Venkatesha Suprabhatam
Venkatesha Suprabhatam (Sanskrit: श्रीवेङ्कटेशसुप्रभातम्, IAST: Śrīveṅkaṭeśasuprabhātam; auch Venkateswara Suprabhatam, Sri Venkatesa Suprabhatam) ist eines der bekanntesten morgendlichen Gebete des Vaishnavismus. Es ist eng mit dem großen Tirumala-Veṅkaṭeśvara-Tempel verbunden und wird dem Śrīvaiṣṇava-Ācārya Prativadi Bhayankaram Annan zugeschrieben, einem Schüler von Maṇavāḷa Māmunigaḷ.

Unter dem Namen Venkatesha Suprabhatam wird gewöhnlich der vollständige liturgische Zyklus von 70 Ślokas verstanden. Er besteht aus vier Teilen:
- 29 Suprabhatam-Verse – der Herr wird am Morgen liebevoll „geweckt“;
- 11 Venkatesha-Stotram-Verse – Venkatesha wird als Vishnu, Rama und Krishna gepriesen;
- 16 Prapatti-Verse – der Verehrer nimmt bewusst Zuflucht zu den Füßen des Herrn;
- 14 Mangalaśāsanam-Verse – am Ende spricht der Verehrer selbst Segenswünsche über den geliebten Herrn aus.
Dieser Artikel enthält die vollständige Fassung aller 70 Ślokas. Jeder Vers erscheint unmittelbar als:
Devanagari → IAST-Umschrift → deutsche Übersetzung.
Der berühmte Eröffnungsvers „Kausalyā suprajā Rāma…“ stammt bereits aus dem Vālmīki-Rāmāyaṇa. Im Tirumala-Ritual erhält er eine neue Funktion: Der Weckruf an Rāma wird zum Auftakt des morgendlichen Dienstes für Veṅkaṭeśa.
Doch das Werk ist mehr als ein Tempelritual. Seine innere Bewegung ist erstaunlich klar:
Erwachen → Schauen → Loben → Zuflucht → Segnen.
Am Anfang wird Gott „geweckt“. Am Ende hat sich vor allem der Mensch verändert.
Venkatesha Suprabhatam auf einen Blick
- Gottheit: Veṅkaṭeśa / Veṅkaṭeśvara, auch Śrīnivāsa und Balaji
- Ort: Tirumala, Andhra Pradesh
- Sprache: Sanskrit
- Tradition: Śrīvaiṣṇavismus
- Verfasser: Prativadi Bhayankaram Annan
- Lehrertradition: Schüler von Maṇavāḷa Māmunigaḷ
- Umfang: 70 Ślokas in vier Teilen
- Zentrale Themen: Erwachen, Gotteslob, Prapatti, Lakshmi, Seva, Zuflucht, Ācārya-Tradition und Segnung
- Liturgische Funktion: morgendliche Tempel-Sevā in Tirumala
Was bedeutet Suprabhatam?
Suprabhātam bedeutet wörtlich „guter Morgen“, „gesegneter Morgen“. Ein Suprabhātam ist ein morgendlicher Weckhymnus für eine Gottheit.
Dabei ist das Bild bewusst paradox: Der allgegenwärtige Gott „schläft“ natürlich nicht wie ein Mensch. Das Ritual bringt vielmehr die liebevolle Tempelbeziehung zum Ausdruck. Der Verehrer spricht mit Gott so persönlich, als dürfe er ihn am Morgen wecken, begrüßen und den neuen Tag gemeinsam beginnen.
Spirituell kann daraus eine zweite Bedeutung entstehen:
Nicht nur Gott wird geweckt – der Mensch selbst soll erwachen.
Der Tempel öffnet seine Tore. Die Natur erwacht. Die Hymnen beginnen. Und der Verehrer wird eingeladen, auch innerlich aus Trägheit, Zerstreuung und Vergessen aufzustehen. So wird aus einem liturgischen Morgenlied eine Schule der Aufmerksamkeit.
Die Śrīvaiṣṇava-Überlieferung nennt Prativadi Bhayankaram Annan als Schüler von Maṇavāḷa Māmunigaḷ. Er gehörte zu dessen bedeutenden Schülern und war eng mit Tirumala verbunden. Traditionell wird erzählt, dass er dort Dienst für Veṅkaṭeśa verrichtete und den vierteiligen Suprabhatam-Zyklus auf Anweisung seines Lehrers verfasste.
Damit steht das Sanskritwerk in unmittelbarer Verbindung zur tamilischen Śrīvaiṣṇava-Welt des Nalayira Divya Prabandham, der Tiruvaymoli, des Ramanuja Nurrantati, des Jnana Saram und des Prameya Saram. Der Text ist Sanskrit – seine religiöse Lebenswelt ist jedoch eng mit der tamilischen Āḻvār- und Ācārya-Tradition verflochten.
Tirumala, Tirupati und Venkatesha
Venkatesha – auch Veṅkaṭeśvara, Śrīnivāsa oder Balaji – ist eine Form Vishnus. Sein berühmtestes Heiligtum liegt auf den sieben Hügeln von Tirumala.
Der Suprabhatam-Text macht den heiligen Berg selbst lebendig: Lotusblüten öffnen sich, Vögel rufen, Bienen summen, der Wind trägt Duft, vedische Gelehrte bringen heiliges Wasser, Götter und Weise warten an den Toren.
So wird der Morgen nicht nur zur Uhrzeit, sondern zu einer kosmischen Liturgie. Nicht nur Priester und Pilger kommen zum Darśan: Im poetischen Blick des Hymnus nehmen auch Wind, Blumen, Vögel, Bienen, Planeten, Götter und Weise daran teil.
Die ganze Welt scheint zu sagen:
Der Tag beginnt – richte dich auf das Heilige aus.

Verbindung zur Tiruppavai
Eine besonders wichtige Verbindung zum Projekt der Tamil-Schriften besteht in der Tempelpraxis von Tirumala: Während des heiligen Monats Dhanurmāsa wird die gewöhnliche Suprabhāta-Sevā dort ausgesetzt; stattdessen werden die tamilischen Verse der Tiruppavai von Andal rezitiert.
Damit begegnen sich Sanskrit- und Tamil-Tradition unmittelbar im selben Tempel:
Venkatesha Suprabhatam im Jahreslauf – Tiruppavai im Dhanurmasa.
Diese Verbindung zeigt, wie eng Sanskrit-Stotra und tamilisches Nalayira Divya Prabandham im gelebten Śrīvaiṣṇavismus miteinander verflochten sind. Wer das Venkatesha Suprabhatam zusammen mit Tiruppavai, Periya Tirumoli und Tiruvaymoli liest, begegnet derselben Tempel- und Gottesliebe in unterschiedlichen sprachlichen Formen.
Die vier Teile als spiritueller Weg
Der vollständige Zyklus lässt sich als innerer Weg lesen:
1. Suprabhatam – Erwachen. Die Welt erwacht und richtet sich auf Gott aus.
2. Stotram – Schauen und Loben. Der Verehrer betrachtet Veṅkaṭeśa als Kṛṣṇa, Rāma und höchste Form Vishnus.
3. Prapatti – Zuflucht. Das Lob wird persönlich: „Zu deinen Füßen nehme ich Zuflucht.“
4. Mangalaśāsanam – Segnen. Am Ende bittet der Verehrer nicht mehr nur um Segen; er spricht selbst Segen über den geliebten Herrn aus.
So führt das Werk:
Erwachen → Schauen → Loben → Zuflucht → Liebe, die selbst segnen möchte.
Gerade diese Bewegung macht den vollständigen Zyklus so schön. Er beginnt mit dem Ruf an den Herrn – und endet damit, dass der Verehrer aus Liebe selbst zum Segnenden wird.
Oben: „Om Namo Narayanaya“ mit Sukadev bei Yoga Vidya – ein einfaches Vishnu-Mantra, das gut zur Grundstimmung des Venkatesha Suprabhatam passt.
Vollständiger Text – Sri Venkatesha Suprabhatam
Formatierungshinweis: Der Sanskrittext verwendet bewusst keine <poem>-Tags. Jede Devanagari- und IAST-Zeile endet mit <br>.
Suprabhatam 1
Devanagari:
कौसल्या सुप्रजा राम पूर्वा सन्ध्या प्रवर्तते ।
उत्तिष्ठ नरशार्दूल कर्तव्यं दैवमाह्निकम् ॥
IAST-Umschrift:
kausalyā suprajā rāma pūrvā sandhyā pravartate ।
uttiṣṭha naraśārdūla kartavyaṃ daivamāhnikam ॥
Deutsche Übersetzung:
Begnadeter Sohn Kausalyās, o Rāma! Die Morgendämmerung beginnt. Erhebe dich, Tiger unter den Menschen; die heiligen Pflichten des Morgens warten.
Suprabhatam 2
Devanagari:
उत्तिष्ठोत्तिष्ठ गोविन्द उत्तिष्ठ गरुडध्वज ।
उत्तिष्ठ कमलाकान्त त्रैलोक्यं मङ्गलं कुरु ॥
IAST-Umschrift:
uttiṣṭhottiṣṭha govinda uttiṣṭha garuḍadhvaja ।
uttiṣṭha kamalākānta trailokyaṃ maṅgalaṃ kuru ॥
Deutsche Übersetzung:
Erhebe dich, Govinda! Erhebe dich, Träger des Garuḍa-Banners! Erhebe dich, Geliebter Lakṣmīs, und schenke den drei Welten Segen.
Suprabhatam 3
Devanagari:
मातस्समस्तजगतां मधुकैटभारेः
वक्षोविहारिणि मनोहरदिव्यमूर्ते ।
श्रीस्वामिनि श्रितजन प्रियदानशीले
श्रीवेङ्कटेशदयिते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
mātassamastajagatāṃ madhukaiṭabhāreḥ
vakṣovihāriṇi manoharadivyamūrte ।
śrīsvāmini śritajana priyadānaśīle
śrīveṅkaṭeśadayite tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
O Mutter der ganzen Welt, die du an der Brust des Bezwingers von Madhu und Kaiṭabha wohnst, göttlich schön und den Schutzsuchenden gütig: Geliebte Venkateśas, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 4
Devanagari:
तव सुप्रभातमरविन्दलोचने
भवतु प्रसन्नमुखचन्द्रमण्डले ।
विधिशङ्करेन्द्रवनिताभिरर्चिते
वृषशैलनाथदयिते दयानिधे ॥
IAST-Umschrift:
tava suprabhātamaravindalocane
bhavatu prasannamukhacandramaṇḍale ।
vidhiśaṅkarendravanitābhirarcite
vṛṣaśailanāthadayite dayānidhe ॥
Deutsche Übersetzung:
O Lotusäugige mit mondgleich heiterem Antlitz, verehrt von Sarasvatī, Pārvatī und Śacī, geliebte Herrin des Vṛṣa-Berges und Schatz des Mitgefühls: Möge dein Morgen gesegnet sein.
Suprabhatam 5
Devanagari:
अत्र्यादि सप्तऋषयस्समुपास्य सन्ध्यां
आकाशसिन्धुकमलानि मनोहराणि ।
आदाय पादयुगमर्चयितुं प्रपन्नाः
शेषाद्रिशेखरविभो तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
atryādi saptaṛṣayassamupāsya sandhyāṃ
ākāśasindhukamalāni manoharāṇi ।
ādāya pādayugamarcayituṃ prapannāḥ
śeṣādriśekharavibho tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Die sieben Weisen, beginnend mit Atri, haben die Morgendämmerung verehrt und bringen himmlische Lotusblumen, um deine Füße anzubeten. Herr auf Śeṣādri, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 6
Devanagari:
पञ्चाननाब्जभवषण्मुखवासवाद्याः
त्रैविक्रमादिचरितं विबुधाः स्तुवन्ति ।
भाषापतिः पठति वासरशुद्धिमारात्
शेषाद्रिशेखरविभो तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
pañcānanābjabhavaṣaṇmukhavāsavādyāḥ
traivikramādicaritaṃ vibudhāḥ stuvanti ।
bhāṣāpatiḥ paṭhati vāsaraśuddhimārāt
śeṣādriśekharavibho tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Śiva, Brahmā, Skanda, Indra und die Götter preisen deine Taten als Trivikrama; Bṛhaspati verkündet die Heiligkeit des neuen Tages. Herr auf Śeṣādri, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 7
Devanagari:
ईषत्प्रफुल्लसरसीरुहनारिकेल-
पूगद्रुमादि सुमनोहरपालिकानाम् ।
आवाति मन्दमनिलस्सह दिव्यगन्धैः
शेषाद्रिशेखरविभो तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
īṣatpraphullasarasīruhanārikela-
pūgadrumādi sumanoharapālikānām ।
āvāti mandamanilassaha divyagandhaiḥ
śeṣādriśekharavibho tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Ein sanfter Wind trägt göttliche Düfte von halb geöffneten Lotusblüten, Kokospalmen, Arekanusspalmen und den Gärten herbei. Herr auf Śeṣādri, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 8
Devanagari:
उन्मील्य नेत्रयुगमुत्तमपञ्जरस्थाः
पात्रावशिष्टकदलीफलपायसानि ।
भुक्त्वा सलीलमथ केलिशुकाः पठन्ति
शेषाद्रिशेखरविभो तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
unmīlya netrayugamuttamapañjarasthāḥ
pātrāvaśiṣṭakadalīphalapāyasāni ।
bhuktvā salīlamatha keliśukāḥ paṭhanti
śeṣādriśekharavibho tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Die Tempelpapageien öffnen die Augen, kosten Bananen und süße Speisen aus den Opfergefäßen und beginnen spielerisch zu rufen. Herr auf Śeṣādri, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 9
Devanagari:
तन्त्रीप्रहर्षमधुरस्वनया विपञ्च्या
गायत्यनन्तचरितं तव नारदोऽपि ।
भाषासमग्रमसकृत्करचाररम्यं
शेषाद्रिशेखरविभो तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
tantrīpraharṣamadhurasvanayā vipañcyā
gāyatyanantacaritaṃ tava nārado’pi ।
bhāṣāsamagramasakṛtkaracāraramyaṃ
śeṣādriśekharavibho tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Auch Nārada singt mit der süßen Vīṇā von deinen endlosen Taten; Stimme und Handbewegungen fließen voller Schönheit. Herr auf Śeṣādri, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 10
Devanagari:
भृङ्गावली च मकरन्दरसानुविद्ध-
झङ्कारगीतनिनदैः सह सेवनाय ।
निर्यात्युपान्तसरसीकमलोदरेभ्यः
शेषाद्रिशेखरविभो तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
bhṛṅgāvalī ca makarandarasānuviddha-
jhaṅkāragītaninadaiḥ saha sevanāya ।
niryātyupāntasarasīkamalodarebhyaḥ
śeṣādriśekharavibho tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Bienenschwärme steigen aus den Lotuskelchen der nahen Teiche empor und summen honigsüße Lieder, als kämen auch sie zum Gottesdienst. Herr auf Śeṣādri, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 11
Devanagari:
योषागणेन वरदध्नि विमथ्यमाने
घोषालयेषु दधिमन्थनतीव्रघोषाः ।
रोषात्कलिं विदधते ककुभश्च कुम्भाः
शेषाद्रिशेखरविभो तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
yoṣāgaṇena varadadhni vimathyamāne
ghoṣālayeṣu dadhimanthanatīvraghoṣāḥ ।
roṣātkaliṃ vidadhate kakubhaśca kumbhāḥ
śeṣādriśekharavibho tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
In den Hirtenhäusern quirlen Frauen den Joghurt; das kräftige rhythmische Geräusch der Buttergefäße erfüllt die Himmelsrichtungen. Herr auf Śeṣādri, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 12
Devanagari:
पद्मेशमित्रशतपत्रगतालिवर्गाः
हर्तुं श्रियं कुवलयस्य निजाङ्गलक्ष्म्या ।
भेरीनिनादमिव बिभ्रति तीव्रनादं
शेषाद्रिशेखरविभो तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
padmeśamitraśatapatragatālivargāḥ
hartuṃ śriyaṃ kuvalayasya nijāṅgalakṣmyā ।
bherīninādamiva bibhrati tīvranādaṃ
śeṣādriśekharavibho tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Die Bienen in den hundertblättrigen Lotusblüten summen so laut, als erklängen Festtrommeln, und wetteifern mit der Schönheit der blauen Wasserlilien. Herr auf Śeṣādri, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 13
Devanagari:
श्रीमन्नभीष्टवरदाखिललोकबन्धो
श्रीश्रीनिवास जगदेकदयैकसिन्धो ।
श्रीदेवतागृहभुजान्तरदिव्यमूर्ते
श्रीवेङ्कटाचलपते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
śrīmannabhīṣṭavaradākhilalokabandho
śrīśrīnivāsa jagadekadayaikasindho ।
śrīdevatāgṛhabhujāntaradivyamūrte
śrīveṅkaṭācalapate tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
O Śrīnivāsa, Spender ersehnter Gaben, Freund aller Welten und einziger Ozean des Erbarmens, göttliche Gestalt an der Brust Śrīs: Herr von Veṅkaṭācala, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 14
Devanagari:
श्रीस्वामिपुष्करिणिकाऽऽप्लवनिर्मलाङ्गाः
श्रेयोऽर्थिनो हरविरिञ्चिसनन्दनाद्याः ।
द्वारे वसन्ति वरवेत्रहतोत्तमाङ्गाः
श्रीवेङ्कटाचलपते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
śrīsvāmipuṣkariṇikā’’plavanirmalāṅgāḥ
śreyo’rthino haraviriñcisanandanādyāḥ ।
dvāre vasanti varavetrahatottamāṅgāḥ
śrīveṅkaṭācalapate tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Śiva, Brahmā, Sanandana und andere Suchende haben in der heiligen Svāmipuṣkariṇī gebadet und warten gereinigt an deinem Tor auf deine Gnade. Herr von Veṅkaṭācala, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 15
Devanagari:
श्रीशेषशैलगरुडाचलवेङ्कटाद्रि
नारायणाद्रिवृषभाद्रिवृषाद्रिमुख्याम् ।
आख्यां त्वदीयवसतेरनिशं वदन्ति
श्रीवेङ्कटाचलपते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
śrīśeṣaśailagaruḍācalaveṅkaṭādri
nārāyaṇādrivṛṣabhādrivṛṣādrimukhyām ।
ākhyāṃ tvadīyavasateraniśaṃ vadanti
śrīveṅkaṭācalapate tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Śeṣaśaila, Garuḍācala, Veṅkaṭādri, Nārāyaṇādri und weitere heilige Namen preisen unablässig den Berg deiner Wohnstatt. Herr von Veṅkaṭācala, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 16
Devanagari:
सेवापराः शिवसुरेशकृशानुधर्म-
रक्षोऽम्बुनाथपवमानधनाधिनाथाः ।
बद्धाञ्जलिप्रविलसन्निजशीर्षदेशाः
श्रीवेङ्कटाचलपते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
sevāparāḥ śivasureśakṛśānudharma-
rakṣo’mbunāthapavamānadhanādhināthāḥ ।
baddhāñjalipravilasannijaśīrṣadeśāḥ
śrīveṅkaṭācalapate tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Śiva, Indra, Agni, Yama, die Hüter der Richtungen, Varuṇa, Vāyu und Kubera stehen dienstbereit mit gefalteten Händen vor dir. Herr von Veṅkaṭācala, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 17
Devanagari:
धाटीषु ते विहगराजमृगाधिराज-
नागाधिराजगजराजहयाधिराजाः ।
स्वस्वाधिकारमहिमाधिकमर्थयन्ते
श्रीवेङ्कटाचलपते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
dhāṭīṣu te vihagarājamṛgādhirāja-
nāgādhirājagajarājahayādhirājāḥ ।
svasvādhikāramahimādhikamarthayante
śrīveṅkaṭācalapate tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Garuḍa, der König der Vögel, der Löwe, der König der Tiere, die Schlange, der Elefant und das Pferd – alle großen Träger deiner Prozession erwarten ihren Dienst. Herr von Veṅkaṭācala, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 18
Devanagari:
सूर्येन्दुभौमबुधवाक्पतिकाव्यसौरि-
स्वर्भानुकेतुदिविषत्परिषत्प्रधानाः ।
त्वद्दासदासचरमावधिदासदासाः
श्रीवेङ्कटाचलपते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
sūryendubhaumabudhavākpatikāvyasauri-
svarbhānuketudiviṣatpariṣatpradhānāḥ ।
tvaddāsadāsacaramāvadhidāsadāsāḥ
śrīveṅkaṭācalapate tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn, Rāhu und Ketu – die Mächte des Himmels – gelten sich als Diener der Diener deiner Diener. Herr von Veṅkaṭācala, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 19
Devanagari:
त्वत्पादधूलिभरितस्फुरितोत्तमाङ्गाः
स्वर्गापवर्गनिरपेक्षनिजान्तरङ्गाः ।
कल्पागमाकलनयाऽऽकुलतां लभन्ते
श्रीवेङ्कटाचलपते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
tvatpādadhūlibharitasphuritottamāṅgāḥ
svargāpavarganirapekṣanijāntaraṅgāḥ ।
kalpāgamākalanayā’’kulatāṃ labhante
śrīveṅkaṭācalapate tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Wer den Staub deiner Füße auf dem Haupt trägt, verlangt weder Himmel noch Befreiung und empfindet selbst die Länge eines Weltzeitalters als zu lang bis zum nächsten Dienst. Herr von Veṅkaṭācala, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 20
Devanagari:
त्वद्गोपुराग्रशिखराणि निरीक्षमाणाः
स्वर्गापवर्गपदवीं परमां श्रयन्तः ।
मर्त्या मनुष्यभुवने मतिमाश्रयन्ते
श्रीवेङ्कटाचलपते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
tvadgopurāgraśikharāṇi nirīkṣamāṇāḥ
svargāpavargapadavīṃ paramāṃ śrayantaḥ ।
martyā manuṣyabhuvane matimāśrayante
śrīveṅkaṭācalapate tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Menschen, die die hohen Türme deines Heiligtums erblicken, finden eine Richtung, die über bloßes himmlisches Glück hinausweist, und gewinnen noch hier auf Erden einen neuen Sinn. Herr von Veṅkaṭācala, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 21
Devanagari:
श्रीभूमिनायक दयादिगुणामृताब्धे
देवाधिदेव जगदेकशरण्यमूर्ते ।
श्रीमन्ननन्तगरुडादिभिरर्चिताङ्घ्रे
श्रीवेङ्कटाचलपते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
śrībhūmināyaka dayādiguṇāmṛtābdhe
devādhideva jagadekaśaraṇyamūrte ।
śrīmannanantagaruḍādibhirarcitāṅghre
śrīveṅkaṭācalapate tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
O Herr von Śrī und Bhū, Ozean von Mitgefühl und guten Eigenschaften, Gott der Götter und Zuflucht der Welt, dessen Füße Ananta und Garuḍa verehren: einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 22
Devanagari:
श्रीपद्मनाभ पुरुषोत्तम वासुदेव
वैकुण्ठ माधव जनार्दन चक्रपाणे ।
श्रीवत्सचिह्न शरणागतपारिजात
श्रीवेङ्कटाचलपते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
śrīpadmanābha puruṣottama vāsudeva
vaikuṇṭha mādhava janārdana cakrapāṇe ।
śrīvatsacihna śaraṇāgatapārijāta
śrīveṅkaṭācalapate tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
O Padmanābha, Puruṣottama, Vāsudeva, Vaikuṇṭha, Mādhava, Janārdana und Cakrapāṇi, mit dem Śrīvatsa-Zeichen, Wunschbaum der Schutzsuchenden: einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 23
Devanagari:
कन्दर्पदर्पहरसुन्दरदिव्यमूर्ते
कान्ताकुचाम्बुरुहकुड्मललोलदृष्टे ।
कल्याणनिर्मलगुणाकरदिव्यकीर्ते
श्रीवेङ्कटाचलपते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
kandarpadarpaharasundaradivyamūrte
kāntākucāmburuhakuḍmalaloladṛṣṭe ।
kalyāṇanirmalaguṇākaradivyakīrte
śrīveṅkaṭācalapate tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
O göttlich Schöner, der den Stolz des Liebesgottes übertrifft, dessen Blick liebevoll zu Lakṣmī geht, Schatz aller reinen und heilvollen Eigenschaften: einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 24
Devanagari:
मीनाकृते कमठकोलनृसिंहवर्णिन्
स्वामिन् परश्वधतपोधन रामचन्द्र ।
शेषांशराम यदुनन्दन कल्किरूप
श्रीवेङ्कटाचलपते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
mīnākṛte kamaṭhakolanṛsiṃhavarṇin
svāmin paraśvadhatapodhana rāmacandra ।
śeṣāṃśarāma yadunandana kalkirūpa
śrīveṅkaṭācalapate tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
O Du, der als Fisch, Schildkröte, Eber, Narasiṃha, Paraśurāma, Rāmacandra, Balarāma, Kṛṣṇa und Kalki erscheint: Herr von Veṅkaṭācala, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 25
Devanagari:
एलालवङ्गघनसारसुगन्धितीर्थं
दिव्यं वियत्सरिति हेमघटेषु पूर्णम् ।
धृत्वाऽऽद्य वैदिकशिखामणयः प्रहृष्टाः
तिष्ठन्ति वेङ्कटपते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
elālavaṅgaghanasārasugandhitīrthaṃ
divyaṃ viyatsariti hemaghaṭeṣu pūrṇam ।
dhṛtvā’’dya vaidikaśikhāmaṇayaḥ prahṛṣṭāḥ
tiṣṭhanti veṅkaṭapate tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Mit Kardamom, Nelken und Kampfer duftendes heiliges Wasser aus der himmlischen Gaṅgā steht in goldenen Gefäßen bereit; die vedischen Gelehrten warten freudig. Herr von Veṅkaṭa, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 26
Devanagari:
भास्वानुदेति विकचानि सरोरुहाणि
सम्पूरयन्ति निनदैः ककुभो विहङ्गाः ।
श्रीवैष्णवास्सततमर्थितमङ्गलास्ते
धामाश्रयन्ति तव वेङ्कट सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
bhāsvānudeti vikacāni saroruhāṇi
sampūrayanti ninadaiḥ kakubho vihaṅgāḥ ।
śrīvaiṣṇavāssatatamarthitamaṅgalāste
dhāmāśrayanti tava veṅkaṭa suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Die Sonne geht auf, die Lotusblüten öffnen sich, Vögel erfüllen die Richtungen mit ihrem Ruf, und Śrīvaiṣṇavas versammeln sich mit Segenswünschen an deinem Heiligtum. Einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 27
Devanagari:
ब्रह्मादयस्सुरवरास्समहर्षयस्ते
सन्तस्सनन्दनमुखास्त्वथ योगिवर्याः ।
धामान्तिके तव हि मङ्गलवस्तुहस्ताः
श्रीवेङ्कटाचलपते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
brahmādayassuravarāssamaharṣayaste
santassanandanamukhāstvatha yogivaryāḥ ।
dhāmāntike tava hi maṅgalavastuhastāḥ
śrīveṅkaṭācalapate tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
Brahmā und die großen Götter, die Maharṣis, Sanandana und die erhabenen Yogis stehen mit glückverheißenden Gaben nahe deinem Heiligtum. Herr von Veṅkaṭācala, einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 28
Devanagari:
लक्ष्मीनिवास निरवद्यगुणैकसिन्धो
संसारसागरसमुत्तरणैकसेतो ।
वेदान्तवेद्य निजवैभव भक्तभोग्य
श्रीवेङ्कटाचलपते तव सुप्रभातम् ॥
IAST-Umschrift:
lakṣmīnivāsa niravadyaguṇaikasindho
saṃsārasāgarasamuttaraṇaikaseto ।
vedāntavedya nijavaibhava bhaktabhogya
śrīveṅkaṭācalapate tava suprabhātam ॥
Deutsche Übersetzung:
O Wohnstatt Lakṣmīs, einziger Ozean makelloser Tugenden, Brücke über den Ozean des Saṃsāra, durch Vedānta erkennbar und von deinen Bhaktas liebevoll erfahrbar: einen gesegneten Morgen dir.
Suprabhatam 29
Devanagari:
इत्थं वृषाचलपतेरिह सुप्रभातम्
ये मानवाः प्रतिदिनं पठितुं प्रवृत्ताः ।
तेषां प्रभातसमये स्मृतिरङ्गभाजां
प्रज्ञां परार्थसुलभां परमां प्रसूते ॥
IAST-Umschrift:
itthaṃ vṛṣācalapateriha suprabhātam
ye mānavāḥ pratidinaṃ paṭhituṃ pravṛttāḥ ।
teṣāṃ prabhātasamaye smṛtiraṅgabhājāṃ
prajñāṃ parārthasulabhāṃ paramāṃ prasūte ॥
Deutsche Übersetzung:
Wer dieses Suprabhatam des Herrn vom Vṛṣa-Berg täglich in der Morgenstunde rezitiert und sich seiner erinnert, dem möge eine hohe, auf das Wesentliche gerichtete Einsicht erwachsen.
Venkatesha Stotram – vollständiger Text
Stotram 1
Devanagari:
कमलाकुचचूचुककुङ्कुमतो
नियतारुणितातुलनीलतनो ।
कमलायतलोचन लोकपते
विजयी भव वेङ्कटशैलपते ॥
IAST-Umschrift:
kamalākucacūcukakuṅkumato
niyatāruṇitātulanīlatano ।
kamalāyatalocana lokapate
vijayī bhava veṅkaṭaśailapate ॥
Deutsche Übersetzung:
Dein unvergleichlich dunkelblauer Leib ist vom roten Kuṅkuma an Lakṣmīs Brust gerötet; deine Augen sind weit wie Lotusblüten. O Herr der Welt und des Veṅkaṭa-Berges, sei siegreich.
Stotram 2
Devanagari:
सचतुर्मुखषण्मुखपञ्चमुख-
प्रमुखाखिलदैवतमौलिमणे ।
शरणागतवत्सल सारनिधे
परिपालय मां वृषशैलपते ॥
IAST-Umschrift:
sacaturmukhaṣaṇmukhapañcamukha-
pramukhākhiladaivatamaulimaṇe ।
śaraṇāgatavatsala sāranidhe
paripālaya māṃ vṛṣaśailapate ॥
Deutsche Übersetzung:
O Kronjuwel über Brahmā, Skanda, Śiva und allen göttlichen Mächten, du liebst die Schutzsuchenden und bist Schatz des Wesentlichen. Herr des Vṛṣa-Berges, beschütze mich.
Stotram 3
Devanagari:
अतिवेलतया तव दुर्विषहैः
अनुवेलकृतैरपराधशतैः ।
भरितं त्वरितं वृषशैलपते
परया कृपया परिपाहि हरे ॥
IAST-Umschrift:
ativelatayā tava durviṣahaiḥ
anuvelakṛtairaparādhaśataiḥ ।
bharitaṃ tvaritaṃ vṛṣaśailapate
parayā kṛpayā paripāhi hare ॥
Deutsche Übersetzung:
Mit zahllosen Fehlern habe ich mich immer wieder belastet. O Herr des Vṛṣa-Berges, Hari, eile mir mit deiner höchsten Barmherzigkeit zu Hilfe.
Stotram 4
Devanagari:
अधिवेङ्कटशैलमुदारमते-
र्जनताभिमताधिकदानरतात् ।
परदेवतया गदितान्निगमैः
कमलादयितान्न परं कलये ॥
IAST-Umschrift:
adhiveṅkaṭaśailamudāramate-
rjanatābhimatādhikadānaratāt ।
paradevatayā gaditānnigamaiḥ
kamalādayitānna paraṃ kalaye ॥
Deutsche Übersetzung:
Über dem großherzigen Herrn des Veṅkaṭa-Berges, der mehr schenkt als seine Verehrer erbitten und den die Veden als höchsten Herrn preisen, kenne ich keinen Höheren als den Geliebten Lakṣmīs.
Stotram 5
Devanagari:
कलवेणुरवावशगोपवधू-
शतकोटिवृतात्स्मरकोटिसमात् ।
प्रतिवल्लविकाभिमतात्सुखदात्
वसुदेवसुतान्न परं कलये ॥
IAST-Umschrift:
kalaveṇuravāvaśagopavadhū-
śatakoṭivṛtātsmarakoṭisamāt ।
prativallavikābhimatātsukhadāt
vasudevasutānna paraṃ kalaye ॥
Deutsche Übersetzung:
Über den Sohn Vasudevas, dessen Flötenspiel die Gopīs bezaubert, dessen Schönheit Millionen Liebesgötter übertrifft und der jeder Gopī Freude schenkt, kenne ich keinen Höheren.
Stotram 6
Devanagari:
अभिरामगुणाकर दाशरथे
जगदेकधनुर्धर धीरमते ।
रघुनायक राम रमेश विभो
वरदो भव देव दयाजलधे ॥
IAST-Umschrift:
abhirāmaguṇākara dāśarathe
jagadekadhanurdhara dhīramate ।
raghunāyaka rāma rameśa vibho
varado bhava deva dayājaladhe ॥
Deutsche Übersetzung:
O Rāma, Sohn Daśarathas, Schatz lieblicher Tugenden, unvergleichlicher Bogenschütze, Herr der Raghu-Linie und Ozean des Erbarmens: Sei mir gnädig und schenke Segen.
Stotram 7
Devanagari:
अवनीतनयाकमनीयकरं
रजनीकरचारुमुखाम्बुरुहम् ।
रजनीचरराजतमोमिहिरं
महनीयमहं रघुराममये ॥
IAST-Umschrift:
avanītanayākamanīyakaraṃ
rajanīkaracārumukhāmburuham ।
rajanīcararājatamomihiraṃ
mahanīyamahaṃ raghurāmamaye ॥
Deutsche Übersetzung:
Ich meditiere über den erhabenen Rāma: seine Hand ist Sītā lieb, sein Gesicht schön wie der Mond, und er ist die Sonne, die die Dunkelheit der Nachtwesen vertreibt.
Stotram 8
Devanagari:
सुमुखं सुहृदं सुलभं सुखदं
स्वनुजं च सुकायममोघशरम् ।
अपहाय रघूद्वहमन्यमहं
न कथञ्चन कञ्चन जातु भजे ॥
IAST-Umschrift:
sumukhaṃ suhṛdaṃ sulabhaṃ sukhadaṃ
svanujaṃ ca sukāyamamoghaśaram ।
apahāya raghūdvahamanyamahaṃ
na kathañcana kañcana jātu bhaje ॥
Deutsche Übersetzung:
Den freundlich blickenden, zugänglichen, Freude schenkenden Rāma mit seinem Bruder und seinem unfehlbaren Bogen verlasse ich niemals, um irgendeinen anderen zu verehren.
Stotram 9
Devanagari:
विना वेङ्कटेशं न नाथो न नाथः
सदा वेङ्कटेशं स्मरामि स्मरामि ।
हरे वेङ्कटेश प्रसीद प्रसीद
प्रियं वेङ्कटेश प्रयच्छ प्रयच्छ ॥
IAST-Umschrift:
vinā veṅkaṭeśaṃ na nātho na nāthaḥ
sadā veṅkaṭeśaṃ smarāmi smarāmi ।
hare veṅkaṭeśa prasīda prasīda
priyaṃ veṅkaṭeśa prayaccha prayaccha ॥
Deutsche Übersetzung:
Ohne Venkateśa habe ich keinen anderen Herrn. Immer wieder erinnere ich mich an Venkateśa. O Hari Venkateśa, sei gnädig; schenke mir das, was wahrhaft gut ist.
Stotram 10
Devanagari:
अहं दूरतस्ते पदाम्भोजयुग्म-
प्रणामेच्छयाऽऽगत्य सेवां करोमि ।
सकृत्सेवया नित्यसेवाफलं त्वं
प्रयच्छ प्रयच्छ प्रभो वेङ्कटेश ॥
IAST-Umschrift:
ahaṃ dūrataste padāmbhojayugma-
praṇāmecchayā’’gatya sevāṃ karomi ।
sakṛtsevayā nityasevāphalaṃ tvaṃ
prayaccha prayaccha prabho veṅkaṭeśa ॥
Deutsche Übersetzung:
Von fern bin ich gekommen, aus Sehnsucht, mich vor deinen Lotusfüßen zu verneigen und dir zu dienen. Lass eine einzige wahre Begegnung mit dir die Frucht dauernden Dienens tragen.
Stotram 11
Devanagari:
अज्ञानिना मया दोषान् अशेषान्विहितान् हरे ।
क्षमस्व त्वं क्षमस्व त्वं शेषशैलशिखामणे ॥
IAST-Umschrift:
ajñāninā mayā doṣān aśeṣānvihitān hare ।
kṣamasva tvaṃ kṣamasva tvaṃ śeṣaśailaśikhāmaṇe ॥
Deutsche Übersetzung:
O Hari, in Unwissenheit habe ich zahllose Fehler begangen. Vergib mir, vergib mir, o Kronjuwel des Śeṣa-Berges.
Venkatesha Prapatti – vollständiger Text
Prapatti 1
Devanagari:
ईशानां जगतोऽस्य वेङ्कटपतेर्विष्णोः परां प्रेयसीं
तद्वक्षस्स्थलनित्यवासरसिकां तत्क्षान्तिसंवर्धिनीम् ।
पद्मालङ्कृतपाणिपल्लवयुगां पद्मासनस्थां श्रियं
वात्सल्यादिगुणोज्ज्वलां भगवतीं वन्दे जगन्मातरम् ॥
IAST-Umschrift:
īśānāṃ jagato’sya veṅkaṭapaterviṣṇoḥ parāṃ preyasīṃ
tadvakṣassthalanityavāsarasikāṃ tatkṣāntisaṃvardhinīm ।
padmālaṅkṛtapāṇipallavayugāṃ padmāsanasthāṃ śriyaṃ
vātsalyādiguṇojjvalāṃ bhagavatīṃ vande jaganmātaram ॥
Deutsche Übersetzung:
Ich verehre Śrī, die geliebte Gemahlin Viṣṇus von Veṅkaṭa, die ewig an seiner Brust wohnt, seine Geduld und Gnade wachsen lässt, Lotusblüten in ihren Händen trägt und als Mutter der Welt in Vātsalya erstrahlt.
Prapatti 2
Devanagari:
श्रीमन् कृपाजलनिधे कृतसर्वलोक
सर्वज्ञ शक्त नतवत्सल सर्वशेषिन् ।
स्वामिन् सुशील सुलभाश्रितपारिजात
श्रीवेङ्कटेशचरणौ शरणं प्रपद्ये ॥
IAST-Umschrift:
śrīman kṛpājalanidhe kṛtasarvaloka
sarvajña śakta natavatsala sarvaśeṣin ।
svāmin suśīla sulabhāśritapārijāta
śrīveṅkaṭeśacaraṇau śaraṇaṃ prapadye ॥
Deutsche Übersetzung:
O Śrīman, Ozean der Barmherzigkeit, Schöpfer aller Welten, allwissend, allmächtig, zärtlich zu den Schutzsuchenden, leicht zugänglich und edel: Zu den Füßen Venkateśas nehme ich Zuflucht.
Prapatti 3
Devanagari:
आनूपुरार्पितसुजातसुगन्धिपुष्प-
सौरभ्यसौरभकरौ समसन्निवेशौ ।
सौम्यौ सदाऽनुभवनेऽपि नवानुभाव्यौ
श्रीवेङ्कटेशचरणौ शरणं प्रपद्ये ॥
IAST-Umschrift:
ānūpurārpitasujātasugandhipuṣpa-
saurabhyasaurabhakarau samasanniveśau ।
saumyau sadā’nubhavane’pi navānubhāvyau
śrīveṅkaṭeśacaraṇau śaraṇaṃ prapadye ॥
Deutsche Übersetzung:
Deine beiden Füße sind von duftenden Blüten bei den Fußschellen umgeben, vollkommen gleichmäßig, sanft und selbst nach immer neuer Betrachtung niemals ausgeschöpft: Zu ihnen nehme ich Zuflucht.
Prapatti 4
Devanagari:
सद्योविकासिसमुदित्वरसान्द्रराग-
सौरभ्यनिर्भरसरोरुहसाम्यवार्ताम् ।
सम्यक्षु साहसपदेषु विलेखयन्तौ
श्रीवेङ्कटेशचरणौ शरणं प्रपद्ये ॥
IAST-Umschrift:
sadyovikāsisamuditvarasāndrarāga-
saurabhyanirbharasaroruhasāmyavārtām ।
samyakṣu sāhasapadeṣu vilekhayantau
śrīveṅkaṭeśacaraṇau śaraṇaṃ prapadye ॥
Deutsche Übersetzung:
Frisch erblühte, tiefrote, duftende Lotusblüten wagen kaum, sich mit deinen Füßen zu vergleichen. Zu diesen Füßen Venkateśas nehme ich Zuflucht.
Prapatti 5
Devanagari:
रेखामयध्वजसुधाकलशातपत्र
वज्राङ्कुशाम्बुरुहकल्पकशङ्खचक्रैः ।
भव्यैरलङ्कृततलौ परतत्त्वचिह्नैः
श्रीवेङ्कटेशचरणौ शरणं प्रपद्ये ॥
IAST-Umschrift:
rekhāmayadhvajasudhākalaśātapatra
vajrāṅkuśāmburuhakalpakaśaṅkhacakraiḥ ।
bhavyairalaṅkṛtatalau paratattvacihnaiḥ
śrīveṅkaṭeśacaraṇau śaraṇaṃ prapadye ॥
Deutsche Übersetzung:
Auf deinen Sohlen erscheinen glückverheißende Zeichen – Banner, Nektargefäß, Schirm, Donnerkeil, Elefantenhaken, Lotus, Wunschbaum, Muschel und Diskus. Zu diesen Füßen nehme ich Zuflucht.
Prapatti 6
Devanagari:
ताम्रोदरद्युतिपराजितपद्मरागौ
बाह्यैर्महोभिरभिभूतमहेन्द्रनीलौ ।
उद्यन्नखांशुभिरुदस्तशशाङ्कभासौ
श्रीवेङ्कटेशचरणौ शरणं प्रपद्ये ॥
IAST-Umschrift:
tāmrodaradyutiparājitapadmarāgau
bāhyairmahobhirabhibhūtamahendranīlau ।
udyannakhāṃśubhirudastaśaśāṅkabhāsau
śrīveṅkaṭeśacaraṇau śaraṇaṃ prapadye ॥
Deutsche Übersetzung:
Ihre kupferrote Mitte übertrifft den Glanz des Padmarāga, ihr dunkler Schimmer den Indranīla, und die Strahlen ihrer Nägel überstrahlen den Mond: Zu deinen Füßen nehme ich Zuflucht.
Prapatti 7
Devanagari:
सप्रेमभीति कमलाकरपल्लवाभ्यां
संवाहनेऽपि सपदि क्लममादधानौ ।
कान्ताववाङ्मनसगोचरसौकुमार्यौ
श्रीवेङ्कटेशचरणौ शरणं प्रपद्ये ॥
IAST-Umschrift:
sapremabhīti kamalākarapallavābhyāṃ
saṃvāhane’pi sapadi klamamādadhānau ।
kāntāvavāṅmanasagocarasaukumāryau
śrīveṅkaṭeśacaraṇau śaraṇaṃ prapadye ॥
Deutsche Übersetzung:
So zart sind deine Füße, dass selbst die liebevolle Berührung von Lakṣmīs lotosgleichen Händen sie ermüden zu lassen scheint; ihre Feinheit übersteigt Wort und Vorstellung. Zu ihnen nehme ich Zuflucht.
Prapatti 8
Devanagari:
लक्ष्मीमहीतदनुरूपनिजानुभाव-
नीलादिदिव्यमहिषीकरपल्लवानाम् ।
आरुण्यसङ्क्रमणतः किल सान्द्ररागौ
श्रीवेङ्कटेशचरणौ शरणं प्रपद्ये ॥
IAST-Umschrift:
lakṣmīmahītadanurūpanijānubhāva-
nīlādidivyamahiṣīkarapallavānām ।
āruṇyasaṅkramaṇataḥ kila sāndrarāgau
śrīveṅkaṭeśacaraṇau śaraṇaṃ prapadye ॥
Deutsche Übersetzung:
Durch die Berührung der Hände Lakṣmīs, Bhūdevīs und deiner göttlichen Gemahlinnen scheinen deine Füße noch tiefer rot zu leuchten. Zu ihnen nehme ich Zuflucht.
Prapatti 9
Devanagari:
नित्यानमद्विधिशिवादिकिरीटकोटि-
प्रत्युप्तदीप्तनवरत्नमहःप्ररोहैः ।
नीराजनाविधिमुदारमुपादधानौ
श्रीवेङ्कटेशचरणौ शरणं प्रपद्ये ॥
IAST-Umschrift:
nityānamadvidhiśivādikirīṭakoṭi-
pratyuptadīptanavaratnamahaḥprarohaiḥ ।
nīrājanāvidhimudāramupādadhānau
śrīveṅkaṭeśacaraṇau śaraṇaṃ prapadye ॥
Deutsche Übersetzung:
Die funkelnden Edelsteine auf den Kronen von Brahmā, Śiva und anderen, die sich ewig vor dir verneigen, vollziehen gleichsam Ārati an deinen Füßen. Zu ihnen nehme ich Zuflucht.
Prapatti 10
Devanagari:
विष्णोः पदे परम इत्युदितप्रशंसौ
यौ मध्व उत्स इति भोग्यतयाऽप्युपात्तौ ।
भूयस्तथेति तव पाणितलप्रदिष्टौ
श्रीवेङ्कटेशचरणौ शरणं प्रपद्ये ॥
IAST-Umschrift:
viṣṇoḥ pade parama ityuditapraśaṃsau
yau madhva utsa iti bhogyatayā’pyupāttau ।
bhūyastatheti tava pāṇitalapradiṣṭau
śrīveṅkaṭeśacaraṇau śaraṇaṃ prapadye ॥
Deutsche Übersetzung:
Die Veden preisen sie als das höchste Viṣṇu-Pada und als Quelle von Süße; deine eigene Hand weist auf sie hin. Zu deinen Füßen nehme ich Zuflucht.
Prapatti 11
Devanagari:
पार्थाय तत्सदृशसारथिना त्वयैव
यौ दर्शितौ स्वचरणौ शरणं व्रजेति ।
भूयोऽपि मह्यमिह तौ करदर्शितौ ते
श्रीवेङ्कटेशचरणौ शरणं प्रपद्ये ॥
IAST-Umschrift:
pārthāya tatsadṛśasārathinā tvayaiva
yau darśitau svacaraṇau śaraṇaṃ vrajeti ।
bhūyo’pi mahyamiha tau karadarśitau te
śrīveṅkaṭeśacaraṇau śaraṇaṃ prapadye ॥
Deutsche Übersetzung:
Als Wagenlenker Arjunas hast du selbst diese Füße gezeigt und zur Zuflucht gerufen. Nun weist du auch mir auf sie. Zu deinen Füßen Venkateśas nehme ich Zuflucht.
Prapatti 12
Devanagari:
मन्मूर्ध्नि कालियफणे विकटाटवीषु
श्रीवेङ्कटाद्रिशिखरे शिरसि श्रुतीनाम् ।
चित्तेऽप्यनन्यमनसां सममाहितौ ते
श्रीवेङ्कटेशचरणौ शरणं प्रपद्ये ॥
IAST-Umschrift:
manmūrdhni kāliyaphaṇe vikaṭāṭavīṣu
śrīveṅkaṭādriśikhare śirasi śrutīnām ।
citte’pyananyamanasāṃ samamāhitau te
śrīveṅkaṭeśacaraṇau śaraṇaṃ prapadye ॥
Deutsche Übersetzung:
Auf meinem Haupt, auf Kāliyas Hauben, in wilden Wäldern, auf dem Gipfel Veṅkaṭādris, an der Spitze der Veden und im Herzen der Einpünktigen ruhen dieselben Füße. Zu ihnen nehme ich Zuflucht.
Prapatti 13
Devanagari:
अम्लानहृष्यदवनीतलकीर्णपुष्पौ
श्रीवेङ्कटाद्रिशिखराभरणायमानौ ।
आनन्दिताखिलमनोनयनौ तवैतौ
श्रीवेङ्कटेशचरणौ शरणं प्रपद्ये ॥
IAST-Umschrift:
amlānahṛṣyadavanītalakīrṇapuṣpau
śrīveṅkaṭādriśikharābharaṇāyamānau ।
ānanditākhilamanonayanau tavaitau
śrīveṅkaṭeśacaraṇau śaraṇaṃ prapadye ॥
Deutsche Übersetzung:
Mit unverwelklichen Blüten bedeckt schmücken deine Füße den Gipfel Veṅkaṭādris und erfüllen Augen und Herzen aller mit Freude. Zu ihnen nehme ich Zuflucht.
Prapatti 14
Devanagari:
प्रायः प्रपन्नजनताप्रथमावगाह्यौ
मातुस्स्तनाविव शिशोरमृतायमानौ ।
प्राप्तौ परस्परतुलामतुलान्तरौ ते
श्रीवेङ्कटेशचरणौ शरणं प्रपद्ये ॥
IAST-Umschrift:
prāyaḥ prapannajanatāprathamāvagāhyau
mātusstanāviva śiśoramṛtāyamānau ।
prāptau parasparatulāmatulāntarau te
śrīveṅkaṭeśacaraṇau śaraṇaṃ prapadye ॥
Deutsche Übersetzung:
Für die Schutzsuchenden sind deine Füße wie die lebensspendende Brust einer Mutter für ihr Kind: unvergleichlich, nährend und unmittelbar zugänglich. Zu ihnen nehme ich Zuflucht.
Prapatti 15
Devanagari:
सत्त्वोत्तरैस्सततसेव्यपदाम्बुजेन
संसारतारकदयार्द्रदृगञ्चलेन ।
सौम्योपयन्तृमुनिना मम दर्शितौ ते
श्रीवेङ्कटेशचरणौ शरणं प्रपद्ये ॥
IAST-Umschrift:
sattvottaraissatatasevyapadāmbujena
saṃsāratārakadayārdradṛgañcalena ।
saumyopayantṛmuninā mama darśitau te
śrīveṅkaṭeśacaraṇau śaraṇaṃ prapadye ॥
Deutsche Übersetzung:
Der gütige Lehrer, dessen Blick von Erbarmen mit den im Saṃsāra Gefangenen erfüllt ist und dessen Lotusfüße von reinen Menschen verehrt werden, hat mir diese deine Füße gezeigt. Zu ihnen nehme ich Zuflucht.
Prapatti 16
Devanagari:
श्रीश श्रिया घटिकया त्वदुपायभावे
प्राप्ये त्वयि स्वयमुपेयतया स्फुरन्त्या ।
नित्याश्रिताय निरवद्यगुणाय तुभ्यं
स्यां किङ्करो वृषगिरीश न जातु मह्यम् ॥
IAST-Umschrift:
śrīśa śriyā ghaṭikayā tvadupāyabhāve
prāpye tvayi svayamupeyatayā sphurantyā ।
nityāśritāya niravadyaguṇāya tubhyaṃ
syāṃ kiṅkaro vṛṣagirīśa na jātu mahyam ॥
Deutsche Übersetzung:
O Herr Śrīs, durch Śrī als Mittlerin erkenne ich dich zugleich als Weg und Ziel. Dir, dem ewig makellosen Herrn, möchte ich allein als Diener gehören – niemals mir selbst.
Venkatesha Mangalaśāsanam – vollständiger Text
Mangalaśāsanam 1
Devanagari:
श्रियः कान्ताय कल्याणनिधये निधयेऽर्थिनां
श्रीवेङ्कटनिवासाय श्रीनिवासाय मङ्गलम् ॥
IAST-Umschrift:
śriyaḥ kāntāya kalyāṇanidhaye nidhaye’rthināṃ
śrīveṅkaṭanivāsāya śrīnivāsāya maṅgalam ॥
Deutsche Übersetzung:
Segen dem Geliebten Śrīs, dem Schatz des Heils und Schatz für alle Suchenden, Śrīnivāsa, der auf Veṅkaṭa wohnt.
Mangalaśāsanam 2
Devanagari:
लक्ष्मी सविभ्रमालोकसुभ्रूविभ्रमचक्षुषे
चक्षुषे सर्वलोकानां वेङ्कटेशाय मङ्गलम् ॥
IAST-Umschrift:
lakṣmī savibhramālokasubhrūvibhramacakṣuṣe
cakṣuṣe sarvalokānāṃ veṅkaṭeśāya maṅgalam ॥
Deutsche Übersetzung:
Segen Venkateśa, dessen Augen durch den spielerisch liebevollen Blick Lakṣmīs erstrahlen und der selbst das Auge aller Welten ist.
Mangalaśāsanam 3
Devanagari:
श्रीवेङ्कटाद्रिशृङ्गाग्रमङ्गलाभरणाङ्घ्रये
मङ्गलानां निवासाय श्रीनिवासाय मङ्गलम् ॥
IAST-Umschrift:
śrīveṅkaṭādriśṛṅgāgramaṅgalābharaṇāṅghraye
maṅgalānāṃ nivāsāya śrīnivāsāya maṅgalam ॥
Deutsche Übersetzung:
Segen Śrīnivāsa, dessen Füße wie ein glückverheißender Schmuck die Spitze des Veṅkaṭa-Berges zieren und der Wohnort allen Segens ist.
Mangalaśāsanam 4
Devanagari:
सर्वावयवसौन्दर्यसम्पदा सर्वचेतसां
सदा सम्मोहनायास्तु वेङ्कटेशाय मङ्गलम् ॥
IAST-Umschrift:
sarvāvayavasaundaryasampadā sarvacetasāṃ
sadā sammohanāyāstu veṅkaṭeśāya maṅgalam ॥
Deutsche Übersetzung:
Segen Venkateśa, dessen vollkommene Schönheit jedes Herz immer wieder in Staunen und Liebe versetzt.
Mangalaśāsanam 5
Devanagari:
नित्याय निरवद्याय सत्यानन्दचिदात्मने
सर्वान्तरात्मने श्रीमद्वेङ्कटेशाय मङ्गलम् ॥
IAST-Umschrift:
nityāya niravadyāya satyānandacidātmane
sarvāntarātmane śrīmadveṅkaṭeśāya maṅgalam ॥
Deutsche Übersetzung:
Segen dem ewigen, makellosen, wahrhaftigen Sein-Bewusstsein-Glück, dem inneren Selbst aller, Śrī Venkateśa.
Mangalaśāsanam 6
Devanagari:
स्वतस्सर्वविदे सर्वशक्तये सर्वशेषिणे
सुलभाय सुशीलाय वेङ्कटेशाय मङ्गलम् ॥
IAST-Umschrift:
svatassarvavide sarvaśaktaye sarvaśeṣiṇe
sulabhāya suśīlāya veṅkaṭeśāya maṅgalam ॥
Deutsche Übersetzung:
Segen Venkateśa, der aus sich selbst alles weiß und vermag, dem alles gehört, und der doch seinen Verehrern leicht zugänglich und voller Güte ist.
Mangalaśāsanam 7
Devanagari:
परस्मै ब्रह्मणे पूर्णकामाय परमात्मने
प्रयुञ्जे परतत्त्वाय वेङ्कटेशाय मङ्गलम् ॥
IAST-Umschrift:
parasmai brahmaṇe pūrṇakāmāya paramātmane
prayuñje paratattvāya veṅkaṭeśāya maṅgalam ॥
Deutsche Übersetzung:
Segen Venkateśa, dem höchsten Brahman, dem erfüllten Paramātman und der höchsten Wirklichkeit.
Mangalaśāsanam 8
Devanagari:
आकालतत्त्वमश्रान्तमात्मनामनुपश्यतां
अतृप्त्यमृतरूपाय वेङ्कटेशाय मङ्गलम् ॥
IAST-Umschrift:
ākālatattvamaśrāntamātmanāmanupaśyatāṃ
atṛptyamṛtarūpāya veṅkaṭeśāya maṅgalam ॥
Deutsche Übersetzung:
Segen Venkateśa, dessen Nektargestalt diejenigen niemals sättigt, die ihn unermüdlich in Wahrheit schauen.
Mangalaśāsanam 9
Devanagari:
प्रायस्स्वचरणौ पुंसां शरण्यत्वेन पाणिना
कृपयाऽऽदिशते श्रीमद्वेङ्कटेशाय मङ्गलम् ॥
IAST-Umschrift:
prāyassvacaraṇau puṃsāṃ śaraṇyatvena pāṇinā
kṛpayā’’diśate śrīmadveṅkaṭeśāya maṅgalam ॥
Deutsche Übersetzung:
Segen Śrī Venkateśa, der aus Barmherzigkeit mit seiner Hand auf seine eigenen Füße weist und sie den Menschen als Zuflucht zeigt.
Mangalaśāsanam 10
Devanagari:
दयामृततरङ्गिण्यास्तरङ्गैरिव शीतलैः
अपाङ्गैः सिञ्चते विश्वं वेङ्कटेशाय मङ्गलम् ॥
IAST-Umschrift:
dayāmṛtataraṅgiṇyāstaraṅgairiva śītalaiḥ
apāṅgaiḥ siñcate viśvaṃ veṅkaṭeśāya maṅgalam ॥
Deutsche Übersetzung:
Segen Venkateśa, der mit kühlen Wellen aus dem Nektarstrom seines Mitgefühls die ganze Welt durch seinen Seitenblick benetzt.
Mangalaśāsanam 11
Devanagari:
स्रग्भूषाम्बरहेतीनां सुषमावहमूर्तये
सर्वार्तिशमनायास्तु वेङ्कटेशाय मङ्गलम् ॥
IAST-Umschrift:
sragbhūṣāmbarahetīnāṃ suṣamāvahamūrtaye
sarvārtiśamanāyāstu veṅkaṭeśāya maṅgalam ॥
Deutsche Übersetzung:
Segen jener schönen Gestalt mit Girlanden, Schmuck, Gewändern und göttlichen Waffen, die alle Leiden stillt.
Mangalaśāsanam 12
Devanagari:
श्रीवैकुण्ठविरक्ताय स्वामिपुष्करिणीतटे
रमया रममाणाय वेङ्कटेशाय मङ्गलम् ॥
IAST-Umschrift:
śrīvaikuṇṭhaviraktāya svāmipuṣkariṇītaṭe
ramayā ramamāṇāya veṅkaṭeśāya maṅgalam ॥
Deutsche Übersetzung:
Segen Venkateśa, der gleichsam Vaikuṇṭha verlassen hat, um am Ufer der Svāmipuṣkariṇī mit Ramā zu weilen.
Mangalaśāsanam 13
Devanagari:
श्रीमत्सुन्दरजामातृमुनिमानसवासिने
सर्वलोकनिवासाय श्रीनिवासाय मङ्गलम् ॥
IAST-Umschrift:
śrīmatsundarajāmātṛmunimānasavāsine
sarvalokanivāsāya śrīnivāsāya maṅgalam ॥
Deutsche Übersetzung:
Segen Śrīnivāsa, der im Herzen des ehrwürdigen Sundara-Jāmātṛ-Muni – Manavāḷa Māmuni – wohnt und zugleich Wohnstatt aller Welten ist.
Mangalaśāsanam 14
Devanagari:
मङ्गलाशासनपरैर्मदाचार्यपुरोगमैः
सर्वैश्च पूर्वैराचार्यैः सत्कृतायास्तु मङ्गलम् ॥
IAST-Umschrift:
maṅgalāśāsanaparairmadācāryapurogamaiḥ
sarvaiśca pūrvairācāryaiḥ satkṛtāyāstu maṅgalam ॥
Deutsche Übersetzung:
Segen dem Herrn, den mein Ācārya und alle früheren Lehrer in der Tradition durch ihre Mangalaśāsanas ehrten.
Die 70 Ślokas als eine einzige innere Bewegung
Wer nur die ersten bekannten Suprabhatam-Verse kennt, erlebt vor allem die Schönheit des Erwachens. Der vollständige Zyklus geht jedoch deutlich weiter.
Im Suprabhatam wacht die Welt auf. Im Stotram schaut der Verehrer auf die Gestalt und die Avatāras des Herrn. In der Prapatti wird aus Bewunderung persönliche Zuflucht. Im Mangalaśāsanam wird die Liebe so innig, dass der Verehrer dem ewigen Gott selbst Segen wünscht.
Das erinnert an andere große Śrīvaiṣṇava-Werke: Tiruppavai beginnt mit gemeinschaftlichem Aufbruch, Tiruvaymoli führt tief in die persönliche Gotteserfahrung, Ramanuja Nurrantati entfaltet Zuflucht über den Ācārya, und Tiruppallandu macht das Segnen Gottes selbst zur Form der Bhakti.
Der Morgen als spirituelle Praxis
Das Venkatesha Suprabhatam beginnt mit einem Ruf:
Uttiṣṭha – steh auf!
Im Tempel richtet sich dieser Ruf an den Herrn. Für den einzelnen Menschen kann er zugleich zum Ruf an sich selbst werden.
Steh auf aus Trägheit. Steh auf aus Gewohnheit. Steh auf aus Vergessen. Erinnere dich, worauf dein Leben ausgerichtet sein soll.
Gerade am Morgen ist der Geist noch nicht vollständig von den Aufgaben des Tages besetzt. Ein kurzer Hymnus, ein Mantra, einige Minuten Japa oder ein Moment der Meditation können dem Tag eine Richtung geben.
Der entscheidende Punkt ist nicht die Länge. Es ist die erste bewusste Ausrichtung:
Woran möchte ich mich heute erinnern, bevor die Welt mich an tausend andere Dinge erinnert?
Die erwachende Natur
Die ersten 29 Verse gehören zu den schönsten Morgenbildern der Vaishnava-Literatur.
Lotusblüten öffnen sich. Papageien rufen. Bienen summen. Vögel füllen die Himmelsrichtungen mit Klang. Frauen quirlen Butter und Joghurt. Der Wind trägt Duft. Die Sonne geht auf.
Der Text sagt damit nicht nur: „Es ist Morgen.“
Er sagt:
Die ganze Schöpfung ist bereit für Darshan.
Das kann eine meditative Haltung werden: Die Welt am Morgen nicht zuerst als Problem, Nachrichtenstrom oder Aufgabenliste zu sehen, sondern als etwas, das für einen Augenblick neu beginnt.
Der Hymnus schult damit eine Wahrnehmung, die auch im Bhakti Yoga wichtig ist: Schönheit wird zur Erinnerung an Gott.
Venkatesha als Rama, Krishna und Vishnu
Das Stotram sieht Veṅkaṭeśa nicht als isolierte Gottheit.
Er ist Krishna, dessen Flöte die Gopīs anzieht. Er ist Rama, Sohn Daśarathas und Herr der Raghu-Linie. Er ist Vishnu in seinen vielen Avatāras. Er ist Śrīnivāsa, Wohnstätte Lakshmis.
Das entspricht einer Grundhaltung des Vaishnavismus: Die vielen göttlichen Geschichten sind verschiedene Weisen, denselben Nārāyaṇa zu erfahren.
Diese Einheit der Avatāras begegnet auch in Tiruchanda Viruttam, Nanmukan Tiruvantati, Periya Tirumoli und zahlreichen Hymnen des Nalayira Divya Prabandham.
Prapatti – „Zu deinen Füßen nehme ich Zuflucht“
Der dritte Teil verändert den Ton grundlegend.
Fast jeder Vers endet:
Śrīveṅkaṭeśa-caraṇau śaraṇaṃ prapadye – Zu den Füßen Venkateśas nehme ich Zuflucht.
Die Füße werden immer neu betrachtet: duftend, lotusgleich, rot leuchtend, mit heiligen Zeichen versehen, von den Kronen der Götter geehrt und vom Herrn selbst als Zuflucht gezeigt.
Prapatti ist hier keine abstrakte Lehre. Sie wird durch Wiederholung verkörpert.
Immer wieder sagt der Verehrer:
Dort ist meine Zuflucht. Dort ist meine Zuflucht. Dort ist meine Zuflucht.
Die Wiederholung kann den Geist aus ständigem Suchen in eine Haltung des Vertrauens führen.
Das ist die innere Logik von Prapatti: Nicht immer neue Sicherheiten sammeln, sondern eine Mitte finden, der man sich anvertrauen kann. Ähnlich wird diese Haltung in Jnana Saram, Prameya Saram und der späteren Śrīvaiṣṇava-Ācārya-Literatur entfaltet.
Lakshmi und die Vermittlung der Gnade
Auffällig ist, dass die Prapatti nicht mit Veṅkaṭeśa beginnt, sondern mit Śrī.
Sie ist die Mutter der Welt, wohnt an Vishnus Brust und verkörpert Vātsalya – zärtliche, nicht aufgebende Liebe. In der Śrīvaiṣṇava-Theologie besitzt Śrī eine besondere vermittelnde Bedeutung: Sie steht für Gnade und empfiehlt den Schutzsuchenden dem Herrn.
Damit wird Zuflucht nicht als kalte Unterwerfung beschrieben, sondern als Heimkehr in eine Beziehung von Barmherzigkeit.
Gerade darin liegt eine besondere Wärme des Śrīvaiṣṇavismus: Śrī steht nicht am Rand der Theologie, sondern mitten in der Erfahrung göttlicher Gnade.
Die Füße als spirituelles Symbol
Für westliche Leser kann die starke Konzentration auf Gottes Füße zunächst ungewohnt sein.
In der indischen Bhakti sind die Füße jedoch ein vielschichtiges Symbol:
- sie tragen den Menschen;
- sie berühren die Erde;
- vor ihnen verneigt man sich in Demut;
- sie zeigen den Weg;
- Trivikrama umfasst mit seinen Füßen die Welten.
Darum kann „Zuflucht zu den Füßen“ spirituell bedeuten:
Ich muss nicht über allem stehen. Ich darf mich tragen lassen.
Dasselbe Bild prägt unzählige Tamil-Hymnen – etwa Tiruvaymoli, Tiruppavai, Periya Tiruvantati und Ramanuja Nurrantati. Die Füße sind nicht Erniedrigung, sondern Ort von Nähe, Richtung und Schutz.
Mangalaśāsanam – den unendlichen Gott segnen
Der letzte Teil ist besonders zart.
Menschen sprechen Segen über den ewigen Gott:
Maṅgalam – Heil, Segen, Glückverheißung sei dir!
Logisch braucht der allmächtige Herr keinen menschlichen Segen. Bhakti folgt jedoch nicht nur der Logik der Metaphysik.
Wer liebt, möchte dem Geliebten Gutes wünschen.
Dasselbe Motiv begegnet in der tamilischen Tradition besonders stark im Tiruppallandu von Periyalvar. Dort segnet der Verehrer Vishnu mit langem, langem Leben.
So verbindet das Sanskrit-Mangalaśāsanam des Veṅkaṭeśa-Zyklus sich unmittelbar mit einer großen tamilischen Bhakti-Tradition.
Bhakti erreicht hier einen bemerkenswerten Punkt: Der Verehrer denkt nicht mehr zuerst daran, was er von Gott erhalten möchte. Er möchte dem Geliebten selbst Gutes wünschen.
Verbindung zu anderen Tamil-Schriften
Obwohl das Venkatesha Suprabhatam selbst Sanskrit ist, gehört seine religiöse Welt eng zur tamilischen Śrīvaiṣṇava-Tradition.
Besonders wichtig sind:
- Tiruppavai – wird in Tirumala während Dhanurmāsa anstelle des Suprabhatam rezitiert;
- Tiruvaymoli – Nammalvars großes Werk, zentral für die Śrīvaiṣṇava-Theologie;
- Periya Tirumoli – mit intensiver Pilger- und Tempelbhakti;
- Nanmukan Tiruvantati und Tiruchanda Viruttam – frühe vaishnavische Theologie in Tamil;
- Ramanuja Nurrantati – Ācārya-Bhakti und Ramanuja-Tradition;
- Jnana Saram und Prameya Saram – kurze spätere Śrīvaiṣṇava-Lehrtexte;
- Tiruppallandu – Segnung des Herrn;
- Amalanadipiran – konzentrierte Schau der göttlichen Gestalt;
- Perumal Tirumoli – mit intensiver Tempel- und Pilgerfrömmigkeit;
- Nalayira Divya Prabandham – der große tamilische Vaishnava-Kanon.
Auch Kulasekharas Hymnen an Tirupati gehören unmittelbar in diesen Pilgerraum. Besonders schön ist außerdem der Vergleich mit Tiruvaciriyam: Dort erwacht die Welt nicht zum Veṅkaṭeśa-Tempeldienst, doch auch dort wird der Kosmos selbst zum Schmuck und Ausdruck Vishnus.
Inspiration für Yoga-Aspiranten
Das Venkatesha Suprabhatam kann auch außerhalb des Tempelrituals eine einfache Morgenpraxis inspirieren.
1. Beginne bewusst. Lass nicht das Telefon den ersten Ton des Tages setzen.
2. Erinnere dich. Ein Name wie Venkatesha, Narayana oder Vishnu kann dem Geist eine Richtung geben.
3. Schaue. Nimm die Welt am Morgen für einen Augenblick wahr, bevor du sie bewertest.
4. Nimm Zuflucht. Du musst nicht jede Last nur aus eigener Kraft tragen.
5. Diene. Die Śrīvaiṣṇava-Tradition verbindet Gottesliebe mit Seva und Kainkarya.
6. Segne. Beende Gebet nicht nur mit Bitten. Wünsche anderen und der Welt Gutes. Mangalaśāsanam erinnert daran, dass Bhakti auch eine Bewegung vom Empfangen zum Schenken ist.
Oben: „Om Namo Narayanaya“ im Haus Yoga Vidya.
Eine einfache Morgenpraxis
Wer nicht alle 70 Verse täglich rezitieren möchte, kann eine kurze Form wählen:
- den ersten Vers Kausalyā suprajā Rāma… lesen;
- den zweiten Vers Uttiṣṭhottiṣṭha Govinda… rezitieren;
- einige Minuten Oṃ Namo Nārāyaṇāya wiederholen;
- einen Prapatti-Vers wählen;
- zum Schluss einmal Maṅgalam sprechen.
So bleibt die vierfache Bewegung erhalten:
Erwachen – Loben – Zuflucht – Segnen.
Wer mehr Zeit hat, kann daraus eine Form von Svādhyāya machen: täglich einen der 70 Verse auswählen, die IAST-Umschrift langsam sprechen und nur einen Gedanken mit in den Tag nehmen.
Bedeutung für tamilische Hindus in Deutschland
Gerade für tamilische Śrīvaiṣṇavas in Deutschland kann dieses Sanskritwerk eine Brücke zwischen mehreren Ebenen der Tradition bilden.
Es verbindet:
- Sanskrit-Stotra und tamilisches Divya Prabandham;
- Tirumala und Diaspora;
- Tiruppavai und Suprabhatam;
- Ācārya-Tradition und persönliche Morgenpraxis.
Familien können ausgewählte Verse in Devanagari oder IAST sprechen und anschließend die deutsche Bedeutung lesen. So wird der Text auch für jüngere Menschen zugänglich, die Sanskrit nicht systematisch gelernt haben.
Gerade zusammen mit Tiruppavai, Tiruvaymoli oder Ramanuja Nurrantati kann daraus eine Brücke zwischen Sanskrit, Tamil und deutscher Lebenswelt entstehen. Tradition wird so nicht nur bewahrt, sondern verstanden und weitergegeben.
Schluss – der Tag beginnt mit Beziehung
Das Venkatesha Suprabhatam beginnt mit einem Weckruf:
Uttiṣṭha – steh auf.
Zuerst scheint dieser Ruf an den Herrn gerichtet zu sein.
Doch im Verlauf der 70 Ślokas geschieht etwas mit dem Menschen, der sie spricht.
Die Welt erwacht. Die Lotusblüten öffnen sich. Die Vögel rufen. Die Weisen kommen. Der Tempel öffnet seine Tore.
Dann schaut der Verehrer.
Er erkennt Veṅkaṭeśa als Rama, Krishna, Vishnu und Śrīnivāsa.
Dann wird aus Schauen Zuflucht:
Śrīveṅkaṭeśa-caraṇau śaraṇaṃ prapadye – zu deinen Füßen nehme ich Zuflucht.
Und schließlich geschieht die schönste Wendung.
Der Verehrer bittet nicht mehr nur um Segen.
Er sagt selbst:
Maṅgalam – Segen sei dir.
So verändert sich die Richtung des Gebets.
Am Anfang ruft der Mensch Gott. Dann schaut er Gott. Dann vertraut er sich Gott an. Und am Ende liebt er so sehr, dass er dem Ewigen selbst Gutes wünschen möchte.
Vielleicht ist das die tiefste Schönheit dieses Morgengebets:
Ein neuer Tag beginnt nicht nur, wenn die Sonne aufgeht. Er beginnt wirklich, wenn Erinnerung zu Vertrauen und Vertrauen zu Liebe wird.
Darum kann das Venkatesha Suprabhatam auch fern von Tirumala lebendig sein.
In einem Tempel. In einer Wohnung. In einer kleinen Gebetsecke. Vor der Arbeit. Vor der Meditation. Oder einfach in dem Augenblick, in dem ein Mensch innehält und sich fragt:
Wofür möchte ich heute wirklich wach sein?
Siehe auch
- Venkatesha
- Venkateswara
- Venkateshvara
- Venkata
- Tirupati
- Vishnu
- Narayana
- Lakshmi
- Krishna
- Rama
- Garuda
- Ananta
- Prapatti
- Sri Vaishnavismus
- Ramanuja
- Manavala Mamunigal
- Nalayira Divya Prabandham
- Tiruppavai
- Tiruppallandu
- Tiruvaymoli
- Periya Tirumoli
- Nanmukan Tiruvantati
- Tiruchanda Viruttam
- Ramanuja Nurrantati
- Jnana Saram
- Prameya Saram
- Kulasekhara
- Bhakti Yoga
- Seva
- Kainkarya
- Mantra
- Om Namo Narayanaya
- Meditation
- Amalanadipiran
- Perumal Tirumoli
- Tiruvaciriyam
- Svadhyaya
- Japa
- Mangala
Quellen und Textgrundlage
- Tirumala Tirupati Devasthanams (TTD): Suprabhatam – offizielle Beschreibung der morgendlichen Seva und der vier Teile mit insgesamt 70 Ślokas.
- Sanskrit Documents: Śrī Veṅkaṭeśa Suprabhātam – Devanagari-Text des vollständigen Zyklus mit Suprabhatam, Stotram, Prapatti und Mangalaśāsanam.
- TTD e-Publications: Sri Venkateswara Suprabhatam – englische Erläuterungen und traditionelle Deutung.
- Vālmīki Rāmāyaṇa, Bālakāṇḍa 1.23.2 – Quelle des berühmten ersten Weckverses.
- KOYIL / Śrīvaiṣṇava Ācārya-Tradition – biografische Überlieferung zu Prativadi Bhayankaram Annan und Maṇavāḷa Māmunigaḷ.
Editionshinweis: Der Devanagari-Text wurde gegen die Sanskrit-Documents-Fassung geprüft. Die IAST-Umschrift ist schriftgetreu erstellt. Die deutsche Übersetzung ist eine neue, bewusst gut lesbare Übertragung, die den devotionalen Sinn erhält und schwierige Komposita sinngemäß auflöst.