Ark'hi: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Ark'hi''', auch '''Arsheya Upanishad''', ist eine [[Upanishad]], die in der [[Oupnek'hat]]-Sammlung aufgeführt wird. Sie zeigt ein Treffen zwischen den Rishis [[Vishvamitra]], [[Jamadagni]], [[Bharadvaja]], [[Gautama]] und [[Vasishtha]], bei welchem sie ihr Verständnis über das Wesen des [[Brahman]] austauschen. | '''Ark'hi''', auch '''Arsheya Upanishad''' (Sanskrit: आर्षेयोपनिषद्, IAST: ''Ārṣeyopaniṣad''), ist eine [[Upanishad]], die in der [[Oupnek'hat]]-Sammlung aufgeführt wird. Sie zeigt ein Treffen zwischen den Rishis [[Vishvamitra]], [[Jamadagni]], [[Bharadvaja]], [[Gautama]] und [[Vasishtha]], bei welchem sie ihr Verständnis über das Wesen des [[Brahman]] austauschen. | ||
[[Datei:Eule Weisheit.JPG|thumb|"Was weißt denn du, das immer bleibt und nicht vergeht?" Zitat: Ark'hi]] | [[Datei:Eule Weisheit.JPG|thumb|"Was weißt denn du, das immer bleibt und nicht vergeht?" Zitat: Ark'hi]] | ||
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==Arsheya Upanishad - Einführung== | |||
Die '''Arsheya Upanishad''' (Sanskrit: आर्षेयोपनिषद्, IAST: ''Ārṣeyopaniṣad'') ist eine außerhalb der [[Muktika Upanishad|Muktika-Liste]] überlieferte [[Upanishad]] in Dialogform. Der Name ''ārṣeya'' bedeutet „zu den [[Rishi|Rishis]] gehörig“. Fünf Weise – [[Vishvamitra]], [[Jamadagni]], [[Bharadvaja]], [[Gautama]] und [[Vasishtha]] – erörtern, was als [[Brahman]] gelten kann. Auf jede vorläufige Bestimmung folgt die Frage, ob das Gemeinte wirklich unbeschränkt ist. | |||
Der Gedankengang führt vom Zwischenraum zwischen Himmel und Erde über den unfassbaren Raum, das Licht der Sonnenscheibe und aufblitzende Lichterscheinungen zur Lehre vom unbegrenzten [[Atman]]. Die Formel [[Neti Neti]], „nicht so, nicht so“, begrenzt dabei den Anspruch jeder bestimmten Beschreibung. Drei Schlussverse und Verneigungen vor Agni, Indra, Prajapati und Brahman schließen das Gespräch ab. In modernen elektronischen Verzeichnissen wird die Schrift häufig den [[Samanya Vedanta Upanishad|Samanya-Vedanta-Upanishaden]] zugeordnet; sie gehört jedoch nicht zu den 108 Upanishaden des Muktika-Kanons. | |||
[[Datei:Vedanta-medit.jpg|thumb|Die Arsheya Upanishad prüft verschiedene Vorstellungen von Brahman und führt zur Lehre vom unbegrenzten Atman.]] | |||
'''Zur Textgestalt:''' Der vollständig erhaltene Wortlaut ist durchgehend in einzelne Leseabschnitte und drei getrennt behandelte Schlussverse aufgeteilt. Jeder Abschnitt besitzt unmittelbar danach eine deutsche Übersetzung und eine vollständige Wort- beziehungsweise Formerklärung. Die Sanskritvorlage ist allerdings an mehreren Stellen beschädigt oder grammatisch ungewöhnlich. Unaufgelöste Lesungen und nur angenäherte Satzdeutungen werden deshalb direkt am betreffenden Abschnitt ausgewiesen und nicht durch erfundene Normalformen ersetzt. | |||
'''Textgrundlage:''' ''Aprakāśitā Upaniṣadaḥ'', herausgegeben von den Pandits der Adyar Library unter Aufsicht von C. Kunhan Raja, Adyar 1933, S. 7–9. Die Druckseiten wurden visuell mit der digitalen Wiedergabe bei Sanskrit Documents verglichen. Die Prosazählung 1.1 bis 10.1 und sämtliche Zwischenüberschriften sind redaktionell. Die drei Versnummern folgen dem Druck. Sanskritwörter werden in den Worterklärungen soweit möglich in ihre Grundformen beziehungsweise Sandhibestandteile zerlegt. An redaktionellen Absatzgrenzen stehen gegebenenfalls Pauseformen. Unsichere Wörter werden nicht durch eine erfundene sichere Lesung ersetzt. | |||
==Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung== | |||
'''1.1 – Die Versammlung der Rishis'''<br> | |||
oṃ ṛṣayo vai brahmodyamāhvayitavā ūcuḥ parasparamivānubruvāṇāḥ |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Om. Die Rishis sprachen, zu einem Gespräch über Brahman zusammengekommen [Verbform unsicher], gleichsam einander die Lehre vortragend. | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''oṃ'' – Om, einleitende heilige Silbe; ''ṛṣayaḥ'' – Seher, Rishis; ''vai'' – fürwahr, bekräftigende Partikel; ''brahmodyam'' – Gespräch oder Wettgespräch über das heilige Wissen; brahman und udya, Rede; ''āhvayitavā'' – unregelmäßige überlieferte Form zu ā-√hve, herbeirufen, auffordern; hier: einander zum Gespräch aufgefordert habend; ''ūcuḥ'' – sprachen, Perfekt Plural; ''parasparam'' – einander, wechselseitig; ''iva'' – gleichsam; ''anubruvāṇāḥ'' – erklärend, weiterlehrend, Partizip Plural. | |||
'''1.2 – Vishvamitras Anspruch'''<br> | |||
teṣāṃ viśvāmitro vijitīyamiva manyamāna uvāca |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Unter ihnen sprach Vishvamitra, gleichsam überzeugt, den Sieg [im Gespräch] erringen zu können: | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''teṣām'' – unter ihnen, von ihnen; ''viśvāmitraḥ'' – Vishvamitra, Name des Rishi; ''vijitīyam'' – ungewöhnliche Form zum Siegen, vi-√ji; offenbar: den zu erringenden Sieg; ''iva'' – gleichsam; ''manyamānaḥ'' – meinend, sich vorstellend; ''uvāca'' – sagte. | |||
'''Erläuterung:''' Vijitīya ist nicht ohne Weiteres eine reguläre, eindeutig bestimmbare Form. Die Übersetzung kennzeichnet deshalb den erschlossenen Gesprächszusammenhang. | |||
'''1.3 – Das Zwischenreich'''<br> | |||
yadetadantare dyāvāpṛthivī anaśnuvadiva sarvamaśnavadyadidamākāśamivetaścetaśca stanayanti vidyotamānā ivāvasphūrjayamānā iva tadbrahmeti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Was da zwischen Himmel und Erde ist, gleichsam nichts erreichend und doch alles durchdringend, was wie der Raum ist, in dem es hier und dort donnert, gleichsam aufleuchtet und krachend widerhallt [Satzfügung unsicher]: Das ist Brahman.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – was, dasjenige, das; ''etat'' – dieses; ''antare'' – zwischen; ''dyāvāpṛthivī'' – Himmel und Erde, Dual; ''anaśnuvat'' – nicht erreichend, nicht durchdringend, Partizip mit Verneinung a-; ''iva'' – gleichsam; ''sarvam'' – alles; ''aśnavat'' – erreichend, durchdringend; überlieferte Partizipialform; ''yat'' – was; ''idam'' – dieses, hier; ''ākāśam'' – Raum, freier Raum; ''iva'' – wie, gleichsam; ''itaḥ'' – von hier, hier; ''ca'' – und; ''itaḥ'' – von anderer Seite, dort; ''ca'' – und; ''stanayanti'' – sie donnern, lassen donnern; ''vidyotamānāḥ'' – aufleuchtend, blitzend; im Text Plural; ''iva'' – gleichsam; ''avasphūrjayamānāḥ'' – krachend, donnernd; überlieferte Partizipialform; ''iva'' – gleichsam; ''tat'' – das; ''brahma'' – Brahman; ''iti'' – Ende der Bestimmung. | |||
'''Erläuterung:''' Die Pronomina und Partizipien wechseln auffällig zwischen Singular und Plural. Der Bezug auf das Zwischenreich wird im folgenden Einwand ausdrücklich als antarikṣa bezeichnet. Die deutsche Satzverbindung ist eine Annäherung an den beschädigten Wortlaut. | |||
'''1.4 – Die Reihe der Eingriffe'''<br> | |||
tasyopavyākhyānam | yadidamagnibhirjvalayanti poplūyayantyadbhirabhiṣīvayanti vaddhrībhirabhigrathnanti varatrābhirabhighnantyayoghanairvidhyanti sūcībhiḥ nikhānayanti śaṅkubhirabhitṛndanti paḍvīśikābhirabhilimpanti mṛtsnayā takṣṇuvanti vāsībhiḥ kṛṣṇanti phalibhirnahaiva śaknuvata iti<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Dazu die Erklärung: Wenn man es mit Feuern verbrennen, mit Wassern fortspülen, mit Lederriemen zusammennähen, mit Seilen zusammenbinden, mit Eisenhämmern schlagen, mit Nadeln durchbohren, mit Pflöcken eingraben beziehungsweise festsetzen, mit spitzen Werkzeugen durchstechen, mit Lehm bestreichen, mit Beilen behauen und mit Pflugscharen bearbeiten will: Man vermag es eben nicht.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tasya'' – dessen, dazu; ''upavyākhyānam'' – eingehende Erklärung; ''yat'' – wenn, was das betrifft; ''idam'' – dieses, es; ''agnibhiḥ'' – mit Feuern, Instrumental Plural; ''jvalayanti'' – sie lassen brennen, zünden an; ''poplūyayanti'' – sie spülen oder überschwemmen; intensive beziehungsweise kausative Bildung zu √plu; ''adbhiḥ'' – mit Wassern; ''abhiṣīvayanti'' – sie nähen zusammen, zu abhi-√siv; ''vaddhrībhiḥ'' – mit Lederriemen oder Gurten; ''abhigrathnanti'' – sie knüpfen zusammen, zu abhi-√grath; ''varatrābhiḥ'' – mit Stricken, Riemen; ''abhighnanti'' – sie schlagen darauf; ''ayoghanaiḥ'' – mit Eisenhämmern; ayas, Eisen, und ghana, Schlagwerkzeug; ''vidhyanti'' – sie durchbohren; ''sūcībhiḥ'' – mit Nadeln; ''nikhānayanti'' – sie lassen eingraben, schlagen fest ein; ''śaṅkubhiḥ'' – mit Pflöcken, Spitzen; ''abhitṛndanti'' – sie durchstechen, zu abhi-√tṛd; ''paḍvīśikābhiḥ'' – mit einer Art spitzem Werkzeug; seltene, nicht sicher identifizierte Gerätebezeichnung; ''abhilimpanti'' – sie bestreichen; ''mṛtsnayā'' – mit Lehm, Erde; ''takṣṇuvanti'' – sie behauen, bearbeiten mit einem Beil; unregelmäßige Form zu √takṣ; ''vāsībhiḥ'' – mit Beilen oder Dechseln; ''kṛṣṇanti'' – sie ziehen Furchen, bearbeiten; auffällige Form, hier zu √kṛṣ verstanden; ''phalibhiḥ'' – mit Pflugscharen; die Vorlage hat phali, nicht die üblichere Form phāla; ''na'' – nicht; ''ha'' – bekräftigende Partikel; ''eva'' – eben; ''śaknuvate'' – sie vermögen; überlieferter Auslaut vor iti; ''iti'' – Ende der Erklärung. | |||
'''Erläuterung:''' Die negierende Hauptaussage steht am Ende der langen Reihe. Deshalb sind die zuvor genannten Handlungen im Deutschen als vergebliche Versuche verbunden. Paḍvīśikā wird nur allgemein als Werkzeug erklärt; eine präzise Geräteidentifikation ist mit dieser Vorlage nicht gesichert. | |||
'''1.5 – Die Grenze der Verfügung'''<br> | |||
nāsyeśīmahi nainamatīyīmahi ||<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Wir können nicht über es verfügen; wir können es nicht überschreiten.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''na'' – nicht; ''asya'' – über dieses, Genitiv bei √īś; ''īśīmahi'' – wir könnten herrschen, verfügen, Optativ Medium; ''na'' – nicht; ''enam'' – dieses, es; ''atīyīmahi'' – wir könnten darüber hinausgehen, zu ati-√i. | |||
'''2.1 – Jamadagnis Einwand'''<br> | |||
tadu ha jamadagnirnānumene ārtamiva vā eṣa tanmene yadidamantareṇainadupayanti paryāsa ivaiṣa divaspṛthivyoriti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Jamadagni stimmte dem nicht zu. Er hielt es vielmehr für etwas Beschränktes: „Man gelangt ja durch diesen Zwischenbereich hindurch; er bildet gleichsam den Bereich zwischen Himmel und Erde.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat'' – das; ''u'' – weiterführende Partikel; ''ha'' – erzählende Partikel; ''jamadagniḥ'' – Jamadagni; ''na'' – nicht; ''anumene'' – stimmte zu, billigte, Perfekt von anu-√man; ''ārtam'' – betroffen, bedrängt, beschränkt; ''iva'' – gleichsam; ''vai'' – fürwahr; ''eṣaḥ'' – dieser, Jamadagni; ''tat'' – jenes; ''mene'' – hielt für; ''yat'' – weil, insofern; ''idam'' – hier, dieses; ''antareṇa'' – durch den Zwischenraum, zwischen hindurch; ''enat'' – dieses; ''upayanti'' – sie gelangen hin, treten hinein; ''paryāsaḥ'' – Umkreis, umgebender oder zwischenliegender Bereich; genaue Bedeutung hier unsicher; ''iva'' – gleichsam; ''eṣaḥ'' – dieser; ''divaḥ'' – des Himmels; ''pṛthivyoḥ'' – der Erde beziehungsweise von Himmel und Erde; auffällige Dualform in der Vorlage; ''iti'' – Ende des Einwands. | |||
'''Erläuterung:''' Ārta bedeutet ursprünglich bedrängt oder leidend. Im philosophischen Gespräch wird damit eine begrenzte, nicht schlechthin höchste Wirklichkeit bezeichnet. Die Übersetzung „beschränkt“ bezieht sich auf diesen Gegensatz zu anārta. | |||
'''2.2 – Antariksha und seine Größe'''<br> | |||
sa hovāca antarikṣaṃ vā etadyadidamitthetthopavyākhye iti | mahimānaṃ tvamuṣyeha paśyāmīti yadidamasminnanvāyattamiti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Er sagte: „Es ist das Zwischenreich, was hier so und so erklärt wird. Ich sehe hier allerdings die Größe jenes [Höheren], insofern dieses von ihm abhängt.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''uvāca'' – sagte; ''antarikṣam'' – Zwischenraum zwischen Erde und Himmel; ''vai'' – fürwahr; ''etat'' – dieses; ''yat'' – was; ''idam'' – hier; ''ittham itthā'' – so und so; in der Textform itthettha verbunden; ''upavyākhye'' – erklärte beziehungsweise erkläre; die genaue Form ist unsicher; ''iti'' – Ende der Aussage; ''mahimānam'' – Größe, Erscheinung der Macht; ''tu'' – aber, allerdings; ''amuṣya'' – jenes, Genitiv; ''iha'' – hier; ''paśyāmi'' – ich sehe; ''iti'' – so; ''yat'' – insofern, weil; ''idam'' – dieses; ''asmin'' – an diesem, in ihm; ''anvāyattam'' – abhängig, daran gebunden; ''iti'' – Ende der Bestimmung. | |||
'''Erläuterung:''' Der Satz unterscheidet die Größe oder Erscheinungsweise des Höchsten von dem Höchsten selbst. Der genaue Bezug der Demonstrativpronomina ist im knappen, beschädigten Text nicht überall eindeutig. | |||
'''2.3 – Wissende Verehrung'''<br> | |||
sa yadidametasminnanvāyattaṃ vedātha tathopāste’nvāyatto haivāsmin bhavati |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Wer weiß, dass dieses von jenem abhängt, und es dementsprechend verehrt, wird selbst an jenem Anteil haben beziehungsweise von ihm getragen sein. | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – derjenige; ''yat'' – dass, was; ''idam'' – dieses; ''etasmin'' – an diesem, in jenem; ''anvāyattam'' – abhängig, verbunden; ''veda'' – weiß; ''atha'' – und dann; ''tathā'' – so, dementsprechend; ''upāste'' – verehrt, betrachtet in meditativer Hinwendung; ''anvāyattaḥ'' – verbunden, abhängig; ''ha'' – bekräftigende Partikel; ''eva'' – eben; ''asmin'' – an ihm, in ihm; ''bhavati'' – wird, ist. | |||
'''Erläuterung:''' Anvāyatta wird in beiden Satzhälften gebraucht. „Getragen sein“ erläutert die erwünschte Verbundenheit; es darf nicht als ein im Sanskrit zusätzlich genanntes technisches Erlösungswort verstanden werden. | |||
'''2.4 – Die unverständige Verehrung'''<br> | |||
tadetadavidvānevāsminnanvāyattamupāste vīvapadyat ārtimṛcchet | tasmādevamevopāsīta ||<br> | |||
'''Übersetzung:''' Wer dieses in seiner Abhängigkeit verehrt, ohne es zu verstehen, würde scheitern und in Bedrängnis geraten. Darum soll man es eben in der zuvor erklärten Weise verehren. | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat'' – jenes, in dieser Hinsicht; ''etat'' – dieses; ''avidvān'' – nicht wissend, unwissend; ''eva'' – eben; ''asmin'' – an diesem, in ihm; ''anvāyattam'' – das Abhängige, daran Gebundene; ''upāste'' – verehrt; ''vīvapadyat'' – würde fehlgehen oder scheitern; ungewöhnliche überlieferte Verbform; ''ārtim'' – Bedrängnis, Leid, Akkusativ; ''ṛcchet'' – würde gelangen, Optativ; ''tasmāt'' – deshalb; ''evam'' – so, in dieser Weise; ''eva'' – eben; ''upāsīta'' – sollte verehren, Optativ Medium. | |||
'''3.1 – Die Frage nach dem Unbeschränkten'''<br> | |||
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tam'' – ihn; ''itaraḥ'' – der andere; ''papraccha'' – fragte, Perfekt von √prach; ''katamat'' – welches, was von den Möglichkeiten; ''tvam'' – du; ''anārtam'' – unversehrt, unbedrängt, frei von Beschränkung; a-, nicht, und ārta, betroffen oder leidend; ''manyase'' – du meinst, hältst für; ''iti'' – Ende der Frage. | |||
'''3.2 – Das Unfassbare zwischen Himmel und Erde'''<br> | |||
taṃ hovāca | yadidamiti dyāvāpṛthivyoranārambhamiva nopayanti nābhicakṣate nāśnuvanti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Er sagte ihm: „Das, was zwischen Himmel und Erde gleichsam keinen Ansatzpunkt bietet: Man gelangt nicht daran, beschreibt es nicht und erreicht es nicht.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tam'' – ihm, zu ihm; ''ha'' – erzählende Partikel; ''uvāca'' – sagte; ''yat'' – was; ''idam'' – dieses; ''iti'' – so, im Text eingeschobene Partikel; ''dyāvāpṛthivyoḥ'' – von beziehungsweise zwischen Himmel und Erde, Genitiv-Lokativ Dual; ''anārambham'' – ohne Ansatzpunkt, ohne greifbaren Beginn; an-, nicht, und ārambha, Anfang oder Zugriff; ''iva'' – gleichsam; ''na'' – nicht; ''upayanti'' – sie gelangen daran; ''na'' – nicht; ''abhicakṣate'' – sie bezeichnen, beschreiben; ''na'' – nicht; ''aśnuvanti'' – sie erreichen, erfassen. | |||
'''3.3 – Die Welt-Eier'''<br> | |||
tasyopavyākhyānam | yadidamitaścetaścāṇḍakośā udayanti nāpadyanta iva na visraṃsanta iva na skhalantīva na paryāvartanta iva |<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Dazu die Erklärung: Hier und dort steigen die Hüllen der Welt-Eier empor; gleichsam ohne zusammenzubrechen, auseinanderzufallen, abzugleiten oder umzukippen.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tasya'' – dessen, dazu; ''upavyākhyānam'' – Erklärung; ''yat'' – was, insofern; ''idam'' – hier, dieses; ''itaḥ'' – von hier; ''ca'' – und; ''itaḥ'' – von dort; ''ca'' – und; ''aṇḍa-kośāḥ'' – Eihüllen, Schalen kosmischer Eier; aṇḍa, Ei, und kośa, Hülle; ''udayanti'' – sie gehen auf, steigen empor; ''na'' – nicht; ''āpadyante'' – geraten in einen Zustand, stürzen hinein; hier: verunglücken, zusammenbrechen; ''iva'' – gleichsam; ''na'' – nicht; ''visraṃsante'' – fallen auseinander, lockern sich; ''iva'' – gleichsam; ''na'' – nicht; ''skhalanti'' – gleiten aus, straucheln; ''iva'' – gleichsam; ''na'' – nicht; ''paryāvartante'' – wenden sich um, kippen um; ''iva'' – gleichsam. | |||
'''Erläuterung:''' Der Text nennt aṇḍakośa, „Eihülle“. Die kosmologische Deutung als Welt-Ei ergibt sich aus dem Zusammenhang. Die Vielzahl solcher Hüllen wird bewahrt; sie wird nicht zu einer einzigen Himmelskugel vereinheitlicht. | |||
'''3.4 – Die Suche erreicht es nicht'''<br> | |||
na ha vā enatkecidupadhāvanto vindanti nābhipaśyanti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Niemand findet es durch Hinlaufen, niemand bekommt es zu Gesicht.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''na'' – nicht; ''ha'' – bekräftigende Partikel; ''vai'' – fürwahr; ''enat'' – es, dieses; ''kecit'' – irgendwelche Menschen; mit na: niemand; ''upadhāvantaḥ'' – heranlaufend, sich nähernd; ''vindanti'' – finden; ''na'' – nicht; ''abhipaśyanti'' – sehen, erblicken. | |||
'''3.5 – Die verschiedenen Namen'''<br> | |||
yadidameka idapa (?) evāhustama eke jyotireke’vakāśameke paramaṃ vyomaika ātmānameka iti ||<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Was die einen idapa [unverständliche Lesung] nennen, nennen andere Dunkelheit, andere Licht, andere freien Raum, andere den höchsten Himmel, andere das Selbst.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – was; ''idam'' – dieses; ''eke'' – einige, die einen; vor idapa als eka verbunden; ''idapa'' – unverständliche Lesung; die digitale Vorlage setzt bereits ein Fragezeichen; ''eva'' – eben; ''āhuḥ'' – sie nennen, sagen; ''tamaḥ'' – Dunkelheit; ''eke'' – andere; ''jyotiḥ'' – Licht; ''eke'' – andere; ''avakāśam'' – freien Raum, Platz; ''eke'' – andere; ''paramam'' – höchsten; ''vyoma'' – Himmel, Raum; ''eke'' – andere; ''ātmānam'' – das Selbst, Akkusativ von ātman; ''eke'' – andere; ''iti'' – Ende der Aufzählung. | |||
'''Erläuterung:''' Die Druckausgabe bietet idapa ohne sichere Erklärung. Das Fragezeichen bezeichnet eine Leseschwierigkeit, kein gesprochenes Sanskritzeichen. Das erste Glied wird nicht durch ein bloß geratenes philosophisches Substantiv ersetzt. | |||
'''4.1 – Bharadvajas Einwand'''<br> | |||
tadu ha bharadvājo nānumene | yadiha sarve vetthettheti dyūdire nāsya tadrūpaṃ paryāptamiti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Bharadvaja stimmte dem nicht zu: „Dass hier alle es als dieses oder jenes erkennen und benennen [Verbform unsicher], reicht nicht aus, um seine Gestalt zu bestimmen.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat'' – das; ''u'' – weiterführende Partikel; ''ha'' – erzählende Partikel; ''bharadvājaḥ'' – Bharadvaja, Name des Rishi; ''na'' – nicht; ''anumene'' – stimmte zu; ''yat'' – dass, was; ''iha'' – hier; ''sarve'' – alle; ''vettha'' – du weißt; die im Text folgende Verbindung mit ittha ist syntaktisch auffällig; ''itthā'' – so, in dieser Weise; ''iti'' – mit der Bezeichnung, so; ''dyūdire'' – unverständliche beziehungsweise beschädigte Verbform; „benennen“ ist aus der Gesprächssituation erschlossen; ''na'' – nicht; ''asya'' – dessen, seine; ''tat'' – jenes; ''rūpam'' – Form, Gestalt, Bestimmung; ''paryāptam'' – hinreichend, ausreichend erfasst; ''iti'' – Ende des Einwands. | |||
'''Erläuterung:''' Die Formulierung weist die vorangehende Bestimmung als unzureichend zurück. Die genaue Verbindung vetthettheti dyūdire bleibt im zugrunde gelegten Druck problematisch. | |||
'''4.2 – Auch diese Erkenntnis bleibt begrenzt'''<br> | |||
sa hovāca | ārtamivedaṃ te vijñānamapi svidenadrodasyoreva paryāyeṇopavanvīmahi yadidamitthetthopavyākhyāsyāma iti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Er sagte: „Diese deine Erkenntnis scheint beschränkt. Vielleicht können wir dies nur im Wechselverhältnis von Himmel und Erde verehren, wenn wir es auf diese oder jene Weise erklären wollen.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''uvāca'' – sagte; ''ārtam'' – beschränkt, beeinträchtigt; ''iva'' – gleichsam, scheint; ''idam'' – diese; ''te'' – deine; ''vijñānam'' – Erkenntnis, Verständnis; ''api'' – auch, vielleicht; ''svit'' – fragende oder unsicher machende Partikel; ''enat'' – dieses; ''rodasyoḥ'' – von Himmel und Erde, Genitiv-Lokativ Dual; ''eva'' – nur, eben; ''paryāyeṇa'' – im Umlauf, im Wechsel oder nach einer umschreibenden Darstellung, Instrumental; ''upavanvīmahi'' – wir könnten verehren oder uns zuwenden; ungewöhnliche Form; ''yat'' – wenn, insofern; ''idam'' – dieses; ''ittham itthā'' – so und so; ''upavyākhyāsyāmaḥ'' – wir werden erklären, Zukunft; ''iti'' – Ende der Rede. | |||
'''4.3 – Die Erscheinung seiner Größe'''<br> | |||
mahimānaṃ tvevāsyopāse | yadidamatrānvāyattamiti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Ich verehre allerdings seine Größe: dieses hier, insofern es von ihm abhängt.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mahimānam'' – Größe, Machtentfaltung; ''tu'' – aber, allerdings; ''eva'' – eben; ''asya'' – dessen, seine; ''upāse'' – ich verehre, betrachte; ''yat'' – insofern, was; ''idam'' – dieses; ''atra'' – hier, darin; ''anvāyattam'' – abhängig, verbunden; ''iti'' – Ende der Bestimmung. | |||
'''4.4 – Erkennen und Verbundensein'''<br> | |||
sa yadidamatrānvāyattaṃ vedātha tathaivopāste’traivānvāyatto bhavati |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Wer weiß, dass dieses hier darin gegründet ist, und es dementsprechend verehrt, wird eben damit verbunden. | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – derjenige; ''yat'' – dass, was; ''idam'' – dieses; ''atra'' – hier, darin; ''anvāyattam'' – abhängig, verbunden; ''veda'' – weiß; ''atha'' – dann, und; ''tathā'' – so, dementsprechend; ''eva'' – eben; ''upāste'' – verehrt, betrachtet; ''atra'' – hier, darin; ''eva'' – eben; ''anvāyattaḥ'' – verbunden, daran gebunden; ''bhavati'' – wird. | |||
'''4.5 – Die Folgen beider Haltungen'''<br> | |||
sa ya ihānvāyattamidamavidvānevaitadupāste pāpīyān bhavatyārtimārcchatyavamriyate yadevametadanvāyattamupāste sarvamāyureti vasīyān bhavati | sa ya etadenamupāste ||<br> | |||
'''Übersetzung:''' Wer dieses hier in seiner Abhängigkeit verehrt, ohne es zu erkennen, wird schlechter gestellt, gerät in Bedrängnis und stirbt dahin. Wer es dagegen in der erläuterten Weise als abhängig verehrt, erreicht die ganze Lebensdauer und wird besser gestellt – wer es so verehrt. | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – derjenige; ''yaḥ'' – der, welcher; ''iha'' – hier; ''anvāyattam'' – abhängig, verbunden; ''idam'' – dieses; ''avidvān'' – ohne zu wissen; ''eva'' – eben; ''etat'' – dieses; ''upāste'' – verehrt; ''pāpīyān'' – schlechter, elender, Komparativ; ''bhavati'' – wird; ''ārtim'' – in Bedrängnis; ''ārcchati'' – gelangt, erreicht; auffällige überlieferte Form; ''avamriyate'' – stirbt dahin, geht zugrunde; ''yat'' – wer, sofern; im Zusammenhang eine unregelmäßige Verbindung; ''evam'' – so, auf diese Weise; ''etat'' – dieses; ''anvāyattam'' – als abhängig, verbunden; ''upāste'' – verehrt; ''sarvam'' – die ganze; ''āyuḥ'' – Lebensdauer; ''eti'' – erreicht, geht zu; ''vasīyān'' – besser, vortrefflicher, begünstigter; ''bhavati'' – wird; ''saḥ'' – derjenige; ''yaḥ'' – welcher; ''etat'' – dieses, so; ''enam'' – ihn, dieses; ''upāste'' – verehrt. | |||
'''Erläuterung:''' Die Aussagen über Lebensdauer und Gedeihen sind die im Text zugesprochenen Früchte einer Verehrungsweise. Sie werden als solche übersetzt, nicht als überprüfbare Erfolgsgarantie für heutige Leser. | |||
'''5.1 – Die Frage nach dem Unbeschränkten'''<br> | |||
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tam'' – ihn; ''itaraḥ'' – der andere; ''papraccha'' – fragte, Perfekt von √prach; ''katamat'' – welches, was von den Möglichkeiten; ''tvam'' – du; ''anārtam'' – unversehrt, unbedrängt, frei von Beschränkung; a-, nicht, und ārta, betroffen oder leidend; ''manyase'' – du meinst, hältst für; ''iti'' – Ende der Frage. | |||
'''5.2 – Das Licht in der Scheibe'''<br> | |||
sa hovāca | yadetasmin maṇḍale’rcirdīpyate bambhramyamāṇamiva cākaśyamānamiva jājvalyamānamiva dedīpyamānamiva lelihānaṃ tadeva me brahma |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Er sagte: „Das Licht, das in dieser Scheibe leuchtet, sich gleichsam unaufhörlich dreht, strahlt, flammt und glänzt, mit leckenden Flammen: Eben das ist für mich Brahman.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – er; ''ha'' – erzählende Partikel; ''uvāca'' – sagte; ''yat'' – was, dasjenige, das; ''etasmin'' – in dieser; ''maṇḍale'' – Scheibe, Kreis; hier die Sonnenscheibe; ''arciḥ'' – Strahl, Flamme, Licht; ''dīpyate'' – leuchtet; ''bambhramyamāṇam'' – sich immer wieder drehend, intensive Bildung zu √bhram; ''iva'' – gleichsam; ''cākaśyamānam'' – hell strahlend, intensive Bildung zu √kāś; ''iva'' – gleichsam; ''jājvalyamānam'' – heftig flammend, intensive Bildung zu √jval; ''iva'' – gleichsam; ''dedīpyamānam'' – stark leuchtend, intensive Bildung zu √dīp; ''iva'' – gleichsam; ''lelihānam'' – leckend, mit züngelnden Flammen, intensive Bildung zu √lih; ''tat'' – das; ''eva'' – eben; ''me'' – für mich, mein; ''brahma'' – Brahman. | |||
'''Erläuterung:''' Die verschiedenen Formen des Leuchtens werden nicht auf ein einziges Adjektiv reduziert. Die intensive Wortbildung unterstreicht die fortwährende, sich steigernde Lichtbewegung. | |||
'''5.3 – Die fernsten Weiten'''<br> | |||
tasyopavyākhyānaṃ yadidamaddhaiva parāḥ parāvato’bhipadyante sampannamevaitat sammitameva yathopayātamātmaivābhicakṣata iti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Dazu die Erklärung: Dieses erreicht wirklich die fernsten Weiten. Als vollendet und genau bemessen erscheint es, wie es herantritt; man bezeichnet es als das Selbst [Satzbezüge unsicher].“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tasya'' – dessen, dazu; ''upavyākhyānam'' – Erklärung; ''yat'' – insofern, was; ''idam'' – dieses; ''addhā'' – wirklich, unmittelbar; ''eva'' – eben; ''parāḥ'' – ferne, jenseitige; ''parāvataḥ'' – Weiten, entfernte Bereiche, Akkusativ Plural; ''abhipadyante'' – sie gelangen hin, erreichen; Plural ohne eindeutiges ausgedrücktes Subjekt; ''sampannam'' – vollendet, vollständig geworden; ''eva'' – eben; ''etat'' – dieses; ''sammitam'' – zusammengemessen, genau bemessen; ''eva'' – eben; ''yathā'' – wie, entsprechend; ''upayātam'' – herangekommen, erreicht; ''ātmā'' – Selbst; ''eva'' – eben; ''abhicakṣate'' – sie nennen, beschreiben; ''iti'' – Ende der Erklärung. | |||
'''Erläuterung:''' Der Wechsel zwischen einem einzelnen Licht und einem unausgedrückten pluralischen Subjekt lässt offen, ob an Strahlen oder an sich nähernde Betrachter gedacht ist. Die deutsche Wiedergabe legt hier keine sichere Rekonstruktion vor. | |||
'''5.4 – Der Versuch, das Licht zu greifen'''<br> | |||
ya etadabhipadyeva guhṇīyādatho visphurantīva dhāvantīvotplavantīvopaślipyantīva na haivābhipadyante |<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Wer dies durch Annäherung ergreifen wollte: Es scheint aufzuflackern, davonzulaufen, emporzuspringen und zu entgleiten; man erreicht es gerade nicht.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yaḥ'' – wer; ''etat'' – dieses; ''abhipadya'' – herangetreten, erreicht habend; ''eva'' – eben; ''guhṇīyāt'' – würde ergreifen; so die fehlerhafte Druckform, vermutlich für gṛhṇīyāt; ''atho'' – und dann, ferner; ''visphuranti'' – sie flackern, zucken auf; ''iva'' – gleichsam; ''dhāvanti'' – sie laufen; ''iva'' – gleichsam; ''utplavanti'' – sie springen empor; ''iva'' – gleichsam; ''upaślipyanti'' – sie gleiten heran oder entgleiten; seltene Form zu upa-√ślip; ''iva'' – gleichsam; ''na'' – nicht; ''ha'' – bekräftigende Partikel; ''eva'' – eben; ''abhipadyante'' – sie erreichen, gelangen daran. | |||
'''Erläuterung:''' Die zahlreichen Pluralformen beziehen sich möglicherweise auf Strahlen oder Erscheinungen des Lichts. „Es scheint“ stellt im Deutschen den Bezug auf das zuvor genannte Licht her, ohne die Sanskritformen in Singularformen umzuschreiben. | |||
'''5.5 – Nähe und Ferne'''<br> | |||
tadidamantike davīyo nedīya iva dūrato na vā asya mahimānaṃ kaścidetīti ||<br> | |||
'''Übersetzung:''' „In der Nähe ist dieses ferner; aus der Ferne scheint es näher. Niemand erreicht seine Größe.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat'' – jenes; ''idam'' – dieses; ''antike'' – in der Nähe; ''davīyaḥ'' – ferner, Komparativ; ''nedīyaḥ'' – näher, Komparativ; ''iva'' – gleichsam, scheint; ''dūrataḥ'' – aus der Ferne; ''na'' – nicht; ''vai'' – fürwahr; ''asya'' – seine, dessen; ''mahimānam'' – Größe, Macht; ''kaścit'' – irgendjemand; mit na: niemand; ''eti'' – erreicht; ''iti'' – Ende der Aussage. | |||
'''6.1 – Gautamas Einwand'''<br> | |||
tadu ha na mene gautamo yadidamārtamiva stimitamiva paryāyeṇa paśyantīvemaṃ moghaṃ saṃvidānā iti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Gautama billigte dies nicht: „Dieses erscheint beschränkt, gleichsam stillgestellt. Wenn man es nur im Wechsel betrachtet und dabei meint, erkannt zu haben, bleibt das vergeblich [Satzfügung unsicher].“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat'' – das; ''u'' – weiterführende Partikel; ''ha'' – erzählende Partikel; ''na'' – nicht; ''mene'' – hielt dafür, billigte; ''gautamaḥ'' – Gautama; ''yat'' – weil, insofern; ''idam'' – dieses; ''ārtam'' – beschränkt, beeinträchtigt; ''iva'' – gleichsam; ''stimitam'' – still, unbewegt, gehemmt; ''iva'' – gleichsam; ''paryāyeṇa'' – im Wechsel, durch eine umschreibende Betrachtung; ''paśyanti'' – sie sehen, betrachten; ''iva'' – gleichsam; ''imam'' – diesen, dieses; ''mogham'' – vergeblich, fruchtlos; ''saṃvidānāḥ'' – wissend, sich für wissend haltend; ''iti'' – Ende des Einwands. | |||
'''6.2 – Die genannten Völker'''<br> | |||
ya ime puṇḍrāḥ suhmāḥ kulumbhā daradā barbarā iti | na ha vā asaṃvidānā eva drāgivābhi tatpadyanta iti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Diese Pundras, Suhmas, Kulumbhas, Daradas und Barbaras [werden als Beispiele genannt]: Ohne Erkenntnis gelangen sie nicht einfach augenblicklich daran.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ye'' – diejenigen, welche; vor ime als ya verbunden; ''ime'' – diese; ''puṇḍrāḥ'' – Pundras, Völkername; ''suhmāḥ'' – Suhmas, Völkername; ''kulumbhāḥ'' – Kulumbhas, überlieferter Gruppenname, Identifikation unsicher; ''daradāḥ'' – Daradas, Völkername; ''barbarāḥ'' – Barbaras, eine hier so bezeichnete Gruppe beziehungsweise Fremde; ''iti'' – Ende der Aufzählung; ''na'' – nicht; ''ha'' – bekräftigende Partikel; ''vai'' – fürwahr; ''asaṃvidānāḥ'' – nicht wissend, ohne Erkenntnis; ''eva'' – eben, bloß; ''drāk'' – rasch, augenblicklich; ''iva'' – gleichsam; ''abhi tat padyante'' – sie gelangen daran, erreichen jenes; getrennte Fügung zu abhi-√pad; ''iti'' – Ende der Aussage. | |||
'''Erläuterung:''' Die Passage nennt konkrete Gruppen, erklärt aber weder ihre Herkunft noch ihre religiösen Ansichten. Aus diesen Namen wird hier keine allgemeine Abwertung heutiger Gemeinschaften abgeleitet. Der Zusammenhang betrifft die Unzulänglichkeit einer Erkenntnis, die beim äußeren Licht stehenbleibt. | |||
'''6.3 – Der goldene Purusha'''<br> | |||
mahimānaṃ tvevāsyopāse | ya etadasminnantare hiraṇmayaḥ puruṣo hiraṇyavarṇo hiraṇyaśmaśrurānakhāgrebhyo dīpyamāna iva |<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Ich verehre vielmehr seine Größe: den goldenen Purusha in seinem Inneren, von goldener Farbe, mit goldenem Bart, gleichsam bis zu den Nagelspitzen leuchtend.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mahimānam'' – Größe, Machtentfaltung; ''tu'' – aber, vielmehr; ''eva'' – eben; ''asya'' – dessen, seine; ''upāse'' – ich verehre; ''yaḥ'' – der, welcher; ''etat'' – dieses, hierbei; syntaktisch auffällige Verbindung; ''asmin'' – in diesem; ''antare'' – im Inneren; ''hiraṇmayaḥ'' – aus Gold bestehend, golden; ''puruṣaḥ'' – Person, Geistgestalt, Purusha; ''hiraṇya-varṇaḥ'' – von goldener Farbe; hiraṇya, Gold, und varṇa, Farbe; ''hiraṇya-śmaśruḥ'' – mit goldenem Bart; śmaśru, Bart; ''ā'' – bis zu; ''nakhāgrebhyaḥ'' – den Nagelspitzen, Ablativ Plural nach ā; ''dīpyamānaḥ'' – leuchtend; ''iva'' – gleichsam. | |||
'''Erläuterung:''' Das Bild steht dem goldenen Purusha der [[Chhandogya Upanishad]] 1.6.6 nahe. Eine solche Parallele ist für den Vergleich hilfreich, ersetzt aber keine eigenständige Begründung des genauen Entstehungsdatums. | |||
'''6.4 – Die zugesprochene Frucht'''<br> | |||
sa ya evamenamupāste’tīva sarvabhūtāni tiṣṭhanti sarvamāyureti vasīyān bhavati |<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Wer ihn so verehrt, steht über allen Wesen [Verbform beschädigt], erreicht seine ganze Lebensdauer und wird besser gestellt.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – derjenige; ''yaḥ'' – welcher; ''evam'' – so; ''enam'' – ihn; ''upāste'' – verehrt; ''ati'' – über, hinaus über; ''iva'' – gleichsam; im Text als atīva verbunden, auch „sehr“ möglich; ''sarva-bhūtāni'' – alle Wesen; sarva, alle, bhūta, Wesen; ''tiṣṭhanti'' – sie stehen; im Druck Plural, obwohl der Satz einen Singular erwarten lässt; ''sarvam'' – die ganze; ''āyuḥ'' – Lebensdauer; ''eti'' – erreicht; ''vasīyān'' – besser, begünstigter; ''bhavati'' – wird. | |||
'''Erläuterung:''' Die Übersetzung folgt der naheliegenden Verheißung „über den Wesen stehen“. Sie kennzeichnet, dass dafür im Druck eine grammatisch unpassende Pluralform steht. | |||
'''6.5 – Nicht jenseits des Höchsten'''<br> | |||
na ha vā eṣa paramatīvodeti | yastvenaṃ paramatīvodyantaṃ paśyannupāste pāpīyān bhavati vīvapadyata ārtimṛcchati |<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Dieser erhebt sich nicht über das Höchste hinaus. Wer ihn aber als über das Höchste hinausgehend betrachtet und so verehrt, wird schlechter gestellt, scheitert und gerät in Bedrängnis.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''na'' – nicht; ''ha'' – bekräftigende Partikel; ''vai'' – fürwahr; ''eṣaḥ'' – dieser; ''param'' – das Höchste, über das Höchste; ''ati'' – darüber hinaus; ''iva'' – gleichsam; Verbindung atīva; ''udeti'' – geht auf, erhebt sich; ''yaḥ'' – wer; ''tu'' – aber; ''enam'' – ihn; ''param'' – über das Höchste; ''ati'' – darüber hinaus; ''iva'' – gleichsam; ''udyantam'' – sich erhebend, aufgehenden, Partizip Akkusativ; ''paśyan'' – sehend, betrachtend; ''upāste'' – verehrt; ''pāpīyān'' – schlechter, elender; ''bhavati'' – wird; ''vīvapadyate'' – scheitert, geht fehl; ungewöhnliche überlieferte Form; ''ārtim'' – Bedrängnis; ''ṛcchati'' – erreicht, gerät in. | |||
'''6.6 – Das höchste Licht'''<br> | |||
yastvenaṃ paramanūdyantaṃ vedātha tathopāste paraṃ jyotirupasampadyate sarvamāyureti vasīyān bhavati | sa ya evamenamupāste ||<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Wer ihn dagegen als dem Höchsten folgend aufgehend erkennt und dementsprechend verehrt, gelangt zum höchsten Licht, erreicht seine ganze Lebensdauer und wird besser gestellt – wer ihn so verehrt.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yaḥ'' – wer; ''tu'' – aber, dagegen; ''enam'' – ihn; ''param'' – dem Höchsten, das Höchste als Bezug; ''anu'' – nach, folgend; ''udyantam'' – aufgehend, sich erhebend; ''veda'' – weiß, erkennt; ''atha'' – dann, und; ''tathā'' – so, dementsprechend; ''upāste'' – verehrt; ''param'' – höchstes; ''jyotiḥ'' – Licht; ''upasampadyate'' – gelangt zu, tritt ein in; ''sarvam'' – die ganze; ''āyuḥ'' – Lebensdauer; ''eti'' – erreicht; ''vasīyān'' – besser, begünstigter; ''bhavati'' – wird; ''saḥ'' – derjenige; ''yaḥ'' – welcher; ''evam'' – so; ''enam'' – ihn; ''upāste'' – verehrt. | |||
'''Erläuterung:''' Anu-udyantam wird hier als „dem Höchsten folgend aufgehend“ verstanden. Der Gegensatz zu ati-udyantam des vorherigen Satzes betrifft die Rangordnung von Erscheinung und höchstem Grund, nicht einfach die Tageszeit des Sonnenaufgangs. | |||
'''7.1 – Die Frage nach dem Unbeschränkten'''<br> | |||
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tam'' – ihn; ''itaraḥ'' – der andere; ''papraccha'' – fragte, Perfekt von √prach; ''katamat'' – welches, was von den Möglichkeiten; ''tvam'' – du; ''anārtam'' – unversehrt, unbedrängt, frei von Beschränkung; a-, nicht, und ārta, betroffen oder leidend; ''manyase'' – du meinst, hältst für; ''iti'' – Ende der Frage. | |||
'''7.2 – Das Aufleuchten'''<br> | |||
taṃ hovāca | visphurantīrevemā lelāyantīriva sañjihānā iva nedīyasitamā iva davīyasitamā eva davīyasitamā iva nedīyasitamā eveti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Er sagte ihm: „Diese aufzuckenden [Lichterscheinungen], gleichsam spielend und hervorbrechend, scheinen allernächst und sind doch allerfernst, scheinen allerfernst und sind doch allernächst.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tam'' – ihm, zu ihm; ''ha'' – erzählende Partikel; ''uvāca'' – sagte; ''visphurantīḥ'' – aufzuckende, aufblitzende; Akkusativ Plural Femininum; ''eva'' – eben; ''imāḥ'' – diese; ''lelāyantīḥ'' – sich hin und her bewegende, spielende; intensive Bildung; ''iva'' – gleichsam; ''sañjihānāḥ'' – hervorbrechende, sich gemeinsam erhebende; Partizip Plural Femininum; ''iva'' – gleichsam; ''nedīyasitamāḥ'' – allernächste; ungewöhnliche verstärkte Steigerungsform; ''iva'' – gleichsam; ''davīyasitamāḥ'' – allerfernste; entsprechende übersteigerte Form; ''eva'' – eben, tatsächlich; ''davīyasitamāḥ'' – allerfernste; ''iva'' – gleichsam; ''nedīyasitamāḥ'' – allernächste; ''eva'' – eben, tatsächlich; ''iti'' – Ende der Beschreibung. | |||
'''Erläuterung:''' Das feminine Bezugswort, etwa „Blitze“ oder „Lichterscheinungen“, wird nicht ausdrücklich gesetzt. Es wird im Deutschen in eckigen Klammern ergänzt. Die seltenen Steigerungsformen werden nach ihrem erkennbaren Gegensatz zwischen Nähe und Ferne erläutert. | |||
'''7.3 – Nicht durch Benennung erfasst'''<br> | |||
yadapi bahudhācakṣīranna kiñca pratipadyata iti tanme brahmeti ||<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Auch wenn man sie auf vielerlei Weise beschriebe, hätte man damit noch nichts erfasst. Das ist für mich Brahman.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yat'' – wenn, was das betrifft; ''api'' – auch, selbst; ''bahudhā'' – vielfach, auf vielerlei Weise; ''ācakṣīran'' – sie würden beschreiben, Optativ Medium Plural; ''na'' – nicht; ''kiñca'' – irgendetwas; mit na: nichts; ''pratipadyate'' – erfasst, gelangt dazu; auffälliger Wechsel zum Singular; ''iti'' – Ende dieser Aussage; ''tat'' – das; ''me'' – für mich; ''brahma'' – Brahman; ''iti'' – Ende der Bestimmung. | |||
'''8.1 – Vasishthas Einwand'''<br> | |||
tadu ha vasiṣṭho nānumene | yadimā visphūrjayata evābhipadyante vīvayanti mithu ceti vicakṣate’kāṇḍa ivemā na ha vai paramitthā kaścanāśnotyasaṃvidāna iva |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Vasishtha stimmte dem nicht zu: „Man trifft diese donnernd oder krachend hervorbrechenden [Erscheinungen] an; sie vergehen [Wortform unsicher], und man bezeichnet sie als vergeblich beziehungsweise falsch. Sie erscheinen unvermittelt. Ohne Erkenntnis erreicht niemand auf diese Weise das Höchste.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat'' – das; ''u'' – weiterführende Partikel; ''ha'' – erzählende Partikel; ''vasiṣṭhaḥ'' – Vasishtha; ''na'' – nicht; ''anumene'' – stimmte zu; ''yat'' – weil, insofern; ''imāḥ'' – diese, feminin; ''visphūrjayataḥ'' – krachend, donnernd; überlieferte Form mit unklarem grammatischem Anschluss; ''eva'' – eben; ''abhipadyante'' – sie gelangen daran, treffen an; ''vīvayanti'' – unverständliche beziehungsweise ungewöhnliche Verbform; hier vorsichtig als Vergehen der Erscheinungen gedeutet; ''mithu'' – falsch, vergeblich oder gegeneinander; seltene Partikel, Bedeutung im Satz unsicher; ''ca'' – und; ''iti'' – so; ''vicakṣate'' – sie bezeichnen, erläutern; ''akāṇḍe'' – unversehens, unvermittelt; überliefert akāṇḍa vor iva; ''iva'' – gleichsam; ''imāḥ'' – diese; ''na'' – nicht; ''ha'' – bekräftigende Partikel; ''vai'' – fürwahr; ''param'' – das Höchste; ''itthā'' – so, auf diese Weise; ''kaścana'' – irgendjemand; mit na: niemand; ''aśnoti'' – erreicht; ''asaṃvidānaḥ'' – nicht wissend, ohne Erkenntnis; ''iva'' – gleichsam. | |||
'''Erläuterung:''' Die Verbalform vīvayanti und der Anschluss von visphūrjayataḥ sind nicht sicher. Die Übersetzung stellt die erkennbare Kritik am bloßen Erfassen flüchtiger Erscheinungen dar und lässt die Textunsicherheit ausdrücklich stehen. | |||
'''8.2 – Die Größe in der Erscheinung sehen'''<br> | |||
apa ye saṃvidrate tadetadantarvicakṣata iti | mahimnaḥ paśyemā vijāna iti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Die aber Erkenntnis besitzen [Anfang beschädigt], erklären dieses im Inneren. Sieh diese [Erscheinungen] als Entfaltungen der Größe und erkenne!“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''apa'' – fort, weg; hier unklarer Satzanschluss, möglicherweise beschädigte Partikel; ''ye'' – diejenigen, welche; ''saṃvidrate'' – erkennen, verstehen; ungewöhnliche überlieferte Form; ''tat'' – jenes; ''etat'' – dieses; ''antaḥ'' – im Inneren; ''vicakṣate'' – sie erklären, erkennen auseinander; ''iti'' – Ende der Aussage; ''mahimnaḥ'' – Größen, Machtentfaltungen; die genaue Kasusfunktion ist unsicher; ''paśya'' – sieh, Imperativ; ''imāḥ'' – diese, die Lichterscheinungen; ''vijāna'' – erkenne, verstehe; überlieferte Imperativform; ''iti'' – Ende der Aufforderung. | |||
'''8.3 – Verehrung als Entfaltung seiner Größe'''<br> | |||
sa ya evamimā mahimna evāsya paśyannupāste mahimna evāśnoti sarvamāyureti vasīyān bhavati |<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Wer diese auf solche Weise als Entfaltungen seiner Größe betrachtet und verehrt, erreicht eben diese Größe, seine ganze Lebensdauer und ein besseres Gedeihen.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – derjenige; ''yaḥ'' – welcher; ''evam'' – so; ''imāḥ'' – diese; ''mahimnaḥ'' – Größen, Machtentfaltungen; überlieferte Form; ''eva'' – eben; ''asya'' – dessen, seine; ''paśyan'' – sehend, betrachtend; ''upāste'' – verehrt; ''mahimnaḥ'' – die Größe oder ihre Entfaltungen; erneut dieselbe auffällige Flexion; ''eva'' – eben; ''aśnoti'' – erreicht; ''sarvam'' – die ganze; ''āyuḥ'' – Lebensdauer; ''eti'' – erreicht; ''vasīyān'' – besser, begünstigter; ''bhavati'' – wird. | |||
'''8.4 – Das Vergehen allein verehren'''<br> | |||
yastvimā avayatīrevopāste na parā sampadyamānā no eva pareti pāpīyān bhavati vīvapadyate pramīyate |<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Wer diese dagegen nur als vergehend verehrt, ohne sie als in das Höchste eingehend zu verstehen, gelangt nicht zum Höchsten; er wird schlechter gestellt, scheitert und stirbt.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''yaḥ'' – wer; ''tu'' – aber, dagegen; ''imāḥ'' – diese; ''avayatīḥ'' – weggehende, vergehende; Partizip Plural Femininum zu ava-√i; ''eva'' – nur, eben; ''upāste'' – verehrt; ''na'' – nicht; ''parā'' – in das Höchste, jenseits; auffällige adverbiale oder gekürzte Form; ''sampadyamānāḥ'' – eingehende, dazu werdende; ''na'' – nicht; ''u'' – weiterführende Partikel, mit na zu no verbunden; ''eva'' – eben; ''parā'' – zum Höchsten, hinüber; ''eti'' – gelangt; ''pāpīyān'' – schlechter, elender; ''bhavati'' – wird; ''vīvapadyate'' – scheitert, geht fehl; ''pramīyate'' – stirbt. | |||
'''8.5 – Die Rückkehr in den höchsten Grund'''<br> | |||
atha ya imāḥ parā sampadyamānā evopāste paraiva sampadyate sarvamāyureti vasīyān bhavati ||<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Wer diese jedoch als in das Höchste eingehend verehrt, geht selbst in das Höchste ein, erreicht seine ganze Lebensdauer und wird besser gestellt.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''atha'' – aber, sodann; ''yaḥ'' – wer; ''imāḥ'' – diese; ''parā'' – in das Höchste, hinüber; ''sampadyamānāḥ'' – eingehende, dazu werdende; ''eva'' – eben; ''upāste'' – verehrt; ''parā'' – in das Höchste, hinüber; ''eva'' – eben; ''sampadyate'' – geht ein, wird dazu; ''sarvam'' – die ganze; ''āyuḥ'' – Lebensdauer; ''eti'' – erreicht; ''vasīyān'' – besser, begünstigter; ''bhavati'' – wird. | |||
'''9.1 – Die Frage nach dem Unbeschränkten'''<br> | |||
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tam'' – ihn; ''itaraḥ'' – der andere; ''papraccha'' – fragte, Perfekt von √prach; ''katamat'' – welches, was von den Möglichkeiten; ''tvam'' – du; ''anārtam'' – unversehrt, unbedrängt, frei von Beschränkung; a-, nicht, und ārta, betroffen oder leidend; ''manyase'' – du meinst, hältst für; ''iti'' – Ende der Frage. | |||
'''9.2 – Erkenntnis und Verneinung'''<br> | |||
mahāvijñānamiva pratipadenādhyavasāyamiva yatraitaditthetthetyabhipaśyati | atha neti netyetaditthettheti |<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Es ist gleichsam umfassende Erkenntnis und ein Feststellen bei jedem einzelnen Schritt beziehungsweise Wort, wo man dies als ‚so und so‘ betrachtet. Und dann: ‚Nicht so, nicht so‘ – gegenüber jedem ‚so und so‘.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''mahā-vijñānam'' – große, umfassende Erkenntnis; mahā, groß, und vijñāna, Erkenntnis; ''iva'' – gleichsam; ''pratipadena'' – mit jedem einzelnen Wort beziehungsweise Schritt; Instrumental von pratipada; ''adhyavasāyam'' – Feststellung, Bestimmung, entschiedenes Erfassen; ''iva'' – gleichsam; ''yatra'' – wo, worin; ''etat'' – dieses; ''ittham itthā'' – so und so; ''iti'' – als so bezeichnet; ''abhipaśyati'' – betrachtet, erkennt; ''atha'' – darauf, dann; ''na'' – nicht; ''iti'' – so; ''na'' – nicht; ''iti'' – so; ''etat'' – dieses; ''ittham itthā'' – so und so; ''iti'' – als so bezeichnet. | |||
'''Erläuterung:''' Die Stelle verbindet Erkenntnis mit der Formel [[Neti Neti]]. Die Negation begrenzt jede bestimmte Beschreibung. Sie muss nicht als Behauptung verstanden werden, es gebe überhaupt kein Selbst. Der nachfolgende Satz benennt den Atman ausdrücklich. | |||
'''9.3 – Der unbegrenzte Atman'''<br> | |||
sa vā ayamātmā ananto’jaro’pāro na vā are bāhyo nāntaraḥ sarvavidbhārūpo vighasaḥ prasaraṇo’ntarjyotirviśvabhuk sarvasya vaśī sarvasyeśānaḥ sarvamabhikṣipanna tamaśnoti kaścana ||<br> | |||
'''Übersetzung:''' „Dieses Selbst ist ohne Ende, ohne Alter und ohne jenseitige Grenze. Es ist, mein Lieber, weder außen noch innen; es kennt alles, hat Licht zur Gestalt, ist vighasa [Bedeutung hier unsicher], breitet sich aus, trägt Licht in sich und umfasst alles als Genießender. Es ist Herr über alles, gebietet über alles und überragt alles. Niemand erreicht es.“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''saḥ'' – jenes, dieses; ''vai'' – fürwahr; ''ayam'' – dieses; ''ātmā'' – Selbst, Atman; ''anantaḥ'' – ohne Ende; an-, nicht, und anta, Ende; ''ajaraḥ'' – nicht alternd; ''apāraḥ'' – ohne jenseitiges Ufer, grenzenlos; ''na'' – nicht; ''vai'' – fürwahr; ''are'' – o du, mein Lieber, Anredepartikel; ''bāhyaḥ'' – äußerlich, draußen; ''na'' – nicht; ''antaraḥ'' – innerlich, innen; ''sarva-vit'' – alles kennend; sarva, alles, und vit, wissend; ''bhā-rūpaḥ'' – Licht als Gestalt habend; bhā, Licht, und rūpa, Gestalt; ''vighasaḥ'' – gewöhnlich Speiserest oder Übriggebliebenes; die Bedeutung als Atman-Bezeichnung ist hier ungesichert; ''prasaraṇaḥ'' – sich ausbreitend, hervorströmend; ''antar-jyotiḥ'' – inneres Licht habend, im Inneren Licht; antar, innen, und jyotis, Licht; ''viśva-bhuk'' – alles genießend, alles verzehrend; viśva, alles, und bhuj, genießen; ''sarvasya'' – über alles, Genitiv; ''vaśī'' – Beherrscher, Herr; ''sarvasya'' – über alles, Genitiv; ''īśānaḥ'' – Gebieter, Herrscher; ''sarvam'' – alles; ''abhikṣipan'' – überragend, überwältigend, zurückweisend; Partizip zu abhi-√kṣip; ''na'' – nicht; ''tam'' – ihn, es; ''aśnoti'' – erreicht; ''kaścana'' – irgendjemand; mit na: niemand. | |||
'''Erläuterung:''' Vighasa wird nicht stillschweigend in ein anderes Wort umgeändert. „Niemand erreicht es“ steht im Spannungsverhältnis zu den zuvor genannten Früchten der Verehrung: Der höchste Grund lässt sich nicht wie ein einzelner Gegenstand ergreifen. | |||
'''Vers 1 – Agni Vaishvanara'''<br> | |||
parovarīyāṃsamabhipraṇutyamantarjuṣāṇaṃ bhuvanāni viśvā |<br> | |||
yamaśnavanna kuśikāso agniṃ vaiśvānaramṛtajātaṃ gamadhyayī || 1 ||<br> | |||
'''Übersetzung:''' Den immer Höheren, zu Preisenden, der im Inneren alle Welten bewohnt; Agni Vaishvanara, aus der kosmischen Ordnung geboren, den die Kushikas nicht erreichten, [sucht man] aufzusuchen [Schlussform beschädigt]. | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''paro-varīyāṃsam'' – immer höheren, den anderen überlegenen; Steigerungsbildung, Akkusativ; ''abhipraṇutyam'' – zu Preisenden, zu Verehrenden; ''antaḥ'' – im Inneren; ''juṣāṇam'' – bewohnend, liebend annehmend, genießend, Partizip Akkusativ; ''bhuvanāni'' – Welten; ''viśvā'' – alle, vedische Pluralform; ''yam'' – den, welchen; ''aśnavan'' – sie erreichten; ''na'' – nicht; ''kuśikāsaḥ'' – Kushikas, Nachkommen Kushikas, vedischer Nominativ Plural; ''agnim'' – Agni, Feuer, Akkusativ; ''vaiśvānaram'' – Vaishvanara, zu allen Menschen gehörig, allmenschlich; ''ṛta-jātam'' – aus Ṛta geboren; ṛta, kosmische Ordnung, und jāta, geboren; ''gamadhyayī'' – beschädigte oder überformte Schlussform; sie erinnert an den vedischen Infinitiv gamadhyai, zu gehen oder zu erreichen. | |||
'''Erläuterung:''' Die überlieferte Negation na bleibt erhalten. Die Schlussform gamadhyayī ergibt keinen durchgehend sicheren Satzanschluss. Die drei Strophen werden nach der Druckzählung getrennt wiedergegeben; die Übersetzung ergänzt keinen ungedruckten Hauptsatz als gesicherten Wortlaut. | |||
'''Vers 2 – Indra wird angerufen'''<br> | |||
bharebhareṣu tamupahvayāma prasāsahiṃ yudhyamindraṃ vareṇyam |<br> | |||
satrāsā [ha] mavase janānāṃ puruhūtamṛgmiṇaṃ viśvavedasam || 2 ||<br> | |||
'''Übersetzung:''' In den immer neuen Kämpfen rufen wir ihn an: den siegreich Überwältigenden, den kampfbereiten, erwählenswerten Indra, den Bezwinger zum Beistand der Menschen, den Vielgerufenen, mit Hymnen Verbundenen, Allwissenden. | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''bhare-bhareṣu'' – in jedem Kampf, bei den wiederkehrenden Auseinandersetzungen; wiederholtes bhara mit auffälliger Flexion; ''tam'' – ihn; ''upahvayāma'' – wir rufen an, möge unsere Anrufung ihm gelten; überlieferte erste Person Plural; ''prasāsahim'' – übermächtig siegend, bezwingend, Akkusativ einer intensiven Bildung zu √sah; ''yudhyam'' – kämpferischen, zum Kampf geeigneten; ''indram'' – Indra; ''vareṇyam'' – zu erwählenden, vorzüglichen; ''satrāsā[ha]m'' – gänzlich Bezwingenden; die Silbe ha steht in der Druckausgabe als Ergänzung in Klammern; ''avase'' – zum Beistand, zur Hilfe, Dativ; ''janānām'' – der Menschen; ''puru-hūtam'' – den Vielgerufenen; puru, viel, und hūta, gerufen; ''ṛgmiṇam'' – mit Rigversen oder Hymnen versehenen; Bildung zu ṛc; ''viśva-vedasam'' – den alles Wissenden; viśva, alles, und vedas, Wissen. | |||
'''Erläuterung:''' Der Druck trennt satrāsā [ha] m ungewöhnlich. Die eckigen Klammern bleiben erhalten, weil sie eine editorische Ergänzung anzeigen. Die Worterklärung nennt die zusammenhängend verstandene Akkusativform. | |||
'''Vers 3 – Der Schlangentöter im Meer'''<br> | |||
ahighnaṃ tamarṇave śayānaṃ vāvṛhāṇaṃ tavasā pareṇa || 3 ||<br> | |||
'''Übersetzung:''' Ihn, den Schlangentöter, der im wogenden Meer liegt und durch höchste Kraft angewachsen ist. | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''ahi-ghnam'' – den Schlangentöter; ahi, Schlange, und ghna, tötend, vernichtend; ''tam'' – ihn; ''arṇave'' – im wogenden Meer, Lokativ; ''śayānam'' – liegend, ruhend, Partizip Akkusativ; ''vāvṛhāṇam'' – angewachsen, erstarkt; überlieferte Partizipialform zu √vṛh beziehungsweise √vṛdh; ''tavasā'' – durch Kraft, mit Macht, Instrumental; ''pareṇa'' – durch höchste, überlegene, Instrumental. | |||
'''Erläuterung:''' Die Vorlage zählt diese zwei Versfüße als eigene dritte Einheit. Die Akkusative schließen an die Anrufung des vorherigen Verses an; deshalb steht im Deutschen kein frei erfundenes neues finites Verb. | |||
'''10.1 – Einsicht und Verneigung'''<br> | |||
tadu ha pratipedire | te vābhivādyaivopasamīyuḥ | namo’gnaye | nama indrāya | namaḥ prajāpataye | namo brahmaṇe | namo brahmaṇe ||<br> | |||
'''Übersetzung:''' Dies erkannten sie. Nach ehrerbietiger Begrüßung kamen sie zusammen: „Verneigung vor Agni! Verneigung vor Indra! Verneigung vor Prajapati! Verneigung vor Brahman! Verneigung vor Brahman!“ | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''tat'' – das, dies; ''u'' – weiterführende Partikel; ''ha'' – erzählende Partikel; ''pratipedire'' – erkannten, nahmen an, gelangten zur Einsicht, Perfekt Medium; ''te'' – sie; ''vai'' – fürwahr; vor abhivādya zu vā verkürzt; ''abhivādya'' – begrüßt, ehrerbietig angesprochen habend; ''eva'' – eben; ''upasamīyuḥ'' – kamen zusammen, näherten sich; ''namaḥ'' – Verneigung, Ehrerbietung; ''agnaye'' – Agni, Dativ; ''namaḥ'' – Verneigung; ''indrāya'' – Indra, Dativ; ''namaḥ'' – Verneigung; ''prajāpataye'' – Prajapati, dem Herrn der Geschöpfe, Dativ; ''namaḥ'' – Verneigung; ''brahmaṇe'' – Brahman, dem heiligen Grund; im Kontext auch auf Brahma beziehbar, Dativ; ''namaḥ'' – Verneigung, Wiederholung; ''brahmaṇe'' – Brahman, Wiederholung des Dativs. | |||
'''Kolophon – Schlussformel'''<br> | |||
ityārṣeyopaniṣat samāptā |<br> | |||
'''Übersetzung:''' Damit ist die Arsheya Upanishad beendet. | |||
'''Wort-für-Wort-Erläuterung:''' ''iti'' – so, damit; ''ārṣeya-upaniṣat'' – die Upanishad der Rishis, die Arsheya Upanishad; ''samāptā'' – beendet, abgeschlossen. | |||
==Datierung und Überlieferung== | |||
'''Ein altes Thema ist noch kein gesichertes Datum''' | |||
Die Arsheya Upanishad behandelt Themen, die aus den klassischen Upanishaden bekannt sind: die Suche nach [[Brahman]], die Betrachtung der Natur als Erscheinung eines höheren Grundes und die Unterscheidung zwischen diesem Grund und einer einzelnen Gestalt. Ihr genaues Entstehungsdatum ist trotzdem nicht gesichert. Der Name eines alten Rishi in einem Dialog datiert nicht automatisch die Niederschrift des Dialogs. Ebenso kann eine spätere Schrift ältere sprachliche und gedankliche Formen aufnehmen. | |||
Die fünf Gesprächsteilnehmer werden als Autoritäten einer überlieferten Weisheit dargestellt. Der Text nennt keinen historisch nachweisbaren Verfasser und kein Abfassungsjahr. Für die Beurteilung seines Alters sind deshalb Sprachform, Textparallelen und Handschriftenüberlieferung heranzuziehen. Gerade die Sprachform ist schwierig: Neben vedisch wirkenden Wendungen stehen unregelmäßige Formen und offenbar beschädigte Sätze. Aus ihnen lässt sich ohne weitere textkritische Arbeit keine präzise Jahrhundertangabe gewinnen. | |||
'''Schraders Einschätzung von 1908''' | |||
Friedrich Otto Schrader nennt die Arsheya im Vorwort seines Handschriftenkatalogs von 1908 zusammen mit Chhagaleya und Shaunaka. Er erklärt, dass diese Schriften aus dem ''Oupnek’hat'' bereits bekannt waren, während ihre Sanskritoriginale zuvor gefehlt hatten. Zugleich hebt er den schlechten Zustand ihrer Sanskritüberlieferung hervor. Er ordnet die drei Texte dem Ende der ersten upanishadischen Prosaperiode zu. Diese relative Einordnung ist eine historische Forschungsposition, kein Beweis für ein bestimmtes Abfassungsjahr. [https://archive.org/details/descriptivecatal01adyauoft Schrader, Katalog von 1908, Vorwort S. V] | |||
Es wäre daher ungenau, die Arsheya als einen erst 1908 entstandenen oder erstmals überhaupt bekannt gewordenen Text zu beschreiben. Das Neue betraf den Zugang zur Sanskritfassung. Ebenso ungenau wäre die Behauptung, der Katalog liefere bereits eine vollständig gesicherte kritische Textrekonstruktion. | |||
'''Belvalkars erste vorläufige Sanskritedition von 1925''' | |||
S. K. Belvalkar veröffentlichte 1925 die Arsheya zusammen mit der Bashkala-Mantra-, Chhagaleya- und Shaunaka-Upanishad in ''Four Unpublished Upaniṣadic Texts''. Schon der Untertitel bezeichnet die Texte ausdrücklich als „tentatively edited and translated“: als erstmals vorläufig edierte und übersetzte Sanskrittexte. Für die Überlieferungsgeschichte ist 1925 deshalb das entscheidende Jahr der ersten gedruckten Sanskritedition; 1908 bezeichnet den vorausgehenden Handschriftenkatalog, 1933 die hier als Textgrundlage benutzte Adyar-Sammlung. | |||
'''Arsheya als Ark’hi im Oupnek’hat''' | |||
[[Paul Deussen]] behandelte die Schrift unter dem überlieferten Namen ''Ark’hi'' im Anhang seiner ''Sechzig Upanishad’s des Veda'', S. 853–855. Seine damalige Übersetzung beruhte auf der persisch-lateinischen Überlieferung, nicht auf den später gedruckten Sanskritseiten. Bereits diese Fassung zeigt das Gespräch der fünf Weisen. Deussen erkannte Beziehungen zu älteren upanishadischen Motiven und beschrieb das Werk als deren Nachklang. Seine Erläuterungen gehören zur Rezeptionsgeschichte; eine Übereinstimmung im allgemeinen Sinn garantiert noch keine Wortgleichheit mit der Sanskritfassung von 1933. | |||
Auch die Zuordnung zu einem der vier Veden ist quellenbezogen zu betrachten. In der älteren Oupnek’hat-Zuordnung wird ''Ark’hi'' dem Atharvaveda zugerechnet. Die bloße Nennung rigvedischer Rishis macht den erhaltenen Dialog nicht automatisch zum fest lokalisierbaren Kapitel einer Rigveda-Rezension. | |||
'''Der benutzte Sanskritdruck''' | |||
Die Ausgabe ''Aprakāśitā Upaniṣadaḥ'' von 1933 enthält den Text auf drei Seiten. Ihr Herausgeber weist im Vorwort ausdrücklich darauf hin, dass die Sammlung keine kritische Edition beansprucht und dass manche der aufgenommenen Texte in stark beschädigter Form vorliegen. Die Arsheya enthält dafür zahlreiche Beispiele. Bei ''idapa'' bleibt schon die Wortidentifikation offen; bei manchen Sätzen stimmen die Personen oder Zahlen der Verben nicht mit den erwarteten Subjekten überein. [https://archive.org/details/Aprakashita.Upanishad Ausgabe von 1933, Vorwort und S. 7–9] | |||
Eine verantwortliche Darstellung muss diese Probleme bewahren. Sie kann den erhaltenen Wortlaut wiedergeben, erkennbare Wortbestandteile erklären und eine vorsichtige Sinnannäherung anbieten. Wo der Wortlaut diese Annäherung nicht sicher trägt, muss dies am betreffenden Abschnitt erkennbar bleiben. Gerade die abschließende Formel „nicht so, nicht so“ berechtigt nicht dazu, jede unverständliche Textstelle beliebig philosophisch auszudeuten. | |||
==Inhalt und Gedankengang== | |||
'''Vishvamitra: das nicht zu bearbeitende Zwischenreich''' | |||
Vishvamitra beginnt mit einer Wirklichkeit zwischen Himmel und Erde. Sie scheint alles zu durchdringen und entzieht sich der gewöhnlichen Verfügung. Eine lange Reihe von Werkzeugen und Tätigkeiten macht dies anschaulich: Feuer, Wasser, Riemen, Seile, Hämmer, Nadeln, Pflöcke, Lehm, Beile und Pflugscharen vermögen sie nicht wie einen festen Gegenstand zu bearbeiten. Der Schlusssatz betont, dass man weder über sie herrschen noch über sie hinausgehen kann. | |||
Jamadagni widerspricht. Das so Beschriebene ist ''antarikṣa'', das Zwischenreich. Es steht in einer Beziehung zu Himmel und Erde und ist deshalb noch nicht das schlechthin Unbeschränkte. Dennoch kann es als Erscheinung der Größe des Höchsten betrachtet werden. Damit führt der Dialog eine Unterscheidung ein, die in den folgenden Antworten wiederkehrt: Ein Bereich der Welt kann auf Brahman verweisen, ohne mit einer erschöpfenden Bestimmung Brahmans gleichgesetzt zu werden. | |||
'''Jamadagni: der Raum ohne Ansatzpunkt''' | |||
Auf die Frage nach dem Unbeschränkten verweist Jamadagni auf etwas, an dem man nicht ansetzen, das man nicht erreichen oder vollständig benennen kann. Die Welt-Eier erscheinen darin, ohne ihren Halt zu verlieren. Verschiedene Menschen benennen es verschieden: als Dunkelheit, Licht, freien Raum, höchsten Himmel oder Selbst. Ein weiteres, im Druck als ''idapa'' erscheinendes Glied bleibt unverständlich. | |||
Diese Vielfalt der Bezeichnungen ist nicht einfach ein Wörterbuch austauschbarer Begriffe. Sie zeigt auch die Schwierigkeit, den gemeinten Grund in einer einzelnen Bestimmung festzuhalten. Bharadvaja hält die vorgelegte Erkenntnis wiederum für nicht ausreichend. Der Dialog fordert dadurch zur Prüfung auf, was eine Benennung tatsächlich erklärt. | |||
'''Bharadvaja: das Licht der Sonnenscheibe''' | |||
Bharadvaja richtet die Betrachtung auf das leuchtende Prinzip in der Sonnenscheibe. Eine Folge intensiver Verbalformen schildert Drehen, Strahlen, Flammen, Glänzen und Züngeln. Das Licht scheint sich einem Zugriff zu entziehen: In der Nähe ist es fern, aus der Ferne scheint es nahe. Die Beschreibung macht das Licht zu einem Gegenstand der Kontemplation, den gewöhnliche räumliche Annäherung nicht erschöpft. | |||
Gautama hält auch diese Bestimmung für begrenzt. Er verweist auf den goldenen [[Purusha]] im Inneren. Die Merkmale – Goldfarbe, goldener Bart und Leuchten bis zu den Nagelspitzen – erinnern an die [[Chhandogya Upanishad]] 1.6.6. Dabei bleibt entscheidend, wie dieser Purusha zum Höchsten verstanden wird. Der Text unterscheidet ein angebliches Hinausragen über das Höchste von einem Aufgehen in dessen Abhängigkeit. | |||
'''Gautama und Vasishtha: die flüchtigen Lichterscheinungen''' | |||
Die nächste Bestimmung nennt aufzuckende und sich bewegende Erscheinungen, die nächst und fern zugleich scheinen. Kein beschreibender Ausdruck soll sie bereits vollständig erfassen. Vasishtha wendet ein, dass auch solche Erscheinungen auftreten und vergehen. Ihre Betrachtung führt nur dann weiter, wenn sie als Entfaltungen der Größe und als in den höchsten Grund eingehend verstanden werden. | |||
Die Abschnitte enthalten auffällige und teilweise beschädigte Sanskritformen. Ihr wiederholtes Grundmuster ist dennoch deutlich: Die bloße Wahrnehmung einer Erscheinung wird von der Erkenntnis ihres Zusammenhangs unterschieden. Der Artikel gibt deshalb sowohl die einzelnen Aussagen als auch ihre sprachlichen Unsicherheiten wieder. | |||
'''Vasishtha: Neti Neti und der Atman''' | |||
Vasishthas letzte Antwort verbindet umfassende Erkenntnis mit der Verneinung jeder festgelegten Bestimmung. Auf „so und so“ folgt „nicht so, nicht so“. Anschließend wird der Atman als endlos, alterslos und grenzenlos bezeichnet. Er ist weder lediglich außen noch lediglich innen. Er kennt alles, wird mit Licht verbunden und als Herr aller Dinge beschrieben. | |||
Die abschließenden Verse rufen Agni Vaishvanara und Indra an. Sie beenden die philosophische Untersuchung in der Sprache von Lob und Verehrung. Die Unterscheidung zwischen höchstem Grund und einzelnen Erscheinungen führt somit nicht zum vollständigen Verstummen religiöser Sprache. Sie verändert vielmehr den Anspruch, mit dem solche Sprache gebraucht wird. | |||
==Bedeutung der Arsheya Upanishad== | |||
'''Jede Antwort wird einer Prüfung ausgesetzt''' | |||
Der Dialog zeigt, wie eine bedeutende religiöse Vorstellung zu einer vorläufigen Antwort werden kann. Raum und Licht sind keine beliebigen Irrtümer; sie erschließen bestimmte Züge des Gesuchten. Doch jede Antwort wird daraufhin geprüft, ob sie noch von Bedingungen abhängt. Das macht den Text für [[Jnana Yoga]] und [[Viveka]], die unterscheidende Untersuchung, interessant. | |||
Die wiederkehrende Frage nach ''anārta'' kann wörtlich als Frage nach dem Unbedrängten oder Unversehrten verstanden werden. In diesem Gespräch zielt sie auf das, was nicht von einer äußeren Bedingung begrenzt wird. Die deutsche Wiedergabe „unbeschränkt“ erklärt diesen Zusammenhang, ohne den ursprünglichen Wortbereich von Leid und Betroffenheit zu leugnen. | |||
'''Upasana setzt Verständnis voraus''' | |||
Mehrfach unterscheidet der Text zwischen wissender und unwissender [[Upasana]]. Entscheidend ist nicht allein, dass verehrt wird, sondern wie der Gegenstand der Verehrung verstanden wird. Eine Erscheinung als selbstständiges Letztes zu behandeln, ist etwas anderes, als in ihr die Entfaltung eines umfassenderen Grundes zu erkennen. | |||
Die ausgesagten Früchte – volles Leben, Gedeihen, Anteil am Licht – gehören zur religiösen Sprache der Upanishad. Für ihre Auslegung ist zuerst zu fragen, welche innere Haltung mit ihnen verbunden wird. Sie sind keine empirische Zusicherung, dass jede Person durch eine bestimmte Vorstellung länger leben müsse. | |||
'''Die Grenzen des Begriffs''' | |||
[[Neti Neti]] korrigiert den Versuch, den Atman durch eine endliche Beschreibung ganz festzulegen. Der Text bietet anschließend selbst weitere Beschreibungen. Diese Spannung ist aufschlussreich: Sprache bleibt nötig, wird aber nicht mit dem unbegrenzten Gegenstand gleichgesetzt. Die Attribute weisen auf den Atman hin; sie machen ihn nicht zu einem gewöhnlichen, abgrenzbaren Objekt. | |||
Der Dialog darf daher weder auf „Alles ist Licht“ noch auf „Man kann überhaupt nichts erkennen“ verkürzt werden. Er untersucht verschiedene Erkenntnisweisen und unterscheidet ihren Geltungsbereich. Gerade die wiederholten Einwände geben dem Gespräch seine philosophische Gestalt. | |||
==Bedeutung heute== | |||
'''Die eigene Lieblingsvorstellung prüfen''' | |||
Für heutige Leser kann der Dialog dazu anregen, auch eine geschätzte Vorstellung überprüfbar zu halten. Wer das Göttliche vor allem als Licht, Raum oder inneren Zeugen denkt, kann fragen, was damit verständlich wird und welche Fragen offenbleiben. Das bedeutet eine Vertiefung der [[Sadhana]], wenn die Frage ernsthaft aus der eigenen Erfahrung gestellt wird. | |||
'''Studium und Meditation verbinden''' | |||
Die Schrift eignet sich für ein langsames Studium einzelner Redeabschnitte. Nach dem Lesen kann man die betreffende Vorstellung betrachten und dann den folgenden Einwand hinzunehmen. Die Bewegung von Aussage zu Prüfung ist bereits ein Teil des Textes. Die drei Schlussverse können zusätzlich als Ausdruck einer verehrenden Haltung gelesen werden. Eine festgelegte Rezitationsmelodie oder ein bestimmtes Atemschema lehrt der erhaltene Text nicht. | |||
'''Bescheidenheit im Erkennen''' | |||
Keiner der im Dialog ausgesprochenen Rang- oder Wissensansprüche beendet die Untersuchung sofort. Das kann anregen, in spirituellen Gesprächen sorgfältig zuzuhören und eine Gegenfrage nicht als persönlichen Angriff zu behandeln. Zugleich verlangt der schlechte Textzustand intellektuelle Ehrlichkeit. An manchen Stellen ist ein offenes „noch nicht sicher verstanden“ genauer als eine glatte Erklärung. Diese Haltung passt zu [[Satya]], Wahrhaftigkeit, und unterstützt ein gründliches [[Svadhyaya]]. | |||
==Vollständiger erhaltener Text auf Devanagari== | |||
'''१.१'''<br> | |||
ॐ ऋषयो वै ब्रह्मोद्यमाह्वयितवा ऊचुः परस्परमिवानुब्रुवाणाः ।<br> | |||
'''१.२'''<br> | |||
तेषां विश्वामित्रो विजितीयमिव मन्यमान उवाच ।<br> | |||
'''१.३'''<br> | |||
यदेतदन्तरे द्यावापृथिवी अनश्नुवदिव सर्वमश्नवद्यदिदमाकाशमिवेतश्चेतश्च स्तनयन्ति विद्योतमाना इवावस्फूर्जयमाना इव तद्ब्रह्मेति ।<br> | |||
'''१.४'''<br> | |||
तस्योपव्याख्यानम् । यदिदमग्निभिर्ज्वलयन्ति पोप्लूययन्त्यद्भिरभिषीवयन्ति वद्ध्रीभिरभिग्रथ्नन्ति वरत्राभिरभिघ्नन्त्ययोघनैर्विध्यन्ति सूचीभिः निखानयन्ति शङ्कुभिरभितृन्दन्ति पड्वीशिकाभिरभिलिम्पन्ति मृत्स्नया तक्ष्णुवन्ति वासीभिः कृष्णन्ति फलिभिर्नहैव शक्नुवत इति<br> | |||
'''१.५'''<br> | |||
नास्येशीमहि नैनमतीयीमहि ॥<br> | |||
'''२.१'''<br> | |||
तदु ह जमदग्निर्नानुमेने आर्तमिव वा एष तन्मेने यदिदमन्तरेणैनदुपयन्ति पर्यास इवैष दिवस्पृथिव्योरिति ।<br> | |||
'''२.२'''<br> | |||
स होवाच अन्तरिक्षं वा एतद्यदिदमित्थेत्थोपव्याख्ये इति । महिमानं त्वमुष्येह पश्यामीति यदिदमस्मिन्नन्वायत्तमिति ।<br> | |||
'''२.३'''<br> | |||
स यदिदमेतस्मिन्नन्वायत्तं वेदाथ तथोपास्तेऽन्वायत्तो हैवास्मिन् भवति ।<br> | |||
'''२.४'''<br> | |||
तदेतदविद्वानेवास्मिन्नन्वायत्तमुपास्ते वीवपद्यत् आर्तिमृच्छेत् । तस्मादेवमेवोपासीत ॥<br> | |||
'''३.१'''<br> | |||
तम् इतरः पप्रच्छ । कतमत् त्वम् अनार्तं मन्यस इति ।<br> | |||
'''३.२'''<br> | |||
तं होवाच । यदिदमिति द्यावापृथिव्योरनारम्भमिव नोपयन्ति नाभिचक्षते नाश्नुवन्ति ।<br> | |||
'''३.३'''<br> | |||
तस्योपव्याख्यानम् । यदिदमितश्चेतश्चाण्डकोशा उदयन्ति नापद्यन्त इव न विस्रंसन्त इव न स्खलन्तीव न पर्यावर्तन्त इव ।<br> | |||
'''३.४'''<br> | |||
न ह वा एनत्केचिदुपधावन्तो विन्दन्ति नाभिपश्यन्ति ।<br> | |||
'''३.५'''<br> | |||
यदिदमेक इदप (?) एवाहुस्तम एके ज्योतिरेकेऽवकाशमेके परमं व्योमैक आत्मानमेक इति ॥<br> | |||
'''४.१'''<br> | |||
तदु ह भरद्वाजो नानुमेने । यदिह सर्वे वेत्थेत्थेति द्यूदिरे नास्य तद्रूपं पर्याप्तमिति ।<br> | |||
'''४.२'''<br> | |||
स होवाच । आर्तमिवेदं ते विज्ञानमपि स्विदेनद्रोदस्योरेव पर्यायेणोपवन्वीमहि यदिदमित्थेत्थोपव्याख्यास्याम इति ।<br> | |||
'''४.३'''<br> | |||
महिमानं त्वेवास्योपासे । यदिदमत्रान्वायत्तमिति ।<br> | |||
'''४.४'''<br> | |||
स यदिदमत्रान्वायत्तं वेदाथ तथैवोपास्तेऽत्रैवान्वायत्तो भवति ।<br> | |||
'''४.५'''<br> | |||
स य इहान्वायत्तमिदमविद्वानेवैतदुपास्ते पापीयान् भवत्यार्तिमार्च्छत्यवम्रियते यदेवमेतदन्वायत्तमुपास्ते सर्वमायुरेति वसीयान् भवति । स य एतदेनमुपास्ते ॥<br> | |||
'''५.१'''<br> | |||
तम् इतरः पप्रच्छ । कतमत् त्वम् अनार्तं मन्यस इति ।<br> | |||
'''५.२'''<br> | |||
स होवाच । यदेतस्मिन् मण्डलेऽर्चिर्दीप्यते बम्भ्रम्यमाणमिव चाकश्यमानमिव जाज्वल्यमानमिव देदीप्यमानमिव लेलिहानं तदेव मे ब्रह्म ।<br> | |||
'''५.३'''<br> | |||
तस्योपव्याख्यानं यदिदमद्धैव पराः परावतोऽभिपद्यन्ते सम्पन्नमेवैतत् सम्मितमेव यथोपयातमात्मैवाभिचक्षत इति ।<br> | |||
'''५.४'''<br> | |||
य एतदभिपद्येव गुह्णीयादथो विस्फुरन्तीव धावन्तीवोत्प्लवन्तीवोपश्लिप्यन्तीव न हैवाभिपद्यन्ते ।<br> | |||
'''५.५'''<br> | |||
तदिदमन्तिके दवीयो नेदीय इव दूरतो न वा अस्य महिमानं कश्चिदेतीति ॥<br> | |||
'''६.१'''<br> | |||
तदु ह न मेने गौतमो यदिदमार्तमिव स्तिमितमिव पर्यायेण पश्यन्तीवेमं मोघं संविदाना इति ।<br> | |||
'''६.२'''<br> | |||
य इमे पुण्ड्राः सुह्माः कुलुम्भा दरदा बर्बरा इति । न ह वा असंविदाना एव द्रागिवाभि तत्पद्यन्त इति ।<br> | |||
'''६.३'''<br> | |||
महिमानं त्वेवास्योपासे । य एतदस्मिन्नन्तरे हिरण्मयः पुरुषो हिरण्यवर्णो हिरण्यश्मश्रुरानखाग्रेभ्यो दीप्यमान इव ।<br> | |||
'''६.४'''<br> | |||
स य एवमेनमुपास्तेऽतीव सर्वभूतानि तिष्ठन्ति सर्वमायुरेति वसीयान् भवति ।<br> | |||
'''६.५'''<br> | |||
न ह वा एष परमतीवोदेति । यस्त्वेनं परमतीवोद्यन्तं पश्यन्नुपास्ते पापीयान् भवति वीवपद्यत आर्तिमृच्छति ।<br> | |||
'''६.६'''<br> | |||
यस्त्वेनं परमनूद्यन्तं वेदाथ तथोपास्ते परं ज्योतिरुपसम्पद्यते सर्वमायुरेति वसीयान् भवति । स य एवमेनमुपास्ते ॥<br> | |||
'''७.१'''<br> | |||
तम् इतरः पप्रच्छ । कतमत् त्वम् अनार्तं मन्यस इति ।<br> | |||
'''७.२'''<br> | |||
तं होवाच । विस्फुरन्तीरेवेमा लेलायन्तीरिव सञ्जिहाना इव नेदीयसितमा इव दवीयसितमा एव दवीयसितमा इव नेदीयसितमा एवेति ।<br> | |||
'''७.३'''<br> | |||
यदपि बहुधाचक्षीरन्न किञ्च प्रतिपद्यत इति तन्मे ब्रह्मेति ॥<br> | |||
'''८.१'''<br> | |||
तदु ह वसिष्ठो नानुमेने । यदिमा विस्फूर्जयत एवाभिपद्यन्ते वीवयन्ति मिथु चेति विचक्षतेऽकाण्ड इवेमा न ह वै परमित्था कश्चनाश्नोत्यसंविदान इव ।<br> | |||
'''८.२'''<br> | |||
अप ये संविद्रते तदेतदन्तर्विचक्षत इति । महिम्नः पश्येमा विजान इति ।<br> | |||
'''८.३'''<br> | |||
स य एवमिमा महिम्न एवास्य पश्यन्नुपास्ते महिम्न एवाश्नोति सर्वमायुरेति वसीयान् भवति ।<br> | |||
'''८.४'''<br> | |||
यस्त्विमा अवयतीरेवोपास्ते न परा सम्पद्यमाना नो एव परेति पापीयान् भवति वीवपद्यते प्रमीयते ।<br> | |||
'''८.५'''<br> | |||
अथ य इमाः परा सम्पद्यमाना एवोपास्ते परैव सम्पद्यते सर्वमायुरेति वसीयान् भवति ॥<br> | |||
'''९.१'''<br> | |||
तम् इतरः पप्रच्छ । कतमत् त्वम् अनार्तं मन्यस इति ।<br> | |||
'''९.२'''<br> | |||
महाविज्ञानमिव प्रतिपदेनाध्यवसायमिव यत्रैतदित्थेत्थेत्यभिपश्यति । अथ नेति नेत्येतदित्थेत्थेति ।<br> | |||
'''९.३'''<br> | |||
स वा अयमात्मा अनन्तोऽजरोऽपारो न वा अरे बाह्यो नान्तरः सर्वविद्भारूपो विघसः प्रसरणोऽन्तर्ज्योतिर्विश्वभुक् सर्वस्य वशी सर्वस्येशानः सर्वमभिक्षिपन्न तमश्नोति कश्चन ॥<br> | |||
'''Vers १'''<br> | |||
परोवरीयांसमभिप्रणुत्यमन्तर्जुषाणं भुवनानि विश्वा ।<br> | |||
यमश्नवन्न कुशिकासो अग्निं वैश्वानरमृतजातं गमध्ययी ॥ १ ॥<br> | |||
'''Vers २'''<br> | |||
भरेभरेषु तमुपह्वयाम प्रसासहिं युध्यमिन्द्रं वरेण्यम् ।<br> | |||
सत्रासा [ह] मवसे जनानां पुरुहूतमृग्मिणं विश्ववेदसम् ॥ २ ॥<br> | |||
'''Vers ३'''<br> | |||
अहिघ्नं तमर्णवे शयानं वावृहाणं तवसा परेण ॥ ३ ॥<br> | |||
'''१०.१'''<br> | |||
तदु ह प्रतिपेदिरे । ते वाभिवाद्यैवोपसमीयुः । नमोऽग्नये । नम इन्द्राय । नमः प्रजापतये । नमो ब्रह्मणे । नमो ब्रह्मणे ॥<br> | |||
'''Kolophon'''<br> | |||
इत्यार्षेयोपनिषत् समाप्ता ।<br> | |||
==Vollständiger erhaltener Text in IAST== | |||
'''1.1'''<br> | |||
oṃ ṛṣayo vai brahmodyamāhvayitavā ūcuḥ parasparamivānubruvāṇāḥ |<br> | |||
'''1.2'''<br> | |||
teṣāṃ viśvāmitro vijitīyamiva manyamāna uvāca |<br> | |||
'''1.3'''<br> | |||
yadetadantare dyāvāpṛthivī anaśnuvadiva sarvamaśnavadyadidamākāśamivetaścetaśca stanayanti vidyotamānā ivāvasphūrjayamānā iva tadbrahmeti |<br> | |||
'''1.4'''<br> | |||
tasyopavyākhyānam | yadidamagnibhirjvalayanti poplūyayantyadbhirabhiṣīvayanti vaddhrībhirabhigrathnanti varatrābhirabhighnantyayoghanairvidhyanti sūcībhiḥ nikhānayanti śaṅkubhirabhitṛndanti paḍvīśikābhirabhilimpanti mṛtsnayā takṣṇuvanti vāsībhiḥ kṛṣṇanti phalibhirnahaiva śaknuvata iti<br> | |||
'''1.5'''<br> | |||
nāsyeśīmahi nainamatīyīmahi ||<br> | |||
'''2.1'''<br> | |||
tadu ha jamadagnirnānumene ārtamiva vā eṣa tanmene yadidamantareṇainadupayanti paryāsa ivaiṣa divaspṛthivyoriti |<br> | |||
'''2.2'''<br> | |||
sa hovāca antarikṣaṃ vā etadyadidamitthetthopavyākhye iti | mahimānaṃ tvamuṣyeha paśyāmīti yadidamasminnanvāyattamiti |<br> | |||
'''2.3'''<br> | |||
sa yadidametasminnanvāyattaṃ vedātha tathopāste’nvāyatto haivāsmin bhavati |<br> | |||
'''2.4'''<br> | |||
tadetadavidvānevāsminnanvāyattamupāste vīvapadyat ārtimṛcchet | tasmādevamevopāsīta ||<br> | |||
'''3.1'''<br> | |||
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |<br> | |||
'''3.2'''<br> | |||
taṃ hovāca | yadidamiti dyāvāpṛthivyoranārambhamiva nopayanti nābhicakṣate nāśnuvanti |<br> | |||
'''3.3'''<br> | |||
tasyopavyākhyānam | yadidamitaścetaścāṇḍakośā udayanti nāpadyanta iva na visraṃsanta iva na skhalantīva na paryāvartanta iva |<br> | |||
'''3.4'''<br> | |||
na ha vā enatkecidupadhāvanto vindanti nābhipaśyanti |<br> | |||
'''3.5'''<br> | |||
yadidameka idapa (?) evāhustama eke jyotireke’vakāśameke paramaṃ vyomaika ātmānameka iti ||<br> | |||
'''4.1'''<br> | |||
tadu ha bharadvājo nānumene | yadiha sarve vetthettheti dyūdire nāsya tadrūpaṃ paryāptamiti |<br> | |||
'''4.2'''<br> | |||
sa hovāca | ārtamivedaṃ te vijñānamapi svidenadrodasyoreva paryāyeṇopavanvīmahi yadidamitthetthopavyākhyāsyāma iti |<br> | |||
'''4.3'''<br> | |||
mahimānaṃ tvevāsyopāse | yadidamatrānvāyattamiti |<br> | |||
'''4.4'''<br> | |||
sa yadidamatrānvāyattaṃ vedātha tathaivopāste’traivānvāyatto bhavati |<br> | |||
'''4.5'''<br> | |||
sa ya ihānvāyattamidamavidvānevaitadupāste pāpīyān bhavatyārtimārcchatyavamriyate yadevametadanvāyattamupāste sarvamāyureti vasīyān bhavati | sa ya etadenamupāste ||<br> | |||
'''5.1'''<br> | |||
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |<br> | |||
'''5.2'''<br> | |||
sa hovāca | yadetasmin maṇḍale’rcirdīpyate bambhramyamāṇamiva cākaśyamānamiva jājvalyamānamiva dedīpyamānamiva lelihānaṃ tadeva me brahma |<br> | |||
'''5.3'''<br> | |||
tasyopavyākhyānaṃ yadidamaddhaiva parāḥ parāvato’bhipadyante sampannamevaitat sammitameva yathopayātamātmaivābhicakṣata iti |<br> | |||
'''5.4'''<br> | |||
ya etadabhipadyeva guhṇīyādatho visphurantīva dhāvantīvotplavantīvopaślipyantīva na haivābhipadyante |<br> | |||
'''5.5'''<br> | |||
tadidamantike davīyo nedīya iva dūrato na vā asya mahimānaṃ kaścidetīti ||<br> | |||
'''6.1'''<br> | |||
tadu ha na mene gautamo yadidamārtamiva stimitamiva paryāyeṇa paśyantīvemaṃ moghaṃ saṃvidānā iti |<br> | |||
'''6.2'''<br> | |||
ya ime puṇḍrāḥ suhmāḥ kulumbhā daradā barbarā iti | na ha vā asaṃvidānā eva drāgivābhi tatpadyanta iti |<br> | |||
'''6.3'''<br> | |||
mahimānaṃ tvevāsyopāse | ya etadasminnantare hiraṇmayaḥ puruṣo hiraṇyavarṇo hiraṇyaśmaśrurānakhāgrebhyo dīpyamāna iva |<br> | |||
'''6.4'''<br> | |||
sa ya evamenamupāste’tīva sarvabhūtāni tiṣṭhanti sarvamāyureti vasīyān bhavati |<br> | |||
'''6.5'''<br> | |||
na ha vā eṣa paramatīvodeti | yastvenaṃ paramatīvodyantaṃ paśyannupāste pāpīyān bhavati vīvapadyata ārtimṛcchati |<br> | |||
'''6.6'''<br> | |||
yastvenaṃ paramanūdyantaṃ vedātha tathopāste paraṃ jyotirupasampadyate sarvamāyureti vasīyān bhavati | sa ya evamenamupāste ||<br> | |||
'''7.1'''<br> | |||
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |<br> | |||
'''7.2'''<br> | |||
taṃ hovāca | visphurantīrevemā lelāyantīriva sañjihānā iva nedīyasitamā iva davīyasitamā eva davīyasitamā iva nedīyasitamā eveti |<br> | |||
'''7.3'''<br> | |||
yadapi bahudhācakṣīranna kiñca pratipadyata iti tanme brahmeti ||<br> | |||
'''8.1'''<br> | |||
tadu ha vasiṣṭho nānumene | yadimā visphūrjayata evābhipadyante vīvayanti mithu ceti vicakṣate’kāṇḍa ivemā na ha vai paramitthā kaścanāśnotyasaṃvidāna iva |<br> | |||
'''8.2'''<br> | |||
apa ye saṃvidrate tadetadantarvicakṣata iti | mahimnaḥ paśyemā vijāna iti |<br> | |||
'''8.3'''<br> | |||
sa ya evamimā mahimna evāsya paśyannupāste mahimna evāśnoti sarvamāyureti vasīyān bhavati |<br> | |||
'''8.4'''<br> | |||
yastvimā avayatīrevopāste na parā sampadyamānā no eva pareti pāpīyān bhavati vīvapadyate pramīyate |<br> | |||
'''8.5'''<br> | |||
atha ya imāḥ parā sampadyamānā evopāste paraiva sampadyate sarvamāyureti vasīyān bhavati ||<br> | |||
'''9.1'''<br> | |||
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |<br> | |||
'''9.2'''<br> | |||
mahāvijñānamiva pratipadenādhyavasāyamiva yatraitaditthetthetyabhipaśyati | atha neti netyetaditthettheti |<br> | |||
'''9.3'''<br> | |||
sa vā ayamātmā ananto’jaro’pāro na vā are bāhyo nāntaraḥ sarvavidbhārūpo vighasaḥ prasaraṇo’ntarjyotirviśvabhuk sarvasya vaśī sarvasyeśānaḥ sarvamabhikṣipanna tamaśnoti kaścana ||<br> | |||
'''Vers 1'''<br> | |||
parovarīyāṃsamabhipraṇutyamantarjuṣāṇaṃ bhuvanāni viśvā |<br> | |||
yamaśnavanna kuśikāso agniṃ vaiśvānaramṛtajātaṃ gamadhyayī || 1 ||<br> | |||
'''Vers 2'''<br> | |||
bharebhareṣu tamupahvayāma prasāsahiṃ yudhyamindraṃ vareṇyam |<br> | |||
satrāsā [ha] mavase janānāṃ puruhūtamṛgmiṇaṃ viśvavedasam || 2 ||<br> | |||
'''Vers 3'''<br> | |||
ahighnaṃ tamarṇave śayānaṃ vāvṛhāṇaṃ tavasā pareṇa || 3 ||<br> | |||
'''10.1'''<br> | |||
tadu ha pratipedire | te vābhivādyaivopasamīyuḥ | namo’gnaye | nama indrāya | namaḥ prajāpataye | namo brahmaṇe | namo brahmaṇe ||<br> | |||
'''Kolophon'''<br> | |||
ityārṣeyopaniṣat samāptā |<br> | |||
==Vollständige deutsche Übersetzung des erhaltenen Textes== | |||
'''1.1'''<br> | |||
Om. Die Rishis sprachen, zu einem Gespräch über Brahman zusammengekommen [Verbform unsicher], gleichsam einander die Lehre vortragend.<br> | |||
'''1.2'''<br> | |||
Unter ihnen sprach Vishvamitra, gleichsam überzeugt, den Sieg [im Gespräch] erringen zu können:<br> | |||
'''1.3'''<br> | |||
„Was da zwischen Himmel und Erde ist, gleichsam nichts erreichend und doch alles durchdringend, was wie der Raum ist, in dem es hier und dort donnert, gleichsam aufleuchtet und krachend widerhallt [Satzfügung unsicher]: Das ist Brahman.“<br> | |||
'''1.4'''<br> | |||
„Dazu die Erklärung: Wenn man es mit Feuern verbrennen, mit Wassern fortspülen, mit Lederriemen zusammennähen, mit Seilen zusammenbinden, mit Eisenhämmern schlagen, mit Nadeln durchbohren, mit Pflöcken eingraben beziehungsweise festsetzen, mit spitzen Werkzeugen durchstechen, mit Lehm bestreichen, mit Beilen behauen und mit Pflugscharen bearbeiten will: Man vermag es eben nicht.“<br> | |||
'''1.5'''<br> | |||
„Wir können nicht über es verfügen; wir können es nicht überschreiten.“<br> | |||
'''2.1'''<br> | |||
Jamadagni stimmte dem nicht zu. Er hielt es vielmehr für etwas Beschränktes: „Man gelangt ja durch diesen Zwischenbereich hindurch; er bildet gleichsam den Bereich zwischen Himmel und Erde.“<br> | |||
'''2.2'''<br> | |||
Er sagte: „Es ist das Zwischenreich, was hier so und so erklärt wird. Ich sehe hier allerdings die Größe jenes [Höheren], insofern dieses von ihm abhängt.“<br> | |||
'''2.3'''<br> | |||
Wer weiß, dass dieses von jenem abhängt, und es dementsprechend verehrt, wird selbst an jenem Anteil haben beziehungsweise von ihm getragen sein.<br> | |||
'''2.4'''<br> | |||
Wer dieses in seiner Abhängigkeit verehrt, ohne es zu verstehen, würde scheitern und in Bedrängnis geraten. Darum soll man es eben in der zuvor erklärten Weise verehren.<br> | |||
'''3.1'''<br> | |||
Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“<br> | |||
'''3.2'''<br> | |||
Er sagte ihm: „Das, was zwischen Himmel und Erde gleichsam keinen Ansatzpunkt bietet: Man gelangt nicht daran, beschreibt es nicht und erreicht es nicht.“<br> | |||
'''3.3'''<br> | |||
„Dazu die Erklärung: Hier und dort steigen die Hüllen der Welt-Eier empor; gleichsam ohne zusammenzubrechen, auseinanderzufallen, abzugleiten oder umzukippen.“<br> | |||
'''3.4'''<br> | |||
„Niemand findet es durch Hinlaufen, niemand bekommt es zu Gesicht.“<br> | |||
'''3.5'''<br> | |||
„Was die einen idapa [unverständliche Lesung] nennen, nennen andere Dunkelheit, andere Licht, andere freien Raum, andere den höchsten Himmel, andere das Selbst.“<br> | |||
'''4.1'''<br> | |||
Bharadvaja stimmte dem nicht zu: „Dass hier alle es als dieses oder jenes erkennen und benennen [Verbform unsicher], reicht nicht aus, um seine Gestalt zu bestimmen.“<br> | |||
'''4.2'''<br> | |||
Er sagte: „Diese deine Erkenntnis scheint beschränkt. Vielleicht können wir dies nur im Wechselverhältnis von Himmel und Erde verehren, wenn wir es auf diese oder jene Weise erklären wollen.“<br> | |||
'''4.3'''<br> | |||
„Ich verehre allerdings seine Größe: dieses hier, insofern es von ihm abhängt.“<br> | |||
'''4.4'''<br> | |||
Wer weiß, dass dieses hier darin gegründet ist, und es dementsprechend verehrt, wird eben damit verbunden.<br> | |||
'''4.5'''<br> | |||
Wer dieses hier in seiner Abhängigkeit verehrt, ohne es zu erkennen, wird schlechter gestellt, gerät in Bedrängnis und stirbt dahin. Wer es dagegen in der erläuterten Weise als abhängig verehrt, erreicht die ganze Lebensdauer und wird besser gestellt – wer es so verehrt.<br> | |||
'''5.1'''<br> | |||
Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“<br> | |||
'''5.2'''<br> | |||
Er sagte: „Das Licht, das in dieser Scheibe leuchtet, sich gleichsam unaufhörlich dreht, strahlt, flammt und glänzt, mit leckenden Flammen: Eben das ist für mich Brahman.“<br> | |||
'''5.3'''<br> | |||
„Dazu die Erklärung: Dieses erreicht wirklich die fernsten Weiten. Als vollendet und genau bemessen erscheint es, wie es herantritt; man bezeichnet es als das Selbst [Satzbezüge unsicher].“<br> | |||
'''5.4'''<br> | |||
„Wer dies durch Annäherung ergreifen wollte: Es scheint aufzuflackern, davonzulaufen, emporzuspringen und zu entgleiten; man erreicht es gerade nicht.“<br> | |||
'''5.5'''<br> | |||
„In der Nähe ist dieses ferner; aus der Ferne scheint es näher. Niemand erreicht seine Größe.“<br> | |||
'''6.1'''<br> | |||
Gautama billigte dies nicht: „Dieses erscheint beschränkt, gleichsam stillgestellt. Wenn man es nur im Wechsel betrachtet und dabei meint, erkannt zu haben, bleibt das vergeblich [Satzfügung unsicher].“<br> | |||
'''6.2'''<br> | |||
„Diese Pundras, Suhmas, Kulumbhas, Daradas und Barbaras [werden als Beispiele genannt]: Ohne Erkenntnis gelangen sie nicht einfach augenblicklich daran.“<br> | |||
'''6.3'''<br> | |||
„Ich verehre vielmehr seine Größe: den goldenen Purusha in seinem Inneren, von goldener Farbe, mit goldenem Bart, gleichsam bis zu den Nagelspitzen leuchtend.“<br> | |||
'''6.4'''<br> | |||
„Wer ihn so verehrt, steht über allen Wesen [Verbform beschädigt], erreicht seine ganze Lebensdauer und wird besser gestellt.“<br> | |||
'''6.5'''<br> | |||
„Dieser erhebt sich nicht über das Höchste hinaus. Wer ihn aber als über das Höchste hinausgehend betrachtet und so verehrt, wird schlechter gestellt, scheitert und gerät in Bedrängnis.“<br> | |||
'''6.6'''<br> | |||
„Wer ihn dagegen als dem Höchsten folgend aufgehend erkennt und dementsprechend verehrt, gelangt zum höchsten Licht, erreicht seine ganze Lebensdauer und wird besser gestellt – wer ihn so verehrt.“<br> | |||
'''7.1'''<br> | |||
Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“<br> | |||
'''7.2'''<br> | |||
Er sagte ihm: „Diese aufzuckenden [Lichterscheinungen], gleichsam spielend und hervorbrechend, scheinen allernächst und sind doch allerfernst, scheinen allerfernst und sind doch allernächst.“<br> | |||
'''7.3'''<br> | |||
„Auch wenn man sie auf vielerlei Weise beschriebe, hätte man damit noch nichts erfasst. Das ist für mich Brahman.“<br> | |||
'''8.1'''<br> | |||
Vasishtha stimmte dem nicht zu: „Man trifft diese donnernd oder krachend hervorbrechenden [Erscheinungen] an; sie vergehen [Wortform unsicher], und man bezeichnet sie als vergeblich beziehungsweise falsch. Sie erscheinen unvermittelt. Ohne Erkenntnis erreicht niemand auf diese Weise das Höchste.“<br> | |||
'''8.2'''<br> | |||
„Die aber Erkenntnis besitzen [Anfang beschädigt], erklären dieses im Inneren. Sieh diese [Erscheinungen] als Entfaltungen der Größe und erkenne!“<br> | |||
'''8.3'''<br> | |||
„Wer diese auf solche Weise als Entfaltungen seiner Größe betrachtet und verehrt, erreicht eben diese Größe, seine ganze Lebensdauer und ein besseres Gedeihen.“<br> | |||
'''8.4'''<br> | |||
„Wer diese dagegen nur als vergehend verehrt, ohne sie als in das Höchste eingehend zu verstehen, gelangt nicht zum Höchsten; er wird schlechter gestellt, scheitert und stirbt.“<br> | |||
'''8.5'''<br> | |||
„Wer diese jedoch als in das Höchste eingehend verehrt, geht selbst in das Höchste ein, erreicht seine ganze Lebensdauer und wird besser gestellt.“<br> | |||
'''9.1'''<br> | |||
Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“<br> | |||
'''9.2'''<br> | |||
„Es ist gleichsam umfassende Erkenntnis und ein Feststellen bei jedem einzelnen Schritt beziehungsweise Wort, wo man dies als ‚so und so‘ betrachtet. Und dann: ‚Nicht so, nicht so‘ – gegenüber jedem ‚so und so‘.“<br> | |||
'''9.3'''<br> | |||
„Dieses Selbst ist ohne Ende, ohne Alter und ohne jenseitige Grenze. Es ist, mein Lieber, weder außen noch innen; es kennt alles, hat Licht zur Gestalt, ist vighasa [Bedeutung hier unsicher], breitet sich aus, trägt Licht in sich und umfasst alles als Genießender. Es ist Herr über alles, gebietet über alles und überragt alles. Niemand erreicht es.“<br> | |||
'''Vers 1'''<br> | |||
Den immer Höheren, zu Preisenden, der im Inneren alle Welten bewohnt; Agni Vaishvanara, aus der kosmischen Ordnung geboren, den die Kushikas nicht erreichten, [sucht man] aufzusuchen [Schlussform beschädigt].<br> | |||
'''Vers 2'''<br> | |||
In den immer neuen Kämpfen rufen wir ihn an: den siegreich Überwältigenden, den kampfbereiten, erwählenswerten Indra, den Bezwinger zum Beistand der Menschen, den Vielgerufenen, mit Hymnen Verbundenen, Allwissenden.<br> | |||
'''Vers 3'''<br> | |||
Ihn, den Schlangentöter, der im wogenden Meer liegt und durch höchste Kraft angewachsen ist.<br> | |||
'''10.1'''<br> | |||
Dies erkannten sie. Nach ehrerbietiger Begrüßung kamen sie zusammen: „Verneigung vor Agni! Verneigung vor Indra! Verneigung vor Prajapati! Verneigung vor Brahman! Verneigung vor Brahman!“<br> | |||
'''Kolophon'''<br> | |||
Damit ist die Arsheya Upanishad beendet.<br> | |||
==Fünf Empfehlungen für ernsthafte spirituelle Aspiranten== | |||
* '''Stelle die wiederkehrende Frage.''' Prüfe, ob das, was du für das Höchste hältst, noch räumlich, zeitlich oder durch eine bestimmte Erscheinung begrenzt ist. | |||
* '''Verbinde Upasana mit Verständnis.''' Betrachte das Verhältnis zwischen einer verehrten Gestalt und dem Grund, auf den sie verweist. Der Text unterscheidet diese Ebenen ausdrücklich. | |||
* '''Übe Neti Neti sorgfältig.''' Nutze „nicht so, nicht so“, um vorschnelle Festlegungen zu prüfen. Verbinde die Negation mit einer offenen Untersuchung des [[Atman]]. | |||
* '''Lies das Gespräch in kleinen Einheiten.''' Nimm auch die Einwände wahr, statt nur einen passenden Satz herauszugreifen. Beachte bei schwierigen Wörtern die ausgewiesenen Grenzen der Übertragung. | |||
* '''Bewahre eine verehrende Lernhaltung.''' Die Schlussverse verbinden Untersuchung mit [[Bhakti|Hingabe]]. Lass Genauigkeit und Dankbarkeit das eigene Studium begleiten. | |||
==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||
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*[[Vedanta Schulen]] | *[[Vedanta Schulen]] | ||
*[[Indische Philosophiesysteme]] | *[[Indische Philosophiesysteme]] | ||
* [[Chhagaleya Upanishad]] | |||
* [[Shaunaka Upanishad]] | |||
* [[Bashkala Mantra Upanishad]] | |||
==Literatur== | ==Literatur== | ||
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*Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens, Suhrkamp, 2001 | *Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens, Suhrkamp, 2001 | ||
*Mylius, Klaus: Sanskrit – Deutsch. Deutsch – Sanskrit. Wörterbuch; Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2005 | *Mylius, Klaus: Sanskrit – Deutsch. Deutsch – Sanskrit. Wörterbuch; Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2005 | ||
* Pandits der Adyar Library, unter Aufsicht von C. Kunhan Raja: ''Aprakāśitā Upaniṣadaḥ''. Adyar Library, Adyar 1933, S. 7–9 und Vorwort. Benutzte Sanskritgrundlage; keine kritische Edition. | |||
* S. K. Belvalkar: ''Four Unpublished Upaniṣadic Texts (Bāṣkala-Mantra, Chāgaleya, Ārṣeya and Śaunaka): Tentatively Edited and Translated for the First Time''. Law Printing House, 1925, 34 Seiten. Erste vorläufige Sanskritedition und Übersetzung. | |||
* Friedrich Otto Schrader: ''A Descriptive Catalogue of the Sanskrit Manuscripts in the Adyar Library (Theosophical Society). Vol. I: Upaniṣads''. Oriental Publishing Co., Madras 1908, insbesondere Vorwort S. V. | |||
* Paul Deussen: ''Sechzig Upanishad’s des Veda''. 2. Auflage, F. A. Brockhaus, Leipzig 1905, Anhang VIII: ''Ark’hi (Ârsheya-Upanishad)'', S. 853–855. Übersetzung der persisch-lateinischen Überlieferung; nicht identisch mit einer Übersetzung des Sanskritdrucks von 1933. | |||
* Naoshirō Tsuji: ''Linguistic Features of Four Unpublished Upanishadic Texts''. In: ''Belvalkar Felicitation Volume'', 1957, S. 19–27. Weiterführende Forschung; hier nicht als eingesehene Grundlage der Einzelübersetzung ausgegeben. | |||
==Weblinks== | ==Weblinks== | ||
*[http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/art_veden.html Veden aus „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda] | *[http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/art_veden.html Veden aus „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda] | ||
*[http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/Art-Artikel/art_upanishaden.html Upanishaden, Artikel aus "Göttliche Erkenntnis" von Swami Sivananda] | *[http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/Art-Artikel/art_upanishaden.html Upanishaden, Artikel aus "Göttliche Erkenntnis" von Swami Sivananda] | ||
* [https://archive.org/details/Aprakashita.Upanishad Sanskritdruck von 1933, Arsheya auf S. 7–9] | |||
* [https://sanskritdocuments.org/doc_upanishhat/ArSheyopaniShat.html Sanskrit Documents: Arsheya Upanishad] | |||
* [https://books.google.com/books?id=urApzQEACAAJ Belvalkar: Four Unpublished Upaniṣadic Texts (1925)] | |||
* [https://archive.org/details/descriptivecatal01adyauoft Schraders Handschriftenkatalog von 1908] | |||
* [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/andere-autoren/upanishaden/ Upanishaden bei Yoga Vidya] | |||
* [https://www.yoga-vidya.de/meditation/ Meditation bei Yoga Vidya] | |||
==Seminare== | ==Seminare== | ||
Aktuelle Version vom 4. September 2026, 10:12 Uhr
Ark'hi, auch Arsheya Upanishad (Sanskrit: आर्षेयोपनिषद्, IAST: Ārṣeyopaniṣad), ist eine Upanishad, die in der Oupnek'hat-Sammlung aufgeführt wird. Sie zeigt ein Treffen zwischen den Rishis Vishvamitra, Jamadagni, Bharadvaja, Gautama und Vasishtha, bei welchem sie ihr Verständnis über das Wesen des Brahman austauschen.
Ark'hi (Arsheya Upanishad) mit Erläuterungen von Paul Deussen
Artikel aus "Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 1019 - 1024.
Einleitung
Der Deutung des Namens Ark'hi als Arshika (von Rishika), welche Weber, Literaturgesch., 2. Aufl., S. 180 aufstellt, ist die andere, ebenfalls von Weber (Ind. Stud. IX, 48) gegebene als Arsheya (von Rishi) entschieden vorzuziehen, da der Inhalt in einem Gespräche der fünf altvedischen Rishis, Visvamitra, Jamadagni, Bharadvaja, Gautama und Vasistha, über das Wesen des Brahman besteht. [...] Die fünf Rishis unseres Stückes definieren das Brahman der Reihe nach als den Luftraum, den Akasa, das Sonnenlicht, das Blitzlicht und dasjenige, de quo non possunt dicere: hoc et illud est, wo wahrscheinlich im Texte die Yajnavalkya-Formel Neti, Neti stand (vgl. über dieselbe oben S. 413. 448). Weitere Rückbeziehungen scheinen, wie die Nachweisungen zeigen, bis herab zu Prasna und möglicherweise Mandukya vorzukommen. Im übrigen ist die Haltung des Stückes ziemlich altertümlich; wir dürfen in ihm einen schönen Nachklang der Gedanken der alten Upanishaden erkennen.
Ark'hi
Es geschah einmal, daß die Rishis zusammenkamen, um die Wahrheit zu erforschen; nicht um einander zu widerlegen, sondern um von einander die Wahrheit zu erfahren.
Da sprach, um sein Wissen zu zeigen, zuerst Visvamitra: "Was auf Erden und im Himmel ist, unbeweglich, in nichts anderem enthalten, alles in sich enthaltend, dem Akasa gleich, der unbeweglich alles enthält und in nichts enthalten ist, in dem auch die dröhnenden, von Blitz schimmernden Wolken furchtbar brüllend dahinziehen, - dieses weiß ich als das Brahman. Denn wenn man es auch mit Feuer verbrennte und mit Wasser benetzte und mit ledernen Riemen bände und zusammenknüpfte und mit Eisenhämmern schlüge und mit Nadeln durchstäche und auf Nägeln bettete und mit Eisennägeln durchbohrte und mit Schmutz überwürfe und mit der Axt behaute und ins Herz stieße, so würde dies alles doch keine Spur an ihm zurücklassen, niemand kann es binden und niemand über es hinauskommen."
Aber der Rishi Jamadagni billigte diese Rede nicht, denn er bedachte, daß, was auf Erden und im Himmel ist, vergänglich ist und begrenzt ist, weil es zwischen der Erde und dem Himmel ist, und er sprach: "Wovon du redest, o Visvamitra, das ist diese Luftraumwelt (Antarikshaloka); diese weiß ich als eine Machtentfaltung (Mahiman) des Brahman, nicht als das Brahman, denn diese Luftraumwelt ist in ihm enthalten. Wer diese Luftraumwelt, welche seine Machtentfaltung und in ihm enthalten ist, verehrt, der ist, wie diese Luftraumwelt, in Brahman enthalten und vergänglich. Und wer diese Luftraumwelt als das Brahman verehrt, der erleidet fort und fort den Vergang, darum daß er diese Machtentfaltung, die in Brahman ist, verehrt und nicht das Brahman weiß."
Und jener sprach: "Was weißt denn du, das immer bleibt und nicht vergeht?"
Da sprach Jamadagni: "Dasjenige, in welchem Erde und Himmel sind, welches die Erde und den Himmel in sich gegründet hat, und selbst in nichts anderem gegründet ist, zu welchem niemand gelangen noch auch es sehen kann, und welches von nichts anderem umgeben ist, - dieses weiß ich als das Brahman. Denn in ihm laufen vielfach um die Weltlichter und vergehen nicht und fallen nicht herunter, auch verirren sie sich nicht und werden nicht müde; und wenn einer sein ganzes Leben durch liefe, so könnte er doch nicht bis zu ihm gelangen noch auch es sehen.
Einige sagen[1]: es sei das Wasser Apas); andere: die Finsternis (Tamas, Rigv. 10,129,2); noch andere: das Licht; wieder andere: der Prana; und manche: der Akasa; und noch andere: der Atman."
Aber der Rishi Bharadvaja billigte diese Rede nicht und sprach: "Wer dieses also weiß, der weiß nicht davon die höchste Wahrheit; denn auch dieses, welches du weißt, ist vergänglich; denn was innerhalb der Welt ist, ist begrenzt und darum mangelhaft, und dadurch macht es auch das, was außerhalb der Welt ist, [begrenzt und somit] mangelhaft. Auch dieses weiß ich als eine Machtentfaltung des Brahman und nicht als das Brahman; es ist der Bhutakasa (der Raum als Element), welcher diese Welt umgibt und doch innerhalb [des Brahman] ist. Wer diesen Bhutakasa, welcher seine Machtentfaltung und in ihm enthalten ist, verehrt, der ist, wie dieser Bhutakasa, in Brahman enthalten und vergänglich. Und wer diesen Bhutakasa als das Brahman verehrt, der tut übel daran und erleidet fort und fort den Vergang. Wer aber diesen Bhutakasa nur als in Brahman enthalten weiß und verehrt, der kommt zu vollem Alter und macht sich alles untertan."
Und jener sprach: "Was weißt denn du, das immer bleibt und nicht vergeht?"
Da sprach Bharadvaja: "Jenes Licht, welches in der Sonnenscheibe ist und immer umläuft und schimmert und glüht und sehr hell ist und alles zu sich hin richtet, - dieses weiß ich als das Brahman. Denn es ist sich immer gleich und erscheint gleich aus der Ferne und Nähe, und ist nach allen Seiten zuge wandt (Chand. 2,9,1 und die Anm.); und ob man auch laufen und springen möchte, um es zu erreichen, so kann man es doch nicht erreichen, noch dazu hingelangen; denn in der Nähe erscheint es fern und in der Ferne nah, und keiner vermag es, seine Größe zu überwinden."
Aber der Rishi Gautama billigte diese Rede nicht und sprach: "Auch dieses ist vergänglich; denn nur solange es mit der Sonnenscheibe verbunden ist, besteht ihr Licht. Auch wird ihr Licht von Weisen und Unweisen, Nichtdenkenden, Gemeinen, wie sie auf den Inseln und in den Gebirgen wohnen, und zu denen die Schriftoffenbarung nicht gelangt ist, auch von diesen durch bloßes Hinsehen erblickt; das Brahmanlicht aber ist nicht von dieser Art, denn niemand, dem es nicht gelehrt worden, kann dasselbe schauen. Ich weiß das Sonnenlicht als eine Machtentfaltung des Brahman. Wer das Sonnenlicht als eine Machtentfaltung des Brahman also weiß und verehrt und den goldnen Mann (Purusha), welcher im Inneren der Sonne gesehen wird mit goldenem Haar, bis in die Nagelspitzen ganz von Gold[2], - wer also das Sonnenlicht verehrt, der ist groß unter allen Wesen, der ist von allem die Grundlage und der Stützpunkt, der kommt zu vollem Alter, und alles lebt in seinem Schatten. Die Sonne, wenn sie aufgeht, kann des Brahman Größe nicht überschreiten, sondern ist ihm untergeben und geht auf nach seinem Befehl (vgl. Kath. 4,9). Wer nun die Sonne als durch sich selbst aufgehend weiß und verehrt, der tut übel daran und erleidet fort und fort den Vergang. Wer aber das Licht der Sonne als eine Machtentfaltung des Brahman weiß und verehrt, und weiß, daß sie auf sein Geheiß aufgeht, der geht ein in Lichtwesenheit und kommt zu vollem Alter, und alles lebt in seinem Schatten, wer dieses, also wissend, verehrt."
Und jener sprach: "Was weißt denn du, das immer bleibt und nicht vergeht?"
Da sprach Gautama: "Jener leuchtende und dahinfahrende Blitz, welcher in der Ferne nah und in der Nähe fern erscheint, dem nichts Geschleudertes an Schnelligkeit gleichkommt, - diesen weiß ich als das Brahman."

Aber der Rishi Vasistha billigte diese Rede nicht und sprach: "An dem Dröhnen der Wolke und dem Schimmer wird der Blitz erkannt, und danach ist er verschwunden. Von Weisen und Nichtweisen wird er durch bloßes Hinsehen erblickt, indem sie ihn einander zeigen; das Brahmanlicht aber ist nicht von dieser Art; denn niemand, dem es nicht gelehrt worden, kann dasselbe schauen; und wem es gelehrt worden, der schaut das Brahmanlicht im eigenen Herzen. Ich weiß das Licht des Blitzes als eine Machtentfaltung des Brahman, nicht als Brahman. Wer den Blitz als eine Machtentfaltung des Brahman weiß und verehrt, der gelangt zur Machtentfaltung, kommt zu vollem Alter, und alles lebt in seinem Schatten."
Und jener sprach: "Was weißt denn du, das immer bleibt und nicht vergeht?"
Und Vasishtha überlegte bei sich und sprach: "Dasjenige, von dem sie sagen: "es ist nicht so, es ist nicht so" (Neti, Neti), das ist das Brahman. Dieses Brahman ist der Atman, ohn' Ende, ohne Alter, ohne Ufer; nicht außerhalb und nicht innerhalb, allwissend, lichtgestaltig, ohne Hunger und ohne Durst; er führt aus dem Nichtwissen zu dem anderen Ufer hinüber (vgl. Avidyayah, Param Param Tarayasi, Prasna 6,8); er ist das Licht im Herzen; er ist der Herr des Weltalls, der Gebieter des Weltalls, der Fürst des Weltalls (Brih. 4,4,22), die Stätte des Weltalls; ihn überwindet keiner; er ist Schöpfung und Vergang der Wesen (vgl. Mand. 1,5); er ist der preiswerte Hüter des Weltalls.
Als diesen Atman verehrten die Nachkommen des [Asvapati] Kaikeya das Feuer Vaisvanara (Satap. Br. 10,6,1: Chand. 5,11-24). Als diesen verehrten sie bei den Opfern den Indra, weil er den Heerscharen Hilfe gewährt und die Opfer veranlaßt und sehr groß ist und die Spenden entgegennimmt; denn er ist der Hüter der Wesen, und alles geht ihn an und preist ihn mit den Sprüchen des Veda. Seine Schatzkammer ist die ganze Erde, er tötet den Dämon Ahi. Er ist im Weltmeer, er verleiht jedem Tüchtigkeit durch seine Macht; wer ihn kennt, ruft ihn an vor allem Tun."
Als die Rishis diese Rede des Vasistha hörten, da stimmten sie zu, daß man das Brahman also wissen muß, zollten ihm daselbst Verehrung und wurden seine Schüler.
Verehrung dem Agni! Verehrung dem Indra! Verehrung dem Prajapati! Verehrung dem Brahman!
Fußnoten
- ↑ Dieser Absatz fällt aus dem Ton des Ganzen heraus und gibt sich dadurch ziemlich deutlich als eine schon im Sanskrit-Original vorhandene Interpolation zu erkennen.
- ↑ Die Übereinstimmung mit Chand. 1,6,6 ist so weitgehend, daß wir wohl ein Zitat dieser Stelle annehmen und die Übersetzung dementsprechend gestalten dürfen.
Arsheya Upanishad - Einführung
Die Arsheya Upanishad (Sanskrit: आर्षेयोपनिषद्, IAST: Ārṣeyopaniṣad) ist eine außerhalb der Muktika-Liste überlieferte Upanishad in Dialogform. Der Name ārṣeya bedeutet „zu den Rishis gehörig“. Fünf Weise – Vishvamitra, Jamadagni, Bharadvaja, Gautama und Vasishtha – erörtern, was als Brahman gelten kann. Auf jede vorläufige Bestimmung folgt die Frage, ob das Gemeinte wirklich unbeschränkt ist.
Der Gedankengang führt vom Zwischenraum zwischen Himmel und Erde über den unfassbaren Raum, das Licht der Sonnenscheibe und aufblitzende Lichterscheinungen zur Lehre vom unbegrenzten Atman. Die Formel Neti Neti, „nicht so, nicht so“, begrenzt dabei den Anspruch jeder bestimmten Beschreibung. Drei Schlussverse und Verneigungen vor Agni, Indra, Prajapati und Brahman schließen das Gespräch ab. In modernen elektronischen Verzeichnissen wird die Schrift häufig den Samanya-Vedanta-Upanishaden zugeordnet; sie gehört jedoch nicht zu den 108 Upanishaden des Muktika-Kanons.

Zur Textgestalt: Der vollständig erhaltene Wortlaut ist durchgehend in einzelne Leseabschnitte und drei getrennt behandelte Schlussverse aufgeteilt. Jeder Abschnitt besitzt unmittelbar danach eine deutsche Übersetzung und eine vollständige Wort- beziehungsweise Formerklärung. Die Sanskritvorlage ist allerdings an mehreren Stellen beschädigt oder grammatisch ungewöhnlich. Unaufgelöste Lesungen und nur angenäherte Satzdeutungen werden deshalb direkt am betreffenden Abschnitt ausgewiesen und nicht durch erfundene Normalformen ersetzt.
Textgrundlage: Aprakāśitā Upaniṣadaḥ, herausgegeben von den Pandits der Adyar Library unter Aufsicht von C. Kunhan Raja, Adyar 1933, S. 7–9. Die Druckseiten wurden visuell mit der digitalen Wiedergabe bei Sanskrit Documents verglichen. Die Prosazählung 1.1 bis 10.1 und sämtliche Zwischenüberschriften sind redaktionell. Die drei Versnummern folgen dem Druck. Sanskritwörter werden in den Worterklärungen soweit möglich in ihre Grundformen beziehungsweise Sandhibestandteile zerlegt. An redaktionellen Absatzgrenzen stehen gegebenenfalls Pauseformen. Unsichere Wörter werden nicht durch eine erfundene sichere Lesung ersetzt.
Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung
1.1 – Die Versammlung der Rishis
oṃ ṛṣayo vai brahmodyamāhvayitavā ūcuḥ parasparamivānubruvāṇāḥ |
Übersetzung: Om. Die Rishis sprachen, zu einem Gespräch über Brahman zusammengekommen [Verbform unsicher], gleichsam einander die Lehre vortragend.
Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, einleitende heilige Silbe; ṛṣayaḥ – Seher, Rishis; vai – fürwahr, bekräftigende Partikel; brahmodyam – Gespräch oder Wettgespräch über das heilige Wissen; brahman und udya, Rede; āhvayitavā – unregelmäßige überlieferte Form zu ā-√hve, herbeirufen, auffordern; hier: einander zum Gespräch aufgefordert habend; ūcuḥ – sprachen, Perfekt Plural; parasparam – einander, wechselseitig; iva – gleichsam; anubruvāṇāḥ – erklärend, weiterlehrend, Partizip Plural.
1.2 – Vishvamitras Anspruch
teṣāṃ viśvāmitro vijitīyamiva manyamāna uvāca |
Übersetzung: Unter ihnen sprach Vishvamitra, gleichsam überzeugt, den Sieg [im Gespräch] erringen zu können:
Wort-für-Wort-Erläuterung: teṣām – unter ihnen, von ihnen; viśvāmitraḥ – Vishvamitra, Name des Rishi; vijitīyam – ungewöhnliche Form zum Siegen, vi-√ji; offenbar: den zu erringenden Sieg; iva – gleichsam; manyamānaḥ – meinend, sich vorstellend; uvāca – sagte.
Erläuterung: Vijitīya ist nicht ohne Weiteres eine reguläre, eindeutig bestimmbare Form. Die Übersetzung kennzeichnet deshalb den erschlossenen Gesprächszusammenhang.
1.3 – Das Zwischenreich
yadetadantare dyāvāpṛthivī anaśnuvadiva sarvamaśnavadyadidamākāśamivetaścetaśca stanayanti vidyotamānā ivāvasphūrjayamānā iva tadbrahmeti |
Übersetzung: „Was da zwischen Himmel und Erde ist, gleichsam nichts erreichend und doch alles durchdringend, was wie der Raum ist, in dem es hier und dort donnert, gleichsam aufleuchtet und krachend widerhallt [Satzfügung unsicher]: Das ist Brahman.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was, dasjenige, das; etat – dieses; antare – zwischen; dyāvāpṛthivī – Himmel und Erde, Dual; anaśnuvat – nicht erreichend, nicht durchdringend, Partizip mit Verneinung a-; iva – gleichsam; sarvam – alles; aśnavat – erreichend, durchdringend; überlieferte Partizipialform; yat – was; idam – dieses, hier; ākāśam – Raum, freier Raum; iva – wie, gleichsam; itaḥ – von hier, hier; ca – und; itaḥ – von anderer Seite, dort; ca – und; stanayanti – sie donnern, lassen donnern; vidyotamānāḥ – aufleuchtend, blitzend; im Text Plural; iva – gleichsam; avasphūrjayamānāḥ – krachend, donnernd; überlieferte Partizipialform; iva – gleichsam; tat – das; brahma – Brahman; iti – Ende der Bestimmung.
Erläuterung: Die Pronomina und Partizipien wechseln auffällig zwischen Singular und Plural. Der Bezug auf das Zwischenreich wird im folgenden Einwand ausdrücklich als antarikṣa bezeichnet. Die deutsche Satzverbindung ist eine Annäherung an den beschädigten Wortlaut.
1.4 – Die Reihe der Eingriffe
tasyopavyākhyānam | yadidamagnibhirjvalayanti poplūyayantyadbhirabhiṣīvayanti vaddhrībhirabhigrathnanti varatrābhirabhighnantyayoghanairvidhyanti sūcībhiḥ nikhānayanti śaṅkubhirabhitṛndanti paḍvīśikābhirabhilimpanti mṛtsnayā takṣṇuvanti vāsībhiḥ kṛṣṇanti phalibhirnahaiva śaknuvata iti
Übersetzung: „Dazu die Erklärung: Wenn man es mit Feuern verbrennen, mit Wassern fortspülen, mit Lederriemen zusammennähen, mit Seilen zusammenbinden, mit Eisenhämmern schlagen, mit Nadeln durchbohren, mit Pflöcken eingraben beziehungsweise festsetzen, mit spitzen Werkzeugen durchstechen, mit Lehm bestreichen, mit Beilen behauen und mit Pflugscharen bearbeiten will: Man vermag es eben nicht.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tasya – dessen, dazu; upavyākhyānam – eingehende Erklärung; yat – wenn, was das betrifft; idam – dieses, es; agnibhiḥ – mit Feuern, Instrumental Plural; jvalayanti – sie lassen brennen, zünden an; poplūyayanti – sie spülen oder überschwemmen; intensive beziehungsweise kausative Bildung zu √plu; adbhiḥ – mit Wassern; abhiṣīvayanti – sie nähen zusammen, zu abhi-√siv; vaddhrībhiḥ – mit Lederriemen oder Gurten; abhigrathnanti – sie knüpfen zusammen, zu abhi-√grath; varatrābhiḥ – mit Stricken, Riemen; abhighnanti – sie schlagen darauf; ayoghanaiḥ – mit Eisenhämmern; ayas, Eisen, und ghana, Schlagwerkzeug; vidhyanti – sie durchbohren; sūcībhiḥ – mit Nadeln; nikhānayanti – sie lassen eingraben, schlagen fest ein; śaṅkubhiḥ – mit Pflöcken, Spitzen; abhitṛndanti – sie durchstechen, zu abhi-√tṛd; paḍvīśikābhiḥ – mit einer Art spitzem Werkzeug; seltene, nicht sicher identifizierte Gerätebezeichnung; abhilimpanti – sie bestreichen; mṛtsnayā – mit Lehm, Erde; takṣṇuvanti – sie behauen, bearbeiten mit einem Beil; unregelmäßige Form zu √takṣ; vāsībhiḥ – mit Beilen oder Dechseln; kṛṣṇanti – sie ziehen Furchen, bearbeiten; auffällige Form, hier zu √kṛṣ verstanden; phalibhiḥ – mit Pflugscharen; die Vorlage hat phali, nicht die üblichere Form phāla; na – nicht; ha – bekräftigende Partikel; eva – eben; śaknuvate – sie vermögen; überlieferter Auslaut vor iti; iti – Ende der Erklärung.
Erläuterung: Die negierende Hauptaussage steht am Ende der langen Reihe. Deshalb sind die zuvor genannten Handlungen im Deutschen als vergebliche Versuche verbunden. Paḍvīśikā wird nur allgemein als Werkzeug erklärt; eine präzise Geräteidentifikation ist mit dieser Vorlage nicht gesichert.
1.5 – Die Grenze der Verfügung
nāsyeśīmahi nainamatīyīmahi ||
Übersetzung: „Wir können nicht über es verfügen; wir können es nicht überschreiten.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; asya – über dieses, Genitiv bei √īś; īśīmahi – wir könnten herrschen, verfügen, Optativ Medium; na – nicht; enam – dieses, es; atīyīmahi – wir könnten darüber hinausgehen, zu ati-√i.
2.1 – Jamadagnis Einwand
tadu ha jamadagnirnānumene ārtamiva vā eṣa tanmene yadidamantareṇainadupayanti paryāsa ivaiṣa divaspṛthivyoriti |
Übersetzung: Jamadagni stimmte dem nicht zu. Er hielt es vielmehr für etwas Beschränktes: „Man gelangt ja durch diesen Zwischenbereich hindurch; er bildet gleichsam den Bereich zwischen Himmel und Erde.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tat – das; u – weiterführende Partikel; ha – erzählende Partikel; jamadagniḥ – Jamadagni; na – nicht; anumene – stimmte zu, billigte, Perfekt von anu-√man; ārtam – betroffen, bedrängt, beschränkt; iva – gleichsam; vai – fürwahr; eṣaḥ – dieser, Jamadagni; tat – jenes; mene – hielt für; yat – weil, insofern; idam – hier, dieses; antareṇa – durch den Zwischenraum, zwischen hindurch; enat – dieses; upayanti – sie gelangen hin, treten hinein; paryāsaḥ – Umkreis, umgebender oder zwischenliegender Bereich; genaue Bedeutung hier unsicher; iva – gleichsam; eṣaḥ – dieser; divaḥ – des Himmels; pṛthivyoḥ – der Erde beziehungsweise von Himmel und Erde; auffällige Dualform in der Vorlage; iti – Ende des Einwands.
Erläuterung: Ārta bedeutet ursprünglich bedrängt oder leidend. Im philosophischen Gespräch wird damit eine begrenzte, nicht schlechthin höchste Wirklichkeit bezeichnet. Die Übersetzung „beschränkt“ bezieht sich auf diesen Gegensatz zu anārta.
2.2 – Antariksha und seine Größe
sa hovāca antarikṣaṃ vā etadyadidamitthetthopavyākhye iti | mahimānaṃ tvamuṣyeha paśyāmīti yadidamasminnanvāyattamiti |
Übersetzung: Er sagte: „Es ist das Zwischenreich, was hier so und so erklärt wird. Ich sehe hier allerdings die Größe jenes [Höheren], insofern dieses von ihm abhängt.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; ha – erzählende Partikel; uvāca – sagte; antarikṣam – Zwischenraum zwischen Erde und Himmel; vai – fürwahr; etat – dieses; yat – was; idam – hier; ittham itthā – so und so; in der Textform itthettha verbunden; upavyākhye – erklärte beziehungsweise erkläre; die genaue Form ist unsicher; iti – Ende der Aussage; mahimānam – Größe, Erscheinung der Macht; tu – aber, allerdings; amuṣya – jenes, Genitiv; iha – hier; paśyāmi – ich sehe; iti – so; yat – insofern, weil; idam – dieses; asmin – an diesem, in ihm; anvāyattam – abhängig, daran gebunden; iti – Ende der Bestimmung.
Erläuterung: Der Satz unterscheidet die Größe oder Erscheinungsweise des Höchsten von dem Höchsten selbst. Der genaue Bezug der Demonstrativpronomina ist im knappen, beschädigten Text nicht überall eindeutig.
2.3 – Wissende Verehrung
sa yadidametasminnanvāyattaṃ vedātha tathopāste’nvāyatto haivāsmin bhavati |
Übersetzung: Wer weiß, dass dieses von jenem abhängt, und es dementsprechend verehrt, wird selbst an jenem Anteil haben beziehungsweise von ihm getragen sein.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – derjenige; yat – dass, was; idam – dieses; etasmin – an diesem, in jenem; anvāyattam – abhängig, verbunden; veda – weiß; atha – und dann; tathā – so, dementsprechend; upāste – verehrt, betrachtet in meditativer Hinwendung; anvāyattaḥ – verbunden, abhängig; ha – bekräftigende Partikel; eva – eben; asmin – an ihm, in ihm; bhavati – wird, ist.
Erläuterung: Anvāyatta wird in beiden Satzhälften gebraucht. „Getragen sein“ erläutert die erwünschte Verbundenheit; es darf nicht als ein im Sanskrit zusätzlich genanntes technisches Erlösungswort verstanden werden.
2.4 – Die unverständige Verehrung
tadetadavidvānevāsminnanvāyattamupāste vīvapadyat ārtimṛcchet | tasmādevamevopāsīta ||
Übersetzung: Wer dieses in seiner Abhängigkeit verehrt, ohne es zu verstehen, würde scheitern und in Bedrängnis geraten. Darum soll man es eben in der zuvor erklärten Weise verehren.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tat – jenes, in dieser Hinsicht; etat – dieses; avidvān – nicht wissend, unwissend; eva – eben; asmin – an diesem, in ihm; anvāyattam – das Abhängige, daran Gebundene; upāste – verehrt; vīvapadyat – würde fehlgehen oder scheitern; ungewöhnliche überlieferte Verbform; ārtim – Bedrängnis, Leid, Akkusativ; ṛcchet – würde gelangen, Optativ; tasmāt – deshalb; evam – so, in dieser Weise; eva – eben; upāsīta – sollte verehren, Optativ Medium.
3.1 – Die Frage nach dem Unbeschränkten
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |
Übersetzung: Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tam – ihn; itaraḥ – der andere; papraccha – fragte, Perfekt von √prach; katamat – welches, was von den Möglichkeiten; tvam – du; anārtam – unversehrt, unbedrängt, frei von Beschränkung; a-, nicht, und ārta, betroffen oder leidend; manyase – du meinst, hältst für; iti – Ende der Frage.
3.2 – Das Unfassbare zwischen Himmel und Erde
taṃ hovāca | yadidamiti dyāvāpṛthivyoranārambhamiva nopayanti nābhicakṣate nāśnuvanti |
Übersetzung: Er sagte ihm: „Das, was zwischen Himmel und Erde gleichsam keinen Ansatzpunkt bietet: Man gelangt nicht daran, beschreibt es nicht und erreicht es nicht.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tam – ihm, zu ihm; ha – erzählende Partikel; uvāca – sagte; yat – was; idam – dieses; iti – so, im Text eingeschobene Partikel; dyāvāpṛthivyoḥ – von beziehungsweise zwischen Himmel und Erde, Genitiv-Lokativ Dual; anārambham – ohne Ansatzpunkt, ohne greifbaren Beginn; an-, nicht, und ārambha, Anfang oder Zugriff; iva – gleichsam; na – nicht; upayanti – sie gelangen daran; na – nicht; abhicakṣate – sie bezeichnen, beschreiben; na – nicht; aśnuvanti – sie erreichen, erfassen.
3.3 – Die Welt-Eier
tasyopavyākhyānam | yadidamitaścetaścāṇḍakośā udayanti nāpadyanta iva na visraṃsanta iva na skhalantīva na paryāvartanta iva |
Übersetzung: „Dazu die Erklärung: Hier und dort steigen die Hüllen der Welt-Eier empor; gleichsam ohne zusammenzubrechen, auseinanderzufallen, abzugleiten oder umzukippen.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tasya – dessen, dazu; upavyākhyānam – Erklärung; yat – was, insofern; idam – hier, dieses; itaḥ – von hier; ca – und; itaḥ – von dort; ca – und; aṇḍa-kośāḥ – Eihüllen, Schalen kosmischer Eier; aṇḍa, Ei, und kośa, Hülle; udayanti – sie gehen auf, steigen empor; na – nicht; āpadyante – geraten in einen Zustand, stürzen hinein; hier: verunglücken, zusammenbrechen; iva – gleichsam; na – nicht; visraṃsante – fallen auseinander, lockern sich; iva – gleichsam; na – nicht; skhalanti – gleiten aus, straucheln; iva – gleichsam; na – nicht; paryāvartante – wenden sich um, kippen um; iva – gleichsam.
Erläuterung: Der Text nennt aṇḍakośa, „Eihülle“. Die kosmologische Deutung als Welt-Ei ergibt sich aus dem Zusammenhang. Die Vielzahl solcher Hüllen wird bewahrt; sie wird nicht zu einer einzigen Himmelskugel vereinheitlicht.
3.4 – Die Suche erreicht es nicht
na ha vā enatkecidupadhāvanto vindanti nābhipaśyanti |
Übersetzung: „Niemand findet es durch Hinlaufen, niemand bekommt es zu Gesicht.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; ha – bekräftigende Partikel; vai – fürwahr; enat – es, dieses; kecit – irgendwelche Menschen; mit na: niemand; upadhāvantaḥ – heranlaufend, sich nähernd; vindanti – finden; na – nicht; abhipaśyanti – sehen, erblicken.
3.5 – Die verschiedenen Namen
yadidameka idapa (?) evāhustama eke jyotireke’vakāśameke paramaṃ vyomaika ātmānameka iti ||
Übersetzung: „Was die einen idapa [unverständliche Lesung] nennen, nennen andere Dunkelheit, andere Licht, andere freien Raum, andere den höchsten Himmel, andere das Selbst.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was; idam – dieses; eke – einige, die einen; vor idapa als eka verbunden; idapa – unverständliche Lesung; die digitale Vorlage setzt bereits ein Fragezeichen; eva – eben; āhuḥ – sie nennen, sagen; tamaḥ – Dunkelheit; eke – andere; jyotiḥ – Licht; eke – andere; avakāśam – freien Raum, Platz; eke – andere; paramam – höchsten; vyoma – Himmel, Raum; eke – andere; ātmānam – das Selbst, Akkusativ von ātman; eke – andere; iti – Ende der Aufzählung.
Erläuterung: Die Druckausgabe bietet idapa ohne sichere Erklärung. Das Fragezeichen bezeichnet eine Leseschwierigkeit, kein gesprochenes Sanskritzeichen. Das erste Glied wird nicht durch ein bloß geratenes philosophisches Substantiv ersetzt.
4.1 – Bharadvajas Einwand
tadu ha bharadvājo nānumene | yadiha sarve vetthettheti dyūdire nāsya tadrūpaṃ paryāptamiti |
Übersetzung: Bharadvaja stimmte dem nicht zu: „Dass hier alle es als dieses oder jenes erkennen und benennen [Verbform unsicher], reicht nicht aus, um seine Gestalt zu bestimmen.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tat – das; u – weiterführende Partikel; ha – erzählende Partikel; bharadvājaḥ – Bharadvaja, Name des Rishi; na – nicht; anumene – stimmte zu; yat – dass, was; iha – hier; sarve – alle; vettha – du weißt; die im Text folgende Verbindung mit ittha ist syntaktisch auffällig; itthā – so, in dieser Weise; iti – mit der Bezeichnung, so; dyūdire – unverständliche beziehungsweise beschädigte Verbform; „benennen“ ist aus der Gesprächssituation erschlossen; na – nicht; asya – dessen, seine; tat – jenes; rūpam – Form, Gestalt, Bestimmung; paryāptam – hinreichend, ausreichend erfasst; iti – Ende des Einwands.
Erläuterung: Die Formulierung weist die vorangehende Bestimmung als unzureichend zurück. Die genaue Verbindung vetthettheti dyūdire bleibt im zugrunde gelegten Druck problematisch.
4.2 – Auch diese Erkenntnis bleibt begrenzt
sa hovāca | ārtamivedaṃ te vijñānamapi svidenadrodasyoreva paryāyeṇopavanvīmahi yadidamitthetthopavyākhyāsyāma iti |
Übersetzung: Er sagte: „Diese deine Erkenntnis scheint beschränkt. Vielleicht können wir dies nur im Wechselverhältnis von Himmel und Erde verehren, wenn wir es auf diese oder jene Weise erklären wollen.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; ha – erzählende Partikel; uvāca – sagte; ārtam – beschränkt, beeinträchtigt; iva – gleichsam, scheint; idam – diese; te – deine; vijñānam – Erkenntnis, Verständnis; api – auch, vielleicht; svit – fragende oder unsicher machende Partikel; enat – dieses; rodasyoḥ – von Himmel und Erde, Genitiv-Lokativ Dual; eva – nur, eben; paryāyeṇa – im Umlauf, im Wechsel oder nach einer umschreibenden Darstellung, Instrumental; upavanvīmahi – wir könnten verehren oder uns zuwenden; ungewöhnliche Form; yat – wenn, insofern; idam – dieses; ittham itthā – so und so; upavyākhyāsyāmaḥ – wir werden erklären, Zukunft; iti – Ende der Rede.
4.3 – Die Erscheinung seiner Größe
mahimānaṃ tvevāsyopāse | yadidamatrānvāyattamiti |
Übersetzung: „Ich verehre allerdings seine Größe: dieses hier, insofern es von ihm abhängt.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: mahimānam – Größe, Machtentfaltung; tu – aber, allerdings; eva – eben; asya – dessen, seine; upāse – ich verehre, betrachte; yat – insofern, was; idam – dieses; atra – hier, darin; anvāyattam – abhängig, verbunden; iti – Ende der Bestimmung.
4.4 – Erkennen und Verbundensein
sa yadidamatrānvāyattaṃ vedātha tathaivopāste’traivānvāyatto bhavati |
Übersetzung: Wer weiß, dass dieses hier darin gegründet ist, und es dementsprechend verehrt, wird eben damit verbunden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – derjenige; yat – dass, was; idam – dieses; atra – hier, darin; anvāyattam – abhängig, verbunden; veda – weiß; atha – dann, und; tathā – so, dementsprechend; eva – eben; upāste – verehrt, betrachtet; atra – hier, darin; eva – eben; anvāyattaḥ – verbunden, daran gebunden; bhavati – wird.
4.5 – Die Folgen beider Haltungen
sa ya ihānvāyattamidamavidvānevaitadupāste pāpīyān bhavatyārtimārcchatyavamriyate yadevametadanvāyattamupāste sarvamāyureti vasīyān bhavati | sa ya etadenamupāste ||
Übersetzung: Wer dieses hier in seiner Abhängigkeit verehrt, ohne es zu erkennen, wird schlechter gestellt, gerät in Bedrängnis und stirbt dahin. Wer es dagegen in der erläuterten Weise als abhängig verehrt, erreicht die ganze Lebensdauer und wird besser gestellt – wer es so verehrt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – derjenige; yaḥ – der, welcher; iha – hier; anvāyattam – abhängig, verbunden; idam – dieses; avidvān – ohne zu wissen; eva – eben; etat – dieses; upāste – verehrt; pāpīyān – schlechter, elender, Komparativ; bhavati – wird; ārtim – in Bedrängnis; ārcchati – gelangt, erreicht; auffällige überlieferte Form; avamriyate – stirbt dahin, geht zugrunde; yat – wer, sofern; im Zusammenhang eine unregelmäßige Verbindung; evam – so, auf diese Weise; etat – dieses; anvāyattam – als abhängig, verbunden; upāste – verehrt; sarvam – die ganze; āyuḥ – Lebensdauer; eti – erreicht, geht zu; vasīyān – besser, vortrefflicher, begünstigter; bhavati – wird; saḥ – derjenige; yaḥ – welcher; etat – dieses, so; enam – ihn, dieses; upāste – verehrt.
Erläuterung: Die Aussagen über Lebensdauer und Gedeihen sind die im Text zugesprochenen Früchte einer Verehrungsweise. Sie werden als solche übersetzt, nicht als überprüfbare Erfolgsgarantie für heutige Leser.
5.1 – Die Frage nach dem Unbeschränkten
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |
Übersetzung: Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tam – ihn; itaraḥ – der andere; papraccha – fragte, Perfekt von √prach; katamat – welches, was von den Möglichkeiten; tvam – du; anārtam – unversehrt, unbedrängt, frei von Beschränkung; a-, nicht, und ārta, betroffen oder leidend; manyase – du meinst, hältst für; iti – Ende der Frage.
5.2 – Das Licht in der Scheibe
sa hovāca | yadetasmin maṇḍale’rcirdīpyate bambhramyamāṇamiva cākaśyamānamiva jājvalyamānamiva dedīpyamānamiva lelihānaṃ tadeva me brahma |
Übersetzung: Er sagte: „Das Licht, das in dieser Scheibe leuchtet, sich gleichsam unaufhörlich dreht, strahlt, flammt und glänzt, mit leckenden Flammen: Eben das ist für mich Brahman.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; ha – erzählende Partikel; uvāca – sagte; yat – was, dasjenige, das; etasmin – in dieser; maṇḍale – Scheibe, Kreis; hier die Sonnenscheibe; arciḥ – Strahl, Flamme, Licht; dīpyate – leuchtet; bambhramyamāṇam – sich immer wieder drehend, intensive Bildung zu √bhram; iva – gleichsam; cākaśyamānam – hell strahlend, intensive Bildung zu √kāś; iva – gleichsam; jājvalyamānam – heftig flammend, intensive Bildung zu √jval; iva – gleichsam; dedīpyamānam – stark leuchtend, intensive Bildung zu √dīp; iva – gleichsam; lelihānam – leckend, mit züngelnden Flammen, intensive Bildung zu √lih; tat – das; eva – eben; me – für mich, mein; brahma – Brahman.
Erläuterung: Die verschiedenen Formen des Leuchtens werden nicht auf ein einziges Adjektiv reduziert. Die intensive Wortbildung unterstreicht die fortwährende, sich steigernde Lichtbewegung.
5.3 – Die fernsten Weiten
tasyopavyākhyānaṃ yadidamaddhaiva parāḥ parāvato’bhipadyante sampannamevaitat sammitameva yathopayātamātmaivābhicakṣata iti |
Übersetzung: „Dazu die Erklärung: Dieses erreicht wirklich die fernsten Weiten. Als vollendet und genau bemessen erscheint es, wie es herantritt; man bezeichnet es als das Selbst [Satzbezüge unsicher].“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tasya – dessen, dazu; upavyākhyānam – Erklärung; yat – insofern, was; idam – dieses; addhā – wirklich, unmittelbar; eva – eben; parāḥ – ferne, jenseitige; parāvataḥ – Weiten, entfernte Bereiche, Akkusativ Plural; abhipadyante – sie gelangen hin, erreichen; Plural ohne eindeutiges ausgedrücktes Subjekt; sampannam – vollendet, vollständig geworden; eva – eben; etat – dieses; sammitam – zusammengemessen, genau bemessen; eva – eben; yathā – wie, entsprechend; upayātam – herangekommen, erreicht; ātmā – Selbst; eva – eben; abhicakṣate – sie nennen, beschreiben; iti – Ende der Erklärung.
Erläuterung: Der Wechsel zwischen einem einzelnen Licht und einem unausgedrückten pluralischen Subjekt lässt offen, ob an Strahlen oder an sich nähernde Betrachter gedacht ist. Die deutsche Wiedergabe legt hier keine sichere Rekonstruktion vor.
5.4 – Der Versuch, das Licht zu greifen
ya etadabhipadyeva guhṇīyādatho visphurantīva dhāvantīvotplavantīvopaślipyantīva na haivābhipadyante |
Übersetzung: „Wer dies durch Annäherung ergreifen wollte: Es scheint aufzuflackern, davonzulaufen, emporzuspringen und zu entgleiten; man erreicht es gerade nicht.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer; etat – dieses; abhipadya – herangetreten, erreicht habend; eva – eben; guhṇīyāt – würde ergreifen; so die fehlerhafte Druckform, vermutlich für gṛhṇīyāt; atho – und dann, ferner; visphuranti – sie flackern, zucken auf; iva – gleichsam; dhāvanti – sie laufen; iva – gleichsam; utplavanti – sie springen empor; iva – gleichsam; upaślipyanti – sie gleiten heran oder entgleiten; seltene Form zu upa-√ślip; iva – gleichsam; na – nicht; ha – bekräftigende Partikel; eva – eben; abhipadyante – sie erreichen, gelangen daran.
Erläuterung: Die zahlreichen Pluralformen beziehen sich möglicherweise auf Strahlen oder Erscheinungen des Lichts. „Es scheint“ stellt im Deutschen den Bezug auf das zuvor genannte Licht her, ohne die Sanskritformen in Singularformen umzuschreiben.
5.5 – Nähe und Ferne
tadidamantike davīyo nedīya iva dūrato na vā asya mahimānaṃ kaścidetīti ||
Übersetzung: „In der Nähe ist dieses ferner; aus der Ferne scheint es näher. Niemand erreicht seine Größe.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tat – jenes; idam – dieses; antike – in der Nähe; davīyaḥ – ferner, Komparativ; nedīyaḥ – näher, Komparativ; iva – gleichsam, scheint; dūrataḥ – aus der Ferne; na – nicht; vai – fürwahr; asya – seine, dessen; mahimānam – Größe, Macht; kaścit – irgendjemand; mit na: niemand; eti – erreicht; iti – Ende der Aussage.
6.1 – Gautamas Einwand
tadu ha na mene gautamo yadidamārtamiva stimitamiva paryāyeṇa paśyantīvemaṃ moghaṃ saṃvidānā iti |
Übersetzung: Gautama billigte dies nicht: „Dieses erscheint beschränkt, gleichsam stillgestellt. Wenn man es nur im Wechsel betrachtet und dabei meint, erkannt zu haben, bleibt das vergeblich [Satzfügung unsicher].“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tat – das; u – weiterführende Partikel; ha – erzählende Partikel; na – nicht; mene – hielt dafür, billigte; gautamaḥ – Gautama; yat – weil, insofern; idam – dieses; ārtam – beschränkt, beeinträchtigt; iva – gleichsam; stimitam – still, unbewegt, gehemmt; iva – gleichsam; paryāyeṇa – im Wechsel, durch eine umschreibende Betrachtung; paśyanti – sie sehen, betrachten; iva – gleichsam; imam – diesen, dieses; mogham – vergeblich, fruchtlos; saṃvidānāḥ – wissend, sich für wissend haltend; iti – Ende des Einwands.
6.2 – Die genannten Völker
ya ime puṇḍrāḥ suhmāḥ kulumbhā daradā barbarā iti | na ha vā asaṃvidānā eva drāgivābhi tatpadyanta iti |
Übersetzung: „Diese Pundras, Suhmas, Kulumbhas, Daradas und Barbaras [werden als Beispiele genannt]: Ohne Erkenntnis gelangen sie nicht einfach augenblicklich daran.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: ye – diejenigen, welche; vor ime als ya verbunden; ime – diese; puṇḍrāḥ – Pundras, Völkername; suhmāḥ – Suhmas, Völkername; kulumbhāḥ – Kulumbhas, überlieferter Gruppenname, Identifikation unsicher; daradāḥ – Daradas, Völkername; barbarāḥ – Barbaras, eine hier so bezeichnete Gruppe beziehungsweise Fremde; iti – Ende der Aufzählung; na – nicht; ha – bekräftigende Partikel; vai – fürwahr; asaṃvidānāḥ – nicht wissend, ohne Erkenntnis; eva – eben, bloß; drāk – rasch, augenblicklich; iva – gleichsam; abhi tat padyante – sie gelangen daran, erreichen jenes; getrennte Fügung zu abhi-√pad; iti – Ende der Aussage.
Erläuterung: Die Passage nennt konkrete Gruppen, erklärt aber weder ihre Herkunft noch ihre religiösen Ansichten. Aus diesen Namen wird hier keine allgemeine Abwertung heutiger Gemeinschaften abgeleitet. Der Zusammenhang betrifft die Unzulänglichkeit einer Erkenntnis, die beim äußeren Licht stehenbleibt.
6.3 – Der goldene Purusha
mahimānaṃ tvevāsyopāse | ya etadasminnantare hiraṇmayaḥ puruṣo hiraṇyavarṇo hiraṇyaśmaśrurānakhāgrebhyo dīpyamāna iva |
Übersetzung: „Ich verehre vielmehr seine Größe: den goldenen Purusha in seinem Inneren, von goldener Farbe, mit goldenem Bart, gleichsam bis zu den Nagelspitzen leuchtend.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: mahimānam – Größe, Machtentfaltung; tu – aber, vielmehr; eva – eben; asya – dessen, seine; upāse – ich verehre; yaḥ – der, welcher; etat – dieses, hierbei; syntaktisch auffällige Verbindung; asmin – in diesem; antare – im Inneren; hiraṇmayaḥ – aus Gold bestehend, golden; puruṣaḥ – Person, Geistgestalt, Purusha; hiraṇya-varṇaḥ – von goldener Farbe; hiraṇya, Gold, und varṇa, Farbe; hiraṇya-śmaśruḥ – mit goldenem Bart; śmaśru, Bart; ā – bis zu; nakhāgrebhyaḥ – den Nagelspitzen, Ablativ Plural nach ā; dīpyamānaḥ – leuchtend; iva – gleichsam.
Erläuterung: Das Bild steht dem goldenen Purusha der Chhandogya Upanishad 1.6.6 nahe. Eine solche Parallele ist für den Vergleich hilfreich, ersetzt aber keine eigenständige Begründung des genauen Entstehungsdatums.
6.4 – Die zugesprochene Frucht
sa ya evamenamupāste’tīva sarvabhūtāni tiṣṭhanti sarvamāyureti vasīyān bhavati |
Übersetzung: „Wer ihn so verehrt, steht über allen Wesen [Verbform beschädigt], erreicht seine ganze Lebensdauer und wird besser gestellt.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – derjenige; yaḥ – welcher; evam – so; enam – ihn; upāste – verehrt; ati – über, hinaus über; iva – gleichsam; im Text als atīva verbunden, auch „sehr“ möglich; sarva-bhūtāni – alle Wesen; sarva, alle, bhūta, Wesen; tiṣṭhanti – sie stehen; im Druck Plural, obwohl der Satz einen Singular erwarten lässt; sarvam – die ganze; āyuḥ – Lebensdauer; eti – erreicht; vasīyān – besser, begünstigter; bhavati – wird.
Erläuterung: Die Übersetzung folgt der naheliegenden Verheißung „über den Wesen stehen“. Sie kennzeichnet, dass dafür im Druck eine grammatisch unpassende Pluralform steht.
6.5 – Nicht jenseits des Höchsten
na ha vā eṣa paramatīvodeti | yastvenaṃ paramatīvodyantaṃ paśyannupāste pāpīyān bhavati vīvapadyata ārtimṛcchati |
Übersetzung: „Dieser erhebt sich nicht über das Höchste hinaus. Wer ihn aber als über das Höchste hinausgehend betrachtet und so verehrt, wird schlechter gestellt, scheitert und gerät in Bedrängnis.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; ha – bekräftigende Partikel; vai – fürwahr; eṣaḥ – dieser; param – das Höchste, über das Höchste; ati – darüber hinaus; iva – gleichsam; Verbindung atīva; udeti – geht auf, erhebt sich; yaḥ – wer; tu – aber; enam – ihn; param – über das Höchste; ati – darüber hinaus; iva – gleichsam; udyantam – sich erhebend, aufgehenden, Partizip Akkusativ; paśyan – sehend, betrachtend; upāste – verehrt; pāpīyān – schlechter, elender; bhavati – wird; vīvapadyate – scheitert, geht fehl; ungewöhnliche überlieferte Form; ārtim – Bedrängnis; ṛcchati – erreicht, gerät in.
6.6 – Das höchste Licht
yastvenaṃ paramanūdyantaṃ vedātha tathopāste paraṃ jyotirupasampadyate sarvamāyureti vasīyān bhavati | sa ya evamenamupāste ||
Übersetzung: „Wer ihn dagegen als dem Höchsten folgend aufgehend erkennt und dementsprechend verehrt, gelangt zum höchsten Licht, erreicht seine ganze Lebensdauer und wird besser gestellt – wer ihn so verehrt.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer; tu – aber, dagegen; enam – ihn; param – dem Höchsten, das Höchste als Bezug; anu – nach, folgend; udyantam – aufgehend, sich erhebend; veda – weiß, erkennt; atha – dann, und; tathā – so, dementsprechend; upāste – verehrt; param – höchstes; jyotiḥ – Licht; upasampadyate – gelangt zu, tritt ein in; sarvam – die ganze; āyuḥ – Lebensdauer; eti – erreicht; vasīyān – besser, begünstigter; bhavati – wird; saḥ – derjenige; yaḥ – welcher; evam – so; enam – ihn; upāste – verehrt.
Erläuterung: Anu-udyantam wird hier als „dem Höchsten folgend aufgehend“ verstanden. Der Gegensatz zu ati-udyantam des vorherigen Satzes betrifft die Rangordnung von Erscheinung und höchstem Grund, nicht einfach die Tageszeit des Sonnenaufgangs.
7.1 – Die Frage nach dem Unbeschränkten
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |
Übersetzung: Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tam – ihn; itaraḥ – der andere; papraccha – fragte, Perfekt von √prach; katamat – welches, was von den Möglichkeiten; tvam – du; anārtam – unversehrt, unbedrängt, frei von Beschränkung; a-, nicht, und ārta, betroffen oder leidend; manyase – du meinst, hältst für; iti – Ende der Frage.
7.2 – Das Aufleuchten
taṃ hovāca | visphurantīrevemā lelāyantīriva sañjihānā iva nedīyasitamā iva davīyasitamā eva davīyasitamā iva nedīyasitamā eveti |
Übersetzung: Er sagte ihm: „Diese aufzuckenden [Lichterscheinungen], gleichsam spielend und hervorbrechend, scheinen allernächst und sind doch allerfernst, scheinen allerfernst und sind doch allernächst.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tam – ihm, zu ihm; ha – erzählende Partikel; uvāca – sagte; visphurantīḥ – aufzuckende, aufblitzende; Akkusativ Plural Femininum; eva – eben; imāḥ – diese; lelāyantīḥ – sich hin und her bewegende, spielende; intensive Bildung; iva – gleichsam; sañjihānāḥ – hervorbrechende, sich gemeinsam erhebende; Partizip Plural Femininum; iva – gleichsam; nedīyasitamāḥ – allernächste; ungewöhnliche verstärkte Steigerungsform; iva – gleichsam; davīyasitamāḥ – allerfernste; entsprechende übersteigerte Form; eva – eben, tatsächlich; davīyasitamāḥ – allerfernste; iva – gleichsam; nedīyasitamāḥ – allernächste; eva – eben, tatsächlich; iti – Ende der Beschreibung.
Erläuterung: Das feminine Bezugswort, etwa „Blitze“ oder „Lichterscheinungen“, wird nicht ausdrücklich gesetzt. Es wird im Deutschen in eckigen Klammern ergänzt. Die seltenen Steigerungsformen werden nach ihrem erkennbaren Gegensatz zwischen Nähe und Ferne erläutert.
7.3 – Nicht durch Benennung erfasst
yadapi bahudhācakṣīranna kiñca pratipadyata iti tanme brahmeti ||
Übersetzung: „Auch wenn man sie auf vielerlei Weise beschriebe, hätte man damit noch nichts erfasst. Das ist für mich Brahman.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – wenn, was das betrifft; api – auch, selbst; bahudhā – vielfach, auf vielerlei Weise; ācakṣīran – sie würden beschreiben, Optativ Medium Plural; na – nicht; kiñca – irgendetwas; mit na: nichts; pratipadyate – erfasst, gelangt dazu; auffälliger Wechsel zum Singular; iti – Ende dieser Aussage; tat – das; me – für mich; brahma – Brahman; iti – Ende der Bestimmung.
8.1 – Vasishthas Einwand
tadu ha vasiṣṭho nānumene | yadimā visphūrjayata evābhipadyante vīvayanti mithu ceti vicakṣate’kāṇḍa ivemā na ha vai paramitthā kaścanāśnotyasaṃvidāna iva |
Übersetzung: Vasishtha stimmte dem nicht zu: „Man trifft diese donnernd oder krachend hervorbrechenden [Erscheinungen] an; sie vergehen [Wortform unsicher], und man bezeichnet sie als vergeblich beziehungsweise falsch. Sie erscheinen unvermittelt. Ohne Erkenntnis erreicht niemand auf diese Weise das Höchste.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tat – das; u – weiterführende Partikel; ha – erzählende Partikel; vasiṣṭhaḥ – Vasishtha; na – nicht; anumene – stimmte zu; yat – weil, insofern; imāḥ – diese, feminin; visphūrjayataḥ – krachend, donnernd; überlieferte Form mit unklarem grammatischem Anschluss; eva – eben; abhipadyante – sie gelangen daran, treffen an; vīvayanti – unverständliche beziehungsweise ungewöhnliche Verbform; hier vorsichtig als Vergehen der Erscheinungen gedeutet; mithu – falsch, vergeblich oder gegeneinander; seltene Partikel, Bedeutung im Satz unsicher; ca – und; iti – so; vicakṣate – sie bezeichnen, erläutern; akāṇḍe – unversehens, unvermittelt; überliefert akāṇḍa vor iva; iva – gleichsam; imāḥ – diese; na – nicht; ha – bekräftigende Partikel; vai – fürwahr; param – das Höchste; itthā – so, auf diese Weise; kaścana – irgendjemand; mit na: niemand; aśnoti – erreicht; asaṃvidānaḥ – nicht wissend, ohne Erkenntnis; iva – gleichsam.
Erläuterung: Die Verbalform vīvayanti und der Anschluss von visphūrjayataḥ sind nicht sicher. Die Übersetzung stellt die erkennbare Kritik am bloßen Erfassen flüchtiger Erscheinungen dar und lässt die Textunsicherheit ausdrücklich stehen.
8.2 – Die Größe in der Erscheinung sehen
apa ye saṃvidrate tadetadantarvicakṣata iti | mahimnaḥ paśyemā vijāna iti |
Übersetzung: „Die aber Erkenntnis besitzen [Anfang beschädigt], erklären dieses im Inneren. Sieh diese [Erscheinungen] als Entfaltungen der Größe und erkenne!“
Wort-für-Wort-Erläuterung: apa – fort, weg; hier unklarer Satzanschluss, möglicherweise beschädigte Partikel; ye – diejenigen, welche; saṃvidrate – erkennen, verstehen; ungewöhnliche überlieferte Form; tat – jenes; etat – dieses; antaḥ – im Inneren; vicakṣate – sie erklären, erkennen auseinander; iti – Ende der Aussage; mahimnaḥ – Größen, Machtentfaltungen; die genaue Kasusfunktion ist unsicher; paśya – sieh, Imperativ; imāḥ – diese, die Lichterscheinungen; vijāna – erkenne, verstehe; überlieferte Imperativform; iti – Ende der Aufforderung.
8.3 – Verehrung als Entfaltung seiner Größe
sa ya evamimā mahimna evāsya paśyannupāste mahimna evāśnoti sarvamāyureti vasīyān bhavati |
Übersetzung: „Wer diese auf solche Weise als Entfaltungen seiner Größe betrachtet und verehrt, erreicht eben diese Größe, seine ganze Lebensdauer und ein besseres Gedeihen.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – derjenige; yaḥ – welcher; evam – so; imāḥ – diese; mahimnaḥ – Größen, Machtentfaltungen; überlieferte Form; eva – eben; asya – dessen, seine; paśyan – sehend, betrachtend; upāste – verehrt; mahimnaḥ – die Größe oder ihre Entfaltungen; erneut dieselbe auffällige Flexion; eva – eben; aśnoti – erreicht; sarvam – die ganze; āyuḥ – Lebensdauer; eti – erreicht; vasīyān – besser, begünstigter; bhavati – wird.
8.4 – Das Vergehen allein verehren
yastvimā avayatīrevopāste na parā sampadyamānā no eva pareti pāpīyān bhavati vīvapadyate pramīyate |
Übersetzung: „Wer diese dagegen nur als vergehend verehrt, ohne sie als in das Höchste eingehend zu verstehen, gelangt nicht zum Höchsten; er wird schlechter gestellt, scheitert und stirbt.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer; tu – aber, dagegen; imāḥ – diese; avayatīḥ – weggehende, vergehende; Partizip Plural Femininum zu ava-√i; eva – nur, eben; upāste – verehrt; na – nicht; parā – in das Höchste, jenseits; auffällige adverbiale oder gekürzte Form; sampadyamānāḥ – eingehende, dazu werdende; na – nicht; u – weiterführende Partikel, mit na zu no verbunden; eva – eben; parā – zum Höchsten, hinüber; eti – gelangt; pāpīyān – schlechter, elender; bhavati – wird; vīvapadyate – scheitert, geht fehl; pramīyate – stirbt.
8.5 – Die Rückkehr in den höchsten Grund
atha ya imāḥ parā sampadyamānā evopāste paraiva sampadyate sarvamāyureti vasīyān bhavati ||
Übersetzung: „Wer diese jedoch als in das Höchste eingehend verehrt, geht selbst in das Höchste ein, erreicht seine ganze Lebensdauer und wird besser gestellt.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: atha – aber, sodann; yaḥ – wer; imāḥ – diese; parā – in das Höchste, hinüber; sampadyamānāḥ – eingehende, dazu werdende; eva – eben; upāste – verehrt; parā – in das Höchste, hinüber; eva – eben; sampadyate – geht ein, wird dazu; sarvam – die ganze; āyuḥ – Lebensdauer; eti – erreicht; vasīyān – besser, begünstigter; bhavati – wird.
9.1 – Die Frage nach dem Unbeschränkten
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |
Übersetzung: Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tam – ihn; itaraḥ – der andere; papraccha – fragte, Perfekt von √prach; katamat – welches, was von den Möglichkeiten; tvam – du; anārtam – unversehrt, unbedrängt, frei von Beschränkung; a-, nicht, und ārta, betroffen oder leidend; manyase – du meinst, hältst für; iti – Ende der Frage.
9.2 – Erkenntnis und Verneinung
mahāvijñānamiva pratipadenādhyavasāyamiva yatraitaditthetthetyabhipaśyati | atha neti netyetaditthettheti |
Übersetzung: „Es ist gleichsam umfassende Erkenntnis und ein Feststellen bei jedem einzelnen Schritt beziehungsweise Wort, wo man dies als ‚so und so‘ betrachtet. Und dann: ‚Nicht so, nicht so‘ – gegenüber jedem ‚so und so‘.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: mahā-vijñānam – große, umfassende Erkenntnis; mahā, groß, und vijñāna, Erkenntnis; iva – gleichsam; pratipadena – mit jedem einzelnen Wort beziehungsweise Schritt; Instrumental von pratipada; adhyavasāyam – Feststellung, Bestimmung, entschiedenes Erfassen; iva – gleichsam; yatra – wo, worin; etat – dieses; ittham itthā – so und so; iti – als so bezeichnet; abhipaśyati – betrachtet, erkennt; atha – darauf, dann; na – nicht; iti – so; na – nicht; iti – so; etat – dieses; ittham itthā – so und so; iti – als so bezeichnet.
Erläuterung: Die Stelle verbindet Erkenntnis mit der Formel Neti Neti. Die Negation begrenzt jede bestimmte Beschreibung. Sie muss nicht als Behauptung verstanden werden, es gebe überhaupt kein Selbst. Der nachfolgende Satz benennt den Atman ausdrücklich.
9.3 – Der unbegrenzte Atman
sa vā ayamātmā ananto’jaro’pāro na vā are bāhyo nāntaraḥ sarvavidbhārūpo vighasaḥ prasaraṇo’ntarjyotirviśvabhuk sarvasya vaśī sarvasyeśānaḥ sarvamabhikṣipanna tamaśnoti kaścana ||
Übersetzung: „Dieses Selbst ist ohne Ende, ohne Alter und ohne jenseitige Grenze. Es ist, mein Lieber, weder außen noch innen; es kennt alles, hat Licht zur Gestalt, ist vighasa [Bedeutung hier unsicher], breitet sich aus, trägt Licht in sich und umfasst alles als Genießender. Es ist Herr über alles, gebietet über alles und überragt alles. Niemand erreicht es.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – jenes, dieses; vai – fürwahr; ayam – dieses; ātmā – Selbst, Atman; anantaḥ – ohne Ende; an-, nicht, und anta, Ende; ajaraḥ – nicht alternd; apāraḥ – ohne jenseitiges Ufer, grenzenlos; na – nicht; vai – fürwahr; are – o du, mein Lieber, Anredepartikel; bāhyaḥ – äußerlich, draußen; na – nicht; antaraḥ – innerlich, innen; sarva-vit – alles kennend; sarva, alles, und vit, wissend; bhā-rūpaḥ – Licht als Gestalt habend; bhā, Licht, und rūpa, Gestalt; vighasaḥ – gewöhnlich Speiserest oder Übriggebliebenes; die Bedeutung als Atman-Bezeichnung ist hier ungesichert; prasaraṇaḥ – sich ausbreitend, hervorströmend; antar-jyotiḥ – inneres Licht habend, im Inneren Licht; antar, innen, und jyotis, Licht; viśva-bhuk – alles genießend, alles verzehrend; viśva, alles, und bhuj, genießen; sarvasya – über alles, Genitiv; vaśī – Beherrscher, Herr; sarvasya – über alles, Genitiv; īśānaḥ – Gebieter, Herrscher; sarvam – alles; abhikṣipan – überragend, überwältigend, zurückweisend; Partizip zu abhi-√kṣip; na – nicht; tam – ihn, es; aśnoti – erreicht; kaścana – irgendjemand; mit na: niemand.
Erläuterung: Vighasa wird nicht stillschweigend in ein anderes Wort umgeändert. „Niemand erreicht es“ steht im Spannungsverhältnis zu den zuvor genannten Früchten der Verehrung: Der höchste Grund lässt sich nicht wie ein einzelner Gegenstand ergreifen.
Vers 1 – Agni Vaishvanara
parovarīyāṃsamabhipraṇutyamantarjuṣāṇaṃ bhuvanāni viśvā |
yamaśnavanna kuśikāso agniṃ vaiśvānaramṛtajātaṃ gamadhyayī || 1 ||
Übersetzung: Den immer Höheren, zu Preisenden, der im Inneren alle Welten bewohnt; Agni Vaishvanara, aus der kosmischen Ordnung geboren, den die Kushikas nicht erreichten, [sucht man] aufzusuchen [Schlussform beschädigt].
Wort-für-Wort-Erläuterung: paro-varīyāṃsam – immer höheren, den anderen überlegenen; Steigerungsbildung, Akkusativ; abhipraṇutyam – zu Preisenden, zu Verehrenden; antaḥ – im Inneren; juṣāṇam – bewohnend, liebend annehmend, genießend, Partizip Akkusativ; bhuvanāni – Welten; viśvā – alle, vedische Pluralform; yam – den, welchen; aśnavan – sie erreichten; na – nicht; kuśikāsaḥ – Kushikas, Nachkommen Kushikas, vedischer Nominativ Plural; agnim – Agni, Feuer, Akkusativ; vaiśvānaram – Vaishvanara, zu allen Menschen gehörig, allmenschlich; ṛta-jātam – aus Ṛta geboren; ṛta, kosmische Ordnung, und jāta, geboren; gamadhyayī – beschädigte oder überformte Schlussform; sie erinnert an den vedischen Infinitiv gamadhyai, zu gehen oder zu erreichen.
Erläuterung: Die überlieferte Negation na bleibt erhalten. Die Schlussform gamadhyayī ergibt keinen durchgehend sicheren Satzanschluss. Die drei Strophen werden nach der Druckzählung getrennt wiedergegeben; die Übersetzung ergänzt keinen ungedruckten Hauptsatz als gesicherten Wortlaut.
Vers 2 – Indra wird angerufen
bharebhareṣu tamupahvayāma prasāsahiṃ yudhyamindraṃ vareṇyam |
satrāsā [ha] mavase janānāṃ puruhūtamṛgmiṇaṃ viśvavedasam || 2 ||
Übersetzung: In den immer neuen Kämpfen rufen wir ihn an: den siegreich Überwältigenden, den kampfbereiten, erwählenswerten Indra, den Bezwinger zum Beistand der Menschen, den Vielgerufenen, mit Hymnen Verbundenen, Allwissenden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: bhare-bhareṣu – in jedem Kampf, bei den wiederkehrenden Auseinandersetzungen; wiederholtes bhara mit auffälliger Flexion; tam – ihn; upahvayāma – wir rufen an, möge unsere Anrufung ihm gelten; überlieferte erste Person Plural; prasāsahim – übermächtig siegend, bezwingend, Akkusativ einer intensiven Bildung zu √sah; yudhyam – kämpferischen, zum Kampf geeigneten; indram – Indra; vareṇyam – zu erwählenden, vorzüglichen; satrāsā[ha]m – gänzlich Bezwingenden; die Silbe ha steht in der Druckausgabe als Ergänzung in Klammern; avase – zum Beistand, zur Hilfe, Dativ; janānām – der Menschen; puru-hūtam – den Vielgerufenen; puru, viel, und hūta, gerufen; ṛgmiṇam – mit Rigversen oder Hymnen versehenen; Bildung zu ṛc; viśva-vedasam – den alles Wissenden; viśva, alles, und vedas, Wissen.
Erläuterung: Der Druck trennt satrāsā [ha] m ungewöhnlich. Die eckigen Klammern bleiben erhalten, weil sie eine editorische Ergänzung anzeigen. Die Worterklärung nennt die zusammenhängend verstandene Akkusativform.
Vers 3 – Der Schlangentöter im Meer
ahighnaṃ tamarṇave śayānaṃ vāvṛhāṇaṃ tavasā pareṇa || 3 ||
Übersetzung: Ihn, den Schlangentöter, der im wogenden Meer liegt und durch höchste Kraft angewachsen ist.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ahi-ghnam – den Schlangentöter; ahi, Schlange, und ghna, tötend, vernichtend; tam – ihn; arṇave – im wogenden Meer, Lokativ; śayānam – liegend, ruhend, Partizip Akkusativ; vāvṛhāṇam – angewachsen, erstarkt; überlieferte Partizipialform zu √vṛh beziehungsweise √vṛdh; tavasā – durch Kraft, mit Macht, Instrumental; pareṇa – durch höchste, überlegene, Instrumental.
Erläuterung: Die Vorlage zählt diese zwei Versfüße als eigene dritte Einheit. Die Akkusative schließen an die Anrufung des vorherigen Verses an; deshalb steht im Deutschen kein frei erfundenes neues finites Verb.
10.1 – Einsicht und Verneigung
tadu ha pratipedire | te vābhivādyaivopasamīyuḥ | namo’gnaye | nama indrāya | namaḥ prajāpataye | namo brahmaṇe | namo brahmaṇe ||
Übersetzung: Dies erkannten sie. Nach ehrerbietiger Begrüßung kamen sie zusammen: „Verneigung vor Agni! Verneigung vor Indra! Verneigung vor Prajapati! Verneigung vor Brahman! Verneigung vor Brahman!“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tat – das, dies; u – weiterführende Partikel; ha – erzählende Partikel; pratipedire – erkannten, nahmen an, gelangten zur Einsicht, Perfekt Medium; te – sie; vai – fürwahr; vor abhivādya zu vā verkürzt; abhivādya – begrüßt, ehrerbietig angesprochen habend; eva – eben; upasamīyuḥ – kamen zusammen, näherten sich; namaḥ – Verneigung, Ehrerbietung; agnaye – Agni, Dativ; namaḥ – Verneigung; indrāya – Indra, Dativ; namaḥ – Verneigung; prajāpataye – Prajapati, dem Herrn der Geschöpfe, Dativ; namaḥ – Verneigung; brahmaṇe – Brahman, dem heiligen Grund; im Kontext auch auf Brahma beziehbar, Dativ; namaḥ – Verneigung, Wiederholung; brahmaṇe – Brahman, Wiederholung des Dativs.
Kolophon – Schlussformel
ityārṣeyopaniṣat samāptā |
Übersetzung: Damit ist die Arsheya Upanishad beendet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: iti – so, damit; ārṣeya-upaniṣat – die Upanishad der Rishis, die Arsheya Upanishad; samāptā – beendet, abgeschlossen.
Datierung und Überlieferung
Ein altes Thema ist noch kein gesichertes Datum
Die Arsheya Upanishad behandelt Themen, die aus den klassischen Upanishaden bekannt sind: die Suche nach Brahman, die Betrachtung der Natur als Erscheinung eines höheren Grundes und die Unterscheidung zwischen diesem Grund und einer einzelnen Gestalt. Ihr genaues Entstehungsdatum ist trotzdem nicht gesichert. Der Name eines alten Rishi in einem Dialog datiert nicht automatisch die Niederschrift des Dialogs. Ebenso kann eine spätere Schrift ältere sprachliche und gedankliche Formen aufnehmen.
Die fünf Gesprächsteilnehmer werden als Autoritäten einer überlieferten Weisheit dargestellt. Der Text nennt keinen historisch nachweisbaren Verfasser und kein Abfassungsjahr. Für die Beurteilung seines Alters sind deshalb Sprachform, Textparallelen und Handschriftenüberlieferung heranzuziehen. Gerade die Sprachform ist schwierig: Neben vedisch wirkenden Wendungen stehen unregelmäßige Formen und offenbar beschädigte Sätze. Aus ihnen lässt sich ohne weitere textkritische Arbeit keine präzise Jahrhundertangabe gewinnen.
Schraders Einschätzung von 1908
Friedrich Otto Schrader nennt die Arsheya im Vorwort seines Handschriftenkatalogs von 1908 zusammen mit Chhagaleya und Shaunaka. Er erklärt, dass diese Schriften aus dem Oupnek’hat bereits bekannt waren, während ihre Sanskritoriginale zuvor gefehlt hatten. Zugleich hebt er den schlechten Zustand ihrer Sanskritüberlieferung hervor. Er ordnet die drei Texte dem Ende der ersten upanishadischen Prosaperiode zu. Diese relative Einordnung ist eine historische Forschungsposition, kein Beweis für ein bestimmtes Abfassungsjahr. Schrader, Katalog von 1908, Vorwort S. V
Es wäre daher ungenau, die Arsheya als einen erst 1908 entstandenen oder erstmals überhaupt bekannt gewordenen Text zu beschreiben. Das Neue betraf den Zugang zur Sanskritfassung. Ebenso ungenau wäre die Behauptung, der Katalog liefere bereits eine vollständig gesicherte kritische Textrekonstruktion.
Belvalkars erste vorläufige Sanskritedition von 1925
S. K. Belvalkar veröffentlichte 1925 die Arsheya zusammen mit der Bashkala-Mantra-, Chhagaleya- und Shaunaka-Upanishad in Four Unpublished Upaniṣadic Texts. Schon der Untertitel bezeichnet die Texte ausdrücklich als „tentatively edited and translated“: als erstmals vorläufig edierte und übersetzte Sanskrittexte. Für die Überlieferungsgeschichte ist 1925 deshalb das entscheidende Jahr der ersten gedruckten Sanskritedition; 1908 bezeichnet den vorausgehenden Handschriftenkatalog, 1933 die hier als Textgrundlage benutzte Adyar-Sammlung.
Arsheya als Ark’hi im Oupnek’hat
Paul Deussen behandelte die Schrift unter dem überlieferten Namen Ark’hi im Anhang seiner Sechzig Upanishad’s des Veda, S. 853–855. Seine damalige Übersetzung beruhte auf der persisch-lateinischen Überlieferung, nicht auf den später gedruckten Sanskritseiten. Bereits diese Fassung zeigt das Gespräch der fünf Weisen. Deussen erkannte Beziehungen zu älteren upanishadischen Motiven und beschrieb das Werk als deren Nachklang. Seine Erläuterungen gehören zur Rezeptionsgeschichte; eine Übereinstimmung im allgemeinen Sinn garantiert noch keine Wortgleichheit mit der Sanskritfassung von 1933.
Auch die Zuordnung zu einem der vier Veden ist quellenbezogen zu betrachten. In der älteren Oupnek’hat-Zuordnung wird Ark’hi dem Atharvaveda zugerechnet. Die bloße Nennung rigvedischer Rishis macht den erhaltenen Dialog nicht automatisch zum fest lokalisierbaren Kapitel einer Rigveda-Rezension.
Der benutzte Sanskritdruck
Die Ausgabe Aprakāśitā Upaniṣadaḥ von 1933 enthält den Text auf drei Seiten. Ihr Herausgeber weist im Vorwort ausdrücklich darauf hin, dass die Sammlung keine kritische Edition beansprucht und dass manche der aufgenommenen Texte in stark beschädigter Form vorliegen. Die Arsheya enthält dafür zahlreiche Beispiele. Bei idapa bleibt schon die Wortidentifikation offen; bei manchen Sätzen stimmen die Personen oder Zahlen der Verben nicht mit den erwarteten Subjekten überein. Ausgabe von 1933, Vorwort und S. 7–9
Eine verantwortliche Darstellung muss diese Probleme bewahren. Sie kann den erhaltenen Wortlaut wiedergeben, erkennbare Wortbestandteile erklären und eine vorsichtige Sinnannäherung anbieten. Wo der Wortlaut diese Annäherung nicht sicher trägt, muss dies am betreffenden Abschnitt erkennbar bleiben. Gerade die abschließende Formel „nicht so, nicht so“ berechtigt nicht dazu, jede unverständliche Textstelle beliebig philosophisch auszudeuten.
Inhalt und Gedankengang
Vishvamitra: das nicht zu bearbeitende Zwischenreich
Vishvamitra beginnt mit einer Wirklichkeit zwischen Himmel und Erde. Sie scheint alles zu durchdringen und entzieht sich der gewöhnlichen Verfügung. Eine lange Reihe von Werkzeugen und Tätigkeiten macht dies anschaulich: Feuer, Wasser, Riemen, Seile, Hämmer, Nadeln, Pflöcke, Lehm, Beile und Pflugscharen vermögen sie nicht wie einen festen Gegenstand zu bearbeiten. Der Schlusssatz betont, dass man weder über sie herrschen noch über sie hinausgehen kann.
Jamadagni widerspricht. Das so Beschriebene ist antarikṣa, das Zwischenreich. Es steht in einer Beziehung zu Himmel und Erde und ist deshalb noch nicht das schlechthin Unbeschränkte. Dennoch kann es als Erscheinung der Größe des Höchsten betrachtet werden. Damit führt der Dialog eine Unterscheidung ein, die in den folgenden Antworten wiederkehrt: Ein Bereich der Welt kann auf Brahman verweisen, ohne mit einer erschöpfenden Bestimmung Brahmans gleichgesetzt zu werden.
Jamadagni: der Raum ohne Ansatzpunkt
Auf die Frage nach dem Unbeschränkten verweist Jamadagni auf etwas, an dem man nicht ansetzen, das man nicht erreichen oder vollständig benennen kann. Die Welt-Eier erscheinen darin, ohne ihren Halt zu verlieren. Verschiedene Menschen benennen es verschieden: als Dunkelheit, Licht, freien Raum, höchsten Himmel oder Selbst. Ein weiteres, im Druck als idapa erscheinendes Glied bleibt unverständlich.
Diese Vielfalt der Bezeichnungen ist nicht einfach ein Wörterbuch austauschbarer Begriffe. Sie zeigt auch die Schwierigkeit, den gemeinten Grund in einer einzelnen Bestimmung festzuhalten. Bharadvaja hält die vorgelegte Erkenntnis wiederum für nicht ausreichend. Der Dialog fordert dadurch zur Prüfung auf, was eine Benennung tatsächlich erklärt.
Bharadvaja: das Licht der Sonnenscheibe
Bharadvaja richtet die Betrachtung auf das leuchtende Prinzip in der Sonnenscheibe. Eine Folge intensiver Verbalformen schildert Drehen, Strahlen, Flammen, Glänzen und Züngeln. Das Licht scheint sich einem Zugriff zu entziehen: In der Nähe ist es fern, aus der Ferne scheint es nahe. Die Beschreibung macht das Licht zu einem Gegenstand der Kontemplation, den gewöhnliche räumliche Annäherung nicht erschöpft.
Gautama hält auch diese Bestimmung für begrenzt. Er verweist auf den goldenen Purusha im Inneren. Die Merkmale – Goldfarbe, goldener Bart und Leuchten bis zu den Nagelspitzen – erinnern an die Chhandogya Upanishad 1.6.6. Dabei bleibt entscheidend, wie dieser Purusha zum Höchsten verstanden wird. Der Text unterscheidet ein angebliches Hinausragen über das Höchste von einem Aufgehen in dessen Abhängigkeit.
Gautama und Vasishtha: die flüchtigen Lichterscheinungen
Die nächste Bestimmung nennt aufzuckende und sich bewegende Erscheinungen, die nächst und fern zugleich scheinen. Kein beschreibender Ausdruck soll sie bereits vollständig erfassen. Vasishtha wendet ein, dass auch solche Erscheinungen auftreten und vergehen. Ihre Betrachtung führt nur dann weiter, wenn sie als Entfaltungen der Größe und als in den höchsten Grund eingehend verstanden werden.
Die Abschnitte enthalten auffällige und teilweise beschädigte Sanskritformen. Ihr wiederholtes Grundmuster ist dennoch deutlich: Die bloße Wahrnehmung einer Erscheinung wird von der Erkenntnis ihres Zusammenhangs unterschieden. Der Artikel gibt deshalb sowohl die einzelnen Aussagen als auch ihre sprachlichen Unsicherheiten wieder.
Vasishtha: Neti Neti und der Atman
Vasishthas letzte Antwort verbindet umfassende Erkenntnis mit der Verneinung jeder festgelegten Bestimmung. Auf „so und so“ folgt „nicht so, nicht so“. Anschließend wird der Atman als endlos, alterslos und grenzenlos bezeichnet. Er ist weder lediglich außen noch lediglich innen. Er kennt alles, wird mit Licht verbunden und als Herr aller Dinge beschrieben.
Die abschließenden Verse rufen Agni Vaishvanara und Indra an. Sie beenden die philosophische Untersuchung in der Sprache von Lob und Verehrung. Die Unterscheidung zwischen höchstem Grund und einzelnen Erscheinungen führt somit nicht zum vollständigen Verstummen religiöser Sprache. Sie verändert vielmehr den Anspruch, mit dem solche Sprache gebraucht wird.
Bedeutung der Arsheya Upanishad
Jede Antwort wird einer Prüfung ausgesetzt
Der Dialog zeigt, wie eine bedeutende religiöse Vorstellung zu einer vorläufigen Antwort werden kann. Raum und Licht sind keine beliebigen Irrtümer; sie erschließen bestimmte Züge des Gesuchten. Doch jede Antwort wird daraufhin geprüft, ob sie noch von Bedingungen abhängt. Das macht den Text für Jnana Yoga und Viveka, die unterscheidende Untersuchung, interessant.
Die wiederkehrende Frage nach anārta kann wörtlich als Frage nach dem Unbedrängten oder Unversehrten verstanden werden. In diesem Gespräch zielt sie auf das, was nicht von einer äußeren Bedingung begrenzt wird. Die deutsche Wiedergabe „unbeschränkt“ erklärt diesen Zusammenhang, ohne den ursprünglichen Wortbereich von Leid und Betroffenheit zu leugnen.
Upasana setzt Verständnis voraus
Mehrfach unterscheidet der Text zwischen wissender und unwissender Upasana. Entscheidend ist nicht allein, dass verehrt wird, sondern wie der Gegenstand der Verehrung verstanden wird. Eine Erscheinung als selbstständiges Letztes zu behandeln, ist etwas anderes, als in ihr die Entfaltung eines umfassenderen Grundes zu erkennen.
Die ausgesagten Früchte – volles Leben, Gedeihen, Anteil am Licht – gehören zur religiösen Sprache der Upanishad. Für ihre Auslegung ist zuerst zu fragen, welche innere Haltung mit ihnen verbunden wird. Sie sind keine empirische Zusicherung, dass jede Person durch eine bestimmte Vorstellung länger leben müsse.
Die Grenzen des Begriffs
Neti Neti korrigiert den Versuch, den Atman durch eine endliche Beschreibung ganz festzulegen. Der Text bietet anschließend selbst weitere Beschreibungen. Diese Spannung ist aufschlussreich: Sprache bleibt nötig, wird aber nicht mit dem unbegrenzten Gegenstand gleichgesetzt. Die Attribute weisen auf den Atman hin; sie machen ihn nicht zu einem gewöhnlichen, abgrenzbaren Objekt.
Der Dialog darf daher weder auf „Alles ist Licht“ noch auf „Man kann überhaupt nichts erkennen“ verkürzt werden. Er untersucht verschiedene Erkenntnisweisen und unterscheidet ihren Geltungsbereich. Gerade die wiederholten Einwände geben dem Gespräch seine philosophische Gestalt.
Bedeutung heute
Die eigene Lieblingsvorstellung prüfen
Für heutige Leser kann der Dialog dazu anregen, auch eine geschätzte Vorstellung überprüfbar zu halten. Wer das Göttliche vor allem als Licht, Raum oder inneren Zeugen denkt, kann fragen, was damit verständlich wird und welche Fragen offenbleiben. Das bedeutet eine Vertiefung der Sadhana, wenn die Frage ernsthaft aus der eigenen Erfahrung gestellt wird.
Studium und Meditation verbinden
Die Schrift eignet sich für ein langsames Studium einzelner Redeabschnitte. Nach dem Lesen kann man die betreffende Vorstellung betrachten und dann den folgenden Einwand hinzunehmen. Die Bewegung von Aussage zu Prüfung ist bereits ein Teil des Textes. Die drei Schlussverse können zusätzlich als Ausdruck einer verehrenden Haltung gelesen werden. Eine festgelegte Rezitationsmelodie oder ein bestimmtes Atemschema lehrt der erhaltene Text nicht.
Bescheidenheit im Erkennen
Keiner der im Dialog ausgesprochenen Rang- oder Wissensansprüche beendet die Untersuchung sofort. Das kann anregen, in spirituellen Gesprächen sorgfältig zuzuhören und eine Gegenfrage nicht als persönlichen Angriff zu behandeln. Zugleich verlangt der schlechte Textzustand intellektuelle Ehrlichkeit. An manchen Stellen ist ein offenes „noch nicht sicher verstanden“ genauer als eine glatte Erklärung. Diese Haltung passt zu Satya, Wahrhaftigkeit, und unterstützt ein gründliches Svadhyaya.
Vollständiger erhaltener Text auf Devanagari
१.१
ॐ ऋषयो वै ब्रह्मोद्यमाह्वयितवा ऊचुः परस्परमिवानुब्रुवाणाः ।
१.२
तेषां विश्वामित्रो विजितीयमिव मन्यमान उवाच ।
१.३
यदेतदन्तरे द्यावापृथिवी अनश्नुवदिव सर्वमश्नवद्यदिदमाकाशमिवेतश्चेतश्च स्तनयन्ति विद्योतमाना इवावस्फूर्जयमाना इव तद्ब्रह्मेति ।
१.४
तस्योपव्याख्यानम् । यदिदमग्निभिर्ज्वलयन्ति पोप्लूययन्त्यद्भिरभिषीवयन्ति वद्ध्रीभिरभिग्रथ्नन्ति वरत्राभिरभिघ्नन्त्ययोघनैर्विध्यन्ति सूचीभिः निखानयन्ति शङ्कुभिरभितृन्दन्ति पड्वीशिकाभिरभिलिम्पन्ति मृत्स्नया तक्ष्णुवन्ति वासीभिः कृष्णन्ति फलिभिर्नहैव शक्नुवत इति
१.५
नास्येशीमहि नैनमतीयीमहि ॥
२.१
तदु ह जमदग्निर्नानुमेने आर्तमिव वा एष तन्मेने यदिदमन्तरेणैनदुपयन्ति पर्यास इवैष दिवस्पृथिव्योरिति ।
२.२
स होवाच अन्तरिक्षं वा एतद्यदिदमित्थेत्थोपव्याख्ये इति । महिमानं त्वमुष्येह पश्यामीति यदिदमस्मिन्नन्वायत्तमिति ।
२.३
स यदिदमेतस्मिन्नन्वायत्तं वेदाथ तथोपास्तेऽन्वायत्तो हैवास्मिन् भवति ।
२.४
तदेतदविद्वानेवास्मिन्नन्वायत्तमुपास्ते वीवपद्यत् आर्तिमृच्छेत् । तस्मादेवमेवोपासीत ॥
३.१
तम् इतरः पप्रच्छ । कतमत् त्वम् अनार्तं मन्यस इति ।
३.२
तं होवाच । यदिदमिति द्यावापृथिव्योरनारम्भमिव नोपयन्ति नाभिचक्षते नाश्नुवन्ति ।
३.३
तस्योपव्याख्यानम् । यदिदमितश्चेतश्चाण्डकोशा उदयन्ति नापद्यन्त इव न विस्रंसन्त इव न स्खलन्तीव न पर्यावर्तन्त इव ।
३.४
न ह वा एनत्केचिदुपधावन्तो विन्दन्ति नाभिपश्यन्ति ।
३.५
यदिदमेक इदप (?) एवाहुस्तम एके ज्योतिरेकेऽवकाशमेके परमं व्योमैक आत्मानमेक इति ॥
४.१
तदु ह भरद्वाजो नानुमेने । यदिह सर्वे वेत्थेत्थेति द्यूदिरे नास्य तद्रूपं पर्याप्तमिति ।
४.२
स होवाच । आर्तमिवेदं ते विज्ञानमपि स्विदेनद्रोदस्योरेव पर्यायेणोपवन्वीमहि यदिदमित्थेत्थोपव्याख्यास्याम इति ।
४.३
महिमानं त्वेवास्योपासे । यदिदमत्रान्वायत्तमिति ।
४.४
स यदिदमत्रान्वायत्तं वेदाथ तथैवोपास्तेऽत्रैवान्वायत्तो भवति ।
४.५
स य इहान्वायत्तमिदमविद्वानेवैतदुपास्ते पापीयान् भवत्यार्तिमार्च्छत्यवम्रियते यदेवमेतदन्वायत्तमुपास्ते सर्वमायुरेति वसीयान् भवति । स य एतदेनमुपास्ते ॥
५.१
तम् इतरः पप्रच्छ । कतमत् त्वम् अनार्तं मन्यस इति ।
५.२
स होवाच । यदेतस्मिन् मण्डलेऽर्चिर्दीप्यते बम्भ्रम्यमाणमिव चाकश्यमानमिव जाज्वल्यमानमिव देदीप्यमानमिव लेलिहानं तदेव मे ब्रह्म ।
५.३
तस्योपव्याख्यानं यदिदमद्धैव पराः परावतोऽभिपद्यन्ते सम्पन्नमेवैतत् सम्मितमेव यथोपयातमात्मैवाभिचक्षत इति ।
५.४
य एतदभिपद्येव गुह्णीयादथो विस्फुरन्तीव धावन्तीवोत्प्लवन्तीवोपश्लिप्यन्तीव न हैवाभिपद्यन्ते ।
५.५
तदिदमन्तिके दवीयो नेदीय इव दूरतो न वा अस्य महिमानं कश्चिदेतीति ॥
६.१
तदु ह न मेने गौतमो यदिदमार्तमिव स्तिमितमिव पर्यायेण पश्यन्तीवेमं मोघं संविदाना इति ।
६.२
य इमे पुण्ड्राः सुह्माः कुलुम्भा दरदा बर्बरा इति । न ह वा असंविदाना एव द्रागिवाभि तत्पद्यन्त इति ।
६.३
महिमानं त्वेवास्योपासे । य एतदस्मिन्नन्तरे हिरण्मयः पुरुषो हिरण्यवर्णो हिरण्यश्मश्रुरानखाग्रेभ्यो दीप्यमान इव ।
६.४
स य एवमेनमुपास्तेऽतीव सर्वभूतानि तिष्ठन्ति सर्वमायुरेति वसीयान् भवति ।
६.५
न ह वा एष परमतीवोदेति । यस्त्वेनं परमतीवोद्यन्तं पश्यन्नुपास्ते पापीयान् भवति वीवपद्यत आर्तिमृच्छति ।
६.६
यस्त्वेनं परमनूद्यन्तं वेदाथ तथोपास्ते परं ज्योतिरुपसम्पद्यते सर्वमायुरेति वसीयान् भवति । स य एवमेनमुपास्ते ॥
७.१
तम् इतरः पप्रच्छ । कतमत् त्वम् अनार्तं मन्यस इति ।
७.२
तं होवाच । विस्फुरन्तीरेवेमा लेलायन्तीरिव सञ्जिहाना इव नेदीयसितमा इव दवीयसितमा एव दवीयसितमा इव नेदीयसितमा एवेति ।
७.३
यदपि बहुधाचक्षीरन्न किञ्च प्रतिपद्यत इति तन्मे ब्रह्मेति ॥
८.१
तदु ह वसिष्ठो नानुमेने । यदिमा विस्फूर्जयत एवाभिपद्यन्ते वीवयन्ति मिथु चेति विचक्षतेऽकाण्ड इवेमा न ह वै परमित्था कश्चनाश्नोत्यसंविदान इव ।
८.२
अप ये संविद्रते तदेतदन्तर्विचक्षत इति । महिम्नः पश्येमा विजान इति ।
८.३
स य एवमिमा महिम्न एवास्य पश्यन्नुपास्ते महिम्न एवाश्नोति सर्वमायुरेति वसीयान् भवति ।
८.४
यस्त्विमा अवयतीरेवोपास्ते न परा सम्पद्यमाना नो एव परेति पापीयान् भवति वीवपद्यते प्रमीयते ।
८.५
अथ य इमाः परा सम्पद्यमाना एवोपास्ते परैव सम्पद्यते सर्वमायुरेति वसीयान् भवति ॥
९.१
तम् इतरः पप्रच्छ । कतमत् त्वम् अनार्तं मन्यस इति ।
९.२
महाविज्ञानमिव प्रतिपदेनाध्यवसायमिव यत्रैतदित्थेत्थेत्यभिपश्यति । अथ नेति नेत्येतदित्थेत्थेति ।
९.३
स वा अयमात्मा अनन्तोऽजरोऽपारो न वा अरे बाह्यो नान्तरः सर्वविद्भारूपो विघसः प्रसरणोऽन्तर्ज्योतिर्विश्वभुक् सर्वस्य वशी सर्वस्येशानः सर्वमभिक्षिपन्न तमश्नोति कश्चन ॥
Vers १
परोवरीयांसमभिप्रणुत्यमन्तर्जुषाणं भुवनानि विश्वा ।
यमश्नवन्न कुशिकासो अग्निं वैश्वानरमृतजातं गमध्ययी ॥ १ ॥
Vers २
भरेभरेषु तमुपह्वयाम प्रसासहिं युध्यमिन्द्रं वरेण्यम् ।
सत्रासा [ह] मवसे जनानां पुरुहूतमृग्मिणं विश्ववेदसम् ॥ २ ॥
Vers ३
अहिघ्नं तमर्णवे शयानं वावृहाणं तवसा परेण ॥ ३ ॥
१०.१
तदु ह प्रतिपेदिरे । ते वाभिवाद्यैवोपसमीयुः । नमोऽग्नये । नम इन्द्राय । नमः प्रजापतये । नमो ब्रह्मणे । नमो ब्रह्मणे ॥
Kolophon
इत्यार्षेयोपनिषत् समाप्ता ।
Vollständiger erhaltener Text in IAST
1.1
oṃ ṛṣayo vai brahmodyamāhvayitavā ūcuḥ parasparamivānubruvāṇāḥ |
1.2
teṣāṃ viśvāmitro vijitīyamiva manyamāna uvāca |
1.3
yadetadantare dyāvāpṛthivī anaśnuvadiva sarvamaśnavadyadidamākāśamivetaścetaśca stanayanti vidyotamānā ivāvasphūrjayamānā iva tadbrahmeti |
1.4
tasyopavyākhyānam | yadidamagnibhirjvalayanti poplūyayantyadbhirabhiṣīvayanti vaddhrībhirabhigrathnanti varatrābhirabhighnantyayoghanairvidhyanti sūcībhiḥ nikhānayanti śaṅkubhirabhitṛndanti paḍvīśikābhirabhilimpanti mṛtsnayā takṣṇuvanti vāsībhiḥ kṛṣṇanti phalibhirnahaiva śaknuvata iti
1.5
nāsyeśīmahi nainamatīyīmahi ||
2.1
tadu ha jamadagnirnānumene ārtamiva vā eṣa tanmene yadidamantareṇainadupayanti paryāsa ivaiṣa divaspṛthivyoriti |
2.2
sa hovāca antarikṣaṃ vā etadyadidamitthetthopavyākhye iti | mahimānaṃ tvamuṣyeha paśyāmīti yadidamasminnanvāyattamiti |
2.3
sa yadidametasminnanvāyattaṃ vedātha tathopāste’nvāyatto haivāsmin bhavati |
2.4
tadetadavidvānevāsminnanvāyattamupāste vīvapadyat ārtimṛcchet | tasmādevamevopāsīta ||
3.1
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |
3.2
taṃ hovāca | yadidamiti dyāvāpṛthivyoranārambhamiva nopayanti nābhicakṣate nāśnuvanti |
3.3
tasyopavyākhyānam | yadidamitaścetaścāṇḍakośā udayanti nāpadyanta iva na visraṃsanta iva na skhalantīva na paryāvartanta iva |
3.4
na ha vā enatkecidupadhāvanto vindanti nābhipaśyanti |
3.5
yadidameka idapa (?) evāhustama eke jyotireke’vakāśameke paramaṃ vyomaika ātmānameka iti ||
4.1
tadu ha bharadvājo nānumene | yadiha sarve vetthettheti dyūdire nāsya tadrūpaṃ paryāptamiti |
4.2
sa hovāca | ārtamivedaṃ te vijñānamapi svidenadrodasyoreva paryāyeṇopavanvīmahi yadidamitthetthopavyākhyāsyāma iti |
4.3
mahimānaṃ tvevāsyopāse | yadidamatrānvāyattamiti |
4.4
sa yadidamatrānvāyattaṃ vedātha tathaivopāste’traivānvāyatto bhavati |
4.5
sa ya ihānvāyattamidamavidvānevaitadupāste pāpīyān bhavatyārtimārcchatyavamriyate yadevametadanvāyattamupāste sarvamāyureti vasīyān bhavati | sa ya etadenamupāste ||
5.1
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |
5.2
sa hovāca | yadetasmin maṇḍale’rcirdīpyate bambhramyamāṇamiva cākaśyamānamiva jājvalyamānamiva dedīpyamānamiva lelihānaṃ tadeva me brahma |
5.3
tasyopavyākhyānaṃ yadidamaddhaiva parāḥ parāvato’bhipadyante sampannamevaitat sammitameva yathopayātamātmaivābhicakṣata iti |
5.4
ya etadabhipadyeva guhṇīyādatho visphurantīva dhāvantīvotplavantīvopaślipyantīva na haivābhipadyante |
5.5
tadidamantike davīyo nedīya iva dūrato na vā asya mahimānaṃ kaścidetīti ||
6.1
tadu ha na mene gautamo yadidamārtamiva stimitamiva paryāyeṇa paśyantīvemaṃ moghaṃ saṃvidānā iti |
6.2
ya ime puṇḍrāḥ suhmāḥ kulumbhā daradā barbarā iti | na ha vā asaṃvidānā eva drāgivābhi tatpadyanta iti |
6.3
mahimānaṃ tvevāsyopāse | ya etadasminnantare hiraṇmayaḥ puruṣo hiraṇyavarṇo hiraṇyaśmaśrurānakhāgrebhyo dīpyamāna iva |
6.4
sa ya evamenamupāste’tīva sarvabhūtāni tiṣṭhanti sarvamāyureti vasīyān bhavati |
6.5
na ha vā eṣa paramatīvodeti | yastvenaṃ paramatīvodyantaṃ paśyannupāste pāpīyān bhavati vīvapadyata ārtimṛcchati |
6.6
yastvenaṃ paramanūdyantaṃ vedātha tathopāste paraṃ jyotirupasampadyate sarvamāyureti vasīyān bhavati | sa ya evamenamupāste ||
7.1
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |
7.2
taṃ hovāca | visphurantīrevemā lelāyantīriva sañjihānā iva nedīyasitamā iva davīyasitamā eva davīyasitamā iva nedīyasitamā eveti |
7.3
yadapi bahudhācakṣīranna kiñca pratipadyata iti tanme brahmeti ||
8.1
tadu ha vasiṣṭho nānumene | yadimā visphūrjayata evābhipadyante vīvayanti mithu ceti vicakṣate’kāṇḍa ivemā na ha vai paramitthā kaścanāśnotyasaṃvidāna iva |
8.2
apa ye saṃvidrate tadetadantarvicakṣata iti | mahimnaḥ paśyemā vijāna iti |
8.3
sa ya evamimā mahimna evāsya paśyannupāste mahimna evāśnoti sarvamāyureti vasīyān bhavati |
8.4
yastvimā avayatīrevopāste na parā sampadyamānā no eva pareti pāpīyān bhavati vīvapadyate pramīyate |
8.5
atha ya imāḥ parā sampadyamānā evopāste paraiva sampadyate sarvamāyureti vasīyān bhavati ||
9.1
tam itaraḥ papraccha | katamat tvam anārtaṃ manyasa iti |
9.2
mahāvijñānamiva pratipadenādhyavasāyamiva yatraitaditthetthetyabhipaśyati | atha neti netyetaditthettheti |
9.3
sa vā ayamātmā ananto’jaro’pāro na vā are bāhyo nāntaraḥ sarvavidbhārūpo vighasaḥ prasaraṇo’ntarjyotirviśvabhuk sarvasya vaśī sarvasyeśānaḥ sarvamabhikṣipanna tamaśnoti kaścana ||
Vers 1
parovarīyāṃsamabhipraṇutyamantarjuṣāṇaṃ bhuvanāni viśvā |
yamaśnavanna kuśikāso agniṃ vaiśvānaramṛtajātaṃ gamadhyayī || 1 ||
Vers 2
bharebhareṣu tamupahvayāma prasāsahiṃ yudhyamindraṃ vareṇyam |
satrāsā [ha] mavase janānāṃ puruhūtamṛgmiṇaṃ viśvavedasam || 2 ||
Vers 3
ahighnaṃ tamarṇave śayānaṃ vāvṛhāṇaṃ tavasā pareṇa || 3 ||
10.1
tadu ha pratipedire | te vābhivādyaivopasamīyuḥ | namo’gnaye | nama indrāya | namaḥ prajāpataye | namo brahmaṇe | namo brahmaṇe ||
Kolophon
ityārṣeyopaniṣat samāptā |
Vollständige deutsche Übersetzung des erhaltenen Textes
1.1
Om. Die Rishis sprachen, zu einem Gespräch über Brahman zusammengekommen [Verbform unsicher], gleichsam einander die Lehre vortragend.
1.2
Unter ihnen sprach Vishvamitra, gleichsam überzeugt, den Sieg [im Gespräch] erringen zu können:
1.3
„Was da zwischen Himmel und Erde ist, gleichsam nichts erreichend und doch alles durchdringend, was wie der Raum ist, in dem es hier und dort donnert, gleichsam aufleuchtet und krachend widerhallt [Satzfügung unsicher]: Das ist Brahman.“
1.4
„Dazu die Erklärung: Wenn man es mit Feuern verbrennen, mit Wassern fortspülen, mit Lederriemen zusammennähen, mit Seilen zusammenbinden, mit Eisenhämmern schlagen, mit Nadeln durchbohren, mit Pflöcken eingraben beziehungsweise festsetzen, mit spitzen Werkzeugen durchstechen, mit Lehm bestreichen, mit Beilen behauen und mit Pflugscharen bearbeiten will: Man vermag es eben nicht.“
1.5
„Wir können nicht über es verfügen; wir können es nicht überschreiten.“
2.1
Jamadagni stimmte dem nicht zu. Er hielt es vielmehr für etwas Beschränktes: „Man gelangt ja durch diesen Zwischenbereich hindurch; er bildet gleichsam den Bereich zwischen Himmel und Erde.“
2.2
Er sagte: „Es ist das Zwischenreich, was hier so und so erklärt wird. Ich sehe hier allerdings die Größe jenes [Höheren], insofern dieses von ihm abhängt.“
2.3
Wer weiß, dass dieses von jenem abhängt, und es dementsprechend verehrt, wird selbst an jenem Anteil haben beziehungsweise von ihm getragen sein.
2.4
Wer dieses in seiner Abhängigkeit verehrt, ohne es zu verstehen, würde scheitern und in Bedrängnis geraten. Darum soll man es eben in der zuvor erklärten Weise verehren.
3.1
Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“
3.2
Er sagte ihm: „Das, was zwischen Himmel und Erde gleichsam keinen Ansatzpunkt bietet: Man gelangt nicht daran, beschreibt es nicht und erreicht es nicht.“
3.3
„Dazu die Erklärung: Hier und dort steigen die Hüllen der Welt-Eier empor; gleichsam ohne zusammenzubrechen, auseinanderzufallen, abzugleiten oder umzukippen.“
3.4
„Niemand findet es durch Hinlaufen, niemand bekommt es zu Gesicht.“
3.5
„Was die einen idapa [unverständliche Lesung] nennen, nennen andere Dunkelheit, andere Licht, andere freien Raum, andere den höchsten Himmel, andere das Selbst.“
4.1
Bharadvaja stimmte dem nicht zu: „Dass hier alle es als dieses oder jenes erkennen und benennen [Verbform unsicher], reicht nicht aus, um seine Gestalt zu bestimmen.“
4.2
Er sagte: „Diese deine Erkenntnis scheint beschränkt. Vielleicht können wir dies nur im Wechselverhältnis von Himmel und Erde verehren, wenn wir es auf diese oder jene Weise erklären wollen.“
4.3
„Ich verehre allerdings seine Größe: dieses hier, insofern es von ihm abhängt.“
4.4
Wer weiß, dass dieses hier darin gegründet ist, und es dementsprechend verehrt, wird eben damit verbunden.
4.5
Wer dieses hier in seiner Abhängigkeit verehrt, ohne es zu erkennen, wird schlechter gestellt, gerät in Bedrängnis und stirbt dahin. Wer es dagegen in der erläuterten Weise als abhängig verehrt, erreicht die ganze Lebensdauer und wird besser gestellt – wer es so verehrt.
5.1
Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“
5.2
Er sagte: „Das Licht, das in dieser Scheibe leuchtet, sich gleichsam unaufhörlich dreht, strahlt, flammt und glänzt, mit leckenden Flammen: Eben das ist für mich Brahman.“
5.3
„Dazu die Erklärung: Dieses erreicht wirklich die fernsten Weiten. Als vollendet und genau bemessen erscheint es, wie es herantritt; man bezeichnet es als das Selbst [Satzbezüge unsicher].“
5.4
„Wer dies durch Annäherung ergreifen wollte: Es scheint aufzuflackern, davonzulaufen, emporzuspringen und zu entgleiten; man erreicht es gerade nicht.“
5.5
„In der Nähe ist dieses ferner; aus der Ferne scheint es näher. Niemand erreicht seine Größe.“
6.1
Gautama billigte dies nicht: „Dieses erscheint beschränkt, gleichsam stillgestellt. Wenn man es nur im Wechsel betrachtet und dabei meint, erkannt zu haben, bleibt das vergeblich [Satzfügung unsicher].“
6.2
„Diese Pundras, Suhmas, Kulumbhas, Daradas und Barbaras [werden als Beispiele genannt]: Ohne Erkenntnis gelangen sie nicht einfach augenblicklich daran.“
6.3
„Ich verehre vielmehr seine Größe: den goldenen Purusha in seinem Inneren, von goldener Farbe, mit goldenem Bart, gleichsam bis zu den Nagelspitzen leuchtend.“
6.4
„Wer ihn so verehrt, steht über allen Wesen [Verbform beschädigt], erreicht seine ganze Lebensdauer und wird besser gestellt.“
6.5
„Dieser erhebt sich nicht über das Höchste hinaus. Wer ihn aber als über das Höchste hinausgehend betrachtet und so verehrt, wird schlechter gestellt, scheitert und gerät in Bedrängnis.“
6.6
„Wer ihn dagegen als dem Höchsten folgend aufgehend erkennt und dementsprechend verehrt, gelangt zum höchsten Licht, erreicht seine ganze Lebensdauer und wird besser gestellt – wer ihn so verehrt.“
7.1
Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“
7.2
Er sagte ihm: „Diese aufzuckenden [Lichterscheinungen], gleichsam spielend und hervorbrechend, scheinen allernächst und sind doch allerfernst, scheinen allerfernst und sind doch allernächst.“
7.3
„Auch wenn man sie auf vielerlei Weise beschriebe, hätte man damit noch nichts erfasst. Das ist für mich Brahman.“
8.1
Vasishtha stimmte dem nicht zu: „Man trifft diese donnernd oder krachend hervorbrechenden [Erscheinungen] an; sie vergehen [Wortform unsicher], und man bezeichnet sie als vergeblich beziehungsweise falsch. Sie erscheinen unvermittelt. Ohne Erkenntnis erreicht niemand auf diese Weise das Höchste.“
8.2
„Die aber Erkenntnis besitzen [Anfang beschädigt], erklären dieses im Inneren. Sieh diese [Erscheinungen] als Entfaltungen der Größe und erkenne!“
8.3
„Wer diese auf solche Weise als Entfaltungen seiner Größe betrachtet und verehrt, erreicht eben diese Größe, seine ganze Lebensdauer und ein besseres Gedeihen.“
8.4
„Wer diese dagegen nur als vergehend verehrt, ohne sie als in das Höchste eingehend zu verstehen, gelangt nicht zum Höchsten; er wird schlechter gestellt, scheitert und stirbt.“
8.5
„Wer diese jedoch als in das Höchste eingehend verehrt, geht selbst in das Höchste ein, erreicht seine ganze Lebensdauer und wird besser gestellt.“
9.1
Der andere fragte ihn: „Was hältst du für unbeschränkt?“
9.2
„Es ist gleichsam umfassende Erkenntnis und ein Feststellen bei jedem einzelnen Schritt beziehungsweise Wort, wo man dies als ‚so und so‘ betrachtet. Und dann: ‚Nicht so, nicht so‘ – gegenüber jedem ‚so und so‘.“
9.3
„Dieses Selbst ist ohne Ende, ohne Alter und ohne jenseitige Grenze. Es ist, mein Lieber, weder außen noch innen; es kennt alles, hat Licht zur Gestalt, ist vighasa [Bedeutung hier unsicher], breitet sich aus, trägt Licht in sich und umfasst alles als Genießender. Es ist Herr über alles, gebietet über alles und überragt alles. Niemand erreicht es.“
Vers 1
Den immer Höheren, zu Preisenden, der im Inneren alle Welten bewohnt; Agni Vaishvanara, aus der kosmischen Ordnung geboren, den die Kushikas nicht erreichten, [sucht man] aufzusuchen [Schlussform beschädigt].
Vers 2
In den immer neuen Kämpfen rufen wir ihn an: den siegreich Überwältigenden, den kampfbereiten, erwählenswerten Indra, den Bezwinger zum Beistand der Menschen, den Vielgerufenen, mit Hymnen Verbundenen, Allwissenden.
Vers 3
Ihn, den Schlangentöter, der im wogenden Meer liegt und durch höchste Kraft angewachsen ist.
10.1
Dies erkannten sie. Nach ehrerbietiger Begrüßung kamen sie zusammen: „Verneigung vor Agni! Verneigung vor Indra! Verneigung vor Prajapati! Verneigung vor Brahman! Verneigung vor Brahman!“
Kolophon
Damit ist die Arsheya Upanishad beendet.
Fünf Empfehlungen für ernsthafte spirituelle Aspiranten
- Stelle die wiederkehrende Frage. Prüfe, ob das, was du für das Höchste hältst, noch räumlich, zeitlich oder durch eine bestimmte Erscheinung begrenzt ist.
- Verbinde Upasana mit Verständnis. Betrachte das Verhältnis zwischen einer verehrten Gestalt und dem Grund, auf den sie verweist. Der Text unterscheidet diese Ebenen ausdrücklich.
- Übe Neti Neti sorgfältig. Nutze „nicht so, nicht so“, um vorschnelle Festlegungen zu prüfen. Verbinde die Negation mit einer offenen Untersuchung des Atman.
- Lies das Gespräch in kleinen Einheiten. Nimm auch die Einwände wahr, statt nur einen passenden Satz herauszugreifen. Beachte bei schwierigen Wörtern die ausgewiesenen Grenzen der Übertragung.
- Bewahre eine verehrende Lernhaltung. Die Schlussverse verbinden Untersuchung mit Hingabe. Lass Genauigkeit und Dankbarkeit das eigene Studium begleiten.
Siehe auch
- Oupnek'hat
- Weise
- Bark'he soukt
- Upanishad
- Veden
- Mahavakya
- Hinduismus
- Jnana Yoga
- Vedanta
- Vedanta Schulen
- Indische Philosophiesysteme
- Chhagaleya Upanishad
- Shaunaka Upanishad
- Bashkala Mantra Upanishad
Literatur
- Kostenloses Online-Buch Upanishaden von Swami Krishananda
- Klassische Upanishaden - Die Weisheit des Yoga von Paul Deussen, 1980
- Das Kronjuwel der Unterscheidung von Shri Shankaracharya, Kommentar von Emanuel Meyer, 2002
- Swami Vivekananda, Vedanta - Der Ozean der Weisheit
- Wilfried Huchzermeyer: Die heiligen Schriften Indiens - Geschichte der Sanskrit-Literatur. (edition-sawitri.de) ISBN 3-931172-22-8
- Vedanta für Anfänger von Swami Sivananda
- Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens, Suhrkamp, 2001
- Mylius, Klaus: Sanskrit – Deutsch. Deutsch – Sanskrit. Wörterbuch; Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2005
- Pandits der Adyar Library, unter Aufsicht von C. Kunhan Raja: Aprakāśitā Upaniṣadaḥ. Adyar Library, Adyar 1933, S. 7–9 und Vorwort. Benutzte Sanskritgrundlage; keine kritische Edition.
- S. K. Belvalkar: Four Unpublished Upaniṣadic Texts (Bāṣkala-Mantra, Chāgaleya, Ārṣeya and Śaunaka): Tentatively Edited and Translated for the First Time. Law Printing House, 1925, 34 Seiten. Erste vorläufige Sanskritedition und Übersetzung.
- Friedrich Otto Schrader: A Descriptive Catalogue of the Sanskrit Manuscripts in the Adyar Library (Theosophical Society). Vol. I: Upaniṣads. Oriental Publishing Co., Madras 1908, insbesondere Vorwort S. V.
- Paul Deussen: Sechzig Upanishad’s des Veda. 2. Auflage, F. A. Brockhaus, Leipzig 1905, Anhang VIII: Ark’hi (Ârsheya-Upanishad), S. 853–855. Übersetzung der persisch-lateinischen Überlieferung; nicht identisch mit einer Übersetzung des Sanskritdrucks von 1933.
- Naoshirō Tsuji: Linguistic Features of Four Unpublished Upanishadic Texts. In: Belvalkar Felicitation Volume, 1957, S. 19–27. Weiterführende Forschung; hier nicht als eingesehene Grundlage der Einzelübersetzung ausgegeben.
Weblinks
- Veden aus „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda
- Upanishaden, Artikel aus "Göttliche Erkenntnis" von Swami Sivananda
- Sanskritdruck von 1933, Arsheya auf S. 7–9
- Sanskrit Documents: Arsheya Upanishad
- Belvalkar: Four Unpublished Upaniṣadic Texts (1925)
- Schraders Handschriftenkatalog von 1908
- Upanishaden bei Yoga Vidya
- Meditation bei Yoga Vidya
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