Bashkala Mantra Upanishad

Aus Yogawiki

Die Bashkala Mantra Upanishad (Sanskrit: बाष्कलमन्त्रोपनिषद्, Bāṣkalamantra Upaniṣad) ist eine außerhalb des Muktika-Kanons überlieferte Upanishad mit 25 Versen. In ihrem erzählerischen Rahmen erscheint Indra als Widder und trägt den Seher Medhatithi aus Kanvas Geschlecht zum Himmel. Aus den zunächst verwunderten und besorgten Fragen des Sehers entwickelt sich eine Unterweisung über die eine Wirklichkeit in vielen Gestalten.

Indras Rede verbindet Opfer, Feuer, Himmel und Erde, Pflanzenleben und die verborgene Gegenwart im Inneren. Immer wieder beginnt ein Satz mit aham, „ich“. Vers 23 führt diese Rede zur Beziehung zwischen dem göttlichen Ich und dem angesprochenen Menschen: ahaṃ tvam, „Ich bin du“. Der Schluss umfasst alles, was hier ist.

Svadhyaya und Meditation verbinden das genaue Studium mit der Betrachtung der einen Wirklichkeit.

Die Bashkala Mantra Upanishad wird auch bezeichnet als Bashkala Upanishad bzw. Baschkl, Bashkl.

Textgrundlage und Wiedergabe

Der Sanskrittext dieses Artikels zur Bashkala Mantra Upanishad folgt der Ausgabe Mislav Ježićs von 1999 in der elektronischen TITUS-Fassung. Die dort verwendete technische Transliteration wird in IAST umgesetzt. Versnummern und Wortabstände sind vereinheitlicht. Das Kolophon wird nach der Ausgabe mit Vritti bei SanskritDocuments ergänzt. Der Umfang beträgt 25 Verse und dieses gesondert bezeichnete Kolophon; der Kommentar selbst ist nicht Teil des Volltextes.

Die Sprache enthält ungewöhnliche Formen und schwer zu deutende Fügungen. Die deutsche Übersetzung ist neu aus dem Sanskrit formuliert. Wo sie sich auf die Erklärung der traditionellen Vritti stützt oder eine notwendige Ergänzung vornimmt, wird dies bei der betreffenden Stelle erklärt. Unterschiedliche Textformen werden nicht stillschweigend miteinander vermischt.

Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

1 – Medhatithi begegnet Indra
medhātithiṃ kāṇvam indro jahāra dyā meṣabhūyopagato vidānaḥ |
tam anya it tamanaṃ pariprāṭ pada enaṃ niyuje parasmin || 1 ||

Übersetzung: Indra, der Wissende, hatte die Gestalt eines Widders angenommen und trug Medhatithi aus Kanvas Geschlecht zum Himmel fort. Der andere befragte seinen Bedränger und veranlasste ihn, sich über den höchsten Zustand zu erklären.

Wort-für-Wort-Erläuterung: medhātithim – Medhatithi, Name des Sehers, Akkusativ; kāṇvam – den zu Kanva Gehörenden, aus Kanvas Geschlecht; indraḥ – Indra; jahāra – er trug fort, nahm mit; dyā – zum Himmel; ungewöhnliche vedisierende Form, im Kommentar als Zielangabe erklärt; meṣa-bhūya-upagataḥ – in den Zustand eines Widders eingegangen: meṣa, Widder; bhūya, Sein oder Werden; upagata, eingetreten; vidānaḥ – wissend, kundig; tam – ihn, Indra; anyaḥ – der andere, Medhatithi; it – eben, hervorhebende Partikel; tamanam – den Bedrängenden, Ermüdenden; nach der Vritti auf Indras Forttragen bezogen; pariprāṭ – er befragte, erkundigte sich; ungewöhnliche Form; pade – im Zustand, hinsichtlich der Stätte; hier pada vor enam; enam – ihn; niyuje – er veranlasste, beauftragte; parasmin – im höchsten, hinsichtlich des höchsten; zu pade.

Erläuterung: Die Vritti versteht die letzte Aussage als Aufforderung, die eigene höchste Wirklichkeit zu erklären. Der Vers nennt damit bereits das Thema der folgenden Fragen.

2 – Wer bist du?
ko ha smaiṣa bhavasi vyavāyo nāvāyo ma iha śaśvad asti |
suśevam ic caṅkramasi prapaśyann itthā na kaścoraṇam ācacakṣe || 2 ||

Übersetzung: „Wer bist du denn, der du hier erkennbar erscheinst? Ich weiß es hier noch immer nicht gewiss. Du schreitest so mühelos dahin: Wer hätte beim Anblick eines Widders je von einem solchen Gang berichtet?

Wort-für-Wort-Erläuterung: kaḥ – wer; ha – denn, erzählende oder bekräftigende Partikel; sma – bekräftigende Partikel; eṣaḥ – dieser hier, der hier Erscheinende; bhavasi – du bist; vyavāyaḥ – hier nach der Vritti: erkennbar; die Wortbildung ist ungewöhnlich; na – nicht; avāyaḥ – Erkenntnis, Verstehen; hier nach der Vritti; me – mir, mein; im Text ma vor iha; iha – hier; śaśvat – beständig, immer noch; nach der Vritti auch: sicher; asti – ist, besteht; suśevam – mühelos, angenehm, auf gute Weise; it – eben; caṅkramasi – du schreitest, gehst einher; intensive Bildung; prapaśyan – genau hinsehend, beim Anblick; itthā – so, auf solche Weise; na – hier vergleichend: wie; kaḥ – wer; ca – und, überhaupt; uraṇam – Widder; ācacakṣe – hat erzählt, beschrieben, genannt.

Erläuterung: Die seltenen Ausdrücke avāya und vyavāya werden entsprechend der traditionellen Vritti gedeutet. Ihre Bedeutung ist im Wortlaut weniger eindeutig als die anschließende Frage nach dem ungewöhnlichen Widder.

3 – Die Aufforderung zur Unterweisung
nemām aspṛkṣad id udasyamānaḥ ko addhā 'mūm abhi caṅkramīti |
tad ic chādhi yo 'si sarvavittamo na tvā 'śnavad brahma riṣā mayasvi || 3 ||

Übersetzung: Du berührtest beim Emporspringen diese Erde nicht. Wer schreitet leibhaftig auf jenen Himmel zu? Lehre mich also, wer du bist, du Allwissendster. Möge die machtvolle Kraft des heiligen Wortes dich nicht im Zorn treffen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; imām – diese, ergänzt: Erde; aspṛkṣat – berührte; formal dritte Person, im Dialog auf das angesprochene Wesen bezogen; it – eben; udasyamānaḥ – sich emporwerfend, aufspringend; kaḥ – wer; addhā – wirklich, unmittelbar; amūm – jene, ergänzt: Himmelswelt; abhi – auf … zu; caṅkramīti – schreitet einher, bewegt sich; tat – darum, also; it – eben; śādhi – unterweise, lehre; die Verbindung tat it śādhi erscheint als tad ic chādhi; yaḥ – wer, derjenige, welcher; asi – du bist; sarva-vit-tamaḥ – der Allwissendste: sarva, alles; vid, wissen; tama, höchste Steigerung; na – nicht; tvā – dich; aśnavat – möge erreichen, treffen; brahma – heiliges Wort, heilige Macht; im Kommentar auch die Macht des Brahmanen; riṣā – aus Schädigungsabsicht, im Zorn; schwierige Form; mayasvi – mit Kraft oder Glanz versehen.

Erläuterung: Der Wechsel zwischen zweiter und dritter Person wird im Deutschen als fortgesetzte Anrede wiedergegeben. Die drohende Kraft des heiligen Wortes gehört zur erzählten Auseinandersetzung.

4 – Medhatithi beruft sich auf Indra
indro nṛcakṣā vṛṣabhas turāṣāṭ prasāsahis tapasā mā vicakṣe |
sa id devo ṛtam anv ayantaṃ pra bhīmakarmā tavaso 'paviddhāt || 4 ||

Übersetzung: Indra, der die Menschen schaut, der Stier, der rasch Überwindende und unwiderstehlich Siegende, blickt aufgrund meiner Askese auf mich. Dieser Gott mit furchtbaren Taten möge den mit Gewalt fortschleudern, der an der Wahrheit vorbeigeht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: indraḥ – Indra; nṛ-cakṣāḥ – die Menschen schauend: nṛ, Mensch; cakṣas, Sehen oder Auge; vṛṣabhaḥ – Stier, Sinnbild kraftvoller Überlegenheit; turāṣāṭ – rasch überwältigend, schnell siegend; prasāsahiḥ – mit Nachdruck überwindend, siegesgewaltig; tapasā – durch Askese, aufgrund innerer Glut; – mich; vicakṣe – schaut an, beobachtet; hier in der Erzählung auf Indra bezogen; saḥ – er, dieser; it – eben; devaḥ – Gott; ṛtam – die Wahrheit, die rechte Ordnung; anu – entlang, der Spur folgend; a-yantam – den nicht Gehenden; mit ṛtam anu: den der Wahrheit nicht Folgenden; pra – fort, hinaus; gehört zu apaviddhāt; bhīma-karmā – mit furchtbaren Taten: bhīma, furchtbar; karman, Tat; tavasaḥ – mit Kraft, gewaltsam; ungewöhnlich verwendete Form; apaviddhāt – möge wegschleudern, verstoßen.

Erläuterung: Bei anv ayantam folgt die Übersetzung der Vritti: anu a-yantam, ‚nicht folgend‘. Die Verbindung kann ohne diese Erklärung leicht als ‚folgend‘ missverstanden werden.

5 – Wohin führt der Weg?
kuheva mā 'vaśam ito nayātai kuheva te citratama pratiṣṭhā |
kuha cid eva svapitā pitā no yo na veda na hṛtaṃ harantam || 5 ||

Übersetzung: Wohin willst du mich von hier gegen meinen Willen führen? Wo ist deine Stätte, o Wunderbarster? Wo schläft denn unser Vater, der weder den Fortgetragenen noch den Forttragenden wahrnimmt?

Wort-für-Wort-Erläuterung: kuha – wo, wohin; iva – etwa, wohl; – mich; avaśam – unfrei, ohne Verfügung über mich selbst; itaḥ – von hier; nayātai – er möge führen, wird führen; hier in der Anrede: willst du führen; kuha – wo; iva – wohl; te – deine; citratama – o Wunderbarster, sehr Staunenswerter; pratiṣṭhā – Standort, Stätte, Grundlage; kuha – wo; cit – irgendwo, denn; eva – eben; svapitā – schläft, wird wohl schlafen; ungewöhnliche Form von svap; pitā – Vater; naḥ – unser; yaḥ – der, welcher; na – nicht; veda – weiß, erkennt; na – auch nicht; hṛtam – den Fortgetragenen; harantam – den Forttragenden.

6 – Die Helfer der Himmelsrichtungen
pratyaṅṅ avāṅ prāṅṅ itarau ca neha nāham enān anupatasthir addhā |
na mām ime nūnam itthā patho vidur ye mā na yanti mithu cākaśānāḥ || 6 ||

Übersetzung: Sind die hinter uns, unter uns, vor uns und in den beiden anderen Richtungen hier nicht gegenwärtig? Es ist doch nicht so, dass ich ihnen nicht wahrhaft gedient hätte. Nun kennen sie offenbar meinen Weg in dieser Lage nicht, sie, die nebeneinander leuchten und nicht zu mir kommen.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: pratyaṅ – westwärts, rückwärts; hier im Text pratyaṅṅ; avāṅ – abwärts, nach unten; hier eine Richtungsangabe neben prāṅ; prāṅ – ostwärts, vorwärts; hier prāṅṅ; itarau – die beiden anderen; ca – und; na – nicht; iha – hier; na – nicht; aham – ich; enān – diesen, ihnen; anupatasthiḥ – ein Nichtverehrer, einer, der nicht verehrend herangetreten ist; ungewöhnliche Form; addhā – wirklich, aufrichtig; na – nicht; mām – mich; ime – diese; nūnam – jetzt, gewiss; itthā – so, in dieser Lage; pathaḥ – des Weges, hinsichtlich des Weges; viduḥ – sie wissen, kennen; ye – die, welche; – zu mir, mich; na – nicht; yanti – sie gehen, kommen; mithu – einander zugeordnet, nebeneinander; cākaśānāḥ – leuchtend, sichtbar werdend.

Erläuterung: Der Kommentar bezieht die Richtungswörter auf dort gegenwärtige Gottheiten. Ihre Benennung ist im Sanskrit verkürzt. Die Zuordnung von avāṅ ist nicht eindeutig; die übliche Grundbedeutung ist ‚abwärts‘.

7 – Die Antwort des Gottes
paraḥ smiyāno vivar asya śūkaṃ kiṃ sīm ic charaṇaṃ manyamānaḥ |
na ha tvāham apraṇīya svaviṣṭhām itthā jahāmi śapamānam in nu || 7 ||

Übersetzung: Lächelnd legte der Erhabene seine Besorgnis offen: „Was hältst du denn für deine Zuflucht? Ich lasse dich jetzt, auch wenn du fluchst, keineswegs so zurück, ohne dich zu deiner eigenen Stätte geführt zu haben.

Wort-für-Wort-Erläuterung: paraḥ – der Höhere, der Erhabene; smiyānaḥ – lächelnd; vivar – er öffnete, legte offen; asya – seine, dieses Menschen; śūkam – Besorgnis, Zweifel; auch: Spitze oder Stachel; kim – was; sīm – bekräftigende vedische Partikel; it – eben, denn; śaraṇam – Zuflucht, Schutz; manyamānaḥ – für … haltend, denkend; ergänze: bist du; na – nicht; ha – gewiss; tvā – dich; aham – ich; a-praṇīya – ohne hingeführt zu haben: a, nicht; pra-nī, hinführen; sva-viṣṭhām – zur eigenen Stätte, zum eigenen Standort; itthā – so, in diesem Zustand; jahāmi – ich verlasse, lasse zurück; śapamānam – fluchend, Verwünschungen aussprechend; it – eben; nu – jetzt, nun.

8 – Geber, Opfertrank und Feuer
aham asmi jaritṝṇām u dāvā aham āśiram aham idaṃ dadhagvān |
ahaṃ viśvā bhuvanā vicakṣann ahaṃ devānām āsann avodaḥ || 8 ||

Übersetzung: Ich bin der Geber für die Sänger. Ich bin der Zusatz zum Opfertrank; ich bin der, der dies verbrennt. Ich überblicke alle Welten; ich bin der Speisespender am Mund der Götter.

Wort-für-Wort-Erläuterung: aham – ich; asmi – bin; jaritṝṇām – der Sänger, der Lobpreisenden; u – eben, auch; dāvā – Geber, Spendender; aham – ich; āśiram – Beimischung zum Somatrank, besonders Milch; aham – ich; idam – dies; dadhagvān – verbrannt habend, der Verbrennende; aham – ich; viśvā – alle; bhuvanā – Welten, Daseinsbereiche; vicakṣan – überschauend, betrachtend; aham – ich; devānām – der Götter; āsan – am Mund, im Mund; avodaḥ – Nahrung gebend, Speisespender; avas, Hilfe oder Nahrung, und dā, geben.

9 – Weltgrund und Drachenkampf
mama pratiṣṭhā bhuva āṇḍakośā vi caimi saṃ ca hi nu yo virapśī |
ahaṃ nv ahiṃ parvate śiśriyāṇam ugro nu kaṃ tavasāvasyur addhā || 9 ||

Übersetzung: Die Hüllen der Welteier sind mein Standort. Ich gehe auseinander und wieder zusammen, ich, der Überreiche. Ich, der Gewaltige, habe den Drachen im Berg bezwungen; mit Kraft suche ich wahrhaft Beistand.

Wort-für-Wort-Erläuterung: mama – mein; pratiṣṭhā – Standort, Grundlage; bhuvaḥ – der Welt, des Daseins; āṇḍa-kośāḥ – Eihüllen, Hüllen der Welteier: aṇḍa, Ei; kośa, Hülle; vi – auseinander; ca – und, auch; emi – ich gehe; sam – zusammen; ergänze emi; ca – und; hi – denn, gewiss; nu – nun, eben; yaḥ – der, welcher; virapśī – überreich, überquellend; aham – ich; nu – eben; ahim – den Drachen, die Schlange; parvate – im Berg, am Berg; śiśriyāṇam – sich aufhaltend, sich angesiedelt habend; ugraḥ – gewaltig, furchtbar; nu – eben; kam – verstärkende Partikel, wohl, gewiss; tavasā – mit Kraft, durch Stärke; avasyuḥ – Hilfe suchend; bei Indra auch: Hilfe leisten wollend, auf Beistand bedacht; addhā – wahrhaft, wirklich.

Erläuterung: Das Verb des Drachenkampfes ist im Vers nicht ausdrücklich gesetzt. ‚Bezwungen‘ ergänzt den durch die Nennung des Drachen und den folgenden Vers vorgegebenen Zusammenhang.

10 – Die Berge werden geöffnet
pra vaṅkṣaṇā abhidaṃ parvatānāṃ yat sīm indro akarod anīkaiḥ |
ko addhā veda ka iha pra vocat ko aśnavad abhimātiṃ vijaghnuṣaḥ || 10 ||

Übersetzung: Ich sprengte die Flanken der Berge auf – das, was Indra mit seinen Scharen vollbrachte. Wer weiß es wirklich, wer könnte es hier aussprechen? Wer könnte mich erreichen, der ich die Feindesmacht zerschlagen habe?

Wort-für-Wort-Erläuterung: pra – auf, hervor; mit abhidam; vaṅkṣaṇā – Flanken, Seiten, Öffnungen; abhidam – ich spaltete, brach auf; parvatānām – der Berge; yat – was, das, was; sīm – bekräftigende Partikel; indraḥ – Indra; akarot – er tat, vollbrachte; anīkaiḥ – mit Fronten, Scharen, Streitkräften; kaḥ – wer; addhā – wirklich, genau; veda – weiß; kaḥ – wer; iha – hier; pra – voraus, offen; mit vocat: aussprechen; vocat – möge sagen, könnte sagen; kaḥ – wer; aśnavat – könnte erreichen, möge erreichen; abhimātim – feindliche Macht, Feindesheer; Objekt zu vijaghnuṣaḥ; vijaghnuṣaḥ – dessen, der erschlagen hat, des Siegers.

Erläuterung: Die Vritti ergänzt als Objekt zu aśnavat den Sprecher selbst: ‚mich‘. Die Genitivform vijaghnuṣaḥ bezeichnet ihn als den, der die feindliche Macht zerschlagen hat.

11 – Viele Formen durch Maya
ko ma avo dāśuṣo viśvagūtīr itthā dadṛśre bhuvanādhi viśvā |
rūpaṃ rūpaṃ januṣā bobhavīmi māyābhir eko abhicākaśānaḥ || 11 ||

Übersetzung: Wer hat so in allen Welten meine nach allen Seiten reichenden Hilfen gesehen, die von mir, dem Nahrungsspender, ausgehen? In jeder Geburt werde ich Form um Form, als Einer durch meine Maya-Kräfte überall erscheinend.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kaḥ – wer; me – meine; im Text ma; avaḥ – Nahrung, Unterstützung; hier Objekt zu dāśuṣaḥ; dāśuṣaḥ – des Spendenden, des Gebenden; mit me auf den Sprecher bezogen; viśvag-ūtīḥ – nach allen Seiten reichende Hilfen: viśvak, überallhin; ūti, Hilfe; itthā – so, auf diese Weise; dadṛśre – hat gesehen; ungewöhnliche Form; bhuvanā – die Welten, Daseinsbereiche; adhi – in, über, hinsichtlich; viśvā – alle; rūpam – Form; rūpam – Form; Wiederholung: jede einzelne Form; januṣā – durch Geburt, durch Entstehung; bobhavīmi – ich werde immer wieder, nehme Gestalt an; māyābhiḥ – durch Gestaltungskräfte, durch Maya-Mächte; Instrumental Plural; ekaḥ – als Einer, der Eine; abhicākaśānaḥ – überall sichtbar erscheinend, ringsum leuchtend.

12 – Weltaufsicht und Opferdienst
viśvaṃ vicakṣe yamayann abhīko neśe me kaśca mahimānam anyaḥ |
ahaṃ dyāvāpṛthivī ātatāno bibharmi gharmam avase janānām || 12 ||

Übersetzung: Furchtlos überschaue und lenke ich alles. Kein anderer vermag meine Größe zu erreichen. Ich breite Himmel und Erde aus und trage die heiße Opfergabe zum Schutz der Menschen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: viśvam – alles, das Ganze; vicakṣe – ich sehe, überschaue; yamayan – lenkend, im Zaum haltend; abhīkaḥ – furchtlos, unerschrocken; na – nicht; īśe – ist fähig, vermag; me – meine; kaḥ – irgendeiner; ca – auch, überhaupt; mahimānam – Größe, Macht; anyaḥ – ein anderer; aham – ich; dyāvā-pṛthivī – Himmel und Erde, Dualpaar; ātatānaḥ – ausbreitend, ausspannend; bibharmi – ich trage, erhalte; gharmam – heißen Opfertrank, erhitzte Milchgabe; auch die zugehörige Opferhitze; avase – zum Schutz, zur Hilfe; janānām – der Menschen.

Erläuterung: Die benutzte Ausgabe liest gharmam, nicht dharmam. Deshalb steht hier die heiße Opfergabe; eine Übersetzung als ‚kosmische Ordnung‘ würde einen anderen Sanskrittext voraussetzen.

13 – Mitte der Welt und Regen
aham u ha pravatiṃ yajñiyām iyām ahaṃ veda bhuvanasya nābhim |
āpiḥ pitā sūr aham asya viṣvaṅṅ ahaṃ divyā āntarikṣyāstukā vaham || 13 ||

Übersetzung: Ich gewähre die beim Opfer ersehnte Förderung. Ich kenne den Nabel der Welt. Ich bin ihr Verwandter, ihr Vater, ihre Mutter allenthalben; ich trage die Tropfen des Himmels und des Zwischenraums.

Wort-für-Wort-Erläuterung: aham – ich; u – eben; ha – gewiss; pravatim – Förderung, fördernde Bewegung oder Zuwendung; yajñiyām – zum Opfer gehörig, opferwürdig; iyām – ich möge erreichen, gehen; im Kommentar als Gewähren des Opferwunsches verstanden; aham – ich; veda – kenne, weiß; bhuvanasya – der Welt; nābhim – Nabel, Mittelpunkt; āpiḥ – Verwandter, naher Angehöriger; im Kommentar: Vorvater; pitā – Vater; sūḥ – Gebärerin, Mutter; aham – ich; asya – dieser Welt, ihre; viṣvak – überall, nach allen Seiten; Textform viṣvaṅṅ; aham – ich; divyāḥ – himmlische; āntarikṣyāḥ – zum Zwischenraum gehörige; tukāḥ – Tropfen; vaham – ich trage, führte herbei; ungewöhnliche Verbform.

Erläuterung: Der erste Satz folgt der Auslegung der Vritti. Die Form iyām bedeutet für sich genommen ‚ich möge gehen/erreichen‘; die fördernde Wirkung für den Opfernden wird aus dem Zusammenhang erschlossen.

14 – Wissen und die Hitze im Wasser
ahaṃ vedānām uta yajñānām ahaṃ chandasām avidaṃ rayīṇām |
ahaṃ pacāmi sarasaḥ parasya yad id etīva sarirasya madhye || 14 ||

Übersetzung: Ich kenne die Veden und die Opfer; ich kenne die Versmaße und die Reichtümer. Ich koche das Wasser als jenes Feuer, das gleichsam mitten im Wasser des jenseitigen Sees hervortritt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: aham – ich; vedānām – der Veden; hier anstelle eines Akkusativobjekts; uta – und auch; yajñānām – der Opfer; ebenfalls als Objekt verstanden; aham – ich; chandasām – der Versmaße, der metrischen Texte; avidam – ich erkannte, weiß; rayīṇām – der Reichtümer, Güter; aham – ich; pacāmi – ich koche, gare, erhitze; sarasaḥ – des Sees, des Gewässers; parasya – des jenseitigen, anderen; yat – welches, das, was; als Feuer gedeutet; it – eben; die Vritti versteht hier ein Hervortreten; eti – geht, kommt; iva – gleichsam, wie; sarirasya – des Wassers, des flutenden Gewässers; vedisches sarira, nicht śarīra, Körper; madhye – in der Mitte.

Erläuterung: Die zweite Vershälfte wird mit der Vritti auf das Feuer im Ozean bezogen. ‚Als jenes Feuer‘ ist eine aus dieser Deutung gewonnene Ergänzung; der Text selbst nennt das Feuer hier nicht ausdrücklich.

15 – Jatavedas im Opfer
aham in nu paramo jātavedā yam adhvaryur abhi lokaṃpṛṇaidhīt |
yam anūvāha nabhaso na pakṣī kāṣṭhā bhindan gobhir ito 'mutaśca || 15 ||

Übersetzung: Ich bin wahrlich der höchste Jatavedas, das Feuer, das der Adhvaryu bei der Lokamprina-Ziegel entflammte. Er trug es nach, wie ein Vogel aus dem Himmel, der hier und dort mit seinen Strahlen die Weiten durchbricht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: aham – ich; it – eben, wahrlich; nu – nun, gewiss; paramaḥ – der höchste; jātavedāḥ – Jatavedas, Beiname des Feuers Agni; wörtlich etwa: die Geburten oder Wesen kennend; yam – den, welchen; adhvaryuḥ – der Adhvaryu, der ausführende Opferpriester; abhi – auf … bezogen, bei; lokaṃpṛṇā – Lokamprina, Name einer Opferziegel, wörtlich: die Welt füllend; die Kasusfügung ist ungewöhnlich; aidhīt – er entzündete, fachte an; yam – den, welchen; anūvāha – er trug nach, führte nach; von anu-vah; nabhasaḥ – des Himmels, aus dem Luftraum; na – wie, vergleichende vedische Partikel; pakṣī – Vogel; kāṣṭhāḥ – Weiten, Himmelsrichtungen; bhindan – spaltend, durchbrechend; gobhiḥ – mit Strahlen; go kann auch Kuh oder Wort bedeuten; itaḥ – von hier, hierher; amutaḥ – von dort, dorther; ca – und.

Erläuterung: Die Ausgabe liest anūvāha, ‚trug nach‘. Die Vritti erläutert dagegen die Variante anvāha, ‚rezitierte nach‘, und versteht gobhiḥ als ‚mit Worten‘. Diese Varianten werden nicht stillschweigend in den hier wiedergegebenen Text eingesetzt.

16 – Das Rad des Jahres und das Unsterbliche
aham u yann apatatā rathena dviṣaḍāreṇa pradhinaikacakraḥ |
aham in nu didyutāno divedive tanvaṃ pupuṣvān amṛtaṃ vahāmi || 16 ||

Übersetzung: Ich fahre mit dem nicht herabfallenden Wagen, dessen Radkranz zwölf Speichen hat, und habe nur ein Rad. Ich leuchte Tag für Tag, lasse meinen Leib wachsen und trage das Unsterbliche.

Wort-für-Wort-Erläuterung: aham – ich; u – eben, auch; yan – gehend, fahrend; Partizip von i; a-patatā – mit dem nicht fallenden: a, nicht; patat, fallend; rathena – Wagen, Instrumental; dvi-ṣaḍ-āreṇa – mit zwölf Speichen: dvi, zweimal; ṣaṣ, sechs; ara, Speiche; pradhinā – mit dem Radkranz, mit der Felge; eka-cakraḥ – ein einziges Rad habend: eka, eins; cakra, Rad; aham – ich; it – eben; nu – nun, gewiss; didyutānaḥ – leuchtend, strahlend; dive dive – an jedem Tag, Tag für Tag; tanvam – den Leib, die eigene Gestalt; pupuṣvān – genährt habend, wachsen lassend; amṛtam – das Unsterbliche, den Unsterblichkeitstrank; vahāmi – ich trage, führe mit mir.

Erläuterung: Die zwölf Speichen lassen sich auf die zwölf Monate beziehen. Der Kommentar unterscheidet in diesem Vers Sonnen- und Mondgestalt; die Namen Sonne und Mond stehen jedoch nicht ausdrücklich im Vers.

17 – Wind und Pflanzenleben
ahaṃ diśaḥ pradiśa ādiśaś ca viṣvak punānaḥ paryemi lokam |
ahaṃ viśvā oṣadhīr garbha ādhāṃ yābhir idaṃ dhinuyur dāśuṣaḥ prajāḥ || 17 ||

Übersetzung: Reinigend durchziehe ich die Welt in allen Hauptrichtungen, Zwischenrichtungen und weiteren Richtungen. Ich legte alle Pflanzen als Keim an, durch die die Nachkommen des Opfernden diese Welt gedeihen lassen mögen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: aham – ich; diśaḥ – Himmelsrichtungen; pradiśaḥ – Zwischenrichtungen, Nebenrichtungen; ādiśaḥ – weitere Richtungen, zugewandte Richtungen; ca – und; viṣvak – überallhin, nach allen Seiten; punānaḥ – reinigend, läuternd; pari – ringsum; mit emi; emi – ich gehe; lokam – die Welt; aham – ich; viśvāḥ – alle; oṣadhīḥ – Pflanzen, Kräuter; garbhe – im Keim, im Schoß; Textform garbha vor ādhām; ādhām – ich legte hinein, setzte ein; yābhiḥ – durch welche, mithilfe welcher Pflanzen; idam – dies, diese Welt; dhinuyuḥ – sie mögen gedeihen lassen, erfreuen oder nähren; dāśuṣaḥ – des Opfernden, des Spendenden; prajāḥ – Nachkommen, Geschöpfe.

18 – Die verborgene Gegenwart
ahaṃ carāmi bhuvanasya madhye punar uccāvacaṃ vyaśnuvānaḥ |
yo māṃ veda nihitaṃ guhā cit sa id itthā bobhavīd āśayadhyai || 18 ||

Übersetzung: Ich gehe mitten in der Welt umher und durchdringe immer wieder Hohes und Niedriges. Wer mich auch in der verborgenen Höhle gegenwärtig weiß, wird so beschaffen, dass er mich in seinem Inneren aufnehmen kann.

Wort-für-Wort-Erläuterung: aham – ich; carāmi – ich gehe umher, bewege mich; bhuvanasya – der Welt; madhye – inmitten; punaḥ – wieder, immer wieder; ucca-avacam – Hohes und Niedriges, oben und unten; vyaśnuvānaḥ – durchdringend, überall erreichend; von vi-aś; yaḥ – wer, derjenige, welcher; mām – mich; veda – weiß, erkennt; nihitam – niedergelegt, verborgen gegenwärtig; guhā – in der Höhle, im Verborgenen; adverbiale oder verkürzte lokale Form; cit – auch, selbst; saḥ – der, dieser; it – eben; itthā – so, auf diese Weise; bobhavīt – wird, kommt in diesen Zustand; intensive Bildung; āśayadhyai – um aufnehmen oder ruhen lassen zu können; schwieriger Infinitiv.

Erläuterung: Der Kommentar versteht die Höhle als Herzinneres und das Aufnehmen als Verwirklichung der göttlichen Gegenwart. Die genaue Funktion des seltenen Infinitivs āśayadhyai bleibt erklärungsbedürftig.

19 – Einer und viele
ahaṃ pañcadhā daśadhā caikadhā ca sahasradhā naikadhā cāsam atra |
mayā tatam itīdamaśnute tad anyathā 'sadyadi me asad viduḥ || 19 ||

Übersetzung: Ich bin hier fünffach, zehnfach, einfach, tausendfach und vielfach geworden. „Durch mich ist dies ausgebreitet“ – so erfasst man es. Sollten sie sagen, das von mir Gesagte sei anders, so kennen sie Unwahres.

Wort-für-Wort-Erläuterung: aham – ich; pañcadhā – fünffach; daśadhā – zehnfach; ca – und; ekadhā – einfach, als Einer; ca – und; sahasradhā – tausendfach; na-ekadhā – nicht nur einfach, vielfach; zusammengezogen naikadhā; ca – und; āsam – ich war, bin geworden; atra – hier; mayā – durch mich; tatam – ausgebreitet, durchzogen; iti – so; Ende der angeführten Aussage; idam – dies; aśnute – erreicht, erfasst; tat – das, jene Aussage; anyathā – anders; asat – es wäre, möge sein; Form von as, sein; yadi – wenn; me – mein, von mir; hier auf die Aussage bezogen; asat-viduḥ – Unwahres Kennende: asat, nicht seiend oder unwahr; vid, wissen; ungewöhnliche Form.

Erläuterung: Der letzte Satz folgt der Vritti, die bei „wenn“ eine Aussage wie „sie sagen“ und anschließend ein „dann“ ergänzt. Die Übersetzung kennzeichnet diese syntaktische Ergänzung hier ausdrücklich.

20 – Grenzen von Kult und Worten
na mām aśnoti jaritā na kaśca na mā aśnoti pari gobhir ābhiḥ |
na me 'nāśvān uta dāśvān ajagrabhīt sarva in mām upayanti viśvataḥ || 20 ||

Übersetzung: Kein Sänger erreicht mich, überhaupt keiner; niemand erfasst mich ganz durch diese Worte. Weder der Fastende noch der Spendende hat mich ergriffen. Und doch kommen alle von überallher zu mir.

Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; mām – mich; aśnoti – erreicht, erfasst; jaritā – Sänger, Lobpreisender; auch der Opfernde; na – nicht; kaḥ – irgendeiner; ca – auch, überhaupt; na – nicht; – mich; aśnoti – erreicht, erfasst; pari – ganz, ringsum, vollständig; gobhiḥ – durch Worte, durch Sprüche; Instrumental Plural von go; ābhiḥ – durch diese; na – nicht; me – mich, meiner; hier als Objekt gebraucht; an-āśvān – der nicht gegessen Habende, Fastende; uta – und auch; dāśvān – der gegeben Habende, Spendende; ajagrabhīt – hat ergriffen, hat erfasst; sarve – alle; vor it als sarva; it – eben, wahrlich; mām – zu mir, mich; upayanti – sie kommen heran, gelangen; viśvataḥ – von überallher, von allen Seiten.

21 – Raubtier, Beute und Verzehren
kva śarāruḥ kva sṛmaraḥ kva nūraṇaḥ sarvam idaṃ tvat tvad ito vahāmi |
yan mad ime bibhyati tan ma ekaṃ te me akṣann aham u tān anukṣam || 21 ||

Übersetzung: Hier ein Raubtier, dort ein umherstreifendes Tier, dort ein Widder: Dieses alles trage ich von hier aus, das eine und das andere. Wovor diese Wesen sich an mir fürchten, das ist für mich eines. Sie haben mich verzehrt, und ich habe sie verzehrt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kva – wo, hier oder dort; śarāruḥ – zerstörendes oder reißendes Tier; im Kommentar etwa Tiger; kva – wo, dort; sṛmaraḥ – umherstreifendes Tier; im Kommentar Wolf; kva – wo, dort; nu – nun, eben; verbunden mit uraṇaḥ als nūraṇaḥ; uraṇaḥ – Widder; sarvam – alles; idam – dies; tvat – das eine, ein anderes; vedischer Ausdruck, hier nicht das Personalpronomen du; tvat – das andere; Wiederholung: dieses und jenes; itaḥ – von hier aus, auf diese Weise; vahāmi – ich trage, führe; yat – was, das, was; mat – von mir, vor mir; ime – diese; bibhyati – sie fürchten sich; tat – das; me – für mich, mein; Textform ma; ekam – eines, ein Ganzes; te – sie, diese; me – mich, meiner; hier als Objekt aufgefasst; akṣan – sie aßen, verzehrten; aham – ich; u – auch, eben; tān – sie, diese; anukṣam – ich verzehrte; ungewöhnliche, nach der Vritti auf Essen bezogene Verbform.

Erläuterung: Der letzte Satz ist textlich problematisch. Die hier wiedergegebene Sanskritfassung enthält vor akṣan kein na. Die Vritti erklärt dagegen ‚sie verzehren mich nicht‘. Diese Verneinung wird nicht als ungeschriebenes Wort ausgegeben. Die Übersetzung gibt die bejahende Textform wieder; die Gegenlesung ist damit ausdrücklich dokumentiert.

22 – Der Sinn der Widdergestalt
yat tapyathā bahudhā me purācit tan nu bhuve 'ham uraṇo bobhuve |
ṛtasya panthām asi hi prapanno 'yase sa me satyam id ekam ehi || 22 ||

Übersetzung: Weil du früher in vielerlei Weise um meinetwillen Askese geübt hast, bin ich für dein wahres Sein zu einem Widder geworden. Du hast ja den Weg der Wahrheit betreten und gehst auf ihm. Gelange nun zu meiner einen Wahrheit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – weil, da; tapyathāḥ – du erhitztest dich, übtest Askese; bahudhā – auf vielerlei Weise; me – für mich, um meinetwillen; purā – früher; cit – schon, auch; tat – darum, deshalb; nu – eben, nun; bhuve – zum Sein, zum Werden; im Kommentar: zur Verwirklichung des eigenen Seins; aham – ich; uraṇaḥ – Widder; bobhuve – bin geworden, nahm wiederholt Gestalt an; ṛtasya – der Wahrheit, der rechten Ordnung; panthām – den Weg; asi – du bist; hi – ja, denn; prapannaḥ – betreten habend, hingelangt; ayase – du gehst, bewegst dich; saḥ – du als dieser, der so Beschriebene; me – meine, zu mir gehörige; satyam – Wahrheit, Wirklichkeit; it – eben; ekam – die eine, das eine; ehi – komm, gelange hin.

23 – Ich und du
ahaṃ jyotir aham ṛtaṃ vinaddhir ahaṃ jātaṃ jani janiṣyamāṇam |
ahaṃ tvam aham ahaṃ tvam in nu tvam ahaṃ cakṣva vicikitsīr ma ṛjvā || 23 ||

Übersetzung: Ich bin Licht, ich bin Wahrheit, ich bin ohne Bindung. Ich bin das Geborene, das Geborenwerden und das künftig Geborenwerdende. Ich bin du; ich bin ich; du bist eben du und ich. Erkenne es ohne Umweg; zweifle nicht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: aham – ich; jyotiḥ – Licht; aham – ich; ṛtam – Wahrheit, rechte Wirklichkeit; vi-naddhiḥ – ohne Bindung, von Fesselung frei; vi, auseinander oder frei von; naddhi, Bindung; aham – ich; jātam – das Geborene, Gewordene; jani – Geburt, Geborenwerden; hier nach der Vritti das gerade Entstehende; janiṣyamāṇam – das künftig Geborenwerdende; aham – ich; tvam – du; aham – ich; aham – ich; tvam – du; it – eben; nu – nun, gewiss; tvam – du; aham – ich; cakṣva – sieh, erkenne, sprich dir deutlich aus; vicikitsīḥ – zweifle; mit dem folgenden ma verneint; ma – nicht; verkürztes mā vor ṛjvā; ṛjvā – geradewegs, unmittelbar; ungewöhnliche Form.

Erläuterung: Der Text liest aham ṛtam, ‚ich bin Wahrheit‘. Der Kommentar bietet an dieser Stelle auch die Variante aham amṛtam, ‚ich bin unsterblich‘. Das artikulierte Hin und Her von ‚ich‘ und ‚du‘ wird vollständig wiedergegeben.

24 – Namen des umfassenden Selbst
viśvaśāstā vidharaṇo viśvarūpo rudraḥ praṇītī tamanaḥ prajāpatiḥ |
haṃso viśoko ajaraḥ purāṇa ṛtīyamāno aham asmi nāma || 24 ||

Übersetzung: Ich bin der Lehrer von allem, der Träger, der Allgestaltige, Rudra, der Führende, der Beruhigende, Prajapati; der Hamsa, frei von Trauer, alterslos, uralt, sich von allem abwendend – so bin ich in der Tat.

Wort-für-Wort-Erläuterung: viśva-śāstā – Lehrer oder Lenker des Alls: viśva, alles; śāstṛ, Lehrer oder Herrscher; vidharaṇaḥ – Träger, Erhalter, auseinanderhaltende Kraft; viśva-rūpaḥ – allgestaltig: viśva, alles; rūpa, Gestalt; rudraḥ – Rudra; praṇītī – Führer, Hinleitender; ungewöhnliche Nominalform; tamanaḥ – Beruhigender, zur Ruhe Bringender; so die Vritti; prajā-patiḥ – Herr der Geschöpfe, Prajapati: prajā, Geschöpfe; pati, Herr; haṃsaḥ – Hamsa, Gans oder Schwan; hier religiöser Name des Selbst; vi-śokaḥ – ohne Trauer: vi, frei von; śoka, Kummer; a-jaraḥ – alterslos, nicht alternd; purāṇaḥ – uralt, von alters her bestehend; ṛtīyamānaḥ – sich abwendend, Widerwillen empfindend; im Kommentar als Unberührtheit von Bindungen gedeutet; aham – ich; asmi – bin; nāma – in der Tat, gewiss; bekräftigende Partikel.

25 – Alles, was hier ist
aham asmi jaritā sarvatomukhaḥ paryāraṇaḥ parameṣṭhī nṛcakṣāḥ |
ahaṃ viṣvaṅṅ aham asmi prasatvān aham eko 'smi yad idaṃ nu kiṃca || 25 ||

Übersetzung: Ich bin der Sänger, nach allen Seiten blickend, alles umgehend, im Höchsten stehend, die Menschen schauend. Ich bin überallhin gewandt; ich bin der Vorwärtsschreitende. Ich bin der Eine – alles, was hier überhaupt ist.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: aham – ich; asmi – bin; jaritā – Sänger, Lobpreisender; nach der Vritti auch Opfernder; sarvato-mukhaḥ – nach allen Seiten ein Gesicht habend: sarvatas, allseits; mukha, Gesicht; paryāraṇaḥ – ringsum gehend, alles umgebend oder durchdringend; parameṣṭhī – im Höchsten stehend, höchster Herr; parama, höchst; sthā, stehen; nṛ-cakṣāḥ – die Menschen schauend; aham – ich; viṣvak – allseits, überallhin; Textform viṣvaṅṅ; aham – ich; asmi – bin; prasatvān – vorwärtsgehend, vorwärtsdrängend; seltenes Beiwort, in der Vritti als Zeuge erklärt; aham – ich; ekaḥ – Einer, der Eine; asmi – bin; yat – was, alles, was; idam – dies, hier; nu – eben, nun; kim – irgendetwas; ca – auch; yat … kiṃ ca: was auch immer.

Kolophon
iti bāṣkalamantropaniṣat samāptā ||

Übersetzung: Damit ist die Bashkala Mantra Upanishad abgeschlossen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: iti – so, damit; bāṣkala-mantra-upaniṣat – die Mantra-Upanishad der Bashkala-Überlieferung: bāṣkala, zu Bashkala gehörig; mantra, heiliger Spruch; upaniṣad, geheime Unterweisung; samāptā – beendet, abgeschlossen.

Datierung, Inhalt und Bedeutung

Name und Einordnung

Bāṣkala verweist auf eine zum Rigveda gehörende Überlieferung; mantra bezeichnet den heiligen Spruch oder Vers. Der Titel stellt den Text damit in eine vedische Schultradition. Diese Zuordnung beweist für sich genommen nicht, dass die erhaltene Upanishad ebenso alt ist wie die Hymnen der Rigveda-Samhita. Die Benennung einer Schule und das Entstehungsdatum eines einzelnen Textes sind unterschiedliche Fragen.

Die Bashkala Mantra Upanishad ist kurz genug, um als Ganzes studiert zu werden, zugleich aber sprachlich anspruchsvoll. Ihre 25 Verse bilden eine zusammenhängende Bewegung: Begegnung, Frage, Antwort und Erkenntnis. Sie ist weder eine Sammlung voneinander unabhängiger Sinnsprüche noch eine bloße Aufzählung göttlicher Namen.

Datierung und Forschung

Eine exakte Entstehungszeit ist nicht gesichert. Die vedischen Götternamen, die Verwendung von Partikeln wie u und ha und einzelne altertümliche Bilder reichen allein nicht aus, den Text einer bestimmten frühen Epoche zuzuweisen. Sprachliche Nachahmung älterer Vorbilder ist ebenso zu berücksichtigen wie die Möglichkeit älterer übernommener Formulierungen. Unregelmäßige Formen können außerdem aus der Textüberlieferung stammen. Eine Datierung muss deshalb Wortlaut, Versbau, Vergleichstexte und Handschriften gemeinsam untersuchen.

Als überprüfbare Stationen der neueren Textarbeit können Louis Renous Ausgabe und französische Übersetzung von 1956 sowie Mislav Ježićs Ausgabe von 1999 genannt werden. Ježić hat außerdem das Verhältnis zur Bhagavad Gita untersucht. Die hier benutzte TITUS-Fassung nennt seine Ausgabe ausdrücklich als Grundlage. Diese Veröffentlichungsdaten datieren die moderne Bearbeitung, nicht die Entstehung der Upanishad.

Die traditionelle Vritti dokumentiert einen weiteren Zugang: Sie erschließt die ungewöhnliche Sprache durch ein vedantisches Verständnis. Sie ist für das Studium wertvoll, löst aber nicht jede sprachliche Schwierigkeit. Wenn ihre Lesung von der gewählten Sanskritgrundlage abweicht, muss diese Abweichung sichtbar bleiben. Beispiele sind anūvāha beziehungsweise anvāha in Vers 15 und ṛtam beziehungsweise amṛtam in Vers 23.

Verse 1–7: Eine erschütternde Begegnung

Medhatithi begegnet dem Göttlichen zunächst in einer Gestalt, die er nicht einordnen kann. Er sieht einen Widder, erlebt aber eine Bewegung, die für ein gewöhnliches Tier unmöglich erscheint. Seine Fragen betreffen Identität, Ziel und Schutz: Wer bist du? Wohin führst du mich? Wo sind die Mächte, denen ich vertraut habe?

Diese Situation hat auch eine erkenntnistheoretische Seite. Eine sichtbare Form ist noch keine vollständige Erklärung dessen, was sich in ihr zeigt. Der Seher bemerkt den Widerspruch zwischen seinem bisherigen Urteil und seiner Erfahrung. Er fragt weiter. Die Antwort beginnt nicht mit einer abstrakten Definition, sondern mit der Zusage, ihn zu seiner eigenen Stätte zu führen. Die Vritti versteht diese Stätte als die eigene wahre Natur.

Verse 8–17: Die Welt in der Ich-Rede

Indra bezeichnet sich als Geber für die Sänger und zugleich als Bestandteil und Vollzieher des Opfers. Damit werden Rollen verbunden, die im Ritual sonst unterschieden sind. Der Text weitet diese Verbindung auf den Aufbau der Welt, auf Licht, Wasser, Nahrung und Pflanzen aus. Das göttliche Ich steht der Welt nicht nur als äußerer Beobachter gegenüber; es erscheint in ihren Kräften und Vorgängen.

Die wiederholten Aussagen über Kampf und Überlegenheit gehören zur Sprache Indras. Sie stehen neben Aussagen über Versorgung und Schutz. Die Upanishad verbindet somit die Macht des vedischen Gottes mit einer umfassenden Selbstaussage. Eine spirituelle Betrachtung muss beide Seiten wahrnehmen, um den Text weder auf eine Kriegererzählung noch auf eine losgelöste philosophische Formel zu reduzieren.

In Vers 11 wird die Vielheit der Gestalten ausdrücklich mit Maya verbunden. Das Wort steht im Plural: māyābhiḥ, durch Gestaltungskräfte oder wunderwirkende Mächte. Der Vers lässt sich im Licht des späteren Advaita Vedanta lesen. Die Übersetzung bewahrt jedoch zunächst den konkreten Gedanken: Der Eine erscheint Form um Form. Eine vollständige spätere Theorie von Maya ist in diesem einzelnen Vers noch nicht ausgeführt.

Verse 18–20: Innere Gegenwart und Grenzen äußerer Mittel

Das Bild der Höhle lenkt die Aufmerksamkeit nach innen. Der Kommentar erkennt darin den Herzraum. Erkenntnis bedeutet nun, die umfassende Gegenwart auch dort zu wissen, wo sie der äußeren Beobachtung verborgen bleibt. Für Meditation und Selbsterkenntnis ist dieser Wechsel der Blickrichtung bedeutsam.

Vers 20 spricht Grenzen aus: Weder Lobgesang noch Worte noch Fasten oder Geben erfassen für sich genommen die ganze Wirklichkeit. Daraus folgt nicht, dass Übung, Großzügigkeit oder Studium wertlos seien. Die im Text selbst vorausgesetzte Opfer- und Lobpreistradition würde dadurch übergangen. Im Zusammenhang gelesen richtet sich die Aussage gegen die Gleichsetzung einer begrenzten Handlung mit dem vollständigen Erkennen des unbegrenzten Selbst.

Verse 21–25: Einheit und Verschiedenheit

Die letzten Verse führen die Weltvielheit und die persönliche Anrede zusammen. Raubtier und Beute, Vergangenes und Zukünftiges, Ich und Du stehen in derselben umfassenden Rede. Vers 23 bewahrt die einzelnen Personalpronomen besonders nachdrücklich. Das Ziel ist eine Erkenntnis der Nichtgetrenntheit; die individuelle Perspektive des angesprochenen Medhatithi wird dabei im Dialog weiter verwendet.

Der Schluss nennt Rudra, Prajapati und Hamsa. Diese Namen stehen nicht als gegeneinander abgegrenzte letzte Wirklichkeiten nebeneinander, sondern innerhalb derselben Ich-Rede. Für einen vedantischen Leser bietet dies einen Ansatz, verschiedene Formen der Gottesverehrung auf ihre gemeinsame Grundlage hin zu betrachten. Eine solche Betrachtung bewahrt den religiösen Charakter des Textes und verbindet ihn mit Jnana Yoga.

Beziehungen zu anderen Schriften

Indras Unterweisung eines Menschen lädt zum Vergleich mit der Kaushitaki Upanishad ein. Die göttliche Selbstoffenbarung hat zugleich eine thematische Nähe zu den Vibhuti-Aussagen der Bhagavad Gita. Solche Vergleiche können Sprachbilder und Lehrformen erhellen. Aus einer Ähnlichkeit allein folgt aber keine sichere Richtung literarischer Abhängigkeit.

Die Aussage „Ich bin du“ lässt sich außerdem neben die bekannten Mahavakyas stellen, etwa Tat Tvam Asi. Das bedeutet nicht, dass der vorliegende Vers eines der vier gewöhnlich hervorgehobenen Mahavakyas wäre. Der Vergleich betrifft den Erkenntnisgehalt der Identitätsaussage. Die jeweilige Gesprächssituation und der Sanskritwortlaut verdienen eigenständige Beachtung.

Bedeutung heute

Für eine heutige Praxis verbindet der Text sorgfältiges Fragen, Hingabe und innere Betrachtung. Medhatithis Irritation wird zum Beginn einer Unterweisung. Eine Übende oder ein Übender kann darin die Ermutigung finden, eine ernsthafte Frage nicht mit der ersten gewohnten Antwort abzuschließen. Viveka, unterscheidendes Verstehen, zeigt sich auch darin, eine unsichere Übersetzung als unsicher zu erkennen.

Die Ich-Rede verlangt einen bewussten Umgang. Wer sie meditiert, untersucht die Bedeutung des Ich und die Grenzen der gewohnten Selbstvorstellung. Daraus kann eine größere Verbundenheit mit anderen entstehen. Eine praktische Bewährung dieser Einsicht liegt in Ahimsa, Verlässlichkeit und Mitgefühl. Diese ethische Anwendung stammt aus der weiteren Yoga-Tradition und gibt der kontemplativen Aussage einen konkreten Bezug zum Alltag.

Für Yogalehrende bietet es sich an, zuerst den Erzählrahmen zu behandeln, dann ausgewählte Verse aus der Selbstoffenbarung und schließlich den Zusammenhang des ganzen Textes. Dabei sollten die schwierigen Stellen nicht übersprungen werden. Gerade der Vergleich zwischen Grundtext, Kommentar und eigener Anwendung kann zeigen, was sorgfältiges Svadhyaya bedeutet.

Bashkala Mantra Upanishad Vollständiger Text auf Devanagari


मेधातिथिं काण्वम् इन्द्रो जहार द्या मेषभूयोपगतो विदानः ।
तम् अन्य इत् तमनं परिप्राट् पद एनं नियुजे परस्मिन् ॥ १ ॥


को ह स्मैष भवसि व्यवायो नावायो म इह शश्वद् अस्ति ।
सुशेवम् इच् चङ्क्रमसि प्रपश्यन्न् इत्था न कश्चोरणम् आचचक्षे ॥ २ ॥


नेमाम् अस्पृक्षद् इद् उदस्यमानः को अद्धा ऽमूम् अभि चङ्क्रमीति ।
तद् इच् छाधि यो ऽसि सर्ववित्तमो न त्वा ऽश्नवद् ब्रह्म रिषा मयस्वि ॥ ३ ॥


इन्द्रो नृचक्षा वृषभस् तुराषाट् प्रसासहिस् तपसा मा विचक्षे ।
स इद् देवो ऋतम् अन्व् अयन्तं प्र भीमकर्मा तवसो ऽपविद्धात् ॥ ४ ॥


कुहेव मा ऽवशम् इतो नयातै कुहेव ते चित्रतम प्रतिष्ठा ।
कुह चिद् एव स्वपिता पिता नो यो न वेद न हृतं हरन्तम् ॥ ५ ॥


प्रत्यङ्ङ् अवाङ् प्राङ्ङ् इतरौ च नेह नाहम् एनान् अनुपतस्थिर् अद्धा ।
न माम् इमे नूनम् इत्था पथो विदुर् ये मा न यन्ति मिथु चाकशानाः ॥ ६ ॥


परः स्मियानो विवर् अस्य शूकं किं सीम् इच् छरणं मन्यमानः ।
न ह त्वाहम् अप्रणीय स्वविष्ठाम् इत्था जहामि शपमानम् इन् नु ॥ ७ ॥


अहम् अस्मि जरितॄणाम् उ दावा अहम् आशिरम् अहम् इदं दधग्वान् ।
अहं विश्वा भुवना विचक्षन्न् अहं देवानाम् आसन्न् अवोदः ॥ ८ ॥


मम प्रतिष्ठा भुव आण्डकोशा वि चैमि सं च हि नु यो विरप्शी ।
अहं न्व् अहिं पर्वते शिश्रियाणम् उग्रो नु कं तवसावस्युर् अद्धा ॥ ९ ॥

१०
प्र वङ्क्षणा अभिदं पर्वतानां यत् सीम् इन्द्रो अकरोद् अनीकैः ।
को अद्धा वेद क इह प्र वोचत् को अश्नवद् अभिमातिं विजघ्नुषः ॥ १० ॥

११
को म अवो दाशुषो विश्वगूतीर् इत्था ददृश्रे भुवनाधि विश्वा ।
रूपं रूपं जनुषा बोभवीमि मायाभिर् एको अभिचाकशानः ॥ ११ ॥

१२
विश्वं विचक्षे यमयन्न् अभीको नेशे मे कश्च महिमानम् अन्यः ।
अहं द्यावापृथिवी आततानो बिभर्मि घर्मम् अवसे जनानाम् ॥ १२ ॥

१३
अहम् उ ह प्रवतिं यज्ञियाम् इयाम् अहं वेद भुवनस्य नाभिम् ।
आपिः पिता सूर् अहम् अस्य विष्वङ्ङ् अहं दिव्या आन्तरिक्ष्यास्तुका वहम् ॥ १३ ॥

१४
अहं वेदानाम् उत यज्ञानाम् अहं छन्दसाम् अविदं रयीणाम् ।
अहं पचामि सरसः परस्य यद् इद् एतीव सरिरस्य मध्ये ॥ १४ ॥

१५
अहम् इन् नु परमो जातवेदा यम् अध्वर्युर् अभि लोकंपृणैधीत् ।
यम् अनूवाह नभसो न पक्षी काष्ठा भिन्दन् गोभिर् इतो ऽमुतश्च ॥ १५ ॥

१६
अहम् उ यन्न् अपतता रथेन द्विषडारेण प्रधिनैकचक्रः ।
अहम् इन् नु दिद्युतानो दिवेदिवे तन्वं पुपुष्वान् अमृतं वहामि ॥ १६ ॥

१७
अहं दिशः प्रदिश आदिशश् च विष्वक् पुनानः पर्येमि लोकम् ।
अहं विश्वा ओषधीर् गर्भ आधां याभिर् इदं धिनुयुर् दाशुषः प्रजाः ॥ १७ ॥

१८
अहं चरामि भुवनस्य मध्ये पुनर् उच्चावचं व्यश्नुवानः ।
यो मां वेद निहितं गुहा चित् स इद् इत्था बोभवीद् आशयध्यै ॥ १८ ॥

१९
अहं पञ्चधा दशधा चैकधा च सहस्रधा नैकधा चासम् अत्र ।
मया ततम् इतीदमश्नुते तद् अन्यथा ऽसद्यदि मे असद् विदुः ॥ १९ ॥

२०
न माम् अश्नोति जरिता न कश्च न मा अश्नोति परि गोभिर् आभिः ।
न मे ऽनाश्वान् उत दाश्वान् अजग्रभीत् सर्व इन् माम् उपयन्ति विश्वतः ॥ २० ॥

२१
क्व शरारुः क्व सृमरः क्व नूरणः सर्वम् इदं त्वत् त्वद् इतो वहामि ।
यन् मद् इमे बिभ्यति तन् म एकं ते मे अक्षन्न् अहम् उ तान् अनुक्षम् ॥ २१ ॥

२२
यत् तप्यथा बहुधा मे पुराचित् तन् नु भुवे ऽहम् उरणो बोभुवे ।
ऋतस्य पन्थाम् असि हि प्रपन्नो ऽयसे स मे सत्यम् इद् एकम् एहि ॥ २२ ॥

२३
अहं ज्योतिर् अहम् ऋतं विनद्धिर् अहं जातं जनि जनिष्यमाणम् ।
अहं त्वम् अहम् अहं त्वम् इन् नु त्वम् अहं चक्ष्व विचिकित्सीर् म ऋज्वा ॥ २३ ॥

२४
विश्वशास्ता विधरणो विश्वरूपो रुद्रः प्रणीती तमनः प्रजापतिः ।
हंसो विशोको अजरः पुराण ऋतीयमानो अहम् अस्मि नाम ॥ २४ ॥

२५
अहम् अस्मि जरिता सर्वतोमुखः पर्यारणः परमेष्ठी नृचक्षाः ।
अहं विष्वङ्ङ् अहम् अस्मि प्रसत्वान् अहम् एको ऽस्मि यद् इदं नु किंच ॥ २५ ॥

Kolophon
इति बाष्कलमन्त्रोपनिषत् समाप्ता ॥

Vollständiger Text Bashkala Mantra Upanishad in IAST

1
medhātithiṃ kāṇvam indro jahāra dyā meṣabhūyopagato vidānaḥ |
tam anya it tamanaṃ pariprāṭ pada enaṃ niyuje parasmin || 1 ||

2
ko ha smaiṣa bhavasi vyavāyo nāvāyo ma iha śaśvad asti |
suśevam ic caṅkramasi prapaśyann itthā na kaścoraṇam ācacakṣe || 2 ||

3
nemām aspṛkṣad id udasyamānaḥ ko addhā 'mūm abhi caṅkramīti |
tad ic chādhi yo 'si sarvavittamo na tvā 'śnavad brahma riṣā mayasvi || 3 ||

4
indro nṛcakṣā vṛṣabhas turāṣāṭ prasāsahis tapasā mā vicakṣe |
sa id devo ṛtam anv ayantaṃ pra bhīmakarmā tavaso 'paviddhāt || 4 ||

5
kuheva mā 'vaśam ito nayātai kuheva te citratama pratiṣṭhā |
kuha cid eva svapitā pitā no yo na veda na hṛtaṃ harantam || 5 ||

6
pratyaṅṅ avāṅ prāṅṅ itarau ca neha nāham enān anupatasthir addhā |
na mām ime nūnam itthā patho vidur ye mā na yanti mithu cākaśānāḥ || 6 ||

7
paraḥ smiyāno vivar asya śūkaṃ kiṃ sīm ic charaṇaṃ manyamānaḥ |
na ha tvāham apraṇīya svaviṣṭhām itthā jahāmi śapamānam in nu || 7 ||

8
aham asmi jaritṝṇām u dāvā aham āśiram aham idaṃ dadhagvān |
ahaṃ viśvā bhuvanā vicakṣann ahaṃ devānām āsann avodaḥ || 8 ||

9
mama pratiṣṭhā bhuva āṇḍakośā vi caimi saṃ ca hi nu yo virapśī |
ahaṃ nv ahiṃ parvate śiśriyāṇam ugro nu kaṃ tavasāvasyur addhā || 9 ||

10
pra vaṅkṣaṇā abhidaṃ parvatānāṃ yat sīm indro akarod anīkaiḥ |
ko addhā veda ka iha pra vocat ko aśnavad abhimātiṃ vijaghnuṣaḥ || 10 ||

11
ko ma avo dāśuṣo viśvagūtīr itthā dadṛśre bhuvanādhi viśvā |
rūpaṃ rūpaṃ januṣā bobhavīmi māyābhir eko abhicākaśānaḥ || 11 ||

12
viśvaṃ vicakṣe yamayann abhīko neśe me kaśca mahimānam anyaḥ |
ahaṃ dyāvāpṛthivī ātatāno bibharmi gharmam avase janānām || 12 ||

13
aham u ha pravatiṃ yajñiyām iyām ahaṃ veda bhuvanasya nābhim |
āpiḥ pitā sūr aham asya viṣvaṅṅ ahaṃ divyā āntarikṣyāstukā vaham || 13 ||

14
ahaṃ vedānām uta yajñānām ahaṃ chandasām avidaṃ rayīṇām |
ahaṃ pacāmi sarasaḥ parasya yad id etīva sarirasya madhye || 14 ||

15
aham in nu paramo jātavedā yam adhvaryur abhi lokaṃpṛṇaidhīt |
yam anūvāha nabhaso na pakṣī kāṣṭhā bhindan gobhir ito 'mutaśca || 15 ||

16
aham u yann apatatā rathena dviṣaḍāreṇa pradhinaikacakraḥ |
aham in nu didyutāno divedive tanvaṃ pupuṣvān amṛtaṃ vahāmi || 16 ||

17
ahaṃ diśaḥ pradiśa ādiśaś ca viṣvak punānaḥ paryemi lokam |
ahaṃ viśvā oṣadhīr garbha ādhāṃ yābhir idaṃ dhinuyur dāśuṣaḥ prajāḥ || 17 ||

18
ahaṃ carāmi bhuvanasya madhye punar uccāvacaṃ vyaśnuvānaḥ |
yo māṃ veda nihitaṃ guhā cit sa id itthā bobhavīd āśayadhyai || 18 ||

19
ahaṃ pañcadhā daśadhā caikadhā ca sahasradhā naikadhā cāsam atra |
mayā tatam itīdamaśnute tad anyathā 'sadyadi me asad viduḥ || 19 ||

20
na mām aśnoti jaritā na kaśca na mā aśnoti pari gobhir ābhiḥ |
na me 'nāśvān uta dāśvān ajagrabhīt sarva in mām upayanti viśvataḥ || 20 ||

21
kva śarāruḥ kva sṛmaraḥ kva nūraṇaḥ sarvam idaṃ tvat tvad ito vahāmi |
yan mad ime bibhyati tan ma ekaṃ te me akṣann aham u tān anukṣam || 21 ||

22
yat tapyathā bahudhā me purācit tan nu bhuve 'ham uraṇo bobhuve |
ṛtasya panthām asi hi prapanno 'yase sa me satyam id ekam ehi || 22 ||

23
ahaṃ jyotir aham ṛtaṃ vinaddhir ahaṃ jātaṃ jani janiṣyamāṇam |
ahaṃ tvam aham ahaṃ tvam in nu tvam ahaṃ cakṣva vicikitsīr ma ṛjvā || 23 ||

24
viśvaśāstā vidharaṇo viśvarūpo rudraḥ praṇītī tamanaḥ prajāpatiḥ |
haṃso viśoko ajaraḥ purāṇa ṛtīyamāno aham asmi nāma || 24 ||

25
aham asmi jaritā sarvatomukhaḥ paryāraṇaḥ parameṣṭhī nṛcakṣāḥ |
ahaṃ viṣvaṅṅ aham asmi prasatvān aham eko 'smi yad idaṃ nu kiṃca || 25 ||

Kolophon
iti bāṣkalamantropaniṣat samāptā ||

Vollständige deutsche Übersetzung Bashkala Mantra Upanishad

1
Indra, der Wissende, hatte die Gestalt eines Widders angenommen und trug Medhatithi aus Kanvas Geschlecht zum Himmel fort. Der andere befragte seinen Bedränger und veranlasste ihn, sich über den höchsten Zustand zu erklären.

2
„Wer bist du denn, der du hier erkennbar erscheinst? Ich weiß es hier noch immer nicht gewiss. Du schreitest so mühelos dahin: Wer hätte beim Anblick eines Widders je von einem solchen Gang berichtet?

3
Du berührtest beim Emporspringen diese Erde nicht. Wer schreitet leibhaftig auf jenen Himmel zu? Lehre mich also, wer du bist, du Allwissendster. Möge die machtvolle Kraft des heiligen Wortes dich nicht im Zorn treffen.

4
Indra, der die Menschen schaut, der Stier, der rasch Überwindende und unwiderstehlich Siegende, blickt aufgrund meiner Askese auf mich. Dieser Gott mit furchtbaren Taten möge den mit Gewalt fortschleudern, der an der Wahrheit vorbeigeht.

5
Wohin willst du mich von hier gegen meinen Willen führen? Wo ist deine Stätte, o Wunderbarster? Wo schläft denn unser Vater, der weder den Fortgetragenen noch den Forttragenden wahrnimmt?

6
Sind die hinter uns, unter uns, vor uns und in den beiden anderen Richtungen hier nicht gegenwärtig? Es ist doch nicht so, dass ich ihnen nicht wahrhaft gedient hätte. Nun kennen sie offenbar meinen Weg in dieser Lage nicht, sie, die nebeneinander leuchten und nicht zu mir kommen.“

7
Lächelnd legte der Erhabene seine Besorgnis offen: „Was hältst du denn für deine Zuflucht? Ich lasse dich jetzt, auch wenn du fluchst, keineswegs so zurück, ohne dich zu deiner eigenen Stätte geführt zu haben.

8
Ich bin der Geber für die Sänger. Ich bin der Zusatz zum Opfertrank; ich bin der, der dies verbrennt. Ich überblicke alle Welten; ich bin der Speisespender am Mund der Götter.

9
Die Hüllen der Welteier sind mein Standort. Ich gehe auseinander und wieder zusammen, ich, der Überreiche. Ich, der Gewaltige, habe den Drachen im Berg bezwungen; mit Kraft suche ich wahrhaft Beistand.

10
Ich sprengte die Flanken der Berge auf – das, was Indra mit seinen Scharen vollbrachte. Wer weiß es wirklich, wer könnte es hier aussprechen? Wer könnte mich erreichen, der ich die Feindesmacht zerschlagen habe?

11
Wer hat so in allen Welten meine nach allen Seiten reichenden Hilfen gesehen, die von mir, dem Nahrungsspender, ausgehen? In jeder Geburt werde ich Form um Form, als Einer durch meine Maya-Kräfte überall erscheinend.

12
Furchtlos überschaue und lenke ich alles. Kein anderer vermag meine Größe zu erreichen. Ich breite Himmel und Erde aus und trage die heiße Opfergabe zum Schutz der Menschen.

13
Ich gewähre die beim Opfer ersehnte Förderung. Ich kenne den Nabel der Welt. Ich bin ihr Verwandter, ihr Vater, ihre Mutter allenthalben; ich trage die Tropfen des Himmels und des Zwischenraums.

14
Ich kenne die Veden und die Opfer; ich kenne die Versmaße und die Reichtümer. Ich koche das Wasser als jenes Feuer, das gleichsam mitten im Wasser des jenseitigen Sees hervortritt.

15
Ich bin wahrlich der höchste Jatavedas, das Feuer, das der Adhvaryu bei der Lokamprina-Ziegel entflammte. Er trug es nach, wie ein Vogel aus dem Himmel, der hier und dort mit seinen Strahlen die Weiten durchbricht.

16
Ich fahre mit dem nicht herabfallenden Wagen, dessen Radkranz zwölf Speichen hat, und habe nur ein Rad. Ich leuchte Tag für Tag, lasse meinen Leib wachsen und trage das Unsterbliche.

17
Reinigend durchziehe ich die Welt in allen Hauptrichtungen, Zwischenrichtungen und weiteren Richtungen. Ich legte alle Pflanzen als Keim an, durch die die Nachkommen des Opfernden diese Welt gedeihen lassen mögen.

18
Ich gehe mitten in der Welt umher und durchdringe immer wieder Hohes und Niedriges. Wer mich auch in der verborgenen Höhle gegenwärtig weiß, wird so beschaffen, dass er mich in seinem Inneren aufnehmen kann.

19
Ich bin hier fünffach, zehnfach, einfach, tausendfach und vielfach geworden. „Durch mich ist dies ausgebreitet“ – so erfasst man es. Sollten sie sagen, das von mir Gesagte sei anders, so kennen sie Unwahres.

20
Kein Sänger erreicht mich, überhaupt keiner; niemand erfasst mich ganz durch diese Worte. Weder der Fastende noch der Spendende hat mich ergriffen. Und doch kommen alle von überallher zu mir.

21
Hier ein Raubtier, dort ein umherstreifendes Tier, dort ein Widder: Dieses alles trage ich von hier aus, das eine und das andere. Wovor diese Wesen sich an mir fürchten, das ist für mich eines. Sie haben mich verzehrt, und ich habe sie verzehrt.

22
Weil du früher in vielerlei Weise um meinetwillen Askese geübt hast, bin ich für dein wahres Sein zu einem Widder geworden. Du hast ja den Weg der Wahrheit betreten und gehst auf ihm. Gelange nun zu meiner einen Wahrheit.

23
Ich bin Licht, ich bin Wahrheit, ich bin ohne Bindung. Ich bin das Geborene, das Geborenwerden und das künftig Geborenwerdende. Ich bin du; ich bin ich; du bist eben du und ich. Erkenne es ohne Umweg; zweifle nicht.

24
Ich bin der Lehrer von allem, der Träger, der Allgestaltige, Rudra, der Führende, der Beruhigende, Prajapati; der Hamsa, frei von Trauer, alterslos, uralt, sich von allem abwendend – so bin ich in der Tat.

25
Ich bin der Sänger, nach allen Seiten blickend, alles umgehend, im Höchsten stehend, die Menschen schauend. Ich bin überallhin gewandt; ich bin der Vorwärtsschreitende. Ich bin der Eine – alles, was hier überhaupt ist.“

Kolophon
Damit ist die Bashkala Mantra Upanishad abgeschlossen.

Fünf Empfehlungen für ernsthafte spirituelle Aspiranten aus der Bashkala Mantra Upanishad

  • Frage nach der Wirklichkeit hinter der ersten Erscheinung. Verbinde das Beispiel Medhatithis mit Viveka und sorgfältigem Studium.
  • Betrachte die Ich-Aussagen im Zusammenhang. Lies vor der Meditation über Vers 23 auch den Erzählrahmen und die vorausgehenden Aussagen über die Welt.
  • Verbinde Übung mit Erkenntnis. Lass Japa, Gebet, Geben und Tapas deine Sammlung unterstützen, und prüfe zugleich die Bedeutung der Worte, die du wiederholst.
  • Verweile bei der inneren Gegenwart. Nimm Vers 18 als Anregung zu stiller Meditation, ohne die dortigen sprachlichen Unsicherheiten zu verdecken.
  • Lass Verbundenheit im Handeln sichtbar werden. Eine Betrachtung der Einheit gewinnt für den Alltag Bedeutung durch Ahimsa, Satya und Mitgefühl.

Literatur und Quellen

  • Mislav Ježić: Ṛgvedske upanišadi: Aitareya, Kaušītaki, Bāškalamantra-upanišad. Matica Hrvatska, Zagreb 1999, S. 281–309. Sanskritgrundlage der TITUS-Fassung der Bashkala Mantra Upanishad; elektronisch vorbereitet von Ježić, TITUS-Bearbeitung von Jost Gippert.
  • Louis Renou: Bāṣkala-Mantra Upaniṣad. Les Upanishad, Band 16. Adrien Maisonneuve, Paris 1956. Wissenschaftliche Ausgabe und französische Übersetzung; bibliographisch ergänzend genannt.
  • Mislav Ježić: The Bāṣkalamantra-Upaniṣad and the Bhagavadgītā. In: Mary Brockington (Hrsg.): Stages and Transitions: Temporal and Historical Frameworks in Epic and Purāṇic Literature. Zagreb 2002, S. 35–54. Weiterführende Untersuchung zur Textvergleichung.
  • SanskritDocuments: Bāṣkalamantropaniṣat mit Vritti. Vergleichstext und traditionelle Sanskrit-Worterklärung; abweichende Lesungen sind im Artikel bezeichnet.

Siehe auch

Ähnliche Upanishaden: Kaushitaki Upanishad, Aitareya Upanishad, Chhagaleya Upanishad, Arsheya Upanishad, Nilarudra Upanishad, Shiva Sankalpa Upanishad.

Weblinks

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