Lebensmittel

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Aus dem Buch "Altindisches Leben: Die Cultur der vedischen Arier", nach den Samhita dargestellt von Heinrich Zimmer, Berlin 1879

Es soll an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass das Wort Arier beim Indologen Zimmer ausschließlich im völkerkundlichen und sprachwissenschaftlichen Zusammenhang genannt wird.

Der vedische Sonnengott Surya mit Savitri

Kapitel 9: Lebensmittel

Speisen

Der Speisezettel des vedischen Volkes ist wegen seiner Einfachheit leicht zu machen. Viehzucht und Ackerbau lieferten hinlänglich genug für die bescheidenen Ansprüche der Familie.

Die Speise wird eingetheilt in mantha (Rührtrank, hom. kikeón Gerstenmehl in Milch verrührt), kshira (Milch), akrshtapacya (die auf unbestelltem Boden reifende: wildwachsende Körnerfrucht und Obst) und dhanya (angebautes Getreide) Av. 5, 29, 7; dieselbe wird roh (ama) genossen wie z. B. die Milch, gut reif (supakva) wie das Obst, gemischt (çabala): Brei, Grütze, und gar gekocht (vipakva) Av. 5, 29, 6. Fleisch wird also hier als Speise gar nicht erwähnt. Fleischnahrung trat neben der Milch- und Pflanzenkost sehr zurück. Charakteristisch ist daher der Wunsch des Sängers: »Durch Rinderreichthum wollen wir glücklich bösartige Armuth, durch Getreide (yavena), o vielgerufener, jeden Hunger überwinden« Rv. 10, 42, 10.

Hauptnahrungsmittel für Jung und Alt bildete die Milch (payas, go, kshira), daher die Milchkuh (dhenu) so hoch geschätzt war, wie wir sahen. »Eine Speise gab Prajapati den Thieren, das ist die Milch« sagt ein Brahmana; »denn Menschen und Thiere leben zuerst von Milch. Deshalb gibt man auch neugeborenen Kindern im Anfang Ghrta zu lecken und erst später gibt man ihnen die Brust, auch ein neugeborenes Kalb nennt man atrnada ,kein Gras fressend'. In ihr beruht Alles, was athmet und nicht athmet; denn auf der Milch beruht dies Alles, was athmet und was nicht athmet« Çatap. Br. 14, 4, 3, 4 ff.

Sie wurde entweder ohne weitere Zubereitung, wie sie von der Kuh kam, genossen oder zur Herrichtung verschiedenartiger Milchgerichte benutzt. So kochte man Getreidekörner in ihr und gewann einen wohlschmeckenden Brei (kshirapakamodanam) Rv. 8, 77, 10 ; Av. 13, 2, 30. Wurde derselbe durch Verwendung einer grösseren Quantität Milch flüssig, so entstand ein Trank wie der eben erwähnte Mantha. Über die Wichtigkeit der Butter im Haushalt des vedischen Volkes sowie die Verwendung der sauren Milch ist schon oben gehandelt; die Verwerthung der frischen Milch bei der Zubereitung des Somatrankes wird gleich besprochen werden.

Getreidekörner (dhana = lit. dunà Brot) röstete man (bhrajj) Rv. 4, 24, 7; sie wurden auch den Göttern vorgesetzt: »Die von Tag zu Tag gleichen Getreidekörner verzehre, o Indra« Rv. 3, 35, 3; ebenso sollen Indras Rosse davon bekommen: »Ausgebreitet ist dir die Opferstreu, gepresst, o Indra, der Soma, bereit die Getreidekörner deinem Falbenpaar zum Verzehren« Rv. 3, 35, 7. Laja geröstetes Korn V. S. 19, 13. 81; 21, 42; parivapa gerösteter Weizen V. S. 19, 22. Masara V. S. 19, 14. 82; 20, 68 ist nach Mahidhara zu V. S. 19, 14 eine Vereinigung der Brühe von gekochtem Reis und Hirsen mit dem Mehl aus Grashalmen, geröstetem Korn und Hefe (vrihiçyamakaudanacamayoh çashpatokmalajanagnahucurnaih samsargo masaram); eine ausführliche Beschreibung der Zubereitung gibt er zu V. S. 19, 1. Weiteres über die vegitabilische Nahrung sowie die Gewinnung derselben ist schon Seite 238 ff. bei Darstellung des Ackerbaues zur Sprache gekommen.

Zwischen zwei Steinen — der obere hiess upala Rv. 9, 112, 3, der untere drshad, dhrshad — wurde das Getreide zu Mehl zerrieben : »Damit du freudig gestimmt uns (Dativ) hingiessest (d. h. reichlich spendest) ganz wie der Mühlstein die Mehlstäubchen« Rv. 8, 49, 4 ; cf. 7, 104, 22. »Alle (krmi) zerrieb ich zu Staub (mashmashakaram) wie mit dem Mühlsteine (drshada) die Khalvafrucht« Av. 5, 23, B. Der aus Mehl gebackene Opferkuchen (purodaç) war jedenfalls auch Speise der Menschen; ebenso der apupa, der mit Butter zubereitet wurde: »Wer dir heute, o du mit glückverheissender Flamme, einen Kuchen mit Butter bereitet, den führe vorwärts zum Glück« Rv. 10, 45, 9.

Als besonderes Gericht sei hier noch der im Rigveda öfters genannte karambha erwähnt. Er war eine Art Mus oder Brei, dessen wesentlichster Bestandtheil (rûpa) nach V. S. 19, 22 in Gerste (upavakah) bestand; aus Sesamkörnern wird er zugerichtet nach Av. 4, 7, 3 (? tirya = tilya ?). Man setzte ihn vorzugsweise dem Hirtengott Pûshan vor, der daher karambhad »Musverzehrer« heisst. Doch wird das Gericht neben gerösteten Körnern und Kuchen auch dem Indra zum Somatrunke angeboten Rv. 3, 52, 1; 8, 91, 2, wie es ja mit dhanah, parivapah, purodaçah, payasya des Opfers Fünffachheit (panktatva) ausmacht T.S. 6. 5, 11, 4.

Auch Obst diente als Nahrung; die reife Baumfrucht heisst phala, pakva phala, sie wird mit Haken von den Bäumen geschüttelt: »Wie ein mit einem Haken versehener Mann die reife Frucht vom Baume schüttelt, so schüttle du Indra zum Ziele führendes Gut.« Rv. 3, 45, 4.

Fleisch (mamsa) genoss man nur bei den grössern Festen und Familienfeierlichkeiten wie z. B. Hochzeit (Rv. 10, 85, 13). bei denen Thieropfer dargebracht wurden. Das Fleisch des Rindviehes (ukshan, mahisha, vrshabha), die gewöhnliche Opferspeise der Götter, war auch des Menschen hauptsächlichste Fleischnahrung.

Seltener wird wohl der Genuss des Pferdefleisches gewesen sein, da diese Opfer weniger häufig vorkamen. Die Noth brachte manchmal dahin, sonst verachtete Speise zu geniessen; so klagt in einem Rv. 4, 18, 13 aufbewahrten Bruchstück ein Rishi (?Indra): »Aus Noth (Herabgekommenheit) kochte ich eines Hundes Eingeweide, nicht fand ich bei den Göttern einen Erbarmer; ich sah die Gattin, die nicht mehr herrlich war (d. h. die auch durch den Mangel gelitten hatte), da brachte mir der Falke das Madhu.«

Roh (ama) genoss man das Fleisch nicht mehr; man hatte einen Abscheu davor: kravyad (Fresser von rohem Fleisch) wird mit Dämonen und Zauberern zusammen genannt Rv. 7, 104, 2; 10, 87, 2 u. ö. im Av. Man briet (pac) es vielmehr am Feuer an Bratspiessen (çula; ni-han abhi çûlam an den Bratspiess stecken); waren die einzelnen Glieder des Thieres gar (pacyamana) und begannen den eigenthümlichen Bratengeruch zu entwickeln, so nahm man das Fleisch ab (ni-har): »Welche genau achten auf das Ross, ob es gebraten ist, welche dann sagen : es duftet lieblich (surabhi), nimm es herunter, welche die Bitten um Fleisch des Rosses erwarten: deren Preisgesänge sollen uns fördern« Rv, 1, 162, 12. Andere Theile wurden in Töpfen (ukha mamspacani) gekocht (pac); ob das Fleisch gar (çrtapaka) sei, untersuchte man mit einem Spiess - oder gabelähnlichem Geräthe (nikshana). Die Fleischbrühe (yushan , cf. lat. jus) wurde in Schüsseln und Töpfe (patra, asecana) gegossen und zweifelsohne genossen (Rv. 1, 162, 13).

Fische können nach dem, was an verschiedenen Stellen schon bemerkt ist, in vedischer Periode noch nicht zu den Nahrungsmitteln gerechnet werden; wohl aber in späterer Zeit, der die Yajustexte entstammen : Çatarudriya (V. S. 16 = T.S. 4, 5, 1-11) und Açvamedhakanda (V. S. 30).

Koch- und Essgeräthe waren einfach; patra und asecana lernten wir eben kennen; ersteres war aus Holz nach Rv. 1, 175, 3: »Gewaltig brenne den gottlosen Dasyu nieder mit der Flamme wie ein patra «; es diente auch als Trinkgefäss. Irdene patra sowohl ungebrannt als gebrannt waren gleichfalls im Gebrauch nach Av. 4, 17, 4. Der caru war ein mit Deckel (apidhana) versehener Kessel; er hatte Haken (anka), vermittelst welcher er übers Feuer gehängt wurde Rv. 1 , 162, 13. Zum Opfer sowie zum Hausgebrauch diente der gharma; er war ehern (ayasmaya) und wurde ans Feuer gesetzt (pra-varj Rv. 5, 30, 15); Agni wird einem Kessel (gharma), der voll Speise ist (vajajathara), Rv. 5, 19, 4 verglichen. Suna diente zum Fleischtragen (Rv. 1, 161, 10 ; Av. 5, 17, 14) und war wohl ein geflochtener (siv) Korb. Die ukha war irden, aus Thon gemacht (mrnmayi) V. S. 11, 59, ebenso wohl die sthali V. S. 19, 27. 86: »Schleudere sie hinweg (die Unholde) mit der Ferse wie eine ausschlagende Kuh einen Topf (sthali) Av. 8, 6, 17. Eine Reihe Kochgeräthe finden sich noch erwähnt Av. 9, 6, 17.

Getränke

Soma

Durst hat den vedischen Arier immer mehr gequält als Hunger. Überschwenglich werden zwar die Wasser gepriesen Rv. 1, 23, 16-23: in ihnen liegt amrta, in ihnen liegen alle Heilmittel und der allerfreuende Agni, sie gewähren dadurch dem Körper Gesundheit, Schutz und langes Schauen der Sonne — den Durst jedoch mit ihnen zu löschen, fiel dem vedischen Volke ebensowenig ein wie den alten Germanen. Man badete sich in denselben (Rv. 1, 23, 23; 10, 9, 9) und die Kühe tranken von ihnen (Rv. 1, 23, 18); der Mann hatte anderes Getränke: Soma (= altb. haoma) und Sura (= altb. hura). Ersterer Trank entspricht annähernd unserm Wein, letzterer ist ein Gebräu wie Branntwein.

Hauptgetränk ist der S o m a. Kami hi virah sadamasya (sc. somasya) pitim »immerdar begehrt der Held von ihm zu trinken« heisst es Rv. 2, 14, 1 von Indra; gewiss ist dies aber auch aus dem Sinne eines jeden vedischen Ariers gesprochen. Soma ist der männererfreuende (nrmadana), ist eine weit bessere Arzenei noch als die »alle Heilmittel enthaltenden« Wasser (Rv. 1, 23, 20): »Vom Soma, o Mitra und Varuna, habe ich bei Sonnenaufgang genommen; das ist Arzenei für den Kranken« Rv. 8, 72, 17. Kräftige Räusche (çushmin mada) kamen vor; trank doch Indra den Helden zum Vorbild sich solche an: »Wenn diese dann (die 100 oder 1000 Züge) zu starkem Rausche im Bauche sind, dann nimmt er (Indra) einen Umfang an wie der Samudra« Rv. 1, 30, 3. Sein somatrinkender Bauch, in den er das Getränk in Strömen hinuntergiesst (a varsh Rv. 10, 96, 13), schwillt auf wie der Samudra Rv. 1, 8, 7. Man nahm tüchtige Züge, dass sich die Backen füllten; hundert, tausend solcher Züge lässt Indra hinunter strömen (a-ri Rv. 1, 30, 2) wie die Flüsse in die Niederung; er ist daher çiprin »backig« und Freund seiner gleichfalls backigen, somatrinkenden Genossen (Rv. 1, 30, 11).

Der Soma wirkte auf den Geist belebend ein, er gab Muth und Selbstvertrauen: »Im Rausche komme ich mir vor wie ein Reicher« sagt ein Sänger Rv. 8, 48, 6 ; im Rausche war man freigiebig : »Denn Rinder schenkt des reichen (Indra) Rausch« Rv. 1, 4, 2. Die Hülfe preist der Sänger am meisten, die die Açvin im Somarausch verleihen Rv. 1, 46 , 12. Der Soma verhüllt, was nackt ist, er heilt, was beschädigt: der Blinde sieht, der Lahme kommt von der Stelle (wenn er sich an ihm berauscht hat) Rv. 8, 79, 2; er verlängert das Leben endlos (ibid 6.).

Begeistert schildert Pragatha die Wirkungen des Somagenusses: »Wir tranken Soma, unsterblich wurden wir, zur Herrlichkeit gelangten wir, fanden die Götter: was kann uns jetzt Missgunst anhaben, was Beschädigung eines Sterblichen, o Unsterblicher? Wohl bekomm uns, o Tropfen, wenn du getrunken bist, freundlich, o Soma, wie der Vater gegen den Sohn, wie der Freund dem Freunde weise, o weithin Gebietender, verlängere unsere Lebenszeit, o Soma. Ihr glänzenden, hilfreichen Tropfen, von mir getrunken, fügtet mich zusammen an den Gelenken wie Riemen den Wagen; sie sollen mich behüten, dass mein Fuss nicht strauchelt, sie sollen Siechthum fern von mir halten. Wie durch Reiben erzeugten Agni entflammtest du mich; erleuchte uns, mache uns glücklicher, denn von dir berauscht, o Soma, komme ich mir vor wie ein Reicher: möge ich zu Wohlstand gelangen. Verschwunden sind Siechthum und Krankheiten, in Furcht entwichen zitternd sie die beklemmenden; der Soma stieg mächtig in uns empor, wir sind angekommen, wo man das Leben verlängert (d. h. wir sind in dem Stadium des Rausches angekommen, wo man Sorge und Krankheit vergisst, wo man der Zeit nicht mehr achtend fröhlich weiter trinkt?) Rv. 8, 48, 3-6. 11. Der von blinder Leidenschaft hingerissene Spieler weiß nichts Höheres und Kostbareres dem Würfel an die Seite zu setzen als ein Trunk Soma, der vom Berge Mujavant kommt Rv. 10. 34, 1 ; »Kühe gelten mir als Bhaga, Kühe gelten mir als Indra, Kühe sind wie ein Trunk des besten Soma« preist Rv. 6, 28, 5 ein Sänger den Inbegriff seiner Wünsche.

Öfters kam der Mann nach dem Vorbilde Indras wohl etwas angetrunken (çushmin) nach Hause: »Angeschirrt sei dein rechtes und linkes Ross, hundertkräftiger Indra; auf ihm (dem Wagen) eile zur geliebten Gattin, nachdem du dich am Soma berauscht hast« Rv. 1, 82, 5. Die Unterhaltung der Männer auf dem Nachhausewege war dann nicht immer die ruhigste : »Das reden lärmend die Presssteine bei der Einkehr und auf dem Gange (d. h. bei ihrer Arbeit) wie Trinker (anjaspa Schnelltrinker, Säufer) mit Lärm auf dem Wege« Rv. 10, 94, 13. »Wie ein Trunkener unverständlich redend (vi-lap) geht er hinweg« Av. 6, 20, 1. Die Räusche (mada) werden Av. 6, 30, 2 einigermaßen klassificiert in solche, welche (d. h. bei welchen die Menschen) herabhängende Haare haben (avakeça), solche, welche struppige Haare haben (vikeça) und endlich die, welche den Menschen lächerlich machen (abhihasya).

Zwar flehten die Sänger zu Soma, dass er ihnen wohl bekomme (Rv. 8, 48, 12 ; 17, 6) : »Soma verweile gern in unserm Magen (rarandhi no hrdi) wie Kühe auf grasreicher Weide, wie ein Gatte in seinem Heim« Rv. 1, 91, 13; ihre Bitten wurden jedoch nicht immer erhört. Die Somatränke toben nicht nur im Innern, machen Lärm, wie Nackte in der Kälte schnattern, sie streben auch hinaus (Rv. 8, 2. 12; 1, 168, 3). Ein etwas ominöser Name ist daher Vamra (der Speier) Rv. 1, 112, 15, besonders noch durch das Epitheton vipipaná »der zu verschiedenen Malen (d. h. zu viel?) getrunken hat«.

Dem schwachen Sterblichen war es gewiss nicht übel zu nehmen, wenn er vom göttlichen Soma überwältigt und gezwungen wurde, ihn wieder frei zu geben; widerfuhr dies doch auch einmal dem Heldenvorbild Indra: »Indra hatte einst vom Soma des Tvashtar übergewaltig getrunken und ging nach allen Seiten auseinander (schwoll auf); in Folge dessen wurde er der Sinne und auch des getrunkenen Somas beraubt. Was er oben ausspie (udavamit), daraus entstanden die Hirsen (cyamakah). Er ging nun den Prajapati um Hülfe an; der brachte für ihn das aus Hirsenkörnern zubereitete Opfermus (caru) dar, das Soma und Indra angehört, und verlieh ihm dadurch Sinnesvermögen und Somatrunk. Der Sinneskraft und des Somatrunkes geht der verlustig, wer Soma ausspeit; für ihn den Somaspeier (somavamin) soll man das Soma und Indra angehörige aus Hirsenkörnern zubereitete Opfermus darbringen. Soma und Indra geht er dadurch, einen jeden mit dem gebührenden Theil um Hülfe an, und sie verleihen ihm wieder Sinneskraft (indriya) und Somatrunk« T.S. 2, 3, 2, 5. 6.

Als eine Krankheit, die die Folge des zuviel genossenen Somatrunkes war, lernen wir V. S. 19, 10 Vishucika kennen: Indigestion mit Ausleerungen nach beiden Seiten d. h. nach oben und unten. Nach Wise System pag. 300 ist es die Cholera in ihrer sporadischen Form. Die Sprüche für die Sautramani d. h. die Ceremonie, die ursprünglich zur Sühne der üblen Folgen des zuviel genossenen Somatrunkes bestimmt war, finden sich V. S. 19-21.

Die wunderbare Kraft dieses berauschenden Trankes auf den Geist belebend einzuwirken, wurde schon im hohen Alterthum als etwas Göttliches in ihm angesehen; er wurde daher Opfertrank und vergöttlicht, in allen Wesen, selbst den Aditya, ist er wirksam: »Durch Soma sind die Aditya stark, durch Soma ist die Erde gross« Rv. 10, 85, 2. Vgl. Whitney Journ. of Americ. Or. Soc. 3, 299.

In späteren Liedern des Rigveda bezeichnet Soma auch den Mond; über Entstehung dieses Gebrauches siehe Wtb. s. indu. Die Bezeichnung entsprang nicht dem Volke und ist auch unter ihm nicht verbreitet; als Frucht und Eigenthum priesterlicher Speculation ergibt sie sich aus Rv. 10, 85, 3: »Soma zu trinken meint einer, wenn man das Kraut auspresst; der Soma, den jedoch die Priester kennen (brahmanah), von dem geniesst nimmer einer«. Die Stellen, in denen Soma im Rigveda »Mond« bedeutet, sind gesammelt im Wtb.; doch lassen einige derselben auch andere Erklärung zu. Vergleiche Muir ST. 5, 270 ff.

Der berauschende Trank wurde gewonnen aus dem Kraute (andhas, amcu) einer Pflanze: soma. Heutigen Tages benutzt man in Indien, wo der Somatrank nur noch beim Opfer verwendet wird, eine milchhaltige Art Sacrostemma; nach Haug ist es ein kriechender und sich etwas schlingender Halbstrauch mit einer Reihe von blattlosen Schoßen, die einen säuerlichen Milchsaft enthalten. Es ist jedoch höchst zweifelhaft, ob dieses Kraut in den hohen Sitzen des vedischen Volkes oder gar der Indo-Éranier wuchs; vermuthlich hat im Laufe der Zeit mit veränderten Wohnsitzen auch die Pflanze gewechselt. Çatap. Br. 4. 5, 10, 4 erfahren wir geradezu, dass, für den Fall man keine Somapflanzen (çyenahrta, vgl. çyenabhrta soma Rv. 1, 80, 2) erlangen könne, man adara pressen solle ; Kath 34, 3 und Çatap. Br. 14, 1, 2, 12 wird auch putika als Substitut genannt; noch andere Pflanzen Katy. Çr. 25, 12, 19.

Dass man jetzt in Indien die ursprüngliche Somapflanze nicht mehr hat, darauf weist ganz deutlich Haugs Mittheilung hin; nach ihm hat der gegenwärtig in Poona verwendete Saft einen sehr herben Geschmack, der zwar bitter, aber nicht sauer ist. Als Getränk ist er geradezu abscheulich: »I tasted it several times, but it was impossible for me to drink more than some teaspoons full«. Ein solches Getränk hätte nimmermehr den Beinamen madhu erhalten können, den es im Rigveda führt, hätte schwerlich seinen Trinkern so gemundet, wie die oben ausgehobenen Stellen bezeugen.

Die Somapflanze wuchs auf Bergen (girishtha), weshalb dieselben das Beiwort somaprshtha »den Soma auf dem Rücken tragend« führen (Av. 3, 21, 10): »An den Himmel setzte er (Varuna) die Sonne, auf den Berg die Somapflanze« Rv. 5, 85, 2; cf. 9, 62, 4. Als besonders vorzüglich galt die auf dem Berge Mujavant vorkommende Rv. 10, 34, 1. Der Stengel und die Schößlinge (amçu) der Pflanze wurden, ehe sie zum Pressen kamen, mit Wasser begossen oder auch in Wasser gelegt, damit sie anschwollen: »Schwill an, berauschender Soma, mit allen deinen Schoßen« Rv. 1, 91, 17; »die Glieder dieses sollen stark werden (vardhantam), wie der Stengel der Somapflanze soll dieser strotzend werden (apyayatam) Av. 5, 29, 12. 13. Sodann bracht man sie, die somasastrptamcavah, die "Somapflanzen mit gesättigten", d.h. aufgeschwollenen Stengeln und Schößlingen in die Presse: »Wenn die Somaschösslinge angeschwollen sind, dann werden sie gemolken wie Kühe mit Eutern« Rv. 8, 9, 19.

Die Presse (camû) war höchst einfach. Auf einer ausgebreiteten Kuhhaut (gavi, gavam traci) lag ein Brett, auf welches die Schösslinge geworfen wurden: »Legt den König der Kräuter aufs Holz, legt einen Brunnen an, ohne zu graben« Rv. 10, 101, 1 1; mit einem zweiten Brette wurden sie bedeckt und durch Steine (adri, gravan), die man mit den Händen schwang, zwischen beiden zerquetscht, dass der Saft auf die untergebreitete Haut lief; öfters kam es auch vor, dass nur ein einzelner, dann aber um so gewichtigerer Stein von beiden Händen gepackt wurde (Rv. 10, 101, 11). »Die von den Steinen ausgequetschten, auf der Kuhhaut erscheinenden (Tropfen) führten uns rauschend von allen Seiten Labung (ish) zu, sie, die Glut verschaffenden« Rv. 9, 10I, 11. »Dieser Soma springt munter (spritzt) unter den Presssteinen auf der Kuhhaut (Rv. 9, 66, 29). »Die zehn Finger schirren die beiden Arme an den Pressstein, die schönhändigen, welche die beiden Bereiter des Soma sind; der schön verzweigte, glänzende Schoß lässt den strahlenden, bergentsprossenen Madhusaft entströmen« Rv. 5, 43, 4. »Sie die Somastengel zerkauenden (Presssteine) begrüssen Indras Falbenpaar; den Stengel melkend sitzen sie auf der Kuhhaut« Rv. 10, 94, 9.

Der trübe und mit Fasern oft noch vermengte Saft — er heißt aruna röthlich Rv. 7, 98, 1, babhru braun Rv. 9, 63, 4 --- wurde sodann aus der Kuhhaut in ein Gefäss (amatra) gegossen: »Dieser Soma in der camu gepresst wird, in das amatra umgegossen Rv. 5, 51, 4. Behufs Läuterung schüttete man ihn sodann über die Somaseihe (pavitra); dieselbe war aus Schafwolle gewoben oder geflochten, heisst daher auch pavitra avyaya, vara avyaya, vara avya, vara avyah, romani avya. Von Fasern und dergleichen gereinigt floss der Soma in eine hölzerne Bütte ab; diese ganze Vorrichtung befand sich ebenfalls auf einer Kuhhaut: »Diese gossen sie euch beiden (Vâyu und Indra) aus über die Seihe, die schnellen, die nach euch verlangenden über die Schafwolle, die Somaströme über die Schafhaare« Rv. 1, 135, 6. »Fliesse dem Indra zum Tranke über die Schafhaare, dich niederlassend auf dem Sitz in den Hölzern (vaneshu, d. h. in der hölzernen Bütte)« Rv. 9, 62, 8. »Geläutert wird der Soma durch die Wolle des Schafes auf der Kuhhaut« Rv. 9, 101, 16.

Die drei Stadien der Somagewinnung werden öfters in ihrer Reihenfolge genannt: »Durch die Männer geschüttelt (geht auf die in Wasser gespülten, aufgeschwollenen Stengel), durch Steine gepresst, mittelst der Schafwolle geläutert, ist er wie ein in den Flüssen gereinigtes Ross« Rv. 8, 2, 2.

Zum Schluss erhielt der gereinigte (pavamana) Saft noch eine Zumischung (açir, abhiçri) von frischgemolkener, warmer Milch; hierdurch bekam er eine liebliche Farbe, legte gleichsam ein Schmuckgewand an: »Wie Könige durch Preisgesänge verherrlicht werden, so wird der Soma durch die Milch verschönert (anj)« Rv. 9, 10, 3. »Schmuck ist die Pflanze, von Göttern wird sie begehrt; in den Wassern wird der Stengel abgespült, von den Männern gepresst; schmackhaft machen ihn (den Somasaft) die Kühe durch ihre Milch« Rv. 9, 62, 5. So hiess das Getränke soma gavaçir. Neben dieser am häufigsten vorkommenden Verwerthung des Somasaftes kannte man noch eine andere; statt der Milch erhielt er eine Zumischung von yava, d. h. wohl, dass ein Absud von Korn oder Gerste ihm zugeschüttet wurde. In solcher Gestalt ist er soma yavaçir und wird einige Male neben dem soma gavaçir genannt. Auf ihn geht auch folgende Stelle: »Der gepresste Somasaft ist am besten gemischt, bei welchem (yasmin zu ? in welchem) eine pakti (gekochtes Gericht?) gekocht wird, in (?) welchem Getreideköner sind (dhana)« Rv. 6, 29, 4.

Welches die Zubereitung des soma tryaçir war (Rv. 5, 27, 5), wissen wir nicht. Nach Roth im Wtb. bedeutet es »mit 3 Milchtränken gemischt«, ähnlich Ludwig Rigveda 1, p. 385 ; nach Sâyana sind dadhi (saure Milch), saktu (Gerstengrütze) und payas (Milch) die Zumischungen. Als rupam somasya gelten V. S. 19, 21 Getreidekörner (dhanah), Mus (karambha), Gerstengrütze (saktu), geröstete Weizenkörner (parivapa) Milch (payas), saure Milch (dadhi), Milchklumpen (amiksha), Molken (vajina) und Honig (madhu); hier ist jedoch nur noch vom Soma beim Opfer die Rede, das hochgefeierte Getränk war er nicht mehr. Vergl. auch V. S. 8, 54 ff.

Für gewöhnlich wurde der Somatrank gleich nach der Zubereitung genossen; erwähnt wird jedoch auch öfter der soma tiroahnya, der zum Zweck der Gährung einen Tag über gestanden hatte.

Das Ritual kennt 3 Somakelterungen (savana): Morgen- (pratar), Mittag- (madhyamdine) und Abend- (trtiya)kelterung. Den Soma zum Abendopfer gewann man durch einen Aufguss auf die Trester (rjisha) und nochmalige Auspressung derselben T.S. 3, 2, 2, 1; 6, 1, 6, 4.

Gefässe zur Aufbewahrung des Somatrankes sind drona Somakufe; camasa war von Holz (vrkshat Rv. 10, 68, 8, heisst dru Rv. 1, 161, 1), kalaça; ein bestimmtes Hohlmass hiess khari: neben vielem andern wünscht sich Vamadeva auch 100 solcher voll Soma Rv. 4, 32, 17.

Sura

Als zweites geistiges Getränk kannte das vedische Volk Sura. Woraus dasselbe hergestellt wurde, ist unbekannt; vielleicht ist es der dhanya rasa (Av. 2, 26, 5) ein aus Korn oder Gerste - jetzt in Indien Reis - gewonnener Branntwein; in der karotara wurde es geklärt (? Rv. 1, 116, 7). Neben dem Soma, der bei Opfern und an Festtagen genossen wurde und ein kostspieligeres Getränk war, weil man das Kraut nicht immer leicht bekam, war Sura der Trank an gewöhnlichen Tagen. Wenn die Männer in der Sabha sassen und spielten, wurde Sura genossen: ,Sura, aufbrausender Zorn (manyu), Würfel (vibhidaka)« sind nach Vasishtha Ursachen mancher Vergehen Rv. 7, 86, 6. Sura und Würfel oder Sura und Sabha werden daher häufiger zusammen genannt Av. 6, 70, 1; 14, 1, 35; 15, 9, 1. »Wie Trunkene (durmadasah - die einen schlimmen Bausch haben) bei der Sura kämpfen sie« Rv. 8, 2. 12; cf. Tacitus Germania 22. Von Surâgenuss übermüthig (suraçu) schmähen die Menschen die Götter Rv. 8, 21, 14.

Als die Götter das dem Gebet (brahman) und der Speise (anna) anhaftende Böse (çamala) entfernten, da wurde das dem Gebet anhaftende Böse zu Lobstrophen (gatha naraçamsi), das der Nahrung anhaftende Böse zur Sura Kath. 14, 6; Taitt. Br. 1, 3, 2, 6-7.

Bei der Vorliebe der Inder zu diesem Getränk lässt es sich leicht begreifen, dass die Zubereitung desselben auch zu einem Gewerbe sich erhob; so finden wir denn auch V. B. 30, 11 den Suràkara »Branntweinbrenner, Destillateur«. Sein Haus bildet die älteste Art indischer Privatwirthshäuser: »In der Sonne hänge ich das Gift auf wie einen Schlauch in dem Hause des mit Sura versehenen (in einer Destillation)«, heisst es Rv. 1, 191, 10 in einem Hymnus, der sich durch seine Stellung sowie seine sonstigen Bezüge als zu den jüngsten Theilen der Sammlung gehörig ergibt.

Neben diesen Hauptgetränken begegnen wir im Atharvaveda und in den Yajustexten noch andern weniger genau bestimmbaren.

Kilala

Die Süssigkeit (in übertragenem Sinne), die in der eingeschenkten Sura und im Kilala liegt, die wünscht sich ein Sänger Av. 6, 69, 1. Der Surakâra wird V. S. 30, 11 dem Kilala geweiht; es muss demnach der Kilala ein ähnlicher Trank wie Sura gewesen sein. Häufiger wird Kilala von dem himmlischen Trank gebraucht. V. S. 2, 34; 20, 65; Av. 4, 26, 6; 27, 5. Eine Art Rum?

Parisrut

Rv. 9, 1, 6 ist Parisrut Beiwort des Soma: »überfluthend, schäumend« und erscheint auch noch an einigen anderen Stellen als Adjectivum. Im Atharvaveda und den Yajustexten ist sie jedoch ein bestimmtes, gegohrenes Getränk, »weder Soma noch Sura« Çatap. Br. 5, 1, 2, 14. Nach Mahidhara zu V. S. 2, 34 wird sie aus Kräutern gewonnen (pushpebhyo nihsrtam saram). Parisrut scheint besonders das Familiengetränk gewesen zu sein : »Zu ihm (dem neuerbauten und zum Einzuge fertig dastehenden Hause) ist der zarte Knabe, zu ihm das Kalb mit den Hausthieren insgesamt gekommen; zu ihm ist ein Krug Parisrut, zu ihm sind sie mit Töpfen saurer Milch gekommen« heisst es Av. 3, 12, 7 in einem Segenspruch. Diese Vermuthung wird durch Av. 20, 127, 9 bestätigt: »Was soll ich dir vorsetzen, saure Milch (dadhi), Rührtrank (mantha) oder Parisrut? so fragt das Weib den Gatten im Reiche des Königs Parikshit«. Vergleiche V. S. 19, 50; 20, 59; 21, 29.

Unklare Stellen

Rv. 1, 166, 9 amseshva vah prapatheshu khadayah übersetzt Wilson Rigveda-Samh. II, 151 »at your resting-places on the road refreshments (are ready)« und bemerkt hierzu: prapatheshu khadayah the expression is worthy of note, as indicating the existence of accomodations for the use of travellers; the prapatha is the choltri of the south of India, the serai of the Mohammedans, a place by the road-side where the traveller may find shelter and provisions«. Was von dieser Bemerkung über prapatha als einer Schenke oder eines Gasthauses an der Landstrasse zu halten ist, mag Rv. 10, 17, 4 zeigen, wo dem Gestorbenen bei seiner Reise in die jenseitige Welt zugerufen wird: »Pushan beschütze dich prapathe, d. h. auf deiner Reise; wo die Frommen vereint sind, wo sie hingingen, dorthin soll Gott Savitar dich versetzen«. Khadi nimmt Wilson nach Sayana für Speise, was es nirgends heissen kann; vgl. M. Müller Hymns to the Maruts 1, 102. 218 ff.

Will man nicht unter Vergleich von Rv. 5, 54, 11 prapadeshu mit Roth s. prapatha lesen, so ist zu übersetzen: »Auf den weiten Fahrten tragt ihr Spangen (oder Waffen) an den Schultern«.

(Aus dem Buch "Altindisches Leben: Die Cultur der vedischen Arier", nach den Samhita dargestellt von Heinrich Zimmer, Berlin 1879)

Siehe auch

Literatur

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