Purashcharanarnava

Aus Yogawiki

Purashcharanarnava (Sanskrit: Puraścaryārṇava, पुरश्चर्यार्णव) bedeutet „Ozean des Purashcharana“. Das Werk führt in eine Welt ein, in der Mantra, Verehrung, Einweihung und die Hinwendung zum Göttlichen miteinander verbunden sind. Schon sein Anfang öffnet einen weiten Horizont: Ganesha, die Sonne, Vishnu, Shiva und die Göttin werden angerufen; später wird die Einheit verschiedener göttlicher Gestalten ausdrücklich gelehrt. Die Vielfalt der Formen kann so zur Einladung werden, die eigene Hingabe zu vertiefen und zugleich andere Wege mit Achtung zu betrachten.

Zur Textgrundlage: Umfang, dokumentierte Auslassungen und Lesungshinweise.

Für Yoga-Aspiranten eröffnet die Lektüre einen Raum, in dem Hingabe, genaues Verstehen und eigene Erfahrung miteinander ins Gespräch kommen. Du kannst dieses große Werk Schritt für Schritt erschließen: Beginne mit einer verständlichen Passage, lass sie nachklingen und kehre mit deiner Frage zum Text zurück. Die 108 ausgewählten Passagen erleichtern einen besinnlichen Einstieg.

Swami Sivananda bei der Mantrawiederholung. Regelmäßiger Japa gibt der Hinwendung zum Göttlichen einen festen Platz im Leben.

Zur Ausgabe: Deutsch · Sanskrit in IAST · Devanagari · 108 Passagen zur Besinnung · Mantrasammlung

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Werk und Überlieferung

Der Eingang nennt König Pratapasimha Shah als Verfasser beziehungsweise Träger der Zusammenstellung und erklärt, dass zahlreiche Agamas zum Nutzen aller Menschen herangezogen wurden (1.6). Die Schrift ist in zwölf Taraṅgas, „Wellen“, gegliedert. Sie verbindet eigene Erläuterungen mit zahlreichen Zitaten aus anderen Schriften; deren Namen bleiben in der Übersetzung sichtbar. Ein Zitat aus dem Meru Tantra ist daher als solches zu lesen und nicht als eine unabhängig von seinem Zusammenhang formulierte Lehre.

Die hier verwendete ältere Druckausgabe wurde von Muralidhara Sharma herausgegeben und in drei Bänden in Varanasi gedruckt. Daneben liegt eine neuere Ausgabe des zweiten Bandes vor. Vorworte der Herausgeber, alphabetische Register, Druckfehlerverzeichnisse und angehängte Bildtafeln sind vom eigentlichen Werktext zu unterscheiden. Die deutsche Übersetzung folgt dem Werktext; erklärende Zusätze stehen außerhalb seiner Aussagen oder sind ausdrücklich gekennzeichnet.

Was bedeutet Purashcharana?

Der Verfasser bestimmt Purashcharana als eine besondere Verehrung der Gottheit, deren Frucht Mantra-Siddhi ist (Band I, S. 10, Prosa nach Vers 54). Siddhi bezeichnet hier die Verwirklichung beziehungsweise Wirksamkeit des Mantras. Der Mantra steht somit in einer lebendigen Beziehung zur verehrten Gottheit. Er wird nicht nur als Lautfolge behandelt.

Die Inhaltsübersicht kündigt Japa, Homa, Tarpana, Abhisheka und die Bewirtung von Brahmanen als Bestandteile der Darstellung an (1.33). Sie behandelt außerdem Vorbereitung, Ort, Sitz, Mala, Reinigung und tägliche Verehrung (1.27–32). Das zeigt: Purashcharana umfasst eine geordnete Praxis und einen tragenden Lebensrahmen.

Guru, Diksha und innere Haltung

Der erste Taraṅga kündigt die Behandlung von Guru, Schüler, Einweihung und Mantra an und unterscheidet ausdrücklich geeignete von ungeeigneten Lehrern (1.13–15). Guru-Hingabe bedeutet in diesem Text also nicht, jede Person ungeprüft als Lehrer anzunehmen. Die Eingangsanrufung richtet sich an die Gurus in der Gestalt Dakshinamurtis. Zugleich beginnt das Werk mit Dank, Verehrung und der Bitte um Segen. Die späteren Erläuterungen bestimmen Diksha als Vermittlung göttlicher Erkenntnis und Tilgung von Schuld (Band I, S. 40). Der Guru soll mitfühlend, unparteiisch und frei vom Verkauf der Mantras sein (S. 45). Wird ein Guru als unkundig erkannt und vermag er Zweifel nicht zu klären, erlaubt das zitierte Kularnava ausdrücklich den Wechsel zu einem anderen Lehrer (S. 50–51).

Eine heutige Lesart darf die ausführlichen Regeln nicht mit jeder Form alltäglicher Mantrameditation gleichsetzen. Die Schrift beschreibt bestimmte traditionelle Überlieferungen und Ritualbedingungen. Ihre Aussagen über harte Schülerprüfungen, körperliche Ausschlusskriterien und unbedingten Gehorsam werden als historische Textaussagen wiedergegeben (Band I, S. 45–50). Ihre jeweiligen Anforderungen und Wirkungsversprechen bleiben als Aussagen dieser Traditionen erkennbar. Auch die sozialen Ausschlüsse und die gewaltsame Formulierung im Kulachara-Zitat (Band I, S. 22) gehören zum historischen Text; sie werden hier dokumentiert und nicht als heutige Praxisanleitung empfohlen.

Fünf Lehren für die Lektüre

  1. Verehrung kann das Herz weiten. Die Eingangsverse wenden sich mehreren Gottheiten zu; der Abschnitt über die Göttin beschreibt Einheit in vielfältigen Offenbarungen (1.1–6; Band I, S. 11).
  2. Mantrapraxis braucht einen Zusammenhang. Der Text verbindet sie mit Gottheit, Einweihung, Lehrer und konkreter Lebensführung (1.13–15, 27–33).
  3. Sorgfalt ist Teil der Hingabe. Vorbereitung und regelmäßige Verehrung erhalten einen festen Platz; sie werden nicht als nebensächliche Äußerlichkeiten abgetan (1.27–33).
  4. Unterscheidungsvermögen gehört zum Lernen. Der Verfasser bittet Kundige um Berichtigung und kündigt Kriterien für geeignete wie ungeeignete Gurus an (1.8, 14).
  5. Verschiedene Namen können auf Einheit weisen. Die Verbindung von Hari und Hara sowie von Rama mit Shiva und Shakti wird ausdrücklich entfaltet (Band I, S. 17–18).

Fünf heutige Praxisanregungen

Die folgenden Anregungen sind eine heutige Übertragung für den Alltag; sie sind keine Übersetzung von Ritualvorschriften und ersetzen keine traditionelle Diksha.

  1. Beginne gesammelt. Nimm vor deinem vertrauten Japa einen stillen Augenblick für Dankbarkeit und eine klare Ausrichtung.
  2. Gib der Praxis einen verlässlichen Platz. Wähle eine gut tragbare tägliche Übungszeit und einen ruhigen Ort. So bekommt Hingabe eine beständige Form.
  3. Lies langsam. Nimm einen Vers oder eine kurze zusammenhängende Passage und frage dich, was sie tatsächlich sagt, bevor du sie auf dein Leben beziehst.
  4. Verbinde Vertrauen mit Prüfung. Besprich Fragen zu Einweihung und anspruchsvollen Ritualen mit einer qualifizierten Lehrperson deiner Tradition.
  5. Übe Achtung vor anderen Gottesbildern. Wenn du eine andere Form der Verehrung siehst, erinnere dich an die im Text beschriebene eine Göttin in vielen Offenbarungen.

1. Taraṅga: Gottheiten, Überlieferungswege und Einweihung

Lesehilfe: Die erste Welle führt von der Verehrung verschiedener Gottheiten zu Guru, Diksha und den Voraussetzungen der Mantrapraxis. Achte beim Lesen auf das Zusammenspiel von Hingabe und sorgfältiger Prüfung: Woran lässt sich eine tragfähige Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden erkennen?

Diese Welle: Deutsch · IAST · Devanagari

Anrufung
Deutsch: Verehrung den Gurus, deren Gestalt Shri Dakshinamurti ist.

1.1
Deutsch: Möge euch der Herr der Ganas Segen schenken: Mit gewaltigen Schlägen seines Rüssels zerschmettert er die Häupter der Dämonenheere, die auf die Macht ihrer starken Arme stolz sind; im Kampf lässt sein wilder Tanz die Erde erdröhnen. Er ist die Sonne, welche die Finsternis der Hindernisse vertreibt, der durch seine Siddhi vollendete Herr. Sein Anblick mehrt die Freude der Tochter des Bergkönigs und Shivas, des Vernichters des Liebesgottes.

1.2
Deutsch: Möge die Sonne euch zum Heil gereichen: Ihre Gestalt umfasst Brahma, Umās Gemahl Shiva und Madhava, Vishnu. Ihre Augen gleichen Bienen am reizvollen Lotus des strahlenden Antlitzes Chhayas. Sie ist Zeugin des Wirkens der Welt und wird nicht müde, alle von Dunkelheit bedrängten Welten zu behüten. Ihre Strahlen sind glühend; sie steht den Göttern voran und wird in den drei Welten gepriesen.

1.3
Deutsch: Mögen euch die Lotusfüße Vishnus in der Gestalt Narasimhas Heil schenken. Die Strahlen der Kronenspitzen der höchsten Götter, die sich in aufrichtiger Hingabe verneigen, umspielen sie wie ein Verehrungslicht – darunter Brahma und Shiva, der Bezwinger der drei Städte. Weise Menschen, die sich an diese Füße erinnern, überschreiten rasch den Ozean des Samsara. [Die genaue Lesung einer Bezeichnung innerhalb der Götterreihe ist unsicher.]

1.4
Deutsch: Möge Shiva euch in seiner Gnade behüten, der Unvergängliche, schön geschmückt mit der Mondsichel. Seine Shakti ist Prakriti. Aus ihr entstand das große Prinzip Mahat, daraus das Ichbewusstsein; daraus gingen die feinen Sinnesqualitäten hervor, aus diesen die Schar der Elemente, beginnend mit der Erde, und aus den Elementen die Wahrnehmungs- und Handlungsorgane. So entstand aus ihm die Welt.

1.5
Deutsch: Möge euch von Anfang an die vollendete Vidya, die Bezwingerin des Büffeldämons, beschützen. Die Kenner der Agamas erkannten: Der in den Veden verkündete Weg zur Befreiung ist verborgen und schwer zu gehen. Indem sie über ihre beiden Füße meditierten, überwanden sie ihre Unwissenheit und erlangten dort Unsterblichkeit. Brahma und die anderen Götter preisen sie unablässig als die Unvergleichliche, als Beschützerin und als diejenige, die über den Ozean des Werdens hinüberführt.

1.6
Deutsch: Nachdem er sich vor Shri Ganesha, dem Herrn der Ganas, vor der Sonne, vor Vishnu, vor Pashupati und vor der erhabenen Herrin Durga verneigt hat – der Retterin aus leidvollen Zuständen, Guhyeshvari –, entfaltet König Shri Pratapasimha Shah den Purashcharanarnava zum Nutzen aller Menschen. Dafür hat er zahlreiche Agamas eingesehen.

1.7
Deutsch: Er erstrahlt auf Erden: In seiner Großzügigkeit übertrifft er den Sohn des Dharma, in gewaltiger Tapferkeit Karnas Gegner Arjuna, an Schönheit den Liebesgott und an Tiefe und Standhaftigkeit den Ozean. Sein Ruhm überstrahlt den Mond, seine Herrlichkeit Indra und seine Macht die Sonne; mit seinen Gaben übertrifft er die wunscherfüllenden Bäume der Götter.

1.8
Deutsch: Dieses Werk des Königs, der wie Indra auf Erden herrscht und in den Kämpfen siegt, soll von rechtschaffenen Kennern der Schriften mit klarem Verständnis sorgfältig berichtigt werden. Nicht aber sollen es missgünstige Besserwisser verunglimpfen, die aus Hochmut Gelehrte hassen, durch die reinen Vorzüge anderer aus der Fassung geraten und im Zorn nur nach Fehlern suchen.

1.9
Deutsch: Auch wenn unedle Menschen, die den Sinn der Wissenden nicht verstehen, unser Werk ungestüm geringschätzen: Weshalb sollte es nicht dennoch das Herz der Verständigen erfreuen? Schätzen nicht Frauen mit Augen wie die langen Blätter frisch erblühender Lotusblumen jene Perlen, welche die Frauen der Bhillas am Waldrand verschmähen, weil sie an Bündeln von Gunja-Samen Gefallen finden?

1.10
Deutsch: Zunächst werden wir im ersten Taraṅga einige bekannte Formen der Gottheiten zusammen mit ihren Überlieferungswegen darstellen, wie Shiva sie gelehrt hat. Danach zeigen wir die in den Agamas verkündete Einheit der jeweils zusammengehörenden Paare: Kali und Krishna, Tara und Rama sowie Vishnu und Shiva, des Gemahls der Bergestochter. Ebenso zeigen wir die Nichtverschiedenheit der drei Shaktis.

1.11
Deutsch: Ich werde darlegen, dass Rama das Wesen von Shiva und Shakti besitzt, und die Einheit Sitas mit der Tochter des Himalaya erklären. Darauf folgen die Einheit von Shri Rama mit Shiva, dem Bezwinger Kamas, und schließlich die Einheit der fünf Gottheiten.

1.12
Deutsch: Danach werde ich die verschiedenen tantrischen Wege und diejenigen beschreiben, die zu ihnen befähigt sind; anschließend die unterschiedlichen Vaishnava-Traditionen und die Richtungen der Pashupatas.

1.13
Deutsch: Ich werde die vielfältigen Formen der Upasana und die fehlende Berechtigung Nichteingeweihter zu diesen Formen behandeln. Danach werde ich der Reihe nach die Größe von Diksha, Mantra und wahrhaftigem Guru erläutern.

1.14
Deutsch: Dann werde ich die Merkmale von Guru und Schüler und anschließend die Merkmale derjenigen beschreiben, die für diese Beziehung nicht geeignet sind. Danach werde ich erklären, warum ein empfangener Mantra nicht aufgegeben werden soll, wohl aber ein Mantra, der von einem ungeeigneten Guru empfangen wurde.

1.15
Deutsch: Ich werde das Verbot und die zulässige Weise behandeln, einen Mantra vom Vater und von anderen nahestehenden Personen zu empfangen, ferner die zur Mantrapraxis Berechtigten. Auch die rituelle Läuterung eines im Traum empfangenen Mantras, die Chakras und die zugehörigen Verfahren werde ich erklären.

1.16
Deutsch: Im schönen zweiten Taraṅga werde ich die für Diksha geeigneten Zeiten und Orte beschreiben. Ich werde auch die Flüche behandeln, welche Gottheiten über Mantras ausgesprochen haben, und das Verfahren erklären, durch das diese aufgehoben werden.

1.17
Deutsch: Danach werde ich die rituellen Läuterungen der Mantras behandeln; zunächst die Prüfung des Bodens, die Verfahren zum Entfernen störender verborgener Gegenstände, die Vorschriften des Vastu und die Merkmale des Ritualpavillons.

1.18
Deutsch: Dort werde ich auch die Feuergruben und die Merkmale der beiden Opferlöffel Sruk und Sruva beschreiben, danach die Darbringung von Keimlingen. Anschließend werde ich im dritten und vierten Taraṅga die Kriyavati-Diksha erklären, die durch rituelle Handlungen vollzogene Einweihung.

1.19
Deutsch: Bei der Darstellung der Diksha werde ich im dritten Taraṅga zunächst die Wahl und rituelle Beauftragung des Gurus erklären, danach die Beauftragung der Ritualpriester und die Prüfung des Zahnhölzchens.

1.20
Deutsch: Es folgen die Verehrung an den Türen, das Betreten des Opferhauses und die für die Puja verwendeten Mandalas. Danach werde ich die in den Agamas gelehrte Verehrung erklären, beginnend mit der Aufstellung des Ritualgefäßes.

1.21
Deutsch: Im vierten Taraṅga werde ich das gesamte Feuerritual und danach das Essen der Milchspeise erklären. Darauf werde ich die Nachtruhe des Gurus und seines Schülers sowie die Prüfung der Träume beschreiben.

1.22
Deutsch: Dort werde ich sämtliche am Einweihungstag vorgesehenen Handlungen und die Übermittlung des Mantras deutlich darlegen. Im fünften Taraṅga werde ich dann den vollständigen praktischen Ablauf dieser Einweihung erklären.

1.23
Deutsch: Danach werde ich die verkürzte Diksha erklären, darauf die Varnamayi-Diksha durch die Laute und Buchstaben, die Kalavati-Diksha durch die Kalas und die Vedhamayi-Diksha des Durchdringens.

1.24
Deutsch: Ich werde die Panchayatana-Einweihungen und danach die Smarti-Diksha und die geistige Diksha darstellen. Es folgen die yogische Einweihung, die Einweihung durch den Blick und die Einweihung durch Berührung.

1.25
Deutsch: Dann werde ich die Einweihung durch das gesprochene Wort, durch Mantra und durch das Feueropfer kurz beschreiben, ebenso die Einweihung durch Unterweisung in der Schrift, die Einweihung durch Abhisheka und die besonders kurze Shambhavi-Diksha.

1.26
Deutsch: Danach werde ich die Einweihung durch Unterweisung erklären, anschließend die stufenweise Einweihung benennen. Ferner werde ich den Purnabhisheka, die vollständige Weihe, und den Empfang eines Mantras ohne anwesenden Lehrer behandeln.

1.27
Deutsch: Im sechsten Taraṅga werde ich dann das vollständige Verfahren des Purashcharana darstellen. Zunächst werde ich seine Zeiten und Orte beschreiben, danach die geeigneten Sitze.

1.28
Deutsch: Dort werde ich auch die verschiedenen Arten der Mala erklären und bei dieser Gelegenheit die Bedeutung der Rudraksha. Ebenso werde ich zeigen, wie man eine Mala knüpft und wie ihre rituelle Weihe vollzogen wird.

1.29
Deutsch: Ebenso werde ich die Merkmale der Mudras erklären, die einzuhaltenden Regeln, das zu Meidende und das Darzubringende sowie die verschiedenen Sühnehandlungen für Menschen, die von den genannten Regeln abgewichen sind. Ich werde das Anlegen des Kurmachakras unter Einbeziehung von Gebiet und Haus beschreiben, die Shakti-Pithas und die morgendlichen Verrichtungen samt dem Verfahren des Ajapa.

1.30
Deutsch: Dort werde ich der Reihe nach die Reinigung, das Reinigen der Zähne und die verschiedenen Bäder erklären, wie sie in den Tantras gelehrt werden; ebenso das Auftragen des Tilaka und der heiligen Asche. Danach folgen Sandhya-Upasana, das Darbringen von Wasser an die Gottheiten, die tägliche Verehrung und das zur betreffenden Handlung gehörende Homa.

1.31
Deutsch: Ich werde die Herstellung und die Maße des Yantras sowie das in den Agamas gelehrte Verfahren seiner Weihe erklären. Danach behandle ich den Zustand ritueller Unreinheit der Mantras, ihr Schlafen, ihr Erwachen und das mit der Shikha verbundene Verfahren.

1.32
Deutsch: Dort werde ich auch den Kulluka-Mantra sowie Setu und Nirvana in ihrer Reihenfolge erklären, ferner den Mantra zur Reinigung der Zunge und die von Shiva gelehrten Glieder des Mantras.

1.33
Deutsch: Danach werde ich die Durchführung des Japa erklären, die Ordnung des Homa und das Tarpana. Anschließend werde ich das Verfahren des Abhisheka und danach die Bewirtung von Brahmanen behandeln.

1.34
Deutsch: Im schönen siebten Taraṅga werde ich dann alle bezeichneten Formen des Purashcharana erklären: mit den Kennzeichen der Siddhi und den verschiedenen Hilfsmitteln, einschließlich Dutika-Yaga und Vira-Sadhana.

1.35
Deutsch: Dann, im besonders schönen achten Taraṅga, werde ich die Mantras Ganeshas, der Sonne und Vishnus behandeln: Vishnus als Matsya, als Kurma und als Varaha, ferner diejenigen seiner Shakti und der Erdgöttin.

1.36
Deutsch: Es folgen der göttliche Löwe Narasimha, Vamana, Trivikrama und der Axtträger Parashurama, Shri Ramachandra und Sita, die Tochter der Erde, sowie Balarama, der Bezwinger des Dämons Pralamba.

1.37
Deutsch: Danach kommen Krishna, Buddha und Kalkin, Hayagriva und die Gestalt des göttlichen Diskus, Ananta, die Gestalt der schönen Hirtin sowie die als Shridhara bezeichnete Gestalt.

1.38
Deutsch: Ebenso folgt Shiva mit seinen zahlreichen Formen, beginnend mit Mrityunjaya, Nilakantha und Shri Dakshinamurti, und einschließlich Kshetrapala, Batuka und weiteren Gestalten.

1.39
Deutsch: Ich werde die zahlreichen Mantras Shivas behandeln, dessen Körper zur Hälfte mit Vishnu vereint ist, ferner diejenigen Bhavanis, Garudas, Kartavirya, des Windsohnes Hanuman und des Liebesgottes Kama. [Die grammatische Lesung am Übergang von Vishnu zu Shiva ist unsicher.]

1.40
Deutsch: Zu diesen werde ich die Meditationen mit den vorangestellten Angaben zum Rishi und den übrigen Zuordnungen sowie die Purashcharana-Verfahren erklären. Das allgemeine Verfahren werde ich nicht vor jeder einzelnen Darstellung wiederholen, damit das Werk nicht übermäßig anwächst.

1.41
Deutsch: Im neunten Taraṅga werde ich der Reihe nach die zehn Mahavidyas mit ihren jeweiligen Formen beschreiben. Ich werde ihr Purashcharana-Verfahren sowie den Nilakrama und weitere Übungsfolgen mit den zugehörigen inneren Haltungen erklären.

1.42
Deutsch: Im zehnten Taraṅga folgt die Göttin der Sprache, deren Füße in den drei Welten verehrt werden. Dort werden auch die Göttin Tvarita sowie Siddhi, Annapurna und weitere Göttinnen behandelt.

1.43
Deutsch: Es folgen Pratyangira, Kubjika und die himmlische Ganga mitsamt Vagbhava; danach Chanda und weitere Gottheiten, die Planeten und die Mütter der Planeten zusammen mit den Himmelsrichtungen. [Die genaue Beziehung von „Müttern der Planeten“ und „Himmelsrichtungen“ ist in diesem gedrängten Überblick unsicher.]

1.44
Deutsch: Ihre Mantras werde ich samt Purashcharana erklären. Danach werde ich die Mutter der Veden, Gayatri, behandeln: alle ihre Nyasas, ihre Abfolge, ihre Meditation, ihr Yantra und die Ordnung ihrer Verehrung.

1.45
Deutsch: Ich werde auch ihr vollständiges Verehrungsverfahren, die Mudras und das Purashcharana beschreiben; ebenso die Durchführung des Purashcharana für den Tara-Laut Om und für den vedischen Mrityunjaya-Mantra.

1.46
Deutsch: Das Purashcharana des Rudradhyaya wird zusammen mit verschiedenen friedvollen Verfahren erklärt, ferner das Purashcharana der Suktas. Danach werde ich die vedischen Mantras der Planeten und das von Tripura gewünschte Purashcharana dieser Mantras behandeln. Schließlich werde ich kurz die vollständigen Mengenangaben der Opferstoffe erläutern. [„Von Tripura gewünscht“ ist eine vorläufige Wiedergabe der hier gedrängten Formulierung.]

1.47
Deutsch: Im elften Taraṅga werde ich auf die beschriebene Weise das Purashcharana der tantrischen Durga-Mantras darstellen sowie die vollständige Ordnung des Durga-Festes.

1.48
Deutsch: Dort werde ich das Verfahren der Bali-Darbringung erläutern und die Gottheiten, denen die Tiere und die anderen Opfergaben zugeordnet sind; ebenso das Verfahren der Kumari-Puja und die Shivabali-Darbringung.

1.49
Deutsch: Dort werde ich die Verehrung Revantas, der Pferde und der Elefanten erklären, die Anwendungen und die Verrichtungen zu Navaratri; außerdem das von Shiva gelehrte Nirajana, die schützende Lichtzeremonie, sowie die Deutung des Anblicks einer Bachstelze.

1.50
Deutsch: Im schönen letzten Taraṅga werde ich die Mantras von Brahmi und den weiteren Gottheiten samt ihren Purashcharana-Verfahren erklären, ebenso die Mantras Gorakshanaths und danach den Argala-Mantra in entsprechender Weise. [Die gedruckte Form der letzten Mantrabezeichnung ist unsicher.]

1.51
Deutsch: Danach werde ich die Yantras und das Verfahren ihres Purashcharana beschreiben, sodann die Bhutalipi, die „Elementeschrift“, und ihr Purashcharana. Dort werde ich auch das Purashcharana des Lipinyasa erläutern, des rituellen Auflegens der Buchstaben.

1.52
Deutsch: Ferner werde ich die leuchtende, unvergleichlich wirkungsvolle Trilauhya-Mudra der Matrika beschreiben, ihre rituelle Weihe und ebenso die Navaratna-Mudra mit den neun Edelsteinen.

1.53
Deutsch: Danach werde ich der Reihe nach das Purashcharana für den sechsfachen Nyasa, für die tausend Namen, für Kavachas und weitere Hymnen sowie für den Lobgesang der Saptashati erklären. Ich werde die Regeln ihrer Rezitation mit den Früchten und der Durchführung des Homa erläutern, die Gliederung ihrer Mantras und anschließend das Verfahren des Befragens.

1.54
Deutsch: Danach wird das Purashcharana des Pranayama erklärt, das die kundigen Weisen kennen sollen, ebenso eine Weise, wie Mantras auch ohne Purashcharana zur Siddhi gelangen. Es folgen der Reihe nach die Sadhanas verschiedener Bhairavas, Yoginis, himmlischer Frauen, Jvalamukhis und anderer Wesen sowie der Erde, jeweils mit dem zugehörigen Purashcharana.

S. 10, Einleitung
Deutsch: Purashcharana ist eine besondere Form der Verehrung einer Gottheit, deren Frucht die Mantra-Siddhi ist. Deshalb steht die zu verehrende Gottheit an erster Stelle; zunächst werden also die Gottheiten dargestellt, die zu den sechs Amnayas, den Überlieferungswegen, gehören. Dass eine besondere Form Ganeshas in allen sechs Amnayas vorkommt, wird im Meru Tantra anhand gewisser Unterschiede ihres Mantras erklärt:

S. 10, Meru Tantra
Deutsch: „Ich werde den aus einer einzigen Keimsilbe bestehenden Mantra des Herrn der Hindernisse erklären, der gute Siddhi verleiht. Für die vedisch Übenden gilt zunächst das bloße Ga. Für die südliche Überlieferung ist es mit Bindu verbunden, für die Anhänger des östlichen Weges mit zwei Punkten. Im westlichen Weg ist es mit diesen beiden versehen. Für den oberen Amnaya wird eine weitere Lautform genannt, ebenso für den nördlichen und den unteren Amnaya.“ [Die drei zuletzt ausgeschriebenen Silbenfolgen sind nicht hinreichend sicher gelesen; sie werden deshalb hier nicht als rezitierbare Formeln wiedergegeben.]

S. 10–11, Ganesha-Formen
Deutsch: Dabei gehören Lakshmi-Ganesha, Haridra-Ganesha und weitere Formen zum südlichen Amnaya, Mahaganapati und weitere zum oberen, Virinchi-Gananayaka und weitere zum östlichen, Kshipraprasadana-Ganesha und weitere zum westlichen sowie Ucchishta-Ganesha und weitere zum nördlichen Amnaya. Diese zahlreichen Formen Ganeshas sind im Meru Tantra nachzulesen.

S. 11, Surya-Einleitung
Deutsch: Obwohl die Sonne zwölf Formen besitzt, gehört sie allein zum südlichen Amnaya. Im selben Werk heißt es:

S. 11, Meru Tantra über Surya
Deutsch: „Für ihn wird nur ein Amnaya genannt, der südliche. Wie er den Yavana und den Brahmanen mit seinen Strahlen gleichermaßen berührt, so steht seine Verehrung mit der Ausübung der jeweils eigenen religiösen Pflichten in Verbindung. In allen vier Weltaltern ist dieser Gott unmittelbar sichtbar und von allen anerkannt. Als Herr der Welt ist er das Auge sämtlicher Götter.“

S. 11, zwölf Sonnenformen
Deutsch: Die zwölf Formen werden dort in folgender Reihenfolge genannt: Varuna, Surya, Vedanga, Bhanu, Indra, Ravi, Gabhasti, Yama, Svarnaretas, Divakara, Mitra und Vishnu. Diese zwölf Adityas strahlen mit unermesslicher Leuchtkraft, vom Monat Magha an jeweils der Reihe nach.

S. 11, Vishnu und Shiva
Deutsch: Bei Vishnu und Shiva lässt sich hier keine durch die Amnayas bedingte Unterscheidung feststellen. Unendlich sind jedoch ihre Formen, die sich aus Avataras, Mantras, Meditationen und anderen Gesichtspunkten ergeben. Einige davon werden bei der Darstellung der jeweiligen Purashcharana-Verfahren deutlich werden; deshalb werden sie hier nicht ausgeführt. Auch die Formen der Göttin sind unendlich und können nicht vollständig aufgezählt werden. Hier werden jedoch einige Formen vorgestellt, die das Vadavanaliya Tantra nennt. Dort heißt es:

S. 11, Vadavanaliya Tantra
Deutsch: „Eine allein ist die Urgöttin, die Gebärerin der Welt, deren Wesen Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist. Durch die Verschiedenheit ihrer jeweiligen Offenbarungen erscheint sie unterschieden und ist zur Vielheit geworden.“

S. 12, östlicher bis westlicher Amnaya
Deutsch: „Purneshi, Bhuvaneshani, Lalita, Aparajita, Lakshmi, Sarasvati, Vani mit der Bezeichnung Parijata, Annapurna, Jaya und weitere Göttinnen gehören zum östlichen Amnaya. Nisheshi, Dakshina Kali, Bagala, Chinnamastaka, Bhadra, Tara und Matangi sind Gottheiten des südlichen Amnaya. Kubjika mit ihren zahlreichen Formen, Kulalika, Matangi, Amritalakshmi und weitere sind Gottheiten des westlichen Amnaya.“

S. 12, Matangi-Erläuterung
Deutsch: Damit wird Matangis Zugehörigkeit zu zwei Amnayas ausgesagt, denn sie wurde auch beim südlichen Amnaya genannt. Weiter heißt es:

S. 12, nördlicher Amnaya
Deutsch: „Siddhilakshmi, Guhyakali, Mahabhimasarasvati, Dhuma, Kamakala Kali, Mahakali, Kapalini, Mahashmashanakali, Kalasamkarshini, Pratyangira, Maharatri, Yogeshi und Siddhibhairavi: Diese mit vielfältigen Formen verbundenen, höchsten unter allen Vidyas haben ihren Sitz im nördlichen Amnaya und schenken die Früchte der vier Lebensziele.“

S. 12, Mundamala-Einleitung
Deutsch: Auch die Zugehörigkeit Taras und Chinnamastas zum nördlichen Amnaya wird in der Mundamala erklärt:

S. 12, Mundamala-Zitat
Deutsch: „Im Weg des nördlichen Amnaya gibt es neunundvierzig Formen. Genannt werden Guhyakali und danach Siddhilakshmi, ferner Svarnakotishvari und Rajarajeshvari, Guhyeshvari und Tara in dreifacher Gestalt. Danach wird Chinnamasta genannt, die große, überaus furchterregende Göttin. Solche geheimen Zuordnungen sollen stets bewahrt werden.“

S. 13, oberer Amnaya
Deutsch: Im Vadavanaliya Tantra: „Kameshi, Lalita, Bala, Mahatripurasundari, Tripura und Bhairavi gehören zum oberen Amnaya.“

S. 13, Lalita-Erläuterung
Deutsch: Da Lalita auch beim östlichen Amnaya genannt wurde, ist ihre Zugehörigkeit zu zwei Amnayas angezeigt. An manchen Stellen lautet die Lesung „Tvarita“.

S. 13, unterer Amnaya
Deutsch: „Vajrayogini, Pannagi und Nairriteshvari haben ihren Sitz im unteren Amnaya; sie werden im Jaina-Weg verehrt.“

S. 13, Bhimadevi
Deutsch: Auch Bhimadevi wird hier in der Mahakala Samhita als die vorherrschende Göttin genannt: „Höre die Gottheiten-Mantras, die zum unteren Amnaya gehören. Dort ist die furchterregende Bhimadevi als die ursprüngliche Göttin bekannt.“

S. 13, Durga und Kumari
Deutsch: „Kulabala und Durga werden in allen Amnayas verehrt.“ Kulabala bedeutet Kumari. Weiter heißt es: „Ihre Verehrung wird überall als eine regelmäßig zu erfüllende Pflicht gelehrt.“ Mit den beiden sind Durga und Kumari gemeint. Die folgenden zehn Gottheiten sind als Mahavidyas bekannt. Im Shaktisangama heißt es:

S. 13, zehn Mahavidyas
Deutsch: „Kali, Tara, Chinnamasta, Sundari, Bagala, Rama, Matangi, Bhuvaneshani, die vollendete Vidya Bhairavi und als zehnte Dhumavati: Diese gelten als die zehn Mahavidyas.“

S. 13–14, Bhairava-Zuordnungen
Deutsch: Im selben Werk wird jeder Göttin ein Bhairava zugeordnet: „Kalikas Bhairava ist Mahakala, Sundaris ist Laliteshvara; Taras ist Akshobhya und Chinnamastas Vikaralaka. Bhuvaneshvaris ist Mahadeva, Dhumas Kalabhairava. Narayana gilt als der Bhairava Mahalakshmis, Batuka als derjenige Bhairavis. Matangis Bhairava ist Matanga oder auch Sadashiva. Für die Bagala-Vidya wird Mrityunjaya genannt.“

S. 14, Erläuterung der Namen
Deutsch: Laliteshvara ist Tripurabhairava, Vikarala ist Krodhabhairava und Kalabhairava ist Ghora. Zwar werden im Rudrayamala Sadyojata, Kalarudra und weitere als Bhairavas Taras, Chinnamastas und anderer Göttinnen genannt; doch sind damit andere Namen derselben Bhairavas gemeint, keine anderen Bhairavas. Deshalb besteht kein Widerspruch.

S. 14, Shaktisangama
Deutsch: Im Shaktisangama: „Wie die Yakshinis durch ihre Verbindung mit Krodhabhairava Siddhi schenken, so entfalten die Vidyas ihre Vollendung durch die Verbindung mit dem männlichen Gegenpart, o Parvati.“

S. 14, Rudrayamala
Deutsch: Im Rudrayamala: „Wer ausschließlich den Shakti-Mantra wiederholt und ihn nicht mit dem Shiva-Mantra verbindet, dessen Mantra erlangt selbst nach der Rezitation in Millionen von Geburten keine Siddhi. Der jeweilige Shiva, der einer Göttin als Gott zugeordnet ist, soll ihr heilbringender Gegenpart sein. Durch ihn gelangt die Vidya im Kali-Zeitalter rasch zur Vollendung, o große Göttin.“

S. 14, Meru Tantra
Deutsch: Im Meru Tantra: „Ein weiblicher Mantra gilt als Geber weltlicher Erfüllung, ein männlicher Mantra dagegen als Geber der Befreiung. Die Verehrung beider, o Göttin, schenkt sowohl Erfüllung als auch Befreiung.“

S. 14–15, weiteres Tantra
Deutsch: In einem weiteren Tantra: „Ohne Shakti besitzt der kraftlose Shiva weder Namen noch Erscheinungsraum. Ohne Shiva kommt den Entfaltungen des Bewusstseins keine Wirksamkeit zu. Nach dem Verhältnis von Same und Spross ist das strahlende Licht zugleich Shiva und Shakti. Es ist stets wach, o Herr der Götter, und offenbart vielfältige Gestalten.“

S. 15, Früchte der Amnayas
Deutsch: Die Früchte der Verehrung der Gottheiten der sechs Amnayas nennt das Meru Tantra: „Der Verehrer des südlichen Weges wird Kala; derjenige des oberen Weges erlangt Vereinigung mit der Gottheit. Derjenige des östlichen Weges gewinnt die höchste Gleichgestaltigkeit mit ihr. Derjenige des nördlichen Weges erlangt Nähe in ihrer Welt, derjenige des westlichen Weges diesseitige Früchte. Im unteren Weg gehören Gewinn, Verzicht und Wohltätigkeit zu dem, was weitere Früchte hervorbringt.“ [Die Bedeutung der letzten Zeile bleibt unsicher.]

S. 15, Erläuterung zu Kala
Deutsch: „Kala“ bedeutet: Er wird Shiva selbst in der Gestalt Mahakalas. Einige lesen dagegen „zur Zeit“ als Lokativ und erklären: Der Verehrer des südlichen wie auch des oberen Amnaya erlangt zur Zeit des Todes Vereinigung. Diese Deutung ist nicht zutreffend. Die zuerst genannte Auslegung stimmt mit der vorausgehenden Aussage überein: „Der mit den fünf Merkmalen ausgestattete Brahmane ist Kala selbst.“ Die andere Auslegung widerspricht dagegen der nachfolgenden Aussage: „Durch dessen Gnade sind ich und du gleichsam ein weiterer Kala geworden.“

S. 15–16, Übergang zur Mahakala Samhita
Deutsch: „Der nördliche in der Welt“ bedeutet: Der Verehrer einer Gottheit des nördlichen Amnaya erlangt Salokya, das Wohnen in derselben Welt. Dies bezieht sich auf die Verehrer Guhyeshvaris und weiterer Gottheiten des nördlichen Amnaya. Von der Erlangung der vier Arten der Befreiung durch die Verehrer heißt es im Anusmriti-Abschnitt der Mahakala Samhita:

S. 16, vier Arten der Befreiung
Deutsch: „Salokya, das Wohnen in derselben Welt, Samipya, die Nähe, als drittes Sarupya, die Gleichgestaltigkeit, und Sayujya, die Vereinigung: Diese vier Arten der Befreiung werden gelehrt, o Herrin der Götter. Den Verehrern anderer Gottheiten wird jeweils eine von ihnen zuteil. Der Verehrer Guhyakalis erlangt dagegen nach und nach alle vier Arten der Befreiung; daran besteht kein Zweifel. [Der anschließende Vergleich mit Tripura ist im Druck nicht sicher verständlich.] In den sechs Amnayas, o Göttin, gibt es sehr viele Gottheiten. Einige sind für das Krita-Zeitalter genannt, andere für das Treta; einige schenken im Dvapara Früchte, andere im Kali. Zehn Vidyas habe ich als fruchtbringend in allen vier Weltaltern erklärt. Unter ihnen ragen drei hervor: Kali, Tara und Sundari. Unter diesen dreien, o Shiva, ragt im Kali-Zeitalter Kali hervor. Unter den neun Formen Kalis wird Guhyakali gepriesen. Im ganzen Weltenei gibt es keine Vidya, die ihr gleicht. Guhyakali, die Königin der Vidyas, wird niemals geteilt.“

S. 16–17, neun Kali-Formen
Deutsch: Die neun Formen Kalis werden im selben Werk genannt: „Kali wird in neun Formen gelehrt, die in allen Tantras geheim gehalten werden. Die erste ist Dakshinakali, die nächste Bhadrakali; eine weitere ist Shmashanakali und die vierte Kalakali. Die fünfte ist Guhyakali, die ich zuvor beschrieben habe, die sechste Kamakalakali, die siebte Dhanakalika, die achte Siddhikali und die neunte Chandikalika.“

S. 17, weitere Formen
Deutsch: Entsprechend sind die Formen der anderen Göttinnen aus weiteren Schriften zu erfahren. Im Shaktisangama heißt es: „Kalika wird als Königin der vier Weltalter gepriesen, als Königin der Vidyas und vollendete Vidya, die im Kali-Zeitalter rasch Frucht schenkt.“

S. 17, Einheit von Kali und Krishna
Deutsch: Die Einheit Kalis und Krishnas wird in der Mahakala Samhita erklärt: „Der flötentragende Gott Krishna, der in den Frauen der drei Welten die Leidenschaft der Liebe entflammt, wird Prakriti und Vishnu genannt. Durch die Vereinigung beider, o Göttin, wird er als Shiva-Shakti gepriesen.“

S. 17–18, Einheit der drei Shaktis
Deutsch: Dass Krishna das Wesen Kalis und Rama das Wesen Taras besitzt und dass die drei Shaktis eins sind, erklärt das Shaktisangama: „Manchmal nimmt die Urgöttin Lalita männliche Gestalt an und erscheint als Krishna. Um die Welt zu bezaubern, trägt sie diese erhabene Form, die mit dem beginnenden süßen Klang der Flöte alle in ihren Bann zieht. Manchmal ist sie die ursprüngliche Shri Kali; dieselbe ist Tara und Parvati. Manchmal nimmt die ursprüngliche Shri Tara männliche Gestalt an und erscheint als Rama, um Ravana zu töten und die Götter wieder einzusetzen. Zur Vernichtung der Dämonen trägt sie diese erhabene männliche Gestalt. Die ursprüngliche Tara ist die große Shakti; sie selbst ist Kali, die große Herrin. Die große, zu Vishnu gehörende Maya gilt als Mahasundari. Sie ist weder weiblich noch männlich noch geschlechtslos. Welchen Körper sie auch annimmt, mit dessen jeweiliger Gestalt verbindet sie sich.“

S. 18, Einheit von Hari und Hara
Deutsch: Die Einheit von Hari und Hara wird im selben Werk gelehrt: „Zu einer früheren Zeit waren beide von Vishnus Gestalt. Hara selbst übte Tapas, um das Wesen Vishnus zu verwirklichen; Hari selbst übte Tapas, um das Wesen Shivas zu verwirklichen. Beide widmeten sich der Askese für eine als sechs Gruppen von Weltaltern bezeichnete Zeit, o Göttin. Shiva erlangte Vishnus Wesen und Vishnu Shivas Gestalt. Beide sind ihrem Wesen nach Hari und Hara, beide höchste Ardhanarishvaras. Dies, o Göttin, ist die grundlegende Gestalt, in der die beiden vereint sind. Dieses strahlende Licht, o Göttin, ist das ewige Wesen Brahmans.“

S. 18, Rama als Shiva-Shakti
Deutsch: Dass Rama das Wesen von Shiva und Shakti besitzt, wird dort so erklärt: „Rama ist als Shakti bekannt; er wird als Shiva gepriesen. Das Brahman, dessen Wesen Shiva und Shakti ist, wird mit dem Ruf ‚Rama, Rama‘ besungen.“

S. 18, Gauri und Sita
Deutsch: Die Einheit Gauris und Sitas sowie Shivas und Ramas wird im selben Werk erklärt: „Die höchste Sita ist von Gauris Gestalt, geschmückt mit einem kostbaren Edelsteinring. Rama ist als der höchste Shiva zu erkennen, weder als bloßer Avatara noch als Mensch. Was als das höchste Brahman bekannt ist, das sind die beiden Silben ‚Rama‘.“

S. 19, Rama-Upanishad
Deutsch: In der Rama-Upanishad: „Die Yogis erfreuen sich am Unendlichen, an wahrer Glückseligkeit, am Selbst, das Bewusstsein ist. Dieses höchste Brahman wird mit dem Namen Rama bezeichnet.“

S. 19, Einheit der fünf Gottheiten
Deutsch: Die Einheit der fünf Gottheiten, beginnend mit Ganesha, wird im Rudrayamala erklärt: „Sarasvati in der Gestalt Durgas, die große dunkle Göttin und Mahavidya, ist in der Ordnung der Verehrung Ganeshas, Suryas, Haris und Ishas zu verehren. Ein Kaula und ebenso ein Vaishnava, der die höchste Wirklichkeit kennt, soll zwischen Ganesha, Surya, Hari, Ishana und Durga keine trennende Unterscheidung machen. Auch ein verständiger Verehrer der Göttin soll sie im Bewusstsein ihrer Einheit verehren. Er verehre sie alle im Chakra der Göttin oder im Shiva-Linga, o Göttin; ebenso im Shalagrama-Stein, auf dem Sonnenaltar oder im Chakra Shri Ganeshvaras. Der Weise soll keine Trennung herstellen. Wer dennoch eine solche Trennung macht, der wird als Shaiva zu einem Vernichter Shivas.“ Die Bezeichnung „Shaiva“ steht hier stellvertretend auch für andere Verehrer. [Die Satzverknüpfung der ersten beiden Zeilen ist gedrängt; die anschließende Aussage über die Einheit der fünf Gottheiten ist eindeutig.]

S. 19, Mahavidyas und Avataras
Deutsch: Die Einheit der zehn Mahavidyas und der zehn Avataras erklärt das Mundamala Tantra: „Krishna ist unmittelbar Kalika und Rama ist Tarini. Varaha wird als Bhuvana bezeichnet und Narasimha als die Herrin Bhairavi. Dhumavati ist Vamana, Chinna ist der aus dem Geschlecht Bhrigus hervorgegangene Parashurama. Kamala besitzt die Gestalt Matsyas, und Kurma ist Bagalamukhi. Matangi ist Buddha; Shodashi hat die Gestalt Kalkins.“

S. 19–20, Name Kali
Deutsch: Eine Erklärung des Namens Kali gibt das Kamadhenu Tantra: „Weil sie die Zeit zusammenfasst und verschlingt, heißt sie Kali.“

S. 20, Name Tripura
Deutsch: Die Bedeutung des Namens Tripura erklärt der Sundari-Stava: „Es gibt die drei Shaktis Brahmi, Raudri und Vaishnavi. Diejenige, in der sie als Wohnstätte, als Leib, bestehen, wird Tripura genannt.“

S. 20, Namen Taras
Deutsch: Die Bedeutung des Namens Tara wird im Matsya-Sukta erklärt: „Spielerisch schenkt sie die Kraft der Rede; darum ist sie Nilasarasvati. Tara schenkt das Hinübergelangen, Freude und Befreiung. Weil sie aus schrecklicher Bedrängnis rettet, wird sie Ugratara genannt.“

S. 20, Amnayas und Wege
Deutsch: Die Unterscheidung der Wege entsprechend den Amnayas lehrt das Vadavanaliya Tantra: „Im östlichen Amnaya gilt der rechte Weg, im westlichen der linke. Im südlichen, nördlichen und oberen gibt es beide Wege, den linken und den rechten. Über alle diese Einteilungen hinaus wird überall der Kaula-Weg gepriesen.“

S. 20–21, drei Wege
Deutsch: Dort wird auch die Ordnung der drei Wege erklärt: „Durch die Verbindung mit den fünf Makaras, durch Verehrung mit der linken Hand sowie durch die entsprechende Form von Japa und Homa besteht der linke Weg. Der rechte Weg ist durch das Umgekehrte bestimmt. Als Besonderheit wird für die jeweilige Tarpana-Handlung im rechten Weg die linke Hand und im linken Weg die rechte Hand genannt. Der Kaula-Weg verbindet rechte und linke Handlungen und mischt beide. Da die Makaras erforderlich sind und Tarpana und Verehrung mit der rechten, manchmal aber auch mit der linken Hand geschehen, o Göttin, ist Kaula der dritte Weg.“ [Die Verbindung von „Tarpana-Mantra“ und Handgebrauch in der zweiten Strophe ist sprachlich verkürzt.]

S. 21, Rudrayamala über Dakshinachara
Deutsch: Im Rudrayamala: „Durga hat drei Bija-Formen; entsprechend werden drei Verhaltensweisen gelehrt. Die erste ist Dakshinachara, die zweite Vamachara und die dritte Kulachara. Höre ihre Ordnung, Geliebte. Morgens werden Bad, Sandhya und die weiteren Verrichtungen ausgeführt, mittags Japa, o Herrin. Für sich verwendet man einen Wollsitz; als Speise dienen Milchspeise und Zucker. Die Mala besteht aus Rudraksha, das Gefäß aus Stein. Sexuelle Gemeinschaft findet mit den eigenen Ehefrauen statt: Dies wird Dakshinachara genannt. Die Verwendung des Stoffes Madhu gilt hier als eine Beeinträchtigung der Siddhi, o Göttin.“

S. 21, Rudrayamala über Vamachara
Deutsch: „Ich werde Vamachara erklären, die höchste Sadhana Shri Durgas. Wenn der Mantrakundige sie vollzieht, erlangt er im Kali-Zeitalter rasch Siddhi. Die Mala besteht aus Menschenzähnen; als Gefäß werden Stein beziehungsweise ein Schädel genannt. Als Sitz dient Siddha-Leder oder Ähnliches, als Armband Frauenhaar. Zum Ritualstoff gehört Asava, ein berauschendes Getränk; die genaue weitere Stoffangabe ist unsicher. Als Speise dienen Fleisch und Ähnliches, o Göttin, zum Kauen junge Fische und dergleichen. Genannt werden außerdem Mudra, Vina-Klang und Erzählung. Sexuelle Vereinigung mit den Frauen anderer sowie Gleichstellung aller Varnas gehören dazu. Dies wird Vamachara genannt, das alle Siddhis schenkt, o Göttin. Andernfalls geht die Siddhi dieses Mantras verloren, große Herrin. Nun werde ich Kulachara erklären, das von den besten Yogis zu üben ist.“ [Einzelne Materialbezeichnungen und die Reihung „Mudra, Vina-Klang, Erzählung“ bleiben unsicher.]

S. 22, Rudrayamala über Kulachara
Deutsch: „Wenn man die Frau des Kula, den Kula-Guru, die Kula-Göttin und das All täglich verehrt, o große Herrin, wird dies Kulachara genannt. Nachdem man die Frau des Kula erkannt, gepriesen und sich vor ihr verneigt hat, o Göttin, soll man sie mit Gewalt herbeibringen, verehren und dann sexuelle Gemeinschaft vollziehen. Mit der Zeugungskraft bringe man der Göttin Shri Durga, der Herrin des Chakras, Tarpana dar und ebenso Nilakantha; insbesondere vollziehe man Japa nach der Vorschrift. Damit verbunden führe man Homa aus und schmücke die Frau des Kula. Nachdem man sie mit Getränken und Speisen erfreut hat, handle man täglich auf diese Weise. Dies gilt als Kulachara.“

S. 22, fünf linke Wege
Deutsch: Die Unterteilung des linken Weges in Kaula und weitere Richtungen erklärt das Meru Tantra: „Kaula nimmt den Platz des Daumens ein; Vama entspricht dem Zeigefinger. Chinakrama ist der Mittelfinger, der Siddhanta-Weg der folgende Finger und der Shabara-Weg der kleine Finger. So ist der linke Weg fünffach.“

S. 22, traditionelle Berechtigungen
Deutsch: Die unterschiedlichen Berechtigungen für die Wege werden im Vadavanaliya Tantra erklärt: „Brahmanen, Kshatriyas und Vaishyas sind zum rechten Weg berechtigt. Die drei Varnas außer den hier mit Dvija bezeichneten Brahmanen sind zu Vama und Kaula berechtigt. Ein Brahmane, der vom rechten Weg abgefallen ist und den linken geht, erlangt nur diesseitige Siddhi, niemals Befreiung. Ein Brahmane, der den Weg der Veden aufgibt, nicht nach Kaivalya verlangt und auf dem linken Weg lediglich Siddhi begehrt, gelangt in die Hölle.“

S. 23, Fortsetzung des Vadavanaliya-Zitats
Deutsch: „Brahmanen, die den Weg der Veden aufgeben und ausschließlich dem Tantra ergeben sind, werden nach dem Erleiden der Hölle zu Brahmarakshasas. Wer als Brahmane den vedischen und tantrischen rechten Weg übt, genießt hier Siddhis und erlangt nach dem Ende des Körpers das Unsterbliche.“

S. 23, Auslegung der Berechtigungen
Deutsch: Mit dieser Sammlung von Aussagen wird die folgende Ordnung festgelegt: Für den Brahmanen gilt allein der rechte Weg; Kshatriyas und Vaishyas sind zu allen drei Wegen berechtigt, Shudras zum linken und zum Kaula-Weg. Daraus wird geschlossen: Ein Brahmane, der aus Verlangen nach Siddhi oder anderen Vorteilen dem linken oder dem Kaula-Weg folgt, gewinnt nur Genuss, nicht Moksha. Beides erlangt dagegen der Brahmane, der die angemessene Gottheit auf dem in den Tantras gelehrten rechten Weg verehrt, verbunden mit dem vedischen Weg.

S. 23, Einwand aus dem Meru Tantra
Deutsch: Man soll nicht einwenden, dies widerspreche der Aussage des Meru Tantra, die eine Berechtigung der Brahmanen zum linken Weg auszudrücken scheint: „Die dem linken Verhalten folgenden Zweimalgeborenen sollen zuerst die Kula-Einweihung empfangen und danach die Einweihung in die Savitri. Bei umgekehrter Reihenfolge fällt man aus seiner religiösen Stellung.“ Denn wenn „Zweimalgeborene“ dort auf die anderen Zweimalgeborenen außer den Brahmanen bezogen wird, besteht kein Widerspruch.

S. 23, weiteres Gegenargument
Deutsch: So stimmt auch die Aussage eines weiteren Tantra damit überein: „Für Brahmanen führt der linke Weg allein zur Hölle.“ Wird der linke Weg von den eigens dazu Berechtigten vollzogen, kann auch er Genuss und Befreiung hervorbringen. Wären Brahmanen ebenfalls dazu berechtigt, wäre es daher nicht schlüssig, ihn für sie als Ursache des Höllengangs zu bezeichnen.

S. 23–24, Kalika-Purana-Zitat und Folgerung
Deutsch: So heißt es im Kalika Purana: „Ein Brahmane, der Mahamaya ohne den rechten Weg verehrt, wird als Schuldiger aus der Himmelswelt gestürzt und von Krankheit heimgesucht.“ Daher ist zu verstehen, dass der Brahmane allein zum rechten Weg berechtigt ist. Auch für Kshatriyas und Vaishyas wird der rechte Weg empfohlen. Dass sie zum linken Weg berechtigt genannt werden, bedeutet: Selbst wenn sie ihm aus Verlangen folgen, verlieren sie dadurch nicht ihre religiöse Stellung; eine solche Folge wird ausdrücklich für den Brahmanen gelehrt. Der linke Weg wird dagegen für Shudras empfohlen. Denn im Meru Tantra heißt es: „Für die Gruppen von den Shudras bis hin zu den Yavanas liegt die Siddhi auf dem linken Weg.“

S. 24, Mahakala und Siddhantasara
Deutsch: Zur religiösen Verhaltensweise sagt die Mahakala-Überlieferung: „Ein Shudra verehre auf dem linken oder einem entsprechenden Weg, die Zweimalgeborenen auf dem rechten.“ Mit den Zweimalgeborenen sind Brahmanen, Kshatriyas und Vaishyas gemeint. Das „und weitere“ bei den linken Wegen schließt Kulachara ein. Auch dieser wird, wie zuvor, für Shudras empfohlen; für Kshatriyas und Vaishyas wird er weder empfohlen noch verboten, für Brahmanen aber ausdrücklich verboten. Denn im Siddhantasara heißt es: „Weil Kulachara zum Verlust des Brahmanenstandes führt, soll man ihn nicht ausüben.“

S. 24, scheinbare Ausnahmen
Deutsch: „Jene Brahmanen, die von einem Fluch verbrannt und von den brahmanischen Verrichtungen ausgeschlossen sind: Für sie ist dieser Kaula-Dharma ein Mittel zu Genuss und Befreiung. Jenen Brahmanen, die aus Schuld hervorgegangen, vom Fluch verbrannt und entwurzelt sind, erwächst die Berechtigung zum Kula, zu diesem Weg.“ Aussagen wie diese aus dem Meru Tantra beziehen sich nach dieser Auslegung ausschließlich auf Brahmanen, die beim Opfer Dakshas durch den Fluch eines Gefolgsmannes vom vedischen Weg ausgeschlossen wurden und ihren Brahmanenstatus verloren haben. Sollten sich aufgrund selbstständiger Lehräußerungen und der Vielfalt der Aussagen noch andere Stellen finden, die auch Brahmanen eine Berechtigung zu Vama und Kaula zusprechen, sind darunter Brahmanen geringeren Ranges zu verstehen, die durch eines der fünf Merkmale gekennzeichnet sind. Für solche besteht diese Berechtigung tatsächlich.

S. 25, fünf Merkmale des Brahmanen
Deutsch: Dies wird im Meru Tantra, im Aishvara-Abschnitt, ausdrücklich erläutert: „Durch brahmanische väterliche Herkunft und den entsprechenden mütterlichen Ursprung, durch die aus Brahman hervorgegangenen Samskaras, durch brahmanische Lebensführung und durch Brahmanwissen ist einer Brahmane. Ihm sind wir untertan, und die Wirklichkeit folgt seinem Wort. Fehlt eines der Merkmale, folgt das Wort der Wirklichkeit. Fehlen zwei Merkmale, o Göttin, so ist er aufgrund seiner eigenen Lebensführung Brahmane. Wem drei Merkmale fehlen, der gelangt auf dem tantrischen Weg zur Vollendung. Für diejenigen, denen vier Merkmale fehlen, bestehen die Kaula-Wege und die entsprechenden anderen Wege.“ Das Fehlen der Merkmale ist in umgekehrter Reihenfolge ihrer Nennung zu verstehen.

S. 25, Berechtigung zum linken Weg
Deutsch: Ebendort: „Bei welchem Brahmanen eines der zuvor genannten Merkmale zu erkennen ist, der dadurch in einem gewissen Maß Brahmanenstatus besitzt und von der Sorge bedrängt wird: ‚Mir ist keine Berechtigung zu sämtlichen brahmanischen Verrichtungen zuteilgeworden. Wie werde ich in dieser Welt und im Jenseits Glück erlangen?‘ – wer gegenüber fremdem Besitz wie blind, gegenüber den Frauen anderer wie ohne sexuelles Vermögen und bei der Verleumdung anderer wie stumm ist und beständig in dieser Weise nachdenkt: Gerade dieser Brahmane besitzt hier die Berechtigung zum linken Weg.“ Mit dem einen Merkmal ist die Abstammung von einem brahmanischen Vater gemeint.

S. 25–26, Merkmale und Ritualwege
Deutsch: Ferner: „Der Brahmane, der alle fünf Merkmale besitzt, ist Kala selbst. Ich, Brahma und Vishnu handeln nach seinem erhabenen Gebot. Begibt er sich jedoch auf den linken Weg, so wird er als Hund wiedergeboren. Wer vier Merkmale besitzt, dem bringt der linke Weg Frucht. Wird durch ein glückliches Geschick von diesen beiden irgendein tantrischer Mantra gegeben, so trägt er beim Ersten sogleich Frucht, beim anderen dagegen durch die rituelle Ausführung. Wer drei Merkmale besitzt, für den tragen der vedische und der tantrische Weg gerade durch das vorgeschriebene Verhalten Frucht; daher auch der linke Weg. Wer zwei Merkmale besitzt, für den sind der linke und der rechte Weg gleich und tragen gleiche Frucht, niemals jedoch der vedische. Wer ein Merkmal besitzt, dem bringt der linke Weg Frucht. Für die Gruppen von den Shudras bis zu den Yavanas liegt die Vollendung auf dem linken Weg.“ Lesungshinweis: Die Satzverknüpfung im Vers über die drei Merkmale ist verkürzt; die Zuordnung des linken Weges bleibt sprachlich unsicher.

S. 26, Beständigkeit auf dem linken Weg
Deutsch: „Ein Brahmane auf dem linken Weg soll niemals Tulsi berühren, keinen vishnuitischen Brahmanen berühren und sich vor keinem vedischen Brahmanen verneigen. Mögen alle Verwandten mich tadeln, mögen Frau, Kinder und die anderen mich verlassen; mögen die Menschen bei meinem Anblick lachen oder die Könige mich bestrafen: Auch wenn Krankheit, Armut, Leid und anderes mich unaufhörlich bedrängen, auch wenn das Glück bleibt oder geht, lasse ich nicht von Shivas Stätte ab. Wer eine derart feste Hingabe besitzt, gelangt auf dem linken Weg zur Vollendung.“

S. 26–27, Rudrayamala über Vamachara
Deutsch: Im Rudrayamala: „Links eine Frau mit mondgleichem Gesicht, im Mund Wein und in der Lotushand die Schale; am Scheitel die Betrachtung des verehrten Gurus und der Geist eine Stätte der Meditation über die Göttin; auf der Zunge die Japa-Praxis und Reife im Erlernen der Kaula-Abfolge: Diejenigen, bei denen dies gewiss gegeben ist, mögen den wohlschmeckenden Trank trinken; sie haben Genuss und Befreiung erlangt. Links eine im Liebesspiel erfahrene Frau, rechts die Weinschale; davor die Mudras, Kichererbsenküchlein und Shurana-[Speisebezeichnung unsicher] als rituelle Beigabe; die Saitenvina klingt lieblich und voller Gefühl, der wahre Guru spricht über das Gute: Der linke Weg ist überaus tief, selbst für Yogis schwer zugänglich.“

S. 27, Meru Tantra über bloßen Genuss
Deutsch: Im Meru Tantra: „Wein soll man trinken, Fleisch soll man essen und das Gesicht der Geliebten soll man anschauen: Nur dies sei die höchste Lebensweise, behaupten die Unverständigen. Wenn ein Mensch durch Weintrinken zur Vollendung gelangte, warum sind dann, o Uma, nicht alle dem Weintrinken Ergebenen Vollendete? Wenn allein Fleischessen zu einem glückseligen Ziel führte, dann müssten die Fleischfresser Befreiung erlangen; anderes als Fleisch käme dafür nicht infrage. Wenn durch den Geschlechtsverkehr mit einer Frau Befreiung entstünde, o Göttin, dann wären alle befreit – wer würde noch wiedergeboren werden? Auf dem Kula-Weg zu handeln ist wahrlich schwerer, als auf einer Schwertschneide zu gehen, einen Tiger am Hals zu umfassen oder sich von einer Schlange umschlingen zu lassen.“

S. 27, zehn Vaishnava-Überlieferungen
Deutsch: Nun die verschiedenen Vaishnava-Traditionen. Dazu heißt es im Shaktisangama: „An erster Stelle steht der Vaikhanasa, danach der Shri-Radhavallabha; dann Gokulesha, o große Herrin, und ebenso der Vrindavani. Der Pancharatra ist der fünfte, der verehrte Vira-Vaishnava der sechste. Es folgen Ramanandi, Harivyasi und Nimbarka, o große Göttin, und schließlich der Bhagavata. Diese zehn Arten werden gelehrt, o Göttin.“

S. 27–28, Smarta und Radhavallabha
Deutsch: „Der Smarta-Vaishnava ist durch die Einweihungen und die weiteren Merkmale der Vaikhanasa-Tradition und entsprechender Traditionen ausgezeichnet. Der Shri-Radhavallabha, o Göttin, ist der vishnuitischen Lebensführung zugewandt, allein in Vishnus Mantra bewandert, ohne auf anderes gerichtete Gedanken, innerlich friedvoll und den Zeichen Vishnus ergeben. Höre nun von Gokulesha, Geliebte.“

S. 28, Gokulesha
Deutsch: „Mit mannigfachem Schmuck versehen und mit vielerlei Wohlgerüchen geschmückt, nimmt er die Gestalt des Krishna im Kali-Zeitalter an, der die Schar der Kühe erfreut. Körper, Besitz und Lebenskräfte bringt er ihm dar. Innerlich der Shakti zugewandt, o Göttin, trägt er äußerlich die Gestalt eines Vaishnava. Er widmet sich der Lebensweise der Gandharvas und ist der Umarmung in der Art einer sich windenden Ranke zugetan. Dies ist die Gokulesha-Überlieferung, die auf Erden alle Vollendungen gewährt.“

S. 28, Vrindavani und Pancharatra
Deutsch: „Frei von Erwartungen, mit heiterem Gemüt, der Hingabe an Vishnu ergeben; lebhaft im Umgang mit Frauen, erfreut an Spielen im Wald; sein Körper mit Wohlgerüchen geschmückt, ganz auf die Betrachtung der Frau gerichtet und mit dem Wesen der Gestaltgleichheit mit Vishnu vertraut: So wird der Vrindavani beschrieben, o Shiva. Diejenigen, welche das Gelübde der fünf Nächte auf sich genommen haben, werden Pancharatras genannt. Für die Dauer von fünf Tagen heißen die Shaivas ‚Dreiäugige‘.“ Textverständnis: Der Zusammenhang des letzten Satzes mit der vorangehenden Beschreibung wird an dieser Stelle nicht erläutert.

S. 28, Vira-Vaishnava
Deutsch: In der Gopala-Paddhati: „Wer mit Körper, Geist und Rede allein Vishnu verehrt und andere Gottheiten herabsetzt, wird Vira-Vaishnava genannt. Wer aber weiß, dass dieses ganze bewegliche und unbewegliche Weltall Narayanas Wesen hat, und niemanden hasst, der ist der höchste Vira-Vaishnava.“

S. 28, Ramanandi
Deutsch: Ebendort: „Wer seine Freude in Shri Rama findet, dem höchsten Selbst, das in der Mitte des Herzlotus wohnt, wird Ramanandi genannt.“

S. 29, Harivyasi
Deutsch: Im Shaktisangama: „Der Harivyasi, o große Herrin, bemüht sich um die Tilgung von Schuld, ist Vishnu ergeben und hat seine Sinne gemeistert. Er hält Yama und die weiteren Regeln ein und widmet sich einer angemessenen Lebensführung. Er nimmt nur an, was er selbst benötigt, setzt sich für die Anliegen anderer ein und trägt das Wesen von Shiva und Shakti.“

S. 29, Nimbarka
Deutsch: „Er widmet sich der Ordnung der täglichen Verehrung und richtet sich ganz auf Unabhängigkeit aus. Äußere Puja und die entsprechenden Handlungen führt er aus; seine Hingabe ist ungeteilt, sein Geist heiter. Mit [‚Asya-Paksha‘: Bedeutung hier unklar] versehen, rein und einer frei gewählten Lebensführung zugewandt, unabhängig und den Smartas feindlich gesinnt: Dies ist Nimbarka, der erhabene Hari.“

S. 29, Bhagavata im Shaktisangama
Deutsch: „Allein in der Hingabe an Vishnu bewandert, selbstbeherrscht und von heiterem Geist; mit dem Stolz eines Smarta versehen, o Göttin, doch einer davon verschiedenen Lebensweise zugewandt; den Shaivas feindlich und nach einer Begegnung mit ihnen darauf bedacht, erneut zu baden; einzig mit der Hingabe an Vishnu vertraut: So wird der Bhagavata beschrieben, o Shiva.“

S. 29, der höchste Bhagavata
Deutsch: Das Kennzeichen des höchsten Bhagavata wird hingegen im elften Skandha beschrieben: „Wer in allen Wesen die Gegenwart des Herrn, seines Selbst, erkennt und die Wesen im Herrn, dem Selbst, sieht, der ist der höchste Bhagavata.“

S. 29, die Welt als Vishnus Maya
Deutsch: Ferner ebendort: „Wer, auch wenn er mit den Sinnen die Gegenstände wahrnimmt, weder Abneigung noch überschwängliche Freude empfindet und diese Welt als Vishnus Maya erkennt, der ist wahrlich der höchste Bhagavata.“

S. 29–30, unerschütterliche Erinnerung
Deutsch: Ebenso: „Wessen Erinnerung ungetrübt bleibt und wer selbst um der Herrlichkeit der drei Welten willen nicht für den Bruchteil eines Augenblicks von den Lotusfüßen des Herrn weicht, nach denen die Götter und andere mit unbezähmtem Geist suchen, der ist der vorzüglichste Vaishnava.“

S. 30, der mittlere Bhagavata
Deutsch: Das Kennzeichen des mittleren wird ebendort genannt: „Wer dem Herrn Liebe, seinen Anhängern Freundschaft, den Unwissenden Mitgefühl und den Feindseligen gegenüber Zurückhaltung entgegenbringt, der steht auf der mittleren Stufe.“

S. 30, der noch unentwickelte Verehrer
Deutsch: Das Kennzeichen des noch unentwickelten Bhagavata wird ebendort genannt: „Wer allein dem Bild Haris vertrauensvoll Puja darbringt, seinen Verehrern und anderen Menschen jedoch keine entsprechende Achtung erweist, gilt als ein noch unentwickelter Verehrer.“

S. 30, sieben Shaiva-Überlieferungen
Deutsch: Nun die verschiedenen Shaiva-Traditionen. Im Shaktisangama: „Der Reihe nach sind es Shikhin, Mundin, Jatin, Dvidandin, Tridandin, Ekadandin, o große Herrin, und ebenso Virashaiva. Sieben Pashupata-Arten werden gelehrt, während es zehn Vaishnava-Arten gibt. Höre nun die Kennzeichen der Pashupatas, Parvati.“

S. 30, Shikhin
Deutsch: „Der Shikhin-Pashupata, o Göttin, ist heilvoll und trägt Haarbüschel und heilige Schnur. Er widmet sich Samadhi, o Göttin, und hält in Samadhi den Sitz Shivas inne. Rudraksha und Asche bilden seine als shaivitisch bezeichneten Erkennungszeichen, o Shiva. Er wird als heiteren Wesens, ruhigen Geistes und als Brahmachari beschrieben.“

S. 30, Mundin
Deutsch: „Fest auf die Lehre der verehrten Bindumalini gestützt, erscheint der Mundin in dreißig Arten, o Göttin, wie im Tara-Sukta dargelegt wird. Unter ihnen soll derjenige, der die Pashupata-Lebensweise besitzt, geschoren sein.“

S. 30–31, Jatin
Deutsch: „Er trägt drei verfilzte Haarsträhnen, eine einzelne verfilzte Strähne oder gekrümmte verfilzte Haarsträhnen. Nackt, ein Asket, innerlich ruhig und körperlicher Kasteiung ergeben, mit den drei Verrichtungen ausgestattet: So wird der Jatin-Pashupata beschrieben.“

S. 31, die Träger der Stäbe und Virashaiva
Deutsch: „Der Träger zweier Stäbe aber, o große Herrin, besitzt die Zügelung von Rede und Geist. Wer Körper, Rede und Geist zügelt, wird Träger dreier Stäbe genannt. Wer allein den Geist zügelt, heißt Träger eines Stabes. Wer ganz mit Shiva verbunden ist und seine eigene Gottheit tadelt, ist als Virashaiva bekannt.“ Damit ist gezeigt, dass die Tridandins und entsprechenden Gruppen, die andernorts als Vaishnavas bekannt sind, auch Shaivas sein können. Textverständnis: Die Aussage über das Tadeln der eigenen Gottheit ist im Druck so überliefert; ihr Sinn bleibt hier unklar.

S. 31, Wege in den vier Weltaltern
Deutsch: Über den Vorrang verschiedener Wege in den verschiedenen Weltaltern heißt es im Rudrayamala: „Im Krita-Zeitalter gilt der in der Shruti genannte Weg, im Treta der in der Smriti gelehrte, im Dvapara der in den Puranas beschriebene und im Kali der aus den Agamas hervorgegangene.“ Zu ergänzen ist jeweils: „als der vorrangige“.

S. 31, Agama als Glied des Veda
Deutsch: Dass der Agama ein Glied des Veda ist, erklärt das Meru Tantra: „Ohne Pranava gibt es keinen Veda; der Mantra ist mit dem Veda verbunden. Daher steht der Mantra über dem Veda, und der Agama gilt als ein Glied des Veda.“

S. 31, Bedeutung des Wortes Agama
Deutsch: Die Bedeutung des Wortes Agama wird im Rudrayamala erklärt: „Er kam aus Shivas Mündern hervor, gelangte in Girijas Mund und versank in ihrem Herzlotus. Deshalb wird er Agama genannt.“ Erläuterung: Die traditionelle Wortdeutung verbindet die Anfänge der Wörter für ‚gekommen‘, ‚gegangen‘ und ‚versunken‘ zu Agama.

S. 31–32, vedische und Kaula-Verrichtungen
Deutsch: Obwohl der Agama ein Glied des Veda ist, wird ebendort ein Gegensatz zwischen vedischen und Kaula-Verrichtungen gelehrt: „Wer Kaula-Riten ausführt, dem wird keine vedische Verrichtung vorgeschrieben. Wegen ihres Gegensatzes werden beide zunichte; daher soll man einem einzigen Weg folgen.“

S. 32, Wechsel zwischen rechtem und linkem Weg
Deutsch: Auch ein Gegensatz zwischen linkem und rechtem Weg wird im Meru Tantra beschrieben: „Wenn ein Anhänger des linken Weges den rechten betritt, wird er von dessen Gottheiten gehindert und gepeinigt und erlangt keine Vollendung. Betritt ein Anhänger des rechten Weges den linken, so schlagen dessen Gottheiten ebenfalls den nun zum linken Weg Gehörigen, der in beiden Welten Schaden erleidet. Deshalb soll man den Weg der eigenen Überlieferung erkennen und entsprechend seine Verehrung ausüben.“

S. 32, Einführung in die tägliche Verehrung
Deutsch: Die Arten der Verehrung werden ebenfalls dort beschrieben. Shri Shiva sprach: „Was Mahakala verkündet und Mahamaya gehört hat, das Geheimste unter den Geheimnissen, ist in allen Mantras verborgen. Dieses Geheimnis der Amnayas, die tägliche rituelle Ordnung, wird jetzt dargelegt. Hört alle zu, ihr Götter: Es gewährt den Sadhakas Vollendung. Die täglichen Verrichtungen werden entsprechend den drei Gunas dreifach genannt. Nach der Verschiedenheit der Berechtigten sind auch sie dreifach: rein, gemischt und entartet; entsprechend tragen sie Frucht. Das Reine gewährt die volle Frucht, das Gemischte nur einen Teil. Unterbleibt das Entartete, entsteht kein Vergehen; wird es ausgeführt, entsteht keine gute Frucht.“

S. 32–33, sattvische Verehrung
Deutsch: „Eine innere Verehrung ohne Ichbezogenheit, auf Erkenntnis gegründet und von einem Asketen mit ausgeglichenem Geist vollzogen, wird rein genannt. Wird eine solche von einem Haushälter, einem Mittellosen, einem Kranken, einem Reisenden oder einem Gefangenen ausgeführt, auch aus Hingabe, so gilt sie als gemischt, da für sie die Berechtigung zur äußeren Puja besteht. Wird die geistige Verehrung dagegen aus Furcht vor Kälte und Ähnlichem, wegen [unklarer Lesung über den Aufwand an Mitteln], wegen ihres geringen Arbeitsaufwands oder auf Anweisung einer Frau oder anderer angenommen, gilt sie als entartet.“ Lesungshinweis: Die gedruckte Verbindung vor saṃkṣaya bleibt unsicher; sie wurde nicht stillschweigend ergänzt.

S. 33, rajasische Verehrung
Deutsch: „Äußere Puja und die entsprechenden Verrichtungen, die ein Haushälter in Abgeschiedenheit, regelmäßig und mit Hingabe vollzieht, gelten als reines Rajas. Was für die Puja erbettelt und ohne Vertrauen und Hingabe ausgeführt wird, aus Furcht vor den Menschen oder vor der Gottheit, das ist gemischtes Rajas. Werden unter dem Namen einer Gottheit Mittel erbettelt, um die Menschen zu täuschen, und handelt man unter diesem Vorwand, so ist dies entartetes Rajas.“

S. 33, tamasische Verehrung
Deutsch: „Was man auf dem linken Weg nach Betrachtung des Kaula-Dharma und ohne Feindschaft gegen andere religiöse Wege ausführt, ist reines Tamas. Was auf dem linken Weg aus Begierde als vedische, auf das Jenseits gerichtete Verrichtung ausgeführt wird, ist gemischtes Tamas. Essen und Trinken aus Gier des Gaumens, geschlechtliche Vereinigung aus Begierde oder Handeln zum Zweck von Tötungsritualen und dergleichen: Das ist entartetes Tamas.“

S. 33–34, Früchte der neun Formen
Deutsch: „Durch reines Sattva entsteht Befreiung, durch gemischtes Sattva der Himmel; durch entartetes Sattva entstehen diesseitige Erfolge und ein menschliches Dasein. Durch reines Rajas entsteht der Himmel, durch gemischtes Rajas die Erfüllung von Wünschen; durch entartetes Rajas kann selbst in tierischer Geburt Glück entstehen. Durch die sattvische Form des Tamas erlangt ein Mensch eine göttliche Geburt. Durch gemischtes Tamas wird er leidvoll, durch die letzte Form des Tamas gelangt er in die Hölle.“

S. 34, fünf Verrichtungen und Befreiung
Deutsch: „Fünffach wird das Handeln genannt, das fünf Arten der Befreiung gewährt: Prasarpana, Upadana, Ijya und Adhyaya auf Erden [sowie der anschließend erklärte Samyoga]. Das Fegen, Bestreichen und die weiteren Arbeiten zur Herrichtung des Tempels, verbunden mit hingebungsvoller Verehrung, heißen Sarpana; sie führen zum Leben in derselben Welt wie die Gottheit. Das Sammeln der Puja-Materialien, der Dienst an den Verehrern und ihre Erfreuung heißen Upadana; sie verleihen die Gestalt der Gottheit. Eine Puja an einem Bild oder Yantra mit sechzehn oder entsprechenden Darbringungen, der die Verehrung des Sitzes vorausgeht, heißt Ijya; sie führt zur Nähe der Gottheit. Die zugehörige Schrift gründlich zu studieren, die Bedeutung des Mantras zu betrachten und Japa auszuführen, heißt Svadhyaya; es führt zur Vereinigung mit der Gottheit. Die Einheit von Guru, Gottheit, Selbst und Kala gründlich zu vergegenwärtigen, heißt Samyoga; es beseitigt den feinen Leib und bewirkt die Verbindung mit Kala.“

S. 34–35, Verehrung unterwegs und in Not
Deutsch: Nun die Verehrung, wie sie Reisende und andere ausführen sollen; auch sie wird ebendort gelehrt: „Jetzt werde ich eine andere tägliche Ordnung erklären, die in zehn Situationen gilt: auf dem Weg, in der Fremde, an einem schwer zugänglichen Ort, wenn Nahrung fehlt, bei innerer Furcht, im Gefängnis, an einem unheilvollen oder ungeeigneten Ort, bei Gefahr durch Räuber, Tiger und dergleichen sowie beim Einfall eines feindlichen Heeres. Reinigung und die weiteren Vorbereitungen soll man so ausführen, wie es möglich ist. Nachdem man wenigstens ein Mantrabad und Ähnliches vollzogen hat, führe man geistige Puja aus. Im Inneren des Herzens stelle man sich den als Yoga bezeichneten Sitz vor und verehre die Gottheit dort in der Mitte der Erde. Wie die Puja mit Blumen und anderen Gaben außerhalb des Körpers vorgeschrieben ist, so sind all diese Darbringungen auch im Herzen zu vollziehen. Im Bauch führe man geistig Homa aus. Dies ist die tägliche Ordnung in einer Notlage.“

S. 35, Verehrung bei Krankheit
Deutsch: Nun die Verehrung durch einen von Krankheit Betroffenen; auch sie wird ebendort gelehrt: „Jetzt werde ich die tägliche Ordnung für den Kranken erklären, dessen [Zustand mit kanthadhika bezeichnet wird; Bedeutung unsicher]. Zeigt sich eine Krankheit, die bis zum Fasten führt, soll man weder am hergerichteten Opferplatz noch an Bildern Puja ausführen; auch soll man weder baden noch das Zahnholz gebrauchen oder Homa ausführen. Man schaue die Sonnenscheibe oder ein Götterbild an, wiederhole den Wurzelmantra einmal und bringe eine Blume mit unversehrten Reiskörnern dar. Wer von sehr schweren Krankheiten erschöpft ist oder durch das Alter seine Sinneskräfte eingebüßt hat, kann seine Pflichten auch durch Angehörige seiner eigenen Einweihungsgemeinschaft erfüllen lassen. Ist die Krankheit gewichen, bade man, verehre Feuer und Gottheiten, Gurus und Brahmanen und spreche vor ihnen: ‚So lange war meine Puja unterbrochen. Möge durch eure Gnade daraus kein Fehler bleiben.‘ Nach dieser Bitte handle man wieder wie zuvor. Einen Fehler, der infolge der Krankheit entstanden ist, reinige man durch Japa, Gaben, Homa oder Dhyana.“

S. 35–36, Verehrung während Sutaka
Deutsch: Nun die Verehrung während Sutaka, der rituellen Unreinheitszeit nach Geburt oder Todesfall; auch sie wird ebendort gelehrt: „Wer sich in Sutaka befindet, vollziehe zunächst die von der Smriti angeordneten täglichen vedischen Verrichtungen und führe dann die tantrische Puja und die weiteren Handlungen ausschließlich geistig aus. Handelt es sich um einen Ritus zur Erfüllung eines Wunsches, führe man ihn während Sutaka wie zuvor nach dem linken Weg aus, nachdem man das eigene Haus verlassen hat. Wer aus der Kula-Überlieferung stammt, das Verlangen aufgibt und auf Erkenntnis gegründet den überlieferten linken Dharma bewahrt, wird selbst eine Gottheit.“

S. 36, fehlende Ritualmittel
Deutsch: Nun wird erklärt, was beim Eintritt großer Gefahr oder beim Fehlen der Puja-Materialien zu tun ist: „Wenn ein Bedrängter keine Arghya-Schale und keine anderen Hilfsmittel beschaffen kann, soll er die Puja mit Wasser ausführen. Ist nicht einmal Wasser vorhanden, verehre er die Gottheit mit Blumen und anderen Gaben, die er innerlich vergegenwärtigt. Hingabe, Vertrauen und innere Vergegenwärtigung werden das Leben aller Pujas genannt.“

S. 36, vereinfachte tägliche Verehrung
Deutsch: Die tägliche Ordnung für Menschen mit geringem Verständnis wird erklärt: „Ich werde die tägliche Ordnung für Menschen mit geringem Verständnis und ebenso für einen verkürzten Vollzug beschreiben. Der Edelsteinpavillon, die Vierergruppe beginnend mit Dharma, die Schlange, der Lotus, der Wurzelmantra, die Gestalt und die sechs Glieder: Ihre Verehrung wird vorgeschrieben. Täglich berühre man die Körperglieder in eben dieser Nyasa-Reihenfolge. Sind sämtliche Gegenstände nicht zu beschaffen, dient allein die innere Vergegenwärtigung. Mit festem Geist verehre man allein mit reinem Wasser.“ Erläuterung der Druckausgabe: Die Schlange bezeichnet Shesha, der Lotus den achtblättrigen Lotus in der Mitte des Sitzes; mit Gestalt ist die verehrte Gottheit gemeint.

S. 36, drei Grade der Puja
Deutsch: „Im Allgemeinen ist Puja dreifach: die höchste, die mittlere und die geringste. Je nach Berechtigtem und Anlass unterteilt sie sich wiederum hundertfach. Was mit sämtlichen erforderlichen Hilfsmitteln vollzogen wird, gilt als die höchste Puja. Die mit den jeweils verfügbaren Materialien ausgeführte Puja ist die mittlere. Die mit Blättern, Blumen und Wasser vollzogene Puja wird die geringste genannt.“

S. 37, Puja nach den drei Gunas
Deutsch: „Die Puja, die von den makellosen Wesen mit Brahma an der Spitze entsprechend den gesamten vorgeschriebenen vedischen Weisungen ausgeführt wird, ist sattvisch und schenkt Befreiung. Eine Puja, die Könige und andere, in Tapas gefestigt und mit dem Wesen des Herrn vertraut, richtig ausführen, ist rajasisch und schenkt Glück. Die Puja, die Frauen, Kinder, Alte, Ungelehrte und andere ergebenen, innerlich unerschütterten Menschen täglich ausführen, wird tamasisch genannt. Für Menschen mit wenigen Wünschen ist die Verehrung im Wald zur Erlangung von Siddhi vorgesehen; für wunschfreie Haushälter ist die Verehrung im Haus heilsam. Die Zweimalgeborenen sollen den vedischen Weg niemals aufgeben. Wer vom Veda abgefallen ist, erlangt nur schwer Brahmanenstand oder göttliches Dasein.“ Lesungshinweis: Die grammatische Verbindung am Anfang dieses Abschnitts ist im Druck schwierig; die Übersetzung gibt den erkennbaren Zusammenhang wieder.

S. 37, geistige Puja und die beiden Wege
Deutsch: Ferner: „Dreifach wird die Verehrung gelehrt; die sattvische ist darunter die höchste. Bei ihr gelten geistige Puja und geistiger Japa als die vorzüglichsten Formen. Rajasisch ist der rechte Weg, die Verehrung eines Bildes mit äußeren Darbringungen wie Blumen; er eignet sich besonders für die Angehörigen des ersten Standes. Tamasische Verehrung wird durch Bali-Darbringungen an heiligen Sitzen und entsprechenden Orten beschrieben. Sie wird nach dem linken Weg für alle außer dem ersten Stand empfohlen. Dies ist die übergeordnete Einteilung von linkem und rechtem Weg. Zweifach wird die Verehrung auch als wunscherfüllt und wunschfrei bezeichnet: Die wunschfreie ist der Same der Befreiung, die von Wünschen getragene der Same weiteren Werdens.“

S. 37–38, Unterweisung und Berechtigung
Deutsch: Dass ohne Unterweisung durch den Guru keine Berechtigung zu dieser Verehrung besteht, wird ebendort erklärt: „Wie Zweimalgeborene vor dem Upanayana keine Berechtigung zu ihren eigenen rituellen Verrichtungen, zum Studium und den weiteren Pflichten haben, so haben Uneingeweihte keine Berechtigung zur Mantra- und Gottheitenverehrung. Deshalb soll man sich durch den Mantra weihen lassen.“ In der Mantra-Muktavali: „Japa und die vorgeschriebene Gottheitenverehrung sollen von Menschen ausgeführt werden, die Diksha empfangen haben.“

S. 38, zufällig erlangte Mantras
Deutsch: Ebenso im Gauriyamala: „Ein zufällig gehörter, durch Täuschung oder Gewalt erlangter oder auf einem Blatt vorgefundener Mantra bleibt, selbst wenn man ihn wie einen Vers wiederholt, ohne Frucht.“ Im Yogini Tantra: „Wer uneingeweiht Japa, Puja und entsprechende Handlungen ausführt, für den entsteht keine Frucht – wie bei einem auf Stein ausgesäten Samen.“

S. 38, Schrift und mündliche Unterweisung
Deutsch: Auch in der Mahakala-Samhita: „Nicht allein aufgrund eines Blicks in die Schrift soll man sprechen, sich entsprechend verhalten, Japa ausführen, rezitieren, unterweisen, rituell handeln oder Sadhana betreiben. Erst nachdem man Japa, Nyasa, Verehrung und die weiteren Verrichtungen durch die Unterweisung des Gurus empfangen hat, soll man all dies ausführen, stets von der entsprechenden inneren Haltung erfüllt.“

S. 38–39, Notwendigkeit der Diksha im Rudrayamala
Deutsch: Über die Notwendigkeit der Diksha heißt es im Rudrayamala: „Wer, o Shiva, bis an sein Lebensende keine Einweihung besitzt, der überquert niemals den Ozean der Hölle, o Göttin. Dem ohne Diksha gebliebenen, gebundenen Wesen von verachteter Geburt, o Herrin der Götter, nähert sich die Flut der Schuld, während Verdienst weit davonflieht. Deshalb sollen verständige Menschen sich mit Eifer um diese höchste Diksha bemühen und sie empfangen.“

S. 39, Dattatreyayamala über fehlende Einweihung
Deutsch: Im Dattatreyayamala: „Wer ohne Einweihung auf Erden lebt und die Frucht der Schuld verzehrt, fällt leidvoll in die Grube der Hölle, in die Finsternis der Verblendung. Wie ein schutzloser Sterblicher auf Erden keinen Retter hat, so hat der ohne Einweihung Gebliebene weder hier noch jenseits einen Herrn.“

S. 39, Agamakalpadruma über fehlende Einweihung
Deutsch: Im Agama-Kalpadruma: „Die Verehrung eines Uneingeweihten nehmen die Gottheiten niemals an, auch wenn sie mit tausend Darbringungen und mit Hingabe verbunden ist. Weil sein gesamtes rituelles Handeln vergeblich ist, gilt der Uneingeweihte als gebundenes Wesen.“

S. 39, Matsyasukta über fehlende Einweihung
Deutsch: Im Matsya-Sukta: „Höre von den uneingeweihten Sterblichen, o große Göttin: Ihre Speise gilt als Kot gleich, ihr Wasser als Urin gleich. Ein von einem solchen Menschen oder für ihn vollzogenes Shraddha geht gänzlich einem niederen Ziel entgegen.“

S. 39, Kularnava über die Kraft der Diksha
Deutsch: Über die Größe der Diksha heißt es im Kularnava: „Hunderttausende geringerer Verfehlungen und Millionen schwerer Verfehlungen verbrennt eine ordnungsgemäß vollzogene Diksha in einem Augenblick, o Herrin der Götter.“

S. 39–40, Diksha und Lehrerfolge
Deutsch: Im Rudrayamala: „Ein eingeweihter Brahmane gelangt in die nektarerfüllte Welt Brahmas; ein Kshatriya in Indras Welt, ein Vaishya in die Welt Prajapatis. Ein Shudra gelangt durch die Gnade der Diksha in die Stadt der Gandharvas. Nach Shivas Gebot gibt es für die Lebewesen ohne Diksha keine Befreiung. Diese aber gibt es nicht ohne einen Acharya: Daher besteht die Folge der Lehrer.“

S. 40, Früchte der Diksha
Deutsch: In der Vaishampayana-Samhita: „Diksha bewirkt alle Vollendungen und gewährt allen Reichtum: [die Reihe beginnt mit pratima, dessen Bedeutung hier unklar ist], Stimme und Erscheinung, Glanz, Gedeihen und Vermögen; Verblendung, Lähmung, Heranziehung, Tötung und Vertreibung; Unterwerfung, Dichtkunst und einen mit Merkfähigkeit verbundenen Verstand; das Überqueren des Meeres, Kühle im Feuer, Sieg im Kampf und Furchtlosigkeit im Wald; die Beseitigung von Kummer und Leid sowie Dharma, Artha, Kama und Moksha. All dies gewährt sie, daran besteht kein Zweifel.“

S. 40, Bedeutung von Diksha im Rudrayamala
Deutsch: Die Bedeutung des Wortes Diksha wird im Rudrayamala erklärt: „Weil sie göttliche Erkenntnis schenkt und die Schuld schwinden lässt, wird sie in dieser Welt von den Mantrakundigen Diksha genannt.“

S. 40, wahrer Guru und Diksha
Deutsch: Im Meru Tantra: „Wissen und unmittelbare Erkenntnis werden gegeben, die Anhäufungen von Schuld schwinden: Daher heißt sie Diksha, sofern man sie aus dem Mund eines wahren Gurus empfangen hat. Ein falscher Guru ist selbst verloren – wie könnte er einen anderen hinüberführen?“

S. 40, Agamasara über Mantra-Sadhana
Deutsch: Im Agamasara: „Aus dem Mund des Gurus empfange man die Mahavidya, die Schuld vernichtet. Deshalb soll man sich sorgfältig einen Guru nehmen und Mantra-Sadhana ausüben.“

S. 41, Nebenvidyas und Einweihung
Deutsch: Im Chamunda Tantra: „Bei allen Nebenvidyas und beim Vollzug der sechs magischen Verrichtungen und Ähnlichem werden hier weder Diksha und die weiteren Riten noch die Verehrung der Glieder und dergleichen verlangt.“ Nebenvidyas sind diejenigen der Yakshinis und entsprechender Wesen. Auch die Mantras zur Ausführung der sechs Verrichtungen und Ähnlichem sind Sadhana-Mantras außerhalb der großen Mantras. Das Wort Diksha bezieht sich hier auf die Kriyavati-Einweihung und entsprechende Formen. Die Einweihung durch Unterweisung ist jedoch für alle erforderlich.

S. 41, Buchwissen und überlieferte Praxis
Deutsch: Denn es heißt: „Wer, o Schöne, einen in einem Buch geschriebenen Mantra wiederholt, dem entsteht keine Vollendung, sondern bei jedem Schritt nur Schaden. Alle durch den Guru angeleiteten Verrichtungen gewähren Genuss und Befreiung als Frucht; alle vom Guru nicht gelehrten Verrichtungen bleiben gewiss fruchtlos.“ Auch aus der Aussage „Nachdem man den Mantra aus der Schrift oder aus dem Mund des Gurus kennengelernt hat, soll man ihn zur Verwirklichung bringen“ darf man nicht folgern, schon Mantrakenntnis aus einem Buch führe zur Vollendung. Ihr Sinn ist vielmehr: Ein Sadhaka, der seinen Mantra vom Guru empfangen hat, soll die Art der Mantra-Praxis aus der Schrift oder aus dem Mund des Gurus kennenlernen und den Mantra dann zur Verwirklichung bringen.

S. 41, Bedeutung des Wortes Mantra
Deutsch: Die Bedeutung des Wortes Mantra wird im Pingalamata erklärt: „Weil er durch Betrachtung Erkenntnis des Alls, Rettung aus der Bindung an Samsara und vollkommene Verwirklichung bewirkt, wird er Mantra genannt.“

S. 41, Größe des Mantras
Deutsch: Die Größe des Mantras wird im Meru Tantra erklärt: „Der Mantra ist unmittelbar der Herr; der Mantra ist das große Heilmittel. Nichts übertrifft den Mantra; er schenkt alle Vollendungen.“ Ebendort: „Um den Sadhakas Frucht zu gewähren, haben die Gottheiten ihre jeweiligen Gestalten angenommen. Ihr eigentliches Wesen sind jedoch die Mantras selbst und nichts anderes.“

S. 42, Folge der Hingabe
Deutsch: Im Sara-Sangraha: „Wie zur Gottheit, so sei die Hingabe zum Mantra; wie zum Mantra, so zum Guru; wie zum Guru, so zum eigenen Selbst. So wird die Folge der Hingabe überliefert.“

S. 42, Guru im Rudrayamala
Deutsch: Die Größe des Gurus wird im Rudrayamala erklärt: „Der Guru ist der höchste Mantra, der Guru ist der höchste Japa, der Guru ist die höchste Vidya; ohne Guru gibt es nichts. Wessen Guru zufrieden ist, o Göttin, mit dem ist auch Maheshvari zufrieden. Wer den Guru zufriedengestellt hat, o Göttin, ist wahrlich Sadashiva. Deshalb verehre man den Guru mit Hingabe und erfreue ihn beständig. Wo der Guru beschuldigt oder geschmäht wird, soll man sich die Ohren verschließen oder weit fortgehen.“

S. 42, Missachtung des Gurus
Deutsch: Im Brahmavaivarta: „Jene Schüler, welche die stets zu verehrenden Gurus missachtet haben, verlieren Kinder, Freunde, Ehepartner und die weiteren Güter ihres Lebens. Bei jenen Toren, die dem Guru feindlich sind und beständig Schuld auf sich laden, verwandelt sich alles gute Tun in Übeltat; daran besteht kein Zweifel.“

S. 42, tägliche Verehrung des Gurus
Deutsch: „[Die Hauptlesung des ersten Halbverses ist syntaktisch gestört: ‚Widersetzlichkeit gegenüber dem Guru …‘.] Täglich vollziehe man innerlich die Verneigung. Wohnt der Guru im selben Dorf, verneige man sich täglich vor ihm in dem Bewusstsein, er sei Sadashiva; ist er fern, verneige man sich geistig. Die Frucht, die aus der Verehrung Brahmas, Vishnus, Shivas und der anderen entsteht, erlangt man durch die tägliche Verneigung vor dem Guru.“ Lesartenhinweis: Der Druck nennt für den ersten Vers die verständliche Variante „Man soll sich dem Guru nicht einmal in Gedanken widersetzen“; die gestörte Hauptlesung wurde nicht stillschweigend durch sie ersetzt.

S. 42–43, Gegenwart des Gurus
Deutsch: „Ob ohne Gelehrsamkeit oder gelehrt: Der Guru ist die Gottheit. Ob abseits des Weges oder auf dem Weg: Der Guru ist die höchste Zuflucht. Wie Kupfer durch die Berührung mit einem vollendeten alchemistischen Elixier zu Gold wird, so wird der Schüler gerade durch die Gegenwart des Gurus von Shiva erfüllt.“

S. 43, der geistige Vater
Deutsch: Ferner: „Von dem Vater, der den Körper zeugt, und dem Vater, der Brahman vermittelt, wiegt der Brahman schenkende Vater schwerer. Deshalb soll man den Guru stets noch höher achten als den Vater.“

S. 43, Lehrer und Gottheit
Deutsch: In der Vasantalalita-Bhairavi: „Den Lehrer, der göttliche Erkenntnis vermittelt, verehre man als höchsten Herrn mit höchster Hingabe und übertrete sein Gebot nicht. Wie der Guru, so ist der Herr; wie der Herr, so ist der Guru. Beide sind mit Hingabe zu verehren, denn zwischen ihnen besteht kein Unterschied. Gegenüber dem Guru soll man niemals an einer Auffassung der Zweiheit festhalten. Man vergegenwärtige sich den Guru mit Hingabe in Nichtzweiheit; so wird man selbst zum Herrn.“

S. 43, Zuflucht beim Guru
Deutsch: Auch andernorts: „Wenn Shiva zürnt, ist der Guru der Retter; wenn der Guru zürnt, gibt es keinen Retter. Deshalb bemühe man sich mit aller Kraft darum, gerade den Guru zu erfreuen.“

S. 43, Guru und acht Fesseln
Deutsch: Im Meru Tantra: „Abscheu, Zweifel, Furcht, Scham und als fünfte Widerwille, dann Herkunft, gewohnte Lebensführung und Kraft: Diese werden als die acht Fesseln bezeichnet. Wer durch Fesseln gebunden ist, heißt Pashu; wer von den Fesseln frei ist, heißt Sadashiva. Daher wird hier derjenige Guru genannt, der die Fesseln löst, und kein anderer.“ Ferner: „Die ganze Dreiwelt mit allem Beweglichen und Unbeweglichen wird vom Zweifel verschlungen. Ein Guru, der diesen Zweifel selbst verschlungen hat, ist selten auf Erden.“

S. 44, Guru als göttliche Gegenwart
Deutsch: In der Kularatnavali: „Der verehrte Guru wird Shiva selbst ohne die drei Augen, Achyuta ohne die vier Arme und Brahma ohne die vier Gesichter genannt, Geliebte. Zwischen dem Gott Sadashiva und dem verehrten Guru besteht kein Unterschied, Parvati; wer einen macht, lädt Schuld auf sich. Wie Ghata, Kalasha und Kumbha Wörter mit derselben Bedeutung sind, nämlich Gefäß, so werden Gottheit, Mantra und Guru als ein und dieselbe Wirklichkeit bezeichnet. Nichts ist dem Guru gleich, kein Gott ist Shankara vergleichbar, kein Yoga steht über Kaula und keine Vidya ist Kalika gleich.“

S. 44, Hingabe als Voraussetzung
Deutsch: Im Meru Tantra: „Tapas, Wissen, Gelübde und Herkunft eines Menschen ohne Hingabe an den Guru sind allesamt vergeblich – wie der Schmuck verschiedenster Zierden an einem Leichnam.“

S. 44, Wortdeutung und Eigenschaften des Gurus
Deutsch: Die Bedeutung des Wortes Guru wird im Agamasara erklärt: „Der Laut Ga wird als Spender der Vollendung bezeichnet, der Laut Ra als Verbrenner der Schuld und der Laut U als Shiva. Der höchste Guru hat diese drei zu seinem Wesen.“ „Fest in seinen Gelübden, von gutem Verhalten, mit Vertrauen und Hingabe ausgestattet, dankbar, vor Schuld zurückschreckend, im Umgang mit weisen und guten Menschen, gläubig, freigebig und auf das Wohl aller Wesen bedacht.“ Textverständnis: Die zuletzt genannte Reihe von Eigenschaften steht im Druck als grammatisch nicht abgeschlossener Satz.

S. 44, Kennzeichen des Gurus im Kularnava
Deutsch: Die Kennzeichen des Gurus, im Kularnava: „Der verehrte Guru, o höchste Herrin, ist von reiner Herkunft und anziehender Erscheinung, mit allen günstigen Merkmalen versehen und an allen Gliedern wohlgestaltet. Er kennt das wahre Wesen der Aussagen aller Agamas und das Wesentliche aller Mantras. Seine Erscheinung nimmt die Menschen für ihn ein; wie eine Gottheit ist er erfreulich anzuschauen.“

S. 45, Fortsetzung der Guru-Kennzeichen
Deutsch: „Durch Hinweise, Miene und Verhalten hält er schlechte Menschen fern. Nach innen gewandt, bleibt sein Blick nach außen offen; er ist allwissend und kennt Ort und Zeit. Sein Gebot erfüllt sich; er kennt die drei Zeiten und vermag zurückzuweisen wie zu segnen. Er kennt Veda und Vedangas, ist friedvoll und voller Mitgefühl für alle Lebewesen. Er beherrscht die Tätigkeit seiner Sinne und vermag die sechs inneren Feinde zu überwinden. Er steht unter den Ersten, ist von großer Tiefe und unterscheidet geeignete von ungeeigneten Empfängern. Rein, stets zufrieden, frei von den Gegensatzpaaren und beständig voller Kraft; den aufrichtigen Verehrern liebevoll zugewandt, standhaft, mitfühlend und mit einem Lächeln sprechend; Hingabe liebend, allen gegenüber gleich, barmherzig und ein Lehrer seiner Schüler; [die Wendung ‚eigene erwählte Gottheit – Guru‘ ist syntaktisch unklar], weise und zur Verehrung der Frau bereit. Er widmet sich den untadeligen täglichen, anlassbezogenen und wunscherfüllenden Riten und ist frei von Anhaftung, Hass, Furcht, Zorn, Heuchelei und Ichüberheblichkeit. Er legt seine Vidya, ihre Ausübung, Tapas und die Wissensgebiete dar; er ist mit dem zufrieden, was ihm von selbst zufällt, und unterscheidet Vorzüge von Fehlern. An Frauen, Besitz und Ähnlichem haftet er nicht; schlechten Umgang und schädliche Gewohnheiten hat er aufgegeben. Er ist nicht habgierig, übt keine Gewalt, ist unparteiisch und urteilsfähig. Mantras, Yantras, Tantras und Ähnliches verkauft er nicht gegen Geld, Wissen oder andere Gegenleistungen. Frei von eigennützigen Vorhaben und begrifflicher Spaltung, in der Erkenntnis des Selbst gefestigt und überaus dem Dharma ergeben; gleichmütig bei Tadel und Lob, schweigsam, ohne Erwartungen und diszipliniert: Mit solchen Merkmalen wird der verehrte Guru beschrieben, Geliebte.“

S. 45–46, ungeeignete Gurus
Deutsch: Nun die Kennzeichen eines ausgeschlossenen Gurus, im Tattvasara: „Wer übermäßig isst, alles hinausschiebt, nach Sinnesgegenständen und Ähnlichem giert, sich in bloßer Beweisführung gefällt, schlecht ist, Wortstreit liebt oder den Guru schmäht; wer keine oder übermäßige Körperbehaarung besitzt, einem missbilligten Lebensstand folgt, schwarze Zähne, dunkle Lippen oder übelriechenden Atem hat; wer schlechte Merkmale besitzt oder an der Annahme vieler Geschenke hängt: Ein solcher Acharya bringt Verlust des Wohlergehens, selbst wenn er der Herr persönlich wäre.“

S. 46–47, geeignete Schüler
Deutsch: Nun die Kennzeichen eines Schülers, im Kularnava: „Als guten Schüler nehme der Guru, o Herrin des Kula, einen Menschen an, der alle günstigen Merkmale besitzt, mit innerer Ruhe und den weiteren Übungsmitteln ausgestattet ist und Vorzüge und guten Charakter besitzt; rein an Körper und Herkunft [die Endung des Kompositums ist unklar], dem Dharma ergeben und reinen Geistes; vertrauensvoll, bescheiden und ohne Täuschung in Geldangelegenheiten. Er vermag Schwerdurchführbares zu vollbringen, ist mutig, kraftvoll und strahlend; handelt förderlich, ist aufmerksam und urteilsfähig. Er spricht heilsam, wahr, maßvoll und freundlich, frei von Herabsetzung; versteht den Sinn schon nach einmaligem Hören, ist geschickt und von weitem Verstand. [Die folgende gedruckte Wendung über Haus, Rauschtrank und Umarmung ist beschädigt beziehungsweise grammatisch unklar.] Er bleibt unverändert und dient ihnen nicht. Er handelt nach Überlegung, ist tapfer und frei von innerer Kleinmut; in allen Aufgaben überaus geschickt, standhaft und allen hilfreich. Gegen die Verleumdung anderer hat er eine tiefe Abneigung und ist freundlichen Angesichts, Geliebte. Er beherrscht die Sinne, ist zufrieden, verständig und ein Brahmachari; seelische Bedrängnis, Krankheit und Unbeständigkeit hat er abgelegt und ist frei von quälendem Misstrauen und Angst. Er ist bereit zur Meditation über den Guru, zu dessen Lob, zur Erzählung über ihn, zu Dienst und Verehrung. Er ist Guru und Gottheit ergeben und bereit, Frauen zu ehren; er befolgt das Gebot des Gurus, o Göttin, und preist dessen guten Ruf. Er erkennt die Geltung des Guru-Wortes an, widmet sich dem Dienst am Guru, folgt dessen Absicht und handelt überlegt, o Führerin des Kula. In der Gegenwart des Gurus ist er frei von Scham, Selbstüberhebung und Stolz; er begehrt nicht dessen Besitz, sondern sehnt sich nach seiner Gnade. Der Meditation über den Guru und den entsprechenden Übungen zugewandt, strebt er nach dem Weg zur Befreiung. Einen Schüler mit solchen Merkmalen soll der Guru annehmen.“ Erläuterung der Druckausgabe: Die Ehrung von Frauen wird als Verzicht auf ihre Herabsetzung erklärt.

S. 47, ungeeignete Schüler – erster Abschnitt
Deutsch: Die Kennzeichen eines missbilligten Schülers werden ebendort genannt: „Aus schlechter Herkunft, selbst schlecht, ohne Vorzüge und entstellt; Schüler eines anderen, ein religiöser Heuchler, ein Betrüger, der sich für gelehrt hält; mit fehlenden, überzähligen oder veränderten Gliedern und körperlichen Beeinträchtigungen; lahm, blind, taub, unrein oder von Krankheit gequält; durch Speisereste verunreinigt, von abstoßendem Gesicht, nach eigener Willkür gekleidet und ein Wüstling; in verkehrter Weise gewitzt, übel gekleidet, verschlagen und mit furchteinflößendem Blick. Dem Schlaf und der Trägheit ergeben, von Benommenheit, Glücksspiel und anderen Lastern beherrscht; ständig hinter Türen, Wänden, Säulen und Ähnlichem verborgen; mit leeren, nicht zum Gruß zusammengelegten Händen; niedrig gesinnt, ohne Vertrauen und Hingabe; [kimekavadin: Bedeutung unklar], hochmütig, verleumderisch, unbeständig und betrügerisch; ohne Lauterkeit im Umgang mit Geld und Frauen, Gebote und Verbote missachtend; Geheimnisse verratend und vedische Aufgaben und Zwecke vereitelnd; sich wie eine Katze oder ein Reiher verstellend und darauf bedacht, Schwachstellen anderer zu finden; täuschend, undankbar und heimlich Hindernisse bereitend.“

S. 48, ungeeignete Schüler – zweiter Abschnitt
Deutsch: „Vertrauen brechend, den Gottheiten feindlich und Schuld auf sich ladend; ohne Vertrauen, die Vollendung von Mantras begehrend, ohne ihre Glieder zu kennen [die Lesung des Kompositums ist unsicher]; gewalttätig, habgierig, verachtenswert und ein falscher Zeuge; überall bettelnd, o Göttin, und zu allem hingezogen [Lesung unsicher]. An der Unwahrheit festhaltend, anhänglich, viel über Niedriges und Ähnliches redend; schlechte Überlegungen und Einwände vorbringend und streitsüchtig; grundlos beschuldigend, selbst verwirrt und andere verwirrend, Worte verdrehend; hinter dem Rücken schmähend und ins Gesicht freundlich sprechend; [vayushkavadin: Lesung und Bedeutung unsicher], Wissen stehlend und sich selbst lobend; Vorzüge anderer nicht ertragend, [folgende Wendung unsicher] und von übermäßigem Zorn erfüllt; ein Charvaka, Freund schlechter Menschen und von allen getadelt; verleumderisch, anderen Leid zufügend und allen Lebewesen Furcht einflößend; verletzend redend, Freunde verratend und den Bruder betrügend; dem Gaumen und den Geschlechtsorganen ergeben, o Göttin, ein Dieb und von tierischem Verhalten; grundlos hassend, spottend, quälend, zürnend und Ähnliches tuend; übermäßig lachend und [eine weitere Art des Verspottens: Lesung unklar]; lüstern, völlig schamlos und andere durch falsche üble Anschuldigungen anzeigend; voll Missgunst, Übermut, Neid, Heuchelei und Ichüberheblichkeit; eifersüchtig, verleumderisch, grob, geizig, zornig und stolz; unbeständig, leidvoll, verhasst, kraftlos und ohne Einsicht in die Wirklichkeit; ohne Erfolg, von verkehrtem Verstand, töricht und im Geist von Sorgen verwirrt; voll Verlangen und Gier, elend, unzufrieden und jeden anbettelnd.“ Lesungshinweis: Mehrere Wörter dieser Aufzählung bleiben auch nach Prüfung der Buchseite unsicher; die Unterbrechungen sind an den betreffenden Stellen markiert.

S. 49, Abschluss der Ausschlusskriterien
Deutsch: „Übermäßig essend, heuchlerisch, andere irreführend und verschlagen, Geliebte; ohne Hingabe, Vertrauen, Mitgefühl, inneren Frieden, Dharma und rechte Lebensführung; Mutter, Vater, Guru, Weise und große Menschen verspottend; die Kula-Substanzen und Ähnliches verabscheuend und auf den eigenen Guru-Dienst stolz; im Umgang mit Frauen verdorben, von den Überlieferungsverpflichtungen abgefallen und vom Guru verflucht, o große Göttin: Einen Schüler mit solchen Fehlern soll der Guru zurückweisen. Nimmt er ihn aus Zuneigung oder Gier dennoch an und weiht ihn ein, fällt der Fluch der Gottheit auf diesen Guru mitsamt seinem Schüler. Daher soll man niemals einen solchen Schüler annehmen. Nimmt ihn der Guru aus Verblendung an, wird er von dessen Verfehlungen erreicht. Wie die Schuld des Ministers den König und die Tat der Ehefrau den Ehemann trifft, so berührt die vom Schüler begangene Schuld gewöhnlich auch den Guru.“

S. 49–50, Prüfung des Schülers
Deutsch: „Mit Einsicht oder auch aus Mitgefühl soll der Guru den Schüler prüfen: ein Jahr, ein halbes Jahr, dessen Hälfte oder wiederum deren Hälfte. Hochstehende setze er bei niedrigen Aufgaben ein, Niedrigstehende bei hohen Aufgaben. Er prüfe sie durch die Hingabe von Leben und Besitz, durch Anweisungen und Begegnungen, durch Worte, die ihre empfindlichen Stellen berühren, durch Täuschungen und harte Handlungen, durch Bevorzugung und Gleichgültigkeit – wiederholt und auf vielerlei Weise. Wer, ob erfreut oder bedrängt, nicht in Verzweiflung gerät, soll stets freudig erkennen: ‚Der Guru erweist mir Gnade.‘ Beim Erinnern an den verehrten Guru, bei seinem Lob, bei Verneigung, Dienst, Rufen, Entsenden und Suchen, Geliebte, treten Freude, Zittern, aufgerichtete Körperhaare und Veränderungen der Stimme, der Augen und anderer Bereiche auf. Diejenigen, bei denen dies geschieht, sollen nicht geeignet sein; auch Mantra-Siddhi, o Herrin …“ Textunsicherheit: Der letzte Satz ist in der Druckfassung widersprüchlich und unvollständig. Die dort stehende Verneinung wird nicht durch Vermutung entfernt. Diese historische Schilderung harter Prüfungen ist keine heutige Praxisempfehlung.

S. 50, gegenseitiges Kennenlernen
Deutsch: In der Mantra-Muktavali: „Nachdem die beiden einander innerhalb eines Jahres kennengelernt haben, entsteht das Verhältnis von Guru und Schüler. Anders geschieht dies nicht – so lautet die feste Entscheidung.“

S. 50, eigennützige Lehrer und Schüler
Deutsch: Im Meru Tantra: „Im Kali-Zeitalter verlangen Gurus nach Geld und Schüler nach Siddhis. Deshalb erlangen beide keine Vollendung; es ist ein Zerrbild der Gottheitenverehrung.“

S. 50, Verlassen von Guru und Mantra
Deutsch: Im Linga-Agama: „Wenn ein Schüler vom wahren Guru einen Mantra empfangen hat und ihn dann verlässt, muss dieser Schüler, der den Guru aufgegeben hat, gewiss eine Sühne vollziehen.“ Im Rudrayamala: „Aus dem Aufgeben des Gurus entsteht Tod, aus dem Aufgeben des Mantras Armut. Wer Guru und Mantra aufgibt, gelangt in die Raurava-Hölle.“

S. 50, Wechsel zu einem Kaula-Guru
Deutsch: Hat ein Kaula einen Mantra von einem Pashu empfangen, wird im Devi-Agama auch dessen Aufgabe beschrieben: „Wenn Angehörige des Kula durch ein Geschick eine Vidya von einem Pashu erhalten, sollen sie einen zweimalgeborenen Kaula aufsuchen und die Vidya erneut empfangen. Wer Diksha von einem Pashu annimmt, wird von seelischer Not und körperlichem Leiden betroffen; daran besteht kein Zweifel, oder es entsteht Bindung. Man schreibe jenen Mantra auf ein Banyanblatt und werfe es in einen Wasserlauf. Oder man suche Zuflucht bei einem wahren Guru und empfange den geweihten Mantra.“

S. 50–51, kundiger und unkundiger Guru
Deutsch: Im Kularnava: „Hat man einen verehrten Guru gefunden, der die erforderlichen Merkmale besitzt, Zweifel durchschneidet und Erkenntnis vermittelt, o Göttin, soll man nicht bei einem anderen Guru Zuflucht suchen. Hat ein Schüler jedoch einen unkundigen Guru gefunden, der Zweifel nicht durchschneidet, wird er nicht von jener Schuld befleckt, wenn er zu einem anderen Guru geht.“

S. 51, Erkenntnis suchen
Deutsch: Im Shaiva-Agama: „Viele Gurus kennen minderwertige Zauberformeln und Mittel; selten auf Erden ist einer, der die in Nigama, Agama und den Lehrschriften verkündeten Mantras kennt. Ein Kundiger kann einen Unwissenden emporführen, ein Unwissender aber keinen anderen Unwissenden. Ein Boot kann einen Stein hinübertragen – kann ein Stein einen anderen Stein hinübertragen? Wie eine Biene im Verlangen nach Honig von einer Blüte zur anderen fliegt, so darf ein Schüler im Verlangen nach Erkenntnis von einem Guru zu einem anderen gehen.“

S. 51, Namensgleichheit
Deutsch: Im Varahi Tantra: „Man soll keinen Guru wählen, der den eigenen Namen trägt, und keine Ehefrau, die den Namen der Mutter trägt.“

S. 51, Guru und Überlieferungsrichtung
Deutsch: Nun werden weitere Besonderheiten eines Gurus genannt, der die zuvor beschriebenen Merkmale besitzt. Im Rudrayamala: „Für eine vishnuitische Einweihung soll man einen Vaishnava wählen, für eine shaivitische einen Shaiva; im shaktischen Bereich einen Shaiva. Auch ein Shakta ist überall zur Einweihung berechtigt, daran besteht kein Zweifel. Bei umgekehrter Reihenfolge, o große Herrin, entsteht keine Mantra-Siddhi. Ein Ehemann soll seine Frau nicht einweihen, ein Vater nicht seine Tochter oder seinen Sohn; auch ein Bruder soll seinen Bruder nicht einweihen.“

S. 51, Einweihung durch den Ehemann
Deutsch: Die Aussage, ein Ehemann solle seine Frau nicht einweihen, gilt für die Ordnung der Pashus. Für die Ordnung der Viras wird dagegen gesagt: „Bei Viras und Kaulas darf der Ehemann die Einweihung vollziehen. Nach der Kaula-Überlieferung liegt kein Fehler vor, wenn der Ehemann Diksha erteilt. Denn Shiva hat einst Gauri die segensreiche Einweihung gegeben.“

S. 51–52, familiäre Nähe und Einweihung
Deutsch: Ferner: „Man soll keinen Mantra vom Vater, vom Großvater mütterlicherseits, vom leiblichen Bruder, von einem Jüngeren oder von jemandem auf der Seite eines Feindes empfangen.“ In der Ganesha-Vimarshini: „Die Einweihung durch den Vater, durch einen Asketen, einen Waldbewohner oder jemanden, der in einem abgeschiedenen Ashrama lebt, bringt kein Heil.“ Im Yogini Tantra: „Der Mantra des Vaters ist kraftlos, ebenso der des Großvaters mütterlicherseits, des leiblichen Bruders, eines Jüngeren oder eines Anhängers der feindlichen Seite. Hat man aus Unachtsamkeit oder Unwissenheit Diksha vom Vater empfangen, vollziehe man anschließend eine Sühne und empfange erneut Diksha.“ Hier drückt der Genitiv ‚des Vaters‘ nach Auffassung des Verfassers des Sudharnava Missachtung aus. Gemeint ist demnach: Wenn gegenüber dem Vater und entsprechenden Angehörigen aufgrund übermäßiger Vertrautheit mangelnde Hingabe und Geringschätzung bestehen, soll der Sohn oder ein anderer Angehöriger von ihnen keinen Mantra empfangen.

S. 52, Ausnahmen für Shiva, Shakti, Tara und Shrividya
Deutsch: Im Matsya-Sukta heißt es jedoch: „Der Mantra des Vaters ist zwar kraftlos; im shaivitischen und shaktischen Bereich besteht dieser Mangel aber nicht.“ Im Tara-Kalpa: „Hat man diesen Mantra auf irgendeine Weise empfangen, gebe man ihn einem geeigneten Schüler, dem Schmuck der eigenen Familie, dem ältesten Sohn.“ Dies bezieht sich auf Tara. Auch bei Shrividya besteht kein Verbot der Einweihung durch den Vater. So heißt es im Shrikrama: „Nach sorgfältiger Erwägung gebe man den Mantra dem verständigen ältesten Sohn.“ Beim Empfang des eigenen überlieferten Mantras ist keine gesonderte Prüfung des Gurus vorzunehmen, denn das Bhairava Tantra sagt: „Bei der Unterweisung im eigenen Mantra nehme man keine solche Erwägung hinsichtlich des Gurus vor.“ Ferner: „Brahma hat ihn einst dem großen Vasistha mitgeteilt. Vasistha selbst gab ihn wiederum seinem Sohn, meinem Vater.“

S. 53, Einweihung durch den Vater
Deutsch: „Mein Vater, heiteren Herzens, rein und ein Hort des Mitgefühls, gab ihn mir am großen heiligen Ort Kurukshetra während einer Sonnenfinsternis.“ Aus diesen Worten Vyasas an Shaunaka in der Vaishampayana-Samhita, die sich auf einen Vishnu-Mantra beziehen, folgt, dass auch bei einem Vishnu-Mantra kein Verbot der Einweihung durch den Vater besteht. Im Narayaniya heißt es: „Auch der Sohn soll unterwiesen werden, ebenso ein Sohn, der austauscht.“ Nach Auffassung der Überlieferungskundigen betrifft das Verbot der väterlichen Einweihung daher allein einen Sohn ohne Hingabe. „Austauschend“ heißt: jemand, der einen Mantra weitergibt und dafür einen anderen empfängt.

S. 53, eine Frau als Guru
Deutsch: Im Yogini Tantra: „Die Einweihung durch eine Frau wird als segensreich bezeichnet, die durch die Mutter als achtmal so wirksam. Ist eine Frau rechtschaffen, von gutem Verhalten, ihrem Guru ergeben, Herrin ihrer Sinne, mit dem wahren Sinn aller Mantras vertraut, von gutem Charakter und der Puja zugewandt, so ist sie geeignet, Guru zu sein; eine Witwe wird jedoch ausgeschlossen.“

S. 53, im Traum empfangener Mantra
Deutsch: In der Vaishampayana-Samhita: „Ein im Traum empfangener oder von einer Frau gegebener Mantra gelangt erst durch eine Weihe zur Vollendung.“ Die Weihe wird ebendort beschrieben: „Bei einem im Traum empfangenen Mantra versetze man die Lebenskräfte des Gurus in einen Krug. Nachdem man den Mantra mit Kumkum auf ein Banyanblatt geschrieben hat, empfängt man ihn. Dann erlangt man Siddhi; anders bleibt es ohne Frucht.“

S. 53, Guru mit verwirklichtem Mantra
Deutsch: Beim Empfang eines bereits verwirklichten Mantras ist hingegen keine solche Erwägung nötig. So heißt es im Shaktiyamala: „Hat jemand seinen Mantra verwirklicht, darf er seine Frau vollständig einweihen. Sie bleibt dabei seine Shakti, o Schönhüftige, und wird nicht zu seiner Tochter. Ein Vater von solcher Beschaffenheit darf ebenso seiner Tochter Diksha erteilen. Ein Bruder mit verwirklichtem Mantra kann kraft seiner Fähigkeit Guru seines Bruders werden. Ein Mensch mit verwirklichtem Mantra führt alles Ungeeignete zur Eignung.“

S. 54, Beschränkung vedischer Mantras
Deutsch: Im Mahakapila-Pancharatra: „Shudras haben keine Berechtigung zum Mantra; dies ist die höchste Regel. Da sie keinen Mantra besitzen, werden sämtliche Verrichtungen für sie ohne Mantra angeordnet.“ In der Satatapa-Samhita: „So viele Mantrasilben man Frauen, Shudras und anderen gibt, ebenso viele Tötungen eines Brahmanen entsprechen der daraus entstehenden Schuld. Das hat Prajapati selbst gesagt.“ Dies bezieht sich auf vedische und entsprechende Mantras.

S. 54, Berechtigung und Mantraform
Deutsch: Im Bhavishyottara: „Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras, die rein und unbefleckt sind, sollen Mantras erhalten, Menschen gemischter Stände jedoch nicht.“ Im Deviyamala: „Gibt ein Zweimalgeborener einem Shudra einen Mantra mit Svaha und Pranava, so gelangt der Shudra in die Hölle und der Brahmane in den Shudra-Stand.“ Im Brahma-Purana: „Der vedische oder gemischte Weg wird für Brahmanen und die entsprechenden Stände vorgeschrieben; der tantrische wird auch für einen Shudra gelehrt, der den Brahmanen ergeben ist.“

S. 54, drei Formen der Verehrung
Deutsch: Im elften Skandha des Bhagavata: „Vedisch, tantrisch und gemischt: So ist mein Opfer dreifach. Man verehre mich nach derjenigen dieser drei Ordnungen, die man wünscht.“

S. 54, Rückkehr zum vedischen Weg
Deutsch: Im Samba-Purana: „Wer von der Shruti abgefallen ist und die von ihr vorgeschriebene Sühne fürchtet, soll bei einer außerhalb stehenden Lehrschrift Zuflucht suchen, um allmählich wieder die Erfüllung der Shruti zu erreichen. Der Gemahl der Kamala verkündete das Pancharatra, das Bhagavata und das Vaikhanasa genannte Tantra im Hinblick auf die vom Veda Abgefallenen.“

S. 54–55, der vedische Brahmane
Deutsch: In der Achara-Kusumavali: „Von einem brahmanischen Vater gezeugt und aus dem Schoß einer Brahmanin geboren; durch sämtliche im Veda gelehrten Samskaras geweiht und stets rein; in Veda und Vedangas unterrichtet und mit dem Sinn des Vedanta vertraut; zu den drei Tageszeiten das vorgeschriebene Bad, Sandhya-Verehrung und Tarpana vollziehend; täglich tausendmal die Gayatri wiederholend und das Vaishvadeva vollziehend; Agnihotra ausführend und aufmerksam bei den Riten für Gottheiten und Ahnen; darauf bedacht, weder die eigenen Verrichtungen noch ihre rechte Zeit zu versäumen; vor Sühnehandlungen nicht zurückschreckend und gute Lebensführung achtend; missbilligtem Verhalten abgeneigt, friedvoll, selbstbeherrscht und heiteren Geistes: Wer solche Merkmale besitzt, wird von den Weisen als vedisch bezeichnet. Andere Brahmanen gelten als vom Veda abgefallen. Für vom Veda abgefallene Zweimalgeborene schenkt im Kali-Zeitalter der gemischte Weg Siddhi. Für den vedischen Zweimalgeborenen aber besteht allein der im Veda gelehrte Weg. Ein Zweimalgeborener, der den Shrauta-Weg aufgegeben hat, wird als gefallen bezeichnet.“

S. 55, Mantras mit Namah
Deutsch: Im Narada-Pancharatra: „Frauen und Shudras gebe man einen Mantra ohne Svaha und Pranava.“ Im Kularnava: „Dieser auf Namah endende Mantra bringt Frauen und Shudras Glück. In diesem Wissen, o große Herrin, soll man auch Chandalas einweihen.“ In der Yajnavalkya-Samhita: „Ein Shudra und ebenso Frauen sollen niemals einen vedischen Mantra wiederholen. Die Weisen billigen für sie einen auf Namah endenden Shiva- oder Vishnu-Mantra.“

S. 55–56, Ausschluss vom vedischen Vortrag
Deutsch: Im Meru Tantra: „Ein Shudra, der aus Verblendung oder aus Verlangen Purana, Samhita oder Smriti vorträgt, lädt Schuld auf sich und gelangt mitsamt seinen Ahnen in die Hölle. Ein Shudra, der bewusst den Veda anhört, und ein Zweimalgeborener, der ihn ihm vorträgt, leiden in diesem Leben und gelangen im anderen in die Hölle. Hört ein Shudra aus Stolz auf seine Stellung oder seinen Reichtum den Veda, verliert er Nachkommen und Vermögen. Wurde der Veda hingegen aus Unwissenheit angehört oder von einem Zweimalgeborenen vorgetragen, werden beide durch die dreimalige Ausführung der Prajapatya-Sühne wieder rein.“

S. 56, Bhutashuddhi Tantra über Pranava
Deutsch: Im Tantra-Chintamani stehen folgende Aussagen aus dem Bhutashuddhi Tantra: „Durch das Aussprechen des Pranava, Homa, die Verehrung eines Shalagrama-Steins und den Geschlechtsverkehr mit einer Brahmanin gelangt ein Shudra in den Chandala-Stand. Dass ein Shudra Pranava ausspricht, wird von den Puranas nicht gebilligt, Geliebte. Deshalb soll ein Mensch aus dem Shudra-Stand sorgfältig das im Tantra Gelehrte ausführen. Durch die Macht der Mahavidya kann ein Shudra den Vaishya-Stand erlangen. Angehörige des Shudra-Standes sollen den halben Pranava empfangen, o große Herrin. Diese auf Diksha bezogene Wahrheit ist streng geheim zu halten, höchste Göttin.“

S. 56, Stände während des Bhairavi-Rituals
Deutsch: Im Rudrayamala: „Während das Bhairavi-Tantra vollzogen wird, sind alle Stände Dvijatis. Ist das Bhairavi-Tantra beendet, bestehen die Stände wieder getrennt voneinander.“ Nagoji Bhatta erklärt hier Dvijati als „aus zwei Ständen geboren“, also als Kunda und entsprechende Gruppen.

S. 56, Bija-Gruppen nach dem Sautramani Tantra
Deutsch: Im Sautramani Tantra: „Das Maya-Bija ist ein Brahmane, das Kli-Bija gilt als Kshatriya, das Kama-Bija als Vaishya und Vagbhava wird als Shudra bezeichnet. Ein Mantra ohne diese vier Bijas heißt Paulastya. Für Brahmanen sind vier Bijas vorgesehen, für Kshatriyas drei, für Vaishyas zwei und für Shudras eines.“ Lesungshinweis: kli steht im Druck als Bezeichnung vor bija. Da die zugehörige Lautform hier nicht zuverlässig ausgeschrieben ist, wird sie nicht zu einer Rezitationssilbe ergänzt.

S. 57, Name als Mantra
Deutsch: Im Brahma-Purana: „Der eigene Name eines jeden Wesens, mit Om am Anfang verbunden und mit der Verehrungsformel am Ende ausgesprochen, wird als Mantra bezeichnet.“

S. 57, Prüfung anhand der Chakras
Deutsch: Im Yamala: „Man verehre die Mantras, die zum eigenen Geburtsstern, Tierkreiszeichen und Tabellenfeld passen. Nachdem der Guru anhand der Chakras erkannt hat, welcher Mantra zum Schüler passt, soll er ihn weitergeben.“ Nun die Prüfung anhand der Chakras. Dazu heißt es im Bhuvaneshvari Tantra: „Bei Vishnu-Mantras wird die Übereinstimmung des Geburtssterns geprüft, bei Shiva die des Tabellenfeldes, bei Tripura die des Tierkreiszeichens; bei Gopala wird das Akadama-Chakra genannt. Das Akadama gilt auch für Vamana, das Danta-Chakra für Ganesha und ebenso für Varaha, das Kula-Akula für Mahalakshmi. Bei allen sind auch das Namens-Chakra und das Bhuta-Chakra zu berücksichtigen. Nachdem die Fehler geprüft und bereinigt sind, soll der Rezitierende den Mantra nach dem Wort des Gurus empfangen.“ In der Varaha-Samhita: „Tara-Chakra, Rashi-Chakra und ebenso Nama-Chakra: Erweist sich der Mantra darin als günstig, soll man kein weiteres Chakra prüfen.“

S. 57–58, Buchstaben und Elemente
Deutsch: „Nun werde ich diese Prüfung der Chakras zur Erlangung von Siddhi erklären. Zuerst beschreibe ich das eigene Kula-Akula-Chakra. Weil die Matrika aus dem Ursprung der fünf Elemente hervorgegangen ist, haben die Buchstaben das Wesen der Elemente, in Gruppen von je fünf und fünf. Die fünfzig Schriftzeichen werden der Reihe nach Luft, Feuer, Erde, Wasser und Raum zugeordnet: fünf kurze Vokale, fünf lange, die auf Bindu endenden und die durch Lautverbindung entstandenen; dann die Konsonanten beginnend mit Ka, jeweils in Fünfergruppen, und abschließend die Reihe Sha, Ksha, La, Sa, Ha.“ Mit „fünf und fünf“ sind zehn Buchstaben gemeint. Die Luft-, Feuer-, Erd-, Wasser- und Raumgruppen sind in der folgenden Tabelle aufgeführt. Die fünf kurzen Vokale sind a, i, u, ṛ und ḷ, die fünf langen ā, ī, ū, ṝ und ḹ. „Auf Bindu endend“ bedeutet: mit dem Punkt am Ende, also aṃ. Die aus Lautverbindung entstandenen Vokale sind e, ai, o und au.

S. 58, Zugehörigkeit und Freundschaft der Elemente
Deutsch: „Günstig ist eine Gruppe, die mit dem Anfangsbuchstaben des eigenen Namens befreundet ist oder derselben Familie angehört.“ Dazu: „Der erste Buchstabe des Sadhaka-Namens und der erste Buchstabe des Mantras: Unterstehen beide derselben Elementgottheit, erkenne man darin die Zugehörigkeit zur eigenen Familie.“ Freundschaft meint wechselseitige Freundschaft. Dazu heißt es in der Dipika: „Erde und Wasser sind befreundet, ebenso Feuer und Luft. Zu den Erdbuchstaben steht Luft in feindlicher Beziehung. Für Feuer ist Wasser feindlich, für Wasser gilt Feuer als feindlich. Der Raum steht zu keinem dieser Elemente im Gegensatz. Gegenseitig feindliche Gruppen soll ein Verständiger nicht miteinander verbinden. So wurde das Kula-Akula-Chakra beschrieben, das sämtlichen Lebenszielen dient.“

S. 58, Tabelle des Kula-Akula-Chakras
Deutsch: Das Kula-Akula-Chakra. Die fünf Spalten ordnen die fünfzig Lautzeichen den Elementen zu. Damit endet die Darstellung dieses Chakras.

Luft Feuer Erde Wasser Raum
a i u ṛ ḷ
ā ī ū ṝ ḹ
e ai o au aṃ
ka kha ga gha ṅa
ca cha ja jha ña
ṭa ṭha ḍa ḍha ṇa
ta tha da dha na
pa pha ba bha ma
ya ra la va śa
ṣa kṣa ḻa sa ha

S. 59, Anlage des Akathaha-Chakras
Deutsch: „Ich werde das Akathaha-Chakra erklären. Zuerst zeichne man ein Quadrat und ziehe darin zwei Linien, eine nach Osten und eine nach Norden. Dadurch entsteht ein Quadrat mit vier Feldern. Dann ziehe man darin zwei weitere Linien von Osten nach Westen und zwei von Norden nach Süden. So entsteht das vorzügliche Chakra mit sechzehn Feldern. Der Mantrakundige trage die Buchstaben von A bis Ksha in der folgenden Reihenfolge ein. Der Verständige schreibe die Schriftzeichen der Reihe nach in die Felder, deren Zahlen durch Mond, Feuer, Rudras, Neun, Augen, Paar, Sonnen, Himmelsrichtungen, Jahreszeiten, Acht, Sechzehn, Vierzehn, Elemente, Unterwelten, Fünfzehn und Feuer-Mond ausgedrückt werden.“ Erläuterung: Die Zahlwörter ergeben die Feldfolge 1, 3, 11, 9, 2, 4, 12, 10, 6, 8, 16, 14, 5, 7, 15, 13; anschließend wird die Folge für die weiteren Buchstaben fortgesetzt.

S. 59, vier Beziehungen zum Mantra
Deutsch: „Zuerst ordne man den vier Gruppen aus je vier Feldern Siddha und die weiteren Klassen zu. Vom Anfangsbuchstaben des eigenen Namens aus zähle der Verständige im Uhrzeigersinn in der Reihenfolge Siddha, Sadhya, Susiddha und Ari. Ein Siddha-Mantra gewährt Vollendung durch Japa, ein Sadhya durch Feueropfer und weitere Handlungen, ein Susiddha allein durch seinen Empfang; ein Ari verschlingt den Sadhaka. Siddha-Buchstaben sind als Verwandte zu verstehen, Sadhya als Diener, Susiddha als Ernährer und die feindlichen als Vernichter.“ Im Pingalamata: „Ein Siddha verwirklicht sich mit der Zeit, ein Sadhya durch Japa und Homa, ein Susiddha schon durch den Empfang; der feindliche Mantra schneidet die Wurzeln ab.“

S. 59–60, Unterteilung der Mantraklassen
Deutsch: Im Meru Tantra: „Zuerst sind Siddha und die anderen Klassen in den Vierergruppen und Zwischenrichtungen zu bestimmen. Vom entsprechenden Feld dieser Stellung aus ist nach der Unterweisung des Gurus erneut zu zählen.“ Im Pingalamata: „Der Mantrakundige soll die Klassen Siddha und die weiteren wiederum durch Siddha und die weiteren prüfen. Siddha-Siddha gelangt durch die vorgeschriebene Japa-Zahl zur Vollendung, Siddha-Sadhya durch die doppelte. Siddha-Susiddha verwirklicht sich mit der halben Japa-Zahl; Siddha-Ari tötet die Verwandten. Sadhya-Siddha verlangt die doppelte Zahl; Sadhya-Sadhya bleibt ohne Nutzen. Sadhya-Susiddha gelingt mit der halben Japa-Zahl; Sadhya-Ari tötet Angehörige des Geschlechts. Susiddha-Siddha gewährt mit der halben Japa-Zahl die gewünschte Frucht. Susiddha-Sadhya erlangt Vollendung durch unablässigen Japa, auf keine andere Weise. Ein Mantra der Klasse Susiddha-Siddha beruht auf Anstrengung in einem früheren Leben; deshalb setze man ihn zur Erlangung aller Siddhis ein. Susiddha-Ari vernichtet gewiss die eigene Familie. Ari-Siddha tötet den Sohn, Ari-Sadhya die Tochter, Ari-Susiddha die Ehefrau; Ari-Ari vernichtet die Wurzel.“ Lesungshinweis: Die Hauptlesung nennt Susiddha-Siddha zweimal; beim zweiten Vorkommen wurde sie nicht stillschweigend in Susiddha-Susiddha geändert.

S. 60, Tabelle des Akathaha-Chakras
Deutsch: Das Akathaha-Chakra mit sechzehn nummerierten Feldern. Die vier Zeilen der Tabelle bewahren die Anordnung des Drucks. Ein Zeichen im dritten Feld ist unsicher und bleibt offen.

1: a ka tha ha 2: u ṅa pa 3: ā kha da [?] 4: ū ca pha
5: o ḍa va 6: ḷ jha ma 7: au ḍha śa 8: ḹ ña ya
9: ī gha na 10: ṝ ja bha 11: i ga dha 12: ṛ cha ba
13: aḥ ta sa 14: ai ṭha la 15: aṃ ṇa ṣa 16: e ṭa ra

S. 61, Schuldenbeziehung zwischen Mantra und Sadhaka
Deutsch: Nun das Rini-Dhani-Chakra. Den Grund dafür, dass Mantra und Sadhaka in einem Verhältnis von Schuldner und Gläubiger stehen, erklärt das Tantraraja: „Aufgrund der Übung in einem früheren Leben und aufgrund überwiegender Schuld bleibt seine Frucht aus. Wenn die Schuld vergangen ist, wird die Frucht erlangt; durch den zeitbedingten Verfall des Körpers bleibt er Schuldner [die Satzverknüpfung dieser Anfangsverse ist unsicher]. Ein bereits früher geübter Mantra kann schon durch seinen erneuten Empfang zur Vollendung führen. Hat der Mantrakundige verwirklichte Mantras vom Guru empfangen und ist er dadurch Träger des Glücks der Vollendung, so erlangt er, von Wohlergehen erfüllt und stets verehrungswürdig, den Genuss der Mantrafrucht. Dieser Mantra ist als sein Schuldner zu verstehen, weil seine Verehrung schon vorausging. Daher sollen alle diese Schuldenbeziehung gründlich prüfen.“

S. 61–62, Anlage und Berechnung des Rini-Dhani-Chakras
Deutsch: Dazu heißt es in der Sundari-Rahasya-Vritti: „Man zeichne der Reihe nach zwölf Linien in Ost-West-Anordnung; dadurch entstehen elf Felder. Darin trage der Mantrakundige die Buchstaben ein, beginnend mit den Vokalen. In die ersten fünf Felder kommen jeweils zwei Vokale, in die übrigen sechs die verbleibenden sechs Vokale einzeln. Danach schreibe man die Konsonanten von Ka bis Ha nacheinander in die elf Felder. Die Zahlen des Sadhya, des zu verwirklichenden Mantras, schreibe man darüber, die des Sadhaka darunter. Die Sadhya-Buchstaben werden mit den durch die Zahlwörter Indra, Ksha, Augen, Sonne, Fünfzehn, Jahreszeiten, Veden und die weiteren Ausdrücke bis Neun bezeichneten Werten multipliziert; die Sadhaka-Buchstaben mit den durch Richtungen, Erde, Weise, Shruti, Elefanten, Meere, Weise, Pfeile, Veden und die beiden weiteren Zahlwörter bezeichneten Werten. Die Sadhya- und Sadhaka-Zahlen vervollständige man mit der Zahl der Planeten. Aus den Namensbuchstaben und den Buchstaben von A bis Ha ermittle man jeweils den Rest bei Teilung durch acht. Aus dem höheren der beiden Reste ergibt sich die Schuldner- beziehungsweise Gläubigerstellung. Hat der Mantra den höheren Zahlenwert, soll der Verständige ihn wiederholen. Auch bei Gleichheit darf der Mantrakundige Japa ausführen; bei überwiegender eigener Schuld soll er ihn nicht wiederholen.“ Lesungshinweis: Einzelne Zahlwörter und die Verknüpfung der Rechenschritte sind im Druck unklar. Die Buchstabentabelle und ihre gedruckten Zahlen werden gesondert wiedergegeben; abweichende Werte werden nicht rechnerisch stillschweigend korrigiert.

S. 62, Ausgleich durch Purashcharana
Deutsch: Im Meru Tantra: „Der Sadhaka gilt als Schuldner, wenn seine Zahl höher ist. Führt er so viele Purashcharanas aus, wie die Differenz beträgt, entsteht Gleichheit. Vollzieht er danach noch ein weiteres Purashcharana, vermag er sein Vorhaben zu verwirklichen.“

S. 62, vereinfachte Zahlenwerte
Deutsch: In der Sundari-Rahasya-Vritti: „Den klaren Rest, der nach der Multiplikation der Zahlen entsteht, werde ich hier als die Zahl in jedem der elf Felder angeben. Für die Sadhya-Buchstaben lauten die Werte: sechs, sechs, sechs, null, drei, vier, vier, null, null, null, drei. Für die Sadhaka-Buchstaben: zwei, zwei, fünf, null, null, zwei, eins, null, vier, vier, eins. Aus den Namensbuchstaben und den Buchstaben von A bis Ha ermittle man jeweils den Rest bei Teilung durch acht. Der höhere der beiden Reste bestimmt die Schuldner- beziehungsweise Gläubigerstellung.“

S. 63, Tabelle des Rini-Dhani-Chakras
Deutsch: Damit ist das Rini-Dhani-Chakra dargestellt. Die Tabelle zeigt von oben nach unten die reduzierten Mantrawerte, die gedruckten Ausgangswerte des Mantras, die Buchstabenfelder, die Ausgangswerte des Sadhaka und die reduzierten Sadhaka-Werte. Die Zahlenreihe der Ausgangswerte des Mantras lässt sich an einzelnen Stellen nicht sicher lesen beziehungsweise nicht widerspruchsfrei mit der erläuterten Rechnung verbinden.

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
6 6 6 0 3 4 4 0 0 0 3
14 27 [?] 2 12 15 6 4 3 8 8 9
a ā i ī u ū ṛ ṝ ḷ ḹ e ai o au aṃ aḥ
ka kha ga gha ṅa ca cha ja jha ña ṭa
ṭha ḍa ḍha ṇa ta tha da dha na pa pha
ba bha ma ya ra la va śa ṣa sa ha
10 1 7 4 8 3 7 5 4 6 3
2 2 5 0 0 2 1 0 4 4 1

S. 63, Varga-Chakra
Deutsch: Nun das Varga-Chakra. Dazu heißt es im Tantraraja: „Um feindliche Beziehungen der Mantras zu prüfen, beginne man mit dem Anfangsbuchstaben des Namens, zeichne acht Felder und trage die acht Buchstabengruppen ein. Vogel, Katze, Löwe, Hund, Schlange, Maus, Elefant und Widder sind der Reihe nach den acht Gruppen beginnend mit A zugeordnet. Zwischen Vogel und Katze besteht Feindschaft, ebenso zwischen Katze und Vogel; Feindschaft besteht zwischen Vogel und Schlange und zwischen Elefant und Löwe. Widder und Hund sind feindlich; Freundschaft soll man mit verständiger Überlegung prüfen. Zwischen Schlange und Löwe besteht Freundschaft, ebenso zwischen Widder und Maus. Weiteres ist aus dem Leben und dem praktischen Umgang zu erkennen. Nachdem man dieses vorzügliche Yantra verstanden hat, empfange man den geeigneten Mantra.“

S. 63–64, Tierbeziehungen im Varahi Tantra
Deutsch: Dazu heißt es im Varahi Tantra: „Vögel stehen zu Katzen, Hunden und Schlangen in feindlicher Beziehung; die Katze zu Hund und Maus, der Löwe stets zum Elefanten. Der Hund zu Vogel und Katze, die Schlange zu Vogel und Maus; die Maus zu Katze und Schlange, der Elefant zum Löwen. Zwischen Garuda und der Schlange besteht Feindschaft, ebenso zwischen Elefant und Löwe.“

S. 64, Tabelle des Varga-Chakras
Deutsch: Das Varga-Chakra: Die Tabelle nennt den Anfangsbuchstaben, die im Druck angegebene Anzahl und das zugeordnete Tier. Damit endet dieses Chakra. Lesungshinweis: Für die A-Gruppe nennt das Diagramm sechzehn Zeichen; die übrige Aufteilung wird wie gedruckt beibehalten, auch wenn die Gesamtzahl damit Fragen aufwirft.

a (16): Vogel ka (5): Katze ca (5): Löwe ṭa (5): Hund
ta (5): Schlange pa (5): Maus ya (5): Elefant ṣa (4): Widder

S. 64, Anlage des Rashi-Chakras
Deutsch: Nun das Rashi-Chakra, ebenfalls dort: „Man ziehe zwei Linien von Osten nach Westen und dazwischen zwei in Richtung Süden und Norden. Je eine weitere ziehe man im Nordosten und Südwesten sowie im Südosten und Nordwesten. Danach trage man die Buchstaben ein: vier, drei, drei, zwei, zwei, zwei, fünf, fünf, fünf, fünf, fünf und schließlich vier, beginnend beim Widder. Die mit Sha beginnenden Buchstaben schreibe man in das zur Jungfrau gehörende Feld.“ Im Varahi Tantra: „Nachdem man die Buchstaben in den Feldern beginnend mit Widder in den Anzahlen vier, drei, drei, zwei, zwei, zwei, fünf, fünf, fünf, fünf, fünf und vier eingetragen hat, schreibe man die sechs mit Sha beginnenden Zeichen in das Jungfrau-Feld.“ Lesartenhinweis: Beim zweiten Vers verzeichnet der Druck eine metrische Korrektur der Zahlwortreihe; die sechs abschließenden Zeichen werden in der folgenden Darstellung näher erkennbar.

S. 65, Bewertung der Tierkreisbeziehungen
Deutsch: Wie die Acharyas sagen: „Zusammen mit den vier Buchstaben beginnend mit Ya gehört Ksha zu den Fischen.“ „Das erste, fünfte oder neunte Zeichen vom eigenen aus ist ein Verwandter; das zehnte, zweite und sechste sind Diener. Ein Mantra in der elften, dritten oder siebten Stellung ist ein Ernährer; in der achten, zwölften oder vierten Stellung ist er ein Vernichter. Aszendent, Besitz, Geschwister, Feinde, Kinder, Freunde, Ehepartner, Tod, Dharma, Tätigkeit, Gewinn und Verlust sind die zwölf Zeichenstellungen.“ In diesem Rashi-Chakra gilt die vierte Stellung als feindlich, bei der Shiva-Verehrung dagegen als verwandt. Einige sagen auch, die sechste Stellung sei verwandt und nicht feindlich.

S. 65, weitere Regeln des Rashi-Chakras
Deutsch: Ferner: „Vom eigenen Zeichen des Rezitierenden aus sind die sechste, achte und zwölfte Stellung zu meiden. Günstig sind die erste, zweite, dritte, vierte, fünfte, siebte, neunte, zehnte und elfte. Aszendent, Besitz, Geschwister, Verwandte, Kinder, Feinde, Ehepartner, Tod, Dharma, Tätigkeit, Gewinn und Verlust sind die zwölf Zeichenstellungen. Entsprechend ihren Namen sage man ihre günstige oder ungünstige Wirkung voraus. Der Kundige zähle vom eigenen Zeichen bis zum Zeichen des Mantras. So ist die Eignung der Zeichen zu bestimmen; Feind-, Todes- und Verluststellung sind zu meiden.“

S. 65, Buchstabenverteilung im Rashi-Chakra
Deutsch: Die Anleitung dazu lautet: zwei Linien von Osten nach Westen, zwei von Süden nach Norden, zwei in den Nordost- und Südwestecken sowie zwei in den Südost- und Nordwestecken, also insgesamt acht Linien. In die dadurch entstehenden Felder trage man die fünfzig Buchstaben ein, beginnend mit dem Widder, in der anschließend genannten Reihenfolge. Die folgende Tabelle gibt die im Text einzeln aufgeführten Lautgruppen und ihre Zeichen wieder.

S. 66, Rashi-Chakra
Deutsch: Damit ist das Rashi-Chakra dargestellt. Die Tabelle gibt die zwölf Felder des gedruckten quadratischen Diagramms nach ihren Nummern wieder.

Nr. Zeichen Lautzeichen
1 Widder a ā i ī
2 Stier u ū ṛ
3 Zwillinge ṝ ḷ ḹ
4 Krebs e ai
5 Löwe o au
6 Jungfrau aṃ aḥ śa ṣa sa ha
7 Waage ka kha ga gha ṅa
8 Skorpion ca cha ja jha ña
9 Schütze ṭa ṭha ḍa ḍha ṇa
10 Steinbock ta tha da dha na
11 Wassermann pa pha ba bha ma
12 Fische ya ra la va kṣa

S. 66–67, Nakshatra-Chakra und neun Beziehungen
Deutsch: Nun das Nakshatra-Chakra, ebenfalls dort: „Man ziehe sorgfältig zehn Linien von Osten nach Westen und vier von Norden nach Süden. So entstehen siebenundzwanzig Felder in drei Neunergruppen. In diese trage man die Buchstaben ein. Beginnend mit Ashvini werden sie durch die folgende Zahlwortreihe aufgeteilt: zwei, eins, drei, vier, eins, eins, zwei, eins, zwei, zwei, eins, zwei, zwei, zwei, eins, zwei, drei, eins, drei, eins, eins, eins, zwei, eins, zwei, drei und vier; bei Revati stehen Bindu und Visarga. Vom Geburtsstern des Rezitierenden aus zähle man in der Reihenfolge Janma, Sampat und so weiter. Geburt, Wohlstand, Gefahr, Wohlergehen, Gegenfeind, Vollbringer, Tod, Freundschaft und engste Freundschaft: Dies sind die neun Sternbeziehungen, die dreimal durchlaufen werden. Man zähle in dieser Reihenfolge und bestimme die Wirkung entsprechend dem jeweiligen Namen. Bei Janma entsteht Verlust, bei Sampat Wohlstand, bei Vipat Gefahr; bei Kshema sage man Heil voraus. Bei Pratyari wachsen die Feinde, bei Sadhaka wird Vollendung bewirkt. Bei Vadha ist Tod zu erwarten, bei Mitra eine Vermehrung der Freunde; bei Atimitra entsteht Glück. Dies heißt Tara-Chakra. Vipat, Vadha und Pratyari sind von den Verständigen zu meiden.“

S. 67, unbekannter Geburtsstern
Deutsch: Bei unbekanntem Zeichen: „Man beginne mit dem ersten Buchstaben des eigenen Namens, Geliebte, und zähle als Kundiger bis zum Anfangsbuchstaben des Mantras.“ Dies bezieht sich auf den Fall, dass Zeichen und entsprechende Angaben unbekannt sind. Ferner: „Ist jemandes Geburtsstern bekannt, beginne der Kundige bei diesem. Ist die Kenntnis des Geburtssterns verloren, beginne er beim Stern, der dem Namen entspricht.“

S. 67, weitere Nakshatra-Zahlenreihe
Deutsch: Im Pingalamata: „Man trage die Zahlen ein, die durch Praya, Mond, Drei, Veden, Eins, Eins, Zwei, Mond, Praya, Praya, Mond, dreimal Praya, Mond, Paar, Drei, Eins, dreimal Eins, Zwei, Mond, Paar, Drei und Veden bezeichnet werden, und entsprechend viele Schriftzeichen. Sechs, acht und neun sind günstig, unterschieden nach den jeweiligen Paarbeziehungen; die anderen sind nicht günstig. So sollen es die Mantrakundigen verstehen. Man beginne beim Geburtsstern und ende beim Stern des Mantras.“ Lesungshinweis: Das Zahlwort prāya und die Zusammensetzung der Zahlenreihe bleiben im Druck unsicher. Die Druckanmerkung deutet „dreimal Praya“ als 2, 2, 2 und die folgende dreifache Mondzahl als 1, 1, 1. Der letzte Satz bleibt als verkürzte Zählanweisung stehen; anschließend folgt das Diagramm.

S. 68, Tabelle des Nakshatra-Chakras
Deutsch: Damit ist das Nakshatra-Chakra dargestellt. Die Tabelle bewahrt die Reihenfolge der siebenundzwanzig Felder; sie enthält die zugeordneten Lautzeichen und die im Diagramm eingetragenen Gruppen Deva, Mensch und Rakshasa.

Nr. Stern Lautzeichen Gruppe
1 aśvinī a ā Deva
2 bharaṇī i Mensch
3 kṛttikā ī u ū Rakshasa
4 rohiṇī ṛ ṝ ḷ ḹ Mensch
5 mṛgaśiras e Deva
6 ārdrā ai Mensch
7 punarvasu o au Deva
8 puṣya ka Deva
9 āśleṣā kha ga Rakshasa
10 maghā gha ṅa Rakshasa
11 pūrvaphalgunī ca Mensch
12 uttaraphalgunī cha ja Mensch
13 hasta jha ña Deva
14 citrā ṭa ṭha Rakshasa
15 svāti ḍa Deva
16 viśākhā ḍha ṇa Rakshasa
17 anurādhā ta tha da Deva
18 jyeṣṭhā dha Rakshasa
19 mūla na pa pha Rakshasa
20 pūrvāṣāḍhā ba Mensch
21 uttarāṣāḍhā bha Mensch
22 śravaṇa ma Deva
23 dhaniṣṭhā ya ra Rakshasa
24 śatabhiṣā la Rakshasa
25 pūrvabhādrapadā va śa Mensch
26 uttarabhādrapadā ṣa sa ha Mensch
27 revatī ḻa kṣa aṃ aḥ Deva

S. 68, Beginn des Gana-Chakras
Deutsch: Nun das Gana-Chakra, ebenfalls dort: „Die drei Paare von Purva- und Uttara-Sternen, Ardra und die entsprechenden weiteren Sterne sowie Rohini rechnen die Weisen zur Menschengruppe.“ Textverständnis: Die komprimierte Aufzählung ist sprachlich unsicher; die vorausgehende Tabelle zeigt die einzelnen Zuordnungen.

S. 69, Abschluss des Gana-Chakras
Deutsch: „Jyeshtha, Shatabhisha, Mula, Dhanishtha, Ashlesha, Krittika, Chitra, Magha und Vishakha sind Sterne der Rakshasa-Gruppe. Ashvini, Revati, Pushya, Svati, Hasta, Punarvasu, Anuradha, Mrigashiras und Shravana sind Deva-Sterne.“ Ferner nennt die astrologische Schrift die Gruppen in dieser Reihenfolge: „Deva, Mensch, Rakshasa, Mensch, Deva, Mensch, Deva, Deva, Rakshasa, Rakshasa, Mensch, Mensch, Deva, Rakshasa, Deva, Rakshasa, Deva, Rakshasa, Rakshasa, Mensch, Mensch, Deva, Rakshasa, Rakshasa, Mensch, Mensch, Deva.“ Dazu heißt es in der Dipika: „Hasta, Svati, Mrigashiras, Ashvini, der Stern Haris, der des Gurus, der Pushans, Anuradha und der Aditis; Ardra, Rohini, die drei Uttara-Sterne, Bharani und die drei Purva-Sterne; Jyeshtha, Ashlesha, Vishakha, Mula, der Stern Varunas, der Vasus, Agnis, Chitra und Magha: Diese werden von den Weisen der Reihe nach als Devas, Menschen und Rakshasas bezeichnet.“ Damit endet das Gana-Chakra.

S. 69–70, Akadama-Chakra
Deutsch: Nun das Akadama-Chakra, ebenfalls dort: „Ich werde das bekannte Akadama-Chakra erklären, das alle Vollendungen gewährt. Beim Empfang von Mantras soll der Mantrakundige es stets prüfen. Er zeichne ein Rashi-Chakra und trage die Buchstaben von A bis Ksha der Reihe nach ein, wobei die neutralen Vokale ausgelassen werden. Die Eintragung geschieht so, dass im ersten Feld der Reihe nach A, Ka, Da und Ma stehen. Danach beginne man mit dem Anfangsbuchstaben des Namens des Rezitierenden und zähle wiederholt Siddha, Sadhya, Susiddha und Ari.“ Ferner: „Von A bis Ksha und vom Widder bis zu den Fischen zähle der Verständige nach rechts fortschreitend. Vom eigenen Namen des Rezitierenden bis zum Anfangsbuchstaben des Mantras zähle der Mantrakundige wiederholt in der Reihenfolge Siddha, Sadhya, Susiddha und Ari. Ein Siddha verwirklicht sich mit der Zeit; ein Sadhya kann sich verwirklichen oder auch nicht; ein Susiddha schon durch den Empfang. Der feindliche Mantra schneidet die Wurzel ab.“

S. 70, Diagramm des Akadama-Chakras
Deutsch: Damit ist das Akadama-Chakra dargestellt. Die folgende Tabelle gibt die zwölf Buchstabenfelder des quadratischen Diagramms in der Zeichenreihenfolge wieder. Einzelne nicht zuverlässig gelesene Zeichen bleiben gekennzeichnet.

Feld Lautzeichen
1 a ka ḍa ma
2 ā kha ḍha ya
3 i ga ṇa ra
4 ī gha ta la
5 u ṅa tha va
6 ū ca da śa
7 e cha dha ṣa
8 ai ja na sa
9 o jha pa ha
10 au ña pha ḻa
11 aṃ ṭa ba kṣa
12 aḥ ṭha bha [?]

S. 70–71, Udita-Chakra
Deutsch: Nun das Udita-Chakra. Dazu heißt es in der Sundari-Rahasya-Vritti: „Ich werde das große Udita-Chakra kurz erklären. Man zeichne ein ansprechendes sechseckiges Chakra mit gleichmäßigen Linien. Beginnend im Osten trage man die Buchstaben von A bis Ksha der Reihe nach ein. In der ersten Stellung ist Wohlstand angezeigt, in der zweiten dessen Verlust. In der dritten erkennt man Standhaftigkeit, in der vierten Streit mit Verwandten. Die fünfte ist von Zweifel geprägt, die sechste vernichtet alles. Man beginne beim ersten Buchstaben des Namens und gehe bis zum ersten Buchstaben des Mantras.“ Damit endet das Udita-Chakra. Das gedruckte Diagramm besteht aus sechs äußeren Dreiecksfeldern um ein zentrales Sechseck; die folgende Tabelle bewahrt deren räumliche Positionen.

Position im Druck Lautzeichen
Oben a e ka cha ḍa dha ma ṣa
Oben rechts ā ai kha ja ḍha na ya sa
Unten rechts i o ga jha ṇa pa ra ha
Unten ī au gha ña ta pha la ḻa
Unten links u aṃ ṅa ṭa tha ba va kṣa
Oben links ū aḥ ca ṭha da bha śa [?]

S. 71–72, Shatpada-Matrika-Chakra
Deutsch: Nun das Shatpada-Matrika-Chakra. Im Meru Tantra: „Für einen Mantra, dessen Wesen ein Bija ist, soll die sechsfache Matrika-Prüfung erkannt werden. Dazu zeichne man einen heilvollen sechsblättrigen Lotus. Darin setze man die Matrika-Buchstaben ein, wobei Kuta und die neutralen Buchstaben ausgelassen werden. Man beginne in dem Feld, in dem der erste Buchstabe des eigenen Namens steht, und prüfe: Wohlstand, Armut, Standhaftigkeit, Streit mit Verwandten, Zweifel und völliger Untergang – in dieser Reihenfolge vom Feld des Namensanfangs aus.“ Kuta bezeichnet den Laut Nga [Lesung unsicher]; die neutralen Buchstaben sind die vier Vokale beginnend mit vokalischem R. Damit endet das Shatpada-Matrika-Chakra. Das Diagramm zeigt sechs beschriftete äußere Felder um ein freies Zentrum; unsicher lesbare Feldinhalte sind in der folgenden Wiedergabe ausdrücklich offengelassen.

Position im Druck Lautzeichen
Oben a e ka cha ḍa dha ma ṣa
Oben rechts ā ai kha ja ḍha na ya sa
Unten rechts i o ga jha ṇa pa ra ha
Unten ī au [?] ña ta pha la kṣa
Unten links u aṃ [?] ṭa tha ba va
Oben links ū aḥ ca ṭha da bha śa

S. 72, Zuordnung der Prüfverfahren
Deutsch: Im Varahi Tantra: „Bei Varaha gilt die Prüfung der Felder, bei Mahalakshmi das Kula-Akula. Für alle gelten das mit dem Namen beginnende Chakra und ebenso das Bhuta-Chakra. Bei Vishnu-Mantras gilt die Prüfung des Geburtssterns, bei Shiva die der Felder, bei Tripura die des Tierkreiszeichens; bei Gopala wird das Akadama genannt.“

S. 72, Ausnahmen von den Prüfverfahren
Deutsch: Eine Ausnahme wird im Yamala genannt: „Wenn sich Mantras bei der Prüfung in keiner Weise als günstig erweisen, empfange man einen vorzüglichen Mantra unter Berufung auf die Ausnahme von der Prüfung. Bei den Mantras Nrisimhas, der Sonne und Varahas, bei Prasada und Pranava, bei den Nityas und den Hamsa-Mantras soll man Siddha und die weiteren Klassen überhaupt nicht prüfen.“ Ebenso im Kalika-Purana: „Bei Nrisimha, der Sonne und Varaha, bei Prasada und Pranava sowie bei ein- und zweisilbigen Mantras soll man Siddha und die weiteren Klassen nicht prüfen.“ Im Agni-Purana: „Bei Hamsa, beim achtsilbigen und ebenso beim fünfsilbigen sowie bei einem neutralen Mantra soll man Siddha und die weiteren Klassen nicht prüfen.“ Neutral heißt: auf Namah endend.

S. 73, Arten und Endungen der Mantras
Deutsch: Dazu heißt es in der Sharada: „Alle Mantras entstanden aus den verschiedenen Matrika-Buchstaben. Nach der Unterscheidung von Mantra und Vidya sind die Mantragattungen zweifach: Mantras gehören zu männlichen Gottheiten, Vidyas zu weiblichen. Alle Mantras werden ferner als männlich, weiblich oder neutral beschrieben. Männliche Mantras enden auf Hum und Phat; die auf zwei Tha endenden gelten als weiblich. Die neutralen enden auf Namah. So werden die Mantras dreifach gelehrt.“ Erläuterung der Druckausgabe: Die verschlüsselte Endung „zwei Tha“ bezeichnet Svaha. Die Nasalzeichenform des gedruckten Hum bleibt in der Mantrasammlung als Lesungsfrage gekennzeichnet.

S. 73, Gopala und weitere prüfungsfreie Mantras
Deutsch: In der Sanatkumara-Samhita: „Siddha, Sadhya, Susiddha und Ari, o Narada, sind bei Gopala-Mantras nicht zu bestimmen, weil er selbst aus sich leuchtet.“ In der Ganesha-Vimarshini: „Bei einem einsilbigen Mantra, einem Kuta, einem Mala-Mantra, einem aus drei Bijas bestehenden, einem im Traum empfangenen oder von einer Frau gegebenen Mantra soll man Siddha und die weiteren Klassen nicht prüfen.“ Das Merkmal eines Mala-Mantras wird im Narayani Tantra erklärt: „Mantras mit mehr als zwanzig Silben werden Mala-Mantras genannt.“

S. 73, Ausnahmen im Devi-Purana
Deutsch: Im Devi-Purana: „Bei Kalika, Tara, Kulluka und Trikuta, bei einem einsilbigen Kuta, bei Shivas fünfsilbigem und ebenso seinem sechssilbigen Mantra, bei Vishnus achtsilbigem oder zwölfsilbigem Mantra, beim Rama-Mantra und beim Taraka, bei Vishnu-Mantras, bei Bhairavi, beim vorzüglichen Sundari-Mantra, beim Sarasvata-Mantra und bei Bala soll man Siddha und die weiteren Klassen nicht prüfen.“

S. 74, Gautamiya über Krishna-Mantras und Diksha
Deutsch: Im Gautamiya: „Unter allen Mantragruppen gilt die vishnuitische als die höchste; unter allen vishnuitischen Mantras tragen die Krishna-Mantras besonders große Frucht. Insbesondere dieser zehnsilbige gelangt allein durch Japa zur Vollendung. Die Einweihung durch eine Frau wird als segensreich bezeichnet, die durch die Mutter als achtmal vorzüglicher. Bei einer im Traum empfangenen Vidya gibt es diese Prüfung nicht.“

S. 74, weitere Ausnahmen im Yogini Tantra
Deutsch: Im Yogini Tantra: „Bei Garuda-Mantras und entsprechenden Formeln, bei Sonnen- und Vishnu-Mantras, bei buddhistischen und jainistischen Mantras, bei großen Mantras und Kutas findet keine Prüfung auf Siddha und die weiteren Klassen statt.“

S. 74, Abschlussvers des ersten Taranga
Deutsch: „Im vom verehrten König geschaffenen Ozean des Purashcharana, reich an bunten Nektarströmen der wunderbaren Vielfalt erhabener Worte und geehrt durch das Zusammenströmen der Flüsse guter Lehrwerke, ist die erste Welle vorübergezogen: strahlend und hoch aufragend im Glanz einer Fülle klarer Perlen trefflicher Darlegung.“ Lesungshinweis: Die langen Komposita des ersten Halbverses bleiben teilweise unsicher; das Bild von Nektarströmen, zusammenfließenden Lehrwerken und der perlenhellen ersten Welle ist erkennbar.

S. 74, Kolophon des ersten Taranga
Deutsch: So endet im Purashcharanarnava, verfasst vom verehrten Maharajadhiraja Pratapasimha Shah, der erste Taraṅga mit dem Titel „Erörterung der Chakras nach der Bestimmung der Gottheiten der sechs Amnayas, ihrer Lebens- und Verehrungsweisen und weiterer Fragen“.

Svadhyaya und Meditation vertiefen einander.

2. Taraṅga: Zeit, Mantra-Reinigung und Ritualplatz

Lesehilfe: Zeit, Reinigung des Mantras und Ritualplatz bilden den Schwerpunkt dieser Welle. Für dein Svadhyaya kann daraus eine einfache Frage entstehen: Welche äußeren Bedingungen helfen dir, innerlich gesammelt zu sein? Die genauen rituellen Zuordnungen gehören jeweils zu der zitierten Überlieferung.

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S. 75, Einweihungszeit und Monatsfrüchte
Deutsch: Nun die Bestimmung der Einweihungszeit. Zuerst die Früchte der Monate. Dazu heißt es im Yamala: „Im Vaishakha ist Diksha heilvoll und verheißt großes Wohlergehen; im Jyeshtha bringt sie Tod, im Ashadha Glück und Wohlstand. Im Shravana entsteht Gewinn von Edelsteinen, im Bhadra gilt sie als leidbringend. Im Ashvina entstehen alle Siddhis, im Karttika gewährt sie die Vollendung der Erkenntnis. Im Margashirsha wirkt sie günstig, im Pausha zerstört sie Erkenntnis. Im Magha vermehrt sie Einsicht, im Phalguna bringt sie alle unter Einfluss. Im Chaitra verursacht sie Bedrängnis. Den eingeschobenen Zusatzmonat soll man meiden.“

S. 75, Monate im Siddhantashekhara
Deutsch: Im Siddhantashekhara: „Im Herbst und im Vaishakha gewährt Diksha die höchste Frucht. Im Phalguna, Margashirsha und Jyeshtha ist sie von mittlerer Güte. Im Ashadha und Magha wird sie als gering eingestuft. Missbilligt sind dagegen Chaitra, Pausha und Bhadrapada.“

S. 75, Monatsfrüchte für Gopala-Mantras
Deutsch: Bei der Einweihung in einen Gopala-Mantra wird jedoch auch Chaitra empfohlen. Gautama sagt dazu: „Beginnt die Mantrapraxis im Chaitra, gewährt sie sämtliche Lebensziele. Im Vaishakha gewinnt man Edelsteine, im Jyeshtha tritt gewiss Tod ein. Im Ashadha entsteht Verlust von Verwandten, im Shravana eine volle Lebensspanne. Im Bhadra geht die Nachkommenschaft zugrunde, im Ashvina sammeln sich Edelsteine an. Im Karttika entsteht Mantra-Siddhi, ebenso im Margashirsha. Im Pausha wird man von Feinden bedrängt, im Magha wächst die Einsicht. Im Phalguna werden alle Wünsche erfüllt. Den eingeschobenen Zusatzmonat soll man meiden.“

S. 76, helle und dunkle Monatshälfte
Deutsch: Nun die Früchte der Monatshälften. Dazu heißt es im Rudrayamala: „In der hellen Monatshälfte ist Diksha günstig, auch in der dunklen bis zum fünften Tag. Bei geschwächtem Mond soll der vorzügliche Mantrakundige keine Gelübde-Einweihung vollziehen.“ Als geschwächt gilt der Mond vom achten Tag der dunklen bis zum vierzehnten Tag der hellen Monatshälfte. Quellenhinweis: Diese auffällige Zeitspanne steht so im Druck; sie wurde nicht nach einer anderen astrologischen Regel verändert.

S. 76, Früchte der Mondtage
Deutsch: Nun die Früchte der Tithis. Im Yamala: „Eine am ersten Mondtag vollzogene Diksha gilt als Erkenntnis zerstörend. Am zweiten entsteht Erkenntnis, am dritten wird man glücklich. Am vierten entsteht Vermögensverlust, am fünften wächst der Verstand. Am sechsten erlangt man Verlust der Erkenntnis, am siebten Glück. Am achten wird der Verstand zerstört, am neunten der Körper geschwächt. Am zehnten entsteht königliches Glück, am elften wird man rein. Am zwölften entstehen alle Siddhis, am dreizehnten Armut. Am vierzehnten entsteht eine tierische Geburt, am Monatsende eine Geburt als Wurm. Am Ende der Monatshälfte entstehen alle Siddhis. Zeiten des untersagten Studiums soll man meiden. Bei Donnern in der Dämmerung, bei Erdbeben oder beim Niedergehen von Meteoren soll der Mantrakundige drei Nächte aussetzen; auch die in der Shruti genannten ausgeschlossenen Zeiten soll er meiden.“

S. 76, Mondtage der Gottheiten
Deutsch: In der Tattvasara-Samhita: „Nachdem man den jeweiligen Mondtag berücksichtigt hat, soll man an ihm die Verehrer der zugehörigen Gottheit einweihen. Für Brahma wird der Vollmond genannt, für den Träger des Diskus der zwölfte Tag. Für Shiva wird der vierzehnte, für Vach der dreizehnte genannt. Für Shri gilt der zweite, für Parvati der dritte. Für den Herrn der Ganas gilt der vierte, für die Sonne der siebte. Bei den nächtlichen Wegen Parvatis gelten der achte und der vierzehnte.“

S. 76–77, Sonnenmonat und Monatsende
Deutsch: Da sowohl Monatsende als auch Ende der Monatshälfte genannt werden, bedeutet Monatsende den Tag vor dem Sonnenübergang in ein neues Zeichen; Ende der Monatshälfte bezeichnet Vollmond und Neumond. Dazu heißt es im Gautamiya: „Nach dem Sonnenmonat ist Diksha günstig, nicht nach dem Mondmonat oder dem Sternmonat.“ Aufgrund dieser Aussage ist unter Monatsende das Ende des Sonnenmonats zu verstehen.

S. 77, Wochentage
Deutsch: Nun die Früchte der Wochentage: „Am Sonntag entsteht Vermögen, am Montag wahrlich Frieden. Der Dienstag verkürzt die Lebensspanne; an ihm soll man Diksha meiden. Am Mittwoch erlangt man Schönheit, am Donnerstag Erkenntnis. Am Freitag erlangt man Glück, am Samstag verliert man Ansehen.“

S. 77, Früchte der Nakshatras
Deutsch: Nun die Früchte der Nakshatras. Im Tripurarnava: „Unter Ashvini erlangt man Glück, unter Bharani gewiss Tod. Unter Krittika wird man leidvoll, unter Rohini ein Meister der Rede. Mrigashiras bringt Glück, Ardra Verlust von Verwandten. Unter Punarvasu wird man vermögend, Pushya vernichtet Feinde. Unter Ashlesha entsteht Tod, unter Magha Befreiung vom Leid. Unter Purvaphalguni erlangt man Schönheit, daran besteht kein Zweifel; unter Uttaraphalguni Erkenntnis, unter Hasta Kraft. Chitra bringt Vollendung der Erkenntnis, Svati vernichtet Feinde. Unter Vishakha entsteht Glück, Anuradha schenkt Einsicht. Unter Jyeshtha entsteht Verlust des Sohnes, unter Mula wächst der gute Ruf. Purvashadha und Uttarashadha verleihen Ruhm. Unter Shravana wird man leidvoll, unter Dhanishtha arm. Unter Shatabhisha entsteht Einsicht, unter Purvabhadrapada wird man glücklich. Auch unter Uttarabhadrapada entsteht Glück, unter Revati wächst der gute Ruf.“

S. 77–78, ungünstige Verbindungen von Mondtag und Stern
Deutsch: In der Ratnavali: „Der erste Mondtag mit Purvashadha, der fünfte mit Krittika, der sechste mit Purvabhadrapada, der zehnte mit Rohini, der zwölfte mit dem Schlangenstern und der dreizehnte mit Aryamans Stern: Diese sogenannten Nakshatra-Luptas bringen selbst den Göttern Verderben.“

S. 78, Aszendent und Planetenstellung
Deutsch: Nun die Früchte des Aszendenten. Im Rajamartanda: „Bei ungünstiger Stellung von Jupiter, Sonne und Venus verursacht Diksha Armut. An einem günstigen Tag und bei günstigem Aszendenten verleiht sie Herrlichkeit.“ Im Rudrayamala: „Bei den Aszendenten Stier, Löwe, Jungfrau, Schütze und Fische soll der Guru an einem Tag mit günstigem Mond und günstigen Sternen stets Diksha geben.“ Im Meru Tantra: „Stets Leid, stets Verlust; für Anhänger des linken Weges ist Zwillinge günstig. Vieles Verbotene ist für Anhänger des linken Weges und für Yavanas günstig.“ Textverständnis: Der Bezug der ersten beiden Aussagen des Meru-Zitats wird an dieser Stelle nicht ausdrücklich genannt.

S. 78, feste, bewegliche und doppelte Zeichen
Deutsch: In der Smriti-Samhita: „Für einen Vishnu-Mantra gilt ein fester Aszendent, für einen Shiva-Mantra ein beweglicher. Für Shakti-Mantras wird ein Aszendent von doppelter Natur empfohlen.“ Im Gautamiya und im Saubhagya-Ratnakara: „Übeltäterplaneten in der dritten, sechsten und elften Stellung sowie Wohltäter in den Eck- und Dreieckshäusern werden bei Diksha als günstig bezeichnet; Planeten im achten Haus vernichten alles. Bei einem festen Aszendenten ist Diksha günstig, bei einem von doppelter Natur mittelmäßig. Wer Heil erstrebt, soll bei einem beweglichen Aszendenten keine Diksha vollziehen. Der Mond ist in der dritten, elften, sechsten und zehnten Stellung günstig.“ Erläuterung der Druckausgabe: Beweglich sind Widder, Krebs, Waage und Steinbock; fest sind Stier, Löwe, Skorpion und Wassermann; doppelt sind Zwillinge, Jungfrau, Schütze und Fische. Die unterschiedlichen Quellenregeln bleiben nebeneinander stehen.

S. 78, astrologische Yogas
Deutsch: Nun die Früchte der astrologischen Yogas. Im Meru Tantra: „Bei den Yogas beginnend mit Vishkambha entspricht die Frucht dem jeweiligen Namen. Bei den Yogas beginnend mit Ananda tritt die Frucht überall unvermindert ein.“

S. 79, Manvadi- und Yugadi-Tage
Deutsch: „An den Tagen, die den Beginn eines Manu-Zeitalters oder eines Yuga bezeichnen, schenkt Diksha alles Gedeihen.“ Diese werden im Muhurta-Chintamani genannt: „Die Manvadi-Tage sind im Madhu-Monat der dritte und fünfzehnte, im Urja der fünfzehnte und zwölfte, im Shuchi der zehnte und fünfzehnte, im Jyeshtha und letzten Monat der fünfzehnte, im Isha der neunte, im Tapas der siebte, im Sahasya der elfte und im Bhadra der dritte, jeweils in der hellen Hälfte; ferner Neumond und der achte Tag der dunklen Hälfte des Nabhas. Die Yugadi-Tage sind [die anschließende komprimierte Zahlwort- und Monatsfolge ist nicht hinreichend sicher lesbar].“ Lesungshinweis: Die Zahlwortreihe wurde nicht anhand eines anderen Kalenders ersetzt. Die folgende Agni-Purana-Stelle nennt die Yugadi-Tage ausdrücklich.

S. 79, Beginn der vier Yugas
Deutsch: Im Agni-Purana: „Am neunten Tag der hellen Hälfte des Karttika trat das Krita-Zeitalter hervor, Treta am dritten Tag der hellen Hälfte des Vaishakha, das Dvapara-Zeitalter am Neumond des Magha und Kali am dreizehnten Tag der dunklen Hälfte des Nabhasya. Die Anfänge der Manu-Zeitalter sind als zweimal sieben zu verstehen.“

S. 79, Sonnenübergang, Finsternis und Mahashtami
Deutsch: Im Yogini Tantra: „Beim Übergang der Sonne in ein neues Zeichen und ebenso bei einer Sonnenfinsternis soll man niemals Aszendenten oder ähnliche Bedingungen prüfen. Besonders gilt dies an Mahashtami zur Verwirklichung von Dharma, Kama und Artha.“

S. 79, heilige Festtage
Deutsch: Im Brihat-Shrikrama: „Zur Tagundnachtgleiche, an den beiden Sonnenwenden, beim Zeichenübergang der Sonne, beim Madana-Fest und an einem Guru-Festtag gewährt Diksha günstige Frucht.“

S. 79–80, Guru-Festtage
Deutsch: Die Guru-Festtage werden im Bhuvaneshvari Tantra genannt: „Der sechste Tag im Bhadrapada, der dreizehnte der dunklen Hälfte im Isha, der neunte der hellen Hälfte im Karttika und der dritte im Margashirsha; der neunte der hellen Hälfte im Pausha, der vierte im Magha, der neunte der hellen Hälfte im Phalguna und Kama-Trayodashi im Chaitra; Akshaya im Vaishakha, Dashahara im Jyeshtha, der fünfte der hellen Hälfte im Ashadha und der fünfte der dunklen Hälfte im Shravana: Dies nennen die Weisen die verdienstvollen Guru-Festtage.“

S. 80, günstige Mondtage und Erweckung der Göttin
Deutsch: Im Sara-Sangraha: „Der fünfte, elfte, siebte und dreizehnte Tag der hellen Hälfte, ferner deren zehnter und besonders der zwölfte Tag sind vorgesehen. Der dritte ist stets vorgeschrieben; der sechste wird überall missbilligt.“ Im Vishnuyamala: „Beginnend mit der Erweckung der Göttin bis zum neunten Mondtag …“ Quellenhinweis: Dieses Zitat bricht hier im Druck ab; auf Seite 82 wird es mit seiner Fortsetzung erneut angeführt.

S. 80, sechzehn günstige Yogas
Deutsch: In der Ratnavali: „Die Yogas sind Priti, Ayushman, Saubhagya, Shobhana, Shubha, Sukarma, Dhriti, Vriddhi, Dhruva, Siddhi, Harshana, Variyan, Shiva, Siddha, Brahma und Indra – insgesamt sechzehn.“

S. 80, Karanas
Deutsch: Nun die Bestimmung der Karanas. Im Gautamiya Tantra: „Bei Diksha werden besonders die günstigen Karanas empfohlen. Die mit Shakuni beginnenden sowie Vishti soll man insbesondere meiden.“

S. 80, Sonnenzeichen
Deutsch: Nun die Früchte des Sonnenzeichens. Im Sara-Sangraha: „Beim Beginn einer Mantrapraxis und entsprechender Unternehmungen gewährt Widder Geld und Getreide. Im Stier erlangt man Tod, in den Zwillingen Verlust von Nachkommen. Im Krebs entstehen alle Siddhis, im Löwen wächst die Einsicht. Jungfrau gewährt stets Wohlstand, in der Waage entstehen alle Siddhis, ebenso im Skorpion. Schütze zerstört Erkenntnis. Steinbock wird als Spender eines Sohnes bezeichnet, Wassermann gewährt Vermögenszuwachs. Fische bringt stets Leid. So sind die Früchte der Zeichen, Geliebte.“

S. 80–81, Finsternisse und zehn Vidyas
Deutsch: In der Gargya-Samhita: „Auch in missbilligten Monaten wird Diksha während einer Finsternis als günstig bezeichnet. Auf Erden gibt es keine Zeit, die der Sonnenfinsternis gleichkommt. Welche Handlung dort auch ausgeführt wird, sie gewährt unendliche Frucht. Diese eben, o große Herrin, werden die zehn Vidyas genannt. Hier besteht keine Abhängigkeit von Siddha und den weiteren Klassen, keine Prüfung der Nakshatras und dergleichen, keine Untersuchung der Zeit und ähnlicher Bedingungen und kein Mangel aufgrund von Sadhya und den weiteren Klassen.“ Textverständnis: Der Rückbezug „diese zehn Vidyas“ ist an dieser Stelle nicht aufgelöst; es wird keine ergänzende Liste eingefügt.

S. 81, Zeiten und Orte ohne Kalenderprüfung
Deutsch: Im Samaya Tantra: „An einer Sonnenwende, zur Tagundnachtgleiche, an Yugadi-Tagen, bei einer Finsternis und an einem großen heiligen Ort gibt es keine Prüfung der Zeit. In der Nähe von Tulsi, am Fuß eines Bilva-Baums oder unter einem Amalaki-Baum, in der Gegenwart einer anfangslosen Gottheit, an einem großen heiligen Platz, im Stall der Kühe oder am Tag der Göttinnen-Puja ist keine Bestimmung der Zeit erforderlich.“

S. 81, wiederholte Manvadi- und Yugadi-Tage
Deutsch: Im Yamala erneut: „An den Tagen, die den Beginn eines Manu-Zeitalters oder eines Yuga bezeichnen, schenkt Diksha alles Gedeihen.“ Diese werden im Muhurta-Chintamani genannt: „Die Manvadi-Tage sind im Madhu-Monat der dritte und fünfzehnte, im Urja der fünfzehnte und zwölfte, im Shuchi der zehnte und fünfzehnte, im Jyeshtha und letzten Monat der fünfzehnte, im Isha der neunte, im Tapas der siebte, im Sahasya der elfte und im Bhadra der dritte, jeweils in der hellen Hälfte; ferner Neumond und der achte Tag der dunklen Hälfte des Nabhas. Die Yugadi-Tage sind [die anschließende komprimierte Zahlwort- und Monatsfolge ist nicht hinreichend sicher lesbar].“ Lesungshinweis: Die Zahlwortreihe wurde nicht anhand eines anderen Kalenders ersetzt. Die folgende Agni-Purana-Stelle nennt die Yugadi-Tage ausdrücklich.

S. 81, wiederholter Beginn der vier Yugas
Deutsch: Im Agni-Purana: „Am neunten Tag der hellen Hälfte des Karttika trat das Krita-Zeitalter hervor, Treta am dritten Tag der hellen Hälfte des Vaishakha, das Dvapara-Zeitalter am Neumond des Magha und Kali am dreizehnten Tag der dunklen Hälfte des Nabhasya. Die Anfänge der Manu-Zeitalter sind als zweimal sieben zu verstehen.“

S. 81, wiederholte Sonnenübergangsregel
Deutsch: Im Yogini Tantra: „Beim Übergang der Sonne in ein neues Zeichen und ebenso bei einer Sonnenfinsternis soll man niemals Aszendenten oder ähnliche Bedingungen prüfen. Besonders gilt dies an Mahashtami zur Verwirklichung von Dharma, Kama und Artha.“

S. 82, wiederholte heilige Festtage
Deutsch: Im Brihat-Shrikrama: „Zur Tagundnachtgleiche, an den beiden Sonnenwenden, beim Zeichenübergang der Sonne, beim Madana-Fest und an einem Guru-Festtag gewährt Diksha günstige Frucht.“

S. 82, wiederholte Guru-Festtage
Deutsch: Die Guru-Festtage werden im Bhuvaneshvari Tantra genannt: „Der sechste Tag im Bhadrapada, der dreizehnte der dunklen Hälfte im Isha, der neunte der hellen Hälfte im Karttika und der dritte im Margashirsha; der neunte der hellen Hälfte im Pausha, der vierte im Magha, der neunte der hellen Hälfte im Phalguna und Kama-Trayodashi im Chaitra; Akshaya im Vaishakha, Dashahara im Jyeshtha, der fünfte der hellen Hälfte im Ashadha und der fünfte der dunklen Hälfte im Shravana: Dies nennen die Weisen die verdienstvollen Guru-Festtage.“

S. 82, wiederholte günstige Mondtage
Deutsch: Erneut im Sara-Sangraha: „Der fünfte, elfte, siebte und dreizehnte Tag der hellen Hälfte, ferner deren zehnter und besonders der zwölfte Tag sind vorgesehen. Der dritte ist stets vorgeschrieben; der sechste wird überall missbilligt.“

S. 82, vollständiges Zitat zur Erweckung der Göttin
Deutsch: Im Vishnuyamala: „Beginnend mit der Erweckung der Göttin bis zum neunten Mondtag schenkt eine von Kundigen vollzogene Diksha sämtliche ersehnten Früchte. Bei der Erweckung Durgas soll man günstige und ungünstige Zeiten nicht prüfen. Ebenso dort, wo der Ashoka genannte achte und der Rama genannte neunte Mondtag begangen werden.“

S. 82, Vyatipata und Vaidhriti
Deutsch: In der Smriti-Samhita: „Vyatipata und Vaidhriti sind heilbringende Verbindungen für Diksha.“ Dazu heißt es im Rajamartanda: „Fällt Neumond auf einen Sonntag unter Shravana, Ashvini, Dhanishtha, Ardra oder dem Stern der Schlangengottheit, so wird dies Vyatipata genannt.“

S. 83, weitere Vyatipata-Regel
Deutsch: Der Stern der Schlangengottheit ist Ashlesha. „Am Haupt“ bedeutet: im ersten Viertel. „Befinden sich Mars und Saturn in Jungfrau oder Widder und fällt der siebte Tag der dunklen Hälfte auf einen Samstag, während die Sonne im Wassermann steht, so heißt dies Vyatipata und kommt hundert Sonnenfinsternissen gleich.“ Tamasi bedeutet hier die dunkle Monatshälfte.

S. 83, Einweihungszeit im Mahogratara-Kalpa
Deutsch: Im Mahogratara-Kalpa: „Am achten Tag der dunklen Hälfte, bei günstigem Aszendenten und günstigem Augenblick, unter Purvabhadrapada, in der hellen Hälfte [die Verbindung bleibt unklar], mit einem befreundeten Stern verbunden; oder unter Anuradha und besonders unter Revati wird die Zeit empfohlen. Man erkenne darin eine günstige Zeit für den Empfang des Mantras, besonders im Isha und im Karttika. Bei der Mahachina-Abfolge besteht kein Fehler, o blaue Sharada.“

S. 83, Tageszeiten
Deutsch: Im Shaiva-Agama: „Der frühe Morgen gewährt Dharma, der Vormittag Königsherrschaft; am Mittag entstehen alle Siddhis, der Abend gilt als mittelmäßig. Die Nacht wird von den vorzüglichen Lehrern für die Weitergabe eines Mantras ausgeschlossen.“

S. 83, Einweihung für Befreiungssuchende
Deutsch: Im Kriyakanda-Shekhara: „Für diejenigen, die Befreiung erstreben, gilt dagegen keine Regel über Zeit und ähnliche Bedingungen. Alle als ungünstig bezeichneten Zeiten sind für die Befreiung empfehlenswert. Sämtliche Sterne, Planeten, Nakshatras und Tierkreiszeichen sind an dem Tag heilbringend, an dem der Guru zufrieden ist. Ist der Guru zufrieden, sind auch sämtliche Gottheiten zufrieden. Sobald der Wunsch besteht, geschehe Diksha entsprechend der Weisung des Gurus. Dabei gibt es weder eine Zeit- noch eine Ortsbeschränkung. Man erfreue den Guru durch Hingabe; dann wird es von selbst so sein.“

S. 84, geeignete Einweihungsorte
Deutsch: Nun die Bestimmung des Einweihungsortes. Dazu heißt es in der Purna-Paddhati: „Im Kuhstall, im Haus des Gurus, im Tempel, im Wald, an einem heiligen Ort, im Garten, am Flussufer, im eigenen Ashrama, in der Nähe von Amalaki und Bilva, auf einem Berggipfel und in Höhlen; an der Ganga wird alles dort Vollzogene um Abermillionen vervielfacht.“ Im Yamala: „An einem heiligen Pilgerort, in Kurukshetra, an den vier Sitzen der Göttin, in Prayaga, auf Shrigiri und in Kashi soll man günstige und ungünstige Zeiten nicht prüfen.“

S. 84, ausgeschlossene Einweihungsorte
Deutsch: Im Yogini Tantra: „In Gaya, im Sonnenheiligtum, in Viraja, auf dem Mondberg, in Chatvara und Matanga sowie in den Kanyashrama-Orten soll man keine Diksha empfangen, Parvati.“

S. 84, Ursprung der Mantraflüche
Deutsch: Nun werden im Meru Tantra die Flüche bestimmter Gottheiten über bestimmte Mantras beschrieben: „Als einst die früheren Götter und die Götter durch Wein und Nektar berauscht waren, sprach der erhabene Madhusudana: ‚Wer unter euch ist der höchste und verehrungswürdigste? Sagt es mir.‘ Da riefen die berauschten Götter: ‚Ich bin der Höchste!‘ Der Erhabene lächelte ein wenig und verblendete sie durch seine eigene Maya. Dann sagte er: ‚Wessen Wort die Kraft hat, zu verfluchen und zu segnen, der ist hier der höchste Gott, ob er nun früher oder später gekommen ist.‘ Als sie diese Worte Vishnus gehört hatten, verfluchten sie gegenseitig ihre Mantragestalten. Daher, o Göttin, ist durch Samskaras die Befreiung von diesen Flüchen zu bewirken. Welcher Mensch könnte ohne Befreiung vom Fluch Siddhi erlangen?“

S. 84–85, Frage der Göttin
Deutsch: Die verehrte Göttin sprach: „Von wem und auf welche Weise wurde der Fluch ausgesprochen? Welche Frucht entsteht durch den Fluch und durch Japa? Wie werden die Mantras frei vom Fluch, und wie entsteht ihre Vollendung? Sage es mir.“ Shri Shiva sprach:

S. 85, zerschnittener Mantra
Deutsch: „Ein Mantra, bei dem am Anfang, in der Mitte und am Ende das Luft-Bija steht, bei dem [die Wendung über vier und weitere Anordnungen ist unklar] ein einzelnes Bija mehrfach verbunden oder von einem anderen überlagert ist, gilt als durch Karttikeya mit dem Schwert zerschnitten. Aufgrund dieses Fluches werden die Wünsche des Übenden zerschnitten.“

S. 85, blockierter Mantra
Deutsch: „Befindet sich am Anfang, in der Mitte oder am Ende ein Paar Erd-Bijas, oder steht Feuer am Anfang zweimal, in der Mitte dreimal und danach zweimal, so ist der Mantra durch Shakras Fluch blockiert. Er bleibt ohne Genuss und Befreiung als Frucht, auch wenn er auf dem linken oder rechten Weg verehrt wird.“

S. 85, seiner Shakti beraubter Mantra
Deutsch: „Wo keines der genannten Bijas [die vier ausgeschriebenen Silben sind im vorliegenden Druck nicht hinreichend sicher gelesen] und auch Hum nicht zu sehen ist, haben die Götter den Mantra seiner Shakti beraubt. Wird ein solcher Mantra wiederholt, zerstört er die Kraft des Mantrakundigen. Für einen seiner Kraft beraubten Anhänger des linken Weges entsteht Tod, daran besteht kein Zweifel.“ Lesungshinweis: Die beschädigte Bija-Reihe wird in den Sanskritfassungen als lokale Lesungslücke gekennzeichnet und nicht aus bekannten Mantra-Listen ergänzt.

S. 85, abgewandter Mantra
Deutsch: „Wenn das am Anfang genannte Bija nicht steht und die für die Mitte genannten Bijas nicht zu erkennen sind, ist der Mantra durch den Fluch der Sonne abgewandt geworden. Verehrt ein Mantrakundiger einen abgewandten Mantra, so wendet sich die Gottheit ab. Selbst wenn das Vorhaben durch ein Geschick gelingt, wenden sich die Menschen ab.“ Lesungshinweis: Die drei ausgeschriebenen Bija-Lesungen sind im Sanskrit lokal als unsicher gekennzeichnet; ihre Lautgestalt wird hier nicht als gesicherte Formel wiedergegeben.

S. 85, tauber Mantra
Deutsch: „Ist am Anfang, am Ende und in der Mitte weder die nasalisierte Ha- noch die nasalisierte Sa-Silbe zu erkennen, so sind diese Mantras durch den Fluch des Lehrers der Götter taub gemacht worden. Wird ein tauber Mantra wiederholt, entsteht beim Übenden Vergesslichkeit; er wird gewiss taub. So hat Mahakala gesprochen.“

S. 85–86, augenloser Mantra
Deutsch: „Ha ist das Sonnen-Bija, Sa gilt als Mond-Bija und Ra wird als Feuer-Bija bezeichnet. Diese drei sind meine Augen. Fehlt in einem fünfsilbigen Mantra auch nur eines von ihnen, so ist er durch meinen Fluch augenlos und bringt Leid, Kummer und Krankheit.“

S. 86, festgenagelter Mantra
Deutsch: „Sind weder am Anfang, in der Mitte noch am Ende die hier genannten Silbenfolgen oder die Verehrungsformel vorhanden, so ist dieser Mantra durch den Fluch Rajadevas festgenagelt, o Göttin Parvati. Ist ein Mantra festgenagelt, gelangt er nicht zur Vollendung.“ Lesungshinweis: Mehrere Bija-Silben dieser Reihe bleiben unsicher. Die Aussage über ihr Fehlen wird übersetzt; eine gesicherte Rezitationsfolge wird daraus nicht hergestellt.

S. 86, erstarrter Mantra
Deutsch: „Wenn in der Mitte ein einzelnes La oder Phat steht, am Ende zwei La, oder wenn zweimal oder dreimal Phat am Ende nicht vorkommt, ist dieser Mantra erstarrt. Durch Bhairavas Fluch entsteht aus ihm niemals eine gute Vollendung; meist entsteht vielmehr großes Leid.“ Textverständnis: Die Verknüpfung der Bedingungen im ersten Vers ist unsicher; sie wurde nicht zu einer vermeintlich eindeutigen Regel geglättet.

S. 86, verbrannter Mantra
Deutsch: „Sind am Anfang eines Mantras sieben aufeinanderfolgende Silben mit Ra oder Ya verbunden, so ist dieser Mantra durch den Fluch des untermeerischen Feuers verbrannt und quält den Sadhaka. Deshalb soll der vorzügliche Sadhaka ihn zur Erlangung der Vollendung weihen lassen, o Göttin.“

S. 86, verschlungener Mantra
Deutsch: „Wenn die Phat-Silbe mit Abständen von zwei, drei, sechs oder acht Silben erscheint, wird dieser Mantra als durch Narasimhas Fluch verschlungen bezeichnet. Er erschreckt beständig, auch im Traum und in ähnlichen Zuständen. Weder erfolgreiche Ausführung noch Vollendung wird irgendwo sichtbar.“

S. 86, verängstigter Mantra
Deutsch: „Fehlt am Anfang die genannte Bija-Silbe, die nasalisierte Ha-Silbe oder Sa, so ist der Mantra verängstigt. Durch Brahmas Fluch fehlt ihm die Vollendung, und er bringt äußerst großes Leid.“ Lesungshinweis: Die erste Bija-Silbe bleibt unsicher gelesen.

S. 86–87, unreiner, zurückgewiesener und gespaltener Mantra
Deutsch: „Sind am Anfang, in der Mitte und am Ende zusammen vier Ma vorhanden, so ist der Mantra durch Mayas Fluch unrein und bewirkt Unreinheit. Steht Hum am Anfang oder in der Mitte des Mantras und ein Paar Phat am Ende, so ist er durch Rudras Fluch zurückgewiesen und lässt das angestrebte Ziel zurückgewiesen werden. Zwei Tara-Silben am Anfang, Vashat am Ende und die Astra-Silbe in der Mitte: Ein solcher Mantra ist durch Balas Fluch gespalten und verursacht Streit in der Familie.“

S. 87, schlafender, berauschter und ohnmächtiger Mantra
Deutsch: „Ein dreisilbiger Mantra ohne Ha und Sa heißt durch den Fluch des Löwen tief schlafend; er nimmt die ersehnte Frucht fort. Ein Mantra von achtzehn oder mehr Silben, dem fünf Phat vorangestellt sind, ist durch Chamundas Fluch berauscht und bringt kein Heil. Stehen fünf Phat in der Mitte, so ist er durch Kalikas Fluch ohnmächtig und macht besonders einen Anhänger des linken Weges ohnmächtig. Stehen fünf Phat am Ende, so hat Rambha ihn durch ihren Fluch seiner Kraft beraubt; er bewirkt Schwächung.“

S. 87, verminderter und zerstörter Mantra
Deutsch: „Ein achtzehnsilbiger Mantra mit vier Phat am Anfang, in der Mitte und am Ende ist vermindert; durch Bhairavas Fluch entsteht Verlust. Ein neunzehnsilbiger Mantra, der mit den beiden genannten Bijas und Om verbunden ist, ist durch Kamas Fluch zerstört und richtet durch Begierde zugrunde.“ Lesungshinweis: Die beiden ausgeschriebenen Bijas vor Om sind in der Sanskritfassung als unsicher gelesen gekennzeichnet.

S. 87, Altersstufen und durchbohrter Mantra
Deutsch: „Ein siebensilbiger Mantra ist ein Kind, ein achtsilbiger gilt als Knabe; ein sechzehnsilbiger ist ein Jüngling, ein vierzigsilbiger ein Erwachsener. Wo dreißig, sechzehn, hundert, vier oder [das Zahlwort Kashtha bleibt hier unklar] Silben vorkommen: Diese wurden einst von Kala verflucht und verursachen Leiden. Ein neunsilbiger Mantra, der mit dem genannten Bija verbunden ist, heißt durch Chamundas Fluch Schwert; er zerschneidet den Sadhaka mit dem Schwert, daran besteht kein Zweifel.“ Lesungshinweis: Die Zahlenreihe und das ausgeschriebene Bija im letzten Vers bleiben unsicher.

S. 88, samenloser Mantra
Deutsch: „Fehlen am Ende Namah oder Svaha oder in der Mitte Vashat, Vaushat und die anschließend genannte Silbenverbindung, so heißt dieser Mantra samenlos. Verehrt sein Sadhaka ihn, so erlangt er durch Bhuvaneshvari den Untergang seines Geschlechts, vom Anfang der Familienlinie an.“ Lesungshinweis: Die Verbindung unmittelbar vor und mit Phat sowie die Syntax des letzten Halbverses sind unsicher.

S. 88, erfolgloser, träger, Kuta- und kraftloser Mantra
Deutsch: „Ein Mantra mit Phat-Phat am Anfang, in der Mitte und am Ende ist durch Kaumaris Fluch ohne Siddhi und bewirkt keine Vollendung. Ein zehnsilbiger Mantra ist durch Ganeshas Fluch träge; sein Japa verursacht Torheit von Geburt zu Geburt. Besteht die Verbindung der anfänglichen Konsonanten mit nur einem einzigen Vokal, heißt dies Kuta; durch Matangis Fluch entsteht daraus Verderben durch Täuschung. Ein zweisilbiger Mantra ist durch den Fluch des Ashvineya ohne Lebenskraft; er zerstört die Stärke des Sadhaka und vernichtet die Armee eines Königs.“

S. 88, schielender und weiterer samenloser Mantra
Deutsch: „Ein viersilbiger Mantra ist durch den übermächtigen Fluch der Sonne schielend geworden. Wer einen schielenden Mantra wiederholt, sieht nicht mehr mit den Augen. Sechssilbige Mantras wurden durch Ravanas Fluch ihres Samens beraubt; sie zerstören die Stärke des Sadhaka und vernichten die Armee eines Königs. Durch ihren Japa wächst die Familienlinie nicht; auch das Glück mit einer Frau entsteht nicht.“

S. 88, rauchiger, umarmter und verblendender Mantra
Deutsch: „Ein Mantra von [die Silbenzahl sar­dh­a-tri-sapta-surya ist nicht eindeutig auflösbar] ist durch Dhumavatis Fluch rauchig; der Geist des Sadhaka wird verwirrt. Ein zwanzig-, einundzwanzig- oder dreißigsilbiger Mantra ist von Tara verflucht und wird umarmt genannt; durch seinen Japa entsteht Tod bei Vereinigung im Traum [die Verknüpfung ist unsicher]. Ein zweiundzwanzigsilbiger Mantra macht den Sadhaka durch Sarasvatis Fluch verblendet und von Trinken und anderen Lastern beherrscht.“

S. 89, hungriger, hochmütiger und gliederloser Mantra
Deutsch: „Ein vierundzwanzig- oder siebenundzwanzigsilbiger Mantra ist durch Rajamatangis Fluch hungrig und verursacht Armut. Mantras mit dreiundzwanzig und [‚dreimal Rudra‘: Zuordnung der Zahlwörter unsicher] Silben sind durch den Fluch des Kaulika übermütig; durch ihren Japa wird ein Mensch eigenwillig. Ein sechsundzwanzig-, neunundzwanzig-, dreißig- oder sechsunddreißigsilbiger Mantra ist durch Pushans Fluch gliederlos und erfüllt keine Wünsche.“

S. 89, grausamer und zorniger Mantra
Deutsch: „Ein achtundzwanzig- oder einunddreißigsilbiger Mantra ist durch Nandishas Fluch überaus grausam. Nachdem das angestrebte Ziel zerstört ist, geht auch der Sadhaka zugrunde. Ein achtunddreißigsilbiger Mantra ist durch den Fluch der Matrikas überaus zornig; durch seinen Japa verursacht man selbst den eigenen Untergang.“

S. 89, beschämter, beruhigter und entwurzelter Mantra
Deutsch: „Mantras von vierzig bis dreiundsechzig Silben sind durch Malikas Fluch beschämt; ebenso werden ihre Sadhakas beschämt. Mantras mit fünfundsechzig Silben sind durch Kamas Fluch innerlich beruhigt; ihr Japa bringt jedoch keine Frucht des Yoga. Mantras von sechsundsechzig bis neunundneunzig Silben sind durch den Fluch des Kula von ihrem Platz vertrieben; ebenso ergeht es ihrem Sadhaka.“

S. 89, furchterregende und überalte Mantras
Deutsch: „Mantras mit den durch Kanti, Dhriti, Vyatidhriti und die weiteren Zahlwörter bezeichneten Silbenzahlen sowie mit dreihundert Silben wurden von Chhinnamasta verflucht: ‚Werdet frei von Zuneigung und flößt den Sadhakas Furcht ein!‘ Werden sie jedoch von Menschen mit wunschfreier Haltung wiederholt, zerstören sie die Bindung an Samsara. Mantras von vierhundert bis tausend Silben sind durch Yajnas Fluch überalt und werden bei nährenden und entsprechenden Riten ausgeschlossen.“ Lesungshinweis: Die erste Zahlwortreihe ist nicht sicher lesbar und wird nicht durch vermutete Zahlen ersetzt.

S. 89–90, gequälte und zerbrochene Mantras
Deutsch: „Mantras mit mehr als tausend Silben heißen durch Dandapanis Fluch Dandaka und sind gequält; durch ihren Japa erlangt man Bedrängnis. Mantras mit mehr als zweitausend Silben sind durch Bhargavas Fluch in sieben Teile zerbrochen und gelten als Zerstörer der Vollendung.“

S. 90, Flüche der Weisen und Reinigung
Deutsch: „Hört noch Weiteres, ihr Götter. Als die Weisen Japa übten und keine Siddhi entstand, sprachen sie einen sehr schrecklichen Fluch aus. Darauf erfolgte eine Zusicherung der Gottheiten wegen des Ausbleibens der Siddhi [die Satzverknüpfung bleibt unsicher]. Deshalb soll der Guru unterweisen und jenen Mantra reinigen.“ Die Art der Mantrareinigung wird nun erläutert: „Ich werde dieses Verfahren erklären; hört zu, ihr sämtlichen Götter.“

S. 90, Vorbereitung der Mantrareinigung
Deutsch: „Der Guru nehme Siddhasana ein, drücke mit der linken Ferse fest auf den Bereich zwischen After und Geschlechtsorgan und lege den rechten Fuß darüber. Dies geschehe so, dass die beiden Fußknöchel einander drücken. Dann drücke er mit der rechten Ferse auf die Wurzel des Geschlechtsorgans und sitze mit unbewegtem Körper. Er ziehe den After zusammen und lasse den Apana genannten Lebenswind aufsteigen. Dann halte er den Prana-Wind sorgfältig zurück und lasse Apana und Prana zusammenstoßen, mit dem Geist auf ein einziges Ziel gerichtet. Im Muladhara, in Kundalini als Bewusstsein und höchstem Selbst, betrachte der wahre Guru seinen mit Fehlern behafteten Mantra. Dann führe er dessen Silben nacheinander einzeln durch den Weg der Sushumna in das Muladhara ein; danach in das Svadhishthana-Chakra, in Manipura und Anahata …“ Die Anweisung setzt sich auf der folgenden Seite fort.

S. 91, Aufstieg und Rückführung der Mantrasilben
Deutsch: „… und in Vishuddha und das Ajna-Chakra führe er sie ein, die Stufen jeweils durchdringend. So bringe er sie zum Brahmarandhra und stelle sich die Mantrasilben als durchtränkt von dem Nektar vor, der aus dem dortigen Mondkreis strömt. Dann lasse er sie auf dem Weg der Sushumna wieder in das Ajna-Chakra herabsteigen, danach in Vishuddha, Anahata und Manipura, dann in Svadhishthana und schließlich in Muladhara. Anschließend vollziehe er den Rishi-Nyasa und die weiteren Nyasas dieses Mantras und wiederhole ihn 1008-mal. Dadurch wird der Mantra rein. Von dem unausgesprochenen Fluch befreit, soll er danach weitergegeben werden.“ „Unausgesprochener Fluch“ bedeutet ein gedanklich ausgesprochener Fluch. Gemeint ist: Gesprochene Flüche werden hingegen durch die nachfolgend beschriebenen zehn Samskaras beseitigt. Lesartenhinweis: Der Druck verzeichnet aus dem Meru Tantra die Variante „von dem genannten Fluch befreit“ statt „vom unausgesprochenen Fluch befreit“.

S. 91, Yoni-Mudra und Mantrakraft
Deutsch: Dass die Fehler des Zerschnittenseins und die weiteren Mängel durch den genannten Yoni-Bandha beseitigt werden, heißt es auch in einem anderen Agama: „Zerschnittene, blockierte, erstarrte, festgenagelte, schlafende, ohnmächtige und ihrer Kraft beraubte Mantras; verbrannte, verschlungene und auf der Seite des Feindes stehende; kindliche, alte und auf ihre Jugend stolze; leblose, ihrer Lebenskraft beraubte, abgewandte und ohne Gliedermantras: Sie alle werden allein durch das Binden der Yoni-Mudra kraftvoll.“

S. 92, Mantras und ihre Fehler
Deutsch: In der Sharada: „Ein Unverständiger, der diese Fehler nicht kennt und Mantras verehrt, erlangt selbst in Hunderten von Millionen Kalpas keine Vollendung.“

S. 92, zehn Mantra-Samskaras
Deutsch: Die zehn Samskaras der Mantras werden ebendort genannt: „Hervorbringen, Beleben, danach Schlagen und Erwecken, ferner Abhisheka, Reinigung, Erfüllung, Tarpana, Entfachen und Geheimhalten: Dies sind die zehn Mantra-Weihen.“

S. 92, Janana – Hervorbringen
Deutsch: Die Verfahren des Hervorbringens und der weiteren Weihen stehen im Meru Tantra: „Nun wird erklärt, was zur Beseitigung gesprochener Flüche und der weiteren Mängel dient. Auf einer Unterlage aus Shriparni, Sandelholz, Mangoholz oder Ähnlichem zeichne man mit Moschus, Kumkum und Ghee das Fünf-Elemente-Chakra und rufe darin Sarasvati unter dem Namen Matrika an. Nachdem man die Puja nach der genannten Ordnung ausgeführt und die Matrika vierhundertmal wiederholt hat [die gedruckte Zahlwortverbindung ist gestört], entnehme man daraus den erwünschten Mantra: Vokale, Konsonanten, Bindu, Visarga und verbundene Buchstaben hebe man einzeln heraus und vereinige sie nach der Unterweisung des Gurus. So bringe man den empfangenen Mantra hervor. Dies wird Hervorbringen genannt.“

S. 92, Jivana – Beleben
Deutsch: „Man setze Pranava an Anfang und Ende und wiederhole den Mantra, dessen einzelne Buchstaben durch Pranava getrennt sind, 108-mal. Dies ist das Beleben.“ Lesungshinweis: Die Verbindung mit varṇa im zweiten Halbvers ist im Druck gestört; die buchstabenweise Ausführung ist dem Zusammenhang entnommen.

S. 92–93, Tadana – Schlagen
Deutsch: „Man schreibe den Mantra mit Rochana und Kumkum auf Birkenrinde. Jede einzelne Silbe schlage beziehungsweise besprenge man hundertmal mit Sandelwasser, während man das Luft-Bija ausspricht. Dies wird Tadana genannt. Abgestumpfte Shabara-Mantras werden, auf diese Weise behandelt, zu Spendern der Vollendung.“

S. 93, Bodhana – Erwecken
Deutsch: „Nachdem man den Mantra auf der zuvor genannten Unterlage geschrieben hat, nehme man so viele Oleanderblüten, wie der Mantra Silben besitzt. Unter Aussprache des Feuer-Bijas schlage man jede Silbe mit diesen Blüten hundertmal. Dies wird Erwecken genannt.“ In der Sharada steht anstelle der Verbform hanet die gleichbedeutende Form hanyat: „Der Mantrakundige schreibe den Mantra und schlage ihn mit so vielen Oleanderblüten, wie er Silben hat; durch das mit Ra verbundene Bija ist er erweckt.“ Mit dem Ra-Bija ist das Feuer-Bija gemeint. Lesungshinweis: Die Hauptlesung des Zitats schreibt an einer Stelle vānta, während die anschließende Erklärung rānta voraussetzt; die Abweichung bleibt kenntlich.

S. 93, Abhisheka des Mantras
Deutsch: Im Meru Tantra: „Auf der Unterlage zeichne man wie zuvor mit denselben Stoffen einen achtblättrigen Lotus. In seine Mitte schreibe man mit einer einzelnen Malati-Knospe die Silben des Mantras einzeln. Man nehme so viele Blätter des Bodhi-Baums, wie der Mantra Silben hat, und übergieße sie, während man den Mantra und die Worte ausspricht: ‚Ich vollziehe die Weihebegießung dieses Mantras; Verehrung.‘ Mit vielfältig duftendem Wasser und jeweils einem Blatt begieße man jede einzelne Silbe 108-mal. Dies heißt Abhisheka; es reinigt den Mantra, wie Wasser die Menschen reinigt.“ Erläuterung der Druckausgabe: Bodhi-Baum bezeichnet hier den Ashvattha.

S. 93–94, Vimalikarana – Reinigung
Deutsch: „Im Feuerkreis des Muladhara betrachte man den Licht-Mantra. Darüber vergegenwärtige man sich den zu weihenden Mantra. Die angeborene Unreinheit heißt Anava, die hinzukommende gilt als karmisch, die als Verbindung bezeichnete als durch Maya bedingt. Man stelle sich vor, wie diese drei Unreinheiten des eigenen Mantras einzeln vom Licht-Mantra verbrannt werden. Dann denke man: ‚So ist mein eigener Mantra rein geworden.‘ Der Licht-Mantra gilt als zweisilbig, beginnt mit Pranava und enthält danach [die gedruckte Silbe bleibt unsicher]. Dies ist Vimalikarana; man soll es auch am Ende einer rituellen Anwendung vollziehen.“

S. 94, Apyayana – Erfüllung
Deutsch: „Wie zuvor schreibe man den Mantra mit Kumkum und den weiteren Stoffen auf die Unterlage. Man fülle ein Gefäß aus Kupfer oder einem entsprechenden Material mit reinem, durch Kampfer duftendem Wasser und weihe es durch 108 Wiederholungen des geschriebenen Mantras. Mit diesem Mantra besprenge man jede Silbe dreimal mit Tropfen, die von Kusha-Gras fallen. Dies gilt als Apyayana. Es ist für die durch Purashcharana Beanspruchten wie die feierliche Rückkehr nach abgeschlossenem Studium.“

S. 94, Tarpana – Sättigung
Deutsch: „Mit Moschus und den weiteren Stoffen schreibe man den Mantra in ein Kupfergefäß. In einem anderen Gefäß nehme man gutes, durch Kampfer und Ähnliches duftendes Wasser. Mit der Arghya-Schale bringe man es sättigend dar, während man den Mantra und die Worte spricht: ‚Ich sättige diesen Mantra; Verehrung.‘ Dies ist Tarpana.“

S. 94, Dipana und Gupti
Deutsch: „Man wiederhole den Mantra 108-mal, wobei ihm Om und die beiden genannten Bijas vorangestellt werden. Diese Wiederholung heißt Dipana, Entfachen; sie wird für alle Mantras empfohlen. Das Geheimhalten des wiederholten Mantras bedeutet, ihn nicht öffentlich bekanntzumachen. Die zehn Samskaras wurden dargelegt, die in allen Tantras verborgen gehalten werden. Wer sie entsprechend der Überlieferung ausführt, erlangt als Mantrakundiger das Erwünschte.“ Lesartenhinweis: Der letzte Vers steht nach Angabe des Herausgebers nicht in seinem Grundexemplar des Meru Tantra; er gehört jedoch zum hier vorliegenden Werkdruck.

S. 94, Einleitung zur Erweckung der Mantras
Deutsch: Nun die Erweckung der Mantras, ebenfalls dort: „Jetzt erkläre ich zunächst die Erweckung aller Mantras. Der Guru soll sie ausführen, damit der Schüler Siddhi erlangt.“

S. 95, feurige und lunare Mantras
Deutsch: „Ein Mantra, in dem Tara, Antya, Agni und Viyat verbunden sind, ist feurig; ein anderer ist lunar. Der feurige schläft, wenn der Atem in Ida fließt, der lunare, wenn er in Pingala fließt. Im jeweils anderen Zustand sind sie wach. Zur Zeit seines Erwachens wiederholt, wird der Mantra wach.“ Erläuterung der Druckanmerkung: Gemeint sind gehäuft auftretende Lautbestandteile, nicht bereits ein einziges Vorkommen. Tara bezeichnet Om, Antya Ksha, Agni Ra und Viyat Ha. Die alternative Lesung nennt anstelle von Viyat die Endung Phat. Die Grundtextsyntax zur Schlafphase ist verkürzt; die Erläuterung folgt der zugehörigen Druckanmerkung.

S. 95, zweite Weise der Mantra-Erweckung
Deutsch: „Oder man umschließe [den Mantra] mit den betreffenden Lauten, zuerst mit Bindu, dann mit Visarga, und spreche den Laut La allein. Der erwünschte Mantra, auf diese Weise wiederholt, ist erwacht und verleiht rasch Siddhi.“ Lesungshinweis: Die genaue Buchstabenreihe im ersten Halbvers ist nicht sicher verständlich. Der Druck lautet annähernd lāntānādyān; daraus wird keine zusätzliche Rezitationsfolge hergestellt.

S. 95–96, Erweckung der Shabara-Mantras
Deutsch: Eine besondere Vorschrift für Shabara-Mantras wird ebenfalls dort genannt: „Höre nun, Parvati, wie die Shabara-Mantras erweckt werden. Man hole eine Schale aus Bronze, die mit Asche und entsprechenden Mitteln gereinigt wurde. In der Sonntagnacht wiederhole man den Mantra in jeder Nachtwache 800-mal. Man schlage die Bronzeschale mit einem Stab aus Khadira-Holz und spreche in der Sprache des Mantras: ‚Werde wach!‘ In der vierten Nachtwache bringe man für Kali das durch ihren Mantra bestimmte Bali-Opfer dar; für Bhairava einen Hahn. Bei den anderen Gottheiten zerbreche man eine Kokosnuss.“ „In der Sprache des Mantras“ bedeutet: In eben jener Landessprache, aus der der Shabara-Mantra besteht, soll man den Mantra anreden und sagen: „Du, werde wach!“

Bodenprüfung und Vastu-Verehrung

S. 96, Bodenprüfung für den Einweihungspavillon
Deutsch: Nun die Prüfung des Bodens für einen zur Diksha geeigneten Pavillon: „Ein fester, würdevoller Ort, die Nähe eines ausgedehnten Gewässers, die Feuerhalle von Agnihotra-Praktizierenden, ein weithin bekannter heiliger Ort, die Unterkunft von Zweimalgeborenen, die Gelübde beachten, oder der eigene Ashram: Diese Orte sind für Diksha besonders empfohlen, Parvati. Man soll Diksha dagegen nicht in einem Gebüsch, im dichten Wald, an der Grenze zweier Gebiete oder in einer großen Wildnis vollziehen, die von [bedrohlichen] Tieren aufgesucht wird.“ Lesungshinweis: Das letzte Kompositum mātsaryamṛgasevite bleibt hinsichtlich der Tierbezeichnung unsicher; dhruvasthāna und gambhīra werden hier ihrem allgemeinen Wortsinn nach wiedergegeben.

S. 96, weitere geeignete Orte
Deutsch: In einem anderen Tantra: „Die Ufer großer Flüsse, der Zusammenfluss von Ganga und Meer, angesehene Tirthas, heilige Bezirke und Ashrams; alle Wälder und sämtliche Berge, auch Orte mit Wasserfällen [oder Quellen], ferner Heiligtümer der Gottheiten.“ Lesungshinweis: Die Verbindung apyagiri in der letzten Zeile ist unsicher. Das Zitat nennt Wälder allgemein als geeignet, während das vorausgehende bestimmte Waldorte ausschließt; beide Aussagen bleiben erhalten.

S. 96–97, Beschaffenheit und Gefälle des Bodens
Deutsch: Im Mahakapila Pancharatra: „Dort soll ein in der Vastu-Lehre erfahrener Mensch den Boden prüfen. Rissigen Boden, Boden mit verborgenen Fremdkörpern und von Ameisenhügeln überwachsenen Boden soll man weiträumig meiden; sie nehmen dem Handelnden Lebenszeit und Besitz. Rissiger Boden bringt Tod, salziger, unfruchtbarer Boden vernichtet Vermögen. Boden mit verborgenen Fremdkörpern verursacht stets Mühsal, unebener Boden Furcht vor Feinden. Nach Nordosten abfallender Boden bringt dem Handelnden gewiss rasch Wohlergehen. Östliches Gefälle fördert Wachstum, nördliches gewährt Gutes. Südliches Gefälle bringt stets Todesfurcht. Nach Südwesten abfallender Boden bewirkt den Untergang des Hauses. Westliches Gefälle wird als Ursache von Vermögensverlust bezeichnet. Nordwestliches Gefälle verursacht beständig Unruhe. Südöstliches Gefälle vernichtet Söhne, Lebenszeit und Besitz.“

S. 97, vier Bodenarten nach Farbe
Deutsch: Im Gautamiya: „Man nehme so viel Boden in Besitz, wie die Anlage beanspruchen wird. Boden mit weißer Erde heißt brahmanisch; roter Lehmboden kshatriyisch. Gelber wird vaishyisch genannt, schwarzer gilt als shudrisch. So werden vier Arten unterschieden.“

S. 97, vier Bodenarten nach Bewuchs
Deutsch: Im Mahakapila Pancharatra: „Brahmanischer Boden ist mit Kusha-Gras bedeckt; kshatriyischer trägt dichtes Schilf. Vaishyischer ist von Kusha- und Kasha-Gras bewachsen, shudrischer von allerlei Gräsern.“

S. 97, traditionelle Wirkungen der Bodenarten
Deutsch: Im Gautamiya Tantra: „Brahmanischer Boden dient der Erfüllung aller Ziele; kshatriyischer verleiht Herrschaft. Vaishyischer bringt Reichtum und Getreide; shudrischer dagegen wird getadelt, o Weiser.“ Begriffserklärung: Die vier sozialen Bezeichnungen werden hier auf Bodenarten übertragen. Die Wertung gehört zur historischen Vastu-Darstellung.

S. 97, Funde beim Ausheben der Grube
Deutsch: Auch im Vasishtha: „Findet man beim Ausheben der Kunda-Grube einen Stein im Boden, gilt dies als Zeichen eines vorzeitigen Todes. Knochen, Haare und Holzkohle bedeuten Vermögensverlust. Asche kündigt nach dieser Lehre Feuergefahr an; Gras bedeutet Armut.“

S. 97, Einführung in das Ahi-Chakra
Deutsch: Zur Erkenntnis verborgener Fremdkörper wird im Adiyamala das Ahibala-Chakra gelehrt: „Ich werde das Schlangendiagramm erklären, wie es der Allwissende verkündet hat. Durch dieses erkennen die Sadhakas, ob sich Wertgegenstände oder störende Fremdkörper im Boden befinden oder ob er leer ist.“

S. 98, Anlage des Ahi-Chakra
Deutsch: „Wo man auf einem Bodenstück von einem Nivartana einen Schatz vermutet, stelle man dieses Diagramm auf, dem Eingang des Ortes zugewandt. Das Nakshatra, in dem sich der Mond zur betreffenden Zeit befindet, wird dem Schlangenlauf folgend bestimmt. Wertgegenstand und störender Fremdkörper ergeben sich dort aus der Stellung von Mond beziehungsweise Sonne. Man zeichne acht senkrechte und fünf waagerechte Linien. So entstehen in diesem Schlangendiagramm 28 Felder.“ Lesungshinweis: Das Wort saṃśrāntaḥ im Eingangssatz ist syntaktisch auffällig; „vermutet“ gibt den erkennbaren Zusammenhang vorläufig wieder. Die Druckanmerkung erklärt sāda als Bewegung beziehungsweise Stellung.

S. 98, Nakshatras in den vier Reihen
Deutsch: „In die sieben Felder der ersten Reihe schreibe man Paushna, Ashvini, Yamya, Krittika, Magha, Bhagya und Uttara Phalguni. In die zweite Reihe trage man Ahirbudhnya, Ajapada, Shatabha, Brahmya, Sarpabha, Pushya und Hasta ein. In die sieben Felder der dritten Reihe kommen Abhijit, Vishnu, Dhanishtha, Saumya, Raudra, Punarvasu und Chitra. In die vierte Reihe setze man Vishvarksha, Toyabha, Mula, Jyeshtha, Maitra, Vishakha und Svati. Dann betrachte man das Diagramm.“ Die anschließend im Werk gegebene Glosse löst die teils nach Gottheiten benannten Nakshatras auf.

S. 98, Ahibala-Diagramm
Deutsch: Das Ahibala-Chakra. Die folgende Tabelle bewahrt die vier Reihen und sieben Spalten sowie die gedruckten Abkürzungen und Zahlen. Über dem mittleren Feld der ersten Reihe ist ein Schlangenkopf gezeichnet. Der Schlangenkörper führt als breites Band durch die Felder; diese geschwungene Linienführung wird in der Tabelle nicht als zusätzliche Feldgrenze nachgebildet. „caṃ“ gibt das gedruckte Zeichen चं wieder. Die Zahl fehlt im Abhijit-Feld.

re 27 caṃ a 1 caṃ bha 2 caṃ kṛ 3 caṃ ma 10 caṃ pū 11 u 12
u 26 pū 25 caṃ śa 24 ro 4 āṃ 9 caṃ pu 8 caṃ ha 13
abhi śra 22 caṃ dha 23 caṃ mṛ 5 ā 6 caṃ pu 7 caṃ ci 14
u 21 caṃ pū 20 caṃ mū 19 jye 18 a 17 vi 16 svā 15

S. 99, Auflösung der Nakshatra-Namen
Deutsch: In der ersten Reihe stehen Revati, Ashvini, Bharani, Krittika, Magha, Purva Phalguni und Uttara Phalguni. In der zweiten Reihe: Uttara Bhadrapada, Purva Bhadrapada, Shatabhisha, Rohini, Ashlesha, Pushya und Hasta. In der dritten Reihe: Abhijit, Shravana, Dhanishtha, Mrigashiras, Ardra, Punarvasu und Chitra. In der vierten Reihe folgen Uttara Ashadha, Purva Ashadha, Mula, Jyeshtha, Anuradha, Vishakha und Svati.

S. 99, Schlangenform und lunare Felder
Deutsch: „So entsteht in dem Diagramm eine Auslegung in Schlangengestalt. Magha und Yamya bilden die beiden Türpfosten; Krittika gilt als an der Tür stehend. [Es folgt eine schwer verständliche Aufzählung weiterer lunarer Felder.] Revati und Purva Bhadrapada gehören zum Mond; die übrigen gehören zur Sonne.“ Lesungshinweis: Die kompakte Reihe aśrīśānapūrvāṣāḍāditrikapañcatuṣṭayam lässt sich nicht sicher in die gemeinten Nakshatra-Gruppen auflösen. Diese lokale Aufzählungslücke wird nicht durch Vermutung gefüllt.

S. 99, zeitbezogene Berechnung
Deutsch: „Die seit Sonnenaufgang vergangenen Nadis werden mit der Zahl der Nakshatras multipliziert und durch sechzig geteilt. Zum Rest wird die an diesem Tag vom Mond bereits durchlaufene Strecke hinzugefügt: Dies ergibt den Mondstand zur betreffenden Zeit. Man multipliziere diesen Mondwert mit fünf und teile ihn durch die mit den Zahlwörtern ‚Pfeile–Veden‘ bezeichnete Größe; der weitere Rest wird auf vier bezogen. So ergibt sich die nach Osten und den folgenden Richtungen gewendete Öffnung des Diagramms. Wie für den Mond berechne man für die gewünschte Zeit die im Nakshatra stehende Sonne. Dann prüfe man, ob beide in ihren eigenen oder in anderen Sternfeldern stehen.“ Lesungshinweis: Die Zahlwort- und Restanweisung ist im Druck stark verkürzt. Die Abfolge ist übersetzt, die Rechnung jedoch nicht als eindeutig rekonstruiertes Rechenverfahren ausgegeben.

S. 99, Schatz und störender Fremdkörper
Deutsch: „Stehen Sonne und Mond in einem Mondfeld, so befindet sich dort gewiss ein Schatz. Stehen beide in einem Sonnenfeld, ist dort ein störender Fremdkörper; anders verhält es sich nicht so. Stehen sie jeweils im eigenen Feld, sind beide Arten anzunehmen. Bei umgekehrter Zuordnung ist nichts vorhanden. Ist der Mond mit einem grausamen Planeten verbunden, erlangt man den vorhandenen Wertgegenstand nicht.“

S. 99–100, Art und Größe des verborgenen Gutes
Deutsch: „Je nachdem, ob der Mond bei der Sonne oder den weiteren Planeten steht, erkenne man Gold, Silber, Kupfer, Messing, Edelstein, Kupfer-Eisen, Zinn oder Blei. Bei gemischten Einflüssen ist das Gut gemischt; bei gegenteiliger Aspektlage ist nichts vorhanden. Ist der Mond mit allen Planeten verbunden, wird ein großer Schatz angezeigt. Steht der Mond in einem günstigen Feld, ist Gewinn gewiss; in einem ungünstigen Feld gibt es keinen Gewinn. Dies sollen die Kenner der Svara-Lehre wissen. Bei kräftigem Mond gibt es Münzen, bei geschwächtem Mond nur einen kleinen Schatz. Auch dieser ist von den Kundigen nach den Planetenaspekten neunfach zu bestimmen. Steht der Mond im Haus der Sonne oder der weiteren Planeten, besteht das Gefäß des Gutes aus Gold, Silber, Kupfer, Messing, Stein, Ton oder Eisen. Das Maß im Boden bestimme man nach den durchlaufenen Zeichenanteilen in den genannten Ellen.“ Lesungshinweis: Die erste Materialreihe und ihre genaue Zuordnung sind auffällig; für tāmrāyasam bietet der Druckapparat die Variante kāṃsyāyasam, „Bronze und Eisen“. Der Ausdruck kāṃtikaiḥ in der abschließenden Maßangabe bleibt unklar. Die astrologischen Angaben sind Aussagen des Quelltextes.

S. 100, Zusammenfassung und Flächenmaß
Deutsch: Das heißt: „Am Mondort ist ein Schatz anzunehmen, am Sonnenort ein störender Fremdkörper.“ Dies soll man auf einem begrenzten Bodenstück von einem Nivartana ausführen. Das Nivartana wird so bestimmt: „Ein Danda beträgt zehn Hastas; dreißig Dandas ergeben ein Nivartana.“ Die Druckanmerkung bezieht die Flächenangabe auf den Anfang der Darstellung auf S. 98. Der Grundtext nennt an dieser Stelle keine zusätzliche Quadrierung oder Umrechnung.

S. 100, Körperzeichen und Entfernung der Fremdkörper
Deutsch: Oder man entferne die störenden Fremdkörper nach der im Mahakapila Pancharatra genannten Weise. Dort heißt es: „Welches Körperglied der Mann beim Beginn des Tempelbaus berührt, an der entsprechenden Stelle des Vastu-Körpers soll der Kundige einen verborgenen Fremdkörper annehmen. Juckt ihm der Kopf, entferne man den Fremdkörper am Kopfbereich. Dort ist ein Knochen zu erwarten, den man beim Graben in drei Ellen Tiefe findet. Er verursacht Feuerschaden, Krankheit und Vermögensverlust. Wer für sich Erfolg wünscht, soll den Fremdkörper sorgfältig ausgraben.“

S. 100, Zeichen an Arm und Brust
Deutsch: „Juckt der Arm, soll man eine Eisenkette annehmen. Sie liegt in zwei Ellen Tiefe; dieses Kennzeichen wurde dir genannt. Man erkenne darin ein Zeichen für den Tod des Eigentümers oder für seinen Weggang in ein fremdes Land. Wer sein Wohlergehen wünscht, soll den Fremdkörper sorgfältig ausgraben. Juckt die Brust, soll man einen Fremdkörper aus Bronze annehmen. Er liegt in einer Elle Tiefe; dieses Kennzeichen wurde dir genannt.“

S. 101, Fortsetzung des Brustzeichens und Handzeichen
Deutsch: „[Beim zuvor genannten Brustzeichen] wird die Ehefrau untreu, und Ansehen geht verloren. Wer sein Wohlergehen wünscht, soll den Fremdkörper sorgfältig ausgraben. Juckt die Hand, soll man ein Skelett annehmen. Es liegt beim Graben in drei Ellen Tiefe und nicht anders. Feuerschaden und Krankheit folgen; bleibt der Fremdkörper liegen, ist der Tod gewiss. Wer sein Wohlergehen wünscht, soll ihn sorgfältig ausgraben.“

S. 101, Rücken- und Fußzeichen
Deutsch: „Juckt der Rücken, soll man einen Armknochen als Fremdkörper annehmen. Er liegt in einer Elle Tiefe; daran soll man nicht zweifeln. Dies bewirkt den Untergang des Eigentümers oder die Untreue seiner Ehefrau. Juckt der Fuß, soll man einen Handknochen als Fremdkörper annehmen. Er liegt in anderthalb Ellen Tiefe; dieses Kennzeichen wurde dir genannt. Rinderverlust, königliche Strafe und Ernteschaden entstehen. Wer für sich Erfolg wünscht, soll den Fremdkörper sorgfältig ausgraben.“

S. 101, Bauch- und Kniezeichen
Deutsch: „Juckt der Bauch, soll man dort einen Stein in zwei Ellen Tiefe annehmen; dieses Kennzeichen wurde dir genannt. Dort droht Schlangenbiss. Deshalb entferne man den Fremdkörper. Juckt das Knie, soll man dort Asche annehmen. Sie liegt in zwei Ellen Tiefe; dieses Kennzeichen wurde dir genannt. Sie bewirkt Feuerschaden, Bedrängnis des Bodens, Mühsal, Leid und Furcht. Weil sie derartige Folgen hat, soll man sie entfernen.“ Lesartenhinweis: Für mahītāpa, hier „Bedrängnis des Bodens“, nennt der Druckapparat die Variante manastāpa, „seelische Qual“.

S. 101–102, günstige und ungünstige Bodenfunde
Deutsch: „Ein Rinderhorn, ein gelber Frosch, eine Muschelschnecke, eine Perlmutterschale, [der als maṇḍapa bezeichnete Fund], eine Schnecke und andere Arten von Kostbarkeiten gelten als günstig. Holzkohle, Spelzen, Haare und Knochen als störende Fremdkörper soll man dagegen entfernen.“ Lesungshinweis: maṇḍapa bedeutet gewöhnlich „Pavillon“ und bleibt in dieser Fundliste sachlich unklar; es wird nicht stillschweigend durch einen vermuteten Tier- oder Edelsteinnamen ersetzt.

S. 102, Brahmayamala-Diagramm zur Bodenprüfung
Deutsch: Oder man erkenne den Fremdkörper nach der im Brahmayamala beschriebenen Weise und entferne ihn dann. Die Erkennung geschieht so: „Man lege ein Diagramm mit neun Feldern an und schreibe in den Richtungen, beginnend mit Osten, der Reihe nach die Buchstaben Va, Ka, Cha, Ta, E, Ha, Sa, Pa und Ya.“ Es folgen das im Brahmayamala genannte Diagramm zur Entfernung von Fremdkörpern und eine als „andere Weise“ bezeichnete zweite Zeichnung. Die beiden Druckzeichnungen zeigen dieselbe erkennbare Buchstabenanordnung; die Tabelle gibt sie einmal wieder. Einzelne Druckformen, besonders das Zeichen links oben und das mittlere Zeichen der unteren Reihe, sind undeutlich. Die im Vers angegebene Reihenfolge wird deshalb neben der Zeichnung erhalten.

pa va ka
sa ya ca
ha e ta

S. 102, Befragung mit Blumen und Früchten
Deutsch: „Im Haus bereite man Duftstoffe, Blumen, Speisegaben, Räucherwerk, Licht und die weiteren Gaben vor. Man bringe ein gut gebadetes Kind herbei und befrage es nach Früchten und Blumen: in der ersten Tageshälfte nach einem Blumennamen, in der übrigen Hälfte nach einem Fruchtnamen. Anhand des Buchstabens der genannten Frucht oder Blume erkennt man, ob ein Fremdkörper vorhanden ist. Entspricht der Anfangsbuchstabe dem Buchstaben eines Feldes, befindet sich der Fremdkörper in diesem Feld. [Der Schluss unterscheidet Vorhandensein und Nichtvorhandensein.]“ Lesungshinweis: Die letzte Bedingung ist im Druck widersprüchlich verkürzt; eine zusätzliche Negation wird nicht still eingefügt.

S. 102, Arten und Tiefen der Fremdkörper
Deutsch: „Menschliche Gebeine in einer Tiefe von einer Viertel-Elle über einer ganzen Elle bringen Menschen den Untergang. Esels- und Schlangenreste in anderthalb Ellen Tiefe verursachen Furcht. Pferdereste in zwei Ellen Tiefe bringen den Hausbewohnern Tod und Leid. Elefantenreste in zweieinhalb Ellen Tiefe bewirken ein leeres Haus und Aufenthalt in der Fremde. Hunde- oder Büffelreste in zweieinviertel Ellen Tiefe bedeuten Tod. Katzenreste liegen in einer Elle Tiefe; in drei Ellen Tiefe bringen sie den Verlust von Freunden. Affenreste in dreieinhalb Ellen Tiefe bewirken böse Träume und Vermögensverlust.“ Lesungshinweis: Die Zuordnung bei den Katzenresten ist im Druck verkürzt; der Text wird nicht durch eine ergänzte Tierart harmonisiert.

S. 103, weitere Zuordnung und Verfeinerung
Deutsch: „[Ein als cālu bezeichnetes Überbleibsel] im Baugrund vernichtet Familie und Vermögen. Die menschlichen und weiteren Überreste sind den Buchstaben, beginnend mit Va, der Reihe nach zuzuordnen. Welches Körperglied der Bote berührt, von diesem Glied stammt der Fremdkörper. Man teile das Haus in neun Abschnitte und unterteile den betreffenden Abschnitt wiederholt. In welchem Teil der Anfangsbuchstabe der Blume oder Frucht liegt, dort gilt die entsprechende Aussage.“ Die Druckanmerkung erklärt „Bote“ als denjenigen, der die Frage nach dem Fremdkörper stellt. Lesungshinweis: cāluśalya und die vorausgehende Maßangabe sind nicht sicher verständlich.

S. 103, Tattvakaumudi über Körperzeichen und Buchstaben
Deutsch: In der Tattvakaumudi dagegen: „Wo beim Baubeginn am Körper des Eigentümers Juckreiz entsteht, dort soll man im Tempel oder Wohnhaus einen Fremdkörper annehmen.“ Ka, Va, Cha, Ta, E, Ha, Sa, Pa und Ya sind die Buchstaben für die Fremdkörper. Genannt werden Knochen von Mensch, Esel, Schaf, Hund, Katze, Schlange, Affe, Mensch und Vogel sowie Namen von Flüssen, Blumen, Früchten und Gottheiten. Lesungshinweis: Die gedrängte Knochenliste ist in ihrer Gliederung unsicher und wiederholt die Menschenbezeichnung. Die Buchstabenfolge weicht von der zuvor genannten ab; beide werden in ihrer jeweiligen Quellenform bewahrt.

S. 103, Befragte und Restrechnung
Deutsch: „Das Kennzeichen kommt aus dem Mund eines Kindes, einer Frau oder eines Toren. Man verdopple die Zahl der Buchstaben, vervierfache die Matra-Zahl und teile durch neun. Ist der Rest ungerade, ist ein Fremdkörper vorhanden; ist er gerade, nicht.“ Lesungshinweis: Das Wort für den dritten Befragten ist im Druck beschädigt; die Deutung als „Tor“ bleibt vorläufig.

S. 103, Formel und Abschluss der vier Methoden
Deutsch: Als besondere Vorschrift wird eine Formel zur Entfernung des Fremdkörpers genannt: „Verehrung …“ Lesungshinweis: Ihr Anfang nennt Dharani und Dharani; die anschließende Lautfolge ist auch im Scan nicht sicher zu lesen. Eine vollständige Formel oder vollständige Bedeutung wird deshalb nicht erfunden. Alles Übrige ist wie im Brahmayamala beschrieben. Vier Arten der Entfernung von Fremdkörpern wurden dargestellt. Nachdem man nach einer dieser Methoden die Fremdkörper entfernt und den Boden als fehlerfrei erkannt hat, vollziehe man den noch zu beschreibenden Vastu-Yaga und errichte dort den Pavillon. Neben diesen Methoden ist eine weitere Bodenprüfung auszuführen. Ihre Form steht im Prayogasara:

S. 103, Bodenprobe durch Wiederauffüllen
Deutsch: „Man grabe im Boden ein Loch von einer Spanne Breite und fülle die herausgenommene Erde wieder hinein. Bleibt Erde übrig, ist der Boden günstig. Reicht sie genau, erkenne man eine mittlere Qualität; fehlt Erde, gilt der Boden als ungünstig.“

S. 103, Notwendigkeit der Bodenreinigung
Deutsch: Im Gautamiya Tantra: „Dann soll ein in der Vastu-Lehre erfahrener Mensch den Boden prüfen. Er reinige ihn von Fremdkörpern und entferne Spelzen, Holzkohle und Ähnliches. Unterlässt der Mantrapraktizierende dies, erlangt er keinerlei Frucht.“

S. 104, Grabung und Vastu-Yaga
Deutsch: Im Mahakapila Pancharatra: „Gräbt man bis zum Wasser, wird der Fehler durch verborgene Fremdkörper beseitigt. Liegt das Wasser jedoch tief unten, kann man nicht bis dorthin graben. Dann soll man zur Beseitigung dieses Fehlers fünf Ellen tief ausheben. Nach der Entfernung der Fremdkörper fülle man die Grube wieder gut und eben auf. Darauf vollziehe man den Vastu-Yaga, damit alle Hindernisse zur Ruhe kommen.“

S. 104, Yama über die Verehrung der Vastu-Gottheit
Deutsch: Yama erklärt die Notwendigkeit des Vastu-Yaga: „Wird beim Bau eines Hauses oder einer anderen Anlage die Vastu-Gottheit nicht verehrt, wird dort alles leer und durch Rakshasas, Hindernisse und Ähnliches zugrunde gerichtet. Deshalb sollen diejenigen, die Gedeihen wünschen, die Vastu-Verehrung angemessen ausführen.“

S. 104, Anlässe und Anlage des Vastu-Mandala
Deutsch: Im Mahakapila Pancharatra: „Zu Beginn der Besitznahme des Bodens, beim Setzen der Steine sowie besonders beim Bau eines Wasserbeckens oder Hauses soll man Vastu verehren. Auch bei anderen Werken, Opferfeiern, Homas und ähnlichen Handlungen soll der Guru mit einer Schnur das Vastu-Mandala gleichmäßig abmessen und anlegen.“

S. 104, Ursprung des Vastu-Rituals
Deutsch: Der Ursprung des Vastu-Yaga wird im Meru Tantra erzählt: „Einst gab es einen überaus mächtigen Asura namens Vastu. Er besiegte die drei Welten und dreiundfünfzig Gottheiten. Wer ihm im Kampf entgegentrat, wurde von ihm überwältigt. Immer wieder wurden sie im Kampf besiegt, und er selbst wurde zum Herrn der Geschöpfe. Nach tausend Götterjahren suchten die Götter Zuflucht bei Vishnu, bei mir und bei Parvati. Auch der Herr der Daityas hörte davon. Von Narada angespornt, stürmte er heran, um zu kämpfen. Fünf Jahre lang kämpften wir mit ihm. Dann wurde der Daitya, vom Hochmut berauscht, durch Vishnus Maya verwirrt …“ Die Erzählung setzt auf der folgenden Buchseite unmittelbar fort.

S. 105, Vastu bietet einen Wunsch an
Deutsch: „Zufrieden sprach er: ‚Wählt euch einen Wunsch, wählt! Weder Indra noch Kubera vermochten mit ihren Heeren einen Kampf zu führen, der mich so erfreut hätte. Du aber, Träger verfilzter Haare, hast ihn geführt, mit Vishnu als Helfer und mit Parvati als deiner Körperhälfte. Dadurch bin ich, der höchste Herr der drei Welten, erfreut. Es gibt nichts, das ich nicht geben könnte. Alle drei mögen eine Gabe erbitten!‘“

S. 105, die erbetene Gabe
Deutsch: „Als Hari seine Worte hörte, sprach er, von Shiva und der Göttin ermuntert: ‚Überaus Begnadeter, Herr der Daityas, wer kommt dir gleich? Wenn du deine Zusage dreimal als wahr bekräftigst, werde ich eine Gabe erbitten – dieselbe wie Shiva und Parvati, nur diese eine, keine andere.‘ Der Daitya bekräftigte sie dreimal. Darauf bat Vishnu: ‚Zeige uns das Mittel, durch das dein Tod rasch eintreten kann.‘“

S. 105, Vastu hält sein Versprechen
Deutsch: „Der Herr der Daityas erkannte Vishnus List und sprach: ‚Hari, alle müssen unweigerlich in den Rachen der Zeit eingehen. Wer aber um seines eigenen Versprechens willen hineingeht, der lebt. Doch die drei Welten stehen unter meiner Gewalt, und es gibt jene, die mir gedient haben. Zeigt ihnen einen Weg; dann möge dieser Leib zu Fall gebracht werden.‘“ Lesungshinweis: Der Rückbezug von tasya, „ihm/diesem“, im letzten Satz ist nicht eindeutig; die Übersetzung bezieht die Bitte vorläufig auf die zuvor Genannten.

S. 105–106, die körperlose Stimme
Deutsch: „In diesem Augenblick, ihr Götter, sprach eine körperlose Stimme: ‚Herr der Daityas, sei nicht betrübt. Aus der Erde bist du hervorgegangen; in sie gehe wieder ein. Höre die Gabe, die dich erfreuen soll: Menschen aller Stände, die zu ihrem eigenen Genuss ein neues Haus bauen, werden von mannigfaltigem Leid heimgesucht, wenn sie dort dein Fest nicht begehen. Deine Dienerinnen, Kalavarni und die weiteren, sowie deine Diener mit Vinayaka an der Spitze werden sie bedrängen. Dies ist die Anordnung des höchsten Herrn.‘“

S. 106, Vastu und die dreiundfünfzig Gottheiten
Deutsch: „Als er dies hörte, ging er zur Grube und trat in die große Höhlung ein. Darauf füllten die Götter sie mit Erde und Steinen. Die dreiundfünfzig Gottheiten, die er besiegt hatte, nahmen dort wachsam ihren Wohnsitz, weil sie fürchteten, er könnte wieder hervorkommen. Deshalb müssen sie verehrt werden, wenn man in seinem Haus glücklich wohnen möchte.“ Lesungshinweis: Die Druckform bhṛtpāṣāṇaiḥ ist gestört; der Zusammenhang wird als „mit Erde und Steinen“ verstanden.

S. 106, Anrufung und Altar des Vastu-Yaga
Deutsch: Nun das Verfahren des Vastu-Yaga, ebenfalls dort: „Hört, ihr Götter, das Verfahren nach dem linken und dem rechten Weg. Auf einem Stein oder in einem Bild rufe man ihn mit dem vedischen Mantra an, der mit ‚Herr der Wohnstätte, erkenne …‘ beginnt, und verehre ihn. Die anderen Gottheiten verehre man mit ihrem jeweiligen Namensmantra. In der südwestlichen Ecke des Hauses bereite man einen günstigen, viereckigen, ebenen Platz und einen Altar von einer Spanne Höhe, einer Elle Breite und einer Elle Länge. Darauf zeichne der Kundige [das Mandala].“ Quellenhinweis: Der vedische Mantra wird hier nur durch seinen Anfang bezeichnet; der Druck schreibt keine vollständige Formel aus.

S. 106, Größe und Raster des Mandala
Deutsch: Eine besondere Vorschrift steht im Mahakapila Pancharatra: „Für Haus, Tempel, Brunnen, Pavillon und Wasseranlage soll das Vastu-Mandala acht Ellen messen, nicht anders. Man reinige einen günstigen Boden und zeichne zehn Linien in der einen sowie in der quer dazu verlaufenden Richtung. Dadurch entstehen einundachtzig Felder.“

S. 106–107, innere Gottheiten des Mandala
Deutsch: Im Meru Tantra: „Das Diagramm hat einundachtzig Felder; darin stehen die vedischen Gottheiten. Zuerst verehre man Brahma in den neun mittleren Feldern, nordöstlich davon Apavatsa und östlich Aryaman in drei Feldern. Südöstlich verehre man Savitar, südlich Vivasvat in drei Feldern, südwestlich Indra und westlich Mitra in drei Feldern. Im Nordwesten steht Rajayakshman, in den drei nördlichen Feldern Sumeru.“

S. 107, nordöstliche und östliche Randgottheiten
Deutsch: „In den vier Feldern im Nordosten, beginnend an der Nordostecke, stehen Shikhin, Parjanya, Apas und Diti. In den östlichen Feldern sind der Reihe nach, dem umlaufenden Weg folgend, fünf Gottheiten zu erkennen: Jayanta, Indra, Surya, Satya und Bhrisha. An der Südostecke …“ Lesungshinweis: Der Übergang zwischen Vierergruppe und östlicher Fünfergruppe ist im Druck sprachlich gestört. Die Anordnung wird zusätzlich im folgenden gedruckten Mandala sichtbar; die Südostecke gehört zur Fortsetzung.

S. 107, südliche und westliche Randgottheiten
Deutsch: „… stehen im Viererblock, von dessen Nordostecke ausgehend, Antariksha, Vata, Pushan und Savitra. Dann folgen im südlichen Fünferstreifen, jeweils paarweise, Vitatha, Brihatkshatra, Yama, Gandharva und Bhringaraja. Im südwestlichen Viererblock stehen, an seiner Nordostecke beginnend, Jaya, Mriga, Pitri und Dauvarika. Im westlichen Fünferstreifen folgen Sugriva, Pushpadanta, Varuna, Asura und Shosha. Im nordwestlichen Block stehen, an dessen Nordostecke beginnend, Ahi, Rudra, Papayakshman und Roga. In den fünf nördlichen [Felderpaaren] …“

S. 107, nördliche Randgottheiten und Abschluss
Deutsch: „… stehen Mukhya, Bhallata, Soma, Bhujaga und Aditi. Diese fünfundvierzig Gottheiten soll man mit Hingabe verehren. Dies ist das vedische Vastu-Mandala mit einundachtzig Feldern.“ Quellenhinweis: Die fünfundvierzig Gottheiten dieser Anordnung werden nicht mit den dreiundfünfzig der vorausgehenden Ursprungserzählung gleichgesetzt.

S. 107, tantrisches Vastu-Mandala
Deutsch: Für den tantrischen Weg wird dort auch das Vastu-Mandala mit vierundsechzig Feldern beschrieben: „Im tantrischen Weg hat es vierundsechzig Felder. Zwischen den Ecken verlaufen zwei Schnüre; in der Mitte verehre man Brahma.“ Im Gautamiya Tantra: „Mit dem Segen der Brahmanen, dem Klang der Veden und vorausgehenden glückverheißenden Handlungen lege man das Vastu-Mandala an, so schön und so regelgerecht wie möglich.“

S. 108, vedisches Vastu-Diagramm
Deutsch: Das Vastu-Chakra mit einundachtzig Feldern. Die Tabelle bewahrt die neun Reihen und neun Spalten des Druckes. Die mehrfach auftretenden Namen bezeichnen die Ausdehnung der jeweiligen Gottheit über mehrere Felder. Die Ostseite steht im Druck oben, die Südseite rechts.

śikhī parjanyaḥ jayantaḥ indraḥ sūryaḥ satyaḥ bhṛśaḥ antarikṣaḥ vātaḥ
ditiḥ āpaḥ jayantaḥ indraḥ sūryaḥ satyaḥ bhṛśaḥ sāvitraḥ pūṣā
aditiḥ aditiḥ āpavatsaḥ aryamā aryamā aryamā savitā vitathaḥ vitathaḥ
bhujagaḥ bhujagaḥ sumeruḥ brahmā brahmā brahmā vivasvān bṛhatkṣatraḥ bṛhatkṣatraḥ
somaḥ somaḥ sumeruḥ brahmā brahmā brahmā vivasvān yamaḥ yamaḥ
bhallāṭaḥ bhallāṭaḥ sumeruḥ brahmā brahmā brahmā vivasvān gandharvaḥ gandharvaḥ
mukhyaḥ mukhyaḥ rājayakṣmā mitraḥ mitraḥ mitraḥ indraḥ bhṛṅgarājaḥ bhṛṅgarājaḥ
ahiḥ rudraḥ śoṣaḥ asuraḥ varuṇaḥ puṣpadantaḥ sugrīvaḥ jayaḥ mṛgaḥ
rogaḥ pāpayakṣmā śoṣaḥ asuraḥ varuṇaḥ puṣpadantaḥ sugrīvaḥ dauvārikaḥ pitā

S. 108, geometrische Anlage nach der Sharada
Deutsch: In der Sharada: „Man spanne eine Schnur nach dem Ellenmaß von Osten nach Westen. Von ihrer Mitte ausgehend zeichne man ringsum zwei Fischformen. Zwischen deren Mitten spanne man eine Schnur von Süden nach Norden. Von jeweils zwei Endpunkten aus zeichne man ebenso an den Ecken Makara-Formen. Man lege dort Schnüre an, deren Enden in den Mitten der Fischformen liegen. So entsteht ein Quadrat mit vier Feldern. Dieses unterteile der Mantrapraktizierende erneut, sodass es vierundsechzig Felder hat. Von Nordosten bis Südwesten und von Südosten bis Nordwesten …“ Die folgende Seite führt die Diagonalenanweisung fort. „Fische“ und „Makaras“ bezeichnen hier geometrische Bogenfiguren zur Konstruktion des Rasters.

S. 109, Diagonalen und zentrale Gottheiten
Deutsch: „… lege man gesammelt die beiden Diagonalschnüre. Zuerst verehre man Brahma in den vier mittleren Feldern. In den vier Hauptrichtungen, beginnend mit Osten, verehre man danach Aryaman, Vivasvat, Mitra und Mahidhara. In den Feldpaaren an den Eckenspitzen um Brahma herum verehre der Kundige Savitra und Savitar, Shakra und Indrajaya, Rudra und Rudrajaya sowie Apa und Apavatsa.“

S. 109, weitere Gottheiten und achtfache Randgliederung
Deutsch: „Zu beiden Seiten dieser Diagonalschnüre verehre der Lehrer in den Feldpaaren der Reihe nach Sharva, Guha, Aryaman, Jambhaka, Pilapicchaka, Charaki, Vidari und Putana. Außen verehre der beste Lehrer, im Osten beginnend, die folgenden Gottheiten in Gruppen von jeweils acht, wobei Anfangs- und Endfelder geteilt sind.“ Die genaue Feldteilung wird im anschließenden Diagramm dargestellt; die acht zuvor genannten Namen stehen dort als äußere Paare an den Seiten.

S. 109, östliche und südliche Gottheiten
Deutsch: „Der Reihe nach stehen im Osten Ishana, Parjanya, Jayanta, Shakra, Bhaskara, Satya, Bhrisha und Antariksha. Im Süden stehen Agni, Pushan, Vitatha, Yama, Griharakshaka, Gandharva, Bhringaraja und Mriga.“

S. 109, westliche und nördliche Gottheiten
Deutsch: „Im Westen stehen Nirriti, Dauvarika, Sugriva, Varuna, Pushpadanta, Asura, Shosha und Roga. In Kuberas Richtung, dem Norden, stehen Vayu, Naga, Mukhya, Soma, Bhallata, der Argala Genannte, Diti und Aditi. Diese dreiundfünfzig Gottheiten soll man sorgfältig verehren.“ Quellenhinweis: Die folgende Zeichnung stellt Pushpadanta und Varuna in anderer Reihenfolge dar; Text und Diagramm werden nicht stillschweigend vereinheitlicht.

S. 109, Haus und Tempel im Hayashirsha Pancharatra
Deutsch: Im Hayashirsha Pancharatra: „Für Arbeiten an Wohnhäusern wird das Vastu-Mandala mit einundachtzig Feldern empfohlen. Für Tempel wird das Vastu-Mandala mit vierundsechzig Feldern empfohlen.“

S. 110, tantrisches Vastu-Diagramm
Deutsch: Das Vastu-Chakra mit vierundsechzig Feldern. Außen stehen oben Sharva und Pilapicchika, rechts Guha und Putana, unten Aryaman und Vidari, links Jambhaka und Charaki. Die Tabelle bewahrt acht Reihen und acht Spalten; oben ist Osten. Ein Schrägstrich innerhalb eines Feldes bezeichnet die zwei durch eine Diagonale getrennten Teilfelder. Ihre räumliche Ausrichtung folgt der Diagonale von der jeweiligen äußeren Ecke zur Mitte. Einzelne kleine Beschriftungen sind unsicher und mit Fragezeichen gekennzeichnet.

īśānaḥ / aditiḥ parjanyaḥ jayantaḥ śakraḥ bhāskaraḥ satyaḥ bhṛśaḥ antarikṣam / agniḥ
aditiḥ parjanyaḥ / ditiḥ jayantaḥ śakraḥ bhāskaraḥ satyaḥ bhṛśaḥ / pūṣā pūṣā
argalaḥ argalaḥ āpavatsaḥ / āpaḥ aryamā aryamā savitā / sāvitraḥ vitathaḥ vitathaḥ
bhallāṭaḥ bhallāṭaḥ mahīdharaḥ brahmā brahmā vivasvān yamaḥ yamaḥ
somaḥ somaḥ mahīdharaḥ brahmā brahmā vivasvān gṛharakṣakaḥ gṛharakṣakaḥ
mukhyaḥ mukhyaḥ rudraḥ / rudrajayaḥ mitraḥ mitraḥ indrajayaḥ / śakraḥ gandharvaḥ gandharvaḥ
nāgaḥ nāgaḥ / śoṣaḥ asuraḥ puṣpadantaḥ varuṇaḥ sugrīvaḥ dauvārikaḥ / bhṛṅgarājaḥ (?) bhṛṅgarājaḥ
vāyuḥ / rogaḥ śoṣaḥ asuraḥ puṣpadantaḥ varuṇaḥ sugrīvaḥ dauvārikaḥ mṛgaḥ / nirṛtiḥ

S. 110–111, Farben des Vastu-Mandala
Deutsch: Im Meru Tantra: „Brahmas Platz werde rot ausgeführt, die Hauptrichtungen gelb, die Zwischenrichtungen weiß. Darauf folgen grüne Hauptrichtungen und schwarze Zwischenrichtungen. Die Umrandung sei rötlich; das Mandala soll schön sein. Man säubere die neun mittleren Felder und fülle sie mit weißem Farbpulver. In jeder der vier Richtungen davon säubere man jeweils sechs Felder und fülle sie mit rotem Pulver. Die zwölf Felder zwischen diesen Bereichen in den vier Richtungen säubere man und fülle sie ansprechend mit Kurkuma. In jeder Ecke fülle man ein Feldpaar gelb aus. Die übrigen Felder gestalte man schön und verschiedenfarbig. Dann verehre man in der Mitte Brahma.“ Quellenhinweis: Die Passage nennt zunächst ein Farbschema und anschließend eine Ausführung mit neun Mittelfeldern. Sie folgt im Druck auf das 64-Felder-Diagramm, beschreibt hier aber ausdrücklich neun Mittelfelder; diese Angabe wird bewahrt.

S. 111, farbige Felder und Speisegaben
Deutsch: Im Gautamiya Tantra: „Nachdem man die Felder der genannten Gottheiten mit fünf Farbpulvern ausgefüllt hat, bringe man ihnen Bali aus Milchspeise und gekochtem Reis dar. Mit süßem Payasa und weiteren süßen Zugaben verehre man sie alle. Oder der Einsichtige verehre sie mit den jeweils zugehörigen Stoffen, damit Mängel zur Ruhe kommen.“

S. 111, Homa und Bali im Meru Tantra
Deutsch: Im Meru Tantra: „Zur Befriedung opfere man Reis, Mungbohnen und Gerste, der Reihe nach mit Dickmilch, Ghee und Milch getränkt. Mit den zugehörigen Mantras bringe man von jedem Stoff 108 oder 28 Feueropfer dar, ebenso von Payasa. Ihnen soll man auch Bali aus Payasa mit Beigaben darbringen, mit Zucker, Milch, Bananen, Kuchen und weiteren Speisen.“

S. 111, jährliche Verehrung und verheißene Früchte
Deutsch: „So vollziehe man jedes Jahr bei Vollmond, wenn die Sonne im Löwen steht, im eigenen Haus und in Pavillons die Vastu-Puja. Dann gibt es weder den Tod von Kindern noch Krankheit, Bhutas, Pretas und Ähnliches; weder Schlangenplage noch gegenseitigen Streit oder andere unheilvolle Ereignisse. Man wird mit Söhnen und Enkeln, Reichtum, Gesundheit, Vieh und Dienerinnen gesegnet. Gesund und durch Erfolg bekannt lebt man lange in diesem Haus. In sämtlichen Königspalästen, im Haus der Königin, in den Häusern von Sekretären, Ministern, Heerführern und anderen soll der Lehrer dies jährlich vollziehen, damit die genannten Wirkungen eintreten.“ Die Wirkungszusagen werden als traditionelle Aussagen des Werkes wiedergegeben.

S. 112, besondere Bali-Vorschriften
Deutsch: „Geschieht es nicht so, entsteht beständig Leid in Formen, die den genannten Wirkungen entgegengesetzt sind. Besonders Bhairava, den Kshetrapalas und den Yoginis soll nach den Regeln des Vamachara Bali mit Büffeln oder Hähnen dargebracht werden. Nach dem linken Weg verehrt, werden die Gottheiten überaus hungrig. Sie verlangen Bali und töten den Sadhaka, der es ihnen vorenthält.“ Diese Passage beschreibt die historische Ritualvorstellung des zitierten Textes.

S. 112, Dhyana des Vastu
Deutsch: Die Meditation über Vastu im Somashambhu Tantra: „Bei der Puja stelle man sich Vastu mit angewinkelten Armen vor, auf dem Rücken liegend und von Asura-Gestalt. Bei der Anlage von Mauern und Ähnlichem dagegen sei sein Gesicht nach unten gewandt. Seine Knie sind mit den Ellbogen verbunden, in den Richtungen von Vayu und Feuer, also Nordwest und Südost. Die beiden Füße liegen in der Ahnenrichtung, sein Kopf in Rudras Richtung; die Hände sind vor dem Herzen zum Anjali gefügt.“ „In der Ahnenrichtung“ bedeutet hier: in der südwestlichen Rakshasa-Richtung, die im vorliegenden Mandala von der Ahnengottheit besetzt ist, nicht im Süden. So ist es zu verstehen.

S. 112, Größe und Dauer des Vastu-Purusha
Deutsch: Auch im Mahakapila Pancharatra: „Einst gab es einen gewaltigen, furchterregenden Asura, der allen Wesen Schrecken einflößte. Die Götter warfen ihn zu Boden; er ist als Vastu-Purusha bekannt. Solange die Erde in der Welt besteht, besteht auch der Vastu-Asura. Bei der Auflösung geht er mit den Gottheiten und allen Planeten in die Auflösung ein. Seine Ausdehnung beträgt ringsum hundert Koti Yojanas. Er liegt ausgestreckt, von schwarzer Farbe, und durchdringt die Erde.“

S. 112, Beginn des praktischen Ablaufs
Deutsch: Der Ablauf ist folgender: Zuerst wähle der Auftraggeber einen Acharya. Dieser nehme einen Boden mit den beschriebenen Merkmalen in Besitz, reinige ihn und besprenge ihn mit Panchagavya, den fünf Erzeugnissen der Kuh. In seiner Mitte spanne er eine weiße Schnur und [zeichne] mit einem Goldstäbchen, mit Silber beziehungsweise einem Silberstäbchen; fehlen diese, verwende er Blumen, Früchte oder gutes Getreide. [Es folgen Namen der Linien:] „Shanta, Yashovati, Kanta, Vishala, Pranavahini …“ Der Satz und die Namensreihe setzen sich auf der folgenden Seite fort.

S. 113, Namen der Linien
Deutsch: „… Sati, Vasumati, Nanda und als neunte Subhadra.“ Diese neun Linien zeichne man von Osten nach Westen verlaufend, im Süden beginnend und im Norden endend. „Hiranya, Suvrata, Lakshmi, Vibhuti, Vimala, Priya, Jaya, Kala und als neunte Vishoka – so werden sie von den Kundigen überliefert.“ Diese neun Linien zeichne man von Süden nach Norden verlaufend, im Westen beginnend und im Osten endend.

S. 113, Anrufung der Mandala-Gottheiten
Deutsch: So lege man das Vastu-Mandala mit vierundsechzig Feldern an und fülle die Felder mit fünf Farbpulvern. In der Mitte zeichne man nach der noch zu beschreibenden Weise einen achtblättrigen Lotus. In dessen Mitte meditiere man über Brahma und rufe ihn herbei. In den jeweiligen Feldern rufe man die zugehörigen Gottheiten an und verehre sie mit ihren Namensmantras, die mit Pranava beginnen und mit Namah enden. Außerhalb des Mandalas lege man vier zusätzliche Felder an und verehre dort Guru, Ganesha, Durga und Kshetrapala. Im Nordosten stelle man einen Kalasha auf und verehre Varuna nach der Vorschrift. So erklärt Raghavabhatta.

S. 113, allgemeine Gestalt der Vastu-Gottheiten
Deutsch: Ihre Meditationsbilder werden in einem anderen Tantra beschrieben: „Nun wird die Gestalt aller genannten Gottheiten dargelegt. In der Mitte verehre man den achtäugigen, auf einem Lotus Sitzenden, der rechts Mala und Opferlöffel, links Stab und Wassergefäß trägt. Alle im Vastu-Körper angeordneten Gottheiten sind vierarmig. Sie halten die Hände oben zum Anjali gefügt und tragen Schwert und Schild. Sie blicken zu Brahma und wenden ihr Gesicht dem seinen zu, jede an ihrem eigenen Platz. Dies ist ihre gemeinsame Beschreibung.“

S. 113, Farben der inneren Gottheiten
Deutsch: „Marichi sei weiß, Vivasvat wolkenfarben. Mitra gleicht Gold; Bhudhara hat ein schwarzes Gesicht. Savitar leuchtet blau, Savitra hat eine rauchfarbene Gestalt. Indra leuchtet rötlich, Indrajaya ist weiß. Rudra gleicht Koralle, Rudrajaya ist gelb. Apa ist weiß wie Kuhmilch, Apavatsa glänzt wie die Jaba-Blüte.“ Quellenhinweis: Diese Meditationsliste verwendet Marichi und Bhudhara, wo vorausgehende Anordnungen teils andere Namen nennen; die Namen werden quellengetreu beibehalten.

S. 113–114, Farben der östlichen und südlichen Gottheiten
Deutsch: „Ishana ist milchweiß, Parjanya gleicht schwarzer Augenschminke. Jayanta gleicht ebenfalls Augenschminke; Mahendra leuchtet dunkel. Aditya ist rot, Satyaka vielfarbig. Vrisha leuchtet wie die Bandhuka-Blüte, Antariksha wie die Kunda-Blüte. Agni gleicht der aufgehenden Sonne; Pushan leuchtet rot. Vitatha gleicht einem Regenbogen, Griharakshaka hat die Farbe des Blitzes. Nirriti leuchtet wie Feuer; Dauvarika gilt als gelb. Sugriva gleicht dem blauen Pfauenhals, Pushpadanta dem Mond. Varunas Körper gleicht Bergkristall; Asura gilt als dunkel wie eine Biene. Yama gleicht schwarzer Augenschminke, Gandharva einem Rubin. Bhringaraja gleicht einer Biene, Mriga einer Regenwolke.“ Lesungshinweis: Die Druckform bhraṅga beim Asura wird im Zusammenhang als Bienenvergleich verstanden. Vrisha steht hier anstelle der zuvor genannten Namensform Bhrisha.

S. 114, Farben der nördlichen Gottheiten
Deutsch: „Shosha gleicht einer blauen Lotusblüte, Roga einem Saphir. Vayu ist schwärzlich; Naga gleicht Shesha und dem Mond. Mukhya gleicht einer Perle, Bhallata einem weißen Lotus. Soma gleicht Bergkristall; Argala leuchtet wie ein roter Lotus. Diti ist weiß wie Kunda-Blüte und Mond; Aditi gilt als gelbbraun.“

S. 114, äußere weibliche und männliche Gestalten
Deutsch: „Charaki gleicht einer Muschel, Vidari leuchtet wie Feuer. Putana gleicht Schnee, Pilapicchika einer Wolke. Sie tragen Schwert, Trinkschale, Dolch und Schere; ihre Gestalt ist furchtbar. So werden diese Rakshasis beschrieben. Die Grahas, beginnend mit Skanda, sind weiß, rot, gelb und schwarz. Mit entstellten Gesichtern tragen sie Vajra, Lanze, Schwert und Schlinge. So werden Skanda und die weiteren Grahas als furchterregend beschrieben.“

S. 114–115, Verehrung und Feueropfer
Deutsch: Nachdem man sie so visualisiert hat, verehre man sie mit den fünf Upacharas. Auch den Vastu-Purusha meditiere man in der beschriebenen Weise und verehre ihn mit fünf Upacharas: nach vedischer Auffassung mit dem genannten vedischen Mantra, nach tantrischer Auffassung mit der Formel „Om, Verehrung dem Herrn der Wohnstätte“. Östlich oder westlich davon errichte man eine Kunda von einer Elle Größe mit drei Umfassungsstufen oder einen Sthandila. Darin entfache man das Feuer nach der noch zu beschreibenden Ordnung. Brahma und die übrigen Gottheiten rufe man aus dem Mandala dorthin. Man bringe ihnen die zuvor genannte Zahl an Ahutis dar, vollziehe die Purnahuti und führe die Gottheiten wieder in das Mandala zurück. Dann gebe man jeder einzeln ein Bali-Opfer.

S. 115, Einleitung zu den Bali-Formeln
Deutsch: Die Bali-Mantras und die unterschiedlichen Opferstoffe werden im Gautamiya und im Mahakapila Pancharatra beschrieben:

S. 115, Bali-Formel für Brahma
Deutsch: „Mit Payasa, gekochtem Reis und Puffreis, mit Räucherwerk und Blüten versehen, mit Speisen verbunden und mit einem Gericht aus Masha-Bohnen und weiteren Gaben geschmückt: Nimm dieses Bali an, Brahma! Beseitige den Fehler des Baugrundes!“

S. 115, Bali-Formel für Aryaka
Deutsch: „Aus Duftstoffen und Zucker bestehend und mit Payasa versehen: Du, der Aryaka heißt, nimm dieses an! Beseitige jeden Fehler!“ Lesungshinweis: Der zusammengesetzte Ausdruck für die Beigabe zum Payasa ist verkürzt; Aryaka wird als gedruckte Namensform beibehalten.

S. 115, Bali-Formel für Vivasvat
Deutsch: „Mit Sandel und weiteren Stoffen verehrt, o Herr, mit Kampfer und Aguru geschmückt: Vivasvat, nimm dieses an! Beseitige jeden Fehler!“

S. 115, Bali-Formel für Mitra
Deutsch: „Payasa mit Rohzucker, o Herr, reichlich mit Blumen und weiteren Gaben versehen: Nimm dieses als Opfergabe dienende Bali an, Mitra! Gewähre mir Frieden!“

S. 115, Bali-Formel für Mahibhrit
Deutsch: „Ein Gericht aus Masha-Bohnen und Reis, mit Fleisch, Duftstoffen und Milch verbunden: Nimm dieses an, Mahibhrit, Träger der Erde! Beseitige jeden Fehler!“

S. 115, Reihenfolge der Bali-Gaben
Deutsch: „Nachdem man so die Mitte verehrt hat, bringe man Bali dar, beginnend im Nordosten.“ Daraus folgt: Auch wenn die Puja im Südosten beginnt, beginnt die Bali-Reihe im Nordosten. Ebenso heißt es anderswo: „Bali beginnt allgemein im Nordosten und verläuft nach rechts. Dies gilt für alle entsprechenden Anlagen; die Besonderheiten werden bei der Bestimmung der Felder festgelegt.“ An manchen Stellen wird auch die Puja in dieser Weise beschrieben: „Man verehre die Gottheiten vorschriftsmäßig, beginnend an der Nordostecke. Der Kundige verehre die in den vier Ecken stehenden Gottheiten, beginnend im Nordosten.“ Ferner:

S. 115, Bali-Formel für Apa
Deutsch: „Mit Milch und Kandiszucker verbunden, mit Blumen und weiteren Gaben geschmückt: Nimm dieses anzunehmende Bali an, Apa! Gewähre mir Frieden!“

S. 116, Bali-Formel für Vatsa
Deutsch: „Diese Dickmilch, mit Rohzucker vermischt und reichlich mit Duftstoffen versehen: Nimm dieses Bali an, Vatsa! Beseitige hier das Hindernis!“

S. 116, Bali-Formel für Savitra
Deutsch: „Wasser mit Blumen und Kusha-Gras, durch Zucker und Aguru duftend: Savitra, nimm dieses an! Gewähre mir hier Frieden!“

S. 116, Bali-Formel für Surya
Deutsch: „Ein Teiggebäck mit Rohzucker, o Herr, mit roten Duftstoffen und weiteren Gaben geschmückt: Nimm dieses Bali an, Surya! Beseitige hier das Hindernis!“

S. 116, Bali-Formel für Shakra
Deutsch: „Kalte Speise und Blumen, mit Kumkum und weiteren Gaben schön geschmückt: Nimm dieses anzunehmende Bali an, Gott Shakra! Verehrung sei dir!“

S. 116, Bali-Formel für Indrajaya
Deutsch: „Gekochter Reis mit Ghee, mit Gewand, Duftstoffen und weiteren Gaben geschmückt: Nimm dieses anzunehmende Bali an, Indrajaya! Verehrung sei dir!“

S. 116, Bali-Formel für Rudra
Deutsch: „Dieses gekochte und ungekochte Fleisch, mit Gewand, Blumen und weiteren Gaben verbunden: Nimm dieses anzunehmende Bali an, Gott Rudra! Verehrung sei dir!“

S. 116, Bali-Formel für Rudrajaya
Deutsch: „Mit Fleisch versehen, mit Ghee verbunden, mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben: Nimm dieses Bali an, Rudrajaya! Heil! Verehrung sei dir!“

S. 116, Bali-Formel für Vidari
Deutsch: „Rote Blumen mit Fleisch, mit rotem Gewand und weiteren Gaben verbunden: Vidari, nimm dieses an! Beseitige das Hindernis durch Rakshasas!“

S. 116, Bali-Formel für Putana
Deutsch: „Mit Galle, Blut und Knochen verbunden, mit roten Duftstoffen und weiteren Gaben geschmückt: Nimm dieses an, Putana! Beseitige das Hindernis durch Rakshasas!“

S. 116, Bali-Formel für Sharva
Deutsch: „Ein Gericht aus Masha-Bohnen mit Ghee, mit roten Duftstoffen und weiteren Gaben verbunden: Nimm das Bali an, Sharva! Beseitige das Hindernis durch Rakshasas!“

S. 116, Bali-Formel für Skanda
Deutsch: „Mit Fleisch, Blumen und weiteren Gaben verbunden, mit einem Gericht aus Masha-Bohnen geschmückt: Nimm dieses Bali an, Skanda! Beseitige das Hindernis durch Rakshasas!“

S. 116, Bali-Formel für Aryaman
Deutsch: „Hundefleisch mit Teiggebäck, dazu gekochtes Fleisch und Fleischbrühe: Aryaman, nimm dieses an! Beseitige jedes Hindernis!“

S. 117, Bali-Formel für Jambhaka
Deutsch: „Blut, Fleisch, gekochter Reis und Fisch, mit Duftstoffen und Räucherwerk verbunden: Jambhaka, nimm dieses an! Beseitige das Hindernis durch Rakshasas!“

S. 117, Bali-Formel für Pilapiccha
Deutsch: „Fleisch mit einem Ziegenohr, mit Gewand, Duftstoffen und weiteren Gaben verbunden: Pilapiccha, nimm dieses an! Beseitige das Hindernis durch Rakshasas!“

S. 117, Bali-Formel für Charaki
Deutsch: „In Ghee zubereitetes Fleisch, mit Gewand, Duftstoffen und weiteren Gaben verbunden: Charaki, nimm dieses an! Beseitige das Hindernis durch Rakshasas!“

S. 117, Bali-Formel für Isha
Deutsch: „Eine Speise mit Ghee und unversehrten Reiskörnern, mit Gewand, Duftstoffen und weiteren Gaben geschmückt: Nimm dieses Bali an, Isha, das den Fehler des Baugrundes fortnimmt!“

S. 117, Bali-Formel für den Wolkenkönig
Deutsch: „Ein blauer Lotus mit Payasa, mit Gewand und weiteren Gaben verbunden: Nimm dieses anzunehmende Bali an, König der Wolken! Verehrung sei dir!“

S. 117, Bali-Formel für Jishnus Sohn
Deutsch: „Ein fünf Ellen messendes, leuchtend gelbes Banner, mit Speise und weiteren Gaben geschmückt: Nimm dieses anzunehmende Bali an, Sohn Jishnus! Verehrung sei dir!“

S. 117, Bali-Formel für den Götterkönig
Deutsch: „Gekochter Reis, reichlich mit Ghee getränkt und mit fünf Edelsteinen und weiteren Gaben geschmückt: Nimm dieses als Opfergabe dienende Bali an, Götterkönig! Verehrung sei dir!“

S. 117, Bali-Formel für Bhaskara
Deutsch: „Speise mit roten Blumen, mit roten Duftstoffen und weiteren Gaben verbunden: Nimm dieses als Opfergabe dienende Bali an! Bhaskara, Verehrung sei dir!“ Lesungshinweis: Der Druck hat die grammatisch auffällige Form bhāskarasya; der gemeinte Adressat ist aus dem Namen erkennbar.

S. 117, Bali-Formel für Satya
Deutsch: „Ein rauchfarbener Baldachin, mit Duftstoffen schön geschmückt, und rote Blumen: Nimm dieses Bali an, Satya! Verehrung sei dir!“

S. 117, Bali-Formel für Vrisha
Deutsch: „Diese Speise mit Fleisch, mit Gewand, Duftstoffen und weiteren Verehrungsgaben: Nimm dieses Bali an, Vrisha! Beseitige den Fehler des Baugrundes!“

S. 117, Bali-Formel für Vyoma
Deutsch: „Dieses [als śādala bezeichnete] Fleisch mit Speisegaben und weiteren Gaben: Nimm dieses als Opfergabe dienende Bali an, Vyoma! Gewähre mir Frieden!“ Lesungshinweis: Die Fleischbezeichnung śādala bleibt unklar; keine Tierart wird ergänzt.

S. 117–118, Bali-Formel für den Siebenzüngigen
Deutsch: „Gold und Teiggebäck, mit Gewand, Duftstoffen und weiteren Gaben versehen, mit Ghee verbunden: Nimm dieses an, Siebenzüngiger! Verehrung sei dir!“

S. 118, Bali-Formel für Pushan
Deutsch: „Milch mit Puffreis, mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben verbunden: Nimm dieses als Opfergabe dienende Bali an, Gott Pushan! Verehrung sei dir!“

S. 118, Bali-Formel für Vitatha
Deutsch: „Fleisch und gekochter Reis, mit Duftstoffen und Kränzen versehen, mit Gewand und weiteren Gaben geschmückt: Herr Vitatha, nimm das Bali an und beseitige den Fehler des Baugrundes!“

S. 118, Bali-Formel für Yama
Deutsch: „Speise mit Fisch und Fleisch, mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben geschmückt: König Yama, nimm dieses Bali an! Gewähre mir Frieden!“

S. 118, Bali-Formel für Griharaksha
Deutsch: „Gekochtes Fleisch, Reis und frische Butter, mit Gewand und weiteren Gaben geschmückt: Nimm diese erfreuende Gabe an, Beschützer des Hauses! Verehrung sei dir!“

S. 118, Bali-Formel für Gandharva
Deutsch: „Mit vielerlei Düften verbunden, mit roten Duftstoffen und weiteren Gaben versehen: Nimm das Bali an, Gandharva! Beseitige jeden Fehler!“

S. 118, Bali-Formel für Bhringaraja
Deutsch: „Diese Vogelzunge, auf ein Gericht aus Masha-Bohnen gelegt: Nimm dieses Bali an, Bhringaraja! Gewähre mir Frieden!“

S. 118, Bali-Formel für Mriga
Deutsch: „So mit Sesam und Ghee versehen, mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben verbunden: Nimm dieses als Opfergabe dienende Bali an, Gott Mriga! Verehrung sei dir!“

S. 118, Bali-Formel für den Rakshasa-König
Deutsch: „Ein mit Zucker versehenes Stück [Zuckerspeise], mit Gewand, Duftstoffen und weiteren Gaben geschmückt: Nimm erfreut dieses Bali an, König der Rakshasas! Verehrung sei dir!“

S. 118, Bali-Formel für Dauvarika
Deutsch: „Stücke von Sandel und Aguru, mit Gewand, Duftstoffen und weiteren Gaben verbunden: Nimm dieses als Opfergabe dienende Bali an, Dauvarika! Verehrung sei dir!“

S. 118, Bali-Formel für Sugriva
Deutsch: „Dieses Payasa, o Herr, mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben vermischt: Sugriva, nimm dieses Bali an! Gewähre mir Frieden!“

S. 118, Bali-Formel für den Wassergott
Deutsch: „Milch, mit Getreidebrei versehen und zur Speise gegeben: Nimm dieses als Opfergabe dienende Bali an, Wassergott! Verehrung sei dir!“

S. 119, Bali-Formel für Pushpadanta
Deutsch: „Ein Gericht aus Masha-Bohnen und ein Büschel Kusha-Gras, mit Ghee, Duftstoffen und weiteren Gaben verbunden: Pushpadanta, nimm dieses an! Beseitige den Fehler des Baugrundes!“

S. 119, Bali-Formel für den Asura-Herrn
Deutsch: „Mit Honig zubereiteter Teig, mit Duftstoffen und weiteren Gaben geschmückt: Nimm das Bali an, Herr der Asuras! Beseitige jeden Fehler!“

S. 119, Bali-Formel für Shosha
Deutsch: „Ghee mit Speise, mit Kampfer und weiteren Gaben verbunden: Nimm dieses Bali an, Shosha! Gewähre mir umfassenden Frieden!“

S. 119, Bali-Formel für Roga
Deutsch: „Geschälte Gerstenkörner, o Herr, mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben geschmückt: Nimm dieses Bali an, Roga! Beseitige jeden Fehler!“

S. 119, Bali-Formel für Mrigavaha
Deutsch: „Dieses Modaka-Konfekt mit Ghee, mit Speisen und weiteren Gaben geschmückt: Nimm dieses als Opfergabe dienende Bali an, dessen Reittier die Antilope ist! Verehrung sei dir!“ Lesartenhinweis: Für modaka nennt die Druckanmerkung maṇḍaka, eine andere Gebäckbezeichnung.

S. 119, Bali-Formel für den Herrn Patalas
Deutsch: „Diese meine Krisara-Speise, mit Milch, Duftstoffen und weiteren Zutaten bereitet: Herr Patalas, nimm dieses an! Beseitige hier das Hindernis!“

S. 119, Bali-Formel für Mukhya
Deutsch: „Kokoswasser und Speise, mit gelbem Gewand und weiteren Gaben verbunden: Nimm dieses Bali an, Mukhya! Beseitige den Fehler des Baugrundes!“

S. 119, Bali-Formel für Soma
Deutsch: „Mit Dickmilch, Duftstoffen und weiteren Zutaten verbunden, mit gelben Blumen versehen: Möge dieses Bali angenommen werden, Soma! Beseitige jeden Fehler!“

S. 119, Bali-Formel für Bhallataka
Deutsch: „Gekochter Reis, mit Ghee vermischt, mit Duftstoffen und Blumen versehen: Nimm dieses anzunehmende Bali an, Bhallataka! Verehrung sei dir!“

S. 119, Bali-Formel für Argala
Deutsch: „Eine Masha-Bohnenspeise, mit Ghee übergossen, mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben geschmückt: Nimm dieses als Opfergabe dienende Bali an, der du Argala heißt! Verehrung sei dir!“

S. 119, Bali-Formel für die Mutter der Daityas
Deutsch: „Mit Milch und Kandiszucker verbunden, mit vielerlei Blumen geschmückt: Mutter der Daityas, nimm dieses an! Beseitige jeden Fehler!“

S. 120, Bali-Formel für die Göttermutter
Deutsch: „Paurika-Gebäck, mit Honig vermischt, mit Gewand, Duftstoffen und weiteren Gaben verbunden: Nimm dieses anzunehmende Bali an, Göttermutter! Verehrung sei dir!“

S. 120, Bali-Formel für die versammelten Wesen
Deutsch: „Die Gottheiten und Vastu-Gottheiten im Himmel, in Patala und in der Menschenwelt mögen dieses als Opfergabe dienende Bali annehmen und zufrieden an ihre eigenen Wohnstätten zurückkehren. Die Mütter, Bhutas, Vetalas und alle anderen, die Bali begehren, ebenso Vishnus Gefolgsleute – auch sie mögen dieses Bali annehmen!“

S. 120, weitere Empfänger und Ersatzgaben
Deutsch: „Nachdem man den Ahnen und den Kshetrapalas reichlich Bali dargebracht hat, verehre man, wenn die beschriebene Ausführung nicht möglich ist, mit Kusha-Gras, Blumen und entsprechenden Gaben.“

S. 120, Richtungsopfer nach dem Prayogasara
Deutsch: Im Prayogasara: „Als Abschluss des Vastu-Rituals vollziehe man das Richtungs-Bali, durch das Ritual gereinigt, umfassenden Schutz bewirkend und Gedeihen und Freude bringend. Was unter Nennung der Namen an das Gefolge der Richtungswächter und an alle Wesen gerichtet wird und von der Puja bis zur Verabschiedung reicht, ist als Richtungs-Bali zu verstehen. Man verteile die Richtungsgaben in der Reihenfolge der Himmelsrichtungen, mit Dickmilch, Wasser, Kurkuma, Blumen, Puffreis, geröstetem Mehl, Sesam und Speise.“

S. 120, Reihenfolge und Begleitworte des Richtungsopfers
Deutsch: „Man bringe Bali den Herrschern über die Götter, die Feuerkräfte, die Geschöpfe, die Rakshasas, die Wasser, die Lebenskräfte, die Gestirne und die Vidyas dar – in der genannten Weise, nicht anders. Nachdem man das Wort ‚mit dem Reittier‘ gesprochen hat, füge man ‚dem Gefolge‘, ‚der Shakti‘ und ‚seinen Begleitern‘ hinzu, danach ‚allen‘ und ‚Wesen‘. So werfe man die Bali-Gaben der Reihe nach im Uhrzeigersinn aus. Für die Feindlichen, Pishachas, Vetalas, Rakshasas und die nach Blut Verlangenden hier …“ Die letzte Anweisung wird auf der folgenden Buchseite fortgesetzt; die einzelnen Begleitwörter ergeben hier keine zusammenhängend ausgeschriebene vollständige Formel.

S. 121, Nutzen und Anlässe des Richtungs-Bali
Deutsch: „… dient das Richtungs-Bali besonders [der Abwehr] und verleiht umfassendes Gedeihen. Beim Vastu-Ritual, beim Errichten eines Hauses, bei Bedrängnis durch Bhutas, beim Einzug und bei einem ausführlichen Shanti-Homa soll das Richtungs-Bali zum Gelingen eingesetzt werden.“ Nachdem man so Bali dargebracht hat, verehre man die Gottheiten erneut, übe Japa nach Vermögen, preise sie, verneige sich und verabschiede sie.

S. 121, Verabschiedungs-Mantra
Deutsch: Der Mantra der Verabschiedung lautet: „Alle Scharen der Gottheiten mögen gehen, nachdem sie die irdische Verehrung angenommen haben, zur Erfüllung der erwünschten Ziele und um wiederzukehren.“ Nachdem man die Gottheiten so verabschiedet hat, verehre man die Hacke.

S. 121, Verehrung der Grabungshacke
Deutsch: In einem anderen Tantra heißt es: „Zu einem günstigen Muhurta grabe man das Vastu-Feld aus. Du in Gestalt einer goldenen Hacke, beim Ausheben des Bodens stets Vishvakarmas Werkzeug: Verehrung dir, Verkörperung des Werkzeuges!“ Nachdem man so die goldene Hacke verehrt hat, verehre man den grabenden Mann in der Vorstellung, er sei Vishvakarma.

S. 121, Vishvakarma-Dhyana und Anrufung
Deutsch: „Vishvakarma ist zweiarmig, hat einen gelben Leib, trägt verfilzte Haare und sitzt [auf einem als kujāsana bezeichneten Sitz]. Er ist stets hell und hält Jnana-Mudra und Gebetskette. Vishvakarma, der du die Welt durchdringst und die Schöpfung des Samsara hervorbringst: Hier trägst du die Hacke in der Hand. Vishvakarma, Verehrung sei dir! Im Vastu mit einundachtzig Feldern, o universell Wirkender, nimm hier die Hacke und beginne jetzt zu graben!“ Dann gebe man ihm die Hacke und Dakshina in die Hand. Darauf richte man eine Bitte an die Erde. Lesungshinweis: Die Sitzbezeichnung kujāsana und das Kompositum viśvātmakarmaka sind im Druck auffällig und werden nicht stillschweigend normalisiert.

S. 121, Bitte an die Erde
Deutsch: „Göttin Erde, möge [dies] verziehen werden, auch von den zahllosen kleinen Lebewesen, die hier durch die Hacke verletzt werden, denn es geschieht um der Aufstellung Vishnus willen.“ Nachdem er so die Erde um Verzeihung gebeten hat, soll der Grabende, der als Vishvakarma betrachtet wird, im Flankenbereich des Vastu-Purusha graben. Lesungshinweis: Die Bitte ist grammatisch verkürzt; die Wiedergabe bewahrt den Bezug auf die durch die Hacke verletzten Lebewesen.

S. 122, günstige und ungünstige Grabungsstellen
Deutsch: In einem anderen Tantra heißt es: „Ich beschreibe der Reihe nach die günstigen und ungünstigen Stellen des Vastu. Im Flankenbereich ist immer und überall Gutes vorauszusagen. Am Kopf droht Tod, am Hals Leiden. An der Hand ist Furcht vor Dieben anzunehmen, an der Brust Verlust des Viehs. Am Knie bedeutet es den Weggang in ein fremdes Land, an den Füßen bleibt es erfolglos. So wird das Vastu-Feld nach seiner linken und rechten Seite beschrieben. Der kundige Mantrapraktizierende soll das heilvolle Werk vollständig ausführen lassen. Mit gesammeltem Geist lasse er im Flankenbereich des Vastu graben.“ Damit endet das Verfahren des Vastu-Yaga.

Der Einweihungspavillon

S. 122, Bestimmung der Himmelsrichtungen
Deutsch: Nun die Bestimmung des für Diksha geeigneten Pavillons. Zuerst wird erklärt, wie man für seinen Bau Osten und die übrigen Himmelsrichtungen erkennt. Im Kriyasara heißt es: „Man ebne den Boden und zeichne darauf einen gleichmäßigen Kreis von einer Elle Maß. Dort stelle der Kundige einen zwölf Fingerbreiten hohen Pflock aus Khadira-Holz auf; ist dieses nicht verfügbar, aus einem anderen Opferholz. Wo sein Schatten [den Kreis] berührt, bestimme man zwischen den Berührungspunkten die Mitte. Durch die Mitte spanne man quer eine Schnur; dadurch sind Süden und Norden bestimmt. Durch das Ausspannen von vier Schnüren ergeben sich die vier weiteren Eckrichtungen. So ist die Ermittlung der Maße deutlich erklärt. Nachdem der Kundige dies erkannt hat, errichte er Pavillon und weitere Anlagen sachgemäß.“ Lesungshinweis: Der Ausdruck yajñavāsta für das Ersatzholz ist im Druck gestört; die geometrische Anweisung selbst ist stark verkürzt.

S. 122–123, Aufstellen des Messpflocks
Deutsch: Im Mahakapila Pancharatra: „Wenn die Sonne die Tagundnachtgleiche erreicht, vollziehe man die Messung mit dem Pflock. Man setze einen Khadira-Pflock von zwölf Fingerbreiten Ausdehnung. Nachdem man ihn ruhig ausgerichtet hat, nehme man einen Eisenhammer und schlage ihn ein. Oder man schlage ihn selbst ein, in günstiger Weise, nach und nach mit leichten Schlägen. Fällt beim Einschlagen des Pflocks der Hammer aus der Hand, entsteht für den Schlagenden großes, schwer zu überwindendes Leid.“

S. 123, Messschnur und ungünstige Zeichen
Deutsch: „Eine Schnur aus Munja-Gras, Baumwolle, Seide oder Tierhaar, mit einem Umfang von vier Gerstenkornbreiten, wickle man um den Pflock. Löst sie sich während des Umwickelns vom Pflock, gilt dies als Zeichen für den Tod des Sohnes. Reißt sie, bedeutet dies den eigenen Untergang. Auch in diesem Fall wird das Ungünstige durch ein Narasimha-Homa beseitigt.“

S. 123, Zeitpunkt und Maße des Pavillons
Deutsch: In der Sharada: „An einem günstigen Tag, an dem Nakshatras, Tierkreiszeichen und Wochentag förderlich sind, lasse man auf einem gereinigten, von Spelzen, Holzkohle und Ähnlichem freien Boden den glückverheißenden Tag ausrufen. Dann errichte man einen schönen Pavillon mit den Maßen fünf, sieben oder neun Ellen, als vorzüglichen Ort der Feuer.“ Die unmittelbar folgende Auslegung versteht diese Zahlen paarweise addiert.

S. 123, Auslegung der Pavillonmaße
Deutsch: Bei wörtlicher Auslegung der Einzelmaße fänden acht Kundas, der Altar, die Bewegungsflächen der Ritvij-Priester und die übrigen Einrichtungen keinen angemessenen Platz. Deshalb erklärt Raghavabhatta im Padarthadarsha: „Mit fünf und sieben“ bedeutet einen Pavillon von zwölf Ellen; „mit fünf und neun“ einen von vierzehn Ellen; „mit sieben und neun“ einen von sechzehn Ellen. Ebenso erklärt es Nrisimha Thakkura im Tarabhaktisudharnava. Damit werden drei Pavillongrößen genannt: zwölf Ellen als kleinere, vierzehn als mittlere und sechzehn als beste Größe. Im Pratishthasarasamgraha heißt es: „Der kleine misst zwölf Ellen; die weiteren wachsen jeweils um zwei Ellen.“

S. 123, kleinere Pavillons und Höhe des Bauplatzes
Deutsch: Der Satz aus dem Tantraraja: „Für die Homa-, Abhisheka- und weiteren Rituale der Könige errichte man einen Pavillon mit neun Ellen Breite und Länge“ bezieht sich dagegen auf einen Pavillon für Handlungen außerhalb der Diksha. Im Siddhantashekhara heißt es: „Der Bauplatz des Pavillons wird mit einer Erhöhung von acht großen Fingerbreiten angegeben.“

S. 124, Pfostenmaße und Verankerung
Deutsch: Im Mahakapila Pancharatra wird dagegen gesagt: „Die Erhöhung betrage eine Elle; sie sei eben und schön.“ In der Sharada: „Der Pavillon sei mit sechzehn Pfosten versehen. Vier davon stehen in der Mitte und sind acht Ellen hoch. Zwölf werden ringsum aufgestellt; sie messen fünf Ellen, sind ohne Löcher, gerade und günstig beschaffen. Der beste Tantra-Kenner grabe jeweils ein Fünftel ihrer Länge in die Erde ein.“ Im Vastu Shastra: „Ein Fünftel wird in die Erde gesetzt; dies ist die allgemein geltende Vorschrift.“

S. 124, Überdachung
Deutsch: In der Sharada: „Außen bedecke man ihn ringsum mit Kokospalmblättern.“ Die Nennung der Kokospalmblätter steht stellvertretend auch für vergleichbare Materialien. So heißt es im Meru Tantra: „Man bedecke ihn mit Kokospalmblättern, Bambus und Matten so, dass keine Gefahr durch Einsturz, Wind, Regen und Ähnliches entsteht.“ Auch im Vastu Shastra: „Die Pavillons, beginnend mit dem Vijaya genannten, sollen mit Matten bedeckt werden.“

S. 124, Reihenfolge der Bauarbeiten
Deutsch: Die Pfosten werden in der Reihenfolge aufgestellt, die im Südosten beginnt. Denn es heißt: „Beim Aufrichten der Pfosten, beim Setzen der Steine, beim Spannen der Schnüre und Einschlagen der Pflöcke, beim Graben und beim Herrichten der Gruben beginnt man in der Feuerrichtung.“

S. 124, innere Pfosten und geeignetes Holz
Deutsch: Im Siddhantashekhara: „In der Mitte stehen vier Pfosten; zwischen ihnen befindet sich der Altar. An den Ecken des Altars stelle man die Pfosten auf, die die Veden verkörpern.“ Im Pancharatra: „Man fertige die Pfosten aus Kernholz an: fest, gerade und gleichmäßig.“ Im Kriyasara: „Für die Pfosten verwende man ein Opferholz, Bambus oder Betelpalmenholz.“

S. 125, weitere und ungeeignete Pfostenhölzer
Deutsch: „Oder man verwende andere reine Bäume [die folgende Einschränkung ist unklar]. Holz aus einem alten Haus, von selbst vertrocknetes, krummes oder altes Holz sowie Holz, das auf ungünstigem Boden gewachsen ist, soll man beim Pfostenbau meiden.“ Lesungshinweis: Der Schluss des ersten Halbverses napibhūruhaḥ ist nicht sicher verständlich; die Einschränkung wird nicht ergänzt.

S. 125, vier Eingänge und ihre Breite
Deutsch: In der Mantramuktavali: „In den vier Himmelsrichtungen errichte man vier Eingänge, jeweils mit einem Fünftel [des Gesamtmaßes].“ Im Pancharatra: „Beim kleineren Pavillon sei der Eingang zwei Ellen breit. Beim mittleren und besten vergrößere man ihn jeweils um vier Fingerbreiten und gestalte ihn ansprechend.“

S. 125, Holzarten der Toranas
Deutsch: Nach Somashambhu: „Die Toranas seien der Reihe nach aus Plaksha-, Udumbara-, Ashvattha- und Vata-Holz, beginnend im Osten; oder das erste und letzte werden vertauscht. Sind nicht alle verfügbar, verwende man eine dieser Holzarten für sämtliche Richtungen.“ Im Siddhantashekhara: „Bei Mangel verwende man eine von diesen. Fehlt auch sie, werden für das Torana Shami, Jambu, Khadira-Kernholz oder Palmenholz genannt.“

S. 125, Gottheiten in den Toranas
Deutsch: Im Mahakapila Pancharatra: „In Gestalt der Toranas stehen Gottheiten im Opferpavillon, um Hindernisse zu vernichten und das Opfer zu schützen. Im Osten setze man Nyagrodha-Holz ein, im Süden Udumbara, im Westen Pippala und im Norden Plaksha.“

S. 125, Benennungen und vedische Mantra-Anfänge
Deutsch: „Im Osten stelle man Sushobhana auf, mit dem Anfang des Rigveda geweiht. Im Süden das Subhadra genannte Torana mit dem Mantra, der ‚Für Nahrung dich …‘ beginnt. Im Westen das Sukarma genannte mit dem Anfang des Samaveda. Im Norden setze man Suhotra ein, mit dem Mantra, der ‚Zu unserem Heil mögen die göttlichen …‘ beginnt.“ „Mit dem Anfang des Rigveda“ bedeutet: mit dem Mantra „Agni preise ich, den vorangestellten Priester …“. „Mit dem Anfang des Samaveda“ bedeutet: mit dem Mantra „Agni, komm her …“. Quellenhinweis: Dies sind ausdrücklich Anfangszitate und Verweise, keine vollständig ausgeschriebenen vedischen Mantras.

S. 126, Maße der Toranas
Deutsch: In der Sharada: „An den Eingängen seien die Toranas der Reihe nach aus milchsaftführenden Bäumen gefertigt. Die Höhe ihrer Pfosten beträgt jeweils sieben Ellen. Ihr Umfang wird mit zehn Fingerbreiten angegeben. Der Querbalken misst die Hälfte des Pfostenmaßes. In der Mitte des Toranas bringe man ein eine Elle messendes Shula an.“ Die Angabe „sieben Ellen“ bezieht sich nach der vorliegenden Glosse auf die kleinere Pavillonform. Lesartenhinweis: Die Druckanmerkung bietet stattdessen „auf die beste Pavillonform“. Die weitere Auslegung nennt fünf, sechs und sieben Ellen; der Widerspruch bleibt sichtbar.

S. 126, abgestufte Toranamaße
Deutsch: Dazu heißt es im Vastu Shastra: „Sie messen fünf Ellen in der Höhe und zwei Ellen in der Breite. Mit Zunahmen von sechs Fingerbreiten und so fort beträgt die Höhe beim besten Pavillon sieben Ellen.“ „Von sechs Fingerbreiten“ bedeutet: Beim kleineren Pavillon misst der Zwischenraum zwischen den Toranapfosten zwei Ellen, beim mittleren zwei Ellen und sechs Fingerbreiten, beim besten zwei Ellen und zwölf Fingerbreiten. Damit ist auch das Maß des Querbalkens angegeben. Weil für den kleineren und besten Pavillon Höhen von fünf und sieben Ellen genannt werden, ist für den mittleren eine Höhe von sechs Ellen gemeint. So erklärt der Verfasser des Sudharnava. „Shulas anbringen“ meint bei Shaivas und Shaktas das Anbringen von Dreizacken. Für Vaishnavas gibt es eine besondere Regel:

S. 126, Zeichen der Vaishnavas und Sauras
Deutsch: Im Meru Tantra: „Bei einem Vaishnava-Ritual bringe man mit einem Zwölftel als Maß Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus an, in der Reihenfolge, die im Osten beginnt. Für das Saura-Ritual gilt ebenfalls die Vaishnava-Regel.“

S. 126–127, Fahnen und Schmuck
Deutsch: In der Sharada: „In den Himmelsrichtungen befestige man Fahnen in den Farben der jeweiligen Richtungswächter. Den Pavillon schmücke man mit Baldachin und Darbha-Grasgirlanden.“ Im Pratishthasarasamgraha: „Die Fahnen sind gelb, rot und von weiteren Farben; sie messen fünf Ellen. Ihre gleichmäßigen Bambusstangen messen zweimal fünf Ellen.“ Zweimal fünf heißt zehn Ellen. Auch anderswo: „Die Fahnen sollen fünf Ellen messen, ersatzweise zwei. Die Stange sei zehn Ellen lang. Man stelle sie in den zehn Richtungen auf.“

S. 127, Gefäße und ihre Gottheiten
Deutsch: Im Hayashirsha Pancharatra: „Die Pfosten schmücke man mit Spiegeln, Yakschweifen, Stoffen und Bambus, ferner mit Kalashas, Glöckchen und Karkara-Gefäßen auf Unterlagen.“ An jedem Torana soll ein Kalasha stehen, seitlich jedes Eingangs jeweils zwei, und in jeder Ecke einer. Dazu heißt es: „Man stelle dort Krüge mit Duftstoffen, Blumen und Gewändern auf.“ „Dort“ meint an den Toranas. „In ihnen verehre man Dhruva, Dhara, Vakpati und Vighnesha. In den Eck-Kalashas des Pavillons verehre man der Reihe nach Amrita, Durjaya, Siddhartha und Mangala. In den Krügen an den Eingängen verehre man Shakra und die übrigen [Richtungswächter] mit ihren jeweiligen besten Mantras.“

S. 127, Wasserkrüge und zentraler Altar
Deutsch: Auch anderswo: „An jedem Eingang des Pavillons stelle man zwei Kalashas auf, mit gefiltertem Wasser gefüllt und mit Mangosprossen geschmückt.“ In der Sharada: „Auf einer Fläche, die ein Drittel davon misst, errichte man für das Mandala einen viereckigen Altar von einer Aratni Höhe.“ Im Tripurasarasamucchaya: „Der Pavillon habe vier Eingänge. In seiner Mitte lege der Kundige einen Altar an, dessen Maß ein Drittel des Gesamtmaßes beträgt. Er sei eine Aratni hoch, glatt wie die Innenfläche eines Spiegels und schön anzusehen.“ „Eine Aratni hoch“ bedeutet hier „eine Hasta, eine Elle, hoch“.

S. 128, Maßbegriffe und Altarform
Deutsch: „Vier davon ergeben eine Faustbreite; das Dreifache davon eine Spanne. Zwei Spannen ergeben eine Aratni, und ebenso eine Hasta, o Shiva.“ Aufgrund dieses Satzes aus dem Mantraraja werden Aratni und Hasta als gleichbedeutend erklärt, so der Verfasser des Sudharnava. Auch im Kriyasara: „Man teile den Pavillon in drei Teile; im mittleren Teil liege der Altar. Seine Höhe betrage eine Elle, und er sei gleichmäßig viereckig.“ Im Meru Tantra: „Bei der Vama-Diksha hat [die Anlage] drei Eingänge; beim Vaishnava-Opfer ist sie muschelförmig. Ein viereckiger Altar mit vier Ecken gewährt alle Früchte.“ Lesungshinweis: Der Bezug der ersten beiden Formangaben ist grammatisch verkürzt; im Maßzitat ist die anfangs vorausgesetzte Einheit hier nicht erneut genannt.

S. 128, Ausstattung und Abschluss der Pavillonbeschreibung
Deutsch: Ebenfalls dort: „Über dem Pavillon befestige man einen reinweißen Baldachin. Man schmücke ihn mit Blumengirlanden und umgebe ihn mit einer langen, kunstvoll gefügten Girlande aus Mango- und Ashvattha-Blättern. Die Pfosten umwickle man mit feinem Stoff. In der Mitte errichte man aus ungebrannten Ziegeln einen Altar mit einer eine Elle breiten Plattform. Seine Erhöhung bemesse man im Verhältnis zur Länge des Pavillons nach den genannten Teilmaßen sechs, neun, sieben, fünf oder drei, wobei die jeweilige Größenordnung zu berücksichtigen ist. Der Pavillon sei so beschaffen, dass die benötigten Materialien und die übrigen Einrichtungen darin Platz finden.“ Damit endet die Beschreibung des Pavillons. Lesungshinweis: Die gedrängte Teilmaßangabe ist nicht eindeutig in eine Bauformel aufzulösen; die Zahlwörter werden bewahrt, ohne ein gesichertes Berechnungsverfahren vorzutäuschen.

Feuergruben und Opfergeräte

S. 128, Einleitung zu den Feuergruben
Deutsch: Nun die Kundas. In der Sharada: „Im zuvor beschriebenen Pavillon teile der Kundige die Fläche außerhalb des Altars dreifach. Im mittleren Bereich lege er in den acht Richtungen, beginnend im Osten, der Reihe nach schön gestaltete Feuergruben an: quadratisch, yoniförmig, halbmondförmig, dreieckig und kreisförmig …“ Die Aufzählung wird auf der folgenden Seite fortgesetzt; die zugehörigen Zeichnungen stehen später im Druck.

S. 129, weitere Kunda-Formen und Acharya-Kunda
Deutsch: „… sechseckig, lotusförmig und achteckig: Dies sind ihre Bezeichnungen. Die Feuergrube des Acharya liege zwischen den Richtungen von Gauris Gemahl und Mahendra, also zwischen Nordosten und Osten.“ Auch im Tripurasarasamucchaya: „Man lege dort, beginnend in Haris Richtung, die Gruben quadratisch, yoniförmig, halbmondförmig, dreieckig, kreisförmig, sechseckig, lotusförmig und achteckig an. Eine runde liege zwischen den Richtungen von Gauris Gemahl und dem Götterherrn. Einige Kundige nennen im Nordwesten eine fünfeckige und in der Richtung des Feindes von Madana, im Nordosten, eine siebeneckige Kunda.“

S. 129, Konstruktion des Quadrats
Deutsch: Ihre Merkmale werden dort der Reihe nach beschrieben: „Zuerst lege man die Schnur nach Osten aus. Mit ihrer halben Länge markiere der Klarverständige in der Mitte zwei Fischfiguren, in den Richtungen Yamas und des Herrn des Reichtums, also Süden und Norden. Von ihnen aus spanne er die Schnur und bezeichne die vier Ecken. So entsteht eine quadratische Fläche. Auf dieser Grundlage lege man auch die anderen Kundas an.“

S. 129, Konstruktion der Yoni-Form
Deutsch: „Man trage vor der Fläche nach außen einen fünften Teil ab. Mit aufmerksamem Geist führe man die festgehaltene Schnur von einer Ecke nach oben im Bogen bis zur anderen Ecke. Ebenso bringe man in der Mitte die beiden Schnüre zum Zusammentreffen. Dies ist die Kunda in Gestalt des Wohnsitzes Manmathas.“ Lesungshinweis: Die Konstruktion ist sprachlich knapp; die Bezugspunkte der Bogenführung sind nicht vollständig eindeutig. Die Yoni-Form wird nicht durch eine frei ergänzte Bauzeichnung ersetzt.

S. 129, Konstruktion der Halbmondform
Deutsch: „Nachdem die Fläche in zehn Teile geteilt ist, lasse der Kundige oben und unten zwei Teile weg. Mit dem so gewonnenen Maß führe er den Bogen gleichmäßig herum. Dies ergibt die halbmondförmige Kunda.“

S. 129, Konstruktion des Dreiecks
Deutsch: „Von der nach dem Zahlwort ‚halber Mondherr‘ geteilten Fläche trage der Kundige an den beiden Seiten zwei Teile ab. Mit diesem Maß lege er zwei Schnüre aus. So entsteht eine Kunda mit so vielen Ecken, wie Rudra Augen hat: ein Dreieck.“ Lesungshinweis: Die Zahlwortverbindung śarvarīśārdha ist nicht sicher aufzulösen; eine konkrete Teilungszahl wird nicht geraten.

S. 130, Konstruktion des Kreises
Deutsch: „Von der Fläche, die nach der Zahlwortverbindung ‚Zehnerzahl, vermehrt um Richtungen und Elefanten‘ geteilt ist, trage der Scharfsinnige einen Teil nach außen ab. Mit diesem Maß führe er die Schnur ringsum. So entsteht ein vortrefflicher Kreis.“ Lesungshinweis: Die genaue Zahlwortkonstruktion diggajābhyadhikapaṅkti bleibt unsicher; die geometrische Anweisung wird ohne behauptete numerische Rekonstruktion wiedergegeben.

S. 130, Konstruktion des Sechsecks
Deutsch: „Man trage hier auf beiden Seiten nach außen weitere zwei Teile ab. Von der Mitte aus verwende der Klarverständige dieses Maß im Bereich der Fläche. An beiden Seiten bilde er die beiden Paare [der genannten Markierungen] und bringe sechs Schnüre zur Anlage. Dies ergibt die ansprechende Kunda mit sechs Ecken.“ Lesungshinweis: Die gedrängte Bezeichnung bhayugayugala ist nicht eindeutig lesbar beziehungsweise deutbar; die betreffenden Markierungen bleiben lokal unbestimmt.

S. 130, Konstruktion der Lotusform
Deutsch: „Nach einer Teilung in zehn trage man außen einen Teil ab. Mit demselben Maß ziehe man den Kreis der Blätter. Außen bilde man die Blätter und in der Mitte die Karnika. So stelle der Kundige eine achtblättrige Lotus-Kunda her.“ Lesungshinweis: Die Wortverbindung zu Außenbereich und Mitte ist im Vers verkürzt; Blätterkreis und mittlere Karnika sind ausdrücklich genannt.

S. 130, Konstruktion des Achtecks
Deutsch: „Man trage außerhalb der Fläche in jeder Richtung einen Teil des durch ‚zwei Sonnen‘ bezeichneten Teilmaßes ab und bilde die mit Augen, acht und Richtungen bezeichneten Eckpunkte. Dann nehme der Einsichtige von der Ecke die Hälfte und setze von jenen Ecken aus mit diesem Maß ringsum Markierungen, sodass es acht werden. Ringsum spanne er acht Schnüre.“ Lesungshinweis: Die Zahlwort- und Eckpunktreihe ist im Druck nicht sicher zu verstehen. Die acht Markierungen und acht Schnüre sind klar; die vorausgehenden Teilmaße bleiben unsicher.

S. 130, Konstruktion des Fünfecks
Deutsch: „Bei der Teilung nach dem Zahlwort ‚Pferde‘ trage man einen Teil nach außen ab und ziehe den Kreis. Nach erneuter Vierteilung ergeben drei Teile die Länge der Seite. Durch das Anlegen von fünf Schnüren entsteht damit die fünfeckige Kunda.“ Lesungshinweis: Der Bezug der Teilungen ist verkürzt. Das Zahlwort haya wird als überlieferter Schlüsselbegriff erhalten, ohne die Konstruktion rechnerisch zu ergänzen.

S. 130, Konstruktion des Siebenecks
Deutsch: „Nach dem durch die Zahlwortreihe der Fläche bestimmten Teilmaß trage man hier einen Teil nach außen ab und ziehe mit diesem Maß einen gleichmäßigen Kreis. Dann teile man wiederum in vierundsechzig Teile. Mit dreiunddreißig Teilen bestimme der Entschlossene die Seitenlänge. Durch das Anlegen von sieben Schnüren entsteht die siebeneckige Kunda.“ Der Durchmesser beziehungsweise die Breite der Kunda vom Maß einer Hasta beträgt hier vierundzwanzig Fingerbreiten. Dazu heißt es in der Sharada: Lesungshinweis: Die einleitende Zahlwortverbindung kṣetravyarkadaśāṃśaiḥ ist im Druck gestört. Die nachfolgende Teilung in 64 und das Maß von 33 Teilen sind klar genannt.

S. 131, Bestimmung der Fingerbreite
Deutsch: „Die Kenner der Yantras verstehen unter einer Hasta vierundzwanzig Fingerbreiten. Die Maßeinheit Angula wird durch die Länge des mittleren Gliedes am Mittelfinger der rechten Hand des Ausführenden bestimmt.“

S. 131, Maßfolge vom Staubteilchen zur Elle
Deutsch: In einem anderen Tantra: „Das feine Staubteilchen, das im Sonnenlicht sichtbar wird, wenn es durch ein Gitter fällt, nennen die Maßkundigen zunächst Trasarenu. Acht solche Trasarenu gelten bei den Kundigen als eine Haarspitze. Acht Haarspitzen ergeben eine Liksha; acht Likshas gelten als eine Yuka. Acht Yukas nennt man ein Gerstenkorn; acht Gerstenkörner ergeben eine Fingerbreite. Vierundzwanzig Fingerbreiten werden als eine Hasta, eine Elle, bezeichnet.“

S. 131, Vergrößerung über die Diagonale
Deutsch: Bei der Zwei-Hasta-Kunda und den größeren Formen erfolgt die Verdoppelung folgendermaßen: Die Diagonalschnur der Ein-Hasta-Kunda ergibt das Mittelmaß der Zwei-Hasta-Kunda; deren Diagonalschnur ergibt das Mittelmaß der Vier-Hasta-Kunda. Ebenso verfährt man weiter. Im Gautamiya Tantra heißt es: „Mit dem Maß der Diagonalschnur errichte man die Zwei-Hasta-Kunda. Nach diesem Verfahren vergrößere man überall sämtliche Kundas.“ Karna-Schnur meint hier die von Ecke zu Ecke gespannte Schnur. Ebenfalls dort: „Was jeweils die Diagonalschnur der vorhergehenden Kunda misst, wird als Maß der nächstgrößeren Kunda angegeben.“

S. 131, Größenreihe und Anwendungsbereich
Deutsch: Daraus ergeben sich folgende Breiten: Für die Zwei-Hasta-Kunda 34 Fingerbreiten; für drei Hasta 41 Fingerbreiten und fünf Gerstenkornbreiten; für vier Hasta 48 Fingerbreiten; für fünf Hasta 53 Fingerbreiten und sechs Gerstenkornbreiten; für sechs Hasta 58 Fingerbreiten und sieben Gerstenkornbreiten; für sieben Hasta 63 Fingerbreiten und vier Gerstenkornbreiten; für acht Hasta 67 Fingerbreiten und sieben Gerstenkornbreiten; für neun Hasta 72 Fingerbreiten; für zehn Hasta 75 Fingerbreiten und sieben Gerstenkornbreiten. Die Fläche der Ein-Hasta-Kunda beträgt 576 Quadratfingerbreiten. Entsprechend ist es bei der Zwei-Hasta-Kunda und den weiteren Formen zu verstehen. Für Diksha ist zwar nur die Ein-Hasta-Kunda vorgesehen; die größeren Formen sind dafür nicht erforderlich. Sie werden hier dennoch dargestellt, weil sie beim später zu behandelnden Homa als Bestandteil des Purashcharana verwendet werden. Das Grabungsmaß und die Merkmale der Mekhala beschreibt der Tripurasarasamucchaya:

S. 132, Tiefe und Umfassung der Kunda
Deutsch: „So groß wie das angegebene Breitenmaß der Kunda ist auch ihre Grabungstiefe vorgeschrieben. Welche Form der Kundige der Kunda gibt, dieselbe Gestalt soll er ihrer Mekhala, der Umfassung, geben.“

S. 132, vereinfachte Anzahl der Kundas
Deutsch: Wer so viele Kundas nicht herstellen kann, lege fünf an. Wer auch dazu nicht imstande ist, lege nur eine an. Denn im Amnaya-Rahasya heißt es: „Neun, fünf oder eine soll man mit den vorgeschriebenen Merkmalen anlegen.“ Auch das Meru Tantra sagt: „Ist man dazu nicht imstande, lege man vier Kundas in den Himmelsrichtungen an. Ist auch dies nicht möglich, errichte man eine einzige quadratische.“ Die Anordnung von fünf Kundas nennt die Jnanaratnavali: „In den Hauptrichtungen liegen die quadratischen, die lotusförmige im Nordosten.“ Für den Fall einer einzigen Kunda lehren die Acharyas: „Oder man errichte im Norden nur eine einzige quadratische Kunda.“

S. 132, runde Kunda und Halszone
Deutsch: Nach dem Pingala-Mata: „Eine runde Kunda von einer Elle Maß, mit Mekhala, Halszone und Nabel versehen, gilt bei täglichen Ritualen, Diksha, Befriedung und Förderung als günstig.“ Das Maß der Halszone nennt das Mahakapila Pancharatra: „Die Halszone wird als ein Vierundzwanzigstel angegeben. Sie liegt eine Fingerbreite außerhalb der Grube; dies ist die Regel für alle Kundas.“ Den vierundzwanzigsten Teil setze man hier als eine Fingerbreite an.

S. 132, Anzahl der Mekhalas und Yoni
Deutsch: „Man versehe die Kunda mit drei Mekhalas, mit zwei oder auch nur mit einer. Über der Mekhala bilde man außerdem eine Yoni in Gestalt einer Elefantenlippe, auf der Seite des Opferpriesters.“

S. 133, Rangordnung der Mekhalas
Deutsch: Damit wurde erklärt, dass die Yoni ein Bestandteil der Kunda ist; zugleich wurden ihr Ort, ihre Gestalt und ihre Ausrichtung bestimmt. Im Kriyasara: „Eine mit Nabel und Yoni versehene Kunda mit drei Mekhalas ist die beste. Eine mit zwei Mekhalas ist die mittlere, eine mit nur einer die geringere.“ Bei Somashambhu: „Für einen Brahmanen hat die Kunda drei Mekhalas, für einen Kshatriya zwei, für einen Vaishya eine …“ Das Zitat ist bereits im Druck durch Auslassungspunkte verkürzt. Die Größe der Mekhalas wird entsprechend der Größe der Kunda abgestuft.

S. 133, Mekhala-Maße kleiner Kundas
Deutsch: Im Tripurasarasamucchaya: „Bei einer faustgroßen Kunda haben die Mekhalas der Reihe nach Höhen und Breiten von drei, einer und einer halben Fingerbreite. Bei einer Kunda von einer Aratni haben sie drei, eine halbe und eine Fingerbreite als Höhe und Breite. Bei einer Ein-Hasta-Kunda betragen Höhe und Breite der Reihe nach vier, [unsicheres Mittelmaß] und zwei Fingerbreiten. Bei einer Zwei-Hasta-Kunda haben sie sechs, vier und drei Fingerbreiten als Höhe und Breite.“ Lesungshinweis: Die Reihenfolge bei der Aratni-Kunda ist auffällig, bleibt aber erhalten. Das mittlere Zahlwort der Ein-Hasta-Reihe ist beschädigt; die Druckanmerkung nennt Agni, also drei, als Erklärung beziehungsweise Lesung.

S. 133, Mekhala-Maße größerer Kundas und Lotusnabel
Deutsch: „Bei einer Vier-Hasta-Kunda haben sie acht, sechs und drei Fingerbreiten als Breite und Höhe. Bei einer Sechs-Hasta-Kunda werden zehn, [eine unklare Zahl] und zwei Fingerbreiten genannt. Bei einer Acht-Hasta-Kunda haben sie zwölf, zehn und acht Fingerbreiten als Breite und Höhe. Im Innern bilde man als Nabel einen achtblättrigen Lotus mit Karnika.“ Lesungshinweis: In der Sechs-Hasta-Reihe ist die mittlere Maßangabe unleserlich; auch die klare letzte Zahl zwei ist im Zusammenhang auffällig und wird nicht zu einem erwarteten Wert geändert.

S. 134, Maße von Yoni und Nabel
Deutsch: „Als Nabel“ bedeutet: In der Mitte der Kunda bilde man einen Nabel in Gestalt eines achtblättrigen Lotus mit Karnika. Dort werden auch die Maße der Yoni und weiterer Teile entsprechend der Größe der Kunda genannt: „Bei einer faustgroßen Kunda nennen die Kundigen für die Yoni sechs Fingerbreiten Länge, vier Breite und zwei Höhe. Der Nabel hat hier zwei Fingerbreiten Höhe und vier Breite; die Spitze der Yoni misst eine Fingerbreite. Diese Merkmale der Yoni wurden für die Aratni-Kunda angegeben; dieselben wurden von mir auch für die Ein-Hasta-Kunda genannt.“ Quellenhinweis: Der Wechsel von der faustgroßen zur Aratni-Kunda steht so im Druck und wird nicht vereinheitlicht.

S. 134, Vergrößerung und besondere Formen
Deutsch: Die Vergrößerung der Yoni und weiterer Teile bei der Zwei-Hasta-Kunda und den größeren Formen wird ebenfalls dort erklärt: „Mit klarem, scharfem Verständnis vergrößere man bei jeder weiteren Kunda Yoni und Nabel jeweils um eine Fingerbreite, die Lippe der Yoni um zwei Gerstenkornbreiten. Den Nabel kann man rund oder der jeweiligen Kunda-Form entsprechend ausführen. Bei der yoniförmigen Kunda lege man keine zusätzliche Yoni an, bei der lotusförmigen keinen zusätzlichen Nabel.“ Mit „kann man ausführen“ wird eine Wahlmöglichkeit für die Nabelform angegeben. Der Schluss bedeutet: Bei einer Yoni-Kunda wird keine zusätzliche Yoni, bei einer Lotus-Kunda kein zusätzlicher Nabel angelegt.

S. 134, abweichende Yoni- und Nabelmaße
Deutsch: Dort wird eine andere Auffassung genannt: „Einige bestimmen die Yoni einer Ein-Hasta-Kunda mit fünf Fingerbreiten Länge und drei Breite. Ihre Höhe beträgt ein Drittel der Breite; man bilde sie entsprechend einem Blatt des genannten Baumes.“ Für diese Auffassung werden Nabel und Ausführung so beschrieben: „Der Nabel hat zwei Fingerbreiten Höhe und fünf Breite; seine acht Blätter liegen in zwei Teilen. Die Karnika lege der Kundige in der Mitte der Kunda mit einem Drittel des Breitenmaßes an.“ Lesungshinweis: Die Baumbezeichnung hikṣmāja ist gestört; auch der Bezug der zwei Teile bei den Blättern ist verkürzt. Es wird keine bestimmte Blattform aus Vermutung ergänzt.

S. 134–135, Randbreite und vedische Ausführung
Deutsch: Das Randmaß wird dort so angegeben: „Bei einer Ein-Hasta-Kunda betrage der Rand ringsum eine Fingerbreite. Beginnend mit der Zwei-Hasta-Kunda vergrößere der Kundige ihn bei jeder weiteren Größe um eine halbe Fingerbreite, bis zur Zehn-Hasta-Kunda. Außerhalb davon lege man die drei Mekhalas in der beschriebenen Reihenfolge an.“ Nach vedischer Auffassung werden Nabel, Halszone und Yoni nicht angelegt. Denn im Meru Tantra heißt es: „Diese Kundas sind für tantrische und Smarta-Handlungen bekannt. Bei den auf Shruti beruhenden [Ritualen] sind sie ohne Nabel, ohne Halszone und ohne Yoni.“

S. 135, Abflussrinne
Deutsch: Das Maß der Rinne wird in der Sharada und im Pancharatra beschrieben: „Vom äußeren Bodenbereich aus führe eine Rinne zur Yoni, mit einer Vertiefung in der Mitte. Ihr Ansatz sei breit, ihre Spitze schmal; sie liege auf Höhe der äußeren Mekhala.“ Im Jnanarnava: „Der Bereich außerhalb der Mekhalas heißt Sthala. Vom viereckigen äußeren Bereich führt die Rinne nach oben, mit einer Vertiefung in ihrer Mitte.“

S. 135, Kundagröße nach der Opferzahl
Deutsch: Im Tripurasarasamucchaya wird die Größe der Kunda nach der Zahl der Ahutis abgestuft: „Für fünfzig Opfergaben sei sie faustgroß, für hundert von einer Aratni. Für tausend betrage sie eine Hasta, für zehntausend zwei Hasta, für hunderttausend vier Hasta. Bei einer Million betrage sie sechs Hasta, bei zehn Millionen acht Hasta. Die Kenner der Agamas nennen auch für fünf Millionen Homa-Gaben acht Hasta.“

S. 135–136, andere Abstufung nach Opferzahlen
Deutsch: Eine andere Auffassung lautet: „Einige lehren für hunderttausend Homa-Gaben eine Hasta, für zweihunderttausend zwei, für dreihunderttausend drei, für vierhunderttausend vier und für fünfhunderttausend fünf Hasta. Bei sechshunderttausend seien es sechs, bei siebenhunderttausend sieben, bei achthunderttausend acht, bei neunhunderttausend neun und bei einer Million zehn Hasta. Auch für zehn Millionen Homa-Gaben seien es zehn Hasta. Eine Kunda von mehr als zehn Hasta gibt es auf dieser Erde nicht.“

S. 136, Früchte der einzelnen Formen
Deutsch: Dort werden auch die jeweiligen Früchte der Kunda-Formen genannt: „Die quadratische bewirkt sämtliche Siddhis; die in Gestalt der Yoni schenkt Söhne. Die halbmondförmige bringt Gutes. Die dreieckige wird als Ursache für das Anwachsen von Feinden bezeichnet. Die kreisförmige dient Befriedungsritualen, die sechseckige dem Zerschneiden und Töten. Die Lotus-Kunda bewirkt Regen, die achteckige die Befriedung von Krankheiten.“ Lesungshinweis: arivardhana, „Anwachsen von Feinden“, ist im Zusammenhang auffällig und bleibt als Drucklesung erhalten. Die Verbindung kṣedamāraṇa ist ebenfalls sprachlich gestört; es handelt sich um die historische Angabe schädigender Ritualziele.

S. 136, soziale Zuordnung und weitere Wirkungen
Deutsch: Die Unterschiede der Kundas werden auch nach den Varnas beschrieben: „Für Brahmanen ist die Kunda quadratisch, für Könige kreisförmig, für Kaufleute halbmondförmig und für Shudras dreieckig. Einige Acharyas lehren jedoch, dass die quadratische für alle geeignet ist. Diejenige Kunda, die die erwünschte Frucht verleiht, bewirkt in der Welt Genuss und Befreiung. Die sechseckige und die halbmondförmige schenken Nachkommenschaft. Die fünfeckige und die achteckige bewirken Befreiung; die Yoni-Form verleiht Herrschaft.“

S. 136, einfache Feuerstätten für regelmäßige Rituale
Deutsch: Ferner: „Für tägliche und anlassbezogene Rituale nennen einige Klarverständige eine quadratische Kunda von einer Hasta als geeignet, ebenso eine yoniförmige, kreisförmige, sechseckige oder halbmondförmige. Auch ein aus Sand errichteter, gut geebneter Sthandila von einer Aratni Länge und acht Fingergliedern Höhe ist geeignet.“ Lesungshinweis: Die Verbindung zwischen der Formenreihe und dem Sthandila sowie das Kompositum vor der Höhenangabe sind im Druck gestört; die Wiedergabe bleibt an dieser Stelle vorläufig.

S. 136, Warnung vor fehlerhaften Maßen
Deutsch: Im Meru Tantra: „Eine Kunda weist zahlreiche Fehler auf, wenn ihre Maße zu klein oder zu groß sind. Wer Gutes wünscht, soll sie deshalb sorgfältig prüfen und ausführen. Ist die Grube zu tief, entsteht Krankheit; ist sie zu flach, gehen Kühe und Vermögen verloren. Bei einer schiefen Kunda entsteht Qual, bei einer unterbrochenen Mekhala Tod.“

S. 137, weitere Fehler und Abschluss der Kunda-Lehre
Deutsch: „Fehlt die Mekhala, entsteht Trauer; ist sie übermäßig groß, gerät das Vermögen in Gefahr. Eine ohne Yoni errichtete Kunda wird als Ursache für den Untergang der Ehefrau bezeichnet. Eine Kunda ohne Halszone soll den Untergang der Nachkommenschaft bewirken. Eine schmucklose Kunda mit beschädigter Mekhala und Rissen [wird als unheilvoll für den Auftraggeber beschrieben]. Ist die Messschnur zu lang, entsteht Feindschaft unter Freunden; ist sie zu kurz, Armut. Fehlt die Rinne, entsteht eine Bauchkrankheit; bei einer unterbrochenen Kunda droht Schande.“ Damit endet die Beschreibung der Kundas. Lesungshinweis: Die Satzverbindung um proccāṭaḥ ist gestört; die ausdrücklich genannte Schädigung des Auftraggebers wird wiedergegeben, die unklare Einzelbezeichnung bleibt offen.

S. 137–138, Abbildungen der Kunda-Formen
Deutsch: Die zehn Kunda-Abbildungen werden im Druck als Quadrat, Yoni, Halbmond, Dreieck, Kreis, Sechseck, Lotus, Achteck, Fünfeck und Siebeneck bezeichnet. Abbildungsbeschreibung: Die folgende Übersicht beschreibt die sichtbaren Zeichnungen; sie ist keine maßstäbliche Nachzeichnung. Mehrere gedruckte Beschriftungen sind vertauscht. Handschriftliche Korrekturen im vorliegenden Exemplar werden als solche bezeichnet und nicht als Werktext ausgegeben.

Buchseite und Position Gedruckte Bezeichnung Sichtbare Zeichnung
137, oben links caturasram Ein Quadrat ist einem Kreis eingeschrieben.
137, oben rechts yoniḥ Eine spitz zulaufende Yoni-Konstruktion aus Kreisbögen, mit senkrechter Mittelachse, waagerechter Sehne und zwei unteren Hilfsbögen.
137, unten links ardhacandram Sichtbar ist ein in einen Kreis eingeschriebenes Dreieck; die gedruckte Halbmond-Beschriftung passt nicht dazu.
137, unten rechts tryasram Sichtbar sind ein Halbkreis über einer Grundlinie und ein überlagerter Vollkreis; die gedruckte Dreieck-Beschriftung passt nicht dazu.
138, oben links vṛttam Ein einfacher Kreis.
138, oben rechts ṣaḍasram Ein Fünfeck im Kreis; die handschriftliche Korrektur bezeichnet es als Fünfeck.
138, Mitte links padmam Lotus-Konstruktion mit Außenkreis, innerem Kreis, radialen Hilfslinien und acht Blättern.
138, Mitte rechts aṣṭāsram Ein Achteck im Kreis.
138, unten links pañcāsram Ein Siebeneck im Kreis; die handschriftliche Korrektur bezeichnet es als Siebeneck.
138, unten rechts saptāsram Ein Sechseck im Kreis; die handschriftliche Korrektur bezeichnet es als Sechseck.

S. 139, Sthandila
Deutsch: Die Merkmale des Sthandila stehen in der Sharada: „Nachdem man eine Kunda der betreffenden Art angelegt hat, richte man den Sthandila her. Ein quadratischer Sthandila ist für alle Handlungen geeignet.“ Im Chandrapitha wird dagegen gesagt: „Einen dreieckigen oder quadratischen Sthandila von einer Elle Maß und einer Spanne Höhe errichte man aus Sand und entsprechenden Materialien.“ Lesartenhinweis: Die Druckanmerkung verwirft die Form trirasra zugunsten von tryasra; beide bezeichnen hier das Dreieck.

S. 139, Holz und Grundmaße des Sruc
Deutsch: Nun die Merkmale des Sruc-Opferlöffels, in der Sharada: „Für das Opfer fertige man den Sruc nach dem nun beschriebenen Verfahren. Der Guru nehme Holz von Shriparni, Shimshapa oder einem milchsaftführenden Baum. Die Länge von einer Hasta teile er in sechsunddreißig Teile. Zwanzig Teile bilden den Stiel, acht die Schale, einer den Hals und sieben den Ausguss. Die Breite des Halses beträgt ein Drittel der Schalenbreite. Die Spitze sei so breit wie der Hals. Im Ausguss bilde man für das Ausfließen des Ghees einen Kanal von der Breite des kleinen Fingers.“

S. 139, Schale und Ausgestaltung des Sruc
Deutsch: „In der Mitte der Schale bilde man eine Karnika von einem Teil Maß. Rings außerhalb von ihr lege man eine einteilige Vertiefung an. Ihre Tiefe beträgt drei Teile. Außerhalb dieses Bereichs bilde man ringsum Blätter von einem Teil Maß. Der Rand an Umfassung, Ausguss und Schale betrage einen halben Teil. Am Ansatz und an der Spitze des Stiels forme man knaufartige Verdickungen von drei beziehungsweise vier Fingerbreiten. Die beiden Gelenkstücke messen jeweils zwei Teile; der Umfang des Stiels wird mit sechs Teilen angegeben. Die Rückseite der Schale sei schildkrötenförmig.“ Lesungshinweis: Die Maßbezüge der Vertiefung und der Gelenkstücke sind im Druck verkürzt; sie werden nicht zu einem eigenständig berechneten Werkplan ergänzt.

S. 140, Tierkopf und Erläuterung der Maße
Deutsch: „Auf die Rückseite des Ausgusses zeichne man das Gesicht eines Schwans, Elefanten oder Ebers. Damit sind die Merkmale des Sruc beschrieben.“ Shriparni ist als Gambhari bekannt. Milchsaftführende Bäume sind Ashvattha, Udumbara und Vata. „Eine Hasta“ bedeutet hier eine Armlänge, denn in der Agastya-Samhita heißt es: „Für das Homa fertige man den Sruc nach dem Maß des Armes.“ Gandi bezeichnet das Gelenk- beziehungsweise Verbindungsstück.

S. 140, Materialien der Opferlöffel
Deutsch: Im Phetkarini Tantra: „Man lasse sie aus Karaskara-, Amalaki-, Palasha- oder Khadira-Holz herstellen oder aus Gold, Silber, Kupfer und auch aus Eisen.“ In der Vayavi-Samhita: „Sruc und Sruva können aus Metall sein, jedoch nicht aus Bronze, Eisen oder Blei. Oder sie bestehen aus Opferholz, nach tantrischer Vorschrift und fachkundig gefertigt. Auch zwei unbeschädigte, in der Mitte erhöhte Blätter des Brahmavriksha oder entsprechender Bäume sind möglich.“ Erlaubnis und Verbot von Eisen beziehen sich hier auf grausame beziehungsweise sanfte Ritualhandlungen.

S. 140, Metallwahl und einfache Blätterlöffel
Deutsch: Dazu heißt es in einem anderen Tantra: „Für sanfte Handlungen seien Sruc und Sruva aus Gold. Für Stambhana und entsprechende Handlungen seien beide aus Eisen.“ In der Vasishtha-Samhita: „Zwei schöne, unbeschädigte Palasha-Blätter gelten als Sruc und Sruva. Oder man verwende Ashvattha-Blätter bei einem befriedenden Homa.“

S. 140, Kanal für das Ghee
Deutsch: In der Mantramuktavali: „Fließt das Ghee nur schwer hindurch, lasse der Kundige unter dem Hals einen Kanal anbringen. Vom Ausguss her durchbohre man ihn mit einer erhitzten Eisenstäbchenspitze.“

S. 140–141, Merkmale des Sruva
Deutsch: Nun die Merkmale des Sruva, in der Sharada: „Man fertige den Sruva im Maß von vierundzwanzig Teilen des Sruc an. Für seinen Stiel werden zweiundzwanzig Teile angegeben, für seinen Umfang vier. Sein Kopf fasst einen Karsha Ghee. Mit zwei Teilen bilde man eine Vertiefung in Gestalt eines Kuhhufabdrucks. Am Ansatz und am Ende des Stiels seien Gelenkstücke, mit ringförmigem Schmuck versehen. Damit ist die Herstellung des Sruva erklärt …“ Das Zitat endet bereits im Druck mit Auslassungspunkten.

Ankurarpana: die rituelle Aussaat

S. 141, Zeitpunkt des Ankurarpana
Deutsch: Nun das Ankurarpana, das rituelle Aussäen von Keimlingen. In der Sharada: „Sieben Tage vor dem Tag der Diksha vollziehe man vorschriftsmäßig das Ankurarpana, damit alles Glückverheißende gedeihe.“ Im Siddhantashekhara: „Bei Pratishtha und Diksha, bei rituellen Bädern und Festen, bei Besprengungen zur Befriedung, bei Hochzeiten und beim Anlegen des Munja-Gürtels sowie bei allen glückverheißenden Handlungen vollziehe man Ankurarpana.“

S. 141, Ort der Aussaat
Deutsch: Im Meru Tantra: „Sieben oder neun Tage vor dem Tag der Diksha vollziehe man diese Aussaat der Samen, die alle Wünsche erfüllt. Nördlich des Pavillons lege man in einem gesonderten, gut abgeschlossenen Gebäude ein Mandala an, in einem von Osten nach Westen gestreckten Raum mit südlichem Zugang. Bei der Vama-Diksha wird eine Ausrichtung von Süden nach Norden empfohlen.“ „Im Gebäude“ bedeutet in einem weiteren Pavillon. Dieser soll nur einen Eingang im Süden haben. Lesungshinweis: Die Wortverbindung um udakṣiṇam ist gestört; die anschließende werkseigene Glosse klärt den südlichen Eingang.

S. 141, Linien und Felder für die Aussaat
Deutsch: Ferner: „Auf einem mit Kuhdung bestrichenen Boden zeichne man im rechten beziehungsweise linken Verfahren mit ölhaltigem Reis oder mit ölvermischtem Vijaya-Saft. Dort ziehe man fünf Linien von je fünf Ellen Länge; die quer dazu verlaufenden Linien sollen jeweils eine Spanne Abstand haben. So entstehen vierzig Felder. Vierundzwanzig äußere Felder bilden den Umgang; man fülle ihn mit rotem Farbpulver.“ Lesungshinweis: Die Zuordnung der beiden Zeichenmittel zu rechtem und linkem Verfahren ist knapp ausgedrückt; die überlieferten Feldzahlen werden beibehalten.

S. 142, Brahma-, Vishnu- und Rudra-Felder
Deutsch: „Die vier westlichen Felder heißen Brahmas Platz. Beginnend mit dem südöstlichen Feld bis zum nordöstlichen fülle man sie auf dem rechten Umlauf mit gelbem, rotem, weißem und schwarzem Pulver. Die anschließenden zwei Felder bilden einen Umgang und werden rot gefüllt. Die vier Felder davor sind als Vishnus Platz zu erkennen. Man fülle sie wie zuvor mit den Farbpulvern; davor liegt wiederum ein Umgang. Die vier östlichen Felder heißen Rudras Platz. Sie werden wie zuvor gefärbt; alle Linien sind rot.“

S. 142, Aussaatgefäße für Vishnu
Deutsch: „Vier Palikas in Damaru-Gestalt, Vishnu zugeordnet, sollen je eine Hasta in Breite, Höhe und Länge messen. Mit Durva-Gras, Mangosprossen und Ashvattha-Blättern versehen und mit einer Schnur umwunden, stelle man sie in die vier Felder von Vishnus Platz.“

S. 142, Aussaatgefäße für Brahma und Shiva
Deutsch: „Die Brahma zugeordneten fünfmäuligen Gefäße mit sechzehn Fingerbreiten in den genannten Abmessungen stelle man westlich, an Brahmas Platz, auf. Sie werden wie zuvor mit Sprossen, Schnüren und weiteren Dingen versehen. Die vier Shiva zugeordneten Schalen seien zwölf Fingerbreiten hoch. Man wasche sie, umwinde sie mit Schnüren und stelle sie wie zuvor in der Reihenfolge auf, die im Südosten beginnt: auf Reishäufchen mit Duftstoffen und je zwei Darbha-Büscheln.“ Lesungshinweis: Der Ausdruck koṣṭhajāḥ vor den Brahma-Gefäßen ist nicht eindeutig; ein zusätzliches Material wird nicht daraus ergänzt.

S. 142, Erläuterung der Gefäßformen
Deutsch: Palikas sind besonders tiefe Schalen in Damaru-Gestalt. Die Panchamukhis sind besondere Kalasha-Gefäße mit fünf Öffnungen. Dazu heißt es in einem anderen Tantra: „Vier Öffnungen weisen in die Himmelsrichtungen, eine nach oben.“ Im Meru Tantra: „Man fülle diese Gefäße mit Sand, Erde und Karisha.“ Karisha bedeutet getrockneten Kuhdung.

S. 143, feierliches Holen der Erde
Deutsch: Eine besondere Vorschrift für das Holen der Erde steht im Siddhantashekhara: „Nachdem man die Hacke mit Duftstoffen und weiteren Gaben verehrt hat, ziehen an einem anderen Tag der Guru und die übrigen auf Wagen, andere auf Elefanten, unter Gesang und Tanz und begleitet von Elefanten und Pferden zum Ufer eines Teiches, eines Flusses oder zu einem Blumengarten. Dort kehre man eine reine Bodenstelle mit Darbha-Gras, besprenge sie mit Arghya-Wasser und erinnere sich an den jeweiligen Mantra. Mit dem Herz-Mantra rufe man die Erde an und verehre sie mit Duftstoffen und Blumen. Mit dem Astra-Mantra [weihe man] die Hacke und grabe den Boden auf. Man nehme Erde und fülle sie mit dem Vamadeva-Mantra in ein Bronzegefäß. Mit dem Herz-Mantra verehre man die Erde, bedecke sie mit einem Tuch und trage sie. Unter allen glückverheißenden Klängen vollziehe man den rechten Umlauf um Stadt oder Wohnstätte [und den Guru] und bringe sie danach zum Pavillon. Der Kundige führe diese Handlung tagsüber aus, nicht nachts.“ Lesungshinweis: Der syntaktische Anschluss von gurupradakṣiṇam in der Umzugsanweisung ist unklar.

S. 143, Tag für die Erde und Nacht für die Aussaat
Deutsch: „Diese Handlung“ bedeutet das Holen der Erde. Die Aussaat selbst erfolgt jedoch nachts, denn dieselbe Quelle sagt: „Soma ist der Herr der Pflanzen; deshalb säe man nachts aus.“

S. 143, Samenweihe und Aussaat
Deutsch: Ferner: „Unter Muschelhornklang, den fünf Arten von Musik und dem Segen der Brahmanen säe man die zehn Samenarten in die mit der eigenen [herbeigeholten] Erde gefüllten Gefäße. Der Mantrapraktizierende wiederhole das angegebene Bija und wasche [die Samen] dann mit Milch. Durch Wiederholung des Mula-Mantras geweiht …“ So steht es in der Sharada. Das gedruckte Zitat bricht hier mit Auslassungspunkten ab. Das ausgeschriebene Bija wird in der Mantrasammlung belegt.

S. 143–144, zehn Samenarten
Deutsch: Ferner: „Sie werden Priyangu, Shyamaka, Sesam, Senf, Reis, Mungbohnen, Adhaki, Nishpava, Khalva und Masha genannt.“ Shyamaka ist in der Volkssprache als Sama bekannt, Adhaki als Rahar. Nishpava bezeichnet Simbi-Bohnen, Khalva Kulattha-Bohnen.

S. 144, Aussaatfolge und tägliche Gaben
Deutsch: Ferner: „Zuerst streue man die Samen in das Brahma-Gefäß, danach in das Vishnu- und dann in das Shiva-Gefäß, begleitet von den fünf Arten der Musik und vedischem Gesang. Man besprenge sie mit Kurkuma und weiteren Stoffen und bedecke sie mit Tüchern. Zu beiden Dämmerungen und auch um Mitternacht bringe man Bali dar. Nach dem vom Guru gelehrten Verfahren, den drei Gefäßgruppen entsprechend, bringe man neun Tage lang Bali dar, jeweils an die betreffende Gottheit gerichtet.“ Lesungshinweis: Die Form ardharātrau ist im Druck verkürzt; der Apparat bietet eine abweichende Verbindung mit „danach, nachts“.

S. 144, Gaben an den ersten vier Tagen
Deutsch: „Am ersten Tag gilt gekochter Reis mit Sesam, Puffreis und geröstetem Mehl, mit Kurkumapulver vermischt, als Bali für die Bhutas. Am zweiten Tag bringe man den Ahnen Sesam und Reiskörner dar. Am dritten Tag den Yakshas geröstetes Mehl und Puffreis mit Dickmilch. Am vierten Tag den Nagas geröstetes Mehl, mit Kokoswasser getränkt.“

S. 144, Gaben vom fünften bis neunten Tag
Deutsch: „Am fünften Tag bringe man Brahma freudig Bali aus Lotus und unversehrten Reiskörnern dar. Am sechsten wird für Shiva Speise mit Kuchen empfohlen. Am siebten Tag bringe man Vishnu Rohzuckerwasser dar. Am achten Tag ist wiederum für Vishnu Bali aus Milchreis vorgesehen. Am neunten Tag wird ebenfalls für Vishnu Krisara-Speise empfohlen.“

S. 144–145, abweichende Gaben im Vama-Weg
Deutsch: Für den Vama-Weg wird dort eine besondere Regel genannt: „Im Vama-Weg bringe man Bali in den vier Richtungen des Mandalas dar. An Brahmas Platz steht ein Vetala; vor ihm ist ein Schaf als Bali vorgesehen. An Vishnus Platz steht Bhairavi; für sie gilt eine Ziege als Bali. Bhairava an Shivas Platz verlangt einen Büffel als Bali. Als alkoholische Getränke werden der Reihe nach Gaudi, Madhvi und Paishti genannt. Für die Bhutas ist Bali aus Fisch und Fleisch mit Alkohol vorgesehen; für die Ahnen Fleisch mit Asava; für die Yakshas ein Hahn und Madhu. Für die Nagas ein Bali aus Frosch und Maus. Dies ist das Bali im Vama-Weg.“ Quellenhinweis: Gaudi, Madhvi und Paishti bezeichnen hier vergorene Getränke aus Zucker, Honig beziehungsweise Mehl. Madhu bleibt in dieser Reihe als überlieferte Bezeichnung erhalten; gemeint sein kann Honig oder Honigtrank.

S. 145, Soma-Verehrung und Zutritt
Deutsch: Im Siddhantashekhara: „Bis zum Tag des Adhivasa verehre man täglich Soma. Wenn dieser Tag gekommen ist, verabschiede der Guru Soma.“ Nach dem Sarasvata-Mata: „Niemand sonst soll die aufgegangenen Keimlinge betrachten. Nur der Acharya darf eintreten oder sein Schüler mit seiner Erlaubnis.“

S. 145, Prüfung des Keimens
Deutsch: Im Meru Tantra: „Sind so neun Tage vergangen, prüfe man, was gut aufgegangen, was zugrunde gegangen und was nur mittelmäßig gewachsen ist. Gutes Aufgehen bedeutet Siddhi; gehemmtes Wachstum kündigt Hindernisse an. Von Insekten angefressene Keimlinge bedeuten sehr geringe Frucht, zerstörte völligen Misserfolg.“ Lesungshinweis: Die Form śāṭita in der letzten Aussage bleibt lexikalisch unsicher; „zerstört“ gibt den erkennbaren Sinnzusammenhang wieder.

S. 145, Bedeutung der einzelnen Keimlinge
Deutsch: „An Priyangu erkenne man Siddhi, an Shyamaka Glück mit Frauen. Sesam bedeutet Freude für verehrungswürdige Menschen; Senf das Ausbleiben schädigender Magie. Reis bedeutet allgemeines Ansehen, Mungbohnen göttliche Gnade. Adhaki kündigt vierfüßiges Vieh an, Nishpava Land und Haus. Khalva bedeutet das Gelingen guter Handlungen, Masha Frieden. Gehen alle Samen auf, bedeutet dies Erfolg; andernfalls Niedergang.“

S. 145, Shanti-Homa bei misslungenem Keimen
Deutsch: Im Siddhantasara: „Gehen die Keimlinge nicht auf oder gehen sie zugrunde, vollziehe man ein Shanti-Homa. Mit dem Mula-Mantra oder dem Aghorastra-Mantra bringe man hundert Opfergaben dar.“ Damit endet das Verfahren des Ankurarpana. Lesungshinweis: Die Wortform im ersten Halbvers ist beschädigt; die Aussage über ausgebliebenes beziehungsweise misslungenes Keimen ist aus dem Zusammenhang verständlich.

S. 146, Abschlussvers des zweiten Taranga
Deutsch: „Dieser zweite Wogenlauf ist nun in den vom erhabenen König geschaffenen Ozean des Purashcharana eingegangen: in jenen Ozean mit seinen wunderbaren, nektarartigen Strömen vielfältiger heiliger Aussagen, in dem die Flüsse trefflicher Darlegungen zusammenfinden und die Fülle klarer Perlen guter Begründungen staunen lässt.“ Lesungshinweis: Die lange Kompositumfolge der ersten Vershälfte ist teilweise gestört. Das Bild von Nektarströmen, zusammenfließenden Darlegungen, Perlen guter Begründungen und dem zweiten Wogenlauf ist klar; einzelne Attribute bleiben vorläufig gedeutet.

S. 146, Kolophon des zweiten Taranga
Deutsch: Damit endet im Purashcharanarnava, verfasst vom erhabenen Großkönig der Könige Shri Pratapasimha Saha, der zweite Taraṅga mit dem Titel: „Das Verfahren des Ankurarpana, dem die Bestimmung von Zeit und Ort der Diksha, Vastu-Yaga, Kundas, Pavillon und weiteren Voraussetzungen vorausgeht.“

3. Taraṅga: Vorbereitung und Gottheitsverehrung bei der Einweihung

Lesehilfe: Diese Welle beschreibt vorbereitende Handlungen und die Gottheitsverehrung im Zusammenhang der Einweihung. Beobachte, wie Körper, Sprache und Vorstellung in die Puja einbezogen werden. So wird beim Lesen anschaulich, wie umfassend eine Tradition die Hinwendung zum Göttlichen gestalten kann.

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S. 147, vier Arten der Diksha
Deutsch: Nun wird in drei Taraṅgas die Kriyavati-Diksha dargelegt. In der Sharada: „Die Diksha wird entsprechend den Unterschieden, beginnend mit Kriyavati, als vierfach beschrieben: Kriyavati, Varnamayi, Kalatma und Vedhamayi. Diese Formen, die Gedeihen bringen, werden in diesem Tantra der Reihe nach erläutert.“ Begriffserklärung: Die Bezeichnungen verweisen auf rituelle Handlung, Laute beziehungsweise Buchstaben, Kalas und Durchdringung; ihre Ausführung wird im Werk entfaltet.

S. 147, fünf Ausführungsstufen
Deutsch: Im Meru Tantra: „Höre, Göttin! Ich werde das in allen Tantras verborgene fünfstufige Verfahren der Diksha darlegen. Für Könige gilt die höchste Ausführung, für sehr Vermögende die vorzügliche, für Menschen mit gewöhnlichen Mitteln die mittlere. Für Brahmanen ist eine kleinere, für Yatis ebenfalls eine kleine Ausführung genannt. Zunächst werde ich das Gemeinsame und die höchste Ausführung erklären. Sind sie bekannt, lassen sich die vorzügliche und die weiteren Abstufungen bestimmen.“ Lesungshinweis: Die Verbindung tadrājñāsuttamottamam ist im Druck grammatisch gestört; die Zuordnung der höchsten Form zu Königen ist im Zusammenhang erkennbar.

S. 147, Vorbereitung des Schülers
Deutsch: In der als Prakritayogini bezeichneten Quelle: „Zuerst bade der hingebungsvolle Schüler zur Reinigung seines Körpers an einem Tirtha und wiederhole die Gayatri tausendmal. Zwei Tage verbringe er mit einem Gelübde wie einer einzigen täglichen Mahlzeit oder Fasten. Am dritten Tag finde der Adhivasa statt, am vierten vollziehe man die Diksha. Mit einem nicht vorbereiteten Körper soll man die Diksha nicht unvermittelt ausführen.“ Lesungshinweis: Die Quellenbezeichnung Prakritayogini bleibt unsicher gelesen.

S. 147, verkürzte Durchführung
Deutsch: Im Pingala-Mata und im Mantratantraprakasha heißt es dagegen: „Oder man vollziehe den Adhivasa unmittelbar nach der Vorschrift. Der Kundige führe die Diksha-Handlung in nur zwei Tagen aus. Gegebenenfalls kann auch der Adhivasa unmittelbar an einem einzigen Tag stattfinden.“

S. 147–148, Gang zum Guru
Deutsch: Im Meru Tantra: „Am Tag vor der Diksha vollziehe man die morgendlichen Pflichten, schmücke den eigenen Körper und verehre Ganesha im eigenen Haus nach der Vorschrift. Dann lasse man den glückverheißenden Tag ausrufen, sättige die Nandimukha-Ahnen und begebe sich, mit den vorgeschriebenen Gaben versehen und von den fünf Musikarten begleitet, zum Haus des Gurus.“

S. 148, fünf Musikarten
Deutsch: Die fünf Musikarten nennt das Sangita Shastra: „Saiteninstrumente, Blasinstrumente, bespannte Trommeln, Metallinstrumente und massive Schlaginstrumente – diese fünf Arten erklingen beim Tandava des Gottes der Götter.“ Zu den Saiteninstrumenten gehören Vina und ähnliche Instrumente, zu den Blasinstrumenten Flöte und Muschelhorn, zu den bespannten Trommeln Dindima und Mridanga, zu den Metallinstrumenten Glocken und Ähnliches.

S. 148, zehn Gruppen von Ehrengaben
Deutsch: Im Meru Tantra: „Die Ausstattung zur feierlichen Wahl des Acharya und der Ritvij-Priester gilt als zehnfach: gleichmäßige Sitze aus Shriparni-Holz, eine Hasta groß und acht Fingerbreiten hoch; ein Vishtara aus einem geflochtenen und geknoteten Bündel von siebenundzwanzig Darbha-Halmen, wie es für alle Opfer beschrieben wird; Kupfergefäße mit angenehm warmem Wasser zum Waschen der Füße; Muschelhörner für Arghya, mit duftendem Blumenwasser; gute Kupfer-Kamandalus mit Wasser zum rituellen Schluck; dazu Bronzegefäße für Madhuparka, mit Dickmilch und weiteren Zutaten gefüllt; kostbare Gewänder; schöne Schmuckstücke wie Ringe; Schirme aus Pfauenfedern samt Kopfbinden; und Sandalen, mit Leder und Schmuck versehen. Wer dies darbringt, erlangt eine Frucht, die der ehrenden Darbringung eines großen Opfers gleicht.“ Lesungshinweis: Die Wortform nach saṃbhṛta im Satz über das Fußwasser ist im Druck beschädigt; der Sinn der Gefäßangabe ist deutlich.

S. 148–149, besondere Ehrung des Acharya
Deutsch: „Für die anderen Brahmanen ist die Ehrung mit Madhuparka vorgesehen. Dem Acharya gebe der Hingebungsvolle mit Bhakti das Doppelte. Wo der Lehrer nur in gleichem Maß wie die anderen Zweimalgeborenen geehrt wird, bleibt die Frucht des Opfers gering, wie die Ernte auf einer Erde ohne Regen.“

S. 149, Wahl des Gurus
Deutsch: „Nachdem der Schüler so zum Haus des Gurus gegangen ist, verneige er sich vor dessen Padukas, überreiche die Gaben für seine Wahl und fasse den Sankalpa. Dann wähle er den Guru, indem er den betreffenden Mantra nennt und sagt: ‚Um diesen Mantra zu empfangen, o Bester der Zweimalgeborenen, wähle ich dich als Guru.‘ Nachdem der Schüler ihn so gewählt hat, antworte der Guru: ‚Ich nehme die Wahl an.‘ Der Schüler sage: ‚Guru, vollziehe die Handlung in angemessener Weise.‘ Der Acharya antworte: ‚Ich werde sie vollziehen.‘ Danach, allein auf Anordnung des Gurus …“ Die Auswahl weiterer Priester folgt unmittelbar.

S. 149, Priester und Beginn der Prüfung
Deutsch: „… wähle man acht Brahmanen als Ritvij-Priester, die Veden und Vedangas beherrschen und die betreffende Gottheit verehren. Sind nur vier Kundas vorhanden, werden vier Ritvijs genannt. Darauf gehe der Guru mit dem Schüler zum Opferhaus, setze sich an dessen Eingang und beginne die Prüfung. Er gebe dem Schüler ein Zahnhölzchen, das durch den Mula-Mantra geweiht wurde.“

S. 149, Prüfung mit dem Zahnhölzchen
Deutsch: „Nachdem er die Zähne gereinigt hat, lasse der Schüler das Hölzchen vor sich auf einen quadratischen Sthandila von einer Hasta fallen. Der Guru prüfe es. Je nachdem, in welche Richtung seine Spitze weist, ergeben sich, beginnend im Osten, der Reihe nach folgende Früchte: Gedeihen, Herzensqual, Verlust von Angehörigen, Tod, Trauer, Verlust durch Ausgaben, Glück, Erkenntnis und Gewinn.“ Lesungshinweis: Die Reihe enthält neun Ergebnisse, während nur die Richtung genannt wird. Eine zusätzliche Zuordnung, etwa zur Mitte, wird hier nicht aus Vermutung ergänzt.

S. 149, Ausgleich eines ungünstigen Zeichens
Deutsch: „Fällt es auf eine ungünstige Stelle, vollziehe man Prayaschitta. Man bringe 1008, hundert oder zwanzig Opfergaben dar, mit dem betreffenden Namen, der vom Astra-Mantra umschlossen und mit Svaha verbunden wird. Nach dem Namen stehen die Worte: ‚Beseitige die Fehler, beseitige sie!‘ Man opfere ausschließlich Ghee. Ebenso verfahre man bei einem [ungünstigen] Traum.“ Lesungshinweis: Die gedruckte Form aduṣṭasvapna bedeutet dem Wortlaut nach „nicht schlechter Traum“, widerspricht aber dem Prayaschitta-Zusammenhang. Die Wiedergabe „ungünstig“ ist deshalb als kontextuelle Deutung markiert.

S. 150, Wiederholung der Prüfung
Deutsch: „Man gebe erneut ein Zahnhölzchen. Ist das Zeichen wieder ungünstig, vervierfache man [das Ausgleichsopfer]. Ist es auch beim dritten Mal ungünstig, soll man die betreffende Gottheit nicht [zur Einweihung] annehmen. Im Vama-Weg kann schon ein einmaliges solches Zeichen Guru und Schüler verderben.“

S. 150, Vorbereitung und Bitte um Reinigung
Deutsch: Im Siddhantasamgraha wird mit Bezug auf den Guru gesagt: „Nachdem er den Opferplatz umschritten und Füße und Hände gewaschen hat, vollziehe er Achamana. Am Eingang verneige er sich vor Guru, Gottheit und Richtungswächter und spreche zwei Mantras zur Entfernung von Verfehlungen: ‚O Gott, dieses mein gewöhnliches Gemüt ist von Verfehlung ergriffen. Entferne diese Verfehlung aus meinem Gemüt. [Es folgen die zweimal gesprochene Phat-Silbe und die Verehrung:] Verehrung sei dir!‘“

S. 150, neun Zeugen des Handelns
Deutsch: „Surya, Soma, Yama, Kala und die fünf großen Elemente – diese sind hier die neun Zeugen des guten und schlechten Handelns.“

S. 150, Abschluss der Reinigung
Deutsch: „Während er die angegebene Bija-Formel mit Phat spricht, blicke er mit zornigem Blick nach beiden Seiten. Ist dies getan, bleibt die große Verfehlung fern; andere Verfehlungen des Mantrapraktizierenden schwinden augenblicklich. Wer sich bei der Puja von Verfehlungen gelöst hat, dessen erwünschtes Ziel wird unverzüglich erfüllt. Danach vollziehe man Achamana und bereite das allgemeine Arghya.“ Lesungshinweis: Die genaue Vokal- und Nasalzeichenform der Silbe unmittelbar vor Phat bleibt im Scan unsicher und wird nicht zu einer gesicherten Rezitationsformel ergänzt.

S. 150, Bereitung des allgemeinen Arghya
Deutsch: Das Verfahren zur Aufstellung des allgemeinen Arghya steht im Gautamiya: „Dann zeichne man ein Mandala aus Dreieck, Kreis und Erdbild [Quadrat]. Nachdem man die tragende Shakti verehrt hat, setze man die Unterlage darauf. Mit dem Astra-Mantra reinige man das Gefäß, mit dem Herz-Mantra fülle man es. Man rufe die heiligen Gewässer herbei und gebe mit Pranava Duftstoffe und weitere Zutaten hinein. Man zeige die Dhenu-Mudra. Dies gilt als das allgemeine Arghya. Man weihe es mit Pranava allein …“ Das Zitat ist im Druck an dieser Stelle verkürzt.

S. 151, Verehrung des Eingangs
Deutsch: Im Meru Tantra: „Man besprenge [den Eingang] mit Arghya-Wasser und vollziehe die Dvara-Puja.“ Das Verfahren steht ebenfalls dort: „Man besprenge den Eingang mit Arghya-Wasser. In seiner Mitte verehre man den Herrn der Hindernisse, rechts von ihm Mahalakshmi, links Sarasvati, und am Eingang Shri. Die rechte und linke Türwange teile man von oben bis unten jeweils in fünf Bereiche. Man spreche den Anfangsbuchstaben des Namens mit Bindu, dann den Namen im Dativ und die als Herz-Endung bezeichnete Schlussformel; damit verehre man die folgenden Gottheiten.“ Lesungshinweis: Die zusätzliche Anordnung Shris im Eingang ist syntaktisch verkürzt. Der Mantra wird als Bildungsschema beschrieben, nicht mit sämtlichen Namen ausgeschrieben.

S. 151, Gottheiten an Türwangen und Schwelle
Deutsch: „Man verehre Ganapati und Kshetrapala, dann rechts Shankhanidhi mit Vasudhara, links Padmanidhi mit Vasumati. Darunter, jeweils rechts und links, Mayashakti und Chitshakti, Ganga und Yamuna, Dhatar und Vidhatar. Unten gilt die Verehrung der Türschwelle. Diese Puja wird zunächst für den westlichen Eingang beschrieben.“ Lesungshinweis: Das isolierte Zeichen ṅe vor der Türschwellenformel bleibt als grammatischer Hinweis im Sanskrit stehen; die ausdrücklich genannte Verehrung der Schwelle wird übersetzt.

S. 151, Torwächter Shivas
Deutsch: „Nandin und Mahakala werden rechts und links am Eingang verehrt. Ebenso verehre man den nördlichen, östlichen und südlichen Eingang. Ihre Torwächterpaare sind der Reihe nach Ganesha und Vrishabha, Bhringiriti und Skanda sowie Uma und Chandeshvara.“

S. 151, Torwächter Vishnus und Ganeshas
Deutsch: „Vishnus Torwächter sind Nanda und Sunanda, Chanda und Prachanda, Bala und Prabala, Bhadra und Subhadra. Ganeshas Torwächter sind Vakratunda und Ekadamshtra, Mahodara und Gajanana, Lambodara und Vikata, Vighnaraja und Dhumravarna, in dieser Reihenfolge vom westlichen Eingang aus.“

S. 152, Torwächterinnen der Göttin und Suryas
Deutsch: „Für die Göttin und für Surya sind die Yoginis die übergeordneten Gottheiten der Torwacht: Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi, Varahi, Indrani und Chamunda zusammen mit Shri.“

S. 152, Entfernung der Hindernisse und Eintritt
Deutsch: Ferner: „Dann entferne der Lehrer die himmlischen Hindernisse durch seinen Blick, die im Luftraum befindlichen durch Arghya-Wasser. Die irdischen vertreibe er sorgfältig durch drei Fersenstöße. Sich etwas zusammennehmend und die linke Türwange berührend, bringe er den entfernten Hinderniswesen rechts Bali dar. Danach betrete er den Opferpavillon mit dem rechten Fuß zuerst. Im Vama- oder Shakta-Weg gehe er dagegen mit dem linken Fuß voran. Im Südwesten verehre er Brahma und den Herrn des Vastu.“

S. 152, fünf Arten der Reinigung
Deutsch: Im Shyamarahasya angeführte Aussagen: „Ohne die fünf Reinigungen wird die Puja zu einer schädigenden Handlung. Die fünf Arten sind Reinigung der eigenen Person, Reinigung des Ortes, Reinigung des Mantras, Reinigung der Materialien und Reinigung der Gottheit. Die Reinigung der eigenen Person geschieht, Geliebte, durch gründliches Baden, Bhutashuddhi, Pranayama und weitere Übungen sowie durch sämtliche Nyasas, beginnend mit dem sechsgliedrigen.“

S. 152, Reinigung des Ortes
Deutsch: Im Meru Tantra: „Man besprenge das Innere des Pavillons mit Panchagavya und Arghya-Wasser. Durch Fegen und Bestreichen werde es glatt wie die Fläche eines Spiegels, mit reinem Räucherwerk, Lichtern und Blumengirlanden geschmückt und mit einem Bild in fünf Farben versehen. Dies gilt als Reinigung des Ortes.“ Lesartenhinweis: Für „Bild in fünf Farben“ nennt der Druckapparat eine Lesung mit ausdrücklicher Nennung von Farbpulver.

S. 153, Reinigung von Mantra und Materialien
Deutsch: „Man nehme die Matrika-Buchstaben und die Silben des Mula-Mantras und wiederhole sie zweimal in der angegebenen Folge. Dies gilt als Reinigung des Mantras. Man besprenge die Puja-Materialien vorschriftsmäßig mit Mula- und Astra-Mantra und zeige die Dhenu-Mudra. Dies gilt als Reinigung der Materialien.“ Lesungshinweis: Der Druck wiederholt kramāt; eine möglicherweise gemeinte rückläufige Reihenfolge wird nicht still in den Text eingesetzt.

S. 153, Reinigung der Gottheit
Deutsch: „Der Mantrakundige stelle die Göttin auf dem Pitha auf und versehe sie durch Sakalikarana mit ihren Gliedern. Mit leuchtendem innerem Bewusstsein vergegenwärtige er sie durch den Mula-Mantra und besprenge sie dreimal mit Wasser. Dies wird Reinigung der Gottheit genannt. Nachdem man so die fünf Reinigungen vollzogen hat, führe man die Verehrung aus. Was ohne die fünf Reinigungen getan wird, gilt als nicht getan.“

S. 153, Panchagavya zur Reinigung
Deutsch: Ebenfalls dort: „Der Opferplatz werde gut mit Arghya-Wasser und Gavya besprengt.“ Gavya bedeutet hier Panchagavya. Im Gautamiya heißt es: „Ein Pala Milch und ebenso viel Kuhurin werden verlangt; Ghee ebenfalls ein Pala, Kuhdung zwei Tolas, Dickmilch eine Prasriti. Dies gilt als Panchagavya. Oder die fünf Kuhprodukte werden zu gleichen Teilen verwendet. Man weihe sie mit dem Mula-Mantra und reinige sie mit einer Kusha-Spitze. Dadurch soll umfassende Reinigung geschehen und jede Verfehlung abgeschnitten werden.“ Die Maße und die rituelle Wirkungszusage gehören zur historischen Vorschrift.

S. 153, Mantra-Anfänge für die fünf Kuhprodukte
Deutsch: Im Smriti Shastra: „Mit der Gayatri nehme man Kuhurin, mit dem Anfang ‚Duftend an der Pforte …‘ den Kuhdung, mit ‚Erfülle dich …‘ die Milch, mit dem Dadhikravan-Anfang die Dickmilch, mit ‚Du bist Glanz …‘ das Ghee und mit ‚Des Gottes … dich …‘ das Kusha-Wasser. Kennt man die Mantras und ihre Anfänge nicht, reinige man allein mit Pranava.“ Quellenhinweis: Die verkürzten Anfänge verweisen auf längere Formeln; fehlende Wörter werden nicht hinzugefügt.

S. 154, vierfache Reinigung und Streumaterial
Deutsch: Im Meru Tantra: „Danach vollziehe man die vierfache Reinigung, beginnend mit dem Betrachten: Man betrachte mit dem Mula-Mantra, besprenge dann mit dem Astra-Mantra, klopfe mit dem Astra-Mantra und begieße mit dem Kavacha-Mantra. Im mit Sandel, Aguru und Kampfer ausgeräucherten Pavillon streue der Mantrapraktizierende Sandel, weißen Senf, Durva-Gras, Asche, unversehrte Reiskörner, Kusha-Gras und Puffreis aus, siebenmal mit dem Astra-Mantra besprochen, zur Beseitigung der Hindernisse.“ Die Druckanmerkung erklärt Chandra hier als Kampfer.

S. 154, Sitz und Vikira
Deutsch: In einem anderen Tantra: „Zuerst entferne man die Hindernisse, dann richte man den Sitz her. Oder der Kundige setze sich auf den Sitz und entferne von dort die Hindernisse.“ In der Sharada: „Puffreis, Sandel, weißer Senf, Asche, Durva-Gras, Kusha-Gras und unversehrte Reiskörner werden als Vikira, Streugaben, bezeichnet, die sämtliche Scharen von Hindernissen beseitigen.“

S. 154, Formel zur Entfernung der Hindernisse
Deutsch: Der Mantra zur Entfernung der Hindernisse steht im Meru Tantra: „Der Lehrer vollziehe dies mit der Naracha-Mudra und dem Astra-Mantra: ‚Die Bhutas, Pishachas, Pretas und Guhyakas sollen weichen, ebenso die anderen hier wohnenden Gottheiten, die auf der Erde stehen. Diese Wesen auf der Erde sollen sich entfernen. Diejenigen Wesen, die Hindernisse schaffen, mögen auf Shivas Geheiß verschwinden.‘ Am Ende der beiden Verse spreche er jeweils den Astra-Mantra und werfe mit der Naracha-Mudra die Streugaben im Pavillon …“ Die Handlungsanweisung bricht im Druck mit Auslassungspunkten ab. Der Astra-Mantra wird benannt, nicht ausgeschrieben.

S. 154, Abschluss der Streuung und Segensworte
Deutsch: Ebenfalls dort: „Der Mantrapraktizierende kehre die Streugaben mit einem Darbha-Büschel unter dem Astra-Mantra zusammen. Nachdem er es für den Sitz zusammengebunden hat, lege er es im Nordosten nieder. Er lasse den glückverheißenden Tag ausrufen und erfreue sorgfältig die Brahmanen …“ Der Satz wird auf der folgenden Buchseite fortgesetzt. Der Bezug des Pronomens bei dem zusammengebundenen Büschel ist im Druck verkürzt.

S. 155, Grundraster des Sarvatobhadra-Mandala
Deutsch: „… dann zeichne man auf dem Altar das Sarvatobhadra-Mandala.“ Dieses Mandala wird in der Sharada beschrieben: „In einem Quadrat mit vier Feldern und Diagonalschnüren lege man auch in die vier Teilfelder die vier Eckenschnüre so, dass sich jeweils in der Mitte Fischfiguren ergeben. Durch diese Figuren spanne der Mantrapraktizierende vier gleichmäßige Schnüre: je zwei von Osten nach Westen und von Süden nach Norden. In den Eckfeldern lege man wie zuvor Diagonalschnüre an; durch die neu entstandenen Fischfiguren wiederum vier Schnüre. Dann entstehen in den Feldern weitere Fischfiguren, durch die man erneut Schnüre legt.“

S. 155, zentrale Bereiche des Mandala
Deutsch: „In die sechsunddreißig mittleren Felder zeichne man einen Lotus mit den vorgeschriebenen Merkmalen. Die äußere Feldreihe bildet den Pitha, zwei weitere Reihen die Umgänge. In den beiden übrigen Reihen lege man Eingänge, Shobhas und Upashobhas an. Danach zeichne der Mantrapraktizierende den Lotus nach der in der Schrift genannten Vorschrift.“ Shobha und Upashobha bezeichnen hier die größeren und kleineren Schmuckfelder neben den Eingängen.

S. 155, Kreise und Blätter des Lotus
Deutsch: „Außen am Lotusfeld spare der Kundige ein Zwölftel aus. Den inneren Bereich teile er mit drei Kreisen in gleiche Abschnitte. Der erste Bereich ist für die Karnika, der zweite für die Staubfäden, der dritte für die Blätter; im zuvor ausgesparten Anteil liegen die Blattspitzen. Mit dem Maß des Zwischenraums am äußeren Kreis setze der Kundige an den Spitzen der Staubfäden ringsum Halbmondbögen an. Nachdem er diese gezeichnet hat, lege er Schnüre durch die Verbindungsstellen. Mit dem Maß der Blattspitzen zeichne er einen Kreis. In dessen Zwischenraum, in der Mitte zu beiden Seiten der Schnur, zeichne er ringsum die Blattspitzen [nach der abschließenden, verkürzten Anweisung].“ Lesungshinweis: Die letzte Verbindung bāhyahastena ist geometrisch nicht sicher zu deuten. Die betreffende Einzelanweisung wird nicht durch einen selbst entworfenen Konstruktionsschritt ersetzt.

S. 156, Staubfäden und Pitha
Deutsch: „An den Blattansätzen bilde man paarweise Staubfäden. Dies wird von den Tantra-Kundigen als die allgemeine Lotusform bezeichnet. An den Ecken des Pitha säubere man jeweils drei Felder für die Füße. Aus den verbleibenden Feldern bilde der Kundige den Körper des Pitha. Die Felder der Umgänge bereinige man nach den jeweiligen Reihen.“

S. 156, Eingänge und Schmuckfelder
Deutsch: „In den Himmelsrichtungen lege man die Eingänge aus Feldgruppen von zwei und vier an. Neben den Eingängen entstehen die Shobhas aus drei Feldern und einem Feld; daneben die Upashobhas aus einem und drei Feldern. Die jeweils sechs übrig bleibenden Felder bilden die vier Ecken. Dieses ansprechende Mandala färbe man mit fünf Farben.“

S. 156, Farbpulver und Grenzlinien
Deutsch: „Gelbes Pulver gewinnt man aus Kurkuma, weißes aus Reis, rotes aus Saflor, schwarzes aus verbrannten Getreideresten und dunkles Grün aus Bilva-Blättern und ähnlichen Blättern. Dies sind die fünf Farben. Die glückverheißenden weißen Grenzlinien haben eine Fingerbreite Höhe und Breite.“ Die Druckanmerkung erläutert Pulaka als geringwertige Getreidereste.

S. 156, Farbschemata des Lotus und des Sitzes
Deutsch: „Der Mantrapraktizierende färbe die Karnika gelb, die Staubfäden rot, die Blätter weiß und deren Zwischenräume dunkelgrün. Oder die Karnika bleibt gelb, während die Staubfäden gelbrot, die Blätter rot und die Zwischenräume schwarz sind. Die Innenbereiche des Pitha färbe man gelb oder schwarz, seine Füße rot und seinen Körper weiß. In die vier Umgänge zeichne man Wunschranken mit Blättern, Blüten und Früchten.“

S. 157, Abschluss des allgemeinen Sarvatobhadra-Mandala
Deutsch: „[Die Wunschranken] seien in verschiedenen Farben bunt gestaltet. Die Shobhas werden rot, die Upashobhas gelb und die Ecken schwarz ausgeführt. Außen ziehe man drei Linien, der Reihe nach weiß, rot und schwarz. Dies gilt als das allgemeine Sarvatobhadra-Mandala.“

S. 157, kleinere Ausführung mit 144 Feldern
Deutsch: „Der Kundige teile eine quadratische Fläche von den Seiten aus in zwölf Abschnitte und lege die Schnüre an; so entstehen hundertvierundvierzig Felder. Danach zeichne er den Lotus in sechsunddreißig Feldern und den Pitha in einer Feldreihe. Hier gibt es keinen Umgang. Eingänge und Shobhas sind wie zuvor, Upashobhas fehlen. Aus den jeweils sechs übrigen Feldern bilde der Tantra-Kenner die Ecken. Alles Weitere führe er wie zuvor aus. Auch dies gilt als eine Form des Mandalas.“

S. 157, Navanabha- und Panchabja-Mandala
Deutsch: „In einem Quadrat lege der Kundige vierundsechzig Felder an. In den vier mittleren Feldern liege ein Lotus. Von ihm aus lege man vier Umgänge bis zum Rand des Mandalas an. In die Vierergruppen der Hauptrichtungen zeichne man Lotusse. Die Vierergruppen der Zwischenrichtungen unterteile der Kundige jeweils in sechzehn Felder und arbeite darin Swastika-Formen heraus. Diese fülle man, beginnend im Nordosten, mit weißem, gelbem, rotem und schwarzem Pulver. Alles Weitere vollziehe man wie zuvor beschrieben. Dieses Mandala heißt Navanabha und gewährt alle Siddhis. Ohne die Swastikas heißt es Panchabja, fünf Lotusse. So wurden nach der Lehre aller Tantras vier Mandala-Formen für die Gottheitenverehrung bei der Diksha beschrieben, die umfassendes Gedeihen bringen.“

S. 158, Dipanatha und Bhairava
Deutsch: Im Yamala: „Man verehre Dipanatha von roter Farbe, mit zwölf gleichfarbigen Shaktis verbunden, und bitte Bhairava: ‚Überaus Scharfer, Großleibiger, dem Feuer am Ende eines Kalpa gleich: Bhairava, Verehrung sei dir! Gewähre bitte die Erlaubnis.‘ Nachdem man die mit kanta bezeichnete [Formel] und den Astra-Mantra gesprochen hat, betrete man den Puja-Altarbereich.“ Lesungshinweis: Der Bezug von kāntam ist unklar; daraus wird keine vollständige Formel erzeugt.

S. 158, Sitzplatz und Wasserweihe
Deutsch: Im Vaishnavi-Kalpa: „Nachdem man den Sitzplatz gereinigt hat, breite man den vorgeschriebenen Sitz aus. Mit der linken [Hand] bringe man Wasser herbei und weihe es nach der Vorschrift.“ Die Wasserweihe wird dort so erklärt: „Man reinige es mit dem Luft-Bija, verbrenne [seine Unreinheit] mit dem Feuer-Bija, überflute es mit dem Wasser-Bija und besprenge es dann mit der Gayatri. Mit der Dhenu-Mudra verwandle man es in Amrita und weihe es mit Pranava.“ Die genannten Bijas werden an dieser Stelle nicht ausgeschrieben.

S. 158, dreifaches Achamana
Deutsch: Ferner: „Mit den drei Tattvas Atman, Vidya und Shiva, jeweils mit Pranava am Anfang und Shiras am Ende, vollziehe man mit diesem Wasser dreimal Achamana. Dann reinige man den Sitz.“ Shiras bezeichnet hier Agnijaya, die Feuergefährtin [Svaha]. Die Reinigung geschieht hier nach den Überlieferungskundigen mit dem Astra-Mantra; Wasser ist eine alternative Ausführung. Lesungshinweis: Die letzte Verbindung jalamantarakalpam ist sprachlich verkürzt. Die Mantra-Bestandteile werden hier als Schema erklärt, nicht zu drei ungedruckten Formeln ergänzt.

S. 158, Zuordnung des Sitz-Mantras
Deutsch: Ferner: „Meruprishtha wird als Rishi genannt, Sutala als Versmaß, Kurma als Gottheit. Als Anwendung ist das Niederlassen auf dem Sitz angegeben. Dann halte man den Sitz und spreche:“

S. 158, Bitte an die tragende Erde
Deutsch: „Erde, von dir werden die Welten getragen; Göttin, du selbst wirst von Vishnu getragen. Trage auch mich beständig und mache meinen Sitz rein.“

S. 158, Verehrung des Sitzes
Deutsch: „Nachdem man das Maya-Bija gesprochen hat, nenne man die tragende Shakti und den Lotussitz im Dativ und verehre sie mit Namah als Abschluss. Mit dem eigenen Mantra lasse sich der beste Lehrer auf dem Sitz nieder.“ Der Vers gibt ein Bildungsschema; das Maya-Bija wird nicht ausgeschrieben.

S. 159, Zweck der Sitzreinigung
Deutsch: „[Dies dient] der Beseitigung verschiedener Mängel, etwa dass der Sitz von einem ungeeigneten Handwerker angefertigt wurde.“

S. 159, Bildung des eigenen Mantras
Deutsch: Der eigene Mantra wird im Siddhantasangraha so erklärt: „Man erkenne den Anfangsbuchstaben des eigenen Namens, versehen mit einem halben Mond, als Atma-Mantra …“ Der Ausdruck Somasami bedeutet „Halbmond“. Das Zitat ist bereits im Druck verkürzt; es gibt ein Bildungsschema, keine für alle gleiche ausgeschriebene Formel.

S. 159, Sitz und Puja-Geräte
Deutsch: Im Meru Tantra: „Dann lasse er sich auf dem Sitz auf der Plattform nieder, nach Osten gewandt, im gebundenen Lotussitz, schweigend, mit aufrechtem Körper und beherrschten Sinnen. Der hervorragende Lehrer ordne die Puja-Geräte und stelle rechts beziehungsweise links einen glückverheißenden Krug mit duftendem Wasser zum Händewaschen auf. Nachdem er hinten ein Gefäß aufgestellt hat, entzünde er die glückverheißenden Lampen. Fächer, Spiegel, Schirm und Yakschweifwedel [stelle] der Mantrakundige in den Himmelsrichtungen [auf].“ „Stelle auf“ ist sinngemäß zu ergänzen. Die Angaben „nach Osten gewandt“ und „im gebundenen Lotussitz“ stehen stellvertretend für weitere Möglichkeiten, denn Bhairava sagt: „Nach Norden oder Osten gewandt, im Svastikasana sitzend.“

S. 159, Arghya an die Sonne
Deutsch: Im Nibandha: „Nachdem man vorschriftsgemäß den Sankalpa, die rituelle Absicht, gefasst hat, bringe man der Sonne Arghya dar.“ Das Meru Tantra nennt den Mantra dieser Gabe: „Man spreche die drei angegebenen Bija-Silben, dann die Worte ‚mit Planeten, Tierkreiszeichen und Mondhäusern‘, anschließend ‚auf einem von Yoga und Karana umgebenen Sitz befindlich‘, und: ‚Dem ehrwürdigen Surya – dies ist dein Arghya; Svaha.‘ Dieser Mantra zur Arghya-Gabe an die Sonne zählt vierunddreißig Silben.“ Die Quelle führt die Formel durch eine Anweisung zur Wortfolge vor. Yoga und Karana bezeichnen hier Kalendergrößen.

S. 159, Reinigung der Opfergaben
Deutsch: Dort wird über die Puja-Materialien weiter ausgeführt: „Nachdem der Gesammelte alles an seinen jeweiligen Platz gebracht hat, weihe er Blumen, Speiseopfer, Duftstoffe und die übrigen Gaben mit dem angegebenen Mantra.“

S. 160, Betrachtung der Gaben
Deutsch: „Mit der Naracha-Mudra und dem der Überlieferung gemäßen Blick betrachte er die Gaben. Jede Verunreinigung an Blumen und anderem, die gesehen, mit Worten mitgeteilt oder selbst erkannt wurde – etwa Berührung durch als unberührbar Geltende, unrechtmäßiger Erwerb, Vermischung mit bereits verwendeten Opferresten oder Befall durch Insekten –, all dies werde durch das rituelle Betrachten der Speiseopfer und der übrigen Gaben beseitigt.“ Die Aussage über Unberührbarkeit gehört zur historischen Reinheitsordnung des zitierten Textes.

S. 160, Reinigung der Lampenflamme
Deutsch: „Dann berühre man die Lampenflamme mit dem Mantra Ra. So werde die Lampe glückverheißend, frei vom Charakter eines Fleischverzehrers und Glück spendend. Durch das Verbrennen von Faltern, Insekten, Haaren und anderem sowie durch verwendetes Ghee oder ähnliche Stoffe, die aus Fett, Mark und dergleichen entstanden sind, haftet ihr ein solcher Mangel an. Dieser ganze, aus Unwissenheit entstandene Fehler vergehe durch die Berührung.“ Lesungshinweis: Die Verbindung kravyādisaṃhate ist sprachlich unklar. Die Quelle schreibt ra ohne Nasalzeichen; eine nicht gedruckte Endung wird nicht ergänzt.

S. 160, Wasser und Gefäß
Deutsch: „Während er das angegebene Bija spricht, berühre der Mantrakundige mit dem Deva-Tirtha der Hand das Wasser im Krug, nachdem er es aufmerksam betrachtet hat. Er halte den links stehenden Krug mit der linken Hand und berühre das Wasser, indem er es mit dem auf das Gefäß bezogenen Mantra weiht. Der Gefäß-Mantra besteht aus dem Anfangsbuchstaben seiner Bezeichnung, mit Bindu und Halbmond versehen, dem Gefäßnamen im Dativ und dem Herz-Abschluss. Was hier unwissentlich an Vermischung mit Unreinem eingetreten ist, welcher andere Mangel an Gefäß oder Wasser unwissentlich besteht, was durch Berührung mit dem Gewässer, Flüssigkeiten oder dem Ort des Wassers entstanden ist: Solche Verunreinigungen werden, Geliebte, bei der Götterverehrung beseitigt.“ Lesungshinweis: Das Bija ist im Druck als cau mit Nasalzeichen gelesen; seine Lesung bleibt unsicher. Die Verbindung jalāśayadravasparśāt ist ebenfalls nicht eindeutig. Das Gefäß-Mantra bleibt als Bildungsschema erhalten.

S. 160–161, Verehrung des Gurus
Deutsch: „Dann verneige er sich mit zusammengelegten Händen vor Guru und Ganapati zu seiner linken und rechten Seite und vor seiner erwählten Gottheit vor sich.“ Im Yamala: „Verehrung dem ehrwürdigen Guru, der jenen Zustand gezeigt hat: die Gestalt der ungeteilten Ganzheit, von der alles Bewegliche und Unbewegliche durchdrungen ist.“ Nachdem der Mantrakundige den Guru so verehrt hat, vollziehe er die Reinigung der Hände und die weiteren Handlungen.

S. 161, Reinigung der Hände und Abwehrvers
Deutsch: Die Art der Handreinigung wird im Meru Tantra erklärt: „Der Mantrakundige nehme duftende, mit Sandel bestrichene Blumen und zerreibe sie mit dem angegebenen Mantra und dem Astra-Mantra in den Händen. Dann nehme er die Blume in die linke Hand, führe sie um den Kopf, wiederhole dabei Tara [Om] und rieche erneut an ihr. Mit dem angegebenen Bija und Om vorangestellt spreche er diesen Vers: ‚Alle Gewalttäter, die mir Schaden zufügen, mögen zugrunde gehen. Tod, Krankheit, Furcht und Leiden mögen auf das Haupt des Feindes fallen.‘ Mit dem Astra-Mantra und der Naracha-Mudra werfe er die Blume nach Nordosten.“ Lesungshinweis: Die nasalisierten Mantrasilben vor dem Abwehrvers und bei der Handreinigung sind nicht vollständig sicher. Der Abwehrvers wird als historische Ritualformel übersetzt.

S. 161, Schutz und dreifache Atemübung
Deutsch: „Bei der Handreinigung klatsche er sodann mit dem Astra-Mantra dreimal in die Hände. Der Lehrer vollziehe mit diesem Mantra auch den Verschluss der Richtungen nach oben und unten. Die dadurch erzeugte Kraft bewahre er mit der Feuerwall-Mudra in sich. Mit dem Mula-Mantra vollziehe er dreimal Pranayama.“

S. 161, Definition des Pranayama
Deutsch: Die Bestimmung des Pranayama wird im Sarasamuccaya gegeben: „Prana ist der Wind des Körpers; Ayama ist seine Lenkung und Zurückhaltung. Dies wird Pranayama genannt und in zwei Arten beschrieben: Mit Mantrawiederholung ist er Sagarbha, ‚mit innerem Gehalt‘; nach dem bloßen Zeitmaß ist er Nirgarbha, ‚ohne diesen inneren Gehalt‘.“

S. 161, Kleine Zeiteinheiten
Deutsch: Das Zeitmaß einer Matra beschreibt die Agastya-Samhita: „Wenn eine feine Nadelspitze einen Stapel Lotusblätter durchstößt, heißt die Zeit für jedes einzelne Blatt Lava. Dreißig Lavas bilden eine Truti, ebenso viele Trutis eine Kala. Ebenso viele Kalas bilden eine Kashtha und ebenso viele Kashthas einen Nimesha. Dieser gleicht dem Schnippen der eigenen Finger; achtzehn davon gelten als eine Matra.“ Lesungshinweis: Das letzte Verhältnis ist im gedruckten Satz knapp formuliert; die unmittelbar folgenden Quellen nennen andere anschauliche Maße.

S. 162, Anschauliche Maße der Matra
Deutsch: Im Meru Tantra: „Die Zeit, in der der Mittelfinger mit dem Daumen gedrückt wird, nennen die Kundigen eine Matra; sie führt im Yoga zum gewünschten Ziel. Auch die Zeit, in der die Hand das Knie im Uhrzeigersinn umkreist, bemisst eine Matra, ebenso die Dauer des eigenen Ausatmens.“ Auch in der Agastya-Samhita: „Die Zeit, die eine Kreisbewegung der Hand am linken Knie beansprucht, erkennen die in den Veden bewanderten Weisen als eine Matra.“ Lesungshinweis: Die erste gedruckte Wortverbindung ist beschädigt; die Zuordnung von Mittelfinger und Daumen ist erkennbar.

S. 162, Bedeutung und Anzahl des Pranayama
Deutsch: Dort heißt es weiter: „Jede rituelle Handlung, die ohne Pranayama vollzogen wird, bleibt ohne Zweck. Deshalb sollen diejenigen, die Gutes erstreben, die Atemübungen sorgfältig ausführen.“ Der Plural „Pranayamas“ bezieht sich hier nach dem Auslegungsgrundsatz des Kapinjala-Adhikarana auf die Zahl drei. So heißt es auch: „Man vollziehe drei Pranayamas …“ Das letzte Zitat ist bereits im Druck verkürzt. Die Wirkungsaussage gehört zur angeführten Ritualüberlieferung.

S. 162, Mantras zur Atemübung
Deutsch: Im Kali-Krama: „Der Verständige vollziehe nach der gelehrten Vorschrift drei Pranayamas mit dem Mula-Mantra, mit Pranava oder mit dem Mantra-Bija.“ An anderer Stelle heißt es: „Dann vollziehe der Gesammelte Pranayama mit Vagbhava.“ Vagbhava wird hier nur benannt; die Silbe wird nicht ausgeschrieben.

S. 162, Finger und Atemphasen
Deutsch: Die Fingerregel für Pranayama steht im Jnanarnava: „Das Verschließen der Nasenöffnungen mit kleinem Finger, Ringfinger und Daumen – unter Auslassung von Zeige- und Mittelfinger – gehört zum Pranayama.“ Im Meru: „Dieser ist dreifach: Puraka, das Einatmen, Kumbhaka, das Anhalten, und Rechaka, das Ausatmen.“

S. 162, Beginn der Ausführung
Deutsch: Seine Ausführung wird im Yamala erklärt: „Der Mantrakundige verschließe die rechte Nasenöffnung mit dem rechten Daumen und atme durch Ida, die linke Seite, in sechzehn Matras ein.“

S. 163, Abschluss der ersten Atemrunde
Deutsch: „Dann verschließe man beide Nasenöffnungen mit Daumen und Ringfinger und halte den Atem viermal so lange wie beim Einatmen an. Mit dem Ringfinger halte man die linke Nasenöffnung geschlossen und atme durch die rechte in zweiunddreißig Matras aus. Indem man den Geist im Wurzel-Chakra ruhen lässt, übe man die Lebensatemzüge.“

S. 163, Atemrunde nach der Mahakala-Samhita
Deutsch: Auch in der Mahakala-Samhita: „Mit sechzehn Matras der Wiederholung des Mula-Mantras atme man kräftig durch die linke Nasenöffnung ein. Dann halte man den Atem für vierundsechzig Wiederholungen an und atme, Parvati, bei zweiunddreißig Wiederholungen des Mula-Mantras die gesamte Luft durch die rechte Nasenöffnung aus. Auf diese Weise kommt ein Pranayama zustande. Drei davon sind erforderlich; ihre Verbindung führt zu größerer Frucht.“

S. 163, Zweite Atemrunde
Deutsch: Den zweiten Pranayama beschreibt das Yamala: „Dann atme man durch den Weg ein, auf dem zuvor ausgeatmet wurde, wiederum in sechzehn Matras. Der Mantrakundige halte beide Nasenöffnungen verschlossen und vollziehe Kumbhaka bis zum vierundsechzigsten Maß. Dann atme der Verständige in zweiunddreißig Matras aus.“ „Durch die linke Nasenöffnung“ ist sinngemäß zu ergänzen.

S. 163–164, Dritte Atemrunde und Parallelstelle
Deutsch: Der dritte Pranayama wird ebendort beschrieben: „Man nehme die Luft durch die linke Seite in sechzehn Matras auf. Dann verschließe man beide Nasenöffnungen für die vierfache Dauer des Einatmens. Der Verständige atme rechts in zweiunddreißig Matras aus.“ In einem anderen Tantra: „Man ziehe die Luft durch Ida in sechzehn Matras ein. Dann verschließe man beide Nasenöffnungen für die vierfache Dauer des Einatmens und atme rechts in zweiunddreißig Matras aus.“ Die nahezu gleiche Anweisung steht an dieser Stelle zweimal als Zitat verschiedener Quellen.

S. 164, Wechsel der Atemwege
Deutsch: In einem anderen Tantra: „Der im Yoga Bewanderte ziehe die äußere Luft durch Ida in sechzehn Matras ein. Die in der Mitte der Sushumna befindliche Luft lasse er langsam und gleichmäßig durch die Nadi Pingala in zweiunddreißig Matras ausströmen. Immer wieder vollziehe er dies in umgekehrter Folge.“ „Dies“ bezieht sich auf den vorherigen Pranayama; „umgekehrt“ bedeutet die entgegengesetzte Richtung. So sagt die Sanatkumara-Samhita: „Durch denselben Weg, auf dem man ausatmet, atme man wieder ein.“

S. 164, Bedeutung der Bhutashuddhi
Deutsch: Im Yamala: „Nachdem man so Pranayama vollzogen hat, führe man Bhutashuddhi aus.“ In der Sharada: „Die Reinigung der Elemente, die den Körper bilden, durch ihre Verbindung mit dem unvergänglichen Brahman wird Bhutashuddhi genannt.“ Im Yamala: „Wer ohne Bhutashuddhi und ohne das Einsetzen der Schriftzeichen verehrt, dem bringt dies die entgegengesetzte Frucht – wie eine Verehrung ohne Hingabe.“

S. 164, Vergegenwärtigung der Erde
Deutsch: Die Ausführung der Bhutashuddhi beschreibt das Meru Tantra: „Von den Füßen bis zu den Knien liegt der Bereich der Erde: viereckig, mit dem Vajra versehen, gelb und mit dem La-Bija verbunden; seine Gottheit ist Brahma. Er wird von der Kala namens Nivritti beherrscht und als Ort der Entstehung der Lebewesen bezeichnet. In dieser Gestalt vergegenwärtige man ihn.“

S. 164–165, Vergegenwärtigung des Wassers
Deutsch: „Von den Knien bis zum Nabel liegt der Bereich des Wassers, weiß leuchtend, einem Halbmond mit zwei Hörnern gleich und mit einem Lotus gekennzeichnet. Er wird auch als sechseckig, mit sechs Punkten versehen und mit dem Va-Bija verbunden beschrieben. Man meditiere über ihn als mit der Kala Pratishtha verbunden; seine Gottheit ist Vishnu.“ Die unterschiedlichen geometrischen Kennzeichnungen stehen gemeinsam im Quelltext; ihre Beziehung wird hier nicht durch eine erfundene Zeichnung aufgelöst.

S. 165, Vergegenwärtigung des Feuers
Deutsch: „Vom Nabel bis zum Hals stelle man sich das Feuer-Tattva vor: rot, Rudra als Gottheit, verbunden mit dem Ra-Bija und mit der Kala namens Vidya. Es ist leuchtend, mit dem Svastika-Zeichen versehen und dreieckig. Es ist der Ort der großen Auflösung.“

S. 165, Vergegenwärtigung der Luft
Deutsch: „Vom Hals bis zur Mitte zwischen den Brauen stelle man sich den Bereich der Luft vor: sechseckig, mit sechs Punkten gekennzeichnet, von einem Kreis umgeben und schwarz. Er steht unter der Kala Shanti, hat Shiva als Gottheit und ist mit dem Ya-Bija verbunden. Er ist die Gestalt des Lebensatems aller Wesen.“

S. 165, Vergegenwärtigung des Raumes
Deutsch: „Von der Brauenmitte bis zum Brahmarandhra wird der Bereich des Raumes beschrieben: kreisförmig, rauchfarben und mit einem sehr hohen Banner gekennzeichnet. Er steht unter der Kala namens Shantyatita, hat Shiva als Gottheit und ist mit dem Ha-Bija verbunden. Nachdem man so meditiert hat, setze man die Elemente in den Körper ein.“

S. 165, Vereinigung des Jiva mit dem höchsten Selbst
Deutsch: „Man vergegenwärtige sich den Lotus, der aus der Wurzel des Dharma hervorgegangen und mit dem Stängel der Erkenntnis geschmückt ist. In seiner Mitte befindet sich der Jiva, einer kleinen Lampenflamme gleich. Der Übende verbinde ihn auf dem Weg der Sushumna nach der Yoga-Methode mit dem höchsten Selbst, unter Verwendung des Mantras ‚So’ham‘ – ‚Ich bin Das‘. Alle Elemente stelle er sich dort als aufgelöst vor.“

S. 165, Aufstieg mit der Shakti
Deutsch: In einem anderen Tantra: „Man lege beide Hände mit den Innenflächen nach oben in den Schoß. Mit der Shakti, die im Muladhara weilt, verbinde man den Jiva mit Brahman, indem man die Chakras der Reihe nach durchdringt und mit Hamsa den Brahman-Weg durchschreitet.“

S. 165–166, Aufstieg zum tausendblättrigen Lotus
Deutsch: In der Mahakala-Samhita: „Man führe das Selbst in Gestalt einer leuchtenden Lampenflamme aus dem Herzlotus auf dem Weg der Sushumna mit dem Brahma-Bija-Mantra zum Kopf und vereinige es dort mit dem höchsten Selbst in der Mitte des tausendblättrigen Lotus.“

S. 166, Auflösung sämtlicher Tattvas
Deutsch: Im Siddhantasangraha: „Dann löse man sämtliche Tattvas dort auf: die Erde im Wasser, dieses im Feuer, das Feuer in der Luft und die Luft im Raum. Den Raum löse man in Prakriti auf und diese Maya-Shakti, deren Wesen das höchste Brahman ist, im höchsten Selbst. Nachdem man so die gesamte Entfaltung von Körper und allem Übrigen im höchsten Selbst aufgelöst hat, verweile man für eine kurze Zeit in der Gestalt des höchsten Brahman.“

S. 166, Gestalt des Papa-Purusha
Deutsch: Im Meru Tantra: „Im linken Bauchraum des Körpers stelle man sich den Papa-Purusha, die Personifikation der Verfehlungen, vor: schwarz wie Ruß, mit der Tötung eines Brahmanen als Kopf, Golddiebstahl als beiden Armen, dem Trinken berauschenden Getränks als Herz und dem Beischlaf mit der Frau des Gurus als Hüftpartie. Der Umgang mit den Tätern solcher Handlungen bildet seine beiden Füße. Seine großen und kleinen Glieder sind Verfehlungen, seine Haare die geringeren Vergehen. Bart und Augen sind rot. Er trägt Schwert und Schild, ist grausam, daumengroß, mit gesenktem Gesicht, äußerst furchterregend, rau und unheilvoll.“

S. 166–167, Trocknung und Wiederbelebung durch Nektar
Deutsch: In der Mahakala-Samhita: „Nachdem man durch die linke Nasenöffnung eingeatmet hat, vergegenwärtige man sich das rauchfarbene Luft-Bija mit Bindu und spreche dieses Bija fünfzigmal, Herrin der Götter. Man stelle sich vor, dass der daraus entstandene Wind den Körper austrocknet, und atme zugleich aus. Dann führe man die Luft durch die linke Nasenöffnung empor und vergegenwärtige sich das höchste Selbst in der Mitte des tausendblättrigen Lotus als Mond, Schönangesichtige. Während man das Luft-Bija mit Anusvara fünfzigmal spricht, überflute man den Körper mit dem Nektarregen dieses Mondes, Schöne. Mit dem Erd-Bija samt Nada füge man den reinen Körper zusammen. Die fünf zuvor aufgelösten Elemente setze man wieder an ihren jeweiligen Ort. Während man erneut das Brahma-Bija wiederholt, ziehe man den Jivatman zusammen mit den Tattvas Ahamkara und den übrigen aus dem höchsten Selbst herab und setze ihn in den Herzlotus. Dann stelle man sich selbst einen Augenblick lang als die Göttin vor.“ Hier werden Einatmen und die weiteren Phasen mit fünfzig Wiederholungen des Luft-Bijas und der anderen Bijas beschrieben. Die erneute Nennung des Luft-Bijas bei der Nektarvorstellung steht so im Druck und wird nicht in ein anderes Bija geändert.

S. 167, Abweichende Zählung im Yamala
Deutsch: Im Yamala und anderen Schriften dagegen: „Im Nabelbereich stelle man sich die Silbe Ya als rauchfarbene Luft vor. Mit ihr reinige man in sechzehn Matras den feinstofflichen Körper, dessen Wesen das Karma ist. Nachdem man für vierundsechzig Maße den Atem angehalten hat, vollziehe man damit rechts das Ausatmen in zweiunddreißig Matras.“ Hier werden Einatmen und die weiteren Phasen mit sechzehn und den folgenden Zahlen von Matras beschrieben. Es ist somit eine alternative Zählung anzuerkennen.

S. 167–168, Der aus Licht erneuerte Körper
Deutsch: Im Siddhantasangraha: „Man lasse aus dem höchsten Selbst den reinen Körper erneut entstehen. Vidya, deren Wesen das höchste Brahman ist, ist Prakriti, die höchste Mutterkraft. Aus der Mutter der Welt entstand der Raum, aus dem Raum die Luft, aus der Luft das Feuer, aus dem Feuer das Wasser und daraus die Erde. Man vergegenwärtige sich: Aus diesen Elementen ist mein eigener Körper als Lichtgestalt entstanden, geeignet zur Verehrung der Gottheit. Dies wird Bhutashuddhi genannt, die große Ansammlungen von Verfehlungen vernichtet.“

S. 168, Verkürzte Bhutashuddhi
Deutsch: Eine kurze Ausführung beschreibt das Uddisha: „Oder man vereinige die Göttin Kundali zusammen mit den fünf Elementen und allem Übrigen mit dem höchsten Selbst. Man vergegenwärtige sich ihre Einheit und meditiere im Geist durch Dhyana-Yoga: ‚So’ham, So’ham – Ich bin Das, ich bin Das.‘“ Bei einer besonderen Shakti-Praxis heißt es dagegen, man solle das Bija Hamsa und die weiteren Bestandteile mit dem höchsten Shiva verbinden und mit dem Mantra So’ham an den eigenen Ort zurückführen.

S. 168, Wiedereinsetzung des Lebens
Deutsch: Im Meru: „Nachdem man so Bhutashuddhi vollzogen hat, setze man den Lebensatem ein.“ Im Jnanarnava: „Anschließend setze man durch Prana-Pratishtha den Jiva wieder in den Körper ein. Nachdem man Mukhavritta ausgesprochen hat, bilde man Hamsa in umgekehrter Folge, höchste Herrin. Diese Vidya besteht aus drei Silben. Dieser Mantra der Einsetzung des Lebens bringt alle rituellen Handlungen zur Vollendung.“ Mukhavritta und die Umkehrung werden als verschlüsselte Bildungsangaben überliefert; eine ausgeschriebene Formel wird daraus hier nicht ergänzt.

S. 168, Bedeutung des Matrika-Nyasa
Deutsch: Im Meru Tantra: „Nachdem man drei Pranayamas vollzogen hat, führe man Matrika-Nyasa aus.“ Im Phetkarini-Tantra: „Ohne das Einsetzen der Schriftzeichen werden die Mantras stumm. Deshalb setze man zuerst die Schriftzeichen ein, damit alle Mantras ihre Wirksamkeit entfalten.“

S. 168, Beginn des inneren Matrika-Nyasa
Deutsch: Zuerst kommt der innere Matrika-Nyasa. Im Meru Tantra: „Nun werde ich dir den reinigenden inneren Matrika-Nyasa lehren. Haben Yogis ihn vollzogen, wendet sich ihr Geist nicht der Verfehlung zu. Durch das Hören des Klanges im Muladhara erwacht die Shakti Kundali, fein, von der Natur des Lichtes und dem lodernden Feuer gleich. Blitzgestaltig reicht sie vom Muladhara bis zum Lotus des Kopfes. Aus diesem von ihr berührten Kopflotus [strömt etwas] in Gestalt einer Flut von Nektar …“ Der Satz setzt sich auf der nächsten Seite fort.

S. 169, Einsetzen der hervorgegangenen Buchstaben
Deutsch: „Die [aus dem Kopflotus] hervorgegangenen Matrika-Buchstaben führe man auf dem Weg der Sushumna in den Körper. Nachdem man sie dort vergegenwärtigt hat, setze man sie in der folgenden Weise ein.“

S. 169, Vokale im Vishuddhi-Chakra
Deutsch: „Am Hals liegt der sechzehnblättrige Lotus namens Vishuddhi-Chakra, dessen Öffnung nach oben weist. Beginnend mit dem östlichen Blütenblatt befinden sich dort die sechzehn Vokale. Nachdem man dies so betrachtet hat, spreche man den jeweiligen Vokal mit Tara am Anfang, mit Bindu versehen und mit Namah am Ende. Dieselbe Methode gilt auch für alle folgenden Buchstaben.“

S. 169, Anahata und Manipura
Deutsch: „Im Herzen meditiere man über das zwölfblättrige Anahata-Chakra. Auf den Blütenblättern, vom östlichen ausgehend, setze man wie zuvor die mit Ka beginnende Buchstabenreihe ein. Dann vergegenwärtige man sich im Nabelbereich das zehnblättrige Manipura-Chakra und darin auf dieselbe Weise die Buchstaben von Da [dem retroflexen Laut] an.“

S. 169, Svadhishthana und Muladhara
Deutsch: „Das Chakra an der Wurzel des Geschlechtsorgans heißt Svadhishthana und besitzt sechs Blütenblätter. Man vergegenwärtige sich darin wie zuvor die sechs Buchstaben von Ba bis La. Das Muladhara genannte Chakra hat die Gestalt eines vierblättrigen Lotus. Darin betrachte man Va, Sha, das retroflexe Sha und Sa, jeweils nasalisiert, auf den im Text als östlich, nordöstlich und weiter bezeichneten Blütenblättern.“ Lesungshinweis: Die Richtungsangabe pūrveśādi ist knapp und lässt die genaue Anordnung nicht eindeutig erkennen.

S. 169, Ajna und Ausführung des inneren Nyasa
Deutsch: „Das Ajna genannte Chakra liegt zwischen den Brauen und gleicht einem zweiblättrigen Lotus. Man meditiere darin über die nasalisierten Laute Ha und Ksha. Dieser Nyasa soll allein im Geist vollzogen werden. Am eigenen Körper wird er mit dem Ringfinger ausgeführt, an Götterbildern mit einer Blume. Da er anfangslos ist, hat er keine Zuordnung von Rishi und den übrigen Größen; seine Meditation ist wie die über Brahman.“ Die Aussagen über rein geistige Ausführung und Berührung stehen nacheinander im Quelltext; ihre Reichweite wird dort nicht näher abgegrenzt.

S. 169, Zuordnungen des äußeren Matrika-Nyasa
Deutsch: Nun folgt der äußere Matrika-Nyasa. In der Sharada: „Als Rishi wird Brahma angegeben, als Versmaß Gayatri und als Gottheit Sarasvati von den hervorragenden Lehrern. Die Lehrer sollen der Reihe nach die sechs Glieder mit den sechs Buchstabengruppen versehen, verbunden mit den zugehörigen Lautklassen und kurzen beziehungsweise langen Endvokalen unter Auslassung der als geschlechtslos bezeichneten.“ Lesungshinweis: Die verdichtete Lautbildungsanweisung des zweiten Verses ist nicht vollständig eindeutig; daraus werden hier keine sechs neuen Formeln gebildet.

S. 170, Sarasvati als Matrika
Deutsch: Im Meru Tantra: „Nun lehre ich den äußeren Nyasa. Im zuvor beschriebenen Brahmarandhra meditiere man im Lotus der Buchstaben über Sarasvati, die Matrika genannt wird.“ Ihre Meditation lautet dort: „Ich verehre Bharati, deren Gesicht, Arme, Füße, Bauch und Brust aus den fünfzig verschiedenen Buchstaben gebildet sind. In ihrem leuchtenden Haarknoten trägt sie die Mondsichel; sie ist weiß wie Mond und Kunda-Blüte. Ihre Hände sind mit Gebetskette, Krug und den weiteren genannten Zeichen versehen. Sie hat drei Augen, sitzt auf einem Lotus, trägt strahlenden Schmuck und besitzt die Fülle von Brüsten und Hüften.“ Lesungshinweis: Die Handattribute im Kompositum cintālikhitakaratalā sind nicht sicher zu deuten; die unklare Angabe wird nicht durch eine aus anderen Darstellungen übernommene Attributliste ersetzt.

S. 170, Äußere Einsetzung der Buchstaben
Deutsch: „Man setze die Vokale ein an Stirn, Gesichtsumkreis, Augen, Ohren, Nase, beiden Wangen, Lippen, Zahnreihen, Scheitel und Mund. Der Verständige setze die Ka- und Cha-Gruppen an den Gelenken beider Arme bis zu den Fingerspitzen ein, die retroflexe Ta- und die dentale Ta-Gruppe entsprechend an den Beinen. Die Pa-Gruppe setze er an den Seiten, am Rücken, am Nabel und am Bauch ein; die vier mit Ya beginnenden Buchstaben an Herz, Schultern und Nacken. Dann setze er die sechs mit Sha beginnenden Buchstaben vom Herzen aus an Händen, Füßen, Bauch und Gesicht ein. Dieser Nyasa ergänzt eine Rezitation, in der ein einzelner Buchstabe oder ein Lautmaß fehlt.“

S. 170, Schöpfung und Auflösung im Nyasa
Deutsch: In der Sharada: „Bei der Schöpfungsfolge setze man die Buchstaben mit Visarga ein und meditiere vorschriftsgemäß auf diese Weise. Bei der Auflösungsfolge setze man sie in umgekehrter Richtung mit Bindu ein.“ Im Meru Tantra: „Wird der Nyasa von Ksha ausgehend bis zum A durchgeführt, heißt er Samhara-Nyasa, Nyasa der Auflösung; er wird auch Bindu-Nyasa genannt.“

S. 170–171, Meditation zur Auflösungsfolge
Deutsch: Die Meditation für die Auflösungsfolge lautet: „Verneigt euch vor der Herrin der Buchstaben, die in ihren Händen stets Gebetskette, junges Reh, emporgehobene Axt und Vidya [das Buch der Erkenntnis] trägt; dreiaugig, mit dem Halbmond auf dem Haupt, rötlich, auf einem Lotus sitzend und unter der Fülle ihrer Brüste leicht geneigt.“

S. 171, Erhaltungsfolge und ihre Meditation
Deutsch: In der Sharada: „Bei der Erhaltungsfolge setze man die mit Da [retroflex] beginnenden Buchstaben mit Visarga und Bindu am Ende ein. Der Kundige verwende die zuvor genannten Zuordnungen von Rishi und den übrigen Größen samt den sechs Gliedern.“ Im Meru: „Bei der Erhaltung setze man die Buchstaben von Da bis Tha [jeweils retroflex] mit Bindu und Visarga ein. Rishi und die übrigen Zuordnungen sowie die sechs Glieder sind wie zuvor. Die Meditation wird nun beschrieben: Man meditiere über den zinnoberrot Glänzenden, mit unermesslichem Schmuck, drei Augen, Buch, Gebetskette, jungem Reh und der Geste der Segensgewährung. Ebenso über die Göttin an seiner Seite, goldglänzend, mit Buch und Buchstabenkette in ihren Lotushänden.“ Die männliche Gottheit wird in diesem Vers nicht eigens benannt.

S. 171, Reihenfolge nach Lebensstand
Deutsch: „Brahmacharins sollen die Nyasas in der Folge Erhaltung, Auflösung, Schöpfung durchführen. Der Haushälter vollziehe sie in der Reihenfolge Auflösung, Schöpfung, Erhaltung. Waldeinsiedler und Entsagte sollen die Folge Schöpfung, Erhaltung, Auflösung anwenden.“ Damit ist der Erhaltungs-Nyasa ausführlich beschrieben.

S. 171, Kala-Matrika-Nyasa und seine Zuordnungen
Deutsch: Nun folgt ebendort der Kala-Matrika-Nyasa: „Ich werde den Nyasa der Kala-Matrika lehren. Sein Rishi ist Prajapati, sein Versmaß Gayatri und seine Gottheit Sarasvati, die Matrika genannt wird. Seine Anwendung dient der gewünschten Erfüllung. Die sechs Glieder soll man mit Tara-Lauten bilden, in denen kurze und lange Laute enthalten sind.“

S. 171–172, Meditation über die fünfgesichtige Sharada
Deutsch: Die Meditation lautet: „Ich verehre Sharada, die in ihren Händen Lotus, Rad, Schlinge, Reh, Buch, Buchstabenkette, Axt, eine helle Schädelschale und einen goldenen, von Nektar glänzenden Krug trägt. Ihre fünf dreiaugigen Gesichter sind schön wie Perle, Blitz, Regenwolke, Bergkristall und Hibiskus. Unter der Fülle ihrer Brüste leicht geneigt, gleicht sie dem Vollmond.“ Lesungshinweis: Die Verbindung um dadhad ist grammatisch gestört; die erkennbaren Gegenstände werden wiedergegeben, ohne eine weitere Hand oder ein zusätzliches Attribut zu ergänzen.

S. 172, Bildung der Kala-Formeln
Deutsch: „Nachdem man so meditiert hat, setze man die mit A beginnende Matrika ein, mit Tara vorangestellt und Bindu versehen, gefolgt vom Namen der Kala im Dativ und verbunden mit Namah. Dies geschehe an den zuvor genannten Nyasa-Stellen der reinen Buchstaben.“ Durch die Anweisung „mit Tara vorangestellt“ und die folgenden Angaben ergeben sich Formeln wie: „Om, [nasalisiertes A], Verehrung der Nivritti.“

S. 172, Namen der fünfzig Kalas
Deutsch: Die Namen der Kalas werden genannt: „Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti, Indhika; Dipita, Rechika, Mochika und Para; Sukshma, Sukshmamrita, Jnanamrita und Apyayani; Vyapini, Vyomarupa, Ananta, Srishti und Samriddhika; Smriti, Medha, Kanti, Lakshmi, Dyuti, Sthira, Sthiti; Siddhi, Jaya, Palini, Shanti, Ishvarika, Rati; Kamika, Varada, Hladini und Priti; Dirgha, Tikshna, Raudri, Bhaya, Nidra und Tandrika; Kshudha, Krodhini, Kriya, Utkari und Mrityu; Pita, Shveta, Aruna, Asita und Ananta. So ist die Kala-Matrika beschrieben. Man setze sie an den mit A beginnenden Stellen ein.“ Lesungshinweis: Die Verbindung kriyotkārī wird als die beiden Namen Kriya und Utkari wiedergegeben. Wiederkehrende Namen bleiben erhalten.

S. 172, Ursprung der Vokal-Kalas
Deutsch: Der Ursprung der Kalas wird erklärt: „Die aus den Vokalen hervorgehenden Kalas stammen von Sadashiva, dessen Wesen Nada ist. In ihren Händen tragen sie Gebetskette, Buch, Schlinge und Schädelschale. Sie sind weiß leuchtend und mit weißem Schmuck geziert.“

S. 172, Ursprung der Ka- und Cha-Kalas
Deutsch: „Aus dem A, aus Brahma, sind die zehn Kalas der Ka- und Cha-Gruppe hervorgegangen. Sie sind gelb und [tragen] Gebetskette, Lotus, die Geste der Furchtlosigkeit und Wassergefäß …“ Die Beschreibung setzt sich auf der nächsten Seite fort.

S. 173, Gestalt und Herkunft weiterer Kalas
Deutsch: „[Die zehn Ka- und Cha-Kalas] sind mit diesen Gegenständen in ihren Händen zu meditieren, mit gelber Duftsalbe bestrichen. Aus dem U, aus Vishnu, sind die zehn Kalas der retroflexen und dentalen Ta-Gruppe hervorgegangen. Sie sind dunkel und tragen die Geste der Furchtlosigkeit, Muschelhorn, Rad und die Geste der Segensgewährung. Aus dem Ma, aus Rudra, sind die neun Kalas der Pa- und Ya-Gruppen entstanden. Die Übenden sollen sie dem Herbstmond gleich meditieren, mit Furchtlosigkeitsgeste, Dreizack, Schädelschale und Segensgeste in ihren Händen. Die fünf mit Sha beginnenden Kalas sind aus Ishvara, aus dem Mondzeichen hervorgegangen. Beim Kala-Nyasa meditiere man über sie als rot, mit Furchtlosigkeitsgeste, Reh, Axt und Segensgeste in ihren zarten Händen.“

S. 173, Zuordnungen des Keshava-Matrika-Nyasa
Deutsch: Nun wird ebendort der Keshava-Matrika-Nyasa beschrieben: „Sein Rishi ist Sadhya-Narayana, sein Versmaß die mit Amrita bezeichnete Gayatri und seine Gottheit Lakshmi-Hari. Die sechs Glieder vollziehe man mit den jeweils zweimal gesprochenen Bijas Shakti, Shri und Kama.“ Mit Shakti ist hier Lajja gemeint. Die Bijas werden an dieser Stelle nur benannt.

S. 173, Meditation über Lakshmi-Hari
Deutsch: Die Meditation lautet: „Ich verehre Lakshmi-Hari, wolken- und blitzfarben, mit Muschelhorn, Rad, Keule, Lotus, Krug, Spiegel, Wasserlotus und Buch.“ Die Shaktis sitzen jeweils auf dem Schoß ihrer zugehörigen Gottheiten und haben lächelnde Gesichter.

S. 173, Paarweise Namensbildung
Deutsch: „Nach dieser Meditation setze man den Buchstaben ein, umschlossen von Shakti, Shri und Kama. Keshava und die weiteren Gottheiten mit ihren Shaktis sind mit Tara beginnend und dem Herz-Abschluss endend zu sprechen, die Namen mit der Endung des Dativs zu zweit und mit Namah. Man setze sie an den mit A beginnenden Stellen ein.“ Die im Vers gebrauchte Form bhyāntā ist als tantrischer Sprachgebrauch zulässig. Dies ist die kurze Ausführung. In der Agastya-Samhita und anderen Schriften werden dagegen beide Namen getrennt im Dativ Singular gesprochen, etwa: „Dem Keshava und der Kirti“, bei der Vaishnava-Ausführung. Lesungshinweis: Die letzte Quellen- beziehungsweise Verfahrensbezeichnung vaiṣṇavaikalpe ist unsicher.

S. 173–174, Weitere Bildungsvorschriften
Deutsch: Im Meru Tantra: „Nachdem man Tara, Maya, Rama und Kama gesprochen hat, spreche man die Buchstaben, sodann die beiden Gottheiten mit der Dativ-Dualendung und nochmals die drei Bijas von Shakti an. Mit dem Herz-Abschluss setze man sie an Stirn und den übrigen Stellen ein.“ An manchen Stellen ist die Wiederholung der Bijas nach den Gottheitsnamen nicht vorgeschrieben. In der als Vaishnavaika bezeichneten Quelle heißt es: „Diese [Matrika] kann mit Tara, mit Manmatha oder mit Rama beginnen.“ Damit werden Pranava und die anderen Anfänge als Alternativen genannt. Lesungshinweis: Die Quellenbezeichnung vaiṣṇavaikasaṃjñe ist nicht sicher aufzulösen.

S. 174, Unterscheidung der Überlieferungen
Deutsch: In der Sharada: „Der Vaishnava setze die mit Smara beginnende Matrika ein, verbunden mit Keshava und den übrigen Namen und mit Namah; bei Ya und den folgenden Buchstaben verbunden mit Körperstoffen, Lebensatem, Shakti und Selbst.“ Hier wird allein das Kama-Bija verwendet. Die Kala-Matrika gehört zu den Shaktas, dieses Verfahren zu den Verehrern Vishnus. Lesungshinweis: Der gedruckte Satz ist grammatisch verkürzt; die Zuordnung der Körperstoffe wird im folgenden Beispiel erläutert.

S. 174, Keshava und die ersten sechzehn Paare
Deutsch: Die Namen von Keshava an werden genannt: „Keshava ist mit Kirti verbunden; Narayana mit Kanti; Madhava mit Tushti; Govinda mit Pushti; Vishnu mit Dhriti; Madhusudana mit Shanti; Trivikrama mit Kriya; Vamana mit Daya; Shridhara mit Medha; Hrishikesha mit Harsha; Padmanabha mit Shraddha; Damodara mit Lajja; Vasudeva mit Lakshmi; Sankarshana mit Sarasvati; Pradyumna mit Priti; Aniruddha mit Rati.“

S. 174, Waffenführende Formen Vishnus
Deutsch: „Der Radträger Chakri ist mit Jaya verbunden; der Keulenträger Gadi mit Durga; der Bogenträger Sharngi mit Prabha; der Schwertträger Khadgi mit Satya; der Muschelhornträger Shankhi mit Chanda; der Pflugträger Hali mit Vani; der Stößelträger Maushali mit Vilashini; der Speerträger Shuli mit Jaya; der Schlingenträger Pashi mit Viraja; der Elefantenstachelträger Ankushi mit Vishva; Mukunda mit Vinada.“ Lesartenhinweis: Für Shulis Shakti nennt die Druckfußnote auch Vijaya. Vilashini und Vinada bleiben in der Form der Hauptlesung erhalten.

S. 175, Weitere Vishnu-Shakti-Paare
Deutsch: „Nandaja ist mit Sudaya verbunden, Nandi mit Smaya; Nara mit Riddhi; Narakajit mit Samriddhi; Hari mit Shuddhi; Krishna mit Buddhi; Satya mit Bhuti; Shashvata mit Mati. Shauri und Kshama bilden ein Paar; ebenso Shura und Uma sowie Janardana und Uma. Bhudhara ist mit Hledini verbunden, Vishvamurti mit Klinna; Vaikuntha mit Vasudha; Purushottama mit Vasuda; Bali mit Para; Balanuja mit Parayana; Bala mit Sukshma; Vrishaghna mit Sandhya; Vrisha mit Prajna; Hamsa mit Prabha; Varaha mit Nisha; Vimala mit Medha und Nrisimha mit Vidyut. Damit ist die mit Keshava beginnende Matrika beschrieben. Die Verbindung bei Ya und den folgenden Buchstaben ist wie zuvor.“ Lesartenhinweis: Die gedruckte Verbindung um Shauri, Shura und Uma ist gestört; ihre Aufteilung bleibt unsicher. Die Fußnoten nennen Sunanda für Sudaya, die Zuordnung Krishna–Bhukti und Satya–Buddhi, Satvata für Shashvata, Shura–Rama sowie Amogha für Medha. Diese Varianten werden nicht still in die Hauptlesung übernommen.

S. 175, Zwei Beispiele des Keshava-Nyasa
Deutsch: Die Anwendung lautet beispielsweise: „Om; die drei genannten Bijas; der nasalisierte A-Laut; Verehrung Keshava und Kirti“, mit erneuter Bija-Folge vor Namah. Die Verbindung bei Ya wird so erläutert: „Om; die drei Bijas; der nasalisierte Ya-Laut; Verehrung Vasuda und Purushottama, deren Wesen die Haut ist“, wiederum mit der Bija-Folge vor Namah. Damit ist gemeint, dass bei Ya und den folgenden Buchstaben jeweils Haut und die weiteren Körperbestandteile hinzugefügt werden. Die vollständigen Formeln stehen in den Sanskritausgaben und im Mantra-Abschnitt.

S. 175, Zuordnungen des Shrikantha-Nyasa
Deutsch: Nun folgt ebendort der Shrikantha-Matrika-Nyasa: „Jetzt werde ich die mit Shrikantha beginnenden Matrikas lehren, die den Shaivas förderlich sind. Der Rishi ist Dakshinamurti, das Versmaß Gayatri; die Gottheit ist Hara, dessen eine Hälfte die Tochter des Berges ist. Die Anwendung dient allen Siddhis. Die Konsonanten sind die Bijas und gehören zum verborgenen Körperbereich; die Vokale als Shaktis gehören zu den Füßen. Wie zuvor verbinde man die Buchstaben mit kurzen und langen Lauten und mit der Hs-Lautverbindung samt den sechs langen Vokalen. Nachdem die sechs Glieder so gebildet sind, setze man sie in den Körper ein.“ Lesungshinweis: Die Lautbildungsanweisung ist verdichtet und teilweise unsicher; das folgende Beispiel wird als solches erhalten.

S. 176, Beispiel zur Lautbildung
Deutsch: „Mit kurzen und langen Lauten“ bedeutet, dass man die sechs Glieder mit der im Beispiel angegebenen Folge von nasalisierten Buchstaben und dem abschließenden Hsa-Laut bildet. Lesungshinweis: Die genaue Nasalierung der letzten Silbe vor dem Zitatsandhi ist unsicher; eine vollständige Reihe weiterer Formeln wird nicht ergänzt.

S. 176, Meditation über die Einheit von Shiva und Ambika
Deutsch: Die Meditation lautet: „Beständig nehmen wir Zuflucht zu der Gestalt des Herrn, deren eine Hälfte Ambika ist: leuchtend wie Bandhuka-Blüte und Gold, mit schöner Gebetskette, Schlinge, Elefantenstachel und Segensgeste in den Armen, geschmückt mit der Mondsichel und mit drei Augen.“

S. 176, Namen und Körperbestandteile im Shiva-Nyasa
Deutsch: „Man spreche Hsaum und den Matrika-Buchstaben, füge dem Gottheitsnamen Isha hinzu und setze sowohl ihn als auch seine Shakti in den Dativ, mit Namah am Ende, an der jeweiligen Matrika-Stelle. Bei den zehn Buchstaben von Ya an nenne man Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark, Samen, Lebensatem, Shakti und Zorn, jeweils mit Atman verbunden und im Dativ.“ Das erste Beispiel bedeutet: „Verehrung Shrikanthesha und Purnodari“, mit den angegebenen Anfangssilben. Das Haut-Beispiel bedeutet: „Verehrung Valisha, dessen Wesen die Haut ist, und Sumukhi“, ebenfalls mit den Anfangssilben. Auf diese Weise sind bei den zehn Buchstaben von Ya an die Körperbestandteile hinzuzufügen. Lesungshinweis: Die Anfangssilbe Hsaum ist nach dem Druck wiedergegeben; ihre genaue graphische Form bleibt prüfbedürftig. Die Druckfußnote überliefert andere Einrahmungen der Beispiele, unter anderem mit Hrī, Ha und Hsaum; sie werden hier nicht mit dem Haupttext vermischt.

S. 176, Erste Shiva-Shakti-Paare
Deutsch: Die Shiva-Shakti-Namen werden genannt: „Shrikantha und Purnodari; Ananta mit Viraja; Sukshmesha mit Shalmali; Trimurtika mit Lolakshi; Amaresha mit Vartulakshi; Ardhisha mit Dirghaghona; Bharamurti mit Dirghamukhi; Tithisha mit Gomukhi; Sthanvisha mit Dirghajihva; Hara mit Kundodara; Bhintisha mit Urdhvakeshi; Bhautika mit Vikritasya; Sadyojata mit Jvalamukhi; Anugraha mit Ulkamukhi; Akrura mit Shrimukhi; Mahasena mit Vidyamukhi.“ Lesartenhinweis: Die Fußnote nennt Bharabhuti statt Bharamurti und warnt bei Anugraha–Ulkamukhi vor einer fehlerhaften Worttrennung. Bhintisha und einzelne Namensformen sind unsicher gelesen.

S. 177, Weitere Shiva-Shakti-Paare
Deutsch: „Krodhisha mit Mahakali; Chandesha mit Sarasvati; Panchantaka mit Sarvasiddhi; [die nächste männliche Zuordnung fehlt im gedruckten Satz] mit Gauri. Shivottamesha ist mit Trailokyavidya einzusetzen; Ekarudra mit Mantrashakti; Kurmesha mit Ashtashakti; Ekanetra mit Bhutimatra; Chaturanana mit Lambodari; Ajesha mit Dravini; Sarvesha mit Nagari; Somesha mit Khechari; Langalisha mit Manjari; Darukesha mit Rupini; Ardhanarisha mit Virini; Umakanta mit Kakodari; Ashadhi mit Putana; Dandisha mit Bhadrakali; Adrisha mit Yogini; Minesha mit Shankhini; Meshesha mit Tarjani; Lohita mit Kalaratri; Shikhisha mit Kurdini; Chagalanda mit Kapardini; Dvirandesha mit Vajra; Mahakala mit Jaya; Valisha mit Sumukhi; Bhujanga mit Revati; Pinaki mit Madhavi; Khadgisha mit Varuni; Vakesha mit Vayavi; Shveta mit Rakshovadharini; Bhrigu mit Sahaja; Nakulisha mit Lakshmi; Shivesha mit Vyapini; Samvartaka mit Mahamaya. Dies sind die Matrikas.“ Lesartenhinweis: Die Fußnoten berichtigen Shivottamesha zu zwei Namen, Shiva und Uttamesha; dadurch ist auch die Lücke bei Gauri erklärbar, doch der Haupttext wird nicht still umgestellt. Weitere Fußnotenlesarten sind Atmashakti, Gatrisha, Garjini und Kunjini statt Ashtashakti, Adrisha, Tarjani und Kurdini. Einzelne seltene Eigennamen bleiben lokal unsicher.

S. 178, Isha-Endung und gemeinsame Gestalt
Deutsch: „Bei den mit Shrikantha beginnenden Namen, die bereits auf Isha enden, füge man Isha nicht noch einmal an.“ Das bedeutet: Wo Isha schon am Ende steht, wird es nicht wiederholt. Damit ist zugleich gesagt, dass die Ergänzung Isha bei Shrikantha und den übrigen Namen erforderlich ist. Weiter heißt es: „Alle Rudras gelten als rot, mit Dreizack und Schädelschale. Die Shaktis sitzen auf den Rudra-Sitzen; ihre Körper sind zinnoberrot, ihre Lotushände mit rotem Wasserlotus und Schädelschale geschmückt.“

S. 178, Bhuvaneshvari-Matrika-Nyasa
Deutsch: Nun wird ebendort der Bhuvaneshvari-Matrika-Nyasa gelehrt: „Ihr Götter, wer die Mahavidya als erwählte Gottheit verehrt, ist zu dem Matrika-Nyasa berechtigt, dem das Bhuvaneshi-Bija vorangestellt ist. Der Rishi ist Shakti, das Versmaß Gayatri, die Gottheit Bhuvaneshi in Gestalt der Matrika. Die Anwendung dient der Verwirklichung des eigenen erwünschten Ziels. Die sechs Glieder werden wie zuvor mit den sechs Buchstabengruppen und kurzen und langen Lauten sowie der Hr-Verbindung mit langen Vokalen gebildet; ebenso verfahre man von den Daumen an.“ Mit Hr sind Ha und Ra, verbunden mit den sechs langen Vokalen von A an, gemeint. Das Beispiel endet nach der angegebenen Lautfolge mit: „Dem Herzen Verehrung.“ Lesungshinweis: Die genaue Bija-Schreibung im gedruckten Beispiel bleibt unsicher; die Bildungsanweisung wird nicht als bereits gesicherte Rezitationsformel ausgegeben.

S. 178, Meditation über die Herrin der Welt
Deutsch: Die Meditation lautet: „Möge die dreiaugige Herrin der Welt uns Glück schenken: auf einem Lotus sitzend, leuchtend wie Millionen aufgehender Sonnen, mit hohen, vollen Brüsten, geschmückt mit einer Krone samt Halbmond, Halskette, Hüftgürtel und Fußreifen. In ihren Lotushänden trägt sie Gebetskette, Schlinge, Elefantenstachel und Buch.“ Indem man das Lajja-Bija voranstellt, vollzieht man den Matrika-Nyasa; dies gilt auch bei der Ausführung des Bhuvaneshi-Matrika-Nyasa. Lesungshinweis: Die abschließende Verfahrensangabe ist im Druck syntaktisch verkürzt.

S. 178, Beginn des Lakshmi-Matrika-Nyasa
Deutsch: Nun folgt ebendort der Lakshmi-Matrika-Nyasa: „Haushälter, die Lakshmi ersehnen, sollen ihn mit dem Shri-Bija vorangestellt vollziehen.“

S. 179, Zuordnungen des Lakshmi-Nyasa
Deutsch: „Der Rishi ist Bhrigu, das Versmaß Gayatri und die Gottheit Lakshmi in der Gestalt der Mutter. Anstelle von Ha und Ra verwende man Sha und Ra. Für den Nyasa bilde man so die sechs Glieder und das Weitere; dem übrigen Ablauf wird das Shri-Bija vorangestellt.“ Das bedeutet: An die Stelle der bei der Bhuvaneshi-Matrika genannten Laute Ha und Ra treten Sha und Ra. So ergibt sich etwa Shra anstelle von Hra, jeweils mit der entsprechenden Vokalbildung. Die Quelle erläutert die Ersetzung am zitierten Laut; die hier nicht eindeutig ausgeschriebenen Nasalierungen werden nicht ergänzt.

S. 179, Meditation über Lakshmi
Deutsch: Die Meditation lautet: „Man meditiere über die Herrin der Welt, leuchtend wie eine Kette von Blitzen. Vier Elefanten, die dem Schneegebirge gleichen, übergießen sie aus Nektarkrügen, die sie mit ihren Rüsseln emporheben. In ihren Lotushänden trägt sie Gebetskette, zwei Lotusse und Buch. Sie strahlt von leuchtenden Edelsteinen und ist unter der Fülle ihrer Brüste leicht geneigt.“

S. 179, Sammohana-Matrika-Nyasa
Deutsch: Nun folgt ebendort der Sammohana-Matrika-Nyasa: „Zur Erfüllung eines jeden Wunsches vollziehe man den Matrika-Nyasa wie zuvor, mit dem Kama-Bija am Anfang. Als Rishi gilt Sammohana, als Versmaß Gayatri und als Gottheit die Göttin Sammohini in Matrika-Gestalt. Die sechs Glieder werden nach der zuvor beschriebenen Methode gebildet.“ Gemeint ist das beim Lakshmi-Nyasa erläuterte Verfahren: Da der Sammohana-Matrika das Kama-Bija vorangestellt wird, sind anstelle von Ha und Ra die verbundenen Laute Ka und La einzusetzen und damit die sechs Glieder zu bilden.

S. 179, Meditation über Sammohini
Deutsch: Die Meditation lautet: „Man meditiere über die Mutter aller Wesen, schön wie Millionen junger Sonnen, mit einer Bergkristall-Gebetskette, einem Bogen aus Zuckerrohr, den fünf Pfeilen des Liebesgottes und einem Buch in ihren Lotushänden; dreiaugig und mit dem jungen Mond als Scheitelschmuck.“

S. 179–180, Mahasammohana und Mantra-Mängel
Deutsch: Nach dem Sammohana-Matrika-Nyasa wird gelehrt: „Durch den Matrika-Nyasa mit Shakti-, Shri- und Kama-Bija am Anfang vergehen für die Menschen Mantra-Mängel wie Feindschaft, die aus den verschiedenen Buchstaben entstehen. Der Rishi ist Mahasammohana, das Versmaß Gayatri und die Göttin heißt Sammohini. Der Nyasa entspricht dem zuvor beschriebenen Matrika-Nyasa.“

S. 180, Weitere Meditation über Sammohini
Deutsch: Die Meditation lautet: „Ich möchte über Sammohini meditieren: rötlich, unter der Fülle ihrer Brüste geneigt, dreiaugig und mit dem jungen Mond als Scheitelschmuck. In ihren Armen trägt sie Gebetskette, Zuckerrohrbogen, Schlinge, zwei Lotusse, Elefantenstachel, Pfeil und ein neues Buch.“ Lesungshinweis: Die Zusammensetzung um den Zuckerrohrbogen ist im Druck sprachlich verkürzt.

S. 180, Zuordnungen des Ganesha-Matrika-Nyasa
Deutsch: Nun folgt ebendort der Ganesha-Matrika-Nyasa: „Zur Beseitigung aller Hindernisse soll man diesen Nyasa unbedingt ausführen. Sein Rishi heißt Ganaka, sein Versmaß Nivrid-Gayatri und seine Gottheit Shakti-Vinayaka. Nachdem man die Glieder mit Smriti, verbunden mit den langen Vokalen, gebildet hat, meditiere man über den Elefantengesichtigen.“ Smriti bezeichnet den Buchstaben Ga.

S. 180, Meditation und Bildung des Ganesha-Nyasa
Deutsch: Die Meditation lautet: „Ich verehre den roten, dreiaugigen Ganapa, dessen Hände Dreizack, Elefantenstachel, Segensgeste und Geste der Furchtlosigkeit zeigen. Er wird von seiner Geliebten umarmt, die einen roten Lotus in der Hand hält.“ „Nach dieser Meditation setze man die Buchstaben mit dem eigenen Bija vorangestellt ein.“ Das bedeutet: Die im Folgenden genannten Ganesha-Formen werden jeweils mit ihrer Shakti eingesetzt, verbunden mit den Buchstaben von A an, denen das eigene Bija Ga vorangeht. Lesungshinweis: Die Prosa schreibt gam iti; ob damit Ga im Zitatsandhi oder eine nasalisierte Bija-Endung gemeint ist, wird hier nicht durch Vermutung entschieden.

S. 180, Erste Ganesha-Shakti-Paare
Deutsch: Weiter heißt es: „Vighnesha ist mit Hri verbunden; Vighnaraja mit Shri; Vinayaka mit Pushti; Shivottama mit Shanti; Vighnakrit mit Svasti; Vighnahartri mit Sarasvati; Gana mit Svaha; Ekadanta mit Medha; Dvidanta mit Kanti; Gajavaktra mit Kamini; Niranjana mit Mohini; Kapardi mit Nati.“ Lesungshinweis: Die Form vighnahartrī steht so im Druck; eine mögliche Korrektur des Namens wird nicht still eingesetzt.

S. 181, Weitere Ganesha-Shakti-Paare
Deutsch: „Dirghajihva ist mit Parvati verbunden; Shankukarnaka mit Jvalini; Vrishadhvaja mit Nanda; Gananayaka mit Suyasha; Gajendra mit Kamarupini; Shurpakarna mit Uma; Trilochana mit Tejovati; Lambodara mit Satya; Mahananda mit Vighneshi; Chaturmurti mit Surupa; Sadashiva mit Kamada; Amoda mit Madajihva; Durmukha mit Bhuti; Sumukha mit Bhautika; Pramoda mit Sita; Ekapada mit Rama; Dvijihva mit Mahishi; Shura mit Bhujangini; Vira mit Karna; Shanmukha mit Bhrikuti; Varada mit Lajja; Vamadeva mit Dirghaghona; Vakratunda mit Dhanurdhara; Dviranda mit Yamini; Senani mit Ratri; Kamandha mit Gramani; Matta mit Shashiprabha; Vimala mit Lolalochana; Mattavahana mit Chanchalya; Jati mit Dipti; Mundi mit Subhaga; Khadgi mit Durbhaga; Varenya mit Shiva; Vrishaketana mit Bhagi; Bhaktipriya mit Bhagini; Ganesha mit Bhogini; Meghanada mit Subhaga; Vyapi mit Kalaratri; Ganeshvara mit Kalika. Damit ist die Vighnesha-Matrika beschrieben. Die Verbindung der mit Ya beginnenden Buchstaben mit Haut und den übrigen Körperbestandteilen gilt wie zuvor.“ Lesungshinweis: Einzelne seltene Namen, insbesondere Dhanurdhara/Vakratunda und die Form Chanchalya, sind in der gedruckten Verbindung nicht vollständig sicher.

S. 181–182, Vier Formen der Matrika
Deutsch: Im Nibandha: „Die Weisen lehren das geordnete Einsetzen der fünfzig Buchstaben mit Om am Anfang und Ende oder mit Namah am Ende, mit Bindu oder ohne Bindu. Vier Formen der Matrika werden genannt: die bloßen Buchstaben, die mit Bindu, die mit Visarga und die mit beiden. Höre das Geheimnis, das nun erklärt wird: Die bloße Matrika vermittelt Erkenntnis; mit beiden Zeichen schenkt sie Befreiung; mit Visarga schenkt sie Söhne und mit Bindu Vermögen.“ Dies sind die Wirkungszuordnungen des zitierten Textes.

S. 182, Anfänge und drei Tara-Gruppen
Deutsch: Im Kulavatara: „Die hervorragenden Übenden sollen die Matrika mit Maya- und Lakshmi-Bija vorangestellt einsetzen, oder mit Vagbhava, mit den drei Taras oder mit Rama beginnend.“ Die drei Taras werden in einem anderen Tantra so bestimmt: „Vagbhava, Kamaraja und Shri-Bija bilden das Dreier-Tara; oder die Weisen verstehen darunter Shakti-, Shri- und Kama-Bija.“ Im Bijakosha heißt es dagegen: „Vagbhava, Bhuvaneshani und Shri-Bija bilden das Dreier-Tara.“ Es handelt sich um alternative Bija-Bezeichnungen, nicht um an dieser Stelle ausgeschriebene Silbenfolgen.

S. 182, Zugeschriebene Früchte der Bija-Anfänge
Deutsch: Im Siddhantasara: „Die mit Vagbhava beginnende Matrika verleiht Redegabe; die mit den drei Taras beginnende erfüllt Wünsche. Die mit dem Shri-Bija beginnende gilt als Spenderin großer Fülle und Herrschaft.“

S. 182, Drei Folgen und ihre Aufgaben
Deutsch: Im Vira-Chudamani: „Man vollziehe die drei Matrika-Folgen Schöpfung, Auflösung und Erhaltung. Den Nyasa führe man, höchste Herrin, insbesondere so aus, wie er im jeweiligen Kalpa gelehrt wird.“ Im Kulavatara: „Aus der Schöpfungsfolge entstehen Nachkommen, Gedeihen und Weiteres; die Erhaltungsfolge bewahrt dies, die Auflösungsfolge beseitigt Mängel. Deshalb soll man alle drei ausführen.“ Im Siddhantasara: „Bei der Schöpfung setze man die Buchstaben mit Visarga ein, bei der Auflösung mit Bindu. Bei der Erhaltung setze man die Buchstaben von retroflexem Da bis retroflexem Tha mit beiden Zeichen ein.“

S. 183, Weitere Erhaltungsfolge
Deutsch: Im Trishaktiratna heißt es dagegen: „Man teile die Schriftzeichen nach der dreifachen, mit A, Ka und Tha bezeichneten Gliederung wie den Mantra ein. Zuerst setze man die Ka-Gruppe ein, danach die A-Gruppe und anschließend die Ta-Gruppe. Dies wird Erhaltung genannt.“ Die Bezeichnungen der Dreiteilung und der anschließend genannten Gruppen sind im Druck nicht völlig deckungsgleich; sie werden nicht vereinheitlicht.

S. 183, Fingerstellungen des Matrika-Nyasa
Deutsch: Die Mudras des Matrika-Nyasa werden in einem anderen Tantra genannt: „An der Stirn setze man Ring- und Mittelfinger ein; am Gesichtsumkreis Zeige-, Mittel- und Ringfinger. An den Augen verbinde der hervorragende Übende Zeige- und Ringfinger. An den Ohren setze er den Daumen ein, an der Nase kleinen Finger und Daumen. An den Wangen und Lippen verwende er den Mittelfinger, an den Zähnen den Ringfinger, am Scheitel den Mittelfinger und am Mund Ring- und Mittelfinger. An Händen, Füßen, Seiten und Rücken sind kleiner Finger, Ring- und Mittelfinger einzusetzen; am Nabel dieselben mit dem Daumen; am Bauch alle Finger. Ebenso verwende der Übende alle Finger am Herzen, an beiden Schultern und am Nacken. Bei den vom Herzen ausgehenden Einsetzungen an Händen, Füßen, Bauch und Mund verwende er die Handfläche. Dies sind die Matrika-Mudras in ihrer Reihenfolge. Wer den Nyasa ohne ihre Kenntnis vollzieht, dessen Nyasa bleibt fruchtlos.“

S. 183, Andere Arten der Berührung
Deutsch: Im Mantra-Tantra-Prakasha: „Man setze diese [Buchstaben] mit Blumen, mit dem Ringfinger oder im Geist ein.“ „Mit dem Ringfinger“ bedeutet: zusammen mit dem Daumen, denn die Panchavahini sagt: „Nyasa mit Daumen und Ringfinger wird allgemein anerkannt.“ Daher ist zu verstehen: mit Blumen an der Gottheitsgestalt, mit Daumen und Ringfinger am eigenen Körper, im Geist an Muladhara und den weiteren Chakras. Dies gilt außerhalb der Einsetzungen von Rishi und den übrigen Zuordnungen, des Hand-Nyasa, des Sechsglieder-Nyasa und des äußeren Matrika-Nyasa; für diese sind andere Mudras vorgeschrieben.

S. 184, Weitere Nyasas nach der Matrika
Deutsch: Im Damara: „Nachdem man den Matrika-Nyasa vollzogen hat, führe man die anderen Nyasas aus. Dann setze man Rishi und die übrigen Zuordnungen des Mula-Mantras sowie Hände, Glieder und Weiteres ein.“ Im Yogini-Tantra: „Göttin, man setze Rishi und die übrigen Größen im Dativ und mit dem Herz-Abschluss ein.“

S. 184, Körperstellen der Mantra-Zuordnungen
Deutsch: Im Brihanmatsya-Sukta: „Der Rishi wird auf dem Scheitel eingesetzt, das Versmaß im Lotus des Mundes, die Gottheit im Herzen, das Bija im verborgenen Körperbereich, die Shakti an den Füßen und Kilaka am gesamten Körper.“ Im Meru Tantra: „Wegen seiner Lehrerschaft wird der Rishi am Kopf eingesetzt; wegen seines Lautwesens das Versmaß am Mund. Die Gottheit wird im Herzen gehalten, weil sie Gegenstand der Erkenntnis ist.“

S. 184, Wer ein Rishi des Mantras ist
Deutsch: Über den Rishi heißt es im Kalanala-Tantra: „Wer reinen Selbstes den Mantra unmittelbar aus Maheshvaras Mund erkannt hat und ihn durch Tapas verwirklicht, wird dessen Rishi genannt.“ Weiter: „Wegen seiner Stellung als Lehrer ist seine Einsetzung am Kopf vorgeschrieben.“ Im Meru Tantra: „Aus der Wurzel ṛ, ‚gehen‘, wird der Laut ṛ als das Hinführende verstanden; die Bedeutung des Lautes ṣi ist Erkenntnis. Daher ist der Rishi derjenige, der zu dieser Erkenntnis führt.“ Dies ist die traditionelle Lautdeutung des Textes.

S. 184, Bedeutung von Chandas und Viniyoga
Deutsch: Im Brihanmatsya-Sukta: „Weil es alle Wesenheiten des Mantras umhüllt, wird es Chandas, Versmaß, genannt. Da es aus Silben und Wörtern besteht, ist es dem Mund zugeordnet. Ohne Kenntnis von Rishi und Versmaß hat man keinen Anteil an der Frucht des Mantras. Für diejenigen, die seine Anwendung nicht kennen, bleiben die Mantras schwach.“

S. 185, Mudras für Rishi und weitere Zuordnungen
Deutsch: Die Mudras zur Einsetzung von Rishi und den übrigen Zuordnungen werden in einem anderen Tantra genannt: „Für Rishi, Versmaß und Gottheit werden die vier Finger ohne den Daumen verwendet; so fahre man bis zur Shakti fort. Kilaka setze der hervorragende Übende mit gekreuzten Händen am ganzen Körper ein.“

S. 185, Mudras der sechs Glieder
Deutsch: Nun die Glieder-Mudras ebendort: „Am Herzen setze der Kundige mit Mittel-, Ring- und Zeigefinger ein; am Kopf mit Mittel- und Zeigefinger; an der Shikha, dem Haarschopf, mit dem Daumen; beim Schutzpanzer mit allen zehn Fingern; an den Augen mit drei Fingern. Die Astra-Geste geschehe dreimal nach oben mit Mittel- und Zeigefinger. Dies gelten als die Glieder-Mudras.“ Lesungshinweis: Die Bewegungsangabe ūrdhvordhvagam ist knapp; ihre genaue Ausführung wird nicht durch eine zusätzliche Handlungsanweisung ergänzt.

S. 185, Innere Bedeutung der sechs Glieder
Deutsch: Die Bedeutung der sechs Glieder wird erklärt: „Mit dem Wort ‚dem Herzen‘ wird die im Herzen gegenwärtige Gottheit in ihrer Gestalt bezeichnet. Namah bedeutet die höchste, auf sie gerichtete Erkenntnis. Das Wort ‚Kopf‘ bezeichnet die Erhabenheit der Gottheit; mit Svaha werden ihr alle Gegenstände der Erfahrung dargebracht. ‚Der Shikha‘ bezeichnet das Einssein mit ihrem Wesen; dies drückt auch Vashat aus. ‚Dem Schutzpanzer‘ bezeichnet die alldurchdringende Gegenwart der Gottheit. Mit Hum wird ihr alles durchdringender Glanz offenbar. Mit dem Wort ‚Augen‘ wird ihre ewige Erkenntnis ausgedrückt; Vaushat bezeichnet ihre Herrschaft. ‚Astra‘ bedeutet das Abwehren des Unerwünschten; mit Phat wird die schützende Kraft bezeichnet. Wer in Kenntnis dieser Bedeutung der Glieder-Mantras den Anga-Nyasa vollzieht, dem liegen die gemeinsam erstrebten Ziele in der Hand; selbst die Götter verehren ihn.“ Lesungshinweis: Das Schlusskompositum saṅghārthāḥ ist nicht sicher zu deuten.

S. 185–186, Gottheit und Herz-Nyasa
Deutsch: Im Meru Tantra: „Das Wort Devata wird vollständig aus der Wurzel div mit der Bedeutung ‚spielen‘ hergeleitet. Weil sie dem Übenden gibt, wird sie Devata genannt. Die ihrem Wesen nach Bewusstsein ist, weilt im Herzen und erfreut das Selbst durch das Herz. Deshalb soll man sich dort verneigen und die Stelle mit dem vorrangigen Daumen berühren.“ Lesungshinweis: Die Herleitung und der Satz um rajyamānaḥ sind in der Quelle verkürzt und sprachlich nicht eindeutig.

S. 186, Weitere Deutungen der Glieder
Deutsch: „Da durch Svaha die Gegenstände der Erfahrung vollständig herangezogen werden, wird mit Ring- und Zeigefinger das Haupt verehrt. Shikha ist Glanz; Vashat bezeichnet das Glied. Durch die Shikha geschieht die Begünstigung des Selbst; deshalb wird Vashat mit dem Mittelfinger vollzogen. Die Wurzel kavaca wird im Sinne des Ergreifens verstanden und mit dem Mantra Hum verbunden. Daher wird der Schutzpanzer am Körper mit Zeige- und Ringfinger eingesetzt. Vaushat bewirkt wirklichkeitsgemäße Erkenntnis, die durch die Augen entsteht; deshalb wird dort Vaushat mit den beim Zeigefinger beginnenden Fingern verwendet. Bei Kubera und anderen einäugigen Gottheiten steht der Augenname im Dativ Singular; bei Vishnu und anderen im Dual; bei Rudra und anderen bezieht er sich auf die drei Augen. Was die aus Unwissenheit entstandenen, im eigenen Inneren und anderweitig auftretenden Leiden des Übenden vernichtet, ist Astra; dies wird durch Phat und Händeklatschen ausgedrückt.“ Lesungshinweis: Mehrere Wortverbindungen dieses Abschnitts, insbesondere śikhā maho und ātmanugrahaḥ, bleiben unsicher. Abweichende Fingerangaben gegenüber dem vorangehenden Zitat werden beibehalten.

S. 186, Sechs Abschlusswörter
Deutsch: Im Yamala: „An den Daumen und den folgenden Fingern setze man mit den Jati-Abschlüssen oder mit Namah ein; an den sechs Gliedern vom Herzen an mit den sechs Jatis. Diese sind Namah, Svaha, Vashat, Hum, Vaushat und Phat.“ Auch anderswo heißt es: „Die Gruppe der sechs Jatis wird mit den Gliedern vom Herzen bis zu Astra verbunden.“

S. 186–187, Ausgeschriebene Glieder-Mantras
Deutsch: So heißt es in der Sharada: „Dann setze der Kundige die Glieder-Mantras am Herzen und den übrigen Stellen ein. Zuerst: ‚Dem Herzen Verehrung‘; dann: ‚Dem Kopf‘ mit der Feuergefährtin [Svaha]; anschließend: ‚Der Shikha Vashat‘, ‚Dem Schutzpanzer Hum‘, ‚Den drei Augen Vaushat‘ und ‚Dem Astra Phat‘. Die so genannten sechs Glieder-Mantras wende man an den sechs Gliedern an.“ Die zweite Formel bezeichnet ihren Abschluss durch einen Namen; die übrigen werden ausgeschrieben genannt.

S. 187, Verbindlichkeit des Anga-Nyasa
Deutsch: Die Verbindlichkeit des Anga-Nyasa wird in der Jnanamala gelehrt: „Puja, Japa, Verehrung und Homa bringen ohne Anga-Nyasa keine Früchte, selbst wenn sie mit einem verwirklichten Mantra ausgeführt werden.“ Im Meru Tantra: „Der Mantrakundige setze vorschriftsgemäß sechs oder fünf Glieder ein. Bei einem Mantra mit fünf Gliedern wird der Augen-Nyasa ausgelassen. Für einen Mantra, dem besondere Glieder fehlen, bilde man sie aus diesem Mantra selbst.“

S. 187, Schutz und Umfang des Nyasa
Deutsch: Weiter: „Wer die Nyasas täglich nach dem in den Agamas gelehrten Weg ausführt, erlangt den Seinszustand der Gottheit; Mantra-Siddhi entsteht. Vor demjenigen, der durch den Nyasa-Schutzpanzer geschützt Japa übt, fliehen die Hindernisse, Geliebte, wie Elefanten beim Anblick eines Löwen. Wer unverständig Japa übt, ohne die Folge der Nyasas vollzogen zu haben, wird von Hindernissen bedrängt wie ein junges Reh von Tigern. Mit der Fülle der Nyasas wächst auch die Fülle ihrer Früchte. Der vorgeschriebene Nyasa darf nicht ausgelassen werden; darüber hinausgehende Nyasas kann man nach Wunsch ausführen.“

S. 187–188, Unterbau des inneren Yoga-Sitzes
Deutsch: Im Yamala: „Dann vollziehe man im eigenen Körper den Yoga-Pitha genannten Nyasa: die tragende Shakti, Prakriti, Kurma und Ananta.“ Anderswo wird nach Mula-Prakriti auch Kalagni-Rudra genannt: „Dann Mula-Prakriti und den Rudra namens Kalanala.“ Im Meru wird Kalagni-Rudra bereits vor Mula-Prakriti genannt, und danach die tragende Shakti. Weiter: „Varaha, die Erde, den Milchozean und die Edelsteininsel“ – im Vaishnava-Text wird die weiße Insel Shvetadvipa genannt – „den Edelsteinpavillon, den wunscherfüllenden Baum, die Edelsteinplattform und den Juwelenthron: Dies alles setze der Mantrakundige im Herzen ein.“ An manchen Stellen wird nach dem Edelsteinpavillon auch der Nandana-Garten genannt.

S. 188, Eigenschaften als Stützen des Sitzes
Deutsch: In der Sharada: „Der kundige Lehrer setze im Uhrzeigersinn an beiden Schultern und beiden Oberschenkeln nacheinander Dharma, Erkenntnis, Nichtanhaften und göttliche Herrschaft ein. Dharma und die übrigen gelten als Füße des Sitzes; die anderen als seine Körperteile. An Mund, Seite, Nabel und der anderen Seite stelle er sich Adharma und die weiteren Gegenteile vor.“

S. 188, Sonne, Mond, Feuer und die drei Gunas
Deutsch: „Im Herzen setze man Ananta und den Lotus ein, darin Sonne, Mond und Feuer. In diese setze man ihre jeweiligen Kalas ein, mit dem Anfangsbuchstaben ihres Namens vorangestellt. Die Sonne setze man mit A voran ein, den Mond mit U und das Feuer mit Ma, jeweils verbunden mit seinem Kala-Kreis. Ebenso setze der hervorragende Guru dort die drei Gunas ein, deren Unterscheidungen Sattva, Rajas und Tamas heißen.“

S. 188, Selbst und Gottheit auf dem inneren Sitz
Deutsch: „Dann setze man hier Atman, Antaratman und Paramatman mit den drei Anfangs-Bijas ein. Jnanatman setze man mit dem Shakti-Bija vorangestellt ein, danach den Pitha-Mantra. So meditiere man auf dem aus dem eigenen Körper gebildeten Sitz über die erwählte Gottheit.“

S. 188–189, Saguna- und Nirguna-Dhyana
Deutsch: Die zwei Arten der Meditation über die Gottheit erklärt das Meru Tantra: „Dann meditiere man nach dem Weg, der im jeweiligen Kalpa gelehrt wird. Diese Meditation wird zweifach genannt: Saguna, mit Eigenschaften, und Nirguna, ohne Eigenschaften. Im eigenen erblühten Herzlotus, dessen Mitte und Staubfäden leuchten und der von den Kreisen von Mond, Sonne und Feuer erstrahlt, vergegenwärtige man sich die eigene erwählte Gottheit so, wie sie im Agama gelehrt wird. Eine solche Bewusstheit heißt Saguna-Dhyana. Das Erkennen der Einheit von Jiva und Brahman, die Bewusstheit ‚Möge ich Das sein‘, erkennen die Brahman-Kundigen als Nirguna-Dhyana.“

S. 189, Zeitpunkt der Mudras
Deutsch: Hier wird das Zeigen der Mudras nach dem Nyasa und noch vor der Meditation vorgeschrieben. Im Meru Tantra: „Man vollziehe Hand- und Glieder-Nyasa sowie die anderen im jeweiligen Kalpa gelehrten Nyasas und zeige danach die zugehörigen Mudras.“ Anderswo heißt es dagegen: „Nachdem man so meditiert hat, höchste Herrin, zeige man die Mudras.“ Dort werden sie nach der Meditation angesetzt. Im Mahatharvana-Rahasya heißt es nach der Darstellung von Nyasa, Meditation und innerem Opfer: „Dann, völlig von ihr erfüllt, zeige man diese Mudras.“ Diese Zeitpunkte sind als Alternativen zu verstehen.

S. 189, Mantras beim Bilden und Lösen der Mudras
Deutsch: Für das Bilden, Zeigen und Lösen einer Mudra nennt das Meru Tantra verschiedene Mantras: „Mit den beiden angegebenen Bijas Om und Hri wird die Mudra gebildet; mit dem Mula-Mantra wird sie gezeigt; mit dem Hsaum-Bija wird sie gelöst.“ Lesungshinweis: Das Zeichenbild des letzten Bija bleibt unsicher. Mula wird nur als Bezeichnung genannt.

S. 189, Vorrang des inneren Opfers
Deutsch: In der Sanatkumara-Samhita: „Ohne zuvor das geistige Opfer vollzogen zu haben, soll man keine äußere Verehrung ausführen.“ Die Ausführung des inneren Opfers beschreibt das Brihaduttara-Tantra: „Man meditiere über sie, die in der Mitte des Herzlotus auf dem Yoga-Sitz weilt. Nachdem man sie vorschriftsgemäß mit geistig dargebrachten Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben verehrt hat, vollziehe man ein geistiges Homa.“

S. 189–190, Fünfzehn innere Blumen
Deutsch: Im Shyama-Rahasya werden folgende Worte angeführt: „Freiheit von Täuschung, Freiheit von Ichüberheblichkeit, Nichtanhaften, Freiheit von Hochmut, Freiheit von Verblendung, Freiheit von Heuchelei, Freiheit von Hass und Unerschütterlichkeit, Freiheit von Neid und Freiheit von Gier: Diese kennen die Weisen als zehn Blumen. Gewaltlosigkeit ist die höchste Blume; eine weitere Blume ist die Beherrschung der Sinne. Hinzu kommen die Blume des Mitgefühls, die Blume der Geduld und Vergebung und als fünfte die Blume der Erkenntnis. Mit diesen genannten vortrefflichen Blumen verehre man die höchste Gottheit.“

S. 190, Erstes geistiges Feueropfer
Deutsch: Im Meru Tantra: „Man vergegenwärtige sich im Muladhara eine viereckige Feuergrube und meditiere darin über das Feuer in Gestalt der Kundali; dabei spreche man den Mula-Mantra. ‚In das Feuer des Selbst, das von den Opfergaben Dharma und Adharma aufleuchtet, opfere ich beständig auf dem Weg der Sushumna die Tätigkeiten der Sinne, mit dem Geist als Opferlöffel.‘ Am Ende des Verses spreche man: ‚Ich opfere Verdienst; Svaha.‘ Dann wieder den Mula-Mantra, wieder den Vers und anschließend: ‚Ich opfere Verfehlung.‘ Ebenso bringe man getrennt das zu Tuende und das nicht zu Tuende, Entschluss, Unterscheidung und Dharma dar, jeweils mit Svaha am Ende. Danach spreche man den folgenden Vers.“ Lesungshinweis: akṣavṛttiḥ steht im Druck grammatisch nicht erwartungsgemäß; der erkennbare Sinn wird wiedergegeben, ohne den Sanskrittext still zu ändern.

S. 190, Opfer im Feuer der Fülle
Deutsch: „Mit den Händen des Lichtes und des inneren Erfassens halte ich den Unmani-Opferlöffel und opfere die Essenz der Anteile von Dharma und Adharma in das Feuer der Fülle. Nachdem man die Gabe mit Svaha am Ende dargebracht hat, vergegenwärtige man sich durch die Stillstellung im Pranayama das eigene Selbst als reines Bewusstsein, frei von allen begrenzenden Bestimmungen.“ Lesungshinweis: Die gedruckte Lesung prakāśāmarṣa ist gegenüber der erwartbaren Verbindung von Prakasha und Vimarsha auffällig; die Deutung bleibt vorläufig und wird nicht still in den Sanskrittext zurückgetragen.

S. 190, Erste Gabe nach dem Shyama-Rahasya
Deutsch: Im Shyama-Rahasya und anderen Quellen folgt dagegen auf den Mula-Mantra: „In das Feuer im Nabel, das die Gestalt des Bewusstseins hat und durch Erkenntnis entzündet ist, opfere ich beständig die Tätigkeiten der Sinne, mit der Opfergabe und mit dem Geist als Opferlöffel. Svaha.“ Dies ist die erste Gabe. Lesungshinweis: Die Verbindung haviṣā und die Form akṣavṛttiḥ bleiben im Sanskrit nach der gedruckten Lesung erhalten.

S. 190, Beginn der zweiten Gabe nach dem Shyama-Rahasya
Deutsch: Nach dem Mula-Mantra: „In das Feuer des eigenen Selbst, das von den Opfergaben Dharma und Adharma aufleuchtet, opfere ich beständig auf dem Weg der Sushumna die Tätigkeiten der Sinne, mit dem Geist als Opferlöffel.“ Der Abschluss dieser Gabe folgt auf der nächsten Seite.

S. 191, Abschluss der zweiten inneren Gabe
Deutsch: „Svaha.“ Dies ist die zweite Gabe.

S. 191, Dritte innere Gabe
Deutsch: Nach dem Mula-Mantra: „Mit den Händen des Lichtes und des Raumes, den Unmani-Opferlöffel haltend, opfere ich vollständig die Essenz der Anteile von Dharma und Adharma in das Feuer. Svaha.“ Dies ist die dritte Gabe. Lesungshinweis: Die Verbindung avalambyonmanīsrucā ist grammatisch auffällig. Die Wortfolge unterscheidet sich von der zuvor angeführten Meru-Fassung und wird nicht angeglichen.

S. 191, Vierte innere Gabe
Deutsch: Nach dem Mula-Mantra: „In das Feuer des Bewusstseins, das im Inneren unaufhörlich ohne Brennstoff auflodert und der Finsternis der Verblendung entgegenwirkt – in diese wunderbare Stätte sich entfaltender Strahlen –, opfere ich das Weltganze, von der Erde bis hin zu Shiva. Svaha.“ Dies ist die vierte Gabe. So werden mit vier Versen vier Opfergaben gelehrt.

S. 191, Kundalini und innerer Göttersitz
Deutsch: Das Meru Tantra nennt eine besondere Ausführung: Man ziehe durch Ida Luft ein, ziehe den After etwas zusammen, lege die Zunge an den Gaumen, lasse Kundalini aus dem Muladhara aufsteigen und vereinige sie mit Paramashiva in der Mitte des tausendblättrigen Lotus; dann verehre man die Gottheit auf dem beschriebenen Sitz. So heißt es: „Man ziehe durch die linke Nadi ein, ziehe den After etwas zusammen und atme auf demselben Weg aus; die Zunge lege man an den Gaumen. Nachdem man die Shakti mit Shivas Stätte verbunden hat, ziehe man unten etwas zusammen. Hat der Mantrakundige dies vollzogen, verehre er den Sitz nach dem Nyasa-Verfahren. Er meditiere über die auf diesem Sitz befindliche, gestaltgewordene erwählte Gottheit und verehre sie mit geistigen Gaben, von Sandel bis zur Speisung. Die Speisung vollziehe er als inneres Vaishvadeva-Opfer.“

S. 191, Japa nach der inneren Verehrung
Deutsch: Ebendort: „Am Ende werde man ganz von ihr erfüllt und wiederhole den Mula-Mantra einhundertachtmal. Dies bringe man der Gottheit dar, zur Erlangung aller Vollendung.“

S. 191–192, Innere Mala und andere Reihenfolge
Deutsch: Im Matrikarnava: „Die Mala wird als fünfziggliedrig beschrieben; ihr Faden besteht aus Shakti und Shiva, ihr Knoten ist Kundalini. Am Ende der Kala steht der Meru.“ Im Kumari-Kalpa wird der Japa dagegen vor dem Homa vorgeschrieben: „Dann vollziehe man geistigen Japa, danach Homa und die weiteren Handlungen. Nachdem man sich verneigt und Lob gesungen hat, führe man die äußere Verehrung aus.“ Lesungshinweis: Die Angabe kalānte beim Meru ist nicht sicher aufzulösen; eine zusätzliche Buchstabenposition wird nicht ergänzt.

S. 192, Abschluss der inneren Verehrung
Deutsch: In der Chandrika: „Wer so die innere Verehrung vollzogen hat, wird unmittelbar von Brahman erfüllt. Für ihn bestehen weder Verfehlung noch Verdienst; er wird noch im Leben befreit.“ Damit endet die Darstellung des inneren Opfers. Lesungshinweis: Die Schlussform dhruvi ist im Druck auffällig; der Satz über Jivanmukti ist eindeutig.

S. 192, Platzierung der Gefäße
Deutsch: Nun das Aufstellen der Gefäße. Im Yamala heißt es: „Zwischen der zu verehrenden Gottheit und dem Übenden soll ein Abstand von sechsunddreißig Fingerbreiten liegen. Zwölf Fingerbreiten befinden sich oben, zwölf unten; im mittleren Bereich von zwölf Fingerbreiten stelle der Kundige [das Gefäß] auf.“ Oben und unten bezeichnen hier die Bereiche der rituellen Anordnung; eine räumliche Zeichnung wird im Text nicht mitgeliefert.

S. 192, Gefäßmaterialien und zugeschriebene Wirkungen
Deutsch: Im Meru Tantra: „Nun werde ich die günstigen und ungünstigen Früchte der Gefäße für Arghya und die weiteren Gaben lehren. Gold erfüllt alle Wünsche; Silber schenkt Lebensdauer und Söhne; Kupfer bringt glückliches Gedeihen; Ton fördert Dharma. Die Kokosnussschale erfreut die Gottheit; Glas lässt gedeihen; ein Bilva-Gefäß bringt Lakshmi; ein Gefäß aus dem Brahma-Baum bringt Brahmanentum. Eisen wird für Tötungs- und Vertreibungsrituale verwendet, Stein für Stillstellungsrituale. Holz dient der Mantra-Verehrung, ein Kürbisgefäß dem Vama-Weg. Gefäße aus Edelsteinen und ähnlichen Stoffen, mit glückverheißenden Linien versehen, verwende man für Arghya, Speiseopfer, Puja und Bali-Gaben.“ Die Zweck- und Wirkungsangaben werden als historische Rituallehre wiedergegeben.

S. 192–193, Lob der Kokosnussschale
Deutsch: Im Mahahara-Tantra: „Wer bei einer Sonnenfinsternis, wenn Rahu die Sonne ergriffen hat, höchste Herrin, zehn Millionen Mädchen in die Ehe gibt und Hunderte von Goldgaben spendet, dessen Verdienst wird durch ein Arghya-Gefäß aus Kokosnussschale noch zehnmillionenfach übertroffen.“ Dies bezieht sich auf die Verehrung der Shakti. Die Kanyadana-Aussage gehört zur historischen Gabenordnung des Textes.

S. 193, Gefäße für bestimmte Gottheiten und Größen
Deutsch: Besondere Gefäße für bestimmte Gottheiten nennt das Meru Tantra: „Für die Shiva-Verehrung dienen Bronze oder Silber, für Hari am besten eine Muschel, für den Vama-Weg Mahashankha und für Grahanayaka Bergkristall. Die Gefäße sind mit Achtung zu behandeln und sollen von bester Beschaffenheit sein. Bali, Homa und andere Handlungen gelingen nicht ohne Gefäß. Ein Gefäß von sechsunddreißig Fingerbreiten wird das beste genannt; ein mittleres ist um ein Drittel kleiner, das kleinste misst zwölf Fingerbreiten. Unter acht Fingerbreiten lasse man keines anfertigen. Man fertige Gefäße in Form einer Nabelvertiefung, eines Lotus, einer Muschel oder einer blauen Wasserlilie. Für Brahmanen und die folgenden Stände seien die Farben der Reihe nach weiß und die weiteren bis kräftig rot.“ Lesungshinweis: Der Gottheitsname Grahanayaka ist unsicher gelesen. Die abschließende Farbreihe ist verkürzt; fehlende Zwischenfarben werden nicht erfunden. Mahashankha ist hier eine traditionelle Materialbezeichnung, die im folgenden Zusammenhang auch auf Schädelgefäße verweist.

S. 193, Weitere Gefäßarten
Deutsch: In der Tattvasara-Samhita: „Die Muschel schenkt Erkenntnis, die Perlenmuschel Vidya; Gefäße aus Schädel und Flaschenkürbis führen zu Yoga-Siddhi.“ Die Vorschrift über Schädelgefäße und Ähnliches gilt für Viras. Lesungshinweis: Die Trennung um muktā śuktiḥ ist im Druck auffällig; die Deutung als Perlenmuschel bleibt lokal vorläufig.

S. 193, Allgemeines Arghya und Beginn der Krugaufstellung
Deutsch: Im Samayachara: „Nachdem der hervorragende Übende mit Wasser das allgemeine Arghya bereitet hat, zeichne er mit diesem Wasser das Mandala und stelle die Gefäße auf.“ Die Vorschrift für das allgemeine Arghya wurde bereits gegeben. Nun die Aufstellung des Kalasha nach dem Siddhantasara: „Nachdem man den Boden mit dem Astra-Mantra und dem Wasser des allgemeinen Arghya gereinigt hat, zeichne man links von sich ein Mandala aus Punkt, Sechseck, Kreis und Viereck. Nach dem Mula-Mantra nenne man die Gottheit und verehre mit: ‚Dem Mandala, das den Kalasha trägt, Verehrung.‘“ Lesungshinweis: Der letzte Ausdruck namo’rṇunā ist beschädigt; die Druckfußnote erklärt ihn als den Mantra Namah.

S. 194, Feuer und Sonne am Kalasha
Deutsch: „Dort stelle man den mit dem Heti-Mantra gereinigten Untersatz auf und verehre darin den von zehn Kalas durchdrungenen Feuerkreis. Nachdem man den Kalasha gewaschen hat, stelle man ihn darauf und betrachte ihn als Gottheit. Darin verehre man die Sonnenscheibe mit ihren zwölf Kalas. Mit reinem Wasser fülle man den Krug unter Verwendung des Mula-Mantras.“ Die Druckfußnote erklärt Heti als Astra.

S. 194, Alternative Füllung und Mondkreis
Deutsch: Für den Vama-Weg dagegen steht im Sudharnava und anderen Werken die Aussage einer weiteren Quelle: „Der Mantrakundige fülle ihn mit gereinigtem Hetu unter Verwendung des Mula-Mantras.“ „Gereinigt“ bedeutet hier „rituell geweiht“. Weiter: „Darin verehre man die Mondscheibe mit ihren sechzehn Kalas. Die drei Scheiben verehre der Mantrakundige mit den drei Teilen von Tara.“ Hetu bleibt als besondere Bezeichnung des Ritualgetränks erhalten; der Satz selbst nennt keinen weiteren Stoffnamen.

S. 194, Anrufung und Verehrung des Kruges
Deutsch: „Nachdem der Mantrakundige die heiligen Wasser dort angerufen hat, schütze er den Krug mit Heti-, Varma- und dem eigenen Mula-Mantra, verhülle ihn, betrachte und besprenge ihn. Er verehre ihn mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben, bedecke ihn mit der Matsya-Mudra und bespreche ihn, Herrin der Götter, mit dem folgenden Mantra.“

S. 194, Die Gottheiten im Kalasha
Deutsch: „An der Öffnung des Kalasha weilt Vishnu, an seinem Hals Rudra. An seinem Grund steht Brahma, in seiner Mitte die Schar der Mütter. In seinem Bauch sind alle Meere und die Erde mit ihren sieben Inselkontinenten. Rigveda, Yajurveda, Samaveda und Atharvaveda, alle mitsamt ihren Gliedern, haben im Kalasha ihre Stätte.“ Nachdem man dies gesprochen hat, bespreche man den Krug achtmal mit dem Mula-Mantra, zeige die Kumbha-Mudra und vergegenwärtige ihn als die Gottheit selbst.

S. 195, Reihenfolge der Opfergefäße
Deutsch: Die Kumbha-Mudra wird später beschrieben. Im Yamala: „Rechts von sich stelle man das Besprengungsgefäß auf und fülle es mit Wasser. Man nehme etwas Arghya-Wasser und gebe es in das Besprengungswasser. Dann stelle der Kundige vor sich ein Gefäß auf seinem Untersatz auf. Daneben das Gefäß für Padya, das Fußwaschwasser; daneben das Gefäß für Arghya. Daneben das Achamana-Wasser, links davon Madhuparka; danach das erneute Achamana-Wasser und das Badewasser, in dieser Reihenfolge.“

S. 195, Erläuterung und alternative Anordnung
Deutsch: Mit „Arghya-Wasser“ ist das Wasser des allgemeinen Arghya gemeint; dieses muss schon vor dem Aufstellen der Gefäße rechts bereitstehen. Deshalb soll man an seiner rechten Seite etwas Platz für die weiteren Gefäße lassen und dann das Besprengungsgefäß aufstellen. „Daneben das Arghya-Gefäß“ bedeutet links vom Padya-Gefäß. Im Meru Tantra und anderen Quellen heißt es dagegen: „Nördlich vom Arghya stelle man der Reihe nach Padya, Achamana und Madhuparka an den drei Ecken auf.“ Dort wird also nach dem Arghya-Gefäß die Aufstellung von Padya und den anderen Gefäßen links davon vorgeschrieben. Auch bei der Darbringung der Gaben wird dort Arghya vor Padya gegeben. Lesungshinweis: Das doppelte pātrapātra in der Prosa ist auffällig; es wird keine zusätzliche Gefäßart daraus abgeleitet.

S. 195, Mindestzahl und dreifache Gefäße
Deutsch: Im Navaratneshvara: „Man verwende nicht nur ein einziges Gefäß, selbst wenn man Maheshvara selbst wäre. Die Mantras wenden sich ab, und bei jedem Schritt entstehen Schwierigkeiten; in dieser Welt folgt Armut und nach dem Tod ein tierischer Zustand.“ Ebendort: „Bei Mangel verwende man zwei Gefäße, aber nicht weniger.“ Im Gautamiya: „Drei Gefäße für Arghya, ebenso drei für Padya und entsprechend getrennte Gefäße für Achamana.“ Aufgrund dieser Ausführung wird eine mehrfache Unterscheidung der Gefäße empfohlen. Lesungshinweis: Das Schlusswort um dvaividhya ist nicht eindeutig; die angeführten Zahlen bleiben getrennt erhalten.

S. 196, Zutaten nach der Phetkarini
Deutsch: Die Zutaten für Padya und die weiteren Gaben nennt die Phetkarini: „In das Padya-Gefäß gebe man Ushira und Rochana. In das Arghya-Gefäß gebe man Kusha-Spitzen, ungebrochene Reiskörner, Gerste, Reis, Sesam, Ghee, weißen Senf und Blumen. Jati, Kampfer, Kankola, Bahumula und Tamala zerreibe man ordnungsgemäß und gebe sie zum Achamana-Wasser. Madhuparka bereite man aus Honig, Zucker, Ghee, Dickmilch und Milch und bringe es vorschriftsgemäß dar.“ Lesungshinweis: Bahumula ist als Zutatenname nicht sicher bestimmt; eine botanische Identifizierung wird nicht ergänzt.

S. 196, Zutaten nach dem Meru Tantra
Deutsch: Im Meru Tantra: „Padya wird mit Shyamaka, Durva-Gras, Lotus und Vishnukranta bereitet.“ Weiter: „Duftstoff, Blumen, ungebrochener Reis, Gerste, Kusha-Spitzen, Sesam, Senf und Durva: Dies, ihr Götter, sind die acht Zutaten des Arghya-Gefäßes.“ Sura ist hier eine Anrede an die Götter. Weiter: „Achamana-Wasser wird mit Jati, Gewürznelken und Kankola bereitet. Kusha, Blumen, Gerste, Reis, Bahumula und Tamala gebe man mit Pranava in das Wasser des Besprengungsgefäßes.“ Lesungshinweis: Die Verbindung kuśapuṣpa kann auch Kusha-Blüten bezeichnen; die Aufzählung bleibt an dieser Stelle nicht vollständig eindeutig.

S. 196, Badewasser und Ersatz bei fehlenden Zutaten
Deutsch: In der Mahakala-Samhita: „Wasser, das noch niemand anderem dargebracht wurde, unverändert und angenehm kühl ist und in einem Krug aus Gold oder ähnlichem Material steht, heißt Badewasser.“ In der Chandrika: „Man vollziehe das Bad mit duftendem Wasser …“ Im Meru: „Das erneute Achamana-Wasser besteht aus reinem Wasser. Fehlen die besonderen Zutaten, gebe man schöne, gewaschene Reiskörner.“ Das Chandrika-Zitat ist bereits im Druck verkürzt.

S. 197, Muschelgefäß bei der Vishnu-Verehrung
Deutsch: Bei der Vishnu-Puja ist das Aufstellen eines Muschelgefäßes erforderlich. Kumbhasambhava sagt dazu: „Ein Vaishnava, der Hari ohne Muschel verehrt, erlangt die Frucht der Puja nicht, selbst wenn er die übrige Verehrung richtig vollzieht.“

S. 197, Mandala und Unterlage der Muschel
Deutsch: Die Muschelaufstellung wird im Meru Tantra mit den Worten „links von sich“ begonnen: „Man zeichne mit Sandelwasser und der Matsya-Mudra ein von einem Kreis umschlossenes Dreieck und darum ein Viereck. Mit Duftstoffen und der Formel ‚Dem Arghya-Mandala der Gottheit Verehrung‘ verehre man es. Die sechs Glieder verehre man an den vier Ecken, von der Feuerecke an, und vor sich; Astra in den Richtungen. Dann setze man die Muschelunterlage ein. Ohne Unterlage werden die Mütter nicht zufriedengestellt. Deshalb verwende man vorschriftsgemäß eine metallene Unterlage, drei- oder vierfüßig, lotusförmig, dreieckig oder einer Yoni gleich.“ Lesungshinweis: Das Wort śaśvo vor der Aussage über die Mütter ist unklar. Auch die Zuordnung aller sechs Glieder zu den genannten Stellen bleibt verkürzt.

S. 197, Weihe der Feuerunterlage
Deutsch: „Nach dem Mula-Mantra spreche man: ‚Ich stelle die Unterlage für dieses [genannte] Gefäß auf‘, und stelle die Unterlage der Muschel oder des anderen Gefäßes in das Mandala. Man spreche die beiden angegebenen Bijas, dann ‚Dharma spendend‘ und ‚dessen Wesen die zehn Kalas sind‘; man nenne den Feuerkreis und den Namen der Gottheit im Dativ. Dann verehre man mit ‚Der Unterlage des Arghya-Gefäßes Verehrung‘. Die zehn genannten Feuer-Kalas sind dort im Uhrzeigersinn zu verehren.“ Dass hier sowohl Muschel als auch Arghya genannt werden, ist daraus zu verstehen, dass dieses Verfahren der Muschelaufstellung und der Aufstellung des besonderen Arghya gemeinsam ist.

S. 197–198, Aufstellung und Sonnenkreis
Deutsch: „Dann wasche man mit Wasser und dem Astra-Mantra das Gefäß für Arghya und die übrigen Gaben, aus Gold oder ähnlichem Material, oder die Muschel. Man spreche: ‚Ich stelle das Arghya-Gefäß der [genannten] Gottheit auf‘, und stelle es auf seine Unterlage. Danach sage man ‚Wohlstand spendend‘ und ‚dessen Wesen die zwölf Kalas sind‘, nenne den Sonnenkreis und den Gottheitsnamen im Dativ und verehre mit ‚Dem Arghya-Gefäß Verehrung‘. Dann vergegenwärtige man das Gefäß dort als Feuerkreis; an seinem Sechseck verehre man die Glieder wie zuvor und im Gefäß die zwölf genannten Sonnen-Kalas im Uhrzeigersinn.“ Die erneute Nennung des Feuerkreises innerhalb der Sonnenbeschreibung steht so im Druck und wird nicht still berichtigt.

S. 198, Füllen der Muschel und Mond-Mantra
Deutsch: „Dann fülle der Verehrer die Muschel mit nektargleichem Wasser, während er nach dem Mula-Mantra die Matrika in umgekehrter Reihenfolge spricht. Dabei verwende er diesen Mantra: die beiden angegebenen Bijas, ‚Wünsche erfüllend‘, ‚dessen Wesen die sechzehn Kalas sind‘ und Namah. Dieser Mantra zum Füllen der Muschel hat fünfzehn Silben.“ Ebenso heißt es in einem anderen Tantra: „Karna und Chandra, beide mit Bindu, dann das Wort ‚Wünsche erfüllend‘; nach ‚sechzehn‘ das Wort Kala, darauf Atman und der Herz-Abschluss. Nachdem man mit Duftstoffen und Blumen verehrt hat, verehre man die sechzehn Kalas.“

S. 198, Streit um eine oder zwei Bija-Silben
Deutsch: Hier wurde in der Muktavali Karna als U, Chandra als Halbmond und Bindu als Anusvara verstanden und daraus nur ein einziges Bija, das nasalisierte U, gebildet und zitiert. Dieselbe Ausführung, so der Verfasser, habe auch Nrisimha Thakkura ungeprüft in sein Werk Tarabhakti-Sudharnava übernommen. Tatsächlich bezeichne Karna jedoch U und Chandra Sa; durch die Verbindung beider mit Bindu ergeben sich zwei Bijas, das nasalisierte U und das nasalisierte Sa. Als Beleg wird der Varnakosha angeführt: „Der Buchstabe Sa trägt die Namen Shakti, Chandra, Piyusha und Shitala.“ Die Kritik ist die Position des hier übersetzten Verfassers. Die Nasalzeichen werden im Sanskrit nach dem vorliegenden Druck wiedergegeben.

S. 198, Versbeleg für die verschlüsselte Buchstabenfolge
Deutsch: „Shiva, Shakti, Kama, die Erde, dann die Sonne und der Kaltstrahlende; Smara, Hamsa, Shakra und danach Para, Mara und Hari: Diese Buchstaben, an den jeweiligen Abschlüssen mit den drei Hrillekhas verbunden, bilden, Mutter, die Bestandteile deines Namens.“ Auch hier ist zu sehen, dass das den Mond bezeichnende Wort „Kaltstrahlender“ für Sa steht. Man dürfe daher nicht sagen, hier müsse nur ein Bija vorliegen, weil Chandra anderswo den Halbmond bezeichnet; dies widerspreche dem Meru Tantra, das ausdrücklich zwei Bijas nennt. Der Vers verschlüsselt die Lautfolge durch Namen. Die Formel wird nicht zusätzlich entschlüsselt ausgeschrieben.

S. 199, Verehrung und Belebung der Kalas
Deutsch: Weiter: „Nachdem man das Wasser mit Duftstoffen, Blumen und anderen Gaben verehrt hat, verehre man die sechzehn Mond-Kalas. Nach der Puja vollziehe der Übende für sämtliche Kalas Prana-Pratishtha.“ Die Kalas von Feuer, Sonne und Mond wurden bereits genannt. Ihre Verehrung beschreibt das Kularnava: „Die zehn Feuer-Kalas entstehen aus den mit Ya beginnenden Buchstaben und schenken Dharma. Die zwölf Sonnen-Kalas beginnen mit Ka und Bha, enden mit dem sechsten [bezeichneten Abschluss] und schenken Wohlstand. Die sechzehn Mond-Kalas entstehen aus den Vokalen und erfüllen Wünsche.“ Gemeint ist: Den Feuer-Kalas werden die zehn Buchstaben von Ya an mit Bindu vorangestellt. Den Sonnen-Kalas werden die mit Bindu versehenen Buchstaben von Ka bis retroflexem Tha sowie die von Bha aus rückwärts bis retroflexem Tha laufende Reihe vorangestellt. Den Mond-Kalas werden die sechzehn Vokale von A an mit Bindu vorangestellt. Lesungshinweis: Die Schlussangabe ṣaḍāntā des Verses und die Endbuchstaben der erläuternden Prosa sind nicht völlig eindeutig; daraus wird keine zusätzliche vollständige Formelreihe konstruiert.

S. 199, Vollendung des besonderen Arghya
Deutsch: Im Meru Tantra: „Wie zuvor rufe man die heiligen Wasser an, verbinde sie dort mit dem Mula-Mantra, betrachte sie mit dem Augen-Mantra und setze mit dem Shikha-Mantra eine Blume ein. Man zeige die Galini-Mudra und verwandle mit der Dhenu-Mudra und dem Sudha-Bija das Wasser vorschriftsgemäß in Nektar. Dort meditiere der Übende über die erwählte Gottheit und vollziehe ihre vollständige Ausgestaltung durch Anga-Nyasa; mit Astra ordne er die zehn Richtungen. Nachdem er mit dem Augen-Mantra hingeblickt hat, halte er mit der Shankha-Mudra fest und bringe mit der Yoni-Mudra zum Leuchten. Dort verehre er die erwählte Gottheit mit Duftstoffen, Blumen und den übrigen Gaben; auch die sechs Glieder verehre er. Er bespreche das Arghya achtmal mit dem Mula-Mantra und bedecke es dann mit der Matsya-Mudra.“ Lesungshinweis: Die Verben im mittleren Teil sind teilweise verkürzt; die überlieferten Mantra- und Mudra-Bezeichnungen bleiben erhalten.

S. 199–200, Vaishnava-Ausführung und Gefäßordnung
Deutsch: In der Vaishnava-Ausführung tritt die Dhenu-Mudra an die Stelle der Yoni-Mudra. Agastya sagt: „Mit dem Astra-Mantra schütze man, mit Kavacha verhülle man; dann zeige man die Dhenu-Mudra und erwecke mit der eigenen Mudra.“ „Eigene Mudra“ bedeutet Shankha-Mudra. Die Mudras werden später beschrieben. Im Meru: „Etwas von dem Wasser in der Muschel gebe man zum Wasser im Krug.“ In einem anderen Tantra: „Der hervorragende Übende stelle rechts von sich das Besprengungsgefäß auf, nördlich davon das Padya-Gefäß und die beiden Arghyas.“ Mit den beiden Arghyas sind das allgemeine und das besondere Arghya gemeint.

S. 200, Maße der Arghya-Gefäße
Deutsch: Die Maße des Arghya-Gefäßes nennt der Siddhantasara: „Das Arghya-Gefäß sei eine Handfläche weit und vier Fingerbreiten hoch; oder man fertige es acht Fingerbreiten weit und zwei Fingerbreiten hoch. Das Besprengungsgefäß mache man größer, nicht kleiner als dieses.“ In der Mahakala-Samhita: „Als beste Größe gelten sechzehn Fingerbreiten, als mittlere zwölf, als geringere zehn. Unter acht Fingerbreiten soll man kein Gefäß anfertigen. Überall gilt Kupfer wie Gold; als Arghya-Gefäß ist es diesem sogar überlegen.“ Die Maße verschiedener Quellen werden getrennt überliefert.

S. 200, Beginn der besonderen Shyama-Ausführung
Deutsch: Die Aufstellung des allgemeinen Arghya wurde bereits beschrieben; die des besonderen Arghya ist wie die zuvor gelehrte Muschelaufstellung auszuführen. Für Shyama und verwandte Vidyas wird jedoch ein besonderes Verfahren genannt. So im Trishaktiratna: „Rechts vom Kalasha zeichne man ein Dreieck mit Kreis, ein Sechseck und ein Viereck; in die Mitte zeichne man mit Duftstoff eine leuchtende Mondsichel. In den vier Richtungen verehre man die mit U, Ja, Pu und Ka bezeichneten Pithas. Im Sechseck verehre man mit den sechs Glieder-Mantras; im Shakti-[Dreieck] nach der Dreiteilung des Mula-Mantras. Nachdem man die tragende Shakti und wie zuvor die Feuerkraft verehrt hat, [verwende man] Mahashankha, Kokosnussschale, ein goldenes oder silbernes Gefäß …“ Lesungshinweis: Die Pitha-Kürzel werden auf der folgenden Seite vom Verfasser selbst aufgelöst; die Verbindung vahnikām bleibt unsicher. Die Gefäßanweisung setzt sich auf der nächsten Seite fort.

S. 201, Fortsetzung der Gefäße und Auflösung der Kürzel
Deutsch: „Oder man stelle dort ein Gefäß aus Kupfer oder Muschelschale auf.“ Der Ausdruck „mit Gandha“ bedeutet hier: mit dem Buchstaben I [lang gesprochen]. Die Kürzel U, Ja, Pu und Ka bezeichnen die Pithas Uddyana, Jalandhara, Purnagiri und Kamarupa. „In der Shakti“ bedeutet: im Dreieck. Mahashankha wird im Hinblick auf die Kaula-Lehre genannt.

S. 201, Weitere Aussagen über Gefäßmaterialien
Deutsch: Gefäßarten werden auch in einem anderen Tantra genannt: „Ein Gefäß aus Gold, Glas, Silber, Perlenmuschel oder Schädel, ferner das Vishvamitra zugeordnete … Dieses goldene erfüllt Wünsche; ein kristallenes ist lieblich; ein kupfernes erfreut. Das aus der edlen Kokosnuss hervorgegangene erfüllt das Erwünschte, vernichtet Verfehlungen und lässt Mantra-Siddhi deutlich hervortreten; das aus Perlenmaterial gewährt Befreiung.“ Lesungshinweis: Die Aufzählung und Wirkungszuordnung der ersten Vershälfte sind sprachlich gestört; insbesondere vaiśvāmitrasudam bleibt unsicher. Die Druckfußnote deutet die Vishvamitra-Bezeichnung auf die Kokosnuss. Die Unklarheit wird nicht durch eine neue Material-Wirkungs-Tabelle verdeckt.

S. 201, Füllen mit Matrika-Rezitation
Deutsch: Im Trishaktiratna: „Nachdem der Mantrakundige wie zuvor verehrt hat, fülle er das Gefäß mit dem Ritualstoff, während er die vom Mula-Mantra erhellten Buchstaben in umgekehrter Reihenfolge wiederholt.“

S. 201, Unterschiedliche Flüssigkeiten der beiden Wege
Deutsch: Im Meru Tantra: „Nachdem man Subhaga samt Kurcha im Gefäß eingesetzt hat, fülle der Vira es mit reinem Wasser oder mit der aus Kunda und Gola hervorgegangenen Flüssigkeit oder mit der Svayambhu-Blüte, auch mit dem eigenen Körper[stoff], während er die Mula-Vidya spricht.“ „Mit reinem Wasser“ bedeutet: Der Anhänger des rechten Weges füllt mit reinem Wasser; ein Anhänger des linken Weges dagegen mit der aus Kunda und Gola hervorgegangenen und entsprechenden Flüssigkeit. Lesungshinweis: Die Verbindung svāṅgena und die Begriffe Subhaga/Kurcha sind an dieser Stelle nicht näher erklärt. Die rituellen Stoffbezeichnungen Kunda, Gola und Svayambhu-Blüte werden nicht als gewöhnliche Blumengaben umgedeutet; ihre konkrete Bestimmung bleibt in dieser Passage unausgeführt.

S. 201–202, Mandala, Anandabhairava und fünf Juwelen
Deutsch: Im Trishaktiratna: „Nachdem man wie zuvor verehrt hat, zeichne man dort Kreis und Sechseck, in der Kreismitte ein Dreieck mit den drei Linien von A, Ka und Tha an. Das Dreieck verehre man mit den drei Abschnitten des Mula-Mantras, im Sechseck die sechs Glieder. Dann vergegenwärtige man es als von heiligen Wassern erfüllt. Man meditiere über Anandabhairava und verehre ihn vorschriftsgemäß. Die fünf Juwelen verehre man und gebe die Kula-Stoffe hinein.“ Die fünf Juwelen, beginnend mit Gagana-Ratna, werden in der Verfahrensdarstellung später erläutert.

S. 202, Kula-Stoffe und Abschluss der Arghya-Weihe
Deutsch: Im Kumari-Kalpa: „Der Verständige gebe den Arghya-Stoff sorgfältig in das Arghya-Gefäß: den aus Kunda und Gola hervorgegangenen Stoff und die Svayambhu-Blüte. Bei der Sadhana des großen Mantras liegt darin kein Adharma, Schönbrauige.“ Im Trishaktiratna: „Das Übrige führe man wie zuvor aus; dies gilt als das Arghya-Verfahren.“ Im Bhairava-Tantra: „Man bedecke mit der linken Hand und wiederhole dann den Mula-Mantra achtmal. Man zeige Bhutini-, Dhenu- und Yoni-Mudra.“ Die Aussage über Adharma wird als Position dieser Ritualüberlieferung wiedergegeben.

S. 202, Abgrenzung von Vira- und Pashu-Verfahren
Deutsch: Die Vorschrift, die aus Kunda und Gola hervorgegangenen Stoffe, die Svayambhu-Blüte und weitere Kula-Stoffe hinzuzugeben, bezieht sich auf den Vira. Im Pashu-Verfahren dagegen gelten allein die acht im Meru Tantra genannten Zutaten: „Duftstoff, Blumen, ungebrochener Reis, Gerste, Kusha-Spitzen, Sesam, Senf und Durva – dies, ihr Götter, sind die acht Stoffe für das Arghya-Gefäß.“ Ebenso bezieht sich „mit der linken Hand“ auf den linken Weg. Im rechten Weg ist nach der Überlieferung das Bedecken mit der rechten Hand vorgeschrieben.

S. 202, Verteilung des geweihten Wassers
Deutsch: Im Bhairava-Tantra: „Man nehme etwas von dem Wasser und gebe es in die anderen Gefäße. Mit diesem Wasser besprenge man die Puja-Materialien und sich selbst.“

S. 202–203, Madhuparka-Gefäße
Deutsch: In der Devi-Paddhati: „Hinter dem besonderen Arghya stelle man das Achamana-Gefäß auf und links davon Madhuparka, von den Göttern Verehrte. Madhuparka besteht aus Honig, Dickmilch und Ghee und wird in einem Bronzegefäß dargebracht; es erfreut alle Gottheiten.“ Das Bronzegefäß kann allgemein verwendet werden. Das Meru Tantra unterscheidet Madhuparka-Gefäße nach Gottheiten: „Bronze oder Silber für die Shiva-Verehrung, vorzugsweise Muschel für Hari, Mahashankha im linken Weg und Bergkristall für Grahanayaka.“ Der letzte Gottheitsname ist wie in der Parallelstelle auf S.193 nicht sicher gelesen.

S. 203, Ersatzstoffe für Madhuparka
Deutsch: Ebendort: „Madhuparka ist Dickmilch mit Honig. Sind die Zutaten nicht erhältlich, tritt Milch an die Stelle der Dickmilch und Rohzucker an die Stelle des Honigs. Für Ghee gibt es jedoch keinen Ersatz.“

S. 203, Deutung des Namens Madhuparka
Deutsch: Die Bedeutung des Namens wird dort so erklärt: „Ihr Götter, die höchste Stätte wird Madhu genannt. Die Handlung, durch die sie erlangt wird, heißt Madhuparka.“ Gemeint ist eine der Gottheit gewidmete Gabe, deren Frucht das Erlangen der höchsten Stätte ist. Diese Erklärung dient dem Lob der Frucht der Madhuparka-Gabe. Die eigentliche Wortherleitung lautet dagegen: Hier werden Dickmilch und die übrigen Zutaten mit Honig vermischt; daher Madhuparka, gemäß der Wurzel pṛc im Sinne des Verbindens.

S. 203, Badewasser und gottheitsspezifische Verbote
Deutsch: In der genannten Verehrungs-Paddhati: „Dann stelle man das Gefäß für erneutes Achamana auf. Das Bad des radtragenden Gottes der Götter erfolgt mit Muschelwasser.“ Bei Shiva ist Muschelwasser jedoch untersagt. Der Siddhantasangraha sagt: „Man verehre Vishnu nicht mit ungebrochenen Reiskörnern, Vinayaka nicht mit Tulasi, Durga nicht mit Durva und Shambhu nicht mit Muschelwasser.“ Lesungshinweis: Der lange Titel der angeführten Paddhati ist im Druck nicht sicher zu entziffern. Die Verbote werden als Aussagen der zitierten Quelle wiedergegeben.

S. 203, Weihe aller Einzelgefäße
Deutsch: Padya, Achamana und die anderen Gefäße werden wie das allgemeine Arghya aufgestellt. Ebendort heißt es: „Man richte das Padya-Gefäß und die übrigen nach dem Verfahren des allgemeinen Arghya ein.“ In der Mahakala-Samhita: „Man fülle sie mit Duftstoff, ungebrochenem Reis, Wasser und Blumen; in Padya die für Padya genannten Zutaten, in Arghya die für Arghya genannten. Die Zutaten für Badewasser, Achamana und die weiteren Gaben wurden bereits gelehrt; mit ihnen seien sämtliche Gefäße versehen.“ Im Meru Tantra: „Jedes einzelne Gefäß bespreche man sechzehnmal mit dem Mula-Mantra und zeige die Dhenu-Mudra …“ Das letzte Zitat ist bereits im Druck verkürzt.

S. 204, Berechtigung zum Shripatra
Deutsch: In einem anderen Tantra wird im Vira-Verfahren die Aufstellung von Shripatra, Shakti-Gefäß und weiteren Gefäßen gelehrt. In der Mahakala-Samhita: „Bei dieser Gelegenheit stelle man das Shripatra auf. Der Kaula vollziehe dies mit Prasanna, die Zweimalgeborenen mit Milch, Honig und ähnlichen Stoffen. Der Entsagte soll keines von beiden tun; der Brahmane begehrt es auch mit diesen beiden nicht.“ Prasanna bedeutet alkoholisches Getränk. Mit den „Zweimalgeborenen“ sind hier Kshatriyas und Vaishyas gemeint, mit dem einzelnen Dvija der Brahmane. Dieser soll es auch nicht mit Milch und Honig ausführen, weil er in diesem Verfahren keine Berechtigung besitzt. Die sozialen und rituellen Zulassungen sind Aussagen der historischen Quelle; die grammatische Form dvijaiḥ ist im Vers auffällig.

S. 204, Begrenzung der Darstellung und Shripatra-Platz
Deutsch: Weiter: „Deshalb lehre ich dies besonders für die Kaula-Handlung.“ Der Verfasser erklärt: Das betreffende Verfahren wird hier nicht niedergeschrieben, weil es nicht allgemein ist. An anderer Stelle heißt es jedoch: „Der Verständige zeichne rechts ein Mandala und stelle das Shripatra nach dem für das besondere Arghya gelehrten Verfahren auf …“ Die Nichtausführung des besonderen Verfahrens stammt vom Verfasser selbst; zusätzlich ist das anschließende Zitat bereits im Druck verkürzt.

S. 204, Shakti-, Guru-, Bhoga-, Vira- und Kula-Gefäß
Deutsch: Nach der Aufstellung des Shripatra rechts folgt die Anordnung der weiteren Gefäße. In der Mahakala-Samhita: „Links stelle man das Shakti-Gefäß auf, von den Göttern Verehrte. Dazwischen ordne man vier weitere Gefäße an: Guru, Bhoga, Vira und Kula. Die Mantras des Shripatra gelten für alle Gefäße; ebenso dessen rituelle Handlungen. Wer zu einer solchen vollständigen Ausführung nicht imstande ist, kann sie allgemein verehren. Die zehn, zwölf und sechzehn Kalas sind dabei nicht jeweils gesondert zu verehren. Man rufe die Shakti im Shakti-Gefäß an und den Guru im Guru-Gefäß; die Gefolgschaft im Bhoga-Gefäß, die Gottheiten der Umhüllungen im Vira-Gefäß und die Kaulikas im Kula-Gefäß. Nach der Anrufung verehre man sie gesammelt.“

S. 204–205, Zuordnung der Gefäße zu Personen
Deutsch: Weiter: „Zur Verwendung des Shripatra ist nur der Übende selbst berechtigt, niemand sonst. Das Shakti-Gefäß gehört der Shakti, das Guru-Gefäß dem Guru; das Bhoga-Gefäß den Söhnen und den übrigen Angehörigen, das Vira-Gefäß den Schülern und das Kula-Gefäß den Kaulikas. So ist die Zuordnung festgelegt.“

S. 205, Andere Anordnung und Anzahl
Deutsch: In einem anderen Tantra heißt es: „Zwischen Shripatra und Krug stelle man alle Gefäße auf: das Guru-Gefäß beim Krug, danach das Bhoga-Gefäß, dann das Shakti-Gefäß und daneben das Gefäß der Yoginis; danach das Vira-Gefäß und daneben das Bali-Gefäß. Padya und Achamana stelle man anschließend auf. Neun Gefäße sind die beste Ausführung, sieben die mittlere, drei die geringste; nur ein einziges Gefäß soll man nicht verwenden.“ Padya und Achamana stehen hier stellvertretend; auch Arghya-, Bade- und weitere Gefäße müssen aufgestellt werden.

S. 205, Vereinfachung und Kritik einer Gefäßzählung
Deutsch: Für den Fall, dass dies nicht möglich ist, sagt das Trishaktiratna: „Oder es seien nur die drei: Kalasha, Muschel und Shakti-Gefäß.“ Nach dem Verfasser des Sudharnava sind auch bei dieser Ausführung Padya und die weiteren Gefäße aufzustellen, weil sie für die Puja gebraucht werden. Die vom Verfasser des Mantrachintamani angeführte Lesung „Padya und Achamana, und Arghya gilt als das neunte“ sei fehlerhaft: Eine solche Lesung finde sich in vielen Werken wie Sudharnava und Kalpalata nicht; außerdem würde Shripatra als zusätzliches Gefäß überzählig, wenn Arghya schon das neunte wäre. Deshalb heißt es in der Kularatnavali: „Kula-Krug, Shripatra, Shakti-Gefäß, Guru-Gefäß, Bhoga-Gefäß, Yogini-Gefäß, Kula-Gefäß, Vira-Gefäß und als neuntes das Bali-Gefäß.“ Die Textkritik wird als Argumentation des Verfassers wiedergegeben.

S. 205–206, Nektartropfen und Tarpana
Deutsch: Im Trishaktiratna: „Mit einer Blume oder einem ähnlichen Hilfsmittel nehme man einen Tropfen des Muschelnektars auf und gebe ihn in alle Gefäße. Alles vergegenwärtige man sich als göttlich.“ Im Tattvarnava: „Nachdem der verständige Übende so meditiert hat, bringe er beiden am Scheitel Tarpana dar.“ Mit „beiden“ sind Anandabhairava und Anandabhairavi gemeint. Ihre Meditationen werden später beschrieben.

S. 206, Tarpana für die drei Guru-Ströme
Deutsch: Im Trishaktiratna: „Am eigenen Brahmarandhra bringe der verständige Mantrakundige mit der Tattva-Mudra und dem Stoff aus dem Guru-Gefäß den drei Überlieferungsströmen Tarpana dar. Auch den eigenen Gurus bringe er es dar, dreimal oder einmal. Im eigenen Herzlotus bringe er dann der Kula-Herrin, umgeben von ihrer Gefolgschaft, den Nektar aus dem Göttinnengefäß dar.“ Göttinnengefäß bedeutet Shripatra. Die Tattva-Mudra wird später erläutert. Die drei Ströme sind der göttliche, der Siddha- und der menschliche Überlieferungsstrom.

S. 206, Guru-Folge der Kalika
Deutsch: Die Gurus von Shyamas göttlichem Überlieferungsstrom werden im Bhava-Chudamani genannt: „Zuerst die Göttin Kalika; höre ihre Guru-Folge. Mahadevi, Mahadeva, Tripura und Bhairava heißen die Gurus des göttlichen Stromes. Nun nenne ich dir die des Siddha-Stromes: Brahmananda, Purnadeva, Chalachitta, Chalachala, Kumara, Krodhana, Varada, Smaradipana, Maya und Mayavati. Höre nun, Geliebte, die des menschlichen Stromes: Vimala, Kushala, Bhimasena, Sudhakara, Mina, Gorakshaka, Bhojadeva, Prajapati, Muladeva, Avantideva, Vighneshvara, Hutashana, Santosha und Samayananda. Diese gelten als die Gurus der Kalika.“

S. 206, Aufenthaltsorte und Gurunamen
Deutsch: „Die göttlichen Gurus weilen stets im Himmelsraum, die Siddhas auf der Erde und auch hier; die Gurus des menschlichen Stromes tragen unter den Menschen stets meine Gestalt. Die Gurus, deren Namen auf Anandanatha enden, gewähren alle Siddhis. Auch Frauen sind Gurus; ihre Namen werden mit Amba am Ende genannt. Am Ende des menschlichen Stromes füge man, Göttin, die eigenen Gurus hinzu.“

S. 207, Guru-Folge der Tara
Deutsch: Ebendort steht auch die Guru-Folge der Tara-Vidya: „Nun werde ich die Tara-Gurus nennen, die sichtbare und unsichtbare Früchte schenken: Urdhvakesha, Vyomakesha, Nilakantha und Vrishadhvaja bilden den göttlichen Strom und verleihen Siddhi. Höre nun, mein Kind, die des Siddha-Stromes: Vashishtha, Kurmanatha, Minanatha, Maheshvara und Harinatha. Nun nenne ich die wahren Gurus des menschlichen Stromes: Taravati, Bhanumati, Jaya, Vidya, Mahodari, Sukhananda, Parananda, Parijata, Kuleshvara, Virupaksha und Pheravi. Damit ist Tarinis Kula genannt. Die Gurus, deren Namen auf Anandanatha enden, gewähren alle Siddhis. Auch Frauen sind Gurus; ihre Namen werden hier mit Devi am Ende genannt.“ Lesungshinweis: Der letzte Name Pheravi ist im Druck nicht sicher lesbar.

S. 207, Guru-Folge der Shrividya
Deutsch: Nun die Shrividya-Gurus ebendort: „Jetzt lehre ich, Herrin der Götter, die Guru-Folge der ehrwürdigen Shodashi: Anandanathadeva, Paraprakashaka, dann der Gott Parashiva, danach Parashakti, Kauleshvara, Shaktideva, Kuleshana und Kamuka. Nun nenne ich die des Siddha-Stromes: Bhogakrida, Bhairava, Samaya, Deva und Sahaja. Höre, Geliebte, die des menschlichen Stromes: Gaganesha, Vishnu, Vimala, Sahaja, Bhuvana, Nila und Supriya. Damit sind die Gurus in ihrer Reihenfolge genannt.“ Lesungshinweis: Gaganesha und einzelne seltene Namensformen bleiben lokal unsicher.

S. 207–208, Guru-Folge der Durga
Deutsch: Nun die Durga-Guru-Folge ebendort: „Höre, mein Kind Mahadeva, die Gurus des Durga-Mantras: Paramatman, Parananda, Parameshthin, Mahodaya, Krishna, Kala, Kalanatha und abschließend Bhairava bilden den göttlichen Strom. Narada, Kashyapa, Shambhu, Bhargava und Kulakaulika – diese fünf, Mahadeva, heißen die Gurus des Siddha-Stromes. Danach werden genannt: Rudracharya, Kshamacharya, der Pavanashana Genannte, Kumarisha, Shaktidhara, Ghanananda, Prakashaka, Harisharma, Vishnusharma, Dattatreya, Priyamvada, Bahula, die Göttin Shakini und Charyanatha.“

S. 208, Anrufung namentlich bekannter Gurus
Deutsch: So sind die Guru-Folgen der jeweiligen Vidya aus den zugehörigen Kalpas zu entnehmen. Ihr Tarpana lautet: „Ich bringe den ehrwürdigen Padukas des ehrwürdigen [Name]-Anandanatha Tarpana dar.“ Ebenso: „Ich bringe den ehrwürdigen Padukas der ehrwürdigen [Name]-Amba Tarpana dar“, und entsprechend weiter. Die Quelle verwendet Platzhalter für die Namen; sie werden nicht mit erfundenen Personen gefüllt.

S. 208, Drei oder vier Guru-Stufen
Deutsch: Die vier Guru-Stufen nennt der Bhavanirnaya: „Dem Guru, Paramaguru, Paraparaguru und Parameshthi-Guru bringe man im jeweils eigenen Amnaya Tarpana dar.“ Im Kulachudamani: „Wenn die Namen der Gurus unbekannt sind, verehre man die Dreier- oder Vierergruppe der Gurus; weiter darf sie nicht verkürzt werden.“ Im Bhavanirnaya: „Am Anfang ist überall, Herrin der Götter, der Mantra-Geber der höchste Guru. Du bist der Paraparaguru, und ich bin der Parameshthin.“ Die letzte Aussage gehört zum Dialog der göttlichen Sprecher; die Druckfußnote bezeichnet die grammatische Form als tantrischen Sprachgebrauch.

S. 208, Sieben Formeln der Tattva-Reinigung
Deutsch: Nun die Tattva-Reinigung. Der Text führt an: „Om. Mögen mein Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana gereinigt werden. Ich bin Licht; möge ich frei von Befleckung und Verfehlung werden. Svaha.“ Dann: „Om. Mögen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum in mir gereinigt werden; ich bin Licht …“ Weiter: „Om. Mögen Prakriti, Ichbewusstsein, Buddhi, Geist und Gehör in mir gereinigt werden …“ Weiter: „Om. Mögen Sprache, Auge, Gehör, Zunge, Geruchssinn und Rede in mir gereinigt werden …“ Weiter: „Om. Mögen Hände, Füße, Ausscheidungsorgan, Geschlechtsorgan und Klang in mir gereinigt werden …“ Weiter: „Om. Mögen Berührung, Form, Geschmack und Raum in mir gereinigt werden …“ Weiter: „Om. Mögen Luft, Feuer, Wasser, Erde und Selbst in mir gereinigt werden …“ Während man diese sieben Mantras spricht, berühre man siebenmal mit beiden Händen den ganzen Körper; dies ist Tattva-Shuddhi. Lesungshinweis: Das erste śrutiḥ ist ein Quellenhinweis, kein Teil der Formel. Die späteren Formeln sind schon im Druck mit „und so weiter“ gekürzt. Die auffälligen Wiederholungen und Zuordnungen der Sinnesbegriffe werden nicht nach einer anderen Fassung umgeschrieben.

S. 208–209, Bali und erneute Reinigung der Puja-Mittel
Deutsch: Im Vamachara gibt man zu diesem Zeitpunkt Vatuka und den übrigen die Bali-Gabe; das Verfahren wird später beschrieben. In einem anderen Tantra: „Nachdem man so die Tattva-Reinigung vollzogen hat, reinige man die Puja-Mittel.“ Im Meru Tantra: „Mit Wasser aus dem Besprengungsgefäß besprenge man sich selbst, die Opfergegenstände, Puja-Mittel und das Mandala, während man Mula und Astra spricht. Man zeige die Dhenu-Mudra; dies gilt als Reinigung der Stoffe.“

S. 209, Verehrung der eigenen göttlichen Gestalt
Deutsch: „Die Gottheiten des Yoga-Pitha-Nyasa verehre man an ihren jeweiligen Stellen. Dann verehre man durch innere Vergegenwärtigung die eigene Gottheit auf dem Juwelensitz. Man meditiere über sich selbst in der Gestalt der Gottheit. Mit dem Mula-Mantra bringe man fünf Handvoll Blumen dar: am Kopf, am Herzen, am After, an den Füßen und am ganzen Körper. Man verehre mit Sandel und den übrigen vier Upacharas und bringe Naivedya dar. Das Weitere vollende man nach der vom Guru gelehrten Vorschrift.“

S. 209, Japa-Darbringung und Guru-Puja
Deutsch: „Nachdem der Gesammelte all dies wie zuvor mit dem Besprengungswasser vollzogen hat, führe er den Sechsglieder-Nyasa aus, wiederhole den Mantra einhundertachtmal und bringe ihn der Gottheit mit Muschelwasser dar. Das Wasser im Besprengungsgefäß stelle er wie zuvor bereit und verehre den Guru im Mandala mit Sandel und den übrigen Gaben.“ Lesungshinweis: Der erste Satz ist im Druck verkürzt; keine zusätzliche Handlung wird ergänzt.

S. 209, Lotusmitte, Reis und Kurcha-Bündel
Deutsch: „Zuerst verehre man die Lotusmitte. Dann lege man Shali-Reiskörner und enthülsten Reis aus, darüber Darbha-Gräser mit den Spitzen nach Norden und anschließend das Kurcha-Bündel samt ungebrochenem Reis. Siebenundzwanzig lange Kusha-Halme mit abgeschnittenen Wurzeln, oben mit einem Brahma-Knoten verbunden, heißen hier Kurcha. Man verehre von der tragenden Shakti an bis zum abschließenden Pitha-Mantra.“

S. 209–210, Beginn der Pitha-Puja
Deutsch: Die Art der Pitha-Puja wird ebendort beschrieben: „Die Guru-Folge verehre man im Norden, Mahaganapati im Süden. Unterhalb der Gottheit verehre man die sieben mit Atala beginnenden Unterwelten, darüber Manduka, den Frosch, und danach Rudra als Kalanala, das Zeitfeuer.“

S. 210, Tragende Shakti, Kurma und Ananta
Deutsch: In der Sharada: „Unten verehre man die tragende Shakti, die auf einem Schildkrötenstein sitzt, leuchtend wie der Herbstmond und mit zwei Lotussen in den Händen.“ „Auf einem Schildkrötenstein sitzend“ bedeutet: auf einem schildkrötenförmigen Stein. Weiter: „Auf ihrem Haupt verehre man die blauschimmernde Schildkröte; darüber Ananta, weiß wie eine Kunda-Blüte, auf dem Brahma-Stein sitzend, ein Rad tragend und die Erde auf dem Haupt stützend.“

S. 210, Erde, Edelsteininsel und Wunschbäume
Deutsch: „Dort verehre man die Erde, dunkel wie Tamala, eine blaue Wasserlilie tragend, mit den schimmernden Meeren als Gürtel. Auf ihr verehre man die Edelsteininsel und darauf den Juwelenpavillon. Darin verehre man die Wunschbäume, die dem Übenden das Ersehnte verwirklichen. Unter ihnen verehre man die vom Mandala erstrahlende Plattform und darauf wiederum den Sitz mit Dharma und den übrigen Stützen.“

S. 210, Gestalten der vier Stützen und Gegenkräfte
Deutsch: „Dharma und die übrigen Stützen verehre man als Füße des Sitzes, rot, dunkel, gelb und saphirblau, in Gestalt von Stier, Löwe, Bhuta und Elefant. An den Körperteilen des Sitzes verehre man ihre mit der Verneinung versehenen Gegenstücke in den genannten Gestalten.“ Bhuta bezeichnet hier eine Art göttliches Wesen; die verneinten Gegenstücke sind Adharma und die übrigen. Mit den genannten Merkmalen sind Stiergestalt und die weiteren Gestalten sowie Rot und die übrigen Farben gemeint. Im Meru Tantra dagegen werden Adharma und die übrigen Gegenkräfte als bunt beschrieben: „Dharma sei rot und stiergestaltig; Erkenntnis schwarz und löwengleich; Nichtanhaften gelb und bhutagestaltig; Herrschaft einem schwarzen Elefanten gleich. Adharma und die übrigen verehre man bunt unterhalb des Sitzes.“

S. 211, Der Lotus als Entfaltung des Bewusstseins
Deutsch: Weiter: „An den Ecken von Südosten an und in den Himmelsrichtungen verehre man nun den Lotus.“ Die Art wird so erklärt: „Zuerst verehre man seine Wurzel als Glückseligkeit, danach seinen Stängel als Bewusstsein und anschließend den Lotus als Wesen aller Tattvas. Der Mantrakundige verehre seine Blätter als Prakriti, seine Staubfäden als deren Entfaltungen und seine Mitte als erfüllt von den Samen der fünfzig Buchstaben.“

S. 211, Kreise, Selbstformen und neun Shaktis
Deutsch: „In der Mitte verehre man Sonne, Mond und Feuer samt ihren Kalas mit den drei Teilen des Pranava, sodann die Gunas von Sattva an. Man verehre Atman, Antaratman, Paramatman und Jnanatman vorschriftsgemäß, mit dem Pitha-Mantra als Abschluss. Die Pitha-Shaktis verehre man an den Staubfäden und in der Mitte [die Shakti] mit Segens- und Furchtlosigkeitsgeste.“ Gemeint ist, dass die neunte Pitha-Shakti in der Mitte verehrt wird. Auch das Meru Tantra sagt: „An den Staubfäden, von Osten an der Reihe nach, und in der Mitte verehre man die neun Shaktis des für den jeweiligen Mantra gelehrten Sitzes.“

S. 211, Einsetzung der Gottheitsgestalt
Deutsch: „Dann verehre man mit dem Pitha-Mantra und Duftstoffen und weiteren Gaben in der Sitzmitte, jeweils mit den eigenen Namen im Dativ und mit Namah. In der Mitte bringe der Übende mit dem Pitha-Mantra eine Handvoll Blumen dar. Nachdem er den Mula-Mantra und den Namen des Sitzes im Genitiv gesprochen hat, sage er ‚Ich vergegenwärtige die Gestalt‘ und setze die Gestalt in die Mitte ein.“

S. 211–212, Beschaffenheit und Maße des Kalasha
Deutsch: Im Mahakapila-Pancharatra: „Der schöne Kalasha sei aus Gold, Silber, Kupfer oder fehlerfreiem Ton und mit Sandel bestrichen.“ Seine Maße nennt der Siddhantasara: „Der Durchmesser beträgt fünfzig Fingerbreiten, die Höhe sechzehn; die Öffnung des Kalasha acht Fingerbreiten.“ Die ungewöhnliche Maßangabe für vyāsa wird nach dem Druck wiedergegeben und nicht still in Umfang umgedeutet.

S. 212, Reinigung und Umwicklung des Kalasha
Deutsch: In der Sharada: „Der schön gestaltete Krug aus Gold oder anderem Material sei innen mit Astra-Wasser gewaschen und mit Sandel, Aguru und Kampfer ausgeräuchert, unbeschädigt und ohne Löcher; er werde mit einem dreifachen Faden umgeben.“ Ein anderes Tantra präzisiert: „Mit einem von einem unverheirateten Mädchen gesponnenen, dreifachen Faden, der die drei Gunas verkörpert, umwickle man ihn ringsum gleichmäßig.“ Lesungshinweis: Die Form aviṣṭitāṅgam im ersten Zitat ist unsicher; ihr Sinn wird vorläufig als unversehrter Körper verstanden.

S. 212, Juwelen, Kurcha und Aufstellung
Deutsch: In der Sharada: „Der Mantrakundige stelle den mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben verehrten Krug auf, versehen mit Kurcha und ungebrochenem Reis und mit neun Juwelen im Innern, während er Tara spricht.“ Im Meru Tantra: „Der hervorragende Lehrer stelle ihn vorschriftsgemäß auf, während er Dhruva wiederholt. Er gebe die neun Juwelen in den Krug und darauf Kurcha, verbunden mit Durva, Sandel und einer Dakshina-Gabe.“ Die neun Juwelen werden ebendort genannt: „Pushpa, Nila, Vaidurya, Koralle, Perle, Smaragd, Diamant, Gomeda und Padmaraga: Diese neun Juwelen nennen die im Tantra bewanderten Lehrer.“ Die traditionellen Edelsteinnamen Pushpa, Vaidurya und Gomeda werden ohne unsichere moderne Mineralbestimmung bewahrt.

S. 212, Geistige Wiederholung bei der Füllung
Deutsch: „Während der Mantrakundige den Krug nach und nach füllt, wiederhole er die Matrika im Geist. Am Ende wiederhole er den Mula-Mantra und vergegenwärtige die Einheit des eigenen Selbst.“

S. 213, Einheit von Krug und Sitz
Deutsch: „Der hervorragende Übende vergegenwärtige außerdem, dass Krug und Sitz nicht verschieden sind. Danach fülle er ihn mit einem Absud aus fünfzig Heilpflanzen. Mit einer zusätzlichen sind es die folgenden Buchstabenpflanzen.“ Die folgende Liste erläutert selbst, dass die Gewürznelke bei der Fünfzigerzählung ausgelassen wird; die Benennung der Pflanzen wird nach der Quelle erhalten.

S. 213, Liste der Buchstabenpflanzen
Deutsch: „Sandel, roter Sandel, Aguru, Kampfer, Ushira, Kushtha, Valaka und Keshara; Kankolaka, Jatiphala, Jatamansi, Mura, Granthika, Rochana, Jatipatra, Pippala und Bilva; Prishniparni, Chitraka, Gewürznelke und Kanatrina; Katphala, Gunja, Udumbara und Kashmari; Padmakashtha, Shankhapushpi und Mayurashikha; Plaksha, Agnimantha, Mudgaparni und Kusha; Pashanabhedaka, Krishna und Shankhapushpi sowie Rohini; Shyonaka, Brihati, Patali und Mushakarnika; Tulasi, Shikhari, Indravalli und Bhringaraja; Aparajita, Talamuli, Kritanjali, Durva, Shridevi und Kanya, Bhargi und Bhadramustaka. Ohne die Gewürznelke beträgt ihre Zahl fünfzig.“ Lesungshinweis: Mehrere seltene Pflanzennamen und die Trennung von kṛṣṇaśaṅkhapuṣpyau sowie śrīdevikanyākhye bleiben unsicher. Wiederkehrende Namen werden nicht gestrichen. Die gedruckte Zählung wird angegeben, ohne eine künstlich bereinigte Pflanzenliste herzustellen. Die Fußnote erklärt „der Bhṛṅga genannte König“ als Bhringaraja.

S. 213–214, Andere Flüssigkeiten zum Füllen
Deutsch: „[Man fülle] mit Abkochungen der Rinden milchsaftführender Bäume und der Rinden der drei genannten Baumarten.“ „Man fülle“ ist zu ergänzen. In der Sharada: „Der Verfahrenskundige vergegenwärtige die Einheit von Krug und Sitz und fülle ihn mit einem Absud milchsaftführender Bäume, mit einem aus Palasha-Rinde oder mit heiligen Wassern, die von Kampfer, Duftstoffen und Blumen wohlriechend gemacht sind. Dabei wiederhole er vorschriftsgemäß die Matrika rückwärts und ebenso den Mula-Mantra, in der Vorstellung der Einheit mit dem Selbst und der Gegenwart der Gottheit.“ Lesungshinweis: Die dreifache Baumangabe im ersten Halbvers ist nicht sicher aufzulösen.

S. 214, Kalas in der gefüllten Muschel
Deutsch: „In die mit Abkochungswasser gefüllte Muschel rühre man die acht Duftstoffe ein, die das Erwünschte schenken. Man rufe darin die Kalas an und verehre sie im Kalasha: zuerst die zehn Feuer-Kalas, dann die zwölf der Sonne, die sechzehn des Mondes und anschließend die fünfzig Kalas. Oder der Mantrakundige wiederhole den Mula-Mantra rückwärts. Mit gesammeltem Geist über die Gottheit des Mantras meditierend, vollziehe der Tantrakundige dort Prana-Pratishtha. Den in der Muschel befindlichen, von den Kalas erfüllten Absud gebe man in den Krug.“ Die wechselnden Ortsangaben Muschel und Kalasha werden nach dem Druck beibehalten.

S. 214, Duftstoffe für Ganesha und Shakti
Deutsch: Im Meru Tantra: „Man fülle die Muschel mit Abkochungswasser oder gutem Wasser, das durch Duftpaste, Blumen und Ähnliches wohlriecht, und rühre darin die acht Duftstoffe für die jeweilige Gottheit ein. Für Ganapati werden Sandel, Aguru, Kampfer, Rochana, Safran, Mada, roter Sandel und Yava genannt. Als acht Duftstoffe der Shakti kennt man Sandel, Aguru, Kampfer, Chora, Safran, Rochana, Jatamansi und Moschus.“ Lesungshinweis: Die letzte Ganesha-Zutat yāvādi ist unsicher; Mada und Chora bleiben als Stoffbezeichnungen stehen, ohne eine ungesicherte Identifizierung.

S. 214, Duftstoffe für Shiva, Vishnu und Surya
Deutsch: „Die acht Duftstoffe für Shambhu sind Jala, Kashmira, Kushtha, roter Sandel, Sandel, Malava, Aguru und Kampfer. Für Vishnu werden Hivera, Sandel, Kushtha, Aguru, Safran, Sura, Sevyaka und Jatamansi genannt. Die acht für Surya kennt man als Jala, Kashmira, Kushtha, roter Sandel, Sandel, Tamala, Aguru und Kampfer.“ Seltene Stoffbezeichnungen werden beibehalten; die unterschiedlichen Lesungen Malava und Tamala werden nicht vereinheitlicht.

S. 214–215, Weitere Duftmischung und rituelle Kraft
Deutsch: „Mit Gorochana, Moschus, Kampfer, Aguru, Safran, Sandel, Elefanten-Brunstsekret, Darada und Lotussen: Durch die Verbindung der acht Duftstoffe und durch die Befähigung des Lehrers wird das Wasser im Krug mit Shakti erfüllt; so verstehen es die Kundigen.“ Lesungshinweis: Der Druck nennt weitere Zusätze zur als achtteilig bezeichneten Mischung; die Aufzählung wird nicht künstlich auf acht Zutaten gekürzt. Darada bleibt unbestimmt.

S. 215, Zehn Feuer-Kalas
Deutsch: „Zuerst verehre man die zehn zum Feuer gehörenden Kalas: Dhumrarchis, Ushma, Jvalini, Jvalini mit langem erstem Vokal, Visphulingini, Sushri, Surupa, Kapila und die beiden Havyavaha und Kavyavaha.“ Die beiden ähnlich klingenden Namen unterscheiden sich im Sanskrit durch die Vokallänge; sie werden nicht als Dublette gestrichen.

S. 215, Zwölf Sonnen-Kalas
Deutsch: „Danach verehre man die zwölf Sonnen-Kalas: Tapini, Tapini mit langem erstem Vokal, Dhumra, Marichi, Jvalini, Ruchi, Sushumna, Bhogada, Vishva, Bodhini, Dharini und Kshama.“

S. 215, Sechzehn Mond-Kalas
Deutsch: „Anschließend verehre der hervorragende Guru die sechzehn Mond-Kalas: Amrita, Manada, Pusha, Pushti, Tushti, Rati, Dhriti, Shashini, Chandrika, Kanti, Jyotsna, Shri, Priti, Angada, Purna und Purnamrita. Diese mondgeborenen Kalas schenken Glanz.“

S. 215–216, Fünfzig weitere Kalas
Deutsch: „Die fünfzig aus den Unterscheidungen der Veden und den übrigen hervorgegangenen Kalas rufe man herbei, setze sie ein und verehre sie im Kalasha, mit dem Mondzeichen verbunden: Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti, Indhi, Dipika, Rochika, Mochika, Para, Sukshma, Sukshmamrita, Jnanamrita, Apyayani, Vyapani, Vyomarupika, Ananta, Srishti, Riddhi, Smriti, Medha, Kantika, Lakshmi, Dyuti, Sthira, Sthiti, Siddhi, Jara, Palini, Kshanti, Ishvari, Rati, Kama, Varada, Hladini, Priti, Dirgha, Tikshna, Raudri, Bhaya, Nidra, Tandrika, Tut, Krodhini, Kriya, Utkari, Mrityu, Prita, Daruna, Asita und Ananta. Man verehre sie jeweils in der Mitte.“ Lesartenhinweis: Diese Liste weicht in mehreren Namen von der Kala-Liste auf S.172 ab, etwa Jara statt Jaya und den Namen nahe dem Schluss. Sie wird nicht an jene Liste angepasst. Die Lesungen sṛṣṭiṛddhī, indhi und tut sind lokal unsicher.

S. 216, Veda-Anfänge bei der Kala-Verehrung
Deutsch: „Mit den Anfängen ‚Hamsah shuchishad‘, ‚Pratad vishnuh‘, ferner Tryambaka, Gayatri und ‚Vishnur yonih‘ verehre der Verständige die Kalas, die aus den fünf Teilen von Tara hervorgehen. Man rufe die zehn mit Srishti beginnenden Kalas an und vergegenwärtige ihre Anwesenheit. Mit dem genannten Rig-Vers von ‚Hamsah shuchishad‘ an verehre man sie; nach der Einsetzung ihres Lebens verehre man die Kalas. Ebenso verehre der Verfahrenskundige nach der genannten Methode die mit Jara, Tikshna, Pita und Nivritti beginnenden Gruppen.“ Lesungshinweis: Die genaue Verbindung der beiden ersten Zitatworte ist im Vers verkürzt. Es sind Mantra-Anfänge beziehungsweise Namen, keine vollständig ausgeschriebenen vedischen Formeln.

S. 216, Sieben Unterscheidungen des Dhruva
Deutsch: „A und U, Ma, Bindu, Nada, Shakti und Shanta werden als die sieben Unterscheidungen von Dhruva genannt. Die letzten beiden werden gesondert behandelt.“ Im Siddhantasara: „Nachdem man über die Gottheit meditiert hat, gieße man das in der Muschel befindliche, von den Kalas erfüllte Wasser hinein.“ „In den Krug“ ist sinngemäß zu ergänzen.

S. 216, Blätter, Früchte und Umhüllung des Kruges
Deutsch: In der Sharada: „Danach verschließe der Guru die Krugöffnung mit zarten Zweigen von Ashvattha, Panasa und Mango, mit Indravalli zusammengebunden und als göttliche Bäume betrachtet. Darauf stelle er vorschriftsgemäß eine Schale mit Früchten und ungebrochenem Reis, in der Vorstellung der Früchte der Wunschbäume. Dann umhülle er den Krug mit einem Paar reiner Leinentücher.“ Im Meru Tantra: „Damit ist die Aufstellung des Hauptkruges beschrieben. Nun [verfahre man] in den Himmelsrichtungen von Osten an nahe den Torbögen …“

S. 217, Krüge an Toren und Zwischenrichtungen
Deutsch: „Nach Wunsch zeichne man Mandalas oder achtblättrige Lotusse. Darauf lege man an jedem Tor einen Haufen Shali-Reis und darauf einen gefüllten Kalasha. Darin verehre man: im Osten Dhruva, im Süden Dhara, im Westen Akupati und im Norden Vighnesha. Auch in den Zwischenrichtungen von Südosten an stelle man Krüge auf und verehre Amrita, Durjaya, Siddharthaka und Mangala.“ Lesungshinweis: Akupati ist als Name im westlichen Krug nicht sicher gelesen.

S. 217, Richtungswächter und Elefanten
Deutsch: „Dann verehre man in den Himmelsrichtungen von Osten an der Reihe nach die Lokapalas von Indra an in den Mandalas und auf den Krügen. Vor ihnen verehre man Airavata, Pundarika, Vamana, Kumuda, Anjana, Pushpadanta, Sarvabhauma und Supratika.“

S. 217, Rückkehr zur Hauptgottheit
Deutsch: „Dann kehre der Guru zu seiner Plattform zurück und lasse sich auf seinem Sitz nieder. Der hervorragende Guru vergegenwärtige dort mit dem Mula-Mantra die Gestalt, rufe in ihr die erwählte Gottheit an und verehre sie.“ In der Sharada: „Nachdem der Mantrakundige mit dem Mula-Mantra die Gestalt verehrt hat, rufe er im Zweig den Wunschbaum an und verehre darin die Gottheit des Mantras.“ Lesungshinweis: Die Verknüpfung von Gestalt, Zweig und Wunschbaum ist im zweiten Zitat syntaktisch verkürzt.

S. 217, Beginn der neun Anrufungshandlungen
Deutsch: Im Meru Tantra: „An der Gestalt und den weiteren Trägern führe man die neun Handlungen von Avahana an aus. Zuerst geschieht die Anrufung, während man den Mula-Mantra dreimal wiederholt. Man stelle sich vor: Die Gottheit kommt in feiner Gestalt aus ihrer eigenen Welt und nimmt in den Gestalten Wohnung. Der Verständige führe sie von ihrer eigenen Stätte auf dem Sushumna-Weg herbei, durch die Nasenöffnung hervortretend. Man halte eine Handvoll Blumen in der Hand und lege sie auf das Haupt der Gottheit.“

S. 218, Anrufung nach dem Siddhantasara
Deutsch: Im Siddhantasara: „Man nehme eine Handvoll Blumen mit der Trikhanda-Mudra, meditiere über die Gottheit wie gelehrt und spreche den Mula-Mantra. Dann nenne man die Gottheit im Vokativ und sage: ‚Komm hierher, komm!‘ Nachdem man erneut den Mula-Mantra gesprochen hat, führe man Shiva von seiner eigenen Stätte herbei.“ Das Wort Shiva steht hier für die jeweils verehrte Gottheit.

S. 218, Anrufung aus dem Herzlotus
Deutsch: In der Mahakala-Samhita: „Der Verständige nehme die Blume mit der Trikhanda-Mudra, bilde die Kara-Kacchapika und vollziehe die Meditation über die Göttin. In genau der Meditationsgestalt, die für den jeweiligen Mantra gelehrt wird, meditiere er durch Dhyana-Yoga über die Mutter der Welt. Aus der Mitte des Herzlotus führe er die Göttin durch die Nasenöffnung in die Blume und setze diese auf das Yantra.“

S. 218, Festigung der Gegenwart
Deutsch: Im Meru Tantra: „Mit der Avahani-Mudra setze man den Glanz der Gottheit in ihre Gestalt ein und spreche dabei den Mula-Mantra; dies gilt als Avahana. Dann vollziehe man das Festsetzen mit ‚Bleibe hier, bleibe hier!‘ Nach dem Mula-Mantra nenne man den Gottheitsnamen und füge diese Worte an. Man zeige die Asthapani-Mudra und vergegenwärtige: ‚Nun bist du da; bleibe fest gegenwärtig.‘ Danach bitte man: ‚Herr der Götter, durch Hingabe leicht erreichbar, mit allen deinen Umhüllungen verbunden: Solange ich dich verehre, bleibe ganz beständig gegenwärtig.‘ Nachdem man den Herrn so gebeten hat, vollziehe man das Herbeiführen seiner Nähe. Man spreche den Mula-Mantra und nenne die Gottheit im Vokativ …“ Die nächste Anrufungsformel folgt auf der nächsten Seite.

S. 219, Nähe und Festhalten der Gottheit
Deutsch: „Man sage zweimal: ‚Sei du hier nahe gegenwärtig!‘ Mit der Sannidhapana-Mudra erfreue man den Gott, der nun in der eigenen Nähe weilt. Dann vollziehe man Sannirodha, das Festhalten: Man spreche den Mula-Mantra, nenne die Gottheit im Vokativ und sage zweimal: ‚Bleibe festgehalten!‘ Man vergegenwärtige die von Mitgefühl erfüllte Gottheit, durch die Hingabe zum Bleiben bewegt und in der Kultgestalt beständig gegenwärtig.“

S. 219, Zuwendung und Verhüllung
Deutsch: „Man vollziehe das Zuwenden, spreche den Mula-Mantra und den Gottheitsnamen im Vokativ; danach sage man: ‚Wende dich mir zu!‘ Man meditiere über den einem zugewandten Gott mit seinem ganz heiteren Lotusgesicht und zeige die Sammukhikarani-Mudra; so wird dies gelehrt. Danach vollziehe man Avagunthana, die Verhüllung. Nach Mula-Mantra und Gottheitsnamen im Vokativ sage man: ‚Sei verhüllt!‘ Man zeige die Avagunthana-Mudra und stelle sich den Gott vor: von Hingabe bezaubert, die Augen vor Staunen weit geöffnet.“

S. 219, Vereinigung mit den Gliedgottheiten
Deutsch: „Sakalikarana geschieht so: Man setze die sechs Anga-Mantras in Herz und übrige Glieder des Gottes ein, spreche den Mula-Mantra und den Gottheitsnamen im Vokativ; dann sage man: ‚Sei mit allen Gliedern vereint!‘ Man meditiere darüber, dass die Gliedgottheiten im Gott als ihrem Ganzen ihren festen Platz haben. Denn durch Sakalikarana werden die ihrem Wesen nach verschiedenen Glieder mit ihrem Träger zu einem gemeinsamen Wirken verbunden.“

S. 219–220, Übergießen mit Nektar
Deutsch: „Ich werde Amritikarana erklären. Nachdem man die Gottheit auf dem Pitha eingesetzt hat, bilde man richtig die Dhenu-Mudra und meditiere darüber, dass Nektar auf das Haupt des Gottes herabregnet. Man besprenge ihn dreimal mit Arghya-Wasser unter dem Mula-Mantra, dreimal unter dem Dipini-Mantra und nochmals dreimal unter den Matrika-Buchstaben von A bis Ksha.“

S. 220, Bildung des Dipini-Mantras
Deutsch: „Vagbhava, zweimal ‚Sprich!‘, ‚Herrin der Rede!‘ und Vagbhava; Krīm̐, ‚Du Benetzte, du Befeuchtende, befeuchte! Große Erschütterung‘; zweimal ‚Bewirke!‘, das Kama-Bija, Saum̐, ‚Befreiung‘, zweimal ‚Bewirke!‘, Prasada und Paraprasada: Dieser aus siebenunddreißig Silben bestehende Mantra heißt Dipini; er vermehrt den Glanz des Gottes. Man spreche den Mula-Mantra, den Gottheitsnamen im Vokativ und ‚Sei mit Nektar erfüllt!‘ So wird Amritikarana gelehrt.“ Lesungshinweis: Die Bijas sind nach dem Druck wiedergegeben. Die übrigen Bija-Bezeichnungen bleiben Bezeichnungen; aus diesem Bildungsschema wird keine vermeintlich vollständig ausgeschriebene Formel ergänzt.

S. 220, Erfüllung mit höchstem Nektar
Deutsch: „Ich werde Paramikarana erklären. Man bilde die Mahamudra, spreche wie zuvor den Mula-Mantra und den Gottheitsnamen und sage: ‚Sei mit höchstem Nektar erfüllt!‘ Dann meditiere man über den Regen höchsten Nektars auf seinem Haupt …“ Das Zitat ist bereits im Druck durch Auslassungspunkte verkürzt.

S. 220, Gesten der Anrufung
Deutsch: Die Kennzeichen der Mudras, beginnend mit Avahana, werden im Lakshana-Samgraha beschrieben: „Man lege die Hände zu Anjali zusammen und setze die Daumen an die Grundgelenke der Ringfinger: Dies gilt als Avahani-Mudra. Nach unten gewendet heißt sie Sthapani. Die Verbindung beider Fäuste mit aufgerichteten Daumen bildet Sannidhapani; mit nach innen gesteckten Daumen gilt dieselbe als Samrodhini. Beide Fäuste nach oben gewendet bilden Sammukhikarani. Die mit der linken Hand gebildete Faust mit lang ausgestrecktem, nach unten gerichtetem Zeigefinger, ringsum bewegt, ist die Avagunthana-Mudra. Das Einsetzen der sechs Glieder in die Glieder der Gottheit ist Sakalikriti.“

S. 221, Dhenu- und Mahamudra
Deutsch: „Amritikarana erfolgt mit der Dhenu-Mudra. Bei ihr verbindet man die kleinen Finger und Ringfinger einander zugewandt und ebenso jeweils Zeige- und Mittelfinger: Dies ist die nektarspendende Dhenu-Mudra. Mit ineinander verschränkten Daumen und ausgespreizten Fingern entsteht die Mahamudra, wie sie für Paramikarana gelehrt wird, Geliebte. Diese Mudras verwende man beim Herbeirufen der Gottheit.“ Bei den ersten fünf Mudras sagt man der Reihe nach: „Komm hierher! Bleibe hier! Sei hier nahe gegenwärtig! Bleibe hier festgehalten! Wende dich hier mir zu!“ Lesungshinweis: Die vierte Formel steht im Druck als saṃnirohi, eine auffällige Form; sie wird nicht stillschweigend an die längere Anweisung auf S. 219 angeglichen.

S. 221, Innere Bedeutung der Anrufung
Deutsch: Im Uddisha: „Bei der Verehrung der vollkommen erfüllten Gottheit heißt Avahana ihr ehrerbietiges Zugewandtsein.“ Deshalb genügt hierzu das Zeigen der Avahana-Mudra. „Das Einsetzen des Allgegenwärtigen in das Yantra nennen die Wissenden Sthapana. Ihre Fähigkeit, die dargebrachte Puja anzunehmen und Gnade und anderes zu gewähren, nennen sie Sannidhya. Man vergegenwärtige diese Nähe bis zum Ende der gesamten Ritualhandlung: Dies bezeichnen die besten Mantrakenner als das durch Hingabe bewirkte Sannirodha. Jenes Prinzip ist die Wohnstatt der Glückseligkeit, gekennzeichnet durch Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. Beim Avagunthana meditiere man darüber, dass es hier alles durchdringt. Nachdem man Sakalikarana vollzogen hat, stelle man mit diesen Mantras die Einheit der Glieder mit ihrem Ganzen her und vollziehe Amritikriti. Das Verzeihen seiner Verfehlungen ist als Paramikriti zu verstehen.“

S. 221–222, Begrenzte Gestalt und Belebung
Deutsch: „Der Verfehlungen“ bedeutet hier: der Verfehlung, durch die Avahana-Mudra und die weiteren Gesten das unbegrenzte Brahman als begrenzt vorzustellen. Im Meru Tantra folgt auf „Während man das Herz des Gottes berührt“: „Man vollziehe die Prana-Pratishtha und spreche anstelle von ‚mein‘ den Namen der Gottheit; alles Übrige geschieht hier genau wie zuvor.“ „Anstelle von ‚mein‘“: Dies ist der einzige Unterschied gegenüber dem Einsetzen der Lebenskräfte in den eigenen Körper, das nach Bhutashuddhi zu vollziehen ist. Dort haben wir das im Jnanarnava gelehrte verkürzte Verfahren niedergeschrieben.

S. 222, Zuordnungen der Prana-Pratishtha
Deutsch: Das ausführliche Verfahren steht im Meru Tantra: „Die Seher des Prana-Pratishtha-Mantras sind Aja, Isha und Padmaja; seine Versmaße sind Rik, Yajus und Saman, seine Gottheit ist Pranashakti. Der Rishi wird am Kopf, die Versmaße am Mund, die Gottheit am Herzen eingesetzt. An der Scham: ‚Āṃ, Verehrung dem Bija‘; an den Füßen: ‚Hrīṃ, Verehrung der Shakti‘; am Nabel: ‚Verehrung, Krauṃ, dem Keil‘. Die Anwendung dient dem festen Verweilen der Lebenskraft.“ Lesungshinweis: Die Druckzeichen der drei Bijas sind nicht überall klar; insbesondere das dritte erscheint hier mit au, in der folgenden Folge hingegen mit o. Die Differenz bleibt kenntlich.

S. 222, Verschlüsselter sechsgliedriger Nyasa
Deutsch: „Om, Ām̐, Hrīm̐, Krom̐, Mam̐, die Ka-Gruppe mit Anusvara und die fünf Tattvas, beginnend mit dem Raum: Dies spreche man und setze ‚dem eigenen Selbst, Ām̐‘ am Herzen ein. Om, Ām̐, Hrīm̐, Krom̐, das Ca-Bija, die Ca-Gruppe in entsprechender Weise und die Fünfergruppe von Klang und den weiteren Sinnesgegenständen: Man spreche ‚dem Selbst, Īm̐, dem Kopf‘ und die ‚Gattin des Feuers‘. Dieselben Bijas, Um̐, entsprechend die Ta-Gruppe der retroflexen Laute und Gehör und die weiteren Sinne; dann sage man ‚dem daraus bestehenden Selbst, Ūm̐, der Haarlocke, Vashat‘. Dieselben Bijas, ‚dieses‘ und die mit der Rede beginnende Gruppe; man sage ‚dem daraus bestehenden Selbst, Aim, dem Schutzpanzer‘, anschließend Hum̐. Die zuvor genannten vier Bijas, Om̐, die Pa-Gruppe ebenso, Sprechen und die weiteren Tätigkeiten auf dieselbe Weise; Aum̐, ‚dem Auge‘ und den zugehörigen Abschluss. Die vier Bijas, Aṃ, die entsprechende Ya-Gruppe und Geist und die weiteren Glieder; ‚dem daraus bestehenden Selbst‘, der letzte Vokal und ‚der Waffe, Phat‘. Ebenso vollziehe man das Einsetzen vom Daumen bis zur Handfläche.“ Lesungshinweis: Dies ist eine verschlüsselte Bildungsanweisung, keine vollständig ausgeschriebene Rezitationsformel. Mehrere Bija-Zeichen und die Angabe etaṃ in der vierten Gliedfolge sind im Druck unsicher. Die dort nicht eindeutig bezeichnete Buchstabengruppe wird nicht ergänzt; „Gattin des Feuers“ bleibt die Bezeichnung des Quelltextes.

S. 223, Weitere Einsetzungen und Meditation über Pranashakti
Deutsch: „Man setze der Reihe nach Ām̐, Hrīm̐ und Krom̐ unterhalb des Nabels, unterhalb der Kehle und unterhalb des Scheitels ein, mit dem jeweils genannten Abschluss. Auf den acht Blättern des Herzlotus, beginnend im Osten, und auf seinem Fruchtboden setze man der Reihe nach die Buchstaben mit dem Herz-Abschluss ein: Yam̐, Lam̐, Ham̐, Pam̐, Vam̐ und Mam̐, Yam̐, Sam̐, Sham̐, Ksham – nach Gruppen in den Himmelsrichtungen. Dann meditiere man über Pranashakti, die im Herzen weilt: Ich verneige mich vor der roten, dreiäugigen Göttin auf einem roten Lotus in einem Schiff auf dem roten Meer; in ihren Lotushänden hält sie Schlinge, Stachel, Zuckerrohrbogen und Pfeile, Dreizack und Schädelschale.“ Lesungshinweis: Die Buchstabenfolge der Einsetzungen ist im Druck auffällig und zum Teil unsicher; sie wird nicht zu einer erschlossenen Standardfolge verändert. Auch die gedruckte Form des Kompositums für „rotes Meer“ ist beschädigt.

S. 223, Einsetzen der eigenen Lebenskräfte
Deutsch: „Man lege die Hand auf das Herz, spreche die vorher genannten Bijas und die acht mit Ya beginnenden Laute; dann sage man: ‚Hamsa, So’ham; meine Lebenskräfte sind hier gegenwärtig.‘ Nachdem man dies ebenso wiederholt hat: ‚Mein Jiva ist hier gegenwärtig.‘ Erneut wiederhole man dies und sage: ‚Alle meine Sinneskräfte.‘ Man wiederhole es nochmals und spreche: ‚Meine Rede, mein Geist, mein Sehen, mein Hören, mein Riechen und meine Lebenskräfte mögen hierherkommen und lange in Wohlbefinden bleiben.‘ Man spreche dies mit der ‚Gattin des Feuers‘ als Abschluss, rezitiere danach Tara und meditiere über den aus Licht bestehenden Körper: So geschieht das Festsetzen der Lebenskräfte.“ „Mein“ und die weiteren entsprechenden Worte beziehen sich auf das Einsetzen der eigenen Lebenskräfte. Die Bija-Folge und die benannten Abschlussformeln sind im Quelltext nur durch Rückverweise angegeben.

S. 223, Übergang zu den Opfergaben
Deutsch: Ferner: „Danach zeige man die Mudras, die in der Ritualvorschrift der jeweiligen Gottheit gelehrt werden. Anschließend verehre man den Gott mit den Opfergaben, die man nach seinen Möglichkeiten beschaffen kann.“ In einem anderen Tantra: „Nachdem man den Mula-Nyasa vollständig an der Gestalt der Gottheit vollzogen hat, bringe man die Gaben vom Sitz bis zu den Blumen dar.“ Die Opfergaben werden im Navaratneshvara so beschrieben:

S. 224, Fünf Opfergaben
Deutsch: „Duftstoff, Blume, Räucherwerk, Licht und Speisegabe: Diese fünf Dienste schenken die Frucht des Kaivalya, der Befreiung.“ Dies sind die fünf Upacharas.

S. 224, Zwei Folgen von zehn Opfergaben
Deutsch: „Wasser für die Füße, Arghya, Bad, Madhuparka und Wasser zum Mundspülen; dann die mit Duftstoff beginnenden und mit der Speisegabe endenden Gaben: Dies sind der Reihe nach die zehn Upacharas.“ In der Mahakala-Samhita: „Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser und Badewasser sind die ersten vier der Reihe nach; Duftstoff, Blume, Räucherwerk, Licht, Speisegabe und erneut Mundspülwasser: Diese nennt man die zehn.“ Dies sind die zehn Upacharas.

S. 224, Zwölf Opfergaben
Deutsch: In der Kularatnavali: „Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser, Bad, nochmals Mundspülwasser, Duftstoff, ungebrochene Reiskörner, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speisegabe und Betel: Diese zwölf Upacharas werden für die Verehrung gelehrt.“ Dies sind die zwölf Upacharas.

S. 224, Sechzehn Opfergaben im Navaratneshvara
Deutsch: Im Navaratneshvara: „Sitz, Willkommen, Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser, Madhuparka, erneutes Mundspülwasser, Bad, Gewand und Schmuck; Wohlgeruch, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speisegabe und Sandelpaste: Diese sechzehn Dienste vollziehe man bei der Verehrung.“ Dies sind die sechzehn Upacharas.

S. 224, Sechzehn Opfergaben in der Sharada
Deutsch: In der Sharada hingegen: „Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser, Bad, Gewand und Schmuck; Duftstoff und Blumen, Räucherwerk und Licht, Speisegabe und Mundspülwasser; Betel, Verehrung, Lobpreis, Tarpana und Verneigung: Diese sechzehn Dienste vollziehe man bei der Verehrung.“ Die Aufzählung enthält bei getrennter Zählung aller ausdrücklich genannten Glieder siebzehn Positionen; die im Quelltext genannte Zahl sechzehn bleibt erhalten.

S. 225, Achtzehn Opfergaben
Deutsch: So wird es gelehrt. Im Navaratneshvara: „Sitz, Willkommen, Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser, Bad, Gewand und heilige Schnur sowie jeglicher Schmuck; Duftstoff, Blume, Räucherwerk, Licht, Speise und Tarpana; Blumenschmuck und Salbung, Verneigung und Verabschiedung: Mit den achtzehn Upacharas vollziehe der Mantrakundige die Puja.“ Dies sind die achtzehn Upacharas. Die ausdrücklich genannten Glieder ergeben bei Einzelzählung neunzehn; die Zahl achtzehn wird aus dem Quelltext übernommen.

S. 225, Sechsunddreißig Opferdienste
Deutsch: Im Kommentar zum Sundari-Rahasya: „Sitz und Einölen, ebenso Abreiben und Anschauen; Ehrung, Begießen mit Ghee und weiteren Stoffen, dann Anrufung; Fußwasser, Arghya und Mundspülwasser, Badewasser und Madhuparka, erneutes Mundspülwasser, Gewand und heilige Schnur; Schmuck, Duftstoff und Blume, Räucherwerk und Licht; Betel, Speisegabe und Blumengirlande; Salbung und Lager, Yakschweifwedel und Fächer; Vorhalten des Spiegels, danach Verneigung; Gesang, Instrumentalmusik und Baldachine, Lobpreis, Homa und Rechtsumkreisung; Darreichen eines Zahnhölzchens und danach Verabschiedung des Gottes: Diese gelten als die sechsunddreißig Upacharas bei der Götterverehrung.“ Dies sind die sechsunddreißig Upacharas. Ebenso sind die vierundsechzig Upacharas und weitere Folgen in anderen Tantras nachzusehen. Die Verbindung von „Ehrung“ mit der anschließenden Ghee-Angabe ist im Druck knapp; die genannten Gaben werden vollständig bewahrt, ohne die Zählung durch zusätzliche Dienste zu ergänzen.

S. 225, Geistige Darbringung fehlender Gaben
Deutsch: Im Kuloddisha: „Was immer unter all den Opfergaben schwer zu beschaffen ist, vergegenwärtige man vollständig im Geist und bringe es durch das Darstreuen einer Blume dar. Zwischen den einzelnen Opferdiensten gebe man jeweils Wasser.“

S. 226, Darbringen des Sitzes
Deutsch: Das Verfahren zur Darbringung der Gaben wird im Sara-Samgraha gelehrt: „Links vom Gott bringe man unter dem Mula-Mantra einen Sitz dar. Aus Blumen, aus Holz, aus Stoff, aus Fell, aus Kusha oder aus Metall: Sechs Arten des Sitzes werden gelehrt, die der Gottheit Freude bereiten.“ Ein Blumensitz wird aus duftenden Blumen gefertigt. Ein Holzsitz wird aus Sandelholz und anderen nicht dornigen Hölzern gemacht. Der Stoffsitz besteht aus Baumwolle; als Kausheya wird hier eine Decke und Ähnliches genannt. Der Kusha-Sitz ist ein Polster aus siebenundzwanzig Kusha-Halmen. Dazu steht im Damara: „Ein Geflecht aus siebenundzwanzig Darbha-Halmen mit einem Knoten an der Spitze: So wird das Kennzeichen des Vishtara bei allen Opfern beschrieben.“ Der Metallsitz besteht aus Gold oder Ähnlichem; Eisen, Blei und dergleichen werden missbilligt. Der Fellsitz besteht aus dem Fell von Antilope, Tiger oder anderen Tieren. Lesungshinweis: Die Prosa unterscheidet zusätzlich kauśeya und kauśya; diese auffällige Erläuterung wird nicht still an die sechs Kategorien des Verses angeglichen.

S. 226, Willkommen
Deutsch: In der Jnanamala: „Ich werde das Verfahren der Opferdienste erklären. Nachdem man den glückverheißenden Sitz dargebracht hat, spreche man zunächst das Willkommen und die Frage nach dem Wohlergehen.“ Im Meru Tantra: „Man meditiere über den Gott mit seinen Gliedern und Umhüllungen, der zur Puja hierhergekommen ist; nach dem Mula-Mantra bringe man so das Willkommen dar.“

S. 226, Fußwasser und Arghya
Deutsch: In der Jnanamala: „Mit dem Herz-Mantra bringe man das Fußwasser an den Lotusfüßen des Gottes dar.“ „Mit dem Herz-Mantra“ bedeutet mit dem Mantra Namah. Im Yamala: „Dann gebe man in die Lotushände Arghya aus wohlriechendem Wasser.“ In der Jnanamala heißt es hingegen: „Danach bringe der Lehrer mit dem Kopf-Mantra Arghya am Haupt dar.“ „Mit dem Kopf-Mantra“ bedeutet Svaha. Auch Mahakala lehrt: „Die Sadhakas sollen Arghya mit dem Svaha-Mantra am Haupt darbringen.“

S. 227, Abweichende Reihenfolge und Mundspülwasser
Deutsch: In der Krama-Dipika wird das Darbringen des Fußwassers nach dem Arghya gelehrt: „Nachdem man den Sitz gegeben und ‚Willkommen!‘ gesprochen hat, [bringe man] ebenso Arghya, Fußwasser und Mundspülwasser dar.“ Im Siddhantasara: „Man gebe das Fußwasser mit dem Herz-Mantra, Arghya mit der ‚Gattin des Feuers‘, Mundspülwasser mit Svadha und mit derselben Formel Madhuparka.“ In der Sharada: „Mit dem Svadha-Mantra gebe man das Mundspülwasser an den Mund. Die Mantrakenner nennen dafür Jati, Gewürznelke und Kankola.“

S. 227, Madhuparka
Deutsch: Ferner: „Mit dem Svadha-Mantra bringe man dann Madhuparka an den Lotusmund. Die Weisen beschreiben ihn als Ghee und Dickmilch, mit Honig vermischt.“ Im Kuloddisha werden auch Milch und Zucker als Bestandteile des Madhuparka genannt: „Man bereite Madhuparka aus Honig, Zucker, Ghee, Dickmilch und Milch und bringe ihn vorschriftsgemäß dar. Der Honig überwiegt alle übrigen Zutaten; Dickmilch, Ghee und Zucker sind zu gleichen Teilen enthalten, die Milch in der geringsten Menge. So wird Madhuparka beschrieben.“

S. 227, Unterschiedliche Formeln für Mundspülwasser
Deutsch: In der Sharada: „Mit eben diesem Mantra bringe man mit Wasser die Mundspülung dar.“ „Mit eben diesem Mantra“ bedeutet: mit dem Svadha-Mantra. Hierzu führen die Verfasser des Sudharnava an: „Mit dem Varuna-Bija gebe man das Mundspülwasser; mit dem Wasser-Mantra gebe der Lehrer Madhuparka an den Mund.“ Im Hinblick auf die Übereinstimmung mit den eigenständigen Yamala-Aussagen stützen sie sich auf die Lesung „mit dem Svadha-Mantra“ und erklären, weil das Wort Sudha Nektar bezeichne, solle man Madhuparka und Mundspülwasser mit dessen Bija, dem Va mit Bindu, darbringen. Lesungshinweis: Die Argumentation wechselt im Druck zwischen svadhā und sudhā. Diese auffällige Verbindung bleibt in der Übersetzung sichtbar; eine vermutete Korrektur wird nicht eingesetzt.

S. 228, Diskussion über Darbringungswörter
Deutsch: Die Verfasser des Tantrasara erklären dagegen: Da das Darbringen des Arghya mit dem Wort Svaha vorgeschrieben wird, das eine Hingabe bezeichnet, ist beim unmittelbar daneben genannten Darbringen des Mundspülwassers das ebenfalls eine Hingabe ausdrückende Wort Svadha zu verstehen, nicht das Varuna-Bija, denn dieses bedeutet keine Hingabe. Entsprechend heißt es im Kulasara: „Zuerst spreche man den Mantra, dann nenne man den Gott als Empfänger im Dativ; anschließend füge man das Wort an, das die Hingabe ausdrückt. In dieser Reihenfolge richte man die Opferdienste ein, Herrin der Götter.“ Die beiden Aussagenkomplexe „Dann bringe der Lehrer Madhuparka mit dem Wasser-Mantra dar“ beziehungsweise „Dann bringe man mit dem Svadha-Mantra Madhuparka an den Lotusmund; mit demselben Mantra vollziehe man mit Wasser die Mundspülung“ und „Mit dem Varuna-Bija gebe man das Mundspülwasser“ seien nach dem Unterschied der Varnas zuzuordnen: Shudras seien nicht zur Aussprache von Svadha berechtigt. Daher, so erklären sie, erfolge die Darbringung der Upacharas mit Namah, Svaha, Svadha, Vaushat und den entsprechenden Mantras, weil diese Hingabe ausdrücken; eine Darbringung mit einem anderen Mantra sei ohne Beleg. Die Varna-Beschränkung ist die hier wiedergegebene traditionelle Begründung des zitierten Autors.

S. 228, Weitere Erklärungen zu Wasser-Bija und Svadha
Deutsch: Einige erklären: Weil die Darbringung von Madhuparka und Mundspülwasser mit dem Svadha-Mantra von allen Tantras anerkannt werde, habe der Instrumental in „mit dem Wasser-Mantra“ hier die Bedeutung einer Begleitung; man solle also mit dem Svadha-Mantra zusammen mit dem Wasser-Bija darbringen. Andere bringen die Aussagen so in Einklang: Der Wasser-Mantra diene zur Bereitung des Mundspülwassers, Svadha hingegen zu seiner Darbringung.

S. 228, Formeln für weitere Gaben
Deutsch: Ebendort: „Bad, Gewand, Schmuck, Duftstoff und Blume bringe man mit dem Herz-Mantra dar.“ „Mit dem Herz-Mantra“ bedeutet mit dem Wort Namah. Im Kali-Kalpa hingegen wird gelehrt: „Bad und Duftstoff gebe man mit dem Herz-Mantra, die Blumen mit Vaushat. Dann gebe man alles mit ‚Ich bringe dar‘, Maheshvari.“ „Alles“ bedeutet Gewand, Schmuck, Räucherwerk, Licht und die weiteren Gaben. Für die Speisegabe wird jedoch eine besondere Regel genannt, im Siddhantasara: „Mit ‚Ich bringe dar‘, dem Herz-Mantra und der ‚Gattin des Feuers‘ sowie mit der Tattva-Mudra bringe man der Gottheit die vorzügliche Speisegabe dar, Maheshani.“

S. 229, Salbung und Bad
Deutsch: Im Meru Tantra: „Nachdem man mit duftenden Ölen gesalbt und mit duftender Amalaki und weiteren Stoffen abgerieben hat, bade man mit warmem Wasser. Unter dem Mula-Mantra vollziehe man nach seinen Möglichkeiten Abhisheka mit Duftwasser, Milch, Dickmilch, Ghee, Honig und Zucker, mit jedem einzeln.“ In der Sharada: „Man vollziehe das Bad mit Duftwasser und lege zwei Gewänder an.“

S. 229, Farben der Gewänder
Deutsch: Die Gewänder werden im Meru Tantra beschrieben: „Für Vishnu und Bagalamukhi ein gelbes Seidengewand; für Shiva, Sarasvati und Parshvanatha ein weißes; für Shakti, Arka und Vighna ein rotes, ebenso für Bhauma und Samhita; für Bhairava, Kali und andere ein schwarzes, für Ragha und die weiteren ein blaues Gewand. Es soll ohne Löcher, ohne Schmutz, mit vollständigem Saum und ungetragen sein. Aus Baumwolle, Seide oder Rankava-Wolle ist es besonders geeignet.“ Lesungshinweis: Die Namen saṃhita und rāgha sind im Druck auffällig; ihre Zuordnung bleibt unsicher und wird nicht durch geläufigere Gottheitsnamen ersetzt.

S. 229, Ungeeignete Gewänder
Deutsch: „Aus einem durch Öl und Ähnliches verunreinigten Gewand entstehe Krankheit; aus einem löchrigen Bedrängnis. Ein fremdes Gewand bringe Armut, ein abgetragenes Verkürzung des Lebens. Ein angesengtes führe zu Unglück; bei einem am Körper getragenen und so dargebrachten [Gewand wird] Knechtschaft [genannt]. Ein von der Nadel durchstochenes bringe Pusteln und Ähnliches, ein schmutziges Verlust des Glanzes. Wolle beziehungsweise Haare am Gewand bringen den Verlust eines Sohnes, ein ungewaschenes Elend; ein mit Schleim, Urin und Ähnlichem verunreinigtes falsche Beschuldigung.“ Lesungshinweis: Die Verbindung um dāsyadatte und die Angabe ūrṇakeśe sind im Druck unklar; ihre Wiedergabe bleibt vorläufig. Die Folgen sind traditionelle Aussagen dieses Zitats.

S. 229, Heilige Schnur und Schmuck
Deutsch: Ebendort: „Nachdem man die heilige Schnur dargebracht hat, bringe man den Schmuck dar. Bei der Verehrung und den weiteren Handlungen verwende man dessen Namen im Dativ, mit Namah als Abschluss. Die Schmuckstücke sind von verschiedener Art, etwa Kronen und weitere Formen; die Kundigen sollen sie auch nach weiblichem und männlichem Schmuck unterscheiden.“

S. 230, Fünf Arten von Duftstoffen
Deutsch: Fünf Arten von Duftstoffen werden im Siddhanta-Samgraha gelehrt: „Durch Reiben entstanden, Parimala, durch Zerkleinern entstanden, tierischen Ursprungs und der Krishna-Sara genannte: So gelten fünf Arten von Duftstoffen.“ Durch Reiben entstanden ist beispielsweise geriebenes Sandelholz. Parimala entsteht durch Zerreiben duftender Stoffe. Durch Zerkleinern entstanden ist Pulver aus Gorochana und Ähnlichem. Tierischen Ursprungs sind Moschus und ähnliche Stoffe. Krishna-Sara ist die aus duftenden Stoffen wie Sandelholz gewonnene Essenz; im gewöhnlichen Sprachgebrauch ist sie als Atar bekannt.

S. 230, Drei Duftpasten
Deutsch: Ebendort: „Drei höchste Duftpasten gibt es: die der Yakshas, der Götter und der Gandharvas. Der Gottheit dargebracht, dienen sie der Verwirklichung von Dharma, Wohlstand, erfülltem Verlangen und Moksha.“ Die drei Pasten werden ebendort beschrieben: „Die aus Kuranga-Mada, Kankola, schwarzem Aguru und Sitabhra bestehende Paste, welche die Gottheiten erfreut, ist als Yaksha-Kardama bekannt. Dieselbe, mit Rochana versetzt, heißt Deva-Kardama. Die Götterpaste mit Patira gilt als Gandharva-Kardama.“ Kuranga-Mada ist Moschus, Sitabhra ist Kampfer, Patira ist Sandelholz.

S. 230, Sandelduft und weitere Duftmischung
Deutsch: In der Purashcharana-Chandrika: „Glückverheißend ist das in Malaya gewachsene, noch nicht beschnupperte und sehr kühlende Sandelholz, mit Kampfer, Aguru, Moschus und kaltem Wasser zerrieben.“ Im Meru Tantra: „Ein Teil Moschus, zwei Teile Mustaka; halb so viel Ela, Jatamansi, Tvak, Kushtha und Shilarasa; vier Teile Valuka, ebenso in Ghee geröstete Nakhi, Sugandhi, Kokila, Lohavana und Rajavacha; acht Teile Keshara und sechzehn Teile Mura; schwarzes Aguru, Akasira, Kaliya, Vajya sowie Teile von Sevantika und Arka: Man zerreibe dies mit Sandelholz.“ Lesungshinweis: Die Zuordnung der Mengen zu den einzelnen Stoffen und mehrere Namen im Schlussvers sind unsicher. Die Sanskritnamen werden bewahrt; aus der beschädigten Angabe wird keine präzise Rezeptur rekonstruiert.

S. 231, Abschluss der Duftmischung
Deutsch: „Diese zerriebene Mischung heißt Kamoda und erfreut den König der Gottheiten.“

S. 231, Fünf Rangstufen von Blumen
Deutsch: Auch die Unterschiede der Blumen werden ebendort gelehrt: „Fünf Arten von Blumen werden genannt: höchste, nächsthöhere, vorzügliche, mittlere und geringere. Ich werde ihre Merkmale erklären. Die höchste ist eine goldene Blume; sie ist stets geeignet. Man bringe sie nach dem Besprengen dar; sie kann erneut zur Verehrung verwendet werden. Als nächsthöhere gelten Blumen aus Silber und Kupfer; auch sie sind stets geeignet, drei Jahre beziehungsweise ein Jahr lang. Tulasi, Ketaki, Lotus, Karavira und Malati: Diese fünf nennt man vorzüglich. Zehn gelten als mittlere: Mallika, Kunda, Mandara, Tagara, Arjuna, Kimshuka, Parijata, Ashoka, Bilva und Champaka. Andere Blumen, die eine schöne Farbe und Duft haben, nennt man geringer. Man bringe diejenigen dar, die in der Vorschrift für den jeweiligen Mantra zugelassen sind.“ Die metallenen Blumen sind wiederverwendbare rituelle Nachbildungen. Die Angabe „stets“ steht bei Silber und Kupfer neben den genannten Zeitgrenzen; beides wird bewahrt.

S. 231–232, Ausgeschlossene Blumen und Ausnahmen
Deutsch: Nun die ebendort verbotenen Blumen: „Man bringe keine auf den Boden gefallene Blume, Knospe oder von Würmern angefressene Blume dar; keine am Körper haftende, beschnupperte, welke oder über Nacht liegen gebliebene; keine beißend riechende, geruchlose oder durch Würmer, Haare und Ähnliches verunreinigte. Verboten sind solche, die durch unreine Gefäße, Körperteile, Kleidung oder von verwerflichen Personen herbeigebracht wurden, ebenso solche nach dem Mittagsbad. Eine nach unten gerichtete Darbringung ist nicht erwünscht; beim Pushpanjali-Verfahren gilt dies nicht. Tulasi, Bilva, Champaka, Wasserblumen, Bakula und Agastya sowie Blumen im Haus eines Blumenbinders haben nicht den Fehler des Übernachtens. Isha verehre man nicht mit Ketaki oder Kutaja, Hari nicht mit ausgeschlossenen Gaben und ungebrochenen Reiskörnern; Durga nicht mit Durva, den Sonnengott nicht mit Bilva-Blättern und Lambodara nicht mit Tulasi. Man verehre mit [Blumen] ohne Stiel.“ Lesungshinweis: Die Verbindung zum Mittagsbad und der letzte Satz sind verkürzt und in ihrem Geltungsbereich unsicher; daraus wird keine zusätzliche allgemeine Blumenregel abgeleitet.

S. 232, Blumen für Ganesha und Sarasvati
Deutsch: Die verschiedenen Blumen für die einzelnen Gottheiten werden im Padma[-Purana] genannt: „Ganadhipa verehre man mit Durva, Rambha und Bilva-Blättern sowie mit glückverheißenden weißen und roten Wasser- und Landblumen, unter Ausschluss von Tulasi. Sharada verehre man mit Malati, Kunda, Mandara und Kumuda.“

S. 232, Blumen für die Sonne
Deutsch: „Karavira, Jaba-Blüte, Lotus und Kokanada, blauer Utpala, Ashoka, Bandhuka, Granatapfel, Ketaka, Mallika, Arka und Trisandhya sind Ravi lieb. Kanaka, Kumuda, Kunda, Tagara, Kantakarika, Girikarni und Bilva-Blätter sind bei der Verehrung Ravis verboten.“

S. 232, Blumen für Shiva
Deutsch: „Hayari-Blüte, Lotus, Kairava, Nagakeshara, Jati, Sevantika, Drona-Blüte, blauer Utpala, Arka-Blüte, Apamarga, Unmatta, Kutaja, Shami-Blüte und Bilva-Blatt sind Hara besonders lieb. Ketaka, Japa-Blüte, Shirisha, Damana, Vibhitaka, Atimukta, Sarja, Bandhuka und Yuthika sowie weiße Vishnukanta soll man bei der Verehrung Shivas meiden.“

S. 232–233, Blumen für Vishnu und Narasimha
Deutsch: „Malati, Mallika, Yuthi, Champaka, Nagakeshara, Patala, Kunda, Mandara, Kahlara, Atimukta, Karnikara, Kuruvaka, Kadamba, Karavira, Tamala, Bakula, blauer Utpala, Kamala und Kairava, Sevantika, Ketaka, Damana, Muni-Blüte, Dhatri-Blüte, Shami-Blatt, Apamarga-Blatt, junge Triebe kleiner Durva-Gräser, Shatapatrika, die Blütenrispe des Mangobaums und Tulasi sind Hari lieb. Unmatta, Arka-Blüten sowie geruchlose, übermäßig rote oder heftig riechende Blumen soll man bei der Verehrung Vishnus meiden. Narasimha bringe man rote Blumen und Bilva-Blätter dar; Ketaka-Blüten meide man. Alles Übrige gilt wie zuvor.“

S. 233, Gaben für Kali im Kali-Tantra
Deutsch: Im Kali-Tantra: „Mit verschiedenen Gaben und Balis, mit vielfältigen entzückenden Blumen, mit Apamarga-Blättern und Bhringa, glückverheißend und ohne Tulasi, soll sie stets hingebungsvoll verehrt werden, damit die Menschen die Frucht rasch erlangen.“

S. 233, Blumenliste der Mundamala
Deutsch: In der Mundamala: „Ebenso bringe man rote, schwarze und dunkle Blumen dar, auch weiße Blumen, Jaba-Blüten und Karavira, Geliebte; Tagara, Malati, Jati, Sevanti und Yuthika; Dhattura, Ashoka, Bakula, weiße und schwarze Aparajita; Baka-Blüten, Bilva, Champaka, Nagakeshara, Mallika, Giritika und Kashvi, was als rot bezeichnet wird; Arka-Blüten, Varvara und Bandhuka, du freundlich Sprechende. Besonders durch Arghya wird Parvati erfreut. Durch eine rote Lotusblüte werden alle Gottheiten erfreut; durch schwarze oder weiße Blumen wird Kalika zur Gewährerin von Gaben.“ Lesungshinweis: Die Farbangaben enthalten im Druck eine Überschneidung; einzelne seltene Blumennamen, insbesondere kāśvī, bleiben unsicher.

S. 233–234, Blumengaben nach dem Matsya-Sukta
Deutsch: Im Matsya-Sukta: „Man verehre sie mit duftenden weißen und roten Blumen, mit Kula-Gaben, mit Bilva, Maruvaka und anderen glückverheißenden Gaben, ohne Tulasi; besonders mit Kshaudra-Blüten. Jede Blume bringe man mit Vajra-Pushpa vermischt und mit hingebungsvollem Geist dar. Sie soll stets mit Hingabe verehrt werden; sie gewährt den Menschen rasch die Frucht.“ „Mit Kula-Gaben“ bedeutet mit Vajra-Pushpa und den entsprechenden Stoffen. Lesungshinweis: Die Bezeichnung kṣaudrapuṣpa ist unsicher. Vajra-Pushpa wird im folgenden Abschnitt als rituell verwendeter weiblicher Körperstoff erläutert; es ist hier kein gewöhnlicher Blumenname.

S. 234, Rote Blumen und Vajra-Pushpa
Deutsch: Im Kalika-Purana: „Kokanada, Lotus, Japa und Bandhuka: Unter allen Blumenarten ist die rote Blume besonders ausgezeichnet.“ Im Yamala: „Um Siddhi zu erlangen, bringe man Kalika Vajra-Pushpa dar. Yoni-Pushpa wird gegenüber Mahesha als Vajra-Pushpa bezeichnet.“ Yoni-Pushpa, die „Blüte der Yoni“, ist in diesem Zusammenhang eine verhüllende Bezeichnung für weibliches Menstrualblut. Die ungewöhnliche Dativform maheśāya bleibt gegenüber einer möglichen Anrede ungesichert.

S. 234, Drei Arten des Svayambhu-Kusuma
Deutsch: Die drei Arten des Vajra-Pushpa werden in der Mundamala gelehrt: „Das von einer Unverheirateten bis zum sechzehnten Jahr ist das höchste und gewährt alle Siddhis. Das gewaltsam von einer Verheirateten [Gewonnene] ist das mittlere und vermehrt den Genuss. Das andere, das sich durch das Eintreten der Monatsblutung ergibt, ist das geringere und spendet Wohlbefinden. Göttin, dreifach entsteht auf Erden Svayambhu-Kusuma, die von selbst entstandene Blüte.“ „Unverheiratet“ wird als „noch ohne Geschlechtsverkehr“ erläutert, „verheiratet“ als „mit Geschlechtsverkehr“. Die problematische Angabe „gewaltsam“ steht ausdrücklich im überlieferten Text; die Art des Vorgangs wird dort nicht näher erläutert. Dies ist die Wiedergabe einer historischen Ritualauffassung, keine heutige Praxisanregung.

S. 234, Ersatzgaben und Unterschiede der Überlieferungswege
Deutsch: In einem anderen Tantra: „So wie Kalika durch dargebrachtes Vajra-Pushpa erfreut wird, wird sie weder durch Gold noch durch Edelsteine oder Wundersteine erfreut. Fehlt Vajra-Pushpa, verehre man sie mit Jaba-Blüten. Auch mit Arka-Blüten soll Kalika, die Allglückverheißende, verehrt werden.“ Kalika bezeichnet hier die Vorsteherin des südlichen Amnaya. Im nördlichen Amnaya wird hingegen ein Verbot der Arka-Blüten gelehrt, in der Mahakala-Samhita: „Mit Tulasi, Apamarga, Dhattura, Sindhuvara, Arka-Blüten und Vasaka soll man die Göttin keinesfalls verehren.“

S. 234–235, Blumen der Mahakala-Samhita
Deutsch: Die zugelassenen Gaben werden ebendort genannt: „Mit Shirisha, Karnikara, Champaka, Kovidara, Bakula, Mandara, Kunda-Blüten und Kurantaka; mit den Zweigen des Brahma-Baums und guten Durva-Trieben; mit Kanchanara, Ashoka, Punnaga und Ketaki-Blättern; mit Sephalika, Yuthi, Jati und Damana; mit Shatapatra, Mallika, Amlana und Bandhujivaka; mit Kiriti, Japa-Blüten, Karavira und Kimshuka; mit Parijata, Patala, Lotus und blauem Utpala; mit Madhavi, Maruvaka und Aparajita; mit Arjuna, Kadamba und Drona-Blüten samt Keshara: Mit diesen Blumen verehre der trefflichste Sadhaka die Göttin. So sehr wie das Bilva-Blatt erfreut keine andere Blume die Göttin, Schönangesichtige. Deshalb bringe man sorgfältig ein dreiblättriges Bilva-Blatt dar.“

S. 235–236, Arten der Blumengirlanden
Deutsch: Ferner: „Man bringe eine aus verschiedenen Blumen gefertigte Girlande dar.“ Auch die Arten der Girlanden werden ebendort beschrieben: „Die Girlande kann aus Blumen derselben oder verschiedener Arten bestehen, einfarbig oder bunt sein, Geliebte. Nach ihrem Umfang ist sie dreifach: Die duftende Girlande, die bis zum Herzen reicht, heißt Vaikakshika und gilt als die geringste. Die Blumengirlande, die unterhalb des Nabels herabhängt, heißt Adharini; sie ist die mittlere, der ersten überlegen. Diejenige, die bis zu den Knöcheln herabreicht und über den Lotusfüßen liegt, ist als Vanamala bekannt; sie ist die beste aller Girlanden.“

S. 236, Blumen der zweiten Vidya
Deutsch: Nun zu den Blumen der zweiten Vidya. Im Nila-Tantra: „Am achten und vierzehnten Mondtag verehre man vorschriftsgemäß; dadurch erlangt man die Wirksamkeit des Befehls. Man gebe Jaba-Blüten, Varvari, Sandelholz, Arka-Blüten und weiße Aparajita. Durch eine Bandhuka-Girlande wird sie ebenso erfreut wie durch die Darbringung eines Ziegenbocks.“ Im Trishakti-Ratna: „Um Siddhi zu erlangen, verehre man mit [Blumen], die mit Vajra-Pushpa vermischt sind. Fehlt Vajra-Pushpa, erlange man Siddhi durch dessen Vergegenwärtigung. Mit heiterem Geist bringe man Blumen dar, ausgenommen Tulasi und Malati.“

S. 236, Weitere Regeln der zweiten Vidya
Deutsch: Im Matsya-Sukta: „Die besten Blumen sind roter Koka, Bandhuka und Shatapatraka; beide Arten von Varvari und beide Arten von Karnikara; Baka, Mandara, Mangoblüten und Karavira werden empfohlen.“ Im Kula-Chudamani: „Man meide die Malati-Blüte und meide das Tulasi-Blatt.“ In einem anderen Tantra: „Überall verehre man Chinasundari mit Vajra-Pushpa.“ Das bedeutet: Auch beim Darbringen anderer Upacharas soll man sagen: „Nimm Vajra-Pushpa entgegen, Svaha.“

S. 236, Blumen in der Shrividya-Paddhati
Deutsch: In der Shrividya-Paddhati: „Alle Wasserblumen, die es hier gibt, weiße, schwarze und rötliche, sowie die roten Landblumen, besonders Japa und Bandhuka, bringe man dar; auch weiße, duftende, ausgenommen Mallika, ferner gelbe Blumen und Bilva-Blätter. Geruchlose und schwarze Blumen sowie Tulasi meide man. Schon der bloße Duft von Tulasi erzürnt Sundari.“ Die Freigabe schwarzer Wasserblumen steht neben dem anschließenden allgemeinen Ausschluss schwarzer Blumen; die unterschiedliche Formulierung bleibt unverändert wiedergegeben.

S. 237, Tulasi und Mallika in verschiedenen Vorschriften
Deutsch: „Auch mit Palasha-Blüten verehre man Mutter Tripura nicht.“ Bei einer auf einen bestimmten Wunsch gerichteten Puja ist Mallika hingegen nicht verboten. Dazu steht im Jnanarnava: „Mit Mallika, Malati, Jati, Kunda, Shatapatraka und prächtigen weißen Utpala-Blüten verehre man einen ganzen Monat lang.“ Im Kaulavaliya: „Die Verehrung von Sundari, Bhairavi, Kali, Brahma, Vishnu und Vivasvat, bei der Tulasi ausgeschlossen wird, ist fruchtbringende Verehrung.“ Manche Handschriften lesen „fruchtlos“; auch dort ergibt sich nach Verbindung mit einem vorangehenden A der Sinn „nicht fruchtlos“, also „fruchtbringend“. Die im Pushpa-Chintamani niedergeschriebene Lesung „Brahma, Vishnu und Vivasvat“ ist jedoch fehlerhaft; denn ein Verbot von Tulasi bei der Verehrung Vishnus hat man nicht einmal im Traum gehört. Hier kritisiert der Verfasser selbst die von ihm angeführte Lesart; sie wird deshalb nicht stillschweigend aus dem Zitat entfernt.

S. 237, Gaben für weitere Mahavidyas
Deutsch: In einem Nibandha: „Durch rote Blumen wird Bhuvaneshvari besonders erfreut, ebenso Chinnamasta; durch gelbe hingegen Bagalamukhi. Besonders durch Gunja wird Matangi zur Gewährerin von Gaben.“ In der Mundamala: „Gerade durch Dhattura vom Verbrennungsplatz wird die höchste Dhumavati erfreut.“ Das Wort „gerade“ drückt hier eine besondere Empfehlung aus, nicht den Ausschluss aller anderen Gaben; denn ein anderes Tantra sagt: „Mit den für Shrividya genannten Blumen verehre man alle Vidyas.“

S. 237, Blumen für Lakshmi
Deutsch: Im Meru Tantra: „Kunda, Mandara, Kumuda, Malati, Lotus, Ketaka, Nandyavarta, die als Tahvaya bezeichnete Blume, Jati, Kahlara und Champaka, rote Utpala-Blüten und weitere Blumen sind Lakshmi besonders lieb.“ Lesungshinweis: Die Verbindung nach nandyāvarta ist im Druck unsicher; tahvaya wird vorläufig als überlieferte Bezeichnung wiedergegeben.

S. 237–238, Blumen für Durga
Deutsch: Für Durga hingegen steht im Bhavishya-Purana: „Mallika, Utpala, Lotus, Shami, Punnaga, Champaka, Ashoka, Karnikara und besonders Drona-Blüten, Karavira, Japa-Blüten, Kunkuma und Nagakeshara: Wer diese Blumen voller Vertrauen und Hingabe zur Verehrung Chandikas darbringt, Bharata, Bester der Menschen, erlangt alle seine Wünsche und wird zum Gefährten Shri Durgas.“ Ferner: „Punnaga, Champaka, Kunda, Yuthika, Navamallika, Tagara, Arjuna, Malli, Brihati, Shatapatrika, Kumuda, Kahlara, Bilva, Patala, Malati, Jaba, Vichakila, Ashoka, roter und blauer Utpala, Damana, Maru-Blätter und Shatapushpa [sind zu verwenden].“ Die Schlussform vicarcaye ist grammatisch unsicher; die vollständige Blumenliste bleibt erhalten.

S. 238, Gepriesene Früchte der Blumengabe
Deutsch: Ferner: „Wer Chandika mit wohlriechenden Duftstoffen und Blumen verehrt, mit einzelnen [Blüten] oder auch mit einer Girlande, erlangt die Frucht eines Pferdeopfers.“ Ferner: „Höre, Bester der Menschen, die Verdienstfrucht dessen, der Chandika eine Girlande aus tausend blauen Utpala-Blüten darbringt: Tausende und Hunderte von Kotis an Jahren erfreut er sich in Rudras Welt als Gefährte Shri Durgas.“ Lesungshinweis: Das gedruckte muktibhiḥ im ersten Vers ist auffällig; „mit einzelnen Blüten“ gibt den vermutlichen Gegensatz zur Girlande wieder, bleibt aber unsicher. Eine Koti bezeichnet zehn Millionen.

S. 238, Blumen für die Planetengottheiten
Deutsch: Auch für die Grahas steht ebendort: „Surya verehre man mit Hayari-Blüten, Chandra mit Kadamba, den Erdgeborenen [Mars] mit Japa-Blüten, den Mondsohn [Merkur] mit Champaka. Guru [Jupiter] werde mit Shatapatra verehrt, Bhargava [Venus] mit Jati-Blüten, der Lahme [Saturn] mit Mallika-Blüten, der Mondbedränger [Rahu] mit Kunda-Blüten und Ketu mit vielfältigen Blumen, stets bei den Befriedungsritualen.“

S. 238–239, Göttliche Gegenwart in der Blume
Deutsch: Im Yamala: „Durch Blumen werden die Götter erfreut, und in der Blume sind die Götter gegenwärtig. Wozu noch viele Worte? Dies ist der vortreffliche Lobpreis der Blume: Das höchste Licht weilt in der Blume und wird gerade durch die Blume erfreut. Die Blume dient der Verwirklichung der drei Lebensziele; sie schenkt Gedeihen, Glück, Himmel und Moksha. Am Grund der Blume wohnt Brahma, in ihrer Mitte Keshava, an ihrer Spitze Mahadeva; alle Götter weilen in ihren Blättern. Deshalb verehre der Mensch den Gott täglich mit Blumen und mit Hingabe.“

S. 239, Hingabe als entscheidender Grund
Deutsch: Im Kriyasara: „Mit allen Blumen ist sie stets zu verehren, mit zugelassenen und [nicht zugelassenen]. Die Verehrung aller Götter soll vollzogen werden; der entscheidende Grund ist hier Bhakti-Yoga. Die Puja der Göttin ist stets empfehlenswert, mit Wasser- oder Landblumen, seien sie zugelassen oder verboten, wenn der Geist von Hingabe erfüllt ist.“ Lesungshinweis: Im ersten Satz wiederholt der Druck vihita; der Gegensatz wird durch den folgenden Vers ausdrücklich bestätigt. Die zweite Bedeutung ist daher in eckigen Klammern kenntlich gemacht.

S. 239, Ersatz bei fehlenden Blumen
Deutsch: Im Meru Tantra: „Fehlen Blumen, [verehre man] mit jungen Trieben; fehlen auch diese, mit Knospen; fehlen sie, mit Früchten und Blättern; fehlen auch diese, mit Grassprossen.“ In einem anderen Tantra: „Blume oder Blatt sollen so dargebracht werden, wie sie gewachsen sind. Bei Bilva, Khadira, Dhatri, Tamala und Lotus sind auch angeschnittene oder zerteilte [Blätter beziehungsweise Blüten] nicht fehlerhaft.“

S. 239, Bis zur rein geistigen Puja
Deutsch: Im Malini-Tantra: „Höchste Herrin, fehlen Blumen, so verehre man mit Blättern. Sind auch Blätter nicht erhältlich, mit dem, was an Bäumen und Sträuchern entsteht; fehlt auch dieses, verehre man mit ihren Früchten, mit ungebrochenen Reiskörnern oder mit Wasser. Fehlt dies, dann mit Ghee oder weißem [Zucker]. Ist auch davon nichts erhältlich, vollziehe man die Puja im Geist.“ Lesungshinweis: Das alleinstehende sitaiḥ bezeichnet vermutlich weißen Zucker; das Bezugswort fehlt im gedruckten Satz.

S. 240, Beginn der Avarana-Puja
Deutsch: Im Meru Tantra: „Nach Abschluss der Blumengabe vollziehe man die Verehrung der Avaranas, der umgebenden Gottheitskreise.“ Dies gilt in der Gauda-Tradition und verwandten Überlieferungen. Anderswo ist zu verstehen, dass zuvor die Verehrung bis einschließlich Räucherwerk, Licht, Speisegabe und den weiteren Diensten vollzogen wird. Im Siddhantasara: „Zuerst spreche man den Mantra, dann das Wort Paduka mit Shri davor im Akkusativ und verehre mit ‚Ich verehre‘.“ In der Soma-Bhujangavali: „Der Verständige verehre dreimal mit dem Mula-Mantra. Nachdem er die Erlaubnis der großen Göttin eingeholt hat, verehre er ihr Gefolge. Die erste Anordnung besteht aus den sechs Gliedern, die zweite aus den Gurus, die dritte aus dem Gefolge, die vierte aus den Weltenhütern und die fünfte aus ihren Waffen. Dies ist die allgemeine Reihenfolge.“

S. 240, Verehrung der Gliedgottheiten
Deutsch: Im Yamala: „Danach verehre man die Gliedgottheiten mit Fußwasser und den weiteren Diensten.“ Im Meru Tantra: „Mit den Matrika-Buchstaben samt Bindu, vom Mantra umschlossen, verehre man der Reihe nach die Glieder des Gottes mit Duftstoff, Blumen und den weiteren Gaben.“ Ferner: „Auf den Staubfäden [des Lotus], beginnend in der Feuerecke, verehre man Herz und die übrigen Glieder, das Auge in der Mitte, die Waffe in den Himmelsrichtungen. So sind die Gliedgottheiten zu meditieren: weibliche Gestalten, deren Leuchten schneeweiß, kristallfarben, dunkel, blau, schwarz und rötlich ist; sie tragen die Gesten der Gabengewährung und Furchtlosigkeit, ihre Körper sind die Gestalt der Hauptgottheit. Der Reihe nach stehen sie im Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten, in der Mitte und in den Himmelsrichtungen.“ Die knappe Stellung von netra/madhya im Druck wird nach der anschließenden Richtungsfolge verstanden.

S. 240–241, Darbringung jedes Gottheitskreises
Deutsch: Im Turnarnava: „Schenke mir die Erfüllung des Ersehnten, du, der du die Zufluchtsuchenden liebst. Mit Hingabe bringe ich dir die Verehrung des ersten Avarana dar.“ Mit diesen Worten gebe man eine Handvoll Blumen und verneige sich in tiefer Hingabe. So bringe man jeden Gottheitskreis unter dessen jeweiligem Namen dar.

S. 241, Richtungen bei der Kreisverehrung
Deutsch: Im Meru Tantra: „Bei der Avarana-Puja gilt der Bereich vor dem Gott als Osten; von dort beginnend verehre man sein Gefolge im Uhrzeigersinn.“ Im Manasollasa: „Den Raum zwischen Verehrtem und Verehrendem nennen die Wissenden Osten; rechts davon ist Süden, links beziehungsweise nördlich davon Norden.“ Im Jnanarnava: „Göttin, wenn man nach Norden gewandt das Chakra anlegt, gilt Norden als Osten, ohne Zweifel. Wenn der Mantrakundige nach Westen gewandt das Chakra anlegt, gilt Westen als Osten, ohne Zweifel. Dann ist die Vayu-Ecke die Feuerecke und die Ishana-Ecke die Rakshasa-Ecke. Wenn der Mantrakundige nach Süden gewandt das Chakra anlegt, ist Osten die Rakshasa-Richtung und die Rakshasa-Ecke die Feuerecke.“ Die letzten Richtungszuordnungen sind in der überlieferten knappen Form auffällig; sie werden nicht zu einem geometrisch neu konstruierten Schema verändert.

S. 241, Auslegung der Richtungsangaben
Deutsch: Die Ausrichtung nach Westen bezieht sich auf eine besondere, wunschgerichtete Puja. Für die tägliche und entsprechende Verehrung sind hingegen nur zwei Richtungen vorgeschrieben, etwa durch „mit dem Gesicht nach Osten oder in Richtung des Schatzgebers [Norden]“. Im Shyama-Rahasya und in einem anderen Tantra: „Der Bereich vor dem Opfernden ist als Osten bezeichnet. Der Agama-Kenner erkenne seine linke Seite als Süden, die rechte als Norden; den vorderen Bereich haben die Verständigen in der Lesart Westen genannt.“ „Vor“ bedeutet nach vorn; „der vordere Bereich“ bedeutet das einem selbst Zugewandte, womit hier die Rückseite des Gottes als Westen gemeint ist. Dass einige Indra und die anderen in der Reihenfolge des gewöhnlichen geographischen Ostens und der weiteren Richtungen verehren, ist ohne Beleg. Lesungshinweis: Die Begriffe agrya und pāṭha sowie die räumliche Erläuterung sind im Druck nicht eindeutig. Die Argumentation des Verfassers wird wiedergegeben, ohne ihre Geometrie zu ergänzen.

S. 241–242, Weltenhüter mit ihren Begleitern
Deutsch: In der Sharada: „Danach sind die in der Ritualvorschrift genannten Umhüllungskreise der Reihe nach zu verehren. Zum Schluss verehre man die Weltenhüter mit ihrem ursprünglichen Gefolge, ihren Waffen, Gattinnen und Oberherren, in den Richtungen von Osten an der Reihe nach.“

S. 242, Meditationen über die zehn Weltenhüter
Deutsch: Die Meditationen über Indra und die übrigen Weltenhüter stehen im Meru Tantra: „Ich verehre Indra, den Herrn der Götter, gelb, auf Airavata reitend, den Mächtigen, tausendäugig und zweiarmig, der den gelben Donnerkeil trägt. Ich verneige mich vor Agni, dem roten Herrn des Feuers, mit weißem Speer in der Hand, schön geschmückt, auf einem Widder reitend, mit rotem Leib und roten Augen. [Ich verehre] Yama, den schwarzen Herrn der Verstorbenen, auf einem Büffel sitzend, den unerbittlichen Träger des Todesstabes, umgeben von furchterregenden Boten; ferner Nirriti, den Herrn der Rakshasas, auf einem Leichensitz, rauchfarben, mit Schwert in der Hand und gelbbraunem Bart. Ich verneige mich vor Varuna, dem Herrn der Wassertiere, auf einem Makara sitzend, dessen Lotushand mit blitzendem Glanz versehen ist, weißgliedrig und dickbäuchig. Ich verehre Vayu, den höchsten Herrn der Lebenskräfte, rauchfarben, mit rotem Stachel in der Hand, auf Vataprami reitend und mit großer Geschwindigkeit eilend. [Ich verehre] Kubera, den Herrn der Yakshas, weiß und mit weißer Keule, auf einem menschlichen Löwenthron sitzend, beleibt und mit Chitrini verbunden; den weißen Herrn des Wissens [Ishana], mit blauem Dreizack, auf einem Stier reitend, dreiäugig, mit dem Mond auf der Stirn und hochgebundenen Haarflechten. Ich verehre Vidhatri, den glückverheißenden Herrn der Welt, mit rotem Lotus in der Hand, auf einem Hamsa reitend und die Veden rezitierend. Ich verehre Ananta, den hellen Herrn der Nagas, dessen Haupt ein Kranz von Schlangenhauben schmückt, mächtig und hoch aufragend, mit dem Diskus, den alles Durchdringenden.“ Lesungshinweis: Die Beschreibung von Varunas Hand und der Name des Reittiers Vayus sind unsicher; keine aus anderen Darstellungen bekannten Attribute wurden eingesetzt. Nara-Simhasana bleibt als ungewöhnliche Thronbezeichnung kenntlich.

S. 242, Beginn der Waffenliste
Deutsch: In der Sharada: „Donnerkeil, Speer, Stab, Schwert, Schlinge, Stachel und Keule …“ Die Aufzählung wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.

S. 243, Waffen und Mudra der Weltenhüter
Deutsch: „… Dreizack, Diskus und Lotus: Dies sind, wie man weiß, der Reihe nach ihre Waffen. Gelb, weiß, hell, himmelfarben, blitzfarben, rot, weiß, schwarz, rubinfarben und blassrot werden Donnerkeil und die übrigen Waffen beschrieben.“ Im Yamala: „Die Handwurzeln sind aneinandergelegt, alle Finger ausgestreckt. Dies ist die Mudra der Weltenhüter; man zeige sie bei ihrer Verehrung.“

S. 243, Abschluss der Kreisverehrung
Deutsch: In einem anderen Tantra: „Ganesha, Vatuka, Kshetrapala und Yogini verehre man der Reihe nach von Osten an mit Duftstoff und Blumen.“ Im Meru Tantra: „Erneut spreche man den Mula-Mantra, ‚mit ihren Gliedern und ihrem Gefolge‘ sowie den Namen der Göttin, jeweils im Dativ. Mit Namah verehre der Sadhaka dreimal mit Duftstoff, Blumen und den weiteren Gaben.“ In einem anderen Tantra: „Nach Vollzug der Avarana-Puja bringe man Räucherwerk und Licht dar.“

S. 243, Bevorzugte Räucherstoffe und zehnteilige Shakti-Mischung
Deutsch: Die Räucherwerkarten werden im Meru Tantra genannt: „Man verbrenne Räucherwerk. Als Ganesha lieb gilt Guggulu, der Göttin Sarja, Mahesha der Harzausfluss des Devadaru-Baums; Vishnu schwarzes Aguru und Bhaskara Shita. Ich werde die zehnteilige Mischung für Shakti erklären: Shaileya, das in Malaya Gewachsene [Sandelholz], Nakha, Kushtha und Sarja-Harz zu je einem Teil; Shilarasa, Aguru und Jatamansi zu je zwei Teilen; sechs Teile Honig und acht Teile Zucker. Dieses Räucherwerk bezaubert Shakti.“

S. 243–244, Weitere zehnteilige Räuchermischungen
Deutsch: „Haritaki, Sarja-Harz und Suramamsi zu je einem Teil; Laksha zu drei Teilen; Shailaja und Musta zu je vier Teilen; Nakha zu fünf Teilen und Kushtha zu sechs Teilen; Guda zu zwölf Teilen: [Dies ist] eine zehnteilige Mischung für Arka, Isha, Vidhi und Vishnu. Honig, Musta, Ghee, Duftstoff, Guggulu, Aguru, Shailaja, Sarala, Sihla und Siddhartha: [Dies ist] die zehnteilige Mischung für Shiva.“ Lesungshinweis: Die erste Gottheitszuordnung und das Schlusskompositum śaivo daśadaśāṅgakaḥ sind beschädigt beziehungsweise auffällig. Die Namen und Mengen werden bewahrt; die Zuordnung bleibt vorläufig.

S. 244, Sechsteiliges und weiteres Räucherwerk
Deutsch: In einem anderen Tantra: „Mit Guggulu, Aguru, Koshira, Zucker, Honig und Sandelholz, mit Ghee vermischt, räuchere der Lehrer unterhalb der Gottheit. Guggulu, Aguru und Sandelholz, vermischt mit Zucker, Ghee und Honig: Dieses sechsteilige Räucherwerk ist stets allen Göttern lieb. Roga, Arogahara, Ragada und Kesha; vom Götterbaum stammender Stoff und besondere leichte Blätter; Varida und Musta, ohne Vakra: Eine solche Räucherrolle wird hier empfohlen, Sundari.“ Lesungshinweis: Der letzte Vers enthält mehrere stark unsichere Stoffnamen und Worttrennungen. Die erkennbaren Angaben werden vorläufig übertragen; eine verlässliche Rezeptur lässt sich daraus nicht gewinnen.

S. 244, Sechzehn- und zehnteilige Räuchermischungen
Deutsch: „Guggulu, Sarala, Daru, Patra, das in Malaya Gewachsene, Hivera, Aguru, Kushtha, Guda, Sarja-Harz, Ghana, Haritaki, Nakhi, Laksha, Jatamansi und Shailaja: Dies kennt man als sechzehnteiliges Räucherwerk für Götter- und Ahnenrituale. Honig, Musta, Ghee, Duftstoff, Guggulu, Aguru, Shailaja, Sandelholz, Sihla und Siddhartha gelten als zehnteiliges Räucherwerk.“

S. 244, Räucherwerk für die Vidyas
Deutsch: Im Yamala: „Für Shyama ist zehnteiliges Räucherwerk bestimmt, für Sundari sechzehnteiliges, für Tara achtzehnteiliges, für Bhairavi achtteiliges. Chinnamasta ist fünfteiliges lieb, den übrigen sechsteiliges. Fehlen diese Mischungen, sind für alle Vidyas Guggulu, Aguru und Sandelholz [zu verwenden].“

S. 245, Verehrung und Klang der Glocke
Deutsch: Im Meru Tantra: „Nachdem man die Glocke mit dem Herz- oder Waffen-Mantra verehrt hat, lasse man sie erklingen.“ Ebendort: „Tara, das Wort ‚Siegesklang‘, Mantramata und die ‚Gattin des Feuers‘: Dieser elfsilbige Glocken-Mantra schenkt alle Siddhis. Bei Anrufung, Arghya, Räucherwerk, Blumen, Speisegabe und Licht lasse man die Glocke erklingen, besonders bei Räucherwerk und Licht. Man lasse sie auch außerhalb der Puja-Zeit erklingen. Wer nach Siddhi verlangt, soll die Puja nicht ohne sie vollziehen.“ Raghavabhatta: „Man besprenge das Räuchergefäß mit dem Waffen-Mantra und verehre es mit dem Herz-Mantra. Während man die mit dem Waffen-Mantra verehrte Glocke läutet, verbrenne man Guggulu.“ Lesungshinweis: Die Glockenformel ist als Bildungsschema überliefert; das mittlere Formelwort mantramātaḥ ist unsicher. Die Aussage über das Läuten außerhalb der Puja steht im Druck ohne Negation und wird nicht still verändert.

S. 245, Bedeutung des Räucherwerks
Deutsch: Die Bedeutung des Wortes Dhupa wird im Kularnava erklärt: „Weil es alle großen Fehler vertreibt, üblen Geruch entfernt und höchste Freude beziehungsweise höchsten Duft hervorbringt, heißt es Dhupa.“

S. 245–246, Sieben Lampenarten und fünf Dochtarten
Deutsch: Die Lampenarten werden im Kuloddisha genannt: „Zuerst die Ghee-Lampe, dann die aus Sesamöl, aus Senföl, aus Fruchtauszug, aus im Wasser Gewachsenem, aus Dickmilch und aus Getreide Gewonnene: Sieben Lampenarten werden gelehrt. Der Docht stammt aus Lotus, Darbha, Wasserpflanzen, Vadari oder Baumhüllen; so gelten bei den Lampendiensten stets fünf Dochtarten.“ Im Yamala: „Der Docht sei weiß oder rot, weder gelb noch schwarz. Entkernte Baumwolle und ihre Fasern oder ein neues weißes Tuch werden für den Docht empfohlen. Ein abgetragenes oder schmutziges Tuch verwende man niemals.“ Lesungshinweis: Die seltenen Materialangaben vārijodbhava und vādarī sind nicht näher erklärt; sie bleiben ohne spekulative stoffliche Zuordnung.

S. 246, Lampengefäße und Aufstellung der Gaben
Deutsch: Im Meru Tantra: „Ein Lampengefäß aus Metall, aus Silber, aus Eisen, aus Ton, aus Kokosnuss oder aus dem ‚König der Gräser‘ wird empfohlen. So bereite man eine Lampe, die den Augen Freude macht.“ Im Yamala: „Duftstoff, Blume und Schmuck bringe man vor der Gottheit dar; Räucherwerk links oder vorn, nicht aber rechts.“ Im Meru Tantra: „Man stelle Räucherwerk weder auf den Boden noch auf den Sitz oder den Krug. Auf einer geeigneten Unterlage bringe man es dar. Mit Fett oder Mark versetztes ist nicht erwünscht; für Vishnu [auch nicht] aus Holz entstandenes.“ Lesungshinweis: Die Beziehung der letzten Ausschlussangabe ist knapp; die Lesung rājasam bei den Gefäßen wird vorläufig auf Silber bezogen.

S. 246, Platz und Brennstoff der Lampe
Deutsch: Im Yamala: „Man gebe die Lampe rechts oder vorn, nicht links.“ Ferner: „Rechts stehe die mit Ghee, links die mit Öl gespeiste Lampe; rechts sei ein weißer Docht, links ein roter.“ Im Meru Tantra: „Nachdem man die Glocke mit ihrem Mantra verehrt hat, bringe man dem Allgegenwärtigen die Lampe unter Glockenklang dar; wenn die Mittel vorhanden sind, auch unter verschiedenen Instrumenten. Mit Kuhghee oder Öl und einem Docht, der Kampfer enthält, zeige man die Lampe hoch erhoben, niemals mit tierischem Fett und Ähnlichem. Man bringe die Lampe nicht mit einer Mischung von Ghee und anderen Brennfetten dar. Wer die Brennfette mischt, geht in die Finsternishölle Tamisra.“ Die unterschiedlich allgemeinen Aufstellungsregeln und die traditionelle Strafandrohung werden als Aussagen der zitierten Texte bewahrt.

S. 247, Darbringung des Lichts
Deutsch: „Man bewege die Lampe kreisend wie den Flug einer Taube und zeige sie allen Gliedern des Gottes. Dann rezitiere man diesen Vers: ‚Hell strahlt das große Licht; überall vertreibt es die Dunkelheit. Dieses Licht, das außen und innen leuchtet, möge angenommen werden.‘ Rechts stehe die Ghee-Lampe, links die mit Sesamöl; rechts der weiße Docht, links der rote. Auf Bäumen beziehungsweise hölzernen Trägern ist die Lampe aufzustellen, niemals unmittelbar auf dem Boden. Wer die Erde erhitzt, indem er die Lampe dort abstellt, gelangt für hundert Jahre in die durch diese Erhitzung verschuldete Hölle. Man lösche die Lampe nicht aus, denn dies vernichtet Lakshmi.“ Lesungshinweis: Die Bezeichnung vṛkṣeṣu lautet wörtlich „auf Bäumen“; eine bestimmte Lampenhalterform ist nicht belegt. Die Strafandrohung gehört zum historischen Zitat.

S. 247, Weitere Lampenvorschriften
Deutsch: Im Kalika-Purana: „Eine Lampe, deren Hitze noch aus vier Fingerbreiten Abstand wahrgenommen wird, gilt nicht als Lampe, sondern als unheilvolles Feuer. Weder Hanfstoff noch grobes [?], abgetragenes, schmutziges oder bereits benutztes Tuch verwende man jemals als Docht. Eine für die Gottheit bereitete Lampe lösche man nicht aus. Wer eine Lampe wegnimmt, werde blind; wer sie auslöscht, werde einäugig. Die alles tragende Erde erträgt diese beiden Dinge nicht: einen grundlosen Fußtritt und die Hitze einer Lampe.“ In einem anderen Tantra: „Herrin der Götter, man halte die Lampe mit der Daumenspitze und bringe sie dar, indem man sie wie den Flug einer Taube kreisend bis zur Höhe der Augen emporführt.“ Lesungshinweis: Das gedruckte daurghaṃ bei der Tuchart ist unsicher. Die Folgen des Wegnehmens und Auslöschens sind traditionelle Aussagen des Zitats.

S. 247–248, Bedeutung der Lampe
Deutsch: Die Bedeutung des Wortes Dipa wird im Kularnava erklärt: „Weil es die große Dunkelheit lange währender Unwissenheit und den Ichdünkel vertreibt und die höchste Wirklichkeit erhellt, heißt es Dipa, Licht.“

S. 248, Aufstellung und Gefäße der Speisegabe
Deutsch: Im Yamala: „Die Speisegabe stehe rechts oder vorn, nicht hinter der Gottheit. Gekochte Speise stehe links von der Gottheit, ungekochte rechts. So richtet sich auch die Stellung der Speisegaben nach der Unterscheidung von gekocht und ungekocht. Für die Aufstellung vorn besteht bei Räucherwerk und Speisegabe keine besondere Einschränkung.“ Aussagen des Rudrayamala: „Der Wissende bereite die Speisegabe in Metallgefäßen, in goldenen, silbernen oder kupfernen Gefäßen, auf Stein oder einem Lotusblatt oder in einem Gefäß aus Opferholz. Fehlt alles, [verwende er] ein irdenes, sofern es mit eigener Hand geformt ist.“

S. 248, Reinigung der Speisegabe
Deutsch: Eine Aussage des Sara-Samgraha lautet dagegen: „Man lege [die Speise] in ein goldenes Gefäß, setze dieses mit seiner Unterlage in ein viereckiges Mandala und weihe es nach der Schrift. Man schaue es mit dem Waffen-Mantra an, schütze es durch die Chakra-Mudra, reinige es mit dem Wind-Bija und verbrenne es [gedanklich] mit dem Feuer-Bija. Man berühre es mit der rechten Hand und bespreche es mit dem Nektar-Bija. Dann zeige man die Dhenu-Mudra und verehre es mit Duftstoff und Blumen.“

S. 248, Bitte um Annahme der Speise
Deutsch: Im Meru Tantra: „Nachdem man den Gott verehrt hat, bringe man mit ungeteilter Aufmerksamkeit eine Handvoll Blumen dar: ‚Nimm zu meiner Vollendung diese göttliche, vorzüglich bereitete, im Goldgefäß befindliche, fünffache und mit den sechs Geschmacksrichtungen ausgestattete Speise an.‘ Man spreche den Mula-Mantra mit Svaha als Abschluss und bringe Wasser dar. Während man das Gefäß mit beiden Händen berührt, sage man nach dem Wort Naivedya Namah. Nachdem man Wasser in die rechte Hand des Gottes gegeben hat, rezitiere man Folgendes …“ Lesungshinweis: Die Form paramāṃ im Speisevers ist grammatisch auffällig. Das folgende Gebet beginnt auf der nächsten Seite.

S. 249, Wasserformel und Grasa-Mudra
Deutsch: „[Man spreche] den neunsilbigen Mantra: ‚Du bist die Unterlage aus Nektar, Svaha.‘ Mit der linken Hand zeige man die einem geöffneten Lotus ähnliche Grasa-Mudra; nachdem man die Speisebissen-Geste gezeigt hat, vollziehe man die fünf Opfergaben an die Lebenskräfte.“

S. 249, Die fünf Prana-Mudras
Deutsch: Die Mudras für Prana und die weiteren Lebenskräfte werden ebendort gelehrt: „Die Verbindung von kleinem Finger, Ringfinger und Daumen ist die Prana-Mudra. Mit ihr nehme man einen Bissen und sage: ‚Prana, Svaha.‘ Mit der Verbindung von Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen nenne man Apana im Dativ und mit Svaha als Abschluss. Dann sage man ‚Vyana, Svaha‘ und bringe mit der Verbindung von Mittel-, Ringfinger und Daumen dar. Mit allen Fingern außer dem kleinen [spreche man] ‚Udana‘ und die ‚Gattin des Feuers‘. Mit allen Fingern sage man ‚Samana, Svaha‘ und gebe den Bissen hin.“ Die syntaktische Verbindung um agrya im zweiten Satz ist unsicher; die Zuordnung der Finger folgt den ausdrücklich genannten Gruppen.

S. 249, Weitere Beschreibung der Prana-Mudras
Deutsch: In einem anderen Tantra: „Mit der Spitze des eigenen Daumens berühre man den kleinen Finger und den Finger daneben: Dies ist hier die erste Mudra. Ebenso entsteht die zweite durch Zeige- und Mittelfinger, die mittlere durch Ring- und Mittelfinger; die vierte auf dieselbe Weise durch Ring-, Zeige- und Mittelfinger. Dieselben zusammen mit dem kleinen Finger bilden die fünfte. So sind die Mudras für Prana und die weiteren Lebenskräfte, jeweils mit ihrem eigenen Mantra, der Reihe nach beschrieben.“ Die Wendung madhyamataḥ im Schluss ist nicht eindeutig; sie ändert die ausdrücklich genannten Fingergruppen nicht.

S. 249–250, Gebet zur Wassergabe
Deutsch: Im Meru Tantra: „Dann verwandle man gutes Wasser in einem Gefäß aus Gold oder ähnlichem Material durch die Dhenu-Mudra in Nektar. Es ist dem Gott darzubringen; dazu rezitiere man diesen Mantra: ‚Verehrung dir, Herr der Götter. Nimm dieses vorzügliche Wasser an, das allen höchste Erfüllung schenkt, keinem anderen dargebracht wurde, rein, unverändert und angenehm kühl ist, von höchster Glückseligkeit erfüllt.‘ Nachdem man so gesprochen hat, stelle man das Wassergefäß links von der Gottheit auf.“

S. 250, Speisegabe und stiller Japa
Deutsch: „Die drei Varnas sollen für die Gottheit gekochte Speise darbringen. In Ghee gebraten, in Milch gekocht oder nur am Feuer zubereitet und mit Zuckerrohrsirup versehen: Dies wird für einen Shudra empfohlen. Dann bringe man eine Handvoll Blumen dar, binde die Richtungen mit dem Waffen-Mantra und stelle rings um den Gott einen Vorhang auf. Erneut spreche man: ‚Die aus Nektar bestehende Speisegabe – Verehrung!‘ Man zeige die Dhenu-Mudra und vergegenwärtige die speisende Gottheit. Nach hundertacht Wiederholungen des Mula-Mantras gebe man Wasser. Nach Abschluss der Speisegabe reiche man Mundspülwasser und vollziehe das Homa-Verfahren.“ Die Unterscheidung der Varnas ist eine historische Vorschrift dieses Zitats.

S. 250, Vaishvadeva und tägliches Homa
Deutsch: Ebendort: „Nachdem man so die Puja mit Räucherwerk, Licht und Speisegabe vollzogen hat …“ Ferner: „Man errichte rechts vom Altar eine treffliche Opferfläche, setze das Feuer ein, weihe es und beginne Vaishvadeva. Darin verehre man die Gottheit vorschriftsgemäß mit Duftstoff und den weiteren Gaben. Zuerst opfere man mit den Vyahritis, denen Pranava vorangestellt ist; dann bringe man fünfundzwanzig Opfergaben aus Milchreis und Ghee mit dem Mula-Mantra dar. Nachdem man erneut mit den Vyahritis geopfert und die Gottheit mit Sandel und den weiteren Gaben verehrt hat, setze man sie in die Gestalt auf dem Pitha ein. Man verabschiede das Feuer und bringe dem Gefolge eine Bali aus Milchreis mit Zucker dar, zusammen mit Sandel, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern.“ Der erste Satz ist bereits im Werk als kurzes Zitat angeführt.

S. 251, Zeitpunkt der Bhuta-Bali
Deutsch: Vaishvadeva ist hier gerade das tägliche Homa. Im Siddhantasara: „Nach Abschluss des Vaishvadeva bringe man den Wesen Bali dar. Im Shakta-Verfahren hingegen gebe der Verständige die Bhuta-Bali nach Abschluss der Bali-Darbringung.“ Das bedeutet: Wo in einer Vaishnava- oder anderen Ritualvorschrift das später zu erklärende Bali-Verfahren fehlt, ist die Bhuta-Bali genau zu diesem Zeitpunkt darzubringen.

S. 251, Entfernung der Speisereste
Deutsch: Im Meru Tantra: „Man meditiere darüber, dass der Gott gesättigt ist, und stelle sich vor, dass die Speisegabe ihrer Essenz entledigt ist. Dann stelle man ihr Gefäß in die Rakshasa-Richtung [Südwesten]. Mit Kuhdungwasser und seinem Waffen-Mantra reinige man den Ort der Speisegabe. Man nehme den Speiserest des Gottes und lege ihn im Nordosten ab mit: ‚Verehrung dem, der die übrig gebliebenen Opfergaben verzehrt.‘ Dann wasche man die Hand. Erneut reiche man Mundspülwasser und ein Mittel zum Reinigen der Hände. Nachdem man reines Mundspülwasser gegeben hat, parfümiere man die beiden Hände mit duftenden Stoffen.“

S. 251, Abschließendes Wasser und weitere Dienste
Deutsch: Im Gautamiya: „Nachdem der Verständige einen Augenblick innegehalten hat, gebe er Wasser zum Mundspülen mit diesem Mantra: ‚Du bist die Bedeckung aus Nektar, Svaha.‘“ Im Yamala: „Alle weiteren Gegenstände und Dienste bringe man nach dem Mula-Mantra dar. Wer dazu nicht imstande ist, gebe sie im Geist; diese Handlung lasse man nicht aus.“

S. 251, Besondere Formel für die zweite Vidya
Deutsch: Für die zweite Vidya wird eine besondere Regel im Nila-Tantra gelehrt: „Nachdem der Sadhaka alles mit Mantra erfüllt hat, bringe er es der Gottheit dar. Er spreche: ‚Erhabene Ekajata, nimm Vajra-Pushpa entgegen‘, zusammen mit dem Mula-Mantra, mit Tara und mit der ‚Geliebten des Feuers‘ als Abschluss.“ Tara ist Pranava; dass es an den Anfang gehört, ist durch die Überlieferung gesichert. Der Sinn gilt auch für die Verehrung aller Gottheiten wie Tara ohne Widerspruch, so die Verfasser des Sudharnava. Lesungshinweis: Das im Druck vor „für alle“ stehende pañcaḥ ist syntaktisch beschädigt; daraus wird keine zusätzliche Fünfergruppe erschlossen.

S. 252, Anrede und drei Taras in Shrividya
Deutsch: Für Shrividya heißt es im Manasollasa: „Der Mantrakundige spreche bei den Opferdiensten stets in direkter Anrede.“ Ferner: „Alle Mantras der Opferdienste werden als mit den drei Taras ausgestattet betrachtet.“ Die drei Taras sind Shrīm̐, Hrīm̐ und Klīm̐, so im Yamala. Im Jnanarnava wird hingegen „Vagbhava, Maya und Kamala“ gelehrt. Die zweite Reihe ist im Druck zu vāgbhavāyā kamale zusammengezogen und in ihrer Worttrennung unsicher; die Bija-Bezeichnungen werden nicht zu einer zusätzlich erschlossenen Formel ausgeschrieben.

S. 252, Betelgaben
Deutsch: „Erneut gebe man einen Schluck Wasser, nachdem man vorzüglichen Betel gereicht hat, mit Kardamom, Gewürznelke, Kampfer, Muskatnuss und weiteren Zutaten versehen, bereichert mit Tamala-Blättern, Kampfer und Arekanussstücken.“ Im Meru Tantra: „Dann gebe man Vishnu zwölfteiligen Betel: Khadira, Kardamom, Gewürznelke, Indu [Kampfer], Churni, Parna, Tamala, Jatikosha-Blätter beziehungsweise Alanga, Moschus, Keshara und Arekanuss. Für Bhaskara wird zehnteiliger gelehrt, ohne Moschus und Tamala. Für Vighneshvara hingegen fünfteiliger: Churna, Khadira, Blatt, Arekanuss und Indu. Für die Göttin [gelte] der zu Shiva gehörige; mit Jatikosha versehen sei dieser für Maheshitri.“ Ebendort: „Man zeige ebenso den Spiegel und richte Schirm und Yakschweifwedel her.“ Lesungshinweis: Einzelne Stoffnamen, ihre Trennung in der Zwölferliste und die Gottheitszuordnung im letzten Vers sind unsicher. Die Sanskritbezeichnungen bleiben erhalten; keine neue Rezeptur wird daraus zusammengesetzt.

S. 252–253, Mudras für Sitz und Wassergaben
Deutsch: Nun die Mudras der Opferdienste: „Beim Sitz sei es die Padma-Mudra. Beide Hände nach unten gewendet: Dies ist die Mudra bei der Frage nach dem Wohlergehen; dieselben nach oben gewendet bilden die Mudra zum Willkommen. Als Arghya-Mudra gilt Anjali. Mit verbundenem Ringfinger und Daumen heißt dieselbe die Fußwasser-Mudra. Der Verständige wende die rechte Hand nach oben, die Handfläche vertieft, vier Finger außer dem kleinen miteinander verbunden und aufgerichtet: Dies wird als Mudra beim Mundspülwasser gelehrt. Nach unten gewendet, wobei der Ringfinger den Daumen berührt, ist sie die Mudra für Madhuparka, Schönangesichtige. Eine nach unten gerichtete Faust der rechten Hand mit freigegebenem kleinem Finger: Dies wird als Bade-Mudra gelehrt, Höchste Herrin.“

S. 253, Mudras für Gewand und Duft
Deutsch: „Man wende die rechte Hand nach oben und berühre ihren Mittelfinger mit dem Daumen: Dies wird als Gewand-Mudra beschrieben. Dieselbe mit Berührung des Ringfingers heißt Schmuck-Mudra; mit Berührung des kleinen Fingers ist sie die Mudra der heiligen Schnur. Berührt man mit der Daumenspitze den kleinen Finger, so ist dies die Duft-Mudra.“ In einem anderen Tantra: „Mit den Spitzen von Mittel- und Ringfinger sowie Daumen, Parvati, bringe der Sadhaka den reinen Duftstoff unter dem Mula-Mantra dar.“

S. 253–254, Blumen-, Lampen- und Räucher-Mudras
Deutsch: „Mit Daumen und Zeigefinger bringe man die Blume auf dem Yantra dar. Man wende die Hand nach unten und verbinde die Spitze des Daumens mit der Spitze des Zeigefingers: Diese Mudra heißt die Blumen-Mudra, Höchste Herrin. Wie den Duftstoff, so bringe der Kundige auch Räucherwerk dar, Göttin. Der Lehrer halte die Lampe zwischen Mittel- und Ringfinger an deren mittlerem Gelenk und mit der Daumenspitze und bringe sie dar, Herrin der Götter.“ Ferner: „Mit der Daumenspitze berühre man die Spitze des Zeigefingers, Maheshvari: Dies wird als Räucher-Mudra beschrieben, die alle Götter erfreut.“ Eine Druckfußnote überliefert vor dem letzten Satz zusätzlich: „Mit der Daumenspitze berühre man die Spitze des Mittelfingers, von den Göttern Verehrte. Dies heißt die glückverheißende Lampen-Mudra, allen Göttern lieb.“ Die als Variante gekennzeichneten Zeilen werden nicht still in den Haupttext eingereiht.

S. 254, Mudras der Speisegabe
Deutsch: „Der Lehrer berühre mit der Daumenspitze die Spitze des Ringfingers, Göttin. Dies heißt Naivedya-Mudra; sie erfreut die Gottheit.“ Anderswo: „Nachdem man [die Speisegabe] dreimal unter Gayatri zusammen mit dem Mula-Mantra emporgehoben hat, bringe man die Speise mit der Tattva genannten Mudra dar, Göttin. Mit dem Mula-Mantra gebe man Mundspülwasser, mit der Tattva-Mudra Betel.“

S. 254, Bali für Gottheit und Gefolge
Deutsch: Im Siddhantasara: „Nach der Verehrung mit dem Mula-Mantra bringe man der Gottheit mit dem in ihrer jeweiligen Ritualvorschrift gelehrten Mantra Bali dar; dann bringe man Vighna und den übrigen Bali dar.“ Im Jnanarnava: „Man errichte wie zuvor Mandalas in den Ecken Nordosten, Südosten, Südwesten und Nordwesten und verehre wie zuvor, Geliebte. Zum vollständigen Gedeihen bringe man wie zuvor Bali dar, für Vatuka und die weiteren, Maheshani, für die Yoginis, Geliebte, für Ganesha und Kshetrapala, wie zuvor.“ Die gedruckte Form vaṭukānīn ist beschädigt; die Empfängerfolge wird durch den weiteren Wortlaut gestützt.

S. 254, Richtungen und Finger bei Bali
Deutsch: Im Samayachara: „Im Süden gebe man [Bali] für Vatuka, im Norden für die Yogini-Schar, im Osten die Bhuta-Bali, im Westen für Kshetrapala.“ Ferner: „Mit Daumen und Ringfinger gilt die Bali für Vatuka als dargebracht. Mit verbundenem kleinem Finger und Daumen bringe man die Yogini-Bali dar; mit Daumen und Zeigefinger die Bali für Kshetrapala. Mit allen Fingern wird die Bhuta-Bali gelehrt, Geliebte. Aus der ausgestreckten Faust mache den mittleren Finger gerade wie einen Stab …“ Lesungshinweis: Die erste Wortverbindung des letzten Satzes ist unsicher; seine Fortsetzung folgt auf der nächsten Seite.

S. 255, Gajadanta-Mudra
Deutsch: „… dies ist die große Gajadanta-Mudra, die Elefantenzahn-Geste, bei der Bali für Ganapa. Mit allen Fingern wird die Bhuta-Bali gelehrt, Geliebte.“ Der zweite Satz wird im Druck wiederholt; eine Fußnote belegt ihn eigens in einem weiteren Exemplar.

S. 255, Bali-Stoffe der beiden Wege
Deutsch: Die Stoffe der Bali werden in der Mahakala-Samhita gelehrt. Zuerst für den Dakshinachara: „Masha-Speise, gepufftes Getreide, geröstete Körner oder Mehl aus geröstetem Getreide; Flocken, geschälte Reiskörner oder gedämpfter Reis; Amiksha, Getreidesuppe, Krishara, Milchreis, mit Ghee übergossene Dickmilch, gekochte Speisen oder Früchte.“ Für den Vamachara: „Gebratener Fisch, geröstete oder als Temani bereitete [Speise] oder berauschendes Getränk ist als Bali darzubringen, Schönangesichtige. Diese Bali wird keineswegs als für alle allgemein bestimmt gelehrt; nur ein besonders dazu Berechtigter kann sie darbringen.“ Die Zubereitungsbezeichnung temanī wird im Quelltext nicht erläutert.

S. 255, Bildung des Vatuka-Bali-Mantras
Deutsch: Die Bali-Mantras werden im Jnanarnava gelehrt: „‚Komm, komm‘, nach der Puja der Göttin; nach Vatuka [setze] Natha, nach Kapila Jatabhara, nach Bhasura Trinetra, dann Jvalamukha; nach Sarva [setze] ‚Hindernisse, vernichte, vernichte! Die mit allen Opferdiensten versehene Bali nimm an‘, das letzte Wort zweimal. Mit der ‚Gattin des Feuers‘ verbunden wird dies als Vatukas Mantra gelehrt. Mit diesem Mantra bringe man Vatukas Bali dar, Göttin.“ Dies ist eine Wortfolge-Anweisung; die Form devīpujānte und einzelne Wortverbindungen bleiben unsicher. Sie wird nicht als vermeintlich vollständig ausgeschriebener Mantra ausgegeben.

S. 255–256, Yogini-Bali nach dem Meru Tantra
Deutsch: Im Meru Tantra: „Am Ende des Sadhana rezitiere man diesen Mantra zur Bali für die Yoginis: ‚Yām̐, den Yoginis Svaha‘, mit [der bezeichneten Silbenzahl] und dem Sragdhara-Vers verbunden: Mögen die Göttinnen, die von den führenden Viras verehrt werden, uns stets durch dieses glückverheißende Bali-Verfahren schützen – ob sie oberhalb des Brahmanda, im Himmel, am Firmament, auf der Erde, im Ungeteilten, in der Unterwelt, im Feuer, im Wasser oder im Wind, hier oder dort weilen; die in Kshetras, Pithas, Upapithas und weiteren Stätten ihren Platz genommen haben und durch Blumen, Räucherwerk und andere Gaben erfreut sind.“ Lesungshinweis: Die gedruckte Zahlenbezeichnung kuṅkārāṅga ist unklar. Die Druckfußnote erklärt 91 Silben als sieben Silben der Kurzformel plus 84 des vierzeiligen Sragdhara-Verses. Eine weitere Fußnote bietet für „durch das glückverheißende Bali-Verfahren“ die Wortfolge „durch eine Bali nach glückverheißender Vorschrift“.

S. 256, Yogini-Bali nach dem Jnanarnava
Deutsch: Im Jnanarnava wird dagegen nach dem genannten Vers gelehrt: „An dessen Ende, Maheshani, [setze man] das Bija Yām̐, danach Yogini mit der Endung bhyas und Svaha. Nach dem Wort Sarva schreibe man Yogini, danach den Schutzpanzer und die Waffe und nochmals die ‚Gattin des Feuers‘. Mit diesem Mantra bringe man die Yogini-Bali dar, Göttin.“ Das Wort varṇa in sarvavarṇānte und die anschließende Wortbildung sind im Druck knapp und unsicher; die verschlüsselten Endformeln werden nicht ergänzt.

S. 256, Kshetrapala- und Ganapati-Bali
Deutsch: Ferner: „Man schreibe Ksha, verbunden mit den sechs langen Vokalen. Dann schreibe man Kshetra und Pala, ‚Räucherwerk, Licht und die weiteren [Gaben]‘, ‚versehen mit‘ und ‚Bali‘; danach sage man zweimal ‚Nimm an!‘ Mit der ‚Gattin des Feuers‘ verbunden ist dies der Mantra Kshetrapalas, Sundari. Mit diesem Mantra bringe man die Kshetrapala-Bali dar, Göttin. Man schreibe die drei [Bijas] Gām̐, Gīm̐, Gum̐ und nenne Ganapati im Dativ; nach Vara und Varada [setze man die entsprechenden Endungen], nach Sarva das Wort Jana. Nachdem man ‚Bringe [sie] unter meinen Einfluss‘ gesagt hat, [spreche man] ‚Bali, nimm an‘, das letzte Wort zweimal. Mit diesem durch die ‚Gattin des Feuers‘ abgeschlossenen Mantra bringe man Ganapas Bali dar.“ Lesungshinweis: Die Nasalzeichen und besonders die Vokallänge des dritten Ganesha-Bijas sind unsicher; auch die Wortbildung nach vara/varada ist verkürzt. Keine vollständige Rezitationsformel wird daraus rekonstruiert.

S. 256–257, Reihenfolge der Bali-Empfänger
Deutsch: In der aus dem Siddhantasara angeführten allgemeinen Paddhati wird hingegen die Bali-Darbringung für Ganesha und die übrigen, von Osten im Uhrzeigersinn, gelehrt: „Der Lehrer bringe Ganesha, Vatuka, Kshetrapala und den Yoginis Bali dar, von Osten im Uhrzeigersinn.“ Auch Mahakala nennt die mit Ganesha beginnende Reihenfolge: „Dem Ganadhipati, danach Vatuka bringe man dar“, und so weiter. Tatsächlich beginnt die Reihenfolge auf dem rechten Weg mit Ganesha, auf dem linken Weg mit Vatuka. Denn eine zum Abschnitt über den linken Weg gehörende Aussage des Meru Tantra lautet: „So verehre man Vatuka zu Beginn [des genannten Verfahrens] auf dem linken Weg. Auf diesem Weg ist Vatuka der Vornehmste; für Sura wurde dies von ihm geschaffen.“ Lesungshinweis: Die Wortfolge yamādau vāmādau sowie der Bezug des Schlusssatzes auf surā, das berauschende Getränk, bleiben unsicher.

S. 257, Bali für die Wesen
Deutsch: Nun die Bhuta-Bali, im Meru Tantra: „Der Mantrakundige setze sich auf seinen Sitz und bringe den Wesen Bali dar. Im Nordosten errichte er ein Mandala und setze dort auf einer Unterlage ein Gefäß mit Speise, Beilagen und Wasser, gefüllt mit Blumen und weiteren Gaben. Darin verehre er die Wesen und bringe ihnen Bali dar: Alle furchterregenden Wesen, die Furchtbares tun und an furchterregenden Orten wohnen, die Yoginis von gewaltiger Gestalt und die Herren der Scharen, die auf Erden, am Himmel oder im Zwischenraum weilen – sie alle mögen mit erfreutem Geist diese Bali annehmen.“

S. 257, Bitte und Verabschiedung der Wesen
Deutsch: „Mit der linken Hand bringe man einen Wasserstrahl in das Gefäß dar. Man nehme eine Handvoll Blumen und bitte die Wesen: Die Wesen, die hier auf der Erde wohnen, mögen die vorschriftsgemäß dargebrachte Bali annehmen, Zufriedenheit erlangen und alle weiterziehen. Sie mögen hier verzeihen; Verehrung sei ihnen! Nachdem man die Blumen dargebracht und sich verneigt hat, verabschiede man sie mit der Naracha-Mudra und den Worten: ‚Die Wesen mögen nach ihrem Wohlgefallen umherziehen.‘“

S. 258, Japa und Übergabe seiner Frucht
Deutsch: In der Sharada: „Nachdem man den Mula-Mantra tausendmal mit ungeteilter Aufmerksamkeit rezitiert hat, bringe man diesen Japa der Gottheit dar, um alles Gedeihen zu erlangen.“ Im Meru Tantra: „Unermüdlich rezitiere man den Mula-Mantra tausendachtmal, halb so oft, dreihundertmal oder hundertachtmal. Nach Abschluss des Japa lege man die Mala auf das Haupt. Man nehme Wasser aus dem Arghya-Gefäß in die Hand und rezitiere: ‚Du behütest das Geheimste der Geheimnisse. Nimm den von uns vollzogenen Japa an. Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden, Gott, Herr der Welt.‘ Indem man Wasser in die rechte Hand des Gottes gibt, bringe man [den Japa] dar.“

S. 258, Lobpreis nach dem Japa
Deutsch: Ferner: „Danach [verehre man] mit Gesang und Lobpreis unter Glockenklang: der Brahmane mit vedischen Mantras und entsprechenden Texten, der Kshatriya mit Samhitas und Ähnlichem, der Vaishya mit Texten der Puranas, der Shudra mit Prakrit und verwandten [volkssprachlichen Texten].“ Im Yamala: „Danach umschreite der Wissende die Gottheit mit Hingabe und verneige sich.“ „Umschreiten“ bedeutet rechtsläufig umkreisen. Die Zuordnung nach Varnas gibt die historische Vorschrift wieder.

S. 258, Frucht und Formen der Umkreisung
Deutsch: Die Frucht der Rechtsumkreisung wird in einem anderen Tantra genannt: „Die Frucht, die ein Mensch durch das Schenken von Land an Vedakenner erlangt, erlangt er durch hingebungsvolle Rechtsumkreisung Krishnas.“ Krishna steht hier stellvertretend [für die verehrte Gottheit]. Die Formen der Umkreisung werden im Yamala gelehrt: „Für Shakti vollziehe man eine dreieckige Umkreisung, Göttin; für Mahesha wird eine halbmondförmige, von hinten her, beschrieben.“

S. 259, Regeln der Umkreisung
Deutsch: „Bei der Shiva-Umkreisung bewege sich der Mantrakundige halbmondförmig nach links und rechts und überschreite das Somasutra nicht. Er strecke die rechte Hand aus, neige selbst das Haupt und wende [der Gottheit] die rechte Seite zu, auch innerlich zugewandt. Bei der Rechtsumkreisung der Gottheit umgehe er sie richtig dreimal. Eine Verneigung mit nur einer Hand, eine einzige Umkreisung oder der Anblick Vishnus zur falschen Zeit vernichten früher erworbenes Verdienst.“ In einem anderen Tantra: „Für Chandi gebe man eine Umkreisung, für Ravi sieben, für Vinayaka drei, für Keshava vier und für Shiva eine halbe.“ Somasutra bezeichnet die aus dem Shiva-Heiligtum führende Abflusslinie. Die allgemeine Warnung vor nur einer Umkreisung und die besondere Einmal-Regel für Chandi stehen in verschiedenen Zitaten und werden nicht vereinheitlicht.

S. 259, Acht- und fünfgliedrige Verneigung
Deutsch: Die Arten der Verneigung werden in der Vishnu-Kalpalata genannt: „Mit Füßen, Händen, Knien, Brust, Kopf, Blick, Sprache und Geist: So wird die achtgliedrige Verneigung beschrieben. Mit Armen und Knien, Kopf, Sprache und Blick geschieht die fünfgliedrige Verneigung. Diese beiden sind bei den Pujas die vorzüglichsten.“ Ferner: „Wer sich als Verständiger beim Anblick Krishnas auf die Erde niederwirft und verneigt, lässt die aus tausend Geburten entstandenen Verfehlungen hinter sich und erlangt Vaikuntha.“

S. 259, Gepriesene Frucht der Verneigung
Deutsch: Im Vishnudharma: „Der Verständige, der sich mit Knien, Händen und Kopf vor dem Gott verneigt, erlangt alle Wünsche. So viele Erdteilchen hier an der Stirn des Menschen haften, der sich vor Madhusudana verneigt, so viele Jahre wird er in der Himmelswelt geehrt, Bester der Brahmanen.“

S. 260, Waffengottheit im Karkari-Gefäß
Deutsch: In der Sharada: „Dann stelle der Guru in Shambhus Richtung [Nordosten] auf die zuvor ausgestreuten Stoffe einen mit Wasser gefüllten Karkari-Krug, versehen mit Gold, Gewand und weiteren Gaben. Darin verehre er die Waffengottheit: auf einem Löwen sitzend, Schwert und Schild tragend, von furchterregender Gestalt, mit dem Gesicht nach Westen. Nachdem er sie mit dem beweglichen Sitz verehrt hat, nehme der Guru sie auf und lasse, unter Abgabe von Wasser aus der Tülle, die Weltenhüter den Befehl des Gottes ‚Schützt!‘ hören. Er umgehe den Innenraum rechtsläufig, spreche den Waffen-Mantra und stelle sie wie zuvor wieder auf. Er verehre sie erneut mit Duftstoff und den weiteren Gaben, bei fester Sitzhaltung an ihrer Vorderseite.“ Die Karkari heißt auch Vardhani; sie ist ein Krug mit Tülle. Im Kriya-Samgraha: „Nachdem der Lehrer die Karkari in Gestalt der Waffengottheit an ihren Platz gestellt hat, vollziehe er in seinem eigenen Kunda die Weihe des Feuers.“ Lesungshinweis: Die Verbindungen um calāsana und vaktre sind knapp und lokal unsicher. Die Druckfußnote erklärt vikira als zuvor ausgestreute Stoffe zur Beseitigung von Hindernissen.

S. 260, Abschlussvers des dritten Taranga
Deutsch: „In diesem vom erhabenen König geschaffenen Ozean der Purashcharya, der den ehrwürdigen Zusammenfluss der Ströme guter Lehrwerke in sich trägt, reich an bunten Nektarströmen aus der Vielfalt wundervoll heilsamer Worte, glänzend durch Scharen klarer Perlen trefflicher Erwägungen, ist nun diese dritte Welle eingegangen.“ Lesungshinweis: Das lange Anfangskompositum ist im Druck sprachlich beschädigt; seine bildhafte Aussage wird vorläufig wiedergegeben, ohne eine gesicherte kritische Lesung zu behaupten.

S. 260, Kolophon des dritten Taranga
Deutsch: Damit endet im Purashcharyarnava, verfasst vom erhabenen Großkönig der Könige Shri Pratapasimha, der dritte Taranga: „Das Verfahren der Gottheitsverehrung innerhalb des Einweihungsrituals, mit vorausgehender Wahl des Gurus und den weiteren Vorbereitungen.“ [3]

4. Taraṅga: Feuerweihe und Abschluss der Einweihung

Lesehilfe: Feuerweihe und abschließende Handlungen setzen die Darstellung der Diksha fort. Lies die einzelnen Gaben im Zusammenhang des gesamten Ritus. Als heutige Besinnung bietet sich die Frage an, wie du etwas, das dir heilig ist, mit Sorgfalt beginnen und ebenso bewusst abschließen kannst.

Diese Welle: Deutsch · IAST · Devanagari

S. 261, Achtzehn Weihen des Kunda
Deutsch: Nun wird das Verfahren der Feuerweihe dargestellt. Zuerst die Weihe des Kunda, im Meru Tantra: „Der vedische Ritualkundige setze das Feuer nach den Kalpa-Vorschriften ein; der tantrische vollziehe die achtzehn Weihen der Feuergrube. Mit dem Mula-Mantra schaue er sie an, mit dem Waffen-Mantra besprenge er sie. Mit Kusha-Halmen klopfe er dreimal an die Grube und rezitiere dabei den Waffen-Mantra. Dann ist das Übergießen der Grube mit dem Schutzpanzer-Mantra gelehrt. Mit dem Waffen-Mantra grabe man eine Fingerbreite aus; mit Daumen und Ringfinger hebe man diese Erde unter demselben Mantra heraus. Mit reiner Erde fülle man sie unter dem Herz-Mantra wieder auf, ebne sie unter dem Waffen-Mantra ein und befeuchte sie unter dem Schutzpanzer-Mantra. Mit Holz oder Ähnlichem stampfe man sie unter dem Waffen-Mantra fest. Dann fege man die Grube mit Kusha unter dem Schutzpanzer-Mantra; unter demselben Mantra bestreiche man sie mit Kuhdungwasser. Mit dem Schutzpanzer-Mantra vergegenwärtige man in der Grube die Kalas von Feuer, Sonne und Mond. Mit einem dreifach gedrehten Faden umwickle man jede Umrandungsstufe dreimal unter dem Schutzpanzer-Mantra. Danach vollziehe man die Verehrung des Kunda.“

S. 261, Verehrung und Festigung der Feuergrube
Deutsch: „Tara, ‚für den so und so bezeichneten Kunda, Sitz, Verehrung‘; mit ‚Dies ist Arghya‘ und den weiteren Formeln vollziehe man die gesamte Puja. Ebenso verehre man die Nabelstelle und die Umrandungsstufen. Dann stelle man sich unter dem Waffen-Mantra die Feuergrube als fest wie einen Donnerkeil vor.“ Amuka ist eine einzusetzende Bezeichnung, kein hier ausgeschriebener Eigenname. Eine Druckfußnote bezeichnet diese Form der Anwendung als tantrisch.

S. 261–262, Verkürzte Kunda-Weihe
Deutsch: In der Sharada: „Mit dem Waffen-Mantra geschehe die Festigung wie zum Donnerkeil, mit dem Herz-Mantra und reinen Kusha-Halmen der vierfache Weg; mit dem Schutzpanzer-Mantra vollziehe man Akshapatana. Beim Opfer weihe man die Feuergruben mit den genannten Weihehandlungen. Oder man weihe sie mit den vier Handlungen, beginnend mit dem Anschauen.“ Akshapatana wird im Narada-Pancharatra so beschrieben: „Mit Darbha-Halmen mit unversehrten Spitzen, die mit dem Waffen-Mantra besprochen wurden, schmücke man unter dem Schutzpanzer-Mantra alle Wände der Grube. So wird die Akshapata genannte Kunda-Weihe gelehrt.“ Im Meru Tantra: „Beim Homa des linken Wegs gelten nur die ersten vier Weihehandlungen.“ Die knappe Angabe des „vierfachen Wegs“ wird hier nicht geometrisch ergänzt.

S. 262, Nachholen unterlassener Weihen
Deutsch: Im Narada-Pancharatra: „Wenn die Weihen beim Beginn der Grubenherstellung nicht vollzogen wurden, sind sie alle nach ihrer Fertigstellung der Reihe nach auszuführen.“ Das bedeutet: Wurden diese Weihen während der Herstellung der Feuergrube nicht vollzogen, so müssen sie unbedingt an der fertigen Grube ausgeführt werden.

S. 262, Sechs Linien im Kunda
Deutsch: In der Sharada: „Mit dem Herz-Mantra zeichne man je drei Linien, deren Spitzen nach Osten und Norden gerichtet sind.“ Die Reihenfolge des Zeichnens steht im Sautramani-Tantra: „Die nach Osten führenden zeichne man von Süden beginnend, nach Norden und in der Mitte gelegen; die nach Norden führenden vor sich, von Westen beginnend. Nachdem man so je drei Linien gezeichnet hat, besprenge man sie mit Vagbhava.“ In der Sharada: „Die Gottheiten der ostwärts gerichteten Linien sind Mukunda, Isha und Purandara; die der nordwärts gerichteten Brahma, Vaivasvata und Indu.“ Im Yamala: „Mit dem Mula-Mantra zeichne man sie mit Darbha oder mit dem Sruva-Löffel.“ Lesungshinweis: Die genaue Reihenfolge innerhalb der ersten Liniengruppe ist syntaktisch knapp; es wird kein neu erschlossenes Diagramm eingesetzt.

S. 262–263, Dreieck und Sechseck
Deutsch: Im Meru Tantra: „Über einem Dreieck [zeichne man] ein Sechseck aus zwei Dreiecken; darin geschehe die Verehrung der sechs, beginnend mit Vishnu, Isha und Vasava.“ In Sharada und Yamala hingegen: „Oder man zeichne dort ein von einem Sechseck umgebenes Dreieck.“ „Oder man zeichne ein vom Sechseck umgebenes Dreieck, Göttin.“ Das Zeichnen von Dreieck, Sechseck und weiteren Formen wird entsprechend unterschiedlichen Lehrmeinungen beschrieben.

S. 263, Yogapitha im Kunda
Deutsch: In der Sharada: „Nachdem man alles mit Tara verehrt hat, verehre man den Yogapitha.“ Im Meru Tantra: „Von der Stelle vor sich ausgehend verehre man auf den Staubfäden des Lotus im Uhrzeigersinn und zuletzt in der Mitte diese [Shaktis]: Jaya, Vijaya, die Ajita Genannte, Aparajita, Nitya, Vilasini, Dogdhri, Aghora und Mangala. Man spreche ‚Hrīm̐, Verehrung dem Lotussitz aller Shaktis‘, bringe eine Handvoll Blumen dar und verehre Bhuvaneshvari im Kunda.“ In einem anderen Tantra: „Verehrung dem Wesen des Yogapitha von Vagishvari und Ishvara.“ Dies ist der Pitha-Mantra mit Hrim am Anfang. Man rufe [die Gottheiten] darin an und verehre sie.

S. 263–264, Vagishvari und Vagishvara
Deutsch: Im Meru Tantra, bezogen auf „Man verehre Bhuvaneshvari“: „In den Ganesha-, Shaiva- und Shakta-Riten meditiere man dort über den von Verlangen berauschten Shiva und die Göttin in ihrer fruchtbaren Zeit und verehre sie.“ In der Sharada: „Vagishvari, nach dem Bad am Ende ihrer Monatsblutung, einem blauen Lotus gleich, mit Vagishvara verbunden, verehre man mit den Opferdiensten.“ Die Alternative Bhuvaneshvari oder Vagishvari steht in der Ganesha-Vimarshini: „Vagishi mit dem Shakti-Bija, Vagisha mit dem zu verwirklichenden Mantra“ – zu ergänzen ist „verehre man“. Im Rudrayamala hingegen: „Dann werden die beiden mit Namah endenden Mantras für Shiva und Shakti gelehrt. Nachdem man mit beiden je dreimal verehrt hat, verneige man sich mit diesem Mantra: ‚Ich verneige mich zur Erlangung aller Siddhis vor Vagishvari, die nach ihrer Monatsblutung gebadet hat, mit allem Schmuck versehen und mit Vagishvara verbunden ist.‘“

S. 264, Lakshmi und Narayana im Vaishnava-Ritus
Deutsch: Im Vaishnava-Ritus sind anstelle von Vagishvara und Vagishvari Lakshmi und Narayana zu verehren. Dazu steht in der Tattvasara-Samhita: „Man vergegenwärtige Lakshmi in ihrer fruchtbaren Zeit und dort das Feuer, verbunden mit der geschlechtlichen Vereinigung des Herrn Narayana.“ Ebenso im Sonnenritus. Dazu steht im Meru Tantra: „Im Vaishnava- und ebenso im Sonnenritus vergegenwärtige man Lakshmi in ihrer fruchtbaren Zeit und das Feuer, das aus der Vereinigung mit Narayana geboren wird.“ Hier gelten als Pitha-Shaktis: „Vibhuti, Unnati, Kanti, Srishti, Kirti, Sannati, Tushti, Utkrishti und Vriddhi – diese neun Shaktis werden gelehrt.“ Aufgrund der Aussage „Nachdem man den Sitz mit dem Bija am Anfang dargebracht hat“ lautet der Pitha-Mantra: „Verehrung dem Wesen des Yogapitha von Shri Lakshmi und Narayana.“ Die Verbindung des ersten Zitats ist sprachlich knapp; die anschließend ausdrücklich genannte Entstehung des Feuers erläutert den Zusammenhang.

S. 264, Kameshvari und Herbeibringen des Feuers
Deutsch: Für Shrividya hingegen steht im Jnanarnava: „Nachdem man Kameshvari, von Verlangen erfüllt und in ihrer fruchtbaren Zeit, in der Mitte der Feuergrube angerufen und verehrt hat, rufe man das Feuer in ihren Schoß.“ In der Sharada: „Man bringe in einem Gefäß das Feuer herbei, das durch einen Sonnenstein und Ähnliches entstanden ist oder aus dem Haus eines vedisch Gelehrten stammt; den fleischverzehrenden Anteil scheide man aus.“

S. 265, Herkunft des Ritualfeuers
Deutsch: Im Gautamiya: „Das Feuer sei aus Stein entstanden, aus den Reibhölzern gewonnen, aus dem Haus vedisch Gelehrter oder aus dem Wald. Zufällig erhaltenes ist für die Opferhandlung ungeeignet. Von einem Brahmanen, der kein Opferfeuer unterhält, erhaltenes bewirkt nur geringen Ertrag. Von einem Kshatriya erhalten, gebe das Feuer ein Viertel der Frucht; bei einem Vaishya oder Shudra wird jenes Homa fruchtlos.“ Im Uddisha: „Feuer aus dem Haus eines vedisch Gelehrten, durch einen Sonnenstein oder durch Reibhölzer entstandenes bringe der Mantrakundige in einem Gefäß aus Gold oder Ähnlichem herbei, mit einem Kupfergefäß oder Ähnlichem bedeckt. Oder er setze das vom Feuer Herbeigebrachte in ein Bronzegefäß.“ Die Varna-Wertungen sind historische Aussagen des Zitats; die letzte Verfahrensalternative ist sprachlich knapp.

S. 265, Trägerin und Gefäß des Feuers
Deutsch: Im Meru Tantra: „Ein unverheiratetes Mädchen oder eine verheiratete Frau, deren Mann lebt, in sauberer Kleidung und nach vollzogener Reinigung, bringe Feuer von den Reibhölzern, vom Stein oder aus dem Haus eines Brahmanen herbei. Die Überführung des Feuers geschehe in einem glückverheißenden Kupfergefäß oder Ähnlichem, mit einem zweiten Gefäß bedeckt, oder in einer neuen Tonschale. Mit dem Waffen-Mantra setze man das Feuer ins Gefäß und bedecke es mit dem Schutzpanzer-Mantra. In einer alten Tonschale, einer Schädelschale, einem zerbrochenen Gefäß oder auf einem brennenden Holzscheit bringe man das Feuer nicht herbei; dies bringe Krankheit, Verlust und Furcht.“

S. 265–266, Ausscheiden des fleischverzehrenden Anteils
Deutsch: Eine besondere Regel zum Ausscheiden des fleischverzehrenden Anteils steht in einem anderen Tantra: „Man setze das Feuer mit dem Waffen-Mantra ein und bedecke es mit dem Schutzpanzer-Mantra; den fleischverzehrenden Anteil werfe man mit dem Waffen-Mantra nach Südwesten, Geliebte.“ Auch in der Mantra-Muktavali: „Nach dem Herbeibringen scheide man mit dem Waffen-Mantra den fleischverzehrenden Anteil nach Südwesten aus. Den göttlichen Anteil stelle der Verständige mit dem Mula-Mantra vor sich auf.“ Im Uddisha wird gesagt: „Mit Kurcha und Waffen-Mantra scheide man den fleischverzehrenden Anteil nach Südwesten aus.“ Auch im Ganeshvara: „Mit dem Mula-Mantra, der auf Hum̐ Phat endet, scheide man den fleischverzehrenden Anteil aus.“ Im Kriyasara: „Das Feuer, das an Verbrennungsplätzen und ähnlichen Orten rohes Fleisch verzehrt, heißt Kravyada. Von diesem Opferfeuer scheide man einen kleinen Anteil aus.“

S. 266, Vereinigung der drei Feuer
Deutsch: In der Sharada: „Der Lehrer weihe es regelgerecht durch Anschauen und die weiteren Handlungen. Dabei vergegenwärtige er die Einheit des irdischen Feuers mit dem Bauchfeuer und dem Bindu-Feuer und [erwecke] durch die Rezitation des Feuer-Bijas das Bewusstsein im Feuer.“ Im Meru Tantra: „Nachdem man sorgfältig den Glanz in Gestalt einer Lampenflamme herbeigerufen hat, vergegenwärtige man die Einheit des irdischen Feuers mit Bauchfeuer und Bindu-Feuer und verbinde es durch das Feuer-Bija mit Bewusstsein.“ Das Bindu-Feuer ist das zwischen den Augenbrauen befindliche Feuer. Im Uddisha: „Wie eine Lampe an einer anderen entzündet wird, [führe man] das nach allen Seiten strahlende [Feuer] durch den Atemweg [herbei]; dann verehre der Mantrakundige es mit dem Schutzpanzer-Mantra.“ Lesungshinweis: Der Satz der Sharada und das Herbeiführen im Uddisha sind grammatisch verkürzt; die fehlenden Verben sind in der Übersetzung sichtbar ergänzt.

S. 266, Einsetzen des geweihten Feuers
Deutsch: In der Sharada: „Der Mantrakundige [nehme] das mit Tara besprochene, durch die Dhenu-Mudra in Nektar verwandelte, mit dem Waffen-Mantra geschützte, danach mit dem Schutzpanzer-Mantra verhüllte und verehrte Feuer. Der Lehrer führe es dreimal rechtsläufig über der Feuergrube herum, während er den Tara-Mantra spricht. Mit den Knien die Erde berührend [setze er] das Feuer sich zugewandt …“ Die Anweisung wird auf der nächsten Seite fortgeführt.

S. 267, Feuer als schöpferische Kraft
Deutsch: „… in die Yoni der Göttin ein, in der Vorstellung, es sei Shivas Same.“ Auch im Meru Tantra: „Der Lehrer berühre mit den Knien die Erde und setze das rasch aufleuchtende Feuer in die Yoni der Göttin ein, während er meditiert: ‚Dies ist Shivas Same.‘“ Im Uddisha: „Man setze beide Knie auf die Erde; Kurcha-Bija, das Wort Feuer, am Ende Chaitanya und als Abschluss Namah: Mit diesem [Mantra] hebe man das reine Feuer empor. In der Vorstellung, es sei Shivas Same, setze man das Feuer in ihre Yoni ein.“ Im Tripurasara-Samucchaya wird gelehrt: „Danach setze der Mantrakundige dieses Feuer unter dem Mula-Mantra in die Yoni ein, mit dem Gesicht zu sich selbst.“ „In der Vorstellung, es sei Shivas Same“ bezieht sich auf Shaiva- und Shakta-Verfahren. Im Vaishnava- und entsprechenden Ritus ist zu verstehen: in der Vorstellung, es sei der Same Vishnus beziehungsweise der jeweiligen Gottheit.

S. 267, Einsetzen durch die Yoni und Abschluss der Vereinigung
Deutsch: In der Vayaviya-Samhita hingegen: „Nachdem man das Feuer-Bija gesprochen hat, setze man das Feuer auf seinen Sitz; man gebe es durch den Yoni-Weg oder sich selbst zugewandt hinein.“ „Durch den Yoni-Weg“ bedeutet durch die Öffnung der über der Umrandungsstufe errichteten Yoni. Im Meru Tantra: „Man vollziehe das Mundspülen für Gott und Göttin in der Vorstellung, ihre geschlechtliche Vereinigung sei beendet.“ In der Sharada: „Danach gebe man Gott und Göttin Mundspülwasser.“

S. 267, Mantras zum Entflammen
Deutsch: „Dann entfache der Lehrer das Feuer mit jenem Mantra: Nachdem man Chitpingala und je zweimal ‚Schlage!‘, ‚Brenne!‘ und ‚Koche!‘ gesprochen hat, [folgen] ‚Allwissender, gebiete! Svaha‘. Dieser Mantra wurde bereits zuvor gelehrt.“ Im Rudrayamala wird gesagt: „Hraum̐, Hraum̐; zweimal ‚Lodere!‘, Göttin, danach zweimal ‚Flamme auf!‘; Hum̐, Phat, Svaha: Mit diesem Mantra entfache der Verständige das Feuer.“ Lesungshinweis: Die beiden Anfangs-Bijas des Rudrayamala-Zitats sind im Druck unsicher. Die Wiederholungsanweisungen werden als solche übersetzt; eine gesicherte vollständige Rezitationsformel wird daraus nicht behauptet.

S. 268, Anfachen des Feuers
Deutsch: Das Entflammen geschieht durch den Mund, mit einem Büschel Kusha, mit Palasha-Blättern oder Ähnlichem. Dazu steht im Meru Tantra: „Mit dem Mund blase man das Feuer an, denn aus dem Mund ist es entstanden; [oder] mit Kusha und Palasha- oder ähnlichen Blättern, nicht mit etwas Unreinem.“ Auch in einem anderen Tantra: „[Man opfere im Opferfeuer.] Mit Händen, Leder oder Opferlöffeln und Ähnlichem fache man das Feuer nicht an, ebenso wenig mit Fächern. Mit dem Mund blase man das Feuer an, denn aus dem Mund ist es entstanden. Die Regel ‚Nicht das Feuer mit dem Mund‘ wenden die Menschen des gewöhnlichen Lebens an.“ Lesungshinweis: Der erste Halbsatz des zweiten Zitats ist grammatisch beschädigt; die anschließenden Verbote sind klar. Die unterschiedlichen Regeln bleiben den jeweiligen Quellen zugeordnet.

S. 268, Jvalini-Mudra und Verehrung des Feuers
Deutsch: Dabei ist auch die Jvalini-Mudra zu zeigen. Ihr Kennzeichen wird im Yamala so gelehrt: „Man halte beide Handgelenke auf gleicher Höhe, die Finger ausgestreckt, lege die Mittelfinger aneinander und setze die Daumen dazwischen: Dies ist die höchste Jvalini-Mudra beim Homa.“ Dann erhebe sich der Verständige vorschriftsgemäß, lege die Hände aneinander und [spreche]: „Ich verneige mich vor dem entflammten Agni, Jatavedas, dem Verzehrer der Opfergaben, goldfarben, makellos, hell brennend, mit Gesichtern nach allen Seiten.“ Mit diesem Mantra [verehre er] das Feuer und setze sich vorschriftsgemäß. Im Uddisha: „Schweigend lege man ein spannenlanges Opferholz, dessen unteres und oberes Ende mit Ghee getränkt ist, ins Feuer und setze die Gottheit auf der Feuerzunge ein.“

S. 268–269, Sattvische Feuerzungen und ihre Bijas
Deutsch: In der Sharada: „Der Mantrakundige setze die Zungen des Opferverzehrers in seinem eigenen Körper ein: am Geschlechtsorgan, After, Kopf, Mund, Geruchssinn, den Augen und überall. Die Buchstaben von Sa bis Ya, mit Feuer, Isha, Ardhi-Isha und Bindu verbunden, werden von den Lehrern als die sieben Mantras der Zungen gelehrt. Die Zungen werden für die Ritualhandlungen nach den Gunas dreifach beschrieben. Hiranya, Kanaka, Rakta, Krishna, Suprabha, Bahurupa und Atirakta sind die sattvischen bei Opferhandlungen.“ Feuer bedeutet Ra, Hara bedeutet Ya, Ardhi-Isha das lange I. Hier richtet sich bei den sattvischen Zungen die Reihenfolge Bahurupa und Atirakta nach der Bija-Reihenfolge, nicht nach der Nyasa-Reihenfolge, weil Bahurupa auf dem ganzen Körper einzusetzen ist. Die Bezeichnungen īśa und hara wechseln zwischen Vers und Erläuterung; eine ausgeschriebene Bija-Reihe wird nicht ergänzt.

S. 269, Diskussion der Nyasa-Reihenfolge
Deutsch: Dazu steht in einem anderen Tantra: „Am Geschlechtsorgan, After, Kopf, Mund, an der Nase und den Augen setze man sie der Reihe nach ein, dort Atirakta; Bahurupini hingegen auf dem ganzen Körper“, so Raghavabhatta. Tatsächlich aber folgt im Vira-Chudamani auf „Hiranya, Gagana, Rakta, Krishna, Suprabha, Bahurupa, Maheshani, und Atirikta“ die Aussage: „Eine nach der anderen setze man ein, Göttin, am Geschlechtsorgan, After und Kopf, dann am Mund, Geruchssinn, den Augen und schließlich am ganzen Körper.“ Ebenso im Tantra-Mantra-Prakasha: „Dann setze der Mantrakundige die Zungen des Feuers in seinem Körper ein: der Reihe nach am Geschlechtsorgan, After, Kopf, Mund, an der Nase, den Augen und am ganzen Körper. Diese Zungen werden als dreifach beschaffen beschrieben: Hiranya, Gagana, Rakta, Krishna, Suprabha, Bahurupa und Atirakta sind die sieben sattvischen Zungen.“ Deshalb ist es besser begründet, Atirakta gerade auf dem ganzen Körper einzusetzen. Wenn auch die von Raghavabhatta angeführte andere Aussage als maßgeblich gilt, liegt eben eine Alternative vor, so die Verfasser des Sudharnava. Auch das Meru Tantra lehrt genau die im Tantra-Mantra-Prakashika genannte Reihenfolge. Die Namensvarianten Gagana/Kanaka und Atirikta/Atirakta bleiben ihren Zitaten zugeordnet.

S. 269–270, Rajasische und tamasische Feuerzungen
Deutsch: In der Sharada: „Padmaraga, ferner Suvarna, als dritte Bhadralohita, Lohita, danach Shveta, Dhumini und Karalika: Dies sind die rajasischen Feuerzungen, die für wunschgerichtete Handlungen bestimmt sind. Vishvamurti, Sphulingini, Dhumravarna, Manojava, ferner Lohita, die Karala Genannte und Kala gelten als tamasisch. Diese sieben setzen die Mantrakundigen bei grausamen Handlungen ein. Die Zungen des segenskräftigen Feuers haben jeweils die ihrem Namen entsprechende Farbe beziehungsweise Erscheinung.“

S. 270, Gottheiten der Feuerzungen
Deutsch: „Unsterbliche, Ahnen, Gandharvas, Yakshas, Nagas, Pishachas und Rakshasas werden als die herrschenden Gottheiten der sieben Zungen gelehrt.“ Ihre Nennung dient dem Nyasa und der Puja an den jeweiligen Zungenstellen. Da im Prapanchasara gesagt wird: „Auf den Zungen der Götter und der übrigen [Wesen] opfere man unter Berücksichtigung der jeweiligen Aufgabe; die betreffenden Gottheiten mögen die ersehnte Siddhi gewähren“, dient die Nennung auch dem Homa, sofern man auf der jeweiligen Zunge mit dem entsprechenden Stoff opfert – so die Verfasser des Sudharnava.

S. 270, Rishi und sechs Anga-Mantras des Feuers
Deutsch: Im Kriyasara: „Sein Rishi ist Bhrigu, das Versmaß Gayatri, die Gottheit Agni. Das Bija ist Raṃ, die Shakti Svaha. Rishi und die weiteren Zuordnungen setze man wie zuvor ein.“ In der Sharada: „Die Anga-Mantras des Feuers setze man auf dem Körper nach dem beschriebenen Verfahren ein. Sahasrarchis, ‚Tausendflammiger‘; Svastipurna, ‚von Heil Erfüllter‘; Uttishtha Purusha, ‚Erhebe dich, Purusha‘; Dhumavyapin, ‚mit Rauch Durchdringender‘; Saptajihva, ‚Siebenzüngiger‘; und Dhanurdhara, ‚Bogenträger‘: So werden der Reihe nach die sechs Anga-Mantras gelehrt, verbunden mit den Jati-Endungen.“

S. 270–271, Acht Gestalten und Feuer-Pitha
Deutsch: „Danach setze der Lehrer die acht Gestalten des Jatavedas ein, an Kopf, Schulter, Seite, am [unklar bezeichneten Körperpunkt], an Hüfte, Seite und weiteren Gliedern, im Uhrzeigersinn. Sie werden der Reihe nach genannt: Jatavedas, Saptajihva, Havyavahana, ferner Ashvodaraja, Vaishvanara, Kaumaratejas, Vishvamukha und Devamukha. Die Feuergestalten [erhalten Mantras] mit Tara am Anfang, der jeweiligen Bezeichnung und dem Herz-Abschluss. Nachdem man den Sitz eingerichtet hat, vergegenwärtige man seine Gestalt.“ Sitz bedeutet Pitha; zu ergänzen ist „auf dem Körper“. Dort setze man die Folge von Adhara-Shakti bis zum Feuerkreis ein, auf den Staubfäden und in der Mitte die Pitha-Shaktis. Ebendort setze man den Pitha mit „Verehrung dem Feuer-Yogapitha“ ein. Lesungshinweis: Die Körperstellenfolge um kavyandhu und die Mantrabildungsangabe tārādye padādyāḥ sind beschädigt; die acht Gottheitsnamen werden vollständig bewahrt, ohne zusätzliche Körperpunkte zu erfinden.

S. 271, Neun Shaktis und Meditation über Agni
Deutsch: Dazu heißt es ebendort: „Man verehre den Pitha bis zu seinem Kreis, versehen mit den neun Shaktis. Pita, Shveta, Aruna, Krishna, Dhumra, Tivra, Sphulingini, Ruchira und Jvalini werden als die neun Shaktis des Feuers gelehrt. Mit seinem Bija bringe man den Sitz dar und bilde mit dem Mula-Mantra die Gestalt.“ Nun die Meditation, ebendort: „Man meditiere über Agni, japarot, mit goldenen Schmuckstücken, auf einem Lotus sitzend, dreiäugig, mit zu einem Knoten gebundenen Haarflechten. Mit seinen langen, hoch erhobenen Armen trägt er die Wunscherfüllungsgeste, den Speer, das Svastika-Zeichen und die Geste der Furchtlosigkeit.“

S. 271–272, Symbolische Gestalt des Feuers im Rudrayamala
Deutsch: Eine weitere Meditation wird im Rudrayamala gelehrt: „[Man meditiere über ihn,] leuchtend wie eine Bandhuka-Blüte und wie stark erhitztes Gold, auf einem Lotus, für den Opferherrn da, mit zwei Gesichtern geschmückt. Der Gott besteht aus den sieben Versmaßen und sitzt auf einem Vimana; er hat drei Hälse und drei Lotusfüße und verzehrt die Opfergaben für Götter und Ahnen. Vier Hörner schmücken ihn: Brahman, Adhvaryu, Udgatri und Hotri, die vier Opferpriester. Seine sechs gelbbraunen Augen sind Pancharatra, Pashupata, Kapila, Mahamata, Bauddha und Vaidika. Mit vier Ohren [verkörpert er] den Sinn der Veden, sein Klang besteht aus der Shrauta-Lehre. Er strahlt mit einer Krone aus aufgebundenen Haarflechten, welche die sieben Atala[-Unterwelten] darstellen; er trägt Goldschmuck und goldene Ohrringe. Inmitten eines roten Lotus sitzt er im Svastikasana; sein dritter Lotusfuß stützt sich nach hinten ab. Er tönt unablässig und leuchtet aus eigenem Glanz. Mit vier in die Richtungen ausgestreckten Armen trägt er Speer, Donnerkeil, Sruk und Sruva; mit den drei linken Armen Tomara, Palmfächer und goldenes Ghee-Gefäß. Er trägt ein rotes Gewand. Hiranya, Kanaka, Rakta und Krishna befinden sich in seinem rechten Gesicht; Suprabha, Atirakta und Bahurupa sind fest in seinem linken Gesicht angeordnet. Mit diesen sieben Zungen ausgestattet ist sein Mund weit geöffnet.“ Lesungshinweis: Mahamata bleibt die im Druck genannte Schulbezeichnung. Die Verbindung saptātala und einzelne Kasusformen der bildhaften Beschreibung sind unsicher; die Symbolgruppen werden vollständig wiedergegeben.

S. 272, Darbha-Streuung und Lampenreihen
Deutsch: In der Sharada: „Dann besprenge man die Umrandung mit reinem Wasser und streue auf der mittleren Umrandungsstufe Darbha ohne innere Sprosse aus.“ Im Kuloddisha: „Nachdem man so den Körper durch Nyasa geordnet hat, vollziehe man die Ausstreuung. Man besprenge die mittlere Umrandungsstufe mit Arghya-Wasser; im Osten lege man die Spitzen nach Norden, im Süden nach Osten, im Westen nach Norden und im Norden nach Osten. Man bedecke die unteren Enden und streue auf diese Weise dreimal.“ Ferner: „Auf allen Umrandungsstufen richte man eine Lampenreihe ein.“ In der Ganeshvara-Vimarshini: „Man streue Darbha mit Spitzen nach Osten und nach Norden aus.“ Das bedeutet: im Süden und Norden mit den Spitzen nach Osten, im Osten und Westen mit den Spitzen nach Norden.

S. 273, Darbha und Umfassungshölzer
Deutsch: Im Meru Tantra: „Bei einer Feuergrube mit einer Umrandungsstufe streue man [Darbha] unterhalb dieser Stufe aus; bei zwei Stufen auf der zweiten, bei drei auf der mittleren. Bei einer Opferfläche aus Sand streue man auf dem äußeren Boden aus.“ In der Sharada: „Der trefflichste Guru lege die Umfassungshölzer in den Himmelsrichtungen aus, mit Ausnahme des Ostens.“ Katyayana: „Man lege frische, von einem einzigen Baum stammende, armlange Umfassungshölzer aus Palasha, Vaikantaka, Karmarya oder Bilva ringsum.“ Im Meru Tantra: „Armlange, frische Umfassungshölzer aus Palasha, Karmari, Bilva oder Vikantaka, von einem einzigen Baum stammend.“ Auch im Tripurasara-Samucchaya: „Bei einer Opferfläche aus Sand lege man die Umfassungshölzer auf der äußeren Unterlage aus.“ In der Sharada: „Auf ihnen sind die Gestalten von Brahma und den weiteren [Gottheiten] im Uhrzeigersinn zu verehren.“

S. 273, Sitzkräfte des Feuers
Deutsch: Im Sautramani-Tantra: „… In der Mitte des Kunda [verehre] der Verfahrenskundige, mit den Mantras von Adhara-Shakti an der Reihe nach bis zum Lotussitz, übereinander die Sitzkräfte des Feuers. An den Ansätzen der Blütenblätter von Osten an und in der Mitte sind sie der Reihe nach zu verehren.“ Die Sitzkräfte sind die zuvor genannten Pitha-Shaktis. Das Zitat beginnt bereits im Druck mit einer Auslassung; die Syntax um padmāsanāntaḥ ist verkürzt.

S. 273–274, Inneres Bild des Feuer-Pitha
Deutsch: Eine besondere Beschreibung steht im Meru Tantra: „In der Mitte der Grube stelle man sich den achtblättrigen Verehrungssitz des Feuers vor, mit einem Sechseck als Grundstruktur, goldenem Fruchtboden, vielfältigen Staubfäden, von vier Toren und drei Vierecken umgeben. Darin verehre man Manduka und die weiteren [Grundlagen], Jnanatman und den Yogapitha …“ Ferner wird auf den acht Blütenblättern die Verehrung der zuvor genannten Pitha-Shaktis gelehrt. „Sarvashakti-Kamalasanaya mit dem Herz-Abschluss ist der zwölfsilbige Mantra des Feuers, der für die Verehrung des gesamten Pitha gelehrt wird.“ Das Zitat ist bereits im Druck verkürzt; die geometrische Formulierung ṣaṭkoṇabhitta ist knapp und wird nicht als rekonstruierte Zeichnung ausgegeben.

S. 274, Zentraler Feuer-Mantra und Zungenverehrung
Deutsch: In der Sharada: „Das meditierte Feuer verehre man in der Mitte mit Duftstoff und den weiteren Gaben unter diesem Mantra: die Worte Vaishvanara und Jataveda, danach ‚Bringe hierher‘, nach Lohitaksha ‚Vollbringe alle Handlungen‘, mit der ‚Gattin des Feuers‘ als Abschluss. Dieser Mantra wird als dem Feuer lieb gelehrt. In der Mitte und in den sechs Ecken verehre man die im Flammenglanz strahlenden Zungen.“ Der Satz ist so zu verbinden: in den sechs Ecken und in der Mitte. Für die Ecken wird die Reihenfolge von Ishana an gelehrt, bei Somashambhu: „In den Bereichen Rudras, Indras, des Feuers, [der folgenden Richtung], Varunas und des Windes stehen die sechs Zungen des Feuers, beginnend mit Hiranya, der Reihe nach; in der Mitte hingegen Bahurupa …“ Das letzte Zitat ist im Druck verkürzt. Der vierte Richtungsname māsāda ist beschädigt und wird nicht stillschweigend ersetzt; die folgende Quelle nennt die Südwestrichtung ausdrücklich.

S. 274, Feuerzungen in der Vayaviya-Samhita
Deutsch: In der Vayaviya-Samhita: „Hiranya ist die nordöstliche Zunge, Kanaka steht im Osten, Rakta im Südosten und Krishna im Südwesten; eine weitere gilt als Suprabha. Atirikta ist die Wind-Zunge, von der ihrem Namen und Wesen entsprechenden Erscheinung. Die mittlere, dreispitzige Zunge heißt Bahurupa. Eine steht rechts, eine weitere lodert links. Nach dem jeweiligen Bija ist sie zu nennen …“ Das Zitat endet bereits im Druck mit einer Auslassung. Die Wortverbindung um atiriktā/marut ist unsicher; der Windbereich wird von den anschließenden Zitaten bestätigt.

S. 274–275, Farben und Orte der Feuerzungen
Deutsch: Auch in der Ganeshvara-Vimarshini: „Danach verehre man die Zungen in den sechs Ecken und in der Mitte. Hiranya, wie glühendes Gold, steht in der Richtung des Dreizackträgers [Nordosten]; Gagana, von der Farbe des Vaidurya, im Osten; Rakta, wie die junge Sonne, in der Feuerrichtung [Südosten]; Krishna, wie ein blauer Lotus, im Südwesten; Suprabha, rubinfarben, im Westen; Atirikta, saflorfarben, im Nordwesten; Bahurupa, ihrem Namen entsprechend vielfarbig, steht südlich und nördlich. Sie alle sind von Flammenglanz erfüllt und zeigen die Hände in den Gesten der Gabengewährung und Furchtlosigkeit.“

S. 275, Weitere Versbeschreibung der Feuerzungen
Deutsch: Auch im Tripurasara-Samucchaya: „Hiranya, von schöner Farbe wie stark erhitztes Gold, steht in der Richtung des Dreizackträgers. Die Kanaka Genannte, von Vaidurya-Farbe, sitzt in Vasavas Richtung. Die Rakta genannte Feuerzunge, von der Farbe der jungen Sonne, steht in der Richtung des Feuers. Die Krishna Genannte, wie ein entfalteter blauer Lotus, ist in dem von Rakshasas umgebenen Richtungsbereich zu sehen. Suprabha, hell leuchtend mit rubingleichem Glanz, steht in Varunas Richtung. Die wie die Blüte des Maharajata Erscheinende ist Atiriktika in der Richtung des Duftträgers [Windes]. Die ihrem Namen entsprechende, vielgestaltige Bahurupika-Zunge steht im Norden und Süden.“ Lesungshinweis: Die Blütenbezeichnung mahārajata ist unsicher; sie wird nicht stillschweigend durch den Saflor des vorigen Zitats ersetzt.

S. 275–276, Stoffe der Feuerzungen
Deutsch: Eine besondere Homa-Regel steht in der Ganesha-Vimarshini: „Opferholz [opfere man] in Hiranya, Charu und Ghee in Gagana, Siddhartha in Bahurupa, Gerste in Rakta; in Krishna gepufftes Getreide, in Suprabha Mehl aus geröstetem Getreide, in Atirakta Sesam. In Kanaka opfere der Sadhaka bei allen Handlungen stets sämtliche Stoffe.“ Gagana und Kanaka erscheinen hier nebeneinander; die im Text überlieferte Differenz wird nicht vereinheitlicht.

S. 276, Beabsichtigte Wirkungen und Flammenzeichen
Deutsch: In einem anderen Tantra: „Die Früchte dieser Zungen werden nach den unterschiedlichen Absichten der Reihe nach gelehrt: Die erste dient dem Unterwerfen und Heranziehen, Gagana gilt für das Stillstellen; Rakta für das Stiften von Feindschaft und Verblendung, Krishna für Tötungsrituale; Suprabha für Befriedung und Gedeihen, Surakta für das Vertreiben. Bahurupa gewährt einzeln beziehungsweise in jeder Gestalt alle gewünschten Früchte.“ Im Meru Tantra: „Wenn die zum Vorhaben passende Zunge als Flamme in ihrer eigenen Richtung erscheint, tritt entsprechende Vollendung ein; bei umgekehrter Erscheinung das Gegenteil.“ Dies sind historische Zuschreibungen ritueller Wirkungen. Die Wendung ekaikabahurūpā ist grammatisch knapp und lokal unsicher.

S. 276, Vaishnava-Feuerzungen und weitere Gottheiten
Deutsch: Für den Vaishnava-Ritus werden ebendort andere Zungen genannt: „Prabha, Dipti, Prakasha, Marichi, Tapani, Karala und Leliha sind die Zungen beim Vaishnava-Ritual. Im Nordosten, Osten, Südosten, Südwesten, Westen, Nordwesten und in der Mitte stehen alle diese Zungen; ihre Hände leuchten in den Gesten der Gabengewährung und Furchtlosigkeit.“ In der Sharada: „Auf den Staubfäden verehre man die Anga-Gottheiten nach dem beschriebenen Verfahren; auf den Blütenblättern die Gestalt, die Speer und Svastika trägt. Dann verehre man in den Richtungen die Weltenhüter mit den genannten Kennzeichen.“ Die Verehrung der Weltenhüter ist hier auf dem Darbha der Umrandung auszuführen. Dazu steht in einem anderen Tantra: „In den sechs Ecken und in der Mitte [verehre man] durch die Zungen, auf den Staubfäden mit den Anga-Mantras, dann außen der Reihe nach durch die acht Gestalten. Auf dem Darbha der Umrandung verehre man die Richtungshüter, von Osten an.“

S. 277, Pranita-Wasser und Reinigung der Geräte
Deutsch: In der Tattvasara-Samhita: „Der Mantrakundige stelle die Gefäße vorschriftsgemäß bereit und [vollziehe die genannten Opferhandlungen]; er schaue sie mit dem Pavitra an und wende sie mit der Öffnung nach oben. Er wasche das Gefäß erneut, fülle es mit reinem Wasser, gebe ungebrochene Reiskörner und zwei Pavitra hinein, reinige das Wasser damit und stelle es im Norden auf. Dieses Gefäß nennen die Wissenden Pranita. Dann nehme man etwas Pranita-Wasser in die Prokshani und besprenge mit diesem Wasser unter dem Mula-Mantra sämtliche Opfergeräte. Danach rufe man Brahma an und verehre ihn mit dem Mula-Mantra.“ Lesungshinweis: Die Form hutāś cāpi im ersten Satz ist beschädigt; daraus wird keine zusätzliche Opferhandlung mit bestimmten Gaben erschlossen.

S. 277, Anordnung der Opfergeräte
Deutsch: Auch anderswo, in einem anderen Tantra: „Links breite man Darbha mit den Spitzen in die Richtung des Bala-Feindes [Osten] aus. Darauf stelle man die Gefäße paarweise mit der Öffnung nach unten, wende sie dann nach oben und fülle eines unter dem Herz-Mantra mit Wasser. Mit diesem durch Mantra gereinigten Wasser, mit Kusha-Büscheln und dem Herz-Mantra besprenge man alle links befindlichen Opferstoffe. Nördlich der Feuergrube ist die wassergefüllte Pranita aufzustellen. Vom Pranita-Gefäß aus sind sämtliche Gefäße der Reihe nach aufzustellen: Ghee-Topf, Charu-Topf mit Kuhmilch, Sruk und Sruva, Kuhghee, geschälter Reis, Kusha-Wurzelstücke, drei Palasha-Opferhölzer und danach das volle Gefäß.“

S. 277–278, Weitere Gefäßanordnung
Deutsch: Im Meru Tantra: „Links, nach dem [genannten] Verfahren, vom Windbereich nach Osten, stelle man Sruk und Sruva, Pranita und die beiden Prokshani-Gefäße, Ghee-Topf, Umfassungshölzer, Brennholz und Kusha-Büschel bereit; die Gefäße mit der Öffnung nach unten, ferner die Homa-Stoffe, Bali, Duftstoff, Blumen, Reiskörner und alle übrigen Dinge. Man besprenge sie mit dem Pavitra, stelle sie mit der Öffnung nach oben und fülle beide Prokshani-Gefäße mit reinem Wasser.“ In einem anderen Tantra: „Links von sich breite man Darbha mit Spitzen nach Osten aus und stelle darauf die Gefäße für das Ritual paarweise mit der Öffnung nach unten, je nach Vermögen aus Gold oder anderen Stoffen. Man wende sie nach oben und fülle sie mit Wasser und den entsprechenden Stoffen.“ Lesungshinweis: Die Bezeichnung hokavidhāna am Beginn des Meru-Zitats ist beschädigt; die sonst klare Aufzählung bleibt vollständig.

S. 278, Linke Seite und geheiligtes Wasser
Deutsch: Im Yamala: „Nördlich des Feuers, links von sich, breite der trefflichste Lehrer Darbha mit Spitzen nach Osten aus und stelle darauf die Gefäße bereit.“ „Von sich“ ist auf den nach Osten Gewandten zu beziehen. Auch im Tripurasara-Samucchaya: „Dann breite der Verständige links Darbha aus, dessen Spitzen zur Richtung des Gemahls von Pulomas Tochter [Indra, Osten] weisen. Darauf stelle er alle Gefäße paarweise mit der Öffnung nach unten. Wenn diese Gefäße nach oben gewendet sind, fülle er eines mit Wasser, vergegenwärtige darin die heiligen Wasserstätten und besprenge damit unter Kurcha-, Schutzpanzer- und Herz-Mantra sämtliche links befindlichen Stoffe.“

S. 278, Materialien der Ritualgefäße
Deutsch: Auch zu den Gefäßen steht ebendort eine besondere Regel: „Goldene, silberne oder kupferne Gefäße und auch Tongefäße sind hier bei Befriedungsritualen und den entsprechenden Handlungen besonders empfehlenswert …“ Die Gegenüberstellung der Materialien wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.

S. 279, Weitere Gefäßmaterialien
Deutsch: „… Gefäße aus Shelu-, Aksha- oder Shigru-Holz hingegen sind besonders empfohlen beim Stiften von Feindschaft, Vertreiben, Vernichten, Töten und den entsprechenden Ritualen.“ Shaulva bedeutet Kupfer; Shelu ist Bahuvaraka, Aksha der Bibhitaka-Baum, Shigru Shobhanjana. Dies sind die historischen Zuordnungen und Pflanzenbenennungen des Quelltextes.

S. 279, Wahl des Brahman-Priesters
Deutsch: Im Meru Tantra: „Man wähle einen friedvollen Brahmanen, der in den Mantra der Gottheit eingeweiht ist, und lasse ihn südlich der Feuergrube auf einem Kusha-Sitz Platz nehmen. [Man spreche:] ‚Ich, so und so genannt, aus dem und dem Gotra, wähle dich, so und so genannt, aus dem und dem Gotra, als Brahman-Priester für dieses Homa, das ein Glied der Diksha ist.‘ Man verneige sich vor ihm und ehre ihn mit Gewand, Schmuck und weiteren Gaben. Ist kein Brahmane erhältlich, fertige man eine Kusha-Figur als Vertreter an.“

S. 279, Weihe von Sruk und Sruva
Deutsch: In der Sharada: „Dann nehme der Lehrer Sruk und Sruva mit beiden Händen, mit den Öffnungen nach unten, und erhitze sie dreimal über dem Feuer. Er nehme Darbha und reinige damit der Reihe nach ihre Spitze, ihr unteres Ende und ihre Mitte. Er halte beide in der linken Hand und besprenge sie mit der rechten. Erneut erhitze der Mantrakundige sie und werfe die Darbha-Halme ins Feuer. Er lege beide rechts von sich auf die Kusha-Streuung.“ In einem anderen Tantra: „Man nehme Sruk und Sruva nacheinander mit den Öffnungen nach oben und nach unten, erhitze sie dreimal über dem Feuer und berühre sie mit den unteren Enden, Mitten und Spitzen der Darbha-Halme. Erneut erhitze man sie dreimal mit den Öffnungen nach unten und werfe die Kusha-Halme ins Feuer. Am unteren Ende, in der Mitte und an der Spitze setze man der Reihe nach die Shaktis von Iccha an ein; mit dem Herz-Mantra setze man Shakti in den Sruk und Shambhu in den Sruva ein.“ „Von Iccha an“ bedeutet Wille, Erkenntnis und Handlung.

S. 280, Weitere Löffelweihen
Deutsch: Im Shaiva-Agama hingegen wird gesagt: „Man nehme Sruk und Sruva der Reihe nach mit den Öffnungen nach oben und nach unten, erhitze sie dreimal über dem Feuer und berühre sie mit den unteren Enden, Mitten und Spitzen der Darbha-Halme. Ihre Hälse seien mit einem dreifachen Faden umwickelt und sie selbst mit Blumen und weiteren Gaben verehrt; man lege beide rechts von sich auf Kusha.“ Im Meru Tantra: „Mit den Spitzen der Kusha-Halme wische man ihre Spitzen ab, mit den Mitten ihre Mitten und mit den unteren Enden ihre unteren Enden. Nachdem man sie so dreimal gereinigt hat, erhitze man sie. Man halte beide in der linken Hand und besprenge sie mit den Fingerspitzen der rechten mit Prokshani-Wasser. Erneut erhitze man sie. Dann werfe man die Kusha-Halme ins Feuer, lege Sruk und Sruva rechts von sich auf Kusha und vollziehe danach die Weihe des Ghee.“

S. 280, Herkunft und Vorbereitung des Ghee
Deutsch: In der Sharada: „Dann nehme man den Ghee-Topf und besprenge ihn mit Wasser, das durch den Waffen-Mantra geweiht wurde; hinein gebe man das Ghee, das durch Anschauen und die weiteren Handlungen geweiht ist.“ In einem anderen Tantra: „Man nehme Kuhghee, das mit dem Mula-Mantra besprochen ist, vergegenwärtige die eigene Gestalt als Brahman und erwärme es am Feuer.“ Auch im Shaiva-Agama: „Man nehme mit dem Mula-Mantra besprochenes Kuhghee und vergegenwärtige die eigene Gestalt als Brahman.“ Die Nennung des Kuhghee bezieht sich auf die beste Möglichkeit. Dazu steht im Pingala-Mata: „Kuhghee gilt als das beste, Büffelghee als mittleres, Ziegenghee als geringeres. Deshalb wird Kuhghee empfohlen.“

S. 281, Sechs Reinigungen des Ghee
Deutsch: In der Vayaviya-Samhita: „Nachdem man den Mantra im Ghee eingesetzt hat, zeige man die Dhenu genannte Mudra.“ In der Sharada: „Man ziehe Glut nach Nordwesten heraus und stelle [das Ghee] unter dem Herz-Mantra darauf: Dies nennen die tantrakundigen Lehrer Tapana, Erwärmen. Der Guru entzünde zwei Darbha-Halme, tauche sie unter dem Herz-Mantra ins Ghee und werfe sie ins Feuer: Dies ist Pavitrikarana, Reinigung. Mit zwei brennenden Darbha-Halmen umkreise man unter dem Schutzpanzer-Mantra das Ghee und übergebe die Halme dem Feuer: Dies heißt Abhidyotana, Anleuchten. Der Guru halte brennende Darbha-Halme unter dem Waffen-Mantra über das Ghee und lege sie in Jatavedas: Dies gilt als Uddyotana, Aufleuchtenlassen. Man nehme das Ghee weg, gebe die Glut ins Feuer zurück und berühre Wasser. Mit Daumen und Ringfinger halte man zwei spannenlange Darbha-Halme und reinige damit unter dem Waffen-Mantra das Ghee: Dies ist Utpavana. Unter dem Herz-Mantra vollziehe man mit beiden Kusha-Halmen im Ghee eine Bewegung zu sich hin, Samplavana. So werden sechs Weihen gelehrt.“

S. 281–282, Bewegungsrichtung und Nadis im Ghee
Deutsch: Bei „mit Daumen und Ringfinger“ ist „beider Hände“ zu ergänzen, bei „reinige“ die Richtung „zum Feuer hin“. Dazu steht im Shaiva-Agama: „Mit zwei spannenlangen Darbha-Halmen, gehalten an den Spitzen von Daumen und Ringfinger, vollziehe man unter dem Waffen-Mantra die Utplava-Bewegung zum Feuer hin.“ In der Sharada: „Man lege zwei spannenlange, mit Knoten versehene Darbha-Halme ins Ghee und bilde zwei Bereiche; darin vergegenwärtige man die helle und die andere [dunkle] Mondhälfte. Im linken Bereich meditiere man über die Nadi Ida, im rechten über Pingala und in der Mitte über Sushumna; dann vollziehe man Homa vorschriftsgemäß.“

S. 282, Halten des Sruva
Deutsch: Die Art, den Sruva zu halten, steht im Naradiya: „Durch den Anblick des unteren Sruva-Endes erleidet der Opferherr Verlust. Deshalb verberge man beim Homa dieses Ende. Das Halten an der Spitze wird als krankheitsbringend, in der Mitte als leidbringend und am unteren Ende als verlustbringend beschrieben. Wie also soll man den Sruva halten? Man lasse vier Fingerbreiten [am unteren Ende] und sechzehn an der Spitze frei und halte die vier Fingerbreiten dazwischen mit der Shankha-Mudra.“ In einem anderen Tantra: „Man lasse fünf Fingerbreiten außen frei und halte mit der Shankha-Mudra.“ Im Homasara: „Man lasse vom unteren Ende sechs oder vier Fingerbreiten frei, bedecke das Ende mit dem Unterarm und halte mit der Shankha-Mudra.“

S. 282, Unterschiedliche Handhaltungen beim Homa
Deutsch: In einem anderen Tantra: „Man nehme Ghee mit dem Sruva und opfere mit nach unten gewendeter Hand.“ Im Bhairava-Tantra: „Eine mit nach oben gewendeter Hand in Vaishvanaras Mund geopferte Gabe vernichtet das Augenlicht des Opfernden; der Opferherr geht zugrunde.“ Im Parishishta hingegen wird gesagt: „Gerade mit nach oben gewendeter Hand, mit der Daumenspitze festgehalten, mit zusammengelegten Fingern und schweigend opfere man …“ Das letzte Zitat ist bereits im Druck verkürzt. Die einander widersprechenden Handregeln samt traditioneller Strafandrohung werden den jeweiligen Quellen zugeordnet.

S. 282–283, Drei Homa-Mudras
Deutsch: Bhairava: „Beim Homa werden drei Mudras gelehrt: Mrigi, Hamsi und Shukari. Mrigi [entsteht durch Freilassen] von kleinem Finger und Zeigefinger, Hamsi durch Freilassen des kleinen Fingers; Shukari durch Zusammenziehen der Hand. So werden die Mudras beschrieben. Mrigi dient dem Wunsch nach einem Sohn, Hamsi gewährt alle Früchte. Für sämtliche Abhichara-Handlungen lehren die Wissenden Shukari.“ Das Verb zur ersten Fingergruppe ist verkürzt; die Ergänzung folgt dem anschließenden Gegensatz. Abhichara bezeichnet hier schädigende magische Rituale.

S. 283, Opfer in die Augen und den Mund des Feuers
Deutsch: In der Sharada: „Der Guru nehme mit dem Sruva unter dem Herz-Mantra Ghee aus dem rechten Bereich und opfere im rechten Auge Agnis mit ‚Agni, Svaha‘. Ebenso nehme er aus dem linken Bereich und opfere unter dem Herz-Mantra im linken Feuerauge mit ‚Soma, Svaha‘.“ Im Meru Tantra: „Man nehme unter dem Herz-Mantra Ghee aus dem linken Bereich und opfere im linken Feuerauge mit ‚Soma, Svaha‘; eine gesonderte Verzichtserklärung ist nicht überall vorgeschrieben.“ In der Sharada: „Man nehme Ghee aus der Mitte und opfere unter dem Herz-Mantra im Stirnauge des Feuers mit ‚Agni und Soma, Svaha‘. Unter dem Herz-Mantra nehme man mit dem Sruva Ghee aus dem rechten Bereich und opfere im Mund mit ‚Agni Svishtakrit, Svaha‘. Die Opferreste lasse man entsprechend der Reihenfolge in die Bereiche des Ghee-Topfes zurückfallen. So vollziehe der Guru das Aufleuchtenlassen der Augen und des Mundes Agnis.“

S. 283, Opferreste und fünf Vyahriti-Gaben
Deutsch: „In die Bereiche zurückfallen lassen“ bedeutet: In den Bereich, aus dem man Ghee genommen und geopfert hat, gebe man den nach der Opferung verbliebenen Rest zurück. Dazu steht im Shaiva-Agama: „Nach Svaha gebe man den als Opferrest verbliebenen Ghee-Anteil der Reihe nach [zurück].“ In der Sharada: „Erneut opfere man Ghee mit den von Tara begleiteten Vyahritis.“ Hier sind fünf Opfergaben mit den einzeln und zusammen gesprochenen Formeln gemeint: „Om, Svaha. Bhuh, Svaha. Bhuvah, Svaha. Svah, Svaha. Om Bhur Bhuvah Svah, Svaha.“ Denn im Narayaniya-Tantra heißt es: „Man opfere mit fünf Mantras.“

S. 284, Abweichendes Vyahriti-Homa
Deutsch: Im Uddisha: „Beim Vyahriti-Homa der Göttin opfere man viermal, jeweils mit Tara am Anfang. [Es folgen] Bhuh, ‚Agni und der Erde, dem Großen‘ und die ‚Geliebte des Feuers‘. Nach Bhuvah die Worte ‚Vayu und dem Zwischenraum‘. Agni, Aditya und Chandramas im Dativ, ferner Nakshatra mit der Endung bhyas, ‚den Richtungen, dem Großen‘ und die ‚Geliebte des Feuers‘.“ Lesungshinweis: Die vier Formeln sind im Druck nur durch ein verkürztes Bildungsschema angegeben; die Trennung der letzten beiden lässt sich nicht zuverlässig bestimmen. Fehlende Formelglieder werden nicht aus anderen Überlieferungen ergänzt.

S. 284, Lebensweihen des Feuers in der Sharada
Deutsch: In der Sharada: „Der trefflichste Lehrer opfere dreimal mit dem Agni-Mantra. Dann vollziehe er der Reihe nach die Lebensweihen des Feuers von Garbhadhana an, jede einzeln mit acht Ghee-Opfern unter Pranava: Empfängnisweihe, Pumsavana [Ritus zur Förderung männlicher Nachkommenschaft], Scheitelteilung, danach Geburtsritus und Namensgebung, erstes Hinausführen und erste feste Nahrung, Haarschur und Einführung in die Lehrzeit, Mahanamni-Gelübde, großes Gelübde, dann Upanishad-Gelübde sowie Godana und Hochzeit.“ Godana bezeichnet in dieser Folge einen Lebensritus der Haar- beziehungsweise Bartabnahme; die Namensform des Textes bleibt erhalten.

S. 284, Lebensweihen im Meru Tantra
Deutsch: Im Meru Tantra: „Man vollziehe Empfängnisweihe, Pumsavana und Scheitelteilung und meditiere wie zuvor über den Opferverzehrer als aus Vagishvaris Schoß geboren. Dann vollziehe man den Geburtsritus und das Durchtrennen der Nabelschnur. Nach Beseitigung der Geburtsunreinheit gebe man vorschriftsgemäß den Namen: Dem Namen Agni ist der Name der Gottheit voranzustellen, zu deren Erfreuung dieses Feuer dient. [Es folgen] Haarschur und Einführung in die Lehrzeit des Feuers, Mahanamni-Gelübde, großes Gelübde, Upanishad-Gelübde, Godana, Rückkehr aus der Lehrzeit und Hochzeit. Im Shakta-Ritus erhalten sie Vagbhava als Anfang.“

S. 285, Formel und Umfang der Lebensweihen
Deutsch: Ferner: „Zuerst spreche man Pranava, dann nenne man die Handlung und sage: ‚Ich vollziehe [sie], Svaha.‘ Dies ist das Verfahren bei allen Handlungen.“ In der Sharada: „Bei glückverheißenden Riten reichen jene Lebensweihen des Feuers bis zur Hochzeit; bei grausamen Handlungen werden sie von den Agama-Kennern bis zum Tod gelehrt.“

S. 285, Entlastung und Namensgebung des Feuers
Deutsch: Im Uddisha: „Nach Abschluss des Geburtsritus lege man zur Beseitigung der Erschöpfung dreimal ein spannenlanges Opferholz, an beiden Enden mit Ghee getränkt, hinein mit ‚Om, Kameshvara und Kameshvari, Svaha‘. Die Eltern des Feuers setze der Mantrakundige in seinen eigenen Körper ein. Mit dem Namen der Ishta-Devata vollziehe man die Namensgebung des Feuers.“ „Kameshvara und Kameshvari“ gilt für Shrividya; anderswo ist „Vagishvara und Vagishvari“ zu verstehen. Im Purna-Yaga: „Nachdem man acht Ghee-Opfer dargebracht hat, vollziehe man die Namensgebung. Der Lehrer bestimme unter dem Mula-Mantra: ‚Du bist so und so genannt.‘“

S. 285–286, Nabelschnurtrennung und Opferholz
Deutsch: In der Vayaviya-Samhita: „Nachdem man das Feuer als geboren und in dieser Gestalt meditiert hat, vollziehe man den Geburtsritus, entferne die Nabelschnur und beseitige die Geburtsunreinheit. Unter vorangehenden Opfergaben gebe man ihm den Namen Shivagni. Man verabschiede die Eltern und vollziehe Haarschur, Einführung in die Lehrzeit und die weiteren Weihen bis zur Hochzeit.“ Die Art der Nabelschnurtrennung steht im Shaiva-Agama: „Zur Entfernung der Nabelschnur des Feuers opfere man mit dem Herz- beziehungsweise eigenen Mantra fünf Opferhölzer, deren Spitze und unteres Ende mit Ghee getränkt sind.“ In der Vayaviya-Samhita: „Diese seien aus Palasha oder anderem opfertauglichem Holz, zwölf Fingerbreiten lang, gerade, nicht von selbst vertrocknet, mit Rinde, unversehrt und gleichmäßig. Auch zehn Fingerbreiten sind vorgeschrieben, bei der Dicke des kleinen Fingers; fehlen solche, können sämtliche Hölzer von einer Spanne Länge geopfert werden.“

S. 286, Abschied der Feuer-Eltern
Deutsch: In der Sharada wird nach sämtlichen Weihen des Feuers die Verabschiedung seiner Eltern genannt; für die Nabelschnurtrennung wird das Opfer von fünf Hölzern gelehrt: „Dann verehre man seine Eltern, nehme sie in sich auf und opfere fünf Hölzer, deren unteres Ende und Spitze mit Ghee getränkt sind.“ Im Kriyasara: „Nach der Verabschiedung der Eltern vollziehe man Haarschur, Einführung in die Lehrzeit und die weiteren Weihen. Oder man vollziehe alle Weihen und verabschiede die beiden Gottheiten erst zum Schluss, nachdem man zur Beseitigung der Erschöpfung drei vorzügliche Opferhölzer dargebracht hat.“

S. 286, Einzelgaben und Mantra-Endungen
Deutsch: Im Meru Tantra: „Mit dem jeweiligen Bija und Namen der Feuerzunge bringe man je eine Gabe dar. Danach opfere man für die Angas, die acht Feuergestalten, die Weltenhüter von Indra an und anschließend ihre Waffen. Der Verständige verwende einen Mantra mit Om am Anfang und Svaha am Ende. Beim Abschluss Svaha opfere er und meditiere dabei über die Mantra-Gottheit.“ Endet der Mantra bereits auf Svaha, ist kein weiteres Svaha anzufügen. Dazu steht im Mantra-Prakasha: „An einen auf Namah endenden [Mantra] füge man kein Namah an und an einen auf Dvitha endenden kein weiteres Dvitha. Bei Puja wie bei Opfergaben gilt überall diese Regel, Shiva.“ Dvitha bedeutet Svaha. Dabei wird wegen der Ähnlichkeit des Schriftzeichens mit Ṭha ein Punkt bezeichnet; zwei Punkte bilden Visarga, und dieser ist Shakti-Gestalt. Deshalb bezeichnet das Wort Dvitha die Feuer-Shakti Svaha, so Raghavabhatta. Die Überlieferungskundigen sagen dagegen, Dvitha sei schlicht eine technische Bezeichnung. Die ungewöhnliche schriftbildbezogene Erklärung wird als Deutung des zitierten Autors wiedergegeben.

S. 286–287, Große Feuergabe und Ganesha-Opfer
Deutsch: Im Meru Tantra: „Viermal nehme man Ghee mit dem Sruva und gieße es in den Sruk. Diesen bedecke man mit demselben [Sruva]; der Guru selbst opfere stehend ins Feuer. Er spreche dabei den auf Vaushat endenden Feuer-Mantra; [die Gabe erfolgt] auf der mittleren Feuerzunge, deren Gestalt eine Reihe von Flammen ist. Zuerst bringe der Mantrakundige mit dem Ganesha-Mantra zehn Opfergaben dar, in zehn Abschnitten mit Tara am Anfang, jeder unter Einschluss der jeweils vorhergehenden Teile. Danach opfere er viermal mit dem gesamten Mantra.“ Auch in der Sharada: „Mit Vighneshvaras Mantra bringe man zehn Opfergaben dar. Dieses Agnimukha, die Eröffnung des Feuerrituals, gilt als allen Tantras gemeinsam.“

S. 287, Bereitung und Aufteilung des Charu
Deutsch: Ebendort: „Dann koche man im geweihten Feuer Charu mit Kuhmilch, in einem neuen Gefäß aus Kupfer oder einem entsprechenden Stoff, das mit dem Waffen-Mantra gereinigt wurde. Man gebe geschälte Shali-Reiskörner, die mit dem Mula-Mantra besprochen sind, in fünf Hohlhandmaßen hinein, rezitiere den Waffen-Mantra, wasche die Gefäßöffnung und bedecke sie unter dem Schutzpanzer-Mantra. Nach Osten gewandt koche der trefflichste Lehrer den Charu unter dem Mula-Mantra. Wenn er fertig ist, übergieße man ihn mit Ghee aus dem Sruva unter dem Mula-Mantra. Danach hebe der Guru das Gefäß unter dem Schutzpanzer-Mantra vorschriftsgemäß auf ein Mandala, das mit unter dem Waffen-Mantra geweihtem Kusha bestreut ist. Er teile den Charu in drei Teile: einen bestimme er für den Gott, einen opfere er im Feuer, den dritten esse der Lehrer selbst gemeinsam mit dem Schüler …“ Die Art des Homa und des Essens wird weiter unten erklärt. Das Zitat ist bereits im Druck verkürzt; die Mengenangabe prasṛtīḥ pañcatadābhiḥ ist beschädigt, wobei „fünf Hohlhandmaße“ die vorläufige Lesung wiedergibt.

S. 287–288, Einheit von Selbst, Feuer und Gottheit
Deutsch: Im Meru Tantra: „Nachdem der Guru den Pitha der Gottheit im Feuer richtig verehrt hat, verehre er dort die Ishta-Devata in Feuergestalt. Mit Ghee und dem zu verwirklichenden Mantra bringe der Mantrakundige fünfundzwanzig Opfergaben in den Mund des Feuers dar: Dies ist die Vereinigung der Münder. Der Selbstkundige meditiere über die Einheit von Selbst, Feuer und Gottheit und bringe dann elf Ghee-Opfer mit dem Mula-Mantra dar. Dies nennen die trefflichsten Lehrer die Verbindung der Nadis. Für die Umhüllungskreise, beginnend mit den Angas, bringe man je eine Gabe dar.“ Zum Schluss sind zehn Opfergaben mit dem Mula-Mantra zu geben. Dazu steht im Tripurasara-Samucchaya: „Für jedes Mitglied des Gefolges opfere man einmal, für die Göttin zehnmal.“

S. 288, Verteilung des Feuers auf weitere Kundas
Deutsch: Im Meru Tantra: „Der Guru verteile das Feuer vorschriftsgemäß auf alle Kundas in den Richtungen von Osten an, die nach dem genannten Verfahren geweiht wurden. Alle Ritualpriester verehren mit Sandel und den weiteren Gaben die gelehrte Gottheit samt allen Umhüllungskreisen und opfern dann fünfundzwanzigmal unter dem Mula-Mantra Milchreis mit Ghee.“ Die Verteilung des Feuers auf sämtliche Kundas ist vom Acharya auszuführen; die Weihe der weiteren Gruben hingegen von den Ritualpriestern. Bei „sie opfern“ sind Acharya und Ritualpriester zu ergänzen. „Mit Milchspeise“ bedeutet mit Charu, genauer mit dem zweiten Teil des zuvor erwähnten Charu. Vor dem Charu-Homa sind fünfundzwanzig Ghee-Opfer zu geben. Entsprechend heißt es in der Sharada: „Dann verteile der Acharya gesammelt das Feuer auf die weiteren vorschriftsgemäß geweihten Kundas von Osten an. Die Ritualpriester verehren dort mit Duftstoff, Blumen und weiteren Gaben die genannte Gottheit samt den Umhüllungen von den Angas an und opfern fünfundzwanzigmal unter dem Mula-Mantra mit Ghee und ebenso mit gheeversetztem Charu.“

S. 289, Charu-Mahlzeit und Zahnhölzchen
Deutsch: Bei Somashambhu: „Den dritten Teil des Charu, drei oder acht Bissen groß und vor [fremdem] Blick und Berührung bewahrt, reiche der Mantrakundige unter dem Herz-Mantra zum Essen: für weltlichen Genuss in einer Palasha-Blattschale, für Befreiung auf einem Pippala-Blatt. Danach lasse er mit reinem Wasser den Mund spülen.“ In der Sharada: „Der Lehrer führe den Schüler nach der Mundspülung herbei und vollziehe an ihm Sakalikarana. Dann gebe er dem bescheidenen Schüler ein gerades Zahnhölzchen aus einem milchsaftführenden Baum oder einem anderen genannten Holz, eine Tala lang. Nachdem der Schüler sorgfältig die Zähne gereinigt hat, wasche er es und lege es weg.“ Auch im Meru Tantra: „Man gebe dem Schüler das wie beschrieben gerade Zahnhölzchen von einer Spanne Länge; er reinige die Zähne, wasche es und werfe es weg.“ Die Druckfußnote bestimmt Tala als die Spanne zwischen Daumen und Mittelfinger.

S. 289, Zeitpunkt der Zahnhölzchenprüfung und Adhivasa
Deutsch: Die Zahnhölzchenprüfung ist bereits vor dem Eintritt in den Pavillon auszuführen; hier geht es nach der Überlieferung lediglich um die Zahnreinigung. Einige sagen, die Prüfung müsse gerade hier geschehen; andere, sie müsse zu beiden Zeitpunkten vollzogen werden. In der Sharada: „Nachdem der Guru den Schüler vorschriftsgemäß den Mund hat spülen lassen und ihn durch das Binden der Haarlocke geschützt hat, schlafe er mit ihm in jener Nacht auf dem Altar auf einer Darbha-Streuung. Dies heißt Adhivasa.“ Im Narayaniya: „Erneut lasse der Guru den Schüler den Mund spülen, schütze ihn durch das Binden der Haarlocke und schlafe mit ihm auf dem Altar auf der Darbha-Streuung.“ Im Pingala-Mata: „Unter Anwendung des Traum-Mantras lasse man ihn mit dem Kopf nach Osten schlafen.“

S. 290, Nachtlager und Traumbericht
Deutsch: In der Vayaviya-Samhita: „Rein führe man den Adhivasa des Schülers rechts von der Gottheit durch, auf einem Darbha-Lager, das mit einem ungetragenen Tuch bedeckt ist.“ Im Meru Tantra: „Nachdem der Mantrakundige den Schüler hier vorschriftsgemäß den Mund hat spülen lassen und ihn durch die Bindungen an der Haarlocke gut geschützt hat, schlafe er nachts gemeinsam mit ihm auf der Kusha-Streuung auf dem Altar. Dies wird Adhivasa genannt.“ Im Mahakapila-Pancharatra: „Nachdem er die Füße des Gurus verehrt hat, gehe der fastende, seine Sinne beherrschende Schüler nachts auf das Darbha-Lager und berichte den Traum, den er gesehen hat.“

S. 290, Bitte um Traumweisung
Deutsch: Im Yogini-Tantra und im Meru Tantra: „Vor dem Yantra [wende man sich an] den Gott und wiederhole gesammelt diese Mantras. Mit nur einer leichten Mahlzeit und auf der rechten Seite liegend prüfe man den Traum nach der Unterweisung: ‚Erhabener Herr der Götter, Dreizackträger, auf dem Stier Reitender, Ewiger: Zeige mir im Schlaf das Erwünschte und das Unerwünschte.‘ Wer so mit gesammeltem Geist auf der Kusha-Streuung schläft, sieht gegen Ende der Nacht einen glückverheißenden oder unglückverheißenden Traum.“ Lesungshinweis: Die Anfangsverbindung dūr udeti ist beschädigt; die räumliche Angabe und das Mantragebet sind erkennbar. Die Form śāśvataḥ ist gegenüber der Anrede grammatisch auffällig.

S. 290, Traum-Mantra und Verehrungsvers
Deutsch: Im Pingala-Mata und im Meru Tantra: „Tara, zweimal Hili, Shulapanaye und Dvitha: Dies wird von Shambhu als Traum-Mantra gelehrt.“ „Verehrung, Sieg! Dem Dreiäugigen, dem Gelbbraunen, dem Großseeligen, Vama, dem Allgestaltigen, dem Herrn der Träume sei Verehrung.“ Tara und Dvitha bleiben hier die im Text verwendeten Bezeichnungen; der Mantra wird nicht als fortlaufend ausgeschriebene Formel ergänzt.

S. 291, Bitte um zuverlässige Traumweisung
Deutsch: „Sage mir im Traum die Wahrheit über sämtliche Vorhaben, ohne etwas auszulassen. Durch deine Gnade, Maheshvara, werde ich die Handlung zur Vollendung bringen.“

S. 291, Traumgebet an Vishnu
Deutsch: Im Mantra-Tantra-Prakasha: „Om, dem [hṛtsakalalokāya: Wortverbindung unsicher], Vishnu, dem machtvoll Wirkenden, dem All, dem Allgestaltigen, dem Herrn der Träume sei Verehrung.“ Dieser Traum-Mantra wurde von Narada und anderen gelehrt. Lesungshinweis: Die erste Anrufung nach Om ist auch im Druck nicht sicher aufzulösen; sie wird nicht durch eine vermutete Standardformel ersetzt.

S. 291, Traumgebet und innere Sammlung
Deutsch: Im Naradiya: „Du bist die Gestalt des höchsten Brahman, Mantra, [carṣī: Lesung beziehungsweise Bedeutung unklar], der Träger des Alls. Gott, teile mir im Traum den glücklichen oder unglücklichen Verlauf mit.“ Nachdem man dies gesprochen hat, knie man auf die Erde und verneige sich. Heiter und schweigend lege man sich auf jenes Lager und denke an die Ishta-Devata. Die Verbindung nach mantra ist im Druck unsicher; eine Ergänzung wird nicht vorgenommen.

S. 291, Arten der Träume und Zeitpunkt ihrer Erfüllung
Deutsch: Nun die glückverheißenden Träume. Im Yogini-Tantra: „Das Traumerleben ist dreifach: wahrheitsgemäß, nicht wahrheitsgemäß und aus Apaka entstanden. Das Schauen gesunder, beherrschter Menschen ist wahrheitsgemäß; das durch Störungen entstandene Schauen ungesunder Menschen ist nicht wahrheitsgemäß. Das aus Apaka entstandene und das geistige [Schauen] werden als ihrem jeweiligen Ergebnis entsprechend bezeichnet.“ Die Bezeichnung apākaja und die Zuordnung im letzten Halbvers bleiben sprachlich unsicher; die Dreiteilung wird nicht zu einer modernen Traumtheorie umgedeutet. Im Agama-Siddhanta: „In der ersten Nachtwache erfolgt die Reifung nach einem Jahr, in der zweiten nach einem halben Jahr, in der dritten nach einem Vierteljahr; im vierten Viertel der Nacht erfolgt die Reifung sogleich, wenn [der Traum] beim Ausklang gesehen wird.“ Die erste Wortform und der Ausdruck visargeṣu sind im Druck auffällig; der zeitliche Grundgedanke ist erkennbar.

S. 291–292, Gottheit und Guru als glückverheißende Traumbilder
Deutsch: Ferner: „Sieht man im Traum die eigene Ishta-Devata mit allseits gewandtem Gesicht, den Guru mit einem gnädigen, freundlichen Antlitz, die reine Mondscheibe, Ganga Bhagirathi, die Sonne, einen Träger religiöser Kennzeichen, das Linga oder den wohlgesinnten Ishvara, so erkenne man in dieser Traumerscheinung ein Zeichen der Siddhi.“

S. 292, Weitere Zeichen nach dem Narada-Pancharatra
Deutsch: Im Narada-Pancharatra: „Landgewinn, eine Verwundung, das Überqueren des Meeres, die Verehrung des Feuers, Homa im lodernden Feuer, Sieg in der Schlacht sowie das Besteigen von Hamsa-Vögeln, Koka-Vögeln, Pfauen und eines Wagens.“ Die Aufzählung steht im Zusammenhang der glückverheißenden Träume; der Druck liest ausdrücklich kṣatam, ‚Verwundung‘.

S. 292, Günstige Traumbilder im Mahakapila-Pancharatra
Deutsch: Im Mahakapila-Pancharatra: „Ein Mädchen, einen Sonnenschirm, einen Wagen, eine Lampe, einen Palast, einen Lotus, einen Fluss, einen Elefanten, einen Stier, eine Girlande, ein schäumendes Meer, einen Baum, einen Berg, ein Pferd, berauschendes Getränk, rohes Fleisch, Sura und Asava: Wenn man all dies und Ähnliches gesehen hat, erlangt man Siddhi. Sieht man bei Handlungen zur Erfüllung bestimmter Wünsche eine Frau im Traum, so erkenne man darin ein Zeichen des Gedeihens. Das Überqueren von Fluss und Meer, das Gehen durch den Luftraum, Sonnenaufgang, loderndes Feuer, das Schauen von Planeten, Mondhäusern, Sternen und Mondscheibe, das Ersteigen eines hohen Hauses oder eines Palastdaches, das Besteigen vorzüglicher Elefanten, Pferde und Stiere sowie der Spitzen von Bäumen und Bergen, eine Fahrt im Himmelswagen und das Schauen eines vollendeten Mantras: Wer solche und ähnliche Dinge gesehen hat, erlangt Siddhi.“

S. 292–293, Ungewöhnliche und königliche Traumbilder
Deutsch: „Im Traum berauschendes Getränk zu trinken, rohes Fleisch zu essen, mit Würmern und Kot bestrichen oder mit Blut übergossen zu werden, Reis mit Dickmilch zu essen, weiße Kleidung und Salbung, einen Löwenthron, einen Wagen, ein Fahrzeug, eine Fahne, eine Königsweihe, Edelsteine, Schmuck und dergleichen zu sehen: Dadurch wird man erfreut.“ Diese Aussagen betreffen Traumbilder innerhalb der traditionellen Deutung; sie sind keine Aufforderung, die beschriebenen Handlungen auszuführen. Die Verbindung ‚weiße Kleidung und Salbung‘ ist im Druck gedrängt formuliert.

S. 293, Glückverheißende Personen, Gegenstände und Speisen
Deutsch: Im Narada-Pancharatra: „Guru und Gottheit, ein Zweimalgeborener, ein Mädchen, Kuh, Elefant, Pferd und Löwe; ein Spiegel, Muschelhorn und Bheri-Trommel, Saitenmusik und Rochana-Farbstoff; Betelkauen und die Begrüßung eines zum Tod Verurteilten; gekochte Speise und rohes Fleisch, berauschende Getränke, eine Frau, Madira und Fett; Sonnenschirm, Fahrzeug, weißes Gewand, Ghee und weißes Sandelholz; Girlanden, Perlen, Halsketten, der voll aufgegangene Mond; die Sonne mit mächtigen Strahlen, ein Fluss und das große Meer; ein blühender Baum, Reis, Rochana, Safran und Honig; Puffreis, Senfkörner, Samen, ein neues Gefäß und Milchreis; ferner der herangekommene Acharya und Gayatri, die zum Segen gelangt ist: All dies wird im Traum als glückverheißend bezeichnet und bringt als Frucht Siddhi und Moksha.“ Die Schlussverbindung varaṃ gatā ist sprachlich auffällig. Die Begrüßung eines Verurteilten ist ausdrücklich ein Traumbild.

S. 293, Weitere günstige Träume im Naradiya
Deutsch: Im Naradiya: „Das Ergreifen fremder Frauen und der Verkehr mit einer als unzugänglich geltenden Frau; der Biss einer weißen Schlange, Fesselung mit Ketten und dergleichen; Weinen, Geschlagenwerden, Laufen und Verletzung eines Körperteils; [die folgende Verbindung über Erde beziehungsweise Reinigung und Bronze ist nicht sicher verständlich], der Erwerb von Blei oder einem geringgeschätzten Metall, ebenso Blumen, Früchte und Edelsteine [Wortschluss unsicher]; das Fächeln durch einen selbst oder einen anderen und das Anfachen des Feuers: Diese und weitere ähnliche Dinge nennen die Weisen glückverheißend.“ Mehrere Wörter der Aufzählung sind bereits im Druck beschädigt oder grammatisch unklar; die erkennbaren Glieder werden wiedergegeben, ohne die Lücken mit vermuteten Traumbildern zu füllen.

S. 293–294, Günstige Traumbilder im Meru Tantra
Deutsch: Im Meru Tantra: „Ein voller Krug, ein Spiegel, ein Fisch, Ghee und Rochana; eine Leiche ohne Weinen, Waffen und eine kleine Fahne; ein Bharadvaja-Vogel, ein König, der Klang der Veden und Gesang; Erzählungen, glückverheißende Lieder, ein Elefantenhaken und [yadgṛhaḥ priyam: Verbindung unklar]: Sieht der Sadhaka diese Dinge im Traum, so erlangt er Siddhi. Beim Kranken besteht kein Leiden [mehr]; gewöhnlich erlangt man Glück. Sieht man bei Handlungen zur Erfüllung bestimmter Wünsche im Traum eine begehrende Frau, die Überquerung von Fluss und Meer, das Wandern im Luftraum, Sonnenaufgang, eine Mond- oder Sonnenfinsternis, das Ersteigen hoher Häuser, Paläste, Elefanten, Pferde, Stiere und Berggipfel; das Essen von Reis mit Dickmilch und ungekochtem Fleisch, das Bestreichen mit Würmern und Kot, das Übergießen mit Blut, Betelkauen, Trinken berauschender Getränke und die Begrüßung eines Verurteilten; [die Sonne] mit mächtigen Strahlen, unversehrt: Dies sind Zeichen der Vollendung des Vorhabens.“ Die Satzverbindung zum Kranken und das abschließende svasthaḥ sind im Druck grammatisch auffällig; der gemeinte günstige Charakter ist aus dem Zusammenhang erkennbar.

S. 294, Weiße Gestalten, Feuer und Schlangenbiss
Deutsch: „Wen im Traum eine Frau umarmt, die weiß gekleidet ist und weiße Girlanden und Salbung trägt, dem wendet sich Glück von allen Seiten zu. Erwacht jemand, während [im Traum] Sitz, Bett, Trinkgefäß, Körper, Fahrzeug oder Haus brennen, so wendet sich ihm Glück von allen Seiten zu. Wird die rechte Hand von einer weißen Schlange gebissen, erfolgt innerhalb von zehn Tagen ein Gewinn; ein Kranker wird von seiner Krankheit befreit. Wird man mit Fesseln oder einer Armschlinge gebunden, so wird ein Sohn geboren; das Ansehen wächst. Das Trinken von Milch bedeutet Verlust von Besitz.“

S. 294–295, Speisen und ihre unterschiedlichen Bedeutungen
Deutsch: „Wer Sura und Blut trinkt, erlangt Wissen; ein Brahmane [erlangt] großen Reichtum. Beim Anblick von Dickmilch entsteht Freude, durch Weizen kommt Besitz hinzu. [siddhāviṣṭāgamam: Wortverbindung nicht sicher verständlich]; durch Senfkörner kommt ebenso Gewinn. Durch den Erwerb von Dickmilch entsteht Vermögen, durch den Erwerb von Ghee Sieg; das Essen von Ghee bedeutet Schwierigkeiten mit dem Besitz, das Essen von Dickmilch dagegen Sieg. Wer die Verehrung eines Linga und dergleichen sieht, siegt in einer Rechtssache.“ Die unklare Verbindung am Anfang von S. 295 wird nicht durch eine vermutete Glücksverheißung ergänzt. Die Zuordnung im ersten Satz ist syntaktisch gedrängt.

S. 295, Herrschaft und wahrheitskräftige Traumgestalten
Deutsch: „Wer inmitten eines Teiches oder eines ähnlichen Gewässers auf einem reglosen Lotusblatt Milchreis mit Ghee isst, den erkenne man als künftigen Erdenherrscher. Was Gottheiten, Träger religiöser Kennzeichen, Kühe, Ahnen, Brahmanen und Könige einem Menschen im Traum sagen, wird genau so eintreten. Wer ein Dorf oder eine Stadt mit Gedärmen umwindet, erlangt beim Dorf die Herrschaft über einen Bezirk, bei der Stadt wird er König.“

S. 295–296, Weitere Zeichen für Erfolg und Besitzgewinn
Deutsch: „Das Verschlingen von Mond und Sternen und das Suchen nach ihnen, das Verschlingen von Erde und Meeren und die Tötung von Feinden; Sieg in Streit und Würfelspiel und Sieg über Feinde; das Melken von Stuten, Büffelkühen, Löwinnen, Kühen, Elefantenkühen und dergleichen; die glückverheißende Gunst von Guru, Brahmane, Ishta-Devata, Siddha und anderen; Baden, Königsweihe, das Abschlagen des eigenen Kopfes und Tod; das Durchqueren heiliger Gewässer und Überwinden schwieriger Stellen; die Geburt bei Kuh, Elefant und Stute sowie der Erwerb von Feuer; die Umarmung einer fremden Frau, ihr Erlangen und auch Weinen; das Bestreichen mit Kot, das Schauen von Kunda-, Jati- und Bakula-Blüten sowie eines Königs; Sieg in Kampf, Würfelspiel und Zusammenstoß, Fesselung mit Ketten; [das Sitzen auf dem Schwanz von] Haustieren, Fischen und Wildtieren; das Erlangen eines Pfaues, das Tragen weißer Kleider, Blumen und Sandel; das Essen aus einem Gefäß aus Edelstein, Silber, Gold oder ähnlichem Material: Wenn der Sadhaka dies sieht, soll er wissen, dass die Siddhi nahe ist. Wer um ein Vorhaben besorgt ist, erreicht dessen Vollendung; die anderen gewinnen Besitz.“ Die Verbindung über den Schwanz der Tiere lautet im Druck lāṅgūlasyāsanam und bleibt in ihrer genauen Bildvorstellung unsicher.

S. 296, Ungünstige Träume: Farben einer Frau
Deutsch: Nun die unglückverheißenden Träume. „Wen im Traum eine Frau umarmt, die schwarz gekleidet und mit schwarzem Duftstoff gesalbt ist, für den ist dies die letzte Nacht. Bei einer roten Frau bedeutet es Krankheit, bei einer rötlichen Kummer, bei einer blauen Streit, [hanyā: Verbindung unklar], bei einer gelben und einer papageifarbenen Unglück.“ Die ungewöhnlichen Farbbezeichnungen und das Wort hanyā werden nicht stillschweigend vereinheitlicht. Es handelt sich um traditionelle Omen-Aussagen des Textes.

S. 296, Ungünstige Personen und Gegenstände
Deutsch: Ferner: „Eine unfruchtbare Frau, Haut beziehungsweise Leder, Spelzen, Knochen und dergleichen, Salz, Kohle und Brennholz; Kot, ein Eunuch, ein Wahnsinniger und Öle; ein Träger verfilzter Haare, ein Feind und Waldheilpflanzen; ein Kranker, Gras, ein Sannyasin, ein Nackter, ein Eingeölter, ein Hungernder, jemand mit gelöstem Haar, ein Ausgestoßener, ein körperlich Beeinträchtigter, Blut [und eine nicht sicher lesbare Verbindung mit śaraṭa]; ein Katzenkampf, Baumwolle, eine Schwangere und eine Menstruierende; Rohrzucker, Buttermilch, ein Ockergekleideter, Schlamm, eine Witwe, Streit im Haus; das Herabfallen von Kleidern und dergleichen [sowie lūlāpasamara: Verbindung unklar]; ein Blinder, ein Buckliger, ein übel Redender, ein Tauber, ein Lahmer und ein Buckliger; Erbrechen, ein leerer Krug, eine Wäscherin in schmutziger Kleidung: Werden diese gesehen, gelingt das Vorhaben nicht, und ein Kranker gelangt zum Tod.“ Die Aufzählung gibt historische Wertungen wieder. Zwei beschädigte Wortverbindungen bleiben lokal offen; die doppelte Nennung des Buckligen ist im Druck vorhanden.

S. 296, Pflanzen, Wasser und die südliche Richtung
Deutsch: „Wer im Traum einen blühenden Ashoka, Karavira oder Palasha und Wasser sieht, gelangt zu Kummer. Das Eingehen in eine andere Gestalt, das Gehen nach Süden, das Versinken im Schlamm und Baden bringen den Verlust von Sohn und Frau. Schwarzes ist nicht günstig, ausgenommen [eine beschädigte Liste, in der Kuh, Elefant, Siddha und Gottheit erkennbar sind].“ Die Ausnahme-Liste am Seitenende ist im Druck nicht zuverlässig aufzulösen; ihre fehlenden Verbindungen werden nicht ergänzt.

S. 297, Träume als Todeszeichen
Deutsch: „Das Essen ist glückverheißend, ausgenommen Baumwolle, Asche, Knochen und dergleichen. Wer mit rotem Duftstoff, rotem Gewand und roten Girlanden ausgestattet oder schwarz, nach Süden gewandt auf Esel, Kamel oder Büffel reitet, lebt keine drei Monate mehr. Wer in eine Grube fällt oder in einem Haus eingeschlossen wird, dessen Tür sich schließt, und nicht daraus aufsteht, hat noch ein Jahr zu leben. Wer im Traum Erbrochenes, Urin, Kot, die Geburt von Nachkommen und Samenverlust sieht, dessen Lebensdauer beträgt zehn Monate. Wer von entstellten schwarzen Männern mit erhobenen Waffen oder mit Steinen geschlagen wird, dem steht unzweifelhaft der Tod bevor. Wer, auf Büffel oder Kamel reitend, mit Öl gesalbt und kahlgeschoren nach Süden aufbricht, dem steht unzweifelhaft der Tod bevor.“ Die zeitlichen Todesprognosen werden als überlieferte Omen-Aussagen übersetzt; sie sind keine verlässlichen Aussagen über die Lebensdauer eines heutigen Träumenden.

S. 297, Verlust, Reinigung und Flussüberquerung
Deutsch: „Sieht man den Sturz eines Palastes, eines Hauses, des Mondes und der Sonne, von Bergen und Bäumen, so folgt der Verlust der Stellung; ebenso [deuten] Verlust eigener Körperglieder und Überwältigung durch Krankheit [darauf]. Das Auskehren des Hauses, das Bestreichen mit Kuhdung oder Erde; wenn man nach Überquerung eines Flusses am Ufer angekommen ist und ein anderes Gewand angelegt hat: Ein Kranker wird von der Krankheit befreit, bei einem Gesunden entsteht Verlust.“ Die genaue syntaktische Zuordnung der kurzen Aufzählung bleibt im Druck gedrängt.

S. 297, Tiere zur linken und rechten Seite
Deutsch: „Tiere und Vögel mit männlicher Bezeichnung sowie Potaki, Shukari, Rala, Pingala, Chhuchchhuka, Pankti, Kokila und Shiva zur linken Seite; Tiere und Vögel mit weiblicher Bezeichnung sowie Shrikaratha, Affe, Ruru, Chhikkara, Pippala, Bhasa, Krähe, [kṣva: unklare Lesung] und Hahn zur rechten Seite: Werden sie gesehen, bedeutet dies für den Kranken das Ende der Krankheit, für den Sadhaka Siddhi. Für den Gesunden entsteht durch beide Gewinn; bei vertauschten Richtungen ist es nicht günstig.“ Mehrere Tiernamen dieser Liste sind selten oder im Druck nicht zuverlässig lesbar. Sie bleiben als Namen stehen; ungesicherte zoologische Gleichsetzungen werden nicht ergänzt.

S. 298, Mitteilung des Traums an den Guru
Deutsch: Nun die Mitteilung des Traums. Im Nibandha: „[Der Schüler,] rein und nach der Mundspülung, mit Blumen in der Hand, verneige sich freudig mit dem Kopf vor dem vortrefflichen Guru und berichte ihm den Traum. Was er im Traum oder vor den Augen sieht, auch ein erstaunliches, Freude schenkendes oder unvermittelt erscheinendes Erlebnis, soll er niemandem außer dem Guru erzählen.“ Die Formen śiṣyasya und gurūttamaḥ sind im gedruckten ersten Vers grammatisch unstimmig; die Übersetzung kennzeichnet den aus der Handlung erschlossenen Schüler. Auch die Verbindung für das Sehen vor den Augen ist beschädigt.

S. 298, Besänftigung eines ungünstigen Traums
Deutsch: Nun die Besänftigung eines schlechten Traums. Im Mahakapila-Pancharatra: „Hat man einen schlechten Traum gesehen, erlangt man durch Homa Siddhi.“ Im Pingala-Mata: „Bei einem glückverheißenden Traum entsteht ihm Glück; bei einem unglückverheißenden opfere der Kundige hundertmal mit dem Waffen-Mantra, in der gehörigen Reihenfolge …“ Hier enthält bereits die Vorlage Auslassungspunkte. Im Meru Tantra: „Man opfere hundert Palasha-Hölzer, mit Milch und Ghee versehen, unter Gayatri. Ein Shudra bade, ernähre sich von opfergeeigneter Speise und stifte eine Lampe im Haus eines Zweimalgeborenen, in einem Vishnu-Heiligtum oder einem Shiva-Tempel. Nachdem man auf diese Weise einen glückverheißenden Traum gesehen hat, empfange man den Mantra. Empfängt man ihn anders, entsteht nur Schaden; oder man richte den Geist auf eine andere Gottheit.“

S. 298, Alternative Mantras zur Traumbesänftigung
Deutsch: Im Narada-Pancharatra: „Nachdem man [einen solchen Traum] gesehen hat, vollziehe man, o Weiser, das beim Zahnhölzchen erklärte Homa; oder zur Besänftigung allein mit einem anderen Mantra, dem Simha-Mantra.“ Waffen-Mantra, Gayatri und Simha-Mantra stehen also zur Wahl. „Tara, Vajranakhaṃ, Daṃṣṭrāyudhāya Mahāsiṃhāya, Huṃ Phaṭ Namaḥ“ wird im Meru als Mantra des Löwen gelehrt. Die erste Verbindung nach Tara ist im Druck grammatisch unsicher. Tara ist eine Mantrabezeichnung; die Stelle wird nicht als vollständig aufgelöste Rezitationsformel ergänzt. Eine Herausgeberfußnote bietet zusätzlich eine Variante zur Reinigung mit Zahnhölzchen aus Jati, Tagara und Mandara, durch die ein schlechter Traum beseitigt werde.

S. 298, Beginn des Einweihungstages
Deutsch: Nun die Handlungen am Tag der Diksha. Im Meru Tantra: „Nach dem Aufstehen in der Morgenfrühe vollziehe man wiederum Sandhya, Baden und die weiteren Handlungen. Guru, Schüler und Ritualpriester begeben sich zum Opferhaus. Alle opfern in ihren jeweiligen Kundas mit Ghee vermischte Sesamkörner, erneut unter dem zu verwirklichenden Mantra, eintausendsechzehnmal.“ Die Zahl lautet im Druck dvy-aṣṭottara-sahasrakam, wörtlich tausend plus zweimal acht; sie wird nicht stillschweigend zu 1.008 geändert.

S. 299, Opferzahl und Darbringung mit Löffel oder Hand
Deutsch: „Oder man opfere mit den im jeweiligen Verfahren genannten Stoffen einhundertachtmal.“ Im Shri-Bhavishya: „Die Gaben von Ghee und dergleichen opfere man mit dem nach unten gewandten Sruva, die Gaben von Sesam und dergleichen mit nach oben gewandter Hand über das den Göttern zugeordnete Tirtha [der Hand].“ In der Vayaviya-Samhita: „Ghee mit dem Sruva; [die Verbindung samidyādyam ist unklar], das Übrige mit dem Sruk oder der Hand. Dabei ist über das göttliche oder das den Rishis zugeordnete Tirtha zu opfern.“

S. 299, Opfer nur im entzündeten Feuer
Deutsch: Im Mahakapila-Pancharatra: „[Der Anfang ist im Digitalisat beschädigt; anschließend eine nicht sicher verständliche Vorschrift über mittleres beziehungsweise unentzündetes Feuer.] Zur Vollendung der Handlung soll man in ein hell brennendes Feuer mit leckenden Flammen opfern.“ Auch im Bahvricha-Parishishta: „Wer mit gesenktem Gesicht in rauchendes Feuer opfert, dessen Opferherr wird samt seinem Sohn blind – so die Shruti.“ Auch im Chhandoga-Parishishta: „Wer in ein Feuer ohne Flammen und ohne Glut opfert, wird von schwacher Verdauung, Krankheit und Armut betroffen.“ Die Folgen werden als traditionelle Ritualwarnungen des Textes wiedergegeben. Die beschädigte Anfangszeile wird nicht ergänzt.

S. 299, Körperteile des Feuers
Deutsch: Im Tripurasara: „Ein Opfer in das Ohr des Feuers bringt Krankheitsplage, in sein Auge Blindheit, in seine Nase wiederum Krankheit, auf seinen Kopf Verlust der Opferstoffe. Deshalb vollziehe der Verständige das Homa stets im Mund.“ In einem anderen Tantra: „Wo Holz ist, dort ist das Ohr; wo Rauch ist, dort die Nase; wo schwaches Leuchten ist, das Auge; wo Glut ist, der Kopf. Wo die Flamme hell auflodert, ist die Zunge des Jatavedas.“

S. 300, Abweichende Zuordnungen der Feuerorgane
Deutsch: Auch anderswo: „Rauchendes Feuer ist als Kopf zu verstehen, rauchloses als Auge. Das strahlende [Feuer] ist das Ohr, das Holz die Nase. Wo das Feuer wie reiner Kristall aufflammt, ist sein Mund zu erkennen, vier Fingerbreiten groß.“ Im Navadurga-Kalpa: „Wo Holz ist, sind die Ohren; wo Rauch ist, die Nasenöffnungen; wo schwaches Leuchten ist, die Augen; wo Asche ist, der Kopf. Wo das Feuer hell brennt, dort wird seine Zunge gelehrt.“ Die Quellen ordnen Rauch, Glut und Asche unterschiedlich zu; diese Unterschiede bleiben erhalten. Die Wörter jvalatkaro und kāṣṭhamastu der ersten Fassung sind sprachlich auffällig.

S. 300, Meditation über die Haltung des Feuers
Deutsch: In der Sharada: „Beim Opfer von Brennhölzern meditiere der Lehrer über Vaishvanara als stehend, beim Ghee-Opfer als liegend und bei den übrigen Opferstoffen als sitzend.“

S. 300, Günstige Eigenschaften des Opferfeuers
Deutsch: Ferner: „Eine Farbe wie Gold, Zinnober, Morgensonne, Safran oder Honig wird beim goldsamigen Feuer als günstig bezeichnet. Ein Feuerklang wie Bheri-Trommel, Wolkendonner oder mächtiger Elefant ist glückverheißend. Ein Geruch wie Naga-, Champaka-, Punnaga-, Patala- oder Yuthika-Blüten, wie Lotus, blauer Lotus, Kahlara, Ghee oder Guggulu wird von den Tantra-Kennern als glückverheißender Duft des Feuers gelehrt. Flammen, die sich nach rechts bewegen, nur wenig schwanken und einem Sonnenschirm gleichen, bringen dem Opferherrn und besonders auch dem Reich Glück. Rauch, weiß wie Kunda-Blüten oder Mond, gilt als glückverheißend.“

S. 300–301, Ungünstige Feuerzeichen und Ausgleich
Deutsch: „Schwarze Farbe des Feuers vernichtet den Opferherrn; weiße [Flammenfarbe] zerstört rasch das Reich. Ein Klang des Feuers wie der Ruf einer Krähe oder wie Eselsgeschrei bewirkt umfassende Zerstörung. Fauliger Geruch des Opferverzehrers bringt dem Opfernden Leid. Eine abgerissene Flamme bewirkt Tod und Verlust des Besitzes. Rauch wie Papageienflügel oder mit der Farbe einer Taube verursacht stets Verluste bei Pferden und Kühen. Bei solchen Fehlern bringe der Lehrer zum Ausgleich fünfundzwanzig Ghee-Opfer unter dem Mula-Mantra dar.“ Im Tripurasara-Samuchchaya wird gesagt: „Bei diesen Fehlern opfere der vorzügliche Sadhaka als Besänftigungsritus einhundertachtmal Ghee unter dem Waffen-Mantra und vollziehe anschließend Chakra-Puja.“ Weißer Rauch gilt im vorhergehenden Vers als günstig, weiße Feuerfarbe hier als ungünstig; die beiden Aussagen werden nicht gleichgesetzt. Die Form chinnavṛttāṃ śikhāṃ ist syntaktisch auffällig.

S. 301, Heranführen des Schülers und Aufnahme seines Bewusstseins
Deutsch: In der Sharada: „Dann lasse man den gesammelten Schüler, der Zähne und Weiteres gereinigt und gebadet hat, Panchagavya trinken und führe ihn an das Kunda heran.“ Auch im Prayogasara: „Nachdem er das wie beschrieben bereitete Panchagavya getrunken und vorschriftsgemäß den Mund gespült hat, lasse man ihn durch die südliche Tür den Opferplatz betreten.“ In der Sharada: „Der Guru schaue ihn mit göttlichem Blick an, vereinige sein Bewusstsein aus dem Herzlotus mit sich selbst und vollziehe die Reinigung der Adhvans.“ In einem anderen Tantra: „Man nehme jenes im Herzen befindliche Bewusstsein in Gestalt eines funkelnden Sterns auf und setze es mit der Hamsa-Mudra in das eigene Herz ein.“

S. 301, Bedeutung der Reinigung der Adhvans
Deutsch: Im Shadanvaya-Maharatna: „Reinigung bedeutet, die Einheit der Tattvas mit ihrer Ursache zu betrachten; bei den Lauten und den weiteren [Adhvans] sowie den Kalas bedeutet sie, ihre Einheit mit dem Bewusstsein in dieser [Ursache] zu betrachten.“

S. 302, Die sechs Adhvans
Deutsch: In der Sharada: „Genannt werden die drei Adhvans der Kalas, der Tattvas und der Welten; die anderen drei sind die Adhvans der Laute, der Wörter und der Mantras.“ In der Vayaviya-Samhita: „Dabei werden drei Adhvans als sprachlich und drei als gegenständlich bezeichnet.“ In einem anderen Tantra: „Mantra-, Wort- und Laut-Adhvan gehören zur Sprache; Welten-, Tattva- und Kala-Adhvan zur gegenständlichen Wirklichkeit.“ Hier erfolgt die Aufzählung in der Reihenfolge der Auflösung; in der Sharada ist sie als Schöpfungsreihenfolge zu verstehen.

S. 302, Reinigung der fünf Kalas
Deutsch: Im Meru Tantra: „An den Füßen des Schülers betrachte der Guru diese fünf Kalas: Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti und Shantyatita. Nun wird die Reihenfolge ihrer Reinigung erklärt. Der Guru berühre bei der Ausführung den Schüler und opfere in seinem eigenen Kunda mit gheegetränkten Sesamkörnern. Acht Gaben opfere er mit dem Mantra, der mit Tara beginnt, die Worte ‚Ich reinige hier den so und so genannten Adhvan‘ enthält und auf Dvitha endet. Er betrachte den Kala-Adhvan als im Tattva-Adhvan aufgelöst. Danach betrachte er in der Geschlechtsregion die folgenden Tattvas.“

S. 302, Ganapatya- und Shaiva-Tattvas
Deutsch: „Die Ganapatya- und Shaiva-Tattvas sind hier sechsunddreißig: Shiva und Shakti, Sadashiva und Maheshvara sowie Vidya bilden die fünf reinen. Die sieben reinen-unreinen sind Maya, Vidya, Kala, Raga, Kala [Zeit], Niyati und Purusha. Danach die [unreinen; der Druck liest śuddhāni, ‚reinen‘]: Prakriti, Buddhi, Ahamkriti, Manas, die zehn Sinne sowie die je fünf Tanmatras und Elemente.“ Die beiden Namen Kala stehen für kalā, begrenzte Wirkkraft, und kāla, Zeit. Die gedruckte Bezeichnung der letzten Gruppe wird ausdrücklich ausgewiesen, nicht unbemerkt verbessert.

S. 302–303, Erklärung der drei Unreinheiten
Deutsch: „Rein“ bedeutet: frei von den drei Mala genannten Unreinheiten Anava, Karmana und Mayiya. Anava bedeutet, sich selbst nicht als Sadashiva zu erkennen. Karmana ist die Vorstellung: „Ich bin mit Verdienst und Schuld behaftet.“ Mayiya bedeutet, Ahamkara und Weiteres für das Selbst zu halten. „Rein-unrein“ bedeutet: Als Ursache sind diese [Tattvas] rein, weil sie von den drei Unreinheiten frei sind; in ihrer Gestalt als Wirkung sind sie unrein, weil sie mit ihnen verbunden sind.

S. 303, Vaishnava- und Saura-Tattvas
Deutsch: „Nun die zweiunddreißig Vaishnava-Tattvas: Jiva, Prana, Manas, Buddhi, die Tanmatras, die fünf Elemente, die zehn Sinne, der Herzlotus, Sonne, Mond und Feuer sowie Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha. Die vierundzwanzig Saura-Tattvas sind: Elemente, Tanmatras, Manas, Garva [Ichbewusstsein], Sinne, Prakriti und Buddhi.“ Die im Druck für die Vaishnava-Liste genannte Zahl 32 bleibt erhalten; bei fünf Tanmatras ergibt die vorliegende Aufzählung rechnerisch 33. Es wird kein Listenglied gestrichen, um die Zählung anzugleichen.

S. 303, Weitere Tattva-Systeme
Deutsch: In der Sharada: „Die fünf Kalas von Nivritti an, dann Bindu, wiederum Kala, Nada, Shakti und Shiva mit Sada davor [Sadashiva] werden als [Tattvas] der Prakriti erkannt. Atman, Vidya, Shiva, danach Shiva, Vidya, wiederum das Selbst sowie Sarvatattva werden als die Tattvas des dreigliedrigen Wesens gelehrt. So erklären die Kenner der jeweiligen Agamas den Tattva-Adhvan.“ Im Meru Tantra: „Zehn sind die Shakti-Tattvas: Atman, Vidya, Shiva; Shiva, Vidya und Atman; wiederum Atman, Vidya, Shiva und Sarvatattva. Man opfere wie zuvor mit entsprechender Anpassung [der Formel] und betrachte den Tattva-Adhvan als im Welten-Adhvan aufgelöst.“ Die wiederkehrenden Dreiergruppen sind Bestandteil der Aufzählung und bleiben vollständig erhalten.

S. 303, Reinigung der vierzehn Welten
Deutsch: „Am Nabel des Schülers sind die vierzehn Welten zu betrachten, der Reihe nach: Patala, Rasatala, Mahatala, Talatala, Sutala, Vitala, Atala, Bhuh, Bhuvah, Svah, Mahah, Janah, Tapah und Satya. Beim Welten-Adhvan erfolgen Homa und die weiteren Anpassungen wie zuvor. Man betrachte den Welten-Adhvan als im Laut-Adhvan aufgelöst.“

S. 304, Laute, Wörter und Mantras bis zur Auflösung in Shiva
Deutsch: „Im Herzen betrachte man die Laute von A bis Ksha. Man betrachte den Laut-Adhvan als im Wort-Adhvan aufgelöst; Homa und seine Anpassung erfolgen wie zuvor. Danach betrachte man an der Stirn den Wort-Adhvan in Gestalt der Wörter und Laute des Mula-Mantra. Hier vollziehe man Anpassung, Homa und Weiteres wie zuvor und betrachte den Wort-Adhvan als im Mantra-Adhvan aufgelöst. Der vollständige Mantra ist der Mantra-Adhvan; man betrachte ihn am Scheitel des Schülers. Das angepasste Homa erfolgt wie zuvor. Man meditiere: ‚Ich bin im höchsten Shiva aufgelöst, der sich im Brahmarandhra befindet.‘ So wird die Reinigung der Adhvans vollzogen.“ Die Herausgeberfußnote nennt als Variante vilīno ’yam, ‚dieser ist aufgelöst‘, gegenüber vilīno ’ham, ‚ich bin aufgelöst‘ im Haupttext.

S. 304, Erneute Schöpfung und Rückgabe des Bewusstseins
Deutsch: „Dann erschaffe der vortreffliche Guru [die Ebenen] nach der Schöpfungsordnung erneut, vom Endpunkt ihrer Auflösung in Shiva her. Der vorzügliche Lehrer schaue den Schüler mit göttlichem Blick und verbinde dessen [aufgenommenes] Bewusstsein wieder mit ihm.“ Auch in der Sharada: „… man führe sie der Reihe nach zur Auflösung. Die in Shiva bis hin zu Shiva aufgelösten [Ebenen] bringe man auf dem Schöpfungsweg wieder hervor. Der vortreffliche Lehrer schaue den Schüler mit göttlichem Blick und setze dessen in ihm selbst befindliches Bewusstsein wieder in den Schüler ein.“ Die Auslassungspunkte zu Beginn des Sharada-Zitats stehen bereits in der Vorlage.

S. 304, Abweichendes Verfahren und Abschlussopfer
Deutsch: Im Kriyasangraha: „Für Shudras und Menschen gemischter Kastenherkunft ist die Adhva-Reinigung nicht vorgeschrieben. Durch das Darreichen von Fußwaschwasser und ähnliche Handlungen bewirke man die Befreiung von Verfehlungen. Nachdem man zehnmal unter dem Mula-Mantra geopfert und danach den Avarana-Gottheiten je eine Opfergabe dargebracht hat, vollziehe man Purnahuti, die vollständige Abschlussgabe.“ In der Sharada: „Nachdem der Lehrer mit dem Sruk unter dem Mula-Mantra die vollständige Opfergabe dargebracht hat …“ Das Sharada-Zitat steht hier als einzelner, syntaktisch offener Halbvers. Die soziale Unterscheidung im Kriyasangraha wird als historische Textaussage wiedergegeben.

S. 305, Ausführung der vollständigen Opfergabe
Deutsch: In der Vayaviya-Samhita: „Dann fülle man den Sruk mit dem nach dem Homa verbleibenden Ghee, lege an seine Spitze eine Blume und bedecke ihn mit dem nach unten gewandten Sruva samt Darbha. Aufgestanden, [die Geräte] mit zusammengefügten Händen haltend, opfere man unter dem auf Vaushat endenden Mula-Mantra einen raschen Guss.“ Im Meru Tantra: „Man fülle den Sruk mit Ghee, lege darüber eine Blume mit der Blüte nach unten, lege den Sruva auf den Sruk und lasse dort eine Blume nieder. Mit beiden Händen, die linke oben, wie bei einer Muschel umfassend, stehe man auf und halte die verbundenen Geräte quer am Nabel. Wohl gesammelt bringe man unter dem Mantra ‚Purna darvi‘ und dem Mula-Mantra drei vollständige Opfergaben dar, die alle Wünsche erfüllen. Dies ist für einen Shrotriya gelehrt. Ein anderer vollziehe die vollständige Gabe mit dem auf Vaushat endenden Mula-Mantra; auf dem linken Weg endet er auf Svaha.“ Die räumliche Zuordnung der beiden Blumen ist im Meru-Zitat knapp; die unterschiedlichen Anweisungen werden nicht zu einem neuen Ablauf verschmolzen.

S. 305, Weitere Vorschriften zur Purnahuti
Deutsch: Im Agni-Purana: „Aufgestanden bringe man die vollständige Gabe mit dem göttlichen Mantra dar, unter einem fließenden Guss, bis zum Kopf [mūrdhāntam: genaue Handhabung unklar]; niemals im Sitzen.“ Im Hayashirsha-Pancharatra: „Nach dem Opfer bringe man mit dem Sruk drei vollständige Opfergaben aus Havis dar, unter dem auf Vaushat endenden Mantra …“ Das Zitat ist bereits im Druck durch Auslassungspunkte gekürzt. Im Narada-Pancharatra: „Fehlt Ghee, fülle man [den Löffel] mit Opfermaterial; darüber gebe man Ghee und darauf Safran und dergleichen.“

S. 305–306, Fußstellung bei der Abschlussgabe
Deutsch: Im Purna-Yaga: „Der Mantrakundige spreche den auf Namah endenden Mula-Mantra und bringe mit vorgestelltem linken Fuß die vollständige Gabe dar, im Bewusstsein des höchsten Nektars.“ Im Meru Tantra: „Der Anhänger des rechten Weges vollziehe Purnahuti mit vorgestelltem rechten Fuß, beim Shakti-Homa mit dem linken. Der Anhänger des linken Weges [stellt] stets den linken [Fuß vor].“

S. 306, Brahmarpana: Darbringung aller Handlungen
Deutsch: Im Gautamiya-Tantra: „Man nehme Sruk und Sruva, fülle [den Sruk] wiederum mit Ghee, gebe die Opferstoffe hinein und halte beide erneut am Nabel. Dann bringe man unter dem Brahmarpana-Mantra die vollständige Opfergabe dar: ‚Was zuvor im Bereich von Prana, Buddhi, Körper und dessen Eigenschaften, im Wachen, Träumen und Tiefschlaf, mit Geist, Rede und Handlung, mit Händen, Füßen, Bauch und Geschlechtsorgan gedacht, gesagt und getan wurde – all dies werde Brahman dargebracht, Svaha.‘“ Dies ist der für das Verfahren der Darbringung an Brahman überlieferte Brahmarpana-Mantra.

S. 306, Rückführung der Gottheiten in den Kalasha
Deutsch: „Nachdem der Guru auf diese Weise den Homa-Ritus vollzogen hat, führe er die Gottheiten des Kunda-[Mandala; die Wortverbindung ist im Druck beschädigt], die Hüter der Himmelsrichtungen und die Gottheiten der Keimaussaat in den Kalasha und meditiere über ihre Einheit mit Krishna.“ „Krishna“ ist hier auf die im betreffenden Verfahren behandelte Gottheit bezogen. Im Meru Tantra: „Nach erneuter Verehrung mit Duftstoffen und Weiterem unter dem Mula-Mantra entlasse der mantrakundige Acharya die Gottheit aus dem Kunda und setze sie in den Kalasha ein.“

S. 306–307, Abschluss des Feuerrituals und Mahavyahritis
Deutsch: In der Sharada: „Der Guru entlasse die Gottheit samt Angas und Avaranas in den Krug, opfere erneut mit den Vyahritis, gebe je eine Gabe für die Zungen des Feuers und Weiteres und besprenge es ringsum. Als Feuer [meditierend] nehme er das Feuer in sich selbst auf. Bei einem anlassbezogenen Ritus verbrenne der Mantrakundige die Begrenzungshölzer samt Darbha-Streuung; beim täglichen Ritus verbrenne er sie nicht.“ Mit „Vyahritis“ sind die Mahavyahritis gemeint, denn es heißt: „Wiederum beende man das Homa unter Voranstellung der Mahavyahritis.“ Das Verfahren steht im Gautamiya: „Dann bringe der Verfahrenskundige die vollständige Gabe dar [agnis: syntaktisch auffällig]: Om, Bhuh, dem Feuer, der Erde und dem Großen, Svaha; Bhuvah, dem Wind, dem Zwischenraum und dem Großen, Svaha; Svah, dem Mond, den Himmelsrichtungen und den Mondhäusern, Svaha.“ „Om, Bhur Bhuvah Svah, dem Mond, den Mondhäusern, den Himmelsrichtungen und dem Großen, Svaha.“ Die ersten Formeln sind metrisch mit Verbindungswörtern überliefert; die letzte ist als fortlaufende Formel ausgeschrieben.

S. 307, Bitte um die erneute Gegenwart des Feuers
Deutsch: Zum „Aufnehmen des Feuers“ steht das Verfahren in der Ganesha-Vimarshini: „O Feuer, du große Shakti, Vollender aller Handlungen! Sei auch dann wieder wohlwollend gegenwärtig, wenn eine weitere Handlung ansteht.“ Mit diesem Mantra bitte man und entlasse das Feuer.

S. 307, Gabe an den Brahman und das volle Gefäß
Deutsch: Im Meru Tantra: „Nachdem man den Brahman [den leitenden Ritualpriester beziehungsweise seine rituell eingesetzte Funktion] verabschiedet hat, lasse man einem Brahmanen eine Gabe zukommen. Ein Kupfergefäß von zweiunddreißig Pala Gewicht fülle man mit geschälten Reiskörnern und gebe es samt Gold und Dakshina dem Brahmanen zu seiner Zufriedenheit. Dies heißt das volle Gefäß, Purnapatra.“ Danach solle man die Streuung und die Begrenzungshölzer nicht ins Feuer werfen. In einem anderen Tantra: „Acht Handvoll bilden ein Kunchit, acht Kunchit ein Pushkala; vier Pushkala heißen ein Purnapatra.“ Die seltene Maßbezeichnung kuñcit und ihre Flexion sind im Druck auffällig. Die Vorschrift, die Hölzer nicht einzuwerfen, steht neben der zuvor nach täglichem und anlassbezogenem Ritus unterscheidenden Regel.

S. 307, Verbinden der Augen des Schülers
Deutsch: In der Sharada: „Man verbinde die Augen des Schülers mit einem Tuch unter dem Augen-Mantra.“ Im Mahakapila-Pancharatra wird gesagt: „Nachdem man die Augen mit einem neuen weißen Tuch verbunden hat …“ Die Auslassungspunkte stehen bereits im zitierten Drucktext.

S. 308, Blumenopfer des Schülers
Deutsch: Im Pingala-Mata: „Man verbinde seine Augen mit dem Augentuch unter dem Augen-Mantra.“ In der Sharada: „Den Schüler an der Hand führend bringe man ihn vom Kunda zum Mandala. Man fülle seine zusammengelegten Hände wieder vorschriftsgemäß mit Blumen und lasse sie zur Freude der Gottheit unter Rezitation des Mula-Mantra auf den Kalasha werfen.“ Im Narayaniya: „Nachdem man Nyasa am Körper des Schülers vollzogen hat, führe man ihn rechtsherum; man bringe ihn an das westliche Tor und lasse ihn die Handvoll Blumen darbringen.“

S. 308, Der Guru öffnet das Auge der Erkenntnis
Deutsch: Im Meru Tantra: „Nachdem man so die Augenbinde entfernt hat, lasse man [den Schüler] auf der Kusha-Streuung Platz nehmen. Dann lasse der vortreffliche Guru den Schüler diesen Mantra sprechen: ‚Dem Shri Guru sei Verehrung, der mir, vom Dunkel der Unwissenheit geblendet, mit dem Stäbchen der Erkenntnissalbe das Auge geöffnet hat.‘“

S. 308–309, Blumenzeichen und erneute Bhutashuddhi
Deutsch: Im Pingala-Mata: „Man fülle die zusammengelegten Hände mit Blumen und lasse sie auf dem Yoga-Pitha darbringen. Ein Fall der Blumen im Westen, Norden, in Rudras Richtung [Nordosten] und Indras Richtung [Osten] ist bei einem glückverheißenden [Ritus] günstig. Das innere Opfer ist der Reihe nach anzupassen. Nach Auflösung und Wiedererschaffung vollziehe der Lehrer am Körper des Schülers die in den jeweiligen Mantras gelehrten Nyasas.“ Atma-Yaga bedeutet Bhutashuddhi. Im Prayogasara: „Man führe die im Körper befindlichen Elemente von Erde an samt ihren Eigenschaften vorschriftsgemäß in der Auflösungsreihenfolge zur Auflösung. Danach bringe man den Körper in der Schöpfungsreihenfolge wieder hervor.“ Im Mantra-Tantra-Prakasha: „Nachdem man ihn auf einen reinen Sitz gesetzt hat, löse man seine Gestalt auf: Die Erde, verbunden mit Geruch und Geruchssinn sowie Weiterem, löse man im Wasser auf“, und so weiter.

S. 309, Verehrung der Gottheit im Krug
Deutsch: In der Sharada: „Nachdem man die im Krug befindliche Ishta-Devata mit den fünf Upacharas verehrt hat, vollziehe man an ihr Sakalikarana nach dem im Tantra gelehrten Weg.“ Anschließend lehren die Acharyas, die Gottheit um einen Segen zu bitten.

S. 309, Bitte um Gnade für den Schüler
Deutsch: „Göttin, Wohnstatt des Mitgefühls, Zuflucht aller Gegenwart! Du schenkst Schutz, liebevolle Mutter: Erweise diesem Schüler Gnade. Beschütze ihn vor den Fesseln, angefangen mit Anava, Herrin der Götter. Quelle des Erbarmens, sei diesem Hilflosen gnädig, Ishvari. Möge er auch durch Freuden dieser und der jenseitigen Welt gedeihen. Schenke ihm umfassende Hingabe an dich, du Zuflucht im Ungeteilten.“

S. 309, Übergabe der vollzogenen Verehrung
Deutsch: Im Kriyasangraha und im Meru Tantra: „Dann nehme der Mantrakundige das Arghya-Gefäß, spreche den Mula-Mantra und sage: ‚Welche Handlung ich auch ausgeführt habe, gut oder nicht gut: Nimm all dies, Herr der Götter, als höchste Verehrung an.‘ So gieße der Kundige etwas Arghya-Wasser in die rechte Hand der Gottheit und übergebe ihr die vollzogene Verehrung. Er verneige sich hingebungsvoll vor dem Herrn der Götter und bitte mit diesen Versen um Vergebung.“

S. 309, Hingebungsvolle Bitte um Annahme und Vergebung
Deutsch: „Was allein aus Hingabe gegeben wurde – Blatt, Blume, Frucht, Wasser und dargebrachte Speise –, nimm es aus Mitgefühl an. Ich verstehe das Herbeirufen nicht, ich verstehe die Verabschiedung nicht; auch die Puja verstehe ich nicht. Du bist meine Zuflucht, höchster Herr. In Handlung, Denken und Rede habe ich keine andere Zuflucht als dich. Du bist der Schauende im Innern der Wesen, höchster Herr.“ Der letzte Halbvers ist grammatisch gedrängt; das Bild des inneren Zeugen bleibt erkennbar.

S. 310, Rückkehr der Gottheit in das Herz
Deutsch: Im Meru Tantra: „Dann entlasse man den Gott samt den Scharen seines Gefolges.“ Ferner: „Die gesamte Schar der Strahlen ist restlos im Leib des Gottes aufgegangen. Man meditiere über Shiva als Lichtgestalt und bitte immer wieder: ‚Vergib!‘ Nachdem man um Vergebung gebeten hat, setze man die Gottheit in den eigenen Herzlotus ein.“

S. 310, Gottheiten der Opferreste
Deutsch: Im Kriyasangraha: „Nachdem man sich selbst als Gestalt der Gottheit vorschriftsgemäß verehrt und Arghya und Weiteres abgegeben hat, verehre man den in den Opferresten Wohnenden. Im Nordosten zeichne man ein Mandala ohne Tore und Lotus. Bei Panchayatana-Puja sind zur Verehrung der Empfänger der Opferreste fünf [Mandalas] anzulegen; man verehre [sie] vom Nordosten an und in der Mitte. Für Ganesha ist es Lambodara, für Vivasvat Tejashchanda, für Hari Vishvaksena, für Maheshitri Chandeshvara und für Bhavani Chandeshvari. Den Mantra passe man entsprechend an.“ Die Ortsverbindung īśādīmadhyam ist im Druck verkürzt; die genaue Verteilung aller fünf Plätze wird nicht ergänzt.

S. 310, Darbringung und Tragen der Opferreste
Deutsch: „Speisen zum Lecken und Saugen, feste Speise, Getränke und Weiteres, Opferreste, Girlanden und Salbung gebe ich dir, dem Empfänger der Opferreste, auf Shri Shivas Geheiß.“ So gebe man die verbliebene Opferspeise, verneige sich und entlasse [die Gottheit]. Ferner: „Der Mantrakundige trage die Opferreste unter dem Mula-Mantra auf dem Kopf.“

S. 310–311, Sitz und Ausrichtung zur Besprengung
Deutsch: Im Prayogasara: „Dann besprenge man im Nordosten auf dem viereckigen Altar des Pitha den eigenen Schüler, der dem Prinzip des Selbst folgt und dessen Körper durch den Mantra-Nyasa geformt ist, mit Darbha-Spitzen in der Hand.“ Bei Somashambhu: „Im Badepavillon in Ishas Richtung vom Opferhaus aus [Anfangsverbindung sprachlich auffällig] errichte man einen zwei Ellen langen und acht Fingerbreiten hohen Altar. Auf einem Sitz aus Shriparni-Holz setze man Ananta ein, lasse den Schüler nach Osten gewandt Platz nehmen, vollziehe Sakalikarana und verehre ihn.“ Ebendort: „Zum Genuss erfolge das Bad nach Norden gewandt, zur Befreiung nach Osten.“ Auch anderswo: „Man lege ein Mandala im Nordosten an und lasse die nach Befreiung verlangenden Schüler nach Norden, die nach Genuss verlangenden nach Osten gewandt dort Platz nehmen.“ Die Quellen nennen entgegengesetzte Zuordnungen von Blickrichtung und Ziel; beide bleiben erhalten.

S. 311, Abhisheka mit dem Kalasha
Deutsch: In der Sharada: „Während die fünf Arten von Musikinstrumenten erklingen und Brahmanen Segensworte sprechen, hebe der Guru den Krug vorschriftsgemäß an. Er lege die in seiner Öffnung befindlichen Zweige heiliger Bäume auf den Kopf des Schülers und besprenge ihn mit den durch den Mula-Mantra geweihten Wassern, wobei er geistig die Matrika wiederholt.“ „Matrika“ bedeutet die Matrika in umgekehrter Reihenfolge; denn in der Kramadipika heißt es: „Mit den Lauten von Ksha bis A [die anschließende Verbindung über Reinigung, Kopf und die genannten Mantras ist nicht sicher verständlich].“ Und im Gautamiya-Tantra: „Nachdem man [die Zweige] auf den Kopf des Schülers gelegt hat, wiederhole man die Matrika rückwärts und ebenso den Mula-Mantra und vollziehe die göttliche Besprengung.“ Ferner: „Man nehme wieder die verehrte Vardhini in Gestalt der Waffe und besprenge unverzüglich zum Schutz mit ihrem wohlgeweihten Wasser. Mit dem übrigen Wasser lasse der Guru den Schüler den Mund spülen. Dann vollziehe der Selbstkundige Sakalikarana an ihm, dessen Wesen die Gottheit ist.“

S. 312, Vorbereitung zur Mantra-Übertragung
Deutsch: „Der Schüler stehe auf, lege zwei reine Gewänder an, spüle den Mund und setze sich schweigend in die Nähe des Gurus. Der vortreffliche Lehrer verehre mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem die aus ihm selbst in den Schüler übergegangene Gottheit und vergegenwärtige die Einheit beider. Dann übertrage er dem bescheidenen Schüler die Vidya unter vorangehender Wassergabe.“ In der Vishishta-Samhita: „Dann lege er seine Hand auf dessen Kopf, wiederhole [den Mantra] hundert- oder einhundertachtmal und übergebe ihn unter vorangehender Wassergabe.“ Der im Druck stehende Quellentitel lautet Viśiṣṭa-Saṃhitā; er wird nicht zu einem anderen Samhita-Titel normalisiert.

S. 312, Übermittlung ins Ohr
Deutsch: Im Gautamiya: „Nachdem der Guru die Gesamtheit der Nyasas sorgfältig am Körper des Schülers eingesetzt hat, spreche er mit ganz gesammeltem Geist den Mantra dreimal in dessen rechtes Ohr.“ Im Meru: „Der Kundige spreche ihn einem Brahmanen unter vorangehender Wassergabe ins rechte Ohr; anderen sage der Verständige den Mantra ebenso.“ Im Kulagama: „Man sage die Vidya dreimal ins Ohr oder, wenn sie nicht verstanden wurde, nochmals.“ In der Dipika: „Dann spreche der Guru den vortrefflichen, unschätzbaren Mantra vorschriftsgemäß mitsamt Rishi und den weiteren Angaben wiederum dreimal ins rechte Ohr.“ Auch anderswo: „Man spreche die Vidya dreimal in einer zusammenhängenden Rezitation ins rechte Ohr. Dies ist das Verfahren für die Zweimalgeborenen; bei Frauen und Shudras erfolgt es links.“ In einem anderen Tantra: „‚Möge er für beide dieselbe Frucht bringen‘ – so spreche der vorzügliche Weise mit freundlichem Gesicht zu jenem Schüler.“ Der genaue Bezug von ‚beide‘ ist nicht ausdrücklich ausgeführt; er wird nicht ergänzt.

S. 313, Übertragung als Licht und Einheit
Deutsch: Im Meru Tantra: „Der Guru vergegenwärtige die Vidya als Licht, das von ihm ausgeht. Der Schüler vergegenwärtige sie als bei ihm angekommen, besonders mit dem Gedanken: ‚Ich verneige mich.‘ Der Schüler wiederhole das vom Guru Gesprochene einhundertachtmal, achtundzwanzigmal oder achtmal. Er vergegenwärtige die Einheit von Guru, Gottheit, Selbst und Mantra. Der hingebungsvolle Sadhaka verneige sich freudig vor dem Guru.“

S. 313, Aufrichtung und Segen des Schülers
Deutsch: Im Kriyasangraha: „Dann richte der Guru den zu seinen Füßen niedergefallenen Schüler auf: ‚Steh auf, mein Kind, du bist befreit. Lebe in rechtem Verhalten. Ruhm, Glück, Ausstrahlung, Einsicht, langes Leben, Kraft und Gesundheit seien dir stets beschieden.‘“ Im Gautamiya: „Nachdem der Guru die Mantras von Ganesha und Weiteren gesprochen hat, erkläre er die Verpflichtungen der Überlieferung.“ Die Übertragung der Mantras von Ganesha und den weiteren Gottheiten gilt für den Fall einer Panchayatana-Diksha.

S. 313, Namensgebung und schriftliche Darstellung der Vidya
Deutsch: In der Dakshinamurti-Samhita: „Der Lehrer verehre in der Nähe den König der Chakras vorschriftsgemäß und gebe einen schönen Namen, der mit dem Anfangslaut verbunden ist. Nachdem er sich mit den menschlichen Gurus verbunden hat, sind alle Gurus unter vorangehender Verneigung gesammelt zu erinnern. Die auf den Boden geschriebene Vidya verehre man mit Blumen und Weiterem. Man zeige sie dem Schüler; beide wiederholen sie hundertmal, Geliebte. Wenn große Zuneigung zu dem Schüler besteht [prāgātasya: Bezug unsicher], spreche man die höchste [Vidya] mit nur einer Rezitation in sein rechtes Ohr.“

S. 313–314, Shrividya-Diksha und drei Tage beim Guru
Deutsch: Im Tantra-Raja: „Den mit den genannten Eigenschaften ausgestatteten, durch gutes Verhalten geschmückten Schüler, der über viele Tage mit den Vidyas von fünf und sechs Kutas gereinigt worden ist, besprenge man mit den Kalashas und lasse ihn im Shri Chakra Platz nehmen. Man betrachte das Chakra im Adhara, im Herzen und am Scheitel, von der Mitte her [die folgende Verbindung über Entnahme und Einsetzen aus dem eigenen Herzen ist sprachlich unsicher]. Nachdem man [die Vidya] samt Nyasa eingesetzt und verehrt hat, spreche man als die Göttin selbst, mit ganz gesammeltem Geist, die Vidya dreimal ins Ohr. Freudig vergegenwärtige man die Einheit der Prinzipien Gottheit, Guru, Mantra und Selbst. Darin verweilend wiederhole [der Schüler sie] hundertmal und bleibe drei Tage in der Nähe. Andernfalls kehrt die übertragene Shakti zweifellos zum Guru zurück. Deshalb bleibe er bei ihm und führe dessen Puja, Aufträge und Weiteres aus.“ Im Gautamiya: „Zur Siddhi bleibe man drei Tage hingebungsvoll in der Nähe des Gurus. Andernfalls kehrt das übergegangene Licht zweifellos zum Guru zurück.“

S. 314, Dakshina nach der Mantra-Übertragung
Deutsch: Im Mantra-Tantra-Prakasha: „Ein Mantra, der nicht vom Acharya empfangen wurde oder empfangen wurde, ohne Dakshina zu geben, gewährt keine Siddhi, selbst wenn er ständig wiederholt wird. Nachdem man dem Guru ohne Täuschung über das Vermögen alles Eigene oder dessen Hälfte als Dakshina gegeben hat, gilt der Empfang des Mantras [als vollzogen].“ In einem anderen Tantra: „Kühe, Land, reichlich Gold, viele Häuser, Felder und dergleichen; ist dies nicht möglich, die Hälfte, wiederum deren Hälfte oder ein Zehntel davon; [aṅkeśāt: unklare Verbindung], Speise, Kleidung und Weiteres gebe man entsprechend seinen Vermögensverhältnissen.“ Die Forderungen stehen im historischen Ritualtext; die beschädigte Verbindung vor der Speise- und Kleidergabe bleibt offen.

S. 314–315, Dakshina im Brahma-Samhita-Zitat
Deutsch: In der Brahma-Samhita: „Eine ohne Dakshina vollzogene Handlung ist gewiss vergeblich, Narada. Gib mir als Dakshina die Vina samt Gebetskette und Wasserkrug. Dann empfange den Mantra vorschriftsgemäß, großer Weiser. Eine ohne das vorgeschriebene Verfahren vollzogene Handlung gewährt keine Siddhi.“

S. 315, Gaben an Guru, Angehörige und Ritualpriester
Deutsch: Im Gautamiya: „Wer ganz nach Befreiung strebt, gebe dem Guru die Hälfte seines Vermögens als Dakshina oder die Hälfte davon, nach seinen Möglichkeiten und aus Hingabe. Man täusche nicht über sein Vermögen; andernfalls zieht man Schaden auf sich. Kühe, Land, Gold, Kleidung und Weiteres bringe man dem Guru dar. Dem Sohn des Gurus, dessen Frau [Bezug im Druck nicht eindeutig] und auch seinem Schüler gebe man nach Kräften Kleidung, Schmuck und eine gewünschte Herrschaft, wie es beliebt. Den Ritualpriestern gebe man Dakshina zusammen mit Kleidung und Schmuck.“ Die ungewöhnliche Gabe rājyam, ‚Herrschaft/Reich‘, steht im Druck und wird nicht zu einer alltäglichen Sachgabe umgedeutet.

S. 315, Weitere Gaben und innere Ausrichtung auf den Guru
Deutsch: Im Meru Tantra: „Man gebe den Ritualpriestern ehrerbietig Schmuck und Gewänder. In der Haltung, alles Ishvara darzubringen, und erfreut durch die Segensworte der Zweimalgeborenen gebe der Schüler dem Guru die Hälfte seines Vermögens, die Hälfte davon oder ein Zehntel, ohne Täuschung über den Besitz. Kühe, Land, Gold, Wald, Häuser, Felder und Weiteres, [aṅkeśāt: unklare Verbindung], Speise und Kleidung gebe man nach seinen Vermögensverhältnissen. Auch auf andere Weise bemühe man sich, den Guru zufriedenzustellen. Stets ganz auf dessen Anliegen ausgerichtet und seiner Betrachtung ergeben sei der treffliche Sadhaka mit dem Staub seiner Lotusfüße geschmückt. Dann bewirte man die Brahmanen reichlich mit verschiedenen Speisen zum Kauen, Lecken und Saugen sowie Weiterem und gebe [auch den Ritualpriestern; der Wortschluss ist beschädigt].“ In der Vayaviya-Samhita: „Man gebe dem Guru den Pavillon samt den Opfergeräten.“

S. 315, Japa des Lehrers nach der Übertragung
Deutsch: Im Narayaniya und im Mahakapila-Pancharatra: „Nachdem der Lehrer den Mantra übertragen hat, wiederhole er ihn tausendmal zu seiner eigenen Siddhi.“

S. 316, Japa und Unterweisung nach der Diksha
Deutsch: Auch anderswo: „Man wiederhole [den Mantra] eintausendachtmal, damit die eigene Shakti nicht geschwächt wird.“ Im Kulagama: „Den Schüler, der sich lang ausgestreckt verneigt hat, unterweise der Guru in allen Verhaltensregeln: Baden, Sandhya, rechter Lebensführung, den täglichen und den wunschbezogenen Handlungen. Er erkläre ihm auch die Verfahren zur Mantra-Siddhi.“

S. 316, Kein Fasten am Einweihungstag
Deutsch: Am Tag der Diksha ist Fasten untersagt. Dazu heißt es im Yogini-Tantra: „Ein Guru, der nach der Mantra-Übertragung fastet, wird in der tiefdunklen Hölle zu einem Wurm, gewiss. Wenn der Mantrakundige nach der Erteilung der Diksha fastet, wird seine Gottheit zornig, spricht einen Fluch aus und kehrt in ihre Stadt zurück.“ Im Brihat-Siddhantasara: „Dann koste man von den Opferresten eine hühnereigroße Menge. Die vier Arten der Opferspeise, die der Gottheit dargebracht wurden, verteile man an ihre Verehrer; anschließend mögen beide nach Belieben davon essen.“ Bei „beide“ sind Guru und Schüler zu ergänzen.

S. 316, Shiva-Prasada und Heimkehr
Deutsch: Im Meru Tantra: „Ein Shaiva ist zum Prasada der Shiva-Opferreste berechtigt; ein anderer gelangt in die Hölle. Beim Zusammentreffen der fünf [Gottheiten] besteht kein Fehler. Bei einem selbstentstandenen Linga oder einem Linga an einem heiligen Ort werden Nicht-Shaivas ebenso wie Shaivas durch hingebungsvolle [Annahme des] Prasada von der Masse ihrer Verfehlungen befreit.“ Im Siddhantasara: „Nachdem man drei Tage im Gurukula verbracht hat, verehre man am vierten Tag die Gottheit und gehe nach Hause, die Weisung des Gurus auf dem Haupt tragend.“ Der Prasada-Satz ist syntaktisch verkürzt; die ausdrücklich genannten Ausnahmen bleiben erhalten.

S. 316–317, Besondere Vorbereitung der Vira-Diksha
Deutsch: Nun die Besonderheiten der Vira-Diksha. Dabei vollzieht der Guru Bhutashuddhi, Matrika-Nyasa, Shodha-Nyasa und alles Weitere am eigenen Körper und am Körper der Shakti [Ritualpartnerin]. Er richtet den Kalasha, das Shripatra und die weiteren Gefäße ein. Nach dem Verfahren des Duti-Yaga gewinnt und weiht er den aus Kunda und Gola entstandenen Stoff [rituell bezeichnete sexuelle Körperflüssigkeiten], weiht auch Fisch, Fleisch und Weiteres und verehrt die Gottheit nach der Vira-Puja-Ordnung. Bei der Mantra-Übertragung an den Schüler heißt es: „Nachdem man dem Schüler das Gefäß in die Hand gegeben hat, Maheshani, Kuleshvari …“ Gemeint ist das im Vira-Chudamani beschriebene Vira-Gefäß. Nach dem im Kularnava gelehrten Verfahren gebe man es ihm mit den Worten: „Trinke diesen heiligen Nektar, die Arznei gegen das Werden, von Bhairava gelehrt als Mittel, die Fesseln des gebundenen Wesens ganz zu durchtrennen.“ Die stofflichen Angaben werden als historischer Ritualinhalt übersetzt; die genaue Zusammensetzung wird an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt.

S. 317, Inneres Opfer beim Trinken
Deutsch: Auch der Schüler spreche denselben Mantra, ersetze jedoch „Es werde getrunken“ durch „Ich trinke“. Dann trinke er unter dem folgenden und weiteren Mantras: „In das Feuer des eigenen Selbst, das durch die Opferstoffe Dharma und Adharma auflodert, opfere ich fortwährend die Tätigkeiten der Sinne, mit dem Geist als Schöpflöffel, auf dem Weg der Sushumna.“ Danach übertrage der Guru den Mantra.

S. 317, Schriftliche, mündliche und Gandusha-Übertragung
Deutsch: Dazu im Yamala: „Man schreibe diese [Vidya] mitsamt Rishi und Weiterem auf den Boden, verehre sie mit Blumen und Weiterem und zeige sie dann dem Schüler. Empfindet der Guru große Zuneigung zum Schüler, sage er sie ihm ins Ohr. Ist der Schüler noch mehr Gegenstand seiner Zuneigung, übergebe der vortreffliche Guru sie unter vorangehendem Gandusha [einer im Mund gehaltenen Flüssigkeit]. Der Schüler nehme sie ohne unterscheidenden Zweifel und mit frohem Geist an. Fehlt dies, gibt es keine Siddhi, und man zieht sich den Fluch der Gottheit zu.“ Gandusha wird hier als besondere Form der rituellen Übertragung genannt; der Text erläutert an dieser Stelle nicht sämtliche Einzelheiten des Vollzugs.

S. 317–318, Besprengung und Vorbehalte bei Gandusha
Deutsch: In der Dakshinamurti-Samhita: „Mit den im Kalasha befindlichen Zweigen besprenge man dreimal auf glückverheißende Weise. Ist er geweiht, so ist er ein führender Lehrer. Mit dem Gandusha-Prinzip verbunden ist er zur Shiva-Verehrung berechtigt. Andernfalls gibt es für den von Zweifeln Erfüllten keine Siddhi, Parvati. Entsteht beim Schüler bei der Gandusha-Gabe ein Vorbehalt, so gibt es für ihn nirgends Siddhi; selbst Shrividya wendet sich ab.“ Das Übrige ist wie bei der Pashu-Diksha. Die Forderung, Vorbehalte zu überwinden, bleibt als Aussage dieser Ritualüberlieferung kenntlich; sie ist keine heutige Aufforderung, persönliche Grenzen zu übergehen.

S. 318, Besonderheiten bei der zweiten Vidya
Deutsch: Eine Besonderheit bei der Diksha der zweiten Vidya wird im Nila-Tantra gelehrt: „Man lasse eintausendacht Homa-Gaben mit Bilva-Blättern darbringen; oder man vollziehe achthundert beziehungsweise achtundzwanzig. Man gebe Milchreis, Krishara, Modaka und Kandiszucker. Nachdem man ein Ziegen-Bali dargebracht hat, opfere man sorgfältig vorzügliches Waranfleisch, Bananenblüten und Sara-Fisch [genaue Art unsicher]. Danach opfere man Gerste mit Milch und Shali-Reis mit Honig. Man erfreue seinen Guru mit Kühen, Land, Gold, Kleidung und Weiterem.“ Die Zahl aṣṭaśatam lautet im Druck achthundert; sie wird nicht zu 108 geändert. Der Bezug ‚zweite Vidya‘ bleibt wie im Text ohne ergänzten Gottheitsnamen.

S. 318, Abschluss der Kriyavati-Diksha
Deutsch: Im Meru Tantra: „So ist die Kriyavati-Diksha, die Wohlstand verleiht, dargelegt: für Könige, reiche Vaishyas und beruflich tätige Brahmanen. Damit ist die Reihenfolge der Diksha für jene gelehrt, die Bhoga, [yukti: im Druck auffälliger Ausdruck] und Siddhi wünschen.“ Hiermit ist die Kriyavati-Diksha vollständig abgeschlossen. Die Verbindung bhogayuktisiddhim wird nicht stillschweigend in die geläufigere Folge Genuss, Befreiung und Siddhi geändert.

S. 318, Poetischer Abschluss des vierten Taranga
Deutsch: „Im Ozean des Purashcharana, geschaffen vom erhabenen Herrscher, reich an wunderbaren Nektarströmen der Wellen heiliger Worte [die erste lange Wortverbindung ist nicht vollständig sicher verständlich] und geehrt durch den Zusammenfluss der Flüsse guter Lehrwerke, ist die vierte Welle vorübergezogen: hoch aufragend im Glanz der hellen Perlen schlüssiger Darlegungen.“ Der Anfang des kunstvollen Schlussverses ist im Druck sprachlich beschädigt; das Ozean-, Fluss-, Wellen- und Perlenbild wird wiedergegeben, die ungesicherte Verbindung ausdrücklich offengelassen.

S. 318, Kolophon des vierten Taranga
Deutsch: Hier endet im Purashcharyarnava, verfasst vom erhabenen Maharajadhiraja Shri Pratapasimha Shaha, der vierte Taranga namens „Das Verfahren der Kriyavati-Diksha“. [4]

Shiva und Parvati stehen für die Verbundenheit von Bewusstsein und Kraft.

Mit einem klaren Anfang weitergehen

Leserbegleitung und heutige Praxisanregung:

Die ersten vier Wellen haben den Rahmen der Einweihung entfaltet: Verehrung, Lehrbeziehung, Vorbereitung und ritueller Abschluss gehören zusammen. Für die eigene Besinnung lässt sich daran die Frage anschließen: Welche Haltung möchte ich in meine tägliche Sadhana mitnehmen?

Nimm dir einen stillen Augenblick. Erinnere dich an einen Satz, der Vertrauen oder Klarheit geweckt hat, und kehre dann zu deinem vertrauten Japa zurück. Vielleicht zeigt sich die Frucht des Lesens heute in größerer Aufmerksamkeit für einen Menschen oder in einem bewusster gesprochenen Wort. Weitere Formen der Einweihung und die Verfahren des Purashcharana folgen in Teil 2.

Wegweiser durch die zwölf Wellen

Die Seiten sind unterschiedlich aufgeteilt. Über diese Übersicht erreichst du jede Welle direkt in allen drei Fassungen.

Taraṅga Schwerpunkt Deutsch IAST Devanagari
1 Mit Vertrauen und Unterscheidungsvermögen beginnen Lesen Lesen Lesen
2 Der Praxis einen guten Rahmen geben Lesen Lesen Lesen
3 Verehrung mit Aufmerksamkeit erfüllen Lesen Lesen Lesen
4 Die Einweihung zum Abschluss führen Lesen Lesen Lesen
5 Verschiedene Wege der Einweihung verstehen Lesen Lesen Lesen
6 Beständigkeit in der Mantrapraxis entdecken Lesen Lesen Lesen
7 Über die Reifung der Praxis nachdenken Lesen Lesen Lesen
8 Die Vielfalt der Gottheitsverehrung kennenlernen Lesen Lesen Lesen
9 Die Überlieferungen der Göttin aufmerksam lesen Lesen Lesen Lesen
10 Mantra, Hymne und Verehrung zusammen betrachten Lesen Lesen Lesen
11 Der Verehrung der Göttin Zeit und Raum geben Lesen Lesen Lesen
12 Die letzte Welle mit Sammlung lesen Lesen Lesen Lesen

Siehe auch

Textumfang und Quellenhinweise

Umfang und dokumentierte Auslassungen: Alle zwölf Taraṅgas sind bis zum Werk-Kolophon auf Band III, S. 1231 bearbeitet. Die frühere Überlieferungslücke dieser Arbeitsausgabe auf S. 748–756 wurde anhand des vorliegenden PDF neu bearbeitet und geschlossen. Gesondert verbleiben neun ausdrücklich markierte Inhaltsauslassungen: Taraṅga 7, Verse 344–349, 394–399, 405–418; Taraṅga 9, S. 815, 816–817, 818, 829–830, 831 und 854–855. Sie betreffen sexualisierte Darstellungen minderjährig oder nicht eindeutig erwachsen bezeichneter Personen. Daher wird keine ausnahmslos lückenlose Vollübersetzung beansprucht. Lokale beschädigte oder unsichere Quellenlesungen bleiben gekennzeichnet.

Literatur und Quellen

  • Pratapasimha Shah: Puraścaryārṇava. Herausgegeben von Muralidhara Sharma, ältere Ausgabe in drei Bänden, Varanasi. Verwendeter Textumfang: Band I, S. 1–318. Die beiden Digitalisate von Band I ergänzen sich; die Seiten 8–9 wurden nach dem vollständigeren Exemplar wiedergegeben. Für Band II dient die von Rajanatha Tripathi herausgegebene Ausgabe von 2013 als Grundlage; deren S. 1 entspricht S. 319 der älteren Ausgabe. Die abweichende Seitenzählung wird in den Fundstellen mit der Bandangabe kenntlich gemacht.
  • Puraścaryārṇava, Band II, herausgegeben von Rajanatha Tripathi, Sampurnanand Sanskrit University; Hauptgrundlage der Taraṅgas 5–8, S. 1–330; gezielt mit der älteren Ausgabe, S. 319–412, verglichen.
  • Purashcharana im Yoga-Vidya-Wiki – ergänzende heutige Erläuterung, nicht Ersatz für den Sanskrittext.
  • Band III der älteren Ausgabe: gedruckte S.723–1231, Digitalisat 2015.487364.Purascharyarnava-Part-III_text.pdf, PDF48–556; einschließlich der neu bearbeiteten S.748–756.
  • IAST wurde aus dem bearbeiteten Devanagari transliteriert und ist kein unabhängiger Textzeuge. Unnummerierte Prosa und Verse werden durch die gedruckte Seite nachgewiesen. Die deutschen Lesungshinweise kennzeichnen örtliche Unsicherheiten. Eine kollationierte kritische Edition wird nicht beansprucht.

Ausgewählte Lesarten

  • Vers 1.49: Zur Lesung „Verrichtungen zu Navaratri“ verzeichnet der Druck die Variante „Verrichtungen“ im Plural; die sachliche Aussage bleibt gleich.
  • Vers 1.51: Die Hauptlesung bhūtalipi („Elementeschrift“) steht neben der verzeichneten Variante bhūtabali („Darbringung an die Wesen“). Hier wird der Hauptlesung gefolgt.
  • Band I, S. 12: Zur Hauptlesung Svarṇakoṭīśvarī ist Koṭeśvarī als Variante genannt.
  • Band I, S. 14: Zu śuṣke („kraftlos/trocken“) bei Shiva ohne Shakti verzeichnet der Druck sūkṣme („fein/subtil“). Die Übersetzung folgt der Hauptlesung.
  • Band I, S. 19: Statt „ein verständiger Verehrer der Göttin“ steht als Variante „ein Verehrer der Göttin, voller Hingabe“.
  • Band I, S. 21: Der Druck nennt neben „beides vermischt“ die Lesung „beides aufsuchend/auf beidem beruhend“; bei der Mittagsrezitation steht neben „Japa, o Herrin“ auch „Japa, o Göttin“.
  • Band I, S. 79–82: Mehrere Zitate werden innerhalb des gedruckten Werkes erneut angeführt. Diese Wiederholungen bleiben erhalten; das auf S. 80 abgebrochene Vishnuyamala-Zitat wird auf S. 82 vollständig gegeben.
  • Band I, S. 26: Neben padaṃ śivam (Shivas Stätte) steht die Variante pathaṃ śivam (Shivas Weg).
  • Band I, S. 33: Neben tadveṣeṇa (unter diesem Vorwand/in dieser Verkleidung) steht taddveṣeṇa (aus Hass darauf).
  • Band I, S. 34: Zur Reihe Guru, Gottheit, Selbst und Kala wird eine abweichende Lesung ohne Guru genannt; die Hauptlesung wird beibehalten.
  • Band I, S. 24: Neben vāmapathe („auf dem linken Weg“) ist vāmapade („im linken Bereich/Weg“) verzeichnet.

Zur Wiedergabe: Die Nummern 1–54 sind die Nummern des gedruckten Eingangsteils. Danach stehen genaue Seiten- und Abschnittsangaben für unnummerierte Zitate und Prosa. Unsichere Lesungen sind unmittelbar an der betreffenden Stelle bezeichnet. Zuordnungen, Wirkungsaussagen und Wertungen innerhalb der Übersetzung geben die jeweilige traditionelle Quelle wieder.

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