welt Mehrende; Bezwingerin des Stolzes der beiden Arjuna-Bäume, Zerbrecherin der beiden Arjunas.
10.62 Siegerin, Freude der Welt, Vollendung der Yamala-Freude Schenkende; Japa-Girlande, Vollendung der Rezitation, das Japa-Opfer Offenbarende.
10.63 Jambavati, Tochter Jambavats, Janavajapa [unklar]; Schnelligkeit Vernichtende, Welteinsicht, Weltschöpferin, Weg der Welt.
10.64 Mutter, Belebende, Gattin, Weltenmutter, Herrin der Menschen; Jhankala, inmitten des Klingens, Gestalt des klirrenden Lautes.
10.65 Feuergestalt mit klirrendem Klang, Jhanana, Jhandarishvari; rasch Blickende, Wasserstrom, Sturmwind, Rasselnde, Tochter des Stroms.
10.66 Klirrenden Klang Hervorbringende, Jhana, Jhanna, von einer Girlande des Buchstabens Jha umgeben; die Summende, Rasselnde, Jhalli, im Herrn Jhalla Wohnende.
10.67 Den Laut Nya Hervorbringende, Nya-Kiratin, mit einer Girlande des Nya-Bijas; Nyanayanta, im Laut Nya Endende, höchste Herrin des Nya.
10.68 Von einer Einfassung mit dem Nya-Bija umgeben; Nyekala, Nyai-kagamini, Nyai-kanela, Nya-Gestalt, Nya-Girlande und Nya-Haritaki. [Diese Namen sind alphabetisch-mantrische Bildungen.]
10.69 Tuntuni, mit einem Beil in der Hand, zur Ta-Gruppe gehörig, Talavati; Tapala, Tapabala genannt, Gestalt des klirrenden Tankara-Lautes.
10.70 Talati, über den Buchstaben Ta hinaus, junge Göttin der Titkara-Laute; Beilwaffenträgerin, Tana, Sprecherin der Tamo-Ta-Laute. [Mehrere Bildungen sind lautsymbolisch.]
10.71 Tankari, Vidhana, Taka, Bezauberin des Taka-Taka; Tankaradharanamaha [unklar], im Luftraum mit Tivi-Klang Tönende.
10.72 Thatha-Klang Hervorbringende, Thatha-Gestalt, Ursache des Tha-Bijas; deren liebstes Instrument die Damaru ist, im Damara Stehende, mit dem Da-Bija.
10.73 Zur Da-Gruppe gehörig, Damaruka, in Dara Stehende, Dora-Damara; Dagarardha, über Dala hinaus, Herrin des Da-Daruka, Duta.
10.74 Dha-Ardhanarishvara, Dhama, Trommelnde, Dhalana, Dhala; im Dhaka Stehende, Tochter Dheshvaras, Dhemanabhava-Dhonana. [Die Reihe entfaltet den Laut Dha; etliche Namen sind nicht sicher etymologisch deutbar.]
10.75 Noma-Kanteshvari, in der Na-Gruppe Stehende, Natunavati; Nano, heilvolle Mana-Zeichnung, Naksha-Vinaksha-Bijika. [Alphabetisch-mantrische Na-Namen mit unsicherer Gliederung.]
10.76 Tulasi, als subtiler Faden Benannte, die Bewegliche, nach Öl Duftende; Askese, Tochter des Asketen, Retterin, Jugendliche, Grundfläche.
10.77 Im Tantra Stehende, Gestalt des rettenden Brahman, inmitten des Fadens; Palmfrüchte Verzehrende, dreigestaltig, rettende Tara, Öl Genießende.
10.78 Furchtbare Tara, Palmengirlande, Takara, Tamarindenfreundin; Askese, Zusammenhang des Rhythmus, drohende Kumari.
10.79 Kindgemäß Handelnde, den Grund Erschütternde, Takshaka, Takshakas Geliebte; mit Takshaka geschmückt, Zufriedenheit, von entsprechender Gestalt, Freundin des Tala.
10.80 Eine Tala-Waffe Tragende, Glut, Geberin der Früchte der Askese; Talvalva-Praharalita [unklar], Vernichterin der Tala-Feindscharen.
10.81 Baumwolle, Waage, Wägende, am Grund Stehende, Bewahrerin des Grundes; Jugendliche, in glühender Einsicht Verweilende, die Erhitzte, Tragende, Askese.
10.82 Das Tantra Offenbarende, den Sinn des Tantra Schenkende; mit mondstrahlengleichen Gliedern, vierfach oder von gleichem Glanz.
10.83 Auf dem Ölweg Hervorgebrachte, die Frucht tantrischer Vollendung Schenkende; kupferblättrig, kupferhaarig, Liebhaberin kupferner Gefäße.
10.84 Dem Tamas zugetan, Tola, Abwehrerin von Takshakas Feinden; Zufriedene, um Dunkelheit Bittende, Geliebte des Tamas-Shodha-Herrn.
10.85 Vergleich, gleichmäßig schön, gleichmütig, dreifache Einsicht; Buttermilch Genießende, Vollendung des Rhythmus, dort Stehende, dorthin Gehende.
10.86 Talaya, wie Öl Glänzende, Tali, auf die Geheimhaltung des Tantra Bedachte; Tantra und Mantra Offenbarende, Gestalt dreier Staubteilchen.
10.87 Freundin von dreißig Bedeutungen, Zufriedene, Zufriedenheit, Freundin zufriedener Menschen; Herrin des Tha-Lautkomplexes und Stabes oder Geliebte des Tha-Stabherrn.
10.88 Deren Glieder vom Buchstaben Tha durchdrungen sind, zur Tha-Gruppe gehörig, die Wirkende; Thanta, Thamishvari, Thaka, mit einer Girlande des Tha-Bijas.
10.89 Freundin von Daksha und der Fessel, Fehler, im Wald des Fehlernetzes Wohnende; Zustand, schrecklich bezahnt, Göttin, Freundin der Diener, Erbarmen.
10.90 Höchste Dämonenvernichterin, Daitya, Bezwingerin der Dämonen, Himmelsrichtung; Beherrschte, Freundin der Beherrschten, Dienerin, Zähmende, Langhaarige.
10.91 Bezähnte, Rotfarbene, in einem Höhlenhaus Wohnende; Göttermutter, Schwerzugängliche, mit langen Gliedern, Dienerstochter.
10.92 Mit schönen Zähnen, langen Augen und langer Nase, Fehler Beseitigende; Damayanti, im Blatt Stehende, Vernichterin des Verhassten, in zehn [Bereichen] Stehende.
10.93 Daisheshika, in die Himmelsrichtungen Gehende, Zahnwaffen Vernichtende; Armut Beseitigende, bei den Armen Wohnende, den Armen Reichtum Schenkende.
10.94 Mit hervorstehenden Zähnen, Landessprache, im Land Wohnende, Führerin des Landes; Hassgestalt, Hassvernichterin, Bezauberin der feindseligen Scharen.
10.95 Klang der Stätte Damodaras, den Blättern Kraft Schenkende; die Himmelsrichtungen Zeigende, in der Schau Stehende, von der Schau freundlich Redende.
10.96 Damodaras Geliebte, Beherrschte, Körper Damodaras; Dravini, Reichtum, die Geschickte, Dakshas Tochter, mit festen Blättern.
10.97 Mit festem Sitz, Kraft der Diener, den Zweikampf Offenbarende; Freundin des Joghurts, im Joghurt Stehende, durch Joghurt Heil Bewirkende.
10.98 Stolz Vernichtende, Stolz Gebende, Stolze, Liebhaberin des Verdienstes des Darbha-Grases, Joghurt; im Darbha Stehende, Drupadas Tochter, Draupadi, Drupadas Geliebte.
10.99 Gedanke an Dharma, Aufseherin des Reichtums, dem Dhashva-Herrn Segen Gewährende [Name unklar]; Reichtum Nehmende, Reichtum Gebende, Bogenträgerin, Bogen in der Hand Haltende, Freundin des Bogens.
10.100 Erde, Gestalt der Standhaftigkeit, im Reichtum Wohnende, durch Reichtum Bezaubernde; Dhora, Freundin der Standhaften, Stütze, dem Tragen der Erde zugewandt.
10.101 Getreidespenderin, Getreidekeim, Gestalt von Dharma und Adharma; in Wolken Wohnende, die Begünstigte, in der Fülle des Dharma Wohnende.
10.102 Den Reichen liebes Mädchen, von begünstigten Menschen Verehrte; Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung verkörpernd und diese vier Ziele schenkend.
10.103 Erdträgerin, Dhurona, Weiße, Weißgesichtige; Erde, Lichtgestalt, die Feste, Beständigkeit, Freundin des Polarsterns.
10.104 Herrin des Reichtums, Dharana genannt, Vernichterin der Verleumdung des Dharma; aus dem Licht des Dharma bestehend, rechtschaffen, den vorzüglich standhaften Bharga Bezaubernde.
10.105 Sammlung, mit gewaschenem Gewand, Stechapfelfrüchte Genießende; Narayani, beim Menschenherrn Stehende, Narayanas Körper.
10.106 Nara und Narayana Erfreuende, Dharma-Ninda [wörtlich: Dharma-Tadel], Unverblendete; Ewige, Barbierstochter, im Auge Wohnende, Menschenfreundin.
10.107 Benannte, Freundin des Namens, Nara, Narayanas Tochter, Menschengestalt; von einem jungen Führer Erfreute, die Neue, Freundin frischer Früchte.
10.108 Von frischen Blüten Erfreute, von den Bannern der Neuen Gepriesene; Frau, Freude im Nimba-Baum, Erfreuende, Freude Bewirkende.
10.109 Von frischen Blumen sehr Erfreute, nach frischen Blumen Duftende; in Nandana Wohnende, Nandas Tochter, Nanda Befreiung Schenkende.
10.110 Die Verehrte, Verschiedenheit der Namen, durch den Namen den Leidenswald Bezaubernde [unsicher]; Freundin neuer Einsicht, die Vielfache, im Himmel Stehende, Namenstochter.
10.111 Frei von Tadel, neue Freude, die Himmelsstätte Schenkende; im Nimba-Baum Wohnende, Nimba, in vielen Bäumen Wohnende.
10.112 Über Zerstörung hinaus, blau gefärbt, blau gefärbte Sarasvati; im Raum Stehende, vom Führer Erfreute, geliebte Gefährtin des Führers.
10.113 Naivavarna [unklar], ohne Nahrung, dem Rajas der Nivihas zugetan [unklar]; mit schönem tiefem Nabel, von Königshänden Verehrte.
10.114 Bei Nala Stehende, Nala Erfreuende, König Nalas Mädchen; höchste Herrscherin, höchste Wonne, Höheres und Niederes Unterscheidende.
10.115 Höchste, im höchsten Chakra Stehende, Parvati, Freundin der Berge; höchste Herrscherin, Parvanana [unklar], Freundin von Blumengirlanden, die Höchste.
10.116 Höchste, Geliebte, Zuneigung Schenkende, Liebe, erste Liebende; die Erste, die Erste [Wiederholung], Erfreute, Freundin des Blütendufts, Höchste.
10.117 Zum Pausha Gehörige, dem Trinken Zugewandte, Füllige, durch volle Brüste Schöne; der Ehrung der Männer Zugewandte, mit der Schlinge in der Hand, Freundin der Pashus.
10.118 Am Genuss von Fleisch Erfreute, Gestalt des Stroh-Rauchs; Palasha-Blüten Gleichende, eine Palasha-Blütengirlande Tragende.
10.119 Zu Liebe Gewordene, Lotusgesichtige, mit einer schönen Rubingirlande; Lotusgirlande, Verfehlungen Beseitigende, im Liebesspiel mit dem Gatten Sich Entfaltende.
10.120 Den Fünfgesichtigen Bezaubernde, fünf Gesichter Offenbarende; von Früchten und Wurzeln Lebende, Phali, Fruchtspenderin, Freundin des Phalguna.
10.121 Geliebte des Früchteherrn, Phalli, Phalgu-Tochter, der Frucht Zugewandte; Hauptgöttin des Phetkari-Tantra, von den Phetkara-Scharen Verehrte.
10.122 Pheravi, Tochter Pheravas, aus Fruchtgenuss Entstehende, Frucht; Fruchtfreundin, an Früchten Hängende, im Phalguna Wonne Schenkende.
10.123 Über Fruchtgenuss Erhabene, Phela, im geöffneten Lotus Wohnende; in Vasudevas Haus Stehende, Vasavi, von Viras Verehrte.
10.124 Gift Verzehrende, Tochter Budhas, den Blung-Laut Hervorbringende, Blu-Segen Schenkende; Brahmi, Brihaspatis Tochter, dem Herrn der Rede Segen Gewährende.
10.125 Vedischer Wandel, dem Erkennbaren Zugewandte, in Vyasas Mund Wohnende, Glanz; Erkenntniskundige, Vaushat Genannte, durch Flötenklang und Verneigung Verehrte. [Die letzte Verbindung ist unsicher.]
10.126 Vajra-Geliebte, mit Vajra-Gang, Badari, die Abstammungslinie Mehrende; Bharati, Bhavara-Shri Schenkende [unklar], Bhavas Gattin, Bhavas Tochter.
10.127 Bhavani, Werdende, Schreckliche, Arztgattin, im vierten [Zustand] Stehende; Gestalt von Bhur, Bhuvar und Svar, tief Leidende, wie ein Frosch Tönende.
10.128 Zu den Elementen Gehörige, Freundin von Bhanga, Bruch und Bruchbeseitigerin, Bruch Fortnehmende; Erhalterin, erhabene Göttin, Glück, von Bhagiratha Verehrte.
10.129 Bhagamala, Herrin des Bhuta-Herrn, von Bhargava Verehrte; aus Bhrigus Geschlecht, Furcht Nehmende, Erde, Schlangengirlanden Tragende.
10.130 Mit mondheller Stirn, Bhalva-Bala [unklar], Wesen des Daseins, Herrlichkeit Schenkende; im Makara Stehende, mit berauschtem Gang, von Rausch erfüllt, Freundin des Rauschs.
10.131 Rauschtrank, Achtzehnarmige, Rauschtrank [wiederholt], berauscht Gehende; Vollendung durch Rauschtrank Gewährende, Mitte, Vollendung des inneren Weges im Rausch Schenkende.
10.132 Fisch Verzehrende, Fischgestalt, Freundin von Mudra und Mungbohnen, Weg; Keule, Befreiung Schenkende, Gestaltgewordene, auf Verstummenlassen Bedachte.
10.133 Von Unwahrheit Bedrängte, Luftspiegelung, dem Verzehr von Widderfleisch Zugewandte; Vollendung der Wonne geschlechtlicher Vereinigung, Vollendung im Feuer dieser Vereinigung Gewährende.
10.134 Mahalakshmi, Bhairavi, Führerin am Mahendra-Pitha; im Geist Stehende, vorzüglichste Madhavi, Mahadevas Herz Erfreuende.
10.135 Yashoda, Bitte, Yasya, Geliebte Yamarajas, Yama; mit Ruhmesfülle geschmückt, die Kunst der Liebe zu Entsagenden Tragende.
10.136 Die Schöne, Ramas Gattin, Feindvernichterin, inmitten des Brauchs; Rudrani, Gestalt Schenkende, Gestalt, schöne Gestalt Tragende.
10.137 Im Samen Stehende, am Samen Erfreute, im Samenort Wohnende; Rendra-Devas Tochter, Reda [unsichere Namen], Freundin der Vernichtung von Feindscharen.
10.138 Mutter der Herrlichkeit der Körperhaarreihe, in den Haarporen Herrin der Welt; silberfarben, furchtbar gefärbt, mit Silberschmuck geziert.
10.139 Freudig Farbige, in Spielfarbe Wohnende, Herrin des Kampfesfeuer-Kula; Lakshmi, mit dem Pflug in der Hand, Pflugträgerin, Kula-Geliebte.
10.140 Schriftgestalt, deren Füße geleckt werden, Gestalt von Ranken und Fäden; Bestreichende, Leckende, Bewegliche, dem Lomasha liebe Vollendung Schenkende.
10.141 Weltliche, weltliche Vollendung, Tochter des Lanka-Herrn; Lakshmana, ohne Lakshmi, Freundin des La, im Buchstaben La gegenwärtig.
10.142 Vivasā [unklar], vom Gewand Erfasste, Tochter des Vivasya-Kula; im Wind Stehende, Windgestalt, inmitten der Grenze beziehungsweise Küste Wohnende.
10.143 Mitten auf der Verbrennungsstätte Stehende, Freundin der Praxis am Verbrennungsplatz; auf einem Leichnam Stehende, höchste Vollendung Begehrende, auf der Brust des Leichnams Leuchtende.
10.144 Beschützerin der Zufluchtsuchenden, Shivas Tochter, Shiva lieb; Durchbrecherin der sechs Chakras, die Sechsfache, mit einem durch Nyasa-Netze gefestigten Antlitz.
10.145 Sandhya, Sarasvati, Sundya, Suryaga, Sharada, Sati; Hari lieb, in Haras Halahala-Schönheit Wohnende [unsicher], Geduld, Hunger.
10.146 Kennerin des Feldes, Vollendung Schenkende, Ambika, Unbesiegte; Ursprüngliche, Indra lieb, Herrscherin, Uma, Vermählte, Freundin der Jahreszeiten.
10.147 Mit schönem Rüssel beziehungsweise Gesicht, bis zum Vokal-Bija reichend, Vollendung von Haris Gestalt und Weiterem Schenkende; im Ekadashi-Gelübde Stehende, Aindri, Kräutervollendung Gewährende.
10.148 Helfende, Teilgestalt, das Waffen-Bija Offenbarende. Dies, Herr der Liebenden, ist der heilvolle [Hymnus] der Kumaris.
Lob der Früchte
10.149 Die 1.008 Namen schenken stets die Früchte der drei Welten. Dieser große Lobpreis ist Essenz des Dharma und schenkt Geld, Getreide und Nachkommen.
10.150 Wer als Verständiger voller Hingabe diese Entfaltung der Früchte sämtlicher Vidyas liest, befindet sich stets, bei Tag und Nacht, auf dem Weg der Befreiung.
10.151 Er erlangt überall Sieg und wird den Viras lieb. Alle Götter und Menschen gelangen unter seinen Einfluss.
10.152 Alle im Weltei Gepriesenen werden zufrieden, daran besteht kein Zweifel; und die auf Erden wohnen, mit göttergleicher Kraft,
10.153 werden ihm wie Diener, wahrlich, wahrlich, Herr des Kula. Durch Feueropfer und Verehrung erlangt er unvermittelt Vollendung,
10.154 durch Japa, Schutztexte und das verständige Lesen des großen Hymnus. Selbst ohne Opfer, Gaben und Japa kann er die Frucht erlangen.
10.155 Wer den als 1.008 Namen bezeichneten Hymnus liest, erlangt rasch Frieden; dann lese er den Hymnus der Kumari.
10.156 Durch dreimaliges Lesen bringt er den König unter seinen Einfluss. Durch einmaliges Lesen hat der Mantrapraktizierende an Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung teil.
10.157 Wünscht der Wissende einen Sohn, lese er drei Tage lang, jeweils dreimal oder auch jeweils einmal.
10.158 Durch das Lesen wird er zum Herrn von Geld und Juwelen und gelangt zu allem Besitz. Durch ein halbes Jahr Lesen bezaubert er die drei Welten.
10.159 Wer ein Jahr lang mit Hingabe und Bhava liest, lebt lange, erlangt das Wandeln im Raum und wird ein Yogi.
10.160 Mit festem Geist sieht er selbst weit entfernte Buchstaben beziehungsweise Gestalten. Im Frauenkreis stehend, mit Shakti verbunden, lese der Verständige.
10.161 Er wird zum vorzüglichsten Praktizierenden, einem milchsaftreichen Wunschbaum. Wer stets liest, o Herr, dessen Körper aus Bhava hervorgegangen ist,
10.162 vermag durch seinen Blick Stillstellung zu bewirken. Er ist fähig, Wasser stillzustellen, und besitzt die Vollendung des Stillstellens von Feuer und Weiterem.
10.163 Er wird schnell wie der Wind, ein großer Redner und Veda-Kenner, gewiss; ein Herr der Dichter, großer Wissender, Bindender und Gelehrter.
10.164 Zum Herrscher aller Länder geworden, wird er selbst Sohn der Göttin. Der kraftvolle Entsagende erlangt Schönheit, Glück, Ruhm und Wachstum.
10.165 Wer ihn zur Zielverwirklichung liest, besitzt die acht Siddhis, o Herr: in der Wildnis, mitten im Wald, auf einem Berg, im schrecklichen Forst,
10.166 im Wald oder auf der Totenstätte, auf einem Leichnam, in großer Schlacht, im Dorf, in einem verfallenen oder leeren Haus, am Flussufer,
10.167 in der Ganga, an einem großen Pitha, am Yoni-Pitha, im Haus des Guru, auf einem Getreidefeld, im Tempel, im Haus der Kumari oder im Kula-Haus,
10.168 auf offenem Land oder in einem Kuhstall, frei von Furcht vor Königen, im eigenen furchtlosen Land oder in einer Shiva-Linga-Stätte,
10.169 in einer Geistergrube, an einem einzelnen Linga, in einer leeren ungestörten Gegend, am Fuß eines Ashvattha- oder Bilvabaums oder bei einem Kula-Baum,
10.170 oder an anderen vollendeten Orten. Der Praktizierende in Kula-Gestalt, im Divya- oder Vira-Bhava, verehre die Kumari mit Kula- und Akula-[Gaben],
10.171 mit verschiedenen Kula-Substanzen und Siddhi-Substanzen. Er vollziehe das Feueropfer mit Fleisch, berauschendem Getränk und freigesetztem Saft.
10.172 Den nach dem Opfer verbleibenden Kula-Stoff gebe er ihnen zur guten Vollendung. Er nehme ihre Speisereste und opfere im roten Lotus.
10.173 Frei von Abscheu und Scham, mit festem Geist, trinke der Mantrapraktizierende Fleischbrühe, stets voller Wonne und großer Kraft.
10.174 Die acht Arten großen Fleisches [bringe er] ihnen [dar], mit einem gefüllten Gefäß berauschenden Getränks. Der Verständige spreche das Mantra aus Tara, Maya, Rama und der Gattin des Feuers.
10.175 Nachdem er nach dieser Vorschrift dargebracht und den heilvollen Hymnus gelesen hat, genieße er selbst die geweihte Gabe und werde zum Herrn sämtlicher Vidyas.
10.176 Wer Schweine- und Kamelfleisch, fetten Fisch, Mudra und ein großes Gefäß berauschenden Getränks darbringt und dann liest,
10.177 wird gewiss überallhin gelangen, selbst ohne Feueropfer und Verehrung; stets wird er Rudra-Gestalt annehmen und Mahakala zum Wesen haben.
10.178 In einem Augenblick erlangt der Praktizierende die Frucht sämtlicher Verdienste, o Herr; er wird Herr des Juwelenschatzes des Milchozeans, raumdurchdringend und König der Yogis.
10.179 Er erlangt gewiss die Freude der Hingabe, einen Ozean des Erbarmens und Wunschlosigkeit. Bei der Niederwerfung eines großen Feindes und bei Bedrängnis durch Feindesfurcht
10.180 führt er schon durch einmaliges Lesen den Tod der Feinde herbei; rasch zerschlägt er die Feinde wie die Sonne das Dunkel.
10.181 Bei Vertreibung, Tötung, Furcht und äußerst schrecklichem Feind erlangen Sterbliche, Götter oder Rakshasas durch Lesen und Tragen
10.182 des Kumari-Namenshymnus rasch Frieden. Ein Mann [trage ihn] am rechten Arm, eine Frau an der linken Hand.
10.183 Durch dieses Tragen erlangt man Nachkommen und weiteren Wohlstand, daran besteht kein Zweifel.
10.184 Nach meinem Gebot erlangt der Praktizierende Befreiung. Wenn ein Mensch, o Herr, den Tausendnamenhymnus mit Hingabe und Bhava liest, erlangt er überall das Hervortreten der Frucht. [Der Ausdruck gajāntakam, „Elefantenvernichter“, ist im Satzanschluss unklar.]
10.185 Wer diesen vorzüglichen Hymnus stets freudig liest – Essenz, Geber höchster Wonne und Befreiung für die Genießer guter Früchte –, ob von Gedanken an Ergebnislosigkeit oder Erfolg bewegt, wird beständig im Lotus des Ruhms. Im Sieg gleicht er dem erhabenen Rama, in Schönheit und Vorzügen zehntausend Liebesgöttern, im Zorn Rudra.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Anordnung der Kumari-Verehrung, im Abschnitt über vollendete Mantras und bei der Bestimmung des Divya-Bhava, in der heilvollen Entfaltung der 1.008 Namen das zehnte Kapitel.
Kapitel 11: Die drei Bhavas und die Deutung des Atems
Anandabhairavi sprach:
11.1 Nun werde ich die Bestimmung der göttlichen Haltung und der weiteren Haltungen erklären. Auf sie gestützt trägt Maharudra den Namen „Herr der Welten“.
11.2 Durch ihre Erkenntnis wurde der Gemahl der Kamala zum Oberherrn der Götter und Brahma zum Herrn der vier Veden, zur unmittelbaren Erscheinung des ewigen Brahman.
11.3 Ebenso wurden mein Sohn Batuka, Shakra als Gottheit des Himmels sowie alle Weltenhüter und Himmelswandler mit den acht Vollkommenheiten ausgestattet.
11.4 Mahadeva, Anandananatha Bhairava, Freude der Götter, Freude des Herzens, Freude der Erkenntnis, du von Mitgefühl Erfüllter!
11.5 Höre mit ungeteilter Aufmerksamkeit, Herr, wenn du Vollendung begehrst, du mir liebe Gestalt der Wonne, denn du wohnst in meinem Leib.
11.6 Die göttliche Haltung ist dreifach: Sie entspringt den Veden, den Agamas und der unterscheidenden Erkenntnis. Die auf dem Sinn der Veden beruhende gilt hier als die untere, die aus den Agamas hervorgehende als die mittlere.
11.7 Als die höchste wird die umfassende Haltung bezeichnet, die aus der Entfaltung unterscheidender Erkenntnis hervorgeht. Ebenso ist die Haltung dreifach: göttlich, heldenhaft und gebunden.
11.8 Die göttliche Haltung entspringt der Unterscheidung und verleiht alle Vollkommenheiten. Erkenne sie als die höchste, als einen Ozean des Nektars der Wonne.
11.9 Die mittlere, mit rituellem Handeln verbundene Heldenhaltung entfaltet die Lehre der Agamas. Die aus den Veden hervorgehende, nach Ergebnissen strebende Haltung des gebundenen Menschen gilt als die untere.
11.10 Die niedrigste der Haltungen, die des gebundenen Menschen, ist von vielfältigem Tadeln durchdrungen. In der höchsten dagegen liegt die höchste Erkenntnis, welche den Menschen die Vollendung ihrer inneren Haltung schenkt.
11.11 In der mittleren liegt die aus meiner Kula-Überlieferung hervorgehende Madhumati-Lehre. Sie wehrt vorzeitigen Tod ab und ist unter den inneren Haltungen äußerst schwer zu erlangen. [Die Beziehung von „Madhumati“ zum übrigen Satz bleibt unsicher.]
11.12 Ohne die Heldenhaltung, Herr, gelingt die Vollendung niemals. Auf der untersten Stufe begegnet eine niedrige Auslegung, die beständig auf Verurteilung ausgerichtet ist.
11.13 Wenn einer jedoch nicht tadelt, erlangt er die entsprechende Frucht. Auch in der Haltung des gebundenen Menschen kann Vollendung entstehen, wenn er sich beständig dem Veda widmet.
11.14 Wer täglich über den Sinn des Veda nachdenkt, den Klang der Veda-Rezitation liebt, jedes Verurteilen unterlässt und frei von Gewalttätigkeit und Trägheit ist,
11.15 wer Gier, Verblendung, Begierde, Zorn, Überheblichkeit und Missgunst aufgegeben hat und als Mantrapraktizierender in seiner Haltung feststeht, der kann auch im Pashu-Bhava Vollendung erlangen.
11.16 Was wäre für diejenigen unerreichbar, die auf Erden die Haltung des gebundenen Menschen als eine große innere Haltung verstehen? Durch Anstrengung und Übung erreichen sie es, Mahadeva.
11.17 Die ganze Welt hängt von Bemühung ab; auch die Gottheiten hängen von Bemühung ab. Der große Mantra hängt von Bemühung ab, ebenso die höchste Askese.
11.18 Die Kula-Praxis hängt von Bemühung ab: Das ist ein Kennzeichen des Pashu-Bhava. Durch Erkenntnis des Veda-Sinnes wird diese Haltung dem Kula lieb.
11.19 Nachdem der Verständige die Smritis, Agamas und Puranas, die vielfältigen Auslegungen des Veda und alle Lehrschriften studiert und die Wahrheit erkannt hat,
11.20 soll er alle Lehrschriften zurücklassen wie einer, der das Korn begehrt, das Stroh zurücklässt. Zur Erkenntnis gelangt, soll der vorzügliche Praktizierende sich auf das Wesen der inneren Haltung stützen.
11.21 Im Bereich des Veda sind die vedischen Handlungen auszuführen, wobei man mein gesprochenes Wort achtet. So ist das Kennzeichen jener gebundenen Menschen beschrieben, die durch Mühe geläutert werden. [Die Wendung „durch Mühe geläutert“ gibt eine unsichere Lesung sinngemäß wieder.]
11.22 Um den Sinn der Agamas zu verwirklichen, soll das Handeln dem Vollzug meiner Kula-Überlieferung entsprechen. Dies gilt für die kraftvollen Helden, die meinem Leib folgen.
11.23 So wird das Kennzeichen derer beschrieben, deren Kula-Wirklichkeit meinem Willen entspricht. Für die im Geist vollkommen Gefestigten gilt die Erkenntnis der als „Leitfäden der Unterscheidung“ bezeichneten Lehre.
11.24 Für diejenigen, die überall Gleichmut bewahren, ist die innere Haltung allein die Übung. Alles Bewegliche und Unbewegliche ist überall aus meinen Lotusfüßen hervorgegangen.
11.25 Welche Handlung man nach solcher Befragung ausführt, sie führt zur ungeteilten Frucht. So ist die Haltung der Unterscheidenden, deren Geist in ungeteilter Erkenntnis ruht. [Die Lesung „nach Befragung“ ist überliefert; ihr Bezug bleibt offen.]
11.26 Damit ist das Kennzeichen der göttlich Gesinnten beschrieben, deren Wonne makellos ist. Wer auf Erden die dreifache Haltung innerhalb der göttlichen Haltung kennt,
11.27 dieser große Held und vorzügliche Praktizierende geht niemals zugrunde. Wer ohne die göttliche Haltung den Anblick meiner Lotusfüße
11.28 begehrt, Mahadeva, ist verblendet: Wie könnte er ein wahrer Praktizierender sein? Zuerst kommt die Haltung des gebundenen Menschen, an zweiter Stelle die Heldenhaltung,
11.29 an dritter die göttliche Haltung: So entfaltet sich die dreifache göttliche Haltung der Reihe nach. Höre ihre Art, Shiva, du Läuterer der drei Welten.
11.30 Wer die Besonderheiten der drei Haltungen kennt, die sechs Stützpunkte durchdringt, den inneren Sinn der fünf Tattvas versteht und sich der göttlichen Lebensweise widmet,
11.31 der wird gesegnet und gelangt über die Benennungen der Vollendeten hinaus. Mit den acht Herrlichkeiten ausgestattet, bewegt auch er sich wie Shiva.
11.32 Überall mit reiner Gesinnung soll er die verdichtete Wonne verwirklichen und vom frühen Morgen bis zur Mittagszeit die Konzentration aufrechterhalten.
11.33 Er soll die vorgeschriebenen Speisen zu sich nehmen und die Folge der Selbstbeherrschung beachten. Wer so übt, wird innerhalb der göttlichen Haltung durch die Pashu-Stufe vollendet.
11.34 Nun beschreibe ich innerhalb der göttlichen Haltung die Heldenhaltung; höre erneut. Vom Mittag bis zum Abend soll die Übung mit reiner Gesinnung geschehen.
11.35 Wer sich an einem einsamen, menschenleeren Ort sorgfältig mit gesammeltem Geist der Rezitation oder der Konzentration widmet, wird gewiss vollendet.
11.36 Zu dieser Zeit ist für die Heldenhaltung die innere Haltung selbst die Übung. Durch diese Haltung erlangt man Vollendung; außerhalb des heldenhaften Weges ist sie hier nicht zu finden.
11.37 Nachts soll er mit Duftstoffen versehen sein, den Mund mit Betel gefüllt und von der Freude der Vijaya erfüllt; die Einheit von individueller Seele und höchstem Selbst
11.38 soll er im Bewusstsein sammeln. Von überströmender Wonne ergriffen, möge er die ganze Nacht furchtlos in einem einsamen Haus rezitieren.
11.39 So wird er zum Diener Kalikas, zum Vorzüglichsten unter den göttlich Gesinnten. Wer die drei Haltungen auf diese Weise kennt und danach seine Handlungen vollzieht,
11.40 wird mit den acht Herrlichkeiten ausgestattet und gewiss allwissend. Höre nun die Bestimmung des verdienstvollen Sinnes dieser drei Haltungen.
11.41 Herr, ich werde sie erklären; nimm sie aufmerksam auf. Wer das durch geheime Zeichen Gekennzeichnete versteht, erlangt unvermittelt Vollendung.
11.42 Wer es kennt, Mahadeva, dessen Vollendung ist außer Zweifel. Den feinen Sinn dieser Zeichen werde ich im zwölften Kapitel erklären.
Anandabhairavi sprach:
11.43 Im elften Kapitel wird der Sinn der reinen inneren Haltung bestimmt. Durch die innere Haltung lässt sich alles erlangen; die drei Welten hängen von ihr ab.
11.44 Ohne innere Haltung, Mahadeva, entsteht nirgends Vollendung. Für diejenigen, die sich auf den Pashu-Bhava stützen, beginnt die für Fragen bestimmte Zeit mit der Morgenröte.
11.45 Sie umfasst zehn Dandas und dient allein der Orakelfrage, Herr. Dazu gehören das Diagramm der zwölf Tierkreiszeichen und das der zwölf Monate.
11.46 Innerhalb dieser zehn Dandas soll der Kundige Vorhandensein und Nichtvorhandensein des Zustandes erkennen, in vorwärts- und rückläufiger Folge und nach der Unterscheidung der fünf Atemzustände.
11.47 Kindheit, Knabenalter, die Schönheit der Jugend, Alter und Untergang: In dieser Folge ist die Ordnung der fünf Atemzustände zu verstehen. [Der Sanskrittext verbindet einzelne Altersbezeichnungen uneindeutig; die Lesung „Untergang“ ist als Variante überliefert.]
11.48 Der fünffache Zustand wird an der eigenen Nasenspitze festgestellt. In welchem Nasenloch der Atem sich bewegt, Bhairava,
11.49 in diesem Nasenloch untersuche man das Vorhandensein und Nichtvorhandensein des jeweiligen Zustandes: Raum, Luft, Feuer, Wasser, Herr,
11.50 und Erde sind der Reihe nach entsprechend Kindheit bis Untergang zu erkennen. Bei links aufsteigendem Atem gilt eine Frau als günstig, bei rechts aufsteigendem ein Mann.
11.51 Der Lauf des Atems ist bis zu seinem Bezug zum Raum zu erkennen. Wenn die Luft ausschließlich durch den mittleren Bereich strömt,
11.52 erkenne man darin das Raumelement; es wird als Kindheitszustand bezeichnet. Seitliche Bewegung an der Nasenspitze dagegen zeigt das Aufsteigen des Luftelements an.
11.53 Es ist als bloßes Umherwandern und als durchweg günstig zu erkennen. Wenn der Atem seitwärts strömt, wisse, dass dies der Zustand des Knabenalters ist, Allgegenwärtiger.
11.54 Wenn der Atem an der Nasenspitze ausschließlich aufwärts und gerade wie ein Stab strömt, erkenne man darin das Feuerelement; seine Bewegung ist kräftig.
11.55 Dieser Zustand wird dem Alter zugeordnet; bei gesteigerter Anstrengung kommt es zur Verzögerung. Beim Aufsteigen des Wassers Varunas entsteht höchste Freude – und ein Bezug zu Krankheiten. [Der letzte Satz ist in der Textgrundlage syntaktisch gestört.]
11.56 Wenn der Atem rasch abwärts und nur wenig, kaum wahrnehmbar aufwärts geht, entsteht bei solchem Ausatmen ein heftiges Hervortreten von Krankheit.
11.57 Beim Erdelement zeigt sich erhöhtes Glück, durch die Hitze der Yogaübung bedrängt. Sein Untergang, Mahadeva, erfolgt in vorwärts- und rückläufiger Bewegung. [Die Zuordnung der Aussagen ist unsicher.]
11.58 Die Luft bewegt sich rasch, je nachdem links oder rechts. Im linken Nasenloch treten Erde und Wasser auf.
11.59 Freudig im Kreis der Vertiefung geben sie stets günstige oder ungünstige Frucht. Die luftartige Kraft dieser beiden erhält dann ihren Anteil am Ergebnis. [„Kreis der Vertiefung“ übersetzt das hier nicht näher erklärte Kundamandala.]
11.60 Wenn dies auf der linken Seite bei der Befragung durch eine Frau geschieht, gilt die entsprechende Deutung. Stellt dagegen ein Mann seine Frage bei links strömendem Atem,
11.61 so erleidet er Krankheit und bleibt gewiss ohne erfolgreiche Handlung. Steigt die Luft links auf, während der Mann rechts steht,
11.62 erhält er ein Ergebnis, bei dem Vermögenszuwachs schwer zu erlangen ist. Unvermittelt tritt Vermögensverlust ein, der die im Geist erhoffte Frucht zunichtemacht.
11.63 Es entstehen Zerwürfnis mit Freunden und Streit; bei verschiedenartigem Aufsteigen ergibt sich Günstiges. Beim Wasserelement allein ist für einen Mann die rechte Seite günstig.
11.64 Das Erdelement rechts ist ungünstig: Diese Unterscheidung ist schwer zu erlangen. Das Aufsteigen auf der rechten Seite betrifft ebenso das Luft- und das Feuerelement.
11.65 Auch hinsichtlich des Raumes soll man günstige und ungünstige Frucht erkennen, Herr. Wenn durch eine glückliche Fügung die Bewegung des Atems langsam wird
11.66 und durch die Mitte des rechten Nasenlochs geht, gilt dann das linke Aufsteigen als günstig. Links sind sodann die beiden Elemente Luft und Feuer zu untersuchen.
11.67 Hat man ihr Aufsteigen erkannt, soll man Verlust im Verhältnis zum Freund und Furcht im Verhältnis zur Gottheit erkennen. Wenn die Luftkraft auf diese Weise in ein gutes Haus eintritt,
11.68 während ein kundiger Mann auf der rechten Seite gegenübersteht, erhält dieser Mensch eine Frucht wie beim Verschenken einer Tochter in die Ehe.
11.69 Durch die Gunst des Atems erlangt er dann hervorragenden Reichtum. Nachrichten aus anderen Ländern, Söhne und Wohlstand kommen zu ihm.
11.70 Die drei mit der Kindheit beginnenden Zustände zeigen entsprechend den unterschiedlichen Tierkreiszeichen Günstiges an. Dies ist ihre Frucht im Diagramm der zwölf Zeichen.
11.71 Man soll die feine Bedeutung des Ergebnisses erkennen. Höre die Namen der Diagramme, Herr: Ajna-Chakra, Kama-Chakra und das wesentliche Phala-Chakra,
11.72 sodann Prashna-Chakra, Bhumi-Chakra, Svarga-Chakra, Tula-Chakra, Vari-Chakra und das aus den drei Gunas bestehende Shat-Chakra,
11.73 ferner Sara-Chakra, Ulka-Chakra und Mrityu-Chakra, Herr. Auch das Sechseck ist dabei in vorwärts- und rückläufiger Ordnung zu verstehen.
11.74 Bei allen Diagrammen gehören die Kenntnis des Atems, die jeweilige Verbindung mit der Luft und der Verlauf der Fragen zusammen, sofern sie aus der inneren Haltung hervorgehen.
11.75 Der Verständige soll daher die Länge des betreffenden Danda und den Aufgang des Tierkreiszeichens erkennen und so die Frage untersuchen, wenn er hier Ansehen begehrt.
Kolophon: So endet das elfte Kapitel im Dialog zwischen Bhairavi und Bhairava des späteren Tantra des ehrwürdigen Rudrayamala, in der Erhellung des großen Tantra, über die Bestimmung und Erkenntnis der inneren Haltung, die Betrachtung des Pashu-Bhava und die wesentlichen Geheimzeichen, im Abschnitt über vollendete Mantras.
Zum Verständnis: Bhava bezeichnet hier die innere Haltung, zugleich aber auch Zustände, die in einem traditionellen Deutungssystem ausgewertet werden. Die Diagramme der Verse 71–73 sind Orakeldiagramme; insbesondere ist ihr Ajna-Chakra nicht ohne Weiteres mit dem gleichnamigen feinstofflichen Chakra gleichzusetzen. Die Krankheits-, Erfolgs- und Zukunftsaussagen geben die Überzeugungen dieses historischen Systems wieder. Vijaya in Vers 37 wird nicht stillschweigend auf eine rein innere Freude reduziert; der Begriff kann im tantrischen Ritualzusammenhang auch eine berauschende Substanz bezeichnen. Die genaue Deutung dieser Stelle bleibt offen.
Kapitel 12: Buchstaben- und Zahlendiagramme für die Befragung
Anandabhairavi sprach:
12.1 Dann schreibe man an die linke Verbindungsstelle die Zahl acht. Darunter, an der nächsten Verbindungsstelle, soll der Kundige die Zahl sieben schreiben.
12.2 Darüber, in der linken Ecke, schreibe man die Zahl drei, und darüber in das Eckfeld die Zahl zwei.
12.3 In das Feld rechts davon komme die Eins. Höre die Zuordnung der Zahlen und Buchstaben, Herr: der Zustand der acht Vasus, der Zustand der Null, der sechste Zustand und die Null.
12.4 In ihrer Mitte steht kein Buchstabe; die Eckzahl ist jedoch mit einem Buchstaben verbunden. Man schreibe die ṭa- und ta-Gruppen sowie śa und śa, bei der Fünf und unmittelbar unter der Null. [Die doppelte Angabe śa entspricht der Textgrundlage; die Anordnung ist nicht eindeutig.]
12.5 Bei der Vier stehen die ka- und ca-Gruppen, mit e und e verbunden. Bei der Drei steht der Buchstabe vom Anfang bis kṣa, die ṭa-Gruppe und Om. [Auch diese Anweisung ist sprachlich beschädigt; „e und e“ wird nicht stillschweigend zu e und ai verbessert.]
12.6 Die ta- und pa-Gruppen befinden sich am Ende des Paares. Sorgfältig soll man ma in das rechte Feld schreiben, in die Mitte der Eins.
12.7 Das u-Paar, die pa- und ta-Gruppen sowie a stehen an der Spitze des Paares. Dieses Diagramm ist das Kama-Chakra, das zur Zeit der Befragung Ergebnisse anzeigt.
12.8 Die Buchstaben in den zehn Ecken zähle man gegen den Uhrzeigersinn ab, in vorwärts- und rückläufiger Ordnung, nach der Benennung der fünf Atemzustände und der weiteren Größen.
12.9 Bis zu dem Feld, in das sein eigener Name gelangt, soll der Vedakundige für die Frage zählen, um die Planetenbestimmung zu vollenden.
12.10 Der Verständige soll die neun Orte der neun Planeten und die Buchstaben kennen sowie die mit der Kindheit beginnenden Zustände. Wo sich der betreffende Planet befindet,
12.11 soll er das zugehörige Mondhaus heranziehen und die Zuständigkeit des Tores bestimmen. Ohne Verbindung aus Dreiecken soll der Kundige ein Sechseck zeichnen.
12.12 In dessen Mitte ein Achteck; den Zwischenraum der Götterfelder unterteilend, zeichne er darin wiederum ein Sechseck und in dessen Mitte ein Dreieck.
12.13 Die Buchstaben trage er der Reihe nach im Uhrzeigersinn ein: oben links a, ā und i sowie die ka-Gruppe.
12.14 Rechts davon schreibe der Kundige das Paar ī und i sowie die ṭa-Gruppe, und rechts unten das ṛ-Paar und die ta-Gruppe. [Die auffällige Vokalfolge wird entsprechend der Textgrundlage beibehalten.]
12.15 Darunter schreibe er ḷ, ḹ, e und e sowie die pa-Gruppe. Links davon schreibe er o, au, ya, ra, la und va.
12.16 In das verbleibende Feld schreibe er aṃ, aḥ und die Buchstaben von śa bis kṣa: So sind die sechs Felder angeordnet. In die erste mittlere Ecke setze er die Eins und den Leib Sharvas.
12.17 In die Feuerecke schreibe der Kundige Rudra in Feuergestalt und „Wind“; im Süden den Opferherrn als Gestalt Pashupatis und die Sechs. [„Wind“ steht hier auffällig neben der Feuergestalt; eine sichere Korrektur ist nicht gegeben.]
12.18 Im Südwesten schreibe er Mahadeva in Mondgestalt und die Sieben, im Westen Bhava in Wassergestalt und die Zwei.
12.19 Im Nordwesten den mächtigen Ugra in Windgestalt und die Vier, im Norden Bhima in Raumgestalt und die Fünf.
12.20 Im Nordosten schreibe er Ishana in Sonnengestalt und das sechsblättrige Gebilde. Dann zeichne er unten, innerhalb des Sechsecks, ein weiteres Sechseck.
12.21 In die obere Ecke komme die heiße Jahreszeit, in die südliche die kühle Jahreszeit, darunter die Regenzeit und ganz unten der Frühling.
12.22 In das fünfte Fach der Herbst, in das sechste die kalte Jahreszeit. In das Dreieck in der Mitte schreibe er den feuerförmigen Buchstaben va.
12.23 Danach soll der Mantrapraktizierende anhand der Buchstaben, Gottheiten, Zahlen und Feuergrößen rechnen. Dieses äußerst feine, kunstvolle Diagramm ist das Phala-Chakra, das Ergebnisdiagramm.
12.24 Höre nun erneut, Herr der Kula-Herren, das Diagramm der Befragung. Ohne seine Kenntnis wird der Gegenstand einer Frage nicht auf diese Weise erkennbar.
12.25 Kennt der vorzügliche Praktizierende die Bedeutung dieses Diagramms, so erkennt er sein eigenes Ergebnis und erlangt gewiss Vollendung.
Anandabhairava sprach:
12.26 Der Mantrapraktizierende soll ein Sechseck herstellen, ohne es aus Dreiecken aufzubauen. Darin zeichne er ein Viereck, und dort schreibe er die Buchstaben beginnend mit śa.
12.27 Sodann schreibe er von der Mitte aus die Sechs ein. Der Mantrapraktizierende soll die Sechs in immer weiter verlängerter Folge einsetzen.
12.28 Davor lege er sechs Felder an und schreibe Zahlen und Buchstaben hinein. Im ersten oberen Feld trage der Kundige die ka-Gruppe ein.
12.29 Im Feld rechts davon die ca-Gruppe, rechts darunter die ṭa-Gruppe und ganz unten die ta-Gruppe.
12.30 Im Feld links davon, Herr, die glückverheißende pa-Gruppe; darüber die Buchstaben ya bis va, im Uhrzeigersinn angeordnet.
12.31 In diese Felder schreibe der Kundige die Vokale beginnend mit a. Die Zeit ist entsprechend der jeweiligen Dauer des Atemzustandes zu untersuchen.
12.32 Die Stellung der Tierkreiszeichen, beginnend mit Widder, trage er gemäß der Anordnung der Buchstabengruppen in vorwärts- und rückläufiger Folge im sechsten Feld ein.
12.33 In welchem Feld sich der Name des zu Untersuchenden und die zugehörigen Vokale befinden, Herr: Man fasse sie zusammen und bestimme die Zahl, die sich bei der Division ergibt.
12.34 Danach dividiere man mithilfe der Sechs durch die Feuerzahl, Herr. Die dabei erhaltene Zahl bezeichnet das Tierkreiszeichen dieses Augenblicks. [Die Rechenvorschrift ist in der überlieferten Form nicht vollständig eindeutig.]
12.35 Ich erkläre dir, Herr der Weisheit, das Ajna-Chakra mit seinem bewährten Ergebnis. Durch seine bloße Erkenntnis wird man gewiss allwissend.
12.36 Unvermittelt erlangt man Kraft; dieses Juwel des Wissens gebe ich dir. Im Krita-Zeitalter beginnen die sieben Wochentage mit dem Sonntag und vermehren das Heil.
12.37 Im Treta-Zeitalter beginnen die sieben Wochentage mit dem Samstag und vermehren das Glück; im Dvapara-Zeitalter beginnen sie mit dem Donnerstag und dienen der Verwirklichung des Dharma.
12.38 Im Kali-Zeitalter beginnen die sieben Wochentage mit dem Freitag und gewähren die diesem Zeitalter entsprechende Frucht. Daher sollen die Kundigen die Reihe vom Freitag aus abzählen.
12.39 Die sieben Wochentage zähle der Verständige in der vierblättrigen Mitte. Der ausgezeichnete Tantra-Kenner rechne sie der Reihe nach vom Osten aus.
12.40 Das Blatt, auf dem der eigene Wochentag endet, ist zugleich der Ausgangspunkt. Man ziehe das betreffende Mondhaus und Tierkreiszeichen heran und stelle die Buchstabenunterscheidung fest.
12.41 Die Grundlage des allgemeinen Ergebnisses ergibt sich aus der Verschiedenheit der Blätter und ihrer Buchstaben. Der Mantrapraktizierende soll das glückverheißende Ajna-Chakra auf diese Weise untersuchen. [Die erste Vershälfte ist nicht sicher gelesen.]
12.42 Höre nun die Bedeutung seiner günstigen und ungünstigen Ergebnisse, du Kenner der Geheimzeichen.
Anandabhairava sprach:
12.43 Im östlichen Blatt, beim halben ā und beim deutlich hervortretenden Mond, wird Gewinn eines Königreiches angezeigt; die Lautfolge reicht bis ha. Angezeigt werden gewöhnlicher Besitz, die Verbindung mit besonderem Besitz, Wohlergehen durch Opfer und Gewinn eines Sohnes. [Die Zuordnung der einzelnen Zeichen ist unsicher.]
12.44 Der Mensch erlangt Schutz und Schmuck, verbunden mit Mitgefühl, Sieg, eine glückliche Hochzeit, Wohlergehen, Herr, die Zuneigung der Menschen und guten Genuss. Das Versende erwähnt Abschluss und Zeitaugenblicke, ist jedoch nicht zuverlässig zusammenhängend lesbar.
12.45 Im südlichen Blatt des Lotus: ein lieber Ort, strahlendes Verzehren der Freude, verschiedenartig gekennzeichnetes Leid und ein reiner Ort; „durch sie werde ich bewegt“. Genannt werden das Vernichten der Leidenschaft in der Verbindung mit Indras Nektar, das unmittelbare Einsetzen Yamas, die Unruhe der Gemüter und Freude an den Eigenschaften schlechter Menschen. [Der Vers ist stark gestört; eine eindeutige Gesamtdeutung lässt sich daraus nicht gewinnen.]
12.46 Wenn Gewinn eines geeigneten Gefäßes oder Gegenstandes angezeigt wird, kann dennoch Bedrängnis und die Macht grausamer Bösewichte herantreten. Doch vermag diese Macht inmitten der Buchstaben nicht zu vernichten; man wendet sich der eigenen Vollendung und der Geduld zu. [Mehrere Satzbezüge sind unsicher.]
12.47 Stellt einer eine Frage nach einem kostbaren Gut, während der Wochentag beziehungsweise sein Gang in die Mitte des Feldes fällt, so wird das im Geist Beabsichtigte gewiss dem eigenen mondgleichen Geliebten entsprechen und das Glück vermehren.
12.48 Angezeigt werden die Vernichtung von Feinden, eine freudige Bewegung der im Kula wirkenden Luft, das Niederhalten von Krankheiten, die Kundgabe des Wunsches nach Hingabe zu den Füßen des Herrn, Freude im Herzenslotus, der Reichtum des Nektars, das Erreichen eines Pilgerortes und das Aufheben von Kummer. So berechne man die feine Bedeutung, sodann die Erscheinung der lebhaften Göttin der Rede.
12.49 Im Atharva-Blatt wohnt die zarte Kamala, die musikalische Klänge schenkt. Unvermittelt kündet sie von Ankommenden und anderen Nachrichten, stets von glückverheißenden Dingen: beständiger Macht, dem Wohl der Lieben, dem Ruhen in liebevoller Gesinnung und dem steten Wunsch, den reinen Honig aus dem Lotusgesicht der Geliebten in Liebe zu trinken.
12.50 Beim Widder tritt Zufriedenheit ein; beim Löwen werden Pfeile, beim Wassermann der Gewinn der betreffenden Frucht genannt; sodann Silber und das durch Diebstahl Verlorene. Vom Sonnenaufgang an wird eine Dauer von hundert Palas angesetzt. Der in der Mitte des Löwen Befindliche verkündet das günstige und ungünstige Ergebnis des Morgens. [Die Passage über Elefantentöter und Bronze ist textlich gestört und erlaubt keine sichere syntaktische Einordnung.]
12.51 Wenn die folgenden hundert Palas durch Mond und Schütze auf Erden ausgefüllt sind, werden Entwendung von Vermögen, ein Übergang ins Wasser, das Königtum eines Freundes und Ähnliches angezeigt; ferner Nachrichten aus der Ferne, der Zeitpunkt des Kommens, schwere Bedrängnis des Feindes und das Aufgehen der Gruppe eigener Wünsche. Die Zählung beginnt mit Sonnenaufgang. [Die astronomischen Zuordnungen sind teilweise unsicher.]
12.52 Bei den verbleibenden hundert Palas ist der aufgehende Wassermann sehr schwach. Genannt werden Nachrichten über Armut, günstige Angelegenheiten, der Schmuck von Wissen und Besitz, Gewinn, Unternehmungen und Reisen im eigenen oder in fremden Ländern, rasches Eintreffen von Geld und anderem Gut, Berichte über die Schau der Gottheiten und die Vernichtung der Verblendung.
12.53 Am Freitag, am Tag des Saturn und beim Sonnentag wird die Bestimmung der Lebensdauer mit dem eigenen Weg des beständigen Aufgehens der Erkenntnis verbunden. Die acht Gruppen steigen freudig auf; der Held erlangt Größe. Die Aussage über Fehler, den ersten Himmelswandler und die Frage nach der Lebensdauer ist in der Textgrundlage nicht zuverlässig zusammenhängend lesbar.
Kolophon: So endet das zwölfte Kapitel im Dialog zwischen Bhairavi und Bhairava des späteren Tantra des ehrwürdigen Rudrayamala, in der Erhellung des großen Tantra, über die Erkenntnis und Bestimmung der Bedeutung von Zuständen und Fragen, im Pashu-Ritual, über die wesentlichen Geheimzeichen des Ajna-Chakra, im Abschnitt über vollendete Mantras.
Hinweis zur Textgrundlage: Der Kapitelbeginn setzt mit „dort links“ eine bereits bestehende Anordnung voraus, ohne sie hier vollständig einzuführen. Mehrere Buchstabenfolgen, Rechenregeln und Ergebnisverse sind beschädigt oder mehrdeutig. Die Übersetzung bewahrt die erkennbaren Aussagen und kennzeichnet ihre Grenzen; aus diesen Versen lässt sich kein eindeutig rekonstruierbares Orakelverfahren ableiten.
Kapitel 13: Die Zeichen der vier Blätter
Anandabhairavi sprach:
13.1 Höre nun die Bedeutung der Befragung im Ajna-Chakra und die Bestimmung der Buchstabenanordnung, Allwissender, der du der Erkenntnis der inneren Zustände ergeben bist.
13.2 Wenn das eigene Mondhaus im Widder steht und mit dem eigenen Wochentag günstig verbunden ist, soll der Praktizierende das günstige und die anderen Blätter anhand des Zeitmaßes der Palas bestimmen.
13.3 Er berechne den wesentlichen Buchstabenwert, durch den die Frage entschieden wird. Höre, Herr, die Unterscheidung des Buchstabens ka im östlichen Blatt.
13.4 Beim ka im ersten Blatt zeigen sich eine Fülle geistigen Glücks, Gedanken an Wohlergehen und Lebensfreude, Gewinn von Kleidung und Fortbewegung, günstige Aussichten auf Liebe und Söhne, eine feste Stellung im Land, das Wiedersehen mit einem geliebten Freund und das Verschwinden aller Verunreinigung.
13.5 Beständiges Glück und der Genuss überwiegender Freude werden angezeigt, Hingabe an Sadashiva, ein gutes Ergebnis für das eigene Haus und Verehrung durch angesehene Menschen unter dem Blick des Mondträgers. Wohltat und Schaden bedrängen nicht; das Spiel der Vermählung bringt Glück. [Die Anfangswendung ist textlich unsicher.]
13.6 Bei ṛ werden die Vernichtung von Gefahren und im Bereich der Standhaftigkeit das Erwachen des Wissens angezeigt. Dann spreche man über Fragen zu Krankheit, Bedrängnis und dem Druck durch schlechte Menschen.
13.7 Bei u, im Zustand des Luftelements, wird vergebliches Gehen angezeigt; Armut und Verlust treten ein, und eine Rückkehr aus der Ferne ist schwer zu erreichen.
13.8 Bei kha betrifft die Frage Besitz. Bei einem günstigen Vorhaben entsteht Furcht; rasch gerät man in Angst und verfällt schließlich der Mittellosigkeit.
13.9 Wahrhaftig geht es um die Frage nach dem Tod, um beständiges Bemühen um das Aufgehen von Glück, um die Vernichtung eines Feindes und das Wohl eines Freundes; im pa-Komplex wird auch das Vorgehen fremder Diebe angezeigt.
13.10 Angezeigt werden das Erreichen von Befreiung und Ähnlichem, das Beseitigen schlechter Regungen des eigenen Geistes, für Begehrende das Ende verschiedener Genüsse, die Gabe von Gold, Silber und Herrschaft, die Abwehr von Seuchenangst, das Aufgehen einer Fülle von Freude für den Vermögenden, Vieh, Wissen, Glück und vielfältiger rascher Gewinn sowie Gedanken an Dharma und Besitz. [Einzelne Verbindungen der Aufzählung sind unsicher.]
13.11 Verehrung Haris, Meditation über Hari und Liebe zu seinen Lotusfüßen; kein Verlust des durch Diebstahl weggenommenen Gutes, und Herzensverbundenheit von Geburt an. [Der Bezug der letzten Wendung ist unklar.]
13.12 Bei ā werden Verminderung der Kraft und Zerstörung bei großem Lärm angezeigt. Ankommende erleiden Schaden; zugleich werden Parteinahme und Sieg beim Aufbruch genannt.
13.13 Im eigenen Haus droht heftige Bedrängnis durch Krankheit. Zugleich werden das Ausbleiben eines Zusammenbruchs der Tatkraft und große Gelehrsamkeit beim Studium genannt. [Der Versanfang ist nicht sicher lesbar.]
13.14 Beim langen ḹ wird ein König mit anmutigen Augen angezeigt; er wird lieb wie ein Freund. Die Aussage über Scham, Verlust und die auf Wohlergehen gerichtete Einsicht ist sprachlich uneindeutig.
13.15 Beim langgezogenen Pranava Om lebt man nicht ohne Zuflucht. Schon indem man eine mächtige Zuflucht gewinnt, vermag man alles zu zerschmettern.
13.16 Wenn Löwe, Schütze oder Widder aufsteigen, erlangt man beständigen Segen. Man zeigt gewisse Tapferkeit und wird im Handeln der Beste unter den Tatkräftigen. Einige Fehler werden beseitigt, die Entschlossenheit des Herrschers wächst; er wird zornig, stets kampfkräftig und von raschen Wünschen erfüllt.
13.17 Nun werde ich weiter sprechen, Mahadeva, du Vorzüglichster der Helden, Kenner des Wesens aller Schriften, der du der Wahrheitserkenntnis ergeben bist.
13.18 Ich erkläre die aus den unterschiedlichen Buchstaben des südlichen Blattes hervorgehende Bedeutung, die genaue Bestimmung des Ergebnisses, das auf den ausgesprochenen Wunsch antwortet.
13.19 Beim geliebten Bija wohnt die Lotusbewohnerin fest im Bereich des Hauses; zugleich wird Furcht bei Reisen durch verschiedene Länder und fehlende Ruhe angezeigt. Heftige Unruhe wird abgewiesen, schlechte Menschen erleiden Verlust; im Erwachten wohnt die Rede gehorsam im Mund. Für Radträger werden Verluste angezeigt. [Die mehrfachen Gegenrichtungen der Aussage sind bereits im Sanskrit angelegt.]
13.20 Es entstehen schöne Ausstrahlung und feste Hingabe an die Füße der Gurus; Reisen sind günstig. Im betreffenden Buchstabenkomplex zeigen sich Anregung durch ankommende Günstlinge des Königs und ein schönes Ergebnis.
13.21 Man ist gleichsam eine Biene am Lotusgesicht der Geliebten und erfährt ihr Liebesspiel. Genannt werden Lebensverkürzung, Beseitigung von Unruhe, Anziehung, Glück im Land und Vermögen. [Ob „Beseitigung“ auch die Lebensverkürzung betrifft, ist nicht sicher bestimmbar.]
13.22 Bei ṭa werden Festigung im Land und Glück angezeigt, am Ende der Beginn der Nacht. Aus der Ferne ist ein hervorragender Zugang von Geld und anderem Besitz zu erwarten.
13.23 Im da-Komplex schwinden beständig Hindernisse; die Verbindung mit Mittellosigkeit ist sprachlich unklar. Wer sein eigenes Haus liebt, erhält Sieg, gleich einer lotusäugigen Geliebten. Durch machtvolle innere Vorstellung wird Vollendung bewirkt; bei der Untersuchung einer gestellten Frage siegt der Mensch im Dasein.
13.24 Die Weisen erklären als Frucht: die Zeit beziehungsweise das Ende der Feinde, die Fähigkeit, Menschen zu beeinflussen, und die Vorzüglichkeit eines Kula-Kenners, der Veda und Agama durchdrungen hat. Man erhält einen lieben Sohn und einen Anlass zur Tatkraft des Königs; im Vorhaben werden schlechte Menschen bedrängt und die vielen Ängste vernichtet. [Die erste Vershälfte ist teilweise gestört.]
13.25 Im ya-Komplex entstehen Ruhm, Lebenskraft, Glanz und Einsicht; günstige zeitliche Ergebnisse, Freude des Herrschers und wachsende Fülle. Man verehrt die Götter; Diebstahl bleibt aus. Beim Kaufen und Verkaufen nimmt der Besitz besonders stark zu.
13.26 Für die kalte Jahreszeit werden Geldgewinn, Gold und Silber, das Erlangen eines Sohnes und Glück angezeigt; in einer Bedrängnis sagt das Zeichen dies gewiss voraus.
13.27 Lakshmi freut sich auf Erden, liebgewonnenen Reichtum zu geben. Durch Wasser entsteht Verlust; Auflösung in der Gottheit wird beim betreffenden Komplex genannt. [Das Versende ist nicht eindeutig.]
13.28 Wenn jemand den Anfangsbuchstaben einer Frage und dessen vokalische Grundlage untersucht, ergibt sich ein stark hervortretendes Ergebnis.
13.29 Höre, Herr, die einzelnen Vokale dieses Blattes und ihre unvergängliche Bedeutung.
13.30 Bei dem im Kula glückverheißenden i ist man vom Verlangen nach Geld und anderem Gut erfüllt. Man gewinnt eine besondere Ausprägung des Dharma und ererbtes Vermögen.
13.31 Angezeigt werden erfreuliches Vorankommen, eine günstige Gottheit, gutes Vermögen und beständiges Glück. Durch feine Einsicht hat man den Feind überwunden.
13.32 Das ī ist einem anderen lieb und fördert die Widerlegung fremder Auffassungen. Eine Reise ins Ausland findet nicht statt; erwähnt wird ferner nach außen gerichtetes Mitgefühl. [Der letzte Satzteil ist unsicher.]
13.33 Man ist den Menschen der Welt lieb; es erscheint eine Wendung über die Würdigung jugendlicher Fehler. Dem Fragenden wird ungestörtes Glück angezeigt. [Die mittlere Aussage ist textlich nicht zuverlässig geklärt.]
13.34 Beim Bija e entsteht gefestigte Zufriedenheit und die Erfüllung der Wünsche. Zugleich wird Entwendung durch den Wind genannt; man erlangt die Achtung des Königs.
13.35 Beim einsilbigen Bija aṃ, dem Keim des Herrn der Welt, erlangt man die Frucht der Verheiratung einer Tochter und ähnlicher Gaben sowie Kleidung und Gegenstände aus Metall beziehungsweise von leuchtender Beschaffenheit.
13.36 Bei Stier, Jungfrau und Steinbock werden himmlische Beweglichkeit, Schönheit und Glück angezeigt. Schließlich kommen unvergleichlicher Goldgewinn und tiefe Zufriedenheit beim Gehen hinzu; im Dasein werden die eigenen Angehörigen zu Gebenden, und Edelsteine werden angesammelt. All dies bringt der Anfangsbuchstabe der Frage zum hilfreichen Ergebnis, Herr. [Die astronomische Satzverbindung ist unsicher.]
13.37 Nun ist die Bedeutung des dritten Blattes entsprechend jedem einzelnen Buchstaben zu untersuchen. Wenn man die Anfangsbuchstaben der Fragen dorthin führt, kann man sich im Raum bewegen.
13.38 Höre die Art dieses Verfahrens, Geliebter meines Lebens, Vollendeter der Liebe. Durch seine Erkenntnis gelingt die Fragebeantwortung; die Frucht kommt auch außerhalb der üblichen Zeit. [Der abschließende Königsbezug ist syntaktisch unklar.]
13.39 Man soll die Gesamtheit der Zustände als hoch, niedrig oder mittel erkennen. Der Kenner der menschlichen Verhältnisse untersuche ebenso sein eigenes Wissen und die weiteren Gegebenheiten.
13.40 Alles soll er als Gegenstand der Untersuchung hinsichtlich seines wesentlichen Zustandes betrachten. Das Bija ga gilt als glückverheißend; seine Frucht gewährt höchstes Glück.
13.41 Es zeigt die Wiedergewinnung verlorenen Besitzes und die Fähigkeit an, Menschen zu beeinflussen.
13.42 Im da-Komplex werden das schwere Vertreiben von Feinden und eines Zerstörers des Dharma, der Tod oder Untergang eines Landesherrn sowie der Gewinn eines ausgezeichneten Juwels von einer himmlischen Frau angezeigt.
13.43 Bei ṭa kommt es gewiss zum Wiedersehen mit weit Entfernten. Hochzeit, Söhne und Wohlstand werden im sechsten Monat erlangt.
13.44 Am Ende der ṭa-Gruppe besteht keine Furcht vor Dieben; der betreffende Besitz kehrt zurück. Durch das Offenbarwerden von ritueller Ordnung und Wissen entsteht Hingabe an Shiva und Vishnu.
13.45 Im dha-Komplex wird Herrschaft über die Erde angezeigt; es besteht keine Furcht vor Krankheit oder vor einem Tier. Schon durch den Eintritt beziehungsweise Aufbruch erhält man Lebensfülle, Besitz und Glück. [Die Wendung über den Eintritt ist unklar.]
13.46 Beim Bija ra ist man vollkommen erfolgreich, hervorragend unter den Himmelsgängern und schreitet fest dahin. Man gewinnt wunschgemäßen, unvergleichlichen Reichtum, königliche Herrschaft, Macht, Oberherrschaft und das allen förderliche Erleben Golokas; ferner den Genuss der Welt, Liebe, großes Glück und vielfältigen Gewinn.
13.47 Bei ca und beim Feuer-Bija ist alles Bewegliche und Unbewegliche überwunden. Überall wird bei schrittweisem Vorangehen eine glückbringende Frucht angezeigt.
13.48 Wenn ṣa im mittleren Bereich steht, kommt Nachricht aus dem Land. Ein Schreiben trifft ein; wer das Vorhaben ausführt, gewinnt Geld.
13.49 Bei kṣa erlangt man Kameradschaft und Freundschaft. Daraus entsteht herzliche Zuneigung; hinsichtlich der Frage besteht dann keine Furcht.
13.50 Im eigenen Reich entsteht Glück, wenn es sich um eine Frage nach Blumen handelt. Das Versende verbindet Lachen, einen Buchstaben und einen Koch mit einer Aufforderung zum Geben; der Zusammenhang ist nicht sicher herzustellen.
13.51 Wenn es so eintritt, Herr, wird kein entgegengesetztes Ergebnis angesagt.
13.52 Beim langen ī fügen sich die Angelegenheiten; der Geist richtet sich auf die Füße des Herrn. Wenn der Anfang zustande kommt, wird ein langlebiger Herrscher angezeigt. Als Herr über Zeit und Ort führt er freudig Kind und Nachkommenschaft; im Wald der Menschen ist er wie ein Löwe, der jede Verunreinigung vernichtet. [Einzelne Satzglieder sind unsicher.]
13.53 Im achten Bereich, nahe dem großen Herrn des Reichtums, bewegt sich das Glück. Der Mensch erwacht und wird gewiss gesammelt. Sodann nennt der Vers wunderbare Geschicklichkeit, eine dunkle Schlangen- beziehungsweise Brustmetapher und plötzliches Lachen beim Anblick der Morgensonne. [Die zweite Vershälfte ist nicht zuverlässig zusammenhängend übersetzbar.]
13.54 Man gewinnt außerordentliche Standhaftigkeit, wunderbare Rede und Sieg, ferner den Gewinn alter überlieferter Aussagen und die Zuwendung der Menschen der Welt. [Der Schluss enthält bereits in der Vorlage eine eingeklammerte, mit Fragezeichen versehene Lesungsalternative.]
13.55 Nicht ein ungeordneter Zugang, sondern eine gute Frucht, die der Tiefe Gayas gleicht, wird angezeigt. Im Ozean des Verdienstes erlangt man stets die Lotusfüße des Gurus. [Die erste Negation und ihr Bezug sind unsicher.]
13.56 Beim wohlklingenden Visarga, verbunden mit sanftem Abschluss, werden das Kommen von Menschen, Geldzufluss und große Schmerzen angezeigt.
13.57 Das im Geist Befindliche führt zu schlechter Einsicht; eigene Angehörige und gute Menschen werden genannt, sodann Entlassung beziehungsweise Loslassen und ein ungünstiges Zeichen. Man gerät in schlechte Bindung. [Die Aufzählung ist syntaktisch beschädigt.]
13.58 Die großen, hervorragenden Seher kennen das mit Kula Verbundene und das von Kula Freie, Geliebter. Beim Glück des Lachens ergibt sich die Frucht des Lachens, jedoch nicht in der inneren Vorstellung. [Der letzte Gegensatz ist unklar.]
13.59 Durch die Folge des Zorns und die veränderte Erscheinung der Augen wird alles weggenommen. Sind beide Hände auf dem Kopf, zeigt sich eine mit der Kali-Zeit verbundene Frucht; als Gewinn werden Tötung und Schmuck genannt. [Die genaue Zuordnung ist nicht sicher bestimmbar.]
13.60 Im verbleibenden vierten Blatt, das Segen und Furchtlosigkeit gewährt und lautes Klagen beseitigt, wird die sichere Ankunft aus der Ferne angezeigt, umgeben von einer Schar junger Frauen; ferner das Aufheben furchtbarer Gefahr und Freude an der Qualität des Wassers. Der Schluss verbindet den gha-Komplex mit einer Wellenfolge und Glanz beziehungsweise Gegenglanz, bleibt aber textlich unklar.
13.61 In der ja-Gruppe werden Lack, Gold, Gedanken an den Lebensunterhalt, Bedrängnis durch Alter und Krankheit sowie das Wegnehmen alter Kleidung angezeigt.
13.62 Im ṭha-Komplex fällt selbst ein Weltherrscher auf Erden gewiss. Wenn ṭha am Anfang steht, vernichtet es das innere Glück; schon durch diesen Buchstaben entsteht ein mächtiger Feind.
13.63 Ist ta, der Jugend lieb, der Anfangsbuchstabe der Frage, Herr, so dient dies der Vernichtung des dichten Dunkels der Verfehlung.
13.64 Steht na am Anfang, so erstrebt der Fragende gewiss eine Ansammlung von Vermögen. Schon durch ein Gespräch werden Menschen gewonnen, und man erhält Zutritt zum Königshof.
13.65 Beim glückverheißenden bha-Komplex ist man im Land zwar furchtsam, hat aber am Ort der Gefahr nicht am Leid teil. Schmuck und Wohlstand nehmen zu.
13.66 Die Betrachtung des Anfangsbuchstabens la zeigt überall die Zuneigung der Menschen an, Herr der Welt; man wird vom Leid im Verhältnis zur Ehefrau frei.
13.67 Bei sa werden geschlechtliche Vereinigung und das Gedeihen der Familie der Geliebten angezeigt, Wachstum des Besitzes und der Nachkommenschaft sowie die Gnade Sarasvatis.
13.68 Höre nun, Herr, wie die Bedeutung der Frucht des a im vierten Blatt bestimmt wird. Ich werde sie erklären; nimm sie aufmerksam auf.
13.69 Wahrhaftig durchdringt a die Buchstaben von ka bis kṣa. Ohne a entsteht nirgends Kraft, Herr.
13.70 In a ist der ganze Leib des Beweglichen und Unbeweglichen zusammengefügt. Steht bei der Untersuchung einer Frage a am Anfang,
13.71 so entsteht gewiss selbst bei ungünstigem Ausgang eine Ansammlung guter Ergebnisse. Genannt werden ferner der Aufenthaltsort von Feinden und das Ansammeln von Geld und anderem Gut. [Der Feindbezug ist nicht eindeutig.]
13.72 Für die Kenntnisse der inneren Verehrung, für das Kommen eines Menschen sowie für eigenes Leid und Reue wird die Regel des ya genannt. [Der Wechsel von a zu ya steht so in der Textgrundlage.]
13.73 Höre die Bedeutung der Frucht von u, du Kenner der Frageauslegung: eine Frage nach Diebstahl bei Tagesanbruch, Freude und geistiges Aufstreben,
13.74 das Wohnen an einem hervorragenden Ort, ausgezeichnetes Essen und Ähnliches, das Entstehen einer starken Einsicht und die Hinwendung zu den Füßen der Göttin Uma.
13.75 Das Zeichen des ra betrifft die Augen und das Aussprechen eines Lautes: Frauen werden gesehen, ein Schreiben kommt aus der Ferne.
13.76 Man erlangt höchstes Glück, um Menschen zu gewinnen, ferner einen Bestand an Pflügen; Landgewinn tritt gewiss ein.
13.77 Bei o wachsen Herrschaft und Nachkommenschaft. Man erlangt beständige Zufriedenheit; der Pranava verleiht alle Vollkommenheiten.
13.78 Bei Fische, Krebs, Skorpion und Waage, beim Aufgehen von Dharma, Feuer und Sonne, erhält man im Haus und bei der Betrachtung des Veda gute Frucht, Glücksgewinn und Aufstieg. Wissen, Gespräche über die Veden und die Frucht eines Ozeans siegreicher Freude werden angezeigt; der Mensch erlangt freudig die durch Einsicht vollendete Stufe. [Die astrologische Anfangsformulierung bleibt unsicher.]
13.79 Damit ist die Bestimmung der Blätter beschrieben, welche unzureichendes Wissen überwinden soll. Höre erneut, Mahakala, die Entstehung der ungünstigen Zeit.
13.80 Am Anfang des jeweiligen Monats und ebenso zu Beginn des jungen Tages bringen die ersten zwei Dandas gute Frucht, Maheshvara.
13.81 Der dritte einzelne Danda bringt das entgegengesetzte Ergebnis. Befindet sich jedoch das entsprechende Mondhaus in diesen Dandas, muss daraus nichts Ungünstiges entstehen.
13.82 Die acht Mondhäuser beginnend mit Ashvini gehören in das erste östliche Blatt. Man erkenne darin den günstigen Stern; selbst bei einem schlechten Fehler entsteht Glück.
13.83 Die Mondhäuser von Ashlesha bis Chitra gehören in das zweite südliche Blatt. Ihr Ergebnis wird als entgegengesetzt bezeichnet: Selbst ein fruchtbares Vorhaben wird seiner Frucht beraubt.
13.84 Die acht Mondhäuser beginnend mit Svati schreibe man in das dritte untere Blatt. Der günstige Stern ist jeweils der Reihe nach zu erkennen; man soll das Ungünstige nicht auf andere Weise herbeiführen. [Die Zahlenangabe lässt sich nicht ohne Weiteres mit der folgenden Sternengruppe vereinbaren.]
13.85 An einer Stelle mit entgegengesetztem Ergebnis ist die betreffende Frucht verwerflich; an der Stelle dieses Ergebnisses gilt sie als ungünstig. Bei einer schlechten Frucht kann jedoch eine gute entstehen. [Der Vers ist in seinen Umkehrungsregeln nicht eindeutig.]
13.86 Von Uttarashadha bis einschließlich Revati entsteht die entsprechende Frucht für den Sterblichen, wenn er sich dem Handeln widmet.
13.87 Nun werde ich, Mahadeva, die Ergebnisse der mit Ashvini beginnenden Mondhäuser erklären. Durch ihre Erkenntnis werden alle Gottheiten zu Hütern der Hauptrichtungen und Zwischenrichtungen.
13.88 Höre, Gott der Götter, die höchst verdienstvolle Art, wie diese Ergebnisse hervorgehen.
13.89 Ashvini gewährt in den drei Welten Verehrung und Glück, bekannt in den drei Welten und vollendet durch die Freude der drei Gunas; ferner Segen, das Auflösen von Schmerz und Befürchtung, das Überwinden schlechten Geschicks der Schwachen, das Verbrennen der Not der Erniedrigten und Armen und gute Ergebnisse für die Menschen. [Mehrere Komposita sind beschädigt; die Übersetzung gibt nur die erkennbaren Aussageglieder wieder.]
13.90 So höre, Herr der Götter, der Reihe nach immer wieder die günstigen und ungünstigen Ergebnisse der Sterne, Geliebter meines Lebens, der du die Liebe verwirklichst.
Kolophon: So endet das dreizehnte Kapitel im Dialog zwischen Bhairavi und Bhairava des späteren Tantra des ehrwürdigen Rudrayamala, in der Erhellung des großen Tantra, über die Bestimmung der Zustände, im Pashu-Ritual, über die wesentlichen Geheimzeichen des Ajna-Chakra, im Abschnitt über vollendete Mantras.
Kapitel 14: Mondhäuser, Wochentage und die Kraft im Atem
Anandabhairavi sprach:
14.1 Nun werde ich dir auf dem Yogaweg, Shankara, die Bedeutung der siebenundzwanzig Mondhäuser und ihre guten Ergebnisse erläutern, hier fortfahrend mit Bharani.
14.2 Ich erkläre die Bedeutung ihrer günstigen und ungünstigen Ergebnisse und die unmittelbar erfahrbare Frucht der Zeit. Für die Ergebnisdeutung dient das Feld Bharanis zur Bestimmung von Dharma, Wissen und weiteren Dingen.
14.3 Bei Bharani erhält man Einsicht in das Nachdenken über den Dharma und das günstige Ergebnis des Nichtfortgehens; es ist mit den Buchstaben beginnend mit ma verbunden.
14.4 Bei Krittika gehören die Buchstaben beginnend mit śa dazu; Krankheit, Shankara und Abnahme werden genannt. Um Gesundheit und Geld zu erlangen, soll man dort nicht nach der Sonnenregel vorgehen. [Die Verbindung von Krankheit und „Shankara“ ist textlich unsicher.]
14.5 Rohini bringt den Vermögenden keinen Vermögensverlust, sondern das dem Leben Liebe, gute Einsicht und Läuterung des Verstandes. Sie beruhigt Schlangenfehler und andere Übel, gewährt im Erdkreis königliches Glück, Reinheit der Einsichtigen und Wachstum.
14.6 Mrigashirsha gewährt im Haus des Herrschers einen Schatz. Im von Verfehlungen gereinigten Wasser wird eine nicht sicher lesbare Bestimmung der Leere genannt. Zur Zeit einer Hochzeit besteht Furcht; im Kula bringt sie mit günstigem Blick Heil. Sie verbrennt die eigene Verfehlung und mehrt unbegrenzte Einsicht.
14.7 Ardra ist korallengestaltig und erfreut sich am lebhaften Spiel der Liebeskunst. Sie bewirkt die Hingabe des Geistes und kündet zur rechten Zeit das Ergebnis. Sie schenkt Glück und bedeutenden Wohlstand, ergötzt sich am Glanz des sich etwas öffnenden Lotus, schützt täglich den Standhaften und Friedlichen und verbrennt das Ende des Sichtbaren. [Die Schlusswendung ist unklar.]
14.8 Der gute Stern Punarvasu ist von jugendlicher Gestalt und Mitgefühl. Er entfernt geistige Fehler und übermäßige Erwartung besonderer Ergebnisse, schenkt unermessliches Vermögen, nimmt die Fülle des Kummers und schützt den durch mächtige Planeten schwer bedrängten Menschen.
14.9 Die verdienstvolle Pushya bewirkt unvermittelt Gedeihen und verleiht den Strahlenden Schönheit. Der Geliebten schenkt sie Gold und anderes Gut, vernichtet Gefahren und gibt Nachkommenschaft. In Bedrängnis gewährt sie Frucht und ein Glück gleich der Freude des Löwen; geschmückt mit der Kenntnis der fünften Buchstaben der mit ka beginnenden Gruppen, schützt sie wie einen Sohn. [Einzelne Worte sind beschädigt.]
14.10 Diese Sterne am Ende des östlichen Blattes schenken Glück. So erscheinen sie im Diagramm bei günstiger Bewegung der Planeten.
14.11 Bei Verfehlung aber erhält man vielfach das entgegengesetzte Ergebnis, Herr. In Pushya wird selbst die im Krebs befindliche Sonne grausam.
14.12 Höre, Herr, die Tierkreisgottheiten dieser Sterne: Widder, Löwe und Schütze sind die Gottheiten der mit Ashvini beginnenden Gruppe.
14.13 Für diejenigen, deren Buchstabe im zugehörigen Tierkreiszeichen steht, entsteht kein Verlust im Bereich ihres Anliegens. Man erlangt überall Sieg; selbst bei einem grausamen Planeten wird Glück gewährt.
14.14 Bei einem anderen Tierkreiszeichen ist die Zuordnung verschieden. Frei vom Tadeln des Dharma soll man das Ergebnis des eigenen Mondhauses erkennen und die Antwort auf die Frage behutsam aussprechen.
14.15 Ob das betreffende Mondhaus gute oder schlechte Frucht anzeigt: Man soll die Buchstaben untersuchen und dann die Blume benennen. [Der Bezug zur Blume wird hier nicht erläutert.]
14.16 Entsprechend der Reihenfolge der Buchstabenkette sind die einzelnen Buchstaben zu untersuchen. Welche günstige Wirkung jeweils bei dieser Betrachtung hervortritt,
14.17 ist zu berücksichtigen; bei einem Überwiegen der Fehler entsteht entsprechend größeres Leid. Der vorzügliche Praktizierende erlangt viel Glück und dauerhaftes Wohlergehen.
14.18 Höre nun der Reihe nach die Wochentage dieser Sterne: vom Sonntag bis erneut zum Sonntag. Den jeweiligen Herrn des Sterns soll man hinsichtlich des Günstigen
14.19 und ebenso des Ungünstigen erkennen, Rudra, und danach die Frage beantworten. Ich werde die Bestimmung dieser Wochentage im östlichen Lotusblatt erklären.
14.20 Am Sonntag zeigt sich für Kinder Herrschaft, sofern die Frage gestellt wird, als erwünschtes Ergebnis. Für einen Menschen über dreiundzwanzig Jahren werden Dharma und Besitzgewinn angezeigt.
14.21 Sammlung, höchste Wonne und Betrachtung der Wahrheit durch Yoga gehören ebenfalls dazu. So ist die Wirkung des Sonntags; für Alte kann sich im Günstigen Ungünstiges ergeben.
14.22 Am Montag erhält man ein Juwel, vollkommene Freude am Duft göttlicher Blumen, für ein Mädchen beziehungsweise eine junge Jungfrau gute Frucht und Vermögen in Gestalt von Münzen. Dazu kommen Bemühen um Befreiung, liebevolle Rede einer königlichen Gemahlin, reines Verlangen nach verdienstvollen Stätten des Glücks und Hingabe.
14.23 Der Sohn der Erde, Mars, ist blutgesichtig und zeichnet sich durch jugendliche Kraft aus. Unvermittelt verbrennt er das wichtigste Vorhaben und die Kühnheit im Begehren. Er zerstört meist das fruchtlos Zusammengefügte und den Kern einer Folge von Kummer; am Mars- beziehungsweise Erdentag führt er stets Befreiung und Verdienst herbei.
14.24 Am hervorragenden Mittwoch gewinnt der Sterbliche eine große Fülle von Verdienst, aber auch Schwäche. Genannt werden beständiger Zeitfehler, furchtbares Leid und der Stolz auf große Kraft bei reichen Feinden. [Der Vers lässt offen, welche dieser Größen aufgehoben oder erlangt werden.]
14.25 Am Tag des Guru werden vielfältiger Vermögensgewinn und Freigebigkeit, Macht, guter Ruhm und die besondere, ordnungsgemäße Frucht des Opfers angezeigt; ferner Freude der Menschen, Freude im Herzen der im Kampf Befindlichen, Ansehen und guter Dharma. [Einzelne grammatische Verbindungen sind unsicher.]
14.26 Wer einen Körper mit Mandara-Blütengirlanden trägt und den Gottheiten ergeben ist, gelangt in die Himmelswelt. Durch die Übung zur guten Zeit des Freitags erhält er wahrhaftig Hingabe an Haris Füße.
14.27 Am Samstag werden Furcht, Verblendung durch die Fehler der Welt, Freude an Land und Söhnen, höchste Rettung, Glück mit einer Frau und eine Wolke besonderen Reichtums genannt. Menschen, die den Sohn der Sonne verehren, erlangen Vollendung und Gedeihen im Leben, Herr aller Wünsche. [Die Satzfolge ist teilweise unklar.]
14.28 Das erneut zum Sonntag gehörende Ergebnis kann ein Ort großen Leids sein; die mächtigen Strahlen nehmen jedoch die Krankheit bedrängter Menschen. Wer sich genau darauf in seiner Betrachtung richtet, geht niemals zugrunde; die Fülle von Hitze und Fluch wird berührt beziehungsweise aufgehoben. [Der Schluss erlaubt keine eindeutige Deutung.]
14.29 Höre das Ergebnis des Mondträgers, gestützt auf das Feine außerhalb des Pranava: die Gesamtheit der Himmelswanderer und das durch die Bezeichnungen erschlossene Ergebnis. Genannt werden tiefgründige Rede und Schutz für den dem Herrscher Lieben, wenn der Mond verehrt wird. Der abschließende Bezug auf Kali, Glück und Shambhu ist beschädigt.
14.30 Nun werde ich die Bedeutung des zweiten Blattes, das vom Kreis der Mondhäuser umgeben ist, und die Ergebnisse jedes einzelnen Sterns erklären; dadurch wird die Frage entschieden.
14.31 Ashlesha bringt viel leidvolle Rede, umgibt mit dem Glanz der Verblendung und lässt verschiedenartige Bienen umherschwirren. Für Vermögende entstehen Verluste an Stellung und Besitz, die Abwendung der Könige, das Umringt- und Gequältwerden durch schlechte Menschen und höllischer Lärm. [Das Bild der Bienen und das Versende sind nicht sicher einzuordnen.]
14.32 Magha vernichtet Vermögen, große Herrin; zugleich werden zunehmende Freude und Furcht des Feindes genannt. Sie erreicht den, der die Erschütterung der Erde beendet, und bringt beständig Verbindung mit Menschen, die von schlechtem Begehren gequält sind. [Der Satzbau ist unsicher.]
14.33 Beim Mondhaus Purvaphalguni verkünde man das Ergebnis für die in die Ferne Gegangenen: große Standhaftigkeit und sichere Verluste aufseiten des Feindes.
14.34 Durch Uttaraphalguni wird die Frucht gewährt, die göttliche Bewegung. Ist einer der Gottheit ergeben, Herr, so wird alles schön.
14.35 Hasta schenkt mit gesenktem beziehungsweise schamhaftem Haupt und einem dreifach günstigen Blick Glück. Rotgliedrig, beweglich und erfreut an makellosen Eigenschaften, gewährt sie Heil. Dem hingebungsvollen Opferwilligen schenkt sie beständig hundert Goldstücke, großes Glück durch Speisen mit vielerlei Beilagen und eine Fülle von Erkenntniszeichen. [Anfang und Ende sind teilweise gestört.]
14.36 Chitra schenkt in dieser Welt Vermögen und Wunscherfüllung, obwohl sie mit Unruhe geschmückt ist. So erhält man zuweilen kein körperliches Leid, sondern gewinnt Hingabe an den Herrn.
14.37 Herr der Ashlesha ist Venus; sie bringt nicht stets Gefahr und schweres Leid. Im südlichen Blatt beseitigt die Bewegung die nachfolgende Furcht, aber nicht heftige Hitze. Jupiter ist glückverheißend, von unfehlbarer Hoffnung, reich, brahmanisch und gelbfarben. Der Herr der Purvaphalguni ist der vorzügliche Sohn des Mondes, Merkur, blau und im eigenen Blatt. [Die zweite Zeile ist besonders unsicher.]
14.38 Der Herr der Uttaraphalguni bewirkt durch Mars viel Glück und Besitz. Herr der Hasta ist der Mond; unendlichen Reichtum gibt die Sonne als Herrin der Chitra.
14.39 Höre, Herr, die Mondhäuser des dritten unteren Blattes. Ihre Besonderheiten nach Wochentagen führen zur guten Bestimmung der Frage.
14.40 Die Sonne schützt Svati mit sehr gewaltigem Glanz, gibt aber zur Zeit des Untergangs verkehrte Einsicht. Der glückbringende Mond schützt Vishakha; Sarasvati wird genannt. Mars schützt Anuradha, verbunden mit starker Bedrängnis durch Gefahr. [Der Bezug Sarasvatis bleibt offen.]
14.41 Merkur schützt diejenige, die alle Anliegen erfüllt; Jupiter schützt die glückbringende Mula. Venus, mit Purvashadha verbunden, schenkt dann Besitz und Glück. [Der Name des Merkur zugeordneten Mondhauses ist hier nicht ausdrücklich genannt.]
14.42 Das vierte Blatt liegt links und ist Ursache großen Heils. Es hat die Gestalt des Atharvaveda und umfasst alle Fragegespräche.
14.43 Bei verkehrter Stellung entstehen großes Leid und Verluste, selbst wenn die Buchstaben Glück anzeigen. Durch den günstigen Blick der Sterne aber tritt großer Aufstieg ein.
14.44 Man prüfe die Eigenschaft des jeweiligen Sternherrn, die gute oder schlechte Frucht verleiht, und bestimme unter Berücksichtigung der Lehre die Buchstabengruppen der Frage.
14.45 Saturn schützt Uttarashadha, die Verlust und dessen Folgen bringt und mit Leid und Armut verbunden ist. Durch feste Hingabe an die Gottheit wird dies abgewehrt.
14.46 Die Sonne schützt Shravana mit Geld und weiteren Gütern, unerschütterlich auf die höchste Gottheit gestützt. Ebenso schützt der Mond die fruchtbringende Dhanishtha; Mars ist Herr der Shatabhishaj-Gruppe und mit Gefahr verbunden.
14.47 Herr der Purvabhadrapada ist Merkur, der Gold vermehrt. Ebenso wirkt für die Welt, Mahadeva, der Herr der Uttarabhadrapada,
14.48 Jupiter, mit Entfaltung von Glück. Herr der Revati ist Venus; sie schenkt höchste Freude entsprechend den Tierkreiszeichen in den jeweiligen Blättern.
14.49 Den Stern Abhijit schützt der glückverheißende, Reichtum gebende Saturn. Freudig will Saturn seinen Fruchtanteil geben; dabei steht eine nicht sicher deutbare Wendung über den König und ein Tier.
14.50 Manche nennen dies eine besonders geliebte erhöhte Stellung des Mondes. Die Planeten haben Rahu zum König; im Feld ist Abhijit von der Zeit umschlossen. [Die astrologische Zuordnung ist nicht eindeutig.]
14.51 Wer auf Erden die feine Gestalt dieser Zeit kennt, soll sie als Übergangszeit verstehen, an den Grenzen von Saturn und Rahu, zwischen Glück und Ende.
14.52 Diese Übergangszeit ist das große Aufgehen des Sattva. Erkenne sie als Kumbhaka, die Atempause, die aus meinem Leib hervorgeht.
14.53 Dieser äußerst feine Augenblick gleicht dem Kreis der Kundalini. In seinem ersten Teil ist Saturn der Herr, der „Halten“ heißt.
14.54 Brahma selbst erscheint freudig mit makellosem Leib. Am Ende steht die reine Gestalt der Auflösung, die „Ausatmen“ genannt wird:
14.55 Shambhu selbst in Rahus Gestalt, der Kenner der Ordnung der fünf Tattvas, der zeitgestaltige Mahadeva mit furchtbarem Antlitz, der Schrecken erregt.
14.56 In Mondgestalt, als Nektarspender, vernichtet er das Feuer aller Verfehlung. Schwarzfarbig ist er Kala-Yama, der Verdienst und Unverdienst bestimmt.
14.57 Zwischen beiden ist die Göttin von feiner Gestalt, strahlend wie Millionen Blitze, im höchsten Sattva ruhend, verbunden mit Vishnumaya und den Planeten.
14.58 Sie ist der feine Stern Abhijit, die siegreiche Auflösung in der Übergangszeit. Ihr Herz ist von der Atempause erfüllt; sie geht dem Kreis der Planeten voran.
14.59 Inmitten der Schar der Mondhäuser ist sie der sechzehnte Mondtag, die unvergleichliche feine Kraft, erfüllt von frischer Wonne. [Die Lesung des ersten Beiworts in der zweiten Vershälfte ist unsicher.]
14.60 In ihrem Anfangsteil befindet sich Rajas in Brahmas Gestalt. Ihr Ende ist zeitgestaltig, dem Aufgehen in Tamas zugewandt.
14.61 Der Mond ist Brahma, die Sonne Shiva. Jenseits des Leibes der großen Maya ist Atreyi die höchste Kraft, die im Innern der Sushumna geht. [Die Verbindung zu „Mahāmāyā“ lässt auch eine andere Satzgliederung zu.]
14.62 Zwischen Brahma und Shiva steht sie und verleiht die Vollendung der rituellen Lehre. Wer sie erkennt, die in allem wohnt und im Herzen aller Wonne steht,
14.63 erhält die Frucht der Wonne; ihnen gewährt sie das Erleben des Sattva. Sie ist Mahavishnu und Mahamaya, von der Gestalt des Mondes und der Sterne.
14.64 Sie schenkt Befreiung und Genuss und ist selbst das zu Erfahrende, Shambhus ursprüngliche große Herrin. Als Schwanenkraft vernichtet sie die von Unwissenheit verhüllte, finstere Zeit der Auflösung. [Das lange Schlusskompositum ist mehrdeutig.]
14.65 Sie liebt den sanften Atem; im Zusammenhang mit der schöpferischen Vorstellung wird sie „Vernichterin der Helden“ genannt. Sie schützt die Welten und ihre Bewohner; von ihr hängt diese Welt ab. [Die mittlere Aussage ist unsicher.]
14.66 Niemand stirbt zur Unzeit, wenn er die Atemkraft kennt. Die Atemkraft ist die höchste Shakti: So wird der Sinn des Tantra bestimmt.
14.67 In Gestalt eines feinen Herankommens verleiht sie feine Vollendung, damit die Menschen verehren und die acht Herrlichkeiten gewinnen.
14.68 Brahma lehrte dies einst seinem Schüler und Sohn, um Gier, Verblendung, Begierde, Zorn, Überheblichkeit und Missgunst aufzuheben.
14.69 Dieser höchste Übungsweg mehrt die Liebe auf Erden, Herr. In der Mitte des Ajna-Chakra wohnt die Atemkraft.
14.70 Sie hat die Gestalt von Mond, Sonne und Feuer und ist frei von Dharma und Adharma. Als Geist und Einsicht durchdringt sie den Leib.
14.71 Im zweiblättrigen Ajna wird die Vierzehn genannt. Im Veda-Blatt stehen die strahlenden Buchstaben des Veda von va bis sa. [Der Bezug der Vierzehn wird nicht eindeutig erläutert.]
14.72 Dieses ist mit der Gestalt des Feuers und mit Rigveda und den übrigen Veden ausgestattet. Höre nun, Herr, Schritt für Schritt die Größe dieses Veda.
Kolophon: So endet das vierzehnte Kapitel im Dialog zwischen Bhairavi und Bhairava des späteren Tantra des ehrwürdigen Rudrayamala, über die Bestimmung der Bedeutung von Zuständen und Fragen, über die Geheimzeichen des Ajna-Chakra, im Abschnitt über den Veda.
Zum Verständnis: Im Verlauf des Kapitels geht die Darstellung von einem Orakeldiagramm zur inneren Deutung von Atem, Gottheiten und Gunas über. Das zweiblättrige Ajna und die Sushumna machen diesen Übergang ausdrücklich sichtbar. Die Aussagen über Lebensdauer gehören zu den Vollendungsverheißungen des Werkes; sie sind keine gesicherten Wirkungsnachweise einer Atemübung.
Kapitel 15: Veda, Erkenntnis und das innere Opfer
Anandabhairavi sprach:
15.1 Ich erkläre das göttliche Wirken, den Spross der Veda-Zweige und den höchsten Pranava. Höre, Bhairava höchster Wonne, was Freude schenkt.
15.2 Im ersten Blatt steht a, der Rigveda, die höchste Silbe. Erkenne darin Brahma und die Bestimmung des Sinnes des ursprünglichen Veda.
15.3 Durch den Veda wird alles erlangt; von ihm hängt diese Welt ab. Wer ohne vedische Mantras die Shakti-Lehre übt,
15.4 wie könnte der ein Yogi sein, der dem Kaula-Weg ergeben ist? Anandabhairava sprach: Was ist der Lobpreis des Brahman, Göttin, und von welcher Art ist die Erkenntnis des Brahman?
15.5 Wer ist ein Kenner des Brahman, und wer trägt einen Leib des Brahman? Erkläre mir diese Art, du Freudenspenderin des Kula, geliebte Kaulini.
15.6 Sprich bald, Schöne, wenn du mich mit Liebe ansiehst. Anandabhairavi sprach: Der Dienst an der Atemkraft selbst ist der Lobpreis des Brahman.
15.7 Das Eintauchen in ihre feine Gestalt wird Erkenntnis des Brahman genannt. Wenn die Einsicht durch die feine Essenz des Prana beständig wie berauscht und doch klar ist,
15.8 und ungeteilte Hingabe an den ehrwürdigen Herrn besteht, wird dies Erkenntnis des Brahman genannt. Wer durch die achtgliedrige Einsetzung geprägt, rein und im Herzen dem feinen inneren Strom zugewandt ist,
15.9 soll beständig Unterscheidung üben; er wird ein Kenner des Brahman genannt. Der Gesegnete verankert die Atemkraft und die Wonne des Brahman im Herzen.
15.10 Der Wissende, der sie beständig verehrt, wird ein Kenner des Brahman genannt. Durch die Essenz des Vijaya-Saftes und ohne äußeres berauschendes Getränk
15.11 mit der Freude der Atemkraft verbunden, wird er ein Kenner des Brahman genannt. Wer in den Nektar ewiger Wonne eingetaucht und in seinem ganzen Leib erfüllt ist,
15.12 trunken von den Tränen seiner Freude, gilt als Träger eines Brahman-Leibes. Die Shakti ist die Göttin Kundalini, deren Wesen die Mutter der Welt ist.
15.13 Die Hingebungsvollen, die sie beständig erreichen, erlangen Befreiung als Frucht der Agama-Lehre. Im ersten Blatt wohnen, auf die Gesamtheit der Buchstaben gestützt,
15.14 die lieblichen Atemkräfte innerhalb des Welteneis. Mit Tierkreiszeichen, Mondhäusern und Mondtagen verbunden, sind sie stets leuchtende Führerinnen.
15.15 Bhavani wohnt in der Brahma-Kraft; auf diese Weise soll man bei ihr Zuflucht nehmen. Nach einem Monat entsteht die Vollendung der raumwandelnden, den Atem aufnehmenden Kraft.
15.16 Nach zwei Monaten wird der Leib diamantgleich; der Mensch soll schrittweise weitergehen. Nach zwei Monaten ist er mit einem Kalpa verbunden, aufgrund seiner Beziehung zu ihr. [Die Kalpa-Angabe und ihr Satzbezug bleiben unsicher.]
15.17 Die bewusste Kundalini-Shakti ist durch Kraft und Glanz die Atemkraft. Als Grund der Bewusstseinsvollendung schenkt sie reine Erkenntnis.
15.18 Allein durch Erkenntnis entsteht Befreiung; man stütze sich auf das Wissen um die Atemkraft. Große Stärke und große Redekraft wachsen Tag für Tag.
15.19 Seine Lebensdauer nimmt beständig zu; er ist frei von Alter und Tod. Ohne die Gnade Kundalinis, Herr, gelingt nichts.
15.20 Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara, Sadashiva und schließlich Parashiva, Gott: Als all diese wird die Atemkraft vorgestellt.
15.21 Diese sechs Shankaras schenken alle Vollkommenheiten und wohnen im Bewusstsein. Sie alle stehen an den Spitzen der Blätter, überflutet vom Nektarstrom.
15.22 Abwärts gewandt, von feiner Gestalt und strahlend wie Millionen Sonnen, befinden sie sich alle auf dem Brahman-Weg im Kreis der sechs Chakras.
15.23 Unterhalb des Ajna vergegenwärtige man sich so das zwölfgliedrige Rad, von strömendem Nektar überflutet und der Kundalini lieb.
15.24 Die sechs Shivas, welche die höchste Wonne genießen, erkennen Kundalini als feurig und vollziehen beständig ihre Sättigung durch die abwärts fließende Strömung.
15.25 Wie die aus dem Mondkreis Hervorgegangenen, die die Gestalt individueller Lebewesen tragen, sind sie der Selbsterkenntnis ergeben und ganz auf die Sättigung der Shakti gerichtet.
15.26 Das zweite Blatt hat die Gestalt des Yajurveda, Herr des Kula; von Vishnu umschlossen, bewirkt es unvermittelte Vollendung.
15.27 Inmitten eines gewaltigen Klanges wie das Donnern von Millionen Donnerkeilen ist Hari, der Herr, Ishana, der ewige Vasudeva,
15.28 der im Sattva gründet, Selbstbeherrschung verkörpert und die Frucht der vier Lebensziele schenkt, Krishna, Herr der Yogis, der mehr gibt, als man wünscht.
15.29 Von Radhika, der Göttin Rakini, und der Atemkraft umsorgt, ist er von großer Stärke, ein großer Held, der Muschelhorn, Diskus und Keule trägt.
15.30 Gelb gekleidet, das Wesentliche selbst, geschmückt mit der Freude der Jugend, ist er von den Jungfrauen der Offenbarung umgeben, der Herr von Shrividya-Radhika. [Die Schlussverbindung lässt mehrere Deutungen zu.]
15.31 Er vernichtet Daityas und Danavas und bringt dem Leib Wohlergehen. Er verleiht innere Haltung und ist der Wohnort der Hingabe; sodann folgt ein unklarer Vergleich mit Ozean und Mond.
15.32 Auf Garuda sitzend, von der Gestalt des Geistes und die ganze Welt umfassend, kennt er die Ordnung der Opferhandlungen und steht über dem Ajna-Chakra.
15.33 Unterhalb befindet sich der Praktizierende, dessen Leib vom Trinken des höchsten Nektars berauscht ist. Dem Yoga ergeben, vergegenwärtigt er ihn wie im Svadhishthana befindlich.
15.34 Indem er diese Gestalt innerlich schaut, erlangt er rasch Vollendung, Shankara. [Bhairava fragt:] Wer ist ein Vaishnava, wer ein Opferkundiger und wer ein Mensch des Dharma auf Erden?
15.35 Wer ist ein Yogi? Sage mir das, Herrin der Götter. Anandabhairavi sprach: Höre, Shankara, ich werde die Kennzeichen der Zeitbestimmung erklären,
15.36 ebenso das Vaishnava-Sein der Vaishnavas und die günstigen und ungünstigen Ergebnisse im Ajna-Chakra. Wer auf Erden dieses große Ajna-Chakra kennt,
15.37 für den gibt es in den drei Welten nichts Unerreichbares. Wer stets rein, in Meditation gefestigt und immer wieder der Rezitation ergeben ist,
15.38 wer die Handlungen von Smriti und Veda vollzieht, die Regeln, Offenbarung und Mantras liebt und überall Gleichmut bewahrt, wird ein Vaishnava genannt.
15.39 Wer gegenüber Feinden und Freunden Gleichmut bewahrt, der Hingabe an Krishna ergeben ist und sich beständig der Schulung im Yoga widmet, wird ein Vaishnava genannt.
15.40 Wer den Yajurveda gern studiert, über gute Lebensführung nachdenkt und stets die Gemeinschaft guter Menschen sucht, wird ein Vaishnava genannt.
15.41 Wer Unterscheidung, Dharma und Wissen erstrebt, sein Bewusstsein in Krishna verankert und wie Shiva handelt, wird ein Vaishnava genannt.
15.42 Ein Opferkundiger ist ein standhafter Brahmane, der nach Liebe verlangt und in einem tiefen Wald mit schönen jungen Bäumen wohnt.
15.43 Allein vollzieht er die Vereinigung von individuellem und höchstem Selbst. Luft und Feuer werden genannt; das Ausatmen ist die Sonne und das Einatmen der Mond.
15.44 Die flammende Spitze hat Sonnengestalt; eine einfache Zusammenfügung ist es nicht. Durch die Verbindung mit dem erneuten Einatmen wird der Glanz des Mondes zur Opfergabe. [Die verneinte Aussage ist textlich nicht eindeutig.]
15.45 Wer schweigend unablässig im aufwärts lodernden Feuer, das von der Macht der Atemkraft bewegt wird, das Feueropfer vollzieht, wird ein Opferkundiger genannt. [Ein Wort zu Beginn des Verses ist beschädigt.]
15.46 Wer im eigenen Leib in die Strahlen des Sonnenfeuers des individuellen Lebens durch das Einatmen des Selbst-Mondes opfert, wird ein Opferkundiger genannt.
15.47 Das berauschende Getränk ist Shakti, das Fleisch ist Shiva, und der Genießende ist Bhairava selbst. Wer das Fleisch in das Shakti-Feuer opfert, wird ein Opferkundiger genannt.
15.48 Wer nach der Ordnung in der Kula-Opfergrube, im Kula-Feuer, mit Gaben von Shivas Wesen die vollständige Opfergabe darbringt, wird ein Opferkundiger genannt.
15.49 Wer auf Erden dem Dharma eine Heimstatt gibt und in einem einsamen Haus des Begehrens mit fester Hingabe die Essenz des Lebens rezitiert, der ist wahrhaft ein Mensch des Dharma. [„Haus des Begehrens“ ist eine wörtliche Wiedergabe des nicht näher erläuterten Ausdrucks.]
15.50 Wer Edelstein und Erdklumpen, Dharma und Adharma, Sieg und Niederlage mit gleicher Betrachtung begegnet und dabei ein Entsagender wird, ist ein Praktizierender, der Brahman erkennt.
15.51 Wer stets an den Herrn denkt, sich an die Weisung des Gurus hält, von gutem Wesen und ein Freund der Bedürftigen ist, wird ein Mensch des Dharma genannt.
15.52 Wer die Zeit kennt und um die Ordnung weiß, den achtgliedrigen Yoga verkörpert und schweigend, voller Hingabe auf einem Berg oder in einer Höhle lebt, wird ein Yogi genannt.
15.53 Ein Kenner des Brahman, ein Avadhuta, verdienstvoll, rechtschaffen und rein, ohne begehrliche Wünsche und dem Dharma ergeben: Er wird ein Yogi genannt.
15.54 Wer ein Gefäß der Gnade der Göttin der Rede ist, die sechs Stützpunkte durchdringt, seine Zeugungskraft aufwärts richtet und ohne geschlechtlichen Umgang mit Frauen lebt, wird ein Yogi genannt.
15.55 Wer dem Yajurveda folgt, die Buchstaben seines Blattes trägt, die Buchstabenkette im Geist rezitiert und von innerer Hingabe erfüllt ist, ist wahrhaft ein König der Yogis.
15.56 Man verehre den Ajna-Lotus, der die zwölf Monate umfasst, mit den zwölf Tierkreiszeichen verbunden ist und Mondtage, Wochentage und Mondhäuser enthält.
15.57 Er dient den Fragen nach Richtung, Zeit und Ort sowie der Bestimmung der Atemkraft durch die Zustände von Kindheit, Alter und Untergang, durch Dandas, Palas und die Anzahl der Atemzüge.
15.58 Man verehre das davon durchdrungene, höchst läuternde Wesen des Ajna-Chakra. Im Diagramm schenkt es überall Glück; für die Guten entsteht kein Verlust, Herr.
15.59 Für Schlechte und Verleumder aber ist es umgekehrt: Auf Schritt und Tritt entstehen hier Leiden; für die Frevler entfalten sich die entsprechenden günstigen und ungünstigen Folgen.
15.60 Der Frevler stirbt, der Wissende gelangt zur höchsten Stätte. Wer die Zeit des Atems kennt, wird ein Wissender genannt.
15.61 Wer die Zeit des Atems nicht kennt, wird hier ein Frevler genannt. Der Yajurveda ist Sattva, makellos als Wohnort dieser Klarheit.
15.62 Nach der Folge der Guru-Weisung erlangt man im unteren Prinzip Kundalini, die große Shakti, durch die geordnete Verbindung von Aufwärts- und Abwärtsbewegung.
15.63 Durch die Verehrung der im großen Gefäß des Yajurveda gegründeten Sattva-Kraft und durch die Nektarströme von der Stirn wird Kundalini bewusst und wach.
15.64 Man vergegenwärtige das zweiblättrige Chakra und vollziehe Tag und Nacht das Feueropfer. Der Mantrapraktizierende opfere mit reinem Ghee unten im Mund beziehungsweise in die abwärts gerichtete Kundalini. [Die genaue Satzkonstruktion ist mehrdeutig.]
15.65 Diejenigen, die ihre Sinne gezügelt haben und durch reinen Yoga von mächtigen Strahlen durchdrungene schöne Glieder besitzen, verehren den vorzüglichen vierblättrigen Lotus, dessen Mitte mit dem Glanz von hundert Millionen leuchtet.
Kolophon: So endet das fünfzehnte Kapitel im Dialog zwischen Bhairava und Bhairavi des späteren Tantra des ehrwürdigen Rudrayamala, in der Erhellung des großen Tantra, über die Bestimmung der inneren Haltung, im Pashu-Ritual, über die wesentlichen Geheimzeichen des Ajna-Chakra, im Abschnitt über vollendete Mantras und in der Entfaltung der Veda-Lehre.
Zum Verständnis: Die Verse 37–55 bestimmen religiöse Zugehörigkeit vor allem durch Haltung und Lebensführung: Meditation, Japa, Viveka, Freundlichkeit und die Gleichbehandlung von Freund und Feind. Das innere Opfer wird ausdrücklich als Geschehen im eigenen Leib beschrieben. Dennoch bleiben die materiellen Ritualbegriffe von Vers 47 erhalten; die Übersetzung ersetzt sie nicht durch frei erfundene moderne Entsprechungen.
Kapitel 16: Guru-Meditation und die Grundlage des Yoga
Anandabhairavi sprach:
16.1 Höre, Herr Anandarudra, das Kennzeichen des dritten Blattes: Es ist der Samaveda, das untere Rad, ungestört in der Qualität des Tamas.
16.2 Es ist von der Gesamtheit der Buchstaben erfüllt, Rudras Gestalt, der große Herr, der Ort der Auflösung, Kamarupa und die Wohnstätte höchster Wonne.
16.3 Wer sich diesen guten Ort des wirkenden Feuers vergegenwärtigt, wird ein König der Yogis. Dieser Ort ist der Dharma der Yogis und gewährt die Frucht der Weisung des Gurus.
16.4 Über jene Lotusfüße der ehrwürdigen Gurus im zweiblättrigen Lotus zwischen den Augenbrauen soll man immer wieder sanft meditieren; sie leuchten am Ort des Atems.
16.5 Mit Geist, Rede, Handlung und dem feinen Atem soll man sie vergegenwärtigen, alles darin aufgehen lassen und beständig meditieren, den Leib stets von Freude erfüllt.
16.6 Wie die Meditation im Sahasrara geschieht, so geschehe sie im zweiblättrigen Lotus: über den Guru, das Selbst, Ishana, den ewigen Gott der Götter,
16.7 der unvermittelt Vollendung schenkt und die Frucht des achtgliedrigen Yoga gewährt.
16.8 Ich verehre den ewigen, klanggestaltigen Guru, Gegenstand gültiger Erkenntnis und beständiges Maß des Vergleichs. Sein Leib strahlt wie der freudig aufgehende Mond, sein Lotus wie hundert Monde. Er wohnt in allem Leben, steht im Gang und bleibt unbeweglich; durch Erkenntnis ist er unbefleckt. Er ist Wohnort der entfalteten Anmut des Tanzes, ganz Auflösung und unmittelbare Erfahrung des eigenen Selbst. [Mehrere Komposita lassen unterschiedliche Verknüpfungen zu.]
16.9 Wenn man im eigenen Selbst den makellosen Herrn der Welten, den Vernichter des Liebesgottes, den Guru und Herrn verehrt, umgeben vom höchst schönen Mond, so erscheint die Ansammlung des herabkommenden ursprünglichen Kula-Feuers. [Der Schlussteil ist syntaktisch unsicher.]
16.10 Guru, du bewirkst Gleichmut in denen, die sich vor dir verneigen. Wenn du das Fruchtlose in mir beseitigst, verehre ich deine Lotusfüße in ihrem wunderbaren Spiel, die mich über den Ozean des Werdens hinüberführen.
16.11 Ich nehme Zuflucht zu den Füßen des Gurus, die auf einem weißen Lotus erstrahlen, durch goldene Fußspangen verschönt und mit anmutigen, wie Monde leuchtenden Nägeln geschmückt sind; sie läutern die Betrachtung der Welt.
16.12 Ich verehre die Fußsohlen, zart im Bewahren aller guten Früchte, mit einem reinen roten Lotus geschmückt. Sie schützen die verborgenen Schätze beziehungsweise halten die Himmelskräfte im Zaum; von Edelsteinen umgeben bewegen sie sich auf Erden. [Die Komposita der zweiten Vershälfte sind nicht eindeutig.]
16.13 Auf dem mit schönem Gold besetzten Lotussitz wird die Überwindung des Daseinsozeans sichtbar. Wenn sich dein Mitgefühl diesem geringen Menschen zuwendet, möge es mich schützen: Ich verehre deine Fußsohlen.
16.14 Ich nehme Zuflucht zum Lotusgesicht des Gurus: Er ist der Paramahamsa-Mantra, von Haras Gestalt, der Herr und Guru, der alle Sinne beherrscht; von ihm gehen die Strahlen des durch alle Kennzeichen ausgezeichneten Mondes aus. [Das Wort vor „Guru“ am Versende ist unsicher.]
16.15 Das Ajna-Chakra des Gurus ist Ursache der Welt, ganz von Ausschließlichkeit beziehungsweise Einheit erfüllt, mit sa versehen; sein Herz ist der Mondlotus des inneren Klanges, verbunden mit Kamakala. Im Ort der Auflösung des Atems, vereint mit dem Duft frischen Honigs, liegt im Veda-Feld das Blatt; dort ist die mondlose Stätte. [Der Vers ist dicht verschlüsselt und teilweise gestört.]
16.16 An diesem vom Tamas erfüllten, mit dem unteren Kreis geschmückten Ort der beiden Bindus befinden sich im zweiblättrigen Lotus die Füße des ehrwürdigen Gurus.
16.17 Der Verständige soll sie in dessen Mitte wie eine große Feuerflamme betrachten. Durch die Gnade dieses Yoga und durch die Bija-Komplexe des Vagbhava
16.18 wird selbst ein Geringer langlebig und erlangt Herrschaft über die Rede. Der höchste Nektar, der aus den Lotusfüßen des ehrwürdigen Gurus hervorfließt,
16.19 soll in Strömen die Herrin des Kula sättigen. Immer wieder zusammenziehend, vergegenwärtige man sie beständig als die Erwachte.
16.20 Der Verständige soll den Atem und die weitere Essenz in wechselnder Folge halten. Mit diesen Strömen höchsten Nektars sättige er die Herrin des Kula.
16.21 Dann ist immer wieder die Frucht allen Verdienstes zu bewahren beziehungsweise herabzuführen, Geliebte. Der vorzügliche Praktizierende erlangt Geld, Edelsteine und großen Wohlstand. [Die erste Verbform ist unklar.]
16.22 Überall erlangt er Sieg, im Kampf, im Zorn und in großer Gefahr. Er tritt in die große Schlacht ein; von gutem Wesen erlangt er Befreiung.
16.23 So habe ich dir, Herr, die unübertreffliche Erkenntnis des Brahman erklärt, ausgehend von der Kamarupa-Gestalt des Blattes im dreigeteilten Ajna-Chakra.
16.24 Wer es prüft und innerlich vergegenwärtigt, erhält gute Frucht. Im dreigeteilten Ajna-Chakra soll er den großen Herrn als Kamarupa betrachten,
16.25 verbunden mit Chinachara und umgeben vom Herrn des Verbrennungsplatzes: die Zeit, das zeitbewirkende Rad, Mahakala, den Schatz der Zeitkräfte, verbunden mit Pala, Anupala, Vipala, Danda, Mondtag und Monatshälfte,
16.26 mit Monaten, Jahren, Weltaltern und großen Zeiten; seine Augen gleichen Millionen Meteoren, er trägt scharfe Fangzähne und ist der Herr der Götter.
16.27 Sein Lotusantlitz ist mit einem Netz von Abermillionen Augen geschmückt. Er ist Bewusstsein selbst, hat die Gestalt der Befreiung von Sein und Nichtsein und erscheint in vielen Gestalten.
16.28 Über Kalarudra, den höchsten Herrn, soll man mit großer Freude meditieren, über der Nase, zwischen den Augenbrauen, im Ajna-Chakra, großer Herr.
16.29 Wer sich diese höchste Stätte vergegenwärtigt, wird augenblicklich eins damit. Der Mantrapraktizierende soll Hakini betrachten, welche die Raurava-Hölle und die weiteren Höllen vernichtet.
16.30 Sie leuchtet wie Millionen Blitze, ist die Verkörperung von Nektar und Wonne, strahlt in der Fülle des Ama-Prinzips und wohnt im goldenen Varanasi.
16.31 Ihre Glieder sind mit vielerlei Schmuck geziert; sie besitzt frische Jugend, volle Brüste und berauschende Kraft. Sie ist das Wesen aller Stützpunkte.
16.32 Durch die Rezitation des langgezogenen Pranava erfreut sie Trivikrama. Sie ist die schweigende, geistgestaltige Göttin, das Wesen aller Wissenskräfte.
16.33 Sie ist Mahakali, Mahanila, gelbfarbig und mondstrahlend, Tripura, Sundari, Vama, die der Vama die Wünsche erfüllt, und die Heilvolle.
16.34 Man meditiere über die Läuternde auf demselben Sitz links vom höchsten Herrn: die Shakti, die das Selbst aller Stützpunkte ist, unaufhaltsam und unüberwindlich.
16.35 Der Gelehrte soll den Kula-Weg durch den Atem bewohnen beziehungsweise meistern; die überlieferte Verneinung ist syntaktisch unklar. Durch die Unterscheidung von Kula und Akula wird das Selbst zum Höchsten geführt.
16.36 Ohne Atemübung, Herr, ohne Übung der acht Glieder, ohne Selbstbeherrschung und Standhaftigkeit gelingt der Kula-Weg nicht.
16.37 Ebenso besteht die Praxis durch die Verbindung von Einatmen und Ausatmen. Ohne das Dasein der Atempause bestehen diese beiden nicht in der hier gemeinten Weise.
16.38 So gelingt auch der Kula-Weg, dieses große Prinzip, ohne Yoga und ohne Übung seiner acht Glieder niemals, Herr.
16.39 Wer auf Erden erlangt Befreiung ohne den Kula-Weg? Wer diesen Weg, der von Yoga-Aussagen und Agama-Lehren erfüllt ist, nicht kennt,
16.40 wie könnte er die Göttin verehren, Herr, und wie wäre sein Yoga vollzogen? Wer die Lebensweise der Heldenherren praktiziert, ohne sie zu kennen,
16.41 muss gewiss lange Zeit im Yoga geschult werden. Pranayama ist ein großer Dharma, sogar den Veden nicht unmittelbar zugänglich,
16.42 der Kern allen Verdienstes und ein Feuer für die Baumwolle angehäufter Verfehlungen. Die schlechten Handlungen von Millionen schwerer Vergehen und nochmals Millionen solcher Taten,
16.43 die in früheren Geburten angesammelten Verfehlungen und das Unheil mannigfacher schlechter Handlungen werden, Mahadeva, durch sechsmonatige Übung vernichtet.
16.44 Wer am Abend und am Morgen, ja Tag und Nacht, als Selbstbeherrschter immer wieder Pranayamas in sechzehnfacher Zahl ausführt,
16.45 und ein Jahr lang beherrscht meditiert, wird zum Himmelsgänger und König der Yogis. Zum Yogi geworden, nimmt er Zuflucht zum Kaula-Weg und wird unsterblich.
16.46 Durch unterscheidende Prüfung wird der vorzügliche Praktizierende zum Herrn der großen Wissenskräfte.
Kolophon: So endet das sechzehnte Kapitel im Dialog zwischen Bhairavi und Bhairava des späteren Tantra des ehrwürdigen Rudrayamala, in der Erhellung des großen Tantra, über Erkenntnis und Bestimmung der inneren Bedeutung, im Pashu-Ritual, über die wesentlichen Geheimzeichen des Ajna-Chakra, im Abschnitt über vollendete Mantras.
Zur Vertiefung: Die Verse 36–41 verbinden den Kula-Weg ausdrücklich mit Selbstbeherrschung, Geduld und systematischer Yoga-Schulung. Für heutige Leser liegt hier eine tragfähige Anregung: Die Intensität eines Rituals ersetzt keine gereifte innere Haltung. Die Angaben zu Atemanhalten und Übungszahlen stehen dagegen in einem initiationsgebundenen Zusammenhang; der Text erläutert hier keine vollständige, allgemein anwendbare Übungsfolge.
Kapitel 17: Atharvaveda, Atemkraft und Vasishthas Unterweisung
Anandabhairavi sprach:
17.1 Nun werde ich, Mahadeva, das Kennzeichen des Atharvaveda erklären, den Kern aller Buchstaben, verbunden mit der Lebensweise der Shakti.
17.2 Aus dem Atharvaveda entstand der Samaveda mit der Qualität des Tamas; aus dem Samaveda der Yajurveda, hervorgegangen aus dem großen Sattva.
17.3 Brahma ist von Rajas erfüllt; der Rigveda steht aus dem Yajurveda hervor. Diejenige, die einem Faden im Lotusstängel gleicht, hat die Gestalt des Atharvaveda.
17.4 Im Atharva wohnen alle Veden, die Wesen des Wassers, der Luft und der Erde, die großen Wissenskräfte, die Kula-Lehren und die großen Seher.
17.5 Das abschließende Blatt ist der Weltenregion nahe, vom Shakti-Kreis erfüllt, glückverheißend und von göttlicher Haltung geprägt. [Die Bestimmung des „abschließenden Blattes“ ist sprachlich unklar.]
17.6 Dort befinden sich auch die Heldenhaltung und die Pashu-Haltung. Das Atharva-Blatt des Veda ist die Wirklichkeit jenseits aller Haltungen.
17.7 Der Wohnort der beiden Bindus hat das Wesen von Brahma, Vishnu und Shiva. Mit den vier Veden verbunden ist dieses Prinzip, der fest errichtete Leib.
17.8 Vierundzwanzig Tattvas befinden sich in diesem schönen Körper. Brahma, von Rajas erfüllt, schützt ihn durch das Einatmen.
17.9 Vishnu, von Sattva erfüllt, schützt ihn durch Atempausen und feste innere Sammlung; Hara, von Tamas erfüllt, durch das Ausatmen.
17.10 Im Kreis des Atharvaveda wohnt Kundalini, die höchste Gottheit. Der folgende Satz über ihre Maya und Brahma, Vishnu und Shiva ist beschädigt.
17.11 Wer den Leib als Wohnort der Götter erkannt hat, wird dem Hingebungsvollen davon sprechen. Die Göttin besteht aus allen Veden und hat die Gestalt aller Mantras.
17.12 Sie ist die Wissenskraft aller Yantras und offenbart die Veda-Lehre; bewusst, kennt sie alle Dharmas und wohnt in der Stätte des eigenen Dharma.
17.13 Auch als unbewusst bezeichnet, ist sie Erkenntnisgestalt, mit goldenen Champaka-Blüten bekränzt, makellos, ohne äußere Stütze, reine Erkenntnis und schnell wie der Geist.
17.14 Sie vernichtet jede Bedrängnis und schützt den Leib. Dieses All ist ihr Werk. Das Versende lautet dem Wortlaut nach, dass sie Verdienste vernichtet; diese auffällige Lesung ist nicht sicher zu deuten.
17.15 Die großen Seelen, deren Bewusstsein stets danach verlangt, sie zu erwecken, erlangen Vollendung, wenn sie dieses Erwachen bewirken.
17.16 Was würde durch ihre Gnade auf Erden nicht gelingen? Durch sechsmonatige Übung wird Kundalini bewusst und wach.
17.17 Diese Göttin ist die Atemkraft, die den höchsten Raum durchzieht, die Retterin und Mutter der Veden. Tag für Tag geht sie nach außen.
17.18 Im Maß von zwölf Fingerbreiten fließt die Lebensdauer beständig dahin. Der zwölf Fingerbreiten ausströmende Atem bewirkt Tag für Tag Abnahme.
17.19 Sooft Kundalini, die höchste Gottheit, nach außen geht, erfolgt jeweils eine Auflösung eines Teils; zugleich wird Lösung von Verfehlung genannt. [Die Verbindung dieser beiden Aussagen ist unsicher.]
17.20 Wenn dagegen die feingestaltige Atemkraft nicht in den äußeren Mond ausströmt, Mahadeva, ist sie als die Feurige im Mondkreis.
17.21 Im Muladhara, im Kamarupa, lodert die Flamme Chandikas. Wenn sie im Kreis des Hauptes, im tausendblättrigen Lotus,
17.22 als Lichtkraft beständig zu Shiva gelangt, zum Herrn Kameshvara, zum als Achyuta bezeichneten Mahadeva, dann ist der Übende ein Wissender und König der Yogis.
17.23 Wenn diese Göttin in den äußeren Mond ausströmt und der Geist sich auflöst, soll man Yoga üben, bis sie zum Haupt gelangt.
17.24 Wenn sie am Haupt angekommen Nektar trinkt, die im feinen Leib wohnende Atemkraft, die reine Göttin, welche die feine Auflösung liebt,
17.25 ist eben dies die höchste Vollendung und der Weg der Hingabe, ohne Zweifel. Atharva wird der Erkenntniskern der vier Veden genannt.
17.26 Die Lehre des Atharvaveda und ihre Gottheit gelten als Atemkraft. Allein durch ihren Dienst wird der Mensch von Rudras Gestalt.
17.27 Sie allein ruht in der Atempause und offenbart Brahman. Bhairava sprach: Wodurch wird die Atemkraft gnädig, Parvati?
17.28 Wodurch wird der Geist fest, und wie wird man unterscheidungsfähig? Wodurch entsteht Mantravollendung, und wie die Vollendung des Leibes?
17.29 Erkläre dies ausführlich, Chamunda, Herrin Anandabhairavi. Anandabhairavi sprach: Höre mit ungeteilter Aufmerksamkeit, Shambhu, Herr des Kula meines Lebens.
17.30 Mit einer Aussage werde ich alles zusammenfassen: Wer mit Vertrauen und höchster Hingabe ganz auf die Zügelung des Geistes gerichtet ist,
17.31 erlangt die höchste, feingestaltige Atemkraft. Der große Asket ist standhaft und geduldig, maßvoll im Essen und von Frieden erfüllt,
17.32 wahrhaftig und enthaltsam; durch Mitgefühl und Dharma geht ihm Glück auf. Er kennt die Beherrschung des Geistes und trägt den Raum als Gewand.
17.33 Er begegnet allem mit gleicher Einsicht und versteht die Betrachtung der höchsten Wirklichkeit. Auf einem Lager aus Schilf beziehungsweise Pfeilen am Boden liegend, trinkt er die Atemkraft als höchsten Nektar.
17.34 Wer auf diese Weise trinkt, dem wird die Atemkraft rasch gnädig. Dem Standhaften, der dem Guru dient und dessen Leib im reinen Sattva erstrahlt,
17.35 dem Hingebungsvollen, der sich den acht Gliedern widmet, wird sie wohlwollend. Wer einen Gast speist, bevor er selbst gegessen hat,
17.36 wird von allen Verfehlungen frei und gewinnt ihre Gnade. Ebenso die große Seele, die im Innern den Atem hält,
17.37 und Gottheit und Guru mit wahrhaftiger Einsicht begegnet. Wer keinen einzigen Zeitabschnitt ungenutzt verstreichen lässt, Maheshvara,
17.38 und das Bewusstsein in der Atemkraft sammelt, erhält die Gnade der Luft. Menschen durchwandern die Erde um der Yoga-Schulung willen.
17.39 Wer Pranayama begehrt, erhält ihre Gnade. Wer jeweils für die Dauer eines Jahres an den einzelnen heiligen Sitzen wohnt,
17.40 und dort die Atemgöttin mit Japa verehrt, gewinnt ihre Gnade. Wer wenig isst, gesund und durch die Wonne der Vijaya erfreut ist,
17.41 und als Yogi die Atemkraft verehrt, dem wird sie wohlwollend. Wer bei der inneren Verehrung das Bewusstsein sorgfältig im Kreis der heiligen Sitze verankert,
17.42 im Namen gefestigt ist und Konzentration verkörpert, erhält ihre Gnade. Wer in der Pashu-Haltung lebt und stets den Samen bewahrt,
17.43 auf Samenerguss und geschlechtliche Vereinigung verzichtet, gewinnt ihre Gnade. Wer zur passenden wie zur unpassenden Zeit beständig der Konzentration ergeben ist,
17.44 und die Gemeinschaft von Yogis sucht, erhält ihre Gnade. Wer ohne Bindung an Freunde und Verwandte lebt, dessen Geist von Unterscheidung erfüllt ist,
17.45 und der Kummer und Kummerlosigkeit mit gleicher Haltung begegnet, erhält ihre Gnade. Wer stets Freude im Herzen trägt, die Zeit kennt und mit den Elementen übt,
17.46 sich Schweigen, Konzentration und Japa widmet, gewinnt ihre Gnade. Wer einsame Orte liebt, rastloses Tun aufgegeben hat und Bedürftigen liebevoll begegnet,
17.47 frei von vielem Reden ist, wird als geistig gefestigt bezeichnet. Wer Lachen, Zufriedenheit, Gewalt und Ähnliches hinter sich gelassen hat und die heiligen Sitze kennt,
17.48 und die Yoga-Schulung vollenden möchte, wird als geistig gefestigt bezeichnet. Wer den Sinn meiner Kula-Überlieferung und die Mantras der Mahavidyas kennt,
17.49 reine Hingabe besitzt und friedvoll ist, wird als geistig gefestigt bezeichnet. Im Muladhara liegt Kamarupa, im Herzen Jalandhara,
17.50 an der Stirn der Purnagiri genannte Ort und darüber Uddiyana; zwischen den Augenbrauen Varanasi und in den drei Augen die Flammende,
17.51 im Kreis des Glücks Mayavati, am Hals Ashtapura, im Nabelbereich Ayodhya und an den Hüften Kanchi, Maheshvara.
17.52 An diesen heiligen Sitzen auf Erden verankere man sorgfältig das Bewusstsein und fülle den Bauch mit Atem, entsprechend der feinen Zeichensprache.
17.53 An den großen Zehen, an den Unterschenkeln, an beiden Knien und an der Wurzel; im vierblättrigen, im sechsblättrigen und ebenso im zehnblättrigen Lotus,
17.54 im zwölfblättrigen, rein durch die Lehre der Vollendung, am Hals im sechzehnblättrigen und im zweiblättrigen von vollem Glanz,
17.55 an der Kailasa genannten Stätte des Brahmarandhra, von makellosem Licht, im großen tausendblättrigen Lotus, der wie Abermillionen Monde leuchtet,
17.56 bewege man den großen Atem, halte ihn immer wieder an, atme ein und aus und beachte sein Hervortreten aus den Haarporen.
17.57 Die dreieinhalb Koti Haare des Menschen sind allesamt Öffnungen der Nadis; aus ihnen treten Tropfen hervor, die hier „Dharma-Tropfen“ genannt werden. [Der folgende Vers bezieht sie auf Schweiß.]
17.58 Solange diese Tropfen fallen, spricht man von Auflösung. Während dieser Zeit entsteht durch die Verbindung mit dem Prana die untere Vollendung, gekennzeichnet durch Schweiß.
17.59 Was würde durch den Dienst am feinen Atem auf Erden nicht gelingen? Man richte den Geist auf die Haarporen, diesen schönen Ort der Auflösung.
17.60 Rasch wird der Geist fest; darüber soll kein Zweifel bestehen. Ohne Dienst am Atem, Herr, wie könnte Vollendung im Dasein entstehen?
17.61 Ohne einen festen Geist, Herr, entsteht nicht einmal die mittlere Vollendung. Man richte den Geist auf die einzelnen Stellen und arbeite mit Atem und Atempause.
17.62 Der Mantrapraktizierende, der die Zeit kennt, soll Tag und Nacht den Atem halten. An einem ganz einsamen Ort verweilend, wird er gewiss geistig fest.
17.63 Ohne einen festen Geist, Shambhu, wie könnte höchste Vollendung entstehen?
17.64 Wer die fünf sogenannten Sinne sorgfältig zurückhält, standhaft und gezügelt ist, erlangt Herrschaft. Durch die angegebene monatelange Übung soll er befähigt werden, selbst Gifttrank zu sich zu nehmen. [Die Monatsangabe ist beschädigt; die behauptete Giftfestigkeit ist eine traditionelle Siddhi-Verheißung.]
17.65 Durch drei Monate angesammelter Übung werden die Sinne fest, und die unteren Vollkommenheiten entstehen. Die Khechari-Vollendung erwacht; im vierten Monat erscheint die Entfaltung der Vorstellung. [Die Bezeichnung der mittleren Stufe ist auch im weiteren Text unsicher.]
17.66 Dann ist er befähigt, von Luft zu leben; mit freudigem Bewusstsein in fester Sitzhaltung erlangt er auf Erden rasch eine der Wirklichkeit entsprechende Vollendung und die ausgezeichnete Heldenhaltung.
17.67 Jene Atemkraft hat unendliche Gestalten. Im verborgenen Raum der Reihen von Begierden schenkt sie großes Glück, Wohlergehen, beweglichen Gang, Sieg, Festigkeit des inneren Wesens und Kenntnis der Schriften. [Die Wendung über die Begierden ist unsicher.]
17.68 Wer sechs Monate mit dem Leib in der Yoga-Sitzhaltung gefestigt und vom Nektar der Freude an der Atembemühung erfüllt ist, vermag nach Überwindung des an Vorschriften gebundenen Yoga-Zustandes die Lehren von Shruti und Agama auszuführen. [Die zweite Vershälfte lässt mehrere Lesarten zu.]
17.69 Der geistig Gefestigte erhält große Vollendung, ohne Zweifel. Nach einem Jahr der Übung erlangt er große Fähigkeit zum Himmelsgang.
17.70 Solange die wohlgesinnte höchste Atemkraft nach außen geht, hält der Verständige den Geist fest und begrenzt ihren Weg an der Nasenspitze.
17.71 Wenn sie mit mächtiger Geschwindigkeit nicht mehr rasch in den Zwischenraum hinausgeht, vermag der Kundige währenddessen überallhin zu gelangen.
17.72 Vermag er in den Bereich zwölf Fingerbreiten über dem Haupt zu gelangen, wird er gesegnet, Shiva gleich und Herr der Scharen.
17.73 Er wird allwärts wandernd, ein Himmelsgänger, König der Yogis und selbstbeherrscht. So entsteht durch einen festen Geist innerhalb eines Jahres Vollendung, Shankara.
17.74 Wenn einer zum Yogi geworden ist, aber seinen Geist auf Erden nicht festigt, fällt er von der mühsam erstiegenen Stufe wie einer, der der Hölle verfällt.
17.75 Daher werde geistig fest, Mahakala, Herr. Dann wirst du mich rasch erlangen, die Atemkraft, die acht Vollkommenheiten schenkt.
17.76 Wer auf Erden durch die gute Gnade der Atemkraft vollendet wird, soll im Begehren beherrscht bleiben und dies so geheim halten wie den Liebhaber der eigenen Mutter.
17.77 Wann immer jemand Yoga übt und auch Schülern oder Söhnen das entsprechende Werk übergibt und vollzieht,
17.78 erlangt er eben dadurch große Vollendung, ohne Zweifel. Ein Jahr soll er den Dharma ausüben; der Yogaweg ist schwer zugänglich. [Die Rolle der Schüler und Söhne ist nicht eindeutig beschrieben.]
17.79 Niemals soll er es öffentlich machen; tut er es, erlangt er den Tod. Durch die Verbindung mit Yoga entstehen Befreiung und ungebrochene Mantravollendung.
17.80 Deshalb soll man Yoga nicht offenlegen, um Genuss und Befreiung als Früchte zu gewinnen. Über das Jahr hinaus erhält man beständiges Glück und großen Dharma.
17.81 Selbstglück, ewiges Glück, Mantra, Yantra, Agama und den Kula-Weg soll man niemals öffentlich machen, Herr des Kula.
17.82 Wird diese Regel so verletzt, erlangt man den Tod. Auch der verständige, nicht stumpfe Kenner fällt dann vom Yoga ab und stirbt. [Die Anfangswendung ist nur aus dem Zusammenhang eindeutig.]
17.83 Man soll also jene Handlung nicht vorführen, durch die man dem Tod unterworfen wird. Dattatreya, der große Yogi, Shuka und Narada werden als Beispiele genannt.
17.84 Durch den der Yogapraxis ergebenen Herrn der Welt wurden der vollendete Mantra, das Netz der Buchstaben und der Kula-Ozean verwirklicht. [Der Bezug zu den zuvor genannten Weisen ist syntaktisch unvollständig.]
17.85 Durch glückverheißendes Handeln und Meditation erhält der vorzügliche Praktizierende unter der Yoga-Unterweisung nach einem Jahr die höchste Vollendung.
17.86 Am Anfang soll er über Brahma meditieren, entsprechend dem Einatmen und den Kennzeichen der acht Glieder, und Ambika verehren, um alle Vollkommenheiten zu gewinnen.
17.87 Den Rigveda im Geist betrachtend, soll der Verständige im vierblättrigen Muladhara mit dem mondgestaltigen Atem die Luft halten.
17.88 Aus Atharva ist alles hervorgegangen: Rigveda und die übrigen Veden, Bewegliches und Unbewegliches. Mit jenem vollen Mond, mit dem Leben und dem edlen Nektar
17.89 soll er in ungeteilter Haltung im Sonnenfeuer Kundalinis opfern. Der Mantrapraktizierende soll die Atempause vollziehen, wobei der Yajurveda vorangeht.
17.90 Diese gründet im ganzen Sattva und ist die höchste vollständige Erkenntnis, die volle Gegenwart der Atemkraft, welche das Wesen der Yogis ausdrückt.
17.91 Wer im makellos leuchtenden Sattva immer wieder die Atempause übt, wird zum Kenner des Wesens der großen Weltauflösung, ohne Zweifel.
17.92 Das Ausatmen ist von Shambhu durchdrungen, die Auflösung des Geistes im Tamas, der Wohnort aller Arten des Todes und erfüllt von den günstigen und ungünstigen Früchten des Dharma.
17.93 Wer immer wieder in Erregung gerät, kehrt durch das Ausatmen zurück. Durch Ausatmen gelangt man zur Auflösung, durch Ausatmen zur höchsten Stätte.
17.94 Der vorzüglichste Praktizierende erreicht sie und erhält auch durch Ausatmen Vollendung. Das Ausatmen ist feuerförmig und leuchtet wie Millionen Feuerflammen.
17.95 Man meditiere darüber innerhalb des Raumes von zwölf Fingerbreiten und lasse es sich außen auflösen. Die ganze Welt ist vom Mond durchdrungen und bringt alles Verdienst hervor.
17.96 Das mächtige Feuer des Ausatmens, dessen Freund der Wind ist, verbrennt sie. Die Atemkraft lebt, indem sie jene mondgestaltige Lebenskraft trinkt.
17.97 Als Feurige verbrennt sie rasch: Dies gilt als das höchste Opfer. Wer diese Handlung vollzieht, wird nicht dem Tod unterworfen.
17.98 Die Übergangszeit zwischen beiden ist die Atempause, die Verwirklichung der Wahrheit. Sie ist für die innerlich Betrachtenden die höchste Stätte.
17.99 Durch die Gestaltung der großen Atempause darin fest verweilend, soll man die im Atharva gehende Göttin betrachten und wird zu einem großen Unsterblichen.
17.100 Der Mantrapraktizierende soll Atharva vergegenwärtigen, die unendliche Entfaltung Shambhus, geschmückt mit der ganzen Schöpfung, entsprechend der Ordnung des Shakti-Kreises.
17.101 Im Ajna-Chakra, im Veda-Blatt, in der schönen vierblättrigen Wohnstätte meditiere er mit einem in Samadhi ruhenden Geist über die Atharva-Yogini.
17.102 Dann sieht er im Lotus des Hauptes den Achyuta genannten Herrn der Welten, den Weltenherrn, aus dem beständig feines Glück hervorgeht.
17.103 Im Ajna-Chakra wird Atharva als Reinigung beziehungsweise als das alle Blätter umfassende Blatt bezeichnet. Inmitten des Lichtrades befindet sich die durch den Yogaweg erschlossene wahre Öffnung. [Die erste Aussage ist grammatisch gestört.]
17.104 Der große Wissende schaut sie so, wie man einen Lotus mit äußerem Blick sieht. Mit der Zeit erlangt der Brahman erkennende Praktizierende Vollendung.
17.105 Danach widme er sich dem Kaula-Weg; dann schaut er die Wissenskraft, die große Göttin, umgeben von Flammengirlanden wie von Millionen Sonnen.
17.106 Ohne dieses Prinzip, Herr, schaut man sie niemals. Selbst Vasishtha, Brahmas Sohn, vollzog lange Zeit gute Übung,
17.107 an einem einsamen Ort, selbstbeherrscht und unter mühevoller Askese. Hunderttausend Jahre verbrachte er mit Yoga und weiteren Übungen.
17.108 Dennoch entstand ihm auf Erden keine unmittelbare Erkenntnis. Da ging der Herr zornig zu seinem Vater.
17.109 Er berichtete ihm seinen ganzen eigenen Übungsweg und sprach: „Gib mir einen anderen Mantra, Herr! Diese Vidya schenkt keine Vollendung.
17.110 Andernfalls werde ich sie vor dir mit einem festen Fluch belegen.“ Da hielt der Vater ihn zurück: „Tue das nicht, mein Sohn!
17.111 Verehre sie erneut mit innerer Hingabe auf dem Yogaweg, du Gelehrter. Dann wird sie als Segensspenderin vor dich treten.
17.112 Diese Göttin ist die höchste Kraft, die aus allen Bedrängnissen rettet, blau, leuchtend wie Millionen Sonnen und kühl wie Millionen Monde,
17.113 gleich Millionen unbewegter Blitzranken, die Geliebte Kalas. Sie schützt die Welten und ihre Bewohner; alles Bewegliche und Unbewegliche ist ihr Werk.
17.114 Verehre sie, Sohn, in beständiger Freude! Warum bist du bereit, sie zu verfluchen? Verehre sie stets mit ungeteiltem Geist, mein mitfühlender Sohn.
17.115 Auf diese Weise wirst du gewiss ihre Schau erlangen.“ Nachdem er diese Worte des Gurus gehört und sich immer wieder verneigt hatte,
17.116 ging der reine, selbstbeherrschte Vedanta-Kenner an das Ufer des Meeres. Tausend Jahre vollzog er sorgfältig die höchste Rezitation.
17.117 Doch nicht einmal eine Weisung stellte sich ein. Darauf war der Weise vom Zorn beherrscht; innerlich aufgewühlt machte sich Vasishtha bereit, die Mahavidya zu verfluchen.
17.118 Nachdem er zweimal das rituelle Mundspülen vollzogen hatte, sprach dieser Weise einen großen, äußerst schrecklichen Fluch aus. Da erschien vor ihm die Herrin des Kula,
17.119 die Mahavidya, welche den Yogis Furchtlosigkeit schenkt: „He, Brahmane! Grundlos hast du einen so schrecklichen Fluch ausgesprochen.
17.120 Du kennst meinen Dienst und die Betrachtung meiner Kula-Überlieferung nicht. Wie sollte ein Mensch allein durch Yogaübung den Anblick meiner Lotusfüße
17.121 erlangen? Meine Meditation ist leidlos; wer Kula erstrebt, im Mantra vollendet und durch meine vedische Lebensweise rein ist, versteht dies. [Der Vers ist teilweise gestört.]
17.122 Meine verdienstvolle Übung ist selbst den Veden nicht zugänglich. Geh daher in das buddhistische Land Mahachina, zum Atharvaveda.
17.123 Dorthin gelangt, wirst du die große innere Haltung und meine Lotusfüße schauen. Als Kenner meines Kula wirst du, großer Seher, zu einem großen Vollendeten werden.“
17.124 Nachdem sie dies gesagt hatte, wurde die im Raum wandelnde Atemgöttin rasch formlos und ging in den Raum ein.
17.125 Der vorzügliche Weise hörte so die Mahavidya Sarasvati und begab sich in das Land China, wo Buddha weilt.
17.126 Vasishtha verneigte sich dort immer wieder zur Erde: „Schütze, schütze mich, großer Gott, Unvergänglicher in feiner Gestalt!
17.127 Mich, den sehr bedrängten Vasishtha, dessen Geist stets aufgewühlt ist! Als Brahmas Sohn bin ich gekommen, um die große Göttin zu verwirklichen.
17.128 Ich kenne den Vollendungsweg nicht und bin allein dem Veda-Weg ergeben, Hara. Wenn ich deine Lebensweise sehe, entstehen Ängste in meinem Herzen.
17.129 Beseitige rasch meine schlechte, auf Trennung gerichtete Einsicht! In deiner Wohnstätte, Herr, geschehen stets Handlungen, die der Veda ausschließt.
17.130 Wie ist dieses Verfahren zu verstehen: berauschendes Getränk, Fleisch und Frauen? Alle Vollendeten tragen den Raum als Gewand und sind bereit, Blut zu trinken.
17.131 Immer wieder trinken sie und erfreuen schöne Frauen; stets erfüllt von Fleisch und berauschenden Getränken, sind sie trunken und haben gerötete Augen.
17.132 Sie vermögen zu bändigen und zu begnadigen, ihr inneres Wesen ist voll entfaltet. Alle liegen außerhalb des Bereichs des Veda und widmen sich Getränk und Frauen.“
17.133 So sprach der große Yogi, nachdem er das vom Veda Ausgeschlossene gesehen hatte. Mit gefalteten Händen und voller Bescheidenheit bat er: „Erkläre mir dieses Kula, Herr!
17.134 Wie wird die Regung ihres Geistes läuternd? Wie entsteht ohne vedisches Handeln Vollendung, Herr?“
Der ehrwürdige Buddha sprach:
17.135 „Höre, Vasishtha, ich werde den unübertrefflichen Kula-Weg erklären. Wer ihn erkennt, erhält augenblicklich Rudras Gestalt.
17.136 In Kürze erkläre ich die Agama-Lehre als Kern von allem zur Kula-Vollendung. Zuerst soll man rein und standhaft werden, den Geist von Unterscheidung erfüllt.
17.137 Man sei im Pashu-Bhava geistig gefestigt, meide jedoch die Gemeinschaft Gebundener, verweile allein an einem einsamen Ort und sei frei von Begierde, Zorn und den übrigen Leidenschaften.
17.138 Man widme sich Selbstbeherrschung und Yoga, halte entschlossen an der Yoga-Schulung fest, nehme beständig Zuflucht zum Veda-Weg und werde im Sinn des Veda gründlich bewandert.
17.139 So soll der rechtschaffene Mensch schrittweise von gutem Wesen und Standhaftigkeit erfüllt werden, beständig den Atem halten und auf dem Atemweg den Geist zur Auflösung bringen.
17.140 Durch solche Übung wird der Yogi Tag für Tag selbstbeherrscht. Allmählich verbrennt er durch geordnete Übung die Hindernisse; das Hervortreten von Schweiß ist die untere Stufe.
17.141 Die mittlere ist mit Kalpa verbunden, die höchste gilt als Verlassen des Erdbodens. Durch Pranayama entsteht Vollendung; der Mensch wird zum Herrn des Yoga. [Die Lesung „Kalpa“ ist unsicher.]
17.142 Zum Yogi geworden, kennt er die Atempause, ist schweigsam und Tag und Nacht hingebungsvoll, verbunden mit ausschließlicher Hingabe an Shiva, Krishna und die Stätte des Brahman.
17.143 Brahma, Vishnu und Shiva sind durch die Bewegung der Atemkraft bewegt. So betrachte er sie und sei rein in Geist, Tat und Rede.
17.144 Zunächst sammle er mit fester innerer Haltung sein Bewusstsein in der Bewusstseinsgestalt der Göttin. Danach nehme er Zuflucht zur großen Heldenhaltung, zum machtvoll sich entfaltenden Kula-Weg,
17.145 zum Shakti-Kreis, zum Sattva-Kreis und zur neuen Vaishnava-Gestalt; so verehre der Mantrapraktizierende die höchste Kula-Katyayani,
17.146 die unmittelbar gegenwärtige Gottheit, die Glück schenkt und heftige Unruhe durchschneidet, Bewusstseinsgestalt, Wohnort der Erkenntnis und Verkörperung bewusster Wonne,
17.147 strahlend wie Millionen Blitze, von der Gestalt aller Tattvas, achtzehnarmig und furchterregend, die den Berg aus Shiva-Fleisch liebt.
17.148 Bei ihr Zuflucht suchend, rezitiere der Mensch den Mantra, auf den Kula-Weg gestützt. Wer kennt in den drei Welten einen Weg, der über den Kula-Weg hinausgeht?
17.149 Durch die Gnade dieses Weges ist Brahma selbst der große Schöpfer und Vishnu zum Erhalten befähigt, makellos und von Sattva-Gestalt,
17.150 von allen zu verehren, höchst ehrwürdig und großer Herr des Yajurveda. Hara ist der Vollzieher der Auflösung, dessen Geist als Heldenherr vorzüglich ist,
17.151 das Ende aller, zornig, König des Zorns und von großer Kraft. Durch die Gnade der Heldenhaltung haben die Weltenhüter Rudras Gestalt.
17.152 Diese Welt hängt vom Helden ab und das Heldentum vom Kula. Daher wird selbst ein schwerfälliger Mensch, der Zuflucht zum Kula nimmt, zum Herrn aller Vollkommenheiten.
17.153 Nach einem Monat entsteht die Vollendung des Anziehens, nach zwei Monaten wird man Herr der Rede. Durch drei Monate Verbindung wird man als Liebling des Glücks erkannt.
17.154 Nach vier Monaten gelangt man in den Bereich der Weltenhüter; im fünften wird man dem fünfpfeiligen Liebesgott gleich, im sechsten gewiss Rudra.
17.155 Dies ist der Kern der Lebensweise, anderen nicht zugänglich. Dieser Weg ist der Kaula-Weg; über ihn hinaus gibt es keinen höheren Kaula-Weg.
17.156 Für geistig gefestigte, hingebungsvolle Yogis entsteht durch die Gnade des Kula-Weges bereits nach einem Monat die Vollendung ihrer Handlung. [Das zusätzliche Wort „Frau“ ist in diesem Satz nicht sicher zuzuordnen.]
17.157 Durch sechs Monate Übung wird der Brahmane ein vollkommener Yogi. Ohne Shakti ist Shiva kraftlos – was erst die anderen mit schwerfälliger Einsicht!“
17.158 Nachdem er so gesprochen hatte, ließ der Buddhagestaltige ihn die Übung vollziehen: „Brahmane, diene der großen Shakti; übe das Ritual mit berauschendem Getränk.
17.159 Du wirst den Anblick der Lotusfüße der Mahavidya erlangen.“ Nachdem er diese Worte des Gurus gehört hatte, gedachte er der Göttin Sarasvati
17.160 und ging in den Kula-Kreis, um das Ritual mit berauschendem Getränk auszuführen: Getränk, Fleisch und wiederum Fleisch, Mudra und geschlechtliche Vereinigung. [Die Textgrundlage wiederholt „Fleisch“; „Fisch“ wird hier nicht stillschweigend eingesetzt.]
17.161 Indem er dies wiederholt vollzog, wurde er ein vollkommener Yogi. Yogaweg und Kula-Weg bilden, Herr, eine gemeinsame Ordnung der Lebensführung.
17.162 Zum Yogi geworden und über Kula meditierend, wird man Herr aller Vollkommenheiten. Die Übergangszeit und der Kula-Weg sind stets mit Yoga verbunden.
17.163 Schon durch die Verbindung mit der Yoni wird man Herr aller Vollkommenheiten. Erkenne diesen Yoga als Vereinigung des individuellen mit dem höchsten Selbst.
Kolophon: So endet das siebzehnte Kapitel im Dialog zwischen Bhairava und Bhairavi des späteren Tantra des ehrwürdigen Rudrayamala, in der Erhellung des großen Tantra, über die Bestimmung der Bedeutung von Zuständen und Fragen, im Abschnitt über vollendete Mantras und in der Entfaltung der vier Veden.
Einordnung der Erzählung: Vasishthas Begegnung mit Buddha ist eine religiöse Lehrerzählung dieses Tantra. Sie ist kein historischer Bericht über den Buddha und keine allgemeine Beschreibung buddhistischer Lebensführung. Innerhalb der Erzählung führt die Unterweisung zunächst zu Reinheit, Unterscheidung, Selbstbeherrschung und Yoga-Schulung und erst danach zum besonderen Kaula-Ritual. Die Gleichsetzung von geschlechtlicher und metaphysischer Vereinigung in Vers 163 gehört zur Textaussage; sie wird hier weder ausgelassen noch in eine unverbindliche Metapher umgeschrieben.
Kapitel 18: Das Kama-Chakra und die Kräfte der Buchstaben
Anandabhairavi sprach:
18.1 Höre, Herr! Ich erkläre die höchste Verwirklichung des schwer Verwirklichbaren, die Beschreibung der Buchstaben des Kama-Chakra und die Entscheidung von Fragen.
18.2 In der Mitte des Ajna-Chakra ist die vom Nektar unzähliger Nadis erfüllte Kraft. In ihrer Mitte vergegenwärtige sich der Mantrapraktizierende das schöne Kama-Chakra.
18.3 Der Praktizierende betrachte darin die zuvor genannten Buchstaben, umschließe sie mit dem Nyasa-Mantra und rezitiere; so wird er ein König der Yogis.
18.4 Allein im Innern eines Hauses soll er sorgfältig beim Mantra Zuflucht nehmen. Dabei ordne er den Buchstaben des eigenen Namens dem betreffenden Feld zu.
Anandabhairava sprach:
18.5 Geliebte, erkläre mir das Geheimnis der günstigen und ungünstigen Ergebnisse jener in den Feldern befindlichen Buchstaben, die Entstehung der Frucht des Kama-Chakra.
Anandabhairavi sprach:
18.6 Das Kama-Chakra ist zeitgestaltig, sodann die Stadt Varanasi. Dort liegt das Rad aller heiligen Sitze, das vorzüglichste aller Räder.
18.7 Durch die Gnade dieses Rades erlangt der Praktizierende wahrhaftig den Anblick deiner Lotusfüße. Der Praktizierende erkennt alles.
18.8 Um die Wünsche zur Erfüllung zu bringen, untersuche man den Mantra und seine Bedeutung; die Zustände des Alters und des Untergangs lasse man zurück und wähle einen hervorragenden Mantra.
Anandabhairavi sprach:
18.9 Höre das Ergebnis der Buchstaben, Herr, das die Entscheidung schwieriger Fragen ermöglicht; höre es entsprechend den unterschiedlichen Tierkreiszeichen.
18.10 Der vorzügliche Praktizierende soll sich auf die Gruppen in den mit Kindheit beginnenden Zuständen stützen. Den Alterszustand und ebenso den Untergang soll er meiden.
18.11 Entsprechend dem Tierkreiszustand stütze er sich auf Kindheit, Knabenalter und Jugend. Bei der Untersuchung der kindlichen Stufe und der Gruppenunterschiede gehe er nach links vor.
18.12 Die Mantras sind auf diese Weise abzuzählen; bei der Befragung beginnt man rechts. Die Kundigen sollen bis zur mittleren Ecke rechnen, Herr.
18.13 Für Fragen zähle man oben rechts beginnend, für die Untersuchung von Mantras und Ähnlichem dagegen in linker Richtung.
18.14 Höre die überaus schöne Frucht der einzelnen Buchstabengruppen. Ich erkläre sie dir, Biene am Ozean des Nektars höchster Wonne.
18.15 In der ka-Gruppe wohnt die Trägerin und Ernährerin der drei Welten beständig am edelsteinbesetzten Sitz im Haus Kamakhyas, im neunfachen Bereich der Vollendung. In Feuer und Raum erscheint die Mutter von wolkengleicher Gestalt, tiefgründig, schwertglänzend, mit Händen, die Furchtlosigkeit und Segen schenken, und mit furchtbarer Stimme. [Für die Hände folgt die Übersetzung der in der Vorlage angegebenen Lesungsalternative.]
18.16 Durch wiederholte Übung verehre der Siegreiche Kali, die die Kali-Zeit läutert, ganz von Kula-Wonne erfüllt, die Herrin Ramas; Gesicht und Augen erstrahlen in höchster Nektarfreude. Als Kameshvari schenkt sie die Schildkrötenstätte. [Der letzte Ausdruck ist nicht näher erläutert.]
18.17 Sie wird von hervorragenden Vollendeten des Kala-Gurus verehrt, ist bezaubernd und entfaltet sich als wesentlicher Zweig der Himmelskräfte. Voller Meteorglanz wirkt sie als Leuchte des Daseins, mit einem makellos blauen Leib aus verdichteter Lichtkraft. [Mehrere Lesungen sind bereits in der Vorlage als Alternativen gekennzeichnet.]
18.18 Sie trägt Schwert und Schädelschale, steigt gewaltig auf und wandelt als Khechari auf dem Luftweg. Ihre Augen gleichen Bachstelzen; Wissen und Furchtlosigkeit werden genannt. Beim Untergang der Erde trägt sie die Schar der Himmelswanderer.
18.19 Sie ist Khari, die Umherwandelnde, die im Spiel mit den Schlechten verweilt, den berauschten Gang von Eseln und Nichteseln liebt und sich im Raum bewegt. Als Gestalt des großen Himmelsgängers schützt sie beständig, gegründet in Wissen, Kraft und Tapferkeit. [Die alliterierende Wortfolge ist teilweise gestört.]
18.20 Immer wieder erstrahlt sie mit starkem Glanz in Tätigkeit, Schlaf und tiefgründigem Nachdenken über den Sinn.
18.21 Man verehre sie, die als Gayatri und Führerin der Scharen besungen wird: mit unverhülltem innerem Wesen, mit Denken, Bewegung und Erschöpfung verbunden; die Besungene, Geliebte Gokulas, die Ehrwürdige, die das häusliche Feuer überwindet beziehungsweise entfaltet; kuhgestaltig, Gaya und deren Überwinderin, reich an Eigenschaften, auf dem Weg der Lieder, die ehrwürdige Lehrerin und Beschützerin der drei Welten. [Einzelne Beinamen sind unklar.]
18.22 Sie verzaubert durch die Freude an der Hitze des Atems, ist dröhnend und wolkengleich, erfüllt den Schlaf und fügt zusammen; blau, reitet sie auf einem Pferd.
18.23 Im Bindu stehend, mit Giftverzehr und Feuerrede verbunden, liebt sie die Bemühung um das Bija; reich an der Fünf, nasal klingend, freudevoll, vedisches Handeln und sechsgesichtig. [Die erste Vershälfte ist syntaktisch unsicher.]
18.24 Du Bewegliche, mit bunten Gewändern und sich bewegenden Lotusfüßen, schenke mir das Bemühen unterscheidender Betrachtung!
18.25 So wird die Buchstabenmacht der ca-Gruppe beschrieben, die schwere Verfehlungen vernichtet und im Kama-Chakra steht, bei Fragen ebenso wie im Mantra-Feld.
18.26 Das Ergebnis der ca-Gruppe ist sehr genau zu bestimmen und fein zu betrachten. Mit Einsicht vergegenwärtigt man sich immer wieder die ganze Reihe der Silben.
18.27 Du weißt alles, Shambhu: Was sollte ich dir noch sagen? Dennoch erkläre ich die makellose Größe der Gruppen im Kama-Chakra.
18.28 Wer das Kama-Chakra kennt, den tötet Yama nicht. Seine Art ist mit innerer Haltung verbunden und durch Vorstellung und Meditation geläutert.
18.29 Die in Kamarupa und Muladhara wohnenden irdischen Gottheiten meditieren über das Selbst des höchsten Herrn;
18.30 doch meine Kinder erkennen es nicht. Zu ihrer Vollendung im Yoga und den weiteren Übungen dient das Kama-Chakra, Kamarupa selbst, das die Wünsche erfüllt. [Der Übergang von den Gottheiten zu „meinen Kindern“ ist grammatisch unsicher.]
18.31 Schon durch das Empfangen seines Mantras wird der Mensch unmittelbar zum Herrn. Alle Offenbarungen und Lehrschriften liegen in seiner Hand, ohne Zweifel.
18.32 Durch das Kama-Chakra erkennt er die gesamte Yoga-Schulung und alles Weitere. Durch seine Gnade kann er gewiss die gewünschte Gestalt annehmen.
18.33 Der vorzügliche Praktizierende untersuche, was in den betreffenden Buchstaben, in deren Innerem, im Zehneck und im achtblättrigen Lotus steht.
18.34 Er gehe entsprechend der Lehrschrift vorwärts und rückwärts vor: Kindheit, Knabenalter und Entfaltung sind zu beachten; in der Jugend liegen Wachstum und Vollendung.
18.35 Das Alte gelangt zum Alter, beim Untergang tritt Tod ein. In der Mitte befinden sich die neun Planeten und die fünf Lebenskräfte.
18.36 Im Zehneck zähle man vorwärts und rückwärts. Dort liegen alle Vollkommenheiten und auch die acht besonderen Siddhis.
18.37 Im achtblättrigen Lotus werden sie gepriesen; unten im mittleren Feld Ananta, im oberen Feld Brahma und die betreffenden Mantra-Buchstaben. [Die Zuordnung ist sprachlich unvollständig.]
18.38 Auf diese gestützt, rezitieren die Weisen die in geordneter Folge erscheinende Vidya. Eine klein beziehungsweise kurz gefasste Göttin gibt dem Praktizierenden entsprechend begrenzte Einsicht.
18.39 Ist die Vidya dem Zorn zugewandt, verzehrt sie den Praktizierenden rasch. Daher wähle man die Gottheit in einer gleichaltrigen Gestalt, welche die acht Vollkommenheiten verleiht.
18.40 Zur Gottheit geworden, soll man die Gottheit verehren; dann erlangt man Befreiung. Kennt man die Buchstaben nicht, geht selbst ein Sohn des Kaula-Weges zugrunde.
18.41 Eine Dakini verzehrt denjenigen, dem die Silben des Einweihungsmantras fehlen. Deshalb werde ich die Untersuchung der Buchstaben kurz erläutern.
18.42 Einen Bogen haltend, schützt sie den Herrscher und den Menschen in der Welt. Der Mond beseitigt Hemmung und große Krankheitsfurcht, die Sonne den Kummer. Die bewegliche Maya schenkt durch die Vierheit die Stätte des Diskusträgers und dem eifrigen Praktizierenden mit gut ausgerichtetem Geist rasch Yoga. [Die alliterierende Strophe ist teilweise gestört.]
18.43 Sie hat den Schirm als Zuflucht und wohnt im Lotus, trägt bei Bestehen und Auflösung den Glanz der Wunscherfüllung. In der schattigen Halle, verborgen wandelnd und mit dem Glanz des Schirms, schützt sie die drei Welten mit den Pashupati-Anhängern, den Feldhütern und Glücksträgern. Die Göttin, die in Lebensliebe spielt, beschirmt so den Praktizierenden.
18.44 Unübertreffliches Ansehen der Herkunft entsteht durch freudige Übung. Indem sie die große Leidensfülle der Lebewesen vernichtet, bewegt sie sich auf das eine Ziel hin. Vajra, mitten im Leben und beweglich, Vidya, Jaya und Yamini, die Geborene und Verhinderin weiterer Geburt, möge vor vernichtenden Gedanken im Menschengeist schützen.
18.45 „Jhaṃ, jhaṃ“: Mit raschem Rauschen und dem Summen des Bija vernichtet die Ganga Streit und Unglück. Auf Reichtum gerichtet, schenkt sie Befreiung und Alleinsein im Absoluten. Als feiner Atem schützt sie den Praktizierenden durch ihr Rauschen und Klingen, vernichtet Begierde und Zorn, ist mondgesichtig und liebt den summenden Laut. [Die Einleitung ist textlich unsicher.]
18.46 Durch die makellose innere Kraft des ña-Bija wehrt die Yogini eine Menge von Pfeilen ab. Schwertbewaffnet und vom Nektartrinken berauscht, vernichtet sie das Leid der Guten, die vom Auflösungsschlaf bedrängt sind.
18.47 Ihr schöner Leib ist sanft wie Mondlicht; mit Beil und Donnerkeil sind die mächtigen Feinde geschlagen. Durch die Rezitation des großen Mantras „Ṭiṃ, ṭiṃ“ schenkt sie Vollendung und vernichtet das Glück sowie die Verfehlung des schlechten Menschen. [Die ungewöhnliche Verbindung der letzten beiden Gegenstände wird beibehalten.]
18.48 Großäugig und schönleibig schützt sie ihr eigenes Bija „Ṭhaṃ, ṭhaṃ“. Als Urvashi und Meer der Edelsteine vernichtet sie die im Geist liegende Leidensfülle und eine ganze Heerschar. [Ein Beiname ist nicht zuverlässig lesbar.]
18.49 Damara ist der Ursprung der Welten, von der Gestalt „Ḍaṃ, ḍāṃ, ḍiṃ, ḍīṃ“. Im Kama-Chakra schenkt sie Glück und entfaltet es durch ihr Wesen.
18.50 Die Vidya hat das Wesen der Bijas „Ḍhaṃ, ḍhāṃ“ und wohnt im Edelsteinpalast. Als Dhakkari, mit der Schlinge in der Hand, schützt die Schöne den Praktizierenden.
18.51 Der gute Mensch rezitiert „Ṇaṃ, ṇāṃ, ṇiṃ, ṇīṃ“. Inmitten der belebenden Kraft stehend, entfaltet sie sich im Herzen mit acht Herrlichkeiten und nimmt die Fülle der Erschütterung. In Varanasi beseitigt sie alle Furcht, schenkt Glück und vernichtet das Netz der Zeit, dem äußerst feinen Feuerweg zugewandt.
18.52 Taragestaltig, im Baum wohnend, dreiäugig und gebogen, trägt sie den Namen der Retterin. Sie vernichtet, ist eine Reihe von Leibern, die Kraft des besten Baumes und überragt den Anlass des Schutzes; wie ein Blitz und Millionen Sonnen leuchtend, schützt die kraftvoll Jugendliche Kinder und den hingebungsvollen Verehrer. [Mehrere Komposita sind nicht sicher zu gliedern.]
18.53 Mit der Zeit schenkt die bezaubernde, zarte Lotusäugige Befreiung. Als Girlande des Buchstabens tha – die Vorlage bietet auch kṣa – steht die Heilvolle da und schützt den hervorragenden Praktizierenden.
18.54 Dali nimmt das tiefste Leid der Armen, liebt die Selbstbeherrschten, zerreißt Dämonen und verbrennt. An der Stätte des Gebens stehend, die Geliebte des Weltenherrn, schenkt sie Mitgefühl. [Das abschließende Kompositum ist unsicher.]
18.55 Die Ernährerin widmet sich dem Tragen der Erde, ist reich und gibt Reichtum, ist Weg des Dharma und Erde selbst. Mit der Girlande des Reichtums-Bija hält sie den Standhaften; in Meditation ruht sie, um den Dharma zu bestimmen.
18.56 Zum Schutz Nandas geht die Fülle der Freude der Welt auf. Die Yoginis leuchten mit den Flammen ihrer Lotusaugen und den Silben der Girlande. Einsichtsvoll, auf dem Schiffsweg stehend, schützen sie hier. Mögen sie mit dem Glanz ihres ehrwürdigen Antlitzes den Praktizierenden im Lauf der Zeit schützen. [Die mittleren Wortverbindungen sind teilweise beschädigt.]
18.57 Gelbfarbig, in Liebe spielend, Zuflucht der Erkenntnis des besten Weges, verehrungswürdig, Milchreis genießend, auf höchster und niedrigerer Stufe, gelb gekleidet und nährend; reif, liebevoll, die alten Erzählungen kündend und läuternd, möge sie schützen. Sie ist zum glückverheißenden Praktizierenden gekommen und läutert den zu Kameshvara gehörenden Menschen. [Der Schluss ist unsicher.]
18.58 Mit einer Girlande vorzüglicher Schlangen, Pheravi von Schakalgestalt, wohnt sie im Nektarmeer der Lotusrede aus dem Mund des Schlangenträgers. Grenzenlos im Hals Haris, von der Gestalt der Rede, in der Frucht stehend und mit schlangengekröntem Haupt, möge sie im geöffneten Lotus schützen. [Die bildreiche Strophe ist teilweise gestört.]
18.59 Wer Vajra, die Macht über andere verleiht, durch Dienst an ihren ehrwürdigen Füßen rezitierend verehrt, die aus dem Veda hervorgegangene Göttin, gewinnt ihre Gefügigkeit: Sie wohnt in seinem Handlotus und sitzt in Virasana. Die Göttin der Wesen befindet sich im zarten Lotusgesicht und unter den Wesen. [Die Verbindungen mit Kindheit und Shri Rama in der ersten Vershälfte sind unklar.]
18.60 Die Mutter, mit Wohnstätten bekränzt, ist für die Einsichtigen die reine Girlande der Freude. Sie verzaubert durch trügerische Vereinigung und wirkt im Geist als große Zusammenführende. Im Herzen des Verehrers stehend, verleiht sie die Größe Maheshvaras und vernichtet plötzlich den Tod; er nimmt Zuflucht zum Schweigen. [Die Vorlage bietet mehrere unsichere Lesungsalternativen.]
18.61 Die Yogini erscheint als Freundin des Wanderns, in der Nacht beziehungsweise im Zeitabschnitt ruhend, am Eingang des Yoga. Am Ort der Yoni schützt sie beständig den Ruhmesweg des asketischen Praktizierenden und verbrennt Yama und die weiteren Todesmächte.
18.62 In Edelsteinen wohnend und durch Liebe geschmückt, liebt sie den König an der Front und nimmt Furcht. Golden geziert, spielerisch und nektarvoll, beseitigt sie Leidenschaft und Krankheit. Als Radha und Nektar schützt sie den königlichen Herrn in der Nacht; schön in der Gestalt von Svaha, göttliches Juwel und Rama, ist sie die Silbe ra.
18.63 Lakshmi, durch den Pflug gekennzeichnet, schöne Frau, beweglich, rein und furchtlos, spielt im salzigen Ozean. Es folgen beschädigte Bilder einer Wurzel, von Kula-Speise und Feuermund. Mit Augen im Glanz der Kaula-Sonne, Auflösung bewirkend, möge sie mich als Wohnstätte des göttlichen Spiels schützen.
18.64 In Gifttrank, Kampf und Begehren stehend, führt sie zur Beeinflussung anderer und zur Gewinnung einer Frau. Sie schützt den Helden, wenn er sie selbstbeherrscht verehrt. Der Schluss verbindet Giftverzehr und Varuni, ist aber syntaktisch nicht zuverlässig lesbar.
18.65 Man verehre die Kühle, die besonderen Mondkummer vernichtet, die Gütige; so wird man sonnenhaft. Man verehre Shiva, Shachi, die durch Reinheit Heilvolle, die Leichen liebt, auf einer Leiche ruht und den kühlen Ort schmückt.
18.66 Im Kreis der sechs Chakras ist sie sechsfüßig beziehungsweise bienengestaltig, mit Ashadha verbunden, in den sechs Gliedern und sechsgesichtig. Als Shodashi schenkt sie dort Vollendung und schützt den Praktizierenden freudig.
18.67 Sie, die feine Mutter, führt gutes Wasser, reich an den sieben Himmelsstätten; sie ist das Wesentliche selbst, die Gleichheit der im einheitlichen Geschmack des Glücks aufleuchtenden Freude. Gestalthaft erfüllt sie mit lotus- und honiggleicher Rede das große Ziel; Veda, Sonnenkraft und Fülle göttlicher Einsicht, wohnt sie im Samaveda.
18.68 Mit plötzlicher Gewalt nimmt die Vernichtende den Menschen hinweg, der Leben zerstört. Den Nebelartigen vernichtet sie nicht; mit goldener Nahrung ist sie bekränzt. [Die zweite Zeile ist nicht sicher deutbar.]
18.69 Sie ist Licht, schenkt hunderttausendfache Rezitation, hat das Kennzeichen des la-Lautes und ist gleichmütig. Sie schützt rasch den, der sie verehrt. [Die dazwischenliegende Wortfolge ist bereits in der Vorlage mit einem Fragezeichen versehen und nicht zuverlässig übersetzbar.]
18.70 Gibt der Mantrapraktizierende die äußerst feine Betrachtung auf, geht er auf Erden zugrunde. Er betrachte die Göttin, die Schwindsucht nimmt, feiner als das Feinste ist und Erschütterung und weitere Störungen im Verlauf der Mondphasen schwinden lässt.
18.71 Höre nun, großer Herr, das Ergebnis entsprechend den sechzehn Vokalen. In Kürze ist das hervorragende Ergebnis für die nach Frucht Verlangenden zu erklären.
18.72 In drei Versen – die Vorlage nennt als Alternative zwei – wird all dies zur höchsten Verwirklichung beschrieben für diejenigen, die das Fest des Kama-Chakra begehen, Mahadeva.
18.73 A, ā, i, ī, u, ū, ṛ, ṝ: Wer diese glückverheißenden ersten acht Vokale rezitiert, nachdem er sie vom Lotusmund des ehrwürdigen Herrn empfangen hat, wird augenblicklich auf Erden vollendet, ein Führer des Glücks. Als König und Herr eines Königshauses schaut er auf dem Siegesweg die höchste Kraft in einer Girlande strahlender Leuchten; er siegt und bezwingt das Feuer des Begehrens.
18.74 Ḷ, ḷ, e, e, o, au, aṃ, aḥ: Die Läuternde der verbleibenden acht Vokale erfreut die Lieben und ist Mandodari. Berauschten Antlitzes vernichtet sie den Mantra; indem sie den besten Guten der drei Welten Glück schenkt, schützt sie als Glanz in der Auflösung und beseitigt die Lehre der Hinterlist. Den Hingebungsvollen gibt sie Schutz der Erde und das Heil von eigener Rezitation und Meditation. [Die doppelt überlieferten Vokale und das auffällige „vernichtet den Mantra“ sind nicht stillschweigend verbessert.]
18.75 Wer die Frucht der Buchstaben so erkennt und einen vorzüglichen Mantra empfängt, wird auf Erden ein nach Kula-Yoga Strebender und vollendeter Wissender.
18.76 Höre, Herr, die wunderbare Frucht jeder einzelnen Gruppe. Wer die Darlegung von Fragen und Ähnlichem kennt, ist ein Praktizierender.
18.77 In der ka-Gruppe erlangt man Wunscherfüllung und ein schönes, von Glück erfülltes Haus; dies entspricht der Bedeutung des Kama-Chakra gemäß Tierkreiszeichen und Mondhaus.
18.78 In der ca-Gruppe wird man langlebig und erhält dauerhaften Wohlstand. Durch Reisen gewinnt man Lebensunterhalt; die abschließende Bestimmung des verkörperten Menschen ist unklar.
18.79 Man erhält gute Nachrichten beziehungsweise gute Lebensführung und bei Reisen alles Vorzügliche. Tritt die ṭa-Gruppe hervor, Herr, werden mächtige Vertreibung und ähnliche Wirkungen angezeigt.
18.80 Auch die Zahl der Söhne nimmt zu. In der ta-Gruppe entsteht Vermögensgewinn, in der pa-Gruppe Tod, Herr; bei den Buchstaben ya bis kṣa wird man reich an großen Eigenschaften.
18.81 Das Ergebnis des Kama-Chakra verbinde man mit dem Danda des Tierkreiszeichens, Herr. Man erkenne anhand des Tages-Danda das Zeichen im eigenen Feld.
18.82 Der Wissende berechne das Ungünstige in vorwärts- und rückläufiger Folge. Alles im Gefäß sowie an Verbindungsstellen und Ecken ist zu beachten; seitlich liegt Günstiges. [Die räumliche Zuordnung ist nicht eindeutig.]
18.83 Hat der Praktizierende so einen günstigen Mantra empfangen, erlangt er Vollendung.
Kolophon: So endet das achtzehnte Kapitel im Dialog zwischen Bhairava und Bhairavi des späteren Tantra des ehrwürdigen Rudrayamala, in der Erhellung des großen Tantra, über die Bestimmung der Bedeutung von Zuständen und Fragen, im Pashu-Ritual, über die wesentlichen Geheimzeichen des Kama-Chakra, im Abschnitt über vollendete Mantras und in der Entfaltung der vier Veden.
Kapitel 19: Das Prashna-Chakra und die Erkenntnis der Zeit
19.1 Anandabhairavi sprach: Höre dies; ich erkläre das Verborgene im Sinn aller Tantras, all dies im Prashna-Chakra und das Durchdringen der sechs inneren Stützpunkte.
19.2 Darin liegen die Frucht des Zeitkreises und die Verwirklichung des Zustands ohne gedankliche Unterscheidung und weiterer Zustände. Das Fragediagramm hat begehrensgemäße Gestalt und ist stets das Bewusstsein des Selbst.
19.3 In den sechs Feldern liegt die sechsfache Gesamtheit, die Verwirklichung der Befreiung und anderes. Wer die vielfältigen Genüsse und die Yoga-Vollendung aufgibt und lediglich den Mantra rezitiert,
19.4 wird zum Feind der Gottheit und gelangt erst in Millionen Weltaltern zur Vollendung. Wem dagegen große, hoch aufsteigende Hingabe im Herzen aufleuchtet,
19.5 dem wird augenblicklich Vollendung zuteil. Was bedarf es dann der Rezitationen und Mantraübungen? Darum übe man stets Hingabe, um das Bewusstsein der Gottheit zu verwirklichen.
19.6 Bhairava sprach: Wer erlangt durch die Gnade dieses Diagramms welche Vollendung? Welche Frucht entsteht allein durch seine Vergegenwärtigung, und welche Betrachtung ist heilvoll?
19.7 Wer ist befähigt, Fragen auszulegen, Schöne? Erkläre mir diese Ordnung nach der Vorschrift, damit die Frucht gelingt.
19.8 Anandabhairavi sprach: Wer um eines Sohnes und der Yoga-Vollendung willen immer wieder das vollständige Opfer gemäß der geordneten Kundalini-Verbindung vollzieht,
19.9 der kennt den Sinn dieses Diagramms, ohne Zweifel. Wer stets die Kennzeichen des austretenden Atems behandelt, Herr,
19.10 ihn vorschriftsgemäß oben festhält und die innere Vergegenwärtigung vollzieht, der erlangt auf dem Siddha-Weg Vollendung, ohne Zweifel.
19.11 Frei von Begehren, Zorn und anderem vollzieht er dies zur Frucht der Betrachtung. Um ihre Frucht zu erreichen, folgt er der Verbindung und Bewegung des Atems,
19.12 salbt, reinigt und spricht immer wieder Mantras, überwindet den Gegensatz von Dharma und Adharma und folgt der Ordnung des feinen Atems.
19.13 So erlangt er große Vollendung; dies ist die Frucht dieses Diagramms. Die Frucht wird zweifach genannt: grob und fein, auf das Höchste gerichtet.
19.14 Wann immer der Geist das Grobe aufgibt und in das äußerst Feine eingeht, entsteht große Vollendung; augenblicklich wird man unsterblich.
19.15 Wer die Buchstaben des vollendeten Diagramms auch nur einmal vergegenwärtigt, dem wird die Vollendung seiner inneren Haltung zuteil. Was gelingt nicht durch Bhava?
19.16 Wer könnte ohne große innere Haltung, Herr, die Frucht der Vollendung ergreifen? Wer vom Yoga abgefallen ist, bleibt bei der groben Frucht und hat erst in einer späteren Geburt Anteil an Vollendung.
19.17 Durch die Ordnung der feinen Frucht erlangt man Vollendung schon in diesem Leben. Wer die feine Frucht kennt, wird gewiss ein Yogi.
19.18 Der Übende ist zur Auslegung von Fragen geeignet, wenn er die feine Frucht genießt und auf Geheimhaltung seiner Handlungen bedacht ist.
19.19 Wer ununterbrochen das oberhalb des Ajna-Chakra stehende Prashna-Chakra vergegenwärtigt, erlangt Vollendung über die Zeit und wird allwissend, ein Vollendeter im Veda.
19.20 Ein Kenner der Zeit ist allwissend: Dies ist die Bestimmung des wahren Sinns. Die Buchstaben des Prashna-Chakra bringen die Frucht der feinen Zeit.
19.21 Die Unterscheidung von Dandas und Monaten samt den Buchstabengruppen hat die Gestalt des Geistes. So ist es eine Bewegung des Geistes; die Zeit ist eine einzige, ohne Zweifel.
19.22 Der Zeitkenner, König der Yogis, macht den Tod gefügig. Durch die Zeit löst sich alles auf, die drei Welten samt Beweglichem und Unbeweglichem.
19.23 Diese Welt hängt von der Zeit ab; darum bringe man die Zeit unter seine Gewalt. Höre die schwer auszusagende Befragung jener Zeit mit ihrer feinen Wohnstatt.
19.24 Widder und das unübertreffliche Zeichen Waage bewirken im Monat Vaishakha die Erfüllung der Frucht. Wer die ka-Gruppe und die Vokale erlangt und vergegenwärtigt, wird Herr der Erde.
19.25 Wenn man oberhalb des Ajna-Chakra den ganzen Kreis meditiert, großer Herr, entsteht in einem einzigen Augenblick Vollendung aufgrund der höchsten inneren Haltung.
19.26 Wer auf Erden das Bewusstsein des Siddha-Herrn-Kreises kennt, erlangt binnen eines Monats, Tag und Nacht der Ordnung folgend, Vollendung der Rede.
19.27 Indem der Übende den Planetenkreis vergegenwärtigt, durchdrungen von der Buchstabenkette, verbunden mit Tierkreiszeichen und Mondhäusern, erkennt er alles.
19.28 Die ca-Gruppe steht in Stier und Fische und bewirkt Vollendung im Knabenzustand. Allein durch zwei Monate Übung wird man gewiss allwissend.
19.29 Die Yogini wird zur Himmelsgängerin und kommt in die Nähe der Guten. Durch die Gnade des Planetenkreises ist der Übende schon zu Lebzeiten befreit.
19.30 Wenn er das Werk mit ganz gesammeltem, reinem Geist vollzieht, gibt es in den drei Welten nichts für ihn Unerreichbares.
19.31 Durch die Gnade des Prashna-Chakra werden alle auf Erden zu Yogis. Wird einer auf Erden ein Yogi, so erlangt er Befreiung.
19.32 Wer wäre ohne Yoga-Sadhana auf Erden vollendet? Welchem Ergebenen entsteht ohne Übung Vollendung?
19.33 Alle großen Seher weilen in der Nähe der Ergebenen. Darum übe man stets Hingabe und lasse alle anderen Pflichten zurück.
19.34 Zu dieser Zeit erlangt man durch die Gnade des Prashna-Chakra Hingabe. Wer vermag die Ordnung dieses großen Dharma vollständig zu erklären?
19.35 Einen Teil seiner wesentlichen Bedeutung erkläre ich im Prashna-Chakra. Allein durch Vergegenwärtigung der ca-Gruppe erlangt der Übende Hingabe.
19.36 Indem er den höchsten Gott oberhalb des Ajna-Chakra festhält und die ewige Haltung betrachtet, Herr, erlangt er auch dessen Kula beziehungsweise Kraftanteil [Varianten der Vorlage].
19.37 Wer Freudentränen, gesträubte Körperhaare, Ergriffensein des Leibes und Auflösung des Geistes erfährt und von sich aus allen Handlungen entsagt, ist ein König der Yogis.
19.38 Bei der ṭa-Gruppe erfüllt sich die innere Ausrichtung; man wird vom Samsara frei, stark und umfassend wissend. In drei Monaten wird man zum Himmelswanderer.
19.39 Aus dem Diagramm erlangt man die höchste Begegnung mit Khechari. Zwillinge und Wassermann durchdringen die ṭa-Gruppe.
19.40 Indem man das eigene Mondhaus und die eigene Verbindung vergegenwärtigt, wird man König der Yogis. Durch Übung der ta-Gruppe wird man in vier Monaten ein vollendeter Yogi.
19.41 Man erlangt große Siddhis wie die Vetala-Macht und Indras Vollendung. Steinbock, Skorpion und Krebs durchdringen die ta-Gruppe.
19.42 Man wird langlebig, Herr, und so geliebt wie Indra. Man bleibt bis zur Weltauflösung bestehen und nimmt die Gestalt der großen Auflösung an.
19.43 Der Mantraübende unterwirft die Zeit und bewirkt die große Auflösung im großen Atem, im großen Kreis, inmitten der Sonne, die im Feuerkreis steht.
19.44 Die Redegöttin erscheint ihm unmittelbar, ohne Zweifel. Schütze und Löwe, Kraftanteile des Bewusstseins, durchdringen die pa-Gruppe.
19.45 Wer die höchste Stätte und den großen Atem vergegenwärtigt, geht nicht zugrunde [die Vorlage bietet auch eine gegenteilige Lesung]. Die drei Welten, acht Gruppen und sechs Chakras sieht er augenblicklich mit dem Auge [Verb aus dem folgenden Zusammenhang ergänzt].
19.46 Die Buchstaben von ya bis va haben Brahmans Gestalt und sind Zuflucht aller heiligen Orte. Man erkenne sie mit makellosem Blick als von großem Sattva durchdrungen.
19.47 Durch die Zeichen Jungfrau und Skorpion schaue man den Brahman-Weg. In sechs Monaten entsteht Vollendung; man wird gewiss ein großer Kaula.
19.48 Schweigend und von ausschließlicher Hingabe erfüllt, erlangt der beste Übende den Anblick der erhabenen Lotosfüße und erreicht die Stufe des Einswerdens.
19.49 Dann gehen die Yogis, die über die Wirklichkeit nachsinnen, in die Mitte, in das Viereck mit śa bis kṣa, in die Stätte, die Zuflucht allen Yoga ist.
19.50 Wer dies vergegenwärtigt, gelangt rasch in den Weltkreis der erhabenen Göttin. Der Einsichtige, der das Prashna-Chakra betrachtet, wird Mahakala.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Bestimmung von Bhava und Befragung, in der Pashu-Ordnung, bei den wesentlichen Zeichen des Prashna-Chakra, im Abschnitt über vollendete Mantras, in der Entfaltung der vier Veden, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 19.
Kapitel 20: Das Phala-Chakra und die Anordnung der Bijas
20.1 Anandabhairavi sprach: Nun erkläre ich die Prüfung des vollendeten Mantras, Mahadeva. Durch Rezitation und innere Vergegenwärtigung wird der Mensch aus Bedrängnis frei.
20.2 Anandabhairava sprach: Im Phala-Chakra liegen alle Mantras, die gesamte Essenz, dem Leib lieb. Durch die Verbindung mit rituellem Handeln und den Dienst an der Atem-Shakti entsteht Vollendung.
20.3 Das Feuer-Bija steht im Dreieck; außen liegt ein Sechseck, Herr. Wer im Sechseck die sechs Mantras meditiert, nimmt nach sechs Monaten Rudras Gestalt an.
20.4 Der Kundige meditiere die im Achteck stehenden Buchstaben nach ihrer Zahlenunterscheidung, genau in der Reihenfolge der Zahlen, ebenso außerhalb davon.
20.5 Indem man die zu diesen Zahlen gehörenden Buchstaben vergegenwärtigt, wird man Himmelswanderer. Ohne Dreiecke miteinander zu verbinden entsteht das Sechseck mit seinen Buchstaben.
20.6 In der Mitte des Ajna-Chakra liegt das schöne Kama-Chakra; in dessen Mitte geht die äußerst feine Frucht auf.
20.7 Das Prashna-Chakra betrifft sechs Gegenstände und verwirklicht die Frucht der sechs Chakras. Im Prashna-Chakra liegt das Phala-Chakra, das die Frucht des achtgliedrigen Yoga schenkt.
20.8 Im oberen Bereich des Phala-Chakra erlangt man durch stille Rezitation jener Buchstaben in der Reihenfolge der Buchstabenkette die Essenz der Frucht.
20.9 Durch die Gnade des Phala-Chakra ist die Einsicht auf die Wirklichkeit gerichtet. In der Höhlung zwischen den Brauen verweilend, vergegenwärtigt man stets Ishvara.
20.10 Selbst ein Tor wird durch Vergegenwärtigung rasch ein Kenner des Bhava. Zuerst erkläre ich die feine Frucht nach der Buchstabenunterscheidung, Shankara.
20.11 Das Feuer leuchtet unablässig zur Vernichtung der drei Welten und wirkt zugleich schützend; das individuelle Leben, das alles Bewegliche und Unbewegliche verbrennt, ist die Gestalt Shri Kalikas. Wer diesen alldurchdringenden Herrn meditiert, der die Wünsche als junge Triebe des Geistes vernichtet, wird augenblicklich seiner Gestalt gleich und erkennt Parashiva.
20.12 Das Feuer-Bija ist die feine Frucht, unmittelbar die Ursache der Anschauung. Im Dreieck stehend offenbart es das Wissen um die Ordnung.
20.13 Wer diesen unvermittelt Vollendung Spendenden verehrt, wird glücklich. Höre nun die Buchstabenmantras im Sechseck, Anandabhairava [Sprecherzuordnung der Vorlage widersprüchlich].
20.14 Durch ihre Kenntnis sind alle Gottheiten Beschützer der Haupt- und Zwischenrichtungen. Ihre Unterscheidung ist von schönem Sinn und mit der Reinheit der Zeichen gekennzeichnet.
20.15 Oberhalb des Feuer-Bijas steht das unübertreffliche Mond-Bija. Der Mantraübende, der dort vergegenwärtigt, ist vollendet, ohne Zweifel.
20.16 Das Mond-Bija ist fein, ein makelloser Lotos mit lieblichen Strahlen, stets Sitz des Lebens, Wohnstatt der Auflösung und mit Atem verbunden. Links davon verehrt der Gute gemäß der inneren Haltung die Sonne, welche alle Fruchtlosigkeit vernichtet, den Sitz des großen Feuers.
20.17 Darunter im Eckfeld steht das Shri-Bija mit dem fünften Vokal, Essenz der wunscherfüllenden Ranke der Vergegenwärtigung, ein Kula-Buchstabe aus der Reihe von a an.
20.18 Darunter steht bei der Zahl vierundfünfzig das Luft-Bija. Indem der Menschenherr es vergegenwärtigt, erlangt er die Vollendung der Atemkraft.
20.19 An seinem rechten Glied, Herr, liegt der Kreis des Bhavani-Bijas, von einem Vokalpaar durchdrungen. Durch seine Vergegenwärtigung wird man ein König der Yogis.
20.20 In der rechts darüberliegenden Ecke steht das unübertreffliche Soma-Bija. Wer es vergegenwärtigt, erlangt den Anblick des Weltherrn.
20.21 Darüber steht das höchste Bija, das unmittelbare Anschauung gewährt. Allein durch einen Monat Betrachtung gelangt man in die Götterwelt.
20.22 Im darüberliegenden Eckfeld steht das wunderbare Rukmini-Bija. Allein durch seine Übung entsteht Vollendung; hier wird man zum Herrn Lakshmis.
20.23 Überall ist die Anordnung der Vokale nach der Gliederfolge zu erkennen. Von welchem Vokal auch immer das fruchtgebende Bija umgeben ist,
20.24 es bewirkt gewiss Atemvollendung und anderes, Mahadeva. Unter dem Achteck, Herr, befinden sich im Sechseck die Yonis.
20.25 Indem man deren fruchtbringende Bijas meditiert, erlangt man Vollendung der Rede. Oberhalb des ra steht das Kamala-Bija, Ursprung des Wunschbaums der Vergegenwärtigung.
20.26 Wer es als überall vom Licht durchdrungen betrachtet, wird Herr der Yoginis. Darunter steht, der linken Seite folgend, das Shitala-Bija.
20.27 Wer es vergegenwärtigt, versinkt in der Essenz höchster Freude und ist überaus glücklich. Darunter steht das Kama-Bija, das die Erfüllung der Wünsche schenkt.
20.28 Wer es rezitiert, ist höchste Freude und durch den Atem stets wissend. Davor in der Veda-Ecke [vierte Ecke] steht das vortreffliche Wasser-Bija.
20.29 Wer es vergegenwärtigt, wird ein innerlich Betrachtender und lebt lange. Darüber, in der fünften Ecke, steht das Vajra-Bija, der Buchstabe va.
20.30 Es bewirkt unmittelbar die acht Siddhis und schenkt den Verehrenden rasche Vollendung. Im Sechseck darüber steht das Götter-Bija von großer Frucht.
20.31 Der Mantraübende, der es im Herzen vergegenwärtigt, ist in der Vollendung fest gegründet. Höre die Ordnung der Buchstabenkette oberhalb des Achtecks.
20.32 Allein durch ihre Betrachtung wird man allwissend, Herr der Welt. Wer o, au und die pa-Gruppe täglich und unablässig verehrt,
20.33 erlangt augenblicklich Vollendung durch Vergegenwärtigung der Atemgestalt. Sie leuchtet oberhalb des Mond-Bijas in vollem Glanz.
20.34 Ḷ, „e e“ [so die Vorlage] und die ta-Gruppe stehen rechts davon. Die lichtgestaltige Atem-Shakti gewährt alles Heil.
20.35 Der Mantraübende vergegenwärtige die ṭa-Gruppe, verbunden mit den Vokalen „ṛ ṛ ḷ“ [Längen in der Vorlage nicht unterschieden], stets die acht Herrlichkeiten gewährend und Brahmas Vollendung schenkend.
20.36 Wer darunter vergegenwärtigt, wird zum Wunschbaum. Im Feld unterhalb der Gestalt des Bhavani-Bijas betrachte man
20.37 das Paar i/ī und die ca-Gruppe; dadurch wird man unsterblich. Die mit a, ā und i verbundene ka-Gruppe bewirkt Sieg, Herr.
20.38 Man vergegenwärtige sie mit höchster Hingabe und erlangt die gewünschte Frucht. So ist dir, Herr, das wesentliche Phala-Chakra erklärt.
20.39 Durch die Betrachtungen dieses Kreises wird man Herr der Mahavidya. In Kamarupa, dem großen heiligen Sitz, im Linga-Sitz, vergegenwärtige man sorgfältig
20.40 das Ajna-Chakra mit seinen vier Kreisen; dadurch wird man unsterblich. Der große Yogi Hiranyaksha wurde durch einen Monat dieser Betrachtung
20.41 zum Herrn der sieben Kontinente und zuletzt zu Vishnu. Wer einen festen Geist hat, ist ein Yogi: Dies ist die sichere Aussage des Tantra.
20.42 Indem man diese wesentlichen Kreise, die im Ajna-Chakra stehen, mit höchster Freude vergegenwärtigt, entsteht gewiss die Vollendung des Selbst.
20.43 Durch die Gnade des feinen Atems wird man hier langlebig.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Bestimmung von Bhava und Befragung, in der Pashu-Ordnung, bei den wesentlichen Zeichen des Phala-Chakra, im Abschnitt über vollendete Mantras, in der Entfaltung der vier Veden, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 20.
Kapitel 21: Die vier Diagramme im Wurzellotus
21.1 Der erhabene Bhairava sprach: Erkläre mir, Geliebte, das Geheimnis, durch das ein Mensch vollendet wird, jene besondere Ordnung, die selbst Göttern schwer zugänglich ist,
21.2 die Größe des Vira-Bhava, die unvermittelt Vollendung schenkt, sofern dein freudiger Blick voller Mitgefühl auf mich fällt, Schöne.
21.3 Anandabhairavi sprach: Kenner der Essenz höchster Freude, Beschützer des Yoga-Feldes, höre mein Geheimnis, Herr, Kenner Mahakalas, der inneren Haltung Zugewandter.
21.4 Wer sollte sich dem Vira-Bhava entsprechend dem Yogaweg zuwenden? Dies ist eine Fülle überströmender Freude, die Bestimmung des Sinns des Shakti-Veda.
21.5 Der große Yoga hängt vom Veda ab, Kundali hängt vom Yoga ab, das Bewusstsein von Kundali, und vom Bewusstsein hängt alles Bewegliche und Unbewegliche ab.
21.6 Allein durch die Vollendung des Geistes entsteht gewiss die Vollendung der Shakti. Ist Shakti beherrscht, so sind auch die drei Welten beherrscht.
21.7 Man wird unsterblich, wahrlich, wahrlich, Herr des Kula. In einer Folge von tausend Strophen erkläre ich den Sinn des Vira-Yoga,
21.8 in elf Kapiteln, verbunden mit dem heilvollen Yoga: den Yoga-Kreis, die Vidya, die die sechs Chakras erkennen lässt, den tausendblättrigen Lotos,
21.9 den Kailasa genannten feinen Weg zur Brahman-Erkenntnis der Yogis. Ich werde dies erzählen, großer Held; höre Schritt für Schritt.
21.10 Zum Wohl der höchsten Viras und auch der Abgefallenen erkläre ich dir alles, was unmittelbar Vollendung bewirkt.
21.11 Wer gemäß der Ordnung der Yoga-Lehre die Frucht der Vollendung begehrt, wird auf dem Brahman-Weg rasch vollendet, ohne Zweifel.
21.12 Wer in der Gestalt der Brahma-Vidya Japa, Feueropfer, Verehrung und anderes zur Erfüllung der Frucht ausführt, ist rein und besitzt Brahman-Erkenntnis.
21.13 Wessen übender Geist sich am Durchdringen der sechs Chakras erfreut, der wird gewiss vollendet, ob in der Welt oder im Wald.
21.14 Wer den Sinn der sechs Chakras nicht kennt und dennoch Ambikas Füße verehrt, dessen Schuld schwindet; in sieben Geburten erlangt er Vollendung.
21.15 Wer dagegen das Durchdringen der sechs Chakras kennt und unablässig das Werk vollzieht, erlangt innerhalb eines Jahres Vollendung: So lautet die Bestimmung des Tantra-Sinns.
21.16 Nach drei Monaten Übung stellt sich Schweiß ein; nach acht Monaten schwindet das Zittern beziehungsweise Vorstellen [Lesarten kalpana/kampana]; nach einem Jahr entsteht Himmelswanderfähigkeit.
21.17 Schwitzen heißt die niedrigere Stufe, Zittern beziehungsweise Vorstellen die mittlere. Das Sich-Erheben von der Erde, Herr, die Himmelswanderfähigkeit, ist große Freude.
21.18 Man durchdringe die zweiunddreißig Knoten im Bereich der Wirbelsäule, die bis zum Muladhara reichen; dadurch wird man von Brahman erfüllt.
21.19 Jede Knotenstelle im äußeren Bereich der Sushumna, Herr, durchdringe man Schritt für Schritt; so wird man gewiss zum Himmelswanderer.
21.20 Wer den Geist auf geringe beziehungsweise andere Tätigkeiten richtet und ohne Meditation und Erkenntnis ist, wird wahnsinnig; „König der Yogis der Schriften“ [der zweite Halbvers widerspricht dem ersten und bleibt unsicher].
21.21 Wer an der Wurzel die junge, gewaltig leuchtende Shakti meditiert, weiß wie Schnee, Jasmin und Mond, die Freude der Frucht im Kali-Zeitalter, wird selbstbeherrscht.
21.22 Der große Wissende, König der Yogis, der im schönen vierblättrigen Wurzellotos meditiert, erlangt die Frucht der Schenkung von zehn Millionen braunen Kühen.
21.23 Im Wurzellotos verehre man die Frucht mit Millionen Mond-Kalas, rötlich, mit einem Lotosgesicht, das vom fließenden Nektarsaft duftet [Subjekt nicht eindeutig].
21.24 Makellos, mit dem gewaltigen Glanz von Millionen Helden, in Brahmas Gestalt, links von Kundalini: Wer dies vergegenwärtigt, wird kühl und ruhig.
21.25 Dann verehrt der König der Yogis das erhabene Paar, den Helden, dessen entsprechende Gestalt daraus hervorgeht, den aus dem Stirnfeuer geborenen Herrn der Göttin.
21.26 Auf dem östlichen Lotosblatt verehrt der König der Yogis den Buchstaben va, mit zinnoberrotem Leib, eine Girlande von Millionen Blitzen.
21.27 Auf dem roten Blatt daneben liegt das schöne Ajna-Chakra. Wie Kundalini im Ajna-Chakra meditiert wird, so auch hier.
21.28 Höre die Ordnung des Bhumi-Chakra der Yogis, Herr Shankara. Wer es meditiert, erlangt Vollendung; es ist ein sechsfeldriger, Vollendung gebender Kreis.
21.29 Man meditiere die sechs Felder als Haus der drei Zeiten, vereint und gewaltig leuchtend, als Haus der Yoginis; im mittleren Feld das Bija ra.
21.30 Im südlichen Feld vergegenwärtige man va, mit Goldgirlande und dunkler Salbe, das höchste Bija Dakinis und das Brahma-Bija [Zuordnungen unsicher].
21.31 Links vom Buchstaben va liegt die Yoga-Sadhana der Yogis. Wer Sadashivas großes Bija vergegenwärtigt, wird König der Yogis.
21.32 Das Bija vaṃ herrscht über das Wasser, rein wie Schnee, Jasmin und Mond. Es ist Vishnus Geburtsort; man nehme Zuflucht zum flüssigen Sattva.
21.33 Im darüberliegenden östlichen Feld steht das von Indra verehrte Bija laṃ, goldfarben wie eine Blitzranke. Wer es vergegenwärtigt, wird Herr der Yogis.
21.34 Rechts vom Indra-Bija steht das mit Bindu versehene Shri-Bija. Man betrachte es sorgfältig als Indranis Gestalt einer stillstehenden Blitzranke.
21.35 Links davon steht der von Brahma verehrte Pranava. Wer ihn als Millionen Sonnen vergegenwärtigt, wird gewiss König der Yogis.
21.36 Im Feld unterhalb des vaṃ-Bijas liegt der Bija-Glanz der Shri Vidya. Wer ihn wie Millionen Sonnen leuchtend vergegenwärtigt, vermag überallhin zu gehen.
21.37 Links von der eigenen Göttin, unten im goldenen Tempel, meditiere man das liebliche Bija des erhabenen Guru, Vagbhava, den Herrn.
21.38 Rechts von der eigenen Göttin meditiere man den Glanz des langen Pranava, leuchtend wie Millionen Sonnen. So wird der Asket ein Yogi.
21.39 Wie man dort im Lotos mit Geist und wahrer Rede über die eigene Göttin meditiert, so vollziehe man schweigend die Meditation über den Weltherrn.
21.40 Durch Brahmas Einatmen, gemäß der Ordnung des großen Yoga und mit dem Aufsteigen des feinen Atems, vollziehe man Japa im Bhumi-Chakra.
21.41 Das Viereck der Erde enthält neun Erdfelder. Nachdem er die acht Felder durchdrungen hat, verehre der Asket im „Vasu-Leeren“ [Zahlen- oder Feldangabe unsicher].
21.42 Das Erde-Bija, der auf va folgende Buchstabe [Wortlaut vānta mehrdeutig], wird von Indra verehrt. Wer das Kundali-Tattva vergegenwärtigt, wird Herr aller Siddhis.
21.43 Dort im Himmel verehre man Indra, auf einem weißen Elefanten reitend, vierarmig, den Götterkönig, eine Fülle von Blitzen, der das Werden beendet.
21.44 Im Tempel Dakinis verehre der Selbstbeherrschte den schönen Brahma, auf dem Hamsa reisend, wie eine junge Sonne, vierarmig und viergesichtig.
21.45 Wer Brahma mit Dakini vergegenwärtigt, eine von Zinnober überflutete Sonne, von höchstem Wohlgeruch berauscht, wird König der Yogis.
21.46 Der Selbstbeherrschte, König der Götter, betrachte beständig die erhabene göttliche Dakini, leuchtend wie eine Blitzranke, rotäugig und auf dem Hamsa sitzend.
21.47 Oberhalb des Hamsa steht das Kamala-Bija, mit allem Schmuck versehen. Die großen Seher verehren es als Gestalt Mahalakshmis.
21.48 Links vom Erde-Bija Indras liegt der von Brahma verehrte Pranava. Die großen Seher verehren ihn als Spender der Pranayama-Vollendung.
21.49 Darunter liegt der Sitz des Lebensatems, das mondleuchtende Preta-Bija. Wer es im Bhumi-Chakra vergegenwärtigt, wird Shiva gleich, zu Sadashiva.
21.50 Darunter meditiere man Vagbhava, das Guru-Bija im Bhumi-Chakra, strahlend wie Millionen Blitze. So wird man Guru der Mahavidya.
21.51 Im südlichen Mittelfeld steht die makellose Stätte der Shri Vidya. Durch ihre innere Meditation wird der Übende vollendet.
21.52 Rechts davon im letzten Feld steht der vortreffliche, mit Pranava endende Mantra. Er ist Stütze von allem und Stätte von Brahma, Vishnu, Shiva und Durga.
21.53 Dieser ganze Sinn des erhabenen Bhumi-Chakra bewirkt Bewusstwerdung. Er steht auf dem östlichen Muladhara-Blatt und durchdringt den Buchstaben va.
21.54 Wenn man sich im Kreis des Bhumi-Chakra an das in va Befindliche erinnert, wird man Herr des Welteneies; ein einziges Blatt durchdringt das Ei.
21.55 Dieses eine Blatt des Sitzes ist rot und makellos leuchtend. In seinem Inneren und im Zentrum des Bhumi-Chakra vergegenwärtige der Selbstbeherrschte vaṃ.
21.56 Durch die Gnade dieses Kreises wird Varuna Herr des berauschenden Getränks, mit einem Herzen voll Nektarfreude und mit allen Herrlichkeiten ausgestattet.
21.57 Auf dem zweiten, südlichen Blatt meditiere der Herr der Yogis das gewaltig leuchtende Vanta-Bija [Buchstabenbezeichnung unsicher], den Geist darauf richtend, zur Yoga-Vollendung.
21.58 Dort meditiere er das Svarga-Chakra, erfüllt vom Glanz des Himmels. Durch seine Betrachtung wird man auf Erden ein Himmelsherr, Indra gleich.
21.59 Ein Fünfeck durchdringend erscheint ein weiteres Fünfeck. In seiner Mitte liegt ein Kreispaar; darin verehre man das im Sechseck Befindliche.
21.60 Dieser Svarga genannte Kreis liegt innerhalb zweier äußerer Erdumfriedungen. Auf dem südlichen und nördlichen Blatt vergegenwärtige man Vanta, den Herrn.
21.61 Innerhalb des Sechsecks liegt Vanta, so hell wie Millionen Blitze. Bei ihm Zuflucht nehmend wohnen alle Götter im Zehneck.
21.62 In der östlichen Ecke steht Mahendra mit allen Göttern. Wer ihn zusammen mit Indrani meditiert, wird gewiss Herr der Yogis.
21.63 Rechts davon in der roten Ecke vergegenwärtige man Feuer mit Svaha, bewegt wie Millionen Weltuntergangsfeuer, umgeben von seinen Scharen.
21.64 Rechts davon leuchtet der Herr mit seiner Shakti, beliebige Gestalt annehmend. Wer ihn samt Gefolge meditiert, bringt den Tod unter seine Gewalt.
21.65 Wer den blitzgestaltigen Nairrita, den geliebten Bezwinger Kamas, mit Shakti verbunden und in eigener Freude, vergegenwärtigt, wird Herr der Yoginis.
21.66 Darunter meditiere man Varuna, von seiner guten Shakti umsorgt, Herrn der Wasser und Sattva; man erhält dauernden Sattva-Glanz.
21.67 Links davon liegt die Ecke des Windes, die Schar der Maruts erhellend. Sie ist Atemstätte und Auflösungsort; der Verständige wird vom Atem durchdrungen.
21.68 Danach vergegenwärtige man den berauschten Herrn der Scharen mit Shakti, Freude seiner Gefolgschaft. So wird man selbst zum Herrn der Scharen.
21.69 Danach meditiere man die höchste Stätte, Isha mit Shakti und Gefolge. So vermag der Asket beliebige Gestalt anzunehmen.
21.70 Danach im Eckfeld vergegenwärtige der Asket Brahma, oben stehend, von einer einzigen Gestalt, mit dem Glanz von Mond, Sonne und Feuer.
21.71 Im Eckfeld links von Indra steht Ananta in Feuergestalt. Wer die Ananta entsprechende Gestalt meditiert, wird Ananta gleich.
21.72 In der Mitte dieses Kreises liegt ein gewaltig leuchtendes Kreispaar. Man vergegenwärtige darin stets das allgegenwärtige lodernde Feuer.
21.73 Innerhalb des Kreises liegt ein Sechseck; in jeder Ecke werden Feinde vernichtet. Man beseitige die dort stehenden sechs, beginnend mit Gier und Verblendung.
21.74 Indrani beziehungsweise Indra und Agni [Varianten] beseitigen die Gier, der Stabträger die Verblendung, Nairrita und Varuna die Begierde, der Wind den Zorn der Yogis.
21.75 Der oberste Herr beseitigt die Überheblichkeit; Brahma und Ananta vernichten den Neid der Yogis nach drei Monaten Verehrung.
21.76 In der Mitte des Sechsecks vergegenwärtige man zur Yoga-Vollendung das mondleuchtende Vanta-Bija, mit goldenem Schmuck besetzt.
21.77 Der Verständige betrachte es als stets von Kundalini durchdrungen, geschützt und geschmückt, wie die Flammenfülle einer Lampe im Öl. So wird er König der Yogis.
21.78 Eben dort vergegenwärtige der selbstbeherrschte Mantraübende das selbstentstandene Linga und den Mondkreis und überflute es zusammen mit Kundali.
21.79 So wird man nach und nach vollendet, auch durch das Zusammenziehen Kundalis. Der beständig übende große Yogi verankere dort die Atemkraft.
21.80 Durch das Leuchten der Atemkraft und die Zuflucht zu diesem Kreis wird selbst ein Stummer zum Herrn der Rede und erhält Tag für Tag die Frucht.
21.81 Die Größe des dritten Blattes ist das höchste Aufgehen der Yogi-Erkenntnis. Wer die Betrachtung des Selbst pflegt, erlangt die Vollendung seiner Haltung.
21.82 In der Mitte des Blattes liegt das Tula-Chakra, viereckig, mit Feldern in Gestalt der zweiunddreißig Knoten, die zu durchdringen sind.
21.83 Mit den Nadis des Tula-Chakra durchdringt man die zweiunddreißig Knoten. In der Mitte des Meru, der Wirbelsäule, meditiere man bis zur Halsgegend.
21.84 Inmitten des Hauses der zweiunddreißig Knoten stehen drei günstige Kreise. In ihrem mittleren Dreieck verehre der Selbstbeherrschte „khaṃ mūrdhanyam“ [die Bezeichnung „zerebral“ passt nicht sicher zu khaṃ].
21.85 In diesem Feld sind die Früchte des Buchstabennetzes zu betrachten. Wer sie im Uhrzeigersinn vergegenwärtigt, wird Herr der Rede.
21.86 Im ersten Feld steht a, im zweiten Anusvara, im dritten Visarga. Wer sie verehrt, wird selbstbeherrscht.
21.87 In den übrigen Feldern betrachte man ka bis ha mit Bindu, unter Auslassung von va bis sa. So wird man selbstbeherrscht.
21.88 Welche Frucht der Übende im Ajna-Chakra entsprechend dem Namen der Buchstaben erhält, diese Frucht liegt im Wurzellotos im Tula-Feld.
21.89 Man verehre die Mitte von sa im Dreieck innerhalb der drei Kreise und nehme Zuflucht zu dem mit tausend Flammenkränzen und Gold Geschmückten.
21.90 Wer schweigend im Tula-Chakra Japa vollzieht, von jedem einzelnen Buchstaben umschlossen, und ṣa durchdringt, wird König der Yogis [Wechsel von sa zu ṣa in der Vorlage].
21.91 Durch die Gnade dieses Yoga wird Kundali bewusst. Ihm entsteht Vollendung der Rede, die das dreifache Leid vernichtet.
21.92 Allein durch Rezitation der Buchstaben entsteht Mantravollendung, Shankara. Wer den inneren Ort des Tula-Chakra vergegenwärtigt, hat daran Anteil.
21.93 Ohne diesen Kreis, Herr, wird selbst Kundali nicht vollendet. Wo in Bharata wird jemand ohne Kenntnis des Bhava zum Yogi?
21.94 Höre nun die Größe des anderen Blattes; ich werde sie der Wahrheit gemäß erklären: die Essenz der Yoga-Bewegung, die Verwirklichung der Kundali-Shakti.
21.95 Der Asket betrachte das mit Bindu verbundene Shakti-Bija, makellos im Achteck stehend, eine Fülle von Blitzen, von einer Goldgirlande umgeben.
21.96 Ein Viereck durchdringt ein schönes Viereck. In dessen Mitte vergegenwärtige man wiederum ein Viereck mit dem Bija.
21.97 Wer die Göttin Kundali, Mutter der Götter, Millionen Sonnen gleich, bis zum großen Zeh meditiert, wird Herr aller Siddhis.
21.98 Wenn Menschen im Vari-Chakra meditieren, werden sie unsterblich, im Sattva-Yoga gegründet und Genießer der Früchte der sechs Chakras.
21.99 Wenn man dieses Vierfache, von Wasser durchdrungen und makellos, erlangt hat, meditiere der Kraftvolle die sieben Abschnitte linksherum.
21.100 Über den sieben Kreisen meditiere man einen sechzehnblättrigen Lotos, auf jedem Blatt einen großen heiligen Badeort. So wird man gewiss vollendet.
21.101 Der mit der Reihe heiliger Orte umgebene Lotos, Herr, ist mit sechzehn Blättern geschmückt. In der Mitte dieses einen Blattes beziehungsweise Lotos [Varianten] leuchtet das mit einer Blitzranke Verbundene.
21.102 Höre die Frucht der Reihe heiliger Orte, von Osten aus nach rechts. Allein durch deren Anblick ist der Übende schon zu Lebzeiten befreit.
21.103 Ganga, die Göttin Godavari, Gaya, die Geheime, die große Frucht schenkt, Yamuna, die millionenfache Frucht gibt, und Sarasvati, die Einsicht schenkt;
21.104 Manidvipa, Shvetaganga, sehr verdienstvoll, große Frucht spendend; Shvetaganga, sehr verdienstvoll, Bhargaganga, große Frucht spendend [Wiederholung der Vorlage].
21.105 Svargaganga, das große heilige Feld, Pushkara, Vollendung der heiligen Badeorte, Kaveri, die verdienstvolle Sindhu und Narmada, die stets Heil schenkt.
21.106 Im Achteck meditiere man die acht Siddhis, wassererfüllt und Frucht hervorbringend; im Siebeneck die sieben Meere, von Osten an, als Asket.
21.107 Salz, Zuckerrohrsaft, Alkohol, geklärte Butter, Dickmilch, Milch und schließlich Wasser: Sie stehen sa durchdringend da. Der Asket vergegenwärtige das große Sattva.
21.108 In der Mitte, im Viereck, steht Shakti mit dem Leib von Millionen Blitzen. Wer sie im Vari-Chakra betrachtet, wird Herr von Millionen Vidyas.
21.109 Links vom Shakti-Bija leuchtet die ursprüngliche, von Natur schöne Prakriti zur Vernichtung des Begehrens. Diese Yogini ist der Weg der Guten.
21.110 Rechts vom Shakti-Bija steht der männliche Kraftanteil, von der Natur des männlichen Shiva, stets als Vergegenwärtigung leuchtend; man verehre ihn zur Vollendung als Herr.
21.111 Oberhalb des Shakti-Bijas verehren alle Guten den schönen Vollmond zur Erfüllung von Dharma, Begehren und Lebensunterhalt.
21.112 Im Feld unterhalb des Shakti-Bijas meditiere man die erhabene Sonne, aus dem Zeitfeuer geboren, Millionen Meteoren gleich. So erlangt man mehr als das Ersehnte.
21.113 Durch die Gnade des Vari-Chakra wird ein Mensch langlebig, auf Erden Mahakala-gestaltig, im vierblättrigen Muladhara.
21.114 Auf dem letzten Blatt des Vierblättrigen liegt das Vari-Chakra, „saṣāntakam“ [bereits in der Vorlage fraglich]. Wer es leuchtend wie Millionen Blitze vergegenwärtigt, wird König der Yogis.
Kolophon: So endet das einundzwanzigste Kapitel im Dialog zwischen Bhairava und Bhairavi des späteren Tantra des ehrwürdigen Rudrayamala, in der Erhellung des großen Tantra, über die Bestimmung der inneren Bedeutung, im Pashu-Ritual, in der Entfaltung des Wurzellotus, über die wesentlichen Geheimzeichen des Bhumi-, Svarga-, Tula- und Vari-Chakra, im Abschnitt über vollendete Mantras.
Kapitel 22: Die sechs Chakras, Lebensführung und Hamsa-Mantra
22.1 Die erhabene Anandabhairavi sprach: Höre, Shambhu; ich werde das Hervorgehen der Früchte der sechs Chakras erklären. Durch ihre Kenntnis bleiben alle Yogis lange auf Erden.
22.2 Das Muladhara ist ein großer, schön vierblättriger Lotos, goldfarben, mit den Buchstaben von va bis sa. Man gelange zur Stätte von Shakti und Brahma.
22.3 Die Kreise von Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum vergegenwärtige der Mantraübende nacheinander in den sechs Lotussen zur Vollendung der Wurzel-Vidya.
22.4 Oberhalb des Wurzellotos liegt das gewaltig leuchtende Svadhishthana, sechsblättrig. In seinem Fruchtboden vergegenwärtige der Asket Rakini und Vishnu.
22.5 Wer den sechsblättrigen Lotos und die Buchstaben von ba bis la meditiert, wird Herr der Götter. Der Asket verehre ihn an der vom Kandarpa-Atem durchdrungenen Wurzel des Geschlechtsorgans.
22.6 Darüber, an der Nabelwurzel, verehre man den zehnblättrigen Lotos, leuchtend wie Millionen Juwelen, den Dharma des Yoga, mit dem Sinn der Buchstaben von ḍa bis pha.
22.7 Man meditiere Rudra mit Lakini zur Vollendung des Yoga und Weiteren. Wer die große Befreiungsstätte schaut, wird gewiss schon zu Lebzeiten befreit.
22.8 Man verehre Ishvara und Kakini im Kreis, der einer Bandhuka-Blüte gleicht, mit zwölf Blättern geschmückt und mit den Buchstaben ka bis ṭha versehen.
22.9 Darüber, am Ort der sechzehnfachen Entfaltung in der Kehle, meditiere man Sadashiva unmittelbar und die große Göttin Shakini. So wird man Shiva.
22.10 Der König der Yogis verehrt das Vishuddha genannte, höchst verdienstvolle Chakra, das Dharma, Lebensunterhalt, Genuss und Befreiung schenkt, rauchfarben und eine Fülle von Blitzen.
22.11 Zwischen den Brauen verehre man den Ajna genannten weißen, zweiblättrigen Lotos, ein Haus von Schnee, Jasmin und Mond, Hamsas Sitz und Bindu-Stätte.
22.12 Es ist reich an den beiden Buchstaben „la kṣa“ [so die problematische Lesung], mit Bindu versehen, der Ort der Geistesauflösung. Man verehre darin das weibliche und männliche Naturprinzip, leuchtend wie Millionen Monde.
22.13 In der Kehle vergegenwärtige man den sechzehnblättrigen, von den sechzehn Vokalen von a bis Visarga umgebenen Lotos und führe Kundali weiter.
22.14 Man führe die in der Kehle gegründete Kundalini, aufgehend wie Millionen Monde, ins Ajna-Chakra; so wird man hier schon zu Lebzeiten befreit.
22.15 Wenn man den Atem nicht in den äußeren Mond entlässt, Herr, sondern in die Mondfülle zwischen den Brauen, wird man hier ein Yogi.
22.16 Durch das Aufsteigen des feinen Atems allein lasse man den Atem immer wieder los. Was aus dem Tausendblättrigen zur Wurzel gekommen ist, führe man von der Wurzel wieder dorthin.
22.17 Der Mond geht in der Sonne auf und die Sonne im Mond, Herr. Wer den Klang nicht nach außen führt, bei dem sammelt sich Bindu.
22.18 Solange der Geist in den äußeren, von Sonne überfluteten Mond geht [Satzanschluss unsicher]: Sind Mond und Sonne nach innen eingegangen, gibt es in seinem Leib keine Verfehlung.
22.19 Wer den Geist ausschließlich im feinen Atem ruhen lässt, von der Atem-Shakti umsorgt, bei dem wachsen Yoga und weitere Fähigkeiten.
22.20 Der vortreffliche, glückerfüllte Brahmane, der die heilige Schnur erhalten hat, soll stets Yoga üben; so wird er den Yogis lieb.
22.21 Solange Bindu wie im Kindheitszustand feststeht, besteht entsprechend der Yogaweg. Durch das Fallen des Bindu wird man sterben [traditionelle Aussage des Texts].
22.22 Wenn jedoch einen Monat, eine Monatshälfte oder zehn Tage lang der höchste Bindu feststeht, ist man durch die Übung unmittelbar siegreich.
22.23 Wenn ein Mann vom großen Feuer des Begehrens besonders bedrängt wird, wer vermag dann Begehren und Weiteres ohne Yoga zu vernichten?
22.24 Durch verborgenen gleichartigen Umgang entsteht gewiss Begehren. Aus diesem Begehren entsteht Zorn, ein großer, vernichtender Feind.
22.25 Aus Zorn entsteht Verblendung, aus Verblendung Verwirrung der Erinnerung; aus dem Verlust der Erinnerung Untergang der Einsicht, aus dem Untergang der Einsicht Vernichtung.
22.26 Darum festige die rechte Einsicht und meditiere im Brahma-Mandala, vom Wurzelzentrum ausgehend, über den Fußlotus des erhabenen Herrn. So wird der Praktizierende vollendet.
22.27 Als Zeichen der Gnade Ishvaras entsteht zuerst Frieden im Herzen. Aus diesem Frieden wird Erkenntnis geboren; durch Erkenntnis erlangt man Befreiung.
22.28 Shanti, Vidya, Pratishtha und Nivritti heißen jene vier [Kalas: Frieden, Wissen, Festigung und Rückwendung]. Deshalb wird der höchste Herr vierfach entfaltet genannt.
22.29 Von Gedanken wie „Dies ist Erkenntnis, dies ist das zu Erkennende“ bedrängt, lesen sie Tag und Nacht die Schriften, während sie sich von der höchsten Wirklichkeit abwenden.
22.30 Das Haupt trägt die Blumen, doch die Nase erkennt ihren Duft. Viele lesen meine Tantras; selten sind diejenigen, die Bhava verstehen.
22.31 Bei der Verleihung der heiligen Schnur nehme man die Pashu-Haltung an. Solange Yoga nicht erlangt ist, übe man den Vira-Ritus nicht.
22.32 Gute Lebensführung, Bescheidenheit, Wissen, Festigkeit und Yoga-Praxis: Wer dies besitzt und seine Einsicht auf den Fußlotus der erwählten Gottheit richtet, erlangt Vollendung.
22.33 Wessen große Hingabe an Gottheit und Guru täglich wächst, dessen Vollendung entsteht innerhalb eines Jahres, ohne Zweifel.
22.34 Nachdem man sorgfältig die Essenz von Veden, Agamas und Puranas betrachtet hat, richte man den Geist im Kreis des Fußlotus der erwählten Gottheit fest aus.
22.35 Wer schweigsam den Geist im Lotus des inneren Feldes, in den sechs Chakras und im makellosen Yoga niederlegt, wird dem Yoga lieb.
22.36 Der Geist vollzieht die Handlungen; der Geist wird von Verfehlung befleckt. Wer den Geist gesammelt beherrscht, wird weder von Verfehlung noch von Verdienst befleckt.
22.37 Der erhabene Bhairava sprach: Erkläre mir, Geliebte, das Geheimnis, durch das ein Mensch vollendet wird, die besondere Ordnung, die selbst Yogis nicht zugänglich ist:
22.38 Was jeweils geheim zu halten, freudig anzuschauen, zu verehren, zu vergegenwärtigen oder zu meiden ist, und wovor man keinen Ekel empfinden soll.
22.39 Erkläre die Wahrheit der Reihe nach, wenn du mich liebst. Wer die Elementwirklichkeit nicht kennt, kann selbst als Yogi in Verblendung ruhen.
22.40 Anandabhairavi sprach: Du bist in den drei Welten für Yoga geeignet und dem Durchdringen der sechs Chakras zugetan. Du allein bist höchste Freude, makellos in der großen Grundlage.
22.41 Der große Held soll diese gefährlichen Fehler niederwerfen: Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Überheblichkeit und Neid.
22.42 Er soll ebenso die aus den Sinnen hervorgehende Veränderung, Schlaf, Scham und Niedergeschlagenheit niederwerfen: diese zehn Zeitfeuer, Herr.
22.43 Der große Held soll den großen Mantra und den Kula-Ritus geheim halten, ebenso Mudra, Gebetskette, Tantra-Sinn und die Vereinigung der Gopis mit Viras.
22.44 Die außergewöhnlichen Riten der Bhairavas, die Sadhana der Yoginis und das Maß der Nadi-Verknüpfung verberge er wie den Liebhaber seiner Mutter.
22.45 Selbst beim Verlust des Lebens schmähe man nicht die Gottheit, den Guru, Ishvara, Alkohol, Vidya, ein großes heiliges Feld, einen heiligen Sitz oder einen zum Yoga Befähigten.
22.46 Eine Yogini, einen geistig Stumpfen, einen Wahnsinnigen, Geburt, Tat und Kula-Ritus sowie denjenigen, der bei einer Anwendung Dharma vollzieht, schmähe man nicht, solange man lebt.
22.47 Der große Held schmähe nicht seine Ehefrau, die Frau seines Bruders, den buddhistischen Ritus, eine Yogini und gute oder schlechte Handlungen.
22.48 Man schaue niemals die Vulva einer Jungfrau, Geschlechtsverkehr am Tage, das Paarungsspiel von Tieren oder eine nackte Frau mit entblößten Brüsten an.
22.49 Man schaue nicht auf Streit, Würfel und deren Spieleinsatz, einen Impotenten oder Eunuchen, Kot und anderes in einer reinen Umgebung, eine Last von Schadenzauber oder das Tun des Unachtsamen [letzte Wortgruppe unsicher; Vorlage liest wörtlich „des Nicht-Unachtsamen“].
22.50 Mit höchster Hingabe verehre man sorgfältig die Gottheit, den Guru, Ishvara, Shakti und den Heiligen als Gestalten des eigenen Selbst, im Grobstofflichen wie im Feinstofflichen.
22.51 Den Gast, die Mutter, den Siddha, den Vater und ebenso den Yogi soll man mit höchster Hingabe ehren; zur guten Vollendung verehre man das vollendete Mantra.
22.52 Mit ungeteiltem Geist bedenke man die von Heiligen gelehrte Yoga-Praxis, die Unterweisung im Wort des Guru, den eigenen Dharma und die Gottheit des heiligen Ortes.
22.53 Den Kula-Ritus, den Vira-Mantra, das Selbst als höchsten Herrn, das Wissen der Vorschrift und die Bestimmung des vollendeten Tantra-Sinns soll man vergegenwärtigen.
22.54 Der vorzügliche Praktizierende meide unerlaubte geschlechtliche Verbindungen, den Umgang mit Betrügern und Täuschern sowie Geschwätz, Unwahrheit und Unheilvolles.
22.55 Man meide sündige Gesellschaft, Trägheit, vieles Reden, Handlungen außerhalb des Veda und das Kuhopfer eines Brahmanen [Ritualbezug unsicher].
22.56 Niemals empfinde man Ekel vor Kot, Urin, Schleim und Blut, vor einer Frau mit fehlenden Gliedmaßen, vor Fleisch, Herr, vor dem Herbeibringen von Schädeln und Ähnlichem.
22.57 Auch Alkohol, das Hüten von Kühen, die eigene Schuld, die Furcht vor dem Feind und guten Dharma soll man nicht verabscheuen, wenn man hier Vollendung wünscht.
22.58 Dies ist die Lebensführung gemäß der Verpflichtung für Yogis im Vira-Bhava. Wer sie nach dem Gebot des Guru ausführt, wird auf Erden schon zu Lebzeiten befreit.
22.59 Vergeblich sind Dharma, Lebensführung, Einweihung, Askese und gute Tat bei Menschen, die die Weisung des Guru übertreten.
22.60 Für Brahmanen, Kshatriyas und die anderen kommen zuerst Yoga und weitere Übungen, danach der Kula-Ritus, Herr, zur Vollendung des Yoga-Wissens.
22.61 Wie könnte ohne Vira-Haltung ein vollendeter Yogi entstehen? Zuerst übe man die Pashu-Haltung, danach die Untersuchung des Kula.
22.62 In meinem Tantra, Mahadeva, wird allein das Wesentliche bestimmt, um unvermittelt die Hingabe zu vollenden, sowie der Kula-Ritus der Yogis.
22.63 Der Kula-Ritus der Brahmanen dient allein der Erkenntnisvollendung. Durch Erkenntnis wird man Yogi, durch Yoga von unsterblichem Leib.
22.64 Zum Yogi und Kula-Angehörigen geworden, übe man Tag und Nacht Yoga und betrachte zur Vollendung des Bhava die sechs Chakras als Wohnsitze der Elemente.
22.65 Oberhalb des Wurzellotos, an der Wurzel des Geschlechtsorgans, verehre der ganz Reine mit dem Atem den großen sechsblättrigen Lotos im Svadhishthana.
22.66 Wer die Buchstaben dieser sechs Blätter vergegenwärtigt, dem erscheint Vishnu unmittelbar zusammen mit Rakini, Herr.
22.67 Im mittleren Kreis des Fruchtbodens des sechsblättrigen Svadhishthana betrachte man einen achtblättrigen Lotos mit Schlangen; so wird man zum Herrn.
22.68 Auf den acht Blättern leuchten die acht Schlangen rötlich. Auf dem Lotos über dem Wasser meditiere man ihre geliebte Göttin.
22.69 Ananta, Vasuki, Padma, Mahapadma, Takshaka, Kulira, Karkata und Shankha verehre man auf den Blättern, vom Süden an.
22.70 Über dem Achtblättrigen meditiere man das Kreispaar des Fruchtbodens, darüber den Sechsblättrigen mit va bis la samt Bindu [hier va, zuvor ba].
22.71 Von Osten an und mit dem Atem im Uhrzeigersinn, immer wieder Kumbhaka übend, meditiere man die Atem-Shakti der sechs Buchstaben.
22.72 Man meditiere freudig das Paar der Staubfäden über dem Kula mit seiner Gestalt. Wer im acht- und im sechsblättrigen Lotos vergegenwärtigt, wird König der Yogis.
22.73 Oberhalb des Achtblättrigen liegt ein schönes Kreispaar. Darüber meditiere man wiederum im Sechsblättrigen die Buchstaben va bis la.
22.74 Wer unterhalb der acht Blätter das schöne Kreispaar meditiert: Unter den Kreisen steht das kreisförmige, alles durchdringende Bija vaṃ.
22.75 Am Kreis haftet und ihn ganz durchdringt das blitzförmige Bija yaṃ. Wer es leuchtend wie Millionen Sonnen vergegenwärtigt, wird Herr der Yogis.
22.76 Unterhalb der Kraftanteile des Yanta-Bijas [Bezeichnung unsicher] liegt ein Sechseck. In dessen Ecken vergegenwärtige man, vom Süden an, ya bis la [Reihe nicht eindeutig].
22.77 In der Mitte dieses Sechsecks liegt ein rauchfarbiges Sechseck. In dessen Ecken, vom Süden an, setze man die sechs Kategorien, beginnend mit Substanz.
22.78 Substanz, Eigenschaften, Tätigkeit, Allgemeines, Besonderes und Inhärenz vergegenwärtige man der Reihe nach in den sechs Ecken.
22.79 Von Osten an, mit dem Atem im Uhrzeigersinn, immer wieder Kumbhaka übend, vergegenwärtige der Mantraübende dies überall.
22.80 In der Mitte des Substanz-Sechsecks liegt ein schön leuchtendes Sechseck. In jeder Ecke betrachte man die sechs Gruppen, fest und beweglich.
22.81 Im Dreieck in dessen Mitte meditiere der weitsichtige Yogi Hari mit Rakini, im Strahlenglanz von Millionen Monden stehend.
22.82 Der Lotus innerhalb des sechsblättrigen [Chakra] ist auch für Yogis ein Gegenstand der Praxis. Wer beständig übt, dessen Yoga gelangt zur Verwirklichung.
22.83 Durch die Gnade dieses Kreises und die Betrachtung der Füße des erhabenen Herrn wird man rasch gesund, frei von Ich-Anmaßung und allwissend.
22.84 In den sechs Chakras betrachte man Hari als lichtförmigen Yogaweg, feiner als fein und makellos, als Erfüllung der Wünsche der drei Welten.
22.85 Hari ist Shesha und Shambhu; Shambhu trägt die feine Gestalt. In der feinen Gestalt steht Brahma, und von Brahma hängt diese Welt ab.
22.86 Die drei Götter sind eine einzige Gestalt: Brahma, Vishnu und Pitamaha [so die Namensreihe, obwohl Pitamaha ebenfalls Brahma bezeichnet]. Mit meinem Leib verbunden schaffen, erhalten und vernichten sie.
22.87 Sie gehen aus Pranayama hervor und bewirken stets Hindernisse des Yoga. Durch Pranayama zwinge man sie nieder und erlange kraftvoll Vollendung.
22.88 Man stütze sich auf A, Brahmas Buchstaben, klanggestaltig und von großem Licht, stets im Pranava gegenwärtig, als Einatmung des Yoga.
22.89 Man stütze sich auf U, den Vishnu-Buchstaben, den Herrn, der den Klang durchdringt, das im Pranava gegenwärtige Sattva, als Atemhalten des Yoga.
22.90 Man stütze sich auf M, Shambhus Gestalt, zum Bija geworden und aus dem Mond hervorgegangen, die im Pranava wohnende Zeit, die Stätte des Aufgehens.
22.91 Durch die Unterscheidung der drei Buchstaben wird der Pranava entfaltet. Aus dem Pranava entsteht Hamsa; Hamsa wird zu Soham, dem Höchsten.
22.92 Die Soham-Erkenntnis ist große Erkenntnis, selbst für Yogis schwer zu erlangen. Wer sie unablässig vergegenwärtigt, wird selbst zum Höchsten.
22.93 Haṃ ist das männliche Prinzip in Atemgestalt; Saḥ ist die Natur durch den Mond. Erkenne dieses Hamsa als das, was den Sonnenkreis durchdringt.
22.94 Wenn in umgekehrter Folge Soham-Erkenntnis entsteht, wird man sogleich ein im Sonnenbereich befindlicher Siddha, durch den Svadha-Klang verehrt.
22.95 Nachdem man die Buchstaben Ha und Sa fortgelassen hat, verbinde man die übrigen Laute: Dies ist der Pranava, das große Mantra. [Dies ist die mantrische Deutung des Textes, keine gewöhnliche Wortableitung.]
22.96 Wer dieses große Hamsa-Mantra im Svadhishthana, im Haus des Geistes, als Gestalt des Geistes verehrt, gelangt in die Mitte der Sonne.
22.97 Hamsa erkenne als Sonne, Soham als Mond, daran besteht kein Zweifel. Wenn die Umkehr eintritt, hat man sogleich Anteil an Befreiung.
22.98 Wenn man den Hamsa-Mantra im Svadhishthana, an Haris Stätte, vergegenwärtigt, wird man gewiss zu den Füßen des erhabenen Guru geführt.
22.99 Wenn der Wissende Soham als Shakti-Komplex mit a und ā umschließt und rezitiert, wird er ein Wunschbaum.
22.100 Wer sämtliche Rezitationen, Feueropfer und anderes mit Hamsa vollzieht, wird durch die Gnade des Hamsa-Mantras unmittelbar zu Mond und Sonne.
22.101 Diesen Japa, Mahadeva, vollziehe ich innerhalb des Körpers: 21.600 [Wiederholungen] des Ham-Mantras.
22.102 Indem man Ha in männlicher Gestalt und Sa in weiblicher Gestalt rezitiert, bewirkt man hier Schutz, verbunden mit hundert Mond-Bindus.
22.103 Wer täglich das mit dem Pranava endende große Mantra rezitiert, erlangt die Vollendung des Lebenswinds; die Wind-Shakti wird ihm sehr gnädig.
22.104 Ich werde den großen Hamsa erklären, durch den ein Mensch vollendet wird und augenblicklich beliebige Gestalt annehmen kann. Vollendung der Rede ist gewiss.
22.105 Zuerst spreche man den Pranava, danach schreibe man das Wort Hamsa. Danach ist wiederum der Pranava zu setzen, dann vergegenwärtige man das Wort Para [die Formel wird nicht vollständig ausgeschrieben].
22.106 Nach dem Wort „ich sättige“ vergegenwärtige man Pranava und den Laut Phaṭ. Dies ist der Hamsa-Mantra zum Aufstieg der Viras.
22.107 Durch die Gnade des großen Hamsa vermag man die sechs Chakras zu durchdringen. In den sechs Chakras preisen alle Götter und das Bewegliche und Unbewegliche [Satzanschluss unklar].
22.108 Sie wandern im Leib des Yogis umher, um die Yoga-Vollendung zu behindern. Wenn man Hamsa und den großen Hamsa zur Atemvollendung rezitiert,
22.109 fliehen sie alle wie Menschen vor einem Rakshasa.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Bestimmung des Bhava, in der Pashu-Ordnung, bei den wesentlichen Zeichen der sechs Chakras, bei der Bestimmung der Yoga-Unterweisung, im Abschnitt über vollendete Mantras, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 22.
Kapitel 23: Ernährung und Körperhaltungen
23.1 Die erhabene Bhairavi sprach: Nun werde ich den unübertrefflichen Brahman-Weg erklären. Durch seine Kenntnis besangen alle Götter als Siegreiche das Höchste.
23.2 Zum Offenbaren seines Glanzes, zum Wachstum des Dharma der Großen und zum Yoga der Yogis, o Gott, erfolgt die Bestimmung des Nahrungsmaßes [Versanfang beschädigt].
23.3 Wer Yoga übt, aber die Ernährung nicht kennt, wird gewiss selbst in tausend Millionen Jahren kein Yogi.
23.4 Darum erkläre ich die Bedeutung der Nahrung in Kürze. Durch ihre Kenntnis erlangt man Vollendung und durchdringt Svadhishthana und die weiteren Chakras.
23.5 Wer auf Erden zuerst Unterscheidungskraft entwickelt, höchster Herr, der befolge zu Hause wie im Wald die Regeln der Nahrung.
23.6 Von höchster Freude erfüllt, fest in Atem und Sitz und voller Freude, esse man stets mäßig, um die Freude des Einatmens zu ermöglichen.
23.7 Durch die Bestimmung der Nahrung und Weiteren entsteht dann Vollendung des Einatmens. Man fülle beständig den Bauch und halte den Atem immer wieder an.
23.8 Man fülle vollständig nach dem Maß der eigenen Hände. Dies fülle und setze man, Herr, in eine Vishvamitra-Schädelschale [Bezeichnung unklar].
23.9 Während zwölf Hamsa-Wiederholungen reibe man sie an einem Stein. Täglich esse man den Inhalt dieses Gefäßes in einer einzigen gekochten Mahlzeit.
23.10 Die Menge an Shali-Reiskörnern, welche die Schale bis zum Maß Prastha füllt, vermindere man Tag für Tag beim Essen.
23.11 Mit zwölf Hamsa-Rezitationen vermindere man die Schale durch Reiben am Stein und steigere das Einatmen und Weitere.
23.12 Solange man das eigene Nahrungsmaß verringert, fülle man mit Atem; „nicht den Bauch durch Krähenschnäbel“ [Negation und Anschluss unsicher].
23.13 Durch das Halten der Nahrung ziehe man Kundali stets an der Wurzel zusammen. Dort fülle der Yogi auf, indem das Nahrungsmaß schwindet.
23.14 Mit der Zeit erlangt der Sinnesbeherrschte diese Vollendung. An die Stelle der Nahrung fülle er mühelos [Atem].
23.15 Durch wiederholtes Essen erlangt man die Vollendung der Nahrung. Ohne die Verbindung mit dem Einatmen gelingt auch die Ernährung nicht.
23.16 Oder ich bestimme auf andere Weise den Verzicht auf Nahrung. Ohne diese Ordnung werden die Gottheiten im Kreis der Nadis nicht vollendet.
23.17 Man nehme zweiunddreißig Bissen im Maß von drei Fingergliedern [Maßangabe unsicher] und esse täglich jeweils einen halben Bissen weniger.
23.18 Der große, furchtlose Vergegenwärtigende fülle stets Atem ein. Ihn an die Stelle der Nahrung setzend, trinke er Tag und Nacht Atem.
23.19 Nachdem der Verständige in vierundsechzig Tagen alles vermindert hat, ernähre er sich mit festem Geist und beherrschten Sinnen von Milch.
23.20 Ich erkläre das Milchmaß: jeweils drei Hand-Prasthas [Maß nicht sicher bestimmbar]. Ganz allmählich sind die Lebensatemkräfte wie ein wilder Elefantenherr zu bezwingen.
23.21 Nach sechs Monaten entsteht Vollendung, gekennzeichnet durch Einatmen und Weiteres. Schrittweise vollenden die Asketen, die beliebige Gestalt annehmen, die acht Glieder.
23.22 Der Mantraübende nehme den gebundenen Lotossitz ein, erfreut durch die Freude der Vijaya, halte den Atem im Muladhara und lasse den Geist dort aufgehen.
23.23 Höre nun die Unterscheidung der Asanas für jene, die meine Vollendung wünschen. Ohne sie erlangt niemand auf Erden die Vollendung des Einatmens.
23.24 Ich erkläre die Haltung mit dem Kopf nach unten, die allen Lebewesen Freude bereitet. Die Füße nach oben richtend halte der Verständige den Atem.
23.25 Sie ist die beste aller Haltungen: Wenn man die Füße nach oben hält, gewährt die Atemkraft unmittelbar große Vollendung.
23.26 Diesen Lotossitz vollziehe man zur Vollendung des Lebensatems. Den günstigen Sitz vergegenwärtige man und atme immer wieder ein.
23.27 Man setze den linken Fuß an die Oberschenkelwurzel und den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel. Dies heißt Padmasana.
23.28 Mit dem linken Fuß beginnend bilde man die Haltung; beim Wechsel entsteht aus dem einen Sitz ein zweiter [knappe, nicht eindeutige Anweisung].
23.29 Der Verständige führe beide Hände hinter den Rücken und ergreife beide großen Zehen, den Leib zusammenziehend. So entsteht der gebundene Sitz.
23.30 Im gebundenen Lotossitz halte man immer wieder den Atem an. Sorgfältig setze man das Kinn an die Sonne mit ihrem erfreuenden Glanz [innerer Bezug unklar].
23.31 Diese Haltung bewirkt Vollendung für alle Wesen. Wer sie zur Beherrschung des Atems ausführt, ist ein Yogi, ohne Zweifel.
23.32 Die Svastika-Haltung bewirkt für alle die Vollendung der eigenen Natur. Unter die linke Fußsohle lege man den rechten Fuß.
23.33 Durch links und rechts ergeben sich zwei Haltungen. Wer überall so verfährt, soll das Wesentliche der Nadis erfahren [Lesung am Versende unsicher].
23.34 Höre diese dreißig Haltungen. Durch Ausführung auf der linken und rechten Seite verdoppelt sich ihre Zahl.
23.35 Ich erkläre hier vierundsechzig Haltungen zur Atemübung, zum Durchdringen der zweiunddreißig Bindus und zur Verstärkung des Atems [Zählung gegenüber Vers 34 uneinheitlich].
23.36 Im Bogensitz fülle man den Bauch mühelos. Mit der Zeit wird der Atem durch den feinen Atem beherrscht.
23.37 Der Mantraübende nehme den Lotossitz ein, umfasse und halte mit der rechten Hand den Bereich nahe dem linken Fuß.
23.38 Der Bogensitz ist durch links und rechts zweifach. Durch beide Bogenhaltungen führe man den Atem wie einen Pfeil.
23.39 Ich erkläre die Hahnhaltung zur Reinigung der Nadis. Gemäß meinem Kula-Agama vollziehe man den Dienst am Atem.
23.40 Der Sinnesbeherrschte setze beide Hände auf die Erde. Wer zwischen beiden Ellenbogen mit den Füßen eine Bindung herstellt,
23.41 vollzieht die von Brahma geschaffene Hahnhaltung, zweifach durch links und rechts. Wer gebunden den Kopf nach unten bringt, vollzieht die Vogelhaltung.
23.42 Durch die Gnade der Vogelhaltung schwindet Ermüdung rasch. Gerade durch wiederholte Bemühung wird die Ermüdung an den Sinnesgegenständen beseitigt.
23.43 Man vollziehe stets die Schaukelhaltung, um das Schwanken des Atems zu überwinden. Durch die Gnade festen Atems wird der Geist rasch fest.
23.44 Im Lotossitz führe man beide Hände durch die Zwischenräume der Beinverbindungen; so nimmt man Hahngestalt an.
23.45 Man setze beide Hände nieder, stütze den Körper auf sie, hebe ihn an und bleibe im Lotossitz; der Atem [Satz unvollständig].
23.46 Wenn der Mantraübende in dieser Haltung den Kopf nach unten bringt, heißt dies Uttamangasana, die Kopfhaltung, selbst für Yogis schwer zu erlangen.
23.47 Allein durch diese Haltung wird der Körper kühl. Durch ihre wiederholte Gunst wird Kundali bewusst.
23.48 Wer sie immer wieder links und rechts ausführt, atme ein und halte den feinen Atem im Wurzellotos an.
23.49 So Kumbhaka übend, lasse man den feinen Atem ordnungsgemäß aufgehen und verankere ihn an den Auflösungsstätten von der Wurzel bis zur Brahman-Öffnung.
23.50 In dieser günstigen Haltung lasse man den Geist in der feinen Öffnung aufgehen und fülle mit feinem Atem, wie ein Faden durch ein Nadelöhr geführt wird.
23.51 Dies ist bei sechsmonatiger Übung das Kennzeichen des Einatmens. Durch den Dienst an den acht Gliedern des Yoga erlangt man große Freude.
23.52 Nun erkläre ich die günstige Berghaltung, Mahadeva. Durch sie wird man fest von Gestalt und löst die sechs Chakras und Weiteres auf.
23.53 Die Yoni-Haltung verbindet sich mit der Berghaltung, der Atem mit der Yoga-Frucht. Deren zeitliche Frucht besteht, bis man Himmelswanderer wird [Satzfügung unsicher].
23.54 Wer mit dem Fuß die Spitze des Geschlechtsorgans im Kreis verbindet und den anderen Fuß auf den Oberschenkel legt, vollzieht hier die Yoni-Haltung.
23.55 Höre darin, Mahadeva, die gebundene Yoni-Haltung. Wer sie ausführt, wird Himmelswanderer und bewegt sich wie Ishvara.
23.56 In der Yoni-Haltung, Herr, verschließe man Geschlechtsorgan, verborgene Öffnung und Weiteres sowie Mund, Nase, Augen und Ohren mit den Fingern.
23.57 Die Lippen verschließe man mit den kleinen Fingern, die Nasenlöcher mit den Ringfingern, die Augen mit den Mittelfingern; mit den Zeigefingern und den anderen die Ohren [die Zuordnung ist nicht eindeutig].
23.58 In dieser selbst für Yogis schwer zugänglichen Yoni-Haltung atme man ein, ziehe die Wurzel zusammen und halte an.
23.59 Durch links und rechts wird der Übende vollendet. Allmählich aufsteigend fülle er Kumbhaka ganz aus.
23.60 Von der Morgendämmerung an während acht Dandas, Sadashiva, nehme man den Atemstrom durch die linke und rechte Verbindung auf.
23.61 In der zweiten Tageswache vollziehe man die schöne Verehrung des Atems. Durch diese Haltung wird der Übende vollendet.
23.62 Ich erkläre eine weitere Haltung, durch die man unsterblich wird. Mein reiner, glückerfüllter Übender begebe sich an einen ungestörten Ort und führe sie aus.
23.63 Die Froschhaltung: Man lege beide Füße vor der eigenen Brust an die Schultern und die Arme über die Füße [Beschreibung knapp].
23.64 In der Haltung meditiere man zur Freude die bewegte Bewusstseinsstätte. Hebt man alle Glieder in den Raum, ist es eine Himmelswanderhaltung.
23.65 Dies heißt große Froschhaltung und gewährt alle Siddhis. Wer dabei rezitiert, erlangt die große Vidya und den großen Mantra.
23.66 Ich erkläre eine Abwandlung; wer sie ausführt, wird unsterblich. Man binde einen Fuß am Oberschenkel fest und halte den anderen an der Schulter.
23.67 Dies heißt Pranasana und gewährt alle Siddhis. Man führe den Atem zur Wurzel, meditiere und ziehe zusammen.
23.68 Man lege sorgfältig nur einen Fuß auf die Schulter und stehe mit einem Bein im Raum gerade wie ein Stab, Herr.
23.69 Dies ist Apanasana, die Grundlage des Einatmens für alle. Durch die Atemkräfte führe man [den Atem] in den feinen Kopflotos.
23.70 Dann wird der Mensch vollendet. Wer durch die Verbindung mit Apanasana Prana und Apana zusammenführt, wird auf Erden Herr des Yoga.
23.71 Ich erkläre Samanasana zur Verwirklichung vollendeter Mantras und Weiteren. Man lege einen Fuß auf den Oberschenkel und den anderen im verborgenen Bereich an die Öffnung des Geschlechtsorgans.
23.72 Dieser Heldensitz, Herr, wird Samanasana genannt. In ihm rezitiere man den Mantra und halte den Atem im Vierblättrigen.
23.73 Man vergegenwärtige Kundali als Mantra, in der Gestalt von Millionen Blitzranken, die Yogini stets vom Nektarsaft des Selbstmondes überflutet.
23.74 Der Heldensitz dient den Viras zum Halten des Yoga-Atems. Der große Held, der dies kennt, wird gewiss ein Yogi.
23.75 Nun erkläre ich, Mahakala, die Übung von Samanasana mit ihren Unterscheidungen. Wer sie kennt, wird Herr der Viras.
23.76 Im Samanasana halte man mit einer Hand den großen Zeh [Verb ergänzt]. So wird man zur Übung des Svara-Yoga und Weiteren befähigt.
23.77 Wer die Haltung, das Zurücknehmen der Atemströme und die Bestimmung der Zeit und Weiteren kennt, geht niemals zugrunde.
23.78 Durch die Zeit wird Vollendung erlangt. Den Zeitgestaltigen, gewaltig Leuchtenden sollen übende Yogis als Wesen des vollendeten Heldensitzes meditieren.
23.79 Nun erkläre ich, Blaukehliger, die günstige Haltung zum Durchdringen der Knoten. Wer sie kennt, wird durch den Dienst am feinen Atem rasch Rudra.
23.80 Der Mantraübende nehme den Lotossitz ein und führe beide Hände ins Innere der Unterschenkel bis zu den Ellenbogen hindurch; dann erfolgt das Halten der Schultern [genaue Lage unklar].
23.81 Den Lotossitz durchdringend vollziehe er eine Bewegung mit einem halben Tausend [Zahlbezug unsicher], wodurch der Kopf in innerer Haltung geneigt ist; mit allen Fingern eine Stütze [Text stark beschädigt].
23.82 Dies ist die Haltung zum Durchdringen der Knoten, welche Himmelswandern und Weiteres zeigt. Man lasse den feinen Atem aufgehen und vergegenwärtige ihn im höchsten Selbst.
23.83 Ich erkläre eine andere Haltung zum Schutz des yogischen Einatmens. Im Lotossitz befinden sich Füße, große Zehen und Unterschenkel [Satzfügung unvollständig].
23.84 Eine Hand am Unterschenkel, den Bogen oberhalb des Ellenbogens: Im Lotossitz sammle man sich und führe den großen Zeh herum [Bewegung nicht eindeutig].
23.85 Dies ist der Bogensitz mit linker und rechter Ausführung. Den Lotossitz umfassend führe man die Spitze des großen Zehs herum.
23.86 Wer stets diesen vortrefflichen Bogensitz ausführt, Herr, vernichtet die Feinde, die Krankheiten und Weiteres heißen, und wird glücklich.
23.87 Nun erkläre ich kurz das vortreffliche Sarvangasana. Durch seine Ausführung wird man kundig im Yoga, wie ein durch die Vidyas Gelehrter.
23.88 Man lege den Kopf nach unten und bringe beide Füße nach oben, nehme dort den Lotossitz ein und setze beide Ellenbogen auf die Erde.
23.89 Der Verständige, auf Beruhigung der Ermüdung bedacht, übe jeweils während eines Danda. Niemals übe man Atemhalten unter Verzicht auf alle Haltungen.
23.90 In einem Monat wird die Bewegung der feinen Atemströme wahrgenommen; in drei Monaten erreicht man die Götterstufe, in drei Monaten wird man kühl.
23.91 Nun erkläre ich das vortreffliche Mayurasana, Mahadeva. Man setze beide Hände auf die Erde und bringe den Körper über die Ellenbogen.
23.92 Den ganzen Körper auf die Ellenbogen legend, mit fester Gesinnung, stütze man allein beide Hände auf die Erde und bleibe ganz fest.
23.93 Allein durch diese Haltung werden die Nadis durchdrungen. Durch Einatmen wird man fest und gelangt überallhin, auf alle Glieder gestützt.
23.94 Wer die nächste Haltung ausführt, die alle Krankheiten abwehrt, wird durch die Gnade des Erkenntnissitzes rasch zum Yogaübenden.
23.95 Man lege die linke Fußsohle an die Wurzel des rechten Oberschenkels, die rechte Fußsohle an die rechte Seite und halte dies.
23.96 Dies ist Jnanasana, Herr; durch Erkenntnis offenbart es Vidya. Wer es ununterbrochen ausführt, dessen Knoten lockert sich.
23.97 Durch linke und rechte Ausführung wird es Mundasana genannt. Wer es vollzieht, meditiert und fest wird, geht im höchsten Selbst auf.
23.98 Ich erkläre Garudasana, durch das die Meditation auf Erden fest wird. Man wird hier von allen Fehlern frei und sehr stark.
23.99 Einen Fuß am Oberschenkel festhaltend, mit einem Bein wie ein Stab, an der Verbindungsstelle von Unterschenkel und Fuß stehend, ganz der Erkenntnis zugewandt [Haltungsdetail unsicher].
23.100 In dieser Haltung vollziehe man hinter dem Rücken die Auflösungs-Mudra und verehre stets den Herrn des Yoga und aller Wesen.
23.101 Ich erkläre eine weitere Haltung, durch die ein Mensch vollendet wird. Durch die Kokila genannte Haltung kommt es unvermittelt zur Bewegung des Atems.
23.102 Der Verständige halte beide Hände nach oben und bringe die beiden großen Zehen vor sie, Herr, ganz allmählich.
23.103 Den Lotossitz einnehmend ruhe man auf den Ellenbogen. Nun erkläre ich, Herr der Viras, den Sitz des Hauses der Freude.
23.104 Durch ihn wird der standhafte Übende hier unsterblich. Man lege beide Hände in den Bereich der Füße und setze beide Füße an [Ausführung unklar].
23.105 Man richte sich wie ein Stab aus, Kaula, und stehe vor dem Gesäß [Satz beschädigt]. Ich erkläre die Bachstelzenhaltung, durch die man ganz fest wird.
23.106 Man binde beide Füße hinter dem Rücken und halte die Hände auf dem Boden. Beide Hände auf die Erde setzend, Herr, trinke man Atem.
23.107 Beide Füße hinter dem Rücken gebunden, wird man durch die Bachstelzenhaltung siegreich. Nun erkläre ich eine weitere Haltung zum Wohl der Übenden.
23.108 Durch die Gestalt von Pavanasana wird man Himmelswanderer und König der Yogis. Der Standhafte bleibe im gebundenen Sitz, beide Hände unterhalb des Nabels.
23.109 Mit erhobenem Kopf trinke er Atem und halte ihn in „yamāvila“ zurück [Lesung unklar]. Nun erkläre ich die Schlangenhaltung allein zum Atemtrinken.
23.110 Der Körper bleibe gerade wie ein Stab, an beiden Füßen mit einem Strick gebunden. Die Göttin Kundali als Atemkraft hat Ringgestalt am Finger [Zusammenhang beschädigt].
23.111 Mit Schmuck und anderem geschmückt: Ich werde das Stehen in der Schlangenhaltung erklären. Schlaf, Trägheit und Furcht aufgebend, übe man nachts immer wieder.
23.112 Durch Atemübung bringe man alle Hindernisse wie Schlaf unter seine Gewalt. Nun erkläre ich die unübertreffliche krähenförmige Schulterhaltung.
23.113 Man wird von der Schuld des Kali frei und bringt die Atemkraft unter seine Gewalt. Der Übende bindet beide Füße im Schulterbereich fest.
23.114 Stets dieses Fußpaar; beide kräftigenden Hände auf der Erde [die abschließende Halbvers-Anweisung bleibt unvollständig].
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Bestimmung von Bhava und Asana, in der Pashu-Ordnung, bei den wesentlichen Zeichen der sechs Chakras, im Abschnitt über vollendete Mantras, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 23.
Kapitel 24: Weitere Haltungen, Leichenrituale und die acht Glieder
24.1 Anandabhairavi sprach: Nun erkläre ich die Bestimmung des Sinns der Yoga-Lehre, Mahadeva. Allein durch ihre Erkenntnis durchdringt man die Knoten der sechs Chakras.
24.2 An Tagen außerhalb der Fest- und Übergangstage vollziehe man die erhabene Yoga-Sadhana, den ganzen Schatz des Kalika-Kula, verbunden mit Kraftanteilen und Zeit.
24.3 Die vorschriftsmäßig erkannte Haltung umfasst Millionen und Abermillionen Handlungen. Hunderte von Hunderttausenden und Tausenden Haltungen gibt es auf Erden [Zahlenfügung nicht eindeutig].
24.4 Auch im Himmel und in der Unterwelt wurden sie von großen Sehern dargelegt. Gemäß Unterscheidung und Nichtunterscheidung vollziehe man stets den guten Sitz.
24.5 Ihre Ordnung ist vielfältig; durch sie wird man unsterblich. Den Unsterblichen nennt man einen Siddha, mit den acht Herrlichkeiten ausgestattet.
24.6 Dieser Sinn leuchtet dem Kenner des Wurzelmantras auf. Jene Unsterblichen preisen ihn ununterbrochen in allen Welten.
24.7 Die Götter, Geliebte der erhabenen Frauen, wirken in den drei Welten. Wer als Vergegenwärtigender damit befasst ist, die Zeit zu beherrschen,
24.8 und all jene wandeln hier während Hunderten von Millionen Jahren. Höre die Namen der einzelnen Haltungen und ihre Übungen.
24.9 Allein durch ihre Erkenntnis wird man dem Herrn unmittelbar ergeben. Nun die Schildkrötenhaltung: In ihr fülle man den Atem ein, Herr.
24.10 Rasch wird man fähig, beliebige Gestalt anzunehmen; sie vernichtet die Schuld des Kali. Im Samanasana bringe man den eigenen Kopf an die Spitze des Geschlechtsorgans,
24.11 beide Hände ans Gesäß und senke sich zusammengezogen auf die Erde. Nun erkläre ich die Krokodilhaltung zum Halten der Atemströme.
24.12 Man bleibe beckenförmig auf dem Boden, beide Hände über dem Kopf, einen Fuß auf den anderen setzend, die beiden Hände über dem Kopf.
24.13 So beckenförmig auf dem Boden zu bleiben ist Kumbhirasana. Nun Matsyasana: Hinter dem Rücken die Handfinger über der Hand [Ausführung unklar],
24.14 mit Bezug auf beide Füße eine Verbindung der großen Zehen. Ich erkläre Makarasana; zum Atemtrinken halte man den Atem an.
24.15 Beide Füße hinter dem Rücken, binde man hinten mit den Händen. Nun die Löwenhaltung, Herr: Beide Knie setze man auf die Ellenbogen.
24.16 Mit erhobenem Gesicht vollziehe man das Atemtrinken. Nun erkläre ich, Mahadeva, die vortreffliche Elefantenhaltung.
24.17 Man stehe mit einer Hand und beiden Füßen auf der Erde; Kopf und Hand [Anschluss unklar]. Nun erkläre ich die Tigerhaltung, die Zorn und Zeit vernichtet.
24.18 Ein Fuß befindet sich in der Kopfmitte über der Wirbelsäule. Ich erkläre die Bärenhaltung; durch sie wird man König der Yogis.
24.19 Am Gesäß steht die Gruppe der Füße, mit beiden Händen ein Fingerring [Haltungsdetail beschädigt]. Nun erkläre ich die Liebeshaltung, die durch Verbindung mit Begehren entsteht.
24.20 Im Garudasana berühre man mit der Spitze des kleinen Fingers den Ursprung [unklar]. Ich erkläre die Kreishaltung; durch sie wird man Bhairava.
24.21 Mit den im Raum befindlichen Füßen binde man den Rückenbereich. Nun erkläre ich den Befreiungssitz; durch ihn wird man zur Wohnstatt der Befreiung.
24.22 Der Verständige setze nur rechte Hand und rechten Fuß auf. Nun die Girlandenhaltung, Herr; durch sie wird man der Atemkraft lieb.
24.23 Auf einer Hand stehend erlangt der Mensch heilvollen Yoga. Nun erkläre ich die göttliche Haltung: Man binde den Rücken mit einer Hand.
24.24 In der Mitte der einen Hand die Bodenhand mit der Nase [Text beschädigt]. Die Halbaufgangshaltung, Herr: Man bringe den ganzen Leib in den Raum.
24.25 Nur beide Hände [berühren den Boden], während man mit der Nase zur Erde schaut. Nun die Mondhaltung: Mit beiden Füßen halte man den eigenen Leib,
24.26 immer wieder und unter vorausgehendem Atemhalten. Nun erkläre ich die Hamsa-Haltung: Mit dem Körper stoße man wiederholt
24.27 auf den Boden, begleitet von Atemzügen, als Verständiger fest im Lebensatem. Nun die Sonnenhaltung: Vom Rücken her eine Bindung mit dem Fuß.
24.28 Den abgewandelten Fuß hinter dem Rücken halte man mit der Hand. Nun erkläre ich die Yoga-Haltung; durch sie wird man König der Yogis.
24.29 Beide Fußsohlen und beide Hände am eigenen Leib festgebunden [Satzfragment]. Nun erkläre ich die Keulenhaltung: Man verweile keulenförmig auf der Erde,
24.30 wobei die Arme erhoben sind, zur Reinigung des Leibes. Nun die Lakshmi-Haltung: Beide Fußsohlen an der Spitze des Geschlechtsorgans,
24.31 beide Hände im verborgenen Bereich, mit den Handflächen auf der Erde gebunden. Nun die Kulya-Haltung; durch sie wird man Kaula.
24.32 Eine Hand steht am Kopf, der Kopf unten, die Hand an ungeteilter Stelle [unklar]. Ich erkläre die Brahmanenhaltung; durch sie wird man Brahmane.
24.33 Einen Fuß auf den Oberschenkel gelegt, stehe man auf Erden wie ein Stab. Ich erkläre die Kshatriya-Haltung; durch sie wird man reich.
24.34 Beide Füße mit dem Haar festgebunden, bleibe man abwärts gewandt. Nun erkläre ich die Vaishya-Haltung; durch sie wird man wahrhaftig.
24.35 Man stehe auf dem großen Zeh, beide Hände an der eigenen Brust. Nun erkläre ich die Shudra-Haltung; durch sie wird man Diener.
24.36 Man halte beide großen Zehen und verbinde sie zwischen Nasenspitze und Fuß [Lage unsicher]. Nun die Geburtenhaltung, durch die man frühere Geburten erinnert.
24.37 Hände und Füße auf dem Boden, bewege man sich hin und her. Ich erkläre die Tierhaltung; durch sie wird man Pashupati.
24.38 Beide Hände hinter den Rücken gesetzt, bringe man den eigenen Kopf an die Ellenbogenspitzen. Allein durch diese Übungen wird der Mensch langlebig.
24.39 Durch ein Jahr Übung wird man gewiss schon zu Lebzeiten befreit. Danach ist dir, Herr, die Sadhana der Shri Vidya zu erklären.
24.40 Die Haltung dient der Yoga-Vollendung und der Reinigung des Leibes. Höre nun, Götterherr, den geheimen weichen Sitz.
24.41 Zur Prüfung der Yoga-Vollendung dient der geheime, günstige Fellsitz. Nun erkläre ich den Menschensitz in sechzehn und weiteren Formen.
24.42 Allein durch seine Übung wird der Praktizierende ein Yogi. Sechzehn Arten werden genannt, aus meinem Kula-Agama hervorgegangen.
24.43 Allein durch ihre Übung wird man auf Erden unmittelbar ein Yogi. In einem Monat wird man befähigt, in zwei Monaten rasch gestaltend,
24.44 in drei Monaten zum Yoga befähigt, in vier Monaten fest gesinnt, im fünften Monat im feinen Verfahren und im sechsten in Unterscheidung gegründet.
24.45 Im siebten Monat wird man gewiss ein wissender Vergegenwärtigender, im achten mit Nahrung verbunden und mit einem Leib beherrschter Sinne.
24.46 Im neunten kommt die Begegnung mit Vollendung, im zehnten das Durchdringen der Chakras, im elften wird man großer Held, im zwölften Himmelswanderer.
24.47 So wird der in der Yoga-Haltung stehende Übende ein Yogi. Wer Narasana vollzieht, ist vollendet, ohne Zweifel.
24.48 Ich erkläre dessen Ordnung, durch die man vollendet wird, Herr. Bei der Übung des Menschensitzes ist die Leiche mit dem Gesicht nach unten zu legen, Mahadeva,
24.49 durch führende Übende, die dem Sinn der Yoga-Lehre entsprechen. [Als Leiche dient jemand] unversehrt, in üppiger Jugend, schön und mit anmutigem Haar,
24.50 unter Menschen vortrefflich, im offenen Kampf gefallen. Diesen bringe man vollständig herbei, an einem Dienstag bei Nacht.
24.51 Der Kaula nehme darauf die Mond- oder Sonnenhaltung ein und übe. Nun erkläre ich eine andere Art, die alle Siddhis bewirkt.
24.52 Wer die Froschhaltung vollzieht, ist Herr der Yoginis. Ich erkläre eine weitere Art, durch die man König der Yogis wird.
24.53 Man bleibe an dessen oberem beziehungsweise nördlichem Kopfteil im Mondsitz und rezitiere. Eine weitere Art dient dem Anblick der Mahavidyas und Weiteren:
24.54 Bei einem neidischen, hellhäutigen [Verstorbenen; Bezug unsicher] rezitiere man im Bergsitz. Durch eine andere Art wird man Yogi und Kaula, ohne Zweifel.
24.55 Wenn jener so stirbt, rezitiere man im Bhadra-Sitz. Bei der jeweiligen Übung verfahre man Tag für Tag so.
24.56 Am neunzehnten Tag besteht Genuss von Tanz, Instrumentalmusik, Gesang und Melodie; den vierzehnten soll man nicht anschauen, wegen der bedrängenden Furcht vor den Bhairavas [Zeitbezüge unklar].
24.57 Allein durch Versenkung des Geistes wird man Yogi, Bhairava. Wer einen Sitz nach eigenem Wunsch einnimmt und den Mantra rezitiert,
24.58 wird gewiss vollendet, von großer Essenz und frei von Leidenschaft. Höre nun aufmerksam eine weitere Bedeutung der Leiche.
24.59 Man bringe sie vollständig ins Haus und bedecke sie mit einem Tigerfell. Dort vollziehe der Mantraübende die große Verehrung, trete ein und rezitiere.
24.60 Im Lotossitz auf ihr wird er rasch ein Yogi, ohne Zweifel.
24.61 Wer nach meiner Weisung diese Art Sitz rasch ausführt, die Sinne beherrscht und den Sinn der Yoga-Frucht kennt, wird als Mensch ein vollendeter Angehöriger der göttlichen Schar, Herr der Welten.
24.62 Mit Wurzel, Schwert, Stock, „paraḍi“, Säbel und anderem verbunden; […] Wesen, Schlangenkönig, Tiger: Man verehre den eben Verstorbenen [die Vorlage enthält ausdrücklich eine Lücke; die Todesarten sind nicht sicher zuzuordnen].
24.63 Wer im offenen Kampf gestorben ist, Herr, als Bhairava und Herr des Alkohols [Bezüge unsicher], dessen Leiche bringe man herbei und vollziehe Japa.
24.64 Darauf nehme man den Kaula- oder Lotossitz ein. Durch Rezitation der großen Vidya und des großen Mantras erlangt man das Linga.
24.65 All dies nehme man nicht an, wenn man das eigene Wohl wünscht: einen an schwerer Krankheit Verstorbenen, einen Aussätzigen, einen einer Frau Hörigen oder einen gefallenen Verstorbenen,
24.66 einen an Hungersnot Gestorbenen, einen Wahnsinnigen, jemanden mit nicht erkennbaren Geschlechtsmerkmalen, mit fehlenden Gliedmaßen, einen alten Erdenwanderer oder einen, der auf Flucht bedacht war.
24.67 Wer dagegen einen anderen Menschen absichtlich tötet und dann [auf dessen Leiche] rezitiert, wird selbst zum Fraß der Tiger; Tigergestaltige fressen solche Menschen.
24.68 Eine alte, verweste oder kranke Leiche, jemanden mit überzähligen Gliedmaßen und schlimmer Schuld, einen Brahmanen, „gomaya“ [hier unklar], einen Helden und einen Rechtschaffenen lasse der Verständige beiseite.
24.69 Auch eine Frau und einen Yogi ausschließend, vollziehe man die Vira-Sadhana. Dann wird der Mantraübende nach meiner Weisung vollendet, ohne Zweifel.
24.70 Man nehme einen jungen, schönen, tapferen, mantrakundigen und strahlenden [Verstorbenen]; durch die Rezitation wird man vollendet, anders nicht.
24.71 Im Herzenslotos einer Menschenleiche sammeln sich alle Siddhi-Familien. Dort gelingen sämtliche Haltungen, ohne Zweifel.
24.72 Eine weitere Art macht zum König der Yogis: Der Verständige bleibe auf dem weichen Sitz und weiteren Sitzen und halte den Atem.
24.73 Ich erkläre den weichen Sitz; höre meine Worte. Ein nicht herangewachsenes, totes Kind von sechs Monaten ist der höchste weiche Sitz [Altersbezug in der folgenden Passage schwankend].
24.74 Ich erkläre dessen Unterscheidung: eine aus dem Mutterleib abgegangene Leiche. Man lege sie auf ein Tigerfell und rezitiere dort sitzend.
24.75 Nach sechs und vor zehn Monaten: ein totes Kind mit schönem Gesicht, beginnend mit dem achten Schwangerschaftsmonat [Angaben nicht widerspruchsfrei].
24.76 Auf einem reinen Sitz von einer, zwei oder vier Ellen Ausdehnung nach allen Seiten vollziehe man Reinigung und anschließend Verehrung.
24.77 Bei vollendetem fünften Jahr sei der Übende selbst furchtlos. Wer ohne vollzogene Schnurzeremonie gestorben ist, heißt ein weicher Sitz [erster Altersbezug unklar].
24.78 Höre die Frucht des aus dem Mutterleib Abgegangenen, Herr: Durch ein Jahr Übung entstehen die acht Siddhis, beginnend mit Kleinwerden.
24.79 Auf dem Totensitz rezitiere der Mantraübende diese günstige Mahavidya. Bald entsteht seine Vollendung; darüber ist kein Zweifel anzustellen.
24.80 Höre eine weitere Bedeutung der Leiche und die Vollendung durch die Übung. Der Praktizierende wird König der Yogis und wohnt unter meinen Füßen.
24.81 Wer im vollendeten zehnten Lebensjahr an einem günstigen Tag stirbt, dessen Leiche bringe man an einem Samstag oder Dienstag herbei und richte sie für die Übung her.
24.82 Wer darauf im Heldensitz oder im gebundenen Lotossitz Bhadrakalika rezitiert, wird gewiss vollendet.
24.83 Nun erkläre ich die Frucht der inneren Haltung bei der Leichen-Sadhana und Weiterem, wenn man unvermutet eine vorgeschriebene Leiche findet.
24.84 Einen fünfzehnjährigen, schönen, im Kampf Gefallenen bringe man herbei und rezitiere nachts im Heldensitz die Vidya.
24.85 Rasch entsteht gute Vollendung, Khechari und Füllung mit Atem. Wer hier übt, erlangt Vollendung der Konzentrationskraft.
24.86 Ein Sechzehnjähriger bewirkt alle Siddhis der Menschen. Durch die Übung auf dieser vorzüglichen Leiche liegen Genuss und Befreiung in seiner Hand.
24.87 So der Reihe nach bis zu einem schönen, vortrefflichen Fünfzigjährigen: Wer ihn herbeibringt und übt, wird gewiss ein Yogi.
24.88 Man bringe eine Leiche aus dem Kampf und übe gesammelt. Durch die Übung auf einem im Kampf Gefallenen wird man Indra gleich, Herr.
24.89 Höre: Wenn jemand im offenen Kampf durch eine Hellebarde erschlagen wurde, bringe der Vira-Herr die Leiche herbei und rezitiere im Heldensitz.
24.90 Man lege diese Leiche zur Verehrung im eigenen Haus, im Göttertempel oder an einem abgeschiedenen Ort [Lesung unsicher] nieder und vollziehe Japa.
24.91 Man nehme darauf den Heldensitz, Yoni-Mudra-Sitz, Lotossitz oder eine entsprechende Haltung ein, halte den Atem und rezitiere.
24.92 Ein reiner, tugendhafter Brahmane wird so in einem Monat ein Yogi. Als Kenner des feinen Atemhaltens rezitiere er auf einer jugendlichen Leiche.
24.93 Welche Handlung ein Mensch zur Zeit der Leichen-Sadhana vollzieht: Durch ihre Verwirklichung wird er Yogi und unsterblich.
24.94 Anandabhairavi sprach: Die Zeitordnung und Weiteres sowie das Halten des feinen Atems kennend, wandle der übende Held als Prüfer des Vira-Ritus.
24.95 Höre in der Sprache geheimer Zeichen die höchste Bedeutung des Rituals an einer im Kampf gefallenen Leiche, Shiva, Indra, Mondbekrönter.
24.96 Die geeignete Leiche wird im vorgeschriebenen Raum eineinhalb Ellen unter der Erde aufgestellt, Herr, in Maya eingegangen [Schlussbezug unsicher].
24.97 Ich allein bin die Stütze der Welt, die Gute im Inneren aller Stützen, ohne Gemahl und von feiner Gestalt; ich trage alles Bewegliche und Unbewegliche.
24.98 Meinen verdienstvollen Übenden, der zu Dharma, Genuss, Lebensunterhalt und Befreiung geht, schütze ich stets als Trägerin und Sarasvati.
24.99 Allein durch das Fehlen dessen, Shambhu, dem Yoga Ergebener, bin ich durch die Hervorbringung des Samsara in dir versunken; du und ich sind dasselbe [Satzanfang unsicher].
24.100 In welcher Gesamtheit von Gegenständen du stets freudig weilst, dort bin auch ich fest und froh gegenwärtig, ohne Zweifel.
24.101 Warum erzeugst du diese Vorstellung? Deine Geliebte steht ewig fest an deiner linken Seite, frei von Begehren und Zorn.
24.102 Anandabhairava sprach: Welchen Nutzen hat dann die Übung mit Leichen und Weiterem, wenn der Asket vom Honig deiner erhabenen Lotosfüße berauscht ist?
24.103 Du in den drei Welten Verehrte, Furchtbare, Gestalt der Redegöttin, erkläre: Wie wird man allein durch Leichen-Sadhana zum Yogi?
24.104 Du mit einem Lotosgesicht, sanft lächelnd in der Schönheit des Freudenessenz, der Yogi verehrt um des Yoga willen. Sage, wodurch diese Frucht entsteht.
24.105 Anandabhairavi sprach: Auch wenn du, Shankara, mein Ergebener bist und meiner Rezitation hingegeben, ist dennoch mit leichengleicher Haltung, selbst wie eine Leiche, die Leichen-Sadhana
24.106 bei Nacht zu vollziehen, niemals am Tag. Wer auf der Leiche fest geworden ist, ist mein Ergebener, ohne Zweifel.
24.107 Die Leichengestalt ist mein Gegenstand und Grundlage meiner Zufriedenheit. Der Held, der zum Befolgen meiner Weisung geeignet ist, vollziehe den Leichensitz.
24.108 Wenn ich dorthin komme, wird er unmittelbar Shiva. Durch restloses Loslassen allein entsteht das Leichensein, die Auflösung des Leibes.
24.109 Wer die Fülle seiner inneren Haltung in mich legt, die in den drei Welten verehrte Göttin, Maheshvara, der ist Shiva und nehme Zuflucht zur Leiche.
24.110 Den befähigten Ergebenen schütze ich von hinten, Herr der Liebenden; daran ist auf Erden kein Zweifel.
24.111 Wenn ich den Leib verlasse, um die gebundenen Wesen sterben zu lassen, sind sie alle tot. Durch welche Ursache sollten sie noch leben?
24.112 Wer diese große Opfergabe, die vorzügliche, im Kampf gefallene Leiche, herbeibringt und übt, ist fest und zu guter Hingabe an mich gelangt.
24.113 Wer stets zornig ist, ist grausam, ohne Zweifel. Wie könnte er in der Vira-Nacht aufgewühlt auf einer Leiche üben?
24.114 Wessen Geist von Furcht erschüttert ist, der ist zornig, ohne Zweifel. Keine Schuld gleicht dem Zorn; durch Schuld wird man auf der Leiche verwirrt.
24.115 Der schuldlose Ergebene, von Siddha-Gestalt, ohne äußere Stütze, unterscheidend, in Meditation gegründet und fest, vollziehe die Leichen-Sadhana.
24.116 Solange der Sinnesbeherrschte keinen festen Geist erlangt hat, soll er die Sadhana auf einer vorzüglichen Leiche nicht vollziehen.
24.117 Man bringe die Leiche an dessen Eingang, grabe dort und übe von jenem Tag bis zu dem betreffenden Tag, gebunden und alles durchdringend [genaue Zeit- und Handlungsangaben beschädigt].
24.118 Danach vollziehe man, Opferspeise essend, mit beherrschten Sinnen und Freude die Sadhana der Mahavidya und Weiteren, zusammen mit der Übung der acht Glieder.
24.119 Dies ist die Frucht der acht Glieder; durch ihr Vollziehen erhält man Anteil an Siddhi, durchdringt Nadis und Mudras und gewinnt die Frucht des Kula-Ritus.
24.120 Allein durch die Übung der acht Glieder erlangt man auf Erden Siddha-Gestalt. Danach geht man in einen anderen Himmel; ohne die Erdenwelt geschieht es nicht.
24.121 Zuerst entsteht die Vollendung der Erde, dann hat man Anteil an der Vollendung der Bhuvar-Welt, wird Herr der Siddhi der Jana-Welt und hat Anteil an der Siddhi der Tapo-Welt.
24.122 Danach wird der Übende Herr der Vollendung der Satya-Welt. So entsteht schrittweise die Vollendung der Himmel und Weiteren, Maheshvara.
24.123 Zur Übung der acht Glieder werden Götter auf Erden geboren. Nachdem sie hier Vollendung gewonnen haben, gehen sie in Brahmas Haus.
24.124 So lösen sie sich der Reihe nach auf. Darum gibt es die Übung auf Erden: Hier nehme man auf einer Leiche Platz, tagsüber keusch und rein.
24.125 Nachts [übe man] mit den fünf Tattvas, tagsüber die acht Glieder. Der Mensch sei sinnbeherrscht, unverändert, vermögend und keinem anderen zugewandt [letztes Wort mehrdeutig].
24.126 Der Standhafte vollziehe die Leichen-Sadhana frei von Sorgen und Trägheit. Aus Sorgen entsteht Gier, aus Gier erwächst Begehren.
24.127 Aus Begehren entsteht Verblendung, aus Verblendung eine Ansammlung von Trägheit; durch das Netz ihrer Fehler entsteht augenblicklich Schlaf.
24.128 Aus der Reifung großen Schlafes entsteht gewiss Tod. Durch Störung unzureichenden Schlafes entsteht gewiss Zorn [erster Bestandteil unklar].
24.129 Aus diesem Zorn wird der Geist verstört, aus Verstörung wächst der Atem. Vergeblich schwindet die Lebensdauer bei Ausdehnung und Verringerung des Atems [Schlussfügung unsicher].
24.130 Kraft und Einsicht schwinden; ohne Einsicht wird man stumpf. Durch Stumpfheit unterlässt der Mensch die Rezitation der Mantras.
24.131 Fehlt Japa, geht der Atem zugrunde; geht der Atem zugrunde, schwindet der Leib. Darum stütze man sich auf den Leib und sei rein und in Japa gefestigt.
24.132 Allein durch das Bewahren der acht Glieder wird man vollendet, anders nicht. Ich erkläre deren Kennzeichen, das unmittelbar höchste Vollendung bewirkt.
24.133 Ein Mensch übt sie als Frucht von Tausenden Millionen Geburten. Durch Yama erlangt man Erkenntnis, durch Erkenntnis wird man Herr des Kula.
24.134 Der Herr des Yoga ist Herr des Kula, makellos in kindlicher Haltung. Durch Niyama entsteht Verehrung, durch Verehrung erlangt man Shiva.
24.135 Wo Heil ganz erfüllt ist, heißt der Erfüllte rein. Durch Asana wird man langlebig, frei von Krankheit und Kummer.
24.136 Allein durch das Durchdringen der Knoten wird der Übende kühl. Durch Pranayama wird man rein und durch Beherrschung des Lebensatems
24.137 selbstbeherrscht, Götterherr; man geht auch im sich selbst erfreuenden Selbst auf. Durch Pratyahara nehme man den beweglichen, Begierden liebenden Geist zurück
24.138 und verankere ihn zur Vernichtung jener Begierden an den Lotosfüßen. Durch Dharana entsteht Atemvollendung, danach die achtfache Siddhi.
24.139 Durch den atomfeinen Atem erlangt man die Siddhi des Kleinwerdens. Durch Meditation gewinnt man Befreiung, durch Befreiung Freude.
24.140 Durch Freude wächst Wonne; Wonne ist Brahmans Gestalt. Durch Samadhi wird man großer Wissender und [erkennt] den Gang von Sonne und Mond.
24.141 Im großen leeren Raum, am Auflösungsort, liegt das Freudenmeer der erhabenen Füße. Auf seine Wellen richte man den Geist, makellos im höchsten Sinn.
24.142 Man forme die Gestalt der erhabenen Füße und meditiere sie wie Millionen Sonnen und Monde: die herrliche Gestalt, Millionen Blitze, strahlend und makellos.
24.143 Der Yogi meditiere sie im Sahasrara als Haus von Millionen Sonnen und Monden.
24.144 Mit festem Geist meditiere man im feinen Samadhi Shri Vidya, die überaus Schöne, Herrin der Freudenfülle der drei Welten, im Glanz von Millionen mal zehntausend Sonnen, Freude bereitend, den Yoga achtend, Shankari; diese Girlande, fest und beweglich, von Guru-Dichte, unbewegliche Schlange [Ausdrücke mehrdeutig], die Eine. So gelangt man mit dem Herrn Shri [zum Ziel; Satzende unvollständig].
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Bestimmung des Bhava, in der Pashu-Ordnung, bei den wesentlichen Zeichen der sechs Chakras, im Abschnitt über Yoga-Wissen und die Mittel der Shakti zur Mantravollendung, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 24.
Kapitel 25: Brahman-Erkenntnis, Lebensführung und Pranayama
25.1 Anandabhairava sprach: Erkläre mir, Geliebte, aufmerksam auf die Wirklichkeit gerichtet, das Geheimnis, durch dessen Kenntnis der große Yogi in den Feuerlotos eintritt.
25.2 Wenn dein liebevoller Blick auf mich fällt, erkläre mir, dem Yogi, die Bestimmung Brahmans, die Essenz des Yoga, den makellosen Weg der Wirklichkeit.
25.3 Anandabhairavi sprach: Höre, Herr meines Lebens, Herr der Yogis, Lehrer des Handelns: Ich erkläre das den Yogis liebe Yoga-Glied, die Bestimmung der Wirklichkeit Brahmans.
25.4 Die Art dieser Schöpfung, die Vorschrift ihrer Erhaltung und die Auflösung unzähliger Schöpfungen werde ich erklären. Höre die Wahrheit.
25.5 Du allein vollziehst die Auflösung, geliebter Segensspender, Shankara, der Vorzüglichste dieser Dreiheit. Die Auflösung vernichtet die unreine Erscheinung; das erste und wichtigste ist die Erhaltung der Welt [Satzfügung unsicher].
25.6 Dort liegt unten das Glied der Schlange am Meru; die Art der Schöpfung steht in der Mitte. Ihre Erhaltung und die Auflösung bestehen in meinem Herrschaftsbereich, entsprechend den Gunas der Natur [mehrere Bezüge unklar].
25.7 Diese Dreiheit, Herr, verursacht Furcht und anderes. Zu deren Vernichtung vergegenwärtige der Übende den aus Gunas bestehenden Pranava, die Dreiheit jenseits der Gunas, die unendliche unvergängliche Silbe. So wird er hier Yogi.
25.8 Aus dem ungeoffenbarten Pranava entsteht die Schöpfung; darin geht die Gesamtheit der offenbaren Leiber auf. Aus dem feinen ursprünglichen a erscheinen sie stets im Raum; aus dem silbenlosen groben Kraftanteil erfolgt Untergang [letzter Zusammenhang unsicher].
25.9 Überaus wunderbar und vielfältig ist das ewige Geschehen der Welten; es lässt sich nicht vollständig erzählen. Die im Werden wohnenden Menschen stützen sich auf Hamsa, erkennen jedoch das im Leib Befindliche nicht und nehmen dort keine Zuflucht [Wortfügung unsicher].
25.10 Der Herr des Leibes, der ursprüngliche Gott des Pranava, ist diese Zeit, die in Maya ruht und schläft. Wenn sie sich auf dem langen Weg der Zeit auflöst, gehen die in der Welt wohnenden Menschen zugrunde.
25.11 Die Zeit verschlingt die Welt und trägt die Gestalt des Herrn; das Boot ist alt, ohne Gebieter und elend. Eben dieser Tod verzehrt das ihm bestimmte Bewegliche und Unbewegliche, des Glücks beraubt und fliehend.
25.12 Durch das Fünf-Mond-Tattva ist Mahendras Schöpfung zur Ordnung des Opfers gegründet [technischer Ausdruck unklar]. Im Meer des Werdens vollzieht er stets Opfer, zur Zeit des Hervorbringens die vorzügliche Opferübung.
25.13 Die Menschen sehen in diesem großen Meer Günstiges, Ungünstiges und Furcht. Stets von Angst erschüttert, treten sie in den Kreis schlechter Wege ein und werden ohne Einsicht Bewohner großer Höllen.
25.14 Im Maya-erfüllten Werden, dem Feuer der Dharma-Familie, versinkt derjenige, der Haris Weg folgt [Bezug unsicher]. Er stirbt durch einen Tod wie das Feuer der Zeit. Wie sollte er dann Yogi oder Übender sein?
25.15 Ein Übender mit guter Hingabe an die Kraft der Liebe wäre töricht, wenn er wieder in den Samsara geriete. Frei vom Samsara und der schönen Kali lieb, werde er ein Siddha, ein Weltherrscher, der Wünsche erfüllt.
25.16 Der Siddha wohne nicht in der häuslichen Fülle einer Frau, die durch große Gefahr und Leid auszehrt. Wenn er hier in der Zeit Verlangen hervorbringt, ist sein Tod ganz gewiss.
25.17 Wenn, Herr, mein Lotosgesicht gnädig zu schauen ist: Der Mensch, der stets bei den Guten Zuflucht nimmt, meditiert das tief Verborgene, überaus beglückt und mit stockender Stimme [Wortlaut am Ende beschädigt].
25.18 Er ist ein Guter, gestützt auf die Eigenschaften der Natur, tatkräftig, selbstbeherrscht und Verkünder von Veda und Purana. Sattva und Mahakala bin ich: Diese Gewissheit habe ich dir zu deinem Heil erklärt.
25.19 Höre durch die Unterscheidung der acht Glieder die unmittelbare Frucht der hervorragenden Ergebenen, die Verbindung von Yoga und Japa. Ich erkläre sie für Begehren und Liebe, für Bhava und Sieg [Worttrennung unsicher].
25.20 Wer zuerst Maya und Weiteres beherrscht, ist ein in den Welten gefestigter Yogi. Höre die Sonnenordnung unter der Ausrichtung auf Yama, allein um die Zeit zu beherrschen [Satzfügung unsicher].
25.21 Wer Yama ausübt, vermag zu siegen, nachdem er überall Begehren und Weiteres rasch bezwungen hat: Begierde, Zorn, heftige Gier, Verblendung, Überheblichkeit, Neid und schlimmes Tun.
25.22 Daher werden die zwölf, welche den Klang erschlagen [Lesung unklar], unterworfen; der Yogi wird Indra gleich und wirkt überall zur Beherrschung des Atems. Andernfalls bleibt er beweglich und unbeständig.
25.23 Wie Vasishtha übe er Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit in guten, freundlichen Worten und Nichtstehlen; außerdem gute Keuschheit, feste Aufrichtigkeit, Geduld und Standhaftigkeit im Dienst am sehr feinen Atem.
25.24 Ebenso mäßiges Essen, einen zweifelsfreien Geist, Reinheit und Verzicht auf weltliche Gegenstände, Herr. Wer dies tut, ist ein Herrscher unter den Übenden und meidet stets Unwissenheit bei Musikfesten [Schlussausdruck unsicher].
25.25 Als Selbstbeherrschter übt er mit den zwölf Yamas zur Frucht der acht Glieder. Die schönen erhabenen Lotosfüße, vom Sattva-Zustand verhüllt, im Gesichtskreis des Dreiäugigen [der zweite Halbvers bleibt syntaktisch unvollständig].
25.26 Askese, Zufriedenheit und beständige Festigkeit des Geistes, gläubiges Vertrauen, Gaben an Zweimalgeborene und ihre Ehrung, intensive Gottesverehrung mit Hingabe, reines Hören der maßgeblichen Lehre, Schamhaftigkeit und Einsicht,
25.27 Japa, Feueropfer, Sättigungsopfer, Dienst, die Vergegenwärtigung dessen und beständige Bemühung: Diese heißen in der Schrift die vierzehn Niyamas, Kennzeichen heilvollen Handelns aus Hingabe [Abgrenzung der vierzehn Glieder nicht eindeutig].
25.28 Man vollziehe rasch die zuvor erklärte Yoni-Haltung, die Froschhaltung, den gebundenen großen Lotossitz, den Heldensitz und den günstigen Bhadra-Sitz, eben die früher genannten Haltungen.
25.29 Alle feinen Tantras habe ich geschaffen, Herr, doch sie reichen allein nicht zur Beherrschung. Wenn ein Tor trotz Atemtrinkens als Schuldiger in der Yoni umherirrt [der Satz bleibt offen],
25.30 heißt der von der Freude des Lebensatems Berauschte, der wie ein Elefantenherr schreitet, der höchste Mensch. Wer im Dienst an ihm kundig ist, wird selbstbeherrscht; jener Starke schützt die Welt des Welteneies.
25.31 Ich sage dir, Herr der Götter: Man halte den feinen Atem durch die Macht des Prana. So wird der Herrscher unter den Übenden vollendet und sieht den Herrn im Inneren aller Wesen.
25.32 Anandabhairava sprach: Erkläre, Geliebte, die große Brahman-Erkenntnis, die überall schön ist. Durch sie beherrscht man den Atem und wird Himmelswanderer und Herr der Erdenträger.
25.33 Durch die Gnade der Brahman-Erkenntnis nehme der Übende Brahmans Gestalt an. Wo gibt es eine höhere Erkenntnis? Sage es, Schöne.
25.34 Anandabhairavi sprach: Höre, Herr der Yogis, Dharma-Kenner, Brahman Genannter, die makellose Brahman-Sadhana gegen die Finsternis und Verblendung des Unwissens.
25.35 Kein anderer Dharma gilt als der Brahman-Erkenntnis gleich. Wer die Brahman-Erkenntnis als Dharma lebt, ist vollendet, ohne Zweifel.
25.36 Was nützen die Verheiratung von Millionen Töchtern und Millionen Rezitationen? Kein anderer Dharma gilt als der Brahman-Erkenntnis gleich.
25.37 Was nützen tausend Teiche, Millionen goldene Berge, die Speisung von Millionen Brahmanen und Millionen Pilgerstätten?
25.38 Wenn sie von Übenden am großen heiligen Sitz Kamarupa erlangt wird: Kein anderer Dharma gilt als der Brahman-Erkenntnis gleich.
25.39 Brahman-Erkenntnis ist zweifach: die unvergängliche, aus Pranayama entstandene, und das Wort der Hingabe, die Essenz des Klangs, die eigene Gestalt und der Weg Brahmans.
25.40 Pranayama ist zweifach: mit Inhalt und ohne Inhalt. Mit Japa und Meditation heißt es sagarbha; die folgende Bestimmung von nirgarbha ist in der Vorlage widersprüchlich [wörtlich: „dann verbunden“].
25.41 Das mit dem Kennzeichen des Unvergänglichen erfüllte Pranayama ist höher als das Höchste. Der sinnbeherrschte Übende erkennt es durch Brahman-Erkenntnis.
25.42 Diese beiden Verfahren, Herr, betreffen den Umlauf der Kette und die Japa-Reihenfolge: zwölf beim Kettenumlauf, sechzehn bei der Japa-Reihenfolge.
25.43 An der Nase bestehen drei unübertreffliche Kennzeichen, Mahadeva: Einatmen, Atemanhalten und Ausatmen, die drei Gottheiten.
25.44 An ihren Sitzen stehen Brahma, Vishnu und Shiva als hervorgebrachte Wesen. Sie gelangen zum Zusammenfluss der drei Ströme und beseitigen alle Schuld.
25.45 Ida ist Bharati und Ganga, Pingala gilt als Yamuna. Zwischen Ida und Pingala liegt Sushumna, die Sarasvati.
25.46 Wo die drei Ströme zusammenfließen, liegt der König der heiligen Badeorte. Dort bewege der Held sie immer wieder.
25.47 So wird er von aller Schuld frei und vollendet, anders nicht: indem er am großen makellosen heiligen Ort immer wieder
25.48 Mahadeva in Atemgestalt kreisen lässt. So wird er vollendet, anders nicht. In der gewaltig leuchtenden Feuergestalt zwischen der Mond- und Sonnennatur
25.49 meditiere der Selbstbeherrschte den Strahl Kundalis, Millionen Sonnenstrahlen gleich [Variante]. Die dreifache Atembewegung hat höchste, niedrigste und mittlere Stufen.
25.50 Wohin der Atem auch gelangt, dort besteht jeweils die Dreiheit: Die Göttin Ida heißt Mond, Pingala Sonne.
25.51 Sushumna ist die vorzüglichste Mutter, fein wie ein Lotosfaden. In ihrer Mitte liegt die günstige Nadi namens Vajra.
25.52 Darin liegt die feine Chitrini; darin verläuft Kundalis Weg. Durch diese Nadi erfasse man die sechs wunderschönen Lotusse.
25.53 Die durch Meditation zugängliche höchste Erkenntnis, sechs Pfeile und mit Shakti verbunden [Satzglied unklar]: Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva,
25.54 danach Parashiva, Herr, heißen die sechs Shivas. Dakini, Rakini, Shakti, Lakini und Kakini,
25.55 Shakini sind die Shaktis in den sechs Lotussen, mit den sechs Shivas verbunden [Hakini wird in dieser Reihe nicht ausdrücklich genannt]. Muladhara, Svadhishthana, der schöne Lotos Manipura,
25.56 Anahata, Vishuddha und der große Lotos Ajna sind die Chakras. Im Inneren des Ajna und Weiteren meditiere man den Mond mit kühlem Glanz,
25.57 der in den Wurzellotos herabfällt, als Einatemstrom. Die Zeit, während der Festigkeit besteht, heißt Kumbhaka.
25.58 Den durch Pingala gehenden Ausatem bringe man unter seine Gewalt. Der Selbstbeherrschte halte mit einem Daumenglied das rechte Nasenloch zu
25.59 und vollziehe sechzehn Wiederholungen des Pranava. Nach diesem Einatmen führe er das wunderbare Atemanhalten aus.
25.60 Mit vierundsechzig Pranava-Wiederholungen vollziehe man Japa und Meditation. Nach dem Atemanhalten, Herr, lasse der Kundige ausatmen,
25.61 mit zweiunddreißig Wiederholungen des Wurzelmantras oder Pranava. Das Verschließen beider Nasenlöcher ist das alle Siddhis gewährende Kumbhaka.
25.62 Links verschließe man mit kleinem Finger und Ringfinger, rechts mit dem Daumen. Dann fülle der Kundige durch das rechte Nasenloch Atem ein.
25.63 Mit sechzehn Mantrawiederholungen atme man ein und halte dann wie zuvor an. Darauf atme man links mit zweiunddreißig Pranava-Wiederholungen aus.
25.64 Wieder fülle man links mit sechzehn Pranava-Wiederholungen; dann wiederum am rechten Nasenloch im Maß von zwölf Fingerbreiten
25.65 halte man an und atme aus, überall wie zuvor, Herr. Drei solche Pranayamas bilden ein einziges höchstes Pranayama.
25.66 Zweifache Ausführung heißt mittlere; auch einfache heißt mittlere [so die widersprüchliche Vorlage]. Dreimal täglich übe man sorgfältig zur Vollendung unendlicher Frucht.
25.67 Wer morgens, mittags und abends geregelt und rein das mit Japa und Meditation verbundene Sagarbha vollzieht [die Vorlage bietet auch „davon frei“],
25.68 erlangt in einem Monat gute Kennzeichen und lebt in sechs Monaten vom Atem. Zur Yoga-Vollendung lege man die Zungenspitze an die Gaumenwurzel.
25.69 Durch sechzehn Pranayamas zu den drei Tageszeiten erlangt man Vollendung. Der beständig Übende wird selbstbeherrscht und bringt den Atem hervor.
25.70 Innerhalb von sechs Monaten entsteht Vollendung: Dies ist die Bestimmung des Yoga-Sinns. Durch Yoga wird alles erlangt; von Yoga hängt diese Welt ab.
25.71 Darum übe man den höchsten Yoga. Wer Yogi ist, ist glücklich. Ohne Yoga wird selbst bei einem Siddha die höchste Göttin Kundali nicht verwirklicht.
25.72 Darum übe man stets Yoga, um die Füße Ishvaris zu schauen. Durch Verbindung mit Yoga entsteht Befreiung: Dies ist die Bestimmung des Yoga-Sinns.
25.73 Auch wer Mantravollendung wünscht, übe stets Yoga. Ich erkläre den Umlauf nach Zeitmaßen und ebenso den Krähenschnabel.
25.74 Dies ist das Aufnehmen feinen Atems und die Bewegung des Mondkreises. Die dreifache Wiederholung ist vielfältig; innerhalb ihrer gelten drei als die höchsten [Zuordnung unklar].
25.75 Ein Buchstabe mit „sacanda“ [beschädigte Bezeichnung], der Wurzelmantra oder ein dreisilbiger Mantra: In der jeweiligen Haltung zwischen Knie und Unterschenkel stehend,
25.76 lasse man die Wurzel der linken Handfläche in zwölf Schritten kreisen. In dieser Zwölferfolge vollziehe man Pranayama wie zuvor.
25.77 Gemäß der Zeitmaßfolge vollziehe man achttausend Japas. Mit jeweils zwölf beziehungsweise einzelnen Pranayamas ergeben sich diese achttausend [Rechnung nicht eindeutig]. Durch ihre Ausführung wird man in einem Monat schuldlos und „Herr der Siddhis“ genannt.
25.78 Man übe sorgfältig zu den drei Dämmerungszeiten. So wird man makelloser Brahman-Kenner, ohne Zweifel; der beständig Übende ist König der Yogis.
25.79 Durch Yoga-Übung wird man befreit, durch Yoga-Übung Herr des Kula; durch Yoga-Übung wird man Entsagender, Brahman-Kenner und frei von Krankheit.
25.80 Durch beständige Übung wird man Yogi, Bezwinger der Feinde und frei von Schuld, in der Vidya der Vorschrift immer wieder [Schluss beschädigt].
25.81 Man forme einen Krähenschnabel und trinke Tag und Nacht Atem. Durch die Ordnung des feinen Atems wird man vollendet, König der Yogis.
25.82 Im gebundenen Lotossitz, die Yogi-Mudra vergegenwärtigend, fülle man durch die Krähenschnabelöffnung Atem in die Wurzel.
25.83 Die Wurzel zusammenziehend, erwecke man bei diesem schönen Pranayama überall Kundalini, die Bewusste, von der Gestalt des Bewusstseins.
25.84 Ober- und Unterlippe seien wie ein Krähenschnabel, die Zähne fest aufeinandergelegt. Wenn der Yogi so verehrt, strecke er die Zunge nicht heraus.
25.85 Der Verständige berühre das Paar der vorderen Zähne nicht mit der Zunge, Herr. Er forme den Krähenschnabel und bleibe gebunden im Heldensitz.
25.86 Am Gaumen und an der Zungenwurzel lege man die andere Zunge an [möglicherweise das Gaumenzäpfchen; Wortlaut unklar]. Den dort entstandenen Nektarsaft trinke man durch den Krähenschnabel.
25.87 Der Yogi, der durch diese Öffnung den feinen Atem einführt und anhält, wird gewiss unsterblich.
25.88 Durch die Gnade dieses Yoga ist der Übende schon zu Lebzeiten befreit; augenblicklich wird er frei von Alter, Krankheit und großer Bedrängnis.
25.89 Oder man übe nach Zeitmaßen und umschließe den eigenen Mantra oder Pranava mit den sechzehn Vokalen. Durch seine Rezitation wird der Mensch Yogi.
25.90 Oder man umschließe den Wurzelmantra mit der Buchstabenkette und rezitiere nach ihrer Zahlenfolge; so bringt man die Zeit unter seine Gewalt.
25.91 Zur reichen Erfüllung der Wünsche spreche man die Buchstaben nicht mit dem Mund aus. Allein mit der Zunge rezitiere man zur Erfüllung des Begehrten.
25.92 Im Nabel ist die Sonne feuerförmig, an der Stirn der Mond. Durch die Berührung der Feuerflamme schmilzt der Mondkreis.
25.93 Durch die Ströme dieses höchsten Nektars erlangt die Sonne Glanz. Zufriedengestellt schützt sie stets die Yogis durch das Einatmen.
25.94 Durch die Verbindung mit dem Einatmen lasse der Verständige Nektar fließen. Durch das Ausatmen als vortreffliches Feuer lasse er das Feuer lodern.
25.95 Dann vollziehe man schweigendes Japa und betrachte freudig den feinen Atem. Den Guru im Sahasrara meditierend wird der innerlich Vergegenwärtigende Yogi.
25.96 Solange der Lebensatem feststeht, woher sollte Todesfurcht kommen? Solange der Samen aufwärts gerichtet ist, woher sollte Furcht vor der Zeit kommen?
25.97 Solange der mondgestaltige, ganz reine Bindu im Leib feststeht, vom stets fließenden Nektar durchdrungen, woher sollte Todesfurcht kommen?
25.98 Anandabhairava sprach: Sprich, Geliebte, Genießerin des Kula-Freudenessenz, Erkenntnisgestaltige: Durch welchen Gott an der Spitze allen Glanzes wird ein Mensch vollendet?
25.99 Wie ist die große Unsterbliche, Khechari, die Gestalt aller Tattvas? Wie ist Shankaris Vidya? Ich möchte ihr Verfahren hören.
25.100 Wie ist die Herrin des Yoga der Selbsterkenntnis, wie ihre Beschaffenheit? Wie ist die höchste Göttin? Erkläre mir ihre Ordnung.
25.101 Anandabhairavi sprach: Bei wem, Herr, der Geist im makellosen großen Sattva feststeht, wo Betrachtung aus Hingabe ohne äußere Stütze besteht,
25.102 bei wem Geist, Bewusstsein und eigene Sinne beherrscht sind, der Blick fest an den Füßen der Weltherrin ruht, ohne nach dem Glanz von Raum und Mond zu schauen, und der Atem ohne Anhalten feststeht [einzelne Verbindungen unsicher],
25.103 bei solchen bewegt sich die Khechari-Mudra; frei von Schuld trinken sie Atem. Wie die Umhüllung eines Kindes [unsicher] gelangen sie ohne Schlaf in Schlaf.
25.104 Die ohne Unterscheidung von Weg und Nichtweg sind, deren Geist Dharma, Lebensunterhalt und Begehren hinter sich gelassen hat, ohne Stütze, Weltherr: Bei ihnen bewegt sich eben diese Shankari-Mudra.
25.105 In der Erkenntnis versteht sie den Sinn der inneren Wissenschaft und den Herrn des Kula, Shiva als Selbst im Ajna-Lotos, durch wahre Vidya [Anfang des Verses unsicher].
25.106 Allein durch Selbsterkenntnis ist der Yogi vollendet, ohne Zweifel. Wer die sechs Chakras durchdringt, wird Kenner des inneren Selbst genannt.
25.107 Wer im „Sechsmeer“ [Bild der sechs Zentren] das Zeichen der inneren Lehre kennt, Shiva vom Selbst geschmückt, von der Gestalt von Millionen Monden, Frieden,
25.108 der ist Wissender, Yogi und Gott Maheshvara. Er kennt mich, Geliebter; daran ist nichts Verwunderliches, Shankara.
25.109 Wer meine alles umfassende Gestalt als die Welt des Unbeweglichen und Beweglichen erkennt, in Schöpfung, Erhaltung und Auflösung gegenwärtig, ist König der Yogis.
25.110 Um die innere Wissenschaft zu vermitteln, wurden vielfältige Schriften offenbart. Wie könnten Menschen, die an diesem Netz von Schriften hängen, Kenner des Selbst sein?
25.111 Sei einer ein Dreistabträger, stets ergeben, dem Veda-Studium zugetan und tatkräftig: Wenn er die aus dem Veda entstandenen Lehrschriften zurücklässt und mich betrachtet,
25.112 nachdem er den Veda studiert und die Bedeutungen vielfältiger Schriften bestimmt hat, soll der Asket die daraus hervortretende große Shakti schauen und verehren.
25.113 Der Asket verehre mich als alles durchdringende Shakti, von beliebiger Gestalt, ohne Stütze, offenbar und ungeoffenbart, von fester Stätte, als Atemkraft.
25.114 Ihre Freude ist unvergleichlich; die Erkenntnis ihrer Frucht und Nichtfrucht [Satzfügung unklar]. Die sichere Erkenntnis der Yogis ist eine einzige, ohne Zweifel.
25.115 Allein durch ihre Macht wendet sich der Mensch der Betrachtung der Wirklichkeit zu. Eben diese höchste Göttin, Kundali unter den Schlangenkönigen,
25.116 eben diese feingestaltige, fest gesinnte Atem-Shakti, die Freude kostende Gauri, meditiere man als im Atem wohnend.
25.117 Freude ist Brahmans Gestalt, im Leib der Wirklichkeit gegründet. Die Substanz, die sie offenbar macht, wird von Yogis getrunken.
25.118 Die in dieser Substanz gegenwärtige große Göttin, glänzend wie ein blaues Lotosblatt, die menschlich gestaltete höchste Göttin mit achtzehn Armen,
25.119 Kundali, den Glanz des Bewusstseins, die Bewusste, die höchste Gottheit, die ewige Anandabhairavi, schrecklich lachend und furchterregend,
25.120 eben diese höchste Göttin, die alle Atemkräfte beherrscht, aus dem Weinmeer geboren, berauscht, wild, Segen und Furchtlosigkeit gewährend,
25.121 die Yogini, Mutter des Yoga, den Wissenden einer Bezauberin gleich, die Gestalt des Bestandes aller Wesen und aller Seiten, gewaltig leuchtend,
25.122 die Durchdringerin der sechs Chakras, ihre Vollendung, die Ewige, in der Einsicht gegründet, makellos und rein: Nach dieser Meditation verehre der Yogi sie im Wurzellotos.
25.123 Durch Rezitation dieses Kapitels wird man frei von Schuld und zum Lichtspender. Mit aufwärts gerichtetem Samen, als Dharma-Kenner, wandle man zur Erkenntnisvollendung.
25.124 Durch das Erschauen dieses Verfahrens wird der Übende wissend. Allein aus Erkenntnis entsteht Befreiung; Befreiung wird durch Samadhi verwirklicht.
25.125 Was Atem und Konzentrationskraft emporheben: Diesen Mantra steigere man und übe Pranayama [Bezug unsicher].
25.126 Nichts ist höher als Pranayama zur Vernichtung der Schuldmassen. Wenn alle Schuld geschwunden ist, was sollte auf Erden nicht gelingen?
25.127 Der Yogi bezwingt durch Pranayama den sehr heftigen, höchsten Lebensatem voller großen Glanzes wie einen wilden Elefanten.
25.128 Wo könnte ein Mensch ohne Pranayama vollendet werden, Herr? Das höchste Pranayama gilt als Essenz aller Handlungen zur Vollendung.
25.129 Wer immer wieder Pranayama am Zusammenfluss der drei Ströme ausführt, dem gedeihen die acht Glieder; unter Yogis wird er dem Yoga lieb.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Bestimmung des Bhava, in der Pashu-Ordnung, bei den wesentlichen Zeichen der sechs Chakras, im Abschnitt über vollendete Mantras, in der Entfaltung des Pranayama, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 25.
Kapitel 26: Kundalini-Meditation und die innere Verehrung
26.1 Anandabhairavi sprach: Höre, Herr meines Lebens, die vollständige Bestimmung des Pranayama. Ich erkläre darin Japa und Meditation, mit der Wirklichkeit verbunden.
26.2 Ich will diese im Pranayama leuchtende Entfaltung hervorbringen. Die Gottheiten Brahma, Vishnu und Isha stehen im Innersten der Mitte.
26.3 Wer Rajas und Tamas sorgfältig in Sattva gründet, Herr, Begehren, Zorn und Weiteres aufgibt, wird als Yogakenner ein Yogi.
26.4 Bei Königen überwiegt Rajas, bei den gebundenen Wesen stark Tamas; bei den Guten dagegen Sattva.
26.5 Man nehme Zuflucht zum makellosen, zweiheitsfreien Sattva, zu Vishnu in Veda-Gestalt, Gegenstand der Selbsterkenntnis und Wurzel der drei Gestalten.
26.6 Allein durch Zuflucht zum Sattva-Guna wird man schuldlos und erlangt alle Siddhis. Durch das Keuschheitsgelübde werden die Sinne rasch beherrscht.
26.7 Durch Beherrschung des Lebensatems werden auch Bewegliches und Unbewegliches beherrscht. Eben darum, Herr, vollziehe man Japa und Meditation.
26.8 Ich erkläre die beiden Verfahren, Japa und Meditation. Allein durch ihre Ausführung wird man Yogi, ohne Zweifel.
26.9 Japa wird dreifach genannt: offenbar, nicht offenbar und äußerst fein. Lautes Japa ist offenbar, murmelndes nicht offenbar, geistiges ist fein.
26.10 Darin erkläre ich einundzwanzig Arten der Meditation. Durch Meditation wird Japa vollendet; durch Japa entsteht Vollendung, ohne Zweifel.
26.11 Zuerst erkläre ich die Meditation über die große Göttin der Vidya, Shankara. Diese Göttin ist Kundalini; in ihrem Wurzellotos ruht der Geist.
26.12 Der Geist vollzieht stets alle Dharma-Handlungen. Wohin dieser Glückerfüllte geht, dorthin geht auch der Atem.
26.13 Darum führe man den atemgestaltigen Geist zur Wurzel und beachte außen an der Nasenspitze das Maß von zwölf Fingerbreiten.
26.14 Man bilde die im Geist ruhende Gestalt und vergegenwärtige immer wieder dessen Wesen. Der Geist wird dem ähnlich, wohin er sich beständig bewegt.
26.15 Es ist allein eine Gestalt der Veränderung des Geistes, ohne Zweifel. Für Unwissende, Götterherr, besteht die Vorstellung einer Gestalt Brahmans.
26.16 Brahmans Gestalt ist ungeoffenbart und doch im Leib gegenwärtig. Der Asket verehre das von Dharma-Handlungen Freie, dem Geist Zugängliche.
26.17 An der Wurzel liegt ein schöner goldfarbener vierblättriger Lotos. In der Mitte seines Fruchtbodens verehre man die das selbstentstandene Linga Umschlingende.
26.18 Man verehre Kundali, strahlend wie Millionen Sonnen, durch die Öffnung der Sushumna aufsteigend, geschmückt mit dem von oben fließenden Nektarstrom.
26.19 Man verehre das höchste selbstentstandene Linga als lange wachsende Erkenntnis, den feiner als feinen Raum, mit Kundali verbunden.
26.20 Die zuvor im Yoga-Kapitel erklärte Ordnung vergegenwärtige man dort an der Wurzel. Allein durch Kundali-Meditation durchdringt man die sechs Chakras.
26.21 Man meditiere die Göttin Kundalini, den höheren und niedrigeren Gurus lieb, freudvoll, inmitten der Erde stehend, Yogini und Mutter des Yoga,
26.22 leuchtend wie Millionen Blitzranken, den feinsten Weg durchziehend, auf dem oberen Weg sich bewegend, von der Gestalt der ersten Morgenröte,
26.23 beim ersten Aufsteigen als Kauli, die den Erkenntnisweg offenbart; bei jedem Weitergehen unmittelbar sichtbar, mit nektarerfülltem Leib,
26.24 Dharma hervorbringend, sonnenglänzend, als Welt des Unbeweglichen und Beweglichen, in allem gegenwärtig, ohne gedankliche Unterscheidung, makellos in bewusster Freude,
26.25 ewig im Raum wandernd, als Gestalt aller Buchstaben, große Kundalini, von Brahma, Vishnu, Shiva und anderen zu meditieren,
26.26 rein im Pranava stehend, Zuflucht reiner Erkenntnis, heilvoll, Kula-Kundalini, Vollendung, den Mondkreis durchdringend,
26.27 im Wurzellotos stehend, ursprünglich, Schoß der Welt, der Welt lieb, in den Lotussen von Svadhishthana an gegenwärtig, höchste Gestalt aller Kräfte,
26.28 Wissen des Selbst, Shivas Freude, am heiligen Sitz stehend, überaus schön, schlangenförmig, rot, alle Gestalten bezaubernd,
26.29 liebend, in Kamarupa stehend, Matrika, das Selbst schenkend, erfüllt von der Freude des Kula-Weges: So verehre man Kali und Kundalini.
26.30 So meditiere man im reinen Wurzellotos bei der Yoga-Sadhana und verwirkliche beim Aufgehen des Dharma die erkenntnisgestaltige höchste Kundali.
26.31 Allein durch Kundali-Vergegenwärtigung erlangt der Übende die acht Siddhis, beginnend mit Himmelswandern, erreicht Herrschaft und wird Herr der Erde.
26.32 Bei der Yoga-Übung und Bhava-Vollendung gilt der Atem als großer Aufstieg. Den schwer zu zügelnden ersten der Lebensatemkräfte bewege man sorgfältig [Wortlaut teilweise beschädigt].
26.33 Augenblick für Augenblick ziehe man die Kundali im Wurzellotos zusammen. Dann wird der große Lebensatem gewiss beherrscht.
26.34 Die Götter im Weltenei, an heiligen Feldern, Sitzen und Badeorten, im Stein und im leeren Raum, Herr, werden durch den Lebensatem vollendet.
26.35 Was im Weltenei besteht, besteht auch im Leib. Alles ist mit Prana verbunden; jenseits des Prana liegt das Makellose.
26.36 Solange Prana im Leib steht, woher sollte Todesfurcht kommen? Ist Prana fortgegangen, kommen die im Bewusstsein stehenden Gottheiten zusammen [Bewegungsrichtung im Text nicht eindeutig].
26.37 Die Grundlage aller ist Kundali, die Gottheit der Elemente. In Atemgestalt schützt sie alles, erfüllt von Freude und Bewusstsein.
26.38 Kundali ist das Bewusstsein der Welten, die Gottheit des Yoga. Mit Selbst und Geist verbunden gewährt sie Befreiung.
26.39 Darum vergegenwärtige der Mantraübende sie zur Vollendung der Bhava-Erkenntnis: Bhavani, in Genuss und Befreiung stehend, wenn du hier Yoga wünschst.
26.40 Beim Atemanhalten ist die bewusste Kundali bis zur Brahman-Öffnung zu meditieren. Die Liebende schützt den Yogi.
26.41 Stets meditiere man die höchste ewige Göttin in Atemgestalt, Yogeshvari, Jaya, ohne gedankliche Unterscheidung, im Dreieck stehend, Herrin des Kula,
26.42 die Unendliche, Millionen Sonnen gleich, von Brahmas, Vishnus und Shivas Wesen, Wohnstatt unendlicher Erkenntnis, die Befreiung Suchende verehren.
26.43 In der schrecklichen Finsternis des Unwissens haftet sie am verwirrten Geist. Schlafend, im Schlangensitz, an der Wurzel, schützt die Herrin den Übenden.
26.44 Die Herrin aller Wesen, Erkenntnis und Unwissenheit offenbarend, von den Früchten des Dharma und Adharma durchdrungen, mit einem Leib aus Mitgefühl,
26.45 meditieren die goldglänzenden Herren der Yogis im Kali-Zeitalter als die Ewige: die Göttin Kula-Kundalini, ganz erfüllt von bewusster Freude.
26.46 Sie besteht aus den Buchstaben ka bis ma, umgeben von einer Girlande aus Blitzranken, an den Gliedern mit Goldschmuck geziert. Diejenigen, die mich so vergegenwärtigen,
26.47 die Kundalini-Vidya, welche den Kula-Weg offenbart, und ein Jahr meditieren, sind befreit, ohne Zweifel.
26.48 Die von Schuldmassen Freien, deren guter Geist Dharma und Erkenntnis kennt, meditieren gewiss und preisen die höchste Kundali.
26.49 Wer die Meditation über Kula-Kundalini vollzieht, die Genuss und Befreiung schenkt, ist auf Erden ein großer Yogi, ohne Zweifel.
26.50 Kundalini-Meditation ist dreifach, gemäß Divya, Vira und Pashu. Durch die Ordnung, beginnend mit Pashu-Bhava, wird der König der Yogis vollendet.
26.51 Nach der allgemeinen erkläre ich die göttliche Meditation, Herr. Zuerst vollziehe man die allgemeine, danach die göttliche und die übrigen.
26.52 Man meditiere sie wie Millionen Monde, eine ungetrübte Lichtscheibe, reich an tausend Flammenkränzen, hundert Weltuntergangsfeuern gleich,
26.53 durch Fangzähne schrecklich und unbezwingbar, mit einem Kreis von Haarflechten geschmückt, von furchtbarer Gestalt, überaus wild und wie Milliarden Blitze bewegt,
26.54 sanft wie Millionen Monde, überall gegenwärtig und furchterregend, im Geist berauscht vom Schaffen, Auflösen und Bewahren unendlicher Welten.
26.55 Die Befreiung Suchenden meditieren sie als ursprüngliche alldurchdringende Gestalt, mit ursprünglich blauem Leib, Wohnstatt unendlicher Schöpfung.
26.56 Ich erkläre die Vira-Meditation; wer sie vollzieht, wird den Viras lieb. Wer den Vortrefflichen lieb ist, heißt ein befreiter Genießer.
26.57 Wenn der große Held im Vira-Ritus das reine, höchste göttliche Sattva-Guna erlangt, wird er augenblicklich Yogi.
26.58 Ohne Vira-Ritus wird der Divya-Ritus nicht erlangt, Herr. Darum vollziehe man zuerst den Dharma des Vira-Ritus und danach den göttlichen.
26.59 Der Vira-Ritus bringt millionenfache Frucht, schon durch eine einzige Japa-Übung. Der Ergebene vernichtet damit Schuld und Leid von Millionen und Abermillionen Geburten.
26.60 Der Kula-Ritus, der rechte Ritus, der Vira-Ritus hat große Frucht. Durch seine Ausführung entsteht Vollendung; die Kula-Meditation ist die Meditation über mich.
26.61 Die mich als Göttin Kula-Kundalini meditieren und verehren: Ein großer Held, der im Wurzellotos meditiert, wird König der Yogis.
26.62 Die sich verneigenden Menschen verehren die Schöne von herrlicher Farbe: Kali, Kaula, Kuleshi, Zeitfeuer und Sonne der Meditation im Kali, Kalyulka, welche die Zeit verschlingt, die „kili-kili“-Kalika, deren Spiel die Anmut des Liebesspiels ist; die Feine, die Auflösung Genannte, im Kula-Lotos des Vergehens aus feinem Licht bestehend, in Anfang und Ende gegenwärtig [mehrere Namen sind lautspielerisch und nicht sicher auflösbar].
26.63 Die mit achtzehn Armen, mit Augen wie blaue Lotusse, aus dem Weinmeer Geborene, von der Gestalt von Mond, Sonne und Feuer,
26.64 inmitten von Mond, Sonne und Feuer stehend, schön und Segen spendend, liebend, ihrem Gemahl lieb, der den Stolz von Millionen Liebesgöttern beendet,
26.65 von Anandabhairava erfüllt, die höchste Anandabhairavi, genießend, bezaubernd durch den Leib, der wie Millionen Monde herabschmilzt [Bild unsicher],
26.66 von der Gestalt von Millionen Blitzranken, frei von der Offenbarung als Sein und Nichtsein, der Erkenntnis und dem Bewusstsein hingegeben: So vergegenwärtigen sie die Viras.
26.67 Durch die Gnade ihrer Meditation bist du selbst als Bhairava zufriedengestellt, ebenso ich im Samsara; alle sind zufrieden, ohne Zweifel.
26.68 Der Übende vollzieht mit festem Geist Pranayama. Die Göttin im Wurzellotos meditierend erlangt der Held Yoga.
26.69 Durch das Halten des feinen Atems erkennt der Übende auf Erden die Vira-Haltung, Maheshvara, seinen eigenen Tod und die Bedrängnis der Geburt.
26.70 In einem Monat entsteht die Siddhi der Anziehung, in zwei Monaten Vollendung der Rede. Durch drei Monate Verbindung wird man den Göttern lieb.
26.71 Im vierten Monat wird man den Weltenhütern zugänglich [Lesung beschädigt], im fünften dem Fünfpfeiligen gleich, im sechsten Rudra, ohne Zweifel.
26.72 Die Größe des Vira-Bhava erkennt der beste Übende durch die Frucht von Millionen Geburten. Als Verehrer der Göttin ist er König der Yogis.
26.73 Der Vira-Ritus ist großer Dharma und Ursache der Geistesfestigkeit. Allein durch seine Gnade findet man Zuflucht im Divya-Bhava.
26.74 Man ist Rudra selbst, großer Yogi, Mahavishnu, Hort des Mitgefühls, großer Held; eben dieses Selbst genießt Befreiung, ohne Zweifel.
26.75 Nun, Herr und großer Held, das im Kula gegründete Bad der inneren Haltung: Durch dieses wird man rein. Was gelingt nicht, wenn man rein ist?
26.76 Das Kula-Bad ist das große, selbst Yogis schwer zugängliche Bad. Danach vollziehe der sinnbeherrschte Held die Kula-Meditation.
26.77 Das Bad ist dreifach: Untertauchen, Abreiben des Leibes und das Bad durch Mantra, Erkenntnis und Weiteres, das höchste genannt.
26.78 Höre seine Ordnung, Geliebter meines Lebens, Freudenbereiter. Allein durch dieses Bad wird man vom Berg der Schuld frei und gelangt ins Unendliche.
26.79 Man bade am makellosen heiligen Ort, im Teich des Herzenslotos, oder am Bindu-Badeort, zur Befreiung von der Schuld aller Geburten.
26.80 Ida und Sushumna fließen im Leib an diesem heiligen Shiva-Ort, voller Erkenntniswasser. Wer mit Brahma und den anderen in ihrem Wasser badet, was braucht der Ganga-Wasser oder Pushkara?
26.81 Die im reinen Ida-Ort Wohnende, die im sonnenhaften [Strom] fließende Yamuna und ebenso Sushumna, die in den unreinen Bereich geht, Sarasvati: Sie taucht um des Genusses willen ein [Text beschädigt; „unrein“ könnte fehlerhaft sein].
26.82 Der Mensch, der dem inneren Bad ergeben ist und die besondere Wirklichkeit von Mantraritus und Yoga kennt, badet freudig im reinen Wasser des irdischen heiligen Ortes und im Wurzellotos und hat Anteil an Befreiung.
26.83 Am ursprünglichen heiligen Ort liegt Ganga, Läuterin der Götterstätten, aus großem Sattva hervorgegangen. Sie vernichtet Schuld und schenkt unmittelbar Befreiung und unvergleichliches Verdienst.
26.84 Der Herr der Yogis richte den Geist auf den im Schöpfungsbereich liegenden heiligen Ort im schönen Svadhishthana-Lotos; so badet er im Ganga-Wasser [Ortsbezeichnung unsicher].
26.85 Im Manipura, dem Götterbadeort, liegt ein See mit fünf Becken. An diesem erhabenen Kamana-Badeort badet, wer Befreiung wünscht.
26.86 Im Anahata liegen alle heiligen Orte inmitten des Sonnenkreises. Der nach Befreiung Verlangende badet dort in der Fülle aller heiligen Gewässer.
26.87 Im großen Vishuddha-Lotos entstehen acht heilige Badeorte. Der Held meditiere das alleinige Befreiung Gewährende und bade zur Befreiung.
26.88 Das geistige Bad, der Bindu-Badeort und Kalikas kraftteilhaftes Becken: Man meditiere sie stets im Ajna-Chakra und bade zur Nirvana-Vollendung.
26.89 Dieses dem Kula liebe Bad vollziehen die Yogis freudig. Darum sind die Viras sattvaerfüllt, mit allen Siddhis ausgestattet und göttlich.
26.90 Selbst wenn sie stets vielerlei Schuld bis hin zur Brahmanentötung begangen haben, werden sie durch das Bad am großen heiligen Ort vollendet und erlangen Kleinwerden und weitere Siddhis.
26.91 Allein durch das Bad wird man schuldlos und fähig, den Atem zu sammeln. Wer diese heiligen Orte schaut, wird gewiss ein befähigter Yogi.
26.92 Danach vollziehe der im Kula Gefestigte am großen heiligen Ort die Sandhya, die Übergangsverehrung, als kulagestaltige Yoga-Vidya; durch Yoga wird er Herr der Asketen.
26.93 Die Zeit, zu der Shiva und Shakti sich verbinden, ist die Sandhya der im Kula Gefestigten. Sie entsteht bei dem in Samadhi Ruhenden.
26.94 Man meditiere Shiva als Sonne im Herzen und seine Vereinigung mit dem Shakti-Mond an der Stirn. Dies ist die Sandhya der im Kula Gefestigten, die in Samadhi entsteht.
26.95 Oder man meditiere Shiva als Mond und seine Verbindung mit der Shakti-Sonne im Herzen. Diese Vidya der Vereinigung ist Sandhya und entsteht in Samadhi.
26.96 So ist die erkenntnisgestaltige, die Welt umfassende Sandhya erklärt: die ewige Atem-Shakti, durch Vernichtung aufgebrochen und geteilt [Schlussfügung unsicher].
26.97 Wer am heiligen Ort der Wirklichkeit Tarpana vollzieht, Mahadeva, sättigt dadurch die drei Welten. Höre sein Verfahren, Herr.
26.98 Man erhebe Kundalini aus dem Wurzellotos, sie, die Mond, Sonne und Feuer verkörpert, und führe sie in den höchsten Bindu.
26.99 Mit dem daraus entstandenen Nektar sättige man die Gottheit des Leibes, Kuleshvari, die ursprüngliche Vidya. So wird man gewiss vollendet.
26.100 Mit dem Nektarstrom, der aus Mond, Sonne und großem Feuer entsteht, sättige man die ewige Kaulini und vergegenwärtige sie als nektargesalbt.
26.101 Wer so Kali der höchsten Stätte, die weibliche Vidya und Weitere sättigt, wird Yogi, wahrlich, wahrlich, Herr des Kula.
26.102 An der Wurzel fülle man das Mondgefäß mit dem Nektar des Stirnmondes [Worttrennung unsicher] und sättige damit auf dem Erkenntnisweg Khechari.
26.103 Inmitten des Nektarmeeres sättige man die Kula-Jungfrau mit Strömen von Wein-Nektar. So wird man vollendet, König der Yogis.
26.104 An diesem heiligen Ort meditiere der große Wissende sorgfältig. Stets übe man die damit erfüllte Meditation; dies ist die Meditation der Yogis.
26.105 Man speise die eigene Tochter oder die eines anderen oder erfreue eine junge Frau, um alle zufriedenzustellen.
26.106 Mit diesem göttlichen Lobpreis erfreue man sie, Herr Shankara. Die Göttin preise und erfreue man mit den tausend Namen der Kumari.
26.107 Wer bei der Japa-Handlung das vollständige fünfgliedrige Opfer und das Purashcharana-Verfahren vollzieht, führe dies mit Pranayama aus.
26.108 Der Lebensatem steht fest im Haus, um die Verehrung anzunehmen. Wo liegt Vollendung für jene, die ihn nicht nach innen führen?
26.109 Allein durch inneres Opfern wird Kundali im Geist erfreut. Ist die große Göttin zufrieden, erhält der Mensch unmittelbar Anteil an Siddhi.
26.110 Man weihe die Weltenmutter, die unmittelbar gegenwärtige höchste Gottheit, und verehre sie vom Wurzellotos bis ins Sahasrara mit einem Bindu-Strom.
26.111 Parvati mit dem freudvoll fließenden Nektarstrom des Mondes begießend, verehre der Verständige sie mit höchster Hingabe und erinnere sich an den Wurzelmantra.
26.112 Mit den Sinnesgegenständen als Blumen verehrend, wird man augenblicklich mit ihr eins. Nyasa ist das Bewusstsein dieses Einsseins; man verehre mit der Haltung „Ich bin Das“.
26.113 Man vergegenwärtige die Mantrabuchstaben als in die Bewusstseins-Shakti eingewoben. Eben sie zeigt im höchsten Raum, in höchster Freude gegründet,
26.114 das wahre Wesen des Selbst ohne äußere Verehrung und Feueropfer. Dies erkenne als inneres Opfern der Yogis, Herr Shankara.
26.115 Er wird inneres Selbst, großes Selbst und höchstes Selbst genannt. Allein durch die Erinnerung an ihn wird der Mensch ein guter Yogi.
26.116 Ohne Täuschung, ohne Ich-Anmaßung, ohne Anhaften, ohne Überheblichkeit, ohne Verblendung, ohne Heuchelei, ohne Schmähung und ohne Erregung,
26.117 ohne Neid und ohne Gier: Dies sind die zehn Blumen der Yogis. Nichtverletzen ist die höchste Blume, Sinnesbeherrschung eine weitere,
26.118 Mitgefühl eine Blume, Geduld eine Blume und Erkenntnis die fünfte. Mit diesen fünfzehn Blumen verehre man die höchste Gottheit.
26.119 Nun erkläre ich die Vorschrift des Feueropfers zur Purashcharana-Vollendung. In geheimer Zeichensprache erzähle ich sie; höre, Herr.
26.120 Man vergegenwärtige das Selbst als unbegrenzt und bleibe im Feinen. Die vierseitige Bewusstseins-Feuergrube hat die Gestalt der drei Selbste.
26.121 Mit einem Gürtel aus Freude, mit der Yoni in Gestalt einer halben Lautzeit geschmückt, liegt sie bei den Erkenntnisfeuern im Nabel. Darin opfere der Verständige.
26.122 Mit dem folgenden Mantra opfere man in dieses Feuer in der Soham-Haltung den eigenen Glanz, nach dem Wurzelmantra und unter Aufgabe des äußeren Frauenrituals.
26.123 „In das Feuer von Bewusstseinsgestalt im Nabel, durch Erkenntnis entfacht, opfere ich stets mit dem Geist als Opferkelle die Tätigkeit der Sinne als Opfergabe.“
26.124 Mit dieser ersten Opfergabe vollziehe man die Handlung nach dem Wurzelmantra. Durch die zweite Opfergabe wird man nach vollzogenem Opfer selbstbeherrscht.
26.125 „In das durch Dharma und Adharma entfachte Selbstfeuer opfere ich mit dem Geist als Kelle auf dem Weg der Sushumna stets die Tätigkeit der Sinne.“
26.126 Man spreche den mit Svaha endenden Mantra, setze den Wurzelmantra an den Anfang und opfere mit einheitlicher Haltung im Kreis des Wurzellotos.
26.127 Beim vierten vollständigen Opfer verwende man diesen Mantra. Dieser vierte Mantra gewährt die Frucht der vollständigen Vidya [eine dritte Formel ist hier nicht gesondert ausgewiesen].
26.128 „In das Bewusstseinsfeuer, das innen ununterbrochen ohne Brennstoff wächst, Feind der Maya-Finsternis, in jene wunderbare Entfaltungsstätte von Lichtstrahlen, opfere ich das All, von der Erde bis hin zu Shiva.“
26.129 Wer dieses innere Opfer vollzieht, wird unmittelbar von Brahman erfüllt. Für ihn bestehen weder Verdienst noch Schuld; er wird gewiss schon zu Lebzeiten befreit.
26.130 Das innere Opfer schenkt gerade den erkennenden Yogis Vollendung. Höre nun, Shankara, die innere Verehrung mit den fünf Makaras.
26.131 Zur Zeit des inneren Opfers vergegenwärtige man mit fester Haltung dich und mich als Einheit, Herr, wie die Einheit von Tag und Nacht.
26.132 Alkohol ist Shakti, Fleisch ist Shiva, und ihr Verehrer ist Bhairava selbst. Die aus ihrer Einheit entstandene Freude ist die Bestimmung der Befreiung.
26.133 Freude ist Brahmans Strahl, im Leib gegenwärtig. Mit den Substanzen, die sie offenbaren, vollziehe man die Sättigung Brahmas und der anderen.
26.134 Freude ist die Essenz der Welten, Brahman-Gestalt im Leib. Die sie offenbarende Substanz verehre man zusammen mit jenen Yogis [Instrumentalbezug nicht eindeutig].
26.135 Wer die drei Lingas, die sechs Lotosstützen und den Mond in ihrer Mitte durchdringt, gelange zu den heiligen Sitzen und gehe in den großen Lotoswald.
26.136 Man bewege den Lebensatem zwischen Wurzellotos und Brahman-Öffnung. Immer wieder dorthin gehend, ist der Bewusstseinsmond höchster Aufgang [Satzfügung beschädigt].
26.137 Der Bewusstseinsmond und die Kundali-Shakti sind der große Aufgang des einheitlichen Geschmacks. Der Mensch erfreut sich am Trinken des stillen Nektars des Raumlotos.
26.138 Dies ist das Honigtrinken der Guten, Herr, außen wie innen. Anderes Alkoholtrinken dagegen zerstört den Yoga der Yogis.
26.139 Ein anderes großes Trinken vollzieht der große Held, frei von Irrtum und Täuschung, zum Gedeihen der acht Yoga-Glieder [die Abgrenzung zum vorigen Vers bleibt unsicher].
26.140 Wer als Yogakenner das Opfertier aus Verdienst und Nichtverdienst mit dem Erkenntnisschwert erschlägt und seinen Geist mit Parashiva verbindet,
26.141 der ist ein Fleischesser; die anderen töten lediglich Lebewesen. Im großen Feuer des Leibes verehre man die verbrannten Fische,
26.142 die im Wasser innerhalb des Leibes wohnen; die anderen sind unheilvoll. Die aus der Erde entstandenen, weichen und milden Mudras von großer Kraft [hier rituelle Speise],
26.143 all dies lege der Verständige in Brahmans Strahl und vollziehe Sättigung. Das dortige Verzehren der Mudras vermehrt die Freude.
26.144 Die anderen dienen dem Genuss; dies dagegen ist das Höchste der Yogis. Die von Freude erfüllte Vereinigung des Paares aus höchster Shakti und Selbst
26.145 ist die Geschlechtsvereinigung der Befreiten; die anderen pflegen lediglich Umgang mit Frauen. Mit diesen fünf Makaras verehre man die höchste Herrin.
26.146 Dies ist die Verehrung des wesentlichen Mantras im verborgenen Sinn des Purashcharana. Diesen Yoga übe man stets, frei von Schlaf und Trägheit.
26.147 Dieser Lebensatem soll die Ursache der Zeit abwehren [Anfangsfügung unsicher]. Wer dieses Verfahren unter Beherrschung des Prana ununterbrochen vollzieht,
26.148 dessen Yoga gedeiht; er erlangt Vollendung über die Zeit.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Bestimmung des Bhava, im Lehrabschnitt über die Vollendung des feinen Yoga, in der Pashu-Ordnung, bei den wesentlichen Zeichen der sechs Chakras, im Abschnitt über Vollendungsmantras, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 26.
Kapitel 27: Die inneren Glieder des Yoga und Mantra-Yoga
27.1 Anandabhairava sprach: Verschiedene Yoga-Lehren hast du dargelegt, Bhairavi. Sie umfasst wahrlich alle Gestalten, meine Geliebte mit den freundlichen Worten.
27.2 Nun möchte ich die Früchte der acht Glieder des Yoga und das Geflecht aller Wirklichkeitsprinzipien in der Reihenfolge der Shakti-Lehre hören.
27.2 [Zweite Zählung von Vers 2 in der Vorlage.] Sprich vom Zurücknehmen der zuvor beschriebenen Lebenswinde, vom Halten des Atems, von Pratyahara, Dharana, Meditation und Samadhi.
27.4 Anandabhairavi sprach: Höre, Herr der Welt, ich werde die Früchte und das Ausbleiben von Früchten des Pranayama erklären. Man soll nicht übermäßig Luft aufnehmen und auch nicht nur eine geringe Menge anhalten.
27.5 Man soll allmählich vorgehen und gewaltsame Anstrengung vermeiden. Zur Vollendung der Freude beim Einatmen werden jeweils hundert Atemübungen genannt.
27.6 Zur Steigerung ist das Kennzeichen des Prana zu beachten: an welchem Tag er welchen Weg nimmt. In der dunklen und hellen Monatshälfte entfalten die dreißig Mondtage ihre Früchte.
27.7 In der hellen Monatshälfte soll man in Ida, in der dunklen auf der anderen Seite verfahren. Sushumna, die viele Gestalten besitzt, ermöglicht das Durchschreiten aller Bereiche.
27.8 Die drei Mondtage der hellen Hälfte, beginnend mit dem ersten, werden genannt; jenes Zweierlei soll als Atembewegung im rechten Nasenloch erkannt werden, großer Herr. [Die Zuordnung ist im Wortlaut uneindeutig.]
27.9 Am vierten, fünften und sechsten Tag steigt die Gottheit auf und durchdringt sie. Beim Halten des Atems soll man sie im linken Nasenloch betrachten.
27.10 Sie durchdringt den siebten, achten und neunten Tag und verweilt dort. Kundige Kula-Praktizierende sollen sie im linken Nasenloch betrachten.
27.11 Der Atem durchdringt den zehnten, elften und zwölften Tag und verweilt dort. Yogis sollen den Herrn an der Spitze des rechten Nasenlochs betrachten.
27.12 Der Atem durchdringt den dreizehnten, vierzehnten und den Vollmondtag. Im linken Nasenloch soll man ihn betrachten, um Vernichtung abzuwenden.
27.13 Ich werde die Wirkung der dunklen Monatshälfte erklären. Wer sie kennt, werde unsterblich und erkenne rasch die Zeit; daran solle kein Zweifel bestehen.
27.14 Am ersten, zweiten und dritten Tag tritt der Atem in Pingala ein und strömt dort beständig aus.
27.15 Am vierten, fünften und sechsten Tag durchdringt er die linke Seite und verweilt dort; am siebten, achten und neunten die rechte.
27.16 Am zehnten und elften Tag bewegt sich der Atem beständig auf der linken Seite, an den übrigen Mondtagen auf der rechten, bei Tag und Nacht. [Der zwölfte Tag ist hier nicht eigens genannt.]
27.17 Wenn sich dieses Verhältnis bei einem Menschen umkehrt, werden für die folgenden drei Monatshälften Tod, Krankheit oder der Verlust eines Angehörigen angezeigt.
27.18 Hat man den abweichenden Geburtstithi erkannt, soll man dem zu jener Zeit entgegenwirken und mit Pranayama beginnen, um Geburt beziehungsweise Wiedergeburt zu überwinden. [Die Wendung zum Geburtstithi ist unsicher.]
27.19 Wenn er unter dem Einfluss dieses Zeichens den Körper verlässt, soll man den Atem hemmen und ihn unten im Feuer der Zeit halten. [Das Subjekt bleibt im Text unausgesprochen.]
27.20 Man soll so lange üben, bis er an seinen eigenen Ort zurückkehrt: bis der Körper sich nicht mehr bewegt und der Geist nicht mehr schwankt.
27.21 Beim allmählichen Üben gilt das Auftreten von Schweiß am Körper als niedrigste Stufe, Zittern als mittlere, das Verlassen des Bodens als höchste.
27.22 Nach sechs Monaten werde man zum Seher der Wesen und erlange Fernhören. Durch ein Jahr der Übung bringe man das Wissen des Yoga zum Leuchten.
27.23 Der Yogi erkennt alle Tantras und ihre jeweiligen Ordnungen. Wenn ihm die Schau der Wirklichkeit zuteilwird, ist er ohne Zweifel ein Yogi.
27.24 Ich werde die Frucht von Pratyahara erklären: Durch seine Ausübung werde man ein Himmelswanderer. Der Mensch erlangt Hingabe an den Herrn und wird kundig im Dharma.
27.25 So lange die Einübung erforderlich ist, um die Eigenschaften des Höchsten zu erlangen, soll man mit feinem Atem Japa ausführen, damit Pratyahara vollendet werde. [Die Satzverknüpfung ist unsicher.]
27.26 Die Sinne, die unter den Gegenständen umherwandern, von ihnen zurückzuwenden und sie entschieden von ihnen zurückzuholen, wird Pratyahara genannt.
27.27 Der König der Yogis soll den in andere Tätigkeiten, Pflichten und schriftgelehrte Vorschriften abgeglittenen Geist zurückholen und ihn beim Fußlotos festhalten.
27.28 Das schwer zu zügelnde, hartnäckige, kaum zu überwindende und ungebilligte Denken mit Kraft zurückzuholen, wird Pratyahara genannt. [Der Wortlaut ist stellenweise beschädigt.]
27.29 Durch die Kraft dieses Pratyahara wird der Yogi gewiss in sich gegründet. Unvermittelt erreicht der Mensch den Bhava und gewinnt Festigkeit in der Fülle innerer Haltungen.
27.30 Nichts ist höher als Bhava; diese Welt hängt von der inneren Haltung ab. Durch Bhava wird Yoga erlangt. Darum soll man darin Zuflucht nehmen.
27.31 Nun werde ich Dharana erklären. Durch ihre Ausübung gewinnt man Standfestigkeit. Der König der Yogis nimmt die drei Welten in seinen Leib auf und verweilt in Fülle.
27.32 An der großen Zehe, am Knöchel, am Knie, am Oberschenkel und an der Naht, am Geschlechtsorgan und Nabel, am Herzen, Nacken und Hals, am Zäpfchen und an der Nase,
27.33 zwischen den Brauen, am Kopf, am Scheitel und am vorgeschriebenen Dvadashanta den Lebenswind festzuhalten, wird Dharana genannt.
27.34 Den Atem an allen Knoten der Nadis, in den sechs Chakras, den Wohnstätten der Gottheiten, und auf dem Brahman-Weg festzuhalten, wird Dharana genannt.
27.35 Das Festhalten im Wurzelbereich, die Kundalini und das Beruhigen des Lebenswinds am Rand der Nase werden Dharana genannt. [Die Aufzählung ist grammatisch uneindeutig.]
27.36 Dort soll man den Geist mit innerer Hingabe auf den segensreichen, schön leuchtenden Lotos der erhabenen Füße richten. So erlangt man die Kraft der Sammlung.
27.37 Nun werde ich die Meditation erklären, durch die man allgegenwärtig werde. Aus dem Yoga der Meditation entsteht Befreiung; dies geht aus meiner Kula-Überlieferung hervor.
27.38 Mit gesammeltem Geist und nach innen gewendetem Bewusstsein die erwünschten Gottheiten im eigenen Selbst zu betrachten, wird hier Yoga-Meditation genannt.
27.39 Man lege den Lotos des Geistes auf das Paar erhabener Fußlotose, deren Nägel wie Staubfäden schimmern, und meditiere über die große Schar der erwählten Gottheiten.
27.40 Nun erkläre ich die Größe des Samadhi. Höre die Wahrheit darüber: Durch ihn allein wird ein Mensch zum vollendeten Yogi.
27.41 Stets die Wesenseinheit von individuellem Selbst und höchstem Selbst zu vergegenwärtigen: Durch diesen Samadhi werde man siegreich, Anandabhairava, Herr!
27.42 Allein durch die vollendete Vereinigung erkennt der große Yogi den großen Menschen, der im Samadhi verweilt, an den Merkmalen des Samadhi und der acht Glieder.
27.43 Indem er diesen Samadhi verwirklicht, wird der Yogi mit Yoga verbunden. Dann soll er den Geist in den Mond erheben und dort betrachtend verweilen.
27.44 Durch diesen Kern der acht Glieder wird ein Mensch für Yoga geeignet. Aus der Vereinigung im Yoga entstehen Befreiung und ununterbrochene Mantravollendung.
27.45 Nach der Weise der Yoga-Lehre werden alle als Bhairavas angesehen. In den drei Welten gibt es keine Lehre, die höher steht als die Yoga-Lehre.
27.46 Wer die über die drei Welten hinausweisenden Lehren und die vielfältigen Glieder des Yoga kennt, schaut rasch durch die verschiedenen Unterweisungen, Shankara. [Der Satz ist in der Vorlage gestört.]
27.47 Zur Vernichtung der Fehler, beginnend mit Begierde, wurde dieses höchste Wissen verkündet. Höre nun: Ich werde die Bedeutung des Mantra-Yoga bestimmen.
27.48 Die Welt und der Körper, der auf den fünf Elementen beruht, bilden durch die Leuchtkräfte von Mond, Sonne und Feuer eine einzige Gestalt von Einzelseele und Brahman, Herr. [Ein Ausdruck zu Beginn ist unklar.]
27.49 Dreieinhalb Koti, also fünfunddreißig Millionen Nadis, werden im Körper angenommen. Unter ihnen werden zehn als Hauptbahnen genannt; unter diesen sind drei besonders ausgezeichnet.
27.50 Hier im Rückgrat sind die Hauptbahnen von der Natur des Mondes, der Sonne und des Feuers. Als diese drei Nadis ist die Mutter des Yoga gegenwärtig.
27.51 Links befindet sich die Nadi Ida, weiß und von Mondgestalt. Diese Nadi hat die Natur der Shakti und ist unmittelbar die Verkörperung des Unsterblichkeitstranks.
27.52 Rechts ist die Pingala genannte Bahn, männlich und von Sonnengestalt, strahlend wie eine Granatapfelblüte; sie wird als Gift bezeichnet.
27.53 In der Mitte des Meru befindet sich Sushumna, die Vielgestaltige. Sie durchdringt in Wahrheit den Bereich vom Visarga bis zum Bindu.
27.54 Im dreieckig genannten Muladhara, dessen Natur Wille, Wissen und Handeln ist, liegt in der Mitte das selbstentstandene Linga, so strahlend wie zehn Millionen Sonnen.
27.55 Darüber befindet sich das Kama-Bija, verbunden mit Kala, Shanti und dem Herrn des Mondes [Lesung unsicher]; darüber Kundalini in Flammengestalt, die Verkörperung Brahmans.
27.56 Außen soll man dort einen goldfarben leuchtenden, vierblättrigen Lotos mit den als „Vasu-Buchstaben“ bezeichneten Zeichen betrachten, strahlend wie geschmolzenes Gold. [Die Buchstabenbezeichnung ist unsicher.]
27.57 Darüber liegt ein sechsblättriger Lotos, dem Feuer ähnlich und wie Diamant leuchtend. Seine sechs Blätter tragen die sechs Buchstaben von Va bis La.
27.58 Er heißt Svadhishthana, ist fleckenlos und den Yogis zuinnerst vertraut. Die Wurzel der sechs Stützen wird Muladhara genannt.
27.59 Das Wort „Sva“ bezeichnet das höchste Linga; Svadhishthana ist der Ort des eigenen Linga. Darüber liegt im Nabelbereich das großartig leuchtende Manipura.
27.60 Es gleicht einer Wolke und einem Blitz und ist erfüllt von großer Leuchtkraft. Dieser mit Edelsteinen verbundene Lotos heißt Manipura und strahlt wie der Mond. [Die Edelsteinwendung ist beschädigt.]
27.61 Dies wurde vollständig erklärt, Herr. Höre nun vom Herzlotos, Geliebter. Mit zehn Blättern ausgestattet und mit den Buchstaben von Da [retroflex] bis Pha versehen,
27.62 ist der von Shiva bewohnte Lotos ein Mittel, die Welt zu schauen. Darüber liegt der Anahata-Lotos im Herzen, von Strahlen erfüllt. [Die Zehnblättrigkeit bezieht sich dem Zusammenhang nach noch auf Manipura.]
27.63 Er gleicht der aufgehenden Sonne, trägt die Buchstaben von Ka bis Tha [retroflex], besitzt zwölf Blätter und ist mit Ishvara und weiteren Gottheiten verbunden.
27.64 In seiner Mitte befindet sich das Bana-Linga, so leuchtend wie zehntausend Sonnen. Ich werde es als vom Klang-Brahman erfüllt beschreiben: Dort wird das Unangeschlagene wahrgenommen.
27.65 Daher heißt er Anahata-Lotos. Er dient den Yogis zur Verwirklichung des Yoga; er ist die höchste Wohnstatt der Freude und vom Vollendeten bewohnt.
27.66 Darüber liegt der Vishuddha genannte Lotos mit sechzehn Blättern und sechzehn Buchstaben, rauchfarben und von großer Leuchtkraft.
27.67 Der Yogi soll diese wunderbare Stätte, deren Zeichen Vollendung gewähren, einüben. Weil sie durch die Schau des Hamsa die Reinheit der Einzelseele ausbreitet,
27.68 wird dieser hell leuchtende, dem Raum zugeordnete Lotos Vishuddha genannt. Darüber liegt das höchste Ajna-Chakra, von einer hier unklar bezeichneten Gottheit bewohnt.
27.69 Dort geschieht die Übermittlung der Weisung; sie heißt die Weisung des Gurus. Darüber liegt der Kailasa genannte Bereich, darüber wiederum das Erwachen.
27.70 Diese Chakras habe ich dir, Herr, auf solche Weise erklärt. Die fleckenlose Stätte darüber ist der höchste tausendblättrige Lotos.
27.71 Er ist als höchste Bindu-Stätte zu erkennen. Höre die Auffassungen der verschiedenen Gruppen: Die Buddhisten sprechen vom Selbst; der Kenner des Selbst sei nicht der Herr. [Die Aussage ist textlich unsicher.]
27.72 Die Charvakas sagen: „Alles ist nicht“, und verwerfen die verschiedenen rituellen Handlungen. Die Buddhisten werden hier als Gegner des Veda und als Vertreter der Leere bezeichnet. [Dies sind polemische Zuschreibungen der Vorlage.]
27.73 Meine Geliebten, die in China leben und sich auf mein Wissen stützen, vergegenwärtigen das unbegrenzte Selbst; so wird es durch mich betrachtet. [Der Satzbau ist unsicher.]
27.74 Das Bindu-Paar am erhabenen Fußlotos und den glückverheißenden Mondkreis der Nägel bezeichnen die Shaivas, Shaktas und großen Seher als Shivas Stätte.
27.75 Die freudestiftenden Vaishnavas nennen es den ewigen höchsten Purusha; andere Menschen beschreiben seine Gestalt als aus Hari und Hara bestehend.
27.76 Die erstrangigen Weisen, die in ewiger Gestalt von der Freude an ihren Füßen erfüllt sind, nennen es die Stätte der Göttin; sie sprechen vom Purusha, dessen Wesen Prakriti ist.
27.77 Versunken in den Bhava von Purusha und Prakriti leuchten sie auf Erden. So habe ich dir, Herr, den unübertrefflichen Mantra-Yoga erklärt.
27.78 Man soll dem Yoga-Weg folgend mit gut gesammeltem Geist meditieren. Zuerst soll man den Geist mit einer großen Einatmung an der Wurzel verbinden.
27.79 Die zwischen After und Geschlechtsorgan liegende Shakti soll man durch Zusammenziehen erwecken. In der Reihenfolge des Durchdringens der Lingas soll man sie zum Bindu-Chakra führen.
27.80 Man betrachte die höchste Shakti, die Shambhu erreicht hat, in ihrem Einswerden. Der dort entstehende Unsterblichkeitssaft gleicht flüssigem Lackharz.
27.81 Man lasse die höchste, Krishna genannte Shakti, die Yoga-Vollendung verleiht, davon trinken. Nachdem man die sechs Chakras durchdrungen und sie dort mit dem Nektarstrom gesättigt hat,
27.82 soll der Einsichtige sie auf demselben Weg zum Muladhara zurückführen. Wer auf diese Weise Tag für Tag den Atem übt,
27.83 wird von den Fesseln des Daseins, von Alter, Tod und Leiden befreit. Alle in den Tantras gelehrten Mantras gelangen so zur Vollendung, nicht anders.
27.84 Er selbst wird rasch ein Vollendeter; im Yoga ist die Geliebte des Yoga gegenwärtig. Welche Eigenschaften der Gott besitzt, der die fünf kosmischen Tätigkeiten vollzieht,
27.85 diese Eigenschaften entstehen auch im vortrefflichen Praktizierenden und nicht anders. So habe ich dir, Herr, den unübertrefflichen Mantra-Yoga erklärt.
27.86 Höre nun von Dharana, dem höchsten Mittel zur Klärung der Sicht: Der vortreffliche Praktizierende richte seinen Geist auf dich, unbegrenzt durch Richtung und Zeit,
27.87 oder meditiere über mich und gehe ganz darin auf. Durch die Vereinigung von Einzelseele und Brahman wird er rasch von dieser Natur.
27.88 Man richte den Geist auf die Füße der erwählten Gottheit, geschmückt mit den Staubfäden ihrer Nägel. Wenn die geistige Betrachtung nicht rasch gelingt,
27.89 soll der Yogi durch die Verbindung mit den einzelnen Körpergliedern Yoga üben. Er richte den Geist auf die Fußlotose, deren Nägel wie Staubfäden leuchten,
27.90 auf die beiden Unterschenkel, schön wie Stämme von Bananenstauden im Garten, und auf die beiden Oberschenkel, so prächtig wie die Rüssel berauschter Elefanten,
27.91 auf den Nabel, tief wie ein Strudel der Ganga, die Höhle der Vollendung; dann auf Bauch, Brust und Hände, auf Shrivatsa-Zeichen und Kaustubha-Juwel,
27.92 auf die Stirn, die wie der Nektar des Vollmondes leuchtet, auf die schönen Ohrringe und auf die kräftigen Arme, geschmückt mit Muschel, Diskus, Keule und Lotos,
27.93 auf die Krone und das Ohrringpaar, die wie tausend Sonnen strahlen. An diesen Stellen soll der gereinigte Mantraübende mit reinem Geist verehren.
27.94 Indem er seinen Geist auf Shri Krishna richtet, wird er gewiss ein Vaishnava. So ist die ganz reine, von Sattva erfüllte Meditation der Vaishnavas beschrieben.
27.95 Vishnus Verehrer richten ihren festen Geist auf Svadhishthana. Man soll Krishna im eigenen Selbst betrachten, bis der Geist darin aufgeht.
27.96 Dann ist Svadhishthana vollendet: So wird der Sinn des Yoga bestimmt. Bis dahin soll der Mantraübende das Mantra wiederholen und Japa sowie Feueropfer ausüben.
27.97 Darüber hinaus bleibt in dem bezaubernden Bereich nichts mehr zu tun. Ist die höchste Wirklichkeit erkannt, haben all diese Regeln ihren Zweck erfüllt.
27.98 Darum soll man stets meditieren, Yoga ausüben und das Mantra wiederholen. In einem von Dunkelheit erfüllten Haus wird ein Krug durch eine Lampe sichtbar.
27.99 Ebenso wird das verhüllte Selbst durch das Mantra erfahrbar. So habe ich dir, Herr, den unübertrefflichen Mantra-Yoga erklärt.
27.100 Wer ihn ausübt, wird von den aus Verfehlungen entstandenen Leiden befreit; daran besteht kein Zweifel. Für Menschen, die an Sinnesgegenständen hängen, ist er schwer, für Yogis leicht erreichbar.
27.101 Der Wissende soll das leicht Erreichbare nicht aufgeben, wenn er hier Vollendung wünscht. Brahman-Erkenntnis, Yoga-Meditation, Mantrawiederholung und die rituellen Handlungen:
27.102 Wer dies stets vollzieht, ist glückverheißend, ein Virabhadra und König der Yogis. Man soll immer höchste Hingabe an Shambhu und an Shrividya entfalten.
27.103 Während der Yoga-Praxis geschieht dies allein durch Vergegenwärtigung und verwandte Formen: Nachdenken, Lobgesang, Meditation, Erinnern und Dienst an den Füßen,
27.104 Verehrung, Verneigung, Dienerschaft, Freundschaft und Hingabe des eigenen Selbst. Durch die Gnade dieser Hingabe wird der Praktizierende bereits im Leben befreit.
27.105 Der Entsagende wird zum Liebling der Yogis und verweilt im Samadhi.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Bestimmung des Bhava-Sinns, in der Pashu-Ordnung, bei den wesentlichen Zeichen der sechs Chakras, im Abschnitt über vollendete Mantras, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 27.
Kapitel 28: Zeichen der Vollendung und Lobgesang an die im Kanda Wohnende
28.1 Anandabhairava sprach: Geliebte, die in den drei Welten verehrt wird! Erkläre nun zum Zweck der Vollendung die für Yogis so schwer zu erlangenden Kennzeichen der Mantravollendung.
28.2 Nachdem man den höchsten Nektar getrunken hatte, der freudvoll aus deinem Mundlotos hervorströmte, wurden die Tantras geschaffen. Sage, was darin noch nicht enthalten ist. [Das Subjekt bleibt offen.]
28.3 Anandabhairavi sprach: Ich werde dir gewiss die Kennzeichen der Mantravollendung entsprechend dem Yoga-Weg erklären, Anandabhairava, Herr.
28.4 Ein stets fest gegründeter Geist, die Aufhebung der Mühen und Fehler auf dem eingeschlagenen Weg, alle schönen Zeichen höchster Mantravollendung, das Abwenden der Todesmächte, ein auf den Weltenherrn gerichteter Sinn, höchste Schau und Yoga, das Anwachsen der Mühelosigkeit und die Erfüllung des Erwünschten durch die Anwendung: Dies sind ihre Zeichen. [Der Schluss des Verses ist beschädigt.]
28.5 Er tritt gewaltsam in die Körper von Königen ein und erschüttert sie; in ihren Körperburgen steigt er empor, sieht die untere Öffnung und begegnet himmlischen Frauen. Er hört beim Blasen einen Klang; unvergleichlich ist sein Ruhm in der Welt. [Mehrere Satzglieder dieses Verses sind unsicher.]
28.6 Durch solche guten Kennzeichen der Vollendung gelangt er in die bezaubernde Stadt Vaikuntha. Wenn er das Wohl durch den Träger des Sattva erkennt, soll selbst der Gegner der Welt seine eigene Seite aufsuchen. [Die zweite Vershälfte bleibt unklar.]
28.7 Ruhm ist sein Schmuck; die ursprüngliche Hingabe trägt Früchte und ist mit der Tätigkeit des Genießens verbunden. Sein Herz ist den Göttern tief ergeben; er ist in allen Verrichtungen geschickt. Er besiegt die drei Welten, macht sie zu kundigen Dienern und lebt lange. Die Übung der acht Glieder unterwirft die Welt und führt zu höchstem Bewusstsein.
28.8 Er ist frei vom Verlangen nach Genuss und besitzt wunderbare, die Menschen der Welt erstaunende Fähigkeiten: das Zerreißen von Krankheiten, ein losgelöstes Herz, Liebe zu Entsagung und Hingabe, Verzicht, Wanderschaft, Ruhe und Mitgefühl im Netz des Ozeans der Maya; dazu Herrschaftskraft, dichterische Empfindung, Reichtum, Menschen, Scharen von Glücksgaben und Mantrawiederholung. [Die Aufzählung ist stellenweise uneindeutig.]
28.9 Freude im Herzlotos, Kinder und Besitz, Achtung, der rechte Weg, ein von Edelsteinen aus dem Meer der Wünsche erfülltes Leben, Freude mit Scharen von Gefährtinnen, Liebe zu den Mantras und ihren geheimen Zeichen, die Einheit von Hari, Hara und Brahma, Lehrerschaft für die Menschen und das beständige Tragen des einen Siegels von Shivas Wonne werden genannt.
28.10 Großer Gott, dies ist die Darlegung des Uttaratantra: die höchsten, niedrigsten und mittleren Kennzeichen der Mantravollendung.
28.11 Die Weisen und die vornehmsten Götter nehmen immer wieder, Geburt um Geburt, im Menschengeschlecht göttliche Gestalt an und finden unablässig Erfüllung.
28.12 Wer stets in rechter Weise dir und mir Trankspende, Feueropfer und Speisung darbringt, dessen Geist wird gewiss davon erfüllt.
28.13 Beim Trinken dieses Lebenswinds und seiner Verbindung mit dem feinen Mond soll diese Tätigkeit täglich, tags und nachts, immer wieder ausgeführt werden.
28.14 Man vollziehe jetzt dieses Werk, die höchste Yoga-Praxis. Beim glückgesegneten, guten und wahrhaft sprechenden Menschen wird selbst ein fehlerhaftes Mantra wirksam.
28.15 Ich werde diese Gesamtheit der Fehler erklären; höre wahrheitsgemäß. Auch durch Fehler wie „abgeschnitten“ beeinträchtigte Mantras werden durch das Yoga-Prinzip vollendet.
28.16 Herr der Götter, auch Bhuvaneshi, die gute Vollendung schenkt, ist durch die Fessel beeinträchtigt. Als verehrte Mahavidya ist sie ohne den Stolz ihrer Wirkkraft. [Die technische Beschreibung ist unsicher.]
28.17 Die Einsilbige ist ohne Wirkkraft; durch Vagbhava wird sie stark leuchtend. Ebenso ist die höchste Göttin Hamsini von Tara eingeschlossen. [Die Mantras werden hier nur durch ihre Namen bezeichnet.]
28.18 Die höchste Vidya Kameshvari ist von Kamaraja durchbohrt, zuvor durch den Pfeil bedrängt und bei Bhuvaneshi eingesetzt.
28.19 Die jugendliche Mahavidya, durch die die sieben Feinde erweckt werden [Lesung unsicher]: Ich selbst bin die Gestalt von Tara und Mond, allein mit Shiva und Shakti verbunden.
28.20 Höre, Herr, das Netz der Fehler der Bhairavi-Vidyas. Bei jenen, die dem Yoga-Weg folgen, verschwinden diese Fehler.
28.21 Denn die Göttin Kundalini wendet sich durch Yoga dem Bewusstsein zu. Darum soll man immer Yoga üben, damit alle Mantras vollendet werden.
28.22 Bhairavi gilt als von Brahma verflucht, verbrannt und festgenagelt; ebenso als Vernichterin, verwirrt und gebilligt.
28.23 Ihr Geist ist von großer Berauschung verwirrt; sie ist ohnmächtig, ohne Wirkkraft, erstarrt, getötet, abgeschnitten, durchbohrt, gehemmt und erschreckt.
28.24 Sie ist ohne Keimsilbe, kraftlos, eingeschlafen, berauscht, taumelnd, abgewandt, augenlos, verängstigt und schlecht zubereitet.
28.25 Sie ist tief schlafend, gespalten, gereift, ein kleines Mädchen, bekränzt, nachsichtig, furchterregend, jung, grausam, heuchlerisch und von Kummer bedrängt.
28.26 Sie ist unbarmherzig [Lesung unsicher], ohne Vollendung, unbeweglich, schwachen Verstand verleihend, ohne Ohren, ohne Nase, sehr zornig und mit zerbrechlichen Gliedern.
28.27 Sie ist Streit und streitliebend, durch den Verlust ihres Ortes erschüttert, vom Dharma abgefallen, überalt, allzu jung und die Vollendung vernichtend.
28.28 Sie besitzt erzeugte Wirkkraft, ist sehr schrecklich, eine Masse von Zorn, zerstörend, Wissen der Zeit, von feiner Ordnung, ordnungswidrig und den Dharma verwirrend.
28.29 Sie befindet sich an schwer zugänglicher Stätte, ist zerstreuten Geistes, äußerst heftig, wild einherschreitend, wie ein Meteor bewegt, scharf, wenig essend und ohne Anteil.
28.30 Sie ist ohne Wirklichkeitsprinzip, schielend, taumelnd, umarmt, besiegt, allzu verborgen, hungernd und listig; in der Meditation fest und unstet. [Dies ist eine technisch-personifizierende Reihe von Vidya-Zuständen; einzelne Lesungen bleiben unsicher.]
28.31 Diese Vidyas werden durch das Anhalten der Zeit im Yoga gnädig. Durch die Vira-Haltung und die vorbereitende Purascharana-Praxis entsteht Vollendung.
28.32 Anandabhairavi sprach: Dabei soll der Vira eine Gefährtin verehren, eine fremde oder auch die eigene: geschmückt, schön und mit lieblichem Lächeln.
28.33 Ihre Glieder sind vom Feuer der Liebe erhitzt, ihre Gestalt ist Freude am berauschenden Trank. Sie ist eine geeignete Yogini und Kaulini, von tugendhaftem Wesen und dem Kula ergeben.
28.34 Man verehre eine eingeweihte junge Frau, mit bewegtem Antlitz und bezauberndem Mundlotos, eine Jungfrau oder junge Frau aus den verschiedenen Ländern.
28.35 Sie übt Japa, lächelt sanft, liebt einen gemächlichen Gang, ist schlank, sehr schön und am ganzen Körper geschmückt.
28.36 Die Frucht, die ein Mensch durch das Verschenken von zehn Millionen Mädchen erlangt, erlangt er unmittelbar durch die Verehrung einer Frau. [Gemeint ist die traditionelle Gabe einer Tochter zur Heirat.]
28.37 Dann soll man zur Yoga-Vollendung sechzehn Mädchen beziehungsweise Yoginis mit höchster Hingabe, mit Gewändern, Schmuck und Zierrat verehren,
28.38 mit verschiedenen Teig- und Reisgerichten, gekochten Speisen und Speisen tierischen Ursprungs, mit Dickmilch, Milch und Ghee, mit frischer Butter und Zucker,
28.39 mit Speisen, denen Kandiszuckerstücke beigemischt sind, mit saftigen Früchten verschiedener Art, mit gepresstem Reis und Ähnlichem, Kokosnüssen, Kapila-Früchten [unsicher] und Orangen,
28.40 mit allerlei duftenden Früchten und Wohlgerüchen, mit Moschus und Sandelholz, mit duftender Sandelpaste und jungen Blättern.
28.41 Sorgfältig soll man sie mit im Wasser und auf dem Land gewachsenen Blumen, mit verschiedenen wohlriechenden Blüten, rotem Sandelholz und Kumkuma verehren.
28.42 Man verehre die Kula-Göttin in einem leeren Haus oder in einem einsamen Wald. Nachdem man sie herbeigeführt hat, spreche man den Willkommensgruß.
28.43 Man reinige mit dem Arghya-Wasser und vollziehe die Verwandlung in Nektar. Hat man die Shakti sich gegenüber Platz nehmen lassen, wird man gewiss ein Vira-Yogi.
28.44 Höre von der Shakti, der sechzehnjährigen Göttin, der glückverheißenden Liebhaberin des Kula-Kreises, der großen Shakti, die mit erhabenen Künsten begabt ist, Geliebte meines Lebens. [Die Anrede wechselt im überlieferten Wortlaut.]
28.45 Eine Brahmanin, Kshatriya-, Vaishya- oder Shudra-Frau, eine Kurtisane oder Schöne, mit dem Schmuck des Kula versehen, selbstbewusst und nicht allzu gelblich,
28.46 eine Wäscherin, Schauspielerin oder Kaula-Frau, dunkelgliedrig oder kräftig gebaut, eine zu einem vereinbarten Zeichen kommende Frau, eine Gattin, eine Gewandte oder Färberin,
28.47 eine Khataki [Berufsbezeichnung unsicher] oder ein Mädchen aus der Kola-Gemeinschaft, eine Förderin des Kula-Weges: schön an allen Gliedern, würdig, mit lieblichen Augen und lächelndem Gesicht.
28.48 Wenn diese Frauen der Einweihung ergeben sind, soll ihnen Einweihung gegeben werden, Herr. Dies wird entsprechend dem feinen Tantra erklärt und wurde zuvor angedeutet.
28.49 Eine an allen Gliedern schöne, reine junge Frau aus einer reinen Gemeinschaft oder Familie, die sich dem Yoga widmet, gilt als Göttin Dakini.
28.50 Man führe sie herbei und lasse ihr zur erwünschten Vollendung das große Mantra geben. Danach sind diese Frauen zu verehren; mit einer Uneingeweihten soll man dies nicht ausführen.
28.51 Zuerst lasse man ihnen zur Festigung des Sattva ein Mantra von Shri Krishna oder Rama geben; danach wende man das Mrityunjaya-Mantra an.
28.52 Man lasse ihr das Bija Anandabhairavis, das eigene Bija der Göttin und Shakti oder ein vollendetes Mantra der Shrividya geben.
28.53 Oder allein das Maya-Bija: Man betrachte die Göttin in einer durch Zorn geröteten Gestalt, leuchtend im Wurzellotos, von der Erscheinung einer selbstentstandenen Blüte. [Die Beschreibung ist teilweise unsicher.]
28.54 Indem man ihr die so beschaffene Mahamaya übermittelt, wird man siegreich. Zuerst im linken Ohr so oft wie die Zahl des Feuers, im anderen dreimal. [Die Zahl des Feuers bezeichnet hier drei.]
28.55 Danach soll der Wissende am Ende der stets freudvollen Einweihung die Unterweisung erteilen. Alle Mantrawiederholung wurzelt in der Einweihung; in ihr wurzelt die Gnade des Gurus.
28.56 Die Frau, die sich auf die Einweihung stützt und das Maya-Mantra wiederholt, ist eine höchste Khechari. Allein durch ihre Verehrung bin ich erfreut, daran besteht kein Zweifel.
28.57 Die Welten und die Herren der Welt bestehen in Frauengestalt. Ich bin die Frau, daran ist kein Zweifel: die Schöne, die als hässlich Bezeichnete und die Höchste.
28.58 Als Schöne wirke ich zur Bewahrung, als Hässliche zur raschen Vernichtung. Man soll die Gestalten gemeinsam betrachten; ihre Trennung ist eine Täuschung des Praktizierenden. [Die zweite Vershälfte ist unsicher.]
28.59 Die höchste, befreiende Vidya ist Sundari, die nach eigenem Wunsch Wandelnde, die Seiende und Bhavani. Diese Vidya soll man verehren.
28.60 In ihrem Körper, dem Körper der Göttin, bin ich stets fest gegenwärtig, Herr. Der Yogi, der allen gleich begegnet, soll sie als das Selbst aller erkennen. [Der Schluss ist grammatisch unsicher.]
28.61 Andernfalls geht die Vollendung durch unterscheidendes Grübeln über vorhandenen und fehlenden Bhava verloren. Ohne Bhava gelingt sie nicht, du, der in die Fülle der inneren Haltungen eingegangen ist.
28.62 Man vollziehe das Kula-Purascharana zur Befreiung von Kula und Akula. So wird man ein unvergänglicher, standhafter und wissender Yogi, bereits im Leben befreit.
28.63 Man lasse die Brahmanin und die schöne Frau Platz nehmen und verehre sie der Reihe nach. In der linken Hand halte man das große Arghya, mit der rechten reiche man Sitz und weitere Gaben.
28.64 Man gebe Fußwaschwasser und Sitze und spreche jede mit ihrem Namen willkommen. Dann besprenge man sie mit dem Wasser aus dem Arghya-Gefäß.
28.65 Man forme die Kuh-Mudra und vollziehe mit dem Vaṃ-Mantra die Verwandlung in Nektar. Danach vergegenwärtige man die jeweils unterschiedliche Gestalt.
28.66 Man gebe ihnen entsprechend den Bezeichnungen Namen und biete einen Sitz an. Die erhabene Bhairavi sprach: Nun, Geliebter, werde ich die Handlung des Durchdringens der sechs Chakras erklären.
28.67 Durch ihre Ausübung wandeln Unsterbliche in der Welt des Beweglichen und Unbeweglichen. Sie beseitigt vorzeitigen Tod und vernichtet alle Krankheiten.
28.68 Durch Yoga nehmen die Scharen der Lebewesen unsterbliche Gestalt an. In den sechs Chakras und im großen Lotos, der alle Eigenschaften des Sattva enthält,
28.69 im Bereich von Recht und Unrecht, im Reich des Geistes, im Schatz aller Wissensformen und im Opfer liegt das, was alle Verfehlungen beseitigt, vor allem die Befleckungen des Kali-Zeitalters. [Der syntaktische Zusammenhang bleibt offen.]
28.70 Indem die Lebewesen ihren Geist auf Mahakala richten, können sie überallhin gelangen. Als der große Held dies hörte, der Unterscheidungsfähige und Kenner der höchsten Wahrheit,
28.71 fragte er, Shankara, erneut nach Wissen und dem zu Wissenden. Anandabhairava sprach: Erzähle vom Durchdringen der sechs Chakras, Schönantlitzige!
28.72 Offenbare es zum Wohl aller Lebewesen, in goldener Farbe geschmückt, Geberin von Gaben! Sprich vom Aufgang der Yoga-Wege.
28.73 Ich wünsche es zum Wohl der Standhaften: Durch welchen Yoga entsteht im Lauf der Zeit Vollendung, indem das Netz der Zeit vernichtet wird?
28.74 Zum Zweck der Läuterung von der Zeit wurde die abschließende Feier erneut vollzogen. [Der Zusammenhang ist unsicher.] Anandabhairavi sprach: Zuerst erzeuge man die höchste Freude, die aus dem Ozean des Nektars entsteht.
28.75 Höre die höchste Reihenfolge, die das mit trägen Eigenschaften verbundene Erschlaffen betrifft [Lesung unsicher]. Im Wurzellotos soll man einen Lobgesang und die vorbereitende Verehrung Kundalinis ausführen.
28.76 Während des Purascharana, am Ende der Mantrawiederholung, bei täglichen Handlungen, bei zweckgerichteten Riten und bei den Handlungen des Dharma,
28.77 soll man mit Hingabe an den Guru und die ursprünglichen, ewigen Gurus rezitieren: „Om, Verehrung dem Guru! Om, Verehrung der höchsten Gottheit, der Guru-Mutter,
28.78 deren Gestalt alle Dharmas sind, deren Gestalt alles Wissen ist! Om, der Entfaltung des Daseins! Om, der Vernichterin von Dakshas Opfer!
28.79 Om, Bhadrakali! Om, Kapalini! Om, Uma! Om, Maheshvari! Om, der Retterin aus aller Bedrängnis! Om, der großen Göttin: Verehrung, Verehrung!
28.80 Om! Sie ist Maya, Shakti, die den Danava Maya vernichtet; sie ist Geduld und die Handelnde. Gegen Shumbha, den mächtigen Mahishasura und die Dämonenheere ist sie die große Wilde [Wortlaut beschädigt]. Glückverheißend und weich, liebt sie Blut und schenkt Freude; ihr Zornesleib gleicht einem roten Lotos. Chamunda ist im Kampf die Nacht für Raktabija; sie ist Mondlicht, ihr Gesicht ein blauer Lotos.
28.81 Sie ist Gattin, Sieggeberin, Hausherrin der Menschen, Furchtvertreiberin und Bhairavi, die Ewige. Gewähre Schutz, Glückverheißende, damit die Kraft der Rede aufsteigt! Möge sie die Kraft meines Körpers und meiner an Sinnesgegenständen erfreuten Sinne bewahren, die in der Brust wohnt und als mächtige, leuchtende Flamme das Leben schmückt. [Die Schlussfügung ist unsicher.]
28.82 Mache den in seinem eigenen Haus Verweilenden mit Yoga und Kula verbunden, stets erfreuten Sinnes, stets auf Zügelung bedacht und rein durch die Hingabe an das Höchste! Shambhu, beschütze ihn und entferne den Staub! In der ständigen Betrachtung des Fußlotos des Herrn werde er zum gezügelten Yogi der drei Welten, der die Vidya liebt und das Liebliche schaut. [Mehrere Lesungen sind unsicher.]
28.83 Frei von Verlangen, dem Dienst am eigenen Guru ergeben und läuternd, soll er nicht von Gesprächen über Liebe und Freude abweichen. Die Wendung zu Falschheit, Gewalt und Kränkung ist gestört. Frei vom Netz der Fehler und vom Vergeuden der Zeit, sei er ein Shakta, ein guter Verehrer und Herr, ein geliebter Verehrer der erhabenen Shakti, innerlich von schönem Wissen erfüllt und würdevoll.
28.84 Ich verehre den höchsten Purusha der drei Welten, den höchsten Sonnen-Hamsa: den Zeugen mit guten Kennzeichen, dessen Stätte durch die feine, allerfeinste Kette gebunden ist; die Ursache der vielfältigen Ursachen, den Weg und die Darbringung an das gestaltete Brahman. Die Ewige ist mit ihm verbunden; er ist groß im All und kennt die Yoga-Sitze. [Der Vers ist stark gestört; mehrere Beziehungen bleiben unsicher.]
28.85 Im Schoß der Maya leuchtet der eine Same der Freude für die schönen Augen. Sie ist vom Wogen des Schicksals bewegt, Kula und Akula umfassend, unvergleichlich, mit dem Feuer der Zeit als Fahrzeug oder Antlitz [unsicher]. Sie ist die Kaula-Knospe der Zeit, verbunden mit dem Spiel des Weins, mit Armreifen und Ketten geschmückt. Die gelb Gekleidete, rasch auf ihrem Sitz, die Liebevolle, möge alle meine Glieder schützen!
28.86 Sie ist die Junge, von Stärke getragen, schwer zu ergründen, Ehrung und Sammlung. Mit der dreifachen Kham-Keimsilbe wird sie angerufen: im Himmel, im Beweglichen und Unbeweglichen, im Kula und in der Rede wandelnd [weitere Bezeichnung unsicher]. Mit der dreifachen Cham-Keimsilbe: die Chamari, Hari und Bhagavati, in Gesängen gegenwärtig und Vereinigung. Die Lotosgesichtige, die Chanda und Munda beseitigt, möge meine Arme schützen!
28.87 Mit der dreifachen Kam-Keimsilbe: Kamalas Kunst, Frucht des Weges, mit Scharen schnaubender Schakale. Mit der dreifachen Pam-Keimsilbe: die Höchste, Rama, zum Sieg schreitend, verbunden und wandelnd. Mit der dreifachen Tam-Keimsilbe: die Röte in der Finsternis, voll Mitgefühl, mütterliche Stärke und Retterin. Mit der dreifachen Bham-Keimsilbe: die Furchtvertreiberin, die Freude schenkt. Möge sie in mir wohnen!
28.88 Mit der dreifachen Jham-Keimsilbe wird sie angerufen, die auf dem Weg des rauschenden Strömens steht und Rama erfreut [Lesung unsicher]. Mit der dreifachen Mam-Keimsilbe: mich, den Befleckten, möge die Reitende schützen, die Vernichterin der Feinde, die den Verehrern die Furcht nimmt und im Angesicht der Schlacht als Kula-Feuer der Feinde steht. Sie, sie, sie sei die strahlende Fülle der Macht, glänzend mit leuchtendem Fußpaar!
28.89 Mit der dreifachen Gam-Keimsilbe: die Gestalt des Gurus, aus der sich die Wonnenfülle Ganapatis erhebt, die rötliche Kala des Lotos, der den Kern Taras bildet, mit millionenfach leuchtenden Augen. Die dem stets glückverheißenden Shiva liebe Bahn, hell wie unzählige Sonnen, möge meine Augen schützen; die mit Schädeln Geschmückte, deren Menschenkopfkranz schwingt, meinen Mund!
28.90 Die Herrin des Yoga, die Menschengestaltige, aus der mächtige Gespräche über den Mondbekrönten aufsteigen, möge stets meinen Kopf, die Stirn und beide Ohren schützen! Die am Gipfel des Meru Weilende, die Eine, beschütze meine Gestalt und die Wangen. Die Trägerin, die die Erde hält, schütze den unteren Bereich. [Die Zahlen- und Körperteilbezeichnung am Schluss ist beschädigt.]
28.91 Die Stärkere als Bhrigu [unsicher] schütze die beiden Höhlungen an der Nasenspitze, die Retterin die drei Augen; die Haar-Kalika, die schön Bräunliche mit dem Kailasa-Berg als Sitz, die Haare. Die Dämonentöterin mit reiner Skelettkette und schönem Gewand schütze die Zahnreihe; die über die grenzenlosen Lehrtexte Hinüberführende und Benennung und Rede Stillstellende das Äußere und das Mantra. [Die letzte Zuordnung ist unsicher.]
28.92 Mit der dreifachen Ham-Keimsilbe: Die schreckliche Geliebte mit der Menschenkette, die Umherziehende, möge mich schützen! Die Chanda und Munda Beseitigende vernichte beständig meine Feinde. Die Furchtbare, deren Glut brennt, verbrenne sie; die Mehrende lasse Gedeihen wachsen. Sie ist berauscht vom Spiel des geliebten Mandara-Dufts und durchdringt Kunstfertigkeit und Verblendung. [Schluss unsicher.]
28.93 Die Dunkle möge schützen, deren Dröhnen dem von Millionen Sonnen gleicht, die den Ham-Laut und den Phat-Ruf hervorbringt. Sie schenkt den Sieg über den ganzen Kern des Freudenfestes und ist überall Beschützerin. Mit der dreifachen Kshaum-Keimsilbe: die mit den harten Silben, die Zerstörerin, die Fehler aller Glieder vernichtet, die höchste Vernichterin des Körperfeindes; sie verzehrt die Fülle des Blutes. [Die Wendungen zu Haar und Brust sind beschädigt.]
28.94 Mit der dreifachen Gham-Keimsilbe: die mit dem Rasseln der Gefäße, die Auflösende, möge mich schützen. In jedem Weltalter bewahre sie überall meinen von großer Furcht bedrängten Körper. Die Kalika, die den Schlaf vertreibt und die Küste Lankas bedeckt, schütze meine Familie. Mit der dreifachen Nam-Keimsilbe: die mit strahlendem Augen-Antlitz, die schöne Lotoshafte, deren Kennzeichen Lakini ist.
28.95 Die aus Mudra Bestehende möge stets meinen Bauch, den Rücken und meinen Besitz schützen! Die schreckliche Wäscherin der Zeit, die Färberin und Verspielte, schütze die Befreiung. Die wirkende Zaubermacht, das Mädchen des Barbiers, die Mondgesichtige, die Feine, weilt in meinem Lebensatem, prächtig geschmückt mit einer geliebten Mandara-Girlande und einer Kette aus Edelsteinen.
28.96 Die von Yogis zu Verehrende, die Eifrige, Bhagavati, die an der Wurzel Weilende, die gute Handlung selbst, die Berauschte und ihrem Gatten Treue, möge mein Haus, meinen Dharma, meinen Ruhm und mein Heil schützen! Kali, die große Yogini, erscheint in der Mitte des Dharma-Lotos. Sie vernichtet den übermäßigen Stolz der Berauschten, trägt Haras Schädelkette und ist die einzige Kala.
28.97 Sie möge meinen verborgenen Bereich, meinen Sieg, mein Linga und meinen Wurzellotos schützen! Die Tochter des Schneegebirges, die Furcht vertreibt, beschütze die Hüftgegend. Die Shakti, die in allen Herzen als Feuerflamme aufsteigt und die Gestalt des Geistes hat, möge meine Hingabe bewahren: die in Liebe Gewandte, Lakshmi, meine Geliebte, Herr!
28.98 Gauri, die auf Erden Würde verleiht, Mahamaya, vertreibt die große Verblendung. Mit der dreifachen Vam-Keimsilbe: die vortreffliche Varuni, der gute Rauschtrank, möge stets meine Taille schützen. Die Verborgene, jenseits von Sonne, Mond und Feuer, die aus eigenem Willen Bestehende, schütze mein Gesicht!
28.99 Wer diesen Lobgesang zu jeder Zeit und stets rezitiert, wird ein großer Herr des Zeit-Yoga und ein Schatz der Mahavidyas.
28.100 Beim Erwecken des Wurzellotos, bei der Praxis der ursprünglichen Natur, beim Erwecken des eigenen Mantras und in Zeiten schrecklicher Bedrängnis
28.101 verschwinden seine Nöte wie die Dunkelheit durch die Sonne. [Die überlieferte Vergleichsform ist gestört.] Zu allen Zeiten und an allen Orten vernichtet er schwere Verfehlungen.
28.102 Im Kali-Zeitalter wird er ein Sohn der Yoginis, daran besteht kein Zweifel.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Bestimmung von Bhava und Asana, in der Pashu-Ordnung, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Lobgesang an die im Kanda Wohnende“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 28.
Kapitel 29: Der Wurzellotos, die inneren Bahnen und die große Auflösung
29.1 Anandabhairavi sprach: Nun werde ich hier wahrheitsgemäß den Yoga der sechs Chakras erklären. Indem ein Mensch die verschiedenen Formen des Kundalini-Yoga ausübt, wird er zum Yogi.
29.2 Das Durchdringen der sechs Chakras erstreckt sich von der Wurzel bis zur Brahman-Öffnung. In den sechs Chakras wohnen die vielfältigen Yoga-Lehren.
29.3 Wer hier die sechs Chakras kennt, versteht den Sinn aller Lehrtexte. Der Wurzellotos hat vier Blätter, die mit den Buchstaben von Va bis Sa verbunden sind.
29.4 Goldfarben und fleckenlos soll der Yogi ihn immer wieder betrachten, in einem einsamen, menschenleeren Wald, der von Tieren und Vögeln bevölkert ist,
29.5 an einem furchtlosen, schönen Ort ohne Hungersnot und ähnliche Bedrängnisse. Der Mantraübende nehme einen festen Sitz ein und widme sich dem Yoga-Weg.
29.6 Dann wird er nach meiner Lehre rasch zum Yogi. Stets freudig soll er den Buchstaben Va auf dem östlichen Blatt betrachten:
29.7 goldfarben, den Menschen wohltuend, aus Sattva entstanden, auf dem östlichen Blatt befindlich und beglückend; dem Berauschten lieb, eine Wohnstatt des berauschten Elefanten, den Sinn des Mantras verkörpernd und von kühlender Gestalt,
29.8 eine Stätte der Zeit, die auf der Kraft des Yoga beruht, lichtvoll, Vollendung und Gedeihen schenkend, ehrwürdig: den ersten Buchstaben Vaṃ als Mittel des höchsten Bhava, als Narayana und als unvergänglichen fünften Bereich der Vergegenwärtigung. [Die Schlusswendung ist unsicher.]
29.9 Man meditiere über den Buchstaben Sha [palatal], leuchtend wie ein goldener Berg, den alten, Heil bringenden Ausdruck des Herrn der Gauri, Lakshmi lieb und von lauter Gold umgeben, stets freudig auf dem vortrefflichen südlichen Blatt.
29.10 Ich verehre das goldberggleiche Blatt: den Schmuck der sechsten Eigenschaft von Shamishvari [Lesung unsicher], den höchsten Durchdringer der sechs Lotose, der die höhere und niedere Stätte bewohnt. [Der Buchstabe des dritten Blattes ist in diesem Wortlaut nicht eindeutig herausgelöst.]
29.11 Ich meditiere über den Buchstaben Sa, den überaus geliebten Nektar der Freude, auf dem Gipfel eines großen Goldberges. Freudig betrachte ich im Haus des Herrn der Wolken den Sieg, der Mayas große Verblendung vernichtet.
29.12 Der Mantraübende soll stets vierarmige, zweiarmige, achtzehnarmige und achtarmige Gestalten betrachten, damit sein Bhava rein werde.
29.13 Danach meditiere er in der Mitte des Fruchtbodens über das bezaubernde höchste, selbstentstandene Linga, das den Yogis Yoga-Vollendung verleiht.
29.14 Es gleicht der Morgensonne und strahlt wie zehn Millionen Blitze. Die große Göttin Kundalini, die Yoga schenkt, umwindet es.
29.15 Sie besitzt den Knoten von dreieinhalb Windungen und verleiht Befreiung. Schlafend ist sie stets glückverheißend und vernichtet große Verfehlungen.
29.16 Beständig leuchtet sie auf seinem Haupt als Trägerin des Mondes. Die Ewige hält seinen Atem und trägt das Leben der Welten.
29.17 Sie schläft, gewunden wie eine Schlange, und glänzt wie Milliarden Sonnen. Wenn sie das Linga verlässt und auf dem großen Weg hervortritt,
29.18 dann wird der reine, Meditation und Sammlung übende Yogi vollendet, stets von Freude erfüllt und ewig, sobald Kundalini bewusst geworden ist.
29.19 Der Yogi, der in der überaus feinen Höhlung innerhalb der Sushumna-Nadi seinen Geist festhält und sich dem Atemweg zuwendet:
29.20 Dann strömt die höchste, bewusste Kundalini rasch. Im Rücken, im großen Stab, an der hell leuchtenden Wurzel des Meru,
29.21 befindet sich der von der Wurzel bis unter die Brahman-Öffnung reichende, stets knöcherne Träger. Unter dem Namen „Goldener Berg“ leuchtet er in den drei Welten.
29.22 In seiner Mitte liegt die höchste, feine, vielgestaltige Sushumna. Sie hat die Gestalt des stillen Geistes und macht den Geist bewusst.
29.23 In ihr leuchtet die Vajra genannte Bahn, die schreckliche Verfehlungen vernichtet. Sie schenkt den Kennern des Bhava Vollendung und denen, die Kula verkörpern, Befreiung.
29.24 In ihrer Mitte liegt die Göttin Chitrini, welche die Freude der Gottheiten mehrt: die Wohlwollende, Mahamaya, die das Netz der Zeit vernichtet.
29.25 Sie schützt alle höchsten Chakras von Lotosgestalt, die den Kreis der drei Welten durchziehen und unmittelbar Nektar verkörpern.
29.26 Die Chitra genannte Göttin von schönem Glanz trägt sie selbst: unten, hinten, oben, am Kopf, an Brust und Nabel,
29.27 in der Halsgrube und inmitten der Chakras. Stets schützt sie das Weltenei, das die Gestalt des Körpers hat, dem Herrn dient und die drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen umfasst.
29.28 Wer als Betrachtender den mit Chitra schön verbundenen Lotos vergegenwärtigt: Durch Bhava wird Yoga erlangt, durch Bhava wird Shiva betrachtet.
29.29 Durch Bhava erlangt man Shakti; darum soll man darin Zuflucht nehmen. Wer die sechs Chakras vergegenwärtigt, wird ein großer Yogi.
29.30 Mit allen Dharmas ausgestattet, strahlt er auf dem Erdkreis. Er kann überallhin gelangen, wenn sein Geist im Lotos aufgeht.
29.31 Allein durch die Vergegenwärtigung des Lotos wird er dem Raum gleich. Indem er seinen Geist auf den großen Lotos richtet, wird er gewiss ein großer Verehrer.
29.32 Wenn er ein Verehrer wird, Herr, dann ist er ohne Zweifel befreit. Wenn er auf Erden befreit und der Yoga-Meditation ergeben ist,
29.33 dann erkennt er die jenseits der Zeit Stehende und wird allsehend, allwissend, alles erkennend und nach allen Seiten glückverheißend; daran besteht kein Zweifel.
29.34 In der Mitte Chitrinis liegt die hell leuchtende Brahman-Nadi. Diese ewige Göttin schenkt alle Vollendungen und ist die Gesamtheit der Kalas.
29.35 Bhagavati hat die Gestalt des Raums und die Natur allen Bewusstseins: das eine höchste Brahman, das über Brahma hinausweist, die drei Welten.
29.36 Wenn die drei Welten Brahman sind, dann sind sie die Wohnstatt des Sattva, Herr. Wer den Geist in die große Auflösung legt, wird Sieger über jede Zeit.
29.37 Als Todesüberwinder, großer Held, großer Schirm und höchster Weg offenbart er sich in allumfassender Gestalt als Herr.
29.38 Stets aus dem Mantra hervorgehend, mit weiten Augen und klarem Geist, bleibt er an einem Ort und gelangt doch zu den Sternen, Shankara.
29.39 Mit ungeteilter Schau, frei von Hunger und Durst und ohne Worte richte er seinen Geist auf das Gestaltlose. Dann ist er groß, Herr.
29.40 Doch für die Unwissenden gibt es diese große Auflösung keineswegs, Herr. Für die Yogis ist dies die große Weltauflösung, daran besteht kein Zweifel.
29.41 Wer zur Reinigung der Verbindung des Geistes Tag und Nacht den Geist aufgehen lässt, ist selbst Befreiung, ein Ozean von Tugenden, das Feuer der Zeit und die Gottheit seiner eigenen Gottheit.
29.42 Frei von Veränderungen in der großen Vereinigung des Geistes, geschmückt mit der Reinheit des Bereichs von Wunsch und Handlung [unsicher], den Wegen förderlich, einsichtig und losgelöst, weilt der Verehrer in der großen Auflösung und ist wahrhaft unsterblich.
29.43 Würdevoll, mit einem Geist, der durch prüfende Betrachtung unterscheidet, frei von schlauer Berechnung und geistiger Heftigkeit, wird er ein Yogi und Herrscher im Kreis der Praktizierenden: Stets lässt er sein Bewusstsein im Raumlotos los.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Die große Auflösung“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 29.
Kapitel 30: Mantras des Wurzellotos und Lobgesang an Dakini
30.1 Anandabhairavi sprach: Nun, Mahakala, werde ich den Wurzellotos erläutern. Wer dies ausführt, werde unsterblich und lebe die vier Zeitabschnitte hindurch.
30.2 Um die sechs Chakras zu durchdringen, soll man bei der durchdringenden Shakti Bhedini Zuflucht nehmen; bei der Yogini Chedini, die alle Knoten durchschneidet, soll man Zuflucht nehmen.
30.3 Ich werde ihre Mantras erklären, durch die ein Mensch vollendet wird. Höre zuerst das große Mantra, die höchste Formel Bhedinis.
30.4 Zuerst hebe man Kali heraus, danach das Brahman-Mantra. Nachdem man den Pranava der Göttin herausgehoben hat, folge „Bhedani“.
30.5 Dann nehme man „mama“ und zweimal „prapaya“; nach dem Wort „chittachanchi“ zweimal „mam raksha“. [Die Wortgestalt „chittachanchi“ ist unsicher.]
30.6 Nach „Bhedini mama“ folge: „Nimm den vorzeitigen Tod hinweg!“ Dann zweimal „hara“, „das eigene große Vergehen“, „Verehrung, Verehrung“ und die Gattin des Feuers, das heißt Svaha. [Die Vorlage gibt eine teils unklare Zusammensetzungsanweisung, kein durchgehend ausgeschriebenes Mantra.]
30.7 Dieses Mantra soll man dort beim Schutz durch Dakini wiederholen, Herr. Zuerst hebe man den Pranava heraus und danach das Brahman-Mantra.
30.8 Dann spreche man „Shambhavi“ und das Wort „Brahmani“. Man sammle den Geist und füge zweimal das Wort „taraya“ hinzu: „Führe hinüber!“
30.9 Nachdem man „Chedini“ herausgehoben hat, folgen die Wörter „mama manasa“, dann „mahandhakara“ und zweimal „chedaya“: „Durchschneide die große Finsternis meines Geistes!“
30.10 Nachdem der Einsichtige die auf Svaha endende Formel gebildet hat, wiederhole er sie im Wurzellotos. Durch die Gnade dieses Mantras wird ein Mensch bereits im Leben befreit.
30.11 Ebenso soll man dort das Mantra der weiblichen Yogini wiederholen, Shankara: Om, das Wort „Ghorarupini“, „Sarvavyapini“ – „Schrecklichgestaltige, Alldurchdringende“ –, Shankara,
30.12 „Große Yogini, nimm meine Verfehlung, meinen Kummer und meine Krankheit hinweg!“ Dann: „Durchschneide den Gegner!“ und zweimal: „Schenke mir Yoga!“
30.13 Hat man das mit Svaha schließende Mantra gebildet, wird man durch seine Wiederholung ein Yogi. Durch die Yoga-Übung erlangt der König der Yogis die Fähigkeit, im Himmel zu wandeln.
30.14 Der stets übende Yogi meditiere an der Wurzel immer wieder über Dakini, die mit Brahma verbunden ist. Als Kenner des Yoga wiederhole er ihr Mantra zusammen mit dem Brahman-Mantra.
30.15 Ich werde das Brahman-Mantra erklären. Auch durch dessen Wiederholung wird man zum König der Yogis. Durch die Gnade des Brahman-Mantras wird selbst ein stumpfer Mensch zum Yogi, daran besteht kein Zweifel.
30.16 Man nehme drei Pranavas, dann ein Paar langgezogener Pranavas, danach wiederum drei Pranavas; „Brahma, Brahma“, jeweils dreimal. [Die Wiederholungsangabe ist mehrdeutig.]
30.17 Nach „sarvasiddhi“ folge „palaya mam“: „Bewahre mich!“ Dann soll man „Sattva, Guna, beschütze, beschütze“, Maya und Svaha wiederholen. [Die Kasusformen sind gestört; die verschlüsselte Formel wird nicht stillschweigend berichtigt.]
30.18 Höre nun den König der Dakini-Mantras, höchster Herr. Durch seine Wiederholung wird Dakini willfährig, welche die drei Welten im Bestand bewahrt.
30.19 Wer das Dakini-Mantra wiederholt, dessen Kundalini wird augenblicklich bewusst. Mühelos entstehen Vollendung und die Schau des höchsten Selbst.
30.20 Man hebe dreimal Maya heraus, danach einmal den Pranava. Auf „Dakini“ folge „Maha“, danach „Dakinyamba“.
30.21 Wieder nehme man den Pranava, danach dreimal Maya. Auf „mama yogasiddhi“ folge zweimal „sadhaya“: „Vollende meine Yoga-Verwirklichung!“
30.22 Hat man die Formel gebildet, Herrin der Götter, wird selbst ein stumpfer Mensch durch ihre Wiederholung zum Yogi. Nach der Wiederholung soll der Mantraübende zur Vollendung des Purascharana die vollständige Verehrung ausführen.
30.23 Überall mit Gleichmut, mit verschiedenen Opfergaben und mit den Mitteln des Geistes verehre er im Wurzellotos.
30.24 Danach vollziehe er geistige Mantrawiederholung und rezitiere den Lobgesang, der im Kali-Zeitalter reinigt. Zum König der Yogis geworden, wohne er im Haus der sechs Chakras.
30.25 Wer täglich Brahma, verbunden mit Shakti, preist, großer Herr: Zu dessen Bewahrung ist mein Yantra auf Erden.
30.26 Höre diesen dem Yoga dienenden Lobgesang und nimm ihn aufmerksam auf. Durch die Gnade dieses Lobgesangs gewinnt man Macht über die große Auflösung.
30.27 Im Wurzellotos betrachte man Brahma, dessen Fahrzeug eine Schar von Hamsas ist und der Zuflucht gewährt [Anfangsfügung unsicher], dessen göttliches Antlitz allein der Gabe des Wissens dient. Seine Augen sind wie durch Feuer und Mond entfaltete Lotose [Lesung unsicher]. Er ist Herr der Rede, in ihrem Gang gegenwärtig, einsichtig, rein und schön gefärbt wie die junge Sonne; von Dakini umarmt, schenkt er Göttern und Menschen Gaben.
30.28 Freudig meditiere man über die ewige, Brahman ergebene, wonnevolle Dakini: die Rote, die das Gehen bezaubert [unsicher], auf dem Kula-Weg wissend um das von Wissen erfüllte Akula. Nahe der Mitte des Wurzellotos, in der Erdscheibe, steht sie als Ursache des Lichts, bezaubert den Weg, besitzt die als Veden bezeichnete Armzahl und ist die Vidya, die das Dasein erfreut.
30.29 Wer als Einsichtiger mit Hingabe die in der Wurzel und im eigenen Kula Weilende preist, nachdem er sie mit der am Hals herabhängenden, wahrhaftigen Kette des Wissens betrachtet hat: Ich nehme Zuflucht bei ihr, deren Strahlen den Kern der vielfältigen Gestalten und Veränderungen bilden, der Schöpferin, der Vornehmsten der Yoginis, die unter den Vornehmsten weilt, beständig und im Sattva gegründet. [Die Satzfügung ist beschädigt.]
30.30 Die Göttin, die neue Dakini, die sich an sich selbst Erfreuende, Wissende und Bezaubernde, möge mich schützen! Die geliebte Liebende, aus dem Wonnenmeer des Schöpfers des Daseins geboren, möge meine Wurzel mehren, leuchtend durch ihre Eigenschaften. Sie ist Shri, der Kreis des Ruhms, die Mutter, ewig, mit aufsteigenden Kräften der Vollendung, den Göttern gnädig und unter dem Namen Shri bezaubernd.
30.31 In ihrer Mitte ist die höchste Kala, die Frucht des Kula, von der Gestalt eines kräftigen Pfeils, die Vollmondnacht. Die folgende Mondbeschreibung ist beschädigt. Beweglich, rein und zart ist sie, die Mutter mit der frischen Girlande. Stets schütze sie mein Kula und den Wurzellotos, die Göttin, hier „Lavarakinī“ genannt [Lesung unsicher], in der der eine Same des freudvollen Aufblühens der Kali-Frucht liegt.
30.32 Ich verehre die Trägerin, die Standhafte, die Gute, die Honigreiche, die Wissende, Bharati, die Glückverheißende, das Kula-Mädchen, dessen Gestalt die Menschen trägt [unsicher], mit feiner Stätte; die in Befreiung Weilende, im Bestand Verehrte und Gegenwärtige, die glückverheißende Mutter der Yogis, die mit heilbringender Absicht kommt, zur Ruhe geht, im Gesang aufsteigt und verborgen ist.
30.33 Ich verehre die Herrin des Kalka [unsicher], die Kula-Kundige, die auf dem Kula-Weg die Tätigkeit der Knoten durchschneidet: die Ewige, die Kennerin der Eigenschaften, die sehr Bewegliche, deren Kette rot wie hundert Sonnen ist; die Vidya mit aufsteigender wilder Kraft, die sich erhebende Silbe zum Schutz der drei Welten, die in Brahman-Erkenntnis wohnt und aus dem einen Samen reiner, heller Glückseligkeit hervorgeht.
30.34 Ich verehre Kamakhya, der die Erfahrung des Sinns des Gesangs lieb ist, mit allen Kalas versehen und rot vom Glanz der Vollendeten: die Wohnstatt der Geburt, der die Ursache lieb ist, die gute Handlung selbst, in der Vollendung ganz der Praxis ergeben, die Höchste, die Gestalt annimmt.
30.35 Ich verehre Brahma: Ursprung der Brahman-Erkenntnis, Auge des Tugendschatzes [unsicher], Fahrzeug der Freude an der Ursache, Brahman-Same, Erzeuger des Sieges über die Nacht, den Opferhandlungen liebevoll zugewandt,
30.36 jenseits von Kummer, demütig, dessen Rede die Menschen erfrischt [Lesung unsicher], Kenner der Vorschriften aller Wissensformen, Kern des Kerns, Baum, Vernichter aller Finsternis, auf dem Hamsa fahrend.
30.37 Ich verehre den Weg dieser Verbindung, der auf immer neuen Blättern weilt, die Veden und Vedangas kennt, den Wurzellotos erhellt und als Kern der erhabenen Gestalt von junger Sonne und Mond erscheint,
30.38 den Bhava Genannten, durch Bhava Vollendeten, den Schöpfer, der Sieg um Sieg schenkt, den durch Meditation Erreichbaren, den Uralten, den „Jenseitigen“ Genannten, der hinüberführt, den vom höchsten Wesen Gezeugten in Brahmans Gestalt. [Die Schlussbezeichnungen sind mehrdeutig.]
30.39 Nachdem man über Brahma zusammen mit Dakini meditiert hat, rezitiere man den Lobgesang. Durch Rezitation und Bewahren wird der Mantraübende ein Gefährte der Yogis.
30.40 Allein das Rezitieren vernichtet große Verfehlungen. Über den Herrn der Welt in seiner einen Gestalt, mit großen Lotosaugen,
30.41 soll man auf diese Weise meditieren und den Lobgesang rezitieren. Durch die Rezitation wird man zum König der Yogis.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Praxis zur Vollendung der sechs Chakras, unter dem Namen „Lobgesang an Dakini“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 30.
Kapitel 31: Lobgesänge an Bhedini, Chedini und die Yogini
31.1 Anandabhairavi sprach: Nun, Herr, werde ich die höchste Praxis Bhedinis erklären. Allein durch diese Praxis wird man ein Yogi, der die Macht des Kali-Zeitalters vernichtet.
31.2 Verwirkliche im Kali-Zeitalter den großen Yoga, großer Herr! Wird die Zeit nicht gemeistert, so verschlingt sie den Körper.
31.3 Durch die Praxis Bhedinis geschieht das Durchdringen der Knoten. Man meditiere im Herzen über Dakini, deren Gestalt höchste Freude ist,
31.4 mit acht Händen, großen Augen und Gliedern, die vom Mond gezeichnet sind: die Vidya, die die drei Welten bezaubert, Furcht erregt und den Guten Gaben verleiht.
31.5 Nachdem der Yogi sie weiß, dreiäugig und von lieblich bezaubernder Gestalt im Wurzellotos betrachtet hat, verehre er sie mit Fußwaschwasser und den weiteren Gaben.
31.6 Indem er den Geist dort aufgehen lässt, wird er auf Erden ein Yogi. Wenn der Geist zur Auflösung gelangt, soll er ihren Lobgesang rezitieren.
31.7 Allein durch das Rezitieren des Lobgesangs wird man in allem Sattva gegründet. Nach der Meditation rezitiere man ihn; so wird man von allen Vollendungen erfüllt.
31.8 Bhedini, die alle Knoten vernichtet und innerhalb der verschiedenen Dharmas alle Feinde zerstört, möge täglich und stets meinen Körper schützen: Bhagavati, deren Wesen die Zeit ist und die glückverheißende Werke vollbringt.
31.9 Die Geliebte, voller Mitgefühl, in der vollendeten Freude der drei Welten gegründet, die Ewige, Beschützerin und Kunst des Kula, die Blaue, Reine und Zarte, ist Vani, die Vollendung schenkt. Sie erscheint rasch bei den Fesseln dessen, der sein Ziel erreicht hat [unsicher]; sie ist Shankari, die Benennungen durchbricht, Heil wirkt und die vollendete Einsicht des Vedanta verleiht.
31.10 Vani, die Junge, die Kula-Gestalterin, deren Füße lieblich klingen, die mit unzähligen Paaren von Girlanden Geschmückte; spielerisch im Raum der Stirn, im Kula-Lotos bewegt, die Bewegliche, die Zeit des Körpers. [Einzelne Namen und Worttrennungen sind unsicher.]
31.11 Sie heißt Durchdringung, durchdringt das zu Durchdringende und macht schönen Klang hörbar; sie offenbart Nada und Bindu. Möge sie meinen Kopf, meine Stirn, Gesicht, Herz und Taille sowie den Hauptlotos schützen!
31.12 Sie erhellt den Kanchi-Pitha, geht in ihrer eigenen Stätte auf, hat Augen und Brust einer Yogini [Lesung unsicher], wird nicht durch übermäßigen Yoga offenbar und ist mit hundert Opfergaben verbunden; sie vollzieht die schreckliche Auflösung.
31.13 Ihre Gestalt ist Brahmans Wonne; sie beseitigt das Denken an verkehrte Wege. Diamanten leuchten als ihre Augen. Mit Kettenreihen und anderem Schmuck versehen, strahlt sie wie hundert Monde. Möge sie mich und meinen zu durchdringenden Körper schützen!
31.14 Bhedini ist Bagalamukhi, selten selbst in Himmel und Befreiung zu finden. Die Beziehung zu „Verfehlungen, Feinden und Geliebten“ ist im Text beschädigt. Sie möge alles von meinem Körper erstrebte Wohl schützen, die Fülle der Bhava-Kraft, die mit dem Körper zusammen gegenwärtig ist.
31.15 In der Liebe gegründet, vernichtet sie mannigfache Fehler, verleiht Schönheit und schützt die Opferhandlungen. Sie ist die Einweihung der guten, einsichtigen Menschen und schenkt ihnen ihren eigenen Yoga. Möge sie hier stets rasch meinen ganzen Körper durchdringen! [Die Schlussform lässt auch „die zu Durchdringende“ zu.]
31.16 Die Geliebte, in der friedvolle Eigenschaften aufsteigen, sei die ewige Wohnstatt meines Körpers und schütze meinen Besitz. Sie schenkt der erhabenen Kula-Gottheit Sieg und ist der höchste Kern des Yoga, unmittelbar von Ishvara verehrt, angemessen und vom Geist ersehnt. Möge sie im schrecklichsten Kampf mein eigenes, von der Zeit bedrängtes Kula bewahren! [Die Satzfügung ist unsicher.]
31.17 Frei von Unterschied und Nichtunterschied, von den erhabenen Lotoshänden der höchsten Götter verehrt, möge die der Zeit Liebe mein Glied, mein Linga und den Wurzellotos schützen! Sie umfasse die sieben Himmelsebenen in meinem Körper und beseitige falsche Herabsetzung: die dem schönen Hedamba-Asura Liebe [Lesung unsicher], Hemavati, Bharati.
31.18 Wer diesen Lobgesang rezitiert und mich im Wurzellotos preist, der allein erlangt Yoga und wird den Yogis lieb.
31.19 Sein Geist wird rasch fest; augenblicklich gewinnt er Herrschaft. Mühelos entsteht Vollendung, und der Atem wird ihm untertan.
31.20 Mühelos wird ihm die Schau der Yoginis zuteil. Mit dem Ozean des Bhava verbunden, wandelt er wie ein Unsterblicher.
31.21 Im Wurzellotos wohne die Göttin, die ihn erhellt: Malati, Malavi, Mauna, Malini und Manohara,
31.22 Manasi, Madana und Manya, der Mudra und der geschlechtlichen Vereinigung zugewandt, auf dem Meru weilend, die ursprüngliche berauschende Blüte [unsicher], geschmückt und im Mandala gegenwärtig.
31.23 Diejenigen jungen Praktizierenden, die die Göttin als Festigerin des Geistes vergegenwärtigen, erlangen mit der Zeit unvermittelt Vollendung, höchster Herr.
31.24 Nun werde ich den höchsten Lobgesang an die große Göttin Chedini erklären. Durch meine Gnade bist du der Durchschneider aller Knoten, Herr der Entsagenden,
31.25 durch deren Gnade auch Ananta im Kreis des Daseins ein Yogi ist.
31.26 Sie erfreut die Länder, schenkt alle guten Eigenschaften, ist Chedini und im Durchschneiden gegenwärtig. Sie weilt in der Opfergabe, ist der Entfaltung zugewandt und nachts im Schatz gegenwärtig. Die Geheime, kundig in den Vorschriften, die im Kula-Lotos wandelt, die erhabene Herrin der Rede, mit dem Himmel bekleidet, möge stets meinen gesamten Yoga schützen!
31.27 Sie ist die Freude der Liebe, dem Liebesgott zugewandt, im Meer des Bhava betrachtet, voll des aus Liebesfreude entstehenden Nektars, Trägerin der im Yoga gegründeten Yogis. Sie widmet sich der Beseitigung der Unreinheit des Körpers. [Hier zeigt die Vorlage ausdrücklich eine Textlücke.] Reinige mich! Möge sie die Fülle des Dharma meines Körpers schützen!
31.28 Kalika, die in der Lotosknospe wohnt, möge zur rechten und unrechten Zeit meine Knoten durchschneiden. Sie weilt im festen Haus und auf den Nadi-Wegen des Körpers, trägt süße Rede im Mundlotos der Menschen. Die Fünfgesichtige möge die Öffnung meines schönen Körpers schützen!
31.29 In den Gliedern des Yoga gegenwärtig, mit Bestand und Auflösung als Entfaltung, in den Lotosporen weilend, ist sie die Mutter Gauri, Tochter des Bergherrn, strahlend mit leuchtenden Waffen. Chedini möge in der Wurzelstadt meine Herzhöhlung schützen! Die auf dem Kailasa Weilende, Rudras Gnade, schütze meinen Mantra-Berg. [Die letzte Verbindung ist unsicher.]
31.30 Im Innern des Nada gegenwärtig, jenseits der nahe liegenden Lehre vom Halten der Geisteseigenschaften [unsicher], ist sie Freude am Genuss und leuchtet für die Menschen in der Höhle des Yoni-Berges. Sie ist Wissen und Nichtwissen, der mannigfaltige Raum, Chedini mit verhüllter Gestalt. Sie wohnt im inneren Organ aller und ist Lakini, deren Bhava Liebe ist.
31.31 Du schenkst Yoga im Himmel und im Geist die Haltung der Liebe zum höchsten Herrn. Welcher Weg auch durch die drei Werkzeuge beschritten wird: Du bist die Ursache aller Wesen, Mutter, Wissende, bei Ganesha gegenwärtig und den Hausgemeinschaften gnädig, alles vollbringend. Schütze meinen Geist, du Schutz, du Kala in den Schutzsilben, du Einzige und Teilose! [Der Satzbau ist stellenweise gestört.]
31.32 Die Herrin des Yoga möge mit Freude meinen After schützen. Die Tochter Jahnus, die im Lotos Wohnt, Rakini, beschütze Kundalinis Liebesregungen. Die von Hitze Freie, deren Antlitz der Veda ist, schütze die Lebenskräfte der Befreiung; die Vollendete auf den Blättern des Wurzellotos, die Reinigende, den Mund.
31.33 Sie ist Herambas Weisung, mit der Weltauflösung verbunden, Kakini in Zornesgestalt.
31.34 Wenn ein dem Kula Zugehöriger die Geliebte, die Zornes-Vidya, verehrt, wird er durch die Rezitation des Chedini-Lobgesangs ein höchster Yogi. Alles Übel wird vernichtet, die Läuterung und weitere Verrichtungen gelingen; alle Menschen werden ihm willfährig, und stets besitzt er gute Herrschaft.
31.35 Der Wissende, ganz der großen Zügelung ergeben, soll diesen Lobgesang rezitieren. Mit an der Wurzel festem Geist gelangt er zur Vernichtung alles Unerwünschten.
31.36 Alle Vollendung liegt in der Hand dessen, der im Bhava Zuflucht nimmt. Höre, du aus dem Nektar-Ozean der höchsten Freude Hervorgegangener,
31.37 den Kern des Yogini-Lobgesangs: Durch Hören und Bewahren wird man ein Entsagender. Dieses nicht öffentlich zu verbreitende Juwel schenkt den Menschen die erwünschten Früchte.
31.38 Allein durch sein Erkennen wird der Praktizierende Shiva.
31.39 Kankali, Kula-Kundige, Kunst des Kula, Feuer der Zeit, Dunkle, verehrt von den Herren der guten Reiche der höchsten Yogis, andere Yogini, Befreiung Gebende! Wenn du mich allein, den Stumpfen, vom Glück Verlassenen, Besitzlosen, Geringen, Elenden und Schlechten, auf diese Weise beständig bewahrst, so rette mich! Bei dir nehme ich Zuflucht.
31.40 Herrin des Opfers, Mondbekrönte, höchste Eigene [unsicher], Stätte von Herambas Yoga, Geberin und dem Geben Ergebene, Hara, Hari und Hara umfassend, Nichtschreckliche, Unsterbliche, Glückbringende! Glückverheißende Yogini, wenn du mich einziges hilfloses Kind schützt, ohne Einsicht, an den Körper gebunden und ohne Verehrung und Japa,
31.41 dann bist du die zu Betrachtende, der Grund dessen, der sich ganz der Betrachtung widmet, die wandelnde Yogini, im Mond weilend, ganz in den Körper des eigenen Herrn eingegangen, mit einer Mandara-Girlande umgeben. Herrin des Yoga, Kula-Yogini, du bist unsterblich, bedeckst die Wolkenträger und bist mit den freudigen, liebevollen Opfern der Yoga-Herren verbunden, in der Vollendung der Mütter gegenwärtig.
31.42 Beschütze mich, höchste Herrin, göttlicher Baum, erhabene Leuchtende auf dem Yoga-Weg: mich, in Mayas Schlingen gebunden, ohne den Gesprächsnektar deiner Erzählung, fern von mannigfachen Dharmas und in der Kali-Welt von Verwirrung gezeichnet. Wenn dein Lotosblick auf mich allein fällt, ist dies meine einzige Stärke.
31.43 Wenn die aus Maya Bestehende in meinem Herzen mit meinem Geist verbunden ist, was nützen dann Herrschaft, Früchte oder Mittel, sie zu erlangen? Mit solcher Absicht leuchtet Bhagavati, meine Shakti-Göttin, Geliebte. Auf dem Veda-Blatt geschieht dir die Darbringung durch den Mund. [Der letzte Satz ist beschädigt.]
31.44 Die Yogini, die reich an allen guten Yoga-Unterweisungen ist, die Göttin voller großer Eigenschaften und ein Schatz des Mitgefühls, möge meine Furcht nehmen! Mit dem Geist eines berauschten Elefanten sei sie die Vernichterin und trage den Schmuck über Bauch und Brust. [Der Schluss ist unsicher.]
31.45 Wer als Verständiger dies rezitiert – die anschließende Bezeichnung des Herrn ist beschädigt –, macht die Feindesschar willfährig und vernichtet die Masse des Zorns. Von der Luft der Welt lebend, wird er bhava-erfüllt und ein guter Gefährte, an Eigenschaften dem Gatten Ratis gleich und ein Herr wie Ramachandra.
31.46 Wer diesen Lobgesang rezitiert, wird ein geliebter Verehrer. Im Wurzellotos fest gegründet, erlangt er die Herrschaft in den sechs Chakras.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Offenbarung der sechs Chakras, im Abschnitt über Vollendungsmantras, unter dem Namen „Lobgesänge an Bhedini und die weiteren Göttinnen“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 31.
Kapitel 32: Meditation und Lobgesang an Kundalini
32.1 Die erhabene Anandabhairavi sprach: Nun, Geliebter, werde ich es erklären; höre von mir die Wahrheit. Shakti ist die Göttin Kundalini, die alles zu Durchdringende durchdringt,
32.2 die Befleckung des Kali-Zeitalters vernichtet und den Welten Befreiung schenkt. Höre ihren Lobgesang, ihre Meditation, ihren Nyasa und ihr Mantra, Herr.
32.3 Allein durch deren Erkenntnis geht der Geist im Wurzellotos auf. Durch die Vereinigung mit Kundalini wird man der Freude des Bewusstseins hingegeben.
32.4 Kundalini schenkt reichlich die Vollendung des Himmelswanderns. Durch die beiden Gestalten von Nektar und Freude bewahrst du die Menschen.
32.5 Durch die Kräfte von Ein- und Ausatmung erhältst du den aus den drei Gunas bestehenden Körper. Stets von den fünf Elementen umgeben, ist sie gewiss die fünf Lebenswinde.
32.6 Man betrachte sie, leuchtend wie zehn Millionen Sonnen, ohne Stütze, in allem gegenwärtig, von der Gestalt des Wissens und in Ein- und Ausatmung wohnend,
32.7 aus der selbstentstandenen Blüte hervorgegangen, Meditation und Erkenntnis erhellend, Befreiung und Kraft verleihend, ewig und von der Natur ewigen Wissens,
32.8 beweglich, Trägerin des göttlichen Spiels, alles umfassend, reines Wissen offenbarend, zehn Millionen Feuern der Weltauflösung gleich, mit der großen Leuchtkraft von zehn Millionen Blitzen,
32.9 mit vom Glanz erfüllten Strahlen, von der Wurzel nach oben leuchtend, reich an der Erhellung der acht Welten, mit Augen wie entfaltete blaue Lotose,
32.10 mit allen Gesichtern und allen Händen, in allen Fußlotosen gegenwärtig, die Stätten und Welten von der Wurzel bis zur Brahman-Öffnung erhellend,
32.11 mit drei Sprachen, alles verzehrend, das Ausströmen des Atems bewahrend: Lalita, Sundari, die Blaue, Kundalini in gewundener Gestalt,
32.12 außerhalb des Erdkreises gegenwärtig [Anfangslesung unsicher], die äußere Erkenntnis offenbarend, die Schlangengöttin, reich mit Schlangen geschmückt und von furchterregender Gestalt,
32.13 durch Yogis zu erkennen, rein, selten zu finden und aufwärtssteigend. Nachdem man so Kundalini, die höchste Gottheit, im Wurzellotos betrachtet hat,
32.14 entsteht rasch Bhava-Vollendung durch ihre Vergegenwärtigung. Danach vollziehe man geistige Mantrawiederholung, geistiges Feueropfer und geistige Trankspende.
32.15 Freudig führe man morgens immer wieder die Weihe aus; danach übe man Pranayama und rezitiere Lobgesang und Schutztext.
32.16 Durch das Rezitieren dieses Lobgesangs wird man selbst ein Kenner der vollendeten Lehre. Innerhalb eines Monats wird Kundalini ihm gewiss sehr gnädig.
32.17 Wenn die Fehler wie Schläfrigkeit abgelegt sind, werde ich im Körper offenbar. Ich bin die Geberin der guten Yoga-Wege; ich bin die Herrin der drei Welten.
32.18 Ich bin Handlung, ich bin Dharma, ich bin die Göttin Kundalini. Wer dies durch den Dienst an Kundalinis Gestalt erkennt, großer Held:
32.19 Um ihn zu einem geeigneten Gefäß zu machen, steige ich immer wieder herab. Darum soll man das höchste Mantra und Kundalinis glückverheißenden Lobgesang
32.20 stets rezitieren. Solange Kundalini im Körper noch nicht willfährig geworden ist, soll man Japa ausführen, bis Vollendung entsteht.
32.21 An der Stütze ist die höchste Gottheit, die Kundalini-Göttin unten in der Wohnstatt [Wortlaut unsicher], die Gottheit über den Göttern, gegenwärtig in der Freudenfülle der drei Welten.
32.22 Sie wohnt im Muladhara, ist die sich dreifach Erfreuende, die Wissende und Bekränzte. Meine Mutter ist im Mantra gegenwärtig, ihr Antlitz der eine Same der Freude des Kula-Weges.
32.23 Sie lässt alle Glieder bestehen, ist das eine Kennzeichen der Freude der Götterscharen und die Glückverheißende; die Herrin der Helden, die junge Geliebte, die Rede, Würde und Wissen schenkt,
32.24 die Freudvolle, an der Wolke Erfreute, von dichten Scharen Umgebene, die Abgeschnittene, Bhava und Yogini, die Mutige und Standhafte, deren Sinnesgegenstände zum Ende gelangt sind, die erhabene Glückbringende Kundalini.
32.25 Sie wohnt in allen Gestalten, trägt den Sieg und steht in der Stütze der Stützen [Lesung unsicher]; sie ist Gesang, mehrt den Rinderreichtum, besteht aus dem Guru, liebt Wissen und ist selbst Rinderreichtum.
32.26 Sie ist Mondlicht am häuslichen Feuer, eine schöne Ranke, vertreibt Stumpfheit und verleiht Zuneigung; sie ist Gattin und schafft Rinderreichtum, mit einem Geist wie ein Reh, leuchtend auf dem Weg des Welteneis.
32.27 Sie ist Mutter, im Geist erfahrbar, auf Haris Weg wandelnd, Ursache des Throns, Yama, Herrin der Dienerschar, tugendvoll und auf dem Schattenweg verweilend,
32.28 Schlaf, den aufgewühlten Menschen lieb, vortrefflicher Durst, in besonderen Sprachen gegenwärtig; sie wendet die Auflösung am Ende des Bestands ab und trägt eine Kette aus Menschenköpfen: Kundalini.
32.29 Herrin der Ganga, Herrin der Yamuna, überaus Ehrwürdige, Godavari, Leuchtende, du beseitigst das Leid der Verehrer! Wenn du mit dem einen Bhava des gleichen Shiva verbunden bist,
32.30 so vollziehe rasch und freudig, Kaulika, den Durchgang durch meine Scheitelöffnung und ihren Lotos. Bewahre die auf seinen Blättern befindlichen Gottheiten und die Stätte der Mutter, Kula-Trägerin! [Die Tätigkeitsangabe ist verkürzt.]
32.31 Oberhalb der Stirn ist sie weiß, die Kala des Nektars der Kalas, leuchtend im Netz des Feuers der Zeit. In der Wohnstatt des Schakal-Lebens [unsicher] ist sie schwer, ehrwürdig, eine gute Lehrerin und göttlich,
32.32 aufsteigend in der Freude am Wein, Weg der Entsagenden, Maya und Retterin der Welt. Die Schlaf und geschlechtliche Vereinigung Aufhebende, meine Hara, die Verblendung vertreibt, möge schützen!
32.33 Die in blauer Gestalt Gegenwärtige, den Anliegen der Einsichtigen zugetane Maithili, möge die Stirn schützen: Sie erfreut die Stirn, ist den Menschen sehr lieb, lotosgesichtig und zart,
32.34 wohnt an guten Pithas in mannigfacher Farbenpracht, sitzt im Siddhasana und ist Verkündigung, hat die feste Gestalt des Schutzes und vernichtet Kali. Die erhabene Kundalini möge schützen!
32.35 Bagalamukhi, Mondgesichtige, Wissensgesichtige und Zugewandte, die Naga Genannte, die den Berg als Fahrzeug hat, die Mahisha tötet und beim Fünfgesichtigen wohnt, möge den Raum zwischen den Brauen schützen.
32.36 Sie ist der Fisch, der sich im grenzenlosen Meer bewegt, eine Brücke und die Höchste. Die erhabene Kundalini möge täglich den in Kashi wohnenden Herrn schützen! [Der Bezug zum Körperbereich ist uneindeutig.]
32.37 Sie trinkt freudig den aus der Grube entstandenen Essenzsaft und beseitigt Verblendung und andere Fehler. Als Ambika, schön Gefaltete, erhabene Kalika und Kaulika schütze sie meine drei Augen.
32.38 Auf der Krähe sitzend, führt sie mit zwei Schnäbeln hinüber [Lesung unsicher], verleiht Erkenntnis und ist Sundari. Möge sie mich schützen, umhüllt von ihrer geliebten, klaren und guten Schattenkraft!
32.39 Im erhabenen Kunda ist sie die wilde Göttin des Kampfes, die Liebende, Skeletttragende und Junge, vom Raum begleitet und davon frei, mit gutem Weg, Welle der Erkenntnis und eifrig.
32.40 Sie liebt feines Glück [Anfang beschädigt], ist Fülle der Eigenschaften, Einweihung und die „Feine“ Genannte. Du in meinem Kanda Wohnende, Glückverheißende, rette mich aus meiner Trägheit, rette mich!
32.41 Wer diesen Lobgesang rezitiert, der die drei Welten und die weltlichen Menschen reinigt, wird König, Feuer für die Verfehlungen und Herr des Opfers; er schenkt den Yogis Wohlergehen.
32.42 Im eigenen Haus wird er Herr über alles und Vollbringer von allem, Lehrer des Yoga und seiner Glieder. Als Shakta und Shaiva zugleich gelangt er zum höchsten Purusha: rein an Selbst, ein großes Selbst.
32.43 Wer rein und gesammelt preist und den Lobgesang mit dem Pranava umschließt, wird auf Erden ein Sohn Kundalinis, daran besteht kein Zweifel.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei den wesentlichen Zeichen des Wurzel-Chakra, unter dem Namen „Lobgesang an die im Kanda Wohnende“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 32.
Kapitel 33: Der Schutztext der Kundalini
33.1 Die erhabene Anandabhairavi sprach: Nun werde ich, großer Gott, den glückverheißenden Kundalini-Schutztext erklären, der höchste Freude schenkt, vollendet ist und von den Scharen der Vollendeten geübt wird.
33.2 Durch seine Ausübung werden Yogis zu Offenbarern von Dharma und Adharma, wissend, würdevoll und rechtschaffen; sie wandeln wie Unsterbliche.
33.3 Die Vollendungen, beginnend mit dem Kleinwerden, und alle Gottheiten stehen ihnen zur Verfügung. Durch das Rezitieren dieses Schutztextes wird man ein Götterherr und König der Yogis.
33.4 Alle Seher, Yogis, Träger von Haarflechten und Kula-Bhairavas sollen morgens dreimal und mittags zweimal
33.5 und am Abend einmal diesen Schutztext rezitieren. Rezitiert der große Yogi auf diese Weise, wird ihm die Schau Kundalinis zuteil.
33.6 [Unnummerierte Einleitung vor dem Vers:] Für den Schutztext der Kula-Kundalini ist Brahmendra der Seher, Gayatri das Versmaß und Kula-Kundalini die Gottheit. Seine Anwendung dient der Erfüllung aller Wünsche.
Om. Ishvari, Trägerin der Welten, Lalita, höchste Sundari, Kundalini von Kula-Gestalt, Kula-Chandika, möge mich schützen!
33.7 Die Göttin Lalita schütze meinen Kopf, die Ugra Genannte die Wange. Vom Brahman-Mantra umschlossen, schütze sie stets den Raum zwischen meinen Brauen.
33.8 Mahakali schütze die drei Augen, die das Feuer der Zeit Verzehrende den Haarschopf; die Großäugige die Zahnreihe, die beim Erwünschten Wohnende die Lippe.
33.9 Die Vidya, deren Wesen das Kama-Bija ist, schütze stets meine Unterlippe. Die im Lautpaar „ḷ“ Weilende [Lesung unsicher], Maya, die Allumfassende, die den Nektar liebt, schütze beide Wangen.
33.10 Bhuvaneshi schütze beide Ohren, Krodhakalika das Kinn. Kapila, deren Gestalt alle Bijas sind, schütze meinen Hals.
33.11 Kundalini, von den Matrika-Buchstaben umschlossen, schütze die Kehle; Kalaprithvi mein Herz, Kankali mein Gesicht.
33.12 Chaturvarga, die die mächtigen Arme Chandas zerschlägt, schütze beide Arme. Skandamata, die in das Halahala-Gift eingegangen ist, schütze meine beiden Schultern.
33.13 Kulananda schütze die Fingerspitzen, Shrividya den Kreis der Nägel. Kalika, die Herrin der Welten, bewahre stets meinen Rücken.
33.14 Mahavira, die furchtlose Trägerin des Heldensitzes, schütze beide Flanken. Die im Kula-Darbha Weilende [unsicher] schütze meinen Nabel, Ambika meinen Bauch.
33.15 Die auf dem Pitha Thronende, Töterin des großen Mahisha, schütze die Taille; Mahamudra den Ort des Linga, die das Mala-Mantra Liebende die Yoni.
33.16 Die Bhagiratha Liebe, die Rauchfarbene, die Herrin der Scharen, schütze Muladhara. Die im abgegrenzten Bereich Verehrte schütze den vierblättrigen Lotos, Vasundhara die Blattspitzen.
33.17 Radha und die Rana Genannte schützen meinen Kopf, Brahmani mein Gesicht. Medini schütze; Kamala und die Göttin der Rede schützen das östliche Blatt. [Die erste Zuordnung der zweiten Hälfte ist verkürzt.]
33.18 Chedini schütze im Süden; Chanda, die große Asketin, schütze! Chandraghanta, die Yogini, schütze stets das westliche Blatt.
33.19 Die von Indra behütete Prithivi schütze das nördliche Blatt. Kama-Vidya schütze das Viereck, Brahma-Vidya die Ecke des Lotos.
33.20 Die alle Fahrzeuge als Fahrzeug hat, schütze stets die acht Spieße. Die vierarmige Dakini, die im Kula Bewegliche, schütze stets.
33.21 Die am Geschlechtsorgan Weilende, Stütze des Liebesgottes, schütze meinen schönen Lotos. Charvaka schütze das selbstentstandene Linga, die mit hohlen Augen meinen Sitz.
33.22 Die im Kadamba-Wald Wohnende schütze den Kadamba-Wald. Vaishnavi, die höchste Maya, schütze meine Vishnu-Stätte.
33.23 Rakini, die in der Liebe Wohnt, schütze den sechsblättrigen Lotos. Kameshvari in Liebesgestalt schütze den gelb gekleideten Shri Krishna.
33.24 Vanadurga schütze die Waldblumengirlande, Shankhini, die Glückverheißende, meine Muschel. Chakreshvari schütze den Diskus, die Lotosäugige meine Keule.
33.25 Padmagandha, Padmamala und Manohara schützen meinen Lotos. Lakini, die Weltbeschützerin, schütze die Buchstaben von Ra bis La. [So die Vorlage; die Reihe wird nicht berichtigt.]
33.26 Die auf dem Kailasa Wohnende schütze die im sechsblättrigen Lotos befindlichen Gottheiten. Die Feuerfarbene, höchste Herrin, schütze stets meine Schar.
33.27 Die mit einer Edelsteinkette Geschmückte schütze stets Manipura. Trivikrama schütze seine zehn Blätter und zehn Buchstaben von Da [retroflex] bis Pha.
33.28 Nila, Mahakali, Bhadra, Bhima und Sarasvati mögen schützen, die in Ayodhya wohnende Göttin, die den großen Pitha bewohnt,
33.29 die mit Vagbhava beginnende Mahavidya, Kundalini und Kala-Kundalini. Sie schütze meinen im zehnblättrigen Lotos weilenden Rudra, dessen Wesen Rudra ist.
33.30 Die feiner als das Feine ist und in der feinen Stätte wohnt, möge schützen. Rakini, Mutter der Welt, die in der verborgenen Silbe Gegenwärtige, möge schützen.
33.31 Die von Königen verehrte Wäscherin schütze beständig das Feuerhafte. Vijaya, im Kula-Bija gegenwärtig, die Dunkelheit vertreibt, schütze die Ta-Gruppe.
33.32 Bhedini, deren Wesen das Mantra ist, schütze stets den Edelsteinknoten. Die Leibesfrucht Gewährende, Tochter Bhrigus und Bewohnerin des Nabels, schütze mich.
33.33 Nandini schütze alles, Kundalini, durch die die Zeit erschüttert wird. Die Kala Genannte, Rauchfarbene und Bezaubernde schütze den Herzlotos.
33.34 Bhaskari, die Bhava-Vollendung verleiht, schütze die zwölf Buchstaben der Blätter. Die höchste Vidya, die nach Belieben Wandelnde, schütze meine Ka-Gruppe.
33.35 Die schön Gekleidete, mit Tigergesicht und Beil, schütze die Cha-Gruppe; die Krishna Genannte den Buchstaben Cha. Kalika schütze Kakini.
33.36 Die Takura-Gliedrige [Lesung unsicher], Jivabhava und Mahodaya, schütze meinen Buchstaben Ta [retroflex]. Ishvari, die Reine, die in meinem Herzlotos wohnt, möge schützen.
33.37 Die Kala-Sandarbha Genannte schütze den Fruchtboden, die Yogini die Mutter des Yoga. Indrani und Varuni schützen die Kula-Kette und das Innere des Kula.
33.38 Tarini und die Shakti-Mutter bewahren stets die Rede in meiner Kehle: Viprachitta, die überaus Schreckliche, Prabha, Dipta und die auf der Wolke Sitzende,
33.39 die Rede Stillstellende, mit diamantenem Körper, Vaidehi, auf dem Stier Reitende, mit einem Geist voll berauschter Freude, die Kshanoshi Genannte [Lesung unsicher], im Innern der Yoni,
33.40 in der Gestalt der Mutter gegenwärtig, schütze meine sechzehn Blätter. Die Veda-Kundige schütze die Götter, die Alle-Sprachen-Verkörpernde den Fruchtboden.
33.41 Die auf der Hälfte von Ishvaras Sitz Weilende schütze meinen Sadashiva. Shakambhari, Mahamaya und Sakini mögen stets schützen.
33.42 Bhavani, die Mutter des Daseins, schütze den Lotos zwischen den Brauen. Die Vrata-Kamakhya Genannte, welche die Vollendung der acht Glieder verleiht, schütze den zweiblättrigen Lotos.
33.43 Die Freude aller, von Geistesgestalt und der Welt lieb, schütze die Nase. Die mit allen Merkmalen Erfüllte, Kennzeichen aller Kennzeichen, schütze den Buchstaben La. [Die Vorlage nennt hier La.]
33.44 Die Göttin, die ein schwarzes Antilopenfell trägt, schütze stets den Buchstaben Ksha. Die Schönantlitzige schütze stets alle im zweiblättrigen Lotos befindlichen Gottheiten.
33.45 Die vielgestaltige, allgestaltige Hakini, die dort gegenwärtig ist, möge schützen. Hara schütze den höchsten Shiva, Panchami den Geist.
33.46 Die in den sechs Chakras Gegenwärtige schütze stets, die im Kula der sechs Chakras wohnt, von A bis Ksha reicht und mit Bindu und Visarga verbunden ist.
33.47 Die aus den Matrika-Lauten Bestehende, Kundalini, Erkenntnis-Kundalini, schütze stets. Devakali, Liebe zum Weg, die Volle und Glückverheißende, schütze den Berghang.
33.48 [Versnummer in der Vorlage ohne Kapitelpräfix.] Die Göttin Uddiyaneshvari schütze stets alles. Die Bewohnerin des Kailasa-Berges schütze den Kailasa-Berg.
33.49 Dakini-Shakti, Lakini, Rakini und Kala mögen mich schützen; die Göttinnen Sakini und Hakini beschützen meine sechs Chakras und die übrigen Bereiche.
33.50 Die aus dem Körper des Fünfgesichtigen Entstandene schütze stets die Kailasa genannte Stätte: die Goldfarbene, die Nacht, die Mond, Sonne und Feuer verzehrt.
33.51 Kulakula schütze stets meinen tausendblättrigen Lotos. Khechari schütze die Gottheit, die im tausendblättrigen Lotos wohnt.
33.52 Kali, Tara, die Shodashi Genannte, Matangi und Padmavasini, deren fließende Gestalt zehn Millionen Monden gleicht, mögen meine ganze Finsternis behüten. [Die Wendung „Finsternis schützen“ steht so im Text.]
33.53 Im schrecklichen Wald, im Wasser, in der Fremde, im Kampf, im Streitgespräch und auf dem Verbrennungsplatz, bei jedem Gang und beim Erkennen schütze mich stets die Bergtochter.
33.54 Auf dem Berg, bei vielfältiger Mühe und bei Zerstörung schütze Kundalini. Die Götterherrin schütze den ganzen Raum von den Füßen bis zur Brahman-Öffnung.
33.55 Die Allwissens-Vidya schütze stets mein gesamtes Wissen. Die neunhunderttausend Mahavidyas schützen mich in den zehn Richtungen.
33.56 Dies ist Kundalinis Schutztext, Göttin, der Vollendung verleiht. Diejenigen, die ihn im Meditationsyoga rezitieren und fest auf dem Yoga-Weg stehen,
33.57 gelangen schon in diesem Leben zur Stufe der Befreiung, daran ist kein Zweifel. Auf dem Sitz des Herzens ruhend, verbinde man den Geist mit dem Wurzellotos.
33.58 Man meditiere über das Mantra und Kundalini, die den Wurzellotos erhellt, in der Dharma aufsteigt, die sich auf Mitgefühl erhebt und in der Stätte des Raums wohnt,
33.59 die den Nektar unsterblicher Freude genießt, ohne Teile und mit guten Kalas, scharf, unbesiegt, ohne Rot und doch mit rotem Körper, mit besonderer Kraft versehen [ein Ausdruck unsicher],
33.60 rotäugig, im Kula bewegt und leuchtend durch den Sieg der Erkenntnissalbe, von Weltgestalt und Geistesgestalt. Nachdem man sie an der Wurzel betrachtet hat, verehre man sie vollständig.
33.61 Der Yogi, der so verfährt, ist vollendet, daran besteht kein Zweifel. Ein Kranker werde von Krankheit befreit, ein Gefesselter von seinen Fesseln.
33.62 Wer ohne Königreich ist und rezitiert, erlangt Herrschaft und Glück. Ein Kinderloser erhält einen Sohn; ein des Yoga Entbehrender gewinnt Selbstbeherrschung.
33.63 Wer den Schutztext am Haarschopf oder am rechten Arm trägt, erlangt alles Erwünschte; eine Frau trägt ihn am linken Arm.
33.64 Man lege ihn in Gold, Silber oder Kupfer und verehre ihn. Wer ihn zu jeder Zeit und an jedem Ort rezitiert, erlangt Vollendung.
33.65 Er wird ein Sohn Kundalinis; daran soll kein Zweifel gehegt werden.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über die vollendete Vidya, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Schutztext der im Kanda Wohnenden“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 33.
Kapitel 34: Die fünf Unsterblichen und die ersten Reinigungsübungen
34.1 Anandabhairavi sprach: Nun werde ich die Durchdringungen zum Wohl der Welten erklären, Herr. Wer von reinem Selbst, rein, glückgesegnet und von Meditation erfüllt ist, ist Sadashiva.
34.2 Er geht zur Befreiung, verkörpert Erkenntnis und durchdringt den Sinn der sechs Chakras. Wer dagegen ohne Erkenntnis der drei Gunas ist, sieht weder bei Tag noch bei Nacht.
34.3 Weil er Tag und Nacht in Unwissenheit bleibt, erkennt er den Körper nicht. Dadurch erleiden die Menschen Geburt um Geburt den Tod.
34.4 Um jene Geburten zu beenden, soll man meinen Yoga üben. Wer den großen Yoga der fünf Svaras ausführt, werde unsterblich.
34.5 Höre nun seine Weise, Geliebter von lieblichem Anblick. Aus Verbundenheit mit dir spreche ich; sage es nirgends weiter, Shankara.
34.6 Wird die Yoga-Praxis den Leuten in ihrer Nähe erzählt, entstehen schreckliche Hindernisse. Wie könnte dann Yoga im Körper gelingen?
34.7 Aus der Vereinigung im Yoga entsteht Befreiung, aus seiner Preisgabe Vernichtung. Darum soll man den Yoga nicht zur Schau stellen, wenn man das eigene Heil wünscht.
34.8 Täglich vollziehe man mit Hingabe den Yoga der fünf Unsterblichen und rezitiere die tausend Namen und das achtstrophige Lied der erhabenen Göttin Kundalini.
34.9 Innerhalb von sechs Monaten wird man ein großer Yogi, Herr, daran besteht kein Zweifel; oder im fünften erscheint das Yoga-Wissen, das alle Wissensformen erhellt.
34.10 Nachdem die Vollendung der fünf Svaras erreicht ist, folgen die acht Glieder und die Sammlung. Zuerst kommt die Vollendung der fünf Svaras, danach die übrige Yoga-Sammlung.
34.11 Ich werde ihre Weise erklären; nimm sie aufmerksam auf. In der Welt kenne ich nur die wirklich Kundigen des Yoga.
34.12 Ich selbst bin ihre Zeugin, Herr, zum Aufstieg der Verehrer. Nun werde ich dir meine Yoga-Praxis erklären.
34.13 Wer so verfährt, gewinnt ewige Gestalt; denn der Yoga ist achtfach. Danach erreicht der Mensch mit der Zeit gewiss Vollendung.
34.14 Höre der Reihe nach die Verfahren der fünf Unsterblichen, Shankara. Der Neti-Yoga der Vollendeten vernichtet große Schleimansammlungen.
34.15 Danach werde ich Danti-Yoga erklären, der den Herzbereich durchdringt; anschließend Dhauti-Yoga, der alle Unreinheiten vernichtet.
34.16 Ein weiterer ist Neuli-Yoga, der alle Glieder und den Bauch bewegt. Kshalana heißt der höchste Yoga, weil er die Nadis ausspült.
34.17 Dieser Yoga der fünf Unsterblichen ist den Selbstbeherrschten besonders zugänglich. Während der Übung von Yama und Niyama soll man die Handlung der fünf Unsterblichen ausführen.
34.18 Durch die Praxis der Unsterblichen erlangt man gewiss Unsterblichkeit. Während dieser Ausführung wird auch der Sitz der fünf Unsterblichen genannt.
34.19 Durch den Verzehr der fünf Unsterblichen wird man unsterblich und hat Anteil an Yoga-Vollendung. Diese Stoffe werde ich vor dir nennen, höchster Herr.
34.20 Ohne sie gelingen die Praktiken nicht, selbst in Milliarden Weltaltern. Eine Unsterbliche ist das Durva-Gras; man nehme seinen Knoten.
34.21 Eine andere ist die Göttin Vijaya, Sarasvati von Vollendungsgestalt. Eine weitere wohnt im Bilva-Blatt und erfreut Shiva.
34.22 Eine andere, die zur Yoga-Vollendung als Unsterbliche gilt, ist Nirgundi; eine weitere ist die dunkle Tulasi, die Shri Vishnu erfreut.
34.23 Diese sind bei der Yoga-Praxis als die fünf Svaras zu erkennen. Das vortreffliche Vijaya-Blatt soll in der doppelten Menge der übrigen genommen werden.
34.24 Ihre als Brahmanin, Kshatriya, Vaishya und Shudra bezeichneten Formen werden überall verehrt. Man sammle diese Stoffe und verzehre ihr vortreffliches Pulver.
34.25 Beim Verzehr dieses Pulvers soll man die folgenden Mantras, einschließlich des fünften, rezitieren. Durch Rezitation und Verzehr werde der Mensch von Bedrängnis befreit.
34.26 Om. „Du, Durva, von den Unsterblichen Verehrte, aus dem Ursprung des Nektars Geborene! Mache mich stets unsterblich, Glückverheißende, Narahari Liebe!“
34.27 „Om, Verehrung der Durva, Svaha!“ Dies ist die Formel der Durva. Dann reinige man alle Mädchen mit dem Vijaya-Mantra: „Om, Bewusstsein, aus Brahma entstanden, Brahmas Tochter, stets Makellose! Werde immer rein, damit die Bhairavas gesättigt werden!“
34.28 „Om, Verehrung der Brahmanin, Svaha! Om, Göttin, die den Ursprung der Vollendung schafft, die geringes Verständnis erweckt, die Königstöchter willfährig macht, mit einem Spieß am Hals, Dreizackträgerin!“
34.29 „Om, Verehrung der Kshatriya, Svaha! Om, loderndes Feuer, dessen Brennstoff Unwissenheit ist, Flammengestalt des Erkenntnisfeuers! Nachdem du die Opfergabe der Freude und der weiteren Gaben vollzogen hast, schenke mir rechte Erkenntnis!“
34.30 Mit zweimaligem Hrim-Bija: „Verehrung der Vaishya, Svaha! Om, ich verneige mich, ich verneige mich, du, die den Yoga-Weg zeigt! Siegerin über die drei Welten, Mutter, schenke die Frucht des Samadhi!“
34.31 Mit dem Shrim-Bija: „Verehrung der Shudra, Svaha! Om, Göttin, die dichterische Vollendung schenkt, die im Bilva-Blatt wohnt! Verleihe stets Unsterblichkeit, mache mich Shiva gleich!“
34.32 „Om, Verehrung der Glückverleihenden, Svaha! Nirgundi, höchste Freude, Gottheit über den Yoga-Wegen! Möge sie mich schützen, Unsterbliche; Verehrung dir, die Bhava-Vollendung schenkt!“
34.33 „Om, Verehrung der Kummervertreiberin, Svaha! Om, Vishnu Liebe, Mahamaya, die Mahakala abwehrt! Tulasi, beschütze mich stets, mache mich allein unsterblich!“
34.34 Mit Om und den Bijas Hrim, Shrim, Em und Klim: „Verehrung der Unsterblichen, Svaha!“ Danach vollziehe man erneut die Reinigung aller.
34.35 „Om, Unsterbliche, aus Nektar Geborene, Nektar Regnende! Ziehe Nektar herbei, ziehe ihn herbei, schenke Vollendung, Svaha!“ Man zeige die Kuh-, Yoni- und Fisch-Mudra. In der Reihenfolge der Tattva-Mudra soll der Wissende die Trankspende darbringen.
34.36 Ohne Mantra opfere man siebenmal unter dem Namen des Gurus an Shiva. Weitere siebenmal lasse man unter dem Namen der eigenen Göttin die gereinigte Gabe darbringen.
34.37 Danach vollziehe man die Trankspende mit den Worten: „Ich sättige dich; Verehrung, Verehrung!“ Vor diesen Worten spreche man das Mantra der erwählten Gottheit.
34.38 Nachdem man die höchste Gottheit angerufen hat, wird der allen vorangehende Pranava genannt. Dann opfere man in den Mund, wobei Kundalinis Name vorangestellt wird.
34.39 „Om, Em, sprich, sprich, Göttin der Rede! Werde fest auf meiner Zungenspitze! Du, die alle Wesen willfährig macht, Dreizack im Hals des Feindes, Svaha!“ Der vortreffliche Praktizierende, der dies wiederholt, in seiner Lebensordnung steht und sich beherrscht, kennt die Lehre der fünf Unsterblichen und liebt die Vorschrift des Kula-Wandels.
34.40 Der Yogi wird festen Geistes, wenn er in die Praxis der fünf Unsterblichen eingegangen ist. Höre die Verfahren des Neti-Yoga, du auf dem Kailasa Verehrter.
34.41 Dadurch werde aller im Kopf befindliche Schleim verbrannt. Die Vorschrift lautet, einen feinen, sehr festen Faden in die Nasenöffnung einzuführen.
34.42 Man bringe ihn zur Mundöffnung und führe ihn durch die Verbindung heraus. Der Yogi solle durch wiederholtes Hin- und Herbewegen reiben.
34.43 Die Stärke des Fadens solle allmählich vermehrt werden, höchster Herr. Durch Neti-Yoga werde die Nasenhöhlung rein.
34.44 Beim Durchgang des Atems entstehe dadurch große Leichtigkeit, Herr. Danach solle der vortreffliche Praktizierende Danti-Yoga ausführen.
34.45 Zur Zeit der Zahnreinigung solle er diesen Yoga anwenden. Das Zahnreinigungsholz wird als anderthalb Ellen lang beschrieben,
34.46 weder zu dick noch zu dünn, frisch, biegsam und vortrefflich. Sorgfältig solle ein unreifer Zweig genommen werden, der einem Lotosstängel gleicht.
34.47 Nachdem der Yogi den Zweig genommen hat, solle er ihn täglich ankauen; sein vorderes Ende wird nach einem Fingerglied des kleinen Fingers bemessen.
34.48 So solle er mit beiden Zahnreihen sorgfältig kauen, danach mit Wasser spülen und langsam das Einführen durch Schlucken vollziehen.
34.49 Allmählich solle die Reinigung von Körper, Rede und Geist erfolgen, bis das ungespaltene Ende des Holzes unversehrt an der Nabelwurzel liegt. [Die physiologische Beschreibung ist diejenige der Vorlage.]
34.50 Bis dahin solle man immer feineres Material nehmen und täglich verfahren. Solange der Wasserkreis im Herzen noch nicht aufgebrochen ist,
34.51 solle man jeden Morgen diese Zahnreinigung ausführen. Dadurch werde das Schleimgefäß im Herzbereich gewiss aufgebrochen.
34.52 Beim Einströmen des Atems erlange man ein vom Yoga erfülltes Wohlgefühl und die Fähigkeit des Himmelswanderns. Die folgende Wendung zu „nicht welk“ und „aus Scharfem entstanden“ ist unklar.
34.53 Süße Speisen, Blattgemüse, Speisen mit Dickmilch, zweimaliges Essen und Essen in der Nacht soll der Yogi unbedingt aufgeben, wenn er hier Yoga wünscht.
34.54 Ein Teil Mungbohnen und zwei Teile Reis werden vorgeschrieben. Man koche sie gut und esse sie mit Ghee und Milch.
34.55 Oder der Wissende vollziehe die Sättigung allein mit Milch. Er sättige Kundalini, deren Gestalt Kula ist, mit Milch.
34.56 Wenn der Yogi die Sättigung Kundalinis kennt, Shankara, wird er mühelos zum Yogi und gewiss zum Fürsten der Wissenden.
34.57 Wer Yama und Niyama ergeben ist und im Dienst an Kundalini steht, ob ohne Besitz oder mit schweren Lasten beladen, wird ein höchster Yogi, dem der Sinn aller Wissensformen erkennbar ist: im Raum der Tugendscharen gegründet, von Befreiungsgestalt, ein Herr der Scharen.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Praxis der fünf Unsterblichen“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 34.
Kapitel 35: Dhauti, Neuli und die Reinigung der Nadis

35.1 Anandabhairavi sprach: Nun werde ich, Mahakala, ein überaus schwer zugängliches Geheimnis erklären. Allein durch seine Erkenntnis erlangt der Mensch die Brahman-Stätte.
35.2 Im Raum liegt seine Herrschaft; er wird gewiss Herr der Himmelswanderer. Rasch wird er Herr des Reichtums und ein Kenner Brahmans.
35.3 Er ist Herrscher und König der Yoga-Wege, ein Virabhadra und Seher. Stets wird ihm die Gnade Virinchis und des Herrn der Scharen zuteil.
35.4 Wer den fünffachen Yoga ausführt, erhält eine unsterbliche Gestalt. Ich werde Dhauti-Yoga erklären, durch dessen Ausübung man rein wird.
35.5 Dieser überaus geheime Yoga bewirkt bei den Menschen Samadhi. Wer ihn nicht ausführt, erlangt den Tod.
35.6 Wer könnte ohne Dhauti-Yoga auf Erden Vollendung erreichen, Herr? Ein äußerst feines Tuch wird mit einer Länge von zweiunddreißig Ellen angegeben.
35.7 Man gehe allmählich vor, jeweils eine Elle weiter. Die Übung solle so lange fortgesetzt werden, bis zweiunddreißig Ellen erreicht sind.
35.8 Durch die Anwendung dieser Handlung werde man augenblicklich ein Yogi. Allmählich entstehe Mantravollendung; man bringe das Netz der Zeit unter seine Gewalt.
35.9 Währenddessen solle man auch die Körperhaltungen ausüben. In einem festen Sitz liegt Yoga-Vollendung: So wird der Sinn des Tantra bestimmt.
35.10 Wenn das Mantra vollendet ist, wird das Höchste erlangt, ebenso durch den Sitz des fünffachen Yoga. Das Tuch wird mit acht Fingerbreiten Breite und zweiunddreißig Ellen Länge angegeben, Herr.
35.11 Der Entsagende nehme dieses feine, gute Tuch und vollziehe die Handlung. Mit gezügelten Sinnen, der Erkenntnis und Meditation hingegeben, solle er sie stets ausführen.
35.12 Dem Kula zugehörig, kundig, würdevoll, unterscheidungsfähig und von festem Entschluss, solle er stets Dhauti-Yoga üben; dann gelange er zur Reinheit.
35.13 Durch ungehöriges Verhalten und durch die Macht der Sinne entstehe Schaden; ebenso durch fehlerhaften Umgang mit Menschen, deren Verfehlungen zu den schweren gehören.
35.14 Solche Schäden entstehen, großer Gott. Der Zeit-Yoga ist eine gute Handlung. Ob ein Mensch alt, jung, ein Kind oder auch stumpf ist:
35.15 Durch die Ausführung werde er langlebig, unsterblich und den Menschen lieb. Mantravollendung und die acht Siddhis werden ihm zuteil; er ist Herr der Vollendungen.
35.16 Stets solle er allmählich vorgehen, um die Schäden der Zeit zu vernichten. Durch das Durchbrechen des Herzknotens werden alle Körperteile gestärkt.
35.17 Dann wird er sehr kräftig, wissend, von schöner Hautfarbe und edlem Sinn. Das aus Dhauti-Yoga entstehende Begehren ist eine Ursache großen Verderbens.
35.18 Der Mensch, der es aufgibt, besitzt göttliche Tatkraft. Nach dem Ausatmen und Anhalten richte man den Geist auf den großen Lebenswind.
35.19 Zu Hause solle man die Zählung von Ein- und Ausatmung unbedingt beachten. Durch das Verfahren des Pranayama werde man zu jeder Zeit glücklich.
35.20 Stets solle man den Atem trinken und meditieren, stets die Sinne zurückziehen und den Geist sammeln.
35.21 Stets solle man geistige und andere Mantrawiederholung ausführen und den Geist aufgehen lassen. Nach Dhauti-Yoga solle die Neuli-Handlung ausgeführt werden.
35.22 Allein durch Neuli-Yoga gleiche man im Sitz einem Neuli [Wortbedeutung hier unsicher]. Durch die Neuli-Praxis werde man langlebig und frei von Krankheit.
35.23 Im Innern stets schweigend, von reinem Selbst und immer glücklich, ist man stets die Freude der Übereinkunft und die Verkörperung der Freude an der Ursache.
35.24 Man solle ständig Yoga üben und die Praxis Kundalinis und die weiteren Übungen vollziehen. Der Mantraübende erlangt Himmelswandern, daran besteht kein Zweifel.
35.25 Ich werde seine Weise erklären; nimm sie aufmerksam auf. Nachdem gekochte Mung-Reis-Speise gegessen wurde, solle man eine Weile warten. [Das Zeitmaß ist nicht eindeutig.]
35.26 Man solle den Bauch beachten und, ohne Taille und Nase einzubeziehen [Lesung unsicher], immer wieder die Mitte des eigenen Bauches bewegen.
35.27 Die Bauchbewegung solle wie die Drehung einer Töpferscheibe erfolgen. Durch die Bewegung aller Glieder komme Kundalini in Bewegung.
35.28 Durch das Bewegen der Göttin Kundalini werde sie bewusst, Herr. Danach, Herr, wird die als Kshalana bezeichnete Reinigung gelehrt.
35.29 Allein durch das Ausspülen der Nadis werde man zum Schatz aller Wissensformen. Überall erlange man Sieg und die Schau Kalikas.
35.30 Man gewinne Atemvollendung und die Vollendung der fünf Elemente. Der eigene Ruhm verbreite sich in den drei Welten, die Kraft gleiche der des Liebesgottes.
35.31 Man werde fähig, überallhin zu gelangen, und zum Herrn der Sinne. Der Wissende solle überall und stets den Kopfstand ausführen.
35.32 Mit nach oben gerichtetem Körper im Kopfstand und unten aufgestützten Händen solle man Japa ausführen. Wenn man fähig sei, den Kopfstand drei Tage lang zu halten,
35.33 dann seien alle Nadis beherrscht, daran bestehe kein Zweifel. Durch den Yoga des Nadi-Ausspülens werde man selbst zum Geber der Befreiung.
35.34 Durch Nadi-Yoga und Kopfstand entstehe die Erfüllung aller Zwecke. Wer den Kopfstand ausführt und Neuli bereits vollendet hat,
35.35 in der Neuli-Praxis steht und sie vortrefflich beherrscht, der erlangt durch Kshalana-Yoga Vollendung.
35.36 Wer Neuli nicht kennt, wie könnte er die Handlung vortrefflich ausführen? Standhaft, im Geist wandelnd, einsichtig und mit gezügelten Sinnen ist derjenige,
35.37 der die Ausführung von Neuli, dem Kern des Yoga, vollständig beherrscht. Er solle unbedingt auch Kshalana zur Reinigung der Nadis und der übrigen Bereiche ausführen.
35.38 Durch den Weg des Neuli-Yoga wird man im Ausspülen der Nadis vollkommen kundig, Mahakala, gleich einem Herrn über die Könige der Könige.
35.39 Wie der Bewahrer der Erde ihrer Bewahrung ergeben ist, so geschieht die Bewahrung in deinem Körper. Allein durch das Halten des Lebenswinds erfolge die Reinigung. [Die erste Satzhälfte ist beschädigt.]
35.40 Ohne Kshalana-Yoga entsteht keine Reinigung des Körpers. Das Ausspülen der Nadis betrifft Schleim, Galle, Unreinheiten und Ähnliches.
35.41 Der Yogi vollzieht es sorgfältig durch die Übung des Kopfstands. Das Aufnehmen des Atems während der Beherrschung von Neuli
35.42 solle er nicht für sich allein ausführen, Herr; zu anderer Zeit solle er es stets üben. Solange er Neuli nicht kennt, solle er den Atem nicht trinken. [Die Abgrenzung der beiden Zeiten bleibt uneindeutig.]
35.43 Vom Einströmen des Atems und den weiteren Vorgängen solle nicht allzu viel aufgenommen werden. Nur die Atemzählung solle erfolgen, solange Neuli nicht vollendet ist.
35.44 So wurde die fünf-Svara-Praxis erklärt, die Yogini, welche Vollendung schenkt. Durch ihre Ausübung werden die fünf Lebenswinde beherrscht.
35.45 An Glut werde man der Sonne gleich und vertreibe Kummer und Fehler. Wer höchste Festigkeit in allen Yoga-Wegen erreicht, wird zum König der Yogis.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Praxis des Yoga der fünf Svaras“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 35.
Kapitel 36: Die Namen der großen Kula-Kundalini und ihr Schutztext
36.1 Die erhabene Anandabhairavi sprach: Nun, Geliebter, werde ich das Erwecken Kundalinis und die weiteren Lehren erklären: ihre vollständigen tausend Namen, die ihr lieb sind und Freude bringen,
36.2 mit den zusätzlichen acht [Zählung hier verkürzt], überaus verdienstvoll und unmittelbar Vollendung verleihend. Allein unter dem Einfluss meiner Liebe zu dir erkläre ich sie. Höre!
36.3 Ohne Opfer-Yoga und ohne Meditation erlangt man unmittelbar die Frucht, die durch jene erreicht wird; die Vidya gewährt ihre gute Gnade.
36.4 Die Vidya, Herrin der Welten, die in den drei Welten verehrt wird, ist die Göttin, Mutter Kundalini. Stets schützt sie die drei Welten.
36.5 Durch Hören und Rezitieren ihrer tausend Namen mit weiteren hundertacht wird der Mantraübende hier ein großer Verehrer.
36.6 Schon in diesem Leben wird er, Herr, ein im Leben Befreiter und sehr Mächtiger.
36.7 [Unnummerierte Einleitung:] Für den erhabenen Lobgesang der tausendundacht Namen der großen Kundalini ist Brahma der Seher, Jagati das Versmaß und Bhagavati, die erhabene große Kundalini, die Gottheit. Seine Anwendung dient dem Gedeihen und der Vollendung aller Yoga-Wege. [Die Zahlenangaben in Titel und Einleitung weichen von Vers 5 und 195 ab.]
Herrin des Kula, Freude des Kula, edle Kula-Frau, Kula-Kundalini; erhabene große Kundalini, Kula-Mädchen, dem Kula Liebe.
36.8 Im Kula-Feld Weilende, Kauli, die den Sinn für die Kula-Zugehörigen offenbart; Kula Genannte, auf dem Kula-Weg Stehende, die den Sinn der Kula-Lehre schützt.
36.9 Kula-Kennerin, für Kula Geeignete, Offenbarerin der Kula-Blüte; Kula-Zugehörige, Aufseherin des Kula, mit Kula-Sandel gesalbt.
36.10 Kula-Gestaltige, aus Kula Entstandene, in Kula-Kundalini Wohnende; von Kula Ungetrennte, aus Kula Geborene, am Kula-Wandel Erfreute.
36.11 Aus dem Kula-Baum Hervorgegangene, Kula-Kette, Kula-Glanz; Kula-Kennerin, in der Mitte des Kula Stehende, mit Kula-Armreifen Geschmückte.
36.12 Über Kula Hinausgehende, Kaula-Verehrung, Kula-Gespräch, Kula-Handlung; Kula-Unterscheidung, Leben des Kula, Kula-Göttin, Kula-Lobpreis.
36.13 Kaulika, Kalika, die Fähige, von Kali Getrennte, Kunst der Künste; Vernichterin der Befleckung des Kali-Zeitalters, Vernichterin seiner Fehler.
36.14 Skeletttragende, reine Freude, Kennerin der Zeit, Trägerin der Zeit; die Spielerische, Mondlicht, Pfauenruf, Krähe, im Innern der Krähenbehausung Weilende.
36.15 Zartgliedrige, mit schrecklichem Antlitz, im Kanda Verehrte, Zarte; Jugendliche, auf dem Krähenschwanz Weilende, auf einer Wolldecke Sitzende.
36.16 Von Kaikeyi Verehrte, Kola, Kola-Tochter, mit dem Affenbanner; Kamala, Lotosäugige, den Schlangen Kambala und Ashvatara Liebe.
36.17 Im Fehler des Zerbrechens der Knospe Weilende [unsicher], Zeitkennerin, Zeit-Kundalini; Dichtkunst Gebende, Dichtung, Rede, Durchbrecherin des Zeitgefüges.
36.18 Jungfrau, Verkörperung des Mitgefühls, Vernichterin des Kuru-Heeres; Geliebte, ins Kula Eingegangene, Liebe, Liebende, Vernichterin des Begehrens.
36.19 Aus Liebe Entstandene, Tochter der Liebe, Einzige, Töterin der Zeit; zum Kailasa-Gipfel Emporgestiegene, vom Herrn des Kailasa Bediente.
36.20 Die der Kailasa-Herr mit Verneigung ehrt, mit Armreifen und Ketten Geschmückte; Kandarpa, schwer zugängliche Freude, im Kula Wandelnde, Vernichterin niedriger Taten [Lesung unsicher].
36.21 Lotosgesichtige, Harte, Insektengestaltige, an der Taille Weilende; Herrin des Kanda, Kanda-Gestaltige, Kolika, im Kanda Wohnende.
36.22 Unwandelbare, Täuschung Verzehrende, Vernichterin des Kalakuta-Giftes; Kamakhya, Kamala, Begehrenswerte, aus Kamarajas Körper Entstandene.
36.23 Eine nach Wunsch angenommene Gestalt Tragende, Liebliche, Liebenswerte, Dichtern Liebe; Lotosgesichtige, Lotushändige, deren große Augen Lotosblättern gleichen.
36.24 Kakini, in Kamarupa Weilende, Kamarupa Offenbarende; Kola-Vernichterin, Reihergestaltige, Fleck, mit Sonnenflecken Gezeichnete [letzte Verbindung unsicher].
36.25 Großer Kula-Fluss, Ohr, die den Bereich des Hörens bezaubert; im Stängel Weilende, Mitgefühl im Stängel [unsicher], in der Handlung Weilende, Hausherrin.
36.26 Lotosglänzende, Dasein, Kalla [Name unklar], Mitgefühl, von Mitgefühl Erfüllte; Herrin des Mitgefühls, Schöpferin der Hände, mit tätigen Händen, Aufgang der Kala.
36.27 Aus dem Ozean des Mitgefühls Entstandene, im Meer des Mitgefühls Wohnende; Herrin Karttikas, bei Karttika Weilende, Bewahrerin von Karttikas Leben.
36.28 Vom Schatz des Mitgefühls Verehrte, die zu Verwirklichende, Handlung, Kunst; im Weltalter Weilende, Wohnstatt des Weltalters, über das Weltalter Hinausgehende, die Vorgestellte.
36.29 Kulaya [Name unklar], Kula-Erkenntnis, die Pflügende [Lesung unsicher], Nacht der Zeit; Geberin der Alleinheit, bei Kokara Weilende [unklar], Erfreuerin durch lieblich klingende Fußringe.
36.30 Die Gestaltende, Zunge der Zeit, Diener als Sitz Verwendende; Wasserlilie, heilsame Freude, im Raum Kaushalyas Wohnende.
36.31 Vernichterin von Husten und Spott [Lesung unsicher], aus den Eigenschaften der Alleinheit Entstandene; Einsame, Sonnengestaltige, Kuvala, im Krebs Weilende.
36.32 Karkotaka, Gestalt des Bauchraums, im Feuer der verborgenen Kraft Weilende [unsicher]; die einen süßen Klang Girrende, nach dem guten Kennzeichen Verlangende.
36.33 Ketaki, Freude der Blüten, mit dem Verdienst der Ketaki Geschmückte; durch Kampferfülle Liebliche, die das Essen von Kampfer liebt.
36.34 Mit einer Schädelschale in der Hand, Trägerin des Schädelmondes; von der Gestalt der Wunscherfüllungskuh, Kamadhenu, mit Tätigkeit Verbundene.
36.35 Kashyapi, Kashyapa, Kunti, Haarende, durch Haare Bezaubernde; Schöpferin der Zeit, Schöpferin des Brunnens, Kula-Beschützerin, nach Wunsch Wandelnde.
36.36 Kumkuma-Glänzende, in Augenschwärze Weilende, Begehrte, Zorn Vernichtende; im Spiel Weilende, vom Spiel Erfüllte, Zornige, in Lumpen Weilende.
36.37 Über die Kalas Hinausgehende, Zeitwissen, aus dem zeitförmigen Purusha Entstandene; in Bedrängnis Weilende, in schwerem Aussatz Weilende, Aussatz Vernichtende, Not Vernichtende, Kusha-Gras.
36.38 Kalika, Offenbarerin, Kamboja, Kamala, Kula; die Heilsame Genannte, Kakakushtha [Name unklar], in der Handlung Stehende, in der Mitte der Schildkröte Wandelnde.
36.39 Im gewundenen Kreis Weilende, aus Kunda und Gola Entstandene [rituelle Bezeichnungen], Schleim; mit dem Raum als Wohnstatt an der Spitze des Kapittha-Baumes [unsicher], die Kapittha zurückhält.
36.40 Kahoda, Kahada und Kada [in der Vorlage beschädigte Namen], Kankala, Schöpferin der Sprache; Goldene, Goldglänzende, Bewohnerin des Goldberges.
36.41 Im baumwollenen Opferfaden Weilende, Verwirklicherin des verborgenen Brahman-Sinns; Esserin des Kalanja-Fleisches, Grausame, Masse des Zorns, im Affen Gegenwärtige.
36.42 Schädeltragende, an der Praxis Erfreute, im untersten Raum Wohnende; Herrin der Elefanten, auf dem Elefanten Weilende, Elefantengestaltige, mit Elefantengang.
36.43 Im Hain Weilende, Geliebte des Hains, im Hainhaus Wohnende; Zornige, von Zorn Freie, jenseits von Zorn und Nichtzorn.
36.44 Beim Kapinjala-Vogel Weilende, Kapinja, aus dem Kapinjala-Baum Entstandene; von Kuntis Liebeserzählung Erfüllte, in Kuntis Geist Verehrte.
36.45 Lockige, mit Speer in der Hand, Rote mit Kula-Locken; Dienerin an den Füßen des Geliebten, im Umgang mit dem Geliebten Gewandte, Besitzerin von Koshala.
36.46 Töterin Keshins, bei Kakutstha Weilende, Bewohnerin seines Waldes; Freude des Kailasa-Gipfels, vom Kailasa-Berg Verehrte.
36.47 Von reiner Blutgestalt [bereits in der Vorlage mit Fragezeichen], durch Blut Bezaubernde; Kutuna, Kuttahi, Kuttha und Kutana [Namen unsicher], Freude Schaffende.
36.48 Die den Kraum-Laut Hervorbringende, Kraumkari, Kashi, im Kuhu-Ruf Gegenwärtige, Kirata-Frau; alle Worte Girrende, Gemachtes und Ungemachtes Bewirkende.
36.49 Gestalt des Gnadenschatzes, im Ozean der Gnade Wohnende; an reiner Freude Erfreute, reine Freude Schaffende.
36.50 Wurmreiche, Vernichterin der Wurmübel, Gnade, durch Täuschung Zerschlagene [unsicher]; Schlankgliedrige, in der Unterbrechung der Reihenfolge Weilende, bei Dienern Weilende, auf der Matte Weilende.
36.51 Kamarupa, dem Geliebten Zugewandte, Vollendung Kamarupas Gebende; Göttin des Kamarupa-Pitha, Kamarupankuja [Name unklar], Erdgeborene.
36.52 Kamarupa, Liebeswissen, ursprüngliche Kalika von Kamarupa; Kala von Kamarupa, Begehrenswerte, Kula-Herrin von Kamarupa.
36.53 Freude der Menschen Kamarupas, scharfsinnig in Kamarupa; Hand-Raum Kamarupas [unsicher], im Baum Kamarupas Weilende.
36.54 Tochter der Liebe, Kunst der Liebe, in Kamarupa Wandelnde; im Sinn der Liebeslehre Gegenwärtige, Kunst der Handlungen Kamarupas.
36.55 Mahakali von Kamarupa, aus Kamarupas Ruhm Bestehende; höchste Freude Kamarupas, ursprüngliche Geliebte Kamarupas.
36.56 Wurzel des Ufers, in der Mitte des Kamarupa-Lotos Wohnende; die gefaltete Hände liebt, wirkende Zaubermacht, in der Kritya-Göttin Weilende, Matte.
36.57 Armreif, Kataka [Name unklar], an Millionen Hüftglöckchen Erfreute; mit besonders breiter Hüfte, Holz, die Katyayana gute Vollendung verleiht.
36.58 Katyayani, im Kachala Weilende [unklar], mit einem lieblichen Mondgesicht, Erzählung; dem Land Kashmir Zugewandte, Kashmiri, aus Feldarbeit Entstandene.
36.59 Bei der Feldarbeit Weilende, Schildkrötengestaltige, auf dem Schildkrötenrücken Wohnende; Glocke der Zeit, am Klang Erfreute, mit lieblichen Fußringen Bezaubernde.
36.60 Die Feindesscharen Berechnende, gute und schlechte Eigenschaften Erzürnende; alles Begehrenswerte Begehrende, die drei Welten Erhellende.
36.61 Kaula-Mädchen, Tochter der Zeit, Herrin von Kaula, Kala und Kula; im Kaula-Tempel Gegenwärtige, den Kula-Dharma Nachahmende oder Verspottende.
36.62 In ihrer Gestalt dem Kula-Dharma Ergebene, Vernichterin des Kula-Dharma; Kennerin des Kula-Dharma, Geberin seines Gedeihens.
36.63 Kaula-Genuss und Befreiung Gebende, Yogini des Herrn des Kaula-Genusses; Kaula-Handlung, neues Kula, mit weißen Champaka-Blüten Bekränzte.
36.64 Geliebte mit Kula-Blütengirlanden, aus dem Entstehen der Kula-Blüte Entstandene; Kaula-Jubel Erzeugende, die Kaula-Handlungen liebt, die Höchste.
36.65 In Kashi Weilende, Tochter des Kasha-Grases, Kashi, den Augen Liebe, Kutha [Name unklar]; Liebhaberin eines Holzsitzes, Krähe, Schädeltragende mit Krähenflügeln.
36.66 Die den Saft der Schädelschale genießt, mit einer neuen Schädelkette Geschmückte; im Schädel Weilende, Kapali, durch den Schädel Vollendung Gebende.
36.67 Schädelgestaltige, Schöpferin des Kula, auf der Schädelspitze Weilende; Erzählerin, die Armen Glück schenkt, Kripi, von Armen Bediente.
36.68 Handlung Vernichtende, in die Handlung Eingegangene, jenseits von Handlung und Nichthandlung; an vollendeter Handlung Erfreute, Liebende, in Handlungserkenntnis Wohnende.
36.69 Von guter Gesittung in Handlung und Dharma, die Handlung und Dharma beherrscht; auf einem großen, kunstvoll als Goldlotos gestalteten Thron Sitzende.
36.70 Mit einer Kette goldener Knoten Geschmückte, Durchbrecherin des Goldknotens; aus Gold Entstandene, im Goldlotos Wohnende.
36.71 Im Kalakuta und den weiteren verborgenen Mächten Weilende, im Innern des Kiti-Lautes Gegenwärtige; mit dem Ruf des Reiher-Vogels als Mund, aus Kamadhenu entstandene Kala.
36.72 Armreifglänzende, Erde, Karda, Schlamm, im Schlamm Weilende; vom Wasser im Schlamm Verhüllte, den im Schlamm Weilenden Liebe.
36.73 Auf der Schildkröte Weilende, im Bogen Weilende, im Lieblichen Weilende, Vernichterin Kamsas; Kamsa Liebe, Töterin Kamsas, schrecklich für Kamsas Unwissenheit.
36.74 Goldglänzende, Gold Gebende, Wünsche Gewährende, Stufen Gebende, Kada [Name unklar]; vom Geliebten Getrennte, an den Geliebten Denkende, auf dem Lotossitz Wohnende.
36.75 In der Vollendung des Lotossitzes Gegenwärtige, Gottheit des Lotossitzes; Geschmähte, am Geschmähten Erfreute, Schmähung, von Fluch Freie.
36.76 Beschützerin des schlechten Sohnes, Kulla, die den Geist des schlechten Sohnes hinwegnimmt; Beschützerin des Erdgeborenen, Kauji, die Kubja Genannte, von buckliger Gestalt.
36.77 Mit schlechten Nägeln, bei der Brunnenweihe Weilende [unsicher], Kukari, schlecht Begüterte, schlechte Gaben Gebende; Ungeliebte, Freude des Kuckucks, Kuckucksgestaltige, Wünsche Gebende.
36.78 Kukamina [Name unklar], im schlechten Denken Gegenwärtige, das auf dem Korb fahrende Wesen Bezaubernde [unsicher]; Kulaka, in der Kula-Welt Weilende, Vollendung im Kusha-Sitz Gebende.
36.79 Kaushiki, Göttin, Kasya [Name unklar], dem Kannada-Klang sehr zugetan [Lesung unsicher]; von mangelhafter Wohlgestalt, beim schlechten Freund Weilende, Vernichterin schlechter Freunde und Feinde.
36.80 Fülle schlechten Wissens, Kustha, bei Kuji Weilende [Namen unsicher], Schulden Gebende; Kakarja, Schulden Schaffende, die an Schulden Gebundenen Bezaubernde.
36.81 Tilgerin der Schulden, stets die Waffe der Zeit Tragende; schlechter Weg, guter Weg der Zeit, Vernichterin des Kali-Denkens.
36.82 Aus der Frucht der Kali-Zeit Entstandene, im Kali-Zeitalter Reinigende; die Kali-Verfehlungen Hinwegnehmende, Kali, die das Allerfeinste der Kali-Vollendung schenkt.
36.83 In Kalidasas Worten Gegenwärtige, Kalidasa gute Vollendung Gebende; Unterweisung im Kali-Zeitalter, Unterweisung über die Zeit, der Kanda-Unterweisung Ergebene.
36.84 An lieblichem Bhava Erfreute, schöne Hingabe Gebende; von der Gestalt der Karaka-Menschen [unsicher], Streit im abgegrenzten Raum Erzeugende, Kara [Text beschädigt].
36.85 Kanchu-Farbige [unsicher], krähenfarben, von Schakalsgestalt, Kashamala [unklar]; am Schakalruf Erfreute, Kita, Furchtsame, den Furchtsamen Liebe.
36.86 Bei den Furchtsamen Weilende, Weisung der Furchtsamen, den Furchtsamen Freude Schaffende; aus dem Kasamarda-Baum Entstandene, Kasamarda Verzehrende.
36.87 Aufhebung der Not, Not Gebende, Loslösung von der leidvollen Welt Gebende; in den Körper Eingegangene, Körpervollendung, Offenbarerin körperlicher Freude.
36.88 Körpergeruch Beseitigende, Krug, Körperkrug, Harte; im harten Baum Weilende, Vernichterin der harten Menschenwelt.
36.89 Auf dem schlechten Weg Eingesetzte, Kupra [unklar], aus dem Baumwollbaum Entstandene; im Faden des Baumwollbaumes Gegenwärtige, in der schlechten Gruppe Weilende, Karottara [unklar].
36.90 Aus Karnata und Karna Entstandene, Karnati, von Karna Verehrte; Beschützerin von Karnas Waffe, Karna, Karna Vernichtende, Ohrring.
36.91 Vom Land Kuntala mit Verneigung Geehrte, Familie, Krüge Schaffende; Karnasarasana [Name beschädigt], Gezogene, von Krishnas Lotushänden Gewonnene.
36.92 Dunkelgliedrige, in Krishnas Körper Weilende, im schlechten Land Weilende, Unheilvolle; bei grausamen Handlungen Gegenwärtige, Kora, Geliebte des Kirata-Kula.
36.93 Liebhaberin des dunklen Wassers, Liebe, Liebhaberin dichterischer Worte, Zornige; Lotosranke, Mondlicht, schwaches Mondlicht, am Zählen Erfreute.
36.94 Zählung aller Wesen, im Kapittha-Wald Wohnende; im bitteren Nimba-Baum Weilende, Ka Genannte, Ka-Gruppe Genannte, zur Ka-Gruppe Gehörende.
36.95 Durchschneiderin des Kirata, die zu Vollbringende, jenseits von zu Tuendem und nicht zu Tuendem; in den Vorschriften Katyayanas und der anderen Gegenwärtige, Aufgang von Katyayanas Freude.
36.96 Im schlechten Feld Weilende, Hindernis des Kula [Lesung unsicher], in die Sinnesorgane und weiteren Mittel Eintretende; Kankali, Kinkala, Zeit, Festgeheftete, alles Begehrende.
36.97 Auf die Festheftung Blickende, Verborgene, mit verborgener Kumkuma-Paste Gesalbte; Wohnstatt des Kumkuma-Dufts, im Familienhaus Gegenwärtige.
36.98 Schlechte Gnade, Freude der Sinneswerkzeuge, durch den Genuss der Dichtung Bezaubernde; an der Freude der Dichtungslehre Erfreute, durch Dichtung Verehrte, Herrin der Dichter.
36.99 Die mit Heerlagern, Elefanten, Wagen, Pferden und Trommeln Ertönende; Spielerin, unter grausamen Betrügern Gegenwärtige, im Pfauenruf Wohnende.
36.100 Kem, allein Umschlossene [unsicher], Keta, mit Ketaki-Blüten Bezaubernde; Kaim, durch die Eigenschaften der Alleinheit Strahlende, den Reichtum der Alleinheit Gebende. [Kem und Kaim stehen als Keimsilben in der Namensreihe.]
36.101 Elefantengestaltige, Mutter des Reichtumsherrn, Kakshatakshakalankini [Name beschädigt]; Kuduvanta, friedvolle Schönheit, Verlangen, in den Paramahamsa-Zustand Eingegangene.
36.102 Schöpferin, Bewusstsein, Reichtum des Geliebten, Krishana [Name unklar], von Feldfrüchten Lebende; mit Kumkuma verbundenen Herzens, mit Armreifen und Halsketten Geschmückte.
36.103 Kishvari, Keshava, Krug, von Jugendlichen Verehrte; im Innern der Knospe Erfreute, mit der Stimme des Kuckucks Wandelnde.
36.104 Kuradehahara, Kumba, Kudumba, Kurabhedini [Namen unsicher]; Gespräch mit dem Herrn Kundalinis, in der Mitte des Kundalini-Herrn Gegenwärtige.
36.105 Feinheit der Zeit, Opfer der Zeit, die Zeit Hinwegnehmende, Kaha; im Kahala-Instrument Gegenwärtige, im Streit Weilende, Streit, Streit Erzeugende.
36.106 Gazelle, in der schönen Gazelle Gegenwärtige, Korangi [unklar], die Windungen Hinwegnehmende; mit schlechtem Makel Behaftete, mit dunklem Denken, Krishna, in Meditation Wohnende.
36.107 Kutava, hölzerne Ranke, Erfüllung Schaffende, Kusi; im Zählen Weilende, im Ka-Laut Gegenwärtige, Kalika, aus dem Zerbrechen der Fehler Geborene. [Einzelne Namen sind unsicher.]
36.108 Kamala von Blütengestalt, mit Blütengirlanden Geschmückte; Blütenstaubfaden, durch Täuschung Harte [unsicher], Aufgang lieblichen Wassers.
36.109 Deren sämtliche Glieder aus dem Ka-Lautgefüge bestehen, mit dem Gewand des Ka-Lautes Bekränzte; die Zeit Durchbrechende, Kata, Karpavasa, Kakutsthala [Namen unsicher].
36.110 Schlecht Gekleidete, Haarflechte, Karva, Kusavi [unklar], Beschützerin der Kurus; Rücken der Kurus, Beste unter den Kurus, Vernichterin des Wissens der Kurus.
36.111 An Neugier Erfreute, Geliebte, schlecht Durchdringende, schmerzhafte Bindung; im Kashayana-Baum Weilende, aus dessen zusammenziehendem Saft Entstandene.
36.112 Kati-Vidya [Name unklar], Aussatz Gebende, Kummer der Aussätzigen Beseitigende; auf einem Holzsitz Weilende, Stütze der Handlung, Ka und Shrayakaulika [Trennung unsicher].
36.113 Kalika, durch Kali Erschreckte, in der Meditation des Kaulika Wohnende; im Bereiteten Weilende, Mutter des Bereiteten, vom Bereiteten Verhüllte, Kali-Banner.
36.114 Keshava, Freude Keshavas, Vernichterin der Dämonen Keshin und anderer; aus Keshavas Körper entstandene Tochter, Bezauberin des aus Keshavas Körper Entstandenen.
36.115 Der Verehrung durch Jugendliche Würdige, Gottheit des jugendlichen Gottes; dem Geliebten Glück Schaffende, Kutya, Täuschung, Töterin des Geliebten.
36.116 Aus schlechtem Begehren Entstandene, Kauncha, bei Kauncha Weilende und dort Wohnende; im Brunnen Weilende, im Brunnen-Denken Gegenwärtige, Brunnenkette, Bezaubernde.
36.117 Bei der Brunnenblüte Zuflucht Habende, Schönheit, Stufen Gebende, Fortschritt Gebende, Fortschritt; von schlechtem Schritt, in schlechter Reihenfolge Weilende, Göttin von Kundalinis Kunda.
36.118 Aus der Stadt Kaundilya Entstandene, vom Kaundilya-Geschlecht Verehrte; im Affenkönig Gegenwärtige, Affengestaltige, Aufgang von Verstand und Kraft des Affen.
36.119 Der Meditation über den Affen Ergebene, Vornehmste, schlechte Ordnung, falsches Zeugnis Gebende; in schlechter Mitte Weilende, schlechte Vorschrift, Offenbarerin der Kula-Reihe.
36.120 Im Körper der Kula-Biene Weilende, wie die Kula-Biene Summende; Kula-Verbindung, Kula-Auge, im Kula Berauschte, Kula-Wind.
36.121 Kennzeichen des Kali-Zeitalters, Zeichen der Zeit, Zeichen an der Kehle, Tochter des Dichterfürsten; Elefantenherrin, Glück des Kamala-Herrn, die den Stolz von zehn Millionen Liebesgöttern bricht.
36.122 Aus millionenfacher Leuchtkraft Bestehende, Kotya, mit einer Kette von Kronenlotosen Geschmückte; durch die Krone Bezaubernde, höchste Spitze, aus unzähligen Monden Entstandene.
36.123 Mit einem Antlitz wie zehn Millionen Sonnen, zehn Millionen Feuern der Zeit gleich; lieblich mit Krone und Kette, Trägerin von zehn Millionen Bergen.
36.124 Die Göttin, die ein Brustpaar trägt, die das Begehren der Brüste offenbart; Freude der Brüste, durch Brüste Verhüllte, Festigkeit der Brüste Schaffende.
36.125 In der Bezauberung durch das Brustpaar Gegenwärtige, von der Täuschung der Brüste Ergriffene, Brust; durch die Jugendlichkeit der Brüste Bezaubernde, Freude am Streicheln der Brüste Schenkende.
36.126 Im Glas Weilende, mit Glaskörper, in der Glasstadt Wohnende; vom Glas Erfasste, glasfarben, Vernichterin von Kichakas Leben.
36.127 Kamala, Liebe des Blicks, Zartäugige, Mantras Liebe; Lotosäugige, Lotosgeborene, Lotosgesichtige, aus dem Schrecklichen Geborene.
36.128 Mit zwei Lotosfüßen, Begehrenswerte, Kara Genannte, mit Händen Bekränzte; Trägerin von Lotushänden, Kanda, Einsicht in den Kanda Gebende.
36.129 Tochter des Lotosgeborenen, Kamala, nach einem Sohn Verlangende; Strahlende, von Strahlen Verhüllte, im Leben der Strahlen Wohnende.
36.130 Dichtung Verleihende, mit dichterischem Geist, Offenbarerin des Kerns der Dichtung; Mutter der Künste, Mutter der Weltalter, auf dem Sitz der Unterscheidung der Weltalter Gegenwärtige.
36.131 Wille der Zeit, im Kern der Zeit Weilende, die das Töten durch die Zeit vernichtet; im Licht der Strahlenfolge Gegenwärtige, in der Handlung Weilende, Leuchte der Reihenfolge.
36.132 Lakshmi der Zeit, Wilde der Zeit, dem Herrn des wilden Kula Liebe; im Körper der Kakini-Shakti Gegenwärtige, Spielerin, Kinta Erzeugende [Name unklar].
36.133 Karanja, Panzer, Kranich, im Schnabelhohlraum der Krähe Weilende; Krähe Genannte, im Krähenlaut Gegenwärtige, das Brennen des Zeitfeuers Erstrebende.
36.134 In der Brust-Achsel Weilende [unsicher], Kutra, schlechter Sohn, Beschützerin des Opfers; von goldener Erscheinung, in der Gestalt gebundener Hände Gegenwärtige.
36.135 Gestalt des Werks, Leben des Werks, Zorn über das Werk Abwehrende; Schutz des Bauches Schaffende, Bauch, die das Weltenei im Bauch trägt.
36.136 Bei den Gottheiten im Bauch Weilende, Bauch, in Handlungen Geschickte, zur Handlung Drängende; in Handlung Festgegründete, Freude der Handlung, Opferwerk, Handlung Liebende.
36.137 Dem heilsamen Rauschtrank Zugewandte, Lebensgeliebte des Kushari; berauschender Trank des Kushari-Baumes, die sich um die Unterwerfung des Königs von Kashi bemüht. [Kushari bleibt unbestimmt.]
36.138 Im Haus des Königs von Kashi Gegenwärtige, im Haus von Karnas Bruder Weilende; reich mit Ohrschmuck Geschmückte, Halsschmuck, Halskette.
36.139 In die Halsregion Eingegangene, Kehle, im Halslotos Wohnende; Erhellerin der Kehle, mit einer Kette von Halsrubinen Geschmückte.
36.140 Vollenderin des Halslotos, im Raum der Kehle Wohnende; in Sakini des Halslotos Gegenwärtige, die sechzehn Blätter der Kehle.
36.141 Die Vidya, die schwarzes Antilopenfell trägt, mit einem schönen Gewand daraus; bei Kutaka Weilende, im schlechten Spiel Weilende, in Kunda mit gestalteter und ungestalteter Form geschmückt [Lesung unsicher].
36.142 Liebliches Lied, aus dem Vergehen der Zeit Entstandene [unsicher], der Auflösung der Kalas Ergebene; Mond Kalis, Kala, Dichtung, an der Brust Weilende, Wohlsein Gebende [Lesung unsicher].
36.143 Töterin des schlechten Diebes, Uferland, im Uferland Weilende, Kajatana [unklar]; mit einem Gesicht wie ein Lotosblatt, Lotos, Lotosmund, Kajivali [unklar].
36.144 In den Götterinstrumenten mit lieblichem Klang Gegenwärtige [Anfang beschädigt], einen Dhankara-Laut Hervorbringende; in Kanadas Opferfaden Gegenwärtige, als Blutopfer Bezeichnete.
36.145 Scharf Lachende, am Tor Weilende, im Rauch der Matte Wohnende; mit überaus schrecklichem Hüftklang, Kuttala, Liebhaberin der Patali-Blüte.
36.146 Nach Wunsch Wandelnde, Lotosäugige, im Aufsteigen des Begehrens Voranschreitende; Verbrennerin eines Holzberges, Aussatz und Nicht-Aussatz Abwehrende. [Die doppelte Krankheitsbezeichnung wird beibehalten.]
36.147 In der Vollendung von Kahodas Mantra Gegenwärtige, Kahala-Trompete, Liebhaberin der Dindima-Trommel; beim Spiel der Kula-Dindima Gegenwärtige, Vollendung des Kama-Damara Gebende.
36.148 In der Tötung der Kula-Unsterblichen Gegenwärtige [Lesung unsicher], den Pfauenruf des Kula Ertönenlassende; Trommelklang der Kojagara-Nacht, im Kampf der bronzenen Helden Gegenwärtige [unsicher].
36.149 Öffnung der Werkzeuge, beginnend mit der Zeit, dem Schatz des Mitgefühls Liebe; Opferglanz Gebende, Glück des erfüllten Ziels, Retterin durch die Zeit, über Kula Hinausgehende.
36.150 Durch Erzählungen Verehrte, Freude an Erzählungen, Erzählerin, Erzählen Liebende; Betrachtung des Ka-Sinns, Wissen des Ka-Sinns [unsicher], welche die Unwahrheit des Begehrens widerlegt.
36.151 Einer Kadamba-Blüte Gleichende, mit Kadamba-Blüten Bekränzte; durch Trinken von Kadambari-Wein Befriedigte, Körperstolz, Kadodyama [Name unklar].
36.152 In der Mitte des Kunkula-Blattes Weilende [Pflanzenname unsicher], Stütze des Kula, der Erde Liebe; Hälfte des Körpers der Kula-Gottheit, Wohnstatt des Kula, Trägerin der Kalas.
36.153 Leidenschaft der Liebe, reich Geschmückte, den Eigenschaften der Liebenden Zugetane [Lesung unsicher]; Kula-Zugehörige, mit einer Schlange in der Hand, auf der edlen Kula-Schlange Fahrende.
36.154 In Kamapura Weilende, Zorn, Schädeltragende, aus der Bakula-Blüte Entstandene; von den Gefängnisinsassen zu Behütende [Lesung unsicher], Beschützerin des Gefängnisses.
36.155 Handlungskraft, Reihe der Zeit, Karna-Reihe, Aufsteigen des Schleims; im voll entfalteten Liebeslotos Weilende, Frucht und Nichtfrucht Kamarupas.
36.156 Frucht des Körpers, Schaum des Körpers, Geliebte, Herrin der Frucht der Nadis; beim Kama-Schakal Weilende [unsicher], Gauri, Rede des Körpers, unter schlechten Helden Wandelnde.
36.157 Im Juwelenband der Haarflechte Gegenwärtige, Vereinigung der Kaveri-Pilgerstätten; Furcht vor dem Begehren Beseitigende, Geliebte, von der Verwirrung der Liebesrede Ergriffene [Lesung unsicher].
36.158 Den dichterischen Bhava Hinwegnehmende, Strahlende, die liebliche Furcht Beseitigende; göttliche Mutter mit Liebe im Schoß, unsterbliche Wunschranke der Liebe.
36.159 Die geliebtes Schildkrötenfleisch isst, Schildkröte, Affen Liebe; von welcher Gestalt, auf welcher Stütze [Namen in Frageform], im Geist des Töpfers Gegenwärtige.
36.160 Im wunschbezogenen Opfer Gegenwärtige, Wilde, mit dessen Opferfaden versehen; Vollenderin des Liebesopfers, Nacht der liebenden Vereinigung.
36.161 Kamakhya, bei Yamala-Asha Weilende [Name unsicher], Nacht der Zeit, schlechte Yogini; für das beim Kuru-Opfer Getötete Geeignete [Lesung unsicher], Kuru-Fleisch Verzehrende.
36.162 Freude an Kuru-Blut Schaffende, den Dienern Freude Schaffende; Herrin der Handelnden, Selbst der Ursache, Dichter Verzehrende, Dichtern Liebe.
36.163 Am Rücken des Dichterfeindes Haftende, im Kailasa-Park Gegenwärtige; die dreifache Kali, in dreifacher Vollendung Weilende, Vollendung in drei Kali-Tagen Gebende.
36.164 Von Makel Freie, Kali, im Befleckten des Kali-Zeitalters Wünsche Gewährende; schön geschmückt mit Kula-Blüten, farbigem Faden und geknüpften Edelsteinen.
36.165 In Kamboja und Vanga Weilende, Beschützerin des Kula-Vasuki; Handlung der Kula-Lehre, Friede, Kula-Friede, Kula-Herrin.
36.166 Heilsame Eingebung, Kashi, Durchdringerin der sechs Kula-Chakras; inmitten der sechs Kula-Lotose Weilende, Erhellerin der sechs Kula-Lotose.
36.167 Bei schwarzer Katze und Eber Weilende, Shashthi der schwarzen Katze; im Zusammenhang mit der Kula-Katze Zornige, Shodashi der Kula-Katze.
36.168 Aus dem Verschlingen am Ende der Zeit Entstandene, Vernichterin von Kapilas Ende [unsicher]; liebliches Lachen, Glück des Streits, Sinn des Streits, makellose Kala.
36.169 Beschützerin der Schildkrötenseite [Lesung unsicher], Vernichterin der Seite des schlechten Feldes; Zeugin des Schutzes der Ka-Silbe [unsicher], in der großen Befreiung Festgegründete.
36.170 Mit dem Glanz von Milliarden Sonnen, von den Händen der prüfenden Erkenntnis Verehrte; am Ufer der Kaveri Gegenwärtige, Trägerin der Feuer- und Sonnenwaffe.
36.171 Mit den Bijas Im, Kim und Shrim wird die Liebes-Kamala angerufen: Die Beschützerin des Kailasa möge schützen! Kali, deren Gestalt die Bijas Shrim und Im sind, schütze meine Kopfregion.
36.172 Kalika, der Meteor der Finsternis, schütze den ganzen Lotosbereich meiner Oberschenkel. Udumbani, Geliebte der Sonne, Ushtegra [Namen unsicher], Kula-Mutter!
36.173 Die auf die Handlung Achtende, Handlungskundige, die Kum spricht, in der Kim-Schrift Gegenwärtige; Kum mit langem Vokal, die Bereitete, Kem, die den Kailasa mit ihren Händen verehrt. [Bija-Bezeichnungen und Namensreihe gehen ineinander über.]
36.174 Die Jugendliche, Kaim, die Handelnde, die Kaim und Kem als Bijas Genannte, schütze das Augenpaar; Koma, von Matanga Verehrte, das Mädchen Kaushalya und die weiteren Gestalten.
36.175 Mit zweimal Kraum: Jivakaralini möge mein Ohrenpaar schützen. Kundalini, die im Schoß Wohnt, schütze stets beide Wangen.
36.176 Leuchtend wie Milliarden Sonnen, mit vergänglichen und unvergänglichen Silben Bekränzte; die rasche Zufriedenheit Schaffende, Hand, die fleckenlose Kula-Göttin.
36.177 Die mit Kula-Blüten reich Versehene, die sehr gute Werke vollbringt, schütze meinen Rücken. Kumari, von erfülltem Verlangen, bewahre stets meine Flanken.
36.178 Die Göttin Kamakhya und die Göttin Pratyangira schützen meine Taille. Die Gottheit, die in der Taille weilt, schütze stets die Wurzel meines Linga.
36.179 Kakini schütze meinen verborgenen Bereich, Kulasimhika den Bereich unterhalb des Linga. Die Herrin der Kula-Schlangen schütze die vortreffliche Hüftregion.
36.180 Die Göttin mit der Skelettkette schütze meinen schönen Wurzelbereich. Kirti, die den Kreis hinwegnimmt, schütze stets beide Unterschenkel.
36.181 Die im Reifen Gegenwärtige, die Beschützerin Indras, schütze beide Füße. Die sich wie eine Töpferscheibe Drehende schütze meine Zehen.
36.182 Die Nagelspitzen der zehn Zehen und ebenso diejenigen der beiden Hände möge stets die Zwanziggestaltige schützen, die Kalana-Aksha Genannte [Lesung unsicher].
36.183 Die Gestalt der Stütze des Kula-Schirms, im Kula-Mandala Verborgene; Mutter Kula-Kundalini, von den Kula-Kundigen Geschmückte,
36.184 Krähengesichtige, mit Krähenschnabel, Krähenleben, aus der scharfen Sonne Geborene; Krähenfieber, Krähenzunge, in der Erforschung der Krähe Gegenwärtige [Lesung unsicher],
36.185 mit Affenbanner, Affenschrei, Affenmädchen, mit einem Hika-Laut [unsicher]; Gürtel der Zeit, in den zwanzig Gegenwärtige, schütze stets meine zwanzig Nagelspitzen.
36.186 Die Göttin von Zeitgestalt, Wohnstatt der Frucht des Kali-Zeitalters, möge schützen: im Wind, auf dem Berg, im leeren Haus und an der Wegkreuzung.
36.187 Sie folgt der Übereinkunft der Kula-Herren und ist den Menschen des Kula-Wandels lieb; auf dem Kula-Berg gegenwärtig, wohnt sie auf dem Kula-Kailasa.
36.188 Sie schütze im großen Waldbrand, auf schlechtem Weg, bei einem ungünstigen Planeten; wenn der König feindlich ist, bei seiner Unterwerfung und bei der Vernichtung großer Feinde.
36.189 Mahalakshmi der Kali-Zeit, Lakshmi der Handlung, Gewand des Kula; durch den Kali-Herrn Festgeheftete, Pflock, im Himmel des Blutes Wohnende.
36.190 Die zehn Welthüter, beginnend mit Indra, möge sie in den zehn Richtungen stets als Schutz verkörpern. Die neun Planeten, beginnend mit der Sonne, schützen stets beim frischen Durchtrennen [Wortlaut „navacchinne“ unsicher].
36.191 Die reich mit Kula-Fleisch Versehene, im Kula-Lotos Wohnende, möge mich schützen; die Kula-Stoffe Liebende, die Mittlere, Shodashi, Bhuvaneshvari,
36.192 im gelehrten Streitgespräch und im Zwist, während des Rausches und in großer Furcht, bei der Furcht vor Hungersnot und in der Bedrängnis durch eine Häufung von Krankheiten.
36.193 Kali, Kulla, Kapali, Kamakhya und die nach Wunsch Wandelnde mögen mich stets im Kula-Zusammenkommen schützen, gut mit dem Kaula-Kreis verbunden.
36.194 Überall, an jedem Ort, bewahre die Kula-Gestaltige stets! Dies wurde dir, Herr, als Mittel zur Gnade der Mutter erklärt:
36.195 die tausend und hundertacht Namen, Kundalini lieb, der Göttin Kula-Kundalini zugehörig, zur guten Vollendung aller Mantras,
36.196 zum Bewusstwerden und zur guten Vollendung der Mantras aller Gottheiten, für die acht Siddhis, beginnend mit dem Kleinwerden, und zum Wohl der Praktizierenden.
36.197 Sie sollen einem Brahmanen und einem den Kula-Stoffen Ergebenen gegeben werden. Einem Nicht-Kula-Zugehörigen und Nichtbrahmanen soll der Kundalini-Lobgesang nicht gegeben werden. Doch wenn der Kundalini-Kreis tätig ist, sind alle Kasten zweimalgeboren.
36.198 Wenn der Bhairavi-Kreis beendet ist, sind alle Kasten wieder voneinander getrennt. Einem Kula-Zugehörigen soll der Text gegeben werden, besonders einem Praktizierenden.
36.199 Allein durch das Weitergeben entsteht Vollendung, aufgrund der Macht meines Gebots. Wer in meiner Praxis steht, ist mein Kind, daran besteht kein Zweifel.
36.200 Er gelangt zu meiner Stätte, ist bereits im Leben befreit und gleicht Indra. In der großen Nacht soll man mit berauschendem Trank und Fleisch im Kula-Feuer,
36.201 jeden Namen einzeln aussprechend, zur Körpervollendung opfern. Den fünf Verhaltensweisen ergeben, werde der Entsagende einer, dessen Samen aufwärtsgerichtet ist.
36.202 Nach einem Jahr gelangt er zu meiner Stätte, daran besteht kein Zweifel. In diesem Leben entsteht Körpervollendung; im Körper werden alle Vollendungen verliehen.
36.203 Die Bewohner der drei Wege, des Himmels und der Erde, werden ihm willfährig; die Welthüter, beginnend mit Indra, werden seine Diener.
36.204 Derjenige ist ein höchster Yogi, für dessen Ziel dieser Lobgesang feststeht. Er ist ein Himmelswanderer und Verehrer, Narada, Shuka und den weiteren Weisen gleich.
36.205 Der Mensch, der auf diese Weise wiederholt, ist Shiva und kein gewöhnlicher Mensch. Er ist in Samadhi eingegangen, ewig, in Meditation gegründet und den Yogis lieb.
36.206 Er gelangt unvermittelt in die vierfache Entfaltung der Gottheit, daran besteht kein Zweifel. Wer diesen Text mit Hingabe am Hals, Kopf oder Arm trägt,
36.207 wird auf Erden selbst ein Kind Kalikas, Herr der Vidyas, Herr des Reichtums, mit Söhnen gesegnet, ein Yogi und Herr der Entsagenden, überallhin gelangend.
36.208 Eine Frau, die ihn am linken Arm trägt, werde Herrin aller Vollendungen.
36.209 Wenn ein Mann oder eine Frau ihn mit großer Hingabe rezitiert, wird sie Herrin allen Besitzes und aller Menschen, mit Kindern gesegnet, deren Kinder am Leben bleiben. Er wird in dieser Welt ein Kula-Herr, ein einziges Mittel zu Himmel und Befreiung, Herr des Hauses und geliebter Herr der Yoginis. [Die Geschlechtsbezüge wechseln im Vers.]
36.210 Wer als Sterblicher hier täglich mit Hingabe rezitiert, vollzieht auch das Zurücknehmen durch die Verbindung von Prana und Viprana [Lesung unsicher]. Das Verdienst der Lobgesang-Rezitation vernichtet Verfehlungen aus zehn Millionen Geburten. Selbst ich, die große Fleischesserin, vermag es nicht vollständig zu beschreiben.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Lobgesang und Schutztext der tausendundacht Namen der großen Kula-Kundalini“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 36.
Kapitel 37: Svadhishthana und die Meditation über Krishna
37.1 Anandabhairava sprach: Ich habe das höchste Wissen gehört, die Unterscheidung von Dharma und Adharma, den Kern des gesamten Vedanta, den Kern des Kerns, das Höchste des Höchsten.
37.2 Nachdem ich Kundalinis Lobgesang gehört habe, bin ich erfüllt, Herrin der Welt. Nun möchte ich die Offenbarung des Svadhishthana hören.
37.3 Wenn dein gnädiger Blick auf mir ruht, du Fülle dichter Freude, so sprich vom erhabenen Kundalini-Yoga und vom Durchdringen des Svadhishthana.
37.4 Bestimme die Weise und die Reihenfolge, in der die Durchdringung geschieht. Anandabhairavi sprach: Mahakala, großer Held, Geliebter des Ozeans der Freude!
37.5 Du bist für die Yoga-Wege geeignet; darum wird dir erklärt, in welcher Reihenfolge das Chakra durchdrungen wird und man unsterblich werde.
37.6 Unsterblich, den Feind im Geist und den Zorn besiegend, überaus stark und mächtig, kundig in Dharma und Adharma, wird der gute Mensch ein Yogi.
37.7 Er schaut die andere Zeit, wird verständig und ist dem Vertrauen auf das Opfer ergeben. Wer frei von Ich-Stolz ist, wird gewiss ein Yogi.
37.8 In guter Gemeinschaft mit großen Helden, frei von schädlichem Umgang, wird er ein großes Selbst, ein Kenner des höchsten Brahman und König der Yogis.
37.9 In allen Ländern bekannt, doch ohne eigene Zuflucht, ist er kindlich, tatkräftig, ein Bogenschütze, der Bogen und Pfeile trägt, und unvergänglich.
37.10 Er wird Herr der Yoga-Wege, unterscheidungsfähig und frei von Verfehlung; der Knoten der Unwissenheit ist in ihm reglos, und er dürstet wie der Chataka-Vogel nach dem Dharma der Unterscheidung.
37.11 Gewandt, frei von verkehrtem Wissen, Opfernder und Reiner, wird er ein Kind der Yoginis und Herr der Yoga-Wege.
37.12 Wenn der Mantraübende im Yoga gegründet und von der Kraft des Atems erfüllt ist, ist er nach sechs Monaten ein Yogi: So bestimmt es mein Tantra.
37.13 Wer meine Tantras und das aus ihrem wahren Sinn geborene Wissen kennt, ist ein gewandter Yogi und mein Verehrer, daran besteht kein Zweifel,
37.14 sofern der Mantraübende als Praktizierender dem Trinken des Atems ergeben ist.
37.15 Nun Svadhishthana: im vortrefflichen Kula gelegen, sechsblättrig und leuchtend, Vishnus ausgezeichnete Stätte, Wohnort der Liebe; im Geist der großen Yoga-Herren beheimatet, mit schönen Strahlen und dem Mondlicht des Herbstmondes, überaus reich und Gegenstand der Betrachtung.
37.16 Im stets gegenwärtigen Feld des Bhava erkennen alle Einsichtigen den Veda … [ausdrückliche Textlücke der Vorlage]. Wenn die Einsichtigen auf dem Veda-Weg das Wohlergehen betrachten, auf der Erde weilend, Shri und die anderen, dann erscheint der gelb gekleidete Mahavishnu, Menschenherr von dunkler Gestalt, wie er im Gokula-Kreis im Schatten der Bäume wohnt. [Die Satzfügung ist stark beschädigt.] Ein eingeklammerter Zusatz nennt die innerste Stätte des vorzüglichen Tänzers hinter dem Vorhang der Offenbarung.
37.17 Als Genießer des grenzenlosen Nektars höchster Freude soll man über Hari meditieren. Er selbst ist unmittelbar das Selbst, neu und herrlich, ein sechzehnjähriger Jüngling. Wer betrachtet den auf dem großen Schlangenfeind Sitzenden, den Erhalter, mit Elefantengang und einem Mund, der den Klang der Flöte hervorbringt?
37.18 Er selbst ist das ewige Selbst und der Entsagende, hier auf dem zarten Blatt im Kula-Haus, im Wesenskern des vortrefflichen sechsblättrigen Lotos. Wer betrachtet Krishna, den höchsten Purusha, der den Göttern Freude und Glück schenkt, im Himmel bezwingt, frei von Übermut und dem Nektar lieb ist? [Einzelne Beiwörter sind unsicher.]
37.19 Wer betrachtet Mukunda, Shri Krishna, durch die Mahavidya vollendet, vom ehrwürdigen Geist des Kula-Herrn verehrt, im sechsblättrigen Bereich und in seiner eigenen Überlieferung gegenwärtig; Muraris Feind, den Feind der Verfehlung, der in die Herzlotose junger Frauen eingegangen ist, Hrishikesha, Vishnu, den Ursprung der Sinnesgegenstände?
37.20 Dieser Yoga-Herr und Wissende siegt durch gutes Tun und Freude. Er verehre Ramas Herrn, Shri Krishna, der das Gift des Sinnengenusses beseitigt und im Geist wandelt, mit Sarasvati verbunden, vom Nektar des Kula erfüllt und mit Befreiung verbunden. Den höchsten Götterlehrer am Ziel des Bewusstseins verehrend, gelangt er zur Befreiung.
37.21 Der glückgesegnete Herr der Entsagenden entfaltet seinen Gegenstand der Betrachtung: den uralten Yoga-Herrn Hari, der alles schützt und Wohnstatt der Liebe ist; das überaus feine Tor, den der Kula-Frau Zugewandten, mit linken oder schönen Strahlen, den großäugigen Krishna, den unsterblichen Geliebten im Kreis seines eigenen Nektars. [Einzelne Verbindungen bleiben unsicher.]
37.22 Wer Krishna als das eigene Selbst auf dem Blatt seines Kula verehrt, vernichtet den Tod: ihn, der Gnade, Zeuge und Erkenntnis ist, dessen Körper durch Eigenschaften beschrieben wird, der frei von Brennen, von großer Gesittung und wahr ist, die Erde wirkend [unsicher], Herr der Verfehlungen und Herr der Shri, von den Lotushänden der Mondgesichtigen verehrt.
37.23 Er preist den aus dem großen Klang Entstandenen, Natur und Verwandlung, Urheber der Ursache, Krishna, den Ozean des Mitgefühls, verbunden mit der Freude von hundert Kula-Frauen: den Weltenherrn, das Mittel zur Unterwerfung der Erdherrscher, den kosmischen Leib und das Weltenei, Mahavishnu im Sinnesorgan und die Zuflucht. [Das letzte Wort ist beschädigt.]
37.24 Um sein Spiel zu entfalten, steigt der Herr der drei Welten, der Herr der Shri, im heftigen Daseinskreislauf stets in der Wohnstatt des Bhava auf. Dunkel wie eine große Wolke, im Ozean des Mitgefühls mit dreifacher Frucht, bewegt er sich auf unschätzbarem Weg. Das angesammelte Gift von Sinnesgegenständen und Geschmack
37.25 vernichtet Krishna, Shri Vishnu, beständig mit der Keule der Prakriti. Darum sollen Götter- und Menschenscharen, mit den Fünfgesichtigen an ihrer Spitze, Krishna im sechsblättrigen Kula-Lotos betrachten. Er trägt die Frucht der Meditation und ist süß zu trinken für die Lotosaugen der Kirata-Göttin Rakini.
37.26 Wer als Kula-Herr stets Krishna betrachtet, den Träger der Erde, den Vollen, im Raum Wohnenden, Zeit-Purusha, im Geist Erreichbaren, Lieblichen und Genießer frischer Augenschönheit, den Feind der Kuru-Schar: Er ist ohne Stütze, dunkel und am Baum am Ufer der Prakriti-Yamuna gegenwärtig.
37.27 Glücklich an den von edlen Gopis umgebenen Flanken, ist er das Urprinzip und der Kenner des Feldes, von den Lotushänden der Erdherrscher verehrt. Licht ist sein Selbst, er ist Herr und reich an Mitgefühl. Man betrachte ihn durch die Rede als Geist-Dharma und Schirm, dessen Hand die in den drei Gunas Wandelnden schützt. [Die Schlussfügung ist unsicher.]
37.28 Wenn man morgens zur fruchtlosen Zeit [Lesung unsicher] den schönen Geber von Gaben preist, der in den drei Abschnitten steht, den Saft des in Teilen entstehenden Waldes und den Lebensatem genießt: Er ist das Feld der großen Befreiung, mit der Kula-Frau verbunden, der höchste Krishna, Herr der Eigenschaften, Herr Radhas, vom Nachtmond bewegt und Wohnstatt des Veda.
37.29 In Handlungen geschickt und fein, mit den Zeichen der Übereinkunft, der Eigenschaften und des Yoga verbunden, steht er im Dreieck; sein Wesen fließt wie Ganga-Wasser, seine Gestalt führt hinüber. Er ist Mahakalas Freude, von der Farbe einer wasserreichen Himmelswolke, vorzüglicher Glanz, Bhava, von frischem jugendlichem Körper, fleckenloser Träger der Shri.
37.30 Wer bei dieser großen Schönheitsgestalt Zuflucht nimmt, im Kula-Purusha gegenwärtig, mit im Wald entfalteten Lotosen, geistig gestaltet und mit einer Kala an der Stirn [Lesung unsicher], wird im Dasein ein Yogi, der dem Yoga der Zunge beziehungsweise des Geschmacks ergeben ist, indem er seinen Geist auf den allumfassenden, reichlich Früchte schenkenden Krishna richtet.
37.31 Wenn ein Mensch hier täglich den von Freude Erfüllten preist: den Eifer großer Erkenntnis, jenseits der Eigenschaften des Weges, die Fülle der Lebenskräfte, den Retter der Welt, Brahman, den grenzenlosen Strahl des großen Yoga, die Verwandlung aller und die Aufnahme und Auflösung von Sonne und Mond,
37.32 dann betrachtet er Vishnu, die Freude des Kula, das Verschlingen durch den großen Rahu, eine hundertfältige Fülle großen Verdienstes, mit Strahlen wie ein Garten von hundert Mondgefäßen, im Geist erreichbar, fein und mit den drei Gunas verbunden. [Die rhetorische Frage der Vorlage bleibt syntaktisch offen.]
37.33 Wer freudig über Krishna meditiert und Krishna-Hingabe übt, wird ein Entsagender. Seine Hingabe gilt den Lotosfüßen Shri Krishnas, daran besteht kein Zweifel.
37.34 Krishna ist Brahman und Krishna ist Brahma. Wer der dreifachen Meditation ergeben ist, den nimmt Krishna mit sich und beschenkt ihn, Shankara. [Die Gabe wird nicht genannt.]
37.35 Wie könnte ohne Krishnas Fußlotos Svadhishthana gemeistert werden? Durch Krishna-Meditation erlangt man das Durchdringen des großen Lotos, Shankara.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Praxis von Shri Krishna und Rakini im Svadhishthana“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 37.
Kapitel 38: Krishna-Mantras und innere Verehrung im Svadhishthana
38.1 Anandabhairavi sprach: Höre, Herr, ich werde die höchste Shri-Krishna-Praxis erklären, durch deren Reihenfolge Hingabe entsteht und das Netz der Zeit beherrscht wird.
38.2 Hingabe an meinen Fußlotos entsteht gewiss, daran ist kein Zweifel. Wenn ein hingebungsvoller Fürst der Praktizierenden Mahavishnu verehrt,
38.3 wird mein Verehrer auf Erden Shiva gleich, Herr.
38.4 Wenn ein Mensch Shri Krishna verehrt, den makellosen Weltenherrn, dessen Wesen Freude und Befreiung der drei Welten ist, den ganz Erfüllten, von den drei Gunas Umgebenen und ihre Eigenschaften Tragenden, die höchste Gottheit des Sattva, den unterhalb des Linga weilenden Bewahrer des Bestands, beim Fünfgesichtigen gegenwärtig, Shri Vishnu, den Heilspender, zusammen mit seiner Shakti, wird er glücklich.
38.5 Zuerst Kama mit dreifachem Visarga und mit der Kula-Frau verbunden, dann das Kama-Bija mit dreifachem Visarga; zweimal „Shri Krishna“, ein Paar der Liebe, verbunden mit Mondlicht und Raum; zweimal „Brahma“, „ich verehre“, die weibliche Prakriti, Kakini, und danach „immer wieder verehre ich“, das die Ohren zum Schmelzen Bringende, verbunden mit der Feuergattin Svaha. [Der Vers gibt eine stark verschlüsselte, stellenweise unsichere Mantrazusammensetzung.]
38.6 Nachdem dieses Mantra wiederholt und mit Pranava und abschließendem Namah, auch am Anfang, verbunden wurde, mit wiederholtem Namah am Ende, erschüttert es augenblicklich die drei Welten. Königliches Glück ruht auf seinem Haupt; unbegrenzter Landbesitz wird in seinem Haus fest. Die Schönantlitzige durchschneidet die Zeit und wohnt zur gegebenen Zeit im Brahman-Stab. [Die Mantraanweisung ist uneindeutig.]
38.7 Nun, Herr meines Lebens, göttlicher Herr, Mehrer meiner Freude, höre jetzt das Mantra Narasimhas, großer Herr.
38.8 Man hebe das Bija des Geliebten heraus, als Paar und nochmals als Paar angegeben. Mit dem großen Narasimha-Mantra spreche man: „Ich verehre; Verehrung, Verehrung!“
38.9 Der Yogi, der im großen Svadhishthana-Lotos seinen Geist verankert, um ihn von Verfehlung zu reinigen, wiederhole das Mantra immer wieder.
38.10 Auch durch die Wiederholung dieses Mantras wird der Praktizierende vollendet. Durch seine Kraft erlangt er in einem Augenblick Bhava-Vollendung.
38.11 Wenn ein Praktizierender auf Erden Haris Mantra verwirklicht, erreicht er durch seine Wirkkraft Vollendungen in der Zahl der Staubkörner, der Reihe nach.
38.12 Nun werde ich, großer Gott, den guten Kern aller Buchstaben erklären. Mit der Buchstabenkette verbunden, erlangt man durch Wiederholung Vollendung.
38.13 Wenn ein Sterblicher ohne äußere Stütze nach dem vollendeten Mantra strebt, soll er an einem einsamen Ort fest sitzen, allein und ohne Lampe.
38.14 Furchtlos soll er das Mantra in Verbindung mit dem Svadhishthana-Lotos wiederholen. Höre die Reihenfolge, durch die die ganze Welt willfährig wird.
38.15 Zuerst spreche man den Pranava, dann das mit „Na-Ende“ bezeichnete Bija, verbunden mit dem Feuer-Bija und dem „unteren Zahn“-Vokal. [Die Lautverschlüsselung wird nicht als gesicherte Formel aufgelöst.]
38.16 Mit Nada und Bindu versehen, spreche man es noch zweimal. Nach dem Wort „Narasimhaya“ spreche man es wieder dreimal.
38.17 Dann spreche man das Göttinnen-Bija, das Shakti-Bija und das mit Svaha endende Mantra. Durch die Anwendung dieses Mantras bringe man Kundalini zur Willfährigkeit.
38.18 Der führende Praktizierende erreicht Festigkeit im Svadhishthana. In den Lebensatem aller eingegangen, wird er mächtig auf Erden.
38.19 Kälte und Sonnenhitze sind ihm gleich, Verfehlung und Nichtverfehlung, Sieg und Niederlage. Er erlangt stets Erkenntnis von Dharma und Adharma und ewiges Wissen.
38.20 Weiter gibt es Shri-Krishna-Mantras, denen alle Götter dienen. Wer sie kennt, erkennt alle Gottheiten als Hüter aller Richtungen. [Die Satzfügung ist verkürzt.]
38.21 Höre ihre Anwendung, großer Gott, und die Kennzeichen der Vollendung. Ohne Zuflucht bei Krishna ist Brahma nirgends zufrieden.
38.22 Ohne Pashu-Bhava ist die Göttin Kundalini nicht zufrieden, Herr. In der Pashu-Haltung liegt Erkenntnisvollendung, in der Vira-Haltung der Anteil an Befreiung.
38.23 In der göttlichen Haltung verweilt man im Samadhi und heißt ein im Leben Befreiter. Man hebe das Bija des Geliebten heraus, versehen mit Shakra und dem linken Vokal,
38.24 von Nada und Bindu erfüllt, dann das Wort „Krishna“ als Anrede und erneut das frühere Bija. So entsteht das große Mantra von dreigliedriger Lautgestalt. [Die Verschlüsselung und Silbenzählung bleiben unverändert.]
38.25 Durch die Wiederholung dieses Mantras wird der Yogi zum König der Yogis. Dieser Yoga bewirkt höchste Freude und hat unendliche Gestalt.
38.26 Was soll noch viel gesagt werden? Wer ihn ausführt, erlangt die Frucht. Man meditiere über den erhabenen Herrn der Gopis, den Herrn von Rakinis Mandala,
38.27 Shri Krishna, die Wohnstatt des Sattva der Welten, den Herrn von Gokula. Man verehre den dunklen, vierarmigen, im Svadhishthana Weilenden,
38.28 mit Muschel, Diskus, Keule und Lotos, bezaubernd durch große Schönheit, in allen Vidyas gegenwärtig, begehrenswert, Shri Govinda, überaus kühlend,
38.29 den Herrn, der große Verblendung beseitigt, mit einer Waldblumengirlande geschmückt, von den Lotushänden von zehn Millionen Mädchen verehrt und mit allen verbunden,
38.30 mit Krone, als großen Helden, mit jungem Mond und Haarschopf versehen, die Glieder mit einer Gunja-Samenkette geschmückt: den Herrn der Shri, den höchsten Herrn,
38.31 gelb gekleidet, sanft lächelnd, inmitten der sechs Lotosblätter gegenwärtig, Wohnstatt des Lebens der Liebenden, Vasudevas Sohn, Hari.
38.32 So betrachte man ihn im sechsblättrigen Lotos, stets mit dem Kaustubha-Juwel auf der Brust: den Herrn der Könige der Könige, Shauri, den zu Betrachtenden mit dem Shrivatsa-Zeichen.
38.33 Wer in Muraris Vollendung eingehen möchte, meditiere über ihn im Svadhishthana. So meditierte einst Brahma, und Narayanas Eigenschaften stiegen auf.
38.34 Mit geistig vorgestellten Gaben verehre man den höchsten Herrn. Im großen sechsblättrigen Lotos meditiere man über Hari und verehre ihn.
38.35 Mit sechzehn Verehrungsgaben, die dem Feld des Geistes entstammen, lasse man Hari, den Guru, auf einem geistig vorgestellten Sitz Platz nehmen,
38.36 den Herrn des Yoga, Krishna, den Herrn Radhikas und Rakinis. Mit ganz gesammeltem Geist setze man Krishna auf den Pitha und verehre ihn vollständig.
38.37 Dort bilde man einen achtblättrigen Lotos, darin einen sechseckigen Fruchtboden, schön mit vier Toren versehen und bezaubernd.
38.38 Immer wieder meditiere man innerhalb der sechs Blätter über die acht Blätter und verehre Shri Vishnu vollständig mit fünf oder zehn Gaben.
38.39 Die fünfgliedrige Verehrung reicht von Duft bis Speisegabe. Die sechzehn Gaben beginnen mit Sitz, Willkommen, Fußwaschwasser, Arghya und Mundspülwasser,
38.40 Honigtrank, erneutem Mundspülwasser, Bad, Gewand und Schmuck, Wohlgeruch, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speisegabe und Verneigung.
38.41 Diese sechzehn Gaben soll man bei der Verehrung anwenden. Bei Vishnus Anbetung gilt überall dieses Verfahren.
38.42 Es ist das Verfahren für den wahren Herrn, der als Krishna, Herr des Alls, erschienen ist. Höre nun die Erklärung der zehn Gaben, geliebter Herr.
38.43 Fußwaschwasser, Arghya, Mundspülwasser, Honigtrank und erneutes Mundspülwasser, danach die Gaben von Duft bis Speise: Dies sind der Reihe nach die zehn.
38.44 Der Einsichtige, der Vishnu vollständig verehrt hat, lebt von Opferspeise und beherrscht die Sinne. Stets ist er voll höchster Freude, ein Kalika ergebener Diener.
38.45 Als Träger allen Wissens, Held, Unterscheidungsfähiger und Allsehender, überaus rein, soll er ununterbrochen im Svadhishthana vergegenwärtigen.
38.46 Mit kindlichem Handeln erfüllt, Kenner des Bhava und frei von Krankheit, wird derjenige ein Kind Kalikas, der sich ganz dem Krishna-Bhava widmet.
38.47 Man betrachte Krishna oberhalb des Wurzellotos als Kula selbst. So wird man ein Kind Kalikas und besitzt die Vollendungskräfte der acht Glieder.
38.48 Nach der geistigen Verehrung vollziehe man das Aufstellen der Muschel. Wenn der geistige Yoga verwirklicht wurde, soll man keine äußere Verehrung ausführen.
38.49 Bei der Praxis der Gottheit des Wurzelmantras verehre man diese Gottheit und die zu ihrer Rechten befindlichen, zuvor zu verehrenden Gottheiten an ihren festgelegten Orten.
38.50 Der Mantrakundige verehre sie mit Duft, Blumen und weiteren Gaben sowie dem entsprechenden Mantra. Danach meditiere er über Shri Krishnas Fußlotos und lasse den Geist darin aufgehen.
38.51 So wird der König der Yogis der Reihe nach in diesem Lotos fest. Wer reinen Bhava entfaltet und Hari, der die große Verblendung beseitigt,
38.52 in den sechsblättrigen Lotos einsetzt, erlangt große Befreiung. Wer die Eigenschaften des Urprinzips kennt, soll sich auf den Sinn meiner Lehre stützen.
38.53 In dieser Zeit lebt der König der Yogis selbst unter Feinden. Er richte seinen Geist auf die Fußlotose, geschmückt mit den Staubfäden der Nägel [Vorlage hier beschädigt],
38.54 auf die beiden Unterschenkel, schön wie Stämme von Bananenstauden, und auf die beiden Oberschenkel, prächtig wie die Rüssel berauschter Elefanten,
38.55 auf den Nabel, tief wie ein Ganga-Strudel, die reine, fleckenlose Höhlung; auf Bauch und Brust Haris, auf Shrivatsa und Kaustubha,
38.56 auf die Stirn, die unzähligen Vollmonden gleicht, auf die schönen Ohrringe, auf Muschel, Diskus, Keule und Lotos, welche die kräftigen Arme schmücken,
38.57 auf die wie tausend Sonnen leuchtende Krone und das Paar des Schmucks [Lesung unsicher]. An diesen Stellen soll der reine Mantraübende mit gereinigtem Geist verehren.
38.58 Indem er seinen Geist auf Krishna richtet, nimmt er gewiss dessen Natur an, bis der Geist in Krishna, im eigenen bewusstseinsvollen Selbst, aufgeht.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Eintritt Shri Krishnas in das Svadhishthana“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 38.
Kapitel 39: Lobgesang und Schutztext Shri Krishnas
39.1 Anandabhairavi sprach: Nun werde ich, Herr, die höchste Praxis im Dasein erklären. Allein durch ihre Ausübung wird man augenblicklich ein Yogi.
39.2 Mühelos wird vollendet, was immer man im Geist trägt. Rasch bezaubert man die drei Welten und macht sie willfährig.
39.3 Man betrachte den stets mit Rama Verbundenen, den höchsten Zeugen der Welten, von den Lotushänden des Jamadagni-Sohnes und von allen verehrt,
39.4 die Wohnstatt unendlichen Sattva, erfüllt von der Verbindung mit Vasuki, mit acht schön glückbringenden Händen und allerlei Schmuck versehen.
39.5 Nachdem man ihn im Svadhishthana betrachtet hat, wird man kühl und selbstbeherrscht. Höre seinen Lobgesang von mir, Herr; durch dessen Rezitation erlangt man Vollendung.
39.6 Die Götterherrscher, beginnend mit Brahma, die Weisen und Beschützer der Opfer, wurden einst durch diesen Lobgesang auf Erden bereits im Leben befreit.
39.7 Darum höre, Herr der erhabenen Kalika, den Lobgesang mit großer Frucht.
39.8 [Unnummerierte Einleitung:] Für diesen Text über Shri Vishnu mit seinen wunderbaren Taten ist Brahma der Seher, Trishtubh das Versmaß und Shri Vishnu, Shri Krishna, Shri Narayana die Gottheit. Seine Anwendung dient der Vollendung des Schutzmantras, das den Kern aller Lobgesänge bildet.
In Vrindavana soll man Shri Krishna betrachten, den makellosen Herrscher der Welten, der durch Meditation Vollendung verleiht: Govinda, der über das Meer des Daseins führt, Rettung und Ursache; Shri Vishnu mit Waldblumengirlande, Narahari, Narayana, den Yoga-Herrn von Gokula, Menschenherrn und ursprünglichen Purusha.
39.9 Ich verehre Hari, den Herrn: mit dem Glück der Befreiung verbunden, das Ende des Todes Verwandlenden [Lesung unsicher], den schönen Ozean des Dharma, Shri Rama, rein durch Balaramas Bhava, ewiges Akula und gutes Kula; den dunklen Shri-Träger, mit goldenen Ketten glänzend und mit großem Bauch, Zuflucht der mit Eigenschaften versehenen Maya und seine eigene Zuflucht.
39.10 Zur Vollendung der Rede betrachte man den Herrn Vaikunthas, frei von allen Fehlern, dessen Wesen die Befreiung durch Einswerden ist, das Kronjuwel der Könige. „Meine Verehrung ist aus vielerlei Edelsteinen gestaltet“ steht eingeschoben. Er ist von Schönheit umgeben, spendet Schatten wie ein göttlicher Baum, ist Yogi, von Vidyas und Hirtenmädchen umgeben und von guten Eigenschaften erfüllt.
39.11 Ich verehre den im Svadhishthana Wohnenden, den höchsten Menschen, Schatz des Wissens und Meister der Maya, Herrn der Shri, Kula-Yogi und einzigen Samen der Freude der drei Welten. Er erfreut sich am Erlangen des Bhava des Daseinsfestes, ist ursprüngliche Stätte aller und Glück, auf dem mächtigen Rücken des vorzüglichen Schlangenfeindes sitzend, Geber beständiger Freude.
39.12 Den achtfachen Bhava [unsicher], verbunden mit dem Yoga des Bhava des Daseins, Stumpfheit Beseitigenden und Leuchtenden, den ewigen Herrn von reinen Eigenschaften, die eine Ursache der Freude tiefer Einsicht, den Ruhm und Wohlergehen Schaffenden, große Furcht Beseitigenden, Gottheit der Liebe und Glückverheißenden, dessen Wohnstatt die schöne Freude im Haus inmitten des sechsblättrigen Lotos ist,
39.13 den Herrn der Shri, Achyuta, Narahari, eifrig in der Züchtigung der Dämonenfeinde [Lesung unsicher], erfreut am schönen Gesang der Gandharvas und weiterer Wesen, den Flötenträger und Bhava-Geber, Herrn der Edelsteine, im Weg Weilenden und Unbeweglichen, Träger des Govardhana, von Vishvamitra und den an Askese reichen Weisen Bedienten, den Feuerhaften verehre ich.
39.14 Ich verehre Govindas Fußlotos, ungeboren und unbesiegt, auf dem Weg der Hingabe glänzend, aus Sattva entstanden und herrschaftlich, von höchsten Scharen mit Verneigung geehrt, mit schönen Fußringen und Ketten; von Hamsa-Gestalt, auf dem freudvollen Rücken des weißen Garuda ruhend, mit Fußsohlen so tiefrot wie Bandhuka-Blüten, im Innern aller Richtungen gegenwärtig.
39.15 Ich verehre ihn, durch Rakinis Liebe vollendet, in frischer Jugend, an Gesang und Instrumentalmusik erfreut, aus Liebe entstanden und die Eigenschaften guter Früchte schenkend, den Freudenmond Gokulas; Vani und Lakshmi lieb, die guten Menschen der drei Welten erfreuend, ursprünglich, Kern der vollendeten Lehre, frei von Gehen und Beugung, durch die wesentlichen Zeichen erreicht.
39.16 Nachdem ich das Kama-Bija von Liebesnatur mit dem Mond auf dem Haupt, danach die Krishna-Anrede und wieder das Kama-Bija vergegenwärtigt habe, verehre ich diesen Purusha, den göttlichen Wunschbaum: Shri Krishna, Krishna, Krishna, grenzenlose Freude schenkend, hell, klar und gnädig, im Geist im Svadhishthana-Lotos gegenwärtig, in der Vollendungsstätte des Daseins.
39.17 Zur Bhava-Vollendung betrachte ich ihn im schönen Lotos im Raum, stark und rot, verbunden mit der Reihe von Nektar und Furcht [Lesung unsicher], im Selbst erfreut, Menschenherr, alle Liebesfreude bewirkend, Töter Kamsas und ursprünglich; ohne Anfangs- und Endort, Weg Brahmas und Haris, rein wie Saphir leuchtend, Bhava-Eifer, in dreifacher Schöpfung bestehend, höchster Unsterblicher.
39.18 Im sechsblättrigen Lotos schenkst du stets allen Wissen und Selbstfreude: Du bist das führende Eine im Yoga der Tugendhaften, denen Nektar und der weitere Reichtum lieb sind. Voll Maya, mit wachsendem frischem Nektar, Stätte der Liebe und einziger Glanz, als erhabener König bezeichnet und ganz erfüllt: Wirf am Anfang des Daseins deinen Blick auf mich, den Besitzlosen!
39.19 Den im höchsten Haus Kalis, der erhabenen Kundalini, Erfreuten, die Brahman-Gestalt des Betrachtenden, den Schirm der Befreiung, Stadtherrn, im eigenen Reichtum Glücklichen und mit seiner Gattin Spielenden betrachte ich. Die Schlusszeile nennt Versammlungsfeld, Auge, Führung und Weihe in der eigenen Stadt; ihr Zusammenhang ist beschädigt.
39.20 Nach der Meditation verneige ich mich im feinen Lotos vor dem Weltenherrn, dem Herrn über Krankheit. Ich preise Vaikuntha, Krishna, der das Wohlergehen der Entfaltung der Kurus beendet, das Ende selbst; durch die Erkenntnis der Friedvollen erreichbar, in seinem Augenlotos die drei Wege bewahrend, Feind des Vajra und Feind Putanas, Held, der die Finsternis der Höllen vernichtet. [Mehrere Komposita sind unsicher.]
39.21 Mukunda, in allen Welten geehrt, von überragendem Geist, einzig und rein, Om-Laut und Ursache genannt, guter Weg der Einsichtigen, durch das Matrika-Mantra vollendet, erster Vollendeter der Vollendeten, Bezwinger der Götterfeinde und Zeitgestalt für die Feinde: Ihn erfülle ich im ganz reinen Geist oberhalb der Wurzel, im sechsblättrigen Bereich.
39.22 Stets vergegenwärtige ich ihn und verehre ihn, um die Gleichheit mit meinem eigenen Körper zu vollenden. Du bist unmittelbar Herr von allem, Freude schaffend, von den Händen der erhabenen Welt verehrt, Erdherrscher, von Auflösungsnatur, mit jeder Eigenschaft versehen, wissend, du allein bist groß.
39.23 Wenn du so die Befleckung von mir, dem Niedrigen, der Glück und Dharma entbehrt [Lesung unsicher], unter deine Füße legst, so beschütze beständig, beschütze den in dich Eingegangenen! Die reine Lotosfläche der Füße Radha-Krishnas ist erfüllt von Bewusstsein und Befreiung, überall Ursprung von Kommen und Gehen, dreifacher Weg und Zuflucht der Nirvana-Befreiung.
39.24 Den Jungen, Feinde Vernichtenden, Wonnevollen, die Stätte der Alleinheitsbefreiung, den von Götterscharen verehrten Gott setze ich auf das Sechsblatt, Herr: den Makellosen [Lesung unsicher], Zuflucht der Welt, Herrn der Entsagenden, in Nirvana-Befreiung gegründet, lebhaft in der Freude an Nirvana und den weiteren Zuständen, mit der erhabenen Beweglichen verbunden.
39.25 Ich verehre den höchsten Herrn, der Kraft und Leben aller Dämonen raubt, den auf dem Hamsa Fahrenden und Schauenden [unsicher], in einem Augenblick Gegenwärtigen, Herrn der Rede und der Erde, Herrn der Wunschranke, Kula-Herrn, Herrn des Wissens und der Rinder,
39.26 Herrn der Shrividya, ursprünglichen Gott und Purusha, in die Liebe Vishveshvaras Eingegangenen. Dich, die Fülle des Zeit-Sattva des erhabenen Kruggeborenen [unsicher], den Leuchtenden, betrachte ich. Den Zeichen-Yoga der Vollendeten pflegend, beschütze mich von Anfang an!
39.27 Herr, ohne geheimes Zeichen, mit den Edelsteinen guter Eigenschaften versehen, im Heil anerkannt, im Innern der Ansichten gut ruhend, mit dem verströmenden süßen Nektar großer Liebe: Freudig verehre ich Krishna, den die Lotushände Haras verehren.
39.28 Die Fülle des Glanzes, die berauschende Zufluchtsstätte Ramas [unsicher], den in Liebe Gewandten, Schatten des großen Mantras, mit der Nacht und ihrer Dunkelheit verbunden; den im Dreieck Weilenden, auf Erden Gegenwärtigen, schlechten und guten Weg, Weg der Ursache, Aufgelösten und Gestalt, den Aufgang des Dharma der Welten,
39.29 Ramas Herrn, Vanis Herrn, in Brahmas Stätte Eingegangenen und bei Shambhu Gegenwärtigen, die drei Zeiten, Augenlotos der Yoga-Wege, dem Klang Ergebene, Freude des Kula, in den Herzen der Gopis und von ihnen verehrt, die Ordnung selbst: dich, Indra, den überaus Ehrwürdigen, Upendra, Haris Feind [so der Wortlaut],
39.30 verehre ich freudig, den Beweglichen, bei meinem neuen Opfer. Du bist erfüllt vom Vertrauen in das Kula-Gespräch, ein Mantra, das alle Vollendungen schenkt, über die Unreinheit hinausgeführt und Wohnstatt der Lehre für gute Götter und Menschen. [Die Versfügung ist beschädigt.]
39.31 Bei dir nehme ich Zuflucht: Freude der Frauen, Genießer der Herzen, frei von Kummer, kosmischer Glanz, den Opfern förderlich und von überragenden Eigenschaften.
39.32 Allein diese Verbindung möge den auf dem Haupt meines Kula Weilenden stets schützen. Der Lebensherr der Gopis schütze täglich unablässig die Stirn; der Herr über die Könige der Könige unverzüglich den Bereich darunter. [Ein eingeklammerter, fraglicher Zusatz nennt einen Götterherrn bei den Hirten.] Der Herr von Bestand und Ende schütze die drei Augen und der aus allem Dasein Bestehende den beim Halsschirm gelegenen Bereich. [Zuordnung unsicher.]
39.33 Shauri schütze täglich den Rücken, der Unsterbliche die Außenseite des Linga und die Taille. Der nach Shambhus Liebe Verlangende schütze meine Kula-Stätte, den verborgenen Bereich. Murari, der überströmende Freude bewirkt, schütze stets den ganzen Körper; der Dämonenfeind die Oberschenkelwurzel, Narahari die Unterschenkel und Fußlotose.
39.34 Der Wissende soll gesammelt, hingebungsvoll und rein diesen Lobgesang rezitieren. Nach einem Monat wird er im sechsblättrigen Lotos fest und hat Anteil an allen Vollendungen.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Lobgesang und Schutztext Shri Krishnas“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 39.
Kapitel 40: Die Buchstaben des sechsblättrigen Lotos
40.1 Anandabhairavi sprach: Nun werde ich es erklären, Herr; höre mich aufmerksam an: die Reihenfolge, durch die die Yoga-Praxis der Menschen fest wird.
40.2 Wer überall vom Bhava ergriffen ist, wird vollendet, Bhairava. Wer zum göttlichen Bhairava wird, ist in der Welt allgegenwärtig.
40.3 In Handlungen geschickt, ein großer Held und Betrachter dessen, was den Helden lieb ist, vergegenwärtige er die Buchstabenkette und wiederhole sie im Innern bei Tag und Nacht.
40.4 Von Opferspeise lebend, dem Lebenswind ergeben, im Vedanta bewandert, kenne er die Schlusslehren und liebe die Bestimmung des Sinns aller Lehrtexte.
40.5 Kundig in den Gesängen, von höchster Freude, unterscheidungsfähig und dem Bhava ergeben, sei er Kenner des Bhava, des geheimen Sinns und des Veda.
40.6 Der Erkenntnis vollendeter Rede ergeben, wahrhaft sprechend und fest im Sitz, soll er die sechs Buchstaben vergegenwärtigen und über jeden einzeln meditieren.
40.7 Im sechsblättrigen Lotos soll er die sechs Buchstaben mit vorangehender Meditation betrachten. Der Diener der Mahavidya meditiere über die Zeichen von Va bis La. [Die folgende Reihe weicht an mehreren Stellen von dieser Ankündigung ab.]
40.8 Den Buchstaben Ba auf dem östlichen Blatt soll man betrachten: Schönheit selbst, aus eigenen Strahlen bestehend, unvergleichlich, geliebter Gefährte der erhabenen Hingabe an Mukunda, Ziel besonderer Erkenntnis, freundlich gebeugt [Lesung unsicher], mit millionenfachen Strahlen. Ihn vergegenwärtigend, erreicht man rasch Shri Lakshmi und den Zeit-Purusha. [Die Schlussbeziehung ist unsicher.]
40.9 Der zweifarbige Buchstabe Bha im sechsblättrigen Bereich erfreut den Herrn der Shri. Seitlich des Dreiecks ist er ein beweglicher Teil, Shambhus Wohnstatt, von tiefroter Gestalt, jugendlich [Wortlaut gestört], furchtbar, Akula, Stätte des Kula-Hauses und mit dem Blut der Kula-Geliebten verbunden.
40.10 Wenn der Wissende freudig und grenzenlos darüber meditiert – das Gift des Kummers nehmend, Stätte der drei Welten, Zuflucht der Welt, morgens glücklich –, wird er groß am Tor der höchsten Befreiung, mit allem verbunden, ein Spielender und geliebter Gatte immer neuer Bräute.
40.11 Die Stätte Mahakalas gewinnt er, wenn er den Buchstaben Sa verehrt, mit blutroten Strahlen, millionenfach rötlich. [Die Wendung zu den Höhlen ist beschädigt; danach folgt eine ausdrücklich bezeichnete Lücke.] Als glückliche Zuflucht der Mahakala-Stätte befindet er sich rechts am Dreieck, mit dem Veda als Auge, durch Yoga verehrt. [Der Satz ist nur teilweise erschließbar.]
40.12 Wer über den Buchstaben Ya meditiert, erfreut sich an Glück, gleicht einem göttlichen Wunschbaum auf Erden und im Himmel, ist frei von Krankheit und erlangt die unsterbliche Stufe. Er betrachte den großen Herrn der Rede, mit Liebe verbunden, Haut und Götterbaum, im Innern von Mukundas Freude, mit dem Wind vereinigt und Ursache der Liebe.
40.13 Dann wird der Mensch frei von Begierde. Die Wendung „Krähenwind“ ist unsicher. Wenn er freudig über die Stätte des großen Feuers meditiert, die höchste Wolke und hundert Sonnen, welche höchsten Reichtum durch den Nektar des Opfers schenkt, wird er ein Kenner des Nektartrinkens. Er betrachtet das Mittel des Feueropfers, Geber gewünschter Früchte, der Rati lieb [Lesung unsicher], vom Schlangenherrn im Lotos verehrt, hinter dem Dreieck, Brahma, Hari und Hara lieb.
40.14 Ordnung der Feuer, reines Kula-Bija, mitfühlend, Blut und Teil der Maya, der vortreffliche Erfreuer der Vogelscharen: Wer allein darüber meditiert, erlangt unvermittelt vielfältige Entfaltung. Mahendra ist der Teil der Stätte, Lotosglück schenkend und Wohnstatt Krishnas. [Die Buchstabenzuordnung ist nicht ausdrücklich genannt.]
40.15 Wer den geliebten, wonnevollen Vollendungsbereich als den Buchstaben La vergegenwärtigt, im Mond weilend, mit den Strahlen von hundert Monden und Bindu als Wohnstatt, mit der großäugigen Radha und ihren süßen Gesprächen verbunden, auf dem Blatt der Freude Ramas, hinüberführend und Fluch beseitigend,
40.16 zur schönen Linken Rakinis, voll frischem Nektar und Verblendung nehmend: Dieser in Meditation kundige Mensch vergegenwärtigt den Herrn der Shri und verehrt ihn. Nachdem er höchste Befreiung erlangt hat, verbindet er sich mit dem ursprünglichen Rajas.
40.17 Danach soll die höchste Mahavidya, die Rakini-Shakti, stets zusammen mit Shri Vishnu betrachtet werden. Durch die Yoga-Wege vom Genuss frei,
40.18 makellos, Freude des Kula, von sanftem Lächeln umgeben und groß, erlangt dieser Yogi höchste Herrschaft, daran besteht kein Zweifel.
40.19 Solange der Yoga des Muladhara geübt wird, gelten Yama und die weiteren Glieder, Herr. Während Yama, Niyama und Asana soll man den mit den fünf Unsterblichen verbundenen Yoga
40.20 so lange ausführen, großer Gott, bis seine Vollendung erreicht ist. Sind die fünf Unsterblichen vollendet, erhält man Anteil an Maya und den weiteren Vollendungen.
40.21 Zur Zeit der Vollendung der fünf Rauschtränke [so die abweichende Bezeichnung im Text] soll man die fünf Winde, beginnend mit Prana, immer wieder halten und unablässig allmählich zurückhalten.
40.22 Wenn der Körper rein geworden ist, wird der Atem rein. Der große Wind, der alle Gestalten besitzt, macht das Selbst im Selbst rein
40.23 und schenkt Vollendung, Yoga-Herr, wenn man sich auf seine eigene Aufgabe stützt.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über Vollendungsmantras, unter dem Namen „Offenbarung der Buchstaben der sechs Blätter“, im Gespräch zwischen Anandabhairavi und Bhairava das Kapitel 40.
Kapitel 41: Lobgesang an Rakini-Radhika
41.1 Anandabhairavi sprach: Herr Shankara, glückverheißend und vom Nektar überströmt, der das Spiel der Vernichtung des Todes genießt! Auf dein Gebot hin erkläre ich zur Vollendung das Tantra, bewegt von der Freude meiner Überlieferung.
41.2 Der gute Mensch und Fürst der Weisen, der nach Liebe verlangt, kennt den Sinn des Tantra und die grenzenlose Praxis, wenn er in der frühen Morgenzeit den Fußlotos verehrt und ein Gefäß der Hingabe an Govinda und Shambhu ist.
41.3 Sehr selten ist der Mensch, der die besondere Praxis zum Durchdringen der sechs Chakras kennt. Indem er das Mittel zur Verneinung des Daseins stets hinter sich lässt [Wortlaut unsicher], erlangt er unbewegliche Hingabe.
41.4 Anandabhairava sprach: Geliebte, zwar wurde das glückverheißende Verfahren des sechsblättrigen Lotos erklärt, die Vereinigung mit Rakini und die Macht der Göttin Kundalini,
41.5 zusammen mit Shri Vishnu von Zeitgestalt und vielerlei Gestalten, in reiner, fleckenloser Wirklichkeit und mit den Scharen des Gefolges.
41.6 Doch Shri Krishnas ganze Macht wurde noch nicht erklärt: der Lobgesang und die Krishna-Praxis zusammen mit der Göttin Rakini,
41.7 die höchste glückverheißende Brahman-Praxis, die das Kula mehrt, der offenbarende Krishna-Lobgesang zusammen mit der Rakini-Shakti.
41.8 Erkläre dies, Mahakali, wenn du Zuneigung zu mir hast: die überaus geheime Darlegung, den glückverheißenden Tausendnamen-Lobgesang
41.9 mit den zusätzlichen acht Namen Mahavishnus, zusammen mit Rakini, Geliebte. Sprich jetzt den Rakini-Lobgesang, Strahlende, Wünsche Gewährende.
41.10 Anandabhairavi sprach: Yoga-Herr, Ozean höchster Freude, erhabener Mondbekrönter! Höre den Rakini-Lobgesang, der höchste Freude mehrt.
41.11 Er wird als überall beglückend bezeichnet und ist selbst für Vollendete eine Praxis. Durch seine Rezitation erhält der Yogi Anteil am Rang eines Yoga-Herrn.
41.12 Wer in der Vaishnavi-Praxis die fünf Verhaltensweisen ausübt, vollzieht die vorzüglichste aller Praktiken und fällt dadurch auch nicht aus seiner Kaste.
41.13 Der Wirklichkeitskenner begegnet Feind und Freund, Handlung und Nichthandlung mit Gleichmut. Wenn im Vaishnava dieser gleiche Bhava entsteht, Herr,
41.14 wird er durch die Reihenfolge der fünf Verhaltensweisen vollendet, nicht anders. Mit Radha und den übrigen Gopis und mit den Hirtenscharen ringsum
41.15 vollzog der Herr Kamalas freudig die fünf Verhaltensweisen und bewahrte alle. Darum soll man bei diesen fünf Zuflucht nehmen.
41.16 Durch ihre Reihenfolge wird Kundalini bewusst. Zum Bewusstwerden Krishnas und ebenso Rakinis, Herr,
41.17 zum Bewusstwerden der im sechsblättrigen Lotos befindlichen Gottheiten, höre den Lobgesang der Kundalini-Gefährtin Rakini, Ozean des Kula!
41.18 Die im Nektarmeer Geschaukelte, im Kula Bewegliche, aus Maya Bestehende, Heldin in der Vernichtung allen Leidens, im Heldensitz fest gegenwärtig und den Weisen leicht erreichbar: Die würdige, heilbringende Kula-Rakini möge mich schützen!
41.19 Die den ganzen Kern trinkt, verbunden mit dem Ozean der Freude, die Junge, von den Kula-Zugehörigen mit Verneigung geehrt, im Kula der sechs Blätter gegenwärtig, von reinen Eigenschaften der Kali-Kala, im Reichtum der Reichen weilend: Krishnas Herrin, Rakini, bewirke meinen Aufstieg!
41.20 Rakini wirkt für den Aufgang der drei Welten, besteht aus Erkenntnis, trägt Kula und weilt beim Geliebten des Kula. Die Weltenherrin ist in den dem Liebesgottvernichter lieben Handlungen fest; die Krishna liebe Göttin schütze mein Glück!
41.21 Von den Lotushänden des Herrn der Sechsergruppe bedient, ist sie Radheshvari, Freude schaffend, göttliche Schöne, Mutter und Gebärerin des Kula-Herrn, im Mantra der Welten gegenwärtig. Höchste Vidya, Feinde Beseitigende, beschütze meinen Körper!
41.22 Die Geliebte Govindas und Ramas, mit frischer Girlande, Herrin des Reiches, Liebesgottvernichterin und junge Liebende, möge stets die in meinem Sechsblatt wohnende Gottheit schützen: die erhabene Kundalini, überaus reine Kula-Rakini.
41.23 Shri Sundari, dem Kula ganz ergeben, von den Kula-Scharen zu verehren, ist höchste Liebespilgerstätte für jene, die die Sandhya-Vorschrift beherrschen [Lesung unsicher]. Die Glückverleiherin und Geberin reinen Bhava für die Kula-Scharen schütze stets den Bereich der sechs Kula-Blätter.
41.24 Die sich dem Schenken von Bewusstsein widmet, durch die drei Gunas bezaubert, die Dunkle, die an der Hüfte schöne Edelsteinglöckchen trägt, mit auf dem blauen Berg ruhender Hand und einer Hand, die Gaben verleiht: Sie verehre ich auf dem Lotos zur Linken Shri Krishnas.
41.25 Rakini, die dreifach Erfreuende, Vernichterin aller Befleckung, überall gegenwärtig, Mutter des Raums, auf dem Lotos weilend und im Lotossitz, mit vier Armen, aus dem Guru geboren, unendlich und friedvoll, verehre ich auf den sechs Lotosblättern.
41.26 Den Frieden, die Gnade und die Befreiung durch Vernichtung über der Täuschung [Lesung unsicher], die Glückverheißende, deren Füße höchste Vaishnavas verehren, Radha, Nektar, von Gaben erfüllt, in den Eigenschaften der Welten gegenwärtig, Ozean des Dharma, verehre ich vollständig im Sechsblatt.
41.27 Mit einer Schere in der Hand, mitfühlend, lieblich und mit dreifachem Visarga verbunden, ist sie Rakini, überaus barmherzig, die an den reinen Sinn denkt; Verwirrung und höchste Überlieferung des Umherwanderns [unsicher], Erinnerung, ursprünglich zu verehren, Haris Gattin, höchste Freude. Sie verehre ich vollständig.
41.28 Die grenzenlos in ihrer eigenen Liebe ruht, Vageshvari, Bhagavati, vor der sich zehn Millionen Entsagende neigen, von kupferner Gestalt und rot im Geist der Prakriti: Möge die aus Maya Bestehende, mit göttlichen Künsten Begabte, meinen Körper schützen! [Der Anfang des Verses ist beschädigt.]
41.29 Die Wunschranke am Wunschbaum, von Fruchtgestalt, im göttlichen Glanz gegenwärtig und von Millionen Menschen und Weisen gepriesen, von Haris Händen verehrt, möge den Nektar meines Kula-Herrn bewahren. Radha, die Geduld, schütze stets meinen Besitz!
41.30 Wohlergehen Schaffende, Gaben Gebende, leicht Wirkende, bei Hari Gegenwärtige, Ebergestaltige, Dasein Schaffende, Tripura, große Herrin; im Wind Weilende, aus Auflösung bestehend und mit dem Weg des Bestands verbunden, die Auflösung Liebende und alle Kalas Umfassende: Radha möge schützen!
41.31 Ganga, Geberin reinen Bhava, schütze stets meine Kopfregion. Shri Radha, Kula-Rakini, der die große Rede lieb ist, schütze den Bereich über meinem Schädel. Die im Mantra Weilende, Sieggebende, freudige Kumudini schütze Stirn und Brauenmitte; die junge Vidya, kraftvolle Frucht von Vagbhava-Kundalini, die drei Augen.
41.32 Chanda-Sarasvati schütze die Wange, die auf dem Kailasa-Berg Weilende die Ohren. Medha und die im Tam-Gefäß Wohnende [Lesung unsicher], die Mondgesichtige, deren Stätte feiner als fein ist, schützen Zungenspitze, Kinn, Zähne, Kehle, Hals und Schulterbereich; Skandas Herrin, Glanz der Zähne, reine Einsicht und Herrin der Vaikuntha-Wohnstatt. [Die Einzelzuordnungen sind in der Vorlage nicht eindeutig.]
41.33 Die in vielerlei Farben Spielende, von sanftem Nektar, Shambhus Bhavani, die Glückverheißende, schütze; die bei Handlungen im Rücken Gegenwärtige, Weggebende, stets Mächtige und Strahlende, den Rücken. Kulamalini schütze meine Flanke, Kamakhya, die Reichtum schenkt und mitfühlend ist, Taille, Linga, Hüftbedeckung und beide Füße.
41.34 Die den Zorn der Mutter Abwehrende schütze meinen Shiva, der die sechs Blätter schmückt. Die erhabene Bewohnerin der Opfergabe, Gauri, höchste Freude Gebende, schütze den Kula-Baum. Die in der Bewusstseinsstätte Wohnende, mir nahe und Govindas Mutter lieb, die Erde, Trägerin und Bewohnerin des vortrefflichen Feldes, schütze beständig mein Bewusstsein.
41.35 Die Gesegnete mit braunen Augen und Lotosgesicht, Liebhaberin bewusster Tätigkeit, die Shakti, welche Geduld schafft, bewirke überall beständig das Liebe. Die im Ruhm Gegenwärtige, lackrote Balvari [Name unsicher], schütze die Wohnstatt meines Ruhmkreises; die unten im Kreis Weilende, meine Siegreiche, schütze freudig mein Leben und mich.
41.36 Diesen Lobgesang soll man stets beim glückverheißenden Lebenswind rezitieren. Gute Yogis sollen ihn beim Durchdringen der sechs Chakras stets vortragen.
41.37 Beim Kula-Nyasa und beim Eintritt in den Kula-Kreis soll der Wissende unbedingt den Lobgesang an Rakini-Radhika rezitieren.
41.38 Man vollziehe dies zu den drei Tagesübergängen, rezitiere immer wieder, meditiere und widme sich dem Bhava. So wird man von den Fesseln des Daseins befreit.
41.39 Man erlangt unbewegliche Hingabe und Selbstbeherrschung wie Vishvamitra. Durch die Rezitation gelangt selbst ein niedriger Mensch in Brahmas Welt, Kula-Herr.
41.40 Allein durch das Rezitieren wird man kühl und tugendvoll. Dieser nicht öffentlich zu verbreitende Lobgesang vernichtet alle Todesmächte.
41.41 Hat man gleichen Bhava verwirklicht, wird man selbstbeherrscht und bereits im Leben befreit, wenn man die Praxis in Hingabe an die fünf Verhaltensweisen ausführt.
41.42 Während des Kundalini-Yoga soll man den Kula-Wandel nicht aufgeben. Durch dessen Aufgabe entsteht großer Schaden.
41.43 Ob Brahmane, Kshatriya, Vaishya oder Shudra: Man soll stets gleichen Bhava entfalten und sich auf den Kula-Wandel stützen.
41.44 Kundalini ist die Erdgöttin, Rakini die Gottheit des Svar-Bereichs [Lesung unsicher]. Die Göttin, die in deren Haus eintritt, ist Radhika, die Herrschaft begehrt.
41.45 Während ihrer Praxis soll man dem Samaya-Wandel folgen. Im gleichen Bhava liegt große Befreiung: So wird der Sinn des Tantra bestimmt.
41.46 Indem der Yogi das bloße Reden über die Bedeutung gleichen Bhava hinter sich lässt, wird er einer, der das Werk vollbracht hat.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über Vollendungsmantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Lobgesang an Rakini im Svadhishthana“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 41.
Kapitel 42: Rakini-Keshavas Namen und die Reihenfolge des Chakra-Yoga
42.1 Anandabhairavi sprach: Mahakala, Geliebter des Kula, ich erkläre die höchst wunderbare Praxis der Göttin Rakini, die Kundalini-Gestalt besitzt.
42.2 Man bringe geistige Gaben oder äußere Stoffe herbei und verehre aufmerksam, mit unversehrtem, freudigem Geist.
42.3 Mit Hingabe wiederhole man das Wurzelmantra, alles auch geistig. Nach Verehrung und Japa vollziehe man das Feueropfer mit höchsten Nektargaben,
42.4 mit Fleisch [Lesung unsicher], gekochten Speisegaben, duftenden Blumen und selbstentstandenen Blüten. Stets bereite man Arghya und bringe es dar.
42.5 Den Schönantlitzigen verehre man täglich mit Honig beziehungsweise berauschendem Trank und Fleisch, Shankara. Man opfere immer wieder in der Verbindung von Lebenswind und Feuer.
42.6 Man lasse den Geist nach außen wandern und setze ihn immer wieder fest; wiederholtes Zurückkommen und Gehen lasse man glückverheißend geschehen.
42.7 Man lasse mit guten Worten sprechen und bitte mit der kleinen Wasserstelle [Lesung unklar]. Trankspende und Weihe vollziehe man mit reinem Rauschtrank gemischt,
42.8 mit Fleisch, Mudra-Gaben, Fischen, gehaltvollen Stoffen, Teiggebäck, Ghee und guten Früchten: mit allem, was einem im Kaula-Ritus zufällt.
42.9 Wie der selbstbeherrschte Vishvamitra erlangt man unbewegliche Hingabe. Der Fürst der Praktizierenden sättige täglich mit den jeweiligen Stoffen und wiederhole das Mantra.
42.10 Nach dem Rezitieren dieses Mantras vollziehe man die Trankspende. An ihrem Ende soll der Tantriker stets die Weihe ausführen.
42.11 Nach dem Wurzelmantra spreche man „Ich weihe dich“, dann Namah und Svaha. Danach verneige man sich hingebungsvoll mit acht Körpergliedern, Herr.
42.12 Es folgt der Lobpreis mit tausend und acht Namen, der Rakini-Keshava-Lobgesang, bei dem Rakini mit der Hälfte seines Körpers verbunden ist.
42.13 Höre ihn vollständig, Herr, dem du stets Vertrauen schenkst. Du hast viel um das Hören gebeten; aus Gnade erkläre ich ihn dir.
42.14 Allein durch sein Hören werden alle Verfehlungen getilgt. Dieser „Vereinigung mit Rakini“ genannte Lobpreis reinigt, Herr.
42.15 Wer ihn immer wieder mit Vertrauen oder auch ohne Vertrauen rezitiert, dessen ganze Menge an Verfehlungen schwindet hier in einem Augenblick.
42.16 Mit der Zeit wird er ein großer Held und König der Yogis, tätig für die Rettung aus dem Daseinskreislauf, mit großer Kraft und Tatmacht.
42.17 Om. Shri Krishna – Mahamaya; der Yadava – die Göttin Rakini; Govinda – die Weltmutter; Mahavishnu – Maheshvari.
42.18 Mukunda, Malati, Girlande, Reine und Reingestaltige; Herr der Rama – große Göttin; großer Yogi – die Machtvolle. [Die Namenspaare sind nicht durchgehend regelmäßig angeordnet.]
42.19 Vaikuntha – Göttermutter; Feuer – Feuerliebende; Dämonenfeind – Dämonenzermalmerin; Weisenherr – durch Schweigen Vergegenwärtigte.
42.20 Narayana – Siegeskunst; Mitfühlender – von Mitgefühl Erfüllte; Hrishikesha – Kaushiki; Keshava – Töterin Keshins.
42.21 Jüngling und Jugendliche; Mahakali und große Kala; großes Opfer – Opferzerstörerin; Herr Dakshas – Dakshas Tochter.
42.22 Sehr Starker – sehr Starke; Knabe – Göttermädchen; Diskusträger – Diskusschöpferin; mit Diskusgliedern – den Diskus Zerreibende.
42.23 Unsterblicher – junge Frau; Furchtbarer – Furcht; Gott – im Himmel Weilende; Glückschaffender – Gestalt Gebende; Arzt – Eigenschaft; Yogi – im Kula Gegenwärtige.
42.24 Kenner der Übereinkunft – Kennerin des Geistes; Handlungskenner – mit Handlung Verbundene; Unvergänglicher – Waldgirlande; Zeitgestaltiger – Kula-Silbe.
42.25 Großäugiger – Langäugige; Sieggeber – die den Sieg als Fahrzeug hat; Friedvoller – Friedenschaffende; Dunkler – von reiner dunkler Gestalt.
42.26 Herr der Kamala – Mahalakshmi; Wahrheit – gute Frau; Kind – Glanz; mit einem Antlitz wie ein Blitz – Aufgang einer Blitzfülle am Himmel.
42.27 Radhes Herrn und Rakini; Kula-Gott – Kula-Unsterbliche; rechter oder geschickter Herr – entsprechende Göttin, Glückgeberin; in Handlungen Geschickter – große Auflösung.
42.28 Der zu Vasishtha Gehende – Vidya; Herr des Wissens – Rede-Sarasvati; Übersinnlicher – Yoga-Mutter; Kampfesherrin – Kampfkundenkundige.
42.29 Vernichter des Todes – junge Krishna; Liebenswerter – schöner Wunsch; Unendlicher – unendliche Eigenschaften Gebende; Herr der Rede – Ausgezeichnete.
42.30 Hirtenherr – Hirtenfrau; Rinderhüter – Tochter des Kula; Schweigender – Aufleuchten des Schweigens; Mensch – Menschentochter.
42.31 Von allem Abgetrennter – Bezaubernde; Maya-Meister – Maya und Körpergeborene; Unversehrter – im Diamantkörper Weilende; auf Garuda Sitzender – Garuda-Göttin.
42.32 Wahrheitsliebende und Rukmini; dessen Leben Wahrheit ist – Nektar Hinwegnehmende; wahrhaft Handelnder – Satyabhama; Wahrheitsgestaltiger – dreifache Wahrheit Gebende.
42.33 Mondherr – Mondgesichtige; Dunkelfarbiger – weite Einsicht; Trivikrama – in Tatkraft Gegenwärtige; Weg des Bestands – Bestand Liebende.
42.34 Shri Madhava – Madhavi; Madhu-Töter – Madhu-Vernichterin; Vaikunthas Herr – Teilose; in Unterscheidung Ruhender – Unterscheidungsfähige.
42.35 Im Streitgespräch Weilender – Herrin des Streitgesprächs; Atemanhalten – Schöpferin des Atemanhaltens; Nektartrinker – Nektargestaltige; Schöngekleideter – Götterbezauberin.
42.36 Träger des Verfahrens – Gesegnete; gesegneter Sinn – gesegnete Gestalt; Erdenherr – große Unendliche; mit Ananta Verbundener – Nandana Liebende.
42.37 Geliebter – Ungeliebtes Hinwegnehmende; von Brahmanen Verehrter – den Zweimalgeborenen Liebe; Geliebter – Mondgesichtige; zu Erkennender – Vidya; Herr der Rede – Morgenrote.
42.38 Begierdeloser – von Begierde Freie; Lieblicher – Höhlenwanderer Liebende; weißer Lotos – in Vikunda Weilende [Name unsicher]; Vaikuntha – kindlich Vergegenwärtigende.
42.39 Lotosäugiger – Lotosgirlande; Lotushändiger – Lotosgesichtige; Lotosnabeliger – Lotosäugige; im Lotos Weilender – auf dem Lotos Fahrende.
42.40 Vasudeva – mit weitem Schoß; sehr Würdevoller – große Erkenntnissalbe; Mitgefühl – mit jungem Kind im Schoß; im Raum Weilender – aus Vibhanda Geborene [Name unsicher].
42.41 Lichtfülle – Feuerhafte; von Furcht Verhüllter – Furcht Gebende; Upendra – im Buchstabennetz Weilende; in Eigenständigkeit Ruhender – im Himmelswagen Fahrende.
42.42 Auf dem Bergherrn Weilender – Schlangengöttin; Schlangenherr – Schlangen erfreuende Tochter; Weltherrscher – Mahakali; Berg- oder Schlangenherr – Tochter Nandinis.
42.43 Zuflucht des Liebesgottes – Maya; beim Freund Weilender – Neigung zur Freundschaft; Stolzbrecher – Klang; dem Elefantenfeind Lieber – Geliebte.
42.44 Feindvernichter – Mutter Rakini; guter Freund – Freundesbeschützerin; Ende der Zeit – Göttin Streit; Gelbgekleideter – Gewand Liebende.
42.45 Verfehlung Hinwegnehmender – Verfehlung Tötende; Fehlerloser – Verfehlung Vernichtende; höchste Freude Liebender – Fischgöttin; Fischgestaltiger – Unreinheit Beseitigende.
42.46 Dunkel wie ein Saphir, Mahendra und Blaugestaltige; dem Blauhalsigen Lieber – Durga; Durga, Vernichterin schlechten Geschicks.
42.47 Glückspender des Dreieckstempels – von Maya Freie, im Tempel Weilende; Freude am Blütennektar – Liebhaberin des Blütennektars.
42.48 Vernichter schrecklicher Feinde – Vernichterin schrecklicher Feinde; Kula-Wandel der Kali-Zeit – Frucht der Kali-Zeit Herbeiführende.
42.49 Im Zeitfeld Weilender – Raudri; in Gelübden Stehender – Gelübdeträgerin; Großäugiger – mit weitem Antlitz; Wunder – die Hände Regende.
42.50 Im La-Laut Weilender – Lakini; Pflugträger – mit Beweglichkeit Verbundene; im Himmel Weilender – mit Himmelsfüßen; Himmelsauge – Himmelsbeschützerin.
42.51 Zum Begehrten Gehender – Namensverbindung, Reinigerin des Samaveda; Samaveda – Sama-Abenddämmerung; Sama-Sänger – Fleischesserin.
42.52 Alles Verzehrender – nachts Essende; im Samen Gegenwärtiger – Samen Bewahrende; Nacht Schaffender – große Nacht; Zeitnacht – tiefe Nacht.
42.53 Verschiedene Fehler Hinwegnehmender – Maß; Todesvernichter – berauschenden Trank Hinwegnehmende; mit sandelgesalbten Gliedern – Nandas Tochter; Nandas Hüter – Auflöserin.
42.54 Mudra Schaffender – große Mudra; Versiegelter – Versiegelte und Rati; Shakta – Lack, vedagezeichnete Äugige [unsicher]; Lopamudra – vorzüglichste Frau.
42.55 Träger großen Wissens, Unwissender, Wasser, Stolz Hinwegnehmender und Unsterbliche; in gutem Ruhm Weilender – großer Ruhm; Kula Genannter – im Kula Gepriesene.
42.56 In den Richtungen Wohnender – Neigung; Kula-Kenner – gut Verborgene; Bewohner des Ashvattha-Baumes – im Kern des Baumes Wohnende.
42.57 Ewiger Baum – ewige Ranke; Bereiteter – auf bereitetem Platz Weilender; Wunschbaum – Wunschranke; gute Zeit – Zeitesserin.
42.58 Mit allem Schmuck reich Geschmückter – mit allem Schmuck Geschmückte; Makelloser – Nahrungslos Lebende; schwer Anzuschauender – von Gefahr Freie.
42.59 Liebe Schaffender – Geliebte der Liebe; Wunschgestaltiger – sehr Schnelle; Jayanta – Yajayanti; Sieg Genannter – Sieggeberin.
42.60 Dreifaches Leben – Lebensmutter; der Heilsame Genannte – besonders Schöne; Haarträger – Haarreiche; Liebesgeborener – Liebesstumpfheit Gebende.
42.61 Beim Diener Weilender – in Veränderung Weilende; Geist Genannter – Weise; Unwahrheit Hinwegnehmender – große Unwahrheit; unwahre Schöpfung – Gestaltlose.
42.62 Mit einer Schlange als Opferfaden – mit einer Schlangenkette Geschmückte; Schlange Genannter – Hüterin der Schlangenfamilie; Führer – Führerin und Braut.
42.63 Dem Führer Wohlergehen Schenkender – Frau; Mann – Narayana Liebe; von der Farbe der Kiratas – Kennerin des Rundtanzes; Retter – über die Gunas Hinüberführende.
42.64 Shankara Genannter – Lotosgestaltige; Armer – mit Armut Verbundene; durchs Land Gehender – Zufriedenheit des Landes; Neumond – im Neumond Wohnende.
42.65 Kenner der Schau – in der Schau Gegenwärtige; Blick – Wunsch zu sehen; Gott – Nichtgötter; Götterhüter – Götterschutz; dreifacher Beschützer – Schutzgottheit.
42.66 Diener Shri Ramas – Glückgeberin; Glückgeber – bei Vyasa Wohnende; in Vrindavana Weilender – Vrinda; zum Vrindavana-Wald Gehörender – mit großem Körper.
42.67 Brahman-Gestaltiger – dreifache Retterin; mit Sternenaugen – Retterin; Kenner des Tantra-Sinns – Tantra-Wissen; Kenner des guten Tantra – gute Tantrikerin.
42.68 Befriedigter – ganz Befriedigte; in der Sättigung der Welten Gegenwärtiger – Spielerische; Pfauengestaltige, am Tempel Erfreuter, Mathura, die im Tempel Reine.
42.69 Tempel – Göttin Mandira; von Maya Freier – Maya Auflösende; mit Shrivatsa am Herzen – Kalb; Liebevoller – den Verehrern Liebevolle.
42.70 Verehrern Lieber – durch Hingabe Erreichbare; Verehrer – Hingabe; Herr – Glanz; Alternder – Alter; Vortrefflicher – Klang; Opfergabe – Goldene; Geduldiger – Erde.
42.71 Erdenherr – Siegesfreude; Sieg – Siegesgestaltige; Sieggeber – Gattin des Gebers; Hüter der Opfergabe – Hüterin der Opfergabe.
42.72 Von schwarzer Katzengestalt – von schwarzer Katzengestalt; auf dem Pferd Weilender – auf dem Pferd Weilende; auf dem Elefanten Fahrender – mit dem Elefanten als Fahrzeug.
42.73 Elefantenherr – Elefantenstütze; Elefant – dem Brüllen Ergebene; Gaya-Asura – Gaya-Göttin; Elefantenstolz – vom Elefanten Erreichte [Lesung unsicher].
42.74 Die Erfüllung der Wünsche Erstrebender – die Erfüllung der Wünsche Gebende; Dharma-Geber – Dharma-Wissen; Befreiungsgeber – Befreiungsgeberin.
42.75 Zuflucht der Befreiung – Schöpferin der Befreiung; Nandagopala – Herrin; Herr der Shri – erhabene Mahakali; Strahl – Windgestaltige.
42.76 Von Luft Lebender – im Wind Festgegründete; Ruhmreiche des Wind-Bija; Sieger – Siegreiche; im Opfer Gegenwärtiger – Opferwissen; Shiva – Shakti als Shiva.
42.77 Vasava – bei Vasava Stehende; Vasa Genannter – Reichtumsgestaltige; Akhandala – Zerteilte; im Teil Weilender – in Teilen hüpfende Bachstelze [Namensdeutung unsicher].
42.78 Mit Schwert in der Hand – mit Pfeil in der Hand; auf dem Pfeil Wandelnder – mit Pfeilfahrzeug; Kenner der Schlusslehre – Finsternisvernichterin; im Reichtum Weilender – Getreide Mehrende.
42.79 Liebe der Welt – in Leidenschaft Weilende; Beständiger – Vergegenwärtigung des Einsetzens; aus seiner Stätte Gefallener – ohne Stätte Weilende; mit einem Antlitz wie der Herbstmond.
42.80 Mondaufgang – Mondfarbene; schöner Mond – im Glanz Gegenwärtige; Glanz Schaffender – Glanz Liebende; Gestaltung – auf der Gestaltung Sitzende.
42.81 König der Könige – Königstochter; Welt – Zuflucht der Welt; Allwissender – nach allen Seiten Glückverheißende; Beredter – Trägerin der Auflösung.
42.82 Linga-Gestalt Tragender – Linga; Kalinga – Löwin der Zeit; als reine Freude Bezeichneter – Geberin der Nirvana-Befreiung.
42.83 Dicht wie eine große Wolke [Lesung beschädigt] – Gestalt großer Freude; großes Wolkennetz – sehr schreckliche Gestalt; große Wolkenkette – stete Gestaltbewahrerin; große Wolkenkette, reine, bewegliche Kali.
42.84 Den Raum Durchdringender – alle Körper Durchdringende; großer tapferer Held – große Dharma-Heldin; Mahakala-Gestaltiger – von großer wilder Gestalt; Unterscheidungsfähiger – im Rausch Eine [unsicher]; Kula-Herr – Kula-Herrin.
42.85 Auf gutem Weg Gehender – schön Besungene; von reinem Eigenwesen – Demütige; große Sonne – Erwägung; gutes Erwägen – Nicht-Erwägen; Herr der Vollbringenden – Mahendri; Glück – Glücksmond; Vierter – großer Sinn; Berg – Ruhmesmond.
42.86 Ausgezeichneter – großes Opfer; Geistesstarker – gute Zufriedenheit; im großen Sechsblatt Weilender – sehr hell Leuchtende; dessen Körper vom fließenden Mondstrom-Nektar gesalbt ist – die den Glanz von zehn Millionen strömenden Sonnen ersehnt.
42.87 Mit gewaltig wildem Schwung – mit dem Schwung des großen Kunda; großer Rumpfabschnitt – großer Kopfabschnitt; Kern des kreisenden Töpferrades – Art und Weise; Töpfer, Malaka und Ausbreiter des Ra-Kreises [Worttrennung unsicher].
42.88 Töpfertätigkeit Besitzender, großer schrecklicher Abschnitt; die nach Töpferart das Wissen der Drehung zerteilt; Festgegründeter – Festgründung; Wartender – Erwartung; groß Benannter – groß Benannte; gute Zeit – überragende Einweihung.
42.89 Durch die große fünfte Verhaltensweise Befriedigter – Bemühung; große Fünfte, Liebesvernichter und Bewegung der Geliebten; von großer Rauschgestalt – Herrin großen Heils; Götterherr – Nachtherrin; Vortrefflicher – Langgekleidete.
42.90 Wandernder – im Äußeren Festgegründete; Wandernder – Schönfarbige; Ursprung des Kula – Ursprung des Akula; Entsagender – Opfermusik; Vernichter des Kula-Ortes [unsicher] – Vernichterin großen Stolzes; Mahavishnu-Yogi – Mahavishnu-Yoga.
42.91 Vernichter der Erderschütterung – Bedrängnis der erschütterten Erde; sehr Kostbarer – sehr Kostbare; Reicher – Angelegenheit des Reiches; Licht in der dichten Dunkelheit der großen Nacht – Eintritt in die dichte Dunkelheit der großen Nacht.
42.92 Überaus furchtbarer, tiefer Klang und Widerhall – überaus furchtbarer, tiefer Klang und Missklang; Kula, Wissensgeberin, Yama und Nachtfahrt; Selbstbeherrschter – feines Gewand; Pferdereiter – bloßer Name.
42.93 Töter Hiranyakshas – Vernichterin großer Feinde; Vernichtung Liebender – die Vernichtung Banas Liebende; Herr der großen Dakini, Herr der großen Rakini; sie als große Dakini und sie als große Rakini.
42.94 Mukunda, Mahendra und großer Glücksmond; das Verlassen der Erde Bewirkender – große Yoga-Schöpferin; Wohltäter – Todesvernichterin; Herr des großen Herrn – Indra-Göttin; Bhava bewegter Wege – Fülle großen Bhava.
42.95 Menge der Monde – millionenfache Mondkraft; am Kadamba-Baum Ruhender – Vornehmste unter den guten Frauen; Geber großer Freude – Mutter Mahakalas; selbst aller Sohn – selbst Tochter der Welt.
42.96 Vernichter großer Verfehlung – Trägerin großen Bhava; Hari – Karttiki; Karttika – Devasena; zum Sieg Gelangter – Gesalbte; zu Kula Gelangter – zu den Scharen Gelangte; mit guter Wirkkraft – mit Sprache Begabte; Erdenherr – Herankommende.
42.97 Der Herr – Lakshmi des Bhava; Geliebter – Feinheit der Liebe; Menschenherr – Reichtumsherrin; Gnade – Stolzbrecherin; der den Harten und Heftigen große Einsicht verleiht; im Werk Weilende, Eigenschaften Kenner und Kennerin der Freude der Eigenschaften.
42.98 Von Mahakala zu Verehrender – von Mahakala zu Verehrende; Vogel Genannter – Berg oder Schlange Genannte; Esel – Schwertträgerin; Atharva, auf der Atharva-Schaukel Gegenwärtiger, großer Sinn; Aufhebung der Erschütterung der Vögel, Opfergabe und verborgener Rauschtrank.
42.99 Mit einer großen Lotosgirlande Geschmückter – Ganapati zugehörige Göttin; unter den Scharen Weilender – Tiefe; Guru – durch Erkenntnis Erreichbare; Lebensspender des Gefäßes – von dichter Gestalt. Es folgen die unsicheren Namen „Furchtzweck“, „Nga-Bija“, „Nga-Wasser“ und „Nga-Schöpfer“; die Lautfolge ist beschädigt.
42.100 Bhava – Bhava-Mutter; Mensch – über die Nacht Meditierende; Ende des Beweglichen – die Unbewegliche Genannte; Fülle – Anjalika; Kenner der Täuschung – reich an Täuschung; Chha-Laut – Chha-Laut; Sieg – im Leben Gegenwärtige; Wasserherr – Wasserherrin.
42.101 Wiederholender – Japa Schaffende; Herrin des Weltlebens; Lebensherr der Welt – Welterfreuer; Strom – Herrin des Rasselns; klirrender Laut – das klirrend und schwirrend Erklingende. [Die lautmalenden Namen sind teilweise unsicher.]
42.102 Der den Nya-Laut bewusst macht – Frau der Alleinheit des Nya-Lautes; Träger der Freude des Hana-Lautes [unsicher] – mit klingendem Beil in der Hand; Tha-Herr und Eingetretener [beschädigt], Spitze der Tha-Laute; Dara, Dakini-Herr, Da-Herr und Damara.
42.103 Dha-Herr und Dhakka-Trommel; Bija der vortrefflichen Stätte – Na-Laut [retroflex]; von Tamala-Baumgestalt – in der Stätte Festgegründete; im Geist des Tha-Lautes Festgegründeter – Unzählbare; Mitfühlender – von Mitgefühl Erweichte; Reichtumsherr – Reichtumsreiche.
42.104 Neuer, mit einer Gliederkette vom Berg-Elefanten versehen [Lesung unsicher]; Bergherrin, Höchster, Hinüberführende und mit Ursprung Bewahrende; Frucht-Selbst – Frucht, Phalguni, Schaumvernichter; mit Früchten und Schmuck reich Versehene, Selbstbeherrschter und lieblich Gekleidete.
42.105 Yoni-Selbst – Bhavas Frau; Maß des großen Bija – große Bija-Kette; Mukunda – Allerfeinste; beim Entsagenden Weilende – im Ruhm Weilende; Schöpfer der Liebesfreude – Rati; Lakini-Herr – heftig auf Auflösung Gerichtete.
42.106 Mit Korallengliedern – Kette von Korallengliedern; im Hala-Spiel stehender Fuß [Name beschädigt] – Rhythmus der Füße; Herr der Selbstbeherrschten, Glanz, in der vortrefflichen Stätte Wohnende; Shiva, Shri-Träger-Körper, Stäbchen und Stein.
42.107 In den sechs Stützen Wohnender – Wissen der sechs Stützen; in den sechs Lotosen Gegenwärtiger – auf den sechs Lotosen Sitzende. Die folgenden Namen zu steter Stütze, Heftigkeit, Leidenschaftslosigkeit, gutem Hymnus, Wasser und Zuflucht sind beschädigt und nicht sicher voneinander abzugrenzen.
42.108 Bei Hara Weilender mit heftiger Tätigkeit – Strom von Haras Freude; im Leichten Weilender – in der Schrift Gegenwärtige; Schwindender, Erschütterter und Zahl [Trennung unsicher]; Unendlicher – Nirvana und Bija von Haras Gestalt; in der Brust Weilender – im Oberschenkel Weilende; Brust und Aufwärtsgestaltige.
42.109 Im Rig-Vers Weilender, mit dem langen Ri-Laut Verbundener [Lesung unsicher], im langen L-Vokal Weilende; du Einziger, ehrwürdige Aim-Bija-Göttin, in den Gunas Gegenwärtige; stets vom Om-Laut gestaltet, Hsaum-Bija; Mond des Asam-Lautes und Heldin des Usah-Lautes. [Mehrere Bija-Bezeichnungen sind gestört.]
42.110 Hari-Fürst – Hari-Herrin; Hari – Krishna-Gestaltige; Shiva – Veda-Sprache; Shauri – Verbindung; von der Gestalt des Scharenführers – höchste Freude Verzehrende; höchster Herr – Ganeshi; Nektar – durch Aufenthalt Verehrte [unsicher].
42.111 Chakori-Vogel und die in Leben, Einsicht und Bestand des Kula Gegenwärtige; selbst von Kamadhenu-Gestalt – Gestaltveränderte; erhabener Goldglanz – mit goldglänzenden Gliedern; von Morgensonnenfarbe – mit ursächlich morgenroten Gliedern [unsicher].
42.112 Glanz, Millionenströme, Träger der Erde und Hülle; Kampfesherr, ursprüngliches verborgenes Gefüge und Unterlippe [hier beschädigte Stelle]; Sammlung, Shauri und die Edle; im großen Opfer Weilender – im großen Opfer Festgegründete; stets mit Handlung Verbundener – stets glückverheißendes Spiel [Lesung unsicher].
42.113 Gatte der Kirata-Frau, Rakini und Tochter der Zeit; Spender des Baus aus Steinblöcken [Lesung unsicher] – die Weite; in der Kala der Kala-Sonne Gegenwärtiger – in den Kala-Glöckchen Gegenwärtige; Jüngling – Jugendliche, Mädchen aus Kurukshetra.
42.114 Glanz des großen Pflugträgers, Krishna mit überströmender Kraft; Wissen der Töpfer und weiterer Künste, Furchtloser, von Bhava Freie; große Lakini, Kakini, Shakini-Herr; große Hellleuchtende, Höchster und Hakini-Herrin.
42.115 Bewohner Kurukshetras – Verkörperung der Kuru-Liebe; Genießer großer Macht – große Yogini; Kula-Glut Schaffender – Tochter des Kula-Körperherrn; Dritter – Dritte; Zweitloser – Zweitlose.
42.116 Im großen Kanda Wohnender – große Freude Erhellende; in Stadt und Dorf Wohnender – Land des großen Pitha; auf der Brust des Weltenherrn Weilender – Erwählte; Schöpfer von Achyutas Freude – Schöpferin der Nektarfreude.
42.117 Erhellende Kala der Welt – welterhellende Kali; großer Wunschgestaltiger – großer Liebes-Pitha; im großen Kama-Pitha Feststehender – Elementereinigung; große Elementereinigung – große Elementevollendung.
42.118 Ende des Glanzes – Kundige; im Guru Weilender – im Berg Weilende; Träger fließender Ströme – im Gewand großer Hingabe; augenblickliches Aufhören des Hungers – dessen inneres Selbst zur Ruhe kommt; stets im Innern Gegenwärtige – zur Auflösungsstätte Gehender.
42.119 Freude der Auflösung Erstrebende – dessen Gruppe den Visarga erreicht hat; Weg der großen Augen; Kula-Laut – Kula-Laut; im Geist Weilende, Glück des Geistes, Geber von Furcht und Freude; stets gesungenes Lana [unsicher], Elefantenwissen Gebender und Hüterin des großen Meru.
42.120 An der Baumwurzel Wohnender – die Kenntnis des Hinüberführens Zeigende; Götterherr, gleicher Herr, Götterherrin, Glücklicher und im Schwert Festgegründete; Schutz vor Furcht Schaffender – Erkenntnis der Furcht Vernichtende; im Opfer der Menschen Gegenwärtiger – Brecherin der Opferfreude.
42.121 Auf dem großen guten Weg Weilender – Kennerin des großen guten Weges; Maß des großen Bindu – Maß des großen Bindu; auf dem Vogelfürsten Sitzender – im Innern des Visarga Gegenwärtige; in Visarga Eingetretener – Nada des großen Bindu.
42.122 Verehrer der Nektarfreude – Befreiung in der Freude der Ordnung; in Shiva-Freude gut Ruhender – Trägerin ohne Freude [so der Wortlaut]; dem großen Fahrzeug Freude Schaffender – gute Trägerin; Götterfreude Schaffende – Freude der Rede Schaffender.
42.123 Glanz der Pferdefreude, der im Elefanten Weilende Gott; Gottheit über dem Elefanten, von großer Rauschgestalt; der Eine, mit großem Diskus in der Hand, die Wilde; im Bereich aller Wasser Gegenwärtiger – Gattin des Hindernislosen Herrn [Lesung unsicher].
42.124 Freude der Flamme Schaffender, im Kern der Flamme Wohnender; gute Shakambhari, Schakalin, Wohlgeruch des Veda-Altars; Zeitalter, Yoga-Mädchen, Waldbrand, großes Mädchen; Zuflucht Gebender – Zuflucht Gebende; durch das Wissen der Weisen Erreichbare; sehr Gesegneter – sehr Gesegnete.
42.125 Mond – aus dem Veda Geborene; Selbstbeherrschter – Linke der Nacht; Begierdeloser – Begierdelose, stets das Dorf Begehrende; Herr der Standhaftigkeit – Herrin der Standhaftigkeit, stets im Gold Weilende; Herr des Weges – Herrin des Weges; Bha-Laut – Bhagiras [Lesung unsicher].
42.126 Auf der beweglichen Bachstelze Weilender – im ausgelassenen Spiel Gegenwärtige; Strahlende, Kirata-Frau, mit begrenzten Gliedern – mit allen Gliedern; im großen Himmelswanderer Gegenwärtiger – große Himmelswanderin; großer Schlangenkönig – große Schlangenkette.
42.127 Halber Ha-Laut als Bezeichnung, umgebende Perlenkette [Lesung unsicher]; großer Kalanemi-Schlag und Parvati; Finsternis, von Finsternis Umgebener und Leidensvernichtung; Bedrängter – Bedrängte; Tochter der Freude an den Eigenschaften.
42.128 Stets Leiden Vernichtender – großes Leiden Vernichtende; von Morgensonnenfarbe – morgendlicher roter Glanz; von liebendem Bhava zum großen Berg Erfüllter – vom Bhava der Gattin des großen Gottes und ihres Herrn Erfüllte.
42.129 Die das Blau der großen Befreiung liebt, Hingabe Gebender; Freude der Führung und Hingabe Schenkende, Göttermutter.
42.130 So wurde dir, Herr, dieser bezaubernde große Lobgesang erklärt, mit dem Tausendnamen-Yoga als Glied und mit den zusätzlichen acht Namen.
42.131 Wer morgens aufsteht und ihn rezitiert, ob reinen oder unreinen Geistes, erlangt durch Hingabe Frieden und wird mühelos zum König der Yogis.
42.132 Wer täglich meditiert und ihn rein zu den drei Tagesübergängen rezitiert, wird nach sechs Monaten ein höchster Yogi. Wahrlich, wahrlich, Götterherr!
42.133 Einmal rezitiert, nimmt er vorzeitigen Tod hinweg, vernichtet alle Krankheiten und beseitigt Unfalltod und weitere Übel.
42.134 Wer in Zeiten der Gefahr und in tiefer Nacht nach der Rezitation nicht weitergeht, gelangt mühelos durch das sehr schreckliche Meer der Furcht. [Die Verneinung der ersten Hälfte macht den Satz unsicher.]
42.135 Wer ihn stets zu ungünstiger Zeit rezitiert, dem wird augenblicklich eine günstige Zeit. Bei Entzug königlichen Besitzes oder Verlust eines guten Lebensunterhalts
42.136 gewinnt er durch einen Monat der Rezitation gewiss das königliche Gut zurück. Die großen Helden wandeln im Himmel, in der Menschenwelt und in Rasatala,
42.137 Ganesha an Kraft gleich und von der Gestalt großen Zorns. Durch die Gnade dieses Lobgesangs wird man auf Erden bereits im Leben befreit.
42.138 Der Kern des großen Namen-Lobgesangs bestimmt Dharma und Adharma, schenkt unvermittelt Vollendung, ist begehrenswert und verleiht höchste Vollendung des Erwünschten.
42.139 In der glückverheißenden Praxis der großen Kula-Kundalini, Bhavani, beim Durchdringen des Undurchdringlichen und bei der Vernichtung großer Verfehlungen,
42.140 in überaus schrecklicher Zeit erlangt man durch Rezitation Vollendung. Wer täglich das Festhalten der sechs Chakras ausführt, Herr,
42.141 hat die Bewegung des Geistes in seiner Hand; er ist Shiva und kein gewöhnlicher Mensch. Wer Yoga übt, diesen Lobgesang jedoch nicht rezitiert,
42.142 fällt rasch vom Yoga ab, weil er den Kula-Wandel übertritt. Der Text soll einem Kula-Zugehörigen gegeben werden, keinesfalls einem Nicht-Kula-Herrn.
42.143 Brahmanen, Kshatriyas und die weiteren Gruppen werden, wenn sie den Kula-Wandel ausführen, durch die Rezitation zu Yogis und stets Unsterblichen.
42.144 Anandabhairava sprach: Sage mir das Geheimnis, Geliebte; ich habe alles vergessen, nachdem ich das große Kalakuta-Gift getrunken hatte, um die Götter und die anderen Wesen zu schützen.
42.145 Alle in meiner Kehle versammelten Gottheiten wurden zu Asche. Durch die Flamme des großen Giftes sind die in meinem Körper befindlichen Gottheiten
42.146 alle der Alleinheit zugewandt und bitten unablässig. Erfreue mich, indem du die sechs Chakras erklärst, Herr! Das Erzählen ihrer Durchdringung, das Hören des Nektars und die weiteren Lehren:
42.147 Erkläre sie und erfreue mich, glückverheißende Geliebte. Mache meinen Körper im Meer unsterblicher Freude von Nektar durchtränkt,
42.148 erkläre mir dies rasch und mehre meine Lebenszeit! Anandabhairavi sprach: Du von verborgenem Sinn, Mahakala, Herr der Zeit, Herr der Welt,
42.149 Wohnstatt von Bhairavas Freude, der du Kalakuta aufgenommen hast! Höre nun den Sinn des Yoga und die Vereinigung mit mir.
42.150 Wer diese auszuführende Handlung hört, wird ein Herr des Yoga. Mein Ursprung liegt im reinen Raum, der von allen Gestalten frei ist.
42.151 Indem der Mensch mich in der Mitte der Erde und im ganzen Körper einsetzt, vergegenwärtigt er meine unbegrenzte, aus Brahma, Vishnu und Shiva bestehende
42.152 Gestalt, Mahakala, der Sattva, Rajas und Tamas lieb sind. Allein durch die Verbindung mit Rajas bleibt der Körper nicht bestehen.
42.153 Ebenso bleibt er nicht allein durch Tamas bestehen. Wie könnte der Verkörperte allein durch Sattva bestehen? Darum trage ich durch die Verbindung der drei Gunas den neunfach gegliederten Körper.
42.154 Allmählich sind Sattva, Rajas und Tamas zu überwinden. Zuerst besiege man die Rajas-Natur, danach die Tamas-Natur,
42.155 zuletzt die Sattva-Eigenschaft. So wird der Mensch ein Yoga-Herr: tugendvoll, wissend, beredt, von guter Schönheit, rechtschaffen und mit gezügelten Sinnen.
42.156 Indem er sich auf die reine, fleckenlose Sattva-Eigenschaft stützt, erhält er Anteil an Befreiung. Der stets von Sattva verhüllte Mensch wird von der Zeit
42.157 hier niemals gesehen; er ist von Alter und Tod frei. Diesen höchst friedvollen, reinen und von Zweiheit freien Menschen,
42.158 dieses Selbst, das alles aufgegeben hat, beschützt die Zeit überall: im Wasser, auf dem Berg, im großen Wald und auf dem Schlachtfeld,
42.159 in einer Erdhöhle, in Furcht, bei Vernichtung und im bösartigen Kampf. Der große Yogi bleibt bestehen, wahrlich, wahrlich, Kula-Herr.
42.160 Höre den großen Yoga, Lebensgeliebter, Wohnstatt des Glücks, den Sinn des Yoga, des höchsten Brahman-Yoga, Feindebezwinger.
42.161 Die Menschen, die den großen Yoga kennen, sterben nicht. Nachdem sie immer wieder die Praxis des sechsblättrigen Lotos vollständig ausgeführt haben,
42.162 sollen sie im Wurzellotos Kundalini bewegen. Durch wiederholtes Bewegen wird der Mensch ein Herr des Yoga.
42.163 An einem einsamen, reinen Ort, frei von Hungersnot und ähnlicher Not, soll der Yogi ein Jahr lang in einem Sitz dem Yoga-Weg ergeben sein.
42.164 Er übe stets den Lotossitz und den gebundenen Lotossitz, den großen Lotossitz und ebenso den Anjana-Sitz.
42.165 Danach den Svastika genannten und den gebundenen Svastika-Sitz: Diese soll er bei der Yoga-Übung und den Handlungen zur Mantravollendung stets ausführen.
42.166 Bei der Yoga-Praxis soll der Yogi stets den Radsitz, den gebundenen Radsitz und den großen Radsitz ausführen.
42.167 Danach wiederum den gebundenen Yogeshvara-Sitz, den Yogeshvara-Sitz und den großen Yogeshvara-Sitz.
42.168 Dann den Heldensitz und den großen Heldensitz. Nach dem gebundenen Heldensitz wird der Mensch ein Yoga-Herr.
42.169 Danach soll er, Mahakala, den gebundenen Hahnensitz, den großen Hahnensitz und den einfachen Hahnensitz ausführen.
42.170 Ebenso den Pfauensitz und den großen Pfauensitz; durch den gebundenen Pfauensitz wird der Mensch ein Yoga-Herr.
42.171 Dies alles soll nach reiflicher Betrachtung erklärt werden, den Wohlgesinnten Lieber. Im Abschnitt über die Weihe werden die Haltungen und die weiteren Lehren offenbart
42.172 und im Besonderen dargelegt. Nun höre die sechsfache Folge: Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara, Sadashiva
42.173 und der Gott Parashiva: sechs Shivas, die sechs Bereiche erhellen. Ihre Shaktis, höchste Gottheiten, sind die Freude der sechs Eigenschaften,
42.174 dem Durchdringen der sechs Chakras ergeben, Gottheiten über den Mahavidyas. Man soll sie zusammen mit dem höchsten Gott lobpreisen.
42.175 Wer dieses Verfahren täglich mit Achtung ausführt, überall in die Handlung eingegangen und von beharrlicher Vergegenwärtigung erfüllt,
42.176 schaut den Weltenherrn Hari, der in den Lotos eingegangen ist. Zuerst bewirkt Kundalini die Schau Haris.
42.177 Danach geschieht im Bereich Rudras die glückverheißende Schau Lakinis. Der Reihe nach erlangt der Mensch überall die Schau, Herr.
42.178 Allmählich, Mahakala, wird ihm die Schau des Kailasa zuteil. Durch die Praxis des achtgliedrigen Yoga entsteht der Reihe nach jede Vollendung.
42.179 Welche Handlungen während der Praxis der acht Glieder auszuführen sind, höre vollständig, sorgfältig und mit Achtung. Wer diese Verrichtungen ausführt, wird rasch ein Yogi.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 42.
Kapitel 43: Der Übergang zum Manipura-Chakra
43.1 Anandabhairavi sprach: Nun erkläre ich, Mahakala, zum Zweck der Entwurzelung des Begehrens bei den von Begierde Gequälten das, wodurch man eine Geliebte willfährig macht.
43.2 Ich werde dieses Verfahren um der Yoga-Praxis willen erklären. Nach dem Handsitz soll man den Lotossitz nach oben ausführen.
43.3 Beide Hände werden an der Basis des Kopfes eingesetzt, während man Japa ausführt. Das Halten soll jeweils nur wenig erfolgen, begleitet von Atemzählung.
43.4 Die Atemzählung soll man ausführen, wenn man im Atemanhalten fest ist. Wie könnte man ohne Atemzählung ein vortrefflicher, selbstbeherrschter Yogi sein?
43.5 Ohne Anwendung der Zählung und ohne Abwehr fehlerhaften Yoga soll man niemals vorgehen; Zählung und Atemanhalten dürfen nicht fehlen.
43.6 Bei der den Himmelswanderern lieben Tätigkeit soll man den Atem jeweils nur wenig anhalten. Dies soll zu allen Zeiten ausgeführt werden; so werde man stets glücklich.
43.7 Nachdem der Freudenritus mit Vijaya und den weiteren Rauschtränken vollzogen wurde, soll der König der praktizierenden Yogis die Durchdringung der Reihe nach ausführen.
43.8 Der unbegrenzte Bhava der Yogis leuchtet wie ein Blitz, glänzt wie zehn Millionen Blitze und ist von Wasserströmen erfüllt.
43.9 Wenn die Kenner des kindlichen Bhava [Lesung unsicher] auf diese Weise durch die Reifung fallen, gelangen sie dennoch zur höchsten Stätte und werden Hüter von Millionen Reichen.
43.10 Sie sind Genießende und Yogis; sie gelten als Welthüter. Sie genießen große Eigenschaften und sterben niemals, nirgends.
43.11 Sie werden zu den Allerbesten und zu Nektarspendern. Sie sind mit der Durchdringung befasst; sie sind Menschen, keine Gottheiten. [So die ausdrückliche Verneinung der Vorlage.]
43.12 Sie alle gelangen überallhin; sie sind Shivas und Diener. Sie sind meine Verehrer, Mahakala: So offenbart es meine eigene Überlieferung.
43.13 Wer deinem Fußlotos mit ganzem Bhava dient, wird wissend; die Zeit wird ihm untertan.
43.14 Wer mit dem Lebenswind verbunden ist und das Leben bewahrt, die Selbsttötung meidet, gelangt freudig in Brahmas Welt.
43.15 Der Meditation ergeben und von weltlichen Zwecken frei, erreichen dies sowohl Waldbewohner als auch Menschen, die nicht im Wald wohnen, Herr.
43.16 Wenn diese Menschen an einem einsamen, menschenleeren, von allen Hindernissen freien Ort die sechs Chakras durchdringen, haben sie Anteil an der Frucht.
43.17 Wer stets Mahakalas Frucht und den Weg der Guten wünscht, ist ein Yogi: Auf Erden weilend, wird er fähig, überallhin zu gelangen.
43.18 In allen Ländern stets verehrungswürdig, Herr von allem, rein und zweitlos, wird er augenblicklich von anfangloser und endloser Entfaltung, dessen Selbst die Zeit ist.
43.19 Ihre Praxis bewirkt rasch die gute Entfaltung der vollendeten Vidya. Nachdem man diese eigene Gestalt betrachtet und die eigene Stätte durchdrungen hat,
43.20 soll der in der Durchdringung Kundige Muladhara und Svadhishthana durchbrechen und als Einsichtiger die höchste Verbindung im Manipura herstellen.
43.21 Nachdem der Wissende Shri Krishnas Fußlotos geschaut hat, den ursprünglichen Götterherrn des Svadhishthana, mit Shakti verbunden und fleckenlos,
43.22 von Rakini-Radhika durchdrungen, höchsten Beschützer der drei Welten, im höchsten Raum wohnend, mit drei Gunas und von Wassergestalt,
43.23 an der Wurzel des Wunscherfüllungsbaumes wohnend, Shiva und Vishnu vereinend, wird sein Herz freudig. Furchtlos und überall schauend,
43.24 soll der stets übende Yogi Manipura betrachten: das große Zeichen, das Vollendungsfeld, erfüllt von Nektar.
43.25 Welche Frucht ein Mensch durch die Gabe von zehn Millionen Goldeinheiten, durch das Verschenken von zehn Millionen Kühen und das Speisen von zehn Millionen Brahmanen erlangt,
43.26 diese Frucht erlangt er durch die Meditation über das bezaubernde Manipura. Manipura ist die große Stätte, selbst Yogis nicht ohne Weiteres sichtbar.
43.27 Feiner als das Feine, höchst, durch die Erkenntnis der Wissenden zugänglich, nicht öffentlich zu offenbaren und höchst geheim, wird es durch die Vereinigung im Yoga erlangt.
43.28 Anandabhairava sprach: Für den Yoga ist dort der Lotos, der wie zehn Millionen Blitze leuchtet, mit zehn Millionen Feuern der Zeit verbunden und aus zehn Millionen Monden gebildet,
43.29 mit Strahlen von zehn Millionen Sonnen und weiteren Lichtern. Wodurch geht der Geist darin auf? Wie der Faden durch das Nadelöhr: Nur so ist es fruchtbringend und beglückend.
43.30 Was nirgends gesehen oder gehört wurde, davon gibt es keine Kenntnis, Schöne. Auf welche Weise kann der Geist dann dort verankert werden?
43.31 Wo Menschen nicht hingelangen, welche Frucht hat jene Gottheit dort? Wie sollte man diese Frucht kennen, und wie gelangt man zum Ungeschauten? [Die Verneinung ist in der Vorlage unregelmäßig.]
43.32 Woher kommt das Fehlen königlichen Gedeihens, woher die Schau des eigenen Zwecks? Woher entsteht Vollendung, und welche Frucht entsteht durch die Durchdringung?
43.33 Du kennst die Wahrheit, Götterherrin; offenbare dieses Verfahren. Anandabhairavi sprach: Alles, was du gesagt hast, ist sinnvoll, höchster Herr.
43.34 Höre zuerst die Reihenfolge, die sich auf den eigenen Yoga-Dharma stützt. Allein durch das Erinnern des Früheren wirst du im Leben befreit.
43.35 Die Einzelseele selbst, Hochbeglückter, geht bei den Wesen in Befreiung und Bindung ein. Diese Seele ist in Windgestalt von großer Kraft und Tatmacht.
43.36 Sie geht täglich, stets und immer wieder; aus eigener Natur kehrt sie unablässig zur Erde zurück.
43.37 Sie liebt verschiedene Haltungen und gestaltet verschiedene Formen. Sie liebt verschiedene Dharmas, ist rein und trägt doch unreine Gestalt; sie ist groß.
43.38 Sie ist Wohnstatt des Liebesgottes und Yogi; dieser Yogi kennt die höchste Wahrheit. Sie ist wissend und ohne Ich-Stolz, und als Körperträger besitzt sie doch Ich-Bewusstsein.
43.39 Alle Wohlgerüche liebend und unsichtbar, soll der Geheimniskundige sie betrachten. Er ist dann teil- und makellos, rein und stets der Meditation ergeben.
43.40 Wenn er im Selbst, im Weltenei, in Brahman, in dir, Shankara, ganz aufgeht und darin verschmilzt, wird dies großer Bhava genannt.
43.41 Dieser Bhava ist höchstes Wissen; das Gegenteil soll nicht behauptet werden. Er ist die ewige, freudvolle Stütze, frei von kurzer Zeitbegrenzung.
43.42 Wer die Verbindung mit dem äußersten Dharma erlangt, wird ein Yogi. Allmählich soll man voranschreiten; an jeder Stätte geschieht gute Schau.
43.43 An jeder Stätte wird man ein großer Vollendeter, im Dasein mit Nachkommen versehen. Was für Yogis eine lange Zeit ist, ist für die Sterblichen eine kurze Zeit. [Die erste Vershälfte ist uneindeutig.]
43.44 Durch das Halten des Atems wird man lange glücklich. Wie der erhabene Brihaspati und wie die Sonne, die den Tag macht,
43.45 so soll man Leuchten bewirken. Mit Millionen von Lobgesängen und Namen preise man und sättige dann mit großen Gaben der Reihe nach.
43.46 Geweiht, meditiere man erneut und verehre nach der Vorschrift mit geistigen Verehrungsgaben oder auch mit Gaben, die mit Svadha verbunden sind.
43.47 Von höchster Freude erfüllt, soll man die Pitha-Gottheiten vergegenwärtigen. Nach Betrachtung und Japa bedenke man Dharma und Adharma.
43.48 Den Geist verbinde man mit der Gottheit und setze sie auf den eigenen Pitha. Dann lasse man den entfalteten Lotos wieder versiegelt sein.
43.49 Nachdem der Einsichtige den sechsblättrigen Lotos zum Ruhen gebracht hat, trete er an der Blattspitze ein. Stets freudig und aus allem bestehend, mit den Namen der Veden und des Vedanta,
43.50 mit Millionen Lobgesängen gesammelt meditierend, setze er mittels der Auflösungs-Mudra an der Spitze des nach unten gerichteten zehnblättrigen Lotos ein.
43.51 Mahakala, nachdem die Spitze des sechsblättrigen Lotos eingesetzt ist, soll man weitergehen. Dann gelange man in die hell leuchtende Stadt des zehnblättrigen Lotos.
43.52 In die Mitte des Fruchtbodens eingetreten, wird man augenblicklich von dessen Natur. So darin aufgegangen und im Kundalini-Kreis gegenwärtig,
43.53 verwirklicht man alles sonst Unverwirklichbare in dem reinen Manipura. Wenn der große Pitha Manipura durch Meditation zugänglich geworden ist, Herr,
43.54 wird der Mensch durch das Verankern des Geistes von Bedrängnis befreit: ein geistiger Yogi, geistiger Genießer, geistiger Verehrer und geistig Junger.
43.55 Der Geist allein ist bei den Menschen Ursache von Rettung und Befreiung sowie Ursache aller Haltungen. Der Wissende soll diesen begrenzten Bhava aufgeben.
43.56 Alle Haltungen hinter sich lassend, nehme man beim großen Bhava Zuflucht. Durch Bhava wird Befreiung erlangt, durch Bhava Glück.
43.57 Diesen Bhava soll man stets entfalten; aus ihm wird man König der Yogis. Durch Bhava erlangt man Hingabe. Von den Sinnesgegenständen wende man sich zum Bhava.
43.8 [Zweite Zählung von Vers 8; im fortlaufenden Zusammenhang an der Stelle von 58.] Nachdem man die veränderlichen Sinnesgegenstände, die ohne Erkenntnis guten Tuns ergriffen werden, aufgegeben hat, nehme man beim göttlichen großen Pitha Manipura Zuflucht.
43.50 [Zweite Zählung von Vers 50; im fortlaufenden Zusammenhang an der Stelle von 59.] Der Wissende richte seinen Geist auf das große Yantra und lasse es entstehen: aus Edelsteinen gefügt und mit mannigfachen Juwelen geschmückt.
43.60 Einen guten Pitha, einen Kula-Pitha oder auch einen Linga-Pitha und den Shrividya-Pitha zeichne man und vergegenwärtige sie immer wieder.
43.61 Dann setze man in den voll entfalteten Lotos, an der Blattspitze des Sechsblatts, Mahavishnu ein und verehre ihn ganz gesammelt.
43.62 Nach Japa und Einswerden setze man ihn in Manipura ein. Den fest geformten, aufwärtsgerichteten sechsblättrigen Lotos soll man bewahren.
43.63 Dann richte man den Geist auf die höhere Stätte, die sehr hohe und oben schöne, und nehme Zuflucht bei Shakti und Rudra.
43.64 Dort betrachte man Shakti von Bewusstseinsgestalt und Bewusstsein in Rudras Gestalt, den glückverheißenden Rudra und die Offenbarung schaffende Raudri.
43.65 Mit Hingabe meditiere man immer wieder über den Herrn, dessen Samen aufwärtsgerichtet ist. Die auf dem aufsteigenden Weg Voranschreitenden sollen von den Yogis betrachtet werden.
43.66 Ich bin die Göttin, höchste Freude, Bewohnerin Manipuras und ebenso die erhabene Lakini-Shakti. Du bist Shri Rudra, daran besteht kein Zweifel.
43.67 Der große Gott hat Rudras Gestalt, Sarasvati hat Rudras Gestalt. Er steigt stets aufwärts, und diese Shakti steigt aufwärts.
43.68 Die Yogini, Mutter des Yoga, die den aufsteigenden Weg erhellt, und Maharudra, den großen Rudra soll man im ganz reinen Manipura betrachten.
43.69 Dann richte man den bezaubernden großen Lotos nach oben: Manipura, überaus schön und rein wie zehn Millionen Edelsteine.
43.70 Von der vollen Lichtgestalt unzähliger Herbstmonde soll man ihn nach oben richten. Dies geschieht durch den eigenen Bhava.
43.71 Wenn der nach oben gerichtete Lotos mit dem Yantra-Mandala verbunden ist, leuchtet er auf den überaus zarten Blättern und bewirkt höchstes Staunen.
43.72 Man salbe, verbinde und setze immer wieder ein und führe Maharudra sowie die glückverheißende Mutter der drei Welten herbei,
43.73 Rudrani, Rudras Shakti, Lakini, Zeugin der Welt. Man vollziehe das Anhalten des Lebenswinds und die Verbindung des Lebenswinds.
43.74 Nachdem man sie an einem Ort vereint hat, soll man die Vergegenwärtigung ausführen. Durch Bhava wird Befreiung erlangt; Bhava selbst ist dem eigenen Selbst lieb.
43.75 Den Geist dort verankernd und dort verweilend, vollziehe man Rudras Verehrung und ebenso die höchst wunderbare Praxis der erhabenen Göttin Lakini.
43.76 Höre, Bhairava höchster Freude, geliebter Gefährte! Niemand, der meine Unterweisung aufgibt, kann vollendet werden.
43.77 Durch die Verbindung mit der Kraft meines Gebots wird der Mensch vollendet. Großer Bhava ist die Wurzel der Befreiung, und Praxis ist die Wurzel der Befreiung.
43.78 In der Reihenfolge der Befreiung wird der Praktizierende mit der Zeit vollendet, allein durch meine Yoga-Reihenfolge und das Betrachten meiner Tantras.
43.79 Ein Einzelner wird gewiss Brahman-Yogi, Herr, doch nicht in allem [Lesung unsicher]. Alle werden rasch zu Yogis, daran besteht kein Zweifel.
43.80 Nachdem die Blätter klar gestaltet wurden, soll man dort Nyasa ausführen: den großen Yogini-Kula-Nyasa und den Vidya-Nyasa.
43.81 Man vollziehe jeden Nyasa, den eigenen Nyasa und das Netz der Erkenntnis. Den von geistiger Handlung erfüllten, von Süße durchströmten Körper,
43.82 das Selbst in Shiva-Gestalt, Vishnu zugehörig und mit Erkenntnis als Auge, betrachte man dort als eines in der Meditation des Wurzelmantras.
43.83 Nach der Meditation bereite man Arghya entsprechend der Reihenfolge des Kula-Kreises. Wiederum vergegenwärtige man das eigene Selbst als unbegrenzt.
43.84 Man meditiere über die Gottheit des eigenen Bewusstseins, die Kula-Gottheit, und verehre sie Tag und Nacht der Reihe nach mit Fußwaschwasser, Arghya und den weiteren Gaben.
43.85 Danach betrachte man ihr Gefolge und verehre alle vollständig. Dann gebe man Räucherwerk und Licht entsprechend der Vorschrift der eigenen Verehrung.
43.86 Beim Entzünden und den weiteren Handlungen vollziehe der Praktizierende Pranayama. Mit Hingabe meditiere er und wiederhole das Mantra für die Gottheit im Manipura.
43.87 Nachdem er die Mantrawiederholung ordnungsgemäß dargebracht hat, übe er erneut dreimal Pranayama. Er verneige sich mit Lobgesängen und Schutztexten und setze die eigene Göttin ins Herz ein.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über Vollendungsmantras, unter dem Namen „Verfahren der Durchdringung des Manipura-Chakra“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 43.
Kapitel 44: Lobgesang an Lakini und die drei Prinzipien
44.1 Anandabhairavi sprach: Höre, ich werde wahrheitsgemäß den Sinn des Durchdringens von Manipura erklären. Wer ihn kennt, tritt selbst als zuvor Verblendeter in das große Gefäß ein.
44.2 Die Menschen werden frei von Verblendung, werden Yogis und Unsterbliche. Als Übende von Samkhya und Yoga erlangen sie Himmelswandern.
44.3 Sie bewirken rasch die Vernichtung schwerer Verfehlungen und großer Feinde, in bestimmter Zeit, bei Feuergefahr, im Wasser, auf Bergen und im Wald,
44.4 und machen die Gottheiten für jene willfährig, die sie schauen möchten. Wer über den großen Pitha Manipura meditiert, übe Atemzügelung.
44.5 Nach der Vollendung der fünf Rauschtränke durchdringe er die Stadt. Die wahrhafte Mutter der drei Welten, Shiva, die Ursprüngliche, die dreifache Yogini,
44.6 erhebt sich aus Muladhara und geht in das sechsblättrige Nektarfeld. Nachdem sie das Sechsblatt erhellt hat, schreitet sie leuchtend weiter
44.7 in das große Chakra Manipura, die Stätte der Japa-Praxis der drei Welten, die begehrenswerte, liebliche, dem Geist liebe Wohnstatt der Vollendungen.
44.8 Dem Geist lieb ist die große Göttin, die allen Freude bereitet, Khechari, mit großer Freude geschmückt, Mantra-Yogini.
44.9 Sie gewährt Gnade und ist vollendet; so soll sie vergegenwärtigt werden. Sie ist die dichte Fülle der Freude und ganz reine Selbsterkenntnis.
44.10 Was wäre auf Erden nicht erreichbar, wenn man Manipura vergegenwärtigt? Man erlangt das Kleinwerden, Leichtwerden, Durchdringen und die großen, vorzüglichsten Vollendungen.
44.11 Ob Kaula, Vornehmster einer Gruppe, Wissender oder vortrefflicher Praktizierender: Wer Yoga übt, soll bei Manipura Zuflucht nehmen.
44.12 Wer gesammelt und rein den in Manipura wohnenden Gott preist, erweckt durch die Rezitation dieses Königs der Lobgesänge Kundalini.
44.13 Diese Göttin ist die höchste Maya, Shiva, in Manipura gegenwärtig. Sie leuchtet als Erwachte; dann wird das Mantra vollendet. [Die Verbform ist unsicher.]
44.14 Ist das Mantra vollendet, wird das Höchste erlangt: So bestimmt es mein Tantra. Wenn Menschen Bewusstsein und die Macht Kundalinis wünschen,
44.15 erkennen sie im eigenen Körper den unübertrefflichen großen Aufgang. Zum Bewusstwerden jener Gottheiten, Kula-Herr,
44.16 soll man täglich den großen Lobgesang zur Vollendung ausführen. Die Aufgaben der Vollendung und des Dharma erreicht man in Manipura.
44.17 Die Durchdringung der in Manipura Wohnenden ist Erkenntnispraxis; der fleckenlose Tausendnamen-Lobgesang bestimmt die Stoffe der Vollendung.
44.18 In Manipura suche man ewige und wunschbezogene Vollendung. Mit dem Bewusstsein des Lebensatems verehre man die eigene erwählte Göttin, die höchste Lakini.
44.19 Die eigene Gottheit soll man in der großen Wohnstatt Manipura verehren: die dort gegenwärtige Raudri, große Shakti mit großem Aufgang,
44.20 überall wandelnd, für Yoga geeignet, den großen Yogis lieb und höchst. Man verehre sie wie den Fußlotos der eigenen Göttin.
44.21 Nach ordnungsgemäßem Abschluss der Verehrung vollziehe man den Lobgesang der Göttin. In der Gestalt des Lebenswinds dient er der Vernichtung der Vollendungen. [Die Vorlage hat „Vernichtung“; eine mögliche Fehlüberlieferung wird nicht stillschweigend verbessert.]
44.22 Ein Lobgesang mit zehn Millionen Namen wurde von Brahma geschaffen, dessen Selbst die Gunas sind. Dieses Verfahren führt all das aus, wissender Shankara.
44.23 Durch die Gnade dieses Lobgesangs werden jene Yogis sehr kraftvoll. Er ist Erkenntnis für das Gefäß des Ich-Stolzes [Lesung unsicher] und Abwehr großer Krankheit.
44.24 So mehrt der große Lobgesang unmittelbar die Freude, schenkt Führung und Hingabe, ist rein und selbst den Reinen nicht ohne Weiteres zugänglich.
44.25 Wer betrachtet Shiva, die Mächtige, die Ursprüngliche im zehnblättrigen Lotos, Rudras Gemahlin, großäugig und fein, mit einer Krone aus Haarflechten samt Mond, dreiäugig auf einem mit dem geliebten Glanz von zehn Millionen Blitzen versehenen Sitz: die große Lakini, die Kala der zehn Blätter?
44.26 Sie ist schön durch die offenbare Vernichtung der Dunkelheit im Lotosstängel [Lesung unsicher], Freude des Kula-Feldes, Geberin der letzten Stufe und Lampenflamme, stets von Freudenform, die Eigenschaften des Weges hinwegnimmt, mit schönen Strahlen, dunkel in leuchtender Farbe und mit lieblichem Antlitz: Wer betrachtet sie?
44.27 Ihr Fußlotospaar offenbart sich im Ozean der erwartenden Freude. Von Raumfarbe, geliebt, der guten Verehrung durch die höchsten Götter zugewandt, bewegt und durchdringt sie das allerfeinste Tor. Sie ist den Menschen des freudvollen Tages-Yoga glückverheißend: Wer betrachtet sie?
44.28 Im Ayodhya-Pitha weilend, rötlich und begehrenswert, von Liebe verfließend, ist sie die große Raudri, Furchtbare, Liebesfülle von Hunderten von Sonnen; für die von großem Leiden Gequälten ein glücklicher Anblick, frei von begrenztem Bhava, Sati, Sita, ein neues Gefäß von Indras Fest: Wer betrachtet sie?
44.29 Wer verehrt die Shakti des Liebesgottvernichters – die Vorlage bietet hier eine alternative Lesung –, die berauschende Freude des Nektarmeers, Duftschaffende, Handlungsgestaltige, Yoga-Geeignete, in die Natur des irdischen Manipura Eingegangene; tätig an der Stätte des Gurus, gleichmäßig brennend und vorzüglich kühlend, dreifaches Prinzip und Kennerin der Wahrheit?
44.30 Man verehre Indra-Göttin und Rudra-Göttin: mit Gliedern von verwandelter Gestalt, glänzend wie zehn Millionen junge Sonnen, Kula-Stütze, Kern, Strom höchsten Nektars und vortrefflicher Sieg; von Gnade verhüllt und begierdelos, in den Gefäßen höchsten Nektars Heil verleihend, Freudenfülle aus den Händen der Mondgesichtigen.
44.31 Wer verehrt im gabenreichen Manipura Bhavani und Rudrani: Ruhe im Nektarmeer, Frieden der Erzürnten, Mitfühlende, im Wissen der drei Welten gegründet, Wohnstatt der Liebe und Fülle des Yoga, Schatten der Edelsteininsel, Kala der zehn Blätter, allein bestehend?
44.32 Wer betrachtet im Ozean der Gnade die von dreifachem Kim begleiteten Tochter [Lesung unsicher], vor der sich Kronen neigen, in Shivas Schoß, an der Wurzel, fest im ganzen Manipura, goldäugig und gestaltend, mit hundert Strahlenglanzformen, die Auflösung bewirken, spielerisch und mit den dem Fünfgesichtigen lieben Eigenschaften?
44.33 Mit freudigem Herzen soll man die als großer Lotos Bezeichnete betrachten, bewegt vom Geben allen Reichtums, im Herzen aus dem Nektarmeer wachsender, beweglicher Freude geboren: Geberin aller Eigenschaften, wonnevolle Kala, äußerste Feinheit, Verbrennerin der Finsternis und Geberin millionenfachen Reichtums.
44.34 Wer dieses Zehner-Lied täglich rezitiert, soll zuvor die glückspendende Shrividya unterhalb des Herzlotos betrachten und dann stets mit reinem Selbst rezitieren. [Der angekündigte Zehnerumfang ist in der überlieferten Versgliederung nicht eindeutig.]
44.35 Der König der Yogis sieht den Gott Rudra im Manipura. Wenn er Shambhu zusammen mit Rudrani schaut, wird er in einem Augenblick befreit.
44.36 Er selbst ist das im Leben befreite Selbst und wird den Yoginis lieb. Yoga-Selbst und höchstes Selbst ist er, unmittelbar „Nicht-Herr“. [So die Lesung „anīśvaraḥ“ der Vorlage.]
44.37 Nachdem er das reine, lichtstrahlende Manipura-Meer durchdrungen hat, gelangt der Yogi in die Nähe Shambhus, des Herrn der Handlung, der den Ishvara-Yoga kennt, und des Herrn der Shri,
44.38 sowie an die Stätte der Göttin, daran besteht kein Zweifel.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras und der Durchdringung von Manipura, unter dem Namen „Lobgesang an die Lakini-Shakti der drei Prinzipien“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 44.
Kapitel 45: Tagesordnung und Buchstabenmeditation im Manipura
45.1 Anandabhairavi sprach: Nun werde ich die zeitliche Reihenfolge erklären, zu welcher Zeit man König der Yogis wird. Zu jener Zeit findet die feine Sammlung und Ruhe der Lebenswinde statt.
45.2 Durch wiederholtes Sammeln wird man fest und selbstbeherrscht. In der Handlung bewegen sich die Yoginis, die Mütter des Yoga.
45.3 Was zu welcher Zeit zu tun ist, höre, Ozean des Kula von Sonnengestalt. Mit der Zeit wird das höchste, makellose Selbst zugänglich.
45.4 Wer wird ohne den Kern der Anwendung und ohne Japa vollendet, wissend oder ein Yogi, Shankara?
45.5 Durch die Verbindung von Übung und Mantra wird der Mensch allmählich ein Yogi. Morgens vollziehe man Erkenntnisreinigung und die Vergegenwärtigung Kundalinis.
45.6 Dazwischen soll auch der Yoga der fünf Unsterblichen und der weiteren Übungen ausgeführt werden. Danach folgt das Mantra-Bad, das Besprengen des Kopfes mit Wasser.
45.7 Anschließend vollziehe man jeweils die Sandhya-Verehrung. Dann stehe man auf und setze sich auf gutem Boden auf einen reinen, weichen Sitz.
45.8 Der stets Übende führe die Haltung zur Reinigung des Körpers aus. Während dieser Tätigkeit, Herr, vollziehe er stets die Meditation und das Bewusstmachen
45.9 Kundalinis, dazwischen die Mantrawiederholung. Die schönen Haltungen soll er in ihrer rechten und linken Ausführung üben.
45.10 Nach den Haltungen und den weiteren Übungen führe er zuletzt einen guten ruhigen Sitz aus. Danach folgt der aufwärtsgerichtete Lotossitz.
45.11 Unterhalb des Kopfes, zwischen den Haaren, werden die Hände aufgesetzt, während man das Mantra wiederholt. Vierundachtzig Haltungen in dreifacher Form und ebenso ihre Auflösungen werden genannt,
45.12 entsprechend jeder Haltung der Reihe nach, dann nochmals die doppelte Anzahl. Die Zählung dieser Haltungen und der weiteren Formen wird später erklärt.
45.13 Bei der Praxis der acht Glieder, Herr, sollen alle Haltungen dargelegt werden. Pranayama werde sechzehnmal oder zwölfmal und in weiteren Anzahlen ausgeführt.
45.14 Der Wissende soll den Atem stets so trinken, dass er dem eigenen Ohr unhörbar bleibt. Nach Abschluss dieser Handlung übe er Mantra-Yoga.
45.15 Nach Abschluss des Mantra-Yoga führe er drei Pranayamas aus. Dann stehe er auf, betrachte den Fluss oder ein anderes Gewässer und auch das innere Selbst.
45.16 Der große Yogi bade in der Reihenfolge des geistigen Bades und der weiteren Formen. Dort selbst schließe er geistige Mantrawiederholung und Japa ab.
45.17 Er vollziehe ein Pranayama und gehe dann als Einsichtiger ans Ufer. Gelb gekleidet, bedenke er Dharma und Adharma.
45.18 Nach der Sandhya-Verehrung vollziehe er das Verehrungsverfahren. Überall halte er den Atem an und vergegenwärtige immer wieder.
45.19 Im großen Pitha Manipura meditiere er über die Göttin, Herrin des Kula, verehre sie nach der Vorschrift und übe erneut Pranayama.
45.20 Dann soll der Fürst der Praktizierenden ordnungsgemäß Schutztext und Lobgesang rezitieren. Durch die Verbindung mit dem Prana in allen Handlungen wird man gewiss ein Yogi.
45.21 Auch zur Abwehr der Netze der Zeit soll diese von großen Sehern ausgeführte Handlung vollzogen werden, um die Bestimmung des Yoga zu vollenden.
45.22 Ohne die Gnade des Yoga wird die Zeit nicht beherrscht. [Die Verneinung ist in der Vorlage eingeklammert.] Mit der Zeit erlangt man Yoga und Yoga-Meditation zur eigenen Zeit.
45.23 Das höchste Brahman ist dem Yoga zugänglich; der Feindebezwinger ist dem Yoga unterstellt. Jede Vollendung hängt vom Yoga ab; darum soll man dort Zuflucht nehmen.
45.24 Durch Yoga erlangt man Erkenntnis, durch Erkenntnis Befreiung. Höre die Reihenfolge im Erdkreis, die Praxis aller Vollendungen.
45.25 Durch das Mantra der Vollendungspraxis wird der Yogi ein Erdherrscher. Rasch wird ein König zum Yogi, rasch ein Entsagender zum Yogi.
45.26 Rasch wird ein Brahmane zum Yogi, wenn er sich auf den eigenen Dharma stützt. Die Erkenntnis des Feststehens im eigenen Dharma ist wahre Erkenntnis des höchsten Selbst.
45.27 Durch diese Erkenntnis erlangt man Yoga; die Vollendungen hängen vom Yoga ab. Das höchste Brahman ist durch Vollendung zugänglich. Darum nehme man beim Yoga Zuflucht.
45.28 Man stütze sich auf jene Erkenntnis, die im eigenen Dharma feststeht. Aus der Vereinigung im Yoga entsteht Befreiung: So bestimmt es der Sinn meines Tantra.
45.29 Brahma ist Yogi, Murari ist Yogi, ebenso Maheshvara. Mahakala ist Yogi; der Kaula ist Yogi, daran besteht kein Zweifel.
45.30 Der Wissende soll sich stets um das Durchdringen von Manipura bemühen. Wenn er die in Manipura befindliche Gottheit durchdringt,
45.31 wird er in jedem Augenblick glücklich und bleibt gewiss lange bestehen. Hell leuchtend, schön und große Verblendung vernichtend,
45.32 wolkenähnlich und blitzgleich, ganz von höchstem Licht erfüllt, ist der Lotos aus Edelsteinen gefügt, eine wahre Edelsteinstadt.
45.33 Mit Sonnen-, Mond- und Feuersteinen von großem Glanz und mit weiteren solchen Edelsteinen ist er ganz vom Aufgang höchster Schönheit erfüllt.
45.34 Wie der Glanz von zehn Millionen Blitzen in einer dichten Regenwolke, so soll er betrachtet werden, durch die Erkenntnis der Vollendeten zugänglich.
45.35 Auf dem allerfeinsten Weg liegt diese ewige Stätte der Yogis. Der mit Edelsteinen geschmückte Lotos heißt deshalb Manipura.
45.36 Bezaubernd, mit zehn zarten Blättern, trägt er die Buchstaben von Da [retroflex] bis Pha und ist von beständigen Blitzen erfüllt.
45.37 Der von Shiva bewohnte Lotos bewirkt die Schau des Alls. Zuerst soll man in der eigenen Stätte über die Gestalten der Buchstaben meditieren.
45.38 Den Geist in den großen Lotos legend, vergegenwärtige man ihn rein. Durch die Meditation über die Buchstaben von Da [retroflex] bis Pha wird man in Erkenntnis fest.
45.39 Nachdem Festigkeit des Geistes erreicht wurde, erlangt man göttliche Hingabe. Ich werde die Buchstabenmeditation erklären; höre, höchster Herr.
45.40 Wer sie vergegenwärtigt, werde unsterblich und bleibe lange bestehen. Man vollziehe die Handlung mit großer Geduld und trinke den Atem allmählich.
45.41 Wohin immer der Geist geht, nimmt er augenblicklich dessen Natur an. Beginnend mit dem östlichen Blatt soll man über jedes einzeln meditieren.
45.42 Mit dreimal Dām [retroflex] wird die mit Dakini verbundene, an der vortrefflichen Damaru-Trommel erfreute Tarini von Tara-Gestalt angerufen; mit dreimal Dim die im Damara und im Trommelhaus Weilende, in einem lautmalenden Mantra gegenwärtig. Mit dreimal Dam: Herrin des Damara, Erzeugerin des „Dimi, Dimi, Dimi“-Klangs. Mit dreimal Dom und weiteren teilweise beschädigten Trommel- und Bijalauten nehme ich Zuflucht bei Dadima. [Die vollständige Lautfolge steht in den Sanskritfassungen; die unklaren Laute werden hier nicht als gesicherte Formel rekonstruiert.]
45.43 Mit dreimal Dhām wird die tiefe Dhakka-Trommel angerufen, die Fülle von Gaben schenkt und mit einem machtvollen Mantra verbunden ist; mit dreimal Dhim die Schlangengestaltige: „Verehre, verehre!“ Sie ist Offenbarung des Geistes reiner Freude. Es folgen Shrim, Dhem, Dham, Vajra-Dhum, Raumlaute, Svaha und weitere unsichere Bijas. Mit dreimal Dhom: die Dhakka-Trommel, die geliebte, von Mitgefühl und Liebe erfüllte Lakini. [Der Vers ist in seinen Laut- und Wortgrenzen beschädigt.]
45.44 Ich betrachte die in der Stätte des Pfeils Gegenwärtige, von schöner Lautgestalt, Pfeil und Rede [Anfang unsicher], die Vina, reich an Flötenfesten, mit Edelstein-Eigenschaften und Mitgefühl, kundig im Japa eines mit Nam bezeichneten Mantras; bei der Flöte weilend, hochgeschätzt, mit einer schwankenden Mantrakette aus Edelstein und Wind [unsicher], zinnoberrot und rein wie eine junge, neue Wolke.
45.45 Geist, verehre die erhabene Mutter, die Asketin Tara: rein im Netz der rettenden Mantras, Vollendung von Rhythmus und weiteren Künsten gebend, mit Ohrschmuck und großem Glanz, die den geistigen Yoga der Weisen trägt, die Höchste; Tara, Tulasi, Waage, Grenze des Körpers, aus Erwägung geboren, Tantrikerin, mit der Leuchtkraft von zehntausend Sonnen.
45.46 Ich verehre die eifrig Gegenwärtige, gut in ihrer Stätte Ruhende, Wanderin auf dem Weg des Bestands, Lautgefüge des Tha, mit Tha bekränzt; Gesang, Yoga, auch Abweg, als „Tha, Tha, Tham“ bezeichnete Feuergattin, mit festem Sitz; in der Mondlichtstätte, die feste Stufe bewegend, leuchtend und sitzend, Festigkeit selbst, durch Festigkeit bezaubernd, frischer Nektar des Pranava und mondfarben.
45.47 Mit Dram, Drim und Drum betrachte ich die mit langen Hauern, deren Zähne Furcht erregen, laut lachende Kula-Herrin; Vernichterin des Schirms der Fehler, Geberin der Stufe des Hinüberführens zum Himmel, in Achtung Gegenwärtige, leuchtend durch die Freude der Umarmung, Geberin allen Reichtums und Erleuchterin.
45.48 Nach der Meditation verehre ich die Vollendungs-Vidya: Dharma, Shri, Unterweisung in Meditation, Trägerin des Erdträgers, die rauchige Dhumavati, mit einem einer Dhustura-Blüte gleichenden Gesicht [Lesung unsicher], welche die Erde und den blauen Lotos in ihrer Lotushand hält; Nektar, der inmitten von Blitzen das Feuer von zehn Millionen Sonnen trägt, mit Kuckucksaugen, überaus fein, einzige Vollendung der Freude und Schatz des Erdenreichtums.
45.49 Ich betrachte die Ewige, dem Ewigen Ergebene, Dreiäugige, wie eine Bandhuka-Blüte leuchtend, fest mit dem Glanz unzähliger Sonnen, immer neu, mit zwei Lotushänden; die verschiedenste Kennzeichen tragende, im Strahlenreichtum des reinen Mondes gegenwärtige, freudvolle Bergtochter, in den drei Gunas wandelnd. Mit zweimal Nam wird dieser Glanz angerufen.
45.50 Geist, erreiche Parvati, die Uralte, in schönem gelbem Gewand: Zuneigung, aus Liebe bestehend, höher als das Höchste, vom liebsten Glanz erfüllt, die Volle, über den vollkommenen Eigenschaften sprechend, Fleisch liebend und die Fünfte; die bei Geschäften entstehenden Verfehlungen wegredet [Lesung unsicher], zum Trinken einlädt und Nektar trinkt.
45.51 Mit Sphem, Sphem und Samem [letzte Lautform unsicher] meditiere ich über die auf der Schlange Fahrende, mit Schlangenhauben, mit einem Antlitz wie ein entfalteter Lotos, deren Mund sich beim gewaltigen, vortrefflich schrecklichen Schakalruf öffnet. Mit dreimal Pham: die mit Schlangenarmreifen, deren Äußerung Pham ist, Frucht der einen Mantravollendung. Mit Hingabe meditiere ich gesammelt, um die Frucht des Wunsches zu erlangen.
45.52 So soll man alle Buchstaben inmitten der Blitzgestalt betrachten, von roter Blitzfarbe, auf den Blättern als roter Blitz aufsteigend.
45.53 Stets meditiere man über Kundalini, die in die Mitte des Fruchtbodens geht, mit einer Gaben spendenden Hand, großen Augen und mondgleichen Körpermerkmalen,
45.54 mit schönem Sandelholz an den Gliedern, mit einer Schlangenkette geschmückt, zweiarmig, mit Millionen Strahlen und leuchtendem Zinnober an der Stirn,
45.55 dreiäugig, in Zeitgestalt gegenwärtig: Lakini, die Auflösung schafft. Zur Praxis des Vollendungswegs betrachte man die zehn Buchstaben der Reihe nach.
45.56 Man betrachte sie vierarmig, sechsarmig, achthändig, höher und niedriger, als zehnarmige Göttin Durga, gut auf ihrem eigenen Fahrzeug sitzend,
45.57 alle Waffen tragend, alles umfassend, mit zwölf Händen geschmückt, als vierzehnarmige Raudri und ebenso als sechzehnarmige Beschützerin,
45.58 achtzehnarmig, dunkel und mit zwanzig Händen. Nach solcher Meditation und Verehrung rezitiere man Rudranis Lobgesang.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über Vollendungsmantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Darlegung der Buchstabenmeditation“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 45.
Kapitel 46: Lobgesang an Rudras Shakti Lakini
46.1 Anandabhairavi sprach: Höre, Bhairava, ich werde den höchsten Rudrani-Lobgesang erklären. Wer ihn hört, rezitiert und im eigenen Körper bewahrt, Götterherr,
46.2 wird ein großer Vollendeter und gewinnt Gewalt über Mahakala. Brahma und Vishnu priesen zum Schutz der drei Welten
46.3 die mit Rudra verbundene große Raudri und erlangten Sieg über alles. Als alle Weisen und Yogis, die den Yoga schauen, davon hörten,
46.4 wurden alle Götter zu Herren der Welten und Lebensbeschützern. Allein durch diesen Lobgesang erlangt Brahma sein Brahma-Sein,
46.5 Vishnu sein Vishnu-Sein und alle Gottheiten ihr Gottsein. Höre nun diesen Lobgesang, eine Praxis des achtgliedrigen Yoga.
46.6 Durch das Rezitieren dieses Lobgesangs werden die Kula-Gottheiten der acht Glieder und die in den sieben Himmeln befindlichen Gottheiten willfährig.
46.7 [Unnummerierte Einleitung:] Für diesen Lobgesang an die Shakti des großen Rudra ist Mahakala-Bhairava der Seher, Anushtubh das Versmaß und die erhabene Glücksgestaltige die Gottheit. Vam ist das Bija, Dram die Shakti, Samaum und Sphem das Siegel; Mahogra und die weiteren Gottheiten werden genannt. Die Anwendung bei der Mantrawiederholung dient der Erfüllung aller Wünsche.
Große Raudri, Fülle des rötlichen Zornes Rudras [Lesung unsicher], Verwandlung der Dharmas, nimm die Sinnesgegenstände hinweg! Schenke höchste Unterscheidung und einen guten Sohn, den ursprünglichen Purusha der Welten. Du bist die unbewegliche und doch mit beweglichen Augen versehene Fülle millionenfachen Glanzes. [Der Schluss ist beschädigt.]
46.8 Du allein bewahrst beständig die drei Welten; sei mir von glückverheißendem Wesen! Unendlich, die Kala der übersinnlichen Scharen, mit Schlangen bekleidet, lässt du deinen Strahl stets aufsteigen, um Glück zu geben, Shiva. Du Freude und Wonne Shivas, mache freudig meinen trägen Geist lebendig! [Die Schlusswendung ist unsicher.]
46.9 Nimm die große Gier und die Verfehlung hinweg, nimm sie hinweg, Hara, Diamantengleiche! Du brichst die Freude am Gift auf; verringere mein Gift, Herrin der Gestalten. Schenke Nektarfreude und Vernichtung; nimm den unvergleichlichen Zorn, Rausch, Begierde und Verblendung hinweg. Mutter des Kula, schenke das Göttliche!
46.10 Wenn du hier den wahren Bhava der Askese schenkst, wird mein Geist durch deine Gabe hell und vom Guten erfüllt. Geberin überreicher, erblühter Schönheit, siege! Die Wendung zu „meiner Hingabe“ ist beschädigt. Ich preise dich allein; gewähre stets Schutz den Menschen der Welt!
46.11 Nach Betrachtung deines eigenen Tantra schaffst du ewig verbundenes Glück, einem großen Schwert gleich, Schöpferin der drei Welten und Geliebte Rudras. Wenn du freudig die Götter in der Schar der Pithas beschützt, ist auf der lichtvollen Edelsteininsel, im Manipura, die reine Stätte.
46.12 Im großen Feld nimmst du die Furcht des Kampffestes hinweg, Kunst des Kula, Kirata-Frau und Allumfassende. Bewahre in der Auflösung das zu meinem Kula Gehörige! Schaffe im Herzen die Freude der Auflösungserkenntnis, Yoga-Mutter! Zum Schutz der Entsagenden steigst du auf, junge Kula-Frau, Vidya.
46.13 Festgegründet ist dein Ruhm; du steigst herab und rettest aus der Finsternis. Ich kenne deine Wahrheit nicht, Jugendliche, deine wonnevolle Größe. Bewirke Sieg im großen Ozean und über den Wasserherrn des aus Schätzen bestehenden Daseins [Lesung unsicher]. Du stehst in goldener Freude und bestehst aus dem Meer des Mitgefühls.
46.14 Du bewahrst den Schöpfer, Vishnu, die vorzüglichen Götter, Lobredner und andere Menschen, Vollendete, die das Zerbrechen der glücklichen Welt beendet. Freudvoll strahlst du Milliarden Strahlen in die drei Welten. Du allein, Glückverheißende, Geliebte des Bergherrn, beschütze stets!
46.15 Ich wünsche wahrhaft dein höchstes Glück, dessen Wesen Visarga, Mond und Laut ist und das Begehren genannt wird. Wirf den Blick der Gnade, Reine, schütze den Geist! Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.16 Du bist die Retterin der Welt, du durchdringst die Welt; du bist ihre Flammengestalt und ihre Dharma-Gestalt. Weil du nicht auf nur eine Seite begrenzt bist, bist du Freudenform. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.17 Ordne die Menschen, du Herrin, mit Nachtaugen und jenseits des Denkens [Lesung unsicher], Geberin geliebter Freude! Du weilst im Ajna-Lotos, du bist die Edle der Gurus. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.18 Im Lichtkreis gegenwärtig, im Aufgeben des Bestands gegründet, bist du eine Girlande von Landlotosen, eng um den Hals gelegt; von Shivas dunkler Farbe, großer goldbrauner Laut. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.19 In der vierten Offenbarung gegenwärtig, unbeweglich und im Mond weilend, bist du allein die große Veda-Sprache in der Welt. Mich, der im Bhava großer Hingabe Zuflucht sucht, [beschütze], Vollendete! Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.20 Du wirkst in der Wohnstatt der Welt und bist in ihrer Einsicht fest, in ihrer Jugend und ihrem Bhava gegenwärtig. Mich, der mitten im Wirbel heftig umhergeschleudert wird, [bewahre]! Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.21 In der zeitlichen Folge großer Schöpfung und Auflösung gegenwärtig, große Fleischesserin und stets von Freudenform, von den großen Shakya-Weisen und Fürsten des Schweigens und von den Göttern zu verehren: Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.22 Weil du die Freude der Lautmeere der vierundsechzig Tantras bist und die großen Elemente verkörperst, bist du die große Vollendungs-Vidya. Dein Körper ist von Täuschung abgeschnitten; die folgende Benennung ist beschädigt. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.23 Die Ursprüngliche, du schenkst Shiva-Sein und Größe, Gleichheit und Reinheit und dadurch Freiheit von einseitiger Begrenzung. Im Nektarmeer und in der großen Bezauberung gegenwärtig: Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.24 Auf dem Rücken des großen Löwen möge das Glück deiner Fußlotose meinen erhabenen Kopfkreis schützen. Im Weltalter der fortdauernden Daseinsfreude bewahre den Körper! Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.25 Fest ist sie, mit einer Kette in der Gestalt großer Blitze, äußerst beweglich und unbeweglich, aus Erkenntnis geboren. Durch beständige Vergegenwärtigung steht sie stets im Bekanntmachen. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.26 Bezauberung durch Kula-Freude, großes Kaula-Mädchen, Schutz des Kula-Feldes und Schöpferin des Kula-Schirms, durch große Beweglichkeit vom mächtigen Wind umgewirbelt: Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.27 Langlebige, Strahlende, Erd-Bija, Vernichterin von Furcht und Mangel, wie zehn Millionen Herbstmonde, Machtfülle, die Furcht verzehrt, Höchste: Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.28 Zuflucht des großen Vira-Bhava, Bhava-Gestaltige, große Shaiva-Heldin im Besonderen und Nichtbesonderen, strahlend als Laut der Zuflucht in Visarga und Befreiung: Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.29 Durch dein Wesen als große Fünfte, durch dein großes Erfreuen, durch dein großes Kaulika-Sein und deine Unbewegtheit, durch die Festigkeit der Handlung des liebenden Kula-Bhava: Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.30 Geberin der Vollendung der Vasus [oder: des Reichtums], Schöpferin von Shivas Freude, durch das Durchdringen der großen Freude geschlechtlicher Vereinigung und durch die Wahrheit des glücklichen Atems Schutz von Askese und Leben: Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.31 Durch die Wahrheit der Kula-Erkenntnis strömst du als Liebes-Bhava, Geliebte; du bist erhabene Gnade und Verkörperung der Daseinsstütze. Als Ursache großer Herrschaft bist du die große Königstochter. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.32 Wissen der großen Befreiung durch große Reinheit, Glanz des Fünffachbekrönten und Liebhaberin der Vollendung, erfreut an der Bemühung um den großen Nada und Bindu: Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.33 Durch deine Farbe wie große Koralle bezaubernd, weil du die Fäden der Kula-Freude und die weiteren Mittel verwirklichst, und weil du den Reichtum großen Reiches und Wissens vereinst: Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.34 Durch das Glück der Verehrung deiner beiden Fußlotose bist du selbst Mahakala-Gestalt und alles Wissen. Weil du die besondere Verbindung der Veränderungen und der weiteren Zustände bist: Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.35 Große Bergtochter, setze Shiva-Sein, Heil, Liebe, Höchstes-Sein und große Reinigung in mich ein! Durch die Wahrheit bist du von einseitiger Begrenzung frei. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.36 Durch großes Bewusstsein und göttlichen Klang [der Anfang ist beschädigt] bist du für unzählige Geister die vornehmste Verbindung des Geistes, Vernichterin des Widerstreits und des Lebens der Feinde. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.37 Den vierundzwanzig Zornesprinzipien entsprechend, mondhell im Bereich des Raumes, im Siegel gegenwärtig, möge die von der Farbe einer heftigen Sonne mich stets schützen! Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.38 Dein eigener glückverheißender Körper hat die Gestalt der Wunscherfüllungskuh. Bei steter Schau mit Vertrauen bist du schönfarbig, von der Farbe des Lichts von zehn Millionen Monden, doch nicht voll [so die Lesung]. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.39 Mit dem großen Kama-Bija verbunden, durchschneidest du das Netz großer Fehler und führst allmählich herbei: Shiva, Bhadrakali, Kette beständiger Freude. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.40 Beschütze stets Shambhu, der das große Kalakuta-Gift verschlingt, mit scharfem Blick und übermäßig von Furcht ergriffen. Weil du das Dasein bewahrst, hast du unzählige Wohnstätten. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.41 Das Giftvolle hinwegreißend, die Kala und den Ursprung tragend, rufend, tanzend, weit und umherziehend, bist du Bewahrerin des Glücks, Beschützerin und Mädchen. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.42 Um der Freude des Daseins willen, stets mit Vertrauen, inmitten des Fußlotos zur Zeit der geistigen Vereinigung, höchste Unzählbare, durch das Auswaschen des Begehrens: Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.43 Zur Aufhebung der Erderschütterung wirkst du als vollendete und weitere Vidya, reich an Kula, mit allreicher Antlitzgestalt und feiner Mitte. Du bemühst dich und schenkst die Freude des Vergehens. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.44 Wer große Standhaftigkeit gesammelt hat und deine ursprünglichen Namen am Morgen Kalis wiederholt – eine Wendung zu „ungeboren“ ist unsicher –, dem schenkst du schon zu jener Zeit Vollendung. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.45 Du lässt lange bestehen und lange leuchten; du bist die Benennung der Gurus, Wissen der Kula-Freude, durch den Svadha-Ruf befriedigt, Feuergattin in der Kala. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.46 Zur Zeit der Götterfreude trägt dein Kennzeichen die hervorgebrachte Frucht. Inmitten des Scheiterhaufens schenkst du große Vollendung. Dreifach unterschieden und vielfältig unterschieden, große Rudra-Vidya: Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.47 Große Ursprüngliche, Katyayani, an der Wurzel des Zorns schenkst du zuerst den Dharma der Unterscheidung und der weiteren Eigenschaften, um die drei Götter freudig zu schützen. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.48 Durch reine Offenbarkeit, großes Staunen und die Bezauberung durch Körpermeditation, durch das im Unendlichen Vollbrachte, bist du Selbst des Kula-Schutzes und Selbst der großen Kennzeichen. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.49 Du verbrennst das Kula und den eigenen Bereich der Feinde in einem Augenblick, als feine, allerfeinste Gute. Bewahre stets meine Freudenstätte, Shri! Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.50 Im vierten Lebensstand gegenwärtig, schütze die Lebensstätte, Rudra-Göttin, du von großer heftiger Glut, große Raudri, Glückverheißende! Durch die Vernichtung schwerer Verfehlungen und durch Unsterblichkeit: Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.51 Im großen Wind Liebliche, durch große Erkenntnis Erreichbare, in der Vollendung von Mantrawiederholung und weiteren Praktiken berühmte Göttin, schenke Auflösung durch das Abwehren des äußeren Windes! Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.52 Ich weiß es nicht; auch ein Unsterblicher, Vishnu oder ein großer Kaulika kennt die Verehrung nicht. In der ursprünglichen Kula-Haltung und bei der Rezitation durch die Götterfürsten [Lesung unsicher]: Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.53 Große Bhadrakali, sei fähig, meine Verlockung durch Offenbarung zu verwandeln und am Fußlotos die Entstehung großer Verfehlungen zu vernichten. Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.54 Den Schädel tragend, das Sinnlose zum Fallen bringend [Lesung unsicher], große Goldkette und große Erhellende, sei Shiva und Heil für mich, Herrin des Verdauungsfeuers! Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.55 Heftig und gnädig, bist du zur Vernichtung von Streit und weiteren Ursachen der Daseinserschütterung Frieden und volle Zufriedenheit. In einer bestimmten Zeit gegenwärtig, mit gnädigem innerem Selbst: Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.56 Zur Zeit der Handlung und Befreiung trinkst du den großen Wind; du schenkst Kula-Erkenntnis und hast Tagesgestalt. Verleihe Herrschaft, Geduldige, Wünsche Schaffende! Du allein bist als höchstes Brahman vollendet.
46.57 Wenn der Verehrer die Bitte „Erhabene, höchste Ursprüngliche, verleihe meiner Benennung Vollendung“ [Lesung unsicher] im Herzen festhält, erlangt er sie rasch. Wer stets bittet oder immer wieder einmal freudig rezitiert,
46.58 soll, Mahakala-Shambhu, durch große Erkenntnis vollendet, zur Beherrschung der Zeit stets einspitzig rezitieren. Er erlangt großen Hingabe-Bhava, Erkenntnis der Befreiung, Hingabe an den großen Gott und Yoga in den drei Zeiten.
46.59 Inmitten des Edelstein-Pitha vergegenwärtige man die Geliebte Maharudras, die große Lakini, Kundalini. Der Lobgesang, Brahmans Kern, bringt großen Verdienst, das Erlangen der großen Geliebten, Verdienst und Vollendung.
46.60 „Mahakali, Rudrani, Glückverheißende, Dunkle!“ – so vollziehe man die Praxis zur Offenbarung der Gestalt der Daseinsfreude. Wer Freude entfaltet und vollständig verehrt, große Göttin, Wilde, in deiner Meditation fest,
46.61 erlangt rasch den Bhava großer Befreiung, große Reinheit, die Vernichtung des Begehrens und Zeitgestalt.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über Vollendungsmantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras und in der Reihenfolge der Manipura-Durchdringung, unter dem Namen „Lobgesang an Rudras Shakti Lakini“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 46.
Kapitel 47: Mantras, Nyasa und Verehrung von Rudra, Rudrani und Mrityunjaya
47.1 Die erhabene Anandabhairavi sprach: Höre, Herr des Kailasa, die Anordnung des Lotos-Chakra-Mandala. Nimm aufmerksam die Größe des Durchdringens der sechs Chakras auf.
47.2 Dieses nicht öffentlich zu offenbarende Mantra durchdringt Manipura, dient der Verwirklichung der acht Herrschaftskräfte und schenkt Befreiung im Leben.
47.3 Ich erkläre es, Mahakala. Wenn Yogis es kennen, werden sie unsterblich. Allein durch die Ausführung der Handlung, durch diesen Yoga,
47.4 wird man allwissend und kennt alle Zwecke. Man meditiere über Rudra mit Rudrani, verehre sie vollständig und wiederhole das Mantra.
47.5 Nun werde ich das große Mantra und das Verehrungsverfahren erklären. Im Manipura gegründet, soll der Mantraübende Rudrani verehren.
47.6 Jetzt bilde ich das Mantra, Trinker des Kalakuta-Giftes: Zuerst spreche man den Pranava, danach das Wort Namah,
47.7 dann „te“, danach „Rudra“ und „rupinyai“. So wird Rudranis Mantra angegeben: Verehrung dir, die Rudras Gestalt besitzt.
47.8 Danach werde ich das Mantra Maharudras erklären; höre wahrheitsgemäß. Nach dem Pranava spreche man Namah, „te“ und „Maha“,
47.9 dann „Rudraya“. Dies gilt als Maharudra-Mantra: Verehrung dir, dem großen Rudra. Höre nun eine andere Form des Rudrani-Mantras, Herr von Zeitgestalt.
47.10 Man umschließe das Mantra am Anfang und Ende mit allen Buchstaben von Da [retroflex] bis Pha; ganz am Ende folgt die Feuergattin Svaha. Dies ist das vorzüglichste große Mantra.
47.11 Allein durch seine Wiederholung wird man in der Praxis der sechs Lotose siegreich. Auf diese Weise verfahre man auch mit Rudras Mantra oder nach einem anderen Verfahren.
47.12 Die vielfältigen Rudra-Mantras werden in Millionen Tantras bestimmt. Stets soll man im Manipura meditieren, um Yoga zu verwirklichen.
47.13 Überall sind Meditation und Verehrungsverfahren geistig auszuführen. Mit den als Pramoda bezeichneten Mantras und ebenso mit Mrityunjaya und weiteren
47.14 bewirke man rasch das Bewusstwerden der beiden Gottheiten im Manipura. Nun werde ich das große, Prasada genannte Mantra des großen Herrn Rudra, des höchsten Selbst,
47.15 erklären, das die Frucht der drei Welten vollendet. Es besteht aus dem „Sa-Ende“, verbunden mit Om und geschmückt mit Nada und Bindu.
47.16 Es wird Prasada-Mantra genannt, ein wunscherfüllender Edelstein für die Verehrer. Wenn man ihm den Pranava voranstellt und es mit Svaha am Ende wiederholt,
47.17 vollzieht man Stillstellung und weitere Wirkungen, daran besteht kein Zweifel. Oder man wiederhole das große Mantra des Todesüberwinders,
47.18 geistig, als eine das Leben schützende Formel. Tara, die Feste mit Ohr und Mond, Bhrigu mit Visarga bilden sie. [Die Lautverschlüsselung wird nicht als gesicherte Silbenfolge aufgelöst.]
47.19 Das Mrityunjaya-Mantra wird als dreisilbig bezeichnet. Oder man wiederhole das dem Todesüberwinder zugehörige Mantra nach einer anderen Weise:
47.20 Man nehme „Mrityunjaya“, danach zweimal „palaya“ – „Beschütze!“ –, dann nochmals „Mrityunjaya“ in umgekehrter Folge.
47.21 Dieses andere, zwölf Silben umfassende Mantra heißt Mrityunjaya. Höre Meditation, Verehrung [als eingeklammerte Lesung] und Nyasa; ich werde sie erklären, Shankara.
47.22 Mit dem Rudra-Mantra umschlossen, verbinde man das Todesabwehr-Mantra; ebenso das glückverheißende Mantra, vom Mantra Rudras Geliebter umschlossen.
47.23 Durch Wiederholung und Verehrung wird der Mensch ein selbstbeherrschter Beschützer. Nach den morgendlichen Verrichtungen lebe er von Opferspeise und zügele die Sinne.
47.24 Überaus aufmerksam und dem vorgeschriebenen Dienst ergeben, vollziehe er Bad und Sandhya und nehme die Haltungen und weiteren Übungen auf.
47.25 Nachdem alle Haltungen abgeschlossen sind, kleide er sich in ein gelbes Gewand oder in zwei schöne weiße Gewänder.
47.26 Er begebe sich zu einem weichen oder entsprechend vorgeschriebenen Sitz, wasche beide Füße und vollziehe zweimal die rituelle Mundspülung. Zur Verehrung sitze er im Svastika-Sitz,
47.27 Heldensitz, Lotossitz oder Yoni-Sitz und widme sich mit reinem Selbst dem Weg der Verehrung.
47.28 Alle Stoffe und Speisen können im Geist vorgestellt werden. Ob sie äußerlich fehlen oder vorhanden sind, ihre Reinigung im Geist
47.29 ist stets auszuführen; man vollziehe sie auch außerhalb seiner selbst. Welche Stoffe verfügbar sind, reinige man und verwende sie dort.
47.30 Danach übe man besonders das angenehme Pranayama. Mit vierundsechzig oder sechzehn Maßeinheiten
47.31 oder mit zwölf Maßeinheiten, entsprechend der Zählung, nehme man den Atem auf. Nach Abschluss des Pranayama vollziehe man Rudra-Nyasa.
47.32 Den Nyasa der großen Helden, beginnend mit Shrikantha, soll man sorgfältig ausführen. Ich werde Rudra-Nyasa zur Vollendung von Mantra-Yoga und den weiteren Praktiken erklären.
47.33 Wer diesen Nyasa ausführt, wird Rudra gleich. Stets vollziehe man den großen Nyasa, der alle Vollendungen offenbart.
47.34 Der große Nyasa wird ohne Shakti und mit Shakti beschrieben. Mit Shakti ausgeführt, wird man sehr kraftvoll und stark.
47.35 Auch ohne Shakti soll er ausgeführt werden, um alle Hindernisse zu vernichten. Im Matrika-Lotoskreis wird er mit den Matrika-Gruppen verbunden.
47.36 Das Mantra wird von den Matrika-Lauten umschlossen oder die Matrika-Laute vom Mantra. So soll der Mantraübende das Gefüge des Nyasa aufmerksam vollziehen.
47.37 Er wird tatkräftig wie ein Löwe; die Feinde fliehen bei seinem Anblick. Schweigend vollziehe er die Durchdringung des Kula-Kreises.
47.38 Im Manipura fest geworden, wird er von großer Leuchtkraft erfüllt. Ich werde ihre Namen nennen, einundfünfzig an der Zahl.
47.39 Höre ebenso die Namen der einundfünfzig Shaktis, Herr. Nach jeder Benennung spreche man „Ishaya Namah“ – „Verehrung dem Herrn“.
47.40 Je ein Matrika-Buchstabe wird dem Namen vorangestellt. Wenn der Name mit Shakti verbunden ist, soll die Endung Isha weggelassen werden.
47.41 Beim Durchdringen soll der große Entsagende den Nyasa mit Shakti ausführen. Zur Vollendung sitze er auf Kusha-Gras, darüber Fell und Tuch.
47.42 In einem fest eingenommenen Sitz soll der Yogi das Gefüge des Nyasa vollziehen; alternativ auf einem Leopardenfell oder auf einem weichen oder entsprechend geeigneten Sitz.
47.43 Der Yoga-Übende werde durch dieses Nyasa-Gefüge furchtlos [Lesung unsicher]. Wer in Bhadrakalis Haus beständig
47.44 den großen Nyasa ausführt, großer Gott, werde augenblicklich unsterblich. Er erlangt Lebensdauer, Gesundheit, Wohlstand und großes Glück.
47.45 Durch die Gnade des Nyasa-Yoga gelangt er zu meiner Stätte. Durch die Verbindung von Nyasa und Sammlung werde das Herz im Manipura gegenwärtig.
47.46 Zuerst werden die Namen genannt, danach die Verbindung mit den Shaktis: Shrikantha, Ananta, Sukshma und Trimurti,
47.47 Amareshvara, Arghisha, danach Bhavabhuti, Atithisha, Sthanvisha, Hara und Jhintisha,
47.48 Bhautika, Sadyojata, Anugraheshvara, Akrura, Mahasena und Nirjara: Dies sind die sechzehn.
47.49 Diese Götter, großer Rudra, verkörpern die sechzehn Vokale. Es folgen Krodhisha, Chandesha, Panchantaka und Shivottama,
47.50 Ekarudra, Kurma, Ekanetreshvara, Chaturanana, Ajesha, Sarva und Somesha,
47.51 Langalisha, Darukesha und Ardhanarishvara. [Die Vorlage fügt eingeklammert hinzu:] Umakantesha, Ashadhi, Dindisha, Atrisha, Minesha, Meshesha, Lohitesha, Shikhishvara, Chagalanda [Lesung unsicher], Dvirandesha und Mahakaleshvara. Danach Vanisha, Bhujangesha und Pinakisha,
47.52 Khadgisha, Charakesha, Shyena, Bhrigvisha, Nakulisha, Shivesha und Samvartakesha.
47.53 Diese Rudras sind genannt, zu allen Zeiten Kula-Herren. Bei denjenigen Namen, an deren Ende das Wort Isha nicht steht,
47.54 bilde man die Endung „kesha“ und führe den Nyasa des Scheitelherrn aus. Wer dies beständig zur Vernichtung von Begehren und Verblendung vollzieht,
47.55 verbinde die Namen mit Matrika-Buchstaben und setze sie an die Matrika-Stellen. Wenn der Nyasa mit Shakti geschieht, wird zu jener Zeit auch Isha verbunden; alternativ wird mit Rudras Shakti und ebenso mit Rudra umschlossen.
47.56 Oder man umschließe an den Matrika-Stellen mit dem eigenen Mantra, Herr. Mit Shakti verflochten, überquert man den Daseinskreislauf in einem Augenblick.
47.57 Höre diese Weise, Herr meines Lebens, geliebter Shankara: Purnodari, Girija, danach Shalmali,
47.58 Lolakshi, Vartulakshi, danach Dirghaghona, Sudirghamukhi, Gomukhi und Dirghajihva,
47.59 Kundodari, Urdhvamukhi, Vikritamukhi, Jvalamukhi, Vahnimukhi und Lolajihva,
47.60 und Vidyamukhi, Herr: Dies sind die Vokal-Shaktis. Nun werde ich die Shakti-Vidyas der mit Ka beginnenden Laute nennen, Herr Parvatis.
47.61 Mahakali, Sarasvati, Mahalakshmi, Dravini, Nagari, Khechari und Manjari,
47.62 Rupini, Bimbini, Kakodari, Putana, Bhadrakali, Yogini, Shankhini und Garjini,
47.63 Kalaratri, Kunjika, Kapardini [Lesung unsicher], Vajra, Jaya und Sumukheshvari, Herr,
47.64 Revati, Madhavi, Varuni, Vayavi, Vakshovidarini, Sahaja und Lakshmi, Herr,
47.65 Vyapini und Maya: die Gottheiten der Pithas in Rudras Schoß. Sie sind mit allem Schmuck versehen und von zinnoberroter Gestalt,
47.66 tragen Dreizack, Schädelschale, Pfeil, Speer und Schild, schenken Gaben und Furchtlosigkeit, sind ewig und haben Schlangen als Fahrzeuge.
47.67 Die großen Rudras, beginnend mit Shrikantha, tragen Dreizack und Schädelschale, Schwert, Schild, Speer, Pfeile, Keule und Stößel,
47.68 verschiedene Waffen, ewig, schön wie zehn Millionen Bandhuka-Blüten, mit rotem Sandel gesalbten Gliedern, fünf Haarkronen tragend und höchst,
47.69 mit großen roten Lotosgirlanden geschmückt und mit Lotushänden. Danach vollziehe man Pitha-Nyasa gemäß meinem Tantra.
47.70 Überall vom Wurzelmantra oder von Buchstaben umschlossen, führe man den Pitha-Nyasa aus. Ich erkläre sein ordnungsgemäßes Verfahren.
47.71 „Om, Verehrung Ananta!“ – im Herzen. Danach „Om, Verehrung dem Lotos!“ – ebenfalls im Herzen.
47.72 „Om, dem Sonnenkreis, dessen Wesen die zwölf Kalas sind“, danach Om und Namah – im Herzen, Herr. [Die Vorlage trennt die Bestandteile der Formel.]
47.73 „Om, Um, Verehrung dem Mondkreis, dessen Wesen die sechzehn Kalas sind!“ Überall soll dieser Pitha-Nyasa im Herzen geschehen, mit Aufgehen des Geistes.
47.74 „Om, Mam, Verehrung dem Feuerkreis, dessen Wesen die zehn Kalas sind! Om, Sam, Verehrung Sattva! Om, Ram, Verehrung Rajas!“
47.75 „Om, Tam, Verehrung Tamas!“ – auf den Staubfäden, beginnend im Osten. „Om, Tam, Verehrung dem Selbst! Om, Verehrung dem Alldurchdringenden!“
47.76 „Om, Am, dem inneren Selbst! Om, Verehrung Manonmani!“ Darüber spreche man die mit Namah schließende Anrufung des im Leeren Wohnenden.
47.77 „Om, Pam, dem höchsten Selbst!“ – mit Namah und „dem Zeitgestaltigen“. „Om, Hrim, dem Erkenntnis-Selbst!“ – mit Namah und „dem in den Lauten Wohnenden“.
47.78 Dann soll der König der praktizierenden Yogis die Pitha-Shaktis einsetzen. Man setze sie auf die Staubfäden des Herzlotos, beginnend im Osten.
47.79 „Om, Verehrung Vama!“ Danach „Om, Verehrung Jyeshtha! Om, Verehrung der Bezwingerin aller Wesen!“
47.80 [Unnummerierter, eingeklammerter Einschub:] „Om, Verehrung Raudra! Om, Verehrung Kali! Om, Verehrung Kalavikarini! Om, Verehrung Balapramathani!“ Eine zusätzliche Lautangabe im Schluss ist unklar.
Nachdem diese eingesetzt sind, Götterherr, vollziehe man den Nyasa in der Mitte, im Fruchtboden des Herzlotos, und vergegenwärtige.
47.81 „Om, Verehrung Manonmani!“ Darüber spreche man: „Om, Verehrung dem Erhabenen“, dann die Wörter „mit allen Eigenschaften, mit Shakti verbunden, Ananta“.
47.82 [Unnummerierter, eingeklammerter Einschub:] Danach „dem Selbst des Yoga-Sitzes, Verehrung!“ Dann vollziehe man den Nyasa des Sehers und der weiteren Bestandteile, großer Gott. Für Rudra-Shakti wird Vishnu als Seher genannt, und auch für Mrityunjaya.
Kahoda, der Sohn eines Weisen, gilt als dessen Seher: Wer das Mantra unmittelbar aus Maheshvaras Mund vernommen hat
47.83 und es mit reinem Selbst durch Askese verwirklicht, wird sein Seher genannt. Wegen seiner Lehrerwürde wird der Nyasa für ihn auf dem Kopf ausgeführt.
47.84 Weil es alle Mantraprinzipien umhüllt, heißt es „Chandas“, Versmaß. Da es aus Silben und Wörtern besteht, wird das Versmaß im Mund eingesetzt.
47.85 Weil die Gottheit alle Wesen aussendet und antreibt, befindet sie sich in der Mitte des Herzlotos; dort setze man sie ein.
47.86 Ohne Kenntnis von Seher und Versmaß trägt das Mantra keine Frucht. Wer seine Anwendung nicht kennt, bei dem werden die Mantras schwach.
47.87 Der Einsichtige vollziehe den Seher-Nyasa am Scheitel, den Versmaß-Nyasa am Mundlotos und den Gottheiten-Nyasa im Herzlotos.
47.88 Den Bija-Nyasa vollziehe man im verborgenen Bereich; das zusätzliche Wort „muka“ ist unklar. Den Shakti-Nyasa an den Füßen, den Kilaka-Nyasa sorgfältig am ganzen Körper.
47.89 Den Nyasa von Shiva und Shakti vollziehe man am Kopf. Zum Schutz des Lebens spreche man dort: „Verehrung dem Seher Mahavishnu!“
47.90 Am Mund: „Verehrung dem Pankti-Versmaß!“ Im Herzen: „Dem mit Shakti verbundenen Maharudra,
47.91 der Gottheit, Verehrung!“ Danach folgt der Hand-Nyasa. Nach dem Glieder-Nyasa soll man sorgfältig meditieren.
47.92 Mit dem Feuer und dem langen Bija vollziehe man die Gliederhandlung des Mantras. Ich werde Rudras Meditation erklären; durch Meditation wird man Erdherrscher.
47.93 Man betrachte den wilden Rudra, dessen Wesen Rudra ist, Prakriti und Purusha, mit tiefem Gesang als Benennung, Dreizack und Schwert tragend, Gaben und Furchtlosigkeit schenkend, einen Lotos haltend, heftig; bewegliches Strahlennetz, mit den Strahlen von hundert Monden, von Kamadhenu-Gestalt. Ebenso betrachte man Raudri, seine eigene Shakti, mit einem Körper aus Weltauflösung, leuchtend wie zehn Millionen Sonnen.
47.94 Nach solcher Meditation verehre man mit Blumen und vollziehe das Arghya-Verfahren. Mit dem Rudra-Mantra bereite man Arghya und führe die Pitha-Verehrung aus.
47.95 Vama, Jyeshtha, Raudri, Kali, die mit „Kala“ beginnende Vikarani und die mit „Bala“ beginnende Vikarani,
47.96 danach Balapramathani, Sarvabhutadamani und Manonmani werden Shivas Pitha-Shaktis genannt.
47.97 Man verehre die Pitha-Shaktis der Reihe nach mit Duft, Blumen und weiteren Gaben. Vorschriftsgemäß beginnen die Anrufungen mit Pranava und enden mit Namah.
47.98 Nach erneuter Meditation lade man die Gottheit ein und verehre vollständig mit Fußwaschwasser und Arghya: Fußwaschwasser, Arghya, Mundspülwasser, Badewasser und erneut Mundspülwasser.
47.99 Mit Duft, Blumen und Bilva-Blättern verehre man die erste Umhüllung. Die Verehrung der sechs Glieder beginnt mit „Vam, Verehrung dem Herzen“ und den weiteren Formeln.
47.100 In der Mitte und in den vier Richtungen verfahre man so; am Schluss spreche man zweimal. Nach der Verehrung der Welthüter, beginnend mit Indra, verehre man
47.101 [Versnummer in der Vorlage ohne Kapitelpräfix.] den Vajra und die weiteren Waffen, Mahakala, und bringe Räucherwerk und Licht dar. Man bereite reichliche Speisegabe und gebe Wasser zum Trinken.
47.102 Nach der Körperreinigung vollziehe man Pranayama. Der reine Mantraübende mit gereinigtem Geist wiederhole das Mantra dreihundertmal.
47.103 Man füge acht hinzu; danach wird eine mit „Elefantenende“ bezeichnete Tausenderzahl genannt [Zählung unsicher]. Oder man wiederhole hundertachtmal und vollziehe die Darbringung.
47.104 Zur Vollendung des eigenen Mantras vollziehe man drei Pranayamas. Danach verneige man sich, um Shakti bewusst zu machen.
47.105 „Verehrung dem Gott Rudra, dessen Gestalt zehn Millionen Sonnen und Monde sind! Verehrung dir, dem All, dem Wissensspender, dem Dreizackträger!
47.106 Verehrung dir, Kala-Rudra, der Zeit, dem Vedagestaltigen, der den Veda-Weg zeigt und die Feinde vernichtet!
47.107 Verehrung, Verehrung dem wilden, mit Shakti verbundenen Shankara, dem Vierarmigen, dem Veda, der Gestalt des großen Raums!
47.108 Verehrung Brahman, der Gabe, Lotos, Dreizack und Schwert trägt!“ [Die Vorlage setzt Auslassungspunkte.] Nachdem man Rudras Shakti zusammen mit Maharudra verehrt hat,
47.109 wird man in Manipura fest, wahrlich, wahrlich, Kula-Herr. Ich werde das Verfahren der Shakti-Verehrung erklären. Mit dem Wurzelmantra
47.110 soll der Mantraübende überall verehren, um die acht Herrschaftskräfte zu gewinnen. Zuerst erkläre ich den Seher-Nyasa; höre wahrheitsgemäß.
47.111 Am Kopf spreche man „Rudra-Shakti“, danach „Mahavishnu, dem Seher, Verehrung!“ Dann lege man die Hand an den Mund.
47.112 „Verehrung dem Pankti-Versmaß!“ Danach lege man die Hand aufs Herz und spreche „Maharudrani“, „Lakini“,
47.113 „Dreifach-Shakti, Mahavidya, der Gottheit Verehrung!“ Im verborgenen Bereich spreche man Om und „Verehrung deinem eigenen Bija!“
47.114 Am ganzen Körper: „Verehrung dem gesamten Vajra als Kilaka!“ So vollziehe man den Nyasa des Sehers und der weiteren Bestandteile.
47.115 Bei Hand- und Glieder-Nyasa verfahre man vollständig wie bei Rudra: zuerst der Nyasa des Sehers und der weiteren Bestandteile, danach die Reinigung der Hände,
47.116 der die Finger durchdringende Nyasa und der Nyasa von Herz und weiteren Stellen, danach der große sechsfache Nyasa von Rudra-Shakti.
47.117 Nach dem Mantra-Nyasa vollziehe man den umfassenden Nyasa, dreifaches Klatschen, das Binden der Richtungen und danach Pranayama.
47.118 Besonders soll man über Rudras Shakti meditieren, großer Herr.
47.119 Man meditiere über Rudrani, Rudras Geliebte, mit frischem Nektar verbunden, die Glieder mit Kumkuma bestrichen, Weltenherrin, sechsarmig, von den drei Welten verehrt, hell wie zehn Millionen Blitze; im Lotos sitzend, mit Lotos in der Hand, Gaben und Furchtlosigkeit schenkend, Schwert und Speer tragend, die dreiäugige Raudri, deren reine Glieder mit dem Bezwingen der Leiche und einer Mondreihe geschmückt sind. [Die letzte Verbindung ist unsicher.]
47.120 Rudras Shakti soll wie Rudra verehrt werden, Shankara: mit zehn oder mit fünf Verehrungsgaben,
47.121 mit achtzehn oder mit sechzehn und weiteren Gaben. Wenn diese nicht verfügbar sind, soll man sie geistig darbringen.
47.122 Überall kann man geistig verfahren; dies werde unzählige Male wirksamer. Nach ordnungsgemäßem Abschluss der Verehrung gebe man Wasser für Japa und die folgenden Handlungen.
47.123 Nach drei Pranayamas wiederhole man hundertachtmal oder wiederum tausendmal mit zusätzlichen acht Wiederholungen.
47.124 Der Wissende bringe den Japa mit den allergeheimsten Mantras dar. Danach vollziehe der vortreffliche Praktizierende drei Pranayamas.
47.125 Zur Vollendung des Yoga und der weiteren Ziele verneige man sich mit Hingabe: „Große Raudra, Verehrung sei dir! Lakini, Verehrung, Verehrung dir!
47.126 Dem Frieden und der Zufriedenheit stets Verehrung; Durga, Verehrung, Verehrung dir! Rudras Shakti stets Verehrung, Bewohnerin des Manipura!
47.127 Schenke die acht Siddhis und Yoga-Vollendung! Dir Verehrung, Verehrung, Durchschneiderin aller Knoten, Verkörperung des höchsten Brahman!
47.128 Beschütze mich, bewahre mich im Manipura, Verehrung, Verehrung!“ Nach solcher vorgeschriebenen Verneigung schließe man die Verehrung ab.
47.129 Dort verehre man erneut den großen Herrn, der Prasada heißt, und ebenso den Gott Mrityunjaya vollständig im Manipura.
47.130 Nach Pranayama und den weiteren Handlungen vollziehe man Shrikantha-Nyasa mit Purnodari und den übrigen Shaktis. Dann setze der Einsichtige den Pitha ein.
47.131 Nach dem Einsetzen des Pitha-Mantras vollziehe man Seher-Nyasa und die weiteren Nyasas. Vasudeva ist sein Seher; Pankti wird als Versmaß genannt.
47.132 Sadashiva ist die Gottheit. Der Finger-Nyasa lautet zunächst: „Ham, Verehrung den beiden Daumen“, danach „Hrim, den beiden Zeigefingern“, dann „Kham, Verehrung“; die sechs langen Vokalformen werden hinzugefügt. [Die Lautfolge ist unregelmäßig überliefert.]
47.133 So soll der Hand-Nyasa vorschriftsgemäß ausgeführt werden. Ein Shudra soll bis hierher verfahren; Feueropfer und weitere entsprechende Handlungen
47.134 soll er nicht ausführen, Herr Parvatis; dies gilt auch für Frauen. Wenn jedoch jemand wissend wird, Gott, ist er eine Gottheit und kein gewöhnlicher Mensch.
47.135 Selbst in einer Kaste wie der Chandala geboren, ist er dann ein höchster Brahmane. Der Wissende, frei von Streit und Gegenstreit, soll Nyasa ausführen.
47.136 Nyasa ist das Bewusstsein des Einswerdens. Mit dem Bhava „Ich bin Er“ soll man verehren. Dieser Mensch ist höchster Wissender, in Veden und Lehrtexten bewandert.
47.137 Für ihn gelten Nyasa, Verehrung und die weiteren Handlungen stets, daran ist kein Zweifel. Solange das Ich-Bewusstsein am Körper haftet, trägt man den Tod.
47.138 Wer davon frei ist, überwindet den Tod und hat Nyasa und Verehrung erfüllt. Mit dem Ha-Bija, versehen mit Bindu und den sechs langen Vokalen,
47.139 setze man der Reihe nach die Fingerpaare beider Hände ein. Der vortreffliche Praktizierende soll die fünf Gestalten, beginnend mit Ishana, einsetzen.
47.140 Danach verfahre man, großer Gott, oben, vorn, rechts und links. Mit den jeweiligen Fingern setze der Mantraübende an den Gesichtern ein. [Die Richtungsangabe ist hier verkürzt.]
47.141 Mit den entsprechenden Bijas setze man sorgfältig die jeweiligen Gestalten ein. Am Endbereich der Daumen: „Hau [beschädigter Laut], Ishana, Om, Verehrung!“ [Der unleserliche Bestandteil wird nicht ergänzt.]
47.142 Mit dem Ha-Bija samt Bindu und den sechs langen Vokalen folgen Tatpurusha, Aghora und Vamadeva,
47.143 dann Sadyojata, der Reihe nach an den beiden entsprechenden Fingern. Der vortreffliche Praktizierende vollziehe dies mit abschließendem Namah, höchster Herr.
47.144 Der Einsichtige setze am Kopf, Gesicht, Herzen, verborgenen Bereich und an den Füßen ein, mit den jeweiligen Fingern in dieser Reihenfolge.
47.145 Man setze die fünf Gestalten ein, Herr; höre ihre Weise. Die eigenen Bijas, beginnend mit Ishana, sind entsprechend einzusetzen.
47.146 Ein Shudra soll das Nyasa-Gefüge bis zu diesem Punkt ausführen. Danach folgt der Einsatz an den nach oben, Osten, Süden, Westen und Norden gewandten Gesichtern.
47.147 Ishanas fünf Kalas sind mit dem Brahman-Rig-Mantra und dessen fünf Abschnitten verbunden, Herr; sie beginnen mit Pranava und enden mit Namah.
47.148 „Ishana aller Wissensformen“, dann „Om, der Kala Nalini, Verehrung!“ So verfahre man überall der Reihe nach.
47.149 „Herr aller Wesen“, danach das zugehörige Wortglied; „Der Kala Daya, Verehrung!“ Dann folgt der mit Brahma beginnende Abschnitt.
47.150 „Om, der Kala Brahmeshtada, Verehrung!“ Danach „Shiva sei mir“ und „Om, Savitri,
47.151 der Kala, Verehrung!“ Dann „Sadashiva“, gefolgt von „Om, Amshumalini, der Kala“. [Die Formelglieder werden in der Vorlage nacheinander erläutert.]
47.152 An den in die Richtungen gewandten Gesichtern setze der Mantraübende in der mit Osten beginnenden Reihenfolge ein. Stets selbstbeherrscht, setze er Tatpurushas vier Kalas ein.
47.153 „Om, Tatpurushaya“, danach „vidmahe“ – „Wir erkennen jenen Purusha.“ Dann: „Om, der Kala Shanti, Verehrung!“
47.154 „Mahadevaya“, danach „dhimahi“ – „Wir meditieren über den großen Gott.“ Dann: „Om, der Kala Vidya, Verehrung!“
47.155 Danach „tanno Rudrah“ – „Jener Rudra [möge uns]“ –, dann „Om, Pratishtha“, „der erhabenen Durga-Kala, Verehrung!“ und „prachodayat“ – „antreiben“. [Die Nennung Durgas steht zusätzlich in der überlieferten Zuordnung.]
47.156 „Om, der Kala Nivritti, Verehrung!“ Danach setze man an acht Stellen die acht Kalas Aghoras ein.
47.157 Im Herzen, am Nacken, in der mittleren unteren Region, am Nabel, Rücken und an der Brust setze der Einsichtige die acht Aghora-Kalas ein. [Die Aufzählung der acht Stellen ist verkürzt.]
47.158 „Den Nichtschrecklichen“, dann Uma: „Der Kala Uma, Verehrung!“ Danach wird nochmals „den Nichtschrecklichen“ angegeben.
47.159 „Om, der Kala Moha, Verehrung!“ Nach dem Wort Aghora spreche man „Kshama,
47.160 der Kala, Verehrung!“ Dann „und den noch Schrecklicheren“, gefolgt von „Om, der Kala Nidra, Verehrung!“
47.161 „Von allen Seiten, alles“, dann Om und „der Krankheit, der Kala, Verehrung!“ Danach „allen“.
47.162 „Om, dem Tod, der Kala, Verehrung!“ Nach „Verehrung sei dir“ spreche man „Om, dem Hunger,
47.163 der Kala, Verehrung!“ Danach „den Rudra-Gestalten“, gefolgt von „Om, der Kala Krishna, Verehrung!“ [Die Mantraabschnitte sind in dieser ersten Darlegung unregelmäßig.]
47.164 Man setze die dreizehn Kalas des Gottes Vamadeva an diesen Körperlotos-Stellen ein. Höre die Weise, Herr.
47.165 Im verborgenen Bereich, an den Hoden, in der verbleibenden Mitte [Lesung unsicher], an beiden Oberschenkeln, beiden Knien, beiden Unterschenkeln und beiden Gesäßhälften,
47.166 an der Taille und an beiden Flanken setze der Betrachtende der Reihe nach ein. Zuerst spreche der Einsichtige den Pranava und erinnere dann das Mantra.
47.167 Nach „Vamadevaya“ folgt Namah, dann „Jyeshthaya“:
47.168 „Verehrung dem Ältesten; Verehrung Rudra; Verehrung der Zeit“, danach „Kalavikaranaya“,
47.169 „Verehrung dem Verwandler der Zeit, dem Verwandler der Kraft, dem Zertrümmerer der Kraft“. Dann „Om, Verehrung Vamadeva! Om, Vajra,
47.170 der Kala, Verehrung!“ Danach „Verehrung dem Ältesten! Om, der Kala Raksha, Verehrung!“
47.171 „Verehrung Rudra! Om, der Kala Rati, Verehrung!“ Nach „Verehrung der Zeit“ spreche man „Palini,
47.172 der Kala, Verehrung!“ Danach wird nochmals „Palini“ angegeben; anschließend „Kama, der Kala, Verehrung!“ [Die Wiederholung steht in der Vorlage.]
47.173 Nach „Verehrung dem Verwandler“ spreche der Einsichtige den Pranava und „der Kala Samyamini, Verehrung!“
47.174 Nach „Bala, Om“ spreche man „Krodha, der Kala, Verehrung!“ Danach „Verehrung Vikala“.
47.175 „Om, der Kala Vriddhi, Verehrung!“ Nach „Bala, Om“ spreche man „Sthira,
47.176 der Kala, Verehrung!“ Dann „Verehrung dem Zertrümmerer! Om, Raudra, der Kala, Verehrung!“
47.177 „Verehrung dem Bezwinger aller Wesen! Om, der Kala Bhramini, Verehrung!“
47.178 Nach „Namah, Om“ erinnere man „Mohini, der Kala, Verehrung!“ Dann „Verehrung dem Unmana“.
47.179 „Om, der Kala Jaya, Verehrung!“ Danach folgt, Mahakala, der Nyasa der Kalas Sadyojatas.
47.180 „Zu Sadyojata nehme ich Zuflucht. Om, der Kala Vriddhi, Verehrung! Sadyojata sei wahrlich Verehrung!“
47.181 „Om, der Kala Vriddhi, Verehrung!“ Danach „bhave“ – „im Werden“ –, dann „Om, Sadya,
47.182 der Kala, Verehrung!“ Danach „abhave“ – „im Nichtwerden“ –, dann Om und „Om, der Kala Medha, Verehrung!“
47.183 Dann „Nimm dich meiner an“, gefolgt von „Om, der Kala Prajna, Verehrung!“ Danach „bhava, Om“
47.184 und „der Kala Prabha, Verehrung!“ Dann „Verehrung jenem Werden! Om, Verehrung Sudha,
47.185 der Kala, Verehrung!“ So setze man die acht Kalas des Herrn ein. [Die überlieferte Liste ist in Zahl und Wiederholung nicht eindeutig.] Danach setze der Verehrer die fünf Ishana genannten Rig-Mantras ein.
47.186 Zur Vernichtung des Begehrens erfolgt dies der Reihe nach an den fünf Fingern, Yoga-Herr. Zuerst spreche der Einsichtige den Pranava und erinnere dann das Mantra.
47.187 „Ishana aller Wissensformen, Herr aller Wesen, Oberherr Brahmas,
47.188 Oberherr des Brahman: Shiva sei mir, Sadashiva!“ Nach vorangestelltem Pranava folgt das Tatpurusha-Mantra:
47.189 „Wir erkennen Tatpurusha und meditieren über den großen Gott; jener Rudra möge uns antreiben!“ [Die Vorlage erläutert die Satzglieder einzeln.]
47.190 Nach vorangestelltem Pranava erinnere der Einsichtige das Mantra: „Den Nichtschrecklichen und den Schrecklichen“, dann „schrecklich,
47.191 den noch Schrecklicheren, von allen Seiten, allen, allen Rudra-Gestalten sei Verehrung!“
47.192 An diesen acht Stellen, zur Beendigung aller Verfehlungen: an beiden Flanken, an beiden Händen, an der Nase, am Kopf
47.193 und an beiden Armen, großer Held, Durchdringer des Manipura. Ich werde das Verfahren erklären; höre aufmerksam.
47.194 Nach „Verehrung dem Zertrümmerer der Kraft“ spreche man „aller Wesen“, dann „dem Bezwinger, Verehrung“ und nochmals Namah.
47.195 „Verehrung dem Unmana!“ Danach erneut der Pranava: „Zu Sadyojata nehme ich Zuflucht. Sadyojata sei wahrlich Verehrung!
47.196 Im Werden, im Werden, im Nichtwerden nimm dich meiner an! Verehrung dem Ursprung des Werdens!“ Freudig setze man das Mantra ein. [Die überlieferte Wortfolge ist unregelmäßig.]
47.197 Mit den Fingern bringe man diese fünf Rig-Mantras herbei, Herr, und vollziehe in solcher Reihenfolge den Nyasa an diesen Stellen.
47.198 Am Scheitel, Herzen, verborgenen Bereich und an den Füßen setze man diese Verse freudig ein. Danach folgt, Mahakala, ein weiterer glückverheißender Glieder-Nyasa.
47.199 Ich werde seine Weise erklären; höre aufmerksam. Zuerst spreche man Vagbhava, danach das Kama-Bija,
47.200 den Va-Laut, verbunden mit „Feind“, rechtem Ohr und Mond, das Mond-Bija mit linkem Auge, Tha-Ende, Feuer und Mond. [Diese beschädigte Lautverschlüsselung erlaubt keine gesicherte Rekonstruktion.]
47.201 Dann allein das Mond-Bija und das Mantra mit Visarga. Nach „dem Allwissenden“ folge „dem Herzen, Verehrung“.
47.202 Nach „Unsterbliche“ das Kama-Bija, dann „mit einer Kette von Lichtflammen“ und „dem bereiteten Brahman“; so setze man ein.
47.203 Mit Svaha schließe man. Danach „mit leuchtender Flamme“, „zur ursprünglichen Erkenntnis des Haarschopfs“, „dem Haarschopf, Vashat“. [Die Wortgrenzen sind unsicher.]
47.204 „Dem Vajra-Träger, mit Vajra in der Hand, dem Eigenständigen“, dann „dem Schutzpanzer“, Tara und ein weiteres Bija.
47.205 Der Na-Laut mit Bindu, das linke Auge mit Bindu, das Wort „Pashu“, das Tara-Mantra und „der unendlichen Shakti“
47.206 werden mit „der Waffe, Phat“ verbunden. Nachdem der König der Yogis so eingesetzt hat, verbinde er den Geist mit Manipura und betrachte das höchste Bewusstsein.
47.207 Om. „Ich verehre den Herrn mit fünf Gesichtern in den Farben von Perle, Gelb, Wolke, Perlmutt und Hibiskus, jedes dreiäugig, mit Mondkrone, hell wie zehn Millionen Vollmonde. Er trägt Dreizack, Beil, Messer, Vajra, Feuer, Schlangenkönig, Glocke, Elefantenhaken und Schlinge und nimmt die Furcht hinweg; sein Körper leuchtet mit unermesslichem Schmuck.“
47.208 Nach solcher Meditation und vollständiger Verehrung mit geistigen Gaben stelle der Verehrende das Arghya auf und reinige es mit dem eigenen Mantra.
47.209 Danach vollziehe er die in der Shaiva-Lehre beschriebene Pitha-Verehrung, mit dem Pitha-Mantra als Abschluss. Er meditiere erneut und lade mit der Einladungs-Mudra und den weiteren Mudras ein.
47.210 Bis zur Darbringung von fünf Händen voller Blumen verehre er vollständig. Danach vollziehe er die Gesichtsverehrung.
47.211 Man verehre die Gottheiten von Shivas Umhüllung [Lesung unsicher]; höre die Reihenfolge. Im Nordosten verehre der Wissende: „Verehrung Ishana!“
47.212 Im Osten: „Om, Verehrung Tatpurusha!“ Im Süden: „Om, Verehrung Aghora!“
47.213 Im Norden: „Om, Verehrung Vamadeva!“ Im Westen nach dem Pranava: „Sadyojata,
47.214 Verehrung!“ Nach solcher Verehrung wird man Herr aller Vollendungen. In den vier mit Ishana beginnenden Bereichen verehre man Nivritti und die weiteren Kalas.
47.215 Nach dem Pranava: „Verehrung Nivritti!“ Ebenso verehre man sorgfältig Pratishtha, Vidya und Shanti.
47.216 Die Namen werden im Dativ mit Pranava am Anfang und Namah am Ende verbunden. So vollziehe man die Darbringung bei der großen Verehrung.
47.217 Inmitten des zehnblättrigen Lotos vergegenwärtige der Einsichtige einen achtblättrigen. Dort vollziehe er die Verehrung zur Vollendung des achtgliedrigen Yoga.
47.218 Mit Pranava am Anfang, Namah am Ende und dem Namen im Dativ verehre man den Herrn der Götter mit Duft, Blumen, ungebrochenen Reiskörnern und weiteren Gaben.
47.219 Man verehre Anantesha und Sukshmesha, danach Shivottamesha und Ekanetresha,
47.220 ebenso Ekarudresha, danach Trimurtisha. Mit Hingabe verehre man dort Shrikanthesha und Shikhandin.
47.221 An den äußeren Blattspitzen, der Reihe nach im Norden beginnend, sind die Gottheiten von Uma an zu verehren, jeweils mit Pranava am Anfang und Namah am Ende.
47.222 Nach der Göttin Uma verehre man Chandeshvara, Nandin, Mahakala, Ganesha und den Stier,
47.223 Bhringarita und Skanda samt Sohn [Lesung unsicher]. Außen verehre man der Reihe nach die Welthüter, beginnend mit Indra, mit Duft und Licht.
47.224 Der vortreffliche Praktizierende verehre auch den Vajra und die weiteren Waffen der Reihe nach. Es folgen Räucherwerk, Licht, Speisegabe, Trinkwasser und erneutes Mundspülwasser.
47.225 Mit der Auflösungs-Mudra setze man den Rudra-Gestaltigen oben ein. Die Handlungen reichen bis zur Entlassung und zur Verehrung des Ausgesonderten.
47.226 Nach Abschluss in dieser Weise beende man die Verehrung. Täglich soll der vortreffliche Praktizierende geistigen Japa, Feueropfer, Verehrung und Trankspende
47.227 mehren, ganz dem Hingabe-Bhava ergeben. Fünfhunderttausend Mantrawiederholungen gelten als dieses Purascharana.
47.228 Nach solcher Meditation wiederhole man das Mantra fünfhunderttausendmal. Der Einsichtige opfere honiggetränkte Karavira-Blüten im Feuer.
47.229 Stets kann geistig verfahren werden; wenn die Stoffe fehlen, übe man unablässig so. Das Feueropfer umfasse ein Zehntel der Japa-Zahl, die Trankspende ein Zehntel davon,
47.230 die Weihe ein Zehntel davon und die Brahmanenspeisung wiederum ein Zehntel. Als der Weise Narayana einst Japa und Praxis auf diese Weise ausgeführt hatte,
47.231 wurde er ganz von Sattva erfüllt, kühl und König der Yogis. Wer die Praktiken ausführt, werde bald unsterblich.
47.232 Am Ende der Verehrung, nach ihrem Rest und auch in ihrer Mitte soll der vortreffliche Praktizierende sich verneigen. Die abschließende Wendung zu Varuna und dem Herrn der Verfehlungen ist unklar.
47.233 „Om, Verehrung, höchstes Heil! Verehrung dir, der du die Welt entfaltest! Verehrung dir, Herr Parvatis! Geliebter Umas, Verehrung sei dir!
47.234 Dem Welt-Selbst, dem zu Betrachtenden, dem mit Eigenschaften und dem ohne Eigenschaften, dem Dharma, der Erkenntnis und Befreiung, dir, dem All-Yogi, Verehrung!
47.235 Verehrung dir von Zeitgestalt, dem Beschützer der drei Welten! Dem Vernichter Golokas, Chandesha, Verehrung sei dir! [„Vernichter Golokas“ steht so in der Vorlage.]
47.236 Verehrung dem Gott Sadyojata, dir, dem Dreizackträger, dem Ende der Zeit, dem Geliebten, dem Bewusstsein: Verehrung, Verehrung!
47.237 Dem Kula-Selbst, dem Kaula, dem Mondbekrönten, dir Verehrung! Herr Umas, dir Verehrung; dem Yoga-Herrn Verehrung, Verehrung!
47.238 Dem All, dem von allen zu Verehrenden, dem in Meditation Weilenden, dem Selbst der Eigenschaften, dem Lebensherrn Parvatis, dir, dem höchsten Selbst, Verehrung!“
47.239 Wer diesen Lobgesang rezitiert und den höchsten Herrn preist, gelangt zur Stätte von Rudras Kula; Manipura wird durchdrungen.
47.240 Durch die Rezitation dieses Lobgesangs wird Shankara erfreut. Der höchste Herr schenkt die ewige Stufe des Himmelswanderns.
47.241 Nun werde ich, großer Gott, Mrityunjayas Verfahren erklären. Wer es ausführt, wird vom höchsten Brahman erfüllt.
47.242 Wenn ein Mensch Mrityunjayas Mantra wiederholt, besteht er eine Milliarde Jahre und geht dann in Brahman auf.
47.243 In allumfassender Gestalt bleibt er bestehen, Sadashiva. Ich werde das Verfahren erklären; nimm es aufmerksam auf.
47.244 Zuerst erkläre ich die vorschriftsgemäße Verehrung aus ihrem Wesenskern. Man vollziehe den Nyasa von Shrikantha zusammen mit Purnodari.
47.245 Dann setze man dieses Paar mit der Fingermudra der eigenen Hand in die Mitte des Herzens ein, Götterherr; seine Darlegung folgt.
47.246 Mit Pranava am Anfang, Namah am Ende und dem Namen im Dativ vollziehe der Mantraübende den Nyasa, ganz dem Mantra-Bhava ergeben.
47.247 Zuerst Adhara-Shakti, dann Prakriti, danach Kurma, Ananta, Erde und Milchozean,
47.248 dann die weiße Insel und den Edelsteinpavillon, darauf am Wunschbaum den Edelsteinaltar, Herr,
47.249 und dort den Juwelenthron im Kreis des Herzlotos. An rechter und linker Schulter, am linken und rechten Oberschenkel,
47.250 am Mund, an der linken Flanke, am Nabel und an der rechten Flanke, mit Pranava am Anfang, Namah am Ende und dem Namen im Dativ,
47.251 vollziehe man überall Nyasa. Höre die Namen, Herr. Alles soll der Reihe nach geschehen; man soll sie nicht unterbrechen:
47.252 Dharma, Erkenntnis, Losgelöstheit und Herrschaftskraft, danach Adharma, Unwissenheit und Nicht-Losgelöstheit,
47.253 dann Nicht-Herrschaft. So setze der vortreffliche Praktizierende ein. Danach vollziehe der Einsichtige einspitzig erneut den Nyasa im Herzlotos.
47.254 Ananta und Lotos, dann mit Am der Sonnenkreis mit seinen zwölf Kalas und mit Sam der Mondkreis
47.255 mit seinen sechzehn Kalas, mit Mam der Feuerkreis mit seinen zehn Kalas, danach mit Sam Sattva,
47.256 mit dem Ram-Bija Rajas, mit Tam Tamas; mit Am setze der Mantraübende das Selbst ein: „Verehrung dem inneren Selbst“ mit Am.
47.257 Mit dem Pam-Bija das höchste Selbst, mit Maya: „Verehrung dem Erkenntnis-Selbst!“ Hat man bis hierhin eingesetzt, Götterherr, erlangt man Mantravollendung.
47.258 Im Manipura erlangt man Mantravollendung und jede Vollendung, wenn man stets den Nyasa vollzieht und Meditation und Verehrung ergeben ist.
47.259 Vama, Jyeshtha, Raudri, Kali, die mit „Kala“ beginnende Vikarani und Balavikarani
47.260 sowie Balapramathini setze der vortreffliche Praktizierende ein, danach Sarvabhutadamani und Manonmani.
47.261 Darüber setze man ein, Herr: „Om, Verehrung dem Erhabenen, dessen Wesen alle Eigenschaften sind, mit Shakti verbunden,
47.262 Ananta, dem Selbst des Yoga-Sitzes, Verehrung!“ Dieses mit Namah endende große Mantra setze der Einsichtige über allem ein.
47.263 Danach vollziehe der Praktizierende selbst furchtlos den Nyasa des Sehers und der weiteren Bestandteile. Höre sein Verfahren, Herr.
47.264 Am Kopf spreche man: „Verehrung dem Seher Kahoda!“ Darüber, Herr, spreche man „Mahavishnu,
47.265 dem Seher, Verehrung!“ Am Mund spreche man „Devi“, danach „dem Gayatri-Versmaß, Verehrung!“
47.266 Im Herzen: „Mrityunjaya, der Gottheit, Verehrung!“ Kahoda ist der Seher; das Versmaß wird als Devi-Gayatri bezeichnet.
47.267 Mrityunjaya, der große Gott, wird als seine Gottheit genannt. Man vollziehe Hand- und Glieder-Nyasa mit den sechs langen Vokalen,
47.268 verbunden mit dem Sa-Laut, Mahakala. Höre die Weise, Herr: „Sam, den beiden Daumen, Verehrung“, danach der Reihe nach weiter.
47.269 So führe man den Nyasa an Händen und Fingern aus, großer Herr, mit dem Mantra aus Sa, Bindu und den sechs langen Vokalen.
47.270 Hand- und Glieder-Nyasa folgen der Reihenfolge des Kula-Tantra. Danach meditiere man, ganz glückverheißendem Bhava ergeben.
47.271 „Ich betrachte Mrityunjaya, den Herrn der Wesen, dessen Augen Mond, Sonne und Feuer sind, lächelnd, zwischen zwei Lotosen ruhend, mit Händen, die durch Mudra, Schlinge, Antilope und Gebetskette glänzen, von Mondlichtfarbe. Sein Körper ist vom Nektar durchströmt, der vom Mond seiner Krone fließt, mit Ketten und anderem Schmuck hell; durch seine Schönheit bezaubert er das All.“
47.272 Nach solcher Meditation verehre man vollständig mit geistigen Gaben. Man stelle das Arghya auf und verwende die jeweiligen Mantras.
47.273 Der Praktizierende vollziehe die Pitha-Verehrung bis zum Pitha-Mantra. Nach erneuter Meditation lade der Mantrakundige mit dem Wurzelmantra ein.
47.274 Mit Fußwaschwasser und weiteren Gaben, durch Duft und Blumen geschmückt, verehre er. Nach fünf Darbringungen voller Blumen verehre er das Gefolge.
47.275 Auf den Staubfäden im Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten, in der Mitte und in den Richtungen dazwischen verehre man und spreche dort das Sa-Bija,
47.276 dann „dem Herzen, Verehrung“. Danach das Sim-Bija und „dem Kopf, Svaha“, anschließend das Su-Bija,
47.277 „dem Haarschopf, Vashat“ und die weiteren Formeln; dann das Saim-Bija, „dem Schutzpanzer“ und das Tara-Bija.
47.278 Zuerst das Som-Bija, dann „den drei Augen“, mit Vaushat als mittlerem Wort und den weiteren Bestandteilen; danach in den vier Richtungen
47.279 Sah, „der Waffe, Phat“. So verehre man. Nach der Verehrung der sechs Glieder verehre man außen
47.280 die Welthüter von Indra an und die Waffen von Vajra an, Herr. Man gebe Räucherwerk, Licht, Speisegabe, Trank und die weiteren Gaben.
47.281 Vorschriftsgemäß lasse man Musik erklingen, um Mrityunjaya zu erfreuen. Nach Abschluss aller Handlungen bis zur Entlassung in diesem Verfahren
47.282 führe der Einsichtige die Gottheit mit der Auflösungs-Mudra ins Herz. Mit erfreutem Herzen trinke er das Fußwaschwasser.
47.283 Allein dadurch, Götterherr, erlangt man alle Vollendungen. „Ich trinke das, was aus dem Lotos deines Fußpaares geflossen ist, und verehre dich.
47.284 Schenke stets Unsterblichkeit, Mrityunjaya, Verehrung sei dir!“
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, das Kapitel 47 mit dem Namen „Offenbarung der Mantras“.
Kapitel 48: Lobgesang an Rudra und Mrityunjaya
48.1 Anandabhairava sprach: Schöne, ich habe die verdienstvolle Praxis Maharudras gehört, seine Offenbarung im Manipura und die dargelegte Bestimmung der Erkenntnis.
48.2 Sprich nun den überaus geliebten Lobgesang, der unvermittelt Vollendung und Gedeihen schenkt, durch dessen bloßes Hören und Rezitieren die Yoginis willfährig werden.
48.3 Die erhabene Anandabhairavi sprach: Gottesherr höchster Freude, Gebieter der Yoga-Wege, Herr! Ich werde Rudras Lobgesang erklären, den Kern des Kerns, das Höchste des Höchsten.
48.4 Wenn alle Yogis ihn kennen, durchdringen sie die sechs Chakras, wandeln im Himmel und streben nach Himmel und Befreiung.
48.5 Alle sind dem großen Gott gleich, Gottheiten und Genießer des Himmels. Wer ununterbrochen diesen alles beschützenden Lobgesang rezitiert,
48.6 gelangt zu Brahmans Wohnstatt und ist auf Erden ein Vornehmster der Vollendeten.
48.7 Om. Ich verehre Shambhu, die Ursache von Glück und Befreiung, Rudra, dessen Glieder von der großen Shakti erfüllt sind, von Rudra-Natur, mit dem schönen Mond auf dem Haupt, die Zeit, den Herrn der Scharen, Shankara mit freundlichem Antlitz.
48.8 Ich verehre Mrityunjaya, den höchsten Lebensbeschützer, Shiva, den glückverheißenden Körper des höchsten Brahman, der den Glanz von zehn Millionen Monden trägt und inmitten zweier Lotose weilt.
48.9 Ihn, dessen Wesen alles ist, die Wurzel der Vernichtung des Begehrens, mit Mondkrone, Bewohner des Manipura, vierarmig, reich mit Erkenntnis-Mudra, Schlinge, Antilope und Gebetskette versehen,
48.10 den aus Erde Bestehenden, Feuerhaften, zehn Millionen Monde, Wind, Wasserherrn, von Raumgestalt und höchst: Rudra, in die Kula-Lakini eingegangen, Verbindung aller Glieder, Sieggeber, Götterherr, verehre ich.
48.11 Den Hellen, von großer furchtbarer Führung, den Uralten, dessen Selbst Prana ist, Wurzel der Vernichtung von Krankheit, Opfer-Selbst, Abwehr des Begehrens und Guru: den Weltenherrn Shankara, Shiva, verehre ich.
48.12 Den tiefsten Ursprung der Veden und Agamas, ihr Hervorgehen, dem Heil Förderlichen, Höheren und Niederen, Vernichter der Zeit, dem ewigen Brahman Lieben: Shambhu, der sich über Raum und die weiteren Bereiche erhebt, verehre ich.
48.13 Shivas Überlieferung, klangvoll, Lichtschaffend, von strahlender, heftiger Feuergestalt, Ergreifer und in den Planeten Gegenwärtiger, Erkenntnis Schaffender und Schrecklicher: Shambhu, Herrn der Prakriti, Hara, verehre ich.
48.14 Den Schatten und Yoga Schaffenden, Herrn des Glücks, Berauschten, reich an großen rauschvollen Kula-Festen, Herrn des Yoga, Schatz der Yoga-Künste, Ordnung und Sprecher der Vorschrift verehre ich.
48.15 Den mit dem Goldberg geschmückten Reingekleideten, Ursprung der Gabe von Segen und Furchtlosigkeit, den Geliebten mit Waldgirlande und reiner Girlande des Wurzellotos, das Kula, verehre ich.
48.16 Den aus sich selbst Uralten, Herrn der Menschen und Guru, der falsche Furcht und Freude sichtbar macht, verehre ich: den Bhava Liebenden, Träger der Liebeskunst, Shiva, Bergherrn mit schönen Fußlotosen.
48.17 Den Meditation Liebenden, tiefen Yoga der Erkenntnis, Glücksstätte, dem Glück Gleichen, mit guten Kennzeichen, mit Dreizack bewaffnet und dessen Glieder vom Dreizack geschmückt sind: Shri Shankara, der die Frucht der Befreiung bewirkt, verehre ich.
48.18 Verehrung, Verehrung den Rudra-Scharen, den Todesüberwindern, den im Kula Beweglichen und den Shakti Liebenden, dem Ursprung von Sieg und weiteren Kräften! Shiva, dem Gesegneten, Verehrung, Verehrung dir!
48.19 Den äußeren Dreizack, den höchsten feinen Bhava, den Großäugigen, der inmitten des Körpers geht, Samen der Vernichtung großer Gefahr und großen Leidens, Schöpfer von Einsicht, Mitgefühl und Schönheit verehre ich.
48.20 Den Vernichter der Städte, mit vollkommenem Körper, Guru, Feind des Liebesgottes, Ursprünglichen, eigenen Weg der Prüfung, anfanglosen Gott, der im Himmel Fehler vernichtet, die verdienstvolle Praxis des fünfsilbigen Mantras, verehre ich.
48.21 Den mit den Himmelsrichtungen Bekleideten, Lotosgesichtigen, in der Hand Gegenwärtigen, der Bestand, Handlung und Yoga verbindet, Bhava, dessen Selbst Bhava ist, mit glückverheißendem Körper: den fünfgesichtigen, sonnenfarbenen Shiva verehre ich.
48.22 Den aus Maya Bestehenden, zart wie eine Lotosgirlande, die Richtungen Durchdringenden, Stabträger und Herrn Haras, Dreiflügeligen, Bhava des dreisilbigen Bija, Wurzel der drei Lotose, mit drei Gunas, verehre ich.
48.23 Dem Wissensträger, dem Werk der Veda-Vorschriften, in den Körper Eingegangenen, durch geleiteten Klang Erfreuten, ewigen Ursprung der Früchte der vier Lebensziele, Faden der Veden und des Weiteren, dem Yoga verneige ich mich.
48.24 Den durch Vedanta Erkennbaren, Kundigen der Kula-Lehre, aus Handlung Bestehenden, Gabe des eigenen Yoga-Dharma, Herrn der Verehrer, der Hingabe Ergebene, Vortrefflichen, Verehrer und Schöpfer großer Einsicht verehre ich.
48.25 Kommen und Gehen, erreichbar und von unerreichbarem Bhava, mit leuchtendem Schmuck von Millionen Kalas, von Bhava-Natur und Bhava erfüllt, Glück und Unglück: den göttlichen Glanz, hell wie das erste Morgenrot, verehre ich.
48.26 Dem Gott von Bindu-Gestalt, der Einwände ausspricht, neu und zehntausend Mittagssonnen gleich, Geber der Machtfülle und Spender eigener Gaben, dessen Wesen Geben ist, verneige ich mich.
48.27 Den Kumbha Beseitigenden und Vernichter des Feindes Nikumbha, Dämonenfeind, Herrn der Kula-Geliebten, mit Liebe verbunden, zu Betrachtenden und von undenkbarem Bhava, die Freude des Lichtspenders, verehre ich.
48.28 Der Wurzel der drei Gestalten, dem Sieg, Shambhu, der zum Wohl der Welt einen Körper trägt, Verehrung! Herr, Vernichter der durch Furcht Abgetrennten [Lesung unsicher], Verehrung, Verehrung dem Träger des Weltkörpers!
48.29 Der Frucht der Askese, dem Ergreifer der Prakriti, dem Selbst der Eigenschaften, dem Vollendung schaffenden Yogi, dem Berühmten und von Mitgefühl Bewegten, dem Mehrer des Eifers für die Wunschfrucht: dir Verehrung!
48.30 Shiva, den unsterblichen Großen, der im vollkommenen Yoga ruht, durch die Lotushände der Erdträger wachsend, dreifache Schöpfung, Vernichter schlimmen Todes, selbst vom Tod verehrt, Menschenherr, von Brahma und Ganapati bedient: Ihn verehre und betrachte ich.
48.31 Der wissende Weise, dem Yoga ergeben, soll diesen Lobgesang täglich rezitieren, nachdem er den Guru des Weltenherrn immer wieder vergegenwärtigt hat.
48.32 Wer täglich, im Atem des Manipura gegründet, diesen Lobgesang rezitiert, ist im Leben befreit und erlangt am Ende des Körpers höchstes Nirvana.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, unter dem Namen „Lobgesang an Rudra und Mrityunjaya“ das Kapitel 48.
Kapitel 49: Lobgesang an Lakini
49.1 Anandabhairavi sprach: Zum Durchdringen der sechs Chakras und zur guten Vollendung aller Vollendeten werde ich den höchst seltenen Lobgesang der Göttin Lakini erklären.
49.2 Durch seine Rezitation erlangt der Entsagende höchste Zufriedenheit, Herr. Der Lobgesang ist vom Kern dieser Handlung erfüllt und Lakini lieb.
49.3 [Unnummerierte Einleitung:] Für diesen erhabenen Lakini-Lobgesang sind Mahavishnu und Kahoda die Seher, Gayatri das Versmaß; die große Vollendung schenkenden Mrityunjaya, Maharudra, Lakini und Sarasvati werden als Gottheit genannt. Die Anwendung bei Japa dient der Durchdringung von Manipura.
Om. Freudig verehre ich dich, Lakini, Geberin von Gaben, Gestalt der Bija-Silben, Leidensnehmerin, Edle, Siegreiche, Einsicht Schenkende, die Millionen Verfehlungen der Elenden vernichtet, Erkenntnisjuwel der Yogis, Ursprüngliche, Liebende, einzige Stätte der Freude an den Tugendscharen, die im Innern des Bestands ihr Spiel entfaltet.
49.4 Geberin der Vollendung durch Herambas Verehrung, in die Zweiheitlosigkeit Eingegangene, millionenfach leuchtend, strahlend und gestaltet, hell durch Strahlen, wonnevoll, deren Leben der Vedaklang ist; mit Kennzeichen des Zorns und Nichtzorns [Lesung unsicher], Zuflucht immer neuer Wunschbäume, Zweifel: So möge die schönfarbige Shri Lakini, Kankini, uns bewahren!
49.5 Schön durch Armreifen und Reihen reiner Halsketten, im Heldensitz fest, Gattin des Herrn Rudra, rein wie Koralle, mit Gesichtslotos und Girlande; Mutter der Yogis, Gute, höchste und jenseitige Stätte, von berauschendem Nektar umhüllt: Beschütze mich, du von Mitgefühl Erfüllte, der ich zu Yama gelangt bin, Todesüberwinderin, Shri-Trägerin!
49.6 Du zählst die begehrenden Kula-Gemeinschaften und vernichtest den Glanz der Feinde [Lesung unsicher], bist Mitgefühl, vertreibst das große Leid der Verehrer, bist mondgesichtig, mit Yoni-Antlitz, liebend und Wohnstatt der Liebe. Beseitige rasch die hundert Fehler unerfüllten Begehrens [Text gestört] und verleihe im Kampf die Stufe der Befreiung im Leben, die dem Gegner der Schöpfung lieb ist.
49.7 Du wirst vom Fünfgesichtigen verehrt, du bist die Dunkle, du bist der Weg der Bala-Vidya. Du bist Wahrheit, in Dichtungen Wort und Dichtkunst, du schenkst reine Freude. Du bist lackrot, du bist die Niedere, du löst das Linga auf. Du schenkst unmittelbar Nektar, du bist alterslos; du, Lakini, schütze mich!
49.8 Mit den Reichen mannigfacher glückverheißender Dharmas verbunden, Zuflucht des Erwachens der Eindrücke, im Linga gegenwärtige Bergtochter, im neuen Haus begehrend, Shiva: Bewirke rasch über meinem Linga die Vereinigung mit dem Rudra-Herrn und die Durchdringung der falschen Wege, Göttin, die Befreiung eilig bringt, mondhell wie Millionen Lichter.
49.9 Die in den Kalas des Mondglanzes ruht, der gleiche Schwall des Klangs, Maya, die Verblendung zerbricht, Mitgefühl, das schenkt, Krishnas Handlung, die Bezaubernde, Lakshmi von blauem Körper, schütze stets den Osten des reinen Edelsteins. Du bist jene furchtgebende Shrividya, die an meiner Nabelwurzel aufsteigt.
49.10 Maß, Wohnstatt von Mudra und Betrachtung, Bekränzte, Mantra-Wissen, Weltenherrin, ohne Schlaf, in Kälte, Wind und Hitze weilend, Wahrheit und Unwahrheit, im Entstehen der Rede gegenwärtig: Gauri, du allein bist die Mutter. Schütze meine Lebenskräfte! Bei dir, dem ersten Strahl, der Unendlichen, nehme ich Zuflucht.
49.11 Vollendet und unvollendet, Kala von Mond und Sonne, im einzigen Lotos gegenwärtig, Freude des Bestands, Glanz in der Mitte des beweglichen Augenlotos, stets den Weg des Vertrauens bereitend, Schöpferin und Wünsche Hinwegnehmende: „Verehre, verehre“ den Lobgesang der Nadis [Lesung unsicher]; ich verehre dich, Unendliche, in deiner eigenen Gestalt.
49.12 Gelb und nicht gelb, auf dem Wind Wandelnde, Yoga der Sammlung und Meditation, Zeit und Nichtzeit, Kala des Kali-Kula, teil- und gestaltlos, von Erkenntnisnatur, Krishnas Freude, Höhlung der Liebe, schielend oder Shankari: Du bist die Trägerin des Glücks. Ich werde vom weißen Lotos an der Nabelwurzel sprechen.
49.13 Weiß, mit hundert weißen und roten Händen beziehungsweise Strahlen, Vollendung der Erkenntnis durch Vergegenwärtigung, erfreut und unerfreut, überaus tief, von schönem Antlitz [Lesung unsicher], bist du jene Vidya, vorzüglich unter den Kundigen der Vorschrift, durch Sammlung und Erkenntnis erreichbar, lieblich und unlieblich, am Liebesspiel erfreut, Wolke: Schütze den Nabel!
49.14 Die geliebte Gefährtin als Ranke sanfter Bindung, welche den Wasser-Wald beseitigt [Lesung unsicher], Feld und Nichtfeld, im jenseitigen Gang, Offenbarung von Genuss und Befreiung; deren Augen Kaula und Nicht-Kaula bekannt machen, Überwindung, vom Wind bezaubert, bezaubert und unbezaubert: Du im Nabel des überreichen Herrn Weilende, bewahre den Nabel!
49.15 Hamsi, deren Füße auf dem Thron ruhen, Chakra-Wissen, Allerfeinste, Shrividya, in neuen Höhlungen Wandelnde, Sundari, Rotfarbene, guten Sinnes auf dem goldenen Lotos, Festgründung in der Mitte des Kreises, alle Buchstaben, Mitgefühl für das Gefolge: Schütze den Nabellotos!
49.16 Brahman-Freude, deren Glieder durch die große Verehrung der Königsscharen geschmückt sind, gesamte Entfaltung der erhabenen Shrividya, von großen Herrschern zu betrachten, in der Vollendungsstätte, im Edelsteinhaus, auf dem ursprünglichen Thron, im Lotos mit acht und zwei Blättern: Bewahre mich an der Nabelwurzel!
49.17 Shodashi, bei Bhairava gegenwärtig, schütze freudig meine Yoga-Erkenntnis, die zweifache Entfaltung, die Offenbarung des Veda-Wissens und meine acht Glieder. Du Mondmeteor, Furcht vor dem Dasein Hinwegnehmende, Kummer und Hitze Vertreibende: Beschütze den Gott, der im Nabellotos aufsteigt, Herrin!
49.18 Du bist wohlunterrichtet, von Entsagung und Mitgefühl [Lesung unsicher], kühl auf dem Schneeberg, unmittelbar die Fülle anderer Rede, zum Vollmond gehörig und die Abschnitte erfüllend. Beschütze die Blitzstadt, gleichmäßig von Glück erfüllt, du Fünfgesichtige! Als jene Göttin schaffe Kühlung im glückverheißenden Edelsteinhaus.
49.19 Du durchschneidest alle Sinnesgegenstände der Sänger des Samaveda, bist Mutter der Laute, Girlande, mit lackroten Strahlen, von Hirten und durch Rede verehrt. Mutter, beschütze mein eigenes Edelsteinhaus, feine Bhavani! Du Zuflucht des Waldortes, Sieg, Angiras mit wirkenden Händen [Lesung unsicher] und Annapurna!
49.20 Mondfreude, Geberin körperlichen Glücks, Langhaarige, Weite, du bist Matangi, Mutter der Welten, Mädchen und überaus Wilde. Im Mondlichtnetz steigt stets dein roter Sprachglanz auf. Beschütze meinen Rudra, den Körper von Hari und Hara, an der Nabelwurzel!
49.21 Unter dem Namen Vani schaffst du Sprache, Sundari, in der Beschreibung gegenwärtig, im Ende des Bestands, Trägerin eines beweglichen Körpers, unsterblich an der Verbindung der Stätten [Lesung unsicher]. Mit Körpern aus Erwachen, Freude und Natur durchdringst du alles, von Erkenntnis bezaubert. Mutter, schütze mein Edelsteinblätter-Haus, Wissen aller Glieder!
49.22 Vidya, Wilde, mit reiner heller Girlande, den Körper mit Sandel bestrichen, Weltenherrin, Bhagavati, Shiva, von unfehlbarer Auflösungsgestalt, Shambhus Gattin, zum haargeflochtenen Shiva gegangen, Befreiung schenkend und im Geist gegenwärtig: Mache den Geist hell und durchschneide die Sinnesgegenstände, Durchschneiderin!
49.23 Im Edelsteinhaus des Kula, das wie zehn Millionen Blitze leuchtet, schenke mir die Gabe der Furchtlosigkeit, Zornes-Vidya! Bewahre mich, den Schutzlosen, als Lebensgestalt und Genießer allen Glücks, an deiner Fußsohle haftend, höchste Herrin!
49.24 Um der tiefen Welt willen entstehen und vergehen die Körper; Brahma, Opfer, Götterherr, Mensch und die dreifache Schöpfung werden genannt. [Der Satz ist stark beschädigt.] In meinem Edelstein-Kula-Lotos siegt dann die Benennung der ewigen Gestalt und die Weise des wesentlichen Lobgesangs.
49.25 Lakini, Göttertochter, möge dies an deinem Fußlotos geschehen! Gestalte die Mantra-Lehre und die Weise vollendeter Mantras. Trage, trage den Bhava des Daseins, rette mich im Mondhaus! Shankari, vernichte die Härte des Herzens!
49.26 Nahe dem Lotoswald, mitten im Wald, höchst geheim, Kaulika, bewirke die Vernichtung der Sinnesgegenstände und ihrer Genießer. Setze den Ursprung auf deinen eigenen Edelstein-Pitha des Daseins und nimm die sechs Fehler und den Streit hinweg, Haras Geliebte!
49.27 In schrecklicher dichter Finsternis schenkst du mir die Schau des eigenen Kula, Gnädige; am Wunscherfüllungsbaum stehend, gibst du hier Heil, Anteil am Erbe und Ungeteiltheit. Du bist Kali, bei Nandini gegenwärtig, inmitten des Gefäßes von Führung und Mitgefühl, Maghaka [Name unsicher], die Furchtbare und Furchtvertreiberin, mit dem Blick auf Haras Füße. Lakini, bewahre den Nabel!
49.28 Der Wissende, Kenner des Yoga, ohne äußere Stütze, ein Held in großem Glück, soll diesen Lobgesang um der Entfaltung und Unsterblichkeit willen rezitieren.
49.29 Genuss und Befreiung liegen in seiner Hand; hier wird er König der Yogis. Im Jenseits gelangt er zum Fußlotos der großen Göttin, daran besteht kein Zweifel.
49.30 In diesem Leben schenkt die Wunscherfüllerin langes Leben. Im Manipura gegründet, gelangt er durch die Gnade des Kula-Weges weiter.
49.31 Durch den Kula-Weg erreicht er jene Stätte der Auflösung, den Ort der Weltenherrin. Darin aufgehend, schaut er gewiss die im Manipura befindliche Gottheit.
49.32 Am Ende der Verehrung rezitiere man diesen Lobgesang, ganz dem Hingabe-Bhava ergeben. Durch die Gnade des Kula-Weges wird man rasch ein Yogi.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, unter dem Namen „Lobgesang an Lakinis Herrn“ das Kapitel 49.
Kapitel 50: Die drei Haltungen und die fünf Unsterblichen
50.1 Anandabhairavi sprach: Geliebter Herr, ich werde die höchste Praxis der Vollendeten erklären. Allein durch ihre Ausführung wird der Mensch gewiss ein Yogi.
50.2 Drei Heldenformen werden dreifach beschrieben: höchste, niedrigste und mittlere. Ebenso besteht eine dreifache Verbindung: oben, Unterwelt und Erdenebene.
50.3 Sieben liegen oben, Herr, sieben auf der Erdenebene und sieben in der Unterwelt: dreimal sieben, einundzwanzig. [Die überlieferte Zahlwendung ist redundant.]
50.4 Darin besteht dreifacher Bhava in der Reihenfolge göttlich, heldenhaft und gebunden. Die Götter wohnen im Himmel, die Viras auf Erden,
50.5 die Pashus in der Unterwelt, der Reihe nach, Herr. Überall ist alles von den drei Gunas Sattva, Rajas und Tamas verhüllt.
50.6 Im Himmel herrscht Sattva; alle sind Vishnu ergeben. So stehen alle fest im Himmel. Auf Erden herrscht Rajas.
50.7 Alle sind dem Dienst an Brahma ergeben und Kenner Brahmans. In der Unterwelt dienen sie Shiva und haben Shivas Gestalt.
50.8 Aus Tamas entsteht die Pashu-Haltung. Nachdem der Praktizierende die Tamas-Sicht erfüllt und jene Erkenntnis hinter sich gelassen hat, wird er Vira.
50.9 In der Vira-Haltung erreicht er Erkenntnisschau und Brahma-Vollendung. Dann wird er rasch eine Gottheit, im reinen Bhava des Sattva.
50.10 Fest geworden, wird er der Reihe nach zum großen Gott. Die Vollendung des Himmelswanderns entsteht gewiss allmählich.
50.11 Unterhalb des Muladhara befinden sich die Bewohner der Unterweltebenen. Darüber in Brahmas Welt die Bewohner der Erde und der weiteren Bereiche.
50.12 Darüber liegt Svadhishthana, Wohnstatt des Sattva und göttliche Stätte, Offenbarung von Brahmas Wissen und Reichtum der vortrefflichen Gottheit.
50.13 Darüber liegt die höchste, allgestaltige Zuflucht allen Wissens, die jenseitige Stätte, großer Gott: das bezaubernde Manipura.
50.14 Das Chakra besteht aus Rudra und Shakti und ist das Mandala des Shrividya-Chakra. Lakini ist die höchste Maya, von Maharudra verehrt.
50.15 Zur Erhellung Manipuras leuchtet Rudras Shakti, erfüllt von aller Erkenntnisfreude, Entfaltung aller Vollendungen.
50.16 Aus allerfeinstem Klang besteht der Kreis, eine Erkenntnispraxis. Allein durch ihre Ausführung wird man Yogi, Bhairava.
50.17 Durch dieses Verfahren des Dienstes wird man Herr großer Vollendungen. Alle Menschen auf Erden sind zunächst Pashus wie jene in den unteren Ebenen.
50.18 Um ihre Erkenntnis zu erhellen, wurde der Vira-Bhava offenbart. Wer ihn freudig erlangt, wird der Reihe nach eine Gottheit.
50.19 Zu welcher Zeit der Mensch die Vollendung der Vira-Haltung und der weiteren Haltungen erreicht, werde ich bestimmen: Aus dem Vira wird eine Gottheit.
50.20 Nach einem Monat entsteht die Vollendung des Anziehens, nach einem Monat wird man Herr der Rede; nach drei Monaten entsteht durch die Verbindung der Liebling der Götter.
50.21 Im vierten Monat wird man den Richtungshütern sichtbar; im fünften wird man dem Fünfpfeiligen, dem Liebesgott, gleich, im sechsten Rudra, daran ist kein Zweifel.
50.22 In der Vira-Haltung gegründet, soll man stets beim Yoga Zuflucht nehmen. Der bezaubernde Vira-Bhava baut auf dem Pashu-Zustand auf, Götterherr.
50.23 Der göttliche Bhava baut auf dem Vira auf; durch den göttlichen geschieht Rudras Sättigung. Allein durch die Schau Rudras wird man gewiss im Leben befreit.
50.24 Welche Vollendung wäre auf Erden unerreichbar, wenn die Stufe der Befreiung im Leben erlangt ist? Der in der Pashu-Haltung stehende Mensch sammle seinen Geist.
50.25 Dann nehme er in der Vira-Haltung zuerst beim Yoga Zuflucht. Stets übe er Yoga, dem Mantra-Nyasa ergeben,
50.26 und erlange Yoga-Vollendung, Erkenntnisvollendung und danach Befreiungsvollendung. Wenn die von Lehrtexten verwirrten Pashus hier Befreiung wünschen,
50.27 sollen sie sich auf gleiche Erkenntnis und Vira-Bhava stützen und Yoga erlangen. Am Anfang der Yoga-Übung reinige man den Körper.
50.28 Zuerst sind die fünf Unsterblichen auszuführen, unabhängig von allen übrigen Tätigkeiten. Allein auf Yoga gestützt, soll ihre Praxis stets bestehen.
50.29 Zweifach ist das, was „fünf Unsterbliche“ heißt, Mahakala: Neti, Danti, Dhauti, Neuli und Kshalana
50.30 bilden die eine, bereits erklärte Form, höchster Herr. Auch in der Reihenfolge Danti, Neti, Dhauti, Neuli und Kshalana
50.31 soll man täglich verfahren, damit Yoga-Vollendung gedeihe. Während der Praxis der fünf Unsterblichen vollziehe man die eigene vorgeschriebene Handlung.
50.32 Zur guten Vollendung der fünf Yoga-Übungen werden fünf Heilpflanzen genommen: Bilva-Blätter, Jaya-Blätter, Blätter der dunklen Tulasi,
50.33 Nirgundi-Blätter und der Saft des Durva-Knotens. Ihre wesentlichen Namen werde ich nennen; höre, Shankara.
50.34 Amara ist das Bilva-Blatt; Amara auch das Vijaya-Blatt; Amaralata das knotige Durva-Gras; Nirgundi ist Amareshvari,
50.35 und Amara die dunkle Tulasi. Diese fünf pflanzlichen Unsterblichen sind zur Yoga-Vollendung erklärt. Höre ihre Mengen der Reihe nach.
50.36 Fünf Tola Vijaya-Blätter und von den übrigen je ein Tola werden genannt. Nach der rituellen Reinigung solle der Verzehr erfolgen.
50.37 Allein durch diesen Verzehr werde man in den fünf Yoga-Übungen siegreich. Erneut werde ich ihre Mantras wahrheitsgemäß erklären, Mahakala.
50.38 Die gesamte Mischung der Unsterblichen solle mit diesem Mantra verzehrt werden: ein Paar der als „Tata“ bezeichneten Laute, danach ein Paar des Ri-Lautes,
50.39 mit Visarga und Bindu versehen; danach „Nektargesichtige“, „den Tod“, zweimal „vernichte“, danach „Yoga-Vollendung,
50.40 gib, gib“, mit Svaha als Abschluss. Mit diesem höchsten Mantra pflücke man, besänftige durch Mantra und verzehre. [Die Anfangslaute sind verschlüsselt und unsicher.]
50.41 Das Mantra dieses Abschnitts soll dort verwendet werden. Höre nun den König der Nirgundi-Mantras, Bhairava; ich werde ihn erklären.
50.42 Dreimal das Kama-Bija, danach dreimal das Kali-Bija; dann „allen Yoga“, zweimal „vollende“.
50.43 Danach „Unsterblichkeit in mir, der Fähigen“, zweimal „übergib“. Mit diesem auf Svaha endenden Mantra solle man pflücken und verzehren. [Die Kasusverbindung ist unsicher.]
50.44 Man nehme das Bilva-Blatt; höre sein Mantra, Bhairava. Das Lajja-Bija, das Kama-Bija, dann das Shakti-Bija,
50.45 danach das Brahma-Bija und „Gaura-Sundari, setze mich in den großen Yoga ein; beschütze, beschütze,
50.46 du in Shankaras Liebe Verflossene“, mit Svaha am Ende. Das Tulasi-Blatt reinige und pflücke man mit folgendem Mantra:
50.47 „Vishnu Liebe, Mahamaya, Vollenderin von Shivas Yoga“, danach „Durchtrennung der Maya“, „das Dasein“, zweimal „nimm hinweg“.
50.48 „Unsterblichkeit gib, gib!“ – mit Om am Anfang und Svaha am Ende. Höre nun die vierfache Reinigung des erhabenen Vijaya-Blattes.
50.49 Die vier Farben beziehungsweise Kasten reinige man mit ihren eigenen Mantras, Kula und Akula umfassend. Ich werde die Reihenfolge erklären; höre aufmerksam.
50.50 Zuerst spreche man den Pranava, danach das Göttinnen-Bija. Das Mantra endet mit Svaha; der Einsichtige reinige damit und verzehre.
50.51 Nachdem alles vereinigt ist, großer Gott, spreche man darüber dieses Mantra: „Unsterbliche“, „Nektar“, danach „daraus Entstandene“.
50.52 Das Shri-Bija, das Manmatha-Bija und zweimal das Lajja-Bija folgen der Reihe nach; danach: „Vijaya, Erkenntnisschöne,
50.53 Geberin von Yoga und Befreiung, Körperreinigerin, Reinigende! Mir Körpervollendung gib, gib!
50.54 Nektar Regnende, ziehe Nektar herbei, ziehe ihn herbei, gib Vollendung, Geliebte des Feuers!“
50.55 Mit diesem Mantra soll gereinigt und aufmerksam verzehrt werden. Weder weniger noch mehr solle genommen werden; allmählich solle die Gewöhnung erfolgen,
50.56 bis die festgelegte Menge erreicht ist, nicht darüber hinaus. Nach diesem Verzehr solle Milch getrunken werden.
50.57 Höre die Weise, Herr meines Lebens, Ishvara, Shankara. Nach der Reinigung von Pfefferkörnern soll die Milchreinigung erfolgen.
50.58 Dieses Verfahren ist zweifach; ich werde es erklären. Man meditiere immer wieder über den Guru an der Wurzel des Wunscherfüllungsbaumes
50.59 und verehre ihn vorschriftsgemäß mit geistigen Gaben. Ein halbes Tola Pfeffer solle mit diesem Mantra gereinigt werden:
50.60 Man nehme Shri Krishnas Bija und dreimal das Erd-Bija, danach „Schreckliche, noch Schrecklichere, Schöne des Pfeffer-Kula!
50.61 Werde du dunkel in meinem Körper; reinige meinen Körper, reinige!“ Das Mantra endet mit doppeltem Tha. Danach folgt die Reinigung der Milch.
50.62 Zuerst werde Pfeffer gegessen, danach Milch getrunken, was große Kraft verleihe. Nach dem Kauen des Pfeffers sei das Milchtrinken von großer Kraft.
50.63 Man nehme Krishnas Bija, danach Kameshvaris Mantra, zweimal Shivas Bija und „Bewohnerin des Gewebes der schwarzen Kuh,
50.64 Yoga-Gestalt, Vollenderin meines Wunsches“, danach „Herrin der Yoga-Vollendungen, Bewohnerin des Feldes,
50.65 bewege meinen Körper und sein Gewebe, bewege; wehre die Hindernisse ab, wehre sie ab!“ Dieses große Mantra endet mit Svaha. [Die Wendung zum Körpergewebe ist unsicher.]
50.66 Man spreche es zwölfmal oder fünfmal oder reinige freudig dreimal; dieses Verfahren gilt überall.
50.67 Wer die Milch trinkt, erlange Himmelswandern. Die Milchmenge wird als „zweifüßig“ beziehungsweise zwei Teile bezeichnet; bei ausschließlicher Milchernährung werden vierzehn Prastha genannt. [Die Maße und der erste Satz sind unklar; dies ist keine rekonstruierte Dosierungsangabe.]
50.68 Wer wenig isst, großes Wissen besitzt und die Losgelöstheit von der fünften Praxis und den weiteren kennt, verbinde den Geist mit Manipura und werde unsterblich.
50.69 Die vier Lebensziele liegen in der Hand dessen, der beim Edelstein-Pitha Zuflucht nimmt. Der erhabene Anandabhairava sprach: Zum Durchdringen des Manipura, zur guten Vollendung der geistigen Vereinigung,
50.70 zur großen Yoga-Vollendung des Himmelswanderns und der weiteren Kräfte, zur Vollendung von allem durch die Schau des Gottes Mrityunjaya und Rudras Shakti,
50.71 zur Festigkeit auf dem Pitha und zur Beherrschung des Netzes der Zeit: Erkläre die tausend Namen-Bijas mit den zusätzlichen hundertacht,
50.72 den aus Ma-Lauten gefügten Lobgesang Mrityunjayas und Lakinis, Schönhüftige, wenn du Zuneigung zu mir hast.
50.73 Erkenntnisgeberin, höchste Herrin, möge er meinen Körper schützen!
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über Vollendungsmantras, unter dem Namen „Offenbarung der Edelstein-Durchdringung“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 50.
Kapitel 51: Die Namen von Mrityunjaya und Lakini

51.1 Anandabhairavi sprach: Nun werde ich zum Durchdringen der sechs Lotose den glückverheißenden Tausendnamen-Lobgesang des Gottes Maharudra, des erhabenen Mrityunjaya,
51.2 zusammen mit der Lakini-Shakti erklären, mit weiteren hundertacht Namen versehen, verborgen und zur Vollendung des Bhava bestimmt.
51.3 Durch Bewahren, Rezitieren oder Hören dieses glückverheißenden Namenstextes [entsteht Vollendung]. Höre, höchste Freude, Yoga-Herr, Mondbekrönter!
51.4 Aus Liebe zu deiner Freude, zum Erlangen allen Gedeihens und zur guten Vollendung des Edelstein-Yoga: Nimm es aufmerksam auf.
51.5 [Unnummerierte Einleitung:] Für den glückverheißenden Tausendundacht-Namen-Text ist Kahoda der Seher, Gayatri das Versmaß; Maharudra-Mrityunjaya, Lakini und Sarasvati sind die Gottheit. Die Anwendung dient allen erwünschten Zielen und der Yoga-Vollendung des Shachi-Pitha. [Titel und Zahlformulierungen schwanken in der Vorlage.]
Om. Mrityunjaya, Rudra und die weiteren Gestalten; Lakini und die weiteren Gestalten, Sarasvati; Todesbesieger, große Raudri, Sarasvati des großen Rudra.
51.6 Großer Rudra, Todesnehmer, mit großen Edelsteinen Geschmückte; großer Gott, großes Antlitz, Mahamaya, große Herrin.
51.7 Großer Held, Mahakala, große Chandeshvari, Schwiegertochter; großer Wind, große Durchdringung, Virabhadra, sehr Bedrängte.
51.8 Großer Chandeshvara, Fisch, Erhellerin Manipuras; sehr Berauschter, große Nacht, im großen Heldensitz Weilende.
51.9 Maya-Meister, Todesvernichter, Matangi, Herrin des Heils; Todesnehmer, vorzüglichste Weise, Geistbezaubernder, schnell wie der Geist.
51.10 Im Mandala Weilender, von edelsteinblauen Gliedern [Lesung unsicher], Ehrwürdige, mit bezaubernder Haarkrone; von berauschtem Aussehen, großer Pfeil, große Kraft, große Auflösung.
51.11 Seuche, Hinwegnehmender, große Seuche, vom Wein berauscht Wandelnde; Zuflucht der Mahamaya, Schweigender, Mahamaya, den Winden Liebe.
51.12 Mudra-Speise Essender, Weintrinker, geistiger Yoga, großer Aufgang; Fleischesser, Fischesser, Bezaubernde, auf der Wolke Fahrende.
51.13 Stolzbrechen Liebender, Ehrwürdige, sehr Ehrwürdiger, sehr Starke; großer Pfeilträger, Vornehmster, Mahavidya, Größte.
51.14 Großer Dreizackträger, Unendlicher, sehr Starker, großes Kula; Bewohner des Malaya-Berges, Einsicht, Liebhaberin des Girlandensitzes.
51.15 Herr der Maya, Maharudra, Marunahata-Karini [Name beschädigt]; Kettenträger, mit Muschelkette, Blütenrispe, Fleischesserin.
51.16 Mit großen Kennzeichen Versehener, Kennzeichen der großen Kennzeichen; großer Wissender, sehr Schneller, Stößelträgerin, Stößel Liebende.
51.17 Großbenannter [Lesung unsicher], Malinis Herr, Bewohnerin des Mandara-Berges; im Innern der Schweigenden, Stolzbrecherin, Geistesstarke.
51.18 Herr der Mahavidya, Mitte, in der Mitte auf dem Berg Wohnende; Weintrinker, Trägheit Hinwegnehmender, Liebe, auf Liebe und Nichtliebe Sitzende [Trennung unsicher].
51.19 In der Liebe Weilender, Rauschfeld, Bewohnerin des großen Schneegebirges; Großer, großes Selbst, Glückverheißender, Trägerin großen Heils.
51.20 Mit einem sehr geringen Körper [so der Wortlaut], Geistbezaubernde, daraus Entstandene; Herr der Maya-Shakti, Verblendung, in großer Verblendung Wohnende.
51.21 Großes Bewusstsein, reines Selbst, im Unreinen der Großen Gegenwärtige [Lesung unsicher]; auf dem Rücken eines berauschten Elefanten, auf einem berauschten Elefanten Reitende.
51.22 Makara, Freude der Winde, Makara-Göttin, von Tieren Verehrte; durch Edelsteine Verehrte, Geistgestaltiger, Fett und Fleisch Verzehrende.
51.23 Sehr Begehrender, sehr Standhafter, Bezwingerin des großen Büffels; im Geist Mahishasuras Gegenwärtiger, Vernichterin Mahishasuras.
51.24 Auf dem Büffel Weilender, bei Mahesha Gegenwärtiger, Vernichterin Madhus und Kaitabhas; Herr Madhus, Honigtrinker, Vollendung durch Honig, Fleisch und weitere Stoffe Gebende.
51.25 Von Mahabhairava zu Verehrender, von Mahabhairava Verehrte; große Schönheit, geliebte Freude, in großer Schönheit gegründete Unsterbliche.
51.26 Millionen Girlanden Tragender, Girlande, mit Schädelkette Geschmückte; der Mandala-Erkenntnis Ergebener, im Edelstein-Mandala Wohnende.
51.27 Im Zorn großer Machtfülle Gegenwärtiger, Sarasvati der falschen Fehler; auf Meru Weilender, Meru-Wohnstatt, von der Gestalt der jüngeren Schwester Menakas.
51.28 Mit großem Bergsitz, Meru-Bezauberin, auf der Wolke Fahrende; lieblich Tönender, lieblicher Herr, Trägerin der Verblendungskeule.
51.29 Am Geschlechtsorgan Weilender, auf dem Edelstein-Pitha Gegenwärtiger, Wurzelgestaltige, Bezaubernde; Sinn des Heils, großer Yogi, aus berauschtem Harn Entstandene [Lesung unsicher].
51.30 In Einsicht Ruhender, Maß des Geistes, Geistmutter, große Unmani; schwachen Verstand Beseitigender, Tod, Todesvernichterin, dem Geist Liebe.
51.31 Großer Verehrer, sehr Mächtiger, große Shakti, vom Rausch Ergriffene; Erhellung Manipuras, Durchdringerin Manipuras.
51.32 Wohnstatt des Ma-Lautgefüges, Maß, durch Maß Bezaubernde; Ma-Silbe, Matrika-Laut, mit Matrika-Bijas Bekränzte.
51.33 Großer Glanz, großer Strahl, in Zorn Eingegangener [Lesung unsicher], Honig Liebende; aus Honig und Fleisch Entstandener, mit Honig und Fleisch Spielende.
51.34 An der Freude geschlechtlicher Vereinigung Erfreuter, durch das Gespräch darüber Bezaubernde; durch Muraris Liebe Zufriedener, von Muraris Händen Bediente.
51.35 Mit Girlande und sandelgesalbten Gliedern, Bekränzte, vom Mantra Lebende; im Mantranetz Gegenwärtiger, Mantraübender, den Mantraübenden Vollendung Schenkende.
51.36 Mantras bewusst Machender, Gute, die Mantravollendung liebt; große Pilgerstätten Liebender, Widder, auf dem großen Thron Sitzende.
51.37 Aus großem Zorn Entstandener, große Einsicht Schenkende; ohne Kenntnis des Sterbens, Vernichterin des großen Todes.
51.38 Vernichter des aus dem Sterben Entstandenen, freudig mit Mahamudra Verbundene; große Freude Schaffender, Mara, bei Mara Weilende, Mara-Vernichterin.
51.39 Große Ursache Hinwegnehmender, Entzieher, Bewohnerin der großen Stadt; großer Kaulika-Beschützer, Abwehrerin großer Dämonen.
51.40 Mit den Strahlen von zehn Millionen Sonnen, Todesvernichterin, im Tod Gegenwärtige; großer Berg, Makelloser, Maya-Meister, Aufgang der Eigenschaften Mahakalas.
51.41 Großer Sieg, Maharudra, rote Gestalt der großen Rudra-Göttin; als Reinigung der Geistesfarbe Benannter [Name beschädigt], Mudra, Jugendgestaltige.
51.42 Schädelkettenträger, zu Tötender, Maryapushpamrijamani [Name beschädigt]; im liebenden Bhava des Heils Gegenwärtige, Glanz großer Blitze, Unbewegliche.
51.43 Mudra-Träger, Festigkeit der Ansicht, Schöpferin der Verschiedenheit der Ansichten; Kenner des großen Purana, große Purana-Kundige, Unsterbliche.
51.44 Wissen des Schweigens, Mahavidya, in großem Reichtum Wohnende; Maghavan, in der Mitte des Magha-Monats Weilende, großes Heer, große Schlange.
51.45 Großer Schlangenträger, Maß, Matrika, im Mantra Wohnende; reich durch das Schenken großer Machtfülle, mit Merus Fahrzeug als Fahrzeug [Lesung unsicher].
51.46 Große Freude, großer Freund, von dem großen Maitreya Verehrte; Markandeya Vollendung Gebender, in Markandeyas Lebensdauer Gegenwärtige.
51.47 Markandeya, immer wieder Erfreuter, Herrin des Matrika-Mandala; in Würde Gegenwärtiger, Würde Gebender, ganz dem Halten des Geistes Ergebene.
51.48 Im Geist des Danava Maya Weilender, Chitrini des Danava Maya; Freude am Tragen großer Eigenschaften, im großen Linga Spielende.
51.49 Bei Maheshvara Gegenwärtiger, Wurzel, Aufgang des Kula der Wurzel-Vidya; Maya-Trinker, durch Bezauberung Berauschter, beim großen Guru Wohnende.
51.50 Ein großes weißes Gewand Tragender, mit Malaya-Agarholz Beräucherte; Honigtrinkende, Honigfreude, Zuflucht im berauschenden Nektar.
51.51 Großer Guru, großer Körper, großer Eifer, großer blauer Lotos; im mittleren Lotos Feststehender, im mittleren Lotos Wohnende.
51.52 Furcht vor Seuchen Beseitigender, Ringer, Gegnerin des Ringer-Ergreifers [unsicher]; durch das große Mandala Berauschter [Lesung beschädigt], mit vom Rausch rollenden Augen.
51.53 Große Sadyojata-Zeit, in der großen Kapila Gegenwärtige; Wolkenfahrer, großes Antlitz, Trägerin des Geistesjuwels.
51.54 Vernichter der Todesstütze, unter den großen Lehrerinnen Gegenwärtige; im großen Lotos Weilender, Mantra, Herrin des Schatzes der Mantra-Vidya.
51.55 Im Makara-Sitz Feststehender, Vernichterin des großen Todes; Bezaubernder, Herr Mohinis, im berauschten Tanz Wohnende.
51.56 Freudvoll im Kula Mahakalas, Vernichterin großen Begehrens und weiterer Fehler; Bewohner des Wurzellotos, großer Aufgang des Wurzel-Kula.
51.57 Monat Genannter, Fleischwohnstatt, im Heil Gegenwärtige, mit großen Eigenschaften; noch tiefer von Maya Verhüllter, Fisch, Sprecherin über die Eigenschaften der Mimamsa.
51.58 Mimamsa-Verwirklicher, Maya-Meister, durch die Katze Vollendung Gebende; Wohlergehen des Geliebten der Erde, an Erd-Erkenntnis Erfreute.
51.59 Herr der Stößelträgerin, im falschen Sinn Weilender, geistig vorgestellte Löwin; im Geist Shri-Träger und Japa, mit sanftem Lächeln Geschmückte.
51.60 Mainaka, Menakas Sohn, von Maya Verhüllte, große Handlung; große Handlung und Lomanda [Name unklar], mit dem Mandala-Sitz Geschmückte.
51.61 Maya festhaltender Schöpfer, Vernichterin großen Hasses; mit gelöstem Haar, von Körperbindung Befreiter, Befreiungsgeberin, auf Befreiung Bedachte.
51.62 Perlenkettenträger, Befreiter, Offenbarerin des Befreiungsweges; von der Handlung großer Befreiung Umhüllter, Tochter des sehr hohen Berges.
51.63 Vernichter durch Stößel und weitere Waffen, geistige Handlung Mahagauris; sehr Reicher, sehr Würdevoller, geistig Berauschte, Auflösung des Geistes.
51.64 In den großen Kampf Gegangener, Friedvoller, an der großen Vina Erfreute; Vernichter großer Feinde, mit dem Netz großer Waffen Bekränzte.
51.65 Shiva, Rudra, Herrin der Kraft [Lesung unsicher], Mehrerin der Spielerfreude; Mondbekrönter, Veda, rauschtrunken Berauschte, Hellleuchtende.
51.66 Wie zehn Millionen verströmende Monde Glänzender, mit zehn Millionen Monden Aufsteigende; Feuerflammenträger, Held, tausendfache Flammengirlande.
51.67 Dem göttlichen Glanz Freude Schaffender, Dharma, den großen Rechtschaffenen Ergebene; Dharma-Banner, Dharma-Schöpfer, Schutz des Dharma, sich Ausbreitende.
51.68 In der großen Korallenstadt Weilender, mit zehntausendfachem Korallenglanz; Blütengirlandenträger, Ehrwürdiger, Vernichterin der Feindesfamilien.
51.69 Kojagara, im Visarga Gegenwärtiger, mit Bija-Kette Geschmückte; Bija-Mond, Bija-Stadt, Bija-Glanz, Hindernisvernichterin.
51.70 Ausgezeichneter, in der Befreiung der Ordnung Gegenwärtiger, Erfüllerin der Vedangas; Gatte der Kirata-Frau, Glückgesegneter, Wissenden und Unwissenden Liebe.
51.71 Im Wachstum Weilender, mit Wachstum Versehener, mit Buchstabenkette Geschmückte; beim großen Baum, Held, glänzend wie zehn Millionen Monde.
51.72 Wohnstatt des großen Kumara, großes Liebesmädchen; Herr der Handlungen des Liebesnetzes, Teilose, auf dem Lotos Sitzende.
51.73 Zersplitterte Einsicht Beseitigender, Bhava, die „Es entsteht“ Genannte [unsicher], schlechter Sitz; Unzählbarer, Gestaltenzählung, Erfüllerin der Namenszahlen und weiterer Zahlen.
51.74 Mit dem ursprünglichen Geist der Wohnstatt [Name beschädigt], mit einem Netz von Hüllenglöckchen Bekränzte; mit einem Gesichtslotos wie zehntausend Monde, mit einem Antlitz voll Lichtfülle.
51.75 Zeitdenken Beseitigender, Kind, Bhagavati, Ambika, aus dem Ei Geborene; Schädel in der Hand, ursprüngliche Gewandtheit, von Streit Freie, Unverhüllte.
51.76 In der fünften Verhaltensweise Kundiger, nach der großen fünften Verlangende; von Veränderung Freier, Unangreifbarer, Zweifüßige, menschliche Handlung.
51.77 Im Werk des Danava Maya Gegenwärtiger, Erkenntnisgeberin für das Werk des Schöpfers; in die Tätigkeit der Kali-Zeit Eingetretener [Lesung beschädigt], windhaftes Rasseln.
51.78 Alles Bewegen Bewirkender, alles Bewegen Bewirkende; Liebhaber des langsamen Ganges, im langsamen Gang Weilende.
51.79 Laut Lachender, Mond-Kala, nichtschreckliche und schreckliche Qual; Vernichter großer Hölle, Beseitigerin der Reifung von Hölle und weiteren Folgen.
51.80 Aus fünf Strahlen Entstandener, Vernichterin der Kraft der Berge und weiterer Mächte; auf Garudas Sitz zu Verehrender, Mehrerin von Garudas Liebe.
51.81 Bewohner des Ashvattha-Baumes, unter dem Banyan-Baum Weilende; mit langdauernden Gliedern, ursprüngliche Einsicht, Verbindung mit dem Kern der Weltentfaltung.
51.82 Schöpfer des Bestands, Schatten des Bestands, Rauschlose, Schirmträgerin; mit einer Blüte vom Glanz des Granatapfels, aus dem Granatapfel hervorgegangene Blüte.
51.83 Fester, Trägerin des Flüssigen [Namen unsicher], Mehrerin des Liebesgesprächs; Edelsteinschoß, Edelsteinkette, Weg wie der Herr der Edelsteine [Lesung unsicher].
51.84 Berühmter, Reinigende, Schwanz, gut am Schwanz Weilender, Höhere und Niedere; Himmelswanderin, in sich ruhender Himmelswanderer, große Schwertträgerin, Jaya.
51.85 Im Spiel jugendlichen Bhava Weilender, Schöpferin von Trennung und weiteren Vorgängen; Offenbarung des großen Klangs, Offenbarerin des großen Klangs.
51.86 Schön Lachender, Gefahrentöter, unter Feinden und Freunden Gegenwärtige; Vajra-Stabträger, Tiger, im Raum spielende Bachstelze.
51.87 Keulenträger, Gesittung Tragender, im Mond und Kampfer Wandelnde, Schwache; Schöpfer von Kleidung und Sitzen, Kleidung und Unbekleidetsein Liebende.
51.88 Träger der Mahavidya, Verborgener, besondere Handlung des Verbergens; im Singen geheimer Lieder Gegenwärtiger, die Kehle der geheimen Lehre Gebende [Lesung unsicher].
51.89 Yoga-Wissen und Purana, Opferwissen, Kala des Glanzes; eine Zeit, zwei Zeiten, Lotos der Zeitfrucht.
51.90 Achtzehnarmiger, Raudri, Schlange, Hindernisvernichterin; Wissen Verbergender, Vollendung des Wissens Gebende.
51.91 In Siegesfreude Gegangener, Langsamer, Mahakalas große Herrin; dem Schenken von Machtfülle Ergebener, Weg, Offenbarerin des großen Gesangs.
51.92 Fortdauernde Ergriffenheit von Haar und weiteren Merkmalen [Name beschädigt], glückverheißender Glanz, im Kula Innerste; Zweiarmiger, mit vier Veda-Armen, Sechsarmige, nach Wunsch Wandelnde.
51.93 Träger einer Mondsteinkette, der Welt und dem Überweltlichen Zugetane; mit einer dreifach gebogenen Körpergestalt, in gegliederten Formen Weilende, Erfreuerin.
51.94 Im Dreigipfel und im dreifachen Bhava Weilender, Dreikörperige, aus den drei Zeiten Geborene; Eingesichtiger, Zweigesichtiger, Gesichtlose, Kindern Liebe.
51.95 Im Netz der Shrividya-Mantras Gegenwärtiger, Erkenntniskundiger, Herrin des Heils; im Gefäßkern Gegenwärtiger, Helle, Würdevolle, Gaurika, Unbewegliche.
51.96 In die Erkenntnis des Gurus Eingegangener, Duft, Duft Genießende, Bergbanner; in der Mitte des Schattenkreises Gegenwärtiger, Schreckliche, Lotosgesichtige.
51.97 Kama Genannter, von Ich-Stolz Freier, Tochter des Königs von Kamarupa; leicht Erreichbarer, schwer Erreichbarer, Leidender, feiner als fein Gestaltete.
51.98 Durch Bija-Japa Gefesselter [Lesung unsicher], Grausamer, Vernichterin der Verblendungseigenschaften; Ardhara [Name beschädigt], Aufleuchten der Geschickten, allumfassende Gestalt, Sarasvati.
51.99 Wohnstatt unendlichen Klangs, mit Vogelscharen Wandelnde; Achyutas Herr, im Stamm Gegenwärtiger, einen heftigen Pflug Tragende.
51.100 Unverwirrter, von Verwirrung Freie, Ermüdeter, im Gehen Festgegründete [Lesung unsicher]; Sinnvoller, in sinnlosen Worten Weilender, Bedenkenlose und mit Bedenken Verbundene.
51.101 Herr der Yamuna [Lesung unsicher], Kräftiger, Trägerin von Mahakalas Fett; Herr Jambudvipas, Jenseits, die das Meer als Sitz nimmt.
51.102 Vajra-Stabträger, Friedvoller, falscher Weg, Übersinnliche; auf Ananta Ruhender, Geringer, Mehrerin höchster Freude.
51.103 Wohnstatt der Zuflucht der Guten [Name beschädigt], Erklärer, den Frühling sehr Liebende; von Viraja bewegt, Getrennter, mit ganz reinen Eigenschaften Geschmückte.
51.104 Herr der Augensalbe, Herr der Bachstelzen, Fleisch und Rauschtrank Verzehrende; in Gestalt der Körpersprache Gebadete, nach der Frucht des Nektarsaftes Verlangende.
51.105 Frucht- und Samenträger, schwer Zugänglicher, Ranke des Torschutzes; Pippalada, Ursache, Ruhm, dem Liebesgenuss sehr Liebe.
51.106 Auflösungsgestaltiger, Brahmane, Bekümmerte, Wunschgestaltige; Rede, Napanapa [Name unklar], Vorgestellte, Kamsa-Vernichterin.
51.107 Durch plötzlichen Zwang Bewegter, Chama, Nachama [Namen unklar], Handlung der Demut; Alles, in allem Glück Verborgener, Aufgang überwundener und unüberwundener Eigenschaften.
51.108 Strahlend Gekrönter, den Ra-Laut Tragender, Herrin Varunas, innerlich Kühle; durch die Gabe unschätzbarer Edelsteine Reicher, aus den drei Abschnitten von Tag und Nacht Geborene.
51.109 Hochgeehrter im Samenlaut des Liebesgottes, im Samenlaut Haras und den übrigen Gegründete; Herr von Ananta und Vasuki, Lakini, Kakini, Zweifache.
51.110 Mit zahllosen Bannern, großer Garga, Chamunda, wilde Schlachtgöttin; Herr Umas, Herrin der Edelsteinkette, von den Scharen Vikumbhas Verehrter.
51.111 Von Nikumbha Verehrter, Krishna, Gemahlin Vishnus, Nektarwesentliche; die kurze Zeit Entziehender, Speer, Trägerin des großen Speeres als Waffe.
51.112 Träger der Brahma-Waffe, Geschleuderter, mit einer Waldblumengirlande Geschmückte; Einsilbiger, Zweisilbiger, aus sechzehn Silben Entstandene.
51.113 Im überaus tiefen Wind Ruhender, im tiefen Instrumentenklang Gehende; dreifaches Selbst, Selbst der drei Orte, als Dritte Schutz Gewährende.
51.114 Freude vorübergehender Zeit, auf dem Flug der Vögel Sitzende; Himmlischer, Töter Banas, Pfeile in den Händen Tragende, Mondbewegte [letzter Name unsicher].
51.115 Durch die Ordnung des Bindu strahlend Erhabener, den Raum Entflammende; Vivasas, von Vyasa zu Verehrender, Vorsteherin der neun Länder.
51.116 Mit beweglichem Antlitz, Vama, Haarlose, Freude Schaffende; dessen Glieder goldene Ketten schmücken, zum Herrn der Tochter Kalingas Gehende.
51.117 Mit unvergleichlich unversehrter Brust, das Erbeben der Erde Vernichtende; dessen Glieder durch Augenblick und Feld begnadet sind, Herrin der Rishis von Vasishtha an [erster Halbvers teilweise unsicher].
51.118 Am Ufer der Reva Wohnender, am Gangesufer Wohnende; Herr Changas, Herr Pushkaras, die Sprache Vyasas Auszeichnende.
51.119 Amalanatha Genannter, von Rameshvara gut Verehrte; Herr Ramas, Gebieter, Erlangung, Kiti-Durga Genannte [Namenslesung unsicher].
51.120 Dickbäuchiger, Zeit der Liebe, dem Geschlecht des Dickbäuchigen Liebe; mit himmlischem Leib, Maß der Meditation, große Augen Tragende.
51.121 Durch wirksames Wort Erscheinender [Lesung unsicher], der Erkenntnis und dem Herrn der Rede Liebe; Leben des Zeitmaßes und der Erinnerung, Herrin der Stadt Kalinga.
51.122 Kenner der tiefsten Geheimnisse, von verborgenem Mondwesen, Unvergängliche; zum Edelsteinnaga Gegangener, Gehender, Herrin der Rede, Kraft Spendende.
51.123 Zum Kula-Sitz Gegangener, Vernichtung, Vernichtende, die Vernichtung Liebende; Wurzel der Vernichtung, am Ufer Stehender, Herrin des Auflösungsgeschlechts.
51.124 Bester Brahmane der Eigenschaft der drei Aussprüche, von großem wunderbarem Bild; von der Eigenschaft rascher Zufriedenheit Umhüllter, deren Kreis vom Rausch überwältigt ist.
51.125 Ungewöhnlich Blickender, Leckender, die große Mudra Offenbarende; achtzehnsilbiger Rudra, zum guten Nektartropfen Gehende.
51.126 Schirm und Yakschweifwedel Tragender, Schirm Spendende, aus den drei Stirnstrichen Geborene [Lesung unsicher]; Indra-Wesentlicher, Schöpfer, Reichtum Spendende, Klang Erzeugende.
51.127 Höchste Freude der Kundalini, aus Honigblüten Entstandene; im Bilva-Baum stehender Rudra, im Augenlotos Wohnende.
51.128 Goldener Keim, Jugendlicher, Ungewöhnlich Blickende, die Jahreszeiten Liebende; dunkler Bewohner des glückverheißenden Baumes, aus dem großen Kula-Baum Geborene.
51.129 Im Kula-Baum Stehender, Wissender, Gold und Silber Liebende; Hüter des Kula, Hüter des Lebenshauchs, Lebenskraft, Trägerin des Fünfhaarigen und der Erde [Zusammensetzung unsicher].
51.130 Leuchtende, Herr des Altars, Freude und Dharma Unterscheidende; Kühle Erlangter, ohne Kälte, Beständigkeit des Geistes Schaffende, Schwinden.
51.131 Im Bauch Weilender, im Augenblicksvergehen Weilender, am Bergheiligtum Wohnende; Halbleibiger, heiteres Selbst, im heiteren Wald Wohnende.
51.132 Herr der Einsetzung, Lebensordnung, Lichtgestaltige, die Jahreszeiten Liebende; Herr des Dharma-Banners, Kranich, den Saft Vermehrende.
51.133 Auf dem Meru-Gipfel Weilender, Schelm, von Schelmerei Berauschte, nach Bösen Verlangende; Vollendung durch Dienst Gewährender, Unendlicher, unendliche Werke Unterscheidende.
51.134 Kenner dessen, was künftig zu sein hat [Wortlaut beschädigt], am Virata-Heiligtum Wohnende; Trennung, Schneiden und Spalten, die Lehre der Bewegung Offenbarende.
51.135 Schön Handelnder, Verfeinerter, von der Gestalt geschmolzenen Goldes; Kenner des Geschmacks höchster Freude, Ratgeberin der Fortpflanzung des Saftes.
51.136 Wartender, feiner Klang, Begegnung und Verbindung Liebende; ohne Täuschung, aus dem Meer Geborener, frei vom Makel der Unfruchtbarkeit.
51.137 Bezwinger der Ordnung, mit flammendem Schirm, Alldurchdringende, Früchte als Fahrzeug Habende; in Tigerfell Gekleideter, Yogi, sehr Füllige, Segen Spendende.
51.138 Segenspender, Spender des Wesentlichen, Erkenntnis Spendende, das Beste Tragende; mit schönem Haar, Mapas [Name unklar], Weite, Tugend Spendende, Himmelsgewandete.
51.139 Träger einer reinen Kette von Ohrschmuck, durch Ohrschmuck Bezaubernde; im Land Panchala Geborener, reine Töne Liebende.
51.140 Von Kiratas Verehrter, Jäger, der Betrachtung des Mantras Hingegebene; Shiva, an Worten Erfreuter, Vama, Herrin des Geschlechts von Bhrigu-Rama.
51.141 Selbstentstandener, von Blüten Bedeckter, Ritualwissen Offenbarende; aus dem Leib des Sonnenschöpfers Geborener, Herrin der Pfeile entfernenden Heilkraft.
51.142 Herr der Leuchtenden, Verbundener, in der Yoga-Erkenntnis Wohnende; Höchster, Mittlerer, Erklärter, beste Frau des Sagbaren und Unsagbaren.
51.143 Reich an Zorn beim Aussprechen des Aṃ-Samenlautes [Form unsicher], den Bauch des Mandara Schaffende; in Krishnas Lehre Gegründeter, Charchika der Kampfvollbringung [Lesung unsicher].
51.144 Herr der Schönen von Mathura, am Mathura-Heiligtum Wohnende; frei von Flucht, in Wortstamm und Nachsilbe Gegründete.
51.145 Wohnstatt der Lebenskraft der Urnatur, Erkenntnis der Veränderung Vernichtende; alle Lehrwerke Unterscheidender, auf einem berauschten Löwenthron Sitzende.
51.146 Liebhaber der Überlieferung, Standhafter, Makellose, von reiner Gestalt; auf dem Edelsteinthron Sitzender, Aufgang des Sieges über Edelsteine [letzter Name unsicher].
51.147 Freude am Japa Bhadrakalis, Heil und Unheil Offenbarende; herrlich Gütiger, Herr des Guten, Angst und Zusammenbruch Verletzende [Wortlaut unsicher].
51.148 Im Selbst Erfreuter, selbstbeherrscht, dem Dreizackträger Liebe, Innerliche; in höchstem Wissen fest Geübter, besonderen Reichtum Spendende.
51.149 Von alterslos unsterblichem Glanz, Millionenfachen Glanz Tragende, Glückliche; Viehhüter, im Lotos Ruhender, dem Herrn der Shri die Pashupata-Waffe Spendende.
51.150 Träger aller Lehrwerke, Stolzer, Wissende, Erkenntnis Vermehrende; Herr des Zweiten, Hälfte des Herrn, Badarayana Bezaubernde.
51.151 Leichenfleisch Verzehrender, Furchtbarer, Schrecklichäugige, Furchterregende; Folge der Shiva-Erkenntnis, Geschickter, dem Kriya-Yoga Hingegebene.
51.152 Im Geben Gegründeter, mit Gaben Ausgestatteter, Hervorzähnige, höchste Parvati; Freude des Geliebten, Tagesschöpfer, Töterin des nächtlichen Nishada [Verbindung unklar].
51.153 Achtarmiger, mit beweglichen Augen, den Geist Festigende; sanfter Sohn, sanfter Schirm, Glanz, Freude am Verdienst der Glieder [Namensgliederung unsicher].
51.154 Im Luftraum Gehender, Wurzel, den Wurzelsohn Offenbarende; der Gabe der Furchtlosigkeit Hingegebener, durch ihre Mondkette Entzückende.
51.155 Herr des viereckigen Ganges [Zusammensetzung unklar], Bergestochter, Neugieriger; Leben des Feindes Shishupalas, den Schritt ins fremde Land Beschützende.
51.156 Außergewöhnlicher, Kenner der Vorschrift, Stolz Vernichtende, Dreischrittige; Herr des Yoga des dreieckigen Antlitzes, mit tiefem Nabel, Herrin des Berges.
51.157 Neuer, mit Tugenden Erfüllter, Kula-Berg der neun Jungfrauen; Herr der Dreiheit, Zeichenloser, Fieberfreie, Fieber Spendende.
51.158 Überaus frommer Sohn, auf einem schönen Löwenthron Sitzende; den Guten aus den besten Gruppen der Einsetzenden Vollendung Offenbarende [Satzgliederung unsicher].
51.159 Den Vollendeten Lieber, Weitäugiger, Vernichtung Wirkende, Unbefleckte; Herr der Shakti, Herr der Gebrechlichen, Aufgang der Frucht des Opferwerks.
51.160 Herr des Fruchtlosen, im Raum Gehender, Lalita, deren Fahrzeug Einsicht ist; Askese des Malaya-Berges, Wohlergehen, Schwinden Bewirkende, Rajas-Eigenschaft.
51.161 Doppelt Enthaupteter [Lesung unsicher], Torhüter, Hindernisse der Opfergabe Vernichtende; im Maya-Lotos Weilender, Maß, die Mari-Vidya Vernichtende.
51.162 In Hingulaja weilender Vollendeter, die Auseinandersetzung der Gelehrten Führende; Herr des Shri-Gatten, Herr des Glückspenders, Shri-Vidya, Weltenherrin.
51.163 Erstgeborener der Einsicht, Gesegneter, Tochter des Herrn von Mithila; Rama-Chandra Lieber, Angekommener, Herrin des Geschlechts Raghunathas.
51.164 Schildkröte, auf der Schildkröte Gehender, Held, zur Fett-Gruppe Gehörende [Lesung unsicher], Bergherrin; Kind Rajarajeshvaris, innerhalb der Eigenschaften des Rati-Heiligtums Weilende.
51.165 Freude des Wunschgestaltträgers, Gewandte, Wunschgestaltige; Herr der Gäste, Erhalter aller, mit vielerlei Schmuck Leuchtende.
51.166 Dessen Glieder vielerlei Schmuck schmückt, mit einer Menschenkette Geschmückte; Weltenherr, die Welt Durchdringender, den Welten die Erfüllung ihrer Wünsche Spendende.
51.167 Weltbegehrender, die Welt Durchdringender, Siegreiche, Sieg Spendende; Sieg Bewirkender, Leben Bewirkender, Sieg Spendende, Belebende, Sieg.
51.168 Sieger, Herr der Scharen, Glücksspender, am großen Heiligtum Wohnende; Ungleicher, im Samaveda Weilender, durch Verbindung mit einem Anteil des Yajurveda [unvollständige Namensform].
51.169 Tief in den Eigenschaften der drei Zeiten, mit zweiundzwanzig Lotushänden; Tausendarmiger, im Wesentlichen Gegründeter, zum Anteil Gehende, Werden Hervorbringende.
51.170 Schöpfer des Wohnens und Weiteren, Weg, Bescheidene, mit Lotosaugen; überall Anziehender, Ungeteilter, alle Erkenntnis Heranziehende.
51.171 Den inneren Sinn Bezwingender, Brahmanen Bezwingender, frei von Eigenschaften des Makels; ohne Grundlage, ohne Stütze, Gegenstandsbereich, ohne Erkenntnis.
51.172 Mit überaus weitem Antlitz, Streit und Böse Vernichtende; Herr der Gattin, Vernichter der Erschütterung, vom Geschlecht der Feinde Verehrte.
51.173 Ascheloser der vielen Gruppen [Lesung unsicher], mit schönen Locken Geschmückte; Träger großer Einsicht, Feiner, Dunkelheit der Nacht Vernichtende.
51.174 Netze von Mondlicht Schaffender, Yogi, in Trennung Ruhende, Weltzeitalter; durch die Zeitalter Gehender, im Yoga Gehender, Sieg Spendende, Lakini, Shiva.
51.175 Bewusstsein und Einsicht Schaffender, Sein, die Angst vor dem Werden Betörende; Schöner, Freude des Schönen, in Liebeslust und Unlust Schöne [Wortgliederung unsicher].
51.176 Kenner der Liebe, Liebesglück, den Herrn der Liebe Offenbarende; von erwachter Gestalt, reines Erkennen, Widersacher, frei von Zweiheit.
51.177 Freude Haras in vielfältigem Sein, zahlreiche Nachkommen Spendende; Vollbringer des Opferrituals, gutes Opfer, die Fünf Befreiende.
51.178 Von der Leuchtkraft unzähliger Monde, Lichtstrahl unzähliger Schönheiten; von der Erscheinung unzähliger Blitze, zweifach unzählige Blitze.
51.179 Mit einem von Millionen Sonnen bedeckten Leib, von der Strahlkraft unzähliger Sonnen; Millionen Mondsteine, rein wie unzählige Mondsteine.
51.180 Hundert Millionen Mondedelsteine, in hundert Millionen Mondsteinen Gehende; wie Millionen Weltbrandfeuer Aufleuchtender, Millionen Weltbrandfeuern Gleichende.
51.181 In Millionen Feuern weilendes Feuer, Feuergattin, aus dem Zweifachen Geborene [Lesung unsicher]; großes Leuchten, Feuerwasser, eine Kette von Zeitfeuern Tragende.
51.182 Herrlicher Kalagni-Rudra, von Kalagni-Rudras Gestalt; Wesen der Zeit, Wesen der Kali-Zeit, Kalika, Kula-Lakini.
51.183 Todbezwinger, Leuchtkraft des Todes, das Mrityunjaya-Mantra Liebende; großen Tod Entfernender, Tod, vorzeitigen Tod Vernichtende.
51.184 Sieg, Herr des Sieges, Siegspender, Sieg Spendende, Sieg Vermehrende; Sieg Bewirkender, Weltordnung, das Leben der Welt Beschützende.
51.185 Alles Besiegender, Allgestaltiger, Alles Spendende, Alles Hervorbringende. Damit, o Herr, ist diese Benennung der großen Vidya verkündet.
51.186 Sie besteht unmittelbar aus dem Klang-Brahman und hat die Gestalt des wunscherfüllenden Baumes. Die Zahl wird als „tausendundacht“, mit einer Hundertzahl verbunden, bezeichnet [die Zahlenangabe ist widersprüchlich überliefert].
51.187 Sie ist das Feld des Heils der drei Welten und gewährt die Frucht vollendeter Vidya. Sie ist unmittelbar mit Teilen und ohne Teile, mit der Kraft des Wunschbaumes verbunden.
51.188 Für Yogis ist sie Erkenntnis des eigenen Selbst und höchste Vermittlerin der Selbsterkenntnis. Wer sie erfüllt von innerer Haltung und frei von falschem Dharma rezitiert,
51.189 wird selbst am Rudra-Heiligtum gewiss ein großer Yogi. Unvermittelt erlangt er die niedere Vollendung, die Kränze gewährt [letzte Wortverbindung beschädigt].
51.190 Königsglück, Reichtum und Herrschaft, große Standhaftigkeit, Pferde und Weiteres, Elefanten, einen schönen heldenhaften Sohn, Königreich, Glück und Sieg,
51.191 die Herrschaft eines Königs der Könige und ein himmlisches Fahrzeug, die mühelose fünfte Vollendung: Danach erlangt er die mittlere [Zuordnung der Stufen im Wortlaut nicht durchgehend eindeutig].
51.192 Völlige Beseitigung des Leids, Ansehen in der Welt, die Zahl der Verehrungen der Götter [Ausdruck unklar], göttliche Haltung und beständiges Glück,
51.193 Lebensverlängerung, Einfluss auf die Welt, volle Schatzkammer und Rinderreichtum, das königliche Haus der Götter unmittelbar und im Traum,
51.194 Weitsicht, Aufgabe der Furcht, Freiheit von geringfügigem Tun, stets Liebe zum Dharma, Erkenntnis des Dharma und große Tugend,
51.195 den Keim der Unterscheidung, Freude und die gute Gnade von Shri und Vani: Danach erlangt der Übende die im höchsten Yoga gegründete Vollendung.
51.196 Sie ist die Stätte unendlicher Eigenschaften, das Loslassen von trügerischem Besitz und Wohlstand, Wohnen an einem abgeschiedenen Ort und Ausrichtung auf die Yoga-Lehre,
51.197 Freiheit von allem Verlangen, ausschließlicher Dienst an der Gottheit, Bewegung im Raum, überall Hingelangen, Vollendung der inneren Haltung und den Göttern lieb,
51.198 beständiger kraftvoller Kriya-Yoga, Gewährung der achtfachen Vollendung der Kräfte, feste Erkenntnis, Wirksamkeit in allen Lehrwerken und ein Meer des Wesenssaftes,
51.199 einheitliche Haltung, frei von Zweiheit, Ausrichtung auf den großen Zustand, Herrschaft über die mit großen Eigenschaften erfüllte Vidya und Frieden.
51.200 Dies erlangt der beste Übende, der mit unerschütterlicher Haltung rezitiert. Der Einsichtige lese dreimal täglich, einmal oder zweimal.
51.201 Hundertacht Wiederholungen gelten als seine vorbereitende Übung. Hat man diese Purascharana vollzogen und wieder und wieder rezitiert,
51.202 wird man mit den acht Herrschaftskräften ausgestattet und erlangt die Geschwindigkeit des Geistes. Wer beherrscht und rein liest, dessen Wohlergehen breitet sich überall aus.
51.203 Er durchdringt unter den sechs Chakras den Edelsteinsitz und gelangt zum Anahata. Nachdem er das Anahata durchdrungen hat, verbindet er sich mit Vishuddha.
51.204 Nach Durchdringung des Vishuddha-Lotos gelangt er zum Zweiblättrigen im Kopf. Durch die Rezitation dieses Lobgesangs durchdringt er vom Zweiblättrigen aus den großen Lotos.
51.205 Nachdem er das auf die vier Lebensziele gerichtete Tun vollzogen hat, wird ihm zuletzt Nirvana-Befreiung zuteil. Zum Zweck der Yoga-Vollendung der Yogis, damit Mitgefühl mit allen Wesen aufsteige,
51.206 und zur Vollendung der Nirvana-Befreiung wurde dies verkündet, höchster Herr. Was könnte auf Erden durch die Rezitation dieses Lobgesangs nicht gelingen?
51.207 Man vollziehe die Kula-Übung und die Yoga-Praxis gemäß der Kula-Abfolge. Am Ende, in der Mitte und zu Beginn des Yoga rezitiere man den Lobgesang.
51.208 Bei einer Verbindung von Krittika und Rohini, auf einer Reise, in den Zwillingen, unter Shravana, in der Widder-Gruppe und bei Verbindung von Mars und Mond [die astrologische Aufzählung ist grammatisch unsicher],
51.209 am Samstag, beim Sonnenübergang und wiederholt am Dienstag schreibe der in Meditation und Konzentration königliche Yogi den Lobgesang zur Dämmerungszeit nieder.
51.210 Auf Birkenrinde geschrieben, trage man ihn am Hals oder auf dem Kopf. Oder der Einsichtige schreibe ihn bei nächtlicher Verbindung im Kula-Kreis.
51.211 Überall rezitierend erlange er durch Kula-Yoga Vollendung. Mit diesen Namen bringe er Feueropfer dar; so werde er von Kalikas Gestalt.
51.212 Hat der Yogi nach der Ordnung des jeweils zehnten Anteils geopfert und sich im Manipura gefestigt, empfängt er stets die Gnade von Rudra und Shakti.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, bei der Anordnung der Namen Lakinis und ihres Herrn, die als hundertacht und tausend bezeichnet werden, das Kapitel 51. [Die Zahlenbezeichnung des Kolophons ist uneindeutig.]
Kapitel 52: Die Bedeutung und das Bewusstsein des Mantras
52.1 Shri Anandabhairava sprach: Erkläre, Schönhüftige, die Reihenfolge im Manipura, durch deren Kenntnis alle Weisen die acht Vollendungen erlangen können.
52.2 Indem man rezitiert, gelangt man rasch und mühelos zum Anahata. Die Bedeutung des Mantras, das Bewusstsein des Mantras und den Schutz des eigenen Körpers,
52.3 dieses im Knoten des Höheren und Niederen Gegründete, sollst du erwägen und erklären. Shri Anandabhairavi sprach: Großer Bhairava, Zeitfeuer, höre die Erkenntnis des Mantras.
52.4 Aus Liebe zu dir verkünde ich die überaus sanfte Übung. Höre, Herr, die Gegenstände des Mantrabewusstseins der Mantras.
52.5 Durch dessen Gnade wird man mühelos im Manipura gefestigt. Allein durch dieses Vollziehen wird man gewiss zum Yogi.
52.6 Unzählige Netze von Mantras und Millionen ihrer Bedeutungen sind überliefert. Daraus verkünde ich den wesentlichen Anteil, o Meer des Kula.
52.7 Man erinnere sich überall in gleicher Haltung an das höchste Mantra: Der unbegrenzte Leib ist das Weltenei mit allem Beweglichen und Unbeweglichen.
52.8 Vom Wurzelzentrum bis zum Manipura ist er dreifach, von Mantragestalt. Der Einsichtige nehme die Buchstabenkette auf und rezitiere wieder und wieder.
52.9 Er meditiere über die ganz aus Glanz Bestehende, deren Gestalt Millionen Zeitfeuer sind. Stets meditiere er über seine Gottheit, vom Wurzelzentrum bis zur Brahma-Öffnung.
52.10 Ihre unbegrenzte Gestalt wohnt am verborgenen Ort. Ihre Freude strömt tief von oben herab [Lesung unsicher]; sie wohnt im Meer des Nektars.
52.11 Wer dies erkennt, wird durch die Betrachtung an der Brahma-Öffnung Brahman gleich. An der Wurzelöffnung meditiere er freudig über das wie Millionen Zeitfeuer Leuchtende.
52.12 Er vollziehe die Meditation über das Flammende, das mit nach oben gerichteter Flamme Licht schafft, vom Entzücken des Nektarsaftes bezaubert und wie Opferfeuer leuchtend.
52.13 Er betrachte die schöne Stirn, erfüllt von Millionen Vollmonden, mit einer Fülle herabtropfenden Saftes und einem Antlitz, das durch diesen Saft aufleuchtet.
52.14 Mit ruhendem Atem und beständiger Gestalt betrachte er dies als Bedeutung des Mantras. Oder er betrachte es als rein erscheinend, in den Strahl des vollkommenen Brahman eingegangen.
52.15 Nachdem er vom Wurzelzentrum bis zur Brahma-Öffnung wiederholt über das Wurzelmantra meditiert hat, betrachte er seine feingestaltige Gottheit als große Lehrerin.
52.16 Dies ist die Erkenntnis der Mantrabedeutung; durch diese Erkenntnis erlangt man Befreiung. Allein durch das Wissen um die Mantrabedeutung erlangt man Vollendung und Nirvana.
52.17 Der Vollendete betrachte den Weltenherrn und seine eigene Shakti: weder grob noch überfein, mit einem aus den Eigenschaften bestehenden Leib; ihr Geist ist Freude an der eigenen Freude. Sie sind Frucht der Kali-Zeit, unbewegt und bewegt, weiß und rot, von voller und nicht voller Gestalt und Weiterem. Durch die drei Eigenschaften gehend [Lesung unsicher], am Eingang des Wurzellotos und der übrigen Zentren, sind sie das All-Selbst namens Kula, mit Mantra-Eigenschaften durchsetzt.
52.18 In den vierundsechzig Feldern verehren die den Wesenssaft Kostenden auf dem Kula-Weg die Mutter der drei Eigenschaften, die in Meditation Vollkommene, die Gestalt des großen Mantras, das Mitgefühl der Welt, die erste große Vidya im Bereich des Erkennens. Ihr Leib ist von Mantrasaft umhüllt; sie ist in einem unermesslichen Meer erreicht [Satzbau teilweise unsicher].
52.19 Der Geist setzt in die Höhlung des zehnblättrigen Lotos das Ganze als Sinn der Leere: aus Silbergefäß und Narayana bestehend [Wortverbindung unklar], den im Bindu ruhenden Visarga, die Kräfte von Sonne und Mond, den Feuerstrahl, das Glied des Weltwirkens, frei vom Werden und mit innerer Haltung durchsetzt, das Ich als Grundlage der Wandlungen.
52.20 Weise, Könige, Asketen, Indra und die anderen Götter verehren den Götter und Dämonen Erschreckenden, dessen jugendliche Gestalt Schönheit schafft, dessen Leib bezaubert und alle Körper zum Bewusstsein bringt. Im zehnblättrigen Haus steht er inmitten des Leibes der Urnatur.
52.21 Der große Yogi verehrt Shiva, die Stütze gewaltiger Rede, den Zermalmer der Klangfülle, den Liebhaber mächtiger Askese, den rasch Zufriedenen. Er setzt ihn auf unaussprechliche Weise in den Herzlotos oder in die Nabelwurzel und vollzieht die Betrachtung seiner Erscheinungen und Eigenschaften.
52.22 Im Sattva der eigenen Eigenschaften bringe ich die Wahrnehmung des verhärteten Geistes dar; in dem vierarmigen Leib, im blauen Lotos, der zehn Kräfte trägt, stelle ich die Pranava-Gestalt dem höchsten Herrn vor Augen: den bezaubernden Hara, das höchste Wesen, die erste Silbe [die Syntax des Verses ist unregelmäßig].
52.23 Die Gatten der Kula-Frauen, deren Stätte das Haus des Herrn ist, verehren den abgesonderten, überaus reinen Shiva, dessen Stütze eine Girlande lächelnder Lotusse ist; er leuchtet wie hundert Sonnen und steht mitten im ganzen Leib. Er trägt zehntausend Arme, trägt den Träger der Erde und trägt Mudras.
52.24 Stets an den Lotosfüßen, zur Erlangung der Mudra, die einen Verlust beseitigt [Wortlaut beschädigt], möge der Selbstbeherrschte sich an dem von Gnade Gezeichneten erfreuen, am stets einheitlich betrachteten höchsten Gott der Götter, o Gatte der Mutter der drei Welten [mittlerer Satzteil unklar].
52.25 Wer dies vollzogen hat und ohne äußere Stütze in vertrauensvoller Meditation verweilt, erlangt unvermittelt das Bewusstsein des Mantras und die Gewissheit seiner Bedeutung.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, unter dem Namen „Anordnung der Bedeutung und des Bewusstseins des Mantras“ das Kapitel 52.
Kapitel 53: Atem, Körperreinigung und Durchdringung des Manipura
53.1 Shri Anandabhairavi sprach: Höchstgeliebter, der du inmitten des Lotos im Meer der Freude weilst: Höre jetzt, Bhairava, wie das Netz der Zeit und Weiteres abgewehrt wird.
53.2 Hat man den sich sammelnden Atem mit seiner natürlichen Bewegung vollständig aufgenommen und ihn auf natürliche Weise angehalten, soll man lange in Wohlbefinden verweilen.
53.3 Man atme ganz allmählich aus und sei stets darin versenkt. So komme das Netz der Zeit augenblicklich unter die eigene Macht, ohne Zweifel [die Kasusfügung ist unsicher].
53.4 Wer könnte ohne das Zusammenziehen des Atems Vollendung erlangen? Allein durch Bewegung des Atems und sein Aufsteigen auf dem feinen Weg
53.5 wird der große Yogi vollendet und beherrscht auch das Netz der Zeit. Wer die Zeit nicht unterwirft und sich aus Verblendung übermäßig dem Behagen hingibt,
53.6 wird selbst zur Speise der Zeit und stirbt, daran besteht kein Zweifel. Man richte den Geist auf Manipura und vollziehe stets die Übung der Gottheiten.
53.7 Wieder und wieder rezitiere der Weise Lobgesang, Meditation, Namen und Eigenschaften und stelle überall durch den Atem die Verbindung des Geistes her.
53.8 Durch wiederholtes Anhalten, Halten und Ausatmen bringe er alle Zeit unter seine Macht; selbstbeherrscht werde er unsterblich.
53.9 Er lasse Gier und Verblendung, die Verfehlungen von Begehren, Zorn und Weiterem zurück und vollziehe beherrscht an einem abgeschiedenen Ort beständig das Trinken des Atems.
53.10 Die täglichen Atemübungen zur Durchdringung der sechs Chakras halte er ganz allmählich aufrecht, um langes Leben zu verwirklichen.
53.11 Wenn der dem Atem Dienende, dessen Wesen die Zeit ist, nicht lange lebt, wird der Wissende am Ende der Vollendung der sechs Chakra-Haltungen unter die Macht des Todes fallen.
53.12 Daher soll man Shiva-Erkenntnis verwirklichen, deren Ursache die Atemvollendung ist. Um diese Handlung zu vollziehen, führe man zuerst das Verfahren der fünf Unsterblichen aus.
53.13 Der führende Übende vollziehe es zur Vervollkommnung des eigenen Körpers. Dann führe er Neti-Yoga aus, sodass er Selbstbeherrschung erlangt.
53.14 Dann vollziehe er Dhauti-Yoga, sodass er Selbstbeherrschung erlangt. Neuli-Yoga übe er an einem Ort, an dem keine Menschen sind.
53.15 Dann vollziehe er Danti-Yoga, wenn die hauptsächlichen Handlungen gegeben sind. Er tue dies in jenem Augenblick, da er frei von Durst ist [Satzfügung unklar].
53.16 Die Vernichtung des Durstes ist Befreiung: So lautet meine Bestimmung des Yoga. Ich werde es besonders erklären; höre, Reiniger des Kailasa.
53.17 Nachdem einst die Götter und großen Weisen im Himmel dieses Werk vollzogen und freudig Körpervollendung erreicht hatten, waren sie von Schatten und Täuschung frei.
53.18 Alle konnten überallhin gehen, waren gelehrt im Sinn der Dharma-Lehrwerke, lebten lange und waren mit allem Glück versehen.
53.19 Ich werde die Unterschiede dieser Übung zum Schutz des Körpers erklären. Wer, Mahadeva, die höchste Körperübung vollzieht,
53.20 gelangt zweifellos in mein Haus der Freude. Am Morgen stehe man zur Brahma-Zeit auf, wenn die Frucht der Zeit anhebt.
53.21 Im Sahasrara übe man die Meditation über die Lotosfüße des Gurus. Dann betrachte der Gesegnete Sarasvati in Gestalt des Gurus,
53.22 seine eigene Gottheit, als einer, der höchste Freude kostet und Yoga-Einsicht besitzt. Täglich verneige er sich mit dem Kopf und vollziehe die Reinigungshandlung.
53.23 Durch die Reihenfolge der Reinigung werde der Vollendete mit Reinheit ausgestattet. Zur Reinigung gehe er sorgfältig, mit einem Gefäß als Maß [Formulierung unsicher].
53.24 Er nehme ein Prastha Erde mit und vollziehe die Reinigung, siebzehnmaliges Spülen und wiederholte Darmentleerung [Bedeutung von „Kulkula“ nicht gesichert].
53.25 Dann, Shankara, soll nach dem Text mit dem linken Zeigefinger die Afteröffnung bewegt und wieder und wieder ausgewaschen werden.
53.26 Bis zur Ausscheidung des Unrats und restlosen Beseitigung der Verunreinigung wasche der Einsichtige mit Erde und Wasser und reinige den Bauch.
53.27 Solange Wohlbefinden noch nicht eingetreten ist, setze er dies fort. Dann erhebe er sich und vollziehe vorschriftsgemäß die Reinigung mit Erde.
53.28 Dadurch soll in der angegebenen Reihenfolge auch der Kotgeruch verschwinden. Nach dem Waschen beider Füße wende er sich der inneren Reinigung zu.
53.29 Die Wirksamkeit dieser Handlung werde ich erklären; höre, Herr des Yoga. Eine Schnur aus feinem Stoff werde in die enge Öffnung
53.30 der Nase eingebracht: fest, weich und sehr rein. Nach und nach solle man sie bis zur Zungenwurzel einführen.
53.31 Von der Zungenwurzel aus solle der Einsichtige sie aufnehmen, zwölfmal sehr sanft reiben und die Durchgängigkeit herbeiführen.
53.32 Mit dreimal dem Maya-Samenlaut, dreimal dem Devi-Samenlaut, dreimal auch dem Rama-Samenlaut und den Worten „Verehrung der Yogini“:
53.33 Mit diesem Mantra vollziehe der führende Yogi Neti-Yoga. Nachdem der Bereich des Kopfes bearbeitet wurde, vollziehe er die Reinigung des Halses.
53.34 Dann folgt die Reinigung der Brust, danach die des Nabels. Der Reihe nach vollziehe man sie für den Körper; höre das Verfahren, Herr.
53.35 Man vollziehe Dhauti und nehme warmes Wasser zu sich. Genannt wird ein weißes Tuch aus feinem Faden, acht Finger breit.
53.36 Als vollständiges Längenmaß sind zweiunddreißig Ellen angegeben. Anfangs soll der Mantraübende ein Tuch von vier Fingerbreiten verwenden,
53.37 fünf Ellen lang und mit warmem Wasser versehen. Er solle es schlucken und das übrige Tuch bequem an der Zungenspitze festhalten.
53.38 Mit den Griffen von Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen solle der Einsichtige es schlucken. Täglich vermehre er nach und nach Länge und Breite [letzter Ausdruck unsicher].
53.39 Mit diesem Mantra, Götterherr, sowie dem zuvor genannten Mantra: Überall reinige er mit dem vorhergehenden Samenlaut und spreche den Samenlaut aus.
53.40 Danach dreimal den Shakti-Samenlaut, ebenso dreimal den Kama-Samenlaut, danach dreimal den Lakshmi-Samenlaut und „Bewohnerin der großen Reinigung“ [Lesung „Mahaghauta“ unsicher].
53.41 Darauf folgen in der überlieferten Mantraanweisung eine beschädigte Wendung zu „meiner Nadi und ihrem Unrat“, zweimal „wasche“, dann „die Gattin trage“ [möglicherweise eine Umschreibung des Schlusslauts, nicht sicher auflösbar]. Danach solle man das Tuch in den Bauch einführen.
53.42 Man führe es langsam ein, bis alles hineingelangt ist. Durch die Gnade dieses Yoga werde Vayavi, die Windkraft, sehr gnädig.
53.43 Danach vollziehe der führende Übende zum Wohl des Körpers den höchsten Neuli-Yoga, der die Glieder fest zusammenhält.
53.44 Man bringe den Bauch in kreisende Bewegung, höchster Herr. Stets vollziehe man Bewegung und halte den Lebensatem an.
53.45 Nachdem man nach links gedreht hat, drehe man nach rechts. So vollziehe man der Reihe nach das Erhitzen im umschlossenen Raum, Götterherr.
53.46 Mit diesem Mantra, Götterherr, übe man Hatha in einer günstigen Sitzhaltung: dreimal den Brahma-Samenlaut, danach dreimal den Kali-Samenlaut,
53.47 zweimal den Devi-Pranava, dann „Verehrung der im Körper Weilenden“, gefolgt vom zweifachen Tha. Danach folgt das höchst wunderbare Auswaschen der Nadis und Weiteren.
53.48 Den Brustbereich soll man, Mahadeva, durch Danti-Yoga bearbeiten. Ein reines, schönes Zahnreinigungsholz von einem Gaja als Maß wird genannt.
53.49 Der führende Übende wasche dieses Holz mit dem Mantra: dreimal den Maya-Samenlaut, danach dreimal den Bhairavi-Samenlaut,
53.50 zweimal den Mardini-Samenlaut; „im Zahnreinigungsholz Wohnende, durchschneide meinen Herzknoten“, dies zweimal, und die „Feuerschöne“ als Schluss.
53.51 Nach diesem Verfahren solle es allmählich in die Halsöffnung eingeführt werden, bis es unterhalb des Nabels gelangt und solange Wohlbefinden besteht.
53.52 So lange sei die Danti-Yoga-Handlung am Morgen zu vollziehen, die alle Handlungen umfasst. Danach folge das Auswaschen der Nadis.
53.53 Höre dessen Mantra, Heldenherr, das Unsterblichkeit verleiht: Zuerst nehme man den Pranava, dann zweimal den langen Pranava,
53.54 zweimal den Bhuvaneshi-Samenlaut, danach dreimal den Mond-Samenlaut, danach dreimal den Krishna-Samenlaut, dann dreimal den Sonnen-Samenlaut,
53.55 dreimal Vagbhava, dann dreimal den Feuer-Samenlaut, den Shri-Samenlaut, Manmatha und Lakshmi, danach „Kühle“.
53.56 „Den eigenen Bauch, die Wurzel der Nadis, wasche den Unrat aus“, die letzte Aufforderung zweimal; mit diesem auf Svaha endenden Mantra solle man stets die unteren Nadis auswaschen [letztes Wort grammatisch unsicher].
53.57 Man vollziehe es bis zur Beseitigung des Durstes. Solange die Kraft des Aufsteigens und das Halten für die Dauer von drei Dandas
53.58 noch nicht entstehen, Herr, sei das Auswaschen als Mittel zum Wohlbefinden fortzusetzen [Satzanschluss unsicher]. Wenn durch glückliche Fügung das Atemanhalten für drei Dandas
53.59 von selbst eintritt, sei die Reinigung der Nadis günstig. Bis zum Austausch des feinen Atems und zum ununterbrochenen Trinken des Honigs,
53.60 der den Lotosfüßen entströmt und höchste Freude vermehrt, durch dieses unbegrenzte Glück und durch reine Bewusstheit,
53.61 durch das Wesen aus Bewusstsein und Freude werden Freudentränen freigesetzt. Dann geschieht das Durchtrennen des Herzknotens und das Erstarken des Körpers.
53.62 Dann entstehen Gänsehaut, Festigkeit und beständiges Ergriffensein des Leibes; dann die Erkenntnis der Lehre der sechs Lotusse und reines Bewusstsein.
53.63 Aus Bewusstsein und Freude bestehend, ohne Kenntnis des Durstes, ist man lebend befreit, kostet höchste Freude und liebt Zuneigung.
53.64 Man wird zweifellos ein großer Yogi mit beständigem Geist, gläubig, den Göttern ergeben und frei von verleumderischer Rede.
53.65 Eben dieser wird gewiss zum großen Kenner des Selbst. Nachdem er den fünffachen Yoga und die unübertrefflichen täglichen Handlungen vollzogen hat,
53.66 bade er vorschriftsgemäß in der Stätte des Königs der heiligen Badeorte: in Ida als Gangeswasser oder in Pingala als Yamunawasser,
53.67 in Sushumna als Sarasvati, in den unzähligen Vasu-Pushkaras [Verbindung unklar]. Auch beim äußeren Bad werde der ganze Körper außer dem Kopf gewaschen.
53.68 Den Kopf besprenge man siebenmal mit äußerem Wasser, mit dem Reinigungsmantra oder wiederum mit dem Wurzelmantra.
53.69 Nach dem Abreiben der Glieder vollziehe man die Dämmerungsverehrung: äußerlich durch das Mantra, im Inneren über den Herrn der Urnatur.
53.70 Man betrachte oben und unten den leuchtenden Bindu, vom Kreis des Nada umschlossen. Nach der Dämmerungsverehrung nehme man die große Arznei ein.
53.71 Nachdem die fünf Kuhprodukte mit dem Wurzelmantra besprochen wurden, Kula-Herr, vollziehe man die große Verehrung, wie sie durch das jeweilige eigene Mantra bestimmt ist.
53.72 Dann meditiere man vorschriftsgemäß über die Bedeutung der sechs Chakras, Herr. Die große Verehrung Kundalinis und den heilbringenden Tausendnamen-Lobgesang
53.73 der Gottheiten rezitiere der Einsichtige jederzeit zur vollkommenen Vollendung. Mit den beiden feinen Atemkräften durchdringe er freudig Muladhara.
53.74 Dann durchdringe er Svadhishthana, die Verbindung von Rakini und Vishnu, und vollziehe ihre Reihenfolge, Herr, mit dem heilbringenden Tausendnamen-Lobgesang.
53.75 Nach der Darlegung des tiefsten Geheimnisses und der Weise sattvischer Hingabe durchdringe er freudig den Edelsteinsitz und vollziehe für die beiden dort stehenden Gottheiten
53.76 Meditation, Erkenntnis, täglichen Lobgesang, Opferverehrung und Namenspreis, das Bewusstsein Rudras und Lakinis sowie Mrityunjayas.
53.77 Wer täglich über den alles durchdringenden Herrn als ganz vom Guru erfüllt meditiert, wird zweifellos ein langlebiger großer Yogi.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, unter dem Namen „Durchdringung des Manipura“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 53.
Kapitel 54: Die Reinigung der fünf Vollendungsstoffe
54.1 Anandabhairavi sprach: Kenner der Unterscheidung von Höherem und Niederem, höre jetzt, Allwissender, die verborgene Erkenntnispraxis, die Übung mit den fünf Stoffen und Weiterem.
54.2 Zur Durchdringung der sechs Chakra-Lotusse entsteht durch diese Reihenfolge augenblicklich [Vollendung]. Amara und Amara, die alle Vollendungen Gewährende,
54.3 die Brahman-Erkenntnis Bewirkende und von Brahman-Freude Gestaltige: Ebenso ist die Amara-Ranke zu meditieren, die unter dem Namen Durva bekannt ist.
54.4 Siddhamara ist Nirgundi, die alle Vollendungen Gewährende. Danach ist Nilamara zu nehmen, die blaue Tulasi Genannte.
54.5 Amaru ist das Samaya-Blatt [Pflanzenname unsicher], Amara das Bilva-Blatt. Shiva lieb und stets zu verehren, soll sie die zuvor genannte Wohnstatt aufsuchen [Bezug unklar].
54.6 Höre die Mantras für ihren Verzehr, Herr des Kailasa-Landes. Brahmanin, Kshatriya, Vaishya, Shudra, in der Chakra-Ordnung Jaya [die Zuordnung der Namen bleibt im Text knapp].
54.7 Nachdem man sie mit ihren jeweiligen Mantras gereinigt hat, verzehre man sie mit dem folgenden Mantra. Für den Verzehr aller Amara-Stoffe und der übrigen wird es genannt.
54.8 Pranava, langer Pranava; „Kapila, Erkenntnis Vollbringende, vollende meinen Yoga“, die letzte Aufforderung zweimal, von einem Vokal umschlossen.
54.9 „Von Scharen der Zweige ganz Erfüllte, in der großen Arznei Wohnende, gewähre mir allein Unsterblichkeit; mache, mache“, danach der zweifache Tha.
54.10 Höre die Mantras zum Verzehr der Amara, Herr Parvatis. Allein durch ihre Erinnerung werde ein Mensch zu Narayana.
54.11 Durch den Verzehr des Bilva-Blattes wandle er wie Shiva in der Welt. Man nehme dreimal den Shri-Samenlaut, danach dreimal Vag-Devi,
54.12 den Lakshmi- und Kameshvari-Samenlaut, je dreimal Rama und Kama. „Vollendete Weltenherrin, Höchste, im verborgenen Baum Wohnende,
54.13 mich allein in das Erkenntnisprinzip setze ein, setze ein“, dann der zweifache Tha. Mit diesem Mantra und der „Vidhi-Tattva“ genannten Mudra solle der führende Held
54.14 reinigen und anschließend, Herr, wiederum Amara reinigen: „Durva-Göttin in den drei Welten, Unsterblichkeit Spendende,
54.15 Wasser des Durchtrennens und Durchdringens der Knoten“ [Form unsicher]. Zuerst der Pranava, danach Rama, dann der Vishnu-Samenlaut und der Kinkani-Samenlaut,
54.16 der Rajarajeshvari-Samenlaut, danach dreimal der Shri-Samenlaut; „Nektarstück, mir hier“, und danach setze man die Wörter „vollendet, unsterblich“.
54.17 Man spreche „gib, gib, Verehrung, Svaha“ und reinige damit. Allein durch diesen Verzehr soll man lange glücklich sein.
54.18 Allein durch die Verbindung von allem werde der Übende vollendet. Höre nun die Reinigung der Siddhamara, herrlicher Mondgekrönter.
54.19 Siddhamara ist Nirgundi, in den drei Welten verborgen. Der Einsichtige verwende von ihr vorzüglich die Wurzel oder das Blatt.
54.20 Fehlt die Wurzel, ist das Blatt zu nehmen; fehlt das Blatt, „nicht die Wurzel“ [so der widersprüchliche Wortlaut]. Der beste Übende bringe es an einem günstigen Tag herbei.
54.21 Dann entsteht Vollendung; für Kaulas gibt es keine solche Bindung an Regeln. Im Kaula-Weg liegen alle Vollendung und die Yoga-Praxis.
54.22 Wie sollten Menschen ohne Kula-Lebensführung Yoga, Genuss und Weiteres erlangen? Wie sollte ohne Yoga eine Fülle von Genuss und Weiterem entstehen?
54.23 Allein durch Yoga-Übung erlange man die Verwirklichung des Genusses. Dieser Genuss ist höchste Erkenntnis, das Kosten des Zeitnektars.
54.24 Der Genuss der Freude an Sinnesgegenständen und Weiteres wächst mühelos. Dies ist das anfängliche Werk der Verkörperten, dem Leib lieb, Herr,
54.25 erfüllt von kühlem Nektarwesen und von offenbarter wie unoffenbarter Art. So wurde die anfängliche Übung aus Liebe erklärt.
54.26 Geliebter, zum Schutz des Lebens und zur Abwehr von Kummer und Weiterem verkünde ich dir nochmals das Mantra zur Reinigung der Nirgundi.
54.27 „Om, Nirgundi, große Maya, im großen Yava Wohnende [Lesung unklar], Mutter von Lebensdauer und Gesundheit, im Brahman-Klang Wohnende,
54.28 meinen ganzen Leib mache rein, mache rein.“ Danach zweimal der mit Na endende Laut, mit Bindu und Nada geschmückt und von schönem Glanz,
54.29 vom vierzehnten Vokal erfüllt, mit Bindu geschmückt – die Vorlage setzt „zweifacher Tha“ in Klammern. Danach dreimal den Lakshmi-Samenlaut und eine aus Rama-Samenlaut bestehende Folge niederschreiben.
54.30 „Einen Diamantleib gib, gib“; nach diesen Worten die Feuerschöne. Der beste Übende reinige mit diesem Mantra und verzehre es.
54.31 Danach werde er rasch unsterblich; darüber sei kein Zweifel anzustellen. Ich werde die Reinigung der Tulasi erklären; höre, höchster Herr.
54.32 Wer sie vollzieht, soll frei von Krankheit, kräftig und Herr seiner Sinne werden. Pranava; „Vaishnavi-Göttin, in Sattva-Erkenntnis Wohnende“.
54.33 Nach dreimal dem Kama-Samenlaut zweimal „beschütze mich“, dann der zweifache Tha. Wer diese Reinigung vollzieht und die Pflanze verzehrt,
54.34 diesem Yogi der Meditation und Konzentration soll Körpervollendung zuteilwerden.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Reinigung der fünf Vollendungsstoffe“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 54.
Kapitel 55: Manipura-Meditation und Übergang zum Herzlotos
55.1 Shri Anandabhairavi sprach: Aus Liebe zu dir erkläre ich die besondere Beherrschung des Körpers. Hatha-Yoga ist dargelegt worden; höre jetzt die Reihenfolge.
55.2 Ich verkünde den im Manipura stehenden Rudra, dessen Atem in den drei Welten unerschöpflich ist, o Shiva-Freude, Shiva, Shankara, Heil.
55.3 Oberhalb des Svadhishthana liegt ein Meer höchster Freude: die Nabelwurzel, inmitten eines Wolkennetzes von hundert Blitzen erfüllt.
55.4 Sie ist das tiefste Geheimnis, für Yogis der innerste Wesenskern. Dort am Ort der Nabelwurzel ist ein blauer Lotos von großem Glanz.
55.5 An seinen Blattspitzen leuchten stets die Buchstaben von Da bis Pha [gemeint ist die im Text mit ḍa beginnende Reihe]. Außen erscheint die schöne dreieckige Gestalt des Feuers.
55.6 Sie gleicht der Morgensonne, hat Flammengestalt und ist makellos. Dort ist die Gestalt des Feuer-Samenlauts, jenseits der Gestalt und innerhalb der Eigenschaften.
55.7 Man betrachte ihn mit einem Widderrücken als Fahrzeug, von rötlicher Gestalt, vierarmig, dreiäugig, mit schönem Leib, den Höchsten.
55.8 In seinem Schoß strahlt Rudreshvara, dessen Leib zinnoberrot ist, von Brahma-Gestalt, dreiäugig, Schöpfer von Entstehung und Auflösung.
55.9 Seine Glieder sind mit heiliger Asche geschmückt; der Allgegenwärtige gewährt den Welten das Gewünschte. Zu seiner Linken leuchtet stets Lakini, die höchste Gottheit.
55.10 Vierarmig ist die große Göttin, dreiäugig, Glück Spendende, dunkelgliedrig, gelb gekleidet, die mannigfach geschmückte Unsterbliche.
55.11 Die Mutter schenkt alle Vollendungen und beschützt alles überall. Möge die Göttin, Hüterin des Kula, mich stets durch ihre Vidyas beschützen.
55.12 Nachdem der Mantraübende so meditiert und durch Japa, Opfer, Lobgesänge und Weiteres verehrt hat, wird er durch die Gnade des Manipura vollendet.
55.13 Ich werde die Frucht des Manipura kurz erklären; höre sie. Selbst in hundert Millionen Jahren lässt sich diese Frucht nicht aussprechen.
55.14 Nach Manipura ist Anahata darzulegen: Lobgesang, Meditation, Namen und der tausendfach mit Eigenschaften versehene Shankara.
55.15 Die Frucht ist überaus geheim; sie gewährt die nahe Vollendung des guten Herzlotos, Selbsterkenntnis, Befreiungsvollendung und das Erlangen liebender Hingabe und Weiteres.
55.16 Als Auflöser der Menschenscharen, Erhalter und Quelle des Lotos erlangt der König der Yogis unvermittelt den Reichtum einer Fülle von Erkenntnis.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Durchdringung des Manipura“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 55.
Kapitel 56: Der Herzlotos und seine Buchstabenmeditation
56.1 Shri Anandabhairava sprach: Sprich, Liebende, Jugendliche, Freude der Götter, Kula-Herrin. Nun sollst du die Anordnung des Herzlotos erklären.
56.2 Allein durch ihre Erkenntnis kann ein Mensch zum Herrn des Yoga werden. Sie ist die Stätte aller Vollendungshandlungen und selbst für Yogis sehr schwer zu erlangen.
56.3 Sie ist das Wesen aller Prinzipien und offenbart den Weg der Vollendung. Durch die Erkenntnis des Herzlotos werde man zu Martanda-Bhairava.
56.4 All dies möchte ich hören, das Heil des Wesenskerns der sechs Chakras: aus Liebe, in der Reihenfolge des Schauens und aus dem Entstehen des Bhakti-Yoga,
56.5 Durchdringung, Betrachtung, Erkenntnis und Schau des Geistes, Erschließung der Mantras und ihre Zeichen, den Aufgang der Allwissenheit und anderer Eigenschaften,
56.6 die Verehrung der Göttin Kakini und Ishvaras, dessen Wesen die Eigenschaften sind, Lobgesang, Schutztext und den ganzen heilbringenden Tausendnamen-Text.
56.7 Erkläre mir kurz die Erkenntnis der Kreise der Atemkräfte. Du allein bist meine Zuflucht, Göttin; rette mich aus der Bedrängnis des Leids.
56.8 [Antwort der Göttin:] Mahakala, ohne Furcht, der Haltung der Hingabe ergeben, mein Herr Anandabhairava, höre; ich werde es wahrheitsgemäß erklären.
56.9 Was du hier erfragt hast, gilt als unerhört und wunderbar. Nirgendwo wurde es ausgesprochen, Allherr; aus Liebe zu dir wird es offenbart.
56.10 Dieses nicht öffentlich zu machende Juwel wehrt das Netz des Leids ab. Vollziehe du aufmerksam die Yoga-Praxis, Allherr.
56.11 Verbinde dich im Yoga mit mir, Mahadeva, und bringe die Zeit unter deine Macht. Wer Yoga mit mir und die Handlungen von Vollendung und Hingabe nicht vollzieht,
56.12 den trifft unvermittelt der Tod; zweifellos wird er Speise der Zeit. Mich allein verehre man im Herzlotos, wo die vollkommene Frucht aufgeht,
56.13 in jeder Gestalt, im Reich des Geistes, erfüllt von vielerlei Wundern. Nach der Verehrung meditiere man stets über mich als Kakini, ohne Zweifel.
56.14 Durch die Gnade des Herzlotos wird man zum Yogi, Herr. Alle Götter mit Indra stehen inmitten des Herzlotos.
56.15 Sie verehren mich täglich, ganz der Haltung der Hingabe ergeben. Die meditieren, großer Held, sehen sie mitsamt Indra.
56.16 Durch schrittweise Verbindung des Lebensatems sehen sie mich zweifellos. Mich allein, Gegenstand der Kakini-Meditation, mit ruhendem Atem, Gewaltige,
56.17 sehen die Yogis im Leib als achtfache Herrschaft von großem Glanz. Allein durch Bhakti-Yoga werden sie die Besten im beständigen Yoga.
56.18 Wer zuerst die Lotosmeditation vollzieht, wird vollendet. Höre diese Meditation, Heldenherr, die hier für Yogis schwer zu erlangen ist.
56.19 Der Herzlotos wird vom Kula beschützt, ist überaus anmutig und durch Hamsa gereinigt; ihn durchdringen Millionen reine Lichtstrahlen der Bandhuka-Blüte, die Übenden betrachten ihn ehrfürchtig. Mit einer Fülle höchster Strahlen verbunden, ist er rot wie reichlicher Zinnober. Wer täglich meditierend diesen von roten Buchstaben ab Ka umgebenen Lotos schaut,
56.20 wird ein Herr millionenfachen Reichtums und bester Mensch im Meer des Seins. Wer beständig über die Schriftzeichen meditiert, schaut den ewigen Herrn. Ich erkläre ihre gesamte Meditation der Reihe nach, durch die man vollendet werde: den inmitten des Freudenmeeres gebildeten Lotos, strahlend mit den sonnenhaften Buchstaben ab Ka.
56.21 Auf dem östlichen Blatt meditiere man über den überaus reinen Buchstaben Ka, verbunden mit den roten Strahlen der Morgensonne, von paarigem Wesen, vierarmig, ewig, dreiäugig, unendlich, in der Sonne stehend; gegründet in Bhava und der ursprünglichen Shakti, mit einem Leib, den die Fülle seines eigenen Hauses schmückt.
56.22 Auf diesem zweiten Blatt meditiere man freudig über Kha, die Stätte einer Fülle von Röte, den Sitz der herrlichen Tarini, Wind und Raum erfreuend; so über den höchsten Wind, die göttliche Schlange, goldgeschmückt, dreiäugig, unschätzbar und voller Glück.
56.23 Auf diesem dritten Blatt meditiere man stets über den höchsten Purusha, Shri Ganapati, dreiäugig, mit mondgeschmückter Stirn, von eigener Zinnobergestalt und mit zwei Paaren schöner Arme; rot aufleuchtend, mit einer Kette junger Edelsteine und mit überwundenem Hochmut.
56.24 Auf dem vierten Blatt meditiere ich über ihn, hundertfach rot, mit schrecklichem Klang, in Handlungen geschickt, als Gestalt mit drei Lotosaugen und zwei Armen. Er trägt Segen, Furchtlosigkeit, eine leuchtende Kristall-Gebetskette und Weiteres; Schlangenhauben schmücken seine Glieder. Shiva, Shiva, ich meditiere über den höchsten Herrn der Antlitze [letzte Wortverbindung unsicher].
56.25 Über den Ngaṃ-Samenlaut meditiere ich: zinnoberrot, Herr aller, dreiäugig, Stätte großer Befreiung, geschmückt mit Edelsteinen, Gold und Juwelen; vierarmiger Rudra, der eine Bhava in der Welt, Herr der Eigenschaften, der Schädel, herrliche Kette, Segen und Furchtlosigkeit trägt.
56.26 Ich meditiere über jenen Allgegenwärtigen mit vier strahlenden Armen, mit Lotos, Segen, Kette und Schwert, dreiäugig, dessen Antlitz hundert Monden gleicht; wie die Morgensonne, mit allen Arten von Edelsteinschmuck, ein großes Netz von Mondlicht, dessen Leib aus einem Tropfen höchsten Saftes entstand.
56.27 Ich meditiere über den einen, im Auge stehenden Cha, Reinheit Schaffenden, die neue Sonne, vierarmig, mit Segen, schönem Leib, Schädel und Pfeilen [Zusammensetzung unsicher]; Nektarströme trinkend, von goldener Gebetskette umgeben, dreiäugig, Herrn der Yogis, auf dem Vasu-Blatt stehend, mit schönem Antlitz.
56.28 Ich meditiere über Ja, den Viergesichtigen, Ungeborenen, Unsterblichen mit rötlichem Leib, großäugig, fein, von einheitlichem Geschmack und Brahma-Leib; den vierarmigen Gott, Stätte der drei Welten, aus Wesenskern gebildet, der große Muschel, Rudra [so die Vorlage], Segen und Furchtlosigkeit trägt, den Kraftvollen.
56.29 Auf dem achten Blatt meditiere ich freudig über den großen, leuchtenden Leib, über den schönen, alles umfassenden Samenlaut, den Begierde Entfernenden mit mächtigem Antlitz; einen großen Zinnoberberg, rein wie Millionen Sonnenkräfte, dreiäugig, fünfgesichtig, zehnarmig, von jeder Gestalt.
56.30 Auf dem Sonnenblatt meditiere ich über den Nya-Samenlaut, dessen Flamme mit dem Halbmond entsteht, den Herrn des Opfers, dreiäugig, vierarmig, mit schönem Lotos, Keule und Diskus; von großer Kette umgeben, den schön goldgeschmückten Guru, die Morgensonne, von der Welt verehrte Gestalt mit verfilztem Haar.
56.31 Auf dem roten Blatt des höchsten Herrn, im Herzen auf Shivas Blatt, dem vollendeten Lotos, meditiere ich freudig über den Ta-Samenlaut [retroflexes ṭa], mit Bindu und Mond, in Geistesgestalt gehüllt, dreiäugig, mit Gebetskette, Segen, Furchtlosigkeit und Schwert; über den einen Mondherrn Shambhu mit beweglichen Edelsteinohrringen.
56.32 Auf dem Sonnenblatt meditiere ich über den dreiäugigen, Kama Genannten, der aus kindlicher Gnade die Vollendungsfrucht gewährt, makellos unter den durch Juwelenschmuck glänzenden Gestalten; über Tha [retroflexes ṭha] mit Bindu und Mond, mit Millionen Strahlen neuer Sonnen, Lotos, Segen, Kette und Kind tragend.
56.33 Dies ist das Haus der Auflösung des reinen Geistes zur Vollendung des Bewusstseins, der Kreis des Wunschjuwels, wenn man stets Japa und Betrachtung der Buchstaben vollzieht. Der führende Yogi wird Vasishtha gleich, ein Herr der Rede auf Erden; er erlangt Vollendung der Rede und langes Verweilen überall. Er ist ein Gott, kein Mensch.
56.34 Der Kreis des Herzlotos ist das Haus des wunscherfüllenden Juwels. In seiner Mitte liegt die mächtige Windstätte in Kreisgestalt.
56.35 Sie ist von der Leuchtkraft der Einsicht durchdrungen; in ihrer Mitte steht der Windbuchstabe, wie von Rauch verhüllt, die höchste vollendete Stätte.
56.36 Darin liegt der Sitz der Gottheit, der höchste sechseckige Kreis. In dessen Mitte betrachte man die eigene erwählte Gottheit nach der jeweiligen Ritualvorschrift.
56.37 Dort meditiere man über Vayu von überaus feiner Gestalt: das gestaltlose höchste Brahman und zugleich gestalttragend, von Klanggestalt,
56.38 ohne Buchstaben und reich an eigenem Buchstaben, überaus gewaltig, beständig, vierarmig, die Welt durchdringend, auf einer Schwarzantilope sitzend, jung [Lesung „yavam“ unsicher],
56.39 den drei Welten Segen spendend, von der Gestalt eines Meeres des Mitgefühls, aus den fünf Elementen bestehend, kraftvoll, Prana genannt und gekrönt.
56.40 Er trägt Segen und Furchtlosigkeit, Glocke und Damaru samt Dienern [Zusammensetzung unklar]; er ist unter dem Namen Isha bekannt, höchster Hamsa und Kula-Herr.
56.41 Der führende Übende betrachte ihn, dessen Glieder aller Schmuck ziert, als Ursache des Aufgangs der Unterscheidung, umgeben von den Scharen seines Gefolges.
56.42 In diesem Lotos meditiere man über Ishvara von Buchstabengestalt, den heilbringenden Herrn der drei Welten, vierarmig und gekrönt,
56.43 mit edelsteinkettengeschmückten Gliedern, weiß, von großem Glanz, Ishvara, Herrn der Yogis, Segenspender, höchsten Herrn,
56.44 den Uralten, ausgestattet mit dem Glanz von Segen, Furchtlosigkeit, Muschel und Lotos, an den Gliedern mit Edelsteinen geschmückt, im Herzlotos wohnend,
56.45 der mehr als das Gewünschte gewährt und Vollendung der inneren Haltung offenbart. Über den höchsten Hamsa Ishana meditiere man im Kreis des Herzlotos.
56.46 An seiner Seite meditiere man über Kakini, die höchste Herrin, die in den drei Welten verehrte Göttin, die den Krähen-Schnabel offenbart.
56.47 Sie ist vierarmig, gelb, durch gelbe Gewänder geschmückt, von der Gestalt Millionen frischer Blitze und mit beweglichen Lotosaugen,
56.48 mit Schädel, Mond, Dreizackwaffe und Segensgabe ausgestattet, mit goldenem Schmuck aus vielerlei Edelsteinen geziert,
56.49 Anmut der drei Welten, Feine, mit Segen und Furchtlosigkeit gewährenden Lotushänden, am Nektartrinken erfreut, berauscht, vollkommen gestaltig, Kula-Herrin,
56.50 reich an Edelsteinarmreifen und Ketten, Bhairavi höchster Freude. Ich meditiere über die inmitten des Herzlotos stehende, wie ein Schwan Gehende.
56.51 Inmitten dieses Sitzes betrachte man ein Dreieck und die Shakti des Sitzes, von Gold erfüllt, aufleuchtend wie Millionen Blitze,
56.52 Kakini gleich, berauscht, mit vollkommen erhobenem innerem Organ, reich an jeglichem Schmuck und von Gefolgscharen umgeben.
56.53 An ihrer rechten Seite betrachte man dich als Linga [die überlieferte Verbindung „tvāmaliṅgakam“ ist unsicher], von reinem Goldglanz, makellos und schön leuchtend,
56.54 die Mahalakshmi liebe Freude, allgestaltig und unbefleckt, Aufgang des Erkenntnis-Yoga, von Brahman-Gestalt und vielgestaltig.
56.55 Ishvara Shiva betrachte man in Gestalt einer Lampenflamme. Wer diese erkennt, wird augenblicklich zum Herrn der Rede.
56.56 Dort betrachte man zur Vollendung die Wirksamkeit des Wortes, Herr. Dort betrachte der führende Übende auch den Sonnenkreis.
56.57 Inmitten der Lotosfäden betrachte man ihn mit zehntausendfacher Röte. Schon durch einen Monat Übung werde der Yogi einer mit kühlem Leib.
56.58 Im zweiten Monat soll der Knoten durchtrennt werden; man werde mit unendlichen Eigenschaften ausgestattet. Im dritten sei man zum Yoga befähigt und vernichte Schlangengift und andere Gifte.
56.59 Im vierten Monat werde man ein Betrachtender mit reinem Selbst und festem Geist. Ist der fünfte Monat erreicht, so zeige sich Vayavi gnädig.
56.60 Der Atem ruht, der Blick ruht, überaus groß ist die Fülle des Glücks. Danach wachse dies Tag für Tag durch das Mitgefühl der Atemkräfte.
56.61 Nach sechs Monaten lasse man Verfehlung zurück und wandle lange wie ein Befreiter. Im Wasser, im Feuer und in einer Erdgrube solle man niemals sterben.
56.62 Man werde von Ishvaras Wesen, ein großer Wissender, ohne Zweifel und Bedrängnis, Kenner der Lehre großer Unterscheidung und frei von Trennung.
56.63 So geworden, lebe man lange und habe täglich Anteil am Genuss. Im siebten Monat sei man von Vorstellungen frei; „Madana, Gestalt des Makels“ folgt in der Vorlage ohne klaren Anschluss.
56.64 Man erlange die Eigenschaft beständiger Freude und erhebe sich täglich vom Boden. Im achten Monat vernichte man alle Feinde und sei „ohne den Namen Rama“ [unklare Lesung].
56.65 Es folgen die Schau der Kleinwerdung und anderer Kräfte sowie die Schau Brahmas und Govindas. Im neunten Monat soll die Reinigung vollendet und ein Abheben von drei Ellen erreicht sein.
56.66 Im zehnten Monat folgen Yoga-Vollendung und die Schau der sechs Chakras und Weiteren. Man werde zum Kenner der Durchdringung der Brahma-Öffnung, von großer Freuden-Gestalt.
56.67 Im elften Monat seien alle Vollendungen erreicht; man trage einen aus den fünf Elementen bestehenden Leib, schaue die sieben Himmel und sehe die sechs Shiva lieben [Gestalten; Bezug unsicher].
56.68 Im zwölften folgen Ehrung durch die Götter, Schau der Füße der Gottheiten, überaus große Fortdauer des Glücks und Abwehr des Maya-Netzes,
56.69 alle Vidyas, alle Vollendungen und göttliche Hingabe von glücklichem Aufgang. Diese sind die Helden, die führenden Yogis, die Göttlichen und die Bhairavas.
56.70 Sie alle sind Bezwinger des Todes; sie sind die Verehrer, die an Befreiung teilhaben. Die lange im großen Wald oder auf einem menschenleeren Berg wohnen,
56.71 halten und verwirklichen diesen Yoga, Kula-Herr. Im Yoga entsteht durch Vereinigung Befreiung: So lautet meine Bestimmung der Wahrheit.
56.72 Die Befreiung beim Überschreiten des Samsara wird mit dem Wort Yoga bezeichnet. Schwer ist Yoga in der Welt zu erlangen; nichts ist höher als Yoga.
56.73 Yoga wird als fünffach bezeichnet. Einer gilt den Gegenständen, der zweite ist zweifach unterteilt, Verehrungs-Yoga ist der dritte.
56.74 Bhakti-Yoga und der höchste Wesenskern des Brahman-Yoga, Kula-Herr: Überall wird der Gebundene durch die Verbindung des Geistes gewiss befreit [die Fünferzählung bleibt im Text unvollständig entfaltet].
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Anordnung des Anahata-Lotos“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 56.
Kapitel 57: Das Gefolge von Kakini und Ishvara
57.1 Shri Anandabhairavi sprach: Nun werde ich das Kennzeichen der Eigenschaft der Unterscheidung erklären. Auf die Buchstabenmeditation folgt die Verehrung; groß ist ihre Frucht.
57.2 Durch Verehrung erlange man Verehrung und die aus innerer Haltung entstehende Unterscheidung, die Verbindung Kakinis und Ishvaras, einen höchst seltenen Zustand.
57.3 Die Verehrung der Göttin Kakini und die Betrachtung Ishvaras: In der Haltung der Verehrung entsteht augenblicklich große Vollendung, Shiva.
57.4 Durch innere Haltung wird Verehrung erlangt; durch Verehrung erlangt man Unterscheidung. Diese Unterscheidung als Brahman-Zustand erreicht man in Millionen Geburten.
57.5 Oder sie wird rasch durch deine und meine Gnade erlangt. Höre ihre Weise, Geliebter meines Lebens, Herr der drei Städte.
57.6 Allein durch ihre Erkenntnis wird man ein höchster Betrachtender. Neben den Buchstaben betrachte man in den vier Richtungen der Reihe nach
57.7 die mit Yoga verbundenen Herren der Vollendeten, die beim großen Purusha Zuflucht gefunden haben: Brahma, den höchsten Hamsa, Rudra, den Weltenherrn und Gebieter,
57.8 Mrityunjaya, Mahakala, Nilakantha, den Götterherrn, Shri Vishnu, den Gemahl Kamalas, den fünfhaarigen Kumara,
57.9 Mond, Sonne, Prajanatha, Daksha und den Herrn der Weisen, Prachetas, Marichi, Kashyapa und Pulaha,
57.10 Vasishtha und Bhrigu, Gautama, den Weisen Kapila, Pulastya und Kratu, Prahlada und Kardama,
57.11 den Rishi Atharvangiras, die Balakhilyas und Strahlentrinker, Manasa, Antariksha, die Vidyas und den allgegenwärtigen Wind,
57.12 Feuer, Wasser, Erde, Berührung und Klang, ebenso Gestalt, Geschmack, Geruch, Urnatur und Veränderung,
57.13 und alles andere, was Ursache ist, das Unvergängliche der Erde, Bewegliches und Unbewegliches. Die Götter mit Indra gehen an seiner Seite und umkreisen ihn beständig.
57.14 Agastya von großer Leuchtkraft, der kraftvolle Markandeya, Jamadagni, Bharadvaja, Samvarta und Chyavana,
57.15 der hochgesegnete Durvasas, der rechtschaffene Rishyashringa, der erhabene Sanatkumara, Yoga-Lehrer von großer Askese,
57.16 Asita, Devala und der wahrheitskundige Jaigishavya, Rishabha, Ajita und Shakra, der sehr kraftvolle Mani,
57.17 und der achtgliedrige Ayurveda: Diese leuchten in ihren eigenen Gestalten. Der Mond mit den Mondhäusern, den Adityas und Strahlen,
57.18 die Winde und Jahreszeiten, Entschluss und Lebensatem, als verkörperte große Wesen, großen Gelübden hingegeben,
57.19 diese und viele andere verehren Ishvara. Die besten Übenden sollen sie neben den Buchstaben betrachten.
57.20 An seiner Seite leuchtet der Träger millionenfachen Glanzes. Dort sind Artha, Dharma, Kama, Freude, Abneigung und Selbstbeherrschung,
57.21 die führenden Gandharvas mitsamt Apsaras, siebenundzwanzig andere und die Weltenhüter überall,
57.22 Shukra, Brihaspati, Budha, Angaraka, Shanaishchara, Rahu und ebenso sämtliche Planetenkräfte,
57.23 Mantra und Rathantara, Havishman und Vasuman, die Adityas mit Oberkönigen, von vielerlei Scharen verehrt,
57.24 die Maruts, Vishvakarman, die Vasus, die Schädelträger, ebenso sämtliche Ahnenscharen und alle Opfergaben,
57.25 Rigveda, Samaveda, Yajurveda und die Vorschrift, Atharvaveda und alle Lehrwerke,
57.26 die Unterweisung der Überlieferungen und sämtliche Vedangas, Planetenkräfte, Opfer, Soma-Gaben und alle Gottheiten,
57.27 Savitri, Tarini, Durga und die siebenfache Vani; Medha, Dhriti, Smriti, Prajna, Buddhi, Yashas und Kshama – Auffassungskraft, Festigkeit, Erinnerung, Weisheit, Einsicht, Ruhm und Geduld.
57.28 Die Saman-Gesänge, Offenbarungslehren und vielfältigen Lieder, die mit Begründungen verbundenen Kommentare erscheinen in leibhaftiger Gestalt.
57.29 Verschiedene kleine Dramen, Werke, Erzählungen, Geschichten und Lehrverse stehen dort, ebenso die Verdienstvollen, die verdienstvollen Guru-Verehrer.
57.30 Augenblicke, Lavas und Muhurtas, Tag und Nacht allenthalben, Monatshälften, Monate und die sechs Jahreszeiten, Shankara,
57.31 Jahre, der Fünfjahreszyklus, Monate und vierfache Nacht sowie das göttliche Zeitrad, ewig, unerschöpflich und unveränderlich,
57.32 und ebenso das Rad des Dharma sind stets dort, Maheshvara. Aditi und Diti, Rudra und Vinata,
57.33 Kalika, die jugendliche Göttin, Surasa und Gautami, die Göttinnen Pradha und Kadru und die Mütter der Gottheiten,
57.34 Rudrani, Shri, Lakshmi, Bhadra, Shashthi und Para, die Prithivi genannte Göttin, Hri, Svaha und Kirti,
57.35 die Göttin Sura und Shachi, Pushti und Arundhati, Samsiddhi, die Vollendung gewährende Vidya, Mahadevi und Rati,
57.36 diese und andere Göttinnen stehen geschmückt dort. Adityas, Vasus, Rudras, Maruts und die beiden Ashvins,
57.37 Vishvedevas, Sadhyas, Ahnen und große Rishis sowie königliche Rishis von Harishchandra an leuchten dort, Herr.
57.38 Alle tragen goldene Ohrringe und jeglichen Schmuck. Voll innerer Haltung sind ihre Leiber in die Klänge von Gesang, Instrumenten und Weiterem versunken.
57.39 Sie betrachten die große Herrin Kakini, die höchste Herrin, von Buchstabengestalt, ewige Kraft, ihrem Gatten Maheshvara treu.
57.40 Sie betrachten Ishvara und verehren ihn ununterbrochen, umgeben ihn in schönen Gestalten und gewähren den Reichtum der acht Vollendungen.
57.41 Diese Lichtgestalten, die neben den Buchstaben wandeln, sind zu verehren, Mahakala. Mit dem Namen und den Worten „Sei gnädig, Herr, Gebieter“ verehre man sie im Geist.
57.42 „Ich verehre Kakini, die dem Herrn der Buchstaben liebe Freude.“ Mit eben diesem Mantra ist Sarasvati von Buchstabengestalt zu verehren.
57.43 Dann werden sie durch Shri Kakini im Kali-Zeitalter gnädig und vollendet [der Satzanschluss ist knapp und grammatisch unsicher].
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Verehrung der neben den Buchstaben von Kakini und Ishvara Wandelnden“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 57.
Kapitel 58: Mantras und Nyasa zur Vollendung Kakinis
58.1 Shri Anandabhairavi sprach: Höre nun die Größe der acht Vollendungen, herrlicher Mondgekrönter, ebenso die Erschließung der Mantras, Nyasa und den dir lieben Schutztext mit seinen Gliedern,
58.2 den Tausendnamen-Lobgesang mit acht zusätzlichen Namen, dem Mantra lieb, und die gesamte Meditation mit Gestalt, die Zustände wie das Wohnen in derselben Welt gewährt.
58.3 Allein durch ihren Vollzug wird ein Mensch zu einem Gott. Aus einem Baumsamen entsteht ein Baum; durch Vertrauen geht die Frucht auf.
58.4 Ebenso entstehen die Mantras durch die Verbindung mit dem Samenlaut. Der Samenlaut ist höchste Erkenntnis; Bewegliches und Unbewegliches hängen von ihm ab.
58.5 Auf den Samenlaut gestützt, leuchten alle mächtigen Herren von großer Kraft, wie Millionen Sonnen strahlend, in der Stätte des Lebensatems wohnend.
58.6 Manche gleichen zehntausend Sonnen, manche leuchten wie hundert Sonnen, manche wie zwölf Sonnen und manch einer strahlt wie eine einzige.
58.7 Ein gewisser Weiser leuchtet auf, ein anderer glänzt wie der Mond; einer trägt den Strahl herrlichen Glanzes, Muschel, Diskus und Keule.
58.8 Diese sind aus dem Samenlaut entstanden; die fünf Gottheiten sind auch ohne Samenlaut. Brahma, Vishnu, Shiva und Anandabhairava sind die Gottheiten des Lebensatems [bei der Fünferzählung bleibt eine Gottheit unausgesprochen].
58.9 Brahma lässt als Brahman-Gestalt in den Atemweg eintreten. Vishnu, der Herr, befindet sich als Vishnu-Prinzip innerhalb des Atemanhaltens.
58.10 Shiva, der Herr, geht in Auflösungsgestalt in die große Auflösung ein. Der herrliche Anandabhairava kennt die Wurzel und ist höher als das Höchste.
58.11 Die vom Wurzellotos bis zur Brahma-Öffnung eindringende Kraft ist als Lebensatem-Vidya von Samenlautgestalt, die Ewige.
58.12 Sie ist von Yogis stets zu betrachten; durch die Glieder des Yoga wird sie tief betrachtet. Welche großen Rishis könnten sie ohne die Yoga-Lehre erkennen, Herr?
58.13 Sie ist überaus mühsam zu verwirklichen, von Yogis zu erkennen, gedankenschnell, vielgestaltig, von gewaltiger Gestalt, Ein- und Ausatmen offenbarend.
58.14 Inmitten des Herzlotos steht sie, in Ishvaras Stätte wohnend. Sie offenbart den Schnabel der Zeit und steht im Herzen aller Wesen.
58.15 Sie schafft allen Erkenntnis und im Herzen alle Freude. Diese Göttin ist die Kakini-Vidya, Ishvari, die höchste Kraft.
58.16 Man betrachte sie leuchtend wie Millionen Sonnen und mit einem Antlitz wie Millionen Monde. Ihr Mantra ist ein großes Mantra, das Brahman-Mantra der Yogis.
58.17 Höre freudig, Herr, Kula-Freude, das Mantra mit Bhairavi am Anfang. Durch die Macht dieses Mantras bringe man das höchste Selbst unter seine Gewalt.
58.18 Man spreche den langen Pranava aus und nehme das linke Auge hinzu. Nach Maya nehme man den Vagbhava-Samenlaut und den Kama-Samenlaut.
58.19 Dann den Kama-Samenlaut, „der Herrschaft“ beziehungsweise „Ishvari“ [die Form aiśvarye ist unsicher], Verehrung und zuletzt die Feuergeliebte. Durch die Gnade dieses Mantras beherrsche man augenblicklich die Zeit.
58.20 Man erlange höchstes Glück und entferne Furcht und Unwissenheit. Das Mantra umschließe man mit Kama oder auch mit Vagbhava, Herr.
58.21 Mit dem eigenen Mantra umschlossen, soll hier bald Vollendung entstehen. Nun werde ich ein anderes Mantra erklären; erfasse es aufmerksam.
58.22 Man nehme Bhadrakali, dann den Kinkini-Samenlaut, danach den Bala-Samenlaut und „Verehrung der Maheshvari“, gefolgt vom zweifachen Tha.
58.23 Allein mit dem Wurzelmantra, von Wurzelmantras umschlossen, verehre man mit höchster Hingabe im Kreis des Herzlotos.
58.24 Dieses Mantra soll nicht öffentlich gemacht werden; es ist in allen Tantras verborgen. Durch hunderttausend Wiederholungen entstehe Vollendung; man werde im Herzlotos gefestigt.
58.25 Unvermittelt schaut man das Lebewesen in Gestalt einer Lampenflamme. Dann wird man durch die Übung des Ishvari-Mantras ein großer Yogi.
58.26 Ich werde die Meditation der Verehrung erklären, höher und geheimer als das Geheimste. Nach der Meditation verehre man mit Fußwasser und Weiterem, Herr, mit im Geist geschaffenen Blumen,
58.27 mit höchster Hingabe, ganz der Meditation über das Mantra ergeben.
58.28 Ich verehre jene herrliche Ishvari inmitten des Herzlotos: Ihr Glanz ist wie die schönen Strahlen von hundert Millionen Monden, ihre Schönheit gleicht den Eigenschaften des Wunschbaumes. Sie ist rein und hat vier Hände; ihre Stirn trägt rötliche Strahlen, ihre Halsketten und Girlanden bewegen sich.
58.29 Nachdem man sie so als Allgestaltige im Herzlotos betrachtet hat, verehre man sie wieder und wieder mit Blumen, die in den drei Welten entstehen.
58.30 Gewiss erlangt man durch die Macht des Verehrungs-Yoga Vollendung. Die Verehrung soll Lebensdauer und Gesundheit hervorbringen; ihre Frucht ist überaus groß.
58.31 Dann rezitiere man das große Mantra in der Reihenfolge der Buchstabenkette. Danach vollziehe man Pranayama und setze die Laute in allen Gliedern ein.
58.32 An der Gesamtheit der Matrika-Knoten setze man mit den zuvor genannten Namen ein, eben mit den Namen derer, die im vorherigen Kapitel genannt wurden.
58.33 Nach dem von Mantras umschlossenen Einsetzen vollziehe man Mantra-Nyasa. Danach nehme man das Nyasa der acht Shaktis Kakinis vor.
58.34 Kakajihva, Dvikandeshi, Kamakhya, Kakini-Dhvaja, Kakini, Kakamala und Kakachanchuprakashini,
58.35 sowie Kokila: Mit den Namen dieser acht Shaktis setze man auf dem Kopf ein [die Gliederung der Namensreihe ist nicht eindeutig]. Danach setze man in der Halsgrube ein, umschlossen von den sechzehn Vokalen.
58.36 Im Herzen setze man, Herr, das Mantra ein, von den zwölf Buchstaben ab Ka umschlossen. Nach diesem vorschriftsgemäßen Nyasa setze man am Nabel die vom Mantra umschlossene Reihe
58.37 von Da bis Pha ein [ḍa–pha], am eigenen Geschlechtsorgan Ba bis La, im Muladhara Va bis Sa, umschlossen vom Wurzelmantra.
58.38 Nach diesem Einsetzen vollziehe man das durchdringende Nyasa und binde die Glieder. Dann vollziehe man einmal Pranayama und nehme in den Lebenskräften Zuflucht.
58.39 Danach lese der Einsichtige den Lobgesang; höre ihn ganz, Shankara. Als Esser von Opferspeise und selbstbeherrscht übe man hier zur Vollendung.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, unter dem Namen „Übung zur Vollendung Kakinis“ das Kapitel 58.
Kapitel 59: Lobgesang an Kakini
59.1 Shri Anandabhairavi sprach: Die Herrin der Erkenntnis, Heil Wirkende, ist von Yogaherren, Hari und Hara, Gurus und großen Indras zu betrachten. Jene Kakini, höchste Shiva, Gemahlin des höchsten Herrn, preise ich inmitten des Sitzes des schönen Herzlotos.
59.2 Du bist die Einzige zur Zeit der äußersten Vernichtung der drei Welten, Kakini, Gattin des Samara-Kanda-Kaka [Name beschädigt überliefert]. Du leuchtest als Zeugin des Vorgangs der Weltzerstörung. Wie die Königin des Raben Bhushanda verehren wir dich.
59.3 Du Einzige, Kakini, bist zur Zeit der Vereinigung, die alles trägt, im verkörperten Dasein festzuhalten, o Sati. Auf dem Windsitz, wenn die Veränderungen des Geistes rasch vergehen, preise ich dich so, die sich im Schnabel des Rabenherrn bewegt.
59.4 Beim Aufgang der inneren Haltung bist du die Liebende, in Weglosigkeit die Haltung [Textfügung unsicher]; im Reichtum des Yoga der Freude bist du die Weltenherrin. Durch Mandara-Girlanden Schöne, höchste Herrin, gewähre zuerst Schutz; ich nehme bei der Einsicht Zuflucht.
59.5 Beim Mondaufgang bist du voller Glück, von Millionen Lichtstrahlen erleuchtet; im geheimen Agama, durch gute Einsicht, rein in den eigenen Geistern [Syntax beschädigt]. Sei du Glück, durch innere Haltung zu Verehrende; schütze mich. Ich preise den Fuß als erste Sonne.
59.6 Unablässig verehre ich deinen Lotosfuß in der Fülle des Zustands des reinen Sitzes mit dem Bindu der Freude. Deine Glieder sind durch reine Ketten von Gunja-Perlen geschmückt. Mögest du mir die Gesamtheit der letzten Zustände gewähren [Wortlaut teilweise unsicher].
59.7 Fünfgesichtige, Zehnarmige, mit allen Waffen Ausgestattete, Vidya, Furcht, Menschenhinwegnehmende, mit einer Menschenkette Geschmückte; auf einem Leichnam Sitzende, Dreiäugige, du allein bist die Mutter. Schützende, Glückliche, ich nehme bei deinen Lotosfüßen Zuflucht.
59.8 Herrlich Schöne, Beschützerin der sich Verneigenden, Mutter der Veden, Herrin der Sterne, beschütze auch du zur Zeit der Vernichtung. Wenn ich dein ausschließlicher Verehrer bin und Überlieferungen und Puranas erzähle, preise ich den Lotosfuß Haras, dem ich beständig hingegeben bin.
59.9 Dein herrlicher Fuß ist der Wesenskern der Welt, unendlich zu verehren, Yoga-Stätte und Zuflucht der Tätigen, einzige Verbindung. Alle verehren ihn täglich für die Frucht ihrer eigenen Befreiung. Ich Elender verehre ihn freudig, Mutter, Weltenherrin.
59.10 Ich nehme bei dem höchsten Fuß Zuflucht, den die drei Welten verehren, der im Herzlotos steht und im Lotos des aufleuchtenden Geistes als eigenes Glück erfahren wird; Stütze der Maya, Grund aller Vollendungen, mit Fußringen und Ketten ehrfürchtig geneigt [letzte Verbindung unklar].
59.11 Du glänzt durch Krone, Ketten und geliebte Lotosgirlanden. Schönheit Schaffende, werde ganz beständig in meinem Herzlotos. So werde ich auf Erden kraftvoll und einer, der seine Aufgabe erfüllt hat. Freudig nehme ich bei dir, Ishvari, im Herzen als Glück Zuflucht.
59.12 Ewige, schon früher verehrte dich jener zur vollkommenen Yoga-Vollendung, Shambhu, Girisha, der an Ishvaras Seite geht. Er gelangte zur Stellung des Herrn der Vereinigung, Geliebte Ishas. Du Einzige: Für den Kula-Kundigen genügt das Fußpaar; was sollen die anderen? [Satzbau unsicher.]
59.13 Hier meditieren Yogis, damit der Berg der Verfehlungen vernichtet werde, zur Beseitigung beständigen Übels, zum Fest des Geistes, zu Reichtum und zum Sieg über die Erde. Ich Elender verehre rasch deinen Fuß um des Heils willen.
59.14 Schwarze, Weiße, rein Gelbliche, tief Rote, Stütze der Farben und Buchstaben, behüte mich, den überaus elenden Einzelnen, deinen eigenen Sohn. Mache den geliebten Lotosfuß im blauen Lotos ganz beständig, Wunschspenderin.
59.15 Allherrin, Freude Schaffende, Vernichterin des Daseinszustands, Wunderbare, Wunschkuh für jene, die sich mit vielerlei Lauten verneigen; Juwelengewandete, gewähre doch glückbringenden Dienst. Bei deinem Fuß nehme ich Zuflucht, du in schöne Laute Zerfließende.
59.16 Juwelenmeer, Mitfühlende, von millionenfach roter Farbe, deren Glieder durch aus Gold und Weiterem gefertigte Ketten schön geschmückt sind: Wenn du, Kakini, auch nur einen Seitenblick fallen lässt, dann mache alles froh auf dem Weg zu Glück und Befreiung.
59.17 Uranfängliche, korallenreine, mit reinen Girlanden Schöne, Feine, Fülle des Überfeinen, Schatz des Mitgefühls! [Ka:] Mädchenhafte, Starke, Bewegte, Flüchtige, Plaudernde, Yoga-Herrin: Bei deinem Lotosfuß, dem Kula, nehme ich Zuflucht.
59.18 [Kha:] Du Sechzehnjährige, sehr Scharfe, mit scharfem Schwert in der Hand, Schwertherrin, deren Antlitz von durchdringender Rede erfüllt ist [mittlere Lesung beschädigt], durch Dattelgirlanden Schöne, Vernichterin der Bösen: Dir stets Verehrung, Verehrung, von Upendra und dem Bergesherrn Verehrte.
59.19 [Ga:] Der Gesang Geneigten, Baumgleichen [Lesung unsicher] verneige ich mich stets. Herrin des Leibes, Bewegung Hinwegnehmende, vom Scharenherrn Verehrte: Sie singen den wesentlichen Gesang deiner Lotosfüße; der Schutz vor mächtiger Verunreinigung ist nicht zu vernachlässigen [Satzanschluss unsicher].
59.20 [Gha:] Langer Ton, beste Wolke, tiefer schrecklicher Klang, Schrecklichgesichtige, neue Wolke, Verdichtung der Wolken, Schreckensstätte, im Gefäß Weilende, das Gefäß Entleerende: Mögest du, Kakini, vor dem Netz irdischer Fehler schützen.
59.21 [Nga:] Anusvara, Bezwingerin des Liebesgottes, Gestalt-Vidya, Vereinigende, Wesen der Vernichtung mächtiger Feinde: Schütze, schütze sehr, habe Mitgefühl, gewähre Befreiung. [Cha:] Chandi, mit gewaltigen Augen, ich verehre deinen Fuß.
59.22 [Chha:] Schirm Spendende, Täuschung Entfernende, in den Blättern Wohnende, verborgen Stehende, im geschickten Yoga des Herzlotos. [Ja:] Dich verehre ich, Sieg Tragende, vom Herrn der Yadus Erzeugte, Gattin. Gewähre hier Sieg; ich verehre deinen Fuß.
59.23 [Jha:] Im Jha-Klang, den Feind hier entflammend und trinkend [beschädigte Wortfolge], bist du Kaushiki und reinigst den ganzen Leib. [Na beziehungsweise Nya, beide Randangaben stehen in der Vorlage:] Ewige, Stätte des Nasallauts, alle Ziele Gewährende, schütze in Not, Summen der Kula-Fülle.
59.24 [Ta, retroflex:] Im Ta-Klang Gehende, laut Lachende, Schwankende [Lesung unsicher], im lauten Lachen. [Tha, retroflex:] Den Tha-Klang Wirkende, Falschheit Entfernende, du bist fest gegründet, wohnst auf dem Rücken des erwählten Löwen. Mache die Yoga-Haltung im Herzlotos stets beständig [die Vorlage hat wörtlich „unbeständig“], Spenderin aller Ziele.
59.25 Diesen Lobgesang lese der Einsichtige, der Meditation und Nyasa ergeben ist. Der Yogi, der nach der Betrachtung preist, wird ein Yogi mit Anteil an Befreiung.
59.26 Er schaut die drei Welten inmitten des Herzlotos. Mit den acht Vollendungen ausgestattet, wird der Mensch rasch lebend befreit.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, unter dem Namen „Anordnung des Lobgesangs an Kakini“ das Kapitel 59.
Kapitel 60: Lobgesang an Ishvara im Herzlotos
60.1 Anandabhairava sprach: Sprich, Geliebte, höchste Freude, Kula-Schöne, das Geheimnis, durch dessen bloße Erkenntnis man zum Gangesträger oder zu Hari wird:
60.2 den höchsten, Brahman gleichen Lobgesang Ishvaras, das Mittel zum Nirvana, des Herrn des Yoga von millionenfacher Schönheit, des führenden Yogis und Herrn der Höchsten.
60.3 Wer verehrt Ishvara nicht – Brahma, Vishnu, Shiva und die anderen? Allein durch seine Erinnerung wird der Mantraübende ein großer Redner und Bezwinger des Todes.
60.4 Die großen Rishis verehren ihn als die Lehre des Vedanta. Götter, Menschen und Gandharvas verehren diesen Maheshvara.
60.5 Er nimmt vorzeitigen Tod hinweg und ist stets nach allen Seiten gewandt. Ich wünsche seinen göttlichen Lobgesang zu hören, Shankari.
60.6 Shri Anandabhairavi sprach: Höre, Kaula, jenen Shankara erfreuenden Lobgesang Ishas. Verehrung dem Herrn der Shri! Kula-Herr, höchster Herr des Lebens, dir freudig Verehrung. Verehrung dem Freudvollen, Bhava, dem Gebieter, dem Weltenherrn, Om, Verehrung. Dem Herrn der Wesen, dem Scharenherrn, dem Asketen, dir, herrlicher Dreizackträger, Verehrung.
60.7 Dem Geliebten, dem Pranava, dem Herrn des Yoga, dem Yogeshvara, Om, Verehrung. Dem Herrn des großen königlichen Buchstabens [Lesung unklar], dem Großen, Ewigen stets Verehrung. Hari, der Svadhishthana durchdringt, dem Durchdringer des Wurzellotos, dem Durchdringer des Nabellotos und des Herzlotos, Om, Verehrung.
60.8 Der Zeit, dem Pranava, dem Beherrscher der Maya, dem Strahlenden stets Verehrung. Dir, Befreiung, Herr der Pramathas, Seher, Khatvanga-Träger; Schatz herrlicher Hingabe, großer Indra, Himmelsgänger, Stütze der Maya, Verehrung. Der Erkenntnis, Shiva, dem Feingehenden, Verborgenen immer wieder Verehrung.
60.9 Dem Allwissenden, dem Sieg, Herrn des Wohlergehens, Herrn der Wesen, Gebieter; dem Fünfgesichtigen, Hara, Götterherrn, Gauri-Herrn, Glück; dem Genuss, dem innerlich Gehenden, Hari-Hara, dessen Gestalt Freude und Bewusstsein ist, dem Heil, dem Glücksanteil: Von reiner Einsicht getragen stets dir Verehrung, Verehrung.
60.10 Dem Govinda innig Lieben, dem Schöpfer, dem Ursprung Brahmas und der anderen, der Natur von Entstehung, Bestand und Auflösung, dem Äußeren, Weltenherrn: Dir, Zeit, Verehrung, Verehrung, dem im Auflösungs-Yoga Freudigen, Erdenträger, Erkannten, vom Bergesherrn Verehrten, Allgegenwärtigen, Herrn der Wesen unablässig.
60.11 Dem Herrn Gauris, dem von den Scharen Verehrten, dem Geist, dem Ehrwürdigen, Erdbewohner; dir, dem Mondgekrönten, Herrn des Erdherrn und der Begeisterung der Wesen [Zusammensetzung unsicher], dem Urprinzip, stets mit ewigen Kräften Erfüllten, Schlangengekrönten, Erwachten; Herr von Glanz und Frieden, Herr der Herren der Guten, Unbekleideter, dir Verehrung.
60.12 Dir mit millionenfacher Schönheit, Freude der Mondstrahlen, Feinem; dir, Herr, Verehrung, Verehrung, Fest des Freudenmeeres für die sich Verneigenden; Zuflucht Herambas, Vater Kartikeyas, Freund der Freude, Gebieter; Vater, alles Glück, Herr aller, herrlicher Nilakantheshvara.
60.13 Dir, dessen Wesen die drei Brahmas getrunken hat [Lesung unsicher], Liebesfreude, herrlich Strahlendem, der den Yogis Freude aufgehen lässt, Kula-Herr, dir, Herr, Verehrung. Dem Kula der Brahman-Freude, dem Silberberg, der Vollendung der Schönheit, dem Allfreude Schaffenden, dem Allerhöchsten, Reichen wahrhaft Verehrung.
60.14 Den Herrn Kashis, Herrn Kaushikis, Strahl des Wunschbaumes, Ursache und Glück Genannten, Herrn Gauris und Gangiris [Name unsicher], Guru, dessen Glieder mit Bergreihen und Aloe bestrichen sind [Text beschädigt], den Klang Genannten, schön Klingenden, aus dichten Scharen Gebildeten, mit schrecklich zusammenstoßendem Klang, den schönen Herrn, Herrn Raghavas, Ishvara im dichten Herzen als Gefäß [die Schlusswendung mit „Ghautakesha“ ist nicht sicher übersetzbar].
60.15 Ein großes Lackgefäß, alles Unbewegliche oder Bewegliche, wohnt in deiner Hand [Satzbau unsicher]. Aufseher der Wesen, Vasishtha, beschütze stets im Kula deines Gefolges, Shambhu. „Die Hingabe-Erkenntnis nicht zu geben“, bewegliche reine Edelsteinketten, in der Welt Furchtloser, Befleckter: Dein herrlicher Lotosfuß trägt die Kronen von hundert Schöpfern [dieser Vers ist stark gestört; die erhaltenen Glieder lassen keinen sicheren Gesamtsatz zu].
60.16 Schelm, Shauri, ganz Friedvoller, im Duft reinen Honigsaftes Erfreuter, Achtsamer, göttlicher Beseitiger der Maya-Verblendung [Lesung unsicher], Liebesgott des Götterrausches, Geber von Gaben und Ehre: Du Herr, wie sollte ein Mensch nicht unter der reinen Fläche deiner herrlichen Lotosfüße gut beschützt sein? Nach Osten, Süden, zur Richtung des Reichtumsherrn und nach Westen gewandt bist du der Weise.
60.17 Durchdringer, Strahl des Schatzes der Lehren und Wissensträger, Ursache, unendliche Shakti, unmittelbar die Wunschkuh, Hüter des Reichtumsherrn, allen Genüssen zugeneigt: An deinem Lotosfuß sei stets meine Herrschaft des Yoga, Herr der Bergestochter. Mein Geist heißt der Bewegliche; Mondstrahl, Herr der Rede, Yoga-Vollendung [der Satz ist nicht vollständig auflösbar].
60.18 Der Haarflechtenträger, mit herrlichem Schwert, weiterer Klinge, Segen und Keule in vier Armen, der durch die Gestaltung des Zusammenziehens dichter Schatten verborgenen Sieg erringt [Lesung unsicher], der Sieger und Bezwinger, möge den Sieg vermehren, der Glücklichste. Im lodernden Sturm trägt er den Augenblick; so erscheint mir der Zorn [Schluss beschädigt].
60.19 Dann der Verfilzthaarige, der die Höhlung innerhalb des Ajna-Chakra bedeckt, durch hundert Millionen Armreife beim Brechen des Versprechens offenbart [Text unsicher]; deine Axt, der Zornige, im Schildkrötenlager Wohnende, Härte Vernichtende: Nach der Verneigung vor dem mit Ka Beginnenden möge der mit zehn Strahlen Gemessene stets schützen.
60.20 Durch die Rezitation des Lobgesangs der Göttin Sudhakhanda vermehrt man das eigene Glück und betrachtet den erfreuenden Lotosfuß, Kula-Herr. Wenn im vorzüglichsten Erdenland die Stätte des Todesbezwingers siegt, lässt der von Liebe Bewegte unvermittelt Vergnügen und Verbindung mit der Erde reifen [Wortlaut und Satzverbindungen unsicher].
60.21 Wer so diesen Lobgesang unbegrenzt rezitiert, verbunden mit der Kaula-Reihe, diese einzige Geistesstätte höchster Freude, beladen mit wesentlichem Geheimnis, erlange die Frucht der von führenden Yogis erkannten Befreiung, die Stätte der Allherrschaft, vereint mit Mond und Sonne, einzig Freude am höchsten Zustand.
60.22 Wenn die heilbringende Ranke deiner Lotosfüße, Shambhu, vom Yogi stets verehrt wird, um die Eigenschaft des Nirvana zu vollenden,
60.23 was könnte dann zwischen den Brauen durch die Gnade der Shiva-Hingabe nicht gelingen?
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, unter dem Namen „Götterlob im Anahata-Lotos“ das Kapitel 60.
Kapitel 61: Die tausendundacht Namen von Ishvara und Kakini
61.1 Shri Anandabhairava sprach: Sprich, Heilvolle, Herrin des Begehrens, von den drei Welten ganz Verehrte, Wohnstatt unendlicher Welteneier, auf dem Gipfel des Kailasa Leuchtende,
61.2 Kalika, in der Zeitnacht Stehende, von Mahakala Verehrte, von der Gestalt des Klang-Brahman. Du sollst ehrfurchtsvoll erklären
61.3 den Yoga der tausend Namen, danach mit acht zusätzlichen, den Wesenskern unendlich vieler Welteneier, das höchste Heil,
61.4 das unmittelbar Erkenntnisvollendung bewirkt, höchste Freude vermehrt und durch geheime Klangzeichen der Befreiung dient, verbunden mit Kakini und Ishvara,
61.5 das Brahman, das höchste Freude schafft und den Nirvana-Zustand liebkost. Aus Liebe und beglückender Freude begehre ich zunächst Brahman, Schönangesichtige.
61.6 Stets begehre ich dies, Mutter der Welten, Götterschöne. Erkläre rasch aus der Verbindung mit dem Überströmen des Saftes liebevoller Freude.
61.7 Shri Anandabhairavi sprach: Ishvara, herrlicher Nilakantha, mit einer Schlangenkette geschmückt, reich an bunten Ketten von Schlangenkönigen, höchster Herr der Schlangen,
61.8 höre den heilbringenden Tausendnamen-Text, reich an der Verbindung von Kakini und Ishvara, mit acht zusätzlichen Namen, von umschlossener Gestalt, strahlend wie Millionen Blitze,
61.9 der Lebensdauer und Gesundheit hervorbringen soll. Höre mir aufmerksam zu: Er ist der Wesenskern unendlich vieler Welteneier, ewig und höher als das Höchste,
61.10 Verwirklichung Brahmans, Erkenntnis und Yoga-Übung der Yogas, geheime Läuterung der Allwissenheit, die die Frucht der Läuterungen und Weiteren gewährt,
61.11 unmittelbar Wünsche erfüllend, große Verfehlungen vernichtend, große Armut stillend und große Herrschaft verleihend.
61.12 Wer freudig morgens, mittags und bei Sonnenuntergang rezitiert, verneige sich und wiederhole die Namen, dem Meditations-Yoga ergeben.
61.13 Er meditiere über die Verbindung Kakinis und Ishvaras, den Aufgang der Eigenschaften der Meditation. Zuerst vollziehe der Reine mit makellosem Geist die Meditation.
61.14 Er meditiere über die Göttin Mahakali, Kakini von Zeitgestalt, berauscht vom Saft höchster Freude, die dunkle höchste Wunschkuh,
61.15 Vierarmige, die Schwert, Schild, Segen und Lotos trägt, Hara, die Feinde vernichtet und mit Millionen Edelsteinschmuckstücken geziert ist,
61.16 die jugendliche Freude Kostende, gelb Gekleidete, Bezaubernde, mit Armreifen und Ketten Anmutige, mit zwei Ohrgehängen Geschmückte,
61.17 Ishvari, Wunschjuwel Genannte, deren Mund die Gestalt eines Krähenschnabels hat, Schöne, mit Waldblumengirlanden Reichgeschmückte, auf einem schönen Löwenthron Sitzende,
61.18 wie ein Blitz im Raum inmitten des Fruchtbodens des Herzlotos Leuchtende. Nach dieser Meditation lese man die heilbringenden Namen wieder und wieder.
61.19 Im Herzkreis meditiere man über Ishvara, der wie Millionen Sonnen leuchtet, vierarmig, von Heldengestalt, Schönheit, die aus innerer Haltung entsteht,
61.20 dunkel, an den Gliedern goldgeschmückt, kühl wie Millionen Monde, Furchtlosigkeit und Segen spendend, Lotos und großes Schwert tragend, allgegenwärtig,
61.21 gekrönt, von großem Leib, mit lächelndem Antlitz, offenbarend, inmitten des Herzlotos stehend und mit Fußringen geschmückt,
61.22 wie Millionen Zeitfeuer lodernd, rechts von Kakini stehend. Nachdem man so im Geist den Yogi, den höchsten Herrn betrachtet hat,
61.23 lese man den Tausendnamen-Text. Ich verkünde ihn; höre, Herr.
61.24 Rituelle Zuordnung: Der Rishi dieses herrlichen Tausendnamen-Lobgesangs Kakinis und Ishvaras ist Brahma; das Versmaß ist Gayatri; die Gottheiten sind Jagadishvara und Kakini. Die Anwendung im Japa dient der Vollendung des Nirvana-Yoga. Namensreihe: Om. Ishvara, Herr Kakinis, Ishana, Herrin Kamalas; Isha, Herrin des Krähenherrn, Herr Ishvaris, Kula-Herrin.
61.25 Befreiung des Herrn, Wunschkuh, Herr des Flechtenhaars, Flechtenhaarige; Kaula, inmitten der Kulinas Gehende, Dichter, Dichtung Offenbarende.
61.26 Herr der Kräfte, gute Dichtung, Ursache, Mitgefühlvolle; Lotosblattäugiger, Kali, Kama, Herrin der Kaula-Reihe [Vorlage „Kolavali“].
61.27 Kirata-Gestaltiger, Alleinheit, Strahl, Begehren Vernichtende; Herr Karnatas, mit Karnata Verbundene, Kalika, Hülle Kalikas.
61.28 Jugendlicher, Kishunamita [Name unsicher], Herr Keshavas, Kula-Herrin; mit lotosfadenartig gelocktem Haar, Neugier des Königs der Liebe.
61.29 Millionen Hände Tragender, Gipfel, in Handlungen Furchtbarer, Tatkräftige; Kumbha-Töter, Kumbha-Töterin, Armreif und mit Kräften Erfüllte [letzte Teilung unsicher].
61.30 Lotosgesichtiger, Zeitgesichtige, deren Antlitz die Strahlen von Millionen Sonnen sind; Schöner, Kräfte Hütender, im Wohlstand Stehende, im Brunnen Weilender, Kula-Berg.
61.31 Leichnam, Reiferaum des Kaula [Lesung unsicher], eigener Geliebter, im Begehren Wohnende; Verdienstvoller, Shankari, Vidya, Kalaka, Stütze des Messens.
61.32 Im Brustbeerbaum Stehender, Kaula-Tochter, Kulina, von Jungfrauen Umgebene; Kumara, Kesari-Vidya, Kama-Töter, Kula-Gelehrte.
61.33 Herr Kalkis, mit lieblichen Gliedern, Geschickter, Geschickte; reich an Ketaki-Blütenketten, mit Ketaki-Blüten Ausgestattete.
61.34 Mit einer Freudenblumenkette Reichgeschmückter, reine Blumenkette; Dichterherr, aus Dichtung Entstandener, durch Liebesfußringe Erfreuende.
61.35 Auf einem Kusha-Sitz Stehender, Hüter des Geschlechts Kaushalyas, Wunschbaum; Wunschbaum, Wunschranke, Unterscheidung, in die Weltalter Gehende.
61.36 In Härte Stehender, glasähnlich Glänzende, Furchtbarer, in der Zeit Wohnende; Freude an der Stütze des Kalakuta-Gifts, rauen Raum Tragende.
61.37 Dessen Schatten wie Rauch einer Matte ist, auf einem gewaltigen Sitz Stehende; Körperträger, Brunnen Schaffende, zum Oleander Gelangter, Landwirtschaft [Namensfolge teilweise unsicher].
61.38 Ende des tiefen Zeitklangs, deren Geist unvollständige Rede ist; Herr der Urnatur, gute Urnatur, Hervorragender, anziehende Herrin.
61.39 Erhabener, von Varunis Farbe, Farbloser, Farbengestaltige; Goldfarbiger, Goldglänzender, Großer, von Mahendra Verehrte.
61.40 Großes Selbst, große Herrin, Herr des Flusses [Lesung „Mehesha“ unsicher], berauscht Gehende; großer Held, große Schnelligkeit, Herr Mahalakshmis, Einsicht.
61.41 Großer Gott, große Göttin, große Freude, große Kraft; große Zeit, große Kali, große Stärke, große Starke.
61.42 Hochgeehrter, Hochgeehrte, Hochgesegneter, sehr Reiche; mit großer Kette, große Kette, großer Raum, großer Raum als Göttin.
61.43 Großer Ruhm, großes Opfer, großer König, große Leidenschaft; großes Wissen, große Vidya, höchster Anführer, große Opfernde.
61.44 Große Nacht als Gott, große Nacht als Göttin, sehr Standhafter, große Gesinnung; großes Feld, große Feldgöttin, Kurukshetra, den Kurus Liebe.
61.45 Überaus Wilder, überaus Gewaltige, sehr Berauschter, große Einsicht; großer Veda, große Veda-Göttin, großer Eifer, großes Fest.
61.46 Großes Weltalter, große Weltalter-Göttin, großer Yoga, großer Weg; großes Heil, große Heilvolle, Überfeiner, großer Berg.
61.47 Großer Ausspruch, große Rede, großer Opfernder, große Schnelle; große Gestalt, große Geliebte, großer Dharma, großer Reichtum.
61.48 Überaus Gewaltiger, Königin, höchst Genusswürdiger, großer Glanz; großes Wohlergehen, große Maya, große Maya, große Rama [die Wiederholung steht in der Vorlage].
61.49 Von Mahendra Verehrte, Mutter, Vibhala [Name unsicher], Herrin des Kreises; großer Fehlzeitiger, Unvollständige, auf der Schönheit weiter Ebenen Gehende [Wortlaut unsicher].
61.50 Spender der Alleinheit, Alleinheit, im Wunder Stehender, Anziehende; Herr der Bala, Gattin Balas, Balarama, aus Balas Leib Geborene [erste Namensform beschädigt].
61.51 Herr der Schwachen, Heldin des Begehrens, Herr des Lebens, Leben Beschützende; im fünften Brauch Gehender, Fünf, Fünfter, Herrin des Fünften [Teilung unsicher].
61.52 Weltausbreitung, in fünf Geschmäcken Gehende, ohne Weltausbreitung, Gnadenvolle; Wunschgestaltiger, Wunschgestaltige, frei von Begehren und Zorn.
61.53 Wesen des Begehrens, Wohnstatt des Begehrens, Kamakhya, im Begehren Bewegliche; Liebesblumenträger, Liebe, Herr des Begehrens, Liebesblüten Tragende.
61.54 Träger der großen Mudra, Mudra, gute Mudra, Liebessiegel; mit halbmondgeschmückter Stirn, deren Lotosantlitz Millionen Monde sind.
61.55 Träger des Glanzes von Millionen Monden, von Mondlichtgestalt; Sonnengleicher, Heldenstrahl, durch Millionen Sonnen Erleuchtete.
61.56 Sonnenherr, Menschenmädchen, nach innen Gehender, Stützenlose; Herr Prajapatis, Heilvolle, Herr Dakshas, das Kula Wachsenlassende.
61.57 Unbewusster, im Bewusstsein Stehende, Herr Vyasas, von Vyasa Verehrte; Herr Kashyapas, Herrin Kashyapas, Herr Bhrigus, Herrin Bhargavas.
61.58 Vasishtha, in geliebter Haltung Stehender, von Vasishtha bedrängte Höchste [so die Lesung]; von Pulastya verehrter Gott, im Geist Pulastyas Stehende.
61.59 Von Agastya zu Verehrender, Mutter Agastyas, Herr Prahladas, Herrin Balis; Herr Kardamas, Kardama als Anfang Habende, Knabe, von Kindern Verehrte.
61.60 Im Geist Stehender, im Luftraum Stehende, Klangkundiger, Sarasvati; über die Gestalt Hinausgehende, Gestaltlose, Andersgestaltiger, durch Gestalt Bezaubernde.
61.61 Herr der Vidyadharas, Herrin der Vidya, auf dem Stier Stehender, Stierreiterin; Kenner des Geschmacks, Freude der Kostenden, Geschmackloser, ohne Geschmack.
61.62 Sauna [Name unklar], Herrin Sanatkumaras, Herr der Yoga-Lebensführung, Geliebte; Durvasas, Lebenswohnstatt, aus Samkhya und Yoga Entstandene.
61.63 Unzählbarer, Fleischesserin, gutes Fleisch Essender, Bezaubernde; Menschenfleisch Verzehrender, am Menschenfleisch Erfreute.
61.64 Liebhaber des Fischantlitzes, Fisch, Fischesser, Fischesserin; Rohita-Fisch Essender, Fischduftige, Herr der Fische, Saft Entziehende.
61.65 Fülle der Liebe Parvatis, von Vidhi und anderen Göttern Verehrte; dem Schöpfer Segen Spendender, zu Erkennende, Veda, Veda-Jungfrau.
61.66 Herr der Dunklen, Weißfarbige, Schwarzer, Schwarzgestaltige; großen berauschenden Trank Genießender, großen berauschenden Trank Liebende.
61.67 Reich an Rauschtrank, geistlose Göttin, reinen Trank Trinkende, Unsterbliche [Teilung unsicher]; Visatta [Name unklar], weinberauscht, wie eine berauschte Elefantenkuh Gehende.
61.68 Edelsteinkettenträger, Kette, Herr der Matrika, heitere Einsicht; Alter und Tod Entfernender, Gauri, im Gesang Stehender, alterslos-unsterblich [letzte Form unsicher].
61.69 Sehr Beweglicher, äußerst Unbezwingbare, im Hals Stehender, ins Herz gegangene Sati; Kummerloser, von Kummer Freie, im Mandara Stehender, Mantrini.
61.70 Freude des Mantrakettenträgers, Mantras und Yantras Offenbarende; Bewusstsein der Mantrabedeutung Schaffender, Mantravollendung Offenbarende.
61.71 Mantrakundiger, Mantrawohnstatt, Mantrabedeutung, Ratgeberin der Mantras [Teilung unsicher]; überall in Samenlautmeditation Stehende, Mantrakette, große Vollendung Spendende.
61.72 Kenner der Mantras, Mantravollendung, im Mantra Stehender, Innere der Mantrakundigen; Samenlautgestaltiger, Herrin der Samenlaute, Samenlautkette, höchste Samenkraft.
61.73 Samenlautselbst, Wohnstatt der Samenlaute, Samenlautreiche, Samenlautkettenträgerin; Samenlautmeditation, Samenlautopfer, Samenlautreiche, Samenlautkettenträgerin.
61.74 Träger des großen Samenlauts, Samenlaut, Samenlautreiche, Geliebte des Samenlauts; Wolkenkette, Wolkenbekränzter, Waldblumenbekränzter, Pflugbewaffnete.
61.75 Träger des schwarzen Antilopenfells, Raudra, Raudra, Stütze der Rudra-Scharen; Liebhaber des Gewaltigen, Gewaltiges Wirkende, Rudras Welt Spendender, Glanz.
61.76 Vernichter aller Gehenden, Sarvani, aller Wohlstand; Herr Naradas, Herrin des Urprinzips, Herr der Elefanten, Herrin des Waldes.
61.77 Herr Krishnas, Herrin Keshavas, Schwarzfarbiger, Dreiäugige; Herr des Begehrens, Herrin Raghavas, Herrin Balas, von Bana Verehrter.
61.78 Herr Bhavanis, Bhavani, Herr des Seins, dem Sein Liebe; Freude des Seins, Überfeine Genannte, Gestalt des Seins, Herrin des Seins.
61.79 Schatten des Seins, Freude des Seins, Angst vor dem Werden Entfernender, Bala; Sprachkundiger, Sprachkette, großes Leben, überaus starke Prägung.
61.80 Gier Entfernender [Lesung beschädigt], Gier Schaffende, Verlockung, Gier Vermehrende; jenseits der Verblendung, Mutter der Verblendung, Verblendungsnetz, Große.
61.81 Träger des Verblendungshammers, Trägerin des Verblendungshammers; mit Verblendung Verbundener, von Verblendung Betörte, Herr des Begehrens, Herrin der Liebenden.
61.82 Liebesgespräche Führender, Wunschlose, gutes Begehren, Begehren Vernichtende; großmäulig, großäugig, lotosglänzend, lotosäugig.
61.83 Lotosbekränzter, Lotoskette, herrlicher Gott, Götterbeschützerin; Schwarzer, Schwarze, Freude, Göttermutter.
61.84 Schlangenherr, Bergmutter, Schlangenkönig, Bergestochter; Herr Narayanas, Ruhm, guter Ruhm, Ruhm Vermehrende.
61.85 Herr Kartikeyas, Kartiki, Zerschneider, Zuflucht im Dichten; Leidenschaftsloser, auf Garuda Reitende, auf Garuda Stehender, Garudi.
61.86 Herr Garudas, vom Guru Erfüllte, göttlicher Guru, Guru Spendende; Herr der Hellgliedrigen, helle Tochter, Gangesherr, Hofherrin.
61.87 Herr des Gegenbildes, Weite, Lichtloser, ohne Sinne; von der Gestalt des Preta-Samenlauts, mit Totenschmuck Geschmückte.
61.88 Haus der Liebe, Liebe Vernichtende, Herr Haris, Rehäugige; Herr der Zeit, Herrin Kalikas, Herr der Kaulas, Kakini.
61.89 Zeitfußringe Tragender, durch Zeitfußringe Bezaubernde; Schrecklichgesichtiger, Kali, Gabe der Alleinheit Spendender, Erzählung.
61.90 Beschützer Kamalas, Kunti, Herr Kaikeyis, Sohn, Kraft; Zeitfeuer, Kula-Kundige, im Kula Gehender, Kula-Zuflucht.
61.91 Im Kula-Dharma Gegründeter, Kaula, Kula-Weg, nach Kula Verlangende; Kula-Zunge, Kula-Freude, Krishna, aus Krishna Entstandene.
61.92 Herr Krishnas, Königin Krishnas, auf der Krähe Stehender, Krähenschnabelige; Zeitordnung, Zeitgestaltige, Zeit, Zeit Offenbarende.
61.93 Zeitgeborener, Zeittochter, Zeitherr, Zeitschöne; Schwertträger, reich an Schädelschalen, auf dem Esel Gehender, scharfe Schwertträgerin.
61.94 Böse Gesinnung Entfernender, Spiel, Herr der Bachstelzen, angenehm Salbende; Gesang Liebender, im Gesang Stehende, Scharenhüter, im Haus Zuflucht Habende.
61.95 Garga Lieber, Erlangung Gayas, bei Garga Stehender, Tiefe; Herr Garudis, Gandharvi, Herr des Weges, aus dem Hausfeuer Geborene.
61.96 Hüter der Scharen und Gandharvas, zu Scharen und Gandharvas Gehender, Gegangene; tief Sinnender, Durchdringung, Meer millionenfacher Tiefe.
61.97 Im Weg Stehender, im Ganapatya-Weg Stehende, Erster der Scharen, Kuhgestaltige; Dufttor, Duftkette, Duftreicher, Ausströmen des Duftes.
61.98 Dessen ganze Glieder vom Duft bezaubert sind, durch beweglichen Duft Bezaubernde; mit Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speisegaben und Weiterem ganz Verehrte.
61.99 Mit Duft, Aloe, gutem Moschus, Safran und Weiterem Geschmückte; Gokula, süße Freude, im Blumenduft Stehende.
61.100 Mit Blumengirlanden vom Gandhamadana geschmückt; dessen Gestalt Ketten aus sämtlichem Schmuck von Edelsteinen an zieren.
61.101 Mit allen Schmuckarten aus Gold und Weiterem, Halsketten und Girlanden Geschmückte; dessen rote Lotosaugen zehntausend Oleanderblüten gleichen.
61.102 Deren schöne Lotosaugen zahllosen Hibiskusblüten gleichen; deren bewegliche Gestalt ein Lotosantlitz von Millionen dichter Wolken ist [Zusammensetzung unsicher].
61.103 Mit rollendem Klang, deren Lotosantlitz ein Meer freudiger Dichtung ist; der an seinen Gliedern hundert Millionen Ketten schrecklicher, bunter Schlangenkönige trägt.
61.104 Mit einer bunten Kette dichter, furchtbarer großer Schlangen Geschmückte; dessen Leib sich in Freude am mächtigen Klang von Millionen Glocken bewegt.
61.105 Deren Lotushände durch Glocke, Damaru, Mantras und Weiteres Meditationsfreude bewirken; die auf dem heilbringenden Sitz zahlloser Gefäße sitzt.
61.106 Deren Lotushände Glocke, Muschel, Lotos, Diskus, Segen und Furchtlosigkeit tragen; Töter von Millionen Feinden, von Shumbha und den übrigen, ebenso der Guten [so der auffällige Wortlaut].
61.107 Stets Töterin furchtbarer Dämonen und der Shankhas; dessen vier Lotosantlitze eine Ansammlung der Charvaka-Lehre sind [Lesung beziehungsweise Sinn unsicher].
61.108 Herrin, die den Wesenskern aller Ziele beweglicher Freude ausspricht; dessen Hals reine Girlanden wie Millionen Monde trägt.
61.109 Durch ein Lotosantlitz wie Millionen Monde Bezaubernde; dessen Kopf Ketten schmücken, die zehntausend Mondlichtströmen gleichen.
61.110 Dessen Kopf mit dem Glanz von zehntausendmal tausend Mondscheiben geschmückt ist; dessen Glieder schöne Ketten aus Mondsteinen und Edelsteinen tragen.
61.111 Bekränzte, mit Sandel, Aloe, Moschus und Safran Verbundene; Träger reiner Ketten aus zehntausend großen Schädeln Chandas und Mundas.
61.112 Trägerin einer Kula-Kette aus den schrecklichen Schädeln Chandas und Mundas; dessen Lotosantlitz sich mit wildem, furchtbarem Gelächter bewegt.
61.113 Die Shankara mit beweglichen, bachstelzengleichen Lotosaugen bezaubert; der von den blumengleichen Händen der Freude beweglicher Lotosaugen bezaubert ist [Verbindung unsicher].
61.114 Mondlicht gegen die Bedrängnis des Hindernisses, mit beweglichem Mondsprechend [Wortlaut beschädigt]; dessen Kronenkreis mit Millionen Halbmondstrahlen geschmückt ist.
61.115 Dessen Haupt eine Lotosgirlande der Mondkrone schmückt; mit Edelsteinketten inmitten tausend beweglicher Sonnen Geschmückter.
61.116 Durch die Glut des Lotosantlitzes von hundert Millionen beweglichen Sonnen Leuchtende; der inmitten des Mondlichts eines Lotos auf schönem Edelsteinsitz steht.
61.117 Die Fruchtböden der schönen zwölf Blätter und Weiteren hell Offenbarende; dessen Lotushände wunderbar klingenden Bogen und Pfeile tragen [die Vorlage trennt hier Wörter unregelmäßig].
61.118 Durch Millionen Lobpreisungen wie Gesänge des vierten Veda gute Vollendung Gewährende; dessen bewegliche Lotosaugen Sonne, Feuer und Mond als Dreiheit enthalten.
61.119 Die tausendfach gezählten beweglichen Lotusse und Weiteres Offenbarende; dessen Lotosreihen des Lächelns ein Antlitz wunderbaren lauten Lachens bilden.
61.120 Mit wunderbarem, höchst schrecklichem, lautem Gelächter Geschmückte; kühl wie der kühle Wind in tausend Schatten des Samsara.
61.121 Auf einem Löwenthron des Glanzes des blättrigen Lotos Sitzende; mit einer Schädelkette von Millionen täuschenden Dämonenkönigen Geschmückter.
61.122 Erkenntnis und Bewusstsein der Bedeutung von Millionen Mantras Chhinnas und der übrigen Schaffende; Durchdringer des Knotens großer Finsternis auf dem vielfarbigen Weg.
61.123 Trägerin von tausenden Millionen Brahma-Waffen und weiteren Waffen [Anfang beschädigt]; der im Freudenstrom des Geschmacks guter Speisen wie Ziegenfleisch geht.
61.124 In der gewaltigen Waffe des Schneidens und Weiteren den linken Arm Offenbarende; Offenbarer der Erkenntnisbedeutung großer Saman-Gesänge wie Jaya.
61.125 Die Einsicht und Erkenntnis im Herzlotos der Gattinnenscharen Offenbarende; Spender großen Reichtums und Glücks in der Liebeshaltung Janardanas.
61.126 Im Lotos des Meeres der Kula-Freude des Weltenherrn Wohnende; Erzeuger der Lebensstütze und Weiteren für Yogis höchster Freude.
61.127 Mutter der Yoga-Lehrwerke und der Verehrer der beiden Lotosfüße; rot wie ein großer Meteorfall bei trockenem Wind und Windstille [Zusammensetzung unsicher].
61.128 Süße Jharjhari, Vina, Flöte und Muschel Erklingenlassende; der Stab und Horn in der Hand trägt und eine Fülle klirrenden Klangs auflöst.
61.129 Von den Lotushänden der Herrin der Jharjhari und weiterer Edler Verehrte; Träger der Gestalt großen Wachens, das den Zustand des Ta-Klangs auflöst.
61.130 Trägerin von Beil, Schwert, Pashupata-Waffe, Schild und Bogen; geschmückt mit einem Seidengewand, das wie aufeinanderstoßende schwankende Flammen ist.
61.131 Im vielfältigen Klang von Millionen Glöckchen und Schellen Gehende; Erwecker des eigenen Lichts im Inneren der Mantrawurzel „Thaṃ, Thaṃ, Thaṃ“.
61.132 „Thaṃ, Thaṃ, Thaṃ“: Sprecherin der klangvollen Zwiesprache durchdringender Freude; „Thaṃ, Thaṃ, Thaṃ“: auf dem Schildkrötenrücken Stehender, Offenbarung der Wunschgestalt.
61.133 „Thaṃ, Thaṃ, Thaṃ“: mit Brauen aus einem im Samenlautfeuer stehenden Hatuka geschmückt [Wortlaut unsicher]; Offenbarer der Vollendungs-Vidya scharfer Damara-Freude.
61.134 Deren zugewandtes Lotosantlitz süße Rede wie Dindima-Klang hat; „Daṃ, Daṃ, Daṃ“: Offenbarerin des Inneren tödlicher Riten mit scharfen Kritya-Kräften und Weiterem.
61.135 Stütze der sieben hohen Töne im erderfüllenden Dhakka-Trommelspiel; Liebhaber des Mantras „Dhauṃ, Dhauṃ, Dhauṃ, Dhauka-Dhakkalaṃ“ und der Feuergattin [Lautfolge nicht sicher auflösbar].
61.136 Die in der Lautfolge „Dhaṃ, Dhaṃ, Dhaṃ, Dhauṃ, Dha, Dhaṃ, Dha“, in Kritya und „ittha“ wohnt [Schluss beschädigt]; im rettenden Brahman-Mantra Stehender, Betrachter der herrlichen Lotosfüße.
61.137 Vollendung der großen Mantras Tarinis und anderer sowie Vollendung aller Ziele Spendende; Kenner des guten Wesenskerns von Tantra, Mantra, großem Yantra, Veda und Yoga.
61.138 Gute Vollendung von Tala, Vetala, Daitala und Shri-Tala Gewährende [Namenslesungen unsicher]; Offenbarer des Kraftsamens von Baum, Wunschranke und Blüte.
61.139 Aus Dintidi, Tala, Hintala, Tulasi und Kula-Bäumen Geborene; dessen Gestalt eine Kette aus der A-Gruppe, Bindu und Mond schmückt.
61.140 Die Bestand und Ende des groben Zustands, Überlieferung, Lied, Standort und Stehendes auflöst [Zusammensetzung unsicher]; mit goldenen Ketten und Waldgirlanden aus Höhlenlauben Geschmückter.
61.141 Hundert Zeitfeuern gleich, die das Leid der Armut verbrennen; dessen Gestalt zehntausend Lotosantlitze schmücken.
61.142 Schlinge, Furchtlosigkeit, Segen, Freude, Reichtum, Dharma und Weiteres Vermehrende; Vollendung, Gedeihen und Wohlstand in der Freude von hundert Millionen Dharma-Formen Gewährende.
61.143 Die Frucht von Meditations-Yoga, Erkenntnis-Yoga und Mantra-Yoga Spendende; durch gute Ruhmeseigenschaften in unendlich vielen hundert Millionen Namen Bezaubernder.
61.144 Frei von Sein und Nichtsein der guten Ursache-Wirkungs-Haltung; dessen beweglicher Lotosfuß den Zustand höchster Freude spendet.
61.145 Die Samadhi-Frucht von Pratishtha, Nivritti und den weiteren Stufen Vollbringende; der Ehre der Pheravi-Scharen und acht Vollendungen Spendende.
61.146 Von der Gestalt der Fruchtvollendung des Phetkari-Kula-Tantra und Weiterer; von den Lotushänden unzähliger schöner Frauen Verehrte.
61.147 Im Spenden von Segen, Erkenntnis und Befreiung überaus Bewegliche; mit hundert Millionen Freuden unter dem Namen Bhairavanandanatha Erfüllter.
61.148 Vollendung der inneren Haltung, der Handlungen und der acht Glieder Spendende; Träger eines Leibes großer Wonne durch die Freude an den fünf Makaras.
61.149 Erkenntnis des Nirvana durch die fünf Prinzipien von Wein an Spendende; Geber der Frucht der Einteilungen des Kriya-Yoga des Opferherrn.
61.150 Dem Singen der Eigenschaften im Ruhm tausender Millionen Hingegebene; schöne Gestalt des Zornstroms des Zeitfeuers inmitten der Schlacht.
61.151 Kakinis Kraft, Yoga der Shaktis Kakini und Shakini und Weiteres; dessen Stirnzeichen mit zehntausend Millionen gezeichneten Monden versehen ist.
61.152 In der Schönheit der Farben von Lack, Bandhuka und Zinnober Anmutige; Träger der Erde, die sich mit tausenden von zehntausend Windgliedern dreht.
61.153 Deren reines Fußpaar in liebender Hingabe an Vivasvat steht; der den reinen Leib des herrlichen Sita-Gatten durchdringt und einem Saphir gleicht.
61.154 Liebende Hingabe als Meer hundertfacher kühler blauer Freude Spendende; Erweckerin des eigenen Lichts der Gottheiten der sechs Lotusse und Weiteren.
61.155 Deren heiterer Herzlotos in den sechs Stützen innerhalb großer Wogen liegt; Führer des Kula aller Glieder, gebunden durch die Liebeskraft der Dunklen.
61.156 Schöne Zuflucht der Verbindung mit Lehren über den Wesenskern des Samsara und Weiteres; dessen Hals eine Kette des großen Preta-Samenlauts „Hrasauḥ“ zeichnet [Vorlage: hrasauḥ].
61.157 Mit Ha, linkem Ohr, Mond und Bindu Geschmückte; Träger des Namens des Hüters und Trinkers der Felder von Auflösung, Schöpfung und Bestand.
61.158 Schilderin der Vollendung und Lehre durch die Freude an hunderttausend Lakshmi-Wiederholungen; Hungerstillung, Nachtschutz, Abwehr der Erschütterung durch Hunger.
61.159 Deren drei Augen rötlich auf das Feld der Kshatriyas und der Kurus gerichtet sind; Unendlicher, in den Überlieferungen Stehender, zur Ajna Gehender, Ishvari.
61.160 Herr Umas, Herrin der Uta-Tochter [Name unsicher], im Gedeihen Stehender, im Herzen Stehende, Kuhgesichtige; mit dem Herrn des Ga Verbundene, Retterin der Götter der drei Feuergruben.
61.161 Geliebte Freude des Herrn der Rehäugigen, Herrin des Geschlechts Airavatas; unendlich mit Odhra-Blüten Leuchtender, mit Odhra-Blüten an den Nagelspitzen [Pflanzenlesung unsicher].
61.162 In hundert Millionen „Ehriti“ Stehender [Wortlaut beschädigt], auf Au und den langen Pranava Gestützte; im Leib Stehender, im Gott der Glieder Stehende, beim Edlen Stehender, Herrin der Edlen.
61.163 Wohnstatt der Matrika-Buchstaben, mit allen Mutterkräften Verbundene; im Netz der Matrika-Mantras Stehender, heitere Eigenschaften Spendende.
61.164 Weisheit auf dem überaus mächtigen Weg, an der Stätte der Mutter der Eigenschaften Stehende; Herr der Götter der Freude des Unbeweglichen, ins Innere des Visarga Gehende.
61.165 Makelloser, Unbefleckter, Grundlagenloser, Stützenlose; Stützenloser, Grundlagenloser, Samenloser, Samenlaut-Yogini.
61.166 Zweifelloser, Freude der Begierdelosigkeit, Glanz einer Meeresedelsteinkette; im Raum Stehender, Himmelsgängerin, Himmelsspender, Shiva-Herrin.
61.167 Durch das Feine und Überfeine zu Erkennende, Bedrängnis durch Gattin und Not Entfernende [Lesung unsicher]; in vielerlei Ländern Entstandener, mit vielerlei Schmuck Geschmückte.
61.168 Neuer Genannter, im Neuen Stehender, im Augenlotos Wohnende; Freude am Gift namens Sinnesgegenstand, Sinnesgegenstände Verzehrender, Gift Entfernende.
61.169 Im Zustand jenseits der Sinnesgegenstände Stehender, Freude an Sinnesgegenständen Vernichtende; in der Waffe zum Abschneiden der Sinnesgegenstände Stehender, Erkenntnis der Sinnesgegenstände Vernichtende.
61.170 Schatten des Samsara-Zerschneiders, Schatten des Werdens, Beenderin des Werdens; die Samsara-Ziele in Bewegung Setzender, den Samsara Umwandelnde.
61.171 Töter der Samsara-Verblendung, über das Meer des Samsara Hinüberführende; dem Samsara-Gefäß Glück Spendende, Dunkelheit des Samsara Betörende [Teilung unsicher].
61.172 Von der Gestalt der fünf Prinzipien, die fünf Prinzipien Erweckende; Irdischer, Erdherrin, von Prithu zu Verehrender, Uralte.
61.173 Herr Varunas, Varuna-Göttin, Herr des Wassers, Aufsteigen des Wassers; in der Wüste Stehender, im Leben Stehende, Wasser Genießender, Wasser als Fahrzeug Habende.
61.174 Geliebter des Glanzes, im Aufleuchten Stehende, Leuchtende der Lichtfülle; im Glanz Stehender, Kette des Glanzes, Ruhm des Glanzes, im eigenen Strahl Gehende.
61.175 Windherr, im Wind Stehende, höchstes Selbst, innerste [Lesung beschädigt]; Einatmung Bewirkender, Atemanhalten Vermehrende.
61.176 Öffnung für den Atem Schaffender, Wind, Siegel des ausströmenden Atems; im Anhalten Stehender, im Ausatmen Stehende, im Einatmen Stehender, ganz Erfüllende.
61.177 Grundgestalt von Wind und Raum, Atembewegung Bewirkende; Atemvollendung Schaffender, Geberin, Atem-Yogi, im Atem Gehende.
61.178 Fülle des Raumes, Brahmi, mit einem im Rauminneren gehenden Blick; Freude des Raum-Kumbhaka, Freude des Himmels Vermehrende.
61.179 Im vom Raum bedeckten Leib Stehender, Ungeteiltheit des Raumes Bewirkende; im Raum und Weiteren großer Vollendeter, den Raumknoten Durchtrennende.
61.180 Kunstvolles Werk, Mahakali, Zeit-Yogi, Kalika; Zeitschirm, Zeittötung, Zeitgott, Kalika.
61.181 Von der Gestalt des Zeit-Brahman, den Sinn des Kali-Prinzips Beschützende; Raumgewandeter, beim Herrn der Richtungen Stehende, Selbst der Richtungen, in den Richtungen Leuchtende.
61.182 Beim Richtungshüter Stehender, den Richtungen Gnädige, Kraft der Richtungen, Kula-Herrin der Richtungen; Schrecklicher der Richtungen, Richtungsgewandete, Heldin der Richtungen, Herrin der Richtungsherren.
61.183 Sinn des Selbst, Kenner des durchdringenden Prinzips, Selbstkenner, mit Selbstwesen Erfüllte; dem Selbst Angehöriger, im Selbstsamen Stehende, inneres Selbst, das Selbst Bezaubernde.
61.184 Selbstbewusstsein Schaffender, von der Gestalt der Selbstfreude; Selbstopfer, Kennerin des großen Selbst, großes Selbst, das Selbst Offenbarende.
61.185 Veränderung des Selbst Vernichtender, Gottheit des zur Vidya Gehörenden und Weiteren; Geistes-Yoga Schaffender, Durga, unmittelbarer Geist, Ishvari.
61.186 Töter des Geistgeborenen, den Geistgeborenen Vermehrende; Geist, Yoga des Luftraums, Aufgang gestaltloser Eigenschaften.
61.187 Yogi des gestaltlosen Geistes, Zeugin des Herrn des Geistes-Yoga; im Geist Gegründeter, Manasa, Zweifel am Ansehen, Geistesbewegung.
61.188 Verborgener Sinn der neun Stoffe, Menschenherrscher Abwehrende; Gestalt neuer Eigenschaften und Handlungen, auf einem Vogel Gehende.
61.189 Überaus Berauschte, große Rede, Herr der Windkraft, großer Wind; alle Verfehlungen Hinwegnehmender, alle Krankheiten Abwehrende.
61.190 Herrin der Torgöttinnen, Liebe, Auflösungsfeuer, Schreckliche; Vater der Bhushanda-Scharen, Bhushandas Blut Spendende.
61.191 Herr der Krähenreihe, Allherrin, Krähenschwanzträger, Jaya; Herr des Unbesiegten, überwundene Freude, Virabhadra, Leuchtende.
61.192 Dessen Lebensatem in der inneren Nadi geht, Aufgang besonderer Eigenschaften; auf einem aus Edelsteinen gefertigten Sitz Stehender, auf dem Löwen Stehende, im Wagen Gehende.
61.193 Lehrer von Millionen Kula-Herren, von Vasudeva Verehrte; Kenner des Getrenntseins von der Grundlage, von der Gestalt aller Grundlagen.
61.194 Allwissender, alle Erkenntnis, Martanda, Ruhm, Ilvala; Herr Indras, Herrin des Vindhya-Berges, Elefantenherr, Offenbarende.
61.195 König der Könige mit unendlichen Armen, Vernichterin unendlicher Buchstaben; Segensspruch, Segenspender, Gnade, Gnadenhandlung.
61.196 Auf einem Leichnamsitz Sitzender, in den Lauben des Meru Wohnende; inmitten des Edelsteinhauses Stehender, auf dem Edelsteinsitz Wohnende.
61.197 Alle Waffen, Preta, Ritualwissen Offenbarende; Freude gewaltiger Augen, durch den lieblichen Klang der Fußringe Erfreuende.
61.198 Dessen Lotosfüße liebliche Fußringe tragen, dem Tod der Kraft Hingegebene [Lesung unsicher]; dessen Glieder eine Kula-Kette durchdringt, Kula-Herr, Kula-Gelehrte.
61.199 Herr des Mädchens, Rudra-Chanda, Kinderherren, Lebensmädchen; Herr der Jungfrau, Mutter des Begehrens, Hausherr, eigenes Haus.
61.200 Herr der unzeitigen Mutter, gewandtes Selbst, Freude Schaffende; Anfang der Veden, Mutter der Veden, in Leidenschaftslosigkeit Stehender, Leidenschaftslosigkeit Spendende.
61.201 Dessen Lotosantlitz lächelt, durch Lächeln Bezaubernde; Herr der Hervorzähnigen, Hervorzähnige, Herr des Elefanten, Zahnglanz.
61.202 Dessen Zähne die Richtungen sind, deren Gebiss die Richtungen ist; Gebratenes Essender [Lesung unsicher], Kauen Liebende; vorzügliches Fleisch, Esser, vorzügliches Fleisch Essende.
61.203 Fisch, Fleisch und große Mudra, Liebhaberin des Genusses von Menstruationsblut; Wein, Fleisch, große Fische, Mudra und Geschlechtsvereinigung sehr Liebende.
61.204 Geliebte Freude an den Kula-Stoffen, durch Wein und Weiteres Kula-Vollendung Spendende; Durchdringer von Herz, Hals, Brauen und Sahasrara, am Ende Durchdringende.
61.205 Mit heiterem Herzlotos, mit heiterem Herzlotos als Göttin; reich an gnädiger Segensgabe, gnädige Segenspenderin.
61.206 Reich an der Offenbarung liebender Hingabe, Liebesfreude Offenbarende.
61.207 Aufgang der Frucht des Sonnenschöpfers, Liebhaberin der höchsten feinen Stadt; im Strahl der Morgensonne Gehender, mit dem Glanz der ersten Sonne Verbundene; mächtiger Liebesgott der Feinde, aus dem Leib des beweglichen Mondes Aufgestiegener; durch eine Fülle von Dharma verehrt, deren Ansammlung rot wie ein Lichtschleier ist [Wortverbindungen teilweise unsicher].
61.208 Von den Scharen der Götterherren Verehrter, vom Herrn der besten Götter ganz Verehrte; vom Geschlecht der Götterherren Bedienter, von Königen der Menschenherren Bediente; Scharenherr, Führer der Scharen, Tochter des göttlichen Herrn der Scharenherren; Retter der im Meer des Werdens Gehenden, dem Steuermann des Meeres Liebe.
61.209 Aus dem Geschlecht der Götter und Dämonen Entstandener, im Ruhm des Götterfeindes Stehende; Töter der Scharen der Götterfeinde, den führenden Götterscharen Vollendung Spendende; Spender der ersehnten Frucht, den besten Göttern und Weiteren Vollendung Spendende; dem Kula des geliebten Leibes Ziele Spendender, Söhne, Reichtum und Befreiung Gewährende.
61.210 Shiva, eigene Shiva, Kakini, Hara-Hara, von schrecklichem Klang; Erdherr, Pfeile Beschützende, Aufgang des Vernichters gleichen Stolzes [Teilung unsicher]; Herr der Eigenschaften, Gatte Umas, Durchdringer des Herzlotos, Weg; den Nachtschöpfer an der Stirn Tragender, den Weg zum eigenen Glück Gewährende.
61.211 Mit lautem, unverhülltem Gelächter am Rand der Leichenstätte Geschmückte; der plötzlich am Ufer des listigen Geistes das Göttertor aufbricht; Vermehrer des Antlitzes des Liebesgottes, Wind des geliebten Frühlings [Lesung unsicher]; mit strahlendem Lotosantlitz, deren Löwenthron eine schöne Lotosgruppe ist.
61.212 Bhava, Glanz des Herrn des Werdens, Entstehung, Dichter, von Dämonen zu Betrachtender; Herr der Handlung, Ilavati, jugendliche, eingetauchte Taravati [Wortlaut unsicher]; führenden Weisen Mantravollendung Spendender, Lebensdauer vollendeter Götter und Weisen; im Leib von Murari und Hara Gehender, drei Welten, Vernichtungshandlung.
61.213 Zweifacher, goldene Kakini, goldener hoher Wasserträger [Lesung unsicher]; Lotosgeschlecht, reine Sonnenkette der Kula-Kraft; von überaus ergebenen Übenden, die zum Yoga der Urnatur befähigt sind, Verehrter; dessen Geist zur Unterscheidung gelangt ist, von den Händen des Herrn, der Höchsten und Weiterer Verehrte.
61.214 Du allein bist Kula-Führer, Herrin der Vidya des Auflösungs-Yoga; in der gewaltigen Schar Gehender, Berggeborene, Bezwinger des Weltstolzes, Hara; in tausenden beweglichen und unbeweglichen Wesen Gehender, inmitten aller Gestalten Stehender; Erfüller der Eigenschaften des eigenen Namens, die eigenen Eigenschaften und Namen ganz Erfüllende.
61.215 So ist dir, Herr, der heilbringende Tausendnamen-Text verkündet: überaus wunderbar, die abschließende Erkenntnis des Saftes höchster Freude verleihend.
61.216 Er ist aus Matrika-Mantras gefügt, ein Meer aller Lehren, große Freude der vollendeten Vidya und Verwirklichung der Eigenschaft der Freude.
61.217 In allen Welten schwer zu erlangen, ist er im Yamala offenbart. Ich bin durch den Duft des Saftes deiner Liebe bezaubert, Anandabhairava.
61.218 Nirgendwo wurde er ausgesprochen, aus Sorge, die eigene Vollendung zu verlieren. Zur Vollendung aller ursprünglichen Yoga-Lehren, für Genuss und Befreiung,
61.219 wurde dieses schwer zu Erlangende allein aus dem Saft liebevoller Freude offenbart. Wer es nur erkennt, wird zum herrlichen Bhairaveshvara.
61.220 Die glückliche Frucht dieser Namen kann nicht ausgesprochen werden. Was ein Mensch selbst in hundert Millionen Jahren an Frucht erlangt,
61.221 das wird Yogis im Meer des Werdens in einem einzigen Augenblick zugänglich. Wer morgens aufsteht, lese zur Abwehr schwerer Planetenbedrängnis.
61.222 Auch aus Furcht vor unbeherrschten Sinnen und zur Abwehr großer Angst meditiere und rezitiere man die Namen täglich, besonders mittags.
61.223 Zur Dämmerung und bei nächtlicher Übung vollziehe man die Namenspraxis, beim Yoga-Üben, beim Durchdringen der Knoten und bei der Bestimmung der Yoga-Meditation.
61.224 Durch das Lesen soll Yoga-Vollendung entstehen, täglich die Durchdringung der Knoten; Yoga-Erkenntnis werde vollkommen und Yoga entstehe durch Einspitzigkeit des Geistes.
61.225 Um die im Körper befindlichen Gottheiten zu gewinnen, große Verblendung zu stillen und feindliche Heere zu lähmen, lese man täglich rein.
61.226 Durch Lesen in hingebungsvoller Haltung werde man in allen Handlungen sehr fähig. Schon durch einmaliges Lesen soll man fremde Heere lähmen.
61.227 Durch dreimaliges Lesen soll man die drei Welten unterwerfen. Wer dreimal liest, ob Unwissender oder Gelehrter,
61.228 erlange höchsten Frieden und die weltbezaubernde Vidya. Nachdem er Festigkeit erreicht hat, erlange er Befreiung und Nirvana.
61.229 Durch viermaliges Lesen soll man Feinde rasch vernichten; durch fünfmalige Wiederholung einen Feind augenblicklich vertreiben.
61.230 Bei sechsmaliger Wiederholung werde der führende Übende zum Vernichter der Feinde. Er soll fremden Besitz anziehen, wenn er siebenmal liest.
61.231 Wer so die Reihenfolge betrachtend mit großer Hingabe liest, wird zum Herrn der Yoginis, einem großen Wunschbaum gleich.
61.232 Wenn man einen Monat lang liest, werde man fähig, die Knoten zu durchdringen, weitsichtig, ein großer Held, kraftvoll und Herr der Gelehrten.
61.233 Man werde zweifellos ein großer Wissender und Weltenherr. In einem Monat werde man fähig und erhalte Anteil an Nirvana, Befreiung und Vollendung.
61.234 Zur Yoga-Vollendung lese der höchstgeliebte Betrachtende in einem leeren Haus, in einem Pavillon über einer Erdgrube, an einem verlassenen Ort,
61.235 im Inneren des Ganges, im großen Wald, abgeschieden oder menschenleer, in einem Land ohne Hungersnot und frei von allen Bedrängnissen,
61.236 auf der Leichenstätte, in der Wildnis, an der Wurzel eines Ashvattha-Baumes, bei einem Banyan-Baum oder in einem Ziegelhaus, wo keine Menschen sind.
61.237 Dort und ebenso an der Stätte eines großen Heiligtums rezitiere man in Freuden-Gestalt, in fester Sitzhaltung, den höchsten heilbringenden Namenstext.
61.238 Mit durch Meditation und Konzentration gereinigten Gliedern, Nyasa und Verehrung ergeben, meditiere und preise man am Morgen. So werde man gewiss zum Todesbezwinger.
61.239 Man erlange die achtgliedrige Vollendung und Unsterblichkeit. Gewiss werde man ein Verehrer von Guru, Gottheit und großem Mantra.
61.240 In seinem Körper sollen Leiden und schädliche Entwicklungen nicht entstehen. Böse Planetenkräfte fliehen, wenn sie diesen höchsten Yogi sehen.
61.241 Der Mantraübende, der stets liest, hält die acht Vollendungen in seiner Hand. Die Gottheiten im Linga seines Herzlotos und die übrigen werden wirksam.
61.242 Der König der Yogis soll tausende Millionen Weltalter lang leben. Von reiner Lebensführung und gestaltlos ist er Brahma, Vishnu und Shiva. Er ist ewig, im Werk vollendet und erlangt Befreiung zu Lebzeiten.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, unter dem Namen „Anordnung des Lobgesangs der tausendundacht Namen Ishvaras und der Shakti Kakini“ das Kapitel 61.
Kapitel 62: Ishvara-Lobgesang und verborgene Mantraerschließung
62.1 Shri Anandabhairavi sprach: Nun, Herr, werde ich die Erkenntnis des Lobgesangs zur Erschließung der Mantras Kakinis und des göttlichen Gurus erklären, durch die der Asket vollendet wird.
62.2 Durch die Rezitation dieses Lobgesangs erlangt man sogleich Königtum unter den Vollendungen des Tausendnamen-Textes, oder man wird ein Yogi inmitten des Wohlstands.
62.3 Wie König Janaka im Bereich der Sinnesgegenstände dem Guru hingegeben, ein großer Vollendeter und Wissender war, so wird auch der Übende.
62.4 Götter, Nagas, Rudra-Scharen, alle dem Sinn der Vidya Dienenden, Yogis, Wissende, Vollendete, Himmelsgänger, Yakshas und Rakshasas,
62.5 Weise, zornige Vetalas und Chandeshvara und die anderen gelangen überall zur Vollendung, nachdem sie mit diesem heilbringenden König der Lobgesänge gepriesen haben.
62.6 Der Vollkommene entfernt mit dem Seitenblick seines vollmondgleichen Lotosantlitzes die Fülle der Verfehlungen. Erhalter der Frauen, Schöpfer, „beschützt nicht jene zum Yoga befähigten großen Indras“ [so der gestörte Wortlaut]. Yogi des Lebensatems des Wohlstands, Hüter grenzenloser Segensfreude, Verkörperter, Kind, Herr Mrityunjayas, Furchtentferner: Möge er meinen verborgenen Leib beschützen.
62.7 Der Begehren und Zorn entfernt, erzeugt die Bharatas; er beschütze die Bharatas und die Erde. Der Yogi, Yogi innerer Haltung, Spender meiner Kula-Frucht, schaffe stets Heil. In seinem Schoß leuchtet der Weltenkreis fein wie ein Sesamkorn [Vergleich beschädigt]. Über dieses alterslose Fußpaar des herrlichen Herrn meditiere ich in der Entfaltung des Herzens.
62.8 Unterscheidungskundig gegenüber Maya und Verblendung, Vernichter von hundert betrügerischen Feinden, im Antreibenden Stehender [danach mehrere beschädigte Wörter über verborgene Trägheit und irdischen Menschen]; der im großen Heil steht, über die Welt hinausgeht und hinüberfahren will: Sieg, Sieg, Herr des Mitgefühls, Geber, Asket. Ich preise jenen Lebensherrn, der hier das im Sinn der Mantraerschließung Verborgene beschützt.
62.9 Der das Ende der inneren Haltung ist, überaus gewichtig, im siegreichen Herzlotos [Mittelteil mit „Amara“ und „Atharva“ beschädigt], der Herr der Rede, vom Mantra „Vag-Devi, Verehrung der Gottheit“ bezaubert, „Erhellung des Mantrasinns“ genannt und von Millionen siegreicher Gefährten umgeben: Der Hundertopferer mit der Fülle freudiger Strahlen der jungen Sonne beschütze mich vor dem Netz des Leids.
62.10 Mit freudigen Gliedern, verbundenen Gliedern und Antlitz, von Millionen reiner Flammen frei [Satzfügung unsicher], der Bewusstsein aus dem Mantra nimmt: Man meditiere über Shiva als Pranava und danach über den stets heilvollen Shiva. Durch Japa von „Verehrung der Maheshvara-Kraft“ werde man zum Herrn der großen Indras. Er allein ist Kalis Sohn, du, Spender von Furchtlosigkeit und Segen; wer ihn verehrt, ist befreit.
62.11 Hamsa, Vernichter des Lebenshauchs [so der Wortlaut], du Spender aller Gaben, du Ursprung und Urprinzip, Friedensherr, Festigkeit: Man rezitiere das Mantra aus Pranava, Shiva, Sada, Bhadra und „dem Maheshvara“, mit lautem „Verehrung“ am Ende, für Wohlstand durch das Brechen der Fehler. Im Freudenmeer bist du Herr und Guru hier. Beschütze mich Beweglichen und meine Unbeständigkeit.
62.12 Du lässt Freude überströmen, bist ein mitfühlendes Meer und Spender der Hingabe, Geber der Vidyadharis, auch Feind der Götter, Lebensherr Parvatis. In Tara steht dein einsilbiges Mantra, reich an Bindu-Grundlage, mit dem fließenden, mondberauschten Laut [Umschreibung unklar]. Wer es mit Tara am Ende, dreisilbig abschließend, rezitiert, werde König der Yogis auf Erden.
62.13 Im Schlangenei befindlich, gut vollendet, mit Hara, Mond und Unterlippe, von Mond-Bindu-Gestalt: Man rezitiere täglich rückläufig den todentfernenden Pranava, mit der Feuergeliebten am Ende. Wer diese segensvolle Stätte verehrt, mit dem Klang goldener Fußringe, dessen Geist in der Freude deines Blickes ruht, wird Spender siegreicher höchster Kula-Freude und gelangt zu deinem Leben [mehrere Lesungen unsicher].
62.14 Wenn der Einsichtige, auf deinen herrlichen Lotosfuß gestützt, deine Mantras beim Vertreiben, Bezaubern, Unterwerfen eines Feindes, bei Befriedung, Gedeihen und Unterwerfung passend anwendet und rezitiert, soll er den Wesenskern der sechs Ritualhandlungen vollenden. Zum höchsten Guru gelangt, werde er durch Shambhunathas Gnade ein Wunschbaum, König der Könige in allen Welten und dem Reichtumsherrn gleich.
62.15 Das Ende von Kha, mit Shakra am Anfang verbunden, mit Mond und Auge, Kama-Samenlaut und drei Shaktis; am Anfang und Ende Om, „Shiva“ im Dativ und die Feuerbraut: Wer dieses Herren-Mantra rezitiert, der Übende auf dem Kula-Weg, der die Überlieferung wiederholt, ist herrlich und vortrefflich. Welche unerreichbare Vollendung bliebe ihm in den drei Welten? Glücklich geht er zugewandt den Yoga-Weg.
62.16 Über alles Hinausgehender, Wandelnder, ohne Schrittbewegung, überall Gehender, Ruhender; ohne Hände, Führer, grenzenloser Segenspender, Allgestaltiger, Andersgestaltiger; du bist Mantrakenner, guter Ratgeber, von großer Maya-Zeit [Lesung unsicher], Vernichter des Unwesentlichen der Zweifel, Betrachter der Weltenherrinnen. „Dem höchsten Pashupati“, zuletzt „Verehrung“: Möge er den Verneigten schützen.
62.17 Yogi, Genießender, Leidenschaftsloser, du bist von unvergleichlichem Reichtum, Entstehung, Fünfhaariger, Vani, Shesha, Herr des Geliebten, dessen Glieder mit dem mondverbundenen Mrida geschmückt sind, Körperloser; Kama, Maya, Herr Ramas, vom Glanz einer Reihe erster Sonnen bedeckt. Möge der im reinen Lotos Gehende, im Zorn Befindliche, alle Glieder und den Blick beschützen [die Namensreihe ist syntaktisch unregelmäßig].
62.18 Wer diesen herrlichen Shankara-Lobgesang beherrscht und rein liest, soll nach einem Jahr die alle Erkenntnis verleihende Vollendung erlangen.
62.19 Der beste Übende, der in Reinheit oder Unreinheit mit Hingabe preist, wird von allen Qualen frei, ein Yogi, der die Knoten durchdringt.
62.20 Unvermittelt erlangt er Vollendung, die gute Hingabe voller Liebesfreude gewährt. Als vorbereitende Übung gelten hundertacht Wiederholungen.
62.21 Weder Bad noch Japa noch eine Vorschrift für Verehrung und Weiteres sind auszuführen. Allein durch das Lesen des Lobgesangs werde man im Anahata ganz fest.
62.22 Langlebig, ohne Leidenschaft und ohne Vorstellung des Samsara: Wer liest und bewahrt, soll nicht vom Yoga abfallen. Mühelos erlangt er Yoga-Vollendung und großen Reichtum.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Anordnung des Ishvara-Lobgesangs“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 62.
Kapitel 63: Der Bezauberungs-Schutztext Ishvaras im Anahata
63.1 Anandabhairavi sprach: Höre nun seinen Schutztext, Weltenherr, Gatte Shivas: den Schutztext Ishvaras, höchstes Brahman, das Nirvana-Yoga gewährt.
63.2 Der Schutztext ist in der Welt schwer zu erlangen, „höchste Bezauberung“ genannt. Allein durch Meditation über ihn erhalte man Anteil an der Nirvana-Frucht.
63.3 Was soll ich über seine Größe sagen [die Vorlage schwankt im Wortlaut]? Dennoch verkünde ich sie: allein zur Durchdringung der Knoten und zum Schutz des eigenen Leibes,
63.4 für alle, Herr der Yogis, Götter ebenso wie Yogis, zum Erlangen der Vollendung innerer Haltung und Weiterer, zur Vollendung körperlicher Reinheit.
63.5 Aus Liebe zu dir, Mahakala, wird er offenbart. Alle Mantras werden wirksam, wenn sie auf dem Bezauberungs-Schutztext beruhen.
63.6 Der Rishi des Schutztextes ist Brahma, als Versmaß wird Anushtubh genannt, als Gottheit Ishvara und als Shakti Kakini.
63.7 Als Keil ist Kruṃ zu erkennen. Zur Vollendung der Meditationsübung und zur Durchdringung des Herzlotos ist die Anwendung erklärt.
63.8 Rituelle Zuordnung, in der Vorlage nochmals als Prosa: Für diesen herrlichen großen Bezauberungs-Schutztext ist Brahma der Rishi, Anushtubh das Versmaß, Ishvara die Gottheit, Kakini die Shakti, Kruṃ der Keil. Die Anwendung im Japa dient der Vollendung der Meditationsübung und der Durchdringung des Herzlotos. Schutzanrufung: Der Pranava beschütze meinen Kopf, Sadashiva die Stirn. Prasada beschütze das Herz, Maheshvara beide Arme.
63.9 Mahadeva beschütze den Rücken, der Vernichter des Begehrens den Bauch. Kamaraja beschütze beide Seiten, Bala den inneren Rückenbereich.
63.10 Der große Held, Lalitas Gatte Ishvara, beschütze die Bauchbasis. Mrityunjaya Nilakantha behüte stets die Gegend des Geschlechtsorgans.
63.11 Mudrika beschütze unterhalb des Geschlechtsorgans, Umas Gatte beide Füße. Parvatis Lebensgeliebter beschütze stets den großen Zeh.
63.12 Tryambaka beschütze das Fußgelenk, der Gatte der Jugendlichen beide Knie. Der ewige Manjughosha beschütze stets die Oberschenkelwurzel.
63.13 Bhairava, Krodhabhairava, beschütze die Nahtgegend. Der Weltenherr von Linga-Gestalt beschütze das Hervortreten der Linga-Gegend.
63.14 Mahesha, Kakinis Herr, beschütze stets die Herzspitze. Der auf dem Stier Stehende beschütze den Nacken, der Raumgewandete die Halsgegend.
63.15 Ganapa beschütze das Zäpfchen, der Vernichter des Werdens die Nase. Der Herr der Yogis beschütze die Brauenmitte, Mahesha den Kopf.
63.16 Der Herr der Weisen beschütze den Scheitel, Maheshvara im Zwölferbereich. Der Lebensgeliebte Kakinis beschütze den zwölfblättrigen Lotos.
63.17 Der welterfüllte Maharudra beschütze den Lotos an der Nabelwurzel. Der von Hari-Haras Wesen beschütze stets den Svadhishthana-Lotos.
63.18 Brahmendra, Dakinis Herr, beschütze stets den Wurzellotos. Dakini und der Herr der Yoginis beschützen stets Kundalini.
63.19 Kundalini und Matrika mögen schützen; Vatukesha, Shiva oder Shiro [die Vorlage markiert selbst eine unsichere Lesart], Hara. Vamadeva Maheshvara beschütze die Gestalt Rakinis.
63.20 Der Fünfgesichtige beschütze stets den Diamantleib Lakinis. Der Held beschütze die eigene zwölf-speichige Stätte und die gute Kakini.
63.21 Der Heldenherr beschütze den Fruchtboden, der Giftesser den Zwölfblättrigen. Der zornige Held Sadashiva beschütze stets den Sechzehnblättrigen.
63.22 Vajranathesha beschütze mich, Krodhabhairava vor Feindesfurcht. Lakini und der herrliche Sadashiva beschützen stets die sechs Chakras.
63.23 In der Vorlage in geschweiften Klammern: Der Beschützer Dhumrakshas behüte das Innere des sechzehnblättrigen Lotos. Der Herr der Richtungsherren, Großleibige, höchste Herr beschütze mich. Fortlaufender Text: Der mit dem Himmelsganges im Flechtenhaar beschütze meinen höchsten Zweiblättrigen. Gangadhara, der höchste Herr, beschütze stets Hakini.
63.24 Hakini und Parashiva mögen meinen Brauenlotos beschützen. Der Herr mit dem Stab in der Hand beschütze den zweiblättrigen Lotos von Geistesgestalt.
63.25 Sadhukesha beschütze stets den in Manonmani und Weiterem Wohnenden. Pingakshesha beschütze stets meinen Leib auf dem Boden der Furcht.
63.26 Er beschütze meine Unmani-Stätte mitsamt Rodhini. Der Nektartopf beschütze stets meine Gottheit der Freude und Weiteren.
63.27 Anandabhairava beschütze die Gottheit der verborgenen Gegend. Der Maya-Erfülltheit Entfernende beschütze die Kraft der Sushumna-Nadi.
63.28 Der mit dem Glanz von Millionen Sonnen beschütze den Träger der Ida-Kraft. Der mondgekrönte Ishvara beschütze die Sonne der Pingala.
63.29 Er beschütze stets die Stätte von Millionen Zeitfeuern in Sushumna. Das Nektarmeer, Herr unzähliger Edelsteine, beschütze mich.
63.30 Shivanatha beschütze stets meinen Kundalini-Kreis. Mahadeva, die Zeitnacht, beschütze den mit Kula verbundenen Vishnu-Kreis.
63.31 Der Todesbezwinger beschütze stets mein Sahasrara. Der Selbstentstandene beschütze immer Shambhu im tausendblättrigen Lotos.
63.32 Sharva beschütze stets den allgestaltigen Ishana. Der herrliche Nilakantha Ishvara beschütze überall und immer.
63.33 Der von der Gestalt aller Samenlaute beschütze stets meine Samenlautkette; der Herr aller Samenlaute meine Matrika, Shiva meine Matrika-Buchstaben.
63.34 Hara beschütze mein Ichbewusstsein und stets meine Handgebetskette. Im Wasser, im Wald, bei großer Angst, auf dem Berg, in einem leeren Pavillon,
63.35 wo Furcht vor Tigern, Bären, Büffeln und anderen Tieren herrscht, im großen Wald, im schrecklichen Krieg, im Himmel, auf Erden und in der Tiefe,
63.36 bei überaus heftigem Waffenangriff, bei Furcht vor Feinden, Dieben und Weiteren, bei grausiger Angst vor großen Löwen und ebenso vor berauschten Elefanten,
63.37 bei großer Angst vor Planetenbedrängnis und Krankheit, vor Schlangen und stets bei Furcht vor Pishachas, Bhutas, Vetalas, Brahmadaityas und Weiteren,
63.38 bei Verleumdung und Gegenrede, bei falscher Rede allezeit: Der Herr der schrecklichen Kalika, der Gewaltige, Scharfe, Höchste,
63.39 Ugra, der Flechtenhaarige, der Schrecklichzähnige, dessen Hand von Zeit bedeckt ist, der Seher, der Zornverhüllte, der Hochberauschte, Garudis Herr, der Träger Maheshas,
63.40 der Fünfgesichtige, Fünfstrahlige, Reiniger, Pavamana, Träger von Flamme, Maß und großer Mudra, der Zornkönig,
63.41 der Schmelzende, Füllende, Genährte, Ernährer und Erklärende: Diese großen Rudras mögen in den zweiundzwanzig großen Gefahren schützen [Anzahl und Gliederung der Namen sind nicht eindeutig].
63.42 Alle diese sind mit Shakti verbunden, mit Schädelketten geschmückt, Herren des Ichbewusstseins, zornig, Yogis, über die Wahrheit nachsinnend,
63.43 vierarmige große Helden, Schwert und Schild tragend, reich an Schädel- und Muschelketten, mit vielerlei Edelsteinen geschmückt,
63.44 mit Ketten von Schellennetzen reich geziert, mit goldenen Fußringen strahlend, reich an allerlei Schmuckglanz und mit Mondkronen geschmückt,
63.45 stets voller Freude, Glück und Befreiung den Karma-Yogis spendend. Der Erhabene beschütze stets; die Herren mögen beständig schützen.
63.46 Brahma beschütze den Wurzellotos, Shri Vishnu den Sechsblättrigen, Rudra den Zehnblättrigen, Ishvara das Anahata.
63.47 Sadashiva beschütze stets meinen Sechzehnblättrigen. Der Höchste beschütze den Zweiblättrigen; die sechs Shivas mögen beständig schützen.
63.48 Die übrigen Kula-Herren beschützen stets meinen Leib. Das volle Brahman und alle Gottheiten beschützen immer sämtliche Glieder.
63.49 Der Zeitgestaltige beschütze stets, der Geistesgestaltige meinen Kopf. Der im Selbst Aufgegangene, Veda-kundige Herr beschütze stets die Stirn.
63.50 Der Herr Varanasis beschütze meinen Sitz zwischen den Brauen. Der Herr der Yogis beschütze stets fest meine Zahnreihe.
63.51 Jhiltisha, Herr der Elemente, beschütze stets Ober- und Unterlippe. Bharabhutisha, Herr der Gäste, beschütze beide Nasenöffnungen.
63.52 Sthanukesha, Herr Haras, beschütze stets beide Wangen. Der Unsterbliche, Ardhishvara [Namensgliederung unsicher], beschütze stets meine Ohrengegend.
63.53 Mahaseneshvara beschütze ununterbrochen meinen Mund. Die großen Rudras von Shrikantha an und die Matrikas an den Knoten der eigenen Glieder,
63.54 Kalarudra möge mich beschützen, der Vernichter der Zeit alle Glieder. Der Retter vor vorzeitigem Ende, der ganz Erfüllende, beschütze den Bauch.
63.55 Die besten Weisen von Agastya an, die Yogis und Herren mögen schützen. Shrinatheshvara Ishana beschütze meine feinen Nadis.
63.56 Der Dreizackträger beschütze im Osten, der Todesvernichter im Süden. Im Westen beschütze stets der von Varuni berauschte Mahakala.
63.57 Im Norden der Herr der Avadhutas, Bhairava, Kalabhairava. Im Nordosten beschütze der Friedensherr, im Nordwesten der den Yogis Liebe.
63.58 In der Windecke beschütze mich stets Shiva, der Dämonentöter [die Windecke wiederholt den Nordwesten; Südwesten wird hier nicht genannt]. In der Feuerecke beschütze stets der, dessen Lotosantlitz das Zeitfeuer ist.
63.59 Oben beschütze stets Brahma, unten stets Ananta. Der Gott aller beschütze stets das Glück, das den ganzen Leib erfüllt.
63.60 Der hier Verehrungswürdigen Geliebter beschütze, der Zeit genannte Herr meine Eigenschaft [Wortlaut unsicher]. Der Sonnenherr beschütze stets mein Herz und meinen Geist.
63.61 Der Mondherr, Wunschspender, beschütze stets meine Brauenmitte. Der Träger des Diamantstabes, Herr der Rotgliedrigen, beschütze die drei Augen.
63.62 Der Herr des dunkelschönen Budha beschütze meine Herzstätte. Der Herr des goldfarbenen Guru beschütze stets meinen Hals.
63.63 Der von einer Zinnoberwolke verhüllte Herr der ersten Sonne und Shukras beschütze den Schlund [Zuordnung unsicher]. Der dunkle Herr Shanis, Ishvara, beschütze stets die Nabelgegend.
63.64 Der großgesichtige Rahu beschütze allein den Gesichtskreis. Der großleibige Ketu beschütze stets meine verborgene Gegend.
63.65 Die Gottheiten von Indra an mögen mitsamt ihren Gefolgscharen schützen. Die Bewohner Vaikunthas beschützen die Richtungsgestalt des Kopfkreises.
63.66 Die mit Bhairavis verbundenen Bhairavas, aus dem ganzen Leib entstanden, schrecklichzähnig und großleibig, mögen mich ununterbrochen beschützen.
63.67 Der Opfergenießer Nilakantha beschütze stets mein Herz. Die berauschten Bhairavas mögen schützen; die Herren mögen stets schützen.
63.68 Die Zornkönige mögen schützen, mit Shri, Maya und Madana verbunden. Dies ist der rettende Schutztext, das Heil des rettenden Brahman.
63.69 Er wurde, Herr, sorgfältig verkündet, nirgendwo sonst offenbart. Allein aus Liebe zu dir und mit heiterem Herzen [habe ich gesprochen].
63.70 Übe Gnade, Herr des Mitgefühls. Dieser wunderbare Schutztext ist dein, zum Wohl der Welten, zur Vernichtung der Verblendung und zur Unsterblichkeit.
63.71 Die führenden Übenden sollen ihn lesen; die führenden Yogis verehren ihn. In allen Welten ist er schwer, den Wahrheitskennern leicht zugänglich.
63.72 Schon durch Lesen des Schutztextes soll man Unmögliches vollbringen. Durch Tragen und Verehren erlangt man unmittelbar die Frucht aller heiligen Sitze.
63.73 Nachdem der Wissende den Mund zum Krähenschnabel geformt hat, lese er den Schutztext siebenmal oder fünfmal, um die geheime Vollendung zu befestigen.
63.74 Betrachtet man Ishvaras Glieder, die Verbindung Kakinis und Ishvaras, die gute Verbindung mitsamt dem Schutztext, werde man einem Wunschbaum gleich.
63.75 Durch Lesen dieses Schutztextes erlangt man gewiss Göttlichkeit, Gesundheit, höchste Erkenntnis, Bezauberung und Macht über die Welten.
63.76 Man soll fremde Heere lähmen, wenn man dreimal liest. Rasch erlangt man Frieden und die Fähigkeit, die sechs Ritualhandlungen auszuführen.
63.77 Frei von Verlangen, dem Reiz des Geschmacks und Hoffnung auf Sinnesgegenstände werde der Übende zur Wunschkuh und erhalte Anteil an der Vollendung des Willens und Weiterer.
63.78 Er besitze die Kraft, überallhin zu gehen, und erscheine Frauen wie der Liebesgott. Er erlange Vollendungen wie Kleinwerden, Leichtwerden und Erreichen.
63.79 Als Geliebter der Yoginis wandle der führende Übende. Wie Guha und Ganesha ist auch er mein Sohn.
63.80 Herrlich, von edlem Kula, Kenner des Wesenskerns, frei von allen Ordnungen, gelangt der Herr der Asketen ganz allmählich freudig zum Sechzehnblättrigen,
63.81 wo der Herr Shakinis, Sadashiva als Guru und Gebieter, leuchtet. Schrittweise erreicht er durch die Verbindung mit mir die höchste Stätte.
63.82 Wie sollte ohne Verbindung mit mir Hingabe an dich entstehen, Herr? Durch Rezitation dieses „Bezauberung“ genannten Schutztextes
63.83 wird die Rede gefügig und Lakshmi beständig; man ist mit aller Herrschaft erfüllt. Danach wird Loslassen erlangt; als Shiva wandle man ohne Anhaftung. Der Geist gelangt zu Sadashiva; der vollendete Mantraübende erreicht Geistesauflösung.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Der Bezauberungs-Schutztext Ishvaras im Anahata“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 63.
Kapitel 64: Halslotos, achtzehn China-Praktiken und Kundalini-Yoga
64.1 Shri Anandabhairavi sprach: Nun werde ich die verschiedenen Weisen erklären, alle Sinne zu beherrschen. Höre einspitzig, Shambhu, wenn du die Erfüllung deiner Wünsche begehrst.
64.2 Man erlangt erneut eine Erkenntnis jenseits von Erinnerung und unterscheidendem Wissen, wenn man das in meinem Tantra gebilligte Nyasa vollzieht.
64.3 Oberhalb Anahatas liegt der herrliche, von sechzehn Blättern umgebene Lotos. Im großen rauchigen Bereich der Halsgrube strahlt er millionenfach.
64.4 Das Feld besitzt fünf Strahlen; darin liegt Keshavas Glanz. In dessen Mitte ist die Stätte des Fruchtbodens, die höchste Freude vermehrt.
64.5 Der Einsichtige und Wissende verehre den nicht öffentlich zu machenden, gut geheim zu haltenden Sadashiva von Shiva-Gestalt, den Geliebten der Shakti Shakini.
64.6 Große Menschen verschließen mit den Samenlauten von Kama-Kala und Weiteren den Mund und betrachten den Wolkengleichen, Gewaltigen, wie ein beständiger Blitz Leuchtenden, Dunklen, dessen überaus schöne Gestalt makellos ist.
64.7 Keine Bestimmung ist da, kein Offenbaren des Weges oder Schauen [Satzgliederung unsicher]; Verbindung mit dem fünften Buchstaben und Betrachtung der Geburt: Den dies Darlegenden, Sadashiva, Zuflucht friedvoller Menschen, verehre ich.
64.8 Sie verehren den zeitlosen Kreis, den Kula-Zeitkreis, der den Verehrern als Wunschbaum aufleuchtet; den Kreis, zehntausendfach jung und rot, rein strahlend wie ein Zinnoberberg.
64.9 Brahma und die anderen Götter verehren diesen Samadhi-Zustand des ursprünglichen Gottes.
64.10 Bhalleshi, Bhallakulla [Namen unsicher], gestaltet mit Opfergaben; mit der Stirn heldenhafter Bären, mit Bhargas Wandeln leuchtend, in Bedrängnis durch die Zeitschlange [mehrere Wortverbindungen beschädigt]. Kaula, Kette des Kailasa, Spiel der Bindu-Schönheit im Wasser des Kula-Lotos, im Halslotos flammend, im goldenen Honighaus, in der Fülle des Sitzes, im Samadhi.
64.11 Die zu meditierende und zu betrachtende Shakini mit schönen ausstrahlenden Strahlen, gelb gekleidet, möge schützen: den Wolkengleichen, Segenspender, Geber gleicher Freude, Mondgekrönten mitsamt seiner Stätte. Mit Brahma, Indra und führenden Yogis bildet sie die wunderbare Anordnung der Blattknoten. Wie eine Fülle von Blitzen leuchtend, Wohnstatt der Weisen, werde sie von führenden Übenden verehrt.
64.12 Im Raum genannten Licht, auf dem Brahman-Weg, leuchtend durch die Kräfte der zweimal acht Blätter [Zahlenausdruck unsicher], zieht im Wind die Hamsa-Kette der Lebewesen, rauchig und mondweiß. Im Vishuddha siegt der herrliche Martanda, der Lebensatem, Erheller des Kula-Weges. Mit Shakini und Yoginis wohnt der Herr des Wunschjuwels, Freude an der glücklichen Stätte.
64.13 Die beiden allein tragen das Ganze und die Zeit, jene beiden Sadashivas, Bewohner der Honigstadt. Durch Wille, Handlung und Erkenntnis strahlend, sind sie die Hauptgottheiten und Glücksstätten der Verehrer.
64.14 Urnatur und Herr im Vishuddha-Lotos, die Bana-Shiva und Weiteres durchdringen, in A-Gestalt durch das Guru-Mantra leuchtend, Sinn von Kula und Akula: Sie sind auf dem Weg zu betrachten.
64.15 Mahabhairava sprach: Kula-Geborene, höchste Vidya, von der Gestalt ewiger Freude, du sollst aus Liebe zu mir alle Unterschiede erklären, Schöne.
64.16 Durch den schrecklichen Rausch des Kalakuta-Gifts ganz in Vergessenheit geraten, kenne ich die Yoga-Bedeutungen nicht, die das ewige Leben zu binden lieben.
64.17 Wenn du mich retten kannst, behüte stets meine giftverseuchten Glieder. Wie geschieht die Bewegung im Hals? Wie die Rakshasi-Handlung?
64.18 Wie wird man zum Feind des Feindes? Wie steigt Heil auf? Wie groß sind Demut und Freude, wie weit reicht die Zeitübung?
64.19 Wie gelangt man zu Neuheit, und welcher Art ist deine Meditation? Der wahre Zustand des Gurus in deinen Gliedern [Zusammensetzung unsicher], die Offenbarung des Kula-Sitzes:
64.20 Wohin führt Kundalinis Gang? Woher kommt das Kula der Übenden? An welcher Stelle findet Buchstabenmeditation statt, und wie werden die Blätter durchdrungen?
64.21 Aufleuchten, Trennung von Vidya, Aufgang früherer Erkenntnis: Wie erreicht man den gleichen Geschmack, und wie geschieht die Neugestaltung des Körpers?
64.22 Wie das Quirlen des Liebesgottes, wie sein Bestand im Körper? Wer ist im Halslotos gefestigt, und welcher Mensch kennt die innere Haltung?
64.23 Erkläre zuerst deinem Gatten die innere Haltung und Weiteres durch deinen Gnadenblick. Shri Anandabhairavi sprach: Zuerst höre die Bewegung im herrlichen Hals, höchster Herr.
64.24 Sie ist von Mantraübenden stets zu hören und täglich zu vollziehen, Herr.
64.25 Im Hals liegt der sechzehnblättrige Lotos, darin der Kreis des herrlichen Fruchtbodens. Außen ist ein glückvolles Viereck, innen ein Sechseck. Außen vier Tore, neun Häuser, dann sechs Erdflächen; darüber ein herrlicher Mondlichtbaldachin. Die Honigstadt verehre man auf seinem Fruchtboden.
64.26 Am verborgenen Ort inmitten des Fruchtbodens leuchtet stets die Honigstadt. In ihrer Mitte erscheinen acht Städte zur Vollendung der Kaula-Handlungspraxis.
64.27 Von Osten an leuchten die Herren der Liebeskraft, weich vom Wesenssaft des Honigtranks. Die führenden Asketen verneigen sich vor ihnen; stets sind sie als Licht der Halsblätter zu meditieren.
64.28 Vameshvara geht in das östliche Haus; Rahu, Herr der Jyestha-Schar [Wortlaut unsicher], in das nächste Haus. Der Raudra-Wesentliche geht in das Haus des Todesherrn, Kalishvara in das goldene Haus des Südwestens.
64.29 Der Herr der Sakala-Vikarani geht in Varunas Haus, der Herr der Savana-Dhikarani in das Windhaus [Namensformen beschädigt]; der Herr der Sabala-Vimathani in das nördliche Haus. Der oberste Gott aller Wesen beschützt sein eigenes Haus.
64.30 In der Mitte steht Manonmanis Herr; oberhalb davon der Allgestützte. Das Haus ist mit Gold durchsetzt und aus vielerlei Edelsteinen gefertigt.
64.31 Ihre Shaktis sind zu meditieren, jeweils an ihrer linken Seite leuchtend. Man verbinde ihre Namen mit den eigenen Mantras oder mit dem Pranava.
64.32 Wenn man sie so umschließt und rezitiert, gelingt wahrhaft das Unmögliche. Im oberen neuneckigen Haus strahlt im Osten
64.33 die Göttin Vama, ganz aus großem Licht, vierarmig, deren Glieder durch vielerlei Schmuck glänzen; stets erfüllt sie die Wünsche der Übenden.
64.34 Im goldenen Haus der Feuerecke steht die vierarmige Göttin Jyeshtha, mit allem Schmuck versehen und durch eine Lotosgirlande strahlend.
64.35 Die führenden Yogis sollen stets über sie meditieren, um alle Vollendungen reich zu erlangen. Im goldenen Haus Yamas steht Raudri, Spenderin höchster Vollendung,
64.36 vierarmig und dreiäugig, schmuckgeziert zu meditieren. Im goldenen Haus des Südwestens steht die vierarmige Göttin Kali,
64.37 reich an jeglichem Schmuckglanz, dreiäugig, Segenspenderin, Trägerin aller Waffen, mit einer schönen Schädelkette geschmückt,
64.38 durch die Vidyas führender Yogis zu meditieren, höchste Erkenntnisspenderin. Die Göttin Kala-Vikarani leuchtet im Haus Varunas,
64.39 vierarmig, Mutter der Yogis, dreiäugig und geschmückt. Führende Yogis sollen sie meditieren; sie gewährt die acht Vollendungen von Kleinwerden an.
64.40 Im goldenen Windhaus ist von den besten Übenden die der Bandhuka-Blüte Gleichende zu meditieren, mit Armreifen und Halsketten geschmückt:
64.41 die Göttin Bala-Vikarani, mit sämtlichem Schmuck geziert, vierarmig, dreiäugig, Spenderin aller ursprünglichen Vollendungen.
64.42 Die Göttin Bala-Pramathini spendet stets Reichtum und Befreiung. Im goldenen Haus Kuberas stehend, ist sie bereit, alle Freude zu schaffen.
64.43 Die herrliche Sarvabhuta-Damani ist im Haus Ishanas zu meditieren, der ersten Morgenröte gleich, mit einer Oleanderkette versehen,
64.44 vierarmig, dreiäugig, mit allem Schmuck geziert. Inmitten des herrlichen Fruchtbodens ist von allen Menschenherren
64.45 die sonnenstrahlende Göttin Manonmani, Glücksspenderin, stets zu meditieren: vierarmig, von großem Licht und durch Schmuck geziert,
64.46 dreiäugig, Segenspenderin, Allumfassende, im inneren Organ aller stehend. Die mit der Shakti aller Eigenschaften verbundene vierarmige Göttin,
64.47 zehntausend Morgenröten gleich, mit einer Rumpfkette strahlend, von unendlich-unendlicher Größe, die Uranfängliche, Vierarmige, ist zu meditieren,
64.48 dreiäugig, rot gekleidet, mit allem Schmuck versehen. Nach der Meditation über diese Göttinnen verehre man sie vorschriftsgemäß.
64.49 Mit im Geist geschaffenen und tatsächlich bereitgestellten Stoffen, unter Rezitation und Verbindung mit ihren Namen, bringe der Einsichtige vorschriftsgemäß dar.
64.50 Mit Fleisch und Rauschtrank sowie einem Honigstrom vollziehe der Yogi die Sättigung und die Begießung mit Kula-Stoffen gemeinsam mit Übenden und Yogis.
64.51 Der König der Yogis speise führende Yogis und im Veda bewanderte Brahmanen mit vielerlei Kula-Stoffen, fester und weicher Speise.
64.52 Dann erlangt man Licht; oder man bringe durch Geistes-Yoga dar. Dies ist die Weise der Bewegung im Hals, höchster Herr.
64.53 Sie wird durch dieses Verfahren erlangt; mit göttlicher Haltung bringe man dar. Dann erlangt man Vollendung und die Schau Shakinis.
64.54 Mit seiner Gattin soll der führende Übende das vollendete Mantra erlangen. Nun werde ich, Mahakala, die höchste Rakshasi-Handlung erklären,
64.55 durch deren Vollzug man auch Shiva-Sein erlangt: den China-Brauch der Rakshasis und Kulinas, Sadashiva.
64.56 Die Rakshasi ist Veda-Sprache, durch Veda-Mantras gereinigt. Der China-Brauch der Rakshasis gelingt allein durch Übung.
64.57 Ich werde den China-Brauch erklären, die große Frucht der Rakshasis. Achtzehn Arten des China-Brauchs werden genannt.
64.58 Überall herrscht reine innere Haltung und Kenntnis des Zwecks wie der Leidenschaftslosigkeit. „Höchstes des Höchsten“ und „Unübertrefflich-Höchstes“ heißen die ersten,
64.59 dazu „Äußerst-Höchstes“, „Äußerst-Unübertreffliches“, „Unübertrefflich-Höchstes“, Herr, und ferner „Überaus-Höchstes“ [die Bezeichnungen wiederholen sich in der Vorlage].
64.60 Mit dem „Höchsten“ ist das Höchste siebenfach im China-Brauch anzuwenden. Im China-Brauch gibt es „Äußerst-Mittleres“, „Überaus-Mittleres“,
64.61 „Mittleres des Mittleren“ und „Mittleres“, mithin vier mittlere Arten. Es folgen „Äußerst-Niedriges“ und erneut „Äußerst-Niedriges“,
64.62 „Überaus-Niedrigstes“, „Äußerst-Niedrigstes“, ferner „Überaus-Niedriges“, Herr, und „Niedrigstes“,
64.63 sowie als siebtes „Niedriges“ in der Rakshasi-China-Praxis. Man vollziehe sie der Reihe nach unterschieden nach Tag, Monatshälfte, Monat und Jahr.
64.64 Höre zuerst die höchste Lehre, Shankara. Wenn die Erde während Ambuvachi drei Tage menstruiert,
64.65 besteht vom betreffenden Tag bis zum Ende das Kauen von Fleisch und die Verwendung der fünf Prinzipien in der Freude am Rauschtrank des China-Baumes.
64.66 Wer dies ungehindert vollzieht, dessen Praxis ist das „Höchste des Höchsten“. Ich erkläre das „Unübertrefflich-Höchste“; man wende es zu den Verehrungszeiten an.
64.67 Allein in verborgener Haltung verwendet man die fünf Prinzipien, hält den eigenen Samen zurück und quirlt den Kula-Sitz.
64.68 Den durch dieses Quirlen des Sitzes hervorgebrachten Nektarsaft verbindet man mit allen Rauschtränken und nimmt diesen Trank ein.
64.69 Stets widmet man sich dem Kauen von acht Fleischarten. Außerhalb der Verehrungszeit soll der beste Übende die Stoffe nicht zu sich nehmen.
64.70 Das ist überall und stets das „Unübertrefflich-Höchste“. Den „Äußerst-Höchsten“ China-Brauch erkläre ich hier vorschriftsgemäß.
64.71 Durch ihn werde der Mantraübende vollendet und erlange die Schau Sadashivas und Weiterer. Ein Jahr lang bringe er täglich um Mitternacht
64.72 die fünf Prinzipien zusammen und verehre mit den acht Nayikas der Reihe nach, begierig, ihre Erzählung zu hören.
64.73 Nachdem er der Reihe nach gequirlt hat, mische er es stets mit dem Trank und nehme es in reiner Haltung auf; in einer Brahmanin bringe er den Samen dar.
64.74 Mit diesem Samen besprenge er den Lotos am Kopf und die weiteren. Nachdem er ihnen Gaben und Weiteres gegeben hat, übe er auch Selbstständigkeit.
64.75 Dies ist das „Äußerst-Höchste“; ohne die Vishs sei es nicht zu beginnen [Bezug unsicher]. Erkenne nun das „Äußerst-Unübertreffliche“, wodurch das Mantra vollendet werde.
64.76 Wenn in der Freude Loslassen eintritt, nehme man erneut in der Freude Zuflucht. Stets mit Freude verbunden, rezitiere man bei Verehrung und Weiterem.
64.77 Es gibt keinen Unterschied von Tag und Nacht; man ist stets mit allen Gattinnen verbunden [so die Wortlesung]. In der genannten Haltung sitzend, vollziehe man die Kula-Praxis abgeschieden.
64.78 Erkenne das „Unübertrefflich-Höchste“, das Maya-Netze zerschneidet. Ohne Unterscheidung günstiger und ungünstiger Zeit rufe man zuerst die eigene Kula-Partnerin oder eine andere
64.79 sorgfältig mit ihrem Namen und lasse ihr Sitz und Weiteres geben. Man bringe die große Muschel und Kula-Stoffe herbei, Makelloser.
64.80 Nach vorschriftsgemäßer Verehrung am Kula-Tag werde der Übende Geber und Genießer gereinigter Samvid, Kula-Herr.
64.81 Am eigenen Leib vollziehe er Nyasa-Folgen und Weiteres, danach an ihren Gliedern. Nach der Shiva-Verehrung beginne er die Kula-Verehrung.
64.82 Nachdem er Shambhu mit dem Sitz verbunden hat, vollziehe er unbewegt zehntausend Japa-Wiederholungen. Der Einsichtige bringe das Japa in ihrer linken Lotushand dar.
64.83 Dann folge das Entlassen des eigenen Samens und die Sättigung der Nityas. Nachdem er es mit dem Rauschtrank verbunden hat, trinke er gemeinsam mit ihr den Honigtrank.
64.84 Mit der Kula-Partnerin zu seiner Linken vollende er hunderttausend Wiederholungen. Mit Kula-Stoffen geschehe das Feueropfer, mit einem Zehntel davon die Sättigung.
64.85 Mit einem Zehntel davon die Begießung, mit einem Zehntel Brahmanenspeisung; danach auch Kumari-Speisung mit Honig, Fleisch und Rauschtrank, Herr.
64.86 Ein Jahr lang täglich, am Kula-Tag, Dienstag und Samstag [Zeitangaben stehen nebeneinander], vollziehe er dies. Am Jahresende schaut er gewiss meinen Lotosfuß.
64.87 Dies ist das „Unübertrefflich-Höchste“ in der Rakshasi-China-Praxis. Nun werde ich das „Überaus-Höchste“ erklären; erfasse es aufmerksam.
64.88 Stets sinnebeherrscht und der Yoga-Übung ergeben, sättige man Kalika von schrecklichem Klang mit Fleisch, Rauschtrank und Weiterem.
64.89 Am elften Mondtag, bei Vyatipata, am Kula-Wochentag und Kula-Mondtag führe man Kula unmittelbar herbei und werde ganz vom höchsten Brahman erfüllt.
64.90 Allein in Auflösungshaltung beginne man die Göttinnenverehrung, mit Kula-Blick und entsprechender Einsicht, ganz der jeweiligen Meditation ergeben.
64.91 Im Muladhara, dem großen Kreis, der mit Millionen Yoginis strahlt, in der vollendeten Wohnstatt von Millionen Brahmas, betrachte der Übende auf dem feinen Weg
64.92 die von Strömen des leuchtenden Himmelsganges überflutete Erde, Mutter Brahmans, von Brahman-Freude Gestaltige,
64.93 die Kula-Erfüllte, Ewige, von ewiger Freude Gestaltige, die Göttin Kula-Kundalini, Weltenmutter, Dreiäugige,
64.94 im überaus dichten Saft Erstrahlende, mit Tropfen höchsten Rausches und Weiteren, mit den herabströmenden hundert Millionen Meeren, die große Ströme gebären,
64.95 von ihnen umgeben, an der erhobenen Lichtöffnung auf dem großen Weg. Dort allein strahlt stets die Höhere, feiner als das Feine,
64.96 der aus dem Bindu entstandene große Strom, leuchtend wie Millionen Blitze. Welche Verehrung gibt es für diese Gestalt der Kula-Göttin, großer Herr?
64.97 „Allein mit Bindu-Strömen sättige ich stets die Makellose, die Kula-Göttin von Weltgestalt, deren Wesen grob und fein ist.
64.98 Vom Wurzelzentrum bis zur Brahma-Öffnung sättige ich die Götterherrin.“ Wer so im Geist handelt, was braucht er äußere Verehrung?
64.99 Dennoch stelle ich sie hier beim großen Herbstfest vor, wie die Kula-erfüllte Durga, so auch die Führerin des Kula.
64.100 Aus dem Wurzellotos ziehe ich die Nagini herauf, die Naga-Tochter, in der aus Zauber entstandenen Gestalt stehend, das Mädchen aus der Menschenschar.
64.101 Hier zu meiner Linken stelle ich sie an dem bezaubernden Kula-Sitz vor. Die Kula-Göttin auf der linken Seite verehre ich nun auf diese Weise.
64.102 Ich sättige sie mit dem Nektar aus Gefäßen des aus dem großen Bindu entstandenen Rauschtranks, stets mit acht Fleischarten, Mudras und beigemischtem Fisch.
64.103 Wie sie im inneren Organ gegenwärtig ist, so geschehe meine äußere Sättigung. Möge mir stets Heil und die große Nacht glückbringend sein.
64.104 Möge Kula mein Glück und meine äußere Verehrung heilvoll sein. Wer dies im Geist hat – woher sollte ihr Glück kommen, Herr? [Der überlieferte Fragesatz passt nicht eindeutig zum Zusammenhang.]
64.105 Seine Verehrung ist beständig; die Zeit ist dabei bedeutungslos. Mit der Einsicht der Nichtverschiedenheit geschieht überall Verehrung in der Übung innerer Haltung.
64.106 Dies heißt das „Überaus-Höchste“ in der Yoga-Praxis der Kaulas. Kastenherkunft und Lebensstand gelten dort nicht, wenn man den Aufgang der Frucht wünscht.
64.107 Nun erkläre ich das „Höchste“ mit dem angemessenen Aufgang seiner Frucht. In diesem Tantra ist die Handlung verborgen, Kula wird geheim eingeladen.
64.108 Stets verborgen ist der Kula-Saft, stets verborgen das Trinken, Herr. Jahr für Jahr erlange man vollständige Vollendung, ohne Zweifel.
64.109 Monat für Monat Sättigung, jede Monatshälfte Kula-Handlung, Tag für Tag stets Trinken: Dies ist das Kennzeichen der Kaulas.
64.110 Durch geheime Handlungen werde man vollendet; man mache sie niemals öffentlich. Erst dann möge man alles aufgeben, wenn Offenbarung eintritt.
64.111 Auf die höchste Haltung gestützt, wird der Übende rasch vollendet. Ihr beständiges Kennzeichen ist im Tantra-Herrn bestimmt.
64.112 Im Abschnitt über die Kennzeichen von Shivas Ausspruch wurde es durch Bhairava gemeinsam mit mir erklärt. Auf diese gesamte Erkenntnis gestützt, wirst du ein Höchster werden.
64.113 Nun erkläre ich das „Äußerst-Mittlere“ gemäß der Folge des China-Brauchs. Durch seinen Vollzug werden alle Weisen zu Betrachtern der Kaula-Kennzeichen.
64.114 Inmitten von Pithas und Neben-Pithas, am großen Heiligtum im Kula-Meer, umgeben von großen China-Bäumen und Ranken, in Gesellschaft von Übenden,
64.115 bereite man einen einzigen Sitz am günstigen Tag der drei Tithis [Zeitbestimmung unklar]. Man bringe den genannten Sitz herbei und rezitiere dort mit entschlossenem Geist
64.116 stets hunderttausendmal, auf den Gegenstand des Begehrens gerichtet. In der dunklen oder hellen Monatshälfte vollziehe man die Vorschriften für Feueropfer und Weiteres.
64.117 Nach der Kumari-Speisung betrachte man stets die beiden im Hals. In einem Monat erlangt man durch die Gnade der Kula-Stoffe Vollendung.
64.118 Sorgfältig ist dir der „Äußerst-Mittlere“ China-Brauch erklärt. Nun werde ich das „Überaus-Mittlere“ erklären; wer es erkennt, werde König der Yogis.
64.119 Ohne Unterscheidung günstiger und ungünstiger Zeit, stets im inneren Organ ruhend, meditiere man über die Nektargöttin von der Gestalt Dakinis und Weiterer.
64.120 Man bringe fünf Shaktis zusammen und verehre mit Kula-Säften und Kula-Blumen. Danach betrachte der führende Übende den Kulina.
64.121 Wie außen, so im Herzen, im Hals und im Edelsteinhaus, im Vaikuntha, im Vishnu-Lotos und wiederholt im Muladhara:
64.122 Wer wieder und wieder meditierend sättigt, wird zum Bezwinger des Begehrens. Dieses „Überaus-Mittlere“ ist selbst Yogis schwer zugänglich.
64.123 Ich erkläre das „Mittlere des Mittleren“, ein Meer der Frucht für Kulinas, das unmittelbar Wünsche erfüllt. Freudig wandle man wie Shiva.
64.124 Fünfmal im Monat verwende man die fünf Prinzipien, vollziehe stets Verehrung und Betrachtung und bringe das Feueropfer zu Ende.
64.125 In äußeren Handlungen geschickt, betrachte man auf der Leichenstätte oder im Wald den Geliebten am Kopf, Kakini und die Kraft Shakini.
64.126 Mit fünf Shaktis oder auch zweien vollziehe man Sättigung. Danach rezitiere man Tag und Nacht unbedrängt die Vidya.
64.127 Zur Zeit des Feueropfers und der Sättigung verehre man die Kula-Shakti mit Sitz, Willkommen, Fußwasser, Ehrengabe und Mundspülwasser,
64.128 Honigmischung, geistigem Bad [Lesung unsicher], Gewändern und Schmuck, Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speisegabe und kühlem Wasser,
64.129 gekochtem Reis, gekochtem Fleisch und gekochten Beilagen, kampferduftendem Wasser, danach Betel,
64.130 mit Gewürznelken und Weiterem versehen. Man gebe duftende Salbe, duftende Girlanden und Weiteres und erbitte einen wohltuenden Segen.
64.131 Nachdem man ihr das eigene Selbst gegeben hat, werde man im Kula-Sitz fest. Durch die Macht des Shakti-Mantras gelangt der Geist in den Halslotos.
64.132 Dies ist das „Mittlere des Mittleren“, mit Speisung von Kulinas und Brahmanen. Schrittweise erlangt man Vollendung. Höre das „Mittlere“, Bhairava.
64.133 Zur passenden Zeit bringe man sorgfältig die Kula-Stoffe herbei und versammle neun Shaktis, eine Shakti oder drei Shaktis.
64.134 An einem geheimen Ort versammelt, verehre man sie mit geheimen Stoffen. Die erwählte Gottheit verehre man nach dem Verfahren der zehn Dienste.
64.135 Morgens, mittags, abends und um Mitternacht vollziehe man tausend Japa-Wiederholungen und viermal Verehrung.
64.136 Um Mitternacht stelle der Einsichtige allein die Shakti vor sich hin. In ihrer unmittelbaren nackten Gestalt verehre er sie vollständig mit Mudra.
64.137 „Jayanti, Mangala, Kali, Bhadrakali, Kapalini, Durga, Shiva, Kshama, Dhatri, Svaha, Svadha: Verehrung sei dir.“
64.138 Mit diesem Mantra verehre man die von der Gestalt des höchsten Brahman. Danach trinke man wiederholt den von der Shakti gegebenen Kula-Stoff.
64.139 Man reinige die Gnadengabe der Shakti vorschriftsgemäß und trinke: „Ich reinige die höchste Göttin, die aus dem Lotosmund des Kula hervorgegangen ist.
64.140 Mit höchster Freude trinke ich durch ihre Gnade, Kula-Herrin.“ Dies und Weiteres heißt das „Mittlere“, im China-Brauch schwer zu erlangen.
64.141 Nun erkläre ich besonders den „Äußerst-Niedrigen“ China-Brauch. An drei Tagen im Monat vollziehe man jeweils dreifache Sättigung.
64.142 Hundertachtmal sei zu rezitieren; allein die Reinigung der Shakti [ist auszuführen]. Am eigenen Leib vollziehe man Rishi-, Matrika-, Hand-, Glieder-Nyasa und Weiteres.
64.143 Nachdem man dies auch am Leib der Kula-Partnerin getan hat, verbinde man Shambhu mit dem Sitz: „Das Fett der Kräfte von Dharma und Adharma, im Feuer des Selbst, mit dem Geist als Opferkelle,
64.144 opfere ich stets auf dem Weg der Sushumna als die Tätigkeiten der Sinne.“ Man spreche das auf Svaha endende Mantra, verbinde sich und vollziehe Japa.
64.145 Nach vorschriftsgemäßer Darbringung des Japa lese man Lobgesang und Schutztext. Danach vollziehe der Mantraübende das Feueropfer mit seinem eigenen Samen.
64.146 Im Kula-Feuer, das durch den Wind des Raumes im Kula-Dreieck aufflammt, auf dem vom Kula erhellten Lotosgrund, mit diesem Mantra:
64.147 „Mit den Händen von Licht und Raum gestützt, mit Unmani als Opferkelle, opfere ich in das Feuer die Fülle des Fettes der Kräfte von Dharma und Adharma.“
64.148 Man spreche Svaha und vollziehe danach eben damit die Sättigung. Anschließend die Begießung mit den im Kula der eigenen Shakti entstandenen Säften.
64.149 Anstelle von Brahmanen werden die Shaktis gespeist; dann erfolgt der Abschluss. Nur drei Tage im Monat: Dies ist das Kennzeichen des „Äußerst-Niedrigen“.
64.150 Ich werde den „Äußerst-Überaus-Niedrigen“ China-Brauch erklären, Kula-Geliebter, von Rakshasi-Handlung erfüllt, Speisen in Schlangengestalt.
64.151 Mit der Einsicht „Ich allein bin das höchste Brahman“ sättige man das Selbst. Der sich selbst Ernährende ist stets auf sich gestellt und dem Verzicht auf die Shakti ergeben.
64.152 Im Inneren aber gibt es keinen Verzicht; im Geist vollzieht man die Handlung. Die fünf Prinzipien selbst trinkend, ist man von beständiger Freude erfüllt.
64.153 Man gibt den Samen nicht auf; wiederholt ist das Linga im Mund [so der knappe Wortlaut]. Im Mund mit den Zahnreihen spreche man den Samenlaut laut aus,
64.154 oder rezitiere flüsternd oder geistig und werde von Brahman erfüllt. Keine große äußere Verehrung findet statt, außer beim Gelübde des elften Mondtags.
64.155 Am elften Mondtag aber verehre man unbedingt die göttliche Schöne. Der Einsichtige erfreue die Shakti nach dem vorgeschriebenen Verfahren.
64.156 An allen Orten und allen heiligen Sitzen gibt es dort keine Unreinheit. Wer die Vorstellung der Unreinheit aufnimmt, geht wahrhaft in die Hölle.
64.157 Ob in dichtem Kotgeruch, im Geruch von Fleisch, Fett und Weiterem oder an einem wohlriechenden Ort: Man verehre mit gleicher Haltung.
64.158 Am Ende der Verehrung lese man den Sechstausendnamen-Lobgesang und den Schutztext. Danach wandle der Held frei von der Lustfreude des Liebesgottes.
64.159 Im Inneren mit Kundalini verbunden, werde man selbst zum Vollbringer des Begehrens. Außen aber gebe es keine Entlassung des eigenen Samens, Götterherr.
64.160 Dann gelangt man durch das „Äußerst-Überaus-Niedrige“ und Weitere zu Festigkeit im Yoga. Das „Überaus-Niedrigste“ werde ich erklären; höre ehrfurchtsvoll, Zeit-Selbst.
64.161 Einmal im Monat vollziehe man Kula-Brauch mitsamt China-Brauch. Man bringe die Kula-Gebetskette herbei und das vom Kula umschlossene Mantra.
64.162 Mit Shakti verbunden rezitiere der Mantraübende, ganz der Mantrameditation ergeben. Als Beginn des Japa ist angegeben, wenn vier Dandas der Nacht vergangen sind.
64.163 Man rezitiere die ganze Nacht, jedoch nicht, wenn vier Dandas [vor ihrem Ende] verbleiben [Zeitbezug nicht ausdrücklich genannt]. Man soll keine Furcht haben und dort Lachen vermeiden.
64.164 Nach der Vorschrift des Kali-Tantra oder der Reihenfolge des Tara-Tantra bringe man Verehrung und Japa dar und bete freudig zur Shakti.
64.165 Nach dem Sprechen von Lobgesang und Schutztext wandle man vorschriftsgemäß. Wer dies an einem Tag im Monat vollzieht, wird zum Yogi; durch die Gnade des Vira-Tantra tritt kein Pashu-Zustand ein. An den übrigen Tagen, Herr, nehme man mit den fünf Prinzipien bestrichenen Reis,
64.166 gebe ihn in den Lotosmund und rezitiere mit darauf gerichtetem Geist. Wer dies ein Jahr lang vollzieht, wird zum Yogi.
64.167 Durch das „Überaus-Niedrigste“ lässt man auch den Pashu-Zustand los. Kula-Herr, höchste Freude, ich erkläre das „Äußerst-Niedrigste“.
64.168 So werden führende Übende zu Helden, auch wenn Pashu-Eigenschaften in ihnen aufsteigen. An einem erhöhten Ort errichte man ein kreisförmiges Haus.
64.169 Ohne Shakti vollziehe man das Werk auf dreizehn Menschenschädeln. Dort bereite man den Sitz und rezitiere mit einer Muschelkette.
64.170 Mit ersatzweise vorgestellten und tatsächlich bereitgestellten Stoffen verehre man mit höchster Hingabe sein eigenes Selbst, die Shakti Kundalini.
64.171 Allein an einem abgeschiedenen Ort, darin versenkt, rezitiere man das Mantra. Genau nach der Reihenfolge der Kula-Verehrung sättige man die eigene Shakti.
64.172 Man lese die Tausendnamen als Yoga-Glied nach der Reihenfolge der Durchdringung der sechs Chakras, dazu Lobgesang und Schutztext, und setze sie im eigenen Herzen ein.
64.173 Durch die Folge geheimen Japa wird der Mensch vollendet. So ist dies, Herr, als höchstes Mittel großer Vollendung erklärt.
64.174 Für den Übenden gibt es keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht, Shankara. Nach Aufgabe der Pashu-Haltung wird man im „Äußerst-Niedrigsten“ vollendet.
64.175 Ich erkläre das „Überaus-Niedrige“ gemäß dem China-Brauch, durch das der Mantraübende vollendet wird und die Pashu-Haltung loslässt.
64.176 Höre, Lebensherr, Segenspender, Herr der Herren der Vollendeten. Man errichte einen unterirdischen Pavillon, aus dem kein Geruch austritt.
64.177 Dort bereite man einen Sitz, mit jeweils drei Schädeln [Anordnung nicht weiter bestimmt]. In dessen Mitte wohne man, Herr, mit Kula-Vidya ausgestattet.
64.178 Eine Kulina-Frau, gelehrt, mit göttlichem Schmuck geziert, stets Wohnstatt der Freude, den Wesenssaft kostend und ohne Zorn,
64.179 schön, durch jugendliche Freude anmutig, göttliche Yogini: Eine solche göttliche Shakti setze man zur Linken.
64.180 Mit höchster Hingabe verehre man sie wie die erwählte Gottheit, Herr. Man vollziehe allein Verehrung drei Tage im Kula-Haus,
64.181 oder auch sieben Tage lang die Vorschrift von Verehrung und Japa. Mit Hingabe sättige man die Shakti oder auch neun Jungfrauen.
64.182 Mit Gewändern, Schmuck, Zierden und Weiterem sowie Kula-Stoffen erfreue sie der Verlangende stets vorschriftsgemäß, der Linga-Meditation ergeben.
64.183 Der beste Übende gebe stets Räucherwerk und Licht. Wie die Auflösung der Prinzipien bis zu ihrem Ende geschieht, so vergeht die Dunkelheit seines Geistes
64.184 gewiss, Mahakala, durch die Gnade des „Überaus-Niedrigen“. Ich erkläre das „Niedrigste“ zur Vollendung der genannten Frucht.
64.185 Der Mantraübende komme mit offenem Haar, unbekleidet, ohne Abscheu und Scham an ein Heiligtum, oder in einen abgeschiedenen Wald,
64.186 in den Ganges, auf einen Berg, an eine Bilva-Wurzel, auf einen Kreuzweg, an eine Banyan- oder Ashvattha-Wurzel oder unter einen China-Baum.
64.187 Am vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte beginne er sorgfältig. Einen mit Duft und Sandel bestrichenen Schädel lege er darunter,
64.188 eine halbe Elle tief, Herr, von einem Chandala aus niedrigem Stand [Kastenbezeichnung der Quelle]. Dort sitzend rezitiere der Mantraübende und lasse alle Furcht zurück.
64.189 Er bringe eine Chandali-Shakti und Kula-Stoffe herbei, Herr. Von jenem Tag bis zum entsprechenden Tag seien hundertacht [Wiederholungen; Bezug knapp].
64.190 Nach vorschriftsgemäßer Reinigung gebe er der Shakti und trinke selbst. Versunken im Freudenmeer, allsehend und frei von Krankheit,
64.191 kaue er Fleisch und Mudra, von beständiger Freude erfüllt. Täglich vollziehe er die Übung, einen Monat innerhalb des Jahres.
64.192 In einem Monat erlangt er nach der Rakshasi-Abfolge Vollendung, Herr. Durch die Handlung des „Niedrigsten“ werde der Pashu zum Anhänger des China-Brauchs.
64.193 Höre sorgfältig das „Niedrige“, das für Kaulas sehr schwer zu erlangen ist. Nach der Reihenfolge des Niedrigen und Weiteren schaut man mich nach einem Jahr.
64.194 Alles gewöhnliche Tun geschehe wie bei einem Pashu, nachts aber die Kula-Handlung. In den drei Nächten der Kula-Göttin, am bezaubernden Kula-Sitz,
64.195 verehre man mit höchster Freude, ganz der Kula-Meditation ergeben, mit Kula-Blumen und Kula-Stoffen samt Haupt- und Nebengliedern nach Vorschrift.
64.196 Um Mitternacht vollziehe der Brahmane mit einer Brahmanin die Kula-Verehrung, der Kshatriya mit einer Kshatriya, der Vaishya stets mit einer Vaishya.
64.197 Der Shudra sei mit einer Shudra-Shakti verbunden; fehlt die eigene, mit einer anderen. Man opfere in den schönen Lotosmund der Zeitschlange.
64.198 Wie bei der Purascharana sei zu handeln; bei Tag und Nacht vollziehe man Sättigung. Man werde zum Bezwinger vorzeitigen Todes, von höchster Freude erfüllt.
64.199 Durch die Gnade des „Niedrigen“ entstehe mühelos Vollendung. Nun erkläre ich das Entzweien von Feinden; höre, Gott der Götter, Herr.
64.200 Allein durch dessen Gnade werde man ohne Feinde [Schlusswort unsicher]. Im Halslotos gefestigt, verehre man Shakini und den herrlichen Sadashiva.
64.201 Nach vorschriftsgemäßer Verehrung betrachte man sie versunken. Sadashiva umschließe man mit dem Mantra Manjughoshas.
64.202 Man spreche zweimal Tara, ebenso zweimal „beschütze das Selbst“, dann „durchschneide die gegnerische Seite, vernichte die Feinde des Yoga“.
64.203 Diese Aufforderungen jeweils zweimal; dazu je dreimal Rama und Feuer. Dann zweimal „töte“ und ebenso zweimal „verzehre“.
64.204 Nach „Dreizackträgerin an der Kehle des Feindes“ folgen die fünf halsnahen Feinde [Wortlaut unsicher] und zweimal „entferne“. Man rezitiere das auf Svaha endende Mantra.
64.205 So werde man zum Entzweier der Feinde und selbst zum Yoga-Übenden. Ich erkläre ein anderes Mantra; erfasse es aufmerksam.
64.206 Das eigene Mantra Shakinis werde mit dem Aghora-Mantra umschlossen. Danach Kamaraja, dann „meinen Feind, der den Yoga behindert,
64.207 zerreiße, zerreiße; entzweie, entzweie; durchschneide die gegnerische Seite; das Netz der Zeit entferne, entferne“.
64.208 Man spreche das auf Svaha endende Mantra und rezitiere für die Gottheit des Halses. So werde man zum Entzweier von Feinden und Beseitiger von Hindernissen des Yoga und Weiteren.
64.209 Nun erkläre ich den Aufgang des Heils, durch den ein Mensch zum Yogi wird. Am Ende der Nacht stehe er auf und rezitiere bis zum Mittag.
64.210 Stets in Yoga-Meditation, werde er im Halslotos gefestigt. Er erlangt den Aufgang des Heils und wird gewiss langlebig.
64.211 Die Freude des Staunens erkläre ich; durch ihren Vollzug werde man Herr der Yoginis. Man nehme den Kula-Stoff auf und werde von höchster Freude erfüllt.
64.212 Durch Meditation erlangt man Auflösung; wie könnte es für einen solchen Vernichtung geben, Herr? Schrittweise gelangt man zum Höchsten, frei von Kaufen und Verkaufen.
64.213 Wenn er in Auflösung eingegangen ist, wo sind dann Körper und Tod? Seine Verehrung ist beständig; äußere Verehrung ist zwecklos.
64.214 Wenn dies in Auflösung gelangt ist, wo wären Entstehung und Bestand? Selbst als Entstehung und Bestand bestehend, geht man gewiss in Auflösung ein.
64.215 Ich erkläre die Zeitübung entsprechend der Kundalini-Stätte. Wenn Freude gleichen Geschmacks entsteht [Vorlage „samara“, vermutlich gestört], verbunden mit einem freudigen Geist,
64.216 dann ist die Zeit fruchtbringend; zu dieser Zeit soll man üben. Allein durch Übung entsteht Vollendung; man vollziehe die Übung dieser Zeit.
64.217 Höre, Herr, wodurch der beste Mensch Neuheit erlangt. Vom frühen Morgen an bis zum Ablauf von vier Dandas
64.218 vollziehe er Reinigung, Bad und Weiteres und widme sich der Asana-Übung; danach der Yoga-Konzentration und dann Verehrung und Weiterem, Herr.
64.219 Nach Japa und Weiterem vollziehe er Pranayama: sechs, sechzehn, zwölf als Halten des Kundalini-Atems [die Zuordnung der Zahlen zu Atemphasen ist nicht ausdrücklich gegeben].
64.220 Danach Nyasa, Lobgesang, Schutztext und heilbringende Namen. Nach ihrer Rezitation führe er die Gottheit sorgfältig wieder ins Herz.
64.221 Dann Trinken des Fußwassers, Verwendung der fünf Rauschtränke, danach Milchtrinken, vorschriftsgemäß bis zur Dämmerung [Satzgliederung knapp].
64.222 Nachts meditiere er stets und erlange schrittweise Samadhi. Nach dieser Folge, Götterherr, erreicht man Neuheit.
64.223 Ich erkläre meine Meditation; erfasse sie aufmerksam. Stets meditiere man ohne Stütze mit Freude, Zuneigung und Weiterem.
64.224 Meine Meditation heißt stützenlos und gestaltlos, jenseits der Gestalt, frei von Unterscheidung, allwissend und Yoga spendend.
64.225 Eine Lichtscheibe, Millionen Sonnen gleich, unbedrängt, reich an tausend Flammengirlanden, hundert Zeitfeuern vergleichbar,
64.226 mit schrecklichen Hauern, unbezwingbar, mit einem Kreis verfilzter Haare geschmückt, Dreizack und Segenshand, von gewaltiger, furchterregender Gestalt,
64.227 von unendlich-unendlicher Größe, überallhin gehender Herr, überall mit Händen und Füßen, überall mit Augen, Köpfen und Antlitzen,
64.228 alles umhüllend dastehend, im Hals gegründet und im Halsatem gehend: Wer stets meine Meditation vollzieht, wird ganz vom höchsten Brahman erfüllt.
64.229 Höre sorgfältig den wahren Guru-Zustand meines Befehls, Bhairava: die Gottheit im Hals, von göttlicher Guru-Gestalt und großen Eigenschaften,
64.230 Anandabhairava, danach Mahakala, dann Jnanananda, Sadananda und Bhairavananda,
64.231 Shyamananda, Shivananda, danach Kalananda, Sudhananda, Harananda und danach Surananda,
64.232 Kulananda, Priyananda, danach Yajnananda, Dhyanananda, Parananda und danach Yogananda,
64.233 Krodhananda, Kriyananda, danach Bodhananda, Devananda, Jayananda und Vijayananda,
64.234 Brahmananda, Prabhananda, danach Purnananda sowie die Gestalt Jagadanandas im Guru-Kreis meines Befehls.
64.235 Nachdem man den wahren Guru-Zustand meines Befehls hergestellt und verehrt hat, betrachte man ihn. Mit festem Geist gelangt der Übende zu Festigkeit im Halslotos.
64.236 Ich werde, Herr der Göttergötter, die Offenbarung des Kula-Sitzes erklären: die Stätte des Begehrens, von Kama-Kala umgeben, die Yogini-Stätte.
64.237 Kamarupa, das große Heiligtum, wird Kula-Sitz genannt. Allein durch seine Schau wird man lebend befreit, ohne Zweifel.
64.238 Ich erkläre sein Verfahren; erfasse es aufmerksam. Wenn man zum Kula-Sitz gelangt ist und der Geist ganz darin ruht,
64.239 und man dann die Verehrung vollzieht, was könnte auf Erden nicht gelingen? Zuerst werde man der Herrscher von Zeitgestalt, der Vollendung zeigt.
64.240 Nach der Vorschrift der Kula-Verehrung verehre man am eigenen Sitz Kameshvari, die Zeittochter, strahlend in der Neugier des Begehrens.
64.241 Nach der Verehrung der Zeitgestaltigen verehre man sie mit ganzem Sein: Nektargabe, Fußwassergabe, Ehrengabe, Fleisch und Weiteres mit Mudra,
64.242 Mundspülwasser mit Kula, Duft, Umarmung und Weiteres, Nagel- und Zahnwunden und andere Zeichen als vielfältige Blumen,
64.243 die gemeinsame Räucherwerkgabe als Offenbarung des Kula-Sitzes. Die Berührung sei das Licht; der Eintritt in das Kula-Innere
64.244 sei die Speisegabe, großes Glück, in allen Tantras verborgen. Der Kula-Stoff diene als Getränk; danach folgt Betelkauen.
64.245 Erkenne das Niederlegen als Sättigung, die Reihenfolge meiner Verehrung und Weiteres. Mit ihrem Wurzelmantra vollziehe man es auf die zuvor beschriebene Weise, Herr.
64.246 Ich erkläre den Gang Kundalinis; höre kurz, Geliebter. Nach Reinigung des Körpers vollziehe man Asana und Weiteres.
64.247 Nach dreifachem Pranayama vollziehe man Elemente-Nyasa, Glieder- und Hand-Nyasa, bei den Samenlaut-Nyasas das sechsfache Verfahren.
64.248 Nach fünffachem durchdringendem Nyasa vollziehe man die Reinigung der Elemente. Man betrachte die Einheit mit dem Jiva und setze sie in die Brahma-Öffnung ein.
64.249 Nach dem Gang zur Brahma-Öffnung nehme man am Eingang der Sushumna Zuflucht. In ihrer Mitte liegt die Fruchtbodenstätte, darin ein vierblättriger Lotos [die räumliche Folge ist im Text nicht glatt auflösbar].
64.250 Am Ende des Vierblättrigen leuchtet die Göttin; bei ihr nehme man Zuflucht. Man ziehe sie sorgfältig zusammen und erwecke sie in vollendeter Gestalt.
64.251 Dann gehe man mit den Gottheiten in den Sechsblättrigen, Kakinis Stätte [so die Vorlage, abweichend von der sonstigen Zuordnung zu Rakini]. Mit ihr, Kundalini, und den Gottheiten gehe man in den Zehnblättrigen.
64.252 So der Reihe nach zum Herzlotos und dann zum Sechzehnblättrigen. Nach Durchdringung des Zweiblättrigen nehme man im Bodhini-Kreis Zuflucht.
64.253 Dann durchdringe man die Schale und nehme am vollen Berg Zuflucht. Nach Durchdringung Unmanis folge die Auflösung des Geistes in der Gefäßgrundlage.
64.254 Darüber liegt der unbedrängte Brahman-Kreis von Auflösungsgestalt, darüber der Brahma-Stab und darüber ausschließlich Wasser.
64.255 Auf das ganze Wasser gestützt liegt das lichtvolle Sahasrara, darüber die Fruchtbodenstätte und darüber das vollendete Schwert,
64.256 aus allen Samenlauten bestehend, Herr; dann der Matrika-Kreis. Oberhalb des Matrika-Kreises steht der nektarvolle Preta-Samenlaut.
64.257 Auf dem Leichnamsitz meditiere man über Mahakalas Kula-Herrin. Genau dort, unter ihren herrlichen Lotosfüßen, setze man den Geist fest.
64.258 Mit den zuvor genannten Gottheiten verbinde man sich durch Auflösungs-Yoga [wörtlich „bestreiche“]. Dort verbleibend, meditiere man an der Wurzel über das Feuer-Mantra, Herr.
64.259 Mit dem Wind-Samenlaut entfache der Herr der Asketen das Feuer und verbrenne den Leib bis zu beiden Augen und bis zu beiden Ohren, Herr.
64.260 Nach dem Verbrennen an Brauenblatt und Augen vollziehe man die Auflösung des Feuers im Feuer. Durch dessen Flammenschleier tropfen Brahman-Tropfen herab.
64.261 Mit diesem Tropfenstrom und den Wasserkräften überflute man den Leib. Dann meditiere man über den reinen Leib, mit dem Samenlaut den ersten Keim.
64.262 Auf dem absteigenden Weg betrachte man Kundalinis Hin- und Rückgang. So ist, Herr, Kundalinis Gang und Weiteres erklärt.
64.263 Ich erkläre die Stütze des Übenden, durch die der Übende vollendet wird. Die Lebensatem-Vidya werde gut vollendet; man erlange Lebensdauer und Gesundheit.
64.264 „Als herrlich Mitfühlender betrachte ich im verborgenen grundlosen Zustand den geliebten Lotosfuß.“ So stets in Geistes-Yoga eingegangen, besteht der Reichtum eben in der herrlichen Stütze des Übenden.
64.265 In der Erkenntnis beständiger Wahrnehmung bringe man mit inneren Haltungen das Selbst an Sundaris Lotosfuß dar: Das ist die Stütze des Übenden.
64.266 Höre freudig die Buchstabenmeditation, Shankara, Heil des Lebens. Vom Wurzelzentrum bis zur Brahma-Öffnung erinnere der Weise die Buchstaben von A an.
64.267 Nach ihrer Erinnerung verbinde er sie wieder und wieder rückläufig mit dem Mantra. Der Yogi betrachte sie im Geist, ganz auf die Grundlage des Sattva gerichtet.
64.268 Durch Durchdringung jedes einzelnen Knotens meditiere er immer wieder über den Mantrabuchstaben als höchstes Brahman, Lichtspender, leuchtend wie zehntausend Millionen Sonnen.
64.269 Nach Durchdringung der Sahasrara-Mitte leuchtet Ksha im Mond. Man betrachte vorwärts und rückwärts und vollziehe Meditation.
64.270 Von A bis Ksha ist die Buchstabenmeditation erklärt. Ich werde die Durchdringung der Blätter erklären, entsprechend ihrem jeweiligen Ort.
64.271 Vom Visarga bis zum Bindu heißt es Durchdringung der Blätter. Höre dennoch, Herr der Yogis, die Bestimmung des geheimen Zeichensinns.
64.272 Man betrachte das Blatt durch Yoga, rechtsläufig um die Gottheit. So geschieht die Durchdringung der Lotusse vom Wurzelzentrum an, Schmuck des herrlichen Halses.
64.273 Ebenso ist die Durchdringung der Blätter des Sahasrara-Lotos erklärt. Nun verkünde ich die Vidya des Aufleuchtens, die unvermittelt Vollendung schenkt.
64.274 Ununterbrochen rezitiere man die Vidya, ganz der gleichen Haltung ergeben. Unvermittelt werde man von aufleuchtender Erkenntnis erfüllt, Herr dichterischer Rede, Ishvara.
64.275 Vollendung der Rede liegt in seiner Hand, ebenso Kubjika-Vollendung, wenn er im Halslotos meditiert, den Mund zum Krähenschnabel geformt.
64.276 So stehen diese Vidyas des Aufleuchtens in allen Lotosblättern. Ich erkläre das Losgelöstsein, durch das der Mantraübende furchtlos wird.
64.277 Gier, Verblendung und andere Verfehlungen in Bezug auf Frau, Sohn, Besitz, Freunde und Weiteres sowie die Bedrängnis des Leibes lasse man zurück und nehme in Unterscheidung Zuflucht.
64.278 Dies ist als Losgelöstsein zu erkennen, verbunden mit Hingabe an Mantra und Nyasa. Nun erkläre ich, Herr des dreifachen Yoga, den Aufgang früherer Erkenntnis.
64.279 Zu den jeweiligen Zeiten vollende man die Handlungen und trete an Chandikas Seite. Vormittags richte man den Kreis des Lotosantlitzes nach Osten.
64.280 Mit dem gleichen Geschmack der Erkenntnisstoffe betrachte man die aufgehende Sonne. Man erlange den Aufgang der Erkenntnis der eigenen immer früheren Geburten.
64.281 Den Geist in den Raum richtend und das Raum-Mantra erinnernd, erkennt der in gleicher Haltung Betrachtende Wissen über frühere Geburten und Weiteres.
64.282 So ist dir, Herr, der Aufgang früherer Erkenntnis erklärt. Nun werde ich hier erklären, wodurch man vollendet und rein wird und an der erwünschten Frucht teilhat,
64.283 nach welcher Reihenfolge die Begegnung mit Khechari entsteht, Herr. Jede Erlangung gleichen Geschmacks gewährt eben die Vollendung der Frucht.
64.284 Höre, ich werde es kurz erklären; später ist es weiter darzulegen. Nach Asana und Weiterem ziehe man den Körper zusammen.
64.285 Die Liebesranke wird mit sehr kleinen Stoffspitzen durchtrennt [Bezeichnung und Wortlaut unsicher]. Man lege sie oberhalb der Gaumenwurzel an und werde zum Honigtrinker.
64.286 Dann vollziehe man Japa, halte den Atem und trinke den Honig. Dies sei die Erlangung gleichen Geschmacks; man werde im Kama-Linga fest.
64.287 So ist diese Vidya erklärt. Höre die Durchdringung der Ranke, Herr. Die heilvolle Ranke wird aus weißem Vatyala-Faden gefertigt [Materialname unsicher].
64.288 Oder der Einsichtige fertige die Ranke aus Lotosfaser, achtzehn Finger lang, nicht zu fein, von angemessenem Maß.
64.289 Man bringe sie unter die Zunge und reibe, Liebesschöner [die Vorlage schreibt hier wiederholt „jitva“, der Zusammenhang weist auf die Zunge]. Durch wiederholtes Reiben gehe die Zunge von selbst.
64.290 Danach vollziehe man die Zungenhandlung und lege sie an die Gaumenwurzel. Schrittweise erlange man beim Durchtrennen unterhalb der Zunge gewiss Nektar.
64.291 Dies sei die Erlangung gleichen Geschmacks, wenn man den Mantrabuchstaben verehrt. Die mit der Einsicht in Jiva und Brahman versehen sind, stehen im Unbefleckten.
64.292 Mit einem kürbisförmigen Leib, ganz der Brahman-Übung ergeben, erlangt man stets mühelos gleichen Geschmack.
64.293 Im Wasser, auf dem Boden und in einer Erdgrube soll der Leib nicht vergehen. Man habe einen alterslosen, unsterblichen Körper. Dieser Yoga ist selbst Yogis schwer zugänglich.
64.294 Ich erkläre die Neugestaltung des Körpers, durch die man Herr der Vollendeten werde. Höre einspitzig, Shambhu; für Haushälter ist sie schwer zu erlangen.
64.295 Im großen Wald, in einem kühlen, duftgeschmückten Lotoshain vollziehe man die Körpergestaltung und betrachte den Halslotos.
64.296 Überall von edlem Geist, der Vaishnava-Lebensführung ergeben, stelle man den eigenen Leib in jedem Lotos und auf jedem Blatt vor.
64.297 Wenn führende Yogis schrittweise auch im Halslotos den eigenen Leib vorstellen, dann geschieht Schutz des Körpers.
64.298 Andernfalls gerät der Mensch unter die Macht des Todes und fällt vom Yoga ab. So vollziehe man der Reihe nach überall die Gestaltung des Leibes.
64.299 Man wird von Alter, Tod, Leid und Weiterem sowie von der Bedrängnis der Verblendung befreit. Ich erkläre nun eine andere Art der Körpergestaltung.
64.300 An vielerlei heiligen Sitzen, unerreichbar, dem Augensinn entzogen und nur dem Geist zugänglich, werde man fest und stelle auch den eigenen Leib vor.
64.301 An Heiligtümern wie Varanasi, an der großen Stätte Jvalamukhis, in Kurukshetra, Prayaga, im Süden und in Dvaraka und Weiteren,
64.302 am heiligen Ort Haridvarodaya, in Markandeya und Kapila, in Vrindavana, am geheimen Heiligtum, an den Ufern von Ganges und Yamuna,
64.303 in Pushkara, am Erdheiligtum, am Körperheiligtum und in Gaya und Weiteren: Nach der Gestaltung der Zeit [Vorlage „kala“, im Zusammenhang mit Körpergestaltung auffällig] verehre der Vertrauensvolle den Höchsten.
64.304 Mit höchster Hingabe meditiere man über Sadashiva, Shakinis Herrn, umgeben von Shakini- und Yogini-Scharen, und stelle den Leib vor.
64.305 Nachdem man dort den eigenen Leib vorgestellt hat, stelle man den Leib der Gottheit vor. Was jemand im Geist zu meditieren hat, dessen Meditation ist Körpergestaltung.
64.306 Durch diese Körpergestaltung erlangt der Schweigende Vollendung der Rede. Höre jetzt, Bhairava, das Quirlen des Liebesgottes.
64.307 Das Quirlen des Liebesgottes spendet Glück und höchste Befreiung. Solange der Bindu im Leib feststeht, woher sollte Todesfurcht kommen?
64.308 Durch Fall des Bindu entsteht Vernichtung; deshalb ist der Bindu zu schützen. Ich werde die jeweiligen Arzneien nennen, durch die der Bindu fest werden soll.
64.309 Man nehme ihre Wurzeln und verwende sie täglich: die Wurzel der weißen Aparajita, danach die Siddhi-Wurzel,
64.310 eine Shataparni-Wurzel und die Kadamba-Wurzel, die Wurzel des weißblühenden Kunda und schwarzen Oleander [Pflanzenbestimmungen folgen den Quellennamen],
64.311 die Wurzel des schwarzen Dhustura, die Sephali-Wurzel, die Chita-Wurzel, Shambhu, und die Nirgundi-Wurzel.
64.312 Man bringe sie am Sonntag vorschriftsgemäß mit Arka-Wurzeln zusammen, zu gleichen Teilen, Yoga-Herr, und pulverisiere sie jeweils gesondert.
64.313 Am Freitagvormittag mische man drei Tage lang [Zeitfolge im Text unklar]. Sechs Nächte reinige man mit Kama-Mudras die linken Gottheiten.
64.314 Mit erhobenem Mittelfinger, auch mit der rechten Faust gehalten, reinige der Übende zuerst die Stoffwurzeln.
64.315 Mit Vijaya-Pulver verbunden solle man zwei Tolas Pulver trinken; ein halbes Tola werde vereinigt, Vijaya anderthalb Tolas [die Mengenverknüpfung ist nicht eindeutig überliefert].
64.316 Nach vorschriftsgemäßer Mischung an den jeweiligen günstigen Dienstagen solle allein durch den Verzehr Madana unter Kontrolle gebracht werden.
64.317 Wenn der mächtige Blumenbogenträger in den Geist tritt, verehre man ihn und wehre dann den Liebesgott ab.
64.318 Dies ist das Quirlen des Begehrens. Höre den Bestand im Körper: an großem Zeh, Fußgelenk, Knie, Oberschenkel, Naht, Geschlechtsorgan und Nabel,
64.319 in Herz-, Nacken- und Halsgegend, am Zäpfchen und an der Nase, zwischen den Brauen, am Kopf und Scheitel, in der geliebten Wohnstatt von Wind und Raum,
64.320 stelle man den eigenen Leib in Windgestalt fest und rezitiere das Mantra. Durch Verbindung des Lebensatems im Kumbhaka wird der eigene Körper gefestigt.
64.321 Höre, Bhairava, welcher Mensch im Halslotos feststeht: Wer vom Beginn des Yoga an den Umgang mit Frauen meidet,
64.322 bei wem kein Gang zu den Müttern stattfindet, der steht im Hals [Bedeutung dieser Wendung bleibt unklar]. Wer täglich Yoga ausübt, rechtschaffen und mit festem Geist,
64.323 der wird gewiss im Halslotos gefestigt. Den Gelehrten, der die innere Haltung erkennt, werde ich beschreiben, Meer des Mitgefühls.
64.324 Allein durch Berührung Kundalinis wird er augenblicklich von ihr erfüllt. In allen Gottheiten die höchste Haltung herstellend, verehre er mit Erkenntnis.
64.325 An allen heiligen Sitzen gefestigt, verehre er als Erkenntnis-Selbst. Schrittweise wird der Hals durchdrungen; rasch wird man zum Yogi.
64.326 Reichtum, Getreide, Erde, Dharma, Ruhm, Lebensdauer, Ansehen, Glück, Pferde, Elefanten, Söhne, Welten und den Aufgang allen eigenen Besitzes
64.327 erlangt man durch die Gnade dieser Erkenntnis, höchster Herr.
64.328 Nachdem ich den Kreis des Yoga-Herrn erkannt habe, das Licht im Netz der Finsternis der Höhlungen der drei Welten, verehre und betrachte ich den höchsten Herrn im weißen Lotos, den grenzenlosen Raum: der sich im Wurzellotos, im Rasa genannten, im reinen Zehnblättrigen und im eigenen Herzlotos entfaltet, im bezaubernden Halslotos und im eigenen Zweiblättrigen von den Götterherren betrachtet wird [Satzfügung unregelmäßig].
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Anordnung der Erkenntnis der Durchdringung des Halslotos“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 64.
Kapitel 65: Meditation und Verehrung von Shakini, Shakambhari und Sadashiva

65.1 Shri Anandabhairavi sprach: Nun, Geliebter, erkläre ich den Aufgang der gesamten Frucht. Höre Meditation und Mantra der Buchstaben des Halslotos, Herr.
65.2 Wer täglich Sadashiva mit Shakini verehrt, wird selbst als Unverständiger zum besten Yogi; wie viel mehr andere Meditations-Yogis!
65.3 Wer nach der Meditation vollständig verehrt, erlangt die gewünschte Frucht. Deshalb werde ich die Meditation erklären; höre, Heldenherr.
65.4 Zuerst die Meditation über Shri Shakini, danach über Sadashiva. Durch die Einsicht, dass beide nicht verschieden sind, werde man selbst zum Bezwinger des Begehrens.
65.5 Ich verehre die ewige, wohlerzogene Shakini, Segenspenderin der drei Welten, gelb gekleidet, Ursprung und Mutter der Veden, glückvoll und anmutig, mit vier Händen und strahlenden Gliedern. Ich meditiere über die Lachende, deren Leib durch Nektarströme aus einem reinen Gefäß sanft glänzt, Maya, die Mondstrahlen an Shambhus Stirn schafft, mit herrlicher beständiger Freude verbunden.
65.6 Sie trägt Lotos, Waffen, Mudras, Schwert, Segen und schreckliche Haarflechten [Aufzählung grammatisch unsicher], ist dunkel, vollbrüstig, mit drei Lotosaugen, auf einem Preta-Linga-Sitz. Als Shri an allen Gliedern geschmückt, trägt sie die Schönheit eines Lotosantlitzes wie hundert Monde, schafft Shambhu Freude, ist die Stätte der letzten Eigenschaft und von grobem wie feinem Wesen.
65.7 So meditiere der große Yogi über die grob und fein Gestaltige, die das Undurchdringliche durchdringt, Shankara, Liebesgeliebter.
65.8 Die Vidya ist reich an Vagbhava, Haris Braut Kamala; „allein, am Ende fruchtlos“ folgt unklar. Maya, Lakshmi, Dreiergruppe, mit Mondantlitz und darunter Shakini, Feldhüter; zweimal „vaksha“, Dreiergruppe, Braut und Unterlippe [verdeckte Lautanweisung nicht sicher auflösbar], „gewähre die erwünschte Vollendung“, am Ende Svaha. Dies ist, Mahesha, die Offenbarung zur Freude der Bewohner der drei Welten.
65.9 Zuerst nehme man Pranava, danach Vagbhava, dann „Shakini, du, meine Fehler vernichte“.
65.10 Die Aufforderung zweimal, dann die Feuergeliebte: So gelten die wesentlichen Mantraangaben. Man nehme Kamaraja, dann „Goldäugige, Ewige,
65.11 Shakini, große Maya“, verbunden mit Maya, Feuer und Shri. Diese aus Mantra bestehende Vidya offenbart den Halslotos.
65.12 Die große Vidya Shakambhari leuchtet zu seiner Linken. Ich erkläre ihr Mantra; wer es erkennt, ist Yoga-Kenner und Herr.
65.13 Die Größe des großen Mantras lässt sich nicht aussprechen. Schon durch innere Haltung entstehe Vollendung, um wie viel mehr die Verwirklichung der Befreiung!
65.14 Ich verehre jene erhabene Shakambhari: Vidya, Kama-Kala, bunt gekleidet, auf einem Lotos sitzend, Shiva, Kamakhya, die große Yogini, die stets alle Wesen beziehungsweise Töne der drei Welten mit Pflanzenkost erhält [Lesung „svaran“ auffällig]. Sie beschützt die Yoga-Herren nachts und in den Richtungen, Licht im herrlichen Halslotos.
65.15 Noch jetzt leuchtet Shakambhari im geliebten Halslotos. Das Mantra ist verbunden mit Vidya, Vak und Kamala, „Lächelnde“ und am Ende „Shakambhari“, Feuer-, Wasser- und Wind-Samenlaut, zweimal Feuer und zweimal „vaksha“. Mit der Liebeskraft des Feuers verbunden, erschüttert dieses höchste Mantra unmittelbar die Welt.
65.16 Man verehre Shakambhari, die große Maya, als Torgottheit. Danach verehre man vollständig alle Götter von Shakra an.
65.17 Nach der Meditation über die Göttin Shakini rechts von Shakambhari verehre man sie mit höchster Hingabe nach der zuvor genannten Vorschrift, Herr.
65.18 Ich verehre Shakambhari, dreiäugig, mit Sonne, Mond und Feuer verbunden, auf einem roten Lotos stehend, dunkel, mit dem Glanz ihrer vier Arme leuchtend,
65.19 Segen und Furchtlosigkeit spendend, mit Schwert, Schädel und Lotos versehen, deren Glieder durch vielerlei Schmuck glänzen, von offenem Lockenhaar geschmückt,
65.20 mit dem Lächeln ihres heiteren Lotosantlitzes strahlend, den Übenden ihre Wünsche erfüllend, die ewige große Vidya.
65.21 Danach vollziehe man am Ende der Meditation geistige Verehrung. Nach erneuter Meditation vollziehe man die Anrufung im Geist.
65.22 Täglich verehre man mit Fußwasser und Weiterem in Hingabe zur Yoga-Vollendung. Dann rezitiere man hundertmal oder tausendachtmal.
65.23 Wenn so hunderttausend vollendet sind, schaut man die Göttin im Hals. Der Reihe nach vollziehe man Feueropfer und Weiteres sowie Brahmanenspeisung.
65.24 Am Ende oder auch zuerst geschehe die Shakini-Verehrung. Höre ihr Verfahren, Lebensgeliebte, Liebesschöne [hier wechselt die Anrede unerwartet ins Weibliche].
65.25 Zuerst reinige der Übende das Wasser, wasche Hände, Füße und Leib und vollziehe zweimal Mundspülung mit dem Wurzelmantra.
65.26 Er binde den Haarschopf und reinige den Sitz. Danach stelle er das Ehrengabengefäß auf und fertige sorgfältig den heiligen Sitz.
65.27 Nach Reinigung des Sitzkreises vollziehe er die Verehrung des Sitzes. Danach Meditation, Reinigung der Elemente und die Nyasa-Folge.
65.28 Erneut vollziehe er zweimal Pranayama und festige den Leib. Dann Meditation, geistige Verehrung und das Zeigen der Mudras.
65.29 Danach Fußwasser und Ehrengabe aus einer schönen Muschel, Mundspülwasser, Bad und wiederum Mundspülung.
65.30 Duft, alle Blumen und Bilva-Blätter seien darzubringen. Nachdem die eigenen umgebenden Gottheiten der Reihe nach verehrt wurden,
65.31 bringe man Räucherwerk und Licht dar, danach Speise und Trank. Nach erneuter Mundspülgabe lasse man die Bali-Stoffe geben.
65.32 Nach Darbringung des Bali rezitiere man das Mantra tausendmal oder achthundertmal [Vorlage „shatashtakam“]. Was man tagsüber rezitiert, wiederhole man auch nachts.
65.33 Der Wissende bringe das Japa mit den tiefgeheimen Mantras dar. Nach dreimal sechs Pranayamas vollziehe er Verneigung und Rechtsumwandlung.
65.34 Stets lese man mit Hingabe Lobgesang, Schutztext und heilbringende tausend Namen und stelle den Körper im Halslotos vor.
65.35 Nachdem man so vorschriftsgemäß Sadashiva verehrt hat: In dieser Lehre ist die Handlung verborgen, die Verehrung der geheimen Frau.
65.36 Oder man vollziehe alles, Verehrung, Opfer und Japa, im Geist. Wie für die Göttin, so ist auch für Shambhu das Japa-Opfer erklärt.
65.37 Nach dieser Reihenfolge sind auch die außen stehenden Weisen zu verehren. Die Buchstabenkräfte sind zu verehren, Herr; man verehre ihren äußeren Ort.
65.38 Durch einen Monat dieses Wirkens soll man höchste Vollendung erlangen.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, unter dem Namen „Verehrung Shakinis und Sadashivas“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 65.
Kapitel 66: Shakini-Verehrung, Nyasa und die Heiligtümer im Körper
66.1 Anandabhairavi sprach: Der du den Kailasa-Gipfel bestiegen hast, Fünfgesichtiger, Dreiäugiger, von allen Wesen ganz Verehrter, höre nun die Verehrung Shakinis.
66.2 Verehrung wird dreifach genannt: geistig, unmittelbar und aus Worten bestehend. Die geistige gilt den Yogis; die unmittelbare geschieht im Verehrungshaus, Herr.
66.3 Die wortförmige gilt den Tamas-Erfüllten, Königen und Begehrenden, Herr. Die eine Verehrung ist als dreifach erklärt, höchster Herr.
66.4 Diese Verehrung gewährt Vollendung zur bestimmten Zeit, zu den drei Tageszeiten und zu jeder Zeit. Zur bestimmten Zeit gelingt sie Haushältern, zu den drei Zeiten den Brahmacharins,
66.5 den Yogis jederzeit; bei Menschen bösen Geistes bleibt sie fruchtlos. Die drei Haltungen der Verehrung bestehen aus Rajas, Sattva und Tamas.
66.6 Überall ist die Verehrung der drei Shaktis verkündet, Herr. Man verehre dort Brahmani, Vaishnavi und Maheshvari.
66.7 Nach der Verehrung der Shakti in drei Haltungen und mit der Brahman-Dreiheit verehre man in Pashu-, Vira- und göttlicher Gestalt.
66.8 Überall ist die Bali-Gabe allein auf höchste Befreiung gerichtet. Höre der Reihe nach, Yoga-Herr, die Verehrung aller Vidyas und Weiterer [Worttrennung der Vorlage unsicher],
66.9 durch deren Vollzug der Yogi bald ganz vom höchsten Brahman erfüllt werde.
66.10 Man betrachte einen Ort, Millionen Mahendras gleich, mit glücklichen Merkmalen versehen, schön wie der Götterhimmel, Heldenherr, verdienstvoll, rein und angenehm; lieblich, mit einem Götterhaus, von vorzüglichem Wasser und Baumschatten erfüllt, mit Wohlgerüchen und ehrwürdigem Bergwind, zur geeigneten Zeit oder im Frühling.
66.11 In einem leeren Götterhaus oder unter einem vorzüglichen Baum sitze der Asket mit hingegebenem Geist im Lotossitz auf einer weichen Matte, Tigerfell oder Elefantenhaut. Zuerst reinige er beide auf der Erde stehenden Füße und ebenso die Hände mit reinem Wasser, dem bester Duft beigemischt ist, und nehme den Lotossitz ein.
66.12 Höre das Wasserreinigungsmantra, höchster Herr: Pranava, am Ende von „starana“ [unklare Lautanweisung], danach „Diamantwasser“.
66.13 Dann „reinige ich, Svaha“: So wird das Wassermantra genannt. Man gieße dieses Wasser in anderes Wasser, Bhairava-Shankara.
66.14 Mit diesem Wasser und Kama und Maya wasche man Hände und Füße; mit dem Wurzelmantra den Leib. Zweimalige Mundspülung ist vorgeschrieben.
66.15 Höre das Mantra zum Binden des Haarschopfs, berauschter Jüngling. Es ist ein nicht öffentlich zu machendes großes Mantra für Haarschopfbindung und Sitz.
66.16 Man reinige: „Herr der drei Städte, durch die Flamme des Zeitfeuers Leuchtender, den Sitz reinige ich jetzt; sei unablässig Torhüter.“
66.17 Mit Pranava am Anfang und Verehrung am Ende reinige man, höchster Herr. Man reinige: „Herr der drei Städte, durch die Flamme des Zeitfeuers Leuchtender,
66.18 die Spitze des Haarschopfs binde ich jetzt; sei unablässig Torhüter.“ Dann stelle der Wissende die Ehrengabe auf einen schönen Muschelständer.
66.19 Mit dem Wurzelmantra wasche man ihn und fülle danach mit dem Wurzelmantra Wasser mit rotem Sandel und Sandel hinein.
66.20 Danach gebe der Einsichtige Durva, Ehrengabe und Blumen in das gestützte Gefäß. Dort rezitiere er das nektarvolle Wurzelmantra zehnmal.
66.21 Er zeige Kuh-, Fisch- und Yoni-Mudra. Dort rezitiere er das wesentliche Mantra, mit der Fisch-Mudra bedeckend.
66.22 Zuerst besprenge er sich selbst, dann die Stoffe. Danach fertige er den Sitz sorgfältig auf Kupfer mit einem goldenen Stift.
66.23 Er zeichne ein Neuneck und darin ein Sechseck. Außen zwei Kreise, danach sechzehn Buchstaben.
66.24 Außen wiederum vier Tore und zwei Erdumrisse. Nachdem der Sitz so gefertigt ist, schreibe man die Buchstaben auf die Blätter.
66.25 Mit dem Mantra „Om, Verehrung der schönen Linie, Svaha“ zeichne man. Pranava, danach „große Linie“, verbunden mit „reinige ich“,
66.26 Feuer-Samenlaut und weitere Mantras: So reinige man den Sitzkreis. Danach vollziehe man die Sitzverehrung mit Pranava am Anfang und Verehrung am Ende.
66.27 Zuerst spreche man Saṃ mit langem A, danach „Verehrung dem Herzen“. Mit dem Samenlaut, der die sechs langen Vokale trägt, verehre der Einsichtige von links aus.
66.28 Von Osten bis Nordosten, in den vier Richtungen und in der Mitte verehre man; in ihrer Mitte, mit vorausgehendem Aussprechen der Buchstaben,
66.29 verehre man die Shakti des Sitzes und danach den Herrn des Sitzes. Überall verehre man mit Pranava am Anfang und Verehrung am Ende.
66.30 Die Sitz-Shakti Shakini, ebenso Shakambhari, Shiva, Lakshmi, Sarasvati, Durga, Chandika und Gananayika,
66.31 Bhadrakali, Vishalakshi, Shraddha, Maya, Daya, Kala, Ranachanda, Madhumati, Prasanna und Ratnamalini,
66.32 Hiranyavarna, Kaumari, Vag-Devi, Trijata, Mahi, Trishulini, Vedamata, Siddhadya und Madhunayika,
66.33 Madhupureshvari, Kubja und ebenso Madhumati verehre man; Shaka Genannte, Shakachaksha, Varahasta und Hasanmukhi,
66.34 Kapalini, Khadgahasta, Vanamala, Madhavi, Vichitrangi, Lalajjihva, Chekitana und Prabhamayi,
66.35 Sarva, Sarvakarshini, Bahurupa, Sura, Sudha, Sarvamayi, Varnamayi, Mundamala und Trikalika,
66.36 Vishveshvari, Vishvamata und die ewige Mahavidya. Diese Vidyas sind mit Pranava am Anfang und Verehrung am Ende zu verehren.
66.37 Danach erkläre ich die Meditation; höre kurz, Geliebte [weibliche Anrede in der Vorlage]: Shakini, die herrliche Veda-Vidya, von grobem und feinem Wesen,
66.38 gelb, dreiäugig, vierhändig und lächelnd, mit Sadashiva verbundene Gauri, mit allem Schmuck geziert,
66.39 Dreiäugige, mit den Kreisen von Sonne, Mond und Feuer geschmückt, deren reine Lotushände Schädel, Lotos, Segen und Furchtlosigkeit tragen,
66.40 von Göttern, Dämonen, Gandharvas, Yogis und Vollendeten ganz verehrt, im großen sechzehnblättrigen Lotos stehend, mit Waldblumengirlande,
66.41 durch die Shaktis Shakambhari, Deva-Vidya und Madhavi geschmückt, Zuflucht der Weisen, Götter, Mahendras, Brahmas, Vishnus und Shivas:
66.42 Über die im Halslotos Stehende meditiere ich, Spenderin reichen Gelingens aller Vollendungen. Nach dieser Meditation im Halslotos vollziehe man die Reinigung der Elemente.
66.43 Ich erkläre die Elementereinigung, durch die man im Hals fest wird. Die Vollendung des Gehens im Raum wird erlangt, ohne Zweifel.
66.44 Man verbinde den Jiva inmitten des Kula-Gewandes mit Shri Kundalini, durchdringe schrittweise den Wurzellotos und vollziehe mit nach oben gerichtetem Antlitz die Auflösung im Vishuddha-Lotos [die Wendung „samaya“ ist im Satz nicht eindeutig].
66.45 Der Einsichtige stelle den Jiva an Shakinis Seite. Nach Auflösung durch Kundalini mache er den Leib mit dem Feuer-Samenlaut zu Asche.
66.46 Mit dem Wind-Samenlaut trockne er ihn. Nachdem er ihn mit Varuna zu Nektar gemacht hat, werde er frei von Schmerz.
66.47 Mit Standhaftigkeit betrachte er den Gott Sadashiva, Shakinis Herrn, Ishana, mit den drei Welten verbunden, fünfgesichtig und dreiäugig.
66.48 Er vollziehe die zuvor genannte Meditation und betrachte die Mantrabuchstaben. Wieder und wieder betrachte er das höchste Selbst in der Bewusstseins-Shakti.
66.49 An dieser Stätte mit dem Selbst verbunden, verehre er das Wunschjuwel. Er betrachte den großen Raum in Rauchgestalt, von Licht umgeben.
66.50 Nachdem er die spielvolle Gestalt der Gottheit geistig verehrt hat, bewege er sie schrittweise durch die Nasenöffnung mit dem Soham-Samenlaut.
66.51 Er führe sie auf den Sitz vor sich, stelle sie dort fest und bringe den Jiva dar. Dort fest geworden, setze er ihre Lebenskräfte dort ein.
66.52 Er spreche „Aṃ“ mit langem A, „Hriṃ“ mit langem I, „Kroṃ“, danach „Yaṃ, Raṃ, Laṃ, Vaṃ“. Mit diesen und Weiteren setze er die Lebenskräfte ein und vollziehe danach das Verehrungsverfahren.
66.53 Dann vollziehe man die Nyasa-Folge; höre den Prinzipiensitz und Weiteres. Sadashiva ist dessen Rishi; der Einsichtige setze ihn auf dem Kopf ein.
66.54 „Verehrung dem Rishi Sadashiva“, mit Pranava am Anfang. Am Mund spreche man Pranava und „Verehrung dem Anushtubh-Versmaß“.
66.55 Am Herzen spreche man Pranava, danach „der mit Sadashiva verbundenen Shakini-Gottheit Verehrung“.
66.56 Hand- und Glieder-Nyasa vollziehe man mit Sa-Lauten, die mit den sechs langen Vokalen verbunden sind, Herr der Göttergötter; die Matrika umschlossen vom Samenlaut.
66.57 Oder man vollziehe es an den Matrika-Stellen mit dem Saṃ-Samenlaut mit langem A. Das durchdringende Nyasa sechzehnmal, danach zweimal Pranayama.
66.58 Erneut Meditation und geistige Verehrung; man zeige Yoni-Mudra. Danach Lotos-Mudra und vollständige Verehrung mit Fußwasser und Weiterem.
66.59 Zuerst spreche man das Wurzelmantra, dann denke man „dieses Fußwasser“, ferner „Verehrung der mit Sadashiva verbundenen Shakini“.
66.60 So der Reihe nach bringe man die vorherige Ehrengabe und Mundspülwasser dar. Dann gebe man Badewasser und erneut Mundspülwasser.
66.61 Mit dem Wurzelmantra gebe man Sadashiva hingebungsvoll Duft und Blumen. Nachdem Bilva-Blätter mit dem Wurzelmantra gegeben sind, verehre man Varuna.
66.62 Man zeige Kuh-, Fisch- und Löwen-Mudra. In der Feuerecke verehre man mit Pranava und „Saṃ [langes A], Verehrung dem Herzen“.
66.63 In der Südwestecke verehre man mit Pranava und „Siṃ [langes I], Svaha dem Kopf“; in der Windecke der Reihe nach mit Pranava und „Suṃ [langes U], Vashat dem Haarschopf“.
66.64 Im Nordosten verehre man mit Pranava und „Saiṃ, dem Schutzpanzer“, gefolgt von Kurcha. In der Mitte „Sauṃ, Vaushat den drei Augen“, mit Pranava am Anfang.
66.65 Danach in den vier Richtungen „Saḥ, der Waffe“, dann Phat, mit Pranava am Anfang. Nach dieser Verehrung verehre man den Rishi auf dem Kopf.
66.66 Pranava, „dem Wurzel-Rishi Sadashiva“, danach die Schlusswendung. Von Osten aus nach links verehre man Gefolge und weitere Gottheiten.
66.67 Anandabhairava, danach Mahakala verehre man. Einschub in Klammern der Vorlage: Jnanananda, Sadananda, Bhairavananda, Shyamananda, Shivananda, danach Kalananda. Fortlaufend: Sudhananda, Harananda und Surananda verehre man.
66.68 Kulananda, Priyananda, danach Yajnananda, Dhyanananda, Parananda und Yogananda verehre man.
66.69 Ebenso verehre man Krodhananda, Kriyananda, Bodhananda, Devananda, Jayananda und Vijayananda.
66.70 Brahmananda, Prabhananda und Purnananda verehre man, ferner Jagadananda-Gestalt im Guru-Kreis meines Befehls.
66.71 Nach Verehrung der Körper-Shakti verehre man an ihrer Seite Kalyani, Kamakanya, Tripura und Shodashi,
66.72 Vidyadhari, Nilavarna, Shyama, Simhasanasthita, Chandika, Upakanya und Chandrachuda-Sarasvati,
66.73 Kapila, Meghaduta, Dhumravarna, Jatadhara, Trilochana, Khechari, Gagana und Kamarupini,
66.74 Pinakucha, Vyaghramukhi, Madhupana, Madonmada, Ramya, Snehakala, Dharma, Madhumati und Hara,
66.75 Haramala, Vanamala, Chakora, Kulakamini, die verehrte Guru-Sarvani, von der Gestalt aller Prinzipien.
66.76 Mit Shakti verehre man überall der Reihe nach bis Nordosten. In ihrer Mitte meditiere man über Keshava und verehre die Vokale der Blätter.
66.77 Die sechzehn Buchstaben von A an, mit Pranava am Anfang und Verehrung am Ende: blau, reich an Rot, mit Safran und Lackfarbe umgeben,
66.78 wie Millionen Blitze leuchtend, wie Rubine strahlend, Herzenswünsche erfüllend und die Weltfreude vermehrend,
66.79 die das höchste Selbst der sehr geliebten Hals- und Gaumenbereiche offenbaren: Man verehre sie mit ihren Namen wie im Sonnenkreis.
66.80 Ebenso sollen sie hier verehrt werden, durch ihre jeweiligen Namen angerufen. Höre, Herr, Großleibiger, Rauschberauschter, Raumgewandeter.
66.81 Stets mit festem Geist verehre du Shakini. Dort auf dem Fruchtboden des Lotos meditiere man über Sadashiva in Leichnamsgestalt.
66.82 Dann verehre man in dessen Mitte den Sitzkreis: im Muladhara Kamarupa, den dreifach gekennzeichneten Kama-Kreis.
66.83 Man spreche „Verehrung dem Sitz“, davor den ersten Tara-Laut. Im Herzen steht der Jalandhara-Sitz, vollendeter Sitz, dreifacher Kreis.
66.84 An der Stirn der Purnagiri genannte, der gute Hingulada-Sitz; darüber Uddiyana, Wolkenlaube, der eigene Sitz.
66.85 Das große Heiligtum zwischen den Brauen, Varanasi am Linga; inmitten der drei Augen das vollendete Jvalanti-Heiligtum.
66.86 Jvalamukhi und Triveni: Drei Heiligtümer sind genannt. In den drei Augen verehre man unbedingt meine drei Sitze.
66.87 Im Lotosmund verehre man Mayarati, Subhadrika, die Stadt Kampilla, die Stadt Vamsha und Kamabhanjana,
66.88 dort die goldene Stadt, Ekadanta-Rasayana [Teilung unsicher], den Schädelsitz, den Gaumen genannten und den Schlangensitz im Mund.
66.89 Im Hals den Madhupuri-Sitz, nahebei den Nektarsitz, den Freudensitz, Shri-Sitz, Leeresitz und Priyanjala,
66.90 den Puranjana und den Bhadra genannten, meine Wasserstadt im Hals. Am Nabel den großen König der Heiligtümer, Ayodhya-Bhava-Sitz,
66.91 Lakshmi-Sitz, Brahman-Sitz und Langali-Sitz, Mana-Sitz, Erkenntnissitz und nahebei Rudra-Sitz,
66.92 Lakini-Kulapa-Sitz, Balaka-Sitz, großen Raudra-Prabha-Sitz und guten Sitz der Mleccha-Bewohner,
66.93 Makka-Siddhakari-Sitz [so der Quellename], den eigenen Niranjana-Sitz, Brahmi-Sitz, Datta-Sitz und Abhaya-Sitz.
66.94 Ebenso verehre man Rangini-Sitz und Phetkari-Sitz, den vollendeten Gargari-Sitz und Chandrashekhara-Berg,
66.95 den Haridvara genannten Sitz und den Meeressitz. An der Hüfte den Zeichensitz, Kanchi-Sitz und Trigharghara.
66.96 Nach Verehrung des Shulini-Sitzes verehre man Lanka-Sitz; nach Varuni-Sitz den Vajra-Sitz,
66.97 Siddha-Kataha-Sitz, großen Auflösungssitz, Sechssitz, Dravida-Sitz und den saftvollen Vishnu-Sitz,
66.98 Blattsitz, ebenso Radha-Sitz und den Panchanala genannten. Den Kundalini-Kreis-Sitz und Kama-Sitz verehre man,
66.99 großen Wind-Raum-Sitz, Drei-Zeiten-Kreis-Sitz, Brahman-Sitz, Erdsitz und Feindessitz,
66.100 den großen Kunjara genannten Sitz und den Kaladharma genannten. Zu dessen Linken Dakini-Sitz, nahebei den Schoßsitz.
66.101 Nach Verehrung des Pfauensitzes verehre man Garudi-Sitz. Zuerst spreche man Pranava, dann: „Die hier am Sitz stehenden Vokale
66.102 verehre ich mit Lotosblumen; mögen sie gnädig sein.“ Nach Verehrung der Welt der Sitze verehre man Shivas Welt,
66.103 ebenso die Welt des Feldhüters, die Rauchwelt und die drei Welten. Man verehre die sieben Meere und vierzehn Welträume,
66.104 von Sternen- und Planetenscharen durchzogen, mit Weltenhütern versehen. Nach ihrer Verehrung verehre man außen die Shakti-Vidyas.
66.105 Dakini und Rakini sind zu verehren, ebenso Lakini und Kakini, Shakini, danach Hakini, Prabha, Nila und Bodhini,
66.106 Unmani, Bhavini, Chinta, Priyangi, Manaseshvari, Ulkamukhi, Krodhamukhi, Viprachitta und Subhadrika,
66.107 Nagini, Nagamala, Prithivitirthavasini, Akalanka, Jahnavi, Svargaganga und Manonmani.
66.108 Mit Saṃ die im Sattva Stehende, mit Raṃ die im Rajas Stehende, mit Taṃ die im Tamas Stehende verehre man. Jede Göttin verehre man mit Pranava am Anfang und Verehrung am Ende.
66.109 Der königliche Übende und Yogi gebe mit seinem Wurzelmantra Räucherwerk und Licht. Nach Reinigung der Speisegabe gebe er sie und das Getränk, Herr.
66.110 Nach erneuter Mundspülgabe bringe man die besondere Bali-Gabe dar. Mit den zuvor genannten Handlungen der fünf Prinzipien und Weiterem [die Verbindungswörter sind beschädigt]
66.111 gebe man mit diesem Mantra die unübertreffliche dreifache Bali-Gabe: Pranava, danach „Zeit-Maya, in allen Heiligtümern Wohnende“.
66.112 Dann den Kalika-Samenlaut, danach den eigenen Samenlaut, anschließend „Himmelsträgerin, nimm die Bali-Gabe“.
66.113 „Mit den fünf Prinzipien und Weiterem verbunden, in der Schädelschale, nimm an, nimm an“; danach der Klang-Samenlaut, dann „Zweimalgeborener“ [Schlussanweisung unklar].
66.114 Mit diesem Mantra gebe man die unübertreffliche dreifache Bali-Gabe. Überall gibt der Yogi Verehrung und Bali mit geistig geschaffenen Mitteln.
66.115 Nach dreifachem Pranayama rezitiere man das Mantra vorschriftsgemäß tausendmal oder hundertmal, jeweils mit acht zusätzlichen Wiederholungen.
66.116 Was man tagsüber rezitiert, wiederhole man nachts. Das Japa bringe man mit Mantras in der linken Hand der Göttin dar.
66.117 „Du Hüterin des tiefsten Geheimnisses, nimm unser vollzogenes Japa an. Möge mir Vollendung werden, Göttin, durch deine Gnade, Götterherrin.“
66.118 Nach dreimal sechs Pranayamas vollziehe man Verneigung und Rechtsumwandlung: „Ich verneige mich, Segenspenderin, Göttin, Reinigerin des Kula der drei Welten.
66.119 Alle Vollendungen Spendende, Göttin Shakini, vor dir verneige ich mich. Du bist Offenbarung der Veda-Vidya, erfreut an vielerlei Vidyas.
66.120 Bhavani, Vollendung Spendende, Göttin, sei stets Segenspenderin. Du tötest alle Dämonen; vernichte meine Feinde.
66.121 Hinwegnehmen vorzeitigen Todes, Kula-Kaumari-Shakini, mit Sadashiva verbundene Ewige, in Sadashiva Wandelnde,
66.122 gewähre stets Unsterblichkeit, schenke mir Hingabe und Befreiung. Shakini, Lebensspenderin, Göttin, Beschützerin des Lebens der Götter,
66.123 Shakambhari, Verehrung sei dir; bewohne meinen Leib. An der Wurzel des Wunschbaums Stehende, Liebe Spendende,
66.124 von allen Welten Verehrte, werde im vollendeten Halslotos beständig.“
66.125 Im ganz reinen Kreis des Halslotos, der Wünsche erfüllt, Flammende, Kamakhya, verneige ich mich vor deinem Fuß, Shakini, Mutter Shakambhari. Zum Wohl der Götter und der Welten, in Demut, gute Segensherrlichkeit Spendende: Sei in der Reihenfolge von Bestand und Weiterem gegründet, im Licht des großen Raumes Bewegliche.
66.126 Nach solcher Verneigung mit innerer Haltung erlangt man gewiss Genuss und Befreiung. Wer sich der Rechtsumwandlung widmet, erhält die Frucht der Verehrung.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Verehrung Shakinis“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 66.
Kapitel 67: Lobgesang an Shakini
67.1 Shri Anandabhairavi sprach: Vollziehe, Herr, Verneigung und Verehrung, lies den Schutztext. Meditiere über die Buchstaben und werde im Halslotos fest, Weltenherr.
67.2 Die höchste Shakini-Vidya wehrt große Verblendung ab. Mit Millionen Yoginis strahlt sie stets wie die Sonne.
67.3 In der Stadt Varanasi weilend, verehre die im Halslotos Stehende. Mit diesem Lobgesang und Verfahren übe Hingabe an die große Shiva.
67.4 Im ungeteilten Sechzehnblättrigen eingesetzt, mit reiner Hand am blauen Lotos [Satzfügung unsicher], goldglänzend, blitzgleich, mit schönen goldenen Armreifen, von der Macht Millionen Monde: die herrliche Jungfrau, Shakini-Herrin, erfreut durch die Verehrung mit den Lotushänden des Dreistädtevernichters, Kamakhya, Rudras Maya, mit Braut und Auge verbunden, im Glanz der Geliebten Shakras.
67.5 Ich betrachte die im Meer Stehende, als Braut der Pramatha-Scharen Strahlende, mit dem Veda Verbundene, Freude der Yoga-Herren Schaffende, mit Lotosreifen, deren Augen blaue Wolken sind; Om-Gestalt, Ursache Genannte, Fülle des Honighauses, Licht der acht Häuser, ewig in Freude und Erkenntnis, Kraft der sechzehn Blätter [Zahlwort beschädigt], Schönheit des Vaikuntha im Hals.
67.6 Ich betrachte die Spenderin der Erkenntnis von Dharma und Artha, offenbar zur Freude der Wesen der drei Welten, im Vindhya Stehende, Heiligtumstochter, mit drei Lotosaugen und vier Händen, Heitere, Lächelnde, Mondgesichtige, durch Meditation für Hari, Hara und Vidhi zugänglich, bisweilen in Shambhu stehend, Schöngestaltige, Angst vor dem Werden Entfernende, Retterin.
67.7 Ich erinnere die Feine, reich an grobem Licht, deren Fußsohlen wie Millionen Bandhuka-Blüten glänzen, Liebesgeliebte der Geliebten, Sieg und Liebesfreude Werdende, Shakini, Kummervernichterin; im inneren Bereich des Klanges Stehende, Raum von Bestand und Auflösung, reich an Rubinketten, die Welt mit ihrem Glanz Entflammende, Samenlautkette von Madana, Braut und Rama.
67.8 Ich verehre die auf einem Tiger Stehende, im Tigergewand, mit Rehaugen, von reiner Freuden-Gestalt; Vama, Shakti, Korallenrote, Wasserkraft der drei Kulas, Herrin des Zeitkönigs; im Freudenmeer Leuchtende, Furcht der Herrenscharen Entfernende, mit Matrika-Samenlauten Geschmückte, Schreckliche, laut Lachende, mit schön lächelnden Zähnen und schönen Augen.
67.9 Die wie zehntausend junge Sonnen Leuchtende, den letzten Zustand Gewährende, die Süße des Weines Kostende, auf dem Erd-Löwenthron Sitzende, mit Edelsteingebetsketten und Segensfreude in den Händen; Fülle mütterlicher Spiele, von feinem reinem Leib, im reinen Halslotos, Licht ewiger Erkenntnis: Sie wird verehrt, in meinem beständig freudigen Geist ruhend [Personwechsel in der Vorlage].
67.10 Die mit zum Weintrinken bereitem Leib, von höchstem Glück erfüllt, Fortdauer der Veden Schaffende, Yoga-Freude und Weiteres Bewirkende, schrecklich wie eine Fülle junger Wolken; inmitten des Raumlotos, durch vollkommene Hände und Glieder allgegenwärtig leuchtend [Wortlaut unsicher], Mutter, die Shri trägt: Dich verehre ich als Befreiung und Hingabe am Ende der Zeit und im Kali-Zeitalter.
67.11 Sie ist Vidya, aus den Eigenschaften des Dharma-Wunschjuwels entstanden und in Furcht angewandt, einziger Ursprung des Klang-Brahman, als Zeugin der großen Erkenntnis in der Stätte erkannt. Du Mutter, Veda-Mutter, entferne, entferne Verunreinigung; rette den Unverständigen, zerbrich beim lebendigen Selbst die Verwirrung durch Furcht vor Schwinden und Tod [die Wendung „dviraksha“ bleibt unklar].
67.12 Als bewegliche Flammengirlande bemisst beziehungsweise beseitigt Shakini, die Mutter, Verunreinigung; sie vernichtet Hin- und Hergehen, Morgenaufgang, Tag und Nacht, Verwirrung, Verblendung und Feinde. Wohnstatt der Diener, im Mondhaus wohnend, gutes Geschlecht Kartikeyas [Text teilweise beschädigt], Hamsa des Herrn im Samsara: Bewege, bewege das Unbeständige, du Kraft im Sechzehnblättrigen.
67.13 Das Samenlaut-Selbst schafft im Opferbecken aus den Füßen der Metren Prosa und Verse. In der Unterwelt, auf der schrecklichen Erde, im Blätterpaar des Kula tritt die Veda-Shakti hervor: Pashyanti, Madhyama und Weiteres, im Auge und in der Rede gehend, Vaikhari von Sprachwesen. In Hals, Herzlotos und Wurzel spricht die angehaltene Dichtung; zu dir gehe ich [die Zuordnungen werden nicht einzeln ausgeführt].
67.14 Sie ist die Höchste, sie ist die Stufe, ohne Auffassung, lachend [Anfang beschädigt]; tritt in mich ein, Wolkendunkle, Vama, mit zwei Lotussen an der Stirn, durch die höchste Flamme Zinnober tragend. Durch dreifaches Japa und die Höchste der Namen [Verbindung unsicher] sei im Lotosmund gefügig; „werde, werde“, im Sechzehnblättrigen.
67.15 Rama, Lajja, Maya, verbunden mit Braut, Madana, Kurcha und Astra: Wohltätige Mutter Shakambhari, Erde, Bala mit Kamala. Um Mitternacht „schlage, schlage“ die Glieder des Feindes; vernichte den Feind in deiner Hand. Dreifache Tara, sechs Gruppen, Madana, Braut und Feuerbraut [Vorlage hier beschädigt]: Entferne das Übel.
67.16 Ich betrachte das Freudenzeichen der Yoga-Herren, den feinen Leib Erhitzende, Tapini, mit heißem Leib; die von Verblendung Betörte unter den Betörten, deren Gewand vom Schatten des Mondjuwels ihrer Krone bedeckt ist; Kamakhya, Grundlage der Samenlaute von Brahman-Klang, Madana und Kula an, auf Svaha endend, die Hamsa genannte Brahma-Waffen-Vidya des Herrn der Erdgötter.
67.17 Abends Kama-Lakshmi, verbunden mit Wind und Mond, langäugig und dreiäugig; zur mittleren Zeit Savitri, die sich nicht bewegt und doch bewegt, durch Vertrauen oberhalb des Kopfes. Wie Millionen Sonnen leuchtend, beugt sie sich nicht krumm, von Licht erfüllt [Lesung unsicher]. Morgens erfreut die Weißgesichtige, Rotgliedrige die Fülle von Millionen Zeitmeteoren.
67.18 Gayatri, Buchstabenmaß, unermessliche Waldfrau [Zusammensetzung unsicher], in der Stirnhöhlung geehrt; deren Leib Wein und Zeitfeuer ist, deren Lotosfuß die Stätte des Finsternisvertreibers übertritt. Du bist Vidya mit Vagbhava am Anfang, ganz von Pranava-Leib, göttliche Lakshmi, Gnade, mit Nada und Weiterem, strahlendem Halbmondpaar im Sechzehnblättrigen, meine Speiche [Schluss unsicher].
67.19 Gattin, Maya, ohne Maya, Pferdegesichtige, Reine, Einzige, mit Sternenkette, deren Glieder Ketten und Sonne zeichnen; mit jeweils zwei eigenen Brautlauten, zweimal Tara und Mond. Du bist Svaha, Medha, Svadha, sprichst die Rede der Knoten von Offenbarung, Lob und guter Verneigung. „Mich allein beschütze, beschütze“, Glück des Erdträgers, Fülle, am Ende die Feuergeliebte [Lob und Lautanweisung sind verschränkt].
67.20 Wenn ein Menschenherr nach der Meditation stets diesen höchsten Lobgesang liest, wird er glücklich und gesegnet, erlangt Verdienst, Auflösung in der Gottheit und die Schau der Heiligtümer und Weiteren. Er erhält Anteil an Yoga-Vollendungen, liebster Erkenntnis und Reichtum. Solche Menschen bringen Könige und unmittelbar durch ihre Seitenblicke Rama unter ihren Einfluss.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Anordnung des Shakini-Lobgesangs“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 67.
Kapitel 68: Die sechzehn Vokale im Vishuddha-Lotos
68.1 Shri Anandabhairava sprach: Zum Schutz der drei Welten verehre ich, Makellose, deinen herrlichen Lotosfuß, zur Auflösung des Samsara.
68.2 Große Göttin, Welterhalterin, Mehrerin höchster Freude, Bhavani, Bhairavi, mein Leben, erkläre die reine Buchstabenmeditation.
68.3 Shri Anandabhairavi sprach: Nun, Herr des Begehrens, Hellgliedriger, Offenbarer von Dharma und Adharma, höre jetzt, Allwissender, die Bestimmung großer Erkenntnis.
68.4 Aus Liebe zu dir erkläre ich die Buchstabenmeditation als meine Gestalt. Diese Meditation gewährt unvermittelt Vollendung; schon durch ihre Erkenntnis gelingt sie.
68.5 Ich meditiere über A, stets von Hari, Hara, dem Viergesichtigen und den Göttern zu meditieren: weiß, mit mondgesichtiger Braut, herrlich, vierarmig, lenkbar, jugendlich, dreiäugig und schmuckgeziert; mit Schädel, Lotos, Waffe und Schlange geehrt, kühlmondiges Licht verbreitend.
68.6 Ich betrachte die reich mit dem Aṃ-Samenlaut mit langem A Erfüllte, Leuchtende, an Honig aus einem goldenen Gefäß Erfreute, ohne Maß, weißen Schimmer Tragende, vierarmig, mit einer Lotosstielkette. Sie trägt das Schwert und den Glanz des Kronjuwels, Zorn im Raumbereich [Satzglied unklar], leuchtet durch vielerlei Schmuck und fährt auf Mond und Kapila [Fahrzeugangabe unsicher].
68.7 Im Vishuddha-Lotos meditiere ich über Iṃ als Maya, in der Welt stehend, mit Braut und Shri Shodashi verbunden, an Maya-Kennzeichen erkennbar, herrliche Stätte der Vidya und Furchtlosigkeit der drei Welten, mit vier Lotushänden und drei Augen, Dreizack, Schwert, Kette und Lotos tragend, mit Fußringen aus vielerlei Edelsteinen, von Göttern verehrt.
68.8 Ich verehre die wie Millionen Sonnen Strahlende, mit großem Goldschmuck Gezierten, durch Meditation Zugängliche, deren Gestalt das lange I ist, mit drei Lotosaugen, durch Veda-Lachen leuchtenden Gliedern; mit Muschel, Lotos, Schwert und Glocke, von vorzüglichem Leib, auf göttlichem Löwenthron, im Veda gegründet und vollendet, mit Blut und Weiß verbunden, kindliches Spiel.
68.9 Stets preise ich U als Brahma, mit drei Weisen verbunden, von Goldsaftgestalt, Pferd, auf einem Schwan reitend, mit Zunge versehen [Mittelteil beschädigt], von Tempelinstrumenten umgeben, weit, viergesichtig, goldglänzend wie hundert Sonnen, dreiäugig, Freude des Flechtenhaargefäßes, jugendlichen Purusha.
68.10 Im Sechzehnblättrigen betrachte ich den Uṃ-Laut [die Vorlage hat hier „uṃ****“, der erwartete lange Vokal ist nicht gesichert], allgestaltig, mit hundert Monden durchsetzt, goldglänzend, dreifache Schöpfung; durch Mandara-Blüten im Geist erreicht, von verdichtetem Saft, mit reiner Fadengebetskette. Er trägt sie mit beiden Händen, ist Freuden-Gestalt mit einer Kette von Schlangenfrauen, gewünschte Vollendung der Vollendeten, Dichte des Kula-Lotos.
68.11 Ich verehre Ṛṃ, dessen Glieder eine reine Kette mit sieben Linien schmückt, in Maya stehend, mit heiterem vorzüglichem Lotosantlitz, von Elefantengestalt; heilig, durch Opfer und Weiteres vollendet, die Mondkraft des Liebesgottes berauschend, sechsarmig, mit Glocke, schöner Waffe, Schwert, reinem Lotos, Schädel und Glied [letzte Aufzählung unsicher].
68.12 Ich verehre den langen Ṝṃ-Samenlaut als Herrn der Gäste, mit weißem Lotosantlitz, weiß, dreiäugig, Maya und Lakshmi am Vokalende, Strahl der jungen Sonne, sechsarmig, blau gekleidet; mit einer durch vielerlei Schmuck glänzenden hohen Krone, von Mondscheibenwesen, in den Händen Schwert, Lotos, Erkenntnismudra, Honiggefäß, gute Keule und Schlinge.
68.13 Ich betrachte Ḷṃ als Sthanukesha, dessen dreiäugiges Lotosantlitz Licht offenbart, vollkommenes Selbst, höchsten Herrn, aus der Dichte der drei Eigenschaften, blau, dreifache Haltung; sechsarmig, mit gelbbraunem Haar und rein herabfallendem Kopfkreis, reich an Ketten, geschmückt mit Veda, Schwert, Erkenntnis, Kette, Lotos, Segen und Keule [die Zahl der Attribute übersteigt die Armzahl].
68.14 Ich meditiere über den Ḷṃ-Laut [die Vorlage wiederholt die kurze Form], weiß gekleidet, von weißen Strahlen, in Nektar versunken, rehäugig, vierarmig, mit Schlange, Lotos, Schwert und geliebter Segenshaltung, Heil schaffend, furchtbar, Erdhüter, unablässig von Götter- und Weisenscharen verehrt.
68.15 Ich betrachte Eṃ, zeitfarben, zu hundert jungen Frauen gegangen, von führenden Göttern umgeben, sonnengleich, Bindu-Schöpfung, zweiarmig, mit Lotosstirn, schrecklich; geschmückt und gekrönt, dreiäugig, unsterblich, mit Fußring- und Mondglanz, Jhintisha, Shambarisha, von den Sohnscharen der Pramathas umgeben.
68.16 Im Sechzehnblättrigen meditiere ich über den Weißglänzenden, oder den Bhava-Laut [der Vokal wird nicht klar genannt], mit dreifach bewegtem Auge, reinem bandhukafarbenem Gewand, Edelsteinschmuck und Ketten; Wort der drei Welten, sechsarmig, Samenlautkern, im Genuss des dreifachen Madana betrachtet, fünfstrahlig, Anfang des Yoga, Herr der Elemente, Schöpfer des Himmelswegs, mit dem Vokal der Feuerbraut am Ende.
68.17 Ich verehre den durch Pranava Gekennzeichneten, kühl Strahlenden mit beweglichen Ohrringen, vierarmigen Lichtspender, mit Lotos, Muschel, Dreizack und Furchtlosigkeit, geschmücktem Leib, reinem gelbem Gewand, dessen Antlitz von hundert weißen Strahlen umgeben ist, reich an Krone und Fußringen, den Höchsten.
68.18 Ich meditiere über Anugrahesha, weiß wie der Pranava, von Auṃ-Gestalt, überfein, Durchbrecher des Brahma-Tores, mit vier anmutigen Armen, Schwert, Pfeil, Waffe und Kette; millionenfacher Glanz der Wesen, mit hundert Sonnen als Krone, Zornkönig Mahesha, durch Edelsteine schön, mit einem beweglichen Lichtkreis, rötlich [vorletzte Zusammensetzung beschädigt].
68.19 Ich meditiere über Aṃ als Bindu-Zustand, mit zehn anmutigen Armen, reich an Tigerfellgewand, fünfgesichtig, dreiäugig, mit eigenen goldenen Armreifen, leuchtend wie Millionen Monde; mit Dreizack, Waffe, Schwert, Pfeil, Diskus, ausgedehnter Frucht, Keule, Schild, Lotos und Kette, den nicht grausamen Gott, mit Axt und scharfem Schritt, Wesenskern spendend, grob und fein.
68.20 Ich betrachte Aḥ als herrlichen Visarga, auf einem Lotosblatt gehend, den einen Geber für die Elenden, weißglänzend wie Millionen Sonnen, mit hundert anmutigen Armen, Veda, Vidya, Waffe und Schwert; mit rotem Strom an allen Gliedern, durch drei Lotosaugen erfreut, sanft lächelnd, mit dem Körperstrahl der Schönheit von fünfzig Gesichtern, die Ursache.
68.21 Nach dieser Meditation im Sechzehnblättrigen verehre man mit festem Geist Sadashiva, den Weltenherrn, in Buchstabengestalt und mit Shakti verbunden.
68.22 Dann werde die Einsicht heiter; bald werde man unsterblich. Man erhalte Anteil an Himmelswandeln, Wirksamkeit der Rede, Wasserstillstellung und weiteren Vollendungen.
68.23 Von Osten aus nach links meditiere man frei von Verlangen und Furcht. Die Meditation geschehe an einem geheimen Ort, wo diese Vidyas aufleuchten.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Buchstabenmeditation des Vishuddha“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 68.
Kapitel 69: Die tausendundacht Namen von Shakini und Sadashiva
69.1 Shri Anandabhairavi sprach: Der du den Kailasa-Gipfel bestiegen hast, Fünfgesichtiger, Dreiäugiger, das Undurchdringliche Durchdringender, Lebensgeliebter, herrlicher Sadashiva,
69.2 zum Schutz des Lebens im Werden, zum Entfernen des Kalakuta-Gifts und für die Sandalen Pratyangiras wünsche ich das beherrschte, klangförmige Geliebte [Satzbau unsicher],
69.3 zum Schutz der Verehrer, Yogis und Guten. Hier werde ich gewiss das Kennzeichen allen Heils erklären:
69.4 die tausendundacht Namen, mit Sadashiva verbunden, die große Macht hervorbringen und Menschen bösen Geistes zähmen,
69.5 allen Schutz in der Welt bewirken, zur Vollendung des Halslotos, zur Abwehr vorzeitigen Todes und aller Krankheiten,
69.6 unmittelbar Yoga-Vollendung bewirken, Nektarfreude schaffen, Giftglut und Weiteres entfernen und höchste Mantravollendung gewähren.
69.7 Allein durch Erinnerung der Namen wird man den Yogis lieb. Wenn man die mit Sadashiva verbundene Göttin ganz verehrt und dann erinnert,
69.8 erlange man am Monatsende Vollendung und Begegnung mit Khechari. Durch das Lesen werde gewiss die Vollendung des Gehens im Raum erlangt.
69.9 Reichtum, Edelsteine, Handlungs- und Machtvollendung soll man erhalten. Durch Lesen und Tragen wird der Yogi Mahadeva, Sadashiva,
69.10 unmittelbar der diskustragende Vishnu, Brahma, stets reich an Askese. Yogis, alle Götter, Weise und weitere Yogis,
69.11 alle Vollendeten bewegen sich frei, weil sie den Text tragen und lesen. Wer ihn täglich liest, ist vollendet und aus Vishnu entstanden.
69.12 Was soll noch mehr gesagt werden? Genuss und Befreiung erlange man augenblicklich.
69.13 Rituelle Zuordnung: Für diesen großen Lobgesang des Weltenheils mit tausendundacht Namen ist Sadashiva der Rishi, Gayatri das Versmaß, Sadashiva und Shakini sind die Gottheiten. Die Anwendung dient dem Gedeihen der Lebensziele, der acht Vollendungen und des Samaya-Yoga. Namensreihe: Om. Shakini, Gelbgekleidete, Sadashiva, Umas Gatte; Shakambhari, große Göttin, Bhavani, der Welt Lieber.
69.14 Yogini, dessen Wesen Yoga-Dharma ist, Yoga-Selbst, herrlicher Sadashiva; Anfang der Weltalter, Ordnung der Weltalter, Yoga-Vidya, bester König der Yogis.
69.15 Yogini, Yoga-Sieger Genannter, guter Yoga, Yoga-Shankara; Yoga-Liebende, Yoga-Kundiger, Yoga Spendende, Yoga in den sechs Bereichen.
69.16 Dreifacher Yoga, Selbst des Weltenherrn, Rezitierende, Japa-Vollendung Spendender; Bemühte, geliebte Freude der Anstrengung, Vorschriftenkundige, Kenner des Veda-Wesenskerns.
69.17 Gut Gegründete, Heil Schaffender, Wein, Madana Lieber; Honig-Vidya, Madhavis Herr, Erde, Erschütterung Vernichtender.
69.18 Wegekundige [Lesung unsicher], Manmatha-Töter, Yakkuh, Schönäugiger; Innerste, Wunschbaum, Geduld, Erwachter, Ramas Rauschtrank [Teilung unsicher].
69.19 Erdträgerin, Vamadeva, Shri-Vidya, im Mandara Stehender; Makellose, Furchtloser, Utanka, Zuflucht Shankaras.
69.20 Gestaltlose, Unterscheidungsloser, Saft Spendende, Zuflucht der Kostenden; Rama, Herr Ramanas, Lakshmi, Blauäugiger [Zusammensetzung unsicher].
69.21 Vidyadhari, Erdfreude, Goldene, Träger goldener Glieder; Heilvolle, berauschter Heilschöpfer, Gewaltige, von wildem Schritt.
69.22 Wohlerzogene, Göttervater, Kakini, Lotosgesichtiger; wie Augenschminke Glänzende, Schwarzleibiger, Dreizackträgerin, Schwert und Schild Tragender.
69.23 Durch den Weg Erfassbarer, Lichtheller, Geduld, Erschütterter, Shiva als Göttin, Shiva als Gott; Schnelligkeit, Asket, Höchste, Hari, Hara und Hara, unvergänglicher Buchstabe [Laut- und Geschlechterspiel der Vorlage].
69.24 Ewige, Ewiger, Herr der Bewohnerin der Leichenstätte; Jaya, Unerschöpflicher, Erdwandler, Zusammenkunft, Herr der Erkenntnis.
69.25 Kula und Akula, unreines Antlitz, Starker und Starke, unrein und rein; Lichtträger, höher und niedriger, wesentlich und unwesentlich, Hand und handlos [die Namenspaare sind teils verschmolzen].
69.26 Aus Maya und Nicht-Maya bestehend [Vorlage „mayamaya“], Wasser und Nicht-Wasser, Frucht und Nicht-Frucht [Lesung „palapala“], Gnade und Nicht-Gnade; Furcht und Furchtlosigkeit, Sieg und Nicht-Sieg, Gaya und Nicht-Gaya, Fruchtfolge.
69.27 Zusammenkunft, Stätte und Nicht-Stätte, Rama und Rama, Hervorbringen und Nicht-Hervorbringen [Lautspiel unsicher]; schöne Frau, Erdträger, Lichtschöpfer, Irrtum und Nicht-Irrtum.
69.28 Sati, Glücklicher, mit guten Merkmalen, Gnadenwirker, Schatz des Mitgefühls; Erdherr, Herr der Geliebten, Leidenschaftslose, jenseits des Geistes.
69.29 Vorauseilende, stets Unbeweglicher, sehr Bewegliche, überaus Beweglicher; Scharfes Liebende, sehr Scharfer, Geschickte Liebende, sehr Geschickter.
69.30 Reichtumskette, Scharenreicher und Scharenloser, rau und nicht rau, Schlange, Augenblick; mit Liebe Verbundene, Kronjuwel, Shakini, Sadashiva.
69.31 Rot und nicht rot, dicht und nicht dicht, Pferdereiterin und Pferd, Auflösende und Auflösung; gutes Inneres, gute Überlieferung, Böses Entfernende, große Gesinnung.
69.32 Mit beweglichen Brüsten, von Schnelligkeit Umgebener, in der Wolke, Ende des Tons; gewaltiger rollender Klang, Geliebte, im Feuer der Glut Gehender.
69.33 Völliger Friede, auf einer Maus Stehende, Maheshvari, Maheshvara; große Shiva-Beschützerin, Dichter, Schlachtherrin, Schlachtherr.
69.34 Erhitzende, Erhitzer, Maßgebliche, Maßkundiger; im Vishuddha Wohnende, Weiser, Vishuddha-Kenner, vorzüglicher Honig.
69.35 Tilottama, Höchster, stets aus ihr Bestehende [Lesung unsicher], Mitgefühlvoller; über Veränderung Hinüberführende, Baum, Gott und Dämon, Guru der Unsterblichen.
69.36 Offenbarerin, Offenbarer, wilde Chandika, Vibhandaka; Dreizackträgerin, Keulenträger, Korallenranke, großer Starker.
69.37 Tatkräftige, Herr des Alters, Lichtgewandete, Raumgewandeter; Kula-Gewandete, Tierfellgewandete, Ununterbrochene, im Alter Befindlicher.
69.38 Auf der Leichenstätte Wohnende, Shambhu, Bhavani, Schrecklichäugiger; Geliebter der Todesentfernerin, Zornige, Vernichter des Begehrens.
69.39 Vierarmige, Lotosäugiger, Zehnhändige, großer Guru; Zehngesichtige, Zehnhalsiger, mit umhergeworfenen Augen, das Werfen Liebender.
69.40 Varanasi, am Heiligtum Wohnender, Kashi, dem Weltenguru Lieber; Schädelträgerin, Mahakala, Kalika, Reiniger des Kali-Zeitalters.
69.41 Im Öffnungsweg Stehende, Beredter, Rati, Herr und Guru Ramas; gute Lakshmi, in der Wildnis Stehender, Yogi-Tochter, Tod.
69.42 Vernichterin der Götter, Verdienstspender, Retterin, den Jungen Lieber; über große Furcht Hinüberführende, Tara, Retterin, rettender Herr.
69.43 Mutter des rettenden Brahman, Hochstolzer, Erstgeborener des Werdens; durch das Linga Zugängliche, Linga-Gestaltiger, Chandika, Stierreiter.
69.44 Rudrani, Rudra-Gott, aus Begehren Geborene, Quirler des Begehrens; Andersartige, Vater der Gattung, Schöpferin, Ernährer des Schöpfers.
69.45 Gestaltlose, großer Raum, höchste Vidya, Lichtreicher; Vasuki, Retter der Gefallenen, Triveni, Wahrheitsschauer.
69.46 Banner, im Lotos Wohnender, dreifache Nachricht, Ruhm Vermehrender; Erde, von Konzentration Durchdrungener, Vermehrer reiner Freude [letzte Verbindung grammatisch offen].
69.47 Viprachitta, Grubenmacher, Leidenschaftslose, Erschütterer der Zeit; feine Grundlage, Überwissender, Mantravollendung, im Erkenntnismittel Gehender.
69.48 Auszusprechende, Elefantenrüsseliger, Kamala, Diener Krishnas; im Trommelklang Stehende, Instrumentengefäß, Blaugliedrige, Elefantenzuflucht.
69.49 Frühling als Anfang Habende, kühl Strahlender, höchste Ursprüngliche, Geliebter der Shakti; Schwertträgerin, reich an Diskus und Speer, dem Winter und wenig Besitz Lieber [Teilung unsicher].
69.50 Schwer Auszusprechende, Mantrawohnstatt, Khanda-Kali, Kula-Zuflucht; Äffin, mit Elefantenkette als Anfang, Zuneigung, Linga-Verehrer.
69.51 Menschliche, Mantra-Gestaltiger, Blaufarbige, Mondglanz; den Mond unten Tragende, Zeit, Kamala, Langhaariger.
69.52 Langhaarige, Allhaariger, drei Lebensziele, Entscheidung des Abschnitts; Hausherrin, Planetenkräfte Entfernender, Planetenbedrängnis, Planetenschwund.
69.53 Blumenduftige, Wasserwandler, Zorngöttin, Tagesschöpfer; Anjana, Grausames Entfernender, Einzige, den Ängstlichen Lieber.
69.54 Aus Versen Bestehende, Verfehlung Entfernender, Anfang der Vidya, Bergzertrümmerer; Schwarzzüngige, Rotgesichtiger, Weltenherrin, höher als das Höchste.
69.55 Brustbeerbaum, Verbindung mit der Wurzel, Feldhüterin, Kraftfeuer; Lehrer auf dem Ahnenboden, Gegenstandsbereich, Badarayani.
69.56 Vorangehende, Vorangehender, mit Helden Gehende, Feindvernichter; große Maya, großer Täuschungsmächtiger, Segenspender, Ende der Wunschgabe.
69.57 Glück der Gebundenen, Herr der Gebundenen, fünf Shaktis, Beender der Nacht; Durchdringende, von Vijaya Verhüllter, Andersartige, Schönangesichtiger.
69.58 Scharfe Gestalt, Pflanzengestalt, Tripura, aus dem Lotoskelch Geborener; Ajabya [Name unsicher], Liebhaber, Erscheinende, Windhafter, Verwandte des Feldes.
69.59 In unendlich-unendlicher Gestalt Stehender, in Schönheit Stehende, Ansammlung; Yoga-Kenner, Herr des Erkenntniskreises, Babrama [Lesung unsicher], im Wandern Stehender.
69.60 Kinderhüterin, Vernichter der Wesen, Handlung der Wesen, Familienhüter; zufriedener Ashvattha, Schönhüftige, Vatuka, unter Protikas Macht [Name unsicher].
69.61 Vertrauen, Vertrauensvoller, Gedeihen, Genährter, Zornige, achter Madhava; Verbundene, Verbindung, Erde, Wahrheitskenner, Opferbrei Liebende.
69.62 Unerlangte, Furchtentferner, Letzte, Zahn, die den Geist erlangt hat; Belebende, höchste Freude, Vidya-Reiche, aus Dharma-Handlung Entstandener.
69.63 An Verleumdung Erfreute, Begehrender, Bilvana, glücklicher Mantel [Teilung unsicher]; Shivi, Ebertöter, Berauschter, Großäugige, Feindbedränger.
69.64 Geheimzuhaltende, guter Hüter, Parvati, Parameshvara; herrliche Matangi, auf drei Sitzen Stehender, Veränderlicher, durch Meditation Reiner.
69.65 Geschicklichkeit, vierfache Freude, Söhne Habende, Kinderliebender; kleine Frau, Freude an Sinnesgegenständen, Dienerin, Leben des Zorns.
69.66 Mondgesichtige, Freude des Geliebten, Geschickte, Ketaki Liebender; Bewegliche, Kenner des Rettenden, drei Werke, Herr der Narmada.
69.67 Am Tor Stehende, im Bündel Stehender, Vidya-Kundige, zum Wachsenden Gehender; Dreigipflige, dreifache Freude, Erfreuende, Sohn beziehungsweise Nandana Liebender.
69.68 Zweifel, mit vollendeten Gliedern, Mantrakundige, Mantra-Vermehrer; Mannika, Herr Ambikas, Vivashi [Lesung unsicher], Geschlecht Vermehrender.
69.69 Diamantzunge, Diamantzahn, Veränderung, Feldschutz; Verändernde, Herr Parvatis, Lieblichgliedrige, mit fünf Yakschweifwedeln.
69.70 Anteilige, Vamadeva und Weitere, reich an Täuschungslosigkeit, höher und niedriger; schützende Glieder Habende [Lesung unsicher], höchste Herrschaft, Geber, Genießerin, Tagesschöpfer.
69.71 Wunschspenderin, mit wunderbaren Augen, Feindesschutz, Nachtbeender; Schrecklichgesichtige, Gharghara Genannter, Vilajva [Lesung unklar], Herr der Flammenden.
69.72 Flammengesichtige, Dharma-Schöpfer, Glücksschöpferin, Ursachenwesentlicher; Schädelreihe, Fünfhaarige, von drei Farben [Lesung unsicher], Erstgeborener des Bestands.
69.73 Ungewöhnlichäugige, großer Schoß, Rakini, herrlicher Großvater; Vaishnavi, Vishnu-Verehrer, Dakini, Dindima-Trommel Liebender.
69.74 Liebes-Vidya, Herr Ramas, Radhika, Vishnu-Merkmaliger; Vierarmige, Vierhändiger, Lakini, mit Fischlocken.
69.75 Kopfgeborene, Pfluggott, Alte, von gealtertem Leib; Herrin Lakinis, Herr Lakinis, Geliebte Genannte, mit schönem Fahrzeug.
69.76 Verfilzthaarige, Träger dreier Haarflechten, Viergliedrige, Bewegliches und Unbewegliches; Dreiströmige, Herr Parvatis, Weltenherrin, Menschenherr.
69.77 Pinaka-Bogenträgerin, Pinaka-Bogenträger, Mondgekrönte, Prüfungskundiger; Trägheit Vernichtende, träges Selbst, Zungenträger, im Alter Unsterblicher [Namensbildung unsicher].
69.78 Anahata Genannte, König der Könige, Kakini, im Sattva Gegründeter; Windgestalt, Lotoshändiger, Reine, mit reinem Fahrzeug.
69.79 Vrishali, auf dem Stierrücken Stehender, Genuss, Genuss Vermehrender; in Jugend Stehende, Jüngling, Zeuge, Anfang der Welt, Zeugin der Welt.
69.80 Bagala, Mondgekrönter Genannter, Bhairavi, berauschter Bhairava; Herrin des Zorns, Diamantträger, Indrani, dem Feuer Lieber.
69.81 Unveränderliche, Fadenträger, berauschtes Trinken, Tageszuflucht; Klangschwangere, Klangwesentlicher, Vasava, jüngerer Bruder Vasavas.
69.82 Richtungshüterin, Herr der Planetenkräfte, Ishani, Menschen als Fahrzeug Habender; Herrin der Yakshinis, Herr der Bhutinis, Macht, Macht Vermehrender.
69.83 Siegreiche, Zeitmacher, Kalki-Vidya, Vorschriftenkenner; jenseits der Scham, mit gezeichneten Gliedern, Gifttrinker, Zuflucht des Rausches.
69.84 Fremdländische, im Fremdland Stehender, Schuldlose, frei von Verfehlung; große Erschütterung, jenseits der Kräfte, Aufgang einer sinneslosen Schar.
69.85 Beredter, Mandara der Wortknoten, Tempel der Veden; Fünfter, Fünfte, schwer Zugänglicher, Durga, Vernichter schlechter Wege.
69.86 Übelriechende, Duftkönig, Wohlriechende, Duft Bewegender; Schöngliedrige, am Kauen Erfreuter, Zweifellose, Kenner des Schwanenrufs [Lesung unsicher].
69.87 Beim Gast Stehende, Anfang des Unbeweglichen, im Japa Stehende, Japa-Kettenträgerin; Tochter des Erdträgers, Tarkshi, Logiker, Logiker des Lebensatems.
69.88 Von Talapalmen Umgebene, Hochnasige, Gattin Talas, Flechtenhaarträger; Herrin der Verfilzthaarigen, Flechtenhaariger, Herr des siebten Tages, siebter Tag.
69.89 Gestalter des Gewandes am achten Tag, Kali, Alles, Herr der Allherrin; Feindvernichterin, ewiger Mantrakundiger, Jugendliche, Zuflucht im Rettenden.
69.90 Dharmaschutz, Hüter des Wesenskerns, Geistes-Yoga, Giftentferner; Vajra, Held, göttlich-sonnenhaft [Teilung unsicher], Mondlicht, Mondgekrönter.
69.91 Herrin der Bäume, am Banyan Stehende, Hüter des Heils, Kula-Herr; Anfang der Chataka-Vögel, Mondleibiger, geliebte Gattin, gedankenschnell.
69.92 Heiligtumsverdienst, Heiligtums-Yogi, Wassergeborene, im Wasser Ruhender; Geliebte des Herrn der Wesen, Wesen, Kette der Yoni beziehungsweise des Glücks, Yoni- beziehungsweise Glücksantlitz.
69.93 Schwester, Erhabener, zu Genießende, Werdende, Schrecklichäugiger; Tochter Bhrigus, Herr Bhargavas, Ursache der Auflösungsstätte.
69.94 Rudrani, Herr der Rudra-Scharen, Rudra-Äugige, mit geschwächtem Fahrzeug; Kumbha-Beenderin, Feind Nikumbhas, Kumbhanti, Kumbhiniraga [letzte Namen unsicher].
69.95 Kushmandi, reich an Geld und Edelsteinen, überaus gewaltiger Greifer, Heilvolle; im Lager Stehende, Shiva-Freude, die einen Leichnamsitz als Sitz gewählt hat.
69.96 Lob, Gleichgesinnter, Weise, zu Betrachtende, mit verheißungsvollem Blick; Kuru-Vidya, Kuru-Geschlecht, Kula-Tochter, Lotosfaserträger.
69.97 Im Zweiblättrigen Stehende, höchste Freude, von Nandi Verehrte, Brihannala; von Vyasa Verehrte, von Vyasa zu Verehrender, Erde, mit festem Blick.
69.98 Dreifacher Wald, Spitze der Waage, Baumwolle, mit Schädelschale am Leib; von Vasishtha Verehrte, Ergriffener, unter Kontrolle Gehende, beherrschtes Leben.
69.99 Schwerthändige, Schwertträger, Dreizackhändige, Lichtschöpfer; Unvergleichliche, ohne Vergleich, Vielfältige, Bestimmung der Meditation.
69.100 Nicht zu Offenbarende, zu Reinigender, Chamunda, auf Chanda Reitender; Berggeborene, gesangsberauscht, Schmutzkette, beweglicher Niedriger [letzte Glieder unsicher].
69.101 Gelbbraunleibige, Gelbbraunhaariger, Unfähige, Lebensführung als Fahrzeug Habender; Garudi, Garuda-Freude, Kummerlose, Geschlecht Vermehrender.
69.102 Herrin der Haarflechten, dem Chataka-Vogel Ähnlicher, Anfang der Vidya, Fehlerzertrümmerer; lautes Lachen als Göttin, lautes Lachen als Gott, Honigesserin, Honiggelübter.
69.103 Mit süßer Freude Erfüllte, Madhava, Honigvernichterin; Makari, Makara-Liebe, im Magha Stehende, Magha als Fahrzeug Habender.
69.104 Vishakha, guter Freund, Feine, Ältester, den Ältesten Liebe; im Ashadha Wohnende, Ashadha, Mithila, Herr Maithilis.
69.105 In kühler Kälte Weilender, Vani, Reine, Herr der Merkmale; Erzeuger des Untunlichen und Tunlichen, Bhadra, zum Bhadrapada Gehörender.
69.106 Vorzügliche, bester Hamsa Genannter, Windschönheit [Lesung unsicher], Purana-Kenner; Shravani, Herr Haris, Shravana, Keim des Hörens.
69.107 Gut Handelnde, Aufseher der Übung, zu Reinigende, von reiner Betrachtung; als Einzige Übrigbleibende, Mondträger, Erdinneres, Träger des Unbeweglichen.
69.108 Dharma-Tochter, allein Dharma, Vijaya, Siegspender; Dienerschutz und Weiteres, Vidasha-Bündel [Lesung beschädigt], Witwengatte.
69.109 Witwe, Weißer, Schelm, reich an Schelmerei, Hüterin der Schelme; Shankara, nach Wunsch Gehender, Devala, göttliche Maya.
69.110 Vernichtung, von Mandara Verhüllte, im Mandara Stehender, große Zweiheit; überragende Tochter, Dreischädeliger, Schädelkette, dreifache Chandika.
69.111 Herr Karkatis, Höhlung, Simhika, Löwenreiter; Narasimhi, Narasimha, Narmada, Gatte Jahnavis.
69.112 Dreifache Frau, mit drei Schöpfungen als Waffe, Raumgewandeter, Raumgewandete; Loslassender, Lagerdurchbrecher, Malancha, Erstgeborener der Beweglichen.
69.113 Scharfe Hohe, Entfaltungsselbst, Gedeihen, klarer Buchstabe, Innere; Virincha, Freude des Entstehens, Nandini, Träger des Mandara-Berges.
69.114 Kalika-Glanz, Goldglanz, Wein als Anfang Habende, Rauschaufgang; in Dravida Stehende, im Granatapfel Stehender, jenseits des Marks, Windgang.
69.115 Geduldsweiser, Vorschriftenweisheit, Wegkenner, eifrige Entschlossenheit; Nichtsein, von unreiner Gestalt, Gefängnis, Prüfung Entfernender.
69.116 Klang, Wesen des Schalendurchbruchs, Beschützerin der Kinderwelt; mit sehr weitem Antlitz, deren Geist die Freude des Reichtums ist.
69.117 Berauschter im Himmelsgewand, Mepura [Name unklar], Fleischkauer; sehr Geliebte, ganz ruhiges Selbst, ewig Geheime, in die Tiefe Gehender.
69.118 Dreifach Tiefe, in der Wahrheit Wohnender, Rakshasi, Putana-Buchstabe; nicht genießende Kurtisane [Verbindung unsicher], Elefant, Herr der Mutter Ganeshas.
69.119 Schöpfer des Hüters der Feuergrube, drei Rümpfe, Träger einer Rumpfstirn [Lesung unsicher]; Übermächtige, haftungsloses Selbst, göttliche Glieder, Zuflucht Nandanas.
69.120 Zu Betrachtende, Irrtum Entferner, gelbbraun Glänzende, Bezaubernder; edle Göttin, Blaufarbige, Pfeil, Stärke und Heldenkraft Spendende.
69.121 Glückspender, Befreiungsspender, Mutter, Wunscherfüller; Übergestaltige, in anderer Gestalt Stehender, Sagbare, frei vom Sagbaren.
69.122 Aus dem großen Linga Entstandene, Krähentrommel, im Klang Stehender; dessen Kraftleib im Selbst Freude findet, Vollendungsspender, Herrin der Scharen.
69.123 Wunschbaum, Wunschranke, Kula-Baum, Kula-Baum als Göttin; Wohlgesinnte, vom herrlichen Guru Erfüllte, Guru-Mantra Spendender.
69.124 Auf Ananta Ruhende, Unendlicher, Wasserherrin, Herr Jahnajas; Ganga, Gangesträger, Glücksspenderin, Sonnenherr, große Starke.
69.125 Verborgener Buchstabe, an Vorschriften Erfreute, Herr des Verfahrens-Purusha; vollendeter Makel [so die Lesung], Kundali, Redegott, fünf Gottheiten.
69.126 Über das Geringe Hinausgehende, Bezaubernder, Dreifache, Wahrheitsäugige; täuschungsloser Herr, Erdverwirrung, Panchajanya-Muschelträger, Erstgeborene.
69.127 Überaus Erhitzter, vom Begehren Erhitzte, frei von Maya-Verblendung; Edle, Herr der Tochter, Unbeweglicher, im Feuer Stehende, Wasserüberfluteter.
69.128 Varuni, weinberauscht, Nackte in Fleischliebe; im Inneren Stehender, körpervollendet, Herr des Zeitfeuers und Götterberges [Zusammensetzung unsicher].
69.129 Himmelsträgerin, Gott, Herr Kakinis, Raumgewandete; Honig aus dem Krähenschnabel Nehmender, Himmel und Meer Trinkende [Wortfügung unsicher].
69.130 Mudra-Esser, große Mudra, Fischhüter, Fischesserin; Shakini, Herr Shivanathas, Herrin oberhalb der Krähe, Sadashiva.
69.131 Kamala, Halslotos, Beständiger, Liebesführerin; Lotosfaserkettenträger, mit einer Lotosfaserkette Bekränzte.
69.132 Ohne Anfang und Ende, Tara, Retterin aus Not, Buchstabenlose; alle Buchstaben, alle Farben, Gebetskette sämtlicher Mantras.
69.133 Anandabhairava, Nilakantha, mit dem Weltenei Geschmückter; Shiva, Weltenherr, Unendlicher, jenseits von allem, Unbefleckter.
69.134 So ist dir, Herr, das Heil des Wesenskerns der drei Welten erklärt, „Weltenheil“ genannt, Vernichter großer Verfehlungen.
69.135 Die gesamte Frucht, die ein Mensch durch seine Rezitation erlangt, lässt sich selbst in hundert Millionen Jahren nicht aussprechen.
69.136 Dennoch höre auf deine Bitte die Frucht, Meer des Mitgefühls. Am Königstor, Flussufer, in der Schlacht, in Einsamkeit, im Feuer,
69.137 in einem leeren Haus oder an menschenleerem Ort, in schrecklich dunkler Nacht, am Kreuzweg oder auf der Leichenstätte lese man im Sechzehnblättrigen.
69.138 Nach Verehrung mit roten Lotussen, im Geist den Wunsch betrachtend, opfere man täglich mit gheegetränkten [Blüten], jeden Namen einzeln aussprechend.
69.139 Mit dem Wurzelmantra umschlossen bringe man geklärte Butter ins Feuer. Im Inneren, im eigenen Glück, schenkt das Feueropfer das Glück aller Vollendungen.
69.140 Mit frischem Honig vermischtem Fleisch, in großem Wohlbefinden das Mantra sprechend, von jedem einzelnen Namen umschlossen, opfere man wiederum in den Lotosmund,
69.141 auf Kundalinis Saftzunge; so werde der Mensch lebend befreit. Ob durch Tragen, Lesen oder vorschriftsgemäßes Preisen, Herr,
69.142 man werde unmittelbar Maharudra und mit meinem Leib verbunden, Yogi, Wissender, Vollendeter, Schauer der wesentlichen Geheimzeichen.
69.143 Unbesiegt in allen Welten – was wäre noch an Frucht zu vollbringen? Durch Tragen erlangt man Königtum; am Hals getragen werde man Herr der Erde.
69.144 An der rechten Hand getragen, werde man reich und tugendhaft. Es soll vorzeitigen Tod entfernen und alle Krankheiten abwehren.
69.145 Nach Feueropfer werde man Herr der Könige, großer Redner, stets furchtlos; nach dem Quirlen aller werde man Ganesha, mein Kartikeya.
69.146 Als Oberherr der Götter werde man allwissend, Herr. Der große Yogi wandelt überall frei, ohne Zweifel.
69.147 Wer frühmorgens liest und den Lobgesang auf dem Kopf trägt, soll Wasser und ebenso Saft stillstellen können,
69.148 ebenso Königreich, Menschen und Samen beziehungsweise Heldenkraft, Wissen, Glück und Feld.
69.149 Ebenso König, Reichtum und Dorf. Wer mittags liest, soll auch Feuer stillstellen,
69.150 Zeit, Alter, Atem, Saft, Wind und auch Arme stillstellen können.
69.151 Wer abends liest und den Text am Hals und Bauch trägt, soll Mantras, Steine und Lehrwerke stillstellen können,
69.152 Gold, Silber und Diamant, Unzeitigkeit und Weiteres sowie Wind.
69.153 Stillstellung des Quecksilbers, Gestaltung von Kunstwerken, Stillstellung der Erkenntnis, des Sitzes und der Krankheit, Bindung des Feindes:
69.154 Nach Stillstellung der sechs Lotusse wird man gewiss Yogi. Eine unfruchtbare Frau soll einen schönen, sehr bezaubernden Sohn erhalten.
69.155 Ein gefallener Mensch werde König der Könige, um wie viel mehr andere gute Menschen. Unter Shravana, mit Steinbock als Aszendent, bei Chitra-Verbindung und am Festtag,
69.156 bei goldener Verbindung im Nordwesten, im Monat Magha, in Vaishakha bei königlicher Verbindung oder besonders unter Rohini schreibe man den Text nieder [astrologische Angaben nicht weiter erläutert].
69.157 Der herrliche „Weltenheil“ genannte Text wird gewiss zum Ruhmspender. Durch das Schreiben werde man Königen lieb, unsterblich und zum Himmelsgänger.
69.158 Die Lesenden erlangen Dharma, Wohlstand, Begehrenserfüllung und Befreiung. Ruhm und einen Blick auf das eigene Selbst erlange man, ohne Zweifel.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Anordnung des heilbringenden Lobgesangs der tausendundacht Namen Shakinis und Sadashivas“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 69.
Kapitel 70: Der Schutztext von Sadashiva und Shakini
70.1 Shri Anandabhairava sprach: Der Wesenskern Shakinis und der Aufgang der Frucht Sadashivas sind erklärt. Gehört habe ich das höchste Heil und die Entfaltung der Folge der Unterscheidungssprache.
70.2 Jetzt möchte ich den schwer zugänglichen wesentlichen Schutztext hören, durch dessen bloße Erkenntnis man unmittelbar Sadashiva werde.
70.3 Sprich, Geliebte, Klangwesentliche, wenn du Liebe zu mir hast. Nach der Verneigung vor Anandabhairava sprach Anandabhairavi.
70.4 Shri Anandabhairavi sprach: Den höchst heilvollen Schutztext des Gurus, Sadashivas und Shakinis, erkläre ich dir, Gestalt der Freude Bhairavas.
70.5 Höre das wunderbare, heilbringende Schutzwerk namens „Wunschspender“, das zum Wesenskern der drei Welten geworden ist und alle Erkenntnis vermehrt.
70.6 Es ist die Gesamtheit aller Mantrafluten; durch bloße Erkenntnis wird es wirksam. Geliebte Freude aller Geheimnisse, gleicher Geschmack, Inneres des Kula,
70.7 der gewaltigen Chandika gleich, Zeuge aller Bestimmungen, Freude, die alle Einsicht schafft und in den Geist der Kula-Yogis eingeht,
70.8 von Rama zu verehren, heilvoll, von Shambhu verehrt, Gift vernichtend, nicht öffentlich zu machen, großer Yoga, Reichtum und Gesundheit vermehrend,
70.9 alles Glück erzeugend, höchste Freude schaffend: Was in allen Tantras schwer zu erlangen ist, wird im Rudrayamala erklärt.
70.10 Rituelle Zuordnung: Für diesen großen Schutztext namens „Begehren“ Shakinis und Sadashivas ist Sadashiva der Rishi, Gayatri das Versmaß, Shakini die Gottheit. Sakalahariṃ ist der Lebens-Samenlaut; Maya-Astra ist die Shakti, Kama-Svaha der Keil, Vajra die weitere Kennzeichnung; die Schrecklichzähnige, rollend Tönende, überaus gewaltige Shakini ist die Shakti. Die Anwendung dient der Vollendung des großen Sadashiva-Mantras [die Metadaten sind unregelmäßig gereiht]. Schutzanrufung: Om. Die Mächtige, über dem großen Raum stehende Shakini beschütze stets. Die dreieigenschaftliche Chandika beschütze, die zornige, schrecklichzähnige Karalini.
70.11 Die Unendliche von unendlicher Größe beschütze den Lotos der großen Waffenblätter. Gayatri und Savita beschützen stets meinen Vormittag.
70.12 Die himmelstragende Göttin beschütze das wunderbare Heil des Kopfes. Stets beschütze sie mein Geheimnis, Linga und nektarvollen Kreis.
70.13 Die inmitten des großen Kreises Stehende beschütze meinen Stirnkreis, den Kreis der Yogini-Scharen von tausendhundert Millionen Monden.
70.14 Die Herrin des großen Kreises und der Herr des großen Kreises mögen mich schützen. Die Göttin Chandika beschütze den Lotosmund, Anantaka die Zahnreihe.
70.15 Die an der Gaumenwurzel Stehende beschütze die Zungenspitze, der Gedankenschnelle die Gaumenwurzel; die Scharfzähnige die Zahnzwischenräume, Shiva Halsspitze und Kinn.
70.16 Shakini und der herrliche Sadashiva beschützen stets den Sechzehnblättrigen. Die Vernichterin großer Verblendung beschütze das in der Halsmitte Stehende.
70.17 Der König der Toten beschütze stets, die große Göttin ihren Lotos; Vidya-Göttin, große Shakti, und Sadashiva die Gipfelstätte.
70.18 Die am großen Raum Haftende und Dhurjati beschützen meinen rauchigen Lotos. Die mit einem Mondlichtschleier als Leib beschütze das mit sechzehn Buchstaben Benannte.
70.19 Die herrliche Göttin beschütze meine Buchstaben von A bis Ka [so die Vorlage, abweichend von der Vokalreihe]. Chitrini auf dem goldenen bunten Wagen beschütze meinen Honig.
70.20 Aparna beschütze mein Vishuddha, Shodashi das mit sechzehn Augen [Lesung auffällig]. Die fünf Durgas und Sahadeva beschützen jedes meiner Blätter.
70.21 Dipamasahalki [Name beschädigt], die Vorzügliche, beschütze meine Kraft. Die Durchdringende und Unbegrenzte beschütze meinen Blattkreis.
70.22 Durga, Retterin vor Unzeit, beschütze stets Samen und Kreis. Shakinis Herr und die große Maya beschützen mitsamt dem Gefolge.
70.23 Der fünfstrahlige Nilakantha beschütze stets die Honigstadt, seinen eigenen Sitz und auch die im Halslotos gegründeten Vokale.
70.24 Der Halshimmel, der Herr des Liebesgottes, die Geistesbewegung mögen stets schützen; Shakini, Pflanzenreichtum, Pflanzenherrin, Pflanzengeborene.
70.25 Shakambharishvara und die Wohlgesinnte beschützen die sechzehn Blätter. Sadashiva beschütze stets mit seinen Gefolgscharen.
70.26 Die Göttin Shakini beschütze stets das Herz und die Kopfstätte. Die Kula-Herrin beschütze den Zwölfblättrigen mitsamt Kakini.
70.27 Kamanatha Sadashiva beschütze die zwölf Blätter. Die von Nichtverschiedenheitsgestalt beschütze meine Buchstaben von Ka bis Tha [retroflexes ṭha].
70.28 Vani und Kapileshvara beschützen die Gegend meines Herzknotens; die Sonnengesichtige die Wolke, die Maya-Freie den Fruchtboden im Herzen [Satzfügung unsicher].
70.29 Die mit Tala in der Hand, große Vani, beschütze mein Herzinneres. Die Austrocknende, Bezaubernde und das Feuer beschützen meinen Herzlotos.
70.30 Pila, der Herr Pippaladas und Rati beschützen das im Herzen Ersehnte. Yogini und der Zahn des Kula [Lesung unsicher] beschützen auch meine Herztöne.
70.31 Kekareshvara, die Geheime Genannte und der Diamantträger beschützen den Herzlotos. Der Ein-Linga-Träger beschütze stets Shiva in meinem Herzen.
70.32 Die von Unterschied und Nichtunterschied Freie beschütze den Kreis darunter. Der durch Unzeit Gekennzeichnete und die Schlingenträgerin beschützen den Nabelkreis.
70.33 Der von Kalakuta-Gestalt beschütze meinen Nabellotos. Die Mondgekrönte, Mondgesichtige Shakini beschütze meinen Zehnblättrigen.
70.34 Das Zeichen der drei Kreise beschütze mich, Rudra die Lakini. Der die drei Abschnitte Besteigende beschütze auch die Buchstaben von Da bis Pha [ḍa–pha].
70.35 Kalika, Kapila, Krishna, Ghanavala, Kapalini, Lalita, Tarini, Sarva und Mahamaya beschützen den Zehnblättrigen.
70.36 Kama-Durga behüte, Lakini beschütze mich stets. Sadashiva beschütze immer Manipura, die Kula-Stätte.
70.37 Durga, Vernichterin der Trägheit, mit Schädelkette geschmückt, beschütze mich; das Selbst der sieben Hemmungen und Keshaveshi die große Stätte.
70.38 Abhaya, Chandika, Krishna, Kalika, Kula-Gelehrte, Vajra-Farbige, Dharana Genannte, Dhara, Dhatri, Kshama und Rama,
70.39 Vasuki, Vasudha, Vachya, Sarvani, Sarvamangala, Parvati, in allen Shaktis gegründet, beschützen mich am Festtag.
70.40 In der Schlacht, am Königshof, beim Glücksspiel, in der Debatte, bei Ehre und Unehre, zu Hause, im Wald, in der Wildnis, im Wasser und mitten im Feuer
70.41 beschütze stets Sarvani, mit dem Sinn des großen Tantra geschmückt. Vijaya, Padmini, Jaya, Janaki und Kamalavati,
70.42 diese Vernichterinnen großer Verfehlungen beschützen in Haupt- und Zwischenrichtungen. Die im Linga Stehende beschütze mein Inneres und den Lotos an der Linga-Wurzel.
70.43 Shiva, am Kanchi-Sitz stehend, beschütze stets den Fruchtboden. Die überaus Schnelle beschütze meinen Feuerkreis.
70.44 Die Herrin der Rakshasis, Bewohnerin Jambudvipas, beschütze stets; Jahnavi, Bhaskara, Mauna, im Malaya Stehende und Malangaja,
70.45 die in Einsicht Erhitzte, Sündenvernichterin und Lichtspenderin mögen schützen. Die beim Elefantenherrn Stehende beschütze stets die Auflösungsstätte.
70.46 Die zwanzigsilbige große Vidya, die Herabhängende, Kula-Stätte, beschütze mich stets im Haus, die Reichtumsvernichtung Wirkende.
70.47 Die auf Ananta Ruhende, Bewohnerin der Banyan-Wurzel, beschütze. Bei der Auflösung beschütze mich Kali, die auf dem Banyan-Blatt Wohnende.
70.48 Die Kevala Genannte, von der Gestalt des großen Kurcha, beschütze stets. Die Spenderin von Lebensdauer und Gesundheit beschütze stets meinen Reichtum und mein Reich.
70.49 Die große Starke beschütze Kamarupa, Haus und Heiligtum. Balaka, die Schrecklichzähnige, beschütze stets meinen Bauch.
70.50 Die Entfernerin aller Krankheiten, mit Schädelkette Geschmückte, beschütze. Ananda, Herr Nandanas, beschütze stets meinen Lotos oberhalb des Herzens.
70.51 Die in vielerlei Gestalten Wandelnde beschütze stets die sechs Lotusse: Makellose, Grundlagenlose, stets Genährte, ohne Sinne.
70.52 Stets beschütze sie den großen zweiblättrigen Lotos oberhalb des Sechzehnblättrigen. Die acht Shaktis von Shakini an beschützen stets in Haupt- und Zwischenrichtungen.
70.53 Die höchste Sündenvernichterin beschütze die überaus verborgene Stätte. Die Kshalana Genannte beschütze am Linga-Geheimnis, Prabha meine Reinigung.
70.54 Viprachitta, die Hohläugige, die zur Schrift gewordene Sarasvati, Vibhuti mit Kama beschützen stets den Vierblättrigen.
70.55 Diese Vidyas, Vernichterinnen der feindlichen Seite, beschützen immer. Die dreizacktragende Chamunda beschütze stets die Hüftgegend.
70.56 Die Dreiäugige, von der Gestalt von Erde, Luftraum und Himmel, beschütze stets. Die Kräfte vom Frühling an und die Niedrige heftig Erhitzende mögen schützen.
70.57 Die Sechsarmige beschütze stets; die Vierhändige beschütze mich. Ati-Vidya, Sarva-Vidya und Chanda-Vidya beschützen mich.
70.58 Varuni und Madira beschützen, Shakini alle meine Glieder. Die Hausbäuchige, Diamantträgerin, beschütze stets sämtliche Glieder.
70.59 Die Flammengesichtige, aus Bhrigus Geschlecht Entstandene, beschütze stets; Durga, Retterin vor Unzeit, Lalita und die Dharma-Trägerin.
70.60 Die zwanzigsilbige große Vidya beschütze überall und immer. Die Hasakalahariṃ-Vidya, Sadashiva als Göttin, beschütze vollständig.
70.61 Die tausendgesichtige Vani und Wasserbäuchige beschützen. Die Wassergestaltige mit mächtig strahlendem Leib beschütze stets.
70.62 Shodashi, Sakalahariṃ, Sarvani und Parvati mögen schützen. Die Hochberauschte, Erfüllerin Kamanathas, beschütze stets.
70.63 Vamadevi beschütze stets in allen Gliedern als Körpergottheit; Durga am Kama-Sitz, von Gefolgscharen umgeben.
70.64 Sadashiva beschütze stets, die in Samaveda-Gestalt Gehende, die Göttin der Leichenstätte, mit Mahakala verbunden.
70.65 Die edle Göttin beschütze stets, die Mutter, große Kraft. Überall beschütze Kapila, die große erhabene Herrin.
70.66 So ist dir, Herr, der die Frucht der großen Vidya gewährende Schutztext erklärt, schwer zu erlangen in der Welt, aus Liebe zu dir offenbart.
70.67 Der Schutztext ist tiefgeheime Erkenntnis, Spender aller Vollendungen. Mit reinem, edlem Geist verehre man Sadashiva.
70.68 Ebenso hat die Verehrung der herrlichen Göttin Shakini sehr große Frucht: Sie gewährt Reich, Reichtum, Wunscherfüllung und Dharma-Vollendung.
70.69 Nach Erlangung der Vollendung der Rede seien auch die acht Vollendungen in der Hand. Nach der Schau Kakinis folge die Schau Shakinis.
70.70 Gewiss erlange man Mantra-, Tantra- und Handlungsvollendung. Die Vollendung des Gehens im Raum erstrahlt in seiner Hand.
70.71 Ein Mann trage den König der Schutztexte am rechten Arm, eine Frau am linken. So erlange man gewiss Königtum.
70.72 Nach Vernichtung von Millionen großer Verfehlungen erlange man Königtum. Wenn man im Wald unter einem Baum oder an einer Ashvattha-Wurzel sitzend liest,
70.73 zu den drei Dämmerungen zehnmal, hundertmal oder tausendmal rezitiert, werde man Herr der Wunschbäume und der Erde, ohne Zweifel.
70.74 Der König der Yogis lebe tausende Millionen Jahre. Der Einsichtige werde ein großer Vollendeter und Vernichter großer Verfehlungen.
70.75 In einem halben Monat werde ein tugendhafter Brahmane befähigt, in einem Jahr ein Kshatriya, ein Vaishya in vier Jahren.
70.76 Ein Shudra werde durch Lesen in zwölf Jahren zum Yogi [Rangordnung der historischen Quelle]. Wer einsichtig stets diesen Schutztext von so großer Frucht liest,
70.77 dessen Hand hält Genuss und Befreiung. Was sollen viele weitere Worte?
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Darlegung der Früchte des Schutztextes Sadashivas und Shakinis“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 70.
Kapitel 71: Mantras von Sadashiva, Tryambaka und Vatuka
71.1 Shri Anandabhairavi sprach: Höre, heilvoller Gott, dessen Wesen der Sieg über die drei Welten ist, das Sadashiva-Mantra, Herr, das große Verfehlungen vernichtet,
71.2 Lebensdauer und Gesundheit als Frucht gewährt, alle Feinde abwehrt, sowie die tiefgeheimste Meditation, die Unverständigen Glück bringt.
71.3 Man nehme den Samenlaut der Uranfänglichen, danach Kama, dann Rudra, Rama und stets den Zeit-Samenlaut.
71.4 „Shivanatha, geliebte Freude, Erkenntnis gib, gib“, dann der zweifache Tha. Man nehme den Schlangen-Samenlaut und das Rajarajeshvari-Mantra.
71.5 Nach dem Vaishnavi-Samenlaut den Shiva-Samenlaut daneben; nach „dem Sadashiva“ Hrllekha und die Feuerschöne.
71.6 Man nehme den ursprünglichen Samenlaut, danach die im linken Leib Stehende, Klang- und Wurzel-Samenlaut, „Sadashiva, Verehrung sei dir“.
71.7 Dieses höchste Mantra endet auf den zweifachen Tha und schenkt die Fülle aller Edelsteine. Der Wissende werde Vasudeva gleich, ohne Zweifel.
71.8 Ob Vaishnava, großer Shakta oder großer Shaiva: Man nehme diesen König der Mantrakönige an, durch dessen Gnade man Shiva werde.
71.9 Es entsteht reine Vollendung der Rede und gewiss Gelingen des Werks. Ich erkläre das Shiva-Mantra, durch das man alle Ziele erreicht.
71.10 Selbst zur Unzeit werde man Yogi, von Wunschkuhgestalt. Man nehme Halahala, danach den Mahesha-Samenlaut,
71.11 Shri- und Dharma-Samenlaut, ebenso das Kshetrapala-Mantra, danach Nilakantha und den Priyaguṃ-Samenlaut [Form unklar].
71.12 Danach den Shiva-Samenlaut, dann „Über Sadashiva meditieren wir; möge jener Shiva uns anregen“, gefolgt vom zweifachen Tha. Die Vorlage erschließt die letzte Verbform durch getrennte Lautangaben.
71.13 Anrufung, Fußwasser, Ehrengabe und danach Mundspülwasser: Mit Duft, Blumen und Millionen Bilva-Blättern verehre man vollständig.
71.14 Zufriedenstellen, Nähren, Gedeihen, Zerreißen und Töten, Schlaf und Freiheit von Streit [Aufzählung unregelmäßig]: Die Verehrung hat überaus große Frucht.
71.15 Nach Verehrung Sharvas und der anderen verehre man Sadyojata und die übrigen. Nach dreifachem Pranayama rezitiere man mit darin versunkenem Geist.
71.16 Man meditiere über den Gott mit Pinaka in der Hand, fünfgesichtig, dreiäugig, großarmig, Dreizack, Khatvanga, Keule und Streitkolben tragend,
71.17 Gott der Götter, Mahadeva, Selbst aller Wesen, Guru, Beschützer der drei Welten, Shambhu, mit Schlangenketten geschmückt,
71.18 von tausend Scharen der Shaktis von Attahasa an umgeben, auf einem Stier sitzend, den blauen Herrn, Nilakantha Sadashiva.
71.19 Nach dieser Meditation rezitiere man rein täglich tausendmal das Mantra. Besonders rezitiere man zu gleichen Teilen bei Tag und Nacht.
71.20 Der Übende meditiere dort über Tryambaka in der jeweiligen Gestalt. Wer dies erkennt, verehrt und Tryambaka rezitiert,
71.21 dessen Hand hält die drei Welten wie eine Amalaki-Frucht. Genuss und Befreiung liegen in seiner Hand; was soll weitere Übung?
71.22 Wer umschlossen vom Sadashiva-Mantra rezitiert, erlange die Vollendung aller Ziele, was immer in seinem Geist steht.
71.23 Zuerst Pranava, danach „den Dreiäugigen verehren wir, den Wohlriechenden, der Gedeihen vermehrt“.
71.24 Danach „wie eine reife Gurke von der Bindung, möge ich vom Tod gelöst werden, nicht von der Unsterblichkeit“, zuletzt die Feuerschöne [Mantraerschließung des Tryambaka-Verses].
71.25 Wer das vom Sadashiva-Mantra umschlossene Mantra rezitiert, werde ein Wunschbaumhüter; durch Verehrung erlange er Nektar beziehungsweise Unsterblichkeit.
71.26 Zu jeder Zeit glücklich, erlangt er gewiss Befreiung. Höre ein anderes Tryambaka-Mantra, das alle Wünsche erfüllt.
71.27 Das Mantra schenkt Reich und Reichtum und vernichtet große Verfehlungen. Unmittelbar aus Klang-Brahman bestehend, gewährt es gewiss alle Erkenntnis.
71.28 Man nehme Kalakuta und Mrityunjaya, dann „die Masse meiner großen Verfehlungen entferne, entferne“, danach den zweifachen Tha.
71.29 Ich erkläre ein anderes Mantra; erfasse es aufmerksam. An den Anfang der Vidya setze man Pranava, dann zweimal zwei Kama-Samenlaute.
71.30 „Mrityunjaya, Kshetrapala, Vishuddha-Herr, mache fest, mache fest“, am Ende Kama-Samenlaut, dann Devi und die Feuerschöne.
71.31 Ich erkläre ein anderes Mantra; erfasse es aufmerksam. Nach dem Paar Kama und Kali folgen zwei Samjna-Samenlaute,
71.32 Vatuka und Kama-Samenlaut, „den Sechzehnblättrigen offenbare, offenbare“, die Shakti-Gruppe, Shiva-Samenlaut und dann der zweifache Tha.
71.33 Wie zuvor vollziehe man alles, Japa, Verehrung und Weiteres, Herr, Sadashiva-Verehrung, Meditation, Feueropfer und Sättigung.
71.34 Ich erkläre ein anderes Mantra. Man nehme Mahadeva, Vatuka, Kshetrapala und danach Ganeshas Mantra.
71.35 „Meinen Halslotos, Sadananda, offenbare, offenbare“, dann der zweifache Tha. Nach der zugehörigen Meditation rezitiere man bis zur Vollendung von hunderttausend Wiederholungen.
71.36 Es siegt Vatukanatha, Vollendungsspender der Kaulas: einen Schädel in der Hand haltend, mit Ohrringen und Stab, blau wie junge Finsternis, mit einer Schlange als heiliger Schnur; Ursache der Beseitigung der Hindernisse in der Verehrung der Krama- und Samaya-Ordnung.
71.37 Ich verehre den Knaben, kristallgleich, dessen Antlitz durch Ohrringe glänzt, mit göttlichen Schmuckstücken aus neuen Edelsteinen, Schellen, Fußringen und Weiterem, strahlender Gestalt, reinem Gewand, ganz heiter und dreiäugig, stets Dreizack und Stab in beiden Lotushänden haltend.
71.38 Stets betrachte ich den Gott, der der aufgehenden Sonne gleicht, dreiäugig, durch rote Körpersalbe leuchtend, lächelnd, mit Segen, Schädel, Furchtlosigkeit und Dreizack in den Händen; blauhalsig, den erhabenen Kaustubha tragend, durch die Mondsichel leuchtend, mit bandhukarotem Gewand, Furcht entfernend.
71.39 Stets betrachte ich den Götterherrn Vatuka, Sadashiva als Guru, Beschützer der drei Welten, mit vielerlei Schmuck geziert, mondtragend und wie Bandhuka-Blüten leuchtend, weiß und nichtweiß geschmückt, edelsteinartig, schwarz und blau, Shiva, höchste Gottheit der Götter, Glück schaffenden Herrn.
71.40 Nach solcher Meditation über Nilakantha Sadashiva werde der große Yogi im Halslotos fest und erlange die Schau Shakinis.
71.41 Als großer Heldenherr erlange man Geistes-Yoga. Ich erkläre das vollendete Mantra, durch das man überall das andere Ufer erreicht,
71.42 Anteil an Himmelswandeln, Stillstellung und anderen guten Vollendungen, Rede- und Körpervollendung erhält und frei von Alter und Tod wird.
71.43 Man nehme Shiva-Samenlaut und Vijaya-Samenlaut; nach dem Paar Kama und Kali die dreifache Rama-Gruppe.
71.44 Man nehme drei Samenlaute – in der Vorlage ausdrücklich „Spheṃ, Spheṃ, Spheṃ“ –, dann „dem Kamanatha, dem Sadashiva, dem Segenspender Verehrung“, gefolgt vom zweifachen Tha.
71.45 Durch die Gnade dieses Mantras werde man Yogi, ohne Zweifel. Ich erkläre ein anderes Mantra; erfasse es genau.
71.46 Man nehme den mit Ksha endenden Samenlaut und dreimal den mit La endenden Samenlaut, danach Bhavani und zweimal Samghatta.
71.47 Zweimal den Samenlaut des Zornkönigs, dann „dem Herrn des Lakshmi-Herrn, dem Segenspender“, die Herzsilbe, „dem Wunschspender“, dann der zweifache Tha.
71.48 Ich erkläre ein anderes Mantra, durch das der Mensch Yogi wird. Man nehme den Raum-Samenlaut und Kamaraja.
71.49 Nach Maya „dem Gott der Götter“, Herzsilbe, „Shiva“ im Dativ und den zweifachen Tha. Was könnte durch die Gnade dieses Mantras auf Erden nicht gelingen?
71.50 Mühelos werde man Yogi, um wie viel mehr durch Übung! Allein durch Japa werde man Yogi, ohne Zweifel.
71.51 Ein anderes erkläre ich, Bhairava-Herr: Pranava, Kamaraja, Shri-Samenlaut, zweimal Feuer, dann zweimal „entferne den Feind“.
71.52 „Gewähre Vollendung“, danach Svaha. Dieses Mantra ist selbst Yogis schwer zugänglich. Nach der Meditation wie zuvor genieße man Unsterblichkeit.
71.53 Ich erkläre ein anderes Mantra, durch das man am heiligen Sitz fest wird. Man spreche den Samenlaut mit Ama am Anfang [Lesung unklar], danach das Wort „groß“.
71.54 „Der Zeit, dem Verwandler“, nach Kala, dann „der Kraft, dem Kraftverwandler“, danach „das sechzehnblättrige Blatt“.
71.55 „Zum Einsetzen“ zweimal, „Besitz, stelle fest“, Sadashiva, Kakini-Herrin und die Feuerschöne [Wortfolge beschädigt]: das wunschspendende Mantra.
71.56 Ich erkläre den Einsilbigen, durch den das Mantra vollendet werde. Man nehme den mit Ksha endenden Samenlaut samt Bindu, ebenso den Mond-Samenlaut.
71.57 Unten mit Zahn verbunden, rezitiere man ihn versunken. Inmitten jedes Blattes meditiere man über den Gott Sadashiva.
71.58 Mühelos soll Vollendung entstehen, stets Schutz des Lebens. Wieder erkläre ich einen Einsilbigen, durch den Menschen vollendet werden.
71.59 Er ist nicht an Pashus, besonders nicht an Lästernde weiterzugeben. Shiva, mit Mond und Bindu verbunden, ist als großes Mantra verkündet.
71.60 Allein durch dessen Übung wird man den Yogis lieb.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 71.
Kapitel 72: Shakinis Lobgesang an Kali und die Yoga-Glieder
72.1 Shri Anandabhairavi sprach: Mahakala, Shiva-Freude, von höchster Freude ganz erfüllt, Vollendungsspender der drei Welten, Lebensgeliebter, höre den Lobgesang.
72.2 Shakini strahlt im Herzen; diese Göttin ist die Mutter Shiva. In der Welt als Kali bekannt, steht sie im Herzen.
72.3 Unbefleckt, gestaltlos, wie blaue Augenschminke sich entfaltend, ist sie die ursprüngliche Göttin namens Kalika, die Einzige, Teilungslose, Shiva.
72.4 Unendlich, in unendlichen Gestalten stehend, ist Shakini im Herzen. Tamas-Gestaltige, Retterin, Tara, Hochgewaltige, von blauem Leib,
72.5 Schädelgestaltige, reich an Schädelketten, einen Leichnam als Fahrzeug tragend, mit heraushängender Zunge, lotosäugig, aufgehend wie Millionen Monde,
72.6 in Wind, Feuer, Erde und Wasser stehend, Bhavani, in der Leere wohnend. Daher ist der Lobgesang der dunklen Kali, der Aufgang des Kula, nicht öffentlich zu machen.
72.7 Das Kula-Meer der herrlichen dunklen Erhabenen, der blauen Göttin, ist sorgfältig geheim zu halten. Erfasse es aufmerksam.
72.8 Mahabhairavi sprach: Es strahlt der Fuß der herrlichen Kali, Eigenschaft des Beweglichen und Unbeweglichen, Blitze stillstellend, dessen Nägel die Freude des einen dunklen Sitzes hervorbringen [längere Verbindung mit summendem Stolz und Guru-Glanz beschädigt]; reiner Sitz im Totenwald, über Nandas Atem [Lesung unsicher], mit den Lotushänden des herrlichen Herrn vereinigt, Augensalbe.
72.9 Leuchten, Erreichen, Vollenden, geliebte Einsicht, guter Weg, Verbindung in kühler Führung; falscher und nichtfalscher guter Weg, Verneigung, Lustlosigkeit, Sati, Herkunft und Lebensführung, Ausspruch der Eigenschaften; nach Wirken und nach Hunger Verlangender, darin wohnender Liebesherr, Licht und Himmelsganges: Stets strahlt fein der Lotosfuß von Shri, Durga, Shambhu und Kali [reihender, syntaktisch gestörter Vers].
72.10 Die Götterherren, fünf Elemente, mit Sonne und Mond als Kronen, zornige Vetalas und Kola-Gestalten, auf dem Kailasa wohnend und gepriesen, lesen diesen Lobgesang täglich. Die großen Helden meditieren wieder und wieder im Herzlotos der Kula-Freude über das Selbst als Fußsohle der glückspendenden Kali. Wie sollte ich mit meinem begrenzten Denken, in Meditation gegründet, preisen? [Schlussform unsicher.]
72.11 Nachdem ich die Eigenschaft des Lobgesangs deines Lotosfußes, die Wunschfrucht, gehört habe, begehre ich sie; für den Geliebten wirkt sie ihrem wahren Sinn nach zur Befreiung [Text beschädigt]. Mutter, Ursprung der Verblendung, geehrte Jugendliche, so betrachten wir dich; an deinem würdigen herrlichen Lotosfuß, Fülle der Freude der drei Welten, ist Glück.
72.12 Deine beiden von Göttern verehrten Söhne bewahren den geheimen Sinn der Überlieferungen und Weiteren. Dunkle Mutter, sei gnädig und segenspendend; gib stets die Ursache, Yoga-Freude, das Innere Shivas, Wunschbaumfrucht und die Erklärung aller Vedanta-Lehren. Schaffe, schaffe gute Gemeinschaft, gute Unterscheidung und die Offenbarung von Dichtung und fünf Elementen.
72.13 Dieser wesentliche herrliche Lobgesang steigert Freude, offenbart den mächtigen Sinn der Kenner des höchsten Zustands, ist dienend, einfach durch die Eigenschaften des Wunschjuwels im Nachdenken über fremdes Wohl, hinüberführend, Liebesgesang. Er führt die siegreichen Götterbewohner zur Reinigung des Samens [Verbindung unsicher], bedenkt Verblendung und Weiteres und ist von Millionen Götterfrauen und Indras zu meditieren.
72.14 Durch das Quirlen des Meeres reinen, läuternden Verdienstes im Aufnehmen der Namen, durch das Lächeln am glückbringenden Mond der im reinen Geist stehenden göttlichen Eigenschaften, durch das lange Lotosfaserpaar der elefantengleichen Arme des besten Menschen, der den Yoga-Berg trägt,
72.15 durch Verehrung Haris, Vidhis und Haras, des höheren und niederen Saftes, der inneren Haltung und des Schädels [Wortverbindungen unklar], durch den Fuß Sundaris und Kalis [die Satzfolge bleibt ohne eindeutiges Hauptverb].
72.16 Siddha-Kali, anmutig in den Eigenschaften des gewaltigen Feuers von Millionen Sonnen, ist betrachtet. Was als Heil der schönen Worte des Yoga-Gesangs verkündet wurde, ist die Erste der Yoginis. Im „Baum der dunklen Freude“ genannten Zustand leuchtet das Ufer des Gangesgliedes von Verehrung und Opfer; alles wird Freudenfest, auch in mir, im Nichtsein, durch die segenspendende göttliche Rede [mehrere Verbindungen unsicher].
72.17 Dies ist zuerst Kula, Guru-Kula, Kula des Schönheitsspiels, Kula der Lebensfreude, Kula von Kula und Akula, die Fülle des Kali-Kula. Mutter, Kali von Anfang der Zeitalter, Kaulini, Shiva, im innersten Glied aller stehend: Setze dort stets durch das Offenbarungswort den herrlichen Dharma-Sohn im Werden ein.
72.18 Mutter des Yoga der Kula-Herren von Heramba an, du liebst das Yoga-Prinzip. Wer so mit dem Staub deines Lotosfußes den freudebringenden Yoga vollzieht, besiege selbst Manmatha und die feindliche Stätte der Bedrängnis. Als herrlicher Bezwinger des Liebesgottes entfaltet er den höchsten achtgliedrigen Yoga.
72.19 Der Yogi gelangt zur höchsten, glücklichen, erwünschten Stätte, zu Wohlstand, zu den drei Welten, zum höchsten Herrn und ans andere Ufer des Daseinsmeeres. Tochter des Königs der Bergkönige, wer deine Haltung und Prüfung erkennt, vollzieht die Verehrung deines herrlichen Lotosfußes, du wolkengleich Leuchtende.
72.20 Zuerst wird der achtgliedrige Yoga genannt, Glück des Werdens, eine einzige Hingabelehre, auf Erden „Reinigender“ genannt, mit der Atembewegung gehend, der herrlichen Tochter des Bergkönigs. Die acht Vollendungen ergeben sich aus Yama und Niyama, Asana und Prana-Yoga, Pratyahara, aufwärts roter Eigenschaft als Gewand [Text gestört], Meditation und Samadhi [Dharana ist nicht klar genannt].
72.21 Mutter, auf die Eigenschaft des Friedens Gestützte, Shiva, Friedensspenderin der Yogis, Gattin, göttliche Eigenschaft: Gewähre alles Heil der Friedenshandlungen. Durch ihre Gnade gehen Opfer unvermittelt auf Erden auf; diese Allumfassende verkünde ich zur Stillstellung des Begehrensfeuers durch Schwinden der Verblendung.
72.22 Der überglückliche König der Yogis allein lebt; nicht leben die Söhne des Glücks [so der Wortlaut]. Er schaut alles Yoga-Entstandene im Werden und das eigene Leben [Satz beschädigt]. Nach solcher Betrachtung aller Gegenstände, auf Frieden gestützt, betrachte Shri Kundalini auf dem Kula-Weg an der Wurzel, die durch vier Blätter strahlt.
72.23 Ich verehre jene, die im reinen Wurzellotos herrliche Süße schafft: Zerschneiderin von Friedensverwirrung [Zusammensetzung unsicher], eigene Geliebte, aus Liebe aufgestiegen, Hingabespenderin; einziger Lichtleib freudiger Strahlen von Millionen Juwelen im Schönheitsmeer, durch einförmige Macht Bedrängnis Entfernende, die Zornfolge Erschütternde.
72.24 He, du elender Unglücklicher! Welches Werk verehrst du Tag für Tag? Du betreibst auf Sinnesgegenstände gestützte Geschäfte und meditierst nicht über den herrlichen Fuß. Lass freudig dieses falsche, augenblicklich zerbrechliche Gift der Samsara-Haltung zurück. Verehre ganz die herrliche Kali, Kula-Gelehrte, Tugendhafte, den Frieden.
72.25 Shivas Gemahlin ist Frieden, höchste Glücksspenderin und Erzeugerin der inneren Haltung. Durch sie entsteht Unterscheidung und leuchtet beständig, während du sie trägst. Diese entsagende Unterscheidung erzeugt den schönen Rausch des Nektarmeeres, höchste Brahman-Erkenntnis, reine höchste Yogini.
72.26 Brahman-Erkenntnis ist zweifach, höchste Reine: aus Agama bestehend und aus Unterscheidung entstanden; das reine Höchste und das niedere Klanghafte [Syntax knapp]. Die Wurzel beider ist unmittelbar im Herzen der liebste Frieden, Licht, das Hingabe an Kalis Lotosfußpaar und Auflösung gewährt.
72.27 Ich verkünde den neuen Zustand höchsten Saftes der herrlichen Kula-Kundalini, die glückvolle Stätte der Mutter Kali, die wie die erste Sonne leuchtet. Im Eifer, besonders heilvoll und goldgleich [Wortlaut beschädigt], verehre man Vidhi, Shri Dakini, den Herrn der Unsterblichen und die Erde.
72.28 Die dreifache ewige Stätte ist aus Sonnen- und Mondkraft sowie Feuer gefügt, großes Heiligtum, gut in Wind und Raum gegründet, Sein schaffend. Nachdem man das Getrennte zusammengeführt hat, beide mitsamt dem Kula-Knoten, wird man im herrlichen Sushumna-Heiligtum, im großen Raum, ganz aufgelöst.
72.29 Wer zuerst die drei reinigt, gelangt als Großer zum höchsten Zustand. Mit gut erkannten Yoga-Gliedern durchdringt er meinen reinen Leib. Deshalb entfaltet er den achtgliedrigen Yoga, frei von unreinem Glück. Zu Beginn der Handlungen vollziehe der beste Asket Yama und Niyama.
72.30 Wer Gewaltlosigkeit und Wahrheit erstrebt, entfaltet den guten Yoga, deinen Fuß. Gesegnet ist der Yogi, der Reinheit, Festigkeit, Mitgefühl und Geben beherrscht, geduldig ist und wenig isst, in gleicher Haltung höchste Freude kennt, selbst vollendet, Banner eines guten Brahmanengeschlechts, glückvoll [die Vorlage hat unregelmäßige Geschlechtsformen].
72.31 Reich an Askese und Zufriedenheit, Hara verehrend, gläubig, dessen Herz und Lebensatem beim Hören der Lehre der Asketen aufgehen, in Siegesfreude versunken, vollziehe er Opfer ohne Anhaftung. Großer Verehrer, Shri, Hri, Einsicht, Akulina und dein Fuß [Schlussglieder nicht sicher zu verbinden].
72.32 Am Lotosmund der Sushumna liegt an der Wurzel ein Lotos mit Blättern und goldenen Buchstaben [Anfang beschädigt]. Inmitten der festen Wirbelsäule liegt Sushumna; in ihr Vajrini und Chitrini mit leuchtenden Lotussen.
72.33 Von dem Nadi-Paar der Sushumna und Weiteren, von der Ohrwurzel aus, strahlt außen das Nadi-Paar Ida und Pingala links und rechts. Dort strahlst du stets als Mond und Sonne.
72.34 Du erzeugst Visarga bis Bindu als Wohnstatt deiner Eigenschaften. Du allein bist die Heilvolle, Girishas Mutter, durch Kalis Kraft. Wenn die Geliebten in höchster Freude vollständig rezitieren und sich hier mit Erkenntnissen reinigen, erringen sie die geliebte Stätte.
72.35 Wer ein gerades Zahnreinigungsholz von achtzehn Fingerlängen und einer halben eigenen Fingerbreite langsam in den Bereich von Gaumen, Zunge und Halsöffnung einsetzt, vollziehe die Danti-Handlung zu deiner Betrachtung [historische Körperpraxis des Textes].
72.36 Der König der Asketen vollzieht die Nadi-Reinigung und hält drei Dandas, deinen herrlichen Füßen hingegeben, durch Atemstillstellung beim neunten Danda [Zahlenfolge unsicher]. Täglich wächst durch gute Anstrengung die Pranayama-Frucht des Asketen. Durch Versinken im Freudenmeer mit Kula-Säften werde er augenblicklich befreit.
72.37 Ich verkünde zum höchsten Heil die günstige Verbindung mit dem Lotosfuß, zum Wohl der Welten und zum Glücksanteil meiner geliebten Schar. Stets vollzieht der Mensch freudig alle Yoga-Vollendung; dann ist er dein Diener, Mutter, und [verehrt] den Einsilbigen [Satzende unvollständig].
72.38 Im Meer des Mitgefühls versunken, stets mit reinem Licht, werde man durch Meditation über deinen zarten Lotosfuß zum Yoga-Herrn.
72.39 Durch welchen Yoga man rein im Mitgefühlsmeer versinkt, dieser Yoga ist dein Lotosfuß. Wer ist dann töricht, wer hochgelehrt?
72.40 Zur guten Zeit von Yama und Niyama wirkt die Unterweisung des Neuli-Yoga; die dreifache Schnur in der Nasenöffnung beseitigt Schleim. Die Dhauti-Yoga-Unterweisung vernichtet den Schleim des Herzens und führt ein sechzig Ellen langes Tuch in die Halshöhlung.
72.41 Von sehr feinem Gewebe [Vorlage „rasana“ unsicher], sechzig eigene Unterarmlängen für den Hals und durchgehend zehn Finger breit: Du wirst zur heiligen reinen Dhauti-Handlung, die alle Bedrängnis entfernt. Ich verehre den reinen Aufgang im eigenen Halslotos, der Furcht gewährt beziehungsweise entfernt [letzte Lesung gestört].
72.42 Wer die Kumari mit dem Yoga-Blick des Neuli verehrt, wird Kenner des Höchsten und zerschneidet das Netz der Verblendung. Lächelnde, selbst ein Tor wird durch dich überaus lebendig [Rest über die bewegte Freudenbraut und Handlungsvollendung nicht sicher auflösbar].
72.43 Wer Danti-Yoga langsam an deinem Lotosfußpaar entfaltet, Shiva, wird in einem Monat Yogi und hält den Atem still. Der Mantraübende setzt ein Amrataka-Blatt beziehungsweise einen guten Stab in die Halshöhlung, nachdem er zuerst über die Fläche deiner Lotosfüße meditiert hat.
72.44 Mit Kula- und Akula-Geist wirkst du als Bilva-Blatt, als Jaya, die gute Friedenseigenschaft spendet, als Nirgundi höchster Hingabe, als Mukunda-Tulasi, Geliebte, Tugendhafte, befreiende Yogini. Du gibst unsterblichen Reichtum und die aufwärtsbäuchige Trennung der Blätter [Schluss beschädigt].
72.45 Du wirkst den Yoga der Übung mit den fünf Unsterblichen und stehst als große Arznei namens „fünf Unsterbliche“. Du allein trägst die Gestalt des Allherrn. Wer dich verehrt, ist wahrhaft der höchste Herr [Schlusswort unsicher].
72.46 Wer den Lobgesang Bhavanis, Shakinis als Körpergöttin, liest, das rote Licht des Sonnenglücks, gelangt zum höchsten Reich, von Göttern verehrt und gefestigt. In guter Mantrarezitation lebend, erreicht er spielend Shambhus Gestalt.
72.47 Morgens, mittags und abends, über dreimal sieben [Tage; Einheit nicht ausdrücklich genannt], lese man hundertmal. So soll Befreiung eintreten und die Frucht der vorbereitenden Übung erlangt werden.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Der von Shakini geschaffene Kali-Lobgesang“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 72.
Kapitel 73: Der Gesang der Vani und die innere Klang-Erkenntnis
73.1 Höre, deren Antlitz im zarten Lotos strahlt, den überaus wunderbaren großen Gesang, den der Übende hört.
73.2 Im Klang liegt Licht, im Licht liegt der Geist. Dieser Geist geht in den Klängen, in Millionen Erkenntnissen, zur Auflösung.
73.3 Die Yogis hören diese Erkenntnis des Klangwissens.
73.4 Im Leib, tief an höchsten Eigenschaften, dessen Wasser fest ist, im Glanz neuen Werdens, mit ganz befriedetem Selbst [Wortlaut beschädigt], im Erkenntnismeer, das reine süße Worte schmücken, setzte Vani das Juwel aller Rede ein.
73.5 Om. Die durch mächtige, feste Rede des Mundes Gehende bezaubert den lebendigen Buchstaben; ihr Wandel ist ohne Zweifel und Furcht, sie ist im Erkenntnisschlummer betört. Geschmückt, mit sehr scharfen Händen, trägt sie eine Wortkette. Diese Pashyanti von reinem Mitgefühl werde im Wurzel-Chakra verehrt.
73.6 Im Wesenskern des Samsara, an den Gliedern durch die Gnadenmerkmale der jungen Frau gekennzeichnet, das Leben der Lehr-Erkenntnis, die letzte gleiche Eigenschaft des Königs oder Yogis; unendlich für führende Brahmanen, mit süßem tiefem Klang, im Herrn Parvatis ausgebreitet. He, Zeit und höchste Zeit, am Gipfel des geliebten Leibes: Sammle die Gestalt [der Vers ist syntaktisch stark gestört].
73.7 In Bewegung und höchster Festigkeit, Hari-Hara, Wissensträger und Erdträger, Gestalttragender und Mitgefühlsquelle, in eigener Auflösung verehre ich deinen Lotosfuß: aus ewiger Erkenntnis, Sieg, Wohnstatt im Schatten des Wunschbaumes. Mutter Kali, Kraftträgerin, in der Halshöhlung, Shakambhari, Shakini!
73.8 In der glückvollen Heldenwohnstatt des herrlichen Halses, erfüllt von Strahlen Millionen leuchtender Sonnen, ist der Wesenskern in der Mitte des Herzlotos gefügt, Ursprung der Sarasvati-Kraft. Der Lichtkreis im Inneren der Lotosfüße der herrlichen Göttin in Guru-Gestalt, das Edelsteinhaus der den Bergherrn Aufgehenlassenden, unterhalb des Lotosnabels [kein gesicherter Gesamtsatz].
73.9 Möge jene Durga, Leidvernichterin, im Haus Shivas Wünsche erfüllen: am Wunschbaum stehend, Frucht von Bestand und Auflösung spendend, Yogini, Yoga-Mutter, Preis der feinen Freude, Kraft der jungen Sonne, vom Kuckucksruf bezaubert, sanft, mit sanften Gliedern verbunden, mit jungem Mond gekrönt, schönfarbig und weit.
73.10 Ich werde zur stützenlosen Stätte, Kali, Zuflucht der Hingabe. Glückvolle, reine Haltung Spendende, in allen Haltungen Gehende, Schar der Strahlen [Textgliederung unsicher], schenke mir freudig geliebten Reichtum und Glück mit schönem Blick, gerade dort inmitten des Raumlotos im Halsbereich.
73.11 Ewige, Fülle fruchtloser Wesensformen [so die Lesung], Schutz der drei Welten, Haus der Dharma-Finsternis: Deine aus dem Lotosfuß entstandene geliebte Schar, auf Leben gestützt und irdisch, bemisst die Anwendung der Erkenntnis und das Verdienst zum Erlangen des Reinen, Mutter, Tochter des Königs der Bergkönige.
73.12 Furcht und Glanz, schwere Schöpfung, Reichtum des Daseinsklangs, auf die Last des Gedeihens gestützt, Sein und Nichtsein, Macht: In der Welt entsteht das Licht furchtbarer Hingabe, ein Freuden-Zustand jenseits des Entstehens von Angst vor Erde und Wesen. Mutter, dies geschieht durch das Wachsen freudigen Dienstes an der reinen Fläche deiner Lotosfüße [lautspielerischer Vers, teils unsicher].
73.13 Die Herrin der Scharen, Mutter Ganapatis, Rama, beschütze stets die Mutter und das Leben [Kasusfolge unsicher]. Die frühere Vollendung Bewirkende beschütze im Siddhasana, die allein durch Eintauchen ins Freudenmeer Glück spendet, die an der Stirn Feststellende, der Fruchtboden des Halslotos, höchster Gesang und gute Töne der Götterscharen.
73.14 Meer des Mitgefühls, den reinen Purusha von Gauri-Gestalt auf der vorzüglichen Erdbrust, den niedrigen Menschen mit der Einsicht eines Erdsohns [Satz gestört]: Ich kenne dein Begehren nicht, das Wunschjuwel der Sorge um Trennung vom Leib. Selbst der beste Gott gelangt nicht ans andere Ufer der Meere deiner Liebe.
73.15 Es siegt der Sieg, Bezwinger der Grundlage des Siegeslichts, von Götter- und Menschenscharen verehrt, inmitten des Planetenkreises. Durch die Kraft des Dienstes an deinem Lotosfuß erlangt man demütige Haltung und Glut, reich an der Lotoshand des Werdens [Wortverbindungen unsicher].
73.16 Nachdem man mit diesen vorzüglichen Versen und innerem Geschmack des Gesangs gepriesen und über die vom höchsten Brahman Erfüllte meditiert hat, gelangt man selbst zum Brahman-Leib.
73.17 Unvermittelt entstehen Fülle des Genusses, heilvolle Befreiungswege und von selbst die achtzehn Vidyas mit ihren Eigenschaften.
73.18 Über den blauen Wolken gleichen mondgekrönten Ishvara, Sadashiva, der links von der großen Shakti Shakini steht,
73.19 vierarmig, Gott der Götter, unendlich, unvergänglich, Hara, singe man erneut den Gesang innerer Haltung. So werde man dem höchsten Brahman gleich.
73.20 Inmitten des vollständig sechzehnblättrigen Halslotos stehe der Yogi fest im Geist. Als Herr der acht Vollendungen erlange er gewiss die Vollendung der inneren Haltung.
73.21 Gemeinsam mit dir erlange man die freudige Schau und Vollendung.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Anordnung des Gesangs der Vani“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 73.
Kapitel 74: Der Prasada-Schutztext Sadashivas
74.1 Shri Anandabhairava sprach: Bergestochter, Herrin der Göttergötter, von allen Überlieferungen Verehrte, alles hast du mir erklärt, Göttin; der Schutztext wurde nicht offenbart.
74.2 Offenbare mir den Schutztext des Prasada genannten Mantras, von Sadashiva Mahadeva betrachtet und Vollendung spendend.
74.3 Das nicht öffentlich zu machende große Mantra, Ursprung von Bhairavi und Bhairava, allen Schutz bewirkend, Göttin, [erkläre], wenn du Liebe zu mir hast.
74.4 Shri Anandabhairavi sprach: Höre, erhabener Herr, Mahakala, Kula-Meer, den Schutztext des Prasada-Mantras, Aufgang des Kula Sadashivas.
74.5 Für die Gottheit des Prasada-Mantras gilt Vamadeva als Rishi, Pankti als Versmaß; die Gottheit hier ist Sadashiva, Götterherr.
74.6 Als Anwendung ist die Vollendung der Wünsche des Übenden erklärt. Der Prasada genannte Sadashiva beschütze stets meinen Kopf.
74.7 Maheshvara von sechssilbiger Gestalt beschütze mein Antlitz. Der von der achtsilbigen Shakti Umschlossene behüte stets beide Augen.
74.8 Der Erhabene, dessen Wesen fünf Silben sind, beschütze beide Arme. Mrityunjaya, dessen Selbst drei Samenlaute sind, beschütze stets meine Lebensdauer.
74.9 Der unvergängliche Dakshinamurti, unter dem Banyan-Baum sitzend, beschütze mich stets von allen Seiten, von der Gestalt von sechsunddreißig Buchstaben.
74.10 Der zweiundzwanzigsilbige Rudra beschütze meinen Bauch. Der mit drei Buchstaben erfüllte Nilakantha beschütze stets den Hals.
74.11 Das Wunschjuwel in Samenlautgestalt, Ardhanarishvara Hara, Spender allen Wohlstands, beschütze stets mein Geheimnis.
74.12 Maheshvara, dessen Selbst einsilbig ist und die Buchstabengruppen durchdringt, Martanda-Bhairava, beschütze stets meine Füße.
74.13 Der Tumbura Genannte, von großer Samenlautgestalt, Dreistädtevernichter und Herr der Götter, beschütze stets auf dem Boden tödlicher Riten.
74.14 Ishana beschütze stets mein Oben und das Aufwärtsgerichtete. Tatpurusha, Herr der Berge, behüte mein südliches Antlitz.
74.15 Der Aghora genannte Mahadeva beschütze das östliche Antlitz. Vamadeva beschütze stets mein westliches Antlitz.
74.16 Der von Sadyojata-Gestalt beschütze stets das nördliche Antlitz. Der Todesbezwinger beschütze stets im Wasser, Wald und bei großer Furcht [die Richtungszuordnung folgt unverändert der Vorlage].
74.17 Auf dem Berg und an schwierigem Ort behüte stets der Giftentferner. Kalarudra, Zeitgottheit, beschütze stets sämtliche Glieder.
74.18 Kalagni-Rudra beschütze bei Angst vor großer Krankheit und Weiterem. Der Retter vor Unzeit, der schwerttragende Sadashiva, beschütze.
74.19 Der Gepanzerte und Vamadeva beschützen stets bei großer Furcht. Zeitesser Rudra, Ruruka und der Feldhüter mögen schützen.
74.20 Der Vollmondgekrönte beschütze den Matrika-Kreis. Der Langlebige, Shakinis Gatte, beschütze stets meine Lebensdauer.
74.21 Der Löwenschultrige und Geliebte Rudranis beschützen stets. Der Schreiber des Vajra-Dambha [Name unsicher], von Überschreitungsgestalt, beschütze die Stirn.
74.22 Der Bestimmende, Khechari und Khechara Liebe, beschütze stets. Der Edelsteinkettenträger und Herr der Rotgesichtigen mögen schützen.
74.23 Der Fünfgesichtige beschütze mein Antlitz, beide Augen und Ohren. Der Veda-Klang beschütze stets meine beiden Nasenöffnungen.
74.24 Der Schädelträger, Beender des Weltalters, beschütze beide Wangen. Der Herr der Rotzüngigen beschütze das an meinen Lippen Wohnende.
74.25 Bhrigurameshvara Shiva beschütze meine beiden Zahnreihen. Der Weltgenießer beschütze stets die Gaumenwurzel und den Geschmacksnektar.
74.26 Der Herr des Redeherrn, Bhavanis Herr Shiva, beschütze meine Zungenspitze. Mahasena, Dichterherr, beschütze stets den Gesichtskreis.
74.27 Der Zornherr beschütze stets die Wurzel des rechten Armes und Weiteres. Der Herr der Hunde beschütze den rechten Ellenbogen und dessen Spitze.
74.28 Der Langlebige beschütze stets die Fingerwurzeln, Brahma, der herrliche Träger des Brahma-Linga, stets die Fingerspitzen.
74.29 Vidyapati, Parvatis Herr, beschütze die Wurzel des linken Armes und Weiteres. Vamakeshvara Ishvara beschütze meinen linken Ellenbogen.
74.30 Der Bewohner der Feuergrube, Kula-Berg, beschütze stets die Ellenbogenspitze. Der Herr der Veda-Mutter und Gebieter der Wunschkuh mögen schützen.
74.31 Der Fünfgesichtige beschütze meine Fingerwurzeln. Der vom Berg Verehrte beschütze die Spitzen meiner linken Finger.
74.32 Der Herr, der den Schildkrötenkreis trägt, beschütze den vorderen Wurzelbereich meines Leibes. Shakinis Geliebter beschütze die Mitte des rechten Beines.
74.33 Gargaris Herr beschütze das Fußgelenk, die Wurzelgottheit den Vorderfuß. Abhayas Geliebter beschütze die Spitzen der rechten Zehen.
74.34 Der Yogi, Bezwinger des Liebesgottes, beschütze meine linke Oberschenkelwurzel. Der Herr des Mittellandes behüte die Mitte des linken Beines.
74.35 Der erhabene Shambhu beschütze meine Fußgelenkspitze, die Wurzelgegend, den linken Fuß und die Wurzel meines großen Zehs.
74.36 Das Ursachenselbst Nilakantha, Lichtträger, Yamas Beender, beschütze stets die Großzehenspitze als Herr der Sushumna-Nadi.
74.37 Maharudreshvara beschütze das an meinem Nabel entstehende Begehren. Der Raumträger beschütze den Bauch, der Kama-Entferner den Herzlotos.
74.38 Shiva, dessen Selbst alle Freude ist, beschütze meine beiden Schultern. Der Kummerentferner beschütze vom Herzen bis zur rechten Handspitze.
74.39 Der höchste Herr beschütze vom Herzen bis zur linken Handspitze. Shiva behüte mich vom Herzen bis zu den Nägeln des rechten Fußes.
74.40 Sadananda beschütze stets, der Berauschte vom Herzen bis zum Fuß. Vasukis Geliebter beschütze vom Herzen bis zur Aftergegend.
74.41 Anantanatha behüte vom Herzen bis zum Scheitel. Der Allgegenwärtige Sadashiva, Umas Gatte, beschütze stets.
74.42 Der Tara-Wesentliche, Körpervollendete, Shakti-Herr, Samengott und Fünfhaarige beschütze stets die Gliedergestalt der fünf Prinzipien.
74.43 Die Wunschkuh behüte stets vom Kopf bis zu den Füßen. Im Wasser, Wald, schrecklichen Forst, in Bedrängnis und auf der großen Straße,
74.44 in der Wildnis beschütze der Geheimäugige, Kamaraja, Höherer und Niederer. Ardhanarishvara, höchster Herr der Matrika, beschütze.
74.45 Vom Matrika-Mantra umschlossen, behüte er stets jede eigene Stätte. Das Dharma-Selbst beschütze meine Dharma-Verbindung, Pingala und Chandika.
74.46 Der Überwältigte beschütze stets, Bholanatha behüte immer, in allen Ländern, an allen heiligen Sitzen, besonders in Kamarupa.
74.47 Der Herr der Yoginis, höchstes Selbst, behüte stets. Die Gottheiten der fünfzig Sitze, von Kamarupa an:
74.48 Maya der fünfzig Sitze, Kamarupa, Sadashiva, Bhava, Rudra, Mahesha, Shankara, Beender Manmathas,
74.49 Guhyakesha, Verfehlung Entfernender, Schädelträger, Dreizackträger, Fünfgesichtiger, Zehnarmiger, schlangengeschmückter Hara,
74.50 Mahakala, Maharudra, großer Held im Herzen, Mahadeva, großes Geheimnis, Mahamaya, mit großen Eigenschaften,
74.51 Pashupati, Virupaksha, Herr Haris, weißer Herr, Vatukesha, Krama-Lehrer, Fünfdreizackträger, Herzgeborener,
74.52 Herr Unmanis, Wagemutiger, Para Genannter, Bergherr, Allselbst, großes Selbst, Shiva-Selbst, Leichenstättenwandler,
74.53 Zornheld, Zeitmacher, feiner Dharma, Lastenträger, Dunkler, Grausames Entfernender, Ganesha, Kala-Maghava,
74.54 Erkenntnisselbst, Kapila-Selbst, vollendetes Selbst, Herr der Yoginis, Millionen Sonnen gleich: die einundfünfzig Herren [zuvor sind fünfzig Sitze genannt].
74.55 In der Matrika stehend, von Bestand, Schöpfung und Auflösung wesend, mögen sie stets schützen. Der Ursprungssitz ist Kamarupa, nahebei der Kanchi-Sitz,
74.56 die Heiligtumsstadt Ayodhya, darüber Jalakandhara; darüber Jalandhara, nahebei der vollendete Sitz.
74.57 Darüber der Kali-Sitz, davor der Chandika-Sitz, das große Heiligtum der acht Städte, die Halsgegend: Sadashiva
74.58 beschütze sie stets als großer Held, der Zeitordnung folgend, höher als das Höchste. Das große Madhupuri-Heiligtum liegt innerhalb der acht Städte.
74.59 Darüber ist das große Mayavati-Heiligtum genannt; das große Varanasi-Heiligtum und nahebei der Dharma-Sitz.
74.60 Darin ist das große Jvalamukhi-Heiligtum genannt; darüber ein großes Heiligtum und der Jvalanti-Sitz.
74.61 Darüber der Purnagiri genannte, nahebei Kurukshetra, darüber Uddayana und der Kamala-Sitz.
74.62 Das große Heiligtum Haridvara, Badari-Sitz, Vyasa-Sitz, Narada genannter und darüber das untermeerische Feuer.
74.63 Darüber Hingulada, darüber Lanka-Sitz, darüber Sharada-Sitz und darüber Rati-Sitz.
74.64 Linga-Sitz, Kala-Sitz und Dvaraka-Sitz, Schädelsitz im Hari genannten [Ort], im Norden Varada-Sitz.
74.65 Darüber Kali-Sitz, darüber Tara-Sitz, das große Ugratara-Heiligtum und Mahogra-Sitz.
74.66 Nilasarasvati-Sitz und darüber Jara-Sitz, darüber Gagana-Sitz und Khechari-Sitz.
74.67 Darüber Tarini-Sitz inmitten des Tausendblättrigen, darüber Kartri-Sitz und darüber Devi-Sitz,
74.68 Rajarajeshvari-Sitz und Shodashi-Sitz; inmitten des Tausendblättrigen auch der Tausendsitz.
74.69 In der Mitte Ekajata-Sitz, oberhalb der Kraft am Kartri-Ufer [Zusammensetzung unsicher]. Tarinis Kraft ist von den Vidyas mit Shodashi an der Spitze umgeben:
74.70 Kali, Nila, Mahavidya, Tvarita, Chhinnamastaka, Vagvadini, Annapurna und wiederum die Göttin Pratyangira,
74.71 Kamakhya, Vasali, Bala, Matangi, Bergbewohnerin, Shodashi, Bhuvaneshani, Bhairavi und Bagalamukhi,
74.72 Dhumavati, Veda-Mutter, Harasiddha und Dakshina. Diese Vidyas sind große Vidyas, durch den Dienst an Shiva geschmückt.
74.73 Die zweiundzwanzig großen Vidyas, Tore an zweiundzwanzig Stätten, mögen mich als Kräfte im großen Sahasrara-Heiligtum stets beschützen.
74.74 Sadashiva mit Shakti, Chandeshvara und Hara mögen schützen. Der Träger der fünf Unsterblichen, Herr der Göttin, beschütze stets.
74.75 Parvatis Lebensherr beschütze stets alle meine Glieder; Aghoranatha, Ishana, Segenspender, Madana-Beender,
74.76 Opfervernichter, Daksha-Zerschneider, Virabhadra, Raumgewandeter, Achtzehnarmiger, Raudra, mit blauen Lotosaugen,
74.77 Dreiäugiger, Kala-Kama, Maharudra, Scharenherr, Kakinis Geliebter, Dreizackträger, Yoga-Schöpfer, Maheshvara,
74.78 Redeherr, Smara-Bezwinger, großes Mantra, Pflugbewaffneter, herrlicher Herr, Verehrter, Knabe, Kinderherr, auf Stärke Fahrender,
74.79 Balarama, Krishna-Rama, Govinda, Herr Madhavis, Herr der besiegten Feinde, Herr des Kronjuwels, Ehre Spendender, Glücklicher.
74.80 Er beschütze den Mund, Vrindavana, im sechsblättrigen Lotos stehend. Vaishnavis Geliebter beschütze Brahma und Kula-Kundalini [Satzgliederung unklar].
74.81 Vishnunatha, Garuda-Bannerträger, beschütze stets das Brahma-Feuer. Der Flammengirlandenträger und der Zeitfeuerträger mögen schützen.
74.82 Kakinis Geliebter, Ishvara, Bhairaveshvara beschütze. Maharudra Nilakantha beschütze Manipura und die gute Lakini.
74.83 Rudranis innig Geliebter beschütze stets das Edelsteinhaus. Maharudra Nilakantha beschütze stets Mahavishnu.
74.84 Er beschütze Rakini, Vishnu-Lakshmi und meine Vaishnavi-Kraft. Sadashiva Nilakantha beschütze meine Herzstätte.
74.85 Er beschütze Ishvara, das höchste Selbst, und meine Shakini. Der andere Hara im Zweiblättrigen beschütze stets Sadashiva.
74.86 Durch Hakinis Shakti möge Schutz sein; Shiva behüte Sahasrara. Taranatha-Vidhi beschütze die im Sahasrara Wohnende.
74.87 Er beschütze stets den großen Raum und darunter den Windkreis. Shakinis Herr beschütze den Feuerkreis darunter.
74.88 Der dessen Wesen ist, die Kaula-Gottheit, beschütze stets das Wasser. Der Irdische beschütze die Erde, Sadashiva stets das Eine.
74.89 So ist der schützende Text, Herr, selbst Göttern schwer zugänglich. Wer ihn morgens liest, erlangt die gewünschte Frucht.
74.90 Der beste Übende, der den Schutztext während der Verehrung liest, wächst gewiss an Ruhm, Glück, Glanz, Einsicht und Lebensdauer.
74.91 Der große Vira-Schutztext, Spender aller Vollendungen, ist nicht öffentlich zu machen. Allein durch Erkenntnis wird der König der Yogis auf Erden zum Bezwinger der Zeit.
74.92 Allein durch sein Tragen werde man zum Beender des Zeitfadens. Durch Tragen und Lesen werde man gewiss allwissend.
74.93 Alle großen Vollendeten und Yogis von Vyasa und Vasishtha an wurden durch Lesen und Tragen zu den führenden Wahrheitsbetrachtern.
74.94 Wer diesen Schutztext von deiner eigenen Gestalt am Hals trägt, aus meinem Lotosmund entstanden, Vollendung von Vidya und Rede spendend,
74.95 erlangt als Übender Sieg im Krieg, Glücksspiel und Streitgespräch. Wer ihn am rechten Arm trägt,
74.96 dessen Einfluss unterliegen Götter, Menschen und Gandharvas, ohne Zweifel. Wer den Schutztext mit beherrschtem Geist auf dem Kopf trägt,
74.97 dessen Hand hält, Götterherrin [Anredewechsel], die acht Vollendungen von Kleinwerden an. Diese Vidya auf Birkenrinde, in weißen Stoff gewickelt,
74.98 lege der Einsichtige in ein silbernes Behältnis und trage sie. Nach Erlangung großen Glücks trägt er zuletzt deinen Leib.
74.99 Sie ist nicht an irgendwen weiterzugeben und niemals öffentlich zu machen. Einem hingebungsvollen Schüler und Übenden darf man sie offenbaren.
74.100 Dem mit Erkenntnis erfüllten, rechtschaffenen Yogi sei sie stets gegeben. Andernfalls gehe Vollendung verloren, wahrlich, wahrlich, ohne Zweifel.
74.101 Aus Liebe zu dir, Mahadeva, ist der heilvolle Schutztext erklärt. Wer sein eigenes Wohl wünscht, gebe den vollendeten Schutztext nicht weiter [die Einschränkung steht neben den zuvor genannten Ausnahmen].
74.102 Wenn durch glückliche Frucht der Schutztext auch einem Schelm, Heuchler, Bösen oder von ungünstigen Planeten Bedrängten zugänglich wird,
74.103 lasse man ihn unbedingt die Früchte seines eigenen Tuns aufgeben. Dann erlangt er Vollendung und wird Träger des Dharma-Stroms.
74.104 Tag für Tag erlangt der Einsichtige die Frucht vollendeter Verehrung. Nachdem er Schelmerei, Bosheit, Falschheit und Heuchelei abgelegt hat,
74.105 wird er König der Könige und lebend befreit, ohne Zweifel. Wer den aus meinem Mund gesprochenen Schutztext mit Duft, Blumen und Weiterem verehrt,
74.106 hat damit, Mahadeva, gewiss alle Götter verehrt. Rajasisch, geistig und tamasisch, Feindbedränger,
74.107 im Herzen geistig meditierend, die äußere Verehrung als rajasisch, die tamasische inmitten der Menschen: Die Schutztext-Verehrung gilt als dreifach.
74.108 Der vollendete Schutztext ist allein zur Erkenntnisvollendung erklärt, zur Befreiung der Welten und Shambhu zur Freude, höchster Herr.
74.109 In diesem Tantra liegt das wesentliche Geheimzeichen; Verehrung, Übertragung und Weiteres, sämtliche Handlungen soll man im inneren Organ entfalten.
74.110 Auch im Königreich lese man Lobgesang und Schutztext zur Erkenntnisvollendung. So ist dir, Herr, das Heil im höchsten Selbst verkündet.
74.111 Durch dessen bloße Verehrung entsteht Shiva-Sein; was mehr, Herr?
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Rezitation des Sadashiva-Schutztextes“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 74.
Kapitel 75: Die himmlischen Versammlungen im Halslotos
75.1 Anandabhairava sprach: Die herbstlich reine Stätte und der nicht öffentlich zu machende Aufgang der Frucht sind erklärt. Nun sprich weiter, Lebensgeliebte; sei Segenspenderin.
75.2 Wie ist jene höchst bezaubernde Versammlung im Halslotos, die stets von Yogis besungen wird und höchste Freude vermehrt?
75.3 Beschreibe die vorzügliche Versammlung, die Versammlung der Vollendeten, Brahman-Künderin. Dann werden meine Erkenntnis und die Bestimmung des Wesenskerns fruchtbar,
75.4 wenn jene überall gegründete Versammlung erklärt wird, Göttin. Shri Anandabhairavi sprach: Höre, Herr der Göttergötter, Erfüller aller Freude.
75.5 Die ewige Versammlung besteht aus Erkenntnis und offenbart den Sechzehnblättrigen. Sie erstreckt sich siebzig Yojanas weit und leuchtet weiß.
75.6 Durch Askese ist ihre Herrlichkeit geschaffen, mit dem Heil der Erkenntnis geschmückt. Sie strahlt in Fülle, bewegt sich im Raum und gleicht dem Kailasa-Gipfel.
75.7 Von Guhyakas getragen, ist sie voll süßen Klangs und durch hohe Bäume aus göttlichem Gold geschmückt.
75.8 Strahlenreich und leuchtend, durch göttlichen Duft bezaubernd, gleicht sie einem weißen Wolkengipfel und ist mit goldenen Torbögen geziert.
75.9 Mit Spitzen aus göttlichem Gold wie durch Blitze bunt geschmückt, steht sie auf dem Fruchtboden des Sechzehnblättrigen als weltbezwingende Leuchtkraft.
75.10 In ihr weilt der herrliche Herr Sadashiva, mit vielfältigem Schmuck und Waffen, von tausend Frauen umgeben, mit flammenden Ohrringen,
75.11 auf einem sonnengleichen, schönen höchsten Sitz, mit göttlichen Decken und göttlichem Fußkissen.
75.12 Der reine Duftträger nimmt Wohlgerüche aus Wäldern edler Mandara-Bäume, duftender Pflanzen und Saugandhika-Blumen auf,
75.13 aus dem Chanaka genannten Lotoshain und dem Sandelwald. Als Geist und Herz erfreuender Wind dient er ihm.
75.14 Dort singen Götter mit Gandharvas, umgeben von Apsara-Scharen, Gesänge in göttlichem Rhythmus, höchster Herr.
75.15 Mishrakeshi, Rambha, Chitrasena, Shuchismita, Charunetra, Ghritachi, Menaka und Munjikastani,
75.16 Vishvacha, Sahajanya, Pramlocha, Urvashi, Ira, Varga, Saurabheyi, Samichi, Buddhida und Lata,
75.17 Ratnavati, Mahamaya, Kamala, Gandhakeshika, Banamata, Mahabharga, Jyotis, Prajna, Bhava und Abhava,
75.18 Prabhava, Sambhava, Gunja, Sarangi, Saravikrama, Trilochani, Trivedistha, Ambika und Saptashayaka,
75.19 Virala, Varada, Maya, Siddha und Katyayani, Yogini, Khechari, Siddha, Jivangi und Dirghalochani,
75.20 Ramani, Hiranyakshi, Padmavaktra und Hiranmayi: Diese und tausend andere sind in Tanz und Gesang kundig.
75.21 Die Scharen der Gandharvas und Apsaras dienen Ishana. Unablässig ist diese Versammlung von göttlichen Instrumenten, Tanz und Gesang erfüllt.
75.22 Sie ist nie leer und glänzt lieblich durch Gandharva- und Apsara-Scharen. Kinnaras, Schlangenwesen, Gandharvas und weitere Nara genannte Wesen,
75.23 Manabhadra, Dhanada, Shvetabhadra, Guhyaka, Kashavala, Gandakandu und der große starke Patyodra [mehrere Namen unsicher],
75.24 Kustumburu und Pishachas, Gajakarna, Vishanaka, Varahakarna, Tamraushtha, Phalabhaksha und Phalodaka,
75.25 Angachuda, Shikhavarta, Hemanetra, Vibhishana, Pushpanana, Pingalaka, Shonitoda und Pravalaka,
75.26 Vrikavan, Aniketa, Chiravasas und Bhavata, Bharadvaja, Varidhari, Mahamaya und Dhananjaya,
75.27 Kapila, Kapilacharya, großer Yogi, Kshamadhara: Diese und viele andere Yakshas zu Hunderttausenden [dienen ihm].
75.28 Stets ist dort die erhabene Lakshmi, ebenso Nalakubara. Ihr gesamtes Gefolge bereitet Varuni-Wein.
75.29 Daher heißt es Madhupuri, Honigstadt, die achtfache Stadt als Honigstätte. Außerhalb davon strahlt jene Versammlung, wie Millionen Monde aufgehend.
75.30 Auch ich wohne in ihr, und andere meinesgleichen sind dort. Brahma-Rishis und weitere göttliche Rishis sind dort.
75.31 Andere fleischessende Rakshasas und mächtige Gandharvas verehren in ihr den großherzigen, Heil gewährenden Ishvara.
75.32 Der Erhabene ist von Hunderttausenden Wesen umgeben: Umas Gatte, Herr der Gebundenen, Dreizackträger, Vernichter der Augen Bhagas,
75.33 Tryambaka, Tiger unter den Königen, und die Göttin, ohne Schrittfolge [Lesung unklar], umgeben von kleinen, gewaltigen, buckligen und geliebten starken Yakshas,
75.34 mit Fett, Fleisch und Rauschtrank, gewaltig, der mächtige Bogenhalter, mit vielerlei schrecklichen Waffen und schnellen Schlägen [Syntax unregelmäßig].
75.35 So weilt der herrliche Sadashiva stets dort, von Helfern umgeben. Die hervorragenden Diener Shambhus mögen beständig schützen [die Vorlage markiert selbst eine Unsicherheit].
75.36 Die Herren der Gandharvas Vishvavasu, Haha, Huhu, Tumburu, Parvata und ferner Shailura,
75.37 der gesangskundige Chitrasena und ebenso Chitraratha: Diese und andere Gandharvas verehren Sadashiva.
75.38 Auch die Herren der Vidyadharas, Chakravarman und Himanuga [Lesung unsicher], verehren dort den Herrn, Reichtum spendenden Ishvara.
75.39 Himavat, Paribhadra, Vindhya, Kailasa und Mandara, Hunderte Kinnaras verehren dort den Herrn und Gebieter der Wissenden.
75.40 Hunderte Scharen mit Bhagadatta an der Spitze sind dort. Druma und Kimpurusha verehren den segenspendenden Herrn.
75.41 Der Herr der Rakshasas, Mahendra und Gandhamadana, mit Opfern, Gandharvas und allen Nachtwandlern [Satzgliederung unsicher],
75.42 und der rechtschaffene Vibhishana verehren den herrlichen Sadashiva. Malaya, Mandara, Mahendra und Gandhamadana,
75.43 Indrakila und Sanabha, ebenso die beiden göttlichen Berge: Diese und viele andere, alle mit Meru an der Spitze,
75.44 verehren den großherzigen Sadashiva, den Oberherrn. Der erhabene Nandishvara und ebenso Mahakala,
75.45 alle mit Shaktakarna an der Spitze sowie die Dienerinnen der Göttin, Kashtha-Bhrikuti, Mukhodanti und die in Askese hervorragende Vijaya [Namensgliederung unsicher],
75.46 der weiße Stier, mächtig brüllend, sind dort. Andere Rakshasas und Pishachas sitzen beim Segenspender.
75.47 Maheshvara ist von Gefolge und Uma umgeben, stets Herr der Göttergötter, Shiva, Hervorbringer der drei Welten.
75.48 Nachdem der Nachkomme Pulastyas sich mit dem Haupt vor Umas Gatten in verwandter Gestalt verneigt und die Erlaubnis Mahadevas, des Kula-Herrn, erhalten hat,
75.49 weilt bisweilen der erhabene Bhava als Freund des Reichtumsherrn. Die beiden vorzüglichsten Schatzherren Shankha und Padma
75.50 nehmen alle Schätze mit und verehren Sadashiva. Eine solche schöne Gleichheit beziehungsweise Versammlung ist durch mich im Raum verborgen [Vorlage „samata“ auffällig].
75.51 Oberhalb dieser strahlt die betrachtete Versammlung des Großvaters; vor den Versammlungen der Richtungshüter geht sie wie ein beständiger Blitz auf.
75.52 Ich werde die Mahadeva[-Versammlung] im Halslotos der Guten preisen, die den schweigenden Yogis Meditationsvollendung gewährende Versammlung.
75.53 Sie vernichtet Millionen großer Verfehlungen; Brahmans Beschreibung gibt es nicht. Selbst in hundert Jahren kann ich diese Versammlung nicht beschreiben.
75.54 Dennoch wird sie zu deiner Vollendung kurz beschrieben, Herr. Höre zur Reinigung die Versammlung des Großvaters, wie sie erklärt wird.
75.55 Diese Leuchtende lässt sich nicht mit „so ist ihre Gestalt“ bestimmen. Stets steht sie dort fest, wie sie in Narayana feststeht.
75.56 Die gleiche Gestalt betrachtend, verehren der herrliche Großvater mit der Versammlung und Shakini den großherzigen höchsten Herrn.
75.57 Die unermessliche göttliche und menschliche Versammlung von ewiger Gestalt ist durch ihre Macht unbeschreiblich und allen Wesen bezaubernd.
75.58 Auch mit Arzneien oder entsprechendem Verbunden, ist sie die höchste, unvergängliche, den Geist bewegende göttliche Versammlung, weder kalt noch Hitze spendend [Anfang unsicher].
75.59 Es gibt dort weder Hunger noch Durst oder Ermüdung, weder Vergangenes noch Künftiges. Sie scheint aus vielerlei Gestalten geschaffen, mit Edelsteinen und Waffen versehen.
75.60 Sie wird nicht von Säulen getragen, ist ewig und nicht aus Buchstaben bestehend [Lesung auffällig]; mit göttlichen vielfältigen Zuständen, strahlend von unermesslichem Glanz.
75.61 Ihr eigenes Licht leuchtet heller als Mond und Sonne. Auf der Himmelshöhe flammend, scheint sie selbst die Sonne zu erhellen.
75.62 In ihr weilt der Erhabene, Götter und Menschen gestaltend, selbst allein unablässig, Herr, als Großvater aller Welten.
75.63 Die Herren der Geschöpfe dienen diesem Gebieter: Daksha, Prachetas, Pulaha, Marichi, Kashyapa und Yati,
75.64 Bhrigu, Atri, Vasishtha, Gautama und Angiras, Pulastya, Kratu, Prahlada und Kardama,
75.65 Atharvangiras, die Balakhilyas und Strahlentrinker, Geist, Luftraum, Vidyas, Wind, Feuer, Wasser und Erde,
75.66 Klang und Berührung, Gestalt, Geschmack und rechtschaffener Geruch, Urnatur und Ichbewusstsein und alles andere, was Ursache der Welt ist,
75.67 Agastya von großer Leuchtkraft, der Weise Markandeya, Jamadagni, Bharadvaja, Samvarta und Chyavana,
75.68 Durvasas, Amari, Jeta [Teilung unsicher], der askesereiche Rishyashringa, der erhabene Sanatkumara, Yoga-Lehrer von großer Askese,
75.69 Asita, Devala, der wahrheitskundige Jaigishavya, Rishabha, Jitashakra und der sehr kraftvolle Askese-Weise,
75.70 der achtgliedrige Ayurveda in leibhafter Gestalt, Träger der Lebenskraft, der mit aufwärtsgerichtetem Samen, große Yogi, Devadatta und Bhagiratha,
75.71 Kapilacharya, Isha vertraut, Dhanada, mit dem Wesenskern Verbundener, Herr großer Rede, Zeit, Liebeswerk und gutes Gelübde,
75.72 Varuna, Weltenherrscher, Götterlehrer, Dhananjaya, Kama-Sohn, Vasishtha, Mandara und Ashvattha,
75.73 Ravi als Anführer, Vidhata, Nairrita und Yama, Agni, Shakra, Vibhanda, großer Held und Scharenherr,
75.74 Kartikeya, Lebensherr, Planetenkreis, Heilsschöpfer, Veda-Kenner, Dharma-Kenner, Varendra und der Herr Nandana,
75.75 Brihaspati, Shukra-Deva, Wissender, Träger leuchtender Waffen; viele andere sind dort mit aufwärtsgerichtetem Samen, zum Herrn gehend.
75.76 In ihr leuchten sie, Mahakala, als Gestalten reiner Freude. Der Mond mit den Mondhäusern, Adityas und Strahlen,
75.77 Winde, Opfer, Entschluss und Lebensatem, leibhaftige große Wesen, großen Gelübden ergeben,
75.78 diese und viele andere verehren Sadashiva. Artha, Dharma, Kama, Freude, Nicht-Hass, Askese und Selbstbeherrschung,
75.79 Gandharvas mit Apsaras kommen dorthin, siebenundzwanzig andere und sämtliche Weltenhüter.
75.80 Dort sind die neun Planetenkräfte, kundig in vielerlei Verehrungsdiensten, Mantra, Rathantara, Hariman und Vasuman,
75.81 Adityas mit Oberkönigen, von vielerlei Scharen begleitet, Maruts, Vishvakarman, Vasus und Richtungsherren,
75.82 ebenso sämtliche Ahnenscharen und alle Opfergaben, Rigveda, Samaveda, Yajurveda und Sadashiva,
75.83 Atharvaveda im Inneren, sämtliche Lehrwerke, Unterweisungen der Überlieferungen und alle Vedangas,
75.84 Planetenkräfte, Yakshas, Soma-Gestalten und sämtliche Gottheiten, Savitri, Notretterin und die siebenfache Vani,
75.85 Erinnerung, Auffassungskraft, Festigkeit, Einsicht, Weisheit, Geduld und Ruhm, Lobpreisungslehren, Saman-Gesänge und vielfältige Lieder.
75.86 Die Kommentare mit Argumentation als Mund leuchten verkörpert, ebenso vielfältige Dramen, Dichtungen, Geschichten, Erzählungen und Lehrverse.
75.87 Dort stehen die Verdienstvollen und andere Guru-Verehrer, Augenblicke, Lavas, Muhurtas, Tag und zum Morgen gehende Nacht,
75.88 Monatshälften, Monate und die sechs Jahreszeiten, Bhairava, Jahre, der Fünfjahreszyklus, Monate und vierfache Nächte,
75.89 das göttliche Zeitrad, ewig, unerschöpflich, unveränderlich, ebenso das Dharma-Rad, stets in ihren Gestalten [Schluss unsicher].
75.90 Aditi, Dakshaka, Surasa, Vinata, Ira, Kalaka, die Göttin Surabhi, Sarama und Gautami,
75.91 die Göttinnen Pradha und Kadru, die Mütter der Gottheiten, Rudrani, Shri, Lakshmi, Bhadra, Shashthi und Para,
75.92 Prithivi, die zum Ganges gehörende Göttin, Hri, Svaha, Kirti, die Göttin Sura, Shachi, Pushti und Arundhati,
75.93 Samvriddhi, Asha, Niyati, die Göttin Ida, Rati, Kamini, höchste Freude, die herrliche Göttin Tripureshvari,
75.94 Kama-Mutter, große Bala, Varada und Weitere, Sarasvati, Mandakini, Himmelsganges, Ganges des Götterhimmels und die Gedankenschnelle,
75.95 Trisrota, Chandrabhaga, der sehr schnelle Fluss, die Kräfte der fünf heiligen Badeorte, die Lotusse, Meere und Aufgänge der Meere,
75.96 Kalindi, Vaishnavi, Siddha, Tarala, Pushkarodaya, Bhanumati, Mahavega, Chandashukra und der große Fluss,
75.97 Vetravati, Kaveri, Mahabharga, Vasundhara, Vibhavati, Padmalakshmi, Prabha, Bhadra und Kiratini,
75.98 Ambalika, Ahalya, Tritunda, Mandaleshvari, Mandodari, Mandavega, Madira und der Sharada-Fluss,
75.99 Nirmala, Mandaragranthi, Prajna, Jvalavati, Rati, Avanti, Ratanti, Yugadya und Maghasaptami,
75.100 Panchatunda, Ghoranada, Santoshi, Tushtavamshini, Bharadvajeshvari, Dharma, Shatadhara und Dharavati,
75.101 Mallika, Malini, Manda, Hindola, Lingavahini, Vartula, Siddhalanka und der in Kurukshetra stehende Fluss,
75.102 Akashaganga, Siddhangi, Gautami, Balika, Gaya, Daityajihva, Kalajihva, die reine Kraft von vier Millionen,
75.103 die Nadi im halben Feuer, jeweils an den eigenen Stätten stehend: Als verkörperte Flussgöttinnen und weitere leuchten sie in dieser Versammlung.
75.104 Auch der Krishna genannte Fluss, Kulavati und Bala sind in der Versammlung. Die drei Hauptflüsse stehen links, rechts und in der Mitte:
75.105 Idavati, die Pingala genannte, Sushumna und Sarasvati als Ursprung [Teilung unklar]. Inmitten der drei wird die vielgestaltige Göttin Sushumna verehrt.
75.106 Auch männlich benannte Flüsse sind dort; ihre Zahl gilt als dreieinhalb Koti. Der Fluss Shona, Mahashona, Vatuka, der starke Hara,
75.107 Taruna, Taraka, Bhadra, Vibhadra, Narmadapati, Prabhanatha, Viramukhya, Vishala und Baladevaka,
75.108 Padmaraga, Maraketa, Trivritta, Nandana, Ghana, Akalajihma, Himsadhya, Vidhrita und Avadhutaka,
75.109 Brahmaputra, Vibhakara, Kapila, Anjana, Samba, Eka, Mahasamkhya, Mandala Genannter und Brihannala,
75.110 Shatanaladhara, Rudra, Vishvagami, Dhananjaya, Sahasravadana, Vakya, Gharghara und Damana,
75.111 Sita Genannter, Manava, Garta, Kula Genannter, Visamapati, Bhavakunda, Visarga Genannter, Jyotishtoma und Phalakara,
75.112 Dhavala, Badara Genannter, Virabhadra, Makha, Marmahanta, Shulagarta, Manabhanga und Divagama,
75.113 Shura, Kalakuta, Madhugami, Jalantaka, Dadhidhara, Ghrita Genannter, Sudhadhara und Mahanada,
75.114 Hingula Genannter, Malaketu, Payasvan, Herr des Wassers, Lavana Genannter, Dharmaputra, Jivaputra und Dhanakara,
75.115 Mayapati, Kalanatha, Vindhyala, Lavanashraya, Ikshudharadhara, Mana, Vidhuvarna und Dharajala,
75.116 Pushkara, Dushkara Genannter und Shankara, Sadashiva: Diese und viele andere verehren Pushkara.
75.117 Unter den dreien ist Pushkara der beste, auf die Sushumna-Nadi gestützt; in Ida heißt er Pushkara, in Pingala Shankara.
75.118 Noch viele weitere männliche Flüsse leuchten leibhaftig. Auch die weiblichen Flüsse sind verkörpert und haben bei Sadashiva Zuflucht genommen.
75.119 Sie verehren auf dem Fruchtboden in Brahmas Versammlung, Herr. Inmitten von Sadashivas Versammlung strahlt die Versammlung Brahmas.
75.120 Darin leuchtet auch Shakras bezaubernde Götterversammlung. Sie ist nach der Folge von Osten an und wie eine Himmelsgängerin zu meditieren.
75.121 In der Feuerecke ist die höchste, ganz aus großem Licht bestehende Feuerversammlung; südlich des Fruchtbodens die große Versammlung Dharmarajas.
75.122 Im Südwesten die alles bezaubernde Versammlung des Rakshasa-Königs. Im Westen leuchtet die „Strahlende“ genannte andere Versammlung Varunis.
75.123 In der Windecke die Windversammlung, im Norden Kuberas Versammlung. Unten strahlt Nandas Versammlung, oben Brahmas Versammlung, Herr.
75.124 In der Mitte leuchtet die sonnengleiche, wie hundert Zehntausende aufgehende Versammlung Sadashivas, Herr, im Kreis des Welteneies entstanden,
75.125 stets auf dem feinen Weg strahlend und auch von Ishvaras Gestalt. Adityas, Vasus, Rudras, Maruts und die beiden Ashvins,
75.126 Vishvedevas, Sadhyas, Ahnen und große Rishis sind dort. Ein einziger königlicher Rishi strahlt dort als Hauptgestalt.
75.127 Ebenso strahlen königliche Rishis mit dreizehn Eigenschaften: Prithu, Dharmaraja, Harishchandra, Yudhishthira,
75.128 Ramachandra, Ramanatha, Bhagiratha, Ilapati, Prahlada, Kardama und der rechtschaffene Vibhishana,
75.129 Nala und Rukmamali, Asketen von erhöhter Heldenkraft. An der linken Seite unten leuchten sie auf der Sitzfläche.
75.130 Andere Weise sind dort, Sadashiva umgebend. Große Verehrer schauen Sadashivas höchsten Zustand.
75.131 Vorzeitiger Tod wird entfernt, alle Krankheit vernichtet durch Erinnerung, Lesen und Meditation über den Herrn Sadashiva.
75.132 Alle Verehrer auf Erden erlangen mühelos Vollendung, ob Alte, Kinder oder Menschen in der Jugend.
75.133 Nach müheloser Erlangung der Frucht schauen sie Sadashiva. Nachdem sie über diese Gestalten meditiert haben, verehren sie Sadashiva.
75.134 So gelangt man rasch, Herr, zu Sadashivas höchstem Zustand. Wer die Göttinnen verehrt und über Sadashiva meditiert,
75.135 schaut unvermittelt die drei Welten und dann Sadashiva. Zur passenden Zeit, abgeschieden oder in einer Berghöhle [Vorlage „gavina“ unsicher],
75.136 verweile man einspitzig und meditiere über Sadashivas höchsten Zustand. Durch Meditation dessen, der zu Brahman gelangt ist, erreicht man rasch Shiva-Sein.
75.137 Der Brahmane gelangt rasch zu Sadashivas höchstem Zustand. Man meditiere hier über Sadashivas Lotosfuß in folgender Weise:
75.138 reich an Klang der Edelsteinfußringe, mit beweglichem Schmuck geziert, durch rubinartige Zehen geschmückt, ein roter Lotos,
75.139 von der Versammlung der Vollendeten verehrt, Quelle der Zuflucht für Vollendete, von Göttern, Dämonen, Gandharvas, Siddhas und Charanas verehrt,
75.140 von den Scharen führender Weiser zu verehren, gewiss ein Meer des Dharma, Wünsche und weitere Früchte gewährend, schön, wie hundert Morgenröten leuchtend.
75.141 Man meditiere über ihn als aus allen Vidyas bestehend, auf dem unbefleckten Hamsa-Weg.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Beschreibung der Versammlung, die vorzeitigen Tod entfernt“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 75.
Kapitel 76: Hundertacht Namen und Schutztext Shakinis
76.1 Shri Anandabhairavi sprach: Ich erkläre, Mahakala, eine überaus wunderbare Übung: den Schutztext der Göttin Kakini mit hundertacht Buchstaben [später wird derselbe Text Shakini zugeordnet].
76.2 Wer ihn auf Erden zu Hause, an der Hand, auf dem Kopf, am Hals, inmitten des Geistes, am Arm oder an der Hüfte trägt,
76.3 welche Vollendung könnte dieser Übende, Herr der Yoginis, nicht bewirken? Yoga-, Handlungs- und höchste Shiva-Vollendung,
76.4 große Vollendung, Khechari und Sushumna-Vollendung, Frucht-, Zeit- und Handlungsvollendung, Shiva-Ambika,
76.5 Bein-, höchste und Schwertvollendung, der überfeine Gang und die acht Vollendungen von Kleinwerden an werden fest in seiner Hand sein.
76.6 Der Schutztext der Göttin Kakini gewährt alle Vollendungen. Zur Unzeit oder guten Zeit gelesen, sammelt er Dharma.
76.7 Durch Dharma-Sammlung siegt man. Wo Sieg ist, da ist Shiva; wo Shiva als Göttin ist, da ist Shiva als Gott. Das Wesen des Schutztextes sind beide Geliebten.
76.8 Diese beiden, Parvati und der höchste Herr, sind stets Handelnde und Rettende, Schöpfer von Wirkung und Ursache, beide höher als das Höchste.
76.9 Sie stehen in der Gestalt des Schutztextes, von Entstehungswesen. Seine Namensbuchstaben erkläre ich; höre, Bhairaveshvara.
76.10 Bhairavi, Furchtbargestaltige, Andersgestaltige, Gestaltlose, von feiner und überfeiner Gestalt, Selbstleuchtende und Shakini,
76.11 Japala, Janchala [Lesungen unsicher], Bhima, Mondgöttin, Höhere und Niedere, Lotosäugige, Göttermutter, Schwert- und Schädelträgerin,
76.12 Lehrerin, Gauri, Wolkenschatten, Om als Anfang Habende, Opferbrei Liebende, Schatten, Sieg, Janjana [Name unsicher], Om-Wesentliche, Kraftreiche,
76.13 Aṃ-Schaffende, Dakini, Takka-Göttin, Runa Liebende [Name unsicher], Retterin, grob Genährte, Mitgefühl und Dharma Liebende, Lob,
76.14 Höchste, Einsichtskraft, Fruchtspenderin, Phalguni, Kraft, Erdträgerin, Vasuki, Bhadrakali, Werden und Nichtwerden,
76.15 Manasa, Bezaubernde, Mutter, Yashoda, Opfernde, Ruhm, Gestaltherrin, Leben der Schlacht, Lakshmi, durch Merkmale Geschmückte,
76.16 Reichtum Liebende, am Reichtum Erfreute, Kinderschutz, Mondglanz, Sechssilbige, Sharada, Kurkuma, mit Halsketten Bekränzte,
76.17 an Schönheit Erfreute, Lanka, Schwindsucht Vernichtende, Feldhüterin, Feldbesitzerin, Kshatriya, Wohlergehen Spendende, Geduld,
76.18 Hungerstillung Bewirkende, Erschütterte, Reinigung Genannte, Vergängliche und Unvergängliche, Unendliche Genannte, Uma, Durga, Beste, Ishvara Liebe,
76.19 in der Samenlautgruppe des kurzen Ḷ Stehende, durch das lange Ḹ Lebende, Eranda-Schlacht-Chamunda, Aindri, im geliebten Datta-Inneren [Wortlaut unklar],
76.20 Tunutunda, Arzneipflanze, Höchste, Niedrige und Mittlere, Entzweiende, in Arznei Stehende, mit dem Selbst lauten Lachens Verbundene,
76.21 Zielspenderin, Achthändige, in den Strahlen Millionen Sonnen Gehende, Ardhanarishvara als Göttin, zu Verehrende, zahllose Waffen Tragende, Gleiche,
76.22 Spenderin der acht Herrschaftskräfte, Ehrengabe, im Wasser Stehende, Arundhati, Darbringung Genannte, Sonnenweise, Darbringung, ohne Straucheln Stehende,
76.23 reich an Verehrung, in Verehrung Stehende, Feindin, mit rötlicher Lippe. Nach dem Lesen dieses als hundertacht bezeichneten Nektars lese man den Schutztext.
76.24 Dann entstehen reiche Früchte und Verwirklichung von Lebensdauer und Gesundheit. Als Rishi dieses Shakini-Schutztextes gilt Sadashiva.
76.25 Gayatri ist das Versmaß, Shakini die Körpergottheit. „Om, Shriṃ, Kliṃ“ beschütze meinen Kopf; „Blu[†], Hlu[†]“ meine Stirn [die beiden Lautfolgen sind in der Vorlage beschädigt und werden nicht ergänzt].
76.26 Khechari beschütze beide Augen, Shiva-Shakini meine Ohren. Die göttliche Shakambhari und Rama beschützen stets beide Wangen.
76.27 Svaha beschütze beide Nasenöffnungen, Shira die Lippen. „Driṃ, Hiṃ, Shriṃ“ beschützen meine Zahnreihe, die Körpergottheit die Zungenspitze.
76.28 Die Göttin Kamala beschütze das Kinn, die Redespenderin meinen Schädel. Kalika beschütze das Antlitz, die Klang-Samenlaut-Wesentliche den Hals.
76.29 Die Halsgöttin Shakini beschütze meinen Halslotos. Die Göttin Sura von Wunschgestalt beschütze stets den Herzlotos.
76.30 Kalavati, Kamakama und Kamamala beschützen Vishuddha und Sadashivas Weg; Lakshmi meinen Nabellotos.
76.31 Ulkamukhi, die Göttermutter, beschütze stets den Sechssilbigen. Sie beschütze stets den Vishnu-Lotos, Rakini mein Blatt.
76.32 Bhegada [Lesung vermutlich gestört], Spenderin von Erkenntnis und Befreiung, beschütze stets die Hüftgegend. Kakini, die höchste Herrin, beschütze stets Muladhara.
76.33 Die Eingestaltige, Andersgestaltige beschütze stets die Linga-Grundlage; die von Markandeya verehrte Göttin Mrikunda, Bewohnerin der Wurzel.
76.34 Abhaya beschütze mich stets, Götterherrin, und den schönen Bereich. Die große Göttin namens Schau beschütze die Linga-Grundlage und den Zwischenraum der Füße.
76.35 Die goldäugige Göttin beschütze, alle Gottheiten sämtliche Glieder; Schöpferin, Feingestaltige, Grobgliedrige und Schlankbäuchige.
76.36 Die Göttin Shakambhari beschütze mich überall und immer. Herzens-Kalika beschütze stets alle Glieder an jedem Ort.
76.37 So ist dir, Herr, der selbst Göttern schwer zugängliche Schutztext erklärt. Durch Lesen erlangt der Mensch Vollendung und Königtum.
76.38 Unvermittelt werde er sonnengleich und selbst zum Bezwinger des Begehrens. Durch Tragen erstarke der Leib und wachse der Reichtum an Lebensdauer und Gesundheit.
76.39 Er bewirkt unmittelbar Atemvollendung, ist Gestalt der Nektarfreude und soll Feuer, Wasser und Wind stillstellen.
76.40 Man werde Himmelsgänger, Yoga-Sieger und Vernichter der Erwartungen. Danach lese man das Wunsch-Mantra und vollziehe anschließend Meditation.
76.41 „Om. Shri und Lakshmi sind deine beiden Gemahlinnen, Tag und Nacht deine Seiten, die Sterne deine Gestalt, die beiden Ashvins dein geöffneter [Mund]. Gewähre das Erwünschte, gewähre mir jenes, gewähre mir alle Welten“ [die Schlusswörter des vedischen Mantras sind in dieser Vorlage verstümmelt].
76.42 Nach Rezitation des Wunsch-Mantras erlange man die Frucht aller Wünsche. Wer danach über den Schutztext und Shakini-Shiva meditiert,
76.43 gelangt durch den Yoga der Shakini-Meditation an das andere Ufer des Veda.
76.44 Ich verehre die Prana Genannte, Shakini im weißen Lotos, von unbegrenzter Wohnstatt, gelb gekleidet, fein, mit unruhigem, durch Schmuck hervortretendem Leib [Lesung unsicher], beweglich, nach Vollendung verlangend; mit vier Lotushänden und schönen Lotosaugen leuchtend, von Shiva erfüllt, mit Lotos, Furchtlosigkeit und gewaltigem Schwert, die Pflanzenmutter.
76.45 Der Yogi, der nach Meditation auf der Leichenstätte, in einer großen Berghöhle, inmitten Dakinis Gebiet, in leerer Grube oder Wald, unter einem Himmelshaus, im leeren Haus oder guter Fremde, erkenntnisvoll und beherrscht, stets den furchtlos machenden, alles spendenden Schutztext der Körperverbindung Shakinis liest, am Ganges oder im eigenen Inneren, gelangt zur Vollendung.
76.46 Nachdem man mit den rituellen Stoffen Schutztext und Göttin vorschriftsgemäß verehrt hat, soll unvermittelt Körpervollendung entstehen, mit den acht Herrschaftskräften verbunden.
76.47 Durch innere Haltung erlangt man Befreiung und Glück auf Schritt und Tritt. Eine Frau, deren Kinder sterben oder die als „Krähen-Unfruchtbare“ gilt,
76.48 soll durch Tragen dieser Vidya von diesen Mängeln frei bleiben. Wer sie am Hals trägt, die im Kampf den Pfeilschaft trägt,
76.49 erlange Unvergänglichkeit als lebendes Wesen, Sadashiva. Mit Gorochana, Safran, schwarzer Aloe und Kurkuma,
76.50 mit Lacksaft niedergeschrieben und getragen, soll sie Unsterblichkeit gewähren.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Shakini-Schutztext“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 76.
Kapitel 77: Die aufsteigenden Kreise und Mahakali im Sahasrara
77.1 Shri Anandabhairava sprach: Sprich jetzt, Jugendliche, Schöne, Lebensgeliebte; erkläre im achtzigsten Kapitel die Sammlung der Yoga-Bedeutungen [die Kapitelangabe des Verses widerspricht der überlieferten Nummer 77].
77.2 Shri Anandabhairavi sprach: Höre, König der Bhairavas, von Sadashiva und der ursprünglichen Shakini. Die freudige Verbindung beider führt zur Frucht von Genuss und Befreiung.
77.3 Der Einsichtige erlangt unvermittelt die blitzdurchsetzte Schau der Raumteilchen und der besonderen reinen Augen [Genitivbezug unsicher].
77.4 Oberhalb von Sadashivas Kula-Stätte liegt die herrliche Shakini-Stätte. Wer beide im Besonderen kennt, [gelangt] zur Erkenntnis- und Himmelswander-Vollendung.
77.5 Ihre Kula-Stätte erkläre ich; erfasse sie genau. An Spitzen, Mitten und Wurzeln der sechzehn genannten Blätter, überall,
77.6 betrachte man Sadashivas Kula-Stätte, den König der Kreise. Nachdem der Yogi hundertfach betrachtet hat, was könnte auf Erden nicht gelingen?
77.7 Als Herr der Wesen wird er auf Erden fest. Den erhabenen, großleibigen höchsten Gott Sadashiva,
77.8 im Kreis und außerhalb des Kreises, außen, innen und darüber, schaut der große Yogi; danach den Zeitkreis.
77.9 Mühelos durchdringt er den Raumknoten und geht im Höchsten auf. Durch die Gnade des Kreiskönigs gelangt er zu jeder Bewegung.
77.10 Nach Durchdringung von zweiunddreißig harten Knoten geht er im Raum über den Vogel hinaus. Danach der Kreis der Freude Parashivas, von Shakti-Wesen,
77.11 dann die Klangfülle, danach die höchste Stätte, die Stätte des Mit-Teilen- und Ohne-Teile-Seins, dann der Bodhani-Kreis.
77.12 Darüber durchdringe man den Unmani-Sitz, danach die Stadt Bhrigus, dann die Klangstadt.
77.13 Nach Durchdringung des Klangendes folgen das Gefäßfeld Brahmas und Vishnus, Handlungsschöpfer, Lebensauflösung, Opferstätte und Flammenstätte.
77.14 Man durchdringe Purnagiri und Uddayana, dann die eigene Stätte, danach Durgas Stätte und die Lichtstätte.
77.15 Darüber liegt Pingalas Stätte, darüber jene Stätte; man durchdringe den Sushumna-Kreis, die rauchige Ecke [Vorlage „dhaumira“ unsicher], große Auflösung.
77.16 Darüber der große Bindu, darüber das Sechseck, darüber die Stadt der Prägungen und darüber die Samenlautstadt.
77.17 Darüber liegt Vishnus Kreis wie eine Töpferscheibe. Nach seiner Durchdringung folgt die Stadt des Begehrens, die alle Wunschfrüchte gewährt.
77.18 Darüber Shakras Kreis, darüber der Erdkreis, darüber der Hüllenkreis, darüber der Windkreis,
77.19 darüber der Feuerkreis, darüber der Nektarkreis, darüber der Wasserkreis und darüber der Tageskreis,
77.20 darüber der Nachtkreis, darüber der Sternenkreis, darüber der Dharma-Kreis und darüber der Zeitkreis,
77.21 der stets alle Zeit und die bewegliche und unbewegliche Welt durchdringt. Immer darüber liegt die Gesamtheit des Kreises der sieben Meere.
77.22 Darüber leuchtet stets der herrliche Kreis des Wasserendes; darüber der große Kreis, Stätte großer Lotoswälder.
77.23 Oberhalb des Ta-Klangs meditiere man über den schönen Lotos im Sahasrara. Nach seiner Durchdringung schaut man den Erkenntnislotos auf dem Fruchtboden,
77.24 Mahadeva in Totengestalt, als regloser Leichnam. Auf seiner Brust steht der Preta-Samenlaut, leuchtend wie zehntausend Sonnen.
77.25 An seiner Oberschenkelwurzel steht der Zorn-Samenlaut, rot wie hundert Morgenröten. Über ihm schaut man gewiss Mahakali,
77.26 die Mutter mit dem Fuß in Pratyalidha-Stellung, lotosäugig und lächelnd, vierarmig, mit Schwert, Kopf, Segen und Furchtlosigkeit in den Lotushänden,
77.27 Mutter der drei Welten, von Brahman-Gestalt, durch Krone leuchtend, eine Schädelkette tragend, alle Waffen, Ursache von allem,
77.28 die Brahman in unendlich vielen Welteneiern durchdringende Gestalt, mit heiterem Antlitz, Schreckliche, mit Leichnamen an den Ohren, Karalini,
77.29 Mutter der Yoga-Herren, Ewige, Bhavani, vom Werden Befreiende, Reine, makellose Freude, von Erkenntnisfreude Gestaltige,
77.30 in Dharma, Wohlstand, Begehren und Befreiung stehend, mit offenem Haar, unbekleidet, anmutig, schön, dunkel, von Mahakala verehrt,
77.31 überaus gewaltig, deren Hüfte ein Edelsteingürtel mit Mondglocken schmückt, von der mächtigen Leuchtgestalt unendlicher tausender Sonnen, Kula liebend,
77.32 Bewohnerin der Leichenstätte, Durga, in der Totenstätte wohnend, schrecklich rufend, große Raudri, höchste Dakshina-Kalika,
77.33 furchterregend durch zwei Leichname als Ohrgehänge, mit schrecklichen Hauern und furchtbarem Mund, mit vollen hochstehenden Brüsten,
77.34 deren Gürtel aus einer Ansammlung von Leichenhänden gefertigt ist, lieblich redend, deren Antlitz durch Blutströme aus beiden Mundwinkeln aufleuchtet,
77.35 mit drei Lotosaugen wie die Scheibe der jungen Sonne geschmückt, mit hervorstehenden Zähnen, deren Brustschönheit von rechts herabfallenden Perlen bedeckt ist [Lesung unsicher],
77.36 auf dem Herzen Mahadevas in Leichnamsgestalt stehend, in allen vier Richtungen von schrecklich heulenden Schakalinnen umgeben,
77.37 mit dem allgegenwärtigen Mahakala in umgekehrter Liebesstellung verlangend, mit glücklichem, heiterem Antlitz und lächelndem rotem Lotosmund,
77.38 Honig und Fleisch genießend, Segenspenderin, liebesverlangend, durch Veda- und Vedanga-Vidyas von edlen Eigenschaften,
77.39 Stolz der Daityas und Danavas Vernichtende, deren Leib eine Bhaga-Girlande ist [der Ausdruck kann Geschlechtsorgan oder Glücksfülle bezeichnen].
77.40 Man betrachte die Kaula-Kali unter dem Kula-Baum, die herrliche Wunschranke, deren Ohrringe Millionen Blitze schmücken,
77.41 mit einer Schlange als heiliger Schnur, mit Halbmondkrone und allem Schmuck, deren Augen Feuer, Sonne und Mond sind,
77.42 mit heraushängender Zunge, Wunschgestaltige, am Kama-Heiligtum Wohnende, mit überaus schönem Antlitz und in Strömen aufleuchtendem Glanz,
77.43 Wunschspenderin, durch Schauspiele von Siddhas, Gandharvas, Göttern und Charanas gepriesen, von Brahma, Vishnu, Shiva, Shakra und großen Rishis
77.44 stets verehrt, deren Leibglanz Millionen Wolken gleicht, über den Samsara Hinüberführende, Tara, von der Gestalt des rettenden Brahman,
77.45 die mit dem Glanz von Reihen von Mond- und Saphirjuwelen blitzartig leuchtet, in der geliebten Liebe der süßen Freude von Shris Wohnstatt unbekleidet,
77.46 jenseits von Scham, Kula und Erkenntnis, unbefleckt, deren Hüfte durch ein aus Zornfülle entstandenes Tigerfell glänzt.
77.47 Über die stets von Nila, Ghana, Bala, Maya, Matra, Mudra, Kala und Weiteren Verehrte meditiere man im höchsten Sahasrara-Lotos.
77.48 Nach solcher Meditation über Mahakali, die dunkle, heilvolle Wunschkuh, erlangt der Selbstbeherrschte gewiss die Vollendung des Gehens im Raum.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, bei der Bestimmung der Reihenfolge von Sadashivas Kula-Kreis, unter dem Namen „Sammlung der Yoga-Bedeutungen“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 77.
Kapitel 78: Der Kula-Kreis zwischen Halslotos und Brauenlotos
78.1 Shri Anandabhairavi sprach: Höre, Bhairava, ich erkläre die Bestimmung der Geheimzeichenbedeutung, die vollendete Folge des Kula-Kreises von Shakti und Sadashiva.
78.2 Allein durch ihre Erkenntnis wird man im Halslotos fest. An der Lotospitze liegt der wesentliche Kreis, den Yogis überaus lieb.
78.3 Schon durch Meditation, Großarmiger, offenbart er alle Kreise. Der Übende wird einer mit aufwärtsgerichtetem Samen, Bezwinger des Begehrens, Wissender, Schweigender und Raumgewandeter,
78.4 Himmelsgänger, Haltender, Herrlicher, Kaula. Die Meditation über diesen Kreis ist so: zwei Tore vorn am Eingang,
78.5 an seinem Ende ebenfalls zwei Tore, eine halbe Sesambreite mit getrennter Linie. In beiden Linien nicht nur ein Tor, so wieder zwei Tore [geometrische Anweisung unklar].
78.6 Von vorn bis zum Norden meditiere der Einsichtige zweimal. Zwischen beiden liegt der Kreis aus vier Veda-Linien,
78.7 darin ein Sechseck, darin ein Zwölfeck; in dessen Mitte ein achtblättriger Lotos und darin ein Mondkreis.
78.8 In dessen Mitte steht die Leere-Gestalt, gestaltlos und unbefleckt, meine Stätte, deren Selbst die Freuden-Vidya ist, auf Wahrheitserkenntnis gestützt,
78.9 grob und fein, rein, Betrachtung von Bezeichnetem und Bezeichnendem, mein ungeteiltes Selbst, leuchtend wie Millionen Sonnen,
78.10 Licht schaffend wie Millionen Blitze, kühl wie Millionen Monde, allgegenwärtiger Ishana, Ursache der Erkenntnis der Nichtverschiedenheit,
78.11 Schöpfer, höchstes Brahman, Allwissender, Allsehender, Verkünder aller Lehrwerke, Erkenntnis und zu Erkennendes, Bewegliches und Unbewegliches,
78.12 achthändig, großäugig, Dreizackträger, mit Schädelkette, jenseits des Alters, ohne Unterscheidung, jugendlich, rettender Hara,
78.13 Hari, Brahma, Ishana, Lichtwesen der drei Welten, Durchdringer des Undurchdringlichen, Vollendeter, Siddhasana schaffender Gott,
78.14 Stadt der Gandharvas, Ort, Besonderheit, allseitig gewandt, Retter vor Unzeit, verbunden mit den Shaktis Svaha und Svadha,
78.15 wie Millionen Zeitfeuer, raudra, von Rudra-Wesen, Bhava, Offenbarer im Hüftkreis der Jungfrau Shri Sundari,
78.16 leuchtende Lichtscheibe, Zerschneider aller Krankheiten, in der Freude Hrishikeshas vollendet, Aufgang der Frucht Trivikramas,
78.17 Wohnstatt von Narasimhas Zorn, Vernichter aller Daityas, Ursache der Rettung des Veda-Sinns in der Fisch-Inkarnation,
78.18 Grundkreis auf dem Schildkrötenrücken, Eberzahn als Schmuck, Beschützer der Verehrer in Narasimha-Gestalt, höchster Herr,
78.19 Beschützer Mahendras, Vernichter des Dämonenstolzes, Zwergengestalt, Vernichter des Stolzes von Dämonen und Kshatriyas, Parashurama, Herr der Zweimalgeborenen,
78.20 Herr von Bhrigus Geschlecht, höchste Inkarnation wahrer Erkenntnis, Shri Rama, Reiniger, Rakshasa-Töter, Asket und Guru,
78.21 Grundlage der drei Welten, Freuden-Gestalt, höchster Pflugträger, Ananta, Erster der Yogis, mit tausend gezeichneten Schlangenhauben,
78.22 Buddha, gestaltloser Dharma, Mehrer des Sinns aller Lehrwerke, Freude der ewigen Offenbarung, frei von Dharma und Adharma,
78.23 Selbstentstandener, Selbstleuchtender, höchstes Selbst, Heil, Einförmiger, Kenner des Dharma-Rades, mit reinem Kampf,
78.24 Bezwinger der Bösen, großer Held, Dhananjaya, Shri Krishna, durch alle Dienste verehrt, ganz von ihm erfüllt, heilvoll,
78.25 ohne Hochmut, Beschützer, Offenbarer von Meditation, Erkenntnis und Befreiung, König der Könige, zu Bewohnender [Lesung unsicher], von allen Welten verehrt,
78.26 Dharma in allen Leibern, Dharma-Selbst, Sich-Erfreuender, Durchdringender, Grundlage des Durchdringenden, unterscheidungslos und nektarvoll,
78.27 Besonderer, Bewohner des großen Heiligtums der fünf Steine, von unendlich-unendlicher Größe, Schädel und Dreizack tragend,
78.28 Stätte des dreilinigen Kreises, Quelle der Ordnung der vier Veden, eingesichtig und zweifüßig, zweigesichtig und vierfüßig,
78.29 dreigesichtiger, sechsarmiger Herr, viergesichtiger höchster Vidhi, mit acht lotosgleichen Armen, fünfgesichtig und dreiäugig,
78.30 zehnarmiger Shiva, Glück, Schöner, herrlicher Sechsgesichtiger, ewig, zwölfhändig, Träger aller Waffen, Beständiger,
78.31 siebengesichtig, großleibig, vierzehnarmig, geliebt, achtgesichtig, Shiva-Freude, mit sechzehn Armen geschmückt,
78.32 mit neun Lotosgesichtern, achtzehnarmig, allgegenwärtig, berauschter Bhairava, Geliebter von Millionen Mahavidyas und Weiteren,
78.33 Herr der Unsterblichen, großleibig, Gatte der Achtzehnarmigen, Fülle der Zeit, schwarz, mit schönen Ketten bunter Schlangen,
78.34 hundertgesichtig, mit Millionen Händen, mit tausend Lotosantlitzen, hundert Millionen Gesichter, Haus fortdauernder ewiger Freude,
78.35 mit unendlichen Lotosfüßen, von unendlichen Menschen verehrt, mit unendlichen Lotushänden, durch unendlichen Schmuck leuchtend,
78.36 Fülle inneren Lichts, Ursprung unendlicher Eigenschaften, Schöpfer unendlicher Schöpfung, Ursache unendlichen Bestands,
78.37 im unendlichen Lotoswald [die Form ist unsicher], Liebhaber unendlicher Auflösung, Fülle unendlicher Samenlaute, Gewissheit unendlicher Lehrwerke,
78.38 durch unendliche Askese gesättigt, inmitten unendlichen Wassers gehend, unendliche höchste Grundlage, unendliches Feuer tragend,
78.39 Fülle unendlichen Raums, Herr unendlicher Erde, reich an unendlichen Flammengirlanden, Ursache unendlicher Einsicht,
78.40 reich an Verehrung an unendlichen Stätten, Vollendung unendlicher Namen spendend, Erkenntnis unendlicher Wege, unendliches Reich spendendes Glück,
78.41 Strahl des Sinns unendlicher Dharma-Lehrwerke, durch Dichtung verehrt, Stätte unendlicher Gottheiten, Vollendung unendlicher Werke spendend,
78.42 mit unendlichen Gebetskettenperlen rezitierend, stets Vollendung spendend, Bewegung unendlicher Geister, von unendlich-unendlicher Macht,
78.43 Bewusstsein unendlicher Lebewesen, Liebhaber unendlicher Betrachtung, unendliche reine Freude, unendlichen Wesen lieb,
78.44 Schöpfer unendlicher Gesänge, in unendlichen Meeren stehend, überall mit Händen und Füßen, überall mit Augen, Köpfen und Antlitzen,
78.45 alles umhüllend dastehend, unbesiegter Ishvara. Über den freudevollen Gott und den Übenden inmitten des Sitzes meditiere man,
78.46 ganz der Liebesfreude der herrlichen göttlichen Shakti Shakini ergeben, Gott der Götter, welterfüllt, von Shakya-Gestalt, ewig.
78.47 Wenn der Yogi meine Gestalt, die am Begehren Freude findet, mit Namen preist, nachdem er in der Kreisstadt meditiert hat, stützenlos und unbekleidet,
78.48 und im Raum den als Kula gegründeten Wesenskern des Kreises betrachtet, wird er führender Yogi, Himmelsgänger, furchtloser Herr.
78.49 Mühelos entstehe Vollendung; man werde ein Wissender mit Erkenntnis. Der Halslotos schaut nach oben; an seiner Spitze liegt der Kreiskreis.
78.50 Der Augenlotos, überaus schöner Zweiblättriger, schaut nach unten. An seiner Spitze ist ein großer Kreis derselben Gestalt, von großem Glanz.
78.51 Wo die Verbindung beider Kreise durch nächtlichen Yoga geschaut wird, dort entsteht, Götterherr, der bezaubernde viertorige Kreis,
78.52 unbefleckt, Erkenntnis und zu Erkennendes, aus Mantra bestehend, Shiva. Wer ihn kennt, Mahadeva, wird zum Wunschbaum.
78.53 So habe ich die Größe des Halses kurz erklärt. Der Yogi erkennt sie durch Meditation mit erkenntniserfülltem Geist.
78.54 Er schaut wahrhaft das große Selbst, Erkenntnis und zu Erkennendes, nektarvoll. Selbst in hundert Millionen Jahren lässt es sich nicht aussprechen.
78.55 Aus Hingabe an dich, Mahadeva, zum Schutz deiner Lebensdauer und deines Feldes ist jetzt das Heil der Bewegung im Halslotos erklärt.
78.56 Nicht öffentlich zu machen, tiefes Geheimnis, von Klang-Brahman-Gestalt: An einem menschenleeren, fehlerfreien Ort, ohne Krankheit und Bedrängnis,
78.57 mit reichlicher Nahrung, ohne Lästerung [Wortfügung unsicher], verweile man mit festem Gelübde und betrachte mit höchster Hingabe deine Gestalt.
78.58 Bald werde man im Yoga vollendet und erhalte Anteil an der Erkenntnisvollendung des Ursprungs. Die herrliche Matrika, große Göttin, spielvolle, heilvolle Sati,
78.59 Mutter, große Lehrerin, Guru-Shakti, beschütze mich Überängstlichen. Nachdem man sich vor dieser lotosäugigen Mutter wieder und wieder verneigt hat,
78.60 erkläre ich nun, Herr, die Bestimmung der Erkenntnis des Brauenlotos.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Offenbarung der Durchdringung des Halslotos“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 78.
Kapitel 79: Der zweiblättrige Ajna-Lotos und die Meditation über Hakini

79.1 Shri Anandabhairava sprach: Erzähle, o Herrliche, von der segensreichen Erfüllung der Wünsche, von der nicht öffentlich zu verkündenden großen Erkenntnis, wenn du mir Zuneigung schenkst.
79.2 Sie ist seit anfangsloser Zeit das Geheimnis der Lehrschriften, in allen Tantras verborgen, durch den Blick glücklicher Liebe und Gnade vollkommen heilbringend für alle Prinzipien.
79.3 Dieses Wortgefüge ist der Erkenntnis zugänglich, erhellt das zarte Innere, bringt Leben und Gesundheit hervor und gewährt Dharma, Wohlstand, Liebe und Befreiung.
79.4 Der zweiblättrige Brauenlotos ist erfüllt von Kreisen vollendeter Weiser; dort begegnet den Erkennenden das Wissen um die Gestalt der im Selbst vollendeten Wahrheit.
79.5 Lege diese Lehre des von Mahārudra verehrten Yamala sorgfältig und ausführlich dar, o Schönangesichtige, denn aus ihr geht der Zustand der Befreiung zu Lebzeiten hervor.
79.6 Er wird durch deine Gnade sogleich erlangt, o Mitfühlende. Durch die Wirkung des Kalakuta-Giftes ist mir das eigene Selbst in Vergessenheit geraten.
79.7 Behebe dieses Vergessen und schenke mir erinnernde Erkenntnis, den ersten Keim jener Befreiung, die höchste Wonne trägt.
79.8 Shri Anandabhairavi sprach: Ich werde den zweiblättrigen, vom Feuer der Zeit bewegten Lotos beschreiben, dessen Glanz bezaubert und erfreut und der mit bewegten Girlanden und Schädeln leuchtet. In seiner strahlenden Mitte wohnt Shakinis geliebter Parashiva, Ursprung des Lebens aller Wesen; er, der sich dort bewegt, möge schützen. [Mehrere Komposita der Vorlage sind unsicher.]
79.9 Ich verehre die beiden befreundeten Blätter: hell von der Schar der im Untergang leuchtenden Kräfte, leuchtend wie dessen Brunnen; eine große Flamme aus Licht, Stätte des Glücks, der Nektar als Öl lieb ist; erfüllt vom Glanz des Mondherrn und der Sonne, gepriesen vom Wesen der Hingabe an den Geliebten der Vidya. [Der Ausdruck über Maya ist verderbt.]
79.10 An der Spitze des Raumes, im Gang und im tragenden Wesen der Erde erscheint Shrinathesha, Herr der Erde, mit vielen Reihen mondheller Edelsteine als Halskette: Shrikantha, der Blauhalsige, der Freude und Erfüllung für die Welten schafft, der Herr der Vidya Hakini, als Hamsa mit der roten Shakti im Kristallhaus. [Die erste Vershälfte ist syntaktisch unsicher.]
79.11 Im mittleren Kreis der Lotosmitte leuchtet die besondere Shakti Hakini, die aus Schwierigkeiten hinüberführt. Wenn Menschen sie hier mit guten Mantras und tantrischem Gesang betrachten, erlangen sie das Höchste und werden fest. [Der Versschluss ist beschädigt.]
79.12 Inmitten des zweiblättrigen Lotos wohnt Hakini, Mutter der Götter, jugendliche Jungfrau voller Herrlichkeit, Yogini, im Yoga vollendet. Auf dem aufwärtsführenden Weg sitzend, gesalbt, erweist sie dem Übenden aus Erbarmen mit den drei Welten ihre Gunst.
79.13 Der Mensch, der mit Freude den höchsten Mantra und den Lebensatem rezitiert, wird reinen Geistes durch Hakini, die Göttin des Feueropfers. Er vergegenwärtigt den Mantra beständig im Herzen, gewinnt Festigkeit, gelangt zum Kula der höchsten Stadt und wird durch Meditation und Erkenntnis geheiligt.
79.14 Er überwindet den süßen Durst nach Sinnendingen und besiegt seine Feinde. Im Lotos des Kula-Paares wird er zu hellem Licht; die durch die Ordnung entstandenen Kula-Fehler überwindend, erscheint der Übende schön wie der Liebesgott, am Ziel seiner Erkenntnis. [Mehrere Wortformen sind entstellt.]
79.15 Er rezitiert um des Reichtums des Mantras und des Festes des Feueropfers willen und lässt anderes für Kali zurück. Als Vorzüglicher unter den Menschen bringt er hundert Myriaden guter Mantras und vernichtende Silbenscharen hervor: der feindbezwingende Übende, Hakinis Herr. [Die Verbindung mit „Verwirrung“ im ersten Halbvers bleibt unklar.]
79.16 Er tritt in die neue innere Haltung Parashivas ein. Hakini verkündet millionenfach die Schönheit des zweiblättrigen Lotos; von den eigenen Kula-Gottheiten in rechter Haltung betrachtet, wird die ursprüngliche, bewegliche Göttin vollkommen gnädig.
79.17 Man meditiere über den schönen Lotos namens Ajna, rötlich vom beglückenden Glanz hundert Monde, von Blitzstrahlen erhoben, Sitz wonnigen Bewusstseins auf einem weißen Thron; goldglänzende Hände erhellen ihn, und Hakinis Kraft bewegt ihn zur höchsten Freude. [Der Ausdruck mit Hakinis Kala und Furchtlosigkeit ist grammatisch unsicher.]
79.18 Hakini, Stätte von Meditation und Erkenntnis, siegt und breitet ihre Macht gegen erschütterte Feinde aus. Mit goldglänzenden Händen, schön wie junge Sonne und Mond, schafft sie den allerfeinsten Nektar; sie erlangt ihren Herrn auf dem Wolkenthron, erfreut durch Glanz, Wohlergehen und den Saft einer Fülle wie Millionen Monde. [Die Satzfügung ist beschädigt.]
79.19 Man meditiere über die höchste Göttin, Mutter der drei Welten, mit sechs Gesichtern und vier Händen, leuchtend, mit Wissensgeste, Schädel, Gebetskette und kleiner Trommel; sie schenkt dem Geist Frieden und glänzt wie Mondstein und Spiegel, furchtbar und ausgeglichen, im Sechseck an der Wurzel des Bindu, im zweiblättrigen Lotos mit zwei Paaren von Toren. [Die Attributfolge ist teilweise unsicher.]
79.20 Inmitten dieses Chakra erscheint sie stets blitzhell unter allen Götterscharen, im großen Lotoskreis zu beiden Seiten. Von allen Weisen geschmückt, vernichtet sie restlos die Fehler: Lotosgirlande, Prana, Feuerzunge, reine Glückselige, Yogini und Erste des Yoga. [Die Ortsangabe bleibt unsicher.]
79.21 Das Zeichen des geistigen Yoga ist berühmt und überaus fein: im glückverheißenden Lotos das flammenförmige Bewusstsein. Im großen Yoni-Kreis, Geliebte, in seiner Mitte, schaue der Selbstbeherrschte die gewaltige weiße Stätte Shivas.
79.22 Sie leuchtet wie ein mächtiger Blitz, ist höchstes Erwachen am Brahman-Faden und Freude, der große Kaula-Weg. Mit festem Atem und Geist soll der vorzügliche Übende sie allmählich betrachten.
79.23 Er vergegenwärtige das Leuchten der Keime der großen Veden und Sutras, hell wie hundert Monde der Wonne, dem Herrn lieb, mit fünf Haarspitzen; so überwindet er Zorn und Begierde und schreitet zur großen Befreiung.
79.24 Wer als vorzüglicher Übender sein eigenes Bewusstsein darin sammelt, in der Meditation des Allmächtigen verbunden, liebevollen Selbstes und großer Seele, wird schnell in fremde Körper gelangen, ein Erster der Weisen und Herrscher der Erde, Verkünder der großen Veden.
79.25 Frei von zweigeteilter Erkenntnis wird er vorzüglich, allsehend, König der Allwissenden, stets für vollständige Vollendung berühmt, Feindbezwinger und Vollbringer von Schöpfung, Auflösung und Erhaltung.
79.26 Indem er dies augenblicklich vergegenwärtigt, wird er mächtig und langlebig, klug, Kenner des Sinnes aller Lehrschriften, guter Mantrakenner, mit großer Erkenntnis und gesammeltem Geist, stark wie Bana und vom Schöpfer gepriesen.
79.27 Im Kreis des eigenen Chakra liegt ein dreieckiges Feld; darin leuchten links sechzehn Blätter. Im schönen, anmutigen Blatt erscheint die Gestalt einer Lampenflamme, überaus hell und flackernd; außerhalb liegt ein vierteiliges Haus.
79.28 Der König der Chakras ist mit Gestaltungen des Pranava geschmückt. Darüber leuchtet die Mondsichel; darüber steht Ma mit tropfendem, schönem Bindu; noch darüber glänzt der weiße Nada als Ansammlung von Nektar.
79.29 Wer als Verständiger hier in diesem Feld der Reihe nach meditiert, das Herz an die geliebte Stätte bindet und die durch Dienst am Herrn erwachte Fülle innerer Haltungen sammelt, verehrt die höchste, stützenlose, von Yogameistern verkündete Yoga-Lehre. Durch beständige Übung sieht der Selbstbeherrschte die gewaltige Kala. [Der Satzbau ist unsicher.]
79.30 Ich nehme Zuflucht zur allerreinsten, im Innersten leuchtenden Kala, zum ursprünglichen Licht des Selbst, im eigenen Urgrund gegründet und voller Glück. Ich richte die Meditation auf die Schönheit, Beständigkeit und Gunst des großen Lotos im Lichtkreis von Hakinis Füßen; sie leuchtet dem in Meditation Festen lieblich auf. [Einzelne Ortsbezeichnungen sind verderbt.]
79.31 Der Yogi sieht das von Millionen brennender Lampen getragene Leuchten, dessen Klang und dessen Glanz wie die junge Sonne, mitten in Licht, Raum, Erde und Mond, und wird sogleich zum großen Herrn.
79.32 Jenseits der hiesigen Freude ist der höchste Herr selbst, unvergänglich, voller Macht und Herrlichkeit: der wahre große Kreis von Feuer, Mond und Sonne, Shri Hari über dem Chakra Mahavishnus.
79.33 Der große Vishnu-Yogi schaut das von großen Yogameistern Verehrte und die Macht des Tantra, das Unheil vernichtet; zur Zeit des Todes geht er dort ein. [Der Vers ist verkürzt und sprachlich beschädigt.]
79.34 Er schaue die Auflösungsstätte von Raum und Wind, des mächtig Strahlenden, rasch; darüber die Gestalt des großen Nada, die Hälfte Shivas, weitäugig und von Shivas Gestalt. [„Anjana“ und sein Bezug sind unklar.]
79.35 Er schaut den überaus Friedlichen, Großen, dessen Lotushände zum Gewähren von Gaben geöffnet sind, der Furcht hervorruft und reine, erwachte Erkenntnis schenkt, den Spender von Erbarmen und Gaben. [Die Vorlage liest hier „Furcht“, nicht eindeutig „Furchtlosigkeit“; ein Kompositum ist verderbt.]
79.36 Wer in der Wonne der Lotosfüße der Gurus aufgeht, sieht den Herrn des Lebens, den höchsten Herrn, Sonnenherrn, Herrn der Shri, Herrn des Reichtums und Herrn der Menschen. Dieser Yogi ist frei von Krankheit und von großer Reinheit.
79.37 Er erlangt vollendete Rede und Reinheit, die Gabe der Herrschaft über Liebe und Glück und Größe. In den drei Welten soll keine Wiedergeburt mehr sein; stets singt er wie Shripati oder Narada.
79.38 Shri Anandabhairava sprach: Noch habe ich, o segensreiche Göttin, Hakinis Kuta-Mantra nicht gehört, ebenso wenig ihre Verehrungsordnung, Meditation, Rezitation und die Führung des Atems.
79.39 Erzähle aus Gnade, o Schöne, von diesem Yoga und Weiterem, von den Lobgesängen, dem heilbringenden Tausendnamenlob und ebenso von ihrem erhabenen vorzüglichen Herrn.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, unter dem Namen „Darlegung von Shakinis Mantra“ [so der Kolophon; das Kapitel behandelt Hakini], im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 79.
Kapitel 80: Die Mantras Hakinis und Paranathas
80.1 Shri Anandabhairavi sprach: Höre, der du den Trank liebst, der höchste Wonne bewirkt, den höchst wunderbaren Mantra des Höchsten und Hakinis.
80.2 Im dreiundachtzigsten Kapitel, o Herr, im Meer der Freude des Lesens, liegt dieser geheime, höchste Wonne vermehrende und Wünsche erfüllende Mantra. [Die Kapitelangabe steht so in Kapitel 80.]
80.3 Wer seine innere Haltung verwirklicht, ist ein Yogi und kein gewöhnlicher Mensch. Höchstes Wissen, höchsten Reichtum und große Herrschaft, o Sadashiva,
80.4 erlangt er von selbst allein durch seine Verehrung. Aus diesem Grund erkläre ich die Erschließung des Mantras der Reihe nach.
80.5 Höre, o Herr der Bhairavas, den überaus wunderbaren großen Mantra, der den Ursprung der Erkenntnis erschließt, Zuflucht geistiger Rezitation ist, einen unermesslichen Schatz an Einsicht gewährt, heilbringend, verdienstvoll und reinigend.
80.6 Tara, Brahman-Mantra, mit dem Leichenplatz verbunden, Shambhu, der Allmächtige, das Ende von Ha, das Ende von Bha, das Wasser am Ende von Ra, das Feuerhafte, Wind und linkes Auge; verbunden mit dem Windbuchstaben, mit Tripura und dem erhabenen Kama-Kuta, am Ende „Hakini, Göttin“ und die Gemahlin des Feuers: Dies ist der Wonne gebende Mantra. [Verschlüsselte Silbenanweisung; mehrere Glieder sind unklar.]
80.7 Die mit Sprache, Liebesgott, Kala, Rama und der Gemahlin verbundene Göttin, Shivas Geliebte; „Vidya, Hakini“, vom Tara-Mantra umschlossen, mit Maya und der Gemahlin des Feuers: Von Yogameistern verehrt, von Indra rezitiert, mit Ein- und Ausatmen verbunden, wird sie auf Erden meditiert als liebevolle Gattin in der Liebe zu ihrem Herrn. [Die Konstruktion der Vorlage ist unsicher.]
80.8 Raum, Feuer-Kuta, Gemahlin, Shivas Geliebte, Shakti und dreifaches Kama-Kuta; „der Hakini, der Shakti des leuchtenden Gurus Paranatha, Verehrung“, sodann die Geliebte des Feuers. Wer als Verständiger Hakinis Liebesmantra rezitiert, wird König der Könige, versinkt im Meer der Wonne und entfaltet den Strahl, der die Fülle der inneren Haltungen erhellt.
80.9 Nach zweihunderttausend Rezitationen tritt Mantravollendung ein. Im eigenen Kula wird er zur Wunschkuh, Kenner des Feldes und seines Wissens, Herrscher über das Wesen der Weltzustände. Vidya-Bija mit Rama und dem Götterfluss, danach Kama-Kuta, das als Klang bezeichnete Brahman-Prinzip, „Jungfrau, Weltenherrin“, sodann Hakini und Shri: [Verschlüsselte, stellenweise unsichere Mantraerschließung.]
80.10 Dieser Mantrakönig endet mit Svaha, erfreut alle Götterstätten und ist in innerer Haltung zu verehren. Nun verkünde ich den großen Mantra, durch den ein Mensch vollendet wird,
80.11 den Shiva-Mantra von Hakinis Herrn Paranatha, dem Gebieter. Allein durch dessen Verehrung wird man ohne Zweifel zum Besieger des Todes.
80.12 Man erschließe das Preta-Bija, danach das Gift-Bija, das Feuer-Bija und anschließend das Kalakuta-Bija.
80.13 Dann: „Mein äußerstes Netz des Leides vernichte, vernichte; zerreiße, zerreiße!“ Danach das Kama-Kuta und das Vernichtungs-Bija,
80.14 das Shiva-Bija und anschließend „Hamsa, Soham“. Diesen mit Svaha endenden Mantra rezitiere man hunderttausendmal, o Maheshvara.
80.15 Man übe Atemanhalten und Ausatmen und halte den guten Lebenswind. So verfahre man, o Mahadeva, und verwirkliche Shivas Wonne.
80.16 Selbst zur Zeit der großen Weltauflösung bleibt man gewiss fest. In der Lotushand eines solchen Menschen ruhen stets die Vollendungen.
80.17 Nach zweihunderttausend sorgfältigen Rezitationen, o höchster Herr, erlangt er vollendete Rede und vermag im eigenen Körper in die Götterwelt zu gehen.
80.18 Allein sein Anblick macht die Menschen frei von Krankheit. Durch achtzehnhunderttausend Rezitationen wird er zum Durchdringer des Welteis.
80.19 Sein Geist gelangt ohne Zweifel in den Sahasrara. Dann wird er zur Stätte der Auflösung, Erhaltung und Erschaffung des Weltlaufs.
80.20 Ihm gehören die ganze Welt und Millionen Welteier. Durch die Rezitation dieser beiden Mantras wird er ein Dichter wie einer, der sein Ziel erreicht hat.
80.21 Er durchdringt den Sinn aller Lehrschriften, der Veden, des Samkhya und weiterer Lehren; diese erscheinen gewiss leibhaftig vor ihm.
80.22 Ein einziges Mal, irgendwann, kommen sie auf seinen Lotosmund. Die vier Arten der Befreiung und die Vollendungen der Wünsche leuchten stets in seinem Herzen.
80.23 Was könnte ich darüber hinaus noch sagen? Am Ende von „Vala“ wird er Ramas Sohn, mit Shri versehen ist er Krishna selbst. [Die offenbar verschlüsselte Namens- oder Silbenfolge ist nicht sicher auflösbar.]
80.24 Am Ende von Krishna steht der Name Rama; er wird Beschützer des Herrschers und ist Shri Rudra, dem höchsten Gott der Götter, überaus lieb.
80.25 Am Ende von „Nava“, bei Inseln und Tierkreiszeichen, durchdringt er die vier Yamalas und kennt die vierundsechzig Tantras, wenn er in der Stadt des Begehrens wohnt. [Die Schlussanweisung ist textlich dunkel.]
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Beginn der Durchdringung“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 80.
Kapitel 81: Die sieben Knoten des Brauenlotos
81.1 Shri Anandabhairavi sprach: Nun werde ich, Herr der Welt, nach Abschluss der Mantraerschließung die Praxis und Verehrung Hakinis und Paranathas erklären. Höre!
81.2 Nach dem dreiundachtzigsten, im vierundachtzigsten Kapitel, steht meine wunderbare große Verehrung Paranathas und Hakinis. [Die Vorlage nennt diese Zahlen innerhalb von Kapitel 81.]
81.3 Sie ist nicht öffentlich zu verkünden, höchst geheim, Wesen des Wesentlichen, höher als das Höchste. Höre, Maheshvara, die Reihenfolge der Durchdringung des Brauenlotos und der weiteren Übungen.
81.4 Wer die Reihenfolge der Durchdringung des Lotos zwischen den Brauen kennt, kommt zu mir, schon im Meer des Werdens zu Lebzeiten befreit.
81.5 Das Wissen um Beginn und Folge dieses Verfahrens vernichtet große Verfehlungen, schenkt unvermittelt Vollendung und verleiht stets den Zustand ewiger Wonne.
81.6 Seine Gattin wird Kameshi, er selbst gewiss zum Herrn der Lakshmi. Anandabhairava sprach: Wodurch erlangt man auf Erden das Wesen königlichen Wirkens?
81.7 Wodurch entstehen Herrschaft über die Schülerschar und Durchdringung? Wie erkennt man unmittelbar die Folge der Vollendung und die Durchdringung des Brauenlotos?
81.8 Sage es mir rasch aus Gnade, wenn du mir Vertrauen und Erbarmen schenkst. Anandabhairavi sprach: Ich erkläre hier ausführlich die heilbringenden wesentlichen Zeichen.
81.9 Wer die Offenbarung des eigenen Mantras aus dem Lotosmund des erhabenen Gurus hört, wird gewiss ein für den Yoga geeigneter Yogi.
81.10 Im nach unten gerichteten Lotos leuchtet der Glanz einer großen Sonne, umgeben von den gewaltigen Knoten. Zur Zeit des durchdringenden Yoga werde man durch allmähliche, sorgfältige Anstrengung zum Yogi. [Der Ausdruck für das Gefolge der Knoten ist unsicher.]
81.11 Man nehme einen festen Sitz ein und richte das Bewusstsein sorgsam auf den Brauenlotos, dessen herrlicher Kreis von Wonne erfüllt ist.
81.12 Nachdem man die Stätte des Sattva-Knotens durchbrochen hat, wird das Bewusstsein gewiss fest. Woher sollte vorzeitiger Tod kommen? Im Glanz der sonnenhellen Erkenntnisstätte bewegt man sich im Raum, herrscht über die Welten, bleibt im Herzen fest und gelangt in die Fülle der Liebe.
81.13 An den sieben Öffnungen der Knoten erscheinen freudig sieben Gottheiten,
81.14 zum Schutz der Yogis und zur Beherrschung der Yogamaya: Sthiramaya, Yogamaya, Kalamaya und Lakini,
81.15 Devamaya, Dharmamaya und Vimaya, die sieben Gottheiten, edelsteinfarben inmitten der Knoten, Spenderinnen reiner Wonne.
81.16 Der Sattva-Knoten, o Mahadeva, leuchtet an der Spitze des Raumes. Zuerst durchdringe man ihn, jedes Glied in seiner yogischen Reihenfolge.
81.17 Wessen Geist durch die Ordnung des feinen Lebenswindes hindurchbricht und rasch zum Kreis der Yogis gelangt, der ist ein Held, kein gewöhnlicher Mensch.
81.18 Ich werde die Namen der Knoten nennen; vernimm sie aufmerksam: Khagini, Dravini, Dhumra, Kathina und Karkati,
81.19 Shyamala und Kapila, diese sieben bestehen in Gestalt von Knoten. Man spreche Khaginis Mantra und führe den feinen Atem
81.20 auf dem aufsteigenden Weg, hundertachtmal: Pranava, Bhuvaneshani und Khaginis Bija,
81.21 dann „Bheda, Bheda“, am Ende „Bhava“, nochmals das Bija Kham und die Waffen-Endung. Durch das Sprechen dieses Mantras werde man fest in der Durchdringung. [Die genaue Worttrennung der Befehlsformel ist unsicher.]
81.22 Man spreche Dravinis Mantra auf dem feinen Weg, o Bhairava, und rezitiere ihn beständig hundertachtmal.
81.23 Pranava, Parama-Bija, Brahma-Bija, danach Vagbhava und Dravini-Bija, sodann zweimal „Löse den Knoten auf!“
81.24 Mit Svaha und der Waffenformel endet der große Mantra. Man meditiere ihn immer wieder, rezitiere und schaue mit feinem Blick in das Innere der Brauenblätter.
81.25 Unvermittelt erlangt man Durchdringung; wozu die Mühsal der Bindung, o Herr? Nun erkläre ich Dhumras Mantra, durch den der Mensch vollendet wird.
81.26 Pranava, Kamala-Bija, danach Devi-Bija und Dhumra-Bija, anschließend das Wort „Todesvernichterin“;
81.27 dann zweimal „Vernichte den Knoten!“, schließlich „Astraya Phat“. Diesen Mantra rezitiere man tausend- oder hundertachtmal.
81.28 Man nehme den Radsitz oder den Froschsitz ein. Zwischen den Brauen liegt der zweiblättrige Lotos, ein schöner Kreis.
81.29 In dessen Mitte vergegenwärtige man den großen heiligen Sitz. Der Verständige zeichne Bindu und Sechseck und weile im Innern des Dreiecks.
81.30 Außen denke er sich sieben Erdlinien und einen schönen göttlichen hundertblättrigen Lotos, hell wie Millionen Blitze.
81.31 Auf jedem Blatt liegt eine höchst schwer zu erlangende Stätte der großen Mudra. Immer wieder meditiere er die göttliche Stätte und die Plätze des Gefolges.
81.32 Dann meditiere er in der Mitte über Hakini und den höchsten Herrn. Ich erkläre Kathinas Mantra, durch den man daraufhin zum Durchdringer des Knotens wird,
81.33 und durch dessen Yoga-Abfolge man das Geflecht der Lehrschriften beherrscht: Pranava, Vagbhava, Maya, Rama und danach Kama;
81.34 zweimal „Durchschneide den harten Knoten!“, o höchste Göttin; Maya und die Endung „Astraya Phat“: So wird der große Mantra gelehrt.
81.35 Der Weise rezitiere täglich hundertacht- oder tausendmal. Er bereite unten einen Schädelsitz und nehme darauf den Lotossitz ein.
81.36 Das Bewusstsein richte er auf den Brauenlotos, auf den anmutigen großen heiligen Sitz. Inmitten des Dreiecks liegt der Sitz mit Bindu und Sechseck.
81.37 Außerhalb stelle er sich sieben Erdkreise vor, darin einen roten hundertblättrigen Lotos; jenseits davon vier Tore.
81.38 Auf jedem Blatt meditiere er der Reihe nach jeweils drei Staubfäden in Gestalt von Brahma, Vishnu und Mahesha.
81.39 Nun erkläre ich Karkatis Mantra, der die Erde unmittelbar durchdringt: Brahma-Bija, das Wort Maya, danach „Maya-Karkati“;
81.40 zweimal „Durchbrich den verborgenen Knoten!“, sodann Kamakala und „Astraya Phat“. Dies gilt als der allerhöchste große Mantra.
81.41 Man meditiere diesen Mantra hundertachtmal im Kreis der Bewusstseinskraft. Nun erkläre ich Shyamalas Mantra, o Bhairavesha, großer Herr.
81.42 Höre und verehre die Erkenntnis, welche die Vollendung der Allwissenheit schenkt. Der Verständige spreche Pranava und dreimal Kalikas Bija,
81.43 dann zweimal Maya, anschließend Shri-Bija und Shyamala-Bija, sodann „Durchdringerin des festen Knotens“.
81.44 Nach den Worten „Vila, Nirmala“ zweimal „Ma Kuru“, dann Kama und „Astraya Phat“: Dies ist das Wesen des Mantras, das Anwendung ermöglicht. [Die Wortfolge vor der Schlussformel ist unklar; sie wird nicht stillschweigend ergänzt.]
81.45 Täglich im Sitz soll er hundertachtmal rezitieren. Nach und nach wird er mit Vollendung verbunden, wissend, schweigsam und reich an großen Eigenschaften.
81.46 Er wird zum Ersten der Übenden und findet Zuflucht in meinem Körper. Nun erkläre ich Kapilas Mantra; höre, Bhairaveshvara.
81.47 Pranava, Bala-Bija und das höchste Kapila-Bija; dann zweimal „Durchbrich diesen Knoten!“ und „Durchschneide!“
81.48 Darauf „Mein Bewusstsein im Erdhaus“ und zweimal „Richte auf!“; dann spreche er nochmals Kapila-Bija und Maya-Bija.
81.49 Dieser allerhöchste große Mantra endet mit Rama und „Astraya Phat“. Wenn man ihn hundertacht- oder tausendmal rezitiert,
81.50 wird man innerhalb zweier Monate wie Bhairava zum Durchdringer der sieben Knoten. So ist die Erkenntnis der Reihenfolge der Knotendurchdringung erklärt.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Durchdringung der sieben Knoten des Brauenlotos“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 81.
Kapitel 82: Hakinis und Parashivas Verehrung, Nyasa und Lebensübertragung
82.1 Shri Anandabhairavi sprach: Nun erkläre ich es, Geliebter. Übe stets nachts die Erkenntnis der Wahrheit im Herzen, wenn du die acht Vollendungen begehrst.
82.2 Bewahre dies sorgfältig geheim und teile es einem guten Schüler mit. Bösen, Betrügern und entsprechenden Söhnen offenbare es nicht.
82.3 Der vorzügliche Übende stehe morgens an einem einsamen Ort auf, verrichte die Morgenpflichten und bade zuerst den äußeren Körper.
82.4 Jede Haltung soll er für sich im Verborgenen ausführen und die zuvor beschriebenen Haltungen als Zeichen des Yoga üben.
82.5 Zuerst Fisch-, Schildkröten-, Lotos-, Vikata-, Kata-, Svastika- und Indra-Sitz; Chitra-, Atharva-, Apavarga-, Anana-, Vishama-, Sama-, Chandra- und erkenntnisgebende Sitze; Koka-, Avak-, Tamrachuda-, Leichen-, Bhaga-, Hirsch-, Bhima-, Vira- und Utkata-Sitz; Krodha-, Akshatra-, Anga-, Siddha-, Schlangen-, Garu-, Mukuta-, Yoni- und Froschsitz. [Die dicht zusammengesetzte Namensreihe ist teilweise verderbt; ihre Gliederung bleibt unsicher.]
82.6 Diese als vierunddreißig gezählten Haltungen bilden hier eine erwachte Gesamtheit, frei von Furcht vor körperlichem Verfall und Tod, erfüllt vom großen Klang. Wer Yoga im Herzen trägt, übt sie morgens, mittags und nachts. [Die Wendung zu den drei Übungszeiten ist beschädigt.]
82.7 Gauri, die Ehrwürdige und Schwere, gibt das große innere Hausfeuer der Sinne und Yoga. Wer vermöchte mit Opfern ihren unendlichen Yoga-Eigenschaften zu folgen? Der Verständige trägt ihre zarten Lotosfüße wie Savitar und verehrt sie, indem er Hakinis und Paranathas göttliche Gestalt vergegenwärtigt. [Satzbau und einzelne Komposita sind unsicher.]
82.8 Nachdem der Verständige diese grundlegenden Haltungen geübt hat und sehr fest geworden ist, verehre er an einsamem Ort, wenn er Heil begehrt.
82.9 Mit göttlicher Muschel in der Lotushand nehme der Yogi zum Yoga Zuflucht. Nach den Haltungen nehme er den großen Lotossitz ein und verehre freudig.
82.10 Damit ist die Zeit der Yoga-Übung beschrieben. Höre nun die Verehrung: Zuerst vollende man die äußere Puja, dann vollziehe man das innere Opfer im Herzen.
82.11 Dies ist die Erkenntnis der Yoga-Übungsordnung und die bestimmte Bedeutung der Lehre. Höre nun kurz die Anordnung der Verehrung, o Herr.
82.12 Danach ist der Mantra für das Verehrungsverfahren zu erklären. Durch beständige Übung und Yoga erlangt man Befreiung zu Lebzeiten.
82.13 Zuerst das rituelle Trinken, o Herr, danach die Reinigung des Wassers, die Reinigung des Sitzes und Weiteren sowie die Vergegenwärtigung des Chakra-Kreises;
82.14 das Binden des Haarknotens, die Errichtung des heiligen Sitzes, die Reinigung der Blumen, der Glocke und der Muschel;
82.15 die Verehrung des Sitzes, Meditation im Herzen und Reinigung der Elemente; danach die Gesamtheit der Nyasas und die Vergegenwärtigung der vollendeten Wesen;
82.16 erneute Meditation und Meditation der Seher Hakinis und des höchsten Gottes; so die Weihe des Lebensprinzips und danach die Einsetzung des Lebens;
82.17 das Zeigen der großen Mudras mit der Anrufungsgeste und den weiteren Gesten; die Bereitstellung von Fußwasser und Arghya für das Paar;
82.18 heilbringende Verehrung mit Fußwasser und den weiteren Darbringungen. Mit dem Wurzelmantra vollziehe man zehn oder fünf Darbringungen;
82.19 mit großer Hingabe bringe man achtzehn dar, oder der Übende verehre mit sechzehn Darbringungen.
82.20 Danach vollziehe der vorzügliche Übende zweimal Pranayama und rezitiere tausend- oder hundertachtmal.
82.21 Mit ungeteilter Aufmerksamkeit rezitiere er den Mantra dreihunderttausend- oder hunderttausendmal. Nach der Darbringung der Rezitation übe er dreimal Pranayama.
82.22 Danach rezitiere er stets Verehrungsgebet, Lobgesang und Schutztext sowie die Reihe der tausendundacht Namen.
82.23 Nach der Rezitation und der Durchdringung wird der Mensch zum Herrn der Yogis. Durch Hören, Schauen, Erkennen und das Besingen der inneren Hingabe an mich
82.24 entsteht Vertrauen; entsprechend erlangt er meine Nähe. Nach dreihunderttausend Rezitationen opfere er ein Zehntel dieser Zahl ins Feuer.
82.25 Ein Zehntel davon diene der Trankspende, davon ein Zehntel der Besprengung und davon ein Zehntel der Speisung von Brahmanen und Jungfrauen.
82.26 Dabei verehre man die Jungfrau, rezitiere das Kumari-Tantra und unbedingt die tausend Namen der Kumari.
82.27 Danach vollziehe man die Kula-Handlung; der Yogi wird zum Herrn des Yoga. Die Macht der ursprünglichen Shakti erscheint im Kreis seines Herzlotos.
82.28 Wie meine Verehrung im Wurzellotos, im Svadhishthana, im Manipura, im Herzlotos und im Halslotos vollzogen wird,
82.29 so vollziehe man sie mit meinem Mantra im großen Brauenlotos. Dadurch wachsen stets meine Zufriedenheit und Liebe. [Ein Wort am Beginn der zweiten Vershälfte ist unsicher.]
82.30 Allein durch meine Zufriedenheit wird man von selbst zum Durchdringer der Knoten. Man trinke dreimal rituell mit dem Wurzelmantra, o Shankara.
82.31 Oder der sehr Verständige vollziehe das rituelle Trinken einmal. Danach reinige er das Wasser: nach dem Wurzelmantra das Wasser-Bija,
82.32 dann „Reinige das reine, mit Kampfer und duftendem Sandelholz gemischte Wasser, Anandabhairava, Pranabhairavi!“ [Die Anrede- und Verbverbindung ist grammatisch unsicher.]
82.33 Nach Reinigung mit diesem Mantra reinige er den Sitz: „Göttin, die im Sitz weilt, Bewohnerin des Schildkröten-Chakra,
82.34 reinige meinen Sitz, Vollendungen schenkende höchste Hakini!“ Nach solcher Reinigung durch den Mantra stelle er sich den Chakra-Kreis vor.
82.35 Stets meditiere er über den sehr hohen, die drei Welten durchdringenden schönen Kreis des Yogi Mahavishnu und darüber seinen eigenen Sitz.
82.36 So vergegenwärtige und verehre er die Göttin im Chakra-Kreis des Brauensitzes. Höre den Mantra zum Binden des Haarknotens, o Bhairava, Gebieter,
82.37 durch dessen Wirkung selbst größte Störer fliehen: Pranava, dann die Worte für Haar und Haarknoten, zweimal „Binde!“;
82.38 Tara, Maya und „Astraya Phat“: Dieser Mantra ist selbst Erkennenden schwer zugänglich. Nach Pranava „Den Gewandknoten binde ich, Verehrung“, dann Dvi-Tha. [Die zwei Bindungsformeln sind teilweise verschlüsselt.]
82.39 Ich erkläre die Errichtung des Sitzes; vernimm aufmerksam. Der Verständige zeichne im Dreieck Bindu und Sechseck,
82.40 anschließend sieben Erdkreise, dann einen hundertblättrigen Lotos und vier Tore; danach vollziehe er die Weihe durch Mantras.
82.41 Auf einer breiten Kupferschale zeichne er mit goldenem Stift, mit silberner Feder oder mit Bilva-Dornen.
82.42 Nach Fertigung des Yantra vollziehe er seine Weihe mit der Shri-Tattva-Mudra: Pranava, dann „Den König der Yantras, voller schöner Linien,
82.43 von einer den Frauen sehr lieben Gestalt, diesen Kula-Sitz reinige ich.“ Er spreche den Wurzelmantra mit Svaha am Ende und stelle sich den Sitz rot vor.
82.44 Er zeichne ihn mit Essenz weißen Sandelholzes, mit rotem Sandelholz oder mit Safran und vollziehe damit die Weihe.
82.45 Ich erkläre die Blumenreinigung: Pranava und Bhuvaneshvari, dann „Ich reinige die vorzügliche, duftende, rote oder rosige Blume,
82.46 die weiße, gelbe, blaue oder schwarze Blüte, ein Meer von Duft; ich reinige, ich reinige, Svaha.“ Mit diesem Mantra reinige er sie.
82.47 Pranava, Klang-Bija und Besprengung mit dem Raum-Bija; dann „Gham, die Glocke reinige ich heute; werde zur Gabenspenderin, Hakini!“
82.48 Der vorzügliche Übende verehre den heiligen Sitz mit Hingabe und ungeteilter Aufmerksamkeit. Im sechsblättrigen Lotos verehre er die rote Herrin des Sitzes.
82.49 Kamala, Sundari, Ramya, Mohini, Haramekhala, Tejorupa, Shikha, Vahnijvala, Kalanaleshvari;
82.50 Samaya, Ramani, Bhima, Rati, Kamasarasvati, Vinavati, Madhumati und Vamanakarshini;
82.51 Ira, Shuddhatmika, Bhadra, Shanti, Nirmalyavasini, Arundhati, Savitri und Kiranachchhadini;
82.52 Svaha, Svadha, Vishalakshi, Madana, Madanatura, Bhranti, Prabhavati, Jnanadatri und Vijnanadayini;
82.53 Kokilakshi, Kurangakshi, Bodhini, Saptamandali, Hiranya, Mandira, Chetahshuddhida und Siddhida;
82.54 Mandakini, Brihadganga, Siddha, Bhogavati, Tarashmini, Moha, Triveni und Murtadharini;
82.55 Gurvi, Tarangapujya, Vimala, Tripura, Para, Tritari, Tarini, Bhadrakalika und Granthibhedini;
82.56 Ratnamala, Papahara, Parvati, Manasishvara, Bhagamalini, Uma, Devi, Devamata und Kalavati;
82.57 Panchanana, Kalajitva, Dripta, Panchashikha, Mardini, Ranamatangi, Khadgahasta und Hasanmukhi;
82.58 Padmamala, Kinkini, Dharitri, Vasundhara, Phalguni, Panchapithastha, Dipta und Ghoshayasalasa; [Die letzte Namensform ist unsicher.]
82.59 Pavitra, Dhumini, Dirghajangha, Vyaghramukhi, Katara, Taruni, Haksha, Hakini, Indravati, Jaya
82.60 und Jayada: Diese werden im hundertblättrigen Haus verehrt. Nach Verehrung der höchsten Shakti verehre man die Mantra-Shaktis:
82.61 Tarala, Chanchala, Dhatri, Aruna, Suryaga, Daya, Smriti, Diksha, Dharanaksha, Damshini und Bhadrakalika;
82.62 Shatkalatarini, Rudravalita und Varnarupini. Diese Yoginis und Mantra-Shaktis sind zu verehren, o Mahadeva. [Der erste Name bedeutet etwa „Retterin durch die sechs Zeiten“.]
82.63 Ich erkläre die Meditation im Herzen, durch die der Übende zum Wesen der Meditation wird. Vergegenwärtige das große rote Bija … [Die Vorlage bricht den Satz mit einer Lücke ab.]
82.64 Der Yogi stelle sich geistig seine überaus schöne Gestalt vor, strahlend wie Millionen Sonnen, und vollziehe die Reinigung der Elemente.
82.65 Immer wieder meditiere er, dass sein Körper vom Feuer verbrannt wird; durch Wind trockne er den Körper aus und überflute ihn erneut mit Wasser.
82.66 Mit dem Wurzelmantra meditiere er über den ganzen Körper als aus dem Nektarmeer hervorgegangen und ganz göttlich; danach vollziehe er geistige Verehrung.
82.67 Zum Wohl der Übenden erkläre ich die Gesamtheit der Nyasas. Durch deren Macht wird der Übende zum König der Yogis.
82.68 Sein Körper wird unzerschneidbar und undurchdringlich; er selbst besiegt den Tod. Seher-, Matrika-, Hand- und danach Glieder-Nyasa
82.69 vollziehe er wie zuvor mit Hingabe, mit dem Wurzelmantra und dem Anfangsbuchstaben. Sadashiva heißt der Seher, Gayatri das Versmaß.
82.70 Die Gottheit ist Hakini, die Paranatha erfreut; Klim ist das wesentliche Bija, der Wurzelmantra selbst der Schlüsselstift.
82.71 An Kopf, Mund, Herz, Knoten, Muladhara und Körper vollziehe er stets den Seher-Nyasa, der Hakinis Freude mehrt.
82.72 Nach Om spreche er: „Am Kopf, dem Seher Sadashiva Verehrung“; dann sage er „Am Mund,
82.73 dem Gayatri-Versmaß Verehrung“; sodann „Im Herzen, der erhabenen Hakini, der höchsten Shakti,
82.74 der Gottheit Verehrung“; dann „Im Muladhara, dem Bija Klim Verehrung“; anschließend „An allen Gliedern,
82.75 der erhabenen Wurzelgottheit Verehrung“. Danach handle er weiter, Mahadeva; höre zur Vollendung aller Glieder.
82.76 Der Verständige lege mit der Shri-Tattva-Mudra die Hand aufs Herz und setze zuerst den mit Bindu verbundenen Laut ein, danach am rechten Arm.
82.77 Die vier mit E beginnenden Buchstaben, vom Wurzelmantra umschlossen und mit Bindu versehen, setze der vorzügliche Übende an der rechten Hand ein, o Herr.
82.78 Ebenso vollziehe er den Nyasa am linken Arm, vom Mantra umschlossen, mit den Buchstaben von Ṭha bis Ḍha, jeweils mit Bindu.
82.79 Mit den Buchstaben von Na bis Bha, mit Bindu verbunden und vom eigenen Mantra umschlossen, setze der Verständige am rechten Fuß ein; danach am linken Fuß
82.80 mit den Buchstaben von Ma bis Ksha, mit Bindu und Mantra-Umschließung. Nach dem Matrika-Nyasa vollziehe er den Hand-Nyasa.
82.81 Mit dem Bija Hrim und den sechs langen Vokalen vollziehe er den Hand-Nyasa, ebenso nach der Ordnung den Glieder-Nyasa, o Herr des Kula.
82.82 Er vollende die gesamte Nyasa-Folge auch nach der zuvor genannten Weise. Danach vollziehe er den sechsfachen Nyasa Hakinis und des höchsten Gottes.
82.83 An den Matrika-Stellen liegen die guten Nyasa-Stätten des Wurzelmantras. Der erste Nyasa geschieht mit den Rudras, der zweite mit den Planeten,
82.84 der dritte mit den Weltenhütern, der vierte mit Shiva und Shakti, der fünfte mit den Shaktis und Weiteren, der sechste mit den heiligen Sitzen.
82.85 Den vom Mantra umschlossenen Rudra setze man an der Matrika-Stelle ein: Shrikantha, Ananta, Sukshmesha, Trimurtisha und Amaresha;
82.86 Arghisha, Bharabhutisha, Atithisha, Sthanukesha, Haresha, Jhintisha und Bhautikeshvara;
82.87 Sadyojateshvara, Anugraheshvara, Akruresha und Mahasena, der Herr der Götter;
82.88 Krodhisha, Chandesha, Panchantakesha, Shivoktamesha und Ekarudreshvara; [„Shivoktamesha“ ist eine unsichere Namensform.]
82.89 Kurmesha, Ekanetresha, Chaturanana, Ajesha, Sarvesha und Somesha;
82.90 Langalisha, Darukesha, Ardhanarishvara, Umakanteshvara und Ashadhisha;
82.91 Dandisha, Drisha, Minesha, Meghesha, Lohitesha, Shikhisha und Chhagalandesha;
82.92 Dvirandesha, Mahakaleshvara, Vanisha, Bhujangesha, Pinakisha und Khadgisha;
82.93 Bakeshvara, Shvetesha, Bhrigvisha, Nakulisha, Shivesha und Samvartakesha.
82.94 Einundfünfzig sollen es sein: die Rudras und zornigen Bhairavas. Zuerst spreche man den Wurzelmantra, dann der Reihe nach einen Matrika-Buchstaben.
82.95 An der jeweiligen Matrika-Stelle folgen die Herren, beginnend mit Shrikantha, ihr Name im Dativ, dann „Verehrung“ und erneut der Wurzelmantra.
82.96 So ist der Shrikantha-Nyasa erklärt, o Kulabhairava. Höre nun, wie ich den Planeten-Nyasa wahrheitsgemäß beschreibe.
82.97 Im Herzen, zwischen den Brauen, in den drei Augen, im Herzen, in der Halsgrube, sodann in der Kehle,
82.98 an der Nabelwurzel, am Lotosmund und an der geheimen Stelle setze man die Planeten ein: Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter,
82.99 Venus, Saturn, Rahu und Ketu, jeweils mit ihrer eigenen Mudra in den von mir genannten Körperbereichen.
82.100 Mit den Vokalen die Sonne, mit Ya bis Ra den Mond, mit den fünf Buchstaben ab Ka Mars, mit den fünf ab Cha Merkur, o Herr, mit den fünf ab Ṭa Jupiter;
82.101 mit Ḍa bis Ha Venus, mit Pa bis Ma Saturn, mit Sha bis Ha Rahu und mit La und Ksha Ketu. [Die Buchstabenbereiche werden in ihrer auffälligen Form beibehalten.]
82.102 Nun erkläre ich den Nyasa der Weltenhüter, o Kulabhairava: im Kopfkreis rechtsläufig,
82.103 bis nach unten reichend, stets vom Wurzelmantra umschlossen: „Dem Indra mit Speer in der Hand und mit seinem Reittier, Om, Verehrung!“ [Die Waffenbezeichnung ist so überliefert.]
82.104 Mit den fünf kurzen Vokalen nach dem Wurzelmantra setze der Verständige ein; sodann, mit dem elften Vokal verbunden: „Dem Feuer Verehrung,
82.105 dem mit seinem Reittier, dem Träger aller Waffen; dem Yama auf seinem Reittier, dem Träger der Dreizackwaffe, Verehrung!“
82.106 Mit den fünf grundlegenden Buchstaben ab Ka, vom Wurzelmantra umschlossen, am rechten Ohr, oben an seiner Wurzel, mit der Tattva-Mudra der Hand
82.107 vollziehe er rasch Yamas Nyasa; danach den des Südwestens. Zuerst das Bija, nach den fünf Bijas ab Cha: „Dem Nairrita,
82.108 dem Herrn des Reichtums, der alle Waffen und sein Reittier trägt, Verehrung“; danach den Wurzelmantra. So ist überall zu vergegenwärtigen. [Die ungewöhnliche Herrschaftsbezeichnung bleibt erhalten.]
82.109 Wurzelmantra, die fünf Buchstaben ab Ṭa, dann „Dem Varuna mit seinem Reittier, dem Träger aller Waffen, Verehrung“;
82.110 danach den Wurzelmantra: So verfahre er für Varuna. Nach dem Wurzelmantra die fünf Buchstaben ab Ta, „Dem Vayu mit seinem Reittier,
82.111 dem Träger aller Waffen, Verehrung“, sodann der Wurzelmantra. Danach vollziehe er Kuberas höchst schwer zugänglichen Nyasa.
82.112 Zuerst spreche der Übende den Wurzelmantra und die fünf Buchstaben ab Pa: „Dem Kubera, dem Träger aller Waffen, dessen Reittier ein Mensch ist,
82.113 Verehrung“, dann den Wurzelmantra, und setze oberhalb des linken Ohres ein. Zuerst Wurzelmantra, Pa bis Va, danach „Dem Ishana,
82.114 dem mit seinem Reittier, dem Träger aller Waffen, Verehrung“. Anschließend setze er das Bija ein; so heißt Ishanas Nyasa.
82.115 Zuerst Wurzelmantra, Sha bis Ha; die Hand oberhalb Shakras auflegend: „Unten dem Gott Ananta, dem Träger aller Waffen,
82.116 dem mit seinem Reittier“, die Herzformel und der Wurzelmantra. Zuerst Wurzelmantra, dann La und Ksha: „Dem Brahma, dem Träger der Waffen,
82.117 dem mit seinem Reittier“, die Herzformel und dann der Wurzelmantra. Dies am Brahmarandhra einsetzend, erlangt man Brahman-Erkenntnis.
82.118 So ist der Nyasa der Richtungshüter erklärt, o Kalabhairava. Höre die höchst wunderbare Gesamtheit des Shiva-Shakti-Nyasa,
82.119 durch dessen bloßen Vollzug man die sechs Chakras durchdringt. Zuerst nenne ich die Stätten, an denen man mit der eigenen Mudra einsetzt:
82.120 in der Mitte des Muladhara-Lotos, danach im Svadhishthana-Lotos, im großen Manipura-Lotos, im Kreis des Herzlotos,
82.121 im reinen Halslotos und im Brauenlotoskreis. In diesen sechs Lotossen setze man Shiva mit Shakti ein.
82.122 Zuerst Wurzelmantra, Va bis Sa, dann „Dem Brahma mit Dakini Verehrung“, anschließend der Wurzelmantra.
82.123 Zuerst Wurzelmantra, Ba bis La, dann „Dem Vishnu mit Rakini Verehrung“, danach die Wurzelvidya.
82.124 Zuerst Wurzelmantra, Ḍa bis Pha, dann „Dem Rudra mit Lakini Verehrung“, danach setze man den Wurzelmantra ein.
82.125 Zuerst Wurzelmantra, Ka bis Ṭha, dann „Dem Ishvara mit Kakini Verehrung“, danach den Wurzelmantra: So setze der Erste der Übenden ein.
82.126 Zuerst Wurzelmantra, dann die Vokale, „Dem Sadashiva mit Shakini“, die Herzformel und den Wurzelmantra sprechend setze man ein.
82.127 Zuerst Wurzelmantra, Ham und Ksham, dann „Dem Parashiva mit Hakini Verehrung“; abschließend setze man den Wurzelmantra ein.
82.128 So habe ich dir sorgfältig den Shiva-Shakti-Nyasa erklärt. Nun beschreibe ich den Shakti-Nyasa; höre ihn.
82.129 Am Brahmarandhra, an der Stirn, zwischen den Brauen, in der Halsgrube, am Herzen, an der Nabelwurzel, an der Wurzel des Gliedes und an der eigenen Wurzel,
82.130 an den Schenkelansätzen und beiden Unterschenkeln setze der Verständige ein, an beiden Füßen, der geheimen Stelle und beiden Fußsohlen.
82.131 Der Weise setze der Reihe nach ein, jeweils vom Wurzelmantra umschlossen. Höre die Namen der Shaktis, Geliebter und Beschützer des Lebens:
82.132 Shakti, Maya, Ramadevi, Bhavani, Dinavatsala, Sumana, Kakini, Hamsi und Samsaratarini;
82.133 Yogini, Gopika, Mala, Vajra, Chitrini, Natini, Bharavi, Durga, Rati und Mahishamardini.
82.134 Dies sind die achtzehn hauptsächlichen Shaktis für den Nyasa. [Die vorangehende Reihe lässt sich in neunzehn Namen gliedern.] Zuerst Wurzelmantra, dann der Reihe nach je einer der sechzehn Vokale.
82.135 Danach spreche man den Shakti-Namen im Dativ, das Wort „Verehrung“ und anschließend den Wurzelmantra.
82.136 Die Buchstaben von Ka bis Na, vorangestellt das Bija, dann „Der Rati Verehrung“ und der Wurzelmantra: Dies setze man an beiden großen Zehen ein.
82.137 Zuerst Wurzelmantra, Pa bis Ksha, danach die Shakti im Dativ, „Verehrung“ und Wurzelmantra: So ist der Shakti-Nyasa erklärt.
82.138 Ich erkläre den Pitha-Nyasa; vernimm aufmerksam. Im Muladhara Kamarupa, an der Wurzel des Gliedes Kamakhya,
82.139 im Dreieck Kamaraja, im Herzen Jvalandhara, oberhalb des Herzens Madhukarasthana, darüber Gagana;
82.140 an der Stirn Purnagiri, darüber Uddayana, darüber Shankari-Pitha, darüber Rudra-Pitha;
82.141 darüber Karuna-Pitha und Unmani-Pitha, ebenso Rodhani-Pitha, darüber Bindu-Pitha;
82.142 darüber Ratna-Pitha, darüber Shukra-Pitha, darüber Vasana-Pitha und Visarga-Pitha;
82.143 darüber Brahma-Pitha, darüber Kali-Pitha, darüber Tarini-Pitha, darüber Eka-Pitha;
82.144 darüber Jata-Pitha und Pingala-Pitha. Den großen heiligen Sitz Varanasi setze man zwischen den Brauen ein,
82.145 Avanti-Pitha in den drei Augen, Mayavati am Mundkreis, Madhuttama an der Zungenspitze;
82.146 in deren Mitte Rasana-Pitha, daneben Damshtra-Pitha, davor Vidya-Pitha und Yogini-Pitha;
82.147 am Hals Ashtapuri-Pitha und das dreifache Madhupuri, an beiden Armen Bhoga-Pitha, an beiden Seiten Shri-Pitha;
82.148 am Bauch Rahnala-Pitha, am Ort der um den Hals getragenen Schnur Dharma-Pitha, am Hüftsaum Kanchi-Pitha, darüber Deva-Pitha; [„Rahnala“ ist textlich unsicher.]
82.149 darunter Shyamala-Pitha, daneben Gopi-Pitha. Den Kreis Ayodhya-Pithas setze man an der Nabelwurzel ein,
82.150 an der geheimen Stelle den Leichenplatz-Sitz und unten Shiva-Pitha. An beiden Schenkeln setze man das Paar der Shitala-Sitze ein. [Die Worttrennung ist unsicher.]
82.151 Die Stadt Rankini-Pitha wird für beide Unterschenkel genannt; an beiden Brüsten Kshira-Pitha; an den beiden großen Zehen setze man
82.152 Kala-Pitha und Krodha-Pitha ein, o Erster der Übenden. Als einundfünfzigsten Sitz an der Haarspitze Rajya-Pitha.
82.153 Zuerst Wurzelmantra, dann der Buchstabe, der Name des Körperortes, der Pitha-Name im Dativ, danach „Verehrung“ und Wurzelmantra.
82.154 So ist dir die Grundlage des Pitha-Nyasa sorgfältig erklärt. Allein durch seinen Vollzug erlangt der Yogi Vollendung.
82.155 Er wird langlebig, selbst ein Gott, stark wie die Sonne. Wer den Menschen mit dem durch sechsfachen Nyasa umhüllten Körper nicht verehrt, o Maheshani,
82.156 wird sogleich kurzlebig; selbst eine Gottheit zittert vor Furcht. So habe ich dir, o Herr, den höchst heilbringenden sechsfachen Nyasa erklärt.
82.157 Höre danach die Vergegenwärtigung der vollendeten Wesen, o Shankara: Minanatha, der erhabene Guru, Agastya, Devarajaka,
82.158 Kalanana, Somaraja, Viranatha, Dhananjaya, Krishna, Kantamati, Buddhi und Dharmavatara;
82.159 Vasishtha, Narada, Shuka, Prahlada, Janaka, Bhargavesha und Kurukshetreshvara;
82.160 Vishvamitra, Bharadvaja, Mainaka, Meru, Ananta, Yoganatha, Mahendra und Madireshvara;
82.161 Brahmananda, Shivananda, Sanakananda, Sarveshvara, Kamadeva, Shukracharya und Kuleshvara.
82.162 Nach der Meditation dieser vollendeten Wesen stelle man sich den roten, von großer Reinheit erfüllten Purusha mit allem Schmuck vor.
82.163 Nach dieser Vergegenwärtigung meditiere man Hakini und den höchsten Gott. Höre zuerst die Meditation des höchsten Gottes, o Maheshvara:
82.164 den weißglänzenden höchsten Herrn Parashiva, den feinsten Guru, mit allem Schmuck bekleidet, reines höchstes Wesen der drei Welten, nichtzweiheitlich, mit zehn Lotushänden, Glück schenkend, dreiäugig, Shiva, von Götterherrschern verehrt, voller Glück, Spender höchsten Seins, Bewusstseins und höchster Wonne.
82.165 Man meditiere ihn fünfgesichtig, mit großen Waffen und Gaben, von den Bhaktas stets verehrt.
82.166 Nachdem man Paranatha so meditiert, mit mächtigen geistigen Darbringungen verehrt und sich verneigt hat, vollziehe man Hakinis Meditation:
82.167 Ich verehre auf dem Weg die Herrin Shri Hakini, bei den Festen der drei Welten gepriesen, voller aufgehender Wonne für die drei Welten, mit vielfältigem Schmuck, von der schönen Krone und dem einen Bija erstrahlend, dunkel, mit vier befreiungsschenkenden Lotushänden, Meer des Erbarmens und geschmückt mit einem Kreis von Schönheit.
82.168 Ihre Meditation in sieben Kulas ist später zu erklären. Höre jetzt, Bhairava, das Zeigen der großen Mudra.
82.169 Die Yoni-Mudra ist die große, in allen Tantras verborgene Mudra. Mit ihr vollziehe der Übende unbewegten Geistes die Anrufung.
82.170 Er stelle zwei Arghya-Gefäße nach der Reihenfolge der früheren Chakras bereit, meditiere erneut und bringe sie den Lotosfüßen des Paares dar, o Sadashiva.
82.171 Danach verehre der Verständige mit den sechzehn Darbringungsstoffen. Ich erkläre die Meditation des Sehers, den man auf dem Haupt einsetzen soll:
82.172 den leibhaftigen Gott Sadashiva, mit vielfachem Schmuck, zweiarmig, gelb gekleidet, Aufzeiger von Dharma und Adharma,
82.173 mit Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste, friedvoll, auf Hakinis Haupt stehend. Nach dieser Vergegenwärtigung verehre man ihn dort mit Duft, Blumen und Weiterem, o Herr.
82.174 Ich erkläre die Weihe des Lebensprinzips, durch die das Leben feststeht. Am eigenen Herzen mit der rechten Hand, nach der Mudra-Folge,
82.175 erinnere man sich immer wieder an den Mantra Hakinis und des höchsten Gottes: „Ich setze mein eigenes Bewusstsein ein, zusammen mit Hakini und ihren Vollkommenheiten.
82.176 Werde fest, großes Lebensprinzip, erfülle mein Gebot!“ Man spreche den mit Svaha endenden Mantra und weihe dadurch das Leben.
82.177 Nun erkläre ich die Lebensübertragung auf Hakini und den höchsten Gott. Höre zuerst die Lebensübertragung auf die erhabene Hakini, o Herr.
82.178 Man spreche „Nam, Hrim, Kra…“ als Bija und vollziehe wie zuvor die Festsetzung des Lebens; einundzwanzigmal rezitiere man in Hakinis Herzen. [Die Vorlage enthält nach „krā“ eine mit Sternchen markierte Beschädigung; die Formel wird nicht ergänzt.]
82.179 Mit dem auf Svaha endenden Mantra ist die Lebensweihe erklärt; ebenso ist die Übertragung des Lebensatems auf den höchsten Gott zu verstehen.
82.180 Ich erkläre die erneute Meditation; höre, geliebter Bhairava. Wer sie meditiert, wird selbst zum Durchdringer aller Knoten, selbst zu Hari.
82.181 Höre die doppelte Arghya-Bereitstellung, o Herr mit glückverheißendem Leib.
82.182 Ich verehre Hakini mit vier leuchtenden Gliedern, drei Augen und einem von Wonne erhellten Geist, voll Anmut, lieber Rede und bezaubernder Fülle, mit glückverheißendem Gesicht; ihre Stirn, das große Schwert und der Lotos glänzen, sie nimmt Furcht und ruft herbei. [Der zweite Halbvers mit Chandala, dem Sohn der Chhaya und weiteren Ausdrücken ist stark verderbt; eine zusammenhängende sichere Übersetzung ist nicht möglich.]
82.183 „Shrim, Shrim, Shrim“: den Herrn Bhairava, glückseligen Purusha, hell wie Millionen Lampen, mit Millionen Schmuckstücken geschmückt, Gabenspender in den drei Welten, in Tigerfell gekleidet, stets von Yogameistern, vorzüglichen Yogis und jungen Göttern verehrt, fünfgesichtig, mit zehn strahlenden Armen, Herrn und Kronjuwel der Yogis.
82.184 Ich meditiere Shankara, den Liebsten, Zuflucht und Stütze der Maya, dessen Körper wie ein Silberberg strahlt, mit leichenartigem Gesicht und zehn Lotosgesichtern, in sechs Stätten mit den Strahlen hundert Sonnen und Monde, höchster leuchtender Dreiäugiger. Im Brauenlotos verehre ich den Herrn der Kula-Kalas, der den Nirvana genannten Zustand schenkt. [Gesichts- und Ortsangaben sind textlich unsicher und weichen vom vorangehenden Vers ab.]
82.185 So meditiere man die große Göttin Hakini und den erhabenen höchsten Herrn, den ewigen Selbstentstandenen, von Schlangenkönigen, Glocken und Trommeln umtönt,
82.186 von Lotushänden großer Wesen verehrt, mit fünf Haarspitzen, überaus schönem Gesicht und einer Halskette aus Schlangenkönigen,
82.187 ganz aus mächtigem Licht, dessen Glanz wie Millionen Monde aufblitzt, mit klirrenden Fußringen an den hamsagestaltigen Lotosfüßen,
82.188 auf dem Stier sitzend, den Yogimeister, Hakinis höchsten Herrn, blitzhell durch die Schönheit der an seiner Linken stehenden schönen Hakini.
82.189 Sie ist eine Woge überaus großer Schönheit, Gestalt der Yogamaya, als Wunschkuh bezeichnet und durch eigenen Glanz die Welt bezaubernd,
82.190 von einer Gestalt wie ein Silberberg, eine herrliche bunte Korallenranke, mit gelöstem Haar, einer Wolkengirlande, die den Silberberg teilweise bedeckt,
82.191 mit drei Augen wie Millionen bewegter Bienen, Sonne, Mond und Feuer, sechs Gesichtern und vier Händen, rubingleich strahlend,
82.192 Trägerin einer schönen rubinhellen Girlande, dem rituellen Trank sehr zugetan, zum Wohl der Übenden mit Schädel und Schwert furchtbar,
82.193 stets alles Glück schenkend, mit kleiner Trommel und Gebetskette, große Vidya und Zeugin des Aufgangs der Wonne,
82.194 in der Mitte des Brauenlotos, im schönen blätterlosen Lotos, ihre Schönheit entfaltend, Kakini und Sakini lieb; [Die Namensform „Sakini“ und das ungewöhnliche Verb stehen so in der Vorlage.]
82.195 von Lakini und Rakini meditiert, von Dakini verehrt, Mutter und Verwandte der Kundalini: Sie verehre ich auf Erden.
82.196 Nach solcher Meditation vollziehe man der Reihe nach die beiden wesentlichen Arghya-Handlungen. Vor sich zeichne man mit dem Finger zwei Dreieckskreise,
82.197 fülle sie mit Düften und den zur Anrufung der heiligen Gewässer gehörigen Handlungen; zuerst reinige man mit Phat-Lauten den Schwertständer und die Muschel. [„Schwertständer“ ist die überlieferte, hier auffällige Lesart.]
82.198 Man wasche sie mit diesem Mantra; höre, Kulabhairava: „Om, o Muschel, du heilige Stätte in der Muschel, Heil des Heils,
82.199 stets von Vishnu getragen, werde mir zur Friedensspenderin! Om, ich reinige den Muschelständer in leuchtender Schildkrötengestalt.
82.200 In der Entfaltung von Visarga und Bindu stelle ich ihn im Dreieck auf.“ Man zeige Kuh-, Yoni- und Fisch-Mudra und rezitiere den Mantra zehnmal.
82.201 Zuerst besprenge man sich selbst, danach die Opferstoffe und Weiteres. So der Reihe nach, o Herr der Götter, Gott der Götter, Maheshvara.
82.202 Der glückbegabte Kaulika stelle zwei Arghya-Gefäße vor sich auf und vollziehe besonders sorgfältig die Verehrung, vor allem am Ende der Nacht.
82.203 Auch jetzt zeige man die große Mudra. Der mit dem rituellen Trank verbundene Übende erlangt gewiss Vollendung.
82.204 Die große Mudra ist die Yoni-Mudra, in allen Tantras beschrieben. Wer sie kennt, Mahadeva, ist zweifellos ein Yogi.
82.205 Vollziehe die von mir erklärte große Verehrung, o Gott der Götter. Die Verehrung eines in Meditation Verbundenen trägt auf Erden Frucht.
82.206 Gesammelt vollziehe man die Verehrung stets wie die Kali-Puja, an jenem Ort angekommen oder in einer Gandharva-Stadt,
82.207 auf einem Berg, in der Einsamkeit, in einem leeren Haus oder auf einem Leichenplatz; dort verehre man die große Vidya Hakini als Wunschkuh.
82.208 Ich erkläre den Fußwasser-Mantra: Pranava, Ratisundari, Rama-Bija, o große Göttin, sodann „Das vorzügliche Fußwasser,
82.209 von Duft erfüllt, nimm an, nimm an; der Hakini, Hu[†]“, dann Dvi-Tha, o Herr. So verfahre man überall, jeweils mit verändertem Namen. [Die Bija-Stelle ist beschädigt.]
82.210 Unter Änderung der Namen bringe man alle Stoffe dar, Bhairava: Sitz, Willkommen, Fußwasser, Arghya, Wasser zum rituellen Trinken,
82.211 Honigmischung, erneutes Trinkwasser, Bad, Kleidung, Schmuck, Duft und Blumen, Räucherwerk und Licht, Speise und Verehrungsgebet,
82.212 Trinkwasser und danach Bali-Gabe. Diese achtzehn Darbringungen sind in allen Tantras verborgen. [Die aufgezählten Einzelgaben ergeben bei getrennter Zählung mehr als achtzehn.]
82.213 Der furchtlose reine Übende vollziehe dreimal Pranayama und rezitiere besonders sorgfältig nach der Ordnung der großen Gebetskette.
82.214 Höre einen weiteren vorzüglichen Mantra, o Herr Bhairava: Pranava, König der Pretas, danach Feuer-Bija,
82.215 Halahala, Mahakala, „Über Paranatha meditieren wir“, Kama-Bija und Hakini als Wort im Dativ,
82.216 dann „Soham, Hamsa, Svaha“. Der Weise rezitiere diesen großen Mantra. Durch hunderttausend Rezitationen entsteht Vollendung; der Unwissende wird wissend.
82.217 Der Unvollendete wird vollendet, Name und Ruhm wachsen; er wird ein großer Redner, Kenner aller Lehrschriften und Teilhaber an der Vollendung der Allwissenheit.
82.218 Vollendete Rede und die acht Siddhis erscheinen offen in seiner Hand. Durch das Verfahren der Purascharana in vier Durchgängen wird er unsterblich.
82.219 Er wird zum Yogi, der die Weltauflösung überdauert, ganz Meditation, wissend und rein; mit nicht öffentlich zu offenbarenden Eigenschaften wird er zum König der Könige.
82.220 „Du Hüterin des Geheimsten der Geheimnisse, nimm die von uns vollzogene Rezitation an. Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden, Göttin, höchste Herrin!“
82.221 So bringe er die Rezitation in ihre Hand dar und stelle sie sich goldgestaltig vor. Danach rezitiere er dreimal den Mantra zusammen mit Pranayama.
82.222 Ich erkläre den Mantra der Bali-Gabe; höre, gelehrter Kenner des erhabenen Kula. Zuerst Wurzelmantra, dann „Die vollendete Gabe mit Nektar und Fleisch,
82.223 mit Fisch und Mudra versehen oder die gute süße Gabe: Nimm an, nimm an; lass annehmen, lass annehmen“, danach Dvi-Tha.
82.224 Der vorzügliche Übende bringe sie mit Hingabe zur vollkommenen Erfüllung seines Wunsches dar. Danach rezitiere der Verständige den Lobgesang in seinen Prosa- und Versformen.
82.225 Er rezitiere den von Brahman anerkannten Schutztext zum Schutz des Körpers oder die Folge der tausend Namen mit Haras Mudra.
82.226 Dann setze er, o Herr, den höchsten Gott zusammen mit Hakini an ihren eigenen Ort zurück.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Verehrung Hakinis und Parashivas“ das Kapitel 82.
Kapitel 83: Lobgesang an Hakini und Paranatha
83.1 Shri Anandabhairava sprach: Erzähle, o Herrliche und Mitfühlende, den vorzüglichen Lobgesang Hakinis, durch dessen Rezitation man durch deine Gnade beredt wird. [Der letzte Ausdruck der Vorlage ist entstellt.]
83.2 Shri Anandabhairavi sprach: Höre, o Herr, den überaus wunderbaren besten Lobgesang, das ursprüngliche Geheimnis, das alle Herren betrachten und die Herren der Übendenkreise rezitieren, jene Vollendeten, die den Dharma gründlich kennen.
83.3 Ich preise die als Brahman bezeichnete Liebesvidya, Mutter Naraharis, Gestalt des Kama-Kuta, Hakini, Shambhus Gemahlin, die drei Bräute und den Liebesgott beherrschende vollendete Retterin, Herambas Wonnevidya, Bezähmerin der Drei, langhaarig und dreiäugig, deren lächelnder Lotosmund mitten im Mandara-Wald erblüht. [Einige verschlüsselte Attribute bleiben unsicher.]
83.4 Stets preist man sie im zweiblättrigen Brauenlotos: mit Goldschmuck, drei Augen und Seidengewand, überaus liebevoll, rein, Beste der Kula-Menschen, mondgesichtig, Glück und Erbarmen der Welt schenkend, in innerer Haltung jung, weißglänzend wie Triveni, mit einem aus Essenz bestehenden Körper. [Das letzte Körperattribut ist verderbt.]
83.5 Du Bewohnerin der lieblichen Stätte im Überfluss großer Lotoswälder, Hakini, dich preise ich freudig, die du in jener Dharma-Stätte erschienen bist. [Die Ortsbezeichnung ist unsicher.]
83.6 Ich preise die Retterin über das Weltmeer, jenseits des gewöhnlichen Geistes im Liebesverlangen nach Narahari, einzige Stätte des Entstehens und Vergehens der Zustände, Maya, die große Schöne; Shri Hakini, die Auflösende, deren Löwenthron mit Millionen Edelsteinen leuchtet, der Betrachtung des Feldes hingegeben und von Bharati meditiert.
83.7 Sie entfaltet plötzlich den Glanz der Weihe, o Geliebte Parvatis Herrn, den Schatz großen Wissens um die Schau mannigfacher Edelsteingruppen. Sie ist unmittelbar die Allherrin, hell im einen Bindu der Wonne Parashivas. Die Liebe Wirkende möge mich von Anfang an schützen; im inneren heiligen Sitz preise ich sie.
83.8 Im Raum-Veda-Linga, auf dem vereinten Weg des Bestehens, leuchtet sie mit rotem Schmuck. Mutter Kali, auf dem Kula-Weg wirksam, Zornige und Zornbesänftigerin, möge mich schützen. Ihre Lotosfüße tragen die Girlanden der Haarreihen sich verneigender Verehrer der drei Welten; im grenzenlosen zweiblättrigen Lotos preise ich die von allen Herrschern verehrte Vidya. [Die erste Zeile ist dunkel.]
83.9 Ich vergegenwärtige und preise dein geliebtes Fußpaar mit seinen Gliedern, Heil der beiden Blätter, die Lotosfüße mit wunderbaren Fußringen und Ketten. Durch ihre Meditation werden Hari und Ishvara tugendreich, augenblickliche Besieger des großen Feindes und Beschützer der drei Welten; sie sind die einzige Stätte der Lösung von den Fesseln der Hoffnung. [Die Satzbezüge sind unsicher.]
83.10 Du bist Pilgerfahrt und Bewohnerin des Gelübdes, mondgesichtig, dem Fleisch von Ziegen und anderen Tieren zugetan. Beschütze mich, du Allumfassende. Ich preise dich, die eine heilbringende Gestalt, der Indras Verneigung lieb ist und die den einzigen Grund der Wonne mit Redevollendung und Befreiung gewährt.
83.11 Ich verneige mich vor dem höchsten Vorzüglichen, der den Stolz der Gestalt des Bergkönigs vernichtet, Maheshvara, dem höchsten Herrn, dessen Tiefe das Leichenplatz-Bija ist, mit Gold und Edelsteinen geschmückt, hell wie hundert Monde, Shiva, dessen Körper erneut höchstes Licht ausstrahlt.
83.12 Stets preise ich die Zuflucht, den Erwählten, gesegnet durch großes Begehren, den großen Gott der Götter, Ursprung der drei Zeiten, dessen Glieder gern mit dem schrecklichen Staub des Leichenplatzes gesalbt sind, Wesen und befruchtende Kraft des Weltlaufs.
83.13 Jede Nacht und jeden Tag verneige ich mich sogleich im Geist vor dem ursprünglichen Parashiva, mit hundertfachem Mondlicht der Mondgesichtigen verbunden, der den Verehrenden und Übenden gute Frucht schenkt.
83.14 Ich preise die Lotosfüße Parashivas, von Hakinis Shakti bedient, den drei Welten Glück schenkend, allein in Meditation offenbar, mit der Schönheit höchst anmutiger Lotushände, Wesen des eigenen Kula auf Erden, den Yogameistern zugänglich.
83.15 Hakinis Lebensherr stillt das Werden, trägt eine Diamantgirlande und entfaltet das Spiel von Kummer und Kummerlosigkeit sowie das Verlangen des belebten Körpers. Im Wesen des Brauenlotos bildet er die ewige Knospe der Bewusstseinslampe. Auf der Stirn preise ich seine Lotosfüße, von Scharen guter Eigenschaften verehrt. [Die erste Zeile ist stark entstellt.]
83.16 Ich verehre die Ursache der Welt, einzig auf Merus Gipfel wohnend, von Goloka und der Opferwonne verehrt, Parashiva, Wohnstätte im Bewusstsein der Yogameister, ungestört beim Weintrinken und beim Kauen von Tierfleisch mit Reis, von Nandi und den großen vorzüglichen Bhairavas verehrt. [Die Fleischbezeichnung ist beschädigt.]
83.17 Du bist Herr der verborgenen Künste auf dem Maya-Weg, Herr der Kapila, Herr von Erde und Sonne, ein einziger Kreis; du bist Wasser und Feuer im All, Licht des Raumes, im Wind wohnend. Zu deinem Antlitz nehme ich Zuflucht. [Der Vers ist stark verderbt; einzelne Herrschaftsattribute bleiben unsicher.]
83.18 Ich verehre den Herrn Hara-Parashiva unter dem wunscherfüllenden Baum auf goldenem Löwenthron, im Liebesspiel mit Shri Hakini, das Spiel des Begehrens offenbarend, am Gipfel des Vindhya-Berges, der Maya-Verblendung auflöst, höchstes Glück und die Vielfalt der Formen erhellt.
83.19 Wer den Sinn dieses Lobgesangs rezitiert, wird glücklich und kundig im Yoga, frei von Hunger und Durst, durch Hören und Festigkeit ruhmreich. Binnen eines Monats verbindet sich dieser Yogameister mit überströmender höchster Wonne und schafft im Lebensprinzip den köstlichen Saft des Nektarmeeres. [Einige Verbindungen der Vorlage sind unsicher.]
83.20 Der Wissende rezitiere diesen Lobgesang zusammen mit Meditation und Nyasa und vergegenwärtige Weiß, Rot, Gelb, Blau und Schwarz.
83.21 Wer täglich zu den vier Zeiten rezitiert, erlangt Vollendung. Millionen Hindernisse im Raum, auf Erden und in der Unterwelt, o Herr,
83.22 verschwinden hier augenblicklich allein durch die Rezitation der Yogis. Der Rezitierende kann überallhin gehen und erlebt die Frucht großen Glücks.
83.23 Dieser Lobgesang nimmt große Verfehlungen hinweg, ist aus Hakinis Herzen entstanden, Sadashiva lieb, schenkt Yoga-Vollendung und wird von den Göttern verehrt.
83.24 Durch tausendmalige Rezitation erlangt man die Frucht der Purascharana. Wer diesen König der Lobgesänge auf einem Leichenplatz, in einem einsamen Wald
83.25 oder im Luftraum rezitiert, o Herr, wird ein großer unsterblicher Yogi. Durch seine Rezitation wird man beredt, wissend und Herr der Sinne.
83.26 Rasch wird man ganz Meditation, zusammen mit den Gefolgescharen. Morgens, nachts, mittags und zur letzten Tageszeit
83.27 rezitiere der vorzügliche, von innerer Haltung erfüllte Übende das Wesen dieses Lobgesangs. Ohne Mühe wird er gewiss fest im Brauenlotos.
83.28 Wer die Lotosfüße des erhabenen Gurus als Ziel der Meditation im Herzen betrachtet und danach diesen Lobgesang rezitiert, wird zum wunscherfüllenden Baum.
83.29 Nun erkläre ich dir, o Herr, im nächsten Kapitel den Schutztext.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, unter dem Namen „Anordnung des Lobgesangs an Hakini und Paranatha“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 83.
Kapitel 84: Hakinis Schutztext
84.1 Shri Anandabhairava sprach: Erzähle nun zuerst, Anandabhairavi, Geliebte meines Lebens, den Schutztext der Göttin Hakini, der höchste Wonne vermehrt.
84.2 Du im Meer des Erbarmens, offenbare mir vertrauensvoll, mit dem rituellen Trank verbunden, rasch den freudvollen Schutztext, dessen Wesen heilbringend ist.
84.3 Shri Anandabhairavi sprach: Höre zuerst, großer Held, Meer höchster Wonne, den Schutztext der Göttin Hakini, der über das Meer des Weltlaufs führt.
84.4 Allein durch seine Erinnerung wird der Yogi fest im Yoga. Alle beweglichen und unbeweglichen Wesen im Luftraum, auf Erden und in der Unterwelt
84.5 werden gehemmt und erzittern durch die Rezitation der Vidya-Erkenntnis. Allein beim Klang des Schutztextes fliehen Bhutas, Pretas und Pishachas
84.6 von Furcht gequält durch Kalarudras Macht, so wie Licht inmitten des Feuers gewiss feststeht. [Der Vergleich ist in seiner überlieferten Form undeutlich.]
84.6 Anwendung des Schutztextes: Om. Seher dieses großen Schutztextes der Shri Hakini, dessen freudvolles Wesen heilbringend ist, ist Sadashiva; das Versmaß ist Gayatri, die höchste Gottheit Shri Hakini, das Bija Klim, die Shakti Svaha, der Wurzelschlüssel Siddhalakshmi. Seine Rezitation dient der Erfüllung des großen innerkörperlichen Begehrens. Om schütze meinen Kopfkreis, Klim meinen Stirnkreis; ihr eigener Wurzelmantra schütze stets meine drei Augen. [Die zweite Nummer 6 bleibt wie in der Vorlage erhalten; Nummer 8 fehlt.]
84.7 Die anmutige Göttin, beginnend mit Vagbhava, schütze stets meine beiden Wangen; Shrim, Hrim, die höchste Gottheit Hakini, schütze meine beiden Ohren.
84.9 Die große Vidya schütze stets meine Ober- und Unterlippe; Hrim, Shrim, Svaha, die höchste Herrin, schütze die beiden Zahnreihen.
84.10 Klim, Hrim, Shrim, die Göttin Hakini, Svaha, schütze meine geschmackliebende Zunge; Shakti, Kamavara und Madhu mögen stets meine Mundwinkel schützen.
84.11 Svaha schütze den Haarschopf, Shakti stets die Brauenmitte; Hakini, die höchste Herrin Paranathas, schütze den Kreis.
84.12 Sundari, die Schönheit des Begehrens, schütze stets den zweiblättrigen Lotos; die Amrita Genannte schütze stets meine leuchtende Brauenstätte.
84.13 Vahnijvala schütze stets die Leichenplatz-Stätte meiner Brauen; Surabhi, Maya-Waffe und Svaha mögen das Blatt im Brauenbereich schützen.
84.14 Kamakhya, Hakini, die höchste Herrin, schütze das Dreieck; Tripurasundari schütze stets meine beiden Sechsecke.
84.15 Hinguladeshvari schütze den Bindu-Kreis im Sechseck; die im Innern der Erde Leuchtende schütze die sieben Erdkreise.
84.16 Die Geliebte hundert Millionen Wüsten schütze den großen hundertblättrigen Lotos; die aus Guru-Vidya bestehende Vani mit berauschtem Gang schütze mich. [Das Wüstenattribut ist auffällig, wird aber nicht ersetzt.]
84.17 Die höchste Herrin schütze die vier Tore und den ganzen Kreis; die Vernichterin äußersten Leidens behüte stets meinen Geisteskreis.
84.18 Die aus Klang-Brahman Bestehende schütze meinen Mondkreis; Durga, Retterin vor Unzeit, Vollbringerin von Entstehung, Bestand und Ende,
84.19 schütze die Stätte des großen Purusha; Hakini meinen Kreis. Die aus Buchstaben bestehende Tara, Götterherrin, schütze meine Mondsichel.
84.20 Die Bewohnerin der Feuergrube schütze die Stadt Unmani; Madira, die Giftvernichterin, schütze stets meine Stirn.
84.21 Die Dharma und Erkenntnis Schenkende schütze meine Stätte von Dharma und Erkenntnis; Talapatnishvari, die Nektarwonne Wirkende, schütze mich. [Der Göttinnenname ist unsicher.]
84.22 Die mächtige Göttin schütze die Fülle der Leidenschaftslosigkeit und die Bindu-Stätte; Tritari, die verborgene Shakti, schütze stets mein Vishuddha.
84.23 Shakini, Kulabhairavi, schütze stets Shakinis Herrn; die Herrin der sieben Inseln schütze meinen sechzehnblättrigen Lotos.
84.24 Shakini, Bhairavi, Chandadurga und Sarasvati mögen schützen; Kumari, die im Kula geborene Lakshmi, schütze stets mein vollendetes Ziel.
84.25 Shakini, die höchste Herrin, schütze stets mein Herz, die Göttin in Bija-Gestalt, die große Töterin des Büffeldämons.
84.26 Sie schütze stets meinen Bauch mit Millionen Yoginis; Uma, Maheshvari, die Gewaltige, schütze meinen Rücken.
84.27 Chamunda, Bhairavi, Bala behüte stets beide Seiten; die höchste Herrin, Göttermutter, schütze beide Brüste.
84.28 Die glückbringende Göttin Hakini schütze das dem Yaksha Liebe; die ursprüngliche Göttin in Flammengestalt behüte stets beide Arme. [Der erste Schutzbereich ist textlich unklar.]
84.29 Kamavidya, die alle Verfehlungen tilgt, schütze meinen zehnblättrigen Lotos; Shiva, deren Wesen die zehn Buchstaben sind, schütze stets Manipura.
84.30 Lakini, die Lotosbewohnerin, schütze stets den Nabelkreis; Parvati, Hüterin der Veden, schütze das Blatt der ewigen Stätte. [Die zweite Ortsangabe ist unsicher.]
84.31 Maharudreshvari schütze meinen Edelstein in Gestalt des heiligen Sitzes; Rudrani, die Dreizackträgerin, schütze den Lichtkreis.
84.32 Abhaya, die Yoga-Vidya, schütze stets mein Gesäß; Nitambini schütze den tragenden Kreis der Hüften und seinen Berg. [Der Satzbau ist unsicher.]
84.33 Die junge Vaishnavi im Mantrageflecht schütze den Kreis des Gliedes; Hakinisha schütze stets meine Mahavishnu-Stätte. [Der Name steht so in der Vorlage.]
84.34 Vaishnavi, Lalita, Maya und Ramadevi mögen meine Hüften schützen; Sarasvati in geheimer Gestalt schütze stets Svadhishthana.
84.35 Bhavani, des Erhabenen Gemahlin, und Shmashanakalika mögen meinen After schützen; Ranamatangi und Rakini meinen Kula-Kreis.
84.36 Die Gestalt des Offenbaren und Unoffenbaren behüte stets mein Muladhara; die Erkenntnis-Kundali schütze meinen vierblättrigen Lotos mit vier Buchstaben.
84.37 Die Asketin schütze stets, die Reinigende behüte meine Wurzel; Ratika, Ghatika, Veshya, Dharini und Kamasundari,
84.38 die Geliebte des Feuers, schützen stets meine beiden Schenkel; Ulkamukhi, die im Feld Vollendete, behüte beide Unterschenkel.
84.39 Balamukhi, die Reichtum schenkende erhabene Kulabhairavi, schütze; sie schütze die beiden Lotosfüße, die höchste Hakini alle Glieder.
84.40 Madana, Medini, Dhanya, Chamunda, die Schädelgirlandenträgerin, Rama, Kamakala, Jyeshtha, Ajna und Ratisundari,
84.41 Manoyoga, Nirmala, Vimala und Amala mögen stets schützen; Kanchani, Bagala, Ratri, Panchami und Ratisundari
84.42 mögen überall und immer schützen, ebenso Yogadya, die sich nach Liebe sehnt, auf Bergen, im Wald, in der Leere, im Kampf und im schrecklichen Werden.
84.43 Die Leichenplatzbewohnerin, die alle Reittiere reitet, schütze; die Trägerin aller Waffen, Panchami, der das Fünfte lieb ist, schütze.
84.44 Die vierarmige Hakini, Gottheit des Körpers, schütze stets, die höchste Herrin, deren Gesicht wie Tausende Myriaden Millionen Monde leuchtet.
84.45 Mit den Yoginis schütze sie stets an jedem Ort; Ananta, Vernichterin großer Hindernisse, schütze immer.
84.46 Im Wasser, in einer Feuergrube, bei Furcht vor Krankheit und Feinden, vor Tigern, Dieben, großem Wahnsinn und weiteren Gefahren,
84.47 bei Furcht vor Graha-Einflüssen, Göttern, Dämonen und Bergen schütze die Furchtlose, die Angstfreie, die Furcht Wegnehmende und Vernichterin der Angst,
84.48 die sehr Furchtbare, Bhadrakali, Bhairavi, Marakamala, die große Herrin der Wesen, Mutter und Trägerin der Welt.
84.49 An jedem Ort, an jedem heiligen Sitz schütze stets die Mutter. So ist dieser Schutztext, der alle Vollendungen schenkt und Leid vernichtet,
84.50 dir sorgfältig erklärt, Mahakala, Herr Hara. Wer morgens aufsteht und diesen selbst Göttern schwer zugänglichen Schutztext rezitiert,
84.51 wird zum Besieger der Zeit, zu einem Gott und keinem gewöhnlichen Menschen. Der glückbegabte Übende, ganz Meditation, wird selbst zum höchsten Selbst.
84.52 Im Ajna-Lotos fest geworden, wird er gewiss ewig. Dieser Schutztext nimmt vorzeitigen Tod hinweg und führt über das Meer des Weltlaufs.
84.53 Wer ihn, dessen freudvolles Wesen heilbringend ist, mit großer Hingabe rezitiert, o Herr der Götter, wird gewiss zu Lebzeiten befreit.
84.54 Die Girlande der vier Befreiungsarten liegt fest um seinen Hals. Er wird zum Guru der vorzüglichsten Yogis und durchdringt den Vedanta.
84.55 Er kennt den Sinn aller Lehrschriften und des Yamala und wird zum Herrn. Frieden, Wissen, Festigkeit und Rückkehr vom Weltlichen erlangend, wird er rein.
84.56 Ganz Yoga, erlangt er zweifellos Herrschaft. Am Dienstag oder Samstag, beim Sonnenübergang oder sonntags,
84.57 an Neumond- oder Rikta-Tagen trage man den heilbringenden Schutztext: der Mann am rechten Arm, die Frau am linken.
84.58 Man erlangt alle Vollendungen, was immer im Geist gewünscht wird. Mit Gorochana, Safran und rotem Lack schreibe man ihn auf.
84.59 Durch Hakinis Yoga-Rezitation erlangt man unweigerlich Vollendung.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, unter dem Namen „Hakinis Schutztext“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 84.
Kapitel 85: Der Schutztext Paranathas und Parashivas
85.1 Shri Anandabhairavi sprach [so die Sprecherangabe der Vorlage; die Frage ist an Bhairavi gerichtet]: Schönangesichtige, Herrliche, Spenderin des Ursprungs aller Erkenntnis, Freude des wonnigen Herzens, Vermehrerin höchster Wonne,
85.2 der heilige, geheime und höchst schwer zugängliche Schutztext ist erklärt. Noch nicht erklärt wurde aber der erkenntniszugängliche, vom großen Geflecht verehrte
85.3 Schutztext Paranathas, der die Vollendung allwissender Erkenntnis gewährt. Sage ihn mir nun sorgfältig, o Anandakulabhairavi.
85.4 Shri Anandabhairavi sprach: Höre, Herr der Yoginis, Gebieter der Yoga-Vidya, den uralten, der Erkenntnis zugänglichen Schutztext Paranathas,
85.5 höchst geheim, Wesen des Yoga, in allen Tantras schwer zu finden. Nun erkläre ich dir sorgfältig den höchsten Zustand, o Herr.
85.6 Anwendung: Seher dieses großen Schutztextes Shri Paranathas ist Sadashiva, Gottheit das höchste Selbst, Bija Hsauh, Shakti Erkenntnis, Schlüsselstift Wonne; die Anwendung dient der Vollendung aller Wünsche. Der Om-Laut, Keim der Veden, schütze stets den Schatz meines Hauptes; Hsauh, der große Pretakönig, schütze stets meinen Schädel.
85.7 Hakinis Herr, der Helfer genannt wird, schütze meine Eigenschaften von Begehren und Haar; die höchste Gottheit zwischen den Brauen schütze die Stadt Varanasi. [Das erste Schutzobjekt ist verderbt.]
85.8 Ṣaṃ, Raṃ, Śaṃ und Vaṃ mögen stets schützen; Haṃ und Kṣaṃ die Brauenblätter. Die Jungfrau des Brauenlotos schütze stets mein Bana-Linga.
85.9 Kalanala schütze stets das Höhere als das Höchste im zweiblättrigen Lotos; Tripurabhairava schütze die Brauenhöhle und die ewige Wonne.
85.10 Anathalinga, der Allherr, schütze meine drei Augen; Abhaya, der Heilbringende, schütze die bewegliche Zunge an der Dhruva genannten Stätte. [Die Ortsangabe ist unklar.]
85.11 Der fünfgesichtige Kamasundara schütze stets mein Gesicht; Unmattabhairavendra behüte beide Wangen.
85.12 Der Hiranya Genannte, der auf dem Leichenplatz geht, schütze stets meine Zahnspitzen; Mahadeva, der große Raum, schütze meine Ohren.
85.13 Der Vikata genannte Manjughosha schütze stets den Kiefer; der aus Pranava Bestehende, der Blauhalsige, schütze meine Kehle.
85.14 Der unbesiegbare Weißfarbene schütze stets; die große Reine, die höchste Herrin Tripura, schütze den großen Raum meiner Halsgegend. [Geschlecht und Satzbezüge wechseln in der Vorlage.]
85.15 Mrityunjaya, der Schreckliche genannt, behüte stets Vishuddha; der Yogaherr die mit Ishvara verbundenen Vokale.
85.16 Vamadeva, der höchste Herr, schütze stets mein Herz; Ishvara, der höchste Gott Sadashiva, schütze immer.
85.17 Attahasa schütze stets mit Millionen Yoginis; Akalachakra, der Allwissende, und Avadhuteshvara meine Arme.
85.18 Mahakala, Herr der Bherunda, schütze stets; Kakinis höchster Geliebter schütze die Seiten.
85.19 Achyutesha schütze stets beide Bauchseiten; Atharvesha, der ewig Wonnevolle, Götterherr, schütze den Rücken.
85.20 Tapinis Herr Ishana, Virabhadra, Herr der Asketen, schütze den Nabelkreis; Umapati meinen Bauch.
85.21 Gharghara schütze stets Rudra, Rakinis Geliebten; der Träger verfilzter Haarmassen schütze Rudrani, die zornige Gottheit. [„Rakini“ steht hier so in der Vorlage.]
85.22 Der Yogameister schütze das Gesäß, Prabhadya meine Hüftgegend; der im sechsblättrigen Lotos Leuchtende schütze stets Svadhishthana.
85.23 Abhaya schütze stets, Bharga den vierblättrigen Lotos; Tarunisha schütze Kundali und Dakinis Stätte.
85.24 Parvatis lieber Geliebter schütze stets die Afteröffnung; Yajnanatha, Kenner seines eigenen Mantras, beide Schenkel.
85.25 Dharmalakshmishvara, der Herr, schütze stets beide Unterschenkel; Mahakala, Herr der Erde, beide Fußsohlen.
85.26 Der Gabenspender Vatuka, Shri Sadashiva, schütze alle Glieder; Maharudra, Shripatisha, der Gewaltige, schütze mich stets.
85.27 Im Kampf, beim Würfelspiel, im Streit, im leeren Haus, bei großer Gefahr, in der Unterwelt, auf dem Berg und im Wald schütze Vagvadinishvara.
85.28 Ghanteshvara, Shankhanada und Murarisha mögen mich schützen; der höchste Wonne Schenkende und mein Wohl Erstrebende schütze mich auf dem Weg.
85.29 Der Herr der großen Vidya schütze, der Pretakönig schütze mich, meinen Sohn, Freund, meine Gattin, Verwandte und Angehörige.
85.30 Der Träger von allem, Maheshvara in Linga-Gestalt, schütze stets; das höchste Selbst schütze die Gottheit an der geheimen Stelle.
85.31 Mit seinem Gefolge schütze er, der große Mond behüte stets; bei Tötungs-, Vertreibungs-, Lähmungs- und Entzweiungsriten schütze Mohana.
85.32 Bei Bezauberung, Auflösung, Festigung, Unterwerfung und Befriedung schütze Sadashiva; Paranatha, der Guru im Parijata-Wald, schütze.
85.33 Der alles Verzehrende, Kalarudra, beschütze mich überall. So ist der heilbringende Schutztext erklärt, der alle Vollendungen schenkt,
85.34 der Schutztext des Gottes Paranatha, der allwissende Erkenntnis vollendet, in der Welt schwer zugänglich und in allen Tantras verborgen,
85.35 im Yamala aber Tag und Nacht offenbart, o Herr der Götter. Wer ihn einmal rezitiert, ist ohne Zweifel Rudra.
85.36 Ruhm, Glück, Schönheit, Einsicht und Lebensdauer wachsen ihm gewiss zu. Allein durch die Erinnerung an ihn erlangt er Königtum und wird Herr der Yogis,
85.37 Besieger von Begehren und Zorn, Besieger des Todes und großer Dichter. In den drei Welten gibt es für ihn nichts Unerreichbares.
85.38 Wer diesen heilbringenden Schutztext am Hals oder auf dem Kopf trägt, mit rotem Sandelholz oder Safran aufgeschrieben,
85.39 wird zum Heldensohn und vernichtet Millionen großer Verfehlungen. Ohne Mühe erlangt er, o Götterherr, Yoga-Vollendung.
85.40 Nach hundertacht Rezitationen erlangt man die Frucht der Purascharana.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Rezitation des Parashiva-Schutztextes“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 85.
Kapitel 86: Die tausendundacht Namen Hakinis
86.1 Shri Anandabhairavi sprach [so die Vorlage; die Anrede richtet sich an die Göttin]: Geliebte, im Meer der Wonne durch den Strom der Offenbarung leuchtend, Spenderin vollkommenen Friedens, Glanz der einen Kraft der Freude an Zügelung und Selbstbeherrschung: Sprich rasch durch die göttliche Gnade deines liebevollen Blickes die wunderbaren, schönen tausendundacht heilbringenden Namen Hakinis und des erhabenen Gurus.
86.2 Shri Anandabhairavi sprach: Unmittelbar erkläre ich dir, Herr und Guru, die ganze heilige, reinigende Reihe der tausendundacht Shakti-Namen, die Erkenntnis und Heil bringen. Sieg begehrende Yogameister, erfüllt von Liebe zur geliebten Kala, sollen sie verehren und rezitieren. Sie sind im All höchst geheim; rezitiere sie rasch, o Herr.
86.3 Anwendung: Seher dieses Tausendundachtnamen-Lobgesangs der höchsten Göttin Hakini, der großen Shakti Shri Paranathas, ist Sadashiva; Versmaß Gayatri, Gottheit die höchste Herrin Hakini, Bija Klim, Shakti Svaha, Wurzelschlüssel Siddhalakshmi. Die Rezitation dient der Vollendung der Erkenntnis des großen innerkörperlichen Leibes. Om. Hakini; Erde; Lakshmi; Kala des höchsten Selbst; die Höchste; Die den Höchsten Liebende; die das Höchste Überschreitende; die Höchste; die Höchstgeliebte.
86.4 Höchste Herrin; höchste Liebe; Gestalt des höchsten Brahman; Gegnerbezwingerin; höchste Wonne; Dienerin Paranathas.
86.5 Die im höchsten Raum Wohnt; das Jenseits; Bestimmerin des Diesseits und Jenseits; höchst Erstrebte; höchste Shakti; von uraltem Körper; Licht.
86.6 Geliebte des Fünfgesichtigen; die Frühere; fremde Gattin; höchste Ehrfurcht; in fremdes Land Gegangene; Herrin; Vermehrerin höchster Freude.
86.7 Parvati; die „höchstes Kula“ Genannte; schönäugig mit höchster Augensalbe; Geliebte des höchsten Brahman; Maya; Offenbarerin des höchsten Brahman.
86.8 Durch Erkenntnis des höchsten Brahman Zugängliche; Geliebte des Herrn des höchsten Brahman; über das Frühere Hinausgegangene; über das Höchste Hinausgegangene; in grenzenloser Größe Ruhende.
86.9 Retterin aus dem grenzenlosen Meer; Befreierin aus dem unermesslich schwer Überschreitbaren; Gestalt der höchsten Feuerflamme; Bewohnerin der höchsten Brauenmitte.
86.10 Höchste Beste; Bewohnerin des höchsten Feldes; höchste Girlandenträgerin; Tochter des Bergherrn; aus Millionen höchsten Feuern Entstandene.
86.11 Höchster Schatten; höchster Schirm; aus der höchsten Öffnung Hervorgegangene; Weg zum höchsten Gott; Liebe; Glanz des Edelsteins auf den fünf Haarspitzen.
86.12 Die Fünfte; Herrin des Herrn der gebundenen Wesen; Dreimalfünf; Schönheit der Fünf; im Parijata-Wald Wohnende; Liebhaberin der Parijata-Girlanden.
86.13 Unterscheiderin des Höheren und Niederen; Befreiung in der jenseitigen Welt Schenkende; Gestalt höchsten Glutfeuers; fremde Frau; Rezitierende des Höchsten.
86.14 Trägerin höchster Waffen; Stadtbewohnerin; höchste Herrin; Erweckerin freudiger Liebe; Spenderin fortdauernder liebender Hingabe.
86.15 Liebhaberin des höchsten Klanges; Stadtzugehörige; Bewirkerin der Berührung; die Gnädige; im höchsten Yantra Stehende; die Gnädige; Lotosgirlandenträgerin.
86.16 Lieblich Redende; im Jenseits Angekommene; Vermehrerin fremden Getreides und Reichtums; am höchsten Boden Erfreute; die Gelbe; von Ängstlichen Verehrte.
86.17 Vor dem Wort des höchsten Mundes Geneigte; im Purusha Stehende; Puranjana; die Reife; Tilgerin des Messbaren; Vermehrerin der Freude; Vermehrerin des Lieben.
86.18 Vernichterin des Leidens der Weltentfaltung; aus deren Wesen Hervorgegangene; aus den Puranas Hervorgegangene; die Füllige; im Werden ihrer vollen Brüste Leuchtende.
86.19 In Seidengewänder Gekleidete; Bewegerin des Seidenfadens; Spenderin fremden Besitzes; die Erfreute; höchstes Vertrauen; höchstes Inneres.
86.20 Die zu Reinigende; durch das Höchste Erschütterte; Vernichterin fremder Kraft; Erhellerin des Nachdenkens über die tief verborgene wesentliche Wahrheit des Höchsten.
86.21 Spenderin reichen Wohlstands; Erde; auf den beiden Lotosblättern Stehende; Wonne eines heiteren Herzens; auf heiterem Sitz Thronende.
86.22 Mit einer hellen Edelsteingirlande Geschmückte; Trägerin heiterer Waldgirlanden; Wonne gnädigen Erbarmens; im heiteren Herzen Wohnende.
86.23 Am höchsten Schein Erfreute; Osten, Westen, Norden und Süden; im Wind Stehende; am Trinken Erfreute; deren Körper den Wind zur Grundlage hat.
86.24 Geliebte des Herrn; dem Herrn Hingegebene; Spenderin der Hingabe an den Herrn; Vermehrerin höchsten Durstes; Fülle; Spenderin einer höheren Geburt.
86.25 Von weiterer Geburt Befreite; Bewirkerin höheren Wanderns; aus dem Höchsten Geborene; Parijata; die Reine; Vermehrerin des Verdienstes.
86.26 Tilgerin der Verfehlung; Vernichterin von Millionen Verfehlungen; Spenderin höchster Befreiung; im kleinsten Atom Erfreute; die Feine; Zerbrecherin des Atoms.
86.27 Die Atome grobstofflich Macht; höher als das Allerhöchste; Weg; die Pushan Freude Bereitende; Ernährerin; dreifache Ernährung.
86.28 Beschützerin der Könige; mit Schlinge in der Hand; die Gewaltige; Lebensbeschützerin; Milchstein; Kuchenesserin; ganz dem Nektartrinken Hingegebene. [„Milchstein“ ist eine unsichere Namenslesart.]
86.29 Deren Körper von Nektar Gesättigt ist; Tätigkeit des Nektarquirlens; aus dem Nektarmeer Entstandene; milde Melkerin des Nektars.
86.30 Von reiner Nektargestalt; mit dichtem Nektarkörper; Liebhaberin des Anhaltens der Lebenswinde Prana, Apana, Samana und der übrigen.
86.31 Von lichtvoller Gestalt des Windanteils; Spenderin der aus Liebe hervorgehenden Hingabe an sie; im Steinkörper Stehende; von steinernem Geistkörper.
86.32 Der westlichen Wonne Hingegebene; die Westliche; Liebhaberin des Westens; mit gewaltigem sonnenhaftem Körper; Sonnengesichtige; Licht.
86.33 Schönes Licht; im offenen Land Stehende; Liebhaberin der Praxis des Liebwerdens; die Unfeste; Pamasi; deren Sandalen der frühere Herr Verehrte. [„Pamasi“ ist unklar.]
86.34 Im Sandalen-Mantra Vollendete; Rezitierende des Sandalen-Mantras; im Heil der Sandalen Stehende; an den Lotos-Sandalen Erstrahlende.
86.35 In Millionen rötlicher Lichtglanze Stehende; durch Millionen gewaltiger Sonnen Gehende; Beschützerin der drei Welten; die Höchste; höchste Hakini.
86.36 Mit höherem und niederem Antlitz; Weisheit; Spenderin der Vollendung im Innern der Wildnis; im Parijata-Wald Berauschte; dem höchsten Rausch Zugewandte.
86.37 Freude höchster Erquickung; Trägerin des höchsten Raums; Göttin des höchsten Raums; weithin bekannte Tripurasundari.
86.38 Widerstand Bewirkende; dem Leben günstig Helfende; von Pranarudreshvara Geliebte; Herrin gewaltiger Scharen.
86.39 Ernährerin; Beschützerin der Enkel und Weiteren; Pundrka; mit fünf Wedeln; höchste Frau; der Höchsten gleich; Beschützerin fremder Nachkommenschaft. [„Pundrka“ ist beschädigt.]
86.40 Dem höchsten Yogi Hingegebene; Bezauberin der Schlingen und der Bindung der Wesen; Geberin der Fesseln gebundener Wesen; Verehrungswürdige; Spenderin gnädiger Eigenschaften.
86.41 In Prahlada Stehende; mit erblühtem Lotosgesicht; die höchste Schöne; höchste Rama; höchste Freude; die Festtägliche; Liebhaberin der Festtage.
86.42 Freude Bewirkende; frühere Mutter; die „Bewahrung“ Genannte; Parasara; im Glück Parasharas Stehende; mit höchster Schönheit der Hüften.
86.43 Auf dem höchsten Leichenplatz Zugängliche; geliebte Mondgesichtige; Pala; Palasana Bewirkende; Plaksha; von Affenscharen Verehrte. [Mehrere Namensformen sind unsicher.]
86.44 Im Plaksha-Baum Stehende; in jungen Blättern Stehende; Lotosgesichtige; Tuch; in Tuchgestalt Stehende; zu Rezitierende; Spenderin reiner Welten.
86.45 In der Rezitation heiliger Mantras Stehende; an reinen Stätten Wohnende; deren Glieder rein Geschmückt sind; Trägerin eines reinen Körpers.
86.46 Tripura; durch höchste Herrlichkeit Verehrte; von allen Verehrte; deren Herz Fleisch liebt; Liebhaberin des Kauens von Stroh. [Die auffällige zweite Speisebezeichnung bleibt erhalten.]
86.47 Vor fremden Rinderscharen Verborgene; Frau des Herrn; von Rudras feurigem Glanz; mit erblühtem Lotosgesicht; Trägerin einer Girlande erblühter Lotose.
86.48 Blumenliebende; Blumengeschlecht; von Liebe zur Kula-Blume Erfüllte; in der Blume Stehende; blumengleiche; von blütenzartem Körper.
86.49 Die Blütenhafte; am Trinken Erfreute; am Trinken von Blütenhonig Erfreute; Pracha; die Westliche; Freude des Zuwachses; Prachana; Pranchika. [Die letzten Namensformen sind teilweise unsicher.]
86.50 Freude an Eigenschaften im höchsten Innern; Liebhaberin höchster Großzügigkeit; das Jenseits; an Millionen Klängen Erfreute; Erweckerin des Lotosfadens.
86.51 Am Erwachen des Geliebten Erfreute; durch gewaltigen Klang Bezaubernde; die Füllige; Durchbrecherin dicker Knoten; Abwenderin der Auflösung.
86.52 Auflösung; Wonne der Auflösung; in der Auflösung Stehende; Anwenderin; in Anwendungen Kundige; Seite; Offenbarerin der Seitenunterschiede.
86.53 Mit einer Seite; mit zwei Seiten; Spenderin der Vollendung der fünf Seiten; Freude an Palasha-Blüten; Trägerin einer Palasha-Blütengirlande.
86.54 Im Feueropfer mit Palasha-Blüten Stehende; auf Palasha-Blättern Ruhende; dem Gefäß Zugehörige; gelb Gekleidete; Offenbarerin gelber Farbe.
86.55 Die das Kalakuta-Gift Ausgetrunken hat; die das Weltmeer Ausgetrunken hat; im Wasser auf dem Lotosblatt Stehende; Lotosblattbewohnerin.
86.56 Lotosgirlande; Tilgerin der Verfehlung; Trägerin von Seidengewand; die Höchste; Spenderin höchsten Nirvanas; höchste Hoffnung; höchste Weisung.
86.57 Vernichterin des Unlieben; Hüterin höherer Weihen; Festigkeit; Verehrte; Vollendete; Verkünderin des berühmten Herrn.
86.58 Durch Anstrengung Vollendung Schenkende; die Erschütterte; Vernichterin der Eigenschaften der Weltentfaltung; zu Verehrende; Schülerin der Lebewesen; Liebhaberin des fest gegründeten Körpers.
86.59 Die Ungegründete; Vernichterin; mit zwei Lotosfüßen; Lebensspenderin, deren Lotosfüße mit Liebe und Hingabe zu verehren sind.
86.60 Die Pishacha-Hafte; die Fortgeworfene; Vertrauen zu den Ahnen; Großmutter; vom Urgroßvater Verehrte; der Svadha der Ahnenwelt Hingegebene.
86.61 Wiederwerdende; Wiederlebende; im immer erneuten Gang Stehende; Liebhaberin der wichtigsten Bali-Speisen und Weiteren; liebe Zeugin.
86.62 Leben von Millionen fliegenden Wesen; im Feuer Stehende; Reinigende; Spenderin des Sinnes höchster Erkenntnis; Vollbringerin des Sinnes des höchsten Tantra.
86.63 Gestalt des inneren Lichtes; die Erste; vor der ersten Morgenröte; Morgendämmerung; Partha-Dämmerung; Gestalt der höchsten Übergangszeit.
86.64 Vorzügliche Gabenspenderin; Bestimmerin der Erkenntnis des Lebensatems; Zerbrecherin; Pranjaneshi; Steigerin der rituellen Anwendung. [Ein Name ist unklar.]
86.65 Spenderin des erblühten Zustands; Prasamaya; früher Aufgang; Beschützerin des Lebens des Berges; Zeugin seiner Grundlage.
86.66 Schönheit des Berglebens; Schirm des Berges Bewirkende; der Berg; Erkenntnis Nehmende; Zeugin von Auflösung und Aufgang.
86.67 Mutter des begonnenen Karmas; Kali; Mutter Pradyumnas; die Göttliche; Gemahlin des früheren Götterherrn; Vernichterin fremder Heldengeschlechter.
86.68 Lenkerin fremder Helden; mit einer Girlande höchster Pranavas; Herrin des Pranava; im Pranava Gehende; Liebhaberin der mit Pranava beginnenden Silben.
86.69 Durch Rezitation der Pranava-Silbe Erfreute; Spenderin des Sieges über den Tod des Lebens; mit Pranava Geschmückte; die Verheiratete; durch Tierverzehr Gesättigte.
86.70 Tilgerin der Fehler gebundener Wesen; Trägerin von Millionen Pashupata-Waffen; Eintretende; „Eintritt“ Genannte; mit drei lotosblattgleichen Augen.
86.71 Freude an Tierfleisch und Wein; Liebhaberin von Millionen Tieropfern; Auflösung des Pashu-Dharma; die Ehrwürdige; Tier-Trankspenden Vollziehende.
86.72 Vertrauen der gebundenen Wesen Bewirkende; Verehrungswürdige; mit schöner Girlande von Tierköpfen; Unterweisung im höchsten Heldenyoga; Yogini der höchsten Wahrheit.
86.73 Deren Hauptwaffen Axt und Zorn sind; durch die Axt Auflösung Schenkende; Trägerin einer Rubingirlande; auf einem Rubinsitz Ruhende.
86.74 Mit Ketten aus Rubinreihen geschmückt; mit Lotos-Sandalen und Fußringen, deren Schönheit höchster Staub schmückt.
86.75 Tilgerin aller Leiden; mit Goldketten Geschmückte; Gazellenäugige; in Hari Stehende; Hara; Haravati; Diamant.
86.76 Reich an der Schönheit von Ketten und Ohrringen; mit Hals- und Armreifen Geschmückte; im Wegnehmen Stehende; Hakini; Offenbarerin des Feueropfers.
86.77 Kurkuma; von Hari Verehrte; Haras Girlande; Herrin Haras; über Hara Hinausgegangene; in Hara Vollendete; den Laut Hrim Bildende; Hamsa-Girlandenträgerin.
86.78 Gestalt des Hamsa-Mantras; Durchdringerin des Hamsa-Kreises; Hamsa; Soham; Edelsteine Wirkende; über dem König der Hamsas Thronende.
86.79 Diamantglänzende; Trägerin einer Diamantspitze; Haras Gürtel; Gürtel von Haras Opfergrube; mit schönem Gürtel aus Opferstäben.
86.80 Liebe Wonne des Hara-Trägers; Herrin des Pflugs; Aufgang Haras; Haras Gemahlin; Hara Hingegebene; in der Gestalt der Vernichtung Leuchtende.
86.81 Wohnstätte der Vernichtung; Wein; Liebhaberin des Bija Hlim und des Pranava; Halaksha; in den Buchstaben Ha und Ksha Stehende; Hakini; Bezauberin Haras.
86.82 Der die freudigen Liebesgesänge Hahas und Huhus sehr lieb sind; Spenderin von Haras Macht; Kettenliebende; Diamantgirlandenträgerin.
86.83 Diamantglänzende; im Diamanten Stehende; Grundlage Haras; in Hara Stehende; mit Wein Verehrte; Hinta; Spenderin der Vollendung im Hintala-Palmenwald.
86.84 Große Maya; große Zornige; von Mahadeva Verehrte; große Führung; große Göttin; große Vollendete; großer Aufgang.
86.85 Großer Yoga; große Heilbringende; Retterin großer Yogameister; Gestalt einer großen Lampenflamme; Erhellerin der großen Lampe.
86.86 Die „Licht der großen Lampe“ Genannte; großes Vertrauen; große Einsicht; überaus Große; Vernichterin der Verblendung; die Große; Größe.
86.87 Von Mahakala Verehrte; Herrin von Mahakalas Kula; Mutter großer Yogameister; Spenderin vollendeter Bezauberung.
86.88 In der Opfergabe Stehende; an Opfergaben Erfreute; Liebhaberin der Veda-Mantras des Opferpriesters; Genießerin des Haiyanga-Keims; Liebhaberin dieses Keims. [Die Keimbezeichnung bleibt unklar.]
86.89 Gestalt der Anrede „He“; „He“ als Ursache; Tochter des höchsten Selbst; Göttin, Geliebte des Pflugherrn; Vernichterin von Wohl und Unwohl.
86.90 Vernichterin aller Verfehlungen; Spenderin und Nichtspenderin der Pflug-Ursache; im Verborgenen dieser Ursache Stehende; Anwenderin von „Hili, Hili“. [Die Wortspiele mit Hala und Hetu sind textlich unsicher.]
86.91 Mit Feuermund; die Leere; Gazelle; Spenderin von Haras Tantra; am gewaltsamen Gang Erfreute; mit Shuntaka Geschmückte; Ila. [„Shuntaka“ ist unklar.]
86.92 Mutter Halayudhas und Weiterer; Woge; mit goldenem Pfauenschmuck; Goldene; Tochter des Schneebergs; fest auf dem Gipfel des goldenen Berges.
86.93 Die „Wegnahme“ Genannte; Vermehrerin der Liebe Haris; Bezauberin Haras; Mutter Haras; Haras Weisheit; den Laut Hum Bildende; Reinigerin Haras.
86.94 Mutter Herambas; Bewohnerin der Marktmitte; weiß wie Schnee, Jasmin und Mond; Bewohnerin des Schneebergs.
86.95 Im Opferpriester Stehende; Haras Wein; über Spiel Hinausgegangene; Schar der Tage; Ichbewusstsein; Grube der Ursache; in der Ursache Stehende; Wohltäterin.
86.96 Vernichterin zerstörten Glücks; Lebensgrundlage nach Vernichtung falscher Einsicht; Liebhaberin des rituellen Tranks; große Nacht; die „Tag“ Genannte; Ursprung Haras.
86.97 Liebhaberin der Verehrung und Weiteren; die Würdige; den Hahakara-Ruf Ertönende; in Hanumans Ritualordnung Stehende; Hanuman Vollendung Schenkende.
86.98 Liebhaberin des Halahala-Giftes; die Nichtschreckliche; überaus Furchtbare; mit dem Pflug bewaffnet; Gestalt des Bija Hasauh; Rezitierende des Preta genannten Hasaum.
86.99 Erfreuende; hiesige Wonne; von Arghya Durchdrungene; Verehrung Haras; Tilgerin von Haras Furcht; den Laut Hah Bildende; großes Bija Hah. [Die Schlusskomposita sind unsicher.]
86.100 In Herambas Yoga-Vollendung Stehende; ihre Söhne Heramba und die anderen Liebende; „Tötung“ Genannte; „Ursache“ Genannte; Spenderin der Anwendung plötzlicher Vollendung.
86.101 Uma; Maheshvari; die Ursprüngliche; Spenderin unendlicher unendlicher Kraft; würdiger Schutz der Grundlage; Herrin; gewaltige Retterin.
86.102 Herrin der Morgenröte; die Beste; Durchdringerin des oberen Lotos; Spenderin von Gedeihen und Vollendung; Spenderin der Vollendung des kleinen Raum-Bijas.
86.103 In Trita Stehende und nicht in Trita Stehende; in den drei Vokalen und im unverkürzten Bija Gehende; reich an Feueropfern mit Rizinusblüten; ganz dem Schenken von Herrlichkeit Hingegebene. [Die erste Vershälfte ist stark beschädigt.]
86.104 Liebhaberin der Odra-Blüte; Silbe Om; Heilpflanzenliebende; Wesen der Arvana; Anteil Genannte; im Visarga Stehende; Kapila; Kala. [Mehrere Namensformen sind unsicher.]
86.105 Auf Kailasa Wohnende; Wunschkuh; die Kleine; Schildträgerin; Liebhaberin rauer Blüten; Schwertträgerin; auf einem Esel Gehende.
86.106 Die Tiefe; gesungene Gayatri; die Schwere; die Schwerere; Gaya; Klang von Millionen Wolken Wirkende; Gharghara; schrecklich Tönende.
86.107 Wolkenschatten; von schöner Farbe; Chandika; schön Lächelnde; mit schönem Mondgesicht; zum Sinn schöner innerer Haltungen Gehende.
86.108 Schirmträgerin; deren Täuschung Abgeschnitten ist; an Ziegenfleisch Erfreute; Sieg Schenkende; Lebendige; Geborene; mit Wolken Geschmückte.
86.109 Siegerin; mit einer Girlande siegreicher Köpfe; Klirrende; mit Jhanjana Beginnende; den Tankara-Klang Tragende; Trägerin von Axt, Pfeil und Bogen. [Ein Name ist unsicher.]
86.110 Die Herrin; den Laut Tha-Tha Bildende; Damareshi; Dindima; Liebhaberin des Dhakka-Trommelklangs; Trommel; deine Girlande; Talatala. [„Deine Girlande“ folgt der auffälligen Lesart.]
86.111 Dunkelheit; Retterin; Tara; die Junge; Spenderin rhythmischer Vollendung; die Zufriedene; die Leuchtende; Bewohnerin des Bodens der Waage.
86.112 Erfreuende; Wägende; deren Richtungsantlitze vom Duft des Öls Erfreut sind; Liebhaberin des Groben; mit Tha Beginnende; Gestalt des Bestandes; die Feste.
86.113 Die Klangachse der rechten Körperseite; Dakshas Gemahlin; Dakshas Tochter; Tilgerin des Mangels der Armut; Zerbrecherin schrecklicher Waffen.
86.114 Mit durch Fangzähne furchtbarem Gesicht; mit Blättern langer Lautmaße; Göttermutter; Götterheer; von Göttern Verehrte; Zustand des Erbarmens.
86.115 Spenderin der Einweihung; Vernichterin des Elends; mit langem schönem Haar; Vernichterin der Dämonenherrscher; Bezwingerin der Dämonenfeinde.
86.116 In den Ländern Verehrte; Geberin des Erbteils; Trägerin der Zahnwaffe; Schutz der Diener; Schutz des Landes; raumbekleidete Gefährtin des Raumbekleideten.
86.117 Vom rosigen Glanz der Richtungen Durchdrungene; Bewohnerin des Höhlenhauses; in der Schau Stehende; Philosophin; Dattas Gattin; Vernichterin des schwer Zugänglichen.
86.118 Durga; Langgesichtige; Leidvernichterin; im Himmel Stehende; die Gesegnete; Reichtum Schenkende; Strom; Erde; Trägerin; Erdboden.
86.119 Mit schönem Gesicht; Reichtum Schenkende; Getreide Vermehrende; durch Meditation Erlangte; durch Meditation Zugängliche; Erhellerin von Meditation und Erkenntnis.
86.120 Zu Meditierende; von Standhaften Verehrte; Herrin des Rauches; Lastenträgerin; Tilgerin des Kometen; Rauch; von allen Götterherrschern zu Meditierende.
86.121 Spenderin von Dharma, Wohlstand und Befreiung; Nachdenken über Dharma; Offenbarerin des Dharma; Staubgestaltige; Weiße; Trägerin eines weißen Schirms.
86.122 Trägerin weißer Gewänder; auf weißem Sitz Ruhende; Weiße; Trägerin des Himalaya; Erde; Handlung der spirituellen Praxis.
86.123 Tochter Dhavaleshvaras; mit weißem Weg und weißem Antlitz; standhafte Tochter; Tochter des Dharma; Spenderin beständiger Vollendung. [Ein Kompositum ist beschädigt.]
86.124 Beständige Wonne; beständiges Vertrauen; Vermehrerin beständiger Zufriedenheit; in Kokoswasser Gebadete; auf einer Kokosfrucht Sitzende.
86.125 Frau; Narayani; Herrin; Liebhaberin demütiger Verehrung; dem Menschenherrscher Zugewandte; stets von Ganas und Gandharvas Verehrte.
86.126 In der Hölle Wandelnde; der Hölle ein Ende Bereitende; Göttin der Kala im Menschenfeld; Bewohnerin der neun Hüllen.
86.127 Sternenwissen; Sternengöttin; im Sternenkreis Stehende; Vernichterin der Könige; Narayani; Trägerin von Fußringen.
86.128 Durch Liebe zu Tanz und Gesang Herbeigeführte; die Neue; im Namen Ruhende; Trägerin neun neuer Waffen; die Ewige; im Wald neuer Blüten Stehende. [Die Waffenanzahl ist textlich unsicher.]
86.129 An der Liebe zu neuen Blüten Erfreute; mit frischer Champaka-Girlande; Kettengirlande aus neun Edelsteinen; Glanz frischen Jambunada-Goldes.
86.130 Liebhaberin der Verneigung; Vernichterin von Tadel, Streit und Lärm; Girlande der Windbuchstaben; Trägerin einer Girlande der Windbuchstaben.
86.131 Furchterregende gegenüber fremden Fehlern; in wandelnder Gestalt Stehende; Trägerin einer Girlande erblühter Lotose; in der Liebe Wohnende.
86.132 Die siebenfache höchste Wonne Bringende; Breithüftige; Korallengirlande; von begehrenswerten Gliedern; Wolke; Hundertgestaltige. [Das erste Kompositum ist unsicher.]
86.133 Mit wolkengleicher Gestalt des Erbarmens; Begnadende der Überlieferungsfolge; den Anfangshandlungen Hingegebene; Spenderin des Genusses begonnenen Karmas.
86.134 Vollenderin der Liebe; Liebesstrom; schön wie Gangas Wasser; Wonne des vorzüglichen Verdienstes des Schakals; durch Fütterung der Schakale Erfreute.
86.135 Fruchtspenderin; Fruchtvermehrerin; an der Freude der Frucht Erfreute; Göttin mit Schlangengirlande; mit Schlangenketten und Weiterem Geschmückte.
86.136 Schlangenhaube; schlangenförmiges Antlitz; auf der Schlangenhaube Stehende; Schlangenkreis; von tausend Schlangen Erreichte; mit einer Girlande erblühter Lotose.
86.137 Vasuki; von Vyasa Verehrte; Liebhaberin der Verehrung Vasudevas; durch Vasudevas Kala Bezeichnete; im Aussprechenden Stehende; im Reichtum Stehende.
86.138 Trägerin des Vajrastabes; Grundlage; Virada; Vollbringerin der Debatte; Wohnstätte der Frühlingszeit; Reichtumsstrom; Trägerin der Schätze.
86.139 Beschützerin der Zitternden; Körperschutz; auf dem Stier Sitzende; in Vivasvats Liebe Kundige; an Wissen und Musik Erfreute.
86.140 Licht der Ritualkunde; Spenderin der entschiedenen Rituallehre; Kennerin der Ordnung; in den Veden Kundige; Bewohnerin der Veda-Worte.
86.141 Von Baladeva Verehrte; in kindlicher Haltung Verehrte; Bala; Schätzereiche; zu Erkennende; alte Mutter; Freundin der Weisen und des Merkur.
86.142 Brihaspatis Geliebte; von Helden Verehrte; junges Mondlicht; Schutz der Körpererkenntnis; vorzügliche Tigerfellträgerin.
86.143 Tilgerin der Schmerzerfahrung; im Visarga-Kreis Stehende; mit Pfeilschmuck Verehrte; Waldgirlande; zum Luftraum Gehörige.
86.144 Vamadevas Geliebte; der Verehrung und Rezitation des linken Weges Hingegebene; Heilbringende; bienenfarbene; Bhramari; Bienenglanz.
86.145 Trägerin des Stirnmondes; Furchtbare; Schrecklichäugige; Werden und Nichtwerden; Schrecklichgesichtige; Furchtbarer Körper; Vollbringerin furchtbarer Heldentaten.
86.146 Furchtbares Vertrauen; von Bhima Verehrte; in furchtbarer Gestalt überaus Schöne; Sieg im schrecklichen Kampf Schenkende; Ursprung des Furchtbaren; Bhimabhairavi.
86.147 Herrin Bhairavas; Bhairavi; ursprüngliche Bhairavi ewiger Wonne; Bhairavi ewiger Wonne; Bhairavendra Erfreuende.
86.148 Trägerin des breiten Pfeils; Bhaimi; Offenbarerin des Bhrigu-Geschlechts; Bhargas Gattin; Bhargas Mutter; im Bruch und Hanf Stehende; Hanf Verzehrende.
86.149 Speiseliebende; am Essen Erfreute; Bhrikunda; Bhava-Bhairavi; Spenderin innerer Haltung; Spenderin des Werdens; Macht der inneren Haltung; Vernichterin der Zustände.
86.150 Mit Zinnobermal auf der Stirn; mit schönem Schmuck der Stirnwelt; mit der Schönheit von Stirngirlanden und Locken; die Leuchten Lassende; Meer des Werdens.
86.151 Tilgerin der Furcht vor dem Werden; Bewohnerin des Stirnmondkreises; schön mit lotosgleichen Augen wie berauschte Bienen; furchtbare Schöne.
86.152 Von verehrungsliebender Gestalt; Spenderin der Vollendung inneren Genusses; dem Brauenmond Hingegebene; Durchdringerin des Bindu-Kreises und Brauenlotos.
86.153 Tilgerin der Fesseln des Werdens; Bewohnerin der Wurzel gewaltiger innerer Haltung; Spenderin der Vollendung des geistigen Yoga; die Geistige; Erde des Geistes.
86.154 Die Große; Fischesserin; ganz dem Kauen von Fisch Hingegebene; dem Fisch-Avatara Zugewandte; ganz dem Kauen von Fleisch Hingegebene.
86.155 Fleischliebende; im Fleisch Vollendete; am geweihten Fleisch Erfreute; Maya; von großen Helden Verehrte; raumbekleidet in der Liebe zum Honigtrank.
86.156 Madhavi; inmitten des Weines; mit Honigtrank und Fleisch Verehrte; Fisch und Mudra Essende; durch Fisch und Mudra Sättigende.
86.157 Durch Mudra und sexuelle Vereinigung Gesättigte; Vermehrerin der Wonne sexueller Vereinigung; in Erkenntnis und Befreiung durch Vereinigung Stehende; große Bezwingerin Mahishas.
86.158 Vertrauen zum Opfer; im Yoga Vollendete; die Bemühte; Offenbarerin der Anstrengung; Yashoda; am Ruhm Erfreute; in der Jugend Stehende; Abwenderin Yamas.
86.159 Aus Vertrauen zum Rasa-Spiel Sehnsüchtige; Liebhaberin des Liebesspiels mit der Geliebten; Königreich Schenkende; Geliebte des Nachtkönigs; schöne Rama. [Die Gliederung des ersten Kompositums ist unsicher.]
86.160 Rati; Gestalt der Unlust; Sarasvati in Rudras Welt; Rudrani; Chamunda des Kampfes; Offenbarerin des Raghu-Geschlechts.
86.161 Lakshmi; die Spielende; Welt; aus Millionen Schönheiten Entstandene; jenseits der Welt; Merkmal Genannte; Trägerin des Linga; Gewürznelken Schenkende.
86.162 An Gewürznelkenblüten Erfreute; im Nelkenbaum Stehende; Leckende; Auflösung Bewirkende; Offenbarerin des Spielkörpers.
86.163 Trägerin lackroter Schönheit; Lanka; Edelstein- und Weinträgerin; Vollendung durch hunderttausend Rezitationen Schenkende; Offenbarerin hunderttausender Mantras. [Das mittlere Kompositum ist beschädigt.]
86.164 Beherrschende; Unterwerfung Bewirkende; im Unterwerfungsritual Wohnende; in Verkleidung eintretende Kurtisane; verkleidete Kurtisane; Geschlechtsträgerin; Geschlechtsvermehrerin. [Die beiden Kurtisanen-Namen sind unsicher gegliedert.]
86.165 Maya des Geschlechts; durch Donnerklang Bezaubernde; Klanggestaltige; Shiva; ganz Shiva; Unterweisung; Glanz des Mondkronjuwels.
86.166 Durch ein Leichenpaar Furcht Erregende; im Leichenpaar Furchtbare; auf der Leiche Stehende; auf der Leichenbrust Stehende; Offenbarerin sprachlicher Erkenntnis.
86.167 Durchdringerin der sechs Lotose; die Sechsfache; inmitten des Sechseck-Yantra Gehende; Spenderin des Wesens der sechs Chakras; Wesen; Lotos des Wesentlichsten.
86.168 Vernichterin von Gleichklang und Weiterem; Vollendung Schenkende; Zweifel Tilgende; von der Welt Verehrte; Gesegnete; Zeugin der sieben Kreise. [Die erste Namensform ist unsicher.]
86.169 Die Schöne; dem Schönen Zugewandte; Vermehrerin schöner Wonne; Schönangesichtige; schöne junge Frau; Spenderin vollendeter Schönheit.
86.170 Dreifache Schöne; Nacht; das All; Tripurasundari; die Dunkle; Mutter aller; Liebhaberin freundschaftlicher Haltung; Laut.
86.171 In unmittelbarer Verwirklichung Stehende; unmittelbare Zeugin; Zeugin von allem; Hakini; Mutter Shakinis; Shakini; Freundin Kakinis.
86.172 Hakini; Mutter Lakinis; Hakini; Freundin Rakinis; Hakini; Mutter Dakinis; Hara; Kundalini; Stute.
86.173 Auf dem Pferd Stehende; in der Kraft des Pferdes Stehende; Offenbarerin des Bija Hasaum; im Salzwasser Stehende; Durchdringerin hunderttausender Knoten.
86.174 Hell wie hunderttausend Millionen Sonnen; Schöpferin hunderttausender Welteier; Gestalt von Augenblick, Danda und Pala; Vernichterin nächtlicher Erschütterung.
86.175 Freundin Kshetrapalas, Vatukas, Ganeshas und der Yoginis; Tilgerin der Schwindsucht; Erde; in der Waschung Stehende; Liebhaberin der Silbe.
86.176 In der Vollendung von Ksha bis zu den Vokalen Stehende; Offenbarerin von Ksha bis Ka; Fülle bitteren Laugenwassers; Vernichterin des Erdenleids.
86.177 Aufhebung des Hungers; Kennerin des Augenblicks; Geliebte; augenblicklich Vergängliche. So ist dir, Herr und Kronjuwel des Kula, Hakinis
86.178 Tausendnamen-Yogaglied mit hundertacht Weiteren erklärt. [Die Zahlformulierung weicht vom Titel „tausendundacht“ ab.] Wer es regelmäßig und glückbegabt rezitiert, ist ohne Zweifel ein Yogi.
86.179 Allein durch seine Erinnerung wird der Held zum Herrn des Yoga. Seine Früchte vollständig zu beschreiben, wäre selbst in Hunderten Millionen Jahren
86.180 nicht leicht möglich. Höre kurz die gute Frucht: Man erlangt Leben und Gesundheit sowie Vertrauen zu den Füßen des erhabenen Gurus.
86.181 Es vollendet das Wesentliche, ist heilig und reinigend, vernichtet Verfehlungen, verbrennt äußerstes Leid und schenkt alles Glück.
86.182 Durch Rezitation erlangt der Yogikönig stets Yoga-Vollendung. Körpervollendung, Dichtkunstvollendung und Erkenntnisvollendung treten gewiss ein.
86.183 Man erlangt vollendete Rede, Schwertvollendung und die Fähigkeit, im Raum zu gehen. Der Yogi wird Liebling der drei Welten und erfüllt alle Wünsche und Ziele.
86.184 Durch Rezitation dieses nicht öffentlich zu offenbarenden großen Juwels erlangt man Vollendung. Wer dabei das Bewusstsein im Brauenlotos sammelt,
86.185 erlangt Ruhm und Glück und wird König der Könige. Er erlangt Dakinis Vollendung und bringt Kundalini unter seine Gewalt.
86.186 Der vorzügliche Übende, ganz Meditation und zum Asketen geworden, meditiere an einem günstigen Tag in der Mitte des Lotos, im Haus der Flamme.
86.187 Wer in der Brauenmitte und im Wesen des Chakra immer wieder meditiert und rezitiert, erlangt Rakinis Vollendung und schaut die Gottheit.
86.188 Durch tägliche Rezitation erlangt er vollendetes Glück. Wenn er mit Shakti verbunden rezitiert, erlangt er unmittelbare Vollendung.
86.189 Der Standhafte bringt Hiranyakshi und Lakinisha unter seine Gewalt. Wenn er am Ende der Nacht aufsteht und in Shivas Haus rezitiert,
86.190 oder nach der Puja oder Rezitation einmal liest, erlangt er Heldenvollendung und bringt Kakini unter seine Gewalt.
86.191 Wer die ganze Nacht reinen Geistes und mit beherrschten Sinnen auf dem Bett, in Chandikas Haus oder im Weinhaus rezitiert,
86.192 erlangt Shakinis Vollendung überall und immer. Morgens stehe man reinen Selbstes auf, am fünften Tag,
86.193 an Neumond, an Vijnaya und besonders unter Shravana, am neunten Tag der hellen oder achten Tag der dunklen Monatshälfte. [„Vijnaya“ ist als Zeitbezeichnung unklar.]
86.194 Wer mit seiner Gattin verbunden rezitiert, gewinnt Macht über den König. Wer allein in einsamer Gegend, Begierde bezwingend und sehr stark,
86.195 am Ende der Nacht rezitiert, wird zum vorzüglichsten Übenden, zum Spender gleich einem Wunschbaum und zweifellos zum Bezwinger der Götter.
86.196 Der vorzügliche Übende stelle das Yantra sorgsam zwischen Shiva und Shakti auf und rezitiere; so wird er allwissend und fest im Herzen.
86.197 Wer an einem stillen, einsamen, schönen Ort verweilt, an dem die Frucht der Askese reift, und rezitiert, erlangt die Frucht der Befreiung zu Lebzeiten.
86.198 Zur rechten wie zur unrechten Zeit erlangt man durch Rezitation Vollendung. Wer zu den drei Tageszeiten in der Wildnis oder an einer Wegkreuzung rezitiert,
86.199 wird unmittelbar zum Herrn der Yoginis; täglich wächst seine Lebensdauer. Wer auch nur einmal rezitiert, sei er töricht oder gelehrt,
86.200 wird rasch Herr der Rede und gewiss mit Yoga verbunden. Schon durch einmalige Rezitation wird er geehrt, o Bhairava.
86.201 Er besiegt den großen Tod der Zeit und erlangt Hingabe an die Göttin. Menschen, die nach einmaliger Rezitation auf eine Reise gehen,
86.202 erlangen die Vollendung der Göttinnenschau und Yoga. Wer jeden Namen einzeln ausspricht und danach das Opfer vollzieht,
86.203 wird mein Sohn und erlangt die Frucht aller Wünsche. Als Yogikönig gewinnt er die Frucht aller Opfer und vollendete Erkenntnis.
86.204 Auf Erden wird er Herr der Könige, großer Vollendeter und großer Dichter. Wenn ein Mann die Namen am Hals, auf dem Kopf oder am rechten Arm trägt,
86.205 und eine Frau am linken Arm, erlangt man alle Vollendungen. Mit Gorochana, Safran und rotem Sandelholz
86.206 oder rotem Lack schreibe man gesammelt den Mantra, o Maheshani. Durch die ursprüngliche Göttin erlangt man gewiss die Vollendung des höchsten Lebens. [Der Satzbezug ist unsicher.]
86.207 Wer beim Linga am heiligen Sitz an Vollmond, am vierzehnten Tag der dunklen Hälfte oder dienstags um Mitternacht rezitiert, erfüllt seine Wünsche.
86.208 Was bliebe auf Erden unerfüllt? Er wird alterslos und unsterblich. Nach zwölf Jahren Rezitation wird er Gemahl von Millionen Frauen.
86.209 Durch acht Jahre Rezitation erlangt er die Vollendung des Eintritts in Körper; durch nur sechs Jahre wird er reich wie Kubera.
86.210 Wer Jahr um Jahr, Tag um Tag auch nur einmal rezitiert, wird Kenner der fünf Prinzipien und ohne Zweifel Kenner der Wahrheit.
86.211 Von allen Verfehlungen frei, lebt er drei Kalpas auf Erden. Wer, o Herr, sieben Tage lang täglich siebenmal rezitiert
86.212 und als Verständiger nachts dreimal liest, wird zum Raumgänger. Unter Ashvini in der hellen Monatshälfte und Rohini in der dunklen,
86.213 am achten oder neunten Tag, rezitiere man nachts dreimal und tagsüber einmal; so wird man Kenner der fünf Prinzipien.
86.214 Ohne Mühe, o Götterherr, erlangt er die Vollendung der fünf Unsterblichen und Weiteres. Die Begegnung mit den Khecharis geschieht ihm gewiss regelmäßig.
86.215 Augenblicklich tritt er in Himmel, Menschenwelt und Unterwelt hervor. Er bewirkt das Anhalten von Feuer, Wasser und Wind.
86.216 Wer nach der Ordnung der fünf Prinzipien auf dem Leichenplatz rezitiert, wird Herr der Götter und Gelehrter im Wesen der endgültigen Lehre.
86.217 Mit Schweinefleisch und Wein oder mit Kula-Stoffen verbunden, verehre man ordnungsgemäß an der Wurzel eines Bilva-Baums oder am Grund des heiligen Sitzes. Durch das Höchste wird die höchste Göttin zufrieden und schenkt Vollendung. [Die Trennung von „Schwein“ und „Wein“ im Kompositum bleibt unsicher.]
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Anordnung der tausend Namen Hakinis“, im Gespräch zwischen Bhairava und Bhairavi das Kapitel 86.
Kapitel 87: Die tausendundacht Namen Paranathas, Parashivas und Hakinis Herrn
87.1 Shri Anandabhairava sprach: Anandabhairavi, Geliebte meines Lebens, Weltenherrin, durch dein gnädiges Wort habe ich die tausend Namen gehört,
87.2 das höchst wunderbare Heil Hakinis, der Kula-Yogini. Nun möchte ich das ersehnte Namenlob Paranathas hören,
87.3 das Yogaglied der tausendundacht Namen, zur Durchdringung des Brauenlotos und zur Vollendung von Hakinis Yoga,
87.4 zur höchsten Yoga-Vollendung Paranathas, o Kulabhairavi. Sprich es mir gnädig und erfreut, als Grundlage der Dharma-Vollendung,
87.5 zum Schutz meines Körpers und zur Vollendung ehelicher Treue. Vernichterin des großen Giftes, sprich rasch und ausführlich, o Yogini.
87.6 Durch deine Gnade bin ich Herr der Raumgänger, Bhairavas und Yogis im Erdenbereich. Sprich, Geliebte, du Nektaranteil.
87.7 Immer wieder preise ich dich, Ewige; sei du mir überaus lieb. Shri Anandabhairavi sprach: Nun, Yogaherr, Lebensherr, Yogameister und Vollendungsgeber,
87.8 verkünde ich dir die Namen zur vollkommenen Vollendung deines eigenen Körpers. Rezitiere sie stets und unterwirf den Tod der Zeit.
87.9 Durch Erbarmen mit dir, meinem Herrn, und von der Liebesschlinge gebunden, um dein Gebot zu erfüllen und das Kalakuta-Gift zu vernichten,
87.10 zur Vollendung von Genuss, Befreiung, Handlung und Hingabe: Höre, o Herr, die tausend Namen, die vom Saft des ewigen Nektars erstrahlen,
87.11 mit acht weiteren, sorgfältig zum Wohl der Yogis erklärt, ein Mittel zur bestimmten Erkenntnis der vollendeten Namen.
87.12 Om, Hsau, Sam; höchster Herr; höchste Shakti; Herr des Geliebten; Shiva; der Höchste; Paribhadra; höchster Herr; der Reine; der Nichtzweiheitliche.
87.13 Aus sich selbst Leuchtender; ohne Anfang und Ende; Unveränderlicher; höher als das Höchste; höchstes Selbst; höchster Raum; der Andere; Unbesiegter.
87.14 Parvatis Geliebter; Glückbegabter; Freund der Bedrängten; Dreiäugiger; Yoga-Selbst; Yoga-Geber; Herr der Vollendeten; Held; Ende der Vokale.
87.15 Kapilas Herr; Guru; Besungener; dem Selbst Lieber; durch Gesang Bezaubernder; Tiefer; in der Tiefe Stehender; Gesang und Instrumentalmusik Liebender.
87.16 Durch den Guru-Gesang Reiner; von Anerkennung durch Gesang Freier; Herr von Gaya; Herr Dattas; Herr Dattatreyas; Shiva.
87.17 Träger des Raumes; Blauer; mit einem Körper wie dunkle Augensalbe; Vogelgestaltiger; Raumgänger; Raum-Selbst; in die Tiefe Gehender.
87.18 Spender von Millionen Kühen; Genießer der Milch von Millionen Kühen; Abhayas Geliebter; Glückbegabter; höchstes Selbst; Gestaltloser.
87.19 Träger der Zahl; Formloser; Liebhaber der Verneinung; von Wind Lebender; Windgestaltiger; im Wind Gehender; Trinker des eigenen Lebenswinds.
87.20 Tilger des Windleidens; Vollkommenheit des Windes; im Wind Unverdaulicher; Frühlingskenner; Herr der Gewänder; Vyasas Herr; Herr der Weisen Narada und der anderen. [Einzelne Windnamen sind unsicher.]
87.21 Liebe Wonne Narayanas; formlose Gestalt Narayanas; Bootsgirlande; Bootsmacher; Träger des Wissens um das Boot.
87.22 Wassergrundlage; zu Erkennender; Indra; Aufgang sinnenloser Eigenschaften; Lichtgestaltiger; gewaltig Furchtbarer; Lichtgirlandenträger; Kula.
87.23 Kula-Licht; Kula-Wonne; Schönheitsreicher; Träger der Veda-Strahlen; Strahlen-Selbst; Ursachen-Selbst; Herr des Kalpa-Schattens; Mond.
87.24 Höchster Erkennender; Spender höchster Wonne; Dharma-Sieger; Herr; König der drei Augenlotose; Langäugiger; Bezaubernder.
87.25 Chamundas Herr; Herr des Gewaltigen; Paribhadreshvara; Hara; Verborgener; Bezauberter; Beschützer; im Schutz Stehender; von Kuhhirten Verehrter.
87.26 Der „Verbergen“ Genannte; Herr des Rinderreichtums; Schönangesichtiger; Raumbekleideter; Fünfgesichtiger; Herr der Fünften; Weiter; Garudas Herr.
87.27 Herr Ardhanarishvaras; Herr der Führerinnen; Ende des Kula; Vernichtungsgestalt; Millionen Pretas und Bhutas Zugewandter.
87.28 Anantas Herr; unendliches Selbst; mit Edelsteinkrone; Leuchtender; Feuer der Zeit; Zeitgestaltiger; Herr des Veda-Dharma; Dichter.
87.29 Bharga; Vernichter des Liebesgottes; Shambhu; Selbstentstandener; mit gelben Ohrringen; Gattenherr; Opfernder; Herr des Spiels; Herr der Flamme.
87.30 Bergherr; der Festtägliche; Feldhüter; Herr der Erde; Herr von Varanasi; Ehrwürdiger; Gesegneter; mit dem vorzüglichen Stier als Reittier.
87.31 Vom Nektar Erfreuter; Lieblicher; Herr der Waldgirlande; Geliebter; Herr von Kashi; Herr des Lebens; Dunkelhalsiger; Maheshvara.
87.32 Mit muschelförmigem Hals; Gruppe des Überschreitens; Gruppen-Selbst; Gebieter des Wassers; mit wasserblasengleicher Brust; aus Wasserlinien Bestehender; Weiter.
87.33 Herr der Erde; Erderschaffer; Erdbeschützer; auf Erden Stehender; von der Erde Verehrter; von den Göttern der Erde Verehrter.
87.34 Dreizack in der Hand; Speer in der Hand; Lotoskeim; Goldträger; in der Erdhöhle Stehender; Yogi; dessen Gestalt aus Yoga Entsteht.
87.35 Schöpfer der Unterweltwurzel; Beschützer der Unterweltgeschlechter; mit Girlanden von Unterweltschlangen; Spender; Unbeirrter.
87.36 Töter des Ungeborenen; Schlange der sündigen Vergehen; Zeitschlange; durch Kapilas gewaltige Askese Erfreuter; Wohltäter der Welt; König. [Das zweite Attribut ist verderbt.]
87.37 Von Königen Verehrter; im Ziel der Könige Stehender; Millionen königlicher Schätze Schenkender; durch irdische Verehrung Zufriedener; überaus Schneller; höchster Herr.
87.38 Höheres, Niederes und noch ferneres Jenseits; Bewohner großer Bäume; an der Baumwurzel Stehender; Rudra; Aufgang der Frucht von Rudras Namen.
87.39 Herr der Raudri-Shakti; Zorniger; dessen Zorn Vernichtet ist; Leuchtender; mit unzähligen Namen; frei von Veränderung.
87.40 Mächtig Strahlender; Grundlage des Windes; Preiswürdiger; Entscheidung über alles; Veda-Rezitierender; Mantra-Rezitierender; Gottheit; Guru; Herr.
87.41 Shri-Natha; göttlicher Guru; Paranatha; Guru; Herr; Guru des Höheren und Niederen; Erkennender; Tantra-Kenner; hell wie hundert Sonnen.
87.42 Tirkshya; Bewegung Bewirkender; die Zeit Vergegenwärtigender; Unbefleckter; Feuer des Kalakuta-Giftes; Hörender; dem Trinken der Fülle Hingegebener. [Einzelne Namensformen sind unsicher.]
87.43 Reich an Gefolgescharen; im Sohn Parasharas Stehender; Gestalt, die Bestand begründet; jenseits der Gestalt; Herr der Reinen. [Die Parashara-Verbindung ist beschädigt.]
87.44 Herr der Gatten; Bhaguri; Zeit; Hari; Vaishnava; Liebesmeer; Beweglicher; Tilger des Windreichtums. [Das letzte Attribut ist dunkel.]
87.45 Gestalt innerer Haltung; der Erhabene; ohne Raum; Ewiger; Unvergänglicher; Purusha; Zeuge; Unerschütterlicher; Zuflucht des Mandara.
87.46 Freude am Wirken des Mandara-Berges; aus Vrindavanas Leib Entstandener; Gestalt des Sagbaren und Unsagbaren; der Reine Genannte; Streitvernichter.
87.47 Arzt; den Veden Hingegebener; Schriftwerk; Offenbarer von Veda und Lehrschrift; Wurzel der Smriti; Zusammenhang der Veden; unmittelbare Kula-Gottheit.
87.48 Prüfer; der Varana Genannte; von großen Bergen Verehrter; Spender von Virinchas Liebe; Erwecker der Freude des Entstehenden; Geliebter.
87.49 Träger Prayagas; Wasser Begehrender; zur Ganga Gehöriger; Ganga-Träger; Liebesgott; Freund der auf Ganga gerichteten Einsicht; Gott; durch Ganga-Bäder Verehrter.
87.50 In Gangas Wasser Stehender; unmittelbarer Ganga-Übender; Stimme; Ganga-Edelstein-Mara; Träger einer Jasminkette. [Das vorletzte Kompositum ist verderbt.]
87.51 Den Duft des Jasmins sehr Liebender; Jasminblütenträger; großer Baum; großer Held; großer Kämpfer; große Schlange.
87.52 Große Zufriedenheit; großes Gedeihen; Heilbringer der Mahalakshmi; großer Asket; großer Meditierender; großer Chandeshvara; der Große.
87.53 Mahadeva; große Freude; Offenbarer großer Einsicht; großer Verehrer; großer Mächtiger; großer Listiger; große Einsicht.
87.54 Träger des großen Schirms; mit dem Glanz von Millionen Wolken; Verkünder nichtzweiheitlicher Wonne; Befreiter; Hanfliebhaber; Ungeliebter.
87.55 Überaus Duftender; über jedes Maß Hinausgehender; von bestimmtem Ende; Gegnerbezwinger; der Bestimmte; Windträger; Bestimmer des feinen Windes.
87.56 Großer Furchterregender; Kugel; mit großer Unterscheidungskraft Geschmückter; Nektarwonne; auf dem heiligen Sitz Stehender; Hinguladeshvara; Gott.
87.57 Mensch; Schlangenherr; Grausamer; Wunscherfüller der Verehrer; Herr; Schlangengirlandenträger; Rechtschaffener; täglich Handelnder; edle Kula-Zugehörigkeit Bewirkender.
87.58 Shishupalas Herr; Veränderer des Ruhms; Linga-Träger; gesättigte Wonne; Herr Hrishikeshas; Liebling Panchalas.
87.59 Akruras Herr; Gebieter; Vermehrer der Liebe; Vermehrer der Welt; überaus Verehrungswürdiger; Vamadeva; Schrecklicher; im Liebesspiel Schöner.
87.60 Mahakala; den Geliebten Erfreuender; Spielender; Träger von fünf Haarspitzen; Herr der ursprünglichen Shakti; Beschützer; Glanzträger; Sonne.
87.61 Mühelos Gehender; von erblühter Einsicht; von Nandi Verehrter; im Steinbild Stehender; mit Edelsteingirlanden Geschmückter.
87.62 Den Weisen Glück Schenkender; Freude der Weisen; Wissender; Vermehrer des Erwachens; Nichtschrecklicher; Tilger der Zeit; Makelloser; Stützenloser.
87.63 Herr der Pitha-Shakti; Liebesträger; Bezaubernder; Unvergleichlicher; Ungleicher; Werden; Nichtwerden; innere Haltung; Sinnenloser.
87.64 Ohne sichtbare Welt; Höhlenwonne; in der Höhle Stehender; Herr, der Gift trinkt; Durgas Herr; Tilger des schwer Zugänglichen; durch umfassende endgültige Lehre Verehrter.
87.65 Alles; Durgas Herr; Brahmane; der Brahmanenverehrung Hingegebener; in der Wonne der Brahmanen Erfreuter; Kenner der Versenkung im Brahman-Wirken.
87.66 Welt-Selbst; Weltenträger; Erfüller der Welterkenntnis; im inneren Organ der Welt Stehender; in der Weltbenennung Gegründeter.
87.67 Weltengrundlage; von der Welt Verehrter; in der Welt Stehender; Verehrter; Indra-Töter; Flaschenkürbis-Esser; Geduld; Beschützer; Abwehrer der Rakshas.
87.68 Ohne Duldsamkeit; Anrufung; Erfreuer des Vielangerufenen; Purusha; bester Purusha; in Vilala Stehender; Töpfer-Töter. [Die letzten Namen sind auffällig und teilweise unsicher.]
87.69 Im Gekrümmten Stehender; Leben des Schöpfers; Kenner der Sinnesfreuden bis zu ihrem Ende; Spender der Brahman-Erkenntnis; Brahman-Kenner; inneres Wesen der Brahman-Eigenschaften.
87.70 Herr der Beschützer; Viraj; Vajrastab; Träger großer Waffen; Schutz gegen alle Waffen; Glück Schenkender; Erfüller der Einsicht des Schöpfers.
87.71 Sohn der Edlen; vom Götterkönig Verehrter; von Weisen Verehrter; von Gandharvas Verehrter; Verehrungswürdiger; Vernichter des Wissens der Dämonen.
87.72 Von Apsaras-Scharen zu Verehrender; in der Menschenwelt hoch Verehrter; Todesbezwinger; Feindbezwinger; Plaksha; Mrityunjaya; Pfeilliebhaber.
87.73 Dreifaches Bija als Selbst; Blauhalsiger; Herr der Erde; Krankheitsvernichter; Feinde Besiegender; durch Liebe zu Verehrender; durch Hingabe Zugänglicher; ohne Anstrengung.
87.74 Wunschloser; Freude der Hölle; Kumara; vom Feind Verehrter; Ungeborener; Göttersohn; Dharma; Nichtbestehender; auf trägem Sitz. [Die letzten Attribute sind textlich unsicher.]
87.75 Mild Lächelnder; dessen Trägheit Vernichtet ist; mit sanftem Duft Gesalbter; Wohnstätte einer Rubinkette; mit Perlenketten Geschmückter.
87.76 Befreiung Schenkender; Hingabe Schenkender; Geber des Nirvana-Zustands; ohne gedankliche Unterscheidung; Freudeträger; Furchtloser; großer Mensch.
87.77 Reich an Perlen- und Korallengirlanden; mit einem an der Hüfte glänzenden Perlenschnur-Gürtel.
87.78 Edelsteinherr; Reichtumsherr; Lebensgeliebter des Reichtumsherrn; von Reichtum Lebender; von Tätigkeit Lebender; in Vernichtungsgestalt Leuchtender.
87.79 Frei vom Wissen um die Bedeutung geheimer Zeichen; großer Kenner geheimer Zeichen; hoch Gelehrter; Wohlergehen Schenkender; Werden Schenkender; Folge des Werdens. [Die gegensätzlichen ersten Attribute bleiben erhalten.]
87.80 Herr der Diener; Schöpfer; lieber Geliebter des Schöpfers; Handelnder; Nehmender; Handeln Veranlassender; Grundlage von Verbindung und Nichtverbindung.
87.81 Verbundener; Yogaherr; Hüter des Vertrauens; Heilbringer der Wesen; Aufseher der Wesen; Herr der Wesen; ganz ihrer Bewahrung Hingegebener.
87.82 Macht Schenkender; Herrlichkeit; Vermehrer großer Herrlichkeit; Herr der Mahalakshmi; Geliebter; Begehrenswerter; Träger der Kalas.
87.83 Kamalas Geliebter; Ishana; Yama; Unsterblicher; gedankenschnell; Geistes-Yogi; Ehren-Yogi; Stolzbrecher; Bestimmung.
87.84 Der unoffenbaren Wonne Hingegebener; als offenbar und unoffenbar Bestimmter; Herr der Freude am Selbst; Beschützer Krishnas; Beschützer Ramas.
87.85 Herr der Merkmale; Träger Hunderttausender; Herr der Bhavati; Ursprung der Geschöpfe; Bharata Genannter; Bharata; Shatrughna; Hanuman; Affe. [„Bhavati“ ist unsicher.]
87.86 Kronjuwel der Affen; Herr Kshetrapalas; Inneres der Richtungsstrahlen; Herr der Richtungen; Richtungsgebieter; Richtungshüter; Raumbekleideter.
87.87 Mit unendlichen Edelsteinkronen; auf einem Sitz aus vielerlei Edelsteinen; der Bewusstseinswonne Hingegebener; Sieg; Sohn des Sieges.
87.88 Erwägung von Sieg und Niederlage; Herr des Kronjuwels der inneren Haltung; Schädelgirlandenträger; Tantra-Kenner; Verbreiter des wesentlichen Tantra.
87.89 Beschützer der Welt; Lebender; fünf Lebensatemkräfte; großherzig; vom Garudabannerträger Verehrter; Gestalt des Garudabannerträgers.
87.90 Herr der Garuda-Lehre; Herr der Mantrin; Wohltäter des Lebens des Freundes; Freund der Vollendung; Freundesgott; Weltenherr; Menschenherr.
87.91 Im Wesen des Königs der Könige Stehender; Kenner der Entfaltung der Vidya-Haltung; Kalagnirudra; Erhabener; gewaltiger Herr und Erdengebieter.
87.92 Tilger des Unglücks; Zorniger; Vernichter der Feinde; ganz ewige Wonne; Alter; Zeuge des Dharma; Mondträger.
87.93 Mit Silben Versehener; in der Feindesgruppe Stehender; Dämonentöter; Kopfträger; Schädelträger; mit Kopfgirlande; Offenbarer des großen Bija.
87.94 Unbesiegbarer gewaltiger Herr; Svahas Geliebter; Liebhaber des rituellen Tranks; Wonne durch Liebe zum Trank Schenkender; Offenbarer des Ursachen-Bijas.
87.95 Der raschen Freude an der Offenbarung Hingegebener; Erwecker des Brahman-Fadens; Brahman-Wonne; Siegeswonne; Wonne des vollständigen Sieges. [Das erste Kompositum ist unsicher.]
87.96 Nektarwonne; Wonne der Weisheit; Wonne des Wissens; Herr der Starken; Erkenntniswonne; Glanzwonne; Wonne innerer Haltung; Königssitz.
87.97 Gewaltige Wonne aller Sitze; Spender der Weltwonne; volle Wonne; Wonne des Werdens; Unsterblichkeitswonne.
87.98 Kühler; Achtzigjähriger; Kenner der Ordnung; reich an gutem Wandel; von gutem Wesen; Wonne guten Wandels; höchste Zuflucht.
87.99 Leicht Zugänglicher; süße Wonne; durch süße Freude Berauschender; Undurchdringlicher; im Urin Wandelnder; Streit Genannter; Bedrängnis. [Die ungewöhnlichen Lesarten bleiben erhalten.]
87.100 Reich an Herrschaft; höchste Wonne; ungleiche Wonne; Gewaltiger; Gebieter; von Varuni-Wein Berauschter; Gebieter berauschter Gandharvas. [Der erste Name ist unsicher.]
87.101 Hundert Millionen Pfeilen Glück Schenkender; hell wie Millionen Helden; Herr von Aja und Nacht; von Vishama und Pushni Verehrter. [Die letzten Namen sind verderbt.]
87.102 Herr des Wissens; Herr der Veden; von unermesslicher Tatkraft; Herr der Rakshas; Herr großer Helden; Wohltäter der Liebe.
87.103 Liebe Wonne der Varana; Herr der Elefanten; im Allmächtigen Stehender; im Kampf Gewaltiger; Herr des Saftes; Liebhaber Ramas im Kampf; Herr. [Die erste Namensverbindung ist unsicher.]
87.104 Kriegsherr; Kampffreude; Preta-Gestalt des Schlachtfeldes; Verehrer der Göttin; Gott der Götter; im Himmel dem Schrecklichen Hingegebener.
87.105 Schwertträger; Gepanzerter; Vollendeter; Speerträger; Staub; Dreizackträger; Bogenträger; Herr des Dharma-Geistes; Träger einer schönen ungeteilten Schlangengirlande.
87.106 Sinn und Ziel; Liebhaber des Unheils; der Ungewöhnliche; jenseits des Makels; überaus Schöner; Goldreicher; Goldgirlandenträger; Herrscher des goldenen Gipfels.
87.107 Bezwinger des Liebesgottes; Purusha; Herr des Kapittha-Baums; Sonnengekrönter; Lotosduft; überaus guter Duft; Träger der Mondkrone; Glücklicher.
87.108 Wohnstätte reiner Grundlage; Träger des vorzüglichen Bija der Wissenden; von Gestalt wie der Liebesgott; Maya-Bezwinger; Tigerfellträger.
87.109 Mit einer Krone höchster Schönheit; Liebhaber bunt gemusterter Schlangenjuwelen; mit mächtigen Wangen; Kumbhakarna; Kuru-Bezwinger; Herr der Dichter.
87.110 Eingesichtiger; Zweimündiger; Zweifacher; Gebieter der Veden; im Selbst Gegründeter; ganz Guru; Spender des Guru-Mantras.
87.111 Shauris Herr; auf dem Erkenntnisweg; auf dem Vollendungsweg; gewaltig Gehender; im Namen Gehender; im Feld Gehender; Feld; Durchdringer des Raumknotens.
87.112 Von Ganapatya-Gewändern Bedeckter; Ganapatya-Gewandbrand; Tiefer; überaus Feiner; Gesang, Musik und liebe Rede Liebender. [Die ersten beiden Namen sind beschädigt.]
87.113 Überströmende Freude Bewirkender; stets Freudiger; Gang des Geistes; Shiva und Shakti Liebender; Dunkelfarbiger; höchster Verwandter.
87.114 Gäste Erfreuender; Ewiger; Govindas Herr; Haris Herr; Allherr; Herr der Bhavini; Wissenskeim; Vibhandaka.
87.115 Gestalter des Welteis; Träger der Weltordnung; Dharma-Meer; auf dem Dharma-Weg; Vollendung des Nachdenkens über Dharma Schenkender.
87.116 Im Nichtfesten Stehender; Bejaher des Heiligen; frei Heil Verkündender; Nahrungsgestalt; in der Nahrung Stehender; Ehre Schenkender; großgesinnt. [Die erste Form ist unsicher.]
87.117 Herr der ursprünglichen Shakti; Verbreiter des Geflechts der Mutterbuchstaben; durch Matrika-Mantras Verehrter; Spender der Vollendung der Matrika-Mantras.
87.118 Mutterliebender; von den Müttern Verehrter; Herr des Matrika-Kreises; Verwirrungsvernichter; Verwirrung Schenkender; im Verwirrten Stehender; Liebhaber der Verwirrung.
87.119 So ist dir, o Herr, das heilbringende Tausendundachtnamenlob erklärt, höchst verdienstvoll, himmlisch und auf Erden schwer zugänglich.
87.120 Allein durch sein Hören wird ein Mensch zu Narayana. Es ist nicht öffentlich zu offenbaren, höchst geheim und selbst den Göttern unzugänglich.
87.121 Nicht einmal in Hunderten Millionen Jahren könnten die Weisen seine Frucht beschreiben. Wer sich daran erinnert, durchdringt den Yoga der Yoginis,
87.122 wird Schauender aller Vollendungen in den drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen. Viele Götter und Yogis bedenken diese Wahrheit. [Die erste Wortform ist beschädigt.]
87.123 Durch Rezitation und Tragen wird man wissend und vernichtet große Verfehlungen. Leben, Gesundheit und Wohlstand wachsen gewiss.
87.124 Wer es im Kampf, bei Furcht vor Grahas, im großen Wald oder bei Gefahr im Wasser einmal rezitiert, wird zum Liebling der Götter.
87.125 Augenblicklich wird er Yogikönig und bricht den Stolz aller. Wer nach sorgfältiger Verehrung regelmäßig und rein rezitiert,
87.126 wird Herr aller Welten und erlangt höchste Wonne. Wer am einzigen heiligen Sitz, besonders in Kamarupa, rezitiert,
87.127 zu drei oder sechs Zeiten, wird Yogikönig. Die Vollendung des Raumgehens und der magischen Kügelchen
87.128 erlangt der vorzügliche Übende, dazu täglich königliche Herrschaft. Wer stets regelmäßig rezitiert, wird allwissend und von scharfem Geist,
87.129 gewiss zum Besten der Yogis und Besieger der Begierde auf Erden. Der Unwissende wird sofort wissend und der Arme reich.
87.130 Stets empfängt er königliche Ehrung; für ihn gibt es keinen Tod. Wer die Namen hingebungsvoll am Hals und am rechten Arm trägt,
87.131 erlangt bald Vollendung; daran ist nicht zu zweifeln. Als Herr der Avadhutas erstrahlt er ohne Zweifel.
87.132 Mit nichtrotem Sandelholz, Kurkuma und Safran, mit Stängeln der Shephalika-Blüte, von Blättern befreit,
87.133 oder allein mit Sandelholzwasser schreibe man den Lobgesang. So wird man augenblicklich oder binnen zwölf Tagen zu Parvatis Sohn. [Die Materialverbindung und „nichtrotes“ Sandelholz folgen der auffälligen Vorlage.]
87.134 Wer die Tausendnamenrezitation einen Monat, zwei Monate, drei Monate oder ein Jahr bei sich trägt, wird zu Lebzeiten befreit.
87.135 Durch doppelte Rezitation erlangt man millionenfaches Verdienst. Was soll ich noch sagen? Man wird zum Herrscher über die ganze Erde.
87.136 Wer hier das Wesen dieses Lobgesangs rezitiert, die als tausendundacht bezeichnete Erkenntnis, wird Bhavanis Geliebter, Herr der Scharen der drei Welten, Yogini-Herr, reich und von reinster Einsicht und Haltung; lange wird er leben. [Der Schlussvers trägt in der Vorlage nur einen abschließenden Strich; er ist hier vollständig berücksichtigt.]
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung des Sechsecks, bei der Anordnung der Durchdringung des Brauenlotos, bei der Rezitation der tausendundacht Namen Parashivas, des Herrn Hakinis, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 87.
Kapitel 88: Die höchste Shakti und ihre himmlischen Kreise
88.1 Shri Anandabhairavi sprach: Höre, höchster Herr, das selbst im Kreis der Yogis schwer zugängliche Wesen großer Yoga-Erkenntnis, das heilbringende Glück der drei Welten.
88.2 Allein durch dessen Erkenntnis wird ein Übender oder auch ein Nichtübender zum Todesbezwinger und Erkennenden, der an der Gestalt höchster Wonne teilhat.
88.3 Die Opferstätte liegt in der Mitte der Lampenflamme im Innern der Brauenblätter. Dort ist die weltgeliebte, flammengestaltige Shakti vom Wesen des höchsten Brahman.
88.4 Der Verständige vergegenwärtige dort geistig die Svaha-Shakti, o Herr, preise sie und vollende täglich das Feueropfer.
88.5 Dies ist höchste Erkenntnis. Höre weiteres Wissen, o Herr: Über der Flamme steht die höchste Shakti, Gestalt des höchsten Brahman,
88.6 kamelgesichtig, rotgesichtig, Millionen Feuern der Zeit gleich. Über sie meditiere der Großgesinnte in der Mitte des Kula-Lotos,
88.7 die im geistigen Yoga stehende Göttin, Spenderin höchster Wonne, im feinsten der feinen Zustände ruhend und von gröbster der groben Gestalten,
88.8 jenseits der Zeit, Zeitgestalt, Offenbarerin von Zeit und Nichtzeit, Aufgang des Dharma, die Sonnenhafte, Herrin geschickter Zusammenfügung,
88.9 Parvati, Ranamatangi, mit Elefantengang, die Höchste, Spenderin vollendeten Nirvanas, Trägerin, Offenbarerin der fünf Prinzipien,
88.10 die Fünfte, im Fünften Stehende, dem Fünfgesichtigen lieb Redende, mit fünf Strahlen und dem Fünften geschmückt, in die Richtungen gekleidet; [Die zweite Vershälfte ist beschädigt.]
88.11 mit Girlanden aus großen Korallen, Millionen Saphiren und Mondsteinen, zweiarmig, schweigsamen Wesens, ein Erkenntnisbuch tragend.
88.12 Nachdem man die in einer Gestalt ruhende zornige höchste Göttin vergegenwärtigt hat, betrachte man stets in ihren vier Richtungen den Kreis hundert Yoginis,
88.13 in schönen Reihen von Kreisen, in einer Halle gelegen. Ich werde ihre Namen nennen; höre, geliebter Bhairava.
88.14 Shmashanavasini, Durga, Harinakshi, Prachandika, Raudri, Shyama, Yogini, Shivani und Shivamohini;
88.15 Sukhini, Panchami, Bala, Kutilakshi, Vasundhara, Suvarnangi, Pavana, Pavitra und Paramanana;
88.16 Siddhida, Mangala, Bhavya, Surati, Kamada, Rati, Prabala, Vimala, Chamana, Prabha und Kanchanamalini;
88.17 Tribhangadeha, Shyamangi, Taruna, Taralavati, Sulabha, Durlabha, Sarva und Praphullakamala;
88.18 Patalamukhi, Gomunda, Ghorahasa, Vilasini, Aruna, Shravana, Mantri, Malati und Mallika;
88.19 Vaishvanari, Bharadvaja, Trivibhaga, Mati, Kshudha, Subhadrabhakari, Lipta, Nartaka und Chitisundari;
88.20 Brihannali, Bhagavati, Vishala, Virala, Manasi, Vanarigriva, Krodhini und Mohini;
88.21 Akarshini, Stambhini, Trijata, Rukmamalini, Saptika, Sukala, Girya, Gabhira und Mushalavati;
88.22 Brihannitamba, Mohakshi, Mandira, Chandrika, Siddha, Vidyadhara, Hara, Rati und Kaishoradharmini;
88.23 Tapta, Shanti, Bhadrada, Vikari, Manchavasini, Mahavidya, Bhavani und Tarabrahmasvarupini;
88.24 Matangi, Bagala, Krishna, Shiva, Haimavatishvara, Samanapahara, Kali, Kandarpavanita und Shubha;
88.25 Varanasishvari, Bala, Kamala, Charuhasini, Ajanta, Himakanya, Sharvani und Kulachanchala;
88.26 Tapasvini, Rajaputri, Uma, Aparna, Niranjana, Adharabhuta, Savitri, Vachyavachya und Charachara;
88.27 Kalkyeshi, Shashivadana, Nirvikalpasupakshani, Bhuvaneshi, Sundari, Sati, Siddhiprada und Kala;
88.28 Kripana, Padmavadana, Shabdeshi, Bhagamalini, Aradhita, Shokahara, Hara und Hirakamalini;
88.29 Halahalahara, Hara, Rati, Kalanalapaha, Bhairavi, Viramata, Mahabhagyavati und Uma;
88.30 Sulabha, Durgamata, Sugandha, Gandhamalini, Amavasya, Sita, Bhadra, Charuni und Suryaputrini;
88.31 Danada, Dhanada, Siddhidayini, Bhogadayini, Ilavati, Ratnamala und Manoyoganivasini;
88.32 Manasvini, Mulamata und Mulamantrasvarupini. Nachdem man diese der Reihe nach in den vier Richtungen meditiert hat,
88.33 vergegenwärtige man die ganze leuchtende Göttin, die Lichtgirlanden Vernichtende, eine Woge höchster Schönheit inmitten des Parijata-Waldes. [Das auffällige Vernichtungsattribut bleibt erhalten.]
88.34 Inmitten des großen, aus Edelsteinreihen errichteten Kreises denke man sich den großen Zeitraum beziehungsweise Mahakala und vier Tore. [Die Verbindung mit „Graha“ ist unklar.]
88.35 Der Kreis ist mit vier Torbögen aus Millionen Edelsteinen geschmückt. Über der Halle liegt ein großer weißer Baldachin,
88.36 lieblich, hell wie hundert Sonnen und mit Perlenschnüren geschmückt; ebenso über der Mitte der Halle ein anmutiges, mit einem Zeichen versehenes Dach. [„Vitala-Zeichen“ ist unsicher.]
88.37 Darunter ein goldgefertigter, edelsteinbesetzter leuchtender Schirm, darunter der höchste Löwenthron, mit löwenförmigen Augen versehen.
88.38 Darüber stelle man sich das Preta-Bija vor, einem Preta-Linga gleich; über diesem Linga meditiere man einen goldenen Kreis,
88.39 den großen dreieckigen heiligen Sitz, in seiner Mitte überaus leuchtend, und einen sehr schönen weißen Lotos mit sechzehn Blättern.
88.40 Er ist mit den sechzehn Vokalen verbunden. Die Buchstaben an den Staubfäden stelle man sich rechtsläufig in Blitzgestalt vor.
88.41 Danach drei Vierecke und vier schöne Tore. Darin denke man sich die Göttin, deren Körper vom Varuni-Wein berauscht ist,
88.42 Tara in Gestalt der höchsten Mutter, der jungen Sonne gleich. An den vier Toren meditiere man stets auch die Kreise der Götter.
88.43 Die Gottheit mit ihrem Reittier und Gefolge, lieblich wie Saphirglanz: So betrachtet man Indra am Osttor.
88.44 In der Feuerecke den allseits blickenden Feuerkreis mit Gefolge; danach im Süden Yamas Welt,
88.45 Yama dunkel und sehr schön, mit Gefolgescharen und Reittier; dann meditiere man Nairrita und die Rakshasa-Stadt.
88.46 Nördlich davon meditiere man stets Varuna mit dem Widder als Reittier, weiß und leuchtend, mit seinem Gefolge. [Der Widder ist die ausdrückliche, ungewöhnliche Zuordnung der Vorlage.]
88.47 Nördlich davon die Windwelt, deren Reittier die schwarze Antilope ist, mit Gefolge. Östlich davon denke man sich
88.48 Kubera am Nordtor mit Gefolgescharen und Reittier, von unschöner Gestalt und mit allen Edelsteinen geschmückt.
88.49 Im Nordosten Ishas Welt mit Gefolgescharen, den höchsten Herrn mit seinem Reittier, von allen Welten verehrt.
88.50 Man meditiere ihn mit Gefolge und vielerlei Musik, mit tausend Millionen großen Trommeln, Trompeten und Dhudhuri-Instrumenten,
88.51 mit vom Paukenspiel erfüllter Freude und Gesangswonne. Man betrachte die östliche Welt, reich an vielerlei schöner Musik.
88.52 Yamas Welt ertönt von tausend Millionen Flöten, Vinas und Mridangas; der Südwesten ist von Millionen Mantras erfüllt.
88.53 Die große Welt des Wasserherrn ist erfüllt von Millionen Klängen der Handzimbeln, Bronzebecken und Dhakka-Trommeln, vom Paukenschall bezaubert.
88.54 Man denke sie sich bezaubert von Klangreihen Millionen Instrumente, leuchtend und vom Klang der Jharjhari, Parpari und Tangi erfüllt. [Die Instrumentennamen sind teilweise unsicher.]
88.55 Ebenso meditiere man die Windwelt und Kuberas Stätte, bezaubert von Reihen von Pauken, Trommeln und anderen Instrumenten.
88.56 Man denke sich Melodie, Rhythmus, Tanz und Gesang als leibhaftigen Mantra, sodann die schöne Gandharva-Stadt, die Reihen von Licht trägt.
88.57 Überall in der Stadt stelle sich der Verständige, von Apsaras umgeben, den Saft des Gesangs vor, genussvoll und ganz heilbringend.
88.58 In allen Welten wohnt Schönheit, Schönheit, die alle bezaubert. Alle mögen zusammenkommen: Götterseher, Instrumentalisten und Sänger. [Die Verbformen sind beschädigt.]
88.59 So denke man sich die Musik und die Musiker, von Höchstem umgeben, darin den Kreis der Brahman-Seher, mit dem Gesang aller.
88.60 Man vergegenwärtige den eigenen Gesang der Götterseher als Edelsteinworte aller Erkenntnis und danach in dieser Weise den eigenen heiligen Sitz.
88.61 Rasch vergegenwärtige man die Shakti des Sitzes und seinen Herrn; so versinkt man in Wonne und erlangt bald Vollendung. Darunter meditiere man den heiligen Sitz Varanasi; höre dessen Reihenfolge.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Bestimmung der wurzellosen Stätte der höchsten Shakti“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 88.
Kapitel 89: Die innere Verehrung der Herren des Varanasi-Sitzes
89.1 Shri Anandabhairavi sprach: Zeitgestaltiger Mahadeva, Liebhaber des Kalakuta-Gifttranks, höre nun, Götterherr, die liebe Stätte Varanasis.
89.2 Der Kreis hundert Millionen Yoginis wird von Yogis verehrt. Ihn meditiere der Yogi stets, wenn er Heil begehrt.
89.3 Zwischen den Brauen leuchtet er beständig, schön von kreisförmiger Gestalt. Man denke ihn sich als Matrika-Yantra, als Wesen von allem,
89.4 reich an Millionen selbstentstandener Lingas, Aufgang millionenfacher Verdienstfrucht, höchst vollendungsschenkende Gegend, liebe Stätte des Landesherrn,
89.5 mit Millionen über Millionen reiner Kamala-Shaktis. Die Stadt liegt schirmförmig auf dem Dreizack, eine Quelle der Früchte.
89.6 Den Ersten von Millionen Lingas, den Yogaherrn Shiva, meditiere man als Herrn mit hundertacht Wonnegestalten, Vernichter des Liebesgottes,
89.7 mit Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste, vollendet, kleine Trommel und Schirm tragend, mit Dreizack, Hammer und anderen Waffen, Schild und Weiterem geschmückt,
89.8 fünfgesichtig, zehnarmig, mit Muschel, Girlande und Schädel. Nach dieser Meditation vergegenwärtige man Shambhu der Reihe nach in den zehn Richtungen.
89.9 An jeder Stätte denke man sich jeweils zehn Gestaltzeichen, rotglänzend und blitzhell, zum Schutz der Stadt.
89.10 Dem rituellen Trank zugetan, je zwei auf Elefanten und je zwei auf Stieren reitend: So betrachte man sie und gewinne Macht über die Pitha-Vidya.
89.11 Je zehn durchdringend stehen sie in schöner Kreisordnung. Zehntausend Shiva-Lingas in den zehn Richtungen an zehn Stätten
89.12 stelle man sich weiß und mit Goldschmuck leuchtend vor. Im Osten den zehnfachen Herrn, von zehntausend umgeben.
89.13 Ich werde die zehn Namen nennen; höre, Herr Bhairava: Jatila, Kala, Unmatta, Krodharaja, Sadashiva,
89.14 Para, Dadhichinatha, Suvashi, Pramatheshvara und Yajnanatheshvara, der den zehntausend Herren lieb ist.
89.15 In der Feuerecke leuchten stets zehn leibhaftige Shivas: Vajradhara, Mahakala, Kapileshvara,
89.16 Panchanana, Yoginatha, Ghargharesha, Pinakadhrit, Pashupala, Kshemada und Brahmanatha; so werden die zehn genannt.
89.17 Diese Herren von zehntausend Lingas leuchten leibhaftig. Nach ihrer Meditation verehre man sie mit einem Strom geklärter Butter.
89.18 Danach denke man sich im Süden zehn Shiva-Gestalten: Vira, Shuleshvara, Siddheshvara, Shri Parvatishvara,
89.19 Gananatheshvara, Shambhu, Prachanda, Dakshayajnaha, Kashipati und Pashupati: Diese gelten als die zehn Shivas.
89.20 Herren von zehntausend wonnevollen Lingas, Schädel- und Dreizackträger, leuchten sie hier leibhaftig inmitten des Shiva-Kreises.
89.21 Diese vergegenwärtige man hingebungsvoll im südlichen Feld des heiligen Sitzes. Danach denke man sich im Südwesten das Kamakhya-Shiva-Linga,
89.22 Dakshinamurti, Ishana, Vamanesha, Manohara, Vamadeva, Bananatha und Raghuvireshvara,
89.23 Kamarajeshvara und Kamakalesha: Zehn Herren leuchten hier leibhaftig als Herren von zehntausend Lingas, o Gebieter.
89.24 Nach ihrer Vergegenwärtigung verehre man sie mit höchster Hingabe und Bilva-Blättern. Überall geschieht geistige Verehrung mit der zuvor beschriebenen Gestaltvorstellung.
89.25 Danach meditiere man in Varunas Richtung die zehn im Kreis Stehenden der Reihe nach: Aruneshvara, Yogendra, Kashiraja, Surantaka,
89.26 Trishuli, Varunesha, Kala, Kamadayaka, Kalagnirudra und Bhadresha; zehn Rudras werden genannt,
89.27 Herren von zehntausend Shiva-Lingas, mit allen Shaktis verbunden. In der Windecke stehen folgende Rudras, Hüter von zehntausend Lingas:
89.28 Maharudra, Vatanatha, Rudratma, Raudrarupaka, Rupanatha, Hanuman, Suryesha und Vasudheshvara,
89.29 Vasukivallabha und Satyapati. Diese großen Herren mit ihren Gefolgen sind die Besten, Maharudra und den anderen lieb.
89.30 Zur Erfüllung der Wünsche sind sie zu verehren und zu betrachten. Im Norden: Uttarasya, Kubereshvara, Ishvara,
89.31 Panchadhara, Paramesha, Parahamsa, Prabhakara, Anantesha, Kayaraksha, Ratneshvara und Umapati.
89.32 Diese elf Rudras sind stets Herren zehntausendfacher Scharen. Sie sind mit den zuvor beschriebenen Gestaltvorstellungen zu verehren und zu meditieren.
89.33 Danach meditiere man im Nordosten die Herren, o höchster Herr: Isha, Vaishvanaresha, Vishvamitreshvara,
89.34 Ishana, Mayesha, Vatukesha, Rameshvara, Kalantakesha, Kamakhya und Mahakamapurishvara,
89.35 Shmashanavasidevesha, Offenbarer aller Gestalten. Diese elf Rudras wohnen im Kama-Pitha,
89.36 sind Herren von zehntausend wonnevollen Lingas, zu betrachten und hoch verehrt. Am mittleren heiligen Sitz Varanasis stehen dreizehn Shiva-Herren.
89.37 Man vergegenwärtige und verehre sie inmitten des unteren Kreises: Mrityunjaya, Mokshada, Shivesha, Bhairaveshvara,
89.38 Bhutanatha, Bhutakarta, Kshetrapala, Parapara, Manjughosheshvara, Kaladamana und Kaushaleshvara,
89.39 Muninatha und Varnamali, Rudras in Bhairava-Gestalt. Diese dreizehn Götterherren haben die Gestalt wonnevollen Shivas,
89.40 sind Herren von zehntausend wonnevollen Lingas, von Göttern und Dämonen verehrt, schenken Gaben und Furchtlosigkeit und offenbaren die fünf Prinzipien.
89.41 Am oberen heiligen Sitz Varanasis verehre man dreizehn Shivas; der nach höchster Wonne Übende vergegenwärtige sie mit festem Bewusstsein:
89.42 Brahmesha, Brahmakulesha, Brahmalinga, Vidhishvara, Brahmandabhedaka, Atmarama und Vakreshvara,
89.43 Balisha, Bhargavesha, Sadanandeshvara, Hara, Krishneshvara und Ramanatha: Dreizehn Rudras werden genannt.
89.44 Als Herren von zehntausend wonnevollen Lingas und Bhairava-Herrscher werden sie gepriesen. Diese Rudras, Herren der drei Welten, sind zu verehren, Mahakala.
89.45 Kapalisha und die anderen sind mit reinem Geist durch Erkenntnis zu erkennen, reich an allem Schmuck und mit Edelsteinohrringen geschmückt,
89.46 Vollbringer von Schöpfung und Vernichtung, für göttliches Wirken eingesetzt. Nach ihrer Meditation verehre man sie mit den Blumen des Bewusstseins.
89.47 Dann erlangt man Vollendung, wahrlich, wahrlich, Maheshvara. Diese retten vor vorzeitigem Tod und schenken die Fülle aller Vollendungen.
89.48 Sie bereiten Anandabhairava Freude und sind Kenner des Kula. Diese Rudras verehren die schöngezeichneten Mahavidyas.
89.49 Ich werde deren Namen der Reihe nach nennen; höre, Bhairava. Dram, Drim: die zehn Mahavidyas, Offenbarerinnen der fünf Prinzipien,
89.50 werden auf Erden verehrt und schenken alle Vollendungen, o Herr. In Satya-, Treta-, Dvapara- und Kali-Yuga gewähren sie vollständige Frucht.
89.51 Ich nenne die Namen der von Rudra Verehrten: die Göttin Tripurasundari und Tripurabhairavi,
89.52 Bhuvaneshi, Annapurna, Matangi, Vindhyavasini, Chhinnamasta, Bagala, Trikuta und Panchami,
89.53 Kalika und die Göttin Tarini, von Kashinatha verehrt. [Die als zehn angekündigte Reihe nennt zwölf.] Der Verständige verehre sie unbedingt mit der im Tantra gelehrten äußeren Puja und den weiteren Handlungen.
89.54 Durch die Reihenfolge der Kula-Verehrung erlangt der Übende Vollendung; schon innerhalb eines Monats erlangt er zweifellos Yoga-Vollendung.
89.55 Zur Zeit der Durchdringung des Brauenlotos muss man diese Verehrung gewiss vollziehen.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Innere Verehrung der Herren des Varanasi-Sitzes“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 89.
Kapitel 90: Hakinis fünf Sitze und die oberen Kreise von Shiva und Shakti
90.1 Shri Anandabhairavi sprach: Höre, Geliebter, ich erkläre Hakinis Fünferkreis. Im mittleren heiligen Sitz Varanasis stelle man sich ein Fünfeck vor.
90.2 Darin denke man sich die fünf Sitze der erhabenen Göttin Hakini, auf den fünf Sitzen die fünf mit Edelsteingirlanden geschmückten Götter.
90.3 Umgeben von Millionen Bhutas, Pretas, Pishachas, Yakshas und Danavas stelle man sich das Fünfeck vor, reich an allen Welten.
90.4 Die fünf Sitze im Fünfeck erfüllen Wünsche, schenken Schlangenvollendung und Nirvana-Vollendung. Was soll ich dir noch sagen, o Gott?
90.5 Im Fünfeck die fünf Prinzipien und ihre eigenen fünf Bijas: In der östlichen Ecke das Indra-Bija und das Dreieck der Erde,
90.6 südlich davon das Wind-Bija und den Kreis der Wind-Shakti, den gewaltig schnellen Wind, der „Zerbrecher der Erde“ heißt.
90.7 Darunter, am Haussitz im hellen Dreieckskreis, das Wasser-Bija namens Varuna, auf einem Sitz aus allen Edelsteinen,
90.8 kühl und vielgestaltig, Bezwinger des Windes der drei Welten. Unter allem die feurige Gestalt, das überaus leuchtende Feuer-Bija,
90.9 stets leibhaftig, mit Lichtgirlanden, höchst gewaltig, alles verzehrend und die Fehler des Wässrigen vernichtend.
90.10 Der Raum heißt „Rest von allem“, Zusammenkunft der großen Auflösung; er ist der tragende Kreis des Atemanhaltens, von Gestalt des Raum-Bijas,
90.11 Auflösungsstätte aller Dinge, rein und vollendende Erkenntnis der Prinzipien schenkend. Dies sind Hakinis fünf Sitze; darin die fünf Lebensatemkräfte:
90.12 Prana, Apana, Samana, Udana und Vyana. Diese Winde leuchten hier leibhaftig, um den Tod der Welten zu vernichten.
90.13 In diesen Windgruben verehre man die fünf Windgöttinnen: Praneshi, die im After weilende Apana, Samaneshi im Innern des Kula,
90.14 Udaneshi und Vyanamata; diese fünf Windkräfte werden verehrt. Wer als Träger der fünf Lebensatemkräfte den fünffachen Yoga übt, o Kula-Herr,
90.15 bringe als guter Yoga-Kenner den Windgöttinnen stets die fünf Prinzipien dar: gereinigten Wein, gereinigtes Fleisch, gereinigten Fisch,
90.16 gereinigte Mudra und gereinigtes Kula-Sandelholz. Wer zur Begründung der Kula-Vollendung die fünf Prinzipien darbringt,
90.17 sättige damit Hakini, die höchste Maya, mit den höchsten Kräften. Höre die entsprechende Vidya des Kreises des mittleren heiligen Sitzes Varanasis.
90.18 Der Varanasi-Kreis enthält ein Dreieck und einen sechzehnblättrigen Lotos, auf jedem Blatt jeweils zwei Staubfäden.
90.19 Darüber liegen drei Vierecke und vier Tore. Dieses Varanasi-Chakra gewährt die vollständige Erfüllung aller Wünsche.
90.20 Im Varanasi-Kreis, innerhalb des Dreiecks, beseitige der Verständige die Leiden der Eigenschaften der Weltentfaltung; dort liegt das Fünfeck.
90.21 Was könnte nach seiner Meditation im Dreieck auf Erden unerfüllt bleiben? Wer den hier offenbarten Kreis unablässig meditiert,
90.22 erlangt ohne Zweifel den Zustand vollendeten geistigen Yoga. Zur Zeit seiner Vollendung vergegenwärtige man stets und unbedingt
90.23 die fünf Prinzipien im Fünfeck und die Linga-Träger am Kashi-Sitz. Millionen Gestalten annehmend, leuchten sie stets eben dort.
90.24 Hakinis Kreis liegt inmitten von Kashis Dreieck-Yantra. Hakini heißt die fünf Prinzipien und offenbart die fünf Elemente.
90.25 Ihre Erdgestalt, Wassergestalt, Feuergestalt, Windgestalt und Raumgestalt meditiere man der Reihe nach auf dem rechten, rechtsläufigen Weg.
90.26 Die fünfte Göttin vergegenwärtigend, verehre man sie in Hakinis Kreis. Durch innere Verehrung an allen Stellen erlangt man Vollendung.
90.27 So ist das Fünfeck inmitten des Varanasi-Kreises Hakinis Kreis, mit Scharen göttlicher Herrinnen geschmückt,
90.28 reich an allem schönen Schmuck und mit Goldgirlanden strahlend, ein Kreis vom Wesen Shivas und Shaktis, der höchste Vollendung schenkt.
90.29 In allen Tantras nicht öffentlich zu offenbaren, wird er im Rudrayamala erhellt. Nun erkläre ich Hakinis Sechseckkreis, der Shiva und Shakti umfasst.
90.30 Vor dem Varanasi-Kreis leuchtet er beständig. Man stelle sich den reinen König der Chakras vor, ganz aus Shiva und Shakti.
90.31 Darüber liegt das Land Unmani, darüber die Stadt Bodhani. Höre sorgsam den Kreis, durch den man innere Verehrung erlangt.
90.32 In der Mitte ein Sechseck, außerhalb acht Kreise; darüber ein sechzehnblättriger Lotos, mit je zwei Staubfäden versehen.
90.33 Darüber breiten sich stets vier Tore aus. Inmitten des Sechsecks meditiere man Paranatha mit Para.
90.34 Im Sechseck leuchten stets die Shaktis, welche die sechs Chakras tragen, zusammen mit ihren Herren: die Götterherrin Dakini, Kundalini lieb,
90.35 Rakini, die Göttin Lakini, Kakini, Shakini und Hakini, rechtsläufig zu meditieren, jeweils nahe bei Shiva.
90.36 Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara, Sadashiva und danach Parashiva sind zu meditieren, jeder im Kreis seiner eigenen Befreiung stehend.
90.37 Nach der Meditation verehre man im Kreis das Höchste vom Wesen Shivas und Shaktis, von der höchsten Shakti durchdrungen, in Gestalt des selbstentstandenen Linga,
90.38 Wohnstätte aller endgültigen Lehren, Gesang der Veden und Vedangas, jenseits von Maya, ohne gedankliche Unterscheidung, selbstleuchtend und unbefleckt.
90.39 Man meditiere es im Innern des Sechsecks mit der höchsten Shakti. Darüber, die acht Kreise zu Tausenden Millionen durchdringend,
90.40 weilen stets Yoginis, die vollendete höchste Wonne schenken. Darüber leuchten im Sechzehnspeichigen die mit den Vokalen Verbundenen.
90.41 Die höchste Shakti ist von leuchtender Gestalt. An den vier Toren schreibe man danach gemäß der Reihenfolge der acht Buchstabengruppen und vergegenwärtige alle Vollendungen.
90.42 Durch die Vergegenwärtigung der Kreisgestalt erlangt man vollendete Verehrung. Wer den geliebten Kreis oberhalb der Brauen meditiert, o Mahakala,
90.43 erlangt große Vollendung, wahrlich, wahrlich, Kula-Herr. Ohne Mühe erlangt er, o Yogameister, die Vollendung der Yoginis.
90.44 Durch rasche Vergegenwärtigung dieses Chakra erlangt man Vollendung der inneren Haltung. Der darin gegründete Kreis schenkt vollendeten geistigen Yoga.
90.45 Einen anderen Kreis stelle man sich unterhalb des erhabenen Bodhini-Chakra vor: den Unmani-Erkenntniskreis, der vollendete Allwissenheit gewährt.
90.46 Man denke sich das neuneckige, mit Bindu verbundene Preta-Bija; es umfassend das Neuneck und drei Kreise,
90.47 außen einen sechzehnspeichigen Kreis und außerhalb vier Tore. Auf jedem Blatt meditiere man Götter und schreibe dann die acht Buchstabengruppen.
90.48 Man vergegenwärtige die vier Tore des Kreises im Achteck, in dessen Mitte die Stadt Unmani und darin die höchste Gestalt. [Die Vorlage wechselt hier vom Neuneck zum Achteck.]
90.49 Mit Shakti verbunden rasch vergegenwärtigt, schenkt sie die ersehnte Vollendung. Darin stelle man sich die neun Prinzipien mit ihren Bijas vor.
90.50 Ich werde diese Prinzipien nennen; höre, Bhairaveshvara: Erde, Wasserlinie, Feuergestalt und Windkraft,
90.51 die im Raum gehende Göttin, Zeitgestalt, raumbekleidete Richtungskraft, Selbstkraft und Geisteskraft. Man zeichne sie rechtsläufig, jeweils mit ihrem eigenen Bija versehen, und vergegenwärtige sie auf dem Kula-Weg.
Kapitelabschluss: So endet im erhabenen Rudrayamala, im Uttaratantra, in der Erhellung des großen Tantra, im Abschnitt über vollendete Mantras, bei der Offenbarung der sechs Chakras, unter dem Namen „Offenbarung der fünf Sitze Varanasis“, im Gespräch zwischen Bhairavi und Bhairava das Kapitel 90.
Ende des überlieferten Uttarakanda mit Kapitel 90.
Spirituelle Bedeutung des Rudrayamala Tantra
Vom äußeren Vollzug zur inneren Beteiligung. Die Lehren des Uttarakanda stellen eine Fülle von Ritualen neben eine überraschend scharfe Kritik bloßer Äußerlichkeit. Nacktheit macht einen Menschen noch nicht zum Asketen, Waldleben allein noch nicht zum Weisen, und Wasseraufenthalt allein noch nicht zum Heiligen: Das verdeutlichen die Tiervergleiche in 1.178–183. Die Frage lautet daher nicht nur, welche Handlung jemand ausführt, sondern aus welchem Bewusstsein heraus sie geschieht.
Bhava braucht Erkenntnis und Prüfung. Innere Haltung ist keine bloße Stimmung. Der Text verbindet sie mit Unterscheidung, Belehrung, Sammlung und einer geordneten Praxis. Zugleich zeigen die langen Mantraprüfungen, dass das Werk auf genaue rituelle Zuordnung Wert legt. Die Ausnahme für ein im Traum oder durch einen verwirklichten Guru empfangenes Mantra in Kapitel 5 setzt dazu einen Gegenakzent: Lebendige Übertragung kann im Selbstverständnis dieser Tradition über formaler Berechnung stehen.
Guru, Gottheit und Mantra. Wenn die Göttin erklärt, sie selbst sei Guru, Gottheit und Mantrasinn (1.189), beschreibt sie ein inneres Zusammengehören: Der Guru vermittelt, die Gottheit wird vergegenwärtigt, und der Mantra erhält seine Bedeutung im Bewusstsein des Übenden. Gerade deshalb ist die sorgfältige Auswahl eines vertrauenswürdigen Lehrers keine Nebensache. Die positiven Guru-Merkmale in 2.51–57 – Friedfertigkeit, Bescheidenheit, Selbstbeherrschung, Wahrhaftigkeit und Meditationsfestigkeit – bieten dafür wichtigere Anhaltspunkte als spektakuläre Versprechen.
Shakti als Kraft der Verwandlung. Im Kundalini-Hymnus begegnet die Göttin als Licht, Klang, Mutter und Erkenntniskraft. Ihre Bewegung ist nicht nur Aufstieg: Der Text schildert auch das Zurückkehren und das Durchfluten mit Nektar (6.22–24). Spirituell lässt sich darin eine Einladung erkennen, Einsicht in das verkörperte Leben zurückzubringen. Diese heutige Deutung ergänzt den Text; sie ersetzt seine eigene rituelle Bedeutung nicht.
Der Körper als Ort der Verehrung. Von den Wurzellotos-Lehren bis zur inneren Stadt Varanasi wird der Körper nicht als bloßes Hindernis behandelt. Nyasa ordnet Buchstaben und Gottheiten seinen Gliedern zu; Pranayama und Dhyana verbinden Atem, Aufmerksamkeit und innere Bilder. Die Folge Dakini, Rakini, Lakini, Kakini, Shakini und Hakini führt durch verschieden gestaltete Räume der Verehrung. In 90.34–38 erscheinen ihre Kräfte mit Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara, Sadashiva und Parashiva wieder gemeinsam. Der Aufstieg endet damit nicht in der Verwerfung aller früheren Stufen, sondern in ihrer Zusammenfassung im Kreis von Shiva und Shakti.
Das innere Feueropfer. Die Formeln in 26.123–128 und 64.143–147 verlegen das Opfer in Bewusstsein, Atembahn und Erkenntnisfeuer. Die Sinnentätigkeit und schließlich die ganze Welt werden als Gabe betrachtet. Äußere Puja und innere Verehrung sind im Werk aufeinander bezogen: 82.10 verlangt nach der äußeren Puja das Opfer im Herzen, und 89.46 nennt ausdrücklich die „Blumen des Bewusstseins“. Die innere Handlung fordert dabei ebenso Aufmerksamkeit und Genauigkeit wie das äußere Ritual.
Heilige Orte im eigenen Bewusstsein. Die Schlusskapitel entfalten Varanasi als inneren heiligen Sitz zwischen den Brauen. Tempel, Gottheiten, Musik, Richtungen und Elemente werden zu einer umfassenden Meditationswelt. In 90.45–51 führt diese Betrachtung zu Unmani, dem Überschreiten des gewöhnlichen Geistes, und zu den Kräften von Elementen, Zeit, Richtung, Selbst und Denken. Befreiung erscheint so als Verwandlung des ganzen Erfahrungsraums. Der überlieferte Text endet mit einer Anweisung zur Vergegenwärtigung dieser Kräfte; eine darüber hinausgehende Schlusslehre wird hier nicht ergänzt.
Übertragung und Verantwortung. Die Fülle der Mantras, verschlüsselten Bijas, Mudras und Ritualfolgen erklärt, weshalb der Text Einweihung und persönliche Unterweisung voraussetzt. Seine kaulischen Speise-, Trank-, Sexual- und Machtpraktiken gehören zu diesem bestimmten historischen Umfeld. Eine heutige spirituelle Lektüre kann ihre Symbolik untersuchen und zugleich klar benennen, welche Übungen sie tatsächlich übernimmt. Friedfertigkeit, aufrichtige Bhakti, sorgfältige Selbstbeobachtung und beständige Sammlung bieten dafür unmittelbare Anknüpfungspunkte; außergewöhnliche Siddhi-Verheißungen sind nicht mit gesicherten Wirkungen heutiger Praxis gleichzusetzen.
Befreiung und Alltag. Eine hilfreiche Brücke liegt in drei schlichten Fragen: Was bindet meinen Geist? Was nährt Klarheit? Wie wird meine Übung für andere zum Segen? Das Werk beantwortet nicht jede moderne Lebensfrage. Seine klaren Verse können jedoch dazu anregen, geistige Praxis zugleich ernster und lebendiger zu nehmen: weniger bloße Selbstdarstellung, mehr aufrichtige Aufmerksamkeit, mehr Dankbarkeit und mehr Erkenntnis.
Anregungen für die persönliche Vertiefung
- Einen Vers wirklich aufnehmen: Lies etwa 1.113 oder 22.27 langsam. Formuliere die Aussage in eigenen Worten und sitze danach einige Minuten still.
- Den Körper achten: Nimm 1.158 als Erinnerung, dass Fürsorge für den Körper und Erkenntnisstreben zusammengehören. Übe regelmäßig und deinem Zustand angemessen.
- Dankbarkeit ausdrücken: Erinnere dich an Menschen, durch die du etwas Wesentliches gelernt hast. Die Guru-Lobpreisung kann diese Haltung vertiefen.
- Die innere Haltung prüfen: Frage vor Japa oder Meditation: Bin ich aufmerksam, erwartungsvoll, ungeduldig oder offen? Beobachte, ohne dich dafür zu verurteilen.
- Erkenntnis im Umgang zeigen: Übertrage einen Gedanken auf eine konkrete Handlung: aufmerksames Zuhören, Wahrhaftigkeit, Gastfreundschaft oder Fürsorge. Solche Anregungen sind heutige Anwendungen, keine zusätzlichen Verse des Rudrayamala.
Siehe auch
- Rudrayamala Tantra Sanskrit IAST
- Rudrayamala Tantra Sanskrit Devanagari
- Rudrayamala Tantra – 108 inspirierende Verse und Mantras
- Brahma Yamala
- Jayadratha Yamala
- Kularnava Tantra
- Kubjikamata Tantra
- Tantrasadbhava
- Manthana Bhairava Tantra
- Svacchanda Tantra
- Vijnana Bhairava Tantra
- Yogini Hridaya
- Nitya Shodashikarnava
- Mundamala Tantra
- Tara Tantra
- Gandharva Tantra
- Tantraloka
Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung
Grundlage ist der Sanskrittext Rudrayamalatantra Uttarakāṇḍa, Muktabodha Indological Research Institute, Katalognummer M00074, Herausgeberangabe „Malaviya S.“, elektronische Veröffentlichung 2007, Revision vom 14. Juni 2007. Nach dem Herkunftsvermerk beruht der elektronische Text auf Devanagari-Satzdaten von Dr. S. Malaviya; die lateinische Umschrift wurde daraus abgeleitet. Beide Schriftfassungen sind daher keine voneinander unabhängigen Textzeugen.
Die beiden Sanskritartikel umfassen die 90 überlieferten Kapitel dieser Fassung einschließlich Sprecherzeilen, unnummerierter Passagen und Kolophone. Die deutsche Übersetzung umfasst denselben Bestand von Kapitel 1–90. Die Kennungen 5.1 sowie 10.50, 10.56 und 10.60 werden im Deutschen um ihre aus dem Zusammenhang eindeutige Kapitelzahl ergänzt. In Kapitel 1–90 sind alle 7.791 nummerierten Texteinheiten einschließlich der Einsatzformel 10.10 wiedergegeben; Sprecher und Kapitelkolophone sind einbezogen. Diese Fassung beansprucht nicht, sämtliche unter dem Namen Rudrayamala überlieferten Texte zu vereinigen. Unregelmäßige, doppelte oder abgebrochene Versnummern bleiben erkennbar; sie werden nicht durch eine erfundene fortlaufende Zählung ersetzt. Der nur einfach geschlossene Schlussvers 87.136 ist ebenfalls berücksichtigt. Die Übersetzung erschließt den vorhandenen Wortlaut; bei beschädigter Syntax oder nicht sicher deutbaren Namen nennt sie die Unsicherheit unmittelbar an der Stelle. Sie ersetzt keine kritische Neuedition.
Offensichtliche Zeichenfehler in Bagalamukhi, sādhakāṃśca und lokapālāṃśca wurden berichtigt; im Devanagari wurde außerdem ein beschädigtes Trennzeichen entsprechend der Umschrift als Bindestrich wiedergegeben. Nicht sicher bestimmbare Zeichen in Mantraangaben sind mit [†] markiert, insbesondere in Kapitel 47, 76 und 82. Solche Silbenfolgen sind keine verlässlich vollständigen Rezitationsformeln. Sonstige ungewöhnliche Schreibungen bleiben grundsätzlich erhalten. Eine vollständige Kollation mit der Druckausgabe liegt dieser Wiedergabe nicht zugrunde.
Quellennachweis und Lizenz: Muktabodha Indological Research Institute, M00074, Rudrayamalatantra Uttarakāṇḍa, 2007, Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell 4.0. Die Herkunfts- und Lizenzangabe gehört zur Wiedergabe des elektronischen Textes. Die Änderungen betreffen Gliederung, Darstellung und die genannten Zeichenkorrekturen.
Literatur und Weblinks
- S. Malaviya (Herausgeber laut elektronischem Quellenvermerk): Rudrayamalatantra Uttarakāṇḍa. Muktabodha Indological Research Institute, M00074, 2007.
- Rudra Yamalam Uttara Tantram, Dr. Sudhakar Malaviya: digitalisierte Druckausgabe zum weiterführenden Studium und zur Prüfung einzelner Lesarten.
Die vielfach gestörten Zahlen- und Buchstabenreihen, besonders in Kapitel 3, 4, 12, 13 und 18 sind als überlieferte Angaben wiedergegeben. Symbolische Zahlenwörter werden dort nicht ohne gesicherte Grundlage in moderne mehrstellige Zahlen oder rekonstruierte Diagramme überführt. Örtlich angegebene Unsicherheiten gehören zum Leseschlüssel der Übersetzung. Die knappen oder gestörten Haltungsbeschreibungen in Kapitel 23–24 werden nicht durch moderne Übungsanweisungen ergänzt. Die ausdrückliche Textlücke in 24.62 bleibt markiert.
Seminare
Kundalini Yoga
- 25.10.2026 - 30.10.2026 Kundalini Yoga Meditation Kursleiter Ausbildung
Kundalini Yoga Meditationen sind ein faszinierendes weites Gebiet, dessen Potential noch bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Kundalini Meditationen kön…- Adishakti Stein, Viveka Wilde
- 30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Arjuna Wingen
Energiearbeit
- 18.10.2026 - 23.10.2026 Tantra Vinyasa Yoga Ausbildung - Teil 2
Buchung nur nach Besuch von Teil 1 möglich (Termin: 18.-23.5.2025) möglich. www.yoga-vidya.de/ausbildung-weiterbildung
Vorkenntnisse: Lektüre der Bü…- Ravi Ott
- 23.10.2026 - 30.10.2026 Klangtherapie Chakra Kur
Klang und Klangschwingungen haben einen intensiven Bezug zu den Chakras, den Energiezentren. Im Yoga ist es daher eine alte Tradition, Chakras mit Klang…- Maik Hofmeister, Jeannine Hofmeister