Purashcharanarnava/Teil 2

Aus Yogawiki

Purashcharanarnava – Einweihung und Vertiefung der Mantrapraxis umfasst die Taraṅgas 5–8. Wie erhält eine spirituelle Übung Beständigkeit, und in welchem Rahmen wird ein Mantra überliefert? Diese Wellen führen von weiteren Formen der Diksha zu den allgemeinen und besonderen Verfahren des Purashcharana. Anschließend entfalten sie die Verehrung verschiedener Gottheiten.

Zur Textgrundlage: Umfang, dokumentierte Auslassungen und Lesungshinweise.

Für Yoga-Aspiranten liegt ein Zugang im aufmerksamen Svadhyaya: Lies einen überschaubaren Abschnitt, kläre die wiederkehrenden Begriffe und lass seine Bedeutung nachklingen. Die sechste Welle bietet einen hilfreichen Ausgangspunkt, um die späteren Einzelverfahren einzuordnen.

Japa verbindet Aufmerksamkeit und Hingabe.

Zur Ausgabe: Deutsch · Sanskrit in IAST · Devanagari · 108 Passagen zur Besinnung · Mantrasammlung

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5. Taraṅga: Weitere Verfahren der Diksha

Lesehilfe: Weitere Verfahren der Diksha erweitern das Bild aus dem ersten Band. Die Vielfalt der Quellen lädt zu genauem Hinsehen ein: Welche Voraussetzungen und welche Formen der Vermittlung nennt die jeweilige Tradition? Halte ihre unterschiedlichen Stimmen beim Lesen auseinander.

Diese Welle: Deutsch · IAST · Devanagari

Band II, S. 1, Beginn des fünften Taranga
Deutsch: Nun der fünfte Taranga des Purashcharyarnava. Das praktische Verfahren der Diksha wird dargelegt.

Band II, S. 1, Dreitägige Vorbereitung und Gang zum Guru
Deutsch: Zuerst vollziehe der hingebungsvolle Schüler am ersten Tag die Rasur und die weiteren Vorbereitungen, bade zur Reinigung des Körpers an einem heiligen Badeort oder anderswo, wiederhole Gayatri tausendmal und esse einmal opfergeeignete Speise. Am zweiten Tag faste er. Am dritten Tag vollziehe er die täglichen Handlungen, schmücke den Körper mit Gewändern, Schmuck und Weiterem, verehre zu Hause Ganesha zur Beseitigung von Hindernissen, lasse den glückverheißenden Tag ausrufen und vollziehe Nandi-Shraddha. Er nehme die beschriebenen Gaben zur Wahl des Gurus und begebe sich, begleitet von den fünf Arten von Musikinstrumenten, zum Haus des Gurus. Dort wasche er Hände und Füße und spreche mit zusammengelegten Händen, in Hingabe gebeugt:

Band II, S. 1, Bitte um die Übertragung des großen Mantras
Deutsch: „Erhabener Shri Guru, Gestalt des höchsten Selbst, voller Mitgefühl: Erweise mir Gnade, indem du mir den großen Mantra überträgst, der alle Ziele des menschlichen Lebens verwirklicht.“ Nachdem er dies gesprochen und sich mit acht Körpergliedern vor dem Guru verneigt hat, setze er sich mit dessen Erlaubnis nach Osten oder Norden gewandt auf einen Sitz. Er nehme drei Kusha-Halme, Sesam und Wasser und vollziehe nach vorangehenden Segensworten den Sankalpa, und zwar so:

Band II, S. 1, Sankalpa und Wahl des Gurus
Deutsch: „Om, Vishnu, Vishnu. Om, heute … Ich, der so und so genannte Devasharman, geboren im so und so genannten Gotra, wünsche Dharma, Artha, Kama und Moksha zu erlangen und werde die Einweihung in den so und so genannten Mantra der erhabenen, so und so genannten Gottheit vollziehen.“ Nach diesem Sankalpa wähle er den Guru. Der Schüler sage: „Om, möget Ihr gut Platz nehmen.“ Der Guru: „Om, ich sitze gut.“ Der Schüler: „Om, wir werden Euch verehren.“ Der Guru: „Om, verehre mich.“ Die Zeitangabe ist in der Vorlage mit ‚heute und so weiter‘ abgekürzt; Namen, Gotra, Gottheit und Mantra stehen als Platzhalter.

Band II, S. 1, Verehrung und förmliche Wahl des Lehrers
Deutsch: Dann gebe der Schüler dem Guru einen Sitz mit dem Mantra „Verehrung dem Shri Guru“. Unter demselben Mantra verehre er ihn mit Fußwaschwasser und den weiteren Gaben, Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk, Licht, Gewändern und Schmuck. Er setze das rechte Knie auf die Erde und spreche: „Om, heute … Ich, der so und so genannte Devasharman aus dem so und so genannten Gotra, der Dharma, Artha, Kama und Moksha zu erlangen wünscht, wähle Euch als Guru, um den so und so genannten Mantra der erhabenen, so und so genannten Gottheit zu empfangen: Euch, den so und so genannten Devasharman mit diesem Gotra und dieser Pravara, Kenner des so und so genannten Veda, den ich mit diesen Gaben von Fußwaschwasser an verehrt habe.“ Die Antwort lautet: „Om, ich bin gewählt.“

Band II, S. 1–2, Auftrag an den Acharya
Deutsch: Wieder mit zusammengelegten Händen: „Om, heute … Sei du der Acharya bei der Einweihung in den so und so genannten Mantra.“ Die Antwort: „Om, das bin ich.“ Der Schüler sage: „Erhabener Shri Guru, vollziehe die Handlung wie vorgeschrieben.“ Die Antwort: „Ich werde sie nach meinem Wissen vollziehen.“

Band II, S. 2, Wahl der acht Ritualpriester
Deutsch: Dann verneige sich der Schüler vor dem Guru. Er bringe ihm die übrigen Gaben für die Wahl dar, verneige sich zu seinen Füßen und wähle mit seiner Erlaubnis die Ritualpriester. Nachdem er jeden einzeln mit den genannten Upacharas auf die beschriebene Weise verehrt hat, spreche er: „Om, heute … Ich, der so und so genannte Devasharman aus dem so und so genannten Gotra, der die Frucht der vier Lebensziele erlangen möchte, wähle Euch als Ritualpriester bei der von mir zu vollziehenden Einweihung in den so und so genannten Mantra der erhabenen, so und so genannten Gottheit: Euch, den so und so genannten Sharman mit diesem Gotra und dieser Pravara, Kenner des so und so genannten Veda, den ich mit diesen Gaben von Fußwaschwasser an verehrt habe.“ Die Antwort: „Om, ich bin gewählt.“ Der Schüler: „Vollziehe die Handlung wie vorgeschrieben.“ Die Antwort: „Ich werde sie nach meinem Wissen vollziehen.“ So wähle er jeden der acht Ritualpriester. Danach gebe er ihnen die für die Handlung benötigten Gegenstände und verneige sich vor ihnen.

Band II, S. 2, Beginn der Zahnhölzchenprüfung
Deutsch: Dann begebe sich der Guru zusammen mit dem Schüler und den Ritualpriestern zum Opferpavillon und nehme an dessen Tor Platz. Die Zahnhölzchenprüfung ist auszuführen; sie ist erst nach dem Essen des Milchreises vorzunehmen. „Nach der Auffassung jener ist sie zu eben diesem Zeitpunkt vorzunehmen.“ So geschieht sie: Der Guru gebe dem Schüler ein zwölf Fingerbreiten langes Zahnhölzchen aus einem milchsaftführenden Baum wie Ashvattha, Udumbara, Vata oder Plaksha, nachdem er es mit dem Mula-Mantra der Gottheit besprochen hat. Der eingeklammerte Satz ist bereits in der Ausgabe sprachlich verstümmelt; deren Herausgeber hält ihn für einen möglichen späteren Zusatz. Die unterschiedlichen Zeitangaben bleiben erhalten.

Band II, S. 2, Reinigung und Niederlegen des Zahnhölzchens
Deutsch: Auch der Schüler wasche Hände und Füße, spüle den Mund, verneige sich vor dem Guru, nehme das Zahnhölzchen und reinige die Zähne. Dann lege er es auf einen aus Sand oder Ähnlichem gefertigten quadratischen Opferplatz von einer Elle Seitenlänge und vollziehe mit reinem Wasser zuerst die Mundspülung und dann Achamana. Anschließend betrachte der Guru, in welche Richtung von Osten an die Spitze des Zahnhölzchens gefallen ist, und deute die günstigen oder ungünstigen Folgen, und zwar so:

Band II, S. 2–3, Deutung der Fallrichtung
Deutsch: Fällt die Spitze nach Osten, bedeutet es Gewinn an Macht und Wohlstand; nach Südosten Kummer im Herzen; nach Süden Verlust von Angehörigen; nach Südwesten Tod; nach Westen Trauer; nach Nordwesten Unruhe; nach Norden Wohlergehen und nach Nordosten Gewinn an Erkenntnis. Nach dieser Deutung der Frucht ist bei einem Fall in eine ungünstige Richtung zur Beseitigung des damit verbundenen Fehlers Folgendes zu vollziehen. Dies sind traditionelle Omen-Deutungen des Ritualtextes.

Band II, S. 3, Besänftigendes Homa und allgemeines Arghya
Deutsch: Mit dem Mantra „Phat, beseitige, beseitige den so und so genannten Fehler, Phat Svaha“ vollziehe man eintausendacht oder einhundertacht Ghee-Opfer. Danach nehme der Guru am Tor des Pavillons auf einem Sitz Platz, vollziehe Achamana und Pranayama und richte das allgemeine Arghya ein. Dann folgt:

Band II, S. 3, Weihe von Unterlage, Gefäß und Wasser
Deutsch: Man besprenge den Boden mit durch den Waffen-Mantra geweihtem Wasser und zeichne ein Mandala aus Dreieck, Kreis und Quadrat. Mit „Om, Verehrung der tragenden Shakti“ verehre man das Mandala und stelle die Gefäßunterlage darauf. Mit „Raṃ̐, Verehrung dem Feuerkreis, dessen Wesen die zehn Kalas sind“ verehre man die Unterlage. Unter dem Mantra „Phat“ wasche man das Arghya-Gefäß, stelle es auf die Unterlage und fülle es unter „Namah“ mit Wasser. Mit „Saṃ̐, Verehrung dem Mondkreis, dessen Wesen die sechzehn Kalas sind“ verehre man das Wasser. In diesem Wasser [rufe man die heiligen Gewässer an]:

Band II, S. 3, Vers 1: Anrufung der heiligen Flüsse
Deutsch: [Vers 1] „Om, Ganga und Yamuna, Godavari, Sarasvati, Narmada, Sindhu und Kaveri: Seid in diesem Wasser gegenwärtig.“ Mit diesen Worten und der Ankusha-Mudra rufe man die heiligen Gewässer aus dem Sonnenkreis herbei. Unter Pranava lege man Duftstoff und Blumen hinein, verehre damit und bespreche es acht- oder zehnmal mit demselben Laut. Man zeige die Dhenu-Mudra. Dann besprenge man mit diesem Wasser unter „Phat“ das Tor und vollziehe die Tor-Puja wie folgt:

Band II, S. 3, Gottheiten am oberen Türbalken
Deutsch: „Om, Verehrung Vighnesha“ – am oberen Türbalken. „Maṃ̐, Verehrung Mahalakshmi“ – rechts davon. „Saṃ̐, Verehrung Sarasvati“ – links davon. „Verehrung der glückverheißenden Kraft des Tores“ – in der Mitte. Am rechten und linken Türpfosten verehre man von oben bis unten die folgenden Torgottheiten:

Band II, S. 3, Erste Gottheiten an den Türpfosten
Deutsch: „Gaṃ̐, Verehrung Ganapati“ – rechts. „Kṣaṃ̐, Verehrung Kshetrapala“ – links. „Śaṃ̐, Verehrung Shankhanidhi, verbunden mit Vasundhara“ – wieder rechts. „Paṃ̐, Verehrung Padmanidhi, verbunden mit Vasumati“ – links. „Maṃ̐, Verehrung Maya-Shakti“ – rechts. „Caṃ̐, Verehrung Chit-Shakti“ – links.

Band II, S. 4, Weitere Gottheiten an Pfosten und Schwelle
Deutsch: „Gaṃ̐, Verehrung Ganga“ – rechts. „Yaṃ̐, Verehrung Yamuna“ – links. „Dhaṃ̐, Verehrung Dhatri“ – rechts. „Vaṃ̐, Verehrung Vidhatri“ – links. „Daṃ̐, Verehrung der Schwelle“ oder „Aṃ̐, Verehrung der Waffe“ – an der Schwelle. Nachdem man so, beim Westtor beginnend, jedes Tor verehrt hat, verehre man die Torhüter.

Band II, S. 4, Torhüter verschiedener Gottheiten
Deutsch: Dabei gelten Besonderheiten. Bei Shiva-Puja verehre man, am Westtor beginnend, an jedem Tor der Reihe nach jeweils zwei: Nandi, Mahakala, Ganesha, Vrishabha, Bhringi, Skanda, Bhavani und Chandeshvara. Der Mantra bei ihrer Verehrung lautet „Naṃ̐, Verehrung Nandi“ und entsprechend weiter. Bei Vishnu-Puja verehre man die Torhüter Nanda, Sunanda, Chanda, Prachanda, Bala, Prabala, Bhadra und Subhadra. Bei Ganesha-Puja verehre man Vakratunda, Ekadamshtra, Mahodara, Gajanana, Lambodara, Vikata, Viraj und Dhumravarna. Bei Surya- und Devi-Puja verehre man Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi, Varahi, Indrani, Chamunda und Mahalakshmi. Bei der Puja von Tripura und entsprechenden Gottheiten verehre man Ganesha, Kshetrapala, Vatuka, Yogini, Ganga, Yamuna, Lakshmi und Sarasvati. Die Namen Ekadamshtra und Viraj stehen so in der Ausgabe; sie werden nicht an eine andere geläufige Ganesha-Liste angeglichen.

Band II, S. 4, Beseitigung der Hindernisse und Eintritt
Deutsch: Dann vertreibe man die himmlischen Hindernisse durch den Mantra der Gottheit und den göttlichen Blick. Mit „Astraya Phat“ versprenge man Wasser und vertreibe die Hindernisse im Zwischenraum; mit demselben Mantra und drei Schlägen der linken Ferse vertreibe man die irdischen Hindernisse. Danach ziehe man die rechte Körperseite etwas zurück, berühre den linken Türpfosten und lasse rechts einen Weg frei, auf dem die vertriebenen Wesen hinausgehen können. Mit dem rechten Fuß voran betrete man den Pavillon. Auf dem linken Weg erfolgt der Eintritt mit der Shakti und dem linken Fuß voran [die Wortverbindung ist gedrängt]. Ebenso bei einer von einer Frau erteilten Diksha.

Band II, S. 4, Vastu-Verehrung und vier Reinigungen
Deutsch: Dann verehre man im Südwesten mit Blumen und ungebrochenen Reiskörnern: „Om, Verehrung dem Vastu-Purusha, dem Herrn des Bauplatzes, Brahma.“ Man verneige sich, besprenge das Innere des Pavillons mit Panchagavya und allgemeinem Arghya-Wasser und vollziehe vier Weihen: Unter dem Mula-Mantra betrachte man das Innere des Pavillons; unter „Phat“ besprenge man es mit allgemeinem Arghya-Wasser; unter demselben Mantra schlage man es mit Darbha-Halmen; unter „Huṃ̐“ begieße man es.

Band II, S. 4–5, Räucherung und Ausstreuen der sieben Stoffe
Deutsch: Dann räuchere man das Innere des Pavillons mit Sandel, Aguru, Kampfer und Weiterem. Man mische die sieben Streustoffe Puffreis, Sandel, Senfkörner, Asche, Durva, Kusha und ungebrochene Reiskörner, bespreche sie siebenmal mit dem Waffen-Mantra „Phat“ und streue sie dreimal aus mit den Worten: „Om, mögen jene Wesen weichen, die sich auf der Erde aufhalten. Die Wesen, die Hindernisse bereiten, mögen auf Shivas Geheiß verschwinden.“ Danach kehre man die Streustoffe mit einem Bündel Darbha unter dem Waffen-Mantra zusammen und lege sie im Nordosten als Unterlage für die Vardhini auf einen Haufen. Dieser Vers trägt im Druck keine Zahl; die spätere Zählung wird nicht durch ergänzte Versnummern aufgefüllt.

Band II, S. 5, Bitte an Dipanatha-Bhairava
Deutsch: Dann lasse man den glückverheißenden Tag ausrufen, stelle die Brahmanen zufrieden und verehre Bhairava als den dortigen Herrn mit „Om, Verehrung Dipanatha-Bhairava“. Mit zusammengelegten Händen bitte man: „Dipanatha, in diesem Bereich mögest du die Erlaubnis erteilen, damit die Diksha-Opferhandlung gedeihe und ohne Hindernis gelinge. Überaus Gewaltiger, Großleibiger, dem Feuer am Ende eines Weltzeitalters gleich: Dir, Bhairava, sei Verehrung; mögest du die Erlaubnis erteilen.“ Die beiden Gebetsverse sind in der Ausgabe ohne Verszahlen gedruckt.

Band II, S. 5, Mandala, Geräte und Reinigung des Wassers
Deutsch: Nach Empfang dieser Erlaubnis steige man unter dem Mantra „Phat“ auf den Altar, forme darauf aus Erde einen quadratischen Opferplatz und zeichne das Sarvatobhadra-Mandala. Man ordne die Puja-Geräte an ihren Plätzen an, breite den Sitz aus, nehme das links befindliche Wassergefäß und reinige das Wasser: Mit dem Wind-Bija „Yaṃ̐“ reinige man es, mit dem Feuer-Bija „Raṃ̐“ verbrenne man [seine Unreinheit] und mit dem Varuna-Bija „Vaṃ̐“ überflute man es. Dreimal vollziehe man Achamana mit „Om, dem Atma-Tattva, Svaha“, „Om, dem Vidya-Tattva, Svaha“, „Om, dem Shiva-Tattva, Svaha“.

Band II, S. 5, Vers 5: Die Erde als tragender Sitz
Deutsch: Man besprenge den Sitz mit „Astraya Phat“ und zeichne darauf einen achtblättrigen Lotus. Die Zuordnung lautet: „Für [den Mantra der] Erde ist Meruprishtha der Rishi, Sutala das Versmaß und Kurma die Gottheit; die Anwendung betrifft das Einnehmen des Sitzes.“ Den Sitz berührend spreche man [Vers 5]: „Om, Erde, von dir werden die Welten getragen; Göttin, du wirst von Vishnu getragen. Trage auch mich, Ewige, Reine, und mache den Sitz [rein].“ Dann verehre man den Sitz mit „Hrīṃ̐, Verehrung dem Lotussitz der tragenden Shakti“, spreche den Atma-Mantra, setze sich darauf in Swastikasana, Padmasana oder einer entsprechenden Haltung und vollziehe den Sankalpa wie folgt. Die Anreden nitye und pavitre stehen so in der Ausgabe. Der Sprung der gedruckten Zählung von Vers 1 zu Vers 5 bleibt erhalten; die dazwischenstehenden unnummerierten Verse werden vollständig wiedergegeben.

Band II, S. 5–6, Sankalpa zur Puja im Einweihungsritual
Deutsch: Der Sankalpa lautet: „Om, heute … Ich, der so und so genannte Devasharman aus dem so und so genannten Gotra, werde im Rahmen der von dem so und so genannten Sharman vollzogenen Einweihung in den so und so genannten Mantra der so und so genannten Gottheit deren Puja mit den verfügbaren Upacharas ausführen.“ Die Personen-, Gottheits- und Mantranamen sind in der Vorlage ausdrücklich als Platzhalter vorgesehen.

Band II, S. 6, Sonnen-Arghya und Reinigung der Puja-Gaben
Deutsch: Man gebe der Sonne Arghya mit „Om Hāṃ̐ Hīṃ̐ Saḥ, dem Shri Surya, der auf einem von sämtlichen Tierkreiszeichen, Mondhäusern, Yogas und Karanas umgebenen Sitz weilt: Dies ist dein Arghya, Svaha.“ Dann weihe man die Puja-Stoffe: Man bilde die Naracha-Mudra und betrachte Duftstoffe, Blumen, Opferspeisen und Weiteres unter dem Mantra „Hāṃ̐ Huṃ̐ Phat“ mit gleichmäßigem Blick. Unter dem Mantra „Raṃ̐“ berühre man die Lampenflamme. Die Sonnenformel nennt in dieser Ausgabe samagra-rāśi, ‚sämtliche Tierkreiszeichen‘; eine ergänzte Nennung der Planeten wird nicht eingefügt.

Band II, S. 6, Wassergefäß und dreifache Guru-Verehrung
Deutsch: Unter dem Bija „Āṃ̐“ berühre man das Wasser mit dem Deva-Tirtha der Hand, halte das Wassergefäß mit der linken Hand und spreche „Jaṃ̐, Verehrung dem Wassergefäß“. Dann lege man die zusammengelegten Hände an den Kopf und verehre links die drei Guru-Ebenen mit „Om, Verehrung den Gurus“, „Om, Verehrung den Parama-Gurus“ und „Om, Verehrung den Parapara-Gurus“. Rechts verneige man sich mit „Gaṃ̐, Verehrung Ganapati“ und in der Mitte mit „Verehrung der so und so genannten Gottheit“.

Band II, S. 6, Vers 6: Der Guru zeigt die allumfassende Wirklichkeit
Deutsch: [Vers 6] „Dem Shri Guru sei Verehrung, der jene Wirklichkeit gezeigt hat, die als ungeteiltes Ganzes alles Bewegliche und Unbewegliche durchdringt.“ Nach dieser erneuten Verneigung vor dem Guru vollziehe man die Reinigung der Hände wie folgt:

Band II, S. 6, Vers 7: Handreinigung und Schutzgebet
Deutsch: Unter dem Mantra „Hasauṃ̐ḥ“ nehme man eine mit Sandel bestrichene Blume, zerreibe sie unter „Phat“ zwischen beiden Händen, nehme sie in die linke Hand, kreise damit um den Kopf und rieche daran, während man Pranava wiederholt. Man spreche [Vers 7]: „Hauṃ̐ Om, mögen all jene zur Auflösung gelangen, die mir gewaltsam Schaden zufügen. Tod, Krankheit, Furcht und Leiden mögen auf das Haupt des Feindes fallen.“ Dann werfe man die Blume unter „Phat“ mit der Naracha-Mudra nach Nordosten. Die Anfangssilbe der Handreinigung ist mit Nasalzeichen und Visarga gedruckt und wird nicht zu einer anderen gebräuchlichen Formel vereinheitlicht. Die auf den Feind gerichtete Bitte bleibt als traditionelle Textaussage erhalten.

Band II, S. 6–7, Schutz der Richtungen und Auflösung der Tattvas
Deutsch: Dann versiegle man unter dem Waffen-Mantra mit Fingerschnippen die zehn Richtungen, nach oben fortschreitend und mit drei vorangehenden Klatschbewegungen. Das dabei entstandene Licht schütze man mit der Feuerwall-Mudra. Nach drei Pranayamas unter dem Mula-Mantra, dessen Bija oder Pranava vollziehe man Bhutashuddhi. Man lege beide Hände mit den Handflächen nach oben in den Schoß. Unter „So’ham“ vereinige man den Jivatman in Gestalt einer kleinen Lampenflamme, vom Herzlotus aus und zusammen mit der im Muladhara befindlichen Kundalini, auf dem Weg der Sushumna mit dem höchsten Selbst. Dabei durchdringe man die sechs Chakras Muladhara, Swadhishthana, Manipura, Anahata, Vishuddha und Ajna; das höchste Selbst befindet sich im Innern des Fruchtbodens des abwärts gewandten tausendblättrigen Lotus am Kopf. Man vergegenwärtige dort die Auflösung der vierundzwanzig Tattvas in der genannten Reihenfolge: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum; Geruch, Geschmack, Gestalt, Berührung, Klang; Nase, Zunge, Augen, Haut, Ohren; Rede, Hände, Füße, Ausscheidungs- und Geschlechtsorgan; Prakriti, Manas, Buddhi und Ahamkara. Die Verbindung von Herzlotus und Muladhara ist im Sanskrit stark zusammengezogen; beide genannten Orte bleiben in der Übersetzung sichtbar.

Band II, S. 7, Wind- und Feuerreinigung
Deutsch: Man betrachte das rauchfarbene Wind-Bija „Yaṃ̐“ im linken Nasenloch, fülle den Körper während sechzehn Wiederholungen mit Atem, verschließe beide Nasenlöcher und halte den Atem während fünfzig oder vierundsechzig Wiederholungen an. Nachdem man den Körper mitsamt dem schwarzen Papa-Purusha im linken Bauchraum gereinigt hat, atme man während fünfzig oder zweiunddreißig Wiederholungen rechts aus. Diese Wahl zwischen den Zahlen gilt auch im Folgenden. Dann meditiere man im rechten Nasenloch über das rote Feuer-Bija „Raṃ̐“, fülle den Körper während sechzehn Wiederholungen, verschließe beide Nasenlöcher und halte den Atem während vierundsechzig Wiederholungen an. Nachdem man [den Körper] mitsamt der Verfehlung verbrannt hat, atme man während zweiunddreißig Wiederholungen links aus, zusammen mit der Asche. Die ungewöhnlichen Alternativen mit fünfzig Wiederholungen stehen ausdrücklich im Text und werden nicht an das verbreitete Verhältnis 16:64:32 angeglichen.

Band II, S. 7, Erneuerung durch Mondnektar und Rückkehr des Jiva
Deutsch: Man setze das weiße Mond-Bija „Ṭhaṃ̐“ in das linke Nasenloch ein und führe während sechzehn Wiederholungen den Mond zur Stirn. Das höchste Selbst im Fruchtboden des tausendblättrigen Lotus vergegenwärtige man als Mondgestalt. Während vierundsechzig Wiederholungen des Varuna-Bija „Vaṃ̐“ überflute man den ganzen Körper mit dem vom Stirnmond herabströmenden Nektar, dessen Wesen die Matrika-Laute sind. Während zweiunddreißig Wiederholungen des Erd-Bija „Laṃ̐“ betrachte man den Körper als fest und stark und atme rechts aus. Dann setze man die im höchsten Selbst aufgelösten fünf Elemente in der genannten Reihenfolge wieder an ihre Plätze. Man vergegenwärtige einen neu entstandenen Lichtkörper, der zur Verehrung der Gottheit geeignet ist. Unter „Haṃ̐saḥ“ ziehe man den Jivatman aus dem höchsten Selbst herbei, setze ihn in den Herzlotus ein und betrachte sich als Gestalt der Gottheit. Nach dieser Bhutashuddhi folgt:

Band II, S. 7, Einsetzen von Prana und Sinnen
Deutsch: „Āṃ̐ So’ham: Meine Pranas seien hier, die Pranas seien hier eingesetzt. Āṃ̐ So’ham: Mein Jiva sei hier, der Jiva sei hier eingesetzt. Āṃ̐ So’ham: Alle meine Sinne – Rede, Denken, Sehen, Hören, Schmecken und Riechen – mögen hierherkommen und lange glücklich verweilen, Svaha.“ Nachdem man so Prana im eigenen Herzen eingesetzt hat, vollziehe man Matrika-Nyasa wie folgt. Die Wiederholungen von ‚Prana hier‘ und ‚Jiva hier‘ sind Bestandteil der ausgeschriebenen Formel.

Band II, S. 7, Zuordnungen des Matrika-Sarasvati-Mantras
Deutsch: „Für diesen Shri-Matrika-Sarasvati-Mantra ist Brahma der Rishi, Gayatri das Versmaß, Matrika-Sarasvati die Gottheit. Die Konsonanten sind die Bijas, die Vokale die Shaktis, die einzelnen Ausprägungen die Kilakas. Seine Anwendung beim Einsetzen der Schriftlaute dient, nach vorangehender Reinigung des Körpers, der erwünschten Siddhi.“ Am Kopf: „Verehrung dem Rishi Brahma.“ Am Mund: „Verehrung dem Versmaß Gayatri.“ Am Herzen: „Verehrung der Gottheit Matrika-Sarasvati.“ Im verborgenen Körperbereich: „Verehrung den Konsonanten als Bijas.“ An den Füßen: „Verehrung den Vokalen als Shaktis.“ An allen Gliedern: „Verehrung den einzelnen Ausprägungen als Kilakas.“ Mit zusammengelegten Händen: „Die Anwendung erfolgt im Lipi-Nyasa.“ Dann folgen Kara- und Anga-Nyasa, das Einsetzen in Hände und Körperglieder.

Band II, S. 7–8, Kara- und Anga-Nyasa der Matrika
Deutsch: „A, Ka, Kha, Ga, Gha, Nga, A lang – jeweils mit Nasal: Verehrung beiden Daumen. I, Cha, Chha, Ja, Jha, Nya, I lang – jeweils mit Nasal: beiden Zeigefingern, Svaha. U, Ta, Tha, Da, Dha, Na der retroflexen Reihe, U lang – jeweils mit Nasal: beiden Mittelfingern, Vashat. E, Ta, Tha, Da, Dha, Na der dentalen Reihe, Ai – jeweils mit Nasal: beiden Ringfingern, Hum. O, Pa, Pha, Ba, Bha, Ma, Au – jeweils mit Nasal: beiden kleinen Fingern, Vaushat. A, Ya, Ra, La, Va, Sha, retroflexes Sha, Sa, Ha, La, Ksha, A mit Nasal und Visarga: für Handflächen und Handrücken, für die Waffe, Phat.“ Entsprechend setze man die Laute am Herzen und den weiteren Stellen ein: „A, Ka, Kha, Ga, Gha, Nga, A lang – jeweils mit Nasal: Verehrung dem Herzen“, und so weiter. Quellenhinweis: Die Ringfinger-Formel fehlt in der neuen Ausgabe und wurde aus der älteren Ausgabe, S.327/PDF16, ergänzt. Die Schlussreihe enthält das zweimalige La wie gedruckt. Die weitere Anga-Nyasa-Reihe ist in der Quelle nur mit ‚und so weiter‘ angegeben und wird nicht vervollständigt.

Band II, S. 8, Vers 8: Dhyana der Sprachgöttin
Deutsch: Dann die Meditation, und zwar [Vers 8]: „Ich nehme Zuflucht zur Göttin der Sprache: Die fünfzig Schriftlaute gliedern ihr Gesicht, ihre Arme, Füße, Körpermitte und Brust. An ihrer strahlenden Krone trägt sie die Mondsichel; ihre Brüste sind voll und hoch. In ihren Lotushänden hält sie eine Mudra, Gebetskette, nektargefüllten Krug und das Wissen [in Gestalt eines Buches]. Ihr Glanz ist rein, sie hat drei Augen.“ Nach dieser Meditation setze man die Laute von A bis Ksha, entweder für sich oder mit Visarga, an Stirn und weiteren Körperstellen ein, wie folgt:

Band II, S. 8, Vokal-Nyasa an Kopf und Gesicht
Deutsch: „Verehrung A mit Visarga“ – an der Stirn. „Verehrung dem langen A mit Visarga“ – am Gesichtsumkreis. „Verehrung I mit Visarga“ – am rechten Auge; „Verehrung dem langen I mit Visarga“ – am linken Auge. „Verehrung U mit Visarga“ – am rechten Ohr; „Verehrung dem langen U mit Visarga“ – am linken Ohr. „Verehrung dem vokalischen R mit Visarga“ – am rechten Nasenloch; „Verehrung dem langen vokalischen R mit Visarga“ – am linken Nasenloch. „Verehrung dem vokalischen L mit Visarga“ – an der rechten Wange; „Verehrung dem langen vokalischen L mit Visarga“ – an der linken Wange. „Verehrung E mit Visarga“ – an der Oberlippe; „Verehrung Ai mit Visarga“ – an der Unterlippe. „Verehrung O mit Visarga“ – an den oberen Zähnen; „Verehrung Au mit Visarga“ – an den unteren Zähnen. „Verehrung A mit Nasal und Visarga“ – am Brahmarandhra. „Verehrung A mit Visarga“ – am Mund. Die Nasal- und Visarga-Kombination am Brahmarandhra wird wie gedruckt erhalten.

Band II, S. 8, Laut-Nyasa an den Armen
Deutsch: „Verehrung Ka mit Visarga“ – am rechten Schulteransatz. „Verehrung Kha mit Visarga“ – am rechten Ellbogen. „Verehrung Ga mit Visarga“ – am rechten Handgelenk. „Verehrung Gha mit Visarga“ – an den Wurzeln der rechten Finger. „Verehrung Nga mit Visarga“ – an den rechten Fingerspitzen. „Verehrung Cha mit Visarga“ – am linken Schulteransatz. „Verehrung Chha mit Visarga“ – am linken Ellbogen. „Verehrung Ja mit Visarga“ – am linken Handgelenk. „Verehrung Jha mit Visarga“ – an den Wurzeln der linken Finger. „Verehrung Nya mit Visarga“ – an den linken Fingerspitzen. Der Eintrag für den linken Ellbogen fehlt in der neuen Ausgabe; er wurde aus der älteren Ausgabe S.328/PDF17 ergänzt.

Band II, S. 8–9, Laut-Nyasa an den Beinen
Deutsch: „Verehrung dem retroflexen Ta mit Visarga“ – am Ansatz des rechten Beines. „Verehrung dem retroflexen Tha mit Visarga“ – am rechten Knie. „Verehrung dem retroflexen Da mit Visarga“ – am rechten Knöchel. „Verehrung dem retroflexen Dha mit Visarga“ – an den Wurzeln der rechten Zehen. „Verehrung dem retroflexen Na mit Visarga“ – an den rechten Zehenspitzen. „Verehrung dem dentalen Ta mit Visarga“ – am Ansatz des linken Beines. „Verehrung dem dentalen Tha mit Visarga“ – am linken Knie. „Verehrung dem dentalen Da mit Visarga“ – am linken Knöchel. „Verehrung dem dentalen Dha mit Visarga“ – an den Wurzeln der linken Zehen. „Verehrung dem dentalen Na mit Visarga“ – an den linken Zehenspitzen.

Band II, S. 9, Laut-Nyasa an Rumpf und ausstrahlenden Bahnen
Deutsch: „Verehrung Pa mit Visarga“ – an der rechten Flanke. „Verehrung Pha mit Visarga“ – an der linken Flanke. „Verehrung Ba mit Visarga“ – am Rücken. „Verehrung Bha mit Visarga“ – am Nabel. „Verehrung Ma mit Visarga“ – am Bauch. „Verehrung Ya mit Visarga“ – am Herzen. „Verehrung Ra mit Visarga“ – an der rechten Schulter. „Verehrung La mit Visarga“ – am Nacken. „Verehrung Va mit Visarga“ – an der linken Schulter. „Verehrung dem palatalen Sha mit Visarga“ – vom Herzen zur rechten Hand. „Verehrung dem retroflexen Sha mit Visarga“ – vom Herzen zur linken Hand. „Verehrung Sa mit Visarga“ – vom Herzen zum rechten Fuß. „Verehrung Ha mit Visarga“ – vom Herzen zum linken Fuß. „Verehrung La mit Visarga“ – vom Herzen zum Bauch. „Verehrung Ksha mit Visarga“ – vom Herzen zum Gesicht, den ganzen Bereich durchdringend. Dies ist die Schöpfungsreihenfolge. Der Eintrag Bha am Nabel fehlt in der neuen Ausgabe und wurde aus der älteren Ausgabe S.329/PDF18 ergänzt. La wird an zwei Stellen genannt; dies bleibt erhalten.

Band II, S. 9, Vers 9: Matrika in der Erhaltung
Deutsch: Nun die Erhaltungsreihenfolge. Nachdem man die Zuordnungen von Rishi an bis einschließlich Kara- und Anga-Nyasa wie zuvor vollzogen hat, meditiere man so [Vers 9]: „Man meditiere über die Göttin, zinnoberfarben strahlend, mit unermesslichem Schmuck und drei Augen, Vidya, Gebetskette, ein junges Reh und die Segensgabe haltend; und über die seitlich befindliche Erhabene mit goldenem Glanz, die in ihren Lotushänden Buch und Lautgirlande trägt.“ Nach dieser Meditation folgt:

Band II, S. 9, Reihenfolge und Nasale beim Erhaltungs-Nyasa
Deutsch: Man setze ein: „Om, Verehrung“ – am rechten Knöchel, und entsprechend weiter bis „Verehrung dem nasalierten Ksha“ – vom Herzen zum Gesicht. Danach setze man wieder von „Verehrung A mit Nasal und Visarga“ – an der Stirn – bis „Verehrung dem nasalierten retroflexen Tha“ – am rechten Knie – die mit Visarga und Nasal versehenen Laute vom retroflexen Da bis zum retroflexen Tha ein. Dies ist die Erhaltungsreihenfolge. Lesungshinweis: Am Anfang steht in der neuen Ausgabe das Zeichen Om, während die ältere Ausgabe an der entsprechenden Stelle einen nasalierten Laut liest; die genaue Lautform wird nicht vereinheitlicht. Die abschließende Bezeichnung nennt die umlaufende Lautfolge vom retroflexen Da bis zum retroflexen Tha.

Band II, S. 9, Vers 10: Matrika in der Auflösung
Deutsch: Nun die Auflösungsreihenfolge. Auch hier vollziehe man Rishi-Nyasa und Weiteres wie zuvor; dann die Meditation [Vers 10]: „Verneigt euch vor der Herrin der Laute: Unablässig hält sie Gebetskette, ein junges Reh, eine mächtige Axt und Vidya in ihren Händen; sie besitzt drei Augen. Eine Mondsichel schmückt ihr Haupt; sie ist rötlich, wohnt im Lotus und ist vom Gewicht ihrer Brüste leicht geneigt.“ Nach dieser Meditation folgt:

Band II, S. 9, Umgekehrte Lautfolge
Deutsch: „Verehrung dem nasalierten Ksha“ – vom Herzen zum Gesicht, und so weiter: Man setze die mit Bindu versehenen Laute von Ksha bis A in ihre jeweiligen Körperstellen ein. Dies ist die Auflösungsreihenfolge.

Band II, S. 10, Reihenfolge der drei äußeren Nyasas
Deutsch: Yatis, Vanaprasthas und entsprechende Übende sollen Nyasa zuerst in der Schöpfungs-, dann in der Erhaltungs- und schließlich in der Auflösungsreihenfolge vollziehen. Brahmacharis sollen mit Erhaltung beginnen, dann Auflösung und danach Schöpfung ausführen. Für Grihasthas gilt zuerst Auflösung, dann Schöpfung und zuletzt Erhaltung. Diese drei Formen sind der äußere Matrika-Nyasa.

Band II, S. 10, Innerer Matrika-Nyasa
Deutsch: Nun der innere Matrika-Nyasa. Man meditiere über die nektargleichen Matrika-Laute, die aus dem tausendblättrigen Lotus auf dem Weg der Sushumna hervortreten und den ganzen eigenen Körper durchdringen. Diesen Lotus hat Kundalini berührt, die durch das Hören des Klanges im Muladhara erwacht ist. In die sechzehn Blätter des Vishuddha-Lotus am Hals setze man geistig, beim östlichen Blatt beginnend, die sechzehn Vokale von A an ein, jeweils mit Bindu, Pranava am Anfang und Namah am Ende: „Om, Verehrung dem nasalierten A“, und so weiter. In die zwölf Blätter des Anahata-Lotus am Herzen setze man in derselben Reihenfolge die Laute von Ka bis zum retroflexen Tha ein. In die zehn Blätter des Manipura-Lotus am Nabel setze man die zehn Laute vom retroflexen Da bis Pha ein. In die sechs Blätter des Swadhishthana-Lotus an der Wurzel des Geschlechtsorgans setze man die Laute von Ba bis La ein. In die vier Blätter des Muladhara-Lotus setze man die vier Laute von Va bis Sa ein. Schließlich setze man Ha und Ksha in die beiden Blätter des Ajna-Lotus zwischen den Augenbrauen ein. Dies ist der innere Matrika-Nyasa.

Band II, S. 10, Grundlagen des inneren Pitha
Deutsch: Danach vollziehe man die weiteren Nyasas des jeweils eigenen Kalpa sowie den Rishi-Nyasa und die übrigen Zuordnungen des Mula-Mantra. Dann vollziehe man Pitha-Nyasa: „Om, Verehrung der tragenden Shakti. Om, Verehrung der ursprünglichen Prakriti. Om, Verehrung Kurma. Om, Verehrung Ananta. Om, Verehrung Varaha. Om, Verehrung der Erde. Om, Verehrung dem Milchmeer. Om, Verehrung der weißen Insel. Om, Verehrung dem Edelsteinpavillon. Om, Verehrung dem wunscherfüllenden Baum. Om, Verehrung dem Edelsteinaltar. Om, Verehrung dem edelsteinbesetzten Löwenthron.“ All dies im Herzen.

Band II, S. 10–11, Eigenschaften als Träger des Sitzes
Deutsch: „Om, Verehrung Dharma“ – an der rechten Schulter. „Om, Verehrung Jnana“ – an der linken Schulter. „Om, Verehrung Vairagya“ – am linken Oberschenkel. „Om, Verehrung Aishvarya“ – am rechten Oberschenkel. „Om, Verehrung Adharma“ – am Mund. „Om, Verehrung Ajnana“ – an der linken Flanke. „Om, Verehrung dem Mangel an Vairagya“ – am Nabel. „Om, Verehrung dem Mangel an Aishvarya“ – an der rechten Flanke. „Om, Verehrung Ananta“ – im Herzen.

Band II, S. 10–11, Lotus, Lichtkreise, Gunas und Selbst
Deutsch: „Om, Verehrung dem Lotus. Om, Verehrung der Wurzel der Wonne. Om, Verehrung dem Stängel des Bewusstseins. Om, Verehrung dem Lotus, dessen Wesen alle Tattvas sind. Om, Verehrung den Blättern aus Prakriti. Om, Verehrung den Staubfäden aus ihren Entfaltungen. Om, Verehrung dem Fruchtboden, reich an den Bijas der fünfzig Laute. Om Aṃ̐, Verehrung dem Sonnenkreis mit seinen zwölf Kalas. Om Uṃ̐, Verehrung dem Mondkreis mit seinen sechzehn Kalas. Om Maṃ̐, Verehrung dem Feuerkreis mit seinen zehn Kalas. Saṃ̐, Verehrung Sattva. Raṃ̐, Verehrung Rajas. Taṃ̐, Verehrung Tamas. Āṃ̐, Verehrung Atman. Aṃ̐, Verehrung dem inneren Selbst. Paṃ̐, Verehrung dem höchsten Selbst. Hrīṃ̐, Verehrung dem Erkenntnis-Selbst.“ Nach dem Einsetzen bis zu diesem Abschluss setze man in die Staubfäden des Herzlotus von Osten an die im eigenen Kalpa genannten Pitha-Shaktis ein und spreche den Pitha-Mantra.

Band II, S. 11, Innere Puja und Einheit mit der Gottheit
Deutsch: Mit „Verehrung dem Yoga-Pitha der so und so genannten Gottheit“ vollende man den Pitha-Nyasa. Man meditiere über die Gottheit auf dem Pitha, das der eigene Körper ist, und verehre sie mit geistigen Upacharas. Der Ablauf ist: Nach der genannten Pitha-Nyasa-Reihenfolge verehre man im eigenen Körper rein geistig alles von der tragenden Shakti bis zum Yoga-Pitha. Man meditiere dort über die Gottheit in der beschriebenen Gestalt, vergegenwärtige mit „So’ham“ die Einheit und bringe Duftstoff, Blumen, Räucherwerk, Licht, Opferspeise und weitere geistige Gaben dar. Dann vollziehe man geistiges Homa.

Band II, S. 11, Vers 11: Geistiges Homa
Deutsch: So: Als Opferstoff stelle man sich Egoismus, Unwahrheit, Verleumdung, Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Hochmut, Neid und Weiteres vor; als Sruva den Geist und als Sruk die Sushumna. Im Muladhara betrachte man ein viereckiges Feuerbecken, dessen vier Ecken Atman, inneres Selbst, höchstes Selbst und Erkenntnis-Selbst sind. Darin meditiere man über das lodernde Feuer in Gestalt der Kundalini. Man spreche geistig den Mula-Mantra und an dessen Ende diesen Vers [11]: „In das Feuer des eigenen Selbst, das durch die Opferstoffe Dharma und Adharma auflodert, opfere ich fortwährend die Tätigkeiten der Sinne, mit dem Geist als Schöpflöffel, auf dem Weg der Sushumna.“

Band II, S. 11–12, Die sieben geistigen Opfergaben
Deutsch: „Ich opfere Verdienst, Svaha“ – die erste Opfergabe. Man spreche wieder nach dem Mula-Mantra denselben Vers: „Ich opfere Verfehlung, Svaha“ – die zweite Opfergabe. Wieder spreche man nach dem Mula-Mantra denselben Vers: „Ich opfere das zu Tuende, Svaha“ – die dritte Opfergabe. Ebenso: „Das nicht zu Tuende, Svaha“ – die vierte Opfergabe. „Ich opfere Sankalpa, Svaha“ – die fünfte Opfergabe. „Ich opfere Vikalpa, Svaha“ – die sechste Opfergabe. „Ich opfere Dharma, Svaha“ – die siebte Opfergabe. Nach diesen Gaben vollziehe man Purnahuti. Die zweite Opfergabe samt Wiederholungsanweisung fehlt im Druck der neuen Ausgabe. Sie wurde aus der älteren Ausgabe S.332/PDF21 ergänzt. Die vierte Formel steht auch dort ohne das Verb ‚ich opfere‘; es wird nicht ergänzt.

Band II, S. 12, Vers 12: Vollständige Hingabe im inneren Feuer
Deutsch: Am Ende des Mula-Mantra spreche man [Vers 12]: „Mit den Händen des Lichtes und Amarsha halte ich den Schöpflöffel Unmani und opfere das Fett der Kalas von Dharma und Adharma ins vollkommene Feuer, Svaha.“ Nach dieser vollständigen Gabe erinnere man sich an Atman, frei von sämtlichen Upadhis und von der Natur des Sat-Chit-Ananda. Man wiederhole den Mula-Mantra einhundertachtmal und bringe diesen Japa der Gottheit dar. In manchen Verfahren erfolgt der genannte Japa vor dem Homa. Dies ist das Verfahren des inneren Opfers. Lesungshinweis: Amarsha ist hier eine unsichere Bezeichnung; eine vermutete Lesung Vimarsha wird nicht eingesetzt. Der Herausgeber der neuen Ausgabe kennzeichnet den ersten Halbvers als möglichen Zusatz; die ältere Ausgabe druckt ihn im Text und verweist auf eine abweichende Fassung an früherer Stelle.

Band II, S. 12, Vorbereitung der Kalasha-Unterlage
Deutsch: Dann stelle man das allgemeine Arghya nach dem bei der Tor-Puja genannten Verfahren rechts von sich auf und vollziehe die Aufstellung des Kalasha. Links von sich besprenge man den Boden mit allgemeinem Arghya-Wasser unter „Astraya Phat“ und zeichne ein Mandala aus Punkt, Sechseck, Kreis und Quadrat. Nach dem Mula-Mantra verehre man es mit „Verehrung dem Mandala der Kalasha-Unterlage der so und so genannten Gottheit“. Unter „Phat“ wasche man die Unterlage. Nach dem Mula-Mantra stelle man sie auf mit „Ich errichte die Kalasha-Unterlage der so und so genannten Gottheit, Verehrung“ und verehre sie mit „Maṃ̐, Verehrung dem Feuerkreis mit seinen zehn Kalas“.

Band II, S. 12, Aufstellung und Füllung des Kalasha
Deutsch: Man wasche den Kalasha wie zuvor, schmücke ihn mit Gewand, Girlanden und Weiterem und stelle ihn nach dem Mula-Mantra auf mit „Ich errichte den Kalasha der so und so genannten Gottheit, Verehrung“. Mit „Aṃ̐, Verehrung dem Sonnenkreis mit seinen zwölf Kalas“ verehre man ihn und fülle ihn unter dem Mula-Mantra mit reinem Wasser. Im Vamachara fülle man ihn dagegen mit Hetu-Dravya [dem rituell verwendeten berauschenden Getränk], wie es im Shyama-Rahasya und anderen Schriften beschrieben wird. Dann verehre man das Wasser mit „Om, Verehrung dem Mondkreis mit seinen sechzehn Kalas“.

Band II, S. 13, Vollendung der Kalasha-Weihe
Deutsch: Mit „Ganga und Yamuna …“ rufe man unter der Ankusha-Mudra die heiligen Gewässer aus dem Sonnenkreis herbei, schütze sie mit dem Waffen-Mantra und verhülle sie mit dem Schutzpanzer-Mantra. Man betrachte und besprenge sie unter dem Mula-Mantra. Nach diesem verehre man mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem: „Verehrung dem Nektar im Kalasha der so und so genannten Gottheit.“ Man bedecke ihn mit der Matsya-Mudra, spreche „Om, an der Öffnung des Kalasha ist Vishnu …“, wiederhole den Mula-Mantra achtmal, zeige die Kumbha-Mudra und vergegenwärtige den Kalasha als die Gottheit selbst. Dies ist das Verfahren der Kalasha-Aufstellung. Die Flussanrufung und das Kalasha-Gebet werden hier nur durch ihren Anfang genannt.

Band II, S. 13, Aufstellung der Muschelunterlage
Deutsch: Dann stelle man die Muschel auf: Rechts vom Kalasha, links von sich selbst, besprenge man den Boden mit allgemeinem Arghya-Wasser unter „Astraya Phat“. Mit der Matsya-Mudra zeichne man ein Mandala aus Dreieck, Kreis und Quadrat und verehre es mit Duftstoff und Blumen unter „Om, Verehrung dem Mandala der Muschelunterlage der so und so genannten Gottheit“. In den vier Ecken des Quadrats, beginnend im Südosten, sowie vorn und in den Richtungen verehre man mit den sechs Anga-Mantras. Unter „Phat“ wasche man die Unterlage. Nach dem Mula-Mantra stelle man sie auf mit „Ich errichte die Muschelunterlage der so und so genannten Gottheit, Verehrung“. Dann verehre man sie mit „Maṃ̐ Raṃ̐, Verehrung dem Feuerkreis mit den zehn Dharma verleihenden Kalas, der Muschelunterlage der so und so genannten Gottheit“. Von Osten an, rechtsherum, verehre man die zehn Kalas des Feuers:

Band II, S. 13, Zehn Feuer-Kalas
Deutsch: „Yaṃ̐, Verehrung Dhumrarchis. Raṃ̐, Verehrung Ushma. Laṃ̐, Verehrung Jvalini. Vaṃ̐, Verehrung Jvalini [hier mit langem A]. Śaṃ̐, Verehrung Visphulingini. Ṣaṃ̐, Verehrung Sushri. Saṃ̐, Verehrung Surupa. Haṃ̐, Verehrung Kapila. Laṃ̐, Verehrung Havyavaha. Kṣaṃ̐, Verehrung Kavyavaha.“ Wer dazu nicht imstande ist, verehre zusammenfassend: „Verehrung den zehn Kalas des Feuers von Dhumrarchis an.“

Band II, S. 13–14, Muschelgefäß und zwölf Sonnen-Kalas
Deutsch: Dann wasche man die Muschel unter „Phat“ und stelle sie nach dem Mula-Mantra auf die Unterlage mit „Ich errichte die Muschel der so und so genannten Gottheit, Verehrung“. Man verehre sie mit „Aṃ̐, Verehrung dem Sonnenkreis mit den zwölf Artha verleihenden Kalas, dem Muschelgefäß der so und so genannten Gottheit“. In der Muschel vergegenwärtige man ein Sechseck und verehre an seinen sechs Ecken mit den sechs Anga-Mantras. Von Osten an, rechtsherum, verehre man die zwölf Sonnen-Kalas von Tapini an: „Ka und Bha mit Nasal, Verehrung Tapini. Kha und Ba mit Nasal, Verehrung Tapini [hier mit langem A]. Ga und Pha mit Nasal, Verehrung Dhumra. Chha und Da mit Nasal, Verehrung Sushumna. Nya und Tha mit Nasal, Verehrung Bhogada. Jha und Ta mit Nasal, Verehrung Vishva. Gha und Pa mit Nasal, Verehrung Marichi. Nga und Na mit Nasal, Verehrung Jvalini. Cha und Dha mit Nasal, Verehrung Ruchi. Ja und retroflexes Na mit Nasal, Verehrung Bodhini. Retroflexes Ta und Dha mit Nasal, Verehrung Kshama. Retroflexes Tha und Da mit Nasal, Verehrung Dharini.“ Wer dazu nicht imstande ist, verehre zusammenfassend: „Verehrung den zwölf Kalas der Sonne von Tapini an.“ Die Reihenfolge der aufgezählten Formeln folgt der spaltenweisen Anordnung des Drucks; die Einträge werden nicht nach einer anderen Überlieferung umgeordnet.

Band II, S. 14, Umgekehrte Matrika beim Füllen der Muschel
Deutsch: Dann spreche man nach dem Mula-Mantra die umgekehrte Matrika: „Ksha, Ha, Sa, retroflexes Sha, palatales Sha, Va, La, Ra, Ya, Ma, Bha, Ba, Pha, Pa, Na, Dha, Da, Tha, Ta, retroflexes Na, Dha, Da, Tha, Ta; Nya, Jha, Ja, Chha, Cha, Nga, Gha, Ga, Kha, Ka; A mit Nasal und Visarga, A mit Nasal, Au, O, E, Ai, die beiden vokalischen L-Laute, langes und kurzes vokalisches R, langes und kurzes U, langes und kurzes I, langes und kurzes A.“ Die Konsonantensilben sind mit Nasalzeichen gegeben. Mit „Ich fülle die Muschel der so und so genannten Gottheit mit Nektar, Verehrung“ fülle man sie mit reinem Wasser. Man verehre das Muschelwasser mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem unter „Uṃ̐ Saṃ̐, Verehrung dem Mondkreis mit den sechzehn Kama verleihenden Kalas“. Dann verehre man die sechzehn Mond-Kalas von Amrita an in der genannten Weise. Die Reihenfolge E–Ai und die uneinheitliche Schreibung einzelner Vokale stehen im Druck. Insbesondere die vokalischen L-Zeichen und einige Nasalmarkierungen sind nicht zuverlässig zu unterscheiden; die Reihe ist deshalb keine gesicherte Rezitationsvorlage.

Band II, S. 14, Sechzehn Mond-Kalas
Deutsch: „A mit Nasal, Verehrung Amrita. Langes A mit Nasal, Verehrung Manada. I mit Nasal, Verehrung Pusha. Langes I mit Nasal, Verehrung Pushti. U mit Nasal, Verehrung Tushti. Langes U mit Nasal, Verehrung Rati. Vokalisches R mit Nasal, Verehrung Dhriti. Langes vokalisches R mit Nasal, Verehrung Shashini. Vokalisches L mit Nasal, Verehrung Chandrika. Langes vokalisches L mit Nasal, Verehrung Kanti. E mit Nasal, Verehrung Jyotsna. Ai mit Nasal, Verehrung Shri. O mit Nasal, Verehrung Priti. Au mit Nasal, Verehrung Angada. A mit Nasal, Verehrung Purna. A mit Nasal und Visarga, Verehrung Purnamrita.“ Wer dazu nicht imstande ist, spreche zusammenfassend: „Verehrung den sechzehn Kalas des Mondes von Amrita an.“ Wer es vermag, rufe jede einzeln herbei, vollziehe Prana-Pratishtha und verehre sie mit Fußwaschwasser und den weiteren Gaben. Danach gebe man Duftstoff, Blumen, ungebrochene Reiskörner, Gerste, Kusha-Spitzen, Sesam, Senfkörner und Durva hinein.

Band II, S. 15, Belebung des Muschelwassers
Deutsch: Mit „Om, Ganga und Yamuna …“ und der Ankusha-Mudra rufe man die heiligen Gewässer aus dem Sonnenkreis herbei und verbinde sie unter dem Mula-Mantra mit diesem Wasser. Unter „Vaushat“ lege man eine Blume hinein; unter „Vashat“ zeige man die Galini-Mudra. Unter „Vaṃ̐“ verwandle man es mit der Dhenu-Mudra in Nektar. Nach dem Mula-Mantra rufe man die Gottheit aus dem Herzen herbei: „So und so genannte Gottheit, komm hierher, verweile hier.“ Man zeige die Mudras von Vahana an [so die gedruckte Lesung], vollziehe Sakalikarana mit den sechs Anga-Mantras, schütze die Richtungen mit dem Waffen-Mantra und verhülle mit dem Schutzpanzer-Mantra. Unter „Vaushat“ betrachte man es, stütze es mit der Shankha-Mudra und entzünde es mit der Yoni-Mudra. Unter dem Mula-Mantra verehre man dort die Ishta-Devata und die sechs Angas mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem. Man bedecke mit der Matsya-Mudra und wiederhole den Mula-Mantra achtmal. Dies ist das Verfahren der Muschelaufstellung. Die Ausgabe liest vāhanādi; eine vermutete Ergänzung zu āvāhanādi wird nicht stillschweigend eingesetzt.

Band II, S. 15, Aufstellung des Besprengungsgefäßes
Deutsch: Dann gebe man etwas Muschelwasser in das Wasser des Kalasha. Rechts vom allgemeinen Arghya lasse man etwas Platz für das Fußwaschgefäß frei und stelle das Besprengungsgefäß auf. Mit allgemeinem Arghya-Wasser zeichne man ein Mandala aus Dreieck und Kreis und verehre es unter „Namah“. Man wasche das Besprengungsgefäß samt Unterlage mit durch den Waffen-Mantra geweihtem Wasser, stelle es darauf und fülle es unter „Om, Ganga und Yamuna …“ mit Wasser. Mit Duftstoff und Blumen verehre man es unter „Namah“, gebe unter Pranava Kusha, Blumen, Gerste und Weiteres hinein, bespreche es dreimal mit Pranava, zeige die Dhenu-Mudra und füge etwas allgemeines Arghya-Wasser hinzu. Dies ist das Verfahren der Aufstellung des Besprengungsgefäßes.

Band II, S. 15, Fußwaschwasser und besonderes Arghya
Deutsch: Daneben stelle man das Fußwaschgefäß wie das allgemeine Arghya auf und gebe Ushira, Gorochana, Shyamaka, Durva, Vishnukranta und weitere Stoffe in das Wasser. Links vom allgemeinen Arghya, das links davon steht, richte man vor sich das besondere Arghya ein. Das Verfahren entspricht der Muschelaufstellung; anstelle von Galini und den weiteren Mudras werden Yoni und die entsprechenden Mudras gezeigt. Bei Vishnu wird anstelle der Yoni-Mudra die Dhenu-Mudra gezeigt; darin liegt die Besonderheit. Dies ist das allgemeine Verfahren. Für die Vidyas von Shyama und weiteren Gottheiten gelten Besonderheiten.

Band II, S. 15–16, Besonderes Arghya für Shyama und die vier Pithas
Deutsch: So: Mit allgemeinem Arghya-Wasser zeichne man den Laut I mit Bindu, darum ein Dreieck, darum einen Kreis, darum ein Sechseck und darum ein Quadrat. In den vier Ecken des Quadrats verehre man, vor sich beginnend und rechtsherum, die vier Pithas: „Haṃ̐, Verehrung dem Pitha Uddiyana; Gaṃ̐, Verehrung dem Pitha Jalandhara; Ṛṃ̐, Verehrung dem Pitha Purnagiri; Aṃ̐, Verehrung dem Pitha Kamarupa.“ Dann verehre man in derselben Reihenfolge an den sechs Ecken des Sechsecks mit den sechs Anga-Mantras. An den drei Ecken des Dreiecks verehre man mit den drei Teilen des Mula-Mantra. Wo sich dieser nicht aufteilen lässt, verehre man an allen drei Ecken mit dem vollständigen Mula-Mantra. Das Schriftzeichen vor Purnagiri wird nach dem sichtbaren Druck als vokalisches R mit Nasal wiedergegeben; es wird nicht durch ein geläufigeres Pitha-Bija ersetzt.

Band II, S. 16, Weihe von Unterlage und Arghya-Gefäß
Deutsch: Man spreche den Mula-Mantra oder nur dessen Bija und verehre das I im Dreieck mit „Verehrung der tragenden Shakti des besonderen Arghya der so und so genannten Gottheit“. Man wasche die Unterlage mit durch den Waffen-Mantra geweihtem Wasser und stelle sie nach dem Mula-Mantra auf mit „Ich errichte die Unterlage des besonderen Arghya der so und so genannten Gottheit, Verehrung“. Man verehre sie mit „Maṃ̐ Raṃ̐, Verehrung dem Feuerkreis mit den zehn Dharma verleihenden Kalas, der Unterlage des besonderen Arghya der so und so genannten Gottheit“. Auch die zehn Feuer-Kalas von Dhumrarchis an verehre man nach dem bei der Muschelaufstellung genannten Ablauf. Dann wasche man das Gefäß wie zuvor und stelle es nach dem Mula-Mantra auf mit „Ich errichte das besondere Arghya-Gefäß der so und so genannten Gottheit, Verehrung“. Man verehre es mit „Aṃ̐, Verehrung dem Sonnenkreis mit den zwölf Artha verleihenden Kalas, dem besonderen Arghya-Gefäß der so und so genannten Gottheit“. Auch die zwölf Sonnen-Kalas von Tapini an verehre man nach dem bei der Muschelaufstellung genannten Ablauf.

Band II, S. 16, Inhalt des besonderen Arghya und sein Yantra
Deutsch: Nach dem Mula-Mantra spreche man die Matrika rückwärts und fülle das besondere Arghya mit Wasser aus dem Kalasha. Anhänger des linken Weges füllen es mit Stoffen wie den aus Kunda und Gola stammenden [sexuellen Flüssigkeiten] und Svayambhu-Kusuma [rituell bezeichnetem Menstrualblut] oder mit dem im eigenen Kalpa genannten Karana-Dravya. Dann verehre man es mit „Uṃ̐ Saṃ̐, Verehrung dem Mondkreis mit den sechzehn Kama verleihenden Kalas, dem Nektar des besonderen Arghya der so und so genannten Gottheit“. Man verehre jede der sechzehn Mond-Kalas von Amrita an nach der bei der Muschelaufstellung beschriebenen Ordnung. In den Nektar des Gefäßes zeichne man ein Yantra aus Dreieck, Kreis und Sechseck. Auf die drei Linien des Dreiecks schreibe man die sechzehn Vokale von A an, die Laute von Ka bis zum dentalen Ta sowie von dentalem Tha bis Sa. In die Mitte schreibe man die drei Bijas „Haṃ̐ Laṃ̐ Kṣaṃ̐“. Mit den drei Teilen des Mula-Mantra verehre man das Dreieck, im Sechseck die sechs Angas. Die stofflichen Angaben bleiben historische Ritualangaben; die Schrift liefert hier keine darüber hinausgehende Beschreibung ihrer Gewinnung.

Band II, S. 16, Heilige Gewässer und Ananda-Bhairava
Deutsch: Mit „Om, Ganga und Yamuna …“ und der Ankusha-Mudra rufe man die heiligen Gewässer aus dem Sonnenkreis herbei und vergegenwärtige [den Gefäßinhalt] als diese Gewässer. Man gebe Duftstoff, Blumen, ungebrochene Reiskörner, Gerste, Kusha-Spitzen, Sesam, Senfkörner und Durva hinein. Im Vamachara lege man mit der Mina-Mudra ein Fleischstück hinein. Ist das Gefäß mit Karana gefüllt, reinige man den zuvor genannten Kula-Stoff mit der Kumbha-Mudra und gebe ihn hinzu. Dann meditiere man über Ananda-Bhairava gemeinsam mit Ananda-Bhairavi und rufe beide herbei. Mit den beiden Mantras, deren ausgeschriebene Endungen „Ananda-Bhairava, Vashat“ und „Sudha-Devi, Vaushat“ lauten, verehre man sie mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem. Anschließend spreche man den dreisilbigen Bala-Mantra. Die Ausgabe gibt die komplexen Anfangslaute der beiden Formeln als getrennte Konsonantenzeichen wieder und erklärt in einer Fußnote, dass sie eigentlich verbunden auszusprechen seien. Eine vermutete Aussprache wird hier nicht ergänzt; Bala wird nur bezeichnet.

Band II, S. 17, Verse 13–16: Bitte um Nektar und das Aufleuchten des Bewusstseins
Deutsch: [Vers 13] „Bringe den Nektarsaft herbei, entstanden aus dem Saft des Welteneies, Ursprung aller Säfte, in das gefüllte große Gefäß.“ [Vers 14] „Du schenkst die ungeteilte Wonne des einen Geschmacks, dein Wesen ist höchster Nektar: Setze das freie Aufleuchten [des] Mantra ein, du Gestalt des Akula.“ [Vers 15] „Du hast die Gestalt des im Akula ruhenden Nektars, dein Leib ist vollendete Erkenntnis: Setze Unsterblichkeit in diesen Stoff ein, du Flüssiggewordene.“ [Vers 16] „Nachdem du mit jener Gestalt und mit ihnen zu einem Geschmack geworden bist, du deren Wesen annimmst, werde zur Gestalt des höchsten Nektars und lasse in mir das Bewusstsein aufleuchten.“ Einzelne Bezüge der Anreden und Fürwörter sind im Druck grammatisch gedrängt; die Nektar- und Bewusstseinsbilder bleiben im Ritualzusammenhang erhalten.

Band II, S. 17, Fünf Edelsteine und Vollendung des besonderen Arghya
Deutsch: Nach dem Besprechen mit diesen Mantras verehre man die fünf Edelsteine: „Glūṃ̐, Verehrung dem Himmelsedelstein; Slūṃ̐, Verehrung dem Edelstein des Svarga; Plūṃ̐, Verehrung dem Edelstein des Patala; Mlūṃ̐, Verehrung dem Edelstein der Menschenwelt; Nlūṃ̐, Verehrung dem Edelstein der Nagas.“ Man verehre sie, vor sich beginnend, in den vier Richtungen und in der Mitte. Dann rufe man unter dem Mula-Mantra die Ishta-Devata aus dem Herzen dorthin, zeige die Mudras vom Herbeirufen an, vollziehe Sakalikarana mit den sechs Angas, schütze mit dem Waffen-Mantra und verhülle mit dem Schutzpanzer-Mantra. Unter „Vaṃ̐“ verwandle man mit der Dhenu-Mudra in Nektar, zeige die Yoni-Mudra, verehre unter dem Mula-Mantra mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem und bringe drei Handvoll Blumen dar. Nach Räucherwerk, Licht und weiteren Opfergaben bedecke der Anhänger des rechten Weges das Arghya mit der rechten Hand, der Anhänger des linken Weges mit der linken oder mit der Matsya-Mudra. Man wiederhole den Mula-Mantra acht- oder zehnmal, vergegenwärtige das Arghya als Gestalt der Gottheit und zeige Bhutini-, Dhenu- und Yoni-Mudra. Dies ist das Verfahren des besonderen Arghya.

Band II, S. 17, Weitere Gefäße und gemeinsames Besprechen
Deutsch: Auch für Tara, Shrividya und weitere Gottheiten richte man das besondere Arghya auf diese Weise ein. Links davon zeichne man mit allgemeinem Arghya-Wasser ein Dreieck, bei Vaishnava-Verfahren dagegen nur einen Kreis. Man stelle das Achamaniya-Gefäß wie das allgemeine Arghya auf und gebe Jati, Gewürznelken, Kakkola und weitere Stoffe in sein Wasser. Links davon zeichne man wie zuvor ein Mandala und stelle das mit Honig, Dickmilch und Ghee gefüllte Madhuparka-Gefäß auf. Links davon stelle man ein weiteres Achamaniya-Gefäß auf dieselbe Weise auf und fülle es mit reinem Wasser. Dann bespreche man jedes Gefäß achtmal mit dem Mula-Mantra und zeige Dhenu und die weiteren Mudras.

Band II, S. 17–18, Tarpana für Bhairava und die Guru-Folge
Deutsch: Mit einem Durva-Bündel, einer Blume oder Ähnlichem nehme man etwas Nektar aus Muschel und besonderem Arghya und gebe ihn in die anderen Gefäße. Mit dem Nektar des besonderen Arghya vollziehe man unter den beiden zuvor genannten Mantras Tarpana für Ananda-Bhairava und Ananda-Bhairavi am Kopf, unter der Tattva-Mudra. Mit dem Muschelnektar vollziehe man am Brahmarandhra unter derselben Mudra Tarpana für die im eigenen Kalpa genannten Gurus des göttlichen, des Siddha- und des menschlichen Überlieferungsstroms sowie für den eigenen Guru, Parama-Guru, Parapara-Guru und Parameshthi-Guru. So: „Ich erquicke die heiligen Sandalen des Shri Guru, Shri … Anandanatha, Verehrung.“ Ebenso: „Ich erquicke die heiligen Sandalen des Parama-Gurus, Verehrung. Ich erquicke die heiligen Sandalen des Parapara-Gurus, Verehrung. Ich erquicke die heiligen Sandalen des Parameshthi-Gurus, Verehrung.“ Man vollziehe dieses Tarpana dreimal oder einmal. Wo im Vamachara oder einem anderen Verfahren ein zusätzliches Guru-Gefäß aufgestellt ist, verwende man für die Guru-Folge dessen Inhalt.

Band II, S. 18, Tarpana und Puja der Gottheit im eigenen Körper
Deutsch: Dann vollziehe man mit dem Wasser des besonderen Arghya Tarpana für die Hauptgottheit im Herzen. Nach dem Mula-Mantra spreche man: „Ich erquicke die erhabene, so und so genannte Göttin samt Angas, Gefolge, Waffen und Reittier, Verehrung.“ Nach dreimaligem oder einmaligem Tarpana besprenge man sich selbst, das Puja-Mandala und die Geräte mit Wasser aus dem Besprengungsgefäß unter Mula- und Waffen-Mantra und zeige die Dhenu-Mudra. Nach der genannten Pitha-Nyasa-Reihenfolge verehre man die Pitha-Gottheiten an ihren Körperstellen mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem. Im Fruchtboden des Herzlotus vergegenwärtige man einen Edelsteinsitz, meditiere dort über die Gottheit und betrachte sich selbst als deren Gestalt. Unter dem Mula-Mantra verehre man sie mit den vier Upacharas Duftstoff, Blumen, Räucherwerk und Licht. Am Kopf, Herzen, Muladhara, an den Füßen und an sämtlichen Gliedern bringe man je eine Handvoll Blumen dar. Man wiederhole den Mula-Mantra einhundertachtmal oder nach Kräften und bringe diesen Japa der Gottheit dar. Man gieße das Wasser des Besprengungsgefäßes auf die Erde, fülle es mit frischem Wasser und verehre das Sarvatobhadra-Mandala mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem unter „Om, Verehrung dem Sarvatobhadra-Mandala“.

Band II, S. 18–19, Äußere Pitha-Puja: Unterbau und Gurus
Deutsch: Man fülle den Fruchtboden des Mandalas mit unenthülstem Reis, häufe darauf enthülsten Reis, breite darüber Darbha-Gras aus und lege darauf das vorgeschriebene Grasbündel samt unversehrten Reiskörnern. Dann vollziehe man die Pitha-Puja. Im Norden des Mandalas verehre man mit „Verehrung den erhabenen Gurus, den Parama-Gurus, den Parapara-Gurus und den Parameshthi-Gurus“. Im Süden verehre man mit „Gaṃ̐, Verehrung dem großen Ganapati“. Durch innere Vergegenwärtigung verehre man unterhalb des Mandalas: „Om, Verehrung den sieben Unterwelten von Atala an; Om, Verehrung Manduka, dem Frosch; Om, Verehrung Kalagni-Rudra.“ In aufsteigender Folge: „Om, Verehrung Kurma, der Schildkröte; Om, Verehrung Ananta; Om, Verehrung Varaha, dem Eber; Om, Verehrung der tragenden Shakti; Om, Verehrung der Urnatur; Om, Verehrung der Erde; Om, Verehrung dem Nektarmeer; Om, Verehrung der Edelsteininsel; Om, Verehrung dem Juwelenpavillon.“ Die im Druck zweispaltig angeordneten Formeln werden hier spaltenweise wiedergegeben; die Stellung der Anweisung zur aufsteigenden Folge ist dadurch nicht eindeutig.

Band II, S. 19, Wunschbäume, Thron und seine Eigenschaften
Deutsch: An den vier Himmelsrichtungen und in der Mitte des Mandalas: „Om, Verehrung den Wunschbäumen.“ In der Vorstellung darunter: „Om, Verehrung dem Juwelenaltar.“ Darüber: „Om, Verehrung dem Edelsteinthron.“ In den vier Ecken, beginnend im Südosten: „Om, Verehrung Dharma; Om, Verehrung Erkenntnis; Om, Verehrung Vairagya, der Leidenschaftslosigkeit; Om, Verehrung herrscherlicher Macht.“ In den Himmelsrichtungen, beginnend im Osten: „Om, Verehrung Adharma; Om, Verehrung Unwissenheit; Om, Verehrung dem Fehlen von Leidenschaftslosigkeit; Om, Verehrung dem Fehlen herrscherlicher Macht.“

Band II, S. 19, Lotus und Kreise im Zentrum
Deutsch: In der Mitte, in aufsteigender Folge: „Om, Verehrung der Wurzel der Glückseligkeit; Om, Verehrung dem Stängel des Bewusstseins; Om, Verehrung dem Lotus, dessen Wesen alle Tattvas sind; Om, Verehrung den aus Prakriti bestehenden Blütenblättern; Om, Verehrung den aus ihren Wandlungen bestehenden Staubfäden; Om, Verehrung dem Fruchtboden, reich an den Samen der fünfzig Laute“ — dies am Fruchtboden. „Aṃ̐, Verehrung dem Sonnenkreis mit seinen zwölf Kalas; Om, Verehrung dem Mondkreis mit seinen sechzehn Kalas; Maṃ̐, Verehrung dem Feuerkreis mit seinen zehn Kalas; Saṃ̐, Verehrung Sattva; Raṃ̐, Verehrung Rajas; Taṃ̐, Verehrung Tamas; Āṃ̐, Verehrung dem inneren Selbst; Aṃ̐, Verehrung dem Selbst; Paṃ̐, Verehrung dem höchsten Selbst; Hrīṃ, Verehrung dem Erkenntnisselbst.“ Nach dieser Verehrung verehre man an den Staubfäden und in der Mitte des Lotus, im Osten beginnend, die Pitha-Shaktis des jeweiligen Kalpa. Dann spreche man den Pitha-Mantra und verehre in der Mitte mit „Verehrung dem Yoga-Pitha der so und so genannten Gottheit“.

Band II, S. 19–20, Aufstellung des Kumbha
Deutsch: Nach dem Mula-Mantra spreche man: „Zum Wohlgefallen der so und so genannten Gottheit gestalte ich ihre Verkörperung, Verehrung“, und lege Duftstoffe, Blumen und Weiteres in die Mitte des Pitha. Im Mandala verehre man die zehn Feuer-Kalas einzeln mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem, im Osten beginnend und rechtsherum. Dann nehme man den vorschriftsmäßig aus Gold oder anderem Material gefertigten Kumbha, besprenge ihn unter „Phaṭ“ mit reinem Wasser und bestreiche ihn mit Sandelholzpaste. Unter dem Schutz-Mantra „Huṃ̐“ umwickle man ihn rundum mit einer dreifachen Schnur, beräuchere ihn mit Sandelholz, Aguru und Kampfer und verehre ihn mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem. Man lege die neun Edelsteine hinein, bringe oben das Grasbündel samt Durva, Sandelholz und unversehrten Reiskörnern an und stelle den Kumbha unter dem Pranava auf den Pitha.

Band II, S. 20, Füllung des Kumbha und eines weiteren Muschelgefäßes
Deutsch: Am Kumbha verehre man die zwölf Sonnen-Kalas von Tapini an, im Osten beginnend und rechtsherum. Man vergegenwärtige die Einheit des Kumbha-Pitha und des als Yoni aufgefassten Kumbha, rezitiere die Matrika-Laute in umgekehrter Folge und anschließend den Mula-Mantra. Im Bewusstsein der Gottheit fülle man den Kumbha mit einem Absud der fünfzig Heilpflanzen, einem Absud milchsaftführender Bäume, einem aus Palasha-Rinde bereiteten Absud oder mit heiligem Wasser, das durch Duftstoffe und Blumen wohlriechend gemacht wurde. Im Wasser des Kumbha verehre man, im Osten beginnend und rechtsherum, die sechzehn Mond-Kalas von Amrita an. Man fülle ein weiteres Muschelgefäß mit Heilpflanzenabsud oder mit durch Duftstoffe und Blumen wohlriechendem heiligem Wasser, mische die acht Duftstoffe hinein und rufe darin die zehn Feuer-Kalas von Dhumrarchis an herbei. Lesungshinweis: Das zusammengesetzte Wort zur Einheit von Pitha und Kumbha ist im Druck syntaktisch gedrängt; die Zuordnung der Yoni bleibt erklärungsbedürftig. Die Herausgeber verweisen zur vorangehenden Vorschrift auf Band I.

Band II, S. 20, Pranapratistha der Feuer-Kalas
Deutsch: „Āṃ̐ Hrīṃ̐ Kāṃ̐ Yaṃ̐ Raṃ̐ Laṃ̐ Vaṃ̐ Śaṃ̐ Ṣaṃ̐ Saṃ̐ Haṃ̐ Laṃ̐ Kṣaṃ̐ Haṃsaḥ So’haṃ: Die Lebenskräfte der zehn Feuer-Kalas von Dhumrarchis an sind hier, hier gegenwärtig.“ Ebenso: „Das Lebensprinzip ist hier, hier gegenwärtig“, ebenso „alle Sinneskräfte“ und so weiter. Nach dieser Pranapratistha verehre man mit den fünf Upacharas, beginnend mit „Duftstoff für die zehn Feuer-Kalas von Dhumrarchis an, Verehrung“. Nach der bei der Muschelaufstellung genannten Reihenfolge verehre man jede einzeln mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem, beginnend mit „Yaṃ̐, Verehrung Dhumrarchis“. Auf dieselbe Weise rufe man die zwölf Sonnen-Kalas von Tapini an und die sechzehn Mond-Kalas von Amrita an herbei und verehre sie. Dann verehre man die fünfzig Kalas wie folgt. Lesungshinweis: Die dritte Bija wird nach der vergrößerten Buchseite als Kā mit Nasal wiedergegeben; ein zusätzliches R ist dort nicht erkennbar. Die verkürzten Fortsetzungen der Formel bleiben verkürzt.

Band II, S. 20–21, Vedischer Mantra und zehn Schöpfungs-Kalas
Deutsch: „[Der Anfangsausdruck ist im vorliegenden Druck nicht zuverlässig gelesen.] Im Reinen weilend, als Vasu im Luftraum weilend, als Opferpriester am Altar weilend, als Gast im Haus weilend; unter Menschen, im Vorzüglichen, in der kosmischen Ordnung und im weiten Raum weilend; aus Wasser geboren, aus der Kuh beziehungsweise der Erde geboren, aus der kosmischen Ordnung und aus dem Berg geboren: die große kosmische Wahrheit.“ Mit diesem vedischen Mantra rufe man die zehn Kalas von Srishti an herbei. Mit „Om, Verehrung den zehn Kalas von Srishti an“ verehre man sie durch die fünf Upacharas, dann jede einzeln mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem: „Kaṃ̐, Verehrung Srishti, der Schöpfung; Khaṃ̐, Verehrung Riddhi, dem Gedeihen; Gaṃ̐, Verehrung Smriti, der Erinnerung; Ghaṃ̐, Verehrung Medha, der Einsicht; Ṅaṃ̐, Verehrung Kanti, dem Glanz; Caṃ̐, Verehrung Lakshmi; Chaṃ̐, Verehrung Dhriti, der Standhaftigkeit; Jaṃ̐, Verehrung Sthira, der Beständigen; Jhaṃ̐, Verehrung Sthiti, dem Bestehen; Ñaṃ̐, Verehrung Siddhi, der Vollendung.“ Die Herausgeber nennen als Quelle Vajasaneyi-Samhita 10.24. Lesungshinweis: Die Druckzeichen am Anfang der vedischen Formel lassen sich nicht sicher in gewöhnliche Devanagari übertragen; sie werden nicht zu einer vermeintlich gesicherten Rezitationsfassung ergänzt.

Band II, S. 21, Vishnu-Mantra und zehn Kalas von Jara an
Deutsch: „Om. So wird Vishnu um seiner Heldenkraft willen gepriesen, wie ein furchtgebietendes Wildtier, umherstreifend, auf Bergen weilend; in dessen drei weiten Schritten alle Welten wohnen.“ Mit diesem Mantra rufe man die zehn Kalas von Jara an herbei und vollziehe Pranapratistha und Weiteres. Unter „Om, Verehrung den zehn Kalas von Jara an“ verehre man sie mit den fünf Upacharas und dann einzeln: „Ṭaṃ̐, Verehrung Jara, dem Altern; Ṭhaṃ̐, Verehrung Palini, der Bewahrenden; Ḍaṃ̐, Verehrung Kshanti, der Geduld; Ḍhaṃ̐, Verehrung Ishvari, der Herrscherin; Ṇaṃ̐, Verehrung Rati, der Lust; Taṃ̐, Verehrung Kamika, der Begehrenden; Thaṃ̐, Verehrung Varada, der Segensspenderin; Daṃ̐, Verehrung Hladini, der Beglückenden; Dhaṃ̐, Verehrung Priti, der Freude; Naṃ̐, Verehrung Dirgha, der Langen.“ Die Herausgeber nennen Vajasaneyi-Samhita 5.20.

Band II, S. 21, Tryambaka-Mantra und zehn Kalas von Tikshna an
Deutsch: „Wir verehren den Dreiäugigen, den Wohlriechenden, der das Gedeihen mehrt. Wie eine reife Gurkenfrucht von ihrer Bindung möge ich vom Tod gelöst werden, nicht von der Unsterblichkeit.“ Mit diesem Mantra rufe man die zehn Kalas von Tikshna an herbei. Unter „Om, Verehrung den zehn Kalas von Tikshna an“ verehre man sie mit den fünf Upacharas und dann einzeln: „Paṃ̐, Verehrung Tikshna, der Scharfen; Phaṃ̐, Verehrung Raudri, der Furchtbaren; Baṃ̐, Verehrung Bhava, dem Werden; Bhaṃ̐, Verehrung Nidra, dem Schlaf; Maṃ̐, Verehrung Tandra, der Schläfrigkeit; Yaṃ̐, Verehrung Kshudha, dem Hunger; Raṃ̐, Verehrung Krodhini, der Zornigen; Laṃ̐, Verehrung Kriya, dem Handeln; Vaṃ̐, Verehrung Utkarini; Śaṃ̐, Verehrung dem Tod.“ Die Herausgeber nennen Vajasaneyi-Samhita 3.60 und verzeichnen für die dritte Kala die abweichende Lesung „Maya“. Lesungshinweis: Die Namensform Utkarini wird nach dem sichtbaren Druck bewahrt; ihre genaue Bedeutung bleibt hier offen.

Band II, S. 21, Vishnus höchster Ort und vier Kalas
Deutsch: „Om. Jenen höchsten Ort Vishnus schauen die Weisen allezeit, wie ein am Himmel ausgebreitetes Auge.“ Mit diesem Mantra oder mit der Gayatri rufe man wie zuvor die vier Kalas von Pita an herbei und verehre sie: „Ṣaṃ̐, Verehrung Pita, der Gelben; Saṃ̐, Verehrung Daruna, der Furchtbaren; Haṃ̐, Verehrung Asita, der Dunklen; Kṣaṃ̐, Verehrung Ananta, der Unendlichen.“

Band II, S. 22, Anrufung der sechzehn Vokal-Kalas
Deutsch: „Om. Jenen höchsten Ort Vishnus lassen die begeisterten, einsichtigen, wachen Seher aufleuchten. Vishnu möge den Mutterschoß bereiten, Tvashtar die Gestalten formen. Prajapati möge den Samen eingießen, Dhatar dir einen Embryo einsetzen. Setze einen Embryo ein, Sinivali; setze einen Embryo ein, Sarasvati. Die beiden göttlichen Ashvins mit Lotuskränzen mögen dir einen Embryo einsetzen.“ Mit diesem Mantra rufe man die sechzehn Vokal-Kalas von Nivritti an herbei, vollziehe Pranapratistha und Weiteres, verehre sie mit den fünf Upacharas und anschließend jede einzeln. Die Herausgeber belegen die erste Formel mit Vajasaneyi-Samhita 6.5; die anschließenden Empfängnisformeln werden hier im Ritualzusammenhang der Kala-Anrufung gebraucht.

Band II, S. 22, Namen der sechzehn Vokal-Kalas
Deutsch: So: „Aṃ̐, Verehrung Nivritti, der Rückkehr; Āṃ̐, Verehrung Pratishtha, dem festen Stand; Iṃ̐, Verehrung Vidya, dem Wissen; Īṃ̐, Verehrung Shanti, dem Frieden; Uṃ̐, Verehrung Indhika, der Entfachenden; Ūṃ̐, Verehrung Dipika, der Leuchtenden; Ṛṃ̐, Verehrung Rechika, der Entleerenden; Ṝṃ̐, Verehrung Mochika, der Befreienden; [vokalisches L mit Nasal], Verehrung Para, der Höchsten; [langes vokalisches L mit Nasal], Verehrung Sukshma, der Feinen; Eṃ̐, Verehrung Sukshmamrita, dem feinen Nektar; Aiṃ̐, Verehrung Jnanamrita, dem Nektar der Erkenntnis; Oṃ̐, Verehrung Apyayini, der Erfüllenden; Auṃ̐, Verehrung Vyapini, der Allesdurchdringenden; Aṃ̐, Verehrung Vyomarupa, der Raumgestaltigen; Aṃ̐, Verehrung Ananta, der Unendlichen.“ Nach dieser Verehrung gieße man das Wasser in der Muschel, das die Kalas verkörpert, in den Kumbha. Lesungshinweis: Die beiden vokalischen L-Zeichen werden in der Sanskritfassung mit der im Druck sichtbaren L-Schreibweise wiedergegeben. Bei den beiden letzten Formeln zeigt der Druck jeweils ein nasalisiertes A; es wird nicht nach einem vorausgesetzten Vokalalphabet abgeändert.

Band II, S. 22–23, Bekleidung des Kumbha und Schutzgottheiten
Deutsch: Dann verschließe man die Öffnung des Kumbha mit jungen Zweigen von Ashvattha, Panasa, Mango und anderen Bäumen, umwunden von Indravalli, und betrachte sie als Wunschbaum. Auf die Öffnung stelle man einen Becher mit Frucht und unversehrten Reiskörnern und betrachte ihn als Frucht dieses Wunschbaums. Man hülle den Kumbha in zwei Leinentücher. Unterhalb des Altars zeichne man in den vier Hauptrichtungen, im Osten beginnend, nahe den Eingängen achtblättrige Mandalas. Darauf lege man Haufen unenthülsten Reises und stelle gefüllte Kalashas darauf. In ihnen rufe man, im Osten beginnend, Dhruva, Dhara, Vagisha und Vighnesha herbei und verehre sie mit den fünf Upacharas. Ebenso stelle man in den Zwischenrichtungen, im Südosten beginnend, Kalashas auf und rufe darin Amrita, Durjaya, Siddhartha und Mangala herbei und verehre sie. Dann stelle man weitere Kalashas in den acht Richtungen auf, im Osten beginnend, und verehre darin die Weltenhüter von Indra an. Vor ihnen verehre man auch die acht Richtungselefanten namens Airavata, Pundarika, Vamana, Kumuda, Anjana, Pushpadanta, Sarvabhauma und Supratika. Anschließend vollziehe man im Hauptkalasha die Verehrung der Hauptgottheit.

Band II, S. 23, Herbeirufen der Gottheit und Vers 17
Deutsch: Zunächst spreche man den Mula-Mantra und gestalte mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem die Verkörperung der Gottheit unter „Ich gestalte die Verkörperung der so und so genannten Gottheit, Verehrung“. Dann rufe man sie herbei: Man halte eine Blume in der Trikhanda-Mudra, meditiere über die Gottheit und spreche den Mula-Mantra dreimal oder einmal. Unter „Erhabene, so und so genannte Göttin, komm hierher, komm!“ führe man die Gottheit aus dem Herzlotus durch die Sushumna in die zur Blumengabe zusammengelegten Hände. Nach dem Mula-Mantra lasse man sie mit der Avahana-Mudra in ihrer Verkörperung gegenwärtig sein. Mit der Samsthapana-Mudra spreche man nach dem Mula-Mantra: „So und so genannte Gottheit, bleibe hier, bleibe!“ Dann bete man: „Herr der Götter, durch Hingabe leicht erreichbar, mit allen Umkreisen: Solange ich dich verehre, bleibe fest gegenwärtig.“ (17)

Band II, S. 23, Mudras der Gegenwart und Vollständigkeit
Deutsch: Wieder spreche man den Mula-Mantra und stelle mit der Sannidhapana-Mudra die nahe Gegenwart her: „So und so genannte Gottheit, sei hier nahe gegenwärtig, sei hier nahe gegenwärtig!“ Nach dem Mula-Mantra zeige man die Sannirodhana-Mudra: „So und so genannte Gottheit, sei hier festgehalten, sei es!“ Nach dem Mula-Mantra wende man sie mit der Sammukhikarana-Mudra sich zu: „So und so genannte Gottheit, sei mir zugewandt, sei es!“ Wieder spreche man den Mula-Mantra und verhülle sie mit der Avagunthana-Mudra: „So und so genannte Gottheit, sei verhüllt, sei es!“ Man lege die sechs Anga-Mantras auf Herz und weitere Glieder der Gottheit, spreche den Mula-Mantra und stelle ihre Vollständigkeit her: „So und so genannte Gottheit, sei mit allen Teilen versehen, sei es!“ Danach vollziehe man die Erfüllung mit Nektar.

Band II, S. 23, Nektarbesprengung und Dipini-Mantra
Deutsch: So: Unter dem Mula-Mantra, dem Dipini-Mantra und den Matrika-Lauten von A bis Ksha besprenge man den Kopf der Gottheit jeweils dreimal mit Arghya-Wasser. Dabei zeige man die Dhenu-Mudra und stelle sich einen Nektarregen vor. Dies wird bereits als Reinigung der Gottheit bezeichnet. Der Dipini-Mantra lautet seinem Sinn nach: „[Bija] Sprich, sprich, Göttin der Rede! [Bijas] Du Durchfeuchtete, du Durchfeuchtende, durchfeuchte! Bewirke die große Erschütterung, bewirke sie! [Bijas] Bewirke Befreiung, bewirke sie! [Bijas]“ Dann spreche man den Mula-Mantra und erfülle die Gottheit unter derselben Dhenu-Mudra mit Nektar: „So und so genannte Gottheit, sei mit Nektar erfüllt, sei es!“ Man bilde die Mahamudra, stelle sich einen Regen höchsten Nektars auf den Kopf der Gottheit vor und spreche nach dem Mula-Mantra: „So und so genannte Gottheit, sei in den höchsten Zustand erhoben!“ Lesungshinweis: Die ungewöhnliche Schlussfolge des Dipini-Mantras wird in den Sanskritfassungen nach dem vergrößerten Druck als Haum mit Nasal und S-Haum mit Nasal bewahrt; ihre Rezitationslesung ist nicht gesichert. Die Bijas werden nicht wörtlich übersetzt.

Band II, S. 23–24, Verkürztes Verfahren und Viniyoga der Pranapratistha
Deutsch: Wenn man zum ausführlichen Verfahren nicht imstande ist, spreche man jeweils den Mula-Mantra und zeige die Mudras der Herbeirufung und so weiter unter: „Sei herbeigerufen; sei eingesetzt; sei nahe gegenwärtig; sei festgehalten; sei mir zugewandt; sei verhüllt; sei mit allen Teilen versehen; sei mit Nektar erfüllt; sei in den höchsten Zustand erhoben.“ Danach vollziehe man den Nyasa der Prana-Shakti. „Die Rishis dieses Pranapratistha-Mantras sind Brahma, Vishnu und Maheshvara; seine Versformen sind Rig, Yajus und Saman; seine Gottheit ist Prana-Shakti; Āṃ̐ ist das Bija, Hrīṃ̐ die Shakti, Kroṃ̐ der Kilaka. Seine Anwendung gilt der Pranapratistha der so und so genannten Gottheit.“

Band II, S. 24, Rishi-Nyasa der Prana-Shakti
Deutsch: „Verehrung den Rishis Brahma, Vishnu und Maheshvara“ — am Kopf. „Verehrung den Versformen Rig, Yajus und Saman“ — am Mund. „Verehrung der Gottheit Prana-Shakti“ — am Herzen. „Āṃ̐, Verehrung dem Bija“ — am Geschlechtsbereich. „Hrīṃ̐, Verehrung der Shakti“ — an den Füßen. „Kroṃ̐, Verehrung dem Kilaka“ — am Nabel. „Die Anwendung gilt der Pranapratistha der so und so genannten Gottheit“ — damit vollziehe man den den ganzen Körper durchdringenden Nyasa.

Band II, S. 24, Kara-Nyasa der Prana-Shakti
Deutsch: „Om Āṃ̐ Hrīṃ̐ Kroṃ̐ Aṃ̐ Kaṃ̐ Khaṃ̐ Gaṃ̐ Ghaṃ̐ Ṅaṃ̐ — dem Wesen von Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde — Āṃ̐, Verehrung den beiden Daumen. Om Āṃ̐ Hrīṃ̐ Kroṃ̐ Iṃ̐ Caṃ̐ Chaṃ̐ Jaṃ̐ Jhaṃ̐ Ñaṃ̐ — dem Wesen von Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch — Īṃ̐, Svaha den beiden Zeigefingern. Om Āṃ̐ Hrīṃ̐ Kroṃ̐ Uṃ̐ Ṭaṃ̐ Ṭhaṃ̐ Ḍaṃ̐ Ḍhaṃ̐ Ṇaṃ̐ — dem Wesen von Gehör, Haut, Augen, Zunge und Geruchssinn — Ūṃ̐, Vashat den beiden Mittelfingern. Om Āṃ̐ Hrīṃ̐ Kroṃ̐ Eṃ̐ Taṃ̐ Thaṃ̐ Daṃ̐ Dhaṃ̐ Naṃ̐ — dem Wesen von Sprechorgan, Händen, Füßen, Ausscheidungs- und Geschlechtsorgan — Aiṃ̐, Hum den beiden Ringfingern. Om Āṃ̐ Hrīṃ̐ Kroṃ̐ Oṃ̐ Paṃ̐ Phaṃ̐ Baṃ̐ Bhaṃ̐ Maṃ̐ — dem Wesen von Sprechen, Greifen, Gehen, Ausscheiden und Lust — Auṃ̐, Vaushat den beiden kleinen Fingern. Om Āṃ̐ Hrīṃ̐ Kroṃ̐ Aṃ̐ Yaṃ̐ Raṃ̐ Laṃ̐ Vaṃ̐ Śaṃ̐ Ṣaṃ̐ Saṃ̐ Haṃ̐ Laṃ̐ Kṣaṃ̐ — dem Wesen von Manas, Buddhi und Ahamkara — Aḥ, Phat den Handflächen und Handrücken.“ Die Lautreihen werden als rituelle Silben wiedergegeben, nicht als übersetzbare Wörter.

Band II, S. 24–25, Durchdringender Nyasa und Herzlotus
Deutsch: Auf dieselbe Weise vollziehe man den Sechsglieder-Nyasa von Herz und weiteren Stellen. Dann: „Āṃ̐, Verehrung“ — unterhalb des Nabels; „Hrīṃ̐, Verehrung“ — unterhalb der Kehle; „Kroṃ̐, Verehrung“ — vom Kopf abwärts, den Körper durchdringend. Auf den Blütenblättern des Herzlotus, im Osten beginnend, und auf seinem Fruchtboden lege man der Reihe nach nieder: „Laṃ̐, Verehrung; Raṃ̐, Verehrung; Haṃ̐, Verehrung; Ṣaṃ̐, Verehrung; Vaṃ̐, Verehrung; Yaṃ̐, Verehrung; Saṃ̐, Verehrung; Śaṃ̐, Verehrung; Kṣaṃ̐, Verehrung.“ Dann meditiere man.

Band II, S. 25, Dhyana der Prana-Shakti
Deutsch: Die Meditation lautet: „Ich verneige mich vor der Göttin, rot und dreiäugig, auf einem roten Lotus in einem Boot auf dem roten Meer ruhend. In ihren Lotushänden trägt sie Schlinge und Elefantenhaken, Zuckerrohrbogen und Pfeile, Dreizack und Schädelschale.“ Nachdem man so meditiert hat, berühre man das Herz der Gottheit mit der Mriga-Mudra und einer Blume oder Ähnlichem und vollziehe Pranapratistha. Lesungshinweis: Dieser Dhyana-Vers trägt hier im Druck keine Nummer; die nächste gedruckte Versnummer ist 19. Es wird keine Nummer 18 ergänzt.

Band II, S. 25, Pranapratistha der Hauptgottheit
Deutsch: Der Mantra besteht aus Om, den angegebenen Bijas und So’ham und setzt nach dem Mula-Mantra fort: „Die Lebenskräfte der so und so genannten Gottheit sind hier, hier gegenwärtig.“ Ebenso: „Das Lebensprinzip hier, hier.“ Ebenso: „Alle Sinneskräfte, Rede, Manas, Auge, Gehör, Geruchssinn und Lebenskräfte sollen hierherkommen und lange in Wohlbefinden verweilen, Svaha.“ Man wiederhole den Pranava oder den Mula-Mantra dreimal, vollziehe an der Verkörperung der Gottheit die zum Mula-Mantra gehörenden Rishi-, Hand- und Sechsglieder-Nyasas, zeige die im eigenen Kalpa genannten Mudras und bringe die Upacharas dar. Die abgekürzte zweite Formel bleibt entsprechend dem Druck verkürzt.

Band II, S. 25, Verse 19–20: Sitz, Begrüßung und Fußwasser
Deutsch: Zuerst: „Gottheit, diesen schönen Sitz habe ich für dich bereitet. Nimm darauf Platz, solange ich die Puja vollziehe.“ (19) Danach spreche man den Mula-Mantra und bringe links von der Gottheit einen Sitz dar: „Dieser Sitz für die so und so genannte Gottheit, Verehrung.“ Dann meditiere man über die zur Puja erschienene Gottheit mit ihren Angas, umgebenden Gottheiten und Waffen. Nach dem Mula-Mantra heiße man sie mit der entsprechenden Mudra willkommen: „So und so genannte Gottheit, willkommen!“ Dann: „Herr der Götter, nimm dieses Fußwasser an, bereitet aus heiligem Wasser, mit Shyamaka, Durva, Lotus und Vishnukranta.“ (20) Nach dem Mula-Mantra spreche man: „Fußwasser für die so und so genannte Gottheit, Verehrung“, und bringe mit Wasser aus dem Padya-Gefäß das Fußwasser an den Füßen dar.

Band II, S. 26, Verse 21–23: Arghya, Mundspülung und Madhuparka
Deutsch: „Nimm dieses Arghya an, versehen mit Duftstoffen, Blumen, unversehrten Reiskörnern, Gerste, Kusha-Spitzen, Sesam, Senfkörnern und Durva.“ (21) Danach spreche man den Mula-Mantra und bringe Arghya an Händen und Kopf dar: „Arghya für die so und so genannte Gottheit, Svaha.“ „Herr der Götter und Gottheiten, nimm dieses Mundspülwasser an, duftend durch Jati, Gewürznelken, Kankola, Kampfer und Weiteres.“ (22) Nach dem Mula-Mantra spreche man: „Dieses Mundspülwasser für die so und so genannte Gottheit, Svadha“, und bringe es mit Wasser aus dem entsprechenden Gefäß am Mund dar. „Herr der Götter, nimm den Madhuparka im Bronzegefäß an, aus Ghee, Honig und Dickmilch für dich bereitet.“ (23) Danach spreche man den Mula-Mantra und bringe den Madhuparka am Mund dar: „Madhuparka für die so und so genannte Gottheit, Svadha.“ Anschließend bringe man erneut Mundspülwasser aus dem dafür bestimmten Gefäß auf dieselbe Weise dar.

Band II, S. 26, Verse 24–26: Einreibung und Bad
Deutsch: „Gottheit, nimm diese Einreibung an, aus wohlriechenden Stoffen mit Sesamöl bereitet. Sei mir gnädig.“ (24) Nach dem Vers spreche man den Mula-Mantra: „Diese mit duftendem Öl verbundene Einreibung für die so und so genannte Gottheit, Verehrung.“ „Mit diesem Panchamrita aus Kuhmilch, Dickmilch, Ghee, Zucker und Honig bade ich dich.“ (25) Nach dem Mula-Mantra bade man die Gottheit mit den fünf Bestandteilen einzeln oder gemeinsam: „Ich bade die so und so genannte Gottheit, Verehrung.“ „Nimm zum Bad dieses Wasser an, das keinem anderen dargebracht wurde, in natürlichem Zustand und angenehm kühl ist, versehen mit duftenden Stoffen.“ (26) Nach dem Mula-Mantra spreche man: „Das Bad für die so und so genannte Gottheit, Verehrung“ oder „Ich bade die so und so genannte Gottheit, Verehrung“, und vollziehe das Bad mit Muschelwasser. Bei der Verehrung Shivas verwende man anderes Wasser, da dort Muschelwasser untersagt ist. Dann bringe man nach dem Mula-Mantra erneut Mundspülwasser aus seinem Gefäß dar: „Erneutes Mundspülwasser für die so und so genannte Gottheit, Svadha“ oder mit dem angegebenen Va-Bija. Fehlen die jeweiligen Gefäße, bringe man Fußwasser und die weiteren Gaben mit Wasser aus der Muschel oder anderen Gefäßen dar.

Band II, S. 26–27, Verse 27–28: Gewänder und Schmuck
Deutsch: „Herr der Götter und Gottheiten, lege gnädig diese beiden schönen, überaus feinen und weichen Gewänder an, aus dem Kokon der Seidenraupe hervorgegangen.“ (27) Danach spreche man den Mula-Mantra: „Ich bringe der so und so genannten Gottheit ein Gewand dar, Verehrung“, und bringe zwei Gewänder aus Leinen oder anderem Stoff dar. Nach dem Mula-Mantra bringe man die heilige Schnur dar: „Die heilige Schnur für die so und so genannte Gottheit, Verehrung.“ „Gottheit, nimm diesen schönen, himmlischen Goldschmuck an, verziert mit Perlen und Edelsteinen, und freue dich daran.“ (28) Danach spreche man nach dem Mula-Mantra: „Ich bringe der so und so genannten Gottheit Schmuck aus Gold und anderen Stoffen dar“, und bringe den Schmuck dar.

Band II, S. 27, Verse 29–30: Sandelholz und Blumen
Deutsch: „Nimm dieses wohlriechende Sandelholz aus dem Malaya-Gebirge an, verbunden mit Moschus, Kampfer, Rochana und Weiterem.“ (29) Danach spreche man den Mula-Mantra und bringe den Duftstoff dar: „Duftstoff für die so und so genannte Gottheit, Verehrung.“ „Herr der Welt, nimm diese mannigfaltigen, wohlriechenden schönen Blumen an, die im Wasser oder auf dem Land wachsen.“ (30) Nach dem Mula-Mantra bringe man die Blumen dar: „Blumen für die so und so genannte Gottheit, Vaushat“ oder mit „Verehrung“. Bei einer weiblichen Gottheit ersetze man in solchen Anreden „Gott“ entsprechend durch „Göttin“. Danach vollziehe man die Puja.

Band II, S. 27, Vers 31: Anga-Gottheiten und Guru-Folge
Deutsch: So: Nach dem Mula-Mantra verehre man dreimal mit einer Blumengabe: „Ich verehre die heiligen Sandalen, Verehrung.“ Mit den Matrika-Lauten, jeweils vom Mula-Mantra umschlossen, verehre man die Gottheit an den entsprechenden Stellen. Man erbitte die Erlaubnis, ihr Gefolge zu verehren, und vollziehe die Avarana-Puja, die Verehrung der umgebenden Kreise. Man meditiere so über die Anga-Gottheiten: „Weibliche Gestalten, Verkörperungen der Hauptgottheit, leuchtend wie Schnee, Kristall, dunkle Farbe, Blau, Schwarz und Rot, Segen und Furchtlosigkeit gewährend; der Reihe nach im Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten, in der Mitte und den Himmelsrichtungen stehend.“ (31) Dann verehre man die Anga-Gottheiten der Reihe nach in den genannten Ecken, vor sich und in den Himmelsrichtungen. Danach verehre man im Nordwesten, vor sich und im Nordosten die drei Guru-Ströme. Vom Nordwesten bis zum Nordosten verehre man die Guru-Folgen: „Om, Verehrung den erhabenen Gurus; Om, Verehrung den Parama-Gurus; Om, Verehrung den Parapara-Gurus; Om, Verehrung den Parameshthi-Gurus.“ Lesungshinweis: Die räumliche Zuordnung der sechs Anga-Gottheiten ist im Vers und der anschließenden Prosa nicht völlig gleich formuliert; beide Angaben bleiben erhalten.

Band II, S. 28, Tripura-Gurus und zehn Weltenhüter
Deutsch: Bei Tripura verehre man dagegen mit den angegebenen Bijas: „Verehrung den erhabenen Gurus; Verehrung den Sandalen der Gurus.“ Dann verehre man die im eigenen Kalpa genannten Gefolgegottheiten. Im Osten beginnend verehre man die zehn Weltenhüter von Indra an, jeweils unter dem angegebenen Bija und „Verehrung“: Indra, Agni, Yama, Nairrita, Varuna, Vayu, Kubera, Ishana sowie oben Brahma und unten Ananta. Anschließend verehre man die zehn Waffen von Vajra an. Lesungshinweis: Die einleitende gedruckte Form „tripurātiviṣaye“ ist ungewöhnlich; der Bezug auf die Tripura-Verehrung ist erkennbar, die Wortform bleibt in der Sanskritfassung erhalten.

Band II, S. 28, Zehn Waffen und erneutes Tarpana
Deutsch: So, jeweils unter dem angegebenen Bija und „Verehrung“: Vajra, der Donnerkeil; Shakti, die Lanze; Danda, der Stab; Khadga, das Schwert; Pasha, die Schlinge; Ankusha, der Elefantenhaken; Gada, die Keule; Shula, der Dreizack; oben Padma, der Lotus; unten Chakra, der Diskus. Nach ihrer Verehrung mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem spreche man wiederum den Mula-Mantra: „Ich verehre die heiligen Sandalen der erhabenen, so und so genannten Gottheit samt ihren Angas, ihrem Reittier, Schmuck, Waffen und Gefolge, Verehrung.“ So verehre man dreimal oder einmal. Nach dem Mula-Mantra vollziehe man dreimal Tarpana mit der Tattva-Mudra: „Ich erquicke die so und so genannte Gottheit, Verehrung.“

Band II, S. 28, Vers 32: Räucherwerk und Glocke
Deutsch: Dann lege man Räucherwerk auf das Feuer im Räuchergefäß, besprenge es mit dem Waffen-Mantra, verehre es unter „Verehrung“ mit Duftstoffen, Blumen und unversehrten Reiskörnern, bespreche es mit dem Mula-Mantra und erfülle es durch die Dhenu-Mudra mit Nektar. Man verehre die Glocke mit dem Mantra „Om, Mutter der Mantras im Siegesklang, Svaha“ und mit dem Waffen-Mantra. Während man sie mit der linken Hand läutet, spreche man: „Nimm dieses Räucherwerk an, aus dem Saft der Bäume entstanden, reich an Duft, überaus erfreulich, von allen Gottheiten einzuatmen.“ (32) Nach dem Mula-Mantra spreche man: „Ich bringe der so und so genannten Gottheit Räucherwerk dar“, bringe es in niedriger Haltung dar und stelle es links von der Gottheit oder vor ihr auf. Dann entzünde man das Licht im Lampengefäß, weihe es wie das Räucherwerk und läute die Glocke.

Band II, S. 29, Vers 33: Darbringung des Lichtes
Deutsch: „Nimm dieses Licht an: eine große, hell strahlende Lampe, die überall die Dunkelheit vertreibt, Licht außen wie innen.“ (33) Nach dem Mula-Mantra spreche man: „Ich bringe der so und so genannten Gottheit Licht dar.“ Man hebe die Lampe bis auf Augenhöhe der Gottheit und führe sie kreisend vor ihr. Eine Ghee-Lampe stelle man rechts, eine Öllampe links auf; bei weißem Docht rechts, bei rotem Docht links. Für eine Aufstellung vor der Gottheit gilt diese Regel nicht.

Band II, S. 29, Vorbereitung der Speisegabe
Deutsch: Vor der Gottheit besprenge man den Boden mit allgemeinem Arghya-Wasser und zeichne ein quadratisches Mandala. Darauf stelle man ein Speisegefäß aus Gold oder anderem Material samt Unterlage. Hinein lege man die vorgeschriebene oder nach den eigenen Möglichkeiten beschaffte Speisegabe. Man besprenge sie mit dem Waffen-Mantra, schütze sie mit der Chakra-Mudra, reinige sie mit dem Wind-Bija, verbrenne ihre Unreinheit mit dem Feuer-Bija und berühre sie mit den Fingerspitzen der rechten Hand. Unter dem Varuna-Bija erfülle man sie mit der Dhenu-Mudra mit Nektar. Mit beiden Händen bespreche man sie achtmal mit dem Mula-Mantra, zeige die Dhenu-Mudra und verehre sie unter „Verehrung“ mit Mantra, Blumen und Weiterem. Dann bringe man der Gottheit unter dem Mula-Mantra drei Blumengaben dar.

Band II, S. 29, Verse 34–35: Speise und fünf Prana-Gaben
Deutsch: „Diese vierfache Speisegabe mit den sechs Geschmacksrichtungen ist in Hingabe vor dir aufgestellt. Nimm sie an und sei zufrieden.“ (34) „Nimm diese göttliche, sorgfältig bereitete köstliche Reisspeise im Goldgefäß an, versehen mit fünf oder sechs Geschmacksrichtungen, damit ich Vollendung erlange.“ (35) Danach berühre man das Speisegefäß mit beiden Händen und spreche den Mula-Mantra: „Dies bringe ich der so und so genannten Gottheit nach meinen Möglichkeiten dar, Verehrung, Svaha.“ Mit Wasser in der rechten Hand übergebe man die Speisegabe. Dann gebe man Wasser in die rechte Hand der Gottheit: „Om, du bist die Unterlage aus Nektar, Svaha.“ Mit der linken Hand zeige man die Grasa-Mudra, einer geöffneten Wasserlilie gleich; mit der rechten vollziehe man die angegebenen Mudras und die fünf Prana-Gaben: „Om, dem Prana Svaha; Om, dem Apana Svaha; Om, dem Udana Svaha; Om, dem Vyana Svaha; Om, dem Samana Svaha.“

Band II, S. 29–30, Vers 36: Wasser und Verweilen bei der Speisung
Deutsch: Man gebe Wasser in ein anderes Gefäß und erfülle es durch die Dhenu-Mudra mit Nektar. Dann spreche man: „Verehrung dir, Herr der Götter und Gottheiten! Nimm dieses vorzügliche Wasser an, das alle zufriedenstellt, keinem anderen dargebracht, rein, in natürlichem Zustand, angenehm kühl und von höchster Glückseligkeit erfüllt.“ (36) Man stelle das Wassergefäß links von der Gottheit auf, bringe mit dem Mula-Mantra eine Blumengabe dar und schließe mit dem Waffen-Mantra die Richtungen schützend ab. Man ziehe einen Vorhang um die Gottheit, spreche „Die Speisegabe ist Nektar, Verehrung“ und zeige die Dhenu-Mudra. Während man sich die Gottheit als speisend vergegenwärtigt, wiederhole man den Mula-Mantra einhundertachtmal oder zehnmal. Dann gebe man Wasser mit „Om, du bist die Bedeckung aus Nektar, Svaha“.

Band II, S. 30, Vaishvadeva-Homa und Gabe an das Gefolge
Deutsch: Dann bereite man südlich einen Opferplatz und errichte darauf das Feuer nach dem noch zu beschreibenden Verfahren. Man rufe die Gottheit in diesem Feuer herbei und verehre sie mit Fußwasser und den weiteren Gaben sowie mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem. Mit Milchreis samt Ghee vollziehe man das Vaishvadeva genannte Homa. Zuerst opfere man mit den Vyahritis, denen der Pranava vorausgeht; dann bringe man unter dem Mula-Mantra fünfundzwanzig Opfergaben dar. Wieder opfere man mit den Vyahritis, verehre die Gottheit mit den fünf Upacharas, vereinige sie mit ihrer Verkörperung auf dem Pitha und entlasse das Feuer. Vom übrigen Milchreis bringe man dem Gefolge eine Bali-Gabe zusammen mit Duftstoffen, Blumen und unversehrten Reiskörnern dar: „Om, diese Bali-Gabe für die Begleiter der so und so genannten Gottheit, Verehrung.“

Band II, S. 30, Vers 37: Speisereste und Tambula
Deutsch: Dann entferne man den Vorhang und betrachte die Speisegabe als von der Gottheit nach Wunsch genossen. Man stelle das Speisegefäß im Südwesten ab und reinige seinen bisherigen Platz mit dem Waffen-Mantra und Wasser mit Kuhdung. Etwas von den Speiseresten der Gottheit bringe man im Nordosten dar: „Om, Verehrung dem Empfänger der übriggebliebenen Opfergaben.“ Dann wasche man die Hände, nehme Tambula und stelle es vor die Gottheit. Man spreche: „Herr der Götter und Gottheiten, nimm diesen Tambula an, versehen mit Kardamom, Gewürznelken, Khadira-Pulver, Arekanuss und Weiterem. Sei mir gnädig.“ (37) Nach dem Mula-Mantra spreche man: „Diesen Tambula bringe ich der so und so genannten Gottheit dar, Svaha.“ Dann verehre man unter dem Mula-Mantra dreimal mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem. Man zeige einen Spiegel und bringe Sonnenschirm, Fliegenwedel und weitere Gaben dar.

Band II, S. 30, Bali-Gaben bei der Shakti-Verehrung
Deutsch: Bei der Shakti-Verehrung bringe man der Gottheit unter dem im eigenen Kalpa genannten Mantra eine Bali-Gabe aus Masha-Bohnen und Reis oder anderem dar. In den Zwischenrichtungen, beginnend im Südosten, oder der Reihe nach im Osten, Süden, Norden und Westen gebe man Bali an Ganesha, Vatuka, Kshetrapala und die Yoginis. Dazu zeichne man Mandalas, stelle die Bali-Gefäße auf und verehre die Gabe mit dem angegebenen Bija und „Verehrung Ganesha in der Gestalt der Bali-Gabe“ sowie den entsprechenden weiteren Formeln. Unter den jeweils angegebenen Bijas verehre man mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem: „Verehrung Ganesha; Verehrung Vatuka; Verehrung Kshetrapala; Verehrung den Yoginis.“ Dann gebe man Ganesha seine Bali-Gabe unter den angegebenen Bijas und „Ganapati, Erhabener, Segensspender, bringe alle Menschen unter meinen Einfluss. Nimm die Bali-Gabe an, nimm sie an, Svaha. Diese Bali-Gabe für Ganapati, Verehrung.“ Diese Bitte um Einfluss ist eine Aussage des überlieferten Ritualtextes.

Band II, S. 31, Bali an Vatuka und Kshetrapala
Deutsch: „Komm, komm, Sohn der Göttin, Herr Vatuka, mit deiner Fülle rotbrauner Haarflechten, Strahlender, Dreiäugiger, mit flammendem Antlitz! Vernichte alle Hindernisse. Nimm die Bali-Gabe mit allen Upacharas an, nimm sie an, Svaha. Diese Bali-Gabe für Vatuka, Verehrung.“ Damit bringe man Vatuka Bali dar. Unter der gedruckten Ksha-Bija-Reihe spreche man dann: „Für Kshetrapala: Nimm die Bali-Gabe mit Räucherwerk, Licht und Weiterem an, nimm sie an, Svaha. Diese Bali-Gabe für Kshetrapala, Verehrung.“ So bringe man Kshetrapala Bali dar. Lesungshinweis: Die gedruckte Bija-Reihe enthält zwischen langem I und E kein U; ein vermeintlich fehlendes Glied wird nicht ergänzt.

Band II, S. 31, Vers 38: Bali an die Yoginis
Deutsch: Unter dem angegebenen Bija: „Den Yoginis Svaha.“ „Ob oberhalb des Welteis, im Himmel, im Luftraum, auf der Erde oder im Ungeteilten, in der Unterwelt, im Feuer, im Wasser oder Wind, wo auch immer sie weilen; die in heiligen Bezirken, Pithas, Upapithas und weiteren Stätten ihren Platz haben: Mögen diese von den führenden Viras verehrten Göttinnen, erfreut durch Blumen, Räucherwerk und Weiteres, uns stets durch die glückverheißend dargebrachte Bali-Gabe schützen.“ (38) „Diese Bali-Gabe für die Yoginis, Verehrung“ — damit bringe man ihnen Bali dar. Bei Vishnu-Verehrung und entsprechenden anderen Verfahren erfolgt nur die Bhuta-Bali-Gabe. Lesungshinweis: Die Verbindung „śubhav idhi“ beziehungsweise „śubhav idhim“ ist im Druck nicht eindeutig konstruiert; die deutsche Fassung gibt hier den erkennbaren Sinn wieder, ohne eine Sanskrit-Ergänzung einzusetzen.

Band II, S. 31, Verse 39–40: Speisegabe an die Bhutas
Deutsch: Dann bringe man den Bhutas Bali dar. Im Nordosten zeichne man ein Mandala und stelle darauf ein Bali-Gefäß samt Unterlage mit Reis, Beilagen, Blumen, unversehrten Reiskörnern, Wasser und Weiterem. Unter „Om, Verehrung allen Bhutas“ verehre man sie mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem. „Die Furchtbaren, deren Taten furchtbar sind und die an furchtbaren Orten wohnen, auch die Yoginis von gewaltiger Gestalt und die Herren über die Anführer der Scharen; (39) die auf der Erde wandeln, die im Raum wandeln und die im Luftraum verweilen: Sie alle mögen freudigen Herzens diese Bali-Gabe annehmen.“ (40) Danach gieße man mit der linken Hand einen Wasserstrahl in das Gefäß und bringe mit der rechten Hand dar: „Om, diese Speisegabe für alle Bhutas, Verehrung.“

Band II, S. 31–32, Verse 41–42: Entlassung und Darbringung des Japa
Deutsch: Dann nehme man eine Blumengabe in die Hände und bete: „Alle Bhutas, die hier auf der Erde wohnen, mögen diese vorschriftsmäßig dargebrachte Bali-Gabe annehmen, zufrieden werden und weiterziehen. Mögen sie hier verzeihen; Verehrung sei ihnen.“ (41) Man bringe die Blumen dar, verneige sich und entlasse sie mit der Naracha-Mudra: „Die Bhutas mögen nach ihrem Wohlgefallen umherziehen.“ Dann wiederhole man den Mula-Mantra eintausendachtmal und spreche: „Du Hüter des Geheimsten der Geheimnisse, nimm den von uns vollzogenen Japa an. Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden, Gottheit, Herr der Welt.“ (42) So bringe man den Japa dar, preise nach Kräften und verneige sich. Man erhebe sich vom Sitz, umschreite dreimal und verneige sich mit acht Körperteilen.

Band II, S. 32, Vardhani und schützende Umkreisung
Deutsch: Dann stelle man im Nordosten auf die zuvor aufgehäuften Streugaben eine mit Wasser gefüllte Vardhani-Kanne, in die Gold gelegt ist und die in Stoff gehüllt ist. Man meditiere über die Waffen-Gottheit: auf einem Löwen, Schwert und Schild tragend, von furchtbarer Gestalt, nach Westen blickend. Man rufe sie in der Kanne herbei und verehre sie mit den fünf Upacharas unter „Phat, Verehrung der Waffen-Gottheit“. Dabei nennt der Text einen beweglichen Sitz. Man nehme die Kanne und vergegenwärtige alle Weltenhüter mit Anreden wie: „Indra, schütze auf Befehl der so und so genannten Gottheit deren Opferstätte!“ Während man aus der Tülle einen Wasserstrahl ausgießt, umschreite man rechtsherum das Innere des Pavillons. Unter dem Waffen-Mantra stelle man die Kanne an ihren Platz zurück. Dann nehme man einen festen Sitz ein, verehre wie zuvor mit Duftstoffen und weiteren Upacharas und verneige sich. Lesungshinweis: Die genaue praktische Bedeutung des hier genannten beweglichen Sitzes bleibt offen.

Band II, S. 32, Sankalpa für das Diksha-Homa
Deutsch: Danach vollziehe der Acharya vorschriftsmäßig die Feuerweihe in seiner eigenen Kunda zwischen Osten und Nordosten. Er begebe sich zunächst an die Feuergrube, nehme seinen Sitz ein und vollziehe Achamana mit den drei Tattvas. Mit drei Kusha-Halmen, Sesam und Wasser fasse er den Sankalpa. So: Nach „Om, heute …“ mit Angabe von Ort und Zeit: „Ich, der so und so genannte Deva-Sharma aus dem so und so genannten Gotra, werde das Homa vollziehen, das zur Mantra-Diksha der so und so genannten Gottheit gehört, die für den so und so genannten Sharma aus dem so und so genannten Gotra vorgenommen wird.“ Nach diesem Entschluss bringe man unter dem zuvor genannten Mantra der Sonne Arghya dar, richte das allgemeine Arghya ein und vollziehe die achtzehn Weihen der Kunda, beginnend mit dem rituellen Betrachten.

Band II, S. 32, Weihen der Kunda: Betrachten bis Bestreichen
Deutsch: Während man den Mula-Mantra spricht, betrachte man die Kunda: das ist das rituelle Betrachten. Unter dem Waffen-Mantra erfolge das Besprengen. Unter demselben Mantra schlage man dreimal mit Darbha-Gras darauf: das Anschlagen. Unter dem Schutz-Mantra erfolge das Übergießen. Unter dem Waffen-Mantra grabe man eine Fingerbreite tief: das Graben. Unter demselben Mantra hebe man mit Daumen und Ringfinger Erde heraus: das Herausnehmen der Erde. Unter dem Herz-Mantra „Verehrung“ fülle man wieder Erde ein: das Auffüllen. Unter dem Waffen-Mantra ebne man sie: das Einebnen. Unter dem Schutz-Mantra benetze man sie mit Wasser: das Bewässern. Unter dem Waffen-Mantra stampfe man sie fest: das Verdichten mit Holz oder einem anderen Gegenstand oder nur mit der Hand. Unter dem Schutz-Mantra kehre man dann die Erde der Kunda mit einem Bündel Kusha-Gras: das Reinigen. Unter demselben Mantra bestreiche man sie mit Kuhdung: das Bestreichen.

Band II, S. 32–33, Weihen der Kunda: Kalas bis Ausbreiten des Grases
Deutsch: Unter dem dort genannten Mantra vergegenwärtige man in der Kunda die Kalas von Mond, Sonne und Feuer sowie die Kalas des Bewusstseins: die Gestaltung der Kalas. Unter dem Schutz-Mantra umwinde man die Umfassungsstufen der Kunda dreimal mit drei Schnüren: die dreifache Umschnürung. Unter „Om, Verehrung der so und so genannten Kunda“ verehre man die Feuergrube: die Verehrung. Danach verehre man unter „Om, Verehrung dem Nabel dieser Kunda; Om, Verehrung ihren Umfassungsstufen“. Unter dem Waffen-Mantra stelle man sich die Kunda fest wie einen Vajra vor: die Vajra-Festigung. In ihre Mitte lege man einen Kusha-Halm mit der Spitze nach Osten, darüber einen mit der Spitze nach Norden, darauf eine Grasunterlage und eine Blume. Unter dem Herz-Mantra „Verehrung“ verehre man: die Gestaltung des Vierwegs. Unter dem Schutz-Mantra breite man auf den Umfassungsstufen Kusha-Gras mit unversehrten Spitzen aus, das mit dem Waffen-Mantra besprochen wurde: das im Druck Kshapatana genannte Ausbreiten. So vollziehe man die achtzehn Weihen. Wer hierzu nicht imstande ist, vollziehe nur die ersten vier, beginnend mit dem Betrachten. Auf dem Vama-Weg vollziehe man ebenfalls nur diese vier. Lesungshinweis: Der Name des letzten Schrittes wird nach dem Druck bewahrt; die Handlung selbst ist eindeutig beschrieben.

Band II, S. 33, Linien und alternative Zeichnungen in der Kunda
Deutsch: Dann zeichne man mit dem Wurzelende eines Darbha-Halms oder dem unteren Ende des Opferlöffels unter „Verehrung“ drei nach Osten und drei nach Norden gerichtete Linien in die Kunda. Die nach Osten gerichteten Linien zeichne man der Reihe nach von Süden nach Norden, die nach Norden gerichteten von Westen nach Osten. Nach der Sharada zeichne man wahlweise eine sechseckige Figur mit einem Dreieck im Inneren und einem Kreis außen herum. Das Meru Tantra verlangt die sechs genannten Linien und eine solche sechseckige Figur. An anderer Stelle wird auch vorgeschrieben, das Lajja-Bija und den Pranava in die Mitte des Dreiecks zu schreiben. Dann verehre man auf den Linien in derselben Reihenfolge mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem: „Om, Verehrung Mukunda; Om, Verehrung Ishana; Om, Verehrung Purandara; Om, Verehrung Brahma; Om, Verehrung Vaivasvata; Om, Verehrung Indu.“ Nach dem Mula-Mantra verehre man unter „Verehrung der Kunda der so und so genannten Gottheit“. Bei Shrividya verwende man vor „Verehrung Mukunda“ und den weiteren Namen die ausgeschriebene Bija-Folge. Die im Text nur benannten Lajja- und Pranava-Formeln werden hier nicht ergänzt.

Band II, S. 33, Yoga-Pitha in der Feuergrube
Deutsch: Unter dem Pranava besprenge man mit allgemeinem Arghya-Wasser und verehre die Gottheiten des Yoga-Pitha. In der Mitte der Kunda vollziehe man die bei der Gefäßaufstellung genannte Folge, von „Om, Verehrung der tragenden Shakti“ bis „Om, Verehrung dem Edelsteinthron“. In den Zwischenrichtungen, im Südosten beginnend, verehre man Dharma und die weiteren genannten Eigenschaften, in den Hauptrichtungen, im Osten beginnend, Adharma und die weiteren Gegenstücke. Dann vergegenwärtige man einen achtblättrigen Lotus und verehre von „Om, Verehrung Ananta“ bis zur Formel für das Erkenntnisselbst. An den Staubfäden verehre man, im Osten beginnend: „Om, Verehrung Jaya, der Siegreichen; Om, Verehrung Vijaya, der Siegbringenden; Om, Verehrung Ajita, der Unbesiegten; Om, Verehrung Aparajita, der Unbezwingbaren; Om, Verehrung Nitya, der Ewigen; Om, Verehrung Vilasini, der Spielenden; Om, Verehrung Dogdhri, der Milchspendenden; Om, Verehrung Aghora, der Nichtfurchtbaren.“ Die verkürzten Folgen sind Rückverweise des Werkes und keine Auslassungen der Übersetzung.

Band II, S. 34, Pitha-Shaktis und Pitha-Mantras
Deutsch: In der Mitte verehre man unter „Om, Verehrung Mangala, der Glückverheißenden“. So verehre man die Pitha-Shaktis. Bei der Vishnu-Verehrung verehre man dagegen jeweils mit „Om, Verehrung“ die Shaktis Vibhuti, die Herrlichkeit; Unnati, den Aufstieg; Kanti, den Glanz; Srishti, die Schöpfung; Kirti, den Ruhm; Sannati, die demütige Zuwendung; Pushti, die Fülle; Utkrishti, die Erhabenheit; und Riddhi, das Gedeihen. Dann verehre man den Pitha mit dem angegebenen Bija und „Verehrung dem Wesen des Yoga-Pitha von Vagishvari und Vagishvara“. Wahlweise verehre man mit dem Mantra „Verehrung dem Lotussitz aller Shaktis“, dem ebenfalls das angegebene Bija vorausgeht. Bei der Vishnu-Verehrung: „Verehrung dem Wesen des Yoga-Pitha von Shri Lakshmi und Narayana.“

Band II, S. 34, Verse 43–44: Meditation über das göttliche Paar
Deutsch: Dann meditiere man: „Vagishvari, nach ihrer Monatszeit gebadet, einer blauen Wasserlilie gleich, mit Vagishvara vereinigt …“ (43) Bei Shrividya meditiere man dagegen über „Kameshvari in der Mitte der Kunda, von Verlangen erfüllt und in ihrer fruchtbaren Zeit“. Bei Vishnu-Verehrung meditiere man über „Lakshmi in ihrer fruchtbaren Zeit, dort mit dem Herrn Narayana in geschlechtlicher Vereinigung verbunden …“ (44) Man rufe das Paar herbei, zeige die Mudras der Herbeirufung und die weiteren Mudras und verehre mit den fünf Upacharas unter dem jeweils angegebenen Bija und „Verehrung Vagishvari und Vagishvara“, bei Shrividya „Verehrung Kameshvari und Kameshvara“, bei Vishnu-Verehrung „Verehrung Lakshmi und Narayana“. Entsprechend verfahre man auch bei der Sonnenverehrung. Wahlweise meditiere man bei Shiva- und Shakti-Verehrung über „die von Verlangen berauschte, in ihrer fruchtbaren Zeit befindliche Bhuvaneshvari [die Verbindung mit dem gedruckten Wort Shiva ist unklar]“ und verehre unter dem angegebenen Bija und „Verehrung Bhuvaneshvari und Shiva“. Die Auslassungspunkte in den Versen 43–44 stehen bereits in der Quelle; fehlende Versglieder werden nicht ergänzt.

Band II, S. 34–35, Herkunft und Reinigung des Feuers
Deutsch: Dann bringe man Feuer herbei, das durch einen Sonnenstein oder ein entsprechendes Mittel, durch Reibhölzer oder im Haus eines vedakundigen Brahmanen entstanden ist. Man lege es in ein Gefäß aus Gold oder anderem Material, bedecke es mit einem zweiten Gefäß und bringe es herbei. Unter dem Waffen-Mantra stelle man es rechts von sich ab und bedecke es unter dem Schutz-Mantra. Man nehme seinen als fleischverzehrend betrachteten Anteil ab und gebe ihn unter der angegebenen Schutz- und Waffenformel in den Südwesten. Das übrige Feuer betrachte man als göttlichen Anteil, stelle es mit dem Mula-Mantra vor sich auf und weihe es mit den vier Schritten vom Betrachten an, wie bei der Kunda beschrieben. Man vergegenwärtige die Einheit des irdischen Feuers mit dem Bauchfeuer und dem Bindu-Feuer. Das Bindu-Feuer befindet sich zwischen den Augenbrauen.

Band II, S. 35, Belebung und Einsetzung des Feuers
Deutsch: Dann spreche man unter dem Feuer-Bija: „Ich vergegenwärtige das Bewusstsein des Feuers“, oder unter der angegebenen Bija-Verbindung: „Bewusstsein, dir Verehrung.“ So verbinde man das Feuer mit Bewusstsein, bespreche es mit dem Pranava einhundertachtmal oder zehnmal, erfülle es mit der Dhenu-Mudra mit Nektar, schütze und verhülle es mit den angegebenen Waffen- und Schutzformeln und verehre es mit Duftstoffen, Blumen und Weiterem. Unter dem Feuer-Bija und „Verehrung der Gestalt des Feuers“ verehre man es. Man führe es dreimal rechtsherum über der Kunda im Kreis. Mit den Knien auf dem Boden spreche man den Pranava und setze das Feuer, sich selbst zugewandt, in die als Yoni der Göttin vergegenwärtigte Feuergrube ein, wobei man es als Samen Shivas betrachtet. Diese Vorstellung vom Samen Shivas gilt bei Shiva- und Shakti-Verehrung; bei Vishnu-Verehrung ist entsprechend der Same Vishnus gemeint.

Band II, S. 35, Entfachung und Vers 45
Deutsch: Dann bringe man unter dem angegebenen Bija und „Mundspülwasser für Vagishvari und Vagishvara, Verehrung“ Mundspülwasser dar. Man meditiere über die Gottheit in Gestalt des Feuers, im Schoß der Göttin getragen, und gebe zum Schutz der Leibesfrucht einen Darbha-Ring. Mit der Jvalini-Mudra entfache man das Feuer unter: „Chitpingala, schlage, schlage; brenne, brenne; gare, gare; Allwissender, gebiete! Svaha.“ Im Rudrayamala Tantra wird das Entfachen mit den angegebenen Bijas und „Flamme, flamme; flamme hell auf, flamme hell auf“, gefolgt von Schutz-, Waffen- und Opferformel, gelehrt. Dann verehre man das Feuer mit gefalteten Händen: „Om. Ich verneige mich vor dem entflammten Agni, dem Kenner aller Geburten, dem Verzehrer der Opfergaben, goldfarben, makellos, hell entzündet, dessen Antlitz nach allen Seiten gerichtet ist.“ (45)

Band II, S. 35, Nyasa der sieben sattvigen Feuerzungen
Deutsch: Dann opfere man schweigend ein Holzstück von einer Spanne Länge, dessen unteres und oberes Ende in Ghee getaucht sind. In der im Puja-Abschnitt genannten Reihenfolge vollziehe man die Verehrung Ganeshas und der weiteren Gottheiten, den Schutz der Richtungen, Bhutashuddhi, Pranayama, Matrika-Nyasa und Mula-Nyasa. Danach lege man die Feuerzungen durch Nyasa auf den eigenen Körper. Für die sattvigen Zungen gilt, jeweils nach dem betreffenden Bija: „Verehrung Hiranya, der Goldenen“ — am Geschlechtsorgan; „Verehrung Gagana“ — am Ausscheidungsorgan; „Verehrung Rakta, der Roten“ — am Kopf; „Verehrung Krishna, der Dunklen“ — am Mund; „Verehrung Suprabha, der Hellstrahlenden“ — an der Nase; „Verehrung Bahurupa, der Vielgestaltigen“ — am Auge; „Verehrung Atirikta“ — am ganzen Körper. Dies sind die sattvigen Zungen für sattvige Rituale. Lesungshinweis: Die sieben vorangestellten Bija-Verbindungen sind auch in der vergrößerten Buchseite nicht zuverlässig auflösbar und deshalb in den Sanskritfassungen einzeln als unklar markiert. Die gedruckten Namen Gagana und Atirikta werden nicht durch geläufigere Namen ersetzt.

Band II, S. 35–36, Rajasige und tamasige Feuerzungen
Deutsch: Für Rituale zur Erfüllung bestimmter Wünsche und ähnliche Handlungen lege man dagegen die rajasigen Zungen auf: Padmaraga, die Rubinfarbene; Suvarna, die Goldene; Bhadralohita, die Glückverheißend-Rote; Lohita, die Rote; Shveta, die Weiße; Dhumini, die Rauchige; und Karalika, die Furchtbare. Bei grausamen Ritualhandlungen lege man die tamasigen Zungen auf: Vishvamurti, die Allgestaltige; Sphulingini, die Funkensprühende; Dhumravarna, die Rauchfarbene; Lohita, die Rote; Karala, die Furchtbare; und Kali, die Schwarze. Die Bijas sind dieselben wie zuvor. Mit denselben Bijas vorangestellt lege man an denselben Stellen der Reihe nach auch die über die sieben Zungen gebietenden Wesen auf: die Unsterblichen, Ahnen, Gandharvas, Yakshas, Nagas, Pishachas und Rakshasas. So etwa nach dem Bija: „Verehrung dem Unsterblichen“, und entsprechend weiter. Lesungshinweis: In der tamasigen Reihe stehen im Druck nur sechs Namen; ein siebter wird nicht erfunden. Die Unsicherheit der zuvor genannten Bijas gilt auch für den Rückverweis und das ausgeschriebene Beispiel.

Band II, S. 36, Rishi-Nyasa des Agni-Mantras
Deutsch: Dann vollziehe man den Nyasa von Rishi und den weiteren Bestandteilen: „Der Rishi des Agni-Mantras ist Bhrigu, sein Versmaß Gayatri, seine Gottheit Agni, sein Bija der angegebene Feuerlaut, seine Shakti Svaha; seine Anwendung gilt dem Feueropfer.“ „Verehrung dem Rishi Bhrigu“ — am Kopf. „Verehrung dem Gayatri-Versmaß“ — am Mund. „Verehrung der Gottheit Agni“ — am Herzen. Unter dem Feuer-Bija: „Verehrung dem Bija“ — am Geschlechtsbereich. „Verehrung der Shakti Svaha“ — an den Füßen. Mit gefalteten Händen: „Die Anwendung gilt dem Feueropfer.“

Band II, S. 36, Kara-Nyasa und Murti-Nyasa des Feuers
Deutsch: Dann der Hand-Nyasa: „Om, dem Tausendflammigen — Verehrung den beiden Daumen. Om, dem von Wohlergehen Erfüllten — Verehrung, Svaha den beiden Zeigefingern. Om, dem aufgerichteten Purusha — Vashat den beiden Mittelfingern. Om, dem mit Rauch Durchdringenden — Hum den beiden Ringfingern. Om, dem Siebenzüngigen — Vaushat den beiden kleinen Fingern. Om, dem Bogenträger — Phat den Handflächen und Handrücken.“ Ebenso vollziehe man den Anga-Nyasa von Herz und weiteren Stellen. Dann lege man die Gestalten des Feuers auf: „Om, Verehrung Agni Jatavedas, dem Kenner aller Geburten“ — am Kopf; „Om, Verehrung Agni, dem Siebenzüngigen“ — an der rechten Schulter; „Om, Verehrung Agni, dem Träger der Opfergaben“ — an der rechten Flanke; „Om, Verehrung Agni, dem aus dem Pferdeleib Geborenen“ — an der rechten Hüfte; „Om, Verehrung Agni Vaishvanara“ — am Geschlechtsorgan; „Om, Verehrung Agni, dem Glanz Kumaras“ — an der linken Hüfte; „Om, Verehrung Agni, dessen Antlitz überall ist“ — an der linken Flanke; „Om, Verehrung Agni, dem Mund der Götter“ — an der linken Schulter. Dies ist der Murti-Nyasa. Lesungshinweis: Die zweite Handformel enthält im Druck sowohl „Verehrung“ als auch „Svaha“; beide bleiben erhalten.

Band II, S. 37, Neun Shaktis des Feuer-Pitha
Deutsch: Dann vollziehe man Pitha-Nyasa. Von der tragenden Shakti bis zum Feuerkreis lege man die genannten Gottheiten an den zuvor beschriebenen Stellen auf. An den Staubfäden des Herzlotus, im Osten beginnend, verehre man: „Om, Verehrung Pita, der Gelben; Om, Verehrung Shveta, der Weißen; Om, Verehrung Dhumra, der Rauchfarbenen; Om, Verehrung Tivra, der Heftigen; Om, Verehrung Sphulingini, der Funkensprühenden; Om, Verehrung Aruna, der Rötlichen; Om, Verehrung Krishna, der Dunklen; Om, Verehrung Ruchira, der Strahlend-Schönen.“ In der Mitte: „Om, Verehrung Jvalini, der Flammenden.“ So lege man die neun Shaktis des Feuers auf den Pitha. Dort vollziehe man den Pitha-Nyasa mit dem Feuer-Bija und „Verehrung dem Yoga-Pitha des Feuers“ und meditiere über das Feuer.

Band II, S. 37, Vers 46: Agni-Meditation nach der Sharada
Deutsch: Die Meditation lautet: „Man meditiere über das Feuer, das mit seinen hoch erhobenen langen Armen Segensgewährung, Lanze, Svastika und Furchtlosigkeit trägt; gerstenfarben, mit goldenem Schmuck, auf einem Lotus, dreiäugig, das Haupthaar zu verfilzten Flechten gebunden.“ (46) Dies ist die in der Sharada gelehrte Meditation. Lesungshinweis: Das gedruckte „yavābham“ wird als gerstenfarben wiedergegeben; eine anderslautende geläufige Dhyana-Fassung wird nicht eingesetzt.

Band II, S. 37, Verse 47–50: Agni-Meditation nach dem Rudrayamala
Deutsch: Die im Rudrayamala Tantra gelehrte Meditation lautet: „Der Bandhuka-Blüte gleich, wie stark erhitztes Gold strahlend, auf einem Lotus, dem Opfernden zugute, geschmückt mit zwei Gesichtern; (47) der Gott, dessen Wesen die sieben Versmaße sind, auf einem himmlischen Wagen, mit dreifachem Hals und drei Lotusfüßen, der die Opfergaben für Götter und Ahnen verzehrt; (48) mit vier Hörnern glänzend, die Brahman, Adhvaryu, Udgatri und Hotri, die vier Opferpriester, darstellen; Pancharatra, Pashupata und die große Lehre Kapilas, (49) die buddhistische und die vedische Lehre — diese als sechs goldbraune Augen; mit vier Ohren, auf den Veda-Sinn bezogen, und einem Klang, dessen Wesen die Lehre des vedischen Opfers ist.“ (50) Lesungshinweis: Die Quelle nennt hier fünf Lehrbezeichnungen, spricht aber von sechs Augen; die Differenz bleibt erhalten. Die knappe Verbindung zwischen Veda-Sinn und vier Ohren ist sprachlich nicht ganz eindeutig.

Band II, S. 37–38, Verse 51–56: Arme und sieben Zungen Agnis
Deutsch: „Strahlend mit einer Haarkrone aus rötlichen Flechten, mit goldenem Schmuck versehen und mit goldenen Ohrringen geschmückt; (51) in der Mitte eines roten Lotus, im Svastikasana sitzend, der dritte Lotusfuß an der Rückseite herabhängend; (52) einen gewaltigen Klang hervorbringend und aus eigener Leuchtkraft strahlend; in seinen vier rechten Armen Lanze, Donnerkeil, großen und kleinen Opferlöffel tragend; (53) in den drei linken Armen Wurfspeer, Palmblattfächer und ein goldenes Ghee-Gefäß tragend, in rote Gewänder gekleidet. (54) Hiranya, Kanaka, Rakta und Krishna befinden sich im rechten Gesicht; Suprabha, Atirakta und Bahurakta sind die weiteren Zungen. (55) Diese letzten Zungen befinden sich stets im linken Gesicht. Mit diesen sieben Zungen ausgestattet, mit weit geöffnetem Mund.“ (56)

Band II, S. 38, Selbstverehrung und Darbha-Ausbreitung
Deutsch: Nachdem man so meditiert hat, vergegenwärtige man sich selbst als Verkörperung der Feuergottheit und verehre sich mit innerlich dargebrachten Upacharas. Unter dem Feuer-Bija und „Verehrung Agni, der Gestalt meines Selbst“ verehre man sich auch mit äußeren Gaben wie Duftstoffen, jedoch ohne Speisegabe. Man besprenge die Umfassungsstufen mit allgemeinem Arghya-Wasser und breite geeignetes Darbha-Gras aus, dessen innerer Trieb entfernt ist. Bei einer Kunda mit einer Umfassungsstufe geschehe dies darunter, bei zwei Stufen auf der zweiten, bei drei Stufen auf der mittleren. Im Süden und Norden zeigten die Grasspitzen nach Osten, im Osten und Westen nach Norden; die Spitzen bedecken jeweils die Wurzelenden. Dann lege man, unter Freilassung des Ostens, im Süden, Norden und Westen Umfassungshölzer von einer Hasta Länge und angemessener Stärke aus Palasha oder anderen genannten Bäumen nieder. Man verehre daran rechtsherum: „Om, Verehrung Brahma; Om, Verehrung Vishnu; Om, Verehrung Rudra.“

Band II, S. 38, Sitz und Verkörperung des Feuers
Deutsch: Dann verehre man an den Umfassungsstufen, im Osten beginnend und rechtsherum: „Om, Verehrung Vama; Om, Verehrung Jyeshtha; Om, Verehrung Raudra; Om, Verehrung Ambika.“ Mit dem Feuer-Bija und „Ich bereite Agni einen Sitz, Verehrung“ bringe man einen Sitz dar. In der Mitte der Kunda vergegenwärtige man einen achtblättrigen Lotus, von drei Quadraten mit vier Toren umgeben. Nach der zuvor beschriebenen Pitha-Puja verehre man von der tragenden Shakti bis zum Feuerkreis oder von Manduka bis zum Erkenntnisselbst. An den Ansätzen der Lotusblätter, im Osten beginnend, und in der Mitte verehre man die neun zuvor genannten Shaktis. Mit dem Feuer-Bija und „Verehrung dem Wesen des Yoga-Pitha des Feuers“ oder mit „Verehrung dem Lotussitz aller Shaktis“ verehre man den Pitha. Nach dem Mula-Mantra gestalte man mit dem Feuer-Bija und „Ich gestalte die Verkörperung des Feuers, Verehrung“ dessen Verkörperung und meditiere erneut über das Feuer.

Band II, S. 38–39, Anrufung und Pranapratistha Agnis
Deutsch: „Om, Vaishvanara Jatavedas, bringe hierher, Rotäugiger, vollende alle Handlungen, Svaha. Erhabener Agni, komm hierher, komm! Om, Vaishvanara Jatavedas, bringe hierher, Rotäugiger, vollende alle Handlungen, Svaha.“ So rufe man ihn herbei. Dass der Mula-Mantra am Anfang und Ende gesprochen wird, ist durch den zuvor angeführten Beleg begründet. Dann zeige man unter dem Feuer-Bija die Mudras von der Herbeirufung an: „Sei herbeigerufen, sei eingesetzt“, und die weiteren Formeln in ihrer Reihenfolge. Man vollziehe Pranapratistha mit der ausgeschriebenen Bija-Folge und „Die Lebenskräfte des Feuers sind hier, hier gegenwärtig“. Ebenso: „Das Lebensprinzip ist hier, hier gegenwärtig.“ Ebenso: „Alle Sinneskräfte, Rede, Manas, Auge, Gehör, Prana und Lebenskräfte sollen hierherkommen und lange in Wohlbefinden verweilen, Svaha.“ Lesungshinweis: In der letzten Aufzählung druckt die Quelle eine doppelte Prana-Verbindung; sie wird nicht stillschweigend zu einer üblichen Organliste berichtigt.

Band II, S. 39, Upacharas und Avarana der sieben Feuerzungen
Deutsch: Nach dieser Pranapratistha spreche man den vollständigen Vaishvanara-Mantra und „Dieses Fußwasser für Agni, Verehrung“. Entsprechend bringe man der Reihe nach Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser, Bad, Duftstoff, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speise und Tambula dar. Unter demselben vollständigen Mantra und „Ich verehre die heiligen Sandalen, Verehrung“ verehre man dreimal mit einer Blumengabe. Danach vollziehe man die Verehrung der umgebenden Kreise: An den sechs Ecken und in der Mitte, im Nordosten beginnend, verehre man unter den jeweiligen Bijas die sieben Zungen Hiranya, Gagana, Rakta, Krishna, Suprabha, Bahurupa und Atirikta, jeweils mit „Verehrung“. Bei der Vishnu-Verehrung verehre man stattdessen die sieben Zungen Prabha, Dipti, Prakasha, Marichi, Tapini, Karala und Lelihana. Lesungshinweis: Auch an dieser zweiten Druckstelle sind die Bija-Ligaturen der sieben zuerst genannten Zungen nicht zuverlässig aufgelöst; die lokalen Lücken bleiben sichtbar.

Band II, S. 39–40, Anga-Gottheiten des Feuers
Deutsch: Dann verehre man an den Staubfäden die Anga-Gottheiten: Im Südosten „Om, dem Tausendflammigen, dem Herzen Verehrung“. Im Nordosten „Om, dem von Wohlergehen Erfüllten, dem Kopf Svaha“. Im Südwesten „Om, dem aufgerichteten Purusha, der Haarlocke Vashat“. Im Nordwesten „Om, dem mit Rauch Durchdringenden, dem Schutzpanzer Hum“. In der Mitte „Om, dem Siebenzüngigen, den drei Augen Vaushat“. Bei Vishnu-Verehrung und entsprechenden Verfahren ist stattdessen „den beiden Augen“ zu sprechen. In den vier Himmelsrichtungen: „Om, dem Bogenträger, der Waffe Phat.“

Band II, S. 40, Acht Gestalten Agnis und Abschluss der Avarana-Puja
Deutsch: Auf den Blütenblättern, im Osten beginnend: „Om, Verehrung Agni Jatavedas; Om, Verehrung Agni, dem Siebenzüngigen; Om, Verehrung Agni, dem Träger der Opfergaben; Om, Verehrung Agni, dem aus dem Pferdeleib Geborenen; Om, Verehrung Agni Vaishvanara; Om, Verehrung Agni, dem Glanz Kumaras; Om, Verehrung Agni, dessen Antlitz überall ist; Om, Verehrung Agni, dem Mund der Götter.“ So verehre man die acht Gestalten. An den zehn Stellen der Umfassung verehre man, im Osten beginnend, Indra und die übrigen Weltenhüter; außerhalb davon Vajra und die übrigen Waffen. Dann verehre man mit dem vollständigen Vaishvanara-Mantra und „Ich verehre die heiligen Sandalen Agnis samt seinen Angas, Waffen, Reittier, Schmuck und Gefolge, Verehrung“. Anschließend ordne man die Gefäße an.

Band II, S. 40, Aufstellung und Reinigung der Opfergefäße
Deutsch: So: Links von sich breite man Darbha-Gras mit den Spitzen nach Osten aus. Darauf lege man die paarweise angeordneten Geräte und Gefäße mit der Öffnung nach unten: großen und kleinen Opferlöffel, Besprengungsgefäß, Pranita-Wassergefäß, Ghee-Schale, Charu-Kochtopf und die weiteren Geräte. Zuvor wasche man sie mit Wasser, das mit dem Waffen-Mantra besprochen wurde. Zwar wurde für das Besprengungsgefäß der Puja eine Aufstellung rechts vorgeschrieben; das zum Homa gehörige Gefäß ist jedoch wie das Pranita-Gefäß links aufzustellen. Die Verfasser der Shrividya-Paddhati begründen dies damit, dass nur für die beiden Opferlöffel ausdrücklich die rechte Seite genannt wird. Auch diese lege man zunächst links ab und stelle sie erst nach ihrer Weihe rechts hin. Mit dem Pavitra, dem rituellen Grasring, wende man die Gefäße mit der Öffnung nach oben, wasche sie erneut und besprenge sie nacheinander mit allgemeinem Arghya-Wasser. Unter dem Herz-Mantra „Verehrung“ fülle man das Besprengungsgefäß mit reinem Wasser. Man verehre nacheinander die drei Kreise an Unterlage, Gefäß und Wasser. Mit der nur im Anfang zitierten Flussanrufung „Om, Ganga und Yamuna …“ und der Ankusha-Mudra rufe man heiliges Wasser aus dem Sonnenkreis herbei. Man schütze es mit dem Waffen-Mantra, verhülle es mit dem Schutz-Mantra und lege unter dem Pranava Duftstoffe, Blumen, unversehrte Reiskörner und Pavitra hinein. Man setze ein Grasbündel ein, bespreche achtmal mit dem Pranava und zeige die Dhenu-Mudra. Auch das Pranita-Gefäß fülle man mit reinem Wasser und lege Duftstoffe, Blumen, unversehrte Reiskörner und Pavitra hinein. Etwas Wasser daraus gebe man in das Besprengungsgefäß. Mit diesem Wasser besprenge man unter Herz- und Mula-Mantra die Opfermaterialien. Dies ist die Aufstellung der Gefäße.

Band II, S. 40–41, Wahl des Brahman-Priesters
Deutsch: Nach der Reinigung der Materialien wähle man den Brahman-Priester. Einen in den Mantra der betreffenden Gottheit Eingeweihten lasse man südlich der Kunda auf einem Kusha-Sitz Platz nehmen. Nach „Om, heute …“ spreche man: „Ich, der so und so genannte Deva-Sharma aus dem so und so genannten Gotra, wähle dich, den so und so genannten Deva-Sharma aus dem so und so genannten Gotra, zum Brahman-Priester bei diesem Homa, das zur Diksha in den betreffenden Mantra der betreffenden Gottheit gehört.“ Die Antwort lautet: „Ich bin gewählt.“ Nach seiner Wahl verehre man ihn mit „Om, Verehrung dem Brahman-Priester“, mit Duftstoffen und Weiterem sowie mit Gewändern, Schmuck und weiteren Gaben. Dann weihe man den großen und den kleinen Opferlöffel.

Band II, S. 41, Weihe der beiden Opferlöffel
Deutsch: So: Man nehme die beiden Opferlöffel mit nach oben gerichteten Schalen in die Hände, wende sie nach unten und erwärme sie dreimal über dem Feuer. Man halte sie links, nehme rechts Darbha-Gras und reinige damit Vorderende, unteres Ende und Mitte der Löffel. Dabei reinige man das Vorderende mit der Grasspitze, das untere Ende mit dem Wurzelende und die Mitte mit dem mittleren Teil des Grases. Man besprenge mit allgemeinem Arghya-Wasser und Wasser aus dem Besprengungsgefäß, erwärme die Löffel erneut über dem Feuer und werfe das Gras ins Feuer. Rechts von sich breite man Kusha-Gras aus und lege beide Löffel darauf. Danach weihe man das Ghee.

Band II, S. 41, Ghee-Weihe: Erhitzen, Reinigen und Beleuchten
Deutsch: Man nehme die Ghee-Schale und besprenge sie mit durch den Waffen-Mantra geweihtem Wasser. Man gebe Ghee hinein, betrachte es unter dem Mula-Mantra, besprenge es unter der Waffenformel, schlage unter derselben Formel mit Darbha-Gras darauf und übergieße es unter dem Schutz-Mantra mit Arghya-Wasser. Nach diesen vier Weihen nehme man Glut aus der Kunda und lege sie in den Nordwesten. Unter „Verehrung“ stelle man die Ghee-Schale darauf: dies ist das Erhitzen. Man entzünde zwei Darbha-Halme, tauche sie in das Ghee und gebe den verbrannten Rest unter „Verehrung“ ins Feuer: dies ist das Reinigen. Mit zwei erneut entzündeten Halmen vollziehe man unter dem Schutz-Mantra eine Lichtschwenkung über dem Ghee und gebe sie ins Feuer: dies ist das Beleuchten. Dann nehme man ein entzündetes Kusha-Bündel, zeige es unter der Waffenformel vor und gebe es ins Feuer: dies ist das Aufleuchtenlassen. Man nehme die Ghee-Schale von der Glut und stelle sie vor sich. Die Glut gebe man zurück ins Feuer, reinige ihren bisherigen Platz und berühre Wasser.

Band II, S. 41, Durchziehen des Ghee und innere Zuordnung
Deutsch: Dann halte man bei nach oben gewendeten Handflächen die spannlangen Pavitra-Halme jeweils mit Daumen und Ringfinger und ziehe sie unter der Waffenformel durch das Ghee in Richtung Feuer. Man lege diese Pavitra beiseite, nehme auf dieselbe Weise zwei weitere Darbha-Halme und ziehe sie unter „Verehrung“ durch das Ghee zu sich hin. Das zuvor abgelegte Paar und das zweite Paar gebe man ins Feuer. Dies sind Utplavana und Samplavana; beide sind ein Durchziehen. Dann lege man zwei spannlange Darbha-Halme mit ihren Knoten in die Mitte des Ghee. Seine rechte Hälfte vergegenwärtige man als zunehmende, die linke als abnehmende Mondhälfte. Links meditiere man über Ida, rechts über Pingala und in der Mitte über Sushumna. So vollziehe man das Homa.

Band II, S. 41–42, Ghee-Gaben für die Augen des Feuers
Deutsch: So: Unter „Verehrung“ nehme man mit dem kleinen Opferlöffel Ghee aus der rechten Hälfte und opfere in das rechte Auge Agnis: „Om, Agni Svaha; dies für Agni, Verehrung.“ Den im Löffel zurückbleibenden Ghee-Rest gebe man wieder in die rechte Hälfte. Unter „Verehrung“ nehme man Ghee aus der linken Hälfte und opfere in das linke Auge: „Om, Soma Svaha; dies für Soma, Verehrung.“ Den Ghee-Rest gebe man wieder links hinein. Dann nehme man ebenso Ghee aus der Mitte und opfere erneut in das linke Auge: „Om, Soma Svaha; dies für Soma, Verehrung.“ Den Rest gebe man wieder in die linke Hälfte. Dann nehme man Ghee aus der Mitte und opfere in das Stirnauge des Feuers: „Om, Agni und Soma Svaha; dies für Agni und Soma, Verehrung.“ Den Rest gebe man wie zuvor in die Mitte zurück. Lesungshinweis: Die Soma-Gabe wird im sichtbaren Druck zweimal beschrieben, beim zweiten Mal mit Entnahme aus der Mitte. Diese auffällige Wiederholung bleibt als Quellenaussage erhalten; sie ist keine versehentliche Verdoppelung der Übersetzung. Beim ersten Ghee-Rest der Soma-Gabe steht abweichend „santāpa“ statt „sampāta“.

Band II, S. 42, Vers 57 und Sonderregel für Narasimha
Deutsch: Bei Vishnu-Verehrung und entsprechenden Verfahren bringe man keine Gabe für das Stirnauge dar. Bei einem Homa zur Verehrung der Füße Shri Narasimhas soll man sie jedoch vollziehen, denn es heißt: „Ich verneige mich vor Shri Narasimha, dem höchsten Selbst, dem Unwandelbaren, strahlend mit drei Augen, dem Gott der Götter, Vrishakapi.“ Wird dagegen auch hier über seine zweiäugige Gestalt meditiert, etwa mit „Als verbrenne er die drei Welten mit seinen beiden wie Feuer lodernden Augen“ (57), erfolgt die Stirnaugengabe nicht. Wieder nehme man unter „Verehrung“ Ghee aus der rechten Hälfte und opfere in den Mund des Feuers: „Om, Agni Svishtakrit Svaha; dies für Agni, der das Opfer wohl vollzogen sein lässt, Verehrung.“

Band II, S. 42, Vyahriti-Gaben und Beginn der sechzehn Lebensweihen Agnis
Deutsch: Die Sharada schreibt dagegen vor, unter „Svaha“ zu opfern und den Opferrest unter „Ha“ abzugeben. Auch dort scheint, so der Text, dies vollzogen werden zu sollen. Dann bringe man fünf Opfergaben mit den einzelnen und zusammengefassten Vyahritis samt Pranava dar: „Om Svaha; Bhuh Svaha; Bhuvah Svaha; Svah Svaha; Om Bhur Bhuvah Svah Svaha.“ Nach drei weiteren Gaben mit dem vollständigen Vaishvanara-Mantra vollziehe man die sechzehn Samskaras des Feuers, beginnend mit der Empfängnisweihe. Mit „Om, ich vollziehe Agnis Empfängnisweihe, Svaha“ bringe man acht Gaben dar; ebenso bei den folgenden Weihen. „Om, ich vollziehe Agnis Pumsavana, die traditionelle Weihe zur Geburt eines Sohnes, Svaha.“ „Om, ich vollziehe Agnis Simantonnayana, die Weihe des Scheitelziehens, Svaha.“ „Om, ich vollziehe Agnis Geburtsritus, Svaha.“ Nach diesen Gaben zum Geburtsritus opfere man fünf Holzstücke, deren beide Enden in Ghee getaucht sind: „Om, ich vollziehe das Durchtrennen der Nabelschnur Agnis, Phat Svaha.“

Band II, S. 43, Namengebung des Feuers
Deutsch: Mit „Om, ich reinige die geburtsbedingte rituelle Unreinheit des Feuers, Svaha“ bringe man eine Gabe dar. Dann gebe man dem Feuer den Namen der eigenen Ishta-Devata: „Feuer, du trägst den so und so genannten Namen.“ Man vergegenwärtige die Einheit von Feuer und Ishta-Devata und opfere wie zuvor achtmal: „Om, ich vollziehe Agnis Namengebung, Svaha.“ Wahlweise gebe man den Namen mit „Om, Agni, dein Name ist Shiva“, „Agni, dein Name ist Varada“ oder „Agni, dein Name ist Vishvarupa“. Bei Shrividya gebe man den Namen mit „Agni, dein Name ist Kamagni“.

Band II, S. 43, Weitere Lebensweihen und Rückführung der Eltern Agnis
Deutsch: Dann: „Om, Agni, ich vollziehe das erste Hinausführen, Svaha.“ Ebenso gelten die Formeln Agnis erster fester Speise, dem ersten Haarschnitt, dem Upanayana, dem Mahanamni-Gelübde, dem großen Gelübde, dem Upanishad-Gelübde, dem Godana-Gelübde, der Rückkehr nach dem Studium und schließlich: „Om, ich vollziehe Agnis Hochzeit, Svaha.“ Bei jedem dieser Riten bringe man acht Opfergaben dar. Dann nehme man ein Holzstück, dessen beide Enden in Ghee getaucht sind, und opfere dreimal unter dem angegebenen Bija und „Om, Vagisha und Vagishvari Svaha“. Anschließend verehre man Agnis Eltern, Vagisha und Vagishvari, wie zuvor mit den fünf Upacharas, verneige sich und führe sie in das eigene Herz zurück. Die mittleren Formeln sind in der Quelle verkürzt aufgeführt; ihr gemeinsamer ritueller Abschluss ist durch die umgebenden Anweisungen angegeben.

Band II, S. 43–44, Opfergaben an Feuerzungen und Angas
Deutsch: Dann bringe man jeder der sieben Feuerzungen mit ihrem Mantra eine Gabe dar: jeweils nach dem Bija „Hiranya Svaha; Gagana Svaha; Rakta Svaha; Krishna Svaha; Suprabha Svaha; Bahurupa Svaha; Atirikta Svaha“. Danach opfere man mit den Anga-Mantras: „Om, dem Tausendflammigen, dem Herzen Verehrung, Svaha. Om, dem von Wohlergehen Erfüllten, dem Kopf Svaha. Om, dem aufgerichteten Purusha, der Haarlocke Vashat. Om, dem mit Rauch Durchdringenden, dem Schutzpanzer Hum, Svaha. Om, dem Siebenzüngigen, den drei Augen Vaushat, Svaha.“ Bei Vishnu-Verehrung und entsprechenden Verfahren spreche man „den beiden Augen“. „Om, dem Bogenträger, der Waffe Phat, Svaha.“ Lesungshinweis: Die Bija-Ligaturen der sieben Feuerzungen bleiben wie an den zuvor geprüften Stellen ungesichert und sind in den Sanskritfassungen einzeln markiert. Die unterschiedlichen gedruckten Endungen der Anga-Mantras bleiben erhalten.

Band II, S. 44, Opfergaben an Gestalten, Weltenhüter und Waffen
Deutsch: Dann opfere man mit den Mantras der Gestalten Agnis, jeweils mit „Om“ und „Svaha“: Agni Jatavedas; dem Siebenzüngigen; dem Träger der Opfergaben; dem aus dem Pferdeleib Geborenen; Vaishvanara; dem Glanz Kumaras; dem, dessen Antlitz überall ist; und dem Mund der Götter. Anschließend opfere man ebenso an Indra, Agni, Yama, Varuna, Nairrita, Vayu, Kubera, Ishana, Brahma und Ananta; dann an Donnerkeil, Lanze, Stab, Schwert, Schlinge, Elefantenhaken, Keule, Dreizack, Lotus und Diskus. Die Reihenfolge Varuna vor Nairrita folgt dem Druck an dieser Stelle.

Band II, S. 44, Erhobene Ghee-Gabe
Deutsch: Nach diesen Gaben nehme man mit dem kleinen Opferlöffel viermal Ghee und gebe es in den großen. Man bedecke diesen mit dem kleinen Löffel, lege eine Blume oder Ähnliches auf sein Vorderende und stehe auf. Man opfere mit dem durch Vaushat abgeschlossenen Agni-Mantra: „Om, Vaishvanara Jatavedas, bringe hierher, Rotäugiger, vollende alle Handlungen, Svaha, Vaushat.“

Band II, S. 44–45, Zehnteilige Mahaganapati-Gabe
Deutsch: Dann bringe man zehn Gaben mit dem in zehn Stufen erweiterten Mahaganapati-Mantra dar. Die erste enthält Om und Svaha; die zweite fügt das Shri-Bija hinzu, die dritte das Hri-Bija, die vierte das Kli-Bija, die fünfte das weitere gedruckte Ganesha-Bija und die sechste das nasalierte Ga. Die siebte ergänzt „für Ganapati“, die achte „Erhabener, Segensspender“, die neunte „alle Menschen für mich“ und die zehnte „bringe unter meinen Einfluss“. Jede Stufe endet mit Svaha. Nach diesen Gaben opfere man vier weitere Male mit dem vollständigen Mantra. Damit endet das allgemeine Verfahren zur Vorbereitung des Opferfeuers. Lesungshinweis: Der Druck wechselt bei dem Ganesha-Bija von einer Gla-Schreibung zu einer ungewöhnlichen Gaila-Schreibung. Diese Abweichung wird in den Sanskritfassungen sichtbar bewahrt und nicht als gesicherte Rezitationslesung ausgegeben. Die Bitte um Einfluss ist die Aussage des Ritualtextes.

Band II, S. 45, Bereitung und Dreiteilung des Charu
Deutsch: Dann bereite man den Charu, die gekochte Opferspeise. Der Acharya wende sich nach Osten, nehme einen neuen Topf aus Kupfer oder anderem Material und wasche ihn mit durch den Waffen-Mantra geweihtem Wasser. Er gebe entsprechend der Reismenge Kuhmilch hinein und stelle ihn samt Unterlage ans Feuer. Mindestens fünfzehn Handvoll enthülsten Shali-Reises bespreche er mit dem Mula-Mantra und gebe sie hinein. Einen Deckel wasche er mit durch den Waffen-Mantra geweihtem Wasser und bedecke damit unter dem Schutz-Mantra den Kochtopf. Unter dem Mula-Mantra koche er den Charu. Mit dem kleinen Opferlöffel gieße er unter demselben Mantra Ghee über die gegarte Speise. Unter dem Schutz-Mantra nehme er den Topf vom Feuer und stelle ihn auf ein Mandala, das mit durch den Waffen-Mantra geweihtem Kusha-Gras ausgelegt ist. Er teile die Speise dreifach: Einen Teil bringe er in einem anderen Gefäß der Gottheit dar; den zweiten bewahre er für das anschließend beschriebene Homa, den dritten zum Essen auf.

Band II, S. 45, Vereinigung von Feuer und Ishta-Devata
Deutsch: Im Feuer verehre man die Gottheiten des Pitha von der tragenden Shakti bis zum Pitha-Mantra. Dort rufe man die eigene Ishta Devata herbei und verehre sie mit den Upacharas sowie die Gottheiten ihrer umgebenden Kreise. Mit dem Mula-Mantra der Gottheit, abgeschlossen durch Svaha, bringe man fünfundzwanzig Ghee-Gaben in den Mund des Feuers dar. Dies heißt „Vereinigung der Münder“ von Feuer und Ishta-Devata. Dann vergegenwärtige man die Einheit von eigenem Selbst, Feuer und Gottheit und bringe unter demselben Mula-Mantra elf Ghee-Gaben dar. Dies heißt „Verbindung der Nadis“. Nach einer Gabe für jede Avarana-Gottheit verteile der Acharya das Feuer der Reihe nach auf die im Osten und den weiteren Richtungen liegenden Kundas, die von den Opferpriestern nach dem beschriebenen Verfahren geweiht wurden.

Band II, S. 45, Gemeinsames Charu-Homa
Deutsch: Darauf verehren alle Opferpriester im Feuer ihrer jeweiligen Grube die Ishta-Devata zusammen mit den Gottheiten ihres Umkreises durch die vorgeschriebenen Darbringungen. Mit dem Wurzelmantra bringen sie fünfundzwanzig Ghee-Gaben dar, danach jeder Gottheit des Umkreises eine Gabe. Der Guru teilt den zweiten Teil des zuvor beschriebenen Charu in neun Anteile. Einen nimmt er selbst, die übrigen verteilt er einzeln an die Opferpriester. Sie geben Ghee zu diesem Charu. Dann bringen der Acharya und die Opferpriester, jeder in seiner eigenen Grube, mit dem Wurzelmantra jeweils fünfundzwanzig Gaben dieses mit Ghee vermischten Charu dar. Nachdem sie den Gottheiten des Umkreises je eine Gabe und mit dem Wurzelmantra jeweils zehn weitere Ghee-Gaben dargebracht haben, verneigen sie sich vor der Ishta-Devata in Gestalt des Feuers.

Band II, S. 45–46, Gemeinsame Speise und Zahnreinigung
Deutsch: Der Acharya teilt den dritten Teil des Charu in zwei Hälften und legt sie auf Palasha- oder Pippala-Blätter. Eine Hälfte nimmt er selbst, die andere gibt er dem Schüler. Guru und Schüler sprechen das Herzmantra mit der Verneigungsformel und essen drei oder acht Bissen, ohne dass die Speise die Zähne berührt. Danach vollziehen sie Achamana mit durch Mantra gereinigtem Wasser. Nachdem der Schüler Achamana vollzogen hat, heiligt der Guru dessen sämtliche Körperglieder mit dem Wurzelmantra und gibt ihm ein Zahnreinigungshölzchen von der zuvor beschriebenen Beschaffenheit, das mit dem Herzmantra besprochen wurde. Der Schüler reinigt damit die Zähne, spült das Hölzchen mit Wasser ab, wirft es fort und vollzieht Achamana. Manche führen genau zu diesem Zeitpunkt die zuvor beschriebene Prüfung des Zahnreinigungshölzchens aus.

Band II, S. 46, Vorbereitung des Traums und Vers 58
Deutsch: Nach der abendlichen Sandhya-Verehrung bindet der Guru die Shikha des Schülers zusammen, wobei er das Wurzelmantra oder ein anderes in seinem Ritualhandbuch genanntes Mantra spricht. Außerhalb des Mandapa, südlich von der Gottheit, soll er auf einem weiteren Altarplatz auf einem Lager aus Kusha-Gras zusammen mit dem Schüler ruhen; der Kopf weist nach Osten. Beim Einschlafen soll der Schüler mit dem sogenannten Svapnamanava-Mantra um einen günstigen Traum bitten. Dieses lautet: (58) „Erhabener, Herr der Götter, Träger des Dreizacks, dessen Reittier der Stier ist! Du Ewiger, zeige mir im Schlaf das Erwünschte und das Unerwünschte an.“

Band II, S. 46, Alternative Traumformel und Verse 59–60
Deutsch: Oder man spricht die mit Om beginnende Darbringungsformel mit dem zweimaligen Lautwort hili an den Dreizackträger. (59) „Verehrung! Sieg! Dem Dreiäugigen, dem Goldbraunen, dem Großbeseelten, dem Vama, dem Allgestaltigen, dem Herrn der Träume: Verehrung! (60) Teile mir im Traum die Wahrheit über alle Angelegenheiten vollständig mit. Durch deine Gnade, Maheshvara, werde ich das Ritual zum Gelingen bringen.“

Band II, S. 46, Vaishnava-Traumgebete Verse 61–62
Deutsch: Im Vaishnava-Ritus dagegen: (61) „Om. Verehrung dem, der alle Welten ist, Vishnu, dem machtvoll Wirkenden; dem All, dem Allgestaltigen, dem Herrn der Träume: Verehrung!“ Oder: (62) „Dein Wesen ist das höchste Brahman; du bewegst dich im Inneren, du Träger des Alls. Gott, offenbare mir im Traum den günstigen oder ungünstigen Verlauf.“

Band II, S. 46–47, Traumdeutung und Besänftigung
Deutsch: Nachdem er dies gesprochen hat, berührt er mit beiden Knien die Erde und verneigt sich vor Vishnu. Heiter und schweigend legt er sich nieder, während er an seine Ishta-Devata denkt. Hat er einen Traum gesehen, steht er auf, vollzieht Achamana, nimmt eine Blume, verneigt sich vor dem Guru und berichtet ihm den Traum. Der Guru entscheidet, ob dieser günstig oder ungünstig ist. Ist er günstig, soll er daraus erkennen, dass die Gottheit wohlgestimmt ist. Ist er ungünstig, führt er eine Besänftigung aus. Zur Besänftigung eines schlechten Traums bringt man hundert Palasha-Holzscheite oder hundert Ghee-Gaben dar: entweder mit dem Mantra „Phat! Vernichte, vernichte die Übel schlechter Träume! Phat, Svaha!“, mit dem Löwenmantra „Om. Dem großen Löwen, dessen Waffen diamantfeste Krallen und Fänge sind; Hum, Phat, Verehrung, Svaha!“ oder mit der Gayatri jener Gottheit. Der Sankalpa dazu lautet: „Om, heute“ und die weiteren Angaben, „ich, mit dem betreffenden Gotra und dem Namen so-und-so Devasharman, will zur Besänftigung eines schlechten Traums durch den Guru hundert mit Milch und Ghee bestrichene Palasha-Holzscheite als Opfer darbringen.“ Damit endet die Vorschrift für die vorbereitende Weihe.

Band II, S. 47, Morgen des Einweihungstags
Deutsch: Am Einweihungstag stehen der Guru und die übrigen Beteiligten früh auf und verrichten ihre morgendlichen Handlungen, das Bad, die Sandhya und die anderen täglichen Pflichten. Sie betreten den Opfermandapa, verneigen sich vor der Gottheit und bringen jeder in seiner eigenen Grube 1008 oder 108 Gaben dar: Sesam mit Ghee oder andere im Ritualhandbuch dieser Gottheit vorgeschriebene Stoffe. Dabei sprechen sie das mit Svaha endende Wurzelmantra. Nach Abschluss des Homa steht der Guru auf und geht aus dem Mandapa hinaus. Er lässt den bereits gebadeten Schüler Panchagavya trinken, führt ihn durch die südliche Tür herein und bringt ihn zu seiner eigenen Feuergrube. Mit göttlichem Blick betrachtet er den Schüler. Durch dessen Nadi zieht er mit der Ankushamudra das Bewusstsein aus dessen Herzen heraus, führt es auf dem Weg seiner eigenen Nadi in sein eigenes Herz und vereinigt es dort. Dann vollzieht er die Reinigung der kosmischen Entfaltungswege, die Adhvashodhana.

Band II, S. 47, Kaladhvan und Shaiva-Tattvas
Deutsch: Dies geschieht folgendermaßen: An den Füßen des Schülers vergegenwärtigt er sich die fünf Kalas Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti und Shantyatita. Er berührt dessen Füße mit dem Grasbüschel und bringt acht Gaben Sesam mit Ghee dar, mit der Formel: „Om. Ich reinige den Entfaltungsweg der Kalas. Svaha.“ Dann stellt er sich vor, dass dieser Weg im Weg der Tattvas aufgeht. In der Genitalregion des Schülers vergegenwärtigt er sich die als sechsunddreißig bezeichneten Shaiva-Tattvas: Shiva, Shakti, Sadashiva, Ishvara, Vidya, Maya, Avidya, Kala, Raga, die Zeit, Niyati, Purusha, Prakriti, Buddhi, Ahamkara, Manas; Auge, Ohr, Nase, Zunge, Haut; Sprache, Hände, Füße, Ausscheidungsorgan, Zeugungsorgan; Klang, Berührung, Form, Geschmack, Geruch; Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Lesungshinweis: Die Liste nennt 35 unterscheidbare Glieder; die Vorlage bezeichnet sie als 36. Das anschließend gedruckte Wort „Ganesha“ bleibt in seinem syntaktischen Bezug unklar.

Band II, S. 47, Vaishnava- und Saura-Tattvas
Deutsch: Die als zweiunddreißig bezeichneten Vaishnava-Tattvas sind: Jiva, Prana, Manas, Buddhi; Klang, Berührung, Form, Geschmack, Geruch; Raum, Luft, Feuer, Wasser, Erde; Auge, Ohr, Zunge, Nase, Haut; Sprache, Hände, Füße, Ausscheidungsorgan, Zeugungsorgan; Sonne, Mond, Feuer; Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha. Lesungshinweis: Die gedruckte Aufzählung ergibt 31 Glieder; ein fehlendes Glied wird hier nicht ergänzt. Die vierundzwanzig Saura-Tattvas sind: Raum, Luft, Feuer, Wasser, Erde; Klang, Berührung, Form, Geschmack, Geruch; Manas und Ahamkara; Auge, Ohr, Zunge, Nase, Haut; Sprache, Hände, Füße, Ausscheidungsorgan, Zeugungsorgan; Prakriti und Mahat.

Band II, S. 47–48, Prakriti- Shakta- und Tripura-Tattvas
Deutsch: Die zehn Prakriti-Tattvas heißen: die fünf Kalas Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti und Shantyatita sowie Bindu, Kala, Nada, Shakti und Sadashiva. Die zehn Shakta-Tattvas werden mit den Namen Atman, Vidya, Shiva, Shiva, Vidya, Atman, Atman, Vidya, Shiva und Sarva angegeben. Die Tripura-Tattvas werden mit den Namen Atman, Vidya, Shiva, Shiva, Vidya, Atman und Sarva angegeben. Nachdem er diese vergegenwärtigt hat, berührt er die Genitalregion des Schülers mit dem Grasbüschel und bringt acht Gaben dar: „Om. Ich reinige den Entfaltungsweg der Tattvas. Svaha.“ Lesungshinweis: Die wiederholten Namen der Shakta- und Tripura-Listen stehen so auch in der älteren Ausgabe, S. 378. Ihre Gliederung ist nicht durch Erläuterungen gesichert; sie werden nicht zu einer geläufigeren Liste umgestellt.

Band II, S. 48, Bhuvanadhvan
Deutsch: Dann stellt er sich vor, dass der Weg der Tattvas im Weg der Welten aufgeht. Am Nabel des Schülers vergegenwärtigt er sich der Reihe nach die vierzehn Welten: Patala, Rasatala, Mahatala, Talatala, Sutala, Vitala, Talatala, Bhur, Bhuvar, Svar, Mahar, Janas, Tapas und Satya. Er berührt den Nabel und bringt acht Gaben dar: „Om. Ich reinige den Entfaltungsweg der Welten. Svaha.“ Lesungshinweis: Talatala ist in beiden verglichenen Drucken zweimal aufgeführt; die Wiederholung bleibt erhalten.

Band II, S. 48, Varna- Pada- und Mantradhvan
Deutsch: Darauf stellt er sich vor, dass der Weg der Welten im Weg der Laute aufgeht. Im Herzen des Schülers vergegenwärtigt er sich die Laute von a bis ksha. Er berührt das Herz und bringt acht Gaben dar: „Om. Ich reinige den Entfaltungsweg der Laute. Svaha.“ Danach stellt er sich vor, dass der Weg der Laute im Weg der Wörter aufgeht. An der Stirn des Schülers vergegenwärtigt er sich die Wörter des Mantras, berührt die Stirn und bringt acht Gaben dar: „Om. Ich reinige den Entfaltungsweg der Wörter. Svaha.“ Dann stellt er sich vor, dass der Weg der Wörter im Weg der Mantras aufgeht. Am Scheitel des Schülers vergegenwärtigt er sich das vollständige Mantra, berührt den Kopf und bringt wie zuvor acht Gaben dar: „Om. Ich reinige den Entfaltungsweg der Mantras. Svaha.“ Er meditiert darauf, dass der Weg der Mantras in Paramashiva aufgegangen ist, der im Brahmarandhra weilt.

Band II, S. 48, Erneute Entfaltung und Rückführung des Bewusstseins
Deutsch: Nachdem er so im Körper des Schülers die Reinigung der sechs Entfaltungswege in der Reihenfolge ihrer Rücknahme vollzogen hat, meditiert er wieder in der Reihenfolge der Schöpfung: Aus Paramashiva entsteht der Weg der Mantras, aus dem Weg der Mantras der Weg der Wörter, daraus der Weg der Laute, daraus der Weg der Welten, daraus der Weg der Tattvas und daraus der Weg der Kalas. Manche sagen hierzu, man solle die Wege nacheinander durch Opfergaben hervorbringen, beginnend mit der Formel: „Om. Aus Paramashiva lasse ich den Weg der Mantras entstehen. Svaha.“ Dann betrachtet er den Schüler mit göttlichem Blick und führt dessen in ihm selbst befindliches Bewusstsein durch seine eigene Nadi und auf dem Nadi-Weg des Schülers wieder in dessen Herz.

Band II, S. 48, Purnahuti am Ende der Reinigung
Deutsch: Danach bringt er mit dem Wurzelmantra zehn Gaben dar, jeder Gottheit des Umkreises eine Gabe und anschließend die volle Opfergabe, Purnahuti. Das Verfahren ist folgendes: Er füllt die Sruc mit dem beim Homa übrig gebliebenen Ghee, legt Blüten, Sesam, Gerste, Früchte und weitere Gaben hinein und bedeckt sie mit der nach unten gerichteten Sruva. An ihre Spitze legt er eine Blume. Er fasst beide Löffel mit der Shankhamudra, wobei er vom Griffende vier Fingerbreiten frei lässt, und hält die Griffenden an den Nabel. Stehend, mit dem rechten Fuß vorangestellt, bringt er drei volle Opfergaben dar und spricht dazu das mit Vaushat endende Wurzelmantra.

Band II, S. 49, Varianten der vollen Opfergabe und Brahmarpana
Deutsch: Im Shakta-Ritus, auf dem Vamamarga und in entsprechenden Verfahren bringt man die volle Opfergabe mit dem linken Fuß vorangestellt dar; auf dem Vamamarga verwendet man das mit Svaha endende Wurzelmantra. Die Besonderheit des vedischen Verfahrens besteht darin, die volle Opfergabe mit dem Mantra zu geben, das mit „Haupt des Himmels“ beginnt, oder mit dem Mantra über den gefüllten Opferlöffel. Danach bringt man eine volle Gabe mit dem Brahmarpana-Mantra dar. Es lautet: „Alles, was zuvor kraft der mir durch Lebenskraft, Einsicht, Leib und Dharma zukommenden Befähigung im Wachen, Träumen und tiefen Schlaf mit Geist, Sprache und Handlung, mit Händen, Füßen, Bauch und Geschlechtsorgan gedacht, gesagt oder getan wurde: Das alles werde Brahman dargebracht. Svaha.“ Die beiden vedischen Mantras sind im Werk nur durch ihre Anfangswörter bezeichnet.

Band II, S. 49, Zusammenführung der Gottheiten und Mahavyahriti-Homa
Deutsch: Nach dieser vollen Gabe mit dem Brahmarpana-Mantra verehrt er die im Feuer weilende Ishta-Devata mit den fünf Darbringungen und verneigt sich. Mit dem Mantra der sechs Glieder heiligt er ihre Gestalt, entlässt sie mit der Samharamudra aus der Grube und vereinigt sie mit der Gottheit im Kalasha. Dhruva und die übrigen in Osten und den anderen Richtungen aufgestellten Gottheiten, die Weltenhüter von Indra an und die außerhalb befindlichen Gottheiten der Keimlingsdarbringung entlässt er von ihren jeweiligen Plätzen und führt sie im Hauptkalasha zusammen. Er meditiert über ihre Einheit mit der Ishta-Devata. Zur Entlassung des Feuers vollzieht er ein Homa mit den großen heiligen Weltenrufen: „Om, Bhur. Dem Feuer, der Erde und dem Großen: Svaha. Om, Bhuvar. Dem Wind, dem Zwischenraum, dem Himmel und dem Großen: Svaha. Om, Svar. Der Sonne, dem Mond, den Himmelsrichtungen und den Gestirnen: Svaha. Om, Bhur Bhuvar Svar. Dem Mond, den Gestirnen, den Himmelsrichtungen und dem Großen: Svaha.“

Band II, S. 49–50, Entlassung des Feuers und Gabe an den Brahman-Priester
Deutsch: Nach diesen Gaben opfert er auf die zuvor beschriebene Weise je eine Gabe mit den Mantras der Zungen, Glieder und Gestalten des Feuers sowie für die Weltenhüter mit den Mantras ihrer Waffen. Er besprengt das Feuer an den Einfassungen mit Milch oder Wasser und verehrt es mit seinem Mantra und den fünf Darbringungen. Dann bittet er: (63) „Gib mir Wohlergehen, Shraddha, Ruhm, Einsicht, Wissen, Verstand, Glück, Kraft, langes Leben, Ausstrahlung und Gesundheit, du Träger der Opfergaben! (64) O Feuer, du große Macht, die alle Riten zum Gelingen bringt! Wenn ein weiteres Ritual ansteht, sei wiederum wohlwollend zugegen!“ Er sagt: „Erhabener Agni, du bist verehrt worden; verzeihe!“, verneigt sich vor dem Feuer und entlässt es mit der Samharamudra. Danach entlässt er Brahma. Ein aus zweiunddreißig Pala Kupfer gefertigtes Gefäß füllt er mit Reis, legt darauf die goldene Dakshina und gibt es dem Brahmanen, der Brahma vertritt. Die Schenkungsformel lautet: „Om, heute“ und die weiteren Angaben, „zur Bekräftigung des Homa, das Bestandteil des vollzogenen Einweihungsrituals ist, gebe ich dir, dem Brahmanen so-und-so Sharman aus dem betreffenden Gotra, dieses volle Gefäß, dessen Gottheit Prajapati ist, und das Gold, dessen Gottheit Agni ist.“ Mit diesen Worten übergibt er das volle Gefäß.

Band II, S. 50, Öffnung der Augen und Vers 65
Deutsch: Der Acharya wirft das rings ausgelegte Kusha-Gras und die Einfassungshölzer schweigend ins Feuer. Beim täglichen Homa gilt die Besonderheit, dass er sie nicht verbrennen soll. Mit dem Augenmantra und seiner Schlussformel Vaushat verbindet er die Augen des Schülers mit einem neuen weißen Tuch, füllt dessen gefaltete Hände mit Blumen, nimmt ihn an der Hand, entfernt den Vorhang und führt ihn zur Gottheit. Während er selbst das Wurzelmantra spricht, lässt er die Blumen aus den gefalteten Händen auf den Sitz der Gottheit darbringen. Nachdem der Guru die Augenbinde entfernt hat, spricht der Schüler: (65) „Verehrung dem ehrwürdigen Guru, der mir, dem durch die Finsternis des Nichtwissens Erblindeten, mit dem Stäbchen der Erkenntnissalbe das Auge geöffnet hat.“ Dann verneigt er sich zu den Füßen des Gurus und wirft sich mit acht Körpergliedern vor der Gottheit nieder.

Band II, S. 50, Vorbereitung der Begießung und Vers 66
Deutsch: Der Guru lässt den Schüler auf einer Darbha-Unterlage sitzen. Nach dem Verfahren der Bhutashuddhi löst er dessen aus fünf Elementen bestehenden Körper auf und lässt ihn in der Reihenfolge der Schöpfung neu entstehen. Am Körper des Schülers führt er die in seinem Ritualhandbuch vorgeschriebenen Nyasas aus. Für die Begießungsweihe setzt er ihn in einen weiteren, im Nordosten errichteten Mandapa: auf einen Sitz aus Shriparni-Holz oder entsprechendem Holz, der auf einem quadratischen, zwei Hasta langen und breiten sowie acht Angula hohen Altar steht. Er selbst kehrt zum Platz der Gottheit zurück, verehrt sie durch Fußwasser und die übrigen Darbringungen, bietet mit dem Wurzelmantra dreimal Blumen aus den gefalteten Händen dar und übereignet ihr die Verehrung. Dazu spricht er zunächst das Wurzelmantra, dann: (66) „Was immer ich gut oder mangelhaft ausgeführt habe, Herr der Götter: Nimm dies alles als höchste Verehrung an.“ Darauf gießt er Arghya-Wasser in die rechte Hand der Gottheit, bei einer Shakti in die linke.

Band II, S. 50, Vergebungsgebet Verse 67–69
Deutsch: Er verneigt sich vor der Gottheit, nimmt Blumen in die gefalteten Hände und bittet um Vergebung: (67) „Das Blatt, die Blume, die Frucht, das Wasser und die Speisegabe, die allein aus Hingabe dargebracht wurden: Nimm sie voller Mitgefühl an. (68) Ich verstehe die Anrufung nicht, ich verstehe die Entlassung nicht; auch die Puja verstehe ich nicht. Du bist meine Zuflucht, höchster Herr. (69) In Handlung, Geist und Wort habe ich keine andere Zuflucht als dich. Da du im Inneren der Wesen wirkst, bist du ihr Schauender, höchster Herr.“ Mit diesen Worten bringt er die Blumen dar und verneigt sich. Dann bittet er um einen Segen für den Schüler.

Band II, S. 51, Segen für den Schüler Verse 70–72
Deutsch: Das Gebet lautet: (70) „Göttin, Wohnstätte des Mitgefühls, in der alle heilige Gegenwart ihre Zuflucht findet! Zuflucht gewährende, liebevolle Mutter, erweise diesem Kind Gnade. (71) Herrin der Götter, Stütze des Erbarmens, Herrscherin! Hab Mitgefühl mit diesem Hilflosen, den die Fesseln des begrenzten Einzelseins und die weiteren Fesseln binden. (72) Möge ihm auch der Genuss in dieser und in der jenseitigen Welt zuteilwerden. Schenke ihm völlige Hingabe an dich, du Grund des Ungeteilten!“ Bei einer männlichen Gottheit ist die Lesart entsprechend anzupassen, beginnend mit „Herr der Götter, Zuflucht des Mitgefühls“.

Band II, S. 51, Rücknahme der Gottheit und Nirmalya Vers 73
Deutsch: Nach diesem Gebet stellt er sich vor, dass sämtliche Gottheiten des Umkreises in die Hauptgottheit eingegangen sind. Er meditiert über die Gottheit als Lichtgestalt und spricht: „Erhabene Gottheit mit dem betreffenden Namen, du bist verehrt worden; verzeihe!“ Mit der Samharamudra entlässt er sie und setzt sie auf dem Weg der Nadi in sein eigenes Herz. Danach errichtet er im Nordosten ein Mandala und verehrt die im Ritualhandbuch dieser Gottheit genannte, in den Opferresten wohnende Gottheit. Er spricht: (73) „Die Opferreste, die zu leckenden und zu saugenden Speisen, Essen, Getränke und anderes, die Blumengirlanden und Salben gebe ich dir, dem Empfänger der Opferreste, auf Geheiß der Gottheit.“ Nach dieser Übergabe entlässt er die in den Opferresten wohnende Gottheit mit der Samharamudra.

Band II, S. 51, Abhisheka und Übergabe des Mantras
Deutsch: Mit dem Wurzelmantra legt er etwas von den Opferresten auf seinen eigenen Kopf. Dann hebt er den Kalasha an, geht zum Schüler und legt die Zweige aus der Gefäßöffnung auf dessen Kopf. Während er die Matrika-Laute und das Wurzelmantra spricht, begießt er den Schüler mit dem Kalasha-Wasser, begleitet vom Klang der fünf Arten von Instrumenten und weiteren Klängen sowie den Segensworten der Brahmanen. Dann hebt er das Vardhani-Gefäß an und begießt ihn mit dessen Wasser. Mit dem verbleibenden Wasser lässt er den Schüler Achamana vollziehen, heiligt dessen gesamte Gestalt mit den sechs Gliedern und betrachtet ihn als von göttlichem Wesen. Der Schüler steht auf, legt zwei gewaschene Gewänder an, vollzieht Achamana und setzt sich auf Geheiß des Gurus in dessen Nähe, nach Osten oder Norden gewandt. Der Guru stellt sich vor, dass die Gottheit von ihm in den Körper des Schülers übergegangen ist. Er vergegenwärtigt sich ihre Einheit, verehrt den Schüler mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Darbringungen und gibt ihm das Mantra. Dabei spricht er das Versprechen: „Ich gebe dir das Mantra der betreffenden Gottheit“, und gießt Wasser in die Hand des Schülers. Dieser antwortet: „Gib es mir in deiner Gnade.“

Band II, S. 51–52, Einflüstern des Mantras und Dank Verse 74–75
Deutsch: Der Guru legt seine Hand auf den Kopf des Schülers, wiederholt das zu gebende Mantra 108-mal und lässt es ihn dreimal im rechten Ohr hören. Bei Frauen und Shudras spricht er das Mantra in das linke Ohr. Die Übergabe des Mantras mit vorausgehender Wassergabe ist ausschließlich für Brahmanen bestimmt; anderen gibt er das Mantra ohne diese Wassergabe. Dann stellt sich der Guru vor, wie die lichtvolle Vidya aus ihm in den Körper des Schülers eintritt, und spricht: „Möge dieses Mantra uns beiden die gleiche Frucht gewähren.“ Auch der Schüler stellt sich vor, wie diese Vidya aus dem Mund des Gurus in sein eigenes Herz eintritt. Er preist ihn: (74) „Verehrung dir, Herr, Erhabener, Shiva in Gestalt des Gurus, dessen Wesen alle Gottheiten und alle Mantras umfasst! (75) Durch deine Gnade wurde ich aus der schrecklichen großen Schlinge des Todes befreit. Durch deine Huld, Herr, bin ich in jeder Hinsicht ans Ziel gelangt.“ Nach diesem Lob bleibt er ausgestreckt wie ein Stab zu den Füßen des Gurus liegen.

Band II, S. 52, Segenswort Vers 76 und Dakshina
Deutsch: Darauf spricht der Guru: (76) „Steh auf, mein Kind! Du bist befreit. Führe einen rechten Lebenswandel. Ruhm, Glück, Ausstrahlung, Einsicht, langes Leben, Kraft und Gesundheit mögen dir stets zuteilwerden.“ Mit diesen Worten richtet er den Schüler auf. Dieser vergegenwärtigt sich die Einheit von Guru, Gottheit und Mantra und wiederholt auf Geheiß des Gurus in dessen Nähe das Mantra 108-mal. Auch der Guru wiederholt nach der Übergabe das Mantra 1008- oder 108-mal. Danach gibt der Schüler dem Guru ohne Unaufrichtigkeit in Geldangelegenheiten seinen gesamten Besitz, dessen Hälfte oder wiederum deren Hälfte als Dakshina. Er nimmt drei Kusha-Halme, Sesam und Wasser und spricht: „Om, heute“ und die weiteren Angaben, „ich, so-und-so Sharman aus dem betreffenden Gotra, übergebe dir, dem ehrwürdigen Guru so-und-so Sharman aus dem betreffenden Gotra, diese Dakshina zur Bekräftigung des Empfangs dieses Mantras dieser Gottheit.“

Band II, S. 52, Abschluss der Kriyavati-Diksha
Deutsch: Ebenso schenkt er dem Brahmanen, der Brahma vertritt, und den Opferpriestern Kühe, Land, Gold, Kleider, Schmuck und anderes. Den Mandapa samt den Geräten der Puja übergibt er dem Guru. Nachdem die Brahmanen gespeist und Dakshina erhalten haben und ihre Segenswünsche angenommen worden sind, verteilt man die der Gottheit dargebrachten Speisen an ihre Verehrer. Dann essen Guru und Schüler. Am Einweihungstag ist beiden das Fasten untersagt. Der Schüler bleibt drei Tage im Haus des Gurus. Am vierten Tag lässt er eine Verehrung der Gottheit vollziehen, verneigt sich vor dem Guru und kehrt mit dessen Erlaubnis in sein eigenes Haus zurück. Damit ist die Ausführung der Kriyavati-Diksha vollständig abgeschlossen.

Band II, S. 52–53, Verkürzte Einweihung Verse 77–80
Deutsch: Wer dies nicht ausführen kann, soll die verkürzte Einweihung vollziehen. Sie wird im Nibandha beschrieben: (77) Zu einem günstigen Zeitpunkt stelle man auf dem Sarvatobhadra einen neuen Krug auf, mit Wasser gefüllt, mit Duftstoffen und Blumen verehrt und mit einem Tuch versehen. (78) Er enthält die Gesamtheit der vorgeschriebenen Kräuter, neun Edelsteine und fünf Arten von Zweigen. Nach der Verehrung der Gottheit bringe man 108 Opfergaben dar. Die „Gesamtheit der Kräuter“ wird in einem anderen Tantra so erklärt: (79) Jatamansi, Vacha, Kushtha, Shaileya, die beiden Rajani-Arten, Shati, Champaka und Musta gelten als diese Kräutergruppe. Die beiden Rajani sind Haridra und Daruharidra. Ferner werden Prishniparni, Pippali, Sahadevi und Ghritakumari genannt. Die neun Edelsteine wurden bereits genannt. Zu den fünf Zweigarten heißt es im Vashishtha: (80) Jackfruchtbaum und Mango, Ashvattha, Vata und Vakula werden von den Tantra-kundigen Weisen als die fünf Zweigarten bezeichnet. Ein anderes Tantra nennt Ashvattha, Udumbara, Vata, Plaksha und Mango. Die zusätzliche Kräuterzeile mit Prishniparni steht bereits laut Herausgeberanmerkung ohne klaren Zusammenhang im überlieferten Text.

Band II, S. 53, Abschluss der verkürzten Einweihung Verse 81–83
Deutsch: Im Nibandha heißt es weiter: (81) Den gut geschmückten Schüler lasse man auf dem Altar Platz nehmen. Ein Wort vor der Sitzanweisung ist im Druck unklar. (82) Mit besprochenem Sprengwasser vollziehe man die Besänftigung. Man begieße ihn auch mit dem Wasser des Kruges, das durch hundertachtmaliges Sprechen des Wurzelmantras geheiligt wurde. Der Ausdruck „acht-hundert“ ist hier als „hundert und acht“ zu verstehen. (83) Dann übermittle man das Mantra, während die Hand auf dem Kopf des Schülers ruht. Mit den Worten „Heil sei dir!“ gebe man ungebrochene Reiskörner. Danach verehre der Schüler den Guru. Damit endet die Vorschrift der verkürzten Einweihung.

Band II, S. 53, Varnamayi-Diksha Verse 84–89
Deutsch: Nun die Einweihung durch die Laute nach dem Merutantra: (84) Hört nun von der Varnamayi-Diksha, die Erkenntnis schenkt. Die Laute werden als ihrem Wesen nach aus Purusha und Prakriti bestehend beschrieben. (85) Ebendieses Wesen haben die Lehrer auch dem Körper zugesprochen. Daher soll der vortreffliche Lehrer die Laute im Körper seines Schülers niederlegen. (86) Der Meister unter den Lehrern nimmt die an ihren jeweiligen Orten befindlichen Laute in umgekehrter Reihenfolge zurück, durch seine eigene Befähigung und auf Geheiß der Gottheit, deren Wesen er verkörpert. (87) Der Schüler, dessen Tattvas dabei aufgelöst sind, wird von göttlichem Wesen. Dann vereinige man das Bewusstsein des Schülers mit dem höchsten Selbst. (88) Aus diesem lasse man die Laute erneut hervorgehen und lege sie im Körper des Schülers nieder. In der Reihenfolge der Schöpfung setze man auch dessen Bewusstsein wieder in ihn ein. (89) Der Schüler wird von göttlichem Wesen, Shiva, dessen Wesen ewige Glückseligkeit ist. So wurde die Einweihung durch die Laute beschrieben, die Erkenntnis und alle Siddhis schenkt. Damit endet die Vorschrift der Varnamayi-Diksha.

Band II, S. 54, Kalavati-Diksha Verse 90–96
Deutsch: Nun die Kalavati-Diksha aus demselben Werk: (90) Jetzt werde ich die Kala-Einweihung erklären, welche die acht Siddhis von Anima an verleiht. Im vedischen Weg gilt die Einweihung mit fünf Kalas, im rechten Weg jene mit achtunddreißig. (91) Im linken Weg sind es einundfünfzig Kalas. Man empfange diese Einweihung von einem Guru, dessen Mantra vollendet ist; so bringt sie rasch Siddhi. Bei gegenteiligen Voraussetzungen tritt das Gegenteil ein. (92) Die fünf Kalas der Elemente heißen Nivritti und die weiteren. Der Verständige soll mit ihnen der Reihe nach den aus Elementen bestehenden Körper des Schülers durchdringen. (93) Von den Füßen bis zu den Knien befindet sich die Kala Nivritti; von den Knien bis zum Nabel die Kala Pratishtha. (94) Vom Nabel bis zur Kehle befindet sich die Kala Vidya; von der Kehle bis zur Stirn die Kala Shanti. (95) Von der Stirn bis zum Scheitel wird die Kala Shantyatita angegeben. Der Kundige lasse sie in der Reihenfolge der Rücknahme jeweils von ihrem Ort zu einem anderen Ort durchdringen, (96) kraft seiner eigenen Anweisung. Dies gilt als die Einweihung mit fünf Kalas. Ihr Gottheiten, hört nun das Verfahren der Einweihung mit achtunddreißig Kalas! In Vers 90 ist die Zahl verkürzt beziehungsweise beschädigt gedruckt; Vers 96 nennt achtunddreißig ausdrücklich.

Band II, S. 54, Achtunddreißig Kalas Verse 97–99
Deutsch: (97) Wo die zwölf Laute von ka an in ihrer Reihenfolge angeordnet sind und wo die mit bha beginnende umgekehrte Reihe liegt, soll man an diesen beiden Orten (98) die Kalas der Sonne vergegenwärtigen; entsprechend an den sechzehn Lauten die Kalas des Mondes. Am Ort der Laute von ya an soll man die zehn Kalas des Feuers vergegenwärtigen. (99) Danach nimmt man die Laut-Kalas aus den Orten der Laute zurück. Anschließend lasse man den Schüler erneut entstehen. Dies ist das eigentliche Verfahren der Kala-Einweihung. Damit endet die Kalavati-Diksha.

Band II, S. 54–55, Vedhamayi-Diksha Verse 100–105
Deutsch: Nun die durchdringende Einweihung, Vedhamayi-Diksha, aus demselben Werk: (100) Ich werde die durchdringende Einweihung erklären. Wer sie empfängt, verlässt augenblicklich Samsara und wird noch zu Lebzeiten befreit. (101) Im Muladhara des Schülers meditiere man über den vierblättrigen Lotus, in dessen Mitte über ein Dreieck und darin über Kundalini: (102) die Göttin mit drei Windungen, deren Gestalt einem Bündel von Blitzen gleicht, die ganz Mahadeva ist und deren Leib unmittelbar aus reiner Erkenntnis besteht; (103) die Göttin, feiner als das Feinste, welche die sechs Chakras durchdringt und als göttliche Kraft auf dem Weg der Sushumna zur Wohnstätte Shivas zieht. (104) Die an den Blättern befindlichen Laute von va bis sa nehme man am Lotusort zusammen. Dann vereinige der Guru sie im sechsblättrigen Lotus, dessen Blätter die Laute von ba bis la tragen, (105) im Svadhishthana, und lasse sie ihn durchdringen. Er führe dessen Laute in Vishnu und Vishnu in den Nabellotus. Vers 104 druckt beim Beginn der zweiten Lautreihe va; die Deutung als ba folgt der bezeichneten Sechserreihe, ohne den Sanskrittext stillschweigend zu ändern.

Band II, S. 55, Durchdringung der höheren Chakras Verse 106–111
Deutsch: (106) Er lasse ihn den zehnblättrigen Lotus mit den Lauten von da bis pha durchdringen. Diese Laute vereinige er in Rudra und diesen Rudra im Herzlotus. (107) Im Lotus, dessen Blätter die Laute von tha bis ka tragen, vollziehe er die Durchdringung in Ishvara. Die Laute nehme er in diesen zurück und diesen ebenso in den Kehllotus. (108) Im sechzehnblättrigen Lotus vereinige er sorgfältig die Vokale, dann diese in Sadashiva und diesen im Lotus zwischen den Augenbrauen. (109) Nachdem der Lehrer die Durchdringung des zweiblättrigen, mit ha und ksha versehenen Lotus vollzogen hat, führe er so sein Selbst zusammen mit Shakti bis zu Parashiva. (110) Durch die Anweisung des Lehrers verbrennt der Schüler sein Nichtwissen und fällt zu Boden; er hat Erkenntnis erlangt und wird darauf allwissend. (111) Er wird selbst Sadashiva: Dies ist wahr, daran besteht kein Zweifel. So wurde die heilsame, Erkenntnis verleihende Einweihung durch Durchdringung beschrieben. Damit endet die Vedhamayi-Diksha. Die Lautangaben sind übersetzt, wie sie hier stehen; insbesondere die rückläufige Bezeichnung in Vers 107 bleibt erhalten. Das da am Anfang der Reihe in Vers 106 bezeichnet den retroflexen Laut ḍa.

Band II, S. 55, Panchayatana-Diksha und Verse 112–114
Deutsch: Nun die Einweihung in die Verehrung der fünf Gottheiten. Man stellt den Hauptkalasha in die Mitte und vier weitere in die vier Eckrichtungen; dann ruft man die fünf Gottheiten an und verehrt sie. Oder man stellt nur einen Kalasha auf und verehrt die Gottheiten in der nachfolgend genannten Reihenfolge. Denn der Prapanchasara sagt: „Nach dem so beschriebenen Kalasha-Verfahren, mit einem oder mit mehreren Krügen.“ Die Anordnung der Gottheiten beschreibt die Jnanamala: (112) Wenn Shankara in der Mitte steht, verehre man Shripati im Nordosten, Hamsa, die Sonne, im Südosten und Parvatis Sohn im Südwesten. (113) Im Nordwesten ist stets Bhavani zu verehren, die ihre Verehrer liebt. Steht Govinda in der Mitte, verehre man Shankara im Nordosten, (114) Gananatha im Südosten und die Sonne im Südwesten. Im Nordwesten verehre der Mantra-Kundige gesammelt Ambika.

Band II, S. 56, Weitere Fünferanordnungen Verse 115–119
Deutsch: (115) Steht die tausendstrahlige Sonne in der Mitte, verehre man Parvatis Gemahl im Nordosten, den Einzahnigen im Südosten und Achyuta im Südwesten. (116) Im Nordwesten verehre man die Göttin, die allein Genuss und Moksha gewährt. Steht Bhavani in der Mitte, verehre man Madhava im Nordosten. (117) Im Südosten verehre der Acharya Parvatis Herrn, im Südwesten den Führer der Ganas und im Nordwesten die leuchtende Sonne. (118) Steht Heramba in der Mitte, verehre man Achyuta im Nordosten, den Fünfgesichtigen im Südosten und die Weltenmutter im Südwesten. (119) Im Nordwesten verehre der Mantra-Kundige unermüdlich das Himmelsjuwel, die Sonne. Gottheiten, die nicht an ihrem eigenen Platz stehen, bringen Kummer, Leid und Furcht. Der König und der Sadhaka, die sich in einem solchen Mandala befinden, gehen zugrunde. Der letzte Halbvers steht im Druck ohne eigene Nummer.

Band II, S. 56, Merksprüche zur Anordnung Verse 120–121
Deutsch: Ein anderes Tantra sagt: (120) Steht Shambhu in der Mitte, sind von Shankaras Richtung, dem Nordosten, an Hari, die Sonne, Haras Sohn und die Göttin aufzustellen; bei Hari in der Mitte Shankara, der Elefantengesichtige, die Sonne und die Tochter des Berges; bei der Sonne Hara, Ganesha, Aja und Ambika; bei der Göttin Vishnu, Hara, Ekadanta und die Sonne; bei Lambodara Aja, Ishvara, die Urgöttin und die Sonne. Werden diese Plätze vertauscht, bringen sie Schaden. Im Merutantra: (121) Bei Isha in der Mitte sind Aja, die Sonne, Ishas Sohn und Shiva, die Göttin, zu verehren; bei Hari Isha, Ishas Sohn, die Sonne und die Göttin; bei der Sonne Isha, Ganesha, Aja und Uma; bei der Göttin Vishnu, Shiva, Ganesha und Bhaskara; bei Ganesha Aja, Isha, die Sonne und die Göttin, jeweils in den Eckrichtungen von Nordosten an. Die Sanskritverse verwenden stark zusammengezogene Gottesnamen. Der Wortlaut des Sonnen-Abschnitts in Vers 121 ist beschädigt; seine Zuordnung folgt der unmittelbar vorausgehenden ausführlichen Liste, nicht einer Ergänzung des Sanskrittextes.

Band II, S. 56–57, Reihenfolge der Puja Verse 122–125
Deutsch: Zur Reihenfolge der Puja sagt ein anderes Tantra: (122) Nachdem man der Hauptgottheit Blumen aus den gefalteten Händen dargebracht hat, erfolgt die Verehrung von Ganesha an. Ist Ganesha selbst die Hauptgottheit, beginnt die Reihenfolge mit der Sonne. Ferner heißt es: (123) Wer auf einem einzigen Sitz ohne Yantra getrennte Verehrungen vollzieht und dabei den Zusammenhang der Glieder untereinander aufgibt, zieht sich den Fluch der Gottheiten zu. Dieser Ausspruch der Kalavati untersagt die getrennte Verehrung auf einer anderen Grundlage als einem Yantra. Die Anweisung bezieht sich daher auf ein geweihtes Yantra und entsprechende Grundlagen; das ergibt sich auch aus dem Ausspruch des Sanatkumariya: „Verehrung des Sitzes, Opfer für die Gliedgottheiten“ und so weiter. Nach dem Verfasser des Tantrasara erfolgt die Verehrung der Gliedgottheiten nach der Verehrung des Sitzes. Die Mahakalasamhita schreibt dagegen vor, Ganesha und die übrigen bereits vorher zu verehren: (124) Wer die Fünfgottheitenverehrung vollzieht, soll eifrig genau zu diesem Zeitpunkt Ganesha, Vishnu, Surya und Isha mit Darbringungen verehren. Tatsächlich gilt die Anweisung „Verehrung des Sitzes, Opfer für die Gliedgottheiten“ und so weiter für das Verfahren mit einem Kalasha. Beim Verfahren mit fünf Kalashas stellt man diese dagegen in der genannten Reihenfolge auf fünf Sarvatobhadra-Mandalas auf und verehrt die fünf Gottheiten einzeln. Daher besteht kein Widerspruch. Für Shyama und weitere Gottheiten schließt das Chamundatantra die Panchayatana-Einweihung aus: (125) Bei Shyama, Bhairavi, Tara, Chhinnamasta, Bhairava sowie Manjughosha und dem Raudra-Ritus billigen die Kundigen das fünfgliedrige Verfahren nicht. Damit endet die Vorschrift der Panchayatana-Diksha.

Band II, S. 57, Einteilung der Diksha Verse 126–127
Deutsch: Im Shadanvayamaharatna: (126) Die Anavi-Diksha hat viele Formen; die Shakteyi- und die Shambhavi-Diksha dagegen haben jeweils nur eine Form. So lehren es die Gelehrten, die sich in den Schriften auskennen. (127) Nachdem gesagt wurde, dass die Anavi-Diksha vielfältig ist, werden nun ihre Unterarten genannt: die Einweihung durch erinnernde Vorstellung, durch den Geist, durch Yoga, durch den Blick, durch Berührung, ferner durch das Wort, durch Mantra, durch Feueropfer, durch die Schrift und durch Begießung. Die zweite Namenszeile folgt im Druck ohne eigene Versnummer.

Band II, S. 57, Smarti- Manasi- und Yoga-Diksha Verse 128–131
Deutsch: Nun die Smarti-Diksha aus demselben Werk: (128–129) Durch erinnernde Vorstellung an den fern weilenden Guru beziehungsweise Schüler werden die drei Fesseln nacheinander gelöst; gemäß dem Verfahren der Auflösung und Erfahrung wird der Schüler vollständig mit dem höchsten Shiva vereinigt. Eine Einweihung dieser Art wird Smarti-Diksha genannt. Die erste Zeile ist grammatisch gestört: Der Druck nennt „den Guru“ und zugleich „den Schüler“, ohne ihren Bezug eindeutig zu machen. Die übliche Deutung, dass der Guru den fernen Schüler vergegenwärtigt, ist hier nicht als gesicherter Wortlaut eingesetzt. Damit endet die Smarti-Diksha. Nun die Manasi-Diksha aus demselben Werk: (130) Die Einweihung, bei der der Guru den vor ihm sitzenden reinen Schüler im Geist betrachtet und ihn mit geeigneten Mitteln von den drei Verunreinigungen befreit, ist die geistige Einweihung. Damit endet die Manasi-Diksha. Nun die Yoga-Diksha aus demselben Werk: (131) Der Yogi tritt nach dem im Yoga gelehrten Verfahren in den Körper des Schülers ein, ergreift dessen Selbst und vereinigt es mit seinem eigenen Selbst. Eine solche Einweihung heißt Yoga-Diksha; sie vernichtet die drei Verunreinigungen. Damit endet die Yoga-Diksha.

Band II, S. 58, Einweihung durch den Blick Verse 132–134
Deutsch: Nun die Einweihung durch den Blick nach dem Merutantra: (132) Der Guru schließt die Augen und meditiert über die Gottheit im höchsten Selbst. Dann betrachtet er selbst den Schüler mit Augen, die von der Freude dieser Schau erfüllt sind. (133) Mit heiterem Geist unterweist er ihn anschließend. Das Mantra führt den Schüler zur Siddhi; diese Einweihung durch den Blick trägt Frucht. Im Shadanvayamaharatna: (134) In der Gewissheit „Ich bin Shiva“ den Schüler mit einem von Mitgefühl erfüllten Blick anzuschauen: Das ist die Einweihung durch die Augen, die alles üble Karma vernichtet. Damit endet die Einweihung durch den Blick.

Band II, S. 58, Einweihung durch Berührung Verse 135–138
Deutsch: Nun die Einweihung durch Berührung aus demselben Werk: (135) Der Guru wird selbst Parashiva und berührt mit zweifelsfreiem Geist den Kopf des Schülers mit der Shiva-Hand, während er das Mantra spricht. Dies heißt Einweihung durch Berührung; sie lässt Shiva offenbar werden. „Mit der Shiva-Hand“ bedeutet: (136) Man zeichne mit Duftstoffen ein kleines Mandala auf die eigene rechte Hand und verehre darin die Gottheit vorschriftsmäßig. So wird die Hand zur Shiva-Hand. Gemeint ist die von Somashambhu beschriebene Form. Im Merutantra: (137) Der Guru meditiert in seiner eigenen Hand über seinen Guru in Gestalt Shivas. Während er die Wurzelvidya, die sechs Glieder und die Mantras der Matrika und weitere Mantras rezitiert, (138) legt er voller Mitgefühl seine rechte Hand auf den Kopf des Schülers. Anschließend unterweist er ihn. Dies wird die Einweihung durch Berührung genannt, die höchste Siddhi gewährt. Damit endet die Einweihung durch Berührung.

Band II, S. 58–59, Wort-Einweihung Verse 139–141
Deutsch: Nun die Wort-Einweihung nach dem Shadanvayamaharatna: (139) Der Guru vergegenwärtigt sich seinen eigenen Mund als den Mund seines Gurus. Ehrfürchtig übergibt er dem Schüler durch das Wirken dieses Guru-Mundes das göttliche Mantra und die weiteren Unterweisungen zusammen mit Mudras, Nyasas und anderem. Dies ist die Wort-Einweihung. Im Merutantra: (130, im Zusammenhang der Vers 140) Der Guru versenkt seinen Geist in Sadashiva, dessen Wesen Bewusstsein ist. Selbst von dessen Wesen, meditiert er über sämtliche Mantras als aus ihm hervorgegangen. (141) „Durch die Gnade des Gurus bin ich einzig Sadashiva geworden“: In dieser Meditation soll man verweilen. Dies wird Wort-Einweihung genannt. Damit endet die Wort-Einweihung. Die Ausgabe druckt nach Vers 139 die Nummer 130; die folgende Nummer lautet 141.

Band II, S. 59, Mantra-Einweihung Vers 142
Deutsch: Nun die Mantra-Einweihung nach dem Shadanvayamaharatna: (142) Eine weitere Einweihung geschieht so: Der Guru versieht seinen Körper mit dem Mantra-Nyasa, wird selbst zu einem aus Mantra bestehenden Leib und übergibt dem Schüler ehrfürchtig das Mantra mitsamt seinem Verfahren. Diese Mantra-Einweihung vernichtet die Verunreinigung. Damit endet die Mantra-Einweihung.

Band II, S. 59, Feuer-Einweihung Verse 143–144
Deutsch: Nun die Einweihung durch Feueropfer aus demselben Werk: (143) Man richtet das Feuer vorschriftsmäßig in einer Grube oder auf einer Opferfläche ein. Nach dem Verfahren der Auflösung und Erfahrung vollzieht man für jeden Entfaltungsweg in der gebührenden Reihenfolge (144) das Homa zur Reinigung von Mantras, Lauten, Kalas, Tattvas, Wörtern und Welten. Dies wird Einweihung durch Feueropfer genannt. „Nach dem Verfahren der Auflösung und Erfahrung“ bedeutet: nach dem Verfahren der durchdringenden Einweihung, in Gestalt der Rücknahme der im Muladhara beginnenden Laute und Gottheiten. Damit endet die Einweihung durch Feueropfer.

Band II, S. 59, Begießung und Shambhavi-Diksha Verse 145–146
Deutsch: Nun die Einweihung durch Begießung aus demselben Werk: (145) Nachdem man Shiva und seine Gemahlin im Krug ehrfürchtig verehrt hat, vollzieht man die Begießung mit dem Shiva-Krug. Eine solche Einweihung heißt Einweihung durch Begießung. Damit endet diese Einweihung. Nun die Shambhavi-Diksha nach dem Merutantra: (146) Wenn allein durch den Blick des Gurus, durch sein Sprechen oder durch seine Berührung unmittelbar Erkenntnis entsteht, so gilt diese Einweihung als Shambhavi-Diksha. Damit endet die Shambhavi-Diksha.

Band II, S. 59–60, Upadesha-Diksha Verse 147–149
Deutsch: Nun die Einweihung durch Unterweisung nach dem Vishvasara: (147) Ist jemand auch hierzu nicht imstande, verehre man das Muschelhorn mit ungebrochenen Reiskörnern und begieße den Schüler mit dessen Wasser achtmal unter Sprechen des Wurzelmantras. Man lege die Hand auf seinen Kopf und rezitiere das Mantra achtmal in sein Ohr. Dies ist das Verfahren der Unterweisung. „Hierzu“ bedeutet: zur zuvor genannten verkürzten Einweihung. Das Wort „Wassergeborenes“ bezeichnet das Muschelhorn. „Die Hand auf das Haupt legen“ bedeutet, dass man die Hand auf den Kopf setzen soll. Nun eine weitere Form der Unterweisung aus demselben Werk: (148) Die große Einweihung, die Einweihung und danach die Unterweisung sind jeweils in den aufeinanderfolgenden Weltaltern auszuführen; im Kali-Yuga ist die Unterweisung vorgesehen. (149) Die bloße Mitteilung des Mantras bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis, an einer Pilgerstätte, an einem Siddhi-Ort oder in einem Shiva-Heiligtum wird Unterweisung genannt.

Band II, S. 60, Prüfung von Guru und Schüler Verse 150–153
Deutsch: Im Merutantra: (150) Damit Genuss und Befreiung erreicht werden, soll der Guru den Schüler vorschriftsmäßig prüfen und ihm erst danach das Mantra mitteilen. Andernfalls bleibt es fruchtlos. (151) Wer es unrechtmäßig gibt und wer es unrechtmäßig empfängt: Sowohl den Gebenden als auch den Empfangenden trifft ein Fluch der Kula-Tradition. (152) Wenn Guru und Schüler aus Verblendung die Unterweisung geben und empfangen, ohne einander geprüft zu haben, werden beide zu Pishachas. (153) Wer eine den Schriften widersprechende Unterweisung empfängt und wer sie gibt: Beide müssen die einundzwanzig schrecklichen Höllen erfahren. Zu „Fluch der Kula-Tradition“ in Vers 151 verzeichnet der Herausgeber als Variante „Untergang des Kula“. Die Drohungen sind Aussagen des überlieferten Textes.

Band II, S. 60, Eignung und Motivation Verse 154–157
Deutsch: (154) Wer in törichter Gesinnung eine Unterweisung erteilt, ohne die erforderliche Weihe vollzogen zu haben, dessen Mantras gehen zugrunde wie Reissamen auf Sand. (155) Die Erkenntnis des Mantras bleibt niemals in einem Ungeeigneten bestehen. Deshalb soll man sie erst nach Prüfung mitteilen; andernfalls bleibt sie fruchtlos. (156) Die Erkenntnis, die einem guten, zutiefst hingebungsvollen Schüler vermittelt wird, gelangt zur erfahrbaren Verwirklichung, wie Ghee aus Kuhmilch hervorgeht. (157) Wer aus dem Wunsch nach Geld, aus Furcht, Habgier oder ähnlichen Beweggründen einen Ungeeigneten einweiht, zieht sich den Fluch der Gottheit zu, und das Vollzogene verkehrt sich ins Gegenteil. Damit endet die Vorschrift der Einweihung durch Unterweisung.

Band II, S. 60–61, Krama-Diksha Verse 158–164
Deutsch: Nun die Vorschrift der gestuften Einweihung, Krama-Diksha. Es folgen im Tantrachintamani angeführte Aussprüche aus dem Shaktisangama, Kularnava und weiteren Werken. (158) Sundari, Tarini und Kali werden durch die gestufte Einweihung erreicht. Wer die Stufenfolge vollendet hat, Maheshani, wird durch diese Folge zu Shambhu. (159) Es werden die mit Mond, Feuer, Flügelpaar und Shodha bezeichneten Stufen genannt, auf Para und Nirvana ausgerichtet; danach, Göttin, das sechsfache Shambhava und die Durchdringung der Chakras. (160) Erkenntnis des eigenen Chakra-Körpers und Eintritt in einen fremden Körper: Durch dieses Wissen entsteht die Medha genannte Einweihung, die ich dir erklärt habe. (161) Dies wurde für die Hadi-Tradition gesagt. Höre nun die Kadi-Tradition, Maheshvari: Mond, Feuer, Rasarajni und danach Maharajni, o Shiva. (162) Mahakamakala, Kali und danach Guhyakali, o Shiva. Guhyakali wird in zwei Formen gelehrt, der gegliederten und der ungegliederten. (163) Die gegliederte Form wird als zehngesichtig oder als Schöpferin bezeichnet. Auch sie wird dreifach beschrieben: heftig, mild und äußerst furchterregend. (164) Die ungegliederte Kali wird als besondere Form mit der Bezeichnung Guhya genannt. Diese allein heißt Medha und hat die Gestalt der umfassenden Herrschaft, Samrajya. Die Stufennamen in Vers 159 sind verdichtet und teilweise mehrdeutig. Mond, Feuer und ähnliche Ausdrücke werden hier nicht in unbelegte Bija-Formeln aufgelöst; der syntaktisch schwierige Wortlaut bleibt im Sanskrit erhalten.

Band II, S. 61, Vidya-Stufen Verse 165–170
Deutsch: (165) Der Reihe nach werden die mit Mond, Feuer und Veda bezeichneten Formen, die fünfsilbige Form sowie Nila genannt, dann Hamsatara, Mahanila und zuletzt die aus China stammende Form. (166) Die alleinstehende Form ist Medha; Riddhi und Siddhi, ferner Nicht-Handlung, werden genannt, zweifach gegliedert. Im göttlichen Samrajya wird die Medha-Einweihung dreifach genannt. Die Zuordnung der Zweiteilung in diesem Vers bleibt unklar. (167) Von göttlichem Wesen, von himmlischem Wesen, von Mantra-Wesen, die große Para, allgestaltig und allem vorausgehend: so werden die Formen durch die Mahasamrajya-Medha bezeichnet. (168) Durch die Reihenfolge von Riddhi und Siddhi wird die Vielfalt der Unterarten erklärt. Im Verfahren der Chhinnamasta gilt die Einweihung in die Vidya als die „Herrschaft“ genannte Einweihung. (169) Mond, Feuer, Rasa, Rakta, Shyama und die Sechzehnte; Para, Shodha und die Siebzehnte: Danach entsteht die höchste Para. (170) Dipini, Malini und Kulla verleihen in ihrer Reihenfolge die Herrschaft über die Vidyas und weiteres. Bagala, Maheshani, befindet sich im höchsten Samrajya. Diese Verse nennen verdichtete Vidya- und Stufenbezeichnungen; wo sie keine ausgeschriebenen Mantras bieten, werden keine ergänzt. Die Aufzählung in Vers 169 lässt mehrere Worttrennungen zu.

Band II, S. 61–62, Höchste gestufte Einweihung Verse 171–179
Deutsch: (171) Genannt werden Mond, Veda, der feine Meru, das vom Mantra Freie und das Innere Shivas; ferner das Herz, das Hundertsilbige, die fünf Glieder und Kulluka. Der Zusammenhang der ersten Halbzeile ist unsicher; die dortigen Bezeichnungen bleiben ohne spekulative Entschlüsselung. (172) Dazu kommt Gayatri in der geordneten Folge; so trägt man die höchste Würde des Samrajya. Wer mit dieser Fünfergruppe verbunden ist, besitzt die Einsicht in die umfassende Herrschaft. (173) Die ehrwürdige göttliche All-Samrajya-Einweihung ist die höchste von allen. Eine noch höhere Einweihung, Herrin der Götter, gibt es in der Kugel des Weltalls nicht. (174) Die zehn Unterarten der Vidyas, die aus den Unterarten der Mahavidyas hervorgehen, die Unterarten der Siddhi-Vidyas und ebenso die großen Mantras, (175) ihre Gliedmantras, Herrin der Götter, die Shabara-Mantras, die regionalen Shabara-Mantras, die zeitbezogenen und die Siddhi-Shabara-Mantras, Göttin, (176) die drei Arten der Darshana-Mantras sowie die aus den Überlieferungsfolgen hervorgehenden Mantras, im oberen Amnaya in der Kadi- und Hadi-Folge im Kali-Zeitalter, o Shiva, (177) ferner die Mantras der Heiligtümer und welches Mantra-Geflecht es sonst noch gibt: Die Berechtigung zu alldem, Herrin der Götter, ergibt sich aus diesem Einweihungsverfahren. (178) Wer diese Einweihung besitzt, ist unmittelbar Shri Kalika selbst. Im Verlauf der acht Tages- und Nachtabschnitte trägt er das Wesen der zehn Vidyas. (179) Die Kamakala genannte Vidya samt ihren Unterarten, die waltende Gottheit sowie die Gliedmantras und die übrigen sind für ihn stets darin enthalten.

Band II, S. 62, Folgen fehlender und vollzogener Krama-Diksha Verse 180–186
Deutsch: (180) Die gestufte Einweihung, Maheshani, unterscheidet sich bei den fünf Vidyas. Ihre Gliedmantras, Gayatri und die Kulluka-Fünfergruppe, o Shiva, (181) werden im Verfahren der anderen Vidyas als Geheimnis jenseits aller Geheimnisse beschrieben. Wer bei Shrividya, Kalika oder Tara, höchste Herrin, (182) ohne gestufte Einweihung Japa vollzieht, Göttin, ist ein ganz geringer Sadhaka; er wird arm, schrecklich, ohne Lakshmis Segen und verachtet. (183) Oder er verfällt dem Wahnsinn und erfährt die Erschütterung durch das Mantra. Wer dagegen die gestufte Einweihung besitzt, wird gewiss ein König, (184) mit großem Reichtum und allen Siddhis ausgestattet, siegreich, bescheiden, rechtschaffen, vollendet, Siddhi verleihend und segensreich; (185) freudigen Herzens, allwissend, Kenner der drei Zeiten, Dichter und glücklich; Herr über Millionen Vollendeter, heldenhaft, schön und selbst für Kama bezaubernd; (186) seinem Wesen nach Glückseligkeit, das höchste Selbst, über die überwundenen Eigenschaften hinausgelangt, unmittelbar Herr der Könige, im Kali-Zeitalter Mahakala gleich. Die letzte Eigenschaft vor „Herr der Könige“ ist sprachlich schwierig. Zu „höchstes Selbst“ verzeichnet die Ausgabe die Variante „höchste Glückseligkeit“. Drohungen und Verheißungen werden als traditionelle Aussagen wiedergegeben.

Band II, S. 62–63, Guru und Stufenfolge Verse 187–191
Deutsch: (187) Wer diese Vidya verehrt, kennt niemals Armut oder Niedrigkeit. Fehlt jedoch der Guru, wird die Stufenfolge aufgegeben oder die Verbindung zur Überlieferung gelöst, (188) so entsteht zunächst Armut; daran ist nicht zu zweifeln. Wo ein Haus aus wunscherfüllendem Edelstein steht, wo ein Edelsteinpalast ist, (189) mit Treppen aus den neun Edelsteinen, ein Haus als Sitz aller Herrlichkeit, wo ein Wald von Wunschbäumen und ebenso ein Parijata-Wald ist, (190) wo die Umfassungsmauer aus dem Stein besteht, der durch Berührung verwandelt: Wie könnte es dort Armut geben? Deshalb begegnet demjenigen ohne Stufenfolge auf Schritt und Tritt Armut. (191) Der Verständige suche einen mit der Stufenfolge verbundenen Guru auf und bitte ihn um diese Folge. Andernfalls könnte er durch die Unwissenheit des Gurus Armut erlangen oder kurzlebig werden, Göttin; daran ist nicht zu zweifeln.

Band II, S. 63, Abschluss der Krama-Diksha Verse 192–193
Deutsch: In der Dikshapaddhati wird ein Ausspruch des Vadavanaliya angeführt: (192) Ganesha, Vishnu, Surya, Umapati und Isha werden in den Himmelsrichtungen der Reihe nach genannt. Wenn sie von einem Lehrer, der die Reihenfolge kennt, vorschriftsmäßig vermittelt werden, (193) heißt dies gestufte Einweihung. Eine verkehrte Reihenfolge verleiht keine Siddhi. Wo das Verfahren der gestuften Einweihung stattfindet, dort erfolgt die vollständige Begießungsweihe. Damit endet die Darstellung der gestuften Einweihung. Die Gottesnamen im ersten Halbvers sind im Sanskrit stark abgekürzt; die Abgrenzung der beiden letzten Bezeichnungen ist nicht gesichert.

Band II, S. 63, Notwendigkeit des Purnabhisheka Verse 194–199
Deutsch: Nun das Verfahren der Einweihung durch vollständige Begießung. Nachdem das Merutantra die zuvor genannten Einweihungsarten beschrieben hat, sagt es: (194) Nachdem der Guru so die Einweihung erteilt hat, vollziehe er die vollständige Begießungsweihe. Ohne diese Begießung erlangt der Sadhaka weder vollständige Erkenntnis (195) noch den Rang eines Acharya noch das ersehnte gute Ziel. Deshalb unterweise der Guru seinen geliebten Schüler und begieße ihn. Im Shaktisangama, Kularnava und weiteren Werken: (196) Ohne vollständige Begießungsweihe wäre selbst Shiva ein gebundenes Wesen. Ohne sie wird die Gottheit nicht wohlgestimmt. (197) Wer ohne vollständige Begießungsweihe das Mantra Kalis oder Taras rezitiert, dem werde ich die Wirksamkeit seines Rituals nehmen; der Mensch wird wahnsinnig. (198) Ohne die nach der Guru-Tradition vollzogene vollständige Begießungsweihe, Parvati, gelangen weder Japa noch Homa noch Puja jemals zur Vollendung. Besonders für die Kaulas ist die vollständige Begießungsweihe erforderlich, denn das Kularnava sagt: (199) Stirbt ein Kaula ohne sie, wird er zum Pishacha bis zur Auflösung der Elemente. Ferner: „Die vollständige Begießungsweihe, Herrin der Götter, ist im Verfahren der zehn Vidyas vorgesehen.“ Dieser abschließende Halbvers steht ohne eigene Nummer; die geschilderten Sanktionen sind traditionelle Textaussagen.

Band II, S. 64, Zeitpunkte der Begießungsweihe Verse 200–202
Deutsch: Die Zeitpunkte der vollständigen Begießungsweihe nennt das Tantraraja: (200) Bei ungünstigen Planetenstellungen, unter dem eigenen Geburtsstern, bei einer Finsternis eines der beiden Himmelslichter, (201) bei Neumond oder bei Bedrängnis durch Feinde vollziehe man die vollständige Begießungsweihe. Durch deren Kraft berühren den Betreffenden die schädlichen Einflüsse niemals. Im Shaktisangama und weiteren Werken: „Die Einweihung durch vollständige Begießung soll bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis stattfinden.“ Sie ist auch zu anderen heiligen Zeiten zu vollziehen. (202) „Zu den sieben genannten Zeiten oder zu anderen heiligen Zeiten, mit Ehrfurcht“ – so der Ausspruch des Tantraraja. Nun wird das Verfahren erklärt. Der Ausdruck für die sieben Zeiten ist im Druck zusammengezogen; eine zusätzliche Liste ist hier nicht überliefert.

Band II, S. 64, Vorbereitung und Verehrung der Gurus Verse 203–206
Deutsch: (203) Der Guru verweilt im zuvor beschriebenen Mandapa und widmet sich der Meditation. Am folgenden Tag vollzieht er die Aussaat der Keimlinge und das Vastu-Opfer. (204) Sorgfältig und ehrfürchtig legt er die Feuergrube vorschriftsmäßig an, vollzieht das Homa und verehrt ehrerbietig die ehrwürdige Guru-Familie. (205) Auf dem Altar verehrt er die Ishta-Devata und die Dreiheit der Gurus mit Ehrfurcht. Ebenso sind die Shaktis der Gurus mit Gewändern und Schmuck zu verehren. (206) Dazu kommen die Füße der göttlichen Überlieferung, die Füße der Siddha-Überlieferung, o Shiva, die menschliche Überlieferung, Maheshani, und die Vierheit der eigenen Gurus.

Band II, S. 64, Mandala und Kalashas Verse 207–210
Deutsch: Im Merutantra: (207) Im Mandapa zeichne man ein großes, überaus schönes Chakra. In dessen Mitte stelle man einen mit einer Khari Wasser gefüllten Krug. (208) Auf den übrigen Blättern stelle man die verschiedenen weiteren Kalashas auf, mit Stoffen und Gold versehen. Man rufe darin die Ishta-Devata an und verehre sie in der Mitte sowie an den äußeren Stellen zusammen mit ihren Glied- und Umkreisgottheiten. Die Satzfügung dieses Verses ist im Druck unregelmäßig. Ein anderes Tantra sagt: (209) In der Mitte steht der Hauptkrug; ringsum sind in der Reihenfolge der Puja sämtliche Krüge der Umkreisgottheiten aufzustellen. Im Tantraraja: (210) Man zeichne ein großes Chakra und lege bei jeder Yoni sechzehn Dreiecke an. In dessen Mitte stelle man den Krug auf.

Band II, S. 65, Gefäße und Maßangaben Verse 211–216
Deutsch: Im Tantraraja: (211) Der Krug besteht aus Gold, Silber, Kupfer, Glas oder Ton und wird mit einer Khari Wasser gefüllt, das mit den den Lauten zugeordneten Kräutern abgekocht ist. (212) Man legt die neun Edelsteine, verschiedene Getreidearten sowie Gold und Kupfer hinein und umhüllt ihn mit zwei (213) roten Tüchern. Man versieht ihn mit Sandel und Zweigen von Mango, Jackfruchtbaum und Ashvattha, die mit der Shatakratu-Ranke zusammengebunden und mit einer Matulunga-Frucht versehen sind. (214) Weitere Kalashas werden ebenso hergerichtet und einzeln an den übrigen Plätzen aufgestellt. Als Zahlen werden der Reihe nach fünfzehnhundert, sechsunddreißig und fünf genannt. Zu „einer Khari Wasser“: Das Maß der Khari beschreibt das Skandapurana: (215) Zwei Pala ergeben eine Prasriti; ein Kudava gilt als das Doppelte davon. Vier Kudava ergeben einen Prastha, vier Prastha einen Adhaka. (216) Das Vierfache davon ist ein Drona, zwei Drona sind ein Kumbha. Acht solcher Kumbha sind eine Khari … Der Schluss von Vers 216 ist bereits im Druck durch Auslassungspunkte ersetzt; er kann hier nicht übersetzt werden.

Band II, S. 65–66, Vollzug der Begießung Verse 217–224
Deutsch: Im Tantraraja: (217) Am Vortag richtet man im Inneren der Chakras Wasser und die übrigen Gaben her, verehrt sie und rezitiert die Mantras im Wesen der Zeit. Das Wort unmittelbar vor „verehren“ bleibt unklar. (218) Am Tag des Geburtssterns steht man früh auf, vollzieht seine täglichen Pflichten und anschließend die Verehrung. Man rezitiert tausendmal und führt danach das Homa ringsum aus. Im Trishaktiratna: (219) Nach der Verehrung mit vielfältigen Darbringungen opfere man tausendmal im reinen Feuer. Der Guru begießt den Schüler und gibt ihm selbst einen Namen. Im Tantraraja: (220) Begleitet von Hörnern, Trompeten, Muschelhörnern und weiteren Instrumenten, Gesang und Tanz, soll der Guru selbst die Begießung vollziehen, zusammen mit freudigen Yogini-Scharen von göttlichem Wesen, die die sorgfältig verehrten Gefäße einzeln tragen. Im Merutantra: (221) Der Acharya berührt den mittleren Kalasha und rezitiert die vier Veden samt ihren ergänzenden Wissensgebieten. Danach begießt der Guru den Schüler mit diesem Wasser. Das ist die vollständige Begießungsweihe. Im Tantraraja: (222) Oder man stellt dort acht Kalashas in der Art des Khanda-Verfahrens auf, ruft in ihnen die Shaktis an, verehrt sie und vollzieht die Begießung. (223) Oder man richtet am Geburtstag einen einzigen Kalasha her und begießt den Schüler. Ferner: (224) Dem Wasser wird das Wesen von Mond, Sonne und Feuer zugesprochen. Deshalb dient die Begießung der Stillung allen Leids und aller Bedrängnis.

Band II, S. 66, Zwei Begießungen Verse 225–230
Deutsch: In einem anderen Tantra: (225) Wer die Handlung der Begießungsweihe kennt, vollziehe sorgfältig die beiden Bäder nach der genannten Vorschrift, jeweils mit vorheriger Einreibung, Parvati. (226) Mit den fünf Zweigarten, Durva-Gras und Bilva-Früchten sowie vedischen und tantrischen Mantras begieße er den Schüler ehrfürchtig. (227) Dies allein gilt als die Abfolge der vollständigen Einweihung, Mahadevi. Alles Weitere, Maheshani, gehört in das Kapitel über die Einweihung. „Die beiden Bäder“ bedeutet: eines, das bei der Kriyavati- und den entsprechenden Einweihungen genannt wurde, und ein zweites in Gestalt der vollständigen Begießungsweihe. Dazu sagt das Tantraraja: (228) Nachdem man beide Arten der Begießungsweihe empfangen hat, darf man auf Geheiß des Gurus Gnadenerweisungen und weitere Handlungen zur Siddhi ausführen; anders gelingt es nicht. (229) Man zeichne ein Chakra und stelle einen Krug in die Yoni seiner Mitte. Man fülle ihn mit den Kräuterabkochungen der Laute, vollziehe die Begießung und spreche das Mantra. (230) An einem Schüler, der sich hingebungsvoll dem überlieferten rechten Verhalten widmet, vollziehe man die zweite Begießung zur Verwirklichung des göttlichen Selbst.

Band II, S. 66–67, Acharya-Befähigung und heilige Gewässer Verse 231–238
Deutsch: Im Merutantra: (231) Alle Tantras sind aus den Gottheiten und die Mantras aus den Tantras hervorgegangen. Deshalb wird der Schüler zum gemeinsamen Gefäß aller Mantras. (232) Er erhält die Bezeichnung Acharya, und der Guru soll ihm einen neuen Namen geben. Wer von einem solchen Lehrer die Einweihung empfängt, erlangt Siddhi. (233) Dieser wird befähigt, alle Mantras weiterzugeben; alle Gottheiten stehen unter seinem Einfluss. Der vedische Weg ist sattvisch. (234) Dasselbe Verfahren gilt für den sogenannten rechten Weg. Die Besonderheit besteht darin, dass der Verständige Wasser von heiligen Stätten herbeischafft: (235) von Ganga, Yamuna, Sarasvati, dem großen Ozean, den Flussheiligtümern von Sindhu, Godavari und Reva sowie von Prithudaka; (236) von Mahendraja, Sarayu, Charmanvati, Pushkara, Mahanadi und Vedika, ferner Wasser von Kshipra und Vetravati; (237) von Kurukshetra, Gandaki, Purna und Manasa. Er gießt es in den Krug und rezitiert auch die Mantras der verschiedenen Tantras. (238) Wird der Schüler mit diesen Wassern begossen, so sind jene Mantras für ihn vollendet. Für ihre Anwendung setzt er sie durch Nyasa ein, und für ihre Weitergabe … Der Schluss von Vers 238 fehlt bereits im Druck.

Band II, S. 67, Niruttaratantra und Aufstellung des Kruges Verse 239–244
Deutsch: Im Niruttaratantra: (239) Ein Vaishnava, ein Ganapatya, ein Saura und ebenso ein Shakta, der seiner Kula-Tradition zur Zierde gereicht, soll die Begießungsweihe vollziehen, Kuleshvari. Ferner: (240) Man vollziehe die Begießungsweihe mit vorausgehender vorbereitender Weihe, Göttin. Nach dem hier genannten vorbereitenden Wachstums- beziehungsweise Segensritus verehre man Shiva und die Shaktis. Der Ausdruck nach „vorbereitender Weihe“ ist im Druck beschädigt; seine genaue Form bleibt unsicher. (241) Man verehre den Guru vorschriftsmäßig mit Goldschmuck und Zieraten und vollziehe danach mit dem Sankalpa-Verfahren die Bestellung der Gurus. Ferner: (242) Nach der Verehrung von Shiva und Shakti stelle man einen vorzüglichen Krug aus Gold, Silber oder entsprechendem Material auf, weder zu niedrig noch zu hoch. (243) Man setze ihn auf das Yantra des besonderen Arghya oder auf ein Dreieck, besprenge ihn mit dem Kama-Bija und klopfe ihn mit dem Vagbhava-Bija an. (244) Mit dem Shakti-Bija betrachte man den Krug, mit dem Maya-Bija fülle man ihn mit Wasser. Durch das folgende Mantra setzt der Lehrer die heiligen Gewässer darin ein. Die genannten Bijas sind hier nur bezeichnet, nicht ausgeschrieben.

Band II, S. 67–68, Anrufung der Gewässer und Krugweihe Verse 245–250
Deutsch: (245–246) „Alle Flüsse von Ganga an, die Meere und Seen, alle Meere, Flüsse, Seen, Wolken und Ströme, die heiligen tiefen Gewässer und Quellen im Himmel, in der Unterwelt und auf der Erde: Sämtliche heiligen Pilgergewässer mögen in diesem Krug gegenwärtig werden!“ Die Wiederholung der Gewässer steht im Quelltext. (247) Unter Rezitation des Shri-Bija setze man die Zweige ein. Mit dem Kurcha-Bija gebe man die Frucht hinzu, mit dem Stri-Bija bewirke man die Festigung. (248) Mit dem Feuer-Bija lege man Sindura hinein, mit dem hier „Preta“ genannten Laut die Blume. Der Kundige füge mit dem Wurzelmantra oder auch mit dem Pranava Durva-Gras hinzu. (249) Mit dem Mantra „Hum, Phat, Svaha“ klopfe man den Krug mit Darbha-Gras an. Man vergegenwärtige sich den Sitz der Göttin, rufe sie darin an und verehre sie. (250) Nach genau diesem Verfahren soll der Krug bei allen Riten aufgestellt werden, Schöne, besonders von einem Verehrer der Göttin. Die Bezeichnung „Preta“ in Vers 248 wird nicht in eine vermutete Silbe aufgelöst.

Band II, S. 68, Große Puja und Anheben des Kruges Verse 251–256
Deutsch: (251) Der Verständige vollziehe die große Puja mit den sechzehn Darbringungen, danach die große Puja für die Gurus und die Shaktis. (252) Anschließend verehre er die Sadhakas der Reihe nach und bringe den Kumaris Opfergaben dar, besonders den aus der Kula-Tradition stammenden Mädchen. (253) Dann vollziehe er die Begießungsweihe nach dem Weg des Gurus, Göttin, gemäß der Vorschrift seines eigenen Tantra und unter Rezitation des Mantras. (254) Der Mantra-kundige Lehrer bewegt den Krug mit diesem Mantra: „Om. Erhebe dich, Brahma-Kalasha, der du bei Verehrung sämtliche Siddhis gewährst! (255) Du bist mit dem Wasser aller heiligen Stätten gefüllt; erfülle den Herzenswunsch!“ Danach folgen die mit Ishana, Indra, Smara und Erde bezeichneten Laute, zuletzt Bhuvaneshvari. (256) Mit diesem Mantra und unter dem Schall der Instrumente bewege man den Krug. Der Guru begießt den Schüler, der Hauspriester den Opferherrn. Die zweite Hälfte von Vers 255 verschlüsselt Laute durch Namen; ausgeschriebene Bijas werden nicht ergänzt.

Band II, S. 68–69, Abhisheka-Mantra Einleitung und Verse 257–264
Deutsch: Ferner: Der Rishi des Begießungsmantras ist Dakshinamurti, sein Versmaß Anushtubh und seine Gottheit Shakti. Es wird zur Erlangung aller Siddhis und zur Erfüllung des gefassten Vorsatzes angewandt. (257) „Om. Rajarajeshvari-Shakti, Bhairavi, Kalabhairavi, die Göttin Shmashanabhairavi und Tripuranandabhairavi; (258) Tripura, Tripuradevi, Tripurasundari, Tripureshi, Mahadevi und Tripuramalika; (259) Nitya, Nityarupa, Vajraprastarini, die Göttin Sarvachakreshvari und Nilasarasvati; (260) die Göttin Sarvasiddhikari, die von Siddhas und Gandharvas verehrt wird, Ugratara, Mahadevi und Dakshinakalika: (261) Mögen diese dich mit durch Mantra geheiligtem Wasser begießen! Ugradamshtra, Mahadamshtra, Shubhadamshtra und Kapalini, (262) Bhimanetra, Vishalakshi, Mangala, Vijaya und Jaya: Mögen diese dich mit durch Mantra geheiligtem Wasser begießen! (263) Mangala, Nandini, Bhadra, Lakshmi, Kirti, Yashasvini, Pushti, Medha, Shiva, Sadhvi, Yashahshobha, Jaya und Dhriti, (264) Shrinanda, Sunanda und Nandini, die freudig verehrt wird: Mögen diese dich mit durch Mantra geheiligtem Wasser begießen!“ Zu Bhairavi in Vers 257 verzeichnet die Ausgabe die Variante Purabhairavi. Die Göttinnennamen bleiben als Eigennamen erhalten.

Band II, S. 69, Abhisheka-Mantra Göttinnen Verse 265–270
Deutsch: (265) „Vijaya, Mangala, Bhadra, Smriti, Shanti, Kshama, Dhriti, Siddhi, Parama, Pushti, Shri, Riddhi und Rati; (266) Dipta, Kanti, Yasholakshmi, Ishvari und Buddhi, Shakti, Mayavati, Brahmi, Jayanti und Aparajita; (267) Ajita, Manavi, Shveta, Diti und Aditi, Maya, Mahamaya, Mohini und Kshobhini; (268) Kamala, Vimala, Gauri, Lavanyambudhisundari, Durga, Kriya, Arundhati, Ghantakarna und Kapalini; (269) die weitere, als Charchika bekannte und von den Göttern verehrte Göttin, Vaivasvati, Kaumari und die höchste Maheshvari; (270) Vaishnavi, Mahalakshmi, Kartiki, Kaushiki, Shivaduti und Chamunda, die mit einer Girlande aus Köpfen geschmückt ist:“

Band II, S. 69–70, Abhisheka-Mantra Weltenhüter und Zeitmächte Verse 271–277
Deutsch: (271) „Mögen diese dich mit durch Mantra geheiligtem Wasser begießen! Indra, Feuer, Yama, Nirriti und Varuna, (272) Wind, Kubera und Ishana, Brahma und Ananta, die Herren der Himmelsrichtungen: Mögen diese dich mit durch Mantra geheiligtem Wasser besprengen! (273) Das Jahr, die beiden Sonnenhalbjahre, die Monate, Monatshälften und Tage und die Mondtage mögen dich mit durch Mantra geheiligtem Wasser begießen! (274) Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn, Rahu und Ketu: Diese Himmelsmächte mögen dich stets begießen! (275) Mondstation, Karana, Yoga und darüber hinaus Amritasiddhi; verbrannte, unheilvolle und glückverheißende Zeitverbindungen, Wochentage und Augenblicke, (276) die Tagesabschnitte Varavela und Kalavela, die Danda-Zeiteinheiten, Sternbilder und weitere Zeitmächte: Mögen sie dich stets mit durch Mantra geheiligtem Wasser begießen! (277) Asitanga, Ruru, Chanda, Krodha, Unmatta, Kapali, der Bhishana genannte und Samhara, die acht Bhairavas:“

Band II, S. 70, Abhisheka-Mantra Yogini-Nachkommen und Tattvas Verse 278–284
Deutsch: (278) „Mögen diese dich mit durch Mantra geheiligtem Wasser begießen! Die Tochter Dravinis und die Töchter Dakinis, (279) die weiteren Töchter Shakinis, die höheren Töchter Kakinis, wiederum die Töchter Shakinis und die Töchter Hakinis; (280) danach die Tochter Rakinis und die Göttertochter, ebenso die Tochter der Mütter und die Kinder Urdhvamukhis, (281) die Kinder Adhomukhis und die weiteren Kinder Jvalamukhis: Mögen diese dich mit durch Mantra geheiligtem Wasser begießen! (282) Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva: Mögen diese dich mit durch Mantra geheiligtem Wasser begießen! (283) Purusha, Prakriti und die sechzehn Entfaltungen, das Selbst, das höhere Selbst, das Erkenntnis-Selbst, das Meditations-Selbst und die höchsten Selbste, (284) die Selbste und die des Selbst, die groben, feinen und noch höheren: Mögen diese dich mit durch Mantra geheiligtem Wasser begießen!“ Shakini wird im Druck zweimal genannt. Die Reihe der Selbst-Bezeichnungen in Vers 283–284 ist grammatisch unstimmig; ihre genaue Abgrenzung bleibt offen.

Band II, S. 70, Abhisheka-Mantra Bijas Verse 285–287
Deutsch: (285) „Das Bija am Anfang des Veda, das Hum-Bija, das Stri-Bija und sein Sitz, das Shakti-Bija, das Rama-Bija, das Maya-Bija und der Mond; (286) das wunscherfüllende Juwel, das große Bija, das Narasimha-Bija und das rettende Bija, das Martandabhairava-Bija, das Durga-Bija und das ehrwürdige Purushottama-Bija, (287) das Ganesha-Bija, das Varaha-Bija und das furchtvertreibende Kali-Bija: Mögen diese dich mit durch Mantra geheiligtem Wasser begießen!“ Die meisten Bijas werden hier nur benannt. Ihre Silben sind nicht ausgeschrieben und werden deshalb nicht ergänzt.

Band II, S. 70–71, Abhisheka-Mantra Flüsse und heilige Orte Verse 288–293
Deutsch: (288) „Ganga, Godavari, Reva, Yamuna, Sarasvati, Atreyi, Bharati, Sarayu und Gandaki, (289) Karatoya, Chandrabhaga, Shvetaganga und Kaushiki, Bhogavati in der Unterwelt und Mandakini im Himmel: (290) Mögen diese dich mit durch Mantra geheiligtem Wasser begießen! Bhairavi, Bhimarupa, Shona und Sumukha, (291) Sindhu und die heiligen Seen sowie die aus der Unterwelt hervorgegangenen Gewässer: Mögen diese dich mit durch Mantra geheiligtem Wasser begießen! (292) Welche heiligen Stätten es auch gibt, heilige und noch heiligere: Mögen sie dich mit durch Mantra geheiligtem Wasser begießen! (293) Die Kontinente von Jambudvipa an, die Ozeane von dem Salzozean an, der Ananta genannte und die übrigen Nagas, die Schlangen von Takshaka an:“ Der Ausdruck für „heilige und noch heiligere“ in Vers 292 ist im Druck fehlerhaft zusammengezogen.

Band II, S. 71, Schluss des Abhisheka-Mantras Verse 294–302
Deutsch: (294) „Mögen diese dich mit durch Mantra geheiligtem Wasser begießen! Tara, die Gemahlin des Feuers, Vashat und danach Kurcha, (295) ferner Vaushat und Phat mögen dich stets begießen! Mögen die Totengeister und Kushmandas, Rakshasas und Danavas, (296) Pishachas, Guhyakas und Bhutas, von der Begießung getroffen, verschwinden! Alakshmi, Kalakarni und die gewaltigen Übel (297) mögen durch die Begießung verschwinden, vom Tara-Bija getroffen! Krankheiten, Kummer, Armut, Schwäche und Verwirrung des Geistes (298) mögen durch die Begießung verschwinden, vom Bija der Sprache getroffen! Der Verlust der Zuneigung der Menschen, Unglück und schlechter Ruf (299) mögen durch die Begießung verschwinden, vom Manmatha-Bija getroffen! Der Verlust von Ausstrahlung, Kraft und Einsicht (300) möge durch die Begießung verschwinden, vom Shakti-Bija getroffen! Gifte, schwere Krankheiten, Dakinis und Ängste, (301) schreckliche Schadenzauber, grausame Besessenheitsmächte und Nagas mögen durch die Begießung verschwinden, vom Kali-Bija getroffen! (302) Mögen alle Gefahren vergehen und günstige Verhältnisse fest bestehen bleiben! Mögen durch die Begießung die Herzenswünsche der Shaktas erfüllt werden!“ Verschlüsselte Namen von Mantraschlüssen und Bijas bleiben als Bezeichnungen erkennbar; die Formel ist eine traditionelle Segensbitte.

Band II, S. 71–72, Puja und Mantra-Übergabe nach der Begießung Verse 303–309
Deutsch: (303) Nachdem der Schüler so begossen wurde, vollziehe man erneut die Puja. Auch der Schüler verehrt dabei und gibt dem Guru Dakshina. (304) Kühe, Land, Gold, Silber und verschiedene Edelsteine, Parvati, seinen gesamten Besitz oder die Hälfte davon gebe er dem Guru als Dakshina. (305) Der Lehrer selbst übergebe dem hingebungsvollen Schüler Shrividya, Siddhikali, Tara oder Mahishardini. In einem anderen Tantra: (306) Nachdem man die Begießung mit dem Wasser des Hauptkalasha so ausgeführt hat, soll man unter Sprechen der jeweiligen Mantras mit dem Wasser der begleitenden Krüge (307) die weitere Begießung vollziehen. Dann gebe man dem Schüler das vorzügliche Mantra. Nach der vollständigen Begießungsweihe erhält (308) der Schüler die Berechtigung zu allen Mantras. Deshalb soll man erst die Begießung vollziehen und dann das Mantra geben. Wurde ein Mantra zuvor bereits nach einem verkürzten Verfahren mitgeteilt, (309) vollziehe man später die vollständige Begießungsweihe, damit die umfassende Berechtigung entsteht. Die großen Mantras und die Nebenmantras verleihen dann zweifellos Siddhi.

Band II, S. 72, Besonderheiten des Vamamarga Verse 310–313
Deutsch: Auf dem Vamamarga soll der Hauptkalasha mit der hier „Ursachenstoff“ genannten rituellen Flüssigkeit, also alkoholischem Getränk, gefüllt werden; die anderen Kalashas nur mit Wasser. Dazu sagt das Merutantra: (310) In die Mitte stellt man den Tirtha-Krug; die übrigen gelten als Wasserkrüge. Welche Gottheiten der Guru im Krug mit alkoholischem Getränk anruft, (311) diese werden darin gegenwärtig und nehmen in seinem Mund Mantra-Gestalt an. Seine Rede wird von selbst wirksam; er soll den Kopf nicht beugen. (312) Wird der Kopf zu diesem Zweck gebeugt, bedeutet das für ihn den Tod, daran besteht kein Zweifel. Wenn jemand auf dem Vamamarga einen derart vollendeten Guru hat (313) und der Schüler selbst frei von Ichbezogenheit ist, stets ganz der Gottheit zugewandt, allein für die Gottheit handelt und nicht für anderes, und sein Geist nicht am Genuss haftet: Nur dieser ist auf dem linken Weg vollendet; ein anderer wird zum Gefäß der Hölle. Der Bezug des Kopfbeugens in Vers 311–312 bleibt ohne weitere Erläuterung unklar. Die Passage wird nicht in eine moderne Praxisanweisung umgedeutet.

Band II, S. 72–73, Kaula-Begießung und Kula-Bäume Verse 314–317
Deutsch: Für den Kaula-Weg nennt dasselbe Werk eine Besonderheit: (314–315) Man vollzieht die Begießung aus einem Muschelhorn oder Kalasha, der mit lebenden Fischen versehen, mit alkoholischem Getränk gefüllt und mit den fünf Nektaren angefüllt ist; dabei verwendet man Zweige der Kula-Bäume. Dies wird hier auf dem Kula-Weg als vollständige Begießungsweihe bezeichnet. Der Vers zählt diese Bestandteile auf, ohne ihr Verhältnis näher zu erklären. Die Kula-Bäume sind: (316) Sahakara, Karnikara, Keshara, Tilaka, Kadamba, Sindhuvara, Kankola und der Champaka genannte; (317) Shleshmantaka, Kuravaka, Nimba, Chaladala, Yajnanga, Jatila und Bilva. Diese gelten als Kula-Bäume, wie im Kulachudamani gelehrt wird.

Band II, S. 73, Initiationsname und Zugehörigkeit Verse 318–322
Deutsch: In einem anderen Tantra: (318) Der Guru begießt den Schüler und gibt ihm selbst einen Namen, verbunden mit einem Ausdruck wie Anandanatha, drei- oder viersilbig. (319) Nachdem er ihn zugeordnet hat, spricht der Guru ihn zum ersten Mal mit „Du bist so-und-so“ an. Wie eine Frau aus dem Gotra ihres Vaters in das Gotra ihres Gatten übergeht, (320) so tritt der Kaula durch die Unterweisung der Shakti in ein anderes Gotra ein. Nun wird das höchste Gotra der Kaulas genannt, Maheshani: (321) Es ist in allen Tantras schwer zu erlangen und wird Shambhava genannt. Auf den Wegen der Kaulas und Avadhutas soll man keine Pilgerreise unternehmen. (322) Das Wandern zu Pilgerstätten, Sannyasa, das Aufnehmen von Gelübden, Fasten und das Scheren des Kopfes soll man gänzlich meiden. Da der Kopf die vollständige Begießungsweihe empfangen hat, wird er daher nicht geschoren. Die Verbindung der drei- oder viersilbigen Namensangabe mit „Anandanatha“ ist im Vers nicht eindeutig aufgelöst.

Band II, S. 73, Lob der vollständigen Begießungsweihe Verse 323–329
Deutsch: Das Merutantra beschreibt die Größe der vollständigen Begießungsweihe: (323) Wie Eisen, das vom alchemistischen Quecksilber durchdrungen wird, zu Gold wird, so erlangt das von Diksha durchdrungene Selbst gewiss das Shiva-Sein. Ferner: (324) Das Shudra-Sein des Shudra ist vergangen und das Brahmanen-Sein des Brahmanen ist vergangen. Bei einem durch das Sakrament der Diksha Vollendeten besteht kein Unterschied der Geburt. (325) Wer die vollständige Begießungsweihe vollzogen hat, wird, wo immer er auch stirbt, selbst von der Gestalt der Göttin; als Gott gelangt er zur Seligkeit. In einem anderen Tantra: (326) Was auch immer bei einem mit der vollständigen Begießungsweihe Ausgestatteten unwahr sein mag: Seine rituelle Handlung trägt Frucht, und die Gottheit ist sehr wohlgestimmt. Das Wort „unwahr“ steht im Druck; die ungewöhnliche Aussage wird nicht stillschweigend berichtigt. (327) Wer die vollständige Begießungsweihe besitzt, Mantras weitergibt und Japa vollzieht, o Shiva, erlangt augenblicklich Siddhi; daran ist nicht zu zweifeln. (328) Welches Mantra ein so Geweihter auch ohne Guru rezitiert, Herrin der Götter: Nachdem er es samt seinen Unterarten verwirklicht hat, ist er befähigt, Siddhi weiterzugeben. (329) Selbst wenn der vollständig Geweihte ein Chandala ist, so ist er ein Brahmarshi, Maheshani; daran ist nicht zu zweifeln.

Band II, S. 74, Schluss des Purnabhisheka-Abschnitts Verse 330–335
Deutsch: (330) Wer die vollständige Begießungsweihe nicht besitzt, selbst wenn er ein hervorragender Rishi ist, Parvati, gilt als geringster Brahmane; der so Geweihte dagegen als höchster Zweimalgeborener. (331) In welchem Land ein vollständig Geweihter weilt, Herrin der Götter, dieses Land wird ringsum über zehn Millionen Yojana gesegnet. (332) Dort gibt es weder Krankheit noch Tod noch jemals Furcht vor Feinden. Er wird als Shiva in vollkommener Gestalt bezeichnet; er ist Shiva selbst, daran besteht kein Zweifel. (333) Was ist der Körper, wem gehört der Körper, und wem gehören Freude und Leid? Wer wurde geboren, wer ist gestorben, Göttin? Alles ist seinem Wesen nach Brahman. (334) Wenn das vorzügliche Mantra vergessen wird, Göttin, dann nennt man dies Tod; der Tod selbst ist nicht der eigentliche Tod. (335) Die mit der vollständigen Begießungsweihe Ausgestatteten besitzen umfassende Befugnis. Damit endet das Verfahren der Einweihung durch vollständige Begießung. Die weitreichenden Wirkungszusagen gehören zum Lobpreis des überlieferten Textes.

Band II, S. 74, Empfang weiterer Mantras ohne Guru Verse 336–340
Deutsch: Nun die im Merutantra beschriebene Möglichkeit, wie bereits Mantra-Praktizierende ohne Guru ein weiteres Mantra empfangen: (336) Höre nun von der Einweihung in tantrische Mantras ohne Guru. Am dreizehnten Tag der hellen Monatshälfte, bei günstiger Kraft von Mond und Sternen, (337) begebe man sich vor Dakshinamurti und verehre ihn. Man stelle einen Kalasha auf und lege vor ihn oder auf ihn (338) das auf ein Palmblatt geschriebene Mantra. Man verehre die Mantra-Gottheit. In der Meditation „Die Gottheit ist der Guru“ spreche man das Mantra deutlich (339) 108-mal. Dies wird Empfang des Mantras genannt. Dieses wahre Verfahren wurde erklärt; es ist geheim zu halten wie der Liebhaber der eigenen Mutter. (340) Habgier und andere Fehler des Gurus können den Geist beunruhigen. Deshalb nimmt man die Schrift zum Guru und empfängt das Mantra von Dakshinamurti. Die Überschrift richtet dieses Verfahren ausdrücklich an bereits Mantra-Praktizierende; das drastische Geheimhaltungsbild bleibt als Textaussage erhalten.

Band II, S. 74, Schlussvers 341
Deutsch: (341) Im vom König des Goraksha-Gebirges geschaffenen Ozean des Purashcharana, reich an wunderbaren Nektarströmen aus den Wellen der Worte [der einleitende zusammengesetzte Ausdruck ist unklar], ausgezeichnet durch das Zusammenfließen der Flüsse guter Lehrkompendien, ist die fünfte Welle zu Ende gegangen, aufstrahlend im Glanz klarer Perlen rechter Darlegung. Der Beginn des ersten Kompositums bleibt auch nach Vergleich der älteren Ausgabe, S. 412, unsicher; er wird nicht ergänzt.

Band II, S. 74, Kolophon des fünften Taraṅga
Deutsch: Damit ist im Purashcharanarnava, verfasst vom ehrwürdigen Großkönig und König der Könige Pratapasimha Shah, die fünfte Welle abgeschlossen: „Bestimmung der verschiedenen Einweihungsarten, eingeleitet durch die Ausführung der Kriyavati-Diksha“.

Svadhyaya und Meditation vertiefen einander.

6. Taraṅga: Allgemeines Puraścaraṇa

Lesehilfe: Die allgemeinen Verfahren des Purashcharana verbinden Japa mit weiteren Formen der Verehrung. Diese Welle ist ein guter Bezugspunkt, wenn du das Zusammenspiel der vielen Einzelhandlungen verstehen möchtest. Für den eigenen Alltag kann die Lektüre dazu anregen, einer vertrauten Praxis einen verlässlichen Platz zu geben.

Diese Welle: Deutsch · IAST · Devanagari

Band II, S. 75, Beginn des sechsten Taraṅga und Verse 1–3
Deutsch: Nun beginnt die sechste Welle des Purashcharanarnava. Jetzt wird das Verfahren des Purashcharana dargelegt. Die Bedeutung des Wortes erklärt das Yamala: (1) Weil es im Voraus zu vollziehen ist, um die Siddhi der Mantras vom Veda bis zu den Shabara-Mantras zu bewirken, wird es Purashcharana genannt. Ebenso im Merutantra: (2) Das Mantra gilt als Mittel zur Erlangung von Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Moksha. Was zu seiner Verwirklichung vorausgehend ausgeführt wird, (3) trägt den Namen Purashcharana-Ritual. Bei den Mantras vom Veda bis zu den Shabara-Mantras und ebenso beim Yantra ist es notwendig … Der verbleibende Versschluss fehlt bereits im Druck. Damit ist zugleich der Zweck des Purashcharana ausgesprochen.

Band II, S. 75, Voraussetzungen und Beauftragung Verse 4–8
Deutsch: In der Vayaviya-Samhita: „Die Verwirklichung des Wurzelmantras wird Purashcharana genannt.“ Im Virachudamani: (4) Ohne Purashcharana entsteht keine Mantra-Siddhi. Deshalb vollziehe man zuerst die vorbereitende Praxis, diszipliniert und nach der Vorschrift. Auch im Yoginihridaya: (5) Nachdem ein Mensch die Erlaubnis des Gurus erhalten hat, soll er mit reinem innerem Organ die vorbereitende Praxis ausführen, im Wunsch nach vollständiger Mantra-Verwirklichung. (6) Wie ein Körper ohne Leben zu keiner Handlung fähig ist, so wird auch das Mantra ohne Purashcharana beschrieben. (7) Deshalb soll der Verständige dies zunächst selbst ausführen oder den Guru damit beauftragen. Fehlt der Guru, kann er einen Brahmanen, der dem Wohl aller Lebewesen zugetan ist, (8) einen liebevoll verbundenen, schriftkundigen und mit vielfältigen Tugenden ausgestatteten Freund oder eine tugendhafte Frau, die einen Sohn hat, damit beauftragen.

Band II, S. 75–76, Fünf Bestandteile Verse 9–15
Deutsch: Das Wesen des Purashcharana erklärt das Kulachudamani: (9) Fünf Glieder sind es, Mahadevi: Japa, Homa, Tarpana, Abhisheka und die ehrende Bewirtung der Brahmanen, Herrin. (10) Jedes folgende Glied umfasst ein Zehntel des vorhergehenden; dies wird Purashcharana genannt. Im Kulamulavatara: (11) Wer im leidvollen Samsara sein eigenes Heil erstrebt, gelangt als Mantra-Rezitierender gerade durch diese fünfgliedrige Verehrung zum Glück. In der Mundamala: (12) Zuerst rezitiere man das jeweilige Mantra so oft, wie es vorgeschrieben ist. Danach vollziehe der Kundige ein Homa mit einem Zehntel dieser Zahl. (13) Ein Zehntel davon gilt als Zahl für Tarpana. Danach vollziehe man insbesondere Marjana, das rituelle Besprengen, mit einem weiteren Zehntel. (14) Ein Zehntel davon wird für die Bewirtung der Brahmanen genannt; ebenso gehört die Bewirtung der Kumaris dazu und die Dakshina für den Guru. (15) Wer so das Purashcharana-Ritual ausführt, erlangt durch die Gnade des Gurus Mantra-Siddhi; der Sadhaka erreicht wahrhaft das höchste Ziel.

Band II, S. 76, Unterschiedliche Gliederzahlen Verse 16–21
Deutsch: Im Merutantra: (16) Manche beschreiben es als ein Ritual mit fünf Gliedern: Japa, Homa, Tarpana, Marjana und Bewirtung der Brahmanen. (17) Es gibt in den Veden und ebenso unter den Shabara-Mantras aber auch Mantras mit vier, drei, zwei oder nur einem Glied. (18) Manche Mantras haben durch die zusätzliche Rezitation ihrer Gliedmantras sechs Glieder. Durch Sündentilgung, Darbringung von Arghya an die Sonne, Trinken des geweihten Wassers und Verneigung (19) sowie Gottheitsverehrung, diese fünf weiteren Bestandteile, entstehen zehn Glieder. Durch das Duti-Opfer, das Chauli-Ritual, die Chakra-Puja, (20) Japa bei der Vereinigung von weiblichem und männlichem Geschlechtsorgan, Bali und die große Bali-Darbringung werden es elf Glieder. (21) Für die Kaulas werden sechzehn Glieder genannt; für die Anhänger des linken Weges steht hier eine unklare Zweierangabe. Bei den Aghorins werden durch die Verwendung von Amari und eines zweiten, unklar bezeichneten Stoffes achtzehn Glieder genannt. Die Zuordnung der Gliederzahlen in Vers 20–21 und der zweite Stoffname am Ende sind in der Vorlage nicht eindeutig. Sie werden nicht durch ein vermutetes Ritualschema ersetzt. „Chauli“ und „Amari“ werden hier als unaufgelöste Fachbezeichnungen beibehalten.

Band II, S. 76–77, Vorrang des Japa Verse 22–27
Deutsch: In der Vaishvakseni: (22) Dieses große fünfgliedrige Opfer, Purashcharana genannt, ist ein Mittel zu den Zielen des menschlichen Lebens. Tausende anderer Opfer (23) erreichen nicht einmal ein Sechzehntel dieses fünfgliedrigen Opfers. Besonders im Kali-Yuga wird das Japa-Opfer gepriesen. Im Merutantra: (24) Wenn zehntausend Jahre des Kali-Zeitalters vergangen sind, verlässt der Vishnu-Stein die Erde; nach der Hälfte dieser Zeit das Wasser der Ganga und nach wiederum deren Hälfte der Gottheitsstein. (25) Wenn das schreckliche Kali-Zeitalter gekommen ist, vermischt mit Vamachara, ohne Unterscheidung zwischen erlaubter und unerlaubter Nahrung und ähnlichen Dingen, voller Mlecchas, (26) und die Menschen von Begierde, Zorn und anderem beherrscht sowie von Frauen überwältigt sind: Wo sind dann Schüler, Guru und Mantra, wo Askese und Siddhis? Im Kali-Zeitalter sind Japa und die Verehrung des Shalagrama besonders heilsam. Im Yamala: (27) Japa zusammen mit seinen Gliedern, Mahadevi, wird Purashcharya genannt. Wird sie ausgeführt, gelangt das Mantra zur Siddhi, nicht anders. Die abwertenden sozialen und geschlechtlichen Charakterisierungen geben das zitierte traditionelle Zeitbild wieder.

Band II, S. 77–78, Wirksamkeit des Purashcharana Verse 28–35
Deutsch: In der Purashcharanachandrika: (28) Ohne dieses Verfahren kommt das Mantra selbst in Hunderten von Jahren nicht zur Siddhi; durch seine Ausführung erlangt der Sadhaka die ersehnte Frucht. (29) Ein mit Purashcharana vollendetes Mantra trägt Frucht. Deshalb soll der Mantra-Kundige im Wunsch nach Siddhi die vorbereitende Praxis vollziehen. (30) Wer ein einziges Mantra vollkommen verwirklicht hat, für den gibt es nichts Unerreichbares. Was soll man erst von jemandem sagen, der viele Mantras besitzt? Er ist Shiva selbst. (31) Was nützen Homas, was Japa und die ausführlichen Mantra-Nyasas, wenn die vorbereitende Praxis der geheimen Mantras nicht vollzogen wird? Die vorbereitende Praxis gilt als der wichtigste Same der Mantras. Im Adiyamala: (32) Wer irgendeinen Ritus ausführt, ohne zuvor Purashcharya vollzogen zu haben, (33) dessen Handlung wird zum Schadenzauber gegen ihn selbst, daran besteht kein Zweifel. Deshalb soll man zuerst Purashcharya vollziehen und danach die rituellen Handlungen verwirklichen. Mit „Handlungen“ sind die sechs rituellen Wirkhandlungen gemeint. Ferner: (34) Wie ein Same, obwohl er die Ursache des Keimens ist, ohne Bewässerung keinen Keim hervorbringt, so wird auch das Mantra beschrieben. (35) Ohne Purashcharya entfaltet es sich nicht, obwohl es die Ursache der Siddhi ist. Deshalb vollziehe der Mantra-Praktizierende Purashcharana zu seiner Verwirklichung.

Band II, S. 78, Geeignete Zeiten Verse 36–42
Deutsch: Zunächst werden die Zeiten des Purashcharana beschrieben. In der Vaishvakseni: (36) Im Monat Madhava, im Margashirsha oder wenn die Sonne im Steinbock steht, beginne man Purashcharya an einem günstigen Tag der hellen Monatshälfte. Im Dakshinamurti-Kalpa: (37) Der hervorragende Kundige beginne in der ersten Monatshälfte, zu einer heiligen Stunde, unter einem günstigen Mondstern und an einem günstigen Mondtag, nachdem er vorschriftsmäßig gebadet hat. „Erste Monatshälfte“ bedeutet die helle Monatshälfte. Im Shakta-Ritus und entsprechenden Verfahren sind jedoch beide Monatshälften günstig, denn im Yamala-Sudharnava wird folgender Ausspruch angeführt: (38) Am achten oder vierzehnten Tag einer der beiden Monatshälften beginne man Purashcharya, eben zu einer für die Diksha genannten Zeit. (39) Zu welcher Zeit die Diksha stattfinden kann, zu dieser Zeit kann auch dies stattfinden. In der Mundamala: (40) Nachdem man die Zustimmung des Gurus erhalten hat, beginne man Purashcharya an einem besonders günstigen Tag und führe sie vorschriftsmäßig zu Ende. In der Vaishampayana-Samhita: (41) Bei günstigem Mond und günstigen Sternen beginne man an einem guten Tag der hellen Monatshälfte, beim Eintritt der Sonne in den Steinbock und den weiteren vorgesehenen Zeiten. Wenn Vishnu schläft, soll man kein Japa vollziehen. Auch in der Shrinrisimhapadarchanapaddhati: (42) Wenn Mahavishnu schläft, soll man kein Purashcharya ausführen. Alle Mantras geraten in Verwirrung, wenn jener Weltlehrer schläft.

Band II, S. 78–79, Auslegung der Ruhezeit Vishnus
Deutsch: „Sie geraten in Verwirrung“ bedeutet: Da alle Mantras ihrem Wesen nach Narayana sind, werden sie durch seinen Yoga-Schlaf verwirrt, wenn er sich in diesen Schlaf versenkt. Der Sinn ist, dass während dieser Verwirrung der Mantras durch Purashcharana und entsprechende Verfahren keine Siddhi entsteht. Man soll nicht einwenden: Jedes Mantra ist doch von der Natur seiner jeweiligen Gottheit; wie könnten daher außer den Vishnu-Mantras auch die übrigen Mantras von seinem Wesen sein? Denn durch Aussagen wie „Hari umfasst alle Gottheiten“ ist erwiesen, dass der Erhabene von der Natur sämtlicher Gottheiten ist; daher lässt sich auch von den Mantras der jeweiligen Gottheiten ohne Schwierigkeit sagen, dass sie von seinem Wesen sind. Damit ist die Auffassung widerlegt, das Verbot des Purashcharana während Haris Schlaf beziehe sich allein auf Vishnu-Mantras, weil der Ausspruch Vaishampayanas in einem solchen Zusammenhang stehe. Denn das Wort „alle“ in „Alle Mantras geraten in Verwirrung“ zeigt, dass mit „Mantras“ sowohl Vaishnava- als auch andere Mantras gemeint sind. Zugleich sieht man bei Aussagen wie „Den Brahmanen soll Dickmilch gegeben werden, nicht aber Kaundinya“, dass das Wort „Brahmanen“ die Brahmanen mit Ausnahme Kaundinyas bezeichnet. Entsprechend erfasst der allgemeine Satz „Zu welcher Zeit die Diksha stattfinden kann, zu dieser Zeit kann auch dies stattfinden“ nur Zeiten, die außerhalb der im Purashcharana-Zusammenhang von Vaishampayana und anderen untersagten Zeiten liegen und im Diksha-Zusammenhang durch das Siddhantashekhara und andere Werke vorgeschrieben sind. Daher sind Shravana und entsprechende Monate, obwohl für die Diksha zugelassen, für Purashcharana untersagt. Während Haris Schlaf ist jedoch nur Purashcharana untersagt. Die Notwendigkeit des sonstigen Japa, der Puja und weiterer Handlungen wird ausdrücklich gelehrt.

Band II, S. 79, Fortgesetzte Verehrung Verse 43–47
Deutsch: Dort heißt es: (43) Auch der schlafende Janardana soll von seinen Verehrern, die ihm Freude bereiten möchten, durch Puja, Rezitation von Hymnen, Japa und Disziplin verehrt werden. (44) Er wacht, obwohl er schläft, als Zeuge des Alls, dessen Wesen Bewusstsein ist. Wer ihn durch Hingabe erfreut hat, dessen Geburt allein ist fruchtbar geworden. Auch hinsichtlich Shakti sagt das Vadavanaliya: (45) Zu Beginn der Regenzeit, an ihrem Ende und in der Blütenzeit verehre man die Mutter der Welt, Shambhavi, sei es am Tag oder in der Nacht. (46) An jedem einzelnen dieser Tage entsteht eine Freude der Göttin, die einem ganzen Jahr entspricht. Ein Sadhaka, der Ambika gerade zu diesen Zeiten nicht verehrt, wird arm, von Furcht ergriffen und kurzlebig. Einige Shaktas berufen sich dagegen auf den Ausspruch: (47) Spätwinter, Frühling und Herbst sind die drei vorzüglichsten Jahreszeiten für das Purashcharana-Ritual der Göttin.

Band II, S. 79–80, Streitfrage Herbst und Vishnus Ruhezeit
Deutsch: Aufgrund dieses und ähnlicher Yamala-Aussprüche, die Purashcharana eines Göttinnenmantras im Herbst und damit innerhalb von Haris Ruhezeit vorschreiben, nehmen einige Shaktas an, der Ausspruch Vaishampayanas „Wenn Vishnu schläft, soll man kein Japa vollziehen“ und ähnliche Aussagen seien auf Mantras mit Ausnahme der Göttinnenmantras zu beschränken. Daher führen sie auch während Haris Ruhezeit Purashcharana aus. Hier bezeichnet „Herbstzeit“ jedoch die innerhalb des Herbstes liegende Zeit des Durga-Festes. Zwar wird durch den zitierten Tantra-Ausspruch und durch später anzuführende Aussagen des Kalikalpa, der Mundamala und anderer Werke wie „Im Herbst besonders vom vierten bis zum neunten Tag“ Purashcharana für Shakti-Mantras vorgeschrieben; es gibt aber keinen Beleg dafür, dass es deshalb während der gesamten Ruhezeit Haris auszuführen wäre. Andernfalls wäre der Ausspruch Vaishampayanas und anderer ohne Anwendungsbereich: Denn auch für Vaishnava-Mantras schreiben Aussagen des Chandrapitha und anderer Werke wie „Im Karttika, Magha oder Vaishakha ist bei Vishnu die helle Monatshälfte vorgesehen“ sowie der Ausspruch des Merutantra zum Matsya-Purashcharana „Im Vaishakha und ebenso im Karttika“ Purashcharana im Karttika und damit innerhalb von Haris Ruhezeit vor. Sollte man jedoch angesichts der unzähligen Tantras und Upatantras später einen weiteren Ausspruch finden, der das Purashcharana von Shakti-Mantras auch während aller vier Regenzeitmonate vorschreibt, wäre die Annahme einer solchen Einschränkung des Verbots nicht fehlerhaft. Andernfalls ist sie fehlerhaft. So urteilen die Verfasser der Purashcharana-Handbücher.

Band II, S. 80, Allgemeine Regeln und ausdrückliche Ausnahmen
Deutsch: Andere Kundige sagen: Weil selbst während einer Finsternis, die in einen verbotenen Monat fällt, ein besonderes Purashcharana für sämtliche Mantras vorgeschrieben ist, wird während Haris Ruhezeit nur das gewöhnliche Purashcharana untersagt. Für das besondere Purashcharana gelte dieses Verbot nicht. Tatsächlich sind Purashcharana-Verfahren für Shakti-Mantras zur Zeit des Durga-Festes und ähnlichen Zeiten, für Vishnu-Mantras im Karttika und ähnlichen Monaten, für Ganesha-Mantras im Bhadrapada und ähnlichen Monaten sowie für sämtliche Mantras bei Finsternissen vorgeschrieben. Auch ein besonderes Purashcharana, dessen Zeit nicht ausdrücklich genannt ist, wird nur zu einer nicht untersagten Zeit vollzogen. Wo nun innerhalb einer allgemein verbotenen Zeit ein besonderer Ausspruch für eine bestimmte Gottheit eine genau abgegrenzte Zeit vorschreibt, ist das Purashcharana ihres Mantras gerade zu dieser Zeit auszuführen. Die anschließende gedruckte Schlussregel lautet dem Wortsinn nach: „Zu einer Zeit, die durch eine allgemeine Aussage verboten und durch eine besondere vorgeschrieben ist, soll keinerlei Purashcharana irgendeines Mantras ausgeführt werden.“ Diese Formulierung widerspricht dem unmittelbar vorausgehenden Satz; vermutlich liegt ein Textfehler bei „vorgeschrieben“ vor. Er wird hier nicht stillschweigend korrigiert. Im Karttika dagegen soll Purashcharana jedes Mantras ausgeführt werden, denn der Sadhanasamuchchaya sagt: „Im Urja-Monat vollziehe man die vorbereitende Praxis aller Mantras.“ Beim später beschriebenen Mahachina-Verfahren und entsprechenden Formen des Purashcharana bestehen dagegen keine solchen Regeln über die Zeit und weitere Bedingungen.

Band II, S. 80, Mahachina-Verfahren und Tageszeiten Verse 48–51
Deutsch: Dazu sagt der Sarasangraha: (48) Jede Zeit ist günstig; eine ungünstige Zeit gibt es nirgends. Ferner: (49) Hier gibt es keine Beschränkung hinsichtlich Richtung oder Ort und keine hinsichtlich Körperhaltung und ähnlicher Dinge. Für Japa gilt keine Zeitbeschränkung, ebenso wenig für Puja, weitere Verehrungen und Bali. Hier wird für die Verwirklichung des großen Mantras die eigene Wahl als Regel gelehrt. In solchen Aussagen steht der Ausdruck „großes Mantra“ stellvertretend für Mantras überhaupt; andernfalls müsste man beim Mahachina-Verfahren für Nebenmantras doch wieder die Beschränkungen einhalten. Auch hier bezieht sich das Wort „Zeit“ auf die jeweiligen Zeiten innerhalb der Tages- und Nachtabschnitte, nicht auf vorgeschriebene oder verbotene Monate, Tage und ähnliche Zeitgrößen. So heißt es im Pashu-Verfahren: (50) Vom Morgen an soll man bis zum Mittag Japa üben. Und: (51) Nachdem der erste Nachtabschnitt vergangen ist, soll man bis zum Ende des dritten Abschnitts ausschließlich nachts Japa üben; im übrigen Teil der Nacht soll man nicht rezitieren. Die zuletzt genannte Nachtregel wird im folgenden Satz ausdrücklich dem Vira-Verfahren zugeordnet.

Band II, S. 81, Auslegung der Vira-Zeitregeln Verse 52–54
Deutsch: Der Sinn ist: Die so im Vira-Verfahren genannte Zeitregel gilt im Mahachina-Verfahren nicht. Denn dort selbst heißt es: (52) Es besteht kein Unterschied zwischen Tag und Nacht, Dämmerung und tiefer Nacht. Zu jeder Zeit verehre man die Göttin, auch ungebadet und nachdem man gegessen hat. Wie könnte es angesichts dieser Aussage anders sein? Ebenso ist der Ausspruch des Bhavachudamani einzuordnen: (53) Für die Viras wird jede Zeit als Zeit des Japa gepriesen. Andernfalls entstünde ein Widerspruch zu Aussagen des Yamala und anderer Werke im Zusammenhang mit dem Vira-Purashcharana: (54) Am achten oder vierzehnten Tag einer der beiden Monatshälften beginne man Purashcharya, eben zu einer für die Diksha genannten Zeit. Nach der zuvor genannten Begründung bezieht sich „Zeit“ jedoch auf die genannten Tagesabschnitte und „Vira“ auf den Kaula. Da in dessen Verfahren sowohl Tag als auch Nacht als Zeiten des Purashcharana angegeben werden, besteht kein Widerspruch. Ebenso gilt beim Mahanila-Verfahren des Purashcharana die genannte Zeitbeschränkung nicht, da sich die angeführten Aussagen auch dort finden.

Band II, S. 81, Grenzen der Ausnahmeregeln Verse 55–58
Deutsch: Hier sagen manche aufgrund von Aussagen des Siddhantasangraha wie (55) „Bei der Verwirklichung des großen Mantras besteht für Japa keine Zeitbeschränkung“, dass beim Purashcharana großer Mantras überhaupt keine Zeitregel gelte. Nach ihrer Auffassung müsste dann aber wegen desselben Werkes – (56) „Bei der Verwirklichung des großen Mantras bestehen keine Regeln über Ort und Zeit, Nahrung oder Reinigung und Ähnliches“ – sowie wegen Aussagen des Svachchhandabhairava und anderer Werke – (57) „Die von den Smriti-Schriften vorgeschriebenen Reinigungshandlungen wie einmal am Geschlechtsorgan und fünfmal am After sind nicht auszuführen“ – beim Purashcharana großer Mantras jede Art von Regel entfallen. Damit entstünde ein offenkundiger Widerspruch zu Aussagen des Mahakala im Zusammenhang mit dem Purashcharana der Mahavidyas: (58) „Dort sind zahlreiche Regeln sorgfältig einzuhalten. Regelwidriges Handeln führt zum Verlust der Siddhi; daran besteht kein Zweifel.“ So weit die kurze Darlegung.

Band II, S. 81–82, Wahl des Übungsortes Verse 59–65
Deutsch: Nun die Orte des Purashcharana nach dem Yoginitantra: (59) Zuerst wird die Wahl eines Ortes für die vorbereitende Praxis erklärt: ein heiliges Gebiet, ein Flussufer, eine Höhle oder ein Berggipfel; (60) eine Pilgerstätte, der Zusammenfluss von Strömen, ein reinigender Wald, abgelegene Gärten, der Fuß eines Bilva-Baumes oder ein Berghang; (61) ein Tulasi-Hain, ein Viehplatz, ein Shiva-Tempel ohne Stier, der Fuß eines Ashvattha- oder Amalaki-Baumes, ein Kuhstall, ein Platz im Wasser, ein Götterheiligtum, das Meeresufer oder das eigene Haus. Ferner: (62) Im Haus gilt das Verdienst als hundertfach, beim Viehplatz als hunderttausendfach, im Göttertempel als zehnmillionenfach und in Shivas Gegenwart als unendlich. (63) Man wohne in einem abgelegenen Hain, frei von der Furcht vor Mlecchas, bösartigen Tieren und Jägern, ohne Verleumdung und voller Hingabe; (64) in einer guten, dem Dharma zugewandten Gegend, mit reichlicher Nahrung und ohne Störungen, an einem schönen Aufenthaltsort von Verehrern, der den Asketen lieb ist; (65) in der Nähe der Gurus oder an einem Ort, an dem der Geist einpünktig wird. Einen dieser Orte wähle man und beginne mit Japa. Die historische Ortsbeschreibung enthält soziale Wertungen, die als Aussagen der Quelle wiedergegeben werden.

Band II, S. 82, Weitere allgemeine Ortsregeln Verse 66–70
Deutsch: Auch im Mahakapila-Pancharatra: (66) Heilige Gebiete, Pilgerstätten, Häuser, Gärten, Tempel, Flüsse, Seen, eine Hütte und ein abgeschiedener Ort: Diese Orte verleihen Mantra-Siddhi. Im Prapanchasara: (67) Am Meeresufer, auf einem Berggipfel, am Ufer eines ins Meer mündenden Flusses, zurückgezogen im eigenen Haus oder in einem Vishnu-Heiligtum soll ein gesammelter Mensch Japa üben. Im Yamala: (68) An einem abgeschiedenen, reinen Ort, frei von der Furcht vor Mlecchas, bösartigen Tieren und Schlangen, ohne Sorgen und voller Hingabe, (69) in einer guten Gegend, in einem rechtschaffenen Land, mit reichlicher Nahrung, ohne Störungen und an einem schönen Aufenthaltsort von Verehrern soll er wohnen, ohne von anderen abhängig zu sein. Die je nach Gottheit unterschiedlichen Orte des Purashcharana nennt das Merutantra: (70) Ich werde die angelegten und die natürlichen Orte des Japa für die einzelnen Gottheiten erklären, die in allen Tantras geheim gehalten werden.

Band II, S. 83, Heilige Stätten nach Gottheiten Verse 71–77
Deutsch: (71) Das Mahaganapati-Gebiet Mayura, das Ufer der Narmada, der große Leichenplatz und Mayura verleihen Siddhi des Ganesha-Mantras. Mayura wird im Druck zweimal genannt. (72) Prabhasa, Kurukshetra, Pushkara, der Bhrigu-Berg, das Ufer der Yamuna und Kashi verleihen Siddhi des Sonnenmantras. (73) Ayodhya, Mathura, Maya, Kashi, Badarikashrama, Gaya, das Ufer der Gandaki und Dvarika verleihen die Verwirklichung Vishnus. (74) Kedara, Tryambaka, Kashi, Kanchi und Avanti, die Wälder, das Ganga-Ufer, Vaidyanatha und Ramesha bewirken Shiva-Siddhi. (75) Jvalamukhi, Prayaga, Kamini, Malikapada und das Ufer der Sarasvati bewirken die Siddhi des Shakti-Mantras. (76) Das Ufer der Kamaleshvari, Mekhala, der Yaksha-Berg sowie Anga, Banga und Kalinga verleihen die Verwirklichung der niederen Gottheiten. (77) Kamarupa, Nepal, Hingula, Vindhyavasini, Jalandhara und Purnagiri verleihen Siddhi auf dem linken Weg. Die teils ungewöhnlichen Ortsnamen werden nach dem Druck wiedergegeben und nicht mit vermuteten heutigen Ortsnamen gleichgesetzt.

Band II, S. 83, Natürliche Orte nach Gottheiten Verse 78–84
Deutsch: (78) Das Ufer von Lotusteichen, Pflanzungen von Bananen, Zuckerrohr und Arka sowie ein mit Vidruma-Bäumen erfülltes Dorf sind Ganesha besonders lieb. (79) Lotusteichufer, Wald, Pflanzungen von Karavara und Arka, Weizen- und Durva-Felder sowie ein Felsen sind der Sonne lieb. (80) Bei Tulasi, Ashvattha, Dhatri, Zuckerrohr und Shalagrama, beim Viehplatz, in einem Dorf mit schriftkundigen Brahmanen und in der Nähe von Veda-Kundigen freut sich Hari. (81) Bei einem nach Westen gerichteten Linga, in einem Shiva-Tempel ohne Nandi, nahe einem Banyanbaum, an einem Zusammenfluss, im Wald und an einem See wird Shiva erfreut. (82) In einem Hain von Bananen, Mango, Chambeli-Jasmin, Sevanti und Varvari, an einem berühmten Flussufer und an einem einsamen Ort freut sich Shakti. (83) Nahe einem Teich, in einer Gegend voller Nimba, Kola, Shakhota und Madhuka, bei einem Ameisenhügel und an einem trockenen Flussbett freuen sich die niederen Gottheiten. (84) Im Ahnenhaus, auf dem Leichenplatz, an einer Dreiwege- oder Vierwegekreuzung, in einem verlassenen Haus und auf einem von Schakalen belebten Gelände freuen sich die Gottheiten des linken Weges. Bei der Pflanzenreihe in Vers 80 nennt die Ausgabe als Variante „Reis und Zuckerrohr“. In Vers 82 ist der Beginn des Wortes für „berühmter Fluss“ undeutlich; als Variante ist „in den Schriften genannt“ überliefert.

Band II, S. 84, Ortsbeschränkungen Verse 85–90
Deutsch: (85) Im Haus, beim Viehplatz, im Garten, im Wald, auf dem Berggipfel, am Fluss, am Zusammenfluss und im Tempel ist die vedische Praxis besonders wirksam. (86) In einer Gegend, in der weder Kühe noch Brahmanen getötet werden und Shudras keine Rezitation hören lassen, entsteht vedische Siddhi. (87) Wo sich keine Mlecchas, Abweichler, Betrüger, Könige, Minister und dergleichen sowie keine jungen Frauen aufhalten, ist Siddhi nicht fern. Diese sozialen Ausschlüsse gehören zur historischen Quelle. Nun die untersagten Orte aus demselben Werk: (88) Man wohne nicht bei verfallenen Tempeln, Gärten, Häusern oder Bäumen, an Flussböschungen, auf Bergspitzen, in Erdlöchern und ähnlichen Orten. Die Eigenschaft „verfallen“ bezieht sich auf alle genannten Orte bis einschließlich der Bäume. Das Verbot der Flussufer betrifft Ufer anderer Flüsse als der ins Meer mündenden. Im Yamala: (89) An einem Weg, den Könige, Minister, königliche Bedienstete und mächtige Menschen benutzen, soll der Wahrheitskundige nicht wohnen. Im Merutantra: (90) Nachdem der Verständige dies erwogen hat, soll er den Boden für die Praxis in Besitz nehmen.

Band II, S. 84, Grundnahrung und Havishya Verse 91–96
Deutsch: Nun die Regeln über Nahrung und Ähnliches während des Purashcharana, nach dem Yamala: (91) Zur Ernährung während des Purashcharana dienen Gemüse, Wurzeln, Früchte, Havishya-Speise oder geröstetes Getreidemehl; alternativ kann sie ausschließlich aus Milch bestehen. Die Smriti nennt folgende Havishya-Nahrungsmittel: (92) weißen, nicht vorgedämpften Winterreis, Mungbohnen, Sesam, Gerste, Kalaya-Hülsenfrüchte, Kangu-Hirse und Nivara-Wildreis, Vastuka und Hilamochika; (93) den sechzigtägigen Reis, Kalashaka-Gemüse und Wurzeln mit Ausnahme von Kemuka, Steinsalz und Meersalz, Dickmilch und Ghee von der Kuh, (94) nicht entrahmte Milch, Jackfrucht, Mango und Haritaki, langen Pfeffer, Kreuzkümmel, Orange und Tintidika; (95) Bananen, Lavali- und Dhatri-Früchte sowie Zuckerrohrerzeugnisse mit Ausnahme von Guda. Ohne Öl gekocht nennen die Weisen dies Havishya-Speise. Im Merutantra: (96) Man esse geeignete Knollen, Früchte und Wurzeln, lebe von guter Almosennahrung oder von Havishya. Wer das Milchgelübde hält, ist unter ihnen der Beste … Der Versschluss fehlt bereits im Druck. Botanisch nicht sicher bestimmte Namen werden als traditionelle Nahrungsbezeichnungen belassen.

Band II, S. 85, Milch und fremde Nahrung Verse 97–102
Deutsch: Dort heißt es ferner: (97) Kuhmilch gilt als die beste, die von Surabhi stammende als mittlere, Büffelmilch als geringste. Andere Milch ist Menschen, die ein Gelübde halten, untersagt. „Surabhi“ bezeichnet gewöhnlich ebenfalls eine Kuh; die hier beabsichtigte Unterscheidung bleibt unklar. Im Kularnava: (98) Wenn jemand, dessen Körper durch Speise und Trank eines anderen genährt ist, religiöses Verdienst erwirbt, fällt die Hälfte der Frucht dem Nahrungsgeber und die andere Hälfte dem Handelnden zu; daran besteht kein Zweifel. (99) Deshalb soll der Verständige während des Purashcharana bei allen Handlungen fremde Nahrung mit größter Sorgfalt meiden, Shambhavi. (100) Die Zunge ist durch fremde Speise verbrannt, die Hände durch das Annehmen von Gaben, der Geist durch die Frauen anderer: Wie könnte da Siddhi entstehen, Schönangesichtige? „Fremde Nahrung“ bezieht sich hier auf anderes als Almosennahrung. Bei Almosen besteht kein Fehler, da sie vorgeschrieben sind. Dazu sagt das Merutantra: (101) Man lebe von Almosen vedisch lebender, reiner, wohlhabender, guter Brahmanen, die aus guten Familien und Orten stammen. (102) Charu, Wurzeln, Früchte, Milch, Dickmilch, erbettelter Reis und geröstetes Getreidemehl: Diese sieben Arten, durch Almosen empfangen, dürfen die ein Gelübde Einhaltenden essen.

Band II, S. 85, Weitere erlaubte Nahrungsmittel Verse 103–105
Deutsch: In der Agastya-Samhita: (103) Dickmilch, Milch und Ghee von der Kuh, Zuckerrohrerzeugnisse außer Guda, schwarzer Sesam, Mungbohnen und Knollen außer Kemuka. In der Paddhati: (104) Knollen wie Pindaru und Kaseruka, Dickmilch, Milch und Ghee von Kühen, Steinsalz, Mungbohnen, Gerste, schwarzer Sesam, Kalaya, Priyangu und Körner des sechzigtägigen Reises; (105) Kadamba-, Jambu-, Jackfrucht-, Mango- und Nimba-Früchte, Orangen, Dhatri-Früchte, Bananen, Kapittha, Mishti, Mridu und Granatäpfel: Diese darf man während der vorbereitenden Praxis essen. Mishti ist eine bestimmte Frucht mit süßem Geschmack. Mridu bedeutet Weintraube. Die übrigen sind bekannt. Auch andere, nicht untersagte Nahrungsmittel wie Gerstengrütze, Kokosnuss und dergleichen sind erlaubt.

Band II, S. 86, Verbotene Nahrungsmittel Verse 106–107
Deutsch: Nun die untersagten Nahrungsmittel: (106) alkalische Stoffe und aus der Erde gewonnenes Salz, Adhaki-Hülsenfrüchte, schwarze Bohnen, Linsen, Kichererbsen und Kodrava-Getreide; Öl, weißer Zucker, Mudgaka und Aranala, Honig, Guda, eingedickter Zuckerrohrsaft, Fleisch und dergleichen; (107) Kushmanda-Kürbis, Aubergine, Zwiebel, Flaschenkürbis, Pilzstiele, Knoblauch, Karira, Patola, Betel und Vibhitaka, ferner alles, dessen Geschmack sich verändert hat, sowie abgestandene oder verbrannte Speise: All dies ist nach Aussage der Verständigen zu meiden. Die Abgrenzung von „weiß“ und „Mudgaka“ in Vers 106 ist nicht eindeutig; Mudgaka wird hier nicht stillschweigend mit den zuvor erlaubten Mungbohnen gleichgesetzt. Patola ist als Padavara bekannt. Alabu ist die Frucht der Tumbi. Karira ist ein Bambusspross. „Andhas“ bedeutet Nahrung. Auch andere untersagte Dinge wie Grinjara, Karanja und dergleichen sind zu meiden. Grinjana ist in der Sprache des mittleren Landes als Gajar, Karotte, bekannt. Die unterschiedlichen Salzangaben werden nach den jeweiligen Zitaten beibehalten.

Band II, S. 86, Sitzunterlagen Verse 108–114
Deutsch: Nun die Sitzunterlagen nach dem Merutantra: (108) Sitzunterlagen werden in zwei Arten eingeteilt: für die tägliche Praxis und für besondere Wünsche. Eine mit Kusha-Gras, Fell und Tuch versehene Unterlage, vier Fingerbreiten hoch, (109) quadratisch, zwei Hasta breit, schön, weich und rein, ist der bequeme Sitz für die tägliche Praxis; er bewirkt die Verwirklichung des Japa. (110) Nun werden die wunscherfüllenden Sitze genannt: Antilopenfell zur Japa-Siddhi, Tigerfell für alle Siddhis und Schaffell zur Beseitigung von Krankheit. (111) Seide gilt als kräftigend, ein Rohrgeflecht als glückvermehrend. Eine weiße Wolldecke dient der Verwirklichung des Dharma, eine rote der Erlangung von Wohlstand. (112) Auf einer gelben wird der Wunsch erfüllt; eine schwarze Wolldecke verleiht den anderen als den Zweimalgeborenen Moksha. Eine gefärbte dient der Befreiung von Leid; blaue Farbe ist nicht günstig. Die soziale Zuordnung der schwarzen Decke wird nach dem Wortlaut wiedergegeben. In der Purashcharanachandrika: (113) Für Schadenzauber gilt Schwarz, für Unterwerfungsriten und Ähnliches Rot, für Besänftigung Weiß und für alle Handlungen eine bunte Unterlage. (114) Bei Lähmungsriten gilt Elefantenhaut, bei Tötungsriten Büffelhaut, bei Vertreibungsriten Schaffell, bei Unterwerfungsriten Nashornhaut, beim Erzeugen von Feindschaft Schakalfell und bei Besänftigung Kuhhaut. Dies sind historische Ritualzuordnungen des Textes.

Band II, S. 87, Ungeeignete Unterlagen Verse 115–119
Deutsch: Nun die verbotenen Unterlagen nach dem Merutantra: (115) Verbotenes ist zu meiden; auch wenn eine geeignete Unterlage nicht verfügbar ist, soll man nicht auf einer verbotenen sitzen. Nun werden sie genannt: Auf einem Holzsitz entsteht Kummer. (116) Auf einem Bambussitz wird man arm; ein bloßes Tuch führt zum Verlust des Aufenthaltsortes, Stein zur Vertreibung und ein Tonsitz zu Fieber. (117) Sitzen auf der Erde führt zu Schmerz, auf Blättern zur Verwirrung des Geistes und auf Gras zu Schmerz. Ein Ziegelsitz ist untersagt. (118) Ein Hausvater erfährt auf dem Fell der schwarzen Antilope geistige Unruhe; ein Schüler, Waldbewohner, Sannyasin oder Snataka erlangt darauf Siddhi. In der Purashcharanachandrika: (119) Ein eingeweihter Hausvater soll niemals auf dem Fell der schwarzen Antilope sitzen. Ein Asket, Waldbewohner, Brahmacharin oder Snataka darf darauf sitzen. Der Druck verbindet hier eine Verneinung mit „eingeweiht“; die Aussage wird nicht zu einer Erlaubnis für Eingeweihte umgeformt.

Band II, S. 87–88, Vier Japa-Haltungen Verse 120–129
Deutsch: (120) Der Sitz ist ringsum quadratisch, mit Kusha-Gras, Fell und Tuch versehen, ein oder zwei Hasta breit und vier Fingerbreiten hoch. (121) Darauf setze man sich ruhig in Swastika oder einer entsprechenden Haltung. Die vier Haltungen Swastika, Bhadra, Vira und Kurma (122) werden für Japa empfohlen; die übrigen werden nur bei dieser Gelegenheit mitgenannt. Ich werde ihre Kennzeichen in der Reihenfolge der Aufzählung erklären. (123) Beide Fußsohlen werden passend zwischen Knie und Oberschenkel gelegt; man sitzt mit aufrechtem Körper. Dies heißt Swastika. (124) Man legt die Knöchel unterhalb der Hoden zu beiden Seiten der Dammnaht und hält die seitlich liegenden Füße mit beiden Händen fest und völlig unbeweglich. (125) Dies ist Bhadrasana, das alle Krankheiten vernichtet. Einen Fuß auf den einen Oberschenkel legend (126) und den anderen entsprechend auf den anderen Oberschenkel, verweilt man in der Virasana genannten Haltung. Ein anderes Tantra sagt dagegen: „Der auf den linken Oberschenkel gelegte rechte Fuß kennzeichnet Virasana.“ (127) Wer gesammelt den After mit den überkreuzten Knöcheln verschließt, (128) nimmt Kurmasana ein. Kurma, Uttanakurma, Gomukha, Kukkuta, Matsya, Dhanus und Pashchimatana, (129) Mayura, Lavaka, Siddha, Padma, Simha und Shavasana sowie Swastika, Padmaka und Vira: So kennen sie die Yoga-Kundigen. Die Wiederholung der Lotus-Haltung gehört zur Aufzählung. Zu Kurma in Vers 121 ist die Variante Siddha, zum Krankheitsbezug in Vers 125 „Gift beseitigend“ verzeichnet. Die Beschreibungen sind die historischen Definitionen dieser Quelle.

Band II, S. 88, Weitere Körperhaltungen Verse 130–139
Deutsch: (130) Aus der Bindung des Kukkutasana heraus umschlingt man mit den Armen den Nacken und liegt wie eine umgedrehte Schildkröte auf dem Rücken. Dies ist Uttanakurmasana. (131) Man legt den rechten Knöchel links an die hintere Seite und ebenso den linken rechts. Gomukhasana gleicht einem Kuhgesicht. (132) Man nimmt den Lotussitz ein, führt die Hände zwischen Knie und Oberschenkel hindurch und stützt sie auf den Boden. Der Körper wird in der Luft gehalten: Dies ist Kukkutasana. (133) Den rechten Fuß, der an die Wurzel des linken Oberschenkels gelegt ist, ergreift man mit dem rechten Arm, der außen um die Knie herumgeführt ist, und verweilt mit gedrehtem Körper. Dies ist die von Shri Matsyanatha gelehrte Haltung. (134) Man fasst mit beiden Händen die großen Zehen und zieht wie einen Bogen bis zum Ohr. Dies wird Dhanurasana genannt. (135) Man streckt beide Beine stabförmig auf dem Boden aus, ergreift mit den Händen beide Füße und verweilt mit der Stirn am Knie. Dies nennt man Pashchimatana. (136) Man stützt sich mit beiden Handflächen fest auf die Erde und setzt die Ellbogen zu beiden Seiten des Nabels an. (137) Kopf und Füße werden angehoben; der Körper bleibt wie ein Stab in der Luft. Dies ist das vorzügliche Mayurasana, das alle Krankheiten nimmt. (138) Man setzt den eigenen Kopf und die Ellbogen auf den Boden und hält die Beine wie einen Stab in der Luft. Dies wird Kunjarakasana genannt. (139) Man legt den linken Knöchel oberhalb des Geschlechtsorgans und den anderen Knöchel darüber. Dies heißt Muktasana. Die ursprünglichen Bewegungsbeschreibungen bleiben unverändert; abweichende heutige Asana-Definitionen werden nicht eingesetzt.

Band II, S. 89, Siddha- Padma- und Simhasana Verse 140–144
Deutsch: (140) Diese Haltung nennen manche Siddhasana, andere kennen sie als Vajrasana; einige nennen sie Muktasana, wieder andere Guptasana. (141) Man setzt den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel und den linken auf den rechten, fasst mit beiden Händen von hinten fest die großen Zehen, legt das Kinn an die Brust und schaut auf die Nasenspitze. Dies wird Padmasana genannt, das bei Selbstbeherrschten Krankheiten beseitigt. (142) Man legt die Knöchel unterhalb der Hoden zu beiden Seiten der Dammnaht, den linken rechts und den rechten links. (143) Man setzt die Hände auf die Knie, spreizt die Finger, öffnet den Mund weit und schaut vollkommen gesammelt auf die Nasenspitze. (144) Dies ist Simhasana, das von Yogis stets verehrt wird. Wie ein auf dem Rücken liegender Leichnam auf der Erde zu liegen heißt Shavasana. Shavasana nimmt die Bedrängnis und dient der Ruhe des Geistes.

Band II, S. 89, Vajrasana Siddhasana und Vielfalt der Haltungen Verse 145–147
Deutsch: Im Yamala: (145) Man setzt die Füße der Reihe nach auf die Oberschenkel und die Hände mit nach hinten gerichteten Fingern auf die Knie. Dies wird das unübertreffliche Vajrasana genannt. Im Gorakshashataka: (146) Man bringt die Ferse fest an den Damm und setzt den anderen Fuß ruhig am Geschlechtsorgan an. Man richtet den Körper gerade aus, bleibt unbeweglich, beherrscht die Sinne und schaut mit festem Blick zwischen die Augenbrauen. Dies heißt Siddhasana, das die Tür zur Befreiung aufbricht. Ferner: (147) Es gibt so viele Asanas, wie es Lebewesen gibt. Ich, Maheshvara, kenne ihre sämtlichen Unterarten.

Band II, S. 89–90, Arten der Mala und Buchstabenmala Verse 148–153
Deutsch: Nun die Arten der Mala nach dem Merutantra: (148) Jetzt werde ich die Mala erklären. Sie ist zweifach: fest und beweglich. Die feste ist für Menschen mit beständigem Geist, die bewegliche für Menschen mit unruhigem Geist. Im Yamala: (149) Die Mala wird dreifach gelehrt: als erste die Lautmala, als zweite die bewegliche Perlenmala und als dritte die Handmala. Im Merutantra: (150) Mit einer aus den Matrika-Lauten von a bis ksha, jeweils mit Bindu versehen, in vorwärts- und rückwärtslaufender Reihenfolge gebildeten Lautmala (151) rezitiert man die jeweils mit einem Laut verbundenen Mantras; so gewähren sie alle Siddhis. Auch Arya und die weiteren werden genannt – was braucht es noch mehr? Dies wird die feste Mala genannt. Der knappe Bezug auf Arya und die weiteren Formen ist ohne Erläuterung überliefert. Auch im Trishaktiratna: (152) Oder der Verständige rezitiert mit einer aus Matrika bestehenden Mala. Er spricht jeden Laut einzeln und rezitiert das Mantra, jeweils durch einen Laut getrennt. (153) Der Verständige führt die Reihe bis la und dann wieder bis a zurück. Den Laut ksha in der Funktion des Meru soll der Sadhaka nicht überschreiten. Ein Wort vor „bis la“ in Vers 153 bleibt unklar; die Laufrichtung wird durch den folgenden Kommentar erläutert.

Band II, S. 90, Meru und 108 Lautrezitationen Verse 154–159
Deutsch: In der Mundamala: (154) Eine Mala ohne Meru oder eine, bei der der Meru überschritten wird, ist unrein und bleibt fruchtlos. (155) Man stelle sie sich aufgereiht auf Vichitra vor, die einem Lotusfaden gleicht und in der Brahma-Nadi verläuft; so gewährt sie die Frucht aller Wünsche. Als Variante zu Vichitra nennt die Ausgabe Chitrini. (156) Bei 108 Rezitationen spricht man zu Beginn die neutralen Laute. Als neutral bezeichnet man die vier Laute vokalisches kurzes und langes r sowie vokalisches kurzes und langes l. (157) Oder man verwendet die acht Lautgruppen entsprechend den verschiedenen Wünschen: a, ka, cha, ta, ta, pa, ya und sha, die acht Gruppen. Die beiden ta-Laute sind im Sanskrit deutlich als retroflex und dental unterschieden. Bei 108 Rezitationen spricht man nach einer Auffassung zuerst die vier neutralen Laute und nach Abschluss der rückläufigen Reihe dieselben vier nochmals rückwärts. Nach einer anderen spricht man die fünfzig Laute vorwärts und rückwärts und für die restlichen acht Rezitationen die Anfangslaute der acht Gruppen. Der Unterschied ist dabei zu beachten: ksha wird als Meru nur einmal ausgesprochen, und ihm folgt kein Mantra. Ein anderes Verfahren nennt der Sadhanasamuchchaya: (158) Mit der Verbindung von Shri, Maya, Kama und Vag sowie den Matrika-Lauten rezitiere man vorwärts und rückwärts 108-mal. In einem anderen Tantra: (159) Drei Rezitationen sind für den Guru und drei für Ganapati vorgesehen, Göttin; zwei zum Ausgleich von Fehlendem und Überzähligem. Den Rest ordne man der Ishta-Devata zu. Die Bija-Namen in Vers 158 werden nicht in unbelegte Silbenfolgen aufgelöst.

Band II, S. 91, Perlenzahl und Mala-Materialien Verse 160–164
Deutsch: Im Merutantra: (160) Nun wird die bewegliche Mala erklärt. Bei Schadenzauber hat sie so viele Perlen wie die Mondtage, also fünfzehn; zur Befreiung fünfundzwanzig. Man rezitiere stets zur Erfüllung beziehungsweise Befriedigung. Die Zuordnung des letzten Ausdrucks ist verkürzt; die Ausgabe verzeichnet dazu eine abweichende Lesung. (161) Mit dreißig wächst der Dharma, mit vierundfünfzig wird das Gewünschte erlangt, mit hundert Wohlbefinden und mit hundertacht sämtliche Siddhis. (162) Rudraksha dient allen Siddhis; Edelsteine gelten als Reichtum spendend, Muschelperlen als Mittel zur Wiedererlangung von Verlorenem und Kristall als Genuss verleihend. (163) Putrajiva-Samen schenken Söhne, Lotussamen vermehren Gedeihen, Korallen bewirken Unterwerfung und Perlen gelten als befreiend. (164) Kusha-Perlen nehmen Schuld, goldene erfüllen Wünsche, silberne vermehren Wunscherfüllung; mit Indraksha erreicht man die höchste Stätte.

Band II, S. 91, Weitere Materialien und Ritualzuordnungen Verse 165–172
Deutsch: (165) Eine Mala aus Kurkuma dient der Unterwerfung von Frauen, eine hölzerne der Unterwerfung von Männern; eine aus Lack vertreibt Fieber, eine aus Nashornmaterial erfreut die Ahnen. (166) Eine aus Arka soll zur Vertreibung gefertigt werden, eine aus Shriphala zur Erlangung von Erkenntnis; Elefantenzahn dient allen Zielen, Kupfer gilt als Mittel der Verblendung. (167) Eisen wird für Tötungsriten genannt, weißer Lotus zur Erlangung von Reichtum, Sandel zur Entfernung von Gift und weißes Holz zur Besänftigung. (168) Rotes Sandelholz beziehungsweise dessen Samen dienen der Sadhana von Yakshinis und ähnlichen Wesen; Lotusholz der Zufriedenheit, Deodar-Holz der Freiheit von Krankheit. (169) Mit schwarzem Holz gelingen tamasische Handlungen; Nimba dient der Lähmung von Geistern, Shami der Lähmung von Menschen. (170) Mahanimba dient der Lähmung einer Dakini, Bhunimba der von Krankheiten; Indra-Baum bewirkt Stillstand im Kampf, Affenknochen Schadenzauber. (171) Bärenknochen bewirken Siddhi im Wald, Tigerknochen die Verwirklichung der dortigen Gottheiten; Menschenknochen betreffen die Rakshasas, Pferdeknochen die Unterwerfung von Helden. (172) Eselsknochen dienen geringeren Siddhis, Elefantenknochen verschaffen Achtung. Eine Mala aus trocken gebrannten Tonperlen verleiht Siddhi der Shabara-Mantras. Die Zuordnung in Vers 171 ist sprachlich verkürzt; „Verwirklichung der dortigen Gottheiten“ gibt den nächstliegenden Bezug wieder. Die Edition erläutert das trockene Brennen als Erhitzen mit Sand und Feuer ohne Wasserzusatz. Sämtliche Material- und Wirkungszuordnungen sind historische Textaussagen.

Band II, S. 92, Materialien nach der Purashcharanachandrika Verse 173–175
Deutsch: In der Purashcharanachandrika: (173) Malas bestehen aus Rudraksha, Muschel, Lotussamen, Putrajiva, Perlen, Kristall, Edelsteinen, Gold, Silber und Koralle, (174) Kusha und allen zuvor genannten Materialien; ferner dienen Fingerglieder und Matrika-Laute als Mala, bei Schadenzauber auch die Zähne von Eseln, Pferden und Menschen. (175) Für Vishnu verwendet man eine Tulasi-Mala, für Ganesha Elefantenzahn. Für den Japa Tripuras wird eine Mala aus Indraksha und rotem Sandel empfohlen; beim Nilasarasvata-Mantra soll sie aus Mahashankha bestehen. Die Bedeutung von Mahashankha wird im folgenden Abschnitt ausdrücklich erklärt.

Band II, S. 92, Geheime Mala Verse 176–183
Deutsch: Auch im Trishaktiratna: (176) Wird Tarini mit der geheimen Mala rezitiert, gewährt sie Siddhi. Deshalb soll derjenige, der Siddhi wünscht, ihr Mantra mit dieser Mala rezitieren. (177) Die aus Mahashankha gefertigte Mala mit fünfzig Perlen heißt geheime Mala und ist sorgfältig geheim zu halten. (178) Als Mahashankha bezeichnet man den Knochen zwischen Ohr und Auge. Ist dieser nicht vorhanden, darf die Mala aus einem anderen Körperteil hergestellt werden. Im Yamala: (179) Für die Mahavidyas lasse der Sadhaka eine runde Mala aus den Schädeln von Menschen, Elefanten, Pferden oder Kamelen fertigen, die in einer gefährlichen Schlacht abgetrennt wurden. Fehlt dies, verwende er eine Kristallmala, die alles Gedeihen verleiht. Im Viratantra: (180) Wird Kalika mit der geheimen Mala rezitiert, gewährt sie alle Siddhis. (181) Für das Verfahren Tarinis und Kalikas wird eine Mala aus Mahashankha-Knochen genannt. Fehlt sie, verwende man Kristall oder Lotussamen. Im Tantra: (182) Bei Bhairavi und im Kalika-Verfahren gilt die Svayambhu-Mala, Göttin; bei Chhinnamasta die Mala aus Mahashankha-Knochen. (183) Bei Bala und Bhuvaneshvari wird Kristall genannt, bei Matangi eine Gunja-Mala, bei Dhumra Eselszahn, bei Bagala Kurkuma und bei Rama, Lakshmi, Lotussamen. Die Svayambhu-Mala wird hier nur benannt; die materiell drastischen Aussagen werden als überlieferte Ritualvorschriften übersetzt.

Band II, S. 93, Malas nach Amnaya und Gottheit Verse 184–194
Deutsch: Ferner: (184) Im östlichen Amnaya verwendet man Kristall, im südlichen Rudraksha und bei den Gottheiten des westlichen Koralle oder Perlen, Göttin. (185) Für die Göttinnen des nördlichen Amnaya gilt die Mala aus Mahashankha-Knochen, im oberen die aus Svayambhu-Material und im unterirdischen die aus Edelsteinen. (186) Beim Sonnenmantra verwendet man Koralle, bei einem Shakti-Mantra Perlen. Rudraksha- und Kristallmalas sind von Shiva und Shakti erfüllt. (187) Eine aus Rudraksha und Gold zusammengesetzte Mala sollst du als von Shivas Wesen erkennen. In allen Tantras gilt: Rudraksha ist für Shakti-Mantras nicht am Tage zu verwenden. Im Yamala: (188) Eine Rudraksha-Mala erfüllt alle Wünsche; eine Muschelmala schenkt Reichtum und Ruhm. (189) Eine Lotussamenmala verleiht Gedeihen und Glück und vernichtet Feinde; eine Putrajiva-Mala schenkt Söhne, Vieh, Wohlstand, Getreide und Fülle. (190) Eine Perlenmala gewährt glückliche Lebensumstände, großen Wohlstand, die Siddhi unmittelbarer Mantra-Offenbarung, Besänftigung und Kräftigung (191) sowie Befreiung. Ebenso wirkt eine Kristallmala. Rubin eignet sich für Sarasvati-Praxis und reichlichen Wohlstand. (192) Eine goldene oder silberne Mala erfüllt alle Wünsche. Koralle verwendet man für Sarasvati-Praxis, Unterwerfung und großen Vermögenszuwachs. (193) Eine Kusha-Mala tilgt Schuld; eine Mala aus all diesen Materialien, von Rudraksha bis Kusha, kann Menschen zur Befreiung dienen. (194) Den täglichen Japa soll man an den Fingergliedern zählen. Eine mit festem Geist eingesetzte Lautmala erfüllt alle Wünsche.

Band II, S. 93–94, Besondere Materialien und Verdienstzahlen Verse 195–201
Deutsch: (195) Für Vertreibung wird eine Mala aus Pferdezähnen auf Pferdehaar genannt. Aus den unteren Zähnen eines Esels, auf menschliche Sehnenfäden (196) aufgezogen, wird eine Mala zur Vernichtung von Feinden gelehrt. Aus den unteren Zähnen eines Toten soll eine Japa-Mala hergestellt werden, (197) aufgezogen auf Haare vom Körper des Zielmenschen, für ein Feindschaftsritual. Das Zählen des Japa an den Fingern wird als einfacher Grundwert angegeben. (198) Mit Putrajiva gilt das Zehnfache, mit Muscheln das Hundert- beziehungsweise Tausendfache; mit Korallen und Edelsteinen das Zehntausendfache. Zwischen hundert und tausend fehlt im Druck eine eindeutige Materialzuordnung. (199) Dasselbe gilt für Kristall, mit Perlen wird das Hunderttausendfache genannt, mit Lotussamen das Millionenfache und mit Silber das Zehnmillionenfache. (200) Mit Gold ist es das Doppelte davon, mit allen zusammen gilt das Hundertfache; mit Kusha-Knoten und Rudraksha ist die Frucht unendlich vervielfacht. (201) Auch eine Mala aus weißen Lotussamen gewährt unermessliche Frucht; dasselbe gilt für eine Mala aus Matrika-Lauten. Die Zahlen in Vers 198–200 werden trotz teilweise unklarer Bezugsgrößen nach dem Druck wiedergegeben.

Band II, S. 94, Auswahl und Beschaffenheit der Rudraksha Verse 202–207
Deutsch: Im Merutantra: (202) Ein Brahmane rezitiert mit Kusha-Knoten, ein König mit Goldperlen, ein Vaishya mit Putrajiva; mit Lotussamen dürfen alle rezitieren. (203) Zwischen Rudraksha-, Kristall- oder Indraksha-Perlen soll man nichts anderes einfügen. Wer beim Japa solche Zwischenstücke verwendet, zerstört Wunscherfüllung und Moksha. Dort werden auch die Arten der Rudraksha und ihre Größe erklärt: (204) Eine Rudraksha von der Größe einer Dhatri-Frucht ist die beste, eine jujubengroße die mittlere und eine kichererbsengroße die geringste; eine noch kleinere verursacht Unglück. (205) Weiße, rote, goldfarbene und schwarze werden den sozialen Klassen vom Brahmanen an zugeordnet. Unter diesen eignet sich die „Brahmanen“-Art besonders gut zur Herstellung einer Japa-Mala. (206) Ist sie nicht erhältlich, verwenden auch die Zweimalgeborenen die ihrer jeweiligen Klasse zugeordnete Art. Im Kali-Zeitalter ist solches Wissen selten, wie Brahmanen, die ihrem eigenen Dharma folgen. (207) Eine zu große, zu kleine, rissige, brüchige, zu leichte, gespaltene, bereits getragene oder alte Rudraksha bringt kein Glück. Diese Aussagen gehören zur überlieferten Auswahllehre; Vers 203 steht neben anderslautenden Materialkombinationen in vorausgehenden Zitaten.

Band II, S. 94–95, Ein- bis achtgesichtige Rudraksha Verse 208–216
Deutsch: Ferner: (208) Man fertige die Mala aus ein-, zwei-, vier-, fünf- oder sechsgesichtigen Rudrakshas. Verschiedene Arten miteinander zu mischen ist zu meiden. (209) Die eingesichtige ist Shiva; wer mit einer solchen Mala Japa übt, wird von Schuld wie der Tötung eines Brahmanen befreit und erlangt ersehnte Güter wie Königsherrschaft. (210) Die zweigesichtige, Umashankara genannt, beseitigt Schuld wie die Tötung einer Kuh und schenkt Glück im Hausvaterleben. (211) Die dreigesichtige ist von Agnis Wesen und nimmt Schuld wie die Tötung einer Frau. Durch ihr Tragen und den Japa mit ihr werden Dharma, Wohlstand und Wunscherfüllung verwirklicht. (212) Die viergesichtige ist Brahma und tilgt Schuld wie die Tötung eines ungeborenen Kindes. Alle Wissensgebiete leuchten auf, und die Rede erlangt Wirksamkeit. (213) Die fünfgesichtige gilt als Shiva selbst und als Tilgerin aller Schuld. Shaivas, Ganesha-Verehrer und Shaktas erlangen durch Japa mit ihr rasch Siddhi. (214) Die sechsgesichtige ist Karttikeya und nimmt die Schuld gebrochener Gelübde. Vorschriftsmäßig am rechten Arm getragen, gewährt sie Sieg in der Schlacht. (215) Die siebengesichtige ist der große Naga Ananta. Durch Japa mit ihr entstehen unendliche Siddhis; die folgende Aussage über Schlangengift ist im Druck gestört und bleibt in ihrem genauen Sinn unklar. (216) Die achtgesichtige ist Ganesha, der alle Hindernisse abwehrt. Durch Japa mit ihr vergehen alle Feinde wie Begierde und Zorn. Vers 215 druckt wörtlich eine Verneinung mit „Aufhebung des Schlangengifts“; eine vermutete Schutzverheißung wird nicht als sichere Lesung eingesetzt.

Band II, S. 95, Neun- bis vierzehngesichtige Rudraksha Verse 217–224
Deutsch: (217) Die neungesichtige ist Bhairava. Schon durch Japa werden die Gottheiten des linken Weges wohlgestimmt; am linken Arm getragen, tilgt sie Schuld. (218) Die zehngesichtige ist Janardana. Durch Japa und ihr Tragen verschwinden Pishachas, Besessenheitsmächte, Vetalas, Brahmarakshasas und Schlangen. (219) Die elfgesichtige ist unmittelbar Rudra. Durch ihr Tragen und Japa erhält man die Frucht von Pferdeopfern und anderen großen Opfern. (220) Die zwölfgesichtige ist die Sonne. Durch Japa und ihr Tragen wird man strahlend und machtvoll und erhält die Frucht des Kuhopfers. (221) Die dreizehngesichtige gilt als Verkörperung der Vishvedevas. Beim Ahnenritual getragen, verleiht sie den Ahnen ein unvergängliches Ziel. (222) Der Japa mit der vierzehngesichtigen wird unendlich wirksam. Man wird von Göttern und Menschen verehrt und erlangt ein unvergängliches Ziel. Ferner: (223) Die göttlichen Menschen, welche die Gottheiten nähren, sind die vedischen Pashus. Wer sie auf dem Kaula-Weg zu Fall bringt, dessen Richter ist Yama selbst. (224) Zu ihrem Schutz gibt es auf Erden nichts anderes als Rudraksha. Rudrakshas bewirken Mantra-Siddhi bei allen Gottheiten. Die Bezeichnung der vedischen Praktizierenden als „göttliche Menschen“ und der Bezug ihres Schutzes sind in Vers 223–224 sprachlich knapp; Pashu ist hier die traditionelle Klassenbezeichnung.

Band II, S. 96, Lob des Tragens von Rudraksha Verse 225–228
Deutsch: (225) Stirbt selbst ein Hund mit einer Rudraksha am Hals, erlangt auch er Rudras Wesen – um wie viel mehr Menschen und andere! (226) Ob ein Mensch durch Speisereste unrein ist, unerlaubte Handlungen vollzieht oder mit allen schweren Verfehlungen beladen ist: Durch das Tragen von Rudraksha wird er von aller Schuld befreit. (227) Wer stets eine Rudraksha-Mala am Hals trägt, wird in Rudras Welt geehrt, selbst wenn er ohne Hingabe und von sündhaftem Handeln ist. (228) Welchen vedischen Ritus ein Brahmane aus Unwissenheit ohne Rudraksha auch ausführt: Er empfängt dessen Frucht nicht. Die Aussagen bilden einen traditionellen Lobpreis der Rudraksha.

Band II, S. 96–97, Rudraksha am Körper Verse 229–237
Deutsch: Dort wird auch die Weise des Tragens erklärt: (229) Die Kopf-Mala hat sechsundzwanzig Perlen, die Hals-Mala zweiunddreißig. Am Ellbogen werden sechzehn genannt, an den Handgelenken zweiunddreißig. (230) Die heilige Schnur wird aus 108 gefertigt, die Brust-Mala aus der Hälfte davon; in der Shikha trägt man eine. (231) Für die Ohren wird die Zahl sechs genannt. So lautet die Anordnung des Tragens. Weniger als die vorgeschriebene Zahl soll man nicht verwenden; mehr ist kein Fehler. In einem anderen Tantra: (232) Wer am Hals so viele Rudrakshas wie Zähne trägt, auf dem Kopf zweimal zwanzig, an jedem Ohr sechs, an jeder Hand zwölf, an den Armen so viele wie die sechzehn Mond-Kalas, an den beiden Augen je eine, in der Shikha eine und auf der Brust 108: Dieser ist selbst Nilakantha. (233) Wer Rudrakshas so trägt, wird am Ende seines Körpers Shiva. Er erlangt großes Verdienst und wird schon hier vom Glück begünstigt. (234) Beim Baden, Spenden, Japa, Homa, Vaishvadeva-Opfer, der Götterverehrung, bei Sühneriten und Ahnenriten, besonders aber bei der Diksha, (235) soll ein Brahmane Rudraksha tragen. Welchen vedischen Ritus er so beständig ausführt, dieser trägt Frucht. (236) Allein durch das Tragen von Rudraksha an Hals, Kopf, Hand, Ohren und heiliger Schnur wird der Mensch zu Rudra. (237) Selbst wenn er Fleisch isst, Alkohol trinkt und unter den verschiedenen Menschengruppen verkehrt, wird er augenblicklich innerlich rein, wenn er Rudraksha auf dem Kopf trägt. Die beiden Tragevorschriften haben unterschiedliche Kopfzahlen; sie bleiben als getrennte Quellenfassungen erhalten.

Band II, S. 97, Zeit und Faden der Mala-Herstellung Verse 238–245
Deutsch: Dort werden auch je nach Gottheit unterschiedliche Zeiten zum Auffädeln der Mala genannt: (238) Am vierten Mondtag fädelt man die Mala mit Ganeshas Mantras auf. Für die Sonne geschieht es mittags am siebten Mondtag oder am Sonntag mit ihrem Mantra. (239) Die Vishnu-Mala wird am zwölften Mondtag unter Rezitation des Vishnu-Mantras aufgefädelt, die Shiva-Mala am dreizehnten in der Abenddämmerung mit Shivas Mantras. (240) Für die Shaktis soll sie vorschriftsmäßig am achten, vierzehnten oder neunten Mondtag oder am Dienstag gefertigt werden, nachts, nachdem man gegessen hat. Ebenso werden die Fäden unterschieden: (241) Eine Mala auf Seidenfaden erfreut die Göttin. Die Vishnu-Mala besteht aus Baumwollfaden oder auch Lotusfasern. (242) Die Shiva-Mala soll auf Wolle oder Bastfäden gefertigt werden. Höre nun das im Allgemeinen für alle Gottheiten geltende Verfahren zur Herstellung des Fadens: (243) Ein knotenfreier, von einer hier unklar bezeichneten Frau aus dem Brahmanenmilieu hergestellter Faden wird dreifach und nochmals dreifach gelegt, sorgfältig gewaschen und genommen. Das Kompositum vor „Frau“ ist sprachlich unsicher; eine bestimmte soziale Rolle wird nicht ergänzt. Im Umamaheshvara: (244) Eine Mala auf einem von einer schönen, ihrem Gatten zugetanen Frau mit lebendem Sohn gesponnenen Faden bringt Glück. In einem anderen Tantra: (245) Auf einem von einem Mädchen gesponnenen Faden oder auch auf einem aus „schlechter Farbe“ und Gold gefertigten. „Schlechte Farbe“ bedeutet Silber.

Band II, S. 97–98, Eigenes Auffädeln und Auswahl der Perlen Verse 246–249
Deutsch: Die Art des Auffädelns und die Weihe der Mala beschreibt die Purashcharanachandrika: (246) Nun erkläre ich das in den Tantras gelehrte Auffädeln der Malas. Nachdem der Sadhaka zunächst nur eine Mahlzeit zu sich genommen hat, soll er die Mala selbst auffädeln. (247) Der Ausspruch „Eine selbst geflochtene Mala und selbst verriebenes Sandel soll man nicht tragen“ untersagt aufgrund seiner Verbindung mit Sandel hier eine Blumengirlande, nicht aber eine Perlenmala. (248) Der Mantra-Kundige hat seine täglichen Pflichten erfüllt und ist rein. Von den genannten Bäumen beschafft er die Perlen sorgfältig nach Wunsch und Verfügbarkeit: (249) untereinander von gleicher Gestalt, weder zu groß noch zu klein, nicht von Insekten oder anderem beschädigt, nicht alt, sondern frisch. Er wäscht sie einzeln mit den fünf Erzeugnissen der Kuh.

Band II, S. 98, Panchagavya für die Mala-Weihe Verse 250–255
Deutsch: Eine Besonderheit des Panchagavya nennt das Merutantra: (250) Die Milch stammt von einer goldfarbenen Kuh, der Dung von einer weißen, der Urin von einer kupferfarbenen und die Dickmilch von einer dunkelblauen. (251) Das Ghee stammt von einer schwarzen. Entsprechendes gilt auch beim Panchamrita. In manchen Gegenden sind Kühe dieser Farben leicht zu finden. (252) Dort beschafft man die fünf Erzeugnisse nach diesen Farbunterschieden. Sind die Farben nicht verfügbar, liegt kein Fehler vor; unzureichende Mengen sind jedoch zu vermeiden. (253) Im Verhältnis zum Kuhdung nimmt man die doppelte Menge Urin, die vierfache Menge Ghee und die achtfache Menge Milch. So wird Panchagavya beschrieben, dazu Dickmilch. Für die Dickmilch ist hier keine klare Mengenangabe überliefert. (254) Mit der Gayatri nimmt man den Kuhurin, mit dem Mantra-Anfang „Dufttragend“ den Dung, mit „Schwelle an“ die Milch und mit dem auf Dadhikravan bezogenen Mantra die Dickmilch. (255) Mit „Du bist Glanz, du bist rein“ nimmt man das Ghee, mit „Des Gottes … dich“ das Kusha-Wasser. Man wasche mit Panchagavya und weiteren Mitteln … Der Versschluss fehlt im Druck. Die vedischen Mantras sind hier nur durch Anfangswörter bezeichnet und werden nicht vervollständigt.

Band II, S. 98, Vorbereitung des Auffädelns Verse 256–258
Deutsch: In der Purashcharanachandrika: (256) Auf einer aus neun Ashvattha-Blättern in Lotusform angelegten Unterlage lege man den Faden und die gewaschenen, mit Duftstoffen versehenen Perlen nieder. (257) Man lege Tara, Shakti und die Matrika-Laute durch Nyasa auf Faden und Perlen, verehre sie und bringe nach Vermögen Ghee-Gaben ins Feuer. (258) Der Verständige nimmt die Perlen einzeln und fügt sie auf dem Faden zur Mala zusammen. Vorderseite soll an Vorderseite und Rückseite an Rückseite anschließen. Tara und Shakti sind hier nur Mantra-Bezeichnungen; ihre Silben werden nicht ergänzt.

Band II, S. 99, Auffädeln und Brahma-Knoten Verse 259–264
Deutsch: (259) Die Mala soll einem Kuhschwanz gleichen oder die glückbringende Gestalt einer Schlange haben. Eine Perle derselben Art setzt man als Meru an die Spitze. Im Merutantra: (260) Ein einziger Meru ist einzusetzen, dicker als alle übrigen Perlen. Zuerst kommt eine große Perle, dann eine kleinere und danach eine noch kleinere. (261) So fertigt man eine schlangenförmige Mala, mit einem Brahma-Knoten bei jeder Perle; oder ohne Knoten, aber mit einem festen Faden. (262) Ein rechtsherum gelegter Knoten mit drei Windungen durch die Mitte und einer halben Windung am Ende heißt Brahma-Knoten. (263) Durch das Aneinanderreiben der Perlen entsteht gewiss eine Beeinträchtigung des Japa. Deshalb setzt man Knoten dazwischen; Perlen oder andere Zwischenstücke soll man hier nicht einfügen. In der Purashcharanachandrika: (264) Zwischen je zwei Perlen lege man einen Brahma-Knoten an. Nachdem die Japa-Mala so hergestellt ist, vollziehe man ihre Weihe.

Band II, S. 99, Sadyojata- und Vamadeva-Mantras Verse 265–266
Deutsch: (265) Man wasche sie mit Panchagavya und reinem Wasser unter Rezitation des Sadyojata-Mantras: „Om. Zu Sadyojata nehme ich Zuflucht. Verehrung Sadyojata! (266) In jedem Werden, nicht im übermäßigen Werden, sei für mich da. Verehrung dem Ursprung des Werdens!“ Die Wendung „nicht im übermäßigen Werden“ folgt dem hier ungewöhnlich getrennten Druckwortlaut; der genaue Bezug bleibt unklar. Mit Sandel, Aloeholz und weiteren Duftstoffen reibe man sie unter dem Vamadeva-Mantra ein: „Om, Verehrung Vamadeva! Om, Verehrung dem Ältesten! Om, Verehrung dem Besten! Om, Verehrung Rudra! Om, Verehrung der Zeit! Om, Verehrung dem Verwandler der Teile! Om, Verehrung dem Zermalmer der Kraft! Om, Verehrung dem Bezwinger aller Wesen! Om, Verehrung dem über den Geist Hinausführenden!“ Die Reihe enthält hier neun Anrufungen; sie wird nicht nach einer anderen Fassung vervollständigt.

Band II, S. 99–100, Aghora- Tatpurusha- und Ishana-Mantras bis Vers 267
Deutsch: Mit dem Aghora-Mantra räuchere man die Mala: „Om. Den Nicht-Schrecklichen und den Schrecklichen, den Schrecklichen und noch Schrecklicheren, von allen Seiten, allen und sämtlichen Rudra-Gestalten: Dir Verehrung, von allen Seiten, allen und sämtlichen!“ Die Wiederholung am Ende steht im Druck. Mit dem Tatpurusha-Mantra salbe man sie: „Om. Jenen Purusha wollen wir erkennen; über Mahadeva meditieren wir. Möge Rudra uns anregen.“ Mit dem fünften Mantra bespreche man jede einzelne Perle hundertmal: „Om. Der Herr aller Wissensgebiete, der Gebieter aller Wesen, Herr des heiligen Wissens, Oberherr Brahmans: Brahma-Shiva sei mir stets wohlgesinnt. Shiva, Om.“ (267) Auch den Meru bespreche man mit diesem fünften Mantra. Nachdem der Kundige die Mala so geweiht hat, setzt er ihre Lebenskräfte ein. Im gedruckten Schluss des Mantras stehen die Worte „stets, Shiva, Om“ getrennt; die Übertragung folgt diesem Wortlaut. Das Verb der Lebensweihe in Vers 267 ist im Druck fehlerhaft, seine Funktion durch den Kontext eindeutig.

Band II, S. 100, Japa Homa und Gebete an die Mala Verse 268–273
Deutsch: Im Kriyasangraha: (268) Der Kenner des Mantrawesens bespreche die Mala mit dem Wurzelmantra in vorwärts- und rückwärtslaufender Folge und ebenso mit den Matrika-Lauten. (269) Nachdem er die Ishta-Devata vorschriftsmäßig und in der gehörigen Reihenfolge verehrt hat, vollziehe er Nyasa und rezitiere das Mantra 1008-mal. Mit einem Zehntel der Zahl bringe er Homa-Gaben dar, die der jeweiligen Gottheit lieb sind. Im Yoginitantra: (270) Danach vollziehe man Homa, damit die göttliche Gegenwart verwirklicht wird. Nach 108 Opfergaben gieße man das Sampata-Ghee über die Mala. (271) Wer das Homa nicht ausführen kann, soll die doppelte Zahl Japa vollziehen. „Du, Mala, giltst in allen Welten als Verleiherin sämtlicher Siddhis. (272) Kraft dieser Wahrheit schenke mir Siddhi, Mutter; Verehrung dir!“ Mit diesen Worten verehrt der Hausvater sie und bewahrt sie sorgfältig verborgen auf. Im Yamala dagegen: (273) „Mala, Mala, große Mala, Verkörperung aller Tattvas! Die vier Lebensziele sind in dir niedergelegt; deshalb schenke mir Siddhi.“ Man setzt das Maya-Bija an den Anfang und verehrt sie mit roten Blumen.

Band II, S. 100, Empfang und Schutz der Mala Verse 274–277
Deutsch: In der Purashcharanachandrika: (274) Nachdem der Verständige so gehandelt hat, rezitiert er mit der Matrika an der Perlenmala. (275) Aus den verschiedenen Matrika-Lauten sind sämtliche Tantras entstanden. Deshalb soll mit dieser Mala der Japa aller Mantras vollzogen werden. (276) Man verehre den Guru und empfange sie aus seiner Hand, um alle Siddhis zu erlangen. Mancher Tantriker fädelt eine Mala auf, während er die Gayatri rezitiert. (277) Ein solches Auffädeln ist jedoch nirgends in der Mantra-Lehre beschrieben. In unreinem Zustand berühre man die Mala nicht und lasse sie nicht aus der Hand fallen.

Band II, S. 101, Gebrauch und Fehler der Mala Verse 278–284
Deutsch: Im Merutantra: (278) Man rezitiert mit einer Mala dasjenige Mantra, mit dem sie hergestellt wurde. Durch das Rezitieren eines anderen Mantras entsteht der Fluch der Gottheit. (279) Man verwendet einen festen Faden, damit er beim Japa nicht reißt. Ist der Faden alt, zieht man die Mala neu auf und rezitiert hundertmal. In der Purashcharanachandrika: (280) Fällt sie aus Unachtsamkeit aus der Hand, rezitiert man 108-mal. Dasselbe gilt nach verbotener Berührung, nachdem man sie auf die genannte Weise gewaschen hat. Im Merutantra: (281) Man berührt den Faden nicht mit dem Zeigefinger, schüttelt die Mala nicht und räuchert sie nicht. Man berührt sie nicht mit der linken Hand und lässt sie nicht fallen. Das Räucherverbot steht so im Druck, während das Räuchern bei der Weihe zuvor vorgeschrieben wird. (282) Beim Bewegen der Perlen soll der Daumen keine weitere Perle berühren. Während des Japa überschreite der Kundige niemals den Meru. (283) Beim Wenden lasse er die Perlen nicht gegeneinanderschlagen. Klappern bringt Streit, Schwingen macht den Geist unruhig. (284) Bewegung bringt Feindschaft, Aufspringen Krankheit, das Fallenlassen ein großes Hindernis und das Reißen des Fadens Vernichtung.

Band II, S. 101–102, Reparatur und Sühne Verse 285–289
Deutsch: Im Kriyasangraha: (285) Reißt der Faden der Mala, soll man ihre Weihe erneut vollziehen und 1008- oder 108-mal rezitieren. Im Shaivagama: (286) Reißt die Mala, fädelt man sie wie zuvor auf; nach ihrer erneuten Weihe rezitiert man das Mantra mit ungeteiltem Geist. Auch andernorts heißt es: (287) Reißt die Mala von selbst, vollziehe man Sühne. Man führe Japa und Homa mit der als „tausend mit Elefantenabschluss“ bezeichneten Zahl aus. Die Zahlwortverbindung gajāntakasahasra ist unklar; eine konkrete Zahl über tausend hinaus wird nicht erfunden. (288) Nachdem sie erneut aufgefädelt und die Lebensweihe vollzogen ist, verleiht die Mala Siddhi, nicht anders. So lautet Shankaras Wort. (289) Ist sie verbrannt, rezitiert man hunderttausendmal; ist sie verloren oder zerbrochen, zweihunderttausendmal; ist sie gestohlen, sechstausendmal; ist sie gefallen, hundertmal.

Band II, S. 102, Zählen und Geheimhaltung Verse 290–295
Deutsch: In der Purashcharanachandrika: (290) Man bewegt die auf dem Daumen liegende Perlenmala mit der Spitze des Mittelfingers und berührt sie nicht mit dem Zeigefinger. Dies ist die befreiende Zählweise. (291) Für Genuss, Befreiung und Freude rezitiert der Verständige mit dem Mittelfinger; bei vorzüglichen Riten mit Daumen und Ringfinger. (292) Für Feindschafts- und Vertreibungsriten verwendet man Zeigefinger und Daumen, für Tötungsriten kleinen Finger und Daumen. (293) Zu anderen Zeiten verehrt man die Mala und hält sie verborgen. Der Kundige darf die Wurzel offenbaren, niemals aber ihr Mantra. Diese im Druck stehende Gegenüberstellung von „Wurzel“ und „Mantra“ bleibt ohne Erläuterung unklar. (294) Perlenmala und Mudra soll man selbst dem Guru nicht zeigen. Weil Geister, Rakshasas, Vetalas, Siddhas, Gandharvas und Charanas das Offenliegende rauben, soll der Verständige verborgen rezitieren. Nun die Weihe der Mala für Frauen und Shudras nach dem Merutantra: (295) Es wird die Mala-Weihe für einen Shudra oder eine Frau erklärt.

Band II, S. 102–103, Besondere Mala-Weihe für Frauen und Shudras Verse 296–303
Deutsch: (296) Man verehre hingebungsvoll Ganesha, Surya, Vishnu, Isha und Durga in der Mala und bespreche die Mala mit dem hier ausgeschriebenen Bija (297) 108-mal. Dann legt man sie für drei Tage in Panchagavya. Am vierten Tag nimmt man sie heraus und wäscht sie mit dem Waffenmantra. (298) Unter dem Herzmantra fädelt man sie auf und legt sie auf die Opferfläche. Von dort hebt man sie auf und legt sie in ein Goldgefäß. (299) Man badet sie in Panchamrita und kaltem Wasser und verwendet duftenden Sandel, Moschus, Safran und weitere Stoffe. (300) Der Sadhaka vollzieht dann die Begießung mit dem erneut ausgeschriebenen Bija. Nach der Verehrung der neun Planetenkräfte verehrt er auch die Hüter der Himmelsrichtungen. Das Bija ist in beiden Stellen als h und s mit langem au und nasalem Abschluss gelesen; es hat keine wörtliche Übersetzung. Auch hier ist nach Ansicht der Überlieferungskenner die Mala mit den Matrika-Lauten und dem Wurzelmantra zu besprechen; nach der Lebensweihe soll wie zuvor die Ishta-Devata in ihr verehrt werden. Ferner: (301) Danach vollziehe man nach Vermögen Homa mit Sesam und Ghee und gebe dem Guru als Dakshina so viele Goldeinheiten, wie die Mala Perlen hat. (302) Man bewirte Brahmanen, die dieses Mantra rezitieren, oder Veda-Kundige. Fehlt ein Goldgefäß, kann ein Ashvattha-Blatt genommen werden. Diese so beschriebene Mala-Weihe verleiht beim Japa Siddhi. Nun die Mala-Weihe der Anhänger des linken Weges aus demselben Werk: (303) Für die Malas aus Knochen und weiteren Materialien der Kaulas und der Anhänger des linken Weges …

Band II, S. 103, Mala-Weihe des linken Weges Verse 304–311
Deutsch: (304) … werde ich die zur Siddhi führende Weihe erklären, die in allen Tantras geheim gehalten wird. Zuerst verehrt man den Handwerker mit Gewändern, Duftstoffen und Salben. (305) Freudig richtet man die Mala her und trinkt durch Mantra geheiligtes alkoholisches Getränk. Sie besteht aus fünfzig Perlen und wird in die Vagina einer menstruierenden Frau gelegt. (306) Nach einer Nacht nimmt man sie heraus und wäscht sie mit den rituellen „Ursachenstoffen“. Mit reinem Wasser und dem Saft der Vijaya-Pflanze begießt man sie unter Rezitation des Wurzelmantras. (307) Nach dem Waschen räuchert man sie und zieht sie auf die gewünschten Fäden. Der Faden ist beim Japa der eigenen Ishta-Devata blau, bei Tötungsriten schwarz, (308) bei Verblendung grün, bei Lähmung rauchfarben, bei Feindschaft palmfarben; bei Besänftigung und Kräftigung weiß, bei Feindschaft rot und bei Vertreibung [die genaue Farbzuordnung ist unklar]. (309) Bei Unterwerfung ist er gelb, beim Verwirren ockerfarben. Dann vollzieht man die Chakra-Puja; (310) der Sadhaka bringt mit dem Wurzelmantra 1008 Gaben aus Alkohol und Fleisch ins Feuer. Danach veranlasst er vorschriftsmäßig eine Bali-Darbringung von Büffeln und anderen Tieren. (311) Er bewirtet Shaktis und Sadhakas in einer der Perlenzahl entsprechenden Anzahl. Eine so geweihte Mala soll einem Pashu nicht übergeben werden. Vers 308 nennt Feindschaft zweimal und lässt die letzte Zuordnung unklar. Die körperlichen und opferbezogenen Vorschriften sind quellentreu als historischer Ritualtext wiedergegeben.

Band II, S. 103–104, Handmala 312–315
Deutsch: Nun die Handmala. Im Balatantra: (312) Die Finger heißen der Reihe nach Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger und kleiner Finger. Drei Finger haben jeweils drei Zählglieder, der Mittelfinger nur eines. Seine beiden übrigen Glieder soll man als Meru behandeln. In einem anderen Tantra: (313) Vom mittleren Glied des Ringfingers über den kleinen Finger bis zum Grundglied des Zeigefingers reicht die sogenannte Handmala. Auch Sanatkumara sagt: (314) Vom mittleren Glied des Ringfingers aus soll man, über den kleinen Finger fortschreitend, bis zum Grundglied des Zeigefingers an zehn Gliedern Japa zählen. (315) Vom Grundglied des Ringfingers aus soll man über den kleinen Finger bis zum mittleren Glied des Zeigefingers an acht Gliedern zählen. Dieser letzte Vers betrifft die acht Wiederholungen nach hundert Wiederholungen, wenn insgesamt 108 zu verrichten sind. Dies gilt für die Vishnu-Verehrung.

Band II, S. 104, Handmala der Shakti 316–320
Deutsch: Für die Shakti-Verehrung hingegen: (316) Vom Grundglied des Ringfingers aus soll man in der Richtung der ehrerbietigen Umschreitung bis zum Grundglied des Mittelfingers an acht Gliedern zählen. (317) Das mittlere Glied des Ringfingers soll man zum Meru machen und nicht überschreiten. Wer am oberen oder mittleren Glied des Zeigefingers zählt, dessen vier Güter gehen zugrunde: Lebensdauer, Wissen, Ansehen und Vermögen. So heißt es im Siddhantasara. Dort steht auch: (318) Vom Grundglied des Ringfingers bis zum Grundglied des Zeigefingers soll man in Umschreitungsrichtung an neun Gliedern zählen. Dies betrifft 108 Wiederholungen, die durch zwölf solche Umläufe zustande kommen. Für Shrividya heißt es im Yamala: (319) Am Ringfinger und Mittelfinger dienen jeweils Grund- und Endglied, am kleinen Finger und Zeigefinger jeweils drei Glieder, o Maheshvari. (320) Die beiden mittleren Glieder des Ring- und Mittelfingers bilden den glückverheißenden Meru. In Umschreitungsrichtung soll man, o Göttin, Japa für Tripurasundari verrichten. So lautet die besondere Vorschrift.

Band II, S. 104–105, Regeln des Zählens 321–324
Deutsch: Im Merutantra: (321) Während des Japa soll man die Finger niemals auseinanderhalten. Trennt man sie, so fließt der Japa durch die Zwischenräume davon. (322) Man soll beim Zählen nichts überspringen und die Handfläche etwas zusammenziehen. Die Hand soll man nicht offen zeigen; andernfalls nehmen Rakshasas die Frucht an sich. In der Purashcharanachandrika: (323) Japa, das an den Fingerspitzen, unter Überschreiten des Meru oder an den Gelenkfalten gezählt wird, bleibt insgesamt fruchtlos. (324) Wer aus Unachtsamkeit die Zählvorschrift missachtet, dessen Frucht nehmen Rakshasas. Darum soll ein Verständiger gewissenhaft zählen.

Band II, S. 105, Zählmittel und Daumen 325–328
Deutsch: Im Rudrayamala: (325) Man soll die Japa-Zahl weder mit unversehrten Reiskörnern noch an den Fingergliedern, weder mit Getreide noch mit Blumen, Sandelholz oder Erde bestimmen. (326) Man soll die genannten Stoffe – Lack, [ein unsicher gelesener Bestandteil], Sindura, Kuhdung und getrockneten Dung – vermischen, kleine Kügelchen formen und damit zählen. [Lesungshinweis: Die Stofffolge „लाक्षाकुसितसिन्दूरं“ bleibt im Druck mehrdeutig. Das Verbot der Fingerglieder in Vers 325 steht neben den zuvor angeführten Handmala-Vorschriften.] Im Mantratantraprakasha: (327) Wer an den Fingern Japa zählt, soll dabei den Daumen mitbenutzen. Eine ohne Daumen verrichtete Handlung bleibt fruchtlos. In der Mundamala: (328) Das tägliche Japa soll man an der Hand verrichten, niemals jedoch ein auf einen besonderen Wunsch gerichtetes Japa. Wenn keine Mala vorhanden ist, darf man auch dieses an der Hand zählen.

Band II, S. 105–106, Bedeutung und Anwendung der Mudras 329–336
Deutsch: Nun der Abschnitt über Mudras. Die Bedeutung des Wortes Mudra wird im Kularnava erklärt; auch im Merutantra heißt es: (329) Sie bereiten der Gottheit Freude und lösen [unklarer Ausdruck] auf. Deshalb heißen sie Mudras und sollen gezeigt werden, o Herrin des Kula. [Lesungshinweis: Im Druck steht „ममांसि“; das gemeinte Objekt des Auflösens ist unsicher. Die beiden Quellenangaben stehen vor diesem Vers.] (330) Jene Shaktis, die dem Selbst durch den Körper mühelos Freude und das Erlangen seiner eigenen Wesensgestalt schenken, gelten als Mudras. (331) Sie erfreuen [der Zusammenhang mit den genannten Planetenmächten ist sprachlich unklar] und lösen die Menge der Verfehlungen auf. Weil sie erfreuen und auflösen, werden sie Mudras genannt. Im Yamala: (332) Weil sie alle Götter erfreut und die Folge der Verfehlungen auflöst, heißt diese Geste Mudra; sie verwirklicht die Zwecke aller rituellen Handlungen. (333) Nun werde ich die Mudras erklären, die in allen Tantras geheim gehalten werden. Werden sie ausgeführt, so erfreuen sich die Mantra-Gottheiten. (334–335) Bei der Verehrung, beim Japa, bei Dhyana und wunschbezogenen Handlungen, beim Bad, bei der Anrufung, am Muschelhorn, bei der Einsetzung und beim Schutz, bei der Speisegabe und an den anderen jeweils im Ritualtext genannten Stellen soll man die Mudras mit ihren besonderen Merkmalen zeigen. (336) Die neun Mudras, beginnend mit der Anrufung, gelten als allgemein verwendbar. Ebenso soll man die Mudras der sechs Glieder bei allen Mantras anwenden.

Band II, S. 106, Mudras der Gottheiten 337–344
Deutsch: (337–340) Die Weisen nennen neunzehn Mudras Vishnus: Muschelhorn, Diskus, Keule, Lotus, Flöte, Shrivatsa, Kaustubha, Waldblumengirlande, Jnana-Mudra, die Bilva genannte Geste und die Garuda-Mudra, welche Vishnus Zufriedenheit mehrt; ferner Narasimha, Varaha, Hayagriva, Bogen, Pfeil, Axt, die weltbetörende Geste und die als höchste bezeichnete Kama-Mudra. (340–341) Shiva gehören zehn Mudras: Linga, Yoni, Dreizack, Mala, Wunschgewährung, Furchtlosigkeit, Gazelle, Khatvanga-Stab, Schädelschale und die Shiva erfreuende Damaru-Trommel. Für Surya ist die Lotusgeste bestimmt. (341–342) Für Ganesha gibt es sieben Mudras: Stoßzahn, Schlinge, Elefantenhaken, Vighna, Axt, Süßigkeitskugel und Zitronatzitrone. Man soll sie bei der Verehrung des Herrn der Hindernisse kennen. (343) Schlinge, Elefantenhaken, Wunschgewährung, Furchtlosigkeit, Schwert, Diskus, Bogen, Pfeil und die Keulengeste gehören zu Durga; diese Mudras erfreuen Shakti. (344) Bei Lakshmis Verehrung dient die Lakshmi-Mudra. Bei der Verehrung der Göttin der Rede dienen die Gesten der Gebetskette, der Vina, der Erklärung und des Buches.

Band II, S. 106, Weitere Zuordnungen 345–348
Deutsch: (345–347) Bei der Feuerverehrung ist die Siebenzungen-Mudra vorgesehen. Ferner gibt es die Fisch-, Schildkröten-, Lelihā- und Kopf-Mudra sowie die Mahayoni genannte Geste, die Fülle aller Siddhis schenkt. Bei der Shakti-Verehrung dient Mahayoni, bei Shyama und verwandten Göttinnen die Kopf-Mudra. Fisch, Schildkröte und Lelihā gelten als allgemein verwendbar. (347–348) Für die Verehrung Tripuras sind diese zehn Mudras zu kennen: Erschütterung, Auflösung, Heranziehung, Unterwerfung, Berauschung, großer Elefantenhaken, Khechari, Bija, Yoni und Trikhanda, die dreigeteilte Geste.

Band II, S. 107, Anlässe der Mudras 349–353
Deutsch: (349) Bei der Übergießung dient die Krug-Mudra, beim Sitz die Lotus-Mudra. Zur Beruhigung von Hindernissen soll Kalakarni angewandt werden. (350) Bei der Reinigung des Wassers dient Galini, bei Shri Gopalas Verehrung die Flötengeste und bei Narasimhas Verehrung die Narasimha-Geste. (351–352) Bei Varahas Puja zeige man die Geste des Ebergesichts, bei Ramas Verehrung Bogen und Pfeil, bei Parashuramas Verehrung die Axt. Die weltbetörende, auch Vasudeva genannte Mudra dient bei Dhyana, die Krug-Mudra beim Beschützen. (353) Bei jeder Bitte verwende man die Gebets-Mudra. Nun werden ihre Merkmale in der Reihenfolge der Aufzählung beschrieben. Die mit der Anrufung beginnenden Mudras und die Gesten des Matrika-Nyasa wurden bereits genannt; hier werden die übrigen erklärt.

Band II, S. 107, Mudras der sechs Glieder 354–356
Deutsch: Dort heißt es weiter: (354) Gerade gehaltene Daumen und Finger bilden die Mudra für Herz und Kopf. Eine Faust mit nach unten gerichtetem Daumen dient für die Haarlocke; die Finger beider Hände dienen für den Schutzpanzer. (355–356) Genannt werden ferner die Naracha-Faust und der durch Daumen und Zeigefinger beider erhobenen Arme erzeugte, nach allen Richtungen verteilte Laut. Für die beiden Augen dienen Zeige- und Mittelfinger; bei drei Augen kommt der Ringfinger hinzu. Damit sind die Mudras der sechs Glieder ordnungsgemäß erklärt. [Lesungshinweis: Die verdichtete Formulierung in Vers 355 lässt die genaue Zuordnung von Faust, Armhaltung und Schnipplaut nicht sicher erkennen.]

Band II, S. 107–108, Muschelhorn Diskus Keule und Lotus 357–362
Deutsch: (357–359) Nun werden die Merkmale der Vishnu-Mudras erklärt. Man umfasse den linken Daumen mit der rechten Faust, drehe diese nach oben und strecke ihren Daumen aus. Die Finger der linken Hand werden zusammengelegt, ausgestreckt und an den rechten Daumen angelegt. Dies ist die Muschelhorn-Mudra. (359–360) Man halte beide Hände einander zugewandt, aneinandergelegt und gut ausgestreckt; kleine Finger und Daumen berühren sich. Dies ist die Diskus-Mudra. (360–361) Man halte die Hände einander zugewandt und verschränke die Finger. Die beiden Mittelfinger werden aneinandergelegt und ausgestreckt. Diese Keulen-Mudra mehrt Vishnus Zufriedenheit. (362) Man wende die Hände einander zu, beuge sie etwas, richte die Finger auf und lege die Daumen innen an die Handflächen. Dies ist die Lotus-Mudra.

Band II, S. 108, Flöte Shrivatsa und Kaustubha 363–368
Deutsch: (363–364) Der linke Daumen liegt an den Lippen; der linke kleine Finger verbindet sich mit dem rechten Daumen, während der rechte kleine Finger ausgestreckt wird. Zeige-, Mittel- und Ringfinger werden etwas gebeugt und bewegt. Dies ist die wohlgehütete Flöten-Mudra, die Hari liebt. (365–366) Man lege die Handrücken aneinander und halte Mittel- und Ringfinger mit den Daumen fest. Die Zeigefinger lege man an die Ansätze der kleinen Finger. Dies heißt Shrivatsa-Mudra. (366–368) Den rechten kleinen Finger lege man an den Rücken des Ringfingers und halte ihn mit dem anderen kleinen Finger fest; mit dem rechten Zeigefinger halte man den linken Ringfinger am Ansatz des rechten Daumens fest. Man verbinde linken Daumen und Mittelfinger. Die übrigen vier Finger sind gerade und berühren sich an den Spitzen. Dies heißt Kaustubha-Mudra.

Band II, S. 108, Girlande Jnana Bilva und Garuda 369–373
Deutsch: (369) Mit Daumen und Zeigefinger beider Hände zeichne man vom Hals bis zu den Füßen eine Girlande nach. Dies ist die Waldblumengirlanden-Mudra. (370–371) Man bringe Zeigefinger und Daumen vor das Herz; die linke Lotushand lege man auf das linke Knie. Dies ist die von Ramachandra geliebte Jnana-Mudra. [Lesungshinweis: Das Wort „शक्तौ“ bestimmt die Verbindung von Daumen und Zeigefinger nicht eindeutig.] Man richte den linken Daumen auf, umfasse ihn mit dem Daumen der anderen Hand und drücke mit deren Fingern auf seine Spitze. Diese Finger wiederum umschließe man fest mit den Fingern der linken Hand. Reinen Geistes halte man die Geste am Herzen und spreche das Bija des Liebesgottes. Dies ist die hier ausdrücklich erklärte Bilva-Mudra, welche die Ritualkundigen geheim halten sollen. [Das Bija wird hier nur bezeichnet, nicht ausgeschrieben.] (372–373) Man wende die Hände voneinander ab, verschränke die kleinen Finger und lege die Zeigefinger sowie die Daumen aneinander. Die beiden Mittel- und Ringfinger bewege man wie zwei Flügel. Dies ist die Garuda-Mudra, welche Vishnus Zufriedenheit mehrt.

Band II, S. 109, Narasimha Varaha und Hayagriva 374–380
Deutsch: (374–375) Man stelle die Hände zwischen die Knie auf den Boden, halte Kinn und Lippen zunächst geschlossen und lasse den Körper wiederholt erzittern. Dann öffne man den Mund weit und bewege die Zunge leckend. Dies ist die Narasimha-Mudra, die seine Freude mehrt. (376) Man drücke mit beiden Daumen die kleinen Finger nieder; alle Finger weisen nach unten. Auch diese Mudra gilt als Geste Narasimhas. (377) Der Verständige halte die linke Hand mit der Fläche nach oben über die Gottheit und neige sie nach unten. Dies wird Varaha-Mudra genannt. [Die räumliche Anweisung des Verses ist nicht eindeutig.] (378) Die rechte Hand weist nach oben, die linke nach unten; ihre Fingerspitzen werden miteinander verbunden. Dies heißt Varaha-Mudra. (379–380a) Man setze die nach unten gerichteten Finger der rechten Hand in die linke Handfläche, hebe den Mittelfinger an und beuge ihn nach unten. Diese Hayagriva liebe Mudra ahmt seine Gestalt nach.

Band II, S. 109–110, Bogen Pfeil Axt und Kama 380–388
Deutsch: (380b–381) Man verbinde die Spitze des linken Mittelfingers mit der Spitze des Zeigefingers und drücke Ringfinger und kleinen Finger mit dem Daumen nieder. Man zeige die Geste an der linken Schulter. Dies heißt Bogen-Mudra. (382) Die Pfeil-Mudra entsteht durch den gerade ausgestreckten Zeigefinger der rechten Faust. Oder nach dem Jnanarnava: (383) Geliebte, halte die linke Hand so, als hieltest du einen Bogen. Dies heißt Bogen-Mudra. (384–385a) Die Bogen-Mudra ist wie ein wunscherfüllender Baum und mehrt Ansehen und Ruhm. Geliebte, halte die Hand so, als hieltest du einen Pfeil. Dies ist die Pfeil-Mudra, welche die Schar der Feinde niederstreckt. (385b–386) Man lege die Handflächen quer aneinander und halte die Finger zusammen und ausgestreckt: Dies heißt Axt-Mudra. Zwei Fäuste mit nach oben gerichteten Daumen bilden die Mudra, welche die drei Welten betört. (387–388) Man forme die Hände zu einer Höhlung mit ausgestreckten Fingern, lege die Zeigefinger auf die Rückseiten der Mittelfinger und die Daumen an die Mittelfinger. Dies wird Kama-Mudra genannt; sie erfreut alle Gottheiten. Nun werden die Merkmale der Mahadeva lieben Mudras erklärt.

Band II, S. 110, Linga Yoni Dreizack und Gebetskette 389–393
Deutsch: (389–390a) Man umfasse den aufgerichteten rechten Daumen mit dem linken Daumen und umschließe ihn mit den Fingern beider Hände. Dies heißt Linga-Mudra; sie bewirkt Shivas Nähe. (390b–391) Man verhake die kleinen Finger miteinander und halte die Ringfinger mit den Zeigefingern. Die ausgestreckten Mittelfinger liegen oberhalb der Ringfinger aneinander; unter sie lege man die beiden Daumenspitzen. Dies heißt Yoni-Mudra. (392) Man halte den kleinen Finger mit dem Daumen fest und strecke die drei übrigen Finger zusammen aus. Dies heißt Dreizack-Mudra. (393) Man verbinde die Spitzen von Daumen und Zeigefinger und strecke die drei übrigen Finger aus. Dies heißt Gebetsketten-Mudra.

Band II, S. 110, Shivas weitere Gesten 394–399
Deutsch: (394) Die ausgestreckte, nach unten gehaltene rechte Hand bildet die Geste der Wunschgewährung. Die ausgestreckte, nach oben erhobene linke Hand bildet die Geste der Furchtlosigkeit. (395) Man lege die Spitze des Mittelfingers an den zusammengeführten Ringfinger und Daumen, sodass die Fingerspitzen sich berühren. Dies heißt Gazellen-Mudra. (396) Die fünf Finger der rechten Hand werden zusammengelegt und nach oben gerichtet. Dies ist die bekannte Khatvanga-Mudra, die Shiva besonders liebt. (397) Man forme die linke Hand wie eine Schale, setze sie links auf den Schoß und halte sie erhoben. Dies gilt als Schädelschalen-Mudra. (398–399) Man bilde mit der rechten Hand eine lockere Faust, deren Mittelfinger etwas angehoben ist, und bewege sie oben in der Nähe des Ohres. Dies ist die Damaru-Mudra, die alle Hindernisse vernichtet. Nun werden die Merkmale der Ganesha-Mudras erklärt.

Band II, S. 110, Ganeshas Stoßzahn und Schlinge 400–401
Deutsch: (400) Eine mit der Fläche nach oben gehaltene Faust, deren Mittelfinger gerade ausgestreckt ist, wird von den Kennern aller Agamas Stoßzahn-Mudra genannt. (401) Man verbinde den Zeigefinger der linken Faust mit dem Zeigefinger der rechten Faust und lege die beiden Daumen jeweils an die Spitze des eigenen Zeigefingers. [Die Benennung dieser Geste folgt im nächsten Vers.]

Band II, S. 111, Ganeshas weitere Gesten 402–405
Deutsch: (402a) Diese Geste wird von den Wissenden Schlingen-Mudra genannt. (402b–403a) Man halte den Mittelfinger gerade, lege den Zeigefinger an sein mittleres Glied und beuge ihn etwas. Dies heißt Elefantenhaken-Mudra. (403b–404) Man bilde aus Zeige-, Mittel-, Ringfinger, kleinem Finger und Daumen eine Faust; der Mittelfinger wird lang nach unten ausgestreckt. Dies ist die Vighna-Mudra. Die Axt-Mudra wurde bereits erklärt; die Süßigkeitskugel-Mudra ist bekannt. (405) Die Zitronatzitronen-Mudra wird übergangen, weil sie bekannt ist. Nun werden die Merkmale der Shakti-Mudras erklärt.

Band II, S. 111, Schwert Schild Keule Durga und Lakshmi 406–411
Deutsch: (406–407a) Schlinge, Elefantenhaken, Wunschgewährung, Furchtlosigkeit, Bogen und Pfeil sind bereits beschrieben. Man halte den kleinen Finger und Ringfinger der rechten Hand mit dem Daumen fest; die beiden übrigen Finger strecke man aneinandergelegt aus. Dies ist die Schwert-Mudra. (407b–408a) Man halte die linke Hand quer ausgestreckt und beuge die Finger. Dies heißt Schild-Mudra. (408b–409) Man bilde mit beiden Händen Fäuste und setze die rechte über die linke. Dies ist die Keulen-Mudra, die alle Hindernisse vernichtet. Werden die so verbundenen Fäuste am Kopf gehalten, heißt dies Durga-Mudra. (410–411a) Man bilde die Diskus-Mudra, strecke die beiden Mittelfinger aus, führe die kleinen Finger heran und lege die Daumen an deren Spitzen. Dies ist die höchste Lakshmi-Mudra, die allen Wohlstand schenkt.

Band II, S. 111, Vina Buch Erklärung und sieben Zungen 411–415
Deutsch: (411b–412) Man halte die Hände wie beim Spielen der Vina und bewege den Kopf. Dies heißt Vina-Mudra und erfreut Sarasvati. Die zum eigenen Körper gerichtete linke Faust bildet die Buch-Mudra. (413–414a) Man verbinde die Spitzen von rechtem Daumen und Zeigefinger. Die übrigen Finger strecke man zusammen und nach oben gerichtet aus. Dies ist die erklärende Mudra; sie gilt als Shri Rama und Sarasvati besonders lieb. (414b–415) Man lege die Handgelenke aneinander und spreize die Finger beider Hände. Die kleinen Finger und Daumen werden jeweils paarweise verbunden und ausgestreckt. Dies ist die Siebenzungen-Mudra, welche den Feuergott Vaishvanara erfreut.

Band II, S. 112, Wasserreinigung Krug und Gebet 416–420
Deutsch: (416–417a) Man verbinde den kleinen Finger und Daumen der einen Hand jeweils mit denen der anderen. Zeige-, Mittel- und Ringfinger bleiben zusammen und ungebeugt. Diese Geste heißt Galini; man bewegt sie über dem Muschelhorn. (417b–418a) Man lege den rechten Daumen auf den anderen Daumen und bilde mit beiden Händen eine Faust, die innen einen Hohlraum lässt. Dies ist die Krug-Mudra. (418b–419a) Die aufgerichteten Daumen beider Fäuste lege man an die Spitzen der Zeigefinger. Dies wird die allseitig schützende Krug-Mudra genannt. (419b–420) Man lege die einander zugewandten Hände mit ausgestreckten Fingern vor dem Herzen aneinander. Dies heißt Gebets-Mudra. Die zusammengelegten Hände bilden die Anjali-Mudra; sie wird auch Vasudeva genannt.

Band II, S. 112, Kalakarni Staunen Nada Bindu und Auflösung 421–425
Deutsch: (421) Man lege beide Fäuste aneinander, richte die Daumen auf und wende sie einander zu. Dies ist Kalakarnika-Mudra. (422) Eine fest geschlossene rechte Faust, deren Zeigefinger an die Nase gelegt wird, ist die Staunens-Mudra; sie versetzt in Staunen. (423) Die rechte Faust mit aufgerichtetem Daumen bildet Nada-Mudra. Werden Zeigefinger und Daumen an den Spitzen verbunden, entsteht Bindu-Mudra. (424–425a) An die nach unten gerichtete linke Hand lege man die nach oben gerichtete rechte Hand, verschränke die Finger miteinander und drehe die Hände um. Dies ist die Auflösungs-Mudra, die beim rituellen Entlassen der Gottheit vorgeschrieben ist.

Band II, S. 112, Fisch und Beginn der Schildkröte 425–429
Deutsch: (425b–426a) Man lege die linke Handfläche auf den rechten Handrücken und bewege beide Daumen. Dies ist die fischförmige Mudra. (426b–427) Mit dem linken Zeigefinger verbinde man den rechten kleinen Finger. [Es folgt eine unklare, teilweise wiederholende Anweisung zum rechten Zeigefinger und rechten kleinen Finger.] An den rechten Zeigefinger lege man den linken Daumen. (428–429) Man richte den rechten Daumen auf und lege die Finger der linken Hand, vom Mittelfinger an, auf den rechten Handrücken. Den rechten Mittel- und Ringfinger halte man beim Pitritirtha der linken Hand, der den Ahnen zugeordneten Stelle, nach unten gerichtet. [Die Beschreibung der Schildkröten-Mudra setzt sich im nächsten Vers fort. Die Wiederholung in Vers 427 steht bereits im Druck.]

Band II, S. 113, Schildkröte Kopf Lelihā und Mahayoni 430–436
Deutsch: (430) Man forme die rechte Hand ringsum wie den Rücken einer Schildkröte. Dies heißt Schildkröten-Mudra; sie dient beim Dhyana der Gottheit. „Auf dem Rücken“ bedeutet hier: in der Wölbung. (431–433a) Man bilde mit der linken Hand eine Faust, deren Daumen innen liegt, und halte sorgfältig die Spitze des rechten Mittelfingers. Mit Mittel- und Zeigefinger stelle man die Verbindung an der Daumenspitze her. Der Sadhaka lege die rechte Hand an die linke Faust und zeige die Geste auf der rechten Seite. Dies wird Kopf-Mudra genannt. [Die genaue Verbindung der Finger ist in Vers 431–432 sprachlich nicht eindeutig.] (433b–434) Man halte Zeige-, Mittel- und Ringfinger gleichmäßig nach unten. An den Ringfinger lege man den gehaltenen [Finger; der Ausdruck ist unklar] und richte den kleinen Finger gerade aus. Diese Lelihā genannte Mudra ist beim Jiva-Nyasa, dem Einsetzen des Lebensprinzips, vorgeschrieben. (435–436a) Man verbinde an beiden Händen die kleinen Finger der Reihe nach zwischen Zeige- und Ringfinger und setze [die weitere Anweisung zu Fingerwurzel und Fingerspitze ist beschädigt]. Dies heißt Mahayoni. [Die Drucklesung „कनिष्ठामूलदेवताम्“ erlaubt keine sichere vollständige Rekonstruktion der Geste.] (436b) Hier werden nun die im Vamakeshvaratantra genannten Mudras dargelegt.

Band II, S. 113, Tripura und Trikhanda 437–439
Deutsch: (437) Höre, o Göttin! Ich werde die Mudras erklären, die alle Ziele verwirklichen. Werden sie ausgeführt, so stellt sich Tripuras Gegenwart ein. (438–439) Man drehe die Hände, bringe die Daumen gleichmäßig zur Berührung und halte die Zeigefinger gekrümmt zwischen den Ringfingern. Die kleinen Finger setze man an ihren eigenen Platz, o Maheshvari. Dies wird Trikhanda genannt und beim Dhyana Tripuras angewandt.

Band II, S. 113–114, Erschütterung Auflösung und Heranziehung 440–444
Deutsch: (440–441a) Man lege die kleinen Finger zwischen die Mittelfinger und halte sie mit den Daumen fest. Die Zeigefinger werden wie Stäbe ausgestreckt, die Ringfinger liegen über den Mittelfingern. Dies ist die erste Mudra, die alles erschüttert. (441b–442a) Werden bei eben dieser Mudra die Mittelfinger gerade gehalten, o höchste Herrin, so entsteht die alles auflösende Geste. (442b–444a) Mittel- und Zeigefinger werden hakenförmig gehalten; die kleinen Finger und Ringfinger liegen gleichmäßig, und die Daumen werden über kleine Finger und Ringfinger gesetzt, o Parameshvari. Dies ist die höchste heranziehende Mudra, welche die drei Welten anzieht. [Die Syntax von Vers 442–443 lässt die genaue Anordnung der mittleren Finger nur teilweise erkennen.]

Band II, S. 114, Unterwerfung Berauschung und großer Haken 444–450
Deutsch: (444b–446) Man forme die Hände zu einer Höhlung und die Zeigefinger zu Haken. Die Mittelfinger werden der Reihe nach darunter herumgeführt. Ebenso werden kleine Finger, Ringfinger und die übrigen Finger fest miteinander verbunden, o Göttin; die Daumen liegen vorne. Diese Mudra gilt als alles unterwerfend, o höchste Herrin. (447–448) Man wende die Hände einander zu und setze die kleinen Finger zwischen die Mittelfinger. Die Ringfinger sind gerade, die beiden Zeigefinger liegen außen. Die Daumen werden stabförmig ausgestreckt an die Nägel der Mittelfinger gelegt. Diese Mudra heißt Unmadini, die Berauschende; sie erregt alle Frauen sexuell. (449–450a) Bei derselben Geste bringe man die beiden Ringfinger nach unten in Hakenform und ordne die Zeigefinger ebenso an. Dies ist die große Elefantenhaken-Mudra, welche alle begehrten Ziele verwirklicht.

Band II, S. 114, Khechari Bija und Yoni 450–457
Deutsch: (450b–453a) Man bringe den linken Arm nach rechts und den rechten nach links, o Mahadevi, und drehe die Hände. Kleine Finger und Ringfinger werden gelöst und der Reihe nach von den Zeigefingern übergriffen. Die Mittelfinger liegen ganz oben; die Daumen halte man gerade, o Maheshani. Dies heißt Khechari und ist dem irdischen Ort zugeordnet. [Die Wendung „dem irdischen Ort zugeordnet“ bleibt ohne nähere Erklärung im Text.] (453b–455) Geliebte, man drehe die Hände, sodass sie sich berühren, und forme beide Paare von Zeigefinger und Daumen zugleich zu einem Halbmond. Unten lege man die Mittelfinger an, von den kleinen Fingern gestützt. Darunter werden die Ringfinger ebenfalls gekrümmt angeordnet. Dies ist die Bija-Mudra, die binnen kurzer Zeit alle Siddhis mehrt. (456–457) Man krümme die Mittelfinger und lege sie über die Zeigefinger; Ringfinger und ebenso kleine Finger kommen dazwischen. Alle werden zusammengeführt und von den Daumen zusammengedrückt. Diese erste Mudra wird Yoni-Mudra genannt.

Band II, S. 115, Tripura Bhutini und besondere Gesten 458–465
Deutsch: (458) Diese Mudras Tripuras habe ich dir erklärt, o Maheshani. Bei der Puja sind sie in der entsprechenden Reihenfolge anzuwenden. (459) Bilde die Yoni-Mudra, krümme die Mittelfinger und lege den Daumen an ihre Spitzen. Dies gilt als Bhutini-Mudra. (460–461a) Der vorzügliche Mantra-Kenner bilde mit der linken Hand eine Faust, strecke den Zeigefinger gerade aus und lasse sie in der Nähe des Ohres kreisen. Dies ist die Saubhagyadandini-Mudra, der Stab des Glücks; sie ist auch beim Nyasa vorgesehen. (461b–462a) Hält man diesen Zeigefinger mit einer Faust fest, deren Daumen innen liegt, entsteht die Mudra, welche die Zunge des Feindes ergreift. Auch sie ist beim Nyasa genannt. (462b–463) Mittel- und Ringfinger sowie Daumen werden an den Spitzen zusammengeführt und nach unten gerichtet; die übrigen Finger bleiben ausgestreckt. Dies wird Kuhgesichts-Mudra genannt. Die Faust mit freigelassenem Zeigefinger heißt Nadel-Mudra. (464–465a) Dieselbe Geste heißt Schutz-Mudra, wenn sie ringsum bewegt wird. Man lege die Handrücken aneinander, verschränke die Finger und drehe die Hände. Dies heißt Chotika; bei der Verneigung soll man diese Geste zeigen.

Band II, S. 115–116, Tattva-Mudra und Tarpana 465–469
Deutsch: (465b–467) Der Daumen ist Bhairavas Sitz, der Ringfinger Chandikas Sitz. Deshalb soll man mit beiden Tarpana darbringen, denn dies ist ihnen lieb. Die Verbindung von Daumen und Ringfinger der linken Hand heißt Tattva-Mudra, o Parvati; man soll sie beim Tarpana anwenden. Im Yamala: Mit Daumen und Ringfinger der rechten Hand soll man Tarpana darbringen. Im Samayachara: (468) Der Verständige nehme mit der linken Hand die rituelle Beigabe zwischen Daumen und Zeigefinger und bringe der Göttin mit der linken oder rechten Hand Sättigung dar. Diese drei Aussagen sind nach den unterschiedlichen Wegen zu ordnen. (469) Als Besonderheit wird gelehrt: Auf dem rechten Weg wird allein das Tattva-Tarpana mit der linken Hand vollzogen, auf dem linken mit der rechten. Der Kaula-Weg verbindet rechte und linke Handlungsweisen und mischt beide. Nach der zuvor angeführten Belegstelle vollziehen die Anhänger des rechten Weges die Puja mit der rechten Hand und das Tarpana mit der linken; die Anhänger des linken Weges vollziehen die Puja mit der linken und das Tarpana mit der rechten Hand. Für die Kaulas besteht beim Tarpana der Gottheit freie Wahl zwischen beiden Händen. So ergibt sich die Unterscheidung. [Im gedruckten Prosasatz zum rechten Weg steht „Puja“ vor „Tarpana“ noch einmal; dies bleibt als Wortwiederholung im Sanskrit erhalten.]

Band II, S. 116, Fingerwahl Vergebung und letzte Mudras 470–476
Deutsch: Für Tarpana werden in einem anderen Tantra je nach Ziel unterschiedliche Finger genannt: (470) Bei Handlungen zur Unterwerfung bringe man Tarpana mit Daumen und Ringfinger dar; bei befriedenden Handlungen mit Daumen und Mittelfinger. (471) Bei schädigendem Ritual verbinde man Zeigefinger und Daumen, beim Lähmen kleinen Finger und Daumen, o Geliebte. In einem anderen Tantra: (472) Man lege die Handrücken aneinander, verschränke die Finger, halte sie fest verbunden, drehe die Hände um und verneige sich. Dies ist die um Vergebung bittende Geste. Im Bhairavatantra: (473) Yoni, Bhutini, Bija, Daityadhupini und Lelihana werden als fünf überlieferte Mudras genannt. Die ersten drei sind bereits erklärt. Die Merkmale der letzten beiden werden dort so beschrieben: (474–475) Man drehe die Hände; die Mittelfinger werden von den kleinen Fingern herangezogen. Darunter liegen die beiden Ringfinger, die beiden Zeigefinger gesondert. Man verbinde sie fest miteinander und lege die Ringfinger an die Daumenspitzen. Diese Mudra wird der Rauchbanner für die Dämonen genannt, o Geliebte. (476) Man öffne den Mund weit und bewege die Zunge nach unten; die beiden Fäuste werden seitlich gehalten. Dies heißt Lelihana, die leckende Geste. Damit ist der Abschnitt über die Mudras abgeschlossen.

Band II, S. 116, Beginn der Niyamas 477–479
Deutsch: Nun die Niyamas, die einzuhaltenden Regeln. Im Kularnava: (477) Welche Handlung jemand auch ohne Beachtung der Regeln ausführt: Wegen des Fehlers, die vorgeschriebene Ordnung zu verlassen, kommt ihre Frucht nicht zustande. (478) Handlungen mit einem Zuwenig oder Zuviel tragen niemals Frucht. Die hier vorschriftsgemäß vollzogenen Handlungen tragen dagegen Frucht. (479) Japa, Homa, Verehrung und die übrigen nach ihrer Vorschrift vollzogenen Handlungen erfreuen die Gottheit und schenken als Frucht weltlichen Genuss und Befreiung.

Band II, S. 117, Tagesordnung und Vorrang der Pflichten 480–484
Deutsch: Im Yamala: (480–483) Man stehe zur Brahma-Zeit auf [der Druck hat hier die sprachlich auffällige Lesung „ब्राह्मे मुखं“], gedenke der Sandalen des Gurus und verrichte die Morgenhandlungen samt Reinigung. Nachdem man die Zähne gereinigt hat, gehe man zu einer heiligen Badestelle oder einem entsprechenden Ort und bade. Man vollziehe die Sandhya vorschriftsgemäß, bringe das Tarpana für Götter, Rishis und Ahnen zu Ende, gebe Spenden und gehe schweigend in den Japa-Raum. Dort verrichte man die tägliche Verehrung, das tägliche Homa und die anlassbedingte Puja und führe dann Japa nach Vorschrift aus. Ferner: So handelnd erlangen die vorzüglichen Sadhakas durch die Verehrung der Gottheit Vollendung. [Die Ausgabe verzeichnet für diesen letzten Halbvers auch die Lesart: „So soll der vorzügliche Sadhaka die Gottheit zu den drei Tagesübergängen verehren.“] Im Svatantratantra: (484) Tägliche, anlassbedingte und wunschbezogene Handlungen setzen jeweils die vorhergehenden voraus. Andernfalls werden sie vergeblich; deshalb soll man zunächst das Notwendige vollziehen.

Band II, S. 117, Puja und Japa mit einer Ausnahme 485–489
Deutsch: In einem anderen Tantra: Zu den drei Tagesübergängen soll man die Gottheit mit Hingabe vorschriftsgemäß verehren. In der Purashcharanachandrika: (485) Nach solcher Puja verrichte man Japa; man soll den Mantra nicht bloß für sich wiederholen. Gautama sagt: (486) Nach Vermögen bade man dreimal täglich, oder zweimal, oder einmal. Zu den drei Tagesübergängen wiederhole man den Mantra; die Verehrung soll ebenso oft stattfinden. (487) Die Puja darf auch einmal stattfinden; ohne Puja soll man kein Japa verrichten. Die Puja kann am Ende des Japa stehen, oder man wiederholt den Mantra nach der Puja. Auch anderswo: (488) Wer einen Mantra zur Vollendung bringen will, soll die Gottheit zu drei, zwei oder einem Tagesübergang verehren; er soll nicht ausschließlich den Mantra wiederholen. In der Mundamala: (489) Wenn jemand aus Mangel an Mitteln zu Puja und den übrigen Handlungen nicht fähig ist, o Schöne, dann ist Purashcharana allein durch Japa vorgeschrieben.

Band II, S. 118, Sonderregel für Frauen und innere Ausrichtung 490–495
Deutsch: Eine Besonderheit für Frauen nennt das Yamala: (490) Die Regel ist auf Männer zu beziehen, niemals auf Frauen. Im Viratantra: (491) Für Frauen sind hier weder Nyasa noch Dhyana noch Puja erforderlich. Allein durch Japa gelangen ihre Mantras zur Vollendung. In der Chandrika: (492) Man vergegenwärtige sich die Göttin im Geist und mache das Herz beständig. Zum Trinken und Essen verwende man Speise und Wasser, über die Mantras gesprochen wurden. (493–494) Man verrichte die täglichen und anlassbedingten Pflichten und pflege Gemeinschaft mit Sadhus. Man bade mit Panchagavya oder allein mit Amalaki; ebenso mit Ghee, Dickmilch, Milch oder einer Zubereitung aus Sesampaste. Während des Purashcharana soll man solche Bäder zur Reinigung vornehmen. (495a) Wer nicht badet und den Ahnen kein Tarpana darbringt, erlangt keine Frucht. Kumbhasambhava sagt: (495b) Guru, Gottheit, eigenes Selbst und Mantra sind als Einheit zu betrachten.

Band II, S. 118, Lebensführung und Beständigkeit 496–499
Deutsch: Im Yoginihridaya: (496) Man schlafe auf einer Unterlage aus Kusha-Gras und trage stets reine Kleidung. Täglich reinige man die Schlafunterlage; allein und furchtlos soll man schlafen. Im Kularnava: (497–498) Auf dem Boden schlafen, Brahmacharya, Schweigen, dem Lehrer dienen, tägliche Puja, tägliches Geben, Lobpreis und Besingen der Gottheit, anlassbedingte Verehrung, Vertrauen in Guru und Gottheit sowie beständiges Japa: Diese zwölf Lebensregeln schenken Mantra-Siddhi. In einem anderen Tantra: (499) Sammlung des Geistes, Reinheit, Schweigen, Nachsinnen über den Sinn des Mantras, Beständigkeit und Nichtverzagen bringen Japa zur Erfüllung. [Für „Beständigkeit“ verzeichnet die Ausgabe auch die Lesart „Ungestörtheit“.]

Band II, S. 118–119, Weitere Niyamas und regelmäßige Japa-Zahl 500–505
Deutsch: Im Merutantra: (500–502) Stillhalten des Geistes, Nachsinnen über den Sinn des Mantras, tägliche und anlassbedingte Pflichten, Reinheit und Schweigen sowie „Bändigung des Kindes“ [die Lesung „बालस्य“ ist im Zusammenhang unklar]; auf dem Boden schlafen, dreimal täglich baden, tägliche Verehrung und tägliches Geben, Puja an den Füßen des Gurus, geregelte Nahrung, Baden mit Panchagavya, Tragen des rituellen Reinigungsrings an der Hand, Verehrung zu den drei Tagesübergängen, die fünf Opfer und Tarpana. Im Yamala: (503) In der erklärten Weise verrichte man ohne Verzögerung und ohne Hast die vorgeschriebene Zahl von Japa-Wiederholungen, damit Purashcharana gelingt. (504) Indem man im Geist die Einheit von Gottheit, Guru und Mantra vergegenwärtigt, soll man einspitzig vom Morgen bis zum Mittag Japa üben. (505) Mit welcher Zahl man begonnen hat, diese soll man Tag für Tag einhalten. Wer weniger oder mehr verrichtet, fällt aus seinem Gelübde heraus. Der Verfasser des Tantrasara erklärt: „Bis zum Mittag“ bezeichnet lediglich einen zeitlichen Endpunkt, keine zwingende Regel. Andernfalls würde die Regel verletzt, wenn die Japa-Zahl einmal bis Mittag noch nicht erreicht wäre.

Band II, S. 119, Haltung beim Japa und zu Meidendes 506–511
Deutsch: Im Siddhantasara: (506) Mit beherrschten Sinnen, voller Hingabe und heiterem Geist soll man den Mantra wiederholen, auf dem Boden schlafen, Brahmacharya wahren und nachts essen. Nun das zu Meidende: (507) Während des Japa meide man Trägheit, Gähnen, Schlaf, Niesen, Ausspucken, Furcht, Berührung mit als niedrig geltenden Menschen und Zorn. Im Merutantra: (508–510) Man lasse die zwanzig Handlungen, die Siddhi behindern: Gier, Zorn, Neid, Begierde, Hass, Schlagen, Heuchelei, Vertreibungsrituale, Einölen, unangenehme und unwahre Rede, Gesang, Instrumentalmusik, Honig, den Schatten von Vibhitaka- und Karanja-Bäumen, Fleisch, Annahme von Gaben, Blumengirlanden, Betel und Gespräche mit Übeltätern. Dies soll der Wissende meiden. [Vers 510 endet bereits im Druck mit einer Auslassung. Die Gliederung der Aufzählung ergibt keine zweifelsfreie Zuordnung zur genannten Zahl zwanzig.] Im Kularnava: (511) Man meide Gespräche mit Frauen, Shudras, Ausgestoßenen, Vratyas, Gottesleugnern und Menschen in rituell unreinem Zustand nach dem Essen; ebenso unwahre und hinterlistige Rede. [Dies sind die traditionellen sozialen und rituellen Abgrenzungen der zitierten Vorschrift.]

Band II, S. 120, Schweigen ununterbrochene Übung und Verzicht 512–518
Deutsch: (512) Während Japa, Homa, Verehrung und ähnlichen Handlungen soll man nicht sprechen, selbst wenn die Worte wahr sind. Andernfalls wird alles Vollzogene bedeutungslos. (513) Ununterbrochene Ausübung ist vorgeschrieben; man soll keinen Tag auslassen. Wer einen Tag verstreichen lässt, erlangt keine Mantra-Siddhi. In der Purashcharanachandrika: Man meide das Baden in heißem Wasser und Essen, das nicht zuvor dargebracht wurde. In einem anderen Tantra: (514) Ebenso das Essen aus einem Bronzegefäß und das Essen bei Tage. Im Yoginitantra: (515) Man meide Hinterlist, Milch, Einölen, nicht dargebrachte Nahrung und Handlungen ohne vorherigen Sankalpa, ferner Massieren und Ähnliches. [„Milch“ steht hier ausdrücklich, neben anderslautenden Speisevorschriften anderer zitierter Quellen.] In der Purashcharanachandrika: (516) Man meide das Hören von Gesang und Instrumentalmusik, das Betrachten von Tanz, Einölen, duftende Salben und das Tragen von Blumen. (517) Man meide Geschlechtsverkehr, Gespräche darüber und entsprechende Zusammenkünfte. Ungebadete Zweimalgeborene, Shudras und Frauen soll man nicht berühren. (518) Der Zweimalgeborene, der Purashcharana vollzieht, soll Lebewesen nicht verletzen. Er soll den Dienst an Kühen und die anderen im jeweiligen Ritualtext genannten Handlungen vorschriftsgemäß ausführen.

Band II, S. 120–121, Gaben und Ausnahmen für Haushälter 519–522
Deutsch: (519) Mit Ausnahme von Feuer soll man, sofern man dazu imstande ist, nichts von anderen annehmen. Ist dies nicht möglich, darf man außerhalb der heiligen Badestelle und außerhalb der Festtage von einem reinen Menschen etwas annehmen und Japa verrichten. [Die genaue Verbindung der Orts- und Zeitangaben bleibt im Vers knapp.] (520) [Der Versanfang zur Erhebung vom Sitz ist sprachlich beschädigt.] Täglich erbitte man von einem reinen Menschen nur die Nahrung für diesen einen Tag. Wer aus Begierde mehr annimmt, dessen Mantra gelangt selbst in hundert Weltaltern nicht zur Siddhi. Das Einreiben mit Sesamöl ist hier für Haushälter jedoch nicht verboten: (521) Sesamöl, durch Mantras gereinigt, ist läuternd und selbst für die Götter schwer zu erlangen. Der Haushälter soll sich damit einreiben und danach stets baden. So lautet die Aussage des Merutantra. Auch der Verkehr mit der eigenen Ehefrau während ihrer fruchtbaren Zeit ist nicht verboten. Denn im Gautamiyatantra heißt es: (522a) Außerhalb ihrer fruchtbaren Zeit soll der Mantra-Praktizierende nicht einmal seine eigene Ehefrau berühren.

Band II, S. 121, Reinheit Kleidung und Körperhaltung 522–528
Deutsch: Im Yamala: (522b–523a) Japa, das mit unreiner Hand, nackt, mit verhülltem Kopf oder schwatzend vollzogen wird, gilt in diesem Umfang als fruchtlos. (523b–525a) Wer Handlungen verrichtet, während er Stuhl- oder Harndrang und Ähnliches verspürt, macht sein Japa, seine Verehrung und alles Weitere unrein, o Geliebte. Wer mit schmutziger Kleidung, ungepflegtem Haar und üblem Mundgeruch Japa übt, den verbrennt die verborgen gegenwärtige Gottheit rasch. Ferner: (525b–526) Man soll den Mantra weder in nur einem Kleidungsstück noch in hinderlich vielen Kleidern wiederholen; niemals mit Turban, engem Obergewand, nackt, mit offenem Haar, von Frauen umgeben, mit unreiner Hand, unrein oder schwatzend. (527) Man übe kein Japa ohne Sitzunterlage, im Liegen, beim Gehen oder Essen, auf der Straße, an einem unheilvollen Ort oder in einem dunklen Raum. (528) Ebenso nicht beschuht oder auf einem Fahrzeug [das erste Kompositum ist im Druck auffällig], auf einer Liegestatt, mit ausgestreckten Beinen oder in der Hockstellung Utkatasana. Der Sadhaka soll auch Zerstreutheit des Geistes meiden.

Band II, S. 121–122, Ausgleich nach Unterbrechungen 529–535
Deutsch: Nun die Ausgleichshandlungen. Im Merutantra: (529) Hat man einmal ein Wort gesprochen, so spreche man den Pranava. Hat man ein gemeines Wort gesprochen, so vollziehe man einmal Pranayama. (530) Nach vielem Schwatzen führe man unbedingt den Glieder-Nyasa aus und setze dann das Japa fort. Ebenso nach Niesen oder nach dem Berühren von Stellen, die nicht berührt werden sollen. (531) Beim Brechen des Schweigens wiederhole man einen Vishnu-Mantra oder gedenke Haris. Beim Anblick eines Ausgestoßenen oder Antyaja richte man den Blick auf etwas Leuchtendes. Als leuchtend werden dort genannt: (532) Sonne, Feuer, Mond, Munis, Gestirne und Sterne, ein Gelehrter, eine Kuh und ein Brahmane. [Der Druck enthält am Versende eine Auslassung.] Auch anderswo: (533) Beim Sehen, Ansprechen oder Hören von Ausgestoßenen und Antyajas, beim Niesen, Abgehen von Darmwind oder Gähnen soll man Japa unterbrechen. (534) Bei einem solchen Ereignis vollziehe man Pranayama und den sechsgliedrigen Ritus, dann wiederhole man den Rest ordnungsgemäß; oder man blicke auf die Sonne und die anderen genannten Lichtträger. (535) Hat man eine Katze, einen Hahn, einen Kranich, einen Hund, einen Shudra, einen Esel oder einen Affen gesehen, soll man Achamana vollziehen und dann die Handlung fortsetzen; nach Berührung ist ein Bad vorgeschrieben. [Diese Vorschriften geben die traditionellen Vorstellungen ritueller Reinheit und sozialer Abgrenzung wieder.]

Band II, S. 122, Ausgleich und Freiheit des geistigen Japa 536–541
Deutsch: Im Sadhanasamuchchaya: (536–537a) Wenn während des Japa unvermittelt Mlechchhas erblickt werden, soll man Achamana vollziehen, Haris gedenken, einen Lichtträger ansehen und die Gayatri oder einen Vishnu-Mantra 108-mal wiederholen. (537b–538) Wenn man selbst im Traum Mlechchhas und ähnliche Menschen sieht, mit einer Frau zusammenkommt oder einen Samenerguss hat, soll man in Vishnus Heiligtum eine Lampe darbringen und die Gayatri hundertmal wiederholen. Ferner: (539) Rein geworden soll man den Mantra wiederholen; unrein soll man kein Japa verrichten. Für geistiges Japa gilt diese Regel jedoch nicht. Dazu heißt es in einem anderen Tantra: (540) Ob unrein oder rein, ob gehend, stehend oder selbst im Schlaf: Der Wissende, der allein im Mantra Zuflucht nimmt, soll stets auf diese Weise im Geist üben. (541) Geistiges Japa ist an jedem Ort und zu jeder Zeit ohne Fehler. Der vorzügliche Zweimalgeborene, der beständig Japa übt, erlangt die Frucht sämtlicher Opfer.

Band II, S. 122–123, Weitere Störungen und Ausgleich 542–549
Deutsch: Im Merutantra: (542a) Hat man versehentlich unwahr gesprochen, soll man den Rudra- und den Purusha-Text rezitieren. (542b–547) Wer in vielen Kleidern oder nur einem Kleidungsstück, mit offenem Haar, von Frauen umgeben, mit Turban oder engem Obergewand, nackt oder mit verhülltem Kopf Japa verrichtet; wer von Sorgen aufgewühlt, zornig, verwirrt oder hungrig ist; wer Schuhe trägt, sich auf einem Fahrzeug oder einer Liegestatt befindet, liegt, ungewaschene Füße hat, nach Westen oder Süden blickt; wer schmutzige, nur halb angelegte, doppelte, verrutschte, rote oder fettige Kleidung trägt, zwei, außen liegende, keine oder mehrere eingesteckte Stoffenden hat, ohne Obergewand oder nur mit Lendentuch bekleidet ist, in der genannten „fest aufgestellten“ Fußhaltung sitzt oder gelbe Kleidung trägt: Wenn er dadurch aus Unachtsamkeit zum Japa untauglich ist, wird dessen Frucht von Rakshasas genommen. Er soll die Ursache beseitigen und dieses Japa erneut ausführen. [Die genaue Fußhaltung „प्रौढपाद“ und einzelne Kleidungsbezeichnungen bleiben knapp beschrieben.] (548) Nach einem Bad soll man in feuchter Kleidung schweigend zehn Krüge Wasser in das Haus eines vedagelehrten Brahmanen bringen; im Fall einer fremden Frau tausend. [Der erste Anlass dieser Wasserleistung wird hier nicht ausdrücklich genannt; der anschließende Satz betrifft Geschlechtsverkehr.] Im Siddhantasangraha: (549) Wer aus Unwissenheit mit seiner eigenen Frau verkehrt hat, soll einem Brahmanen eine milchgebende Kuh schenken; beim Verkehr mit einer fremden Frau hundert Kühe.

Band II, S. 123, Festlegung des Purashcharana-Ortes 550–556
Deutsch: Nun die Abgrenzung des Bodens für Purashcharana. Im Merutantra sind die zuvor genannten Orte aufgeführt: (550–551) Nachdem der Verständige so geprüft hat, soll er den Boden für sich festlegen. Er verehre die Erde und Varaha und handle mit der Kraft des Erdsohnes. Dann spreche er: „Für das Gelingen des Purashcharana dieses bestimmten Mantras nehme ich diesen Boden in Gebrauch. Möge dieser Mantra zur Vollendung gelangen.“ (552) Man nehme zehn runde Pflöcke von einer Handspanne Länge aus dem Holz eines Nyagrodha-, Udumbara-, Ashvattha- oder Plaksha-Baumes. (553–554) Acht schlage man in den acht Richtungen ein; den neunten zwischen Nordosten und Osten, wobei man an die obere Richtung denkt. Ebenso schlage man für die untere Richtung einen Pflock zwischen Westen und Südwesten ein, mit dem Astra-Mantra. Man verehre mit diesem Mantra an den Pflöcken die Waffenmacht. (555) Ist das Gelände so befestigt, wird der Mantra-Praktizierende nicht von Hindernissen überwältigt. In den Richtungen richte er Bali-Gaben aus schwarzen Bohnen und gekochtem Reis für die Richtungshüter her. (556) In der Mitte des Geländes verehre er Kshetrapala und Ganesha sowie als Dritten den Vastu-Purusha. Ihnen bringe er drei Bali-Gaben dar.

Band II, S. 123–124, Ausdehnung und Schutz des Geländes 557–564
Deutsch: Im Yamala: (557) Man gehe zu einem heiligen Ort oder einer entsprechenden Stätte und grenze dort den Boden ab. Ferner: (558–559) Nachdem man das Gelände festgelegt hat, gilt im Dorf ein Bereich von einem Krosha nach allen Seiten, in der Stadt das Doppelte. An Flüssen, Bergen, heiligen Badestellen und ähnlichen Orten gibt es keine solche Begrenzung. Für die Beschaffung von Nahrung und die übrigen notwendigen Wege soll man sich innerhalb des entsprechenden Bereichs bewegen. (560) Mit dem Astra-Mantra besprochene Pflöcke aus milchsaftführendem Holz schlage man in den zehn Richtungen ein und verehre dort die Waffenmacht. Im Maheshvariya: (561–562) „Alle Wesen, die hier im Himmel, auf der Erde oder im Zwischenraum Hindernisse schaffen, und alle anderen, die der Vollendung meines Mantras entgegenstehen: Sie sollen dieses von mir mit Pflöcken geschützte Gelände verlassen und weit fortgehen. Möge meine Vollendung ohne Hindernis geschehen.“ (563) Nachdem der Verständige dies gesprochen hat, schlage er mit dem Astra-Mantra die Pflöcke ein und verehre an ihnen vorschriftsgemäß die Waffen-Gottheit. (564) Der Ritualkundige verehre in der Mitte Kshetrapala und die anderen Gottheiten, bringe den Richtungshütern Bali dar und beziehe dann das Gelände.

Band II, S. 124, Bali-Mantra der Richtungshüter 565
Deutsch: Ferner: (565) Zuerst spreche man das jeweilige Bija, dann den Namen der Gottheit in der Anredeform. Es folgen die Wörter „diese Bali-Gabe aus schwarzen Bohnen und Reis“, zweimal „nimm an“ und am Ende das durch zweimal ṭha bezeichnete Schlusswort. Dies ist der Bali-Mantra für die zehn Richtungshüter. Anschließend werden ihre zehn Bija-Silben aufgeführt. [Die Silben werden in den Sanskrit-Ausgaben und im Mantra-Abschnitt wiedergegeben; sie werden nicht wörtlich übersetzt. Der Text gibt hier eine verschlüsselte Aufbauanweisung, keine durchgehend ausgeschriebene Formel.]

Band II, S. 124–125, Kshetrapalas Bali 566–571
Deutsch: Im Merutantra: (566–567) Am Japa-Ort zeichne man ein Dreieck, darum einen Kreis und außen ein Quadrat. Dort verehre man den Hüter des Geländes mit Worten wie „Komm hierher“. Vor dem Dreieck stelle man ein Bali-Gefäß mit Speise, Wasser und den übrigen Gaben auf. (568) Die Anhänger des linken Weges sollen einen Büffel darbringen, die Kaulas einen Ziegenbock und die Siddhantins einen Widder, jeweils mit der folgenden Formel. „Varkara“ bedeutet Ziegenbock, „Avi“ Widder. Der Mantra für Kshetrapalas Bali wird im ersten Tantra genannt: (569–571) Nachdem man Kshetrapala verehrt hat, bringe man Bali vorschriftsgemäß dar. Zuerst zweimal „komm“, danach zweimal die angegebene Lautfolge; dann zweimal „zerbrich“ und zweimal „lass tanzen“, zweimal das Wort für Hindernis, sodann „großer Bhairava“, „Kshetrapala“, „Bali“ und zweimal „nimm an“, gefolgt von der „Schönen des Feuers“. Dies wird als Bali-Mantra gelehrt, der die Frucht aller Siddhis schenkt. [Die Lautfolge „मुरु“ und ihre syntaktische Einleitung in Vers 569 bleiben unsicher; die verschlüsselte Formel wird nicht ergänzt.]

Band II, S. 125, Vastu und die acht Bhairavas 572–577
Deutsch: Für Ganeshas Bali ist genau der im Diksha-Abschnitt genannte Mantra zu verwenden. Der Mantra für Vastus Bali lautet seiner Bildung nach: (572) Pranava, die Anrede „Herr des Wohnplatzes“, dann „diese Bali-Gabe aus schwarzen Bohnen und Reis“, zweimal „nimm an“ und zuletzt Svaha. Dies gilt als Vastus Bali-Mantra. Im Vira-Ritual des Virachudamani wird eine Besonderheit genannt: (573–574a) Nachdem man Rishi, Versmaß und die übrigen Zuordnungen durch Nyasa eingesetzt hat, bringe man den Richtungs-Gottheiten Bali dar. Man setze „Asitanga-Bhairava“ und „Brahmi“ in den Dativ, füge „Bali“ und zweimal „nimm an“ hinzu und schließe mit dem durch zweimal ṭha bezeichneten Wort. Dies ist der Mantra der Richtungs-Bali-Gabe. (574b–576) Die acht Bhairavas sind Asitanga, Ruru, Chanda, Krodha, Unmatta-Bhairava, Kapalin, Bhishana und Samhara. Die Göttinnen sind der Reihe nach Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi, Varahi, Indrani, Chamunda und Mahalakshmi; jeweils steht ihr eigenes Bija am Anfang. (577a) Nach der Verehrung mit Räucherwerk und Licht setze man den Pflock ein.

Band II, S. 125, Verschlüsselte Schutzformel der Richtungen 577–582
Deutsch: (577b–579) Zuerst spreche man den Pranava, dann die Bijas von Maya, Lakshmi und dem Liebesgott. Es folgen „für Indrani“, die Anrede „Chamunda“, das angegebene Mantrawort, „befestige dieses Gelände“, zweimal „schütze“ und „Kalika“. Dieser Mantra endet mit der „Gattin des Feuers“; man setze ihn der Reihe nach in den Richtungen, beginnend im Osten, ein. (580–582a) Nachdem man den Grundmantra gesprochen hat, füge man „für Agneyi“ hinzu, dann entsprechend „für Yamya“ und „für Nairriti“, jeweils wiederum mit dem Mantra. Es folgen Varuni, Vayavi, Kauberi und Ishana-Bhairavi. Geliebte, man spreche zuerst den Mantra und danach jeweils die Göttin. So bringe man der Reihe nach Bali in den Haupt- und Zwischenrichtungen dar. [Die Vorlage wechselt bei den Göttinnennamen grammatische Formen; die Sanskrit-Ausgaben bewahren dies. Die Bijas werden hier überwiegend nur durch ihre Decknamen bezeichnet.]

Band II, S. 125–126, Vatuka und Ganesha 582–586
Deutsch: (582b–584a) Man setze zuerst den Pranava und das Hrillekha-Bija, danach „für Vatuka“ und „für den Retter aus Not“. Nach zweimal „vollbringe“ füge man Maya und Pranava hinzu; der Mantra schließt mit der „Gattin des Feuers“. Damit bringe man Vatuka Bali dar. (584b–586) Nachdem man die Bali-Gabe im Südosten dargebracht hat, setze man die Bijas von Maya, Lakshmi und dem Liebesgottes, dann das Varahi-Bija und das Panchantaka-Bija. Es folgen „für Ganapati“, „bester Segensspender“, „alle Menschen“ und „bringe sie unter meine Gewalt“. Am Ende füge man die „Braut des Feuers“ hinzu. Dies ist der große Mantra des Herrn der Scharen. Das Varahi-Bija wird anschließend ausdrücklich ausgeschrieben. [Seine Lautform steht in den Sanskrit-Ausgaben und im Mantra-Abschnitt; eine wörtliche Übersetzung wird ihm nicht beigelegt.]

Band II, S. 126, Kshetrapala und Yoginis 587–589
Deutsch: (587–588) Man setze dreimal das Raudra-Bija, dann Narayana, Sukshmesha und Amaresha. Es folgen „für Kshetrapala“, „Bali“ und zweimal „nimm an“. Der mit der „Gattin des Feuers“ verbundene Mantra wird Kshetrapala zugeordnet. (589) Man schreibe dreimal das Wind-Bija, dann Ananta, Madhava und Vartulakshi und anschließend „für die Yoginis“. Der Mantra schließt mit der „Gattin des Feuers“; die Bali-Gabe für die Yoginis erfolgt im Nordwesten. Die Erläuterung entschlüsselt die Lautnamen: Raudra bezeichnet den entsprechenden Zischlaut; „dreifach“ bedeutet dreimal. Narayana, Sukshmesha und Amaresha werden als nasalierte Vokale angegeben. Das Wind-Bija bezeichnet den Laut des Buchstabens Ya, Ananta den langen A-Vokal, Madhava den I-Vokal und Vartulakshi den U-Vokal. [Die genauen Zeichen stehen in den Sanskrit-Ausgaben und im Mantra-Abschnitt. Für Raudra verzeichnet die Ausgabe neben śa eine abweichende Lesung sa; beide dürfen nicht stillschweigend gleichgesetzt werden.]

Band II, S. 126, Bali für alle Wesen und Speisegaben 590–593
Deutsch: (590–591) Man setze den Laut Ksha auf Kala und füge danach Ma und den Feuerbuchstaben hinzu. Dann folgen die Wortbestandteile für „allen Hindernisbereitern, allen Wesen“, das Panzer-Bija, die trennende Endsilbe, „Bali“ und zweimal „nimm an“. Der mit dem durch zweimal ṭha bezeichneten Schluss endende Mantra gilt als Siddhi verleihend. Damit bringe man allen Wesen Bali dar. Die Erläuterung sagt: Kala bezeichnet den M-Laut, Ma den langen I-Vokal, der Feuerbuchstabe den R-Laut; daraus ergibt sich die ausgeschriebene Bija-Verbindung. [Die genaue Lautform steht in den Sanskrit-Ausgaben und im Mantra-Abschnitt.] (591, im Druck erneut so gezählt) Gekochter Reis, Milchreis, Milch, ferner Fisch und Fleisch, Modaka-Süßigkeiten, Pulika- und Apupa-Gebäck, Vatakas sowie drei Arten alkoholischer Getränke. (592) Schmackhafte Reisgerichte und andere gekochte Speisen, Ghee und Honig mit Zucker soll man überall vorschriftsgemäß darbringen; mit der geheimen Formel vollziehe man die Übergabe. Im Yamala: (593) Wer ein Gelände bezieht, ohne Kshetrapala zu verehren, wird von großen Hindernissen bedrängt. Deshalb soll man den Herrn des Geländes verehren.

Band II, S. 127, Die alphabetischen Kshetrapalas 594–600
Deutsch: Hier gilt folgende Besonderheit: In einem Gelände ist derjenige Kshetrapala zu verehren, dessen Name mit demselben Laut beginnt wie der Name des Ortes. In einem anderen Tantra werden die Kshetrapalas genannt: (594–600) Ajara, Apakumbha, Idarambha, Indarti, Ulkasya, Ushmada, Ripusudana, Rimukta, Laptakaya, Lapada, Ekadamshtraka, Airavata, Odyambu, Aushadhisha, Antavahaka, Astaka, Arthavaha, Kamala, Kharanana, Gomukha, Ghantala, Ngana beziehungsweise Nganama, Chandradharaka, Chhatatopa, Jatala, Jhankara, Jamateshvara, Tankapani, Thandabandha, Damara, Dhedhakarna, Navikanta, Tantrijihva, Thavira, Dantura, Dhanada, Nagakarna, Prachandaka, Phetkara, Virasiddha, Bhrikuti, Meghabhasura, Yuganta, Gaurava, Lamboshtha, Vasantaka, Shukamunda, Shadalasya, Sumana, Hunaka und Kshapantaka. Dies sind die in den fünfzig Lauten gegenwärtigen Hüter der Gelände. [Mehrere Eigennamen sind in der vorliegenden Druckfassung unsicher oder passen nicht eindeutig zur alphabetischen Folge; auch die angegebene Zahl fünfzig stimmt nicht ohne Weiteres mit der überlieferten Aufzählung überein. Die Namen werden deshalb nicht nach einem erschlossenen Alphabet ersetzt.]

Band II, S. 127, Besondere Hüter einzelner Orte 601–606
Deutsch: Dort werden auch besondere Kshetrapalas für Orte mit einem einzelnen Linga und ähnliche Stätten genannt: (601) Die übrigen Kshetrapalas sind nicht den Lauten zugeordnet. An einer Stätte mit einem einzelnen Linga ist es Humkara, am Verbrennungsplatz Bhayavaha. (602) Im Mahalakshmi-Wald Ghora, beim Waldfest Jvalamukha; in einem Gehölz mit nur einem Baum wohnt Vidalavadana. (603) Ghantarava wohnt im Verborgenen; im Lotusbestand Jaramara. Am Zusammenfluss ist Bhuridharaugha, im Lotusbestand Jaramara. (604) „Am Wasserfall, beim Hören, im Feuer“ [die Ortszuordnung dieses Versstücks ist beschädigt]; beim Schatz Manibhadraka, im Rasa-Gelände Dhanadhyaksha und auf Opferplätzen Kroshtaka. (605) Im Wald soll man Shambara kennen, im Garten Makara. Die vierundsechzig Mahavidyas bestehen als Beschützerinnen der Welt. (606) Am jeweiligen Ort soll man ihnen stets zur entsprechenden Zeit Bali und Puja darbringen. [Die Wiederholung des Lotusbestandes mit Jaramara in Vers 603 steht bereits im Druck; sie wird nicht durch einen vermuteten anderen Ort ersetzt.]

Band II, S. 128, Das Kurma-Chakra und seine vier Arten 607–609
Deutsch: Nun das Kurma-Chakra, das Schildkrötendiagramm. [Die Druckabbildung zeigt eine Schildkröte über einem in neun Felder geteilten Grundriss; ihr Rücken enthält nochmals eine Felderteilung. Die kleinen Lautbeschriftungen sind teilweise undeutlich.] Im Yamala: (607) Man begebe sich in die Mitte des Geländes und betrachte das Kurma-Chakra. Wer das Japa-Opfer vollzieht, ohne dieses Chakra zu kennen, erlangt aus seinem Japa keine Frucht; es führt zu allerlei Ungemach. Im Merutantra: Wer das Kurma-Chakra nicht kennt, begegnet einem großen Hindernis. Im Sarasangraha: (607, im Druck erneut so gezählt) Es gibt in der Welt vier Arten; ihre Beschaffenheit wird nun erklärt. (608) Das erste ist das übergeordnete Kurma-Chakra, dann folgen das einer Gegend, das eines Dorfes und das eines Hauses. So werden vier unterschieden. Im Tantraraja: (609) Beim Chakra einer Gegend dienen Konsonanten, beim Haus-Chakra Vokale; beim Dorf-Chakra beide, beim übergeordneten Chakra keines von beiden. [Die anschließend zitierte Beschreibung des Merutantra verwendet auch beim übergeordneten Diagramm Lautfelder; die unterschiedlichen Quellenangaben bleiben nebeneinander stehen.]

Band II, S. 128–129, Buchstabenfelder und Körperglieder 610–612
Deutsch: Im Gautamiya: (610–611) Man teile die Gegend, das Dorf oder das Haus in neun Teile. Vom Osten bis zum Westen setze man die Lautgruppen vom Ka bis zum Ma ein. Dann setze man die mit Ya beginnenden Laute in die Felder. Die weitere Anweisung nennt acht und zwei sowie die nordöstliche und mittlere Anordnung; vom Osten an werden die Vokale eingesetzt. [Der Wortlaut von Vers 611 ist für eine eindeutige Feldzuordnung beschädigt.] (612) Die mit Sha beginnenden und mit Sa endenden Laute gehören in die anschließende Richtung. Aus dem Anfangslaut des Ortsnamens ergibt sich das Gesicht der Schildkröte. Seitlich davon liegen die beiden Hände, danach die Flanken und Füße; es gibt einen Schwanz, und in der Mitte liegt der Rücken. So besitzt sie sechs Arten von Körperteilen.

Band II, S. 129, Die Ausrichtung der vier Kurma-Chakras 613–618
Deutsch: Im Merutantra: (613–615) Das Kurma-Chakra wird als übergeordnetes, regionales, Dorf- und Haus-Chakra vierfach unterschieden. Man zeichne zwei Kreise mit einer Einteilung in neun Felder. Die sieben mit der Ka-Gruppe beginnenden Lautgruppen schreibe man vom Osten an in die Richtungen, La und Ksha in den Nordosten. Im inneren Kreis schreibe man die Vokale paarweise vom Osten an; in das Mittelfeld komme das Shri-Bija. Das übergeordnete Kurma-Chakra ist stets nach Osten gerichtet. (616–617) In welcher Richtung der Anfangslaut des Namens der Gegend steht, dorthin weist das Gesicht ihres Kurma-Chakra. Beim Dorf-Chakra sind zwei Gesichter zu bestimmen, eines nach dem Vokal und eines nach dem Konsonanten. Das Gesicht des Haus-Chakra richtet sich nach dem nördlichen Tor. [Die Lesung zum Tor in Vers 617 ist knapp und wird nicht durch eine andere Ausrichtung ersetzt.] (618) Zu beiden Seiten des Gesichts liegen die Hände, danach die Flanken und Füße, dann der einzelne Schwanz; in der Mitte liegt der Rücken. So hat die Schildkröte sechs Arten von Körperteilen.

Band II, S. 129, Sitzplatz und zugeschriebene Wirkungen 619–623
Deutsch: Im Yamala: (619) Eine Handlung, die am Lampenplatz vollzogen wird, bringt Heil. Man teile eine quadratische Fläche ein und zeichne neun Felder. (620) In die Felder vom Osten an schreibe man der Reihe nach die sieben Lautgruppen, dann die genannten weiteren Laute und die Vokale paarweise. [Die zusammengezogene Drucklesung „लक्ष्मीशस्वरान्“ ist hier nicht eindeutig auflösbar.] (621–622) In welcher Richtung, vom Osten an gerechnet, der Anfangslaut des Ortsnamens steht, dort erkenne man das Gesicht. Die Hände liegen beiderseits davon; die folgenden Felder bilden die beiden Flanken und Füße, das verbleibende Feld den Schwanz. Nach derselben Ordnung teile der Sadhaka auch das Mittelfeld ein. (623) Wer am Gesicht sitzt, erlangt Siddhi; wer an den Händen sitzt, hat ein kurzes Leben. An der Flanke bleibt man ohne Erfolg, an den Füßen erleidet man Leid. Am Schwanz wird der Mantra-Praktizierende durch Gefangenschaft, Vertreibung und Ähnliches bedrängt.

Band II, S. 130, Wirkungen und Benennung des Hauses 624–628
Deutsch: Gautama sagt: (624–625) Am Gesicht werden alle Ziele erreicht, an den Händen nur geringe Siddhis. An der Flanke bleibt die Übung stets fruchtlos, an den Füßen gibt es keine Siddhis. Am Schwanz ist der Tod gewiss, am Rücken werden alle Ziele erreicht. Deshalb soll man dies richtig erkennen und dann Japa und alle übrigen Handlungen vollziehen. Das Verfahren, beim Haus-Chakra die Bezeichnung des Hauses zu ermitteln, steht in der Jyotisha-Lehre: (626) Die Breite wird mit der Länge multipliziert und das Ergebnis geteilt; der verbleibende Rest ist die Aya-Klasse, beginnend mit „Banner“. [Der Teiler wird im vorliegenden Versstück nicht genannt.] (627) Banner, Rauch, Löwe, Hund, Sarameya, Esel, Elefant und Krähe werden der Reihe nach als die acht Klassen genannt. [Der Druck nennt Hund und Sarameya nebeneinander; die sonst zu erwartende abweichende Klasse wird nicht eingesetzt.] Auch ein anderes Verfahren: (628) Man fasse Breite und Länge zusammen und behandle das Ergebnis nochmals dreifach [die Rechenanweisung bleibt unvollständig]. Wenn der erste Laut von Mantra, Sadhaka und Haus derselbe ist, welchen Nutzen hätte dann noch eine heilige Badestelle oder das Umherziehen zu heiligen Orten? Zu ergänzen ist: „welchen Nutzen“.

Band II, S. 130, Einklang von Ort Name und Mantra 629–634
Deutsch: Im Merutantra: (629) Wenn der erste Laut von Ort, Sadhaka und Mantra ein und derselbe ist, schenkt dieser Mantra gewiss die Frucht aller Siddhis. Im Gautamiya: (630) Wenn zwischen dem Mantra-Laut, der Bezeichnung des Lampenplatzes und dem Namen des Sadhaka Freundschaft besteht, was könnte dem Mantra-Praktizierenden dann nicht gelingen? (631) Die Herren der Orte sind in Gestalt der fünfzig Laute allgegenwärtig. Deshalb führt ein harmonisch zugeordneter Ort zur Siddhi, andernfalls nicht. (632) Ist die Zuordnung ungünstig, so erlangt man selbst am Gesicht des Diagramms keine Siddhi. Daher prüfe man das Chakra; eine freundschaftliche Zuordnung schenkt alle Siddhis. (633) In welche Gegend der Herr des Bereichs mit Name und Mantra harmonisch zusammenpasst, dorthin soll man sich mit Sorgfalt begeben. Ein solcher heiliger Sitz gilt als schwer zu finden. Im Kalikodbhava: (634) Wo zwischen den Namen des Ortes und des Sadhaka keine Freundschaft besteht, soll man dies anhand der Lautlehre erkennen und den betreffenden Ort meiden.

Band II, S. 131, Feindschaft der Laute und Beispiele 635–642
Deutsch: Freundschaft und Feindschaft werden in einem anderen Tantra erklärt: (635–638) Gegenseitige Feindschaft besteht zwischen dem kurzen und langen A und dem G-Laut; zwischen den beiden vokalischen R-Lauten und dem Ch-Laut; zwischen M und Kh; zwischen den beiden vokalischen L-Lauten und Y sowie zwischen P und diesen beiden Vokalen; zwischen dem O-Paar und dem Sh-Laut und wiederum zwischen diesem Sh-Laut und dem genannten Au-Paar; zwischen J und Dh, langem U und Kh, kurzem U und T, Ph und Dh, M und R sowie Y und S. Diese Laute sind feindlich; die übrigen gelten als freundlich. [Die Sanskrit-Schreibung unterscheidet die hier umschriebenen Laute genau. Die Druckfassung ist bei den O-/Au-Paaren auffällig; es wird keine geglättete Lauttabelle daraus erschlossen.] (639) Wo die Namen von Ort und Sadhaka feindlich zueinander stehen, soll der Sadhaka dies anhand der Lautlehre erkennen und den Ort sorgfältig meiden. (640–642) So ist die große Stadt Attahasa dem Garga feindlich, Oddiyana dem Shanmukha und Chakraka dem Rijubhatta. Jayanti ist dem Dhankana feindlich, Khadhara dem Ujhaka, die Tara genannte Stätte dem Ukadeva, der Dhuma genannte Ort dem Phaja, Ramyaka dem Bhadra und Somanagara dem Yajnasharman. Der Verständige soll dies der Reihe nach erkennen und einen feindlichen Ort meiden. [Einzelne Eigennamen sind im Druck unsicher; die Sanskrit-Fassung hält ihre überlieferte Gestalt fest.]

Band II, S. 131–132, Grade der Feindschaft und Berechnung 643–648
Deutsch: Im Merutantra: (643) Große Feindschaft bedeutet Verlust des Lebens, Feindschaft Verlust des Vermögens, geringe Feindschaft Minderung des Glücks. Dies wird nun erläutert. (644) Als stark feindlich werden die Lautpaare A–G, vokalisches R–Dh, Jh–P, J–H, M–Kh, J–Th, I–V, U–T, Ph–Dh, Bh–R und Y–S bezeichnet. (645–646) Weitere Feindschaft wird für die angegebenen Paare aus vokalischem R und Chh, dem O-Paar und Sh, J und T, langem U und Sh, V und Dh sowie Dh und L genannt. Feindschaft besteht zur fünften Lautgruppe. Geringe Feindschaft besteht zwischen K und T, Ch und T, P und Y, T und Dh sowie Dh und Sh. [Bei den Lautpaaren unterscheidet die Sanskrit-Schreibung dentale und retroflexe Laute; einzelne Lesungen der Liste bleiben unsicher.] Wenn in derselben Gruppe Freundschaft besteht, verdopple die Zahl der eigenen Gruppe. (647–648) Addiere die Zahl der Ortsgruppe und teile durch acht; der Rest wird Aya genannt. Verdopple dann die Ortsgruppe, füge die eigene Gruppe hinzu und bilde wiederum den Rest nach Division durch acht: Dies ist der Aya des Ortes. Zwischen beiden ist die Differenz zu bilden. Der verbleibende Wert soll anzeigen, ob der Ort Gewinn bringt; die folgende Aussage zum Sadhaka ist sprachlich unklar. „Feindschaft aber in der fünften …“ [Hier bricht der Druck mit Auslassungszeichen ab.]

Band II, S. 132, Acht Gruppen und weitere Zuordnungen 649–652
Deutsch: Auch die Jyotisha-Lehre sagt: (649) Die acht mit A, Ka, Cha, Ta, Ta, Pa, Ya und Sha beginnenden Gruppen gehören zum König der Vögel, zur Katze, zum Löwen, zum Hund, zur Schlange, zur Maus, zum Elefanten und zum Widder. Jede hat die fünfte Gruppe von sich aus zum Feind. [Die beiden hier gleich umschriebenen Ta-Gruppen sind im Sanskrit die retroflexe und die dentale Gruppe.] Dort wird auch angegeben, wie beim Verdoppeln der eigenen Gruppe und den übrigen Berechnungen die Werte zu erkennen sind: (650) Die Richtungen, beginnend mit der des Indra, werden der Reihe nach durch die Zahlwörter Elefant, Pfeil, Jahreszeit, Weltalter, Pferd, Erde, Eigenschaft und zwei bezeichnet. Nach dem Namen des Hausherrn, der Stadt und der Richtung bemessen und mit neun multipliziert ergibt sich die „Lage“ des Hauses. [Der Rechenweg ist in dieser knappen Überlieferung nicht vollständig eindeutig; die Zahlwortfolge wird nicht zu einer ergänzten Rechenregel umgeformt.] In einem anderen Tantra: (651) Ist Feindschaft festgestellt, prüfe man den zweiten Laut und die folgenden. Nachdem man so Ort und Haus bestimmt hat, bringe der Mantra-Praktizierende dort Bali dar. Im Gautamiya: (652) Man zeichne den Herrn des Bereichs in die Mitte, verehre ihn und vergegenwärtige ihn sich.

Band II, S. 132, Die neun Hüter des Kurma-Chakra 653–657
Deutsch: Im Tantra: (653–655) In den neun Feldern, beginnend im Osten, verehre man die Herren des Geländes. Im ersten wird Amrita genannt, im zweiten Vrishabha, im dritten Shailaraja, im vierten Vasuki, im fünften Arthakrit, im sechsten Shaktikrit, im siebten Padmayoni und im achten Mahashankha. Für das neunte nennen die führenden Mantra-Kenner Chhayachhatragana. Im Merutantra: (656–657) Amrita, Vrishabha, Shailaraja, Vasuki, Arthakrit und Shaktikrit verehre man mit Bali in den Richtungen, beginnend im Osten, ebenso Padmayoni und Mahashankha; den Chhaya genannten Hüter in der Mitte. Nachdem der Haushälter sein Haus auf dem Rücken der Schildkröte eingerichtet hat, soll er Japa verrichten.

Band II, S. 133, Shakti-Pithas 658–665
Deutsch: Im Yamala: (658) Wenn man Purashcharana an den großen Shakti-Pithas wie Kamarupa vollzieht, braucht man das Kurma-Chakra nicht zu berücksichtigen. Kamarupa und die anderen Pithas werden im Yoginihridaya und weiteren Schriften genannt: (659–665) Kamarupa, Kashi, Nepala, Paundravardhana, Kashmir, Kanyakubja, Purnashaila, Arbuda, Amratakeshvara, Ekamra, Trisrotas, Kamakotaka, Kailasa, Bhrigunagara, Kedara, Chandrapuraka, Shripitha, Omkarapitha, Jalandhara, Malava, Kulantaka, Devikota, Gokarna, Marateshvara, Attahasa, Viraja, Rajagriha, Mahapatha, Kolagiri, Melapura, Kaleshvara, Jayantika, Ujjayini, Vichitra, Kshiraka, Hastinapura, Uddisha, Prayaga, Shashthi, Maya, Jaleshvara, Malaya, Shrishaila, der vorzügliche Berg Meru, Mahendra, Vamana, Hiranyapura, Mahalakshmi, Uddiyana und Chhayachhatra. Diese Pithas werden als Verkörperungen der Matrika, der göttlichen Lautkräfte, genannt. [Die Ausgabe verzeichnet bei Kamarupa die abweichende Lesung „in Kapura gelegen“ und bei Vichitra die Lesart „Yogini“. Sie erläutert Arbuda als Berg und Trisrotas als Ganga. Die Zusammenfassung einzelner Ortsnamen ist in einigen Druckkomposita nicht eindeutig.]

Band II, S. 133–134, Entstehung der Pithas aus Dakshayinis Körper 666–674
Deutsch: In einem anderen Tantra, bezogen auf Dakshayini: (666–672) Aus ihrer Yoni, ihrem Herzen, After, linken Auge und linken Ohr; aus dem rechten Ohr, der Nase und der linken Brust; aus der rechten Wange, den Nägeln, der Umgebung der Hautfalten, dem Nabel, den Fingern, Zähnen und der rechten Hand; aus der linken Wange, dem Kopf, Arm und der rechten Brust; aus der Schulter, rechten und linken Achsel und dem Bauch; aus der oberen, mittleren und unteren Bauchfalte, der Blasengegend, dem Gesäß, dem Schambereich und dem rechten Oberschenkel; aus dem linken Oberschenkel, rechten und linken Knie, dem rechten und linken Unterschenkel, rechten und linken Fußknöchel, rechten Auge, der rechten und linken Ferse; aus Blut, Galle, Fett, Zunge und Mark; aus der rechten und linken großen Zehe, dem Glanz, dem Netz der Nadis, dem Schatten und dem Haar: (673–674) Als diese der Reihe nach an die jeweiligen Orte fielen, entstanden die einundfünfzig Pithas, beginnend mit Kamarupa, die alle Siddhis verleihen. Sie verkörpern die Laute vom A bis zum Ksha. Aus den übrigen Körperteilen, Knochen, Haaren und der Gesamtheit des Schmucks entstanden überall unzählige Neben-Pithas.

Band II, S. 134, Ausnahmen von der Kurma-Prüfung und Übungshütte 675–681
Deutsch: Im Merutantra: (675) In Kurukshetra, Prayaga, am Zusammenfluss von Ganga und Meer, bei Mahakala und in Kashi braucht man den Platz im Kurma-Chakra nicht zu prüfen. Im Gautamiya: (676) Wer Purashcharana auf einem Berg, am Meeresufer, in einem heiligen Wald oder an einem Flussufer vollzieht, braucht dort das Kurma-Chakra nicht zu berücksichtigen. Im Yamala: (677) In Attahasa, an einem Shakti-Pitha, an einer heiligen Badestelle oder einem heiligen Bezirk, in einem Wald oder auf einem heiligen Berg braucht man das Kurma-Chakra nicht zu prüfen. In der Purashcharanachandrika: (678–680) Das Kurma-Chakra gilt als Mittel zur Mantra-Siddhi. An seinem Gesicht errichte man eine abgeschiedene, verputzte und eingefriedete Hütte, die dem Wind standhält [die nähere Bestimmung ist sprachlich auffällig]. Sie sei quadratisch, vier Ellen breit, mit einer schönen, eine Elle hohen Plattform, geschmückt mit Baldachin, Fahnen und Torbögen. Dann nehme man an einem günstigen Tag nur eine Mahlzeit zu sich. (681) Nachdem man morgens gebadet hat, wiederhole man gesammelt zehntausendmal die Gayatri, zunächst zur Tilgung bekannter und unbekannter Verfehlungen.

Band II, S. 135, Erlaubnis des Gurus und Morgenpflichten 682–688
Deutsch: Gemeint ist die Gayatri der eigenen erwählten Gottheit. Dazu heißt es im Merutantra: (682–683) Zu einer günstigen Stunde, unter einem günstigen Mondhaus und an einem günstigen Mondtag bade man vorschriftsgemäß. Man stelle Brahmanen sorgfältig mit Speise, Kleidung und anderem zufrieden und erfreue den eigenen Guru mit Land, Geld, Gewändern, Schmuck und weiteren Gaben. Mit seiner Erlaubnis beginne man Purashcharana. Im Siddhantasara: (684) Nachdem man die Handlungen vom Morgenritual bis zur Puja vollzogen hat, beginne man Japa. Im Yamala: (685) Wer die Göttin zwar hingebungsvoll verehrt, aber die Morgenpflichten nicht verrichtet hat, dessen Puja bleibt fruchtlos wie eine Handlung ohne Reinheit. Daher soll man zuerst die Morgenpflichten verrichten. Dazu heißt es im Siddhantasara: (686) Der wissende Brahmane erwache zur vorgesehenen Stunde, erhebe sich ruhig vom Bett und gedenke des ehrwürdigen Gurus im weißen Lotus auf seinem Haupt. Im Merutantra: (687) In der letzten Nachtwache gedenke man seiner erwählten Gottheit. Man erhebe sich über die rechte Körperseite und setze den linken Fuß auf den Boden. (688) Dann gehe man aus dem Haus, verrichte sorgfältig die notwendigen Verrichtungen, lege die Nachtkleidung ab, ziehe die beiden Gewänder an und vollziehe Achamana, sodass der Körper gereinigt ist. [Der Druck endet hier mit einer Auslassung.]

Band II, S. 135–136, Dhyana des Gurus 689–697
Deutsch: In der Purashcharanachandrika: Nachdem der Standhafte die notwendigen Verrichtungen beendet hat, setze er sich auf einen geeigneten Sitz. Im Yamala: (689) Der Mantra-Praktizierende nehme den gebundenen Lotussitz ein und halte Körper, Kopf und Hals gerade. Im Merutantra: (690–693) Dann stelle er sich auf seinem Haupt den tausendblättrigen Lotus vor. Darin gedenke er des ehrwürdigen Gurus in dessen eigener Gestalt, hell wie Kampfer, freundlich lächelnd, mit glänzendem Schmuck und weißem Sandelholz geschmückt. Seine Hände zeigen Wunschgewährung, Furchtlosigkeit und Erkenntnis und halten ein Buch. Er ist friedvoll, weiß gekleidet und mit weißen Blumen geschmückt. Auf seinem linken Schoß sitzt seine rote Shakti und umarmt ihn. Sie trägt rote Gewänder, roten Schmuck, rotes Sandelholz und eine Girlande; in der Linken hält sie spielerisch einen Lotus und mit der Rechten umarmt sie ihn. Man meditiere über diesen nach innen gewandten, friedvollen Yogi in Shivas Gestalt. Im Kalanalatantra: (694–697) Er gleicht reinem Kristall und vertreibt die Finsternis der Unwissenheit. Er ist rein wie der Mond und strahlt in zwei Leinengewändern, mit duftender Salbe versehen, friedvoll, mit zwei Händen, die Wunschgewährung und Furchtlosigkeit zeigen. Auf seinem linken Oberschenkel sitzt seine Shakti, in rote Gewänder und Schmuck gehüllt. Ihre rechte Hand umfasst seinen schönen Körper; in ihrer Linken hält die rote Göttin einen blauen Lotus. So ist er herrlich geschmückt; seine beiden Lotusaugen leuchten von der Essenz höchster Wonne.

Band II, S. 136, Verehrung des Gurus und Kundalini 698–703
Deutsch: Im Merutantra: (698) Der Schüler stelle sich seinen eigenen Körper als übergossen von dem Nektarstrom vor, der aus den beiden Lotusfüßen des Gurus fließt. (699) Er verehre ihn mit Düften, Blumen und weiteren äußeren oder geistigen Gaben und mit den überlieferten Namen, welche den Guru preisen. Nachdem er sich mit dem Herz-Mantra verneigt hat, stelle er sich vor, wie der Guru im eigenen Herzen aufgeht. In einem anderen Tantra: (700–701) Mit seiner Erlaubnis vergegenwärtige man sich die erwählte Gottheit als Kundalini, die sich von der Wurzel bis zum Brahmarandhra erstreckt, leuchtend wie unzählige Blitze, feiner als eine Lotusfaser, dreieinhalbfach gewunden wie eine schlafende Schlange. In der Shyamapaddhati: (702–703) Man lasse sie, die im Muladhara wohnt, einer schlafenden Schlange gleicht und die Gestalt der höchsten Göttin besitzt, auf dem Weg der Sushumna aufsteigen. Man führe sie zum Brahmarandhra und verbinde sie mit Shambhu. Der Verständige vergegenwärtige ihre völlige Einheit, lasse dann Nektar herabregnen und bringe sie an ihren ursprünglichen Ort zurück.

Band II, S. 137, Lichtbetrachtung Japa und Morgengebet 704–710
Deutsch: Im Merutantra: (704–705) Dann betrachte man in der Sushumna eine Lichtsäule, die sich vom Muladhara bis zum Brahmarandhra erhebt und tausend Sonnen gleicht. Man meditiere den Grundmantra als mit diesem Licht identisch und stelle sich den eigenen Körper von diesem Glanz umgeben vor. So vollziehe man dreimal Pranayama. (706) Mit dem Grundmantra führe man den Nyasa von Rishi und den übrigen Mantra-Zuordnungen aus, danach die Glieder-Nyasas, und vergegenwärtige die Gottheit im Herzen. (707–708) Nach ihrer Verehrung mit geistigen Gaben wiederhole man den Mantra nach Vermögen und bringe dieses Japa der Gottheit dar. Man preise sie, verneige sich und bitte mit diesen Versen um ihre Erlaubnis: (709) „O ursprünglicher Gott, Bewusstsein der drei Welten, ehrwürdiger Shankara! Allein auf Geheiß deiner Füße erhebe ich mich am Morgen und werde zu deiner Freude meinen Weg durch das weltliche Leben gehen. (710) Wenn ich auf dein Geheiß diesen Lebensweg gehe, o Shankara, Gott der Götter, mögen Wettstreit, Missachtung, Streit, Unachtsamkeit und Ängste mich nicht überwältigen, o Herr!“ Nachdem man so zum Herrn der Götter gebetet hat … [Der Druck lässt die Fortsetzung aus.]

Band II, S. 137, Beginn der Ajapa-Lehre 711–714
Deutsch: Nun das Verfahren des Ajapa, der von selbst fortdauernden Mantra-Wiederholung. Dazu heißt es im Virachudamani: (711) Zum Wohl der Mantra-Praktizierenden werde ich die Hamsa genannte Verehrung erklären. Allein durch ihre Erkenntnis wird man auf Erden allwissend. (712) Das individuelle Lebewesen wiederholt stets die göttliche Hamsa-Gestalt. Allein durch ihr Erinnern kann ein Mensch zu einem schon im Leben Befreiten werden. (713) Als Rishi wird Hamsa genannt, als Gottheit Parahamsa, als Versmaß die unmanifestierte Gayatri; die Anwendung schenkt Siddhi. In der Surendrasamhita: (714) Der Rishi ist Hamsa; das Versmaß wird Gayatri mit dem Zusatz „unmanifestiert“ genannt. Die Gottheit ist Hamsa mit dem vorangestellten Wort „höchster“, also Paramahamsa. Das Bija wird als nasaliertes Ha angegeben. [Die genaue Silbe steht in den Sanskrit-Ausgaben und im Mantra-Abschnitt.]

Band II, S. 138, Ajapa-Zuordnungen und Nyasa 715–717
Deutsch: (715) Der mit Visarga versehene A-Laut ist die Shakti; „Ich bin Er“ ist der Schlüssel, der Pranava das zugrunde liegende Prinzip. Als Tonhöhe dieses Mantras wird Udatta, der gehobene Ton, genannt. Seine Anwendung dient Moksha; so soll der Mensch stets verfahren. Im Virachudamani: (716–717) O Göttin, am Herzen wird das Sonnen-Selbst eingesetzt, am Kopf das Mond-Selbst, an der Haarlocke das Unbefleckte; es folgt das Licht, frei von Erscheinung [die genaue Nyasa-Zuordnung dieser Wendung ist unsicher]. Das Unmanifestierte setze man an den Augen ein, das Unendliche bei der Waffe mit der trennenden Endsilbe. Nachdem man diesen Nyasa vollzogen hat, bringe man die Wiederholungen Ganesha und den weiteren Gottheiten dar. [Die Silben und Nyasa-Bezeichnungen stehen in den Sanskrit-Ausgaben und im Mantra-Abschnitt; die verschlüsselte Zuordnung wird nicht ergänzt.]

Band II, S. 138, Der natürliche Atemmantra 718–726
Deutsch: In der Surendrasamhita: (718) Das Lebewesen wiederholt stets die Göttin in Hamsa-Gestalt. Mit dem Ha-Laut geht der Atem hinaus, mit dem Sa-Laut tritt er wieder ein. (719) Schon durch das Erwachen zu ihrer Erkenntnis kann ein Mensch im Leben befreit werden; durch die Kraft des Pranayama wird er zu einem im Leben Befreiten. (720) Täglich wiederholt das Lebewesen diese höchste, von Brahman-Wonne erfüllte Göttin 21.600-mal. (721) Die Geburt ist der Anfang dieses Japa, der Tod seine Darbringung. Ohne eigens ausgeführtes Japa findet diese Wiederholung unablässig statt. Hat man sie so erkannt, bringe man sie Ganesha und den übrigen Gottheiten dar. In der Yoga-Lehre: (722) Die aus Kundalini hervorgegangene Gayatri trägt den Lebensatem. Sie ist die Lehre des Prana, die große Vidya; wer sie kennt, kennt Yoga. (723) Mit dem Ha-Laut geht der Atem hinaus, mit dem Sha-Laut tritt er wieder ein. Diesen Hamsa-Mantra wiederholt das Lebewesen stets. [Hier steht im Druck Sha, während Vers 718 Sa nennt; die Abweichung bleibt erhalten.] (724) Bei Tag und Nacht sind es 21.600 Wiederholungen. In dieser Zahl wiederholt das Lebewesen den Mantra fortwährend. (725) Die Ajapa genannte Gayatri schenkt den Yogis Moksha. Schon durch den auf sie gerichteten Entschluss wird man von allen Verfehlungen frei. (726) Eine Vidya wie diese, ein Japa wie dieses und eine Erkenntnis wie diese hat es nicht gegeben und wird es nicht geben.

Band II, S. 139, Hamsa-Dhyana und Einheit 727–729
Deutsch: Das Hamsa-Dhyana wird in der Balapaddhati erklärt: (727) Man vergegenwärtige stets im schützenden Nest des Herzlotus den Hamsa: Seine beiden Flügel sind Feuer und Soma; er ist Pranava, leuchtet durch Bindu und drei Augen, besitzt Rudras strahlendes Gesicht und Shivas beide Füße; an seiner Seite steht Kalanala, das Feuer der Zeit. Er gleicht dem Glanz unzähliger aufgehender Sonnen, durchdringt die Welt und ist von ewiger Wonne erfüllt. Dort heißt es auch: (728) Ganesha, Brahma, Vishnu, Shiva, das individuelle Selbst und der Guru – diese sechs nehmen die Hamsa-Gestalt an und befinden sich im Muladhara und den weiteren Zentren. „Die Hamsa-Gestalt annehmen“ bedeutet: die Nichtverschiedenheit vom höchsten Selbst erlangen, das als Hamsa im Inneren des tausendblättrigen Lotus gegenwärtig ist. Diese Betrachtung der Einheit mit Hamsa wird dort so ausgedrückt: (729) „Hamsa ist Ganesha, Hamsa ist Brahma, Hamsa ist Hari, und Shambhu ist ganz Hamsa. Hamsa ist das individuelle Selbst, der Guru ist Hamsa; ich bin Hamsa, das Selbst in Gestalt der höchsten Wirklichkeit.“

Band II, S. 139, Die unteren vier Chakras 730–735
Deutsch: Die sechs Chakras, in denen diese Gottheiten im Hamsa-Zustand wohnen, werden im Yogasara erklärt: (730–731) Zwei Fingerbreit über dem After und zwei Fingerbreit unter dem männlichen Glied liegt das Muladhara, gelb und vierblättrig. Es ist mit vier Lauten, beginnend mit dem Wasserlaut, geschmückt. Zwischen After und Glied liegt dieses dreieckige Muladhara. Ferner: (732–733) Dies ist der Kamarupa genannte Pitha, der die Frucht der Wünsche schenkt. Das Svadhishthana genannte Chakra an der Wurzel des Gliedes besitzt sechs Speichen, hat die Farbe der jungen Sonne und ist mit sechs Lauten, beginnend mit dem als „Rücken“ bezeichneten Laut, versehen. In der Nabelgegend liegt das zehnstrahlige Manipura. (734–735) Es leuchtet blau und ist mit zehn Lauten geschmückt, deren erster durch den angegebenen Lautnamen bezeichnet wird. Im Herzen liegt das große zwölfstrahlige Anahata-Chakra, versehen mit den Lauten von Krodhisha an und leuchtend wie der rote Indragopa-Käfer. Dies ist dein Purnagiri genannter Pitha, o Schönangesichtige. [Die Lautnamen sind hier teilweise verschlüsselt; die spätere Dhyana-Passage nennt die Buchstabenfolgen genauer.]

Band II, S. 139–140, Vishuddha Ajna und Sahasrara 736–741
Deutsch: (736–738) In der Halsgegend liegt das Vishuddha genannte Chakra mit sechzehn Speichen. Es schimmert rauchfarben und trägt die sechzehn Vokale von Shrikantha an. Hier befindet sich der Jalandhara genannte Pitha, o Herrin der Unsterblichen. Zwischen den Augenbrauen liegt das zweiblättrige Ajna-Chakra, mit den beiden letzten Lauten versehen und so hell wie der Herbstmond. Oberhalb befindet sich der Uddyana genannte große Pitha. (739–740) Der große tausendblättrige Lotus ist unterhalb des Visarga angesiedelt, nach unten gewandt, mit allen Lauten und rötlichen Staubfäden versehen. Dieses Chakra heißt Kailasa. Dort ist der ewig aufgegangene, hornlose Mond, der Nektar regnen lässt. Ferner: (741) Im Sahasrara, o Herrin der Götter, ist der höchste Shiva in Hamsa-Gestalt. Dies sind die Orte, o Göttin, an denen Shakti sich offenbart. [Zu Vers 737 verzeichnet die Ausgabe statt des auffälligen Ausdrucks „चक्रकेशरम्“ auch „vorzügliches Chakra“.]

Band II, S. 140, Dhyana von Ganesha Brahma und Vishnu 742–744
Deutsch: Die Betrachtung Ganeshas und der weiteren Gottheiten im Muladhara und den folgenden Zentren wird in der Balarchanapaddhati erklärt: (742) Im wohlgeordneten Wurzellotus, dessen Blätter die vier angegebenen Laute tragen, stelle man sich die ursprüngliche Gestalt vor: jung, mit rötlichem Körper, Elefantengesicht und drei Augen. Seine Hände zeigen Furchtlosigkeit und Wunschgewährung; weitere, schön strahlende Hände halten Schlinge und Elefantenhaken empor. [Die Ausgabe verzeichnet als abweichenden Versschluss die Verbindung mit Siddhi und Lakshmi sowie die segenspendende Gestalt Shri Ganeshas.] Das Dhyana Brahmas im Svadhishthana lautet: (743) Im Lotus, dessen Blätter mit den sechs angegebenen Lauten gebildet sind, vergegenwärtige man den makellosen Ursprung der Welt. Schön ist seine Gegenwart im Lotus; seine Hände zeigen Furchtlosigkeit und Wunschgewährung und halten Wasserkrug und Gebetskette. [Die gedruckte Wendung zum Lotus ist grammatisch auffällig; eine verzeichnete Lesart nennt ausdrücklich den Lotus an der Wurzel des Gliedes.] Das Dhyana Vishnus im Manipura-Chakra lautet: (744) Man meditiere über Hari, der im Lotus sitzt, dessen Blätter die Lautfolge vom retroflexen Da bis Pha trägt: strahlend wie die Sonne, ursprünglicher Purusha, ungeborener Narayana, reines Bewusstsein. Seine Hände halten Keule, Diskus, Muschelhorn und Lotus. Er trägt ein gelbes Gewand und den Kaustubha, ist mit dem Shrivatsa gezeichnet, gleicht einem blauen Saphir und bezaubert die Welt.

Band II, S. 141, Dhyana von Shiva und individuellem Selbst 745–746
Deutsch: Das Dhyana Shivas im Anahata-Chakra lautet: (745) Im Lotus, dessen Blätter mit der Lautfolge von Ka bis zum retroflexen Tha gebildet sind, stelle man sich Parvatis Geliebten vor, strahlend wie unzählige volle Monde, mit leuchtendem Haarknoten. Er ist friedvoll; seine Hände tragen Axt und Gazelle und gewähren Furchtlosigkeit. Schlangen und anderer Schmuck lassen ihn erstrahlen; er trägt Halsschmuck, Armreifen, Ketten und Ohrringe und ist in ein Fell gekleidet. Das Dhyana des individuellen Selbst im Vishuddha-Chakra lautet: (746) Im sechzehnblättrigen, mit Lauten versehenen Lotus betrachte man unmittelbar das hohe individuelle Selbst: in Kopf und Gliedern gegenwärtig und doch ohne Glieder, friedvoll und lichtstrahlend, alles Bewegliche und Unbewegliche durchdringend. Es erscheint mit Eigenschaften und ist seinem Wesen nach Sein und Bewusstsein, gestaltet und ungestaltet, gestaltlos, eines und makellos, ein Licht wie eine leuchtende Lampe.

Band II, S. 141, Dhyana von Guru und höchstem Selbst 747–748
Deutsch: Das Dhyana des Gurus im Ajna-Chakra lautet: (747) Im göttlichen Lotus mit den beiden schönen, Ha und Ksha tragenden Blättern, dem Grund der Welt, meditiere man den höchsten Guru als höchste Gottheit. Er übersteigt die Welt und wohnt in vielen Körpern; frei nach eigenem Willen nimmt er entsprechend der jeweiligen Eignung die Gestalt des eigenen Lehrers an. Sein Wesen ist einzig Sein und Bewusstsein; er ist die unmittelbar wahrnehmbare Verkörperung des Unvergänglichen. Das Dhyana des höchsten Selbst im tausendblättrigen Lotus lautet: (748) Im makellosen, stets erwachten tausendblättrigen Lotus, geschmückt mit den Schriftzeichen, gedenke man des weltdurchdringenden ursprünglichen Gottes, des ewigen, höchsten, ungeteilten Selbst. Es ist ewige Wonne, unendliches, vollkommenes Aufleuchten des höchsten Bewusstseins und Seins. Man gehe frei und ganz in das Selbst, in die innere Höhle, ein.

Band II, S. 141–142, Shaktis und Verteilung des Ajapa 749–753
Deutsch: Auch ihre Shaktis werden dort genannt: (749–750) Ganeshas Shakti ist Siddhi, Brahmas Sarasvati, Narayanas Lakshmi und Shivas Parvati. Die Shakti des individuellen Selbst ist Avidya, die des Gurus das höhere und niedere Wissen. Die Shakti des höchsten Selbst ist Vidya, deren Wesen der Same der Befreiung ist. (751) Nachdem man so das höchste Selbst in Gestalt der erwählten Göttin meditiert hat, bringe man das Ajapa-Japa der Reihe nach in den entsprechenden Zahlen dar. (752–753) Ganesha sechshundert, Brahma sechstausend, Vishnu sechstausend und Shiva sechstausend; dem individuellen Selbst tausend, dem Guru tausend und dem höchsten Selbst tausend. So soll man sie vorschriftsgemäß darbringen.

Band II, S. 142, Ausgeschriebene Ajapa-Darbringungen
Deutsch: „Vorschriftsgemäß“ bedeutet: nach Verehrung mit geistigen Gaben. „Ganesha, vereint mit der Shakti Siddhi, bringe ich sechstausend Wiederholungen des Ajapa-Japa dar. Verehrung!“ Ebenso: „Brahma, vereint mit der Shakti Sarasvati, bringe ich sechstausend Wiederholungen des Ajapa-Japa dar. Verehrung!“ Ebenso: „Vishnu, vereint mit der Shakti Lakshmi, bringe ich sechstausend Wiederholungen des Ajapa-Japa dar. Verehrung!“ Ebenso: „Maheshvara, vereint mit der Shakti Parvati, bringe ich sechstausend Wiederholungen des Ajapa-Japa dar. Verehrung!“ Ebenso: „Dem individuellen Selbst, vereint mit der Shakti Avidya, bringe ich tausend Wiederholungen des Ajapa-Japa dar. Verehrung!“ Ebenso: „Dem Guru, vereint mit der Shakti des höheren und niederen Wissens, bringe ich tausend Wiederholungen des Ajapa-Japa dar. Verehrung!“ Ebenso: „Dem höchsten Selbst, leuchtend wie unzählige Sonnen, kühl wie unzählige Monde und vereint mit der Shakti Vidya, bringe ich tausend Wiederholungen des Ajapa-Japa dar. Verehrung!“ So soll man die Darbringung vollziehen. [In der ersten Formel steht im Druck sechstausend; Vers 752 nennt für Ganesha sechshundert. Diese Abweichung bleibt sichtbar. Für Vishnu verzeichnet die Ausgabe auch den Namen Narayana.]

Band II, S. 142–143, Tara-Sonderregel und täglicher Sankalpa 754–758
Deutsch: Für Tara wird im Virachudamani eine Besonderheit genannt: (754) Im blitzhellen Ajna setze man das Weiße ein [die anschließende Richtungs- oder Ortsangabe „दक्षौ“ ist unsicher]. Dem höchsten Selbst und der höchsten Shakti bringe man tausend Wiederholungen dar. (755) Im tausendblättrigen Lotus, der wie Kampfer strahlt, meditiere man den blauen Guru und bringe tausend Wiederholungen dar. So lautet die besondere Vorschrift. Ferner: (756) Nach Lobpreis und Verneigung fasse man den Entschluss nach Vorschrift, empfange die Erlaubnis und vollziehe die notwendigen Handlungen. „Den Entschluss fassen“ bedeutet: „Vom heutigen Sonnenaufgang bis zum morgigen Sonnenaufgang werde ich in Gestalt des Ein- und Ausatmens 21.600 Wiederholungen der Ajapa-Gayatri vollziehen.“ Dies ist der Sankalpa. Im Merutantra: (757) Nachdem man um Segen gebeten hat, setze man den Fuß auf der Seite auf, auf der der Atem strömt. (758) „O Göttin, deren Gürtel der Ozean und deren Brüste die Berge sind, Gemahlin Vishnus! Dir gilt meine Verehrung. Verzeihe mir die Berührung durch meinen Fuß.“

Band II, S. 143, Körperreinigung 759–766
Deutsch: Nun das Reinigungsverfahren, ebenfalls dort: (759–760) Man verlasse das Haus nach Süden oder Südwesten, gedenke bei jedem Schritt der Waffenformel und gehe weit vom eigenen Haus fort. Jenseits einer Pfeilschussweite vom Dorf suche man einen Platz ohne Insekten, Wasser und Ähnliches und spreche: (761) „Rishis, Götter, Gandharvas, Yakshas und Rakshasas, erhebt euch! Verlasst ringsum diesen Ort, damit ich Stuhl und Harn ausscheiden kann.“ (762–763) Mit dieser Formel und mit Erdklumpen und Gräsern entlasse man die Gottheiten, verhülle den Kopf mit einem Tuch und verrichte dort die Ausscheidung. Man blicke dabei weder zum Himmel noch in die Richtungen. Danach reinige man sich mit herbeigeholtem Wasser. Erde verwende man einmal am Glied, siebenmal am After und zehnmal an der linken Hand. (764–765) An beiden Händen siebenmal, an den Füßen dreimal. Nach dem Wasserlassen verwende man Erde fünfmal an der linken Hand und am Glied, dreimal an beiden Händen und einmal an den Füßen; oder man reinige sich so, dass Geruch und anhaftender Schmutz verschwinden und das Gefühl der Unreinheit im Geist aufgehoben wird. (766) Nach dem Stuhlgang spüle man den Mund zwölfmal, nach dem Wasserlassen viermal; danach vollziehe man dreimal Achamana.

Band II, S. 144, Zahnreinigung und Vorbereitung des Bades 767–774
Deutsch: Nun das Verfahren der Zahnreinigung, ebenfalls dort: (767) Man nehme ein gerades, zwölf Fingerbreit langes Zahnholz, so dick wie die Spitze des kleinen Fingers, von Arka, Nyagrodha, Khadira, Karambha, Kakubha oder einem anderen genannten Baum. (768) Man spreche das Kama-Bija, dann „für Kamadeva, den allen Menschen Lieben“ und am Ende „Verehrung“. Dies ist der Mantra zur Zahnreinigung. (769) Man spüle das Zahnholz ab und lege es danach an einem reinen Ort ab. Um Siddhi zu erlangen, wasche man den Mund stets mit dem Grundmantra. In einem anderen Tantra: Während man sich den Sinn des Mantras vergegenwärtigt, gehe man zur Badestelle und bade. Nun das Badeverfahren; dazu heißt es im Merutantra: (770) Das Bad wird nun erklärt, damit Puja, Homa und die übrigen Handlungen gelingen. (771) Man nehme von einem reinen Ort Erde, die mit der genannten Waffenformel besprochen ist, besprenge sie mit dem Astra-Mantra und gehe zum Wasser. [Die erste Mantrabezeichnung „शङ्खनास्त्र“ ist im Druck nicht eindeutig.] In einem anderen Tantra: (772) Man nehme Darbha-Gras, Sesam und Kuhdung mit. Am Zeigefinger ist Silber zu tragen, am Ringfinger Gold. Dies wird hier als Kusha bezeichnet, nicht das im Wald gewachsene Darbha-Gras. Im Rudrayamala: (773) Drei Arten Darbha werden genannt: Gold, Silber und Kusha-Gras. Bei den Shaktas gelten die ersten beiden, bei den übrigen alle drei. (774) Gold und Silber erfüllen bei Japa, Puja und ähnlichen Handlungen die Aufgabe von Kusha; wild wachsendes Kusha gilt hier nicht als das maßgebliche Kusha.

Band II, S. 144–145, Äußeres und tantrisches Bad 778–783
Deutsch: Im Merutantra: (778–780) Zuerst reinige man das Ufer mit Wasser, das mit dem Astra-Mantra besprochen ist. Man teile die Erde in drei Teile, lege einen Teil beiseite und stelle auch den besprochenen Kuhdung, das Darbha-Gras und den Sesam bereit. Mit Erde und Kuhdung wasche man den Körper bis zur Hüfte. Danach führe man mit aus dem Gewässer geschöpftem Wasser das Bad zur Entfernung des Schmutzes aus, anschließend das vedische Bad und das dazugehörige Tarpana. [Die Druckzählung springt von Vers 774 auf 778; Verse 775–777 sind hier nicht vorhanden.] (781–782) Dann folgt das tantrische Bad. Mit dem Astra-Mantra nehme man Erde und bespreche sie mit derselben Formel. Mit dem Shikha-Mantra entferne man Gras und andere Fremdstoffe und bespreche die Erde dreimal mit dem Grundmantra. Man bestreiche sich vom Kopf bis zu den Füßen damit und verneige sich vor dem Wasser: (783) „Die Wasser tragen Vishnu von unvergleichlichem Glanz, den Träger aller Wesen; sie sind seine Gestalt und aus ihm entstanden. Vor diesen Wassern verneige ich mich.“ [Die grammatische Verknüpfung des ersten Halbverses ist auffällig; die Bezugnahme auf Vishnu und die Wasser ist eindeutig.]

Band II, S. 145, Anrufung der heiligen Flüsse 784–790
Deutsch: (784–786) Man bilde die zuwendende Mudra, halte den Atem an, tauche unter und erhebe sich schweigend. Bis zum Nabel im Wasser stehend fasse man den Entschluss zum tantrischen Bad, beginnend mit der Nennung des Monats und der übrigen Zeitangaben. Mit dem Grundmantra vollziehe man dreimal Pranayama und den Nyasa der sechs Glieder. Vor sich stelle man im Wasser eine quadratische heilige Badestelle von einer Elle Seitenlänge her. (787) „O Sonne, deine Strahlen berühren die heiligen Badestellen im Inneren des Weltalls. Bei dieser Wahrheit, o Herr der Götter, o Tagesspender, schenke mir das heilige Wasser!“ (788) Nachdem man so zur Sonne gebetet hat, öffne man mit dem angegebenen Bija und der Elefantenhaken-Mudra die Sonnenscheibe und rufe daraus die heiligen Wasser hierher. (789) „Ganga und Yamuna, Godavari und Sarasvati, Narmada, Sindhu und Kaveri: Seid in diesem Wasser gegenwärtig!“ (790) Mit diesen Worten setze man die heiligen Wasser in das vorliegende Wasser ein. Mit dem Grundmantra rufe man die Kraft der heiligen Badestellen herbei, meditiere die Sonnenscheibe und verehre sie mit ihrem Mantra.

Band II, S. 145–146, Tirtha-Shakti und Ganga-Formel 791–796
Deutsch: (791) „Ich verehre die ehrwürdige Tirtha-Shakti, Ganga, begleitet von Sindhu und den übrigen vorzüglichen Flüssen: voller aller Wonne, Vernichterin sämtlicher Verfehlungen, mondhell und dreiäugig. Mit den beiden oberen Händen hält sie Schlinge und Elefantenhaken; weiter nennt der Vers goldene, mit Nektar gefüllte Krüge und eine Perlen-Gebetskette. Sie ist die Vorzügliche.“ [Die genaue Verteilung von Krügen und Gebetskette auf die Hände ist in der Druckfassung nicht eindeutig.] Der Mantra der Tirtha-Shakti steht in einem anderen Tantra: (792–793) Man verbinde den Ätherlaut mit dem Feuerlaut, schmücke ihn mit Bindu und Nada und variiere ihn mit den sechs langen Vokalen. Dann folgen die Anreden „du aus aller Wonne Bestehende“ und „Kraft der heiligen Badestellen“, zweimal „komm“ und die „Hausfrau des Feuers“. Als einundzwanzigsilbig wird dieser große Mantra der Tirtha-Shakti gelehrt. Im Merutantra: (794–796) Man bespreche das Wasser achtmal mit dem Ganga-Mantra. Seine Bildung wird so beschrieben: „Verehrung, o Göttin, Mutter, Ambika, Ambalika, du mit der großen Girlande, komm, komm, o Göttin, Sammelbecken aller heiligen Wasser“; dann spreche man das Maya- und Shri-Bija, gefolgt von „du in Shivas Haarflechten Ruhende, Ganga, Mutter Ganga“ und dem durch zweimal ṭha bezeichneten Schluss. Diese Ganga-Vidya wird als dreiundfünfzigsilbig bezeichnet. [Die Vorlage gibt eine Aufbauanweisung mit verschlüsselten Bijas.]

Band II, S. 146, Reinigung durch die Wasser 797–803
Deutsch: (797–799) Der Mantra-Kenner rühre das Wasser mit der Bhuvaneshvari-Formel um, mache es mit dem Nektar-Bija zu Nektar, verhülle es mit dem Schutzpanzer und schütze es mit der Waffenformel. Mit dem Grundmantra rufe er die Gottheit samt ihren Gliedern und ihrem Gefolge ins Wasser. Er betrachte das heilige Wasser als aus ihren beiden Füßen hervorgegangen und bade dreimal darin, während er den Grundmantra vergegenwärtigt. Danach erinnere er die Gottheit im Herzen und begieße mit der Krug-Mudra seinen Kopf. (800–803) Dazu dienen die drei folgenden Verse, denen der Grundmantra, Pranava und Bija vorausgehen: „Die Wasser sind die Schöpferkraft Prajapatis, der immer wieder das ganze Weltall hervorbringen will, und die Mütter aller Wesen: Mögen die göttlichen Wasser mich reinigen! Die Wasser waschen durch ihre Berührung die Unheilskraft in Gestalt des Schmutzes ab, die in allen Wesen wohnt: Mögen die göttlichen Wasser mich reinigen! Welches Unglück in meinen Haaren, im Scheitel, auf meinem Kopf, auf der Stirn, an Ohren und Augen haftet, das mögen die Wasser vernichten. Euch gilt meine Verehrung!“ Danach vollziehe man dreimal Achamana mit dem Grundmantra, verbunden mit Svaha. [Der erste Gebetsanfang in Vers 800 ist grammatisch verkürzt; die Vorlage nennt ausdrücklich die Schöpferkraft Prajapatis.]

Band II, S. 146, Abschluss des Bades 804–805
Deutsch: Im Gandharvatantra: (804) Während er den Grundmantra spricht, gieße der vorzügliche Sadhaka mit der Krug-Mudra dreimal Wasser über seinen Kopf und vollziehe danach Achamana mit den Tattvas des Selbst, der Vidya und Shivas … [Die Vorlage enthält hier eine Auslassung.] Die Krug-Mudra wird noch erläutert. Im Merutantra: (805) Nachdem man der Gottheit dreimal Tarpana dargebracht hat, gehe man aus dem Wasser ans Ufer.

Band II, S. 147, Abschluss und Mantra-Bad 806–811
Deutsch: (806) Man lege zwei gewaschene Gewänder an, reinige Schenkel und Hände mit Erde und Wasser und vollziehe danach Achamana. So ist das Badeverfahren überliefert. Nun das Mantra-Bad, ebenfalls dort: (807) Das Mantra-Bad ist an kalten Orten und zu kalter Jahreszeit vorzunehmen, bei Wassermangel, in schwer zugänglichem Gelände, bei dringenden Aufgaben, Krankheit und im Alter. (808) Man wasche die Füße, vollziehe mit geschöpftem Wasser Achamana, reinige wie zuvor den Platz und die zehn Richtungen und setze sich dann. (809) Man setze die Waffenmacht in die Handfläche ein und vollziehe der Reihe nach sämtliche Nyasas, beginnend mit Matrika, sowie die Nyasas des Grundmantras. (810–811) Nach Abschluss des Nyasa berühre man Wasser. Dieses Mantra-Bad ist besser als ein bloßes Wasserbad ohne rituelle Heiligung. Seine Frucht gilt gewiss als zehnmal so groß wie die eines Bades an heiligen Stätten wie Prabhasa.

Band II, S. 147–148, Dhyana-Bad geistiges Bad und Shiva-Bad 812–819
Deutsch: Nun das Dhyana-Bad, ebenfalls dort: (812) Ich werde das Bad durch Meditation erklären, das die beiden vorherigen übertrifft. Man gedenke des lotusäugigen Herrn im Himmelsraum, dessen Gestalt Mantra ist. (813–814) Man stelle sich vor, wie der Wasserstrom von seinen Füßen auf das eigene Haupt fällt und durch eine feine Öffnung in den Körper eintritt. Damit wasche man jede Unreinheit im Körper fort. Sogleich wird der Mantra-Praktizierende makellos wie Kristall. (815) Dieses vorzügliche Bad gilt als hundertmal wirksamer als das Mantra-Bad. Wer im Geist gereinigt ist, ist bei allen Handlungen rein. „Der Lotusäugige“ ist hier nur ein Beispiel. Man sagt: Jeder soll seiner eigenen Gottheit gedenken. Nun das geistige Bad, ebenfalls dort: (816) Das geistige Bad vollziehe man im Geist mit dem Grundmantra und Pranayama, indem man sich innerlich in die vergegenwärtigten heiligen Wasser begibt. Auch im Shaiva-Agama: (817) Man vollziehe das geistige Bad mit dem Grundmantra und vorausgehendem Pranayama; es ist überall zulässig. Im Merutantra: (818) Oder man mache mit Shiva-Mantras das heilige Wasser zu Shivas Wesen und besprenge sich mit den Samhita-Mantras. Dies heißt Shiva-Bad. (819) Alle Handlungen, denen ein Bad vorausgeht, sind rein und gelangen zur Vollendung. Deshalb soll man vorher eines dieser Bäder entsprechend der Kraft des Körpers vornehmen.

Band II, S. 148, Tilaka 820–824
Deutsch: Nun das Auftragen des Tilaka, ebenfalls dort: (820) Danach bringe man hingebungsvoll das Stirnzeichen entsprechend der eigenen sozialen Gruppe oder Gottheit an, gegebenenfalls mit Erde von einer heiligen Stätte, die günstige Frucht schenkt. (821) Für den Brahmanen ist das senkrechte Zeichen vorgesehen, für den Kshatriya das dreifache Querzeichen, für den Vaishya ein Halbmond und für die Shudras eine runde Form. (822) Das senkrechte Zeichen fertige man aus Erde, die drei Querstreifen aus Asche; die übrigen nach Wunsch mit Safran, Moschus und kühlender Paste. (823) Der Vishnu-Verehrer trägt das senkrechte Zeichen, der Shiva-Verehrer die drei Querstreifen; der Ganesha-Verehrer einen Halbmond und der Verehrer der Göttin einen Kreis. (824) Wer Narayana hingegeben ist und auf der Stirn einen Dreizack aus Sandelholz trägt, ist verehrungswürdig; dieses Zeichen verkörpert Brahma, Vishnu und Shiva.

Band II, S. 148, Gewinnung der heiligen Asche 825–830
Deutsch: Nun das Tragen der Vibhuti, ebenfalls dort: (825) Die heilige Asche des Segenspenders schenkt Wohlergehen, wenn sie vorschriftsgemäß getragen wird. Wird sie beliebig getragen, macht sie den Menschen selbst zu Asche. (826) Vor Shiva sammle man Asche aus dem Agnihotra-Feuer oder dem Hochzeitsfeuer; das Material soll rein und wohlriechend sein. [Das im Druck verwendete Wort für die feuchte Masse ist auffällig.] (827) Am besten ist der Dung einer braunen Kuh, aufgefangen, während er fällt: weder zu nass noch hart, weder übelriechend noch alt. (828) Ist er schon auf den Boden gefallen, entferne man die obere und untere Schicht und nehme den Rest. Man forme ihn zu Klumpen und lege ihn mit dem Grundmantra in Shivas Feuer. (829) Ungebrannte Stücke und schwarze verbrannte Teile sind auszusondern; die weiße Asche nehme man auf, siebe sie durch ein Tuch und fülle sie in ein Aschegefäß. (830) Die Asche soll gesammelt werden, solange die Gottheit noch nicht rituell entlassen ist. Nach ihrer Entlassung wird sie zu Chanda-Asche.

Band II, S. 149, Weihe und Auftragen der Asche 831–840
Deutsch: (831–832) Oder Zweimalgeborene bereiten die Asche so: Man hole mit der linken Hand Kuhdung, lege ihn mit der linken Hand in ein Gefäß und verbrenne ihn mit dem Aghora-Mantra. Mit dem Purusha-Mantra nehme man die Asche heraus, mit dem Ishana-Mantra reinige man sie. Die so bereitete Asche bespreche man mit dem Mantra, der mit „Feuer“ beginnt. (833–834) Mit der Yajus-Formel, die mit „jenem Rudra“ beginnt, bespreche man sie elfmal. Mit den entsprechenden Namen im Dativ, denen Pranava und jeweils eine Silbe des fünfsilbigen Mantras vorausgehen und die mit der Herzformel enden, trage man das dreifache Querzeichen auf Stirn, Schultern, Bauch und Herz auf; auf dem Scheitel mit dem ganzen fünfsilbigen Mantra. [Die gedruckte Körperstellenfolge ist verkürzt.] (835–838) Ferner sollen Zweimalgeborene die Asche mit diesen Namen tragen: Brahma auf der Stirn, der Feuerträger am Herzen, Skanda am Nabel, Pushan am Hals, Rudra am rechten Arm, Aditya in dessen Mitte und der Mond am Handgelenk; Vamadeva am linken Arm, der Windgott in dessen Mitte, die Vasus am Handgelenk, Hari am Rücken, Shambhu am Nacken und das höchste Selbst am Kopf. Ein Shakta soll mit Moschus und Ähnlichem vermischte Asche tragen. (839) Nicht-Zweimalgeborene sollen mit dem Grundmantra und Shivas fünfsilbigem Mantra die drei Querstreifen auf der Stirn anbringen, welche Brahma, Vishnu und Shiva verkörpern. (840) Man nehme die mit dem Grundmantra besprochene Asche mit den drei mittleren Fingern auf; oder man forme die drei Streifen mit Ringfinger, Mittelfinger und Daumen.

Band II, S. 149, Beginn der Sandhya 841–843
Deutsch: Nun das Sandhya-Verfahren. Im Bhairavitantra: (841) Nach Achamana setze sich der Mantra-Kenner nach Osten gewandt und vollziehe gesammelt die vedische und die tantrische Sandhya. Im Merutantra: (842) Nun werde ich die tantrische Sandhya erklären. Man vollziehe mit dem Grundmantra dreimal Achamana, binde die Haarlocke und führe mit dem Grundmantra dreimal Pranayama aus. (843) Nach vorausgehendem Hand-Nyasa setze man die Glieder in den Körper ein und mache das vor sich stehende Wasser mit der Kuh-Mudra zu Nektar. [Die Anweisung setzt sich im folgenden Vers fort.]

Band II, S. 150, Wasserreinigung in der Sandhya 844–850
Deutsch: (844–845) Man bespreche das Wasser siebenmal mit dem Grundmantra. Mit den Matrika-Lauten vom A bis zum Ksha, jeweils mit Bindu, besprenge man bei jedem Laut den Kopf mithilfe von Kusha-Gras und danach dreimal mit dem Grundmantra. Der Mantra-Kenner meditiere die Gottheit in der Sonnenscheibe. (846–848) Er nehme Wasser und bespreche es mit den aufgeführten Element-Bijas siebenmal, danach nochmals siebenmal mit dem Grundmantra. Er halte das Wasser in der linken Hand und besprenge mit der rechten den Kopf mit den herabtropfenden Tropfen, während er den Grundmantra spricht. Ein Anhänger des linken Weges führt die Besprengung mit vertauschten Händen aus. [Die Bija-Liste enthält im Druck vier Silben; eine fünfte wird nicht ergänzt.] (849–850) Mit dem übrigen Wasser berühre man die Nase und stelle sich vor, wie es als Licht eintritt, alle innere Unreinheit reinigt und durch das rechte Nasenloch wieder austritt. Man nehme es in die rechte Hand, stelle sich links einen diamantfesten Stein vor und schleudere es mit der Waffenformel darauf.

Band II, S. 150, Arghya Tarpana und Gayatri 851–854
Deutsch: (851–854) Der Mantra-Kenner wasche die Hände und vollziehe Achamana mit dem Grundmantra. Dann bringe er drei Arghya-Gaben mit der Gayatri oder dem Grundmantra dar. Seiner in der Sonnenscheibe gegenwärtigen erwählten Gottheit bringe er Tarpana mit Wasser dar, indem er an den Grundmantra „Ich sättige diese Gottheit“ anfügt. Dreimal ist dies zu vollziehen; die Anhänger des linken Weges verwenden dazu das als „Ursache“ bezeichnete rituelle Getränk. Man wiederhole die Gayatri der erwählten Gottheit 28-mal. Gibt es keine solche Gayatri, so verwende ein Anhänger des vedischen Weges die Brahma-Gayatri; ein Tantriker wiederhole die Shiva-Gayatri. Diese wird nun erklärt.

Band II, S. 150, Erste Shiva-Gayatri
Deutsch: Nun die Shiva-Gayatri: „Om. Wir wollen jenen großen Herrn erkennen; über den in seiner Rede vollkommen Reinen meditieren wir. Möge Shiva uns anregen und erleuchten.“

Band II, S. 150, Zweite Shiva-Gayatri
Deutsch: In einem anderen Tantra wird diese Shiva-Gayatri genannt: „Om. Wir wollen jenen Purusha erkennen; über Mahadeva meditieren wir. Möge Rudra uns anregen und erleuchten.“

Band II, S. 150, Ganesha-Gayatri
Deutsch: Nun die Ganesha-Gayatri aus dem Yamala: „Om. Wir wollen jenen Purusha erkennen; über den mit dem gebogenen Rüssel meditieren wir. Möge der Stoßzahnträger uns anregen und erleuchten.“

Band II, S. 150–151, Surya-Gayatri 855
Deutsch: Nun die Surya-Gayatri aus dem Merutantra: „Om. Wir wollen den mit den sieben Pferden erkennen; über den Tausendstrahligen meditieren wir. Möge die Sonne uns anregen und erleuchten.“ (855) Diese Surya-Gayatri schenkt den Wiederholenden das Gewünschte; besiegten Königssöhnen verleiht sie wieder die Kraft des Kriegerstandes.

Band II, S. 151, Vishnu-Gayatri
Deutsch: Nun die Vishnu-Gayatri, ebenfalls dort: „Om. Wir wollen Narayana erkennen; über Vasudeva meditieren wir. Möge Vishnu uns anregen und erleuchten.“

Band II, S. 151, Narasimha-Gayatri
Deutsch: Nun die Narasimha-Gayatri aus der Anleitung zur Verehrung seiner Füße: „Om. Wir wollen Narasimha erkennen; über den mit den scharfen Fangzähnen meditieren wir. Möge Krishna uns anregen und erleuchten.“ [Der Schluss nennt im Druck Krishna; er wird nicht durch Narasimha ersetzt.]

Band II, S. 151, Sudarshana-Gayatri
Deutsch: Nun die Sudarshana-Gayatri, ebenfalls dort: „Om. Wir wollen Sudarshana erkennen; über die große Flamme meditieren wir. Möge der Diskus uns anregen und erleuchten.“

Band II, S. 151, Hayagriva-Gayatri
Deutsch: Nun die Hayagriva-Gayatri, ebenfalls dort: „Om. Wir wollen den Herrn der Rede erkennen; über Hayagriva meditieren wir. Möge Hamsa uns anregen und erleuchten.“

Band II, S. 151, Shyama- und Kali-Gayatri 856–860
Deutsch: Nun die Shyama-Gayatri im Kumaritantra: (856–857) Man spreche „für Kalika“, danach „wir wollen erkennen“; dann „für die am Verbrennungsplatz Wohnende“ im Dativ und „wir meditieren“. Es folgen „jene für uns, o Schreckliche“ und „möge anregen“. Allein durch ihre Gnade vergehen beim Sadhaka sogleich unzählige schwere Verfehlungen; anders nicht. Ferner: (858) Selbst wer mit schweren Verfehlungen belastet ist, wird augenblicklich frei, wenn er sie zehnmal wiederholt. Wahrlich, wahrlich, o Mahadevi! Im Bhairavatantra: (859–860) Zuerst wird eine verschlüsselte Bija-Verbindung genannt [ihre Bildung ist im Druck nicht sicher auflösbar], dann Dakshina im Dativ, „wir wollen erkennen“, das Kurcha-Bija, Chamunda im Dativ, „wir meditieren“ und schließlich „Möge Kali uns anregen“. Diese von mir gelehrte Gayatri ist in allen Tantras verborgen. Ohne sie gelangen sämtliche Vidyas niemals zur Vollendung. So wird gesagt.

Band II, S. 151, Gayatri der Nakshatra-Vidya 861
Deutsch: Nun die Gayatri der Nakshatra-Vidya im Kalikarnava: (861) Nach dem ausgeschriebenen Bija folgt: „O erhabene Einflechtige, wir wollen dich erkennen; o du mit den gewaltigen Fangzähnen, wir meditieren. Mögest du uns anregen, o Tara!“ [Das vorangestellte Bija wird als Lautform bewahrt und nicht wörtlich übersetzt.]

Band II, S. 152, Weitere Tara-Gayatris 862–863
Deutsch: Im Malinitantra: (862) „Wir wollen die überaus Furchtbare erkennen; über Tara meditieren wir“, o Geliebte. Nach „jene Göttin für uns“ folgt „die unsere Einsicht anregen möge“. [Der überlieferte Schluss fügt die beiden Wendungen in grammatisch auffälliger Weise zusammen.] Im Virachudamani: (863) Nach dem Vagbhava-Bija spreche man: „Wir wollen Ekajata erkennen.“ Dann spreche man die Göttin und das ausgeschriebene Bija an, gefolgt von: „Über Nila-Sarasvati meditieren wir.“ Nach dem Hrillekha-Bija folgt: „Mögest du anregen, o Tara!“ [Die Bijas werden nicht wörtlich übersetzt; die Vorlage beschreibt die Bildung der Formel.]

Band II, S. 152, Tripurasundari Bhairavi und Bhuvaneshvari 864–867
Deutsch: Für Tripurasundari im Jnanarnava: (864) Nach dem Vagbhava-Bija folgt: „Wir wollen die Göttin Tripura erkennen.“ Nach dem Kama-Bija: „Über Kameshvari meditieren wir.“ Dann: „Jene für uns, o von Wonne Durchfeuchtete“, und zuletzt „möge anregen“. Für Bhairavi, ebenfalls dort: (865–866) Man setze Tripura in den Dativ und füge „wir wollen erkennen“ hinzu; danach Bhairavi im Dativ und „wir meditieren“. Es folgen das Wort „Göttin“ und „möge anregen“. Diese als Tripura-Gayatri bekannte Formel beginnt mit dem Vagbhava-Bija. Für Bhuvaneshvari in einem anderen Tantra: (867) Man spreche das Maya-Bija, dann „Wir wollen Bhuvaneshvari erkennen; über die Ursprüngliche meditieren wir. Möge die Göttin uns anregen.“

Band II, S. 152–153, Chhinnamasta Dhumavati und Matangi 868–869
Deutsch: Nun für Chhinnamasta, aus einem anderen Tantra: (868) „Wir wollen Vairochani erkennen; über Chhinnamasta meditieren wir.“ Nach „jene Göttin für uns“ ist „möge anregen“ anzufügen. Nun für Dhumavati: Man spreche das angegebene Dhu-Bija, dann „Wir wollen Dhumavati erkennen“, danach die blassfarbene Göttin und „wir meditieren“. [Hier steht im Druck bereits die Überschrift „Nun für Matangi“, obwohl die folgende Zeile noch Dhumavati nennt.] (869) Die Gayatri der Dhumadevi endet mit: „Mögest du uns anregen, o Standhafte!“ Nun die Shyama-Gayatri: „Om. Wir wollen die Papageienfreundin erkennen; über Shri Kameshvari meditieren wir. Möge Shyama uns anregen und erleuchten.“

Band II, S. 153, Bagalamukhi Lakshmi und Gauri 870–871
Deutsch: Nun für Bagalamukhi: (870) Man spreche das Sthira-Maya-Bija, dann den aus Bagala und Mukhi gebildeten Namen und „wir wollen erkennen“, danach „die Bösen lähmende“ und „wir meditieren“. Am Ende: „Möge die Göttin uns anregen.“ Nun die Lakshmi-Gayatri: (871) Man spreche Mahalakshmis Namen, danach „wir wollen erkennen“, dann Mahashri im Dativ und „wir meditieren“. Auf „jene für uns“ folgen Shri und „möge anregen“. Die Gauri-Gayatri im Merutantra: „Om. Wir wollen die Glückliche erkennen; über die mit der Girlande des Verlangens meditieren wir. Möge Gauri uns anregen und erleuchten.“

Band II, S. 153, Bildung der Guhyakali-Gayatris 872–878
Deutsch: Nun die Guhyakali-Gayatri aus der Mahakalasamhita: (872) Der Reihe nach werde ich die Gayatri für das Japa der jeweiligen Mantras erklären. Sie ist als dreigliedrig, als Dreiheit und als dreiteilig zu verstehen. (873–874) Die ersten beiden Namen stehen im Dativ, der letzte in einer gebeugten Nominalform. Eine Besonderheit dieser dreifachen Bildung erkläre ich: Im ersten Teil steht „wir wollen erkennen“, in der Mitte „wir meditieren“, nach dem letzten Namen das Wort „möge anregen“; davor die angegebene hinweisende Wendung. So habe ich die Bildung erläutert. (875) Zunächst wird ein unklarer Lautansatz genannt, dann Kapalini, Siddhi und Karali, am Ende Guhya: Dies gehört zum Bharati zugeordneten sechzehnsilbigen Mantra. [Die Lesung „रावात्“ und die Verteilung der Namen sind nicht eindeutig.] (876) Nach dem Vadhu-Bija folgen Karalini und Mundamalini, zuletzt Devi. Dies ist die Chyavana zugeordnete Gayatri. (877) Phetkarini, Ugrachanda und danach Vikatadamshtra; am Ende Chandi: Dies ist die von Harita verehrte dreigliedrige Formel. Ferner: (878) Zuerst Attattahasini, danach Ghoradamshtra, zuletzt Ghora: Dies gilt als die von Ramachandra verehrte dreigliedrige Formel.

Band II, S. 154, Kamakala-Gayatri
Deutsch: Nun die Kamakala-Gayatri, ebenfalls dort: „Om. Wir wollen die vom körperlosen Liebesgott Bewegte erkennen; über die von Liebe Ergriffene meditieren wir. Möge Kamakalakali uns anregen und erleuchten.“

Band II, S. 154, Durga-Gayatri
Deutsch: Die Durga-Gayatri in einem anderen Tantra: „Om. Wir wollen Katyayani erkennen; über die jungfräuliche Kumari meditieren wir. Möge Durga uns anregen und erleuchten.“ [Die Vorlage hat bei Kanyakumari eine vom üblichen Dativ abweichende Form; sie bleibt im Sanskrit erhalten.]

Band II, S. 154, Kama-Gayatri
Deutsch: Nun die Kama-Gayatri im Merutantra: „Om. Wir wollen Kamadeva erkennen; über den mit den Blumenpfeilen meditieren wir. Möge der Körperlose uns anregen und erleuchten.“

Band II, S. 154, Garuda-Gayatri
Deutsch: Nun die Garuda-Gayatri, ebenfalls dort: Ich werde die Gayatri erklären, welche die Furcht vor Schlangen nimmt und alle Wünsche erfüllt. „Om. Wir wollen den Schöngeflügelten erkennen; über den König der Vögel meditieren wir. Möge Garuda uns anregen und erleuchten.“

Band II, S. 154, Hanuman-Gayatri
Deutsch: Nun die Hanuman-Gayatri in einem anderen Tantra: Nach dem vorangestellten Bija: „Wir wollen Hanuman erkennen; über den Sohn der Anjana meditieren wir. Möge der Held uns anregen und erleuchten.“ [Das Bija besitzt hier keine wörtliche Übersetzung.]

Band II, S. 154, Abschluss und verkürzte Sandhya 879–884
Deutsch: Im Merutantra: (879) [Der Versbeginn fehlt im Druck.] Nachdem man den Grundmantra 108-mal wiederholt hat, bringe man das Japa der Gottheit dar, preise seine erwählte Gottheit und verneige sich. (880) Man setze die Gottheit aus der Sonnenscheibe in das eigene Herz ein und verneige sich dann vor dem Guru. Dies ist die tantrische Sandhya. (881) So ist sie dreimal täglich zu vollziehen; bei ihrem Auslassen bleibt die Frucht aus. Ist sie durch widrige Umstände ausgefallen, wiederhole man zum Ausgleich den Grundmantra hundertmal, hole die versäumte Sandhya nach und vollziehe dann die jetzt fällige. Auch im Shaiva-Agama: (882) Die Sandhya soll nicht ausgelassen werden; dies ist Shambhus Gebot. Ein Eingeweihter ohne Sandhya erlangt die Frucht seiner Diksha nicht. Im Gautamiya: (883) Wenn seine Kräfte nicht ausreichen, darf der Mantra-Praktizierende eine verkürzte Sandhya vollziehen: morgens, mittags und abends Krishna meditieren und den Mantra wiederholen. Krishna ist hier nur als Beispiel genannt; gemeint ist die Meditation über die eigene erwählte Gottheit. (884) Ist eine Sandhya ausgefallen, wiederhole man die Gayatri zehnmal.

Band II, S. 155, Tarpana 885–889
Deutsch: Nun Tarpana, im Merutantra: (885–886) Nach dem vedischen Tarpana vollziehe man das tantrische. Man führe dreimal Pranayama aus und mit dem Grundmantra den Nyasa der drei Zuordnungen, beginnend mit dem Rishi. Mit der Kuh-Mudra und dem aufgeführten Wasser-Bija mache man das vor sich stehende Wasser zu Nektar. (887–889) Man meditiere darin die Gottheit samt Chakra, Gliedern und umgebenden Gottheiten und spreche den Grundmantra, gefolgt von „Ich sättige diese Gottheit“. Mit dem heiligen Wasser bringe man ihrer Lotusmündung 108-mal, halb so oft oder 28-mal Tarpana dar und betrachte das Wasser dabei als Nektar. Den Gottheiten ihres Gefolges bringe man ebenso jeweils einmal Tarpana dar. Dann entlasse man die Gottheit ins eigene Herz und die heiligen Wasser in die Sonne.

Band II, S. 155, Sonnen-Arghya 890–892
Deutsch: In der Nandikeshvarasamhita: (890) Solange Bhaskara, der Sonne, noch keine Arghya-Gabe dargebracht wurde, soll man weder Vishnu noch Shankara verehren, o Herrin der Götter. Im Maheshvariya: (891–892) Man gedenke des göttlichen Bhairava namens Martanda, des Gemahls Umas. Mit dem Grundmantra oder dem Sonnen-Mantra bringe der Verständige drei Arghya-Gaben dar, o Göttin. Die Formel wird so gebildet: Maya-Bija, die umgekehrte Soham-Formel, dann Martanda-Bhairava im Dativ, verbunden mit der Licht-Shakti; danach „Dies ist deine Arghya-Gabe“ und die „Gattin des Feuers“. [Die Vorlage beschreibt den Aufbau der Formel; die Umkehrung und Bijas werden nicht stillschweigend ausgeschrieben.]

Band II, S. 155–156, Gang zum Puja-Raum und Reinigung des Geistes 893–902
Deutsch: Im Merutantra wird gelehrt, die Sonnen-Arghya nach dem Gang zum Puja-Raum darzubringen: (893–894) Man verneige sich vor Guru, Richtungshütern und Himmelsmächten und gehe schweigend, ein wassergefülltes Gefäß in der Hand und die erwählte Gottheit im Herzen vergegenwärtigend, zu einem abgeschiedenen, menschenleeren, angenehmen und fehlerfreien Ort. Bis man den Raum erreicht, blicke man nicht in andere Richtungen. (895–896) Nach ehrerbietiger Umrundung des Opferplatzes wasche man Füße und Hände und vollziehe Achamana, eine Stablänge vom Puja-Haus entfernt. An seiner Tür stehend verneige man sich im Geist vor dem Guru, der eigenen erwählten Gottheit und den Richtungshütern. (897) Zur Beseitigung der Verfehlungen, die man früher, an diesem oder an einem anderen Tag begangen hat, spreche man zwei Formeln: (898) „O Gott, mein gewöhnlicher Geist ist von Verfehlungen bedrängt. Treibe diese Verfehlung aus meinem Geist! Zweimal die trennende Endsilbe; dir gilt Verehrung.“ (899) „Sonne, Mond, Yama, Zeit und die fünf großen Elemente: Dies sind hier die neun Zeugen guter und schlechter Handlungen.“ (900–902) Während man die angegebenen Schutzsilben spricht, blicke man zornig nach beiden Seiten. Wird zuerst diese Handlung zum Vertreiben der Verfehlungen vollzogen, so bleibt die fest haftende Verfehlung in der Ferne; verlässt man den Puja-Ort, kehrt sie wieder zu einem zurück. Die geringere Verfehlung hingegen geht zugrunde. Wer bei der Puja von Verfehlungen frei ist, erlangt augenblicklich das Gewünschte.

Band II, S. 156, Sonnenmantra und Dhyana 903–907
Deutsch: (903–905) Danach wasche man sorgfältig Füße und Hände, vollziehe Achamana und bringe dem Herrn des Tages Arghya dar. Das Verfahren wird nun erklärt: Auf einem mit Kuhdung bestrichenen Boden zeichne man ein Mandala mit Sindura, setze sich auf den eigenen Sitz und verneige sich nach Osten gewandt voller Hingabe vor der erwählten Gottheit. Der Mantra-Kenner vollziehe mit dem Sonnen-Mantra dreimal Pranayama. (906) Der dreisilbige Sonnen-Mantra wird hier ausgeschrieben. Nach dem Nyasa von Indra und den übrigen Gottheiten meditiere man mit ungeteiltem Geist die Sonne. [Die letzte Silbe steht hier ohne Visarga; in der Arghya-Formel bei Vers 912 steht sie mit Visarga.] (907) „Ich verehre Bhanu, den Herrn sämtlicher Welten: Seine Lotushände halten zwei Lotusse und zeigen Furchtlosigkeit und Wunschgewährung. Seine Krone trägt Rubine, sein Körper glänzt rötlich, er ist dreiäugig und sitzt auf einem roten Lotus. Er ist der eine Ozean aller vortrefflichen Eigenschaften.“

Band II, S. 156–157, Arghya-Gefäß und Sonnenformel 908–915
Deutsch: (908–911) Man verehre die Sonne mit den Gaben nach der Vorschrift des jeweiligen Ritualtextes. Vor sich zeichne man mit Wasser ein quadratisches Mandala und stelle darauf ein wassergefülltes Kupfergefäß auf einem Untersatz. Man gebe Duftstoffe, Blumen, unversehrte Reiskörner, Darbha- und Durva-Gras, Senfkörner, Sesam, rote Blumen und Gerste hinein. Das Gefäß berührend bespreche man es 108-mal mit dem Sonnen-Mantra. Dann hebe der Verständige es mit beiden Händen bis zum Kopf und bringe mit dem Sonnen-Mantra Arghya dar. (912–913) Zuerst stehen die drei ausgeschriebenen Silben; dann folgen die Wörter für „mit Planeten, Tierkreiszeichen und Mondhäusern“ sowie „auf dem von Yoga und Karana umgebenen Sitz befindlich“, und schließlich: „Für Shri Surya: Dies ist deine Arghya-Gabe. Svaha.“ Dieser Mantra für die Darbringung der Sonnen-Arghya wird als vierunddreißigsilbig bezeichnet. (914–915) Danach wiederhole man nach Vermögen mit ungeteilter Aufmerksamkeit den vollständigen Mantra. Der vorzügliche Lehrer meditiere die Sonne, übergossen von diesem Arghya-Wasser. Nach Lobpreis und Verneigung entlasse man den Tagesspender in seine Scheibe. Dann stehe man auf und beginne vorschriftsgemäß die Tür-Puja. Das Verfahren dieser Türverehrung wurde im Taraṅga über Diksha erklärt.

Band II, S. 157, Beginn der täglichen Puja 916–921
Deutsch: Nun das Verfahren der täglichen Puja. Im Kriyasangraha: (916) Ich werde nun kurz die tägliche Puja in ihrer überlieferten Form erklären. Am Verehrungsort vollziehe man dreimal Achamana. Der Mantra-Praktizierende setze sich auf seinen Sitz und fasse aufmerksam den Sankalpa. Dieser lautet: „Zur Freude dieser bestimmten Gottheit werde ich ihre tägliche Verehrung vollziehen.“ Ferner: (918) Man bringe dem Herrn des Tages, dem Zeugen aller Handlungen, Arghya dar, verneige sich vor Guru und Ganapati und dann vor der erwählten Gottheit. [Die Druckzählung geht nach Vers 916 und der Prosaformel unmittelbar zu 918 über; ein Vers 917 ist nicht ausgewiesen.] (919–921) Nach dreimaligem Klatschen schütze man die zehn Richtungen. Nach Bhuta-Shuddhi und den weiteren Reinigungen vollziehe man Pranayama, Matrika-Nyasa und den Nyasa des Grundmantras. Man meditiere die Gottheit im Herzen und verehre mit geistigen Gaben das eigene Selbst in Gestalt der Gottheit. Der kundige Praktizierende verehre es auch mit äußeren Gaben, jedoch ohne Speisegabe.

Band II, S. 158, Vollzug der täglichen Puja 922–930
Deutsch: (922) Dann zeige der Ritualkundige die im Ritualtext genannten Mudras, stelle Arghya und die übrigen Gaben bereit und reinige die Verehrungsmaterialien. Er meditiere die Gottheit in der beschriebenen Gestalt und rufe sie mit dem Grundmantra herbei. Im Merutantra: (923–924) Dann folgen Einsetzung, Vergegenwärtigung, Festhalten der Gegenwart, Zuwendung und Ausstattung mit allen Gliedern; danach Verhüllung, Nektarisierung und Erhebung in den höchsten Zustand, jeweils mit der zugehörigen Mudra. Im Kriyasangraha: (925) Nachdem man die mit der Anrufung beginnenden Mudras gezeigt hat, setze man die Lebenskräfte ein und richte aufmerksam die Gaben nach Vermögen her. (926–927) Nach der Verehrung mit dem Grundmantra und drei gefüllten Händen Blumen verehre der Mantra-Kenner die vorgeschriebenen umgebenden Gottheiten. Dann verehre er die Hauptgottheit samt Gliedern, Reittier, Schmuck, Mudras, Waffen und Gefolge. (928) Der Verständige wiederhole den Grundmantra 108-mal und bringe dieses Japa der Gottheit voller Hingabe dar. (929–930) Nach verschiedenen Lobgesängen verneige man sich mit acht Körpergliedern auf dem Boden, bitte um Segen und entlasse die Gottheit ins Herz. Man lege die abgenommenen Opferblumen auf das Haupt, gebe dem Empfänger der göttlichen Speisereste seinen Anteil und esse dann die dargebrachte Speise. Dies gilt als tägliche Verehrung. Hier wurde nur die Reihenfolge der Puja dargestellt. Alle hier genannten Einzelhandlungen sind im Taraṅga über Diksha nachzulesen.

Band II, S. 158–159, Tägliches Homa 931–938
Deutsch: Nun das Verfahren des täglichen Homa. In der Somabhujagavali heißt es: (931) Ein nicht wiederholter Mantra gelangt nicht zur Siddhi; ohne Feueropfer bringt er keine Frucht, ohne Verehrung erfüllt er keine Wünsche. Deshalb vollziehe man alle drei. (932) Durch Puja erlangt man Verehrung, durch Japa zweifellos Siddhi; durch die Feuerhandlung gewinnt man Entfaltung der Kräfte und sämtliche Siddhis. Im Jnanarnava: (933) O höchste Herrin, nach dem Sankalpa vollziehe man das tägliche Homa. Der Sankalpa lautet: „Zur Freude dieser bestimmten Gottheit werde ich diese bestimmte Zahl von Opfergaben ins Feuer geben.“ Im Nilatantra: (934–935) Ich werde das tägliche Homa erklären, durch das man jedes Ziel erreicht. Nach ordnungsgemäßer Verehrung bringe man Bali wie zuvor dar. Der vorzügliche Sadhaka beachte danach Japa und Tarpana. Der Brahmane vollziehe auch die Bali-Gaben für die Gesamtheit der Gottheiten und die übrigen entsprechenden Handlungen. (936–938) Man nehme das Feuer vorschriftsgemäß auf, spreche „Verehrung den Fleischverzehrern“ und den Grundmantra und setze das Feuer in einer Grube, auf einer erhöhten Opferfläche oder auf dem Boden ein. Mit den drei Vyahritis, jeweils mit Svaha, opfere man dreimal und vollziehe danach das Opfer für die sechs Glieder. Dann rufe man die Göttin herbei, bringe mit dem Grundmantra sechzehn Gaben dar, preise sie, verneige sich und entlasse sie in die Mondscheibe.

Band II, S. 159–160, Alternative Homa-Regeln 939–943
Deutsch: Im Sarasangraha: (939–941) Nachdem das Feuer so zusammengeführt ist, rufe der Mantra-Kenner die Gottheit herbei und verehre sie. Mit dem Grundmantra bringe er fünfundzwanzig Opfergaben dar: Ghee, Opferspeise, Sesam, guten Milchreis, mit Sesam vermischte Reiskörner, reine Reiskörner oder Blumen. Den Gliedergottheiten und den Gottheiten des umgebenden Kreises bringe er jeweils eine Gabe dar. Nach der Entlassung von Gottheit und Feuer kehre er zum Puja-Ort zurück. Dieses Homa ist nach der Speisedarbringung oder nach Abschluss der Puja auszuführen. Dazu heißt es im Maheshvariya: (942) Nach der Speisegabe vollziehe man das Vaishvadeva-Opfer; oder man führe das Homa nach dem Ende der Verehrung vorschriftsgemäß aus. Dies gilt bei täglichen, anlassbedingten und wunschbezogenen Riten als Einleitung der Feuerhandlung. In der Agastyasamhita heißt es: „Der Mantra-Kenner ruft die Gottheit in das wie zuvor geheiligte Feuer.“ Da dies auch im Merutantra gesagt wird, hält der Verfasser der Shrividyapaddhati die Feuerweihe hier für unbedingt erforderlich. (943) „Das Einsetzen des Feuers und die weiteren entsprechenden Handlungen finden beim täglichen Homa nicht statt.“ Wegen dieses Verbots in der Vasishthasamhita meinen andere, gerade beim täglichen Homa gebe es keine Feuerweihe. Wieder andere sehen angesichts von Gebot und Verbot eine freie Wahl, ebenso wie zwischen sechzehn und fünfundzwanzig Opfergaben. Der Verfasser des Sudharnava dagegen erklärt: Hier ist nur die im Nilatantra beschriebene Feuerweihe vorzunehmen, keine darüber hinausgehende, weil die besondere Aussage diese ausschließt. Damit endet das Verfahren des täglichen Homa.

Band II, S. 160, Beginn des Purashcharana und Zeugenanrufung 944–947
Deutsch: Kumbhasambhava sagt: (944) Dann fasse man den Sankalpa und vollziehe Purashcharana mit Sorgfalt. Im Merutantra: (945–947) Man beginne Purashcharana an einem günstigen Tag, wie er für Diksha genannt wurde. Zuerst verneige man sich vor den Gurus und Brahmanen und verehre Ganesha. Nach der Verkündigung des günstigen Tages spreche man mit Kusha-Gras in der Hand: „Sonne, Mond, Yama, Zeit, die beiden Tagesübergänge, die Elemente, Tag und Nacht, Wind, die Herren der Richtungen, Erde, Raum und die im Himmel wandelnden Unsterblichen: Folgt Brahmas Gebot und werdet hier gegenwärtig!“

Band II, S. 160, Angaben im Sankalpa 948–954
Deutsch: (948–950) Nach diesen Worten lege man Kusha-Gras, Sesam und unversehrte Reiskörner in ein Kupfergefäß und fasse nach Norden gewandt den Sankalpa. Man spreche die dreiundzwanzig Angaben aus, beginnend mit dem Jahr und endend mit dem eigenen Ziel: Jahr, Sonnenhalbjahr, Monat, Monatshälfte, die fünf Kalenderglieder, die Stellung der neun Planeten, die weiteren Tages- und Stundenangaben sowie die entsprechenden Unterteilungen des eigenen Landes und den Wunsch. [Eine Zeitangabe in Vers 950 ist im Druck beschädigt.] (951–953) „Auf diesem Kontinent, in diesem Teilgebiet, in diesem Landesteil, dieser Landschaft und diesem heiligen Bezirk“ – dann nenne man Gotra und Pravara, den eigenen Namen mit dem zur sozialen Gruppe gehörenden Namenszusatz, der Reihe nach Sharma, Varma, Gupta oder Dasa: „Ich wünsche die Siddhi dieses bestimmten Mantras und werde Purashcharana mit dieser Zahl von Japa-Wiederholungen vollziehen, von heute an innerhalb dieser Anzahl von Tagen, sofern kein Hindernis eintritt.“ (954) Den Entschluss „Ich werde es tun“ fasse man im Geist, spreche den Wunsch mit Worten aus und verwirkliche ihn durch die Tat.

Band II, S. 161, Fünfgliedriger Sankalpa und Kalasha 955–961
Deutsch: In der Sanatkumarasamhita: (955–956) Man spreche Pranava, „Das ist die Wirklichkeit, heute“, Monat, Monatshälfte und Mondtag, dann „Ich, mit diesem Namen, aus diesem Gotra“, und den Grundmantra. Danach, nach Osten oder Norden gewandt: „Im Wunsch nach der Siddhi dieses Mantras werde ich Purashcharana vollziehen: Japa in dieser Zahl, Feueropfer in einem Zehntel dieser Zahl, Tarpana in einem Zehntel der Homa-Zahl, Besprengung in einem Zehntel davon und Brahmanenspeisung in einem Zehntel davon.“ Im Naradapancharatra: (957) Nach der Verehrung verrichte man Japa bis zu zwei Praharas lang. Im Tantradipa: (958–959) Der Wissende errichte vorschriftsgemäß einen schönen Pavillon, stelle darin einen Kalasha auf und verehre mit heiligem Wasser. In den Krug lege er neun Edelsteine und die acht Duftstoffe, rufe darin die Gottheit samt ihrem Kreis herbei und verehre sie. (960–961) Vor dem Kalasha übe der Mantra-Praktizierende Japa, bis die Zahl erfüllt ist. Nach ihrer Vollendung komme der göttliche Guru herbei und übergieße den Kopf des Schülers vorschriftsgemäß mit dem Wasser des Kalasha. Danach erfreue der Schüler den Guru sorgfältig mit Geld und anderen Gaben. Gemeint ist: Man stelle den Kalasha nach der für Diksha beschriebenen Ordnung auf, rufe die Gottheit darin herbei, verehre sie nach Vermögen und übe Japa.

Band II, S. 161–162, Puja nach den eigenen Möglichkeiten 962–970
Deutsch: In der Purashcharanachandrika: (962–964) Diese und viele weitere Mittel der Puja sind dreierlei: vorzügliche, mittlere und einfache. Wer gesund und leistungsfähig ist, verwende die vorzüglichen; wer über mittlere Mittel verfügt, die mittleren, und wer wenig besitzt, die einfachen. Gerät jemand in Not, darf auch ein sonst Vermögender die einfachen Mittel verwenden, entsprechend der besonderen Puja sowie Ort und Zeit. (965–967) Nach eigenen Kräften, auf rechtmäßige und gesellschaftlich nicht anstößige Weise soll man handeln. Ein Sadhaka, der keine ausführliche Puja vollziehen kann, verehre die erwählte Gottheit mit den verfügbaren äußeren Gaben; oder er meditiere den Mantra der Gottheit und verehre sie so gründlich. Er kann auch eine geistige Puja oder die Verehrung des eigenen Selbst ausführen; oder der Verständige vollzieht allein eine äußere Puja. [Der Übergang zwischen Vers 965 und 966 ist im Druck syntaktisch verkürzt.] Ferner: (968) Nur wenn man zur jeweils vorherigen Form nicht fähig ist, wähle man die nachfolgende. Wer dies anders handhabt, hat eine unerwünschte Frucht zu erwarten. (969) Wer zur vollen Vorschrift fähig ist, sich aber mit einer Ersatzform begnügt, dessen mangelndes Verständnis bringt ihm keine jenseitige Frucht. Daher soll man die eigene Fähigkeit erkennen und einen entsprechenden Weg befolgen. Wer keinen Kalasha aufstellen kann, soll an einem Yantra oder einer anderen Darstellung Puja ausführen. Dazu heißt es im Siddhantasara: (970) Wer zum Aufstellen des Kalasha nicht fähig ist, verehre an einem Yantra und Ähnlichem. „Und Ähnliches“ umfasst Bildgestalten, Shiva-Linga, Shalagrama und weitere Verehrungsformen.

Band II, S. 162–163, Verehrungsorte und Yantra-Materialien 971–980
Deutsch: Dazu heißt es im Merutantra: (971–972) Für die Verehrung von Ganesha, Surya, Vishnu, Shiva und Devi werden zehn Orte vorgesehen: Shiva-Linga, Edelstein, Yantra, Shalagrama, Krug, Sonne, Opferplattform, Feuer, Scheitel und Herz. An diesen Orten soll man verehren. Eine unmittelbar auf dem bloßen Boden vollzogene Puja zerstört Nachkommenschaft, Lebensdauer und Vermögen. Dort heißt es weiter: (973) Nach der Verneigung vor dem Guru richte man das Puja-Chakra her. Eine goldene Unterlage macht Könige gefügig. (974) Ein silbernes Yantra schenkt Lebensdauer, Gesundheit und Wunscherfüllung; ein kupfernes gilt als Spender aller Herrlichkeit. (975) Ein klares Kristall-Yantra erfüllt Herzenswünsche; ein Rubin-Yantra schenkt Herrschaft, Genuss und Befreiung. (976) Ein Smaragd-Yantra vernichtet alle Feinde; ein Yantra aus drei Metallen gilt als Quelle aller Kräfte. (977) Weißes Sandelholz schenkt Frieden, rotes Sandelholz Gedeihen. Eine Unterlage aus Shriparni-Holz ist für Puja vorgesehen und schenkt Vermögen und Herrschaft. (978) Koralle bringt reichen Wohlstand, Birkenrinde vierfüßige Tiere; bei Stein aus der Gandaki sind Genuss und Befreiung nahe. (979) Ein mit Sindura-Pulver auf dem Boden gezeichnetes Yantra erfüllt alle Wünsche. Eines aus Blei, Bronze oder ähnlichen Stoffen nimmt Wohlstand und Nachkommenschaft. (980) Man soll es niemals auf einer Tafel, einem Tuch oder einer Wand aufstellen. Wird es aus Verblendung dort angebracht, zerstört es Vermögen und Familie. [Die Sonderregel für ein auf dem Boden gezeichnetes Yantra in Vers 979 steht neben der Warnung vor Puja auf bloßem Boden in Vers 972.]

Band II, S. 163, Maße und Gewicht des Yantra 981–985
Deutsch: (981–982) Die schöne Verehrungsunterlage soll von Osten nach Westen und von Süden nach Norden vier Fingerbreit messen und ein Pala wiegen. Man mache sie ringsum quadratisch und eine halbe Gerstenkorndicke hoch. Auf dieser Unterlage lasse man das Puja-Chakra herstellen. Im Ratnasagara: (983) Für Gold und ebenso Silber gilt das Maß von vier Fingerbreit; bei Kupfer ist die volle Zahl einzuhalten, bei Rubin und ähnlichen Stoffen nach Wunsch. [Welche volle Zahl bei Kupfer gemeint ist, bleibt hier unausgeführt.] Im Merutantra: (984) Bei Unterlagen aus Rubin und ähnlichen Edelsteinen ist ein kleineres Maß kein Fehler; bei Shriparni, Sandelholz und ähnlichen Hölzern ist ein größeres Maß kein Fehler. Abweichend dazu im Rudrayamala: (985) Ein Tola, zwei, drei oder vier Tola sind vorgesehen. Wer ein beliebiges Gewicht wählt, zieht einen Nachteil auf sich. „Beliebiges Gewicht“ bedeutet: Wenn sich das Yantra aus vier Tola Gold oder einem anderen Material nicht herstellen lässt, soll man nicht nach eigenem Belieben mehr verwenden.

Band II, S. 163, Beginn der Yantra-Einsetzung 986–987
Deutsch: Bei dieser Gelegenheit nennt das Merutantra das Verfahren zur Einsetzung eines Yantra mit dauerhaften Linien: (986) Man lasse die Einsetzung unter einem von günstigen Planeten besetzten Aszendenten mit förderlichen Eigenschaften vollziehen, wobei das eigene Mondhaus, der Mondtag und die übrigen Zeitmerkmale zu prüfen sind. Ferner: (987) Zuerst soll ein Brahmane mit den vedisch gelehrten Mantras die Entfernung der Feuereinwirkung vollziehen, besonders bei metallenen Yantras und Bildgestalten.

Band II, S. 164, Feuerreinigung und mehrtägige Weihe 988–992
Deutsch: (988) Die siebenstrophige Hymne beginnt mit den Worten über Agni, das Ross und die Kraft. Als Rishi wird Sapti genannt, als Versmaß Trishtubh und als Gottheit Agni. (989–990) Man rezitiere diese Hymne hundertmal ohne das Wort Agni und übergieße mit reinem Wasser; danach übergieße man unter hundert Wiederholungen der vollständigen Hymne. Dies gilt als Entfernung der Feuereinwirkung. Ferner: Zuerst übergieße man mit Honig, Ghee und Milch, danach mit Kokoswasser, (991–992) dann mit Wasser, das mit den den Lauten zugeordneten Heilpflanzen abgekocht wurde. Man rufe die Gottheit herbei, verehre sie und setze das Chakra zum bestimmten Aszendenten ein. Drei Nächte hindurch verehre man die Göttin zu den drei Tagesübergängen vorschriftsgemäß mit Düften, frischen Blumen, Räucherwerk, Lichtern, Speisegaben und Tarpana. [Die Hymne wird nur durch ihren Anfang bezeichnet, nicht vollständig zitiert.]

Band II, S. 164–165, Einsetzung nach dem Vamakeshvaratantra 993–1004
Deutsch: Im Vamakeshvaratantra sprach Bhairavi: (993) „O Mahadeva, durch deine Gnade habe ich von den verschiedenen Chakras gehört. Nun möchte ich die genaue Bestimmung der Einsetzungszeremonie hören.“ Shri Shankara sprach: (994) „Höre, o glückliche Göttin, Weltschöpferin, Kaulini, die vollständige Erklärung der Bestandteile der Yantra-Einsetzung. (995–997) Nach dem Bad fasse der Mantra-Praktizierende den Sankalpa und verehre den Guru. Dann bereite er Panchagavya und bespreche es mit dem Shiva-Mantra. Unter dem Pranava lege er das Chakra vollständig hinein, nehme es wieder heraus und setze es auf eine goldene Unterlage. Mit einer Kusha-Spitze berühre er das Yantra und bespreche es 108-mal mit der Gayatri, o Göttin, damit sein göttliches Wesen wirksam gegenwärtig wird. (998–999) Nach der eigenen Reinigung verehre er die Gottheit mit den sechs Gliedern, rufe Mahadevi herbei und vollziehe Jiva-Nyasa. Er verehre sie mit den sechzehn Gaben, den großen Mudras und weiteren Gesten sowie Früchten, Speisegaben und Betel. (1000–1001) Er schenke Seidenfäden und Ähnliches, Gewänder und Schmuck, Spiegel, Yakschweifwedel und Glocke nach Angemessenheit, o Maheshvari. Um das eigene Heil bemüht, bringe er all dies sorgfältig dar. Danach wiederhole er den Mantra tausendmal zur Erfüllung aller Wünsche. (1002–1003) Nach Darbringung der genannten weiteren Gabe [die Lesung „बल्ल्यादिकं“ ist unsicher] verneige er sich vor dem König der Chakras. Er bringe 108 Feueropfer dar und gebe das vom Opfer verbliebene Ghee auf das Yantra. Mit dem Grundmantra vollziehe er den Ritus an den Gliedern des Yantra. (1004) Ist er zum Homa nicht fähig, übe er doppelt so viel Japa. Er bringe eine Kuh, geschmückt mit goldenen Hornzierden und Weiterem, und gebe sie dem Guru als Dakshina. Danach folgt die Entlassung der Göttin.“

Band II, S. 165, Yantra-Gayatri und weitere Einsetzungsordnung 1005–1009
Deutsch: Dazu heißt es unter der im Druck sprachlich auffälligen Verknüpfung „Shivamantraprasada“ im Siddhantasangraha: (1005–1006) Man reinige das Yantra mit Panchagavya, bade es gesondert mit den fünf Nektarsubstanzen und übergieße es unter dem Grundmantra aus acht Krügen mit heiligem Wasser. Dann bespreche der Mantra-Praktizierende es 108-mal mit der folgenden Gayatri und ebenso oft mit dem Grundmantra: „Wir wollen den König der Yantras erkennen; über das große Yantra meditieren wir. Möge das Yantra uns anregen und erleuchten.“ (1007–1009) Danach rufe er die Gottheit herbei, setze die Lebenskräfte ein und verehre die erwählte Gottheit mit den sechzehn Gaben. Im geweihten Opferfeuer bringe er 1.008 Ghee-Gaben dar und gebe das verbleibende Opfer-Ghee auf das Yantra. Danach speise der Sadhaka Brahmanen, die er als Gottheiten betrachtet. In einem so vollendeten Yantra wird die Gottheit gegenwärtig.

Band II, S. 165, Dreitägige Weihe und Kaula-Sonderregel 1010–1012
Deutsch: Im Merutantra: (1010–1011a) Nach Anrufung und Verehrung setze man das Chakra zum bestimmten Aszendenten ein und verehre es mit Düften, frischen Blumen, Räucherwerk, Lichtern, Speisegaben und Tarpana. Drei Nächte hindurch verehre man die Göttin zu den drei Tagesübergängen und auch nachts. Nun die Besonderheit des linken Weges und des Kula-Weges: (1011b–1012) Die Anhänger des linken Weges sollen die Verehrung mit den fünf Makaras verbinden; die Kaulas vollziehen nachts Shakti-Puja und Duti-Yaga, die Verehrung mit der rituellen Gefährtin. Nachdem man dies drei Tage getan hat, gehe man zur täglichen Ordnung über.

Band II, S. 166, Einsetzung und Mantrakraft 1013–1020
Deutsch: (1013) So bewirkt die Ordnung der Göttinnen-Einsetzung ihre Gegenwart. Dieses Verfahren gilt für Frauen, Shudras, Anhänger des linken Weges und Kaulas. Ferner: (1014–1015) Die Anhänger des vedischen Weges begehen, den Pashus entsprechend, keine schweren Verfehlungen. Feuer ist höchst rein in seinem Wirken, der Brahmane ist rein – so wird Reinheit ausgesprochen. Durch leichte, unwissentlich begangene Verfehlungen, die die Sandhya-Verehrung vernichtet, werden sie nicht befleckt; daher heißen sie Pashus. [Der Wortlaut von Vers 1014 ist sprachlich auffällig; „Pashu“ bezeichnet hier einen traditionellen tantrischen Typus.] (1016) Kommt ein nach dem linken Weg verehrtes Yantra in ihren Blick, so beunruhigt dies seine Gottheit, und der Sadhaka wird verwirrt. (1017) Ein nach dem rechten Weg verehrtes Yantra strahlt wie Sonne und Feuer; es verbrennt den Blick der mit Verfehlungen Beladenen wie die Sonne den der Eulen. (1018) Wie die Menschen bei Sonnenaufgang alles sehen, so gilt das nach dem rechten Weg eingesetzte Yantra für tugendhafte Menschen. (1019–1020a) Die Gegenwart aller Gottheiten entsteht gewiss durch den Mantra. Der Mantra gleicht dem Samen, die Bildgestalt und andere Träger dem Körper. Selbst wenn alle Materialien bereitstehen, gibt es ohne Mantra keine Frucht.

Band II, S. 166–167, Bildmaße gemeinsame Puja und beschädigte Träger 1020–1029
Deutsch: Ferner: (1020b–1023) Haushälter sollen zu Hause eine Vishnu-Bildgestalt von zehn oder fünfzehn Fingerbreit verehren. Ein Shiva-Linga ist nach der Regel der fünf Maßlinien zu verehren; es schenkt Haushältern Genuss, Befreiung, Vermögen und Gesundheit. Seine Breite und Länge sollen gleich sein. Die Gleichheit der fünf genannten Maße von Linga, Linga-Schaft, Wasserablauf und Linga-Unterlage heißt die Fünflinienregel. [Die fünf Einzelmaße werden im verdichteten Wortlaut nicht zweifelsfrei abgegrenzt.] Dort heißt es auch: (1024–1025) Wer auf derselben Unterlage ohne gesonderte Puja ein Yantra verwendet und es in gemeinsamer Behandlung verehrt, zieht einen göttlichen Fluch auf sich. Wer eine Gottheit anruft, aber eine andere verehrt, oder die Puja mit dem Yantra einer anderen Gottheit ausführt, erfährt den Fluch der Gottheit. (1026) Werden mehrere Bildgestalten auf einer Unterlage verehrt, sind Sandelholz und Blumen gesondert darzubringen, Räucherwerk, Licht und Ähnliches gemeinsam. „Tantra“ bedeutet hier die gemeinsame Ausführung ohne Trennung. (1027–1028) An zehn solcherart ungeeigneten Trägern werden die Himmlischen nicht gegenwärtig: zerbrochenen, rissigen, verbrannten, aus ihrer Stellung geratenen, maßwidrigen, verunstalteten, von einem ungeeigneten Tier berührten, auf unreinen Boden gefallenen, mit einem fremden Mantra verehrten oder durch die Berührung eines Ausgestoßenen verunreinigten. Dort heißt es auch: (1029) Wer nicht weiß, wie die Gottheit in Mantragestalt das Yantra durchdringt, dessen Verehrung und alle weiteren Handlungen bleiben vergeblich, o Shambhavi.

Band II, S. 167–168, Bedeutung und Zeichenstoffe des Yantra 1030–1039
Deutsch: Die Bedeutung des Wortes Yantra wird dort erklärt: (1030) Weil es alle aus Begierde, Zorn und ähnlichen Mängeln entstandenen Fehler zügelt, heißt es Yantra. Die darin verehrte Gottheit ist erfreut. In der Purashcharanachandrika: (1031–1032a) Man zeichne das vorzügliche Yantra mit dem im jeweiligen Ritualtext vorgeschriebenen Stoff auf eine goldene, silberne oder kupferne Unterlage, auf Birkenrinde, einen anderen Träger oder den Boden. Wird Puja ohne Yantra vollzogen, ist die Gottheit nicht erfreut. Die Zeichenstoffe nennt das Merutantra: (1032b–1035) Auf dem rechten Weg zeichne man das Puja-Yantra mit den jeweiligen acht Duftstoffen oder mit Safran, Kampfer und Rochana. Auf dem linken Weg kann man das Yantra mit der „ersten Blüte“, einer rituellen Bezeichnung für Menstruationsblut, zeichnen; nach sechsmonatiger Verehrung erlangt man rasch Siddhi. Ist dies nicht vorhanden, wird Büffelblut gepriesen. Fehlt auch dieses, verwende man eine Aparajita-Blüte und gebe darüber angeriebenes rotes Sandelholz. Im Svatantratantra: (1036–1037) Auf Gold, Silber, Kupfer, Stein oder acht Metallen verwende man die Duftmischung aus „selbstentstandener Blüte“, den als Kunda und Gola bezeichneten Herkunftsstoffen, Rochana, Aguru, Safran, Moschus, Kula und dem aus Malaya stammenden Sandelholz. Diese Mischung wird als Chandika stets lieb bezeichnet. [Mehrere Bezeichnungen sind rituelle Decknamen; ihre genaue stoffliche Zuordnung ist in dieser Passage nicht erklärt.] Mit dieser Duftmischung zeichne man das Yoni-Chakra. „Dies ist Samenflüssigkeit.“ [Diese knappe Stoffglosse steht im Druck an dieser Stelle.] Im Rudrayamala: (1038–1039) Danach soll der Yogi das Yantra mit Kumkuma und Sindura herstellen. Auf einem goldenen, silbernen, kupfernen, kristallenen oder korallenen Chakra sollen die vorzüglichen Menschen die Göttin nach der genannten Vorschrift verehren.

Band II, S. 168, Dauer Formen und Hingabe 1040–1048
Deutsch: Im Sarasangraha: (1040–1041) Ein kupfernes Yantra gilt zwölf Jahre, eines aus Kristall und ähnlichen Stoffen dauerhaft. Unter ihnen schenkt das kristallene alle Siddhis. Ein goldenes gilt lebenslang, ein silbernes zweiundzwanzig Jahre, o Geliebte, ein kupfernes zwölf Jahre, eines auf Birkenrinde halb so lange. Dies bezieht sich auf Yantras mit dauerhaften Linien. Auch im Rudrayamala: (1042) Bei Kupfer wird eine hunderttausendfache, bei Silber eine zehnmillionenfache Frucht genannt. Gold schenkt grenzenlose Frucht; was soll ich dir erst über Edelsteine sagen? (1043–1044a) Bei einem Yantra aus Koralle, Rubin, Saphir, Katzenauge, Kristall oder Smaragd erlangt man gewiss Vermögen, Söhne, Ehepartner und Ansehen, o Geliebte. Im Gauriyamala: (1044b–1046a) Es gibt vier Aufbauformen des Chakra: die flache, die Schildkröten-, die Lotus- und die Meru-Form. Die Verbindung vertiefter Linien habe ich als flache Form bezeichnet; bei Schildkröten- und Lotusaufbau sind die Linien erhöht. Im Sautramanitantra: (1046b) Gerade Linien bringen Glück und Wohlstand, krumme Linien Armut. Im Kularnava: (1047) Durch die dem ursprünglichen Vorbild entsprechende Gestalt des Bildes, besonders durch die Verehrung und durch das Vertrauen des Sadhaka entsteht die Gegenwart der Gottheit. Im Yamala: (1048) Nachdem man das Yantra so hergestellt hat, verehre man darin die Göttin.

Band II, S. 169, Sammlung und lebendiger Mantra 1049–1053
Deutsch: „Die Göttin“ ist hier ein Beispiel; gemeint ist die eigene erwählte Gottheit. Das Verfahren der Puja wurde bereits im Taraṅga über Diksha erklärt. Im Kularnava: (1049) Wenn der Geist anderswo ist, Shiva anderswo und Shakti und Lebenswind wiederum anderswo, kommt keine Vollendung zustande, o Schönhüftige, selbst in unzähligen Weltaltern. (1050) Wer den Sinn des Mantras, sein lebendiges Bewusstsein und die Yoni-Mudra nicht kennt, erlangt selbst durch eine Milliarde Wiederholungen keine Siddhi. (1051) Mantras, deren Bija verloren ist, werden keine Frucht schenken, o Geliebte. Mit Bewusstsein erfüllte Mantras gelten dagegen als Spender aller Siddhis. (1052) Mantras ohne Bewusstsein werden als fruchtlos bezeichnet; ebenso Mantras, die mit den beiden Sutakas, den rituellen Verunreinigungen bei Geburt und Tod, verbunden sind. Den Sinn des Mantras soll man aus dem Mund des Gurus erfahren. Das Mantra-Bewusstsein wird noch erklärt. Die Yoni-Mudra wurde im zweiten Taraṅga erläutert. Das Verfahren zum Erkennen der Sutakas und der übrigen Zustände steht ebendort: (1053) Am Anfang besteht das Geburts-Sutaka, am Ende das Todes-Sutaka. Ein Mantra, der mit diesen beiden verbunden ist, gelangt nicht zur Siddhi.

Band II, S. 169–170, Geburt und Tod des rituellen Mantras 1054–1061
Deutsch: (1054) Die Meditation über Guru und Kundalini wird Hochzeit genannt. Das Bad gilt als die zweite Heimkehr der Braut, die Sandhya als Vereinigung. (1055) Die Arghya-Darbringung entspricht der Empfängnis, die Gayatri dem achten Schwangerschaftsmonat. Von Bhuta-Shuddhi bis zum Einsetzen des Prana werden die Glieder gebildet. (1056) Durch Matrika entsteht der verkörperte Träger; Pranayama ist seine Heiligung. Dhyana und Aussprechen gelten als Geburt des Kindes, o Maheshani. (1057–1058) Beim Aussprechen des Mantras entsteht daher das sogenannte Geburts-Sutaka. Um diesen Fehler zu beruhigen, wiederhole man nach Vermögen zehn-, zwanzig- oder fünfzigmal, o Shive. Dies ist für den Anfang angeordnet. Höre nun aufmerksam vom Tod. (1059–1060) Danach werden das Erkennen der Glieder und das Einswerden mit ihnen genannt. Die Entlassung gilt als Todes-Sutaka, o Maheshani. Zu seiner Beruhigung wiederhole man zehn- oder zwanzigmal. Dadurch wird es zweifellos aufgehoben. Oder: (1061) Man setze das Brahma-Bija an Anfang und Ende des Mantras und wiederhole ihn siebenmal, um beide Sutakas zu lösen, o höchste Herrin. Das Brahma-Bija ist der Pranava.

Band II, S. 170, Schlaf und Erwachen des Mantras 1062–1063
Deutsch: Nun die Zeiten des Schlafens und Erwachens der Mantras, im Pancharatra: (1062–1063) Zur Schlafenszeit des Mantras trägt Japa keine Frucht. Bei einem feurigen Mantra gilt der links fließende Atem als Schlafzeit, der rechts fließende als Wachzeit. Bei einem lunaren Mantra ist es umgekehrt. Wenn beide Atemwege tätig sind, erkenne man dies für beide Arten als Wachzeit. Mantras gelten hier als feurig, Vidyas als lunar. Der Unterschied zwischen Mantra und Vidya wurde im ersten Taraṅga erklärt.

Band II, S. 170, Mantra-Flamme und Mantra-Bewusstsein 1064–1071
Deutsch: Nun die Erkenntnis der Mantra-Flamme, in einem anderen Tantra: (1064–1067) Höre, o Göttin, die höchste Wahrheit, das Vorzüglichste aller Erkenntnis. Sobald man sie erkennt, zeigt sich die Vidya rasch gnädig. Die Shakti im Wurzelbecken hat die Gestalt einer Schlange; der Wind ihrer wirbelnden Bewegung wird Prana genannt. Sie lässt ihn zurück, erhebt sich plötzlich mit einem undeutlichen, süßen Klang, geht durch das Brahmarandhra und tritt wieder in den Körper ein. In diesem Hin- und Hergehen lasse man den Geist aufgehen. (1068) Dadurch entsteht die Mantra-Flamme, die alle Mantras erhellt, wie in einem von Dunkelheit erfüllten Haus etwas sichtbar wird. [Das Gleichnis ist im vorliegenden Wortlaut knapp und auffällig.] (1069) Die Unterweisung über diese Flamme wird überall geheim gehalten, o höchste Herrin. Ohne sie gäbe es selbst in unzähligen Jahren keine Siddhi. Deshalb soll man die Flamme des Mantras sorgfältig vergegenwärtigen. Nun das Mantra-Bewusstsein, ebenfalls dort: (1070) Die Gottheit hat die Gestalt des Mantras; der Guru hat die Gestalt der Gottheit; das Selbst hat die Gestalt des Gurus; der Mantra hat die Gestalt des Selbst. (1071) So habe ich dir, o Göttin, das höchste Mantra-Bewusstsein erklärt. Allein aus seiner Erkenntnis entsteht die höchste Erkenntnis der Nichtzweiheit.

Band II, S. 171, Kulluka Setu Mahasetu und Nirvana 1072–1082
Deutsch: Nun Kulluka, im Yamala. Shri Devi sprach: (1072) „Erkläre mir jetzt die Entstehung der Kulluka. Wie ist Kulluka beschaffen, o Herr, und wie Setu, o Gott? (1072, im Druck erneut so gezählt) Wie ist Mahasetu, und wie Nirvana? Und was immer du mir sonst genannt hast: Sage mir, wie es beschaffen ist, o Herr.“ Shri Shiva sprach: (1073–1074) „Auch dieses Geheimnis werde ich dir erklären, o Göttin. Höre nun, ohne welches Japa und die übrigen Handlungen fruchtlos bleiben. Höre von Kulluka, Setu, Mahasetu, Nirvana und Kundali sowie ihrer Entstehung, o Geliebte. [Die zusammengezogene Aufzählung in Vers 1074 enthält eine unklare Sechserangabe, während später Kundali ausdrücklich als fünfte genannt wird.] (1075–1076) Weil sie im Kula der Vidyas verehrungswürdig ist und die mit den Vidyas verbundenen Fehler verzehrt, o Shive, heißt sie Kulluka und wird in allen Tantras geheim gehalten. (1076–1078) Wodurch man den Ozean der Vidya-Siddhi überquert, das wird Setu, Brücke auf dem Weg der Vidya, genannt. Mahasetu, die große Brücke, zeigt das Erlangen der Mahavidya und offenbart das Bewusstsein des Ozeans der Mahavidyas; sie trägt deren eigene Gestalt. (1079–1081) Was als das Nirvana und Bewusstsein der Gottheit bezeichnet wird, wird mit den Lauten der Vidya, der Rede und der Matrika ausgedrückt. Nirvana besitzt eine viergliedrige Gestalt und gilt als Wesen des höchsten Brahman, o höchste Herrin. Es wird als vierter Schritt der Vidya genannt. Als Fünfte kommt die Göttin Kundali; vernimm sie genau: (1082) Vom Muladhara bis zum genannten oberen Ende [die Ortsbezeichnung ist beschädigt] erstreckt sie sich, feiner als eine Lotusfaser, in Gestalt aller Gottheiten und alle Laute erhellend.“ [Die Beschreibung setzt sich im nächsten Vers fort.]

Band II, S. 172, Kulluka von Kali und Tara 1083–1089
Deutsch: „Die Göttin Mahakundalini, die höchste gewundene Kraft, wird so vergegenwärtigt.“ [Das gedruckte Beiwort „समलीं“ bleibt unklar.] Shri Devi sprach: (1083) „Erkläre der Reihe nach das Verfahren der Kulluka für die zehn Vidyas.“ Shri Shiva sprach: (1084) „Kalis Kulluka wird als fünfsilbig beschrieben; genannt werden Kali, Kurcha und Dhuma, mit der trennenden Endsilbe als Schluss, o höchste Herrin. [Die verdichtete Formelbildung wird nicht durch vermutete Silben vervollständigt.] (1085–1086) Der Rishi heißt Aghora, das Versmaß Virat; die Gottheit ist Kulluka-Kali. Maya gilt als Bija, Kama als Shakti und Kurcha als Schlüssel. Der Nyasa der sechs Glieder erfolgt mit Kama, verbunden mit den sechs langen Vokalen. (1087) Dhyana, Puja und alle weiteren Handlungen vollziehe man wie bei Kalika. Maya, Vadhu und Kurcha gelten als Tarinis Kulluka. (1088–1089) Deren Rishi ist Virupaksha, ihr Versmaß Ushnih und ihre Gottheit Nila-Tarini. Kurcha ist das Bija, Maya die Shakti und Vadhu der Schlüssel. Mit Maya werden die sechs Glieder eingesetzt; alles Weitere entspricht Nila-Sarasvati.“

Band II, S. 172, Tara und der Name Haris 1090–1093
Deutsch: Im Trishaktiratna: (1090) Wer den Tarini-Mantra wiederholt, ohne vorher den Kulluka-Mantra wiederholt und Haris, des Gemahls der Shri, gedacht zu haben, versinkt in der Hölle. (1091) Der Verständige wiederhole zuerst den Kulluka-Mantra 108-mal, danach den Tarini-Mantra; anders erlangt er keine Siddhi. Nach der Darlegung des tausendnamigen Lobgesangs mit dem Titel Kulasarvasva heißt es: (1092) „Man soll Haris Namen nicht aussprechen und kein Tulasi-Blatt berühren.“ Diese Aussage ist auf den Vira-Weg zu beziehen. Die im genannten Lobgesang enthaltenen Namen Haris auszusprechen ist jedoch auch im Vira-Ritual nicht verboten. Denn dort heißt es ausdrücklich: (1093) „Die Namen des Feindes von Mura, die hier im Zusammenhang vorkommen, dürfen ausgesprochen werden, o Glückliche; andere jedoch niemals.“

Band II, S. 172–173, Kulluka von Chhinnamasta und Sundari 1094–1100
Deutsch: Im Yamala: (1094–1096) Chhinnamastas Kulluka ist achtsilbig, o Maheshani. Man spreche die Anrede Vajravairochani und am Ende das Panzer-Bija. Der Rishi heißt Atikala, das Versmaß Gayatri. Die ausdrücklich aufgeführten nasalierten Ha- beziehungsweise Hu-Silben sind Bija und Shakti; Rochani gilt als Schlüssel. Mit Shiva, verbunden mit den sechs langen Vokalen, vollziehe man den Nyasa der sechs Glieder. Dhyana, Puja und alles Weitere entsprechen Chhinnamasta. (1097–1100) Sundaris Kulluka wird als zwölfsilbig bezeichnet, o Göttin. Man spreche Vagbhava, Kamaraja und Lajja, dann die Anreden Tripura und Bhagavati und am Ende das durch zweimal ṭha bezeichnete Schlusswort. Ihr Rishi ist Anandabhairava, ihr Versmaß Gayatri, ihr Bija Vagbhava, ihre Shakti Lajja und ihr Schlüssel das Kama-Bija. Die Gottheit ist Tripureshi; die sechs Glieder werden mit drei Paaren eingesetzt. Dhyana, Puja und alles Weitere vollziehe man wie bei Sundari.

Band II, S. 173–174, Weitere Kullukas und ihre Orte 1101–1109
Deutsch: (1101–1103) Beim Shri-Bhairavi-Mantra dient das erste Bija der wohlstandschenkenden Form. Der Rishi heißt Vikarala, das Versmaß Pankti; die Gottheit dieser Kulluka ist Bhairavi. Das nasalierte Ha ist Bija, das nasalierte Sa die große Shakti, der Mantra selbst gilt als Schlüssel. Mit dem Bija, verbunden mit den sechs langen Vokalen, vollziehe man den Nyasa der sechs Glieder. Höre nun der Reihe nach von Matangi, Bagala, Lakshmi, Dhuma und Uchchhishta. (1104–1105) Pranava, Kurcha und Narasimha bilden die Kulluka dieser fünf. Ihr Rishi heißt Bhairava; die Versmaße und die Zuordnungen von Gottheit, Bija und Weiterem folgen jeweils der eigenen Gottheit, o Parvati. Dhyana, Puja und alle übrigen Handlungen vollziehe man entsprechend ihr. (1106–1108) So habe ich dir Kulluka kurz erklärt, o Göttin. Wer sie nicht kennt und unverständig Japa übt, stirbt rasch; seine Siddhi geht verloren, die Mantras wenden sich ab und ihre Kraft geht verloren. Japa und alles Weitere bleiben zweifellos fruchtlos. Deshalb wiederhole man Kulluka mit aller Sorgfalt am Scheitel. Im Rudrayamala: (1109) Man vergegenwärtige Kulluka am Scheitel, Setu im Herzen, Mahasetu im Vishuddha und erhebe es zum Sahasrara; Nirvana vergegenwärtige man im Manipura, Mahakundalini unten. [Die Verbindung der beiden Ortsangaben zu Mahasetu bleibt im Druck knapp.]

Band II, S. 174, Setu und Mahasetu 1110–1117
Deutsch: Nun Setu. Im Merutantra: (1110) Für Zweimalgeborene gilt Pranava als Setu der Mantras; für die übrigen der vierzehnte Vokal, verbunden mit Mondzeichen und Nasalierung. Oder nach dem Rudrayamala: (1111) Für Brahmanen und ebenso Kshatriyas ist Pranava die Brücke, für Vaishyas die trennende Silbe, für Shudras Maya. (1112) Wer den Mantra spricht, ohne zuvor Setu im Herzen wiederholt zu haben, besitzt keine Berechtigung zu den Mantras, o Herrin der Götter. (1113–1114) Sundaris Mahasetu ist Bhuvaneshvari, Kalikas ihr eigenes Bija, Taras das Kurcha-Bija. Für die übrigen ist das Vadhu-Bija Mahasetu, o Schönangesichtige. Zuerst wiederhole man Mahasetu, dann den Mantra mit ungeteiltem Geist. (1115) Ein solcher Praktizierender gleicht an Vermögen Kubera, an Rede dem Herrn der Sprache, an Einsicht Kritanta und für Frauen dem Liebesgott. Jede Zeit wird für ihn zweifellos zur Japa-Zeit. Im Merutantra: (1116) Wie Wasser ohne Damm augenblicklich in die Tiefe abfließt, so entweicht auch der Mantra der Opfernden ohne Setu sogleich. (1117) Deshalb sollen die Angehörigen der vier sozialen Gruppen, beginnend mit den Zweimalgeborenen, bei allen Mantras Setu an beide Seiten setzen und so Japa vollziehen.

Band II, S. 174, Beginn des Nirvana-Verfahrens 1118–1119
Deutsch: Nun Nirvana, im Rudrayamala: (1118–1119) Nun werde ich Nirvana erklären. Höre aufmerksam, o Makellose. Zuerst spreche man Pranava, dann den Anfang der Matrika. Danach den Grundmantra, o Maheshani, dann Vagbhava, die ganze Matrika und nochmals Pranava. [Die Anwendung dieser Einrahmung folgt im nächsten Vers.]

Band II, S. 175, Nirvana 1120–1126
Deutsch: 1120–1121: Den auf diese Weise umschlossenen Grundmantra soll man im Manipura rezitieren. Wer, o Herrin, dieses Nirvana-Verfahren nicht kennt, erlangt selbst in hundertmal zehn Millionen Jahren keine Siddhi. 1121–1123: Deshalb, o große Herrin, soll man das Gesagte mit aller Sorgfalt vorschriftsmäßig ausführen und den unübertrefflichen Mantra rezitieren. Rishi, Versmaß, Gottheit, Bija, Shakti und Kilaka soll man aufmerksam im Bewusstsein vergegenwärtigen; danach rezitiere man den Mantra der eigenen erwählten Gottheit und die zugehörigen Formeln. 1123–1124: Rezitiert der Mantraübende auf diese Weise den unübertrefflichen König der Mantras, so erlangt er nach sechs Monaten Siddhi; daran soll kein Zweifel bestehen. Er selbst ist dann wahrhaft Herr der Welten, daran ist kein Zweifel. 1125: Gesegnet ist er, ein Wissender, ein Kenner des Wesens der Mantras. Befriedet wandelt er nach seinem Wohlgefallen auf Erden; schon bei seinem Anblick fliehen die Feinde. 1126: Wer auf diese Weise den vom Pranava umschlossenen Mantrakönig rezitiert, o du von der Welt Verehrte, nachdem er dessen Nirvana und die Kullukas rezitiert hat, dem liegen die ganze Welt und die acht Siddhis in der Hand. Aus Zuneigung wurde dieses geheime Wort gesprochen, für Geburt um Geburt. [Die Wortverbindung vor „die ganze Welt“ ist im Druck beschädigt; der Zusammenhang ist hier nur soweit verständlich wiedergegeben.]

Band II, S. 175, Zungenreinigung 1127–1130
Deutsch: Nun die Mantras zur Reinigung der Zunge. Im Yamala: 1127–1128: „Ich werde noch ein anderes, vorzügliches Verfahren der Zungenreinigung erklären. Wird es nicht vollzogen, o große Göttin, bleiben Japa und Puja vergeblich. Wer mit ungereinigter Zunge rezitiert, begeht Unrecht. Deshalb soll man die Zungenreinigung mit aller Sorgfalt ausführen.“ 1129: Die ehrwürdige Göttin sprach: „Gott der Götter, großer Gott, Dreizackträger, Träger des Pinaka-Bogens, Schatz des Mitgefühls! Erkläre mir für jede Vidya gesondert die glückverheißende Reinigung des Mundes.“ 1130: Der ehrwürdige Shiva sprach: „Shri-Bija, Pranava, Lakshmi, Tara, Shri und Pranava: Diese sechssilbige Vidya der Sundari soll man zehnmal rezitieren.“ [Die Bijas werden hier durch ihre überlieferten Bezeichnungen angegeben.]

Band II, S. 176, Gottheitsspezifische Mundreinigung 1131–1138
Deutsch: 1131–1132: „Höre, Schöngestaltige, die vorzügliche, Bhairava genannte Mundreinigung: Pranava, das Bija hasau und Pranava, o von den Göttern Verehrte. Diesen dreisilbigen Mantra rezitiere man zu Beginn zehnmal. Höre nun, Schöne, die vorzügliche Mundreinigung der Shyama. 1133–1134: Dreimal ihr eigenes Bija, sodann dreimal Pranava; dreimal Kama, verbunden mit Feuer, Bindu und dem Rati-Bija. Diese neunsilbige Vidya reinigt die Zunge. [Die gedruckte Aufzählung lässt sich nicht eindeutig mit der angegebenen Silbenzahl vereinbaren; eine ausgefaltete Formel wird deshalb nicht ergänzt. Eine Lesart ersetzt „dreimal Kama“ durch „Kama-Buchstabe“.] 1134–1135: Höre, Schöngestaltige, Taras einzigartige Mundreinigung: Jivini, Bhuvana, Lajja und danach Bhuvaneshi, Geliebte. Diese dreisilbige Mahavidya ist als eine zu erkennen, die Unsterblichkeitsnektar regnen lässt. [Auch hier stehen im Druck vier Bezeichnungen neben der Angabe „dreisilbig“.] 1136: Höre die vorzügliche Mundreinigung Durgas: Man nehme den zwölften Vokal, verbinde ihn mit Bindu und verwende ihn dreimal. 1137: Noch eine weitere werde ich erklären: Bagalas Mundreinigung. Vagbhava und Vag-Bija, o Herrin der Welten, von den Göttern Verehrte. [Ob „Herrin der Welten“ zugleich eine Bija-Bezeichnung ist, bleibt an dieser Stelle offen.] 1138: Matangis Reinigung besteht aus Ankusha, Vagbhava und nochmals Ankusha-Bija. Dies ist als dreisilbige Formel zu erkennen.“

Band II, S. 176, Mundreinigung und ihre Notwendigkeit 1139–1144
Deutsch: 1139–1140: „Lakshmis Reinigung, o Göttin mit dem Lotusantlitz, ist das Shri-Bija. Man nehme Pranava und das mit dem linken Ohr geschmückte Danta, dann nochmals Pranava; dies gilt als dreisilbige Formel. [Die Folge der beiden Angaben und die genaue Auflösung der Lautbezeichnung Danta bleiben unklar.] Bei Bala und den anderen Göttinnen dient Pranava als Mundreinigung. 1141: Für Frauen und Shudras geschieht die Reinigung mit dem Laut au, o große Herrin. Allein durch die Mundreinigung wird die Zunge von Amrita erfüllt. 1142–1143: Andernfalls bleibt sie mit Unreinheit und Kot behaftet. Durch Essen, durch unwahre Rede und durch Streit wird die Zunge verunreinigt; wie sollte man damit einen Mantra rezitieren? Ohne ihre Reinigung ausgeführt zu haben, soll der Unwissende niemals rezitieren. 1144: Sie ist für alle Shaivas, Shaktas und Vaishnavas notwendig. Wer aber aus Verblendung ohne sie den Mantra rezitiert, o Strahlende …“ [Der Satz wird in Vers 1145 fortgesetzt.]

Band II, S. 177, Abschluss Zungenreinigung 1145–1149
Deutsch: 1145–1146, Fortsetzung: „… für den bleibt alles vergeblich, o Göttin; Mantrasiddhi entsteht nicht. Am Ende gelangt er in die Hölle; so geschieht es und nicht anders. Selbst ein Gott, der ohne Mundreinigung einen Mantra rezitierte, würde fallen; wie viel mehr gilt dies für die Sterblichen!“ Im Gautamiya: 1147: „Im Pashu-Zustand sind Mantras lediglich Buchstaben. Mit ihrem jeweils eigenen Klang ausgesprochen erlangen sie Wirkmacht. 1148: Man stelle sich die Mantrasilben als in Kot und Urin eingebettet vor. Im höchsten Raum, der höchster Unsterblichkeitsnektar heißt, vergegenwärtige man das eigene wahre Sein, auch ohne Puja, Homa und dergleichen.“ [Der Bezug von „jene“ im Sanskrit ist grammatisch unklar; die Verknüpfung dieser beiden Vorstellungen bleibt unsicher.] Im Rudrayamala: 1149: „Ein Mantra, dessen Japa ein anderer hört, heißt leer: eine Schlange, die von Rishi, Versmaß und Gottheit verlassen ist.“

Band II, S. 177, Kenntnis der Mantraglieder 1150–1155
Deutsch: Nun die Kenntnis der Glieder der Mantras. Im Vishuddheshvara und anderen Werken heißt es: 1150–1152: „Hat man den Mantra beim Guru empfangen, so soll man sich ganz der Guru-Hingabe widmen. Nachdem man Ohr, Mund, Herz, Augen und Lebensatem des Mantras ihrem Wesen nach erkannt und sorgfältig auch seinen Kilaka verstanden hat, führe man das Purashcharana aus. Pranava gilt als das Ohr der Mantras, der Laut ra als ihr Mund. Die Vokale gelten den Mantrakennern als ihre Augen; die übrigen Buchstaben heißen ihr Herz.“ Im Bija-Lexikon des Bhutadamara und Yakshadamara: 1153: „Aus der Kenntnis von Ohr, Herz und Augen des Mantras entstehen unmittelbar Befreiung und Gelingen aller Verfahren; der Sadhaka ist wahrhaft Shiva selbst.“ [Das letzte Beiwort ist im Druck unklar.] 1154–1155: „Wer den Mantra lediglich übernimmt, ohne Ohr und übrige Glieder zu kennen, erleidet Armut, Unglück, Hölle und Schande für sein Geschlecht. Elend, von großem Leid getroffen, besiegt, von Feinden bedrängt und trauernd: Der Mantraübende mit bekümmertem Geist soll die Kenntnis des Ohrs und der übrigen Glieder erwerben.“

Band II, S. 178, Lautglieder und ihre Zuordnung 1156–1167
Deutsch: 1156: „Wer durch seine tiefe Hingabe vom Guru Kenntnis des Ohrs und der übrigen Glieder empfängt, hat sein Ziel erreicht: ein untadeliger Mantraübender, in den drei Welten verehrt.“ Ferner: 1157–1158: „Laya ist ihr Ohr, Asrij ihr Mund, Shunya ihr Herz, Sena ihre Augen; fehlen Garjini und Dhumrabhairavi, gelten die Vokale als Augen. Die Grundsilbe wird als Mund bezeichnet, die Vokalkräfte als Herz. Bei Anfang, Mitte und Ende gilt beim Fehlen des jeweils Früheren das folgende.“ [Diese gedrängte Zuordnung bleibt teilweise syntaktisch unsicher; die Lautnamen werden anschließend im Quelltext erklärt.] Ferner: 1159–1160: „So werden Mund, Herz und Augen in den Mantras der Sonne, Ganeshas, Durgas, Shivas, Vishnus und der Bhutas kenntlich. Die Untersuchung betrifft die Grundsilbe; Grundsilbe wird das Bija genannt. Enthält ein Bija Visha, ist die Untersuchung an Visha vorzunehmen.“ Ferner: 1161: „Hierdurch sind Herz, Augen, Mund und Lebensatem sämtlicher Mantras zu erkennen, die in allen Tantras geheim gehalten werden. 1162: Im Bija haben alle Rakta als Mund, die Grundsilbe als Herz, die Vokale als rechtes und linkes Auge; Chandi und Vikala werden als mittlere genannt. [Die Zuordnung der letzten beiden ist unklar.] 1163: Fehlt ein Bija, hat der Mantra Vidyut als Auge, Manohara als Mund, die Grundsilbe als Herz, Dandin als Lebensatem und die Vokalkräfte. [Deren genaue Funktion bleibt in der gedrängten Satzfolge offen.] 1164: Bei den Chintamani und Narasimha genannten Mantras sind Augen, Mund, Atem, Herz und Ohren zu bestimmen; besteht ein Mantra aus einer Bija-Silbe, ist diese selbst all das. 1165: Wo Vikala vor dem Hauptglied beziehungsweise seiner Gruppe erscheint, erkenne man sie als Auge, und das mit Blut Besprengte als Mund. [Die Wortverbindung zur Stellung von Vikala ist unsicher.] 1166: Bei einem Mantra ohne Rakta wird die Grundsilbe als Mund bestimmt. Vidyut wird als Auge bezeichnet; Vikala steht ohne Chandi. 1167: Fehlen Herz, Mund und Atem, ist Vidyut selbst Mund, Herz und Auge. Ein Mantra ohne Ohr verursacht körperliche Mühsal und Hindernisse.“

Band II, S. 178–179, Erläuterung der Mantraglieder 1168–1170
Deutsch: Ferner: 1168–1169: „Nachdem er die Gestalt im Herzen eingesetzt hat, fest im Geist und gesammelt, schaut der Sadhaka auf die eigene Nasenspitze, ohne nach den Himmelsrichtungen zu blicken. Er zieht den Geist von den Sinnesgegenständen zurück und schaut mit seinem ganzen Wesen. Daher heißt es Laya-Ohr; anders soll er nicht hören.“ [Die abschließende Formulierung ist im Druck schwer verständlich.] Erläuterung der Lautnamen: Asrij bezeichnet ra; Shunya ha; Sena den Visarga; Garjini i; Dhumrabhairavi ī; Visha den Pranava; Rakta ra; Chandi den Visarga; Vikala den Anusvara; Vidyut a; Manohara svāhā; Dandin ya. Das Chintamani-Bija und das Narasimha-Bija werden später erklärt. „Mit Blut besprengt“ bezeichnet ra. Über das Verhältnis zwischen Gottheit und Mantra als Bezeichnetem und Bezeichnendem heißt es in einem anderen Tantra: 1170: „Alle Mantras beruhen auf dem Verhältnis von Bezeichnetem und Bezeichnendem. Die Gottheit, zu der ein Mantra gehört, ist das Bezeichnete; der Mantra ist das Bezeichnende.“

Band II, S. 179, Beginn des Japa 1171–1178
Deutsch: Nun der Beginn des Japa. Im Merutantra: 1171–1172: „Nachdem man Guru, Ganapati, Durga und die Muttergöttinnen verehrt und Puja ausgeführt hat, vollziehe man mit dem eigenen Grundmantra dreimal Pranayama. Man führe den Nyasa des Rishi und der übrigen Glieder sowie den Mantra-Nyasa aus, lege die Mala in ein Gefäß und meditiere im Herzen über die Gottheit.“ Im Uttaratantra: 1173: „Zu Beginn des Japa verehre man die Mala, nachdem man sie sorgfältig mit Wasser besprengt und in das Mandala oder in die linke Hand gelegt hat. Die Besprengung der Mala soll mit dem Mantra der erwählten Gottheit geschehen.“ Im Merutantra: 1174–1175: „Nach der Besprengung mit Arghya-Wasser bete man zu ihr: ‚Om, mam! O Mala, Mahamaya, Verkörperung aller Shaktis! Die vier Lebensziele ruhen in dir; schenke mir deshalb Siddhi.‘ Nach ihrer Verehrung nehme man die Mala in die rechte Hand. 1176–1177: Zuerst spreche man das Bija Ganapatis und danach: ‚Mache es frei von Hindernissen, o Mala!‘ Dann nehme man sie in die rechte Hand und denke an Shiva. Den Guru vergegenwärtige man am Scheitel mit seiner Farbe und den übrigen Merkmalen. 1178: Den Mantra meditiere man in der Kehle, gelb und golden leuchtend; Mahamaya im Herzen und sich selbst zu Füßen des Gurus.“

Band II, S. 180, Innere Vereinigung und Chakras 1179–1188
Deutsch: 1179–1182: „Danach führe man im Ajna-Chakra Guru, Mantra, eigenes Selbst und Göttin zur Einheit. Diese eine Wirklichkeit lasse man auf dem Weg der Sushumna das jeweilige Chakra durchschreiten. Auch im Shatchakra meditiere man einen Augenblick aufmerksam über Mahamaya und gelange mit dem empfangenen Grundmantra zum Adishodasha-Chakra. In dessen Mitte vergegenwärtige der Sadhaka die Göttin, die ihm Glückseligkeit schenkt, und beginne den Japa. [Der Satzübergang zu Vers 1181 ist im Druck grammatisch verkürzt.] 1182–1183: Oberhalb der Augenbrauen wird ein Zusammenfluss der drei Nadis beschrieben. Diese Vereinigung, der Ort der drei Wege, ist sechseckig, vier Fingerbreiten groß und rot; die Kenner des Kula-Yoga nennen sie Ajna-Chakra. 1184–1185: In der Kehle des Menschen befindet sich eine Umschlingung der drei Nadis Sushumna, Ida und Pingala; sie ist sechseckig und sechs Fingerbreiten groß. Sie heißt Shatchakra, ist weiß und liegt mitten in der Kehle. Im Herzen kommen ebenfalls die drei Nadis zusammen. 1186–1187: Dieser Ort hat sechzehn Speichen, misst sieben Fingerbreiten und ist gelb. Die Yogakenner nennen ihn Adishodasha-Chakra. Weil das Herz der Ausgangspunkt der Meditationsgegenstände, der Mantras, der Vergegenwärtigung und des Japa ist, wird es Adi, Anfang, genannt.“ Im Kriyasangraha: 1188: „Im Adishodasha-Chakra meditiere man über Guru, Gottheit, Mantra und eigenes Selbst als eins geworden.“ [Diese Chakrabeschreibung wird entsprechend dem vorliegenden Text wiedergegeben.]

Band II, S. 180–181, Haltung und Aussprache beim Japa 1189–1196
Deutsch: Im Merutantra: 1189–1190: „Nach dieser Vergegenwärtigung lege man die Mala auf den mittleren Teil des Mittelfingers und bewege sie mit der Daumenspitze, ohne sie mit dem Zeigefinger zu berühren. Wer bereits die nächste Perle mit dem Daumen berührt, während er noch den vorherigen Mantra rezitiert, dessen Japa bleibt fruchtlos. 1191: Mit der rechten Hand halte man die Mala nahe dem eigenen Herzen und rezitiere in der Vergegenwärtigung der Göttin; mit der linken Hand berühre man sie nicht. 1192–1193: Einsgerichtet, innerlich still und rein, die Mala in der Hand, mit geneigtem Nacken und aufgerichtetem Körper, friedvoll, ohne sich zu kratzen oder die Augen zu öffnen, rezitiere der Verständige den Mantra deutlich, mit Visarga, richtiger Silbendauer, Bindu und allen Buchstaben in ihrer Reihenfolge, weder hastig noch stockend.“ Im Yamala: 1194: „Zu rasches Rezitieren verursacht Krankheit, zu langgezogenes Verlust des Vermögens. Silbe füge sich an Silbe wie die Perlen einer Kette.“ [Eine überlieferte Lesart lautet statt „zu rasch“: „zu kurz“.] Im Merutantra: 1195–1196: „In ihm gegründet, mit dem Lebensatem in ihm, mit dem Geist bei ihm und ihm ganz hingegeben, rezitiere man den Mantra langsam und vergegenwärtige dabei den Sinn seiner Worte. Wird man vom Japa müde, meditiere man wieder; wird man von der Meditation müde, rezitiere man wieder. Wer Japa und Dhyana miteinander verbindet, bei dem erlangt der Mantra rasch Vollendung.“

Band II, S. 181, Formen des Japa 1197–1204
Deutsch: Sanatkumara: 1197: „Man ziehe den Geist von den Sinnesgegenständen zurück und richte ihn auf die Bedeutung des Mantras. Weder hastig noch schleppend rezitiere man, wie eine Reihe von Perlen. 1198–1200: Japa ist die Wiederholung der Silben in geistiger, geflüsterter oder hörbar gesprochener Form. Wird die Folge aus Lauten, Tonhöhen und Worten mit dem Geist ausgesprochen, auf ihre Bedeutung ausgerichtet, heißt dies geistiger Japa. Bewegt man Zunge und Lippen ein wenig, den Geist auf die Gottheit gerichtet, und ist der Klang nur geringfügig hörbar, heißt dies geflüsterter Japa. Spricht man den Mantra mit hörbarer Stimme, heißt dies gesprochener Japa. 1201: Der geflüsterte gilt als hunderttausendmal wirksamer als der gesprochene; der geistige wird als zehn Millionen Mal wirksamer als der geflüsterte gepriesen.“ In einem anderen Tantra: 1202: „Wer ein Stotra nur im Geist erinnert und einen Mantra mit der Stimme rezitiert, bei dem bleibt beides fruchtlos, wie Wasser in einem zerbrochenen Gefäß.“ [Diese strengere Aussage steht neben der vorausgehenden Anerkennung des gesprochenen Japa.] Im Kularnava: 1203: „Geistiger Japa gilt für diejenigen als vorzüglich, die Siddhi wünschen; geflüsterter für diejenigen, die Gedeihen wünschen; gesprochener beim Tötungsritual.“ Im Meru: 1204: „Gesprochener Japa bewirkt die sechs rituellen Handlungen; körperlicher Japa alle Siddhis. Geistiger Japa führt zur Moksha; der andere dient niederen Handlungen.“ [„Körperlich“ wird an dieser Stelle nicht weiter erläutert.]

Band II, S. 182, Frucht und Haltung des Japa 1205–1211
Deutsch: 1205: „Durch Japa beständig gepriesen, wird die Gottheit gnädig. Durch Japa kommt Siddhi, durch Japa kommt Siddhi, durch Japa kommt Siddhi; sie ist nicht fern. 1206–1207: Wie ein unbedeutender Herr durch Geld zufriedengestellt wird, so werden niedere Gottheiten durch Opfergaben und Puja zufriedengestellt. Wie ein tugendhafter Herr durch große Tugenden gewonnen wird, so gewähren ich, du und Vishnu gerade durch Japa Frucht.“ Im Padma: 1208: „Yakshas, Rakshasas, Pishachas, besetzende Mächte und schreckliche Schlangen nähern sich dem Japaübenden nicht; ringsum sind sie von Furcht ergriffen.“ Vaishampayana: 1209: „Japa, Homa und Spenden, die man im Wasser mit trockenem Gewand oder auf dem Land mit nassem Gewand vollzieht, bleiben sämtlich fruchtlos.“ Im Rudrayamala: 1210: „Übermäßiges Essen, Überanstrengung, Geschwätz, starres Festhalten an Regeln, geselliger Umgang und Unbeständigkeit: Durch diese sechs wird der Mantra zunichtegemacht. [Die gedruckte Verbindung der letzten beiden Glieder ist sprachlich unsicher.] 1211: Mit Vertrauen, Glauben an die heilige Überlieferung, Mitgefühl, gläubiger Hingabe, Selbstdisziplin, Entschlossenheit, Zufriedenheit, reinem Handeln und ähnlichen Tugenden soll man Japa üben, Geliebte.“

Band II, S. 182–183, Darbringung des Japa 1212–1219
Deutsch: Sanatkumara: 1212: „Nach diesem Japa bringe man ihn in Gestalt von Lichtglanz, zusammen mit Kusha-Gras, Blumen und Arghya-Wasser, in der rechten Hand der Gottheit dar.“ Für Shakti hingegen: 1213: „Nach dem Japa bringe der Kundige ihn mit Duftstoff, ungebrochenen Reiskörnern, Kusha und Wasser in der linken Hand der Göttin dar.“ So lehren das Yamala und andere Werke. Ferner: 1214: „Täglich soll man weder weniger noch mehr Japa ausführen. Weicht man aus Unachtsamkeit davon ab, erlangt man die erwünschte Frucht nicht.“ Im Merutantra: 1215: „Am Ende des Japa rezitiere man 108-mal und halte die Mala an den Kopf. Ihr Mantra lautet: ‚Hrim, Verehrung der Siddhi!‘ Dann bete man: 1216: ‚Du, o Mala, erfreust alle Götter und bringst mir Glück. Schenke mir Wohlergehen, du Segensreiche, und mehre meinen Ruhm und meine Kraft.‘ 1217: Der fünfsilbige Mala-Mantra ist für ihr Aufnehmen, Niederlegen und Verehren bestimmt. Danach bete man zur eigenen erwählten Gottheit: 1218: ‚Du Hüterin des Geheimsten unter den Geheimnissen, nimm den von uns vollzogenen Japa an! Durch deine Gnade möge mir Siddhi zuteilwerden, o Gott, Herr der Welt!‘ [Die weibliche Anfangsanrede und die männliche Schlussanrede stehen so nebeneinander im Druck.] 1219: Nach dem Grundmantra bringe man diesen Japa mit Arghya-Wasser in der Hand der Gottheit dar. Dies geschieht zur Mittagszeit.“

Band II, S. 183, Tagesabschluss und Mahlzeit 1220–1228
Deutsch: 1220–1222: „Danach bade der Vorschriftskundige erneut wie zuvor und führe alle bereits genannten Handlungen bis zum Nyasa, zur Puja und zum Feueropfer aus. Dann beginne er Japa bis zum Tagesende. Abermals bade er, o Zweimalgeborener, vollziehe wie zuvor die Sandhya und verehre erneut die Gottheit. Nach deren ritueller Entlassung nehme er beim Erscheinen der Sterne seine Mahlzeit ein.“ Im Yamala: 1223: „Wer Purashcharana vollzieht, esse nachts eine als Opferkost geeignete Speise.“ Die Bedeutung von nakta, „nachts“, erläutert das Bhavishya: 1224: „Die Weisen nennen die Tageszeit einen Muhurta vor Tagesende nakta; ich jedoch verstehe darunter die Zeit nach dem Sichtbarwerden der Sterne, o König.“ [Eine Lesart hat als Anrede „Herr der Scharen“.] Hier ist nur beim Purashcharana eines Sonnenmantras die Mahlzeit einen Muhurta vor Tagesende einzunehmen: 1225: „Wenn die Sonne so steht, dass der eigene Schatten doppelt so lang ist wie der Körper, erkenne man dies als die Nakta-Zeit für die Sonne; in anderen Fällen isst man nachts.“ So das Matsya. Im Meru: 1226–1227: „Zweimalgeborene sollen vor dem Essen die Speise unten und oben mit Ghee versehen und sie durch vedische Mantras, Besprengung und weitere Handlungen reinigen. Nach erneuter Weihe mit dem Grundmantra esse man mit dem Herzmantra. Wird man beim Essen durstig, trinke man Wasser, das mit dem Grundmantra geweiht wurde. 1228: Man esse von einem Palasha-Blatt, unter Ausschluss des mittleren Blattes; fehlt es, von einem Bananen-, Madhuka- oder Sarjaka-Blatt.“

Band II, S. 184, Nachtruhe und Dauer des Japa 1229–1234
Deutsch: 1229–1230: „Nach dem Essen lege man sich auf ein gereinigtes Lager auf dem Erdboden, mit unbenutztem Tuch bedeckt, reinem Darbha-Gras versehen und durch den Grundmantra geweiht. Mit überwundenem Zorn und beherrschten Sinnen schlafe man nachts, den Kopf nach Osten gerichtet, in der Meditation über die erwählte Gottheit. 1231–1232: Um Mitternacht stehe man auf, wasche die Füße, vollziehe Achamana, erinnere sich an die Gottheit und verehre sie zügig wie zuvor. Nach eigener Kraft übe man Japa und bringe ihn dem Herrn dar. Danach schlafe man wieder; den gesehenen Traum teile man dem Guru mit. 1233–1234: Dieser Japa ist für Waldbewohner und Brahmacharins gelehrt. Muss wegen drohender Unruhen im Land oder anderer Gefahren ein rascher Abschluss erfolgen, gilt die genannte Zeit auch für einen dringenden Notfall. Japa bis zum Mittag ist vorzüglich; über drei Praharas gilt er als mittel, über dreieinhalb Yamas als geringer. Die beschriebene Form gilt für den Notfall.“ [Der Bezug zwischen nächtlicher Praxis, Dringlichkeit und den Zeitabstufungen ist im vorliegenden Wortlaut nicht vollständig eindeutig.]

Band II, S. 184, Wiederholungszahlen und Homa 1235–1239
Deutsch: Vaishampayana: 1235: „Im Krita-Zeitalter gilt die im Ritualhandbuch genannte Zahl; im Treta ist sie doppelt, im Dvapara dreifach und im Kali vierfach.“ Im Ekavirakalpa: 1236: „Für Shudras von geringer geistiger Weite, denen die innere Vergegenwärtigung fehlt, ist zum Erlangen von Siddhi die vierfache Japa-Zahl vorgeschrieben; anders kommt sie nicht zustande.“ Im Varahitantra: 1237: „Bei denjenigen Mantras, für deren Japa und Homa die Weisen keine Zahl genannt haben, beträgt die Zahl für Japa und Homa achttausend.“ Im Kriyasangraha: 1238: „Ist die Japa-Zahl erfüllt, führe man mit den jeweils im Ritualhandbuch genannten Stoffen im vorschriftsmäßig geweihten Feuer ein Homa von einem Zehntel dieser Zahl aus. 1239: Bei der vorgeschriebenen Homa-Gabe vollziehe man das Opfer mit Ghee. So ist die Homa-Regel für die Vollendung des Purashcharana gelehrt.“ [Die erste Satzhälfte von Vers 1239 ist im Druck sprachlich unvollständig; eine möglicherweise gemeinte Ersatzregel bei fehlenden Opferstoffen wird nicht ergänzt.] Die Feuerweihe für das Homa und das Homa-Verfahren wurden bereits beim Diksha-Verfahren ausführlich erklärt und werden deshalb hier nicht weiter ausgebreitet.

Band II, S. 185, Tarpana 1240–1246
Deutsch: Nun Tarpana, die sättigende Wasserdarbringung. Im Kularnava: 1240–1241: „Danach vollziehe man Tarpana mit Wasser heiliger Stätten, das mit Chandra vermischt ist. [Chandra, wörtlich ‚Mond‘, bezeichnet hier einen Zusatz; dessen stoffliche Identität wird nicht ausdrücklich erklärt.] Man rufe die Gottheit samt ihrem Gefolge ins Wasser und verehre sie hingebungsvoll nach Vorschrift mit Fußwasser und den übrigen aus Wasser bestehenden Gaben. Jedem Mitglied des Gefolges bringe man eine Handvoll Wasser dar. Der höchsten Gottheit bringe man anschließend Wasser in einer Anzahl dar, die einem Zehntel der Homa-Zahl entspricht.“ In der Purashcharanachandrika: 1242: „Man spreche den Grundmantra, danach den Namen der Gottheit im Akkusativ, sodann ‚ich sättige‘, mit namah als Abschluss. So lautet der Tarpana-Mantra; entsprechend bilde man die Formeln für die Glieder und übrigen Gottheiten.“ Für Shakti heißt es im Yamala und anderen Werken: 1243: „Nach dem Mantra spreche man den Namen und dann ‚ich sättige‘; mit dem auf ‚Gattin des Feuers‘, svaha, endenden Mantra bringe man der höchsten Gottheit Tarpana dar.“ Ferner: 1244: „Nach Grundmantra und Gottesnamen spreche man ‚ich sättige, namah‘ und sättige die Herrin des Kula.“ Somit besteht eine Wahl zwischen dem Abschluss svaha und namah. Auch im Vaishnava-Verfahren endet der Tarpana-Mantra auf namah. Das Gautamiya sagt: 1245: „Zuerst spreche man den Mantra, danach ‚Shri Krishna‘ im Akkusativ, dann ‚ich sättige‘ und zum Abschluss namah; so bringe man Tarpana dar.“ Ferner: 1246: „Den nach dem Mantra stehenden Namen im Akkusativ füge man ‚ich sättige‘ hinzu: So gilt die Tarpana-Formel.“

Band II, S. 185–186, Marjana 1247–1250
Deutsch: Nun Marjana, die reinigende Besprengung. Im Nilatantra: 1247: „Man spreche den auf namah endenden Mantra, danach den Namen der Gottheit im Akkusativ und ‚ich begieße‘. Hiermit begieße man den eigenen Scheitel mit Wasser unter Verwendung der Kumbha-Mudra.“ Vaishampayana: 1249: „Während man den auf namah endenden Mantra ausspricht, begieße man den eigenen Scheitel mit Wasser in der Kumbha-Mudra, und zwar ein Zehntel so oft wie beim Tarpana.“ [Die Vorlage springt von Vers 1247 unmittelbar zu 1249; eine Nummer 1248 ist hier nicht gedruckt.] Auch anderswo: 1250: „Nach dem Mantra spreche man den Namen, dann ‚ich besprenge‘ und das Wort namah.“ Hier setzt man nach dem Grundmantra ein: „Ich begieße die betreffende Gottheit; Verehrung!“ [„Die betreffende Gottheit“ ist im Quelltext ein einzusetzender Platzhalter.]

Band II, S. 186, Brahmanenspeisung und Guruverehrung 1251–1257
Deutsch: Nun die Speisung der Brahmanen. In der Purashcharanachandrika: 1251–1253: „Man speise Brahmanen in einer Zahl, die einem Zehntel der Marjana-Zahl entspricht. Nach ihrer Einladung bereite man Speisen mit den sechs Geschmacksrichtungen. Man rufe die erwählte Gottheit mit dem Grundmantra herbei und biete ihr einen Sitz an. In ihrer Vergegenwärtigung lade man die beschriebenen Brahmanen rituell ein. Diese Götter auf Erden verehre man mit Fußwasser und den übrigen Gaben als Gestalten der erwählten Gottheit. Man speise sie mit Gerichten verschiedener Geschmacksrichtungen und betrachte sie dabei als die Gottheit.“ Im Merutantra: 1254–1256: „Allein durch die Verehrung der Brahmanen wird ein unvollständiges Ritual vollständig. Alle Handlungen, bei denen die Speisung der Zweimalgeborenen fehlt, bleiben nutzlos, wie Samen in unfruchtbarer Erde. Danach erfreue man den Guru mit Kühen, Gold, Gewändern und weiteren Gaben. Ist der Guru zufrieden, so ist auch der Mantra zufriedengestellt und wird für den Übenden wirksam.“ In einem anderen Tantra: 1256–1257: „Dem Guru gebe man Dakshina in Form von Speise, Kleidung und anderen Gaben. Allein durch die Zufriedenheit des Gurus entsteht gewiss jede Siddhi. All dies hat seine Wurzel im Guru, sagen die Tantrakenner.“

Band II, S. 186, Fünf Verfahrensweisen 1258–1259
Deutsch: Im Merutantra: 1258–1259: „Fünf Verfahrensweisen werden hier gelehrt, die den Japa vollständig machen. Das erste Verfahren: Täglich übe man bis zum Mittag Japa. Mit einem Zehntel seiner Zahl vollziehe man Homa mit den im Ritualhandbuch genannten Stoffen; danach Tarpana, Marjana und die Speisung der Brahmanen.“ [Fortsetzung in Vers 1260.]

Band II, S. 187, Fünf Verfahren und Ersatzhandlungen 1260–1267
Deutsch: 1260, Fortsetzung: „Jeweils mit einem Zehntel der vorhergehenden Zahl: Dies heißt das erste Verfahren. Beim zweiten vollziehe man hunderttausend Japa-Wiederholungen, 1261: führe das zugehörige Homa und die übrigen Handlungen aus und beginne danach die nächsten hunderttausend. Das zweite Verfahren besteht darin, hunderttausend Japa-Wiederholungen auszuführen, danach das zugehörige Homa und die übrigen Handlungen, und sodann die nächsten hunderttausend zu beginnen. [Diese Wiederholung steht tatsächlich im Druck.] 1262: Beim dritten Verfahren vollende man zuerst den gesamten Japa; nach dem vollständigen Homa führe man Tarpana und die übrigen Handlungen wie zuvor aus. [Die gedruckte Wendung zur Reihenfolge ist verkürzt.] 1262–1263: Das vierte Verfahren besteht bei Armut in verdoppeltem Japa, wenn Homa und die übrigen Handlungen fehlen; es betrifft auch Könige und andere, die Frauen und ähnlichen Bindungen unterstehen. [Die zuletzt genannte Personengruppe ist im Druck sprachlich unklar.] 1263–1266: Beim fünften Verfahren führe man das, was der jeweiligen Gottheit lieb ist, doppelt aus, um sie rasch zufriedenzustellen. Allen Göttinnen ist Japa lieb; im linken Weg sind ihnen Opfergaben lieb, im Siddhanta das Trinken, im Kaula-Weg die sexuelle Vereinigung. Mahadeva liebt Homa, die Sonne Tarpana, Ganesha Marjana und Vishnu die Speisung der Brahmanen. Wird die Sühne nicht vollzogen, bleibt der Zweimalgeborene unrein. Durch vierfache Sühne, durch Zweimalgeborene und die übrigen, die Kshatriyas und anderen …“ [Dieser unnummerierte Satzteil ist unvollständig überliefert.] Im Yamala: 1267: „Für Brahmanen, die Homa und die übrigen Handlungen nicht ausführen können, gilt die doppelte Japa-Zahl; für die anderen Stände die drei-, vier- und fünffache.“

Band II, S. 187–188, Unterschiedliche Ersatzregeln 1268–1274
Deutsch: Bei Mängeln und beim Ausfall von Homa und den übrigen Gliedern erklärt Sanatkumara: 1268: „Welches Glied auch ausfällt: Man vollziehe Japa in doppelter Zahl dieses Gliedes. 1269–1270: Fehlt Homa, ist für Brahmanen Japa in vierfacher Homa-Zahl auszuführen, für Kshatriyas in sechsfacher, für Vaishyas in achtfacher Zahl. Dies gilt auch für die Frauen dieser Stände. Ein Shudra folgt dem Verfahren des Standes, dem er sich angeschlossen hat.“ In einem anderen Tantra: 1271: „Der bei fehlendem Homa für Zweimalgeborene gelehrte Japa gilt ebenso für ihre Frauen und für die ihnen ergebenen Shudras.“ [Das Beiwort des Japa und das Wort für die erste zusätzliche Personengruppe sind im Druck unsicher.] Im Merutantra: 1272–1274: „Nun werde ich erklären, wie ein Armer Mantrasiddhi erlangt. Ein Brahmane, der Homa nicht ausführen kann, vollziehe die doppelte Japa-Zahl. Für die übrigen Stände werden die dreifache und die folgenden Zahlen vorgeschrieben. Durch Japa in doppelter Homa-Zahl wird Tarpana vollständig ersetzt. Wird Marjana nicht ausgeführt, ist Japa in doppelter Tarpana-Zahl gelehrt. Von einem Ersatz für die Brahmanenspeisung habe ich nirgends gehört. In jedem Fall speise man Brahmanen, damit die Handlung mit sämtlichen Gliedern vollendet wird.“ [Die unterschiedlichen Ersatzfaktoren dieser Quellen bleiben nebeneinander stehen.]

Band II, S. 188, Ritualberechtigung und Unterbrechungen 1275–1281
Deutsch: Hier gilt nach dem Satz 1275: „Frauen und Shudras sollen kein Homa mit Mantra-Aussprache vollziehen.“ Deshalb erklärt der Verfasser des Sudharnava, dass Frauen und Shudras anstelle des Homa nur den genannten Japa ausführen, nicht aber Homa, auch wenn sie dazu imstande sind. Ebenso im Naradapancharatra: 1276: „Das Homa-Verfahren ist nur für die drei Stände gelehrt. Ein Shudra, der seine Frucht wünscht, rezitiere doppelt so oft wie die Homa-Zahl.“ Im Kriyasangraha: 1277: „Für Frauen und Shudras wird Homa durch einen Brahmanen gelehrt; oder sie vollziehen Japa in fünf- beziehungsweise zweifacher Homa-Zahl.“ Das Varahitantra hingegen sagt: 1278: „Shudras sind zu diesem tantrischen Homa berechtigt. Unter Weglassung der ‚Gattin des Feuers‘ soll anstelle des abschließenden svaha namah stehen.“ In einem anderen Tantra: 1279: „Tritt nach Beginn des Purashcharana geburtsbedingte Unreinheit oder Ähnliches ein, darf das Begonnene nicht aufgegeben werden; sonst lädt man einen Fehler auf sich.“ Ebenso in der Smriti: 1280: „Sind Opfer, Gelübde, Hochzeit, Ahnenritual, Homa, Verehrung oder Japa bereits begonnen, tritt die entsprechende rituelle Unreinheit nicht ein; vor ihrem Beginn gilt sie jedoch. 1281: Als Beginn gilt beim Opfer die Wahl der Priester, bei Gelübde und Japa der Sankalpa, bei Hochzeit und ähnlichen Riten das Nandimukha-Ritual, beim Ahnenritual die Vorbereitung des Kochens.“

Band II, S. 189, Abschlussverehrung und Siddhi 1282–1291
Deutsch: Auch in den Tantras: 1282–1283: „Eingeweihte sollen Japa sowie das Diksha- und Verehrungsverfahren ausführen; für diese Selbstbeherrschten besteht weder Schuld noch geburtsbedingte rituelle Unreinheit. Bei Geburt, Todesfall, Rauchentwicklung und ähnlichen Ereignissen vollziehe man nach dem Mantra-Nyasa weiterhin Japa und Arghya.“ [Der genaue Anlass, den „Rauchentwicklung“ hier bezeichnet, bleibt offen.] In der Purashcharanachandrika: 1284–1285: „Hat der vorzügliche Sadhaka Purashcharana auf diese Weise richtig vollzogen, führe er zum Abschluss eine große Puja und die Speisung der Brahmanen aus. Den eigenen Guru verehre er mit vielen Gewändern und Schmuckstücken. Nachdem auch die Dipa-Nathas zufriedengestellt wurden, gelangen die Mantras der Übenden zur Vollendung.“ [Die Dipa-Nathas werden an dieser Stelle nicht näher bestimmt.] Erläuterung des Homa-Gliedes: 1286: „Durch Japa, Homa und Verehrung verleihen die Mantras dem disziplinierten Übenden Siddhi. Auch durch verdoppelten Japa gelten sie als Siddhi verleihend.“ Im Rudrayamala: 1287: „Ohne Speisung, ohne Tarpana der Göttin und auch ohne Homa rezitiere man für die Vollendung der Mantras die dreifache Zahl.“ In der Agastyasamhita: 1288: „Wer durch die fünfgliedrige Verehrung einen einzigen Mantra vollkommen verwirklicht hat, dem werden durch deine Gnade, große Herrin, alle Mantras wirksam.“ In einem anderen Tantra: 1289: „Für den Mantraübenden mit verwirklichtem Mantra ist in den drei Welten nichts schwer zu erlangen, o Herrin der Götter. Deshalb soll man den Mantra zur Vollendung bringen.“ Auch anderswo: 1290: „Die Weisen erklären, dass das Heilvolle vielen Hindernissen begegnet. Deshalb überwinde man die Hindernisse und vollziehe die Mantrasadhana. Hat der Übende den Mantra verwirklicht, kann er seine Herzenswünsche erfüllen.“ Im Merutantra: 1291: „Nachdem ein Vorhaben verwirklicht wurde, verliert der Mantra seine Schärfe. Vollzieht man erneut ebenso viele Japa-Wiederholungen, wird er wieder für ein Vorhaben wirksam.“

Band II, S. 190, Guruvertrauen und Abschluss 1292–1296
Deutsch: Ebenda: 1292: „Ein Guru, der in einem anderen Mantra Vollendung erlangt hat, übergibt den Mantra. Durch das vorgeschriebene Handeln erlangt der Schüler dessen Siddhi. 1293: Wenn der Guru aus Gnade einen bereits verwirklichten Mantra übergibt, liegen die Siddhis dem Schüler auch ohne Japa und ohne Puja in der Hand.“ Im Kriyasangraha: 1294: „Unerschütterliche Hingabe an Guru und Gottheit sowie Vertrauen in Mantra und Schrift: Dies erkennen die Weisen als den Samen der Siddhi.“ Im Pratyangirakalpa: 1295: „Wenn der Brennstoffhaufen der Schuld im Feuer des Purashcharana verbrannt ist, angefacht vom Wind der Hingabe, gelangen die Mantras der Übenden zur Vollendung.“ Damit endet das allgemeine Purashcharana-Verfahren. 1296: „Im vom ehrwürdigen König geschaffenen Ozean des Purashcharana, der herrliche Ströme vielfältigen Wortnektars und den verehrungswürdigen Zusammenfluss der Flüsse guter Lehrwerke trägt, ist die sechste Welle vorübergezogen: aufleuchtend und hochragend im Glanz zahlreicher klarer Perlen trefflicher Darlegungen.“ [Der erste Versabschnitt enthält eine beschädigte Wortverbindung; das Bild des Ozeans, der Ströme, der Welle und der Perlen ist lesbar, die genaue Bestimmung des Wortnektars bleibt unsicher.] Damit ist im Purashcharanarnava, verfasst vom erhabenen Großkönig, König der Könige, Shri Pratapasimha Shah, die sechste Welle namens „Allgemeines Purashcharana-Verfahren“ abgeschlossen.

7. Taraṅga: Mantra-Siddhi und besondere Puraścaraṇas

Lesehilfe: Mantra-Siddhi und besondere Puraścaraṇas stehen im Mittelpunkt. Wirkungsversprechen werden hier als Aussagen der jeweiligen Quellen übersetzt. Für deine eigene Besinnung kannst du fragen, wie sich Ausdauer, innere Klarheit und ein verantwortungsvoller Umgang mit spirituellen Erwartungen verbinden lassen.

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Band II, S. 191, Beginn des siebten Taraṅga und Verse 1–8
Deutsch: Nun in der siebten Welle: Kennzeichen der Mantrasiddhi. Da die verschiedenen Formen des Purashcharana, die Kennzeichen der Mantrasiddhi und weitere Gegenstände zu behandeln sind, werden nach dem Grundsatz von Nadel und Kessel zuerst die Kennzeichen der Mantrasiddhi erklärt. [Der Vergleich bezeichnet die Behandlung einer kleineren Aufgabe vor einer größeren.] Im Pancharatra heißt es: 1: „Nun werde ich die Kennzeichen der Mantrasiddhi erklären. Die mühelose Erfüllung der Herzenswünsche ist ihr vorzüglichstes Kennzeichen. 2: Ebenso die Abwendung des Todes, die Schau der Gottheit und die Verwirklichung ritueller Anwendungen unter Mühe.“ [Der Druck liest hier „unter Mühe“; die Spannung zur Mühelosigkeit im vorigen Vers bleibt bestehen.] Ferner: 3–4: „Das Eintreten in einen fremden Körper, das Betreten einer Stadt, das Aufsteigen nach oben und die Bewegung in den Bereichen des Beweglichen und Unbeweglichen; Begegnungen mit den Khecharis, das Hören ihrer Erzählungen und das Erblicken verborgener Öffnungen der Erde: Dies sind höchste Kennzeichen. [Die besondere Bedeutung des ‚Betretens einer Stadt‘ wird hier nicht erläutert.] 5–6: Beim Erinnern und Besingen Vishnus fließen Freudentränen, die Haare sträuben sich, die Stimme stockt und der Geist wird einsgerichtet. Gegenüber Sinnesgegenständen entsteht Losgelöstheit, gegenüber dem höchsten Herrn Liebe; Eifer, seine Geschichten zu hören, und Freude am Dienst an seinen Füßen. 7–8: Lobgedichte auf seine Eigenschaften entstehen ohne Verzögerung; während Puja und ähnlichen Handlungen werden die Zeichen seiner Lotusfüße geschaut. Unvermittelt vernimmt man den ungeschlagenen Klang, auch ohne Yoga geübt zu haben. Auch dies ist ein höchstes Kennzeichen.“

Band II, S. 191–192, Abstufungen der Siddhi 9–15
Deutsch: 9–10: „Ruhm, der Gewinn von Fahrzeugen, Schmuck und ähnlichem, ein sehr langes Leben, die vollkommene Beherrschung von Königen und ihren Gefolgsleuten; überall in allen Welten Staunen erregen, Reinheit, Krankheiten und Gift durch den Blick beseitigen. 11–12: Der Mantraübende erlangt mühelos vierfache Gelehrsamkeit, Losgelöstheit, Sehnsucht nach Befreiung, Freigebigkeit und Macht über alles; die Übung des achtgliedrigen Yoga ohne Verlangen nach Genuss, Mitgefühl mit allen Wesen und das Aufkommen von Allwissenheit und anderen Eigenschaften. 13: Solcher Besitz an Eigenschaften kennzeichnet die mittlere Siddhi. Ruhm, der Gewinn von Fahrzeugen, Schmuck und anderem, ein sehr langes Leben, 14–15: die Zuneigung von Königen und Frauen, Einfluss auf die Menschen, große Macht, Reichtum sowie Söhne und weitere Güter gelten als niedere Siddhis, als erste Stufe des Mantraübenden. Wer aber seinen Mantra verwirklicht hat, ist wahrhaft Shiva selbst; daran besteht kein Zweifel.“ [Einige Kennzeichen werden im Text bei mehreren Abstufungen genannt; diese Überschneidungen bleiben erhalten.]

Band II, S. 192–193, Aufzählung der Siddhis 16–26
Deutsch: Im Sadhanasamucchaya: 16: „Wessen großer Mantra durch kraftvolle Sadhana verwirklicht ist, dem liegen Siddhis in der Hand, die selbst für Götter schwer erreichbar sind. 17–18: Freie Bewegung durch die Himmelsrichtungen und durch den Luftraum, die Siddhi der Sandalen, Unsichtbarkeit, Vetala-Siddhi, das Eintreten in einen anderen Körper, Yakshini- und Bhairavi-Siddhi, die Siddhi des Schwertes, wirksame Befehlsgewalt, alchemistische Metallverwandlung sowie Siddhis der Pillen und Augensalben. 19–20: Herbeiziehen und Unterwerfung, Vertreiben und Verblenden, Austreiben, Lähmen, Feindschaft stiften und Töten; Wahnsinn, Austrocknung, Ohnmacht und Erschütterung bewirken; die Bewegung der Gestirne und die Geschwindigkeit des Windes anhalten. 21–22: Flüsse und den großen Ozean stillstellen, die Rede von Gegnern zum Verstummen bringen; Töchter der Gandharvas, Schlangenwesen, Daityas, Kinnaras, Rakshasas, Siddhas, Vidyadharas und anderer herbeiziehen; Könige und Gottheiten augenblicklich herbeirufen. 23–24: Feuer kühl machen, Schlangen entgiften, selbst den Ozean austrocknen und die drei Welten beherrschen; unfehlbare Rede beim Verfluchen wie beim Segnen, nach Wunsch jede Gestalt annehmen, nach Wunsch überallhin gelangen und Wünsche erfüllen. 25: Anima, äußerste Kleinheit; Mahima, äußerste Größe; Garima, äußerste Schwere; Laghima, äußerste Leichtigkeit; Ishita, Herrschaft; Vashita, Beherrschung; Prakamya, ungehinderte Wunscherfüllung; Prapti, Erlangen des Gewünschten. 26: Alle diese und weitere Siddhis entstehen, daran ist kein Zweifel. Wozu noch viele Worte? Für den Mantraübenden mit verwirklichtem Mantra wird alles Gewünschte so greifbar wie eine Amalaki-Frucht in der Hand.“

Band II, S. 193, Zeichen nach längerer Mantrapraxis 27–38
Deutsch: Im Naradapancharatra: 27–30: „Wer zur Mantraverehrung befähigt ist und die Regeln einhält, begegnet in den ersten drei Jahren vielen Hindernissen, Narada. Gerät der Sadhaka dadurch weder im Handeln noch im Geist in Unruhe, so wenden sich nach dem dritten Jahr Könige und Herrscher an ihn, selbst stolze und hochmütige, und bitten inständig: ‚Herr, erweise mir Gnade zu meiner Errettung!‘ Sie sehen ihn in Glanz und Macht erstrahlen und vermögen deshalb kein hartes Wort zu ihm zu sagen, o Tiger unter den Weisen. 31–32: Nach dem neunten Jahr gelangt der Mantrakönig von selbst zur Vollendung. Verschiedene Wunder der Mantrasiddhi erscheinen im Herzen und sichtbar auch außen, rasch höchste Freude spendend. Einen Augenblick ist der Brahmane wie geistig erstarrt, im nächsten von Jubel erfüllt. 33–34: Bald hört er Paukendonner im Luftraum, bald süße Instrumentalmusik mit vielfältigem Gesang. Bald riecht er Kampfer und Moschus; bald sieht er sich selbst in die Luft aufsteigen. 35–37: Bald erblickt er den Himmel von Mond- und Sonnenstrahlen erfüllt; bald hört er die Rufe von Elefanten, Kühen und Stieren. Bald zieht er die Erschütterung voller Regenwolken herbei. Er sieht wunderbare Sterne, Yogis im Himmel und jemanden, der die Mantrakundigen emporhebt. [Der letzte Satzteil ist im Druck grammatisch gestört.] Bald hört er jubelndes Rufen sowie die Stimmen von Gänsen und Pfauen. 38: Bald sieht er Wolken aufziehen, bald mitten am Tag die Nacht; nachts sieht er für einen Augenblick das Tageslicht samt der Sonne.“

Band II, S. 194, Weitere Zeichen und Grenze der Siddhis 39–49
Deutsch: 39–42, Fortsetzung: „Voller Kraft, im Glanz der Sonne gleich, in Schönheit dem Vollmond und in der Bewegung einem Vogel; erfüllt von tiefer Ruhe, Ernst und Glück. Obwohl er wenig isst, magert er nicht ab; auch große Nahrungsmengen belasten ihn nicht. [Der Druck ist im zweiten Satz grammatisch verkürzt.] Kot und Urin werden wenig, der Schlaf nimmt ab. In Japa und Dhyana versunken erfährt der Mantraübende keine Erschöpfung, selbst ohne Essen und Trinken einen halben Monat, einen Monat oder länger, o Weiser. An solchen höchst erstaunlichen Zeichen erkenne man, dass der Mantrakönig wirksam und gnädig geworden ist.“ Baudhayana: 43: „Drei Zeichen der Siddhi sind: geben, genießen und nicht betteln.“ Im Bhairavitantra: 44: „Er sieht überall Licht oder den eigenen Körper von Licht erfüllt, oder aber seinen eigenen Körper ganz von der Gottheit erfüllt.“ Im Vakratundakalpa: 45: „Klarheit des Bewusstseins, Zufriedenheit des Geistes, geringer Nahrungsbedarf, Abwendung vom Schlaf und im Traum das Erblicken von Fahrzeugen und ähnlichem: Dies sind unmittelbare Kennzeichen des Vollendeten.“ Im Merutantra: 46–47: „Wenn der Mantra auf diese Weise verwirklicht ist, erscheinen Götter und vielerlei Siddhis, die den Weg zur Moksha versperren und die Kraft des Tapas mindern. Wer sich in geringeren Siddhis verliert, erlangt Anima und die anderen nicht; wer sich in Anima und den übrigen verliert, für den ist selbst die Kunde von Moksha äußerst schwer erreichbar.“ Auch im Narasimha: 48: „Wie jemand, der in kleinem Glück versinkt, das große Glück nicht erlangt, so bleibt dem in Siddhi Versunkenen die Befreiung fern. 49: Deshalb festige man die Siddhis und verehre die Sandalen Naraharis. Dann erlangt man ungeteilte, ganz einheitliche Glückseligkeit, anders nicht.“ [Die gedruckte Lesung „festige“ steht in Spannung zur vorausgehenden Warnung vor dem Versinken in Siddhis; sie wird nicht stillschweigend durch „verachte“ oder „gib auf“ ersetzt.]

Band II, S. 195, Hingabe und Verschwiegenheit 50–58
Deutsch: 50–52: „Auch wenn ein Sadhaka durch die Kraft des Purashcharana alle Siddhis besitzt, darf er, sofern er Befreiung sucht, die Hingabe an Gott nicht aufgeben. Viele wünschen Genuss, einige wünschen Befreiung; selten aber ist derjenige, der Hari ohne Verlangen nach Genuss oder Befreiung verehrt. Eben dieser ist schon zu Lebzeiten befreit: Ohne Begierde nach Yoga-Erfolgen verehrt er den leidfreien Narayana, ob Siddhi eintritt oder nicht.“ Im Merutantra: 53: „Geringes Tapas schwindet in einem Augenblick, mittleres durch Stolz und großes durch Siddhi. Seine Kennzeichen werden nun beschrieben. 54–56: Erscheint unvermittelt im Traum oder vor den Augen ein freudebringendes Wunder, soll man es niemandem außer dem Guru mitteilen. Wer eine diesseitige Siddhi wünscht, soll es nirgends bekannt machen. Wer aus Verblendung und aufgeregtem Eifer sein aus dem Mantra entstandenes Glück offenlegt, von dem entfernen sich selbst bereits nahe Siddhis; Leiden und vielfältiger Kummer treten auf. 57: Wenig Nahrung, wenig Schlaf, stets ein heiterer Geist, ein leuchtender Körper und wahrhaftige Rede entstehen.“ Ferner: 58: „Seine Worte und Herzenswünsche erfüllen sich; er gibt, genießt und bittet nicht um Gaben.“

Band II, S. 195, Weitere Siddhizeichen und erneute Übung 59–61
Deutsch: Im Prapanchasara: 59: „Demjenigen, der den Mantra rezitiert, erscheinen folgende bestätigende Zeichen: Das Haus, in dem er sich aufhält, bleibt nachts auch ohne Lampe frei von Dunkelheit. 60: Sein Glanz gleicht der Sonne, die Lotusgeborene Lakshmi dient ihm beständig; durch seinen Blick verschwinden Krankheiten rasch, und in seiner Nähe häufen sich Geld und Getreide. Die Götter verehren ihn beständig; Schlangen beißen seine Söhne, Enkel, Freunde und die Alten nicht. Beim Untergang des Körpers gelangt er zur höchsten Stätte Vishnus.“ [Die grammatische Verbindung einzelner Satzglieder im mittleren Versabschnitt ist im Druck gestört.] Damit enden die Kennzeichen der Siddhi. Im Phetkarinitantra: 61: „Wird trotz kraftvollen Handelns wegen entgegenstehender Hindernisse keine Siddhi erlangt, vollziehe man das Verfahren noch zwei- oder dreimal.“ [Die Verbindung des Wortes für Hindernisse ist im Sanskrit nicht eindeutig.]

Band II, S. 196, Hilfe bei ausbleibender Siddhi 62–64
Deutsch: Bleiben die Mantras auch nach zwei oder drei Purashcharanas unwirksam, nennt das Merutantra Mittel zu ihrer Vollendung: 62–64: „Entsteht beim Schüler wegen mangelnder Verwirklichung des Gurus oder aufgrund des Schicksals keine Siddhi, soll er das jetzt erklärte geheime Hilfsverfahren ausführen. Er umschließe den Mantra mit den mit Bindu versehenen Matrika-Buchstaben in vorwärts und rückwärts laufender Reihenfolge und rezitiere ihn einen Monat lang täglich hundertmal. Durch das anschließende Homa und die übrigen Handlungen wird der Mantra wirksam. Sämtliche für Purashcharana genannten täglichen Pflichten soll er ebenfalls erfüllen.“

Band II, S. 196, Besonderheiten vedischer Mantras 65–74
Deutsch: Für vedische Mantras wird ebenda eine Besonderheit gelehrt: 65: „Zur Vollendung eines vedischen Mantras füge man die durch das Zahlwort ‚Berg–Geschmack‘ bezeichneten Buchstaben, jeweils mit Bindu, in vorwärts und rückwärts laufender Reihenfolge hinzu. [Die Zahlbezeichnung bleibt hier unausgelegt, da sich die anschließende Buchstabenaufzählung nicht eindeutig dazu fügt.] 66–67: a, i, u und ri gelten durch die Unterscheidung von kurz, lang und überlang als dreifach. Der vokalische l-Laut ist kurz oder überlang; e, ai, o und au sind durch lang und überlang jeweils zweifach. Zusammen mit Anusvara, Visarga und den Yama-Lauten werden so vierundzwanzig Vokale genannt. 68–69: Die vier mit ka beginnenden Buchstaben und ka mit Jihvamuliya: So ist die ka-Gruppe zehnfach. Die mit ca beginnenden sind fünfzehn. Mit pa samt Upadhmaniya sind es in seiner Gruppe sechs. Acht beginnen mit ya. Dies sind die Matrikas im Yajurveda. [Die Zählung der ka-Gruppe ist im gedruckten Wortlaut nicht vollständig nachvollziehbar.] 70–71: Im Rigveda kommen la und ksha hinzu, im Atharvaveda jna. Man rezitiere täglich 108-mal einen Monat lang; unter Auslassung der Tage, an denen das Studium verboten ist, auch vierzig Tage lang. Homa und alle übrigen Handlungen vollziehe man täglich wie zuvor.“ Ein weiteres Mittel wird ebenda genannt: 72: „Umschließe den Mantra der Familiengottheit mit der Bhutalipi. Man führe hundert Wiederholungen in vorwärts und rückwärts laufender Reihenfolge aus; nach einem Monat entsteht Siddhi.“ Ferner: 73–74: „Für eine äußerst furchtbare Gottheit beträgt der Japa 1008 Wiederholungen. Wird sie sechs Monate lang dreimal täglich mit Duftstoffen, Blumen und anderem, um Mitternacht wiederum mit den fünften Gaben und den Kaula-Verfahren verehrt, wird sie vollkommen gnädig.“ [Die ‚fünften Gaben‘ sind im vorliegenden Satz nicht näher bestimmt.]

Band II, S. 197, Weitere Verfahren und Sampata-Apyayana 75–87
Deutsch: Die Bhutalipi wird später erklärt. Nun weitere Mittel im Gandharvatantra: 75–76: „Wird ein ordnungsgemäß praktizierter Mantra nicht wirksam, rezitiere man ihn nochmals ebenso oft; dann wird er wirksam. Bleibt er auch nach erneuter Ausführung ohne Siddhi, vollziehe man die sieben von Shankara gelehrten Hilfsverfahren.“ Im Merutantra: 77–78: „Bleibt die Siddhi wegen Feindschaft gegen Brahman beziehungsweise die Brahmanen, eines Fehlers des Gurus, Frauenhasses, einer Verfluchung oder mangelnder Lösung der Verriegelung aus, gibt es acht Hilfsverfahren: Sampata-Apyayana, Dravana, Bodhana, Vashikriti, Pidana, Poshana, Shoshana und Dahana. Ihre Ausführung wird nun erklärt.“ [Die Quellen nennen zunächst sieben, danach acht Verfahren. Die Verbindung zur Verriegelung ist im gedruckten Wortlaut unklar.] 79–81: „Man beschaffe Birkenrinde und zeichne darauf einen achtblättrigen Lotus mit den acht Duftstoffen der Gottheit oder mit Rochana und Sandelholz. Man schreibe den Mantra mit den Buchstaben des Namens des Sadhaka verschränkt, bis beide vollständig sind. An seinen Anfang und sein Ende schreibe man den mit Tara beginnenden Namen des Sadhaka. Auf jedes der acht Blätter schreibe man zwei Vokale und meditiere über das Ganze als nektarerfüllt. 82–83: Man rolle es zusammen, umhülle es sorgfältig mit Erde, für Brahmanen und die übrigen in Weiß und den entsprechenden weiteren Farben, danach mit Wachs. Man lege es mit den drei süßen Stoffen in ein kleines irdenes Gefäß und dieses in einen neuen, mit Milch gefüllten Krug. [Die gedruckte Satzendung zur Einsetzung des kleinen Gefäßes ist unregelmäßig.] 84–86: Nach der Einsetzung des Feuers stelle man den Krug in dessen Nähe und opfere mit dem Grundmantra die drei süßen Stoffe tausendundachtmal; den Sampata, den zugehörigen Opferrest, gebe man in den Kalasha. Nach Vollendung des Homa versenke man den Krug in einem Gewässer und erfreue den eigenen Guru sowie weitere Brahmanen mit Dakshina und anderen Gaben. Dies heißt Sampata-Apyayana. 86–87: Entsteht keine Siddhi, vollziehe man Dravana. Das Verfahren wird hier erklärt: Man schreibe den mit dem Bija vaim verflochtenen Mantra auf Birkenrinde.“ [Fortsetzung in Vers 88.]

Band II, S. 198, Erwecken und Beeinflussen des Mantras 88–96
Deutsch: 88–89, Fortsetzung: „Mit Ushira, Rochana, Shila, Kampfer und Kumkuma schreibe man ihn; den geschriebenen Mantra lege man in Milch, Ghee, Honig und Wasser. Durch Puja, Japa und Homa wird der so verflüssigte Mantra fruchtbringend. Ist er trotz Dravana nicht wirksam, vollziehe man seine Erweckung. 90: Man umschließe ihn mit dem Vagbhava-Bija und rezitiere ihn. So erweckt wird er wirksam. Andernfalls vollziehe man Vashikriti. 91–92: Mit Kuchandana, Mahadaru, Kurkuma und Manahshila schreibe man den Mantra auf schöne Birkenrinde und trage ihn am Hals; so wird er gefügig. Andernfalls vollziehe man das Bedrängen. 92–94: Den ersten Wortabschnitt spreche man im tiefen, den zweiten im hohen Ton, den dritten wieder tief und den vierten hoch. So rezitiere der Sadhaka alle Wortabschnitte des Mantras. Beim tief gesprochenen Abschnitt meditiere man die Gottheit unten, beim hoch gesprochenen oben. 94–96: Man rezitiere den Mantra 1008-mal, schreibe ihn danach mit dem Milchsaft der Arka-Pflanze auf Birkenrinde, trete mit dem linken Fuß darauf und vollziehe 108 Homa-Darbringungen mit dem Mantra. Bedrängt wird er gnädig. Bleibt er unwirksam, ist er zu nähren; diese Handlung wird jetzt erklärt.“

Band II, S. 198–199, Nähren und Reinigen des Mantras 97–105
Deutsch: 97: „Man schreibe den mit dem Bija hsaum umschlossenen Mantra mit Rochana und Kumkuma auf Birkenrinde und bewahre ihn in Sauermilch und Milch auf. Dies heißt Nähren. 98–99: Nun wird das Austrocknen der Fehler erklärt. Man schreibe den mit dem Luft-Bija verflochtenen Mantra der erwählten Gottheit mit Opferasche auf Birkenrinde und trage ihn am Hals. Dies heißt Austrocknen. 100: Nun wird das Verbrennen erklärt. Die einzelnen Mantras schreibe man, in den vier Richtungen mit dem Bija ram umgeben, mit Öl aus Palasha-Samen auf Birkenrinde und trage das am Hals. Dies ist das Verbrennungsverfahren.“ [Die Verteilung der Umschließung in Vers 100 ist grammatisch nicht ganz eindeutig. Die Bijas in Vers 97 und 100 tragen im Druck Chandrabindu; der erste Lautverbund lautet h-s-au.] Weitere Mittel werden im Yamaleshvara, Gandharva und anderen Werken genannt: 101: „Pranava, die Göttin Matrika und Hrillekha sind die drei Nektare. Durch ihre Verbindung wird selbst ein fehlerhafter Mantra wirksam. 102: Gold, Arka-Öl und Mantra-Wasser werden verrieben. Wer damit den Körper bestreicht und rezitiert, macht selbst einen stumpfen Mantra wirksam.“ Im Gautamiya: 103: „Mit Gold, Sonnenpflanzenöl und dem eigenen Wasser verrieben und auf den Körper aufgetragen, wird durch Homa selbst ein stumpfer Mantra unmittelbar gnädig.“ [Die Bezeichnung ‚eigenes Wasser‘ bleibt stofflich unbestimmt. Die Druckanmerkung bezeichnet den Abschnitt von Vers 102 bis zu diesem Abschluss als Zusatz eines Textzeugen.] Damit enden die Mittel zur Mantrasiddhi. 104: „An Anfang und Ende des Mantras setze man Hrillekha, Kama-Bija und Shri-Bija und rezitiere zur Erlangung der Siddhi. 105: Oder der Sadhaka umschließe den Mantra mit Tara und rezitiere ihn hunderttausendmal; auch ein fehlerhafter Mantra wird dann wirksam.“ Damit enden die Hilfsverfahren. [Laut Druckanmerkung fehlen die Verse 104–105 mit ihrem Abschluss in einem Textzeugen.]

Band II, S. 199, Alternative Purashcharanas 106–111
Deutsch: Nun verschiedene Purashcharana-Verfahren. Im Vadavanaliya: 106–107: „Ohne Purashcharana werden Mantras niemals wirksam. Mantras, bei denen es fehlt, sind weder zur Anwendung geeignet noch fruchtbringend, o von den Viras Verehrte. 107–109: Ist für einen Mantra eine sehr hohe Japa-Zahl genannt, die der Sadhaka nicht bewältigen kann, so rezitiere er im Monat Magha am Ufer eines zum Meer fließenden Flusses oder in einem Tempel hunderttausendmal, während er sich von Opferkost ernährt. Dreimal täglich verehre er die Göttin hingebungsvoll mit vielfältigen Gaben. 110: Danach vollziehe er Homa und die übrigen zugehörigen Glieder nach Vorschrift. So wird der Mantra fruchtbringend, große Göttin. Die Diksha derjenigen, die kein Purashcharana ausführen, gilt als fruchtlos.“ In der Mundamala: 111: „Vom achten Mondtag der dunklen Hälfte bis zum nächsten solchen achten Mondtag gilt Japa in der Zahl von tausend als Purashcharana.“ [Ob tausend täglich oder insgesamt gemeint sind, wird in diesem Vers nicht ausdrücklich gesagt.]

Band II, S. 200, Zeitlich bestimmte Verfahren 112–123
Deutsch: Ebenda: 112–113: „Beim großen Fest beginne man am vierzehnten Mondtag der dunklen Hälfte mit Tapas; in den Nächten des achten und neunten Tages vollziehe man besondere Puja. Am zehnten Tag breche man das Fasten mit Fisch, Fleisch und weiteren Speisen. Täglich rezitiere man sechstausendmal, ganz der Hingabe gewidmet.“ [Die zeitliche Verbindung im ersten Satz ist im Druck gestört.] Ferner: 114–116: „Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Vom vierzehnten Mondtag bis zum nächsten vierzehnten Tag zu rezitieren gilt als Purashcharana, große Herrin. Allein durch Japa werden die Mantras wirksam; besonders auch durch Bali, Homa und weitere Gaben bei der Verehrung einer heiligen Stätte. Yonipitha, Mahapitha und außerdem Kamarupa werden genannt; einen dieser beiden Orte soll man verehren, wie einen weiteren Leib Rudras.“ [Die Aufzählung und die anschließende Zweizahl stimmen im Wortlaut nicht eindeutig überein.] Im Chandrapitha: 117: „Von Mahalakshmi bis Mahanavami, o Herrin, oder im Frühlingsmonat Madhu vom dunklen achten Tag bis Navami wird das Verfahren für Shakti-Mantras gelehrt. 118: Für Vishnu-Mantras gilt die helle Hälfte in Urja, Tapas oder Radha bis Ekadashi; für Shiva im Phalguna bis zum Bhuta-Tag, dem vierzehnten. 119: Auch im Bhadra gilt eine Zeit; für Ganesha gelten Magha und Bhadra, beginnend mit seinem eigenen Tag. Für andere Mantras gilt ebenfalls das zuvor genannte neunnächtige Verfahren. [Die Zuordnung des ersten Bhadra-Verweises bleibt unklar.] 120: Mit der Matrika übe man Japa vom Morgen bis zum Mittag und nachts einen Yama lang; man ernähre sich von Milch, Wurzeln und Früchten. 121: Im vierten Yama ist die zugehörige Handlung auszuführen, bei Mala-Mantras mit einem Zehntel. Für die anderen gilt Homa mit einem Zwanzigstel oder einem Zehntel. [Das Bezugswort der ersten Anweisung fehlt; es wird nicht ergänzt.] 122: Dakshina gebe man wie vorgeschrieben, ohne sein Vermögen betrügerisch zu verbergen. So wird der Mantra zweifellos für die Anwendung geeignet.“ Im Sadhanasamucchaya: 123: „Vom Mondtag der betreffenden Gottheit bis zu ihrem nächsten Mondtag rezitiere man täglich sechstausendmal. Dies gilt als Purashcharana.“

Band II, S. 201, Herbstliche Purashcharanas 124–130
Deutsch: 124–125: „Im Monat Urja, in der hellen Hälfte, beginne man am ersten Mondtag und rezitiere den Vishnu-Mantra bis zum elften. Am zwölften vollziehe man Homa und die übrigen Handlungen bis hin zur Speisung. Durch dieses Verfahren werden die Mantras des Feindes Muras wirksam.“ Im Kalikakalpa: 126–128: „Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: besonders im Herbst, vom vierten bis zum neunten Mondtag. Nach hingebungsvoller Verehrung rezitiere man nachts die genannte Tausenderzahl, allein an einem verlassenen Ort, in einem völlig dunklen Raum. Vom achten bis zum neunten Tag halte man das Fasten ein. So wird man Herr aller Siddhis; daran soll kein Zweifel bestehen.“ Mit „im Herbst“ ist die Monatshälfte der Göttin gemeint, mit „der genannten Tausenderzahl“ sechstausend. In der Mundamala: 129–130: „Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: In der Monatshälfte der jährlich im Herbst begangenen großen Puja widme man sich besonders dem Purashcharana. Vom achten bis zum neunten Tag faste man; nachts verehre man die Göttin hingebungsvoll und vollziehe sechstausend Japa-Wiederholungen.“ Hier ist Japa vom ersten bis zum neunten Mondtag zu verstehen.

Band II, S. 201–202, Schädel und Leichnam als Ritualbezug 131–137
Deutsch: Im Vishvasara: 131–132: „Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Man lege einen menschlichen Schädel am Puja-Ort nieder, breite darüber einen weichen Sitz aus und verehre die höchste Gottheit. Was würde durch täglich sechstausend Wiederholungen nicht gelingen?“ Im Kalitantra: 133–135: „Ein anderes Purashcharana gilt: Ein an einem Dienstag oder Samstag beschaffter menschlicher Schädel wird mit Panchagavya und besonders mit Sandelholz und anderen Stoffen verbunden und im Wald eine halbe Elle tief in den Boden gelegt. Rezitiert der Sadhaka dort in derselben Nacht allein tausendmal den Mantra, wird er einem wunscherfüllenden Baum gleich.“ Ebenda: 136–137: „Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Man bringe an demselben Wochentag einen Leichnam herbei und grabe ihn nach demselben Maß ein. Bis zum Tag am Ende dieses Tages vollziehe man 108 Wiederholungen.“ Das Verb „rezitieren“ ist zu ergänzen. „Er wird Herr aller Siddhis; daran soll kein Zweifel bestehen.“ [Die Zeitangabe ist im gedruckten Vers unklar.] „An demselben Wochentag“ bedeutet am zuvor genannten Samstag oder Dienstag. „Nach demselben“ bedeutet nach demselben Maß von einer halben Elle.

Band II, S. 202, Ganztägiger und nächtlicher Japa 138–144
Deutsch: Ebenda: 138–139: „Ein anderes Purashcharana gilt: Am achten oder vierzehnten Mondtag einer der beiden Monatshälften rezitiere man vom Sonnenaufgang bis zum nächsten Sonnenaufgang ohne Furcht; so wird man Herr aller Siddhis.“ Weil dies ausdrücklich Purashcharana genannt wird, sind auch Homa und die übrigen Glieder auszuführen. In einem anderen Tantra: 140: „Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Man rezitiere vom Sonnenaufgang bis zum nächsten Sonnenaufgang ohne Furcht; so wird man Herr aller Siddhis.“ Hier liegt der Unterschied zum vorigen Verfahren darin, dass kein bestimmter Mondtag vorgeschrieben ist. 141–142: „Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Man rezitiere vom Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang ohne Furcht; so wird man Herr aller Siddhis. 142–143: Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang rezitiere man voller Hingabe, o Göttin; so wird man Herr aller Siddhis. 144: Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Man beginne beim Sonnenuntergang und fahre bis zum Sonnenaufgang fort …“ [Fortsetzung in Vers 145; die erneute Nennung dieser Zeitspanne steht so im Werk.]

Band II, S. 203, Homa- und Tarpana-Purashcharana 145–149
Deutsch: 145, Fortsetzung: „… so lange rezitiere man, große Herrin; man wird Herr aller Siddhis. 145–146: Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Im Herbst, vom vierten bis zum neunten Mondtag, vollziehe man Purashcharana in Form des Homa, o große Herrin; so wird man Herr der Siddhis. 147–148: Nun erkläre ich dir Purashcharana in Form des Tarpana: mit Milch, Flüssigkeit aus gegorenem Getränk, Blut, Mark, Honig, Duftwasser, Strömen von Blut oder allein mit reinem Wasser, große Herrin.“ Hier ist die Verschiedenheit der Tarpana-Stoffe entsprechend der unterschiedlichen Ritualberechtigung zu verstehen. Im Sadhanasamucchaya: 149: „Beim großen Fest vollziehe man vom ersten bis zum neunten Mondtag tagsüber oder nachts sechstausend Japa-Wiederholungen. Nach vorschriftsmäßiger Verehrung der Göttin wird man Herr aller Siddhis.“

Band II, S. 203–204, Weitere tägliche und nächtliche Verfahren 150–162
Deutsch: In einem anderen Tantra: 150–151: „Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Man rezitiere tagsüber sechstausendmal und ebenso nachts. Auf diese Weise wird man Herr aller Siddhis, o Herrin der Götter. 151–152: Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Tagsüber rezitiere man sechstausendmal, nachts führe man ebenso viele Homa-Darbringungen aus. So wird man Herr aller Siddhis. Höre nun ein weiteres Verfahren, Parvati. 153–154: Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Nach den täglichen Pflichten am Tag rezitiere man nachts in einem völlig dunklen Raum, ganz der Meditation zugewandt. So wird man Herr aller Siddhis. 154–155: Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Wer in einem Kreis des Gesangs Japa übt, wird Herr der drei Welten. 155–157: Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Tagsüber rezitiere man zehntausendmal; nachts rezitiere man während der Puja tausendmal, wobei man sich von Fleischspeisen ernährt. So wird man Herr aller Siddhis und erlangt Vetala-Siddhi. 157–159: Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Vom ersten bis zum neunten Mondtag rezitiere man, große Herrin, an einem einsamen, menschenleeren Bergort in einem völlig dunklen Raum vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang; so wird man Herr aller Siddhis. 159–162: Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Mit beherrschten Sinnen verbringe man neun Nächte an einem verlassenen Berg- oder Waldort. Auf einem Schädel befinde sich eine Schädelkalotte und darüber eine entzündete Lampe. Neun Nächte lang rezitiere man, o Göttin, ganz auf das Licht der Lampe blickend. Auf den Schädeln befinden sich der Grundmantra und das vorzügliche Bija Kaumaris; das Yantra ist mit Sindura gezeichnet. So wird man Herr aller Siddhis.“ [Die räumliche Zuordnung der letzten Mantra- und Yantra-Angaben ist im Text nur verkürzt überliefert.]

Band II, S. 204, Lata-Verehrung 163–166
Deutsch: Im Kalitantra: 163–165: „Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Zur Übergangszeit des achten Mondtages betrete der Mantraübende das Haus der acht und weiteren Latas. Er verehre sie sorgfältig nach Vorschrift und vollziehe Puja und die übrigen Handlungen nach dem zuvor genannten Verfahren. Als Kamadeva selbst rezitiere er 108-mal. Nachdem er an der Wurzel ihrer Blätter rezitiert und das Gewonnene am Kopf gesammelt hat, entsteht unmittelbar große Siddhi durch die Schau der Lata-Verehrung.“ [Die Zahlformulierung wird in der anschließenden Erläuterung des Werkes abweichend als „bis zu acht“ ausgelegt. Die Latas, wörtlich „Ranken“, bezeichnen hier Frauen im Ritual.] „Zur Übergangszeit des achten Tages“ bedeutet am Übergang zwischen dem achten und neunten Mondtag. „Haus der acht und weiteren Latas“ bedeutet das Haus von nach Möglichkeit bis zu acht Shaktis, den Tempel des Liebesgottes. Das „zuvor genannte Verfahren“ heißt Duti-Yaga. „An der Wurzel ihrer Blätter“ bedeutet am Geschlechtsteil: Nach dem Japa den Samen ausstoßen, denselben Samen am Kopf aufnehmen und daraus ein Tilaka-Zeichen bilden — dies ist der Sinn. Dieses Verfahren ist für Viras bestimmt. Ebenso ist bei den übrigen Verfahren anhand der besonderen Handlungen zu erkennen, ob sie sich auf den jeweiligen Weg beschränken oder allgemein gelten. [Die Druckanmerkung bezeichnet dies als tantrische Anwendung.] Ferner: 166: „Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Man schreibe den Mantra im Kula-Haus der herbeigezogenen Frau …“ [Der verschlüsselte Ausdruck wird hier beibehalten; Fortsetzung in Vers 167.]

Band II, S. 205, Fortsetzung und Guruverehrung 167–170
Deutsch: 167–168, Fortsetzung: „Nachdem man dort verehrt, die Weihehandlung vollzogen und ihr die Darbringung übergeben hat, rezitiere man ein wenig, ganz auf das Gottheit-Sein ausgerichtet. Man entlasse sie, verneige sich und schlafe selbst in guter Selbstbeherrschung. Am Morgen bringe man den Frauen Bali dar; so entsteht zweifellos Mantrasiddhi.“ [Die Verbindung bei der Übernahme beziehungsweise Führung des Mantras in Vers 167 bleibt sprachlich unklar.] Thakkura erklärt: Hier ist nur Verehrung gemeint, nicht auch Geschlechtsverkehr. Ebenda: 169–170: „Man bringe den Guru herbei, lasse ihn Platz nehmen und verehre den Erhabenen wie eine Gottheit. Man erfreue ihn mit Gewändern, Schmuck, Gold und weiteren Gaben; auch seinen Sohn, seine Tochter und seine Frau verehre man. Nach der Verehrung und dem Japa des Mantras wird man selbst Herr der Siddhis.“

Band II, S. 205, Verfahren des linken Weges 171–174
Deutsch: Im Merutantra: 171–172: „Für die Mantras des linken Weges wird ein weiteres Verfahren gelehrt: Vom achten bis zum vierzehnten Mondtag der dunklen Hälfte rezitiere man, über die Gottheit meditierend, vierzigtausendmal den Mantra. Danach vollziehe man Homa mit einem Zehntel dieser Zahl, Tarpana und Abhisheka.“ In der Kalpalata überlieferte Aussagen: 173–174: „Am achten, vierzehnten und besonders am neunten Mondtag gehe man nachts zum Verbrennungsplatz, o Herrin der Götter. Nackt und mit offenem Haar, ganz auf das Gottheit-Sein ausgerichtet, rezitiere der Mantraübende zehntausendmal, o göttliche Schöne. Dieser Sohn der Göttin erlangt auf Erden Mantrasiddhi.“

Band II, S. 205–206, Das rote Verfahren 175–180
Deutsch: In der Mundamala: 175–177: „Das höchste Geheimnis, o Göttin, noch geheimer als das Geheime, werde ich dir erklären, Geliebte; dadurch entsteht Offenbarung. Was hier als Geheimnis gesprochen wird, ist zu bewahren, große Göttin. In einem schönen, glückverheißenden Haus, mit Kampfer und anderen Stoffen wohlbeduftet und mit rot bestrichenen Wänden, sitze man auf einem roten Sitz, mit einer Mala aus rotem Sandelholz, und trage rote Blumen. 178: Mit rotem Sandelholz bestrichen und in rote Gewänder gehüllt, rezitiere man zehntausendmal und meditiere über die rote Herrin der Götter. 179–180: Danach bringe man eine rote beziehungsweise Blut-Bali dar und verehre sie mit roten Blumen. Ein Zehntel der Zahl opfere man mit den Vajra genannten roten Blüten, die mit den drei süßen Stoffen benetzt sind. Den Körper mit Sindura gerötet, bewirte man danach eine Kumari, eine unverheiratete weibliche Ritualperson, mit roten Blumen, Asava und weiteren Gaben. Wer so handelt, erlangt die gewünschte Siddhi.“ [Der Ausdruck für die Bali unterscheidet hier sprachlich nicht eindeutig zwischen roter Gabe und Blutgabe; ein Alter der Kumari wird nicht genannt. Die besondere Blütenbezeichnung Vajra wird nicht weiter aufgelöst.]

Band II, S. 206, Das weiße Verfahren 181–188
Deutsch: Ein weiteres Purashcharana wird erklärt: 181–183: „Oder man richte ein mit Kalk und anderen Stoffen weiß getünchtes Haus her. Auf einem weißen Sitz, mit einer reinen Kristallmala, mit Kampfer und Sandelholz bestrichen, in weiße Gewänder gehüllt und rein, verehre man mit weißen Blumen die weiße Herrin der Götter. Über sie meditierend und die Welt als erleuchtet schauend rezitiere man zehntausendmal. 183–185: Ein Zehntel dieser Zahl bringe man als Homa mit schönen weißen Lotusblättern dar, mit Zucker und Honig versehen und in Ghee getaucht. Als Dakshina gebe man einem Brahmanen weiße Kleidung, eine weiße Girlande, Schmuck aus weißen Blumen und eine weiße Salbe. Ebenso beschenke man die Kumaris und bewirte sie hingebungsvoll. 186: Danach esse der Sadhaka selbst Speisen mit den drei süßen Stoffen, nachdem er sie zuvor mit Hingabe und reiner Gesinnung der Göttin dargebracht hat. 187–188: Dieses so vollzogene höchste Purashcharana vermehrt Erkenntnis und Ruhm, bringt Herrschaftsgebiete unter Einfluss und macht das Herz des Sadhaka heiter. Oder wer das Purashcharana nach einem anderen Verfahren ausführt …“ [Fortsetzung in Vers 189.]

Band II, S. 206, Beginn des farbigen Lotusmandalas 189–191
Deutsch: 189, Fortsetzung: „… erlangt die gewünschte Siddhi, ganz der Hingabe an den Guru gewidmet. Im Inneren des Hauses bereite man mit Sindura ein Mandala vor. 190: Darin zeichne man einen achtblättrigen Lotus, mit Sindura-Pulver bestrichen; seine Blätter färbe man der Reihe nach gelb, grün, weiß und blau. 191: Die reine Mitte zeichne man mit Kurkuma-Pulver. Darin vergegenwärtige man die erwählte Gottheit in Gestalt eines gefüllten Kruges.“

Band II, S. 207, Abschluss des Lotusmandala-Verfahrens 192–196
Deutsch: 192–193: „Der vorzügliche Sadhaka lege die fünf Edelsteine und Panchamrita-Wasser in den Krug, umhülle ihn mit rotem Tuch und verneige sich vor dem Guru. Dann vollziehe er zehntausend vorzügliche Japa-Wiederholungen und sorgfältig tausend Homa-Darbringungen mit Bilva-Blättern, 194–195: die mit rotem Sandelholz benetzt und mit den drei süßen Stoffen durchtränkt sind. Auf den acht Blättern bringe man mit Ziegenblut besprengten Milchreis samt Rohzucker dar; in der Mitte den mit Honig versehenen Kopf einer Ziege, zuvor mit einer Girlande aus roten Blumen verehrt. 196: Nach der Darbringung dieser vorzüglichen Bali blicke man in die Himmelsrichtungen. So fliehen die Feinde in der Nacht rasch und voller Furcht.“

Band II, S. 207, Bhairava- und Göttinnenverehrung am Verbrennungsplatz 197–203
Deutsch: 197–199: „Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Fällt der vierzehnte Mondtag auf einen Dienstag, nehme man die Bali aus dem Haus mit, begebe sich zum Verbrennungsplatz und vollziehe ihre Verehrung. Nach Errichtung des zuvor beschriebenen Pavillons bringe man nachts die Bali dar. Zuerst verehre man Bhairava, danach die Göttin. 199–201: Auf einem Tigerfell sitzend, mit offenem Haar und ohne Furcht, rezitiere der verständige, vorzügliche Vira zehntausendmal, o Göttin. Danach bringe er eine Bali aus berauschendem Getränk und weiteren Stoffen in einer menschlichen Schädelkalotte dar. Nach der Verneigung vor Bhairava bringe er der Göttin Blut und berauschendes Getränk, Milchreis, Sauermilch, gekochten Reis oder Reis mit Rohzucker dar. 202–203: Furchtlos verneige er sich und kehre freudig ins Haus zurück. Von schweren Verfehlungen befreit wird er einer Königsherrschaft würdig, bringt der Feindesschar Leid und wird Herr der erklärenden Rede. Schon sein Anblick bezaubert die Frauen, als wäre er ein zweiter Liebesgott.“ [Die Verbindung zur Feindesschar ist im Druck grammatisch unregelmäßig.]

Band II, S. 207–208, Verehrung einer Frau als Göttin 204–210
Deutsch: 204–206: „Oder man bringe in der Nacht des vierzehnten Mondtages der dunklen Hälfte eine schöne Frau in ein verlassenes Haus, in ein durch Sindura gerötetes Mandala. Man schmücke sie mit Schmuckstücken und verehre sie besonders mit Gewändern, Girlanden und duftenden Salben. Nach dem Nyasa an ihr verehre man die Freude schenkende Göttin. Während man einen wohlriechenden Stoff genießt, vollziehe man tausendundhundert Wiederholungen. [Das Verb der Wiederholung ist im Vers nicht ausdrücklich gesetzt; der Stoff bleibt unbestimmt.] 207: Eine mit Milch, berauschendem Getränk und Süßem vermischte Bali bringe man dar; auch die Speisegabe für sie sei mit berauschendem Getränk und Süßem vermischt. 208–209: Dadurch erlangt man höchste Anziehungsmacht in den drei Welten und vollkommene, anziehende Dichtkunst. In dieser untadeligen Frau ist die höchste Herrin gnädig; daher wird der vorzügliche Sadhaka gewiss von voller Glückseligkeit erfüllt. 210: Dieses tiefere Geheimnis, o Göttin, darf der Sadhaka, der die auf Erden schwer erreichbare große Siddhi wünscht, keinesfalls offenlegen.“

Band II, S. 208, Lampen und Kalasha 211–221
Deutsch: 211–212: „Oder höre, Herrin der Götter, ein vorzügliches Purashcharana: Von Opferkost lebend und mit offenem Haar rezitiere man zehntausendmal mit innerer Achtung. Dann steht einem jede Art von Rede in Prosa und Versen offen. 212–214: Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Am tagsüber gereinigten Ort entzünde man nachts vierundsechzig Lampen in den vier Himmelsrichtungen. In der Mitte zeichne man mit Sindura und Duftpulvern ein Mandala, sodann einen sechzehnblättrigen Lotus und darin einen achtblättrigen mit einem Blütenkern in der Mitte. 215–217: Man zeichne zwei Dreiecke und stelle dort einen Krug auf, mit Panchamrita gefüllt und mit Durva, Mangoblättern und weiteren Blättern versehen. Man bedecke ihn mit weichem, besonders rotem Tuch. Nach dem Schutzverschluss der Himmelsrichtungen setze man sich auf einen Sitz aus Leopardenfell, rufe die erwählte Göttin herbei und verehre sie mit den fünf Opferdiensten. Dann beginne man Japa. 218: Das erste und das vierte Nachtviertel lasse man aus; in den beiden mittleren übe man Japa, nachdem Anga-Nyasa und die übrigen Vorbereitungen vollzogen wurden. 219–220: Am Ende des Japa bringe man sorgfältig eine schwarze Ziege als Bali dar. Am Morgen führe man entsprechend der Japa-Zahl Homa und die übrigen Glieder aus: Tarpana, Marjana und die Speisung der Brahmanen. Danach verehre man eine Kumari und erfreue die Sadhakas. 221: So vollzogen schenkt Purashcharana stets große Siddhi; Bhairavi selbst wird denjenigen, die es ausführen, gewogen und fügt sich ihnen.“

Band II, S. 209, Zeitspanne und Verehrung ohne sexuelle Handlung 222–234
Deutsch: 222, Fortsetzung: „Durch die Macht des verwirklichten Mantras bringt man die drei Welten unter seinen Einfluss. 222–225: Ein weiteres vorzügliches Purashcharana werde ich erklären; höre, Tochter des Berges, o Göttin, dieses rasch Früchte bringende Verfahren. Vom vierten Tag der dunklen bis zum vierten Tag der hellen Monatshälfte rezitiere man den Mantra gesammelt und unter Einhaltung der Regeln bezüglich Frauen. [Welche Regeln gemeint sind, wird hier nicht ausgeführt.] Danach sind Homa und die übrigen Glieder zu vollziehen; damit ist das Verfahren vollständig. Voller Eifer meditiere man über die Göttin und rezitiere in ruhiger Verfassung. So erlangt der Mantrasadhaka die gewünschte Siddhi. 226–228: Oder man befinde sich am dreizehnten Mondtag, wenn er auf einen Dienstag fällt, freudig auf einem Blumenlager, in weicher Kleidung, schön geschmückt und mit duftender Salbe versehen. Man schmücke eine Frau, die außereheliche Beziehungen unterhält, und bringe sie herbei. Mit einer Blume auf sie Bezug nehmend rezitiere man im abgeschiedenen Haus. [Die genaue Bedeutung der Verbindung ‚mit einer Blume sich auf sie stützend‘ bleibt unklar.] Der Verständige rezitiere nach seiner Kraft mit einer Korallen- oder Perlenmala und bringe danach der Göttin Bali dar: 229–230: vorzüglichen Milchreis mit Honig, Ghee und Zucker. Aus duftenden Blumen und jungen Blättern fertige er eine Girlande, bringe sie der Göttin dar und lege sie in das Haar der Frau. Der vorzügliche Sadhaka soll keinerlei sexuelle Handlung ausführen. 231–232: Er gebe ihr Schmuck und weitere Gaben, nachdem er sie zuvor der Göttin dargebracht hat; nach dieser Darbringung entlasse er die Frau. Den Rest der Nacht verbringe der Kundige wachend. Ein solches Handeln mehrt die Freude der Göttin. 233–234: So erlangt der Sadhaka durch den Mantra Siddhi. Dieses leicht auszuführende Verfahren hängt von Standhaftigkeit ab, o Herrin der Götter. Es wurde dir als wohlgehütetes Geheimnis erklärt und darf keinesfalls offenbart werden. Noch etwas anderes werde ich dir zu deiner Freude erklären, Parvati …“

Band II, S. 209–210, Kurkuma-Mandala 235–239
Deutsch: 235–236, Fortsetzung: „… durch dessen Ausführung der Sadhaka allen Menschen lieb wird. Vor sich zeichne er ein Mandala aus Kurkuma-Pulver. An den vier Toren stelle er glückverheißende Bananenstauden mit ihren Blättern auf und ordne daran mit besonderem Geschick Reihen von Lampen an. 237–239: Am Morgen des achten Mondtages beginne er und rezitiere den ganzen Tag und die Nacht. Nach vorschriftsmäßiger Bali-Darbringung vollziehe er Homa und die übrigen Handlungen. Nach dem Fasten führe er am Morgen die Handlungen bis zur Dakshina aus. Der Mantraübende erlangt große Siddhi, als höchster Träger des Haritala. [Das letzte Beiwort ist in diesem Zusammenhang unklar.] All dies wurde dir als wohlgehütetes Geheimnis erklärt, Strahlende.“

Band II, S. 210, Weitere Verfahren und Rama-Navami 240–246
Deutsch: Im Kalitantra: 240: „Oder man rezitiere an einem schönen, abgeschiedenen Ort auf einem Lager aus Knochen den Mantra bis zu beiden Untergängen und werde Herr aller Siddhis.“ [Die Zeitbestimmung „beide Untergänge“ bleibt unklar.] 241: „Am Fuß eines Bilva-Baumes lege man sorgfältig einen Leichnam auf den eigenen Schoß, blicke in der Narasimha-Mudra und rezitiere mit der Matrika. Nach tausend Wiederholungen wird man Herr aller Siddhis.“ Im Bhairavatantra: 242: „Man vollziehe täglich 1008 Japa-Wiederholungen. Nach sechs Monaten wird man, mit Siddhi versehen, ein Dichter und ein Schatz des Wissens.“ In einem anderen Tantra: 243: „Nachts auf dem großen Verbrennungsplatz, auf einem Leichnam als Lager und Sitz, rezitiere der Mantraübende sechstausendmal; so wird er Herr aller Siddhis.“ Alle drei Verfahren beziehen sich auf die erste Vidya. Im Sadhanasamucchaya: 244–245: „Am der jeweiligen Gottheit zugehörigen Mondtag rezitiere der vorzügliche Sadhaka vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang oder vom Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang. Dies heißt Purashcharana. Homa und die übrigen Handlungen bis zur Brahmanenspeisung sind von den Kundigen wie zuvor auszuführen.“ In der Agastyasamhita: 246: „Im Monat Chaitra, am neunten Mondtag, wurde Rama, Hari selbst, geboren. Dieser Tag, wenn er mit dem Mondhaus Punarvasu verbunden ist, gewährt alle Wünsche.“ [Die Druckanmerkung verzeichnet den Abschnitt von diesem Zitat bis zum Fastenbrechen am zehnten Tag als nur in einem Textzeugen vorhanden; Fortsetzung auf der folgenden Seite.]

Band II, S. 211, Rama-Navami und kürzere Verfahren 247–252
Deutsch: Ferner: 247–248: „An diesem höchst verdienstvollen Tag sitze man abgeschieden und rezitiere voller Hingabe zu Rama bis zum zehnten Mondtag. Schon dadurch wird Purashcharana vollzogen. Am zehnten Tag speise man Brahmanen mit vielfältigen Gerichten und gebe hingebungsvoll Dakshina. Damit ist das Ziel erreicht, und Rama wird unmittelbar gnädig.“ Nun die Bestimmung des Mondtages: 249–250: „Ist der reine neunte Mondtag im Chaitra mit Punarvasu verbunden und umfasst er die Mittagszeit, ist er höchst verdienstvoll. Ein neunter Mondtag, der mit dem achten vermischt ist, ist von Vishnu-Verehrern zu meiden. Am neunten halte man das Fasten ein; erst am zehnten breche man es.“ Im Vadavanaliya: 251–252: „Für diejenigen, die auch hierzu nicht imstande sind, werde ich ein vorzügliches Purashcharana erklären. Vom ersten Mondtag einer Monatshälfte bis zum Mondtag der betreffenden Gottheit rezitiere man täglich zwei Praharas lang mit der Buchstabenmala. Nach dem Japa vollziehe man täglich Puja, Homa und die übrigen Handlungen. Dies gilt als Purashcharana für jeden beliebigen Mantra.“ „Hierzu“ bezieht sich auf das zuvor beschriebene Purashcharana mit hunderttausend Japa-Wiederholungen.

Band II, S. 211, Purashcharana während einer Finsternis 253–256
Deutsch: Nun Purashcharana zur Zeit einer Finsternis. Im Merutantra: 253–255: „Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Bei einer Sonnen- oder Mondfinsternis sei man rein und habe zuvor gefastet. In einem zum Meer fließenden Fluss stehe man bis zum Nabel im Wasser und rezitiere gesammelt vom ersten Kontakt bis zur Freigabe den Mantra. Nach dieser Rezitationszeit vollziehe man Homa und die übrigen Handlungen und speise danach Brahmanen. Dies ist einem Purashcharana gleichwertig. 256: Als Sühne für eine rituelle Anwendung, zur Beseitigung nachteiliger Folgen und für Mantras, deren Japa- und Homa-Zahl in den Tantras nicht genannt ist, gilt dieses in allen Tantras geheim gehaltene Purashcharana.“

Band II, S. 212, Ausführungsweisen bei Finsternissen 257–267
Deutsch: Auch in anderen Tantras: 257–260: „Bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis sei man rein und habe zuvor gefastet. Man stehe in einem zum Meer fließenden Fluss bis zum Nabel im Wasser; oder man bade in reinem Wasser und bleibe gesammelt an einem reinen Ort. Vom ersten Kontakt bis zur Freigabe vollziehe man Japa mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Anschließend führe man Homa und die übrigen Handlungen jeweils mit einem Zehntel der vorausgehenden Zahl aus. Zum Schluss veranstalte man eine große Puja und Brahmanenspeisung. Zur Vollendung des Mantras verehre und erfreue man den Guru. Danach führe der Mantrakenner die im Ritualhandbuch vorgeschriebenen Anwendungen aus.“ Im Kalitantra: 261 und anschließender Halbvers: „Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis rezitiere man den Mantra vom Verschlungenwerden bis zur Freigabe und führe Homa und die übrigen Handlungen in derselben Zahl aus.“ [Die Zeitwörter stehen im Sanskrit in umgekehrter Kasusverbindung; ihre gemeinte Abfolge ergibt sich aus dem Zusammenhang.] In der Sanatkumarasamhita: 262–264: „Ein weiteres Purashcharana-Verfahren: Bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis bade man und rezitiere mit gesammeltem, ungeteiltem Geist vom ersten Kontakt bis zur Freigabe. Nach Sichtung der Finsternis bade man, fasse den Sankalpa und übe Japa bis zur Freigabe. Nach Ende der Finsternis vollziehe der Reine Homa und die übrigen Handlungen in entsprechender Zahl. Durch solchen Japa entsteht zweifellos Mantrasiddhi.“ „Entsprechend“ bedeutet: in derselben Zahl, in der Japa vollzogen wurde. Auch im Siddheshvarimata heißt es: 265–266: „Bei Mond- und Sonnenfinsternis, o Göttin, vollziehe man Homa und die übrigen Glieder so oft, wie man den Mantra vom Verschlungenwerden bis zur Freigabe rezitiert hat. Alle fünf Glieder haben dieselbe Zahl; Japa und Homa gelten als gleichzahlig. Dies ist die Lehre der Siddheshvari, die alle Siddhis schenkt.“ Im Chandrapitha, Mantradevaprakashika, Ratnavali und anderen Werken: 267: „Man habe drei Fastentage eingehalten oder entsprechend der eigenen Kraft gefastet; Shraddha und die übrigen Handlungen vollziehe man sehr kurz. Sobald die Finsternis beginnt …“ [Fortsetzung in Vers 268.]

Band II, S. 213, Finsternisrituale und Ersatz für fehlende Glieder 268–280
Deutsch: 268–269, Fortsetzung: „… stehe man in einem zum Meer fließenden Fluss bis zum Hals im Wasser und übe Japa bis zum Ende der Finsternis; Homa und die übrigen Glieder vollziehe man jeweils mit einem Zehntel. Nach vollständiger Dakshina erlangt man Mantrasiddhi. Danach führe der Mantrakenner die im Ritualhandbuch genannten Anwendungen aus.“ Im Tantrachintamani überlieferte Aussagen anderer Tantras: 270–273: „Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Während einer Sonnen- oder Mondfinsternis stehe man bis zum Nabel im Wasser und übe vom Verschlungenwerden bis zur Freigabe Japa, große Herrin. Homa vollziehe man mit einem Zehntel, die drei weiteren Glieder nacheinander jeweils mit einem Zehntel. Oder man rezitiere nach derselben Ordnung an einem Zusammenfluss, auf einem großen Zeh stehend, vom Verschlungenwerden bis zur Freigabe. Sorgfältig vollziehe man das fünf-, acht- oder zehngliedrige Purashcharana, o Herrin der Götter; so wird man Herr aller Siddhis. 274–277: Ein anderes Purashcharana wird gelehrt: Bei einer Sonnen- oder Mondfinsternis sei man rein und habe zuvor gefastet. Bereits eine halbe Ghatika zuvor setzt die Finsternis ein; dann ist das Bad zu vollziehen, beim Verschlungenwerden der Sankalpa. [Die zeitliche Aussage ist im Wortlaut widersprüchlich.] Geburt und Tod bewirken während der Finsternis keine rituelle Unreinheit, Parvati. Bis zur Freigabe übe man Japa; der Abschluss geschieht, wenn diese sicher erkannt ist. Ist die Sonne verdeckt, berücksichtige man die noch nicht vergangene halbe Ghatika. [Die genaue Zeitberechnung bleibt im Druck unklar.] Dann schließe man ab; der Mantra wird gewiss wirksam. 278: Wird die Verehrung aus Unachtsamkeit mangelhaft, speise man viele Brahmanen. Welches Glied auch fehlt: Die Speisung der Zweimalgeborenen stellt seine Vollständigkeit her. 279–280: Homa vollziehe man mit einem Zehntel, Tarpana mit einem Zehntel davon, Marjana wiederum mit einem Zehntel und Abhisheka mit einem Zehntel; ebenso die Brahmanenspeisung mit einem Zehntel. So wird der Mensch gottgleich. Für jedes fehlende Glied gilt Japa in doppelter Zahl; für Brahmanen und die folgenden Stände ist der Reihe nach die zwei-, drei-, vier- und fünffache Zahl überliefert.“ [Marjana und Abhisheka stehen hier als getrennte Glieder im Text.]

Band II, S. 214, Finsternisbeginn und Verhältnis zum Ahnenritual 281–287
Deutsch: Im Vadavanaliya: 281: „Bei Mond- und Sonnenfinsternis rezitiere man den Mantra mit ungeteilter Aufmerksamkeit vom ersten Kontakt bis zur Freigabe. Homa und die übrigen Glieder vollziehe man in derselben Zahl oder mit einem Zehntel; dies heißt Purashcharana.“ Das Wort „Kontakt“ meint hier die Wahrnehmung des Kontakts, denn eine Smriti-Aussage lautet: 282: „Was als Rahu mit den Augen gesehen wird, heißt Finsternis. Dann vollziehe man die Handlungen, nicht allein aufgrund einer Berechnung.“ Ferner: 283: „Keine andere Zeit wird so gepriesen wie die Zeit einer Sonnenfinsternis und dergleichen. Wer bei Mond- oder Sonnenfinsternis aus Rücksicht auf Shraddha kein Purashcharana vollzieht, wird in der Hölle gequält.“ Aufgrund solcher Aussagen ist Finsternis-Purashcharana für Mantraübende notwendig. 284: „Beim Anblick Rahus muss Shraddha vollzogen werden, selbst unter Einsatz des ganzen Vermögens. Wer es aus Unglauben unterlässt, versinkt wie eine Kuh im Schlamm.“ Nach dem Verfasser des Sudharnava bezieht sich diese tadelnde Smriti-Aussage zur Pflicht des Shraddha auf die Nicht-Eingeweihten. Auch Sanatkumara erklärt: 285: „Wer das Japa-Opfer aufgibt und stattdessen das Ahnenopfer vollzieht, wird zum Gegner der Gottheit und zieht sieben Generationen seiner Ahnen hinab.“ Daher lehren manche, Shraddha durch einen Stellvertreter ausführen zu lassen. Aufgrund des Satzes 286: „Fehlen Speisen oder Brahmanen, befindet man sich auf Reisen, wird ein Sohn geboren oder tritt eine Finsternis ein, vollziehe man ein Gold-Shraddha; ein Shudra vollziehe ebenfalls dieses“, führen andere zunächst Gold-Shraddha und dann Purashcharana aus. Gold-Shraddha bedeutet, nach eigener Kraft Gold für die Ahnen zu spenden. Der Verfasser der Kalpalata erklärt hingegen, Sanatkumaras mit „Wer das Japa-Opfer aufgibt“ beginnende Aussage betreffe eine Sonnenfinsternis, die mittags während eines bereits begonnenen Purashcharana eintritt. Tatsächlich ist für Smartas Shraddha, für Tantriker Purashcharana verpflichtend, denn im Siddhantasara heißt es: 287: „Der Tantriker übe Japa, der Smarta vollziehe Shraddha.“ Der Sankalpa für Finsternis-Purashcharana lautet nun: [Fortsetzung auf der folgenden Seite.]

Band II, S. 215, Sankalpa und Begriff des Purashcharana 288–289
Deutsch: „Om. Heute … während die Sonne oder der Mond von Rahu ergriffen ist, werde ich, mit dem Namen … Sharma und aus dem Gotra …, im Wunsch nach der Siddhi des Mantras … der Gottheit …, vom Verschlungenwerden bis zur Freigabe ein Purashcharana in Form von Japa ausführen.“ [Die Auslassungen sind Einsetzstellen für die im Quelltext durch amuka bezeichneten persönlichen Angaben; die Zeitformel wird dort mit „heute und so weiter“ abgekürzt.] Hier vertreten manche folgende Auffassung. Aufgrund der Aussagen 288: „Japa, Homa, Tarpana, Marjana und Brahmanenspeisung: Diese fünfgliedrige Verehrung gilt in der Welt als Purashcharana“, und 289: „Wer Siddhi dieses Mantras wünscht, vollziehe die betreffende Japa-Zahl, danach Homa mit einem Zehntel, Tarpana mit einem Zehntel davon, Marjana mit einem Zehntel und Brahmanenspeisung mit einem Zehntel“, sei nur die unter einem gemeinsamen Sankalpa stehende fünfgliedrige Verehrung Purashcharana. Beim Finsternis-Purashcharana und ähnlichen Formen werde das Wort lediglich in übertragenem Sinn gebraucht, da diese nur aus Japa bestünden und nicht aus fünfgliedriger Verehrung unter einem Sankalpa. Die dortige Vorschrift von Homa und den übrigen Handlungen solle nur ihre Gleichwertigkeit mit dem eigentlichen Purashcharana anzeigen. Diese Auffassung ist jedoch zu prüfen: Denn im Merutantra und anderen Werken wird auch beim eigentlichen Purashcharana zuerst lediglich der Sankalpa für Japa gelehrt. Ebenso werden dort je nach Mantra und Weg Purashcharanas mit weniger oder mehr Gliedern beschrieben. Es fehlt daher ein Beleg dafür, dass das Wort ausschließlich die fünfgliedrige Verehrung unter einem gemeinsamen Sankalpa bezeichnet. Aussagen wie „Die fünfgliedrige Verehrung gilt in der Welt als Purashcharana“ beziehen sich auf diejenigen Mantras, für die eben diese fünf Glieder das Purashcharana bilden, nicht auf das Purashcharana sämtlicher Mantras. Den Sankalpa für Japa mitsamt seinen Gliedern in einem einzigen Satz auszudrücken dient nur der Kürze.

Band II, S. 215–216, Sichtbarkeit und Fasten bei Finsternissen 290–295
Deutsch: Im Sadhanasamucchaya: 290: „Man gebe die Furcht vor einem geringen, von der Astrologie bestimmten Nachteil auf und vollziehe beim Anblick Rahus Japa, der die Frucht von zehn Millionen verdienstvollen Handlungen schenkt.“ Ebenda wird auch die Abhilfe gegen einen astrologisch angezeigten Nachteil genannt: 291: „Der Verständige lasse einen Mond aus Silber und eine Sonne aus Gold herstellen, verehre sie mit den fünf Opferdiensten und schenke sie einem Brahmanen.“ Ferner: 292: „Wurde Japa vom Verschlungenwerden bis zur Freigabe gelobt und geht das Gestirn noch verfinstert unter, beende man Japa, sobald man die Freigabe anhand der Fachlehre festgestellt hat. Essen soll man jedoch erst, nachdem Sonne oder Mond wieder gesehen wurden.“ Ferner: 293: „Vor einer Mondfinsternis soll man drei Yamas lang nicht essen, vor einer Sonnenfinsternis vier Praharas lang.“ Die Aussage im Matsyapurana 294: „Bei einer Finsternis am Nachmittag esse man nicht mittags, bei einer Finsternis mittags nicht am Vormittag; findet sie am Vormittag statt, nehme man zuvor keine Mahlzeit ein“, bezieht sich auf Kinder, alte und kranke Menschen. Denn Vriddhavasishtha sagt: 295: „Vor einer Sonnenfinsternis soll man vier Yamas, vor einer Mondfinsternis drei Yamas lang nicht essen; ausgenommen sind Kinder, Alte und Kranke.“

Band II, S. 216, Purashcharana mit Buchstabenpflanzen 296–303
Deutsch: Nun Purashcharana mit den den Buchstaben zugeordneten Pflanzen. Im Merutantra: 296–297: „Hat man den Mantra von einem ungeeigneten Guru empfangen, hält sich an Wasserorten und dergleichen auf und kann wegen eines ungünstigen Ortes kein Purashcharana ausführen, so werde ich erklären, wie ein König, ein Begünstigter oder ein empfindlicher Mensch Siddhi erlangt: durch Purashcharana mit den Buchstabenpflanzen.“ [Die Ortsangabe und die Verbindung beim König beziehungsweise Begünstigten bleiben im gedruckten Wortlaut unklar.] 298–300: „Es ist als siebenfach zu erkennen und gewährt Siddhi nach so vielen Monaten, wie der Mantra Buchstaben hat. Aus dem Holz der den Mantrabuchstaben zugeordneten Pflanzen fertige man schöne Perlen. Man fädle sie in der Reihenfolge der Buchstaben vorwärts und rückwärts auf; die Perlen sollen von groß nach klein abgestuft sein, sodass die Mala die Gestalt zweier Schlangen hat. Mit ihr rezitiere man täglich entsprechend der Anzahl ihrer Perlen. Dies ist das erste Verfahren. 301: Beim zweiten fädle man gleich große Perlen auf einen Goldfaden und trage die Halsmala beständig am Hals. 302: Beim dritten fädle man sie ebenso auf einen Silberfaden und verehre sie nach dem Ritualhandbuch der betreffenden Gottheit. 303: Das vierte ist ein tägliches Bad mit einer Abkochung der Buchstabenpflanzen. Beim fünften nehme man ihr Pulver mit Kuh-Ghee ein.“ [Die historischen Anwendungen werden als Textaussagen wiedergegeben; die Pflanzen selbst werden hier noch nicht neu aufgezählt.]

Band II, S. 217, Abschluss Pflanzenverfahren und Vira-Purashcharana 304–311
Deutsch: 304: „Das tägliche Einreiben mit ihrem Pulver ist das siebte Verfahren; das tägliche Tragen ihrer Asche ist das siebte Verfahren.“ [Beide Verfahren heißen im Druck „siebtes“; ein sechstes wird hier nicht ausdrücklich bezeichnet.] Die Buchstabenpflanzen wurden bereits genannt. Nun Vira-Purashcharana. Seine Zeit ist ausschließlich die Nacht, nicht der Tag. So heißt es in der Mundamala: 305: „Nach Ablauf des ersten Nachtviertels bis zum Ende des dritten soll man nachts Japa üben, nicht im verbleibenden Teil der Nacht. Täglich nehme man, gut beherrscht, nur eine Mahlzeit aus Opferkost zu sich.“ Im Kulachudamani: 306–307: „Während des Purashcharana verehre der Eingeweihte die andere Shakti mit Gewändern, Blumen und weiteren Gaben sowie Speisen aus Milchreis. Man bringe die erforderlichen Dinge in ein verlassenes Haus, reinige sie mit Arghya-Wasser, verwandle sie rituell in Amrita und führe die Shakti vor sich.“ Das Herbeibringen und die Verwandlung in Amrita beziehen sich auf die für die Shakti-Puja verwendeten Stoffe. 308: „Man besprenge alle diese Shaktis vorschriftsmäßig mit Arghya-Wasser, vollziehe an ihnen die Verwandlung in Amrita und anschließend Sakalikarana.“ Hier beziehen sich Amritikarana und die weiteren Handlungen auf die Shaktis selbst. Nun werden die zu verehrenden Shaktis genannt: 309–310: „Ich werde acht weibliche Ritualpersonen nennen, da sie die Gestalt der Göttin tragen: eine Brahmanin, eine Kshatriya, eine Vaishya, eine Shudra als Schmuck des Kula, eine Prostituierte, die Tochter eines Barbiers, eine Wäscherin und eine Yogini. Sie alle sind mit besonderer Gewandtheit versehene Frauen des Kula. 311: Man betrachte die Unterschiede ihrer acht Gestalten und ihres Verhaltens und bezeichne sie nach den acht Shaktis, Brahmani und den übrigen: helle, dunkle und weitere Erscheinung, Sanftmut und weitere Eigenschaften.“ [Die Verbindung zur Beurteilung ihres Verhaltens ist im Druck gestört.] Die Namen der Shaktis werden im folgenden Stotra angegeben.

Band II, S. 217–218, Verehrung der Shaktis 312–316
Deutsch: Nun das Verehrungsverfahren: 312–315: „Zuerst biete man einen Sitz an und spreche den Willkommensgruß, danach Arghya, Fußwasser, Trinkwasser, Madhuparka und Wasser. Man bade sie mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben und pflege ihr Haar. Nach dessen Räucherung reiche man ein Seidengewand. Nach dem Bad bereite man einen Sitz, gebe ein Paar Sandalen und schmücke die dort Sitzende mit vielerlei Schmuckstücken. Man biete Salbe, Duftstoffe und Girlanden an und rufe die jeweilige Shakti auf ihren Scheitel herab. 316: Inmitten des Speisepavillons reiche man in einem schönen goldenen Gefäß feste, zu kauende, zu saugende, zu leckende und zu trinkende Speisen. Sind die Frauen nicht eingeweiht, vermittle man ihnen Maya.“ [Ob Maya hier das so benannte Bija oder eine damit verbundene Weihe meint, wird in diesem Satz nicht näher erklärt.] „Die jeweilige“ bedeutet: Auf den Kopf der Frau, die mit dem Namen einer Shakti bezeichnet wurde, rufe man eben diese Shakti herab und verehre sie. Obwohl diese Anrufung hier in der Mitte beschrieben wird, gehört sie an den Anfang; dies zeigt sich auch sonst überall.

Band II, S. 218–219, Stotra an die Shaktis 317–325
Deutsch: 317: „Danach spreche man das Stotra in ihr linkes Ohr: ‚Mutter, Göttin, Verehrung sei dir, du Makellose, die du Brahmas Gestalt trägst! 318: Aus Mitgefühl beseitige mein Hindernis und schenke mir Mantrasiddhi. Maheshi, segenspendende Göttin, Verkörperung höchster Glückseligkeit! 319: Aus Mitgefühl beseitige mein Hindernis und schenke mir Mantrasiddhi. Kaumari, Herrin aller Hindernisse, die du beim Spiel Kumaras … [Das letzte Beiwort bleibt unklar.] 320: Aus Mitgefühl beseitige mein Hindernis und schenke mir Mantrasiddhi. Göttin, die du Vishnus Gestalt trägst und auf dem großen Garuda reitest! [Diese Anrufung wird laut Druckanmerkung nur in einem Textzeugen überliefert.] 321: Aus Mitgefühl beseitige mein Hindernis und schenke mir Mantrasiddhi. Varahi, segenspendende Göttin, die du die Erde mit dem Hauer emporgehoben hast! 322: Aus Mitgefühl beseitige mein Hindernis und schenke mir Mantrasiddhi. Chamunda, mit dem Blut der Schädelgirlande bestrichen, Vernichterin der Hindernisse! 323: Aus Mitgefühl beseitige mein Hindernis und schenke mir Mantrasiddhi. Mahalakshmi, die du große Verblendung, Erschütterung und Qual vernichtest! 324: Aus Mitgefühl beseitige mein Hindernis und schenke mir Mantrasiddhi. Göttin, die du Vater und Mutter bist und Vater und Mutter entbehrst! 325: Eine und Vielfältige, Göttin in Gestalt des Alls, Verehrung sei dir!‘ Wer dieses Stotra zu Beginn einer Handlung in guter Selbstbeherrschung rezitiert …“ [Die Fruchtaussage folgt in Vers 326.]

Band II, S. 219, Abschluss der Shakti-Puja und Ersatzpersonen 326–332
Deutsch: 326, Fortsetzung: „… oder beim Anblick einer kundigen Frau, dem entsteht kein Hindernis. Sind die Frauen beim Essen schamhaft, stelle man sich außerhalb des Hauses auf und rezitiere das Stotra, bis sie satt sind. 327: Nach Achamana biete man Mundduft, Betel und weitere Gaben an.“ Ferner: 328: „Danach gebe man nochmals eine Girlande und glückverheißendes, in Linien aufgetragenes Sandelholz. Nach der Entlassung umschreite man sie, erbitte einen Segen und sei glücklich. 329–330: Kommen keine anderen Frauen, verehre man die eigene Tochter, die jüngere Schwester, die ältere Schwester, die Frau des Onkels mütterlicherseits, die Mutter, deren Mitfrau, eine Freundin oder eine Verwandte, ohne Ehemann oder verheiratet. Fehlt die jeweils zuerst Genannte, verehre man die folgende; denn Frauen sind Anteile meiner selbst. 331: Wird dort auch nur eine junge Frau verehrt oder geschaut, sind dadurch alle Göttinnen verehrt, o Kula-Bhairava.“ Dies ist am Anfang, in der Mitte und am Ende des Purashcharana auszuführen. So heißt es ebenda: 332: „Wer die Frau weder am Anfang noch am Ende noch in der Mitte, besonders bei Vollendung von hunderttausend Wiederholungen, verehrt, wird von Hindernissen beeinträchtigt.“

Band II, S. 219, Ritualplatz im Virachudamani 333–337
Deutsch: Im Virachudamani: 333–334: „Zuerst reinige man den Platz und richte ihn mit gleichmäßigen Messschnüren schön her. Dort lasse man eine Plattform errichten und lege einen Schädel in ihre Mitte. Man bestreiche sie mit Ali und zeichne in der Mitte einen achtblättrigen Lotus. Beginnend im Osten schreibe man der Reihe nach je zwei Vokale. 335–336: Man schreibe dort die acht Buchstabengruppen und in der Mitte Prasada. Gagana mit Bindu sowie Langalisha mit Visarga, o Schöngestaltige, schreibe man in die Staubfäden. Nach Verehrung der Unterlage und der übrigen Gottheiten stelle der Kundige einen Sitz auf. 337: Der Vira setze sich auf den Sitz, wo immer der Ort ohne Chudaka ist, führe drei Fersenstöße aus und schnippe danach dreimal mit den Fingern.“ [Ali und die Lautnamen werden hier nur bezeichnet; die Ortsbestimmung achudaka bleibt unklar.]

Band II, S. 220, Schutz und Mandala 338–343
Deutsch: 338–339: „Der Kundige vollziehe mit dem Waffenmantra, beginnend im Osten, den Schutzverschluss der Himmelsrichtungen. Nach Vakesha setze man Pinakisha, mit Nada und Bindu geschmückt; dann spreche man das Wort Pashu, am Ende Rama und den vorzüglichen Waffenmantra. Dies ist die Pashupata-Waffenvidya, die alle Hindernisse vernichtet.“ [Die Verbindung mit Rama ist im Druck nicht eindeutig; eine vollständige Lautformel wird nicht ergänzt.] Vakesha bezeichnet sha, Pinakisha la. 340: „Zuerst vollziehe man vorschriftsmäßig Bhutashuddhi und Nyasa.“ Ferner: 341–343: „Auf dem mit Kuhdung bestrichenen Boden zeichne man ein Mandala und bestreiche es mit Ali oder Yakshakardama. Mit der Schnur messe man einen schönen, gleichmäßig angelegten Lotus aus, mit roten, weißen, grünen und schwarzen Blättern und schönen Staubfäden. Er sei von einem prächtigen Quadrat umgeben; in seiner Mitte befinden sich zwei Yoni-Zeichen und darin ein Dreieck. Im leeren Raum vergegenwärtige man die Leere.“

Band II, S. 220, Gekennzeichnete Auslassung 344–349
Deutsch: 344–349: [Notwendige Auslassung in allen drei Textausgaben: Diese Passage verbindet eine ausdrücklich sechzehnjährige Ritualperson mit sexualisierten körperlichen und rituellen Angaben. Sie wird nicht wörtlich wiedergegeben. Der Abschnitt behandelt die Auswahl einer weiblichen Ritualperson, ihre Gleichsetzung mit der Göttin und die Vorbereitung zugehöriger Ritualgefäße.]

Band II, S. 220–221, Lautangaben und Rataneshvari 350–352
Deutsch: 350–352: „Mit dem Mantra der fünf Tattvas reinige der Kundige jedes einzelne. Nach den Kalas des Feuers, der Sonne und des Mondes folgt der Herzmantra. Man zeichne ein Dreieck und in seiner Mitte das mit a, ka und tha beginnende Dreieck. Die Endlaute von kha, sha, na, ya und dha, zusammen mit Shatru, verbunden mit dem linken Ohr und geschmückt mit Bindu und Nada: Dies ist der aus fünf Edelsteinen bestehende Mantra der Ratneshvari genannten Vidya. Man verehre mit den sechs Gliedern und weihe mit dem Grundmantra.“ [Die Lautbildungsanweisung in Vers 351 ist unvollständig beziehungsweise mehrdeutig; die verschlüsselten Bezeichnungen werden nicht zu einer geratenen Formel ergänzt.]

Band II, S. 221, Swatantratantra und weitere Lehrmeinungen 353–359
Deutsch: Im Swatantratantra: 353–354: „Nachdem er nachts die Göttin vorschriftsmäßig mit Fleisch und gegorenem Getränk verehrt hat, rezitiere er hunderttausendmal, selbst nackt in Vereinigung mit einer nackten Frau oder von Feuchtigkeit benetzt. Danach bringe er der Göttin im lodernden Feuer, in der Yoni-förmigen Feuergrube, Ghee, Fisch, Fleisch und Früchte dar. 355–356: Mit einem Zehntel vollziehe der Sadhaka Tarpana mit Fleisch vermischtem berauschendem Getränk, mit einem Zehntel der Tarpana-Zahl den Abhisheka der die Welt erfüllenden Göttin. Mit einem weiteren Zehntel speise er gute, Kali liebe Sadhakas und reiche berauschendes Getränk, Fleisch, Fisch und feste Speisen. Danach erfreue er hingebungsvoll den Guru mit Gold und weiteren Gaben, Geliebte.“ [Dieses eigenständige Zitat nennt kein Alter der Beteiligten.] Im Tantrashekhara: 357–358: „Wer so handelt, begegnet in den ersten drei Jahren vielen ungünstigen Hindernissen, etwa mangelndem Vertrauen. Bleibt der Mantraübende dabei innerlich unerschüttert und vertraut darauf, dass es gelingen wird, so erlangt er Siddhi.“ Im Kalikalpa: 359: „Für Frauen sind hierbei weder Nyasa noch Puja noch Vergegenwärtigung vorgeschrieben. Allein durch nächtlichen Japa schenkt Dakshina Siddhi. Nach dem neunten Jahr wird der Mantrakönig von selbst wirksam.“ Damit endet das Vira-Purashcharana-Verfahren.

Band II, S. 221, Beginn eines weiteren linken Verfahrens 360–361
Deutsch: Im Merutantra: 360–361: „Nun werde ich jenes wunderbare, feine Sadhana erklären, durch das auf dem linken Weg rasch Siddhi entsteht. Am achten oder vierzehnten Mondtag der dunklen Hälfte, wenn er auf einen Dienstag fällt, nehme man eine menschliche Schädelkalotte, berauschendes Getränk, Fleisch und gekochten Reis …“ [Fortsetzung in Vers 362.]

Band II, S. 222, Lampe und Augenruß 362–372
Deutsch: 362–364, Fortsetzung: „Man mische die gesprenkelten Hülsenfrüchte hinzu und begebe sich zu einem Ashvattha-Baum. An einem abgeschiedenen, menschenleeren Ort bestreiche man den Boden unter ihm. In den acht Richtungen setze man Pflöcke im Abstand eines Stabes ein und weihe sie mit dem Grundmantra. Eine aus sieben Fäden bestehende Schnur binde man nach 1008 Wiederholungen darum und vollziehe dort die Puja der Gottheit. 364–366: Man setze die Göttin im Herzen ein und bereite an diesem Ort eine gut brennende Lampe mit Menschenfett; fehlt dieses, mit Ghee einer braunen Kuh; fehlt auch dies, mit einem Kudava Öl. Der Docht besteht aus achthundert Fäden. Darüber stelle man die Schädelkalotte, um Ruß aufzufangen. 367–369: Auf die Lampe blickend rezitiere man den Mantra und schaue nirgendwo anders hin. Wenn die Hälfte des Öls verbrannt ist, erschrecken Bhutas, Pretas und Pishachas den Sadhaka in verschiedenen Gestalten und mit unterschiedlichen Stimmen. Er soll sich nicht fürchten, sondern ihnen mit der linken Hand die Gabe hinwerfen. [Das bezeichnete Wurfobjekt ist im Vers nicht eindeutig lesbar.] Ohne den Blick abzuwenden schaue er weiterhin nur auf die Lampe. Ist nur wenig Öl übrig, wird die Göttin zum Segen bereit. 370–372: Nach einer Bali-Darbringung höre man sie und erbitte einen Segen. Kommt die Gottheit wegen der Reifung früheren Karmas nicht, sammle man nach Erlöschen der Lampe den Ruß, verehre dort die Göttin und bringe ihn als geweihten Stoff nach Hause. An die Augen gegeben soll er die Welt gefügig machen. Nach dem Auftragen dieses Augenrußes vollziehe man die Anwendungen; sie alle gelingen, sofern der Guru nicht habgierig ist. Man bewahre die Augensalbe sorgfältig, sonst verzehrt Bhairava sie.“

Band II, S. 222–223, Lampen-Purashcharana 373–377
Deutsch: Ebenda: 373: „Nun werde ich die in allen Tantras geheim gehaltene Lampe erklären, die alle Siddhis bewirkt. Man soll dies nicht jedem Beliebigen mitteilen.“ [Eine Druckvariante lautet „die Mantrasiddhi bewirkt“.] 374: „Bei den von Shanti bis Grahana reichenden Verfahren entsteht der geteilte Buchstabe; an dem Tag des Mantrabuchstabens bereite man der Reihe nach eine Lampe.“ [Diese Berechnungsanweisung ist in der Vorlage trotz lesbaren Drucks nicht eindeutig verständlich.] 375: „Abends verwende man ein Kudava Ghee und einen Docht aus der durch ‚Erde–fünf‘ bezeichneten Fadenzahl. Solange die Lampe brennt, rezitiere man den Mantra mit auf sie gerichtetem Blick. [Das Zahlwort bleibt unausgelegt.] 376–377: Sind so viele Lampen verbrannt, wie der Mantra Buchstaben hat, entzünde man an jenem Tag nochmals eine Lampe; darin wird sie deutlich sichtbar. Man spreche seinen eigenen Wunsch aus und erbitte, wonach das Herz verlangt. Die zufriedene Gottheit gewährt es. Dieses Geheimnis ist nun offenbart.“

Band II, S. 223, Duti-Yaga und Rangfolge der Shaktis 378–385
Deutsch: Nun das Duti-Yaga-Verfahren. Im Rudrayamala: 378: „Indem der vorzügliche Sadhaka nach dem Duti-Yaga-Verfahren mit einer geeigneten Frau in Vereinigung ist und den Mantra rezitiert, erlangt er unmittelbar Siddhi.“ In einem anderen Tantra: 379: „Ohne Purusha kann Prakriti nichts bewirken. Ebenso vermag der Gott ohne Shakti keine Frucht zu verleihen. Deshalb vollziehe man die Vereinigung von Mann und Shakti und bringe den Mantra zur Vollendung.“ Im Kumaritantra: 380–382: „Eine Schauspielerin, eine Kapalini, eine Prostituierte, eine Wäscherin, eine Barbiersfrau, eine Brahmanin, eine Shudra-Tochter, eine Tochter eines Rinderhirten und eine Tochter eines Girlandenherstellers: Diese neun weiblichen Ritualpersonen werden genannt. Man bringe eine von ihnen herbei, verehre die große Göttin in ihrem Yoni-Mandala und vollziehe danach die sexuelle Vereinigung.“ [Die soziale Aufzählung enthält hier keine Altersangaben.] Im Deviyamala: 382–383: „Nun werde ich die von Stufe zu Stufe zunehmende Frucht der Verehrung erklären. Gegenüber der eigenen Shakti bringt die Verehrung einer anderen Shakti zehntausendfachen Verdienst. Noch höher gilt die Prostituierte, höher als sie die Wäscherin. 384–385: Höher als die Wäscherin steht die Barbiersfrau, höher als diese die Lederarbeiterin; noch höher wird die Hetu-Frau genannt, o Schönantlitzige. [Diese Gruppenbezeichnung ist hier nicht näher erklärt.] Höher als sie steht eine unter den sozial Ausgegrenzten Geborene, höher wiederum die Chandali, dann die Matangini und über dieser die Pushkashi.“ [Die historischen sozialen Rangsetzungen gehören zur zitierten Quelle; Fortsetzung in Vers 386.]

Band II, S. 224, Eigenschaften und Ausschlüsse 386–393
Deutsch: 386–388, Fortsetzung: „Höher als die Pushkashi steht die Antyaja, höher wiederum eine überaus Schöne; höher als bloße Schönheit gilt eine liebevolle, zugewandte Frau. Noch höher, große Herrin, steht eine ekstatische Frau mit glückverheißenden Eigenschaften, die die Regeln der Überlieferung einhält, die Mantras kennt, furchtlos und kundig ist, noch nicht geboren hat und Standhaftigkeit mit Selbstständigkeit verbindet. Alle Frauen mit solchen Eigenschaften soll man verehren.“ In der Mahakalasamhita: 389–390: „Man soll keine Tochter eines Rishi und keine vom Alkohol berauschte Frau herbeiziehen, auch keine Frau der Zweimalgeborenen und keine Frau eines Gelübdetreuen. Ebenso keine ehrwürdige Frau, keine Frau des Gurus, keine aus demselben Gotra, keine Schutzsuchende, keine Frau eines Schülers und keine Frau von Übeltätern; ferner keine, deren Menstruation noch nicht eingesetzt hat, keine Schwangere und keine Mutter eines kleinen Kindes.“ Im Deviyamala: 391–392: „Die eigene wie eine andere Frau ist Shakti, große Herrin. Alle sind mit sämtlichen Opferdiensten in dem Bewusstsein zu verehren, dass sie die dem Mantra vorstehende Gottheit sind. Mit verschiedenen Früchten, Betel, Gewändern, Schmuck und Gold verehre man sie hingebungsvoll nach Vorschrift und reiche reichlich Hetu.“ [Die stoffliche Bedeutung von Hetu ist hier nicht ausdrücklich erklärt.] 393: „Wer Shakti-Puja aus dem Verlangen nach Geschlechtsverkehr vollzieht, gerät in Armut und gewiss in die Hölle.“

Band II, S. 224–225, Gekennzeichnete Auslassung 394–399
Deutsch: Im Virachudamani, 394–397; anschließend Mahakala, 398–399: [Notwendige Auslassung in allen drei Textausgaben. Der Abschnitt nennt erneut ausdrücklich ein Alter von sechzehn Jahren und verbindet dies mit sexualisierten Körperbeschreibungen und unmittelbar anschließenden körperbezogenen Ritualangaben. Nichtgrafischer Inhaltshinweis: Beschrieben werden die Auswahl und Eigenschaften einer weiblichen Ritualperson, ihre Ausstattung und ihre Sitzposition.]

Band II, S. 225, Pitha-Shaktis und Anrufung 400–404
Deutsch: Im Virachudamani: 400–402: „Links zeichne man ein Dreieck mit fünf Kreisen, weiß und rot, dazu blau und mit Sindura bestrichen. Der Sadhaka sei nach Osten, die Göttin nach Westen gewandt; so rezitiere er. Nach Vorschrift verehre er die Pitha-Shakti und die neun Shaktis: Rati, Priti, Priya, Kanti, Kamini, Kamamalini, Kandarpadalini, Durga und Bhavini. 403: Man spreche Viyat und Bhrigu, verbunden mit Manu, Bindu und Kala, danach das Wort Mahapreta und den mit dem Herzabschluss versehenen Mantra. [Diese Lautbildungsangabe bleibt verschlüsselt.] 404: Nach dem Grundmantra spreche man Tarini im Anredefall, dann ‚Komm, komm!‘ und wiederholt die Paduka-Anrufung; mit der linken Hand fasse man sie und lasse sie auf dem Sitz Platz nehmen.“ [Die Verbindung mit der Paduka-Anrufung ist im Wortlaut verkürzt.] „Tarini“ ist hier nur ein Beispiel: Gemeint ist der Name der eigenen erwählten Gottheit.

Band II, S. 225–226, Gekennzeichnete Auslassung 405–418
Deutsch: 405–418 samt abschließender Kurzerläuterung: [Notwendige Auslassung in allen drei Textausgaben. Der Abschnitt setzt das körperbezogene Sexualritual im Zusammenhang mit der zuvor ausdrücklich minderjährigen Ritualperson fort. Nichtgrafischer Inhaltshinweis: Er ordnet der Ritualperson Gottheiten und Mantraelemente zu und beschreibt ihre Verehrung. Die abschließende Erläuterung bestimmt den Bezug einer Gottheitenanrufung auf Tara.]

Band II, S. 226–227, Jnanarnava über das Ritualbett 419–426
Deutsch: Im Jnanarnava: 419–420: „Ein aus Elfenbein, Gold, Silber und weiteren Stoffen gefertigtes [Lager] versehe man mit einem Polster aus reinem Leinen. [Das erste Wort ist im Druck gestört; der folgende Text spricht ausdrücklich von einem Bett.] Man streue Blumen und Kampferpulver in die Mitte. Dort vergegenwärtige man Manduka und die folgenden Träger übereinander, o Göttin, Tochter des Berges. 421–422: Zuerst verehre man Manduka, Rudra gleich dem Feuer am Ende der Zeit, die tragende Shakti, die Schildkröte, Ananta und Varaha; danach die Erde, die Knolle, den Stängel, den Lotus, seine Blätter, die Reihen der Staubfäden und den Blütenkern. 423–424: Man verehre das Bett und an seinen vier Füßen der Reihe nach Dharma, Erkenntnis, Losgelöstheit und Herrschaft. In der Nähe dieser Füße verehre man ihre mit a beginnenden Gegenstücke. [Der Druck liest an dieser Stelle unregelmäßig apurvan.] An den Bettenden verehre man Atman, Antaratman, Paramatman und Jnanatman, 425–426: danach die drei Gunas. Die schöne Duti mit glückverheißenden Kennzeichen, mit vielerlei Schmuck geschmückt, selbstbestimmt und Sharada gleich, verehre man mit den fünf Liebespfeilen, o höchste Herrin.“

Band II, S. 227, Gottheitsnyasa und Lautanweisungen 427–436
Deutsch: 427–429: „Zur Erlangung der Siddhi verehre man Vatuka und die übrigen Gottheiten in den vier Richtungen. Danach setze man die mit den Liebespfeilen verbundene Matrika in den Körper ein. Am Scheitel setze man ein Dreieck ein und vollziehe dort die Verehrung der Reihe nach. In seiner Mitte verehre man Kameshi, die Bala genannt wird. An den Ecken verehre man Ganesha als Vorsteher des Kula sowie Lakshmi und Sarasvati. 429–431: Vasanta und Madana verehre man an den Brüsten, danach den Mond an ihrem Gesicht. Man spreche Vagbhava, Kamaraja, das Stri-Bija, Kamaraja und die als hasaklema bezeichnete Lautverbindung; darauf Adharashakti, dann Shri-Paduka und ‚ich verehre‘. [Die Lautverbindung hasaklema ist im Druck nicht eindeutig als Bija-Folge bestimmbar; sie wird nicht vervollständigt.] 432–433: Mit diesem Mantra zeichne man auf der Stirn ein sehr schönes Dreieck, besonders mit Sindura und weiteren Stoffen. Dort verehre man Vatuka, Yogini, Kshetrapala, Ganesha, Lakshmi und Sarasvati, Schöne. 434–435: Man spreche Kama-Bija, danach Kamaraja, Shri-Paduka und ‚ich verehre‘; mit diesem Mantra verehre man an der rechten Fußsohle. 435–436: Man spreche vaim, Vasanta und danach Rama ohne Nada; mit ‚Paduka, ich verehre‘ vollziehe man den Nyasa an ihrer linken Hand. Danach spreche man Shakti-Bija und das Wort Soma-Pada …“ [Fortsetzung in Vers 437. Die Körperzuordnungen werden entsprechend dieser eigenständigen Jnanarnava-Passage wiedergegeben; ein Alter ist hier nicht genannt.]

Band II, S. 228, Kamakala und Mondkalas 437–444
Deutsch: 437, Fortsetzung: „Dann füge man Shri-Paduka und ‚ich verehre‘ hinzu und verehre an beiden Brüsten. Der Verständige vollziehe den Nyasa der Kamakalas in aufsteigender Reihenfolge.“ In der Smaradipika: 438: „An Fuß, Knöchel, Oberschenkel, Yoni, Nabel, Brust, Herz, Kehle, Achsel, Lippe, Wange, Auge, Ohr, Kopf und im ganzen Körper weilt Kama in der Abfolge seiner Einsetzung.“ Damit sind die Orte genannt. Die Namen der Kalas lauten im Tantra: 439–440: „Shraddha, Priti, Rati, Dhriti, Shanti, Manohara, Manorama, Manorāma, Madanonmadini, Mohini, Dipani, Shoshini, Vashankari, Ranjini und Subhaga; die sechzehnte Göttin heißt Priyadarshana. 441: Diese Kalas des Blumenbogenträgers sind mit den mit a beginnenden Vokalen zu verehren. 441–443: Pusha, Aryaman, Sumanasa, Rati, Priti, Dhriti, Riddhi, Saumya, Marichi, als zehnte Anshumalini, Angira, Shashini, Chhaya, Sampurnamandala, Pushti und Amrita sind die sechzehn Kalas des Mondes. Die Kundigen sollen sie mit den mit a beginnenden Vokalen verehren. 444: Vom rechten Fuß bis zum Scheitel und auf der linken Seite vom Scheitel bis zum Fuß verehre man sämtliche Kalas Kamas und Somas, Schöne.“

Band II, S. 228–229, Verehrung der fünf Pfeile 445–453
Deutsch: In einem anderen Tantra: 445–447: „Von der Wirbelsäule bis zum Kopf setze der Mantraübende die Kama bezeichnende Lautform vorschriftsmäßig ein und verehre sie am Scheitel. Man spreche die Dharma entsprechende Lautform, dann Kama-Chapa, ‚Bogen Kamas‘, danach Pada-Shri-Paduka und ‚ich verehre‘. Am Scheitel, Fuß, Mund, Geschlechtsteil und Herzen verehre man der Reihe nach die fünf Pfeile mit ihren fünf Lautformen an den entsprechenden Orten. 448: Man spreche dram, dann Dravana, ‚Verflüssigung‘, Bana-Pada, Shri-Paduka und ‚ich verehre‘. 449: Nach der Lautform drim spreche man Unmada-Bana, ‚Pfeil der Ekstase‘, dann Pada-Shri-Paduka und ‚ich verehre‘. 450: Danach spreche man Kama-Bija, Moha-Bana, ‚Pfeil der Verblendung‘, Pada-Shri-Paduka und ‚ich verehre‘. 451–452: Nach der Brahman entsprechenden Lautform spreche man Sandipana, ‚Entfachung‘, Bana-Pada, Shri-Paduka und ‚ich verehre‘. Für den verbleibenden Pfeil spreche man den Pfeilnamen und setze Shoshana, ‚Austrocknung‘, Bana-Pada, 453: Shri-Paduka und ‚ich verehre‘ hinzu. Danach verehre man das Dreieck auf der Stirn.“ [Die Vorlage gibt überwiegend Bausteine und Benennungen statt vollständiger Formeln. Dharma und Brahman werden hier nicht zu ungesicherten Bijas aufgelöst.]

Band II, S. 229, Stirndreieck und heilige Stätten 454–462
Deutsch: 454: „Man spreche Vagbhava, Shubha-Pada, Shri-Paduka und ‚ich verehre‘ und verehre an den rechten Linien. 455: Nach drim spreche man Bhaga-Sarpis, Shri-Paduka und ‚ich verehre‘ und verehre im Westen. 456–457: Nach Kama-Bija spreche man Bhaga-Sarpis, Shri-Pada-Shri, Paduka und ‚ich verehre‘ und verehre auf der linken Seite. Danach setze man die im Druck als hasaumra bezeichnete Lautverbindung, Bhaga-Avaha, 458: Pada-Shri-Paduka hinzu und verehre in der Mitte. [Die erste Lautverbindung in Vers 457 bleibt unsicher; sie ist keine gesicherte Rezitationsformel.] 458–460: Man spreche Shri-Uddisha, dann die Göttin Uddishvari, Natha-Deva und Shri-Raktamba, danach Shri-Charyanatha, Pada-Shri-Paduka und ‚ich verehre‘. So verehre man Uddiyana im Herzen, du Gelübdetreue. 460–462: Danach setze man Shri-Pada, Jalandhara, Mahapitha, Rama ohne Nada, Jaleshvari, Devi-Jalisha, Natha-Deva, Shri-Jalamba, Shri-Shashthisha und Natha-Deva …“ [Fortsetzung in Vers 463. Die ausdrücklich wiederholten Namens- und Ehrentitelbestandteile bleiben erhalten; unklare Bezeichnungen wie Bhaga-Sarpis werden nicht umgedeutet.]

Band II, S. 230, Pitha-Anrufungen und Körperzuordnung 463–468
Deutsch: 463, Fortsetzung: „… Pada-Shri-Paduka und ‚ich verehre‘. Mit diesem Mantra verehre man im Nabelbereich, o Göttin. 464–465: Danach spreche man Shri, Purneshvari, Devi-Shri-Pada-Shri-Purnanatha-Deva, Shri-Chamunda, Devi-Shri, Uddishanatha und Deva-Pada. 466–467: Danach Shri-Paduka, Kameshvari, Devi-Shri, Kameshvaranandanatha, Shri-Maha, Tushtamba-Shri, Mitrishanatha, Pada-Shri-Paduka und ‚ich verehre‘. So verehre man an der Stätte der Auflösung des Begehrens.“ [Die letztere Körper- beziehungsweise Ortsbezeichnung wird hier nicht näher erklärt.] In einem anderen Tantra: 468: „Der ganze Körper der Shakti gilt als die heilige Stätte Purnagiri. Ihr Kopf mit seinem Mondbereich heißt Udyana; ihre beiden Brüste heißen Jalandhara, die Yoni gilt als Kamarupa.“

Band II, S. 230–231, Kshobhini und Dravini 469–476
Deutsch: In einem anderen Tantra: 469–471: „Links von der geheimen Stätte rezitiere der Verständige die Guru-Reihe; im Herzlotus verehre er Anangakusuma und die übrigen. Nach Vagbhava spreche man blaum, dann die Lautform blim, danach blam, blim und blum mit Visarga. Mit diesem Mantra zeige der Sadhaka die Yoni-Mudra und vergegenwärtige die Erregung in der Yoni. 471–472: Vagbhava, Kamaraja und danach Stri-Bija: Diese Vidya heißt Kshobhini. Mit ihr bewirke man Erregung an den Brüsten. Nach der Yoni-Mudra verfahre der Sadhaka langsam weiter. 473–474: Man spreche Vagbhava, anschließend mehrere Bijas [die gedruckte Silbenfolge bleibt unsicher und wird nicht als Rezitationsformel ergänzt], dann die Lautformen klaum, hrim und ksha und vergegenwärtige ihre Erregung. Diese Vidya heißt Dravini; man meditiere sie in der Mitte der Yoni. 475–476: Von höchster Glückseligkeit erfüllt und mit ganz gesammeltem Geist vergegenwärtige man das Bija der eigenen Vidya im Scheitellotus. Dann bringe der Sadhaka mit den Grundmantras dreimal eine Blumenhandvoll in ihrer Yoni-Mitte dar und vergegenwärtige die Erregung.“ [Die ausgeschriebenen Bijas in Vers 470 wurden am Druck geprüft; ihre Nasalzeichen bleiben in den Sanskritausgaben erhalten. Die unsichere Reihe in Vers 473 ist auch in der weiteren elektronischen Fassung nicht zuverlässig lesbar.]

Band II, S. 231, Eigener Körper als Shiva und Kala-Nyasa 477–486
Deutsch: Im Jnanarnava: „Die am Körper der Duti vollzogenen Nyasas vergegenwärtige man auch im eigenen Körper.“ Im Virachudamani: 477: „Nun werde ich den Nyasa erklären; man vergegenwärtige sich selbst als Shiva.“ „Shiva-Selbst“ bedeutet: das eigene Selbst als Shiva. Ferner: 478–480: „Der Reihe nach setze man den fünfgesichtigen Mahadeva samt den Kalas ein. Zu ‚Herr aller Wissensformen‘ gehört als erste Kala Shashini; zu ‚Herr aller Wesen‘ danach Angada. Nach ‚Herrscher über Brahma‘ folgt ‚Herr über Brahman‘. Bei ‚Brahma, Sadashiva möge mir sein‘ setze man die Umschließung mit Marichi ein. Nach dem Aussprechen von Sadashiva folgt als weitere Kala Anshumalini. [Die Abgrenzung der Mantraglieder und Kalas ist in diesen Versen stellenweise verkürzt.] 481–483: Zu ‚Wir erkennen jenen Purusha‘ gehört Shanti; zu ‚wir meditieren über Mahadeva‘ Vidya; zu ‚jener Rudra möge uns‘ Pratishtha; nach ‚antreiben‘ Nivritti. Diese setze man der Reihe nach im Osten, Westen, Süden und Norden ein. 483–486: Im Herzen setze man mit aghorebhyah die Kala Tamas ein; mit aghorebhyah danach Mohana in der Kehle. [Die Wiederholung derselben Lautform steht so im Druck.] Nach ghora setze man Kriya in der rechten Schulter ein, mit ghoratarebhyah Nidra in der linken. Mit sarvatah sarvam setze man Vyadhi in den Nabel, mit sarvebhyah Mrityu in die Bauchseite und mit namaste astu anschließend Kshudha auf den Rücken.“ [Die Mantrateilstücke sind hier als überlieferte Zuordnungsangaben wiedergegeben, nicht stillschweigend nach einer anderen Fassung ergänzt.]

Band II, S. 232, Fortsetzung des Shiva-Kala-Nyasa 487–498
Deutsch: 487: „Nach rudrarupebhya folgt Trisha; die Formeln beginnen mit Tara und enden auf namah. Nach ‚Verehrung Vamadeva‘ setze man Viraja im Genitalbereich ein. 488: Mit ‚Verehrung dem Ältesten‘ setze man Raksha im linken Hoden ein; danach mit ‚Verehrung Rudra‘ die Kala Rati ebenfalls im linken Hoden. [Der Druck nennt hier zweimal dieselbe Seite.] 489–491: Mit ‚Verehrung Kala‘ setze man Palini im rechten Oberschenkel ein, mit vikaranaya die Kala Kama im linken, o Herrin der Götter; nach namah Samyamani im rechten Knie. Bala-Kriya wird links zugeordnet, dazu vikaranaya. Nach namah spreche man Vriddhi und setze sie in der rechten Gesäßhälfte ein, mit ‚Verehrung dem Zermalmer der Kraft‘ Ratri links. [Die Abfolge einzelner Formelglieder ist im Druck verkürzt.] 492–493: Mit ‚Verehrung dem Bezwinger aller Wesen‘ setze man Brahmani in die Hüftgegend ein, mit namah Mohini in die rechte Flanke, mit unmanaya Manojvara. [Für die letzte Kala ist der Ort nicht eindeutig angegeben.] 493–497: An den beiden Füßen, den Brüsten, der Nase, dem Scheitel und beiden Armen setze der Mantraübende der Reihe nach die acht aus Sadyojata entstandenen Kalas ein: Zu ‚Ich nehme Zuflucht zu Sadyojata‘ gehört als erste Siddhi; zu ‚Verehrung Sadyojata‘ Vriddhi; zu bhave als dritte Dyuti; zu abhave als vierte Lakshmi; zum Wort nabhibhave als fünfte Medha; zu bhavasva mam als sechste Praja; zu bhava Prabha; zu ‚Verehrung dem Entstehenden‘ als achte Svadha. 498: Man setze sie mit vorangestelltem Pranava, im Dativ und mit abschließendem namah ein. Nach diesem Nyasa vergegenwärtige man sich selbst als Shiva.“

Band II, S. 232–233, Ritualdeutung und Verehrung des eigenen Körpers 499–507
Deutsch: 499–500: „Nach Voranstellung des fünfsilbigen Mantras, ganz auf Rudra meditierend, stelle man den Zustand gleicher Wesenheit her und rezitiere zum Schutz das Kavacha. Man bilde die Kshobhini-Mudra und setze sie in die Mitte des Yantras. Die Yoni ist die Feuergrube, das männliche Glied der Opferlöffel und der Samen das Ghee. Nachdem alle Tattvas hervorgebracht beziehungsweise abgegeben sind, vollziehe man tausend Japa-Wiederholungen.“ [Das Verb zu den Tattvas bleibt hier mehrdeutig.] Im Jnanarnava: 501–502: „Nach Darbringung von Räucherwerk und weiteren Gaben am eigenen männlichen Glied spreche man Tara, o Herrin der Welten, Mahatripurasundari und ‚Verehrung Shiva‘. Diese Vidya heißt zehnsilbig. Mit ihr verehre man am eigenen Glied, o Göttin Shiva.“ Mahatripurasundari bezeichnet die dreiteilige Vidya. [Die angegebene Silbenzahl lässt sich aus den bloßen Bezeichnungen nicht sicher rekonstruieren; keine ausgefaltete Formel wird ergänzt.] 503–505: „Man verehre die als Tatpurusha, Aghora, Sadyojata, Vama und Isha bezeichneten Formen, sodann Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti und Shantyatita, danach die Umhüllung der sechs Glieder. Mit der gesamten Vidya verehre man Nandikesha zwischen den Hoden mit Duftstoffen, Blumen, ungebrochenem Reis und weiteren Gaben. Nach Räucherwerk, Blumen und anderem, mit beherrschten Sinnen und Geist, 506–507: bilde man die alles erregenden Mudras und bewege die Yoni, mit Kshobhini oder mit der Gajatunda genannten Mudra, o Göttin. Man rezitiere die Bhagamalā genannte Formel und das Dravini-Bija und bleibe selbst unerschüttert, o Schöngewachsene, bis der Samen fließt.“

Band II, S. 233–234, Überlieferte Bhagamalini-Bildungsanweisung 508–514
Deutsch: Der Bhagamalā-Mantra wird ebenda folgendermaßen angegeben: 508–511: „Man setze den mit vagbhaga beginnenden Ausdruck und das Wort bhaga, dann bhage, bhagini, ‚bewege‘; bhagodari, weiter bhaga, bhagamale, bhagavahe; bhagaguhye, bhaga, yoni, bhaga und nipatini, dann sarvanti und bhagavashankari; bhagarupe, ‚du mit lotusweiten Augen‘, nityaklinne, bhaga und svarupe mit sarva. Weiter die im Druck verbundene Folge bhaganimehyanaya, dann varade, rete, surete, bhaga, klinne und klinnadrave. [Mehrere Wortverbindungen dieser Bildungsanweisung sind sprachlich beschädigt; sie bleiben als Lesungsangaben kenntlich und werden nicht zu einem vermeintlich vollständigen Mantra umgebaut.] 512: ‚Befeuchte, verflüssige alle Wesen, o Herrin der Bhaga! Du Unfehlbare, Bhagavicche, errege, bringe alle in Erregung …‘ 513: Man füge ‚Wesen, o Bhagishvari‘ hinzu, dann Vagbhava, blum und die mit ja beginnende Folge, sodann mem, blum, maum, blum, hem, blum, hem und klinne. [Die Verbindung zur mit ja beginnenden Folge bleibt unklar; die gedruckten Nasalzeichen sind im Sanskrit erhalten.] 514: Am Ende: ‚Bringe alle Bhagas unter meinen Einfluss.‘ Danach Stri-Bija, nach hara blaim, die Maya-Lautform und Bhuvaneshi. Diese Vidya heißt Bhagamalini.“ Die verständlichen Anreden bezeichnen die Göttin unter anderem als Trägerin der Yoni-Girlande, als Herrin schöpferischer und sexueller Kraft und als Spenderin von Gaben. Für Bijas wird keine wörtliche Bedeutung angesetzt; die unsicher überlieferte Gesamtfolge ist keine gesicherte Rezitationsfassung.

Band II, S. 234, Inneres Opfer und Abschluss der Vereinigung 515–522
Deutsch: Im Viratantra: 515: „In das Feuer des Selbst, das durch die Opfergaben von Dharma und Adharma lodert, opfere ich beständig auf dem Weg der Sushumna die Sinnestätigkeit; mein Geist ist der Opferlöffel.“ 516: „Dieser große Mantra, mit svaha als Abschluss, ist für den Beginn gelehrt. Danach rezitiere man in der Vereinigung mit der geliebten Frau als Herrin der drei Welten.“ Im Bhutadamara und Yakshadamara: 517–518: „Nach dem Einführen des männlichen Gliedes rezitiere man, über die beschriebene Göttin meditierend, zehntausend- oder tausendmal ohne Samenerguss. Nach dem Japa bringe man vorschriftsmäßig Bali dar, verehre die Frau, speise sie, verneige sich vor ihr, entlasse sie und geleite sie nach Hause. 519: So entsteht die in den drei Welten schwer erreichbare Siddhi; daran ist kein Zweifel. Brahma hat dies einst ausgesprochen. Es gibt in den drei Welten kein höheres Mittel zur Verwirklichung der Mantras.“ Im Kulamrita: 520: „Dieser auf svaha endende Homa-Mantra bezeichnet die gelobte Darbringung, Geliebte. Am Ende der Vereinigung bringe man mit folgendem Mantra die vollständige Opfergabe dar: 521: ‚Mit den Händen von Licht und Raum den Opferlöffel Unmani haltend, opfere ich Dharma und Adharma sowie das Ghee der Kalas ins vollkommene Feuer.‘ Dieser mit svaha endende Mantra befreit von schweren Verfehlungen.“ Im Viratantra: 522: „Dieser große, auf svaha endende Mantra ist für den Samenerguss gelehrt.“

Band II, S. 234–235, Einweihung der Shakti 523–527
Deutsch: Ist die Shakti nicht eingeweiht, führe man zuerst ihre Reinigung aus. Im Kulatantra heißt es: 523: „Durch Abhisheka und durch das Aussprechen des Mantras ins Ohr entsteht Reinheit; die Frauen werden zur Zeit der Vereinigung und zur Zeit der Diksha, große Herrin …“ — „gereinigt“ ist zu ergänzen — 524: „… mit berauschendem Getränk, Samen und Wasser unter diesem Mantra.“ Im Yamala: 525: „Eine gut eingeweihte Shakti ist stets rein. Ist sie nicht eingeweiht, vermittle man ihr Maya.“ Auch im Matangitantra heißt es: „Allein durch Diksha werden Frauen für sämtliche Ritualhandlungen rein.“ In der Kulamritadipika: 526: „Die Verbindung mit einem nicht eingeweihten Kula führt zum Verlust der Siddhi.“ Ferner: 527: „Zuerst spreche man Bala, dann ‚der Tripura‘ im Dativ, das Wort namah und danach ‚diese Shakti‘.“ [Der anschließende Satz ist in allen vom Herausgeber benutzten Textzeugen beschädigt. Der Druck bietet sinngemäß eine Aussage über Tadel in der Welt; die Fußnote schlägt die Lesung „der Nicht-Eingeweihte, o Göttin“ vor. Eine vollständige Einweihungsformel lässt sich daraus nicht zuverlässig herstellen.]

Band II, S. 235, Rituelle Wirkungsdeutung und Kula-Stoff 528–533
Deutsch: Ferner: 528–529: „Durch Umarmung werden Krankheiten beseitigt, durch Küssen entstehen Geld, Getreide und weitere Güter; durch Kratz- und Bissspuren und dergleichen entsteht Moksha. Durch die Vereinigung entsteht Sayujya; dies ist wahr, daran ist kein Zweifel.“ Im Raudra: 530–531: „Aus der Berührung ihres Körpers entsteht Glück, das den Charakter des Nektars der Vereinigung trägt. Man meditiere über die große Kamakala als Verkörperung dieses Nektars. Aus der Vereinigung entsteht Glück von der Art höchster Glückseligkeit. Den schwer erreichbaren Nektar des Kula-Stoffes nehme man sorgfältig auf.“ Das Verfahren zur Gewinnung von Kunda-Gola steht im Kulamrita: 532–533: „Man vergegenwärtige im Zustand des Begehrens die Wirklichkeit des Selbst und gebe sie nicht auf. Mit dem reinen Mantra-Heilmittel vollziehe man die Bewegung in der Yoni. Bei dieser Bewegung entsteht an jenem Tag der vorzügliche Stoff. Man nehme diesen glückverheißenden, aus der Grube hervorgegangenen Stoff sorgfältig auf.“ [Die Satzverbindung mit „an jenem Tag“ bleibt im Druck unsicher; Kunda-Gola ist die überlieferte Bezeichnung des Ritualstoffes.]

Band II, S. 236, Mantra-Heilmittel und Darbringung des Kula-Nektars 534–540
Deutsch: Das Mantra-Heilmittel wird im Kuloddisha erklärt: 534–535: „Maya, das Wort ‚Komm!‘, ‚du, die den Samen zurückhält‘ und zweimal Tha: Mit dieser Formel beschaffe man während einer Sonnenfinsternis die Wurzel der Jati-Pflanze. Danach vollziehe der vorzügliche Sadhaka das Zurückhalten des Samens.“ [Die Lautbezeichnungen bleiben als solche stehen; eine vollständige Formel oder zusätzliche Anwendung der Wurzel wird nicht ergänzt.] Im Brahmayamala: 536–539: „Mit diesem göttlichen Amrita bringe man Tripura stets Tarpana dar. Durch ihre Gegenwart, auch unmittelbar in diesem Augenblick, gewährt sie erfreut Siddhi. Allen Gottheiten, Gurus und Sadhakas bringe man Tarpana mit diesem Amrita dar. Durch diesen Nektarstoff werden alle zufriedengestellt; welchen Wunsch der Mantraübende verfolgt, er erfüllt sich augenblicklich. Der Verständige nehme den Kula-Nektar auf und gebe ihn in das Arghya. Danach verehren die Sadhakas mit reinem Herzen die Kalas des Mondes.“ Im Kaula: 540: „Selbst tausend Gefäße berauschenden Getränks und hundert Lasten Fleisch stellen die Göttin ohne den Nektar von Yoni und Lingam nicht zufrieden.“

Band II, S. 236–237, Lob des Duti-Yaga 541–550
Deutsch: Im Deviyamala: 541: „Ich werde das Duti-Yaga-Verfahren erklären, das Höchste unter den höchsten Formen des Kaula-Dharma. Allein durch seine Ausführung erlangt man selbst den Zustand Brahmans.“ Ferner: 542–543: „Ist Duti-Yaga vollzogen, wird der Mantraübende gewiss allwissend. Selbst nach hundertmal zehn Millionen Kalpas gibt es für ihn keine Wiederkehr. Wer die Duti verehrt hat, hat sämtliche Opfer vollzogen; er gilt als Verkörperung aller heiligen Stätten und wird von allen Gottheiten erfüllt. 544–546: Purashcharana und alle übrigen Handlungen sind von ihm vollzogen, daran ist kein Zweifel: tausend Pferdeopfer und hundert Vajapeya-Opfer. Er hat gleichsam die Erde bis zum Meer samt Dakshina geschenkt und Gold im Ausmaß des Meru dargebracht. Der Verdienst einer Spende von zehn Millionen Kühen entsteht ihm, Geliebte. Deshalb soll man Duti-Yaga mit aller Sorgfalt ausführen. 547–548: Es vervollständigt die Puja und befriedet alles Unheil, Segensreiche. Ohne Yoni-Puja gilt selbst ausgeführte Puja als nicht ausgeführt. Der Mensch erlangt unermessliche Lebensdauer, Gesundheit und Wohlstand; durch dieses Verfahren werde selbst ein Vergifteter vom Gift befreit. 549–550: Wer einen Sohn wünscht, erlangt einen Sohn; wer Reichtum wünscht, erlangt Reichtum. Nach Verehrung der Matangi-Shakti verehre man mit ihr gemeinsam Matangi, von Liebeskraft erfüllt, zur Verwirklichung aller Wünsche. Die Mantragottheit Matangi ist stets zusammen mit Shakti zu verehren; ohne Shakti erfüllt diese Göttin den Herzenswunsch nicht.“

Band II, S. 237–238, Matangis Herkunft 551–562
Deutsch: Im Brahmayamala. Narada sprach: 551–553: „Allwissender Herr der Welten! Wenn der Shakta-Weg von der Shruti gelehrt wird, wie kann darin die Verehrung Matangis Befreiung schenken? In der Verehrung wird eine Prostituierte genannt; diese ist menstruierend, und die menstruierende Matangi ist die alles segnende Duti. So hast du zuvor gesprochen; nun scheint dies deinen Worten zu widersprechen. Erkläre mir das, Brahma, Urvater!“ Brahma sprach: 554–555: „Zweifle daran nicht. Der höchste Shakta-Weg ist im Veda gelehrt. Es gab den vorzüglichen Weisen Matanga, einem Allwissenden gleich. Zehntausend Jahre übte er strenges Tapas, mein Kind. Dadurch erfreut sprach die große Göttin, die den Göttern Gutes tut: 556–557: ‚Wähle einen Segen, Ehrwürdiger; ich werde deinen Wunsch erfüllen.‘ Als der vorzügliche Zweimalgeborene dies hörte, bat er sie um ein Mittel zur Erfüllung des Dharma: ‚Göttin, Mutter der Welten! Wenn du nun gnädig bist, werde meine Tochter und stütze mein Geschlecht.‘ 558–560: Nach dieser Verehrung erhielt der große Weise sie als Tochter: dunkel, mit schönem Gesicht und in chinesische Seide gehüllt, mit weiten Augen, einem wissenskundigen Sarika-Vogel und einer Japa-Mala in ihren Lotushänden, geschmückt mit Muschelohrringen. So wurde die große Göttin zur Freude von Matangas Geschlecht und als die segenspendende Matangi bekannt. 561–562: Als Shambhu diese mit glückverheißenden Merkmalen versehene Göttin sah, machte er sie zu seiner Duti. Um Tripura zu besiegen, vollzog er Yoni-Puja. Die Göttin stand fest in der Pratyalidha-Haltung und nahm die Verehrung an. Als Shankara sie menstruierend sah, erwählte er sie zu seiner Geliebten.“

Band II, S. 238, Matangi-Mantra und innere Verehrung 563–571
Deutsch: 563–565: „Seit damals entstand das schöne Duti-Yaga. Shambhu vereinigte sich liebevoll mit ihr. Der im Pranava enthaltene, Matangi genannte Mantra trat hervor und wurde zu einem Mala-Mantra, der alles Glück hervorbringt. Dazu gehören der göttliche, untadelige, von der Welt verehrte Rama-Ausdruck und Matangi als Mantrabegriff und Hüterin des Mantras. [Die genaue Verbindung dieser Laut- und Mantrabezeichnungen in Vers 565 ist beschädigt und nicht vollständig verständlich.] 566: Die Göttin ist die ursprüngliche Antyaja und wurde deshalb unter dem entsprechenden Namen bekannt; Matangi steht unter den Antyajas an höchster Stelle und ist daher selbst Antyaja. [Ein Teil der Namensableitung ist im Druck gestört.] 567–568: Bei der höchsten Zuflucht stiftete sie Einheit zwischen Antyajas und Zweimalgeborenen. Nachdem sie allen Ständen einen Segen erteilt hatte — [ein Wort der folgenden Verbindung bleibt unklar] —, setzte sie die vereinbarte Ritualordnung ein und begründete die Matanga-Verehrung. Damals gewährte sie den Segen: ‚Für alle Stände liegt darin kein Makel.‘ 569: Die drei Einwände sind hier ohne Geltung; all dies wurde dir erklärt. Was zur Göttin hin und um der Moksha willen vollzogen wird, ist frei von diesem Makel. 570–571: Diese göttliche Lehre gilt als von der Shruti geboten. Sie ist als inneres Opfer zu verstehen; das äußere Opfer ist vedisch. Mit Mantra und Tantra verbunden, erschließt dieses Geheimnis Brahman. Die gesamte vereinbarte Ordnung des Ritualkreises wurde dir offenbart.“ [Die Begründungen geben die Sicht des zitierten Brahmayamala wieder.]

Band II, S. 239, Geheimhaltung und Berechtigung zum Duti-Yaga 572–575
Deutsch: 572: „Dies ist sorgfältig geheim zu halten und nicht in Gegenwart eines Pashu auszusprechen. Gib deinen Zweifel auf, Glücklicher; wahr ist, was ich gesagt habe. Die schöne Matangi-Verehrung ist im Duti-Yaga die höchste.“ Brahmanen sind zum Duti-Yaga nicht berechtigt. So heißt es in der Brihacchrikrama-Samhita: 573: „Auch ein Brahmane, der dem Vama-Agama folgt, darf Wein und Fleisch nicht genießen. Er soll weder seine eigene noch eine andere Frau herbeiziehen und so das Opfer vollziehen.“ Ebenso in der Mahakala-Samhita: 574: „Ein Zweimalgeborener darf weder seine eigene noch eine andere Frau herbeiziehen und so Japa üben. Tut er dies aus Gier, o Gott, sinkt er herab. Weder hier noch jenseits hat er Frucht davon; auch seine Lebensdauer wird vermindert.“ Unter den Nichtbrahmanen sind hierzu ebenfalls nur Yogis berechtigt. So heißt es in der Siddhinatha-Samhita: 575: „Wer fest in der Erkenntnis der Nichtzweiheit steht und den Samsara überschritten hat, allein dieser wird genannt …“ [Die zweite Vershälfte über die Berechtigung zur Duti-Verehrung ist im Druck sprachlich gestört; sie enthält unvermittelt eine Verneinung. Der vorangestellte Prosasatz gibt die Deutung des Kompilators wieder.] Damit endet das Verfahren des Duti-Yaga.

Band II, S. 239–240, Purashcharana der Shabara-Mantras 576–582
Deutsch: Nun das Purashcharana der Shabara-Mantras. Im Merutantra: 576–578: „Jetzt wird das Purashcharana der Shabara-Mantras erklärt. In dem Land namens Kamarupa, wo Kamakhya die Gottheit ist, liegt der Kama-Berg; dieser Ort heißt Kamapitha. Dort schreibe man den Mantra ordnungsgemäß auf Bambus. Der Guru soll ihn aussprechen lassen; danach trage man den Mantra selbst vor. 578–581: Ist kein Guru vorhanden, schreibe und rezitiere man den Mantra an einem Festtag am Fuß dieses Berges; Kamapitha gilt dann als Guru. Oder man tue dies auf dem Yogini-Berg in südlicher Richtung, wo die Göttin Yogamba wohnt, oder nahe Jvalamukhi oder Hingula. Man schreibe den Mantra auf und rezitiere ihn; auf andere Weise wird er nicht wirksam. Vorzugsweise erfolgt der Mantraempfang am Kamapitha in Gegenwart einer Frau. 582: Oder der Mantraempfang kann, wie nun erklärt wird, in jedem Land geschehen. Den auf ein Palmblatt [geschriebenen] Mantra lege man in einen gefüllten Krug. Man meditiere über die Sonne als Guru und lasse ihn aussprechen …“ [Der Schluss mit „dreifach/Guru/Sonne“ ist im Druck gestört; eine bestimmte Wiederholungszahl lässt sich daraus nicht zuverlässig gewinnen.] Hiermit ist gesagt, dass bei Shabara-Mantras bereits der ordnungsgemäße Empfang selbst das Purashcharana ist.

Band II, S. 240–241, Beginn der Vira-Sadhana 583–593
Deutsch: Nun die Vira-Sadhana. Zuerst wird im Yoginihridaya die Sadhana am Scheiterhaufen beschrieben. Die Göttin sprach: 583: „Ehrwürdiger, Kenner aller Mantras, in allen Shastras bewandert! Einst hast du Purashcharana auf der Verbrennungsstätte gepriesen. Erkläre es jetzt, wenn du mir Zuneigung entgegenbringst.“ Ishvara sprach: 584–586: „Wenn Menschen trotz ihrer Mühe die ersehnte Siddhi nicht erlangt haben, sollen die Sadhakas Vira-Sadhana ausführen. Steht eine Aufgabe bevor, die verwirklicht werden muss, gibt es außer Vira-Sadhana kein anderes rasch zum Erfolg führendes Mittel. Deshalb soll der reine, von Furcht befreite Mensch, der alle Siddhis ersehnt, sie mit aller Sorgfalt ausführen. 587–588: Für den Sadhaka ist dadurch nichts von dem, was er ersehnt, schwer zu erreichen. Girija, deshalb wird diese Übung sorgfältig offenbart. [Die Wortverbindung des zweiten Halbverses ist gestört.] Am achten und vierzehnten Tag beider Monatshälften, besonders der dunklen Hälfte, verwirkliche er damit das Erstrebte.“ Im Viratantra: 589: „Gott, die Ordnung des großen Vira wurde angedeutet, aber nicht offengelegt. Erkläre sie, Mahadeva, diese große, alle Siddhis verleihende Ordnung!“ Bhairava sprach: 590–592: „Sie verleiht unmittelbar alle Siddhis, wird von allen Göttern verehrt, nimmt alle Sünden und vernichtet alle Krankheiten, Göttin. Brahma, Vishnu, Shiva und den anderen, den Weltenhütern, allen Bhairavas, Gandharvas und Yogis verleiht sie stets Siddhi; sie ist die große Zuflucht aller. Nichts anderes als Vira-Sadhana verleiht Siddhi, Göttin. 593: Für diejenigen, die stark, heldenhaft und sehr mutig, rein, innerlich klar und mitfühlend sind und sich dem Wohl aller Wesen widmen, wurde Vira-Sadhana gelehrt, große Göttin.“

Band II, S. 241, Vorbereitung der Scheiterhaufen-Sadhana 594–604
Deutsch: Ferner: 594–596: „Mit dem Wurzelmantra lege man das Ghati-Bandhana-Gewand und darüber ein weiteres Gewand an; mit demselben Mantra salbe man den Körper. Man binde einen Turban und trage mit dem Wurzelmantra ein senkrechtes Stirnzeichen aus Sindura auf. Nach Verneigung vor der Ishtadevata und dem Guru breche man in der Mitte eines Prahara auf, gemeinsam mit Sadhakas, während man den Mantra im Herzen vergegenwärtigt. 596–598: Ist man ein Vira-Sadhaka oder gehört dem göttlichen Typ an — ein Pashu kommt hier nicht infrage —, vollziehe man die Übung ruhig und nachdem man gegessen hat. Am achten oder vierzehnten Tag beider Monatshälften, an einem Dienstag in der Dunkelheit, erlange man die höchste Siddhi. 598–600: Man nehme die Verehrungsgaben, Kula-Nektar, fleischhaltige Speise, Rohzucker, einen Ziegenbock, berauschendes Getränk, Gebäck, verschiedene Früchte und die in der jeweiligen Ritualvorschrift genannten Opfergaben und Mittel. Mit bewaffneten Freunden von gleicher Eignung bringe sie der selbst furchtlose Sadhaka zum Scheiterhaufenplatz. 601–603: Ganz dem Dhyana über die Gottheit hingegeben, schaue er nicht in alle vier Richtungen. Hat er Angst, lasse er in einiger Entfernung nach den vier Richtungen seinen Guru, Brüder, Brahmanen von guten Gelübden oder Freunde zu seinem Schutz Platz nehmen. Andernfalls soll er allein sein; er wird als Bhairava bezeichnet. Der vorzügliche Sadhaka gehe zu einem nicht abgewaschenen Scheiterhaufenplatz. 604: Ist dieser bereits gereinigt, lasse er dort eine Ansammlung von Knochen herstellen.“ Im Yamala: „Man wähle einen nicht rituell hergerichteten Scheiterhaufen, keinen durch entsprechende Riten geweihten.“

Band II, S. 242, Sankalpa und Anrufung des Ritualplatzes 605–610
Deutsch: Ferner: 605: „Zuerst fasse man den Sankalpa, dem ein Segensspruch vorausgeht. Man bereite das allgemeine Arghya und beginne die Puja, nach Osten gewandt und mit Gewand, Schmuck und Zierden versehen.“ Der Sankalpa hat etwa folgende Form: „Om, heute [es folgen die üblichen Zeitangaben], ich, der ehrwürdige [Name] Sharma aus dem Gotra [Name], werde mit dem Wunsch nach Siddhi des Mantras [Name] die Sadhana auf der Verbrennungsstätte ausführen.“ Im Viratantra: 606–607: „Man besprenge den Opferplatz mit dem Wurzelmantra, an dessen Ende der Astra-Laut steht. Man meditiere über die beiden Füße des Gurus, Ganesha, Vatuka, Yogini und Matrika, und trete mit dem linken Fuß voran. 607–609: ‚Die hier weilenden Götter, die furchterregenden Rakshasas, Pishachas, Siddhas und Yakshas, die Scharen der Gandharvas und Apsaras, Yoginis, Mütter, Geister und alle im Luftraum wandelnden Frauen mögen hier Siddhi verleihen und mich beschützen.‘ Mit diesem Mantra verneige man sich und streue dreimal eine Handvoll Blumen aus. 610: Danach verehre man sorgfältig den Herrn der Verbrennungsstätte, Bhairava, Kalabhairava und Mahakala in den vier Himmelsrichtungen, beginnend im Osten.“

Band II, S. 242–243, Bali-Formeln der Scheiterhaufen-Sadhana 611–621
Deutsch: 611–613: „Mit Fußwasser und den weiteren Gaben verehre der Mantrakenner sie und bringe dann Bali dar. Auf das Shabda-Bija folgt ‚Herr der Verbrennungsstätte‘, danach ‚dieses fleischhaltige Speiseopfer‘ und das Wort ‚Nimm an‘. Es folgen ‚nimm an‘ und ‚lass annehmen‘, jeweils zweimal, dann ‚Beseitige die Hindernisse; gewähre mir Siddhi‘, verbunden mit Svaha. Der Mantra beginnt mit Tara. Damit ist die erste Bali-Gabe erklärt, Göttin.“ [Die Schreibungen und Wiederholungsangaben der Annahmeverben sind nicht ganz eindeutig; es wird keine geschlossene Formel ergänzt.] 614–616: „Nach Maya stehen ‚Bhairava‘ und ‚Furchterregender‘. Nachdem die Bali-Formel für Osten gebildet ist, bringe man Bali im Süden dar. Nach Hum folgt ‚Mahakala‘, dann bilde man den Rest wie zuvor. Im Westen bereite man die Gabe für den Gott Kala mit einem durch Pranava eingeleiteten Mantra. Nach dem Shabda-Laut folgen ‚Kala‘, ‚Bhairava‘ und ‚Herr der Verbrennungsstätte‘; wie zuvor bringe man sie in der [weiteren] Richtung dar. [Die Reihenfolge der Gottheiten und Richtungen ist in dieser Passage nicht durchgehend eindeutig.] 617–618: In der Mitte des Scheiterhaufens bringe man dann drei vorzügliche Bali-Gaben dar: ‚Kalaratri, Mahakali, Kalika mit schrecklichem Klang! Nimm dieses Opfer an, Mutter; gib mir die höchste Siddhi. Hum, der Kalika, Svaha.‘ Nach dieser Gabe lasse man dem Herrn der Geister eine Gabe darbringen. 619–620: Nach Shabda folgen ‚Herr der Geister‘ und ‚Herr der Verbrennungsstätte‘. Mit einem durch Pranava eingeleiteten Mantra bringe man die vorzügliche Gabe dar. Hum, ‚Herr aller Scharen‘, dann das Wort ‚Gebieter‘: Man stelle [die Gabe] am Kopfende der Verbrennungsstätte auf und bilde [den übrigen Mantra] wie zuvor. 621: Nach der Bali-Gabe mit einem durch Tara eingeleiteten Mantra besprenge man die Knochen mit Panchagavya, Schöne, und lege den Pitha-Mantra auf. Man schreibe diesen Mantra dort auf Birkenrinde oder ein Blatt des Banyanbaumes.“

Band II, S. 243–244, Sitzbereitung und Virardana-Mantra 622–632
Deutsch: In einem anderen Tantra: 622–624: „Westlich vom Scheiterhaufen sammle man die Knochen an einem Ort und besprenge sie mit Panchagavya unter dem Mantra ‚Om hrim, Verehrung der tragenden Shakti‘. Auf Birkenrinde oder ein Banyanblatt schreibe man den Mantra ‚hasauḥ‘ und lege es dorthin. [Im Druck steht die Verbindung hasaur iti; kein zusätzliches Bindu wird ergänzt.] Darüber breite man einen Sitz aus einer Wolldecke oder dergleichen und verehre die tragende Shakti mit dem durch Hrim eingeleiteten Mantra ‚Verehrung der tragenden Shakti‘.“ Im Viratantra: 625–628: „Nachdem der Sitz bereitet ist, nehme man darauf die gebundene Vira-Haltung ein und werfe mit dem Virardana-Mantra Erdklumpen in die Himmelsrichtungen, Herrin der Götter. Zweimal das Kurcha-Bija, dann zweimal Maya; danach ‚Kalika, du mit schrecklichen Fangzähnen, Gewaltige, Herrin der Zornvollen! Zerreiße die Danavas!‘ Dann zweimal ‚Töte!‘ und zweimal ‚Zerschneide den feindlichen Helden, das große Hindernis!‘ Dieser Virardana-Mantra endet mit dem [so bezeichneten] Sarvastra und zweimal Tha. Mit ihm besprochene Erdklumpen werfe man in die zehn Richtungen. 629–631: In ihrer Mitte ist man der Gott Bhairava und wird von Hindernissen nicht überwältigt. Wird der Sadhaka durch Unachtsamkeit von Furcht erschüttert, Herrin der Götter, schützen ihn alle jene Freunde, sodass er nicht überwältigt wird. Man stelle dort eine Lampe auf, deren Docht aus den Faserstoffen von Arka, Indu und weißem Vartala gefertigt ist [Pflanzenbezeichnungen der Quelle], und verehre dort Astra. Erlischt diese große Lampe, wird man von Hindernissen überwältigt. 632: Darunter grabe man mit dem Astra-Mantra die Kula-Lampe ein. Entsprechend der jeweiligen Ritualvorschrift vollziehe man Bhutashuddhi und die weiteren Handlungen. Nach dem sechsfachen oder dem Taraka-Nyasa verehre man dann …“ Zu ergänzen ist: „die Gottheit“.

Band II, S. 244, Japa und Überwindung der Furcht 633–640
Deutsch: Daher heißt es im Yamala und anderen Texten: 633: „Dann verehre man die Gottheit vor sich mit fünf Gaben, schließe die Augen und übe Japa, während man über den Gott meditiert. 634–635: Ist der Mantra einsilbig, wiederhole man ihn zweitausendmal; bei zwei Silben achttausendmal, bei drei Silben fünftausendmal. Bei längeren Mantras wiederhole der Mantrakenner ihn gajantaka-tausendmal [die Zahlbezeichnung ist unklar]. Man beginne um Mitternacht und fahre bis zum Sonnenaufgang fort. 636–639: Wird die Furcht unerträglich, bedecke man Ohren und Augen mit einem Tuch. Wenn bis Mitternacht nichts zu sehen ist, bringe man mit dem Jayadurga-Mantra Arghya dar und streue mit demselben Mantra Senfkörner. ‚Om, du bist Sesam, Soma ist deine Gottheit; du bist gosava und spendest Sättigung. Du gibst den Ahnen den Himmel; unter den Sterblichen beschützt du mich. Bei Hindernissen durch Bhutas, Pretas und Pishachas bewirkst du Befriedung.‘ [Gosava bleibt als nicht eindeutig deutbare Bezeichnung stehen.] Mit diesen Worten streue man Sesam nach den vier Seiten, beginnend mit Shivas Richtung. Dann gehe man sieben Schritte und setze sich wieder an derselben Stelle nieder. 640: Nach erneuter vollständiger Verehrung übe man Japa des vorzüglichen Mantras. Furchtlos wiederhole man ihn, bis Siddhi entsteht. Die Furcht ist wie ein Traum zu verstehen; am folgenden Tag vollende man das Verbleibende.“ [Die Zeitangaben „ab Mitternacht“ und „bis Mitternacht“ stehen so nebeneinander in der Quelle.]

Band II, S. 245, Abschluss der Chita-Sadhana und Beginn der Shava-Sadhana 641–645
Deutsch: Im Vamakeshvaratantra: 641: „Nach dem Japa bringe man der Gottheit nach Vorschrift eine Bali-Gabe dar, einen Büffel oder einen Ziegenbock. Hat man den Segen empfangen, gehe man frohen Herzens gemeinsam mit seinen Freunden nach Hause.“ Damit endet das Verfahren der Chita-Sadhana, der Übung am Scheiterhaufen. Nun das Verfahren der Shava-Sadhana, der Übung mit einem Leichnam. Im Bhutadamara: 642–643: „Das Verfahren zur Vira-Siddhi, das Shambhu, der Gott der Götter, im Bhavasarvasva erklärt hat und das in allen Tantras geheim gehalten wird: Allein durch seine Kenntnis erlangt selbst ein wenig Begünstigter Siddhi.“ Ferner: 644–645: „Nachdem er Purashcharana vollendet hat, vollziehe er Vira-Siddhi, frei von bindender Zuneigung zu Kindern, Frau und Besitz, frei von Gier und Verblendung. ‚Entweder werde ich den Mantra zur Vollendung bringen, oder ich lasse diesen Körper fallen.‘ Nach einem solchen Gelöbnis bedenke er die für die Bali-Gabe erforderlichen Stoffe.“

Band II, S. 245–246, Schutzriten der Shava-Sadhana 646–655a
Deutsch: Im Viratantra: 646–648: „Der Sadhaka nehme die zuvor genannten Opfergaben und übrigen Dinge, begebe sich an den Übungsort und verwirkliche die ihm dienliche Siddhi. Der Verständige vollziehe alles zuvor Genannte, beginnend mit der Meditation über den Guru. Im Bereich des Virardana-Ritus gibt es keine Verwirrung durch Maya. Mit dem Mantra, der mit ‚Die hier …‘ beginnt, streue er dreimal eine Handvoll Blumen auf den Boden und bringe den Herren der Verbrennungsstätte wie zuvor Bali dar. 649: Mit dem Aghora-Mantra vollziehe er die Bali-Handlung; mit dem Sudarshana-Mantra oder mit beiden richte er den Schutz ein.“ [Die Ausgabe nennt hier als abweichende Lesung: „vollziehe das Binden der Haarlocke“ anstelle der Bali-Handlung.] 650–652: „Maya, zweimal ‚sphura‘, danach zweimal ‚prasphura‘; auf ‚ghora‘ und ‚ghoratara‘ folgt die Verbindung ‚tanno rupa‘. Danach zweimal ‚chata‘ und zweimal ‚prachata‘, zweimal ‚he‘, zweimal ‚rama‘, zweimal ‚bandhu‘, zweimal ‚pataya‘, Varman und am Ende Phat. Dies ist der einundfünfzigsilbige Aghorastra-Mantra.“ [Mehrere Lautfolgen dieser Bauanweisung sind im Druck gestört; die Bezeichnungen werden nicht zu einer vermeintlich sicheren Formel vervollständigt.] 653: „Nach Herausnahme von Halahala folgt die Gestalt von Sahasrara, am Ende Varman und Astra: So wird der große Sudarshana-Mantra gelehrt. 654–655a: Danach vollziehe man Bhutashuddhi und den entsprechenden Nyasa. Mit dem Jayadurga-Mantra streue man Senfkörner in die Richtungen.“ Der Jayadurga-Mantra lautet: „Om, Durga, Durga, beschütze …, Svaha.“ [Die überlieferte Form des Schutzwortes lautet rakshani und ist grammatisch auffällig.] „Mit dem Mantra ‚Du bist Sesam‘ streue man auch Sesam aus.“

Band II, S. 246, Leichnam und erste Verehrung 655b–665
Deutsch: 655b–659: „[Man wähle einen Leichnam von einem Menschen,] der durch Stock, Speer oder Schwert getötet, ertrunken, durch einen Strick umgekommen, von einer Schlange gebissen oder von Chandalas überwältigt wurde: jung, schön, tapfer, strahlend, im Kampf gefallen, ohne zu fliehen und dem Gegner zugewandt, im Kampf erfahren. Auszuschließen sind diese acht Arten: jemand, der freiwillig starb, ein zweijähriges Kind, ein alter Mensch, eine Frau, ein Zweimalgeborener, jemand, der an Nahrungsmangel starb, ein Aussätziger und jemand, dessen Tod mehr als sieben Nächte zurückliegt. Man nehme einen der zuvor genannten geeigneten Leichname und bringe ihn mit dem Wurzelmantra an den Verehrungsort. Einer, der durch Chandalas oder dergleichen überwältigt wurde, gewährt rasch die Frucht der Siddhi. 660–662: Man besprenge den Leichnam mit dem Pranava-Astra-Mantra: Pranava, Kurcha-Bija, ‚Dem Toten sei Verehrung! Phat.‘ Man bringe dreimal eine Handvoll Blumen dar, berühre ihn und verneige sich: ‚O Vira, höchste Wonne, Wonne Shivas, Herr des Kula! Du in der Gestalt Anandabhairavas, Shankara, Lager der Göttin! Ich bin ein Vira und wende mich an dich; erhebe dich zur Verehrung Chandikas!‘ [Das Verb prayacchami ist in dieser Anrede auffällig; die genaue Beziehung bleibt unsicher.] 663–665: Nach der Verneigung mit diesem Mantra lege man ihn nieder. Tara, Shabda und ‚Verehrung dem Toten‘ bilden den Mantra zum Niederlegen des Leichnams, der in allen Tantras gelehrt wird. Man beräuchere ihn und bestreiche ihn mit Duftstoffen. Ist er blutbefleckt, Herr der Götter, könnte er den Kula-Sadhaka verschlingen. Man trete an ihn heran und fasse ihn an der Hüfte.“

Band II, S. 247, Bereitung des Leichnams und des Sitzes 666–679
Deutsch: 666–668: „Bereitet er Schwierigkeiten, spucke man ihm in den Mund, wasche ihn erneut und bringe ihn an den Japa-Platz. Man breite ein Lager aus Kusha-Gras aus und lege den Leichnam darauf. Man gebe ihm Betel mit Kardamom, Nelken, Kampfer, Jati, Khadira und frischem Ingwer in den Mund. Dann lege man ihn mit dem Gesicht nach unten und bestreiche seinen Rücken mit Sandelholz. 669–670: Von den Achseln bis zur Hüfte stelle man sich ein Quadrat vor, in dessen Mitte einen achtblättrigen Lotus mit vier Toren. Darüber lege man ein Antilopenfell mit einer dazwischenliegenden Wolldecke. In den Richtungen [stelle man] Opferhölzer von zwölf Fingerbreiten [auf]. 671–674: ‚Nimm dieses Opfer an, nimm es an; lass es annehmen, lass es annehmen; beseitige die Hindernisse und gewähre Siddhi, gewähre sie.‘ Mit diesem Mantra bringe man zuerst die fleischhaltige Bali-Gabe dar. Unter Einfügung der jeweiligen Namen bringe der vorzügliche Sadhaka wie zuvor allen Weltenhütern Bali dar, ferner den Gottheiten, die den Leichnam bewohnen, zusammen mit berauschendem Getränk, sowie den vierundsechzig Yoginis und den Dakinis. 674–677: Die Puja-Stoffe stelle man in die Nähe, den unterstützenden Sadhaka lasse man weiter entfernt Platz nehmen. Nach Verehrung des Sitzes füge man dem eigenen Mantra Trapa und Phat an und nehme damit wie beim Besteigen eines Pferdes Platz. Man lege Kusha unter die Füße, streiche die Haare des Leichnams zusammen und binde die Haarlocke fest. Der Sadhaka, der seinen Sankalpa gefasst hat, besteige den Leichnam, übe Pranayama und werfe mit dem Virardana-Mantra Erdklumpen in die Richtungen. 678–679: Dann verehre man die Gottheit mit reichlichen Gaben und vollziehe am Mund des Leichnams die vorgeschriebene Sättigung der Gottheit, Göttin. Man stehe auf, trete vor ihn und spreche voller Hingabe: ‚Sei mir gefügig, Herr der Götter; gewähre mir [die gewünschte …]‘“ [Die Anrufung geht im nächsten Vers weiter.]

Band II, S. 248, Anrufung und Japa auf dem Leichnam 680–692
Deutsch: 680: „… Siddhi, Glücklicher, du, dessen Füße Zuflucht der Wesen sind …“ [Der abschließende Ausdruck dieser Anrufung ist gestört.] „Während er den Wurzelmantra spricht, binde der Mantraübende die beiden Füße des Leichnams mit einem Seidenband zusammen, sodass dieser nicht aufstehen kann. 681–683: ‚Om, du Furchtbarer für die Furchtsamen, Abwesenheit der Furcht, du mit glückverheißenden Augen, Wohlgesinnter! Rette mich, Herr der Götter, oberster Herr über die Toten!‘ Mit diesen Worten zeichne man unter seine Fußsohlen ein dreieckiges Chakra. Dann kann der Leichnam nicht aufstehen und bleibt unbeweglich. Man setze sich wieder und strecke seine Arme nach beiden Seiten aus. 684–687: Man lege Kusha auf seine Hände und stelle die eigenen Füße darauf. Mit geschlossenen Lippen, gefestigtem Geist und beherrschten Sinnen übe man schweigend Japa und meditiere stets im Herzen über die Göttin. Die Wiederholungszahlen seien die für die Verbrennungsstätte genannten, Herrin des Kula; oder man fahre vom Beginn bis zum Sonnenaufgang fort. Wenn man bis Mitternacht Japa geübt hat, ohne etwas wahrzunehmen, vollziehe man Arghya und die übrigen überlieferten Handlungen wie zuvor, setze sich wieder und übe Japa mit ungeteilter Aufmerksamkeit. 688–689: Wenn sich der Sitz bewegt, besteht kein Grund zur Furcht. Entsteht dennoch Furcht, spreche man: ‚Was du verlangst, Göttin — einen Elefanten oder eine andere Gabe —, werde ich an einem anderen Tag geben. Sage mir deinen Namen.‘ Nach diesen Worten auf Sanskrit übe man furchtlos weiter Japa. 690–691: Spricht [die Erscheinung] freundlich, antworte man freundlich, lasse eine verbindliche Zusage geben und bitte dann um … [Im Druck steht nara, „Mensch“; im Zusammenhang wäre ein Segen zu erwarten. Die Stelle wird nicht stillschweigend geändert.] Gibt sie keine verbindliche Zusage oder keinen Segen, übe der Verständige mit gesammeltem Geist erneut Japa.“ Im Yakshadamara: 692: „Tritt etwas Wunderbares auf, schaue man nicht hin, spreche nicht und berühre nichts. Mit ungeteilter Aufmerksamkeit übe man Japa, bis [die Gottheit] unmittelbar erscheint.“

Band II, S. 248–250, Prüfung der Erscheinungen 693–710
Deutsch: Im Viratantra: 693–694: „Nicht jeder Menschengestaltige hier ist ein Gott. Nähert sich jemand, ist sorgfältig zu erkennen, ob er ein Mensch oder ein Wesen göttlicher Herkunft ist. In der Gestalt der Mutter, ihrer Tochter oder der Tante mütterlicherseits kann [eine Erscheinung] kommen und ein Hindernis bereiten, indem sie ihre Gestalt durch Maya verhüllt. 695–697: ‚Steh auf, mein Kind; dein Werk ist zweifellos ganz vollendet. Es ist Morgen geworden; dein Vater ruft zu Hause. Fast alle Leute, die Könige mit ihrer Strafgewalt … wenn einer von ihnen beauftragt wird, was wird er dir dann antun?‘ [Der Satz über Leute und Könige ist in seiner Verbindung gestört.] Wegen solcher vielfältiger Reden gebe man Japa nicht auf. 697–700: Verstorbene Ahnen und in fernen Ländern lebende Verwandte kommen dorthin, wobei göttliche Wesen ihre Gestalt annehmen. Andere ergreifen Frau, Söhne und Diener und führen sie fort. Alle Kinder, Brüder, jüngeren Angehörigen und Schüler weinen. Die Ehefrau wird von Wächtern abgeführt, die ihren Körper berühren und Kleider und Schmuck ergreifen. Diese Furcht gebe man auf. Wenn man dabei nicht erschüttert wird, was könnte dann unerreichbar bleiben? 701–702: Die Göttin erscheint als Frau, der männliche Gott als Zweimalgeborener. Erst nachdem dreimal die Aufforderung ‚Empfange einen Segen‘ erklungen ist, nehme man ihn an. Wenn eine Frau einen Segen spendet — in guter oder schlechter [Redeweise] —, was sollte diesem Herrn der Viras auf Erden nicht gelingen? 703: Der Mann ist sündlos und im Kula wohl eingeweiht; eine Göttin mit ungeweihter Gabe ist zweifellos mit Sünde verbunden. [Die Gegenüberstellung ist im Druck mehrdeutig; samskrita kann hier sowohl Weihe beziehungsweise Vervollkommnung als auch die Sanskritsprache bezeichnen.] 704–706: Spricht [die Erscheinung], sichtbar vor einem oder unsichtbar, Sanskrit, ist sie ohne Zweifel die Göttin beziehungsweise der Gott Bhairava selbst. Ist es nicht so, soll man von einer durch Maya verhüllten Gestalt keinen Segen erbitten und keinen Wunsch äußern. Spricht sie Sanskrit, antworte man entsprechend; andernfalls nehme man selbst mit einer Kaula-Anrede unerschüttert den Segen an. [Die letzte Alternative steht neben dem vorausgehenden Verbot und wird nicht damit harmonisiert.] 707–710: Oder man empfängt etwas Außergewöhnliches, das einem dient; ein deutlicher Laut entsteht oder Amrita wird erlangt. Alles ist sorgfältig zu prüfen, bevor man es annimmt; damit ist die Richtung der Unterscheidung angegeben. Die Göttin hat viele Erscheinungsformen, manchmal auch die von Menschen und anderen Wesen. Dabei ist Vorsicht nötig; unbedingtes Vertrauen ist nicht angebracht. Bhairavas und Vatukas, die der Kula-Lehre folgen, und unheilvolle Wesen von trügerischer Gestalt treten im Zusammenhang mit dieser Lehre auf: als Sohn fordern sie etwas, als Frau verwirren sie. Deshalb bemühe sich der auf die Wahrheit ausgerichtete Vira sorgfältig um die rechte Ausführung.“

Band II, S. 250, Abschlussriten und Ersatzgaben 711–719
Deutsch: Im Bhutadamara: 711–712: „[Die Gottheit] kommt, spricht das Erwünschte aus oder bewirkt eine Regung im Körper. Dadurch entsteht Vira-Siddhi. Dann bringe man Bali dar. Man verneige sich vor Gottheit und Guru, entlasse [die Gottheit] und stelle sie wieder im Herzen auf. Der Wissende stelle sie zufrieden und übergebe den Leichnam dem Wasser.“ Im Viratantra: 713–715: „Ist die verbindliche Zusage gegeben und der Segen empfangen, beende man Japa und die übrigen Handlungen. Im Wissen, dass die Frucht erreicht ist, löse man die Haarlocke, wasche [den Leichnam] und lege ihn hin. Man löse die Bindung an den Füßen [der Druck wiederholt hier das Wort für Haarlocke], wische das Chakra an den Fußsohlen ab und gebe die Puja-Stoffe ins Wasser. Man lege den Leichnam ins Wasser oder in eine Grube und bade. Danach kehre man nach Hause zurück und bringe an einem anderen Tag Bali dar: 716: ‚Die Götter, deren Opfernder ich in der vorangegangenen Nacht war, mögen diese von mir dargebrachte fleischhaltige Bali-Gabe annehmen.‘ 717: Wurden Pferde, Menschen, Elefanten oder Schweine verlangt, gebe man ausschließlich aus Teig gefertigte Nachbildungen und halte ein Fasten ein.“ In einem anderen Tantra: 718–719: „Eine aus Gerstenmehl oder Reismehl gefertigte Gestalt bringe man mit dem Schwert Chandrahāsa unter dem jeweiligen Mantra ordnungsgemäß zu Fall. Am folgenden Tag vollziehe man die täglichen Handlungen und trinke Panchagavya. Dann speise man fünfundzwanzig Brahmanen.“

Band II, S. 251, Nachriten und Bedingungen 720–731
Deutsch: 720: „Oder man lade sie in Gruppen zu je fünf ein, nacheinander bis zu zehn [die Zählweise dieser Alternative bleibt unklar]. Danach bade und esse man und halte sich an einem guten Ort auf. 721–723: Unterbleibt die Brahmanenspeisung, fällt man in Armut; sollte dies nicht geschehen, erzürnt die Gottheit. Drei oder sechs Nächte halte man die Kula-Sadhana geheim. Sucht man das Lager auf, entsteht Krankheit. Vom Hören von Gesang wird man taub, vom Ansehen eines Tanzes blind; spricht man am Tag, wird man stumm. 724–725: Die Gottheit verweilt bis zum Ende von fünfzehn Tagen im Körper. Niemals schmähe man Kühe, Brahmanen und Götter. In Reinheit berühre man täglich Götter[bilder], Kühe, Brahmanen und die übrigen Genannten. Morgens trinke man nach den täglichen Verrichtungen Wasser mit Bilva-Blättern. 726–728: Am sechzehnten Tag bade man an einem Tirtha oder einem entsprechenden Ort. Man spreche den mit Svaha endenden Wurzelmantra sowie ‚Ich sättige‘ und ‚Verehrung‘; nach diesen drei Wortgruppen bringe man den Gottheiten Tarpana mit Wasser dar. Ohne Tarpana für die Weisen gibt es kein gültiges Tarpana für die Gottheit. Durch dieses Verfahren erreicht man gewiss Siddhi. Nachdem man hier göttliche Gaben genossen hat, gelangt man am Ende zu Haris Stätte. 729: Ob ohne oder mit sämtlichen Gliedern ausgeführt, ob ohne Erfolg oder erfolgreich — allein durch diese Sadhana wird man Shakti besonders lieb. 730–731: Fehlt ein Leichnam, vollziehe man Vira-Sadhana auf der Verbrennungsstätte. Verehrt man nicht mit den jeweils vorgeschriebenen inneren Einstellungen, fällt der Sadhaka durch ein solches Vorgehen vom Weg ab. Man soll dann weder die betreffende Haltung noch die Puja unterweisen. Indem man [das Verfahren] bis zur Verbrennungsstätte aufnimmt, entsteht entsprechende Reinigung.“ [Die Schlussverbindung von Vers 731 ist nicht sicher verständlich.]

Band II, S. 251–252, Weitere Form der Vira-Sadhana 732–739
Deutsch: Im Virachudamani: 732–734: „Nun erkläre ich dir eine weitere Art der Sadhana. Man reinige den Japa-Platz sorgfältig durch Umgraben und die übrigen Handlungen, bringe in seiner Mitte Bali dar und zeichne ein dreieckiges Yantra. In dessen Mitte ordne man fünf Schädel als Mahashankha an [die Verbindung dieser Bezeichnungen ist knapp und mehrdeutig]. Darüber lege man einen schönen, an allen Gliedern unversehrten großen Leichnam; man vollziehe Einreibungen und bade ihn nach Vorschrift. 735–736: Man bekleide ihn mit rotem Stoff, versehe seine Augen mit Salbe, gebe ihm Betel und Ähnliches in den Mund und trage rotes Sandelholz auf seine Stirn auf. Auf der Herzgegend zeichne man ein Yantra: ein Dreieck inmitten eines Lotus. Mit einem scharfen Instrument zeichne man außerdem das Puja-Yantra auf seine Stirn. 737–739: Der Verständige bringe Pflöcke aus Khadira oder anderem Holz bei Kopf, Arm, Hand, Fuß und Hüfte an. Er verstärke die Befestigung und binde sie fest. In sechs Gefäßen bringe man bei jedem Pflock gesondert Bali dar: Masha-Bohnen, Fleisch, Fisch, Milchreis, drei Arten berauschenden Getränks, Modaka, große Kuchen und Milchspeisen.“

Band II, S. 252–253, Weitere Bali-Mantras 740–751
Deutsch: 740–741: „Krodhisha, auf Vahni gesetzt und mit dem vierten Vokal verbunden; dann das Varman-Bija und ‚Shmashanakalika‘. Man füge das vorherige Bija hinzu; der Mantra endet mit Astra. 741–744: Man spreche das Maya-Bija und ‚Dem Shmashanabhairava, dem Gott Mahakala: Sei der Beseitiger aller Hindernisse! Nimm das Opfer an!‘, den Annahmeausdruck zweimal. Dann der dreizehnte [Laut] mit Bindu: ‚Ihr auf der Verbrennungsstätte wohnenden Rudras, denen Knochen- und Fleischopfer lieb sind! Beseitige das Hindernis vollständig; nimm das Opfer an!‘ Wieder zweimal der Annahmeausdruck, zweimal ‚Beseitige das Hindernis‘ und ‚Gewähre mir einen Segen‘. Der Mantra endet mit zweimal Tha; die Bali-Gabe erfolgt nach dem erklärten Verfahren. 745–747: Man schreibe Maya, Lajja, Lakshmi und dreimal Nandininatha, ferner Narayana, Sukshma und danach Madhusudana. Es folgen ‚Den Yoginis‘, ‚Bewohnerin der Verbrennungsstätte‘, ‚Gewaltige, von zornvoller Gestalt, Messer und Schädelschale tragende‘, zweimal ‚Lass das Opfer annehmen‘, ‚Beseitige alle Hindernisse‘ und ‚Gib einen Segen‘. Der Mantra für die Yogini-Bali-Gabe endet mit zweimal Tha. 748–749: Raudra, auf Vahni gesetzt, mit dem vierzehnten Vokal verbunden, von Bindu, Nada und Kala überlagert; dann ‚Kshetrapala‘ im Dativ, ‚dem Bewohner der Verbrennungsstätte, dem Blut und Knochen lieb sind‘. Man spreche den mit zweimal Tha endenden Mantra und bringe Kshetrapala Bali dar. 750–751: Man bilde das Varahi-Bija, danach das Panchantaka-Bija, füge ‚Dem Vakratunda‘ und Varman hinzu, dann ‚Nimm das Opfer an; beseitige das Hindernis; gewähre mir Siddhi‘. Dieser vorzügliche Mantra endet mit Astra.“ [Die Lautbezeichnungen werden in der vorliegenden Bauanweisung nicht ausgeschrieben. Kasus- und Numeruswechsel der Anrufungen bleiben erhalten.]

Band II, S. 253, Vira-Ritus mit Shakti 752–757
Deutsch: 752–754: „Der große Vira, dessen Gestalt von der Wonne des berauschenden Getränks erfüllt ist, ordne die Füße an [die genaue Handlung ist nicht verständlich] und [setze] Shakti über der Herzgegend auf den Leichnam: unbekleidet, mit gelöstem Haar, Messer und Schädelschale tragend. Nach Reinigung mit dem Kula-Stoff verehre er den Kula-Kreis mit Räucherwerk, Lampen und Speisegaben und bringe den fünf Wesen beziehungsweise Elementen Bali dar. Er übe Japa nach seinen Kräften und bringe den Wurzelmantra dar. 755: [Es folgt eine schwer verständliche Angabe zu Haltung und Gewandbindung.] Man vollziehe die sexuelle Vereinigung auf dem Leichnam und wiederhole dort den Mantra zehntausendmal; so werde man Herr aller Siddhis. 756–757: Wird er von Furcht ergriffen, verschlingen sie ihn sogleich. Ertönt die Aufforderung ‚Gib, gib!‘, bringe er einen Ziegenbock als Bali dar. Außerhalb der Bali-Darbringung darf niemals Gewalt ausgeübt werden. Durch Purashcharana entsteht gewiss Mantra-Siddhi.“

Band II, S. 253–254, Weitere Shava-Sadhana und ihre zugesagten Früchte 758–771
Deutsch: In der Mundamala: 758–760: „Oder man vollziehe Vira-Sadhana auf folgende andere Weise: Man bringe ordnungsgemäß im Kampf gefallene Tote herbei, lege acht in die acht Richtungen und den neunten in die Mitte. Mit einzelnen Stricken [befestige man sie] an fest eingerammten Pflöcken. [Die Strick-Passage enthält eine gestörte Wortverbindung.] Man besprenge sie mit Sandelholz und anderen Stoffen und schmücke sie sorgfältig mit duftenden Blumen. Man begebe sich zum Kopf des mittleren Leichnams. 761–763: Auf seiner Stirn verehre man die Göttin mit glänzenden Opfergaben. In den acht Richtungen bringe man Bali dar mit Masha-Bohnen, Fleisch, berauschenden Getränken, mit Honig versetztem Milchreis, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern. Dann übe man furchtlos Japa auf der Herzgegend des Leichnams, auf einem roten Sitz aus Tigerfell. Nach fünfzigtausend Wiederholungen bereite man Bali wie zuvor. 764–767: Erblickt man Tiger, Affen, Bären, Schakale oder Wesen mit brennenden Gesichtern, fürchte man sich nicht, sondern betrachte sie als Maya. Nach Erlangung der Erfahrung bringe man einen Ziegenbock oder eine andere Bali-Gabe dar. Unerschüttert übergebe man den Leichnam dem Wasser. Man gebe den Zweimalgeborenen, besonders den Sadhakas, sowie schön gekleideten Frauen und Kumaris sorgfältig Dakshina, Gewänder, Schmuck und süße Speisen. Ebenso esse man selbst; das von Menschen [Stammende] meide man. [Beim letzten Verbot fehlt die nähere Bestimmung; eine eindeutige Speisebezeichnung steht nicht da.] 768–770: Dadurch entsteht die auf Erden seltene große Siddhi: Herrschaft, Wohlstand, höchste Wonne, Sieg über das feindliche Reich, Bezauberung und Beherrschung der Welt sowie dichterisches Können. Eine feindliche Armee flieht im Kampf vor diesem Sadhaka, selbst wenn sie kühn ist — um wie viel mehr geringe Feinde! Der Sadhaka wird zum Empfänger der acht Siddhis in ihren vielen Formen. 771: Was ich dir gesagt habe, Herrin der Götter, darf niemals öffentlich gemacht werden. Du sollst es streng geheim halten, besonders in der Versammlung der Pashus. Dies ist das höchste Geheimnis, das eigentliche Leben des Agama.“ Damit endet das Verfahren der Vira-Sadhana.

Band II, S. 254, Schlussvers und Kolophon des siebten Taranga 772
Deutsch: 772: „In diesem neuen Ozean des Purashcharana, den der König geschaffen hat — reich an Strömen eines wundervoll vielfältigen Nektars der Worte über erstaunliche Kräfte, ausgezeichnet durch den Zusammenfluss der Flüsse guter Abhandlungen — ist die siebte Welle zu Ende gegangen, hoch aufragend im Glanz klarer Perlen guter Begründungen.“ [Das lange Anfangskompositum des Schlussverses ist im Druck beschädigt; seine Wortverbindungen sind nicht durchweg sicher lesbar.] So endet im Purashcharanarnava, verfasst vom erhabenen Maharajadhiraja Pratapasimha Shah, der siebte Taranga mit dem Namen „Darlegung der Merkmale und Mittel der Mantra-Siddhi sowie der verschiedenen Formen des Purashcharana“.

8. Taraṅga: Mantras und Puraścaraṇas der Gottheiten

Lesehilfe: Diese umfangreiche Welle stellt Mantras und Puraścaraṇas verschiedener Gottheiten zusammen. Die wiederkehrenden Angaben zu Verehrung, Wiederholung und Abschluss helfen, die Verfahren miteinander zu vergleichen. Beginne für das Svadhyaya bei einer dir vertrauten Gottheitsgestalt und lies von dort aus weiter.

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Band II, S. 255, Beginn des achten Taranga und Vighnaraja-Mantra 1–7
Deutsch: Nun der achte Taranga. Jetzt werden die Mantras Ganeshas und anderer Gottheiten sowie ihre besonderen Purashcharanas behandelt. Zuerst steht im Merutantra der Vighnaraja-Mantra: 1–3: „Ein vom Guru gegebener, noch nicht verwirklichter Mantra kann viele Hindernisse bereiten. Zuerst bringe man deshalb den Mantra Vighnarajas zur Wirksamkeit. Danach wird der vorzügliche Mantra durch die Kraft des Purashcharana beim von Schuld Befreiten wirksam. Ich erkläre den aus einem einzigen Bija bestehenden Vighna-Mantra, der gute Siddhi gewährt und je nach Amnaya unterschieden in allen Tantras geheim gehalten wird. Für die Anhänger des Veda gilt zunächst der bloße Laut Ga. 4–5: Für den südlichen Weg ist er mit Bindu verbunden, für den östlichen mit Dvibindu; danach mit beiden [die Richtungszuordnung dieser Verbindung bleibt verkürzt]. Im oberen Amnaya steht gau, im nördlichen glau, im unterirdischen go. [Die Druckformen sind gaum iti, glaum uttare und gom iti. Die m-Verbindung wird nicht ungeprüft als Nasalzeichen des Bija behandelt.] Sein Seher ist Ganapa, sein Versmaß Nivrit, seine Gottheit Vighna. 6–7: ‚ganam japayam svaha‘ gehört zum Herzen; ‚Dem Einzähnigen, hum phat‘ [folgt als nächstes Glied]; ‚Der Unbeweglich-Ohrigen Verehrung‘ heißt die Shikha-Formel. Dann die Rüstung; ‚Dem Elefantengesichtigen Verehrung‘, das Auge und Astra werden genannt; ‚Dem Mahadashamachanda, hum phat‘. So [verfahren] die vedischen Anhänger. Der tantrische Übende vollziehe Nyasa mit dem Bija, verbunden mit den sechs langen Vokalen.“ [Die Gliederzuordnung sowie mehrere Formeln in Vers 6–7 sind im Druck gestört; sie bilden hier keine gesicherte vollständige Rezitationsfolge.]

Band II, S. 255–256, Ganesha-Dhyana und Purashcharana 8–14
Deutsch: Nun Dhyana: 8–9: „Man meditiere über Vighnavinayaka: in roten Kleidern, von roter Farbe, mit roten Duftstoffen gesalbt und mit roten Blumen verehrt; mit rundem Bauch, dem Mond im Haar, drei Augen und kleiner Gestalt. Im Rüssel hält er eine Zitronatzitrone, in den oberen linken und rechten Händen Schlinge und Elefantenhaken; [die anschließende Angabe zu Rad und Segensgabe ist beschädigt]. Er sitzt auf einem Lotus und ist mit Schlangen geschmückt.“ In der Sharada: 10: „Verehrt Ganapati: zinnoberrot, dreiäugig, mit mächtigem Bauch, in den Lotushänden Stoßzahn, Schlinge, Haken und die erwünschte Gabe; lieblich durch die Zitronatzitrone, die in seinem mächtigen Rüssel glänzt. Der junge Mond erhellt sein Haupt; er hat das Gesicht eines Elefantenfürsten, seine Wangen sind feucht vom reichlich fließenden Brunstsaft. Ein Schlangenkönig umwindet sein Haupt; Kleider und Körpersalbe sind rot.“ Das Purashcharana dieses Mantras wird im Merutantra erklärt: 11: „Nach hunderttausend Mantrawiederholungen bringe man ein Zehntel davon als Homa dar.“ In der Sharada hingegen: 12–13: „Mit Modaka, gepresstem Reis, Puffreis, geröstetem Mehl, Zuckerrohrstücken, Kokosnüssen, Sesam und Bananen vollziehe man gesondert Homa: je eintausendzweihundertfünfzig Gaben, mit den drei süßen Stoffen bestrichen. Nun wird Homa für besondere Wünsche erklärt. 14: Homa mit Milchreis und Ghee schenkt die gewünschte Frucht. Wer Wohlstand wünscht, opfere am vierten Mondtag Kokosnüsse.“ Mocha bezeichnet die Frucht des Bananenbaums.

Band II, S. 256–257, Lakshmi-Ganesha-Mantra und Purashcharana 15–22
Deutsch: Nun der Lakshmi-Ganesha-Mantra, ebendort: 15–18: „Ihr Götter, nun erkläre ich Lakshmiganapati im südlichen Amnaya. Diese Verbindung mit Gajalakshmi ist sehr selten. Man spreche ‚shri gam‘, ‚dem Sanften‘, dann ‚Mahaganapati‘ im Dativ, ‚vara varada‘, ‚alle Menschen‘ und ‚bringe unter meine Gewalt, Svaha‘. Der Mantra hat neunundzwanzig Silben. [Am Anfang ist Shri ohne ausdrückliches Nasalzeichen gedruckt, Gam mit Chandrabindu; eine geschlossene Formel wird nicht normalisierend hergestellt.] Der Seher ist Antaryamin, das Versmaß Gayatri, verbunden mit Nivrit; die Gottheit ist Lakshmiganesha. Mit den beiden Anfangsbijas, verbunden mit den sechs langen Vokalen und den jeweiligen Gliederendungen, vollziehe man die Anga-Handlungen.“ Nun Dhyana: 19–20: „Goldglänzend und gelb gekleidet hält er, von der oberen rechten Hand bis zur unteren rechten gerechnet, Rad, Muschelhorn, Keule und die Geste der Furchtlosigkeit. Im Rüssel trägt er einen goldenen Krug und sitzt auf einem Lotus. Lakshmi sitzt auf seinem linken Schoß und umarmt ihn mit ihrem rechten Arm.“ Sein Purashcharana wird ebendort erklärt: 21–22: „Hunderttausend Japa-Wiederholungen; als Homa opfere man Bilva-Hölzer, mit Süßem getränkt. Nach Tarpana und den übrigen Handlungen führe man die Riten für besondere Wünsche aus. Viertausend Gaben aus mit Süßem getränkten Shriphala-Früchten opfere man. Dieser Homa schafft großen Wohlstand und schenkt Söhne, Freunde und eine Ehefrau.“

Band II, S. 257, Shakti-Ganesha-Mantra 23–27
Deutsch: Nun der Shakti-Ganesha-Mantra in einem anderen Tantra: 23: „Panchantaka, auf Vahni gesetzt, mit dem linken Auge und Halbmond versehen und von Maya umschlossen: Dies ist der dreisilbige Mantra des Herrn Shaktiganesha.“ Im Merutantra: 24–25a: „Dies ist der Laut. Sein Versmaß heißt Virat, der Seher Bhargava, die Gottheit Shaktiganapa. Mit Ga, verbunden mit den sechs langen Vokalen, vollziehe man die sechs Anga-Handlungen und meditiere dann über den Elefantengesichtigen.“ Dhyana lautet: 25b–26: „In der oberen rechten Hand trägt er den Elefantenhaken, links die Schlinge, in der unteren linken eine Zitronatzitrone, rechts seinen eigenen Stoßzahn. Seine Farbe ist golden. Im Rüssel trägt er einen Modaka; an den Ohren sind lange Chamara-Wedel.“ Das Purashcharana dieses Mantras wird ebendort erklärt: 27: „Hunderttausendmal wiederhole man den Mantra, während man Havisya-Speise isst und die Sinne beherrscht. Ein Zehntel davon bringe man als Homa mit in Ghee getränkten Kuchen dar. Hat der Mantraübende so seinen Mantra verwirklicht, vollziehe er die Riten zur Erfüllung besonderer Wünsche.“

Band II, S. 257, Kshipraprasadana-Ganesha-Mantra 28–29
Deutsch: Nun der Mantra des rasch gnädigen Ganesha im Nibandha: 28: „Samvartaka, mit Netra verbunden, Parshva auf dem Sitz des Feuers, ‚prasadānāya‘ und die Herz-Endung: Mit seinem eigenen Bija versehen, hat der Mantra zehn Silben.“ [Es handelt sich um eine verschlüsselte Lautanweisung, nicht um eine ausgeschriebene Formel.] Im Merutantra: 29: „Der Rishi heißt Ganaka, das Versmaß Virat, die Gottheit Kshipraprasadana-Vinayaka. Mit dem Bija, verbunden mit den sechs langen Vokalen, vollziehe man die Anga-Handlung des Mantras.“ Nun Dhyana in der Sharada: [Fortsetzung im folgenden Vers.]

Band II, S. 258, Kshipraprasadana-Dhyana und Purashcharana 30–31
Deutsch: 30: „Der Elefantengesichtige beschütze euch: Er trägt Schlinge, Haken, Wunschranke und Stoßzahn, im schönen Rüssel eine Zitronatzitrone. Rot ist er, dreiäugig, mit jungem Mond im Haar und leuchtenden Halsketten.“ Sein Purashcharana im Merutantra: 31: „Hunderttausendmal wiederhole man den Mantra. Man opfere Sesam, mit den drei süßen Stoffen bestrichen, oder die zuvor genannten acht Stoffe; danach vollziehe man Tarpana und die übrigen Handlungen.“ [Die Ausgabe nennt für „mit drei Süßigkeiten bestrichen“ die gleichsinnige Variante „mit drei Madhu-Stoffen bestrichen“.]

Band II, S. 258, Vakratunda-Mantra 32–35
Deutsch: Nun der Vakratunda-Mantra, ebendort: 32–33: „‚Dem Vakratunda, hum‘ ist der sechssilbige Mantra. Frauen sollen die kurze Form des Kavacha-Lautes wiederholen; sie verleiht alle Siddhis. Der Seher heißt Bhargava, das Versmaß Anushtubh, die Gottheit Vakratunda, den Götter und Asuras verehren. Mit den sechs im Mantra enthaltenen Lauten bilde man die sechs Angas.“ Nun Dhyana: 34: „Im Herzen betrachte man ihn: rot wie die aufgehende Sonne, lächelnden Gesichts; seine Hände tragen Schlinge und Haken und zeigen Segensgabe und Furchtlosigkeit.“ Das Purashcharana wird erklärt: 35: „Man wiederhole den Mantra hunderttausendmal für jede seiner Silben und opfere ein Zehntel davon ordnungsgemäß mit den zuvor genannten acht, mit Süßem bestrichenen Stoffen.“

Band II, S. 258–259, Heramba-Mantra 36–40
Deutsch: Nun der Heramba-Mantra in der Sharada: 36–37a: „Panchantaka, mit Bindu verbunden und mit dem linken Ohr geschmückt, eingeleitet durch Tara und endend mit der Herz-Endung: So wird der Heramba-Mantra erklärt. Er besteht aus vier Silben und gewährt den Menschen die Frucht der vier Lebensziele.“ Im Merutantra: 37b–38: „Der Seher heißt Ganaka, das Versmaß Gayatri. Seine Gottheit ist der fünfgesichtige Heramba, dessen Reittier ein Löwe ist. Die sechs Angas werden mit dem Bija, verbunden mit den sechs langen Vokalen, vollzogen.“ Dhyana in der Sharada: 39: „Ich verehre Heramba, sonnengleich leuchtend, stolz und kraftvoll, auf dem Löwen reitend und den Mond tragend. Seine Elefantengesichter mit jeweils drei Augen schimmern wie Perlen, Gold, Blau, Kunda-Blüten und Safran. In den Armen trägt er Segensgabe, Furchtlosigkeit, Modaka und Stoßzahn, Beil, Kopf, eine Mala aus Perlen, Keule, Elefantenhaken und Dreizack.“ Sein Purashcharana wird im Merutantra erklärt: 40: „Nach dreihunderttausend Wiederholungen opfere man ein Zehntel davon mit Sesam, verbunden mit den drei süßen Stoffen, und vollziehe Tarpana und die übrigen Handlungen. Ist der Mantra so verwirklicht, führe der Mantraübende die Anwendungen aus.“

Band II, S. 259, Haridra-Ganesha-Mantra 41–45
Deutsch: Nun der Haridra-Ganesha-Mantra in einem anderen Tantra: 41: „Panchantaka, auf Dhara gesetzt und mit Bindu auf dem Haupt geschmückt: Dieser einsilbige große Mantra gewährt die Frucht aller Wünsche.“ Oder ein anderer Mantra: 42–43: „Ich erkläre die Herauslösung des Mantras; höre, Lotusgesichtige! Man bilde das Indra-Bija und dann das eigene Bija, mit dem vierzehnten Vokal versehen und Bindu auf dem Haupt. Diese einsilbige Mahavidya wurde vom Lotusgeborenen gelehrt. Mit dem Bija, verbunden mit langen Vokalen, werden Hand- und Gliedernyasa gebildet.“ Andere Mantras werden hier aus Sorge vor zu großer Ausführlichkeit übergangen. Nun Dhyana: 44: „[Man meditiere über] den allgegenwärtigen Gott, kurkumafarben, vierarmig, mit grünlichem Gewand, Schlinge, Haken, Modaka und Stoßzahn tragend.“ Sein Purashcharana wird im Merutantra erklärt: 45: „Nach vierhunderttausend Wiederholungen opfere man am Ende ein Zehntel davon mit Reis, der mit Kurkumapulver vermischt ist, und speise auch Brahmanen.“

Band II, S. 259–260, Mahaganapati-Mantra und Nyasa 46–51
Deutsch: Der Mahaganapati-Mantra im Merutantra: 46–48: „Ich erkläre die Siddhi verleihenden Ganesha-Formen des oberen Amnaya. Höre darin von Mahaganapati, der Genuss und Befreiung gewährt. Tara, Shri-Bija, Hrillekha, Kama, Erd-Bija, Ganesha-Bija, ‚Ganapataye‘, ‚vara vara-da‘, ‚alle Menschen bringe unter meine Gewalt‘ und die Braut des Feuers: Dieser Mantra hat achtundzwanzig Silben.“ [Der Druck trennt vara-vara-da über die Versgrenze; die einzelnen verschlüsselten Bijas werden hier nicht ergänzt.] 48–51: „Sein Seher ist Ganaka, das Versmaß Nivrit-Gayatri, seine Gottheit Mahaganapati. Gam ist sein Bija, Hrim seine Shakti. Mit Ga, verbunden mit den sechs langen Vokalen und jeweils mit einem der sechs mit Tara beginnenden Bijas, vollziehe man die sechs Angas des Mantras samt ihren Endungen. Oder man vollziehe Finger-Nyasa und die sechs Angas mit seinem eigenen Bija, dem Tara vorangeht und das mit den sechs langen Vokalen verbunden ist.“ [Gam trägt im Druck Chandrabindu.]

Band II, S. 260, Mahaganapatis Insel und Thron 52–59
Deutsch: Nun Dhyana: 52–57: „In einem Meer aus Zuckerrohrsaft liegt eine glückverheißende Insel aus den neun Edelsteinen. Ihr Boden ist kühl, von den glänzenden Wellen gewaschen; ein Wind, der Wassertröpfchen trägt, umspielt sie. Wunschbäume schmücken das Land, verschiedene Blumen bedecken es, vielerlei Vögel zieren es. Es ist reich an Früchten und wird von Scharen von Apsaras aufgesucht. Das Licht der jungen aufgehenden Sonne und der Mondschein erfüllen es; die Fläche leuchtet rot von glänzendem Rubinbelag. Lieblicher Bienensang ertönt aus den Blüten der Wunschbäume. In seiner Mitte stelle man sich den Parijata-Wunschbaum vor, zugleich mit allen sechs Jahreszeiten und ihren schönen Blüten geschmückt. Unter ihm vergegenwärtige man einen Löwenthron aus den neun Edelsteinen. 58: In seiner Mitte ist der Buchstabenlotus, in dessen Mitte eine sechsspeichige Gestalt; auf der Samenkapsel befinden sich Ganesha und die große Schar.“ [Die letzte Verbindung ist im Druck nicht eindeutig; die folgende Sharada-Stelle nennt ausdrücklich Mahaganapati.] In der Sharada: 59: „Man vergegenwärtige Mahaganapati im Dreieck innerhalb des Sechsecks.“

Band II, S. 261, Mahaganapati-Dhyana und Wiederholungszahlen 60–66
Deutsch: 60: „Ich verehre ihn mit dem Gesicht eines Elefantenfürsten, mit dem Mond auf dem Haupt, rotem Glanz und drei Augen. Liebevoll umarmt ihn beständig seine Geliebte, die auf seinem Schoß sitzt und einen schönen Lotus hält. Seine Hände tragen Zitronatzitrone, Keule, Bogen, Dreizack, Rad, Lotus, Schlinge, Wasserlilie, Reishalme, seinen eigenen Stoßzahn und einen Juwelenkrug. [Die Zusammensetzung der langen Attributreihe ist nicht überall eindeutig.] 61–63a: Mit den Ohrflächen wehrt er immer wieder Bienen ab, die begierig den von seinen Wangen fließenden Brunstsaft trinken möchten. Von Wonne berauscht erfreut er die Sadhakas mit Edelsteinregen, der aus der Öffnung des Rubinkruges in seiner Hand strömt. Eine Rubinkrone und Edelsteinschmuck zieren ihn.“ Das Purashcharana dieses Mantras wird im Merutantra erklärt: 63b–65: „Nach hundertelftausend sorgfältigen Wiederholungen bringe man ein Zehntel als Homa dar, mit den acht Stoffen, die beim einsilbigen Mantra genannt wurden. Man vollziehe Tarpana mit einem Zehntel, danach die Besprengung mit dem Mantra. Man speise Brahmanen reichlich mit den sechs Geschmacksrichtungen, gebe eine großzügige Dakshina, verneige sich und entlasse sie. So wird der Mantra wirksam.“ In der Sharada jedoch heißt es: 66: „Gesammelt meditiere der Mantraübende und wiederhole den Mantra vierhunderttausendmal, dazu vierzigtausend und viertausend.“ [Diese Quelle nennt somit 444.000 Wiederholungen; die unterschiedlichen Angaben werden beibehalten.]

Band II, S. 261–262, Virinchi-Gananayaka-Mantra 67–73
Deutsch: Nun der Virinchi-Gananayaka-Mantra im Merutantra: „Jetzt erkläre ich die Ganesha-Formen des östlichen Amnaya.“ Virinchi-Vighnesha wurde [bereits] genannt. 67–69: „Nun erkläre ich eine weitere, von Brahma verehrte Form: Virinchi-Gananayaka, der in Kashi nördlich von Brahmesha weilt. Nach Hrim spreche man ‚Virinchi‘ und dann ‚Ganapati‘ im Dativ; wie zuvor folgen ‚vara vara‘ und der Rest. Der Mantra hat sechsundzwanzig Silben. Die sechs Angas werden mit den Zahlen Veda, fünf, Pfeile, fünf, Pfeile und zwei gebildet.“ [Diese Verteilungsangabe wird als 4, 5, 5, 5, 5, 2 verstanden; der Wortlaut bleibt im Sanskrit erhalten.] Ferner: 70–72: „Ich erkläre sein Dhyana: Von den oberen Händen aus trägt er rechts Zitronatzitrone, Keule, Bogen, Rad und Mala; links Lotus, Schlinge, Pfeile, Stoßzahn und einen Edelstein-Lotuskrug. Er umarmt die rot leuchtende Pushti auf seinem Schoß, deren Hände zwei Lotusse halten. Über diesen elefantengesichtigen Gott meditiere man: rot, mit vom Brunstsaft feuchten Wangen, dreiäugig, gelb gekleidet, mit fest aufgerichtetem Glied, Krone und Ohrringen.“ Sein Purashcharana: 73: „Für sie alle wird Purashcharana von vierhunderttausend Wiederholungen gelehrt. Mit den zuvor genannten acht Stoffen, verbunden mit den drei süßen Stoffen, vollziehe man Homa.“ „Für alle“ bezieht sich auf die hier aus Sorge vor zu großer Ausführlichkeit übergangenen Mantras des Virinchi-Vighnesha und der weiteren Formen.

Band II, S. 262, Vighna-Ganesha-Mantra 74–79
Deutsch: Nun der Vighna-Ganesha-Mantra, ebendort: 74–77: „Jetzt erkläre ich die in Kashi weilenden Gananayakas des westlichen Amnaya, die Siddhi verleihen und vielerlei Wunder wirken. Die vierundsechzig Vinayakas sind Teilgestalten Mahaganapatis. Jeder hat eine Yogini als Dienerin bei sich. Auf dem goldenen Land bis zu meinem inneren Heiligtum stehen sie, je acht in acht Umfriedungen, und verleihen Siddhi. Acht von ihnen befinden sich außerhalb Kashis auf himmlischem Land; als Umkreis wird eine Yojana außerhalb Kashis angegeben. 78: ‚Gam, Verehrung Vighna‘ ist der sechssilbige Mantra. Die Sadhana der acht entspricht derjenigen Kshipraprasadanas.“ Die Besonderheit des Purashcharana wird ebendort erklärt: 79: „Vierzigtausendmal wiederhole man den Mantra; Homa geschieht mit Ghee und Milchreis. Hier wirken die Anwendungen rasch, rasch stellen sich auch die Siddhis ein.“

Band II, S. 262–263, Ucchishta-Ganesha-Mantras 80–87
Deutsch: Nun der Ucchishta-Ganesha-Mantra, ebendort: 80–81: „Jetzt erkläre ich die Siddhi verleihenden Formen des nördlichen Amnaya. Man spreche ‚hastipishachi‘ und schreibe ‚Svaha‘; der Mantra hat neun Silben. Sein Seher ist Kankala, das Versmaß Virat, seine Gottheit der Ucchishta genannte Ganesha, der alle Güter verleiht. Mit zwei, drei, zwei und zwei [Silben] wird sein fünfgliedriges Verfahren erklärt.“ [Die neun Silben lassen sich nur unter Mitrechnung von likhet, „man schreibe“, zählen; die Formelgrenze bleibt deshalb unsicher. Auch stehen vier Zahlen neben der Angabe „fünfgliedrig“.] Sein Dhyana in einem anderen Tantra: 82–85a: „Man meditiere über Ucchishta-Gananayaka, der alles Erwünschte gewährt: mit rotem Körper, allem Schmuck, roten Kleidern und drei Augen, auf einem roten Lotus sitzend, vierarmig, von mächtigem Körper, mit zwei Stoßzähnen und lächelndem Gesicht. Rechts zeigt er die Geste der gewünschten Gabe, links die Furchtlosigkeit; die weiteren Hände tragen Schlinge und Haken. Eine Fülle verfilzter Haare schmückt ihn, die Mondsichel ziert seine Stirn, und er trägt alle Ornamente.“ Nun sein Purashcharana im Meru: 85b–86: „Ich erkläre einen weiteren großen Mantra von zwölf Silben: ‚Om hrim gam hastipishachi likhet svaha‘. Dhyana, Puja, Japa und alles Weitere entsprechen dem neunsilbigen Mantra.“ [Auch hier bleibt die Stellung von likhet unsicher; Gam ist mit Chandrabindu gedruckt.] Zum Purashcharana heißt es: 87: „Es umfasst zwölfmal hunderttausend Wiederholungen; Anwendungen und alles Weitere sind wie zuvor.“ Damit endet der Abschnitt über Ganesha.

Band II, S. 263, Surya-Mantra und Dhyana 88–92
Deutsch: Nun der Surya-Mantra. In der Sharada: 88–90: „Tara, Ghrini, dann Bhrigu mit dem linken Ohr geschmückt, auf Vahni sitzend, Marut am Ende, Adri mit Netra und zuletzt … [die Schlussverbindung ist gestört]. Dies ist der achtsilbige Mantra Bhanus, der das Erwünschte gewährt. Sein Seher heißt Devabhaga, das Versmaß Gayatri, die Gottheit Aditya, der sichtbare und unsichtbare Früchte schenkt. 90–91: ‚Dem Satya‘ gehört zum Herzen, ‚Dem Brahma‘ zum Kopf, ‚Dem Vishnu‘ zur Shikha, ‚Dem Rudra‘ zur Rüstung, ‚Dem Agni‘ zum Auge und ‚Dem Sarva‘ zu Astra. Tejas, Jvala, Mani, hum, phat und zweimal Tha werden jeweils als Endungen genannt.“ Andere Nyasas sind ebendort nachzusehen. Nun Dhyana: 92: „Ich preise den Herrn des Tages: Seine Hände halten zwei rote Lotusse und zeigen Furchtlosigkeit und Segensgabe. Schulterspangen, Halsketten, Armreifen und Ohrringe schmücken ihn. Eine Rubinkrone ziert sein Haupt; er leuchtet wie die Bandhuka-Blüte und besitzt drei strahlende Augen.“

Band II, S. 264, Surya-Purashcharana und dreisilbiger Mantra 93–97
Deutsch: Sein Purashcharana wird ebendort erklärt: 93: „Achthunderttausendmal wiederhole man den Mantra. Mit beherrschten Sinnen opfere man tausend [Gaben entsprechend der genannten Zahl] mit milchbestrichenen Hölzern milchsaftführender Bäume.“ [Tatsahasra ist als Zahlbeziehung verkürzt; der Text sagt hier nicht „ein Zehntel“.] Nun ein anderer Mantra, ebendort: 94–95: „Akasha, mit Agni, langem [Vokal] und Indu verbunden; Bhuvaneshvari; Bhrigu mit Sarga: So wird Bhanus dreisilbiger Mantra erklärt. Die drei Bijas lege man nacheinander vom Adhara bis zu den Zehenspitzen, von der Kehle bis zum Adhara und vom Kopf bis zur Kehle auf. Mit dem mittleren Bija, verbunden mit den sechs langen Vokalen, bilde man die Angas.“ Nun Dhyana: 96: „Ich verehre Bhanu, den Herrn aller Welten, auf einem roten Lotus sitzend, den einzigen Ozean aller guten Eigenschaften. In seinen Lotushänden hält er zwei Lotusse und zeigt Furchtlosigkeit und Segensgabe. Er trägt eine Rubinkrone, sein Körper leuchtet rot, und er besitzt drei Augen.“ Nun sein Purashcharana: 97: „Zwölfmal hunderttausendmal wiederhole man den Mantra. Ein Zehntel bringe man mit beherrschten Sinnen als Homa mit Reis und Ghee oder mit süß getränktem Sesam dar.“

Band II, S. 264–265, Sechssilbiger Sonnenmantra 98–104
Deutsch: Im Merutantra: 98–99: „Nun erkläre ich einen weiteren sechssilbigen Mantra des Herrn des Tages: ‚ham khem khakholkaya‘ oder ‚khakholkaya‘ mit der Gattin des Feuers. Der Seher ist Brahma, das Versmaß Gayatri, die Gottheit Savitri. 99–101: ‚Dem Feingestaltigen‘ mit der Braut des Feuers bildet den Herzmantra; ‚Dem von feiner Form‘ mit der Braut des Feuers den Kopfmantra. ‚Dem feinen Knaben, Svaha‘ gilt für Rüstung und Auge; ‚Dem feinen Körper, hum phat‘ wird als Astra gepriesen. So ist das fünfgliedrige Verfahren erklärt. [Die Gliederzuordnung ist verkürzt.] Mit den Mantralautelementen kann ein sechsfaches Anga-Verfahren gebildet werden. Nun sein Dhyana: 102: Man meditiere über Ravi, der zwei rote Lotusse in den Händen hält und Segensgabe und Furchtlosigkeit zeigt, wie die Bandhuka-Blüte leuchtet, drei Augen besitzt und schön geschmückt ist.“ Nun sein Purashcharana, ebendort: 103–104: „Hunderttausendmal wiederhole man den Mantra, gesammelt und mit beherrschten Sinnen. Ein Zehntel bringe man als Homa mit vorzüglichen Hölzern von Bilva, Ashvattha, Palasha und Udumbara dar, bestrichen mit den drei süßen Stoffen. Danach vollziehe der Verständige Tarpana und die übrigen Handlungen nach der zuvor erklärten Vorschrift.“

Band II, S. 265, Ajapa-Mantra 105–108
Deutsch: Nun ein weiterer Mantra in der Sharada: 105–106: „Viyat, vom Halbmond erhellt; dessen Anfangslaut mit Sarga: Dies ist der zweisilbige Mantra namens Ajapa, ein göttlicher Wunschbaum. Sein Rishi ist Brahma, sein Versmaß die göttliche Gayatri, seine Gottheit Girijapati, der Ursprung der Welten. Mit Hasa, verbunden mit den sechs langen Vokalen, vollziehe man die Anga-Handlung des Mantras.“ Dhyana: 107: „Die Gestalt des Herrn Ambikas beschütze euch: wie die aufgehende Sonne und aufflammender Blitz [der Bezug zur Kopfform ist sprachlich schwierig], mit Schlinge, Furchtlosigkeit, Segensgabe und Axt in den Lotushänden; geschmückt mit göttlichen Ornamenten aus neuen Edelsteinen, Wurzel des Alls, mondhaft und feurig zugleich, mit Mond im Haar und drei Augen.“ Nun Purashcharana: 108: „Zwölfmal hunderttausendmal wiederhole man den Mantra und opfere ein Zehntel ordnungsgemäß mit Milchreis und Ghee. Dann wird der Mantra wirksam.“

Band II, S. 265–266, Martanda-Bhairava-Mantra 109–115
Deutsch: Nun der Martanda-Bhairava-Mantra, ebendort: 109–110: „Akasha, Agni, Pavana, mit Sa am Anfang beziehungsweise Ende, Ardhisha und Bindu [die genaue Anordnung ist im Kompositum nicht sicher]: Dieses Bija heißt Martandabhairava. Vom Bimba-Bija umschlossen, gewährt es die Frucht aller Wünsche. Jenes wird als mit Tha endend und mit Dahana, Netra und Indu versehen erklärt.“ 111–113: „Mit dem Bija und den fünf kurzen Vokalen lege man die fünf Gestalten nacheinander auf die Finger, beginnend beim Mittelfinger bis zum kleinen Finger: Surya, Bhaskara, Bhanu, Ravi und Divakara. Dann lege man diese auf Kopf, Gesicht, Herz, Genitalbereich und Füße auf. Mit dem Bija, verbunden mit langen Vokalen, lege man die Augen- und übrigen Angas auf; anschließend vollziehe man mit dem Wurzelbija den umfassenden Nyasa.“ Dhyana: 114: „Wir verehren Martanda, dessen Glanz Gold, Lotus und Koralle gleicht. Seine Lotushände tragen schönen Khatvanga und Lotus, Rad, Speer, Schlinge und Haken, eine überaus schöne Mala und eine Schädelschale. Lieblich sind seine vier Gesichter mit strahlenden drei Augen. Seine Geliebte bildet seine eine Hälfte; eine Edelsteinkrone und leuchtende Halsketten schmücken ihn.“ Nun Purashcharana: 115: „Dreihunderttausendmal wiederhole der Mantraübende das von Bimba umschlossene Bija. Ein Zehntel bringe er als Homa mit aufgeblühten, mit Süßem besprengten Lotussen dar.“ Damit endet der Abschnitt über Surya.

Band II, S. 266–267, Narayana-Mantra 116–122
Deutsch: Nun die Vishnu-Mantras. In der Sharada: 116–118: „Ich erkläre jetzt die großen Mantras Vishnus, die alle Ziele verwirklichen. Durch ihre Erinnerung haben die Guten das jenseitige Ufer des Daseinsmeeres erreicht. Tara, das Wort Namah, dann Na und Ra mit langen Vokalen, Pavana und ‚naya‘: Dieser Mantra besteht aus acht Silben. Als Seher wird Sadhya Narayana genannt; sein Versmaß ist die göttliche Gayatri, seine Gottheit der unvergängliche Vishnu. 119–120: ‚Dem Kruddholka‘ gilt für das Herz, ‚Dem Maholka‘ für den Kopf, ‚Dem Virolka‘ für die Shikha, ‚Dem Vyulka‘ für die Rüstung und ‚Dem Sahasrolka‘ für Astra. Dies gilt als das erste Anga-Verfahren. Sodann vollziehe man die sechs Angas mit sechs Lauten des Mantras und lege die beiden übrigen Laute auf Bauch und Rücken auf.“ Nun Dhyana: 121: „Ich verehre beständig den Träger des Alls, der wie zehn Millionen aufgehende Sonnen leuchtet, Muschelhorn, Keule, Lotus und Rad trägt und dessen beide Seiten von Indira und Vasumati geschmückt werden. Er trägt Krone, Armspangen, Halsketten und Ohrringe, ist gelb gekleidet und strahlt durch den Kaustubha-Edelstein. Auf seiner Brust glänzt das Shrivatsa-Zeichen.“ Nun Purashcharana: 122: „Gesammelt wiederhole man diesen Mantra vikara-mal hunderttausend und opfere ein Zehntel mit süß getränkten Lotussen.“ Vikara-mal hunderttausend bedeutet sechzehnmal hunderttausend, also 1.600.000.

Band II, S. 267, Vasudeva-Mantra 123–127
Deutsch: Nun ein anderer Mantra, ebendort: 123–124: „Pranava, die Herz-Endung, ‚Bhagavate Vasudevaya‘: Dieser zwölfsilbige Mantra ist der wichtigste im Vaishnava-Tantra. Sein Rishi ist Prajapati, sein Versmaß Gayatri; als Gottheit nennen die Weisen Vasudeva. 125: Tara gehört zum Herzen, Namah zum Kopf, die vier [folgenden] Silben zur Shikha und die fünf [darauffolgenden] zur Rüstung. Der ganze Mantra bildet Astra. So wird das Anga-Verfahren erklärt.“ Nun Dhyana: 126: „Ich verneige mich vor Vishnu, gleich zehn Millionen Herbstmonden, mit Muschelhorn, Rad, Keule und Lotus, auf weißem Lotus ruhend und durch seine Schönheit die Welt bezaubernd. Armspangen, Halsketten, Ohrringe, eine große Krone und glänzende Armreifen schmücken ihn. Er trägt das Shrivatsa-Zeichen und den herrlichen Kaustubha und wird von den vorzüglichsten Weisen gepriesen.“ Nun Purashcharana: 127: „Eingeweiht und mit beherrschten Sinnen wiederhole man den Mantra hunderttausendmal für jede Silbe; entsprechend tausend [Gaben je Silbe] bringe man mit in Ghee getränktem Sesam als Homa dar.“ [Die Zahlenrelation tatsahasra ist knapp; sie wird nicht in die anderswo genannte Zehntelregel geändert.]

Band II, S. 267, Lakshmi-Vasudeva-Mantra 128–130
Deutsch: Nun der Lakshmi-Vasudeva-Mantra, ebendort: 128–130: „Zweimal das Hrillekha-Bija, dann zweimal das Rama-Bija; auf Lakshmi folgt ‚Vasudevaya‘. Der Mantra beginnt mit Pranava und endet mit der Herz-Endung. Dieser vierzehnsilbige Mantra wird als göttlicher Wunschbaum gepriesen. Die beiden Shakti-Bijas bilden das Herz, die beiden Rama-Bijas den Kopf; Lakshmi gehört zur Shikha, ‚Vasudevaya‘ zur Rüstung, Namah zu Astra. Alles bilde man mit Tara am Anfang.“ [Die Bijas sind durch Namen bezeichnet; eine vollständige Lautformel wird hier nicht ergänzt.]

Band II, S. 268, Lakshmi-Vasudeva-Dhyana und Purashcharana 131–134
Deutsch: Dhyana: 131: „Diese Gestalt von Kamalaja und Vaikuntha, die aus Liebe eins geworden sind, möge euch stets unermesslichen Wohlstand schenken: wie Blitz und Mond leuchtend, mit strahlendem Edelsteinschmuck bedeckt. Sie trägt Vidya [hier ein Attributname], Lotus, Spiegel, einen Edelsteinkrug, einen weiteren Lotus, Keule, Muschelhorn und Rad.“ Nun Purashcharana: 132–134: „Hunderttausendmal je Silbe wiederhole man den Mantra und vollziehe Homa mit entsprechend tausend [Gaben je Silbe] aufgeblühter Lotusse, verbunden mit den drei süßen Stoffen. Die Puja geschieht auf dem Vishnu-Pitha nach dem Verfahren des zwölfsilbigen Mantras. Homa mit Milchreis macht Lakshmi geneigt. Mit süß bestrichenem Sesam opfernd, verwirkliche man alle Vorhaben.“

Band II, S. 268, Sechssilbiger Vishnu-Mantra 135–138
Deutsch: In der Vaishvaksenya: 135: „Nun erkläre ich einen weiteren Mantra Vishnus, der alle Ziele verwirklicht. Man bilde ‚Vishnu‘ im Dativ und die Herz-Endung; dies ergibt fünf Silben. Mit Avyakta am Anfang hat er sechs Silben und wird zur Brücke über das Meer des Daseins.“ Avyakta bedeutet Pranava. 136–137: „Sein Seher ist Narada, sein Versmaß Gayatri, seine Gottheit der unvergängliche Vishnu. Mit den Lauten des Mantras bilde man die sechs Angas. Man meditiere über den ewigen Vishnu, Muschelhorn, Rad, Keule und Lotus tragend, von Lakshmi begleitet, gelb gekleidet und dunkel wie eine Regenwolke.“ Nun Purashcharana: 138: „Hunderttausendmal je Silbe wiederhole man den Mantra und vollziehe Homa mit Sesam, bestrichen mit den drei süßen Stoffen. Danach vollziehe man Tarpana und die übrigen Handlungen; so wird der Mantra wirksam.“

Band II, S. 268–269, Matsya-Mantra und Purashcharana 139–149
Deutsch: Nun der Matsya-Mantra im Merutantra: 139–141: „Im ersten Kalpa gab es eine einzige Matsya-Inkarnation. Ich erkläre ihren Mantra, der Genuss und Befreiung gewährt: Tara, ‚namo bhagavate‘, maim, ‚matsyaya‘ und Rama. Dieser Mantra hat zwölf Silben; sein Seher ist Brahma, sein Versmaß Gayatri, seine Gottheit der Herr in Fischgestalt, der Gemahl Ramas. Das Bija ist … und shrimam der Keil.“ [Die Zuordnung von Bija und Kilaka ist im Druck unvollständig beziehungsweise gestört; das sichtbare maim trägt Chandrabindu.] Mit den Wörtern des Mantras sind Hand- und Gliedernyasa auszuführen. Nun Dhyana: 142–143: „Unterhalb des Nabels gleicht er einem Rohita-Fisch, bis zur Kehle hat er Menschengestalt. Dunkel wie eine Regenwolke, vierarmig, trägt er Muschelhorn, Rad und Keule. Sein Kopf gleicht einem gehörnten Fisch; Lakshmi ziert seine Brust. Alle Glieder tragen Lotuszeichen; er ist schön und hat liebliche Augen.“ Das Purashcharana wird erklärt: 144–149: „Zwölftausendmal wiederhole man den Mantra täglich in Vaishakha, Karttika, Magha und Margashirsha; mit Sesam, bestrichen mit den drei süßen Stoffen, opfere man ein Zehntel, während man Havisya-Speise isst und die Sinne beherrscht. Beginnend am achten Tag der dunklen Hälfte von Bhadra übe man sechzehn Tage lang täglich Japa des Lakshmi-Mantras und dieses Mantras sechzehnhundertmal; entsprechend vollziehe man Homa. An den anderen Tagen bringe man zwölfhundert Tarpana-Gaben mit Sesam, Reis und Sandelholz dar. Am Anfang und Ende sättige man Shri je hundertachtmal mit roten Wasserlilien, Lotussen oder duftenden Malati-Blüten und dergleichen. Wird dies ein Jahr lang getan, entsteht Mantra-Siddhi. Täglich speise man zwölf Brahmanen und eine verheiratete Frau als Verkörperung Shris. Die Verehrung dieser Gottheit vollziehe man stets an einem Gewässer.“

Band II, S. 269, Wirkung des Matsya-Mantras auf andere Mantras 150–154
Deutsch: Ferner: 150–151: „Hat der Mantraübende seinen Mantra so verwirklicht, wird er zum Empfänger von Siddhi. Einen mit diesem verbundenen Mantra wiederhole man hundertachtmal [das zusätzliche Wort „hundert“ ist in der Satzfügung nicht eindeutig]. Am Tag seiner Gottheit wird er wirksam, selbst wenn er nur einem Buch entnommen wurde. Bei ungehinderten Anwendungen bedarf er keiner erneuten Weihe. 152–154: Meine Mantras werden wirksam, Parvati, wenn dieser als Pallava angefügt wird. Alle vedischen Mantras verleihen im Kali-Zeitalter Siddhi, wenn sie von ihm umschlossen werden. Mit ihm verflochten und im Kaula-Verfahren wiederholt, verleihen sie rasch Siddhi. Ganesha-, Vishnu- und Surya-Mantras gewähren Siddhi, wenn er in sie eingefügt wird. Durch seine Kraft entsteht die Wirksamkeit aller Mantras von selbst. Darum wurde er nicht in anderen Tantras, sondern im Merutantra offenbart.“

Band II, S. 270, Kurma-Mantra 155–160
Deutsch: Nun der Kurma-Mantra, ebendort: 155–158: „Jetzt erkläre ich den höchst wunderbaren Kurma-Mantra. Beim Quirlen des großen Ozeans erschien eine Kurma-Inkarnation. Tara, ‚namo bhagavate‘, kum, ‚kurmaya‘, ‚dharadhara dhurandharaya‘ und am Ende … [die Schlussangabe nasya ist gestört]. Dies gilt als Mantra aus Siddha-Lauten [die genaue Silbenzahl bleibt unsicher]. Sein Versmaß heißt Prakriti, sein Seher Kashyapa, seine Gottheit der Herr Vishnu in Schildkrötengestalt. Der mit ‚dharadhara‘ beginnende Teil ist seine Shakti, kum sein Bija; seine Anwendung dient der Verwirklichung des eigenen Wunsches. 158–159: Das Dhyana der Gottheit: Sie trägt Muschelhorn, Rad und Keule, ist gelb gekleidet, hat einen Schildkrötenrücken und ist mit einem darauf gelegten Pflug geschmückt; langhalsig und rotäugig verschlingt sie einen großen Graha, ein Wassertier. 160: Mit den Mantralautelementen vollziehe man die sechs Angas; der Japa umfasst vierhunderttausend Wiederholungen. Homa geschieht mit Ghee, Tarpana mit Sandelholz- und Wasserlilienwasser.“

Band II, S. 270, Varaha-Mantra und Dhyana 161–166
Deutsch: Nun der Varaha-Mantra, ebendort: 161–163a: „Jetzt erkläre ich die glückverheißenden Mantras Varahas. In einem Kalpa erschienen Inkarnationen des Gemahls Ramas in vier Farben. Tara, ‚namo bhagavate‘, ‚varaha-rupaya‘, ‚bhur bhuvah suvah pataye‘, ‚bhupati‘ und ‚tvam me dehi dapaya‘; der Mantra endet mit Svaha und hat die Zahl der Götter als Silbenzahl.“ [Die Verbindung bhupati/tvam ist nicht eindeutig; im Sinn wird um Herrschaft über Land gebeten.] In der Sharada: 163b–165: „Sein Seher ist Bhargava, das Versmaß Anushtubh; die Weisen nennen Adivaraha als Gottheit dieses Mantras. ‚Dem Einzähnigen‘ gilt für das Herz, ‚Dem Vyomolka‘ für den Kopf, ‚Dem Herrn des Glanzes‘ für die Shikha, ‚Dem Weltgestaltigen‘ für die Rüstung und ‚Dem Großzähnigen‘ für Astra. So bilde man die fünf Angas.“ Nun Dhyana: 166: „Ich preise den ursprünglichen Varaha: von den Knien bis zu den Füßen wie herrliches Gold, unterhalb des Nabels perlenfarben, bis zur Kehle wie die junge Sonne, am Kopf blau leuchtend. In den Händen trägt er Rad und Muschelhorn, Schwert und Schild, Keule und Speer und zeigt Gabe und Furchtlosigkeit. Sein Stoßzahn glänzt, während er die Erde trägt.“

Band II, S. 271, Weitere Varaha-Mantras 167–175
Deutsch: Sein Purashcharana, ebendort: 167: „Hunderttausendmal wiederhole man den Mantra. Ein Zehntel opfere man mit süß bestrichenen Lotussen und verehre ihn auf dem Vishnu-Pitha.“ Nun weitere Mantras: 168–169: „Ich erkläre einen anderen höchsten achtsilbigen Varaha-Mantra: ‚Om bhur varahaya namah‘. Sein Seher ist Brahma, das Versmaß Jagati, die Gottheit Varaha. Mit den einzelnen Wörtern und dem ganzen Mantra bilde man die fünf Angas.“ Dhyana: 170–172: „Man meditiere über ihn mit schwarzem Körper, blauem Gesicht und dunkler Erscheinung, auf einem Lotus sitzend, mit der Erd-Shakti vereint, Muschelhorn, Rad, Lotus und Keule [tragend], rings von Bhu, Lakshmi, Kanti und Rati begleitet, ferner von [einer beschädigten Angabe zu Rüstung und Schwert]. Er verleiht im Kali-Zeitalter rasche Siddhi. Japa, Puja und alles Weitere vollziehe man wie zuvor. Wer diesen Mantra verehrt, wird Herr des Landes. 173–174: Als einsilbiger Mantra Varahas wird ‚i‘ genannt. [Im Druck steht im iti; die Länge und Nasalierung einer eigenständigen Bija-Form sind daraus nicht sicher abzulesen.] Sein Seher ist Hayagriva, das Versmaß Anushtubh, die Gottheit Varaha. Mit dem durch lange Vokale erweiterten Bija werden die Angas gebildet. Wie zuvor meditiere man über ihn, nun in roter Farbe; Puja und die übrigen Handlungen geschehen wie zuvor. 175: Bhu ist ein einsilbiges Bija; alles Weitere wird wie zuvor erklärt. Man meditiere stets über ihn in gelber Farbe; im Dvapara-Zeitalter verleiht er rasch Siddhi.“

Band II, S. 271–272, Dharani-Mantra 176–182
Deutsch: Nun der Dharani-Mantra in der Sharada: 176–177: „Die Herz-Endung, ‚Bhagavatyai‘, danach ‚Dharanyai‘; auf Dharani folgt zweimal ‚dhara‘. Er beginnt mit Dhruva und endet mit zweimal Tha. Dieser neunzehnsilbige Mantra heißt Dharahridaya, Herz der Erde. Sein Seher ist Varaha, sein Versmaß Nivrit, seine Gottheit Vasudha, die Urnatur aller Wesen. 178–179: Drei Silben bilden das Herz, vier den Kopf, drei die Shikha, fünf die Rüstung, zwei die Augen und zwei Astra. So vollziehe der Kenner des Verfahrens die sechs Angas mit den Lauten des Mantras.“ Dhyana: 180: „Wir verehren Vasudha: dunkel, mit buntem Seidengewand und Edelsteinschmuck, auf einem Lotus sitzend, mit hohen Brüsten und [einer sprachlich gestörten Gesichtsangabe]. Sie trägt eine blaue Wasserlilie, zwei frische Reisähren und einen Papagei.“ Das Purashcharana wird erklärt: 181–182: „Hunderttausendmal wiederhole der Mantraübende sorgfältig dieses Herz der Erde. Ein Zehntel opfere er mit Milchreis und Ghee. Man verehre sie auf dem Vishnu-Pitha nach dem noch zu erklärenden Verfahren.“

Band II, S. 272, Hinführung zu Narasimha 183–189
Deutsch: 183: „Siegreich ist Nrihari, Herr der Welten und Ozean des Mitgefühls. Wer zu seinen Füßen Zuflucht nimmt, für den wird das Meer des Daseins so klein wie die Wasserpfütze im Hufabdruck einer Kuh.“ 184–185: „Nun werden die Mantras des erhabenen göttlichen Löwen erklärt: Brücken über das schwer zu überquerende Meer des Samsara, einzigartige Mittel zur Verwirklichung der vier Lebensziele. Der Mondgekrönte hat sie in den Tantras offenbart; Brahma und die anderen Götter verehren sie.“ Im Merutantra: 186–188: „Jetzt erkläre ich die glückverheißenden Mantras Narasimhas. Diese Inkarnation Haris erscheint in jedem Manvantara. Auf einem anderen Kontinent wohnt Narasimha in vierzehn Gestalten bis zum Ende des Kalpa und erweist den Verehrern Gnade. Nun wird Narasimha beschrieben, der im ersten Manvantara erschien. Sein zweiunddreißigsilbiger Mantra ist geheim zu halten, denn er schenkt Genuss und Befreiung.“ In der Vaishvaksenya, im Gespräch zwischen Brahma und Narada: 189: „Ich erkläre den König der Mantras; höre aufmerksam, Weiser! Durch seine Gnade erschaffe ich die ganze Welt ohne Fehl.“

Band II, S. 272–273, Verschlüsselte Bildung des Narasimha-Mantraraja 190–200
Deutsch: 190–191: „Zuerst bilde man Vishnu, dann Sharngin auf Bali, mit Pradyumna verbunden; danach Bhumibalaka mit Govinda. Dann bilde man Balin, mit Priti verbunden; nach Vaikuntha Varaha, mit Narayana verbunden. [Für Bhumibalaka nennt die Ausgabe die Variante ‚Bhudhara, dann …‘.] 193–194: Es folgen Vrishaghna mit Madhava, Vrisha auf Narakajit, nach Sankarshana verbunden mit Madhusudana und den weiteren [Lautbezeichnungen]. Man bilde Balanuja auf Bala mit Musalin am Ende, dann Hari, verbunden mit Virabhaga, Aniruddha und den weiteren. [Die Wortverbindung am Anfang von Vers 193 ist im Druck gestört.] 195–197: Nach Hamsa Bhudhara, von Balin überlagert; dann Hari mit Vasudeva, nach Vishvamurti, mit Vishnu verbunden; Gadin mit Aniruddha, mit Shula und Trivikrama versehen, verbunden mit Bindumadhava; nach Hamsa und Hamsa Induka. Vishvamurti mit Govinda, Induka mit Vrisha und Hari am Anfang; nach Bhudhara Satya, Bali mit Pradyumna. 198–200: Vaikuntha mit Vama am Anfang, Hari mit Purushottama; beide mit Vishnu, zweimal herausgelöst, und zuletzt die Kopf-Endung. Danach das mit Satvata endende, dem Purushottama vorangehende [Element]; das letzte mit Keshava, dann Vaikuntha und Purushottama miteinander verbunden. Das zehnte [Element] Vishvamurtis bilde man mit Indu. Dieser aus zweiunddreißig Silben bestehende König der Mantras ist ein göttlicher Wunschbaum.“ [Diese Passage ist eine verschlüsselte Lautanweisung mit lokalen syntaktischen Unsicherheiten. Sie wird nicht aus einem bekannten Narasimha-Mantra ersetzt. Die gedruckte Nummerierung springt von 191 auf 193; eine als 192 nummerierte Strophe fehlt.]

Band II, S. 273, Lob des Narasimha-Mantraraja 201–205
Deutsch: 201–205: „Dieser wunderbare Mantra ist der Same von Dharma, Artha, Kama und Moksha. Ursprünglich ist er, verbrennt [Hemmnisse] wie einen Haufen Baumwolle und vernichtet die Furcht vor dem Dasein. Das große, Vishnu eigene Licht, das als höchstes Brahman besungen wird, selbstleuchtend, die Welt durchdringend und von der Natur Sat-Chit-Ananda — erkenne es, Weiser, als genau diese Mantragestalt. Kein Gott ist höher als Narasimha, kein Mantra höher als dieser, keine Meditation höher als die auf ihn, die die Furcht vor Samsara vernichtet. Wer das Wesen der Hingabe an den Herrn kennt, soll diesen großen Mantra verehren. Du darfst ihn nicht öffentlich machen, mein Kind; selbst für die Götter ist er schwer zu erlangen. Er ist das Kronjuwel zahlloser Millionen von Mantras.“

Band II, S. 274, Narasimhas Name und Mantrazuordnung 206–213
Deutsch: 206–208: „Wie der Herr Narasimha das Kronjuwel der Götter ist — allein durch die Erinnerung an seinen Namen entsteht keine erneute Daseinsgeburt —, um wie viel mehr gilt dies für jene, die seine Lotusfüße mit Vertrauen und Hingabe verehren! Wer die drei Silben ‚Narasimha‘ auch nur einmal ausgesprochen hat: Warum sollten die Diener des Todesgottes sein Gesicht zu sehen bekommen? Die eine Essenz aller vier Veden ist das Singen: ‚Narasimha, Narasimha, Narasimha!‘“ Im Merutantra: 209: „Durch das Übermaß an Gier [gelten] im Kali-Zeitalter weder Guru noch Gottheit. Als das eine heilbringende Mittel wird das machtvolle Rufen von Nriharis Namen gelehrt.“ [Die knappe Verneinung ist quellengetreu erhalten; ihr genauer Bezug bleibt unausgesprochen.] In der Samhita: 210–212: „Höre nun, Narada, Rishi und weitere Zuordnungen des erklärten Königs der Mantras. Ich, Brahma, werde als sein Rishi genannt; das Versmaß ist Anushtubh. Seine Gottheit ist der erhabene Narasimha, Gott der Götter und Guru der Welt. Dhruva und Maya sind Bija und Shakti; Narasimha ist der Kilaka. Sein Ton ist Udatta, seine Farbe weiß. Seine Anwendung dient Dharma, Artha, Kama und Moksha.“ Im Merutantra: 213: „Mit vier, vier, acht, sechs, sechs und vier Silben werden die sechs Angas gebildet.“

Band II, S. 274–275, Narasimhas göttlicher Hain und Thron 214–219
Deutsch: Nun Dhyana in der Samhita: 214–219: „Im Milchozean auf der weißen Insel vergegenwärtige man einen Hain von Wunschbäumen, reich an verschiedensten Blüten und Früchten, aus dem Perlen und Edelsteine regnen. Der Duft frisch aufgeblühter Mandara-Blüten bezaubert; Scharen von Bienen, berauscht vom Nektar der Blüten, erfüllen ihn. Süß ertönt der Ruf der Kuckucke, viele Vogelarten leben dort. Alle sechs Jahreszeiten dienen ihm zugleich; er ist eine Stätte des Glücks. Seen mit aufgeblühten Lotussen, Kahara-, Kumuda- und Utpala-Blüten, voller Schwäne und Karandava-Wasservögel, verschönern ihn. In seiner Mitte stelle man sich einen strahlenden Edelsteinpavillon vor. Innen ist sein Boden vom Rubinbelag rot gefärbt. Auf einem goldenen Löwenthron, der im Glanz verschiedener Edelsteine strahlt, liegt ein Lager aus den Windungen des Schlangenkönigs; darauf vergegenwärtige man einen achtblättrigen Lotus.“

Band II, S. 275–276, Narasimha mit Lakshmi 220–236
Deutsch: 220–224: „Auf der Samenkapsel sitzend vergegenwärtige man den erhabenen Narasimha, gleich zehn Millionen Monden, in strahlend gelbem Gewand. Ein Kranz von Flammen wie das lodernde Feuer am Ende der Zeit macht ihn unnahbar. Mit vier blütenzarten Händen trägt der Starkarmige das Sudarshana-Rad und den Bogen samt Pfeil und zeigt die Gesten der Segensgabe und Furchtlosigkeit, die für seine Verehrer wirksam sind. Mond, Sonne und Feuer sind seine Augen; sein Lotusgesicht ist leicht geöffnet [die Wortverbindung ist im Druck gestört]. Seine Zunge blitzt wie ein Blitz, seine Fangzähne machen das Lotusgesicht wunderbar. Seine Haarfülle gleicht glühendem Gold; er trägt eine goldene Krone, die von strahlenden Edelsteinen glänzt. 225–228: Seine Brust schmücken Shrivatsa und Kaustubha, seine Makara-Ohrringe funkeln. Ein Yogaband umschließt seinen Körper, eine Waldblumengirlande ziert ihn. Göttlicher Schmuck aus vielerlei Edelsteinen — Halsketten, Armspangen, Fußreifen, funkelnde Hüftketten und anderes — schmückt ihn. Die Reihen der Schlangenhäupter, von den Flammenspitzen ihrer Edelsteine erhellt, bilden seinen Schirm; mit seinem eigenen Glanz erleuchtet er die zehn Richtungen. Die Flammen seines Stirnauges gleichen dem Feuermeer am Ende des Kalpa und machen ihn selbst für Götter schwer anzuschauen. 229–231: Er umarmt Lakshmi auf seinem linken Schoß: leuchtend wie erhitztes Gold, in reines feines Gewebe gekleidet und mit vielfachem Schmuck versehen. Ihre Lotushände zeigen Segensgabe und Furchtlosigkeit und tragen zwei Lotusse. Ihr Gesicht gleicht dem vollen Herbstmond und lächelt sanft. Sie erwidert die Umarmung; ihre Augen blühen vor Wonne auf. Zu seiner Rechten wird er beständig von Bharati gepriesen. 232–234: Rings umgeben ihn heldenhafte Begleiter, saphirblau, mit Waldblumengirlanden, Muschelhorn, Rad, Keule und Lotus. Brahma und die Scharen der Götter, Sanaka und die großen Weisen, Yogis, Siddhas, Gandharvas und Apsaras dienen ihm. Sein Gesicht ist überaus freundlich; er gewährt seinen Verehrern die gewünschten Gaben. 234–236: Über diesen göttlichen Löwen meditiere man im Herzen: den unvergänglichen höchsten Atman, der sich nicht begrifflich bestimmen lässt und jenseits von Rede und Geist liegt. Indem man so über Mahavishnu in der Gestalt des göttlichen Löwen, über Nrihari im Herzlotus meditiert — aus dichter Wonne bestehend, still, die ewige Gestalt des Erkennens —, wird man unmittelbar Narayana.“

Band II, S. 276, Formlose Meditation und weitere Narasimha-Gestalten 237–245
Deutsch: 237–239: „Oder man meditiere über den aus Licht bestehenden Narahari im ursprünglichen sechzehnfachen Chakra beziehungsweise ohne Bindu: anfangslos, unbegrenzt, den Yogis zugänglich, jenseits der Sinne, höher als das Höchste, ewig, ohne begrenzende Bedingungen und ungetrübt, aus sich selbst leuchtend, Zeuge der Welt und makellos. So wird man von Brahman erfüllt. Oder man betrachte das gesamte All als Naraharis Leib. Dann wird man sogleich ein im Leben Befreiter, ohne inneres Leid und ohne Furcht vor irgendetwas.“ Eine andere Meditation wird in der Sharada genannt: 240: „Ich verneige mich vor dem allgegenwärtigen Narasimha, leuchtend wie ein Rubinberg, durch seinen eigenen Glanz die Rakshasa-Scharen erschreckend. Seine Lotushände ruhen auf den Knien; er ist dreiäugig und trägt funkelnden Edelsteinschmuck. Mit [weiteren] Armen hält er Muschelhorn und Rad. Aus dem durch Fangzähne schrecklichen Mund leuchtet seine Flammenzunge; mächtig ragt seine Mähne empor.“ Im Merutantra: 241–242: „Links trägt er das Muschelhorn, rechts das Rad; Arme ruhen auf den Knien. Mit feuergleichem Glanz verschlingt er den Dämonenkönig. Sein Gesicht leuchtet mit Fangzähnen, die Zunge bewegt sich; er ist dreiäugig. Götter, Weise und Lakshmi preisen ihn mit gefalteten Händen.“ Nach den unterschiedlichen Wünschen werden ebendort verschiedene Meditationen erklärt: 243–245: „Zur Wirksamkeit wunscherfüllender Anwendungen erkläre ich verschiedene Dhyana-Formen. Für grausame Handlungen und dergleichen vergegenwärtige man den furchterregenden Gott: wie tausend aufgehende Sonnen, dreiäugig, von schrecklicher Gestalt, mit blitzharten Augen und Feuerglanz, mit vielen Armen; seine Nägel haben den Dämonenherrscher zerrissen, Blutströme röten seinen Körper. Nun wird die Meditation auf Narahari als Allgestalt erklärt.“

Band II, S. 277–278, Vielarmige Narasimha-Gestalten 246–264
Deutsch: 246–251: „Man meditiere über diesen höchst furchtbaren Narasimha, leuchtend wie das Feuer am Ende der Zeit, zornvoll, mit Mala und einer Halskette. Eine Schlange dient als heilige Schnur; fünf schöne Gesichter zieren ihn. Er trägt den Mond im Haar, hat eine blaue Kehle und drei Augen in jedem Gesicht. Zehn Arme, mächtig wie eiserne Riegel, tragen Mala, Keule, Lotus, ein kuh­milchweißes Muschelhorn, Bogen, Stampfkeule, vorzügliches Rad, Schwert, Dreizack und Pfeil. Nrihari verbirgt Rudra [die Bezeichnung rudragopana ist unsicher]. Er leuchtet saphirblau, mondhell und golden; seine nach Osten, nach [weiteren Richtungen] und nach oben gerichteten Gesichter zeigen alle Farben. [Die Richtungs- und Farbzuordnung ist im Druck gestört.] So meditiere man über Ugrahari zur Beseitigung aller Krankheiten. 251–255: Bei einem großen Vorhaben ist Narasimha, der Herr aller Welten, mit sechzehn Händen und allem Schmuck zu meditieren: Zwei Hände sind zum Zerreißen bestimmt, zwei zum Herausziehen der Eingeweide; zwei weitere tragen Rad und Muschelhorn, zwei Pfeil und Bogen, zwei Schwert und Schild, zwei Keule und Lotus, zwei Schlinge und Haken, und zwei liegen auf der Krone des Feindes. Über den allgegenwärtigen Nrihari, von sechzehn mächtigen Armen geschmückt und blau wie ein Lotus, meditiere man bei einer furchtbaren Handlung mit ungeteilter Aufmerksamkeit. 255–260: Bei einem überaus großen Vorhaben meditiere man über den Herrn Narasimha mit sechsundzwanzig Händen, reich geschmückt und alle Siddhis verleihend. Rechts trägt er Schwert, Rad, Axt, Schlinge, Pflug, Stampfkeule, Furchtlosigkeitsgeste, Haken, Pattisha-Lanze, Bhindipala-Wurfwaffe, Schild, Speer und Hammer. Links trägt er Muschelhorn, Schwert, Schlinge, Dreizack, Feuer, Segensgabe, Speer, irdenen Wasserkrug, Bogen, Drohgeste, Keule, Damaru und Schlangen. Mit Handpaaren [fasst er] nacheinander Knie, Kopf und Fußsohlen des Feindes. Mit erhobenen Händen trägt Hari eine Mantra-Mala, mit den unteren zerreißt er Hiranyaka. [Diese anschließenden Handangaben lassen sich nicht eindeutig mit der vorausgehenden Sechsundzwanzigerliste verbinden.] 261: Man vergegenwärtige den göttlichen Narasimha, der den Verehrern Freude bereitet, die Daityas erschreckt und die große Todesfurcht nimmt. 262–264: Nun wird ein anderes Dhyana des höchsten Hari erklärt [ein Wort der Einleitung bleibt unklar], das Gift, Krankheit und Tod beseitigt und Feinde erschreckt: Auf einem Garuda von Goldglanz sitzt er, vollmondfarben, mit schönem Gesicht und drei blitzenden Augen, schön geschmückt und gelb gekleidet. Vier Hände tragen Muschelhorn und Rad und zeigen Segensgabe und Furchtlosigkeit. Über diesen Nrihari meditiere man, der Gift und anderes, vorzeitigen Tod und mächtigen Schadenszauber vernichtet.“

Band II, S. 278, Narasimha-Dhyana und Purashcharana 265–269
Deutsch: In der Sharada: 265: „Ich verehre Narahari, leuchtend wie zehn Millionen aufgehende Sonnen, strahlend durch Krone und Halsketten; mit durch Fangzähne schrecklichem Gesicht, mit vielen langen Armen und glänzenden Nagelspitzen, die den Asuraherrscher aufgerissen haben. Feuer, Mond und Sonne sind seine drei Augen; seine Mähne, ein Bündel von Blitzen, verbreitet Schrecken, und er speit Feuer.“ 266: „Bei einer friedlichen Handlung vergegenwärtige man ihn friedlich, bei einer grausamen verehre man ihn in grausamer Gestalt.“ Das Purashcharana wird im Meru erklärt: 267–268: „Eingeweiht und mit beherrschten Sinnen wiederhole man den Mantra achthunderttausendmal; entsprechend tausend [Gaben] opfere man mit gheegetränkter Opferspeise ins Feuer. Nach Tarpana, Besprengung und Ehrung der Brahmanen vollziehe der Sadhaka, dessen Mantra verwirklicht ist, die Anwendungen.“ In der Sharada jedoch: 269: „Hunderttausendmal je Silbe wiederhole man den Mantra und entsprechend tausend [Gaben je Silbe] bringe man mit gheegetränktem Milchreis in das ordnungsgemäß verehrte Feuer dar. So wird der Mantraübende strahlend kraftvoll, und sein Mantra ist verwirklicht.“ [Die mit tatsahasra angegebenen Homa-Zahlen bleiben nach dem Wortlaut erhalten; sie werden nicht zur Zehntelregel verändert.]

Band II, S. 278–279, Zweiter Narasimha-Mantra 270–275
Deutsch: Nun Mantra-Varianten im Merutantra: 270: „Jetzt erkläre ich den zweiten allgegenwärtigen Nrihari.“ In der Samhita: 271–273: „Ich erkläre Narasimhas vorzüglichen Mantra in Bija-Gestalt: Samvarta auf Vahni, mit dem Manu-Vokal geschmückt, von Bindu, Nada und Kala erhellt. Dieser Mantra schenkt Genuss und Befreiung. Sein Seher ist Atri, sein Versmaß Gayatri, seine Gottheit Nrihari, den Götter und Asuras verehren. Mit dem Bija, verbunden mit den sechs langen Vokalen, bilde man die sechs Angas. Dhyana, Puja und alles Weitere vollziehe man, wie es für den König der Mantras gelehrt wurde.“ Sein Purashcharana wird im Merutantra erklärt: 274–275: „Hunderttausendmal wiederhole man den Mantra, während man Havisya-Speise isst und die Sinne beherrscht. Ein Zehntel opfere man ordnungsgemäß mit gutem, gheegetränktem Milchreis. Man vollziehe Tarpana mit reinem Wasser, besprenge sich selbst und ehre die Brahmanen angemessen. Der Sadhaka, dessen Mantra wirksam geworden ist, führe hier alle Anwendungen aus, die beim Mantraraja genannt wurden.“

Band II, S. 279, Dritter Narasimha-Mantra 276–280
Deutsch: Ebendort: 276: „Jetzt erkläre ich den dritten Mantra Nriharis.“ In der Sharada: 277–278: „Pasha, Shakti, Narahari, Ankusha, Varman und Phat: Dies ist Naraharis sechssilbiger Mantra, der alle Wünsche erfüllt. Sein Rishi ist Brahma, sein Versmaß Pankti, seine Gottheit Narasimha. Mit den sechs Bijas werden die Angas gebildet.“ Nun Dhyana: 279: „Ich preise Narasimha: Vor Zorn bewegt sich seine Zunge, sein Mund steht offen, Mond, Sonne und Feuer sind seine Augen. Von den Füßen bis zum Nabel leuchtet er rot, darüber weiß; den Körper des Dämonenherrschers hat er zerrissen. Er trägt Muschelhorn, Rad, Schlinge, Haken, Vajra und Keule, und [weitere Hände vollziehen] das Zerreißen. Furchtbar ist er, mit spitzen Fangzähnen und vielerlei Edelsteinschmuck.“ Das Purashcharana wird erklärt: 280: „Sechshunderttausendmal wiederhole man ihn und opfere dann entsprechend tausend [Gaben] mit Ghee in das entfachte Feuer. Mit Gaben stelle man den Guru zufrieden.“

Band II, S. 279–280, Jvalamali-Narasimha-Mantra 281–289
Deutsch: Im Merutantra: 281: „Jetzt erkläre ich den Mantra des im vierten Manvantara erschienenen Jvalamali-Narasimha, der Geister und andere [Störungen] vernichtet.“ In der Sharada: 282–285: „Das Bija, ‚namo bhagavate narasimhaya‘, dann ‚jvalamaline‘, ‚diptadamshtraya‘, ‚agninetraya‘, ‚sarvarakshoghnaya‘; auf ‚sarvabhutavinasha‘ folgen Na mit langem Vokal und Marut, ebenso auf ‚jvaravinasha‘ die Silben ‚naya‘. Zweimal ‚daha‘, zweimal ‚pacha‘, zweimal ‚raksha‘, ‚hum phat svaha‘; am Anfang steht Dhruva. Der große Jvalamali-Mantra hat siebenundsechzig Silben.“ [Die Formel bittet den flammenbekränzten, feueräugigen Narasimha mit leuchtenden Fangzähnen, störende Wesen und Fieber zu vernichten: „Verbrenne, verbrenne; verzehre, verzehre; beschütze, beschütze.“ Die Bauanweisung wird nicht zu einer vermeintlich sicheren Gesamtformel vereinigt.] 285–286: „Dreizehn Silben bilden das Herz, zehn den Kopf, elf die Shikha, achtzehn die Rüstung, dvidasha [wörtlich zweimal zehn] die Augen und die Karana-Silben Astra. Nach diesem Anga-Nyasa betrachte man die Mantragottheit.“ [Die überlieferten Teilzahlen passen nicht eindeutig zur Gesamtsilbenzahl; keine stillschweigende Korrektur.] Dhyana: 287–288: „Ich verehre Nrihari, lodernd wie das Feuer der Weltauflösung, mit ungerader Augenzahl [drei], beständig leuchtend von Feuerflammen, mit schrecklichen Fangzähnen im Lotusgesicht. Er erschreckt Rakshasas und ist furchtbar durch seine zerstreute Mähne. Er trägt Muschelhorn, Rad, Schwert und Schild.“ Nun Purashcharana: 289: „Hunderttausendmal wiederhole man den Mantra. Ein Zehntel bringe man gesammelt als Homa mit dem Ghee einer braunen Kuh in das entfachte Opferfeuer dar.“

Band II, S. 280–281, Lakshmi-Narasimha-Mantra 290–294
Deutsch: Im Merutantra: 290: „Jetzt erkläre ich den allgegenwärtigen Herrn, der im fünften Manvantara mit Lakshmi erschien und von Haushaltern verehrt wird.“ In der Samhita: 291–294: „Ich erkläre den sehr schwer zu erlangenden Lakshmi-Narasimha-Mantra: Tara, Indira, Shakti, Rama, Shulin, Purushottama; dann ‚Lakshmipriya‘ im Dativ, ‚nityam amudita‘, ‚chetas‘ in entsprechender Form, ‚lakshmi-shrita‘ und ‚ardhadeha‘ im Dativ; Rama, Maya, Rama und die Herz-Endung. Der Mantra hat die Zahl der Götter als Silbenzahl und gewährt die Frucht der vier Lebensziele. [Die Anrede beschreibt den Lakshmi lieben Herrn mit stets erfreutem Herzen, dessen eine Körperhälfte von Lakshmi eingenommen wird; die verschlüsselten Bijas werden nicht ergänzt.] Sein Seher ist Prajapati, sein Versmaß Anushtubh, seine Gottheit der Herr Lakshmi-Narasimha. Nach den sechs Angas mit seinem eigenen Bija vollziehe man einen weiteren Nyasa.“

Band II, S. 281, Schutz durch zwölf Namen Vishnus 295–302
Deutsch: Dieser wird im Merutantra erklärt: 295–296: „Vor mir beschütze mich Keshava, der Radträger von Goldglanz; hinter mir Narayana mit dem Muschelhorn, einer dunklen Regenwolke gleich. Über mir sei Madhava mit der Keule, dunkel wie das Blatt einer blauen Wasserlilie; zur rechten Seite der große, mondglänzende Govinda mit dem Bogen. 297–299: Im Norden Vishnu mit dem Pflug, gleich den Staubfäden eines Lotus; im Südosten der lotusäugige Madhusudana mit der Stampfkeule; im Südwesten Trivikrama mit dem Schwert, feuergleich leuchtend; im Nordwesten Vamana mit dem Vajra, strahlend wie die junge Sonne. Im Nordosten der lotusäugige Shridhara mit der Pattisha-Lanze; im Nordwesten der blitzglänzende Hrishikesha mit dem Hammer. [Nordwesten wird zweimal genannt; die Quelle wird nicht angeglichen.] 300–302: Meinen Herzlotus [beschütze] Padmanabha, wie tausend Sonnen strahlend, mit allen Waffen und Kräften, allwissend, nach allen Seiten gewandt. Unbesiegbar, mit Schlinge in der Hand und rot wie der Indragopaka-Käfer, durchdringt Damodara meinen Körper innen und außen. So bin ich in das überall lückenlose Schutzgehege der zwölf Namen eingetreten; keinerlei Furcht besteht für mich jemals. Nach diesem einleitenden Nyasa vergegenwärtige man Lakshmi-Narahari.“

Band II, S. 281, Lakshmi-Narasimha-Dhyana und Japa 303–305
Deutsch: Dhyana lautet: 303–304: „Auf den Windungen des Schlangenkönigs ruht er; dessen Hauben bilden seinen Schirm. Von der leuchtenden Rama umarmt, gleicht er dem Mond. Er trägt Lotus und Rad und zeigt Segensgabe und Furchtlosigkeit, hat drei Augen und den Mond auf dem Haupt.“ In der Samhita gilt das beim Mantraraja genannte Dhyana als vorzüglich. Das Purashcharana wird erklärt: 305: „Dreihunderttausend und sechzigmal wiederhole man den Mantra; entsprechend tausend [Gaben] bringe der vorzügliche Mantrakenner mit honigbestrichenen Mallika-Blüten als Homa dar.“ [Die ungewöhnliche Formulierung „um sechzig vermehrte dreihunderttausend“ steht so im Druck; sie wird nicht zu 360.000 normalisiert.]

Band II, S. 282, Abschluss und Mantras des sechsten und siebten Manvantara 306–312
Deutsch: 306–307: „Nach Verehrung des Gottes im Wasser vollziehe man mit dem Mantra Tarpana, besprenge den eigenen Kopf und speise Brahmanen. Danach führe der Sadhaka die von ihm gewünschten Anwendungen aus.“ Ebendort: 307 [im Druck nochmals]: „Jetzt erkläre ich Narasimha, der im sechsten Manvantara mit Lakshmi erschien; sein Mantra erfüllt alle Wünsche. 308–309: ‚Om shrim lakshminrisimhaya‘ gilt als achtsilbiger Mantra. Sein Seher ist Prajapati, sein Versmaß Anushtubh, seine Gottheit Lakshmihari. Mit dem Bija kshaum, verbunden mit den sechs langen Vokalen, wird das sechsfach gegliederte Verfahren ausgeführt. Dhyana, Puja und alles Weitere werden wie beim sechssilbigen Mantra erklärt.“ Nun Purashcharana: 310: „Hunderttausendmal je Silbe wiederhole der Mantraübende den Mantra; ein Zehntel opfere er mit gheegetränktem Milchreis. Danach vollziehe er Tarpana und die übrigen Handlungen.“ 311–312: „Jetzt erkläre ich Hari, der im siebten Manvantara erschien. ‚Jaya jaya shrinrisimha‘ gilt als achtsilbiger Mantra: ‚Sieg, Sieg dem erhabenen Narasimha!‘ Rishi und weitere Zuordnungen sind wie beim achtsilbigen, die Puja wie beim sechssilbigen Mantra. Die Anwendungen vollziehe der reine Haushalter wie beim einsilbigen Mantra.“ [Die aufeinanderfolgenden Formen Shri und Kshaum tragen im Druck Chandrabindu.]

Band II, S. 282–283, Dashavatara-Nrihari-Mantra 313–324
Deutsch: 313–318: „Jetzt erkläre ich den im achten [Manvantara] erscheinenden Dashavatara-Nrihari, im Zeitalter Daksha-Savarni. Man spreche ‚Om kshaum namo bhagavate nrisimhaya‘, ‚Om kshaum matsyarupaya‘, nach demselben Lautpaar ‚kurmarupaya‘, ‚Om kshaum varaharupaya‘, dann das Bijapaar und ‚nrisimharupaya‘, danach Vedadi und kshaum und ‚vamanarupaya‘. Dreimal spreche man das Bijapaar mit ‚ramaya‘, sodann mit ‚krishnaya‘ und ‚kalkine‘. Nach zweimal ‚jaya‘ folgen ‚shalagramanivasine‘, ‚divyasimhaya‘, ‚svayambhuve purushaya namah‘, Tara und kshau. Der Mantra hat neunundneunzig Silben. Ein Nicht-Zweimalgeborener soll, vom Bija eingeleitet, auch ‚buddhaya‘ sprechen.“ [Die Namen verehren die Fisch-, Schildkröten-, Eber-, Menschlöwen- und Zwerggestalt, die Rama-Gestalten, Krishna und Kalkin, den Bewohner des Shalagrama, den göttlichen Löwen und den selbstentstandenen Purusha. Die Angaben zur Wiederholung und Schlussnasalierung werden nicht zu einer ergänzten Gesamtformel vereinheitlicht.] 319–321: „Dann wird der Mantra als hundertviersilbig bezeichnet. Sein Versmaß ist Atijagati, sein Rishi Atri, seine Gottheit Dashavatara-Nrihari, der alle Wünsche erfüllt. Mit dem Bija, verbunden mit den sechs langen Vokalen, bilde man die sechs Angas. Dhyana, Puja und alles Weitere geschehen wie beim Mantraraja. Nach der Verehrung der sechs Angas verehre man die Inkarnationen, beginnend mit Matsya.“ Nun Purashcharana: 322–324: „Zehntausendmal wiederhole man den Mantra; ein Zehntel opfere man mit Havis und Ghee. Danach vollziehe man Tarpana und die übrigen Handlungen. Alle wunscherfüllenden Riten geschehen wie beim Mantraraja. Durch seine Verehrung erlangten Brahmanen, die von Brahmacharya und anderem abgefallen waren, Narasimha-Gestalt und wurden zu örtlichen Narasimhas. Sie gehen in den Körper ein und wirken richtig, wenn sie verehrt werden.“

Band II, S. 283–284, Drei Mala-Mantras des Vira-Narasimha 325–335
Deutsch: 325–329: „Jetzt erkläre ich den im neunten [Manvantara] erscheinenden Narasimha namens Vira. Höre seine Sadhana, Geliebte! Drei Mantras werden für Anwendungen bei Kindern, jungen Menschen und Alten genannt. Bei der Vollziehenden und bei gereinigter [Rede beziehungsweise Mund — die Verbindung ist gestört] sind alle drei wirksam. Tara, ‚namo bhagavate‘, das Bija, dann ‚narasimhaya‘, ‚jvalamala-pinaddhangaya‘, ‚agninetraya‘, ‚sarvabhutavinashanaya‘, zweimal ‚daha‘, zweimal ‚pacha‘, zweimal ‚raksha‘, Hrim, Shrim, ‚raksha‘ und die Gattin des Feuers. Dieser erste Mantra hat vierundfünfzig Silben.“ [Die Anrufung richtet sich an den feueräugigen Narasimha, dessen Körper von einer Flammengirlande umschlossen ist, und bittet um Vernichtung störender Wesen sowie Schutz.] 330–332: „Beim zweiten [Mantra] bleiben sechzehn Anfangssilben des ersten; bei ‚line‘ [der Anschluss ist beschädigt] füge man ‚dipta-damshtraya‘, ‚agninetraya‘, ‚sarvarakshoghnaya‘, ‚sarvabhutavinashanaya‘ und ‚sarvajvaravinashaya‘ hinzu, zweimal ‚hana‘, zweimal ‚daha‘, zweimal ‚pacha‘, zweimal ‚bandha‘, ‚hum phat svaha‘. Seine Silbenzahl ist kvaga [unverständliche Zahlbezeichnung]. Nun erkläre ich den dritten: Die Anfangssilben sind gajabahu [traditionelle Wortzahl, deren Zuordnung hier unsicher bleibt]. 333–335: Dreimal stehe vor ‚vinashanaya‘ das Wort ‚sarva‘; dazwischen füge man die drei Wörter ‚bhuta‘, ‚jvara‘ und ‚dosha‘ ein. Nach den vier mit ‚hana‘ beginnenden Ausdrücken folgen zweimal ‚raksha‘, ‚mam‘ und nochmals ‚mam‘, ‚hum phat svaha‘. Dieser Mantra hat die Silbenzahl navakriti [nicht sicher auflösbar]. Puja, Dhyana, Japa und alles Weitere geschehen wie beim Mantraraja. Diese Mala-Mantras sind dafür bekannt, rasche Siddhi zu bewirken.“

Band II, S. 284, Mantras des zehnten und elften Narasimha 336–341
Deutsch: 336–338: „Jetzt erkläre ich den im zehnten [Manvantara] Erscheinenden: ‚Om kshaum mahanrisimhaya namah‘ ist der zehnsilbige Mantra, Verehrung dem großen Narasimha. Sein Seher ist Vamadeva, das Versmaß Virat, die Gottheit Narasimha. Mit seinem Bija, verbunden mit den sechs langen Vokalen, vollziehe man den sechsfachen Anga-Nyasa. Dhyana, Puja, Purashcharana und Homa geschehen wie bei Lakshmi-Narasimha. Hunderttausendmal je Silbe wiederhole man den Mantra; die Anwendungen sind die beim achtsilbigen Mantra genannten. 339–341: Jetzt erkläre ich den Mantra des elften: ‚Om kshaum namo bhagavate narasimhaya‘ — Verehrung dem erhabenen Narasimha. Er hat dreizehn Silben und schenkt Genuss und Befreiung. Sein Seher ist Vamadeva, das Versmaß Jagati, die Gottheit Narasimha. Mit dem eigenen Bija werden die Angas gebildet; Dhyana, Puja, Anwendungen und alles Weitere werden wie beim sechssilbigen Mantra erklärt.“ [Kshaum ist an beiden Stellen mit Chandrabindu gedruckt.]

Band II, S. 284, Sudarshana-Narasimha-Mantra 342–346
Deutsch: 342–344: „Jetzt erkläre ich den im zwölften [Manvantara] Erscheinenden. Er wohnt stets in Kashi und erschüttert den bösen Verstand. Tara, ‚sahasrarajvalavartine‘, kshaum, zweimal ‚hana‘, ‚hum phat svaha‘: Dieser Mantra wird als neunzehnsilbig bezeichnet. Sein Seher ist Jayanta, das Versmaß Gayatri, die Gottheit Sudarshana-Narasimha.“ [Die Formel ruft den in der Flammenwirbelgestalt des tausendspeichigen Rades Weilenden an; hana ist ein Schlag- beziehungsweise Vernichtungsruf.] 345–346: „‚Dem König der Räder‘ gilt für das Herz, ‚Dem Flammenrad‘ für den Kopf, ‚Dem Gajachakra‘ für die Shikha und ‚Dem die Asuras vernichtenden Rad‘ für die Rüstung; als Astra wird ‚Sudarshanaya … phat‘ genannt. Dies ist das fünfgliedrige Verfahren.“ [Die Reihenfolge der Schlusswörter ist im Druck verschränkt; sie wird nicht zu einer neuen Formel umgestellt.]

Band II, S. 285, Sudarshana-Narasimha-Dhyana und Purashcharana 347–350
Deutsch: Nun Dhyana: 347–348: „Inmitten der Versammlung der Chakras meditiere man über Hari: wie das Feuer der Zeit leuchtend, vierarmig, mit geöffnetem Mund und vier Rädern, glühendem Gold gleich, dreiäugig, in ursprünglicher Gestalt. Er vernichtet alles Leid und ist mit Lakshmi von entsprechender Gestalt vereint.“ Nun Purashcharana: 349–350: „Zwölfmal hunderttausendmal wiederhole man den Mantra und opfere ein Zehntel mit gutem Sesam. Danach vollziehe man vierzigtausend Opfer mit Blumen, anschließend tausend mit Ghee und [tausend] Verneigungen. Nach Tarpana und den übrigen Handlungen führe man die Anwendungen aus.“

Band II, S. 285, Dreizehnter Narasimha und Abhaya-Narasimha 351–357
Deutsch: 351–352: „Jetzt erkläre ich den im dreizehnten [Manvantara] erschienenen Gott Nrihari, der Genuss und Befreiung schenkt. Kshaum erhält eine Umschließung: Mit Maya schenkt es Genuss, mit Pranava Moksha. Puja, Anwendungen und alles Weitere entsprechen dem einsilbigen Mantra. 353–356: Jetzt erkläre ich den in [einem weiteren] Manvantara erschienenen allgegenwärtigen Herrn. Dieser Narasimha heißt Abhaya und nimmt alle Furcht. Tara, ‚namo bhagavate narasimhaya‘ und die Herz-Endung; dann ‚tejas-tejase‘, ‚avir avir bhava‘, ‚vajranakha vajradamshtra karmashayan‘, zweimal ‚randhaya‘; ‚tamo grasa‘ und die [beschädigte] Verbindung ‚bahis tri‘; danach ‚abhayam atmani bhuyishtha‘ und ‚Om kshau‘. Dies gilt als zweiundsechzigsilbiger Mantra. Sein Seher ist Shuka, das Versmaß Atijagati; alles Weitere ist wie zuvor.“ [Die Formel ruft Narasimha als Glanz des Glanzes an: „Erscheine! Du mit Vajra-Nägeln und Vajra-Zähnen, durchdringe die karmischen Ablagerungen, verschlinge die Finsternis; im Selbst sei Furchtlosigkeit.“ Unsichere Schlussformen und Wiederholungen werden nicht nach bekannten Fassungen ergänzt.] 357: „Die im Veda gelehrte Sadhana der vierzehn Narasimha-Gestalten, die Genuss und Befreiung gewährt, wurde hier erklärt, ihr Götter.“

Band II, S. 285–286, Sechs Vamana-Formen 358–360
Deutsch: Nun die Vamana-Mantras im Merutantra: 358–359: „Jetzt erkläre ich die glückverheißenden Mantras Vamanas. Ein Manvantara lang übt [Bali] Tapas, in einem anderen bedrängt er den Götterherrn. Dann gibt König Bali die drei Welten an Hari zurück. Während eines Manvantara wurde Bali selbst zu Shakra. So gibt es in einem Kalpa sechs Vamana-Gestalten; ich erkläre ihre Mantras.“ Die sechs Vamanas werden in einem anderen Tantra genannt: 360: „Dadhivamana, Yajneshavāmana, Bhogavamana, der kindliche Vamana, Vishvarupa und Balivamana.“

Band II, S. 286, Dadhivamana-Mantra 361–365
Deutsch: Der Dadhivamana-Mantra steht in der Sharada: 361–363: „Tara, die Herz-Endung, ‚Vishnave‘, dann ‚Surapati‘ im Dativ, ‚Mahabalaya‘ und zweimal Tha: Der Mantra hat achtzehn Silben. Sein Rishi ist Indu, das Versmaß Virat, die Gottheit Dadhivamana. Eine Silbe bildet das Herz, zwei den Kopf, drei die Shikha, fünf die Rüstung, ebenso viele die Augen und zwei Astra. So beschreiben die Weisen das Anga-Verfahren.“ Nun Dhyana: 364: „Wir verehren ihn, perlenweiß, mit neuem funkelndem Edelsteinschmuck, auf dem Mond ruhend. Bienenähnlich dunkle Locken schmücken sein Lotusgesicht. In seinen Händen hält er einen goldenen Krug voll reinen Wassers und eine goldene Schale mit Joghurt-Reis.“ Nun Purashcharana: 365: „Dreihunderttausendmal wiederhole man den Mantra; ein Zehntel opfere man ordnungsgemäß mit gheegetränktem Milchreis oder Joghurt-Reis.“ Die weiteren Vamana-Mantraformen sind im Meru nachzusehen.

Band II, S. 286, Trivikrama-Mantra 366–369
Deutsch: Nun die Trivikrama-Mantras im Meru: 366–368: „Jetzt erkläre ich den höchsten Trivikrama-Mantra. Tara, ‚namo bhagavate‘, die drei Vyahritis, danach ‚Vyapakaya‘ und ‚Trivikrama‘ im Dativ: Dieser zwanzigsilbige große Mantra gibt verlorene Herrschaft zurück. Mit den fünf Wortgruppen und dem ganzen Mantra wird das sechsfach gegliederte Verfahren erklärt. Seine Seher sind die Balakhilyas, sein Versmaß Gayatri, seine Gottheit Trivikrama in Allgestalt.“ Dhyana: 369: „Mit dem rechten Fuß durchdringt er die Unterwelt, mit dem linken die Erdfläche …“ [Die Meditation geht im folgenden Vers weiter.]

Band II, S. 287, Trivikrama-Dhyana und Purashcharana 370–372
Deutsch: 370–371: „Wieder hebt Hari den rechten Fuß und durchmisst den Himmel. Von seiner Hand fließt das von Bali dargebrachte Wasser mit Kusha und Sesam. Mit der linken Hand zeigt der Götterherr Furchtlosigkeit. Man meditiere über ihn, dessen Lotusfüße vom Ganga-Strom gewaschen werden und den Brahma und die anderen preisen.“ Nun Purashcharana: 372: „Zwanzigmal hunderttausendmal wiederhole man den Mantra. Danach opfere man Sesam, Reis und Senfkörner, bestrichen mit den drei süßen Stoffen, und vollziehe Tarpana und die übrigen Handlungen. Der Mantraübende, dessen Mantra so wirksam geworden ist, erlangt die gewünschte Frucht.“

Band II, S. 287, Parashurama-Gayatri 373–376
Deutsch: Nun der Parashurama-Mantra, ebendort: 373–374: „Jetzt erkläre ich den höchst wunderbaren Rama-Mantra. Der mächtige Sohn Jamadagnis ist bis zum Ende des Kalpa einer allein: ‚Wir wollen den erkennen, der das Feld Brahmans ist; wir meditieren über den Vernichter der Kshatriyas. Möge Rama uns anregen.‘“ [Nach der Formel stehen im Druck Auslassungspunkte; es wird kein Wortlaut ergänzt.] Ferner: 375–376: „Diese höchst wunderbare Gayatri des erhabenen Parashurama begründet die Herrschaft der Könige im Kali-Zeitalter und ist in allen Tantras geheim gehalten. Ihr Seher ist Bharadvaja, ihr Versmaß Gayatri, ihre Gottheit der erhabene Parashurama, der seinen Verehrern zugetan ist. Mit acht, fünf, drei, zwei, zwei und zwei Silben werden die sechs Angas gebildet.“

Band II, S. 287–288, Parashuramas drei Dhyana-Formen und Purashcharana 377–385
Deutsch: Nun Dhyana: 377–378: „In sattvischer Gestalt ist er weiß, sein Körper mit Asche bestäubt. Er sitzt am Agnihotra-Platz, von vielen Weisen umgeben, auf einem Wolldeckensitz. Seine Finger tragen [Ringe beziehungsweise Zeichen aus] Gold, Silber und Kusha. In zwei weiße Gewänder gekleidet, opfert er mit stillem Geist. 379–380: In rajasischer Gestalt meditiere man über den jungen Rama mit safranrotem Körper, Krone und Ohrringen. Seine Hände tragen Axt und Lotus und zeigen Segensgabe und Furchtlosigkeit. Scharen von Brahmanen und Kshatriyas umgeben ihn; er trägt gelbes Gewand, nimmt die gewünschte Gestalt an und wird von jungen Frauen betrachtet. 381–382: In tamasischer Gestalt meditiere man über ihn mit der vom Blut der Kshatriyas benetzten Axt, geröteten Augen, der über das Ohr gelegten heiligen Schnur und dem Glanz Yamas. Der laute Klang seines Bogens erschreckt die drei Welten. Vierarmig trägt er eine Stampfkeule und ist von erzürnten Brüdern begleitet.“ Nun Purashcharana: 383–384: „Hunderttausendmal je Silbe wiederhole man den Mantra und opfere Zucker, Ghee und gheegetränkten Milchreis [die Stoffbezeichnungen ajya und ghrita stehen nebeneinander]. Nach Abschluss mit der Brahmanenspeisung wird der Mantra wirksam. Nur der Brahmane, der sich stets den brahmanischen Pflichten widmet und dem Gayatri-Japa hingegeben ist, wird siddha, kein anderer.“ Ferner: 385: „Franken beziehungsweise Europäer, Yavanas, Chinesen, Menschen aus Khurasan und Chalenduja [unsichere Volksbezeichnung] erschrecken beim Anblick eines Rama-Verehrers und verneigen sich.“ [Dies ist eine historische Aussage der zitierten Quelle.]

Band II, S. 288–289, Shaunakas Bitte und die Rama-Überlieferung 386–398
Deutsch: Nun die Mantras des erhabenen Raghunatha in der Vasishtha-Samhita. 386–387: Krishna Dvaipayana Vyasa, den Guru, Sohn Satyavatis, den stillen Weisen in Samadhi, mit dem freundlichen Glanz der Sonne, den Schatz des Tapas, der am hochheiligen Ufer der Ganga saß, fragte Shaunaka nach einer Verneigung mit acht Körperteilen. Shri Shaunaka sprach: 388–392: „Du mit gnädigem Antlitz, wende deinen Geist mir zu! Durch deine Gnade habe ich viele große Mantras praktiziert. Schaue mich mit deinen von Mitgefühl erfüllten Augen an. Den Atman als Sat-Chit-Ananda, das ewige Brahman, habe ich erkannt. Nun wünsche ich den Mantra samt seinen Gliedern und seiner Verehrung zu hören, den Mantra Vishnus von unermesslichem Glanz, der als Rama herabgestiegen ist. Erkläre mir alles, Ehrwürdiger, wenn ich würdig bin, es zu hören. Diese Welt wird von Unglück und Armut bedrängt. [Erkläre den Mantra,] durch den ein Mensch unvergleichliches Glück, große Herrlichkeit, Kenntnis der Schriften, Dichtkunst und Allwissenheit erlangt.“ Shri Vyasa sprach: 393–397: „Gut hast du gefragt, Brahmane; ich werde dir alles erklären. Einst lehrte Brahma ihn den großen Vasishtha. Vasishtha wiederum gab den Mantra seinem Sohn, meinem Vater. Mein Vater, reinen und frohen Herzens, ein Schatz des Mitgefühls, gab ihn mir im hochheiligen Kurukshetra bei einer Sonnenfinsternis. Durch Japa, Homa, Verehrung und weitere Handlungen habe ich den Mantra verwirklicht. Bisher habe ich diesen König der Mantras niemandem erklärt. Höre ihn nun voller Hingabe von mir, so wie er in der Lehrerfolge überliefert wurde. Du darfst diesen Mantraraja keinem Ungeeigneten geben, Weiser. Bewahre sorgfältig dieses Geheimnis, das glückvolle Verwirklichung schenkt.“ Nach Erklärung der Schülermerkmale heißt es: 398: „Nur einem solchen Schüler gebe man den Mantra. Wird er anders weitergegeben, verhängt die Gottheit einen Fluch.“ [Die Schülermerkmale selbst sind an dieser Stelle im Werk nur durch den Prosaverweis bezeichnet.]

Band II, S. 289, Rama-Mantra und Bedeutung des Bija 399–406
Deutsch: Die Bildung des Mantras wird erklärt: 399–402: „Man bilde das Bija: Mantanta mit Bindu, geschmückt mit Narayana; danach dasselbe ohne Bindu, Bhanta mit dem Vokal A, Mantanta und die Verneigungsformel. Dieser sechssilbige Mantra verleiht alle Herrlichkeit, bringt alles Glück hervor, macht alle Welten geneigt, schenkt den Menschen Vidya-Siddhi und große Befehlsgewalt, Weiser. Sein Rishi ist Brahma, sein Versmaß Gayatri, seine Gottheit das Rama genannte Licht Vishnus. Als Bija erkenne man den ersten Laut, als Shakti die Verneigungsformel.“ Die Bedeutung des Mantras wird in der Ramarchanachandrika erklärt: 403–406: „Die rechte Bedeutung des erhabenen Rama-Mantraraja wird nun dargelegt. Ra bezeichnet Feuer und weist letztlich auf Licht hin. Als seine höchste Bedeutung wird der Paramatman in der Natur von Sat-Chit-Ananda genannt. Der Konsonant ist das ungeteilte Brahman; der Vokal wird Prana und Maya genannt. Wisse: Die Verbindung des Vokals mit dem Konsonanten ist die Verbindung mit dessen Lebenshauch. Deshalb wird das leuchtende Ra mit dem Vokal A verbunden. Ma wird, weil es Entfaltung bedeutet, als von der Natur Mayas bezeichnet. Darum bezeichnet dieses Bija Brahman mitsamt Maya.“

Band II, S. 290, Die innere Bedeutung des Rama-Mantras 407–409
Deutsch: In der Rama-Upanishad: 407–409: „Selbstleuchtend, selbst das Licht, ganz aus dem einen Bewusstsein unmittelbarer Selbsterfahrung bestehend: Als dieses wird der zweisilbige König der Mantras erkannt. Ungeteilte, in sich eine Wonne, hinüberführend, Brahman bezeichnend — so ist ‚Ramaya‘ zu verstehen, von der Natur Wahrheit, Wonne und Bewusstsein. Das Wort Namah ist als reine Gestalt vollkommener Wonne zu erkennen. Im Herzen verneigen sich stets alle Götter, die Befreiung ersehnen.“

Band II, S. 290–291, Varianten und Anwendungen des Rama-Mantras 410–422
Deutsch: Je nach Anfangsbija ist dieser Mantra sechsfach. So heißt es im Merutantra: 410–413: „Jetzt erkläre ich die Rama-Mantras, die Genuss und Befreiung gewähren. Der Herr erschien in jedem Manvantara; im Wechsel der Yugas eines Kalpa ist er ein Shakra-Avatara [diese Angabe bleibt nach der Quelle stehen]. Für die erste Form erkläre ich den sechssilbigen Mantraraja: ‚Ramaya namah‘, mit ram, klim, hrim oder aim davor, oder mit Shri oder Tara am Anfang. So wird der sechssilbige Mantra sechsfach genannt. Seine Seher sind in dieser Reihenfolge Brahma, Sammohana, Shakti, Dakshinamurti, Agastya und der erhabene Shiva. 414: Sein Versmaß heißt Gayatri, die Gottheit ist Shri Rama.“ Viele weitere Varianten desselben sechssilbigen Mantras werden ebendort genannt: 414–420: „Ihm werden die fünfzig Matrika-Laute jeweils einzeln vorangestellt. Mit Lakshmi, Vagbhava, Manmatha oder Dhruva am Anfang entstehen bei ‚Ramachandra‘ zweihundert Varianten; mit dem Wort ‚Ramabhadra‘ ebenso zweihundert. Bei den mit Rama-Bija beginnenden Formen gilt Vishvamitra als Seher, bei den mit Vag-Bija beginnenden Dakshinamurti, bei den mit Kama-Bija beginnenden Sammohana, bei den mit Tara beginnenden der erhabene Shiva. Wenn jeweils Shri, Maya oder Kama am Anfang stehen, ergeben Ramabhadra und Ramachandra sechs Formen des sechssilbigen Mantras. [Die vorausgehende Silbenangabe ghanarna ist unsicher.] Zuvor wurden sechs mit Namah endende Formen erklärt; mit Phat am Ende gibt es wiederum sechs, ebenso mit der Gattin des Feuers. So werden vierhundertvierundzwanzig Varianten dargelegt.“ Ferner: 421: „Mit Tara am Anfang dient er der Befreiung, mit Rama dem Genuss, mit Vag der Vollendung der Rede und mit Manmatha der Geneigtmachung aller. Von Tara und den weiteren Bijas umschlossene Mantras wende man für alle Ziele an.“ Ferner: 422: „Am Brahmarandhra, zwischen den Brauen, am Herzen, am Nabel, im [als andhu bezeichneten, unklaren] Bereich und an den Füßen wird das sechsgliedrige Verfahren mit den Bijas und den sechs langen Vokalen ausgeführt.“ [Die vier ausgeschriebenen Bijas in Vers 412 tragen im Druck Chandrabindu; die kombinatorischen Zählungen werden nicht vereinheitlicht.]

Band II, S. 291, Innere Meditation über Shakti, Einheit und Rama 423–432
Deutsch: In der Vasishtha-Samhita: 423–426: „Im Adhara vergegenwärtige man Shakti als Bewusstsein und Wonne; den Adhara selbst als lichtvoll, der aufgehenden Sonne gleich. Nach dieser Vergegenwärtigung der Grundlage, bester Weiser, betrachte man das daraus aufsteigende Licht in Flammengestalt, gleich zehn Millionen Blitzen und kühl wie zehn Millionen Monde. Gemäß der Unterweisung öffne man die Mündung der Sushumna und lasse es eintreten. Auf dem Brahman-Weg führe man es aufwärts zum Mondkreis am Dvadashanta. Nachdem man es nach Vorschrift im Geist dorthin geführt hat, lasse man den Nektar fließen. 427–429: Von den herabströmenden reinen Nektarströmen umhüllt, betrachte man den eigenen Körper und die ganze Welt als eins geworden. Den Atman vergegenwärtige man als ungeteilte Wonne, frei von Vielheitsentfaltung, formlos, makellos und unbefleckt, jenseits von Nichtleere und Leere, frei von den Vorstellungen des Seins und Nichtseins, bester Weiser. Gottheit, Guru und Mantra betrachte man im Selbst als eins. 430: So meditiere der Mantraübende und übe täglich Japa. Nachdem er alle irdischen Freuden erfahren hat, gelangt er am Ende zur höchsten Stätte. 431–432: Oder man sammle dieses Licht im Herzlotus und meditiere über den lichtvollen Rama, den einen Zeugen aller Welten, über Hari, der Entstehung, Bestehen und Auflösung der Welt bewirkt und von Göttern, Asuras, Menschen und Scharen von Yogis verehrt wird.“

Band II, S. 292, Rama-Dhyana 433–443
Deutsch: Nun Dhyana: 433–434: „Vierarmig trägt er Muschelhorn, Rad, Keule und Lotus; Krone, Halskette, Armspangen und Edelsteinohrringe schmücken ihn. Nach solcher Meditation wiederhole man täglich sechstausendmal den Mantra. Nach einem Jahr wird man Herr der Rede und des Wohlstands und ein Dichter.“ Eine andere Meditation wird erklärt: 435–439: „Unter einem Wunschbaum stelle man sich einen goldenen Pavillon vor, Weiser; darin das vorzügliche göttliche Luftfahrzeug namens Pushpaka. In seiner Mitte steht ein mit vielerlei Edelsteinen geschmückter Löwenthron, darin ein achtblättriger Lotus, der aufgehenden Sonne gleich. In dessen Mitte sitzt Shri Rama, großer Weiser. Seine rechte Hand zeigt die Geste wahrer Erkenntnis, die andere, linke, ruht auf dem Knie. [Die eingeschobene Angabe zur Lichtausstrahlung ist syntaktisch verkürzt.] Dieser Gott, Janakis Geliebter, leuchtet wie Saphir. Zweiarmig erfreut sich Raghus Nachkomme im Garten, umgeben von Vasishtha, Vamadeva und anderen Weisen. 440–441: Links sitzt Sita, goldglänzend, die ihren Verehrern stets ihre Wünsche erfüllt; ihre Lotushand hält eine rote Wasserlilie. Hinter ihm steht Lakshmana mit Schirm und schönem Chamara-Wedel; seitlich stehen Bharata und Shatrughna, beide mit Palmblattfächern in den Händen. Nach solcher Meditation übe man Japa des Mantras und werde zum Empfänger von Erkenntnis und Wohlstand.“ Ebenso in der Sharada: 442: „Beständig verehre ich Raghava, schön wie eine dunkle Regenwolke, im Virasana sitzend. Eine Hand zeigt die Erkenntnisgeste, die andere Lotushand ruht auf dem Knie. Er schaut auf Sita an seiner Seite, die einen Lotus trägt und wie ein Blitz leuchtet. Sein Körper glänzt von Krone, Armspangen und vielerlei Schmuck.“ Im Merutantra: 443: „Er sitzt im Virasana, durch die Lehrgeste ausgezeichnet; die [andere] Hand liegt auf dem linken Oberschenkel. Sita und Lakshmana begleiten ihn.“

Band II, S. 293, Früchte des Rama-Japa und Purashcharana 444–447
Deutsch: In einem anderen Tantra, nach der zuvor genannten Meditation: 444–445: „Allein durch solche Meditation über ihn wird man von allen Sünden frei. Wer im Herzlotus über Rama meditiert, dunkel wie eine blaue Wasserlilie, mit langen Augen wie Lotusblätter, und den sechssilbigen Mantra wiederholt, dem großen Menschen liegt Moksha so deutlich vor Augen wie eine Amalaka-Frucht auf der Hand.“ In der Vasishtha-Samhita: 446: „Durch solchen Japa-Yoga entstehen bei verständigen Mantraübenden nach sechs Monaten Schriftkenntnis und Dichtkunst, Weiser. Der Mantra schenkt Frucht sogar ohne die besonderen Purashcharana-Handlungen.“ Sein Purashcharana wird im Merutantra erklärt: 447: „Hunderttausendmal je Silbe wiederhole man den Mantra. Ein Zehntel opfere man mit süß getränkten Bilva-Blättern, Früchten, Blumen, Sesam oder Lotussen.“

Band II, S. 293, Ramas Mala-Mantra 448–454
Deutsch: Nun der Mala-Mantra, ebendort: 448–451: „Jetzt erkläre ich den von Lakshmana verehrten Mantra: Tara, ‚namo bhagavate‘, ‚Raghunandana‘ im Dativ, ‚rakshoghnavishadaya‘, dann ‚madhura‘, ‚prasannavadanaya‘, ‚amitatejase‘, ‚balaya ramaya vishnave namah‘. Dies ist ein siebenundvierzigsilbiger Mala-Mantra. [Die Anrufung verehrt Ramas klare, Rakshasas vernichtende Gestalt, sein freundliches Gesicht, seinen unermesslichen Glanz und seine Kraft; bei madhura ist die Endung nicht ausdrücklich genannt.] Sein Seher ist Pitamaha, sein Versmaß Anushtubh, seine Gottheit der zum König geweihte Rama. Om ist sein Bija, ‚namo astu‘ seine Shakti. Mit den Zahlen sieben, sechs, sieben, zehn, sechs und sechs werden die sechs Angas gebildet.“ [Die Summe der angegebenen Glieder stimmt nicht mit 47 überein; sie wird nicht angepasst.] Ferner: 452–454: „Dhyana ist das beim zehnsilbigen Mantra genannte. Hunderttausendmal wiederhole man den Mantra. Ein Zehntel opfere man mit Bilva-Früchten, Blüten oder Blättern, mit Sesam samt den drei süßen Stoffen, mit entsprechend gesüßtem Milchreis oder mit Lotussen. Überall folgen Tarpana, Besprengung und Brahmanenspeisung; die Anwendungen geschehen wie zuvor.“

Band II, S. 294, Rama-Mantras verschiedener Manvantaras 455–465
Deutsch: Der zehnsilbige Mantra wird noch erklärt. Die Unterschiede der Shri-Rama-Mantras nach den Manvantaras werden ebendort dargelegt: 455–458: „Jetzt erkläre ich den im Svarochisha-Manvantara erschienenen einsilbigen Rama-Mantra; er wird als ‚ra‘ bezeichnet. [Die Druckverbindung lautet ram iti; in der Nyasa-Anweisung wird Bindu ausdrücklich genannt.] Sein Seher ist Brahma, sein Versmaß Gayatri, seine Gottheit Rama. Man vollziehe den Murti-Panjara genannten und den Tattva-Nyasa. Die sechs Angas werden mit dem Bija, verbunden mit sechs langen Vokalen und Bindu, gebildet. Jetzt erkläre ich das Verfahren des dritten Manvantara: ‚Rama‘ heißt dieser zweisilbige Mantra, der Genuss und Befreiung schenkt. Rishi und weitere Zuordnungen entsprechen dem einsilbigen; die sechs Angas werden mit dem Anfangslaut gebildet. Dhyana, Puja, Anwendungen und alles Weitere sind wie beim sechssilbigen Mantra zu verstehen.“ Ebenso ist das Purashcharana zu verstehen. 459–462: „Jetzt erkläre ich das Verfahren des vierten Manvantara: Mit Tara, Maya, Rama, Ananga, Vak oder seinem eigenen Bija wird der zweisilbige Mantraraja sechsfach zu einem dreisilbigen. Nyasa, Puja, Anwendungen und alles Weitere vollziehe man wie zuvor. Jetzt erkläre ich das Verfahren des fünften Manvantara: Der zweisilbige Name wird mit Chandra oder Bhadra am Ende zu zwei viersilbigen Formen. Rishi-Zuordnung, Nyasa, Verehrung und alles Weitere geschehen wie zuvor. Dieser Mantra gilt besonders als Spender der Frucht aller vier Lebensziele. 463–465: Jetzt erkläre ich den im sechsten Manvantara erschienenen: ‚Ramaya namah‘ gilt als fünfsilbiger Mantra. Sein Seher ist Vishvamitra, sein Versmaß Pankti, seine Gottheit Ramabhadra. Der erste Laut ist das Bija, die Verneigungsformel die Shakti. Man lege den Mantra zwischen den Brauen, am Herzen, unterhalb des Nabels und an beiden Füßen auf. Die sechs Angas geschehen wie zuvor oder mit den Mantralautelementen und dem ganzen Mantra für Astra.“

Band II, S. 294–295, Rama-Dhyana und Mantras des achten bis zehnten Manvantara 466–479
Deutsch: Dhyana wird erklärt: 466–469: „Mitten im Wald sitzt der Herr unter einem Wunschbaum auf einem Sitz aus Blütenranken. Aus dem Augenwinkel betrachtet er den von Lakshmana bereitgelegten Pfeil; Janaki fächelt ihm Kühlung zu. Sein dunkler Körper und sein von mächtigen Haarflechten glänzendes Haupt sind von Weisen umgeben. Oder man meditiere über ihn auf Pushpaka, während Lakshmana den Schirm hält: den stillen Bezwinger des Zehnköpfigen, begleitet von Sugriva und Vibhishana. Besonders wer Sieg wünscht, wiederhole den Mantra hunderttausendmal je Silbe. Homa, Tarpana und die übrigen Anwendungen vollziehe man wie zuvor. 470–471: Jetzt erkläre ich den im Savarni-Manvantara erschienenen Mantra. Die beiden siebensilbigen Formen werden mit den sechs mit Tara beginnenden Lauten zu zwölf achtsilbigen Mantras, die Herrschaft verleihen. Dhyana, Puja, Japa und alles Weitere entsprechen dem sechssilbigen Mantra. 472–473: Jetzt erkläre ich die im neunten Manvantara erschienenen Mantras: Tara, Rama im Dativ, Krodha, Astra und die Geliebte des Feuers. Dieser höchste achtsilbige Mantra hat dieselben Seherzuordnungen wie der sechssilbige; er beseitigt alle Fehler und schenkt Sieg im Kampf. 474–476: Jetzt erkläre ich die im zehnten Manvantara erschienenen Mantras: Om, Hrim, Namah, Ramaya, Hrim — dieser höchste Mantra hat acht Silben. Sein Rishi ist Sadashiva, sein Versmaß Gayatri, seine Gottheit Shiva-Uma-Ramachandra. Die Angas werden mit dem durch lange Vokale erweiterten Maya-Laut gebildet, verbunden mit Tara und dem fünfsilbigen Mantra. ‚Om namo ramaya hrim hridayaya namah‘ — Verehrung dem Herzen“ — und entsprechend die weiteren Glieder. Dhyana und Purashcharana werden erklärt: 477–479: „Wir verehren Rama, dreiäugig, mit Halbmond, Dreizack und Flechtenhaar, vortrefflich, den ganzen Körper mit Asche bestäubt. Man meditiere über Ramas Shakti namens Sita: Rama erfreuend, Gipfel der Schönheit, mit Mondschmuck und drei Augen, Schlinge, Haken, Bogen und Pfeile tragend. Hunderttausendmal je Silbe wiederhole man den Mantra. Homa, Puja und alles Weitere werden wie beim sechssilbigen Mantra erklärt.“ [Der Text verbindet Rama und Sita hier ausdrücklich mit Shiva und Uma.]

Band II, S. 295–296, Rama-Mantras des elften bis dreizehnten Manvantara 480–493
Deutsch: 480–482: „[Der vorausgehende Mantra] schenkt besonders Genuss und Sieg im Kampf. Jetzt erkläre ich die im elften Manvantara erschienenen Rama-Mantras. Die beiden genannten siebensilbigen Mantras werden jeweils von einem der sechs mit Tara beginnenden Laute umschlossen. Daraus entstehen zwölf neunsilbige Mantras, ihr Götter. Dhyana, Puja und alles Weitere geschehen wie beim siebensilbigen. 482–485: Jetzt erkläre ich den im zwölften Manvantara erschienenen: Janakivallabha im Dativ, mit Hum am Anfang und Svaha am Ende, bildet einen zehnsilbigen Mantra. Sein Seher ist Vasishtha, sein Versmaß Rat, seine Gottheit Rama, der Sita bei der Hand nimmt. Der Anfangslaut ist Bija, zweimal Tha ist Shakti; die Angas werden mit den sechs langen Vokalen gebildet. Die zehn Silben lege man auf Kopf, Stirn, Brauenmitte, Gaumen, Kehle, Herz, Nabel, den Andhu-Bereich [unbestimmt], Knie und Füße auf.“ Dhyana wird erklärt: 486–490: „In Ayodhya, in einem goldenen, mit Edelsteinen besetzten Pavillon, dessen Baldachin aus Mandara-Blüten gebunden ist und der Torbögen hat, sitzt Raghava auf dem Löwenthron auf Pushpaka. Glückverheißende Rakshasas, Affen und Götter in göttlichen Fahrzeugen preisen ihn, freudige Weise schmücken seine Umgebung. Sita ziert seine linke Seite, Lakshmana begleitet ihn. Dunkel ist er, freundlichen Gesichts und mit allem Schmuck versehen. So meditierend, wiederhole man den Mantra mit ungeteilter Aufmerksamkeit hunderttausendmal je Silbe. Japa, Puja, Anwendungen und alles Weitere entsprechen dem sechssilbigen Mantra. 490–493: Jetzt erkläre ich den im dreizehnten Manvantara erschienenen Rama-Mantra. Rama im Dativ, ‚Dhanushpani‘ und die Schöne des Feuers ergeben zehn Silben. Sein Seher ist Brahma, sein Versmaß Virat, seine Gottheit Rama, der Vernichter der Rakshasas. Ram ist sein Bija, Svaha seine Shakti. Mit dem Bija vollziehe man die sechs Angas. Laut-Nyasa, Dhyana und das Purashcharana-Verfahren geschehen wie beim zuvor genannten zehnsilbigen Mantra; man vergegenwärtige ihn mit Bogen und Pfeil. Besonders verleiht dieser Mantra Sieg und gibt verlorene Herrschaft zurück.“

Band II, S. 297, Rama-Gayatri 494–498
Deutsch: Ebenso sind die von Hanuman und anderen verehrten Mantras im Meru nachzusehen. Nun die Rama-Gayatri, ebendort: 494: „Jetzt erkläre ich die höchste, von Shatrughna verehrte, Sieg verleihende Rama-Gayatri, welche die Angehörigen der Sonnendynastie verehren sollen: ‚Wir wollen den Sohn Dasharathas erkennen; wir meditieren über Sitas Geliebten. Möge Rama uns anregen.‘ 495–498: Dies ist die Rama-Gayatri, die den Verehrern Genuss und Befreiung schenkt. Schuld, die seit der Geburt entstanden ist, schwindet durch zehn Wiederholungen; früher begangene Schuld durch hundert oder tausend. Ihr Purashcharana-Verfahren umfasst vierhunderttausend Wiederholungen. Puja und alles Weitere geschehen in der zuvor genannten Weise und im entsprechenden Umfang. Mit Tara am Anfang schenkt diese Gayatri Moksha, mit Maya Herrlichkeit, mit Rama höchsten Wohlstand; mit Madana verbunden, bezaubert sie die Erde.“

Band II, S. 297, Sita-Mantra 499–503
Deutsch: Nun der Sita-Mantra in der Vasishtha-Samhita: 499–500: „Zuerst spreche man das Shri-Bija, dann das Wort ‚Sitayai‘. Mit der Gattin des Feuers verbunden, ist dieser Mantra für seine Verehrer ein Wunschbaum. Sein Rishi ist Janaka, sein Versmaß Gayatri, seine Gottheit Sita, die Erhalterin der Welt, die selbst die Welt erfüllt.“ Im Merutantra: 501–502: „Die Göttin ist Sita, das Bija Shri, die Shakti sind die beiden letzten [Silben]. Mit dem Anfangslaut, verbunden mit langen Vokalen, bilde man die sechs Angas. Man verehre sie auf dem Vishnu-Pitha und meditiere über sie, mit Raghava vereint: goldglänzend, einen Lotus in der Hand und ganz dem Anblick Ramas hingegeben.“ Das Purashcharana wird erklärt: 503: „Hunderttausendmal je Silbe wiederhole man den Mantra und verwirkliche danach das gewünschte Ziel.“

Band II, S. 297, Balarama-Mantra 504
Deutsch: Nun der Balarama-Mantra in einem anderen Tantra: 504: „Nach Tara folgen ‚Balabhadraya‘ und die Herz-Endung; der Mantra hat acht Silben. Sein Seher ist Jaimini, sein Versmaß Gayatri, seine Gottheit Balarama. Mit den Mantralautelementen werden in zweimaligem Durchgang die sechs Angas gebildet.“

Band II, S. 298, Balarama-Dhyana und Purashcharana 505–506
Deutsch: Nun Dhyana: 505: „Ich nehme Zuflucht bei Balarama, weiß wie eine helle Wolke, in blauem Gewand, Revatis Geliebtem, der Pflug und Stampfkeule trägt.“ Nun Purashcharana: 506: „Hunderttausendmal je Silbe wiederhole man den Mantra und opfere ein Zehntel davon als Homa.“

Band II, S. 298–299, Krishna-Mantra und sein Bija 507–518
Deutsch: Nun die Shri-Krishna-Mantras im Merutantra: 507–511: „Jetzt erkläre ich die höchst wunderbaren Krishna-Mantras. Krishna ist der Herr, der am Übergang von Dvapara zu Kali erscheint. Zur Rettung der Verehrer [wirkt er im Zusammenhang mit] den Pflichten des Kali-Zeitalters; in jedem Manvantara besitzt er einundsiebzig Gestalten. [Die Satzfügung von Vers 508 ist verkürzt.] Befreiung entsteht, wenn man tut, was er lehrt; Abfall, wenn man nachahmt, was er selbst tut. So wird die Wahrheit über Herrlichkeit und Dasein erklärt. Im ersten Kali-Zeitalter erschienen, erfreute er sich der Liebe verschiedener Gopis. Wer sein Tun nachahmt, fällt; seine Fähigkeit [ist eine besondere — die Schlussverbindung ist gestört]. Auch denen, die dem eigenen Dharma hingegeben sind, entsteht Geburt im Kali-Zeitalter. Ich erkläre seinen Mantra, der Genuss und Befreiung verwirklicht: ‚Gopijanavallabhaya svaha‘ — ‚Dem Geliebten der Gopis, Svaha‘ — ist der zehnsilbige Mantra.“ Im Gautamiya: 412 [an dieser Stelle des Drucks]: „Nach ‚gopijana‘ folgt ‚vallabhaya‘, endend mit zweimal Tha. Dieser zehnsilbige Mantra schenkt sichtbare und unsichtbare Frucht.“ 413: „Dass sein Japa mit dem Bija davor geschieht, wird als Geheimnis gelehrt, Weiser. Weil das Bija in seinem Wortlaut ausgelassen ist, heißt er hier zehnsilbig.“ Im Brihadgautamiya: 414: „Er ist die einzige Stätte von Genuss und Moksha, zehnsilbig mit ausgelassenem Bija. Beim Herauslösen steht daher das Kama-Bija gesondert, großer Weiser. Durch dessen Verbindung schenkt der Mantra Frucht, sonst auch in Millionen Kalpas nicht.“ [Der Druck nummeriert diese drei Verse als 412–414 statt der zu erwartenden 512–514.] Im Merutantra: 515–518: „Sein Seher ist Narada, sein Versmaß Virat, seine Gottheit Nandas Sohn. Klim ist Bija, die Geliebte des Feuers Shakti. Mit den vorangestellten Wörtern, beginnend mit ‚Schutz der drei Welten‘ und ‚Ende der Asuras‘, sowie dem Wort Chakra, jeweils mit Svaha und den Gliederendungen, vollziehe man die fünf Angas und den Nyasa auf den fünf Fingern; danach auf Herz, Kopf, Shikha, Rüstung und Astra, auf beide Seiten, Hüfte, Rücken und Scheitel.“ [Die einleitende Lautverbindung avishnuh ist gestört; keine vollständigen Chakra-Formeln werden ergänzt.]

Band II, S. 299–300, Vrindavana und Krishna-Dhyana 519–536
Deutsch: Nach Erklärung weiterer Nyasas wird Dhyana beschrieben: 519–525: „Hat der Mantraübende so nach Vorschrift seinen Körper zum Mantrakörper gemacht, meditiere er über den ewigen Krishna, den Herrn der Welt, den die Upanishaden erschließen. Zuerst vergegenwärtige man das schöne, uralte Vrindavana, reich an jungen Blättern und Früchten. Summende Bienen und Papageien und andere Vögel erfüllen es mit Klang; Wassertröpfchen von den Wellen an der Seite der Sonnentochter [Yamuna] kühlen es. In diesem Wald steht ein Wunschbaum, mit neuen Blättern, goldenen Zweigspitzen und Früchten aus den neun Edelsteinen geschmückt. Hoch über die Welt ragt er und lässt Ströme göttlichen Amritas regnen. Unter ihm vergegenwärtige man einen Boden aus glänzenden Edelsteinen, mit Blütenstaub geschmückt und frei von den sechs Wogen [den bedrängenden Wandlungen des Daseins]. Dort stelle man sich den Yoga-Pitha mit Rubinbelag vor, darauf den zuvor beschriebenen roten achtblättrigen Lotus. In seiner Mitte meditiere man mit ungeteilter Aufmerksamkeit über den behaglich sitzenden Krishna. 526–531: Der Allgegenwärtige hat ein freundliches Gesicht und den Glanz der aufgehenden Sonne; zugleich gleicht er Saphir. Seine Haare sind lang und glänzend; schöne Pfauenfedern und von Bienen umschwärmte Wunschbaumblüten zieren sein Haupt. Locken leuchten über seiner Stirn, Wasserlilien schmücken seine Ohren, ein Gorochana-Tilaka seine Stirn; sein [Gesicht] gleicht dem Vollmond. Er besitzt Lotusaugen und Makara-Ohrringe aus leuchtenden Edelsteinen; die Schönheit seiner Wangen übertrifft einen klaren Spiegel. Wunderbar geformt ist seine Nase, die Unterlippe wie eine reife Bimba-Frucht, seine Zähne wie Granatapfelkerne, der Hals schön wie ein Muschelhorn. Waldblätter und Blumen bilden seinen reichen Halsschmuck; seine breite, hohe Brust strahlt vom Kaustubha-Edelstein. 532–536: Shrivatsa zeichnet seine Brust, seine Schultern sind stark wie die eines Stiers, und er trägt Halsketten. Die Arme reichen bis zu den Knien, drei Falten zieren seinen Bauch. Kleine Glöckchen umgürten seine Hüfte; er strahlt von Halsschmuck und gelbem Seidengewand. Seine reinen Fußsohlen tragen Zeichen wie Rad, Muschelhorn, leuchtenden Lotus und Vajra. [Die Verbindung der Gewand- und Zeichenliste ist im Druck verschränkt.] Die Flöte liegt an seinem Lotusmund; seine Finger ruhen auf ihren Löchern. Die daraus aufsteigenden göttlichen Melodien nehmen den Geist gefangen. Mit Seitenblicken bezaubert er unablässig die Wesen; sein Geist ist ganz von höchster Wonne erfüllt. Ihn umgeben [die im folgenden Vers genannten Kühe], deren Augen und Herzen an seinem Lotusgesicht haften.“

Band II, S. 300–301, Krishnas Kühe und Gefährten 537–549
Deutsch: 537–539: „Die Kühe schreiten unter der Last ihrer Euter langsam; selbst die bereits ins Maul genommenen Grashalme lassen sie liegen. Kälber stehen dort, aus deren vom Trinken voller Milch gefüllten Mäulern Milchschaum austritt, lieblich anzusehen [die Wortverbindung zur Milch ist nicht ganz sicher]. Begierig lauschen sie der aus der Flöte ertönenden Musik und richten beide Ohren auf. 540–543: [Die Stiere] jucken die Köpfe, weil die Hornspitzen eben hervortreten; zum gegenseitigen Kräftemessen scharren ihre Hufe auf der Erde. Glänzend sind sie, mit hoch erhobenen Schwänzen und schönen Wammen; Scharen von Jungstieren umgeben [ihn; die anschließende Verbindung „im Innern des Mundes“ bleibt unklar]. Sie lassen ein Geflecht von Muhlauten ertönen, haben große, lange Höcker und trinken mit hochgestellten Ohren den Nektar des Flötenklangs. Krishna ist von gleichaltrigen Freunden umgeben, von Hirten in verschiedener Kleidung, die ihn preisen und in Gesang und Instrumentalmusik geschickt sind. [Die Wortfolge zu Gesang und Tanz in Vers 543 ist im Druck gestört; Vers 542 nennt in einer Fußnote die Lesart „Klangfülle“.] 544–545: Ihn umgeben auch Kinder von lieblicher Gestalt mit undeutlicher, wunderbarer Rede; sie tragen Schmuck aus Tala [wohl Palmteilen], verbunden mit Tigerkrallen. Dann vergegenwärtige man gesammelt die Schar der Hirtenfrauen, deren Wellen von Empfindungen und Gebärden die Liebeskraft beleben. 546–549: Außerhalb der Hirtinnen, Hirten und Kühe stelle man sich die Götterscharen vor, dem Gott der Götter zugewandt und nach Reichtum verlangend. Rechts die in Veda-Studium vertiefte Gemeinschaft der Rishis; dahinter Sanaka und die anderen, begleitet von denen, die Dharma suchen. Links die großen Yogis mit ihren Frauen, Yakshas, Gandharvas, Kinnaras, Siddhas, Vidyadharas, Charanas und Scharen von Apsaras. Im Luftraum meditiere man über Narada, den vorzüglichen, von Stolz freien Weisen, der auf seiner Vina die Fülle vieler feiner Tonstufen erklingen lässt.“

Band II, S. 301, Krishna-Purashcharana 550–556
Deutsch: Nun Purashcharana: 550–551: „Nach dem zuvor erklärten Verfahren eingeweiht, übe man Japa. Den Mantrasinn bedenkend, halte der Mantraübende die Regeln ein und beherrsche die Sinne. Mit einer Mala aus weißen Lotussamen wiederhole man ihn vierzigtausendmal; danach zur Verwirklichung des Mantras eine Million Mal. 552–555: Hunderttausend Opfer bringe man mit roten Lotussen dar, getränkt mit Zucker, Ghee und Honig, oder mit einer Opferspeise aus Zucker und Ghee. Tarpana vollziehe man mit reinem, durch Kampfer und Sandelholz duftendem Wasser. Nach der eigenen Besprengung ehre man die „Götter auf Erden“, die Brahmanen, mit verschiedenen Speisen, Betel und Dakshina. Dann verneige man sich nach Vorschrift vor dem eigenen Guru und stelle ihn mit Geld, Getreide, Gewändern und anderem zufrieden, ohne den eigenen Besitz zu verheimlichen, voller Hingabe, zur Vollendung des eigenen Vorhabens. 556: Der Mantraübende, dessen Mantra wirksam ist, führe die gewünschten Anwendungen hingebungsvoll aus und bleibe den täglichen und anlassbezogenen Pflichten zugetan.“

Band II, S. 301–302, Devakis Sohn 557–558
Deutsch: 557–558: „Zu jener Zeit meditiere man über Devakis Sohn, der Muschelhorn, Rad, Keule und Lotus trägt, schön, in gelbem Gewand, von der Farbe des Himmels. Im vierten Nachtabschnitt meditiere man so und wiederhole den Mantra hunderttausendmal. Ein Zehntel davon opfere man mit Kimshuka-Blüten, die mit den drei süßen Stoffen bestrichen sind. Tatkraft, Einsicht und Gedächtnis erlangend, werde man zu einem der führenden Dichter.“

Band II, S. 302, Achtzehnsilbiger Krishna-Mantra 559–567
Deutsch: Nun ein anderer Mantra in der Sharada: 559–561: „Man spreche das Wort ‚Krishnaya‘, danach ‚Govindaya‘, nach ‚Gopijana‘ ‚Vallabhaya‘, endend mit zweimal Tha. Mit dem Kama-Bija am Anfang wird dies als achtzehnsilbiger Mantra gelehrt. Narada ist sein Seher, Gayatra heißt sein Versmaß; seine Gottheit ist Krishna, der alle Wünsche erfüllt. Der Mantrakenner bilde seine fünf Angas der Reihe nach aus Silbengruppen entsprechend vier, Karana, Veda, Ozean und Augen, verbunden mit den jeweiligen Endungen.“ [Karana bezeichnet hier eine Zahlengruppe, deren Wert aus der Stelle allein nicht sicher hervorgeht; die übrigen Zahlwörter stehen für vier, vier und zwei.] Dhyana: 562–565: „Man vergegenwärtige sich im schönen Vrindavana den lotusäugigen Govinda, der unablässig Tausende von Hirtentöchtern bezaubert. Ihre Augen sind wie Bienen, die sie zu seinem Lotusgesicht schicken; von Liebespfeilen getroffen, sehnen sie sich lange nach seiner Umarmung. Unter der Last ihrer vollen, hohen, von Perlenketten glänzenden Brüste sind sie gebeugt; Haarknoten und Gewänder sind gelöst, ihre Rede stockt leise. Ihre Lippen bewegen sich, vom Glanz der Zahnreihen erhellt; mit verschiedenen anmutigen Gebärden, stolz auf ihre Gefühle, suchen sie ihn zu betören. 566: Ich verehre Govinda, glänzend wie eine erblühte blaue Wasserlilie, mit Mondgesicht, der Pfauenfederschmuck liebt, das Shrivatsa-Zeichen und den herrlichen Kaustubha trägt, schön im gelben Gewand. Seine Gestalt wird von den Augenlotussen der Gopis verehrt; Kühe und Hirten umgeben ihn. Er spielt hingebungsvoll die Flöte in seinen Händen und trägt göttlichen Schmuck.“ Nun Purashcharana: 567: „Diesen Mantra wiederhole man ordnungsgemäß zwanzigtausendmal und opfere ein Zehntel mit roten Lotussen, ganz gesammelt.“

Band II, S. 302–303, Dreizehnsilbige Krishna-Mantras 568–573
Deutsch: Nun andere Mantras, die im Merutantra gelehrt werden: 568–570: „Jetzt erkläre ich die in den drei Yugas nacheinander entstandenen Mantras: siddhispendende Abwandlungen des zehnsilbigen. Dem zehnsilbigen König der Mantras gehen entweder Kama, Maya und Indira, oder Maya, Shri und Kama, oder Lakshmi, Maya und Smara voraus. Diese drei dreizehnsilbigen Mantras gehören zu den drei Yugas. Das Verfahren vom Seher an bis zum Ende entspricht dem zum Pankti-Mantra erklärten.“ Pankti bedeutet hier: zum zehnsilbigen Mantra. 571–572: „Für den dritten Mantra wird dieselbe Meditation wie für den zehnsilbigen gelehrt; für den zweiten die beim zwanzigsilbigen erklärte. Für den ersten wird sie hier beschrieben: Zur Erlangung der gewünschten Frucht meditiere man über Krishna in der Sonnenscheibe. Seine Lotushände tragen Muschelhorn, Rad, Bogen samt Pfeil, Mudra und Lotus; mit zwei Händen nimmt er die Flöte und spielt sie freudig.“ Nun Purashcharana: 573: „Nach fünfhunderttausend Wiederholungen opfere man ein Zehntel mit Opferspeise im Feuer. Danach vollziehe man Tarpana und das Weitere; mit wirksam gewordenem Mantra übe man [die Anwendungen].“

Band II, S. 303, Zwölfsilbiger Vasudeva-Mantra 574–579
Deutsch: Nun ein anderer Mantra ebendort: 574–575: „Jetzt erkläre ich [den Mantra] im siebenundzwanzigsten Kali. Man spreche Tara, ‚namo bhagavate vasudevaya‘: ‚Om, Verehrung dem erhabenen Vasudeva.‘ Er gilt als zwölfsilbiger Mantra. Narada ist sein Seher, Gayatri sein Versmaß, Shri Krishna seine Gottheit. Die Angas bildet man mit einer, zwei, vier und fünf Silben sowie mit dem vollständigen Mantra.“ Dhyana wird beschrieben: 576–578: „Unter dem schönen Wunschbaum, auf einem glückverheißenden Edelsteinthron sitzend, vergegenwärtige man Nandas Sohn, ausgestattet mit allen glücklichen Merkmalen. Kühe mit schweren, milchströmenden Eutern umgeben ihn. Dunkel wie eine Wolke ist er; in seinen beiden Händen trägt er zwei Stöcke. Man meditiere über den unvergänglichen Vishnu mit langen Lotusaugen, der von einem Amritastrom aus dem Stirnhöcker von Indras Elefanten übergossen wird.“ [Das zusammengesetzte Wort zu Elefant und Kumbha lässt die genaue Gefäßvorstellung offen.] Purashcharana: 579: „So den Herrn der Götter betrachtend, wiederhole man den Mantra hunderttausendmal je Silbe. Entsprechend tausendmal [je Silbe] opfere man Kuhmilch; dann vollziehe man Tarpana.“

Band II, S. 304, Rukminis Geliebter und weiterer Krishna-Mantra 580–583
Deutsch: Nun ein anderer Mantra in einem anderen Tantra: 580: „Tara, Hridaya, ‚bhagavate rukminivallabhaya‘ und zweimal Tha [also Om, Namah, dem erhabenen Geliebten Rukminis, Svaha]. Narada gilt als sein Seher, Anushtubh als Versmaß; Rukminis Geliebter ist die Gottheit. Die fünf Angas bildet man aus den Wörtern des Mantras.“ Dhyana: 581: „Möge Hari euch lange beschützen: von der Farbe des Tapichchha-Baumes, in gelbem Gewand wie die Blüte des Ashana, mit vielerlei Schmuck. Auf seinem Schoß sitzt seine goldglänzende Geliebte; in ihrem linken Arm erblüht ein Lotus. Mit seinem rankengleichen Arm umschließt er sie, die ihn selbst umarmt, innerlich freudig [die genaue Wortverbindung zu ihrem Empfinden ist gestört]. In seiner anderen Hand glänzt ein goldener Stab.“ Nun Purashcharana: 582: „So über Rukminis Herrn meditierend, wiederhole man diesen Mantra hunderttausendmal. Zehntausend Homas bringe man mit roten Lotussen dar, die mit süßen Stoffen getränkt sind.“ Nun ein anderer Mantra im Meru: 583: „Jetzt im als Berg-Veda bezeichneten [Zeitalter]: Klim, Krishnaya und die Gemahlin des Feuers [Svaha]. Dieser König der Mantras ist sechssilbig; Japa, Dhyana und das Weitere sind wie zuvor.“ Gemeint ist: wie beim zehnsilbigen Mantra. Zahlreiche weitere Mantravarianten werden aus Sorge vor allzu großer Ausführlichkeit übergangen. [Diese Begrenzung steht im Werk selbst.]

Band II, S. 304, Buddha-Mantra und Beginn seiner Meditation 584–589
Deutsch: Nun der Buddha-Mantra ebendort: 584–586: „Jetzt erkläre ich den Buddha-Mantra von großer Frucht. Aufgrund des Wahrseins [unklare Begründung im Druck] sind Zweimalgeborene und andere keinesfalls zu ihm berechtigt. Brahmanen, die dem linken Pfad anhängen, Kundakas, aus der Kaste Gefallene, Menschen ohne vedische Sakramente, die durch Nachlässigkeit eigenwillig geworden sind, ferner Golakas sowie ihrer Herkunft nach Kayasthas und andere: Sie erlangen Genuss und Befreiung, indem sie Vishnu als Buddha verehren.“ [Die Einteilung gibt die traditionelle soziale Wertung dieser Quelle wieder; Kundaka und Golaka sind hier abwertende Herkunftsbezeichnungen.] 587: „Verehrung dem Erhabenen! Buddha, der du über den Ozean des Samsara hinüberführst: Aus Furcht vor der Kali-Zeit habe ich Zuflucht bei dir genommen, der du Zuflucht gewährst.“ 588: „Die sechs Angas werden mit den ersten vier Wörtern und den beiden Versfüßen gebildet; mit dem vollständigen Mantra vollziehe man dreimal den alles durchdringenden Nyasa.“ Nun Dhyana: 589: „Auf einem Lotus im Lotussitz sitzend, beide Hände am Scheitel, hell, am ganzen Körper geschoren, mit in Meditation still gewordenen Augen …“ [Die Beschreibung setzt sich im folgenden Vers fort.]

Band II, S. 305, Buddha-Dhyana und Purashcharana 590–591
Deutsch: 590: „… geschmückt von verschiedenen Schülern, die Bücher und Sitze in Händen tragen, gepriesen von Indra und den übrigen Welthütern, in weißes Gewand gehüllt.“ Nun Purashcharana: 591: „Den Mantra wiederhole man hunderttausendmal je Silbe; als Homa opfere man mit Ghee zubereiteten Reis. Mit Tulasi vermischtem Wasser vollziehe man Tarpana für den Erhabenen.“

Band II, S. 305, Kalki-Mantra 592–597
Deutsch: Nun der Kalki-Mantra ebendort: 592: „Jetzt erkläre ich den Kalki-Mantra von großer Frucht. Kam, Kalkine, mit Hridaya [Namah] am Ende: Dies gilt als sechssilbiger Mantra. Mit seinen Silben vollziehe man die sechs Angas, mit dem vollständigen den alles durchdringenden Nyasa.“ [Das Bija trägt im Druck Chandrabindu.] Dhyana: 593–594: „Man meditiere über Hari auf Nila [wohl dem dunklen Pferd], mit weißem Turban geschmückt, einer großen Peitsche in der Hand, mit einem durch Kaustubha prächtigen Panzergewand. Er zermalmt die Schar der Mlechchhas, die Augen vor Zorn rollend; unsichtbare Götter, Weise und Gandharvas preisen ihn.“ [Mlechchha ist die traditionelle abwertende Bezeichnung für Menschen außerhalb der eigenen Kultur- und Ritualordnung.] Nun Purashcharana: 595–597: „Sechshunderttausendmal wiederhole man den Mantra, opfere gezuckerten Milchreis, vollziehe Tarpana mit reinem Wasser und erfreue auch die Brahmanen. So verehrt, schenkt der Mantra Sieg im Kampf. Wenn schlechte Herrscher diese Sadhana sehen, verneigen sie sich schon von ferne; Feinde geraten von selbst in Gefahr. Tag für Tag wächst das Wohlergehen; nach dem Tod erlangt man Vaikuntha.“

Band II, S. 305–306, Hayagrivas Bija-Mantras 598–603
Deutsch: Nun der Hayagriva-Mantra im Merutantra: 598–600: „Jetzt wird der Hayagriva-Mantra gelehrt, der alles Gedeihen schenkt. Ha und Sa, mit dem Vokal U verbunden und mit Bindu geschmückt, bilden den ersten Bija-Mantra Hayagrivas, den Brahmanen verehren. Für Kshatriyas werden Ha und Sa mit Au und Bindu verbunden; für Menschen aus der Vaishya-Gruppe mit E und Bindu. Trishtubh ist das Versmaß, Brahma der Seher und Hayagriva die Gottheit.“ 601: „Die sechs Angas werden mit dem Bija, verbunden mit den sechs langen Vokalen, gelehrt.“ Nun Dhyana: 601–602: „Lotus, Japa-Mala, Furcht [so der Druck; vermutlich eine Handgeste, aber nicht ergänzt] und Buch [haltend], auf einem weißen Lotus stehend oder sitzend, hell, mit weißem Gewand und weißer Salbung: Ich verehre Hayagriva, den Freund seiner Verehrer, der den Danavas ein Ende setzt.“ Nun Purashcharana: 603: „Vierhunderttausendmal übe man Japa und bringe am Ende ein Zehntel als Homa mit Ghee dar. Tarpana geschehe mit duftenden Stoffen und anderem. Durch rituelle Besprengung und Speisung der Brahmanen wird der Mantra wirksam und für Anwendungen geeignet; er schenkt Genuss und Befreiung.“

Band II, S. 306, Hayagriva-Mantra der Sharada 604–609
Deutsch: Nun ein anderer Mantra in der Sharada: 604–607: „Nach den Wörtern Pranava und Udgitha spreche man das Wort ‚udgirat‘. Nach ‚sarvavedamaya‘ und ‚achintya‘ spreche man ‚sarva‘; danach [die Wortfolge] bis ‚sarvavagishvara‘, sodann ‚ishvara‘. Dieser Mantra beginnt mit Tara und endet mit zweimal ‚bodhaya‘. Als Seher ist Brahma angegeben, als Versmaß Anushtubh. Gottheit ist der allgegenwärtige Hayagriva, der Herrschaft über die Rede schenkt. Mit Tara und den Versfüßen des Mantras bilde man die fünf Angas.“ [Die überlieferte Wortanordnung ist nicht eindeutig; eine geglättete Gesamtformel wird daher nicht ergänzt. Die Epitheta bezeichnen den alle Veden Umfassenden, Undenkbaren und Herrn der Rede; bodhaya heißt „erwecke“ beziehungsweise „lass erkennen“.] Nun Dhyana: 608: „Wir verehren den Pferdegesichtigen mit dem Glanz des Herbstmondes, mit Perlenschmuck ausgestattet. Ein Armpaar ist mit Rad und Muschelhorn geschmückt; seine [anderen] Hände ruhen auf beiden Knien.“ Nun Purashcharana: 609: „Den Mantra wiederhole man hunderttausendmal je Silbe. Zur Verwirklichung des Mantras opfere man ein Zehntel mit honiggetränkten Kunda-Blüten im Vishnu geweihten Feuer.“

Band II, S. 306–307, Weiterer Hayagriva-Mantra 610–612
Deutsch: Nun ein anderer Mantra im Merutantra: 610–611: „Jetzt erkläre ich einen anderen, vorzüglichen Mantra, der den Verstand schärft: ‚Dem die Welt Übersteigenden, dessen Gestalt das eigene Selbst, Bewusstsein und Wonne ist; dir Verehrung, Hayagriva, dem König des Wissens, Vishnu! Svaha, so’ham.‘ Der Mantra beginnt mit Hamsa und besitzt achtunddreißig Silben. Hier werden die fünf Angas mit Tara und den Wörtern des Mantras gebildet.“ Dhyana wie zuvor. Nun Purashcharana: 612: „Das Purashcharana umfasst sechsunddreißigmal hunderttausend Wiederholungen; alles Weitere gilt wie zuvor.“ [So’ham bedeutet „Ich bin Das“; Hamsa ist hier ein Mantraelement und wird nicht bloß als Vogelname übersetzt.]

Band II, S. 307, Chakra-Mantra 613–618
Deutsch: Nun der Chakra-Mantra in der Sharada: 613–614: „Tara, Bhrigu, Raum, nochmals dessen Anfang, verbunden mit Feuer und langem Vokal, sodann Pavaka, mit Kavacha und Astra am Ende: Als siebensilbig gilt dieser Mantra. Ahibudhnya wird als Seher genannt, Anushtubh als Versmaß. Die Weisen nennen Hari selbst in Radgestalt als Gottheit.“ [Der Mantra ist in Lautschlüsseln überliefert; unklare Silben werden nicht durch Vermutung ergänzt.] 615–616: „‚Achakraya‘ ist dem Herzen zugeordnet, ‚Vichakraya‘ dem Kopf, ‚Suchakraya‘ der Shikha, ‚Dhichakraya‘ der Rüstung, ‚Samchakraya‘ dem Auge und ‚Jvalachakraya‘ dem anschließenden [Astra]. Die sechs Anga-Mantras enden jeweils mit zweimal Tha und sind mit den jeweiligen Endungen verbunden.“ Nun Dhyana: 617: „Im Geist vergegenwärtige man den uranfänglichen Feind Muras, der Chakra heißt: strahlend wie die Sonne am Ende eines Kalpa und die ganze Dreiwelt mit Glanz erfüllend; rotäugig, mit gelbbraunem Haar, Schrecken der Feindesgeschlechter, mit furchtbaren Fangzähnen und lautem Lachen. In seinen Armen trägt er Rad, Muschelhorn, Keule, Lotus, eine sehr große Stampfkeule, Bogen, Schlinge und Elefantenhaken.“ Nun Purashcharana: 618: „Zwölfhunderttausendmal wiederhole man den Mantra und opfere entsprechend tausendmal [je Zahleneinheit], nacheinander mit Sesam samt Senf, Lotussen, Bilva und Milchreis.“

Band II, S. 307, Ananta-Mantra 619–620
Deutsch: Nun der Ananta-Mantra ebendort: 619–620: „Jetzt erkläre ich einen anderen Mantra, der Vishnu erfreut: ‚Anantaya namah‘ — ‚Verehrung dem Unendlichen.‘ Er wird als sechssilbig bezeichnet. Vyasa ist der Seher, Gayatri das Versmaß, Ananta die Gottheit. Seine rituelle Zweckbestimmung ist die Beseitigung von Krankheit; alles Weitere geschehe wie bei Govinda.“

Band II, S. 308, Gopalasundari 621–631
Deutsch: Nun der Gopalasundari-Mantra ebendort: 621–624: „Jetzt erkläre ich Gopalasundari, die auf beiden Wegen verehrt wird. Man spreche die Bijas von Maya, Shri und Kama, dann ‚Krishnaya‘. Der neunundzwanzigste Buchstabe, die Vokale Rudra und Deva, ferner der fünfte [Buchstabe] und das Trapa-Bija: Daraus [besteht] das siebente Kuta. Danach das Wort ‚Govindaya‘ und das mit Chitra-Aishvarya beginnende Kuta; dann ‚Gopijanavallabhaya‘. Nachdem man Sa, Ka, La und Trapa als Kuta ausgesprochen hat, spreche man die Gemahlin des Feuers. Dieser dreiundzwanzigsilbige Mantra schenkt Genuss und Befreiung.“ [Die verschlüsselten Lautgruppen werden in der überlieferten Form belassen; insbesondere die Zählung des Kuta ist nicht eindeutig.] 625–626: „Auf dem rechten Weg ist Vidhata der Seher, auf dem linken Anandabhairava. Das Versmaß ist Devi-Gayatri, die Gottheit Gopalasundari. Mit drei, drei, vier, vier, vier und vier Silben, ohne die Kutas, ist das Verfahren der sechs Angas angegeben. Man lege die Mantrasilben auf den Körper.“ Nach weiteren Nyasas wird Dhyana beschrieben: 627–630: „Man meditiere über Hari im Shri-Chakra, vereint mit Kamala und Vasudha. Auf der Weißen Insel im Milchozean, in einem Wald voller Wunschbäume und anderer Bäume, stelle man sich einen goldenen Edelsteinpavillon vor. Dort steht er inmitten des Shri-Pitha, gepriesen von Brahma und den anderen. In den rechten Armen hält er einen achtblättrigen Lotus, Muschelhorn, Buchstaben und Flöten [die Gegenstandsliste ist stellenweise gestört]; in den linken Bogen, Schlinge, Haken und Vipanchi-Laute. Er ist rötlich, mit vielerlei Schmuck geschmückt, trägt ein gelbes Gewand und ist ringsum von Gopi-Scharen umgeben.“ Nun Purashcharana: 631: „Hunderttausendmal wiederhole man den Mantra und opfere Milchreis. Danach vollziehe man Tarpana und das Weitere; so entsteht Mantra-Siddhi.“

Band II, S. 308–309, Shridhara und Abschluss des Vishnu-Abschnitts 632–636
Deutsch: Nun der Shridhara-Mantra ebendort: 632–633: „Jetzt erkläre ich den höchsten Mantra Shridharas. Das von Rama umschlossene Kama-Bija, danach ‚Shridharaya trailokyamohanaya‘, mit Namah am Ende: Er ist sechzehnsilbig. Brahma ist der Seher, Gayatra das Versmaß, Shridhara die Gottheit. Mit dem Shri-Bija, verbunden mit den sechs langen Vokalen, vollziehe man die sechs Angas.“ [Die Anrufung richtet sich an Shridhara, den Bezauberer der drei Welten.] Nun Dhyana: 634–635: „Auf der Weißen Insel [das vorangehende Wort ist unklar], deren Bäume zu allen Jahreszeiten Früchte tragen, unter dem Wunschbaum, auf einem vom König der Vögel gebildeten Sitz: Dort meditiere man über Shridhara, der die menschlichen Lebensziele schenkt. Seine Hände halten Muschelhorn, Rad, Keule und Lotus; er glänzt wie Gold, trägt Krone und Ohrringe, seine Brust ist vom Shrivatsa gezeichnet. In seinem Herzen trägt er Lakshmi.“ Nun Purashcharana: 636: „Hunderttausendmal übe man Japa und opfere ein Zehntel mit Ghee. Danach vollziehe der vorzügliche Sadhaka Tarpana und das Weitere wie zuvor.“ Damit endet der Abschnitt über Vishnu.

Band II, S. 309, Shiva-Mantra und seine Bedeutung 637–643
Deutsch: In der Sharada: 637–638: „Jetzt erkläre ich Maheshas Mantras, die alle Ziele verwirklichen. Durch sie [erlangten] die früher genannten Rishis unmittelbar die Vereinigung mit Shiva. Hridaya, das auf Va Folgende, Sakshi, das Ende von La, verbunden mit Ananta, und Marut: So wird der fünfsilbige Mantra gelehrt. Mit Tara am Anfang ist er sechssilbig.“ [Die Lautschlüssel werden unverändert als solche wiedergegeben; der anschließende Kommentar behandelt Om, Namah und Shiva.] Die Bedeutung dieses Mantras wird in der Vamadeva-Samhita erklärt: 639: „Om gilt als Bezeichnung des vollkommenen Brahman. Das Wort Namah bezeichnet Verehrung. 640–641: Die Alten erklärten die Verehrung als durch Sich-Beugen gekennzeichnet. Dieses Sich-Beugen [die überlieferten Ausdrücke prahritva und prahrita sind gestört] betrifft den Jiva, der durch Maya in jeder Hinsicht als verschieden von Shiva erscheint, dessen Merkmale Wahrheit und die weiteren [Vollkommenheiten] sind. Namah bezeichnet seine Beziehung, die in der Wesensgleichheit mit Shiva besteht. 642: Die höchste Bewusstseinskraft ist Wahrheit, Erkenntnis und höchste Wonne. Als ganz offenbar ist sie unter dem Wort Shiva zu erkennen, Shambhavi. Daher bezeichnet dieses Wort Brahman, dessen Wesen Bewusstseinskraft ist.“ Nun der Nyasa des Sehers und der übrigen Zuordnungen: 643: „Vamadeva ist der Seher, Pankti das Versmaß, Isha seine Gottheit. Mit den sechs Silben des Mantras vollziehe der Lehrer die sechs Angas.“

Band II, S. 310, Mahesha-Dhyana und Purashcharana 644–646a
Deutsch: Nun Dhyana: 644: „Stets meditiere man über Mahesha, einem Silberberg gleich, mit dem schönen Mond als Kopfschmuck. Seine Glieder strahlen von Edelsteinschmuck; seine Hände zeigen Axt, Gazelle, Segen und Furchtlosigkeit. Freundlich sitzt er auf einem Lotus, ringsum von Götterscharen gepriesen, in ein Tigerfell gekleidet. Er ist der Ursprung der Welt, von der Welt verehrt, nimmt alle Furcht, ist fünfgesichtig und dreiäugig.“ Nun Purashcharana: 645: „Auf dem Weg Shivas eingeweiht, wiederhole man den Mantra hunderttausendmal entsprechend der Zahl der Tattvas. Ebensoviele Tausend Opfer bringe man mit reinem Milchreis dar.“ [Die Zahl der Tattvas wird an dieser Stelle nicht ausdrücklich ausgeschrieben.] 646, erster Halbvers: „Dann wird der Mantra wirksam und erfüllt dem Sadhaka das ersehnte Ziel.“

Band II, S. 310, Achtssilbiger Umapati-Mantra 646b–649
Deutsch: Nun ein anderer Mantra ebendort: 646, zweiter Halbvers, bis 647: „Der sechssilbige, von Shakti umschlossen, wird als achtssilbiger Mantra gelehrt. Seher und Versmaß wurden zuvor genannt; die Gottheit ist Umapati. Die Angas sind bereits erklärt. Man betrachte Isha mit Uma.“ Nun Dhyana: 648: „Ich verehre den wie die Bandhuka-Blüte Leuchtenden, Dreiäugigen, Träger der Mondsichel, mit lächelndem Gesicht und schönem Halsschmuck. In seinen Händen trägt er Dreizack und Schädelschale und zeigt Segen und Furchtlosigkeit. Seine Geliebte sitzt auf seinem säulenhaften linken Oberschenkel; in ihrer Hand glänzt ein schöner roter Lotus. Ihr Körper strahlt von Edelsteinschmuck, und ihr Arm umschlingt ihn.“ Nun Purashcharana: 649: „Vierzehnhunderttausendmal wiederhole man den Mantra und opfere nach Vorschrift entsprechend vierzehntausendmal mit vorzüglichen Aragvadha-Holzscheiten, die mit süßen Stoffen benetzt sind.“

Band II, S. 310, Prasada-Mantra und Gesichtsnyasa 650–652
Deutsch: Ein anderer Mantra wird erklärt: 650–651: „Das Ende von Sa, mit dem Ende von Sadya verbunden, am Scheitel mit Bindu geschmückt: Dies heißt Prasada-Mantra und schenkt seinen Verehrern alle Siddhis. Die sechs Angas werden mit dem Bija und den sechs langen Vokalen gelehrt. Vamadeva ist der Seher, Pankti das Versmaß, Sadashiva die Gottheit.“ 652: „Der Lehrer lege die mit Ishana beginnenden Führer auf Daumen und die übrigen Finger: den Ishana Genannten, Tatpurusha, danach Aghora …“ [Die Aufzählung setzt sich im nächsten Vers fort; die Verbindung netar im Druck ist grammatisch unklar.]

Band II, S. 311, Sadashiva-Dhyana und Prasada-Purashcharana 653–655
Deutsch: 653: „… den Vamadeva Genannten und Sadya: So kennt man der Reihe nach das jeweilige erste Bija. Danach werde man gesammelt und meditiere über den Gott Sadashiva.“ Nun Dhyana: 654: „Man betrachte Isha, geschmückt mit fünf jeweils dreiäugigen Gesichtern, deren Farben Perle, Gelb, Regenwolke, Perle und Hibiskus gleichen. Der Mond ist seine Krone; er strahlt wie Millionen Vollmonde. Er trägt Dreizack, Axt, Schwert, Vajra, Feuer, Schlangenkönig, Glocke, Haken und Schlinge und zeigt die furchtnehmende Geste. Unermesslicher Schmuck lässt ihn erstrahlen.“ [Die zweifache Perlenfarbe entspricht dem vorliegenden Wortlaut.] Nun Purashcharana: 655: „Nach solcher Meditation wiederhole man den Mantra fünfhunderttausendmal; ein Zehntel opfere man mit honiggetränkten Karavira-Blüten.“

Band II, S. 311, Weiterer achtssilbiger Shiva-Mantra 656–658
Deutsch: Ein anderer Mantra wird erklärt: 656: „Tara, Maya, Raum mit Bindu und Manu-Vokal, verbunden mit dem fünfsilbigen: Dies gilt als achtsilbiger Mantra. Der Kundige vollziehe Anga-Nyasa und das Weitere wie beim fünfsilbigen erklärt.“ [Der Lautschlüssel Manu-Vokal wird nicht spekulativ aufgelöst.] Dhyana: 657: „Ich verehre den zinnoberfarbenen Isha, dessen Edelsteinkrone vom schönen Mond geschmückt ist. Auf seiner Stirn erhebt sich ein Auge; sein Lotusgesicht lächelt, er trägt göttlichen Schmuck und duftende Salbung. Seine Geliebte hält eine junge blaue Wasserlilie; ihre Hand ruht auf seinem linken Oberschenkel. Seine Handfläche liegt auf der Spitze ihrer runden hohen Brust; seine [übrigen] Hände tragen Veda, Axt und die ersehnte Gabe.“ Nun Purashcharana: 658: „So wiederhole der Vorzügliche unter den Vedakennern den Mantra achthunderttausendmal. Entsprechend achttausend Opfer bringe er mit gheegetränktem Milchreis dar.“

Band II, S. 311–312, Mrityunjaya-Mantra 659–662
Deutsch: Nun der Mrityunjaya-Mantra ebendort: 659–660: „Tara, Sthira mit Karna und Mond, Bhrigu mit Sarga geschmückt: Dieser aus Silben bestehende Mantra wird als Verkörperung des Todesüberwinders gelehrt. Kahola ist der Seher, Devi-Gayatri das Versmaß; Mahadeva als Mrityunjaya wird als seine Gottheit genannt. Mit Bhrigu, verbunden mit den langen Vokalen, vollziehe man die sechs Angas.“ [Dies sind Lautschlüssel; eine ausgeschriebene Gesamtformel steht hier nicht.] Nun Dhyana: 661: „Man vergegenwärtige sich Pashupati als Mrityunjaya: Mond, Sonne und Feuer sind seine Augen; sein Gesicht lächelt. Er befindet sich zwischen zwei Lotussen. Seine Hände glänzen mit Mudra, Schlinge, Gazelle und Gebetskette. Er strahlt wie der Mond; vom Mond in seiner Krone fließender Amrita tränkt seinen Leib. Halsketten und anderer Schmuck leuchten an ihm; mit seiner Schönheit bezaubert er die Welt.“ Nun Purashcharana: 662: „Der Weitblickende wiederhole den Mantra dreihunderttausendmal; ein Zehntel opfere er mit Amrita-Pflanzenstücken, die in reiner Milch und Ghee gewendet wurden.“

Band II, S. 312, Dakshinamurti-Mantra und Nyasa 663–669
Deutsch: Nun der Dakshinamurti-Mantra ebendort: 663–666: „Jetzt erkläre ich das Mantrajuwel, das alle menschlichen Lebensziele schenkt. Durch seinen Japa erlangten die großen Weisen göttliche Erkenntnis. Zuerst ‚Dakshinamurtaye‘, danach das Wort ‚tubhyam‘; nach ‚vatamula‘ das Wort ‚panchashannivasine‘; danach ‚dhyanaikaniratangaya‘ und das Wort ‚namah‘; ‚rudraya shambhave‘, umschlossen von Tara und Shakti. Dies wird als sechsunddreißigsilbiger Mantra gelehrt, der alle Wünsche erfüllt. Shuka ist der Seher, Anushtubh das Versmaß.“ [Der Mantra verehrt Dakshinamurti, der unter dem Banyanbaum wohnt, ganz in Dhyana versunken ist und als Rudra und Shambhu angerufen wird. Der Wortlaut panchashannivasine ist hier nicht sicher deutbar.] 667–669: „Shambhu unter dem Namen Dakshinamurti wird als seine Gottheit genannt. Sechs Silben sind für das Herz angegeben, zwei für den Kopf, acht für die Shikha, acht für die Rüstung, fünf für die Augen und drei für Astra. Diese sechs Anga-Mantras beginnen mit Tara und Shakti, haben Tara am Anfang und Ende und die zugehörigen Endungen. So haben die vorzüglichen Lehrer sie ordnungsgemäß angegeben.“

Band II, S. 312–313, Dakshinamurtis Erkenntniswald 670–680
Deutsch: Nun Dhyana: 670–673: „Am schönen Hang des goldenen Berges, den Siddhas und Kinnaras aufsuchen, halten die Zweige verschiedener Bäume ringsum die Sonnenhitze ab. Üppig blühende Rankengeflechte umschlingen die Blütenbäume; kühl ist es durch Wasserfälle aus Felsspalten und ihren Wind. Bienenschwärme singen, Pfauengruppen tanzen, und das Rufen der Kuckucke erfüllt die Himmelsrichtungen. Tiere leben dort ohne Feindschaft gegeneinander. Die uralten Weisen, Shuka und andere, sind beständig zugegen. 674–678: Man stelle sich einen riesigen Banyanbaum vor, den die zur Verehrung gekommenen Götter unter Indras Führung betrachten. Seine Früchte leuchten wie Rubine, sein dichtes Laub besteht aus Smaragd; herabhängender Schmuck aus den neun Edelsteinen ziert ihn. Duftende Wasser- und Landblumen schmücken ihn; Papageienscharen, die den Veden und Shastras lauschen, halten sich dort auf. Nachdem man diesen wunderbaren Ort vergegenwärtigt hat, der das Brennen des Samsara lindern kann, erinnere man sich an den unvergänglichen Dakshinamurti, den Ursprung der Welten: Er sitzt am Fuß des Baumes auf einem herrlichen Edelsteinthron, mit unermesslichem Schmuck, sein Gesicht wie der Herbstmond. Scharen von Weisen, die sich nach göttlicher Erkenntnis sehnen, preisen ihn. 679: Ich verehre den höchsten Mahesha, dem Kailasha-Berg gleich, mit dem aufleuchtenden Mondstück in den verfilzten Haaren. Dreiäugig sitzt er in Virasana und richtet den Blick auf die Nase. Seine Hände zeigen Mudra, Axt und Gazelle; [eine Hand ruht auf] dem Knie. Freundlich ist sein Gesicht, eine Schlange ist um seine Hüfte gebunden, und Weise umgeben ihn.“ Nun Purashcharana: 680: „Dreihundertzwanzigtausendmal wiederhole man den Mantra; ein Zehntel opfere man mit reinem Sesam, der mit Milch vermischt ist.“

Band II, S. 313, Weiterer Dakshinamurti-Mantra 681–683
Deutsch: Nun ein anderer Mantra ebendort: 681–683: „Pranava, danach Hridaya [Namah], dann das Wort ‚bhagavate‘, Dakshinamurti mit der Dativendung; man spreche ‚mahyam medham prayachchha‘. Dieser zweiundzwanzigsilbige Mantra endet mit zweimal Tha. [Sein Sinn: Om, Verehrung dem erhabenen Dakshinamurti; schenke mir Einsicht, Svaha.] Sein Seher ist der Viergesichtige [Brahma], sein Versmaß Gayatri; als Gottheit wird Dakshinamurti genannt, der ganz der Erläuterung der Veden hingegeben ist. Mit den sechs langen Vokalen, von Tara umschlossen, bilde man die Angas.“

Band II, S. 314, Dakshinamurti-Dhyana und Purashcharana 684–686
Deutsch: 684: „Oder man bilde [die Angas] der Reihe nach aus den Wörtern des Mantras. Den Herrn des Mantras betrachte man am Fuß des zuvor beschriebenen Banyanbaumes.“ Nun Dhyana: 685: „Ich preise Dakshinamurti, kristall- und silberfarben: In seinen Händen trägt er eine Perlen-Mala, einen Amritatopf, Vidya [Wissen, hier wohl als Buch] und die Erkenntnisgeste. Eine Schlange umgürtet seine Hüfte; der Mond ziert sein Haupt. Er ist dreiäugig und trägt mannigfaltigen Schmuck.“ Nun Purashcharana: 686: „Im Gelübde des Brahmacharya bleibend, wiederhole man den Mantra hunderttausendmal. Ein Zehntel opfere man mit gheegetränkten Lotussen im rituell bereiteten Feuer.“

Band II, S. 314, Nilakantha-Mantra 687–693
Deutsch: Nun der Nilakantha-Mantra ebendort: 687–688: „Zuerst Sadya auf dem Sitz von Lohita und Feuer, mit Bindu; als Zweites die lange Shanti auf dem Feuer-Bija, mit Mond geschmückt; als Drittes Langali mit Sarga. Dieser aus drei Bijas bestehende höchste Mantra verkörpert Nilakantha und beseitigt Gift [das betreffende Wort ist im Druck beschädigt].“ 689–691: „Zweimal Hara und die Gemahlin des Feuers werden als Herz[-Mantra] bezeichnet. ‚Kapardine‘ und zweimal Tha gelten als Kopf-Mantra, ‚Nilakanthaya‘ und zweimal Tha als Shikha-Mantra. Nach ‚Kalakuta‘ folgt ‚Vishabhakshana‘ mit Dativendung, Hum Phat: Das haben die Kundigen als Kavacha angegeben. ‚Nilakanthine‘, mit Svaha am Ende, ist Astra. Diese kennt man als die fünf Angas des Mantras.“ [Die Anrufungen gelten dem Verfilzthaarigen, dem Blauhalsigen und dem Verzehrer des Kalakuta-Giftes. Die Bija-Schlüssel sind nicht vollständig ausgeschrieben.] Nun Dhyana: 692: „Ich verehre Shri Nilakantha, strahlend wie zehntausend junge Sonnen, glänzend mit dem Mondstück auf seinem aufgetürmten Haar. Schlangenkönige bilden seinen Schmuck. In den Händen trägt er Japa-Mala, Dreizack, Schädelschale und Khatvanga-Stab. Schön sind seine fünf Gesichter, jeweils von drei Augen erhellt. Er trägt ein Tigerfell und hat seinen Sitz im Lotus.“ Nun Purashcharana: 693: „Dreihunderttausendmal wiederhole man den Mantra; ein Zehntel opfere man mit gheeversetzter Opferspeise im ordnungsgemäß bereiteten Feuer.“

Band II, S. 315, Ardhanarishvara-Mantra 694–697
Deutsch: Nun der Ardhanarishvara-Mantra ebendort: 694–695: „Agni, Samvartaka, Aditya, Ra und Anila, mit dem sechsten [Vokal] und Bindu: Dieses als Chintamani bekannte Bija schenkt alles Gedeihen. Kashyapa wird als Seher genannt, Anushtubh als Versmaß. Ardhanarishvara, der Herr der Welten, ist die Gottheit. Mit den sechs Konsonanten, beginnend mit Repha [Ra], vollziehe man der Reihe nach die sechs Angas.“ [Die Lautverschlüsselung bleibt erhalten.] Nun Dhyana: 696: „Unablässig verneige ich mich vor der Gestalt, die halb Ambika und halb Isha ist: schön in blauem und morgendlichem Glanz, mit drei leuchtenden Augen; die Hände halten Schlinge, roten Lotus, Schädelschale und Dreizack. Ihr Schmuck ist nach den beiden Hälften verschieden, und der junge Mond ist in die Krone gebunden.“ Nun Purashcharana: 697: „So vergegenwärtige der Mantraübende [die Gottheit] und wiederhole das Bija hunderttausendmal. Zehntausend Opfer bringe man mit honigbenetztem Sesam und Reis dar.“

Band II, S. 315, Sharabha-Mantra und Beginn des Dhyana 698–703
Deutsch: Nun der Sharabha-Mantra im Merutantra: 698–700: „Nachdem man Om, Kham, Kham mit langem A, Kham und Phat ausgesprochen hat, [spreche man] zweimal ‚pranan grasati‘, dann Hum Phat, ‚sarvashastrasamharanaya‘ und ‚sharabha‘, ‚shalvaya pakshirajaya‘, Hum Phat; der Mantra endet mit Svaha. Er ist einundvierzigsilbig. Vasudeva gilt als Seher, Kalagni-Rudra als Sharabha als Gottheit, Jagati als Versmaß; Svaha ist Shakti und Kha wird Bija genannt. Die Angas werden aus vier, sechs, sieben, neun, sechs und neun Silben gebildet.“ [Die Formel nennt das Verschlingen der Lebenskräfte, das Vernichten aller Waffen und den Vogelkönig. Das gedruckte grasati und die Worttrennung bei Sharabha/Shalva sind nicht sicher; sie werden nicht stillschweigend in einen geläufigen Mantra geändert. Die ersten Kha-Bijas sowie Hum tragen Chandrabindu.] Nun Dhyana: 701–703: „Mond, Sonne und Feuer sind seine drei Augen; Kali und Durga seine beiden Flügel. Seine Zunge ist ein Blitz, seine Krallen sind Vajras, sein Bauch das unterseeische Feuer. Er vernichtet Krankheit, Tod und Feinde, ist schneller als ein wilder Sturm. Sein Herz hat Bhairavas Gestalt, er schlägt die Feindesscharen nieder. Mit der einen Körperhälfte ist er ein Wildtier, mit Flügeln und Schnabel ein Vogel. Unten hat er ein Gesicht und vier Füße, oben ein Gesicht und vier Arme …“ [Fortsetzung im folgenden Vers.]

Band II, S. 316, Sharabhas Gestalt und Purashcharana 704–706
Deutsch: 704: „… dem Feuer am Ende der Zeit gleich, mit dem Donnern dunkler Regenwolken. Schon bei seinem Anblick verliert der Feind Kraft und Mut. 705: Verehrung Rudra in Sharabhas Gestalt, schrecklich mit seiner wallenden Mähne, der mit den Flügeln Berge fortschleudert und acht Füße besitzt!“ Purashcharana wird beschrieben: 706: „So meditierend, übe man täglich tausend Wiederholungen und opfere Milchreis. Nach sechs Monaten entsteht Mantra-Siddhi.“ [Die acht Füße werden hier ausdrücklich genannt; die anders gegliederte Gestaltbeschreibung in Vers 703 bleibt daneben stehen.]

Band II, S. 316, Kshetrapala-Mantra 707–709
Deutsch: Nun der Kshetrapala-Mantra in der Sharada: 707: „Der letzte Buchstabe, mit Au und Bindu verbunden, ‚Kshetrapalaya‘ und Hridaya: Dieser mit Tara beginnende achtsilbige Mantra wird für Kshetrapala gelehrt. Mit dem Bija und den sechs langen Vokalen bilde man seine sechs Angas.“ Nun Dhyana: 708: „Ich verneige mich vor dem Gott Kshetrapala von wunderbarer Gestalt, einem Berg aus dunkler Augensalbe gleich, mit aufgerichtetem gelbbraunem Haar, runden wilden Augen, Keule und Schädelschale in Händen. Die Himmelsrichtungen sind sein Gewand, Schlangen sein Schmuck; furchtbar sind seine Fangzähne.“ Nun Purashcharana: 709: „Hunderttausendmal wiederhole man den Mantra und opfere ein Zehntel mit gheegetränktem Charu. Danach verehre man den Herrn des Feldes.“

Band II, S. 316–317, Batuka-Mantra und Nyasa 710–715
Deutsch: Nun der aus Bedrängnis rettende Batuka-Mantra ebendort: 710–712: „Man bilde Batuka mit der Dativendung, ferner ‚apaduddharanam‘, zweimal ‚kuru‘ und nochmals Batuka mit der Dativendung. Dieser große, einundzwanzigsilbige Mantra ist von Shakti umschlossen; als göttlicher Wunschbaum zur Verwirklichung der ersehnten Frucht wird er gepriesen. Brihadaranyaka ist der Rishi, Anushtubh das Versmaß. Die Kundigen nennen den aus Bedrängnis rettenden Gott Bhairava als Gottheit.“ [Die Bitte lautet dem Sinn nach: Batuka, bewirke die Rettung aus Bedrängnis.] 713–715: „Auf Finger, Körper und Gesichter lege man die Gottheitsgestalten wie zuvor. [Man verwende] die fünf mit Sadya beginnenden kurzen [Lautverbindungen], mit dem Shakti-Bija davor. Va mit den fünf kurzen Vokalen verbinde man mit Ishana und den übrigen. Mit Shakti und Va, jeweils mit den sechs langen Vokalen, bilde man die Angas samt den jeweiligen Endungen, mit Pranava am Anfang und den weiteren [vorgesehenen Bestandteilen]. Seine Meditation wird dreifach gelehrt, unterschieden nach Sattva und den übrigen Gunas.“

Band II, S. 317, Batukas drei Meditationen und Purashcharana 716–721
Deutsch: Nun Dhyana: 716: „Unablässig verehre ich den kindlichen Batuka, klar wie Kristall, dessen Gesicht von Ohrringen glänzt. Göttlicher Schmuck aus den neun Edelsteinen, reich an kleinen Glocken und Fußringen, lässt seine Gestalt leuchten. Er trägt ein reines Gewand, ist überaus freundlich und dreiäugig; in seinen beiden Lotushänden hält er Dreizack und Stab. 717: Stets vergegenwärtige man den furchtnehmenden Gott, der der aufgehenden Sonne gleicht: dreiäugig, mit roter Salbung und roten Kränzen, lächelnd. Seine Hände tragen Schädelschale und Dreizack und zeigen Segen und Furchtlosigkeit. Sein Hals ist blau; er trägt reichen Schmuck, der Mond auf seinem Haupt leuchtet. Sein Gewand ist rot wie die Bandhuka-Blüte. 718: Man meditiere über Mahesha, glänzend wie ein blauer Berg, mit dem Mondstück und einer Schädelkette. Die Himmelsrichtungen sind sein Gewand, sein Haar ist gelbbraun. In seinen Lotushänden hält er Damaru, Haken, Schwert, Schlinge, die Furchtlosigkeitsgeste, Schlange, Glocke und Schädelschale. Furchtbar sind seine Fangzähne. Schlangen sind sein Schmuck; er ist dreiäugig und reich mit glänzenden Edelsteinglöckchen und Fußringen geschmückt. 719–720: Die sattvige Meditation wird als Abwehr vorzeitigen Todes, als Quelle langen Lebens und Gesundheit und als Spenderin der Befreiung gelehrt. Die rajasige Meditation verwirklicht Dharma, Kama und Artha. Die tamasige bezwingt Feinde und beseitigt schädliche Zaubergebilde, Geister und besitzergreifende Mächte.“ Nun Purashcharana: 721: „Von Havishya-Speise lebend und mit beherrschten Sinnen, wiederhole man den Mantra hunderttausendmal je Silbe. Ein Zehntel opfere man mit Sesam, der mit süßen Stoffen vermischt ist.“

Band II, S. 317–318, Pashupata-Astra-Mantra 722–725
Deutsch: Nun der Pashupata-Astra-Mantra in der Sharada: 722–723: „Tara, das Ende von Va auf Dhara, mit linkem Auge und Mond geschmückt; Parshva, Vakra mit Karna, endend mit Varma und Astra: Dieser sechssilbige Mantra heißt Pashupata-Astra und wehrt Grahas und niedrige Zauberei ab. Mit den sechs Silben, endend auf Hum Phat und mit den jeweiligen Endungen, [vollziehe man] die sechs Angas.“ [Die verschlüsselte Lautfolge wird nicht aus Vermutungen ergänzt.] Nun Dhyana: 724: „Man vergegenwärtige sich Pashupati in Gestalt der göttlichen Waffe: strahlend wie die Mittagssonne, mit dem Mond geschmückt und von furchtbarem Lachen leuchtend; dreiäugig, Schlangen als Schmuck, Bart und Haupthaar flammend wie Feuerzungen. Der Allgegenwärtige trägt in seinen Lotushänden Dreizack, Hammer, Schwert und Speer. Seine vier Gesichter sind durch die Fangzähne furchtbar.“ Purashcharana: 725: „Der Mantraübende wiederhole den Mantra hunderttausendmal je Silbe und opfere ein Zehntel mit Kuhghee im bereiteten Feuer.“

Band II, S. 318, Harihara-Mantra und Abschluss des Shiva-Abschnitts 726–730
Deutsch: Nun der Harihara-Mantra in einem anderen Tantra: 726–728: „Zuerst bilde man Maya, danach Prasada, dann ‚Shankaranarayanaya‘ und Hridaya; Pranava steht am Anfang. Dieser dreizehnsilbige Mantra schenkt die Frucht der vier Lebensziele. Narada wird als Seher genannt, Anushtubh als Versmaß. Die Gottheit ist Harishankara, dessen Lotusfüße von den drei Welten verehrt werden. Die sechs Angas vollziehe man mit Maya, verbunden mit den sechs langen Vokalen.“ Nun Dhyana: 729: „Ich verehre Harihara, der in seinen Händen Dreizack, Rad und Panchajanya-Muschelhorn trägt und Furchtlosigkeit zeigt. Seine beiden Körperhälften sind hell und blau und tragen jeweils den eigenen Schmuck.“ Nun Purashcharana: 730: „Hunderttausendmal wiederhole man den Mantra; ein Zehntel bringe man mit gheegetränktem Milchreis als Homa im bereiteten Feuer dar.“ Damit endet der Abschnitt über Shiva.

Band II, S. 318, Gauri-Mantra und Dhyana 731–733
Deutsch: Nun der Gauri-Mantra im Siddhantasamgraha: 731–732: „Man spreche Hrim, ‚Gauri, Rudradayite, Yogeshvari‘, Hum Phat Svaha. Dieser Gauri-Mantra wird als sechzehnsilbig gelehrt. Aja ist der Seher, Anushtubh das Versmaß, Gauri seine Gottheit. Mit Maya und den sechs langen Vokalen vollziehe man die sechs Angas.“ [Die Anrufung bedeutet: Gauri, Geliebte Rudras, Herrin des Yoga. Hrim und Hum tragen hier Chandrabindu; Bijas sind nicht wörtlich übersetzbar.] Dhyana: 733: „Wir verehren die Göttin Gauri, goldglänzend, mit göttlichem Schmuck; ihre Arme tragen Spiegel, Gerät zum Auftragen von Augensalbe, Schlinge und Haken.“

Band II, S. 319, Gauri-Purashcharana und Bhavani-Mantra 734–736
Deutsch: Nun Purashcharana: 734: „Hunderttausendmal wiederhole man den Mantra und opfere ein Zehntel mit Ghee. Nach Tarpana und den weiteren Handlungen führe man die auf besondere Wünsche gerichteten Riten aus. 735: Nun erkläre ich einen anderen Mantra: Man bilde das Maya-Bija, spreche Bhavani mit der Dativendung und am Ende Namah. Die Nyasas sind zuvor erklärt. Gesammelt meditiere man über die Göttin.“ Dhyana lautet: 736: „Stets vergegenwärtige man Bhavani, leuchtend wie die junge Sonne, dreiäugig, auf einem Löwen sitzend. Ihre Arme tragen Schwert und Schild und zeigen Segen und Furchtlosigkeit.“ Sein Purashcharana besteht wie zuvor aus hunderttausend Wiederholungen. Damit endet der Bhavani-Abschnitt.

Band II, S. 319, Garuda-Mantra und Angas 737–743
Deutsch: Nun der Garuda-Mantra im Merutantra: 737–739: „Jetzt erkläre ich den Garuda-Mantra: Kshi, Tara und die Gemahlin des Feuers [die Verbindung kshiptara im Druck ist nicht eindeutig getrennt]. Der Mantra ist fünfsilbig, Pankti sein Versmaß; Ananta gilt als Seher. Die Gottheit ist Garuda, Tara das Bija, die Frau des Feuers die Shakti. ‚Jvala jvala‘ mit Svaha am Ende lege man auf das Herz, Hochgesinnter. ‚Rudrachudanana svaha‘ lege man nach dem Anga[-Wort] auf den Kopf. Nach ‚Garuda‘ folgt ‚shikhe svaha‘: Dies wird als Shikha-Mantra gelehrt. 740–741: Als Rüstungsmantra spreche man ‚Garuda‘, zweimal ‚prabhanjaya‘, zweimal ‚prabhedaya‘, ‚vitrasaya dushtapanktim vimardaya svaha‘; er ist siebenunddreißigsilbig. Nun wird der Augen-Mantra erklärt. 741–742: Nach ‚ugrarupadhara‘ spreche man ‚sarva‘ und ‚vishahara‘, zweimal ‚bhishaya‘, ‚sarva‘, zweimal ‚daha‘, ‚bhasmikuru kuru svaha‘. Er gilt als zweiunddreißigsilbig. 743: Der Astra-Mantra lautet ‚apratihatabala apratihata‘, danach ‚shasana‘ und Hum Phat; er endet mit Svaha und ist achtzehnsilbig.“ [Die Anga-Anrufungen nennen Flammen, Garudas furchtbare Gestalt und ungehinderte Macht. Sie fordern ihn auf, Gift zu entfernen, die Schar der Schädlichen zu erschrecken und zu zermalmen sowie alles zu verbrennen und zu Asche zu machen. Die teilweise gestörte Wortgliederung bleibt erkennbar.]

Band II, S. 319–320, Garuda-Dhyana und Purashcharana 744–746
Deutsch: Nun Dhyana: 744: „Ich verehre den Giftentferner, mit einer Krone geschmückt. An seiner Schnabelspitze windet sich eine Schlange; seine Flügel lassen heilige Sama-Gesänge erklingen.“ Sein Purashcharana umfasst fünfhunderttausend Wiederholungen, denn ebendort heißt es: „Fünfhunderttausendmal wiederhole man den Mantra …“ [Auslassungszeichen bereits in der Quelle.] Ferner: 745–746: „Man opfere mit Sesam. Nach Tarpana und den weiteren Handlungen wird der Mantra wirksam. Bei seinem Anblick weichen die Schlangen; beide Arten von Gift werden vernichtet. Der Übende wird ganz der Hingabe an Vishnu ergeben und von selbst zum Vernichter von Feinden. In dieser Welt ist er glücklich, langlebig und von Königen geehrt; danach geht er nach Vaikuntha …“, und so weiter. [Auch der Schluss ist vom Werk selbst verkürzt zitiert.]

Band II, S. 320, Kartaviryarjuna-Mantra und Angas 747–753
Deutsch: Nun der Kartavirya-Mantra ebendort: 747: „Jetzt erkläre ich zwanzig Mantras der südlichen Überlieferung, durch die den Übenden die acht Siddhis mühelos zuteilwerden. 748–750: Der zweiundzwanzigste und vierte [Buchstabe] haben im rechten [Weg] Tara am Anfang, im linken sind sie mit dem vierten [Vokal] verbunden; in den übrigen Überlieferungen mit dem vierzehnten Vokal. Das erste Bija ist mit Bindu und dem vierten Vokal verbunden. Der sechsunddreißigste und vierte [Buchstabe], mit Bindu versehen, heißen das zweite Bija. Das Kama-Bija ist das dritte. Der zwölfte Buchstabe und der vierte, mit dem sechsten Vokal und Mond verbunden, heißen das vierte Bija. 751–752: Schlinge, Scham, Haken, Lakshmi, Rüstung und Astra ergeben die zehn Bijas. Danach Kartaviryarjuna im Dativ und Namah. Dieser Mantra ist neunzehnsilbig. Dattatreya gilt als Seher, Anushtubh als Versmaß, Kartaviryarjuna als Gottheit. 753: ‚Phram, Bra‘ wird als Herz genannt; ‚Klim, Shri‘ als Kopf; ‚Um, Hum‘ als Shikha; ‚Kaim, Shrim‘ als Rüstung; ‚Hum Phat‘ als Astra. Mit dem Rest vollziehe man den alles durchdringenden Nyasa.“ [Die Bijas sind keine gewöhnlichen Wörter. In der Silbenfolge des Verses 753 bleiben die überlieferten Unterschiede der Nasalzeichen erhalten; bei bra und shri vor iti ist ein Nasal nicht zuverlässig zu lesen. Die Zahl- und Vokalschlüssel von 748–750 werden nicht zu einer vermuteten Gesamtformel ergänzt.]

Band II, S. 320–321, Kartaviryarjuna-Dhyana und Purashcharana 754–757
Deutsch: Nach weiteren Nyasas wird Dhyana beschrieben: 754–756: „Man meditiere über ihn: leuchtend wie die Sonne, mit goldener Halskette, rotem Seidengewand und Turban, mit mannigfaltigem Schmuck. Fünfhundert Arme tragen Pfeile, fünfhundert Bögen; mit deren dröhnendem Klang erschreckt er alle Übeltäter. Fest auf dem Bogensitz stehend [banasana ist hier nicht eindeutig], ist er Herr der Erde mit ihren sieben Inselkontinenten. Die Kronen der Könige streifen seine Lotusfüße. Seine Augen gleichen Lotussen; sein Körper ist mächtig und überaus furchtbar. Er steht auf dem Wagen und liebt seine Verehrer.“ Nun Purashcharana: 757: „Vierhunderttausendmal wiederhole man den Mantra. Homa geschehe mit Milchreis oder mit Sesam, Ghee und Reis. Das Purashcharana vollziehe man am Flussufer. Danach führe man Tarpana und das Weitere aus; so entsteht Mantra-Siddhi.“

Band II, S. 321–322, Kartaviryarjuna-Mantravarianten 758–773
Deutsch: Nun die Mantravarianten: 758–759: „Jetzt erkläre ich die Abwandlungen des Kartavirya-Mantras. Der neunzehnsilbige wird mit Tara am Anfang zwanzigsilbig. Versmaß, Seher, Nyasa, Puja und alles Weitere gelten wie zuvor. Dies ist die zweite Variante, die den Verehrern das Gewünschte schenkt. 760–761: ‚Kartaviryarjunaya namah‘ ist der neunsilbige Grundmantra. Mit Phram davor ist er zehnsilbig; Virat wird als Versmaß genannt. Seine Zweckbestimmung ist die Verwirklichung aller Ziele; Nyasa, Puja und alles Weitere sind wie zuvor. Dies ist die dritte Variante. 762–763: Mit Phram und Shrim vor dem neunsilbigen wird er elfsilbig. Seher und alles Weitere sind wie zuvor; das Versmaß heißt Traishtubha. Seine Zweckbestimmung ist die Lähmung von Dieben, die Besitz rauben. Puja und Anwendungen sind wie zuvor; dies ist die vierte Variante. 764–765: Mit Phram und Klim vor dem neunsilbigen wird er elfsilbig. Er wird zur Bezauberung von Männern, Frauen und Königen eingesetzt. Seher, Versmaß und das Weitere sind wie zuvor; entsprechend vollziehe man die Anwendungen. So wird die fünfte Variante gelehrt. 766: Mit Phram und Bhrum vor dem neunsilbigen entsteht die sechste Variante. Seher und das Weitere gelten wie zuvor; sie dient dem Verwirren, Vertreiben, Erzeugen von Feindschaft und Töten. 767: Phram und Hrim [die Verbindung mit „am Ende“ ist im Druck nicht eindeutig], dazu der neunsilbige: Das ist die siebente Variante. Sie bewirkt stets Unterwerfung, Sündentilgung, Bezauberung und Gutes. 768: Phram, Mam und der neunsilbige ergeben die achte; Verehrung und das Weitere sind wie zuvor. Ihre Zweckbestimmung ist das Stilllegen von Mund oder Bewegung. 769: Phram, Shrim und der neunsilbige werden als zehnte Variante bezeichnet. Trishtubh ist das Versmaß, alles andere wie beim neunzehnsilbigen. 770: Phram, das Sprach-Bija und der neunsilbige gelten als elfte Variante; Hum Phat und der neunsilbige als zwölfte, mit Verehrung und dem Weiteren wie zuvor. 771: Die dritte Variante mit Tara am Anfang ist ein elfsilbiger Mantra; dies ist die dreizehnte Variante. Alles Weitere ist wie zuvor erklärt. 772–773: Ebenso werden den sieben Varianten von der vierten an Pranava vorangestellt. Die sieben Mantras von der zwölften an gelten als solche im Jagati-Versmaß. Seher und das Weitere sowie die Anwendung sind wie zuvor. Damit sind diese zwanzig Mantras der südlichen Überlieferung erklärt.“ [Die Zählung springt im vorliegenden Text von der achten zur zehnten Variante; die wiederholte Phram-Shrim-Folge wird nicht stillschweigend ersetzt. Die Quellenfußnote zu Vers 759 bezeichnet dies als tantrisches Verfahren.]

Band II, S. 322, Kartaviryarjuna im oberen Amnaya 774–775
Deutsch: Nun in der oberen Überlieferung: 774–775: „Om namah Kartaviryarjunaya, Varma, Astra und zweimal Tha: Dieser vierzehnsilbige Mantra wird als achter bezeichnet. Seine fünf Angas bestehen aus einer, zwei, sieben, zwei und zwei Silben. Seher und alles Weitere gelten wie beim neunzehnsilbigen.“ [Auch die Bezeichnung „achter“ steht so in der Quelle und wird nicht an die vorangehende Zählung angeglichen.]

Band II, S. 322–323, Kartaviryarjuna-Mala-Mantra 776–788
Deutsch: Nun der Mala-Mantra: 776–778: „Tara, ‚namo bhagavate‘, danach Shri, ‚Kartaviryarjunaya‘, dann ‚Haihaya‘ und ‚nathaya‘; ‚Shri Kartaviryarjuna‘, ‚sahasrashah‘, ‚karasadrishasarva‘ [diese Wortverbindung ist gestört], dann ‚dushtantaka‘ und ‚sarvashishteshtada‘. [Anrufung: Verehrung dem erhabenen Shri Kartaviryarjuna, Herrn der Haihayas, Vernichter der Bösen, Spender des von allen Rechtschaffenen Ersehnten.] Dann spreche man: ‚Die Scharen von Dieben, die von allen Seiten, vom Meer her, kommen wollen und unseren Besitz rauben — 779–782: wehre sie mit deinen tausend Händen ab! Halte sie auf! Binde sie mit tausend Schlingen! Ziehe sie mit tausend Haken herbei! Mit den tausend aus deinem Bogen entsandten Pfeilen: durchbohre, durchbohre! Mit den tausend von deinen Händen geschwungenen Schwertern: schneide, schneide! Mit den tausend von deinen Händen geschwungenen Keulen: zermalme, zermalme! Mit den tausend Klängen deines Muschelhorns: erschrecke, erschrecke! Mit den tausend von deinen Händen geschwungenen Rädern: zertrenne, zertrenne! 783–785: Die von anderen bewirkte Schadensmacht — erschrecke, erschrecke! Ziehe herbei, ziehe herbei! Lass umherirren, lass umherirren! Verblende, verblende! Vertreibe, vertreibe! Mache wahnsinnig, mache wahnsinnig! Quäle, quäle! Vernichte, vernichte! Zerreiße, zerreiße! Lähme, lähme! Lass erstarren, lass erstarren! Töte, töte! Bringe unter Gewalt, bringe unter Gewalt! Verjage, verjage! Vernichte, vernichte! 786–788: Liebling der ehrwürdigen Füße Dattatreyas, Shri Kartaviryarjuna! [Die folgende Verbindung sarvagashchodadheh ist gestört.] Die von überall, vom Meer her, kommenden Diebesscharen, die unseren Besitz rauben — entwurzle, entwurzle sie vollständig! Hum Phat Svaha.‘ Dieser Mantra besitzt [in Zahlwörtern] Pfeil–Ozean–Feuer-Silben [üblicherweise 345 gelesen]. Er wird als fünfzehnter bezeichnet. Sein Versmaß ist Gayatri, alles Weitere wie zuvor.“ [Zu „jrim bhaya“/jṛmbhaya verzeichnet die Ausgabe als Variante bhanjaya, „zerbrich“, jeweils zweimal. Die aggressive Ritualsprache gehört zur Quelle.]

Band II, S. 323, Mala-Mantra-Nyasa und Purashcharana 789–794
Deutsch: 789–791: „‚Dattatreyapriyatama‘ mit Dativendung lege man auf das Herz. ‚Mahishmati‘ und ‚nathaya‘ bilden den siebensilbigen Kopf-Mantra. ‚Revati‘ und ‚jalakridasaktaya‘ gelten als Shikha. ‚Haihayadhipati‘ mit Dativendung wird als Rüstung genannt; ‚Sahasrabahave‘ ist Astra. So werden die fünf Angas gelehrt.“ [Die Beinamen bedeuten: Liebling Dattatreyas, Herr von Mahishmati, dem Wasserspiel Hingegebener, Herr der Haihayas und Tausendarmiger. Die Verbindung Revati wird nicht eigenmächtig in einen anderen Flussnamen geändert.] Nun Dhyana: 792–793: „Man meditiere über König Kartavirya, der hohe Pfeile und Bögen trägt, der Sonne gleicht und mit dem Dröhnen der Bogensehnen das Weltenei erfüllt; Ohrringe schmücken seine Wangen. Nach solcher Meditation und Verehrung vollziehe man alle [gewünschten] Riten.“ Nun Purashcharana: 794: „Dreitausend Wiederholungen werden gelehrt; das Übrige vollziehe man wie zuvor.“

Band II, S. 324, Anwendungen des Kartaviryarjuna-Mantras 795–803
Deutsch: Nun die Anwendung: 795–797: „In je hundert rechten und linken [Händen] trägt er diese Waffen: Rad, Pfeil, Schwert, Stampfkeule, Axt, Schlinge, Speer, Schild, Bogen und Muschelhorn. Er gleicht der Mittagssonne, ist mächtig, rot und furchtbar, sitzt auf einem palmhohen Elefanten, trägt rote Gewänder und hat rote Augen. Nach solcher Meditation wiederhole man um Mitternacht den Mantra hundertachtmal, um verlorenen Besitz wiederzuerlangen. 798: Sechs Monate lang wiederhole man ihn nachts auf einem Bein stehend hundertachtmal. Dann bitten die Diebe den Mantraübenden um Gnade und geben den gesamten Besitz zurück. 799–800: Will der Mantraübende gestohlene Tiere zurückbringen, übe er hundertacht Wiederholungen und meditiere über den Gott; [die folgende Verbindung mit nṛpāśitān ist gestört] alle Tiere sind am Hals [erfasst] und auf dem Weg nach Hause. Nach solcher Meditation kommen sie innerhalb von zwölf Tagen befreit zurück. 801: Ist Reis oder Ähnliches gestohlen, opfere man nachts dessen übrig gebliebenen Rest. Dann geben die erschrockenen Diebe das Gestohlene rasch preis, gewiss. 802: Nachts richte man in Meditation Pfeile mit dem Bogen in die zehn Richtungen und wiederhole den Mantra; so entsteht Schutz des Reiches und anderer [Gebiete]. 803: Wo der Mantraübende Erde, die mit dem Mantra besprochen wurde, ausstreut, entsteht nachts Schutz.“

Band II, S. 324–325, Weiterer Kartavirya-Mantra und Amnayas 804–812
Deutsch: Ein anderer Mantra wird erklärt: 804–805: „Der einsilbige Mantra ‚Phro‘ [so die vorliegende Schreibung vor iti; Nasalierung nicht ergänzt] ist Kartaviryas sechzehnter. Seher, Puja und das Weitere sind wie zuvor; das Purashcharana umfasst hunderttausend Wiederholungen. Mit ihm und den sechs langen Vokalen wird das Verfahren der sechs Angas gelehrt. Die Anwendungen sind wie zuvor. So ist die obere Überlieferung erklärt. 806–807: In der westlichen Überlieferung sind achthundertachtzig Mantras in arabischer Sprache [gedruckt arabdha, unsichere Form] gelehrt. Durch ihre Verwirklichung werden im Kali-Zeitalter fünf Khane, sieben Mire und neun mächtige Schahs zu Weltherrschern, die den Hindu-Dharma vernichten. 808–809: In der östlichen Überlieferung sind neunhundertsechsundachtzig Mantras in der Sprache der Franks gelehrt. Durch deren Verwirklichung werden auf Erden die Engländer — neun, sechs, fünf [Zahlverbindung unklar] — und die in Landa Geborenen [Bezeichnung unklar] zu Herren der Tempel und unbesiegbar in Kämpfen. 810: Die fünf Vidyas, die ich in der Bauddhanidarshini gelehrt habe: Mit deren Bijas vorangestellt schenken alle diese Mantras die Siddhis des linken Weges. 811: König Kartaviryarjuna schenkt die Früchte des rechten Weges, durch linke Praxis den Shudras Früchte in dieser Welt. 812: Man setze Kartavirya nicht zum Nutzen der Anhänger des linken Weges ein; ein Zweimalgeborener würde dadurch in sieben Geburten Armut und den Zustand eines Pishacha erlangen.“ Damit endet der Kartavirya-Abschnitt. [Die polemischen Aussagen über Religions- und Bevölkerungsgruppen gehören zur historischen Quelle; die Ausgabe übernimmt sie nicht als eigenes Urteil.]

Band II, S. 325, Achtzehnsilbiger Hanuman-Mantra 813–817
Deutsch: Nun der Hanuman-Mantra ebendort: 813–815: „Jetzt erkläre ich einen anderen, achtzehnsilbigen Mantra. Nach ‚namo bhagavate‘ spreche man ‚Anjaneyaya mahabalaya svaha‘ [Verehrung dem erhabenen Sohn Anjanas, dem überaus Starken, Svaha]. Ishvara gilt als Seher, Anushtubh als Versmaß, Hanuman als Gottheit und Ham als Bija. Svaha ist Shakti. Anjaneya, Rudramurti, Marutsuta, Agnigarbha, Ramaduta und Brahmastravinivaraka: Mit diesen im Dativ bilde man die sechs Angas und lege sie auch auf Daumen und die übrigen Finger.“ [Die Beinamen bedeuten Sohn Anjanas, Gestalt Rudras, Sohn des Windes, Feuer im Innern Tragender, Bote Ramas und Abwehrer der Brahma-Waffe.] Nun Dhyana: 816: „Man meditiere über den Anführer der Vanaras, glänzend wie geschmolzenes Gold, die Hände in Anjali vor dem Herzen, mit Krone und Ohrringen.“ Nun Purashcharana: 817: „Zehntausendmal wiederhole man den Mantra; wie zuvor wird er wirksam. Brahmanenspeisung und das Weitere geschehen wie zuvor; der Mantra wird wirksam.“ [Die Wiederholung steht so im Druck.]

Band II, S. 325–326, Hanuman-Anwendungen 818–825
Deutsch: Nun Anwendungen für besondere Wünsche: 818–819: „Mit beherrschten Sinnen, nur nachts essend, wiederhole man [den Mantra] jeweils hundertachtmal; nach drei Tagen werde man von kleineren Krankheiten frei. Ebenso verfahre man zur Beseitigung von Bhutas, Pretas, Pishachas und ähnlichen Wesen. Zur Abwendung schwerer Krankheit übe man drei Tage lang je tausend Wiederholungen. 820: Bei geregelter Nahrung wiederhole man täglich zehntausendmal und meditiere über den Herrn der Affen, wie er Rakshasa-Scharen niederwirft; bald besiegt man die Feinde. 821: Man erinnere sich an den Affenhelden, wie er Rama mit Sugriva zusammenführt, und übe zehntausend Wiederholungen; so bewirke man Frieden zwischen zwei Gegnern. 822: Über ihn als Verbrenner Lankas meditierend, wiederhole der Sadhaka den Mantra zehntausendmal; so verbrenne er bald die Dörfer der Feinde. 823: Wer beim Aufbruch über Hanuman meditiert und den Mantra wiederholt, wird bald sein gewünschtes Ziel erreichen und nach Hause zurückkehren. 824: Wer den Herrn der Affen stets zu Hause verehrt und sich dem Japa widmet, dessen Lebensdauer und Wohlergehen wachsen, während Bedrängnisse verschwinden. 825: Dieser Mantra gilt als Schutz vor Tigern, Dieben und anderen Gefahren; beim Aufbruch schützt er gewiss vor Räubern und auch vor gefährlichen Schlangen.“

Band II, S. 326, Hanuman-Bild und Fahne 826–830
Deutsch: 826–828: „Auf ein gutes, schweifförmiges Tuch zeichne man mit einem vom Kuckuck stammenden Schreibgerät und den acht Duftstoffen die schöne Gestalt des Affenkönigs. In seine Mitte schreibe man den achtzehnsilbigen [Mantra] und zehntausend der Feinde [die Formulierung lässt offen, ob Namen gemeint sind]. Mit diesem durch den Mantra besprochenen Kopfband besiegt der König gewiss schon durch seinen Anblick die gesamte Feindesschar. Oder ein siegeswilliger König lasse das Beschriebene auf eine Fahne zeichnen. 829–830: Die Fahne haltend, lasse er während einer Finsternis vom ersten Kontakt bis zum Ende Mantrakundige Japa üben. Danach vollziehe er ein Zehntel als Homa mit Senf und Sesam im bereiteten Feuer. Wenn die Feinde diese Fahne auf einem Elefanten erblicken, fliehen sie bald.“

Band II, S. 326, Achtssilbiger Hanuman-Mantra 831–832
Deutsch: Nun ein anderer Mantra, der ebendort gelehrt wird: 831–832: „Jetzt erkläre ich einen anderen, höchsten achtsilbigen Mantra. Hrillekha, mit den sechs langen Vokalen verbunden und von Pranava eingeschlossen: Dies wird als achtsilbiger König der Hanuman-Mantras gelehrt. Mit dem Bija, verbunden mit den sechs langen Vokalen, wird das Verfahren der sechs Angas angegeben.“

Band II, S. 327, Hanuman-Dhyana und Purashcharana 833
Deutsch: Sein Rishi ist Shri Rama, sein Versmaß Jagati, seine Gottheit Hanuman. Nun Dhyana: 833: „Man meditiere über den schönen Sohn des Windes, strahlend wie die junge Sonne, der schon mit seinem Ruf alle Rakshasas erschreckt, welche die Dreiwelt erschüttern. Sugriva und die anderen dienen ihm; seine Meditation gilt Ramas Füßen.“ Sein Purashcharana umfasst zwölftausend Wiederholungen, weil gesagt wurde: „Bei diesem gilt alles wie beim zwölfsilbigen.“

Band II, S. 327, Zwölfsilbiger Hanuman-Mantra und Kutas 834–840
Deutsch: Auch der zwölfsilbige Mantra steht ebendort: 834–836: „Jetzt erkläre ich einen anderen großen, zwölfsilbigen Mantra. Man spreche das Bija Ham mit langem A ordnungsgemäß, dann die zuvor genannten fünf Kutas und ‚Hanumate namah‘. Ramachandra gilt als Seher, Jagati als Versmaß, Hanuman als Gottheit. Das fünfte Kuta ist Bija, das erste Kuta Shakti. Mit den ersten sechs Bijas wird sein sechsfacher Anga-Nyasa gelehrt.“ Die fünf Kutas sind: 837–839: „Die Buchstaben Adya, Anta, Akriti und Veda mit Bindu und Rudra-Vokal: Dies ist Hanumans erstes Kuta, das der Sadhaka sprechen soll. Prakriti, Akriti und Veda mit Bindu und Rudra-Vokal bilden das zweite. Die Buchstaben Adya, Anta und Akriti mit Visarga, Mond und Vokal heißen das dritte. Die Buchstaben Adya, Anta, Siddha, Akriti und Abdhi mit Isha-Vokal und Anusvara bilden das vierte. Sauh mit Sa am Anfang gilt als fünftes.“ [Die Chiffren werden nicht zu vermuteten Lautfolgen aufgelöst; besonders die letzte Verbindung ist nicht eindeutig.] Nun Dhyana und Purashcharana: 840: „Seine Meditation ist genau die zuvor erklärte. Zwölftausendmal übe man Japa und opfere ein Zehntel mit Reis, der mit Milch, Joghurt und Ghee vermischt ist.“

Band II, S. 327–328, Hanumans Mala-Mantra 841–846
Deutsch: Nun der Mala-Mantra ebendort: 841–842: „Jetzt erkläre ich den Mala-Mantra. Man spreche Dhruva [Om], ‚Vajrakaya, Vajratunda, Kapilapingala‘, ‚Urdhvakesha, Mahabala, Raktamukha, Tadijjihva, Maharaudra, Damshtrotkataka‘ und zweimal Ha. [Anrufung: Vajra-Leibiger, Vajra-Gesichtiger, gelbbraun und rötlich Leuchtender, mit aufgerichtetem Haar, überaus Starker, Rotgesichtiger, mit Blitzzunge, höchst Furchtbarer, mit gewaltigen Fangzähnen!] 843–844: Man spreche ‚Karaline‘, ‚Maha‘, dann ‚ehehi‘; nach ‚hi Lankeshvara ve‘ spreche man ‚dhaya maha‘ [diese Folge ist im Druck gestört und wird nicht zu einem mutmaßlichen Wort ergänzt]. ‚Setubandhamahashailapravaha, Gaganechara‘ [der gewaltige Berge zum Brückenbau bewegt, der im Himmel wandelt]; ‚ehyehi bhagavan mahabalaparakrama‘ [komm, komm, Erhabener von gewaltiger Kraft und Tapferkeit]! 845–846: Man spreche ‚Bhairava, ajnapaya‘ [Furchtbarer, befiehl!], ‚dirghapuchchhena veshtaya‘ [umschlinge mit deinem langen Schweif!], ‚Maharaudra‘ [höchst Furchtbarer] und nochmals ‚umschlinge mit deinem langen Schweif‘; ‚zerschmettere den Feind, zerschmettere! Hum Phat‘. Er besitzt [in Zahlwörtern] Pfeil–Sonne-Silben [gewöhnlich als 125 gelesen]. Seher, Verehrung, Anwendungen und alles Weitere gelten wie beim zwölfsilbigen.“

Band II, S. 328, Hanuman-Mantras des Sadhanasamuchchaya 847–854
Deutsch: Im Sadhanasamuchchaya nun ein anderer Mantra: 847–848: „Nachdem man Namah mit Bindu gebildet hat, [spreche man] Hanuman im Dativ, ‚Rudratmakaya‘, Kavacha und Astra. [Die abschließende Silbenzählung ist gestört; der Druck liest ekavarnaka, ‚einsilbig‘, was zur beschriebenen Folge nicht passt.] Diesen Mantra gab Hari einst dem Träger des Gandiva-Bogens [Arjuna]. Nachdem dieser seine Sadhana vollzogen hatte, erlangte er Sieg in der Schlacht.“ Ein anderer Mantra: 849–850: „Zuerst spreche man sein eigenes Bija, dann Pavananandana im Dativ; er endet mit der Gemahlin des Feuers. Dieser Mantra wird als göttlicher Wunschbaum gelehrt. Mit dem Bija samt den sechs langen Vokalen und den Silben des Mantras bilde man die Angas. Mit Vokalen, den mit Ka beginnenden [Konsonanten] und den mit Pa beginnenden [Lautgruppen] vollziehe man dreifaches Pranayama. 851–853: Man meditiere über Hanuman auf dem Schlachtfeld, umgeben von Millionen Affen, wie er läuft, um Ravana zu besiegen. Als er den großen Helden Lakshmana auf dem Schlachtboden gefallen sieht, erhebt er sich rasch; gewaltiger Zorn steigt in ihm auf. Er ergreift einen mächtigen Berg, lässt mit stolzen Ha-ha-Rufen die Dreiwelt erbeben, nimmt einen furchtbaren Leib an und erfüllt alles bis zu Brahma. 854: Die Puja geschehe auf einem Vishnu-Pitha. Hunderttausendmal übe man Japa. Mit wirksam gewordenem Mantra vollbringe der Mantraübende die höchste Siddhi.“

Band II, S. 328–329, Hanumans Erscheinung und Abschnittsschluss 855–858
Deutsch: Ferner: 855–856: „Der Zweimalgeborene stehe zur Brahma-Muhurta auf, vollziehe seine täglichen Pflichten, gehe zum Fluss, bade und rufe das heilige Gewässer achtfach herbei. Dann wiederhole er den Grundmantra und besprenge sich zwölfmal. Nach der Verehrung Hanumans übe er sechstausend Wiederholungen. 857–858: Am Ende von sieben Tagen erscheint so der Herr der Affen. In der Nacht, wenn [drei Teile beziehungsweise ein Drittel — die Zeitangabe ist nicht eindeutig] übrig sind, schenkt er den ersehnten Segen: Wissen, Reichtum, Königsherrschaft oder die Bezwingung von Feinden gibt er dem vorzüglichen Sadhaka. Wahrlich, wahrlich, das ist ganz gewiss.“ Damit endet der Hanuman-Abschnitt.

Band II, S. 329, Kama-Mantras und Purashcharana 859–864
Deutsch: Nun der Kama-Mantra in der Sharada: 859–860: „Brahma, auf Bhumi sitzend, mit Shanti und Bindu geschmückt, wird als Bija des aus dem Geist Geborenen gelehrt, das die drei Welten bezaubert. Sammohana wird als Seher genannt, Gayatra als Versmaß. Die Gottheit ist Makaradhvaja selbst, der alle bezaubert. Mit dem Bija, verbunden mit den langen Vokalen, wird das Verfahren der sechs Angas angegeben.“ [Die Lautschlüssel bleiben verschlüsselt. Die Beinamen nennen Kama als den aus dem Geist Geborenen und als Träger des Makara-Banners.] Nun Dhyana: 861: „Ich verehre den hibiskusroten, reich mit Edelsteinen geschmückten Träger des Fischbanners, dessen Leib schön gesalbt ist. Seine Lotushände tragen Haken, Zuckerrohrbogen, Blumenpfeile und Schlinge.“ Nun Purashcharana: 862: „Dreihunderttausendmal wiederhole man den Mantra und opfere ein Zehntel mit voll erblühten Kimshuka-Blüten, die mit den drei süßen Stoffen verbunden sind.“ Nun ein anderer Mantra in einem anderen Tantra: 863: „Nachdem man das Manmatha-Bija gebildet hat, spreche man Kama im Dativ. Dieser sechssilbige Mantra endet mit Hridaya und vermag die Welt zu bezaubern.“ Seher und die weiteren Zuordnungen bis zur Meditation sind wie zuvor auszuführen. Die Besonderheit des Purashcharana lautet: 864: „Hunderttausendmal je Silbe wiederhole man den Mantra. Ein Zehntel bringe man als Homa mit süßstoffgetränkten Palasha-Blüten oder jungen Mangoblättern dar.“

Band II, S. 330, Schlussvers und Kolophon 865
Deutsch: Damit endet das Purashcharana des Kama-Mantras. 865: „In diesem vom König, dem Herrscher Nepals, geschaffenen Ozean des Purashcharana, reich an mannigfaltigen Amritaströmen wunderbarer, glückverheißender Worte, der die ehrenvolle Vereinigung der Flüsse guter Abhandlungen trägt, ist nun die achte Woge zu Ende gegangen: hoch aufragend im Glanz ihrer Fülle klarer Perlen trefflicher Darlegungen.“ [Die dichte erste Wortverbindung des Schlussverses ist stellenweise unsicher gelesen; das Bild der zusammenströmenden Schriften und der Perlen folgt dem erkennbaren Wortlaut.] Hier endet im Purashcharanarnava, verfasst vom erhabenen Maharajadhiraja Shri Pratapasimha Saha, der achte Taraṅga mit dem Namen „Darlegung des Purashcharana der Mantras von Ganesha und den anderen Gottheiten“.

Shiva und Parvati stehen für die Verbundenheit von Bewusstsein und Kraft.

Der Hingabe Beständigkeit geben

Leserbegleitung und heutige Praxisanregung:

Nach der Fülle dieser vier Wellen darf die eigene Ausrichtung wieder einfach werden. Welche vertraute Praxis möchtest du mit mehr Aufmerksamkeit pflegen? Welche Frage zur Überlieferung möchtest du mit einer kundigen Lehrperson klären?

Als heutige Anregung: Wähle eine gut tragbare Zeit für Japa oder Meditation und beobachte, wie regelmäßige Sammlung deinen Alltag berührt. Lass Geduld Teil deiner Hingabe sein. Die nächsten Wellen öffnen den Blick für die Überlieferungen der Göttin, weitere Mantras und die festliche Verehrung.

Wegweiser durch die zwölf Wellen

Die Seiten sind unterschiedlich aufgeteilt. Über diese Übersicht erreichst du jede Welle direkt in allen drei Fassungen.

Taraṅga Schwerpunkt Deutsch IAST Devanagari
1 Mit Vertrauen und Unterscheidungsvermögen beginnen Lesen Lesen Lesen
2 Der Praxis einen guten Rahmen geben Lesen Lesen Lesen
3 Verehrung mit Aufmerksamkeit erfüllen Lesen Lesen Lesen
4 Die Einweihung zum Abschluss führen Lesen Lesen Lesen
5 Verschiedene Wege der Einweihung verstehen Lesen Lesen Lesen
6 Beständigkeit in der Mantrapraxis entdecken Lesen Lesen Lesen
7 Über die Reifung der Praxis nachdenken Lesen Lesen Lesen
8 Die Vielfalt der Gottheitsverehrung kennenlernen Lesen Lesen Lesen
9 Die Überlieferungen der Göttin aufmerksam lesen Lesen Lesen Lesen
10 Mantra, Hymne und Verehrung zusammen betrachten Lesen Lesen Lesen
11 Der Verehrung der Göttin Zeit und Raum geben Lesen Lesen Lesen
12 Die letzte Welle mit Sammlung lesen Lesen Lesen Lesen

Siehe auch

Textumfang und Quellenhinweise

Umfang und dokumentierte Auslassungen: Alle zwölf Taraṅgas sind bis zum Werk-Kolophon auf Band III, S. 1231 bearbeitet. Die frühere Überlieferungslücke dieser Arbeitsausgabe auf S. 748–756 wurde anhand des vorliegenden PDF neu bearbeitet und geschlossen. Gesondert verbleiben neun ausdrücklich markierte Inhaltsauslassungen: Taraṅga 7, Verse 344–349, 394–399, 405–418; Taraṅga 9, S. 815, 816–817, 818, 829–830, 831 und 854–855. Sie betreffen sexualisierte Darstellungen minderjährig oder nicht eindeutig erwachsen bezeichneter Personen. Daher wird keine ausnahmslos lückenlose Vollübersetzung beansprucht. Lokale beschädigte oder unsichere Quellenlesungen bleiben gekennzeichnet.

Literatur und Quellen

  • Pratapasimha Shah: Puraścaryārṇava. Herausgegeben von Muralidhara Sharma, ältere Ausgabe in drei Bänden, Varanasi. Verwendeter Textumfang: Band I, S. 1–318. Die beiden Digitalisate von Band I ergänzen sich; die Seiten 8–9 wurden nach dem vollständigeren Exemplar wiedergegeben. Für Band II dient die von Rajanatha Tripathi herausgegebene Ausgabe von 2013 als Grundlage; deren S. 1 entspricht S. 319 der älteren Ausgabe. Die abweichende Seitenzählung wird in den Fundstellen mit der Bandangabe kenntlich gemacht.
  • Puraścaryārṇava, Band II, herausgegeben von Rajanatha Tripathi, Sampurnanand Sanskrit University; Hauptgrundlage der Taraṅgas 5–8, S. 1–330; gezielt mit der älteren Ausgabe, S. 319–412, verglichen.
  • Purashcharana im Yoga-Vidya-Wiki – ergänzende heutige Erläuterung, nicht Ersatz für den Sanskrittext.
  • Band III der älteren Ausgabe: gedruckte S.723–1231, Digitalisat 2015.487364.Purascharyarnava-Part-III_text.pdf, PDF48–556; einschließlich der neu bearbeiteten S.748–756.
  • IAST wurde aus dem bearbeiteten Devanagari transliteriert und ist kein unabhängiger Textzeuge. Unnummerierte Prosa und Verse werden durch die gedruckte Seite nachgewiesen. Die deutschen Lesungshinweise kennzeichnen örtliche Unsicherheiten. Eine kollationierte kritische Edition wird nicht beansprucht.

Ausgewählte Lesarten

  • Vers 1.49: Zur Lesung „Verrichtungen zu Navaratri“ verzeichnet der Druck die Variante „Verrichtungen“ im Plural; die sachliche Aussage bleibt gleich.
  • Vers 1.51: Die Hauptlesung bhūtalipi („Elementeschrift“) steht neben der verzeichneten Variante bhūtabali („Darbringung an die Wesen“). Hier wird der Hauptlesung gefolgt.
  • Band I, S. 12: Zur Hauptlesung Svarṇakoṭīśvarī ist Koṭeśvarī als Variante genannt.
  • Band I, S. 14: Zu śuṣke („kraftlos/trocken“) bei Shiva ohne Shakti verzeichnet der Druck sūkṣme („fein/subtil“). Die Übersetzung folgt der Hauptlesung.
  • Band I, S. 19: Statt „ein verständiger Verehrer der Göttin“ steht als Variante „ein Verehrer der Göttin, voller Hingabe“.
  • Band I, S. 21: Der Druck nennt neben „beides vermischt“ die Lesung „beides aufsuchend/auf beidem beruhend“; bei der Mittagsrezitation steht neben „Japa, o Herrin“ auch „Japa, o Göttin“.
  • Band I, S. 79–82: Mehrere Zitate werden innerhalb des gedruckten Werkes erneut angeführt. Diese Wiederholungen bleiben erhalten; das auf S. 80 abgebrochene Vishnuyamala-Zitat wird auf S. 82 vollständig gegeben.
  • Band I, S. 26: Neben padaṃ śivam (Shivas Stätte) steht die Variante pathaṃ śivam (Shivas Weg).
  • Band I, S. 33: Neben tadveṣeṇa (unter diesem Vorwand/in dieser Verkleidung) steht taddveṣeṇa (aus Hass darauf).
  • Band I, S. 34: Zur Reihe Guru, Gottheit, Selbst und Kala wird eine abweichende Lesung ohne Guru genannt; die Hauptlesung wird beibehalten.
  • Band I, S. 24: Neben vāmapathe („auf dem linken Weg“) ist vāmapade („im linken Bereich/Weg“) verzeichnet.

Zur Wiedergabe: Die Nummern 1–54 sind die Nummern des gedruckten Eingangsteils. Danach stehen genaue Seiten- und Abschnittsangaben für unnummerierte Zitate und Prosa. Unsichere Lesungen sind unmittelbar an der betreffenden Stelle bezeichnet. Zuordnungen, Wirkungsaussagen und Wertungen innerhalb der Übersetzung geben die jeweilige traditionelle Quelle wieder.

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