Chit-Jada-Granthi

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Chit-Jada-Granthi (Sanskrit: granthi m.) auch Vishnu-Granthi genannt: der Knoten, bzw. die Verbindung zwischen reinem Bewußtsein (dem Selbst) und dem Körperbewußtsein (dem Ego).


In den indischen Vedanta-Schriften werden 3 Granthis (Knoten) genannt, die sogenannten 3 psychischen Knoten, die sich im feinstofflichen Körper entlang der Sushumna befinden. Brahma-Granthi ist der erste Knoten und gehört zu den zwei unteren Chakras Muladhara und Swadhisthana. Der zweite Knoten ist Vishnu-Granthi. Er gehört zu den Chakras Manipura und Anahata. Der letzte Knoten ist Rudra-Granthi. Er gehört zu den Chakras Vishuddha und Ajna. Die drei Knoten verhindern den freien Fluß von Prana durch die Chakras und das Aufsteigen der Kundalini-Energie in der Sushumna. Sie funktionieren wie eine Art Durchlaßventil: geschlossen bleibt die Energie unterhalb, geöffnet fließt die Energie nach oben. Der Entwicklungsstand einer Person hängt stark mit der Öffnungsgrad dieser Knoten zusammen; sie bewirken daher möglicherweise auch einen Selbstschutz der Psyche.


Chit-Jada-Granthi bedeutet wörtlich: "ein Knoten, der aus den zwei Seilen von Chit (Bewußtsein) und Jada (Elemente der Materie) zusammengefügt ist". Alle Schöpfung entsteht aus dieser Verbindung. Nur durch die Vereinigung der beiden in ihrer Natur gegensätzlichen Kräfte beginnt der Prozess der Schöpfung (siehe auch Shiva-Shakti-Philosophie des Tantra-Yoga); und nur durch das Lösen dieses Knotens kann dieser Kreislauf unterbrochen werden.

Hinweise auf einen solchen "Knoten" sind an mehreren Stellen in den Schriften zu finden, und bei allen wird die selbe Tatsache festgestellt, dass erst nach dieser eigenartigen und eigentlich "unheiligen" Vereinigung der Schöpfungsprozess beginnt.


Bhagavad Gita in Kapitel 13, Vers 26

Yavat sanjayate kincit sattvam sthavara-jangamam

ksetra-ksetrajna-samyogat tad viddhi bharatarsabha

Wo auch immer ein bewegtes oder unbewegtes Wesen geboren wird, wisse, Oh Bester der Bharatas (Arjuna), dass dies aus der Vereinigung des Feldes mit dem Kenner des Feldes geschieht.

Alles was je geschaffen wurde ist nur durch die Identifikation von Kshetra (das Feld) und Ksetrajna (der Kenner des Feldes) entstanden. Nur nachdem sich die Purusha (die Seele) mit der Prakriti (die Natur) verbunden hat konnte der Kreislauf von Geburt und Tod beginnen.

Kapitel 14, Vers 3

Mama yonir mahad brahma tasmin garbham dadhamy aham

sambhavah sarva-bhutanam tato bhavati bharata

Mein Schoß ist das große Brahman; in ihn lege Ich den Keim, daraus, Oh Arjuna, werden alle Wesen geboren.

Das Mahad Brahma ist der Ort, an dem sich der kosmische Geist und die fünf Elemente der Materie im Ruhezustand befinden. Dort findet die gesamte Manifestation statt. Zuerst entsteht Brahma,Hiranyagarbha, aus dem alle Wesen geboren werden. Geist und Materie sind nun verbunden. Die individuelle Seele (Jiva) gelangt unter den Einfluß der Begrenzungen, nämlich Unwissenheit (Avidya), Wunsch (Kama) und Handeln (Karma). So vergisst die Seele ihre ursprüngliche göttliche Natur, und dreht sich im Rad von Geburt und Tod (Samsara). Die erste Frucht aus der Berührung von Natur und Seele ist Mahat-Tattva, der Verstand. Aus dem Verstand entsteht der Geist; aus dem Geist das Ich-Bewußtsein; aus dem Ich-Bewußtsein entstehen die fünf Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther).


Worte von Sri Ramana Maharshi

Der Leib hat kein Bewusstsein, sagt nicht „ich”;

das Reine Sein-Bewusstsein steigt nicht auf.

Doch zwischen beiden taucht es auf als ein „ich”.

Und hüllt sich in die Maße dieses Leibes.

Dies ist Chit-Jada-Granthi, ist der Jiva,

Ist Individuum, subtiler Leib,

Samsara, Geist und Bindung.

»Wie sollen wir die Lebensenergie (Prana) in die Sushumna Nadi lenken, um den Knoten aus Bewusstsein und Materie (Chit-Jada-Granthi) zu lösen, wie es in der Ramana-Gita beschrieben ist?« Bhagavan: »Durch die Ergründung: "Wer bin ich?" Der Yogi möchte die Kundalini erwecken und sie den Energiekanal in der Wirbelsäule hochschicken. Der Jnani hat das nicht im Sinn. Doch beide leiten die Lebensenergie die Wirbelsäule hoch und zerschlagen den Chit-Jada-Knoten. Kundalini ist lediglich ein anderer Name für Atman, Selbst oder Shakti. Wir sprechen von ihm als etwas, das in unserem Körper ist, da wir uns als auf den Körper beschränkt erfahren, aber in Wirklichkeit ist es sowohl innen als auch außen. Es ist nichts anderes als das Selbst oder die Shakti des Selbst.« »Wie sollen wir die Nadis (Energiekanäle) kräftig schlagen, damit die Kundalini durch die Sushumna hochsteigen kann?« Bhagavan: »Der Yogi hat dafür seine Methoden der Atemkontrolle (Pranayama), Mudras usf., während die einzige Methode des Jnani die Selbstergründung ist. Wenn dadurch der Geist sich mit dem Selbst vereinigt, steigt das Selbst, seine Shakti oder Kundalini von alleine auf.«


Kundalini-Yoga

Im Kundalini Yoga werden zur Öffnung der Granthis in den Pranayama-Übungen gezielte Bandhas (Verschlüsse) gesetzt. Sie haben eine direkte Wirkung auf die 3 Granthis: das Mula Bandha (der Wurzelverschluss) auf den Brahma Granthi, das Uddiyana Bandha (die Bauchkontraktion) auf den Vishnu-Granthi, und das Jalandhara Bandha (der Halsverschluss) auf den Rudra Granthi.