Vyana Vayu

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Vyana Vayu, auch einfach nur Vyana (Sanskrit: व्यान vyāna m.) genannt, ist eines der fünf Vayus (Hauptpranas) im Ayurveda. Vyana bedeutet "die sich verbreitende Luft".

Prana - die Lebensenergien

Vyana hat sein Zentrum im Herzen und befindet sich im ganzen Körper. Vyana steuert die Zirkulation der Energie und damit den Kreislauf des Blutes und die Bewegungen der Gelenke und Muskeln. Ist Vyana gestört, haben wir Schwierigkeiten mit Koordination und Bewegung.

Vyana Vayu

Die Praxis von entspannt gehaltenen Asanas sublimiert Vyana Vayu

- Abschnitt aus "Die Kundalini Energie erwecken" von Sukadev Bretz -

Vyana-Vayu ist die Energie hinter dem Herzkreislaufsystem und hinter jeder Art von Bewegung. Es ist die Energie hinter dem Bewegungsdrang, der Neugier und dem Wunsch etwas zu bewirken. Vyana-Vayu wird durch Surya Namaskar (Sonnengebet) und Asanas gestärkt, harmonisiert und sublimiert. Das Charakteristische an Yoga-Asanas ist, dass eine Körperhaltung für eine Weile bewegungslos gehalten wird. Dabei werden alle Muskeln, die nicht gebraucht werden, vollkommen entspannt und der Geist konzentriert.

Normalerweise ist der Mensch tagsüber ständig in Bewegung. Es ist geradezu charakteristisch für den Menschen (wie für alle Menschenaffen), ständig in Bewegung zu sein. Wenn man mal in einen Zoo geht, wird man feststellen, dass fast alle Tiere den größten Teil des Tages mit Schlafen, Dösen oder anderweitig in Ruhe verbringen. Tiere, deren Nahrung eine geringe Kaloriendichte hat, wie Pferde, Zebras, Kühe und Giraffen, werden außerdem viele Stunden mit Fressen (und eventuell Wiederkäuen) verbringen. Aber die Menschenaffen sind den ganzen Tag in Bewegung. Und noch stärker ist das Bewegungsbedürfnis beim Menschen ausgeprägt. Der Mensch hat ein starkes Vyana-Vayu, das ihn ständig in Bewegung hält.

Wenn der Mensch sich entscheidet, für eine Weile bei vollem Bewusstsein regungslos in einer Stellung zu verharren, die keine natürliche Schlaf- oder Ruhestellung ist, strömt das Vyana-Vayu weiterhin in die Muskeln und wird so arbeitslos. Je länger der Mensch bewegungslos ist, umso mehr Vyana-Vayu wird aktiviert. Wenn er sich nicht bewegt, entsteht so immer mehr frei werdendes Vyana-Vayu. Dieses wird dann zunächst das Herz-Kreislauf-System und das Muskelskelettsystem harmonisieren und reparieren. Darauf ist zumindest teilweise die empirisch schon oft nachgewiesene positive Wirkung von Yoga-Übungen auf Blutdruck, Arteriosklerose und andere Herzkrankheiten zurückzuführen. Wenn der Übende sich beim Halten der Asanas auf die höheren Chakras konzentriert, wird das frei gewordene Vyana-Vayu in Ojas umgewandelt und in den höheren Chakras konzentriert. Das ist einer der Gründe, weshalb man sich nach einer klassischen Yogastunde so leicht, freudevoll und inspiriert fühlt. Gymnastik, Gerätetraining, Jogging und andere Sportarten sind sicher auch gesund. Aber die Asanas haben darüber hinaus vielfältige Wirkung auf die Lebensenergien, unter anderem eben auf Vyana-Vayu. Das ist mit ein Grund, weshalb Hatha Yoga immer populärer wird: Man fühlt sich während und nach den Asanas sehr gut und hat sein Energiesystem sehr schnell neu aufgeladen.

Natürlich funktioniert das nur, wenn die Asanas wirklich gehalten werden. Schon eine Minute Bewegungslosigkeit hat eine gewisse Wirkung. Ab drei Minuten wird die Energiewirkung stärker, ab fünf Minuten sehr stark. Ab zehn oder gar dreißig Minuten entspannter konzentrierter Bewegungslosigkeit wird die Erfahrung sehr intensiv. Man sollte das natürlich nicht übertreiben. Es ist nur sinnvoll, eine Asana solange zu halten, wie man entspannt sein und den Geist konzentrieren kann. Wenn der Körper anfängt sich zu verspannen, wird das frei werdende Vyana-Vayu nicht mehr in Ojas sublimiert sondern in Verspannung und Energieblockaden umgewandelt. Und das gilt es zu vermeiden. Wenn man noch keine Yoga-Asanas kennt, empfehle ich unbedingt die Teilnahme an einem Yoga-Kurs, den man sich danach aussuchen sollte, ob die Asanas auch gehalten werden. So wird die Energiewirkung am stärksten sein. Dieses Buch ist kein Asana-Buch. Davon gibt es schon viele (ich empfehle beispielsweise das von mir geschriebene „Das Yoga Vidya Asana Buch“ und „Yoga“ vom Sivananda Yoga Zentrum).

Hier nur eine kleine Übung:

Bewegungsloses Sitzen

Setze dich bewegungslos hin, entweder auf einen Stuhl oder auf den Boden. Halte die Wirbelsäule aufrecht. Entspanne alle anderen Muskeln. Atme ein paar Mal tief ein und aus. Dann lass den Atem so fließen, wie er von selbst will. Halte auch die Augen entspannt. Blicke bei geschlossenen Lidern mit den Augen leicht nach oben ins Unendliche. Konzentriere dich auf den Punkt zwischen den Augenbrauen. Wiederhole dabei ein Mantra wie Om. Einatmen – Om. Ausatmen – Om. Bleibe mindestens zwei bis drei Minuten lang ruhig, entspannt und bewegungslos sitzen. Dann atme wieder ein paar Mal tief ein und aus, werde dir des angenehmen Gefühls bewusst und öffne die Augen.


Die zehn Hauche



Siehe auch

Literatur

  • Sukadev Bretz: Die Kundalini Energie erwecken auch als eBook
  • Swami Saradananda: Atem - Kraftquelle deines Lebens
  • Die Wissenschaft des Pranayama
  • Das neue große Ayurveda Praxis Handbuch von Rhyner
  • Das große Ayurveda-Heilbuch von Dr. Vasant Lad
  • Vedische Kochkunst
  • Selbstheilung mit Ayurveda: Das Standardwerk der indischen Heilkunde von Dr. Vasant Lad
  • Dr. Rhyner, Europäischer Ayurveda-Pionier und Autor umfangreicher und fundierter Ayurveda-Literatur
  • Crittin, Jean-Pierre, Ayurvedische Psychologie. Wege zum Selbst und das Energieprinzip im Ayurveda (2010)
  • Crittin, Jean-Pierre, Ayurvedische Psychologie in der Praxis. Wachstum und Entwicklung. Das Erwachen der Urkraft Shakti (2013)
  • Frawley, David, Soma - Verjüngung und Unsterblichkeit. Yoga und Ayurveda für Körper und Geist (2012)
  • Frawley, David, Mit dem Herzen denken. Die Psychologie des Ayurveda (2011)
  • Frawley, David, Yoga und Ayurveda. Die uralte Kunst und Wissenschaft der spirituellen und psychosomatischen Integration (2010)
  • Frawley, David, Neti – Die Heilgeheimnisse des Yoga und Ayurveda (2005)
  • Frawley, David, Vom Geist des Ayurveda (2003)
  • Frawley, David, Das große Ayurveda-Heilungsbuch. Prinzipien und Praxis (2001)
  • Frawley, David, Das große Handbuch des Yoga und Ayurveda. Das Buch des vedischen Wissens – Der Weg der Selbstverwirklichung und der Yoga der Selbstheilung (2001)
  • Frawley, David, Vom Geist des Ayurveda - Therapien für den Geist. Yogische ganzheitliche Meidzin und ayurvediscge Psychologie (1999)
  • Kessler, Christian, Wirksamkeit von Ayurveda bei chronischen Erkrankungen. Systematische Reviews und Poweranalysen von klinischen Studien zu ayurvedischen Therapien bei Diabetes mellitus, Asthma bronchiale und Fettstoffwechselstörungen (2006)
  • Kirtikar, K. R., Basu, B. D., Indian Medicinal Plants, Vol II (1988)
  • Lad, Vasant und Frawley, David, Die Ayurveda Pflanzen-Heilkunde (2011)
  • Nadkarni, K. M., Indian Materia Medica, Vol. I (1982)
  • Patnaik, Naveen, The Garden of Life (1993)
  • Przuntek, Prof. Dr. Horst, Ayurveda - neue Behandlungsmöglichkeiten in der westlichen Welt? (Eine Vorlesungsreihe der Ruhr-Universität Bochum, 20.02.2005)
  • Ranade, Subhash, Ayurveda - Wesen und Methodik (2004)
  • Skibbe, P. und J., Ayurveda – die Kunst des Kochens (2009)
  • Stapelfeldt, Elmar und Gupta , Shive Narain, Praxis Ayurveda-Medizin: kaya-cikitsa. Therapiekonzepte für Innere Erkrankungen (2013)
  • The Useful Plants of India, Publications and Informations Directorate (1986)
  • Warrier, P. K., Nambiar, V. P., Ramankutty, C., Indian Medicinal Plants (1996)

Weblinks

Seminare