Jayadratha Yamala
Jayadratha Yamala (Sanskrit जयद्रथयामल, IAST Jayadrathayāmala) ist ein umfangreiches Tantra der Bhairava- und Kali-Überlieferungen. Es verbindet die Verehrung der Göttin mit einer eindringlichen Untersuchung von Bewusstsein, Wahrnehmung und Verkörperung. Nicht nur die stille Versenkung, auch der Anfang und das Ausklingen einer Erfahrung können zum Gegenstand spiritueller Erkenntnis werden: eine Umarmung, das Wiederkehren einer Erinnerung, das Erscheinen eines Klanges. Die hier übersetzten Abschnitte lassen eine religiöse Welt erkennen, in der die Göttin zugleich verehrt und als gegenwärtige Kraft des Erlebens gesucht wird.
Umfang dieser Teilausgabe: 1311 nummerierte Strophenpositionen (davon 1280 ohne ausdrückliche Textlücke wiedergegeben und 31 mit mindestens einer in der Leitquelle durch Striche oder Aussparung bezeichneten Drucklücke), außerdem 32 Zitatfragmente und 68 unnummerierte Sanskritteile. Vollständig wiedergegeben sind nach den jeweiligen Leitquellen I.3 (115 nummerierte Positionen zwischen 1 und 116 und eine unnummerierte Strophe zwischen 109 und 111), I.12.1–460, I.13.1–176, I.14.1–98, I.15 (154 gedruckte Nummern: 1–136 und 138–155; außerdem eine unnummerierte Strophe zwischen 136 und 138), I.29.1–67, I.30.1–35, I.31.1–11, I.32.1–11, I.34.1–31 sowie IV.21.1–28 und IV.45.1–13, einschließlich zugehöriger Schlusszeilen und Kolophone. Alle anderen Kapitel sind auszugsweise erschlossen. Auch innerhalb vollständig wiedergegebener Nummern bleiben verderbte und teilweise nicht sicher übersetzbare Lesungen. Dies ist keine Gesamtausgabe.
Genaue Bereiche: I.3: 1–109, 111–116; I.12: 1–460; I.13: 1–176; I.14: 1–98; I.15: 1–136, 138–155; I.20: 43ab; I.23: 33–35, 36ab; I.24: 56–60; I.29: 1–67; I.30: 1–35; I.31: 1–11; I.32: 1–11; I.34: 1–31; I.40: 116cd; I.45: 121–125; II.6: 54cd, 55–59; II.16: 17cd, 56cd, 57–59, 60ab, 61cd, 62–63, 64ab, 68ab, 69cd, 70ab, 75–76, 79cd, 80, 144cd, 145–152, 161–168; II.20: 60d; III.YSP.1: 1–5, 6ab, 8, 9a, 21–24, 29–41, 42ab, 72c–f; III.YSP.2: 7–8; III.YSP.3: 13–14; III.YSP.5: 40; III.YSP.6: 25–28, 89cd, 90, 91ab, 100, 107; III.YSP.7: 124cd, 125ab; III.YSP.8: 3–11, 12ab, 16–17, 20–28, 35c, 36, 71cd, 72a; III.YSP.9: 58–61; III.YSP.10: 17ab; III.YSP.11: 1–4, 5ab; III.14: 70–76; IV.2: 16ab, 25ab; IV.21: 1–28; IV.45: 1–13. Die Zitatfragmente sind keine damit nachgewiesenen Verluste der Überlieferung.
Die ergänzenden Artikel sind Jayadratha Yamala 108 Verse für die spirituelle Praxis und Jayadratha Yamala Sanskrit Devanagari.

Name, Werkidentität und Überlieferung vonJayadratha Yamala
Yāmala bedeutet „Paar“ beziehungsweise „Zwillingspaar“ und ist zugleich eine Bezeichnung tantrischer Schriften. „Yāmala des Jayadratha“ ist eine vorsichtige Wiedergabe des Titels. Jayadratha erscheint als angesprochener König und Gesprächspartner. In I.2.18 nennt ihn die eingesehene Sanskritausgabe duḥśalādhipa, „Herr beziehungsweise Gatte Duḥśalās“: Das trägt einen literarischen Bezug zum Jayadratha des Mahabharata. Der Beleg steht auf PDF-Seite 17 der Leitquelle. Daraus folgt keine historische Verfasserzuschreibung. Jayadratha ist außerdem von Jayaratha, dem Kommentator des Tantraloka, zu unterscheiden.[1][2]
In den Kolophonen begegnet die Verbindung Bhairavasrotas – Vidyāpīṭha – Śiraccheda – Jayadrathayāmala. Śiraccheda und die Schreibform Śiraścheda („Abschneiden des Hauptes“) werden in der Forschung als weitere Werkbezeichnung gebraucht; der Kolophon ordnet den Text zugleich in einen Offenbarungszusammenhang ein. Die vorläufige Ausgabe hat stellenweise die abweichende Form śiraścede, die in ihren hier wiedergegebenen Kolophonen erhalten bleibt. Tantrarājabhaṭṭāraka („ehrwürdiger König der Tantras“), verkürzt Tantrarāja, ist ebenfalls als Bezeichnung des Jayadrathayāmala belegt. Diese Benennungen sind keine hinreichende Grundlage, beliebige Texte mit dem Titel Tantrarāja gleichzusetzen.[3][4]
Das Jayadratha Yamala ist ein anderes Werk als das Tantraraja Tantra der Shri Vidya. Die Verehrung von Tripurasundari und das Textcorpus des Tantraraja Tantra dürfen daher nicht als Grundtext oder Lehre des Jayadratha Yamala übernommen werden.
Vier Ṣaṭkas und unterschiedliche Schichten
Das Corpus wird in vier Ṣaṭkas überliefert; traditionell werden ihm ungefähr 24.000 Verse zugeschrieben. Ein Ṣaṭka bezeichnet hier einen Großteil von ungefähr sechstausend Versen und bedeutet nicht „sechs Kapitel“. Sanderson unterscheidet den ersten Teil, dessen Hauptgöttin Kālasaṃkarṣaṇī ist, von den offenbar später hinzugekommenen drei Teilen mit zahlreichen esoterischen Göttinnenformen. Nahe verwandte Kālīkula-Texte gehören zur schriftlichen Grundlage des Krama, auch Mahānaya oder Mahārtha genannt.[5]
Diese Schichtung lässt sich nicht schlicht mit „Ṣaṭka I alt, alles Weitere jung“ abschließen. Serbaeva weist auf innere Schichten auch im ersten Ṣaṭka und auf engere Beziehungen seiner Kapitel 35–45 zu den übrigen Teilen hin. Ihre Forschungsübersicht nennt 202 erhaltene Kapitel; das ist eine moderne Bestandsangabe dieser Forscherin, keine für diesen Artikel neu ausgeführte Gesamtauszählung. Die traditionelle Zahl 24.000 und die tatsächlichen Verszahlen einzelner Textzeugen sind ebenfalls auseinanderzuhalten.[6]
Wichtige Überlieferungs- und Yogaschichten werden in der Forschung ungefähr im 9.–10. Jahrhundert verortet. Eine solche Einordnung datiert nicht jeden Abschnitt des gewachsenen Corpus. Der NGMCP-Eintrag zu A995-6 nennt N.S. 843; nach seiner eigenen Erläuterung steht dieses Datum in einem späteren Besitzübertragungsvermerk. Es ist weder ein Entstehungsdatum des Werkes noch ohne Weiteres ein Abschreibedatum.[7][3]
Sandersons Handschriftenverzeichnis nennt für Ṣaṭka III fünf Zeugen: eine wohl ins 12. Jahrhundert gehörende Palmblatthandschrift (NAK 5-722, NGMPP B26/9) und vier Papierhandschriften. Drei der Papierzeugen tragen Daten von 1667, 1671 und 1687; eine weitere ist dort undatiert. Der Palmblattzeuge wird als „Pāla-Sena“-Devanagari, die Papierzeugen als Newari-Schrift beschrieben. Diese Angaben bezeichnen einzelne Überlieferungsträger und datieren nicht die Entstehung aller enthaltenen Textschichten.[8]
Religiöse Einordnung
Das Jayadratha Yamala gehört zum śaivischen Mantramārga und zum göttinnenbezogenen Vidyāpīṭha. Vidyā bezeichnet in diesem Zusammenhang sowohl eine heilige Erkenntniskraft als auch die mantraartige Gestalt einer Göttin. Kālasaṃkarṣaṇī ist diejenige, die Zeit zusammenzieht beziehungsweise einzieht. Der erste Ṣaṭka verbindet ihre Verehrung mit Bhairava; die weiteren Teile entfalten ihre Vorrangstellung in zahlreichen Formen. Die Verwandtschaft zum Krama ist belegt, ohne dass jede Strophe deshalb als später ausgearbeitete Krama-Philosophie gelesen werden muss.[4][5]
Die hier erschlossenen Verse sprechen von Bewusstseinskraft, ursprünglicher Natur und dem Einswerden von Erkennendem und Erkanntem. Sie enthalten zugleich Ritualmacht, Körpervorstellungen und historische Grenzüberschreitungen. Die Begriffe werden deshalb aus ihrem jeweiligen Zusammenhang erklärt; ein späteres Advaita Vedanta oder ein heutiges System von sieben Chakras wird ihnen nicht vorausgesetzt.
Als heutige Ergänzung: Yoga-Vidya-Vortrag über Kali. Er ist keine Übersetzung des Jayadratha Yamala.
Textgrundlagen und Orientierung
Die umfangreichste hier tatsächlich beschaffte Sanskritquelle für Jayadratha Yamala ist Sampath Kumars vorläufige Ausgabe des ersten Ṣaṭka. Ihr Titelblatt nennt 51 Kapitel und 5.467 Ślokas; das vollständige PDF hat 603 Seiten. Es ist ausdrücklich keine Ausgabe aller vier Ṣaṭkas. Der Bearbeiter erklärt, zweifelhafte Wörter stehen gelassen zu haben. Entsprechend dürfen gut lesbare Druckbuchstaben nicht mit einer bereits gesicherten Sanskritlesung verwechselt werden.[1]
Für II.16 sowie IV.21 und IV.45 dient Serbaevas veröffentlichte Kollation als Leitquelle. Für die beiden Kapitel aus Ṣaṭka IV folgt sie B und vergleicht A, C und D, soweit vorhanden. Für II.16 dient A als Basis, mit C zur Klärung beschädigter Stellen. Lesungen und Kapitelzuordnung werden abschnittsweise bewahrt. Die im Sanskritanhang unnummerierten letzten Halbverse erscheinen in ihrer englischen Übersetzung als Nr. 29 beziehungsweise Nr. 14; hier bleiben sie ausdrücklich unnummerierte Halbverse.[6]
| Bereich | Nachgewiesene Grundlage | Orientierung und Grenzen |
|---|---|---|
| Ṣaṭka I | Vorläufige Ausgabe Sampath 2011, 51 Kapitel | Kālasaṃkarṣaṇī; Nirvāṇa (3), Yoga (12), Ritualplatz (13), Lehrer und Schüler (14), Reinigung und Göttinnenkreis (15), Göttinnennamen und Lautstufen (29), ursprüngliche Natur (30), Handlungskraft und Erkenntnis (31–32), Lebensführung und Lehrerfolge (34). Nur die unten genau ausgewiesenen Bereiche sind übersetzt. |
| Ṣaṭka II | Sanderson 2009, S. 138; Serbaeva 2022, Appendix A.3; Törzsök 2012, S. 5 | II.6.54cd–59, Auszüge aus II.16 und ein Versfuß aus II.20. Keine vollständige Ausgabe dieses Ṣaṭka. |
| Ṣaṭka III | Serbaeva 2006, Sanskritanhang, PDF 556–557, sowie Sanderson 2009; daneben Berliner Digitalisat PPN898781620 | Die ausdrücklich mit YSP bezeichneten Zitate folgen dessen interner Kapitelzählung. III.14.70–76 gehört dagegen zu einem anderen Kapitel des dritten Ṣaṭka. Das Berliner Digitalisat wurde nicht als Textgrundlage gelesen. „Avyapadeśyā“ übersetzt III.35; fehlender Sanskrittext wird daraus nicht rückübersetzt. |
| Ṣaṭka IV | Serbaeva 2022, Appendix A.1 und A.2 | IV.21 und IV.45 sind als vollständige Kapitelwiedergaben dieser Quelle erschlossen, einschließlich ihrer Textprobleme und Schlusshalbverse. |
Die Kapitelzählung wird mit jedem Ṣaṭka gesondert geführt. Die Kurzform I.12.420 bedeutet „Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 420“. Eine einzelne Kapitelnummer ohne Ṣaṭka wäre hier unzureichend. Für III.14.70–76 gilt die Kapitelzählung von Sandersons Zitat außerhalb des YSP; diese Positionen tragen deshalb keinen YSP-Zusatz. Der NGMCP-Katalog nennt beim Ende des ersten Ṣaṭka ein fünfzigstes Kapitel, Sampath ein einundfünfzigstes. Zudem widersprechen sich im Katalog Schrift- und Folioangaben. Diese Befunde werden nicht durch pauschales Verschieben der Zählung harmonisiert.[3]
Für Ṣaṭka III bedeutet III.YSP.1.21 ausdrücklich „Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, dessen internes Kapitel 1, Vers 21“. Diese interne Kapitelnummer wird nicht als Kapitel 1 des gesamten dritten Ṣaṭka ausgegeben. Serbaevas Sanskritanhang gibt teilweise Versbereiche statt Einzelziffern; bei III.YSP.1.21–24 folgt die Einzelzuordnung den acht vollständig abgedruckten Halbversen. Die Angaben 35c–36 in YSP 8 und 9a in YSP 1 bleiben erläutert erhalten.[9]
Überlieferung, Quelleneinblick und Ausgabeumfang
Die traditionelle Gesamtangabe von ungefähr 24.000 Versen beschreibt den Anspruch des Corpus. Davon zu unterscheiden sind die tatsächlich beschafften Quellen: ein PDF des ersten Ṣaṭka, einzelne publizierte Kollationen und wissenschaftliche Zitate. Aus ihnen wurde nur der am Artikelanfang genau angegebene Sanskritbestand zur Übersetzung herangezogen. Das Vorliegen eines 603-seitigen PDFs bedeutet nicht, dass alle seine Verse hier ediert und übersetzt wären. Der veröffentlichte Umfang entspricht den folgenden Einzeltexten; eingeschränkt übersetzbare Stellen bleiben als solche sichtbar.
Einige Schlüsselbegriffe
Svabhāva ist die eigene oder ursprüngliche Natur; nisarga betont ihr ursprüngliches, nicht erst künstlich hervorgebrachtes Sein. Cit bezeichnet Bewusstsein, cicchakti dessen Kraft. Vikalpa meint begriffliches Unterscheiden und Entwerfen. Der Text untersucht, wann dieses Unterscheiden Orientierung gibt und wann es den Zugang zum eigenen Grund begrenzt.
Nāda, bindu und kalā gehören zur Sprache der Laut- und Kraftentfaltung. Sie lassen sich je nach Stelle als Klang, Verdichtungspunkt und Anteil oder Entfaltungsstufe verstehen; ihre konkrete Bedeutung wird aus dem jeweiligen Abschnitt bestimmt. Kula, Familie, kann eine Gruppe von Gottheiten und die zugehörige Überlieferung bezeichnen. Dīkṣā ist Einweihung: Sie begründet eine neue Zugehörigkeit und bestimmte rituelle Befugnisse.
Die besonderen Zugänge dieser Teilausgabe
- Die Kokosnuss öffnen: I.3.53–54 erläutert, weshalb die Gegenwart des Göttlichen allein noch keine befreiende Erkenntnis bedeutet. Der Hungernde besitzt eine Frucht, muss aber wissen, wie sie zu öffnen ist. Der Text sucht Śaṅkara im Tätigsein und prüft die Grenzen bloßer Bewegungslosigkeit.
- Innere Zeit und Klang: I.12.73–105 verbindet Glockenklang, Sonnen- und Mondbilder, die drei Atembahnen und eine innere Zeitrechnung. Die Zahl 21600 bezeichnet ein traditionelles Atemmaß für Tag und Nacht.
- Lichtgestalt und Lautkörper: I.12.247–248 vergegenwärtigt eine kurz aufscheinende Edelsteinkugel an den großen Zehen. I.12.255–287 entfaltet die Gestalt Kālasaṅkarṣaṇīs; 289–353 verfolgt Laute durch den Körper und lässt einen Strom von Sternenpunkten in den Raum austreten. Der Leib wird dabei als Ort göttlicher Erscheinung betrachtet, nicht nur als Hindernis der Erkenntnis.
- Zwölf Sitze: I.12.364–380 nennt zwölf Āsanas und beschreibt ihre Körperanordnung. Die Namen stimmen nicht durchweg mit heutigen Haltungen überein; mehrere Beschreibungen sind beschädigt. Die überlieferte Vielfalt ist erkennbar, ohne daraus einen modernen Übungslehrgang zu machen.
- Einweihung und geweihter Raum: I.13.2 erklärt Dīkṣā als das Gewähren von Erkenntnis und Handeln und das Tilgen ihrer Hindernisse. Das Kapitel führt von Einweihungsarten zur Gestaltung des Ritualplatzes: innere Zeitwahl, neun Gruppen göttlicher Mütter, ein als Körper verstandener Baugrund und acht Formen der Feuergrube. Erkenntnis, Verehrung und räumliche Ordnung gehören hier eng zusammen.
- Reife und Befugnis: I.14 unterscheidet verschiedene Rollen in der Überlieferung. Geistige Reife, Kenntnis und rituelle Zuständigkeit sind dabei nicht dasselbe: Nicht jeder Sādhaka darf Einweihungen leiten. Freundlichkeit, Mitgefühl und das Zu-Ende-Führen des Begonnenen gehören zu den Kennzeichen des verehrungswürdigen Lehrers; die Fragen des künftigen Schülers richten sich auf Herkunft, Bindung und Befreiung.
- Reinigung und lebendige Gestalt: I.15 stellt Wasser- und Aschebad neben das innere Bad durch Bewusstseinskraft. Der Raum der Verehrung wird als Körper- und Göttinnenkreis entfaltet. Gegen Ende begründet 138 die Vielfalt von Gesten, Farben und Gestalten; eine vorausgehende unnummerierte Strophe bezieht dabei die Freude des Herzens ein. Diese Beweglichkeit bleibt in die gelehrte Ritualordnung eingebettet.
- Namen als Lehre: I.29 erklärt unter anderem Avadhūtikā durch Beschützen und Abschütteln, Nirācārā durch das Stillwerden des inneren Lautverlaufs und Yantravāhinī durch das In-Gang-Halten der Körper.
- Erfahrung am Übergang: I.12.392–418 fragt, wie die Bewusstseinskraft bei Wahrnehmung, Umarmung, Erinnerung und dem Wechsel von Erregung und Ruhe hervortritt. Anfang, Mitte und Ende sind dabei eigene Beobachtungsfelder.
- Körper als Offenbarung der Kraft: I.12.419–459 beschreibt eine gewundene Kraft mit fünf Hauben und fünf Knoten, Lichtgestalten, Entfaltungsebenen und die Bewegung von Durchdringen und Durchdrungensein. Einzelne technische Ausdrücke bleiben ungesichert.
- Ursprüngliche Natur: I.30 unterscheidet die unverstellte Gegenwart des Bewusstseins von Zuständen, die durch besondere Anstrengung hervorgebracht werden. Auch Begriffe wie „eigenschaftslos“ werden auf ihre Grenzen hin geprüft.
- Erkennen und Handeln: I.31 und I.32 unterscheiden unmittelbare Erkenntnis, natürliches Wirken und die begrenzte Zuständigkeit einzelner Übungsmittel. I.34 gibt der Erkenntnis den Vorrang in der Lehrerfolge. I.45.121–125 beschreibt Shiva und Shakti als gemeinsame Wurzel der unterschiedlichen Überlieferungen: Frieden und lebendiges Pulsieren werden zusammen gedacht.
- Gestalt und Klang: Die Kāntā-Mudrā verbindet Gesichtsausdruck und Blick mit der Entfaltung von Erkenntnis. Die YSP-Zitate behandeln Mütterkreise, Lautstufen, Observanzen und die Herkunft der sechs Yoginīs.
- Die historische Spannweite: IV.21 und IV.45 verbinden Göttinnenverehrung mit Kampfmagie. Diese Texte werden als historische Überlieferung übersetzt. Sie begründen keine heutige Praxisempfehlung.
Sanskrit und deutsche Übersetzung
Die folgenden Strophen stehen einzeln mit ihrer deutschen Übersetzung. †…† kennzeichnet problematischen, nicht sicher übersetzbaren Wortlaut; […] eine in der Leitquelle durch Striche oder auffällige Aussparung bezeichnete Drucklücke. Deren Ursache ist damit nicht in jedem Fall am Manuskript festgestellt. Einfache eckige Klammern innerhalb von Sanskritwörtern bewahren Ergänzungen der benutzten Quelle. In Sandersons Einzelzitaten kennzeichnen sie auch ausdrücklich ausgewiesene Emendationen; die jeweilige Anmerkung unterscheidet Ergänzung, Korrektur und Konjektur. Bei seiner Vergleichstabelle stehen diese Entscheidungen im zugehörigen Apparat und werden hier in der Erläuterung mitgeteilt. Die besondere Markierung [?] in I.13.140 und I.15.53 bezeichnet dagegen eine nicht sicher entzifferte Schriftgruppe des Drucks, keine ausgesparte Textlücke. Erklärende Ergänzungen der deutschen Übersetzung stehen ebenfalls in Klammern. Nicht aufgenommene Zwischenverse sind nicht damit als verloren erklärt.
Ṣaṭka I, Kapitel 1 Jayadratha Yamala: Eingangsverehrungen
Eingangsverehrung
Om. Verehrung den Gurus, beginnend mit Śiva.
Hinweis: Unnummerierte Eingangsverehrung vor I.1.1. Der Wortlaut wird auch im NGMCP-Katalog A 995-6, fol.1v, belegt. Die selbständige Schmuckligatur Om auf dem modernen Titelblatt wird nicht als zweite Formel gezählt.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 1.[1]
Verehrung der Überlieferung
Ich verneige mich vor der gesamten Folge der Überlieferung – vom hochverehrten höchsten Śiva, der Śakti und dem ehrwürdigen Nātha bis zu den Lotusfüßen meines eigenen Gurus.
Hinweis: Der lange, nichtklassisch gefügte Verehrungssatz wird mit der Worttrennung der vorläufigen Ausgabe wiedergegeben. Die Übersetzung entfaltet die im Kompositum verkürzte Folge, ohne zusätzliche Gurunamen einzusetzen. Diese Verehrung ist im Eingang der benutzten Druckausgabe belegt; ihre Zugehörigkeit zu einem bestimmten Handschriftenzeugen ist hier nicht unabhängig bestätigt.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 1.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3 Jayadratha Yamala: Nirvāṇa und ursprüngliche Natur
Das Kapitel ist nach Sampath 2011, PDF 23–36, vollständig wiedergegeben, einschließlich seiner beschädigten Stellen. Die Position zwischen 20 und 22 trägt im Druck nochmals die Ziffer11; die hier verwendete Positionsangabe 21 wird ausdrücklich von dieser Quellenziffer unterschieden. Zwischen109 und 111 steht eine unnummerierte Strophe. Vers 74 enthält eine ausdrückliche Lücke.

Sprecherzeile
Jayadratha sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 23.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 1
ālocaka manojñānaṃ cetā puṃsvārthasādhakaḥ ||
Hara, das zu Betrachtende ist Gegenstand des Erkennens, das zu Bedenkende [wird] von allen Seiten [bedacht]. Die zweite Zeile nennt den Betrachtenden, die Erkenntnis des Geistes und den bewussten Vollbringer des menschlichen Zweckes; ihre genaue Satzfügung ist ungesichert.
Erläuterung: Der Dialog beginnt mit einer Aufzählung von Erkenntnisfunktionen. Die unregelmäßigen Verbindungen werden nicht zu einer frei ergänzten Systematik geglättet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 23.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 2
etāvān vyavahāro’tra yogināṃ yogasādhane ||
Wo der Mensch als Betrachtender, Denkender und Handelnder gilt, so weit reicht hier der Sprachgebrauch der Yogis bei der Verwirklichung des Yoga.
Erläuterung: Naraṃ steht in der Quelle neben kartā; ālocitā wird im Zusammenhang als Bezeichnung des Betrachtenden verstanden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 23.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 3
śrībhairava uvāca |
[Jayadratha:] Selbst wenn etwas mit Mühe bedacht wird: Wie entsteht das Bewusstsein davon? [Bhairava:] Was der Geist erfassen kann, ist zu bedenken. Wofür der Geist aber kein Erfassender ist …
Erläuterung: Die Antwort wird in der ersten Hälfte von 4 fortgesetzt. Die Sprecherzeile steht zwischen den Halbversen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 23.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 4
vālāgrayutamātraṃ hi lakṣādhiṣṭhānamādarāt ||
… das nennen die Kenner dessen, was zu bedenken ist, nicht etwas zu Bedenkendes. [Danach nennt der Text] einen mit Sorgfalt aufgesuchten Sitz des Zieles, nur ein Zehntausendstel einer Haarspitze groß.
Erläuterung: Vālāgrayuta wird als vālāgra-ayuta verstanden. Die zweite Hälfte leitet zur Beschreibung eines begrenzten meditativen Zieles über; sie wird nicht mit dem zuvor ausgeschlossenen Gegenstand gleichgesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 23.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 5
tejo’nurūpaṃ lakṣākhyaṃ pañcāvayavalakṣaṇam ||
Das zu Bedenkende ist in der Einheit mit dem Geist gesammelt und in der Mitte zusammengezogen; es entspricht dem Licht, heißt Ziel und ist durch fünf Bestandteile gekennzeichnet.
Erläuterung: Die fünf Bestandteile werden in diesem Vers nicht aufgezählt. Keine Zuordnung zu fünf modernen Chakras wird ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 23.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 6
neccātaḥ sparśasaṃkalpo yāvat tāvat kimapyasau ||
Jene Erkenntnis hat die Gestalt des Geistes; die Yogis halten sie für untergeordnet. Die zweite Zeile verbindet Berührung und begriffliche Vorstellung mit einem „solange – so lange“; wegen neccātaḥ ist ihre vollständige Aussage nicht gesichert.
Erläuterung: Die Quelle hat neccātaḥ. Daraus wird kein frei ergänzter Verzicht auf körperliche Berührung abgeleitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 23–24.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 7
prathamo’nubhavo viṣṇordvirbhāvaṃ yāvannotsahe ||
Die ursprüngliche Natur aller Erscheinungen ist deren Ursache, ohne [willentliche] Zuwendung. Die zweite Zeile spricht von Viṣṇus erster Erfahrung und dem Hervortreten einer Zweiheit; die Verbindung mit notsahe bleibt unklar.
Erläuterung: Viṣṇu steht tatsächlich im Grundtext und wird nicht in eine andere Gottheit geändert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 24.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 8
susvapno hyasusuptaśca dvirūpaguṇalakṣaṇaḥ ||
[Der Text nennt] das Eingehen darin und das Einziehen der Zeit, den höchsten Kālasaṅkarṣaṇa. Die zweite Zeile nennt guten Traum und Nicht-Tiefschlaf sowie eine zweifache Eigenschaft; die genaue Zuordnung bleibt ungesichert.
Erläuterung: Die ungewohnte Verbindung tadāveśakālakṛṣṭiḥ wird erhalten. Die Schlafbezeichnungen werden nicht still in das geläufige Dreierschema geändert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 24.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 9
yo’syaivānubhavaḥ puṣṭaścintādiparivarjitaḥ ||
Wegen des Aufhörens der Erscheinungen [besteht] Tiefschlaf; das Bewusstsein ist dadurch tief schlafend [Satzfügung unregelmäßig]. Dessen gefestigte Erfahrung ist frei von Gedanken und Weiterem …
Erläuterung: Der Satz setzt sich in 10 fort. Saṃvit und susuptakaḥ stimmen grammatisch nicht regelmäßig überein.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 24.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 10
asamādhau munirvāṇaṃ samādhirbhavasādhanaḥ ||
… wer diese [Erfahrung] besitzt, ist stets Yogi; der übrige Yogi ist [auf der Ebene] des Höheren und Niederen. Die zweite Zeile stellt Nicht-Samādhi und Samādhi einander gegenüber: Samādhi wird als Mittel des Werdens bezeichnet; munirvāṇam bleibt unklar.
Erläuterung: Die gedruckte Form munirvāṇam wird nicht still in nirvāṇam geändert. Daher wird kein vollständiger Gegensatz „Befreiung durch Nichtmeditation“ als sicherer Wortlaut ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 24.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 11
sā ca vṛttiguṇākhyā tu yato dhīrguṇakāraṇāḥ ||
Die Yogis halten den in der Buddhi [unregelmäßige Verbindung] verankerten Samādhi für untergeordnet. Diese wird als eine Eigenschaft ihrer Tätigkeit bezeichnet; die Schlussverbindung über Erkenntnisvermögen und Guṇas ist grammatisch gestört.
Erläuterung: Buddhi ist das unterscheidende Erkenntnisvermögen. Die Passage untersucht bedingte Erkenntniszustände, nicht eine allgemeine Wertlosigkeit konzentrierter Praxis.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 24.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 12
na vyāpāro rajastyāgāt tamo’nte niyamo na hi ||
Ihr Gleichgewicht entsteht durch das Ausschließen jener beiden Guṇas. Durch das Aufgeben von Rajas besteht keine Tätigkeit; beim Ende von Tamas [besteht] kein niyama.
Erläuterung: Die beiden Guṇas sind hier Rajas und Tamas; das folgende 13 behandelt Sattva. Niyama kann Regelung, Begrenzung oder Festhalten bedeuten; die ungewöhnliche Schlussaussage wird nicht in eine vertraute Tugendlehre umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 24.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 13
tatsatvaṃ nirmalaṃ śuddhaṃ tava prādhānikaṃ matam ||
Die Erkenntnis, deren Wesen das Erhellen ist, klar wie ein Kristall: Das ist das makellose, reine Sattva; es gilt für dich als zum Pradhāna gehörig.
Erläuterung: Svacca und satva sind die Schreibungen der Quelle. Pradhāna bezeichnet die ursprüngliche Naturmaterie; auch ihre reine Klarheit wird hier noch von der höchsten ursprünglichen Natur unterschieden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 24.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 14
kāryaṃ vidbhiḥ samāyātā guṇāḥ kāraṇamiṣyate ||
Die eingezogene Gestalt der Wirkung geht in ihrer Ursache auf. Die zweite Zeile nennt Wirkung, Kenner und Guṇas als Ursache, lässt sich aber wegen ihrer gestörten Fügung nicht vollständig zuverlässig übersetzen.
Erläuterung: Die Quelle wird nicht durch eine frei erfundene Sāṃkhya-Definition ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 24.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 15
tadāsvakāraṇākāraṃ bhajate tanna saṃtyajet ||
Wenn jenes Erkenntnisvermögen beim Wegfall des zu Erkennenden zur Bewegungslosigkeit gelangt, nimmt es die Gestalt seiner eigenen Ursache an; es verlässt sie nicht.
Erläuterung: Bodhya hānim und dhīstimitatvam sind unregelmäßige Verbindungen. Die erkennbare Aussage führt zur kritischen Frage in 16.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 24.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 16
tadotsavaḥ kāpilānāṃ hanta caivādayo hatāḥ ||
Wenn dasjenige, was ihre Ursache ist, die höchste Wirklichkeit wäre, dann wäre das ein Fest für die Anhänger Kapilas; ach, [caivādayaḥ: unklar bezeichnete andere] wären widerlegt.
Erläuterung: Der Druck hat caivādayaḥ, nicht eine gesicherte Form śaivādayaḥ. Hatāḥ steht im Zusammenhang eines Lehrstreits; eine Gewalthandlung wird nicht beschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 25.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 17
nirālambaṃ hi tad brahmadhyānagamyaṃ na yuktitaḥ ||
Meditation ist auf ein zu Meditierendes gerichtet; dieses hat einen Halt. Jenes Brahman ist ohne Halt und kann daher folgerichtig nicht durch [solche gegenstandsbezogene] Meditation erreicht werden.
Erläuterung: Die Übersetzung bezieht na auf dhyānagamya und versteht yuktitaḥ als „folgerichtig“; das wird durch die Kritik gegenständlicher Dhāraṇā in 20 gestützt. Die Wortfolge lässt aber auch die abweichende Verbindung „Brahman ist durch Meditation zugänglich, nicht durch Schlussfolgern“ zu. Diese syntaktische Frage ist ohne zusätzliche Textzeugen nicht endgültig entschieden. Sālamvana bleibt als Druckschreibung erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 25.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 18
vastuvṛttena yasyāsti tasyohā kriyate katham ||
Alles durch gedankliches Erwägen Erhellte verliert [oder: verlässt] sein Merkmal als Wirklichkeit. Die zweite Zeile fragt, wie für dasjenige, dessen [Sein] auf Wirklichkeit beruht, ein solches Erwägen möglich sei; die Satzverbindung bleibt ungesichert.
Erläuterung: Uhā ist die vorliegende Schreibung; die schwierige Fügung vastuvṛttena yasyāsti wird nicht still emendiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 25.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 19
sannidhīkriyate naiśaṃ yatra tatra ca tadguṇam ||
Durch das Verfahren des Zurückziehens wird das an einem einzigen Ort Gefestigte nahegebracht. Die weitere Verbindung mit naiśa und der dortigen Eigenschaft ist unklar.
Erläuterung: Pratyāhṛti bezeichnet ein Zurückziehen. Naiśa wird nicht ohne Beleg in einen vertrauten Ausdruck für Sinneswahrnehmung geändert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 25.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 20
dhāraṇāsādhanaṃ tasya kathaṃ syuraviśeṣataḥ ||
Dhāraṇā, das konzentrierte Festhalten, besitzt eine bestimmte Besonderheit. Wie sollte sie ein Mittel für dasjenige sein, dem keine Besonderheit zugesprochen wird, gerade weil es ohne Besonderheit ist?
Erläuterung: Syur steht unregelmäßig beim Singular. Das in der Zeile mitgedruckte Handschriftensiglum und dessen Variante stu gehören nicht zum Grundtext.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 25.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Position 21 (Quellenziffer 11; zwischen 20 und 22)
yadā kāryatrayagrāhī tadāsau kila nirvṛtaḥ ||
Prāṇa wird als Wind bezeichnet. [Es folgen] sein Anhalten, Festhalten und Empfinden [die Verbindung ist gestört]; wenn er die drei Wirkungen erfasst, ist er, so heißt es, zur Ruhe gelangt.
Erläuterung: Nummerierungsbefund: Diese Strophe steht zwischen 20 und 22, trägt im Druck aber nochmals 11. Sie wird hier als Position 21 geführt; die Quellenziffer 11 bleibt ausdrücklich dokumentiert. Die drei Wirkungen werden in dieser Strophe nicht benannt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 25.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 22
buddheḥ svakaraṇīyaṃ tu kāraṇaṃ prāgudīritam ||
Seine Ursache ist der Ahaṃkāra, das Ichbilden; dessen Ursache wiederum ist die Buddhi. Die eigene Ursache der Buddhi wurde zuvor genannt.
Erläuterung: Die Leitlesung ist henuḥ; die Quelle führt hetu- ausdrücklich nur als Variante Kh an. Der erkennbare Sinn „Ursache“ wird übersetzt, ohne die Variantenlesung in den Sanskritgrundtext einzusetzen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 25.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 23
manonirodho’hamiti hyahaṃlīnaprabodhakaḥ ||
Wenn die Ursache aufgegangen ist, geht zweifellos die Wirkung auf. Die zweite Zeile verbindet das Anhalten des Geistes, „Ich“ und ein Erwachen beim Aufgehen des Ich; ihre genaue Aussage ist nicht gesichert.
Erläuterung: Die klare Kausalaussage der ersten Hälfte rechtfertigt keine freie Übersetzung der gestörten zweiten Hälfte.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 25.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 24
satvasya paramā kāṣṭhā prakṛtiḥ śāsane matā ||
Die erste Zeile nennt beim Erwachen höchstes Sattva und weitere Guṇas, ist jedoch beschädigt. Als äußerste Grenze des Sattva gilt in der Lehre die Prakṛti.
Erläuterung: Mananyaguṇaṣṭaṃhitam bleibt als Druckbefund erhalten; keine vermeintlich klassische Ersatzlesung wird ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 25.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 25
tathātvanoditaḥ kālastato bhāvaṃ pragṛhyate ||
Durch das Einssein damit erscheint die eigene Gestalt in dessen Form. Die zweite Zeile verbindet das So-Sein, die Zeit und das Erfassen einer Erscheinung; ihre Fügung bleibt ungesichert.
Erläuterung: Tathātvanoditaḥ wird nicht ohne Handschriftenkontrolle emendiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 25–26.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 26
atha cedam śuddhatvairmanuso lakṣaṇaṃ tvidam ||
In der Erscheinung brachte [ein nicht ausdrücklich genanntes Subjekt] erneut vielfältige Zeichen des Erscheinens hervor. Die zweite Zeile nennt Reinheit und ein Merkmal von manusa; sie ist nicht zuverlässig als vollständiger Satz übersetzbar.
Erläuterung: Die Quelle hat manuso, nicht eine hier sicher herstellbare Form manasaḥ.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 26.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 27
pradhānakāryānudayastamarthaṃ saṃspṛśedyadā ||
Höre: Das Reine, das sich anders verhält, [wird besprochen]; die Buddhi wird untersucht. Wenn das Nichtentstehen der Wirkung des Pradhāna jenen Gegenstand berührt …
Erläuterung: Der Satz läuft in 28 weiter; die Verbindung seiner Subjekte bleibt unregelmäßig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 26.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 28
uktāśrayo hi manaso’ṇucaitanyapracoditaḥ ||
… zusammen mit den sāmbarīya-Guṇas, dann wird es rein genannt. Der zuvor genannte Träger des Geistes wird durch das Bewusstsein des begrenzten Einzelwesens angeregt.
Erläuterung: Sāmbarīya ist hier nicht sicher zu bestimmen. Aṇu ist das begrenzte Einzelwesen; die Quelle schreibt taccuddham.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 26.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 29
śuddhārthālocanaṃ yattu padaśuddhārthalocakam ||
Ein durch Zuwendung von Zuneigung erfüllter Zustand wird von den Weisen unrein genannt. Die zweite Zeile spricht vom Betrachten eines reinen Gegenstandes; die Verbindung mit pada ist unklar.
Erläuterung: Vudhaiḥ ist die Druckschreibung. Die theologische Unterscheidung wird nicht als moderne Aufforderung zur Gefühlskälte umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 26.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 30
śuddhārthavedanāccuddhā sā śuddhetaravedanā ||
Jenes Wissen ist dem Menschen angeboren; das Empfinden ist seine Offenbarung. Durch das Empfinden eines reinen Gegenstandes ist es rein; [der Vers nennt daneben] ein Empfinden des Nichtreinen.
Erläuterung: Tajjānam und vedanāccuddhā sind Druckformen. Der Schluss wird mit 31 weitergeführt; die Zuordnung der Reinheitsbegriffe ist nicht in allen Einzelheiten sicher.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 26.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 31
yasya sādhanabhāvatvaṃ māyā sādyasya yujyate ||
Dieses gilt als aus Māyā hervorgegangen, denn die Welt besteht aus Māyā. Die zweite Zeile setzt Māyā als Mittel in Beziehung zu einem zu Verwirklichenden; die genaue Satzfügung ist ungesichert.
Erläuterung: Die Quelle hat sādyasya. Māyā wird hier im Zusammenhang von Mittel und Ziel behandelt, nicht schlicht mit „Lüge“ übersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 26.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 32
prapañcaḥ procyate māyā prapañco dvividhārthagaḥ ||
Auch jenes besteht hier aus Māyā, weil es die Form von Erfasstem und Erfassendem hat. Māyā heißt die begrifflich gegliederte Vielfalt; diese Vielfalt bewegt sich im Bereich einer zweifachen Gegenständlichkeit.
Erläuterung: Tad bezieht sich auf das zuvor besprochene Verhältnis von Mittel und Ziel. Grāhya und grāhaka sind Erfasstes und Erfassendes.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 26.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 33
svabhāvaḥ sannirādhāraḥ śūnyatābhāvamāśritaḥ ||
Die ursprüngliche Natur hat einen einzigen Gegenstand [beziehungsweise Sinn], ist frei von gegliederter Vielfalt, ohne Bewegtes und Bewegendes, ohne Stütze und im Zustand der Leere ruhend.
Erläuterung: Śūnyatā-bhāva wird hier „Zustand der Leere“ gelesen; die zusammengeschriebene Form erlaubt auch die Gliederung śūnyatā-abhāva, „Nichtsein der Leere“. Diese Mehrdeutigkeit ist nicht durch die vorläufige Ausgabe entschieden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 26.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 34
tadgrāhikā bhaved buddhiryadi buddhivibhurbhavet ||
[Diese ursprüngliche Natur ist] ewig, allgegenwärtig, still und mit ständigem Hervortreten verbunden. Die Buddhi könnte sie erfassen, wenn die Buddhi selbst allgegenwärtig wäre.
Erläuterung: Buddhivibhuḥ ist die Grundlesung; buddhirvi- steht nur als Variante Kh am Rand der Zeile. Die zweite Hälfte ist ausdrücklich ein Bedingungssatz, keine Behauptung, die gewöhnliche Buddhi sei bereits allgegenwärtig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 26.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 35
uta vā cittavṛttintu yayaivānubhavo bhavet ||
Wie sollte dasjenige, was nicht einmal die Erinnerung durchdringt, dessen [Erreichen; tacchāpti ist unklar] erlangen? Oder [man betrachte] jene Tätigkeit des Geistes, durch die Erfahrung zustande kommt.
Erläuterung: Tacchāptim ist die Drucklesung; vṛttistu steht nur als Variante Kh, im Grundtext bleibt vṛttintu.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 27.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 36
saṃrambhād vyāpakaṃ taddhi hṛṣīkeṣu tathaiva ca ||
In einer einzelnen Tätigkeit des Geistes ist jene Wirklichkeit nicht [als deren begrenzter Gegenstand]; deshalb wird sie dort nicht erkannt. Sie durchdringt aus ihrem Hervortreten heraus ebenso die Sinne …
Erläuterung: Die zweite Hälfte setzt sich in 37 fort. Die eingeklammerte Einschränkung erklärt das Verhältnis von Nichtauffinden und Durchdringung; sie ist keine zusätzliche Sanskritlesung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 27.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 37
atha tatra tadastīha tadyogo viphalastadā ||
… und die von ihnen erfassten Gegenstände, schlanke Göttin, die in ihrer natürlichen Beschaffenheit bestehen. Wenn es dort bereits vorhanden ist, dann ist ein [erst herzustellender] Yoga damit ohne Frucht.
Erläuterung: Die Grundlesung ist tadyogo. Der Text kritisiert das Herstellen dessen, was bereits gegenwärtig ist; er bestreitet nicht das Vorliegen der Erfahrung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 27.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 38
prabodho vasturūpasya tattyāgo bhāva eva ca ||
[Der Text nennt] das mit Anstrengung ausgeführte Lenken von Augen beziehungsweise Betrachtung in das eigene Selbst, das Erwachen zur Gestalt der Wirklichkeit, ihr Aufgeben und einen Zustand. Die Satzglieder sind in dieser Lesung nicht eindeutig miteinander zu verbinden.
Erläuterung: Locanākṣīṇi ist auffällig; es wird keine Augen- oder Atemübung aus dem beschädigten Satz hergestellt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 27.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 39
iccāprayatnacittaṃ ca sūkṣmāt sūkṣmaṃ ca vānagha ||
Bei der Verwirklichung besteht wiederum eine Dreiheit: Wille, Anstrengung und Geist, immer feiner als das Feine, Schuldloser. Die genaue Beziehung zur zuvor genannten Dreiheit bleibt im ersten Halbvers ungesichert.
Erläuterung: Prasādhātvam ist die Grundlesung; iccā bleibt als nichtklassische Schreibung erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 27.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 40
tattyāgastu yathā yogyo tattyāgo bhavitāpi ca ||
Wenn der Erkenntnisgegenstand grob ist, beruht die Erkenntnis auf [einer weiteren] Erkenntnis. Die zweite Zeile spricht zweimal vom Aufgeben und seiner Eignung; die genaue Folge ist bei der vorliegenden Lesung nicht sicher zu bestimmen.
Erläuterung: Yadā in der ersten Zeile und yathā in der zweiten sind die jeweiligen Grundlesungen; ihre im Druck vermerkten Varianten werden nicht vertauscht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 27.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 41
iccādyabhihitaṃ tadvadantaraṅgaṃ hi prāṅ mayā ||
Bei einem groben Glied einer Gottheit als Erkenntnisgegenstand [ist die Erkenntnis] innerlich [die Verbindung ist unregelmäßig]. Ebenso wurde zuvor von mir der Wille und Weiteres als inneres [Mittel] bezeichnet.
Erläuterung: Die Aussage betrifft eine innere Abstufung von Gegenstand und Erkenntnis; keine bestimmte Gottheitenvisualisierung wird im Vers ausgeführt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 27.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 42
prapanneccāpahāraśca sa cābhāvaḥ praśaṃsitaḥ ||
[Der Text nennt] das zu Bedenkende und die Verbindung des Geistes; ihre Trennung wird Aufgeben genannt. Auch das Fortnehmen des eingetretenen Willens [gehört dazu]; dieser Nichtzustand wird gepriesen.
Erläuterung: Die Grundlesungen mantavyo und yogo stehen neben den Varianten -vya und yoga. Der syntaktisch unregelmäßige Beginn wird nicht still nach diesen Varianten verbessert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 27.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 43
kāraṇaṃ karaṇāt kāryaṃ trikamutsīlitaṃ yadā ||
Das Bewusstwerden des Erwachens zu reinem Bewusstsein ist frei von den drei Zeiten. Wenn die Dreiheit von Ursache, Mittel und Wirkung [utsīlita: ungesichertes Verb] ist …
Erläuterung: Die drei Zeiten sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Cinmātrod bodha ist die gedruckte Trennung; die Aussage läuft in 44 weiter.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 27.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 44
evaṃ kāṣṭhamayī vṛttireṣāṃ muktiḥ prayatnagā ||
… dann hat der Yogi den Zustand erreicht und die Bindung der Geburt überschritten. So ist ihre Tätigkeit holzartig; ihre Befreiung verläuft durch Anstrengung.
Erläuterung: Der zweite Halbvers geht in die kritische Bewertung eines starren Zustandes über. Das wird nicht zu einer durchgehend positiven Empfehlung geglättet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 27–28.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 45
iccāprayatnabodhādyānarthān sarvān hi śūnyatām ||
Wenn sie nicht mit jener Tätigkeit verbunden sind, ist für sie selbst ein Anschein von Befreiung schwer erreichbar. Die zweite Zeile nennt alle Bereiche wie Wille, Anstrengung und Erkenntnis sowie Leere …
Erläuterung: Die Satzverbindung zur Fortsetzung in 46 ist beschädigt; das Akkusativgefüge wird nicht frei vervollständigt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 28.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 46
na tat kiñcit parityajya grāhyaṃ ekatvāt kiñcana ||
… [und ein] Durchdringen und Bestehen, wie der leuchtende Raum [die Verbindung asatādīn ist unklar]. Jenes ist nicht zu erfassen, indem man irgendetwas ausschließt, weil es eins ist.
Erläuterung: Die sichere Schlussaussage wird von der ungesicherten ersten Hälfte unterschieden; der gesamte Vers wird nicht aufgrund des Schlusses für die Praxis ausgewählt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 28.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 47
na nadvirāmo mahato na kālamanaso priye ||
Es ist weder fern noch nahe. Die weiteren Verneinungen betreffen Nāda, dessen Aufhören sowie Zeit und Geist, Geliebte; wegen tadvahi und nadvirāmo bleibt ihre genaue Aussage unklar.
Erläuterung: Die erste doppelte Negation ist eindeutig. Der Rest wird nicht durch eine frei formulierte Reihe spiritueller Attribute ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 28.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 48
na ca taddhāraṇānnītaṃ na guṇaiḥ parivarjitam ||
Es ist nicht [dhṛṣīkacarama: die Verbindung mit den Sinnen ist unklar] und endet nicht an einem Abbild. Es wird nicht durch Dhāraṇā herbeigeführt und ist nicht von den Guṇas getrennt.
Erläuterung: Die letzte Negation wird bewahrt: Der Text sagt hier nicht einfach, die Wirklichkeit sei „eigenschaftslos“. Bimva ist die Druckschreibung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 28.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 49
ādimadhyāvasāneṣu satre hyasmin mahādhipe ||
Göttin, die erste Zeile verneint Bestimmungen durch das Unmanifestierte, Nichtsein sowie Mensch und Leidenschaft, ist aber grammatisch gestört. Die zweite nennt Anfang, Mitte und Ende in diesem [satra: unklaren Zusammenhang], große Herrin.
Erläuterung: Die Grundlesung lautet nāvyaktāṃ; nāvyaktaṃ ist als Variante Kh vermerkt. Es wird kein fehlendes System von Tattvas ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 28.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 50
sa cātrāmṛtavāṃlloke mṛtavān yatra yogagaḥ ||
Wer beim Durchleben menschlicher Angelegenheiten ein zur Wirklichkeit gelangendes Bewusstsein besitzt, hat hier in der Welt Unsterblichkeit; wo [nur] ein im Yoga Befindlicher ist, [wird dieser] als tot bezeichnet.
Erläuterung: Die Gegensatzbildung amṛtavān/mṛtavān ist deutlich, die Fügung saṃvittiyāsya und der Anschluss mit yatra bleiben unregelmäßig. Yogagaḥ ist die Grundlesung, -taḥ nur eine Variante Kh.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 28.[1]
Sprecherzeile
Die ehrwürdige Göttin sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 28.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 51
anapāneṣu tallavviryadisyāttadidaṃ jagat ||
Herr, wenn das Erreichen dessen bei den genießbaren Dingen mit ihren Mitteln, bei Eigenschaften, Leidenschaft und Weiterem sowie bei Essen und Trinken möglich wäre, warum ist dann diese Welt …
Erläuterung: Die Frage setzt sich in 52 fort. Anapāneṣu und tallavvir sind auffällige Grundlesungen; anna- ist nur als Variante Kh vermerkt. Der Vers schreibt keine bestimmten Speisen oder Getränke vor.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 28.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 52
adhomukhamavīkṣya kṣmāṃ sphuritādharapallavaḥ ||
… noch mit einer festen Kette von Fesseln gebunden? [Der Herr,] dessen lippenähnlicher Spross sich bewegte, [blickte] mit gesenktem Gesicht zur Erde [die Verbindung avīkṣya ist unregelmäßig].
Erläuterung: Badvaṃ ist die Grundlesung; vaddhaṃ steht als Variante Kh. Die zweite Hälfte beginnt die Erzählung von Bhairavas Antwort und darf nicht weiter der Frage der Göttin zugeschrieben werden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 28.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 53
nālikerekarasthe tu kṣutkṣāmastu vanecaraḥ ||
Dann sprach der erhabene Herr, dessen Kronjuwel der Mond ist: Ein Waldwanderer, vom Hunger ausgezehrt, hält zwar eine Kokosnuss in der Hand …
Erläuterung: Die Antwort wird in 54 fortgesetzt. Eine bloß vorhandene Frucht genügt ohne Kenntnis des Öffnens nicht; das Gleichnis erläutert die zuvor gestellte Frage nach der weiterhin bestehenden Bindung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 28–29.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 54
sa mucyate hayo devi vṛttisthaṃ vetti śaṅkaram ||
… doch er kommt um, wenn ihm das Wissen fehlt, wie sie zu öffnen ist. Befreit wird, Göttin, wer Śaṅkara in der Tätigkeit erkennt.
Erläuterung: Hayo wird als ha yo gegliedert; die Fügung bleibt nichtklassisch. Pañcatva, wörtlich „Fünffachheit“, ist hier die geläufige Umschreibung für den Tod beziehungsweise das Aufgehen in den fünf Elementen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 29.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 55
na yogī yogamāpnoti calatvācca sadācitaḥ ||
Der Yogi erreicht Yoga nicht [bloß als etwas] Gegensätze-Freies, in Unmanī Offenbartes, völlig Unbewegliches wie Holz. Die Schlussverbindung mit Bewegung und Bewusstsein ist gestört.
Erläuterung: Der Vers setzt die Kritik an hölzerner Starre fort. Die Aussage der zweiten Hälfte wird nicht durch einen frei ergänzten Gegensatz ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 29.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 56
mohayogena yogīndro nirvicāreṇa tena saḥ ||
Wenn Yoga allein aus übergroßer Gewissheit entstünde, könnte irgendeiner einen solchen Yoga besitzen. Durch diese Verbindung mit Täuschung und ohne Untersuchung [wäre er ein vermeintlicher] Herr der Yogis.
Erläuterung: Die letzte Gleichsetzung ist polemisch und syntaktisch verkürzt. Sie wird nicht als Empfehlung gedankenloser Selbstgewissheit gelesen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 29.[1]
Sprecherzeile
Die ehrwürdige Göttin sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 29.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 57
śauryakārī ghanottāla jvālādīptadṛgānalaḥ ||
[Die Göttin preist Śiva:] Du durchbrichst die massive, unbezwingbar scheinende Brust beziehungsweise den Rücken des Dämonenfürsten [die Verbindung ist beschädigt]; du vollbringst Heldentaten, und das Feuer deines Blickes leuchtet in mächtig aufragenden Flammen.
Erläuterung: Die Quelle hat vakṣaspṛṣṭhodya; vakṣapṛṣṭhādya steht nur als Variante Kh. Der Lobpreis beschreibt mythische Gewalt und wird nicht in die Praxisauswahl aufgenommen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 29.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 58
ratnālaṅkṛtamūrddhordhvaphaṇimaṇḍitadorgaṇaḥ ||
Du bist von Narben [aus dem Kampf mit] den schrecklichen Waffen böser feindlicher Krieger gezeichnet [erste Verbindung ungesichert]. Deine Arme sind mit aufgerichteten Schlangen geschmückt, deren Köpfe Edelsteine zieren.
Erläuterung: Die Folge bhaṭānyugrahetikṣaṇa ist nicht sicher zu gliedern. Die Beschreibung bleibt ein historischer mythologischer Lobpreis.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 29.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 59
utkhāyāndhakahṛccalyaṃ dattāmaramahāsukhaḥ ||
Die erste Zeile beschreibt einen durch das Feuer des leuchtenden Auges erhellten Kopf und eine Pfeilspitze; ihre genaue Verbindung bleibt unklar. Indem du Andhakas Herzstachel herausrissest, gewährtest du den Unsterblichen große Freude.
Erläuterung: Andhaka ist der namentlich genannte mythische Gegner. Der Text wird nicht in eine körperliche Praxisanweisung umformuliert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 29.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 60
garalāpaḥ suvistīrṇavalayāṅkitakandalaḥ ||
Du leuchtest vom Spross der jungen Mondsichel im Inneren [deines Haarschmucks]; du trinkst das Gift und trägst weit ausgebreitete Ringe an deinen [sprossgleichen Gliedern].
Erläuterung: Kuṭīra und kandala sind bildhafte, im Einzelnen nicht sichere Körper- beziehungsweise Schmuckbezeichnungen. Das Trinken des Giftes gehört zum Śiva-Mythos und ist keine Empfehlung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 29.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 61
irāyutavapuḥśūlakarakokanadānalaḥ ||
In deiner Hand befindet sich eine Schädelschale, die wie die Scheibe des Vollmondes glänzt. Die zweite Zeile nennt Körper, Dreizack, die lotosgleiche Hand und Feuer, ist jedoch in der Verbindung irāyutavapuḥ beschädigt.
Erläuterung: Der Druck hat irāyuta, nicht das geläufigere nirāyudha. Es wird weder eine Waffenlosigkeit noch eine genaue zusätzliche Handhaltung erfunden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 29.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 62
saṃsārahimamārtaṇḍo vyādho dhanahutāśanaḥ ||
[Du bist] südliches Feuer; durch die Strahlen deiner Fangzähne wird die große Finsternis der Welt gebrochen. Für den Frost des Saṃsāra bist du die Sonne. Die weitere Verbindung von Jäger, dhanā und Feuer bleibt unklar.
Erläuterung: Daṃṣṭarā ist die vorliegende Schreibung. Der südliche Feuername wird nicht zu einer praktischen Richtungsanweisung gemacht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 29–30.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 63
doṣānalamahājvālāṭopaiḥ śambhu halāhalaḥ ||
Die erste Zeile verbindet Vollmond, Leid, Schlamm beziehungsweise Lotos und Wasserflut, ist aber beschädigt. Die zweite nennt das Auflodern der großen Flammen des Feuers der Fehler, Śambhu und das Hālāhala-Gift; ihre vollständige Satzbedeutung ist nicht gesichert.
Erläuterung: Adyastibhira und die folgenden Verbindungen erlauben keine verlässliche vollständige Übersetzung. Der Vers wird nicht als gesicherter Rezitationstext angeboten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 30.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 64
dhūrtārātimahāraṇyadīptadāvaśikhidhvajaḥ ||
Für die Hungrigen bist du Speise aus wunscherfüllenden Früchten, für die Durstigen ein Meer von Nektar. Für den großen Wald der hinterlistigen Feinde bist du die lodernde Flamme des Waldbrandes.
Erläuterung: Kṣudhām und tṛṣām sind unregelmäßige Bezeichnungen der Hungrigen beziehungsweise Durstigen. Der ganze Vers einschließlich der gegen Feinde gerichteten Metapher bleibt wiedergegeben; nur seine erste Hälfte wird nicht als friedlicher Praxisvers herausgelöst.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 30.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 65
tvatpādapadmagambhīrakośābhyantaraśāyinīm ||
[Du bist] der Hirt der himmlischen Kühe [die weitere Verbindung rurodhorugavīśvaram ist beschädigt]. Die zweite Zeile spricht von einer weiblich bezeichneten Gestalt, die im tiefen Inneren des Kelches deines Fußlotos ruht …
Erläuterung: Die Bezüge des Akkusativs śāyinīm sind nicht sicher zu bestimmen. Keine zusätzliche Gottheit wird aus dem Bild erschlossen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 30.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 66
yat tat paramasadbhāvaḥ pratipannaḥ tvayā hara ||
Herr, Zuflucht der Zufluchten, Bezwinger der Feinde [bāhyanātha: Zuordnung unklar], Hara: Jene höchste wirkliche Natur, die von dir erkannt wurde …
Erläuterung: Die Frage setzt sich über 67 bis 68 fort. Die Nominative sadbhāvaḥ und pratipannaḥ stehen neben anders gefügten Satzgliedern.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 30.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 67
pratyakṣamacalaṃ śāntaṃ mano’haṅkāravarjitam ||
… untadelig [und mit] dem Grund aller nektargleichen Eigenschaften [erste Verbindung ungesichert], unmittelbar gegenwärtig, unbeweglich, still, frei von Geist und Ichbilden …
Erläuterung: Dies ist ein Teil der Frage 66–68, kein für sich abgeschlossener Satz. Die zusammengesetzte Anfangsbestimmung wird nicht frei zu einer Wirkungsgarantie erweitert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 30.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 68
tattatvamupadeśena kathamatropalabhyate ||
… getrennt vom Auskosten der Sinnesgegenstände [weitere Bestimmung sarvā ramanāśritam unklar]: Wie lässt sich jene Wirklichkeit hier durch Unterweisung erfassen?
Erläuterung: Die Frage der Göttin endet hier. Der fehlerhafte Wortabstand der Quelle wird bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 30.[1]
Sprecherzeile
Der ehrwürdige Bhairava sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 30.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 69
svabhāvaṃ taṃ vijānīyāt svabhāvenaiva bhāvayet ||
Gedanke, Meditation [und kṛkam: unklar] stehen dem gedankenfreien, unvergänglichen Śiva gegenüber. Ihn soll man als ursprüngliche Natur erkennen und gerade durch die ursprüngliche Natur vergegenwärtigen.
Erläuterung: Kṛkam ist die Drucklesung und wird nicht still in kṛtakam, „hervorgebracht“, geändert. Deshalb bleibt die genaue erste Gegenüberstellung eingeschränkt übersetzbar.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 30.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 70
bhāvābhāve’pi sā nityā svāvasthāṃ na jahāti ca ||
Die ursprüngliche Natur [wird mit] einem bewegten Zustand und dem Erkennen anderer Zustände verbunden; die erste Zeile ist ungesichert. Auch beim Nichtsein von Erscheinungen ist sie ewig und verlässt ihren eigenen Zustand nicht.
Erläuterung: Calāvasthā wird nicht still zu acalāvasthā, „unbeweglicher Zustand“, korrigiert. Die klare zweite Hälfte rechtfertigt keine sichere Ergänzung der ersten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 30.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 71
grāmaṃ grāmaṃ samarthayātmā gocarastāṃ samarpayet ||
Das in ihr enthaltene Bewusstsein der Menschen wird in allen Tätigkeiten deutlich. Die zweite Zeile nennt das schrittweise Zusammenfassen einzelner Gruppen und einen Erfahrungsbereich; ihre Satzfügung bleibt ungesichert.
Erläuterung: Kiryā ist die Druckform. Grāma kann Gruppe oder Ansammlung heißen; eine Reise von Dorf zu Dorf wird hier nicht als sicherer Sinn behauptet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 30–31.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 72
calatvaṃ satyasāpekṣa timiratvaṃ yataḥ śṛṇu ||
Die entstandenen Dinge bewegen sich und gelangen zur Ruhe. Höre, woraus Bewegung und [timiratva: wörtlich Dunkelheit] in ihrem Verhältnis [entstehen; die zweite Zeile ist gestört].
Erläuterung: Timiratvam wird nicht still in einen Ausdruck für Bewegungslosigkeit korrigiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 31.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 73
caladharmā marucchomnimitaṃ nityalakṣaṇam ||
Die erste Zeile verknüpft eine nichtbewegte Eigenschaft mit deren Bereich und Bewegung, ist aber ungesichert. Die zweite beschreibt den Wind als beweglich und nennt eine ewige Bestimmung; die Verbindung marucchomnimitaṃ ist beschädigt.
Erläuterung: Ein regelmäßiger Gegensatz zwischen Wind und Raum wird durch 74–75 nahegelegt, aber nicht als Ersatzlesung in 73 eingesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 31.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 74
vāyuvatsattamādīni vyomavad vyoma tatparam ||
[Von beiden wird gesprochen; Wortlaut beschädigt …]. Sattama und Weiteres [sind] wie Wind; jener höchste Raum [ist] wie Raum.
Erläuterung: Die Quelle zeigt nach ubhayodhṛcyate eine ausdrückliche Lücke durch Striche. Sattamādīni ist ebenfalls unklar; eine stillschweigende Ergänzung zu bestimmten Tattvas unterbleibt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 31.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 75
tadā vyomopalabdhis tu kin na sā marutā saha ||
Wenn der bewegte Wind in den Raum eingegangen und unbewegt geworden ist: Wird dann der Raum nicht mitsamt dem Wind wahrgenommen?
Erläuterung: Das Bild fragt nach dem Verhältnis von Bewegung und ihrem bleibenden Träger. Es ist keine Atemanweisung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 31.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 76
tadānubhavamāyāti tattatvaṃ kinnaraiḥ saha ||
Wenn alle Dinge ihrer eigenen Gestalt nach aufgehen, dann gelangt jene Wirklichkeit zur Erfahrung, „mit den Kinnaras“ [kinnaraiḥ saha: im Zusammenhang ungesicherte Lesung].
Erläuterung: Der Druck bietet kinnaraiḥ; die vorhergehende Frage 75 legt eine andere Satzgliederung nahe, liefert aber keinen ausreichenden Beleg für eine Korrektur. Daher wird kein sicherer Bericht einer Kinnara-Begegnung daraus gewonnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 31.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 77
vyomnaḥ pṛthaggataṃ dṛśyaṃ tat pṛthagyomadarśanam ||
Die erste Zeile verbindet das Ungeteilte, das im Raum Gehende, Anhaften und regloses Aufgehen; sie ist grammatisch gestört. Die zweite spricht von etwas Sichtbarem, das getrennt vom Raum erscheint, und von einer gesonderten Sicht des Raumes.
Erläuterung: Die wechselnden Numeri und Kasus werden nicht durch eine frei rekonstruierte philosophische Aussage verdeckt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 31.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 78
śambhoḥ śaktī raṇāt sarvamīritaṃ calatāṃ yayau ||
Wie [es] erkannt wird, so [wird] eine andere Wirklichkeitsebene [erkannt], Geliebte. Durch Śambhus Kraft [raṇāt: Verbindung unsicher] wird alles angetrieben und gelangt in Bewegung.
Erläuterung: Die Quelle trennt śaktī raṇāt. Eine plausible Lesung śaktīraṇāt darf nicht ohne Kennzeichnung in den Grundtext übernommen werden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 31.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 79
tadevamekarūpantu satataṃ sarvato mukham ||
Aufgrund des Gleichseins besteht Gleichheit; durch das Einziehen geschieht Aufgehen. So hat jenes eine einzige Gestalt und ist stets nach allen Seiten gewandt.
Erläuterung: Die Aussage schließt an Wind, Raum und die Bewegung durch Śambhus Kraft an. Die abstrakte Wiederholung samāna wird bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 31.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 80
bhūtāntaraṃgasaṃbhūtaṃ bhūtabhūtaṃ vilakṣayet ||
Man soll das Nichtanzutreibende, Feststehende, Stille, Nichteinziehbare, von absichtlicher Zuwendung Freie erkennen: im Innersten des Seienden hervorgetreten, das Sein des Seienden.
Erläuterung: Apreyam wird im Sinn von Nichtanzutreibendem verstanden, die ungewöhnliche Verbindung bhūtabhūta als „Sein des Seienden“. Diese Deutungen sind nicht durch eine kritische Edition abgesichert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 31.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 81
vyaktāvasthāyinaḥ kutra kutra līyanti vānaghe ||
Woher treten die klingenden Töne der Laute hervor, du mit gutem Gelübde? Wo bestehen sie, nachdem sie erschienen sind, und wohin gehen sie wieder ein, Makellose?
Erläuterung: Die Form svaraṭaṅkārāt ist gegenüber dem pluralischen Verb unregelmäßig. Der Fragezusammenhang – Entstehen, Bestehen und Vergehen des Klanges – ist deutlich.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 32.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 82
mahāravopaśāseyā saṃvittiḥ svodaye’pi hi ||
[Der Vers spricht von] den Klängen der Jhallarī und Paṭaha sowie weiterer Instrumente, [dviradāriṇām: unklar], und von Bewusstheit beim Entstehen beziehungsweise Stillwerden eines großen Klanges; die zweite Verbindung ist beschädigt.
Erläuterung: Jhallarī und Paṭaha sind Instrumentenbezeichnungen. Der nicht sicher bestimmbare Wortlaut mahāravopaśāseyā wird nicht frei zu einer präzisen Hörmeditation umformuliert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 32.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 83
dīptā dīptaśikhā devi nirvātā bhuvanodare ||
Auch während [des Klanges] ist sie so beschaffen, Geliebte, von der Natur des großen Seienden: leuchtend, mit leuchtender Flamme, Göttin, windstill im Inneren der Welt.
Erläuterung: Nirvātā ist die Grundlesung; nirvāṇā steht als Variante K/Kh. Mahābhūta wird hier im Bewusstseinszusammenhang gelesen, nicht automatisch als Aufzählung der fünf groben Elemente.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 32.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 84
sā vṛttiryasya saṃkalpasāmarasyamupāgatā ||
Die Tätigkeit, die [jene Kraft] plötzlich, im selben Augenblick hervorbringt: Bei wem diese Tätigkeit zum Einsgeschmack mit Saṃkalpa gelangt ist …
Erläuterung: Der Relativsatz wird in 85 fortgesetzt. Jhagiti ist die Druckform; Saṃkalpa meint hier das innere Entwerfen beziehungsweise den bewussten Impuls.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 32.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 85
mahābhūtaratirhyeṣā susuptā sarvatomukhī ||
… jener Yogi wäre mit Yoga verbunden [die weitere Bestimmung vṛttijivarhita ist beschädigt]. Dies ist die Freude am großen Seienden, tief schlafend und nach allen Seiten gewandt.
Erläuterung: Vṛttijivarhita wird nicht still in vṛttivarjita korrigiert. Die zweite Hälfte stellt Freude, Tiefschlaf und Allseitigkeit zusammen; ein fehlendes Bindeglied wird nicht erfunden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 32.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 86
guruvaktrāt samutpannā yasyāḥ saṃkalpaniścayaḥ ||
Sie ist vom Saṅkalpa durchströmt, ewig und spendet höchsten Nektar; sie ist aus dem Mund des Gurus hervorgegangen. Wessen Gewissheit im Saṃkalpa [in ihr ruht] …
Erläuterung: Der Satz wird in 87 fortgesetzt. Die Rolle mündlicher Unterweisung gehört zur Textaussage; der Vers wird nicht als kontextfreie Wirkungsgarantie herausgelöst.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 32.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 87
tasyārthaṃ sā ca tadyogastasyāḥ neṣṭastu yoginām ||
… bei verbundenem Strom des Geistes, der wird durch nichts fortgerissen [hṛyati ist unregelmäßig]. Die zweite Zeile spricht von ihr, ihrem Zweck und einem von Yogis nicht gewünschten Yoga; die genaue Beziehung bleibt ungesichert.
Erläuterung: Die Negation neṣṭa wird erhalten. Die beschädigte Schlussverbindung wird nicht in eine uneingeschränkte Bestätigung des zuvor genannten Zustandes verwandelt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 32.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 88
tataḥ pūrvoditaṃ tanme sarvaṃ śaṣṭaṃ bhaviṣyati ||
Da zwischen Saṃkalpa und dem Seienden eine ununterbrochene Gegenwart besteht, wird dadurch alles zuvor von mir Gesagte [śaṣṭam: ungesichert] sein.
Erläuterung: Aviccinna und śaṣṭa sind die Druckformen. Das alleinstehende Handschriftensiglum am Zeilenende wird nicht als Sanskrit übernommen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 32.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 89
yānayoḥ samarasatā sāvyuccinnā vinaśvarā ||
Saṃkalpa ist vom Seienden angewiesen; Saṃkalpa beruht auf dem Seienden. Die Gleichgeschmacklichkeit dieser beiden ist [avyuccinnā: unregelmäßig] und vergänglich.
Erläuterung: Die Quelle sagt vinaśvarā, „vergänglich“. Der Ausdruck wird nicht in sein Gegenteil geändert, nur weil zuvor die ursprüngliche Natur ewig genannt wurde.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 32.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 90
tāni dṛṣṭvā pṛthag sthāni sā dṛṣṭāpi vinaśvarāḥ ||
Die Dinge wie der Körper sind vergänglich, Schöne. Wenn man sie als getrennt bestehend betrachtet, erscheint auch jene [Gleichgeschmacklichkeit] als vergänglich.
Erläuterung: Die Endung vinaśvarāḥ ist unregelmäßig neben sā. Der Bezug auf 89 macht den Zusammenhang erkennbar. Der hier gemeinte Einsgeschmack ist in 89 das Verhältnis von Saṃkalpa und dem Seienden. Er wird nicht ohne Weiteres mit dem unveränderlichen Nirvāṇa gleichgesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 32–33.[1]
Sprecherzeile
Der ehrwürdige Jayadratha sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 33.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 91
sa cāpy agrāhakas tasya mahataś ca hi sāmpratam ||
Zuvor hast du Saṅkalpa als Merkmal des Denkorgans bezeichnet [Wortform gestört]. Nun aber soll dieses das große Wirkliche nicht erfassen können …
Erläuterung: Jayadratha fragt nach der Reichweite des Denkens. Saṅkalpa bezeichnet Vorstellung beziehungsweise intentionale Hinwendung; die Frage geht in 92ab weiter.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 33.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 92
śrībhairava uvāca |
… und durch das Einswerden mit ihm soll sich seine Erkenntnis offenbaren? [Bhairava antwortet:] Das Bewusstwerden [wird mit] der Gestalt des Bewusstseins und den Wahrnehmungen verbunden; die genaue Aussage der zweiten Hälfte ist beschädigt.
Erläuterung: Bhairavas Sprecherzeile steht zwischen den Halbversen. Cidrūpāntā bhavotpannaḥ kann nicht zuverlässig als vollständiger Satz übersetzt werden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 33.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 93
svacittāparacaitanyasyopalabdhir yadā yayau ||
Nach dem Auskosten wird [dies] unter Bezeichnungen für Erfahrung „Saṅkalpa“ genannt. Wenn es zur Wahrnehmung des eigenen Geistes und des anderen Bewusstseins gelangt ist [Wortverbindung unsicher] …
Erläuterung: Die Gliederung von svacittāparacaitanya ist unsicher. Die Übersetzung erhält die offene Verbindung zum folgenden Vers.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 33.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 94
kṣuttṛṣor antaraṃge tu svaśarīrer apravṛttayaḥ ||
… dann nennt man es Saṅkalpa, jedoch nicht aufgrund der Eigenschaften des Denkorgans [Syntax verkürzt]. Bei Hunger und Durst, im Inneren des eigenen Körpers, [folgt eine gestörte Aussage über innere Vorgänge].
Erläuterung: Die Quelle hat svaśarīrer apravṛttayaḥ. Das erste a von apravṛttayaḥ wird nicht still gestrichen, um einen glatten Satz zu gewinnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 33.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 95
retotsargasukhaṃ puṃsāṃ yat sañcitter upāgatam ||
Das Denkorgan erfasst jene beiden nicht; sie sind auch nicht vom Dasein losgelöst [Formulierung unsicher]. Auch die Lust beim Samenerguss des Mannes, die ins Bewusstsein gelangt …
Erläuterung: Hunger und Durst sind die beiden zuvor genannten Erfahrungen. Der zweite Halbvers beschreibt einen körperlichen Vorgang und wird nicht zu einem bloßen Symbol umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 33.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 96
svadehe vedanādīnām anyeṣāñ ca mahātapāḥ ||
… wird nicht vom Denkorgan erfasst, ebenso wenig [als bloß dessen] Tätigkeit, du aus dem Wasserkrug Geborener. Auch bei Empfindungen und anderen Vorgängen im eigenen Körper, großer Asket …
Erläuterung: Vārikumbhaja ist eine überlieferte Anrede. Sie passt nicht ohne Weiteres zum vorangehenden Jayadratha-Dialog und wird nicht in „König Jayadratha“ umgeschrieben. Der Satz endet in 97.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 33.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 97
ciccaitanyaṃ hi cidrūpaṃ grāhakaṃ netaraṃ kvacit ||
… hinsichtlich Manas, Mahat, Ichbildung und der übrigen [zuvor genannten Vorgänge besteht im Denkorgan] kein Erfassendes [die Genitivfolge ist elliptisch]. Das Bewusstseinsleben selbst, von der Natur des Bewusstseins, ist das Erfassende, niemals etwas anderes.
Erläuterung: Die unregelmäßige erste Zeile wird aus dem vorausgehenden Satz verstanden; Kh bietet grāhitā statt grāhakam. Mahat bezeichnet die große Erkenntnisinstanz der traditionellen Kategorienlehre. Die Genitive der ersten Zeile setzen 96 fort und dürfen nicht ohne Weiteres als Nominative „Manas, Mahat und Ichbildung sind nicht das Erfassende“ übersetzt werden. Wegen dieser elliptischen Verbindung bleibt der Vers in der Hauptausgabe, wird aber aus der eigenständigen Auswahl genommen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 33.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 98
viśeṣa lakṣaṇo vākyaṃ māṇikyāṃśu vimārjite ||
Der Vers nennt Gleichartigkeit in der Welt, Prāṇa, das Himmelsjuwel und eine durch Rubinstrahlen geklärte Besonderheit. Die Satzverbindungen sind so beschädigt, dass eine vollständige zuverlässige Übersetzung nicht möglich ist.
Erläuterung: Prāṇo ist die Grundlesung, prāṇam nur eine Variante K/Kh. Nabhomaṇi kann die Sonne bezeichnen; daraus wird keine hier ungesicherte Sonnenpraxis rekonstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 33.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 99
yathopadiṣṭaṃ sarveśa bhavatāṃ tādṛśaṃ hitam ||
Aus der Verbindung von wahrer Erkenntnis und Askese sprach der König erneut: Herr von allem, wie von dir unterwiesen, so [ist] das Heilvolle …
Erläuterung: Die erste Hälfte ist Erzählertext, die zweite beginnt die Rede des Königs. Bhavatām steht unregelmäßig für die angeredete Person.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 34.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 100
tathāpi mahyaṃ dīnāya nāthānāthāya bhīrave ||
[Die erste Zeile nennt] stets bloßes Sein und das Nichtvermögen, es zu offenbaren [Satzfügung ungesichert]. Dennoch, Herr, [erkläre] mir, dem elenden, schutzlosen und furchtsamen …
Erläuterung: Der Satz wird in 101 abgeschlossen. Die Verbindung na ca yāni wird nicht still zu einem regelmäßigen Verb ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 34.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 101
provāca hāsyasaṃyogādradanodbhūtaraśmibhiḥ ||
… aus Mitgefühl ein Mittel dafür [der Anschluss tasyopāyasya saccitaḥ ist gestört]. [Der Herr] sprach lächelnd, während die von seinen Zähnen ausgehenden Strahlen …
Erläuterung: Die erste Hälfte beendet die Bitte des Königs; die zweite wechselt zurück zum Erzähler. Das Lichtbild läuft in 102 weiter.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 34.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 102
tadvat sapuṣṭaṃ paśyāmi tasyopāyaṃ prayatnagam ||
… wie ein Bündel von Blitzen die Masse der Finsternis überdeckten: „Ebenso sehe ich deutlich [sapuṣṭam: Lesung auffällig] ein durch Anstrengung gehendes Mittel dafür.“
Erläuterung: Praccādita und sapuṣṭa sind die Druckformen. Die folgende Einschränkung 103–104 gehört zum Verständnis dieses Mittels.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 34.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 103
tathāpi hi tadābhāsabhogāvasthānalakṣaṇam ||
Nachdem [jene] Erfahrung als leer [bezeichnet wurde; die Verbindung mit den beiden bhūta ist unklar], [bleibt] dennoch das Merkmal eines Verweilens in der Erfahrung ihres Erscheinens …
Erläuterung: Die beiden Vorkommen bhūta werden nicht ohne Beleg bestimmten Tattvas zugeordnet. Der Satz setzt sich in 104 fort.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 34.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 104
vidyutaḥ proccalallekhyaṃ vāg vā drādhīyasīṃ calām ||
… davon spreche ich ein wenig, Herr der Helden, wie es im Śiraścheda gesagt wurde. Die zweite Zeile nennt die hervorzuckende Spur eines Blitzes oder sich länger bewegende Rede [Kasusverbindungen unregelmäßig].
Erläuterung: Der Verweis auf Śiraścheda steht tatsächlich im Vers. Die Bezeichnung wird hier nicht als Beweis für ein von diesem Corpus unabhängiges Werk gewertet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 34.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 105
aiśānī vidyuvaccaktiḥ sā bādhā bhuvanāṅkitā ||
Wer erkennt nicht jene Leere, wenn er eine Ansammlung von Feuern betrachtet [astv: Anschluss unklar]? Die zum Herrn gehörige Kraft ist wie ein Blitz; die weitere Bestimmung bādhā bhuvanāṅkitā bleibt ungesichert.
Erläuterung: Vidyuvaccaktiḥ ist die Druckform. Citā kann Ansammlung oder Scheiterhaufen heißen; eine sichere Ritualsituation lässt sich daraus hier nicht bestimmen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 34.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 106
sarvākāraṃ nirālambaṃ taccintyaṃ tadvibhūtigam ||
Bei ihrem Entstehen und Bestehen [besteht] meine tief hinabreichende Tiefe: alle Gestalten umfassend und ohne Halt. Diese soll betrachtet werden, zu ihrer Entfaltung gehörig.
Erläuterung: Die Beziehung von me und tadvibhūtigam bleibt in Einzelheiten offen. Die Aussage wird im Anschluss an die blitzartige Kraft gelesen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 34.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 107
vismṛtaṃ smaraṇe kāle yonerādhāratāṃ priye ||
Wie im gemeinsamen Raum, so ist [es] im Raum des Körpers gelegen. Die zweite Zeile verbindet das Vergessene beim Erinnern mit der Stützfunktion der Yoni, Geliebte; ihre genaue Satzverbindung ist ungesichert.
Erläuterung: Yoni kann Schoß, Quelle oder ein technischer Ursprungspunkt heißen. Weder eine bestimmte Geschlechtspraktik noch eine rein symbolische Deutung wird als gesichert ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 34.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 108
prasrāvamupaviṣṭe tu sūtrāgamatīṃśuke ||
Śaṅkara ist von mir im eigenen Körper erklärt worden: Wer kennt ihn nicht? Die zweite Zeile nennt das Sitzen zum Urinieren und eine schwer verständliche Verbindung mit Faden beziehungsweise Fluss und Stoff.
Erläuterung: Sūtrāgamatīṃśuke ist beschädigt. Der körperliche Bezug des Urinierens wird bewahrt, aber nicht zu einer ausführbaren Meditationsanleitung ausgebaut.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 34–35.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 109
yastvaikagatacittaśca bhavitānānyacintanam ||
Die erste Zeile verbindet Trinken und Essen mit Haltlosigkeit und einer Zweiheit beziehungsweise Leere; yā vati ist ungesichert. [Genannt wird ferner] derjenige, dessen Geist auf eines gerichtet ist und der an nichts anderes denkt.
Erläuterung: Es wird keine bestimmte Nahrung vorgeschrieben. Die folgende Strophe steht in der Quelle ohne Versziffer zwischen 109 und 111 und wird entsprechend separat wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 35.[1]
Unnummerierte Strophe zwischen 109 und 111
svabhāvādaprapannācca tadā svādaya sendava ||
Wenn [man] im Herzen ohne Halt besteht und [etwas] verlassen hat, dann koste [jenes; die Schlussverbindung mit ursprünglicher Natur und sendava ist beschädigt].
Hinweis: Unnummerierte Strophe zwischen den gedruckten Nummern 109 und 111. Die naheliegende Position 110 wird nicht als vorhandene Originalziffer ausgegeben. Sendava wird nicht still in eine sichere Anrede „Saindhava“ geändert.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 35.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 111
tayā tadbhūtatodbhūtaṃ na kadācidviniṣkramet ||
Die Haltlosigkeit, die im Augenblick aus einer Substanz und aus Berührung [entsteht]: Durch sie soll man niemals das daraus entstandene Sein als jenes verlassen [die Schlussverbindung ist unregelmäßig].
Erläuterung: Tadbhūtatodbhūtam lässt sich nicht sicher in eine bestimmte technische Stufe auflösen. Der Vers bleibt eine eingeschränkt übersetzbare Aussage.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 35.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 112
paśvādiṣvapyayatnena bhūteṃ bhūte pare priye ||
Im Augenblick des Erlangens der Freude sexueller Vereinigung soll man zum Einsgeschmack gelangen. Die zweite Zeile nennt auch Tiere und weitere Wesen, Mühelosigkeit und das Höchste, Geliebte; ihre genaue Satzverbindung ist beschädigt.
Erläuterung: Maithuna wird als körperliche sexuelle Vereinigung übersetzt. Paśvādiṣu bezeichnet Tiere beziehungsweise weitere gebundene Wesen; die gestörte zweite Zeile erlaubt weder eine Empfehlung sexueller Handlungen mit Tieren noch die sichere Rekonstruktion einer vollständigen anderen Aussage.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 35.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 113
dvirūpamapi taccūnyamekaṃ bhavati nādarāt ||
Wenn es beim Hervortreten einer musikalischen Tonfolge zur Einspitzigkeit der Vergegenwärtigung kommt, wird jenes Leere, obwohl zweifach gestaltet, eines – nicht durch absichtliche Zuwendung.
Erläuterung: Mūrccanā ist eine musikalische Tonfolge beziehungsweise modale Entfaltung. Die beiden Gestalten werden hier nicht näher benannt; ihnen wird keine erfundene Körper- oder Geschlechterzuordnung gegeben. Die Kasusfügung der ersten Zeile ist unregelmäßig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 35.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 114
sā nirādhāratāṃ yāti svabhāvenaiva pudgalaḥ ||
Beim bloßen Schwinden des Vergessens und bei [vimukte preyasaḥ: unklarem Bezug auf einen geliebten Menschen], Geliebte, gelangt [das Einzelwesen] durch seine ursprüngliche Natur zur Haltlosigkeit.
Erläuterung: Sā und pudgalaḥ sind grammatisch nicht regelmäßig verbunden. Die zweite Situation wird weder sicher als Trennung noch als Tod einer geliebten Person ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 35.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 115
sāmṛtādharamākaṇṭhā sunirvāṇavibhūtidā ||
Seine Haltlosigkeit ist ohne Stütze und entfaltet Vielfalt; sie gewährt die Herrlichkeit des vollkommenen Nirvāṇa. Die Verbindung sāmṛtādharamākaṇṭhā in der zweiten Zeile ist nicht sicher übersetzbar.
Erläuterung: Die Wörter für Nektar, Grundlage und Hals reichen nicht zur Rekonstruktion einer zuverlässigen Körper- oder Nektarpraxis.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 35.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 3, Vers 116
sāvadyāvadya hīnaṃ śivapuravapuṣaṃ seśvaraṃ vāpyanīśam |
sā yatnaṃ bhūtayugmaṃ samarasamasakṛt saṅgataṃ yo vibheda
So [umfasst die Schlussstrophe] Grobes und Feines, Geteiltes und Ungeteiltes, Bewegliches und [vācala: unklar], Fehlerhaftes und Fehlerloses, die Gestalt von Śivas Stadt, das mit einem Herrn und das ohne Herrn. Sie nennt außerdem ein Paar des Seienden und sein wiederholtes Zusammenkommen im Einsgeschmack; die Verknüpfungen sind beschädigt. Wer dies [vibheda: wohl erkennt; Form ungesichert], zu jenem ehrwürdigen Guru, der Zuflucht und Mittel zum Nirvāṇa [ist], gehe in der Welt, wenn du ohne Zuflucht bist.
Erläuterung: Alle vier langen Zeilen gehören zur Originalnummer 116. Die ungewöhnlichen Formen vācala, sā yatnam, vibheda und nirvāṇo pāyamāryam werden bewahrt; keine glatte Schlussstrophe wird durch Rückübersetzung hergestellt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 35.[1]
Kolophon
So endet im Bhairava-Strom, im Vidyāpīṭha, im Śiraścheda, im großen Tantra des ehrwürdigen Jayadrathayāmala, bei Kālasaṃkarṣaṇī, das dritte Kapitel mit dem Namen „Bestimmung des Nirvāṇa“.
Hinweis: Dieser Kolophon nennt weder die Zahl 24000 noch ausdrücklich ein Ṣaṭka. Die Zuordnung zu Ṣaṭka I folgt der Leitquelle; die Druckform śiraścede bleibt erhalten.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 36.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12: Yoganirṇaya – die Bestimmung des Yoga
Das Kapitel „Yoganirṇaya“, Bestimmung des Yoga, ist nach Sampath 2011 vollständig mit 460 Originalnummern, Sprecherzeilen und Kolophon wiedergegeben. Die vorläufige Quelle enthält beschädigte Fügungen und eine Drucklücke in245. Die Zwischenüberschriften dienen der heutigen Orientierung; sie sind keine zusätzlichen Sanskrit-Kapiteltitel. Die wiederholten Halbverse in202–203 und215–216 bleiben unter ihren Originalnummern erhalten.
Die innere „Brahma-Kṣatra-Tötung“ in136–220 ist nicht vollständig entschlüsselt:175 spricht ausdrücklich von einem innen befindlichen Zweimalgeborenen, zugleich behauptet der Abschnitt weitreichende Machtwirkungen. Die Übersetzung bewahrt diese Spannung. Die späteren Bild-, Laut- und Sitzpraktiken werden jeweils aus ihrem eigenen Zusammenhang gelesen.
Grundlagen und Kräfte des Yoga
Sprecherzeile
Die ehrwürdige Göttin sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 199.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 1
jñātametadyathārthantu yadyanyat sādhanaṃ prabho ||
Dass die Wesen durch jene Vidyā befreit werden, deren Gestalt Erfahrung ist, habe ich wahrheitsgemäß verstanden. Wenn es ein anderes Mittel gibt, Herr …
Erläuterung: Die Göttin spricht; der Fragesatz geht über die Versgrenze hinaus.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 199.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 2
śrībhairava uvāca |
… [die Wendung vidyā te yuktaye und ihre Beziehung zu citrayonivapur sind nicht eindeutig; erkennbar ist die Bitte „Sage es!“]. Bhairava antwortet: Yoga, rituelle Handlung, Observanz und viele weitere Mittel …
Erläuterung: Der Sprecherwechsel steht in der Quelle mitten unter dieser Originalnummer. Die Frageschlusshälfte ist teilweise verderbt; die Antwort wird nicht als Aussage der Göttin ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 199.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 3
sthirākṣī jagataścāto yogamārgaṃ śṛṇu priye ||
… sind hier für die Menschen Mittel des Offenbarwerdens der beiden zu Offenbarenden, durch Handlung ausgesprochen [Satzfügung unsicher]. Daher höre, Geliebte mit festem Blick, den Weg des Yoga …
Erläuterung: Die dualische Form vyaṅgyayoḥ lässt zwei Zielgrößen voraussetzen; welche beiden genau gemeint sind, wird nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 199.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 4
aṅgino’ṅgāni yogasya ṣaṭ praśaṃsanti sūrayaḥ ||
… der den Menschen das Alleinsein der Befreiung gewährt, mühelos [anātmanām bleibt in seiner Zuordnung unsicher]. Die Weisen preisen sechs Glieder des Yoga als eines gegliederten Ganzen.
Erläuterung: Der erste Halbvers schließt an die Aufforderung in I.12.3 an.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 200.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 5
dhyānaṃ samādhistāmāha ityaṅgāni sphuṭāni tu ||
Atemregelung, Konzentration, Zurückziehen [der Sinne], prüfendes Erwägen, Meditation und Versenkung: So werden die Glieder deutlich genannt.
Erläuterung: Vitarkatā bezeichnet prüfendes Erwägen. Die Quelle nennt hier sechs Glieder, darunter vitarka, nicht die acht Glieder des Yoga Sutra. Die Wendung tāmāha ist syntaktisch auffällig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 200.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 6
bahirantarviśuddhātmā bhāvaḥ svaccodakādibhiḥ ||
Schöne, [die erste Zeile spricht vom Offenbaren und von einem innerlich zu offenbarenden Yoga; ihre Fügung ist ungesichert]. Der Zustand soll durch klares Wasser und weitere Mittel äußerlich und innerlich gereinigt sein.
Erläuterung: Die auffällige Trennung vyañjakātmānta raṅga wird bewahrt. Svacca steht nichtklassisch für „klar/rein“. Eine genaue Stufenlehre wird aus dieser beschädigten Fügung nicht gewonnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 200.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 7
mūtrotsargasukhatyāgī snigdhapralaghubhojanaḥ ||
Der Yogi mit heiterem Geist [weile] an einem reinen, wohlriechenden Ort und nehme bekömmliche, sehr leichte Nahrung zu sich. Die Verbindung mūtrotsargasukhatyāgī über Harnausscheidung, Wohlbefinden und Verzicht bleibt unklar.
Erläuterung: Snigdha heißt wörtlich „ölig/geschmeidig“. Die erste Hälfte des zweiten Halbverses wird nicht frei als sichere Vorschrift zur Blasenentleerung ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 200.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 8
viśuddhadantavaktroccastāmvūlādisugandhavān ||
[Die Bezeichnung am Anfang ist beschädigt.] Er sitze auf einem weichen Sitz; Zähne und Mund seien gereinigt, und er dufte nach Betel und Ähnlichem [die Verbindung mit ucca ist unklar].
Erläuterung: Kh bietet anstelle des beschädigten ersten Wortes nirūgenāmvāhāro. Siglum und Variante werden nicht als zusätzlicher Grundtext übernommen. Tāmbūla bezeichnet Betel; dieser Vers wird nicht für die heutige Praxisauswahl empfohlen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 200.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 9
malaśuddhaḥ suvaktro vā mantraratnāṃśulāñcitaḥ ||
Er trage eine Gestalt gemäß seinem eigenen Wunsch; sein Körper verströme Wohlgeruch. Von Verunreinigung gereinigt oder mit schönem Gesicht sei er von den Strahlen des Mantrajuwels gezeichnet.
Erläuterung: Mantraratna ist eine bildhafte oder technische Mantrabezeichnung; eine konkrete Lautfolge wird hier nicht gegeben. Die Schreibung sveccā wird bewahrt. Die Partikel vā, „oder“, bleibt sichtbar. Die Körperbeschreibung gehört zur Vorbereitung des Yoga; sie ist keine Lautangabe des genannten Mantrajuwels.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 200.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 10
tato’bhyantaramānīya jighret svāntaṃ niyamya tu ||
Als Herr seiner Sinne halte er den Kopf erhoben [die übrige Anordnung der ersten Zeile ist unsicher]. Dann führe er [den Atem] nach innen und atme ein, während er sein Inneres zügelt.
Erläuterung: Koṭe dhruvaṃ kṛtya ist nicht sicher als Körperanweisung zu gliedern. Die Übersetzung ergänzt keine Position von Zunge oder Augen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 200.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 11
nirādhārarasātāluvadanānyonyaspṛṣṭagaḥ ||
Die Zeilen sprechen vom Anordnen und Halten der Lippen sowie von Gaumen und Mund in wechselseitiger Berührung. Der Wortlaut, insbesondere siddhārthāntaram und nirādhārarasa, ist für eine vollständige Anweisung nicht zuverlässig verständlich.
Erläuterung: Die Trennung saṃsthāpyā dharoṣṭhau steht so im Druck. Keine vervollständigte Mund- oder Zungenhaltung wird als Übersetzung erfunden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 200.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 12
dvādaśāntāntagaṃ kṛtvā nāḍīśūlena yogavit ||
Der Yogakundige führe [das in der ersten Zeile beschriebene Atemgeschehen] mittels des Nāḍī-Dreizacks bis an das Ende des Dvādaśānta. Die Verbindung von Atemführung und „Bienengirlande“ am Anfang bleibt sprachlich unsicher.
Erläuterung: Dvādaśānta ist eine tantrische Grenzstelle „am Ende von zwölf“; aus diesem Vers allein folgt keine gesicherte Zentimeterangabe. Nāḍīśūla wird wörtlich als Dreizack der inneren Bahnen wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 200.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 13
muhurāpūrayet kāyaṃ mayūrāṃkitamastakaḥ ||
[Über] die als Pūṣā bezeichnete innere Rinne fülle er den Körper wiederholt mit dem Nektarwasser des Raumes; sein Haupt ist mit einem Pfau gezeichnet [grammatischer Bezug unklar].
Erläuterung: Die Quelle schreibt pūṣā praṇālikāyātā. Mayūrāṅkitamastakaḥ steht im Maskulinum; das Pfauenzeichen wird nicht ohne Beleg einer bestimmten Gottheit zugeordnet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 200–201.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 14
sthitvā glāniṃ muhūrtantu mandaṃ mandaṃ tato’nilam ||
Dann [erfülle er] die Ströme durch den Geist, in seinem Bereich voll wie ein Gefäß. Nachdem er eine Weile verweilt hat [glānim ist in dieser Fügung unklar], lasse er darauf den Atem ganz langsam …
Erläuterung: Der Satz endet in Vers 15. Glāni bedeutet Erschöpfung; daraus wird keine heutige Empfehlung abgeleitet, den Atem bis zur Erschöpfung anzuhalten. Muhūrta wird hier vorsichtig als Zeitspanne wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 201.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 15
tasmillīne tu marutaḥ svasthaḥ svānto nirākulaḥ ||
… auf dreifachem Weg in den von Scharen von Lichtern erfüllten Raum ausströmen. Wenn der Atem darin aufgegangen ist, ruht er in sich, im Inneren unbedrängt.
Erläuterung: Die Quelle hat tasmillīne und die syntaktisch auffällige Pluralform gaṇākulaiḥ. Die Deutung des dreifachen Weges wird nicht durch ein modernes Atemschema ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 201.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 16
praśāntāyāmalīnātmā praśāntapadago bhavet ||
In den höchsten, stillen Raum eingegangen [ist er zunächst noch] mit der Aufwallung des Lebensatems verbunden. Wenn diese zur Ruhe gekommen ist, gelangt er, im Selbst ungetrübt, zur Stufe des Friedens.
Erläuterung: Die Gliederung praśāntāyām alīnātmā ist eine Deutung des durchgehend geschriebenen Wortlauts. Prāṇotkalikā bezeichnet eine Atemaufwallung; die Verbindung mit citā bleibt unregelmäßig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 201.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 17
pūrakaḥ pūraṇaṃ taddhi puṣṭikṛcca praśaṃsitam ||
Das Hinauftreiben des Atems ist Recaka, das Ausatmen, das den Körper zehrt. Pūraka ist das Füllen; es wird als nährend gepriesen.
Erläuterung: Die Quelle definiert Recaka hier als Aufwärtsbewegung. Die nichtklassische Verbindung puṣṭikṛcca bleibt unverändert. Die zugeschriebenen Körperwirkungen sind historische Textaussagen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 201.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 18
prāṇāyāmatrayatyaktaḥ śūnyalīnamanāḥ priye ||
Das Anhalten gilt als Kumbhaka [die vorausgehende Beschreibung ist unsicher]. Wer, Geliebte, die drei Arten der Atemregelung hinter sich gelassen hat und dessen Geist in die Leere eingegangen ist …
Erläuterung: Na tūdyatsmarakārī erlaubt keine sichere vollständige Übersetzung. Der Zusammenhang mit Vers 19 wird erhalten; eine Bedeutung der Negation wird nicht durch Konjektur erfunden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 201.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 19
eṣā yāmalatāghātaśāsane manasi priye ||
… ohne Stütze und im Inneren friedvoll ist, wird von den Weisen „ganz beruhigt“ genannt. Die anschließende Aussage über yāmalatāghātaśāsana und den Geist, Geliebte, ist in dieser Lesung nicht zuverlässig verständlich.
Erläuterung: Die zweite Zeile bleibt ausdrücklich nur teilweise übersetzt; sie wird nicht zu einem sicheren Werktitel oder einer Übungsanweisung umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 201.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 20
viśrāmo vā calākārā sthitiḥ pañcaviparyayāt ||
Dhāraṇā soll vom Yogi geübt werden. Die weitere Bestimmung spricht von Handlungen, Ruhe, einem beweglichen Zustand und einer fünffachen Umkehr; ihre syntaktische Verbindung bleibt ungesichert.
Erläuterung: Die gedruckte Wiederholung dhāraṇā dhāraṇām wird nicht still beseitigt. Die folgende Elementvergegenwärtigung liefert den Zusammenhang, aber keine sichere Emendation dieser Definition.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 201.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 21
svastikāṭopaghaṭitāṃ saṭāmaṇḍamālinīm ||
[Er vergegenwärtige] einen mit Mahāmoha verbundenen Bereich in Gestalt des Buchstabens Ma, von einer Svastika-Gestalt geprägt und mit einem Kranz von Mähnenbüscheln versehen …
Erläuterung: Die Wortgliederung samāyuktām makārākṛtigām ist interpretierend; der Druck schreibt durchgehend. Mahāmoha ist hier ein technischer Laut- oder Kraftname und wird nicht ohne gesicherte Grundlage als Bīja aufgelöst. Satzfortsetzung in 22.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 201.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 22
cittasthairyagato yogisañcintyāmanyathā mataḥ ||
… mit einer rauchfarbenen Klangbahn, von sanftem Wind bewegt. Der Yogi soll sie bei gefestigtem Geist vergegenwärtigen; die abschließende Wortverbindung ist unregelmäßig.
Erläuterung: Pranāḍī statt praṇāḍī sowie yogisañcintyāmanyathā bleiben als Quellformen erhalten. Diese Bildfolge ist eine innere Vergegenwärtigung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 201.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 23
sāmīrīṃ tu śatameṣāṃ ṣaḍanasvaramaṇḍitām ||
Nachdem sein Körper durch sie verbrannt [vorgestellt] ist, befindet er sich in einem Aschehaufen. Nun [vergegenwärtige er] die windartige [Kraft], geschmückt mit Lauten [die nähere Angabe ist beschädigt] …
Erläuterung: Das Verb bhāvayet in 24 bestätigt den Vergegenwärtigungsrahmen; keine wirkliche Selbstverbrennung wird daraus gemacht. Śatameṣāṃ ṣaḍanasvara lässt sich nicht sicher als Zahl oder Bīja-Anweisung auflösen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 202.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 24
tato bahalā vapuṣo vāridhārākadambakaiḥ ||
Er vergegenwärtige die Asche als nach beiden Seiten ins Unbegrenzte zerstreut. Dann [folge eine Vergegenwärtigung] mit dichten Scharen von Wasserströmen für den Körper …
Erläuterung: Die Verbindung bahalā vapuṣo ist unregelmäßig. Der Satz setzt sich über mehrere Originalnummern fort.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 202.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 25
vṛṣadhṛṅ maulimāṇikyaśikhāṭopopamaṃ priye ||
… in einem Bereich, der ganz vom Glanz eines einzigen Meeres erfüllt ist, [erscheint] ein schön runder Lichtbereich, Geliebte, gleich dem Glanz des Kronjuwels auf dem Haupt des Stierträgers …
Erläuterung: Vṛṣadhṛk bezeichnet Shiva als den mit dem Stier Verbundenen. Der Zusammenhang beschreibt weiterhin eine innere Bildfolge, keinen äußeren Wasser- oder Feuerbrauch.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 202.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 26
taccāvayavaśākhāḍhyaṃ sannidhīkṛtya yogavit ||
… wie ein Nektarmeer [erste Wortverbindung unklar], leuchtend wie eine junge Sonne. Nachdem der Yogakundige dieses mit Verzweigungen von Gliedern versehene [Gebilde] gegenwärtig gemacht hat …
Erläuterung: Amṛtaścābdhivad vastam und bālamābhānu werden nicht zu regulären Komposita korrigiert. Die Aussagen „Nektarmeer“ und „junge Sonne“ sind eine vorsichtige Erschließung der erkennbaren Vergleichswörter.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 202.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 27
samantāt turyavarṇāntajātarūpaprabhālayāt ||
… [betrachte er] ein ringsum mit äußerst heftigen Stacheln versehenes [Gebilde], das mit einem goldglänzenden Bereich am Ende des vierten Lautes verbunden ist. Die genaue Fügung der beiden Zeilen bleibt unklar.
Erläuterung: Turyavarṇānta ist eine Lautpositionsangabe, keine aus diesem Wortlaut gesicherte Rezitationsformel. Die Stellung des Ablativs prabhālayāt bleibt offen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 202.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 28
sphāṭikopalaśikhināṃ mālārūpavilambitam ||
Der Yogi vergegenwärtige etwas Festes, das Festigkeit bewirkt, in Girlandengestalt herabhängend, mit Kristallsteinen und Flammen beziehungsweise Spitzen [letzte Verbindung unsicher] …
Erläuterung: Śikhin kann Feuer oder ein mit einem Büschel/Schopf Versehenes bezeichnen. Die unsichere Bildform wird nicht zu einer konkreten Handlungsanweisung vervollständigt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 202.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 29
ciccit samarasīkṛtya yogī tanmayatāṃ gataḥ ||
… den festen Raum von klarem Glanz, ganz aus dem Leuchten von Perlen bestehend. Der Yogi ist mit ihm eins geworden, nachdem er [ciccit: Wortverbindung unsicher] zur Gleichgestimmtheit gebracht hat.
Erläuterung: Die Druckfolge ciccit könnte eine Aussage über Bewusstsein enthalten, trägt aber keine sichere vollständige Gliederung. Samarasīkaraṇa bezeichnet das Herstellen gleicher Wesensart beziehungsweise Gleichgestimmtheit.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 202.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 30
vikośaṃ bhojamālāḍhyaṃ kodaṇḍāṭopaśāli ca ||
Im Bīja des Andhatāmisra bestehend, verwirkliche er die Raumkonzentration. Die zweite Zeile nennt eine entfaltete, mit einer Girlande versehene und bogenartige Gestalt; bhoja ist in diesem Zusammenhang unsicher.
Erläuterung: Das Bīja wird nur benannt, nicht sicher lautgetreu mitgeteilt. Keine selbstständige Formel wird aus dem Namen gewonnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 202.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 31
puṣṭikaṃ tāmasaṃ viddhi mohamāpyāyane hitam ||
[Die erste Zeile über Moha, Wasser und unbegrenzte Dunkelheit ist beschädigt.] Erkenne das als tāmasa bezeichnete [Verfahren] als nährend; Moha wird als förderlich für das Auffüllen beziehungsweise Stärken beschrieben.
Erläuterung: Moha, Mahāmoha, Tāmasa und Andhatāmisra fungieren in dieser Folge auch als technische Bezeichnungen. Sie werden weder pauschal als moralische Kategorien übersetzt noch als sichere Bījas rekonstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 202.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 32
lāghave śleṣmaṇo hānau mahāmohaḥ praśasyate ||
[Die erste Zeile über die Zunahme von Glanz oder Feuerkraft ist gestört.] Für Leichtigkeit und die Verminderung von Schleim wird Mahāmoha gepriesen.
Erläuterung: Sā kadā sādatejasāśca ist im Druck verkürzt oder verderbt. Die körperbezogene Aussage wird als historische Textbehauptung wiedergegeben, nicht als medizinischer Rat.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 202–203.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 33
sthānāntarā krāntyairlaghukṛṣṇe śmaṇastanau ||
Die Zeilen nennen Übergehen, Herausspringen aus einer Anordnung und das Gelangen an andere Orte. Die weiteren Wortverbindungen sind so gestört, dass eine vollständige Satzübersetzung nicht zuverlässig möglich ist.
Erläuterung: Insbesondere sthānāntarā krāntyairlaghukṛṣṇe śmaṇastanau bleibt als problematischer Druckwortlaut erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 203.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 34
mūrtīnāṃ vyomarūpāṇāṃ praveśayati sarvataḥ ||
[Eine als] paṭasthatva [bezeichnete Fähigkeit] wird im Zusammenhang der Tāmisra-Vergegenwärtigung gepriesen; sie lässt überall in raumartige Gestalten eingehen [Konstruktion unregelmäßig].
Erläuterung: Paṭasthatva heißt wörtlich ungefähr „Auf-einem-Tuch-Bestehen“; eine besondere magische Technik wird mangels gesicherten Kontextes nicht daraus rekonstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 203.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 35
evaṃ yogātmakeṃ kāye dhāraṇāyoganiścaye ||
[Die erste Zeile erwähnt das Herausgehen und einen Raumkreis, ist aber beschädigt.] So [endet diese Darlegung] der Bestimmung des Dhāraṇā-Yoga im vom Yoga geprägten Körper.
Erläuterung: Maṇḍamiṣyate und yogātmakeṃ sind auffällige Druckformen. Die eckige Ergänzung in der Übersetzung zeigt den erschlossenen Abschlusszusammenhang; ein Kolophon wird dadurch nicht erfunden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 203.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 36
kaṇṭakāṭopagahanaṃ śirājālasamākulam ||
Oberhalb des Kanda, der unter dem Nabel liegt, [erscheint] eine leuchtende Faser, dicht von stachligen Erhebungen und von einem Netz von Adern erfüllt.
Erläuterung: Vāla heißt Faser oder Haar; die Lesung wird nicht ohne Beleg in bāla oder nāla geändert. Nābhyadhaḥ bedeutet ausdrücklich „unter dem Nabel“.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 203.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 37
surakoṭīrakiñjalkaṃ bījasaptadaśāṅkitam ||
[Der Beginn über Śrīvatsa und einen Stern beziehungsweise Glanz ist nicht zuverlässig zu gliedern.] Mit leuchtenden Blättern erfüllt, mit Staubfäden wie Götterkronen, vom siebzehnten Bīja gezeichnet.
Erläuterung: Saptadaśa kann hier den siebzehnten Buchstaben beziehungsweise ein Bīja der siebzehnten Position bezeichnen. Ein konkreter Laut wird mangels gesicherter Auflösung nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 203.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 38
bhāsvanmayāni patrāṇi kesarā vividhā matāḥ ||
Es besitzt die Gestalt eines emporragenden Blütenbodens und leuchtet durch seinen eigenen Glanz. Seine Blätter bestehen aus Licht; seine Staubfäden gelten als vielfältig.
Erläuterung: Der Vers setzt das innere Lichtbild von I.12.36–37 fort. Dort wird ein Spross über dem unterhalb des Nabels liegenden Kanda beschrieben; die beschädigte Beschreibung erlaubt keine sichere Blätterzahl. Die Lichtblätter sind keine anatomische Aussage.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 203.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 39
tasyā hyantargataṃ bhāti maṇḍalaṃ dhūmajanmanaḥ ||
Sein vielfarbiger Blütenboden wird von den Wissenden als aus Citrabhānu, dem Feuer, bestehend beschrieben. In seinem Inneren leuchtet der Kreis des „Rauchgeborenen“.
Erläuterung: Dhūmajanman ist die überlieferte Bezeichnung; ihr genaues Verhältnis zum Feuerbild bleibt offen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 203.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 40
tasyāpyantargataṃ devi tava vaktrasvarūpiṇaḥ ||
[Darin erscheint eine dem Allgestalter und der gesamten Welt zugeordnete Größe; der erste Halbvers ist syntaktisch beschädigt.] Wiederum in dessen Inneren, Göttin, [liegt ein Kreis], der die Gestalt deines Antlitzes hat …
Erläuterung: Die Genitivverbindungen und die Worttrennung bhāsitā śeṣa sind unsicher. Das anschließende Mondbild folgt in I.12.41.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 203.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 41
sphuradraśmisahasrāḍhyamamṛtotaṃ sumaṇḍalam ||
… der schöne Kreis des Mondes, Geliebte, der im Ort meiner fünf Haarflechten ruht, erfüllt von tausend funkelnden Strahlen und von Nektar durchwoben.
Erläuterung: Bhairava spricht vom Mond in seinen Haarflechten. Amṛtotam ist die überlieferte, ungewöhnliche Form; die Übersetzung versteht ota als „durchwoben“.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 203.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 42
ūrdhvasaṃvit sphurantyantamamṛtāmbugaṇākulāḥ ||
In dessen Mitte steht ein Spross beziehungsweise Blatt wie ein Stäbchen aus Perlen; nach oben leuchtendes Bewusstsein [Satzfügung unsicher], erfüllt von Wassern des Nektars.
Erläuterung: Die grammatischen Beziehungen von ūrdhvasaṃvit, sphurantyantam und der Pluralendung ākulāḥ sind nicht gesichert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 204.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 43
yadā tanmayatāṃ yāti sarvacitvaṃ tadā labhet ||
Nachdem der Yogakundige seinen Geist darin versenkt hat und schwankend beziehungsweise bewegt geworden ist [lolībhūta: Deutung unsicher], erlangt er, wenn er mit diesem eins wird, allumfassendes Bewusstsein.
Erläuterung: Lolībhūta ist nicht sicher erklärt. Eine Ableitung von lola legt „schwankend, bewegt“ nahe. Ein bereits vollzogenes Aufgehen in der Meditation ist aus diesem Wort allein nicht sicher abzuleiten. Sarvacitva bezeichnet hier allumfassendes Bewusstsein. Der Bezug gilt dem inneren Lichtbild von I.12.39–42 mit ineinanderliegenden Lichtbereichen und einem perlenartigen Spross; auch dessen Beschreibung enthält unsichere Fügungen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 204.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 44
viṣayaiḥ karṣito bhūyaste utkhāyya citācitam ||
Wenn der Yogi von seiner geistigen Ausrichtung abkommt, von Gegenständen angezogen, die aus Gehörtem, Gesehenem und Erfahrenem entstanden sind, [soll er] sie wieder ausheben [citācitam: unklar] …
Erläuterung: Die zweite Hälfte enthält nicht sicher bestimmbare Wortformen; der praktische Begriff wird im nächsten Vers genannt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 204.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 45
pratyāhāraḥ smṛtaḥ so hi dhyānaṃ dhyeyavivecakam ||
Das wiederholte Zurückführen hinsichtlich des Abweichens vom Ort des Meditationsgegenstandes wird Pratyāhāra genannt. Dhyāna ist das klare Unterscheiden des Meditationsgegenstandes.
Erläuterung: Die unregelmäßige Trennung dhyeyasthānā ccalatvāya wird bewahrt. Der Zusammenhang mit I.12.44 stützt die Erklärung als Rückkehr zur meditativen Ausrichtung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 204.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 46
†tāmuhyākhaṃjñā citāyothe† dhyeyaḥ pravartate ||
Die Verbindung zwischen dem Betrachten und dem Betrachteten, die prüfend erwogen wird … [die folgende Wendung ist verderbt]; der Meditationsgegenstand tritt hervor.
Erläuterung: Keine Rückübersetzung eines vermuteten Lehrinhalts in den beschädigten Sanskrittext.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 204.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 47
ālocanaṃ yadālocyaṃ yadālocayitāpi ca ||
„Ich bin Er“ ist ein Glied des Yoga, das für die Yogis den Yoga verwirklicht. Das Betrachten, das, was betrachtet wird, und ebenso der Betrachtende …
Erläuterung: Die Nummer 47 umfasst die beiden hier wiedergegebenen unregelmäßigen Verszeilen. Der Satz über Betrachten, Betrachtetes und Betrachtenden geht in 48 weiter. So’ham ist hier ein Betrachtungswort; eine gesonderte Rezitationsanweisung oder Atemzuordnung steht in dieser Strophe nicht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 204.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 48
abhātastimitākṣobhyaḥ samādhiḥ sa tapasyataḥ ||
… sind durch das Unbewegtsein einer gleichmäßigen Einsicht zur gegensatzfreien Einheit gelangt. Ohne [gegenständliche] Erscheinung, still und unerschütterlich: Das ist die Versenkung des sich Übenden.
Erläuterung: Die grammatische Gestalt ist unregelmäßig. Abhāta wird wörtlich als „nicht erscheinend“ verstanden; die Beziehung zur Gegenständlichkeit erläutert den vorhergehenden Dreiklang.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 204.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 49
sthānāt sthānāntarāsvādī śaktyākāśe layaṃ vrajet ||
[Der Beginn über die Spitze des Sprosses ist verderbt.] Die Zeit, [bhūtamanāḥ unklar], Geliebte, soll, einen Ort nach dem anderen erfahrend, im Raum der Kraft zur Auflösung gelangen.
Erläuterung: Eine sichere anatomische Ortsfolge ist aus diesem Vers allein nicht zu gewinnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 204.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 50
kalā dvādaśakopete śubhrāṃbhoje vivasvataḥ ||
Der Yogi weilt im Herzlotus, der mit zwölf Speichen versehen ist, ausgestattet mit zwölf Kalās, im weißen Lotus des Sonnengottes …
Erläuterung: Die Form kalā dvādaśakopete ist unregelmäßig getrennt. Die Zahlen zwölf und zwölf bleiben erhalten; die Satzfolge geht in I.12.51 weiter.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 204.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 51
tasyāṃ sūryāṃśusaṃmiśraṃ supravṛddhaṃ tadaṅkuram ||
… mit ringsum seitlich ausgebreiteten Blättern, im Inneren von Blütenboden und Staubfäden. Darin [sieht er] jenen stark gewachsenen Spross, vermischt mit Sonnenstrahlen …
Erläuterung: Auch diese Strophe ist mit dem nächsten Vers verbunden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 204–205.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 52
dṛgdṛśā kṣobhamāpannastadā vyaktāṃtikāśrayaḥ ||
… wenn der Yogakundige [ihn] sieht, leuchtend wie eine Kadamba-Blüte, durch Sehen und Blick in Bewegung versetzt, dann [vyaktāṃtikāśrayaḥ: unklare Zustandsbezeichnung].
Erläuterung: Die zweite Hälfte ist nicht zuverlässig zu übersetzen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 205.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 53
tasmādartho’rthasaṃsarpī aṅkuraḥ kandarāśrayaḥ ||
Für ihn wird der Bereich bis zum Ende des Bestehens des Lotusgeborenen erfahrbar. Von daher ist der in einer Höhlung ruhende Spross etwas, das von Gegenstand zu Gegenstand weitergeht.
Erläuterung: Padmajanman kann Brahmā bezeichnen; die schwer verständliche Wendung arthārthasaṃsarpī wird nicht durch ein aus anderen Texten bezogenes Chakra-System ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 205.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 54
puṣkaraṃ nābhimadhyasthaṃ himamugraśmimālinaḥ ||
Ein Lotus mitten im Nabel, mit sechzehn Blättern ausgebreitet und weit im Geflecht der Kalās, [zugehörig] dem kalten Strahlenkranz …
Erläuterung: Die Quelle hat ṣoḍaśaccada und himamugraśmimālinaḥ. Die sechzehn Blätter und die Nabelmitte sind sicher; die Mondbezeichnung der zweiten Hälfte ist sprachlich gestört.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 205.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 55
yogināṃ cittasaṃvṛttaṃ samatvānmahataḥ priyam ||
Durch die reine Nektar-Kalā erlangt, von der Gestalt einer reinen Perle, vom Geist der Yogis umfangen, aufgrund des Gleichseins dem Großen lieb.
Erläuterung: Die syntaktischen Anschlüsse und wechselnden Geschlechter sind ungesichert. Der Wortlaut bleibt als zusammenhängende Quellenposition dokumentiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 205.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 56
labdhakāśeṣapatrāntaścitrabhānuśikhākulaḥ ||
Der Yoga, dessen Wesen Viṣvaksena ist, [soll] jene Kalās der Herrlichkeit verwirklichen; [er ist] im Inneren sämtlicher erlangter Blätter von Feuerflammen erfüllt.
Erläuterung: Die Formen labdhakāśeṣa und sādhayeccriyaḥ sind auffällig; Viṣvaksena wird als tatsächlicher Name bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 205.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 57
samādhau yogināṃ dhatte māyāntāṃ bhogasaṃtatiṃ ||
[Der erste Halbvers über Flammen, Spitze und Kula ist nicht eindeutig übersetzbar.] In der Versenkung trägt [er] für die Yogis eine Folge von Erfahrungen, die bis an die Grenze der Māyā reicht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 205.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 58
bhavabhāvagato yogī bhavabhāg jāyate na saḥ ||
Wer diesen im Bereich Bhavas angesiedelten Yoga übt, dessen Wesen als Yogi in Bhava eingegangen ist, wird nicht mehr dem Werden teilhaftig.
Erläuterung: Bhava ist zugleich ein Name Śivas und ein Wort für Werden beziehungsweise weltliches Dasein. Das Wortspiel erklärt den scheinbaren Widerspruch. „Dieser Yoga“ bezieht sich auf die vorausgehende innere Lichtvergegenwärtigung im Herzbereich (I.12.50–57).
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 205.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 59
tadāliṅganasamparkāt kṣāntimātrātirekagaḥ ||
Zwischen den Brauen liegt ein Lotus mit Blütenboden und vier Blättern. Durch den Kontakt einer Umfassung desselben geht [der Yogi] über bloße kṣānti hinaus.
Erläuterung: Kṣānti bedeutet Geduld, Duldung oder Annahme; die hier technisch gemeinte Stufe ist nicht sicher bestimmt. Der Text nennt ausdrücklich vier Blätter.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 205.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 60
so’ṅkuraṃ prāgupanyasto vyāptyavyāptiprakāśakaḥ ||
Allein als Licht wahrnehmbar, frei von jedem Vergleich, ist jener zuvor dargelegte Spross das Offenbarende von Durchdringung und Nicht-Durchdringung …
Erläuterung: Die Form so’ṅkuram ist grammatisch unregelmäßig. Der Satz wird in I.12.61 weitergeführt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 205.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 61
vyatikramyābjamālāntu dvādaśāntāmvujāgrataḥ ||
… und gelangt durch die Macht der Versenkung, Göttin, ins Innere der Yogis. Nachdem er die Lotusreihe überschritten hat, vor der Spitze des Lotus am Dvādaśānta …
Erläuterung: Dvādaśānta („Zwölferende“) ist eine technische Grenzstelle; der Vers liefert hier keine eindeutige äußere Messanweisung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 206.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 62
nirādhāramahāvyomasaṅkalpaikakriyāvahaḥ ||
… wenn jener helle Spross ganz aufgegangen und in einen Zustand ohne eigene Gestalt gelangt ist, trägt er die eine Tätigkeit der Vergegenwärtigung des großen, stützenlosen Raumes.
Erläuterung: Die Auflösung von asvarūpagaḥ ist interpretierend; die Quelle wird nicht in einen vertrauten Namen einer Meditation umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 206.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 63
nairvṛttaḥ sthāviro yogaḥ prātiṣṭho mauñjikeśikaḥ ||
Dieser Yoga gehört zu Sadāśiva und gewährt den Zustand Sadāśivas. [Es folgen die Yoga-Bezeichnungen:] Nairvṛtta, Sthāvira, Prātiṣṭha und Mauñjikeśika.
Erläuterung: Die Quelle bietet Kh: sāṣā anstelle von sādāśiva. Die genannten Formen sind Bezeichnungen, keine rezitierbaren Mantras.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 206.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 64
sādāśivo mahāyogaḥ śāntyatītapadānugaḥ ||
Der Vaidya[-Yoga] steht auf dem reinen Weg; der Praśānta führt zum Frieden. Der große Yoga Sadāśivas folgt dem Zustand jenseits des Friedens.
Erläuterung: Die Fügung vai’malamārgasthaḥ ist ungewöhnlich. Die Deutung amalamārga („reiner Weg“) ist naheliegend, aber die Wortgestalt wird nicht geändert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 206.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 65
anulomavilomena māleyaṃ jyotiṣāṃ priye ||
Diese Girlande von Lichtern, Geliebte, kreist im Körper stets in der Verehrung und gewährt den Yogis vielfältige Erfahrungen, in der vorwärts- und rückwärtsgerichteten Folge.
Erläuterung: Anuloma-viloma bezeichnet hier zwei Richtungen einer Lichtfolge. Daraus lässt sich nicht allein eine Identität mit einer heutigen Wechselatmung ableiten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 206.[1]
Innerer Klang und Atemzeit
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 66
dehāvarteṣu sarveṣu vaktramadhye tadā dṛśi ||
Durch Übung unbeweglich geworden, vermöge er alle Wünsche zu erfüllen. In sämtlichen Wirbeln des Körpers, in der Mitte des Mundes und im Sehen …
Erläuterung: Der zweite Halbvers wird erst durch die Lichtwahrnehmung in 67 verständlich. Die Erfüllung aller Wünsche ist eine Zuschreibung des Textes.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 206.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 67
atha vyaktātmako yogo yogināṃ balado nṛpa ||
… wird durch die Festigkeit des Geistes ein deutliches Licht von denen gesehen, die sich im Dunkeln befinden. Nun [folgt] der Yoga der offenbar gewordenen Gestalt, der den Yogis Kraft verleiht, König.
Erläuterung: Andhakāraga bezeichnet hier einen im Dunkeln Befindlichen. Die Aussage wird nicht als Empfehlung einer bestimmten Dauer von Dunkelheitspraxis ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 206.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 68
†yāmāsīrṇivinī† proktā gambhīrāvartasundarī ||
Jener nun bezeichnete Samādhi soll deutlich verwirklicht werden. [Es folgt eine im Namen beschädigte Kraftbeschreibung:] Sie wird als durch tiefe Wirbel schön bezeichnet.
Erläuterung: Der technische Ausdruck yāmāsīrṇivinī ist unsicher. Die gedruckte Form uddhiśyamāna wird nicht zu uddiśyamāna korrigiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 206.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 69
naroṃ viprahaviṣkambhe prasakto hyaprapannagaḥ ||
In ihr besteht ein ununterbrochener, noch unoffenbarter Klang, der sich in immer feineren Halbschritten bewegt. Die zweite Zeile über den Übenden und viprahaviṣkambha ist nicht zuverlässig verständlich.
Erläuterung: Ardhārdha bezeichnet eine wiederholte Halbierung beziehungsweise Unterteilung. Naroṃ ist eine auffällige Druckform; keine Formel wird aus der Endung gebildet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 206.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 70
ciñciṇīti samākarṇyā yogināṃ hitacetasā ||
Während er aus dem Inneren des Herzens strömt, soll sein [durch Verbindung hervortretender] Ton von dem auf das Wohl der Yogis bedachten Geist als „ciñciṇī“ gehört werden.
Erläuterung: Die erste Zeile ist syntaktisch unregelmäßig. Ciñciṇī wird hier als wahrgenommener innerer Klang bezeichnet, nicht als selbstständig zu rezitierendes Mantra.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 206–207.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 71
yadā taṃ viṣadaṃ svasthaṃ yogī saṃśṛṇute dhvanim ||
Wenn der Yogi seinen Geist fest in den Herzlotus gebracht und von allen Gegenständen frei gemacht hat und jenen deutlichen, in sich ruhenden Klang hört …
Erläuterung: Die Quelle liest viṣada statt des klassischen viśada. Die Satzfortsetzung und die kosmologische Zuordnung stehen in 72.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 207.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 72
kaṇṭhābjāstvalanā devaṃ vīravākyāddhyagāt svārāt ||
… erfreut er sich dann, in sich ruhend, an der Durchdringung durch Viriñca [Brahmā; Konstruktion unregelmäßig]. Die zweite Zeile nennt den Halslotus, den Gott und den Laut beziehungsweise die Rede des Vīra, ist aber nicht vollständig übersetzbar.
Erläuterung: Kaṇṭhābjāstvalanā und vīravākyāddhyagāt svārāt bleiben problematische Druckfolgen. Keine vollständige Mantra- oder Halsübung wird daraus hergestellt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 207.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 73
ghaṇṭikāvarta saṅghaṭṭo ghoṣo ghaṇṭādhvanisphuṭaḥ ||
Der Yogakundige werde vollendet, reich an Erfahrung durch den Einsatz der Einsicht. Der Zusammenstoß im Wirbel der Ghaṇṭikā ist ein Widerhall, der sich deutlich als Glockenklang äußert.
Erläuterung: Ghaṇṭikā kann das Gaumenzäpfchen bezeichnen und ist hier Teil der inneren Körperklanglehre. Die Übersetzung macht daraus keinen äußerlich zu erzeugenden Ton.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 207.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 74
nāsikāntargataṃ sparśaṃ vahatastasya yogavit ||
[Auch hier] kostet er Erfahrungen aus und hat Anteil an Anhaftung; die Verbindung mit „nicht erlangtem Bewusstsein“ bleibt unklar. Der Yogakundige, der die im Inneren der Nase befindliche Berührung des strömenden [Atems] …
Erläuterung: Die Negation in alabdha wird bewahrt. Der zweite Halbvers setzt sich in 75 fort.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 207.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 75
sparśādatītasaṃvittimastitvasthitilakṣitam ||
… unmittelbar erfährt, für den besteht die Gegenwart Īśvaras [die Wortgliederung ist unregelmäßig]. Über die Berührung hinaus [erschließt sich] Bewusstsein, das durch ein Bestehen im Sein gekennzeichnet ist …
Erläuterung: Adhyakṣeśvara kann die unmittelbare Gegenwart Īśvaras meinen. Die Akkusative der zweiten Zeile gehören zur Fortsetzung; keine bestimmte Īśvara-Mantrasilbe wird ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 207.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 76
jñānātmakaṃ dṛśyatyantaṃ yoganitkṛtyaniścilam ||
Die Zeilen beschreiben eine leuchtende, gestalttragende Girlande und eine ungetäuschte, aus Erkenntnis bestehende Erscheinung. Die Verbindung mit dem Sehen des Yogis und niścila bleibt grammatisch so gestört, dass eine vollständige Satzübersetzung nicht gesichert ist.
Erläuterung: Die Quelle hat yoganit, nicht yogavit, sowie niścilam. Die defekten Formen werden nicht ohne eine weitere Handschrift korrigiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 207.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 77
vijñānālayagaṃ kṛtvā samāhṛtyācalaṃ manaḥ ||
Er gelangt zur Herrlichkeit Sadāśivas, mit den Eigenschaften eines Yogakundigen ausgezeichnet [Konstruktion auffällig]. Nachdem er den Geist gesammelt und unbeweglich zur Stätte der Erkenntnis gebracht hat …
Erläuterung: Der zweite Halbvers eröffnet die Folge 77–79 über das innere Hören der Lautreihe.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 207.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 78
akṣarākṣarasantānaṃ sphuṭārthaṃ śṛṇute yadā ||
… [höre er] die Lautreihe, das Beste für die Kenner ihres Hervortretens [erste Fügung beschädigt]. Wenn er die Folge von Laut zu Laut mit deutlichem Sinn hört …
Erläuterung: Die gedruckte Trennung śṛṇu yādvarṇamālā wird bewahrt. Varṇamālā ist eine Lautreihe, keine bereits vollständig mitgeteilte Mantraformel.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 207.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 79
svapravṛttahṛdagrastho lolībhūtaḥ suṣumṇayā ||
… gelangt der durch Yoga reine Yogi zur Herrschaft über die Rede. An der Spitze des aus sich selbst bewegten Herzens befindlich und aufgegangen, zieht er durch die Suṣumṇā …
Erläuterung: Die zweite Hälfte gehört zur Bewegungsbeschreibung in 80. Vāgīśatā bezeichnet die vom Text zugeschriebene Herrschaft über Sprache.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 207.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 80
āyāti ca sutejaḥstho nātivāhyo nabhontare ||
… in den von einer Girlande von Feuerflammen umschlungenen, verborgenen [Bereich]. In hellem Glanz bestehend, kehrt er zurück und ist im Inneren des Raumes nicht weiterzutragen [letzte Verbindung unklar].
Erläuterung: Dhūmadhvaja, „Rauchbanner“, ist eine Feuerbezeichnung. Die passive Form nātivāhya bleibt in dieser Verbindung unsicher.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 208.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 81
bhavate tadāgnisādhyānāṃ sādhanatvaṃ prayāti hi ||
Durch die Bewegung nach unten beziehungsweise [in eine weitere Richtung; Lesung gestört] entsteht eine beständige Entfaltung im Feuerkreis. Dann wird [dies] zum Mittel für das durch Feuer zu Vollbringende.
Erläuterung: Adho’rdha wird nicht still zu adho’rdhva emendiert. Die Quelle nennt keine konkrete äußere Feuervorschrift.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 208.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 82
tadā suvisuvo yogo yogināmamṛtapradaḥ ||
Wenn [er] in den nach unten und oben gehenden Raum eingegangen und still geworden ist, dann ist dies der Suvisuva-Yoga, der den Yogis Nektar verleiht.
Erläuterung: Bahitvā und suvisuva sind auffällige Formen. Der Zusammenhang deutet auf den Ausgleich der beiden Bewegungsrichtungen, ohne die Sanskritlesung in viṣuva umzuschreiben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 208.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 83
candramādyāni kāryāṇi prasādhayati līlayā ||
So gelangt auch die weitere beziehungsweise aufwärts gerichtete Bewegung zur Gestalt des Mondes. Die mit dem Mond verbundenen und weiteren Aufgaben werden spielend vollbracht.
Erläuterung: Uttaracāra kann die anschließende oder die aufwärts gerichtete Bewegung meinen. Die besonderen „Aufgaben“ werden im Vers nicht einzeln genannt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 208.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 84
jyotiṣmatāṃ śriyaṃ dhatte taniṣpannaṃ svarūpataḥ ||
Jener strahlende Kreis der Sonne, der im Eigenen ruht, trägt die Herrlichkeit der Leuchtenden; er ist seinem Wesen nach vollendet.
Erläuterung: Die Quelle hat svatāśritam und taniṣpannam. Die Zuordnung gehört zu den Sonnen-, Mond- und Feuerbildern der Atembahnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 208.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 85
madhyandinanabhoratnaccāyā brāhmī ca piṅgalā ||
Iḍā gilt als Gestalt Haris [Viṣṇus], einem Perlenstäbchen gleich. Piṅgalā ist die Brahmā zugehörige [Bahn], mit dem Glanz des Himmelsjuwels zur Mittagszeit.
Erläuterung: „Himmelsjuwel zur Mittagszeit“ bezeichnet hier die Sonne. Die Gottheitenzuordnung wird in 86 mit Rudra fortgesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 208.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 86
āsāṃ samparkamāpanno dhvanirāsāṃ svarūpadhṛk ||
Dann wird Suṣumṇā als die Rudra zugehörige bezeichnet, so leuchtend wie das Feuer am Ende der Zeit. Der mit diesen [Bahnen] in Verbindung getretene Klang nimmt ihre jeweilige Gestalt an …
Erläuterung: K bietet suṣumnoktā statt suṣumṇoktā; die Variante ist nicht zusätzlich in den Grundtext aufgenommen. Der Satz über den Klang endet in 87.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 208.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 87
kālo’pi dvividhaḥ prokto bāhyo’dhyātmastathā paraḥ ||
… und setzt zeitgemäß die Räder des Körpermechanismus der verkörperten Wesen in Gang. Auch die Zeit wird als zweifach bezeichnet: als äußere und als die andere, innerkörperliche Zeit.
Erläuterung: K hat yogaḥ statt yogataḥ. Yantra bezeichnet hier im Körper wirkende Vorrichtungen beziehungsweise Zusammenhänge; kein gemaltes Diagramm wird vorausgesetzt. Adhyātma wird im anschließenden Atemzusammenhang verstanden. Paraḥ wird hier im Anschluss an die Zweiteilung als „der andere“ verstanden, nicht als eine dritte Zeitart.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 208.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 88
svarānandādirūpaśca vāme sāvahitasvaraḥ ||
Die äußere [Zeit] wird nach dem Sonnenmaß bestimmt; sie wurde dir bereits erklärt. [Nun folgt] der links befindliche Atemton mit den als Svarānanda und Weiteren bezeichneten Formen [Fügung unklar] …
Erläuterung: Svarānanda wird nicht als gesichertes selbstständiges Mantra aufgefasst.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 208.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 89
viṣuvaṃ pāta cārī ca ghrāṇān vahateti ca ||
… dann geht er in die Mitte über und verweilt dort in der beschriebenen Stellung. Die zweite Zeile verbindet Viṣuva, Übergang und Bewegung durch die Nase, bleibt aber syntaktisch ungesichert.
Erläuterung: Viṣuva bezeichnet einen Ausgleich beziehungsweise Gleichstand; eine exakte moderne Zeitmessung wird aus dieser beschädigten Fügung nicht gewonnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 208–209.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 90
samadhātugate kāye nātipākātivṛddhike ||
Wiederholt umlaufend, bewegt [er] den Verbund des Körpermechanismus, wenn sich die Körperbestandteile im Gleichgewicht befinden und keine übermäßige Erhitzung beziehungsweise Zunahme vorliegt.
Erläuterung: Muhurdhā ist eine auffällige Form. Die aus nātipākātivṛddhike erschlossene Körperbeschreibung ist keine medizinisch überprüfte Diagnose.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 209.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 91
tisro vāmāyane coktā saṃkrāntyo vāsarāntare ||
Dies ist die beschriebene Bewegung des Prāṇa in sämtlichen Lebewesen. Drei Übergänge auf der linken Bahn werden innerhalb eines Tages genannt.
Erläuterung: Die Dreizahl wird nicht auf sämtliche Atembewegungen des Tages übertragen;92 nennt weitere Übergänge.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 209.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 92
evaṃ sāgarike’pyaṅge samyag vedyā vipaścitā ||
Ebenso viele [Übergänge gelten] auf der rechten [Bahn] und im als Viṣuva bezeichneten [mittleren Bereich; Fügung unregelmäßig]. So soll der Verständige dies auch im sāgarika genannten Körperbereich erkennen.
Erläuterung: Sāgarika bleibt ohne sichere technische Auflösung. Die darauffolgende Achtzehnzahl stützt die Unterscheidung dreier Bereiche und von Tag/Nacht, ersetzt aber keine Textkorrektur.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 209.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 93
sa yogī yoganidrāluryoganidrāluvad bhavet ||
Wer diese achtzehn Übergänge während Tag und Nacht erkennt, der ist ein im Yogaschlaf ruhender Yogi und verhält sich wie ein im Yogaschlaf Ruhender.
Erläuterung: Die Wiederholung yoganidrālu/yoganidrāluvat wird bewahrt. Yogānidrā bezeichnet hier nicht ohne Weiteres die heutige gleichnamige geführte Entspannung. Die achtzehn Übergänge beziehen sich auf den zuvor beschriebenen Wechsel der Atembahnen im Tag-und-Nacht-Zyklus. Die Auswahl übernimmt die Textzahl, ohne eine moderne Messmethode oder ein neues Atemschema daraus abzuleiten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 209.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 94
prāṇa eṣa samākhyāto dino’yamuparikriyaḥ ||
Nachdem [der Atem] von der Lambinī her den Raum berührt hat, berührt er erneut die Lambinī. Dies wird Prāṇa genannt; seine aufwärts gerichtete Tätigkeit gilt als „Tag“.
Erläuterung: Die Quelle hat die auffällige Verbindung lambinītāmbaram und lamvinīm. Lambinī ist ein innerer, mit dem Gaumenbereich verbundener Ort; aus dem Vers wird keine exakte anatomische Distanz abgeleitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 209.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 95
ahorātraiḥ smṛto māsastaistriṃśatprāṇakaiḥ priye ||
Die nach unten gerichtete Tätigkeit wird [als Nacht; Wortlaut gestört] bezeichnet. So gilt eine Folge von dreißig solcher Tage und Nächte als Monat, Geliebte, mit diesen dreißig Prāṇas.
Erläuterung: Kriyodhinī ist nicht gesichert. Tridaśarūpibhiḥ wird aus der ausdrücklich folgenden Zahl triṃśat als auf dreißig bezogen verstanden; der Text verbindet äußere Zeitmaße mit inneren Atemzyklen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 209.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 96
saṃvatsarān vrajanṣaṣṭisauramantardināntare ||
Ein Prāṇa wird [auf einer weiteren Entsprechungsebene] als Jahr bezeichnet. Die Fortsetzung verbindet Raum, ein durch Eigenschaften bestimmtes Maß und sechzig Sonnenjahre innerhalb eines Tages, ist aber syntaktisch beschädigt.
Erläuterung: Die Zahl sechzig steht ausdrücklich im Wortlaut; eine vollständige rechnerische Rekonstruktion wird mangels gesicherter Fügung nicht vorgetäuscht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 209.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 97
yānti yugmāmvaradharāḥ śukrāddīkṣā samāṃtare ||
Neunhundert [solcher Einheiten] entfallen auf einen Halbmonat, auf einen Monat doppelt so viele. Die zweite Zeile über yugmāmvaradhara und śukrāddīkṣā ist nicht zuverlässig verständlich.
Erläuterung: Die Zahlen werden direkt aus śatāni nava und dviguṇāni wiedergegeben. Die beschädigte zweite Zeile wird nicht zum Beleg einer Einweihungsregel gemacht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 209.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 98
ghaṭikādhyātmavarṣeṇa yāmaḥ saptārdhavarṣikaḥ ||
Mit diesen Prāṇas besteht auch die Ordnung eines Sonnentages und einer Sonnennacht. Eine Ghaṭikā entspricht [hier] einem inneren Jahr; ein Yāma umfasst siebeneinhalb solcher Jahre.
Erläuterung: Die zweite Zeile stellt symbolische Entsprechungen äußerer und innerer Zeit auf. „Siebeneinhalb“ folgt saptārdha im Zusammenhang der gebräuchlichen Yāma/Ghaṭikā-Teilung; keine heutige Atemvorgabe.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 209.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 99
atra saṃkhyāṃ tantragatāṃ śṛṇupannilanandana ||
Der Tag wird mit vier Yāmas angegeben, und ebenso lang ist die Nacht. Höre nun, Sohn Pannilas, die in diesem Tantra überlieferte Zahl.
Erläuterung: Yāma bezeichnet hier ein Viertel des Tages beziehungsweise der Nacht. Die folgende Atemzahl bezieht sich auf deren gesamten Zyklus.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 210.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 100
śatāni ṣaṭ ca jānīyāt prāṇodayaviśāradaiḥ ||
Man soll hier die festgelegte Zahl von einundzwanzigtausend und sechshundert Prāṇas kennen, [wie sie] von den Kennern des Atemhervortretens [überliefert wird].
Erläuterung: Die Quelle hat die grammatisch gestörte Endung ekaviṃśatiṃḥ. Die Zahlen selbst sind eindeutig:21600. Dies ist eine traditionelle Tageszahl, keine für jeden Menschen gemessene Atemfrequenz und kein anzustrebendes Atemtempo.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 210.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 101
teṣāṃ tadgatamākhyātamudayaṃ mantrasaṃjñitam ||
Denjenigen, die dem Haṃsa des Lebensatems hingegeben sind und ihren Geist stets darin haben, wird dessen Hervortreten als das mit „Mantra“ Bezeichnete erklärt.
Erläuterung: Prāṇahaṃsa ist hier eine Bezeichnung des lebendigen Atemgeschehens. Die genaue Lautform einer selbstständig zu rezitierenden Formel wird in diesem Vers nicht ausbuchstabiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 210.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 102
tadā bhuktirmuktireva teṣāṃ dūrasthitā na hi ||
Durch das Aufgehen in der Vergegenwärtigung dieses Yoga sind die Yogis Mantrayogis. Dann sind ihnen Erfahrung und Befreiung nicht fern.
Erläuterung: Der Vers setzt 101 fort. Bhukti bezeichnet Erfahrung beziehungsweise Genuss, hier nicht den Verzehr einer Ritualsubstanz. Die zugeschriebene Nähe der Befreiung ist eine Textaussage.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 210.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 103
sādākhyaṃ yāvadevātra sādhakānāṃ sadaiva hi ||
Aus der Überlieferung soll hier die Vollendung mit all ihren Merkmalen erkannt werden, stets für die Sādhakas bis hin zur Sādākhya-Stufe.
Erläuterung: Sādākhya wird hier als Bezeichnung einer hohen Offenbarungsstufe bewahrt; keine neue Mantraformel wird daraus erzeugt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 210.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 104
prāṇapravāhamevāṣamaccinnaṃ pravahet sadā ||
Durch die Anwendung der Aufwärtsströmung soll hier gewiss Befreiung entstehen. Der Lebensatem ströme stets ununterbrochen [die Wortfolge mevāṣam ist unsicher].
Erläuterung: Die Quelle schreibt urdhva mit kurzem Anfangsvokal und accinna. Das Befreiungsversprechen wird dem historischen Text zugeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 210.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 105
yogināṃ tatsamā saṃkhyā tādātmya pratipattitaḥ ||
[Dieses Atemgeschehen] ist allen Lebewesen gemeinsam; aus Unwissenheit wird es jedoch nicht vergegenwärtigt. Die entsprechende Zählung [erschließt sich] den Yogis durch das Erfassen des Einsseins damit.
Erläuterung: Tādātmya ist hier das Einssein mit dem besprochenen inneren Atemgeschehen; es wird nicht automatisch in ein Vedānta-Lehrschema übertragen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 210.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 106
dvādaśābdodayaṃ cātra pravibhāgavicārataḥ ||
So entstehen Erfahrung und Befreiung auf rechte Weise, ohne Zweifel [laut Text]. Auch der Ablauf von zwölf Jahren wird hier durch die Untersuchung seiner Unterteilungen …
Erläuterung: Satzfortsetzung in 107–108; der Text arbeitet mit ineinander übertragbaren Zeitmaßen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 210.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 107
tathā ṣaṣṭisamā saṃkhyā viśleṣyā pūrvavat sadā ||
… durch das Zusammenfügen kleinster Teile und durch die Unterteilung der Atemanteile [erschlossen]. Ebenso soll die Zahl von sechzig Jahren stets wie zuvor aufgeschlüsselt werden.
Erläuterung: Zwölf und sechzig sind verschiedene ausdrücklich genannte Entsprechungen. Daraus wird keine reale Mindestübungsdauer von zwölf oder sechzig Jahren gemacht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 210.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 108
viśliṣya yogirājendra tat saṃsarpitamānasaḥ ||
Nachdem du dies durch die rechnerische Untersuchung der Atemunterteilungen aufgeschlüsselt hast, führender König der Yogis, lasse deinen Geist darin mitgehen …
Erläuterung: Die zweite Zeile ist eine elliptische Fortsetzung; der Satz reicht in 109.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 210–211.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 109
phalaṃ japasamāyogād vāhyakāloktavad bhavet ||
… wenn [der Yogi] durch das Erfassen des Einsseins äußerst fein wahrnimmt, soll durch die Verbindung mit Japa eine Frucht entstehen, wie sie für die äußere Zeit beschrieben wurde.
Erläuterung: Japa wird erwähnt, ohne in dieser Strophe eine vollständige Lautformel zu geben. Vāhya steht so im Druck.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 211.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 110
etat pratisamādiṣṭamanantācāracāriṇām ||
Durch ein einziges Hervortreten beziehungsweise Aussprechen ordnet er all dies nach zwölf Unterteilungen. Dies ist denjenigen gelehrt, die in unbegrenzter Lebensführung wandeln.
Erläuterung: Uccāra bezeichnet in diesem Abschnitt auch das Hervortreten des inneren Laut-Atem-Geschehens; eine konkrete gesprochene Formel wird nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 211.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 111
yogināṃ puṇyakalayā tadapīha vicāryate ||
Auch die Frucht, die sich hier durch die verschiedenen Verfinsterungen der Himmelskörper ergibt, wird hinsichtlich der heilsamen Zeitanteile der Yogis untersucht.
Erläuterung: Die folgende Darstellung überträgt astronomische Begriffe auf den inneren Atemverlauf; sie beschreibt keine unmittelbar beobachtete äußere Finsternis.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 211.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 112
sūkṣmāsūkṣmataro vātha tatredaṃ pravicāryate ||
Durch die Bewegung des Prāṇa werden Tag und Nacht nach der Folge von oben und unten unterschieden. Ob fein oder noch feiner [Wortfügung unregelmäßig], dies wird nun untersucht.
Erläuterung: Die Quelle hat sūkṣmāsūkṣmatara; keine zusätzliche Stufenanzahl wird ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 211.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 113
pūrvanudyā ca yatrasthamaparasthaṃ tathaiva ca ||
Auch dort entsteht durch das Zusammentreffen stets das Monatsmaß. Die Unterscheidung einer vorausgehenden und einer nachfolgenden Lage ist in der zweiten Zeile sprachlich beschädigt.
Erläuterung: Pūrvanudyā wird nicht zu einer frei gewählten Kalenderbezeichnung korrigiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 211.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 114
tatrāpi pūrvāparatāvahorātrau vyavasthitau ||
[Eine Ablösung] am fünfzehnten [Tag; Konstruktion unklar] wird entsprechend untersucht. Auch dort sind der vorausgehende und der nachfolgende Abschnitt als Tag und Nacht geordnet.
Erläuterung: Pañcadaśa wird als fünfzehn erhalten; die beschädigte Verbindung tanmuktā erlaubt keine sichere weitergehende Vorschrift.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 211.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 115
atrācāreṇa cātrasthaḥ kṛṣṇapakṣaḥ subhāvitaḥ ||
Durch die Zuordnung von Husten beziehungsweise Atem entstehen hier Abnahme und Zunahme. Durch diesen Verlauf wird die darin bestehende dunkle Monatshälfte vergegenwärtigt.
Erläuterung: Die ungewöhnliche Verbindung kāsaśvāsa wird nicht still in eine andere Atemterminologie geändert. Ṛṇa/dhana bezeichnet hier Minus und Plus beziehungsweise Abnahme und Zunahme.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 211.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 116
truṭiprānte śaktireva prāṇākhye viśate yadā ||
Beim Sādhaka gelingt [eine als abhicāru niruṃcāru bezeichnete Handlung; die zweite Bezeichnung ist unklar]. Wenn am Ende einer Truṭi die Shakti in das Prāṇa Genannte eintritt …
Erläuterung: Abhicāra kann schädigendes Ritual bezeichnen; der anschließende technische Zusammenhang wird daher nicht als kontextfreie Praxisempfehlung ausgegeben. Truṭi ist eine kleine Zeiteinheit.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 211.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 117
tanmadhordhvavibhāgena tuṭyarddhaṃ yad vyavasthitam ||
… soll dies als Neumond erkannt werden, als Teil am Ende der dunklen Monatshälfte. Was durch die Unterscheidung von Mitte und Oben als halbe Truṭi besteht …
Erläuterung: Die Quelle wechselt von truṭi zu tuṭi. Die Richtungsbezeichnung tanmadhordhva ist unregelmäßig, wird aber nicht durch eine erfundene Körperstelle ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 211.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 118
tithiccedāntarā tatra sūryagrahaṇameva hi ||
… ist der berührende Übergang zwischen Neumond und dem ersten Mondtag. Innerhalb dieses Einschnitts zwischen den Mondtagen besteht dort die Sonnenfinsternis.
Erläuterung: Tithiccheda ist die Grenze beziehungsweise Unterbrechung einer Tithi. Die Darstellung bleibt im inneren Zeitmodell.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 212.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 119
sudhā sūterlulamyatvādrāhuranyatra sarvadā ||
In diesem Maß befindet sich der Mond innerhalb der Sonnenscheibe. Die zweite Zeile erwähnt den Nektarspender und Rāhu, ist durch lulamyatva aber nicht sicher zu übersetzen.
Erläuterung: Rāhu ist der mythologische Verfinsterer von Sonne und Mond. Die ungeklärte Form wird nicht zur Beschreibung einer gesicherten Physiologie gemacht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 212.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 120
tadā grahoparāgaṃ tanmahadityupacaryate ||
Wenn Svarbhānu, Sonne und Mond an einem Ort zusammenstehen, wird dies als die große Verfinsterung bezeichnet.
Erläuterung: Svarbhānu bezeichnet hier den Verfinsterer, entsprechend Rāhu in 119. Die Dreiheit wird nicht durch eine moderne Chakra-Zuordnung ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 212.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 121
yat sūkṣmadarśinaḥ śūrāstanniṣṭhā yoginaḥ sadā ||
Ein Tag-und-Nacht-Zyklus, in dem Heilsames hervortritt, wird für die Yogis beschrieben. Die tapferen Yogis, die fein wahrnehmen und stets darauf ausgerichtet sind …
Erläuterung: Der Satz endet in 122. Der unmittelbare Kontext enthält auch problematische Ritualziele, weshalb die Verse nicht isoliert zur Praxis empfohlen werden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 212.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 122
atrācireṇa kālena siddhimāyāti satvaram ||
… finden die günstige Zeit, die die Vollendung des Japa-Yoga gewährt. Hier soll binnen kurzer Zeit rasch Vollendung eintreten.
Erläuterung: Die rasche Vollendung ist eine Zuschreibung der Quelle, keine garantierte Wirkung. Eine konkrete Mantraformel wird hier nicht gegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 212.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 123
sa ca śuklodayaḥ proktaḥ śaktyadhogāminī yadā ||
Wenn die abgelöste Shakti so in den vorausgehenden halben Teil einer Truṭi eintritt, wird dies als Beginn der hellen Monatshälfte bezeichnet, wenn die Shakti abwärts gerichtet ist.
Erläuterung: Die doppelte Form ārddhārddha und die grammatische Fügung śaktyadhogāminī bleiben unregelmäßig. Es wird kein detaillierter Atemrhythmus daraus errechnet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 212.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 124
yadā pakṣadvayatyāgī dharmādharmavivarjitaḥ ||
Hier sollen dem ganz dem Yoga gewidmeten Sādhaka alle Vollkommenheiten zuteilwerden. Wenn er beide Monatshälften hinter sich lässt und frei von Dharma und Adharma ist …
Erläuterung: Dharma/Adharma wird wörtlich als Gegensatz von heilsamer beziehungsweise unheilsamer Ordnung belassen. Der Zeitmodell-Zusammenhang begründet keine heutige Freistellung von Ethik.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 212.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 125
vāhāvāhe kṣīṇakālairkāle hyakalatāṃ gate ||
… [ist eine] vom Kummer um den Tod freie [Kraft] gegeben, die zur Befreiung verbindet. Wenn beim Hin- und Herströmen die Zeitanteile erschöpft sind und die Zeit in Zeitlosigkeit eingegangen ist …
Erläuterung: Die feminine Form vinirmuktā und yogadā lassen auf die Shakti zurückbeziehen; die Satzfügung ist nicht gesichert. Fortsetzung in 126.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 212.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 126
brahmakṣatravadhivṛtte yogakhaḍgadharo hi yaḥ ||
… dann ist der Yogi befreit und befreit [andere], daran besteht [laut Text] kein Zweifel. Wer, das Schwert des Yoga tragend, die „Tötung von Brahma und Kshatra“ vollzogen hat …
Erläuterung: Die Verbindung brahmakṣatravadhivṛtte ist auffällig. Die folgenden Verse erläutern eine technisch benannte „Tötung“ im inneren Atem- und Zeitgeschehen; die Bedeutung darf weder ungeprüft als wirkliche Menschentötung noch als bloßer „Kampf gegen das Ego“ festgelegt werden. Dieser ungeklärte Kontext bleibt außerhalb der Praxisauswahl.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 212.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 127
jayadratha uvāca |
… wird als König der Yogis bezeichnet, als Herrscher, der alle Vollkommenheiten erreicht [valāte bleibt unklar]. Jayadratha sprach: Sieg dir, von führenden Yogis Verehrter, höchster ursprünglicher Puruṣa!
Erläuterung: Die Sprecherzeile steht zwischen den beiden Halbversen. Der Lobpreis beginnt somit erst in der zweiten Hälfte von 127, die nicht als vollständiger Lobpreisvers herausgelöst wird.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 212–213.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 128
jaya daityendradarpaughanipātana mahograka ||
Mahākāla, du, der sich erhoben hat, den Hochmut zu zerstören [kāmāndhaka: ungesicherte Anfangsverbindung]! Sieg dir, höchst Gewaltiger, der den Stolz der führenden Daityas niederwirft!
Erläuterung: Kāmāndhaka lässt sich als Verbindung mit Kāma und Andhaka oder als besondere Anrede auffassen; der vorläufige Text entscheidet dies nicht. Mahākāla wird als Anrede verstanden, nicht als sicher benannter Gegner, dessen Hochmut Śiva vernichtet. Die Strophe wird wegen dieser Unsicherheit und ihres feindbezogenen Lobes nicht als zusätzliches Gebet angeboten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 213.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 129
jayābaddha jaṭājūṭasudhāsūtikalevara ||
[Die erste Zeile über die drei Welten und einen heftig flammenden Brand ist beschädigt.] Sieg dir, dessen gebundener Haarknoten den Nektarspender [den Mond] trägt!
Erläuterung: Kh bietet pendanadavānala anstelle von pimbanadvānala. Das Siglum und die Variante sind kein zusätzlicher Halbvers. Der beschädigte Lobpreis wird nicht als sichere Rezitationsformel angeboten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 213.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 130
jayākhilasurārātisuraghaṭṭanaghoradṛk ||
Dir mit der Girlande des Schlangenkönigs, dessen Gestalt mit dem Feuer am Weltende verbunden ist [Wortfügung unsicher]! Sieg dir, dessen schrecklicher Blick sämtliche Götterfeinde und Götter erschüttert!
Erläuterung: Pāvakāri und die grammatische Endung mūrttaye sind in der Anredefolge auffällig. Kein vollständig gesicherter selbstständiger Gebetstext.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 213.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 131
jaya pūṣṇordantanāśa jayendrabhujajṛmbhana ||
[Du mit] Kālakūṭa [der Zusammenhang mit dessen Auflösung ist gestört], dessen Hals von seinem Glanz gezeichnet ist! Sieg dir, der Pūṣans Zähne zerstört; Sieg dir, der Indras Arm erstarren lässt!
Erläuterung: Die mythologischen Bezüge sind wörtlich bewahrt. Tad-vilāpi ist nicht sicher zu gliedern. Die Deutung von jṛmbhana als Lähmen/Erstarren folgt dem mythologischen Zusammenhang.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 213.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 132
jaya trailokyanāthāya maulirañjitaśekhara ||
Sieg dir, Vernichter Dakṣas [ḍaviḍa unklar], Kindgestalt; Sieg dir, Īśvara! Sieg dem Herrn der drei Welten, dessen Scheitel durch Kronen geschmückt ist!
Erläuterung: Die Mischung von Vokativ und Dativ bleibt im Sanskrit erhalten. Der beschädigte Bestandteil vor dakṣaghna wird nicht ausgelassen und nicht als eigener Gottheitsname erklärt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 213.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 133
yenopāyena nāsiddhyet prabhavāmi tathā vada ||
Herr, wir kennen gegenwärtig kein Mittel für die „Tötung von Brahma und Kshatra“. Sage, durch welches Mittel ich dazu vermögend werde [die Negation in nāsiddhyet macht die Satzfügung unsicher].
Erläuterung: Die Negation wird nicht still beseitigt. Vgl.126 und die anschließende Erörterung innerer Atembahnen; der technische Ausdruck bleibt klärungsbedürftig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 213.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 134
iti niśamya jayadrathabhāṣitaṃ sakaruṇena śivena vicāritam ||
[Höre die Bitte] des hingebungsvollen, bedrängten, lernbereiten und vertrauenden [Verehrers], höchster Herr [Kasus unregelmäßig]. Nachdem Shiva Jayadrathas Worte so gehört hatte, erwog er voller Mitgefühl …
Erläuterung: Die erste Zeile schließt Jayadrathas Bitte ab; die zweite geht in die Erzählung über. Unterschiedliche Zeilenlängen unter derselben Nummer werden nicht in neue Verse zerlegt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 213.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 135
śrībhairava uvāca |
„Höre, Herr der Könige, ich erkläre dies vollständig“, [sprach] der Herr der Götter [pratijagacca bleibt unsicher]. Der ehrwürdige Bhairava sprach: Ich werde dir nun hier verschiedene Mittel erklären.
Erläuterung: Die Sprecherzeile Bhairavas steht zwischen den beiden Zeilen. Dieser Vers eröffnet die weitere, hier noch nicht vollständig übersetzte Erörterung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 213.[1]
Nāḍīs, Winde und das Problem von Brahma-Kṣatra-vadha
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 136
nābheradhasthāt tatrasthaḥ kandaḥṃ kandābha eva ca ||
Hier ist gerade die Gelegenheit für Yoga gegeben; höre davon. Unterhalb des Nabels befindet sich der Kanda, der einer Knolle gleicht.
Erläuterung: Kanda ist hier der knollenartige Ausgangspunkt der Nāḍīs. Die Druckform kandaḥṃ mit Visarga und Anusvāra wird bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 214.[1]

Ergänzender heutiger Vortrag: Kundalini Yoga als Yoga der Energie.
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 137
tatra nāḍīsamūho’sau nibaddhaḥ saṃsthitaḥ sadā ||
Die erste Zeile nennt das Leuchtende, den Herrn, gopurau und ein Vorangehen der Rede; ihr Satzbau ist ungesichert. Dort ist die Gesamtheit der Nāḍīs befestigt und bleibt stets verankert.
Erläuterung: Gopurau wird nicht still zu einer anderen Lesung verbessert. Die erste Hälfte ist nur in ihren erkennbaren Bestandteilen übersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 214.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 138
tatra sthitaṃ yathā parṇe pālāśaṃ sarvatantubhiḥ ||
Seitwärts, nach oben und nach unten ist die Welt von ihnen ringsum durchzogen [jagacchāptam: unregelmäßige Lesung]. Sie ist darin angeordnet wie ein Palāśa-Blatt mit all seinen Fasern.
Erläuterung: Der Vergleich betrifft ein Blatt des Palāśa-Baumes und sein Fasernetz; pālāśam ist syntaktisch unregelmäßig angeschlossen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 214.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 139
tadvad dve piṅgale deva daśa cānubhavanti hi ||
Eine unter ihnen ist die wichtigste; sie trägt den Namen Suṣumṇā. Die zweite Hälfte nennt „zwei Piṅgalās“, spricht die Gottheit an und nennt zehn; die genaue Zuordnung ist gestört.
Erläuterung: Die auffällige Pluralform dve piṅgale wird nicht anhand vertrauter Nāḍī-Listen umgeschrieben. Die ausdrücklichere Dreierliste folgt in 143.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 214.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 140
tābhyastat punarevānyā dvāsaptatisahasraśaḥ ||
Ihre Anordnung im Kanda ist radförmig [die Verbindung mit sarvāsu ist unregelmäßig]. Aus ihnen gehen wiederum weitere hervor, zweiundsiebzigtausend an der Zahl.
Erläuterung: Die Zahl ist72000, keine moderne anatomische Feststellung. Die Satzkonstruktion der ersten Hälfte bleibt unsicher.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 214.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 141
āsu vāyuḥ pravahati saprāṇamaya eva hi ||
Wiederum gehen dreieinhalb Koṭis hervor. In ihnen strömt der Wind, der aus Lebensatem besteht.
Erläuterung: Eine Koṭi entspricht hier der traditionellen Zehnmillionenzahl: dreieinhalb Koṭis sind35000000. Die Körpervorstellung des Textes wird wiedergegeben, keine Zahl nachgewiesener Blutgefäße.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 214.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 142
āsāṃ pradhānabhūtānāṃ nāḍīnāṃ vāyubhiḥ saha ||
Durch die Unterteilung nimmt er vielfache Verschiedenheit an, Sohn des Pannila. Was diese wichtigsten Nāḍīs zusammen mit ihren Winden betrifft …
Erläuterung: Die Anrede pannilātmaja ist die Drucklesung; sie wird nicht in eine vertrautere Genealogie geändert. Der Satz führt zu143.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 214.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 143
suṣumṇeḍāpiṅgalākhyāstisrastāsāṃ niketanam ||
… höre nun ihre Benennungen, Bester der Könige. Die drei heißen Suṣumṇā, Iḍā und Piṅgalā; ihre Wohnstätten …
Erläuterung: Der Ortsanschluss steht in 144. Der Singular niketanam wird nicht still pluralisiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 214.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 144
pūrvapaścimadigbhāge caturdantā pade pare ||
… liegen in der Mitte, links und rechts, an den lebenswichtigen Stellen, die den Samen tragen. Die zweite Hälfte nennt den östlichen und westlichen Richtungsbereich, caturdantā und die höchste Stätte; die genaue Verbindung ist ungesichert.
Erläuterung: Marman bedeutet eine vitale beziehungsweise empfindliche Stelle. Caturdantā wird nicht ohne Beleg zu vier Zähnen oder einem vierblättrigen Chakra ausgebaut.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 214.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 145
gāndhārī gajajihvākhyā yaśā pūṣā hyalambusā ||
In ihnen bewegt sich stets dieser Prāṇa, verbunden mit dem Lebensanteil, der Jīva-Kalā. [Weitere Nāḍīs heißen] Gāndhārī, Gajajihvā, Yaśā, Pūṣā und Alambusā …
Erläuterung: Yaśā und Gajajihvā werden nach dieser Quelle beibehalten; keine Angleichung an andere Nāḍī-Listen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 214–215.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 146
āsāṃ ye vāyavaste’pi śṛṇu pannilanandana ||
… sowie Kuhū und Śaṅkhinī. Zusammen mit den zuvor genannten werden zehn überliefert. Höre auch die Winde, die zu ihnen gehören, Nachkomme des Pannila.
Erläuterung: Die zehn Nāḍīs ergeben sich aus den drei Namen in 143 und den sieben in 145–146.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 215.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 147
nāgaḥkūrmo’tha kṛkaro devadatto dhanañjayaḥ ||
Sie heißen Prāṇa, Apāna und Samāna, Udāna und Vyāna, ferner Nāga, Kūrma, Kṛkara, Devadatta und Dhanañjaya.
Erläuterung: Die Strophe nennt zehn Atem- beziehungsweise Lebenswinde; sie legt hier noch keine einzelne Körperfunktion für jeden Namen fest.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 215.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 148
paratve tritayaṃ pūrvaṃ saṃsthitaṃ sarvataḥ sadā ||
Dies ist ihre gemeinsame Gestalt in den Nāḍīs und Winden. In der höheren Wirklichkeit besteht die zuvor genannte Dreiheit stets allenthalben.
Erläuterung: Worauf tritaya genau zurückweist, ist im verkürzten Satz nicht völlig gesichert; eine neue Dreiheit wird nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 215.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 149
atra cāravibhāgajñā yogino yogavittamāḥ ||
Als stets inmitten des Herzens befindlich wird es bezeichnet, seinem Wesen nach Bindu und Nāda, Geliebte. Die Yogins, die hier die Unterteilungen der Bewegung kennen und Yoga aufs Beste verstehen …
Erläuterung: Bindu ist der konzentrierte Punkt beziehungsweise Tropfen, Nāda die feine Lautbewegung. Die Aussage beginnt als Fortsetzung von148 und führt zu150.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 215.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 150
mahāvinodasaṃsthānacakrapīḍanayogataḥ ||
… erlangen gewiss [vastatkṣatravadhāntaram: beschädigte Bezeichnung] durch die Verbindung mit einem Drücken des Kreises, dessen Zustand großes Spiel beziehungsweise Freude ist.
Erläuterung: Die erste Akkusativverbindung ist nicht sicher lesbar im Sinnzusammenhang. Cakrapīḍana bezeichnet eine yogische Einwirkung; eine moderne mechanische Druckanweisung wird daraus nicht hergestellt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 215.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 151
tatpraveśāvatiṣṭheta vyāptirekāntato dvidhā ||
Durch die Verbindung von Vorwärts- und Rückwärtsfolge [geschieht] das Eintreten in den Kanda-Kreis. Beim Eintreten darin sollte man verweilen [Fügung unregelmäßig]; die Durchdringung ist einerseits zweifach …
Erläuterung: Der Satz setzt sich mit weiteren Unterteilungen in 152 fort. Tatpraveśāvatiṣṭheta ist keine still korrigierte reguläre Form.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 215.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 152
dvāsaptatisahasrāntāṃ yāvalomāvaśānugam ||
… dreifach, vierfach und zehnfach, entsprechend den Unterteilungen der Nāḍīs und Winde, bis zu zweiundsiebzigtausend und bis zu den Haaren [letzte Verbindung gestört].
Erläuterung: Yāvalomāvaśānugam wird als beschädigter Wortlaut bewahrt; eine genaue Anzahl von Haaröffnungen wird nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 215.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 153
tatpraveśāt samebhyeti paramānanda lakṣaṇam ||
Dies ist die Art der großen Durchdringung, gemäß der Unterscheidung von Herr und Kraft. Durch das Eintreten darin gelangt man zu dem, was höchste Wonne kennzeichnet.
Erläuterung: Samebhyeti ist eine unregelmäßige Druckform. Prabhu und Śakti werden nicht vorschnell mit einem bestimmten späteren philosophischen System gleichgesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 215.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 154
mattagandhaṃ mandacakraṃ śūlanādo nipīḍayet ||
Dadurch findet für diesen Yogin die „Brahma-Kṣatra-Tötung“ statt. Die zweite Zeile spricht davon, dass der Dreizack-Laut auf einen „berauscht duftenden“, langsamen Kreis drücke; die Konstruktion bleibt unsicher.
Erläuterung: Brahmakṣatravadha ist hier Teil einer inneren Yoga-Schilderung. Seine genaue technische Bedeutung bleibt offen. Die ungewöhnlichen Verbindungen werden weder als Gewalt gegen Menschen noch als sicher entschlüsselte Ego-Allegorie ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 215.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 155
jvalantī cāpatat paramā jambhānādagato’tra ca ||
Durch die Verbindung von Drehung und Taumel entsteht bei ihm dann ghūrmmi [eine unregelmäßige Bezeichnung wohl für Schwindel oder wirbelnde Erregung]. Die zweite Zeile nennt eine brennende höchste [Kraft] und den Jambhā-Laut; ihr Satzbau ist beschädigt.
Erläuterung: Der Druck bietet ghūrmmi, nicht still verbessert zu ghūrṇi. Jambhā-Nāda ist hier ein technischer Lautname, keine vollständig angegebene Rezitationsformel.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 216.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 156
brahmakṣatravadhe vṛtte paramā jāyate daśā ||
Danach kommt die Entfaltung dessen, was im Wesen „Brahma-Kṣatra-Tötung“ ist. Ist diese vollzogen, entsteht der höchste Zustand …
Erläuterung: Die in 154 genannte unsichere technische Bezeichnung bleibt erhalten. Der Satz führt zu157.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 216.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 157
purapraveśamātrasthaḥ kurute sādhakeśvaraḥ ||
… den erlangend die nach Vollendung verlangenden Sādhakas nicht mehr trauern. Der Herr unter den Sādhakas vollzieht [etwas], allein beim Eintritt in die „Stadt“ verweilend.
Erläuterung: In der zweiten Hälfte fehlt ein klar angeschlossenes Objekt. Pura kann in Yogatexten den Körper bezeichnen; ein sicher beschriebener Eintritt in einen fremden Körper folgt aus dieser Formulierung allein nicht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 216.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 158
līlayā sādhakendro’sau vedhaṃ ṣoḍhā karoti hi ||
Von Āveśa erfasst und mit sich sträubenden Körperhaaren handelt er stets in diesem Zustand. Dieser höchste Sādhaka vollzieht spielerisch das sechsfache Durchdringen.
Erläuterung: Āveśa bezeichnet Ergriffenheit beziehungsweise Durchdrungensein von einer Macht. Vedha, „Durchdringen“, erhält hier die ausdrückliche Zahl sechs; das Ziel bleibt im Vers ungenannt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 216.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 159
atidūrād vedhamugraṃ mudrāsphoṭaṃ karotyasau ||
Nach Belieben bewirkt er ein Erschüttern aller Welten. Aus sehr großer Ferne vollzieht er ein heftiges Durchdringen und ein Aufbrechen der Mudrā.
Erläuterung: Dies sind historische Machtbehauptungen im Fortgang des Yoga-Rituals, keine zugesicherten Wirkungen heutiger Übung. Mudrāsphoṭa bleibt in seiner konkreten Ausführung unbestimmt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 216.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 160
khalanirdaśahastāṃ tātryā yāmāt saptamābhidhān ||
Es gebe ein Brennen ohne Feuer an einem Baum, etwas Wunderbares wie ein Hängen [Fügung unsicher]. Die zweite Hälfte ist beschädigt; erkennbar sind „zehn Handbreiten“, eine Yāma-Zeitspanne und die Bezeichnung „siebent-“.
Erläuterung: Aus khalanirdaśahastāṃ tātryā wird keine sichere Abstandsmessung oder Zeitvorgabe rekonstruiert. Die Zahlenbestandteile bleiben als solche kenntlich.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 216.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 161
cakradardurakāṇḍānāṃ pārāvatakhagāminām ||
Für diesen Sādhaka entsteht zweifellos die Vollendung des Körpers. Die zweite Hälfte reiht cakra, dardura, kāṇḍa und tauben- beziehungsweise vogelartige Bewegungen aneinander …
Erläuterung: Die genaue Gliederung der Reihe ist unsicher. Dardura kann einen Frosch bezeichnen; die Reihe wird nicht zu einer sicheren Liste von Yoga-Āsanas gemacht. Sie schließt an die Sprünge in 162 an.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 216.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 162
kālatrayajñatā samyak trailokyavaśakāritā ||
… er vollführt verschiedenartige Sprünge, lautes Lachen und den Ruf eines Schakals. [Es entstehen] genaue Kenntnis der drei Zeiten und die Macht, die drei Welten zu beherrschen.
Erläuterung: Śivā kann hier das Schakalweibchen bezeichnen; śivāruta wird entsprechend als Tierlaut verstanden, nicht automatisch als Ruf des Gottes Śiva. Die drei Zeiten sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 216.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 163
mantravīryavikāso’tra dhvanyākarṇanamadbhutam ||
Die gesamten acht [Mächte] beginnend mit Aṇimā und das Erlangen von Mantras werden eintreten. Hier [entstehen] die Entfaltung der Mantrakraft und ein wunderbares Hören von Klang.
Erläuterung: Aṇimā bedeutet die Fähigkeit des Winzigwerdens. Der Text behauptet Siddhis im rituellen Zusammenhang; er gibt hier weder eine einzelne Mantraformel noch eine Wiederholungszahl.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 216.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 164
ālokayati vīrendraḥ samantāt tadgatāśayaḥ ||
Verschiedenartige Lichterscheinungen, die im Inneren der Mantra-Schlinge aufsteigen, schaut der Herr der Vīras stets ringsum, seinen Sinn darauf gerichtet.
Erläuterung: Mantrapāśa, „Mantra-Schlinge“, ist die gelesene Verbindung; sie wird nicht ohne Beleg zu einem anderen technischen Ausdruck emendiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 216–217.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 165
gatānugatayogād vā sarvanāḍīgamasphuṭam ||
Auch alles andere, was nicht ausgesprochen wurde, ist hier mitbedacht. Oder durch die Verbindung von Gehen und Nachgehen [wird] das Durchlaufen sämtlicher Nāḍīs deutlich.
Erläuterung: Die zweite Hälfte ist elliptisch; gatānugata wird wörtlich belassen und nicht als eigenständig belegte Atemtechnik ausgeführt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 217.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 166
samasthāyī samantejaḥ samantānmatibhāgbhavet ||
Durch dieses Durchlaufen allein ist überall ein Wirken großer Wonne. [Der Yogin] würde gleichmäßig verweilen, von umfassendem Glanz sein und allenthalben Einsicht besitzen.
Erläuterung: Die Kasusverbindung der ersten Hälfte und samantejaḥ sind unregelmäßig. Die Übersetzung folgt dem erkennbaren Zusammenhang, ohne die Sanskritformen zu glätten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 217.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 167
asyaivānyatsamāvāyo niyogakṣa paṇātmakaḥ ||
Die erste Hälfte verbindet das Heraustreten aus der Versenkung mit der Königin der Vīras und einem Verweilen in Samādhi; die grammatische Beziehung ist gestört. Eine weitere Vereinigung desselben besteht im Aufzehren der Beauftragung [letzte Verbindung unsicher].
Erläuterung: Die Drucklesung samādhisthā steht im Grundtext; samādhisthe ist Variante. Niyogakṣa paṇātmakaḥ wird mit der auffälligen Worttrennung bewahrt. Keine sichere Gleichsetzung von Samādhi und Alltag wird aus dem beschädigten Satz gewonnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 217.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 168
tamākṣipyātra karmāntaḥ kṣatriyasya vadho bhavet ||
Durch die Anwendung des Windwirbels [geschieht] brahmaghāti ohne Unterscheidung [erste Verbindung ungesichert]. Indem man ihn heranzieht, käme hier am Ende der Handlung die Tötung des Kṣatriya zustande.
Erläuterung: Brahmaghāti kann auf Brahmanen-Tötung bezogen werden; der Binnenzusammenhang bleibt yogisch und technisch unklar. Kṣatriya bezeichnet wörtlich einen Angehörigen des Kriegerstandes. Die Stelle wird weder beschönigt noch als praktisch verständliche Gewaltanleitung ausgelegt. Die Grundlesung schreibt vrahma mit v; sie wird nicht still zu brahma normalisiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 217.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 169
tasmādamalasaṃyogād vyaktirvaibhavarūpiṇā ||
Aus dessen Tötung erlangt man wiederholt alles Unbefleckte. Aus dieser Vereinigung mit dem Unbefleckten [entsteht] eine Offenbarung in der Gestalt von Machtfülle …
Erläuterung: Der Bezug der „Tötung“ bleibt wie in 168 unklar. Vaibhavarūpiṇā ist im Satz unregelmäßig; die Aussage führt zu170.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 217.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 170
sandarśapravibhāgoktyā hyanuṣaṅgaphalodgamaḥ ||
… sie steigt auf [rugityeva: beschädigt], ganz oder durch eine Verfahrensweise gekennzeichnet. Durch das Darlegen der Unterteilungen der Schau entsteht die begleitende Frucht.
Erläuterung: Rugityeva wird nicht als Lautformel behandelt. Der erste Halbvers bleibt teilweise unübersetzbar.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 217.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 171
yasyāntaragatatvena kalāmālī hyavigrahaḥ ||
Aus ihrem Entstehen gehen weitere Siddhis nach außen hervor, König. In wessen Innerem der mit einer Kette von Kalās Versehene ohne Gestalt …
Erläuterung: Die zweite Hälfte beginnt einen Satz, der in 172 weitergeht. Kalāmālī wird als technische Bezeichnung erhalten; keine bestimmte Gottheit ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 217.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 172
tatpracāravirodhena kalanātmakakalpanā ||
… sich gewiss überall befindet, gelangt [er] nicht zur Unterteilung des Abhicāra [Verbindung unsicher]. Durch das Hemmen seiner Bewegung [wird] die vorstellende Tätigkeit, deren Wesen zeitliches Bestimmen ist …
Erläuterung: Nābhicāravibhedagaḥ ist nicht sicher zu gliedern; insbesondere wird keine sichere Verneinung sämtlicher Schadensmagie als Lehre behauptet. Fortsetzung in 173.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 217.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 173
jāyate tadabhāvād vā sarvasattvaṃ sakṛtrikam ||
… gehemmt. Dann wird auch die Zeit zur Zeitlosigkeit. Die weitere Fügung nennt bei seinem Fehlen alles Seiende mitsamt dem Hervorgebrachten, bleibt jedoch syntaktisch unvollständig.
Erläuterung: Sarvam stimmt nicht regelgerecht mit kalpanā/viniruddhā überein. Sakṛtrikam ist die gelesene Form; keine vollständige Ontologie wird aus dem beschädigten Satz ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 217.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 174
mattagandhaprayogeṇa cakrāvā pravidāriṇā ||
Wer dies erlangt, Hochbeglückter, wird selbst zum Beender der Zeit. Durch die Anwendung des Mattagandha, der den Kreis aufreißt [cakrāvā: gestörte Verbindung] …
Erläuterung: Mattagandha wird als technische Bezeichnung bewahrt; seine konkrete Bedeutung ist hier nicht gesichert. Fortsetzung in 175.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 218.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 175
nipātya pātagaṃ kṣatramantarasthaṃ dvijaṃ nṛpa ||
… nachdem er alle Knoten aufgebrochen hat, der „Brahma-Kṣatra-Tötung“ zugewandt, nachdem er das stürzende Kṣatra und den innen befindlichen Zweimalgeborenen niedergeworfen hat, König …
Erläuterung: Antarastha bezeichnet den Zweimalgeborenen ausdrücklich als innen befindlich. Das ist ein wichtiger Beleg für den inneren Zusammenhang, aber noch keine vollständige Entschlüsselung beider Bezeichnungen. Granthayaḥ ist unregelmäßig zum Absolutiv angeschlossen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 218.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 176
tadbhavaprāntaviśrāmā dvitīyāt pannilātmaja ||
… durch das Ruhen am Ende dieser Folge entstünde dann dessen Tötung. Die zweite Hälfte nennt ein zweites Ruhen am Ende seines Entstehens, Sohn des Pannila; ihre Kasusverbindung ist gestört.
Erläuterung: Die zweite Hälfte wird nicht in eine eindeutige nummerierte Übungsfolge umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 218.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 177
cāracāragatī dhvanye ṛkṣarāśivibhāgataḥ ||
Durch beständiges Aufsteigen und Absteigen oder durch Hemmen des Verlaufs der Bewegung [geschieht dies]. Die zweite Hälfte verbindet Bewegung, Klang und die Unterteilung nach Gestirnen und Tierkreiszeichen, bleibt aber grammatisch unsicher.
Erläuterung: Vāgaticāra kann hier als vā gaticāra gegliedert werden; cāracāragatī wird unverändert bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 218.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 178
sandhisandhyaṃtarālajño kālacāragatīśvaraḥ ||
In den Zwischenraum von Truṭi zu Truṭi eingetreten, die Unterschiede von Monaten und Tagen [erfassend], die Übergänge und ihre Zwischenräume kennend, [wird er] Herr des Ganges und der Bewegung der Zeit.
Erläuterung: Truṭi bezeichnet eine sehr kleine traditionelle Zeiteinheit. Hier wird keine unbelegte Umrechnung in Sekunden hinzugefügt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 218.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 179
rūḍhakrameṇa vihato yena tasyājñatā bhavet ||
Oder durch das Ruhen jeweils dort wird „Brahma-Kṣatra-Tötung“ überliefert. Bei wem [es] durch die gefestigte Folge vernichtet wurde, für den entsteht ājñatā [Bedeutung hier unsicher].
Erläuterung: Die Wortgrenze tasyājñatā erlaubt nicht die unbesehene Übersetzung „Allwissenheit“. Der Satzanschluss mit 180 ist gestört.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 218.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 180
gaticāranirodhena nihato yena tasya hi ||
Brahma-Kṣatra [unregelmäßig angeschlossener Ausdruck], Hochbeglückter: Dessen Vollendung liegt in seiner Hand. Bei wem [es] durch das Hemmen von Gang und Bewegung vernichtet wurde …
Erläuterung: Die unerwarteten Formen brahmakṣatrā und nihataḥ werden nicht still in den Dual gesetzt. Fortsetzung in 181.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 218.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 181
cāragatyā yena nṛpo nihato yo na sāmpratam ||
… kommen der Eintritt in die „Stadt“ und Āveśa richtig zur Vollendung. Die zweite Hälfte spricht von einem durch den Gang der Bewegung getöteten König, enthält aber den unklaren Zusatz „der jetzt nicht“.
Erläuterung: Die Formulierung yo na sāmpratam bleibt unaufgelöst. Pura/Āveśa werden im Sinne des yogischen Machtkatalogs bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 218.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 182
cāragatyā brahmakṣatrau nihatau yena tasya hi ||
Für ihn wird die Vollendung des Durchdringens außerhalb der Sicht zweifellos wirksam. Wer durch den Gang der Bewegung Brahma und Kṣatra vernichtet hat …
Erläuterung: Der Satz führt zur Zeitmacht in 183. Die dualische Fassung ist ausdrücklich in der Quelle vorhanden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 218.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 183
rakṣābhedakrameṇaiva yenaitau vinipātitau ||
… erlangt richtig die Herrschaft über die Zeit, König. Wer diese beiden durch die Folge des Durchbrechens des Schutzes niedergeworfen hat …
Erläuterung: Rakṣābheda heißt nach der vorliegenden Lesung Durchbrechen beziehungsweise Unterscheiden des Schutzes; keine stille Verbesserung zu einem astrologischen Fachwort. Fortsetzung in 184.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 218–219.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 184
lagnakramavibhāgena karaṇendubalena ca ||
… würde Herr des Sternenkreises; eine große Erschütterung der „Stadt“ entstünde. Durch die Unterteilung der Folge der Aszendenten sowie die Kraft von Karaṇa und Mond …
Erläuterung: Lagna bezeichnet hier astrologisch den Aszendenten. Karaṇa ist im Zeitkontext eine kalendarische Größe; die genaue Anwendung bleibt unbeschrieben. Fortsetzung in 185.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 219.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 185
maraṇaṃ kālacakrasya prabhūtaṃ nāsti saṃśayaḥ ||
… wer die beiden niedergeworfen hat, für den entstünde ebenfalls Schauen in die Ferne und der weitreichende Tod des Zeitrades; daran bestehe kein Zweifel.
Erläuterung: Die Aussage gehört zum historischen Siddhi-Katalog. Maraṇam wird wörtlich mit Tod wiedergegeben, nicht still in einen freundlicheren Begriff geändert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 219.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 186
tasya mantra prasiddhiḥ syād vākpatitvaṃ pravartate ||
Wer die beiden richtig im Zwischenraum von Truṭi zu Truṭi niedergeworfen hat, für den entstünde die vollkommene Wirksamkeit des Mantras; Herrschaft über die Rede tritt hervor.
Erläuterung: Truṭistruṭyantareṇa ist die gedruckte Fügung. Die Stelle nennt keine selbstständig rezitierbare Mantraformel.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 219.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 187
prasphurad vimalaṃ jñānaṃ vibhūtyāsya sphuṭaṃ bhavet ||
[Es entstehen] Kenntnis des Sinnes aller Lehrschriften sowie viccinnajñāna [unklare Verbindung]. Aufleuchtende, unbefleckte Erkenntnis würde durch seine Machtfülle deutlich.
Erläuterung: Viccinnajñāna wird nicht still zu avicchinnajñāna, „ununterbrochener Erkenntnis“, ergänzt; eine solche Negation steht nicht im Grundtext.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 219.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 188
brahmakṣatrau hatau yena tasya siddhiḥ kare sthitā ||
Wer Brahma und Kṣatra durch das Einsetzen der Monatsausdehnung und durch die Verbindung mit der Folge der Karaṇas getötet hat, für den liegt die Vollendung in seiner Hand.
Erläuterung: Māsāyāma ist nicht völlig sicher als einzelner kalendarischer Terminus zu bestimmen; die wörtliche Verbindung wird offengelegt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 219.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 189
asaṅgaphalaṃ prāpya ṣaṭmāsāt siddhireva hi ||
Das Hängen beziehungsweise Anhalten des Baumes und das Aufflammen des Feuers entstehen aus Yoga. Nachdem die Frucht der Nichtanhaftung erlangt ist, [tritt] nach sechs Monaten Vollendung ein.
Erläuterung: Vṛkṣālambhana bleibt in seiner konkreten Bedeutung ungesichert. Die ausdrücklich genannten sechs Monate sind eine Aussage dieses historischen Verfahrens, keine heutige Erfolgsgarantie.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 219.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 190
ṣaṣṭyā dvādaśabhedena tasya tadvat svarodayam ||
Wer durch das Höchste allein Brahma und Kṣatra getötet hat, Königssohn – die Kasusverbindung ist unregelmäßig –, für den [wird] entsprechend das Aufsteigen des Svara mittels sechzig und einer zwölffachen Unterteilung …
Erläuterung: Die Zahlen sechzig und zwölf bleiben erhalten, werden aber nicht ohne klaren Anschluss mit einer bestimmten Einheit versehen. Fortsetzung in 191.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 219.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 191
paradehapraveśādi vṛkṣālaṃbhanapūrvakam ||
… an der äußeren Zeit untersucht; dies würde ihm Frucht gewähren. Der Eintritt in den Körper eines anderen und weitere [Fähigkeiten], denen das Hängen beziehungsweise Anhalten des Baumes vorausgeht …
Erläuterung: Paradehapraveśa ist ausdrücklich der Eintritt in einen fremden Körper; anders als bei dem bloßen Wort pura wird dieser Sinn hier nicht nur erschlossen. Fortsetzung in 192.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 219.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 192
tadā siddhyantyanāyāsād brahmakṣatravadhaiṣiṇaḥ ||
… Brennen ohne Feuer, Durchdringen, Fernschau [durāloka: unregelmäßige Lesung] und ajñatā samt Weiterem werden dann mühelos für den nach „Brahma-Kṣatra-Tötung“ Strebenden wirksam.
Erläuterung: Ajñatā bedeutet nach gewöhnlichem Sanskrit Unwissenheit und passt hier schlecht; es wird deshalb als unsichere Drucklesung kenntlich gemacht, nicht zu „Allwissenheit“ umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 219.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 193
dvijahā nṛpahā yasmāt tasya siddhiḥ pravartate ||
Durch das Verfahren des Sattva-Yoga und entsprechend der Folge der Karaṇas: Für den, der Töter des Zweimalgeborenen und Töter des Königs ist, tritt die Vollendung hervor.
Erläuterung: Sattvayoga ist im vorliegenden Abschnitt nicht zuverlässig auf einen bestimmten modernen Yogabegriff festzulegen. Die drastischen Bezeichnungen gehören zum unaufgelösten technischen Zusammenhang.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 220.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 194
cañcalatvādasthiratvāt tannirodhaḥ sphuṭaṃ yadā ||
Wenn, bei günstiger Frucht und mit dem Aufgehen des zuvor genannten Kreises, dessen Hemmung angesichts seiner Beweglichkeit und Unbeständigkeit deutlich [eintritt] …
Erläuterung: Der genitivische und kausale Anschluss ist elliptisch. Der Satz endet in 195.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 220.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 195
prāṇakālaprayogotthaprāṇoccāragatiḥṃ sadā ||
… dann sind durch den zuvor genannten Yoga die Siddhis fest begründet. Der aus der Anwendung der Atemzeit entstehende Gang des Aufsteigens des Prāṇa ist stets …
Erläuterung: Die Quelle druckt gatiḥṃ; beide Nasalierungs-/Hauchzeichen bleiben erhalten. Prāṇoccāra bezeichnet hier das Aufsteigen beziehungsweise Hervortreten des Lebensatems. Fortsetzung in 196.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 220.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 196
sandhyantarālasaṃyogād brahmakṣatrau hatau yadi ||
… in Bewegung bei diesem großherzigen Sādhaka. Wenn durch die Verbindung mit dem Zwischenraum am Übergang Brahma und Kṣatra getötet sind …
Erläuterung: Die zweite Hälfte eröffnet die Bedingung für197.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 220.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 197
tadā parokṣa evāsya siddhyantyevaṃ na saṃśayaḥ ||
… durch die Anwendung des Vāḍavendra gemäß der zuvor beschriebenen Folge, dann werden für ihn [die Fähigkeiten] auch außerhalb der Sicht auf diese Weise wirksam; daran bestehe kein Zweifel.
Erläuterung: Vāḍavendra wird als ungesicherter technischer Ausdruck bewahrt. Die Quelle bietet keine hier sicher auflösbare Lautformel dieses Namens.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 220.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 198
tatrastho yojanaḥ so vai vedhayennātra saṃśayaḥ ||
Von einer Yojana bis zu einer Entfernung von zehn Yojanas könnte er, dort befindlich, durchdringen; daran bestehe kein Zweifel.
Erläuterung: Die Druckform yojanaḥ an der Subjektstelle ist auffällig und wird nicht still zu yoginaḥ geändert. Eine Yojana ist ein traditionelles Wegmaß; keine unsichere Kilometerumrechnung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 220.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 199
anagnirjvalanaṃ sarvaṃ prakaroti yadṛccayā ||
Das Hängen beziehungsweise Anhalten des Baumes gelingt schon durch den bloßen Blick. Nach Belieben bewirkt [er] alles Brennen ohne Feuer [anagniḥ: unregelmäßiger Anschluss].
Erläuterung: Die Behauptung ist Teil des historischen Machtkatalogs. Der konkrete Vorgang vṛkṣālambhana wird nicht zu einem nachmachbaren Verfahren ausgearbeitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 220.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 200
siddhyatyeva na saṃdeho narendrādividheyatā ||
Ihm gelingt das Heranziehen aus der Ferne, selbst über Hunderte von Yojanas, daran bestehe kein Zweifel. Die Gehorsamkeit von Königen und weiteren [Personen] …
Erläuterung: Die Stelle behauptet Macht über andere und ist deshalb nicht Teil der spirituellen Auswahl. Fortsetzung in 201.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 220.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 201
aṇimādyaṣṭakaṃ prāpya modate sādhakeśvaraḥ ||
… entsteht durch Übung stets mühelos, Jayadratha. Nachdem er die acht [Mächte] beginnend mit Aṇimā erlangt hat, erfreut sich der Herr unter den Sādhakas.
Erläuterung: Die Quelle schreibt ayatnatobhyāsāt ohne reguläres Trennzeichen; dies wird bewahrt. Der erste Halbvers schließt die Aussage über Beherrschung anderer in 200 ab.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 220.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 202
tatra deśādibandhena rātrisañcārayogataḥ ||
Gemäß der Folge des Zeitrades, durch die Verbindung mit der Übung der Karaṇas, durch das Festlegen des Ortes und weiterer [Bedingungen] dort und durch die Verbindung mit der nächtlichen Bewegung …
Erläuterung: Die Strophe eröffnet den Bedingungssatz in 203. Ihre zweite Hälfte ist in 203 im Druck erneut enthalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 220–221.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 203
tatra deśādibandhena rātrisañcārayogataḥ ||
… wenn der Mantrin durch die Verbindung mit dem Herrn der Vīras Brahma und Kṣatra tötet, durch das Festlegen des Ortes und weiterer [Bedingungen] dort und durch die Verbindung mit der nächtlichen Bewegung …
Erläuterung: Die Wiederholung der zweiten Hälfte von202 steht tatsächlich unter einer neuen Originalnummer. Sie wird im Haupttext erhalten, aber nicht als zusätzlicher eigenständiger Praxisgedanke gezählt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 221.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 204
yā rūḍhirabhito jāyet sādhakasya prasarpataḥ ||
… welche Verankerung dann beim voranschreitenden Sādhaka ringsum entsteht, durch die Verbindung mit den Gestalten von Iḍā und den weiteren [Nāḍīs] sowie durch die Haupt- und Unterteilungen des Kreises …
Erläuterung: Die Druckzeilen sind typographisch lang; die ursprüngliche Einzelnummer bleibt erhalten. Der Satz wird in 205 abgeschlossen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 221.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 205
punarapyatra yā vṛttyā nibodhagadato mama ||
… durch diese wird für diesen Yogin alles zuvor Genannte eintreten. Vernimm außerdem von mir, der ich spreche, die hier [wirksame] Bewegungsweise [letzte Fügung gestört] …
Erläuterung: Vṛttyā und nibodhagadato sind die Druckformen. Kein neuer Sprechervermerk wird ergänzt; die Aussage führt zu206.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 221.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 206
śabdavṛttyanusandhānād daśadhā sā nigadyate ||
… durch die die höchste „Brahma-Kṣatra-Tötung“ richtig entstehen könnte. Beim Nachverfolgen der Bewegungsweise des Klanges wird sie als zehnfach bezeichnet.
Erläuterung: Die ausdrücklich zehnfache Gliederung gilt dem Klangverlauf; sie ist keine Anweisung, zehn verschiedene Mantras zu rezitieren.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 221.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 207
sphoṭajhāṅkāranāmānyaḥ saṃyogaḥ sākṛtiḥ svanaḥ ||
Ciñcinī, Vīravān, mit den Unterscheidungen Ghoṣa, Rāva und Svara; weitere heißen Sphoṭa und Jhāṅkāra; dazu Saṃyoga, Sākṛti und Svana [Gliederung der Reihe unsicher].
Erläuterung: Die Vorlage nennt Klangformen. Vīravān und sākṛtiḥ werden nicht still regularisiert. Die syntaktisch gestörte Liste darf nicht als zehn gesicherte Rezitationsformeln ausgegeben werden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 221.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 208
atra caikaikaśo vyakto yadā rūḍhiḥ prajāyate ||
Diese sind als die an einem Ort bestehenden Erscheinungsformen des Klanges zu verstehen. Wenn hier in jeder einzelnen Erscheinungsform Verankerung entsteht …
Erläuterung: Vyakto ist grammatisch unregelmäßig; die Fortsetzung in 209 führt weiter zum problematischen Tötungsterminus in 210.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 221.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 209
tallayādanupālyeva tallayastasya dhīmataḥ ||
… für den höchsten Sādhaka gewiss [manomantavyarūhitaḥ: gestörte Verbindung von Denken und zu Denkendem]. Die zweite Hälfte spricht von Auflösung darin und einem Bewahren beziehungsweise Nachvollziehen dieser Auflösung durch den Einsichtigen; ihre Konstruktion ist ungesichert.
Erläuterung: Insbesondere wird rūhitaḥ nicht zu rahitaḥ verbessert, um eine sichere Aussage über Gedankenfreiheit zu gewinnen. Der grammatische Anschluss an210 bleibt beschädigt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 221.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 210
sparśarūḍhyā vyayasyaivamāstāṃ śṛṇu nṛpātmaja ||
[Es] wäre die Tötung des Brahman beziehungsweise Brahmā und der Kṣatriyas; daran bestehe kein Zweifel. Die zweite Hälfte leitet zum Verankertsein in Berührung und zum Schwinden über: Höre, Königssohn [Fügung unsicher].
Erläuterung: Der Singular brahmaṇaḥ und der Plural kṣatriyāṇām bleiben erhalten. Die erste Form erlaubt ohne weiteren Beleg keine eindeutige Festlegung auf die Gottheit Brahmā.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 221.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 211
āntaro dviprakāraḥ syādālekhyaḥ karaṇodgataḥ ||
Nach äußerer und innerer [Berührung] unterschieden: Die äußeren entstehen aus Freude und Schmerz. Die innere wäre von zweierlei Art; die erste ist ālekhya, aus Karaṇa entstanden …
Erläuterung: Ālekhya heißt gewöhnlich „darzustellen/zu zeichnen“, ist hier aber technisch unklar. Karaṇa wird deshalb nicht als bestimmte Körpertechnik ausgeschrieben. Die zweite Art folgt in 212.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 221.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 212
tatra samyag yayā rūḍhastadā sādhakasattamaḥ ||
… die andere, zweite entsteht aus der Folge des Kanda-Kreises. Wenn der beste Sādhaka durch sie dort richtig verankert ist …
Erläuterung: Der Satz endet mit der Folge in 213; eine neutrale Berührungsübung wird daraus nicht isoliert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 222.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 213
rūpabhedena yo binduścaturdhā varṇabhedataḥ ||
… vergehen Brahma und Kṣatra für den Sādhaka; daran bestehe kein Zweifel. Der Bindu, der nach der Verschiedenheit sichtbarer Gestalten durch die Unterscheidung der Farben vierfach ist …
Erläuterung: Die zweite Hälfte beginnt eine weitere Anwendung über Gestalt und Farbe, fortgesetzt in 214.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 222.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 214
brahmakṣatravadho ṃ jāyet tadvaccātra sa yogataḥ ||
… oder zehnfach, seinem Wesen nach mit Farben versehen: Durch dessen beständige Übung entstünde „Brahma-Kṣatra-Tötung“, entsprechend auch hier durch diese Verbindung [letzter Anschluss unregelmäßig].
Erläuterung: Der Druck bietet nach vadho einen abgesetzten Anusvāra. Er wird als ṃ bewahrt und nicht zu einer eigenständigen Mantrasilbe erklärt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 222.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 215
brahmakṣatravadhaṃ jāyettadvaccātra sa yogataḥ ||
Dieser Geruch ist zweifach; durch dessen Übung [entsteht] sein Schwinden. „Brahma-Kṣatra-Tötung“ würde entstehen, entsprechend auch hier durch diese Verbindung [Kasusverbindung unregelmäßig].
Erläuterung: Gandhodvirūpa ist die zusammengeschriebene Druckform. Die erste Hälfte wird in 216 nahezu gleich wiederholt; beide Originalnummern bleiben erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 222.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 216
brahmakṣatravadhastvevaṃ dinarātrivibhāgajaḥ ||
Dieser Geruch ist zweifach; durch dessen Übung [entsteht] sein Schwinden. Auf diese Weise entsteht „Brahma-Kṣatra-Tötung“ aus der Unterteilung in Tag und Nacht.
Erläuterung: Die erste Hälfte wiederholt215; die zweite leitet zurück zur Zeitgliederung. Eine Ursache der Wiederholung wurde nicht durch Manuskriptkollation festgestellt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 222.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 217
evaṃ prāṇodayāt kālo’pyukto’sau yogināṃ priye ||
Für diesen Yogin ist der Tag gleichmäßig, und die Nacht wäre ihm gleich. So ist auch diese Zeit der Yogins aus dem Aufsteigen des Prāṇa erklärt, Geliebte.
Erläuterung: Es handelt sich um innere Atemzeit, nicht um die Behauptung, astronomischer Tag und Nacht seien zu jeder Jahreszeit gleich lang.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 222.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 218
nāsāgre †mūddhirna† lakṣme vā saṃhṛtyaikāgragaṃ manaḥ ||
Wie man [die Zeit] auf solche Weise überlistet, darüber sage ich dir die Überlieferung: Nachdem man den auf einen Punkt gerichteten Geist an der Nasenspitze, [am Scheitel: unsichere Druckform] oder an einem Ziel gesammelt hat …
Erläuterung: Die ungewöhnliche Schriftverbindung nach nāsāgre ist auch am vergrößerten Bild geprüft, jedoch nicht sicher zu normalisieren. Die Arbeitslesung mūddhirna bleibt mit †…† gekennzeichnet; die naheliegende Deutung „am Scheitel“ wird nicht als gesicherte Sanskritemendation eingesetzt. Lakṣme ist ebenfalls unregelmäßig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 222.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 219
tāvat kālavibhāgantu yogī vañcayate sphuṭam ||
… solange er den aufwärts und abwärts strömenden Wind aufgibt [erste Fügung gestört], so lange überlistet der Yogin deutlich den entsprechenden Zeitabschnitt.
Erläuterung: Die Vorlage ist syntaktisch beschädigt und bietet keine hier verlässlich rekonstruierte sichere Atemanweisung. Das historische Motiv des Überlistens der Zeit bleibt als solches erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 222.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 220
samāvāsarasaṅkhyātā lakṣamālāṃ vikarṣayet ||
[Den Zeitabschnitt] beginnend mit Tuṭi, wie zuvor bezeichnet, vollständig [betrifft dies], Nachkomme des Weisen. Die zweite Hälfte nennt eine nach Jahren und Tagen gezählte Reihe von Hunderttausenden, die ausgedehnt beziehungsweise fortgezogen werden soll; die Verbindung ist gestört.
Erläuterung: Tuṭi wird hier nicht still zu Truṭi verbessert. Aus samāvāsarasaṅkhyātā lakṣamālām wird keine sichere Zahl gewonnener Lebensjahre berechnet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 222.[1]
Innere Vergegenwärtigung und Aufsteigen des Oṃ-Klanges
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 221
prāṇotkalikayā hīnā samāsādyantapālikā ||
Der Yogakenner, der nach der genannten unterschiedlichen Unterweisung den Lebensatem aufgegeben hat [erste Verbindung unregelmäßig] – die zweite Hälfte nennt eine vom Aufwallen des Prāṇa freie Endgrenze, die erreicht wird; der Satzbau bleibt beschädigt.
Erläuterung: Samāsādyantapālikā ist nicht sicher zu gliedern. Daraus wird keine genaue Anweisung zum Anhalten des Atems abgeleitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 222–223.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 222
evamādhikyanaibhṛtyād balasya balavardhanam ||
Die ausgedehnte Ghaṭikā bewirkt für Yogins eine Zunahme der Lebensdauer, Geliebte. Auf diese Weise [entsteht] durch gesteigerte Stille eine Stärkung der Kraft …
Erläuterung: Der Rückbezug auf221 ist ungesichert. Ghaṭikā bezeichnet ein traditionelles Zeitmaß. Die behauptete Lebensverlängerung ist eine Textaussage, keine medizinische Feststellung. Fortsetzung in 223.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 223.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 223
athācalākṣamālāyāṃ cittasthairyagato muniḥ ||
… und [eine Zunahme] der Lebensdauer und weiterer [Güter] lebender Wesen durch die Yogaübung [erste Fügung unregelmäßig]. Nun sollte der Weise, der bei der unbewegten Akṣamālā zur Festigkeit des Geistes gelangt ist …
Erläuterung: Akṣamālā kann eine Perlen- oder Buchstabenreihe bezeichnen; im vorliegenden Zeit-/Klangzusammenhang ist eine materielle Gebetskette nicht sicher gemeint. Fortsetzung in 224.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 223.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 224
tenāsyākāśagāmitvamacirāt samprajāyate ||
… im Inneren ohne Stütze den Yoga der Kraft üben. Dadurch entsteht für ihn binnen Kurzem die Fähigkeit, sich im Raum zu bewegen.
Erläuterung: Ākāśagāmitva ist die vom Text behauptete Fähigkeit des Gehens durch den Raum. Die bedingende Vorstrophe und der Machtkontext bleiben zu beachten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 223.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 225
tattat tanmayatatvasya cittaṃ yat samupaiti hi ||
Nun soll man die Gestalt der beiden mit der Bewusstseinskraft vergegenwärtigen. Der Geist gelangt jeweils zu dem Wesen des Davon-Erfülltseins [Satzfügung unregelmäßig].
Erläuterung: Welche beiden hier gemeint sind, ist im Anschluss nicht sicher bestimmbar. Cittaśakti ist die Kraft des Bewusstseins.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 223.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 226
manaḥ sādhanamuddiṣṭaṃ sādharmayād dharmabhāvagam ||
Die erste Hälfte beginnt mit „sieh unten“ und nennt die Gesamtheit des Handelns sowie das in unendlichen Formen zu Verwirklichende; ihre Verbindung ist unklar. Der Geist ist als Mittel der Verwirklichung bezeichnet, das aufgrund von Gleichartigkeit in den Zustand der betreffenden Eigenschaft gelangt.
Erläuterung: Paśyādhaḥ und sādharmayāt sind die Druckformen. Der erkennbare Gedanke einer Angleichung des Geistes wird nicht zu einem allgemeinen Erfolgsversprechen erweitert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 223.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 227
nivṛttau cāpyupāyogaḥ śaṃsito yogavittamaiḥ ||
Das Entfachen der Winde und Feuer sowie ihre Verbindung werden hinsichtlich des Wirkens überliefert. Auch beim Zurücktreten wird die Anwendung von denen gepriesen, die Yoga aufs Beste kennen.
Erläuterung: Nivṛtti kann hier Rückzug beziehungsweise Aufhören bedeuten. Es wird an dieser Stelle nicht ohne Beleg als bestimmte Kalā-Stufe festgelegt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 223.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 228
samatvāgatacittena calācalaguṇaṃ na hi ||
Die eigene Aufgabe [gelingt] nicht mit einem anderen Geist; der weitere Vergleich mit einem aus Wasser Bestehenden bleibt unklar. Mit einem zur Gleichheit gelangten Geist [folgt eine beschädigte Verneinung hinsichtlich] der Eigenschaft des Bewegten und Unbewegten.
Erläuterung: Die beiden Verneinungen werden nicht aus der Übersetzung gestrichen. Die Strophe lässt sich aus der vorläufigen Lesung nicht als vollständige sichere Regel wiedergeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 223.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 229
mitrārisāmabhedantu jñātvāvaraṇa saṃsthitam ||
Der Einsichtige soll das Bewegte durch den Zustand der Unbewegtheit verwirklichen. Nachdem er die Unterscheidung von Freund, Feind und dem Gleichstehenden erkannt hat, [die] in der Umhüllung besteht …
Erläuterung: Der letzte Anschluss ist unregelmäßig und führt zu230. Mitra/ari werden als Freund/Feind erhalten, nicht zu angenehmen und unangenehmen Gedanken umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 223.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 230
atha guptataraṃ yogaṃ śṛṇu bhairavabhāṣitam ||
… verhält es sich bei denen, die mit der Verwirklichung von Handlungen befasst sind, nicht anders, Pārvatī. Nun höre den noch geheimeren Yoga, den Bhairava ausgesprochen hat …
Erläuterung: Die Anrede Pārvatī steht in der Quelle, obwohl zuvor auch Jayadratha angesprochen wurde. Es wird kein unbelegter Sprecherwechsel eingefügt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 223.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 231
sarojāsanamārūḍho yogī svastikameva vā ||
… der im Körper durch Erfahrung zugänglich ist und aus der Kraft des Vīra entsteht. Der Yogin hat den Lotossitz oder den Svastika-Sitz eingenommen …
Erläuterung: Der Sitz ist eine Voraussetzung der folgenden zusammenhängenden Vergegenwärtigung; die Strophe beschreibt noch keine vollständige Übung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 224.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 232
tuṅgīkṛtagalodīrṇavivṛtādharapallavaḥ ||
Die erste Hälfte verbindet ein ausgestrecktes Haupt mit einer am Scheitel angesetzten Erregung beziehungsweise Sammlung, ist jedoch beschädigt. [Der Yogin hat] die Kehle angehoben und die wie junge Blätter vorgestellten Lippen aufgerichtet und geöffnet.
Erläuterung: Ātānitaśirorasthā und die ungewöhnliche Scheitel-Schreibung sind nicht sicher zu normalisieren; vgl.218. Eine präzise Kopf-/Halsstellung wird deshalb nicht rekonstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 224.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 233
tasya vṛttiṃ samālambya nabhasvantaṃ mahaughagam ||
Er soll den Oṃ-Klang nach oben hervortreten lassen, jedoch nicht in dessen Lautgestalt; sich auf dessen Verlauf stützend, [vergegenwärtigt er] den Wind, der im großen Strom geht …
Erläuterung: Die Quelle schreibt tatśavdarūpiṇam. Die ausdrückliche Verneinung der gewöhnlichen Lautgestalt ist entscheidend: Der Vers belegt einen inneren Uccāra im vorausgesetzten Yoga-Verfahren und wird nicht als kontextfreie akustische Oṃ-Rezitation angeboten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 224.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 234
samāhitamanā yogī nirgaccantaṃ nirālayam ||
… besetzt mit kleinsten Teilchen, deren Gestalten Glühwürmchen gleichen, austretend, ohne Aufenthalt: [So vergegenwärtigt ihn] der Yogin mit gesammeltem Geist …
Erläuterung: Nirgaccantam bleibt nach dem Druck erhalten. Das Objekt stammt aus233; die Zeilen sind nicht selbstständig als Gebet zu lesen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 224.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 235
tatspaśaṃ pipīlikāvadārambhe bhāvya yogavit ||
… durch den Raum zur Anordnung des Trikūṭa des beständig Bestehenden in Brahman-Gestalt [Kasusverbindung ungesichert]. Der Yogakenner soll seine Berührung zu Beginn wie [das Krabbeln] einer Ameise vergegenwärtigen.
Erläuterung: Trikūṭa heißt „drei Gipfel“ und ist hier eine innere Ortsbezeichnung. Tatspaśam ist die Druckform; die Deutung als Berührung folgt dem unmittelbaren Zusammenhang.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 224.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 236
truṭyad raśmivadastulyaṃ tato vṛtkālasampadam ||
Dann [entstehen] ein Durchdringen wie durch einen Dorn und eine entsprechende Empfindung. Die zweite Hälfte vergleicht mit einem reißenden Strahl beziehungsweise Band und nennt eine Zeitfülle, ist aber beschädigt.
Erläuterung: Raśmi kann Strahl oder Zügel/Band heißen. Truṭyad raśmivadastulyam und vṛtkālasampadam erlauben keine sichere vollständige Satzübersetzung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 224.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 237
pūritākāśamārgantu pravṛddhaṃ dṛśyate’malam ||
Dann wird es angewachsen und unbefleckt geschaut, den Raumweg erfüllend, mit einem Glanz wie ein hohes Flammenbüschel in der Farbe eines Lotos.
Erläuterung: Amvuruha, ucca und samaccavi sind die nichtklassischen Druckformen. Die Farbangabe wird als Lotosfarbe erhalten; eine bestimmte moderne Farbskala wird nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 224.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 238
kathitaṃ yogināṃ taddhi nirvyājaṃ tādṛśaṃ bhavet ||
In ihm aufgegangen [ist] der damit verbundene Yogin. Die weitere Fügung enthält „höre“ und „schaut oder“, bleibt aber gestört. Denn das für die Yogins Gesagte wäre unverstellt von solcher Beschaffenheit.
Erläuterung: Śṛṇu te ist die Drucktrennung; es wird nicht still zu śṛṇute, „er hört“, zusammengezogen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 224.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 239
prayātyayaṃ guṇaṃ dhāma dhāmnāṃ nidhiranāmayam ||
Weil sein Geist zur Gleichheit gelangt ist, hat er dessen eigene Gestalt erreicht. Er geht zur makellosen Stätte, dem Schatz der Stätten [guṇam ist unregelmäßig angeschlossen].
Erläuterung: Dhāman kann auch Glanz beziehungsweise Wirkungsbereich bezeichnen. Die Deutung als Stätte folgt dem Bewegungsverb prayāti; die Mehrdeutigkeit bleibt bestehen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 224.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 240
nirgatya līyate vyomni tīvroddhātabahiṣkriyā ||
Dann tritt es im reinen Traikaṭa, das inmitten des Fließenden liegt [Verbindung unsicher], hinaus und löst sich im Raum auf. Die abschließende Verbindung nennt eine heftige, nach außen gerichtete Erhebung, ist aber gestört.
Erläuterung: Traikaṭa steht im Druck und wird nicht still durch Trikūṭa ersetzt. Der genaue Ablauf von tīvroddhātabahiṣkriyā bleibt offen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 224–225.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 241
yogo’yamamṛtātmā tu yogināmamṛtapradaḥ ||
Und er fällt davon nicht ab [ākarṣākārite: ungesicherter Anschluss], Makelloser. Dieser Yoga hat das Unsterbliche zu seinem Wesen und gewährt den Yogins Unsterblichkeit.
Erläuterung: Amṛta bedeutet das Unsterbliche beziehungsweise den Unsterblichkeitstrank. Der Vers behauptet dies im vorausgesetzten Yoga-Zusammenhang; keine biologische Wirkung ist damit überprüft.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 225.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 242
āyāmāpānasaṅkocaḥ kāryo dehavikampagaḥ ||
Nun, nachdem man mit Sorgfalt durch das Paar kaṃ am Scheitel unbeweglich gemacht hat [erste Hälfte ungesichert], ist eine Zusammenziehung von Āyāma und Apāna zu vollziehen, die mit einer Erschütterung des Körpers einhergeht.
Erläuterung: Dvandva, kaṃ und die Scheitel-Schreibung sind im Verfahren nicht sicher auflösbar. Kaṃ ist hier kein hinreichend belegtes selbstständiges Bīja. Es wird keine ausführbare Atemhalteanleitung daraus hergestellt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 225.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 243
tat tāvadupalabhyantu yāvat syāduṣānāgamaḥ ||
Wenn dies intensiv vollzogen wird, soll man das dabei entstehende [yaccandam: unklar] so lange wahrnehmen, bis uṣānāgama eintritt [unsichere Bezeichnung].
Erläuterung: Tasmnin, yaccandam und uṣānāgama sind die Druckformen. Die letzte Form wird nicht ohne Beleg zu uṣṇāgama, „Aufkommen von Wärme“, verbessert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 225.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 244
tṛtīye bālasaṃspṛṣṭo balavad viṣayātmavān ||
Im ersten Lava [besteht] Verbindung mit dem Bindu, im zweiten Verbindung mit dem Svara. Im dritten [ist man] von bāla berührt und stark vom Gegenstandsbereich erfüllt [letzte Verbindung unsicher].
Erläuterung: Lava ist eine kleine Zeit- beziehungsweise Ablaufeinheit. Bāla ist nicht still zu bala oder vāla geändert; die dritte Stufe bleibt ungesichert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 225.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 245
yogānāṃ […] jāyante […] parikīrtitaḥ ||
Glied für Glied schaut der Yogin die im Dasein befindlichen zu verwirklichenden [Dinge]. Die zweite Hälfte enthält Drucklücken: „der Yogas … entstehen … ist erklärt“.
Erläuterung: Die auffälligen Leerräume der zweiten Druckzeile sind als […] erfasst. Kein vollständiger Sinn wird aus ihnen rückübersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 225.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 246
dehe’nubhavarūpantu sampradāyaikasādhanam ||
Nachdem er diesen vornehmsten Genuss erlangt hat, König, würde er Anteil am Nirvāṇa erhalten. [Nun folgt] ein im Körper erfahrbares [Verfahren], dessen einziges Mittel die Überlieferung ist …
Erläuterung: Rājanirvāṇa wird als Anrede rājan plus nirvāṇa verstanden; es wird kein technischer Begriff „Königsnirvāṇa“ erfunden. Die zweite Hälfte leitet zu247 über.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 225.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 247
tatra kāntamaṇiprakhyaṃ golakaṃ dṛṣṭanaṣṭakam ||
Man soll den Geist als an den Spitzen beider großer Zehen kreisend vergegenwärtigen, dort als eine Kugel, die einem schönen Edelstein gleicht und, eben gesehen, wieder verschwindet.
Erläuterung: Kāntamaṇi bezeichnet einen schönen beziehungsweise anziehenden Edelstein; keine bestimmte Mineralart wird festgelegt. Die Meditation wird in 248 fortgesetzt.246 leitet diesen neuen Vergegenwärtigungsabschnitt ein;249 wechselt zu einer weiteren Körperstelle.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 225.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 248
nivṛtteradhikārantu yogī bhuṅkte svalīlayā ||
Nachdem er durch das Stillstellen des Geistes die Spitze [zum Bezugspunkt] gemacht hat und darin aufgegangen ist, genießt der Yogin spielerisch den Wirkungsbereich der Nivṛtti.
Erläuterung: Nivṛtti ist hier im anschließenden Stufenzusammenhang als Kalā-Bereich zu verstehen. Die ausdrückliche Vergegenwärtigung an den großen Zehen stammt aus247; der Satz wird nicht davon getrennt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 225.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 249
mandirāvarttagovindasiddho vedyaṃ padaṃ dadet ||
Auf diese Weise verweilt [die Kraft] an der Spitze des Gliedes und verehrt die Zunahme der Pratiṣṭhā. Die zweite Hälfte verbindet mandirāvartta, Govinda und einen Vollendeten mit dem Gewähren der zu erkennenden Stätte; sie bleibt beschädigt.
Erläuterung: Dhvaja, wörtlich Banner, wird hier im aufsteigenden Körperzusammenhang als männliches Glied verstanden; eine rein symbolische Lesung wird nicht behauptet. Die schwer verständliche zweite Hälfte wird nicht als ausführbare sexuelle Praxis ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 225.[1]
Die Gestalt Kālasaṅkarṣaṇīs
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 250
yat taddhi paramaṃ dhāma kandalatrayavandhakam ||
Ins Beständige eingetreten, unergründlich, soll man den Bereich des Nahen [antigocara: unsicher] verwirklichen: jene höchste Stätte, die die Dreiheit der Sprosse bindet.
Erläuterung: Kandalatrayavandhakam ist die Druckform. Welche drei inneren Gebilde gemeint sind, wird nicht aus einem späteren Chakrasystem ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 226.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 251
prasphurantaṃ samantāt tu tasmin vīkṣya sthirātmavān ||
Nachdem man dort mit festem Inneren [jene Stätte] geschaut hat, ringsum aufleuchtend, mit weißen, schönen Blättern beziehungsweise Blütenblättern als Gliedern, eine Ansammlung von Licht- beziehungsweise Schattenpunkten …
Erläuterung: Cāyā ist die Druckform für das hier wohl gemeinte chāyā; die Ambivalenz von Schatten, Erscheinung und Glanz bleibt erhalten. Satzfortsetzung in 252.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 226.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 252
tanniṣpannaṃ yadā samyak tadā tad rūpatāṃ gataḥ ||
… durch das Einssein mit der Bewusstseinskraft zu einer Einheit verdichtet wie ein Gefäß: Wenn dies richtig vollendet ist, dann ist [der Yogin] zu dessen Gestalt gelangt …
Erläuterung: Kumbha heißt hier Gefäß beziehungsweise Krug; der Vergleich wird nicht als zusätzliche Anweisung zu Kumbhaka, Atemanhalten, aufgelöst.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 226.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 253
yogī sarvaguṇaṃ bhuktvā yogyānāmayamiccayā ||
… der Kālasaṅkarṣaṇī gleich, deren Entfaltung im Wesen Śāntyatīta ist. Nachdem der Yogin alle Qualitäten genossen hat, [folgt eine gestörte Wendung über] das Unversehrte und den eigenen Willen.
Erläuterung: Śāntyatīta ist die Stufe jenseits von Śānti. Die Druckform yogyānāmayam erlaubt keine sichere vollständige Übersetzung des zweiten Halbverses. Iccayā ist die nichtklassische Druckform.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 226.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 254
bhuktvā parāparāṃ lakṣmīmasamānaṃ tyajecciraṃ ||
Wer gelangt nicht durch den sechsfachen Yoga, dessen Wesen Śiva ist, zur höchsten Stätte? Nachdem man höhere und niedere Fülle genossen hat, sollte man das Ungleiche beziehungsweise Unvergleichliche auf lange Zeit aufgeben [Anschluss unsicher].
Erläuterung: Die Negation na steht in einer rhetorischen Frage; die Zahl sechs bleibt erhalten. Die zweite Hälfte wird wegen asamānam nicht zu einer uneingeschränkten Lebensregel geglättet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 226.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 255
prāṇāyāmādikairaṅgaisthiraḥ svāntātmavān guṇīḥ ||
Die reine, in ihrer Kraft fest gegründete, immer wonnevolle und stets aufgehende [Gestalt soll man vergegenwärtigen]. Durch die Glieder beginnend mit Prāṇāyāma gefestigt, im eigenen Inneren gesammelt und mit Qualitäten versehen …
Erläuterung: Der feminine Akkusativ ist ohne unmittelbar klares Bezugswort angeschlossen. Guṇīḥ mit abschließendem Visarga wird nach dem Druck bewahrt; der Satz führt zur Gestaltvergegenwärtigung in 256–257.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 226.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 256
sarvāvayavasaṃpūrṇamanulomavilomataḥ ||
Die erste Hälfte verbindet die Gestalt mit dem Hervortreten des Bezeichnenden, ist jedoch sprachlich beschädigt. Mit allen Gliedern vollständig, in Vorwärts- und Rückwärtsfolge …
Erläuterung: Vācakoccārasaṃsāracitam und rūpakaḥ sind unregelmäßig. Der Satz wird in 257 fortgesetzt; ein vollständiger Mantratext steht hier nicht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 226.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 257
tattanmayatvamāpannastatsvarūpamavāpnuyāt ||
… soll man [sie] mit der Bewusstseinskraft vergegenwärtigen, ganz von Śivas Kraft erfüllt. Indem man völlig darin aufgeht, würde man ihre eigene Gestalt erlangen.
Erläuterung: Der Gegenstand der Vergegenwärtigung gehört zum vorausgehenden Satz255–256; die Strophe wird nicht als unabhängige Aussage über beliebige Wunschbilder aufgefasst.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 226.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 258
tāpicca puṣpavistāri cāyāpallavavistaram ||
[Man vergegenwärtige] den erhabenen, hoch aufragenden Kranz der Haarflechten mit bienenartigem [dunklem] Glanz, weit ausgebreitet wie Tāpiccha-Blüten, mit der Ausdehnung eines Laubschattens.
Erläuterung: Dvirepha bedeutet „Biene“, wörtlich „mit zwei r-Lauten“. Die unregelmäßigen Verbindungen uccābha und cāyāpallava werden nach der Vorlage beibehalten; die Farbbestimmung bleibt eine kontextuelle Deutung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 226.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 259
bhāvayeccāṃśusaṃghaṭṭaṃ hṛtavetālasañcaram ||
Man soll das Zusammentreffen der Strahlen vergegenwärtigen, reich an juwelengeschmückten Schlangenwindungen und von Windungen zusammengehalten; [hṛtavetālasañcaram: unklarer Zusatz über Vetālas].
Erläuterung: Bhoga kann Genuss oder Schlangenwindung heißen; wegen des folgenden Schlangenschmucks wird hier die zweite Bedeutung gewählt. Der Vetāla-Ausdruck wird nicht in eine sichere Aussage über besiegte Dämonen umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 226–227.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 260
mukuṭaṃ bhāvayitvā tu lalāṭaṃ bhāvayet sudhīḥ ||
Nachdem der Einsichtige die Krone vergegenwärtigt hat, rein wie Muschel und Mondsichel [der Anschluss über das ringsum Bedeckende ist gestört], soll er die Stirn vergegenwärtigen.
Erläuterung: Samantācchāditāpāṅga wird nicht durch erfundene Schmuckdetails ergänzt. Die Quelle schreibt hier sudhīḥ mit abgesetztem Hauchzeichen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 227.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 261
cakṣuratra vibhāvyoccairupetaṃ bhūtale site ||
Hier soll man das Auge vergegenwärtigen, hoch aufragend, dem Raum zugehörig und auf einem weißen Grund erschienen; die erste Verbindung über flammenartige Erscheinung ist beschädigt.
Erläuterung: Tarūrapācchikhātopaiḥ ist nicht sicher zu übersetzen. Der Bezug auf ein Stirnauge ergibt sich aus260 und dem anschließend gesondert beschriebenen Augenpaar in 262.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 227.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 262
cakṣuṣī pakṣaśobhāḍhye cintayenmanasā hitam ||
Dann soll man mit gesammeltem Sinn die beiden Augen vergegenwärtigen, mit Lotosglanz und reichem Wimpernschmuck; die weitere Benennung vergleicht [sie beziehungsweise ihre Einfassung] mit einem bespannten Bogen.
Erläuterung: Jyāsajju ist die unregelmäßige Druckform. Die genaue Verteilung des Bogenvergleichs auf Augen oder Brauen bleibt offen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 227.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 263
bhāsvadvikāsasadrūpāṃ nāsikāṃ cintayet tataḥ ||
Die erste Hälfte nennt lange herabhängende Ohren und Schmuck, ist jedoch beschädigt. Dann soll man die Nase vergegenwärtigen, von einer Gestalt wie leuchtende Entfaltung.
Erläuterung: Pralambaśravaṇādhanmātra wird nicht zu einer bestimmten Zahl oder Art von Ohrringen rekonstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 227.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 264
nyagrodhodarkasaṃkāśamunnatādharapallavam ||
[Man vergegenwärtige] die schönen, ebenmäßigen Wangen und Lippen, glänzend wie ein aufleuchtender Spiegel, und die hervortretende, einem jungen Blatt gleiche Lippe, ähnlich dem [nyagrodhodarka: unklarer Teil] des Nyagrodha-Baumes.
Erläuterung: Die Formen kapoloṣṭhau und nyagrodhodarka sind unregelmäßig. Die geläufige Deutung als rote Baumfrucht wird nicht ohne sicheren Wortlaut eingesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 227.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 265
aṭṭahāsotthacāyābhapariveśāvagūhitam ||
[Das Gesicht] trägt den Glanz eines Saphirs, leuchtet durch seine Zahnreihe und ist von einem Strahlenkreis umfangen, der wie die aus schallendem Lachen aufsteigende Erscheinung ist.
Erläuterung: Dvija bedeutet hier Zahn, nicht Brahmane oder Vogel. Die Quelle schreibt cāyā; das folgende vaktra in 266 liefert den Bezug auf das Gesicht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 227.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 266
śaśikāntarugūrdhvantu māghonaṃ kiṃśukaśriyam ||
Man soll das bezaubernde, zur Schönheit gehörige Gesicht vergegenwärtigen [nato: „geneigt“, unregelmäßig angeschlossen]. Die zweite Hälfte verbindet Mondsteinglanz, māghona und die Pracht des Kiṃśuka, ist jedoch nicht sicher zu konstruieren.
Erläuterung: Māghona bleibt ungelöst. Kiṃśuka bezeichnet den auffällig blühenden Palāśa-Baum; aus der gestörten Reihe wird keine eindeutig bestimmte Gesichtsfarbe errechnet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 227.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 267
viśuddhālakalāvaṇyaccāyālokarugāgamam ||
[Das Gesicht] ist von den Richtungen der Haupthaare umgeben, die wie ein Ring von śṛṅgālī erscheinen [Vergleich unklar], und besitzt den hinzutretenden Glanz der Erscheinung reiner, schöner Locken.
Erläuterung: Śṛṅgālī wird nicht still zu einer Bienenbezeichnung verbessert; auch die Verbindung der Glanzwörter im zweiten Halbvers ist unregelmäßig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 227.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 268
tato’mbhojojjvalagrīvāsamānaṃ kandharāśrayam ||
[Man vergegenwärtige] einen Glanz wie aufleuchtender Kristall in der offenbaren Pracht des „Herrn der Wasser“. Dann [folgt] der Halsbereich, dem lotosleuchtenden Nacken gleich [Satzfügung ungesichert].
Erläuterung: Saphāṭika ist die Druckform, nicht still sphāṭika. Apāṃpati kann den Ozean oder den Herrn der Wasser bezeichnen; die konkrete Bildbeziehung bleibt offen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 227.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 269
suślakṣṇamaṇihārorusūtrāntarambilambitam ||
[Der Halsbereich ist] mit einer Ansammlung von Wasser-/Edelsteinreihen geschmückt [erste Verbindung beschädigt], mit einer sehr glatten Juwelenkette, die zwischen den breiten Schnüren herabhängt [letzte Fügung unregelmäßig].
Erläuterung: Ambuvaṇivrāta und antarambilambitam werden nicht durch erfundene Schmuckmaterialien oder Maße ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 228.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 270
mṛduvṛttonnatau tasyā daśadordaṇḍalālasau ||
Man soll dies mit der Bewusstseinskraft vergegenwärtigen, die halb nach außen freigesetzt ist. Die zweite Hälfte nennt an ihr zwei weiche, runde Erhebungen und „zehn Armstäbe“, bleibt aber im Anschluss beschädigt.
Erläuterung: Daśa bedeutet ausdrücklich zehn. Aus dem Dual mṛduvṛttonnatau und der Zehnerangabe wird keine widerspruchsfreie neue Ikonographie konstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 228.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 271
vistīrṇaśākhākalitāścandanānāṃ drumā iva ||
Auch die Arme sind stets zu meditieren, auf vielfache Weise angeordnet, mit ausgebreiteten Zweigen versehen wie Sandelholzbäume.
Erläuterung: Doṣṇaḥ ist die Druckform; der Vergleich nimmt die Arme als weit ausladende Zweige wahr.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 228.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 272
kalācitāstu sarvāsu dorlatāsuvicintayet ||
Man soll [den Schmuck] an allen rankengleichen Armen vergegenwärtigen, mit Kalās versehen, geschmückt mit prächtigen Armreifen aus Menschenknochen und subhrūṭaka [unklarer Schmuckbezeichnung].
Erläuterung: Der Menschenknochenschmuck wird als tatsächliches historisches Bild bewahrt. Subhrūṭaka wird nicht ohne Beleg in einen vertrauten Schmucknamen geändert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 228.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 273
bāhumadhyeṣu dīpyantāṃ svaprabhāsvaprakāśikām ||
[Man vergegenwärtige] sie, zur Schlangenschlinge gestaltet durch Schlangen mit aufblitzenden Zähnen und Windungen, inmitten der Arme leuchtend, aus eigenem Glanz sich selbst erhellend.
Erläuterung: Das feminine Bezugswort ist elliptisch. Die Schlangen sind ikonographischer Schmuck beziehungsweise Attribut; daraus wird kein Umgang mit lebenden Schlangen empfohlen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 228.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 274
cintayitvā karāgrasthaṃ cintayed vedimaṇḍalam ||
Nachdem man das Aufsteigende, Gemischte wie nächtliche Scharen in ciñca-Glanz vergegenwärtigt hat [erste Hälfte beschädigt], soll man den an den Handspitzen befindlichen Kreis der Vedi vergegenwärtigen.
Erläuterung: Ciṃca und vedimaṇḍala sind in dieser Verbindung nicht zuverlässig bestimmt. Die zweite Bezeichnung wird nicht still in „Waffenkreis“ geändert, obwohl eine Attributliste folgt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 228.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 275
triśṛṅgaṃ mārgaṇaṃ śabdaṃ varadaṃ madhyagocare ||
[Die Liste nennt] einen Kreis mit drei Spitzen, etwas Gekrümmtes, tamālamaṇikuṭṭike [unklar], ein Dreihörniges, einen Pfeil, Klang und das Gewähren von Gaben im mittleren Bereich.
Erläuterung: Die Aufzählung ist beschädigt; die nicht sicher identifizierten Gegenstände werden nicht in eine festgelegte Bildliste von Waffen umgearbeitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 228.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 276
khaṭvāṅgaṃ mudgaraṃ carma darpaṇaṃ cāpi madhyataḥ ||
[Ferner nennt sie] einen Bogen, Furcht, einen Lotos, einen Kopf, eine Schlinge und ein Glöckchen, einen Khaṭvāṅga-Stab, einen Hammer, Haut beziehungsweise Schild und auch einen Spiegel in der Mitte.
Erläuterung: Bhayam heißt nach dem Druck Furcht; es wird nicht still zu abhaya, der Schutzgeste, ergänzt. Khaṭvāṅga ist der mit Schädel-/Knochenbezug versehene tantrische Stab. Carma kann Fell oder Schild bedeuten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 228.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 277
trivalīrāji jaṭharaṃ sukukṣiṃ ca vibhāvayet ||
Zwei hoch aufragende, gipfelförmige [Erhebungen] sind zu meditieren, mit nyastāveśapriya verbunden [unklar]. Man soll den Bauch mit seiner Reihe von drei Falten und die schöne Körpermitte vergegenwärtigen.
Erläuterung: Die erste Hälfte dürfte die Brüste bezeichnen, bleibt aber ohne klares Substantiv. Trivalī nennt ausdrücklich drei Bauchfalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 228.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 278
śirojanmajaṭaḥ sohi samālocyastu yoginā ||
Die erste Hälfte nennt eine Anordnung im Brustbereich und eine schwingende Fünfergruppe [pañcavaṭa: unklar]. Die zweite spricht von aus dem Haupt hervorgehenden Haarflechten, die der Yogin betrachten soll; die Satzverbindung bleibt beschädigt.
Erläuterung: Es wird keine bestimmte fünfteilige Kette aus der ungesicherten Bezeichnung rekonstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 228–229.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 279
nibaddhaṃ tanmahānāgairbhogaratnaprabhojjvalaiḥ ||
[Man vergegenwärtige] ein frisches Tigerfell, prächtig durch herabrinnende Blutstropfen, befestigt mit großen Schlangen, die vom Glanz der Juwelen ihrer Windungen erstrahlen.
Erläuterung: Die drastische materielle Bildlichkeit wird unverändert übersetzt; die Strophe ist keine Beschaffungsanweisung und kein Eintrag der Praxisauswahl.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 229.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 280
caraṇākrāntakālañca cintanīyaṃ vipaścitā ||
Der Einsichtige soll [die Gestalt] vergegenwärtigen, deren breiter Hüftbereich die gesamte Scham verhüllt und deren Fuß Kāla niedertritt.
Erläuterung: Kāla bezeichnet hier die unter dem Fuß befindliche Macht der Zeit beziehungsweise des Todes. Die konkrete Bildaussage wird nicht in eine bloße Stimmung aufgelöst.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 229.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 281
cintayitvā tu gulphasthaṃ bhaujaṅghaṃ nūpuradvayam ||
Nachdem man das Paar der Oberschenkel [erste Verbindung beschädigt] und die schönen Unterschenkel vergegenwärtigt hat, [betrachte man] das Paar schlangenartiger Fußringe an den Knöcheln.
Erläuterung: Satambhorumagrasaṃsthānādūyugmam ist sprachlich gestört. Bhaujaṅgha ist die gelesene Form; sie wird nicht still zu einer klassischen Ableitung von bhujaṅga geändert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 229.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 282
vikośāmburuhaprakhyaṃ pādayugmaṃ vicintayet ||
Man soll das Fußpaar vergegenwärtigen, erhellt durch das Leuchten, das von den Spitzen der Scheiteljuwelen ausgeht, einem Paar geöffneter Lotosblüten gleich.
Erläuterung: Der Rückbezug auf die schlangenartigen Fußringe in 281 erklärt die Scheiteljuwelen; die Form padyugam bleibt unregelmäßig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 229.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 283
mudrikābhiḥ kṛtābhogakarapādadhṛtāṅguli ||
[Die Gestalt hat] Finger an Händen und Füßen, die von Ringen umwunden sind, mit Gonāsa-Schlangen durchsetzt und durch zweizüngige [Schlangen] gefärbt beziehungsweise geschmückt.
Erläuterung: Die Kasusfügung ist gestört. Gonāsa ist eine Schlangenbezeichnung; keine moderne zoologische Artbestimmung wird behauptet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 229.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 284
sarvāṅgapiṅgalaṃ bhāvyaṃ maṇiṃ sakalasambhavam ||
Mit eingeübter innerer Einsicht soll man [sie] mit schönen, juwelenbesetzten [Verzierungen] vergegenwärtigen. Ein an allen Gliedern gelbbrauner Edelstein, aus dem alles hervorgeht, ist zu vergegenwärtigen [Bezug unsicher].
Erläuterung: Die zweite Hälfte bleibt in ihrem Subjektbezug unklar; piṅgala wird als Farbangabe bewahrt, nicht zur Nāḍī Piṅgalā umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 229.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 285
sarvāvayavasaṃpūrṇāṃ kālasaṅkarṣaṇīmumām ||
Die reizvolle, aus khola-Schlangen bestehende, auf dem Haupt befindliche [Zier] ist zu vergegenwärtigen [erste Bezeichnung unklar]. [Man vergegenwärtige] Umā als Kālasaṅkarṣaṇī, vollständig mit allen Gliedern …
Erläuterung: Kholoraga wird nicht zu einer sicher bekannten Schlangenart ergänzt. Hier werden Kālasaṅkarṣaṇī und Umā ausdrücklich miteinander verbunden; die Bildfolge erhält damit einen gesicherten Göttinnenbezug.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 229.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 286
jyeṣṭhāgrād yāvan mūrddhāntamūrdhvapādāvasānikam ||
… oder der Yogakenner soll sie in einer aus dem eigenen Geist gestalteten Form vergegenwärtigen. Die zweite Hälfte beschreibt einen Verlauf von jyeṣṭhāgra bis zum Scheitel und mit aufwärts beziehungsweise zu den Füßen reichendem Abschluss; die genaue Richtung ist beschädigt.
Erläuterung: Svacita steht im Druck, nicht still svacitta. Jyeṣṭhāgra ist hier nicht eindeutig mit einer bestimmten Fingerspitze gleichzusetzen. Die unregelmäßige Richtungsfolge wird nicht harmonisiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 229.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 287
tat tat tanmayatāṃ prāpya yasyā yogaviśārade ||
Die Gestalt mit aufleuchtenden Gliedern ist zu vergegenwärtigen, Geliebte unter den Gestalthaften [Fügung unsicher]. Was durch das jeweilige Aufgehen in ihr [erlangt wird], Yogakundige …
Erläuterung: Prasphurāvayavat ist eine unregelmäßige Verbindung. Der Satz führt zu288.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 229.[1]
Lautbewegung und Meditation der Wirklichkeitsprinzipien
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 288
phalaṃ sarvātmakaṃ devi kintu bhūbhṛddhitaiṣiṇaḥ ||
… wurde bereits zuvor gelehrt. Höre nun die alles umfassende Frucht, die aus der Meditation des Bezeichnenden entsteht, Göttin, [von mir], der ich das Wohlergehen des Königs wünsche.
Erläuterung: Vācaka bezeichnet den sprachlichen beziehungsweise lautlichen Ausdruck, der eine Gottheit bezeichnet. Der letzte Genitiv ist elliptisch.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 230.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 289
ādāvārabhya caikaikaṃ varṇaṃ divyāṅgasaṃsthitam ||
Nachdem man den Paryaṅka-Sitz eingenommen hat, soll man den Geist an jeder Spitze ausrichten. Vom Anfang beginnend [betrachte man] jeden einzelnen Laut, der in einem göttlichen Glied angeordnet ist …
Erläuterung: Paryaṅka ist eine Sitzhaltung; die konkrete Beinstellung wird hier nicht beschrieben. Es folgt eine Lautvisualisierung, keine ausgeschriebene Folge zu rezitierender Silben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 230.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 290
mukhāgre praviśantaṃ tu mandasañcārasañcaram ||
… einem Funken der Opfergabe gleich, am Rand der Unterlippe befindlich [Kasusanschluss unregelmäßig], an der Mundspitze eintretend und sich in langsamer Bewegung fortbewegend …
Erläuterung: Der Akkusativ bezieht sich auf den einzelnen Laut in 289; kein zusätzlicher materieller Feuerritus wird ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 230.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 291
anantārṇavirāmantu dṛṣṭvā ca kramaśaḥ priye ||
… mit seinem eigenen Maß den Kreis erfüllend und sich in der Nabelhöhlung auflösend. Nachdem man der Reihe nach das Ruhen im unendlichen Laut [anantārṇa: mehrdeutig] geschaut hat, Geliebte …
Erläuterung: Die Drucktrennung svamātrā maṇḍala bleibt erhalten. Arṇa kann Laut beziehungsweise Buchstabe bedeuten; eine bestimmte letzte Alphabetsilbe wird nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 230.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 292
khadyotakagaṇaṃ dīptaṃ nirgaccantaṃ calādiva ||
… [schaue man] wiederholt auf demselben Weg, auf den aufsteigenden Prāṇa gestützt, eine leuchtende Schar von Glühwürmchen austreten, wie aus calā [unsicherer Ausgangspunkt] …
Erläuterung: Calā wird nicht still zu einem Körperteil oder einer Gottheit ergänzt. Nirgaccantam ist die Druckform.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 230.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 293
yadā sākṣarapaṅktistu sthirāṃ pratyakṣatāṃ gatā ||
… und sich im Lotos der Kraft auflösen: Nachdem man dies mit dem Auge des Yoga geschaut hat, wenn jene Buchstabenreihe zu beständiger unmittelbarer Wahrnehmbarkeit gelangt ist …
Erläuterung: Die Quelle druckt sthirāṃ, nicht still sthirām oder sthirā ohne Nasalierung. Sākṣarapaṅkti wird als sā akṣarapaṅkti, „jene Buchstabenreihe“, gegliedert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 230.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 294
tadāyattaṃ bhavettaddhi viśve’smin bhūrivikramam ||
… dann wird durch die Silben der Wörter etwas verwirklicht, das durch Siddhi gekennzeichnet ist. Denn das in dieser Welt sehr machtvoll Wirkende wäre davon abhängig.
Erläuterung: Padākṣara ist die naheliegende Wortverbindung, der Druck bietet jedoch padakṣara. Die Quelle gibt an dieser Stelle weiterhin keinen vollständigen Lauttext.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 230.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 295
nāvadhārayituṃ śaktyā mādṛśairapi gautami ||
Wie die Reden des Herrn der Sprache eine unermessliche Ausdehnung ihres Sinnes haben und selbst von Wesen wie mir nicht völlig erfasst werden können, Gautamī …
Erläuterung: Śaktyā ist die unregelmäßige Druckform im Ausdruck des Nicht-Könnens. Gautamī ist die tatsächliche Anrede; sie wird nicht zu Pārvatī vereinheitlicht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 230.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 296
śāstradvāreṇa jāyante giro’syā girisambhave ||
… [so] entstehen durch die Lehrschriften ihre, Kālis, wahren und zweigestaltigen Worte, die den Lebewesen Wohlergehen bringen, aus dem Berg Geborene.
Erläuterung: Die zweifache Gestalt der Worte wird im Vers nicht näher bestimmt. Der Vergleich beginnt in 295; keine technische Wirkung eines einzelnen Mantras wird daraus abgeleitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 230.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 297
tattad vicitrabhedena tasya tanmayatāṃ vrajet ||
Welche Art von Wirken der Yogin auch beginnt, auf welchen Laut er sich dabei stützt: Dieses würde jeweils in seiner mannigfachen Verschiedenheit in dessen Wesen aufgehen.
Erläuterung: Die Bezugnahme von tasya bleibt mehrdeutig zwischen Laut und Yogin. Die folgenden Verse führen den Zusammenhang zu Wirkungen und Genuss weiter.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 230–231.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 298
yat kiñcit karmarūpasya yogino bhogasaṅgamaḥ ||
Die erste Hälfte nennt Verwirrung, Bhairava, Furcht und eine Verbindung mit varṇa beziehungsweise Gold, ist aber beschädigt. Was immer die Gestalt des Wirkens betrifft, [ist] für den Yogin ein Zusammentreffen mit Genuss …
Erläuterung: Asauvarṇād vāptasantatau wird nicht zu einer sicheren Reihe magischer Anwendungen umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 231.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 299
virakto bhogayogasya yadā yogī sureśvari ||
… [und] folgt der eigenen Zuständigkeitsstufe der betreffenden Gottheiten [erste Satzverbindung gestört]. Wenn der Yogin gegenüber der Verbindung mit Genuss leidenschaftslos geworden ist, Herrin der Götter …
Erläuterung: Yogī ist der edierte Grundtext; yogo wird als Kh-Variante nicht in die Strophe aufgenommen. Fortsetzung in 300.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 231.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 300
athavā prakriyā dṛṣṭāḥ prameyaṃ pravicintitam ||
… dann gelangt er zum höchsten Gipfel und kehrt aufgrund des Yoga nicht zurück. Oder die Verfahrensweisen sind geschaut, und das zu Erkennende ist betrachtet [unregelmäßiger Satzanschluss].
Erläuterung: Die zweite Hälfte geht zur nächsten Meditationsgliederung über. Prakriyā steht im Druck ohne regulären Pluralausgang.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 231.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 301
tatvadhyānamato vakṣye yogibhyo yogabhogadam ||
Für die Yogins würde die Meditation der Kalās eben dieses Ziel verwirklichen. Deshalb werde ich die Meditation der Tattvas erklären, die den Yogins den Genuss des Yoga gewährt.
Erläuterung: Kalās sind hier kosmische Wirkungsstufen; Tattvas die Wirklichkeitsprinzipien. Tatva ist die Druckschreibung für tattva.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 231.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 302
dharādirūpalāvaṇyaprathitāni tathā nṛpa ||
Man soll Erde und die folgenden [Prinzipien] als Gestalten von Nivṛtti und den weiteren [Kalās] vergegenwärtigen, entfaltet in der Schönheit der Gestalten von Dharā und den weiteren [Gottheiten], König.
Erläuterung: Die Zuordnung wird durch die folgende verkörperte Tattva-Meditation erläutert. Keine moderne Element- oder Chakratabelle wird an ihre Stelle gesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 231.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 303
prasannaṃ vimalākṣantu kuṅkumodakasannibham ||
Man soll die Tanmātras, beginnend mit dem feinen Geruchsprinzip, vergegenwärtigen [die Wortfolge enthält eine verstümmelte Wiederholung]. [Dann eine Gestalt] heiter, mit reinen Augen, safranfarbenem Wasser gleich …
Erläuterung: Tmātrakādīni steht als zusätzliche verstümmelte Wiederholung im Grundtext, nicht als kritische Apparatsangabe. Die erste Zeile bleibt ungewöhnlich lang unter derselben Originalnummer. Fortsetzung in 304.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 231.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 304
śavaprajeśavapuṣaṃ cintayet sukhasiddhaye ||
Man soll zur Erlangung von Glück eine mit reichen Girlanden versehene [Gestalt] vergegenwärtigen. Die übrigen Verbindungen nennen śocamāna, eine Pracht im Zusammenhang mit Färbung beziehungsweise Leidenschaft und einen Körper śavaprajeśa; sie sind nicht sicher übersetzbar.
Erläuterung: Śocamāna kann Trauerndes bedeuten; es wird nicht still in śobhamāna, „strahlend“, geändert. Auch śavaprajeśa wird nicht durch einen vermuteten Gottheitsnamen ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 231.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 305
mahendrāparajākārau pādau pīnendurūpakau ||
Vāyu soll mit dem Glanz eines blauen Lotos meditiert werden, in der Gestalt Mitras befindlich [Fügung unregelmäßig]. Die zweite Hälfte nennt zwei Füße in Gestalten von Mahendra und Aparajā, von voller Mondgestalt.
Erläuterung: Die ungewöhnlichen Zuordnungen und der Name aparajā bleiben nach dem Druck erhalten; keine Angleichung an eine andere Tattva-Ikonographie.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 231.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 306
vāk vāgīśvarīrūpā pratiṣṭhākāradharmiṇī ||
[Dies] ist vom höchsten Sādhaka zu meditieren, dessen Inneres auf die Tattva-Meditation gerichtet ist. Die Rede hat die Gestalt der Vāgīśvarī und besitzt die Beschaffenheit der Pratiṣṭhā-Form.
Erläuterung: Vāgīśvarī ist die Herrin der Rede; der Vers gibt eine Zuordnung, keine ausgeschriebene Rezitationsformel.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 231.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 307
śrotraṃ kakunmayaṃ bhāvyaṃ tacca lokeśarūpakam ||
Sie soll mit ruhigem Blick zur erfolgreichen Verwirklichung des Wirkens der Rede vergegenwärtigt werden. Das Gehör ist als aus den Richtungen bestehend zu vergegenwärtigen und besitzt die Gestalt des Weltherrn.
Erläuterung: Der erste Halbvers schließt an die Rede/Vāgīśvarī in 306 an. Kakunmaya ist die nichtklassische Druckform zur Richtungsbezeichnung kakubh.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 232.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 308
tvagvepālaghave devi śīgrāya ca vipaścitā ||
Die Strophe verbindet die eigene Gestalt bei der Mutter mit Vaijayanti und einer Fülle von Scharen; die zweite Hälfte nennt Haut, Zittern, Leichtigkeit und Schnelligkeit, Göttin. Eine sichere vollständige Satzübersetzung lässt der Wortlaut nicht zu.
Erläuterung: Die Folge mātari svasvarūpām wird nicht still zum Gottheitsnamen Mātariśvan umgebaut, auch wenn dies im Kontext eine mögliche Konjektur wäre.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 232.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 309
ālokaṃ sūryavad dhyeyo jagatāṃ darśanāya ||
Mit Ohrringen, Rüstung und Bogen versehen, eine Gestalt skandhanārūḍha tragend [unklar], soll [der Sehende beziehungsweise das Sehen] wie die Sonne als Licht zum Schauen der Welten meditiert werden.
Erläuterung: Skandhanārūḍha wird nicht zu einer sicher identifizierten Reittierdarstellung ergänzt. Der Vers steht in der Verkörperung der Wahrnehmungskräfte.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 232.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 310
bhāsvarapratimaṃ cittaṃ tadrūpaṃ tatsvarūpakam ||
Die Zunge soll als von deiner Gestalt meditiert werden [rasanātvadrūpakā: unsicher gegliedert]; die Nase [wird] mit der Eigenschaft der Erde [verbunden]. Der Geist ist dem Leuchtenden ähnlich, von dessen Gestalt und eigenem Wesen.
Erläuterung: Die Vorlage hat dharaṇī guṇā mit Worttrennung. Kein zusätzlicher Gottheitsname wird für die Zunge oder den Geist eingesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 232.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 311
bālahelāsvarūpastu pradyumnāṅgavilāsadhṛt ||
Der Yogin, dessen Inneres durch Betrachtung geformt ist, soll die Einsicht in Gestalt eines Alten meditieren. [Das folgende Prinzip] hat dagegen die Gestalt jugendlichen Spielens und trägt den Liebreiz von Pradyumnas Körper …
Erläuterung: Die zweite Hälfte gehört zu Rajas in 312. Sthavira bedeutet hier alt beziehungsweise ehrwürdig, nicht sicher den Namen einer Person.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 232.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 312
bhinnāñjanā rukmṛmahiṣī patnī caṇḍī ghanaprabhā ||
… so ist Rajas zu vergegenwärtigen, Göttin, im Verlangen nach der Wonne des Liebesgottes. Die zweite Hälfte nennt zerbrochenen Augenschminkstein, rukmṛmahiṣī und die Gattin Caṇḍī von dichtem Glanz, bleibt aber beschädigt.
Erläuterung: Rajas wird hier ausdrücklich mit erotischer Wonne verbunden. Rukmṛmahiṣī wird nicht durch eine geratene Gottheit oder ein Reittier ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 232.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 313
padmākṣaṃ suprasannātmā śaṅkhakundendusaprabhaḥ ||
Er, mit aufgerissenem Rachen und furchtbar, ist zum Beruhigen der Yoni zu verehren. [Die nächste Gestalt ist] lotosäugig, ganz heiteren Wesens, mit dem Glanz von Muschel, Jasmin und Mond …
Erläuterung: Der Wechsel vom Femininum in 312 zum Maskulinum bleibt offen. Yoni kann Ursprung, Geburtsstätte oder weibliches Geschlechtsorgan bedeuten; der beschädigte Anschluss erlaubt hier keine eindeutige Festlegung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 232.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 314
prakhyākhya karmaṇo nityaṃ tattvadhyānavidā priye ||
Die erste Hälfte verbindet die Attribute des Lotosgeborenen mit Sattva und „ich, in der Lehre stehend“, ist aber beschädigt. Die zweite nennt das als Prakhyā bezeichnete Wirken und den Kenner der Tattva-Meditation, Geliebte; auch ihr Satzbau bleibt ungesichert.
Erläuterung: Satva ist die Druckschreibung. Die Formen padmajāyudhavṛddhye und prakhyākhya werden nicht still in reguläre Lesungen umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 232.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 315
śatārddhajaghanāṃ devi śatapādāṃ śatodarām ||
Zehnköpfig, überaus furchtbar, „dreißig-scharf“ [Bezug unklar], mit hundert Wohnstätten beziehungsweise Anlagen, mit fünfzig Hüftpartien, Göttin, hundertfüßig und hundertbäuchig …
Erläuterung: Die Zahlen werden auch bei ungewöhnlicher Körpergestalt bewahrt. Triṃśattīkṣṇā erlaubt keine sichere Ergänzung „dreißig Arme“ oder „dreißig Zähne“; śatāśaya ist mehrdeutig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 232.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 316
bhāvayet prakṛtiṃ dhīmāṃsvādhikāramindirāprabhām ||
… bis zum Herzen rot und darüber in einer grausigen Gestalt bestehend: So soll der Einsichtige Prakṛti vergegenwärtigen, von Indirās Glanz [svādhikāram: unregelmäßiger Anschluss].
Erläuterung: Prakṛti ist die Grundnatur der manifesten Welt. Die Bildbeschreibung beginnt315; Indirā ist eine Bezeichnung Lakṣmīs.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 232–233.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 317
rajovadvāgarūpantu tamovaccintayet truṭim ||
In Gestalt eines sich drehenden Rades soll [sie] meditiert werden, eine jugendliche Gestalt tragend. Man soll die Redeform wie Rajas, die Truṭi jedoch wie Tamas vergegenwärtigen.
Erläuterung: Vāgarūpa und truṭi sind die Drucklesungen. Die ungewöhnliche Zuordnung der kleinen Zeiteinheit zu Tamas wird nicht durch einen anderen Tattva-Namen ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 233.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 318
cintayed varṇabhedasthāṃ ca bhrūmāñjiṣṭhakarburām ||
Die erkennende Kalā [steht] in einer Anordnung von Prakṛti-Gestalt. Man soll sie in verschiedenen Farben vergegenwärtigen, mit bhrū, krapproter Färbung und bunter Musterung [Verbindung unklar].
Erläuterung: Bhrū ist in der Farbreihe auffällig; es wird nicht ohne Beleg zu einer Farbbezeichnung verbessert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 233.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 319
sahasravadanāṃ bhīmāṃ vyayutākṣavirājitām ||
Leuchtend durch die Pracht der Kronen im Zusammentreffen von tausend mūrdhva [unsichere Kopfform], tausendgesichtig, furchtbar, mit vyayuta Augen strahlend …
Erläuterung: Sahasramūrdhva und vyayuta sind unregelmäßige Druckformen. Die Augenzahl wird nicht durch die vermutete Konjektur dvyayuta zu20000festgelegt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 233.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 320
sarvabhūmipradeśeṣu phaṇīndrakṛtabhūṣaṇām ||
… mit zehntausend Armen versehen, im Glanz blau leuchtender Flammen erstrahlend, in allen räumlichen Bereichen mit Schmuck aus Schlangenfürsten ausgestattet …
Erläuterung: Āyuta bezeichnet10000. Die mehrgliedrige Beschreibung wird erst in 323 ausdrücklich als Māyā identifiziert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 233.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 321
gajājinaniviṣṭāñca guhyānekavarādharām ||
… mit tausend herabhängenden Bäuchen, mit der Bewegung zehntausender Füße, in ein Elefantenfell gehüllt und guhyānekavarādharā [unklare weitere Eigenschaft] …
Erläuterung: Die letzte Verbindung wird nicht zu einer bestimmten Anzahl bedeckter Schamteile rekonstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 233.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 322
āgalād raktavarṇāñca tadūrdhve sarvataḥ sitām ||
… bis zur Scham schwarz erscheinend, bis zum Herzen gelb, bis zur Kehle rot und darüber überall weiß …
Erläuterung: Die Präfixe ā markieren die Grenzen der aufsteigenden Farbzonen. Āgalāt ist die unregelmäßige Form des Drucks; die Reihenfolge wird nicht umgekehrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 233.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 323
vidyāvaccintayed vidyāṃ smaredīśvaramīśavat ||
So soll man Māyā meditieren, ganz nach dem Genuss der Māyā verlangend. Vidyā soll man entsprechend Vidyā vergegenwärtigen und Īśvara als Herrn erinnern.
Erläuterung: Die erste Hälfte schließt die Gestaltbeschreibung319–322 ab. Der Text verbindet diese Meditation mit Bhoga; die zweite Hälfte gibt verkürzte Zuordnungen statt einer neuen detaillierten Ikonographie.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 233.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 324
proktopalabdhilakṣeṇa śeṣaṃ sarvaṃ vicintayet ||
Den Herrn der Vidyā [vergegenwärtige man] gemäß sadeśokti und dem durch Erfahrung geschauten Weg [erste Fügung ungesichert]. Alles Übrige soll man nach dem genannten Kennzeichen des Erfassens betrachten.
Erläuterung: Sadeśoktyā und pratyayā sind nicht sicher zu konstruieren; eine nicht genannte mündliche Einweihungsregel wird nicht daraus ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 233.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 325
niṣpannaṃ yogināṃ tatvaṃ dhyānayoge tathā puram ||
Das im Meditationsyoga verwirklichte Tattva wird für die Yogins zur Stätte des Kostens der Machtfülle seiner eigenen Durchdringung, Geliebte. Ebenso [verhält es sich mit] der „Stadt“.
Erläuterung: Die Lesung puram wird beibehalten; ein genau benanntes körperliches Zentrum steht hier nicht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 233.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 326
bhūtaghātakajaṃ dhyāyet padamavyaktarūpakam ||
Auch dies soll man in der durch das Verfahren geschauten Gestalt vergegenwärtigen. Man soll die Stätte in unmanifestierter Gestalt meditieren, die aus dem Bhūtaghātaka hervorgeht.
Erläuterung: Bhūtaghātaka ist wörtlich ein Töter beziehungsweise Zerstörer von Wesen/Elementen. Seine technische Identität bleibt hier unbestimmt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 234.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 327
yat tadvat tejastatvaṃ truṭirūpaṃ vicintayet ||
[Die Stätte ist] als Pudgala-Gestalt und Gandha bezeichnet, von der Gestalt einer Satzanordnung [erster Halbvers unsicher]. Entsprechend soll man jenes Feuer-/Glanzprinzip in Gestalt einer Truṭi vergegenwärtigen.
Erläuterung: Pudgala, Gandha und Truṭi werden als gelesene Bezeichnungen bewahrt. Die Satzkonstruktion erlaubt keine sichere neue Tattva-Konkordanz.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 234.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 328
tathā caṇḍapadaṃ devi vidyāviśvavilāsagam ||
Man soll jene Stätte der Yogīśvarī als dem entfalteten Weltganzen ähnlich meditieren; ebenso die Caṇḍa-Stätte, Göttin, die in der Entfaltung der Vidyā-Welt besteht.
Erläuterung: Die Kompositagliederung vidyāviśva bleibt mehrdeutig; Yogīśvarī und Caṇḍa werden nicht in eine unbelegte Mantrafolge aufgelöst.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 234.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 329
dhyāyeccaktipadaṃ dīptaṃ śaktaṃ śabalaśālinam ||
Die große Stätte, gekennzeichnet durch die Welt des Spiels von Maheśas Gliedern [Fügung unregelmäßig], soll man meditieren: die leuchtende Kraft-Stätte, mächtig und von bunter Erscheinung erfüllt.
Erläuterung: Die Quelle druckt caktipadam; die Deutung als śaktipadam wird in der Übersetzung offengelegt, nicht in den Sanskrittext eingesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 234.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 330
padaṃ yattat svarūpantu tacchāptivyāpakaṃ sthitam ||
Prāṇava und Mahāprāṇava soll man im Verlauf des Lebensatems vergegenwärtigen. Die Stätte, die von dieser eigenen Gestalt ist, steht sie durchdringend da [tacchāpti: ungesicherte Verbindung].
Erläuterung: Die Namen Praṇava und Mahāpraṇava werden nicht gemeinsam in die vertraute Silbe Oṃ aufgelöst. Der Vers beschreibt Atemvergegenwärtigung und enthält keinen vollständigen, eindeutig bestimmten Rezitationstext.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 234.[1]
Klangmeditation und der aus Lauten gebildete Körper
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 331
śabdadhyānamato brūmi śrūyatāṃ padmalocane ||
Was durch dessen Vollendung entstehen würde, habe ich zuvor gesagt [prāṅmayam: unregelmäßige Verbindung]. Nun erkläre ich die Klangmeditation; höre, Lotosäugige.
Erläuterung: Prāṅmayaṃ wird als prāk mayā im erkennbaren Sinn verstanden, aber nicht still im Sanskrit emendiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 234.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 332
paryaṅkāsanagaḥ kuryāccittaṃ śūnye samānasam ||
Wenn die Stätte aufgestiegen ist, Herr der Yogins, beim wonnevollen achtfachen Zusammentreffen [Kasusverbindung unsicher], soll man im Paryaṅka-Sitz den Geist im Leeren ausgeglichen machen.
Erläuterung: Aṣṭasaṅgama nennt acht, ohne hier acht konkret benannte Zentren aufzuzählen. Diese werden nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 234.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 333
cintayetkhaṃ khayogīndra parevapuṣi niścalaḥ ||
Geister und Wesen sind vorhanden; ich bin nicht das zu Denkende und nicht das Denken [erster Satzanschluss mehrdeutig]. Man soll den Raum vergegenwärtigen, Herr der Raum-Yogins, in der höchsten Gestalt unbeweglich.
Erläuterung: Die erste Hälfte enthält keine Verneinung vor cetāṃsi santi bhūtāni. Daher wird keine Aussage „es gibt weder Geist noch Wesen“ daraus gemacht. Parevapuṣi ist unregelmäßig zusammengeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 234.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 334
nityānandāṃ parāṃ viddhi masṛṇāṃ nirupadravām ||
Man erlangt den höchsten Gipfel, frei von Kummer und jenseits der Rede. Erkenne ihn als immerwonnevoll, höchst, sanft und ohne Bedrängnis.
Erläuterung: Die feminine Bezeichnung kāṣṭhā, „Gipfel/Stufe“, wird im Deutschen sinngemäß aufgenommen. Die Aussage schließt an die Meditation332–333 an.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 234.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 335
nijavaktrantu niṣpannaṃ sakaṇṭhaṃ dakṣiṇaṃ bhujam ||
Dann schaue man mit dem Erkenntnisblick das eigene Gesicht samt Kehle, aus den sechzehn Vokalen hervorgebracht, [und] den rechten Arm …
Erläuterung: Die sechzehn Vokale beziehen sich auf Gesicht und Kehle; die Zuordnung des rechten Arms zur k-Gruppe folgt erst in 336.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 234–235.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 336
nitambamadhyavahnyantaṃ vāmaṃ caiva tavargajam ||
… [hervorgebracht] durch die k-Gruppe, ebenso den linken durch die c-Gruppe. [Dann einen Bereich] aus der ṭ-Gruppe, der bis zum Feuer inmitten der Hüften reicht, und den linken, aus der t-Gruppe hervorgebracht.
Erläuterung: Die Zuordnung in der zweiten Hälfte ist wegen nitambamadhyavahnyantam unsicher; nicht pauschal zu zwei Beinen vereinfacht. Die rechts/links-Angaben werden bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 235.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 337
tadantenottaraṃ devi jāṭharaṃ caiva nirmitam ||
Die rechte Seite [ist] hervorgebracht, die linke durch das darauf Folgende; mit dessen Ende [ist] das obere [Gebiet], Göttin, und der Bauchbereich gestaltet.
Erläuterung: Der Druck nennt die betreffenden Lautgruppen hier nicht ausdrücklich. Sie werden nicht allein aus der Alphabetfolge ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 235.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 338
arcātmakāṃ tvacaṃ dehe mūkatvenāmbhameva ca ||
Der Rücken [ist] durch Kṛṣṭa hervorgebracht, die Höhlung aus Andhatāmisra. Die Haut im Körper [ist] ihrem Wesen nach Arcā, und das Wasser durch Mūkatva [Zuordnungen syntaktisch verkürzt].
Erläuterung: Dies sind verschlüsselte oder beschädigte Laut-/Körperzuordnungen. Kṛṣṭa, Andhatāmisra, Arcā und Mūkatva werden nicht in geratene Buchstaben oder Bījas aufgelöst.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 235.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 339
jatvena ca tathāsthīnimajjāṃ kuṇitasambhavām ||
Die erste Hälfte nennt ein hervorgebrachtes, sich entfaltendes jighra [unklar] und den Faden durch Unmādaka. Ebenso [sind] die Knochen durch Jatva [hervorgebracht], das Mark aus Kuṇita entstanden.
Erläuterung: Jatvena ist die Leitlesung; jātvena nur die Kh-Variante. Die technischen Benennungen und das unklare jighra werden nicht zu einer sicheren Anatomie umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 235.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 340
saṃhārakaṃ mahāghoraṃ nayanāṃbumanantajam ||
Der Samen [ist] aus Paṅka hervorgebracht, das Bewusstsein durch Trivala. [Es folgen] Saṃhāraka und Mahāghora [unklarer Anschluss]; die Augenflüssigkeit ist aus Ananta entstanden.
Erläuterung: Die Namen werden im Kontext der Lautkörperbildung als Zuordnungswörter behandelt, nicht ohne Beleg als selbstständige Mantras.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 235.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 341
bhagaṇairbhāsitaṃ tadvad tadvatā dhruvadehaṃ tathottare ||
Nachdem man so den aus Lauten bestehenden, hoch und weit ausgedehnten Körper geschaut hat, erhellt von Gestirngruppen, [folgt eine beschädigte Verbindung über] einen beständigen Körper im oberen Bereich …
Erläuterung: Der Druck enthält tadvad tadvatā nacheinander; die Wiederholung wird nicht still gestrichen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 235.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 342
nirgaccantamajasrantu tārābindusvarūpiṇam ||
… [schaue man] einen aus den Lauten entstandenen Strom, der unablässig durch Haarporen und Körperöffnungen austritt, in Gestalt von Sternenpunkten …
Erläuterung: Chidra wird im Druck als cidra geschrieben; die hier bewahrte Quellenform ist im Sanskrit entsprechend zu lesen. Der Satz gehört zur ausgedehnten Lautkörper-Meditation und geht in 343 weiter.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 235.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 343
tasya saṃsthānasaṃghaṭṭaghaṭṭito gaganāntare ||
… nachdem man ihn mit unbewegtem Geist betrachtet hat, im erfüllten Raum [āpūrīta: unregelmäßige Form]. Im Inneren des Himmels, das vom Zusammentreffen seiner Anordnung durchdrungen ist …
Erläuterung: Die Kasusverbindung ist unregelmäßig. Die folgende Verneinung344 gilt dem vergegenwärtigten Raum, nicht einer astronomischen Veränderung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 235.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 344
pūrṇaṃ sarvaṃ jagad dṛṣṭvā tato yogī sthirākṣavṛt ||
… sind Mond und Sonne nicht zu sehen, weder Planeten noch Götterwohnung. Nachdem der Yogin die ganze Welt erfüllt geschaut hat, dann, mit ruhigem Blick …
Erläuterung: Drei Verneinungen bleiben ausdrücklich erhalten. Der Satz wird erst in 345 fortgesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 235.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 345
pīyūṣagolakākāraṃ grasetāśrudanāhitaḥ ||
… soll er durch die höchste Atemkraft spielerisch jeden einzelnen Buchstaben heranziehen und [ihn] in Gestalt einer Nektarkugel verschlingen [āśrudanāhitaḥ: unklarer Zustand].
Erläuterung: Die erste Hälfte setzt344 fort. Die innere Aufnahme der Buchstaben wird bildlich als Verschlingen beschrieben; die gestörte Schlussform bleibt offen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 236.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 346
taṃ dṛṣṭvā sitakumbhābhaṃ tadrāgaṃ grasitaṃ kṣipet ||
Jener Kreis der Vilambinī: Den darin befindlichen Spross soll man schauen, einem weißen Gefäß gleich, und das Verschlungene von dessen Farbe hineingeben [Objektanschluss unsicher].
Erläuterung: Vilambinī ist eine innere Bezeichnung; ein materielles Gefäßritual wird nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 236.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 347
pūrṇañca vīkṣayet kumbhaṃ sudhiyā snāpitāṅginam ||
So lange [verfahre] der höchste Yogin, bis das Äußere ohne Buchstaben ist. Und er soll mit guter Einsicht das gefüllte Gefäß schauen, dessen Glieder gebadet sind [letzte Verbindung unregelmäßig].
Erläuterung: Anakṣaram ist ausdrücklich „ohne Buchstaben“. Sudhiyā bedeutet nach der Lesung „mit guter Einsicht“; es wird nicht still zu sudhayā, „mit Nektar“, geändert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 236.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 348
cintayed yogavit tāvad yāvat pratyakṣatāṃ gatam ||
Auf diese Weise [werden sie] im Körper hervorgebracht [Numeruswechsel]. Der Yogakenner soll das wieder und wieder Eintretende so lange vergegenwärtigen, bis es unmittelbar wahrnehmbar geworden ist.
Erläuterung: Prasūyante und praviśantam sind unterschiedlich angeschlossen; der Text wird nicht zu einer neuen regelmäßigen Strophe verbessert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 236.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 349
yadasya na syād vastūyaṃ sarvajñatvādikaṃ priye ||
Ist diese große Meditation vollendet, gibt es in der Welt nichts, das ihm nicht [zugänglich] wäre [vastūyam: unklare Verbindung], beginnend mit Allwissenheit, Geliebte.
Erläuterung: Die doppelte Verneinung wird erhalten. Die universale Wirkung ist eine historische Textbehauptung, keine geprüfte Erfolgsgarantie.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 236.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 350
prāṇasthire’pi dhyāte’smin sarvaśāstrārthavid bhavet ||
Zu Beginn [entstehen] Kenntnis der Buchstaben und Vorgänge wie das Erblicken und Verschwinden. Wenn dieses bei festem Prāṇa meditiert wird, würde man den Sinn aller Lehrschriften kennen.
Erläuterung: Die Wirkungsstufen werden im Kontext dieser Buchstabenmeditation wiedergegeben. Dṛṣṭanaṣṭa wird nicht zu einem konkreten magischen Trick ausgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 236.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 351
pṛthivyādīśvarāste bhogaṃ bhuṅkte yathākramam ||
Bei den Lautgestalten von ka bis kṣa [steht] die Meditation beziehungsweise die Rede in einem Darin-Aufgehen [erste Verbindung gestört]. [Der Yogin] genießt der Reihe nach den Genuss der Herren von Erde und den folgenden [Bereichen].
Erläuterung: Die Begrenzung ka–kṣa ist ausdrücklich genannt; es wird keine vollständige selbstständig zu rezitierende Alphabetformel eingefügt. Der Numerus der zweiten Hälfte ist unregelmäßig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 236.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 352
dedīpyate gurūṇāñca guruvaktrasunirmalaḥ ||
Bei der Vollendung des kurzen Lautmaßes [ist] eine Stätte des Schatzes des Glanzes [padāspadau: unklarer Anschluss]. Der zweite Halbvers spricht vom Leuchten, von langen Lautmaßen beziehungsweise Lehrern und dem reinen Guru-Mund; die Beziehung ist ungesichert.
Erläuterung: Laghu/guru können kurze und lange Lautmaße bezeichnen; guru kann zugleich Lehrer heißen. Der beschädigte Satz wird nicht zu einer sicheren Lehre über eine bestimmte Rezitationsgeschwindigkeit gemacht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 236.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 353
vibhakto viśeṣairvicitrairameyaiḥ subuddhyāpi yaḥ so’pi dadhyau svavīryam ||
Durch die Unterweisung im sechsfachen Weg ist dieser Yoga erklärt, von deutlichem Sinn, die Verbindung der Folge der Gegenstände bewirkend. In vielfältige, unermessliche Besonderheiten unterteilt, [führt er zu einer Aussage darüber, dass] auch der Einsichtige seine eigene Kraft meditierte; der letzte Satzanschluss ist gestört.
Erläuterung: Die langen Verszeilen bleiben eine Originalnummer. Ṣaḍadhvan ist der sechsfache kosmische Weg, nicht die vier Ṣaṭkas des Werkes.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 236.[1]
Lobpreis und Frage der Göttin
Sprecherzeile
Die ehrwürdige Göttin sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 237.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 354
viṣollāsalāvaṇyakīkṛṣṇakaṇṭha paritrāhi lokostvamīśeṣabhaktān ||
Du, dessen hoher Haarknoten gelbbraun geworden ist durch bhṛgu-Glanz vom Körper Anaṅgas, den das Feuer des dritten Auges entzündet hat [Verbindung unsicher]; du mit dunkler Kehle durch die Schönheit aufleuchtenden Giftes: Beschütze [die Welt beziehungsweise] sämtliche Verehrer – der Schlusswortlaut ist beschädigt.
Erläuterung: Beginn eines Lobpreises der Göttin. Bhṛgudyota, lāvaṇyakī und lokostvamīśeṣa sind nicht sicher zu konstruieren. Kein vollständig gesichertes Rezitationsgebet daraus erzeugt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 237.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 355
jayānanta duḥkhādhipa krūrasiṃha |
jayāśuddhibhīmāndhakārograbhāno |
Heil dir, Milchozean der ganzen Weltenfülle! Heil dir, grausiger Löwe [im unklaren Verhältnis zum] Herrn endlosen Leidens! Heil dir, mächtige Sonne gegen die furchtbare Finsternis der Unreinheit! Heil dir, Regenwolke für die völlig erhitzten Paläste!
Erläuterung: Die vier Kurzzeilen bilden eine einzige Originalnummer. Duḥkhādhipa ist unsicher; die naheliegende Vorstellung eines Löwen gegen einen Leidenselefanten wird nicht durch die Konjektur duḥkhadvipa in den Text hineingetragen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 237.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 356
jayoddāmaśaṅkhāvalīhāralīla jayollāsidaṃṣṭareṃduraśmyāsyaveśa ||
Heil dir, dessen Haarflechten vom bewegten Wasser der Gaṅgā gewaschen sind! Heil dir, dessen gesamtes Haupt vom Mondglanz erhellt ist [mūrdhvam: unregelmäßig]! Heil dir mit dem Spiel der mächtigen Muschelreihenkette! Heil dir, dessen Gesicht von den Strahlen des Mondes aufleuchtender Hauer erfüllt ist [letzte Verbindung gestört]!
Erläuterung: Daṃṣṭarendu ist die Druckform. Die Bildfolge wird nicht ohne Lesungsprobleme als gesicherte Litanei angeboten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 237.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 357
jayodagraśūlāgrabhinnāndhakāra jayānanta raktapūrṇottamāṅga ||
Heil dir, trefflicher Geber, der du mit einem Feuerblick in aufsteigenden Rauchketten schaust [erste Verbindung unsicher]! Heil dir, dessen erhobene Dreizackspitze die Finsternis zerteilt! Heil dir, Unendlicher, mit blutgefülltem Haupt!
Erläuterung: Raktapūrṇottamāṅga wird in seinem drastischen Wortsinn bewahrt. Es wird nicht in eine bloß rote Lichtfarbe umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 237.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 358
jayānantavīra pradattaprasiddha jayāpūrṇagāmbhīryatattvena śuddhā ||
Heil dir [mit einer beschädigten Verbindung über] den aus Furcht vor Upendra erschrockenen Daityafürsten und zerteilte Finsternis! Heil dir, der du den Stolz höchst übermütiger Feinde gebrochen hast! Heil dir, unendlicher Held, berühmt durch das Gewährte! Heil dir, rein durch die Wirklichkeit erfüllter Tiefe [grammatischer Anschluss unsicher]!
Erläuterung: Die Reihe enthält Feindvernichtung; die beschädigten Komposita werden nicht durch eine neue mythologische Erzählung gefüllt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 237.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 359
jayāndhāsuraṃ vāśramaireyamatta jayāhīśamaulāṅgasaṃdīpitāśeṣadeha ||
Heil dir mit bewegtem Ohrschmuck [ālolalolo: unregelmäßig]! Heil dir mit der Schönheit eines herrlichen Gartens aufgeblühter Augen! Heil dir [eine beschädigte Wendung nennt den] Andha-Asura und Berauschung durch Maireya! Heil dir, dessen ganzer Körper durch die Scheitelglieder der Schlangenfürsten erleuchtet ist!
Erläuterung: Maireya ist ein alkoholisches Getränk. Der entsprechende Wortlaut bleibt im historischen Haupttext; der gesamte Vers ist von Auswahl und Rezitationsempfehlung ausgeschlossen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 237.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 360
jayāsvāditāśeṣaviśvasvabhāvaḥ jayākroḍitānekaśatrusvabhāva ||
Heil dir [mit einer beschädigten Aussage über] einen vernichtenden Blick! Heil dir, dessen Kraft unfehlbar ist, Gestalt des großen Vīra! Heil dir, der du die Natur der ganzen Welt gekostet hast! Heil dir, der du die Natur vieler Feinde umfangen hast!
Erläuterung: Ananyajātikṣayākāri dṛṣṭā bleibt ungelöst; daraus wird keine sichere Vernichtung einer bestimmten Menschengruppe abgeleitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 237.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 361
jayādyaṃta-vāma-kriyārādhya deva jayānanta brahmāptavāmoktasiddhaḥ ||
Heil dir [die erste Anrede verbindet] unendliche Hindernisscharen mit einem übelgesinnten Wesen und ist gestört! Heil dir, der du dem von Fehlern eingeengten Bewusstsein Wohlergehen gegeben hast [Verbindung unsicher]! Heil dir, Gott, durch die anfängliche und abschließende Vāma-Handlung zu verehren! Heil dir, Unendlicher [mit einer beschädigten Schlussverbindung über] Brahman, Vāma und Vollendung!
Erläuterung: Vāma kann links beziehungsweise eine entsprechende tantrische Überlieferung bezeichnen. Der unklare Lobpreis wird nicht zu einem gesicherten Ritualbekenntnis erweitert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 237–238.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 362
jayāśeṣaśaktiprabandhordhvapīṭha |
jayadhvastavīryāṇuvīrordhvakeśa |
Heil dir [mit einer beschädigten Anrede über] Vidyā, einen Ozean und dessen Herrn! Heil dir, höchste Stätte des Gefüges sämtlicher Kräfte! Heil dir [mit einer gestörten Verbindung über] vernichtete Kraft, das begrenzte Wesen, den Vīra und hochstehendes Haar! Durch den von dir erklärten Yoga bin ich erfüllt, Herr.
Erläuterung: Die erste Verbindung jayācormividyācalāsindhunātha bleibt ungesichert. Die klare Schlussaussage beendet die Lobpreisfrage der Göttin, nicht einen zusätzlich erfundenen Mantrazyklus.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 238.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 363
tāni me brūhi śūlāgrabhinnāndhakaśavodvaha ||
Die in diesem Tantra [gelehrten] geeigneten Sitze, die Yoga zur Vollendung bringen: Erkläre sie mir, du, der den Leichnam Andhakas trägt, den die Spitze des Dreizacks durchbohrt hat.
Erläuterung: Kalpāsana ist hier eine Bezeichnung der geeigneten Sitzformen. Die Anrede nennt ausdrücklich Andhaka, nicht bloß andhakāra, Finsternis.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 238.[1]
Die zwölf Sitze
Sprecherzeile
Der ehrwürdige Bhairava sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 238.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 364
pralambaṃ bhairavaṃ vīraṃ cagalaṃ suprasādinam ||
Śrīvatsa, Svastika, Daṇḍa, Paryaṅka und Śakalodvaha, Pralamba, Bhairava, Vīra, Cagala und Suprasādin …
Erläuterung: Śrīvatsa ist am Bild klar lesbar, obwohl die automatische Schriftdekodierung śravitsa erzeugte. Śakalodvaha und Cagala bleiben die ungesicherten Drucknamen; keine Angleichung an heutige Āsana-Namen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 238.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 365
āsanānyanumeyāni pratipannāni sūribhiḥ ||
… sowie Līla und Līlākara: Diese zwölf, Schöne, sind als Sitze zu verstehen, die von den Weisen angenommen worden sind.
Erläuterung: Die ausdrücklich genannte Zwölfzahl schließt die Reihe364 ab. Die folgende Beschreibung verwendet teilweise abweichende Namensformen; sie werden nicht still vereinheitlicht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 238.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 366
kārpāsaśālmalītūlapūrite pakṣavastraje ||
Für die mit Mantra und Vidyā Verbundenen, Göttin, [sind sie] siddhiyogadināni [beschädigte Bestimmung]. Auf einem mit Baumwolle und Śālmalī-Flaum gefüllten, aus pakṣavastra gefertigten [Sitz] …
Erläuterung: Die letzte Materialbezeichnung ist unsicher. Śālmalī ist der Seidenwollbaum; keine andere Füllung wird ergänzt. Der Satz reicht über367 bis368.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 238.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 367
samantāccaturasre tu vṛtte vā sumṛdā sudhīḥ ||
… aus Haut beziehungsweise Leder [tvaṅmayeva: unregelmäßig], zwei Handspannen beziehungsweise Ellen groß und mit sechs Fingerbreiten versehen, ringsum quadratisch oder rund, sehr weich: Der Einsichtige …
Erläuterung: Hasta ist ein traditionelles Körpermaß. Die Quelle sagt nicht eindeutig, welches Maß Breite, Länge oder Höhe ist; keine fertigen Zentimetermaße werden daraus berechnet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 238.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 368
dvau tulau tu samutthānā dhūrūrdhve pādayordvayoḥ ||
… soll auf dem gefüllten [Sitz] verweilend stets Yoga üben. Die zweite Hälfte beschreibt zwei erhobene [Glieder] und eine Lage oberhalb beider Füße, ist jedoch beschädigt.
Erläuterung: Die Haltung kann aus dvau tulau samutthānā dhūrūrdhve nicht sicher rekonstruiert werden. Sapūraka wird im Zusammenhang mit dem gepolsterten Sitz gelesen; eine zusätzliche Atemfüllung wird nicht vorausgesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 238.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 369
śrīvatsamidamuktantu svastikaṃ śṛṇvataḥ param ||
Die erste Hälfte nennt eine untere Anordnung auf der rechten beziehungsweise linken Seite und ein Auflegen am Scheitel, bleibt aber beschädigt. Dies ist als Śrīvatsa bezeichnet; höre als Nächstes Svastika.
Erläuterung: Savyañjakāt und die Scheitel-Schreibung sind ungesichert. Daraus wird keine sichere Hand- oder Beinposition für ein heutiges Śrīvatsāsana erstellt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 238.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 370
svastikākārakṛtpṛṣṭho daṇḍeṣūccritajānubhiḥ ||
Die beiden [Füße] befinden sich unterhalb und oberhalb der Verbindung von Unterschenkeln und Oberschenkeln sowie in deren Mitte [Anordnung ungesichert]. Der Rücken bildet eine Svastika-Gestalt; beim Daṇḍa [folgt eine Stellung] mit angehobenen Knien.
Erläuterung: Der Übergang zwischen zwei Sitzbeschreibungen liegt innerhalb derselben Originalnummer. Aus der beschädigten Folge wird keine moderne Schrittfolge abgeleitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 239.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 371
tadeva yogabandhena paryaṅkaṃ ślathamādiśet ||
Die Unterschenkel sind umeinander gelegt, quer am Körper [manāḥ: ungesicherter Zusatz], Geliebte. Eben dies soll man mit dem Yogabandha als gelockerten Paryaṅka bezeichnen.
Erläuterung: Yogabandha kann eine Haltevorrichtung beziehungsweise Bindung des Sitzes bezeichnen. Die Quelle gibt hier keine sichere Anleitung zur Herstellung oder festen Verschnürung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 239.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 372
na kṛṣṇāñjalitadyogī bandhayet sakale dhruvam ||
Wer den rechten Unterschenkel führt, soll den linken, „reinen“, auflegen. Die zweite Hälfte enthält eine gestörte Verneinung mit kṛṣṇāñjali und spricht vom festen Binden bei Sakala; der Satz ist nicht sicher übersetzbar.
Erläuterung: Śuddhā und sakale sind die Druckformen. Die Stellung wird nicht aufgrund ähnlicher moderner Namen rekonstruiert; die Negation na bleibt kenntlich.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 239.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 373
daṇḍamīṣatpurobhāge pralambaṃ vistṛtaṃ bhavet ||
Die Hände sollen bequem abgelegt werden, Schönleibige, während man auf dem Boden sitzt. Etwas vor dem Körper [befindet sich] der Daṇḍa; Pralamba wäre ausgedehnt [Zuordnung unregelmäßig].
Erläuterung: Die bequeme Handablage ist klar; die genaue Beziehung der folgenden Sitznamen bleibt unsicher.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 239.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 374
agrage jānunī kārye jaṅghe kiñcit pratiṣṭhite ||
Das rechte Gelenk soll oberhalb des linken Knies liegen. Beide Knie sollen nach vorn gerichtet sein, die Unterschenkel etwas aufgestützt.
Erläuterung: Welches rechte Gelenk gemeint ist, wird im Vers nicht eindeutig benannt; es wird nicht eigenmächtig als rechter Fußknöchel festgelegt. Die Beschreibung setzt sich in 375 fort.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 239.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 375
kāye bhairavabhāvena proditaṃ bhairavāsanam ||
Die beiden Füße liegen hinten auf und befinden sich außen an den Hüften. Durch den Bhairava-Zustand im Körper ist dies als Bhairava-Sitz erklärt.
Erläuterung: Diese historische Beschreibung wird nicht mit dem gleichnamigen modernen, häufig ganz anders gezeigten Bhairavāsana identifiziert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 239.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 376
upadhānakayogena pṛṣṭhe jaṅghāprasāraṇāt ||
Durch das Sitzen auf dem linken Fuß [entsteht] Vīra, sādhyakarālinam [unklare Bestimmung]. Durch das Anlegen eines Polsters am Rücken und das Ausstrecken der Unterschenkel …
Erläuterung: Die zweite Hälfte eröffnet die Beschreibung in 377. Das unklare Kompositum wird nicht als Name einer weiteren Haltung gezählt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 239.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 377
savyajaṅghorusandhisthaṃ vāmagulphaṃ nidhāpayet ||
… ist Suprasārita bezeichnet [sareṣṭācca nikṛṣṭayoḥ: unklarer Anschluss]. Man soll den linken Knöchel in die Verbindung von rechtem Unterschenkel und Oberschenkel legen.
Erläuterung: Suprasārita weicht von Suprasādin in 364 ab. Die belegten Formen bleiben nebeneinander; eine eindeutige Namenskonkordanz wird nicht erzwungen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 239.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 378
svīya jaṅghorugaṃ sthāpya nūpurasthānamuttamam ||
Der linke Unterschenkel ist ein wenig herabgesunken; die bewegliche [Haltung] wird gepriesen. Nachdem man den oberen Knöchelbereich an den eigenen Unter-/Oberschenkel angelegt hat …
Erläuterung: Iṣannipatitā, lolā und svīya sind die Druckformen. Lolā wird nicht still zu Līla aus der Namensliste geändert; Fortsetzung in 379.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 239.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 379
prasāritabhujo yogī vistṛtoruḥ śironnataḥ ||
… sind linker Ellenbogen und linkes Knie aneinandergefügt zu platzieren. Der Yogin hat die Arme ausgestreckt, die Oberschenkel geöffnet und das Haupt erhoben …
Erläuterung: Die linksseitige Zuordnung betrifft ausdrücklich Ellenbogen und Knie. Die Beschreibung endet in 380.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 239–240.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 380
lakṣmīhaste nidhitvañca jñānamaṣṭaguṇodbhavam ||
… als Līlākara erkennt [dies] derjenige, der das Spiel des Herrn trägt, Geliebte. Die zweite Hälfte nennt Schatzsein in Lakṣmīs Hand und aus acht Qualitäten entstandene Erkenntnis; ihr Anschluss ist ungesichert.
Erläuterung: Die Zahl acht wird nicht in acht zusätzliche Āsanas umgewandelt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 240.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 381
mantravidyāstraṃ dehi tvamananyaja guṇātmaja ||
Die erste Hälfte verbindet Reinigung, Stärkung, Faust und die makellose Pracht der Kraft der Mütter, ist aber beschädigt. „Gib du die Mantra-Vidyā-Waffe, Ananyaja, Guṇātmaja“ [auch die Anreden bleiben ungesichert].
Erläuterung: Ein Imperativ dehi steht im Text, aber kein hinreichend bestimmtes eigenständiges Gebet und keine ausgeschriebene Mantraformel. Es wird kein zusätzlicher Sprecherwechsel erfunden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 240.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 382
udarkājaḥ susannaddhā naispṛhāntatvadarśivān ||
Herrschaft und die Kraft dieser [Sitze] sind erklärt [cakramādevi: beschädigte Verbindung]. Die zweite Hälfte nennt etwas künftig Entstehendes, gut Gerüstetsein und ein Schauen der Wirklichkeit in Begierdelosigkeit; eine sichere Satzübersetzung bleibt aus.
Erläuterung: Udāhṛttam und die Formen der zweiten Hälfte bleiben nach der vorläufigen Quelle erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 240.[1]
Bewusstsein an den Übergängen der Erfahrung
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 383
samamantramamantraṃ vā yogamekasvarūpakam ||
Weil sie gewohnt sind, sich in der Abgeschiedenheit aufzuhalten, gelangt der Yoga der Yogis zur Vollendung. [Es folgt die grammatisch unregelmäßige Wendung:] Yoga mit Mantra oder ohne Mantra, von einheitlichem Wesen.
Erläuterung: samamantram ist die Lesung der Vorlage; die Deutung als „mit Mantra“ ist durch den Gegensatz amantram gestützt, ersetzt aber keine gesicherte Textform.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 240.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 384
ato rahasyamanyadvā sādhakaḥ svavate yadā ||
Nachdem [dieser Yoga] verwirklicht ist, wer mit dem Boot den furchtbaren Ozean des Saṃsāra überqueren will [Kasusverbindung gestört] – wenn der Sādhaka hier ein weiteres Geheimnis [svavate: unklar] …
Erläuterung: Die erste Hälfte setzt den bereits aufgenommenen383 fort. Nautitīrṣu ist im Druck als naustitīrṣu gegeben; keine stille Regularisierung. Fortsetzung in 385.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 240.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 385
tadānāyāsataḥ siddhaṃ rahasyatvānmaheśvari ||
… dann [ist es] durch die besondere geheime Lehre und die Ordnung eines leichten Mittels mühelos vollendet, aufgrund seines Geheimnischarakters, große Göttin.
Erläuterung: Der syntaktische Rückbezug auf384 bleibt eingeschränkt. „Leicht“ bezeichnet die hier behauptete Vorgehensweise, keine allgemeine Zusage müheloser Vollendung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 240.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 386
vīrendravṛttijoṃ yogaḥṃ prabhavet tanna saṃśayaḥ ||
Hier [besteht] die Anwendung der Folge von Bewegungsweisen, indem man sich auf die offenbar gewordene Bewegung stützt. Der aus der Bewegungsweise des Herrn der Vīras entstandene Yoga würde hervortreten; daran bestehe kein Zweifel.
Erläuterung: Die ungewöhnlichen Nasalierungen vṛttijoṃ und yogaḥṃ bleiben erhalten. Es handelt sich nicht um neue Mantrasilben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 240.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 387
lāvaṇyasyāpi yatreccā tatrāraṃbhānuśīlanāt ||
Wo jetzt das Verlangen nach Scharfem, Bitterem, Herb-Zusammenziehendem, Süßem, Saurem und auch Salzigem besteht: Durch das aufmerksame Nachverfolgen seines Beginns …
Erläuterung: Die Reihe entspricht sechs Geschmacksqualitäten; lāvaṇya kann sonst Schönheit bedeuten, ist hier aber durch die Reihe als Salzgeschmack bestimmt. Yatreccā ist die Druckform. Fortsetzung in 388.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 240.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 388
tatratyājñatva cārtṛtvaṃ upajāyata eva hi ||
… ist jene Offenbarung auch am Ende gegenwärtig und begleitet alles. Dort entstehen Erkennen und [cārtṛtva: wohl Handelndsein, aber beschädigte Form].
Erläuterung: Die gestörte Folge tatratyājñatva cārtṛtvam wird nicht still zu einer regelmäßigen Verbindung von jñātṛtva/kartṛtva umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 240.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 389
tadāsya sarvasaṃparkakroḍīkāro nivṛttimān ||
Wenn der Sādhaka hier an der verbindenden Bewegungsweise teilhat [Numeruswechsel im Druck], dann ist sein Umfassen sämtlicher Berührungen beziehungsweise Verbindungen von Rückkehr oder Aufhören begleitet.
Erläuterung: Nivṛttimān ist mehrdeutig; der Vers wird nicht unbesehen als Verbot jeglichen Sinneskontakts übersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 241.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 390
bhavyatantrīsvarādyante yadā tallīyate sthirā ||
Von Sein durchzogen steigt er auf und trägt große Frucht. Wenn jenes beim Anfang und Ende des Klanges einer schönen Saite ruhig aufgeht [grammatischer Anschluss unregelmäßig] …
Erläuterung: Satva ist die Druckschreibung. Tantrī bedeutet hier Saite, nicht Tantra-Schrift; die Beobachtung des Klangübergangs führt zu391.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 241.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 391
yena vyaktena sarvajña kartṛtā syādakṛtrimā ||
… dann offenbart sich für ihn das Höchste [erste Verbindung über das Erkennen und vādhyatva ist gestört]. Durch dessen Offenbarwerden, Allwissender, würde das Handelndsein ungekünstelt.
Erläuterung: Vādhyatva wird nicht still zu vādyatva, „Instrumentsein“, oder zu einer Negation der Abhängigkeit verbessert. Die klare Aussage über ungekünsteltes Handeln bleibt erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 241.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 392
tanmayatvāt tadantasya parāvāptiḥ prajāyate ||
Wenn im Inneren des Erscheinens eines sichtbaren Gegenstandes ein Einssein mit ihm entsteht, erwächst aus diesem Einssein das Erlangen des Höchsten [tadantasya: Bezug auf dessen Inneres oder Ende nicht sicher].
Erläuterung: Antar bedeutet „im Inneren, innerhalb“, nicht für sich genommen „am Ende“. Die erste Vershälfte wird entsprechend vorsichtig verstanden. Die Kasusverbindung tanmayatāṃ bhavet und der Bezug von tadantasya in der zweiten Hälfte bleiben ungesichert; aus diesem Vers allein lässt sich keine präzise zeitliche Übungsfolge ableiten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 241.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 393
vikasatyeva cidvṛttistatsthaṃ sa labhate śivam ||
Oder durch das Zurücknehmen dieses [Gegenstandes], indem die Unterscheidung im eigenen Inneren sich entfaltet, öffnet sich die Tätigkeit des Bewusstseins selbst; er erlangt den darin gegenwärtigen Śiva.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 241.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 394
dṛksvarūpe’tti saṃlīnā tannirāsena paśyati ||
[Der erste Ausdruck ist verderbt.] Teilhabend am eigenen Wesen der höchsten Gestalt … [auch die Beziehung von dṛksvarūpe’tti saṃlīnā ist nicht zuverlässig übersetzbar]. Durch das Zurücknehmen dessen sieht er.
Erläuterung: Der Wortlaut wird dokumentiert, ohne einen fehlenden Sinn aus einer vermuteten Lehre zu ergänzen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 241.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 395
atha dṛśye svātmasattā †svadehāmokṣaṇe kṛtiḥ† ||
Ihm geht unmittelbar der höchste, unvergängliche Śiva auf, der in seinem eigenen Wesen ruht. Sodann: die Gegenwart des eigenen Selbst im Sichtbaren … [die Fortsetzung über den eigenen Körper bleibt unklar].
Erläuterung: Die Form svadehāmokṣaṇe ist nicht ohne Eingriff sicher aufzulösen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 241.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 396
sthiraḥ samādhiyogena yogākāravicārayuk ||
Durch das Bestehen einer beständigen Umhüllung [oder: durch das Fehlen der Umhüllung?], aufgrund des Darinstehens, steht er selbst so da. Fest geworden durch den Yoga der Versenkung, ist er mit der Untersuchung der Erscheinungsform des Yoga verbunden.
Erläuterung: sadāvaraṇabhāvena lässt unterschiedliche Segmentierungen zu. Keine davon wird als gesicherte Lesung ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 241.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 397
mṛtajīvaśarīrādau vicaratyaviśaṅkitaḥ ||
Als Allgegenwärtiger erlangt er Herrschaft beim Beleben fremder Körper. In toten und lebenden Körpern und dergleichen bewegt er sich ohne Furcht.
Erläuterung: Historische Aussage über den Eintritt in andere Körper. Sie wird nicht zu einer heutigen Übungsanweisung umgestaltet und gehört nicht zur Praxisauswahl.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 241.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 398
sarvākārādivaicitryātsvarūpodyogayojanāt ||
Durch die Verbindung mit dem Erlangen der Wirklichkeit des Einsseins mit dem zuvor gesehenen Gegenstand, durch die Vielfalt sämtlicher Gestalten und dergleichen und durch die Hinwendung der Tätigkeit zum eigenen Wesen …
Erläuterung: Die Quelle bietet Kh: prāgvasu. Die Strophe ist syntaktisch mit I.12.399 verbunden; das Prädikat folgt dort.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 241–242.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 399
dṛśyadraṣṭornirāsena pravṛttiḥ prabhavottarāḥ ||
… entfaltet sich dadurch seine alles durchdringende Gegenwart überall. Durch das Zurücknehmen von Gesehenem und Seher [entsteht] eine Tätigkeit, deren Höhepunkt das ursprüngliche Hervorgehen ist.
Erläuterung: prabhavottarāḥ ist im Satz auffällig. Die Übersetzung gibt die Verbindung von prabhava und uttara wieder, ohne die Endung zu korrigieren.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 242.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 400
āhārapānasaṃśleṣād rāsahāsakṛtī smṛte ||
Durch jene [Tätigkeit] soll diese erhabene, kraftvoll hervortretende Offenbarung zustande kommen. Genannt werden Essen, Trinken, Umarmen sowie Tanz und Lachen.
Erläuterung: Die Satzfügung ist unregelmäßig. Pāna heißt hier „Trinken“; in dieser Strophe steht weder ein Wort für Wein noch eine ausdrückliche Angabe des Getränks. Der Vers wird deshalb nicht zu einer Empfehlung einer bestimmten Substanz erweitert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 242.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 401
sphoṭāntā śaktiratulā cidrūpā vyaktimeti hi ||
[Der Körperzustand des ersten Halbverses – Gähnen, Verletzung oder eine entsprechende Wortverbindung – ist unsicher.] Die unvergleichliche Kraft, deren Wesen Bewusstsein ist und die im Aufbrechen gipfelt, tritt deutlich hervor.
Erläuterung: Die syntaktische Beziehung von jṛmbhākṣataśarīrasya, tanutā und sphuṭasandhinaḥ ist nicht hinreichend klar.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 242.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 402
āhārādau yāvadiṣṭā mūlaprasarayogataḥ ||
Höre nun, wie das rückläufige Betrachten dessen geschieht: Beim Essen und dergleichen [reicht es], soweit gewünscht, durch die Verbindung mit dem Hervorströmen aus dem Ursprung …
Erläuterung: Der Satz setzt sich in I.12.403 fort. Die feminine Form iṣṭā hat kein ausdrücklich wiederholtes Bezugswort.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 242.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 403
paritṛptyavasānāṃte prārambhe madhyapūraṇāt ||
… wenn man ein Zur-Ruhe-Kommen herbeiführt, tritt [die Kraft] hervor: beim Abschluss der vollständigen Befriedigung, am Anfang und durch die Erfüllung in der Mitte.
Erläuterung: Die Reihenfolge der Zeitpunkte folgt der Quelle. Dies ist die Fortsetzung von I.12.402; kein isoliertes Gebot, Essen oder Atmen zu unterdrücken.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 242.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 404
preyasīkaṇṭhasaṃśleṣaprārambhe madhyayogataḥ ||
Durch die Bewusstseinskraft, die das Wesen des Ursprungs ist, [erfasse die Kraft], die vom Ursprung her im Hervorgehen gipfelt: am Beginn der Umarmung des Halses der Geliebten, durch das Gegenwärtigsein in ihrer Mitte …
Erläuterung: Der Satz reicht bis I.12.405. Der körperliche Bezug der Umarmung wird wörtlich bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 242.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 405
tat smṛtirvā kevalaiva cicchaktikaraṇī smṛtā ||
… durch das aufmerksame Verfolgen des Endes und der übrigen Phasen, indem man sich auf den Ursprung der Erinnerung stützt. Oder auch nur die Erinnerung daran gilt als ein Mittel, die Bewusstseinskraft hervortreten zu lassen.
Erläuterung: Zusammen mit I.12.404 zu lesen; die Erinnerung bezieht sich auf das dort genannte Erleben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 242.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 406
nirodhakṛt samākhyāto jñātvā kartṛtvalakṣaṇaḥ ||
Gerade dieses Erleben [beziehungsweise: sie in diesem Erleben] ist durch die Verbindung mit dem Hervorströmen aus dem Ursprung vollständig. [Der syntaktische Anschluss ist unsicher:] Als ein Zur-Ruhe-Bringender beschrieben, nachdem er erkannt hat, durch Urheberschaft gekennzeichnet.
Erläuterung: Wechselnde grammatische Geschlechter und das unverbundene jñātvā erlauben keine eindeutige Gesamtübersetzung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 242.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 407
mahānandamayaḥ samyak cidrūpaḥ prabhavedasau ||
Dieses Erleben wird durch das Bewusstsein seiner selbst von der Freude der unterscheidenden Einsicht erfüllt. Ganz aus großer Glückseligkeit bestehend, tritt es als Bewusstsein hervor.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 242.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 408
tadrodhapariṇāmābhyāṃ sarvajñatvaṃ bhavedataḥ ||
Indem man seine jeweilige Gestalt anhand ihrer Erscheinungsformen, Veränderungen und dergleichen betrachtet, entsteht daraus durch das Zur-Ruhe-Kommen und die Wandlung derselben Allwissenheit.
Erläuterung: Sarvajñatva ist das vom Text behauptete spirituelle Ergebnis; die Übersetzung macht daraus keine überprüfte Wirkungszusage.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 243.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 409
trāsamutrāsajaṃ yacca tanmadhyādyaṃtayogataḥ ||
[Den Schrecken], der aus Feinden, Waffen, großen Geisterwesen, Blitz, Donner und Wind entsteht, und was aus Furcht und Erschrecken hervorgeht: durch das Gegenwärtigsein in dessen Mitte, Anfang und Ende …
Erläuterung: Mahābhūta kann auch „große Elemente“ bedeuten; im Zusammenhang der Schrecken ist die Deutung als Wesen naheliegend. Die Doppelung trāsamutrāsa ist auffällig. Die Fortsetzung folgt in I.12.410.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 243.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 410
niruddhaḥ sarvavettṛtvaṃ prāpnotīti kimadbhutam ||
… ist hier die Verbindung mit dem Hervorströmen aus dem Ursprung zu vergegenwärtigen, den Geist auf dessen Gestalt gerichtet. Zur Ruhe gebracht, erlangt [der Übende] das Alles-Erkennen: Was wäre daran erstaunlich?
Erläuterung: Zusammen mit I.12.409. Der Vers wird als Betrachtung bereits vorhandener Furcht erschlossen, nicht als Aufforderung, Gefahr oder Erschrecken absichtlich herbeizuführen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 243.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 411
ānandalābhasaṃprāptyā harṣāccātīvasundaram ||
So [entsteht] für den Sādhaka durch Übung am Ende des Erkennens Allwissenheit; mit dem Erlangen der Freude und durch das Frohsein [entsteht] etwas überaus Schönes.
Erläuterung: Der zweite Halbvers hat keine klare syntaktische Anbindung. Die Übersetzung bewahrt die Aussageglieder, ohne einen fehlenden Satz zu erfinden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 243.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 412
āsīt tatpravivekena cicchaktiḥ sphuṭameva hi ||
Durch die Verbindung mit Anfang, Ende und Mitte, durch die Verbindung mit dem Hervorströmen aus dem Ursprung, wurde die Bewusstseinskraft durch klares Unterscheiden desselben ganz offenbar.
Erläuterung: Āsīt ist Vergangenheit („war/wurde“); es wird nicht stillschweigend zu einer Sanskrit-Befehlsform geändert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 243.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 413
anusandhikramādeva mūlayogaprakāśanāt ||
Bei etwas Vergessenem, du Glücklicher, durch die Hinwendung zu dem Übergangsmoment der Erinnerung, gerade durch die Folge des aufmerksamen Nachgehens und durch das Offenbarwerden der Verbindung mit dem Ursprung …
Erläuterung: Die Satzfortsetzung steht in I.12.414a–b.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 243.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 414
ādyamadhyāntagaṃ mūlaṃ jṛmbhākeliṃ vibhāvayet ||
… geht das Höchste unmittelbar auf; dadurch offenbart sich jener Zustand. Man vergegenwärtige den Ursprung, der Anfang, Mitte und Ende durchzieht, [und] das Spiel des Gähnens.
Erläuterung: Der erste Halbvers schließt I.12.413 ab; der zweite beginnt den nächsten Erfahrungszugang. Die grammatische Verbindung der beiden Akkusative mūlam und jṛmbhākelim ist offen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 243.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 415
tadvaktraṃ tasya saubhāgye mūlavṛttivikāsanāt ||
Durch das Bewusstwerden dessen und durch dessen Hemmung tritt [ccivatā: unklare Lesung, möglicherweise „Śiva-Sein“] hervor. [Der zweite Halbvers über dessen „Mund“ oder „Zugang“, günstigen Zustand und die Entfaltung der ursprünglichen Tätigkeit ist nicht eindeutig zu verbinden.]
Erläuterung: Die Vorlage bietet ccivatā, nicht einen eindeutig lesbaren Ausdruck cicchakti. Eine Korrektur zu śivatā ist denkbar, wird aber nicht als gesicherter Grundtext eingesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 243.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 416
kṛte sati samabhyeti mūlaprasara eva hi ||
Das Höchste geht unmittelbar auf. Ebenso tritt, wenn auf den Körper und dergleichen ein Schlag ausgeführt wird, gerade das Hervorströmen aus dem Ursprung hervor.
Erläuterung: Historische Textaussage über Schlagen; aus der Praxisauswahl ausgeschlossen. Die Quelle setzt diese Originalnummer über drei Druckzeilen; sie bleibt eine Versnummer.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 243.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 417
tadguṇetarayogena sphuṭaḥ sphoṭādayaḥ kṛtaḥ ||
Beim Hervortreten eines Lautes, wenn [zwei Größen] durch Eigenschaft und Anderes bewegt werden, wird durch die Verbindung mit dieser Eigenschaft und dem Anderen der Sphoṭa und Weiteres deutlich hervorgebracht.
Erläuterung: Die Dualformen vyaktau und vicālitau sowie sphoṭādayaḥ kṛtaḥ sind syntaktisch unregelmäßig. Sphoṭa wird hier als sprachliches Hervortreten erläutert, ohne eine bestimmte spätere Sprachphilosophie vorauszusetzen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 243–244.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 418
pratibhedaprabhedena sākhyātā te yathārthataḥ ||
Die Śiva-Natur, die in solchen und weiteren Erfahrungsgegenständen gegenwärtig ist, wurde dir gemäß den einzelnen Unterscheidungen und Unterteilungen wahrheitsgemäß dargelegt.
Erläuterung: Die Quelle hat sākhyātā; die Übersetzung folgt dem erkennbaren Darlegungszusammenhang und kennzeichnet damit keine korrigierte Sanskritlesung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 244.[1]
Die gewundene Kraft und ihre Entfaltung
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 419
sā śṛṇu prabhavodbhāvaṃ kramavyutkramayogataḥ ||
Höre nun vom Hervorgehen jener Offenbarung, die, ungetrennt von der Kraft, im Körper ihren Sitz hat – durch den Yoga der geordneten und der umgekehrten Folge.
Erläuterung: Die grammatische Verbindung von sā und dem folgenden Akkusativ ist unregelmäßig. Krama und vyutkrama führen hier in die anschließend beschriebene aufsteigende und herabsteigende Entfaltung ein.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 244.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 420
guhāguḍhāguhāntasthā tārakenduvirājitā ||
Jene [Kraft] ist im Inneren des Kanda verwurzelt; ihre Gestalt ist gewunden. Verborgen in der Höhlung, im Inneren der Höhle, erstrahlt sie mit Sternen und Mond.
Erläuterung: Kanda bedeutet „Knolle“ oder „Wurzelstock“ und bezeichnet hier einen innerkörperlichen Ausgangsort. guḍhā steht so in der Vorlage; es wird nicht unbemerkt zu gūḍhā geändert. Die Beschreibung gehört zum historischen Körperbild dieses Abschnitts.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 244.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 421
jvalad vahnipratīkāśā prasuptabhujagopamā ||
Mit fünf Schlangenhauben versehen, leuchtend wie aufgewühltes Wasser, gleicht sie loderndem Feuer und einer schlafenden Schlange.
Erläuterung: vibhāsvarāḥ ist grammatisch auffällig, aber am Seitenbild belegt. Die fünf Hauben dürfen nicht stillschweigend durch die drei oder dreieinhalb Windungen anderer Überlieferungen ersetzt werden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 244.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 422
tasyāḥ prabodhanaṃ kāryaṃ mahā karayogataḥ ||
Sie trägt fünf Knoten, ist furchterregend und verschlingt die Welt. Ihr Erwecken soll durch einen „großen kara-yoga“ erfolgen.
Erläuterung: Die genaue Bedeutung und Zusammengehörigkeit von mahā karayogataḥ sind unklar. K hat die Variante pradhopana zu prabodhanaṃ. Die unsichere Formel wird nicht zu einer praktisch ausführbaren Methode ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 244.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 423
baddhapadmāsano vīro ṛjukāyaḥ kṛtāñjaliḥ ||
Dabei ist der Vīra von heiterem Gemüt, unten auf einem angenehmen Sitz niedergelassen, im gebundenen Lotussitz, mit aufrechtem Körper und zusammengelegten Händen.
Erläuterung: Vīra („Held“) bezeichnet hier einen tantrischen Praktizierenden. Der Vers ist in einen mehrgliedrigen, teils gewaltsamen Erweckungsablauf eingebunden; daher kein selbständiger Eintrag der Praxisauswahl.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 244.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 424
sānandaṃ cāpi vedyo’yamugranādaprayogataḥ ||
Der Mund soll ein wenig [vṛvṛttaṃ: unklare Form; wohl geöffnet oder bewegt] sein, die Pupillen der beiden Augen bewegt. Und dieses [Geschehen] ist mit Freude durch die Anwendung eines heftigen Tones zu erfahren.
Erläuterung: Die Vorlage nennt keine sichere Lautfolge für den ugra-nāda. Aus dem Ausdruck wird kein rezitierbares Mantra gewonnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 244.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 425
ghorāghātaprayogeṇa yadā saṃpīḍanaṃ sakṛt ||
Wenn durch eine rechtsläufige Bewegung der „im Raum Gehende“ bis ins Innere des Kanda [gelangt] und durch die Anwendung eines heftigen Stoßes einmal ein Zusammenpressen …
Erläuterung: Khaga („im Raum Gehender“, auch „Vogel“) ist hier eine technische, nicht sicher aufgelöste Bezeichnung. Die Satzfortsetzung folgt in I.12.426; es werden keine zusätzlichen Körper- oder Atemanweisungen ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 244.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 426
pravṛddhyate kṣaṇārddhena sā śaktirghoravikramā ||
… vollzogen wird, dann wächst jene Kraft von gewaltigem Schritt in einem halben Augenblick an – durch [kramadveṣṭānayogataḥ: nicht gesicherte Lesung].
Erläuterung: Die Übersetzung bewahrt die Zeitangabe „ein halber Augenblick“. Der unklare technische Ausdruck wird nicht als sichere Entwindungsmethode ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 244.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 427
saśaṃkhadaṇḍavaccāsau vidyudvad vyaktimeti hi ||
Indem sie die überaus mächtige Fünfergruppe ihrer Hauben entfaltet, breitet sie sich aus. Und sie tritt wie ein Stab mit einer Muschel, wie ein Blitz, in Erscheinung.
Erläuterung: saśaṃkhadaṇḍavat ist ein ungewöhnlicher Vergleich; eine eindeutige anatomische Zuordnung wird nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 245.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 428
yāvatprathamasandhisthastāvaccihnaṃ pravartate ||
Der Herr der fünf Knoten, [anudāraujā: unklar charakterisiert], von gewaltiger Heftigkeit, ergreift [etwas]. Solange er an der ersten Verbindungsstelle steht, tritt ein Zeichen auf.
Erläuterung: Die Vorlage wechselt zum Maskulinum und lässt das Objekt von ādatte offen. Die Übertragung verschweigt diesen Wechsel nicht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 245.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 429
paścādānandamatyuccairvipulaṃ kāmakālavat ||
Drehen, Zittern, Ohnmacht und ein brennender Zustand des Körpers; danach sehr hohe, umfassende Freude, wie zur Zeit des Begehrens.
Erläuterung: Die unregelmäßige Form śarīratā wird nicht korrigiert. Mūrcā wird wörtlich als Ohnmacht wiedergegeben; diese historische Zeichenbeschreibung ist keine heutige Empfehlung, Ohnmacht herbeizuführen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 245.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 430
tadā cihnaṃ śarīrasthaṃ tasya samyak pravartate ||
Wenn die Göttin, die kaum auszuhalten ist, den zweiten Knoten aufreißt, dann tritt das im Körper befindliche Zeichen bei ihm deutlich hervor.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 245.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 431
āveśaṃ bahudhākāraṃ yogibhāṣāprabhāṣaṇam ||
Entfaltung und āmiṣa [wörtlich: Fleisch, Lockmittel oder Beute; hier unsicher], Schweben, ein äußerst strahlendes Erschüttertwerden, vielfältige Formen des Ergriffenseins und das Sprechen in der Sprache der Yogis.
Erläuterung: Die Aufzählung setzt I.12.430 fort. Āveśa bezeichnet das Ergriffenwerden beziehungsweise Eintreten einer Macht. Āmiṣa wird nicht zugunsten einer freundlicheren Lesart getilgt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 245.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 432
tṛtīyāṃ vai mahāgranthiṃ yadā pāṭayate balāt ||
Oder er vermag ausführlich von vergangenen und zukünftigen Dingen und Weiterem zu sprechen. Wenn sie aber den dritten großen Knoten mit Gewalt aufreißt …
Erläuterung: Die Quelle verzeichnet zu mahāgranthiṃ eine Schreibvariante unter K. Der zweite Halbvers setzt sich in I.12.433 fort.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 245.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 433
punaśca cakravad vyoma āste sādhakasattamaḥ ||
… dann verlässt der vortreffliche Sādhaka zunächst heftig wie ein Frosch den Boden. Danach hält er sich wie ein Rad im Luftraum auf.
Erläuterung: Die historische Behauptung von Springen beziehungsweise Schweben wird nicht als nachgewiesene Fähigkeit dargestellt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 245.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 434
yoganidrā mahānando bhavatyevāsya yoginaḥ ||
Daraufhin tritt die große Durchdringung hervor. Yoga-Schlaf und große Glückseligkeit entstehen bei diesem Yogi.
Erläuterung: Yoganidrā ist hier ein Zustand innerhalb des beschriebenen Kraftgeschehens; daraus folgt keine Identität mit heutigen Entspannungsverfahren gleichen Namens.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 245.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 435
dūrādevādi sarvaṃ syāt sādhakasya mahātmanaḥ ||
Schärfe, außerordentliche Gewandtheit, deutliches Allwissen und Weiteres: Alles soll für den großgesinnten Sādhaka [auch] aus der Ferne und dergleichen vorhanden sein.
Erläuterung: Dūrādevādi ist elliptisch; die Ausgabe nennt hier kein bestimmtes Fernsinnesorgan.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 245.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 436
tadāsya siddhayaścitrāḥ pravartante na saṃśayaḥ ||
Wenn jene Śivā den vierten großen Knoten aufreißt, dann treten bei ihm vielfältige Vollkommenheiten hervor, daran besteht [für den Text] kein Zweifel.
Erläuterung: Caturthī ist statt eines erwarteten Akkusativs überliefert. Die Bezugsrichtung „vierter Knoten“ ergibt sich aus der ausdrücklichen Reihe erster bis fünfter Knoten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 245–246.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 437
ākarṣavedhapātādi purakṣobhaṇamulbaṇam ||
Zittern, Sichsträuben der Körperhaare, Zucken, Erschütterung, Verwirrung [dṛṣaḥ unklar], Heranziehen, Durchbohren, Fallen und dergleichen, heftiges Erschüttern der „Stadt“.
Erläuterung: Pura kann den Körper bezeichnen. Die Aufzählung ist grammatisch unregelmäßig; sie wird nicht zu einer modernen Symptomen- oder Übungsliste ausgebaut.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 246.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 438
ṣaḍrasākṛṣṭiratulā ṣaḍbhiḥ śrutiranuttamā ||
Zusammenstoßen, Hemmen und Bewegen, außergewöhnliches Zucken und Ergriffensein, unvergleichliches Heranziehen der sechs Geschmacksrichtungen und höchstes Hören „durch sechs“.
Erläuterung: Bei ṣaḍbhiḥ („durch sechs“) fehlt das Bezugswort; sechs Ohren oder sechs Hörzentren werden deshalb nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 246.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 439
mahāvyāptirutā ghorā cañcalākṣepasundarī ||
[Der Anfang ṣaḍsvabhūḥ ist unklar.] Herrschaft wäre nicht; ebenso ein bis zur Gestalt reichender Schaden [?]. Die große Durchdringung, furchterregend und von unruhigen Zuckungen gezeichnet …
Erläuterung: Der erste Halbvers ist nicht sicher rekonstruierbar. Insbesondere bleibt die tatsächlich vorhandene Verneinung na erhalten. Eine glatte Übersetzung mit positivem Herrschaftsversprechen wäre textwidrig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 246.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 440
pañcamaṃ granthisaṃyogamatulaṃ ghaṭṭayed yadā ||
… tritt hervor, ohne Zweifel: So hat Bhairava gesprochen. Wenn [die Kraft] auf die unvergleichliche Verbindung des fünften Knotens stößt …
Erläuterung: Die erste Hälfte schließt an I.12.439, die zweite eröffnet I.12.441.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 246.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 441
kalāvilāsamatulaṃ daśadvādaśabhedataḥ ||
… dann tritt alles zuvor Genannte als große Folge hervor: das unvergleichliche Spiel der Kalās, unterschieden als zehn und zwölf.
Erläuterung: Kalā bezeichnet hier eine Teilkraft beziehungsweise Entfaltungsstufe. Zehn und zwölf werden nicht zu einer einzigen Zahl zusammengezogen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 246.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 442
vahnīndu sūryasadrūpo hyaṣṭāviṃśatprakārajaḥ ||
Ihre höchste Entfaltung durch die Verbindung mit einer sechzehnfachen Folge besitzt das wirkliche Wesen von Feuer, Mond und Sonne und entsteht in achtundzwanzig Arten.
Erläuterung: Die Zahlen sechzehn und achtundzwanzig stehen nebeneinander; ihr Verhältnis wird an dieser Stelle nicht ausdrücklich erklärt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 246.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 443
binducakraḥ samasto’pi caturdhā cittalakṣaṇaḥ ||
Auch jenes gelangt zur Entfaltung, im Spiel der Drehung des Kreises. Der gesamte Bindu-Kreis ist vierfach und durch Bewusstsein gekennzeichnet.
Erläuterung: Bindu heißt „Punkt“ beziehungsweise „Tropfen“ und ist hier ein Begriff des inneren Kraftgeschehens; cakra bezeichnet einen Kreis oder ein Wirkungsgefüge.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 246.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 444
vāgvṛttirakhilāyāstāścaturdhā khyātilakṣaṇā ||
Auch er entfaltet sich vollständig in der Folge der Kalās, Geliebte. Die gesamte Tätigkeit der Sprache ist vierfach und durch Offenbarwerden gekennzeichnet.
Erläuterung: Der grammatische Anschluss von akhilāyāstāḥ ist unregelmäßig. Die vier Ebenen werden hier nicht namentlich genannt; vertraute Namen aus anderen Texten werden nicht eingefügt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 246.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 445
tadatītamataḥ †soḍh↠yo’vyaktaḥ prasaraḥ smṛtaḥ ||
Dadurch erreicht er die Herrschaft darüber, gekennzeichnet durch das Eingehen in die jeweilige Erscheinungsart. Darüber hinaus [soḍhā: unklar] liegt die Entfaltung, die als unmanifest bezeichnet wird.
Erläuterung: Soḍhā wird nicht zu ṣoḍhā („sechsfach“) geändert. Das kleine, von der Zeile abgesetzte Zeichen am Schluss wird als nicht zum gesicherten Vers gehöriger Druckbefund protokolliert, nicht als Mantrasilbe übernommen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 246.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 446
tacchāptireva jāyeta tantravīryaprakāśikā ||
Jene [Entfaltung] reicht, nach höchster und niedrigerer Ebene unterschieden, bis an die Grenze des Visarga. [Tacchāptiḥ: unklare Lesung] entsteht dabei und offenbart die Kraft des Tantra.
Erläuterung: Visarga bedeutet „Aussendung“ und ist hier eine Entfaltungsgrenze; die Textform tacchāptiḥ lässt sich nicht ohne Eingriff sicher als śaktiḥ oder prāptiḥ lesen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 247.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 447
pravibhāgavibhāgena vetti bhuṅkte ca sarvaśaḥ ||
Er sieht die Kreise der Siddha-Yoginīs und die Himmelsfahrzeuge; nach Unterteilungen und Gliederungen erkennt und erfährt er sie in jeder Hinsicht.
Erläuterung: Die im historischen Text beschriebenen Begegnungen gehören zu dessen religiöser Erfahrungswelt. Vimāna wird nicht als modernes technisches Fluggerät erklärt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 247.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 448
vyutkramayogo’yaṃ patrāntaravirājitaḥ ||
Nachdem er jenes erfahren hat und darin ganz aufgegangen ist, ist er allein Śiva. Dieser Yoga der umgekehrten Folge erstrahlt im Inneren der Blätter.
Erläuterung: Patra heißt „Blatt“; eine bestimmte Zahl von Lotusblättern steht nicht im Vers. Die abschließende Benennung als vyutkrama ist vor einer schematischen Zuordnung einzelner Abschnitte zu Aufstieg und Abstieg zu beachten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 247.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 449
kramabhedamato vacmi śṛṇu pannilanandana ||
Alle Vollkommenheiten sind als begleitende Ergebnisse eingeordnet. Daher erkläre ich nun die Unterscheidung der Folge; höre, Sohn Pannilas.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 247.[1]
Heutige Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev als ergänzendes Angebot; keine Nachbildung des vorhergehenden Erweckungsrituals.
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 450
sarvagarbhā sarvamūrttiḥ sthitipralayalakṣaṇā ||
Die Kalā im Inneren der Stätte beziehungsweise des Glanzes des Visarga ist die höchste Göttin: Sie trägt alles in ihrem Schoß, hat alle Gestalten und ist durch Bestehen und Auflösung gekennzeichnet.
Erläuterung: Das doppelte dhāma ist schwierig zu gliedern. Der zweite Halbvers ist eindeutig; eine stillschweigende Kürzung des ersten wird vermieden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 247.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 451
bhavedyāvattāvadeva ṣaḍvyāptiṃ vyaktimeti hi ||
Indem sie wie eine Blitzlinie herabfährt und in die Mitte der Freude gelangt, tritt zugleich die sechsfache Durchdringung hervor.
Erläuterung: Die Vorlage liest nanda („Freude“), nicht kanda. Eine körperliche Zielstelle „Mitte des Kanda“ wäre hier eine unbelegte Korrektur.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 247.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 452
dvitīyavyaktisāmarthyād vīryamaudāryameti ca ||
In der ersten Offenbarung bringt die Vollkommenheit gewährende [Kraft] den Herrn der Ursachen zum Erscheinen. Durch die Wirksamkeit der zweiten Offenbarung gewinnt die Kraft Größe.
Erläuterung: Die grammatische Verbindung von kāraṇendram mit vyaktimāyāti ist unregelmäßig. Der bestimmte Herr der Ursachen wird hier nicht namentlich identifiziert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 247.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 453
ādhārakaraṇendrāṇāṃ cakrāstadanusaṃsthitāḥ ||
In der dritten Stufe der Offenbarung erstrahlen die Knoten überall; die Kreise der Träger und der Herren der wirkenden Organe sind entsprechend angeordnet.
Erläuterung: Ādhāra, karaṇa und indra können in der Komposition unterschiedlich verbunden werden. Der Text bietet keine ausdrückliche moderne Chakra-Tabelle.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 247.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 454
pañcamārgā bhaved vyaktiḥ pañca vyomānyathā matā ||
Durch die vierte Stufe der Folge [besteht] eine Anordnung aller Herren der Vīras. Die Offenbarung soll fünffach gerichtet sein; sodann werden fünf Räume angenommen.
Erläuterung: Der Wortlaut sarvavīrendra ist am Bild lesbar. Die Satzfügung und pañcamārgā sind unsicher; eine vollständig geglättete Systematik würde den Quellbefund übergehen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 247.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 455
yā ṣaṣṭhī vyaktiruddiṣṭā rasadravyaprasūtikāḥ ||
Wer sich ganz jenen fünf [Räumen] zuwendet, wird des Khecarī-Zustandes teilhaftig. Die als sechste bezeichnete Offenbarung bringt Essenz-Substanzen hervor.
Erläuterung: Khecarī heißt „im Raum Gehende“ und bezeichnet hier einen Zustand, nicht automatisch eine bestimmte Zungentechnik. Rasadravya ist mehrdeutig; ein Rezept oder eine alchemische Substanz wird nicht ergänzt. Die Endung prasūtikāḥ bleibt stehen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 247–248.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 456
vyāpyavyāpakabhedena paramārthavicārataḥ ||
So ist jene höchste Göttin in Gestalt von sechs Ebenen offenbar, unterschieden als das Durchdrungene und das Durchdringende, gemäß der Betrachtung der höchsten Wirklichkeit.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 248.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 457
tad †vaṣṭambha†yogena tatsvarūpavikāsanāt ||
Sie durchwandert die gesamte Welt mitsamt Göttern, Asuras und Menschen. Durch die Verbindung mit ihrem Halt [vaṣṭambha: unsichere Form], durch die Entfaltung ihres eigenen Wesens …
Erläuterung: Die erste Hälfte setzt die Beschreibung der Göttin fort, die zweite führt zu I.12.458. „Halt“ setzt die naheliegende Beziehung zu avaṣṭambha voraus, ohne diese Form in den Grundtext einzusetzen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 248.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 458
evamaikātmyasaṃpattyā śāktaṃ śāmbhavamāṇavam ||
… wird der Yogi von ihrem Wesen, mit einer Fülle von Vollkommenheiten verbunden. So, durch das Erlangen des Einsseins, [wurde] der śākta-, śāmbhava- und āṇava-[Yoga] …
Erläuterung: Śākta bezieht sich auf die Kraft, śāmbhava auf Śambhu/Śiva, āṇava auf das begrenzte Individuum. Der Satz endet in I.12.459; die Reihenfolge wird bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 248.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 459
avāpya ghorāt saṃsārāduttarennarasattamaḥ ||
… erläutert. Nachdem der vortreffliche Mensch diesen Yoga erlangt hat, der den Sinn des Gurus offenbar macht, soll er den furchtbaren Saṃsāra überschreiten.
Erläuterung: Fortsetzung von I.12.458. Guror artha kann den Sinn beziehungsweise die Bedeutung des Gurus oder dessen Lehranliegen bezeichnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 248.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 12, Vers 460
vistīrṇāṃśupratāpapravihatatimire vistṛte viśvakhāte |
yogajñānapravṛttisthitivilayakarī svāṃśadeśasvatantrā
Dieser „Mond des Yoga“ ist dargelegt [die folgende Verbindung mit Menschen, Blüten, Aufatmen und Worten ist beschädigt], im weiten Weltenraum, dessen Finsternis durch die Glut ausgebreiteter Strahlen vertrieben wird. Nun höre von der Einweihung, die Hervortreten, Bestehen und Aufgehen der Yoga-Erkenntnis bewirkt und in ihrem eigenen Bereich selbstständig ist [weitere Bestimmungen ihres reinen Hervortretens sind nicht sicher übersetzbar].
Erläuterung: Alle vier langen Zeilen gehören zur Originalnummer 460. Die Schlussstrophe leitet zum folgenden Einweihungskapitel über. Janakusumavatocvāsamadbhūrivācām und saṃgeva bleiben als schwierige Leitlesungen erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 248.[1]
Kolophon
So [endet] im Bhairava-Strom, im Vidyāpīṭha, im Śiraśceda, im großen Tantra Jayadrathayāmala von vierundzwanzigtausend [Versen], im ersten Ṣaṭka, bei Śrī Kālasaṅkarṣaṇī, das zwölfte Kapitel mit dem Namen „Bestimmung des Yoga“.
Hinweis: Der Kolophon folgt auf die ebenfalls wiedergegebene Schlussstrophe I.12.460 und bestätigt den Titel Yoganirṇaya sowie die Zuordnung zum zwölften Kapitel des ersten Ṣaṭka. Das gesamte Kapitel ist nach dieser vorläufigen Quelle wiedergegeben, einschließlich seiner Defekte.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 248.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13: Einweihungsarten und Gestaltung des Ritualplatzes
Dieses Kapitel ist nach Sampath 2011, PDF 248–267, mit allen 176 Originalnummern, Kapitelüberschrift, Sprecherzeilen und Kolophon wiedergegeben. Die vorläufige Ausgabe ist besonders bei Göttinnennamen und geometrischen Anweisungen vielfach gestört; solche Stellen sind nur in ihren erkennbaren Anteilen übersetzt. Die Zwischenüberschriften sind heutige Orientierungshilfen. Die Ziffer169 steht im Druck ohne nachfolgenden Doppeldaṇḍa; die drei langen Schlusszeilen tragen gemeinsam die Nummer176. Das Kolophon schreibt Jayadrayayāmala, eine hier bewahrte Abweichung vom üblichen Werktitel.
Arten und Sinn der Einweihung
Kapitelüberschrift
Dreizehntes Kapitel.
Hinweis: Unnummerierte Kapitelüberschrift der Quelle; keine zusätzliche Versposition.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 248.[1]
Sprecherzeile
Die ehrwürdige Göttin sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 248.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 1
samānā vāsamānā vā hyetadiccāmi veditum ||
Gott, von wie vielen Arten ist die Einweihung? Verwirklicht sie auch die gewünschten Ziele? Ist sie gleich oder verschieden? Dies möchte ich wissen.
Erläuterung: Dīkṣā ist die rituelle Einweihung, die im folgenden Vers durch Erkenntnisvermittlung und Beseitigung ihrer Hindernisse erklärt wird. Die Quelle schreibt iccāmi.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 248–249.[1]
Sprecherzeile
Der ehrwürdige Bhairava sprach:
Hinweis: Die Sprecherzeile besitzt hier im Druck keinen abschließenden Daṇḍa.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 249.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 2
puṃsāṃ hi gīyate dīkṣā dānakṣapaṇarūpataḥ ||
Weil sie den Menschen das Hervortreten von Erkenntnis und Handlung gewährt und das vernichtet, was diese hemmt, wird sie als Dīkṣā gepriesen: Ihrem Wesen nach ist sie Gewähren und Tilgen.
Erläuterung: Der Vers gibt eine traditionelle Sinndeutung des Wortes dīkṣā anhand von dāna, Gewähren, und kṣapaṇa, Tilgen. Das ist keine historisch-sprachwissenschaftliche Herleitung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 249.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 3
samayā hi punaryāti dvirbhāvaṃ phalabhedataḥ ||
Sie [wird] als Sāmayā und Nirvāṇā unterschieden [die Formen der ersten Hälfte sind gestört]. Die Samayā wird wiederum zweifach entsprechend der Verschiedenheit ihrer Frucht.
Erläuterung: Sāmayā beziehungsweise Samayā bezeichnet hier eine an Samaya, Verpflichtung und Lehrordnung, gebundene Einweihung; Nirvāṇā eine auf Befreiung gerichtete. Nirvāṇād vibhinnād visvarūpataḥ wird nicht still regularisiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 249.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 4
tadvāsā navadhā nityā vyāptipadadāyikā ||
Sie steht im Vollzug des Erkenntnisyoga und verleiht den Lebewesen die Befugnis [zur betreffenden Praxis]. Die zweite Hälfte nennt eine neunfache, beständige [Einweihung], die die Stufe der Durchdringung gewährt; tadvāsā bleibt ungesichert.
Erläuterung: Adhikāra bedeutet hier Befugnis beziehungsweise Zuständigkeit. Aus der Zahl neun wird keine unbelegte Liste von neun Einweihungen ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 249.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 5
mokṣārthikārabhedābhyāṃ sthāṇubhistaṃtravedibhiḥ ||
Die Samayā soll [so] erkannt werden; auch die Nirvāṇā ist zweigestaltig, nach einer Unterscheidung in Bezug auf Befreiung und [arthikāra: unklare Bestimmung], von den beständigen Tantra-Kennern.
Erläuterung: Die unregelmäßige Verbindung mokṣārthikāra wird nicht in eine sicher belegte Zweiteilung „Befreiung oder Reichtum“ umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 249.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 6
śivadharmā lokadharmā kṣipraghnī piṇḍapātikā ||
Ferner besitzt die befreiende Nirvāṇā-Einweihung viele Unterteilungen: Śivadharmā, Lokadharmā, Kṣipraghnī und Piṇḍapātikā.
Erläuterung: Die ersten beiden Namen beziehen sich auf Śivas Ordnung beziehungsweise die Weltordnung. Die beiden letzten bedeuten wörtlich „rasch tötend“ und „den Körper fallen lassend“; die historische Todesnähe wird nicht beschönigt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 249.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 7
śivāptirdarśitā śeṣasamayācārapālanāt ||
Die erste Hälfte nennt eine reine Bewusstseinsbewegung beziehungsweise ein Abwenden und die dreifache Bindung, bleibt jedoch beschädigt. Das Erlangen Śivas ist aufgezeigt durch das Einhalten der übrigen Samaya-Verpflichtungen und der Lebensführung.
Erläuterung: Ekātapordhvaciccuddhavyāvṛteḥ erlaubt keine sichere Rekonstruktion eines konkreten inneren Vorgangs. Die drei Bindungen werden hier nicht einzeln genannt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 249.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 8
śivadharmā smṛtā dīkṣādhisvarūpā maheśvarī ||
Diejenige, die durch Umkehrung der weltlichen Lebensführung das Erlangen der Befreiung bewirkt, gilt als Śivadharmā: die Einweihung von herrlicher beziehungsweise Maheśvarī-Gestalt [mittlere Verbindung unregelmäßig].
Erläuterung: Dīkṣādhisvarūpā wird nicht zu einer sicheren klassisch grammatischen Fassung geändert. Der Vers beschreibt eine traditionelle Einweihungsart, keine pauschale Aufhebung heutiger Verhaltensregeln.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 249.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 9
pākamūrkhā sudīrṇāṅgī eḍatvakuṇiyoṣitām ||
Im Śiva-Āgama gibt es die Einweihungsarten namens Nirbījā und Savīryā. Die zweite Hälfte nennt eine beschädigte Reihe von Empfängern, darunter Unverständige, Menschen mit körperlichen Einschränkungen und Frauen …
Erläuterung: Nirbījā bedeutet „ohne Samen“, Savīryā „mit Kraft“. Savīryā wird nicht still zu Sabījā, „mit Samen“, geändert, obwohl diese Bezeichnung in 11 folgt. Pākamūrkhā sudīrṇāṅgī eḍatvakuṇi ist nicht sicher in einzelne Empfängergruppen aufzuteilen; keine moderne Diagnose daraus.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 249.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 10
viśuddhasamayācārā yā kṛtā daiśikena tu ||
… ferner der tief gefestigten Verehrer, des Königs [bhūbhṛt: unregelmäßiger Anschluss] und der Entsagenden, Geliebte: Die vom Lehrer vollzogene [Einweihung], deren Samaya-Lebensführung gereinigt ist …
Erläuterung: Die Empfängerreihe beginnt in 9; der Satz endet mit der Bezeichnung Nirbījā in 11. Viśuddhasamayācārā wird nicht still als völliger Wegfall aller Verpflichtungen übersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 249–250.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 11
vidhidvandvasahānāntu sundari kriyate tadā ||
… wäre die Nirbījā-Einweihung; im entgegengesetzten Fall wäre sie Sabījā. Diese wird dann für jene vollzogen, welche die zweifache Vorschrift zu tragen vermögen, Schöne.
Erläuterung: Vidhidvandva nennt ein Vorschriftenpaar, ohne es in diesem Vers auszuführen. Der folgende Vers erläutert konkrete Verpflichtungen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 250.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 12
akurvatāṃ hi tatteṣāṃ vāñcitaṃ na bhavet phalam ||
Sie müssen die Handlungen für Guru, Gottheit und Feuer mit guter Hingabe ausführen. Denn für jene, die dies nicht tun, würde die gewünschte Frucht nicht eintreten.
Erläuterung: Die Verneinung und die Bindung an die vorher beschriebene Einweihungsart bleiben erhalten. Es ist keine Aussage, dass jede spirituelle Praxis ohne Feueropfer wirkungslos sei.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 250.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 13
śivadharmakriyā sā tu kintu laukikavṛttigā ||
Die Einweihung namens Lokadharmā verläuft im Verhältnis zum Bestehen gegenläufig [sthitivilomagā: unklar]. Sie ist zwar eine Handlung der Śivadharma-Art, bewegt sich jedoch in weltlicher Lebensführung.
Erläuterung: Die Spannung zwischen ritueller Reinigung und verbleibender weltlicher Lebensweise wird in 14–16 entfaltet; die unklare erste Bestimmung bleibt offen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 250.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 14
laukikācāradharmasthā tad bhuktvā nirvṛtiṃ vrajet ||
Oder man soll alles reinigen, einen Dharma jedoch nicht reinigen. In der Ordnung weltlicher Lebensführung verbleibend, würde [die betreffende Person] nach dessen Genuss zur Befreiung gelangen.
Erläuterung: Dharma bezeichnet hier einen verbleibenden Wirkungs-/Lebensbereich beziehungsweise dessen karmische Grundlage. Die Ausnahme „einen nicht“ wird ausdrücklich bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 250.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 15
malinodhvāthavā devi śuddho bhogyo na jāyate ||
Nun soll ein einzelnes dunkles Karma vom Lehrer gereinigt werden [erste Fügung unregelmäßig]. Die zweite Hälfte nennt einen befleckten Weg und einen reinen, zu erfahrenden [Bereich] mit einer Verneinung, bleibt aber syntaktisch beschädigt.
Erläuterung: Malinodhvāthavā ist nicht sicher zu gliedern. Die Verneinung na wird nicht ausgelassen, um eine glatte Erklärung der Karma-Lehre zu gewinnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 250.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 16
smṛte yaṃ lokadharmā tu dīkṣānirvāṇagāminī ||
Das ist zu erfahren; weil es vollständig erfahren worden ist, gelangt das Selbst zur höchsten Stätte. Dies gilt als Lokadharmā, die zum Nirvāṇa führende Einweihung.
Erläuterung: Smṛte yaṃ ist die gedruckte Trennung. Die Übersetzung folgt dem erkennbaren Rückbezug, ohne diese Sanskritform still zu verbessern.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 250.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 17
kṣīṇabhogyavaśādyā tu sā dīkṣā piṇḍapātikā ||
Wenn das vergangene und das bereits begonnene Karma gehemmt sind [Anschluss unregelmäßig], Geliebte, und das zu Erfahrende erschöpft ist, dann ist jene Einweihung Piṇḍapātikā, „den Körper fallen lassend“.
Erläuterung: Die genaue Konstruktion eṣātīte ist gestört. Der körperbezogene, todesnahe Sinn des Namens wird nicht in eine bloße Loslösung von Gewohnheiten umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 250.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 18
parayogasamāyoge sadyonirvāṇadā hi sā ||
Mit den heftigen Mantras der Kṣurikā-Waffe und durch Yoga soll man [den betreffenden Träger] aufnehmen und fortschleudern. Denn bei der Verbindung mit dem höchsten Yoga gewährt sie augenblickliches Nirvāṇa.
Erläuterung: Das Objekt ist im Vers nicht ausdrücklich genannt; der Zusammenhang 17–18 betrifft eine den Körper fallen lassende Einweihung. Kṣurikā ist eine schneidende rituelle Waffe. Kein Lauttext oder praktischer Ablauf wird ergänzt; ausgeschlossen aus Auswahl und Rezitationsempfehlungen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 250.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 19
mudrāmantradhanasthānajñānayogāṅgabhedataḥ ||
Die Handlungen sind gleichartig für Śūdras, Vaiśyas, Brahmanen und Krieger [Numerus unregelmäßig], bei Unterschieden hinsichtlich Mudrā, Mantra, Vermögen, Ort, Erkenntnis und Yogagliedern …
Erläuterung: Varmin, wörtlich „Gepanzerter“, bezeichnet hier den Krieger. Dhana heißt Vermögen beziehungsweise Mittel; es wird nicht still zu dhyāna, Meditation, geändert. Der Satz geht in 20 weiter.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 250.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 20
caturdaśaśarīrasthajantucakrasya ṃ sundari ||
… und mit gleicher Frucht verbunden, niemals mit ungleicher, Schöne. [Es folgt ein Genitivbezug auf] den Kreis der Lebewesen, die in vierzehn Körperarten bestehen …
Erläuterung: Der zusätzliche abgesetzte Anusvāra nach jantucakrasya wird als ṃ erhalten; er ist kein Bīja. Die zweite Hälfte führt zur angekündigten Verwirklichung in 21 und wird nicht als selbstständige Tierartenliste ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 251.[1]
Ort und Zeit der Verehrung
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 21
samayī syādadṛṣṭastu paramāyāpaṭāvṛtaḥ ||
… höre zuerst die Verwirklichung und die der Yogeśvarī liebe Verehrung. Der Samayin wäre noch ohne Schau, von der Hülle der höchsten Māyā bedeckt.
Erläuterung: Sādhanām ist die unregelmäßige Druckform. Samayin bezeichnet hier einen Träger der einleitenden Einweihungs-/Verpflichtungsstufe. Adṛṣṭa wird im Gegensatz zur Schau verstanden; keine persönliche Abwertung heutiger Anfänger.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 251.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 22
sthāne yāgavidhiṃ kuryāt supratiṣṭhe manorame ||
Der große Yogin soll, zuvor gebadet oder mit einer Menge von Vīra-Asche [gereinigt], das Verfahren der Verehrung an einem gut gegründeten, angenehmen Ort vollziehen.
Erläuterung: Was die Vīra-Asche genau ist, wird hier nicht bestimmt. Keine gewöhnliche Räucherasche wird als sicherer Ersatz empfohlen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 251.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 23
viśokāmbhojasaṃcannamānasaṃ pulinorukam ||
Die Strophe beschreibt ein Gebiet der sechs Balās [Benennung unsicher], mit lieblichen Vogelreihen, Lotosbedeckung und weiten Sandbänken; die Verbindung mit viśoka und mānasa bleibt gestört.
Erläuterung: Dvija wird im Landschaftskontext als Vogel gelesen. Der Vers liefert keine sechs sicher benannten Göttinnen oder zu rezitierenden Bījas.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 251.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 24
prākpuṇyatapasāṃ puṃsāṃ cihnālaṅkāramaṇḍitām ||
Reich am Spiel der Flussufer, mit Wasserfällen zwischen aufsprießenden Blüten, geschmückt mit den Zeichen und Zierden von Menschen früheren Verdienstes und asketischer Übung …
Erläuterung: Die Kasusverbindung ist unregelmäßig. Gemeint ist die Fortsetzung der Ortsbeschreibung, keine genaue Lage eines bestimmten historischen Heiligtums.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 251.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 25
nagaragrāmaghoṣeṣu puraṃ ca tvaraghoṣagam ||
[Geeignet sind Bereiche] bei Überdachungen, Bergen, Randflächen, Wäldern und Häusern, in Städten, Dörfern und Hirtensiedlungen; die letzte Verbindung mit einer Stadt und tvaraghoṣa bleibt unklar.
Erläuterung: Die Zusammensetzung ist syntaktisch verkürzt. Ghoṣa kann eine Hirtensiedlung oder Geräusch bedeuten; für tvaraghoṣa wird kein bestimmter Ort erfunden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 251.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 26
gaṇamātranikāyaiśca vahuliṅgairalaṅkṛtam ||
Frei von Dieben und Schlangen, [divyāvasathanirjitam: unklare Bestimmung einer göttlichen Wohnstätte], mit Scharen von Gaṇas und Müttern sowie vielen Liṅgas geschmückt …
Erläuterung: Vahu ist die Druckform für das offenbar gemeinte bahu, viel. Der beschädigte Ausdruck nirjitam wird nicht still in eine passende Ortsbeschreibung geändert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 251.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 27
tatsmṛtaṃ supratiṣṭhaṃ tu manohāri śubhapradam ||
Von Viśvaksena, Jaya, Āditya und Savitṛ bewohnt beziehungsweise beherrscht [Namensgliederung und Satzschluss unregelmäßig]: Dies gilt als gut gegründet, das Herz erfreuend und Heil gewährend.
Erläuterung: Die Namen werden nach der Reihe wiedergegeben; eine sichere Anzahl verschiedener Gottheiten wird aus dem gestörten Kompositum nicht abgeleitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 251.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 28
tuṣāṅgārāsthinirmuktaṃ kṛtvā sthānaṃ samantataḥ ||
Der Mantrakenner soll ringsum graben [jantupuñjābhidaghnam: Tiefe beziehungsweise Bezug ungesichert] und den Ort überall von Hülsen, Kohlen und Knochen befreien.
Erläuterung: Die Lesung ist khatvā, nicht still khātvā. Die erste Verbindung wird nicht zu einer Anweisung zum Töten von Lebewesen oder zu einem präzisen Grabungsmaß ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 251.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 29
sugandhādikagandhāḍhyā sarvasatvaphalā rasā ||
[Die Erde ist] mit Farben beginnend mit Weiß versehen, jeweils mit ihrem eigenen Geschmack verbunden, reich an Wohlgeruch und weiteren Düften und Frucht für alle Wesen tragend [Kasusverbindung unregelmäßig].
Erläuterung: Die Farbreihe und Geschmacksqualitäten gehören zur historischen Bodenbeschreibung. Es wird keine heutige Empfehlung zum Kosten unbekannter Erde hinzugefügt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 251–252.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 30
guhyādyavayavaścaiṣu bhinnasandhiḥ sandhi kriyā matā ||
Durch Verschiedenheit der Körperteile wird der Verkörperte nicht als verschieden bezeichnet. Die zweite Hälfte nennt Schamteile und andere Glieder sowie getrennte Verbindungen und eine verbindende Handlung; ihre Fügung ist gestört.
Erläuterung: Dehin ist der Träger des Körpers. Aus der beschädigten zweiten Hälfte wird keine konkrete körperliche oder sexuelle Handlung ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 252.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 31
sannāmānādisaṃsthānā prāṇināṃ jagati priye ||
Aus deren Unterschied ergibt sich keine Verschiedenheit der Person, während eine Unterscheidung nach Geburt beziehungsweise Art erscheint. Die zweite Hälfte bezieht sich auf Namen, anfängliche Ordnungen und Lebewesen in der Welt, Geliebte, bleibt aber unklar.
Erläuterung: Die Verneinung na hi betrifft puṃbheda, die Verschiedenheit der Person. Jāti kann hier Geburt, Klasse oder Art bedeuten; der folgende Vers behandelt ihre Benennung als Konvention.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 252.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 32
bhairavāstrāmbusaṃsiktā bhuvo yāṃti pavitratām ||
Der Sprachgebrauch, der „Jāti“ heißt, ist von den Handelnden beziehungsweise Sprechenden entworfen. Mit dem Wasser der Bhairava-Waffe besprengt, gelangen die Bodenflächen zur Reinheit.
Erläuterung: Der Vers wechselt von der gesellschaftlichen Benennung zur rituellen Reinigung des Bodens. Bhairavāstra ist ein Waffenmantra beziehungsweise dessen rituelle Kraft; eine Lautform wird hier nicht angegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 252.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 33
mṛdāvalirgayā sūryaṃ tatsthānaṃ sarvataḥ samam ||
Wie [etwas] in das Wasser der Jāhnavī, der Gaṅgā, eingeht … Die weitere Aussage über eine Erdmenge und das Ringsum-Gleichsein des Ortes ist beschädigt; eine vollständige Satzübersetzung ist nicht sicher möglich.
Erläuterung: Yathaivośarajāśrayā und mṛdāvalirgayā sūryaṃ sind ungesichert. Es wird weder eine konkrete Flussmündung noch eine Bodenbehandlung aus einer vermuteten Lesung ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 252.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 34
tatra yāgagṛhaṃ kāryaṃ śubhe śabde vipaścitā ||
Nachdem der Boden mit einem Hammer festgeklopft und seine Oberfläche genau betrachtet worden ist, soll der Kundige dort bei günstigem Klang das Haus der Verehrung errichten.
Erläuterung: Der günstige Klang gehört hier zur Prüfung des Ortes. Der Vers gibt keine moderne bautechnische Prüfung an.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 252.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 35
riktā varjyā śubhāḥ sarvāḥ saumyagrahabhasaṃyutāḥ ||
Als Mondtage gelten Nandā, Bhadrā, Jayā, Riktā und Pūrṇā. Riktā ist zu meiden; alle anderen sind günstig, wenn sie mit günstigen Planeten und Gestirnen verbunden sind.
Erläuterung: Tithi ist ein Mondtag. Die fünf Namen bezeichnen traditionelle Gruppen von Mondtagen, nicht fünf aufeinanderfolgende Kalenderdaten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 252.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 36
nāsatyau sthāvīraścandro hyādityaḥ suranaigamaḥ ||
[Die Aufzählung nennt] Jñendra, Vācaspati, Kāvya, Saumya und danach einen heftigen [Einfluss]; ferner die beiden Nāsatyas, Sthāvīra, Candra, Āditya und Suranaigama …
Erläuterung: Die Liste verbindet planetarische und göttliche Benennungen. Ihre beschädigte Gliederung erlaubt keine sichere vollständige Zuordnung zu modernen astronomischen Objekten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 252.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 37
suhṛdviśvavapuścakrī prācyapaścottarā priye ||
… Yoni, Aryaman, Nabhodīpa, Cala, Ākhaṇḍala und Vahni; ferner Suhṛd, Viśvavapus und Cakrin sowie die östlichen, westlichen und nördlichen [Bestimmungen], Geliebte.
Erläuterung: Die Wortgliederung der Namen ist teilweise unsicher. Die Richtungswörter werden bewahrt; eine fehlende südliche Zuordnung wird nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 252.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 38
ākhaṇḍalācatuṣkaṃ yat tat sūryādigrahakramāt ||
Diese friedvolle Girlande der Gestirngruppen wird bei befriedenden Handlungen empfohlen. Die Vierergruppe beginnend mit Ākhaṇḍala [wird] nach der Reihenfolge der Planeten beginnend mit der Sonne …
Erläuterung: Der Satz geht in 39 über. Śāntikarman bezeichnet einen auf Befriedung beziehungsweise Abwendung von Störungen gerichteten Ritus.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 252.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 39
siddhayoge suyoge ca viṣṭidvandvavivarjite ||
… von den Kundigen als Frucht von Tod, Krankheit und Vollendung hervorbringend bezeichnet [die Anfangsverbindung ist gestört]. Bei Siddhayoga und günstigem Yoga, ohne das Viṣṭi-Paar …
Erläuterung: Yoga meint hier eine kalendarische Konstellation. Prāk samṛtyuruk ist keine sicher auflösbare Reihe; die negativen Begriffe werden nicht ausgelassen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 253.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 40
prītirdhṛtirathāyuṣmān saubhāgyaṃ śobhano dhruvam ||
… sollen günstige Handlungen ausgeführt werden, wenn links beziehungsweise beweglich [der Atem] zieht. Prīti, Dhṛti, Āyuṣmat, Saubhāgya, Śobhana und Dhruva …
Erläuterung: Die erste Hälfte verbindet Ritualzeit mit einer inneren Bewegungsbestimmung; die Gliederung vāme vācalasañcare bleibt mehrdeutig. Es folgt eine Reihe von Namen kalendarischer Yogas.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 253.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 41
siddhaḥ śubhoccaḥ śuklaśca brahmendraḥ śāntamūrtayaḥ ||
… Sukarman, Siddhi und Vṛddhi, Ṛddhivyāharṣaṇa, Śiva, Siddha, Śubhocca, Śukla sowie Brahmendra: [Sie besitzen] friedvolle Gestalten.
Erläuterung: Die gedruckten Verbindungen ṛddhivyāharṣaṇa, śubhocca und brahmendra werden nicht still durch geläufigere Kalenderlisten ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 253.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 42
krūrairādhyātmike kāle pravṛtte balacodite ||
All diese gelten als Yogas, die den Sinn ihrer eigenen Namen verwirklichen. Wenn eine innere Zeit durch heftige [Einflüsse] in Bewegung gesetzt und durch Kraft angetrieben wird …
Erläuterung: Der Satz führt zur Vergegenwärtigung in 43. Die astrologischen Namen werden nicht als allgemeine geistige Zustände ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 253.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 43
tadvicintayamānasya viṣuvo vāthavānilaḥ ||
… soll man sich am Scheitel ein Rad vorstellen, verbunden mit Kālasaṃkarṣaṇī. Für denjenigen, der dies vergegenwärtigt, [tritt] Viṣuva oder der Atemwind …
Erläuterung: Mūrdhastha bezeichnet den Ort am Scheitel. Viṣuva ist hier ein Ausgleichs- beziehungsweise Übergangszustand im inneren Zeit- und Atemzusammenhang; eine gewöhnliche astronomische Tagundnachtgleiche ist nicht sicher gemeint. Der Satz endet in 44.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 253.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 44
paṭṭabandhābhiṣekādyaṃ kāryajātaṃ samārabhet ||
… zu einer bestimmten Zeit in Tätigkeit; dann ist alles heilbringend. Man soll das jeweilige Vorhaben beginnen, etwa das Anlegen des Stirnbandes und die Weihebesprengung.
Erläuterung: Die Aussage gehört zur rituellen Zeitwahl und ist kein allgemeines Wirkungsversprechen für beliebige Vorhaben. Paṭṭabandha und Abhiṣeka bezeichnen hier rituelle Handlungen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 253.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 45
diksādhanaikanipuṇo deśikaṃ yāgamaṇḍalam ||
Zu einer dieser Zeiten, die außen oder innen begründet sind, soll der Lehrer, der besonders kundig im Bestimmen der Richtungen ist, das Verehrungsmaṇḍala …
Erläuterung: Deśikaṃ steht in unregelmäßiger Form; die Übersetzung folgt dem erkennbaren Handlungsträger, ohne den Sanskrittext zu ändern.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 253.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 46
maitrārthaṃ paramā tārā sapakṣamaśubhāvahā ||
… bei günstigem Gang von Stern und Mond unter dem Klang der Instrumente mit Schnüren abstecken. Die zweite Hälfte spricht von einem höchsten Stern in freundschaftlicher Beziehung und einem ungünstigen eigenen Flügel beziehungsweise Zeitraum; ihre Zuordnung bleibt unklar.
Erläuterung: Maitrārthaṃ und sapakṣamaśubhāvahā erlauben hier keine sichere günstige beziehungsweise ungünstige Kalenderberechnung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 253.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 47
śaśini kṛtārambhāṇāṃ prārabdhaṃ niṣphalaṃ na hi ||
Beim Mond im sechsten, elften, zehnten, dritten, Geburts- und siebten [Ort] bleibt das von den Beginnenden in Angriff Genommene nicht ohne Frucht.
Erläuterung: Die sechs Positionsangaben werden nach dem Druck bewahrt; die Deutung als zodiakale Orte ist kontextabhängig. Na hi niṣphalam ist eine doppelt negative Aussage: nicht fruchtlos.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 253.[1]
Richtungen und Schnüre
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 48
tvarāgrahastamāgatyau daṇḍau vṛttau samau ṛju ||
Nachdem man zunächst sorgfältig anhand der Sichtung von Citrā und Svātī [die Richtung] bestimmt hat, [nehme man] zwei runde, gleiche, gerade Stäbe; die davorstehende Längenbestimmung ist beschädigt.
Erläuterung: Citrā und Svātī sind hier Sternnamen zur Richtungsbestimmung. Tvarāgrahastamāgatyau ergibt kein verlässliches Maß.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 253–254.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 49
ubhayorapi vāruṇyāṃ saptahastāṃtareṇa tu ||
Man soll beide wie die Pfosten eines Torbogens eingraben. Westlich von beiden, im Abstand von sieben Hasta …
Erläuterung: Vāruṇī bezeichnet die westliche Richtung. Hasta ist eine traditionelle Elle; keine pauschale Umrechnung in Zentimeter wird vorgenommen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 254.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 50
yadi daṇḍāntarārodhād dṛṣhyante te nirīkṣākaiḥ ||
… soll der Mantrakenner einen Halm aufstellen und Citrā und Svātī betrachten. Wenn die Beobachter sie durch den Zwischenraum der Stäbe hindurch sehen …
Erläuterung: Die Quelle schreibt dṛṣhyante; die ungewöhnliche Konsonantenfolge wird erhalten. Der Zusammenhang macht das Sehen durch die Stäbe erkennbar, doch ārodha ist sprachlich auffällig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 254.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 51
tāvat sañcālayed daṇḍaṃ tayoryāvadadarśanam ||
… ist die Ostrichtung bestimmt, Göttin. Andernfalls soll der Kundige den Stab so lange bewegen, bis [adarśanam: wörtlich Nichtsehen] der beiden eintritt.
Erläuterung: Die negative Form adarśanam steht im Druck und wird nicht zu darśanam verbessert, auch wenn sie gegenüber 50 ein geometrisches Verständnis erschwert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 254.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 52
samtohya dakṣiṇe pañcabhāgāyāme tadantare ||
Dann, Göttin, wird der Raum zwischen den Pfosten in zwölf Teile geteilt. Die zweite Hälfte nennt den Süden und eine Länge von fünf Teilen; das einleitende Wort bleibt verderbt.
Erläuterung: Samtohya ist die gedruckte Leitlesung; nach dem Siglum Kh folgt die Variante śastohya. Die Variantenfolge wird wie in I.29.28 gelesen und nicht doppelt in den Vers übernommen. Keine der beiden Formen liefert eine sichere Handlungsbestimmung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 254.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 53
sthānasya viṣuvaṃ sādhyaṃ viṣuve ca pratiṣṭhayet ||
Diese Linie heißt Viṣuva; ebenso soll man die übrigen bestimmen. Der Viṣuva des Ortes ist zu ermitteln, und im Viṣuva soll man [das Folgende] aufstellen.
Erläuterung: Viṣuva ist hier eine geometrische Bezugsbestimmung. Der genaue Bezug zur inneren Verwendung in 43 wird nicht durch Gleichsetzung verschiedener Ebenen erzwungen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 254.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 54
tayormānena kartavye cihne savyāpasavyayoḥ ||
Vor und hinter dem Punkt soll man zwei gebundene [Marken] im Maß einer Hand setzen. Nach deren Maß sind Zeichen links und rechts anzubringen.
Erläuterung: Die Formen deyā vaddhau sind unregelmäßig. Pāṇi, Hand, wird nicht still als dasselbe Maß wie hasta behandelt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 254.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 55
āśācatuṣṭayenaivaṃ vidiśaḥ sādhayet sudhīḥ ||
Beim oberen Zusammentreffen der Schnüre sind die südliche und nördliche Richtung bestimmt. So soll der Verständige anhand der vier Hauptrichtungen die Zwischenrichtungen bestimmen.
Erläuterung: Die Richtungsfolge des Textes bleibt bewahrt; der Vers liefert keine unabhängige Zeichnung, mit der sich jede beschädigte Vorstufe beheben ließe.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 254.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 56
ekādaśa samārambhā ekādaśa gatāntikaiḥ ||
Nachdem die Richtungen bestimmt sind [kakubhāmvaṇḍau: gestört], soll man ringsum mit ungeraden [Maßen arbeiten]: elf Anfänge und elf zu den Enden reichende [Maße] …
Erläuterung: Die beiden Zahlen elf bleiben erhalten; daraus wird kein sicheres elfmalelf Raster ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 254.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 57
vaitālīyādikān sarvān dakṣayitvā svaśaktitaḥ ||
… mit Hand- beziehungsweise Ellenmaßen abstecken, was aus dem Wirkungsbereich der Kraft Vāmadevas stammt. Nachdem man alle Vaitālīyas und andere nach eigenem Vermögen zufriedengestellt hat …
Erläuterung: Dakṣayitvā ist sprachlich auffällig; seine rituelle Handlung bleibt nicht im Einzelnen gesichert. Vaitālīya bezeichnet hier eine Empfängergruppe, nicht eine rezitierbare Formel.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 254.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 58
candanābhūṣitatanuḥ sitāmbaradharo muniḥ ||
… und Jungfrauen, Vīras und Brahmanen besonders gespeist und verehrt hat, [beginnt] der Weise, dessen Körper mit Sandel geschmückt ist und der weiße Gewänder trägt …
Erläuterung: Vīra bezeichnet im tantrischen Zusammenhang einen rituell befugten Helden beziehungsweise Praktizierenden. Die Strophe setzt den Satz aus 57 fort.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 255.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 59
liṅgaveśadharo vāthavibhinnaṃ śakunaiḥ śubhaiḥ ||
… mit Ohrringen, Krone, Girlande, Armreifen und einer Kṣurikā an der Hüfte versehen; oder er trägt Kennzeichen und Gewand [der betreffenden Lebensform]. Bei günstigen Vorzeichen …
Erläuterung: Kṣurikā ist eine kleine schneidende Waffe beziehungsweise ein Messer. Vāthavibhinnaṃ ist grammatisch gestört; keine zusätzliche Kleidervorschrift daraus.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 255.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 60
śaktyaṣṭakaṃ prakṛtyādau śrīparṇamatha brāhmajam ||
… soll er nach der Verehrung der Helfer mit dem Spannen der Schnüre beginnen. Die zweite Hälfte nennt eine Achtergruppe von Śaktis, Prakṛti sowie Śrīparṇa und Brāhmaja, deren genauer Anschluss ungesichert bleibt.
Erläuterung: Die folgenden Pflanzen- beziehungsweise Materialbezeichnungen betreffen die Schnur. Śaktyaṣṭakaṃ wird nicht ohne Beleg zu acht bestimmten Göttinnennamen ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 255.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 61
sarvasaukhyapradaṃ sūtraṃ kartavyaṃ deśikena tu ||
Der Lehrer soll eine Schnur fertigen, die alles Wohlergehen gewährt: aus Hanf, Bilva, Muñja oder Kuśa, oder auch aus Maula [Materialbezeichnung ungesichert].
Erläuterung: Die Reihe benennt traditionelle Pflanzenmaterialien. Die Quelle schreibt vilvajaṃ; dies wird bewahrt. Die zugeschriebene Wirkung ist Teil der Ritualbeschreibung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 255.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 62
pratyagrapallavollāsaccanna saṃsūtrakandharam ||
[Das Gefäß soll] neu sein, mit gemahlenem Farbpulver bestrichen, von fleckenloser Oberfläche, am schnurumwundenen Hals von frischen, prächtigen Sprossen bedeckt …
Erläuterung: Der Ausdruck piṣṭātaka bezeichnet hier ein pulverförmiges Auftragsmittel; seine genaue Zusammensetzung wird nicht ergänzt. Der Satz setzt sich in 63 fort.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 255.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 63
hiraṇyaṃ hemaratnaṃ vā kaṭibandhonnatakṣitau ||
… zu Beginn im Krug beziehungsweise in dessen Mitte aufgestellt und mit Blumen und Räucherwerk gut verehrt. Gold oder ein goldenes Juwel [soll] auf dem bis zum Hüftgürtel erhöhten Boden …
Erläuterung: Der Anschluss kumbhamadhye prasiddhyādau ist gestört. Die materielle und räumliche Beschreibung wird nicht zu einem sicheren Bauplan erweitert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 255.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 64
dūrvāsiddhārthakādapsu vṛddhirdvīpayathāsrajaḥ ||
… [angebracht werden]. Zuvor soll man den äußeren Pflock mit Blumen, Räucherwerk und ausführlichen Arghya-Gaben verehren. Die zweite Hälfte nennt Dūrvā-Gras, Siddhārthaka-Samen, Wasser und Girlanden in beschädigter Verbindung.
Erläuterung: Arghya ist eine ehrende Darbringung, oft mit Wasser. Vṛddhirdvīpayathāsrajaḥ erlaubt keine sichere vollständige Zutatenliste.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 255.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 65
tataḥ krūrādhipe turye trinetre ca kramāt priye ||
Mit Erde und Bast verbunden [ist] die aus neun Teilen bestehende Arghya-Gabe gerühmt [Wortlaut gestört]. Dann, Geliebte, der Reihe nach beim Herrn der Heftigen, beim Vierten und beim Dreiäugigen …
Erläuterung: Navārghoṅga ist nicht still in eine geläufige Sanskritform umgeschrieben. Die Benennungen werden nicht zu sicher identifizierten neun Ritualbestandteilen erweitert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 255.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 66
dikṣu vā kīlakān dadyāt prāgādiṣu tathā nṛpa ||
… sollen die mit Schnüren [Verbundenen] vergegenwärtigt und verehrt werden [saṃkaveti: unklar]. Oder man soll Pflöcke in die Richtungen setzen, beginnend im Osten, König.
Erläuterung: Die Anrede nṛpa, König, steht trotz des Göttinnendialogs im Druck und wird bewahrt. Keine Sprecherzeile wird deshalb erfunden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 255.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 67
bhūtebhyaḥ krūrasatvebhyaḥ kṣetrapālāya caiva hi ||
Außen sind die Weltenhüter zu verehren, nachdem man mit Sorgfalt eine Gabe an die Richtungen dargebracht hat: für die Wesen, die grausamen Wesen, den Hüter des Feldes und ebenso …
Erläuterung: Der Schluss hi ist unvollständig angeschlossen; eine zusätzliche Empfängergruppe wird nicht ergänzt. Der Vers gehört zum historischen Schutzritual des Platzes.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 255–256.[1]
Die göttlichen Mütter im Ritualplatz
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 68
evamāmnātasaṃsthāne kṛtapūjāvidhirguruḥ ||
Nun werde ich das Helle darlegen, das zunächst anzuwenden ist [vādādyam: unklar]. Der Guru, der in der so überlieferten Anordnung die Verehrung vollzogen hat …
Erläuterung: Die erste Hälfte ist sprachlich gestört; es wird keine zusätzliche Ritualphase aus einem vermuteten Wort ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 256.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 69
sūtreṇa sumitaṃ kṛtvā rūpamaṅgalamānagān ||
… soll den Vāstuvīra verehren, der fähig ist, den Kreis der Śaktis zu schützen. Mit der Schnur soll er gut vermessene Felder anlegen, die dem Maß der Gestalt und des Segens [entsprechen; Kompositum unklar] …
Erläuterung: Vāstuvīra bezeichnet den Helden beziehungsweise Schutzträger des Bau- und Ritualplatzes. Rūpamaṅgalamānagān wird nicht in eine sichere Rasterzahl umgerechnet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 256.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 70
prāṅ nīḍe svabhuvaṃ devīmāgneyīṃṃ sthaviro nyaset ||
… und in deren mittlerem Brahmāṇī einsetzen. Im östlichen Fach soll der Erfahrene Svabhuvā und die feurige Göttin [im südöstlichen Bereich] einsetzen …
Erläuterung: Die Quelle hat āgneyīṃṃ mit verdoppeltem Anusvāra. Svabhuvā ist eine vorläufige Namensgliederung aus svabhuvaṃ; keine Formelrekonstruktion.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 256.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 71
paitāmahīṃ tathā vrīḍāṃ tiryag vai caturānanām ||
… Viriṃcittyaṃtarā [gestörte Benennung], ferner die uranfängliche Piśitādi, Paitāmahī, Vrīḍā und quer dazu Caturānanā, die Viergesichtige …
Erläuterung: Die Reihe enthält die fleischbezogene Bezeichnung Piśitādi. Sie bleibt im historischen Text erhalten; die Strophe ist nicht Teil der spirituellen Auswahl.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 256.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 72
kośānāṃ navakaṃ yattu brāhmīcakrasya prāggatam ||
… Haṃsayānā im Bereich des Herrn der Schätze und Kuṇḍalī in der Ecke Īśas. Die Gruppe von neun Fächern des Brāhmī-Kreises liegt im Osten.
Erläuterung: Der Herr der Schätze bezeichnet hier die nördliche, Īśa die nordöstliche Richtungszuordnung. Die gestörten Namen des vorausgehenden Verses werden nicht ergänzt, um die Neunerliste glatt zu schließen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 256.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 73
saṅkrandanī sunāsīrā kauśikī śatamaccyuti ||
Links davon ist Māhendrī aufzustellen, schön an allen Gliedern: Saṅkrandanī, Sunāsīrā, Kauśikī und Śatamaccyuti …
Erläuterung: Der letzte Name ist im Druck auffällig. Māhendrī und ihre Begleiterinnen werden nicht mit einer geläufigen Liste aus einer anderen Schrift ausgetauscht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 256.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 74
prāṅ nīḍādīśakoṇāntaṃ nyastavyā vidhivartmanā ||
… Purandarādideveśī, Haryakṣā und Meghavāhanī. Sie sollen vom östlichen Fach bis zur Ecke Īśas nach dem vorgeschriebenen Weg eingesetzt werden.
Erläuterung: Die Namensverbindung purandarādideveśī lässt mehr als eine Gliederung zu. Meghavāhanī bedeutet „auf einer Wolke fahrend“.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 256.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 75
kaumārī kārtikeyeśī senāskandā viśālinī ||
Ebenso sind neun Mütter einzusetzen [rohidāstapyatha: unklarer Ortsanschluss]: Kaumārī, Kārtikeyeśī, Senāskandā und Viśālinī …
Erläuterung: Die Druckform senāskandā wird nicht ohne Beleg in zwei Göttinnen aufgeteilt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 256.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 76
sanmukhī navamī hyetāmadhyakośādhikā priye ||
… Krauñcaghnī, Śaktihastā, Śatapatrāsanā und Parā; die neunte ist Sanmukhī. Diese gehört zum mittleren Fach, Geliebte.
Erläuterung: Śaktihastā trägt eine Śakti, hier eine Speerwaffe, in der Hand; das Wort wird nicht einfach als abstrakte „Energie in der Hand“ übersetzt. Sanmukhī wird nicht still zu Ṣaṇmukhī geändert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 256.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 77
varmaṇī caṇḍinī kṛṣṇā kaināśī mahiṣaprajā ||
Narārāvā beziehungsweise Vārāhī [Gliederung unsicher], Yāmyā, die höchste Vaivasvatī, Varmaṇī, Caṇḍinī, Kṛṣṇā, Kaināśī und Mahiṣaprajā …
Erläuterung: Die Verbindung narārāvāpi bleibt gestört; aus ihr wird keine vollständige sichere Ikonographie der Vārāhī gewonnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 257.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 78
sugandhibhujacāmuṇḍāṃ dvayarcāṃ carcāṃ kapālinīm ||
… und als neunte Dhūmraghorā soll man beginnend mit dem mittleren Fach einsetzen. [Es folgen] Sugandhibhujacāmuṇḍā, Dvayarcā, Carcā und Kapālinī …
Erläuterung: Die erste lange Namensverbindung ist nicht sicher aufteilbar. Die Reihe setzt sich in 79 fort.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 257.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 79
visarāṃ madhyanīḍādidṛṣṭāmnāyena vinyaset ||
… Vaitālī, Rudrakālī, Mahākālī, Karālinī und Visarā soll man nach der geschauten Überlieferung beginnend im mittleren Fach anordnen.
Erläuterung: Die Namen zeigen die Kālī-bezogene Vielfalt des Kreises; ihre bloße Nennung ist keine Rezitationsanweisung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 257.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 80
mādhavī vāsudevī ca viṣvaksenāṃ janārdanīṃ ||
Dann soll man Nārāyaṇī in die Mitte der westlichen Gruppe von Kammern einsetzen; ferner Mādhavī, Vāsudevī, Viṣvaksenā und Janārdanī …
Erläuterung: Pratyag bezeichnet hier den Westen. Die Nārāyaṇa-bezogenen Göttinnen werden innerhalb dieses śivaitischen Verehrungsraums aufgenommen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 257.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 81
prāguktādyāstvimā devyo mādhavyākhyān niveśayet ||
… Vaiṣṇavī, Muñjakeśī, Vaikuṇṭhā und Yogatandriṇī. Diese Göttinnen soll man, beginnend wie zuvor gesagt, mit den Bezeichnungen um Mādhavī einsetzen [Schlussanschluss unregelmäßig].
Erläuterung: Mādhavyākhyān ist grammatisch gestört. Die Übersetzung ergänzt keine fehlende Göttin.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 257.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 82
vighnakartrīṛ mahānāsā gajavaktrānuvigrahā ||
Ekadaṃṣṭrā, die mit einem Hauer, Mahākāyā, die Großleibige, Vaktraśuṇḍā, die mit einem Rüssel am Gesicht, Mahodarā, die Großbäuchige, Vighnakartrī, die Hindernisse Schaffende, Mahānāsā, die Großnasige, und Gajavaktrānuvigrahā, die mit elefantengesichtiger Gestalt …
Erläuterung: Der Druck enthält bei vighnakartrīṛ ein zusätzliches vokalisches ṛ. Es wird im Sanskrit bewahrt. Kartrī heißt Schaffende, nicht Beseitigende; keine Umkehr zur vertrauten Funktion Gaṇeśas.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 257.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 83
ekadaṃṣṭrādikādīnāṃ prāggṛhādisthitā smṛtā ||
… und Āmandakāmarūpeśa [Benennung gestört], die den mittleren Bereich bewohnt. Von Ekadaṃṣṭrā und den weiteren wird gesagt, dass sie beginnend mit der östlichen Kammer stehen.
Erläuterung: Die erste Verbindung kann aus mehreren Namen beziehungsweise Attributen bestehen; eine sichere Neunerreihe wird nicht rekonstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 257.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 84
tryambikā tripurandhrīva sthāṇavī śaśibhūṣaṇā ||
Auch im Neunerfeld [naidha: unklarer Ortsbezug] soll der Kundige Rudrāṇī in die Mitte setzen: Tryambikā, Tripurandhrīva, Sthāṇavī und Śaśibhūṣaṇā …
Erläuterung: Die Gestalt mit dem Mond als Schmuck ist im Namen Śaśibhūṣaṇā erkennbar. Die ungewöhnliche Form tripurandhrīva bleibt erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 257.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 85
pūrvādikramaśo deyāstrṛpaviṣṭe tataḥ priye ||
… Bhavānī, Kṛttivāsā, Dhṛṣṭaśokā und Kapardinī sind der Reihe nach, beginnend im Osten, einzusetzen; die folgende Ortsbestimmung ist beschädigt, Geliebte.
Erläuterung: Die gedruckte Verbindung deyāstrṛpaviṣṭe ist nicht sicher zu deuten. Es wird keine zusätzliche Himmelsrichtung daraus ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 257.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 86
tathā ghoratarāṃ devi ghoraghoratarāṃ punaḥ ||
Nachdem man Ghoratarā in die Mitte gesetzt hat, [setzt man] Aghorā und Ghorarūpiṇī, ebenso Ghoratarā, Göttin, und wiederum Ghoraghoratarā …
Erläuterung: Die Wiederholung von Ghoratarā und das Nebeneinander von Aghorā, „Nichtfurchtbare“, und furchtbaren Gestalten werden bewahrt; ähnliche Namen sind nicht zu einer einzigen Gestalt zusammengezogen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 257–258.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 87
prāk krameṇa nyaset mantrī mantratantravidhānavit ||
… Mahāghorā, Sughorā, Ghorāsyā und Ghorarūpiṇī soll der Mantrakenner, der das Mantra- und Tantra-Verfahren kennt, der Reihe nach, beginnend im Osten, einsetzen.
Erläuterung: Mahāghorā ist die gedruckte Leitlesung; die nachgestellte Kh-Angabe rāṃ betrifft die Endung und wird nicht als separates Wort übernommen. Der Vers nennt keine vollständige Lautform eines Mantras.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 258.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 88
vāsudevaśarīresmin mātṛbhedena vistṛtam ||
Dieses achtfach gegliederte Prinzip ist durch die Unterscheidung der Mütter zu einundachtzig Unterteilungen in diesem Körper Vāsudevas entfaltet.
Erläuterung: Vāsudeva steht hier im Druck; es wird nicht still zu Vāstudeva geändert. Das Verhältnis von achtfacher Gliederung, neun Gruppen und einundachtzig Bereichen erklärt der folgende Vers nur teilweise.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 258.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 89
madhyādyādi viśālākṣi prathamaṃ prathamaḥ kramāt ||
Denn dies sind neun Gruppen, die an ihren jeweiligen Stellen zu verehren sind. Beginnend mit der Mitte, Weitäugige, [geht] jeweils das Erste zuerst der Reihe nach [Schluss unregelmäßig].
Erläuterung: Die Gesamtangabe neun wird erhalten. Aus den beschädigten Namensreihen wird keine scheinbar vollständig gesicherte Liste von 81 einzelnen Göttinnen erzeugt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 258.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 90
hṛdyādyāsanasaṃkalpo bhinnābhinne'vaśiṣyate ||
Mit der jeweiligen Stelle ist eine Verbindung der Glieder entsprechend der Artunterscheidung herzustellen. Die Vorstellung von Sitz und Herz und Weiterem bleibt im Unterschiedenen und Ununterschiedenen bestehen [Fügung unregelmäßig].
Erläuterung: Pada kann Stelle, Schritt oder Ausdruck bedeuten; im räumlichen Zusammenhang wird hier Stelle bevorzugt. Der Vers ist keine selbstständige Lautformel für einen Nyāsa.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 258.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 91
evaṃ vāstava vapuṣi kṛtadevārcanaḥ kriyaḥ ||
Körper und Körperträger sind hier an der eigenen Stelle zu preisen [Formen unregelmäßig]. Nachdem so im Körper des Platzes die Gottheiten verehrt worden sind, soll der rituell Handelnde …
Erläuterung: Vapuṣmā und praśaṃsitum stehen in auffälliger Verbindung. Vāstava wird hier auf den Ritualplatz bezogen; die Übersetzung bleibt wegen der Syntax vorläufig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 258.[1]
Halle, Tore und Körper des Platzes
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 92
ṣaḍbhāgabhājite dhāmni tyaktvāsau pārśvayordvayoḥ ||
… dort eine Halle aus gebrannten Ziegeln und Holz errichten lassen [Materialkompositum beschädigt]. Am in sechs Teile geteilten Gebäude [soll man etwas] an den beiden Seiten freilassen …
Erläuterung: Pakveṣṭamapadārujam ist nicht still zu einer regulären Baubeschreibung verändert. Die Zahl sechs und die beiden Seiten sind klar; die genaue Verteilung bleibt offen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 258.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 93
kīlako tāni taṃ kṛtvā dvihastopari vistṛtā ||
… im vierteiligen Bereich des Ananta [genauer Maßbezug ungesichert] vier gleichmäßige Schnüre anbringen und mit Pflöcken befestigen; oberhalb von zwei Hasta ausgedehnt …
Erläuterung: Anantāṃśa ist ein technischer Maßbezug, dessen konkrete Berechnung aus dieser Fassung nicht sicher gewonnen wird.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 258.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 94
vātāyanasamāyuktāḥ kartavyā ghanavājikāḥ ||
… bei einer Höhe von drei Teilen eines Tālu [Maßwort ungesichert] sind vier schöne Wände mit Fenstern und dichtem Vājikā-Abschluss herzustellen.
Erläuterung: Der Grundtext schreibt vatasro bhintayaḥ. Bhinnayaḥ ist die mit K und Kh angeführte Variante; sie wird nicht zusätzlich in den Vers aufgenommen. Ghanavājikā ist ein unklarer Baubegriff.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 258.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 95
pakveṣṭakamayaḥ kāryaḥ paṭṭaccannordhvamaṇḍalam ||
Die Höhe [soll] einem Seitenanteil des Innenraums entsprechen oder etwas darüber liegen. Aus gebrannten Ziegeln ist [der Bau] zu fertigen, mit oben von Platten bedecktem Bereich.
Erläuterung: Garbha bezeichnet hier den Innenraum. Die genaue Einheit von pakṣāṃśaka ist nicht gesichert; die Übersetzung liefert kein modernes tragfähiges Bauverfahren.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 258.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 96
niṣkaṃpāḥ sudṛḍhāḥ sthūlāḥ paṭṭikāsteṣu rūpayet ||
Ein geformter, massiver Krug beziehungsweise ein krugförmiges Bauteil [wird genannt; kukṣiśalyakṣatāspadam ist gestört]. Darauf soll man feste, sehr starke und dicke Platten beziehungsweise Balken anordnen.
Erläuterung: Kumbha ist im Baukontext mehrdeutig. Die fehlerhafte beziehungsweise verkürzte erste Verbindung wird nicht in eine genaue Verbindungstechnik umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 259.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 97
susamā sarvataḥ kāryā hyagrādhiṣṭhitabhinnayaḥ ||
Vier sollen dem Maß der Grundfläche entsprechen und an den Ecken anliegen. Die Wände beziehungsweise Trennungen sind ringsum sehr gleichmäßig und an den oberen Enden befestigt auszuführen.
Erläuterung: Die Numerusformen sind unregelmäßig. Bhinnayaḥ wird in dieser Strophe als eigener Druckbefund bewahrt, unabhängig von der Variantenfrage in 94.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 259.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 98
catasro'nyā dṛḍhāstiryag lohakīlakakīlitāḥ ||
Dazwischen sind auf gleicher Höhe oder etwas niedriger vier weitere feste Querbalken anzubringen, mit eisernen Nägeln befestigt.
Erläuterung: Vier und die ausdrücklich erlaubte geringere Höhe werden erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 259.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 99
nibaddhe sandhideśe tu pāramāyasakīlakaiḥ ||
Oberhalb und unterhalb davon ist ringsum mit Brettern zu planen; an den verbundenen Fugen [erfolgt die Befestigung] mit … eisernen Nägeln.
Erläuterung: Pāramāyasa ist unklar; „eisern“ folgt aus āyasa, ohne eine besondere Legierung oder Länge zu ergänzen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 259.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 100
aṅgaviddhasya kālasya śalyavit sa praśaṃsitaḥ ||
Ein verborgenes Kālāsṛka [Baubegriff ungesichert] soll von einem Handwerker hergestellt werden, der die überlieferte Regel kennt. Gerühmt wird derjenige, der die Störstellen des an seinen Gliedern durchbohrten Kāla kennt [Deutung unsicher].
Erläuterung: Kāla und śalya stehen hier in einer gestörten bautechnisch-rituellen Verbindung. Daraus wird weder eine sichere Blutgabe noch eine moderne Diagnose verborgener Baumängel rekonstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 259.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 101
sudhāpāṇḍuritaṃ kuryād dārviddhamatha dhārayet ||
So aus Holz gefertigt und ringsum mit Ziegeln versehen, soll man [den Bau] mit Kalk weiß machen; dann soll man das mit Holz durchsetzte [Gefüge] tragen beziehungsweise halten.
Erläuterung: Der zweite Satzschluss dārviddhamatha dhārayet bleibt im konstruktiven Bezug unklar.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 259.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 102
bāhyāṃśena samantāttu vīthikāṃ
Oder man fertige ein Holzgerüst, bedeckt mit Bambus, Holz und Gras, und außen ringsum einen Gang mit einer Reihe von Säulen.
Erläuterung: Die Alternative vā bleibt erhalten. Die Strophe hat im Druck einen längeren Zeilenumbruch, aber nur eine Originalnummer.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 259.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 103
vāstudevavibhaktāni samadvārāṇi sarvataḥ ||
Innen soll man es gleichmäßig ausführen, prächtig mit Gewebebändern gestaltet. Die Tore sollen ringsum gleichmäßig und entsprechend den Gottheiten des Platzes aufgeteilt sein …
Erläuterung: Netrapaṭṭa wird als Gewebeband verstanden; ein bestimmter moderner Stoff wird nicht vorgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 259.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 104
marutpatiśubhaṃ yugmaṃ mama kṣemāyuśca dṛk ||
… zweiundzwanzig sind von den Cumbakas zu kennen, große Göttin. Die zweite Hälfte nennt Marutpati, ein günstiges Paar, mein Wohlergehen, Lebensdauer und Schau in gestörter Verbindung.
Erläuterung: Cumbaka ist hier die Bezeichnung für einen tantrischen Spezialisten. Aus der beschädigten Reihe wird keine vollständige Liste von 22 Bau- oder Torpositionen ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 259.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 105
svacittikṛtivaktrasthaṃ gauryā saubhāgyakṛnmatam ||
Die Stätte, die zur Herrschaft gehört, [wird] nicht …, König [Satzanschluss beschädigt]. Das in der eigenen Gestaltung des Angesichts Befindliche gilt als Gaurīs Glück bewirkend.
Erläuterung: Die Verneinung nārhanti bleibt benannt. Die Verbindung svacittikṛtivaktrasthaṃ ist nicht sicher übersetzbar; eine eindeutige günstige Türposition wird daraus nicht abgeleitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 259–260.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 106
sarvāvāptikaraṃ tadvannidhidhātṛpari sthitam ||
Als Reichtum besitzende Stätte [wird] die beim eigenen Pfeil im Ratnadhātṛ [liegende genannt; räumliche Fügung unklar]. Ebenso gilt das beim Nidhidhātṛ Befindliche als alles Erlangen bewirkend.
Erläuterung: Die göttlichen beziehungsweise geometrischen Stellenbezeichnungen bleiben als Namen stehen. Sv-eṣu wird vorläufig als eigener Pfeil gelesen; eine Maßzahl wird nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 260.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 107
ekayugmaratiṃ vātha śubhamekamukhaṃ gṛham ||
Gerühmt wird ein Haus mit vier Toren, prächtig mit guten Türflügeln versehen. Oder [bei ekayugmaratim: unklarer Bestimmung] ein günstiges Haus mit einer einzigen Öffnung.
Erläuterung: Vier Tore und eine Öffnung sind klare Alternativen; die Zwischenform wird nicht zu einem sicher belegten Zwei-Tore-Typ umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 260.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 108
yugmabhāgaṃ tu daigharyeṇa bhāgamānantu vistarāt ||
Es ist mit einem Gang [nauvāsa: unklare nähere Bestimmung] und mit einem Bhadra-Vorbau zu versehen. Dieser hat in der Länge zwei Teile und in der Breite das Maß eines Teils.
Erläuterung: Bhadra wird hier als vorspringender beziehungsweise hervorgehobener Bauteil verstanden. Daigharyeṇa ist die ungewöhnliche Druckform; die Maßproportion zwei zu eins ist erkennbar.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 260.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 109
nityārthaṃ sumatiḥ kāryā bhadrabhitissarasyagā ||
Ein Bhadra ist herzustellen, oder zwei, drei beziehungsweise vier. Für den beständigen Zweck ist eine gute Anordnung zu schaffen [die Aussage über die Bhadra-Wand und sarasyagā bleibt gestört].
Erläuterung: Die Alternativzahlen werden einzeln erhalten. Nityārthaṃ wird nicht in ein weiteres Zahlenmaß umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 260.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 110
madhye bhāratulā deyā bhittistambhavidāritā ||
Zwei gleiche seitliche [Träger] sollen wie Elefant und Kamel gehalten werden [cānavanau: unklar]. In der Mitte ist ein Lastbalken anzubringen, der Wand und Säulen durchsetzt.
Erläuterung: Die Tiervergleiche beziehen sich hier auf Bauteile beziehungsweise ihre Gestalt, nicht auf lebende Tiere als Bauopfer. Die genaue Konstruktion ist sprachlich ungesichert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 260.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 111
tṛṇamaṇḍaparudrāṇāmetallakṣaṇamīritam ||
Darüber [befindet sich] eine hängende Lage, aufgesetzt und … [cādakṛnmatam: gestört]. Diese Merkmale werden für Gras-Hallen und Rudras [unklare Verbindung] angegeben.
Erläuterung: Tṛṇamaṇḍaparudrāṇām wird nicht still zu einer glatten Benennung mehrerer bekannter Hallentypen korrigiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 260.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 112
uccrāyādbhittitulyantu dvāraṃ vistārasammatam ||
Bei Bauten aus gebrannten Ziegeln [kann] der obere Teil nach Wunsch, mit einer Abflussrinne versehen, günstig gestaltet werden. Die Tür soll in der Höhe der Wand gleichen und eine anerkannte Breite besitzen.
Erläuterung: Yatheṣṭordhvaṃ ist die im Seitenbild erkennbare Repha-Form. Die Breite erhält hier keinen klaren Zahlenwert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 260.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 113
gṛhānanaṃ praśastantu sulalāṭārgalānvitam ||
Eine Tür mit einem, zwei oder drei Rahmenzweigen und einer Udumbara-Schwelle: Gerühmt wird eine Hausöffnung mit gutem Sturz und Riegel.
Erläuterung: Udumbara kann den Schwellenbalken bezeichnen; eine bestimmte Holzart ist aus diesem technischen Gebrauch nicht zwingend abzuleiten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 260.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 114
manthāno manmathaścaivaṣaḍetāḥ stambhajātayaḥ ||
Rucaka, Vajraka, Vahya, Ativajra, Pralīnaka, Manthāna und Manmatha: Dies sind die sechs Säulenarten [Aufzählung und Summe stimmen bei dieser Gliederung nicht überein].
Erläuterung: Ṣaṭ, sechs, wird bewahrt. Vahyo’tivajraḥ könnte anders zu gliedern sein; die Spannung wird nicht durch stilles Streichen eines Namens beseitigt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 260.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 115
kośamadhyasamāropā dvidhā devādaniṣṭatā ||
Die Knotenpunkte der Linien und die einzusetzenden [Teile] liegen in der Mitte der Säulenfelder. Ein Aufsetzen in der Mitte des Feldes [führt] auf zweifache Weise zu Unerwünschtem vonseiten der Gottheiten [Fügung unsicher] …
Erläuterung: Die genaue Unterscheidung günstiger und ungünstiger Knotenstellen ist im Druck nicht sicher erkennbar. Der Satz geht in 116 über.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 261.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 116
paradhomukhasyāsya hyaghorīnavakaṃ śiraḥ ||
… für die führenden Praktizierenden, welche den Weg ritueller Handlung vollziehen. Bei diesem abwärts gerichteten [Körper des Platzes; Anfangsverbindung gestört] ist die Neunergruppe Aghorīs das Haupt.
Erläuterung: Die Körperteile in 116–120 gehören zum anthropomorphen Ritualplatz. Paradhomukhasya wird nicht still zu einer regulären Form verbessert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 261.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 117
savyadakṣiṇagānīva gaṇakaumārasambhavam ||
Sākrandana und Raurava sind auf den beiden Schultern begründet, links und rechts [savyadakṣiṇagānīva: unregelmäßig], aus Gaṇa und Kumāra hervorgegangen.
Erläuterung: Die linke und rechte Seite werden nach der Quelle genannt; eine darüber hinausgehende genaue Namenszuordnung bleibt offen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 261.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 118
navakaṃ bhādrakālañca saṃsthitaṃ sannikṛṣṭayoḥ ||
Brust und Herz [sind] Kauḍinya und Vāmana; die Hüfte [ist] Yāmyaka. Die Neunergruppe Bhādrakāla ist in den nahegelegenen [Bereichen] aufgestellt.
Erläuterung: Die Nominalreihe ist syntaktisch verkürzt. Die Zuordnung ist vorläufig; die fehlenden Bezeichnungen bei sannikṛṣṭayoḥ werden nicht erfunden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 261.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 119
śiro hṛjjaṭharaṃ grīvā nābhirnetraustanāntare ||
Die Kundigen sollen das Verfahren ausführen, indem sie dessen empfindliche Stellen freilassen: Haupt, Herz, Bauch, Hals, Nabel, Augen und den Zwischenraum der Brüste …
Erläuterung: Marman bezeichnet einen empfindlichen beziehungsweise lebenswichtigen Punkt. Hier dient die Körperordnung der Planung des Ritualplatzes, nicht einer Anleitung zur Verletzung eines Menschen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 261.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 120
sarvamevaṃ nirūpyādau kṛte
… sowie Fußsohlen und Handflächen sind hier die ausgebreiteten empfindlichen Stellen. Nachdem man all dies zu Beginn geprüft und die Wohnstätte der Verehrung errichtet hat …
Erläuterung: Der erste Satz ergänzt die Körperstellenliste aus 119; der zweite führt zur Altarbeschreibung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 261.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 121
caturbhirvāsamutsedhād vistare
… soll in der Mitte eine gute Altarplattform hergestellt werden, zwölf oder acht Aṅgula [hoch], oder vier in der Höhe; die weitere Aussage über Ausdehnung und rutyuccāṭa ist beschädigt.
Erläuterung: Aṅgula ist ein Fingerbreitmaß. Zwölf, acht und vier sind bewahrt; aus rutyuccāṭa wird keine ergänzte Formel für Tod oder Vertreibung gewonnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 261.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 122
vyādhirmṛtyuvidhātārī savyābuplavayogagā ||
Die Strophe nennt beständige Behinderung und eine geneigte beziehungsweise überschwemmte Bodenfläche in beschädigter Verbindung. Krankheit und Tod werden als deren Wirkungen genannt; die genaue Seiten- und Gefälleangabe ist nicht sicher verständlich.
Erläuterung: Vyāghātaḥ karṇī und savyābuplavayogagā sind ungesichert. Eine vollständige verlässliche Satzübersetzung oder Bauwarnung nach Himmelsrichtungen ist daraus nicht möglich.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 261.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 123
āśrayodyatacittastu mṛgayeta
Nicht nur auf einer einzelnen Altarplattform, sondern auf allen Bodenflächen [ist] die Neigung zu beachten. Mit auf den Standort gerichtetem Sinn soll man nach Günstigem und Ungünstigem forschen.
Erläuterung: Plava wird im Bauzusammenhang als Neigung beziehungsweise Gefälle verstanden. Der negative Auftakt naikāyāṃ wird nicht ausgelassen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 261.[1]
Acht Formen der Feuergrube
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 124
sthāṇunā sūtraṇīyāni siddhānyasmin śiraśccide ||
Wenn der maṇḍalaförmige Bau vollendet ist, sind in den Bhadra-Bereichen die Feuerstätten vom Beständigen mit Schnüren abzustecken, wie sie in diesem Śiraśccida gelehrt werden.
Erläuterung: Śiraśccide ist die gedruckte Titelgestalt, nicht still Śiraccheda. Sthāṇu kann Śiva oder einen feststehenden, erfahrenen Ritualisten bezeichnen; der Handlungsträger wird deshalb nicht sicher als historischer Baumeister identifiziert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 261–262.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 125
sarojamaṣṭakarṇañca kuṇḍamaṣṭavidhaṃ
Acht Arten von Feuergruben gelten: Altarform, Yoni, Halbmond, Dreieck, Kreis, Sechseck, Lotos und Achteck.
Erläuterung: Kuṇḍa bezeichnet hier die Feuergrube. Die erste Benennung vedī wird nicht ohne weiteren Beleg in eine genaue Rechteckproportion umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 262.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 126
bhūteśeva sthitiḥ kāryā jñātavyā cumbakena tu ||
Die Strophe nennt das Ende der Schnur, Feuer, Heftigkeit und einen Rand bei wiederholter Geburt in beschädigter Verbindung. Die Stellung soll wie die des Herrn der Wesen sein und vom Cumbaka erkannt werden.
Erläuterung: Sūtrāsyāgnimaye krūre hy-añcale janmajanmani ist nicht sicher zu einer geometrischen Anweisung zu gliedern. Es wird keine Lautformel ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 262.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 127
asthairyaṃ mandirāt siddhiḥ kuryādetadupāsanāt ||
Königliches Glück und Befriedung, Brennen, Qual und Wunscherfüllung sowie Unbeständigkeit und Vollendung aus dem Bau [werden genannt]: Dies würde durch dessen Verehrung bewirkt.
Erläuterung: Die positiven und negativen Wirkungswörter werden beide erhalten. Ihre genaue Zuordnung zu den Grubenformen bleibt in dieser Fassung unklar.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 262.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 128
vāsāntakāntayoniśca
Im Osten, beim Feuer und im Süden [wird] die runde [Grube genannt], die ungehindert Machtfülle verleiht; ferner die Yoni [mit gestörter Richtungsbestimmung], die alles Wohlergehen gewährt.
Erläuterung: Aviruddhare und vāsāntakānta sind ungesichert. Es wird keine eindeutige vollständige Richtungs-Tabelle aus ihnen aufgebaut.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 262.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 129
khaṇḍendupratyagagnau ca śāntikarmaṇi śasyate ||
Die erste Hälfte verbindet Körper, acht Ecken, gegenseitigen Halt und den günstigen Lotos in gestörter Form. Der Halbmond beim westlichen Feuer wird bei befriedenden Handlungen empfohlen.
Erläuterung: Dehāṣṭakārṇamanyonyāśrayāṃ ist nicht sicher lesbar zu einem vollständigen Bauplan. Die klare Empfehlung des zweiten Satzteils bleibt im historischen Ritualrahmen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 262.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 130
malabhedagataṃ jīvaṃ sādhyadharmeṣugaṃ tataḥ ||
Das Feld heißt Vedī, Altarfläche; das Feuer der Gebäude [wird genannt]. Die zweite Hälfte spricht von Jīva, der zur Unterscheidung der Unreinheit gelangt und in den Pfeil des zu verwirklichenden Dharma eingeht [technische Verbindung ungesichert].
Erläuterung: Jīva kann im geometrischen Kontext eine Sehne beziehungsweise Bezugslinie bezeichnen. Der Vers wird nicht vorschnell als Aussage über das individuelle Selbst übersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 262.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 131
jyeṣṭhadvādaśakāmnātasūtreṇāśācatuṣṭaye ||
Dann soll der Verständige, Göttin, in der zuvor beschriebenen Reihenfolge vom Mittelpunkt aus mit der im Zusammenhang des Ältesten und der Zwölf überlieferten Schnur in den vier Richtungen …
Erläuterung: Jyeṣṭhadvādaśakāmnāta ist ein nicht sicher aufgelöster technischer Ausdruck. Die klare Angabe vier Richtungen wird erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 262.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 132
nemiṃ kuryāt tadvadevānyasandhau hyutkrameṇa hi ||
… beginnend im Osten markieren und durch die Verbindung von Kauśika und Antaka den Umfang bilden. Ebenso [verfahre er] an der anderen Verbindung, jedoch in umgekehrter Reihenfolge.
Erläuterung: Die Götternamen können Richtungsstellen bezeichnen; Kauśika und Antaka werden hier nicht ohne sichere Gesamtkonstruktion in modern vermessene Punkte umgeschrieben. Utkrama bedeutet die Gegenreihenfolge.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 262.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 133
biḍaujaścandrasaṃyogāntimigīśaṃ prasārayet ||
Ausgehend von der Verbindung des Dharma und durch die Verbindung des Marut mit dem Herrn der Yakṣas [soll man die Linie führen]; von der Verbindung Biḍaujas’ und Candras soll man Timigīśa ausdehnen [letzte Benennung unsicher].
Erläuterung: Die Reihe verwendet göttliche Namen als Raumbezüge. Die gestörte letzte Form wird nicht still zu einem passenden Himmelsrichtungsgott korrigiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 262.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 134
turyaṅgulasamāstisro mekhalāḥ vartayed budhaḥ ||
Von der Schnurstelle soll man oberhalb bis zur vierten Ecke ausdehnen. Der Kundige soll drei Einfassungen ziehen, die jeweils vier Aṅgula gleichkommen.
Erläuterung: Turyakarṇa bezeichnet die vierte Ecke beziehungsweise einen Viertelbezug; die Zahlen drei und vier in der zweiten Hälfte sind klar.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 263.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 135
saṃskāragā tṛtīyā tu bhūrlakṣaṇamidaṃ matam ||
Die Strophe bestimmt drei Einfassungen mit den Ausdrücken Gesicht/Fingermaß, anfängliches Paar, Raum, Veda und Saṃskāra; ihre Maßverknüpfung ist beschädigt. Dies gilt als Merkmal des Bodens beziehungsweise der Grundform.
Erläuterung: Einige Wörter können verschlüsselte Zahlwörter sein. Ohne gesicherte Konstruktion werden aus vyoma, veda und saṃskāra keine zusätzlichen präzisen Maße errechnet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 263.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 136
dakṣiṇe paścime vātha nābhiḥ kāryā vipaścitām ||
Was Ausdehnung und Höhe angeht, soll dies vier Aṅgula betragen. Im Süden oder im Westen ist von den Kundigen der Nabelteil herzustellen.
Erläuterung: Nābhi bezeichnet hier ein nabelartiges Bauteil der Feuergrube. Die Alternative Süden oder Westen und das Maß vier werden erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 263.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 137
bāhyā yā mekhalā tasyā bāhyed dvaṅgulanirgamāt ||
Innen soll man von der Mitte der Einfassung aus zwölf Aṅgula markieren. Bei der äußeren Einfassung [erfolgt] ein Heraustreten um zwei Aṅgula [Verbform gestört].
Erläuterung: Bāhyed ist unregelmäßig; die Maße zwölf und zwei werden nicht vertauscht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 263.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 138
svayonilakṣaṇaṃ nābhikuṇḍānāṃ
Ringsum ist ein Nabelteil im Maß von zwölf Aṅgula angegeben. Die eigene Yoni-Gestalt gilt bei den Nabel-Feuergruben als günstig.
Erläuterung: Die genaue Beziehung zwischen Nābhi und Yoni ist in der Nominalverbindung verkürzt. Yoni ist hier eine körperlich benannte Form der Feuergrube.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 263.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 139
turyakarṇā tu yā yonistasyā ubhayapakṣayoḥ ||
Oder man soll bei allen eine dazu passende Gestalt des weiblichen Geschlechts anfertigen. Bei der Yoni mit vier Ecken sollen an beiden Seiten …
Erläuterung: Bhaga bezeichnet ausdrücklich das weibliche Geschlecht; die Form wird nicht zu einem rein abstrakten Dreieck umgedeutet. Der Satz geht in 140 weiter.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 263.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 140
pakṣacihnodalīkṛtya †prā[?]nho†'pi daśāṅgulam ||
… Markierungen im Maß von acht Aṅgula auch außen angebracht werden. Nach dem Anlegen der seitlichen Markierung [ist] die anschließende, nicht vollständig lesbare Markierung zehn Aṅgula [Anschluss gestört].
Erläuterung: Die Zahlen acht und zehn sind klar. [?] bezeichnet die am Zeilenwechsel nicht sicher entzifferte Schriftgruppe in †prā[?]nho†; es ist keine in der Quelle ausgesparte Textlücke. Aus der gestörten Verbindung wird keine sichere Zeichenanleitung gewonnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 263.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 141
pakṣarekhā dvitīyā tu nipātyā
Wenn die Linie von der Spitze zur seitlichen Markierung des Nabelteils gezogen ist, soll der Cumbaka eine zweite Seitenlinie ziehen.
Erläuterung: Die technische Zusammensetzung tadagranābhipakṣāṅkarekhāpāta ist dicht, aber der Auftrag zu einer zweiten Seitenlinie bleibt erkennbar.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 263.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 142
nābhyaṃ tattanmukhaṃ kāryaṃ
Wenn so das Paar der Einfassungen am äußeren Nabelbereich bestimmt ist, soll die betreffende Öffnung am Nabelteil in sechs Teile gegliedert werden.
Erläuterung: Die Zahl sechs bezieht sich auf die Teilung der Öffnung; aus mekhalāyuga wird keine weitere Sechsergruppe gemacht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 263.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 143
tadbāhyayośca kartavyo rekhāpāto bhagākṛtiḥ ||
Am Rand der Einfassung, bei einem Aṅgula [mit unklarer Links- und Seitenbestimmung der Sehne], und außerhalb der beiden soll eine Linie in der Gestalt des weiblichen Geschlechts gezogen werden.
Erläuterung: Der Vers setzt aufPDF 263 ein und endet 264. Mekhalāgre’ṅgulāvāma jīvapārśvagatākayoḥ bleibt grammatisch gestört; keine zusätzliche sichere Streckenlänge wird ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 263–264.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 144
niṣpādyo mekhālābandhaḥ
Nachdem so diese günstige Feuergrube namens Sarvamaṅgala, „Ganzes Heil“, fertiggestellt ist, soll die Einfassung hergestellt werden; die abschließende Alternative mit einer Achtergruppe ist beschädigt.
Erläuterung: Die Quelle schreibt etaccubhaṃ und mekhālā. Kāryoṣāṣṭakajaḥ ist kein sicher aufgelöster Baubegriff.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 264.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 145
atra sannidhimāyāti
Außer in den Bereichen von Rakṣas und Marut ist sie in allen Richtungen schön. Hier kommt das Feuer zur Gegenwart, auch ohne Mantra.
Erläuterung: Rakṣas und Marut sind hier die südwestliche und nordwestliche Richtungszuordnung. Die Aussage mantrahīno’pi bezieht sich auf diese Feuergrube, nicht auf eine allgemeine Entbehrlichkeit von Mantras.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 264.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 146
prakāśitamidaṃ devi kuṇḍaṃ kuṇḍādhināyakam ||
Mit einem Herzen, das vom Rausch des Maireya, der allein aus dir hervorgeht, angezogen ist, habe ich, Göttin, diese Feuergrube offenbart, die Führerin der Feuergruben.
Erläuterung: Maireya bezeichnet ein alkoholisches Getränk. Der Vers wird textgetreu übersetzt und bleibt außerhalb von Praxisauswahl und Rezitationsempfehlungen; keine Umdeutung des Getränks in eine bloße Symbolik.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 264.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 147
kāmye tu triguṇā kāryā lakṣahome maheśvari ||
Für die regelmäßigen und die anlassbedingten Riten [dient] diese Grube von zwölf Aṅgula. Für einen wunschbezogenen Ritus soll sie dreifach sein, bei einem Feueropfer von einem Lakṣa, große Herrin.
Erläuterung: Ein Lakṣa sind 100000. Die Zahl gehört zum historischen Opferumfang; keine moderne Wiederholungszahl für ein ausgewähltes Mantra wird daraus übernommen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 264.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 148
pakṣātpañcadaśānte tu dve haste juhuyād budhaḥ ||
Unterhalb eines Lakṣa soll man den wunschbezogenen Ritus in der Platz-Feuergrube vollziehen, höchste Herrin. Von Pakṣa bis zum Ende von fünfzehn [Zählbezug unklar] soll der Kundige in einer Grube von zwei Hasta opfern.
Erläuterung: Die Verbindung pakṣātpañcadaśānte erlaubt keine sichere Stufenrechnung. Zwei Hasta wird erhalten, ohne eine fehlende Lakṣa-Zahl hinzuzuerfinden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 264.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 149
daśalakṣaikahastādyā kuṇḍavṛddhiḥ praśaṃsitā ||
Ebenso, Göttin, bei Guṇa-Hasta [Maßangabe ungesichert], darüber hinaus bis zu dreißig. Bei zehn Lakṣa wird eine Zunahme der Feuergrube beginnend mit einem Hasta gerühmt.
Erläuterung: Zehn Lakṣa sind 1000000. Guṇa kann als Zahlwort gebraucht sein, wird hier wegen der gestörten Skalierung aber nicht sicher zu drei ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 264.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 150
koṭihomādiko homo hotavyastatra sādhakaiḥ ||
Über Turīyayuga-Hasta [unaufgelöste Maßverbindung] hinaus soll man sie nicht herstellen. Darin sollen die Praktizierenden ein Feueropfer von einer Koṭi oder mehr darbringen.
Erläuterung: Eine Koṭi sind 10000000. Die Verneinung na begrenzt die Grubengröße; der konkrete obere Hasta-Wert bleibt unsicher.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 264.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 151
triṃśatyā daśavṛddhyā tu nābhyaṅgulamitiḥ śubhāḥ ||
Bei den nach vorn gerichteten Yoni-Formen von drei Hasta an [folgt] eine Einfassung mit sechs Gliedern beziehungsweise Anaṅga [Verbindung gestört]. Das günstige Maß des Nabelteils in Aṅgula [beginnt] mit dreißig und nimmt um zehn zu.
Erläuterung: Die zweite Hälfte nennt dreißig und Zehnerschritte; die Zuordnung zur vorausgehenden Grubenskala bleibt unsicher. Kein moderner Rechenplan daraus.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 264.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 152
mekhalā yonirūpā tu tadbhinnavapuṣaḥ śubhāḥ ||
Das Maß der Feuer-Yonis ist einschließlich der Einfassungen zu nehmen. Eine Einfassung in Yoni-Gestalt ist günstig; die weitere Aussage über eine davon verschiedene Gestalt ist grammatisch gestört.
Erläuterung: Tadbhinnavapuṣaḥ śubhāḥ wird nicht zu einer sicher belegten Liste zusätzlicher Formen ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 264.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 153
syātāṃ kuṇḍāṣṭakasyāpi tadadhaḥ kuṇḍaloṣṭhavat ||
Von einem bis zu acht Aṅgula, Geliebte, [reichen] Hals und Nabelteil [kaṇṭhānvābhyādṛtā: gestört], auch bei den acht Feuergruben; darunter [ist es] wie die Lippe einer Grube beziehungsweise eines Rings.
Erläuterung: Die Lesung kuṇḍaloṣṭhavat wird bewahrt. Die genaue Verteilung der acht Maße auf die Grubentypen ist nicht gesichert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 265.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 154
ekapāṇīmiti dviguṇā dvihastāpi praśasyate ||
Bei einer Grube von einem Hasta wäre der Nabelteil Bhāsvatsaṃsārajyeṣṭhā [Maßausdruck ungesichert]. Bei zwei Hasta wird auch das Doppelte des Ein-Hand-Maßes gerühmt.
Erläuterung: Die klare Verdoppelung bleibt erhalten; die erste verschlüsselte beziehungsweise beschädigte Maßangabe wird nicht aus einer vermuteten Zahlenreihe ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 265.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 155
kartavyaṃ mekhalāvṛndaṃ kuṇḍe vai pañcamekhale ||
Bei einer Feuergrube mit fünf Einfassungen ist die Gruppe der Einfassungen nach oben hin in Aṅgula auszuführen; die Maßfolge Samasukhāmbikā, Blatt und Auge ist nicht sicher auflösbar.
Erläuterung: Die Wörter können technische Zahlbezeichnungen sein. Es werden keine präzisen Maße aus einer fremden Ritualschrift eingesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 265.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 156
turyāṃśamekhalaṃ hastaṃ praśastaṃ
Ebenso bei einer Grube mit drei Einfassungen nach Yuga, Kesarin und Pakṣa [Maßbezeichnungen ungesichert]. Gerühmt wird eine Grube mit einer einzigen Einfassung, deren Einfassung ein Viertel Hasta beträgt.
Erläuterung: Der Seitenbefund unterstützt turyāṃśa, Viertelanteil; dies ist eine Auflösung des Legacy-Schriftzeichens, keine Änderung der Lesung. Die übrigen Zahlenwörter bleiben unaufgelöst.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 265.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 157
dadāti vāñcitāān arthānān
Ausdehnung und Höhe aller Einfassungen gewähren stets die gewünschten Ziele; die anschließende Aussage mit hiṃsati, „schädigt“, ist beschädigt, Geliebte.
Erläuterung: Vāñcitāān arthānān vāsā ist nicht grammatisch sicher. Die negative Wirkung wird nicht still beseitigt oder als sicher verneint ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 265.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 158
trimekhale trinetratvaṃ kṣetrajñatvamathetarān ||
Durch eine unterteilte Einfassung wird das Erlangen der Ursache erreicht. Bei drei Einfassungen [wird] Dreiäugigkeit [erlangt], andernfalls die Stellung des Feldkenners [Schluss unregelmäßig].
Erläuterung: Trinetratva bezieht sich auf die dreiäugige göttliche Gestalt. Der Text schreibt dem Ritual ein spirituelles Ergebnis zu; daraus folgt kein garantiertes körperliches Merkmal.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 265.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 159
niṣkrāmya bāhyato lakṣyaṃ
Wie zuvor, oder am Ende der Sehne, [soll man mit] Saroṣa und Tūlayoni [unaufgelöste technische Verbindung] nach außen treten; der Zielpunkt [liegt] im Āgākhaṇḍa oder …, Geliebte.
Erläuterung: Die Strophe ist geometrisch und sprachlich stark gestört. Die einzelnen erkennbaren Beziehungen werden wiedergegeben; eine vollständige sichere Satzübersetzung ist nicht möglich.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 265.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 160
āgneyaśakalasyāntaḥ
Von Ecke zu Ecke mit den Schnüren jeweils die Mitte, große Verständige; innerhalb des südöstlichen Teilstücks [stehen] der feste linke Arm beziehungsweise die linke Hand und der Berg [unklare technische Begriffe].
Erläuterung: Karṇa wird im Diagramm als Ecke beziehungsweise Diagonalbezug verstanden. Die scheinbaren Körper- und Landschaftswörter werden nicht in eine körperliche Yogahaltung umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 265.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 161
tathaiva ṛṣabhoḥ khaṇḍo yamato
Bei der Verbindung soll man kreisend führen [die Anfangsbestimmung mit Marut und Süden ist gestört]. Ebenso [reicht] das Teilstück des Ṛṣabha von Yama bis zum Zusammenfluss des Wassers.
Erläuterung: Yama und Wasser können Richtungsstellen bezeichnen. Die geometrische Folge bleibt ungesichert; sie wird nicht als Wegbeschreibung zu realen Flüssen ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 265.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 162
yonireṣā samākhyātā prāgagrād vā pravarttayet ||
Die Sehne an der Rückseite, zuvor in der Grundform, mit einer Linie oberhalb der Verbindung [Fügung gestört]: Dies wird als Yoni beschrieben. Oder man soll von der östlichen Spitze aus beginnen.
Erläuterung: Jīva wird im geometrischen Zusammenhang als Sehne verstanden. Der klare alternative Beginn im Osten bleibt erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 265–266.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 163
bhrāmya savyāpasavyaṃ tu
Nachdem eine Vedī mit zehn Gliedern und acht inneren Teilen geschaffen ist, soll man nach links und rechts kreisend führen, bei Ratnadhātṛ und Antaka.
Erläuterung: Daśāṅga, zehn Glieder, wird nicht still in daśāṅgula, zehn Fingerbreiten, geändert. Die Götternamen dienen hier als geometrische Bezüge.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 266.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 164
khaṇḍenduḥ siddhyate hyevaṃ tatastryaṃśaṃ vicintayet ||
Im zum Kānta gelangten Teil soll eine einzelne Linie bis zur Seitenlinie gezogen werden. So entsteht der Halbmond. Dann soll man sich einen Dreiteil vorstellen.
Erläuterung: Kānta ist als technische Benennung nicht sicher identifiziert. Khaṇḍendu bezeichnet in diesem Zusammenhang eindeutig die Halbmondform.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 266.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 165
tadabdevaṃ puri tyajya dhakṣaposvāṅkayedbudhaḥ ||
Nachdem der Ursachenanteil außen gesetzt ist, [führt die Konstruktion] mit Unreinheiten zur Spitze der Sehne [malabhirjīvakoṭigam: unklar]. Der Kundige soll anschließend markieren; die dazwischenstehende Folge ist beschädigt.
Erläuterung: Tadabdevaṃ puri tyajya dhakṣaposvāṅkayet ergibt keinen sicheren vollständigen Zeichenschritt. Es wird keine Rekonstruktion als überlieferter Text ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 266.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 166
kālāvayayamekena bahistau vartulaṃ kramāt ||
Dort wäre die Dreiheit ein Dreieck und ringsum Brahman [Fügung unregelmäßig]. Mit einem einzigen Teil der Zeit [werden] die beiden außen der Reihe nach kreisförmig [bestimmt].
Erläuterung: Kālāvayaya ist die gedruckte, gestörte Form. Brahma kann hier eine Zentrum- beziehungsweise Maßbenennung sein; keine zusätzliche metaphysische Aussage wird daraus gewonnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 266.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 167
dharmendubhyāṃ tadardhañca prāgaṅkād
Nachdem der östliche Anteil nach außen gesetzt ist [bahnirdatvā: gestört], soll der Brahmane an den beiden Kumbha-Teilen mit Dharma und Candra auch dessen Hälfte von der östlichen Markierung aus einzeichnen.
Erläuterung: Die technische Konstruktion bleibt teilweise unsicher. Pūrvāṃśakam ist durch das Seitenbild gestützt; bahni wird nicht still zu bahir verbessert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 266.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 168
paścime'pyevamevaṃ hi
Nach dem Brahma-Maß der östlichen Markierung [verfährt man] auf der linken und der nördlichen Seite, Geliebte; ebenso im Westen durch die westliche Zeichnung des Brahma.
Erläuterung: Die Seitenfolge links–nördlich–westlich wird nach dem Druck bewahrt; eine vermeintlich fehlende südliche Linie wird nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 266.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 169
caturbhāgavibhaktāyāṃ kuryād vṛttacatuṣṭayam ||
Oberhalb des Brahma entsteht mit sechs Schnüren ein günstiges Sechseck. In der vierfach geteilten [Fläche] soll man vier Kreise ziehen.
Erläuterung: Die Originalziffer 169 steht ohne nachfolgenden Doppeldaṇḍa. Es bleibt eine einzige Originalnummer, keine unnummerierte Schlusszeile.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 266.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 170
rekhāpātaḥ punaḥ kāryo
Dann soll der Kundige in der Grund-Yoni eine Ecklinie ziehen. Wieder ist von der Mitte her eine Linie zu den beiden Java-Ecken zu ziehen.
Erläuterung: Java ist als technische Benennung unklar und wird nicht still zu einer geläufigeren geometrischen Bezeichnung korrigiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 266.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 171
dalāgraṃ saṅgatiḥ kāryā kartuḥ
Mit sechzehn Linien entsteht dort ein Blatt für die Zeichnenden. An der Blattspitze ist eine Verbindung der Linie und Nebenlinie des Ausführenden herzustellen.
Erläuterung: Die Zahl sechzehn bezieht sich ausdrücklich auf Linien; der Vers wird nicht zu einem sicher sechzehnblättrigen Lotos umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 266.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 172
dviguṇīkṛtarudrāṃśaṃ karṇātkarṇaṃ karṇe vilokayet ||
Im Zwischenraum der Blattverbindungen [ploṣā: unklar] hätte die Feuergrube Lotosgestalt. Man soll den verdoppelten Rudra-Anteil von Ecke zu Ecke in der Ecke betrachten.
Erläuterung: Die Quelldrucktrennung ka-rṇāt wird zu karṇāt zusammengezogen. Rudrāṃśa wird ohne sichere Maßkonkordanz nicht als eine bestimmte Anzahl Aṅgula ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 267.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 173
tatkṣaṇāṃkitajīvāya prāgdakṣañcaiva paścimāt ||
Mit diesen Fischformen soll man ein Viereck und in der Mitte ein Dreieck herstellen. Bei der dabei markierten Sehne [folgen] Ost und Süd sowie vom Westen aus [der Anschluss ist gestört].
Erläuterung: Matsya bezeichnet hier fischförmige Schnittfiguren der Zeichnung, nicht Tiere als Opfermaterial.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 267.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 174
aṣṭakoṇaṃ hi garbhasthaṃ rekhābhaṅgaṃ mahīpate ||
Mit Prācīndu und dem zum Elefanten gelangten Vidhu [unaufgelöste technische Bestimmungen] soll man die vierte Schnur beziehungsweise vier Schnurteile bestimmen. Im Inneren liegt ein Achteck als Brechung der Linien, König.
Erläuterung: Die Quelle hat sūtraturyān in unregelmäßiger Form. Mahīpati, König, ist die tatsächliche Anrede; keine zusätzliche Sprecherzeile wird angenommen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 267.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 175
maṇḍalāṣṭakametaddhi bhavate dvārayogataḥ ||
Diese acht Feuergruben sind beschrieben; mit Sadyābda und den Sitzen und Weiterem [Verbindung beschädigt] werden sie durch die Verbindung mit Toren zu diesen acht Maṇḍalas.
Erläuterung: Sadyābdairāsanādikam ist nicht sicher übersetzbar. Die beiden klaren Achtergruppen bleiben als Gruben und Maṇḍalas unterschieden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 267.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 13, Vers 176
viditasakalagurvādhānavettā gururamareśaguruprabodhārī |
Durch die Festigkeit des inneren Bodens [entstehen] acht sehr ebene Altarflächen. Der Guru, der die gesamte Einsetzung durch die Lehrer kennt und das Erwachen durch den Lehrer der unsterblichen Herren trägt [Verbindung ungesichert], ist der rechten Führung und Disziplin ergeben; er vermittelt auf vielen verschiedenen Wegen das Erlangen des Śiva-Seins.
Erläuterung: Die Quelle fasst drei lange Zeilen unter 176 zusammen. †Sthaṃṇdilāṣṭakam† und gururamareśaguruprabodhārī sind gestört. Der zusätzliche abgesetzte Anusvāra nach śivatvalambho wird bewahrt, nicht als Bīja behandelt. Wegen dieser Unsicherheiten kein selbstständig gesicherter Lobpreis für die Mantrasammlung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 267.[1]
Kolophon
So [endet] im Bhairava-Strom, im Vidyāpīṭha, im Śiraśceda-Śrījayadrayayāmala, dem großen Tantra von vierundzwanzigtausend [Versen], im ersten Ṣaṭka, in der ehrwürdigen Kālasaṅkarṣaṇī, das dreizehnte Kapitel.
Hinweis: Jayadrayayāmale und śiraścede sind die tatsächlichen Druckformen; keine stille Angleichung an Jayadrathayāmala beziehungsweise Śiraccheda. Die Zahl24000 ist eine traditionelle Corpusangabe. Das Kolophon folgt nach 176, nicht als weitere Versnummer.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 267.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14: Lehrer, Übende und die Vorbereitung des Schülers
Leitquelle: Sampath 2011, PDF 267–278. Alle 98 Originalnummern, Kapitelüberschrift, beide Sprecherzeilen und Kolophon sind wiedergegeben. Das Kapitel behandelt die Merkmale und Befugnisse von Lehrern und verschiedenen Übenden, dann die Vorbereitung des Schülers und die Abstufung des Einwirkens von Śakti. Mehrere Personen-, Speise- und Rollenbezeichnungen bleiben in der vorläufigen Quelle beschädigt. Die Zwischenüberschriften dienen der heutigen Orientierung.
Gestalt und Aufgaben der Überlieferungsträger
Kapitelüberschrift
Vierzehntes Kapitel.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 267.[1]
Sprecherzeile
Jayadratha sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 267.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 1
saṃskāryaḥ kīdṛśaḥ śiṣyaḥ etadiccāmi veditum ||
Wie beschaffen ist die Fessel, die den Lebewesen Saṃsāra schafft, du Verbrenner des Liebesgottes? Wie beschaffen ist ein Schüler, der rituell bereitet werden soll? Dies möchte ich wissen.
Erläuterung: Dagdhadarpakaḥ steht nominativisch in einer als Anrede verstandenen Fügung. Pāśa ist die bindende Fessel; Saṃskāra die rituelle Bereitung beziehungsweise Umgestaltung, hier im Einweihungszusammenhang.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 267.[1]
Sprecherzeile
Der ehrwürdige Bhairava sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 267.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 2
bhairavānala nirdagdha bhūtasavyogra bhojanaḥ |
[Er wird beschrieben als einer,] dessen heftige Speise mit dem im Feuer Bhairavas Verbrannten verbunden ist [bhūtasavyogra: gestört], ein großer Ozean, ganz gefüllt mit dem Wasser der großen Bhairava-Lehre.
Erläuterung: Die erste Hälfte erlaubt keine sichere Bestimmung des Verzehrten. Bhūta kann Wesen, Gewordenes oder Element bedeuten; der Ausdruck wird nicht zu einer rein geistigen Speise umgedeutet. Es folgt eine Reihe von Merkmalen rituell befugter Personen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 267–268.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 3
candreṇaivābhiṣekena
Die Gestalt, die Gestalt [Druckwiederholung] derer, die durch die Folge von reinem, nektarhellem [Erleben] zur rituellen Handlung gelangt sind, ist wie meine eigene Gestalt durch eine mondgleiche Weihe geschmückt.
Erläuterung: Die beiden Formen mūrttiḥ mūrtti werden bewahrt. Śuddhasudhābhāsikramaprāptakriyāvatām ist syntaktisch verkürzt; die Übersetzung ist in diesem Teil vorläufig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 268.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 4
nānādeha rūha śrīmānāryabhāṣāviśāradaḥ ||
Die erste Hälfte über Lebensführung und Sinn ist beschädigt. [Er ist] von verschiedenen Körpern beziehungsweise Haarwuchs [Worttrennung gestört] und Glanz geprägt und kundig in der Sprache der Āryas.
Erläuterung: Āryabhāṣā wird als Sprache der Āryas beziehungsweise der kultivierten Überlieferung wiedergegeben; die Strophe benennt keine bestimmte moderne Sprache oder ethnische Zugehörigkeit. Vipraviddharmacaryā und sarvaviccāntikṛnmanaḥ ergeben keine verlässliche vollständige Aussage; ein Stillwerden des Geistes wird daraus nicht sicher behauptet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 268.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 5
mṛdusnigdhaśirojanmabhṛdagakuṭilaśriyaḥ ||
Mit vollständigen Gliedern, hoher Stirn und roten Augen; mit weichem, glänzendem Kopfhaar und der Zier des Ungekrümmten [letzte Verbindung gestört].
Erläuterung: Śirojanman bezeichnet das auf dem Kopf Gewachsene, hier das Haar. Bhṛdagakuṭilaśriyaḥ ist nicht vollständig sicher zu gliedern.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 268.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 6
vakṣoraskavitānāṅgo devīputronnatatrikaḥ ||
Mit wellig geknotetem Flechthaar, oder mit einem Schopf als Schmuck des Hauptes; mit breiter Brust und ausgedehnten Gliedern, ein Sohn der Göttin mit erhöhtem Kreuzbeinbereich.
Erläuterung: Der abgesetzte Anusvāra nach jaṭāvān bleibt als Druckbefund erhalten, nicht als Bīja. Trika bezeichnet hier eine Körperpartie im Kreuz-/Hüftbereich; die genaue anatomische Zuordnung ist kontextabhängig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 268.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 7
snigdhaikadvitrilomotaḥ sujaṅghamṛdupādukaḥ ||
Mit langen, kräftigen Armen [doṣaṇī: unregelmäßig], schön geformten Fingern und Nägeln [svanakheduraḥ: unklar], mit glänzendem Haarwuchs zu einem, zwei oder drei [Haaren], schönen Unterschenkeln und weichen Füßen.
Erläuterung: Die Merkmale gehören zu einer historischen Körperzeichenlehre. Der genaue Bezug der Haarzahlen und die beschädigte Nagelbeschreibung bleiben offen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 268.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 8
vidyāpañcakavid vīraḥ kalāvid viśadoruruk ||
Haut, Augen, Nägel und Zähne besitzen eine glänzende Beschaffenheit; [er ist] von klarem Glanz, ein Vīra, der die fünf Vidyās kennt, kundig in den Künsten beziehungsweise Kalās und von hellem, weitem Leuchten.
Erläuterung: Vidyāpañcaka nennt eine Fünfergruppe, ohne sie hier auszuführen. Viśadoruruk ist auffällig; die helle Ausstrahlung ist erkennbar, der genaue Wortanschluss nicht gesichert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 268.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 9
kāmanidrāniṣevī ca na śabdena niśāṭanaḥ ||
Anziehend, von glückverheißender Gestalt und verständig, ganz erfreut von der Lehre der rechten Führung; dem Begehren und Schlaf ergeben, und nicht durch einen Laut ein nächtlich Umherziehender [Schluss unklar].
Erläuterung: Die Quelle hat kāmanidrāniṣevī ohne Verneinung. Sie wird nicht nachträglich zu einer Forderung gemacht, Begehren und Schlaf zu meiden. Na gehört zum zweiten Satzteil.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 268.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 10
sunimittatarurmānī svalpakopaḥ kona priyaṃvadaḥ ||
Wachend … [jāgradhārabhayātyarthaḥ: beschädigt], keineswegs in Gemeinschaft mit Schlechten; ein Baum guter Vorzeichen, von Selbstachtung, wenig zornig, Kona [unklar] und freundlich redend.
Erläuterung: Die merkwürdige Druckform kona wird nicht als sichere zusätzliche Verneinung aufgelöst. Svalpakopa heißt wenig zornig, nicht ausnahmslos zornlos.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 268.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 11
yogaśīlaśca tantre'smin guruvat pāpavān yataḥ ||
Die Strophe verbindet gute Lebensführung und Überlieferung mit Erinnerung und Festigkeit, doch die Fügung bleibt beschädigt. [Er ist] dem Yoga ergeben und in diesem Tantra wie ein Guru; der Schluss nennt pāpavān, „mit Übel behaftet“, in unklarem Anschluss.
Erläuterung: Guruvat pāpavān yataḥ wird nicht still in eine tadellose Charakterbeschreibung geändert. Eine vollständige sichere Übersetzung dieses Verses ist nicht möglich.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 268.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 12
abhyāgatajane namro nasro nīce'pyātmayavīyasi ||
Verehrer der Götter, der nachgeordneten Gottheiten, des Feuers, der Älteren und des Herrn; vor Ankommenden bescheiden, auch vor einem Niedrigergestellten, der jünger ist als er selbst.
Erläuterung: Die Quelle druckt namro nasro. Namra macht die Bescheidenheit erkennbar; die zweite, ähnliche Form wird im Sanskrit erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 269.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 13
viṣayī snātakaḥ sadmī rūpasvī vā praśaṃsitaḥ ||
Er führt die drei Satras aus und widmet sich dem Wohl aller Wesen. Als Viṣayin, Snātaka, Hausbewohner oder Rūpasvin wird er gerühmt.
Erläuterung: Satra bezeichnet eine Opfer- beziehungsweise Gabeneinrichtung; welche drei hier gemeint sind, wird nicht gesagt. Die folgenden Verse unterscheiden rituelle Lebensformen; diese vier Benennungen werden nicht ohne Beleg mit den vier klassischen Āśramas gleichgesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 269.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 14
āmnāyānugrahāyātasarvāṇūnāṃ sanirvṛtaḥ ||
Ārādhya, Ārādhaka, Tāla oder einer, der Caru isst, große Herrin: Durch die Gnade der Überlieferung zu allen Einzelseelen gelangt, [ist er] zur Ruhe gekommen [Fügung unregelmäßig].
Erläuterung: Caru ist hier die im weiteren Verlauf behandelte rituelle Speise; ihre konkrete Beschaffenheit ist an dieser Stelle noch nicht bestimmt. Die Rollen werden ab21 näher unterschieden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 269.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 15
tatvānubhavaśaiveṣu na dṛṣṭadvayagocaraḥ ||
Er verweilt in der höchsten nichtdualen Stätte und ist im Prinzip der Leere gewiss. In der Erfahrung der Wirklichkeitsprinzipien und in den śivaitischen [Lehren] ist er nicht im Bereich einer geschauten Zweiheit.
Erläuterung: Die Form tatvānubhavaśaiveṣu ist verkürzt. Śūnya wird hier als Leere beziehungsweise nicht gegenständlich bestimmter Grund genannt, nicht als sichere Zugehörigkeit zu einer bestimmten buddhistischen Schule.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 269.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 16
viṣayī viṣayā viṣayāsaktaḥ sarvānugrahakṛnmataḥ ||
Ohne Abhängigkeit von weltlicher Lebensführung hat er seinen Ort im linken Weg. Viṣayin, Viṣayā, den Gegenständen zugewandt [Druckfolge unregelmäßig], gilt er als einer, der allen Gnade erweist.
Erläuterung: Die wiederholten Formen viṣayī viṣayā bleiben im Sanskrit. Der Bezug zum Vāmācāra wird nicht in eine allgemeine, ritualfreie Empfehlung für beliebigen Sinnengenuss umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 269.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 17
svavarṇānnīcavarṇācca gṛhasthodvāhito mataḥ ||
Oder ein Snātaka, der genießt, was ihm durch käufliche Frauen, Varṇa und Tantrī [gestörte Verbindung] zukommt; als Hausbewohner gilt der Verheiratete, [dessen Frau] aus seinem eigenen oder einem niedrigeren Varṇa stammt.
Erläuterung: Paṇyavarṇāṅganātantrī ist nicht sicher zu gliedern; der mögliche Bezug auf käufliche Frauen wird nicht verschwiegen. Die historische Heiratsordnung ist eine Textaussage, keine heutige Empfehlung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 269.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 18
garīyasi pade cintā hyathavāsya sadā yataḥ ||
Er stützt sich auf einen irdischen Aufenthaltsort und steht in der Konvention der Welt. Oder seine Betrachtung ist stets auf eine höhere Stätte gerichtet [Satzschluss unregelmäßig].
Erläuterung: Dharāśrayāśraya enthält eine Wiederholung von āśraya, Stütze beziehungsweise Aufenthaltsort. Der zweite Satz bietet eine alternative innere Ausrichtung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 269.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 19
brahmacaryarato dvandvo nirākāṃkṣo jitendriyaḥ ||
Daraus folgt für ihn jene Höherrangigkeit, die innerhalb der Familie hemmt [Bezug unklar]. Dem Brahmacarya ergeben, Dvandva [gestörte Form], ohne Verlangen und mit beherrschten Sinnen …
Erläuterung: Kulamadhyanirodhakam und dvandvo sind ungesichert. Brahmacarya bezeichnet hier eine disziplinierte, enthaltsame Lebensform; die Strophe wird nicht als vollständige Definition aller vorher genannten Rollen ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 269.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 20
caturṇāmapyathaiteṣāṃ ārādhyādivibhinnatā ||
… heißt der mit einem Liṅga beziehungsweise Kennzeichen Versehene Liṅgin, ganz auf die Verehrung des Liṅga ausgerichtet. Bei diesen vieren besteht eine Unterscheidung beginnend mit Ārādhya …
Erläuterung: Liṅga kann sowohl ein religiöses Kennzeichen als auch das verehrte Śiva-Zeichen bezeichnen; beide Verwendungen stehen hier nah beieinander. Der Satz führt nach 21.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 269.[1]
Der Ārādhya und die Grenzen ritueller Befugnis
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 21
athātaḥ saṃpravakṣyāmi tasyārādhyasya lakṣaṇam ||
… die von selbst in das Bewusstsein und Herz eingeht [erste Verbindung gestört]. Verstehe dies, Tochter des Himālaya. Nun werde ich die Merkmale jenes Ārādhya darlegen.
Erläuterung: Ārādhya bedeutet der zu Verehrende. Die erste Halbzeile steht aufPDF269, der Schluss auf270.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 269–270.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 22
śivavat sarvaśāstrāṇāmārādhyaḥārādhyaḥ śivapūjakaḥ ||
Allein dadurch, dass er erkannt wird, gelangen die gebundenen Wesen zur Befreiung. Wie Śiva ist der Śiva-Verehrer in allen Lehrschriften zu verehren, zu verehren [Druckwiederholung].
Erläuterung: Paśu bezeichnet hier das gebundene Wesen, nicht ausschließlich ein Tier. Die doppelte Form ārādhyaḥārādhyaḥ wird nicht still gestrichen; die Heilswirkung ist eine Zuschreibung der Quelle.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 270.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 23
jñānavijñānasaṃpanno vratacaryābhinandanaḥ ||
Er ist Guru, Gottheit und Feuer ergeben, erfahren in Mantra und Tantra, reich an Erkenntnis und unterscheidendem Wissen und erfreut an Observanz und disziplinierter Lebensführung.
Erläuterung: Dieser Vers setzt die Charakterisierung des Ārādhya aus21–22 fort. Vrata und Caryā bezeichnen konkrete Verpflichtungen und Lebensweisen; der Text nennt hier keine einzelne frei übernehmbare Observanz.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 270.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 24
mantrapīṭhapraṇetā ca tadyogoyatamānasaḥ - ||
Er steht auf dem großen Bhairava-Sitz, sein Leib ist durch Kalās gestaltet. Er leitet den Mantra-Sitz, und sein Sinn bemüht sich um dessen Yoga.
Erläuterung: Mantrapīṭha und Vidyāpīṭha werden im Folgenden als Bereiche ritueller Zuständigkeit unterschieden. Der kurze Schlussstrich nach dem vollständigen Wort mānasaḥ wird als Druckzeichen erhalten; daraus wird keine zusätzliche Textlücke behauptet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 270.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 25
śānto dānto jitakrodho dambhamāyāvivarjitaḥ ||
Er bestimmt die Zeit der rituellen Handlung, ist von Glanz erfüllt und zu Lebensführung und Observanz bereit: friedvoll, gezügelt, den Zorn überwunden und frei von Heuchelei und Täuschung.
Erläuterung: Die Strophe beschreibt den verehrungswürdigen Lehrer. Māyā steht hier neben dambha im ethischen Sinn von Täuschung, nicht als zu beseitigendes kosmisches Wirklichkeitsprinzip.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 270.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 26
rudraveśadharo nityaṃ
Rein, tüchtig und von großer Kraft, stets mit sehr heiterem Sinn; immer trägt er Rudras Erscheinung, sein Leib leuchtet durch Flechthaar und Asche.
Erläuterung: Mahāsatvaṃ steht mit auffälliger Endung. Die äußeren Kennzeichen gehören zur historischen Lehrerbeschreibung; ihre bloße Nachahmung wird nicht als Nachweis geistiger Reife ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 270.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 27
prārabdhasyāntanirvāhī vitṛṣṇo jñānavid budhaḥ ||
Freundlich und mitfühlend ist der Vīra, aufmerksam und fest entschlossen. Er führt das Begonnene bis ans Ende, ist frei von Verlangen, kennt die Erkenntnis und ist verständig.
Erläuterung: Prārabdhasyāntanirvāhī bezeichnet hier das Zu-Ende-Führen des Begonnenen. Es wird nicht ohne weiteren Beleg ausschließlich auf die spätere Lehre vom Prārabdha-Karma bezogen. Der Vers beschreibt den Ārādhya innerhalb seiner Eigenschaftenreihe; die einzelnen Tugenden bilden einen selbstständigen Satz.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 270.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 28
śaivāgamapravaktā ca bhūtagāruḍayostathā ||
Reich an der Entfaltung aller Genüsse, wendet er sich von eingetretenem Leiden ab. Er legt die śivaitischen Āgamas dar und ebenso die Lehren von Bhūta und Gāruḍa.
Erläuterung: Bhūta und Gāruḍa bezeichnen hier besondere Lehr- und Ritualbereiche, unter anderem den Umgang mit Geistwesen und Gift. Der Vers wird nicht zu einer modernen Behandlungsempfehlung erweitert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 270.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 29
mantradānādiyukto yaḥ kulīnaḥ sarvakarmavit ||
Er ist in der Yogalehre erwacht und ganz darauf gerichtet, seinen Schülern Gnade zu erweisen. Er ist mit der Weitergabe von Mantras und weiteren [Aufgaben] betraut, von guter Überlieferung und kundig in allen rituellen Handlungen.
Erläuterung: Kulīna kann edle Herkunft oder die Zugehörigkeit zu einer angesehenen Linie bezeichnen; der Vers nennt keine konkrete biologische Abstammung. Die Mantraweitergabe bleibt an die beschriebene Lehrerrolle gebunden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 270.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 30
viraktaḥ sarvabhāveṣu sthitimātrāvalaṃbakaḥ ||
Er hat die Wirkkraft der heiligen Stätten geschaut, ist auf Jīrṇavidyāvrata bedacht [Benennung ungesichert], von allen Zuständen losgelöst und allein auf das Bestehen gestützt.
Erläuterung: Jīrṇavidyāvrata wird nicht still als eine sicher bestimmte neue oder alte Observanz aufgelöst. Die Beschreibung geht in 31 weiter.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 270.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 31
ārodhyaiṣa samākhyātaḥ sarvalakṣaṇasaṃyutaḥ ||
Er soll wie ein zu Lebzeiten Befreiter bestehen und sich nicht an Genüsse hängen. Dieser wird Ārodhya genannt, mit allen Merkmalen versehen.
Erläuterung: Die Druckform ist ārodhyaiṣa, während der Abschnitt sonst ārādhya verwendet. Jīvanmukta erscheint ausdrücklich als Vergleich mit iva, „wie“, nicht als uneingeschränkte Gleichsetzung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 271.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 32
paśupāśapatijñānād bhuktimuktiphalapradaḥ ||
Wie die Königsherrschaft ist er für alle Wesen ein Ort der Furcht und der Furchtlosigkeit. Aus der Kenntnis von Gebundenem, Fessel und Herrn gewährt er die Frucht von Erfahrung und Befreiung.
Erläuterung: Die Dreiheit paśu–pāśa–pati wird als Lebewesen in Bindung, bindende Fessel und Herr wiedergegeben. Bhoga/Bhukti meint das Erfahren beziehungsweise Genießen; bhayābhaya enthält beide Pole, nicht nur Schutz.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 271.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 33
bhāṣate yadyathā kiñcit kaścit tadeva phaladaṃ tataḥ ||
Wie er nach eigenem Willen handelt, eben dies ist eine günstige Observanz. Was immer er auf welche Weise spricht, eben dies trägt Frucht [kaścit: unregelmäßiger Einschub].
Erläuterung: Die Strophe schreibt dem Ārādhya außergewöhnliche Freiheit und Wirksamkeit zu. Sie ist als Behauptung der Überlieferung zu lesen, nicht als allgemeine Ermächtigung beliebiger Lehrer.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 271.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 34
mantrapīṭhapatirhyasmāt tenārādhyaḥ prakīrtitaḥ ||
Er ist von den Göttern der Götter zu verehren, der Herr der Vidyās unter den Yogins. Weil er Herr des Mantra-Sitzes ist, wird er Ārādhya, „der zu Verehrende“, genannt.
Erläuterung: Die Erklärung verbindet den Namen mit seiner rituellen Zuständigkeit. Vidyeśa ist ein Titel, keine ausgeschriebene Mantraformel.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 271.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 35
ācāryaḥ sa vidhau jñeyaḥ pūrvalakṣaṇalakṣitaḥ ||
Er kennt den Mantra-Sitz, jedoch nicht das Eröffnen des Ārādhya [Verbindung ungesichert]. Als Ācārya ist im Verfahren jener zu erkennen, der die zuvor genannten Merkmale besitzt.
Erläuterung: Nārādhyonmīlanam wird mit erhaltener Verneinung wiedergegeben. Es geht um die Abgrenzung einer Lehrerrolle; die genaue Befugnis bleibt in dieser Fügung unklar.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 271.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 36
ācāryaḥ saṃhitārthajñaḥ ācārapathasūcakaḥ ||
Im Bereich des Vidyāpīṭha gilt nicht der Erste als Gnade Gewährender [nādyo: unklarer Rückbezug]. Der Ācārya kennt den Sinn der Saṃhitā und weist den Weg der Lebensführung.
Erläuterung: Die erste Hälfte ist syntaktisch gestört. Aus ihr wird keine sichere zusätzliche Rangstufe errechnet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 271.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 37
mantrapīṭhaṃ na jānāti sadā vidyāvratasthitaḥ ||
Er ist wie der Ārādhya unabhängig, soll aber Observanz und Lebensführung nicht anordnen. Wer den Mantra-Sitz nicht kennt, jedoch stets in der Vidyā-Observanz steht …
Erläuterung: Die zweite Hälfte beginnt die Beschreibung des Ārādhaka, die in 38 endet. Der Rollenwechsel wird nicht zu einem Widerspruch innerhalb einer einzigen Personenbeschreibung geglättet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 271.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 38
śatadhā bhedamāyāti jñānacaryāvratakramāt ||
… und im Vidyāpīṭha befugt ist, der heißt Ārādhaka. Nach der Folge von Erkenntnis, Lebensführung und Observanz entfaltet sich die Unterscheidung hundertfach.
Erläuterung: Hundertfach ist die ausdrückliche Textangabe; der folgende Text zählt damit nicht zwingend hundert individuelle Rollen auf. Die am Zeilenwechsel getrennte Schriftfolge jñāna wird zusammengefügt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 271.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 39
caruśca trividho yasmin siddhaḥ sādhyo guṇātmakaḥ ||
Cumbaka, Tālaka und als Dritter Caryāśin. Auch der Caru ist dreifach: vollendet, zu vollenden und aus Eigenschaften bestehend.
Erläuterung: Die Benennung caryāśī wird als Rollenname bewahrt. Die drei Caru-Arten erläutert40; daraus wird keine allgemeine Dreiteilung alltäglicher Nahrung abgeleitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 271.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 40
guṇātmakastu vijñeyo yogajaḥ sumahauṣadhaiḥ ||
Der vollendete [Caru] wird als durch seine Art bestehend bezeichnet; der zu vollendende ist Srasitonnati [Benennung gestört]. Der aus Eigenschaften bestehende ist als aus Yoga und besonders mächtigen Heilmitteln hervorgehend zu erkennen.
Erläuterung: Sādhyo ist die Leitlesung; sādhyā wird als K-Variante nicht in den Grundtext übernommen. Die unklare zweite Art liefert kein verlässlich rekonstruierbares Rezept.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 271–272.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 41
ārādhakasya te khyātāḥ kintu svātantryavarjitaḥ ||
Der als Ārādhya bezeichnete Guru erhellt den Sinn sämtlicher Lehrschriften. Die [entsprechenden Eigenschaften] gelten auch für den Ārādhaka, jedoch fehlt ihm die Unabhängigkeit [Kasusfolge unregelmäßig].
Erläuterung: Svātantryavarjitaḥ schränkt die zuvor beschriebene Zuständigkeit ausdrücklich ein. Die Rollen werden nicht gleichgesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 272.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 42
mantrapīṭhavidhānena vidyāpīṭhādhikārakṛt ||
Er soll weder Einweihung noch Auslegung vollziehen und auch keine Einsetzung veranlassen. [Er besitzt] eine Zuständigkeit im Vidyāpīṭha nach dem Verfahren des Mantrapīṭha.
Erläuterung: Der prohibitive Sinn von na und naiva wird erhalten. Pratiṣṭhā ist hier rituelle Einsetzung beziehungsweise Konsekration, nicht allgemein persönliches Selbstvertrauen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 272.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 43
sādhyamantrarato vāgmī vratacaryāsamanvitaḥ ||
Auch bei den Cumbakas besteht eine weitere Unterscheidung [saṃhābhyā: gestört]: Er ist dem zu verwirklichenden Mantra ergeben, redekundig und mit Observanz und Lebensführung versehen …
Erläuterung: Der Vers eröffnet eine weitere Rollenbeschreibung. Sādhyamantra bezeichnet einen Mantra, dessen Verwirklichung angestrebt wird; seine Lautform steht hier nicht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 272.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 44
mantramuktipradātā ca susahāyo'pi yogavān ||
… er soll von einer heiligen Stätte zur anderen gehen, aber niemals zu einer anderen Verehrung. Er gibt Mantra-Befreiung [mantramukti: technischer Bezug ungesichert], besitzt gute Helfer und ist mit Yoga verbunden …
Erläuterung: Die Verneinung betrifft den Wechsel der Verehrung, nicht den Wechsel der heiligen Stätte. Beide Bewegungsangaben werden unterschieden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 272.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 45
samiśraścumbakaḥ proktastantre'smin rāvaṇārcite ||
… und unterweist in der Überlieferung der elf Anordnungen. In diesem von Rāvaṇa verehrten Tantra heißt er der gemischte Cumbaka.
Erläuterung: Die Zahl elf und der Name Rāvaṇa werden nach der Quelle erhalten. Rāvaṇārcita behauptet eine Verehrung des Tantra durch Rāvaṇa, keine historische Verfasserschaft Rāvaṇas.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 272.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 46
vratacaryābhyanujñātā ārādhyena mahātmanā ||
Er kennt alle Lehrschriften durch das Empfangen des Mantras vom Guru und ist vom großgesinnten Ārādhya zu Observanz und Lebensführung ermächtigt …
Erläuterung: Die Form vratacaryābhyanujñātā ist unregelmäßig. Der Satz beginnt die Beschreibung der nächsten rituellen Lebensweise.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 272.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 47
kañciddeśaṃ parigṛhya śivaliṅgavivarjitaṃ ||
… von da an an einer heiligen Stätte verweilend, die Gegensatzpaare und die Sinne beherrschend, nachdem er einen bestimmten Ort ohne Śiva-Liṅga gewählt hat …
Erläuterung: Śivaliṅgavivarjitam bedeutet ausdrücklich ohne Śiva-Liṅga. Das wird nicht zu einem Ort mit Liṅga umgedeutet, obwohl andere Rollen Liṅga-Verehrung voraussetzen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 272.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 48
bālakaḥtālakaḥ sa tu vijñeyaḥ sādhyasādhakatatparaḥ ||
… lebt er von Fleischspeise, die er als Almosen erhält, und ist Rezitation, Meditation und Verehrung ergeben. Dieser ist als Bālaka-Tālaka zu erkennen, ganz auf die Verwirklichung des zu Verwirklichenden gerichtet.
Erläuterung: Āmiṣāhāra wird im Speisekontext als Fleischspeise wiedergegeben. Bālakaḥtālakaḥ ist die unaufgelöste Doppelbenennung im Druck. Der gesamte Vers bleibt außerhalb von Auswahl und Rezitationsempfehlungen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 272.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 49
ārādhyāt svāptavidyastu sakṛtsaṃskārasaṃskṛtaḥ ||
Er kennt die Saṃhitā nicht, kennt aber die elf Gegenstände der Lehrschrift. Vom Ārādhya hat er seine Vidyā empfangen und wurde durch eine einmalige Bereitung geformt …
Erläuterung: Die Verneinung der Saṃhitā-Kenntnis bleibt erhalten. Sakṛt bezeichnet einmal, nicht eine bestimmte tägliche Wiederholungszahl.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 272.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 50
rakṣākalpitadehastu carubhuk kāśyayo bhramet ||
… in einem einzigen Weg stehend, auf eine einzige Nichtzweiheit gestützt, mit einem durch Schutz [rituell] gestalteten Leib, soll der Caru-Esser als Kāśyaya umherwandern.
Erläuterung: Kāśyaya ist eine ungesicherte Benennung. Die Strophe setzt den spezifischen Speise- und Observanzrahmen fort und wird nicht als kontextfreie Wanderempfehlung ausgewählt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 273.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 51
caryāmārgeṇa bhuñjānaścaruṃ dhyātvā sakṛt sakṛt ||
Er soll keine anderen Lehrschriften hören, keine anderen Offenbarungsströme und keine Rasa-Verfahren. Auf dem Weg seiner Lebensführung soll er Caru essen, nachdem er ihn jeweils vergegenwärtigt hat.
Erläuterung: Rasakriyā kann unter anderem alchemische beziehungsweise stoffliche Verfahren bezeichnen; eine engere technische Zuordnung ist hier nicht gesichert. Die Begrenzung gilt dieser Rolle.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 273.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 52
sarvāśī hyeva sarvāśī yogimātṛgaṇārcitaḥ ||
Was im Gefäß steht und durch die Vidyā erlangt ist, das isst er niemals auf andere Weise. Ein Allesesser, wahrlich ein Allesesser, von den Scharen der Yogins und Mütter verehrt …
Erläuterung: Pātrasthaṃ ist die Leitlesung, pātraslaṃ die K-Variante. Die wiederholte Bezeichnung sarvāśī wird bewahrt; keine Auswahl als allgemeine Empfehlung zur Ernährung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 273.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 53
dīkṣito'trānugolāśī carubhuk parikīrtitaḥ ||
… der Caru-Esser [wird] in einem Tantra [so genannt]; Cumbaka ist nicht angeführt. Der hier Eingeweihte, der Anugola isst, wird Carubhuj genannt.
Erläuterung: Anugolāśin benennt eine besondere Speisepraxis, deren Gegenstand aus diesem Vers allein nicht sicher bestimmt ist. Der Wortlaut wird nicht zu einer harmlosen Alltagsmahlzeit umgedeutet. Anudāhṛta wird mit seiner Verneinung als „nicht angeführt“ wiedergegeben; der erste Satzteil bleibt elliptisch. Der Ausdruck wird nicht still als bejahendes „genannt“ übersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 273.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 54
etebhyo'nyo vratī nāsti yaḥ pīṭhastho nigadyate ||
Dreifach, große Göttin, ist der Praktizierende beschrieben. Außer diesen gibt es keinen Träger einer Observanz, der als im Pīṭha stehend bezeichnet wird.
Erläuterung: Die ausschließende Aussage gehört zur eigenen rituellen Ordnung des Textes. Sie wird nicht als Urteil über sämtliche spirituellen Traditionen ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 273.[1]
Die innere Vorbereitung des Schülers
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 55
yena vijñātamātreṇa adhikāraḥ pravartate ||
Nun werde ich die höchsten Merkmale der Schüler darlegen. Allein wenn diese erkannt sind, kommt die entsprechende Befugnis in Wirksamkeit.
Erläuterung: Adhikāra bezeichnet die Zuständigkeit beziehungsweise Eignung für die folgende Einweihung. Der Blick wechselt hier ausdrücklich zum Schüler.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 273.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 56
prāgṛtuḥ parameśena guruvigraharūpiṇā ||
Die im würdigen Guru hochstehende Befugnis ist von Śivas Wesen; [sie ist] durch den höchsten Herrn, der in Gestalt des Gurus erscheint, Prāgṛtuḥ [Verbform beziehungsweise Bestimmung gestört].
Erläuterung: Die erkennbare Beziehung zwischen Śiva und der Lehrerbefugnis bleibt erhalten. Prāgṛtuḥ erlaubt keine sichere vollständige Satzübersetzung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 273.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 57
saṃskāro'pi bhavet tasya yo na dhyātaḥ śiveccayā ||
Auch der Ārādhya soll sie einem anderen mit bereitetem Selbst übergeben. Eine Bereitung wäre auch für denjenigen gegeben, der nicht durch Śivas Willen vergegenwärtigt worden ist [Verbindung problematisch].
Erläuterung: Die Quelle schreibt yo na dhyātaḥ. Die Verneinung wird nicht still beseitigt, obwohl sie gegenüber dem folgenden Gnadenkontext erklärungsbedürftig ist.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 273.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 58
janmanyapaścime prāpte same karmaiṇa yogataḥ ||
Für den, der die Wirkung seines Karma erfährt, [tritt] eine Zeit beziehungsweise ein Anteil der Vergegenwärtigung [ein; erste Verbindung gestört], wenn die letzte Geburt erreicht ist und eine Verbindung mit ausgeglichenem Karma [vorliegt] …
Erläuterung: Die Formen iheṣpate und same karmaiṇa sind unregelmäßig. Apaścima kann „letzter“ und „nicht letzter“ bedeuten; „letzte Geburt“ ist hier eine Deutung aus dem Gnaden-Zusammenhang, keine eindeutig erzwungene Wortbedeutung. Das Verhältnis von Karma-Ausgleich und Gnade bleibt vorläufig.[10]
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 273.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 59
yenonmīlitasadbhāvaḥ paraṃ
… in Abhängigkeit von diesem Anlass tritt Śiva-Erkenntnis hervor. Wer dadurch in seiner wirklichen Natur eröffnet wird, gelangt zu tiefer Abwendung [vom gebundenen Dasein].
Erläuterung: Nirveda bezeichnet hier Ernüchterung beziehungsweise Abwendung. Es folgt eine Fragenreihe des erwachenden Suchenden, keine diagnoseartige Beschreibung einer psychischen Erkrankung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 273–274.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 60
kiṃ vā cāsyāḥ kariṣyāmi kasmādetaccarācaram ||
Wer ist mein Retter? Wohin gehe ich? Wem gehöre ich? In welchem Zustand befinde ich mich? Was werde ich in Bezug auf diese [Existenz] tun? Woher stammt dieses Bewegliche und Unbewegliche?
Erläuterung: Der Vers steht in der Fragenfolge59–62 über die innere Vorbereitung des Schülers. Cāsyāḥ besitzt einen verkürzten Bezug, hier auf die zuvor erfragte Existenz beziehungsweise Verfassung; cara-acara bezeichnet die bewegte und unbewegte Welt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 274.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 61
samānugrahabhāvena bhavate na bhaviṣyati ||
Wie soll ich [dies] überschreiten, und durch wen werde ich weitergehen? Wer wäre ein solcher, und wie ist er beschaffen? Durch den Zustand gleicher Gnade [ist etwas] gegenwärtig, wird nicht zukünftig sein [Schluss gestört].
Erläuterung: Die gedruckte Form ullaṃghaya und die Verbindung bhavate na bhaviṣyati bleiben problematisch. Die Verneinung wird nicht ausgelassen, um daraus einen glatten Lehrsatz über zeitlose Gnade zu bilden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 274.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 62
evaṃ śaktisamāveśād grahagrasta ivodyate ||
Mit Unterscheidungen, Vorstellungen und Bewegungen in vielfältigen Zuständen [bewegt sich] der Mensch; durch das Eintreten der Śakti wird er so wie ein von einer Macht Ergriffener angeregt.
Erläuterung: Graha-grasta ist ein Vergleich mit Besessenheit; iva bedeutet „wie“. Śaktisamāveśa bezeichnet hier das Ergriffenwerden beziehungsweise Durchdrungensein von göttlicher Kraft, keine Aufforderung, absichtlich einen solchen Zustand zu erzeugen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 274.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 63
nayatyārādhyaviṣayaṃ yaṃ dṛṣṭvā vigataklamaḥ ||
Dann, nachdem die Kraft der anderen [Mächte] und das sonst Hindernde gebrochen sind, führt [sie] in den Bereich des Ārādhya. Wer ihn sieht, ist frei von Erschöpfung …
Erläuterung: Der Handlungsträger wird aus der zuvor genannten Śakti verstanden. Die anderen Kräfte sind im Vers nicht einzeln benannt; keine äußeren Personen werden als zu bekämpfende Gegner ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 274.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 64
punarālabdhadehānāṃ dhvastasaṃhāraśālinām ||
… und soll das eigene Selbst als befreit betrachten; kein anderer wäre der Gnade Gewährende. Bei denen, die wieder einen Körper erlangt haben und deren Auflösung zerstört ist [Verbindung ungesichert] …
Erläuterung: Die zweite Hälfte ist beschädigt und setzt sich in 65 fort. Dhvastasaṃhāraśālinām wird nicht in eine sichere Wiedergeburtslehre umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 274.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 65
ārādhyasyāpathāveśaḥ parameśe'bhijāyate ||
… und die mit Disziplin versehen sind, liegen Erfahrung und Befreiung nicht fern. Das Eintreten des Ārādhya [āpathāveśaḥ: gestörter Ausdruck] entsteht im höchsten Herrn.
Erläuterung: Āpathāveśaḥ ist nicht still in einen geläufigen Ausdruck für unmittelbares Erwachen verbessert. Der eindeutige erste Satzteil bleibt davon unterscheidbar.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 274.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 66
anugṛhṇāti saṃkṣepāt parasparavidhānataḥ ||
Diesen Wurm des Saṃsāra, der durch die höchste Śakti erweckt worden ist, begnadet [der Lehrer] in Kürze nach der gegenseitigen Ordnung.
Erläuterung: Der Text verwendet das drastische Bild saṃsārakīṭa. Die Kasusfügung ist unregelmäßig. Parasparavidhānataḥ ist am Seitenbild gelesen; das zusätzliche Legacy-Zeichenˆ gehört nicht als Sanskritlaut in den Text.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 274.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 67
etadyasya bhaveccihnamanugrāhyaḥ sa sarvadā ||
Das durch die Organe beziehungsweise Mittel Herbeigeführte entfaltet sich so zur Gnade hin [erste Verbindung gestört]. Wer dieses Kennzeichen besitzt, ist stets ein Empfänger der Gnade.
Erläuterung: Karaṇānītamethaiva erlaubt keine sichere Bestimmung eines einzelnen Sinnesorgans oder einer Körpertechnik. Das Kennzeichen ist die zuvor beschriebene Entwicklung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 274.[1]
Einweihungsfähigkeit und Grade der Śakti
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 68
devadānavagandharvān piśācoragakinnarān ||
Er besitzt die Eignung zur rituellen Bereitung; ein anderer nicht, weil ein abweichender Weg gesehen wird [anyāyadarśana: mehrdeutig]. [Es folgen als mögliche Empfänger] Götter, Dānavas, Gandharvas, Piśācas, Schlangenwesen und Kinnaras …
Erläuterung: Die Empfängerreihe wird in 69–70 fortgesetzt und erhält ihr Einweihungsverb in 71. Sie wird nicht zu einer isolierten Gottheiten-Namensliste oder Rezitationsformel gemacht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 274.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 69
saṃkīrṇajātyasaṃkīrṇa yoṣito vā napuṃsakamṃ ||
… Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras, Schöne, Menschen gemischter oder ungemischter Herkunft, Frauen oder einen Napuṃsaka …
Erläuterung: Napuṃsaka bezeichnet hier eine außerhalb der gewöhnlichen männlichen Zuordnung stehende Person; eine bestimmte heutige Identität wird damit nicht behauptet. Die Druckform napuṃsakamṃ enthält eine zusätzliche Nasalierung. Die Reihe beschreibt Einweihungsfähigkeit im Zusammenhang68–72.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 275.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 70
pravāsinaṃ vipannaṃ ca staṃbhaṃ paśugañca yat ||
… einen Genießenden, Wachenden, Alten, ein Kind, einen Unverständigen oder Dieb, einen in der Fremde Lebenden oder Bedrängten, einen Pfosten beziehungsweise Unbewegliches und das zum Tierbereich Gehörende …
Erläuterung: Stambha heißt wörtlich Pfosten oder Pfeiler; der ungewöhnliche Empfänger wird nicht in eine frei erfundene menschliche Personengruppe umgedeutet. Vāla und vāliśa sind die Druckformen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 275.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 71
tathā tīvratarāpātramandamandatarākhyayā ||
… den soll man einweihen, wenn er Hingabe besitzt und von heftiger Śakti angetrieben ist; ebenso [entsprechend den Graden] noch heftiger, geeignet, schwach und noch schwächer [Aufteilung der zweiten Hälfte gestört].
Erläuterung: Die Bedingung der Hingabe und des Antriebs durch Śakti bleibt erhalten. Tīvratarāpātra erlaubt keine sichere zusätzliche Intensitätsstufe;72 nennt ausdrücklich vier Grade.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 275.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 72
pṛthagbhedena saṃskārāsteṣāṃ kuryād gurūttamaḥ ||
Diejenigen, die durch die Vergegenwärtigung eingesenkt [nimnā: Bezug ungesichert] und auf vierfache Weise von Śakti angetrieben sind, soll der beste Guru jeweils mit entsprechend unterschiedener Bereitung versehen.
Erläuterung: Vierfach ist die ausdrückliche Gesamtangabe. Das Verhältnis zu den sprachlich gestörten Benennungen in 71 wird nicht durch eine erfundene fünfte Stufe harmonisiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 275.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 73
śaktyāghrāto bhaved yuktaḥ so'pyanugrahabhāṅ mataḥ ||
Wozu noch dieses viele Reden? Wenn [apaścimam: unklarer Bezug] einer von Śakti berührt ist und als geeignet erscheint, gilt auch er als Teilhaber der Gnade.
Erläuterung: Śaktyāghrāta bedeutet wörtlich von Śakti beriecht beziehungsweise innig berührt. Apaścimam wird wegen des fehlenden sicheren Bezugswortes hier nicht zu einer bestimmten sozialen Rangstufe oder Geburt ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 275.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 74
tīvratīvratarāviṣṭa ārādhyatveva sundari ||
Den von der heftigen Stufe der Śakti Ergriffenen soll man in die Stellung eines Cumbaka einsetzen; den von heftiger und noch heftiger [Śakti] Ergriffenen in die Stellung eines Ārādhya, Schöne.
Erläuterung: Die zweite Verbindung tīvratīvratara bleibt in ihrer genauen Abstufung ungesichert. Der Text setzt die innere Intensität zur rituellen Rolle in Beziehung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 275.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 75
mandamandatarāviṣṭaḥsamayī sa bhaviṣyati ||
Bei einem schwachen [Einwirken ist] die Stellung des Ārādhaka [gegeben], die ich dreifach beschrieben habe. Wer von schwacher und noch schwächerer [Śakti] ergriffen ist, wird ein Samayin sein.
Erläuterung: Samayin bezeichnet hier die einleitende Verpflichtungs- beziehungsweise Einweihungsstufe. Der dreifache Ārādhaka bezieht sich auf die zuvor beschriebenen Rollen, nicht auf drei neu erfundene Mantras.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 275.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 76
adhikāro'pyathaiva syānna tu vyutkramalambhanāt ||
Durch Bereitungen beginnend mit Samaya und durch die schrittweise Bewegung immer weiter aufwärts entsteht die entsprechende Befugnis; nicht aber durch das Ergreifen einer umgekehrten Reihenfolge.
Erläuterung: Die Abfolge der Einweihungsstufen und die Verneinung eines umgekehrten Vorgehens bleiben erhalten. Samayādivasaṃskārair ist die unregelmäßige Druckform.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 275.[1]
Schülereigenschaften und Bindung an den Guru
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 77
śiṣye vinayasaṃpanne dambhamāyāvivarjite ||
Nachdem man diese Zustände zunächst geprüft hat, soll man die Einweihung beginnen bei einem Schüler, der reich an Disziplin und frei von Heuchelei und Täuschung ist …
Erläuterung: Die Merkmalsreihe setzt sich in 78–82 fort. Eine allgemeine Charakterprüfung und die zuvor beschriebenen Grade der Śakti werden miteinander verbunden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 275.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 78
rāgadveṣavinirmukte prārabdhasyāntagāmine ||
… der Gegensatzpaare, Zorn und Trauer beherrscht, nicht habgierig und frei von Begehren und Abneigung ist, und der das Begonnene bis zu seinem Ende führt …
Erläuterung: Die Negationen und die Folge der Eigenschaften werden vollständig wiedergegeben. Prārabdhasyāntagāmin wird wie27 auf das Zu-Ende-Führen des Begonnenen bezogen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 275–276.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 79
suhṛtsadbhāvaśīle ca bhavamūlaparāṅmukhe ||
… dessen Leib gut gefestigt ist, dessen Sinn auf Wahrheit gerichtet [satyavāñcāṃtacetasi: gestört] und dessen Verhalten von der echten Gesinnung eines Freundes geprägt ist; der sich von der Wurzel des Werdens abwendet …
Erläuterung: Die genaue Verbindung von Wahrhaftigkeit und innerem Zustand ist beschädigt. Bhavamūla bezeichnet hier die Wurzel des gebundenen Werdens.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 276.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 80
guruvākyānugāmī ca guroḥ śuśrūṣaṇe rataḥ ||
… der seiner eigenen Ordnung folgt und lehrkundig ist [svadharmavatpanūcāne: gestört], Gottheit, Feuer und Guru verehrt, dem Wort des Gurus folgt und sich dessen Dienst widmet …
Erläuterung: Die Kasusfolge wechselt im Druck. Die Übersetzung bewahrt die fortgesetzte Schülerbeschreibung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 276.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 81
gurordāsatvamāpanno vāṅmanaḥkāyakarmabhiḥ ||
… der stets des Gurus gedenkt, immer auch der Mukhāraṇi [unaufgelöste Bestimmung], und in Wort, Denken und körperlichem Handeln zum Diener des Gurus geworden ist …
Erläuterung: Mukhāraṇim könnte einen Mund-/Feuerholzvergleich enthalten, ist hier aber nicht sicher zu deuten. Dāsatva, Dienerschaft, wird nicht in bloß unverbindlichen Respekt abgeschwächt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 276.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 82
gurvarthaṃ dhārayed yastu sa saṃskārāruho bhavet ||
… der Erkenntnis, Vermögen und Lebenskräfte, die eine und die dreifache [Gliederung ungesichert], stets für den Guru bewahrt: Der wäre zur rituellen Bereitung geeignet.
Erläuterung: Die Quelle schreibt saṃpattiṃṃ mit doppelter Nasalierung sowie prāṇānekaṃ trikaṃ in unklarer Verbindung. Die klare Zweckbestimmung gurvartham wird als „für den Guru“ erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 276.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 83
jñānavijñānasaṃpannaḥ sarvāvastho'pi mantravit ||
Er ist zur Mantra-Vollendung aufgestiegen und auch zum Nirvāṇa, Schöne. Mit Erkenntnis und unterscheidendem Wissen versehen, ist er in jedem Zustand ein Mantrakenner.
Erläuterung: Die Strophe setzt die Aussage über den geeigneten Schüler fort. Die Wirkungen werden als Zuschreibung des Tantra wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 276.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 84
na duṣṭo'dhamaḥ śiṣyaḥ prāguktaguṇavarjitaḥ ||
Er soll Gnade empfangen und gilt als einer, der für den Unverständigen Mantra-Vollendung bewirkt [jaḍasyānu: gestört]. Nicht [geeignet ist] der schlechte, niedrige Schüler, dem die zuvor genannten Eigenschaften fehlen.
Erläuterung: Der Zusammenhang der ersten Hälfte bleibt unsicher; die ausschließende Verneinung im zweiten Satzteil wird bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 276.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 85
cumbako tatvanugrāhyo yadi
Mit täuschender Bescheidenheit versehen und im Gegenüber überschwänglich lobend [wird einer beschrieben]. Ein Cumbaka ist demnach zu begnaden, wenn er ein Herr der Rede wäre [Satzbezug problematisch].
Erläuterung: Māyāvinaya kann vorgetäuschte Bescheidenheit bezeichnen. Tatvanugrāhyo und der konditionale Schluss ergeben keine sichere vollständige Regel; scheinbare Frömmigkeit wird nicht ohne Weiteres als ideale Eigenschaft übersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 276.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 86
sa yāti narakaṃ ghoraṃ sarvasaṃskāravarjitaḥ ||
Wer den Guru, mich, Śiva, das Feuer und das große Opfer schmäht, gelangt in eine schreckliche Hölle, aller rituellen Bereitungen beraubt.
Erläuterung: Der Text formuliert hier eine historische religiöse Drohung. Sie wird nicht als heutige Aussage über Menschen übernommen, die einen Lehrer kritisieren.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 276.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 87
nirdaheta guruḥ sarvaṃ yadi śiṣyo kariṣyati ||
Seine Mantras bestehen nicht, ebenso [nicht] Verehrung, Gabe, Askese und rituelle Handlung. Der Guru soll alles verbrennen, wenn der Schüler [dies] tun wird.
Erläuterung: Der Rückbezug betrifft die vorausgehende Schmähung. Was genau das Objekt von „alles verbrennen“ ist, wird hier nicht ausdrücklich ausgeführt; keine zusätzliche körperliche Handlungsanleitung wird ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 276.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 88
aphalasyeva vṛkṣasya puṣpakandaṃ vṛthā bhavet ||
Es gibt keinen Schutz, Herrin der Götter, für den Schmäher von Guru, Mantra und Feuer. Wie bei einem fruchtlosen Baum würden Blüte und Knolle vergeblich sein.
Erläuterung: Die ungewöhnliche Verbindung puṣpakanda wird bewahrt. Die Verse 86–89 gehören zur strengen Bindung an die Lehrer- und Ritualordnung und bleiben außerhalb der Auswahl.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 277.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 89
nayatyūrdhvamasaṃdeho yat tat padamaninditam ||
Darum soll mit aller Anstrengung eine innere Beziehung zu den Dreien aufgenommen werden. Sie führt zweifellos empor zu jener untadeligen Stätte [Kasusanschluss verkürzt].
Erläuterung: Die Drei sind nach 88 Guru, Mantra und Feuer. Die Aussage ist eine Fortsetzung des dortigen Verpflichtungsrahmens.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 277.[1]
Die Gegenwart Śivas im Lehrer
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 90
vyomavyāpī paraḥ śāntaḥ ārādhyaḥ sa tu daiśikaḥ ||
Jenes göttliche Bhairava-Wesen, das mit dem Gott aus Bhava hervorgeht [erste Hälfte gestört], durchdringt den Raum, ist höchst und friedvoll: Als Ārādhya ist es der Lehrer.
Erläuterung: Die Fügung yat sadevo bhavodbhavam ist unregelmäßig. Die Identifikation der verehrungswürdigen Lehrergestalt mit Bhairava bleibt als Textaussage erkennbar.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 277.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 91
sa sarvārthapavitrastu dvividho'pyatra śāsane ||
Wie die Dreiheit [Bezug ungesichert] beseitigt der Yogin Hindernisse; sein Leib gilt als Schatz des Glanzes. Er heiligt alle Ziele und ist in dieser Lehre zweifach.
Erläuterung: Vighnahā ist der Grundtext; vignahā die mit K bezeichnete Variante. Trayī kann unterschiedliche Dreiheiten bezeichnen; eine bestimmte wird hier nicht ergänzt. Die Zweifachheit wird nicht als zusätzliche Liste ausgebaut.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 277.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 92
cakṣuṣā paśyate yacca yasmin vā tiṣṭhate kṣaṇam ||
Was immer er berührt, worauf immer er sich dabei stützt, was er mit dem Auge sieht oder worin er einen Augenblick verweilt …
Erläuterung: Der Satz setzt sich in 93 fort. Das unverbundene K-Siglum am Versende gehört zur Editionsangabe, nicht als Silbe zum Grundtext.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 277.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 93
karmāsyākṣiptaṃ tuṣṭaṃ śiṣṭamāropitaṃ yataḥ ||
… wird durch die Wirkkraft des Śiva-Prinzips eingeweiht, Geliebte. Die zweite Hälfte nennt ein herangezogenes Karma, Zufriedenheit und auferlegte Unterweisung in beschädigter Verbindung.
Erläuterung: Karmāsyākṣiptaṃ tuṣṭaṃ śiṣṭamāropitaṃ yataḥ ist nicht vollständig sicher übersetzbar. Die klare Aussage über Berührung und Schau darf die beschädigte zweite Hälfte nicht verdecken.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 277.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 94
bhūtaṃ bhavyaṃ bhaviṣyañca kulānāṃ tārayeccatam ||
Durch den Kontakt mit dem Lehrer heißt einer eingeweiht, Göttin. Er würde die Familien der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hinüberführen – Catam [wohl: hundert].
Erläuterung: Die nichtklassische Folge tārayeccatam wird nicht still regularisiert. Die Zahl hundert ist eine naheliegende Deutung von catam im Zusammenhang, aber keine unabhängig bestätigte Handschriftenlesung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 277.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 95
tenāghrātaṃ padālīḍhaṃ spṛṣṭamālokitaṃ ca yat ||
Wo er einen einzigen Tag verweilt, dort ist ein heiliger Übergangsort, dort ein Hain der Askese. Was von ihm beriecht, mit dem Fuß betreten, berührt oder angesehen wird …
Erläuterung: Ekāhnam wird als ein Tag verstanden; es wird nicht mit dem Augenblick aus92 gleichgesetzt. Āghrāta bezeichnet wörtlich das Beriechen beziehungsweise innige Berühren mit dem Atem.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 277.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 96
ārādhyāḥ ye kramācāryāstatprasādena siddhayaḥ ||
… wird zu Soma-Stoff. Durch Caruproḍa [unaufgelöste rituelle Verbindung] würde es zu Hundert gelangen [śatām: Kasus unklar]. Diejenigen Ārādhyas, die Lehrer der Folge sind – durch ihre Gnade [kommen] die Vollkommenheiten …
Erläuterung: Somadravya und caruproḍāt werden nicht zu einer sicheren harmlosen Alltagsgabe oder einer vollständigen Rezitationsformel umgedeutet. Der Satz über die Vollkommenheiten endet in 97.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 277.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 97
uditamanaṃtaśāstrajaladhervikṛṣya śatoruśiśulakṣaṇaṃ ||
… sämtlich zur Vollendung. König, lass das andere beiseite. Aus dem Ozean unendlicher Lehrschriften wurde die Beschreibung der Merkmale des … Schülers herausgezogen [śatoruśiśulakṣaṇam: gestört].
Erläuterung: Die Quelle hat hier einen unregelmäßig langen Vers über den Seitenwechsel277–278. Śiśu heißt Kind beziehungsweise Schüler; der vorausgehende Kompositumsteil ist nicht sicher aufzulösen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 277–278.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 14, Vers 98
yadupaniyogayāyi śivasātmyavidhāvatulaṃ tadakhilamadriputri
Was deutlicher hervortritt und nach außen aufleuchtet, was bei der unvergleichlichen Weise des Einswerdens mit Śiva zur Anwendung kommt, das alles, Tochter des Berges, werde ich dir nun darlegen.
Erläuterung: Die lange Strophenform bleibt unter einer Originalnummer. Upaniyogayāyi wird als zur Anwendung kommend verstanden; das Kapitel leitet zu den folgenden rituellen Verfahren über.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 278.[1]
Kolophon
So [endet] im Bhairava-Strom, im Vidyāpīṭha, im Śiraśceda, im ehrwürdigen Jayadrathayāmala, dem großen Tantra von vierundzwanzigtausend [Versen], im ersten Ṣaṭka, in der ehrwürdigen Kālasaṅkarṣaṇī, das vierzehnte Kapitel.
Hinweis: Śiraścede ist die Druckform. Die traditionelle Corpusangabe24000 wird nicht mit dem tatsächlich edierten Umfang dieses Ṣaṭka gleichgesetzt.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 278.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15: Reinigung, Göttinnenkreis und Formenvielfalt
Leitquelle: Sampath 2011, PDF 278–294. Der gesamte Kapiteltext ist wiedergegeben: 154 gedruckte Versnummern, Kapitelüberschrift, Sprecher, eine unnummerierte Strophe und Kolophon. Auf 136 folgt eine Strophe ohne Ziffer; erst die folgende Strophe trägt 138. Eine gedruckte Nummer 137 wird daher nicht erfunden. Drucklücken stehen in 39, 44 und 85; eine Schriftgruppe in 53 bleibt als [?] offen. Das Kapitel führt von Waschungen und innerer Reinigung über Körper- und Göttinnenkreise zum Feueropfer. Mālā bezeichnet hier vielfach eine Mantrafolge, nicht ohne Weiteres eine Gebetskette. Die Zwischenüberschriften sind heutige Orientierungshilfen.
Wasserbad und Vorbereitung des Mantra-Körpers
Kapitelüberschrift
Fünfzehntes Kapitel.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 278.[1]
Sprecherzeile
Der ehrwürdige Bhairava sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 278.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 1
vṛttametat pariccannaṃ samantāccaturaṅgulam ||
Nun werde ich kurz und in der gehörigen Folge die Gesamtheit der Waschungen darlegen. Nachdem diese runde [Stelle] ringsum in einem Maß von vier Aṅgula abgegrenzt ist …
Erläuterung: Pariccanna und die genaue Zuordnung des Maßes sind unregelmäßig; vier Aṅgula werden nicht ohne Beleg in einen Durchmesser umgerechnet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 278.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 2
dhaute rodhasi saṃsthāpya dhārārodhasi vistare ||
… soll der Verständige mit dem Astra-Mantra [die obere Schicht] entfernen, graben und Erde aufnehmen lassen. Er soll sie an einem gereinigten Ufer niederlegen, auf einer weiten Uferfläche am Wasserlauf.
Erläuterung: Gāhayet ist die Druckform. Der Astra-Mantra wird hier benannt, seine Lautgestalt aber nicht mitgeteilt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 278.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 3
samuccāryā triśaktiśca dṛśātānyavalokayet ||
Girlanden, unversehrte Körner und Kuśa-Gräser [soll er bereitlegen] mit dem Herzen beziehungsweise der Kraft der Waffe. Nachdem die dreifache Śakti ausgesprochen ist, soll er diese [Dinge] mit dem Blick betrachten.
Erläuterung: Hṛdāyudhaguṇena und samuccāryā sind grammatisch auffällig; Triśakti ist hier keine ausgeschriebene Rezitationsformel.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 278.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 4
praplāvyāyudhajaptānāṃ piṅgalenāvaguṇṭhayet ||
Darauf soll er mit der blickförmigen [Kraft] und der großen Nektar-Geste [die Dinge] überfluten und das mit der Waffenrezitation [Bereitete] mit Piṅgala umhüllen.
Erläuterung: Die Kasusverbindung ist verkürzt. Mahāpīyuṣamudrā ist der Name einer Geste; keine moderne Fingerstellung wird ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 278.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 5
mṛdvardhenāstrajaptena kṛtvā snānaṃ malāpaham ||
Der Verständige, dessen beide Reinigungen vollzogen sind und der bis zur Zufriedenheit der eigenen Natur gelangt ist [erste Verbindung ungesichert], soll mit der durch Astra besprochenen Hälfte der Erde ein Schmutz beseitigendes Bad vollziehen …
Erläuterung: Mṛdvardhena steht im Druck und wird im Zusammenhang6 als Erde-Hälfte verstanden; keine stillschweigende Sanskritkorrektur.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 278.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 6
tadardhaṃ vāmahastena trivibhaktaṃ kare pare ||
… und, nachdem er den Mund rituell gespült und den Nyāsa vollzogen hat, mit der benannten Vorschrift beginnen. Die Hälfte davon [nimmt er] mit der linken Hand, in der anderen Hand in drei Teile geteilt.
Erläuterung: Die erste Hälfte steht auf PDF 278, die zweite auf279. Vidhināmnā ist auffällig. Links und die jeweils andere Hand bleiben unterschieden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 278–279.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 7
samālabhyāstrajaptena prakṣipeta diśo daśaḥ ||
Mit den nach vorn beziehungsweise Osten weisenden Spitzen, dem Maß entsprechend [Verbindung gestört], soll er mittels der Vidyā-Glieder und ihrer Kräfte [die Erde] berühren und das mit Astra Besprochene in die zehn Richtungen werfen.
Erläuterung: Prāgagrapramāṇasthaṃ und guṇaghātakaiḥ sind nicht sicher aufgelöst. Zehn ist die ausdrückliche Richtungszahl.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 279.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 8
aṅgāmaṅgābhijaptena samantādavaguṇṭhya tat ||
Mit einem Anteil, der als Feuerflamme [erscheint], soll er eine Bedeckung herstellen. Mit dem durch Aṅga- und … Glieder [aṅgāmaṅga: gestört] Besprochenen soll er dies ringsum umhüllen.
Erläuterung: Die Wiederholung im Kompositum wird nicht in eine eindeutige zusätzliche Körpergliederliste verwandelt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 279.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 9
nimajjayet tatastasmit sveccayārādhakeśvaraḥ ||
Mit dem durch die Vidyā Besprochenen [bildet er] zu Beginn des Verfahrens einen heiligen Badeort, den besten unter den Badeorten. Darin soll dann der Herr der Ārādhakas nach eigenem Willen eintauchen.
Erläuterung: Tīrtha bedeutet hier eine rituell bereitete Wasserstelle; kalpādau wird auf den Beginn des Ritualverfahrens bezogen. Tatastasmit ist die Druckform.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 279.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 10
dharāśrayopacāreṇa liṅgahīnaṃ kriyāśritam ||
Mit Duftmitteln, Āmalaka und dergleichen oder mit Kurkuma-Paste, durch eine auf die Erde gestützte Darbringung, ohne Liṅga, der rituellen Handlung zugehörig …
Erläuterung: Die Substanzen sind tatsächlich genannt; der syntaktische Anschluss liṅgahīnaṃ kriyāśritam bleibt unsicher. Daraus entsteht keine eigenständige heutige Waschungsanleitung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 279.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 11
viccai ye tato mūrddhi svaccavāribhṛtaṃ sudhīḥ ||
… soll er die Vidyā der Herrin der Vidyās rezitieren und ein Glück verleihendes Bad vollziehen. Die zweite Hälfte nennt den Scheitel und ein mit klarem Wasser Gefülltes; das Verb ist beschädigt.
Erläuterung: Viccai ye ist nicht sicher zu lesen beziehungsweise aufzulösen. Die Schriftverbindung mūrddhi wird als Druckschreibung bewahrt und nicht in mūrdhni verbessert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 279.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 12
vidyābhuvau ṣadbhacārād vapuḥ saṃplāvya sarvataḥ ||
[Er vollzieht] eine Gefäßhandlung, bei der die Hände im Raum angeordnet und die Strahlen gut gebunden sind [Verbindung gestört], und überflutet den Leib ringsum durch … die Vidyā [vidyābhuvau ṣadbhacārād: ungesichert].
Erläuterung: Der Wortlaut erlaubt keine verlässliche Rekonstruktion der Handgeste oder einer bestimmten Anzahl von Strahlen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 279.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 13
saṃyamya pāṇipādau ca mṛdadbhiḥ kṣālayet tataḥ ||
Darauf soll er aus dem Wasser steigen, den Lendenschurz oder das Gewand befestigen und Hände und Füße mit Erde und Wasser waschen.
Erläuterung: Anvaram ist die unregelmäßige Druckform im Zusammenhang einer Gewandangabe; sie wird nicht still in ambaraṃ verbessert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 279.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 14
vidyādyaṃ kuśamantreṇa vidyātīrthaṃ tataḥ param ||
Stehend oder sitzend soll er das an der Wurzel Gebundene auseinanderziehen [mūlavaddhaṃ vikarṣayet: Bezug unsicher]. Dann [folgen] der Anfang der Vidyā, mit dem Kuśa-Mantra, und der Vidyā-Badeort …
Erläuterung: Das Objekt von vikarṣayet ist nicht sicher. Mūlavaddha wird deshalb nicht als moderne Mūla-Bandha-Technik ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 279.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 15
karāvāyudhasaṃśuddhau vidhāyāmṛtasaṃplutau ||
… Nachdem er dort zweimal den Mund rituell gespült hat, mit der Mālā oder auf entsprechende Weise, soll er beide Hände durch die Waffe reinigen und mit Nektar überflutet herstellen.
Erläuterung: Dvir bedeutet zweimal. Mālā bezeichnet in diesem Kapitel vielfach eine Mantrafolge; eine gewöhnliche Gebetskette ist hier nicht sicher gemeint.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 279.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 16
yavīyasyāṃ guhāṃ nyasya jīvāṃtāṃ vimalādikām ||
Auf deren Fläche soll er die Mālā einsetzen, darauf nacheinander ihre Glieder. Auf die Jüngste [den kleinen Finger] soll er Guhā einsetzen, die mit Vimalā beginnt und mit Jīvā endet …
Erläuterung: Guhā und die folgende Reihe werden als Namen beziehungsweise Mantraglieder wiedergegeben, ohne daraus eigene Formeln zu bilden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 280.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 17
krūrāntā cūlikādiryā bhavādyantarayorapi ||
… auf dem mit Parā besetzten Scheitel [Druck: mūrddhi], in dem Yoga Genannten, mit Hara beginnend. Die Folge, die mit Cūlikā beginnt und mit Krūra endet, [wird] auch zwischen den mit Bhava [beginnenden Gliedern eingesetzt].
Erläuterung: Die räumlichen Zuordnungen und der Satzbau sind stellenweise gestört. Es wird kein vollständiges Nyāsa-Schema daraus rekonstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 280.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 18
āvarmāntā ca tṛk sthāpyā ghoṣādyāṅguṣṭhamūlayoḥ ||
Die erste Hälfte nennt Bodhana, einen Leib, Śyāla und die mit Tāra beginnende Folge an den beiden Enden. Die mit Āvarma endende und mit Ghoṣa beginnende … [tṛk: ungesichert] ist an den Daumenwurzeln einzusetzen.
Erläuterung: Die beschädigte Reihe wird weder zu einer sicheren Buchstabenliste ergänzt noch als selbstständig rezitierbarer Mantra angeboten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 280.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 19
jñānaṃ saṃcāditaṃ kṛtvā tadūrdhve karasaṃpuṭam ||
Das im Raum bewegliche Astra, mit Ugra beginnend und mit Udag beginnend, soll er verehren. Nachdem er die Erkenntnis bedeckt [saṃcādita] hat, [bildet er] darüber die Höhlung der Hände.
Erläuterung: Die Benennungen sind nicht eindeutig als Wörter oder chiffrierte Lautbezeichnungen auflösbar. Karasaṃpuṭa bezeichnet eine mit den Händen gebildete Höhlung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 280.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 20
dṛkpāṇyośca yathānyāyaṃ vibhāgānmadirādayaḥ ||
Darauf sind im aus Erkenntnis bestehenden Körper am Herzen, Kopf, Haarschopf und Leib, an Auge und Händen, in der vorgeschriebenen Aufteilung die mit Madirā beginnenden [Glieder] …
Erläuterung: Die Aufzählung endet in 21. Madirā steht hier in einer Nyāsa-Namensreihe; der Vers selbst ordnet keinen Weinkonsum an.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 280.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 21
bījasaṃvījite'ṅgāni vidyāṅgavadupācaret ||
… bis Śāstra einzusetzen; [die Reihe] lässt den eigenen reinen Ort aufleuchten. Die mit dem Bīja belebten Glieder soll er wie die Glieder der Vidyā behandeln.
Erläuterung: Der Druck hat svaccasthānāvabhāsakaḥ ḥ mit zusätzlichem Visarga. Dieser ist kein eigenständiger Rezitationsbestandteil. Bīja wird nicht lautlich ausgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 280.[1]
Aschebad und Verehrung der Tageswende
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 22
bhasmaṃ kuryānmalasnānaṃ sa muhustāpaso yadi ||
Wenn die Verbindung von … Leib und Astra [vapuṣpāstra: gestört] im Netz der Richtungen weiß geworden ist [site sati: Bezug unklar], soll er als Asket wiederholt ein Schmutz beseitigendes Bad mit Asche vollziehen.
Erläuterung: Die beschädigte erste Hälfte wird nicht zu einer sicheren Visualisierung ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 280.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 23
kṣetrajaṃ vā viraktānāṃ śastaṃ bhasma tapasvinām ||
Für die entsagenden Asketen wird Asche gelobt: die Nāsāvatakameṣṭa genannte [unaufgelöste Art] oder aus der Erde stammende oder an einem Kṣetra entstandene.
Erläuterung: Kṣetra bezeichnet einen Bereich beziehungsweise heiligen Ort; ein Leichenverbrennungsplatz wird hier nicht ausdrücklich genannt. Der erste Ausdruck bleibt ungeklärt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 280.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 24
tena mūrddhāsya hṛdguhyapādāntaṃ guṇṭhayet kramāt ||
Nachdem er diese mit Tamāla, glänzend wie Schwert, Feuer und Gold, berührt hat, soll er damit nacheinander Scheitel, Gesicht, Herz, den verborgenen Bereich und die Füße umhüllen.
Erläuterung: Tamāla ist im Zusammenhang der Mantraglieder nicht sicher als Pflanzenstoff festgelegt. Mūrddhāsya ist die gedruckte Scheitel-Gesichts-Verbindung, nicht still regularisiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 280.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 25
bhasmanaiva vidhānena prāguddiṣṭena sundari ||
Darauf soll er [sich] mit dem Herzen der Folge bestäuben und mit der Vidyā eine Besprengung vollziehen, und zwar mit Asche nach der zuvor genannten Vorschrift, Schöne.
Erläuterung: Der Vers läuft über PDF 280–281. Hṛd kann hier das Herz-Mantraglied bezeichnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 280–281.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 26
nirṇīrjita karāṃghristu phenoṣkatvavivarjite ||
Nachdem er den Lendenschurz abgelegt hat, soll er einen anderen, reinen anlegen. Hände und Füße sind gereinigt [nirṇīrjita: auffällig]; [er verwendet Wasser] frei von Schaum und … [phenoṣkatva: gestört].
Erläuterung: Die negative Qualifikation des Wassers wird nicht durch eine erfundene zweite Verunreinigung vervollständigt; der Satz setzt sich in 27 fort.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 281.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 27
kṛtapāṇitanurnyāsastataḥ sandhyāmupāsayet ||
… Mit Wasser soll er sorgfältig den Mund rituell spülen, wie zuvor [marurāṣṭarajaḥ: ungesicherter Zusatz]. Nach dem Nyāsa an Händen und Körper soll er dann die Verehrung zur Tageswende vollziehen.
Erläuterung: Sandhyā ist die rituelle Übergangszeit. Der beschädigte Ausdruck davor wird nicht zu einer neuen geografischen oder körperlichen Anweisung erklärt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 281.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 28
parimṛjya svaśirasi pāṇinā dakṣiṇena tu ||
Mit Wasser, das durch Vidyā und Vidyā-Glieder besprengt ist und aus der linken Hand fließt, soll er mit der rechten Hand über den eigenen Kopf streichen …
Erläuterung: Links bezeichnet die Wasser gebende, rechts die am Kopf tätige Hand; beide Seiten sind ausdrücklich genannt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 281.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 29
vāriṃ utsṛjya medhāvī vāriṇā pūritāñjaliḥ ||
… danach soll der Verständige in der vorherigen Weise mit der rechten [apasavya] Hand Wasser fortgeben und mit zu einer Höhlung verbundenen, wassergefüllten Händen …
Erläuterung: Apasavya wird im Zusammenhang der Handzuordnung als rechts verstanden; es bezeichnet hier keine neue Himmelsrichtung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 281.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 30
kṛtāghamarṣaṇakṣepa upasthāne kṛte sati ||
… die Hinwendung zur Sonne vollziehen, indem er [das Wasser] aus der Handhöhlung zur Erde entlässt. Wenn das Fortwerfen zur Sündenreinigung und die Hinwendung vollzogen sind …
Erläuterung: Sati ist der Grundtext; sabhi ist die mit K markierte Variante. Upasthāna bezeichnet hier die rituelle Hinwendung zur Sonne.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 281.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 31
japed vidyeśvarīṃ devīmekoccārādaghāpahām ||
… soll er die Göttin Vidyeśvarī, die mitten im leuchtenden Sonnenkreis weilt und durch ein einziges Aussprechen Schuld entfernt, rezitierend verehren, selbst mit dem Mantrakreis eins geworden.
Erläuterung: Der Text schreibt der Göttin diese Wirkung zu. Eines ist die Zahl des Aussprechens in diesem Satz; ihre Formel wird hier nicht lautlich mitgeteilt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 281.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 32
daśaikarūpakaṃ vātha japtvā gāyatrasaṅgate ||
Hundert, die Hälfte von hundert [śatārdhadharmam: auffällige Verbindung], oder eine einzige Gestalt, oder zehn beziehungsweise eine Gestalt [daśaikarūpakam: mehrdeutig] soll er im Zusammenhang mit Gāyatra rezitieren …
Erläuterung: Die Zahlenfolge ist sprachlich nicht durchgehend eindeutig. Sie wird nicht als sichere heutige Wiederholungszahl für einen ergänzten Mantra ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 281.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 33
kṛtvā bhāsvatsthitaṃ svaccaṃ tarpayen mantrasaṃhitām ||
… und, nachdem er voller Hingabe rechtsherum umschritten und sich immer wieder ehrfürchtig verneigt hat, das in der Sonne befindliche Reine [vergegenwärtigen] und die Mantra-Sammlung durch Wasserspenden sättigen.
Erläuterung: Die Mālā beziehungsweise Mantrasaṃhitā erhält rituelle Tarpana-Gaben; keine vollständige Lautfolge steht in diesem Vers.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 281.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 34
sumano'kṣatatiladravyaiḥ kuśahastau hṛdambunām ||
Dann [soll er] nacheinander die Wurzelmantras, die Götter, die Asketen und die Ahnen [sättigen], mit Blumen, unversehrten Körnern und Sesam, Kuśa in den Händen, mit Wasser des Herzens …
Erläuterung: Die Druckform pitṛnṛ enthält ein zusätzliches vokalisches ṛ. Die Reihenfolge der Empfänger wird nicht verändert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 281.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 35
prāgudagdakṣiṇasyāntu ṛjusavyāpasavyataḥ ||
… mit [Formeln], die auf Namaḥ, Svāhā und Svadhā enden, soll der Mantrakenner stets mittels der Handhöhlung [sättigen], nach Osten, Norden und Süden gewandt, gerade, links und rechts.
Erläuterung: Die drei Endwörter sind Bestandteile vorausgesetzter Formeln. Sie werden ohne deren hier fehlenden Anfang nicht als drei eigenständige Mantras aufgenommen. Vyañjalinā und dakṣiṇasyāntu sind unregelmäßig; die Richtungsfolge ist ausdrücklich erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 282.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 36
tribhistīrthairimaimantraiḥ pāṇisthaiḥ saṃpratarpayet ||
An den Fingern, am Daumen und Zeigefinger, sodann links und rechts [genaue Zuordnung gestört], soll er mit diesen in der Hand befindlichen Mantras durch die drei Tīrthas die Wasserspenden darbringen.
Erläuterung: Tīrthas sind hier drei rituelle Abflussstellen der Hand. Der beschädigte Anfang erlaubt keine sichere vollständige Fingerkarte.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 282.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 37
rakṣobhūtagaṇā hotāstarpya karma hṛdā budhaḥ ||
Der Verständige soll die Scharen, die Mutterscharen, Yoginīs, Rudras und Schlangenwesen, die Rākṣasa- und Bhūta-Scharen und die Opferpriester durch das rituelle Herz sättigen.
Erläuterung: Die Kasus wechseln im Druck. Die Benennungen sind Empfänger der Gabe, keine neu ausgeschriebenen Mantras.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 282.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 38
mantrī tīrthopasaṃhāraṃ prakuryāt pūrakeṇa tu ||
Nachdem er wie zuvor den Mund rituell gespült und erneut den Mantra-Körper gebildet hat, soll der Mantrakenner den heiligen Badeort durch Pūraka wieder einziehen.
Erläuterung: Pūraka ist die einströmende beziehungsweise füllende Atembewegung. Der Text bindet sie hier an den vorbereiteten Ritualraum; es werden keine Atemzeiten ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 282.[1]
Das innere Bad
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 39
vapurutsṛjya medhāvī prāktanaṃ […] śāsvaram ||
Oder, durch Prāṇāyāma und die weiteren [Mittel], als gereinigter hingegebener Mensch [bhaktapudgala: Zuordnung unsicher], soll der Verständige den früheren Leib ablegen, […] den Śāsvara [beschädigter Schluss] …
Erläuterung: Die erhebliche Leerstelle vor śāsvaram ist im Druck vorhanden. Sie wird nicht mit einer vermuteten Beschreibung des Körpers gefüllt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 282.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 40
vibhāvya dṛg dṛśānyuccairmantrasnānamupācaret ||
… und mittels der Bewusstseinskraft [einen Leib] bereiten, den göttlichen … überflutet [devādhā cuplavaplutam: beschädigt]. Nachdem er das zu Schauende mit dem Blick vergegenwärtigt hat, soll er das Mantra-Bad in höherer Weise vollziehen.
Erläuterung: Mehrere Wörter des ersten Halbverses sind nicht sicher syntaktisch auflösbar. Klar erkennbar sind cittaśakti, Vergegenwärtigung und mantrasnāna.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 282.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 41
bhāvenādvayakṛd gamyaṃ tāvat stanitamucyate ||
Ausgehend von der Unterscheidung äußerer Stoffe, des Körpers und Geruchs als rein oder unrein [geht es um] das durch inneres Erleben zugängliche Nicht-Zwei-Machen; so weit wird es Stanita genannt [Schluss gestört].
Erläuterung: Stanita heißt gewöhnlich Donnern; eine stillschweigende Verbesserung zu snāna, Bad, wird nicht in den Sanskrittext übernommen. Der Vers ist deshalb kein sicherer isolierter Lehrsatz.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 282.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 42
tasmādupeyamīśāni bhāvasnānaṃ praśaṃsitam ||
Von dem Asche- und … Wasserhaften [bhasmamāyomayāt: gestört] hinauf ist dies gewichtiger, noch gewichtiger. Darum, Herrin, ist das gerühmte Bad durch inneres Erleben anzustreben.
Erläuterung: Bhāvasnāna ist die klare Benennung des inneren Bades. Die Vergleichsfügung der ersten Hälfte bleibt beschädigt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 282.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 43
nirlepāstaravo yadvanmaṇayomṛtavān dvijāḥ ||
Durch die große, vorstellungsfreie Einsicht [wird] der große Makel des aus Zweiheit bestehenden Körpers [betroffen; Kasusanschluss ungesichert]. Unbefleckt [sind sie] wie Bäume, Edelsteine, ein Unsterblichkeit Besitzender und Zweimalgeborene [Reihe gestört].
Erläuterung: Nirvikalpamahābuddhi wird vollständig wiedergegeben; die schwer verständlichen Vergleichsobjekte werden nicht in eine frei formulierte reine Bewusstseinslehre verwandelt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 282.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 44
snāne dve vikare prokte sthāṇūnāṃ jalabhasmanī ||
Für diejenigen, die vom Genuss der Welt nicht abgelöst sind, […] bei der Hervorbringung der Welt, sind zwei Bäder für die Feststehenden im Wandel genannt: Wasser und Asche.
Erläuterung: A-virakta ist ausdrücklich nicht entsagt beziehungsweise nicht abgelöst. Die Drucklücke im ersten Halbvers bleibt sichtbar; sthāṇu ist hier mehrdeutig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 282–283.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 45
mayokto vyavahāroyaṃ tantrasaṃrakṣaṇaṃ prati ||
Die Waschungen, die Reinigungen des Geistes und die Wassergaben an den Sonnenmacher: Diese geordnete Praxis habe ich zur Bewahrung des Tantra gelehrt.
Erläuterung: Der Plural manaḥ śaucāni ist im Druck auseinandergezogen. Der Sinn verbindet innere und äußere Reinheit mit dem Erhalt der Überlieferung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 283.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 46
syāddhitallāghavāccāpi taduktāṃ laghutāṃ vrajet ||
Andernfalls würde ihm durch Menschen mit ungeordnetem Verhalten Geringschätzung entstehen. Aus seiner Geringschätzung heraus würde auch das von ihm Gesagte gering werden.
Erläuterung: Tatobhis und taduktāṃ laghutāṃ sind grammatisch auffällig. Der Bezug gilt im Zusammenhang45 dem Tantra und dessen Ordnung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 283.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 47
tatvameva hi kalyāṇi svahṛdā saṃvivecaya ||
Welche Frucht denen zukäme, die es herabsetzen, Tochter des Berges, das erwäge du selbst, Glückverheißende, im eigenen Herzen.
Erläuterung: Die Aussage ist Teil der Bindung an die Ritualordnung; keine frei erfundene Strafe wird ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 283.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 48
haṃti saṃyamitāśeṣakakuppaṃjaramadhyagaḥ ||
So [vollzieht] dieser Cumbaka eine der Waschungen [snānasnānena: Wiederholung] und vernichtet [Objekt fehlt], inmitten eines Gitters aus allen gebändigten Richtungen befindlich.
Erläuterung: Das Verb haṃti hat hier kein sicheres ausdrückliches Objekt. Es wird nicht als friedliche Beseitigung einer konkret erfundenen inneren Unreinheit oder als Schädigung einer Person festgelegt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 283.[1]
Der Zugang zum Verehrungsraum
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 49
saptatantumahājvālādvāroddeśe tataḥ prabho ||
Der ungesicherte Satzbeginn saṅgacca bleibt offen. Indem er der reinen Göttin im lauteren Geist gedenkt, [geht er] dann, Herr, zur Türstelle der großen Flamme mit sieben Fäden …
Erläuterung: Saptatantumahājvālā ist ein besonderer ritueller Ausdruck; die sieben Fäden werden nicht zu sieben modernen Chakras erklärt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 283.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 50
vyomevatārakābhistu dīptābhirmantramūrttibhiḥ ||
… Nachdem er, Göttin, die eigenen Hände gereinigt und wie zuvor den Mund rituell gespült hat, [soll er sich] mit den leuchtenden Mantragestalten, gleich Sternen im Raum …
Erläuterung: Der Vergleich der Mantras mit leuchtenden Sternen ist klar, steht jedoch innerhalb einer zusammenhängenden Zugangs- und Schutzhandlung49–53.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 283.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 51
dhāmni taccākhayoḥ pūjyau pālau kaṅkamahāravau ||
… am Körper kennzeichnen. Am durch das Piṅgala-Astra umhüllten Ort und an dessen [beiden Seiten: taccākhayoḥ beschädigt] sind die beiden Wächter Kaṅka und Mahārava zu verehren.
Erläuterung: Die Zweizahl der Wächter ergibt sich aus dem Dual. Der konkrete Ort der beiden Seiten ist nicht sicher auszubuchstabieren.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 283.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 52
hastapādatalāsphālaṃ praviśet samamutsṛjam ||
Am Udumbara ist die Schildkröte zu verehren, an der oberen Stirn der Herr der Schlangen. Mit einem Aufschlagen der Handflächen und Fußsohlen soll er eintreten, zugleich [etwas] ausstoßend.
Erläuterung: Der Türzusammenhang ist deutlich, doch udumbara wird nicht still in eine normalisierte Bezeichnung der Schwelle geändert. Das Objekt von samamutsṛjam ist ungesichert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 283.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 53
mantrakarmahṛdo yogo dṛśyate'sau svagotravit ||
Bei der Verehrung [werden] die rituelle Handlung im Herzen und das Eintreten [in beschädigter Fügung genannt], Königssohn. Diese Verbindung des Herzens der Mantrahandlung wird geschaut; [er] kennt die eigene Überlieferungslinie.
Erläuterung: Die Schriftstelle hṛ[?]yasta ist nicht sicher aufgelöst; kpraveśastam ist eine unregelmäßige Verbindung. Kein vollständiges Zugangsritual wird daraus ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 283.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 54
praviśyejyāgṛhāṃtasthaṃ vīkṣya vijñānacakṣuṣā ||
Nabhojit, Khaḍgadaṇḍa oder dessen Stelle würde der Handlung dienen. Nachdem er eingetreten ist und das Innere des Verehrungshauses mit dem Auge der Erkenntnis betrachtet hat …
Erläuterung: Die genannten Ausdrücke sind keine vollständigen Formeln. Der zweite Halbvers leitet zur Fortsetzung55 über.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 284.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 55
vāmapāṇipramokṣaśca srajānārācamudrayā ||
… erfolgt wiederum nach der linken Lehre das Eintreten gerade von Norden; mit der linken Hand [folgt] ein Freigeben der Girlande, mittels der Nārāca-Geste.
Erläuterung: Uttareṇa wird räumlich als von Norden verstanden. Vāmaśāsana ist die Lehre des linken Stroms, nicht bloß die linke Hand. Der Vers ist im Druck eine lange Zeile unter einer Nummer.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 284.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 56
pradhvaṃsayogayugmena kakubhāṃ śamane punaḥ ||
Zur Beseitigung der Hindernisse auf der Erde und im Zwischenraum [dient] die Verbindung von Waffe und Huṅkāra; mit dem Paar der Beseitigungsverfahren [erfolgt] wiederum die Befriedung der Richtungen …
Erläuterung: Huṅkāra bezeichnet eine Lautverwendung innerhalb der Schutzhandlung. Die vollständige Waffenformel wird hier nicht ausgeschrieben; kein isoliertes neues Rezitationsangebot.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 284.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 57
ata-ātmabhuvo yāmye rucirāsanasaṃsthitaḥ ||
… wie es für die führenden Cumbakas gelehrt ist, welche die rituelle Folge vollziehen. Dann [sitzt er] südlich des Selbstentstandenen auf einem schönen Sitz.
Erläuterung: Ata-ātmabhuvaḥ ist im Druck gestört beziehungsweise abgesetzt. Yāmya bezeichnet Süden; ein zusätzlicher Gottheitsname wird für Ātmabhū nicht erfunden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 284.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 58
upacārahṛdaṃ bhojairniviṣṭaḥ karapaṅkaje ||
Nachdem er das Bewusstsein unbeweglich in den großen Leib eingesetzt hat, [vergegenwärtigt er] das Herz der Darbringung mit Gaben, im Lotus der Hand befindlich …
Erläuterung: Bhojaiḥ ist die Druckform. Der Satz steht in einer Folge über die Herstellung des rituellen Körpers, nicht über eine gewöhnliche Sitzübung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 284.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 59
dṛṣṭvopadeśato devi malavyomasamānagaḥ ||
… und soll zuerst die Mantraschar einsetzen und Prāṇāyāma vollziehen; gemäß der geschauten Unterweisung, Göttin, [ist er] dem Raum des Makels gleichgehend [malavyomasamānagaḥ: ungesichert].
Erläuterung: Die beschädigte Schlussverbindung wird nicht zu einem frei erfundenen Atemzustand ausgelegt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 284.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 60
andhatāmisrakādyaiśca
Nachdem er die reine Gestalt gesättigt hat, soll er [sie] geben, und nicht in umgekehrter Anordnung; mit den mit Andhatāmisra beginnenden [Gliedern], die auf Namaḥ enden und mit Praṇava beginnen …
Erläuterung: Mūrti ist am Bild als mūrttiṃ gelesen. Der Vers beschreibt Aufbau und Rahmen der Formeln, nicht ihren vollständigen Wortlaut. Die Verneinung einer Umkehrung bleibt erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 284.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 61
āvāhayet tato mālāṃ tadaṅge lāñcite sati ||
… oben, nach Osten, nach Süden, links und unmittelbar davor beziehungsweise im Westen, der Reihe nach, Geliebte. Darauf soll er die Mālā herbeirufen, wenn deren Glieder gekennzeichnet sind.
Erläuterung: Pratyakṣam ist mehrdeutig; die Reihe wird nicht still zu einem glatten Standard-Richtungsschema verbessert. Sati ist Grundtext, sani die mit K markierte Variante.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 284.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 62
hṛtsakhaṃ pūjya saṃpūrṇaṃ śāntadravyairmanoramaiḥ ||
Durch die Berührung mit dem Weg Kāmadevas im Bewusstsein und dessen Lebendigkeit gegründet, soll er den Gefährten des Herzens ganz mit friedvollen, erfreulichen Stoffen verehren …
Erläuterung: Kandarpamārga enthält einen Bezug zum Gott des Begehrens. Ein konkreter körperlicher Sexualvorgang ist hier nicht ausdrücklich beschrieben; saṃpūrṇam ist aus dem gedruckten Repha gelesen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 284.[1]
Kālasaṅkarṣaṇī und ihr göttlicher Sitz
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 63
kālasaṅkarṣaṇīdevīṃ devīmaṇḍalaveṣṭitām ||
… und am Ende, nachdem die Richtungen gebunden sind, auf einem Ritualboden oder in einem Maṇḍala die Göttin Kālasaṅkarṣaṇī, die vom Kreis der Göttinnen umgeben ist …
Erläuterung: Der Name der Hauptgöttin ist ausdrücklich belegt. Sthaṇḍila bezeichnet den bereiteten Ritualboden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 284–285.[1]

Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 64
sarvāṇubhiḥ kriyāpātraṃ kṛtvā vā jīvapātrakaiḥ ||
… mit erfreulichen Darbringungen und vollkommen klarem Sinn verehren. Nachdem er das Ritualgefäß mit allen Mantra-Atomen oder mit lebenden Gefäßen bereitet hat …
Erläuterung: Jīvapātraka ist nicht sicher als bestimmter Gefäßstoff oder menschlicher Ritualpartner auflösbar. Es wird nicht zu einer unproblematischen modernen Schale vereinfacht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 285.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 65
tadāyobhiḥ samabhyukṣya draviṇasthānamādarāt ||
… soll er es durch Richtungen und Glieder schützen, mit dem Blick und Bogen und den weiteren [Mitteln] den Nektar [bereiten] und den Ort der Stoffe sorgfältig mit dessen … [tadāyobhiḥ: ungesichert] besprengen …
Erläuterung: Der Satzbau enthält beschädigte Anschlüsse. Draviṇasthāna wird als Ort der rituellen Stoffe verstanden, nicht als bestimmter Körperpunkt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 285.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 66
mātari svani saṃpūjya praṇavena vivigraham ||
… nachdem er den genannten höchsten Schmuck des eigenen Leibes hergestellt hat. Die im eigenen Laut befindliche Mutter soll er vollständig mit Praṇava verehren, als … Gestalt [vivigraham: gestört].
Erläuterung: Praṇava ist benannt, aber in dieser nicht vollständig aufgelösten Verehrungsfolge nicht als neuer kontextfreier Rezitationseintrag gewonnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 285.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 67
śārvaṃ vīryamanantaṃ tu mahato'ṣṭau
In Śipiviṣṭa [verehrt] der Held den Guru, mit eben jener höchsten Kraft. [Es folgen] die unendliche Wirkmacht Śarvas und die acht Eigenschaften des Großen …
Erläuterung: Mahato ’ṣṭau guṇāḥ nennt ausdrücklich acht Eigenschaften, listet sie jedoch hier nicht einzeln auf. Śipiviṣṭa bleibt eine nicht sicher zugeordnete Benennung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 285.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 68
tataḥ kokanadaṃ śubhraṃ padmakiñjalkaśobhitam ||
… darunter und darüber die beiden Schnitte beziehungsweise Teilungen [cedane], der Reihe nach weiß und schwarz. Dann [folgt] ein weißer Kokanada-Lotus, mit Lotusstaubfäden geschmückt.
Erläuterung: Kokanada bezeichnet gewöhnlich einen roten Lotus; der Druck verbindet ihn mit śubhram, weiß beziehungsweise hell. Dieser Befund wird bewahrt und nicht harmonisiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 285.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 69
etat śaktyāsanaṃ proktaṃ tadūrdhve pretamādadet ||
Die Bījas, die Śakti-Schar und … [camāḥ: gestört], darauf die Nähe der Sonne: Dies wird der Śakti-Sitz genannt. Darüber soll er einen Leichnam anbringen.
Erläuterung: Preta ist hier Teil des göttlichen Sitzaufbaus; der Text wird weder zur modernen Leichenbeschaffung ausgearbeitet noch in eine bloße Metapher umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 285.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 70
anantādyabjacaramamanantāsanamucyate ||
Oder [ein Sitz] über Ananta beziehungsweise über der unberührten Lotusblume [erste Verbindung gestört]; von Ananta bis zum Lotus-Endglied heißt er der Ananta-Sitz.
Erläuterung: Anantasatrorddhaṃ und abjacaramam sind unsichere Verbindungen. Die Übersetzung bewahrt den erkennbaren Namen und die Alternative. Das Repha mit Anusvāra ist am vergrößerten Druckbild gelesen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 285.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 71
śaktikando'thavālambakaṇṭakāḥ patrasandhayaḥ ||
Auch bei der Gestaltung des Körpers, Herrin der Götter, ist dafür keine andere Benennung vorgesehen. [Es folgen] die Śakti-Knolle, das herabhängende [Glied], Dornen und die Ansätze der Blütenblätter …
Erläuterung: Die botanische Sitzbeschreibung setzt sich in 72 fort. Eine zusätzliche moderne Körperanatomie wird nicht eingesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 285.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 72
padmāsanamidaṃ proktaṃ vibhuṃ vāmādikaṃ priye ||
… die Blütenblätter, ihre Spitzen, Staubfäden, Blütenboden und Lotusblüten. Dies wird der Lotus-Sitz genannt, Geliebte, mit Vibhu und den mit Vāma beginnenden [Mächten].
Erläuterung: Padmāsana ist hier ein göttlicher Sitzaufbau, nicht automatisch die gleichnamige moderne Sitzhaltung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 285.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 73
evamekatame dhāmni pretordhve mūrttividyayā ||
Bis zum Ende der drei Kreise wird der reine Sitz … [prāśyate: auffälliges Verb]. So [soll er] an einem dieser Orte, oberhalb des Leichnams, mittels der Gestalt-Vidyā …
Erläuterung: Die im Druck stehende Verbform wird nicht still durch „genannt“ ersetzt. Der Satz über die Herstellung der göttlichen Gestalt setzt sich in 74 fort.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 286.[1]
Die Gestalt und ihre Begleiterinnen
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 74
śikhālalāṭabhrūcakṣuśrutigaṇḍamukheṣu ca ||
… die Gestalt einsetzen und fortschreitend mit den Gesichtern die Köpfe vergegenwärtigen. An Haarschopf, Stirn, Brauen, Augen, Ohren, Wangen und Mund …
Erläuterung: Krāmanṃ ist die unregelmäßige Druckform. Die Körperstellen werden in der tatsächlich gegebenen Reihenfolge wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 286.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 75
vimalādivisargāntaiḥ sānubhirdevatākramāt ||
… an Hals, Brust, den übrigen [Stellen], Herz und Nabel, an diesen Orten soll er in der Gottheitenfolge [die Glieder] einsetzen, mit Vimalā beginnend und mit Visarga endend, zusammen mit den … [sānu: Bezug unsicher].
Erläuterung: Visarga ist hier Endbezeichnung einer Reihe; es wird nicht als einzelner Mantra ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 286.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 76
dūtyaḥ pādādikā deyāḥ pavanādyā maheśvari ||
An Füßen, Knöcheln, Unterschenkeln, Knien, … Oberschenkeln und Gesäß [ruṣasphijau: gestört] sind von den Füßen aus die mit Pavana beginnenden Botinnen einzusetzen, große Herrin.
Erläuterung: Dūtī bezeichnet die göttlichen Botinnen beziehungsweise Vermittlerinnen. Ein körperlicher Partner wird an dieser Stelle nicht vorausgesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 286.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 77
kartavyaṃ kiṅkarāṇāñca pādaśākhākṛtāspadaḥ ||
Vom Haarschopf bis zum Nabel ist die Folge der mit Vyāpinī beginnenden Schar zu bilden; die Kiṅkaras erhalten ihren Platz an den Verzweigungen des Fußes.
Erläuterung: Pādaśākhā kann die Zehen beziehungsweise deren Anordnung bezeichnen; eine zusätzliche Zahl wird nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 286.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 78
talāpṛṣṭhe tu dātavyā vāmapādādikā gaṇāḥ ||
In ihren Zwischenräumen, Schlankleibige, [sind] entsprechend die Begleiter [anzuordnen]. Auf Fläche und Rückseite sind die mit dem linken Fuß beginnenden Scharen einzusetzen.
Erläuterung: Die Druckverbindung talāpṛṣṭhe ist ungewöhnlich; beide räumlichen Bezüge bleiben erkennbar.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 286.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 79
tato mālādhare kāye datvāṅgāni yathā purā ||
Vorn vor der Göttin [anūddhyanyagrataḥ: beschädigt] und an der Hüfte [befinden sich] die dem linken Weg Angehörenden. Dann soll er am Mālā tragenden Leib die Glieder wie zuvor einsetzen …
Erläuterung: Die erste Position ist sprachlich gestört. Es wird keine zusätzliche, vollständig gezeichnete Körperkarte daraus erzeugt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 286.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 80
āvāhanasamuccārādbhūyovarcātra sthāpanam ||
… und der Mantrakenner soll den Kūṭa herbeirufen, ihn einsetzen und festhalten. Auf die ausgesprochene Herbeirufung folgt erneut das Einsetzen [bhūyovarcātra: gestört].
Erläuterung: Kūṭa bezeichnet hier eine verdichtete Mantraeinheit. Ihre Lautgestalt ist nicht ausgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 286.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 81
svakriyāracanāṭopāt sānnidhyaṃ ca surāmbike ||
Das feste Zurückhalten während der rituellen Handlung wird gelobt, ebenso die Gegenwart durch die machtvolle Entfaltung der eigenen Handlung, Mutter der Götter.
Erläuterung: Sānnidhya bezeichnet rituelle Gegenwart. Die Nominalverbindungen sind verkürzt; es handelt sich nicht um eine Atemhalteempfehlung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 286.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 82
sāmānyena hṛdā śastaṃ sarvasmin maṃtramaṇḍale ||
Fußwaschwasser, Wasser zum Mundspülen und die Ehrengabe werden mit Svāhā, Svadhā und Namaḥ am Ende [dargebracht]; allgemein ist [dafür] das Herz im ganzen Mantra-Maṇḍala empfohlen.
Erläuterung: Die Endwörter gehören zu vorausgesetzten vollständigen Formeln. Eine neue freie Kombination wird nicht konstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 286–287.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 83
sarvopacārasaṃbhāraṃ kāryaṃ karma hṛdā sadā ||
Girlanden, Schmuck und Gewänder, Räucherwerk, Bad und Salbung – die Gesamtheit aller Darbringungen ist stets mit dem rituellen Herzen zu vollziehen.
Erläuterung: Karmanhṛd ist der rituelle Herz-Bezug, nicht lediglich eine heutige Aufforderung zu gefühlvoller Verehrung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 287.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 84
vyāpinī susudhā saudhā susūkṣmā sūkṣmarūpiṇī ||
Dann soll der Kundige die Gottheiten am Ort der Erfahrung beziehungsweise des Genusses einsetzen: Vyāpinī, Susudhā, Saudhā, Susūkṣmā, Sūkṣmarūpiṇī …
Erläuterung: Die Namensliste setzt sich in 85 fort und enthält dort eine ausdrücklich gedruckte Lücke.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 287.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 85
gāndhārī bhairavī devī […]kā priye ||
… Vīrā, Jagāvinī, Nandā, Susumṇā, Mandirodayā, Gāndhārī, die Göttin Bhairavī und […]kā, Geliebte.
Erläuterung: Die acht Striche vor kā markieren einen fehlenden Namensteil. Die Reihe wird nicht aus anderen Tantras aufgefüllt. Susumṇā ist die Druckform.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 287.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 86
śastrāṣṭakakarā devyaḥ patirūpavapurvahā ||
Mit zwölf Mantras versehen, eine weiße Lotusblüte in der Hand tragend [Singular im Druck], [erscheinen] die Göttinnen mit acht bewaffneten Händen, die Körpergestalt ihres Herrn tragend.
Erläuterung: Der Wechsel zwischen Singular und Plural bleibt als Befund kenntlich. Zwölf Mantras und acht Hände sind verschiedene Zahlenangaben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 287.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 87
mahārāvo'tha ghaṇṭā ca sarvāsāṃ cāyudhāni ca ||
Ein Schädel, ein Khaṭvāṅga-Stab, ein Dreizack, eine Keule, eine Schlinge, ein Haken, der große Schall und eine Glocke sind die Waffen beziehungsweise Attribute aller.
Erläuterung: Mahārāva, großer Schall, wird als eigener Listenbestandteil bewahrt, auch wenn eine andere Abtrennung denkbar ist. Keine acht moderne Waffenhandlungen werden daraus entwickelt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 287.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 88
pāśāṅkuśadharā dūtyo muṇḍakhaṭvāṅgahastikāḥ ||
Vier Arme und vier Gesichter haben die Botinnen, mit vollen, hochstehenden Brüsten. Sie tragen Schlinge und Haken; Schädel und Khaṭvāṅga befinden sich in ihren Händen …
Erläuterung: Die körperliche Beschreibung der Göttinnen wird weder sexualisiert erweitert noch allegorisch aufgelöst.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 287.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 89
svadevatādalāgreṣu sarvāścāpi kṛtāspadā ||
… jede ist mit einer ihrer eigenen Herrin entsprechenden Ausstattung und Gewandung geschmückt. Alle haben ihren Platz an den Blütenblattspitzen ihrer jeweiligen Gottheit.
Erläuterung: Svasvāmini und svadevatā bezeichnen die jeweils zugehörige göttliche Gestalt; eine historische Frauenrolle außerhalb des Maṇḍala wird nicht abgeleitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 287.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 90
manmathā ca manohārī vipulā
Pavanavyomavegā, Śaśirekhā, Madanāturā, Manmathā, Manohārī, Vipulā und Vipuleśvarī …
Erläuterung: Die lange Namenszeile gehört zu einer einzigen Originalnummer; die Reihe endet in 91. Pavanavyomavegā kann als zusammengesetzter Name mehrere Bestandteile verbinden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 287.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 91
etā dūtyaḥ samākhyātā āśāmaṃ tā te pratiṣṭhitāḥ ||
… Citralekhā, Citrāṅgī, Citragrīvā und Vilāsinī: Dies sind die genannten Botinnen, die in den Richtungen … eingesetzt sind [āśāmaṃ tā te: gestört].
Erläuterung: Die beschädigte Positionsangabe wird nicht in eine sichere Zwölferverteilung ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 287.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 92
dvitriśastryānanantābhyāṃ etadeva viśiṣyate ||
Ihre Gestalt tragen die äußerst starken begleitenden Botinnen. Durch zwei beziehungsweise drei … Waffen und Gesichter [dvitriśastryānanantābhyām: gestört] unterscheidet sich dies.
Erläuterung: Anudūtī bezeichnet die Begleitbotin. Die genaue Verteilung von Waffen- und Gesichtszahlen bleibt unsicher.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 288.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 93
kekarā tantuvā līlā mālatī vinayāvatī ||
Vīrā, Viprā, Jayantī, Kaumudī, Madirāvatī, Kekarā, Tantuvā, Līlā, Mālatī und Vinayāvatī …
Erläuterung: Madirāvatī steht hier als Name, nicht als selbstständige Empfehlung eines Getränks.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 288.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 94
svasvāmini prasādenduvikāsitabhṛgūtpalā ||
… Kolāhalā und Karālā: Mit diesen Namen sind sie bekannt gemacht. Durch den Gnadenmond ihrer jeweiligen Herrin ist ihr Bhṛgu-Lotus [bhṛgūtpala: ungewöhnlich] zum Erblühen gebracht …
Erläuterung: Der letzte Ausdruck wird nicht in einen sicher identifizierten Körperlotus oder eine übliche Augenmetapher verbessert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 288.[1]
Kiṅkaras, Gaṇas und Hüter der Richtungen
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 95
ato'nte kokaraṃ vṛndaṃ rāśyavasthānasaṃsthayā ||
… sie erfreuen sich am großen hellen Ort im Mondglanz des Leibes ihres Herrn. Danach [folgt] die Kokara-Schar, nach ihrer Anordnung in Gruppen …
Erläuterung: Kokara ist die Druckform, möglicherweise auf die folgenden Kiṅkaras bezogen; keine stille Normalisierung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 288.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 96
bhṛṅgālīvalayā bhāsamullasad sa durdharīdharam ||
… schrecklich, mit furchtbarem Gesicht und geröteten schielenden Augen, im Glanz eines Ringes von Bienenschwärmen, aufleuchtend und … tragend [sa durdharīdharam: gestört] …
Erläuterung: Die Darstellung ist Teil der göttlichen Begleiterscharen; sie beschreibt keine Übung zum Hervorrufen solcher Körpermerkmale.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 288.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 97
yāvat tatsparśavistārasampūrṇamukhamaṇḍalam ||
… rau, mit gebrochener Nase und mit Schlangenschmuck geschmückt, bis das Gesichtsfeld mit der Ausdehnung ihrer Berührung ganz erfüllt ist [Schlussbezug unsicher].
Erläuterung: Der erkennbar drastische Bildbestand bleibt erhalten. Die letzte Verbindung wird nicht zu einer genauen Maßangabe ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 288.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 98
marutpati samārabhya apanīyātapasthitam ||
Mit einem roten und schwarzen Einzelgewand oder [Kasusanschluss gestört], Schlinge, Haken und Haken in der Hand, soll er [sie] einsetzen, mit Marutpati beginnend, das im … Stehende entfernend [Schluss gestört].
Erläuterung: Pāśāṅkuśāṅkuśa enthält den Haken doppelt; dies ist kein Anlass, ohne Beleg ein anderes Attribut einzusetzen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 288.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 99
piṅgalaḥ piṅgakeśaśca valkalaḥ kekarekṣaṇaḥ ||
Hālāhala, Abhramātaṅga, Karāla, Vaḍavāmukha, Piṅgala, Piṅgakeśa, Valkala und Kekarekṣaṇa …
Erläuterung: Die Reihe wird in 100 fortgesetzt; die Namen sind keine hier belegten vollständigen Rezitationsformeln.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 288.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 100
dvādaśaite mahāvīryāḥ kiṅkarāḥ parikīrttitāḥ ||
… Hālāhala, Biḍāla, Hiḍimba und Vikṛtānana: Diese zwölf äußerst kraftvollen Kiṅkaras sind aufgezählt.
Erläuterung: Hālāhala steht bereits in 99 und wird im Druck nochmals genannt. Die ausdrückliche Zwölfzahl wird zusammen mit dieser Wiederholung dokumentiert, nicht durch einen erfundenen Ersatznamen harmonisiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 288.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 101
mahānāsā viśālākṣā lamboccālaṃ vakukṣayaḥ ||
Schrecklich tragen sie diese Gestalt, doch sind sie wie bucklige Menschen, mit großer Nase, weiten Augen und herabhängenden … Bäuchen [lamboccālaṃ vakukṣayaḥ: gestört].
Erläuterung: Der Vers läuft über PDF 288–289. Die historische Körperbeschreibung wird nicht als heutige Wertung körperlicher Behinderung übernommen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 288–289.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 102
dhūrnāsastriśirāḥ kaṅko laṃboṣṭho gudalocanaḥ ||
Außen sind sie einzusetzen, Göttin, Schädel und Gold erhoben haltend [kapālakanaka: auffällig]: Dhūrnāsa, Triśiras, Kaṅka, Lamboṣṭha und Gudalocana …
Erläuterung: Dhūrnāsa bleibt Druckform. Die Attributverbindung wird nicht still in einen geläufigen Waffennamen verbessert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 289.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 103
navaśīrṣastriśīrṣaśca tripāṇirdvādaśo mataḥ ||
… Uromukha, Ahṛjihaveṃ [beschädigter Name], Gudavaktra, Alakānana, Navaśīrṣa und Triśīrṣa; als zwölfter gilt Tripāṇi.
Erläuterung: Die verwandten Namen Triśiras und Triśīrṣa werden nicht automatisch zusammengelegt. Der beschädigte Name bleibt unergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 289.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 104
kuṭhārālakarāḥ kṛṣṇāstvaṃgākumbhāstristricakṣuṣaḥ ||
Darauf sind die äußerst starken Scharen mit Elefantengesichtern zu verehren, mit Äxten und … in den Händen [kuṭhārālakara: gestört], schwarz, mit … Krügen [tvaṃgākumbha: gestört], jeweils drei Augen besitzend.
Erläuterung: Tristricakṣuṣaḥ enthält die ausdrückliche Dreizahl je Gestalt. Die unklaren Attribute werden nicht aus gewöhnlichen Gaṇeśa-Darstellungen ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 289.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 105
cakraścaṇḍaikadantaśca mahākāyadurodarau ||
Lambodara, Durādharṣa, Mahākāla, Mahodara, Cakra, Caṇḍaikadanta sowie Mahākāya und Durodara …
Erläuterung: Caṇḍaikadanta wird als ein zusammengesetzter Name gelesen; so entspricht die Aufzählung der ausdrücklichen Achtzahl in 106.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 289.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 106
marutmato harāntantu praṇavādinamaskṛtāḥ ||
… diese acht Gaṇas sind genannt. Er soll sie auf dem Weg der Begrenzung einsetzen, von Marutmat bis Hara, mit Praṇava beginnend und mit der Verehrung [versehen].
Erläuterung: Die Verehrungsformeln sind in ihrem Aufbau beschrieben, aber nicht als vollständige Lautfolge ausgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 289.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 107
kauśikaṃ sraklaṃkālaṃ palāśaṃ makaradhvajam ||
Darauf soll man, König, die Hüter der Welt in ihrer jeweiligen Richtung verehren: Kauśika, Sraklaṃkāla [unsichere Namenstrennung], Palāśa und Makaradhvaja …
Erläuterung: Die gedruckte Verbindung sraklaṃkālaṃ lässt die Abgrenzung der einzelnen Namen nicht sicher erkennen. Die Reihe wird nicht aus einer Standardliste der Lokapālas ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 289.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 108
mataṅgahraḍaśṛṅgeṣu
… Dhīra, Gadādhara, Vīra, Muñjakeśa und Pitāmaha, auf Elefant, … Hrada, gehörnten [Tieren] und einem Eselgefährt stehend …
Erläuterung: Die Zuordnung der Reittiere zu den einzelnen Namen ist beschädigt. Mataṅgahraḍaśṛṅgeṣu ist nicht still verbessert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 289.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 109
hemendrabhogamadhupapārāvatahimātmakān ||
… mit Makāra, neu angebundenem Garutmat und den zu Dhṛtarāṣṭra Gehörenden [Verbindung gestört], aus Gold, Indra, Schlangenleib, Biene, Taube und Schnee bestehend …
Erläuterung: Makāra ist hier nicht sicher ein selbstständig rezitiertes ma. Auch die folgenden Farbe-/Gestaltbezeichnungen lassen keine durchgehend gesicherte Einzelzuordnung zu.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 289.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 110
lokapālāḥ kramādete svāstrayuktāḥ kriyāvahāḥ ||
… mit dem Glanz von Schlamm, Perle, Lotus, blauem Lotus und Leichnam. Diese Hüter der Welt sind der Reihe nach mit ihren jeweiligen Waffen versehen und tragen die rituelle Handlung.
Erläuterung: Die Farbvergleiche werden als überlieferte Vergleiche bewahrt; śava heißt Leichnam.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 289.[1]
Darbringungen und Hüter der Orte
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 111
durāpaṃ śaktidaṇḍañca kṛpāṇasuragāyudham ||
Die Einsetzung des Kreises ihrer Waffen ist auszuführen, deren … [tadvirāgamaḥ: ungesichert]. Durāpa, Speer und Stab, Schwert und die Waffe Suragā …
Erläuterung: Die Namen und Attribute werden nicht aus einer allgemeinen Lokapāla-Liste ersetzt. Der Satz läuft in 112 weiter.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 290.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 112
bālabhāsvanmayūkhābhaṃ saṃsmared hetimaṇḍalam ||
… Vaijayantī, Śatrihaṇa, Dreizack, Juwel und Lotus: Den Waffenkreis soll er im Glanz der Strahlen der jungen Sonne vergegenwärtigen.
Erläuterung: Śatrihaṇaṃ ist der Grundtext; cadrūghaṇaṃ die mit K und Kh markierte Variante. Diese Variantenlesung wird nicht in die Reihe aufgenommen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 290.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 113
haro harāntikaṃ nyasya gandhaiḥ puṣpaiḥ prapūjayet ||
Er ist schrecklich, in der Gestalt des eigenen Bewusstseins befindlich, die Wolke der Hindernisse zerschlagend. Hara [soll ihn] bei Hara einsetzen und mit Düften und Blumen verehren.
Erläuterung: Der Subjektwechsel haro harāntikam ist auffällig. Das zusätzliche einzelne ṃ nach bhīmaṃ ist Druckbefund, keine Mantrasilbe.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 290.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 114
hemādi jājvalaṃ mantrī dīpairudbodhya sarpiṣā ||
Nachdem er für alle immer wieder das mit Sanātana beginnende Räucherwerk verbrannt hat, soll der Mantrakenner das mit Hema beginnende Leuchtende durch mit Butter gespeiste Lampen erwecken …
Erläuterung: Die Ausdrücke können rituelle Benennungen enthalten. Sie werden nicht durch eine sicher klingende, aber unbelegte Liste von Duftstoffen ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 290.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 115
samantraiḥ prokṣayet krāman prīyecandramaṇḍalam ||
… und die mit Acyuta beginnende Speisegabe mit opfergeeigneten und nicht opfergeeigneten Speisen, zusammen mit Mantras, der Reihe nach besprengen; [es folgt] der erfreuliche Mondkreis [prīyecandramaṇḍalam: gestört].
Erläuterung: Die Verneinung in ahaviṣya bleibt erhalten. Die rituelle Speisenfolge ist keine kontextfreie Empfehlung für die Praxisauswahl.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 290.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 116
nirṇīte danta tāmbūlaḥ sapraṇāmo bahirgaṇam ||
Durch das Zeigen der Mudrā [wird] dies bei der Handlung des … Mundspülens [cirācamana: auffällig] vollzogen. Nach der Bereinigung [folgen] Zahnreinigung und Betel; mit Verneigung [wendet er sich] der äußeren Schar zu.
Erläuterung: Mehrere Kasusanschlüsse sind beschädigt. Tāmbūla wird als Betelgabe wiedergegeben und nicht zu einer beliebigen modernen Blume umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 290.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 117
kolāhalaṃ karālañca yamadaṇḍaṃ mahābhiṣam ||
Von den Kṣetras ist zuerst die mit Nīlagrīva endende [Reihe] zu verehren: Kolāhala, Karāla, Yamadaṇḍa und Mahābhiṣa …
Erläuterung: Die Aufzählung wird in 118 beendet; der abschließende Name ist bereits in der ersten Hälfte genannt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 290.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 118
mantharaṃ turageśañca śmaśāna daśakaṃ priye ||
… Kravyāda, Caṇḍavetāla, Bhīmabhairava, Manthara und Turageśa: [Dies ist] die Zehnergruppe der Leichenverbrennungsplätze, Geliebte …
Erläuterung: Zusammen mit dem in 117 genannten Endglied Nīlagrīva ergibt sich die ausdrücklich genannte Zehnzahl. Kravyāda bedeutet im Namen Fleischfresser; keine moderne Praxisanweisung wird ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 290.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 119
rakṣobhūtagaṇākīrṇaṃ yoginīgaṇasaṅkulam ||
… versehen mit Hütern der Orte, von schrecklicher Gestalt und äußerst furchtbar, erfüllt von Rākṣasa- und Bhūta-Scharen, dicht bevölkert von Yoginī-Scharen.
Erläuterung: Der Satz beschreibt die rituell vergegenwärtigten Kṣetras der vorausgehenden Verse.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 290.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 120
saṃjñāvidhāyakāni syuḥ phalānāṃ svaccagocare ||
Die Namen der Kṣetras sollen durch eine männliche Rezitationsform Benennungen der Früchte im eigenen reinen Bereich bestimmen.
Erläuterung: Puṃpāṭhayoga und der Bezug der Früchte sind verkürzt. Eine vollständige Umformungsregel für Mantras wird nicht aus diesem Satz rekonstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 290–291.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 121
kṣetrapālānumīyante tantresmin rāvaṇārcite ||
Aus dem Überfluten mit Wasser lässt sich, jeweils auf den eigenen Bereich bezogen, auf die Hüter der Orte schließen – in diesem von Rāvaṇa verehrten Tantra.
Erläuterung: Rāvaṇārcita bedeutet von Rāvaṇa verehrt, nicht von Rāvaṇa verfasst. Die genaue rituelle Schlussfolgerung wird hier nicht ausführlich erklärt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 291.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 122
ebhyaścaiva valirdeyaḥ sthānaṃ syāccaikadeśataḥ ||
Darauf soll man die Paare der Richtungshüter verehren. Ihnen ist eine Bali-Gabe zu geben; ihr Ort soll in einem gesonderten Bereich liegen.
Erläuterung: Bali ist eine rituelle Speise- beziehungsweise Opfergabe; ihre Bestandteile werden in diesem Vers nicht ausgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 291.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 123
taskarādiṣu nirvighnaḥ susukhaṃ tatra tiṣṭhati ||
Bali ist stets ihre Nahrung beim Ahnenritus. Bei Dieben und den weiteren [Gefahren] bleibt [der Ausübende] frei von Hindernissen und weilt dort sehr glücklich.
Erläuterung: Die Schutzwirkung ist eine Zuschreibung des Textes. Es werden keine garantierten heutigen Wirkungen daraus abgeleitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 291.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 124
prācyaṃ sarvaṃ pratīcyañca tathodīcyaṃ kramā sthitāḥ ||
Mahājaṅgha, Vikārī, Dhūmrajīhva und Mahodara stehen der Reihe nach im Osten, … [sarvam: beschädigtes Richtungswort], Westen und Norden.
Erläuterung: Der Druck hat sarvam, nicht eine sichere Benennung des Südens. Die vermeintlich fehlende Richtung wird daher nicht still ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 291.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 125
vahnistryambavakāntantu u teṣāṃ bhāryāḥprapūjayet ||
Piṅgaguhyā, Mahāvaktrā, Gudavaktrā und Pūtanā soll man als ihre Gemahlinnen verehren, von Feuer bis Tryambavaka [Ortsfolge beschädigt].
Erläuterung: Vahnistryambavakāntantu u ist die überlieferte, ungesicherte Verbindung. Das abgesetzte u wird nicht als Bīja ausgegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 291.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 126
balimantrāvasānastu gaṇaśaḥ stotraśāsane ||
Mit Namen, die vom Tattva-Wurzelglied bis Visarga reichen, [werden] die Hüter der Orte [verehrt], mit dem Bali-Mantra am Ende, scharenweise in der Lehre des Lobpreises.
Erläuterung: Der syntaktische Anschluss ist unregelmäßig. Stotraśāsana benennt einen Rahmen; ein selbstständiger vollständiger Lobpreis steht hier nicht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 291.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 127
japopacāre mantrāṇāṃ madhyaccinnaṃ prayojayet ||
Die von Śiva gewusste beziehungsweise angeordnete Verneigung [śivājñāta: unregelmäßig], diese in Paarform, Geliebte, soll man bei der Rezitationsverehrung der Mantras in der Mitte geteilt anwenden.
Erläuterung: Der Vers spricht über die Anordnung von Formelteilen. Er ist keine ausgeschriebene Formel; madhyaccinnaṃ wird nicht ohne weiteren Beleg als genaue technische Mantraspaltung ausgearbeitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 291.[1]
Ritualrahmen und Vielfalt der Formen
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 128
yaṣṭavyaṃ sādhakendreṇa gṛhe tu gṛhiṇā sadā ||
Dieses mit acht Umkreisen versehene [Maṇḍala] soll der führende Sādhaka mit Śiva-Stoffen als einer, dessen Wesen Śiva ist, verehren; der Hauslebende stets im Haus …
Erläuterung: Aṣṭāvaraṇika bezeichnet acht rituelle Umkreise. Eine Liste harmloser Ersatzstoffe wird nicht in den Grundtext eingefügt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 291.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 129
susahāyena giryagre śmaśāne'tha catuṣpathe ||
… mit standhaften [Gefährten], die schreckliche Observanzen angenommen haben, mit reichlichen Heldenstoffen und guter Begleitung, auf einem Berggipfel, am Leichenverbrennungsplatz oder an einer Wegkreuzung …
Erläuterung: Die Stelle bleibt im historischen Text. Bhīmavrata und Vīradravya werden nicht in allgemeine stille Meditation umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 291.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 130
yaṣṭavyo bhairavo yogo bhairavācāravartinā ||
… oder bei einem einzelnen Liṅga und einem einzelnen Baum, unter Menschen, an einem [heiligen] Ort oder in einem Götterhaus: Der Bhairava-Yoga soll von einem, der Bhairavas Lebensordnung folgt, verehrt werden.
Erläuterung: Die Ortsverbindung ist im Druck teilweise ohne Satzzeichen. Ekaliṅga und ekavṛkṣa sind ausdrücklich einzeln; diese Bedingungen gehören zum Ritualrahmen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 292.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 131
mālāmaṇḍalametaddhi phalamekākṛtiṃ bhajet ||
Vom Inneren bis zum Ende der Erderschütterung [garbhāddharaṇikaṃpānte: gestört], nach der Folge eines einzigen Umkreises, [ist] dieses Mālā-Maṇḍala [von mir gelehrt]; die Frucht möge eine einzige Gestalt annehmen.
Erläuterung: Die erste Hälfte und phalamekākṛtiṃ sind nicht sicher auflösbar. Es wird keine kosmologische Stufenfolge ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 292.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 132
yāmalaṃ yamalānyāsāllayabhogeṣu sundari ||
Durch die Verbindung mit der genannten Folge wird dieses Mantra-Maṇḍala ein Yāmala aufgrund der Einsetzung von Paaren, in Auflösung und Erfahrung, Schöne.
Erläuterung: Die Quelle selbst verbindet yāmala mit yamala-nyāsa, der Einsetzung von Paaren. Diese lokale Erklärung beweist keine einheitliche Bedeutung sämtlicher Werktitel auf -yāmala.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 292.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 133
trirūpasyāpi mantṛtve navakāsya kriyāvahā ||
Die Folge der Stellen, mit Śiva beginnend, entfaltet sich durch die Glieder der Mālā. Auch bei der dreigestaltigen … Mantraherrschaft [mantṛtva: ungesichert] trägt sie die Handlung dieser Neunergruppe.
Erläuterung: Die genauen Bezüge von trirūpa und navaka sind hier verkürzt. Keine zusätzliche Tabelle von drei mal neun Mantras wird konstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 292.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 134
ekādyanantaparyantāḥ sādhakā jātilālasāḥ ||
Welche gestalttragenden [Kräfte] der Rede es in diesem Erreichten gibt, im Vermögen gegründet [dhanasaṃsthita: unklar], von einer bis zu unendlich vielen, und die nach Herkunftsformen verlangenden Sādhakas …
Erläuterung: Die Satzverbindung setzt sich in 135 fort. Jāti wird in diesem Zusammenhang nicht sicher auf eine biologische Kaste festgelegt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 292.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 135
svakāṇḍadāprayatnena tat syādbhakta vidhānataḥ ||
… mit der Anwendung der Mālā-Wurzel oder durch aus den Gliedern gebildete Herkunftsformen, mit der Bemühung um den eigenen … [svakāṇḍadāprayatna: gestört], soll dies nach der Vorschrift des Hingegebenen [geschehen].
Erläuterung: Der Ausdruck bhakta vidhānataḥ ist auseinandergezogen. Die beschädigte Stelle eignet sich nicht als selbstständige Praxisregel.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 292.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 136
svacittarucite vākye vācakatve nirodhakam ||
Wozu noch vieles sagen? Nicht aus festen Lautzeichen gebildet [dhruvākṣaramanirmitam: Abtrennung unsicher], in einem Satz, der dem eigenen Geist gefällt, [ist es] im Bezeichnen zurückhaltend [nirodhaka: Bezug unklar].
Erläuterung: Die negative Form anirmitam wird nicht ausgelassen. Aus diesem beschädigten Satz entsteht keine Freigabe zum Erfinden beliebiger Mantras.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 292.[1]
Unnummerierte Strophe zwischen 136 und 138
na karttavyo hṛdāhlādo yadi na syāt svacetase ||
Die hier gelehrte Vergegenwärtigung der Gesichter und der weiteren [Glieder] soll man nicht als unabänderlich festlegen, wenn dabei im eigenen Bewusstsein keine Freude des Herzens entsteht.
Hinweis: Diese Strophe steht nach 136 und vor dem Wortlaut von138; der Druck trägt keine Nummer 137. Sie bleibt unnummeriert. Die folgende Strophe 138 begründet die Formenvielfalt; der mehrgliedrige Ritualrahmen wird dadurch nicht pauschal aufgehoben.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 292.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 138
bhāvānāṃ cānusaṃtatau |
In der fortlaufenden Entfaltung der Gesten, Farben beziehungsweise Lautzeichen, Gestalten und Zustände besteht keine nur auf eine Form beschränkte Regel; denn sie besitzen sämtliche Formen.
Erläuterung: Unmittelbar vorher steht eine unnummerierte Strophe nach 136. Die hier wiedergegebene Originalnummer138 wird bewahrt. Varṇaka kann Farbmittel und, in Zusammensetzungen, ein Lautzeichen bezeichnen; die Stelle betrifft die Formenvielfalt der rituellen Vergegenwärtigung. Die Freiheit betrifft die Vergegenwärtigung innerhalb des gelehrten Rituals; daraus folgt keine allgemeine Aufhebung der Einweihungs- und Lebensordnung.[11]
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 292.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 139
yadupādhivaśaṃ prāptāstadrāgācaturo matāḥ ||
Alle diese Śiva-Atome haben eine einem Kristall vergleichbare Gestalt. Unter den Einfluss welcher Bedingung sie geraten, von deren Färbung geprägt gelten sie [tadrāgācaturo: auffälliger Anschluss].
Erläuterung: Upādhi ist die bedingende Zuordnung oder Begrenzung, nicht zwingend der spätere Advaita-Vedānta-Fachgebrauch. Die Druckformen saṃsthānāṃ und tadrāgācaturo sind grammatisch unregelmäßig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 292–293.[1]
Feuerhandlung und Abschluss
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 140
prāguktāgnigṛhe kāryamagnikāryaṃ vipaścitāḥ ||
Wenn so an einem dieser [Orte] geopfert und das Genannte kundgetan ist [jñapte…: gestörter Anschluss], soll der Kundige im zuvor beschriebenen Feuerhaus die Feuerhandlung vollziehen.
Erläuterung: Die erste Hälfte bleibt beschädigt, die Anweisung zum Agnikārya ist klar.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 293.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 141
yogīputrapuṭavyāptaṃ sitasūtrāṃ sitāmiva ||
[Es sei] wirklich weiß oder rötlich, oder mit frischen, vielfältigen Farben [bereitet], von … Yoginīsöhnen und Faltungen umgeben [yogīputrapuṭavyāpta: gestört], mit weißer Schnur, wie etwas Weißes …
Erläuterung: Die geometrische beziehungsweise räumliche Beschreibung ist nicht sicher rekonstruierbar; keine neue Feuergrubenzeichnung wird daraus abgeleitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 293.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 142
tadantarviṣṭaraṃ datvā kṛtvā dikṣu catuṣpatham ||
… durch die Waffe gereinigt, soll man es mittels des Herzens, mit Wasser und gutem Kuśa, reinigen. Innen ist eine Unterlage einzusetzen; in den Richtungen ist eine vierfache Weganlage zu bilden.
Erläuterung: Catuṣpatha nennt eine Vierwegform. Der Text enthält keine in diesem Vers ausgeschriebenen Reinigungsmantras.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 293.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 143
pātreṇānupayuktena tāḍyāgharyādhvāstriyogataḥ ||
Das Feuer soll man herbeibringen in einem unbenutzten Gefäß aus Metall oder Ton, mittels Schlagen, Ehrengabe und … [tāḍyāgharyādhvāstriyoga: gestört].
Erläuterung: Tejonidhi, Schatz des Glanzes, wird im unmittelbaren Kontext als Feuer verstanden. Die beschädigte Reihe wird nicht zu einer ausführbaren Feueranweisung ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 293.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 144
puñjite jvalite mūrttyā jvālayā sannidhīkṛte ||
Nachdem es durch die Glieder der Waffe eingefasst ist, soll man es mit der Wurzel-Vidyā hineinlegen. Wenn es angesammelt und entzündet, durch die Gestalt und die Flamme zur Gegenwart gebracht ist …
Erläuterung: Mūrtyā und jvālayā können rituelle Glieder beziehungsweise die Flamme selbst bezeichnen. Die vollständige Formel wird nicht mitgeteilt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 293.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 145
loke śāstragataḥ pūjyo mūlamekhalamūrdhvagaḥ ||
… soll man mit dem Herzen drei Opfergaben vollziehen und die volle Mālā-Gabe niedergehen lassen [mālāpūrṇaprapātana: verkürzt]. Der in der Lehrschrift befindliche [Herr] ist in der Welt zu verehren, über der Wurzel-Einfassung stehend.
Erläuterung: Die Zahl drei ist ausdrücklich genannt. Der zweite Halbvers ist syntaktisch verkürzt und nicht zu einer sicheren Höhenangabe umzuformen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 293.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 146
hṛdā pūrakayogena svavaktrābhyasanakramam ||
Mit der durch … Śakti-Handlung erfreuten Feuer-Einziehungsgeste [agharyaśaktikriyāhṛṣṭa: gestört], mit dem Herzen und der Verbindung mit Pūraka [vollzieht man] die Folge des … eigenen Mundes [abhyasana: ungesichert].
Erläuterung: Vahnisaṃhāramudrā ist ein Gestenname. Der beschädigte Wortlaut rechtfertigt keine ergänzte Atem- oder Feueraufnahmeübung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 293.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 147
datvā pūrvakriyāḥ kāryāḥ samalā dharaṇāntikāḥ ||
Nachdem man jenes Tote [im Feuerzusammenhang] rasch beseitigt und das Feuer in Gestaltform eingesetzt hat, sind die früheren Handlungen bis zur … Erde [samalā dharaṇāntikāḥ: gestört] auszuführen.
Erläuterung: Mṛtakaṃ tam wird im Anschluss an die Einziehung und erneute Herstellung des Feuers gelesen, nicht als Anweisung zum Töten eines Menschen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 293.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 148
kimatrāhutidānena karmavistarakāraṇāt ||
Oder für das zuvor herbeigebrachte Feuer wird diese Folge empfohlen. Was soll hier die Darbringung von Opfergaben, da sie die Handlung ausdehnt?
Erläuterung: Kim ist eine Frage; sie wird nicht als uneingeschränktes allgemeines Verbot des Feueropfers wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 293.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 149
dhruvātrapāśritebhyaśca śatabhāge hute sati ||
Tausend, oder davon zehn [taddaśam: Verhältnis unsicher], oder hundert oder die Hälfte [davon]; wenn für die bei Dhruva … Zuflucht Suchenden im hundertsten Anteil geopfert ist …
Erläuterung: Taddaśam ist nicht sicher eine Zehntel-Angabe; sie wird nicht still zu daśama umgeschrieben. Śatabhāga nennt einen hundertsten Teil. Die vollständige Bezugsreihe bleibt unsicher.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 294.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 150
tilāmṛtādibhirdevi homadravyaiḥ
… trägt Ambikā, auf Vauṣaṭ endend, die mit Yoga erfüllte Ausgießhandlung. Mit Sesam, Nektar und weiteren wohlriechenden Homa-Stoffen, Göttin, [wird dies vollzogen].
Erläuterung: Der Text gibt das Endwort einer vorausgesetzten Ambikā-Formel an, nicht deren vollständigen Wortlaut. Amṛta ist hier rituell nicht eindeutig als harmloser Speisestoff bestimmt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 294.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 151
satvadhṛttisamāyuktāsūpacāraṃ hṛdā priye ||
Darauf soll man die an zwei Orten wohnende Mālā entlassen, mit der Haltung des Sattva verbunden, unter [den] Darbringungen und mit dem Herzen, Geliebte.
Erläuterung: Satvadhṛttisamāyuktāsūpacāraṃ ist grammatisch gestört. Die zwei Orte bleiben als Zahl erhalten; eine ungesicherte Lokalisierung wird nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 294.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 152
tatra yaddānaduṣṭantu tatsarvaṃ prakṣipedambhasi ||
Nachdem die gebrauchten Verehrungsgaben entfernt und drei Aṅgāvartikās gegeben sind, soll man alles, was dort durch die Gabe verunreinigt ist, ins Wasser werfen.
Erläuterung: Aṅgāvartikātraya enthält die ausdrückliche Dreizahl, bezeichnet aber keine hier sicher rekonstruierte moderne Lampenhandlung. Der historische Entsorgungsritus wird nicht als heutige Empfehlung ausgearbeitet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 294.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 153
eṣoktiryat kriyāmārgātkṛtāptajyeṣṭhasantatiḥ ||
Oder nicht [no vā: mehrdeutig]; wenn das Feuer entlassen ist, wird das den Rest in sich Tragende gelobt. Diese Aussage … [eṣoktiryat: gestört] bringt auf dem Weg des Rituals die Reihe der erlangten Ältesten hervor.
Erläuterung: Eṣoktiryat ist der Grundtext, evottirya die mit K und Kh bezeichnete Variante. Der Satz ist nicht vollständig sicher übersetzbar; no wird nicht still in ein sicher bejahendes Wort verwandelt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 294.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 154
sakalahavividhirna vetti samyaṅvividhavidhiṃ ṃ śivāptadṛṣṭām ||
Wie erlangt [einer] mit dem Gott der Lehrschrift den ersehnten Yoga? Wer die gesamte Vorschrift der Opfergabe und die von den mit Śiva Verbundenen geschaute vielfältige Ordnung nicht richtig kennt …
Erläuterung: Die zweite Hälfte leitet zur Frage155 über. Na vetti ist die ausdrückliche Verneinung. Das zusätzliche einzelne ṃ ist kein Mantrabestandteil.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 294.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 15, Vers 155
kathamabudhamatiḥ sukhaṃ sa lebhe ||
… und in der von Eigenschaften gebildeten Welt Verehrung vollzieht – wie könnte er mit unverständigem Sinn Glück erlangen?
Erläuterung: Die lange Schlussstrophe ist kürzer als die vorausgehende und bleibt unter155. Arcāṃ, Verehrung, ist einschließlich Repha und Anusvāra am Druck gelesen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 294.[1]
Kolophon
So [endet] im Bhairava-Strom, im Vidyāpīṭha, im Śiraśceda, im ehrwürdigen Jayadrathayāmala, dem großen Tantra von vierundzwanzigtausend [Versen], im ersten Ṣaṭka, in der ehrwürdigen Kālasaṅkarṣaṇī, das fünfzehnte Kapitel.
Hinweis: Śiraścede ist die Druckform. Die traditionelle Corpusangabe24000 wird von der tatsächlich vorliegenden Edition unterschieden.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 294.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 20: Ein Einzelzitat zum Begriff Yantra
Leitquelle ist Kiss 2014, S. 226, Anm. 85. Sein Halbvers I.20.43ab stimmt wortgleich mit Sampath I.20.42cd (PDF 364) überein. Diese konkrete Konkordanz wird nicht auf andere Stellen ausgedehnt.
Ṣaṭka I, Kapitel 20, Zitat 43ab
Deshalb soll dieses Yantra von einem Kundigen drei Tage lang ausgeführt werden.
Erläuterung: Leitquelle Kiss 2014, S.226, Anm. 85: I.20.43ab. Derselbe Wortlaut steht bei Sampath 2011, PDF 364, als I.20.42cd. Die Zuordnung beruht auf identischem Anfang und Ende; weitere Nummern werden nicht pauschal verschoben. Der Zusammenhang betrifft ein Zwangsritual, daher keine Aufnahme in die Praxisauswahl.
Fundstelle der Leitquelle: Kiss 2014, PDF-Seite 24; gedruckt 226.[2]
Ṣaṭka I, Kapitel 23: Insignien tantrischer Übender
Leitquelle: Sampath 2011, PDF389, I.23.33–36ab. Sanderson 2009, S.180 (PDF147), zitiert denselben Bereich nach fol.139r1–3 mit mehreren Eingriffen. Die Strophengrenzen werden am nummerierten Sampath-Druck geprüft; dessen Wortlaut bleibt hier die Grundlage. Der folgende Stababschnitt36cdff. ist nicht aufgenommen. [8] Ṣaṭka I, Kapitel 23, Vers 33
śubhraśaṅkhe prakartavye dvayaṅgule karṇike śubhe ||
Für die Vīras, Tiger unter den Königen, sind in diesem von Bhairava verehrten Tantra zwei glückverheißende Ohrschmuckstücke aus weißem Śaṅkha von zwei Fingerbreiten anzufertigen.
Erläuterung: Śaṅkha heißt Muschel; die konkrete Materialbedeutung im Kontext der tantrischen Insignien bleibt hier offen. Vīra bezeichnet den tantrischen „Helden“. Die Form dvayaṅgule wird bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 389.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 23, Vers 34
trivṛnnarakacotpannastripañcasarikaḥ samaḥ ||
Die beiden [Armreifen] sind mit zwei Fingerbreiten vorgeschrieben; der Haarschmuck hat das Maß turyāṅguṣṭha [nicht sicher aufgelöst]. [Die Schnur] ist dreifach gewunden, aus menschlichem Haar gefertigt, gleichmäßig und aus dreimal fünf Strängen …
Erläuterung: Die Leitquelle hat caruke; Sanderson emendiert an dieser Stelle rucake, „Armreifen“. Das Maß turyāṅguṣṭha wird nicht ungesichert als vier Daumenbreiten ausgegeben. Die Aussage über die aus Haar bestehende Schnur geht in 35 weiter.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 389.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 23, Vers 35
suvṛttamaṇisaṅghātaḥ syādekāvalī samāḥ ||
… und reicht vom Hals bis zur Hüfte; auch fünf Windungen werden gebilligt. Eine einzelne gleichmäßige Halskette soll aus wohlgerundeten Perlen bestehen.
Erläuterung: Die Kasusverbindung der zweiten Hälfte ist unregelmäßig. Sanderson bietet für diese Hälfte eine abweichende, durch Korrektur hergestellte Lesung; sie wird nicht in Sampaths Grundtext hineingemischt. Die Druckform kaṇṭhājaghana wird bewahrt; Sanderson hat kaṇṭhāj jaghana-.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 389.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 23, Zitat 36ab
Sie ist vom Mond unter den Sādhakas zu tragen, als übrige [Insignie], seinem Wunsch folgend [tadiccagā: unsichere Form].
Erläuterung: Nur36ab ist aufgenommen;36cd geht zur Ausgestaltung des Stabes über. Sanderson emendiert den Schluss zu tadicchayā. Die Begrenzung des Zitats auf36ab entspricht seinem Auszug.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 389.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 24: Kāntā-Mudrā – die liebliche Geste
Ṣaṭka I, Kapitel 24, Vers 56
bāhukūrparayor nyasya jānv āsthāpya ca kūrparau ||
In der Daṇḍaka-Sitzhaltung, Hals und Kopf aufrecht, [ordne man Arme und Ellbogen an; die erste Verbindung ist unklar] und setze die Ellbogen auf die Knie.
Erläuterung: Beginn der Kāntā-Mudrā. Die gestörte Armangabe wird nicht durch eine erfundene genaue Körperhaltung ersetzt. Daṇḍakāsana wird nicht ungeprüft mit einer heutigen gleichnamigen Asana gleichgesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 400.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 24, Vers 57
dvitīye cibuke nyasyā kuṃcayitvā vidhānataḥ ||
Man strecke den Zeigefinger aus und [bringe ihn] in die Mitte der Faust [dhane unklar]; bei der anderen [Hand] lege man ihn ans Kinn und beuge ihn gemäß der Vorschrift.
Erläuterung: Die genaue Zuordnung beider Hände bleibt in der unregelmäßigen Konstruktion unsicher. Keine ergänzte Rechts-links-Anweisung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 400.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 24, Vers 58
śeṣāḥ prasāritāṅṅgulyaḥ sopānavidhinā kramāt ||
Dann verbinde man den Zeigefinger mit dem Daumen und beuge ihn. Die übrigen Finger werden nacheinander stufenartig ausgestreckt.
Erläuterung: Die nichtklassische Gemination in aṅṅgulyaḥ wird bewahrt. Dieser Vers gehört zur mehrgliedrigen Gestenbeschreibung 56–60.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 400.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 24, Vers 59
kānteyaṃ kāntavat kāntā badhvā jñānaṃ pravarddhayet ||
Man mache das Gesicht ruhig und heiter, mit stetigem Blick. Dies ist die anmutige Kāntā[-Mudrā], lieblich wie eine Geliebte; indem man sie bildet, soll man die Erkenntnis entfalten.
Erläuterung: Kṛtyaśāntam ist unregelmäßig; der Zusammenhang beschreibt Gesichtsausdruck und Blick. Kāntā ist der Name einer Mudrā. Die vollständige Hand- und Armhaltung von 56–58 ist teilweise ungesichert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 400.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 24, Vers 60
saumyā e devyā bhavanty asyā ghorā api pradarśanāt ||
Beim spielerischen Üben [dieser Mudrā] erfolgt ihre Wahl nach eigenem Willen [Konstruktion unsicher]. Durch ihr Vorzeigen sollen sogar furchterregende Göttinnen friedlich werden.
Erläuterung: Die Quelle hat saumyā e devyā. Sie wird nicht still zu einer regulären Pluralform geändert. Die zugeschriebene Wirkung bleibt eine Aussage des Tantra.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 400.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29: Göttinnennamen und innere Lautstufen
Das Kapitel ist nach Sampath 2011, PDF 438–446, vollständig mit 67 Originalnummern und unnummeriertem Schluss wiedergegeben. Sein Anfang enthält zahlreiche Drucklücken, teils als Striche, teils als deutlich ausgesparte Bereiche. […] erhält diese offenen Stellen; eine am Manuskript bestätigte Verlustursache wird damit nicht behauptet. Die besser lesbaren Namensdeutungen beginnen im späteren Kapitelteil.
Sprecherzeile
Die ehrwürdige Göttin sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 438.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 1
[…] nirbhrāntaṃ vaktumarhasi ||
Großer Gott, was bedeutet Nisarga, die ursprüngliche Natur, [und] wie ist sein Sinn? […] Du mögest es ohne Irrtum erklären.
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 438.[1]
Sprecherzeile
Der ehrwürdige Bhairava sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 439.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 2
[…] ||
Was frei von Aufgehen und Entstehen ist, unvergänglich und nie aus seiner eigenen Natur herausfällt […]
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 439.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 3
tasyādhikārato vyomarūpayo’ntapratiṣṭhitaḥ ||
… und durch Erfahrung und Weiteres wie etwas außerhalb Befindliches erscheint. Die zweite Zeile setzt dessen Bereich, Raumgestalt und ein inneres Bestehen zueinander in Beziehung; ihre genaue Fügung ist ungesichert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 439.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 4
[…] tānantasvarūpaiśca vahiḥsthitam ||
Ein ununterbrochener Strom […] und [etwas] mit unendlichen eigenen Gestalten, außerhalb bestehend [der Zusammenhang ist lückenhaft].
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben. […] bezeichnet hier mindestens eine deutlich ausgesparte Textstelle im Druck; daraus folgt keine unabhängig am Manuskript bestätigte Überlieferungslücke.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 439.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 5
svapratiṣṭhamasaṃgūḍhaṃ […] tatva ||
Aus der ursprünglichen Natur des Bewusstseins bestehend, schwer zugänglich, stets hervorgetreten, ungeteilt, in sich selbst gegründet und unverhüllt […] Wirklichkeit.
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 439.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 6
bāhyasthaṃ taddhi mārgasthaṃ naisargamitaraṃ matam ||
[…] die vielfältigen Eigenschaften zeigend. Jenes befindet sich außen und auf einem Weg; das Ursprüngliche gilt als davon verschieden [Satzfügung verkürzt].
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben. […] bezeichnet hier mindestens eine deutlich ausgesparte Textstelle im Druck; daraus folgt keine unabhängig am Manuskript bestätigte Überlieferungslücke.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 439.[1]
Sprecherzeile
Die ehrwürdige Göttin sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 439.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 7
dagdhajanānāṃ tadyogya padmadivākaraḥ ||
[Anrede beschädigt …]. Die zweite Zeile nennt verbrannte Menschen und die Sonne für einen Lotos; eine vollständige Satzbedeutung lässt sich aus der Leitlesung nicht zuverlässig gewinnen.
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben. […] bezeichnet hier mindestens eine deutlich ausgesparte Textstelle im Druck; daraus folgt keine unabhängig am Manuskript bestätigte Überlieferungslücke. Tadyogya ist die Grundlesung; tayogya nur die Variante K/Kh.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 439.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 8
bhūyo’pi […] ||
Blauhalsiger [Śiva], Herr des Vernichtens [die Verbindung mit mano janma ist gestört], noch einmal […]
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben. […] bezeichnet hier mindestens eine deutlich ausgesparte Textstelle im Druck; daraus folgt keine unabhängig am Manuskript bestätigte Überlieferungslücke.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 439.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 9
kiṃ jñeyaṃ sarvavidyānāṃ kartavyānāñca kā kriyā ||
Was ist es, das im Inneren aller Lebewesen pulsiert? Was ist das zu Erkennende aller Vidyās, und welches Handeln gehört zu dem, was zu tun ist?
Erläuterung: Matam wird als eingeschobenes „nach der Lehre“ verstanden. Die erste Zeile ist metrisch kurz, aber syntaktisch als Frage verständlich.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 439.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 10
tvat prasādato brūhi sandehavinivṛttaye ||
[Die erste Zeile ist lückenhaft.] Sprich durch deine Gnade, damit der Zweifel schwindet.
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 439–440.[1]
Sprecherzeile
Der ehrwürdige Bhairava sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 440.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 11
[…] karavibhāgagā […] ||
Die Göttin Kālasaṅkarṣaṇī, mit Teilen versehen […] in einer Unterteilung von kara [Hand, Strahl oder Wirken; Zusammenhang beschädigt] […]
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben. […] bezeichnet hier mindestens eine deutlich ausgesparte Textstelle im Druck; daraus folgt keine unabhängig am Manuskript bestätigte Überlieferungslücke.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 440.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 12
mumukṣorbhogasantānaṃ lopayitvā […] ||
Sie hat einen aus grober Gestalt gebildeten Träger und nimmt feine Körperlichkeit an. Nachdem sie den Strom der Erfahrungen des nach Befreiung Strebenden zum Verschwinden gebracht hat […]
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben. […] bezeichnet hier mindestens eine deutlich ausgesparte Textstelle im Druck; daraus folgt keine unabhängig am Manuskript bestätigte Überlieferungslücke.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 440.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 13
sa somaḥ kaṇṭhabāhustho ghaṇṭikābhamajaṃ mukham ||
[…] die Sonnenscheibe [trivalot ist unklar]. Die zweite Zeile nennt Soma an Hals und Arm sowie das Zäpfchen beziehungsweise eine Glockengestalt und ein ungeborenes Gesicht; die Beziehungen sind beschädigt.
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 440.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 14
[…] binduṃ khaṇḍendorupari sthitam ||
Nirodhikā [befindet sich] oberhalb der Brauen [bhruvorddhe ist unregelmäßig] […] Bindu, oberhalb der Mondsichel befindlich.
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben. […] bezeichnet hier mindestens eine deutlich ausgesparte Textstelle im Druck; daraus folgt keine unabhängig am Manuskript bestätigte Überlieferungslücke.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 440.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 15
kṛtya visphūrjite […] ||
Im Bogen von zwölf Fingerbreiten, gerade, oben und mit Windung beziehungsweise Ring [sakuṇḍala], beim aufleuchtenden Wirken […]
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben. […] bezeichnet hier mindestens eine deutlich ausgesparte Textstelle im Druck; daraus folgt keine unabhängig am Manuskript bestätigte Überlieferungslücke.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 440.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 16
haṃsākṣaradvaye kṣīṇe visarge ca layaṃ gate ||
[Die erste verkürzte Zeile nennt] einen Körper und śeṣavrīhyāḥ [unverständliche Verbindung]. Wenn die beiden Haṃsa-Laute erschöpft sind und Visarga aufgegangen ist …
Erläuterung: Śeṣavrīhyāḥ ist die Grundlesung; śeṣaṃ brīhyā wird nur als Variante K geführt. Die verkürzte erste Zeile wird nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 440.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 17
[…] tadbāhyaśarīrakam ||
… [wird] Rekhā [als] äußerer Körper [bezeichnet]; dies gilt als sein Kennzeichen. […] jener äußere Körper.
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 440.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 18
cāre haṃsākṣaraṃ yāti śaktau sa ca […] ||
Jener Śiva, mit Śakti verbunden, gilt als höchster Körper. Im Verlauf geht der Haṃsa-Laut in die Kraft ein, und jener […]
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben. […] bezeichnet hier mindestens eine deutlich ausgesparte Textstelle im Druck; daraus folgt keine unabhängig am Manuskript bestätigte Überlieferungslücke.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 440.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 19
svabhāvaḥ kṛtako yanno yat tad rekhā vasānikam ||
[…] und Rekhikā. Die zweite Zeile spricht davon, dass die ursprüngliche Natur nicht hervorgebracht ist, und vom Ende der Rekhā; die Verknüpfung yanno yat tad ist unregelmäßig.
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben. […] bezeichnet hier mindestens eine deutlich ausgesparte Textstelle im Druck; daraus folgt keine unabhängig am Manuskript bestätigte Überlieferungslücke.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 440–441.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 20
[…] madaḥ sṛṣṭikuṇḍalam ||
Alles darin Befindliche ist aus Māyā hervorgegangen, wie ein Fischernetz im Wasser [die Wortform ambha ist unvollständig]. […] die Windung der Schöpfung [Anschluss beschädigt].
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben. […] bezeichnet hier mindestens eine deutlich ausgesparte Textstelle im Druck; daraus folgt keine unabhängig am Manuskript bestätigte Überlieferungslücke.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 441.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 21
haṃmanonmana ityuktaṃ sonmanaḥ sa […] ||
Die Rekhā [wird] als Bewusstheit von Manonmana und des Selbst betrachtet [Wortverbindung unsicher]. Es wird haṃmanonmana genannt; sonmanaḥ und sa […]
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben. […] bezeichnet hier mindestens eine deutlich ausgesparte Textstelle im Druck; daraus folgt keine unabhängig am Manuskript bestätigte Überlieferungslücke. Haṃsanonmana steht nur als Variante Kh. Die Lautnamen sind keine hier vollständig belegten Rezitationsformeln.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 441.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 22
kālasaṃkarṣaṇī hyeṣā svabhāvasthā vadhūtikā ||
[…] durch die Eigenschaft des Hervorbringens gekennzeichnet. Diese ist Kālasaṃkarṣaṇī, in ihrer eigenen Natur ruhend, Vadhūtikā.
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben. […] bezeichnet hier mindestens eine deutlich ausgesparte Textstelle im Druck; daraus folgt keine unabhängig am Manuskript bestätigte Überlieferungslücke.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 441.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 23
aghorāmṛtarvarṇā yā vijñaptisthā nirāmayā ||
[Sie heißt] Uccuṣmā, Nirācārā, Nisargā, Putravāhinī; [die weitere Namensverbindung aghorāmṛtarvarṇā ist ungesichert], sie ruht in Erkenntnis und ist frei von Leiden.
Erläuterung: Putravāhinī ist die vorliegende Lesung; sie wird nicht nach 55 still in Yantravāhinī geändert. Ebenso bleibt aghorāmṛtarvarṇā unaufgelöst.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 441.[1]
Sprecherzeile
Die ehrwürdige Göttin sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 441.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 24
syu […] te ||
[Die Göttin fragt nach] Kālasaṅkarṣaṇī und dem Zusammenhang der zuvor genannten Bezeichnungen. Die zweite Zeile ist bis auf syu und te im Druck ausgespart.
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben. Sphu ist als Variante Kh zu syu gedruckt und wird nicht in den Grundtext eingesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 441.[1]
Sprecherzeile
Der ehrwürdige Bhairava sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 441.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 25
sanādo marudākīrṇe […] ||
Ahaṃkāra hat die Gestalt der Zeit und ist mit sechzehn Kalās verbunden; er besitzt Nāda, im vom Wind erfüllten [Bereich] […]
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 441.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 26
evaṃ sarveṣu deheṣu haṃsaḥ kālasvarūpataḥ ||
Ein Hervorbringen [wird mit] einer Truṭi, Rekhā mit zwei [Truṭis verbunden; die Verbindung cchanta ist unklar]. So hat Haṃsa in allen Körpern die Gestalt der Zeit.
Erläuterung: Truṭi ist eine kleine Zeiteinheit; eine exakte moderne Sekundenangabe wird nicht aus dieser beschädigten Passage errechnet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 441.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 27
[…] māśritya nirvyāpāro bhavatyapi ||
Sie zieht das Leben vollständig ein […] und auf […] beruhend wird [es] ohne Tätigkeit.
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 441.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 28
mantrātītadaśā rekhā […] ||
Vasarga [gemeint ist im Zusammenhang Visarga] wird Mantra genannt, weil es die Eigenschaft des Denkens und Beschützens besitzt. Rekhā ist der Zustand jenseits des Mantras […]
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben. Vasarga ist die Druckform. Mantro bleibt gegenüber der Variante K mantraḥ erhalten. Die Namensdeutung man- / trā ist eine textinterne Erklärung, kein Beleg einer vollständigen Lautformel.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 442.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 29
jīvakāyasamākarṣāt pariṇāmayate tataḥ ||
In der Gestalt der Zeit ist jene Rekhā nektarführend. Durch das Zusammenziehen des lebenden Körpers bewirkt sie daraufhin Wandlung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 442.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 30
ucyate paramā śaktiḥ prāguktā tu parāparā ||
Deshalb so’ham […] wird die höchste Kraft genannt; die zuvor genannte ist hingegen höher und nieder zugleich.
Erläuterung: Drucklücken der Leitquelle sind als […] wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 442.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 31
supratiṣṭhāmalā nityā svasvarūpopamānagā ||
[Der Text nennt] ursprüngliche Natur, etwas Hervorgebrachtes und ein Sein, in dem alles Sein zusammenkommt: fest gegründet, unbefleckt, ewig und dem eigenen Wesen entsprechend.
Erläuterung: Die Verbindung svabhāvo kṛtakaḥ ist mit der folgenden Charakterisierung schwer vereinbar. Kṛtaka wird nicht still zu akṛtaka geändert; die Beziehungen der Satzglieder bleiben offen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 442.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 32
apaśabdapadāvasthā haṃsaśaktipratiṣṭhitā ||
Diese dreigestaltige Ranke trägt die Kraftanteile der Reinigung des Handelns; sie besteht in der als apaśabdapada bezeichneten Stufe und ist in der Haṃsa-Shakti gegründet.
Erläuterung: Apaśabda kann „unrichtiger Laut“ oder hier eine technisch verneinte Lautform meinen; keine sichere Auflösung. Haṃsaśakti ist ein Name beziehungsweise Prinzip, keine vollständig mitgeteilte Rezitationsformel.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 442.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 33
etat sarvaṃ dhvaneryasmād yasmād dvaye rekhāvasānike ||
Haṃ, Handlung und Māyā [werden miteinander verbunden; die genaue Zuordnung ist unklar]; Visarga wird als Unreinheit bezeichnet. All dies geht aus Klang hervor, und die beiden [enden] in der Rekhā [Satzfügung gestört].
Erläuterung: Die Silbe haṃ steht ausdrücklich im Text, jedoch als Bestandteil einer technischen Lautzuordnung. Selbstständige Rezitation wird hier nicht angeordnet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 442.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 34
dhuri vādhamaśeṣantu prapañcaṃ cidvilomadam ||
Daher wird sie Avadhūtā genannt, im Strom der Shakti [nähere Konstruktion unsicher]. Die zweite Zeile spricht von der gesamten Entfaltung, die dem Bewusstsein entgegensteht; ihre Handlungsaussage ist beschädigt.
Erläuterung: Der folgende Abschnitt erklärt Avadhūtā/Avadhūtikā durch ava und dhū. Die defekte Fügung dhuri vādhamaśeṣam wird nicht als sichere Etymologie übersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 442.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 35
avate prayojakebhyo dhunitvā yojya santatim ||
Sie bringt die Bewusstseinsnatur in ihre eigene Natur zurück; deshalb [heißt sie] Avadhūtikā. Sie schützt vor den bindenden Antrieben, nachdem sie die Folge dessen, was gebunden wird, abgeschüttelt hat.
Erläuterung: Die Erklärung spielt mit avate, „schützt“, und dhunitvā, „abgeschüttelt habend“. Yojya und prayojaka werden aus dem Zusammenhang von Bindung und Befreiung verstanden; die grammatische Gestalt bleibt unregelmäßig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 442.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 36
haṃsaśaktiḥ sarekhāntā dhunitvā layasaṃsthitā ||
Daher wird sie von weisen Kennern als Avadhūtā gepriesen. Die Haṃsa-Shakti schüttelt [die Bindung] bis zum Ende der Rekhā ab und ruht im Aufgehen.
Erläuterung: Rekhā, wörtlich Linie, bezeichnet hier eine feine Stufe innerer Lautentfaltung. Der Akkusativbezug zu dhunitvā ist verkürzt. Kein äußerer Reinigungsritus wird hinzugefügt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 442.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 37
dhūnyā nidhūnate yasmādadhvyā nirvarddhate yataḥ ||
Die Avadhūtikā schützt [vor beziehungsweise hinsichtlich] Bestehen, Entstehen und Vergehen. Weil sie durch Abschütteln hinwegschüttelt und hinsichtlich des Adhvan [der Ebenenfolge] wirkt [Verbfügung unsicher] …
Erläuterung: Die Endungen vināśinyo, dhūnyā und adhvyā sind unregelmäßig. Nirvarddhate wird nicht ohne Quelle zu nivartate korrigiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 442–443.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 38
avapālanamityuktaṃ dhunane kṣapaṇaṃ matam ||
… wird die Göttin Kālasaṅkarṣaṇī deshalb als Avadhūtikā verstanden. Ava wird als Beschützen erklärt, das Schütteln als Beseitigen.
Erläuterung: Dies ist die Deutung des Namens durch den Tantra-Text, keine Behauptung einer modernen sprachhistorischen Etymologie. Der erste Halbvers schließt 37 ab; der zweite formuliert die Grunddeutung selbstständig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 443.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 39
yo yasya tu samuddhāraḥ sa tasyoccuṣma ucyate ||
Durch dieses Beschützen und Abschütteln heißt sie Avadhūtā. Was aus etwas hervor- beziehungsweise herausgehoben wird, wird dessen Uccuṣma genannt.
Erläuterung: Die erste Zeile fasst die vorausgehende Namensdeutung zusammen; die zweite eröffnet die folgende Erklärung von Uccuṣmā. Die nichtklassische Form uccuṣma wird beibehalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 443.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 40
sa haṃsastasya soccuṣmā śabdaśaktiśarīragā ||
[Sie besitzt] die Gestalt des aus dem Saṃsāra Hervorgehobenen; daher wird sie Uccuṣmā genannt. Jener Haṃsa und die zugehörige Uccuṣmā [werden] im Leib der Lautkraft [verortet].
Erläuterung: Die Pronomen und Kasus sind verkürzt. Uccuṣmā wird hier nicht mit den Riten gleichnamiger Gottheiten anderer Werke gleichgesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 443.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 41
udgamaḥ pūrvajasthānaṃ hakārākṣaramucyate ||
Die Kenner, die über den Sinn des Ausatmens beziehungsweise Hervorströmens nachdenken, nennen sie Uccuṣmā. Das Hervortreten, der Ort des Zuerstgeborenen, wird als der Laut Ha bezeichnet.
Erläuterung: Die Quelle schreibt tajjñaiḥruccvāsa; die Deutung über Ausatmen folgt dem erkennbaren ucchvāsa-Bezug, ohne den Grundtext zu ändern. Ha ist eine Lautzuordnung, keine selbstständige Rezitationsanweisung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 443.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 42
rekhā sūkṣmā samākhyātā tadantamamṛtaṃ matam ||
Diese Uccuṣmā, jener Visarga, wird als grobe Uccuṣma bezeichnet. Rekhā gilt als die feine; ihr Ende wird als unsterblicher Nektar verstanden.
Erläuterung: Visarga bedeutet hier Aussendung und bezeichnet zugleich eine Lautstufe. Die Geschlechtswechsel der Quelle bleiben im Sanskrit erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 443.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 43
rekhopalabdhikaṃ tacca māyārūpamudāhṛtam ||
Das mit Uccuṣmā verbundene, hervorgebrachte Bewusstsein wird als aus Vergegenwärtigung bestehend bezeichnet. Es erfasst Rekhā und wird als eine Form der Māyā erklärt.
Erläuterung: Die Trennung uccuṣmā-kṛtakam wird aus der Gegenüberstellung zum nicht hervorgebrachten Grund verstanden. Die Quelle schreibt durchgehend.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 443.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 44
rekhāntamamṛtaṃ taddhi sūkṣmoccuṣmāvasānagam ||
Jener Bereich der eigenen Natur ruht in sich, ohne von anderem geschieden zu sein. Dies ist das unsterbliche Ende der Rekhā, der Abschluss der feinen Uccuṣmā.
Erläuterung: Der Vers unterscheidet den nicht geschiedenen Grund von der im vorausgehenden Vers als hervorgebracht bezeichneten Vergegenwärtigung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 443.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 45
uccuṣmāducyate śaktirmāmakīyamanorthataḥ ||
Weil dieses Uccuṣma aus der Shakti in ihrer ursächlichen Gestalt hervorgegangen ist, wird die Shakti Uccuṣmā genannt [die Verbindung mit māmakīyamanorthataḥ bleibt unsicher].
Erläuterung: Der Text erläutert erneut eine Benennung. Die letzte Wortfolge wird nicht in einen geläufigen modernen Fachbegriff umgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 443.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 46
yā cārāntaravijñānā nirācārā tataḥ smṛtā ||
Nachdem sie alle Unwissenheit beseitigt hat, [besteht] Erkenntnis des Selbst. Weil sie das Erkennen innerhalb beziehungsweise jenseits des Verlaufes [cāra] ist, wird sie Nirācārā genannt.
Erläuterung: Tenetyam und cārāntaravijñānā sind mehrdeutig. Nirācārā wird hier aus einem inneren Verlauf gedeutet, nicht als pauschale Empfehlung eines regellosen Lebens.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 443.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 47
carārtho gatimakṣobhyāmarthadānapratiṣṭhitaḥ ||
Nir wird durch das Beseitigen erklärt, ā durch das allseitige Umfassen. Car bedeutet Bewegung; die Verbindung mit Unerschütterlichkeit und Sinnverleihung bleibt in der zweiten Zeile grammatisch unklar.
Erläuterung: Der Vers bietet eine tantrische Zerlegung des Namens Nirācārā. Diese wird als Textdeutung, nicht als historische Wortableitung dargestellt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 444.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 48
stimitānugatāśaktirnirācārocyate vudhaiḥ ||
Wenn dieser [besondere] Verlauf ringsum aufgehoben ist, nennen die Weisen die zur Stille gelangte Shakti Nirācārā.
Erläuterung: Nātilakṣaṇa ist nicht sicher zu gliedern; die Kerngegenüberstellung von Verlauf und Stille ist deutlich. Die Schreibung vudhaiḥ wird bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 444.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 49
cāre rekhā samākhyātā tatpare śaktimātmanaḥ ||
Mit niḥ wird Ha verbunden; ā [entspricht] Sa mitsamt der Aussendung. Im Verlauf wird Rekhā genannt; jenseits davon [steht] die Shakti des Selbst [Konstruktion verkürzt].
Erläuterung: Die Verbindung āsakāraḥ wird im Rahmen der Namenszerlegung verstanden. Die hier genannten Buchstaben ergeben noch keine sicher selbstständig verwendete Rezitationsformel.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 444.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 50
aprayatnanirasto’sau nirācāreti ghuṣyate ||
Der Verlauf wird als Nāda bezeichnet, der die Mantras trägt. Ist dieser mühelos aufgehoben, wird [die Shakti] als Nirācārā verkündet.
Erläuterung: Nāda ist hier innerer Klang beziehungsweise Lautbewegung. Die Aussage nennt eine Stufe jenseits dieses Verlaufes; sie verwirft nicht pauschal jede Mantrapraxis.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 444.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 51
niḥsvarūpā yataḥ śaktirnirācārocyate tataḥ ||
Sie erfreut die Wesen [die Verbindung nirasvāṃ nirgalārgalām ist gestört]. Weil die Shakti ohne [festgelegte] Eigenform ist, wird sie Nirācārā genannt.
Erläuterung: Die Begriffe „ohne Eigenform“ und „erfreut“ sind erkennbar, die ganze erste Zeile aber nicht zuverlässig als Satz zu gliedern.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 444.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 52
yato nirvāṇadāṃ devī nirācārā tato matā ||
[Nachdem die Übenden ihren Weg gegangen sind; erste Zeile unklar], gewährt die Göttin Nirvāṇa; deshalb wird sie Nirācārā genannt.
Erläuterung: Die grammatische Beziehung von ācāriṇaḥ, caritvā und mārgagām ist ungesichert. Kein bestimmter Verhaltenskodex wird daraus rekonstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 444.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 53
nirācārastu yaḥ prokto vijñānādamṛtapradaḥ ||
Die ursprüngliche, ewige Gestalt ist eine Lebensführung, die zur höchsten Wirklichkeit gelangt. Das als Nirācāra Bezeichnete gewährt durch Erkenntnis den unsterblichen Nektar.
Erläuterung: Der Text spielt mit ācāra, Lebensführung/Verlauf, und nirācāra, dessen Überschreitung. Die Aussage ist keine heutige Aufforderung, alle vorbereitenden Disziplinen aufzugeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 444.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 54
tadyasyāḥ mokṣadaṃ jñānaṃ sā nisargābhidhīyate ||
Nisarga wird als die ewige, ursprüngliche Gestalt erklärt. Diejenige, deren befreiende Erkenntnis von dieser Art ist, heißt Nisargā.
Erläuterung: Das grammatische Femininum bezieht sich auf die Göttin. Der Name bezeichnet im Text eine Weise ihres befreienden Erkanntwerdens.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 444.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 55
praguṇāt praguṇād yogāt proktāto yantravāhinī ||
Die Körper sind Yantras [die Flexion ist gestört]. Weil sie diese in Gang hält, durch immer wirksamere Verbindung, wird sie Yantravāhinī genannt, „die Trägerin beziehungsweise Bewegerin der Yantras“.
Erläuterung: Tanavo’nyūnāṃ und tāṃ sind grammatisch auffällig. Der Grundbezug auf Körper ist ausdrücklich belegt; ein gemaltes Shri Yantra wird daraus nicht gemacht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 444.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 56
mahadādhārarūpasthā prokteyaṃ yantravāhinī ||
Das Yantra wird mit dem sechsfachen Adhvan und mit einer Dreiheit verbunden [erste Zeile beschädigt]. Weil sie als großer Träger besteht, wird sie Yantravāhinī genannt.
Erläuterung: Adhuga ist nicht sicher zu erklären. Die sechs- und dreifachen Zuordnungen werden nicht durch eine freie Aufzählung ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 444–445.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 57
tatsvarūpaṃ yatastasyāstato ghorākhyayā matā ||
Aghora wird als friedvoll erklärt, in restlosem Zur-Ruhe-Kommen bestehend. Weil dies ihre Gestalt ist, wird sie mit dem Namen Ghorā bezeichnet [so die abweichende Lesung der zweiten Zeile].
Erläuterung: Die Quelle hat zuerst aghoram, dann ghorākhyayā. Das fehlende a wird nicht still ergänzt. Der Vers bleibt aus diesem Grund außerhalb der Gebets- und Praxisauswahl.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 445.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 58
amṛtā sāmṛtā śaktiramṛtā cāmṛtātmanaḥ ||
Weil sie kraft ihrer Ewigkeit niemals gestorben ist, ist sie Amṛtā, die Unsterbliche. Die Shakti ist voll unsterblichen Nektars und von unsterblichem Wesen.
Erläuterung: Die Wiederholungen amṛtā/sāmṛtā verbinden „unsterblich“ und „Nektar“. Die letzte Genitivform ist unregelmäßig, die Namensdeutung aber deutlich.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 445.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 59
tatsvabhāvā yatasmātu nirvāṇoktā tato mayā ||
Ānanda heißt Nirvāṇa: jene ununterbrochene Freude. Weil dies ihre eigene Natur ist, wird sie von mir Nirvāṇā genannt.
Erläuterung: Die Quelle hat nirvāṇaḥ im Maskulinum sowie yatasmātu. Die Übersetzung bewahrt die Namensdeutung der Göttin.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 445.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 60
tadrūpe tu yataḥ śakteḥ sā jñaptiścoditā tataḥ ||
Das Bewusstsein des Erkennbaren wird von den Weisen Jñapti, Erkennen, genannt [die erste Zeile enthält eine gestörte Wiederholung]. Weil die Shakti diese Gestalt hat, wird sie Jñapti genannt.
Erläuterung: Jñaptiruktā jñaptirūktā steht ohne Siglum im Druck und wird nicht still auf eine einzige Fassung verkürzt. Die zusätzliche Länge wird nicht als weiterer Vers gezählt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 445.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 61
tairmuktāto yataḥ śaktiḥ sūta uktā nirāmayā ||
Āmayas heißen die Beeinträchtigungen, gekennzeichnet durch [eine beschädigte Verbindung von Māyā und Begrenztheit]. Weil die Shakti von ihnen frei ist, wird sie Nirāmayā, „frei von Beeinträchtigung“, genannt.
Erläuterung: Māyitvāṇūrddhva und sūta sind in dieser Verbindung ungesichert. Die Namensdeutung ist keine medizinische Heilungszusage.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 445.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 62
visargamīśvaraṃ viddhi sakāraṃ māṃ tvayā saha ||
Das Ende der Rekhā ist die Wirklichkeit Bhairavas, Rekhā selbst der Gott Sadāśiva. Erkenne Visarga als Īśvara und den Laut Sa als mich zusammen mit dir.
Erläuterung: Hier spricht Bhairava zur Göttin. Die Aussage ordnet Lautstufen Gottheiten zu; die einzelnen Lautbestandteile werden nicht ohne Rezitationsbeleg als Mantras angeboten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 445.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 63
nivṛttiśca pratiṣṭhā ca mahad bindugate viduḥ ||
Der Laut Ha ist der Lotusgeborene [Brahmā]; sein Bindu wird Sauri genannt. Nivṛtti und Pratiṣṭhā kennen [die Weisen] als im großen Bindu befindlich.
Erläuterung: Die Quelle schreibt sauri mit s, nicht śauri; die genaue Gottheitszuordnung dieses Wortes bleibt offen. Nivṛtti und Pratiṣṭhā sind kosmologische Kalā-Stufen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 445.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 64
śāntyatītā tu sā rekhā yonmanī parikīrtitāḥ ||
[Der als] dvisarga [gedruckte Bereich] reicht bis Vidyā und gilt als die Kalā namens Śānti. Śāntyatītā ist jene Rekhā, die als Unmanī bezeichnet wird.
Erläuterung: Dvisarga wird nicht still zu visarga korrigiert. Die Endung parikīrtitāḥ und yonmanī sind unregelmäßig. Die Einteilung der Stufen darf daher nicht als vollständig gesicherte Systemtabelle behandelt werden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 445.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 65
svabhāvavacanaṃ rekhā visargaśca manonmanaḥ ||
An ihrem Ende [steht] jene große Wirklichkeit, die zur mühelosen ursprünglichen Natur gehört. Die zweite Zeile verbindet die Bezeichnung der eigenen Natur, Rekhā, Visarga und Manonmanas; die genaue Zuordnung bleibt unklar.
Erläuterung: Mahābhūta wird in diesem metaphysischen Zusammenhang als „große Wirklichkeit“ erschlossen; der Vers enthält keine sichere neue Liste der fünf Elemente.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 445.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 66
bhūbrahmaprāṇajāgrādi hakārādiṣu saṃsthitam ||
Der Laut Sa wird Manas genannt; die Ich-Tätigkeit ist Yantravāhinī. Erde, Brahmā, Prāṇa, Wachzustand und Weiteres werden in Ha und den folgenden [Lautstufen] verortet.
Erläuterung: Die verkürzte Folge bhūbrahmaprāṇajāgrādi wird in ihre erkennbaren Glieder zerlegt; eine nicht genannte vollständige Konkordanz wird nicht erfunden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 446.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 29, Vers 67
proktametat sarvagataṃ bahirapi sthitaṃ tatvaṃ rūpaguṇamakṣaram ||
Nachdem du diese Lautentfaltung verstanden hast, verweile glücklich, Geliebte. Diese allgegenwärtige, auch außen bestehende Wirklichkeit wurde erklärt, [als] Form, Eigenschaft und Unvergängliches [letzte Verbindung verkürzt].
Erläuterung: Die zweite Zeile ist länger als ein gewöhnlicher Śloka-Halbvers. Akṣara bedeutet je nach Verbindung Laut/Buchstabe oder Unvergängliches; das Wortspiel wird offengehalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 446.[1]
Unnummerierte Schlusszeile
[Es folgen weitere Bestimmungen:] ohne Entfaltung, aus Māyā bestehend, gegliedert und ungegliedert, ohne Entfaltung und aus Bewusstsein bestehend. Die abschließende Negation na cidupāgatam ist nicht zuverlässig zu verbinden.
Hinweis: Unnummerierte längere Schlusszeile nach 67, kein zusätzlicher gezählter Vers. Die Spannung zwischen niṣprapañca und māyātmaka bleibt erhalten.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 446.[1]
Kolophon
So [endet] im Bhairava-Strom, im Vidyāpīṭha, im Śiraccheda, im ehrwürdigen Jayadrathayāmala, dem großen Tantra von vierundzwanzigtausend Versen, im ersten Ṣaṭka, bei Śrī-Kālasaṅkarṣaṇī, das neunundzwanzigste [Kapitel], „Darlegung der Göttinnen und der [Natur der] Mantralaute“ [Titelwortlaut beschädigt].
Hinweis: Der Druck schreibt mantravarṇasvapanirūpaṇam statt einer gesicherten Form mit svarūpa. Die Kapitelzahl 29 ist eindeutig.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 446.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30: Nisarganirṇaya – die ursprüngliche Natur
Dieses Kapitel ist nach Sampath 2011, PDF 446–450, mit allen 35 Originalnummern, Sprecherzeilen und Kolophon wiedergegeben. Die Vollständigkeit des Abdrucks beseitigt nicht die einzeln erläuterten Textverderbnisse.
Sprecherzeile
Die ehrwürdige Göttin sprach:
Hinweis: Die Quelle hat devu statt devy; keine stille Normalisierung.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 446.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 1
kathayasva mayā pṛṣṭaṃ sandehavinivṛttaye ||
Was ist das zu Erkennende aller Vidyās, du mit dem Mond als Kronjuwel? Sage es mir auf meine Frage, damit der Zweifel schwindet.
Erläuterung: Candracūḍāmaṇiḥ steht im Druck statt eines regelmäßigen Vokativs. Vidyā meint hier heilige Erkenntnis beziehungsweise göttliche Mantrakraft.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 446.[1]
Sprecherzeile
Der ehrwürdige Bhairava sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 446.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 2
na ca vaktuṃ mahādevi mama tulyo’pi yo bhavet ||
Tochter des Berges, niemand [nimantra: Wortlaut unklar] kennt [die Antwort auf] diese Frage; auch jemand, der mir gleich wäre, vermöchte sie nicht auszusprechen, große Göttin.
Erläuterung: Die Negationen bleiben erhalten. Nimantra wird nicht ohne Handschriftenbeleg in eine geläufigere Lesung geändert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 446.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 3
nāti niścayīkartuṃ pṛthaktayā pradarśanāt ||
Durch viele weit ausgreifende und schwer zu durchdringende [Darlegungen] lässt sich die bis an die Grenze der Begriffe reichende Frage nicht eindeutig entscheiden, wenn sie durch getrennte Darstellungen erklärt wird.
Erläuterung: Die Fügung kalpanāntāṃ pratikriyā nāti ist grammatisch gestört. Der erkennbare Zusammenhang betrifft die Begrenztheit begrifflicher Einzelbestimmungen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 446.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 4
vivecako vikalpastu sa ca cidrūpamāśritaḥ ||
Ein Gegenstand wird als das zu Erkennende bezeichnet; das Wissen unterscheidet ihn. Das Unterscheidende aber ist begriffliches Unterscheiden, und dieses beruht auf der Natur des Bewusstseins.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 446–447.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 5
cijjānasya niyoktātra cittaṃ jñeyaṃ vivecane ||
Der auf den Unterscheidungen verschiedener Āgamas beruhende Sprachgebrauch ist bestimmt. Bei dieser Unterscheidung soll der Geist als dasjenige erkannt werden, das die Bewusstseinserkenntnis lenkt.
Erläuterung: Cijjāna ist die Druckform; sie wird nicht still in cijjñāna geändert. Die Aussage stellt die Ebene unterscheidenden Wissens dar, die in 6–11 weiter differenziert wird.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 447.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 6
ekībhāvaṃ yathā yāti jñeyaṃ tat kila mokṣadam ||
Erkenntnis und ebenso das zu Erkennende: Diese Dreiheit [des Erkennens] ist jeweils gesondert zu verstehen. Wie sie zur Einheit gelangt, das ist zu erkennen; eben dies gewährt Befreiung.
Erläuterung: Die Dreiheit wird im Zusammenhang von I.30.4–6 entwickelt. Der erste Halbvers benennt nicht alle drei Glieder nochmals ausdrücklich.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 447.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 7
jñeyasvarūpako yogī mucyate bhavabandhanāt ||
In der Erkenntnis gelangt [es] zur Reinheit; im Wissen [?] löst sich das zu Erkennende auf. Der Yogi, dessen eigenes Wesen das zu Erkennende ist, wird von der Bindung an das Werden befreit.
Erläuterung: Die Vorlage druckt jñāneṃ. Die syntaktische Beziehung von vimalaṃ und das Subjekt von yāti bleiben unsicher. Die zweite Satzhälfte ist klarer als die erste.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 447.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 8
asmādavayatvād yo mokṣaḥ sa mokṣo bhāvanāmayaḥ ||
[Der Text nennt] das Vergegenwärtigen, das zu Vergegenwärtigende und die Vergegenwärtigung als Dreiheit. Die Befreiung, die aus ihrem [Zusammenhang; Wortlaut beschädigt] entsteht, ist eine aus Vergegenwärtigung bestehende Befreiung.
Erläuterung: Die Quelle hat bhāvayitvā, nicht das zu erwartende bhāvayitā, sowie asmādavayatvād. Die erschlossene Dreiheit wird nicht als still emendierter Sanskrittext präsentiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 447.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 9
śrutārthānniścayasteṣāṃ mokṣaḥ śrutimayomayaḥ ||
Die durch Wissen aus dem Sinn des Gehörten gewonnene Gewissheit darüber, welche Gestalten des Erkennbaren zu meiden und welche anzunehmen sind, ist eine vom Gehörten geprägte Befreiung.
Erläuterung: Die redundante Form śrutimayomayaḥ bleibt im Grundtext. Śruta bezeichnet hier Gehörtes beziehungsweise überlieferte Lehre; es ist nicht automatisch ausschließlich der Veda gemeint.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 447.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 10
yoginastaṃ na jānanti svavārtāmiva mānuṣāḥ ||
Die Pada-Yogis finden eine Befreiung aus wirklichem Bewusstsein [erste Verbindung unregelmäßig]. [Andere] Yogis kennen sie nicht, wie Menschen ihre eigene Angelegenheit [nicht kennen].
Erläuterung: Satsaṃvinmayadam und die Verbindung vindate/padayoginaḥ sind gestört. Pada-Yogi wird als technische Bezeichnung bewahrt; der Vers setzt bestimmte Yogis zueinander in Beziehung, kein allgemeines Urteil über alle Übenden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 447.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 11
mukhyaḥ saṃvinmayaḥ proktaḥ saṃvidarthaviśāradaiḥ ||
Diese Befreiung besteht nicht aus dem Gehörten; [die Fortsetzung mit tadā tadbhāvatāmayaḥ ist syntaktisch unsicher]. Die maßgebliche Befreiung wird von den Kennern der Bedeutung des Bewusstseins als aus Bewusstsein bestehend bezeichnet.
Erläuterung: Es wäre eine Konjektur, tadā stillschweigend in na vā zu ändern und daraus eine zweite eindeutige Verneinung zu gewinnen. Die Ausgabe wird hier unverändert bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 447.[1]
Sprecherzeile
Die ehrwürdige Göttin sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 447.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 12
sandehādapi sandehoṃ na paraṃ yojitaḥ prabho ||
Herr der Götter, ich bin wohl befreit, der Zweifel ist von mir abgelegt! [Doch die nächste Zeile spricht erneut von Zweifel und dem Höchsten; ihre Fügung ist ungesichert], Herr.
Erläuterung: Der weitere Dialog zeigt eine erneute Frage. Die zweite Zeile wird nicht frei zu einer eindeutigen Bestätigung vollendeter Befreiung umformuliert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 447.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 13
paratvasya tu tattvajño virūpapratipattitaḥ ||
Die Weisen wünschen eine einzige, einheitliche Gestalt der Befreiung. Die weitere Aussage über den Kenner des Höchsten und das Erfassen verschiedener Gestalten bleibt grammatisch unvollständig.
Erläuterung: Die Quelle schreibt eccanti. Die folgende Frage in 14 gehört zu demselben Zweifel an verschiedenen Befreiungsbegriffen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 447–448.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 14
yayā tathyantu tad brūhi mayā tadbandhavigrahaḥ ||
[Die Göttin fragt nach] der auf Vergegenwärtigung beruhenden Bewusstheit und danach, was ihre Bindung beseitigt. Die beiden Zeilen sind so gestört, dass die genaue Frage nicht vollständig zuverlässig übersetzbar ist.
Erläuterung: Der Druck hat bandhuvināśaka, wörtlich „Angehörige vernichtend“, neben bandhavigraha. Der Befreiungskontext legt eine Bindungserörterung nahe; eine stille Korrektur von bandhu zu bandha wird nicht vorgenommen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 448.[1]
Sprecherzeile
Der ehrwürdige Bhairava sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 448.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 15
śeṣā prayatnasaṃsiddhiḥ savikārā na mokṣadā ||
Die Befreiung des mühelosen Bewusstseins ist Befreiung im höchsten Sinne. Die übrige, durch Anstrengung zustande gebrachte Vollendung unterliegt Veränderung und gewährt keine Befreiung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 448.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 16
mṛtāste śaivasiddhāntasthitā yanna padojjhitā ||
[Die hier bezeichnete Befreiung] ist von mir als frei von der Folge des Erkennenden, Erkennens und Erkennbaren [gelehrt]. Tot sind jene, die im Śaivasiddhānta verharren, weil sie die Stufe nicht verlassen haben [Satzfügung ungesichert].
Erläuterung: Die polemische Aussage mṛtāste wird nicht beschönigt. Gemeint ist eine theologische Abgrenzung; ein Aufruf zur Tötung von Anhängern des Śaivasiddhānta steht nicht im Vers.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 448.[1]
Sprecherzeile
Die ehrwürdige Göttin sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 448.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 17
udeśaya prasādena dehi me jñānavigraham ||
Śaṅkara, unterweise mich durch deine Gnade über die unveränderliche ursprüngliche Natur [die Verbindung mit anyayatna ist unklar]. Gewähre mir die Gestalt der Erkenntnis.
Erläuterung: Udeśaya ist eine auffällige Form. Anyayatna kann auf das Verhältnis zur Anstrengung anderer Art verweisen, erlaubt aber keine sichere Ergänzung „gänzlich ohne Anstrengung“ im Grundtext.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 448.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 18
prāheśo’nanyajā pūrṇā dṛgavekṣya priyāmukham ||
[Der Herr mit dem] halben, kühlen Mondbild im Haarschmuck [erste Fügung beschädigt] blickte auf das Gesicht seiner Geliebten und sprach [die Beschreibung seines Blickes bleibt unklar].
Erläuterung: Die Erzählzeile führt zur Antwort ab 19. Die überlieferten Verbindungen miṣubimbārddha und ananyajā pūrṇā dṛk werden nicht frei ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 448.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 19
vṛttitraya samālaṃbya nānābhāvarasāśrayaiḥ ||
Mitten auf der Bühne der eigenen Natur tanzt die Welt wie ein Schauspieler. Sie stützt sich auf eine dreifache Tätigkeit und auf die vielfältigen Zustände und ihre Erlebnisqualitäten.
Erläuterung: Die drei Tätigkeiten werden in dieser Strophe nicht einzeln benannt; die Übersetzung ergänzt keine Liste.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 448.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 20
svabhāva eva nirdiṣṭo vācyavācakarūpataḥ ||
Dieses Wollen und das Weitere werden nicht als sein [erschöpfender] Ausdruck bezeichnet. Vielmehr wird die eigene Natur selbst in der Gestalt des Bezeichneten und des Bezeichnenden aufgezeigt.
Erläuterung: Die nichtklassische Schreibung iccā wird bewahrt. „Erschöpfend“ verdeutlicht den Zusammenhang mit der folgenden Erörterung der Grenzen sprachlichen Bezeichnens.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 448.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 21
teṣāṃ prayatnasantāpaprayatnaṃ hyeva bandhanam ||
Für diejenigen, die über Befreiung sprechen und sie im wechselnden Bereich des Erkennbaren und Nicht-Erkennbaren suchen, ist gerade das Bemühen unter der Qual der Anstrengung Bindung.
Erläuterung: bodhyabodhye wird als bodhya-abodhye gelesen; eine andere Zerlegung ist möglich. Die Quelle verzeichnet zu bandhanam die Variante vardhanam unter dem Siglum Kh. Diese Variante steht nicht im Grundtext dieser Ausgabe.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 448.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 22
parāntarātmabāhyātmacintayā ye ca varjitāḥ ||
Diejenigen gelangen zum höchsten Ziel, in deren Geist sich kein [festgehaltener] Gegenstand befindet und die frei sind vom Nachdenken über ein höheres, inneres oder äußeres Selbst.
Erläuterung: Die Aufgliederung des Kompositums parāntarātmabāhyātma ist interpretierend. Gemeint ist hier die Freiheit von gedanklichen Festlegungen; die Strophe fordert keine Bewusstlosigkeit.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 449.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 23
tatra cittādisaṃkalpo nirvikalpaṃ hi tatparam ||
Auf den Wegen von Befreiung und Nichtbefreiung ist gerade das Suchen nach dem Eigenen Bindung [erste Verbindung unregelmäßig]. Dort besteht begriffliches Entwerfen des Geistes und Weiteres; das Höchste ist jedoch frei von begrifflichem Entwerfen.
Erläuterung: Svamārgaṇa kann das Suchen nach dem Selbst beziehungsweise Eigenen meinen. Die Aussage wird im Kontext der bereits erwachten ursprünglichen Natur gelesen, nicht als pauschales Verbot jeder spirituellen Suche.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 449.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 24
ato na vācakastasya vācakaḥ kintvavācakaḥ ||
Denn die Eigenschaftslosigkeit des Eigenschaftslosen ist, als begriffliche Vorstellung, selbst etwas mit einer Eigenschaft. Deshalb bezeichnet ein Bezeichnendes es nicht wirklich; es bleibt vielmehr ein Nicht-Bezeichnendes.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 449.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 25
vikalpoccūnatā nutāmanubhāvaprasādhitā ||
[Die erste Zeile fragt nach] dem hier Anzunehmenden und dem Erkennen eines Zustandes. Die zweite nennt begriffliche Entfaltung und das durch Erfahrung Verwirklichte; eine vollständige Satzübersetzung ist bei dieser Lesung nicht gesichert.
Erläuterung: Vikalpoccūnatā nutām ist gestört. Es wird keine glatte Lehraussage durch Rückübersetzung hergestellt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 449.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 26
vibhurjñeyasya tadrūpaṃ śabdasyeva rasendriyam ||
Jenes Wissen, das verschieden gestaltete Gegenstände erfasst, [steht zur allumfassenden Wirklichkeit; Satzfügung unklar] wie der Geschmackssinn zum Klang.
Erläuterung: Der Vergleich rasendriya/śabda benennt erkennbar unterschiedliche Wahrnehmungsbereiche. Die grammatische Stellung von vibhuḥ verhindert eine sichere vollständige Übersetzung der Schlussfolgerung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 449.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 27
hṛtaṃ bhavatyā praśnena mayā cāpyuttareṇa tu ||
[Was] klar im eigenen Bereich bestand [erste Zeile unregelmäßig], wurde durch das Verfahren von Frage und Antwort fortgenommen: durch deine Frage und ebenso durch meine Antwort.
Erläuterung: Die Quelle liest svaccasvabhāgam, nicht eine gesicherte Form svacchasvabhāvam. Der Vers problematisiert die begriffliche Darstellung selbst; er ist kein Verbot des Dialogs.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 449.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 28
jāgratsvapnasuṣuptāntaṃ pravedinām ||
Die Zeilen nennen Yoga und weitere [Verfahren] im Bereich der Erde sowie Wachsein, Traum und Tiefschlaf. Der verkürzte Schluss lässt sich nicht als vollständige Aussage zuverlässig übersetzen.
Erläuterung: Die Quelle hat unter 28 nur diese eine vollständige und eine deutlich verkürzte Zeile; keine fehlenden Versfüße werden ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 449.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 29
tadā bhāvaḥ smṛto nityo hyanityo tathyatā smṛtā ||
Was Aufgehen, Entstehen und Bestehen hat, gilt hier als unbeständig. Die zweite Zeile stellt Beständigkeit, Unbeständigkeit und Wirklichkeit nebeneinander, ist aber nicht eindeutig zu gliedern.
Erläuterung: Die Wiederholung nitya/anitya wird erhalten. Der vollständige Vers wird wegen der unsicheren zweiten Zeile nicht allein aufgrund seiner klaren ersten Hälfte für die Praxis ausgewählt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 449.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 30
tadā tadartharūpaṃ syādartho’pi hi ghaṭādivat ||
Wenn die Beziehung von Bezeichnetem und Bezeichnendem durch Worte und dergleichen entsteht [vācya ist grammatisch unklar], dann nähme [das Gemeinte] die Gestalt dieses Gegenstandes an; auch dieser Gegenstand wäre dann wie ein Topf und Ähnliches.
Erläuterung: Die in der Vorlage stehende Form vācya wird weder ergänzt noch stillschweigend flektiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 449.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 31
śeṣātmajñānaśāstrebhyo jyotsneva pravijṛmbhate ||
Wenn sie im großen Wirklichen gegründet ist und allein die eigene Natur zum Bereich hat, entfaltet sie sich wie Mondlicht über die übrigen Lehrschriften von der Selbsterkenntnis hinaus.
Erläuterung: Das feminine sā nimmt die zuvor behandelte Erkenntnis beziehungsweise Einsicht auf; ein eigenes Substantiv wird in dieser Strophe nicht wiederholt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 449–450.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 32
nirlakṣaṃ labdhalakṣo yo vivyādha sa dhanurdharaḥ ||
Wen der große Schlaf nicht an sich gezogen hat, dessen Pfeil des eigenen Inneren frei ist und der, das Ziel treffend, das Ziellose durchbohrt hat – der ist ein Bogenschütze.
Erläuterung: Das Versbild verbindet mārgana/mārgaṇa (Pfeil beziehungsweise Suchen) und lakṣa (Ziel). Mahāsvāpa heißt wörtlich „großer Schlaf“; seine Deutung als grundlegende Unbewusstheit bleibt eine Erklärung, keine zusätzliche Sanskritaussage.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 450.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 33
śāstrāṇi māyārthaviśāradāni prapañcaśūnyastu punarnisargaḥ ||
[Wenn man] in den eigenen höchsten Zustand eingegangen ist: Warum richtet ihr den Geist auf die Netze der Lehrschriften? Die Lehrschriften verstehen sich auf die Gegenstände der Māyā; die ursprüngliche Natur aber ist frei von begrifflicher Entfaltung.
Erläuterung: upeyuṣam ist in dieser Satzkonstruktion auffällig. Der Zusammenhang beschränkt die Frage auf die verwirklichte höchste Erkenntnis; er ist kein allgemeines Verbot des Schriftenstudiums.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 450.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 34
upadeśe gururahaṃ śeṣānye mokṣavādinaḥ ||
In der Unterweisung, die zur eigenen Natur führt, die ohne Unterscheidung und ohne ein ins Werk gesetztes Beginnen fest gegründet ist, bin ich der Guru. Die übrigen anderen sind Redner über Befreiung.
Erläuterung: Hier spricht Bhairava. Nirviveka bezeichnet in diesem Zusammenhang das Ende begrifflichen Aufteilens, nicht den Verzicht auf ethische Unterscheidungsfähigkeit.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 450.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 30, Vers 35
tadvadupadeśavedyaṃ vaktuṃ śakroti ko’tra himagiritanaye ||
Tochter des Schneegebirges, wer vermag hier das zu sagen, was zwar Gegenstand der Unterweisung ist, aber keine Benennung, keinen Laut und keine Geburt hat [weitere Bestimmungen der ersten Zeile beschädigt]?
Erläuterung: Die lange Verbindung ajamattapamaguṇasamalabalasaṃvedyam wird nicht zu einem frei formulierten Lobpreis geglättet. Beide langen Zeilen bilden die Originalnummer 35.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 450.[1]
Kolophon
So [endet] im Bhairava-Strom, im Vidyāpīṭha, im Śiraśceda, im großen Tantra Jayadrathayāmala von vierundzwanzigtausend [Versen], im ersten Ṣaṭka, bei Śrī Kālasaṅkarṣaṇī, das dreißigste Kapitel: die Bestimmung der ursprünglichen Natur.
Hinweis: Kolophon des gesamten Kapitels, dessen Verse hier nur teilweise wiedergegeben werden. Die Vorlage schreibt śiraścede und triṃśatiḥ; die gebräuchliche Titelform Śiraccheda wird nicht stillschweigend eingesetzt. Die Zahl 30 bleibt eine Kolophonziffer, keine zusätzliche Versnummer.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 450.[1]
Ergänzende heutige Konzentrationspraxis mit Sukadev und Lea; ihre Atemanweisungen stammen aus heutiger Yoga-Vidya-Praxis.
Ṣaṭka I, Kapitel 31: Kriyāśakti – Erkenntnis und Handlungskraft
Dieses kurze Kapitel ist nach Sampath 2011 vollständig wiedergegeben: elf Originalnummern, beim Kapitel 32 zusätzlich eine unnummerierte Schlusszeile. Auch in vollständig wiedergegebenen Nummern bleiben einzelne Wortverbindungen beschädigt und nicht sicher übersetzbar.
Sprecherzeile
Der ehrwürdige Bhairava sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 450.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 31, Vers 1
kartavyānāṃ kriyā hyeṣā mukteḥ sādhanabhāvataḥ ||
[Wer] durch jene [Erkenntnis] von der Entfaltung [der Erscheinungen] frei und über ihre Unterscheidung belehrt ist: Diese Verrichtung des zu Tuenden gilt als Handlung, insofern sie ein Mittel zur Befreiung ist.
Erläuterung: Die erste Zeile setzt den vorausgehenden Erkenntniszusammenhang fort; die syntaktische Verbindung ist unregelmäßig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 450.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 31, Vers 2
ātmatatvakriyā hyeṣā sadāśivapadānugā ||
„Dies ist die Entfaltung der Erscheinungen, dies ist Śambhu“ – der Unterschied beider wird deutlich. Dies ist die auf das Selbstprinzip bezogene Handlung, die der Stufe Sadāśivas folgt.
Erläuterung: Der Text beschreibt hier eine unterscheidende Betrachtung; die im nächsten Vers benannte Bindu-Ebene ist nicht mit der höchsten, unterschiedslosen Einsicht gleichzusetzen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 450.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 31, Vers 3
vidyāvidhānam etad dhi bindutatvasvarūpadam ||
Durch Vertrauen von unmittelbarer Erfahrung erfüllt ist diese hohe Stufe. Dies ist die Ordnung der Vidyā, die das Wesen des Bindu-Prinzips verleiht.
Erläuterung: Bindu ist hier ein bestimmtes kosmologisches und mantrisches Prinzip, nicht bloß ein anatomischer Punkt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 450–451.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 31, Vers 4
śivatatvaṃ svabhāvasthaṃ svasvabhāvaprakāśakam ||
Das Shiva-Prinzip ist frei von absichtsvoller Aufmerksamkeitsanstrengung, einzig der unmittelbaren Erkenntnis zugänglich; es ruht in seiner ursprünglichen Natur und offenbart diese eigene Natur.
Erläuterung: Avadhāna bezeichnet hier die gezielte Ausrichtung der Aufmerksamkeit. Die Aussage verwirft nicht pauschal jede vorbereitende Übung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 451.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 31, Vers 5
yat sādhanakriyā yā tu nirmathyā sā kriyā matā ||
Das zu vollbringende Ziel ist das Abschneiden des Leidens im Kreislauf des Werdens. Die dafür dienende, herauszuarbeitende Verrichtung wird als Handlung bezeichnet.
Erläuterung: Die Formulierung der zweiten Zeile ist unregelmäßig; nirmathyā ist wörtlich „herauszuquirlen/zu erarbeiten“.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 451.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 31, Vers 6
kartavyam asya ca kriyā svabhāvaparabhāvanā ||
Hervortreten, Verbergen, Vernichten, Erhalten und Begnadung sind sein Wirken. Die Handlung [des Übenden] ist die ganz auf die ursprüngliche Natur gerichtete Vergegenwärtigung.
Erläuterung: Die Aufzählung bleibt in der Reihenfolge der Quelle. Die grammatische Verbindung von kartavyam und kriyā ist verkürzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 451.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 31, Vers 7
hṛtyaniṣpatti dṛṣṭena sā kriyety upacaryate ||
Śambhus anstoßende Kraft wird allein durch seinen Willen wirksam. Im Hinblick auf das Zustandekommen [des Wirkens; Wortlaut unklar] wird sie „Handlung“ genannt.
Erläuterung: Die Wortfolge hṛtyaniṣpatti dṛṣṭena ist beschädigt. Sie wird nicht stillschweigend zu kṛtyaniṣpatti emendiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 451.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 31, Vers 8
sā kriyāṇāṃ kriyārthāya paramāṇuḥ kṛto yayā ||
Die Lösung der Bindung der Gebundenen [geschieht] durch das Erwachen zur ursprünglichen Natur. Die zweite Zeile bezeichnet eine Handlung und das begrenzte Einzelwesen, lässt sich in dieser Lesung aber nicht zuverlässig als vollständiger Satz übersetzen.
Erläuterung: Die Quelle hat die Folge yat yaḥ ohne eindeutige Trennung einer Variante. Sie bleibt erhalten. Paramāṇu wird hier nicht in ein modernes Atommodell übertragen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 451.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 31, Vers 9
sa prapañco’prapañcaś ca prayatnaś cāpy ayatnavān ||
Bhoga heißt das Auskosten, das beim Menschen die Gestalt unmittelbarer Erfahrung hat. Es kann mit Entfaltung und ohne Entfaltung, mit Anstrengung und ohne Anstrengung bestehen.
Erläuterung: Prapañca meint hier die Entfaltung in unterscheidbare Erscheinungen und Begriffe; bhoga ist weiter gefasst als bloß sinnlicher Genuss.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 451.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 31, Vers 10
bandhakriyāniyogas tu mokṣaḥ svābhāvikī kriyā ||
Durch die drei Yogas wird der Mensch vollendet, und die eigene Natur entspringt dem Ursprünglichen. [Der Text stellt] die Bindung an Handlung und die Befreiung als natürliches Wirken gegenüber.
Erläuterung: Die zweite Zeile ist syntaktisch unsicher. Welche drei Yogas hier genau gemeint sind, wird in diesem kurzen Kapitel nicht neu aufgezählt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 451.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 31, Vers 11
sūkṣmayiādhigatam adbhuta bandhamokṣam itthaṃ navāḥ śivamahāgamādarśitārthā |
Wie könnte es Erlösung geben, ohne diesen Unterschied zwischen Bindung und Befreiung zu verstehen? Die anschließenden langen Verszeilen sprechen von einer feinen Einsicht in Bindung und Befreiung, vom großen Shiva-Āgama und vom Beseitigen heftigen Leidens. Ihr Wortlaut ist so beschädigt, dass eine vollständige Satzübersetzung nicht zuverlässig möglich ist.
Erläuterung: Alle drei Zeilen stehen in der Quelle unter der Originalnummer 11. Die letzten beiden werden als nur teilweise verständlicher Text bewahrt, nicht als zusätzliche Verse gezählt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 451.[1]
Kolophon
So im Bhairava-Strom, im Vidyāpīṭha [abweichende Form], im Śiraccheda, im ehrwürdigen Jayadrathayāmala, dem großen Tantra von vierundzwanzigtausend Versen, im ersten Ṣaṭka, bei Śrī-Kālasaṅkarṣaṇī: das einunddreißigste Kapitel, „Darlegung der Natur der Handlungskraft“.
Hinweis: Die gedruckten Formen vidyāīṭhe und svarūnirūpaṇam bleiben erhalten. Die Umfangsangabe ist traditioneller Kolophonwortlaut.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 452.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 32: Erkenntnis und die Reichweite des Handelns
Dieses kurze Kapitel ist nach Sampath 2011 vollständig wiedergegeben: elf Originalnummern, beim Kapitel 32 zusätzlich eine unnummerierte Schlusszeile. Auch in vollständig wiedergegebenen Nummern bleiben einzelne Wortverbindungen beschädigt und nicht sicher übersetzbar.
Sprecherzeile
Der ehrwürdige Bhairava sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 452.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 32, Vers 1
tad jñāyate tatkriyayā yato’ṅgaṃ tasya na kriyā ||
Jene Wirklichkeit, deren Gestalt die ursprüngliche Natur ist, besteht in höchstem Frieden. Sie wird durch ihr Wirken erkannt, wobei Handlung doch kein Glied ihres Wesens ist.
Erläuterung: Die Spannung zwischen „durch ihr Wirken“ und „Handlung ist kein Glied“ gehört zum Wortlaut. Die Negation wird nicht verschoben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 452.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 32, Vers 2
śaktigocaragaṃ tad dhi saprapañcaṃ kriyātmakam ||
Weil [Handlung] kein Glied [dieser Wirklichkeit] ist, [folgt eine beschädigte Aussage über Freisein]. Was in den Bereich der Shakti fällt, ist mit Entfaltung verbunden und von Handlung geprägt.
Erläuterung: Die Wortfolge tat tattvamuktaṃ mukta yena hi ist gestört; sie wird nicht frei zu einer nondualistischen Aussage ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 452.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 32, Vers 3
mantrasthaṃ saprapañcan tu ubhayārthaprasādhakam ||
Durch eine immer feinere Unterscheidung wird [dies] als Stätte der Erfahrung bezeichnet. Im Mantra bestehend und mit Entfaltung verbunden, vermag es die beiden Ziele zu verwirklichen.
Erläuterung: Die beiden Ziele sind im Kontext Erfahrung beziehungsweise Befreiung; der Vers selbst nennt sie nicht einzeln.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 452.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 32, Vers 4
nirvāṇavibhavā siddhiḥ śeṣaṃ krīḍāvidhāyakam ||
Auf eine von Entfaltung freie Erkenntnis [erste Zeile beschädigt] folgt jene Vollendung, deren Herrlichkeit Erlösung ist. Das Übrige dient dem Spiel.
Erläuterung: Die Wortfolge prayatnā yā rupalabdheḥ erlaubt keine sichere Aussage darüber, ob hier ausdrücklich Anstrengung oder Mühelosigkeit steht.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 452.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 32, Vers 5
sūkṣmakriyāmayaṃ jñānaṃ yat tac chrutamayaṃ kriye ||
Das Natürliche und Selbstständige wird [hier] „Spiel“ genannt und besteht in Vergegenwärtigung. Erkenntnis ist von feinem Wirken geprägt; die abschließende Verbindung mit dem durch Hören Überlieferten bleibt unklar.
Erläuterung: Kriye ist in dieser Verbindung nicht sicher deutbar; die Schlusswörter werden nicht in eine andere Sanskritfassung zurückübersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 452.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 32, Vers 6
tasmāt svaviṣayopāntaṃ dhatte svaviṣayaṃ phalam ||
Handlung hängt von Erkenntnis ab, Göttin. Wie könnte diese [Erkenntnis] ihrerseits von jener [Handlung] abhängen? Daher trägt [die Handlung] eine Frucht, die auf ihren eigenen Bereich begrenzt ist.
Erläuterung: Die beiden tat werden aus der Gegenüberstellung von Erkenntnis und Handlung verstanden. Der Vers bestimmt deren Verhältnis, nicht die generelle Wertlosigkeit von Übung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 452.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 32, Vers 7
teṣu teṣu tathā vīryaṃ tat tu yogyatvasaṃsthayā ||
In jedem Mittel zur Befreiung ist seine besondere Wirkkraft entsprechend seiner jeweiligen Eignung vorhanden.
Erläuterung: Die Wiederholung yeṣu yeṣu / teṣu teṣu betont die Verschiedenheit der Mittel und ihrer Zuständigkeit.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 452.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 32, Vers 8
caryāyogacaruprāṇikāyasaṃbhavaprāśanaiḥ ||
Durch innere Prägungen, Handlungen und Vidyās, durch Mantras und den Einweihung genannten Ritus, durch Observanz, Yoga, Opferbrei und den Verzehr von Stoffen aus dem Körper lebender Wesen …
Erläuterung: Die Aufzählung gehört zur Aussage in Vers 9. Die ausdrücklich genannten körperlichen Ritualsubstanzen werden nicht zu einer bloßen Symbolik umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 453.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 32, Vers 9
na kaścid balavāṃl loke yaj jñānam ativartate ||
… gelangt das Wesen, Umā, hinsichtlich der auf dem Handlungsweg liegenden Wirklichkeit zum Erlöschen. Niemand in der Welt ist so mächtig, dass er die Erkenntnis überbieten könnte.
Erläuterung: Der erste Satz ist zusammen mit 8 zu lesen. Nirvāpayati hat hier eine kausative Form; die genaue Konstruktion mit tattvam bleibt unregelmäßig.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 453.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 32, Vers 10
prāleyācalasambhave sphuṭatarāḥ praśnās tadīyākhilāḥ ||
Die Früchte haben hier darin ihre Wurzel – dies ist die Überzeugung aller Weisen. Tochter des Schneegebirges, all jene Fragen sind nun deutlich …
Erläuterung: Die zweite Zeile geht in 11 über; „darin“ bezieht sich auf Erkenntnis. Die Quelle wechselt zu einer längeren Versform.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 453.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 32, Vers 11
caryā tvaṃ śṛṇu sāṃprataṃ smara tanor bhogātmanāṃ bhogadām ||
… erklärt, du mit den Lotusfüßen [deren Beziehung zu den Götterscharen im Wortlaut beschädigt ist]. Höre nun von der Lebensführung, die den auf Erfahrung Ausgerichteten Erfahrung gewährt [weitere Wortverbindung unsicher].
Erläuterung: Maukhariṭaṭe rūdghṛṣṭa und smara tanor sind problematisch. Die Übersetzung glättet sie nicht zu einem frei formulierten Lobpreis.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 453.[1]
Unnummerierte Schlusszeile
[Diese Lebensführung] besteht in gegenseitigem Wohlergehen; die vorausgehende Beschreibung ihres Verfahrens und ihrer Gliederung ist textlich nicht sicher verständlich.
Hinweis: Unnummerierte Schlusszeile nach Vers 11; kein zusätzlicher ganzer Vers. Das lange Kompositum wird nicht durch eine erfundene konkrete Observanz ersetzt.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 453.[1]
Kolophon
So im Bhairava-Strom, im Vidyāpīṭha, im Śiraccheda [abweichende Form], im ehrwürdigen Jayadrathayāmala, dem großen Tantra von vierundzwanzigtausend Versen, im ersten Ṣaṭka, bei Śrī-Kālasaṅkarṣaṇī: das zweiunddreißigste Kapitel namens „Abwehr der Verbindung [Titelbedeutung unsicher]“.
Hinweis: Die Druckform śiraścedek mit abschließendem k bleibt bewahrt. Auch der Titel sandhinivāraṇa wird nicht stillschweigend in einen geläufigeren Titel korrigiert.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 453.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34: Erkenntnis und Rang in der Lehrerfolge
Das Kapitel ist nach Sampath 2011, PDF 456–460, vollständig mit 31 Originalnummern, unnummerierter Schlusszeile und Kolophon wiedergegeben. Es behandelt Begegnungsformen und die Abstufung zwischen Einweihungsrang und Erkenntnis.
Sprecherzeile
Der ehrwürdige Bhairava sprach:
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 456.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 1
vipuṣṭapālite lebhe yesadā vāñcitaṃ phalam ||
Nun werde ich die Lebensführung zur Vollendung der Sādhakas erklären. Die zweite Zeile spricht vom Erlangen der stets gewünschten Frucht bei [vipuṣṭapālite: unklarer Bedingung].
Erläuterung: Cāra bezeichnet hier geregeltes Verhalten. Die beschädigte zweite Hälfte ist kein verlässlich übersetzbares Erfolgsversprechen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 456.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 2
anyonyagocarasthānāṃ kṣemālāpaḥ praśasyate ||
Göttin, für die großen Wesen wie die Cumbakas, die bei Bhairava Zuflucht nehmen und einander begegnen, wird ein Gespräch über das Wohlergehen gepriesen.
Erläuterung: Cumbaka ist eine besondere Bezeichnung eines tantrischen Lehrers beziehungsweise Eingeweihten. Kṣemālāpa ist der freundliche Austausch über das Wohlergehen, nicht die hier unbelegte Rezitation eines Geheimcodes.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 457.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 3
śrīdevyuvāca |
[Bhairava:] Wenn Zuständigkeit und Rang erkannt sind, [folgt eine gestörte Verneinung von Handlungen]. [Die Göttin:] Hara, die Verneigung, von der gesagt wurde, sie gelte den Trägern religiöser Kennzeichen …
Erläuterung: Die Sprecherzeile steht zwischen den Hälften. Sakṛto ist unregelmäßig; die Frage der Göttin wird in 4–5 fortgesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 457.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 4
adhikārādhikaraṇaṃ kimarthaṃ teṣu mṛgyate ||
… sollte doch nur zum Guten gereichen, Herr, niemals zu einem Fehler. Warum werden dann bei ihnen Zuständigkeit und Rang untersucht?
Erläuterung: Die Strophe ist Teil der Frage 3–5; es handelt sich nicht um eine abschließende Verwerfung aller Rangunterschiede durch Bhairava.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 457.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 5
śrībhairava uvāca |
[Die Göttin:] Erkläre dies, Allwissender, und die zu ihrer Zufriedenheit gehörige Überlieferung [erste Verbindung unsicher]. [Bhairava:] Was du gesagt hast, ist wahr, Geliebte, [hinsichtlich] der Verehrung der Träger religiöser Kennzeichen.
Erläuterung: Der Wechsel zum Sprecher Bhairava steht zwischen den Halbversen. Vandanāliṅginam ist eine unregelmäßige Verbindung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 457.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 6
praṇāmaphalabhedena paratrāpi nirodhakṛt ||
Wer die Zuständigkeit in ihrer aufsteigenden Rangfolge nicht kennt, bewirkt durch die Verschiedenheit der Früchte einer Verneigung auch im Jenseits Begrenzung.
Erläuterung: Der Satz ist syntaktisch verkürzt. Die religiöse Rangordnung des Textes wird historisch wiedergegeben, nicht als heutige soziale Hierarchie vorgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 457.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 7
praṇāmāt proditaṃ sthānamāpnuvanti guṇāḥ smṛtāḥ ||
Die erste Hälfte verbindet eine leere beziehungsweise fehlende Zuständigkeit mit einer selbstgewählten Observanz. Die zweite spricht von einer durch die Verneigung erlangten Stufe und den genannten Qualitäten; eine sichere vollständige Satzübersetzung bleibt wegen der Fügung aus.
Erläuterung: Der Wortlaut rechtfertigt keine frei erfundene Regel darüber, wer wen grüßen darf.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 457.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 8
cumbako jñānaśūnyatvād vāmapīṭhādhipodgataḥ ||
Der Cumbaka ist unmittelbar Bhairava; der Sādhaka ist Herr der Guhyakas. Die zweite Zeile verbindet den Cumbaka aufgrund von Erkenntnislosigkeit mit dem Herrn des Vāmapīṭha; die genaue Abstufung bleibt ungesichert.
Erläuterung: Die wiederholte Bezeichnung cumbaka wird nicht still durch sādhaka ersetzt. Guhyaka bezeichnet eine Klasse verborgener beziehungsweise übermenschlicher Wesen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 457.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 9
nyūnottamapadasthānāṃ vāmajāyāmajādhikā ||
[Er] gilt als Gestalt Śambhus; dies gilt als ihre Stellung. Die zweite Zeile behandelt niedrigere und höhere Stufen, doch die Verbindung vāmajāyāmajādhikā ist beschädigt.
Erläuterung: Die genaue Aufteilung religiöser Ränge wird nicht aus dem fragmentarisch verständlichen Kompositum rekonstruiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 457.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 10
cumbakastu tribhirvandyaḥ saṃyogāt kaḥ śirobhuvam ||
Daher nimmt die gepriesene Verehrung der Reihe nach ab [erste Fügung unregelmäßig]. Ein Cumbaka soll von dreien verehrt werden; der Anschluss saṃyogāt kaḥ śirobhuvam ist ungesichert.
Erläuterung: Die Zahl drei wird erhalten; wer diese drei sind, lässt sich aus diesem Vers allein nicht sicher bestimmen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 457–458.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 11
cumbake cumbakeśānamadhikāraṃ mahattaram ||
Auch bei ihm [wird] eine Neigung des Hauptes [genannt; śirornāma ist unregelmäßig], dazu wohlwollende Blicke. Die weitere Zeile nennt beim Cumbaka eine größere Zuständigkeit des Cumbakeśāna.
Erläuterung: Der Satz führt zur körperlichen Grußgeste in 12. Śirornāma wird nicht still zu einem regelmäßigen Sanskritwort geändert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 458.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 12
śrīdevyuvāca |
Man verneige sich mit vorgeneigtem Haupt; jener strecke seinerseits den Arm aus. [Die Göttin fragt:] Wenn jemand durch Askese gereifte Eigenschaften besitzt, aber später eingeweiht wurde [Wortlaut gestört] …
Erläuterung: Die Sprecherzeile der Göttin steht mitten in der Originalnummer. Gṛdhraḥ und die grammatische Form des zweiten Halbverses sind ungesichert.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 458.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 13
cumbakāḥ sādhakendrāś ca teṣām anyonyaṃmīdṛśam ||
… andere Cumbakas und führende Sādhakas dagegen früher eingeweiht wurden, obwohl sie ohne [entsprechende] Eigenschaften und geringer sind: Wie sollen diese einander begegnen? …
Erläuterung: Der Satz setzt sich bis zur ersten Hälfte von 14 fort. Cumbaka bezeichnet in diesem Textmilieu einen hohen tantrischen Lehrer beziehungsweise Adepten; die Bezeichnung wird nicht mit jedem modernen Yogalehrer gleichgesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 458.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 14
śrībhairava uvāca |
[Die Göttin setzt ihre Frage nach] Umgang und weiteren Verhaltensformen fort; die Aufzählung ist beschädigt. [Bhairava antwortet:] Bindu und Nāda, ebenso Shakti und jene in der ursprünglichen Natur bestehende Stufe …
Erläuterung: Die Sprecherzeile Bhairavas steht zwischen den beiden Halbversen. Gṛjanam jvālā vyāpakatvaram ist nicht zuverlässig zu übersetzen. Bindu und Nāda sind mantrische beziehungsweise kosmologische Stufen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 458.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 15
mantrārthapadaturye’pi yasyādhyakṣasya lakṣṇaḥ ||
… wer über Mantra, Selbst, Shakti und Erkenntnis ungetäuschte Einsicht hat, Schöne, und auch hinsichtlich der vierten Stufe des Mantrasinns unmittelbare Erkenntnis besitzt …
Erläuterung: Lakṣṇaḥ ist eine unregelmäßige Form. Der Satz benennt die Qualifikation des in 16 genannten Cumbaka; die vierte Stufe steht im Zusammenhang der in 14 aufgezählten Ebenen. Das Kompositum mantrātmaśaktivijñāna kann auch als Wissen um die Kraft des mantrischen Wesens verstanden werden; seine genaue Gliederung bleibt offen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 458.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 16
na cādhikyaṃ taponiṣṭhā nābhiṣekaḥ prayujyate ||
… der wird hier im Śiraccheda als Cumbaka gerühmt [prāṇam unklar]. Weder die Hingabe an Askese noch eine Weihe begründen für sich den Vorrang.
Erläuterung: Prāṇam steht tatsächlich im Druck und bleibt ungesichert. Die Rangfrage lautet nicht, ob Einweihung überhaupt überflüssig sei, sondern welche Bedeutung sie ohne die entsprechende Einsicht für den Vorrang hat.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 458.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 17
samānajñānasaṃpṛkte garīyān pūrvasevitaḥ ||
Denn Erkenntnis steht an der Spitze von allem, Gazellenäugige. Sind beide mit gleicher Erkenntnis verbunden, gebührt dem früher Dienenden der Vorrang.
Erläuterung: Pūrvasevitaḥ bezieht sich im Zusammenhang auf die ältere Zugehörigkeit beziehungsweise den früheren Dienst in der Überlieferung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 458.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 18
tadā taṃ praṇamed bhaktyā pūrvoktakramayogataḥ ||
Wenn man ihn seiner wirklichen Stellung nach als einem Vater gleich oder als Bruder erkannt hat, verneige man sich vor ihm mit Hingabe gemäß der zuvor dargelegten Ordnung.
Erläuterung: Die Basislesung beginnt mit sa; Kh lässt dieses Wort aus. Die Alternative nāsti im Druck ist eine Apparatanzeige „fehlt“, kein Wort des Verses. Sie wird daher nicht in den Sanskritgrundtext eingefügt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 458.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 19
svasaṃskārakanīyāṃso ye guror anujāḥ sadā ||
Auch der Sādhaka, der aus derselben „Geburt“ beim eigenen Guru hervorgegangen ist, verdient eine Verneigung. Diejenigen, die durch ihren eigenen Einweihungsvollzug jünger sind und später zum Guru kamen …
Erläuterung: Die gemeinsame „Geburt“ bezeichnet hier die Zugehörigkeit zu einer Einweihungslinie; nicht eine biologische Abstammung. Die Zuordnung des Vergleichs „jünger“ bleibt grammatisch verkürzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 459.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 20
putrakādiyugaṃ yac ca dīkṣitaṃ guruṇā guroḥ ||
… verdienen nach meiner Auffassung, dass man ihnen aufmerksam entgegen aufsteht. Auch für die Gruppe der Putrakas und der anderen, die vom Guru des eigenen Gurus eingeweiht worden ist …
Erläuterung: Putraka ist ein tantrischer Einweihungsgrad. Der Zusammenhang ist die Ordnung respektvoller Begegnung innerhalb der Linie; der Satz endet in 21.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 459.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 21
atha kiṃ bahunoktena smṛteyaṃ lokasaṃvṛtiḥ ||
… ist diese Ordnung einzuhalten, auch durch einen in der Einweihung älteren Bruder. Doch wozu viele Worte? Dies gilt als gesellschaftliche Umgangsordnung.
Erläuterung: Lokasaṃvṛti bezeichnet eine konventionelle Ordnung des Umgangs. Die Aussage relativiert deren Rang gegenüber der zuvor behandelten Erkenntnis.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 459.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 22
yo guruṃ saguṇaṃ tyaktvā gauravāya mahattaram ||
Man soll den Guru mit Sorgfalt verehren [die weitere Akkusativverbindung nennt] die Śiva gewährende Mantra-Vidyā. Wer einen mit Qualitäten versehenen Guru verlässt, um wegen des Ansehens einen Größeren …
Erläuterung: Die letzte Aussage wird in 23 fortgesetzt. Vandya ist die Druckform. Eine konkrete vollständige Mantraformel wird nicht genannt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 459.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 23
śrīdevyuvāca |
[Bhairava:] … aufzusuchen, den verehre ich nicht, weil seine eingeprägte Neigung nicht abgefallen ist. [Die Göttin:] Śaṅkara, entsteht nicht das Verdienst des Gebens und Verzehrens beziehungsweise Tilgens aus Handlung?
Erläuterung: Āśrayate ist die Grundlesung gegenüber āśrayaṃte K/Kh. Kṣapaṇa ist nicht sicher auf eine einzelne Ritualhandlung festzulegen. Die Sprecherzeile steht zwischen den Halbversen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 459.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 24
nijagārdhendukhaṇḍāṃśumālāliṅgitamūrdhvabhṛt ||
Weil [es] aus eingeprägter Neigung entstehen würde, wäre das Lob daran gebunden [erste Satzverbindung ungesichert]. Die zweite Hälfte beginnt eine Erzählbeschreibung des Herrn, dessen Haupt von einer Strahlenkette der halben Mondsichel umfangen ist.
Erläuterung: Vāsanāto ist die Grundlesung, vāśanāto nur Variante K/Kh. Nijagārdhendu ist beschädigt; es wird kein zusätzlicher Sanskrit-Sprechervermerk erfunden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 459.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 25
saṃspṛṣṭaṃ śuddhaśaktyā tu eṣāṃ caitanyamādarāt ||
Die erste Zeile nennt Dhūrjaṭi, eine Observanz, Haar- beziehungsweise Pfauenschmuck und einen Lotos, ist aber beschädigt. Das Bewusstsein dieser [Menschen wird] durch die reine Kraft mit Zuwendung berührt.
Erläuterung: Saṃspṛṣṭam ist die Grundlesung; saṃspṛṃṣṭam nur Variante K. Aus der ersten Hälfte wird kein erfundener Ritus gewonnen.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 459.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 26
guṇavadṛtvije śodhyaṃ śodhitaṃ śaṅkarādhvane ||
Ihre [vihāsanā: wohl gemeinte innere Prägung, Druckform gestört] ist gut, unbeweglich und nach Befreiung verlangend. Für den mit Qualitäten versehenen Ritualpriester [wird] das zu Reinigende auf Śaṅkaras Weg gereinigt.
Erläuterung: Die Verbindungen vihāsanāsādhvī und guṇavadṛtvije werden nicht durch stillen grammatischen Neuaufbau geglättet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 459.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 27
santoṣavāsanāyeyaṃ dīkṣā jñānapratiṣṭhitā ||
Die richtig vollzogene Verehrung Śivas wird anhand der inneren Prägung erkannt. Diese Einweihung beruht auf Erkenntnis und ist von einer Prägung der Zufriedenheit bestimmt.
Erläuterung: Vāsanā ist eine eingeprägte innere Neigung. Santoṣavāsanāyeyam wird als santoṣavāsanāyā iyam gegliedert; die Fügung bleibt unregelmäßig. Der Vers setzt Dīkṣā voraus und gibt keinen eigenständigen Ablauf einer Einweihung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 459.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 28
vidyudvaccapalā yeṣāṃ vasānā cumbakādiṣu ||
Diejenigen, die von der reinen Kraft berührt sind, sind in dieser Lehre befreit. Wessen Neigung gegenüber Cumbakas und weiteren [Lehrern] flüchtig wie ein Blitz ist …
Erläuterung: Śudda und vasānā sind die Druckformen. Der Satz wird in 29 fortgesetzt; das Bild des Blitzes bezeichnet hier eine wechselhafte Prägung.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 460.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 29
yadyaṇuḥ saṃsthitaḥ śaktyā hyekadā gururūpayā ||
… jene erlangen, Göttin, nach einem weiteren Dasein Anteil an Befreiung. Wenn das begrenzte Einzelwesen einmal durch die Kraft in Gestalt des Gurus gefestigt worden ist …
Erläuterung: Die zweite Hälfte führt zu 30. Bhavāntarita verweist auf ein dazwischentretendes anderes Dasein; keine bestimmte Zahl von Jahren wird ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 460.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 30
tasmādatra vipuṣṭeyaṃ vāsanā calalakṣaṇā ||
… dann wird es, bei einem anderen Guru stehend, nicht grundlos berührt [cumbyate: besondere, nicht sicher bestimmte Ausdrucksweise]. Daher ist diese hier gefestigte Prägung durch Bewegung gekennzeichnet.
Erläuterung: Das Wort cumbyate kann sprachlich an Küssen anklingen, ist im Guru-Zusammenhang aber nicht sicher als konkrete körperliche Handlung zu bestimmen. Weder eine sexuelle Handlung noch eine rein symbolische Bedeutung wird als sichere Lesung behauptet.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 460.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 34, Vers 31
viditagurukramaṃ sphuṭārthaṃ guṇavibhavaṃ guṇaṃ samaśnute ||
Die erste Zeile nennt eine auf Befreiung gerichtete [narā: unklare Form] auf einem von Kalās gezeichneten Weg. Die zweite verbindet das Erkennen der Lehrerfolge mit deutlichem Sinn und dem Erlangen der Fülle von Qualitäten.
Erläuterung: Der Satz setzt sich in einer unnummerierten Zeile fort. Der Wortlaut erlaubt keine sichere vollständige Aussage über eine einzelne Lehrerhierarchie.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 460.[1]
Unnummerierte Schlusszeile
… wenn man vor dem Guru die angemessene Regel und die zuvor nicht [bekannte] Verpflichtung kennt.
Hinweis: Unnummerierte lange Schlusszeile nach 31; sie wird nicht als neuer Vers 32 gezählt. Apūrvaka kann auch „neu, ungewöhnlich“ bedeuten.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 460.[1]
Kolophon
So endet im Bhairava-Strom, im Vidyāpīṭha [Druckform viāpīṭha], im Śiraścheda, im großen Tantra des ehrwürdigen Jayadrathayāmala von vierundzwanzigtausend [Versen], im ersten Ṣaṭka, bei der ehrwürdigen Kālasaṅkarṣaṇī, das Kapitel über Lebensführung, das vierunddreißigste Kapitel.
Hinweis: Die Druckformen viāpīṭhe und catustriśatiḥ bleiben erhalten. Der Kolophon nennt die traditionelle Gesamtzahl des Corpus, nicht die tatsächliche Verszahl dieses Kapitels.
Quelle: Sampath 2011, PDF-Seite 460.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 40: Ein Zitat aus der Aufzählung von Lehren
Ṣaṭka I, Kapitel 40, Zitat 116cd
Und [die Lehre über] den Aufstieg der Tārakā sowie den höchsten Sieg in der Schlacht.
Erläuterung: Nur ein Halbverszitat aus einer Aufzählung; Serbaevas Originalnummer bleibt bewahrt. Keine Konkordanz zur Nummerierung Sampaths behauptet. Tārakā ist hier eine Text- beziehungsweise Vidyā-Bezeichnung; eine präzisere Identifizierung bleibt offen.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Anm. 28; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka I, Kapitel 45: Shiva und Shakti als gemeinsamer Ursprung
Leitquelle: Sampath2011, PDF536, Verse121–125. Sanderson2009, S.70, Anm.83 (PDF37), zitiert denselben Wortlaut von Sampath122–124ab als I.45.121–123b. Diese Zuordnung beruht auf den identischen Anfangs- und Schlussworten der drei Zitate, nicht auf einer pauschalen Nummernverschiebung. Sampaths Kapitel45 beginnt auf PDF523; aus ihm werden hier fünf Strophen übernommen. Die Unterschiede der Orthographie werden bei den Versen erläutert. [8] Ṣaṭka I, Kapitel 45, Vers 121
vijñānajñānasaṃpūrṇaḥ sarvākārastu mantharaḥ ||
Der eine Shiva ist der große Ursprung, ohne begrenzende Bedingung und ohne Ende. Er ist erfüllt von Einsicht und Erkenntnis, von jeglicher Gestalt und zugleich langsam beziehungsweise ruhig [manthara: Bedeutung hier unsicher].
Erläuterung: Manthara wird nicht still durch ein geläufigeres Attribut ersetzt. Das Kapitel betrachtet unterschiedliche Überlieferungsströme; 121–125 führt sie auf Shiva und seine Kraft zurück.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 536.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 45, Vers 122
suśāntamūrttiḥ sarvātmā nirvāṇeśo'tinirmalaḥ ||
Von der Gestalt eines Ozeans ohne Wellen, ganz erfüllt, das Höhere und das Niedere umfassend, ist er von vollkommen friedvoller Gestalt, das Selbst von allem, der Herr des Nirvāṇa, überaus rein.
Erläuterung: Diese Strophe entspricht dem bei Sanderson 2009, S.70, Anm. 83 (PDF 37), als I.45.121 zitierten Wortlaut; dort suśāntamūrtiḥ und die Ergänzung paritṛpta<ḥ>. Hier bleibt Sampaths Text samt Nummer 122 und Schreibung mūrtti erhalten. Die Zuordnung gilt nur für den tatsächlich verglichenen Abschnitt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 536.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 45, Vers 123
vyaktaṃ vyaktivibhedena spandanānandasundaram ||
Seine Kraft ist seine eigene Wirkmacht: Bewusstseinsleuchten, dessen Bereich die Glückseligkeit ist, offenbar durch die Verschiedenheit der Erscheinungen und schön durch die Freude des Pulsierens.
Erläuterung: Die Nominalverbindungen lassen mehrere deutsche Satzgliederungen zu. Spanda bezeichnet Pulsieren beziehungsweise lebendige Regung. Sanderson 2009, S.70, Anm. 83 (PDF 37), zitiert diesen Wortlaut unter I.45.122 und schreibt ciddhāmānandagocaram sowie spandan ānandasundaram. Hier wird die Worttrennung und Anusvāra-Schreibung der Leitquelle bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 536.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 45, Vers 124
nirmalā virajā śuddhā sarvapracurabhāsvarā ||
Diese ursprüngliche Kraft Shivas ist als Trägerin eben dieser Wesensart zu erkennen: makellos, staubfrei, rein und in allem reichlich aufleuchtend.
Erläuterung: Die erste Hälfte entspricht Sanderson 2009, S.70, Anm. 83 (PDF 37), I.45.123ab. Die zweite Hälfte ist dort nicht zitiert; sie stammt ausschließlich aus dem hier am Bild gelesenen Sampath-Druck. „Eben diese Wesensart“ nimmt die vorangehenden Strophen auf.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 536.[1]
Ṣaṭka I, Kapitel 45, Vers 125
tathā sā tasya devasya varṇavyaktyunmukhī sthitiḥ ||
Wie die Schneide zum Schwert gehört oder Brennen und Hitze zum Feuer, so ist sie der Zustand dieses Gottes, der sich der Offenbarung der Laute zuwendet.
Erläuterung: Das Schwert dient als Vergleich für das Verhältnis von Träger und Kraft; der Vers enthält keinen Auftrag zur Verletzung. Varṇa wird hier wegen der anschließenden Aussage über vierfache Sprache (126) als Laut verstanden.
Fundstelle der Leitquelle: Sampath 2011, PDF-Seite 536.[1]
Ṣaṭka II, Kapitel 6: Historisches Orakelritual
Leitquelle: Sanderson 2009, S.138 (PDF105). Historisches Besessenheitsorakel mit einem Mädchen als Medium. Die Quelle beschreibt Wein, Fleisch und die behauptete Gegenwart einer Göttin; der gesamte hier aufgenommene Abschnitt bleibt außerhalb der Praxisauswahl und der Rezitationsempfehlungen.
Ṣaṭka II, Kapitel 6, Zitat 54cd
Ein anmutiges Mädchen mit günstigen Merkmalen und gewaschenen Kleidern …
Erläuterung: Nur54cd ist zitiert. Die Beschreibungen betreffen ein als Medium vorgesehenes Mädchen, nicht die Göttin.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 105; gedruckt 138; 19r9–19v3.[8]
Ṣaṭka II, Kapitel 6, Vers 55
dattvā dhūpaṃ tato vidyām āvart’ye[t] sādhakeśvaraḥ ||
… schmücke der Herr unter den Sādhakas und bringe ihm gerade nachts, Maheśvarī, Räucherwerk dar. Darauf wiederhole er die Vidyā.
Erläuterung: Sanderson ergänzt t in āvart’yet. Die Lautgestalt der Vidyā ist nicht ausgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 105; gedruckt 138; 19r9–19v3.[8]
Ṣaṭka II, Kapitel 6, Vers 56
divyabhaumāntarikṣ[ādyam] āveśaṃ kurute kṣaṇāt ||
Er wiederhole Ghorā so lange, bis die Besessenheit eintritt. In einem Augenblick bewirkt sie eine Besessenheit, die sich auf Himmlisches, Irdisches, den Zwischenraum und Weiteres erstreckt.
Erläuterung: Ādyam ist Sandersons Konjektur für ādyā. Der letzte Satz ist grammatisch nicht eindeutig im Subjekt. Der Wortlaut spricht von āveśa, Besessenheit; Sanderson erläutert dessen Geltungsbereich als entsprechendes Orakelwissen.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 105; gedruckt 138; 19r9–19v3.[8]
Ṣaṭka II, Kapitel 6, Vers 57
tadā mahālipiśitais tarpayet suravandite ||
Mit verzerrtem Gesicht steht sie eine halbe Elle über dem Boden. Dann sättige man sie mit Mahāli und Fleisch, von den Göttern Verehrte.
Erläuterung: Mahāli bezeichnet hier im Kontext Wein. Hastārdha heißt eine halbe Elle. Der Vers behauptet ein übernatürliches Schweben.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 105; gedruckt 138; 19r9–19v3.[8]
Ṣaṭka II, Kapitel 6, Vers 58
sadāśivādikṣityante yāvan manasi rocate ||
Demütig und verneigt befrage der vortreffliche Sādhaka sie über alles, was ihm im Sinn steht, vom Bereich Sadāśivas bis hinab zur Erde.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 105; gedruckt 138; 19r9–19v3.[8]
Ṣaṭka II, Kapitel 6, Vers 59
evaṃ pṛṣṭvā visarjeta praṇamya parameśvari ||
Dies alles soll sie erzählen, Göttin, und auch anderes, das im Herzen liegt. Nachdem er sie so befragt hat, entlasse er sie und verneige sich, höchste Herrin.
Erläuterung: Handelnde Person im ersten Satz ist das Medium, im zweiten der Sādhaka. Anyaṃ wird mit dem Anusvāra des Druckes wiedergegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 105; gedruckt 138; 19r9–19v3.[8]
Ṣaṭka II, Kapitel 16: Lokeśvarī und historische Kampfmagie
Leitquelle: Serbaeva 2022, Appendix A.3, zusätzlich Anm.56. Die dortigen Unterabschnittsüberschriften bestimmen die Abgrenzung der zitierten Halbverse. Diese werden nicht zu neuen Strophen verbunden. Die Zwischenräume sind Auslassungen des wissenschaftlichen Zitats. Die Unterabschnitte 144cd–152 und 161–168 mit Schlusszeile besitzen eigene Schlussvermerke; das Kapitel II.16 als Ganzes ist damit nicht vollständig.
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Zitat 17cd
Dies ist der schwer zu bezwingende Kreis der Kuleśvarī der Weltenhüter.
Erläuterung: Ein vollständiges Halbverszitat, kein vollständiger Originalvers. Die Form eta bleibt erhalten. Das Zitat dient zur Identifikation des Göttinnenkreises.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Anm. 56; Handschrift A54v1–2; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Zitat 56cd
Nachdem man [die Vidyā] so erschlossen hat, Herrin der Götter, beginne man anschließend die Verehrung.
Erläuterung: Der Anhang zitiert nur die zweite Vershälfte. „Erschließen“ bezieht sich auf die zuvor behandelte Mantraentnahme; deren Sanskrit ist hier nicht abgedruckt.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.1; A55v2–4, C80r2–6, B117r4–117v1, E85v7–86r1; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 57
ṣoḍaśāre caturdvāre caturvīthyopaśobhite ||
In einem mit den Köpfen menschlicher Leichen ausgestatteten Maṇḍala, das alle Wünsche erfüllen soll, mit sechzehn Speichen, vier Toren und vier schmückenden Zugangswegen …
Erläuterung: Der Satz setzt sich bis Vers 60ab fort. Mahāśava ist hier die menschliche Leiche, keine Metapher.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.1; A55v2–4, C80r2–6, B117r4–117v1, E85v7–86r1; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 58
narāsthicūrṇarajasinarāsṛkkuṃbhadiggate ||
… versehen mit Torbögen, Fahnen und Schirmen, mit Leichentüchern und Scheiterhaufenfeuer [Wortform gestört], mit dem Pulver menschlicher Knochen und mit Gefäßen menschlichen Blutes in den Himmelsrichtungen …
Erläuterung: Die Leitquelle schreibt citā[+g]niniṃ; [+g] wird hier als Ergänzung [g] dargestellt. Die Kasusformen sind unregelmäßig. Es werden keine bestimmten einzelnen Himmelsrichtungen genannt.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.1; gleiche Folios wie Vers 57; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 59
kusumāmodavahale tatra devī yajet sadā ||
… mit Opfergaben menschlichen Fleisches und Weiterem, erfüllt vom Duft des Räucherwerks und reich an Blumenduft: Dort verehre man die Göttin stets …
Erläuterung: Die Getrenntschreibung naramāṃso pahārādi der Leitquelle bleibt erhalten. Der Sinn entspricht einer Aufzählung von Opfergaben; die Konstruktion setzt sich in 60ab fort.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.1; gleiche Folios wie Vers 57; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Zitat 60ab
… mit Opfergaben des „großen Opfertieres“ und Weiterem, reich an den fünf Nektaren der Vīras.
Erläuterung: Nur die erste Vershälfte ist zitiert. Mahāpaśu bezeichnet hier den Menschen als Opfer. Die Lesart der Basis A lautet olbalaiḥ; B und C haben olbaṇaiḥ. Die rituellen Substanzen werden nicht zu heutigen Praxisempfehlungen aufgelöst.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.1; gleiche Folios wie Vers 57; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Zitat 61cd
[Man vergegenwärtige sie] als diejenige, deren Klang gewaltiges Huṃ-Rufen und dröhnendes Grollen ist …
Erläuterung: Nur die zweite Vershälfte ist zitiert; das Verb folgt in Vers 62. Huṅkāra beschreibt hier einen Laut der Göttin, keine selbstständige Rezitationsanweisung.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.2; A55v4–6, C80r6–9, B117v2–4, E86r2–3; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 62
śaradgaganakṛṣṇāliharakādhva nibhāṃ smaret ||
Man vergegenwärtige sie strahlend wie eine Sonne, die aus Scharen brennender Feuerbrände hervortritt, und von einem dunklen Erscheinungsbild, das der Vers mit Herbsthimmel und weiteren schwer bestimmbaren Vergleichen beschreibt.
Erläuterung: Der zweite Halbvers ist in kṛṣṇāliharakādhva nicht sicher deutbar. Serbaeva erwägt eine andere Lesung kṛṣṇādi, übernimmt sie aber nicht in den Grundtext. Hier wird keine eindeutige Farb- oder Wolkenbeschreibung hinzuerfunden.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.2; gleiche Folios wie 61cd; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 63
piṅgabhrū kṣepasaṃdaṣṭa-brahmāṇḍārbudaghasmarām ||
[Man vergegenwärtige sie] mit fünf Gesichtern [Wortform gestört], ganz von Feuer entflammt, als Verschlingerin unzähliger Welteier, die sie mit dem Zucken ihrer gelbbraunen Brauen erfasst und zerbeißt.
Erläuterung: Die Lesung pañcakatiṣṭhyaṃtām ist nicht regulär. Arbuda bezeichnet eine sehr große Zahl; der Text wird hier nicht in eine unbelegt genaue moderne Zahl umgerechnet.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.2; gleiche Folios wie 61cd; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Zitat 64ab
[Sie ist] von achtzehn gewaltigen Armen geschmückt, [umgeben von] einem Kreis von Göttern.
Erläuterung: Nur die erste Vershälfte ist zitiert. Die Gliederung des Kompositums ist nicht völlig sicher; eindeutig ist die Zahl achtzehn.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.2; gleiche Folios wie 61cd; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Zitat 68ab
[Sie ist diejenige,] die mit dem schweren Auftreffen ihrer Ferse die Herren der Himmelsrichtungen niederwirft.
Erläuterung: Nur die erste Vershälfte ist zitiert. Die Ergänzungen [ṃ] und [ṣṇi] stammen aus der Leitquelle.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.3; A55v8, B118r1–2, E86r6; C fehlt; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Zitat 69cd
[Sie ist] mit einem Gürtel und einem Kranz geschmückt, reich an den Köpfen der hundert Rudras.
Erläuterung: Nur die zweite Vershälfte ist zitiert. Sie wird nicht mit 64ab oder 68ab zu einer Strophe zusammengesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.4; Folioangabe im Unterabschnitt nicht gesondert genannt; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Zitat 70ab
[Sie] strahlt mit einer lang herabhängenden Girlande von Köpfen; die genaue Verbindung dieser Köpfe mit den Weltenherren bleibt im überlieferten Wortlaut unklar.
Erläuterung: Nur die erste Vershälfte ist zitiert. Die Wortfolge bhuvaneśāt tasan ist gestört; keine stille Umformung in eine vermeintlich sichere Kompositumlesung.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.4; Folioangabe im Unterabschnitt nicht gesondert genannt; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 75
śākinī-bhūcarī-lāmā-dikcarī-ḍākinīhṛtām ||
[Sie ist] vom Klappern der Zähne der Scharen von Vīras und Vetālas erfüllt, von Śākinīs, Bhūcarīs, Lāmās, Dikcarīs und Ḍākinīs getragen beziehungsweise umgeben.
Erläuterung: Viravetāla kann unterschiedlich gegliedert werden; hṛtām heißt wörtlich „getragen/fortgetragen“. Die Wesenliste wird nicht als Mantra angeboten.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.5; A56r2–3, C80v6–8, B118v1–2, E86v2–3; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 76
mahāpaśuhṛdambhojaprapūjitaśarīriṇīm ||
Im Kreis der großen Ḍāmarikās liebt sie den heftigen Tanz der Khecarīs; ihre Gestalt wird mit dem Herzlotus des menschlichen Opfers verehrt.
Erläuterung: Der unmittelbare Ritualzusammenhang trägt eine körperliche Opferbedeutung. „Herzlotus“ wird hier nicht zu einer harmlosen inneren Verehrung umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.5; gleiche Folios wie Vers 75; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Zitat 79cd
[Man vergegenwärtige sie] überaus wild, äußerst furchterregend und in schrecklicher Majestät strahlend.
Erläuterung: Nur die zweite Vershälfte ist zitiert.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.6; A56r4–5, C80v10–81r, B118v3–4, E86v5–6; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 80
juhet paścān mahāmāṃsaṃ sahasraṃ cāṣṭasaṃmitam ||
Nachdem man Mahākālī so meditiert hat, verehre man sie mit den Darbringungen der Vīras. Anschließend opfere man menschliches Fleisch im Feuer, tausend und acht [Darbringungen].
Erläuterung: Die Zahl ist 1008. Mahāmāṃsa bedeutet in diesem Zusammenhang menschliches Fleisch.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.6; gleiche Folios wie 79cd; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Zitat 144cd
Nun werde ich dir aus Zuneigung noch etwas anderes darlegen, Maheśvarī.
Erläuterung: Nur die zweite Vershälfte ist zitiert. Das unregelmäßige snehan bleibt stehen; Serbaeva schlägt snehād vor.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.7; A58r1–5, C83v–84r2, E89r9–89v5, B122v3–123r5; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 145
gajadantaṃ samānīya dīrghatvā dvādaśāṅgulaṃ ||
Höre den sehr geheimen Mantra namens Rada, Mutter der Scharen. Nachdem man einen Elefantenstoßzahn von zwölf Fingerbreiten Länge herbeigebracht hat …
Erläuterung: Rada ist hier ein Name („Zahn/Stoßzahn“), keine vollständig mitgeteilte Rezitationsformel. Der Satz setzt sich in Vers 146 fort.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.7; gleiche Folios wie 144cd; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 146
eta dvayaṃ gṛhītvā tu haraveśmani sādhakaḥ ||
… und einen Stab vom Pfahl einer aufgespießten Leiche [mit unklarer Größenangabe], Geliebte: Wenn der Sādhaka diese beiden an sich genommen hat, [begebe er sich] in Shivas Tempel …
Erläuterung: Die erste Zeile ist beschädigt und durch Handschrift C gestützt. Tatvāṃgulasamam erlaubt keine sichere zusätzliche Maßangabe; „gleich lang wie der Stoßzahn“ wird daher nicht als gesicherte Übersetzung behauptet.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.7; gleiche Folios wie 144cd; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 147
pūrvvaṃ japtvā pañcalakṣāṃ hutvānāmam athottamaṃ ||
… dort sitze er inmitten des Altars. Nach einer im Text lückenhaften Handlung [folgt eine nicht sicher lesbare Anweisung]. Zuvor soll er fünfhunderttausend Rezitationen vollzogen haben; die anschließende Formulierung über ein hervorragendes Feueropfer ist verderbt.
Erläuterung: Die Quelle markiert kṛtvā[-]to; [-] wird als […] erhalten. Pañcalakṣāṃ bedeutet 500000, nicht die 50000 der englischen Übersetzung. Hutvānāmam wird nicht stillschweigend durch eine Āgama-Lesung ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.7; gleiche Folios wie 144cd; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 148
sahasraṃ yāvad evābhair tāvad ūṣmāṇate priye ||
Nachdem er die Hand auf dessen Rückseite gelegt hat, rezitiere er nachts am Tag der Bhūtas tausendmal; dabei soll [der Gegenstand] warm werden, Geliebte.
Erläuterung: Evābhair ist unklar. „Tag der Bhūtas“ wird von Serbaeva als vierzehnter Tag der dunklen Monatshälfte erklärt; diese Datierung steht nicht ausgeschrieben im wiedergegebenen Vers. Das Bezugswort von „dessen“ bleibt textlich nicht völlig sicher.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.7; gleiche Folios wie 144cd; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 149
tatasto gra hayed vīro daṇḍadantau va sādhakaḥ ||
Dann soll [der Gegenstand] weißlich rauchen und anschließend auflodern [Adverb unsicher]. Darauf nehme der heldenhafte Sādhaka Stab und Stoßzahn an sich.
Erläuterung: Die Lesungen [s]phuntareṇa und tatasto gra hayed sind gestört. „Plötzlich“ ist eine mögliche Deutung des ersten Ausdrucks, keine gesicherte Lesung.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.7; gleiche Folios wie 144cd; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 150
bhavaty eva na saṃdehaṃ dvipadādi catuṣpadam ||
Was immer er mit diesen beiden zeichnet, soll genau in dieser Gestalt wirklich werden – zweibeinige oder vierbeinige Wesen und anderes, daran bestehe kein Zweifel.
Erläuterung: Die behauptete Verwirklichung ist eine Textaussage über Ritualmacht, keine bestätigte Wirkung.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.7; gleiche Folios wie 144cd; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 151
caturaṃgaṃ mahāsainyaṃ gajavājimahābalam ||
Fünf Jahre lang soll es als Diener des Sādhaka bestehen: ein großes viergliedriges Heer, mächtig an Elefanten und Pferden …
Erläuterung: Die vier klassischen Heeresglieder sind Elefanten, Wagen, Reiterei und Fußtruppen. Die Lesung sadhākasya wird bewahrt; der Satz setzt sich in 152 fort.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.7; gleiche Folios wie 144cd; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 152
durbhedyam sarvaśatrūṇāṃ sādhakasya na saṃśayaḥ ||
… sehr stark und unerschöpflich, in allen Unternehmungen [einsetzbar], für sämtliche Feinde des Sādhaka schwer zu durchbrechen, daran bestehe kein Zweifel.
Erläuterung: Die Syntax ist unregelmäßig; die Übersetzung führt die Heeresbeschreibung von 151 zu Ende.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.7; gleiche Folios wie 144cd; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Kolophon des Unterabschnitts nach Vers 152
[So im Jayadratha(-Yāmala), im Abschnitt über Śakras Fahne, der Stoßzahn(-Ritus); Schlusswort beschädigt.]
Hinweis: Die eckigen Klammern stehen in der Leitquelle. Radantāmaḥ ist verderbt. Der Unterabschnittstitel begründet keine andere Ṣaṭka- oder Kapitelnummer.
Quelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.7; nach Vers 152.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 161
yena sarvaṃ jaganmohaṃ nayate nātra saṃśayaḥ ||
Nun werde ich den großen „unsichtbaren Gang“ darlegen, durch den man die ganze Welt in Täuschung versetzen soll, daran bestehe kein Zweifel.
Erläuterung: Adṛśaṃ caram ist in allen Handschriften problematisch. „Unsichtbarer Gang“ folgt der vorsichtigen Deutung Serbaevas; sie nennt auch cakram als denkbare andere Lesung, die hier nicht übernommen wird.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.8; A58v1–5, C84r9–84v7, E90r1–6, B123v5–124v1; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 162
juhuyāt kṣmābhavaṃ tatra daśāṃśena maheśvari ||
Nachdem man den furchterregenden Totenhain aufgesucht hat, rezitiere man den Mantra dreihunderttausendmal. Dort bringe man „aus der Erde Entstandenes“ als Feueropfer dar, ein Zehntel [dieser Anzahl], Maheśvarī.
Erläuterung: Der Wortlaut bezeichnet den Opferstoff nur als kṣmābhava; es wird kein konkreter Stoff ergänzt. Eine vollständige Lautgestalt des Mantras steht hier nicht.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.8; gleiche Folios wie 161; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 163
sabhāmadhye tataḥ sthitvā darśaye cādṛśaṃ caram ||
Dann nehme man eine Schnur von hundert Ellen Länge an sich [mit einer unklaren näheren Bestimmung]. Inmitten einer Versammlung stehend führe man den „unsichtbaren Gang“ vor.
Erläuterung: Kalpāmikam ist nicht sicher deutbar. Hasta ist hier ein Längenmaß; eine Umrechnung in Meter wäre ohne weitere Grundlage unangebracht.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.8; gleiche Folios wie 161; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 164
gajavājirathānīkaṃ tatkṣaṇād dṛśyate mahat ||
Höre die Vidyā [unklare Anrede], die Begegnung mit den Vidyādharas: In eben diesem Augenblick erscheint ein großes Heer von Elefanten, Pferden und Wagen.
Erläuterung: Sare dūrve ist ungesichert. Vidyādharas sind in diesem Erzähl- und Ritualmilieu übermenschliche Träger besonderer Kräfte.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.8; gleiche Folios wie 161; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 165
tato halahalāśabdaṃ samākarṇya sudāruṇam ||
Man sieht eine große Schlacht im Himmel in einem augenblicklichen Aufleuchten [Formulierung unsicher]. Nachdem man dann den äußerst schrecklichen „halahalā“-Lärm vernommen hat …
Erläuterung: Der Satz geht in 166 weiter. Halahalā ist hier eine Lautnachahmung der Schlacht, keine Rezitationsformel.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.8; gleiche Folios wie 161; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 166
khaḍgacarm[m]ābalāmvīt tu sarvvapratyakṣam eva hi ||
… werfe man die Schnur in die Luft; dann soll sie die Gestalt einer Säule annehmen. [Der folgende Ausdruck über] Schwert, Schild und Kraft ist beschädigt; alles soll unmittelbar sichtbar sein.
Erläuterung: Der Wortlaut khaḍgacarm[m]ābalāmvīt wird nicht zu einer sicheren Ausrüstungsanweisung umgeschrieben. Die ergänzte Konsonantengemination [m] stammt aus der Leitquelle.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.8; gleiche Folios wie 161; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 167
nipātya senāṃ sakalāṃ kṣaṇād āyāty asau punaḥ ||
Jener steige hinauf [Art und Begleithandlung sind textlich unklar]. Nachdem er das ganze Heer niedergestreckt hat, kehrt er in einem Augenblick wieder zurück.
Erläuterung: Die Wortfolgen bhūtave gosau und tatkaruṇaṃ mahat sind beschädigt. Karuṇam wird im Kampfkontext nicht ohne Weiteres als „mitfühlende Taten“ übersetzt. Das grammatische Subjekt von āyāti ist jener Handelnde, nicht das vernichtete Heer.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.8; gleiche Folios wie 161; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 16, Vers 168
evaṃ sainyasahasrāṇi mahāvidyā prabhāvataḥ ||
Danach soll wieder nichts mehr da sein; führe es erneut ebenso aus. So [kann man] durch die Macht der großen Vidyā Tausende von Heeren …
Erläuterung: Der Satz endet erst im folgenden unnummerierten Halbvers. Dieser wird in der englischen Übersetzung als 169 bezeichnet, im Sanskritanhang aber nicht nummeriert.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.8; gleiche Folios wie 161; gedruckt HTML ohne Seitenzählung.[6]
Unnummerierte Schlusszeile
… hervorbringen und in der Welt vorzeigen, sehr mächtige [Heere; weitere Bestimmung beschädigt].
Hinweis: Schließt den Satz aus 168. Samvarānye ist ungesichert. In der englischen Übersetzung als 169, im Sanskritanhang unnummeriert; hier keine zusätzliche Originalnummer.
Quelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.8; nach Vers 168.[6]
Kolophon
[So im Jayadratha(-Yāmala), im Abschnitt über Śakras Fahne, der „unsichtbare Gang“.]
Hinweis: Klammern und die problematische Bezeichnung adṛśaḥ caraḥ der Leitquelle bleiben erhalten; dies ist der Schluss eines Unterabschnitts, kein Nachweis, dass das gesamte Kapitel II.16 hier endet.
Quelle: Serbaeva 2022, PDF-Seite Verlags-HTML, Appendix A.3.8; nach dem Schlusshalbvers.[6]
Ṣaṭka II, Kapitel 20: Ein zitierter Versfuß zur Ikonographie
Ṣaṭka II, Kapitel 20, Zitat 60d
[Die Göttin,] geschmückt mit einer Girlande aus Leichen.
Erläuterung: Nur der vierte Versfuß ist bei Törzsök zitiert. Er bestätigt ein konkretes ikonographisches Motiv; keine Gleichsetzung mit einer Blumengirlande.
Fundstelle der Leitquelle: Törzsök 2012, PDF-Seite 6; gedruckt 5, Anm.11.[12]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1: Mütterkreis und Bhairavas Wirken
Die Leitquelle ist bei jeder Position angegeben: Serbaeva 2006 oder Sanderson 2009. Die Kapitelnummer bezeichnet das interne Kapitel des Yoginīsaṃcāraprakaraṇa (YSP), nicht eine neu behauptete Gesamtzählung von Ṣaṭka III.
Die Fragen in 1–6ab und der Schriftenkatalog 29–42ab folgen Sanderson 2009, S. 187 und 191 (PDF 154/158); 8–24 folgen Serbaevas Sanskritanhang. Ausgelassene Zwischenverse gelten nicht als verloren. Die Zitate sprechen für einen älteren Überlieferungszusammenhang des YSP; Sanderson vermutet seine nachträgliche Eingliederung in das Corpus.

Sprecherzeile
Die Göttin sprach:
Hinweis: Unnummerierte Sprecherzeile vor YSP1.1; Sanderson 2009, S.187, Anm. 451, HandschriftD fol.169r8.
Quelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 154; 169r8 ff..[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 1
[tan na] jñātaṃ mayā deva guhyatantrasya vistarāt ||
Was du früher im Śaṃvaratantra gelehrt hast, höchster Herr, habe ich, Gott, wegen des Umfangs dieses geheimen Tantra nicht verstanden.
Erläuterung: [Tan na] ist Sandersons Emendation für tatra im Manuskript; die Verneinung beruht auf dieser ausdrücklich gekennzeichneten Herausgeberentscheidung.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 154; gedruckt 187, Anm.451; 169r8 ff..[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 2
kathaṃ devyo yajanty enaṃ kulās tāsāṃ kati smṛtāḥ ||
Wie ist jener mächtige Bhairava-Leib in dir, Gott? Wie verehren ihn die Göttinnen, und wie viele ihrer Familien werden überliefert?
Erläuterung: Der Ausdruck bhairavo dehaḥ bezeichnet hier eine göttliche Verkörperung; die anschließenden Fragen betreffen den Göttinnenkult.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 154; gedruckt 187, Anm.451; 169r8 ff..[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 3
carusiddhiḥ kathaṃ tāsām etan me brūhi vistaram ||
Wie ist die höchst verborgene Ordnung, und wie vollzieht sich ihr Umlauf, Herr? Wie werden die Opfergaben für sie bereitet beziehungsweise erlangt? Erkläre mir dies ausführlich.
Erläuterung: Sanderson ergänzt den auslautenden Anusvāra in mahāgūḍhaṃ. Die Kasusformen kramam und cāram bleiben erhalten. Caru bezeichnet hier rituelle Gaben; deren Stoffe werden in diesem Vers nicht aufgezählt.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 154; gedruckt 187, Anm.451; 169r8 ff..[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 4
vacomṛtaṃ mahādevo bhūyo vacanam abravīt ||
Nachdem Mahādeva so den Wortnektar gehört hatte, der dem Mundlotus der Herrin der Götter entströmte, ergriff er wiederum das Wort.
Erläuterung: Die gedruckte Form vacomṛtaṃ wird ohne eingefügten Avagraha bewahrt; sie wird mit Sanderson als Wortnektar verstanden.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 154; gedruckt 187, Anm.451; 169r8 ff..[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 5
mahārahasyam atulaṃ yoginīcāram uttamam ||
Wohl gesprochen, wohl gesprochen, Hochbegnadete, würdiges Gefäß für den Sinn aller Erkenntnis! Den unvergleichlichen großen Geheimgegenstand, den erhabenen Umlauf der Yoginīs …
Erläuterung: Der Satz endet im folgenden erhaltenen Halbvers 6ab. Die Druckform mahābhage bleibt erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 154; gedruckt 187, Anm.451; 169r8 ff..[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Zitat 6ab
… werde ich in Kürze erklären. Höre mit ganz gesammeltem Geist zu.
Erläuterung: Nur6ab wird zitiert. Sandersons Schreibweise śṛṇuṣv’ bleibt erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 154; gedruckt 187, Anm.451; 169r8 ff..[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 8
yaṃ ca sarvarahasyāgramātṛmaṇḍalasaṃkulam ||
[Dieser Bereich ist der,] in dem das Erlangen der Stufe der sechs Yogas beständig gegründet ist und der vom Mütterkreis, dem Höchsten aller Geheimnisse, erfüllt ist …
Erläuterung: Die Formen yogaṣaṭkapadaprāpti und yaṃ sind unregelmäßig. Der Satz gehört zu einer Beschreibung, deren vorausgehender Beginn hier nicht zitiert wird.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Zitat 9a
… reich an unzähligen Familien von Scharen und Botinnen.
Erläuterung: Die Dissertation bezeichnet diesen zitierten Halbvers als 9a; diese Bezeichnung wird bewahrt. Er wird nicht als vollständiger Vers gezählt.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.1.[9]
Sprecherzeile
Bhairava sprach:
Hinweis: Sprecherzeile des Zitats III.YSP.1.21–24.
Quelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 21
yathā vivasvān subhage padmaṣaṇḍavikāsanam |
Ihm werden weder Zuneigung noch Abneigung zugeschrieben, Glückliche. Wie die Sonne, Glückliche, die Lotusgruppen zum Aufblühen …
Erläuterung: Die Quelle zitiert 21–24 zusammen. Die Einzelzuordnung folgt den acht aufeinanderfolgenden Halbversen dieses vierstrophigen Bereichs; die einfachen Schrägstriche werden als Daṇḍas wiedergegeben. Der Satz setzt sich in 22 fort.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 22
na tatra rāgadveṣo’sya tathā devasya bhairavi |
… bringt durch ihre eigenen Strahlen und manches ausreifen lässt, ohne dabei Zu- oder Abneigung zu hegen, so verhält es sich auch mit dem Gott, Bhairavī.
Erläuterung: Vervollständigt den Vergleich aus 21. Pravipācayet wird als „ausreifen lassen“ übersetzt; es wird keine Aussage über die biologische Wirkung jeder einzelnen Sonnenbestrahlung daraus abgeleitet.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 23
sampādayati tacceto śivavat parameśvari |
Bei denen, deren Unreinheit nach und nach zerstört ist, Göttin, macht er den Geist vollkommen rein, gleich Shiva, höchste Herrin.
Erläuterung: Mala meint hier die den Einzelnen bindende Unreinheit. Die Aussage steht im Zusammenhang von Bhairavas unterschiedlichem Wirken an gebundenen und sich öffnenden Wesen.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 24
teṣāṃ nigrahakṛt prokto bhairavo bhavanāśanaḥ ||
Er hält die Menge der Fesseln nieder [die Verbindung mit] der Umhüllung durch Unreinheit und Karma ist textlich unklar. Ihnen gegenüber wird Bhairava, der das Werden vernichtet, als derjenige bezeichnet, der Nigraha ausübt.
Erläuterung: Nigraha bezeichnet Zurückhalten beziehungsweise Zügelung, im Gegensatz zur Begnadung. Die Konstruktion der ersten Zeile bleibt offen; sie wird nicht zu einer vermeintlich eindeutigen Heils- oder Straflehre ausgebaut.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 29
aṭṭaśambaranāmānaṃ haṭṭadhūlis tathāparā ||
Das Mūlatantra, die Kubjikā und das Yoginījālaśamvara; das unter dem Namen Aṭṭaśambara bekannte Werk und außerdem Haṭṭadhūli …
Erläuterung: Aṭṭaśambaranāmānam folgt hier Sandersons Lesung der HandschriftenABCE gegenüber aṭṭaśasvaranāgānam inD. Die Strophen 29–42ab bilden einen zusammenhängenden Katalog von Lehrschriften, keine Liste von Rezitationsformeln.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 158; gedruckt 191, Anm.460; D 170v2–171r3.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 30
mahāmāyottaraṃ nāma sarvavīramataṃ tathā ||
… das große Tantra Calākṣara, Viśvakrīḍāvatāraka, das Mahāmāyottara genannte Werk und ebenso Sarvavīramata …
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 158; gedruckt 191, Anm.460; D 170v2–171r3.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 31
siddhacakraṃ prakāśaṃ ca paṭaṃ tūraṃ [tathāparam] ||
… das große Tantra Alaṃgrāsa und Kuñcikodghāṭa, Siddhacakra, Prakāśa, Paṭa sowie Tūra als weiteres Werk …
Erläuterung: Kuñcikodghāṭam und tathāparam sind Sandersons Emendationen; alle fünf Handschriften haben kruñcikodghāṭam und yathāparam. Die Aufgliederung der kurzen Titel folgt seinem Katalog; ihre Werkidentität bleibt teilweise unbekannt.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 158; gedruckt 191, Anm.460; D 170v2–171r3.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 32
kulagahvaranāmānaṃ kulaḍāmarabhairavam ||
… Siddhakaula, Mahājāla und Bhairavagahvara, das unter dem Namen Kulagahvara bekannte Werk und Kulaḍāmarabhairava …
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 158; gedruckt 191, Anm.460; D 170v2–171r3.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 33
kācanāmatam evānyat kusumālikasaṃjñitam ||
… das überaus furchtbare Jhāṅkārakula und das glückverheißende Siddhāmata, außerdem Kācanāmata und das Kusumālika genannte Werk …
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 158; gedruckt 191, Anm.460; D 170v2–171r3.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 34
picutantraṃ mahāraudraṃ vimalocchuṣmasaṃjñitam ||
… Siddhayogeśvarītantra und Trikasārottara, das sehr schreckliche Picutantra und das Vimalocchuṣma genannte Werk …
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 158; gedruckt 191, Anm.460; D 170v2–171r3.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 35
karoṭī muṇḍamālākhyaṃ śiracchedaṃ bhayānakam ||
… das Khaḍgarāvaṇa genannte Werk und ferner Ṭakamaṇḍala, Karoṭī, das unter dem Namen Muṇḍamāla bekannte Werk und das furchterregende Śiraccheda …
Erläuterung: Ṭakamaṇḍalam ist Sandersons Emendation für ṭakamaṇḍanam aller fünf Handschriften. Das Auftreten von Śiraccheda in diesem Katalog beweist für sich allein nicht die Gleichheit mit jedem später so bezeichneten Überlieferungsteil.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 158; gedruckt 191, Anm.460; D 170v2–171r3.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 36
ruruyāmalam atyugraṃ tathānyaṃ rudrayāmalam ||
… das Tantra Hāhārāvottara, Krodha, Unmattabhairava, das überaus furchtbare Ruruyāmala und ferner Rudrayāmala …
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 158; gedruckt 191, Anm.460; D 170v2–171r3.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 37
skandayāmalam evānyaṃ tathā bhairavayāmalam ||
… außerdem Umāyāmala und Gaurīyāmala, ferner Skandayāmala und ebenso Bhairavayāmala …
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 158; gedruckt 191, Anm.460; D 170v2–171r3.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 38
śukrayāmalam evānyac chakrayāmalam eva ca ||
… sodann Viṣṇuyāmala und Nandiyāmala, ferner Śukrayāmala und Śakrayāmala …
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 158; gedruckt 191, Anm.460; D 170v2–171r3.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 39
haṃsayāmalanāmānaṃ caṇḍograṃ hāṭakeśvaram ||
… das Kapālīśamata genannte Werk und Meghanādīśvara, das unter dem Namen Haṃsayāmala bekannte Werk, Caṇḍogra und Hāṭakeśvara …
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 158; gedruckt 191, Anm.460; D 170v2–171r3.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 40
lampaṭādyaṃ ca raktādyaṃ tathā haḍḍāmataṃ param ||
… Mahāvāmeśvarītantra, das erhabene Laṅkeśīmata, Lampaṭādya und Raktādya sowie das hohe Haḍḍāmata …
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 158; gedruckt 191, Anm.460; D 170v2–171r3.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Vers 41
ete tantravarāḥ proktā yoginīcakravanditāḥ ||
… außerdem Durvāsamata und zahlreiche weitere dieser Art: Dies sind die genannten hervorragenden Tantras, die vom Kreis der Yoginīs verehrt werden.
Erläuterung: Die Verehrung gilt hier den Schriften. Der Satz ist eine Katalogaussage, keine an den Leser gerichtete Rezitationsanweisung.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 158; gedruckt 191, Anm.460; D 170v2–171r3.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Zitat 42ab
In eben diesen hervorragenden Tantras wird ihr Umlauf untersucht.
Erläuterung: Nur der erste Halbvers 42ab ist zitiert.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 158; gedruckt 191, Anm.460; D 170v2–171r3.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 1, Zitat 72c–f
yathotpannaṃ tu kathitaṃ [niyogaṃ] śṛṇu sāmpratam |
So wurde die Ordnung des Yoga, wie sie im Yoginījālaśaṃvara entstand, dargelegt. Höre nun ihre Anwendung.
Erläuterung: Sanderson nennt ausdrücklich1.72c–f: vier zitierte Versfüße aus einer längeren Originalstrophe. Śaṃvare ist seine Korrektur von saṃcare, niyogam seine Emendation von niryogam. Yoganiyamaṃ bezeichnet die Ordnung beziehungsweise Regelung des Yoga.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 154; gedruckt 187, Anm.451; D 172v4–5.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 2: Lautentfaltung
Die Leitquelle ist bei jeder Position angegeben: Serbaeva 2006 oder Sanderson 2009. Die Kapitelnummer bezeichnet das interne Kapitel des Yoginīsaṃcāraprakaraṇa (YSP), nicht eine neu behauptete Gesamtzählung von Ṣaṭka III.
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 2, Vers 7
nāda sphoṭas tathā śānta śāntāyā bindusaṃbhavaḥ |
Nāda, Bindu und Kalā sind es, durch die die bewegte und unbewegte Welt hervorgebracht ist. [Genannt werden] Nāda, Sphoṭa und Śānta; aus Śāntā entsteht Bindu.
Erläuterung: Nāda, Bindu und Kalā sind hier Formen beziehungsweise Stufen der Laut- und Kraftentfaltung. Śānta und Śāntā stehen in diesen unterschiedlichen Formen in der Quelle. Die Strophe ist eine knappe Klassifikation, keine Lautfolge zum Rezitieren.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 2, Vers 8
nādātmikā sṛṣṭir iyaṃ binvākāram ataḥ śṛṇu |
Ghaṇṭā, Ciñcinī und danach Ghoṣiṇī: Diese Schöpfung besteht aus Nāda. Höre nun von der Gestalt des Bindu [abweichende Textform].
Erläuterung: Die Formen tadananntaram und binvākāram werden wie gedruckt bewahrt. Die drei Namen werden nicht als selbstständig rezitierbare Mantras aufgefasst. Der Sinn von Bindu wird im Sanskritanhang an dieser Stelle nicht weiter entfaltet.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 3: Weitergabe der Lehre
Die Leitquelle ist bei jeder Position angegeben: Serbaeva 2006 oder Sanderson 2009. Die Kapitelnummer bezeichnet das interne Kapitel des Yoginīsaṃcāraprakaraṇa (YSP), nicht eine neu behauptete Gesamtzählung von Ṣaṭka III.
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 3, Vers 13
putrasyāpi na dātavyam uktadoṣaguṇasya tu |
Wenn [der Schüler] die erforderlichen Merkmale besitzt, offenbare man ihm die Erkenntnis. Selbst dem eigenen Sohn soll man sie nicht geben, wenn er die genannten Fehler aufweist.
Erläuterung: Die vorangehende Liste der Merkmale und Fehler ist im Zitat nicht enthalten. Die Wiedergabe ergänzt sie nicht durch heutige Einweihungsregeln.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 3, Vers 14
anyathā naiva dātavyaṃ yadi prāṇāṃ parityajet |
[Man gebe sie] einem Lernwilligen, Friedvollen, dem Guru Ergebenen und Ehrfürchtigen. Andernfalls soll man sie keinesfalls geben, selbst wenn man das Leben aufgeben müsste.
Erläuterung: Die Aussage fordert äußerste Geheimhaltung. Bhīru heißt auch „furchtsam“; hier wird es im Zusammenhang ehrfürchtiger Schülerhaltung verstanden. Keine Aufnahme in die Praxisauswahl.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 5: Ein Zitat zur Opferhandlung
Die Leitquelle ist bei jeder Position angegeben: Serbaeva 2006 oder Sanderson 2009. Die Kapitelnummer bezeichnet das interne Kapitel des Yoginīsaṃcāraprakaraṇa (YSP), nicht eine neu behauptete Gesamtzählung von Ṣaṭka III.
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 5, Zitat 40
tarpaṇaṃ devatānāṃ ca |
Denn hier setzen der Erfolg der Handlung und die Sättigung der Gottheiten das Heranziehen von Blut voraus.
Erläuterung: Sanderson bezeichnet das Zitat als YSP 5.40, druckt aber nur drei Versfüße. Es wird deshalb als Zitatfragment und nicht als vollständiger Originalvers gezählt. Die ungewöhnlichen Druckformen yasmātra und siddhī bleiben unverändert.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 151; gedruckt 184, Anm.444; 184r6.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 6: Historische Opfer- und Verwandlungsrituale
Die nachfolgend zitierten Vorschriften gehören zu historischen Opfer- und Verwandlungsritualen. Der Sanskritanhang bietet nur die angegebenen Auszüge; sämtliche hier aufgenommenen Positionen dieses Kapitels bleiben aus Praxisauswahl und Rezitationsempfehlungen ausgeschlossen. Die Zuordnung 25–28 und 89cd–91ab folgt jeweils der passenden Zahl der abgedruckten Halbverse.
Die Leitquelle ist bei jeder Position angegeben: Serbaeva 2006 oder Sanderson 2009. Die Kapitelnummer bezeichnet das interne Kapitel des Yoginīsaṃcāraprakaraṇa (YSP), nicht eine neu behauptete Gesamtzählung von Ṣaṭka III.
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 6, Vers 25
strībaroṣṭras tatholūka biḍālaśunakaḥ śivā |
Auch diejenigen, die geringere Siddhis verleihen, werde ich nennen; höre dies. [Die Liste nennt] Frau, bara [unklar], Kamel, Eule, Katze, Hund und Schakalweibchen …
Erläuterung: Strībaroṣṭra enthält eine ungesicherte Verbindung. Die Aufzählung setzt sich in 26 fort; sie gehört zu einem historischen Opfer- und Verzehrzusammenhang, nicht zu einer heutigen Empfehlung.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Sanskritanhang S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 6, Vers 26
sarvayogīśvarīsiddhi māṇuṣāt paśunād bhavet |
… ferner Geier und Papagei. Acht Opfertiere werden genannt. Aus einem menschlichen Opfer [soll] die Siddhi aller Yoginīherrinnen entstehen.
Erläuterung: Die Zahl acht steht in der Quelle, obwohl die vorangehende beschädigte Liste keine sichere moderne Auszählung erlaubt. Paśu bezeichnet hier ein Opferwesen; māṇuṣāt wird nicht als bloß symbolisches „Ego“ umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Sanskritanhang S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 6, Vers 27
biḍālā jālaśākinyo śaunavāt tu piśācata |
Für den Kamelverzehrenden [ist die weitere Wirkung sarvanāsthāpya unklar]; aus der Eule [soll] die Stufe eines Rākṣasa entstehen, aus der Katze [eine Beziehung zu] Jālaśākinīs und aus dem Hund der Zustand eines Piśāca.
Erläuterung: Mehrere nichtklassische Formen bleiben erhalten. Der Vers behandelt historische Zuschreibungen an den Verzehr von Opferwesen; er wird vollständig aus Auswahl und Rezitationsempfehlungen ausgeschlossen.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Sanskritanhang S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 6, Vers 28
saptabhiḥ somasaṃsthais tu kṣudrasiddhipradāyakāḥ |
Aus dem Geier [soll] freie Bewegung nach Wunsch, aus dem Papagei die Stufe des Herrn von allem [entstehen]. Die Schlusszeile nennt sieben Soma-Opferformen und das Gewähren geringer Siddhis; ihre genaue Verbindung ist unregelmäßig.
Erläuterung: Die Siebenzahl wird erhalten. Eine sichere Gleichsetzung jedes Tieres mit je einer Soma-Opferform wird aus dieser knappen Stelle nicht hergestellt.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Sanskritanhang S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 6, Zitat 89cd
[Die Aufzählung nennt] Katze, Schakal, Bär, bhoga [unklar], Esel, Kamel und vāma [unklar].
Erläuterung: Nur 89cd im zusammenhängenden Zitat 89cd–91ab. Die Formen mārjāraja und kharoṣṭravāma bleiben erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Sanskritanhang S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 6, Vers 90
pītasarṣaparājīni raktodakaniṣevitām |
Bei den knochenhaltigen Lebewesen lasse [der historische Ritualist] auf ihren Köpfen gelbe Senfkörner wachsen, mit Blutwasser versorgt.
Erläuterung: Die Fügung niṣevitām ist unregelmäßig. Der Text beschreibt ein überliefertes Verwandlungsritual; keine heutigen Materialien, Dosierungen oder Durchführungsschritte werden ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Sanskritanhang S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 6, Zitat 91ab
Indem er dann den Spross an der Hand befestigt, nimmt er nach der Textbehauptung augenblicklich deren Gestalt an.
Erläuterung: Nur 91ab. Die Aussage hängt am vorangehenden Ritual mit Tierköpfen und Blut; keine unabhängige spirituelle Praxisempfehlung.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Sanskritanhang S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 6, Vers 100
Eine Frau als Opferwesen einzusetzen, vereitelt die große Siddhi. [Sie] soll auch nicht anderswo hingegeben werden, ausgenommen das aus dem Körper Hervorgegangene [der Schluss bleibt ungesichert].
Erläuterung: Anytra und der Genuswechsel vighātakaḥ stehen so in der Quelle. Aṅgasaṃbhava kann körperlich Hervorgebrachtes bezeichnen; eine bestimmte Substanz oder Person wird hier nicht sicher daraus erschlossen.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Sanskritanhang S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 6, Vers 107
Wer einen Kranken, ein Kind, einen körperlich Beeinträchtigten oder [bakasaṃyuta: unklar] und einen impotenten beziehungsweise geschlechtlich uneindeutigen Menschen zum Opferwesen macht, erlangt keine Siddhi, Göttin.
Erläuterung: Die historische Opferklassifikation wird unbeschönigt wiedergegeben. Bakasaṃyuta wird nicht ohne Beleg zu einer bestimmten Krankheit ergänzt. Die Aussage wird nicht als Legitimation anderer Menschenopfer dargestellt.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Sanskritanhang S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 7: Ein Verweis auf das Yoginījālaśaṃvara
Die Leitquelle ist bei jeder Position angegeben: Serbaeva 2006 oder Sanderson 2009. Die Kapitelnummer bezeichnet das interne Kapitel des Yoginīsaṃcāraprakaraṇa (YSP), nicht eine neu behauptete Gesamtzählung von Ṣaṭka III.
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 7, Zitat 124cd
Die Handlungen, die im Yoginījālaśaṃvara gelehrt wurden …
Erläuterung: Zitatbereich7.124c–125b; hier der erste, vollständig lesbare Halbvers. Der Satz wird im nächsten Fragment fortgesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 154; gedruckt 187, Anm.451; D 199v6–7.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 7, Zitat 125ab
… vollführt er alle mühelos, nachdem er [den vorausgesetzten Mantra] zehntausendmal rezitiert hat.
Erläuterung: Ayuta heißt10000. Ein Lauttext wird nicht mitgeteilt; dies ist keine zusätzliche Rezitationsempfehlung.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 154; gedruckt 187, Anm.451; D 199v6–7.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8: Ritualraum und Observanz
Sandersons Vergleichstabelle, S.203–206 (PDF170–173), bietet die hier aufgenommenen Nummern3–12ab und20–28; seine Auslassung zwischen12ab und19c wird nicht als Überlieferungsverlust ausgegeben. Die SanskritspalteA gehört zum Jayadratha Yamala, SpalteB zu einer buddhistischen Parallele und ist hier nicht übernommen. Serbaevas Zitate16–17 und35c–36 bleiben unter ihrer eigenen Nummerierung. Der Wortlaut von Serbaevas18ab entspricht Sandersons20ab und ist in den vollständigeren Vers20 eingegliedert. Sandersons19c überschneidet sich mit Serbaevas17; er wird nicht zusätzlich gezählt. Daraus folgt keine allgemeine Verschiebung der übrigen Nummern.
Die Leitquelle ist bei jeder Position angegeben: Serbaeva 2006 oder Sanderson 2009. Die Kapitelnummer bezeichnet das interne Kapitel des Yoginīsaṃcāraprakaraṇa (YSP), nicht eine neu behauptete Gesamtzählung von Ṣaṭka III.
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 3
ādisiddhe śmaśāne vā ālikhen maṇḍalaṃ śubham ||
In den verborgenen Höhlungen der Berge, an den Ufern des großen Meeres oder auf einem seit alters bewährten Verbrennungsplatz zeichne man das glückverheißende Maṇḍala.
Erläuterung: Lesung ādisiddhe śmaśāne nachB; ACDE ādisiddhai śmaśānair. Die Strophe beginnt einen historischen Einweihungsritus; die nachfolgenden Bestandteile gehören zu seinem unmittelbaren Zusammenhang.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 170; gedruckt 203, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 4
raktodakāvimiśreṇa tena bhūmiṃ pralepayet ||
Mit glückverheißendem Dung einer braunen Kuh, vermischt mit Asche des Verbrennungsplatzes und mit blutigem Wasser versetzt, bestreiche man den Boden.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 170; gedruckt 203, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 5
śmaśānāṅgāracūrṇaṃ tu trirekhaṃ maṇḍalaṃ likhet ||
Nachdem man Asche vom Verbrennungsplatz gesammelt hat, zeichne man dort ein glückverheißendes achtblättriges Maṇḍala mit drei Linien, [unter Verwendung von] zermahlener Kohle des Verbrennungsplatzes.
Erläuterung: Die Akkusativfügung ist verkürzt. Acht bezeichnet die Blätter, drei die Linien; beide Zahlen werden bewahrt.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 170; gedruckt 203, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 6
sūtrayed rudhirāktena śavasūtreṇa sūtradhṛk ||
Der die Messschnur führt, messe es auf eine oder zwei Ellen, ebenso auf vier oder acht Ellen ab, mit einer blutbestrichenen Leichenschnur.
Erläuterung: Hasta und kara dienen hier als Ellenmaß. Śavasūtra ist die historische Bezeichnung der besonderen Ritualschnur; aus dem Wort allein wird ihr Material nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 170; gedruckt 203, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 7
kapālamālābharaṇo raudrabhasmāvaguṇṭhitaḥ ||
Der Ācārya sei frei von Zorn, rein, geschickt und ans Ende der Erkenntnis gelangt, mit einer Schädelgirlande geschmückt und in schreckliche [Leichen-]Asche gehüllt.
Erläuterung: Akrodhano ist Sandersons Emendation gegenüber śakrodhano der Handschriften. Die friedliche erste Hälfte wird wegen des zusammengehörigen Ritualrahmens nicht isoliert in die Praxisauswahl aufgenommen.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 170; gedruckt 203, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 8
mahābhūtāstrajālena samantāt pariveṣṭitam ||
Er trägt die Observanz der fünf Mudrās und ist mit den Gliedern Bhairavas geschmückt; [das Maṇḍala] ist ringsum vom Netz der Mahābhūta-Waffen umgeben.
Erläuterung: Der Satz wechselt vom Ācārya zum Maṇḍala. Das Objekt des letzten Ausdrucks wird aus der Fortsetzung ergänzt. Mudrās meint hier auch die besonderen Insignien der Observanz.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 171; gedruckt 204, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 9
caturaśraṃ caturdvāraṃ catustoraṇabhūṣitam |
Man zeichne das hervorragende Maṇḍala, das furchterregende Vollkommenheiten verleiht: viereckig, mit vier Toren, mit vier Torbögen geschmückt und in der Mitte mit einem Lotus versehen.
Erläuterung: Die Quelle druckt unter9 fünf Versfüße, keine regulären vier oder sechs. Diese gesamte unregelmäßige Originalnummer bleibt eine Position; keine fehlende Zeile wird ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 171; gedruckt 204, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 10
tasya madhye nyased devi bhairavaṃ bhīmavikramam ||
Dieser Lotus hat acht Blätter und eine glückverheißende Mitte. In seine Mitte setze man, Göttin, Bhairava von schrecklicher Macht.
Erläuterung: Bhairavam ist Sandersons Emendation für bhairavī der Handschriften. Karṇikā bezeichnet den mittleren Teil der Lotusblüte.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 171; gedruckt 204, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 11
tasyāgrataḥ sthitā devī aghorā ghoravikramā ||
Er blickt nach Süden, leuchtet und hat eine schreckliche, furchterregende Gestalt. Vor ihm steht die Göttin Aghorā von furchtbarer Macht.
Erläuterung: In ghoravikramā emendiert Sanderson den Ausgang zu -vikramā gegenüber -vikramān in AC, -vikramāṃ in B und -vikramāt in DE. Sein Hinweis auf aghorī bhīmavikramā in Picumata 1.2d ist eine Parallele, kein zusätzlich übernommener Jayadrathayāmala-Text.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 171; gedruckt 204, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Zitat 12ab
Darauf stelle man sie Bhairava zugewandt dar, zornig und von schrecklicher Gestalt.
Erläuterung: Die Quelle unterbricht das Zitat nach 12ab durch Auslassungspunkte.12cd bis zum späteren Wiederbeginn sind dort nicht abgedruckt, nicht damit als verloren erwiesen.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 171; gedruckt 204, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 16
ḍamarukārāvamukharaṃ paṭahikāśabdasaṃkulam |
[Der Ritualraum ist ausgestattet] mit Torbögen und Wimpeln, erfüllt vom Klang der großen und kleinen Glocken, laut vom Dröhnen der Ḍamaru-Trommeln und vom Klang der Paṭahikās.
Erläuterung: Das Zitat beschreibt einen Ritualraum; die anschließende Aufnahme der Schüler ist im Anhang nur angeschnitten. Die Instrumentennamen bleiben erhalten.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 556; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.1.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 17
sopavāsāñ śucīn svātān arcayed uttarāmukhān |
Nach der Verehrung des vorzüglichen Maṇḍala lasse man die Schüler eintreten. Man verehre sie, die gefastet haben, rein und [svāta: offenbar gebadet, Wortform unregelmäßig] sind und nach Norden blicken.
Erläuterung: Die Quelle führt 17ff und drei Halbverse an. Die ersten beiden werden 17 zugeordnet; der folgende Halbvers bleibt 18ab. Es handelt sich um den Eingang eines Initiationsrituals.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 557; gedruckt Sanskritanhang S.2.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 20
khaṭvāṅgena tu sarvāṅgān ālabhet putrakasya tu ||
Nachdem er mit einer Schädelschale den Kopf berührt hat, setze er die Saṃpuṭa[-Geste] am Herzen an; mit dem Khaṭvāṅga[-Stab] berühre er sämtliche Glieder des Putraka.
Erläuterung: Sanderson korrigiert saṃpuṭā zu saṃpuṭāṃ und emendiert sarvāṅgā in ACD beziehungsweise sarvāṅgo in B zu sarvāṅgān. Der erste Halbvers entspricht dem früher nach Serbaeva 2006 zitierten III.YSP.8.18ab; dessen abweichende Nummer und Lesung saṃpuṭā bleiben hier dokumentiert. Das Fragment wird durch diesen vollständiger belegten Vers ersetzt und nicht doppelt gezählt. Putraka ist ein Einweihungsrang.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 171; gedruckt 204, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 21
vastracchannamukhaṃ devi puṣpāñjalidharaṃ tathā ||
Vorn lasse er Glocke, Paṭahī-Trommel und Ḍamaru erklingen. [Der Schüler ist] mit einem Tuch vor dem Gesicht versehen, Göttin, und trägt Blumen in den zusammengelegten Händen …
Erläuterung: Der Satz reicht in 22 weiter. Sandersons Herausgeberentscheidungen: vādayed als Konjektur gegen vādaye; paṭahīṃ als Emendation gegen paṭaho; ḍamaruṃ gegen ḍamaras und -dharaṃ gegen -varaṃ. Die Instrumente stehen im Einweihungsrahmen; kein selbstständiges Klang-Mantra.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 172; gedruckt 205, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 22
tato dāvāpayet puṣpān devasyopari putrakam ||
… und umschreitet die [göttliche] Stätte rechtsläufig. Sich an die südliche Gestalt haltend, lasse er dann den Putraka Blumen über die Gottheit geben.
Erläuterung: Die Form dāvāpayet und ihre Verbindung mit putrakam sind unregelmäßig; Sanderson emendiert putrakaḥ zu putrakam. Puṣpān ist Plural. Pura bezeichnet die als göttliche Stätte verstandene Maṇḍala-Anlage. Der Wechsel zwischen Schüler und Ritualleiter ist aus dem Zusammenhang erschlossen.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 172; gedruckt 205, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 23
hṛnmantraparijaptena tilakān teṣu kārayet ||
Worauf diese Blume fällt, das bestimme er als dessen Familie. Mit [einer Substanz], über der der Herzmantra gesprochen wurde, lasse er ihnen Tilaka-Zeichen auftragen.
Erläuterung: Die im zweiten Halbvers nötige Substanz ist im Sanskrit noch nicht benannt; raktena am Anfang von 24 führt den Satz weiter. Yasmiṃs wird mit Sanderson wiedergegeben. Keine eigenständige Lautform des Herzmantra mitgeteilt.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 172; gedruckt 205, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 24
yad yasya devatāsthānaṃ tat sarvaṃ tasya darśayet ||
Mit Blut [ist der vorangehende Tilaka verbunden]. Nachdem er dessen Gesicht enthüllt hat, zeige er ihm das Maṇḍala; jede Stätte einer Gottheit zeige er ihm vollständig.
Erläuterung: Raktena, „mit Blut“, steht am Anfang24 und ergänzt dem Sinn nach die Tilaka-Handlung aus23. Die Originalversgrenze bleibt erhalten; das Blut wird weder ausgelassen noch als bloß symbolische Farbe umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 172; gedruckt 205, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 25
suśrāvya pūrvavidhinā saṃsiddhaputrakānvitam ||
Nachdem die Verpflichtungen verkündet worden sind und [man sich] vor dem Guru verneigt hat, [folgt] das Verkünden nach der früheren Vorschrift. Der letzte Ausdruck bezeichnet die Verbindung mit vollendeten Putrakas; die genaue Satzfügung ist ungesichert.
Erläuterung: Puraṃ guroḥ kann hier „vor dem Guru“ bedeuten; auch die Verbindung mit einer Stätte des Guru bleibt sprachlich möglich. Suśrāvya ist eine ungewöhnliche Form des Verkündens. Saṃsiddhaputrakānvitam ist Sandersons Konjektur gegenüber saṃsiddhaṃ putrakāṃvitam in A und saṃsiddhaṃ putrakāṃcitam in BCDE. Samayāñ ist seine Emendation für samayaṃ; śrāvayitvā folgt B gegenüber śrāvayitvās. Die unklare Fügung wird nicht durch eine freie Ritualanweisung ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 172; gedruckt 205, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 26
pragṛhya kulajān mantrān vratāṃś ca samayāṃs tathā ||
… verehre den Guru nach der Vorschrift, ohne beim Vermögen zu täuschen. Nachdem er die aus der Familie stammenden Mantras, die Observanzen und ebenso die Verpflichtungen empfangen hat …
Erläuterung: Der Satz wird in 27–28 fortgesetzt. Vidhivad bedeutet „nach der Vorschrift“; vittaśāṭhya bezeichnet das Täuschen beziehungsweise Knausern beim Vermögen.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 172; gedruckt 205, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 27
mātṛdūtyo vratāṃś caiva yāvadantaṃ krameṇa tu ||
… verehre er, Göttin, die Yoginīs, die Mütter, den Guru und die Botinnen der Mütter und [befolge] die Observanzen, Schritt für Schritt bis zum Ende …
Erläuterung: Die Formen yoginyo, mātaro und mātṛdūtyo stehen neben Akkusativen. Diese nichtklassische Kasusfügung wird im Sanskrit bewahrt; der Zusammenhang bestimmt die genannten Gruppen als Gegenstände der Verehrung.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 172; gedruckt 205, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 28
bhairavībhuvanā devi sarvaśaktibhir āvṛtaḥ ||
… durch die Folge der Verehrung gelangt er, durch dreiundsechzig Caru[-Gaben] gereinigt, zu den Welten Bhairavīs, Göttin, von allen Kräften umgeben.
Erläuterung: Die Form bhairavībhuvanā ist unregelmäßig. Sanderson konjiziert ārādhana- für aropanā und kramād yāti für kramaprāpti der Handschriften. Triṣaṣṭi heißt 63, keine frei gewählte Rezitationszahl.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 173; gedruckt 206, VergleichstabelleA; Vergleichstabelle: A ab 286v2; B ab 182r4; C ab 166v3; D ab 200r2; E ab 183v7 (keine Einzelvers-Foliozuweisung).[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Zitat 35c
Und die Cāmuṇḍā-Observanz: stets in schwarzer Kleidung [Wortform verkürzt], mit schwarzer Duftsalbe bestrichen …
Erläuterung: Die Quellenüberschrift lautet 35c–36, obwohl vor Vers 36 mehr als ein einzelner Versfuß zitiert ist. Die Nummer 35c wird als Bezeichnung dieses unvollständigen Zitats bewahrt. PDF 288 nennt den Parallelbeleg verkürzt 35–36; er wird nicht doppelt gezählt. Kṛṣṇabaradhara wird nicht still in kṛṣṇāmbaradhara geändert.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 557; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.2.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Vers 36
valayābharaṇopetaṃ nūpuradhvanibhūṣitam ||
… eine schwarze Girlande tragend, mit Ohrschmuck geschmückt, mit Armreifen versehen und vom Klang der Fußschellen geschmückt.
Erläuterung: Die Kasus wechseln im überlieferten Wortlaut. Es handelt sich um die Ausstattung einer bestimmten Observanz; deren vollständiger Ritualrahmen ist aus diesem Zitat nicht erschlossen. Daher keine isolierte Praxisempfehlung.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 557; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.2.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Zitat 71cd
Von der südlichen bis zur südwestlichen Richtung zeichne man Bäume …
Erläuterung: Teilzitat8.71c–72b. Die Richtungsspanne folgt dem Wortlaut; keine still ergänzte Anzahl von Himmelsrichtungen.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 197; gedruckt 230, Anm.528; keine nähereFolioangabe im Zitat.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 8, Zitat 72a
… mit aufgehängten Menschen bedeckt.
Erläuterung: Obwohl die Bereichsangabe bis72b reicht, ist am Seitenbild nur dieser eine Versfuß abgedruckt. Hier bleibt er ausdrücklich einFragment72a; kein fehlender Versfuß ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 197; gedruckt 230, Anm.528; keine nähereFolioangabe im Zitat.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 9: Vierundzwanzig Yoginīnamen
Leitquelle: Sanderson 2009, S. 200, Anm. 472 (PDF 167), nach fol.202r5–7. Die Liste umfasst 24 Namen und die anschließende Aussage über ihr Aussprechen. Serbaevas Fragmente unter III.YSP.8.60c und 8.61b entsprechen hier 9.60cd und 9.61ab; beide sind ohne Doppelzählung in die vollständigeren Verse eingegliedert. Die Quellenzählungen bleiben dokumentiert. Wegen unsicherer Namen und des Kontextes der Śmaśānabhūtas ist dies kein empfohlener Rezitationszyklus.
Die Leitquelle ist bei jeder Position angegeben: Serbaeva 2006 oder Sanderson 2009. Die Kapitelnummer bezeichnet das interne Kapitel des Yoginīsaṃcāraprakaraṇa (YSP), nicht eine neu behauptete Gesamtzählung von Ṣaṭka III.
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 9, Vers 58
[cakravartī] ca [śauṇḍī] ca khaḍgakarṇā mahātapā ||
Śarabhānanā, Suvīrā, Vajribhā und Rāsabhā; Cakravartī, Śauṇḍī, Khaḍgakarṇā und Mahātapā …
Erläuterung: Sanderson ergänzt an in Śarabhānanā; rāsabhā ist eine Konjektur für rāsibhā, cakravartī eine Korrektur von cakravarti und śauṇḍī eine Emendation von pauṇḍī. Die Namen sind daher kein vollständig gesicherter Rezitationszyklus.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 167; gedruckt 200, Anm.472; 202r5–7.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 9, Vers 59
carā vai somadevī ca gavākṣī vāyuvegagā ||
… Cakravegā, Mahāyāmyā, Subhadrā und Gajakarṇikā; Carā, Somadevī, Gavākṣī und Vāyuvegagā …
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 167; gedruckt 200, Anm.472; 202r5–7.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 9, Vers 60
vedhanī ca tathā bhaṭṭā droṇā kākenakā tathā ||
… Airāvatī, Mahānāsā, Daṃṣṭrālī und Sukarkaśā; Vedhanī, Bhaṭṭā, Droṇā und Kākenakā.
Erläuterung: Die zweite Hälfte stimmt mit Serbaeva 2006, PDF 557, ZitatIII.YSP.8.60c überein. Das frühere Fragment wird hier in den vollständigen Vers unter Sandersons Zählung9.60 eingegliedert und nicht doppelt gezählt. Daraus folgt keine allgemeine Verschiebung sämtlicher Kapitel.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 167; gedruckt 200, Anm.472; 202r5–7.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 9, Vers 61
tatra śmaśānabhūtāś ca sāṃnidhyaṃ yā[n]ti tatkṣaṇāt ||
Wo die Namen dieser Yoginīs ausgesprochen werden, Große an Askesekraft, dort werden die Wesen des Verbrennungsplatzes sogleich gegenwärtig.
Erläuterung: Sanderson ergänzt n in yānti. Die erste Hälfte stimmt mit Serbaeva 2006, PDF 557, ZitatIII.YSP.8.61b überein; jenes Fragment wird hier ohne Doppelzählung eingegliedert. Die Aussage ist eine historische Wirkungszuschreibung. Ihr Bezug zu Śmaśānabhūtas und die unsicheren Namen der Liste schließen eine Rezitationsempfehlung in dieser Ausgabe aus.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 167; gedruckt 200, Anm.472; 202r5–7.[8]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 10: Bhairava im Yoginīkreis
Die Leitquelle ist bei jeder Position angegeben: Serbaeva 2006 oder Sanderson 2009. Die Kapitelnummer bezeichnet das interne Kapitel des Yoginīsaṃcāraprakaraṇa (YSP), nicht eine neu behauptete Gesamtzählung von Ṣaṭka III.
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 10, Zitat 17ab
[Der Vers nennt] einen neunten [Bereich,] verbunden mit sechs Yoginīs; in der Mitte des Kreises ist Bhairava.
Erläuterung: Nur 17ab. Navama und ṣaḍyogisaṃbaddha sind verkürzt; was genau als neuntes gezählt wird, ist im Halbvers nicht sicher zu bestimmen.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 557; gedruckt Sanskritanhang S.2.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 11: Mütter und sechs Yoginīs
Die Leitquelle ist bei jeder Position angegeben: Serbaeva 2006 oder Sanderson 2009. Die Kapitelnummer bezeichnet das interne Kapitel des Yoginīsaṃcāraprakaraṇa (YSP), nicht eine neu behauptete Gesamtzählung von Ṣaṭka III.
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 11, Vers 1
ṣaḍyoginīnāṃ deveśa kathitā cāsane sthitā ||
Du hast von den götterverehrten Müttern gesprochen, die aus einem einzigen Glied hervorgegangen sind, Herr der Götter, und von den sechs Yoginīs, die auf ihren Sitzen bestehen [grammatische Verbindung unklar].
Erläuterung: Die Quelle beginnt mit yadād und hat die unregelmäßige Genitivform ṣaḍyoginīnām. Der genaue Bezug zwischen Müttern und Yoginīs wird nicht durch eine frei ergänzte Genealogie ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 557; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.2.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 11, Vers 2
brahmādīnāṃ sureśānāṃ utpannā mātaraḥ vibho ||
Jene, die du genannt hast, gingen aus den Gesichtern Kārttikeyas hervor; die Mütter entstanden aus Brahmā und den anderen Götterherren, Allgegenwärtiger.
Erläuterung: Kārttikeya ist Skanda. Die Form yoditāḥ bleibt stehen; inhaltlich nimmt der Satz auf das zuvor Gesagte Bezug.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 557; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.2.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 11, Vers 3
mātrīṇām uttaraṃ tāsāṃ saṃśayaṃ kathaya prabhoḥ ||
[Wie verhalten sich] ihre durch Herrschaft und Yoga vollendete Macht und ihre Stärke zu denen der Mütter? Kläre diesen Zweifel, Herr [mehrere Formen unregelmäßig].
Erläuterung: Der Wortlaut enthält mātrīṇām und prabhoḥ. Die Frage betrifft den Rang beziehungsweise die besondere Macht der Yoginīs; eine eindeutige Aussage, sie seien „höher als alle Mütter“, wird daraus nicht ohne Weiteres gemacht.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 557; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.2.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 11, Vers 4
mantas tāsāṃ samutpannā nāḍī caiva anekadhā ||
Wie sind sie aus der einen Silbe hervorgegangen und dennoch sechsfach, Allgegenwärtiger? [Wie sind] ihre Mantras und die Nāḍīs in vielfacher Weise entstanden …
Erläuterung: Mantas ist die gedruckte verkürzte Form; sie wird nicht still zu mantras geändert. Die eine Silbe wird in diesem Zitat nicht lautlich identifiziert.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 557; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.2.[9]
Ṣaṭka III, Yoginīsaṃcāraprakaraṇa, Kapitel 11, Zitat 5ab
… in den acht Himmelsrichtungen? Dies mögest du erklären.
Erläuterung: Nur die erste Vershälfte ist zitiert. Vasusaṃkhyā bedeutet „in der Anzahl der Vasus“, hier acht. Keine unbelegte Auflösung der in 4 genannten Silbe.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 557; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Yogasūtra/YSP, S.2.[9]
Ṣaṭka III, Kapitel 14: Historisches Orakelritual außerhalb des YSP
Leitquelle: Sanderson 2009, S.138 (PDF105). Historisches Besessenheitsorakel mit einem Mädchen als Medium. Die Quelle beschreibt Wein, Fleisch und die behauptete Gegenwart einer Göttin; der gesamte hier aufgenommene Abschnitt bleibt außerhalb der Praxisauswahl und der Rezitationsempfehlungen. Die Fundstelle lautet III.14.70–76, fol.99v2–6. Sie ist nicht als internes Kapitel14 des später im Manuskript beginnenden Yoginīsaṃcāraprakaraṇa ausgewiesen.
Ṣaṭka III, Kapitel 14, Vers 70
tadā kanyāṃ samānīya sarvalakṣaṇalakṣitām ||
Wenn er nun die höchste Besessenheit eines gesunden [Mediums] zu bewirken wünscht, bringe er ein Mädchen herbei, das mit allen günstigen Merkmalen versehen ist …
Erläuterung: Sanderson ergänzt t in vāñchet. Seine Zählung14.70–76 bezieht sich auf das Kapitel des drittenṢaṭka; diese Verse werden nicht dem auf späteren Folios beginnenden YSP zugeordnet.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 105; gedruckt 138; 99v2–6.[8]
Ṣaṭka III, Kapitel 14, Vers 71
raktakṛṣṇāmbaradharāṃ raktasrakkaṇṭhaśobhitām ||
… setze sie auf einen Sitz in einem gut verborgenen, vortrefflichen Haus, mit dunkelrotem Gewand bekleidet und mit einem Kranz roter Blumen am Hals geschmückt …
Erläuterung: Raktakṛṣṇa verbindet Rot und Schwarz und wird mit Sanderson als dunkelrot verstanden.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 105; gedruckt 138; 99v2–6.[8]
Ṣaṭka III, Kapitel 14, Vers 72
avyucchinnaṃ dahed dhūpaṃ vidyām āvartayet tataḥ ||
… so stelle er sie auf dem glückverheißenden Sitz auf, mit Pala und Ali gefüllt. Ununterbrochen verbrenne er Räucherwerk und wiederhole darauf die Vidyā.
Erläuterung: Pala und Ali bezeichnen hier Fleisch und Wein; Sanderson erklärt das Füllen als Verabreichung in den Mund. Dieser körperliche Bezug wird nicht allegorisch ersetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 105; gedruckt 138; 99v2–6.[8]
Ṣaṭka III, Kapitel 14, Vers 73
ghaṇṭāṃ pravādayet tatra mahāmantra[vidhau] sthitaḥ ||
Dann zittert das Mädchen, schwankt und lacht wieder. Der im Verfahren des großen Mantra stehende [Sādhaka] lasse dort die Glocke erklingen.
Erläuterung: Vidhau ist Sandersons Konjektur für vikai. Die beschriebenen Bewegungen betreffen das Mädchen, nicht den Ritualleiter.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 105; gedruckt 138; 99v2–6.[8]
Ṣaṭka III, Kapitel 14, Vers 74
tyaktvā bhūmiṃ tiṣṭhate sā tadā [sa] praṇataḥ pumān ||
Darauf fährt die göttliche Göttin Kṛśodarī rasch [in das Mädchen] ein; dieses steht über dem Boden. Dann verneigt sich der Mann …
Erläuterung: Sa ist Sandersons Korrektur für sā. Kṛśodarī heißt „die mit schmalem Bauch“. Āviśate bezeichnet das Eintreten der Göttin in das Medium; die nachfolgende Aussage beschreibt dessen behauptetes Schweben.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 105; gedruckt 138; 99v2–6.[8]
Ṣaṭka III, Kapitel 14, Vers 75
tadā sādhakamukhyāya vadate [manasepsitam] ||
… und sättige die höchste Herrin durch verschiedene Bali-Gaben. Dann spricht sie dem vorzüglichen Sādhaka das von ihm im Geist Gewünschte aus.
Erläuterung: Manasepsitam ist Sandersons Korrektur für manasīpsitam; Bali bezeichnet die rituellen Gaben.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 105; gedruckt 138; 99v2–6.[8]
Ṣaṭka III, Kapitel 14, Vers 76
brahmāṇḍodaragā vārtā[ḥ] sādhakāya vadaty asau ||
Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges – die gesamte dreifache Zeit – und die Geschehnisse im Inneren des Welteies verkündet sie dem Sādhaka.
Erläuterung: Sanderson ergänzt den Visarga von vārtāḥ; brahmāṇḍodaragā ist dessen nähere Bestimmung. Die drei Zeitbereiche sind ausdrücklich genannt; ihre Kenntnis ist eine historische Wirkungszuschreibung.
Fundstelle der Leitquelle: Sanderson 2009, PDF-Seite 105; gedruckt 138; 99v2–6.[8]
Ṣaṭka IV, Kapitel 2: Zwei Halbverse zur Mudrā
Ṣaṭka IV, Kapitel 2, Zitat 16ab
Wenn diese [Mudrā] gebildet wird, Gaurī, erfreut sich der Mütterkreis.
Erläuterung: Eigenständiges Halbverszitat. Die konkrete Mudrā ist aus diesem Zitat allein nicht bestimmbar; keine Ergänzung einer Handhaltung.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 519; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Jayadrathayāmala, S.2.[9]
Ṣaṭka IV, Kapitel 2, Zitat 25ab
Mit dieser gebildeten [Mudrā], Göttin, erfreue man den Mütterkreis.
Erläuterung: Eigenständiges Halbverszitat. Die konkrete Mudrā ist aus diesem Zitat allein nicht bestimmbar; keine Ergänzung einer Handhaltung.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2006, PDF-Seite 519; gedruckt Cited Sanskrit passages, Abschnitt Jayadrathayāmala, S.2.[9]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21: Saṃgrāmakālī – historisches Kampfritual
Leitquelle: Serbaeva 2022, Appendix A.1. Der gesamte dort veröffentlichte Kapiteltext einschließlich Schluss ist wiedergegeben. Die historische Verwendung richtet sich gegen Gegner; sämtliche Verse dieses Kapitels sind aus der Praxisauswahl und den Rezitationsempfehlungen ausgeschlossen.
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 1
yadā devyā prajayeta līlayā sādhakātmanām ||
Nun werde ich die große [Vidyā] „Sieg in der Schlacht“ darlegen: wie die Göttin den Sādhakas spielend den Sieg verschafft.
Erläuterung: Die Aiśa-Formulierung yadā devyā prajayeta ist unregelmäßig.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 2
tatra prapū mantreśīṃ sarvvavīropacārataḥ ||
Nachdem man einen glückverheißenden Ort aufgesucht hat, der mit einem Überfluss von Blumen erfreut, [verehre man] dort die Herrin der Mantras mit allen Darbringungen der Vīras.
Erläuterung: pra[ka]ra enthält eine Ergänzung der Herausgeberin. prapū ist unvollständig; die verbale Übertragung folgt dem erkennbaren pūjā-Zusammenhang.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 3
gajendraṃ ṣaṣṭham udhṛtya kṛtāṃtāsane saṃsthita ||
Dann soll man die Vidyā herausheben, die viele wunderbare Erscheinungen hervorruft: den sechsten „Herrn der Elefanten“ herausgehoben und auf den Sitz des „Todes“ gestellt …
Erläuterung: Beginn einer verschlüsselten Lautgewinnung; die technischen Namen werden nicht zu einer einsatzfähigen Schadensformel aufgelöst.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 4
piṇḍam etat samākhyātaṃ jaganmohanatatparaṃ ||
… soll man ihn wiederum auf „Feuer“ stellen, mit „Viṣṇu“ und einem Punkt geschmückt. Diese Lautverdichtung ist damit erklärt, ganz auf die Verblendung der Welt gerichtet.
Erläuterung: Piṇḍa bezeichnet hier eine verdichtete Lautverbindung. Der Foliovermerk B 140r 1 steht in der Quelle innerhalb von vibhūṣitam und gehört nicht zum Wort.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 5
triśūlāṃtaṃ karttanasthaṃ tribiṃdvaṃkaṃ sudhāmakam ||
Wiederum den „Zweizüngigen“ heraushebend, ist der „Wind“ ordnungsgemäß hinzuzufügen; [es folgt] das nach dem „Dreizack“, auf dem „Schneider“ Stehende, mit drei Punkten gezeichnete, nektarhafte [Element].
Erläuterung: Samyag wird als „ordnungsgemäß“ verstanden; die Codes bleiben unaufgelöst.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 6
saptārṇṇeyaṃ samākhyātā mahāsaṃgrāmatāriṇī ||
Wieder der „Zweizüngige“, mit einem Punkt beginnend und vom „Schrecklichen Pfahl“ eingeschlossen: Als siebensilbig ist diese große Retterin durch die Schlacht beschrieben.
Erläuterung: Der Name bhīmaśaṅku wird wörtlich erläutert, nicht in ein Bīja umgewandelt.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 7
surāmāṃsāsavair divyair upahārair anekadhā ||
Man soll sie, die in das Schwert eingegangen ist, mit allen Darbringungen der Vīras verehren: mit berauschendem Getränk, Fleisch und vergorenen Getränken, mit vielerlei göttlichen Opfergaben.
Erläuterung: Surā und āsava bezeichnen alkoholische beziehungsweise vergorene Getränke. Die historische Aussage bleibt unverhüllt.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 8
mahāsaṃhārarasitāṃ śastrārṇṇavapiśoṣaṇaṃ ||
Man soll sie vergegenwärtigen: strahlend wie hunderttausend, zehn Millionen und zehntausend Feuer der Weltvernichtung am Ende eines Kalpa, tönend von der großen Auflösung und ein Meer von Waffen austrocknend.
Erläuterung: Lakṣa, koṭi und ayuta sind die im Kompositum verwendeten Großzahlen; ihre rhetorische Häufung wird nicht als eindeutig bestimmte Multiplikation ausgegeben. Die Quelle hat piśoṣaṇaṃ, eine auffällige Form.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 9
daṃṣṭrālām ūrddhakeśāṃ ca muṇḍasragdāmadhāriṇīṃ ||
Mit dem Getöse eines aufgewühlten Ozeans, sehr mager, von schrecklicher Kraft, mit Fangzähnen und aufgerichtetem Haar, eine Girlande von Köpfen tragend.
Erläuterung: Die Aufzählung setzt die Vergegenwärtigung aus IV.21.8 fort.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 10
kāṇḍāsanagatāṃ dhyāyed arddhacaṃdraṃ tadullasam ||
Darauf gerichtet, die drei Welten zu erschrecken und die Partei des Feindes zu vernichten, auf einem kāṇḍa-Sitz befindlich, soll man sie vergegenwärtigen, mit einem leuchtenden Halbmond.
Erläuterung: Kāṇḍa kann Stängel, Schaft oder Knochen bezeichnen; Serbaeva versteht einen Knochensitz. Die genaue Verbindung von arddhacaṃdraṃ tadullasam ist unregelmäßig.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 11
evaṃ yāgaṃ purā kṛtvā paścāt saṃsādhayec śivāṃ ||
Man vergegenwärtige sie als allgestaltig, überall gegenwärtig und wie ein Schakal heulend [Lesung ergänzt]. Nachdem man zuerst so verehrt hat, soll man anschließend Śivā zur Gegenwart bringen.
Erläuterung: [Śi]vārutāṃ enthält eine Ergänzung. Śivā ist hier die Göttin, kein Wechsel zum männlichen Śiva.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 12
akṣarāṇāṃ varārohe yasmād homaṃ samācaret ||
Auf den Rücken eines großen Berges gestiegen, soll man gesammelt hunderttausend [Rezitationen] vollziehen. Danach, du Schönhüftige, soll man für die Silben eine Feuerdarbringung ausführen.
Erläuterung: Lakṣam = 100.000; varārohe ist eine Anrede an die Göttin.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 13
ayutaikaṃ samāhṛtya dṛṣyate parameśvarīṃ ||
Menschliches Lungengewebe wird in die Mitte der Feuergrube gegeben; nachdem zehntausend [Darbringungen] zusammengebracht sind, wird die höchste Göttin gesehen.
Erläuterung: Naraphuphusa bezeichnet Lungengewebe. Serbaevas englische Übertragung verwendet „omentum“; dieser anatomischen Gleichsetzung folgt die deutsche Übersetzung nicht. Die Sanskritsyntax ist unregelmäßig; eine Beschaffungsanweisung wird nicht ergänzt.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 14
tāṃ dṛṣṭvā sādhakendreṇa deyam arghyaṃ svalohitaṃ ||
Aus der Mitte des Feuers erhebt sich Karaṅkiṇī in friedlicher Gestalt. Hat der hervorragende Sādhaka sie gesehen, ist ihr als Willkommensgabe das eigene Blut darzubringen.
Erläuterung: Die Göttin erscheint in dieser Phase ausdrücklich saumyarūpā, „von friedlicher Gestalt“.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 15
yatheṣṭaṃ ca varaṃ tasmai sādhakāya dadāty asāu ||
Nachdem hier der linke Körperteil durchstochen wurde, freut sie sich sehr und gewährt jenem Sādhaka eine Gabe nach seinem Wunsch.
Erläuterung: Vāmāṅga bedeutet „linker Körperteil“; eine genauere Körperstelle wird nicht ergänzt. Aus der historischen Beschreibung wird keine heutige Handlungsempfehlung.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 16
athavāyutajāpena saṃgrāme vijayaṃ labhet ||
Sie führt [ihn] zu der Wohnstätte, an der die Göttin selbst weilt. Oder man erlangt durch zehntausend Rezitationen den Sieg in der Schlacht.
Erläuterung: Ayuta = 10.000; der zweite Halbvers eröffnet eine Alternative.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 17
maunam āsthāya vīrendro vidyām eva tadāharet ||
Nach der Verehrung gemäß dem zuvor beschriebenen Verfahren soll er zum Kampf aufbrechen. Der Herr der Vīras hält Schweigen und trägt dabei gerade die Vidyā vor.
Erläuterung: Der Text verbindet Schweigen mit dem Vortrag der Vidyā; er fordert hier kein Schweigen auch gegenüber dem Mantra.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 18
tadā vinaśyate sainyaṃ yadi sākṣāt kṛtakratuḥ ||
Er soll die ganze feindliche Armee als eine Opfergabe betrachten. Dann wird das Heer vernichtet, wenn der Vollzieher das Ritual unmittelbar verwirklicht hat.
Erläuterung: Kṛtakratuḥ ist die überlieferte Lesung. Sākṣāt heißt „unmittelbar“, nicht eine ausdrücklich genannte Zeiteinheit „in einer Sekunde“.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 19
kavacān āyudhān sarvvān saptena vāriṇā […] ||
Die vorzüglichsten Muschelhörner, Trommeln und Fahnen, Elefanten, Pferde und [adātayaḥ: unklar], sämtliche Panzer und Waffen mit dem siebenfachen [beziehungsweise siebensilbigen?] Wasser [Textlücke] …
Erläuterung: Die Quelle markiert hier ausdrücklich eine Lücke. Saptena vāriṇā ist nicht eindeutig; eine glatte Vorschrift „siebenmal besprengen“ geht über den erhaltenen Wortlaut hinaus.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 20
parābhavaṃ na yāsyanti jinaṃti ṛpuvāhinīṃ ||
… soll er besprengen, Herrin der Götter; dann werden sie unverwundbar. Sie werden keine Niederlage erleiden und besiegen das feindliche Heer.
Erläuterung: Fortsetzung von IV.21.19. Die Unverwundbarkeit ist eine historische Wirkungsbehauptung.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 21
pūrvvarūpasamāyuktāṃ devadevīṃ karaṅkinīṃ ||
Oder man stelle ein Gefäß aus Bronze her und zeichne darauf die Göttin der Götter Karaṅkiṇī in der zuvor beschriebenen Gestalt.
Erläuterung: Pātra[ṃ] enthält eine ergänzte Endung. Kāṃsa bezeichnet Bronze beziehungsweise Glockenmetall.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 22
tam āharet sādhakendro tāḍayen maṃtram uccare ||
Nach der Verehrung gemäß dem früheren Verfahren mache es zu einem tausendmal [mit der Formel] umgewendeten. Der hervorragende Sādhaka soll es mitführen, darauf schlagen und das Mantra aussprechen.
Erläuterung: Die Nummer 22 ist im Sanskritanhang redaktionell in eckigen Klammern ergänzt. Sahasra = 1.000; das Bezugsobjekt bleibt das Gefäß.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 23
vidravet sahasā sainyaṃ vāyonmeghaṃ yathā ghanaṃ ||
Hat das von Elefanten, Pferden und Wagen erfüllte Heer jenen schrecklichen Ton gehört, soll es plötzlich auseinanderfliehen wie eine dichte Wolke vor dem Wind.
Erläuterung: Vāji bedeutet Pferd. Das von Fahrzeugen und Reittieren erfüllte Heer ist das fliehende Heer; es wird nicht zu einem zusätzlich angreifenden Heer umgedeutet.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 24
jinaty anādareṇaiva rakṣitaṃ yadi bhairavi ||
Und es wird vollständig vernichtet; [sie] verwirren [es], ohne Zweifel. Mühelos siegt er, auch wenn [das Heer] beschützt ist, Bhairavī …
Erläuterung: Der letzte Halbvers ist mit IV.21.25 verbunden. Na saṃśayaya ist die unregelmäßige überlieferte Form.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 25
evaṃ vinirjitaṃ sarvvaṃ saṃgrāmaṃ sādhakeśvaraḥ ||
… selbst wenn Śakra persönlich herbeikommt, geht es dennoch zugrunde. So gewinnt der Herr der Sādhakas die ganze Schlacht.
Erläuterung: Śakra ist Indra. Die erste Hälfte setzt den Bedingungssatz aus IV.21.24 fort.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 26
anyadhūpaṃ samāvartya śatam aṣṭādhikaṃ purā ||
Oder er soll sich ordnungsgemäß beräuchern, [ātmānamantritam: unklare Verbindung]. Zuvor wird ein weiterer Räucherstoff einhundertachtmal [mit der Formel] behandelt.
Erläuterung: Die Folge ātmānamantritaṃ ist syntaktisch unsicher. Śatam aṣṭādhikam = 108; kein bestimmter Räucherstoff ist in dieser Strophe angegeben.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 27
tasya gaṃdhaṃ samāghrāya naśyaṃte satrusainikāḥ ||
Diesen soll er voran hoch erhoben halten, du von Göttern Verehrte. Wenn die feindlichen Krieger seinen Duft einatmen, gehen sie zugrunde.
Erläuterung: Die deutsche Fassung ergänzt keine toxische Substanz und kein Rezept.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 21, Vers 28
evaṃ saṃgrāmataraṇī vidyeyaṃ ghoravikramā ||
Durch die Macht der Göttin der Götter siegt der überragende Herr der Vīras. So ist diese Vidyā „Durch-die-Schlacht-Führende“, von schrecklicher Kraft …
Erläuterung: Der Satz endet im folgenden, im Sanskritanhang unnummerierten Halbvers.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1; gedruckt Artikel 278, Appendix A.1; B139v4–141r6.[6]
Unnummerierte Schlusszeile
… von mir dir ordnungsgemäß erklärt, die Eigenschaften aller Vollkommenheiten herbeiführend.
Hinweis: Im Sanskritanhang unnummeriert, in der englischen Übersetzung als Nummer 29 geführt; hier nicht zu einem vollständigen Vers hochgezählt.
Quelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1.[6]
Kolophon
So [endet] im Bhairava-Strom, im Vidyāpīṭha, im Śiraccheda, im großen Tantra Jayadrathayāmala von vierundzwanzigtausend [Versen], im vierten Ṣaṭka, das Kapitel über das Verfahren der Saṃgrāmakālī.
Hinweis: Die ergänzte Nasalierung [ṃ] bleibt sichtbar. Der Kolophon nennt selbst keine Kapitelziffer; Kapitel 21 folgt der Quellenzuordnung.
Quelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.1, B141r6.[6]

Ṣaṭka IV, Kapitel 45: Astrakālī – die Waffengöttin
Leitquelle: Serbaeva 2022, Appendix A.2. Der gesamte dort veröffentlichte Kapiteltext einschließlich Schluss ist wiedergegeben. Die historische Verwendung richtet sich gegen Gegner; sämtliche Verse dieses Kapitels sind aus der Praxisauswahl und den Rezitationsempfehlungen ausgeschlossen.
Sprecherzeile
Die ehrwürdige Göttin sprach:
Quelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 45, Vers 1
jayam āpnoti vīrendro rājñā saha kadācana ||
Sage, wie der Herr der Vīras zur Zeit der Schlacht durch das Besprechen der Waffen zusammen mit dem König den Sieg erlangt.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2; gedruckt Artikel 278, Appendix A.2; B207v5–208v3; Parallelzeuge A144v5–145r.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 45, Vers 2
yena pāthās tu te duṣṭās tam upāyaṃ vadeśvara ||
Wenn er die unvergleichliche Verehrung vollzieht und Feinde [p]adāgatāḥ [unklare Lesung: herangekommen?] sind: Sage, Herr, das Mittel, durch das jene Bösen [abgewiesen werden; pāthāḥ unsicher].
Erläuterung: Die Ergänzung [p] wird bewahrt. Der Satz ist verderbt; die vermutete Vertreibung ist keine sichere Einzelwortübersetzung.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2; gedruckt Artikel 278, Appendix A.2; B207v5–208v3; Parallelzeuge A144v5–145r.[6]
Sprecherzeile
Der ehrwürdige Bhairava sprach:
Hinweis: Uvaca steht in dieser Form im HTML-Anhang.
Quelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 45, Vers 3
vakṣyāmi tat tava snehād vidhānaṃ sarvvamohanaṃ ||
Gut fragst du; Heil sei dir! Aus Mitgefühl mit den Verehrern [vā[kṣy]aṃ: ergänzte und unsichere Form] werde ich dir aus Zuneigung das Verfahren darlegen, das alle verwirrt.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2; gedruckt Artikel 278, Appendix A.2; B207v5–208v3; Parallelzeuge A144v5–145r.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 45, Vers 4
dvijihvam a saṃruḍhaṃ sṛṣṭiyuktaṃ tataḥ kuru ||
Nachdem man die Göttin Mātṛkā verehrt hat, soll man danach Kālī herausheben: den „Zweizüngigen“, auf a … erhoben [unvollständige Lautbezeichnung], dann mit „Schöpfung“ versehen.
Erläuterung: Die Zusätze „A marked lacuna“ und „C 1 lacuna“ des Anhangs bezeichnen Befunde einzelner Vergleichshandschriften. Sie werden hier in der Anmerkung bewahrt, nicht als Sanskritwörter in den Vers aufgenommen. Die Lautgewinnung ist nicht vollständig lesbar.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2; gedruckt Artikel 278, Appendix A.2; B207v5–208v3; Parallelzeuge A144v5–145r.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 45, Vers 5
binduyuktaṃ mahābhāge caṃdrādyaṃ satribimdukaṃ ||
Das auf den „Schneider“ Folgende allein, der „Kreis“ auf dem „Feuer der Weltvernichtung“, mit einem Punkt versehen; du Glückliche, das mit „Mond“ Beginnende, mit drei Punkten.
Erläuterung: Cakram ist der gedruckte Sanskritgrundtext. Serbaevas Übersetzung versteht Śakra/Indra; diese andere Lesung wird nicht stillschweigend eingesetzt.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2; gedruckt Artikel 278, Appendix A.2; B207v5–208v3; Parallelzeuge A144v5–145r.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 45, Vers 6
saptārṇṇā ghoravidyeśī pāṭhāt siddhipradaṃ nṛṇāṃ ||
… bis tridhana [unklare Codefolge] … und das Weitere, durch „Schöpfung“ belebt. Die Herrin der schrecklichen Vidyās hat sieben Silben und gewährt Menschen durch ihren Vortrag Vollkommenheit.
Erläuterung: Der Anhang nennt „C 2 lacunas“ und „A marked lacuna“. Die lückenhafte Codefolge wird nicht rekonstruiert oder zur Rezitation angeboten.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2; gedruckt Artikel 278, Appendix A.2; B207v5–208v3; Parallelzeuge A144v5–145r.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 45, Vers 7
tat prabhāvaṃ ca tad vīryaṃ tad rūpaṃ tad vijṛṃbhitaṃ ||
Wie jene als Rāviṇī bezeichnet wurde, so wird auch diese beschrieben: dieselbe Macht, dieselbe Kraft, dieselbe Gestalt, dasselbe Sichentfalten …
Erläuterung: Satzfortsetzung in IV.45.8; Rāviṇī ist hier ein Name, kein vollständiger Rezitationstext.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2; gedruckt Artikel 278, Appendix A.2; B207v5–208v3; Parallelzeuge A144v5–145r.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 45, Vers 8
tathā yāgena siddhiḥ syād hṛdayesmin mahācale ||
… und ebenso soll die Verehrung sein, Göttin, aufgrund der Nichtverschiedenheit [matrat: unklar]. Auf gleiche Weise entsteht durch die Verehrung Vollkommenheit in diesem großen, unbeweglichen Herzen.
Erläuterung: Hṛdaya kann im Mantrakontext eine Herzformel bezeichnen; die genaue Formel wird hier nicht ausgeschrieben.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2; gedruckt Artikel 278, Appendix A.2; B207v5–208v3; Parallelzeuge A144v5–145r.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 45, Vers 9
lokāntarāṇī yāgāni yadā kurvvan dviṣaṃti ye ||
Für den Vollendeten dieses Herzens gibt es in den drei Welten nichts Unerreichtes. Wenn [Menschen] die Verehrungen anderer Welten vollziehen, und jene, die feindselig sind …
Erläuterung: Der Satz wechselt mitten in der Strophe zu den Störern der Verehrung und geht in IV.45.10 weiter. Lokāntarāṇī yāgāni ist grammatisch auffällig.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2; gedruckt Artikel 278, Appendix A.2; B207v5–208v3; Parallelzeuge A144v5–145r.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 45, Vers 10
khaḍgādyāyudhajātāni prokṣāvat pāśutaṃ sakṛt ||
… [sie] plötzlich vernichten, soll er zu ihrer Vernichtung stets [die Formel] vergegenwärtigen. Schwerter und andere Waffen [prokṣāvat pāśutaṃ: unsicher] einmal …
Erläuterung: Sakṛt bedeutet „einmal“. Die englische Übersetzung nennt „100 times“; diese Zahl steht nicht im wiedergegebenen Sanskrit. Der zweite Halbvers ist nicht vollständig sicher übersetzbar.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2; gedruckt Artikel 278, Appendix A.2; B207v5–208v3; Parallelzeuge A144v5–145r.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 45, Vers 11
ekas[tv]imdrabalaṃ sākṣān mārayen mohayet kṣanāṭ ||
… jene Waffen ergreifend, soll er das feindliche Heer erschüttern. Ein Einziger vermag unmittelbar eine Streitmacht wie die Indras in einem Augenblick zu töten und zu verwirren.
Erläuterung: Ek as[tv]indra… enthält die Ergänzung [tv]; kṣanāṭ ist die nichtklassische Schreibform der Quelle.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2; gedruckt Artikel 278, Appendix A.2; B207v5–208v3; Parallelzeuge A144v5–145r.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 45, Vers 12
sādhakaṃ śatrusainyasthair yodhair bhairavarūpinaṃ ||
Am Ende der Laute wird der Sādhaka von den Kriegern des feindlichen Heeres unmittelbar als Bhairava gesehen, dem Ende der Zeit vergleichbar.
Erläuterung: Die Sanskritsyntax ist unregelmäßig; vāra/varṇa und kālāntakayam bleiben im Original unverändert.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2; gedruckt Artikel 278, Appendix A.2; B207v5–208v3; Parallelzeuge A144v5–145r.[6]
Ṣaṭka IV, Kapitel 45, Vers 13
evaṃ tava samākhyātāṃ hy astralakṣmī prasiddhidā ||
Nachdem er all jene Opfertiere getötet hat, Göttin, soll er in den Himmel auffliegen. So ist dir die bekannte, Erfolg gewährende „Waffenglücksmacht“ dargelegt.
Erläuterung: Paśu bezeichnet hier die zuvor genannten Gegner als Opferwesen. Astralakṣmī ist die tatsächliche Lesung; sie wird nicht im Grundtext durch Astrakālī ersetzt. Das ungewöhnliche Umschriftzeichen å in samåkhyātāṃ wurde als ā wiedergegeben; diese typographische Normalisierung ist keine neue Wortlesung.
Fundstelle der Leitquelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2; gedruckt Artikel 278, Appendix A.2; B207v5–208v3; Parallelzeuge A144v5–145r.[6]
Unnummerierte Schlusszeile
Was soll ich noch erläutern? Sage es, strahlende Bhairavī.
Hinweis: Im Sanskritanhang unnummeriert, in der englischen Übersetzung als Nummer 14 geführt.
Quelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2.[6]
Kolophon
So [endet] im Bhairava-Strom, im Vidyāpīṭha, im Śiraccheda, im großen Tantra Jayadrathayāmala, im vierten Ṣaṭka, das Kapitel über das Verfahren der [Waffen-]Kālī.
Hinweis: Die Vorlage schreibt jayadratheyāmale und mahataṃtre. Vergleichshandschrift C ergänzt caturviṃśatisāhasre; diese Variante gehört nicht zum hier wiedergegebenen B-Grundtext. [Astra] ist die Ergänzung der Herausgeberin. Der Kolophon enthält keine Kapitelziffer.
Quelle: Serbaeva 2022, Fundort HTML, Appendix A.2.[6]
Bedeutung von Jayadratha Yamala für heutige Aspiranten
Das Jayadratha Yamala fordert dazu heraus, spirituelle Erkenntnis nicht nur mit einem außergewöhnlichen Zustand gleichzusetzen. Die Frage reicht tiefer: Was macht das Erscheinen einer Erfahrung überhaupt möglich? Worin ruht der Unterschied zwischen dem Wahrnehmenden, dem Wahrgenommenen und dem Wahrnehmen? Die Lehre von der ursprünglichen Natur und die Untersuchungen alltäglicher Übergänge können einander hier erhellen.
Heutige Übertragung: Ein ruhiger Zugang besteht darin, eine bereits von selbst auftretende Erfahrung aufmerksam zu begleiten: Ein Klang klingt aus, eine Erinnerung wird wieder deutlich, eine freundliche Umarmung endet. Die Anregung ist, dabei die Veränderung des Erlebens und das gegenwärtige Bewusstsein zu beachten. Diese heutige Betrachtung ist keine Rekonstruktion der im Tantra vorausgesetzten Einweihung oder seines vollständigen Ritualsystems.
Die überraschenden Körperbilder verdienen eine eigene Lektüre. Fünf Knoten, eine sechsfache Durchdringung oder ein vierfacher Sprachvorgang zeigen, wie vielfältig tantrische Modelle sein können. Wo das Sanskrit unsicher ist, bleibt ein Raum für weitere Quellenarbeit. Ein ehrliches Nichtwissen ist dem Verständnis dieses Werkes dienlicher als eine vertraute, aber unbelegte Ergänzung.
Auch die Beweglichkeit der Formen in I.15 verdient Beachtung. Heutige Betrachtung: Beim Studium lässt sich fragen, wann eine vertraute Gottesgestalt die Aufmerksamkeit vertieft und wann das bloße Festhalten an ihrer äußeren Form die lebendige Beziehung verdeckt. Der Text selbst bindet seine Formenvielfalt an den überlieferten Verehrungsrahmen.
Die historische Kampfmagie bleibt davon unterscheidbar. Der Text meint an diesen Stellen tatsächlich äußere Gegner und teilweise körperliche Gewalt; daraus eine reine Allegorie des „Kampfes gegen das Ego“ zu machen, würde seine Geschichte verdecken. Die separate Praxisauswahl konzentriert sich auf die für einen achtsamen spirituellen Rahmen geeigneten Stellen.

Siehe auch
Seminare
Das Studium des Jayadratha Yamala kann durch heutige Angebote zur Meditation, zu Sanskrit und zum Kundalini Yoga begleitet werden. Diese Seminare vermitteln heutige Yoga-Vidya-Praxis; sie sind keine historische Einweihung in das Jayadratha Yamala.
Meditation
- 18.10.2026 - 23.10.2026 Yoga und Meditation Intensiv-Praxis
Die Kernpraktiken des Yoga werden intensiv geübt: längere Meditation, ausgedehntes Mantra-Singen, Pranayama intensiv und meditative Yoga Asanas beflü…- Dana Oerding, Chamundi Wollweber
- 18.10.2026 - 23.10.2026 Shivalaya Meditationsretreat
Stille – Schweigen – Sein. In der Abgeschiedenheit des Shivalaya Retreatzentrums fühlst du dich dem Himmel ganz nah. Mit intensiver Meditations- un…- Swami Nirgunananda, Rukmini Keilbar
Kundalini Yoga
- 16.10.2026 - 25.10.2026 Chakra-Kur - Reinigung der Chakras
Für die Reinigung der Chakras konzentrierst du dich unter Anleitung jeden Tag auf ein anderes Chakra. Die tägliche Meditation, Yoga Asanas und Pranyam…- Vani Devi Beldzik
- 25.10.2026 - 30.10.2026 Kundalini Yoga Meditation Kursleiter Ausbildung
Kundalini Yoga Meditationen sind ein faszinierendes weites Gebiet, dessen Potential noch bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Kundalini Meditationen kön…- Adishakti Stein, Viveka Wilde
Sanskrit und Devanagari
- 06.01.2027 - 15.12.2027 Jahresgruppe Sanskrit - Lektüre der AMRITA SIDDHI 2 - online
Termine: 16x mittwochs: 06.01., 27.01., 17.02., 10.03., 31.03., 21.04., 12.05., 02.06., 23.06., 14.07., 08.09., 29.09., 20.10., 10.11., 01.12., 15.12.20…- Dr phil Oliver Hahn
- 09.04.2027 - 11.04.2027 Sanskrit Intensivwochenende
Du bist fasziniert vom Klang des Sanskrit und der tiefgehenden Wirkung der Wörter dieser uralten Sprache? Hast bereits Übersetzungen von Mantras oder …- Dr phil Oliver Hahn
Literatur und Quellen
- M. Sampath Kumar (Bearb.), unter Leitung von Mark Dyczkowski: Jayadratha yamalam – part 1; Patala 51; Slokas 5467. Ahmedabad, 30. März 2011. Vorläufige Ausgabe nach zwei Handschriften K und Kh; 603 PDF-Seiten, ohne fortlaufende gedruckte Seitenzählung. Digitalisat. Die Seitenangaben dieser Wiki-Ausgabe zählen das Titelblatt als PDF-Seite 1.
- Olga Serbaeva: Feeding the Enemy to the Goddess: War Magic in Śaiva Tantric Texts. In: Religions 13/4 (2022), Artikel 278, insbesondere Abschnitt 3.1.5, Appendix A.1–A.3 sowie zugehörige Anmerkungen. Vollständige Verlagsfassung, doi:10.3390/rel13040278. Sanskritgrundlage hier: Verlags-HTML. Die Anhänge sind ausdrücklich vorläufige Kollationen, keine kritische Gesamtedition.
- Diwakar Acharya: A 995-6 Jayadrathayāmala, NGMCP-Katalog, aufgenommen am 20. April 2005. Handschrift NAK 3-358, Ṣaṭka I; Auszüge fol. 1v, Kapitelkolophone und Schlussvermerke. Katalogeintrag.
- Alexis Sanderson: Śaivism and the Tantric Traditions. In: Stewart Sutherland u. a. (Hrsg.): The World's Religions. London: Routledge, 1988, S. 660–704, hier S. 673–674. Benutzt wurde die elektronische Wiedergabe.
- Olga Serbaeva Saraogi: Tantric transformations of yoga: Kuṇḍalinī in the ninth to tenth century. In: Suzanne Newcombe und Karen O'Brien-Kop (Hrsg.): Routledge Handbook of Yoga and Meditation Studies. London/New York: Routledge, 2021, S. 102–119. Verlagsnachweis. Hier bibliographisch und anhand des Verlagsabstracts berücksichtigt, nicht als eingesehene Sanskritedition verwendet.
- Csaba Kiss: On yantras in Early Śaiva Tantras. In: Cracow Indological Studies 16 (2014), S. 203–233, hier S. 226, Anm. 85 (PDF-Seite 24). Artikel und PDF, doi:10.12797/CIS.16.2014.16.09. Grundlage seines Jayadrathayāmala-Zitats: Serbaevas Transkription von NAK 5-4650, NGMPP B122/7.
- Olga Serbaeva: Publikationsverzeichnis, eingesehen am 13. September 2026. Es unterscheidet unter anderem eine Übersetzung von III.35 und die Teiltexte aus Ṣaṭka IV.
- Monier Monier-Williams: A Sanskrit-English Dictionary. Oxford: Clarendon Press, 1899; hier S. 52, Sp. 3, apaścima, und S. 925, Sp. 1, varṇaka. Benutzt wurden die jeweiligen Einträge der Cologne Digital Sanskrit Dictionaries, keine neue Vollauswertung des Wörterbuchs.
- Olga Serbaeva: Yoginīs in Śaiva Purāṇas and Tantras: Their role in transformative experiences in a historical and comparative perspective. Dissertation, Universität Lausanne, 2006. Vollständiges PDF, 593 PDF-Seiten. Hier Sanskritanhang Cited Sanskrit passages, Abschnitt Jayadrathayāmala S. 2 (PDF 519), Abschnitt Yogasūtra/Yoginīsaṃcāraprakaraṇa S. 1–2 (PDF 556–557). Die gedruckte Seitenzählung beginnt in diesen Anhängen mehrfach neu. YSP bezeichnet die interne Zählung des Yoginīsaṃcāraprakaraṇa innerhalb von Ṣaṭka III.
- Judit Törzsök: The rewriting of a Tantric tradition: from the Siddhayogeśvarīmata to the Timirodghāṭana and beyond. Manuskript 2012, HAL-Preprint vom 27. Januar 2017, Volltext, 16 PDF-Seiten einschließlich HAL-Deckblatt; hier S. 5, Anm. 11 (PDF-Seite 6), Zitat II.20.60d.
- Alexis Sanderson: The Śaiva Age: The Rise and Dominance of Śaivism during the Early Medieval Period. In: Shingo Einoo (Hrsg.): Genesis and Development of Tantrism. Tokyo: Institute of Oriental Culture, University of Tokyo, 2009, S. 41–349. Vollständiges Aufsatz-PDF mit Buchvorspann, doi:10.5281/zenodo.4395629. 316 PDF-Seiten; Aufsatzbeginn S. 41 auf PDF 8, Schluss S. 349 auf PDF 316. Die Stellen werden jeweils mit gedruckter Seite und PDF-Seite angegeben.
- Olga Serbaeva: Yoga from Yoginīs’ Point of View. In: The Journal of Hindu Studies 8 (2015), S. 245–262, doi:10.1093/jhs/hiv019. Kein Sanskrit daraus in diese Ausgabe übernommen.
- Olga Serbaeva: The varieties of melaka in the Jayadrathayāmala: some reflections on the terms haṭha and priya. In: Bjarne Wernicke Olesen (Hrsg.): Goddess Traditions in Tantric Hinduism. Routledge, 2016, S. 51–73.
- Olga Serbaeva: Avyapadeśyā: Indefinable Kālī. In: Michael Slouber (Hrsg.): A Garland of Forgotten Goddesses. University of California Press, 2021, S. 283–300; Teilübersetzung von III.35.
- Olga Serbaeva: Significant Otherness: Reinterpreting Some Well-Known Meetings with the Yoginīs in the Light of Vidyāpīṭha Texts. In: Philippe Bornet und Nadia Cattoni (Hrsg.): Significant Others, Significant Encounters. Heidelberg: HASP, 2023, S. 29–54. Publikationsseite.
- Staatsbibliothek zu Berlin: Jayadrathayāmala: Ṣaṭka 3, Digitalisat PPN898781620.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0000 1,0001 1,0002 1,0003 1,0004 1,0005 1,0006 1,0007 1,0008 1,0009 1,0010 1,0011 1,0012 1,0013 1,0014 1,0015 1,0016 1,0017 1,0018 1,0019 1,0020 1,0021 1,0022 1,0023 1,0024 1,0025 1,0026 1,0027 1,0028 1,0029 1,0030 1,0031 1,0032 1,0033 1,0034 1,0035 1,0036 1,0037 1,0038 1,0039 1,0040 1,0041 1,0042 1,0043 1,0044 1,0045 1,0046 1,0047 1,0048 1,0049 1,0050 1,0051 1,0052 1,0053 1,0054 1,0055 1,0056 1,0057 1,0058 1,0059 1,0060 1,0061 1,0062 1,0063 1,0064 1,0065 1,0066 1,0067 1,0068 1,0069 1,0070 1,0071 1,0072 1,0073 1,0074 1,0075 1,0076 1,0077 1,0078 1,0079 1,0080 1,0081 1,0082 1,0083 1,0084 1,0085 1,0086 1,0087 1,0088 1,0089 1,0090 1,0091 1,0092 1,0093 1,0094 1,0095 1,0096 1,0097 1,0098 1,0099 1,0100 1,0101 1,0102 1,0103 1,0104 1,0105 1,0106 1,0107 1,0108 1,0109 1,0110 1,0111 1,0112 1,0113 1,0114 1,0115 1,0116 1,0117 1,0118 1,0119 1,0120 1,0121 1,0122 1,0123 1,0124 1,0125 1,0126 1,0127 1,0128 1,0129 1,0130 1,0131 1,0132 1,0133 1,0134 1,0135 1,0136 1,0137 1,0138 1,0139 1,0140 1,0141 1,0142 1,0143 1,0144 1,0145 1,0146 1,0147 1,0148 1,0149 1,0150 1,0151 1,0152 1,0153 1,0154 1,0155 1,0156 1,0157 1,0158 1,0159 1,0160 1,0161 1,0162 1,0163 1,0164 1,0165 1,0166 1,0167 1,0168 1,0169 1,0170 1,0171 1,0172 1,0173 1,0174 1,0175 1,0176 1,0177 1,0178 1,0179 1,0180 1,0181 1,0182 1,0183 1,0184 1,0185 1,0186 1,0187 1,0188 1,0189 1,0190 1,0191 1,0192 1,0193 1,0194 1,0195 1,0196 1,0197 1,0198 1,0199 1,0200 1,0201 1,0202 1,0203 1,0204 1,0205 1,0206 1,0207 1,0208 1,0209 1,0210 1,0211 1,0212 1,0213 1,0214 1,0215 1,0216 1,0217 1,0218 1,0219 1,0220 1,0221 1,0222 1,0223 1,0224 1,0225 1,0226 1,0227 1,0228 1,0229 1,0230 1,0231 1,0232 1,0233 1,0234 1,0235 1,0236 1,0237 1,0238 1,0239 1,0240 1,0241 1,0242 1,0243 1,0244 1,0245 1,0246 1,0247 1,0248 1,0249 1,0250 1,0251 1,0252 1,0253 1,0254 1,0255 1,0256 1,0257 1,0258 1,0259 1,0260 1,0261 1,0262 1,0263 1,0264 1,0265 1,0266 1,0267 1,0268 1,0269 1,0270 1,0271 1,0272 1,0273 1,0274 1,0275 1,0276 1,0277 1,0278 1,0279 1,0280 1,0281 1,0282 1,0283 1,0284 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Sampath Kumar (Bearb.), unter Leitung von Mark Dyczkowski: Jayadratha yamalam – part 1; Patala 51; Slokas 5467. Ahmedabad, 30. März 2011. Vorläufige Ausgabe nach zwei Handschriften K und Kh; 603 PDF-Seiten, ohne fortlaufende gedruckte Seitenzählung. Digitalisat. Die Seitenangaben dieser Wiki-Ausgabe zählen das Titelblatt als PDF-Seite 1.
- ↑ 2,0 2,1 Csaba Kiss: On yantras in Early Śaiva Tantras. In: Cracow Indological Studies 16 (2014), S. 203–233, hier S. 226, Anm. 85 (PDF-Seite 24). Artikel und PDF, doi:10.12797/CIS.16.2014.16.09. Grundlage seines Jayadrathayāmala-Zitats: Serbaevas Transkription von NAK 5-4650, NGMPP B122/7.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Diwakar Acharya: A 995-6 Jayadrathayāmala, NGMCP-Katalog, aufgenommen am 20. April 2005. Handschrift NAK 3-358, Ṣaṭka I; Auszüge fol. 1v, Kapitelkolophone und Schlussvermerke. Katalogeintrag.
- ↑ 4,0 4,1 Alexis Sanderson: Śaivism and the Tantric Traditions. In: Stewart Sutherland u. a. (Hrsg.): The World's Religions. London: Routledge, 1988, S. 660–704, hier S. 673–674. Benutzt wurde die elektronische Wiedergabe.
- ↑ 5,0 5,1 Alexis Sanderson: The Śaiva Age: The Rise and Dominance of Śaivism during the Early Medieval Period. In: Shingo Einoo (Hrsg.): Genesis and Development of Tantrism. Tokyo: Institute of Oriental Culture, University of Tokyo, 2009, S. 41–349. Vollständiges Aufsatz-PDF mit Buchvorspann, doi:10.5281/zenodo.4395629. 316 PDF-Seiten; Aufsatzbeginn S. 41 auf PDF 8, Schluss S. 349 auf PDF 316. Die Stellen werden jeweils mit gedruckter Seite und PDF-Seite angegeben. Für die Werkidentität insbesondere S. 45–46 (PDF 12–13), Anm. 12; zur relativen Schichtung S. 50 (PDF 17); Handschriftenverzeichnis S. 311 (PDF 278).
- ↑ 6,00 6,01 6,02 6,03 6,04 6,05 6,06 6,07 6,08 6,09 6,10 6,11 6,12 6,13 6,14 6,15 6,16 6,17 6,18 6,19 6,20 6,21 6,22 6,23 6,24 6,25 6,26 6,27 6,28 6,29 6,30 6,31 6,32 6,33 6,34 6,35 6,36 6,37 6,38 6,39 6,40 6,41 6,42 6,43 6,44 6,45 6,46 6,47 6,48 6,49 6,50 6,51 6,52 6,53 6,54 6,55 6,56 6,57 6,58 6,59 6,60 6,61 6,62 6,63 6,64 6,65 6,66 6,67 6,68 6,69 6,70 6,71 6,72 6,73 6,74 6,75 6,76 6,77 6,78 6,79 6,80 6,81 6,82 6,83 6,84 6,85 6,86 Olga Serbaeva: Feeding the Enemy to the Goddess: War Magic in Śaiva Tantric Texts. In: Religions 13/4 (2022), Artikel 278, insbesondere Abschnitt 3.1.5, Appendix A.1–A.3 sowie zugehörige Anmerkungen. Vollständige Verlagsfassung, doi:10.3390/rel13040278. Sanskritgrundlage hier: Verlags-HTML. Die Anhänge sind ausdrücklich vorläufige Kollationen, keine kritische Gesamtedition.
- ↑ Olga Serbaeva Saraogi: Tantric transformations of yoga: Kuṇḍalinī in the ninth to tenth century. In: Suzanne Newcombe und Karen O'Brien-Kop (Hrsg.): Routledge Handbook of Yoga and Meditation Studies. London/New York: Routledge, 2021, S. 102–119. Verlagsnachweis. Hier bibliographisch und anhand des Verlagsabstracts berücksichtigt, nicht als eingesehene Sanskritedition verwendet.
- ↑ 8,00 8,01 8,02 8,03 8,04 8,05 8,06 8,07 8,08 8,09 8,10 8,11 8,12 8,13 8,14 8,15 8,16 8,17 8,18 8,19 8,20 8,21 8,22 8,23 8,24 8,25 8,26 8,27 8,28 8,29 8,30 8,31 8,32 8,33 8,34 8,35 8,36 8,37 8,38 8,39 8,40 8,41 8,42 8,43 8,44 8,45 8,46 8,47 8,48 8,49 8,50 8,51 8,52 8,53 8,54 8,55 8,56 8,57 8,58 8,59 8,60 8,61 8,62 8,63 8,64 8,65 Alexis Sanderson: The Śaiva Age: The Rise and Dominance of Śaivism during the Early Medieval Period. In: Shingo Einoo (Hrsg.): Genesis and Development of Tantrism. Tokyo: Institute of Oriental Culture, University of Tokyo, 2009, S. 41–349. Vollständiges Aufsatz-PDF mit Buchvorspann, doi:10.5281/zenodo.4395629. 316 PDF-Seiten; Aufsatzbeginn S. 41 auf PDF 8, Schluss S. 349 auf PDF 316. Die Stellen werden jeweils mit gedruckter Seite und PDF-Seite angegeben.
- ↑ 9,00 9,01 9,02 9,03 9,04 9,05 9,06 9,07 9,08 9,09 9,10 9,11 9,12 9,13 9,14 9,15 9,16 9,17 9,18 9,19 9,20 9,21 9,22 9,23 9,24 9,25 9,26 9,27 9,28 9,29 9,30 9,31 9,32 Olga Serbaeva: Yoginīs in Śaiva Purāṇas and Tantras: Their role in transformative experiences in a historical and comparative perspective. Dissertation, Universität Lausanne, 2006. Vollständiges PDF, 593 PDF-Seiten. Hier Sanskritanhang Cited Sanskrit passages, Abschnitt Jayadrathayāmala S. 2 (PDF 519), Abschnitt Yogasūtra/Yoginīsaṃcāraprakaraṇa S. 1–2 (PDF 556–557). Die gedruckte Seitenzählung beginnt in diesen Anhängen mehrfach neu. YSP bezeichnet die interne Zählung des Yoginīsaṃcāraprakaraṇa innerhalb von Ṣaṭka III.
- ↑ Monier Monier-Williams: A Sanskrit-English Dictionary. Oxford 1899, S. 52, Sp. 3, s. v. a-paścima. Wörterbucheintrag der Cologne Digital Sanskrit Dictionaries.
- ↑ Monier Monier-Williams: A Sanskrit-English Dictionary. Oxford 1899, S. 925, Sp. 1, s. v. varṇaka. Wörterbucheintrag der Cologne Digital Sanskrit Dictionaries. Die Wahl zwischen Farbe und Lautzeichen bleibt für diese Stelle offen.
- ↑ Judit Törzsök: The rewriting of a Tantric tradition: from the Siddhayogeśvarīmata to the Timirodghāṭana and beyond. Manuskript 2012, HAL-Preprint vom 27. Januar 2017, Volltext, 16 PDF-Seiten einschließlich HAL-Deckblatt; hier S. 5, Anm. 11 (PDF-Seite 6), Zitat II.20.60d.