Dogmatismus

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Dogmatismus - was ist das? Wie geht man damit um? Dogmatismus ist eine meist kritische Bezeichnung für ein starres Festhalten eines Standpunktes, die unbeirrbare, oft irrationale Durchsetzung einer bestimmten Vorstellung bzw. Lehrmeinung. Das Festhalten und Durchsetzen von vorgefassten Glaubenssätzen und Lehrmeinungen wird als Dogmatismus bezeichnet.

Barmherzigkeit, nicht immer einfach im Umgang mit Dogmatismus

Dogma ist ursprünglich einfach die Bezeichnung für Verordnung, Beschluss, philosophischer Grundsatz (Griechisch dógma (δόγμα). Dogma wurde in der Kirchenlehre dann zur Bezeichnung für verbindlicher, anerkennend zu befolgender Glaubenssatz. Im heutigen Sprachgebrauch ist Dogma starre, festgelegte Lehrmeinung, die Gültigkeit erhebt, ohne dass sie eine Beweisführung benötigt.

Oft wird der Ausdruck Dogma abschätzig verwendet. In diesem Sinne bedeutet dann auch Dogmatismus, dass man an seiner Meinung, seiner Überzeugung festhält, ohne sie zu überprüfen und auch wenn sie offensichtlich falsch ist oder widerlegt werden könnte. Auch das Nichtinbetrachtziehen einer anderen Meinung, das Durchsetzen seiner eigenen Überzeugung wird manchmal als Dogmatismus bezeichnet. Allerdings gilt auch hier: Der eine mag etwas als Beharrlichkeit, Verlässlichkeit ansehen. Der andere mag es als Dogmatismus bezeichnen. Oft liegt die Wahrheit in den Augen des Betrachters - oder scheint es zu sein.

Umgang mit Dogmatismus bei anderen

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Wenn du Dogmatismus bei andern wahrnimmst frage dich erst einmal, ob es sich wirklich um Dogmatismus handelt. Wenn jemand irgendwo darauf besteht, dass man sich an Regeln hält und das man sich an etablierte Vorgehensweisen und Absprachen hält, muss dies noch lange kein Dogmatismus sein. Wenn wenn jemand die Ziele seines Unternehmens oder die Ziele seines Vereins ernst nimmt, muss dies auch noch kein negativer Dogmatismus sein. Wennenn du jemand anderem Dogmatismus vorwirfst, prüfe ob du die Dinge vielleicht zu locker nimmst.

Dogmatismus in der spirituellen Gemeinschaft

Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2016

Dogmatismus klingt heute als ziemlich schlecht, man hält Dogmatismus für nicht gut, wir sind in einer Zeit, in der Flexibilität, Anpassungsvermögen wichtig ist sowie Einfühlungsvermögen und immer wieder neues ausprobieren. Alte Dogmen mögen wir nicht. Aber der Ausdruck, Dogmatismus ist zunächst mal auch nichts Schlechtes. In der Theologie heißt Dogmatismus auch, dass man überlegt, was sind die Lehren und bestimmten Lehren zu folgen, ist zunächst auch nichts Schlechtes.

Dogmatismus heißt, die Beschäftigung mit den Grundlehren, die erst mal so richtig sind. Dogmatismus ist also zum einen eine Wissenschaftsdisziplin z. B. in der Theologie. Ist also Dogmatismus zum einen das Überlegen, was sind überhaupt unsere Normen und Dogmatismus auch das Orientieren an diesen Normen. Und man muss sagen, zu einer spirituellen Gemeinschaft gehört immer auch ein gewisser Dogmatismus dazu. Eben zum einen sich bewusst machen, woran glaube ich, was sind meine Richtlinien, was ist das, was mich ausmacht.

Die sieben spirituellen Grundprinzipien bei Yoga Vidya

Könnte man sagen, bei Yoga Vidya wir folgen den sogenannten sieben spirituellen Grundprinzipien. Erstens: Wir glauben es gibt eine höhere Wirklichkeit. Diese höhere Wirklichkeit kann jeder sich anders vorstellen. Jeder hat einen anderen Bezug dazu. Zweitens, unser Dogmen ist, wenn man so will: Die Welt, wie wir sie so wahrnehmen, ist eine Illusion. Die Welt ist nicht so, wie wir sie wahrnehmen. Wir können die Welt auch anders wahrnehmen. Dritter dieser Überzeugungen ist: Wenn wir alleine in der äußeren Welt sind, wenn wir in der scheinhaften Welt sind, wenn wir unsere eigene Weltvorstellung für absolut halten, dann führt das zu Dukha zum Leiden. Leiden ist nicht innerhalb der Welt aus der Welt zu schaffen.

Ewiges Glück, tiefes Glück, tiefe Befriedigung ist nicht zu finden durch das Erfüllen von Wünschen und Bedürfnissen, sondern ist zu finden auf andere Weise. Damit sind wir beim vierten Punkt: Ist es ist möglich, die höchste Wirklichkeit zu erfahren. Ist es ist möglich, aus der Illusion der äußeren Welt heraus zu kommen. Ist es möglich aus Leidhaftigkeit rauszukommen. Es ist möglich die Höchste Wirklichkeit zu erfahren. Und die tiefe Sehnsucht des Menschen ist, diese Höchste Wirklichkeit zu erfahren. Der Mensch ist erst dann glücklich, wenn er die Höchste Wirklichkeit erfährt. Alles streben des Menschen kann interpretiert werden als streben nach dem Erfahren des Göttlichen.

Das fünfte Prinzip könnte man deuten als: Wir können selbst etwas dafür tun. Was können wir tun? Wir können spirituell praktizieren – Sadhana. Wir können gemeinschaftlich praktizieren – Satsang. Wir können einen spirituellen Lebensstil führen und nach den ethischen Grundsätzen ausrichten – Sattva. Wir können helfen und dienen, uns bemühen, gutes zu bewirken – Seva. Wir gehen davon aus, das alles was kommt einen Sinn hat, dass wir lernen können durch das Schicksal. Schicksal ist eine Chance, Leben ist Schule, das ist das sechste Prinzip – Karma.

Das siebte Prinzip ist, es gibt göttliche Gnade, die immer wieder in unser Leben eingreift und letztlich die Erfahrung des Göttlichen kommt durch Gnade Gottes. Man könnte sagen, die sieben Grundprinzipien sind wie ein Dogma, an die wir uns bei Yoga Vidya ausrichten. Ein gewisser Dogmatismus wäre zu überlegen, was sind unsere Vorstellungen. Natürlich das ist sehr allgemein. Was Yoga Vidya beispielsweise besonders auszeichnet, ist, dass wir meinen eine große Weite zu haben. Und das unterschiedliche Menschen, das unterschiedlich interpretieren können.

Prinzipien sollten nie Dogmatisch sein

Dann gibt es auch einen gewissen Dogmatismus, im Sinne von, wie setzen wir diese Prinzipien um. Das ist jetzt alles positiv verstandener Dogmatismus. Aber Dogmatismus kann natürlich auch Starrheit heißen, so ist es und nicht anders und wenn jemand anderer Meinung ist, dann weg mit dir. Kommst in die Hölle. Das ist nicht gut. Dogmatismus kann auch heißen, dass man herzlos wird. Daher, Dogmatismus, das ausrichten nach geregelten Prinzipien muss ergänzt werden durch Nächstenliebe und Barmherzigkeit und Flexibilität und Anpassung.

Es ist gut, sich seiner Prinzipien zu vergewissern, auch wenn du nicht in einer spirituellen Gemeinschaft lebst, sei dir bewusst, was sind die Prinzipien deines Handelns. Was ist das, was für dich wichtige Normen sind. Und dann auch, wie kannst du diesen Normen gerecht werden. Wenn du Normen hast an denen du dich und dein handeln ausrichten willst. Wenn du den Ausdruck Dogma nicht willst, kannst du Normen nennen. Und wie wirst du diesen Normen gerecht, wenn du ihnen nicht gerecht wirst, fühlst du dich nicht zufrieden. Wie kannst du das Verantwortungsbewusst umsetzen.

Wie kannst du deinen Normen folgen ohne dogmatisch zu werden, im Sinne von zu starr? Wie kannst Du mit Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Einfühlungsvermögen, Normen gerecht werden und Menschen gerecht werden? Das waren also einige Gedanken zum Thema: Dogmatismus. Dogmatismus ist nicht nur schlecht sondern Dogmatismus hat seine Berechtigung. Nur Dogmatismus muss ergänzt werden, durch Nächstenliebe und Barmherzigkeit, Flexibilität und Einfühlungsvermögen.

Dogmatismus in Beziehung zu anderen Persönlichkeitsmerkmalen

Dogmatismus gehört zur Gruppe der Persönlichkeitsmerkmale, Schattenseiten, Laster und Tugenden. Um dieses Charaktermerkmal besser zu verstehen, wollen wir es in Beziehung setzen mit anderen:

Synonyme Dogmatismus - ähnliche Eigenschaften

Synonyme Dogmatismus sind zum Beispiel Unerbittlichkeit, Unnachgiebigkeit, Engstirnigkeit, Selbstdisziplin, Meinungsstark, Durchsetzungsstark .

Man kann die Synonyme in zwei Gruppen einteilen, solche mit positiver Konnotation und solche mit negativer Konnotation:

Synonyme mit negativer Konnotation

Synonyme, die gemeinhin als negativ gedeutet werden, sind zum Beispiel

Synonyme mit positiver Konnotation

Synonyme mit positiver Konnation können helfen, eine scheinbare Schattenseite auch positiv zu sehen. Synonyme mit positiver Konnotation sind zum Beispiel

Antonyme Dogmatismus - Gegenteile

Antonyme sind Gegenteile. Antonyme, also Gegenteile, von Dogmatismus sind zum Beispiel Duldsamkeit, Nachsichtigkeit, Freizügigkeit, Wechselhaftigkeit, Inkonsequenz . Man kann auch die Antonyme, die Gegenteile, einteilen in solche mit positiver Konnotation und solche mit negativer Konnotation.

Antonyme mit positiver Konnotation

Antonyme, also Gegenteile, zu einem Laster, einer Schattenseite, einer negativen Persönlichkeitseigenschaft, werden gemeinhin als Gegenpol interpretiert. Diese kann man kultivieren, um das Laster, die Schattenseite zu überwinden. Hier also einige Gegenpole zu Dogmatismus, die eine positive Konnotation haben:

Antonyme mit negativer Konnotation

Nicht immer ist das Gegenteil einer Schattenseite, eines Lasters, gleich positiv. Hier einige Beispiele von Antonymen zu Dogmatismus, die aber auch nicht als so vorteilhaft angesehen werden:

Eigenschaften im Alphabet davor oder danach

Hier einige Eigenschaften, die im Alphabet vor oder nach Dogmatismus stehen:

Eigenschaftsgruppe

Dogmatismus kann gezählt werden zu folgenden beiden Eigenschaftsgruppen:

Verwandte Wörter

Verwandte Wörter zu Dogmatismus sind zum Beispiel das Adjektiv dogmatisch, das Verb dogmatisieren, sowie das Substantiv Dogmatischer.

Wer Dogmatismus hat, der ist dogmatisch beziehungsweise ein Dogmatischer.

Siehe auch

Seminare

Kreativität und kreatives Gestalten Seminare

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Ein Mandala ist ein auf der Heiligen Geometrie aufgebautes Kreismuster, welches durch Form und Farbe mit deiner Seele kommuniziert. Der Kreis symbolisiert dabei die Einheit mit dem Göttlichen und…
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