Akshi Upanishad

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Die Akshi Upanishad (Sanskrit: अक्ष्युपनिषत्, Akṣyupaniṣat, auch Akṣi Upaniṣad) gehört zu den Samanya Upanishaden des Krishna Yajurveda. In der Muktika-Liste steht sie an 72. Stelle. Ihr Name ist von akṣi, „Auge“, abgeleitet. Die Schrift verbindet eine Cakshushmati-Vidya genannte Sonnen- und Augenliturgie mit einer nichtdualistischen Unterweisung über Brahman, die sieben Erkenntnisstufen und die Befreiung.

Der erste Khanda preist Surya als äußeres und inneres Licht. Er enthält das berühmte Gebet „Führe mich vom Unwirklichen zum Wirklichen, von der Dunkelheit zum Licht, vom Tod zur Unsterblichkeit“, das aus der Brihadaranyaka Upanishad bekannt ist. Die daran geknüpften Verheißungen über die Gesundheit der Augen gehören zur religiösen Vorstellungswelt des Textes; sie ersetzen weder Diagnose noch Behandlung durch medizinisches Fachpersonal. Im zweiten Khanda lehrt Aditya den Weisen Sankriti einen Weg, der mit ethischer Verfeinerung, Studium und Vichara beginnt und über Nichtanhaftung zur gefestigten Schau des Nichtdualen führt.

Die Akshi Upanishad verbindet das Symbol des Lichtes mit ethischer Reifung, Selbsterforschung und der Erkenntnis des einen Bewusstseins.

Für heutige Übende ist die Akshi Upanishad besonders wertvoll, weil sie Erkenntnis nicht von der Lebensführung trennt. Freundliche Sprache, das Vermeiden verletzenden Handelns, die Nähe zu weisen Menschen und sorgfältiges Schriftstudium bilden den Anfang. Erst darauf folgen vertiefte Meditation, Nichtanhaftung und die Erkenntnis „Ich bin Brahman“. So erscheint Yoga nicht als Flucht vor der Welt, sondern als schrittweise Läuterung von Wahrnehmung, Denken und Handeln.

Akshi Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Die Ausgabe gibt sämtliche Texteinheiten der verwendeten Langfassung wieder. Der erste Khanda ist eine längere Prosa- und Mantraeinheit; der zweite Khanda umfasst in der hier zugrunde gelegten Rezension 49 nummerierte Verse. In einigen Darstellungen werden nur 48 Verse genannt, weil der knappe Schlussvers anders mit dem vorhergehenden Text verbunden wird. Die vorliegende Gliederung folgt der ausgewiesenen Sanskritausgabe.

Eröffnungsvers

Eröffnungsvers Akshi Upanishad
yatsaptabhūmikāvidyāvedyānandakalevaram |
vikalevarakaivalyaṃ rāmacandrapadaṃ bhaje ||

Deutsche Übersetzung: Ich verehre den Stand Ramachandras: Seine glückselige Gestalt wird durch die Lehre von den sieben Erkenntnisstufen erkannt; er ist das körperlose Kaivalya, die vollkommene Freiheit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat-sapta-bhūmikā-vidyā-vedya – der durch die Lehre von den sieben Stufen zu erkennen ist; ānanda-kalevaram – dessen Gestalt Glückseligkeit ist; vi-kalevara – körperlos, jenseits der körperlichen Begrenzung; kaivalyam – vollkommene Freiheit und Alleinheit; rāmacandra-padam – den Stand beziehungsweise die Füße Ramachandras; bhaje – ich verehre, wende mich hingebungsvoll zu


Shanti Mantra

Shanti Mantra Akshi Upanishad
oṃ saha nāvavatu saha nau bhunaktu |
saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Deutsche Übersetzung: Om. Möge das Höchste uns beide – Lehrenden und Lernenden – beschützen. Möge es uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam geistige Kraft entfalten. Möge unser Studium lichtvoll sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃOm; saha nau avatu – möge es uns beide beschützen; saha nau bhunaktu – möge es uns beide nähren; saha vīryam karavāvahai – mögen wir gemeinsam Kraft entfalten; tejasvinau adhītam astu – möge das von uns Gelernte lichtvoll und wirksam sein; mā vidviṣāvahai – mögen wir einander nicht ablehnen; śāntiḥ – Frieden (Shanti)


Erster Khanda – Cakshushmati-Vidya und Sonnenlob

1.1. Abschnitt Akshi Upanishad
hariḥ oṃ ||
atha ha sāṃkṛtir bhagavān ādityalokaṃ jagāma |
tam ādityaṃ natvā cākṣuṣmatīvidyayā tam astuvat |
oṃ namo bhagavate śrīsūryāyākṣitejase namaḥ |
oṃ khecarāya namaḥ | oṃ mahāsenāya namaḥ |
oṃ tamase namaḥ | oṃ rajase namaḥ | oṃ sattvāya namaḥ |
oṃ asato mā sad gamaya | tamaso mā jyotir gamaya |
mṛtyor mā amṛtaṃ gamaya |
haṃso bhagavāñ chucirūpaḥ pratirūpaḥ |
viśvarūpaṃ ghṛṇinaṃ jātavedasaṃ hiraṇmayaṃ jyotīrūpaṃ tapantam |
sahasraraśmiḥ śatadhā vartamānaḥ puruṣaḥ prajānām udayaty eṣa sūryaḥ |
oṃ namo bhagavate śrīsūryāyādityāyākṣitejase 'hovāhini vāhini svāheti |
evaṃ cākṣuṣmatīvidyayā stutaḥ śrīsūryanārāyaṇaḥ suprīto 'bravīt |
cākṣuṣmatīvidyāṃ brāhmaṇo yo nityam adhīte na tasyākṣirogo bhavati |
na tasya kule 'ndho bhavati |
aṣṭau brāhmaṇān grāhayitvātha vidyāsiddhir bhavati |
ya evaṃ veda sa mahān bhavati || 1 ||

Deutsche Übersetzung: Hari Om. Der ehrwürdige Sankriti ging in die Welt des Sonnengottes. Nachdem er Aditya verehrt hatte, pries er ihn mit der Cakshushmati-Vidya: „Om, Verehrung dem erhabenen Shri Surya, dem unerschöpflichen Licht des Auges. Verehrung dem, der sich im Raum bewegt; Verehrung dem großen Heerführer. Verehrung dem Tamas, dem Rajas und dem Sattva. Führe mich vom Unwirklichen zum Wirklichen, von der Dunkelheit zum Licht, vom Tod zur Unsterblichkeit. Der erhabene Hamsa ist von reiner Gestalt und nimmt alle Gestalten an. Er ist die universale Form, der Glühende, Jatavedas, der Goldene, leuchtend und brennend. Dieser Surya geht als tausendstrahliger, hundertfach wirkender Purusha für die Geschöpfe auf. Om, Verehrung dem erhabenen Shri Surya, Aditya, dem unerschöpflichen Augenlicht; führe den Tag, führe ihn – Svaha.“ Durch diesen Lobpreis erfreut, erklärte Shri Surya Narayana: „Nach Aussage dieser Überlieferung werde ein Brahmane, der die Cakshushmati-Vidya täglich rezitiert, nicht von Augenkrankheit betroffen; in seiner Familie werde niemand blind. Nachdem er acht Brahmanen in ihr unterwiesen hat, gelangt er zur Vollendung der Vidya.“ Wer dies erkennt, wird groß.

Wort-für-Wort-Erläuterung: hariḥ oṃ – Hari Om; atha ha – nun wahrlich; sāṃkṛtiḥ – Sankriti; bhagavān – der Ehrwürdige; āditya-lokam jagāma – ging in die Welt Adityas; tam ādityam natvā – nachdem er diesen Aditya verehrt hatte; cākṣuṣmatī-vidyayā – mit der Cakshushmati-Vidya, der „Lehre des sehenden Auges“; tam astuvat – pries er ihn; namo bhagavate śrī-sūryāya – Verehrung dem erhabenen Shri Surya; akṣi-tejase – dem Licht beziehungsweise der Kraft des Auges; khecarāya – dem im Raum sich Bewegenden; mahā-senāya – dem großen Heerführer; tamase, rajase, sattvāya – dem Tamas, Rajas und Sattva; asataḥ mā sat gamaya – führe mich vom Unwirklichen zum Wirklichen; tamasaḥ mā jyotiḥ gamaya – führe mich von der Dunkelheit zum Licht; mṛtyoḥ mā amṛtam gamaya – führe mich vom Tod zur Unsterblichkeit; haṃsaḥ – Hamsa, der frei wandernde Lebenshauch und das höchste Selbst; śuci-rūpaḥ – von reiner Gestalt; pratirūpaḥ – jede Gestalt annehmend; viśva-rūpam – universale Form; ghṛṇinam – glühend, strahlend; jātavedasam – Jatavedas, der alles Entstandene kennt; hiraṇmayam – golden; jyotī-rūpam – von der Gestalt des Lichtes; tapantam – brennend, wärmend; sahasra-raśmiḥ – tausendstrahlig; śatadhā vartamānaḥ – hundertfach wirkend; puruṣaḥPurusha; prajānām udayati – geht für die Geschöpfe auf; ahovāhini vāhini – den Tag führend, führe; svāhā – ritueller Ausruf; suprītaḥ abravīt – hocherfreut sprach er; nityam adhīte – studiert oder rezitiert täglich; na tasya akṣi-rogaḥ bhavati – nach der Textaussage entsteht bei ihm keine Augenkrankheit; na tasya kule andhaḥ bhavati – in seiner Familie werde niemand blind; aṣṭau brāhmaṇān grāhayitvā – acht Brahmanen unterwiesen habend; vidyā-siddhiḥ – Vollendung der Vidya; yaḥ evam veda – wer dies erkennt; mahān bhavati – wird groß. Die Aussagen zur Gesundheit geben die historische Verheißung des Textes wieder; sie sind keine medizinisch gesicherte Wirkung oder Behandlungsempfehlung.


Zweiter Khanda – Die sieben Erkenntnisstufen

2.1. Vers Akshi Upanishad
atha ha sāṃkṛtirādityaṃ papraccha bhagavan-
brahmavidyāṃ me brūhīti | tamādityo hovāca |
sāṃkṛte śṛṇu vakṣyāmi tattvajñānaṃ sudurlabham |
yena vijñātamātreṇa jīvanmukto bhaviṣyasi || 1 ||

Deutsche Übersetzung: Da fragte Sankriti den Sonnengott: „Erhabener, lehre mich die Erkenntnis Brahmans.“ Aditya antwortete: „Sankriti, höre! Ich werde dir die äußerst schwer zu erlangende Erkenntnis der Wirklichkeit darlegen. Sobald sie erkannt ist, wirst du noch zu Lebzeiten befreit sein.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: atha ha – nun wahrlich; sāṃkṛtiḥ – Sankriti; ādityam papraccha – fragte Aditya, den Sonnengott; bhagavan – o Erhabener; brahma-vidyām me brūhi – lehre mich die Erkenntnis Brahmans; tam ādityaḥ ha uvāca – zu ihm sprach Aditya; sāṃkṛte śṛṇu – Sankriti, höre; vakṣyāmi – ich werde darlegen; tattva-jñānam – Erkenntnis der Wirklichkeit; su-durlabham – äußerst schwer zu erlangen; yena vijñāta-mātreṇa – durch deren bloßes Erkanntsein; jīvan-muktaḥ bhaviṣyasi – wirst du zu Lebzeiten befreit sein


2.2. Vers Akshi Upanishad
sarvamekamajaṃ śāntamanantaṃ dhruvamavyayam |
paśyanbhūtārthacidrūpaṃ śānta āsva yathāsukham || 2 ||

Deutsche Übersetzung: Sieh alles als das Eine: ungeboren, still, unendlich, beständig und unvergänglich, dessen wirkliches Wesen Bewusstsein ist. Verweile ruhig und unbeschwert.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sarvam – alles; ekam – das Eine; ajam – ungeboren; śāntam – still und friedvoll; anantam – unendlich; dhruvam – beständig; avyayam – unvergänglich; paśyan – schauend; bhūta-artha-cid-rūpam – dessen wirkliches Wesen Bewusstsein ist; śāntaḥ āsva – verweile ruhig; yathā-sukham – unbeschwert, wie es dir wohl ist


2.3. Vers Akshi Upanishad
avedanaṃ viduryogaṃ cittakṣayamakṛtrimam |
yogasthaḥ kuru karmāṇi nīraso vātha mā kuru || 3 ||

Deutsche Übersetzung: Die Weisen verstehen unter Yoga das Freisein von objektbezogenem Erkennen und das nicht künstlich erzwungene Zur-Ruhe-Kommen des Geistes. Im Yoga gegründet, handle – oder handle, frei von Begehren, nicht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: avedanam – Freisein von objektbezogenem Erkennen; viduḥ – die Weisen kennen, verstehen; yogam – als Yoga; citta-kṣayam – das Schwinden beziehungsweise Zur-Ruhe-Kommen des Geistes; akṛtrimam – nicht künstlich erzwungen; yoga-sthaḥ – im Yoga gegründet; kuru karmāṇi – vollbringe Handlungen; nīrasaḥ – frei von Verlangen, ohne Geschmack an Ergebnissen; vā atha – oder aber; mā kuru – handle nicht


2.4. Vers Akshi Upanishad
virāgamupayātyantarvāsanāsvanuvāsaram |
kriyāsūdārarūpāsu kramate modate'nvaham || 4 ||

Deutsche Übersetzung: Tag für Tag wächst im Inneren die Leidenschaftslosigkeit gegenüber den latenten Neigungen. Zugleich wendet sich der Übende edlen Handlungen zu und freut sich täglich an ihnen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: virāgam upayāti – er gelangt zu Leidenschaftslosigkeit; antaḥ – innerlich; vāsanāsu – gegenüber den latenten Neigungen; anu-vāsaram – Tag für Tag; kriyāsu – bei Handlungen; udāra-rūpāsu – von edler Art; kramate – er schreitet hinein, wendet sich ihnen zu; modate – er freut sich; anvaham – täglich


2.5. Vers Akshi Upanishad
grāmyāsu jaḍaceṣṭāsu satataṃ vicikitsate |
nodāharati marmāṇi puṇyakarmāṇi sevate || 5 ||

Deutsche Übersetzung: Gegenüber groben und dumpfen Verhaltensweisen bleibt er stets kritisch. Er verletzt nicht die empfindlichen Stellen anderer und widmet sich verdienstvollen Handlungen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: grāmyāsu – bei groben, gewöhnlichen; jaḍa-ceṣṭāsu – dumpfen Verhaltensweisen; satatam – stets; vicikitsate – er zweifelt, prüft kritisch; na udāharati – er legt nicht offen, verletzt nicht; marmāṇi – empfindliche oder verletzliche Stellen; puṇya-karmāṇi – verdienstvolle Handlungen; sevate – er übt, widmet sich


2.6. Vers Akshi Upanishad
ananyodvegakārīṇi mṛdukarmāṇi sevate |
pāpādbibheti satataṃ na ca bhogamapekṣate || 6 ||

Deutsche Übersetzung: Er übt sanfte Handlungen, die niemanden beunruhigen. Er scheut sich beständig vor unheilsamem Tun und verlangt nicht nach Sinnengenüssen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ananya-udvega-kārīṇi – anderen keine Beunruhigung verursachend; mṛdu-karmāṇi – sanfte Handlungen; sevate – er übt; pāpāt bibheti – er fürchtet unheilsames Tun; satatam – beständig; na ca – und nicht; bhogam apekṣate – erwartet beziehungsweise begehrt Genuss


2.7. Vers Akshi Upanishad
snehapraṇayagarbhāṇi peśalānyucitāni ca |
deśakālopapannāni vacanānyabhibhāṣate || 7 ||

Deutsche Übersetzung: Er spricht Worte, die Zuneigung und Liebe in sich tragen, fein und angemessen sind und zu Ort und Zeit passen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sneha-praṇaya-garbhāṇi – Zuneigung und Liebe in sich tragend; peśalāni – fein, liebenswürdig; ucitāni – angemessen; ca – und; deśa-kāla-upapannāni – Ort und Zeit entsprechend; vacanāni – Worte; abhibhāṣate – er spricht aus


2.8. Vers Akshi Upanishad
manasā karmaṇā vācā sajjanānupasevate |
yataḥ kutaścidānīya nityaṃ śāstrāṇyavekṣate || 8 ||

Deutsche Übersetzung: Mit Denken, Handeln und Rede sucht er die Nähe guter Menschen. Woher auch immer er sie erhalten kann, sammelt und betrachtet er beständig die Lehrschriften.

Wort-für-Wort-Erläuterung: manasā – mit dem Denken; karmaṇā – durch Handeln; vācā – durch Rede; sat-janān upasevate – er sucht die Nähe guter Menschen und dient ihnen; yataḥ kutaścit – woher auch immer; ānīya – herbeigebracht, gesammelt habend; nityam – beständig; śāstrāṇi avekṣate – betrachtet und studiert die Lehrschriften


2.9. Vers Akshi Upanishad
tadāsau prathamāmekāṃ prāpto bhavati bhūmikām |
evaṃ vicāravānyaḥ syātsaṃsārottaraṇaṃ prati || 9 ||

Deutsche Übersetzung: Dann hat er die erste der Erkenntnisstufen erreicht. Wer auf diese Weise unterscheidend nach dem Überschreiten des Samsara strebt, steht auf dieser Stufe.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tadā asau – dann dieser Mensch; prathamām ekām – die eine erste; prāptaḥ bhavati – hat erreicht; bhūmikām – Stufe, Erkenntnisebene; evam – auf diese Weise; vicāravān – mit Unterscheidung und Untersuchung begabt; yaḥ syāt – wer so ist; saṃsāra-uttaraṇam prati – im Hinblick auf das Überschreiten des Samsara


2.10. Vers Akshi Upanishad
sa bhūmikāvānityuktaḥ śeṣastvārya iti smṛtaḥ |
vicāranāmnīmitarāmāgato yogabhūmikām || 10 ||

Deutsche Übersetzung: Ein solcher Mensch gilt als einer, der die erste Stufe betreten hat; im Übrigen wird er als edler Mensch bezeichnet. Danach gelangt er zur nächsten Yogastufe, die „Untersuchung“ oder Vichara heißt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ bhūmikāvān – er besitzt beziehungsweise hat eine Stufe betreten; iti uktaḥ – so wird gesagt; śeṣaḥ tu – im Übrigen jedoch; āryaḥ iti smṛtaḥ – gilt er als edler Mensch; vicāra-nāmnīm – die Vichara genannte; itarām – die nächste, andere; āgataḥ – er hat erreicht; yoga-bhūmikām – Yogastufe


2.11. Vers Akshi Upanishad
śrutismṛtisadācāradhāraṇādhyānakarmaṇaḥ |
mukhyayā vyākhyayākhyātāñchrayati śreṣṭhapaṇḍitān || 11 ||

Deutsche Übersetzung: Er sucht die besten Gelehrten auf, welche Shruti, Smriti, gute Lebensführung, Konzentration, Meditation und Handeln nach ihrem wesentlichen Sinn auslegen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śruti-smṛti – Offenbarung und Überlieferung; sad-ācāra – gute Lebensführung; dhāraṇā – Konzentration; dhyāna – Meditation; karmaṇaḥ – des Handelns; mukhyayā vyākhyayā – durch die Erklärung des wesentlichen Sinnes; ākhyātān – die darlegen; śrayati – er sucht Zuflucht bei, wendet sich an; śreṣṭha-paṇḍitān – die besten Gelehrten


2.12. Vers Akshi Upanishad
padārthapravibhāgajñaḥ kāryākāryavinirṇayam |
jānātyadhigataścānyo gṛhaṃ gṛhapatiryathā || 12 ||

Deutsche Übersetzung: Er erkennt die Unterscheidung der Begriffe und entscheidet, was getan und was unterlassen werden soll. Er kennt das Erlernte und das darüber Hinausgehende wie ein Hausherr sein eigenes Haus.

Wort-für-Wort-Erläuterung: padārtha-pravibhāga-jñaḥ – die genaue Unterscheidung der Begriffe kennend; kārya-akārya-vinirṇayam – die Entscheidung über zu Tuendes und zu Unterlassendes; jānāti – er erkennt; adhigatam – das Erlernte, Erfasste; ca anyat – und das andere, darüber Hinausgehende; gṛham – das Haus; gṛha-patiḥ yathā – wie ein Hausherr


2.13. Vers Akshi Upanishad
madābhimānamātsaryalobhamohātiśāyitām |
bahirapyāsthitāmīṣatyajatyahiriva tvacam || 13 ||

Deutsche Übersetzung: Selbst wenn Hochmut, Ich-Dünkel, Neid, Gier und Verblendung noch äußerlich hervortreten, legt er sie allmählich ab wie eine Schlange ihre Haut.

Wort-für-Wort-Erläuterung: mada – Hochmut; abhimāna – Ich-Dünkel; mātsarya – Neid, Missgunst; lobha – Gier; moha – Verblendung; atiśāyitām – das Übermaß, die Vorherrschaft; bahiḥ api āsthitām – auch wenn äußerlich noch vorhanden; īṣat tyajati – legt er allmählich beziehungsweise ein wenig ab; ahiḥ iva tvacam – wie eine Schlange ihre Haut


2.14. Vers Akshi Upanishad
itthaṃbhūtamatiḥ śāstragurusajjanasevayā |
sarahasyamaśeṣeṇa yathāvadadhigacchati || 14 ||

Deutsche Übersetzung: Mit einem so ausgerichteten Geist erfasst er durch den Dienst an Lehrschriften, Guru und guten Menschen die Lehre mitsamt ihren Geheimnissen vollständig und der Wahrheit gemäß.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ittham-bhūta-matiḥ – von solcher Beschaffenheit des Geistes; śāstra-guru-sat-jana-sevayā – durch den Dienst an Lehrschrift, Guru und guten Menschen; sa-rahasyam – mitsamt dem Geheimnis; aśeṣeṇa – vollständig, ohne Rest; yathāvat – der Wahrheit gemäß; adhigacchati – er erfasst, gelangt zur Erkenntnis


2.15. Vers Akshi Upanishad
asaṃsargābhidhāmanyāṃ tṛtīyāṃ yogabhūmikām |
tataḥ patatyasau kāntaḥ puṣpaśayyāmivāmalām || 15 ||

Deutsche Übersetzung: Darauf gelangt dieser nach Reinheit strebende Mensch zur dritten Yogastufe, die „Nichtberührung“ oder Nichtanhaftung heißt, wie ein Liebender auf ein makelloses Blumenlager.

Wort-für-Wort-Erläuterung: asaṃsarga-abhidhām – „Nichtverbindung“ beziehungsweise Nichtanhaftung genannt; anyām – eine weitere; tṛtīyām – die dritte; yoga-bhūmikām – Yogastufe; tataḥ – darauf; patati asau – gelangt dieser hinein; kāntaḥ – der Liebende beziehungsweise an Reinheit Freude Habende; puṣpa-śayyām iva – wie auf ein Blumenlager; amalām – makellos, rein


2.16. Vers Akshi Upanishad
yathāvacchāstravākyārthe matimādhāya niścalām |
tāpasāśramaviśrāntairadhyātmakathanakramaiḥ |
śilāśayyāsanāsīno jarayatyāyurātatam || 16 ||

Deutsche Übersetzung: Nachdem er den Geist unbeweglich auf den wahren Sinn der Aussagen der Lehrschriften gerichtet hat, verbringt er sein langes Leben, auf einem Steinlager oder Sitz verweilend, mit Gesprächen über das Selbst in den friedvollen Einsiedeleien von Asketen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yathāvat śāstra-vākya-arthe – auf den wahren Sinn der Aussagen der Lehrschriften; matim ādhāya – den Geist gerichtet habend; niścalām – unbeweglich; tāpasa-āśrama-viśrāntaiḥ – in den friedvollen Einsiedeleien von Asketen; adhyātma-kathana-kramaiḥ – mit fortlaufenden Gesprächen über das Selbst; śilā-śayyā-āsana-āsīnaḥ – auf Steinlager oder Sitz sitzend; jarayati – lässt er vergehen; āyuḥ ātatam – sein ausgedehntes, langes Leben


2.17. Vers Akshi Upanishad
vanāvanivihāreṇa cittopaśamaśobhinā |
asaṅgasukhasaukhyena kālaṃ nayati nītimān || 17 ||

Deutsche Übersetzung: Der besonnene Mensch verbringt seine Zeit mit Wanderungen durch Wälder und Landschaften, geschmückt von der Beruhigung des Geistes und vom Glück der Nichtanhaftung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: vana-avani-vihāreṇa – durch Wandern in Wald und Landschaft; citta-upaśama-śobhinā – geschmückt von der Beruhigung des Geistes; asaṅga-sukha-saukhyena – durch das Glück der Nichtanhaftung; kālam nayati – verbringt er die Zeit; nītimān – der besonnene, recht lebende Mensch


2.18. Vers Akshi Upanishad
abhyāsātsādhuśāstrāṇāṃ karaṇātpuṇyakarmaṇām |
jantoryathāvadeveyaṃ vastudṛṣṭiḥ prasīdati || 18 ||

Deutsche Übersetzung: Durch das wiederholte Studium guter Lehrschriften und das Vollbringen heilsamer Handlungen klärt sich im Menschen die wahrheitsgemäße Schau der Wirklichkeit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: abhyāsāt – durch wiederholte Übung; sādhu-śāstrāṇām – guter Lehrschriften; karaṇāt – durch das Vollbringen; puṇya-karmāṇām – verdienstvoller Handlungen; jantoḥ – beim Lebewesen, Menschen; yathāvat eva – ganz der Wahrheit gemäß; iyam vastu-dṛṣṭiḥ – diese Schau der Wirklichkeit; prasīdati – klärt sich, wird durchsichtig


2.19. Vers Akshi Upanishad
tṛtīyāṃ bhūmikāṃ prāpya buddho'nubhavati svayam || 19 ||

Deutsche Übersetzung: Nachdem der Erwachte die dritte Stufe erreicht hat, erfährt er sie selbst unmittelbar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tṛtīyām bhūmikām – die dritte Stufe; prāpya – erreicht habend; buddhaḥ – der Erwachte; anubhavati – erfährt; svayam – selbst, unmittelbar


2.20. Vers Akshi Upanishad
dviprakārasaṃsargaṃ tasya bhedamimaṃ śruṇu |
dvividho'yamasaṃsargaḥ sāmānyaḥ śreṣṭha eva ca || 20 ||

Deutsche Übersetzung: Höre nun die Unterscheidung ihrer zwei Arten von Nichtverbindung: Diese Nichtanhaftung ist zweifach – eine allgemeine und eine höchste.

Wort-für-Wort-Erläuterung: dvi-prakāra-asaṃsargam – die zweifache Art der Nichtverbindung; tasya bhedam imam – diese Unterscheidung davon; śṛṇu – höre; dvi-vidhaḥ ayam asaṃsargaḥ – diese Nichtanhaftung ist zweifach; sāmānyaḥ – allgemein; śreṣṭhaḥ eva ca – und wahrlich die höchste


2.21. Vers Akshi Upanishad
nāhaṃ kartā na bhoktā ca na bādhyo na ca bādhakaḥ |
ityasaṃjanamartheṣu sāmānyāsaṅganāmakam || 21 ||

Deutsche Übersetzung: „Ich bin weder Handelnder noch Genießender, weder der Gebundene noch der Bindende.“ Dieses Nichtanhaften an Gegenständen heißt allgemeine Nichtanhaftung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: na aham kartā – ich bin nicht der Handelnde; na bhoktā ca – und nicht der Genießende; na bādhyaḥ – nicht der Gebundene oder Aufgehobene; na ca bādhakaḥ – und nicht der Bindende oder Aufhebende; iti – so; asaṃjanam artheṣu – Nichtanhaften an Gegenständen; sāmānya-asaṅga-nāmakam – allgemeine Nichtanhaftung genannt


2.22. Vers Akshi Upanishad
prākkarmanirmitaṃ sarvamīśvarādhīnameva vā |
sukhaṃ vā yadi vā duḥkhaṃ kaivātra tava kartṛtā || 22 ||

Deutsche Übersetzung: Alles ist entweder durch früheres Karma hervorgebracht oder steht unter der Herrschaft Ishvaras. Ob Freude oder Leid – welche eigenständige Urheberschaft bleibt dir dabei?

Wort-für-Wort-Erläuterung: prāk-karma-nirmitam – durch früheres Karma hervorgebracht; sarvam – alles; īśvara-adhīnam eva vā – oder ganz unter Ishvaras Herrschaft; sukham vā – sei es Freude; yadi vā duḥkham – oder Leid; kā eva atra – welche überhaupt hierbei; tava kartṛtā – deine Urheberschaft, dein Tätersein


2.23. Vers Akshi Upanishad
bhogābhogā mahārogāḥ sampadaḥ paramāpadaḥ |
viyogāyaiva saṃyogā ādhayo vyādhayo dhiyām || 23 ||

Deutsche Übersetzung: Genüsse und ihr Ausbleiben sind schwere Krankheiten, Reichtümer können höchste Bedrängnisse sein. Verbindungen führen unausweichlich zur Trennung; seelische Bedrängnisse sind Krankheiten des Denkens.

Wort-für-Wort-Erläuterung: bhoga-abhogāḥ – Genüsse und Nichtgenüsse; mahā-rogāḥ – schwere Krankheiten; sampadaḥ – Reichtümer, Erfolge; parama-āpadaḥ – höchste Bedrängnisse; viyogāya eva – einzig zur Trennung; saṃyogāḥ – Verbindungen; ādhayaḥ – seelische Bedrängnisse; vyādhayaḥ dhiyām – Krankheiten des Denkens beziehungsweise Intellekts


2.24. Vers Akshi Upanishad
kālaśca kalanodyuktaḥ sarvabhāvānanāratam |
anāsthayeti bhāvānāṃ yadabhāvanamāntaram |
vākyārthalabdhamanasaḥ sāmānyo'sāvasaṅgamaḥ || 24 ||

Deutsche Übersetzung: Die Zeit ist unablässig damit beschäftigt, alle Erscheinungen umzugestalten. Wenn der Geist den Sinn der Lehraussage erfasst hat, besteht allgemeine Nichtanhaftung darin, den Dingen innerlich kein Gewicht zu geben und sie nicht fortwährend auszumalen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kālaḥ ca – und die Zeit; kalana-udyuktaḥ – mit Umgestaltung beschäftigt; sarva-bhāvān – alle Erscheinungen; anāratam – unablässig; anāsthayā – durch Gleichgültigkeit, ohne ihnen Gewicht zu geben; bhāvānām yat abhāvanam āntaram – das innere Nichtausmalen der Dinge; vākya-artha-labdha-manasaḥ – dessen Geist den Sinn der Lehraussage erfasst hat; sāmānyaḥ asau asaṅgamaḥ – das ist allgemeine Nichtanhaftung


2.25. Vers Akshi Upanishad
anena kramayogena saṃyogena mahātmanām |
nāhaṃ karteśvaraḥ kartā karma vā prāktanaṃ mama || 25 ||

Deutsche Übersetzung: Durch diese stufenweise Übung der großen Seelen entsteht die Einsicht: „Nicht ich bin der Handelnde; Ishvara handelt – oder mein früheres Karma.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: anena krama-yogena – durch diese stufenweise Yogaübung; saṃyogena mahātmanām – durch die Verbindung beziehungsweise Übung der großen Seelen; na aham kartā – nicht ich bin der Handelnde; īśvaraḥ kartā – Ishvara ist der Handelnde; karma vā prāktanam mama – oder mein früheres Karma


2.26. Vers Akshi Upanishad
kṛtvā dūratare nūnamiti śabdārthabhāvanam |
yanmaunamāsanaṃ śāntaṃ tacchreṣṭhāsaṅga ucyate || 26 ||

Deutsche Übersetzung: Wenn schließlich selbst dieses Nachsinnen über Wort und Bedeutung weit zurückgelassen ist, wird das stille, friedvolle Verweilen höchste Nichtanhaftung genannt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kṛtvā dūratare – sehr weit zurückgelassen habend; nūnam – gewiss, schließlich; iti śabda-artha-bhāvanam – dieses Nachsinnen über Wort und Bedeutung; yat maunam – jenes Schweigen; āsanam – Verweilen, fester Sitz; śāntam – friedvoll; tat śreṣṭha-asaṅgaḥ ucyate – das wird höchste Nichtanhaftung genannt


2.27. Vers Akshi Upanishad
santoṣāmodamadhurā prathamodeti bhūmikā |
bhūmiproditamātro'ntaramṛtāṅkurikeva sā || 27 ||

Deutsche Übersetzung: Die erste Stufe geht auf, süß von Zufriedenheit und innerer Freude. Sobald sie erscheint, gleicht sie im Inneren einem Spross der Unsterblichkeit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: santoṣa-āmoda-madhurā – süß von Zufriedenheit und Freude; prathamā udeti bhūmikā – die erste Stufe geht auf; bhūmi-prodita-mātrā – sobald die Stufe erschienen ist; antaḥ – im Inneren; amṛta-aṅkurikā iva – wie ein kleiner Spross der Unsterblichkeit


2.28. Vers Akshi Upanishad
eṣā hi parimṛṣṭāntaḥ saṃnyāsā prasavaikabhūḥ |
dvitīyāṃ ca tṛtīyāṃ ca bhūmikāṃ prāpnuyāttataḥ || 28 ||

Deutsche Übersetzung: Sie ist der eine gereinigte innere Geburtsgrund der Entsagung und der folgenden Stufen. Von ihr aus kann man die zweite und die dritte Stufe erreichen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: eṣā hi – diese wahrlich; parimṛṣṭa-antaḥ-saṃnyāsā – von gereinigter innerer Entsagung; prasava-eka-bhūḥ – der eine Geburtsgrund; dvitīyām ca tṛtīyām ca – die zweite und die dritte; bhūmikām prāpnuyāt – Stufe kann man erreichen; tataḥ – von dort aus


2.29. Vers Akshi Upanishad
śreṣṭhā sarvagatā hyeṣā tṛtīyā bhūmikātra hi |
bhavati projjhitāśeṣasaṃkalpakalanaḥ pumān || 29 ||

Deutsche Übersetzung: Unter diesen ist die alles durchdringende dritte Stufe die höchste. Auf ihr hat der Mensch die Gesamtheit der begrifflichen Entwürfe und Vorstellungen abgestreift.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śreṣṭhā – die höchste; sarva-gatā – alles durchdringend; hi eṣā – wahrlich diese; tṛtīyā bhūmikā – dritte Stufe; atra hi – gerade hier; bhavati – wird, ist; projjhita – vollständig abgestreift; aśeṣa-saṃkalpa-kalanaḥ – die Gesamtheit aller Absichten und begrifflichen Vorstellungen; pumān – der Mensch


2.30. Vers Akshi Upanishad
bhūmikātritayābhyāsādajñāne kṣayamāgate |
samaṃ sarvatra paśyanti caturthīṃ bhūmikāṃ gatāḥ || 30 ||

Deutsche Übersetzung: Wenn durch die Übung der ersten drei Stufen die Unwissenheit schwindet, sehen jene, die zur vierten Stufe gelangt sind, überall dasselbe Eine.

Wort-für-Wort-Erläuterung: bhūmikā-tritaya-abhyāsāt – durch die Übung der drei Stufen; ajñāne – wenn die Unwissenheit; kṣayam āgate – zum Schwinden gelangt ist; samam – als gleich, als dasselbe; sarvatra – überall; paśyanti – sehen sie; caturthīm bhūmikām gatāḥ – die zur vierten Stufe Gelangten


2.31. Vers Akshi Upanishad
advaite sthairyamāyāte dvaite ca praśamaṃ gate |
paśyanti svapnavallokaṃ caturthīṃ bhūmikāṃ gatāḥ || 31 ||

Deutsche Übersetzung: Ist die Nichtdualität gefestigt und die Vorstellung der Zweiheit zur Ruhe gekommen, sehen die Menschen der vierten Stufe die Welt wie einen Traum.

Wort-für-Wort-Erläuterung: advaite – in der Nichtdualität; sthairyam āyāte – wenn Festigkeit eingetreten ist; dvaite ca – und die Zweiheit; praśamam gate – zur Ruhe gekommen ist; paśyanti – sehen sie; svapnavat lokam – die Welt wie einen Traum; caturthīm bhūmikām gatāḥ – die zur vierten Stufe Gelangten


2.32. Vers Akshi Upanishad
bhūmikātritayaṃ jāgraccaturthī svapna ucyate || 32 ||

Deutsche Übersetzung: Die ersten drei Stufen werden dem Wachzustand zugeordnet; die vierte wird Traumzustand genannt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: bhūmikā-tritayam – die drei ersten Stufen; jāgrat – Wachzustand; caturthī – die vierte; svapnaḥ ucyate – wird Traum genannt


2.33. Vers Akshi Upanishad
cittaṃ tu śaradabhrāṃśavilayaṃ pravilīyate |
sattvāvaśeṣa evāste pañcamīṃ bhūmikāṃ gataḥ || 33 ||

Deutsche Übersetzung: Der Geist löst sich auf wie ein Stück Herbstwolke, das vergeht. Wer die fünfte Stufe erreicht, verweilt nur noch in der verbleibenden Reinheit des Sattva.

Wort-für-Wort-Erläuterung: cittam tu – der Geist aber; śarad-abhra-aṃśa-vilayam – wie das Vergehen eines Stückes Herbstwolke; pravilīyate – löst sich vollständig auf; sattva-avaśeṣaḥ eva – allein die Reinheit des Sattva bleibt; āste – er verweilt; pañcamīm bhūmikām gataḥ – zur fünften Stufe gelangt


2.34. Vers Akshi Upanishad
jagadvikalpo nodeti cittasyātra vilāpanāt |
pañcamīṃ bhūmikāmetya suṣuptapadanāmikām |
śāntāśeṣaviśeṣāṃśastiṣṭhatyadvaitamātrakaḥ || 34 ||

Deutsche Übersetzung: Da der Geist hier aufgelöst ist, entsteht die begriffliche Projektion der Welt nicht mehr. Nach dem Erreichen der fünften, „Tiefschlaf“ genannten Stufe bleibt der Übende, nachdem alle besonderen Unterschiede beruhigt sind, als das Nichtduale allein.

Wort-für-Wort-Erläuterung: jagat-vikalpaḥ – die begriffliche Projektion der Welt; na udeti – entsteht nicht; cittasya atra vilāpanāt – wegen der Auflösung des Geistes hier; pañcamīm bhūmikām etya – die fünfte Stufe erreicht habend; suṣupta-pada-nāmikām – „Tiefschlafzustand“ genannt; śānta-aśeṣa-viśeṣa-aṃśaḥ – nachdem alle besonderen Unterschiede beruhigt sind; tiṣṭhati – bleibt er; advaita-mātrakaḥ – als das Nichtduale allein


2.35. Vers Akshi Upanishad
galitadvaitanirbhāso mudito'ntaḥprabodhavān |
suṣuptamana evāste pañcamīṃ bhūmikāṃ gataḥ || 35 ||

Deutsche Übersetzung: Für den Menschen der fünften Stufe ist der Schein der Zweiheit verschwunden; er ist freudig und innerlich wach und verweilt mit einem Geist, der dem Tiefschlaf gleicht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: galita-dvaita-nirbhāsaḥ – dessen Schein der Zweiheit verschwunden ist; muditaḥ – freudig; antaḥ-prabodha-vān – innerlich erwacht; suṣupta-manāḥ eva – mit einem dem Tiefschlaf gleichen Geist; āste – verweilt; pañcamīm bhūmikām gataḥ – der zur fünften Stufe Gelangte


2.36. Vers Akshi Upanishad
antarmukhatayātiṣṭhanbahirvṛttiparo'pi san |
pariśrāntatayā nityaṃ nidrāluriva lakṣyate || 36 ||

Deutsche Übersetzung: Obwohl er auch äußeren Tätigkeiten nachgeht, bleibt er nach innen gewandt. Wegen seiner vollständigen Gelöstheit erscheint er stets wie ermüdet oder schläfrig.

Wort-für-Wort-Erläuterung: antar-mukhatayā – durch das Nach-innen-Gewandtsein; atiṣṭhan – verweilend; bahiḥ-vṛtti-paraḥ api san – obwohl auch äußeren Tätigkeiten zugewandt; pariśrāntatayā – wegen vollständiger Gelöstheit beziehungsweise Ermüdung; nityam – stets; nidrāluḥ iva – wie ein Schläfriger; lakṣyate – erscheint, wird wahrgenommen


2.37. Vers Akshi Upanishad
kurvannabhyāsametasyāṃ bhūmikāyāṃ vivāsanaḥ |
ṣaṣṭhīṃ turyābhidhāmanyāṃ kramātpatati bhūmikām || 37 ||

Deutsche Übersetzung: Übt er auf dieser Stufe weiter und wird frei von Vasanas, gelangt er allmählich zur sechsten Stufe, die Turiya, „die Vierte“, genannt wird.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kurvan abhyāsam – weiter Übung vollziehend; etasyām bhūmikāyām – auf dieser Stufe; vi-vāsanaḥ – frei von Vasanas; ṣaṣṭhīm – zur sechsten; turya-abhidhām – Turiya genannt; anyām bhūmikām – weiteren Stufe; kramāt patati – gelangt er allmählich


2.38. Vers Akshi Upanishad
yatra nāsannasadrūpo nāhaṃ nāpyahaṃkṛtiḥ |
kevalaṃ kṣīṇamananamāste'dvaite'tinirbhayaḥ || 38 ||

Deutsche Übersetzung: Dort besteht für ihn weder eine Festlegung als Nichtsein noch als Sein, weder „Ich“ noch Ich-Macher. Wenn alles begriffliche Nachdenken geschwunden ist, verweilt er überaus furchtlos im Nichtdualen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yatra – wo; na asat na sat-rūpaḥ – weder als Nichtsein noch als Sein bestimmt; na aham – kein „Ich“; na api ahaṃkṛtiḥ – auch kein Ich-Macher; kevalam – einzig; kṣīṇa-mananam – mit geschwundenem begrifflichem Nachdenken; āste – verweilt er; advaite – im Nichtdualen; ati-nirbhayaḥ – überaus furchtlos


2.39. Vers Akshi Upanishad
nirgranthiḥ śāntasandeho jīvanmukto vibhāvanaḥ |
anirvāṇo'pi nirvāṇaścitradīpa iva sthitaḥ || 39 ||

Deutsche Übersetzung: Frei von inneren Knoten und mit beruhigten Zweifeln ist er ein leuchtender Jivanmukta. Obwohl sein Körper noch nicht erloschen ist, ist er innerlich im Nirvana – unbewegt wie die Flamme auf einem Gemälde.

Wort-für-Wort-Erläuterung: nir-granthiḥ – frei von Knoten; śānta-sandehaḥ – dessen Zweifel beruhigt sind; jīvan-muktaḥ – zu Lebzeiten befreit; vibhāvanaḥ – leuchtend, klar erkennend; anirvāṇaḥ api – obwohl noch nicht körperlich erloschen; nirvāṇaḥ – innerlich im Nirvana; citra-dīpaḥ iva sthitaḥ – unbewegt wie eine gemalte Lampe beziehungsweise Flamme


2.40. Vers Akshi Upanishad
ṣaṣṭhyāṃ bhūmāvasau sthitvā saptamīṃ bhūmimāpnuyāt || 40 ||

Deutsche Übersetzung: Nachdem er auf der sechsten Stufe verweilt hat, gelangt er zur siebten Stufe.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ṣaṣṭhyām bhūmau – auf der sechsten Stufe; asau sthitvā – nachdem dieser verweilt hat; saptamīm bhūmim – die siebte Stufe; āpnuyāt – möge beziehungsweise wird er erreichen


2.41. Vers Akshi Upanishad
videhamuktatātroktā saptamī yogabhūmikā |
agamyā vacasāṃ śāntā sā sīmā sarvabhūmiṣu || 41 ||

Deutsche Übersetzung: Die siebte Yogastufe wird hier als körperlose Befreiung bezeichnet. Sie ist der Rede unzugänglich, friedvoll und die äußerste Grenze aller Stufen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: videha-muktatā – körperlose Befreiung; atra uktā – wird hier genannt; saptamī yoga-bhūmikā – die siebte Yogastufe; agamyā vacasām – der Rede unzugänglich; śāntā – friedvoll; sā sīmā – sie ist die Grenze; sarva-bhūmiṣu – unter allen Stufen


2.42. Vers Akshi Upanishad
lokānuvartanaṃ tyaktvā tyaktvā dehānuvartanam |
śāstrānuvartanaṃ tyaktvā svādhyāsāpanayaṃ kuru || 42 ||

Deutsche Übersetzung: Gib die Anpassung an die Welt auf, gib die Fixierung auf den Körper auf und gib auch die bloße Anpassung an Lehrschriften auf. Beseitige die Überlagerung, die du selbst dem Atman zuschreibst.

Wort-für-Wort-Erläuterung: loka-anuvartanam – Anpassung an die Welt; tyaktvā – aufgegeben habend; deha-anuvartanam – Fixierung auf den Körper; śāstra-anuvartanam – bloße Anpassung an Lehrschriften; sva-adhyāsa-apanayam – Beseitigung der eigenen falschen Überlagerung; kuru – vollziehe, tue


2.43. Vers Akshi Upanishad
oṅkāramātramakhilaṃ viśvaprājñādilakṣaṇam |
vācyavācyakatābhedābhedenānupalabdhitaḥ || 43 ||

Deutsche Übersetzung: Alles ist einzig Om, gekennzeichnet durch Vishva, Prajna und die übrigen Bewusstseinsweisen; denn Bezeichnetes und Bezeichnendes lassen sich weder als schlechthin verschieden noch als schlechthin identisch erfassen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṅkāra-mātram – einzig Om; akhilam – alles, das Ganze; viśva-prājña-ādi-lakṣaṇam – durch Vishva, Prajna und die übrigen Bewusstseinsweisen gekennzeichnet; vācya-vācakatā – Bezeichnetes und Bezeichnendes; bheda-abhedena – als verschieden und nichtverschieden; anupalabdhitaḥ – weil sie nicht gesondert erfasst werden können


2.44. Vers Akshi Upanishad
akāramātraṃ viśvaḥ syādukārataijasaḥ smṛtaḥ |
prājño makāra ityevaṃ paripaśyetkrameṇa tu || 44 ||

Deutsche Übersetzung: Vishva ist der Laut A; Taijasa gilt als der Laut U; Prajna ist der Laut M. So soll man sie der Reihe nach vollständig betrachten.

Wort-für-Wort-Erläuterung: akāra-mātram – der Laut A allein; viśvaḥ syāt – ist Vishva, das Wachbewusstsein; ukāraḥ – der Laut U; taijasaḥ smṛtaḥ – gilt als Taijasa, das Traumbewusstsein; prājñaḥ – Prajna, das Tiefschlafbewusstsein; makāraḥ – der Laut M; iti evam – so; paripaśyet – soll man vollständig betrachten; krameṇa tu – der Reihe nach


2.45. Vers Akshi Upanishad
samādhikālātprāgeva vicintyātiprayatnataḥ |
sthūlasūkṣmakramātsarvaṃ cidātmani vilāpayet || 45 ||

Deutsche Übersetzung: Noch bevor die Zeit des Samadhi eintritt, soll man dies mit größter Sorgfalt betrachten und der Reihe nach alles Grobe und Feine im Bewusstseins-Selbst auflösen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: samādhi-kālāt prāk eva – noch vor der Zeit des Samadhi; vicintya – gründlich betrachtet habend; ati-prayatnataḥ – mit größter Sorgfalt; sthūla-sūkṣma-kramāt – der Reihenfolge von Grobem und Feinem entsprechend; sarvam – alles; cid-ātmani – im Bewusstseins-Selbst; vilāpayet – soll man auflösen


2.46. Vers Akshi Upanishad
cidātmānaṃ nityaśuddhabuddhamuktasadadvayam |
paramānandasandohaṃ vāsudevo'hamomiti || 46 ||

Deutsche Übersetzung: Dann betrachte das Bewusstseins-Selbst als ewig rein, erwacht, frei, wirklich und nichtdual, als Fülle höchster Glückseligkeit, mit der Erkenntnis: „Ich bin Vasudeva, ich bin Om.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: cid-ātmānam – das Bewusstseins-Selbst; nitya – ewig; śuddha – rein; buddha – erwacht; mukta – frei; sat – wirklich, seiend; advayam – nichtdual; parama-ānanda-sandoham – eine Fülle höchster Glückseligkeit; vāsudevaḥ aham – ich bin Vasudeva; oṃ iti – „Om“, so


2.47. Vers Akshi Upanishad
ādimadhyāvasāneṣu duḥkhaṃ sarvamidaṃ yataḥ |
tasmātsarvaṃ parityajya tattvaniṣṭho bhavānagha || 47 ||

Deutsche Übersetzung: Weil alles dies am Anfang, in der Mitte und am Ende mit Leid verbunden ist, gib alles Anhaften auf und sei in der Wirklichkeit fest gegründet, o Makelloser.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ādi-madhya-avasāneṣu – am Anfang, in der Mitte und am Ende; duḥkham – leidvoll, mit Leid verbunden; sarvam idam – dies alles; yataḥ – weil; tasmāt – daher; sarvam parityajya – alles vollständig aufgegeben habend; tattva-niṣṭhaḥ bhava – sei in der Wirklichkeit fest gegründet; anagha – o Makelloser


2.48. Vers Akshi Upanishad
avidyātimirātītaṃ sarvābhāsavivarjitam |
ānandamamalaṃ śuddhaṃ manovācāmagocaram || 48 ||

Deutsche Übersetzung: Jenseits der Dunkelheit der Unwissenheit, frei von allen Scheinbildern, glückselig, makellos und rein, ist es für Denken und Rede unerreichbar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: avidyā-timira-atītam – jenseits der Dunkelheit der Unwissenheit; sarva-ābhāsa-vivarjitam – frei von allen Scheinbildern; ānandam – Glückseligkeit; amalam – makellos; śuddham – rein; manaḥ-vācām agocaram – für Denken und Rede unerreichbar


2.49. Vers Akshi Upanishad
prajñānaghanamānandaṃ brahmāsmīti vibhāvayet || 49 ||

Deutsche Übersetzung: Meditiere: „Ich bin Brahman, eine ungeteilte Fülle von Bewusstsein und Glückseligkeit.“

Wort-für-Wort-Erläuterung: prajñāna-ghanam – ungeteilte Fülle von Bewusstsein; ānandam – Glückseligkeit; brahma asmi iti – „Ich bin Brahman“, so; vibhāvayet – soll man betrachten, meditativ verwirklichen


Schlussformel und Shanti Mantra

Schlussformel Akshi Upanishad
ityupaniṣat ||
oṃ saha nāvavatu saha nau bhunaktu |
saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
hariḥ oṃ tat sat ||
ityakṣyupaniṣat ||

Deutsche Übersetzung: So endet die Upanishad. Om. Möge das Höchste uns beide beschützen und nähren. Mögen wir gemeinsam Kraft entfalten; möge unser Studium lichtvoll sein; mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden. Hari Om Tat Sat. So endet die Akshi Upanishad.

Wort-für-Wort-Erläuterung: iti upaniṣat – so endet die Upanishad; hariḥ – Hari, Name des Göttlichen; oṃ – Om; tat – Das, das Absolute; sat – Wahrheit, Sein; iti akṣi-upaniṣat – so endet die Akshi Upanishad


Akshi Upanishad: Datierung, Überlieferung, Inhalt und Bedeutung

Name, Zugehörigkeit und Textgestalt

Akṣi bedeutet „Auge“. Der Titel verweist zunächst auf den ersten Khanda, in dem Sankriti den Sonnengott mit der Cakshushmati-Vidya, der Lehre vom sehenden oder lichtvollen Auge, verehrt. Zugleich besitzt das Auge eine philosophische Tiefendimension: Die sichtbare Sonne macht Formen erkennbar, doch erst das Bewusstsein macht Sehen und Erkennen überhaupt möglich. Die Schrift führt deshalb vom äußeren Licht zum inneren Sakshi, dem Zeugen aller Wahrnehmung.

Die Akshi Upanishad wird traditionell dem Krishna Yajurveda zugeordnet und als Samanya Upanishad, also als allgemein vedantische Upanishad, klassifiziert. Die hier verwendete Fassung besteht aus zwei Khandas. Der erste ist überwiegend Prosa und enthält mehrere Mantras; der zweite ist metrisch und zählt 49 Verse. Die gelegentliche Angabe von 48 Versen beruht auf einer abweichenden Verbindung des kurzen Schlussverses. Vollständigkeit bedeutet hier deshalb, Prosa, beide Mantra-Rahmen, alle 49 Verse und den Kolophon sichtbar zu erhalten.

Datierung und literarischer Hintergrund

Eine exakte Entstehungszeit lässt sich nicht sicher bestimmen. Sprache, nichtdualistische Begriffe und die systematische Lehre der Erkenntnisstufen weisen auf eine vergleichsweise späte, wahrscheinlich mittelalterliche Upanishad hin. Der Text ist nicht aus einem einzigen älteren vedischen Lehrgespräch entstanden, sondern verbindet mehrere Traditionsschichten: eine solar-rituelle Vidya, ethische Unterweisung, Advaita Vedanta, die Stufenlehre des Yoga Vasistha und eine an die Mandukya Upanishad erinnernde Deutung von Om.

Die engen inhaltlichen Parallelen zur Lehre der sieben jñāna-bhūmis im Yoga Vasistha sind deutlich. Daraus folgt jedoch nicht ohne weitere Handschriften- und Textgeschichte eine einfache Richtung der Abhängigkeit. Vorsichtiger ist es, von einem gemeinsamen spätvedantischen Lehrmilieu zu sprechen, in dem stufenweise Läuterung, Nichtanhaftung, Jivanmukti und die traumgleiche Natur der Welt zusammen gedacht wurden.

Der erste Khanda: Sonne, Auge und inneres Licht

Sankriti reist zur Welt Adityas und preist den Sonnengott. Die Litanei verbindet Surya mit den drei Gunas, mit Hamsa, Purusha, goldenem Licht und dem Feuer Jatavedas. In ihre Mitte ist das Gebet asato mā sad gamaya aufgenommen. Die Bewegung führt vom Unwirklichen zum Wirklichen, von Dunkelheit zu Licht und von Sterblichkeit zu Amrita, der Unsterblichkeit.

Der Text verspricht dem täglichen Rezitierenden Schutz vor Augenkrankheit und der Familie Schutz vor Blindheit. Solche Aussagen sind als religiöse Fruchtverheißung zu verstehen. Sie dokumentieren, wie Rezitation, Sonnensymbolik, Gesundheit und Heiligkeit in der historischen Tradition verbunden wurden. Eine verantwortliche heutige Darstellung macht diese Überlieferung sichtbar, behauptet aber keine klinische Wirksamkeit und rät bei Beschwerden zur fachärztlichen Abklärung.

Der zweite Khanda: Ethik vor Metaphysik

Aditya beginnt seine Brahmavidya nicht mit einer abstrakten Definition, sondern mit einer Lebensform. Der Aspirant verliert allmählich den Geschmack an unheilsamen Gewohnheiten, übt sanftes Handeln, vermeidet verletzende Rede und sucht die Nähe guter Menschen. Er studiert Shruti, Smriti und weitere Lehrschriften unter Anleitung kundiger Lehrer. Diese Verse zeigen, dass Befreiung nicht von Charakterbildung getrennt wird.

Bemerkenswert ist die genaue Aufmerksamkeit für Sprache. Worte sollen Zuneigung tragen, fein und angemessen sein und zu Ort und Zeit passen. Für den modernen Yogaunterricht ist dies eine besonders konkrete Lehre: Spirituelle Einsicht zeigt sich nicht nur in Meditationserfahrungen, sondern darin, wie ein Mensch spricht, Grenzen achtet, Verantwortung übernimmt und anderen keinen unnötigen Schmerz zufügt.

Die sieben Erkenntnisstufen

Die Akshi Upanishad entfaltet sieben bhūmikās, Stufen oder Ebenen spiritueller Reifung. Die erste ist vom Wunsch nach Befreiung, ethischer Klärung und ernsthafter Untersuchung geprägt. Die zweite heißt Vichara und vertieft das Studium und die Unterscheidung zwischen heilsamem und unheilsamem Handeln. Die dritte wird asaṃsarga, Nichtverbindung oder Nichtanhaftung, genannt. Sie besitzt eine allgemeine Form – die Einsicht, dass das Ich nicht der unabhängige Urheber aller Geschehnisse ist – und eine höchste Form, in der selbst begriffliches Nachdenken still wird.

Mit der vierten Stufe festigt sich die Nichtdualität; die Welt wird traumgleich gesehen. Die fünfte wird mit Sushupti, dem Tiefschlaf, verglichen: Nicht Bewusstlosigkeit ist gemeint, sondern das Zur-Ruhe-Kommen der trennenden Projektionen bei fortbestehender innerer Wachheit. Die sechste heißt Turiya. Hier wird der Übende als Jivanmukta beschrieben, frei von inneren Knoten und lähmenden Zweifeln. Die siebte ist Videhamukti, die nicht mehr durch einen verkörperten Standpunkt begrenzte Freiheit und die Grenze dessen, was Sprache ausdrücken kann.

Diese Stufen sind keine mechanische Leistungsskala. Die Bilder von Traum, Tiefschlaf und Schläfrigkeit beschreiben eine Veränderung der Identifikation, nicht Benommenheit, Dissoziation oder den Verlust alltagstauglicher Aufmerksamkeit. Geistige Stabilität, Mitgefühl und Verantwortungsfähigkeit bleiben wichtige Kriterien einer gesunden Praxis.

Studium, ethische Klärung und Meditation bilden in der Akshi Upanishad einen zusammenhängenden Erkenntnisweg.

Om, die Bewusstseinszustände und Vasudeva

Die Schlussverse verbinden die Stufenlehre mit Om. Der Laut A entspricht Vishva, dem Wachbewusstsein; U entspricht Taijasa, dem Traumbewusstsein; M entspricht Prajna, dem Tiefschlafbewusstsein. Diese Zuordnung erinnert an die Mandukya Upanishad. Grobe und feine Erscheinungen werden meditativ im Bewusstseins-Selbst aufgelöst, das als ewig, rein, erwacht, frei und nichtdual betrachtet wird.

Mit der Formel „Ich bin Vasudeva, ich bin Om“ nimmt der Text eine vishnuitische Sprache in seine nichtduale Lehre auf. Vasudeva ist hier nicht bloß ein begrenztes Kultbild, sondern ein Name der allgegenwärtigen Fülle von Bewusstsein und Glückseligkeit. Der letzte Vers verdichtet dies im Mahavakya „Ich bin Brahman“.

Textkritische Hinweise zur Lesefassung

Die elektronische Sanskritvorlage enthält in den Versen 24, 35, 45 und besonders 46 offenkundige Schreib- oder Sandhifehler. Die Lesefassung berichtigt samānyo zu sāmānyo, ataḥ-prabodhavān zu antaḥ-prabodhavān und sthula zu sthūla. Vers 46 wird grammatisch und dem Sinn entsprechend als cidātmānaṃ nityaśuddhabuddhamuktasadadvayam / paramānandasandohaṃ vāsudevo'ham om iti gelesen. Der fehlerhafte Schlusskolophon alakṣyupaniṣat wird zum Titel akṣyupaniṣat berichtigt. Diese Eingriffe verändern die Lehre nicht, sondern machen erkennbare Übertragungsfehler transparent.

Bedeutung für heutige Yoga-Aspiranten

Die Akshi Upanishad beginnt den inneren Weg mit einfachen, anspruchsvollen Haltungen: Vermeide grobe Gewohnheiten, sprich freundlich und angemessen, übe Handlungen, die andere nicht beunruhigen, und lerne von guten Menschen. Erst auf diesem Fundament gewinnen Selbstbefragung und Meditation Tiefe. Vairagya bedeutet dabei nicht Gefühllosigkeit, sondern Freiheit von zwanghafter Aneignung.

Das Sonnensymbol kann praktisch als Erinnerung dienen. Beim Sonnenaufgang oder vor einer Meditation kann der Aspirant das äußere Licht wahrnehmen und sich fragen: Welches Bewusstsein kennt dieses Licht? Die Antwort soll nicht nur gedacht, sondern im stillen Gewahrsein erforscht werden. Bei Augenproblemen bleibt medizinische Versorgung notwendig; das Mantra kann eine religiöse oder kontemplative Begleitung sein, keine Ersatztherapie.

Bedeutung für Yogalehrer und spirituelle Begleiter

Für Yogalehrer ist die Reihenfolge der Lehre wegweisend. Der Text setzt Ethik, angemessene Sprache, Schriftstudium und gute Begleitung vor fortgeschrittene Aussagen über Nichtdualität. Lehrende sollten die sieben Stufen nicht als starres Rangsystem verwenden und Schüler nicht aufgrund ungewöhnlicher Zustände als „höher entwickelt“ einstufen. Entscheidend sind zunehmende Klarheit, Wahrhaftigkeit, Nichtverletzen und innere Freiheit.

Auch die Aussagen vom Nicht-Handeln verlangen Sorgfalt. Die Einsicht, dass das begrenzte Ich nicht der letzte Urheber ist, hebt Verantwortung auf der menschlichen Ebene nicht auf. Reife Nichtanhaftung zeigt sich gerade darin, dass notwendige Handlungen ohne Egozentrik, aber mit Umsicht und Mitgefühl getan werden.

Bleibende Botschaft

Die Akshi Upanishad führt vom Auge zum Licht und vom Licht zum Bewusstsein. Ihre Stufenlehre macht deutlich, dass Befreiung nicht durch einen einzigen außergewöhnlichen Augenblick erzwungen wird. Sie wächst aus heilsamer Lebensführung, Untersuchung, Nichtanhaftung, Meditation und der immer tieferen Erkenntnis des einen Selbst.

Die letzte Einladung lautet nicht, die Welt zu verachten, sondern ihre wechselnden Formen im unveränderlichen Bewusstsein zu erkennen. Wenn der Aspirant freundlich handelt, sorgfältig unterscheidet und alle Erfahrungen im Atman ruhen lässt, wird das äußere Licht der Sonne zum Sinnbild eines Lichtes, das niemals auf- oder untergeht.

Akshi Upanishad – vollständiger Text in Devanagari

Eröffnungsvers Akshi Upanishad
यत्सप्तभूमिकाविद्यावेद्यानन्दकलेवरम् ।
विकलेवरकैवल्यं रामचन्द्रपदं भजे ॥


Shanti Mantra Akshi Upanishad
ॐ सह नाववतु सह नौ भुनक्तु ।
सह वीर्यं करवावहै ।
तेजस्विनावधीतमस्तु मा विद्विषावहै ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥


1.1. Abschnitt Akshi Upanishad
हरिः ॐ ॥
अथ ह सांकृतिर्भगवानादित्यलोकं जगाम ।
तमादित्यं नत्वा चाक्षुष्मतीविद्यया तमस्तुवत् ।
ॐ नमो भगवते श्रीसूर्यायाक्षितेजसे नमः ।
ॐ खेचराय नमः । ॐ महासेनाय नमः ।
ॐ तमसे नमः । ॐ रजसे नमः । ॐ सत्त्वाय नमः ।
ॐ असतो मा सद्गमय । तमसो मा ज्योतिर्गमय ।
मृत्योर्माऽमृतं गमय ।
हंसो भगवाञ्छुचिरूपः प्रतिरूपः ।
विश्वरूपं घृणिनं जातवेदसं हिरण्मयं ज्योतीरूपं तपन्तम् ।
सहस्ररश्मिः शतधा वर्तमानः पुरुषः प्रजानामुदयत्येष सूर्यः ।
ॐ नमो भगवते श्रीसूर्यायादित्यायाक्षितेजसेऽहोवाहिनि वाहिनि स्वाहेति ।
एवं चाक्षुष्मतीविद्यया स्तुतः श्रीसूर्यनारायणः सुप्रीतोऽब्रवीत् ।
चाक्षुष्मतीविद्यां ब्राह्मणो यो नित्यमधीते न तस्याक्षिरोगो भवति ।
न तस्य कुलेऽन्धो भवति ।
अष्टौ ब्राह्मणान् ग्राहयित्वाथ विद्यासिद्धिर्भवति ।
य एवं वेद स महान्भवति ॥ १ ॥


2.1. Vers Akshi Upanishad
अथ ह सांकृतिरादित्यं पप्रच्छ भगवन्-
ब्रह्मविद्यां मे ब्रूहीति । तमादित्यो होवाच ।
सांकृते शृणु वक्ष्यामि तत्त्वज्ञानं सुदुर्लभम् ।
येन विज्ञातमात्रेण जीवन्मुक्तो भविष्यसि ॥१॥


2.2. Vers Akshi Upanishad
सर्वमेकमजं शान्तमनन्तं ध्रुवमव्ययम् ।
पश्यन्भूतार्थचिद्रूपं शान्त आस्व यथासुखम् ॥ २॥


2.3. Vers Akshi Upanishad
अवेदनं विदुर्योगं चित्तक्षयमकृत्रिमम् ।
योगस्थः कुरु कर्माणि नीरसो वाथ मा कुरु ॥ ३॥


2.4. Vers Akshi Upanishad
विरागमुपयात्यन्तर्वासनास्वनुवासरम् ।
क्रियासूदाररूपासु क्रमते मोदतेऽन्वहम् ॥ ४॥


2.5. Vers Akshi Upanishad
ग्राम्यासु जडचेष्टासु सततं विचिकित्सते ।
नोदाहरति मर्माणि पुण्यकर्माणि सेवते ॥ ५॥


2.6. Vers Akshi Upanishad
अनन्योद्वेगकारीणि मृदुकर्माणि सेवते ।
पापाद्बिभेति सततं न च भोगमपेक्षते ॥ ६॥


2.7. Vers Akshi Upanishad
स्नेहप्रणयगर्भाणि पेशलान्युचितानि च ।
देशकालोपपन्नानि वचनान्यभिभाषते ॥ ७॥


2.8. Vers Akshi Upanishad
मनसा कर्मणा वाचा सज्जनानुपसेवते ।
यतः कुतश्चिदानीय नित्यं शास्त्राण्यवेक्षते ॥ ८॥


2.9. Vers Akshi Upanishad
तदासौ प्रथमामेकां प्राप्तो भवति भूमिकाम् ।
एवं विचारवान्यः स्यात्संसारोत्तरणं प्रति ॥ ९॥


2.10. Vers Akshi Upanishad
स भूमिकावानित्युक्तः शेषस्त्वार्य इति स्मृतः ।
विचारनाम्नीमितरामागतो योगभूमिकाम् ॥ १०॥


2.11. Vers Akshi Upanishad
श्रुतिस्मृतिसदाचारधारणाध्यानकर्मणः ।
मुख्यया व्याख्ययाख्याताञ्छ्रयति श्रेष्ठपण्डितान् ॥ ११॥


2.12. Vers Akshi Upanishad
पदार्थप्रविभागज्ञः कार्याकार्यविनिर्णयम् ।
जानात्यधिगतश्चान्यो गृहं गृहपतिर्यथा ॥ १२॥


2.13. Vers Akshi Upanishad
मदाभिमानमात्सर्यलोभमोहातिशायिताम् ।
बहिरप्यास्थितामीषत्यजत्यहिरिव त्वचम् ॥ १३॥


2.14. Vers Akshi Upanishad
इत्थंभूतमतिः शास्त्रगुरुसज्जनसेवया ।
सरहस्यमशेषेण यथावदधिगच्छति ॥ १४॥


2.15. Vers Akshi Upanishad
असंसर्गाभिधामन्यां तृतीयां योगभूमिकाम् ।
ततः पतत्यसौ कान्तः पुष्पशय्यामिवामलाम् ॥ १५॥


2.16. Vers Akshi Upanishad
यथावच्छास्त्रवाक्यार्थे मतिमाधाय निश्चलाम् ।
तापसाश्रमविश्रान्तैरध्यात्मकथनक्रमैः ।
शिलाशय्यासनासीनो जरयत्यायुराततम् ॥ १६॥


2.17. Vers Akshi Upanishad
वनावनिविहारेण चित्तोपशमशोभिना ।
असङ्गसुखसौख्येन कालं नयति नीतिमान् ॥ १७॥


2.18. Vers Akshi Upanishad
अभ्यासात्साधुशास्त्राणां करणात्पुण्यकर्मणाम् ।
जन्तोर्यथावदेवेयं वस्तुदृष्टिः प्रसीदति ॥ १८॥


2.19. Vers Akshi Upanishad
तृतीयां भूमिकां प्राप्य बुद्धोऽनुभवति स्वयम् ॥ १९॥


2.20. Vers Akshi Upanishad
द्विप्रकारसंसर्गं तस्य भेदमिमं श्रुणु ।
द्विविधोऽयमसंसर्गः सामान्यः श्रेष्ठ एव च ॥ २०॥


2.21. Vers Akshi Upanishad
नाहं कर्ता न भोक्ता च न बाध्यो न च बाधकः ।
इत्यसंजनमर्थेषु सामान्यासङ्गनामकम् ॥ २१॥


2.22. Vers Akshi Upanishad
प्राक्कर्मनिर्मितं सर्वमीश्वराधीनमेव वा ।
सुखं वा यदि वा दुःखं कैवात्र तव कर्तृता ॥ २२॥


2.23. Vers Akshi Upanishad
भोगाभोगा महारोगाः सम्पदः परमापदः ।
वियोगायैव संयोगा आधयो व्याधयो धियाम् ॥ २३॥


2.24. Vers Akshi Upanishad
कालश्च कलनोद्युक्तः सर्वभावाननारतम् ।
अनास्थयेति भावानां यदभावनमान्तरम् ।
वाक्यार्थलब्धमनसः सामान्योऽसावसङ्गमः ॥ २४॥


2.25. Vers Akshi Upanishad
अनेन क्रमयोगेन संयोगेन महात्मनाम् ।
नाहं कर्तेश्वरः कर्ता कर्म वा प्राक्तनं मम ॥ २५॥


2.26. Vers Akshi Upanishad
कृत्वा दूरतरे नूनमिति शब्दार्थभावनम् ।
यन्मौनमासनं शान्तं तच्छ्रेष्ठासङ्ग उच्यते ॥ २६॥


2.27. Vers Akshi Upanishad
सन्तोषामोदमधुरा प्रथमोदेति भूमिका ।
भूमिप्रोदितमात्रोऽन्तरमृताङ्कुरिकेव सा ॥ २७॥


2.28. Vers Akshi Upanishad
एषा हि परिमृष्टान्तः संन्यासा प्रसवैकभूः ।
द्वितीयां च तृतीयां च भूमिकां प्राप्नुयात्ततः ॥ २८॥


2.29. Vers Akshi Upanishad
श्रेष्ठा सर्वगता ह्येषा तृतीया भूमिकात्र हि ।
भवति प्रोज्झिताशेषसंकल्पकलनः पुमान् ॥ २९॥


2.30. Vers Akshi Upanishad
भूमिकात्रितयाभ्यासादज्ञाने क्षयमागते ।
समं सर्वत्र पश्यन्ति चतुर्थीं भूमिकां गताः ॥ ३०॥


2.31. Vers Akshi Upanishad
अद्वैते स्थैर्यमायाते द्वैते च प्रशमं गते ।
पश्यन्ति स्वप्नवल्लोकं चतुर्थीं भूमिकां गताः ॥ ३१॥


2.32. Vers Akshi Upanishad
भूमिकात्रितयं जाग्रच्चतुर्थी स्वप्न उच्यते ॥ ३२॥


2.33. Vers Akshi Upanishad
चित्तं तु शरदभ्रांशविलयं प्रविलीयते ।
सत्त्वावशेष एवास्ते पञ्चमीं भूमिकां गतः ॥ ३३॥


2.34. Vers Akshi Upanishad
जगद्विकल्पो नोदेति चित्तस्यात्र विलापनात् ।
पञ्चमीं भूमिकामेत्य सुषुप्तपदनामिकाम् ।
शान्ताशेषविशेषांशस्तिष्ठत्यद्वैतमात्रकः ॥ ३४॥


2.35. Vers Akshi Upanishad
गलितद्वैतनिर्भासो मुदितोऽन्तःप्रबोधवान् ।
सुषुप्तमन एवास्ते पञ्चमीं भूमिकां गतः ॥ ३५॥


2.36. Vers Akshi Upanishad
अन्तर्मुखतयातिष्ठन्बहिर्वृत्तिपरोऽपि सन् ।
परिश्रान्ततया नित्यं निद्रालुरिव लक्ष्यते ॥ ३६॥


2.37. Vers Akshi Upanishad
कुर्वन्नभ्यासमेतस्यां भूमिकायां विवासनः ।
षष्ठीं तुर्याभिधामन्यां क्रमात्पतति भूमिकाम् ॥ ३७॥


2.38. Vers Akshi Upanishad
यत्र नासन्नसद्रूपो नाहं नाप्यहंकृतिः ।
केवलं क्षीणमननमास्तेऽद्वैतेऽतिनिर्भयः ॥ ३८॥


2.39. Vers Akshi Upanishad
निर्ग्रन्थिः शान्तसन्देहो जीवन्मुक्तो विभावनः ।
अनिर्वाणोऽपि निर्वाणश्चित्रदीप इव स्थितः ॥ ३९॥


2.40. Vers Akshi Upanishad
षष्ठ्यां भूमावसौ स्थित्वा सप्तमीं भूमिमाप्नुयात् ॥ ४०॥


2.41. Vers Akshi Upanishad
विदेहमुक्ततात्रोक्ता सप्तमी योगभूमिका ।
अगम्या वचसां शान्ता सा सीमा सर्वभूमिषु ॥ ४१॥


2.42. Vers Akshi Upanishad
लोकानुवर्तनं त्यक्त्वा त्यक्त्वा देहानुवर्तनम् ।
शास्त्रानुवर्तनं त्यक्त्वा स्वाध्यासापनयं कुरु ॥ ४२॥


2.43. Vers Akshi Upanishad
ओङ्कारमात्रमखिलं विश्वप्राज्ञादिलक्षणम् ।
वाच्यवाच्यकताभेदाभेदेनानुपलब्धितः ॥ ४३॥


2.44. Vers Akshi Upanishad
अकारमात्रं विश्वः स्यादुकारतैजसः स्मृतः ।
प्राज्ञो मकार इत्येवं परिपश्येत्क्रमेण तु ॥ ४४॥


2.45. Vers Akshi Upanishad
समाधिकालात्प्रागेव विचिन्त्यातिप्रयत्नतः ।
स्थूलसूक्ष्मक्रमात्सर्वं चिदात्मनि विलापयेत् ॥ ४५॥


2.46. Vers Akshi Upanishad
चिदात्मानं नित्यशुद्धबुद्धमुक्तसदद्वयम् ।
परमानन्दसन्दोहं वासुदेवोऽहमोमिति ॥ ४६॥


2.47. Vers Akshi Upanishad
आदिमध्यावसानेषु दुःखं सर्वमिदं यतः ।
तस्मात्सर्वं परित्यज्य तत्त्वनिष्ठो भवानघ ॥ ४७॥


2.48. Vers Akshi Upanishad
अविद्यातिमिरातीतं सर्वाभासविवर्जितम् ।
आनन्दममलं शुद्धं मनोवाचामगोचरम् ॥ ४८॥


2.49. Vers Akshi Upanishad
प्रज्ञानघनमानन्दं ब्रह्मास्मीति विभावयेत् ॥ ४९॥


Schlussformel Akshi Upanishad
इत्युपनिषत् ॥
ॐ सह नाववतु सह नौ भुनक्तु ।
सह वीर्यं करवावहै ।
तेजस्विनावधीतमस्तु मा विद्विषावहै ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
हरिः ॐ तत्सत् ॥
इत्यक्ष्युपनिषत् ॥


Akshi Upanishad – vollständiger Text nur in IAST

Eröffnungsvers Akshi Upanishad
yatsaptabhūmikāvidyāvedyānandakalevaram |
vikalevarakaivalyaṃ rāmacandrapadaṃ bhaje ||


Shanti Mantra Akshi Upanishad
oṃ saha nāvavatu saha nau bhunaktu |
saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||


1.1. Abschnitt Akshi Upanishad
hariḥ oṃ ||
atha ha sāṃkṛtir bhagavān ādityalokaṃ jagāma |
tam ādityaṃ natvā cākṣuṣmatīvidyayā tam astuvat |
oṃ namo bhagavate śrīsūryāyākṣitejase namaḥ |
oṃ khecarāya namaḥ | oṃ mahāsenāya namaḥ |
oṃ tamase namaḥ | oṃ rajase namaḥ | oṃ sattvāya namaḥ |
oṃ asato mā sad gamaya | tamaso mā jyotir gamaya |
mṛtyor mā amṛtaṃ gamaya |
haṃso bhagavāñ chucirūpaḥ pratirūpaḥ |
viśvarūpaṃ ghṛṇinaṃ jātavedasaṃ hiraṇmayaṃ jyotīrūpaṃ tapantam |
sahasraraśmiḥ śatadhā vartamānaḥ puruṣaḥ prajānām udayaty eṣa sūryaḥ |
oṃ namo bhagavate śrīsūryāyādityāyākṣitejase 'hovāhini vāhini svāheti |
evaṃ cākṣuṣmatīvidyayā stutaḥ śrīsūryanārāyaṇaḥ suprīto 'bravīt |
cākṣuṣmatīvidyāṃ brāhmaṇo yo nityam adhīte na tasyākṣirogo bhavati |
na tasya kule 'ndho bhavati |
aṣṭau brāhmaṇān grāhayitvātha vidyāsiddhir bhavati |
ya evaṃ veda sa mahān bhavati || 1 ||


2.1. Vers Akshi Upanishad
atha ha sāṃkṛtirādityaṃ papraccha bhagavan-
brahmavidyāṃ me brūhīti | tamādityo hovāca |
sāṃkṛte śṛṇu vakṣyāmi tattvajñānaṃ sudurlabham |
yena vijñātamātreṇa jīvanmukto bhaviṣyasi || 1 ||


2.2. Vers Akshi Upanishad
sarvamekamajaṃ śāntamanantaṃ dhruvamavyayam |
paśyanbhūtārthacidrūpaṃ śānta āsva yathāsukham || 2 ||


2.3. Vers Akshi Upanishad
avedanaṃ viduryogaṃ cittakṣayamakṛtrimam |
yogasthaḥ kuru karmāṇi nīraso vātha mā kuru || 3 ||


2.4. Vers Akshi Upanishad
virāgamupayātyantarvāsanāsvanuvāsaram |
kriyāsūdārarūpāsu kramate modate'nvaham || 4 ||


2.5. Vers Akshi Upanishad
grāmyāsu jaḍaceṣṭāsu satataṃ vicikitsate |
nodāharati marmāṇi puṇyakarmāṇi sevate || 5 ||


2.6. Vers Akshi Upanishad
ananyodvegakārīṇi mṛdukarmāṇi sevate |
pāpādbibheti satataṃ na ca bhogamapekṣate || 6 ||


2.7. Vers Akshi Upanishad
snehapraṇayagarbhāṇi peśalānyucitāni ca |
deśakālopapannāni vacanānyabhibhāṣate || 7 ||


2.8. Vers Akshi Upanishad
manasā karmaṇā vācā sajjanānupasevate |
yataḥ kutaścidānīya nityaṃ śāstrāṇyavekṣate || 8 ||


2.9. Vers Akshi Upanishad
tadāsau prathamāmekāṃ prāpto bhavati bhūmikām |
evaṃ vicāravānyaḥ syātsaṃsārottaraṇaṃ prati || 9 ||


2.10. Vers Akshi Upanishad
sa bhūmikāvānityuktaḥ śeṣastvārya iti smṛtaḥ |
vicāranāmnīmitarāmāgato yogabhūmikām || 10 ||


2.11. Vers Akshi Upanishad
śrutismṛtisadācāradhāraṇādhyānakarmaṇaḥ |
mukhyayā vyākhyayākhyātāñchrayati śreṣṭhapaṇḍitān || 11 ||


2.12. Vers Akshi Upanishad
padārthapravibhāgajñaḥ kāryākāryavinirṇayam |
jānātyadhigataścānyo gṛhaṃ gṛhapatiryathā || 12 ||


2.13. Vers Akshi Upanishad
madābhimānamātsaryalobhamohātiśāyitām |
bahirapyāsthitāmīṣatyajatyahiriva tvacam || 13 ||


2.14. Vers Akshi Upanishad
itthaṃbhūtamatiḥ śāstragurusajjanasevayā |
sarahasyamaśeṣeṇa yathāvadadhigacchati || 14 ||


2.15. Vers Akshi Upanishad
asaṃsargābhidhāmanyāṃ tṛtīyāṃ yogabhūmikām |
tataḥ patatyasau kāntaḥ puṣpaśayyāmivāmalām || 15 ||


2.16. Vers Akshi Upanishad
yathāvacchāstravākyārthe matimādhāya niścalām |
tāpasāśramaviśrāntairadhyātmakathanakramaiḥ |
śilāśayyāsanāsīno jarayatyāyurātatam || 16 ||


2.17. Vers Akshi Upanishad
vanāvanivihāreṇa cittopaśamaśobhinā |
asaṅgasukhasaukhyena kālaṃ nayati nītimān || 17 ||


2.18. Vers Akshi Upanishad
abhyāsātsādhuśāstrāṇāṃ karaṇātpuṇyakarmaṇām |
jantoryathāvadeveyaṃ vastudṛṣṭiḥ prasīdati || 18 ||


2.19. Vers Akshi Upanishad
tṛtīyāṃ bhūmikāṃ prāpya buddho'nubhavati svayam || 19 ||


2.20. Vers Akshi Upanishad
dviprakārasaṃsargaṃ tasya bhedamimaṃ śruṇu |
dvividho'yamasaṃsargaḥ sāmānyaḥ śreṣṭha eva ca || 20 ||


2.21. Vers Akshi Upanishad
nāhaṃ kartā na bhoktā ca na bādhyo na ca bādhakaḥ |
ityasaṃjanamartheṣu sāmānyāsaṅganāmakam || 21 ||


2.22. Vers Akshi Upanishad
prākkarmanirmitaṃ sarvamīśvarādhīnameva vā |
sukhaṃ vā yadi vā duḥkhaṃ kaivātra tava kartṛtā || 22 ||


2.23. Vers Akshi Upanishad
bhogābhogā mahārogāḥ sampadaḥ paramāpadaḥ |
viyogāyaiva saṃyogā ādhayo vyādhayo dhiyām || 23 ||


2.24. Vers Akshi Upanishad
kālaśca kalanodyuktaḥ sarvabhāvānanāratam |
anāsthayeti bhāvānāṃ yadabhāvanamāntaram |
vākyārthalabdhamanasaḥ sāmānyo'sāvasaṅgamaḥ || 24 ||


2.25. Vers Akshi Upanishad
anena kramayogena saṃyogena mahātmanām |
nāhaṃ karteśvaraḥ kartā karma vā prāktanaṃ mama || 25 ||


2.26. Vers Akshi Upanishad
kṛtvā dūratare nūnamiti śabdārthabhāvanam |
yanmaunamāsanaṃ śāntaṃ tacchreṣṭhāsaṅga ucyate || 26 ||


2.27. Vers Akshi Upanishad
santoṣāmodamadhurā prathamodeti bhūmikā |
bhūmiproditamātro'ntaramṛtāṅkurikeva sā || 27 ||


2.28. Vers Akshi Upanishad
eṣā hi parimṛṣṭāntaḥ saṃnyāsā prasavaikabhūḥ |
dvitīyāṃ ca tṛtīyāṃ ca bhūmikāṃ prāpnuyāttataḥ || 28 ||


2.29. Vers Akshi Upanishad
śreṣṭhā sarvagatā hyeṣā tṛtīyā bhūmikātra hi |
bhavati projjhitāśeṣasaṃkalpakalanaḥ pumān || 29 ||


2.30. Vers Akshi Upanishad
bhūmikātritayābhyāsādajñāne kṣayamāgate |
samaṃ sarvatra paśyanti caturthīṃ bhūmikāṃ gatāḥ || 30 ||


2.31. Vers Akshi Upanishad
advaite sthairyamāyāte dvaite ca praśamaṃ gate |
paśyanti svapnavallokaṃ caturthīṃ bhūmikāṃ gatāḥ || 31 ||


2.32. Vers Akshi Upanishad
bhūmikātritayaṃ jāgraccaturthī svapna ucyate || 32 ||


2.33. Vers Akshi Upanishad
cittaṃ tu śaradabhrāṃśavilayaṃ pravilīyate |
sattvāvaśeṣa evāste pañcamīṃ bhūmikāṃ gataḥ || 33 ||


2.34. Vers Akshi Upanishad
jagadvikalpo nodeti cittasyātra vilāpanāt |
pañcamīṃ bhūmikāmetya suṣuptapadanāmikām |
śāntāśeṣaviśeṣāṃśastiṣṭhatyadvaitamātrakaḥ || 34 ||


2.35. Vers Akshi Upanishad
galitadvaitanirbhāso mudito'ntaḥprabodhavān |
suṣuptamana evāste pañcamīṃ bhūmikāṃ gataḥ || 35 ||


2.36. Vers Akshi Upanishad
antarmukhatayātiṣṭhanbahirvṛttiparo'pi san |
pariśrāntatayā nityaṃ nidrāluriva lakṣyate || 36 ||


2.37. Vers Akshi Upanishad
kurvannabhyāsametasyāṃ bhūmikāyāṃ vivāsanaḥ |
ṣaṣṭhīṃ turyābhidhāmanyāṃ kramātpatati bhūmikām || 37 ||


2.38. Vers Akshi Upanishad
yatra nāsannasadrūpo nāhaṃ nāpyahaṃkṛtiḥ |
kevalaṃ kṣīṇamananamāste'dvaite'tinirbhayaḥ || 38 ||


2.39. Vers Akshi Upanishad
nirgranthiḥ śāntasandeho jīvanmukto vibhāvanaḥ |
anirvāṇo'pi nirvāṇaścitradīpa iva sthitaḥ || 39 ||


2.40. Vers Akshi Upanishad
ṣaṣṭhyāṃ bhūmāvasau sthitvā saptamīṃ bhūmimāpnuyāt || 40 ||


2.41. Vers Akshi Upanishad
videhamuktatātroktā saptamī yogabhūmikā |
agamyā vacasāṃ śāntā sā sīmā sarvabhūmiṣu || 41 ||


2.42. Vers Akshi Upanishad
lokānuvartanaṃ tyaktvā tyaktvā dehānuvartanam |
śāstrānuvartanaṃ tyaktvā svādhyāsāpanayaṃ kuru || 42 ||


2.43. Vers Akshi Upanishad
oṅkāramātramakhilaṃ viśvaprājñādilakṣaṇam |
vācyavācyakatābhedābhedenānupalabdhitaḥ || 43 ||


2.44. Vers Akshi Upanishad
akāramātraṃ viśvaḥ syādukārataijasaḥ smṛtaḥ |
prājño makāra ityevaṃ paripaśyetkrameṇa tu || 44 ||


2.45. Vers Akshi Upanishad
samādhikālātprāgeva vicintyātiprayatnataḥ |
sthūlasūkṣmakramātsarvaṃ cidātmani vilāpayet || 45 ||


2.46. Vers Akshi Upanishad
cidātmānaṃ nityaśuddhabuddhamuktasadadvayam |
paramānandasandohaṃ vāsudevo'hamomiti || 46 ||


2.47. Vers Akshi Upanishad
ādimadhyāvasāneṣu duḥkhaṃ sarvamidaṃ yataḥ |
tasmātsarvaṃ parityajya tattvaniṣṭho bhavānagha || 47 ||


2.48. Vers Akshi Upanishad
avidyātimirātītaṃ sarvābhāsavivarjitam |
ānandamamalaṃ śuddhaṃ manovācāmagocaram || 48 ||


2.49. Vers Akshi Upanishad
prajñānaghanamānandaṃ brahmāsmīti vibhāvayet || 49 ||


Schlussformel Akshi Upanishad
ityupaniṣat ||
oṃ saha nāvavatu saha nau bhunaktu |
saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
hariḥ oṃ tat sat ||
ityakṣyupaniṣat ||


Akshi Upanishad – vollständige gut verständliche deutsche Übersetzung

Eröffnungsvers Akshi Upanishad
Ich verehre den Stand Ramachandras: Seine glückselige Gestalt wird durch die Lehre von den sieben Erkenntnisstufen erkannt; er ist das körperlose Kaivalya, die vollkommene Freiheit.


Shanti Mantra Akshi Upanishad
Om. Möge das Höchste uns beide – Lehrenden und Lernenden – beschützen. Möge es uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam geistige Kraft entfalten. Möge unser Studium lichtvoll sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.


1.1. Abschnitt Akshi Upanishad
Hari Om. Der ehrwürdige Sankriti ging in die Welt des Sonnengottes. Nachdem er Aditya verehrt hatte, pries er ihn mit der Cakshushmati-Vidya: „Om, Verehrung dem erhabenen Shri Surya, dem unerschöpflichen Licht des Auges. Verehrung dem, der sich im Raum bewegt; Verehrung dem großen Heerführer. Verehrung dem Tamas, dem Rajas und dem Sattva. Führe mich vom Unwirklichen zum Wirklichen, von der Dunkelheit zum Licht, vom Tod zur Unsterblichkeit. Der erhabene Hamsa ist von reiner Gestalt und nimmt alle Gestalten an. Er ist die universale Form, der Glühende, Jatavedas, der Goldene, leuchtend und brennend. Dieser Surya geht als tausendstrahliger, hundertfach wirkender Purusha für die Geschöpfe auf. Om, Verehrung dem erhabenen Shri Surya, Aditya, dem unerschöpflichen Augenlicht; führe den Tag, führe ihn – Svaha.“ Durch diesen Lobpreis erfreut, erklärte Shri Surya Narayana: „Nach Aussage dieser Überlieferung werde ein Brahmane, der die Cakshushmati-Vidya täglich rezitiert, nicht von Augenkrankheit betroffen; in seiner Familie werde niemand blind. Nachdem er acht Brahmanen in ihr unterwiesen hat, gelangt er zur Vollendung der Vidya.“ Wer dies erkennt, wird groß.


2.1. Vers Akshi Upanishad
Da fragte Sankriti den Sonnengott: „Erhabener, lehre mich die Erkenntnis Brahmans.“ Aditya antwortete: „Sankriti, höre! Ich werde dir die äußerst schwer zu erlangende Erkenntnis der Wirklichkeit darlegen. Sobald sie erkannt ist, wirst du noch zu Lebzeiten befreit sein.“


2.2. Vers Akshi Upanishad
Sieh alles als das Eine: ungeboren, still, unendlich, beständig und unvergänglich, dessen wirkliches Wesen Bewusstsein ist. Verweile ruhig und unbeschwert.


2.3. Vers Akshi Upanishad
Die Weisen verstehen unter Yoga das Freisein von objektbezogenem Erkennen und das nicht künstlich erzwungene Zur-Ruhe-Kommen des Geistes. Im Yoga gegründet, handle – oder handle, frei von Begehren, nicht.


2.4. Vers Akshi Upanishad
Tag für Tag wächst im Inneren die Leidenschaftslosigkeit gegenüber den latenten Neigungen. Zugleich wendet sich der Übende edlen Handlungen zu und freut sich täglich an ihnen.


2.5. Vers Akshi Upanishad
Gegenüber groben und dumpfen Verhaltensweisen bleibt er stets kritisch. Er verletzt nicht die empfindlichen Stellen anderer und widmet sich verdienstvollen Handlungen.


2.6. Vers Akshi Upanishad
Er übt sanfte Handlungen, die niemanden beunruhigen. Er scheut sich beständig vor unheilsamem Tun und verlangt nicht nach Sinnengenüssen.


2.7. Vers Akshi Upanishad
Er spricht Worte, die Zuneigung und Liebe in sich tragen, fein und angemessen sind und zu Ort und Zeit passen.


2.8. Vers Akshi Upanishad
Mit Denken, Handeln und Rede sucht er die Nähe guter Menschen. Woher auch immer er sie erhalten kann, sammelt und betrachtet er beständig die Lehrschriften.


2.9. Vers Akshi Upanishad
Dann hat er die erste der Erkenntnisstufen erreicht. Wer auf diese Weise unterscheidend nach dem Überschreiten des Samsara strebt, steht auf dieser Stufe.


2.10. Vers Akshi Upanishad
Ein solcher Mensch gilt als einer, der die erste Stufe betreten hat; im Übrigen wird er als edler Mensch bezeichnet. Danach gelangt er zur nächsten Yogastufe, die „Untersuchung“ oder Vichara heißt.


2.11. Vers Akshi Upanishad
Er sucht die besten Gelehrten auf, welche Shruti, Smriti, gute Lebensführung, Konzentration, Meditation und Handeln nach ihrem wesentlichen Sinn auslegen.


2.12. Vers Akshi Upanishad
Er erkennt die Unterscheidung der Begriffe und entscheidet, was getan und was unterlassen werden soll. Er kennt das Erlernte und das darüber Hinausgehende wie ein Hausherr sein eigenes Haus.


2.13. Vers Akshi Upanishad
Selbst wenn Hochmut, Ich-Dünkel, Neid, Gier und Verblendung noch äußerlich hervortreten, legt er sie allmählich ab wie eine Schlange ihre Haut.


2.14. Vers Akshi Upanishad
Mit einem so ausgerichteten Geist erfasst er durch den Dienst an Lehrschriften, Guru und guten Menschen die Lehre mitsamt ihren Geheimnissen vollständig und der Wahrheit gemäß.


2.15. Vers Akshi Upanishad
Darauf gelangt dieser nach Reinheit strebende Mensch zur dritten Yogastufe, die „Nichtberührung“ oder Nichtanhaftung heißt, wie ein Liebender auf ein makelloses Blumenlager.


2.16. Vers Akshi Upanishad
Nachdem er den Geist unbeweglich auf den wahren Sinn der Aussagen der Lehrschriften gerichtet hat, verbringt er sein langes Leben, auf einem Steinlager oder Sitz verweilend, mit Gesprächen über das Selbst in den friedvollen Einsiedeleien von Asketen.


2.17. Vers Akshi Upanishad
Der besonnene Mensch verbringt seine Zeit mit Wanderungen durch Wälder und Landschaften, geschmückt von der Beruhigung des Geistes und vom Glück der Nichtanhaftung.


2.18. Vers Akshi Upanishad
Durch das wiederholte Studium guter Lehrschriften und das Vollbringen heilsamer Handlungen klärt sich im Menschen die wahrheitsgemäße Schau der Wirklichkeit.


2.19. Vers Akshi Upanishad
Nachdem der Erwachte die dritte Stufe erreicht hat, erfährt er sie selbst unmittelbar.


2.20. Vers Akshi Upanishad
Höre nun die Unterscheidung ihrer zwei Arten von Nichtverbindung: Diese Nichtanhaftung ist zweifach – eine allgemeine und eine höchste.


2.21. Vers Akshi Upanishad
„Ich bin weder Handelnder noch Genießender, weder der Gebundene noch der Bindende.“ Dieses Nichtanhaften an Gegenständen heißt allgemeine Nichtanhaftung.


2.22. Vers Akshi Upanishad
Alles ist entweder durch früheres Karma hervorgebracht oder steht unter der Herrschaft Ishvaras. Ob Freude oder Leid – welche eigenständige Urheberschaft bleibt dir dabei?


2.23. Vers Akshi Upanishad
Genüsse und ihr Ausbleiben sind schwere Krankheiten, Reichtümer können höchste Bedrängnisse sein. Verbindungen führen unausweichlich zur Trennung; seelische Bedrängnisse sind Krankheiten des Denkens.


2.24. Vers Akshi Upanishad
Die Zeit ist unablässig damit beschäftigt, alle Erscheinungen umzugestalten. Wenn der Geist den Sinn der Lehraussage erfasst hat, besteht allgemeine Nichtanhaftung darin, den Dingen innerlich kein Gewicht zu geben und sie nicht fortwährend auszumalen.


2.25. Vers Akshi Upanishad
Durch diese stufenweise Übung der großen Seelen entsteht die Einsicht: „Nicht ich bin der Handelnde; Ishvara handelt – oder mein früheres Karma.“


2.26. Vers Akshi Upanishad
Wenn schließlich selbst dieses Nachsinnen über Wort und Bedeutung weit zurückgelassen ist, wird das stille, friedvolle Verweilen höchste Nichtanhaftung genannt.


2.27. Vers Akshi Upanishad
Die erste Stufe geht auf, süß von Zufriedenheit und innerer Freude. Sobald sie erscheint, gleicht sie im Inneren einem Spross der Unsterblichkeit.


2.28. Vers Akshi Upanishad
Sie ist der eine gereinigte innere Geburtsgrund der Entsagung und der folgenden Stufen. Von ihr aus kann man die zweite und die dritte Stufe erreichen.


2.29. Vers Akshi Upanishad
Unter diesen ist die alles durchdringende dritte Stufe die höchste. Auf ihr hat der Mensch die Gesamtheit der begrifflichen Entwürfe und Vorstellungen abgestreift.


2.30. Vers Akshi Upanishad
Wenn durch die Übung der ersten drei Stufen die Unwissenheit schwindet, sehen jene, die zur vierten Stufe gelangt sind, überall dasselbe Eine.


2.31. Vers Akshi Upanishad
Ist die Nichtdualität gefestigt und die Vorstellung der Zweiheit zur Ruhe gekommen, sehen die Menschen der vierten Stufe die Welt wie einen Traum.


2.32. Vers Akshi Upanishad
Die ersten drei Stufen werden dem Wachzustand zugeordnet; die vierte wird Traumzustand genannt.


2.33. Vers Akshi Upanishad
Der Geist löst sich auf wie ein Stück Herbstwolke, das vergeht. Wer die fünfte Stufe erreicht, verweilt nur noch in der verbleibenden Reinheit des Sattva.


2.34. Vers Akshi Upanishad
Da der Geist hier aufgelöst ist, entsteht die begriffliche Projektion der Welt nicht mehr. Nach dem Erreichen der fünften, „Tiefschlaf“ genannten Stufe bleibt der Übende, nachdem alle besonderen Unterschiede beruhigt sind, als das Nichtduale allein.


2.35. Vers Akshi Upanishad
Für den Menschen der fünften Stufe ist der Schein der Zweiheit verschwunden; er ist freudig und innerlich wach und verweilt mit einem Geist, der dem Tiefschlaf gleicht.


2.36. Vers Akshi Upanishad
Obwohl er auch äußeren Tätigkeiten nachgeht, bleibt er nach innen gewandt. Wegen seiner vollständigen Gelöstheit erscheint er stets wie ermüdet oder schläfrig.


2.37. Vers Akshi Upanishad
Übt er auf dieser Stufe weiter und wird frei von Vasanas, gelangt er allmählich zur sechsten Stufe, die Turiya, „die Vierte“, genannt wird.


2.38. Vers Akshi Upanishad
Dort besteht für ihn weder eine Festlegung als Nichtsein noch als Sein, weder „Ich“ noch Ich-Macher. Wenn alles begriffliche Nachdenken geschwunden ist, verweilt er überaus furchtlos im Nichtdualen.


2.39. Vers Akshi Upanishad
Frei von inneren Knoten und mit beruhigten Zweifeln ist er ein leuchtender Jivanmukta. Obwohl sein Körper noch nicht erloschen ist, ist er innerlich im Nirvana – unbewegt wie die Flamme auf einem Gemälde.


2.40. Vers Akshi Upanishad
Nachdem er auf der sechsten Stufe verweilt hat, gelangt er zur siebten Stufe.


2.41. Vers Akshi Upanishad
Die siebte Yogastufe wird hier als körperlose Befreiung bezeichnet. Sie ist der Rede unzugänglich, friedvoll und die äußerste Grenze aller Stufen.


2.42. Vers Akshi Upanishad
Gib die Anpassung an die Welt auf, gib die Fixierung auf den Körper auf und gib auch die bloße Anpassung an Lehrschriften auf. Beseitige die Überlagerung, die du selbst dem Atman zuschreibst.


2.43. Vers Akshi Upanishad
Alles ist einzig Om, gekennzeichnet durch Vishva, Prajna und die übrigen Bewusstseinsweisen; denn Bezeichnetes und Bezeichnendes lassen sich weder als schlechthin verschieden noch als schlechthin identisch erfassen.


2.44. Vers Akshi Upanishad
Vishva ist der Laut A; Taijasa gilt als der Laut U; Prajna ist der Laut M. So soll man sie der Reihe nach vollständig betrachten.


2.45. Vers Akshi Upanishad
Noch bevor die Zeit des Samadhi eintritt, soll man dies mit größter Sorgfalt betrachten und der Reihe nach alles Grobe und Feine im Bewusstseins-Selbst auflösen.


2.46. Vers Akshi Upanishad
Dann betrachte das Bewusstseins-Selbst als ewig rein, erwacht, frei, wirklich und nichtdual, als Fülle höchster Glückseligkeit, mit der Erkenntnis: „Ich bin Vasudeva, ich bin Om.“


2.47. Vers Akshi Upanishad
Weil alles dies am Anfang, in der Mitte und am Ende mit Leid verbunden ist, gib alles Anhaften auf und sei in der Wirklichkeit fest gegründet, o Makelloser.


2.48. Vers Akshi Upanishad
Jenseits der Dunkelheit der Unwissenheit, frei von allen Scheinbildern, glückselig, makellos und rein, ist es für Denken und Rede unerreichbar.


2.49. Vers Akshi Upanishad
Meditiere: „Ich bin Brahman, eine ungeteilte Fülle von Bewusstsein und Glückseligkeit.“


Schlussformel Akshi Upanishad
So endet die Upanishad. Om. Möge das Höchste uns beide beschützen und nähren. Mögen wir gemeinsam Kraft entfalten; möge unser Studium lichtvoll sein; mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden. Hari Om Tat Sat. So endet die Akshi Upanishad.


Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Akshi Upanishad für ernsthafte Aspiranten

1. Beginne Erkenntnis mit einer freundlichen Lebensführung.
Prüfe täglich, ob deine Worte zu Ort, Zeit und Mensch passen. Verzichte auf verletzende Bemerkungen, auch wenn sie geistreich erscheinen. Verbinde Ahimsa mit Wahrhaftigkeit: Sanftheit soll nicht unehrlich, Wahrheit nicht rücksichtslos werden.

2. Pflege Vichara durch verlässliches Studium.
Lies regelmäßig einen kleinen Abschnitt einer Upanishad und kläre Begriffe sorgfältig. Suche Austausch mit kenntnisreichen Lehrenden und prüfe, wie die Lehre dein Handeln verändert. Spirituelles Wissen wird tragfähig, wenn Hören, Nachdenken und Meditation zusammenwirken.

3. Übe Nichtanhaftung, ohne Verantwortung abzugeben.
Beobachte, wo du Ergebnisse kontrollieren oder dir allein zuschreiben willst. Handle gewissenhaft, aber lass die zwanghafte Forderung los, dass alles deinem Wunsch entsprechen müsse. Die Lehre vom Nicht-Handeln ist keine Rechtfertigung für Passivität oder das Abschieben von Verantwortung.

4. Meditiere vom äußeren zum inneren Licht.
Nimm für einige Minuten natürliches Tageslicht wahr, ohne direkt in die Sonne zu blicken. Schließe die Augen und richte die Aufmerksamkeit auf das Gewahrsein, in dem Hell und Dunkel erscheinen. Wiederhole still Om und ruhe anschließend im beobachtenden Bewusstsein.

5. Miss Fortschritt an Freiheit und Mitgefühl.
Traumähnliche oder stille Bewusstseinszustände sind nicht das einzige Maß. Frage, ob Gier, Neid und verletzende Impulse schwächer werden und ob Klarheit, Verlässlichkeit und Güte wachsen. Bei anhaltender Benommenheit, Dissoziation oder psychischer Belastung ist fachkundige Hilfe wichtiger als eine metaphysische Deutung.

Literatur und Quellen

Siehe auch

Ähnliche und thematisch verwandte Upanishaden: Brihadaranyaka Upanishad, Mandukya Upanishad, Surya Upanishad, Maitrayaniya Upanishad, Kaivalya Upanishad, Maitreya Upanishad

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