Purashcharanarnava/Teil 3
Purashcharanarnava – Die Göttin, Mantras und festliche Verehrung enthält die Taraṅgas 9–11. Die unterschiedlichen Gestalten der Shakti eröffnen einen weiten Raum für das Studium; daneben stehen weitere Gottheiten, vedische Mantras und Hymnen. Die Darstellung des Durga-Festes verbindet Verehrung mit einer bewusst gestalteten Folge von Tagen und Handlungen.
Zur Textgrundlage: Umfang, dokumentierte Auslassungen und Lesungshinweise.
Gehe mit Hingabe und Unterscheidungsvermögen durch diese dichten Texte. Du darfst Fragen offenhalten und bei einem vertrauten Thema verweilen. Die zitierten Traditionen sprechen mit unterschiedlichen Stimmen; ihnen aufmerksam zuzuhören ist bereits eine Form des Lernens.

Zur Ausgabe: Deutsch · Sanskrit in IAST · Devanagari · 108 Passagen zur Besinnung · Mantrasammlung
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9. Taraṅga: Die Mahāvidyās und ihre Überlieferungswege
Lesehilfe: Die Mahavidyas und ihre unterschiedlichen Überlieferungswege prägen diese Welle. Neben Formen der Hingabe begegnen dir anspruchsvolle Ritualtexte und voneinander abweichende Quellenstimmen. Lies sie mit offenem Herzen und Unterscheidungsvermögen; die Hinweise am Text helfen, Unsicherheiten und Auslassungen zu erkennen.
Diese Welle: Deutsch · IAST · Devanagari
Band III, S. 723, Beginn des neunten Taraṅga und zehn Mahavidyas
Deutsch: Die zehn Mahavidyas und die Besonderheiten ihres Purashcharana werden dargestellt. So heißt es in der Mundamala: „Kali, Tara, die große Vidya Shodashi, Bhuvaneshvari, Bhairavi, Chhinnamasta und die Vidya Dhumavati, Bagala als Siddhi-Vidya, Matangi und Kamalatmika: Diese zehn Mahavidyas werden als Siddhi-Vidyas gelehrt.“ [Die Verse dieses Bandes sind an dieser Stelle unnummeriert; die Fundstellen folgen den gedruckten Seiten.]
Band III, S. 723–724, Kalis Vorrang im Kumari-Tantra
Deutsch: Zuerst wird die erste Vidya im Kumari-Tantra erklärt. Bhairava sprach: „Es gibt diese eine ewige Erkenntnis, das tiefste Geheimnis. Sie ist streng verborgen und kaum auszusprechen. Weil du mir so überaus lieb bist, sage ich sie dir, Geliebte. Diese ganze grobe und feine Welt besteht aus Brahman. Doch ohne Prakriti kommt die Welt nicht zustande; ein Urgrund der Prakriti selbst ist nicht zu erkennen. Zahlreich sind ihre Gestalten, Strahlende. Unter ihnen ist, Maheshani, Kalis Gestalt bezaubernd; besonders im Kali-Zeitalter schenkt sie den Menschen Genuss und Befreiung. Ihre Verehrer sind Brahma, Vishnu, Shiva und die anderen: Indra, Surya, Varuna, Kubera, Agni und weitere; Durvasas, Vasishtha, Dattatreya und Brihaspati. Wozu viele Worte? Alle Götter sind ihre Verehrer; durch Kalikas Gnade haben sie Anteil an Genuss, Befreiung und den weiteren Gaben.“
Band III, S. 724, Zweiundzwanzigsilbige Kali-Vidya
Deutsch: „Ich erkläre ihren Mantra, durch den man die drei Welten beschützt: Ka, mit Feuer verbunden, mit Rati und Bindu versehen, dreimal; danach zweimal Kurcha und zweimal Lajja. Dann spreche man ‚Dakshine Kalike‘ und die vorherigen Bijas. Mit der Gemahlin des Feuers am Ende wird Kalikas Mantra gelehrt, Shive. Diese zweiundzwanzigsilbige Vidya heißt Siddhi-Vidya.“ [Die ausgeschriebene Anrufung richtet sich an Dakshina-Kali. Die Bijas stehen hier in Lautschlüsseln, nicht als ausgeschriebene Rezitationsfolge.]
Band III, S. 724, Bedeutung der Kali-Vidya im Sanketa-Tantra
Deutsch: Die Bedeutung des Mantras wird im Sanketa-Tantra erklärt: „Aus Ka ist Brahma hervorgegangen; dadurch ist sie das Wesen der Schöpfung. Repha [Ra] ist seinem Wesen nach Kalagni-Rudra; dadurch ist sie das Wesen der Auflösung. I mit langem Vokal ist Mahalakshmi, die die drei Welten entfaltet. Dadurch ist sie die erhaltende Shakti; durch Bindu ist sie die Einheit gleichen Geschmacks [Samarasya].“
Band III, S. 724–725, Bedeutung der Kali-Vidya im Kali-Tantra
Deutsch: Im Kali-Tantra: „Weil sie durch Ka Shivas Gestalt besitzt, schenkt sie alle Herrschaft. Durch die Verbindung mit der Feuer-Silbe ist die Glückverheißende ganz aus Glanz. Die mit Bindu Bekränzte [grammatische Form im Druck unsicher] offenbart alle Tattvas; durch Bindu ist sie ohne Teile und schenkt die Frucht der völligen Befreiung. Das Kurcha-Bija allein offenbart alle Erkenntnis, ist Bewusstsein, Schrecken des Samsara und Spender der Befreiung. Erkenntnis und Offenbarsein [die folgende Satzfügung ist gestört: ihr Tattva ist ungetrennt]; ihr Hervortreten ist I, mit Bindu gilt sie als tantrisch. [Hier nennt die Fußnote als Lesart: ‚Sie besteht aus Bindu und Nada.‘] Dakshina ist frei von den Prüfklassen Siddha, Sadhya und den übrigen und schenkt rasch Siddhi. Weil sie die Zeit zusammenfasst, heißt sie Kali; daher versetzt sie die Zeit selbst in Schrecken. Svaha bedeutet, dass alle Sinnesgegenstände der Gottheit dargebracht sind. So ist sie in all ihren Gestalten nichts als die höchste Bewusstseinskraft. Sie umfasst sämtliche Gottheiten und ist unmittelbar das Laut-Brahman. Wer so mit reinem Selbst meditiert, ist schon im Leben befreit, Shiva selbst.“
Band III, S. 725, Größe der Vidya im Bhairavi-Tantra
Deutsch: Die Größe der Vidya wird im Bhairavi-Tantra erklärt: „Hier soll keine Unreinheit des Geistes bestehen [die genaue Reichweite dieser Aussage ist nicht erläutert], keine Beeinträchtigung durch Feind- oder Freund[-Zuordnungen des Mantras], kein Übermaß an Mühe und keine Unterscheidung günstiger und ungünstiger Zeiten. Sie verlangt weder großen Geldaufwand noch körperliche Qual. Götter verehren sie, um ihre Göttlichkeit zu verwirklichen; Siddhas, um die Fähigkeit des Himmelswanderns zu erlangen. Schlangenwesen, Rakshasas, Menschen, Weise und Befreiungssuchende, nach Genuss Strebende, dem Dharma Hingegebene und nach Wohlstand Verlangende dienen ihr beständig. Wer als Mantraübender über sie meditiert, die alle Wünsche erfüllt, hält stets sämtliche Siddhis in der Hand, ohne Zweifel. Schon bei seinem Anblick verlieren Streitredner ihren Glanz. Selbst Könige dienen ihm — was erst andere Menschen! Er vermag Feuer kalt werden zu lassen, Wasser und Sonnenlauf anzuhalten sowie Tag und Nacht zu vertauschen. Am Ende erlangt der Mensch die schwer erreichbare Zugehörigkeit zu den Scharen der Göttin. Sonne und Mond gleich, wohnt er zehntausend Kalpas im Himmel. Nichts ist unerreichbar für den, der sich der furchtbaren Kalika erinnert.“
Band III, S. 725–726, Aniruddhasarasvati im Kali-Tantra
Deutsch: Im Kali-Tantra: „Allein durch die Erinnerung an sie entstehen die acht Siddhis. Diese Königin aller Vidyas vermag man nicht angemessen zu preisen, selbst mit tausendmal zehn Millionen Mündern und hundertmal zehn Millionen Zungen. Die Göttin Aniruddhasarasvati schenkt alle Siddhis; schon durch ihren Namen entstehen sie.“ Ferner: „Wenn es eine Frau gäbe, die dir gleicht, und einen Mann, der mir gleicht, dann könnte es einen Mantra geben, der Aniruddhasarasvati ebenbürtig wäre.“
Band III, S. 726, Kali im Kali-Zeitalter
Deutsch: In einem anderen Tantra: „Im Kali-Zeitalter Kali, im Kali-Zeitalter Kali, im Kali-Zeitalter Kali allein! Vom Herrn der Zeit verwirklicht, ist Kalika im Kali-Zeitalter unmittelbar gegenwärtig. Wer in diesem Zeitalter Kali übergeht und nach Moksha verlangt, möchte gewiss ohne Nahrung den Hunger stillen. Wer Kali übergeht und Frieden sucht, sucht einen Schneeberg auf, um die Kälte loszuwerden. Wer Kali übergeht und das Ersehnte sucht [das Wort kankshya ist hier unsicher], handelt wie einer, der Böses tut, um vom Leiden frei zu werden. Die Vidya Shri Mahakalika schenkt im Kali-Zeitalter die volle Frucht; selbst Kali [das Zeitalter beziehungsweise dessen Verkörperung] verehrt die Füße ihres Dieners. Ob unwissentlich oder wissentlich, spielerisch oder beiläufig: Schon wenn man sich ein einziges Mal an Kali erinnert, schenkt sie Siddhi, Maheshvari. Als Mahavidya, Siddhi-Vidya und in verschiedenen Vidya-Formen ist Kalika auf Erden gegenwärtig, auch in Unter-Vidyas und weiteren Gestalten. Sämtliche Vidyas, beginnend mit Tara, sind aus Kalika entstanden; alle Vidyas ruhen in Kalika, Parvati.“
Band III, S. 727, Rishi-Nyasa und Mantraglieder
Deutsch: Nun der Nyasa von Rishi und weiteren Zuordnungen im Kali-Tantra: „Bhairava wird als ihr Rishi genannt, Ushnih als Versmaß, Kalika als Gottheit und das Lajja-Bija als Bija. Das Kurcha-Bija soll Shakti sein — Aniruddhasarasvati.“ Im Kalikrama: „Das erste Bija ist Kilaka und verwirklicht die vier Lebensziele.“ Im Kali-Tantra: „Die Zweckbestimmung ist dichterische Begabung; so werden Rishi und die weiteren Zuordnungen gebildet. Anga-Nyasa und Kara-Nyasa werden ordnungsgemäß erklärt: Man bilde sie mit dem Bija, verbunden mit den sechs langen Vokalen und Pranava am Anfang.“ Auch im Viratantra: „Man bilde sie mit dem ersten [Bija], verbunden mit den sechs langen Vokalen, mit Pranava am Anfang.“ Weitere Nyasas sind ebendort nachzulesen.
Band III, S. 727–728, Dakshina-Kalis Meditation im Merutantra
Deutsch: Nun Dhyana im Merutantra: „Man vergegenwärtige sich die göttliche Dakshina-Kalika, furchtbar, mit schrecklichem Gesicht, offenem Haar und vier Armen, mit einer Kette abgetrennter Köpfe geschmückt. Ihre Hände tragen Schwert und abgeschlagenen Kopf und zeigen Furchtlosigkeit und Segen. Sie ist dunkel wie eine große Regenwolke und trägt die Himmelsrichtungen als Gewand. Die Kopfkette hängt um ihren Hals; herabfließendes Blut benetzt sie. Zwei Leichname schmücken sie als Ohrringe. Furchtbar sind ihre Fangzähne und ihr Antlitz; ihre Brüste sind voll und hoch. Aus den Händen von Leichnamen besteht ihr Gürtel, und ihr Gesicht lächelt. Blutströme aus beiden Mundwinkeln glänzen über ihr Antlitz. Ihre Gestalt ist furchtbar, höchst wild; sie wohnt auf der Verbrennungsstätte. Sie zeigt die Zähne, ihr gelöstes langes Haar breitet sich nach rechts aus. Sie steht auf dem Herzen Mahadevas in Leichengestalt. In den vier Richtungen umgeben sie schrecklich heulende Schakalinnen. Mit Mahakala vereinigt, ist sie über dem Leichnam im Liebesakt. Zugleich ist ihr Gesicht wohlig und freundlich, ihr Lotusantlitz lächelt. So meditiere man über Kali, die Bewohnerin der Verbrennungsstätte.“
Band III, S. 728, Frucht der Kali-Meditation
Deutsch: Ferner: „Welche Frucht die Schenkung der ganzen Erde voller brauner Kühe und Edelsteine bringt, welche Frucht tausendmal zehn Millionen Homas bringen: Diese Frucht bringt die Meditation über die Göttin. Durch Japa dieses Mantras wird der Mantraübende von der Schuld des Brahmanenmordes und der Tötung von Vater, Mutter und ähnlichen Taten frei — wie viel mehr von anderen geringen Vergehen!“ [Für das letzte Wort verzeichnet die Ausgabe die Lesart kshudrapataka, „geringes Vergehen“, statt des gedruckten kshudraghataka.]
Band III, S. 728–729, Aufhebung von Vasishthas Fluch
Deutsch: Nun die Aufhebung des Fluchs in einem anderen Tantra: „Ich erkläre die Aufhebung des Fluchs, den der Weise Vasishtha ausgesprochen hatte. Nachdem er vierundzwanzighunderttausend Wiederholungen vollzogen hatte, verfluchte er sie im Zorn: ‚Von heute an, Herrin der Götter, Kalika in Zeitgestalt, wird die Verwirklichung deiner Mantras nur noch mühsam gelingen.‘ Als die große Göttin dies hörte, erschien sie, besänftigte ihn und sprach: ‚Sohn, weshalb hast du diesen unnötigen Fluch ausgesprochen? Großer Weiser, handle so, dass seine Wirkung nicht eintritt.‘ Erkenntnis wurde gewährt, die schwer zu erlangen und selbst den Göttern kaum zugänglich ist. Nachdem er liebevoll den mit Erkenntnis und unmittelbarem Verstehen verbundenen Segen empfangen hatte, sprach er freudig die Aufhebung des Fluchs aus, der den Mantra behindert: ‚Mutter, im Zorn wurde es ausgesprochen; dies ist die Grundlage deines Tantra [die Wortverbindung ist nicht eindeutig]. Zuerst bilde man Pranava, dann: Ghorarupe, Dakshine, siddhim kuru kuru, Kalike, mamabhishtaphalam shighram dehi dravinasampadam.‘ [Om, Furchtbare, Dakshina, bewirke, bewirke Siddhi! Kalika, schenke mir rasch die ersehnte Frucht und reichen Besitz!] ‚Zu Beginn des Japa spreche man diesen Mantra und lese ihn am Ende nochmals. Dann wird sich bald Siddhi einstellen, Parameshvari.‘“
Band III, S. 729, Ritualsitze im Matsyasukta
Deutsch: Nun werden im Matsyasukta verschiedene Sitze genannt: „Auf einem Mritachudaka oder einem anderen Komala sitzend, oder einen Vishtara benutzend, verwirkliche man die höchste Siddhi.“ Ihre Merkmale werden ebendort erklärt: „Ein vor dem sechsten Monat abgegangener Fötus heißt bei den Kundigen Mridu. Ohne Haarschur und Upanayana kennt man ihn als Achudaka. Ein Junge, dessen Haarschur vollzogen, dessen Upanayana aber noch nicht geschehen ist und der im fünften Lebensjahr gestorben ist, heißt Komala.“ [Der erste zusammengesetzte Sitzname ist im Druck unsicher; die folgenden Erklärungen beziehen sich ausdrücklich auf Leichname.] Ferner: „Wer als Mensch Kalikas Japa ohne Totensitz übt, Göttin, gilt als Höllenbewohner bis zur [angerufenen Weltauflösung — Schlussausdruck unsicher].“ Gemeint ist ein Vira, denn für den Pashu ist ein solcher Sitz verboten.
Band III, S. 729, Ersatz für den Totensitz
Deutsch: Für das Fehlen eines Totensitzes und ähnlicher [Sitze] wird im Viratantra ein Ersatz gelehrt: „Fehlt ein Leichnam, bilde man einen Vishtara in Leichengestalt. Mit fünfzig, um Veda vermehrt [Zählung unklar], oder mit deren Hälfte [bilde man] den Vishtara.“ Im Kali-Tantra und anderen [Schriften]: „Fehlt der Tote, bilde man einen Vishtara aus Kusha-Gras. Nun wird der Vishtara des Sadhaka erklärt; höre aufmerksam. Worin die Lebenskräfte der Wesen [sind], das wird Kusha genannt.“ [Der letzte Satz ist im Druck sprachlich beschädigt; die folgende Beschreibung der Grasanordnung beginnt auf dieser Seite und wird im nächsten Abschnitt vollständig wiedergegeben.]
Band III, S. 729–730, Anfertigung des Vishtara
Deutsch: „An Händen und Füßen sind je zehn Kusha-Halme anzubringen, am Herzlotus zweimal die Zahl der Richtungen, am Kopf zwanzig, Spenderin aller Gaben. An Schamgegend, Zunge, Mund, Zähnen, Nase, Ohren und Brüsten sowie an Penis und Hoden sind Halme in der Zahl Yuga [vier] anzubringen. So wird dieser Vishtara gelehrt, der alle Siddhis schenkt. Man binde ihn mit Kusha oder mit einer Faser beziehungsweise Sehne, Parameshvari, oder mit blutvermischtem Faden oder Seidenfaden. Nachdem man den Vishtara geformt hat, vollziehe man Japa auf ihm. Ich habe dir das Verfahren des Vidhi-Vishtara-Lotus erklärt [die Bezeichnung ist unklar]. Bildet man ihn in Leichengestalt, wird man zum beredten Dichter. Für sämtliche Siddhis soll der Faden mit Svayambhu [hier einer rituellen Substanz; nicht ausgeschrieben] bestrichen werden. Wenn kein Leichnam vorhanden ist, wird ein Vishtara in Leichengestalt gelehrt. Der Vishtara soll als Shiva, man selbst als Shakti vorgestellt werden. Was wäre durch die Vereinigung von Shiva und Shakti auf Erden nicht zu verwirklichen?“
Band III, S. 730–731, Weihe des Vishtara im Shaktisangama
Deutsch: Nun die Weihe des Vishtara im Shaktisangama: „Mit Gayatri vollziehe man das Abtrennen, mit dem Grundmantra das Zusammenbinden. Nachdem der Mantraübende seinen Sankalpa gefasst hat, nehme er den Komala mit der linken Hand unter dem Kurcha-Bija und besprenge ihn mit dem Astra-Mantra. Nach Pranava und Bhuvaneshi spreche er zu ihm: ‚Großer Preta in Leichengestalt, schenke mir die acht Siddhis!‘ So gepriesen, werde er inmitten des Kusha niedergelegt. Auf seinem Körper zeichne man mit rotem Sandelholz ein Dreieck, schreibe Maya in dessen Mitte und bilde außen einen Kreis. Der Mantra für den Kreis ist: Pranava, Ah, ‚Surekhe, Vajrarekhe‘, Kurcha, Astra und die Feuerbraut. [Die Anrufung gilt der schönen Linie und der Vajra-Linie.] Dann A, Maya, Krom, Hamsa und die Feuerbraut; danach spreche man: ‚Die Lebenskräfte des Leichnams sind hier Lebenskräfte. Der Jiva des Leichnams ist hier gegenwärtig. Sämtliche Sinne des Leichnams — Sprache, Denken, Sehen, Hören und Riechen — mögen hierherkommen und lange in Wohlbefinden bleiben.‘ Mit Svaha verbunden ist dies der Mantra zum Einsetzen der Lebenskräfte. Zuerst Pranava, dann Adhara-Shakti und Komalasana mit Dativendung und Namah am Ende: Damit verehre man ihn. ‚Om, dem Kama-Pitha Verehrung‘ [die folgende Verbindung shuddhannabhaskriya ist gestört]. Auf einer Platte bilde man aus drei Masha Gold eine Leichengestalt, setze sie am Ende des Vishtara ein und vollziehe alles wie zuvor.“ Wegen der Formulierung „wenn kein Toter vorhanden ist“ kommt auch der als Leichenersatz dienende Kusha-Vishtara für einen Pashu nicht in Betracht: Zum Ersatz ist nur der berechtigt, der zum eigentlichen [Verfahren] berechtigt ist. So wird es im Sudharnava erklärt.
Band III, S. 731–732, Weihe anderer Sitze im Merutantra
Deutsch: Auch die Weihe anderer Sitze wird im Merutantra erklärt: „Kusha, Tigerfell, eine rote Decke oder den Komala genannten Sitz umhülle man mit gelbem Stoff. Nachdem der Sitz ordentlich hergerichtet ist, reinige man ihn und vollziehe die Puja nach dem im Kalpa erklärten Verfahren. ‚Maheshvari, ich reinige den Sitz zur Puja.‘ Nachdem man so die Erlaubnis der Göttin erhalten hat, besprenge man den Sitz mit Wasser unter dem Grund- und Herz-Mantra, umhülle ihn mit Kavacha, schütze ihn mit dem Astra-Mantra und vergegenwärtige ihn als Sadashiva. Dort wiederhole man den Pitha-Mantra hingebungsvoll hundertachtmal. Nachdem Sadashiva mit den verfügbaren Gaben verehrt wurde, spreche man: ‚Herr der Siddhis, Mahadeva, Spender aller Siddhis, schenke mir in Gestalt dieses Sitzes die ersehnte Vollendung!‘ Diesen Mantra sprechend setze man sich auf den Sitz. Nach ordnungsgemäßem Vollzug gebe man dem Guru Dakshina.“ Damit ist die Sitzweihe beendet.
Band III, S. 732, Orte der Kali-Praxis
Deutsch: Nun die Orte, im Phetkarini: „Bei einem einzelnen Linga, auf einer Verbrennungsstätte, in einem verlassenen Haus oder an einer Kreuzung: Dort verwirkliche der Yogi die Vidya, welche den drei Welten angemessen ist.“ Das Merkmal eines einzelnen Lingas wird ebendort erklärt: „Wo im Umkreis von fünf Krosha kein weiteres Linga zu sehen ist, heißt es Einzel-Linga; dort ist die Siddhi unübertrefflich.“ Die Kennzeichen der Verbrennungsstätte und weiterer Orte werden im Trishaktiratnakara erklärt: „Wo Tote verbrannt werden, wo Leichen und Pfähle zahlreich sind, wo Geier, Schakale, Krähenscharen und nach Fleisch gierende Hunde und andere Tiere sich sammeln, das heißt Verbrennungsstätte, von Pishacha-Scharen aufgesucht. Mit Krähennestern und ähnlichem versehen, mit Häuten, schirmartigen Gebilden und anderem [krittichchhatra ist nicht ganz sicher], von den Stadtbewohnern verlassen und Angst und Unruhe erregend, reich an auf dem Gebäude wachsendem Gras: Das heißt verlassenes Haus. Wo vier Wege zugleich zusammentreffen, heißt es Kreuzung; sie schenkt nachts das Gewünschte. Jeder früher genannte Ort ist vorzuziehen, jeder spätere geringer. An einem menschenleeren Ort oder auf einem Berg, an einer einsamen Kreuzung, in einem Tempel ohne Gottheitsbild, am Fuß eines Bilva-Baumes, am Flussufer …“ [Die Ortsliste setzt sich im nächsten Abschnitt fort; ujjata am Beginn ist unsicher gelesen.]
Band III, S. 733, Weitere Orte und Verehrungsraum
Deutsch: „… im eigenen Haus, in einem einsamen Garten und in der Nähe eines Ashvattha-Baumes.“ Im Kumari-Tantra: „Wenn diese fehlen, in einem schönen Haus, mit Zinnober und anderen [Zeichen] geschmückt, mit Schwert, Dreizack, Keule, Kanchu [Gegenstand unklar], Yakschweiffächern und weiteren Fächern ausgestattet, voll von Baldachinen und Räucherwerk, vom Duft schwarzen Aguru erfüllt. Der anmutige Tanz junger erwachsener, Wein trinkender Kurtisanen schmückt es; Muschelhörner und Glocken erklingen, Reihen von Lampen leuchten. In einem solchen Haus ist Kalikas Puja besonders schön.“
Band III, S. 733–734, Purashcharana im Vira- und Svatantra-Tantra
Deutsch: Nun das Verfahren des Purashcharana im Viratantra: „Zuerst vollziehe man Purashcharana zur Verwirklichung des Mantras. Danach führe der Mantraübende mit wirksam gewordenem Mantra die auf besondere Wünsche gerichteten Riten aus.“ Im Svatantra-Tantra: „Tagsüber wiederhole man hunderttausendmal, rein und von Havishya lebend. Danach bringe man ein Zehntel als Homa mit Opferspeise dar, Geliebte. Tarpana für Parameshvari geschehe mit Wasser einer heiligen Stätte, mit Milch, Ghee, Honig oder zuckervermischtem Wasser. Mit einem Zehntel der Tarpana-Zahl besprenge man die Göttin mit Wasser. Entsprechend einem Zehntel davon speise man hingebungsvoll [Brahmanen] mit Havishya, Geliebte. [Der Satzanfang ist beschädigt; genannt sind] vedakundige Brahmanen. Dem Guru gebe man Dakshina. Der Pashu-Kalpa ist schwierig; höre nun den Vira-Kalpa, Geliebte. Nachts verehre man die Göttin ordnungsgemäß mit Fleisch und gegorenen Getränken. Danach wiederhole man den Mantra hunderttausendmal, nackt mit einer nackten Frau den Liebesakt vollziehend oder im Liebesspiel. Dann opfere man der Göttin im flammenden Feuer einer yoni-förmigen Opfergrube Ghee zusammen mit Fleisch und Fisch. Mit einem Zehntel vollziehe der Sadhaka Tarpana mit einer Mischung aus Wein und Fleisch, besprenge die weltverkörpernde Göttin mit einem Zehntel der Tarpana-Zahl und speise entsprechend einem Zehntel davon gute Sadhakas, die Kalika lieben. Wein, Fleisch, Fisch und Speisen zum Kauen gebe man ihnen. Danach erfreue man den Guru hingebungsvoll mit Gold und anderen Gaben, Geliebte. Durch diese beiden Verfahren wird der Mantra gewiss wirksam, Göttin.“
Band III, S. 734, Weitere Purashcharana-Regeln
Deutsch: Im Kali-Tantra: „Zu Beginn vollziehe man die vorbereitende Weihe unter Einhaltung der Regeln. Tagsüber wiederhole man die Vidya hunderttausendmal, rein und von Havishya lebend; nachts auf dem Bett, mit Betel im Mund, ebenfalls hunderttausendmal. Dann ist der Mantra wirksam und der Übende zu Anwendungen befähigt, anders nicht.“ Im Sadhanasamuchchaya: „Die täglichen Pflichten vollziehe man tagsüber, die Puja nachts. Nach der Puja übe man Japa, erfreut vom Genuss des Karana [hier des rituellen Getränks]. Schon durch hunderttausend Wiederholungen wird die Kali-Vidya wirksam.“ Im Bhairava-Tantra: „Tagsüber wiederhole man hunderttausendmal, von Havishya lebend, mit beherrschten Sinnen, während des Purashcharana ganz dem Brahmacharya ergeben. Ebenso übe der Mantraübende nachts hunderttausend Wiederholungen, dem Geschlechtsverkehr hingegeben. Nach dieser Folge ritueller Verhaltensweisen verwirkliche er seinen Mantra. Durch das vorgeschriebene Verfahren entsteht Mantra-Siddhi, ohne Zweifel.“
Band III, S. 734–735, Bhairavayamala und Mahakala-Stuti
Deutsch: Im Bhairavayamala: „Wer das Diksha-Verfahren kennengelernt und vom Guru den Mantra empfangen hat, ihn tagsüber hunderttausendmal wiederholt, nachts Havishya isst und dessen Geist nicht von Neid, Begierde, Zorn, Gier und anderem bewegt wird, der ist ein vorzüglicher Sadhaka. Nachts hunderttausendmal, am Ende des Liebesverkehrs mit den eigenen Frauen, nackt und mit offenem Haar, den Geist auf dich gerichtet …“ [Der zitierte zweite Vers bleibt in der Quelle unvollständig.] In der Mahakala-Stuti: „Wer sich beherrscht, tagsüber von Havishya lebt und den Mantra hunderttausendmal wiederholt, Mutter, ganz in die Meditation über deine beiden Füße versunken, und dann nachts nackt, im Genuss der Liebe, den Mantra wiederum hunderttausendmal [wiederholt] — dieser Mensch wird auf Erden dem Vernichter Kamas [Shiva] gleich.“
Band III, S. 735, Merutantra und Vira-Chudamani
Deutsch: Im Merutantra: „Hunderttausendmal wiederhole man den Mantra tagsüber, rein und von Havishya lebend; ebenso nachts hunderttausendmal in unreinem Zustand. Ein Zehntel opfere man mit Ghee; Tarpana und Besprengung schließe man an. Homa, Tarpana und Puja sind besonders sorgfältig auszuführen. Danach vollziehe man Anwendungen für besondere Wünsche, um die ersehnten Früchte zu erlangen.“ In der Vira-Chudamani: „Ich erkläre das höchst wunderbare, in Andeutungen gelehrte Sadhana-Verfahren; allein durch seine Erkenntnis entsteht die Fähigkeit des Himmelswanderns. Sorgfältig vollziehe man Homa mit Milchreis oder Sesam. Gebadet, weiß gekleidet und rein, verrichte man tagsüber die täglichen Pflichten. Nachts vollziehe man Puja nach der Vorschrift der fünf Mudras. Nach eben diesem Verfahren wiederhole der Kundige hunderttausendmal. Die jeweils eigenen Pflichten voranstellend, werde er Herr aller Siddhis. Er vollziehe liebevolle Gebärden und Gefühlsausdrücke und führe die Mahachina-Lata herbei.“ [Lata, wörtlich „Ranke“, bezeichnet hier wohl die Ritualpartnerin; die Schlusswendung bleibt nicht vollständig eindeutig.]
Band III, S. 736, Shrutisiddhanta-Tantra und verschiedene Berechtigungen
Deutsch: Im Shrutisiddhanta-Tantra: „Mit eben diesem [Mittel] vollziehe man stets Tarpana, Bad, Trinken und das Weitere. Im rechten Weg gilt der Pashu-Kalpa, für die Anhänger des linken der Vira-Kalpa. Auf diese beiden Verfahren gestützt, wird der Mantra rasch wirksam. Mit Erlaubnis des Gurus, gebadet, weiß gekleidet und rein, wiederhole man die Vidya tagsüber hunderttausendmal unter Einhaltung des Brahmacharya. Nachts verehre man die Herrin der Götter mit den Gaben des linken Weges; nach ordnungsgemäßer Verehrung der Shaktis und dem Fest des Liebesverkehrs sitze man auf dem Komala genannten Sitz, mit offenem Haar und unbekleidet, Betel im Mund und Zinnober auf der Stirn. Man nehme die geheime Mala und wiederhole hunderttausendmal mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Dies ist das Verfahren für jene, die den Kula-Weg angenommen haben.“ Raghavabhatta und andere erklären hierzu: Für den Brahmanen oder den Pashu gelten hunderttausend Wiederholungen am Tag mit den Opferdiensten des rechten Weges; für den Shudra und den Vira hunderttausend Wiederholungen in der Nacht mit den Opferdiensten des linken Weges. Ihre Auffassung beruht auf dem Wort des Phetkarini-Tantra: „Almosenspeise und andere regelgebundene Nahrung sind einmal nachts vorgeschrieben. Der Zweimalgeborene, der Purashcharana ausübt, soll Japa am Tag vollziehen.“ Ebenso auf dem Wort des Merutantra: „Gebadet, weiß gekleidet, rein und mit gesammeltem Geist soll man tagsüber alles ausführen, um Dharma, Kama und Artha zu verwirklichen. Dieses Verfahren ist hier für sämtliche Zweimalgeborenen gelehrt.“ Daher [gilt] beim von Brahmanen und anderen vollzogenen Purashcharana [das folgende Zitat].
Band III, S. 736–737, Tages- und Nachtzeit nach der Berechtigung
Deutsch: „Zu den drei Tagesübergängen vollziehe man die Gottheitsverehrung und Japa. Nachts berühre man weder Mantra noch Mala.“ Wegen dieses Wortes der Bhavachudamani im Abschnitt über den Pashu-Bhava gilt beim Purashcharana eines Pashu allein der Tag als Zeit. Entsprechend heißt es: „Für sämtliche Zweimalgeborenen wird hier das Verfahren am Tag gelehrt; für Shudras wird das nächtliche Opfer als besonders fruchtbar bezeichnet.“ Aufgrund dieses zweiten Halbverses der Mahakala-Samhita [gilt dies] beim Purashcharana eines Shudra. „Nach Ablauf des ersten Nachtabschnitts bis zum Ende des dritten Prahara soll man Japa nur nachts üben, nicht im verbleibenden Teil der Nacht.“ Wegen dieses Wortes der Mundamala im Abschnitt über das Vira-Purashcharana steht fest, dass für den Vira allein die Nacht die Zeit ist. Ferner heißt es im Kalikularnava: „Nachdem der Sadhaka die Vidya, dunkel wie eine Regenwolke, aus dem Mund eines Pashu-Gurus empfangen hat, wiederholt er sie hunderttausendmal nach dem Pashu-Verfahren. Nachdem er Kalika in göttlicher Gestalt aus dem Mund eines Divya-Gurus empfangen hat, wiederhole er ihren Mantra stets hunderttausendmal nach dem Vira-Verfahren.“ Und im Kalikrama: „Den eigenen Verhaltensregeln stets ergeben, wiederhole der Pashu tagsüber hunderttausendmal; ein Divya oder Vira übe nachts hunderttausend Wiederholungen.“ Daraus [wird geschlossen], dass für alle ein Purashcharana aus nur hunderttausend Wiederholungen zustande kommt.
Band III, S. 737–738, Einwand aus Kumari- und Niruttara-Tantra
Deutsch: Bei dieser Auffassung lässt sich jedoch der Widerspruch zum Kumari-Tantra schwer vermeiden. Dieses schreibt für alle ein Purashcharana aus insgesamt zweihunderttausend Wiederholungen vor, mit jeweils verschiedenen Begleithandlungen: „Tagsüber wiederhole man die Vidya hunderttausendmal, rein und von Havishya lebend; nachts auf dem Bett, mit Betel im Mund, ebenfalls hunderttausendmal. Nachdem der Mantrakenner so zweihunderttausendmal wiederholt hat, opfere er, Göttin, als zehnten Teil zehntausendmal, unterschieden nach Tag und Nacht.“ [Die zehntausend Opfer sind hier jeweils auf die Tages- und Nachtgruppe bezogen.] Auch im Niruttara-Tantra wird ausdrücklich Japa im Umfang von zweihunderttausend genannt: „Zweihunderttausendmal wiederhole man die Vidya, unterschieden nach Tag und Nacht.“
Band III, S. 738, Auffassung des Sudharnava-Verfassers
Deutsch: Der Verfasser des Sudharnava dagegen [erklärt]: Aus den Worten „Nachdem man so zweihunderttausendmal wiederholt hat“ des Kumari-Tantra und ähnlichen Texten folgt zunächst für jeden insgesamt zweihunderttausendfacher Japa, je hunderttausend am Tag und in der Nacht mit unterschiedlichen Verhaltensregeln. Davon macht jedoch das Wort des Kalikrama eine Ausnahme: „Den eigenen Regeln stets ergeben, wiederhole der Pashu tagsüber hunderttausendmal; ein Divya oder Vira übe nachts hunderttausend Wiederholungen.“ Dann ergäbe sich auch für einen Vira-Brahmanen nächtlicher Japa unter Verwendung von Maireya [einem alkoholischen Getränk]. Das widerspräche Aussagen wie „Ein Brahmane, der Wein darbringt, verliert sein Brahmanentum“ sowie der Bhavachudamani, die im Abschnitt über Vira-Bhava für einen Brahmanen Milch vorschreibt. Hier greift als Ausnahme das Wort: „Für sämtliche Zweimalgeborenen wird hier das Verfahren am Tag gelehrt.“ Daraus ergibt sich auch für einen Vira-Brahmanen hunderttausendfacher Japa am Tag ohne Maireya und ähnliche [Stoffe]. Für Kshatriyas und Vaishyas hebt wiederum der zweite Halbvers „Für Shudras wird das nächtliche Opfer als besonders fruchtbar bezeichnet“ die Beschränkung auf ausschließlich nächtlichen Japa auf. Daher bezieht sich das Wort des Kumari-Kalpa letztlich auf Kshatriyas und Vaishyas. Die allgemeine Regel bleibt bestehen, nachdem ihre Ausnahmefälle ausgeschieden sind. Der nächtliche Japa der Pashus wird durch die Bhavachudamani im Pashu-Abschnitt ausgeschlossen. So ist alles widerspruchsfrei [nach dieser Auslegung].
Band III, S. 738, Guru-Herkunft und Krishnabhatta
Deutsch: Tatsächlich aber, so erklären [andere], folgt aus „aus dem Mund eines Pashu-Gurus empfangen“ und den weiteren Worten des Kalikularnava: Hunderttausend Wiederholungen gelten, wenn ein von einem Pashu empfangener Mantra im Pashu-Bhava oder ein von einem Vira empfangener im Vira-Bhava praktiziert wird; bei umgekehrtem Vorgehen sind es zweihunderttausend. Bei diesem umgekehrten Vorgehen müssen die zweihunderttausend Wiederholungen nach dem Kumari-Tantra ausgeführt werden. Da es unmöglich ist, einen von einem Vira empfangenen Mantra im Pashu-Bhava zu verwirklichen, bedeutet „umgekehrt“ hier allein, einen von einem Pashu empfangenen Mantra im Vira-Bhava zu praktizieren; das ist zu beachten. Dazu erklärt der ehrwürdige Krishnabhatta: Wegen „Nachdem man so zweihunderttausendmal wiederholt hat“ und ähnlicher Aussagen des Kumari-Tantra beträgt der Japa für alle genau zweihunderttausend. Die Worte des Kalikularnava, Kalikrama und anderer Schriften, die für Pashu, Divya und Vira jeweils hunderttausend vorschreiben, beziehen sich dagegen auf einen bereits verwirklichten Mantra.
Band III, S. 739, Bereits verwirklichte Mantras und Ritualmittel
Deutsch: Deshalb heißt es im Yamala und anderen [Schriften]: „Wenn man durch glückliche Fügung einen vom Guru verwirklichten Mantra erhält, übe man nur hunderttausend Wiederholungen und vollziehe dann alle Riten.“ Die Besonderheit hierbei ist folgende: Aus den Worten des Svatantra-Tantra und anderer Schriften — „Nachts verehre man die Göttin ordnungsgemäß mit Fleisch und gegorenen Getränken; dann vollziehe man nackt mit einer nackten Frau den Liebesakt“ — ergäben sich auch für einen Brahmanen die Darbringung von Maireya und Ähnlichem sowie Geschlechtsverkehr vor dem nächtlichen Japa. Das Erstere widerspräche Mahakalas Wort „Ein Brahmane, der Wein darbringt …“; das Zweite den Worten „Wenn er unwissentlich seine eigene Frau aufgesucht hat …“ des Siddhantasampradaya und anderer Schriften im allgemeinen Purashcharana-Abschnitt. Beides wird aber durch folgende Ausnahme der Mahakala-Samhita eingeschränkt: „Ein Brahmane verehre Shiva [hier die Göttin] ausschließlich mit sattvigen Stoffen. Angehörige der Kshatriya-, Vaishya- und Shudra-Gruppen üben Japa, indem sie die eigene Frau, die Frau eines anderen oder eine allgemein zugängliche Frau umarmen.“
Band III, S. 739, Pashu-Verhalten und nächtlicher Japa
Deutsch: Ferner: „Wer die aus der eigenen Herkunft stammende Blüte [rituelle Bezeichnung, hier nicht näher erklärt] und den Hetu-Stoff [das rituelle Getränk] berührt oder daran riecht, Bhairava, reinigt sich durch Panchagavya. Außerhalb der fruchtbaren Zeit soll man nicht aus Verlangen eine Frau aufsuchen.“ Durch diese und ähnliche Aussagen der Bhavachudamani im Pashu-Abschnitt werden die beiden Handlungen auch für nichtbrahmanische Pashus ausgeschlossen. Das Wort der Bhavachudamani, das allen Pashus nächtlichen Japa verbietet, bezieht sich jedoch auf Pashus, die andere Gottheiten als diese und die verwandten [Gottheiten] verehren. Denn im Abschnitt über die besonderen Wunschriten eines Pashu schreibt das Shrutisiddhanta-Tantra auch nächtlichen Japa für den Verehrer dieser Gottheit vor: „Auch nachts wiederhole man so lange, bis die Folgen des Versäumnisses beruhigt sind.“ [Nun wird das zuvor genannte Wort erneut aufgegriffen:] „Für Shudras wird das nächtliche Opfer als besonders fruchtbar bezeichnet.“ [Seine Auslegung folgt im nächsten Abschnitt.]
Band III, S. 740, Ritualgetränke und Abschluss der referierten Auffassung
Deutsch: Dieses Wort [über Shudras und die Nacht] weist auf eine größere Frucht ihres nächtlichen Japa hin; es verbietet ihnen nicht den Japa am Tag. Somit gelten für Vira und Divya hunderttausend Wiederholungen tagsüber nach dem Pashu-Kalpa und hunderttausend nachts nach dem Vira-Kalpa. Doch auch dabei verwendet nur ein Shudra tatsächlich Maireya und ähnliche [Getränke]; ein Angehöriger der drei anderen Gruppen verwendet sie nicht, selbst wenn er ein Vira ist. Denn im Bhairava-Tantra heißt es: „Brahmanen sollen ihr Tarpana mit Milch darbringen, Angehörige der Königsgeschlechter mit Ghee, Vaishyas mit Honig und Shudras mit gegorenen Getränken.“ Deshalb heißt es auch in der Mahakala-Samhita: „Die größere Frucht, von der bei anfänglicher Weindarbringung gesprochen wird, bezieht sich auf Shudras, Geliebte, nicht auf Zweimalgeborene.“ Für den Pashu gelten hunderttausend Wiederholungen am Tag nach Dakshinachara und hunderttausend nachts nach demselben Verfahren. So erklären [diese Ausleger], dass für alle das Purashcharana letztlich aus zweihunderttausend Wiederholungen besteht.
Band III, S. 740, Eigene Auffassung des Verfassers
Deutsch: Mir hingegen stellt es sich folgendermaßen dar: Das Wort des Shrutisiddhanta-Tantra „Im rechten Weg gilt der Pashu-Kalpa, für die Anhänger des linken der Vira-Kalpa“ stellt fest, dass der Rechtswegige allein zum Pashu-Kalpa, der Linkswegige allein zum Vira-Kalpa berechtigt ist. Nachdem ebendort das Purashcharana nach beiden Verfahren erklärt wurde, heißt es: „Dieses Verfahren ist für jene gelehrt, die den Kula-Weg angenommen haben.“ Im Bhairava-Tantra heißt es: „So verwirkliche man seinen Mantra nach der Abfolge des Kulachara.“ Und im Abschnitt über die Verhaltensweisen des Vadavanala: „Mit den Handlungen des rechten und linken Weges verbunden, vereinigt der Kaulika beide.“ Daher ist zu erkennen, dass nur der Kaulika zur Verbindung beider Verfahren berechtigt ist. Somit besteht das Purashcharana des Rechtswegigen aus hunderttausend Wiederholungen tagsüber nach dem Pashu-Kalpa; das des Linkswegigen aus hunderttausend Wiederholungen nachts nach dem Vira-Kalpa; das des Kaulika aus beiden zusammen. Mit den Wegen unterscheidet sich also auch das Purashcharana.
Band III, S. 741, Auslegung der Gruppenbezeichnungen
Deutsch: In „Für sämtliche Zweimalgeborenen“ und ähnlichen Stellen bezeichnet „Zweimalgeborene“ die Pashus, nicht nur die Brahmanen; das Wort benennt nämlich die drei Gruppen. Daher ist „sämtliche“ gesetzt, um Kshatriyas und Vaishyas einzuschließen. Der zweite Halbvers wurde dagegen nicht herangezogen. Andernfalls bliebe die Frage nach der Regel für Kshatriyas und Vaishyas ungeklärt — dies hat der Verfasser des Sudharnava selbst gesagt. Ein Pashu ist ein Anhänger des rechten Weges. Entsprechend bezeichnet „Shudra“ im zweiten Halbvers einen Anhänger des linken Weges. Deshalb heißt es im Merutantra: „Für die Gruppen von den Shudras bis zu den Yavanas liegt Siddhi im linken Weg.“ In „vom Divya-Guru“ und in „ein Divya oder ein Vira“ sind Divya und Vira Linkswegige, keine Kaulikas. Denn es wird noch erklärt werden, dass beide jeweils zweifach sind, unterschieden nach Kaulika- und linkem Weg. So sind die Worte des Kalikularnava und anderer Schriften, die hunderttausend Wiederholungen tagsüber vorschreiben, auf den rechten Weg zu beziehen; die Worte des Sadhanasamuchchaya und anderer Schriften, die hunderttausend nachts vorschreiben, auf den linken Weg; und die Worte des Bhairava- und Kumari-Tantra, die zusammen zweihunderttausend nach Tag und Nacht vorschreiben, auf den Kula-Weg. Auf diese Weise fügt sich alles ohne Widerspruch zusammen. Auch in Aussagen wie „Tagsüber wiederhole man die Vidya hunderttausendmal, rein und von Havishya lebend; ebenso nachts hunderttausendmal in unreinem Zustand“ sollen die Einsichtigen die drei Formen des Purashcharana erkennen, die zu den drei Wegen passen.
Band III, S. 741–742, Einwand gegen die Berechtigung des Pashu
Deutsch: Einwand: Wie können Pashus zur Sadhana dieser Gottheit berechtigt sein? Im Niruttara-Tantra wird es doch verboten: „Ohne Divya-Bhava oder Vira-Bhava verehre man Kali nicht. Wer es dennoch tut, kommt in die Hölle und erleidet bei jedem Schritt Leid. Wenn einer im Pashu-Bhava Kali verehrt, Göttin, geht er in die Raurava-Hölle bis zur [angerufenen] Weltauflösung.“ Antwort: Nein. Die mit „Divya-Bhava“ beginnenden Aussagen stehen im Abschnitt über Vamachara; sie verbieten Anhängern des linken Weges, den Pashu-Bhava anzunehmen. Ihr Sinn lautet also: Ein Linkswegiger soll Kali nicht ohne Divya-Bhava verehren; wenn er sie im Pashu-Bhava verehrt, gelangt er in die Raurava-Hölle. So heißt es auch anderswo: „Der Linkswegige nehme Divya-Bhava oder Vira-Bhava an; schon durch Umgang mit einem Pashu geht er in die Raurava-Hölle.“ Dagegen sagt das Shrutisiddhanta-Tantra: „Für Brahmanen gilt Pashu-Bhava als heilsamer. Daher verehre ein Brahmane Kali nach dem Pashu-Kalpa.“ Und der Siddhantasara sagt: „Ein Brahmane verehre Mahamaya auf dem rechten Weg.“ Somit bleibt die Berechtigung der Pashus zur Verehrung dieser Gottheit unberührt. Andernfalls wären die zuvor angeführten Worte des Kalikularnava „aus dem Mund eines Pashu-Gurus empfangen“ und des Kalikrama „Den eigenen Regeln stets ergeben, wiederhole der Pashu tagsüber hunderttausendmal“ widersinnig.
Band III, S. 742, Vira-Praxis und Brahmanen
Deutsch: Ebenso sind die folgenden Worte des Niruttara-Tantra auf den Vira zu beziehen: „Gerät der Sadhaka in Unruhe, entsteht auch Unruhe der Göttin. Darum verehre man Parameshvari, nachdem man gegessen und getrunken hat. Wer Dakshina-Kalis Japa übt, ohne Wein getrunken, Fleisch gegessen und sich mit einer menstruierenden Frau vereinigt zu haben, erleidet bei jedem Schritt Leid. Mit Kala-Asava [Getränkbezeichnung nicht näher erläutert] vollziehe man Tarpana für Kalika, Geliebte.“ Viele erklären: Weil selbst einem Vira-Brahmanen Maireya und Ähnliches verboten sind, beziehen sich diese Worte auf nichtbrahmanische Viras. Tatsächlich aber ist einem Brahmanen bereits Vira-Bhava und dergleichen verboten, da gesagt wurde: „Für Brahmanen gilt Pashu-Bhava …“ Einwand: [Wie passt dazu:] „Ein Brahmane bringe Kalika im Vira-Bhava Wein, Fisch, Fleisch, Mudra und Geschlechtsverkehr dar. Ein Brahmane, Kshatriya, Vaishya oder Shudra, der im Kali-Zeitalter nach Befreiung strebt, verehre Kali durch Kula-Yoga mit den fünf [Stoffen].“
Band III, S. 743, Fünf Merkmale des Brahmanen
Deutsch: Wenn man aufgrund dieser und ähnlicher Worte des Niruttara-Tantra fragt, weshalb ein Brahmane nicht zum Vira-Bhava berechtigt sei, lautet die Antwort: So verhält es sich nicht. Im Merutantra heißt es: „Brahmanischer Same und Mutterschoß, aus Brahman hervorgegangene Sakramente, brahmanische Lebensführung und Brahman-Wissen machen einen zum Brahmanen.“ Von diesen fünf Merkmalen fehlen, in umgekehrter Reihenfolge der Aufzählung betrachtet, vier bei jenem Brahmanen, der einem Shudra gleichgestellt wird. Nur ein solcher ist zu Vamachara berechtigt. Ebenso ist nur ein solcher Brahmane, der aus sämtlichen Verhaltensordnungen gefallen ist, zu Kulachara berechtigt. Ein anderer Brahmane ist zu keinem der beiden Wege berechtigt; daher gilt für ihn das Verbot des Vira-Bhava. Das sagt das Merutantra: „Nur jener Brahmane, bei dem lediglich eines der genannten Merkmale zu finden ist, soll hier zum linken Weg berechtigt sein.“ Ferner: „Für diejenigen, denen vier Merkmale fehlen, bestehen die Kaulika-Wege und ähnliche.“ Und: „Wer aus sämtlichen Verhaltensordnungen gefallen ist, nehme Zuflucht zu Kulachara. Wer auch aus Kulachara fällt, geht in die Raurava-Hölle.“ Deshalb heißt es im Bhavanirnaya: „Ein Vrishala [hier eine abwertende soziale Bezeichnung] nehme niemals Pashu-Bhava an; ein Brahmane stelle sich Vira-Bhava nicht einmal im Geist vor.“ Das Wort „und“ schließt dabei auch Divya-Bhava ein. Wo immer also ein Satz einem Brahmanen die Verwendung von Alkohol vorschreibt, muss „Brahmane“ als jener Vira-Brahmane verstanden werden, dem die vier genannten Merkmale fehlen. Denn nach tantrischer Auffassung wird auch auf ihn das Wort Brahmane angewandt. Deshalb sagt das Merutantra ausdrücklich: „nur jener Brahmane“.
Band III, S. 743–744, Kularnava und Sautramani
Deutsch: Das Wort des Kularnava lautet: „Ein Brahmane soll stets trinken, ein Kshatriya beim Eintritt in die Schlacht, Vaishyas bei der Verwendung von Vermögen; Shudras dagegen niemals.“ Es lässt sich auch durch eine besondere Auslegung von „stets zu trinken“ vereinbaren [die betreffende Wortdeutung ist im Druck beschädigt und bleibt offen]. Ferner hat Harinatha Upadhyaya im Abschnitt über den Dharma des Kali-Zeitalters des Grihya-Parishishta das Annehmen von Sura beim Sautramani-Ritus verboten. Und wir haben hier bereits gezeigt, welcher Brahmane zu Kulachara berechtigt ist. Daher lässt sich auch das Wort des Samayachara einordnen: „Beim Sautramani und im Kulachara soll ein Brahmane Sura trinken.“
Band III, S. 744, Grenzen der allgemeinen Aussagen über Weindarbringung
Deutsch: Was aber das Wort des Yamala betrifft — „Im Treta-Zeitalter wurde die Göttin von allen Herkunftsgruppen mit Ghee verehrt, im Dvapara von allen Varnas mit süßen Getränken; im Kali-Zeitalter ist sie allein mit gegorenen Getränken zu verehren“ —, so bezeichnet „alle Varnas“ hier die Gruppen außer den Brahmanen. Denn die Mahakala-Samhita verbietet einem Brahmanen die Darbringung von Maireya in jeder Weise: „Der in den drei Veden und ihren Opfern Kundige, der Gott auf Erden, die Biene an der Lotusblüte der dreifüßigen [Gayatri], soll niemals Wein berühren oder ihn der Göttin darbringen.“ Entsprechend bezieht sich auch die Ersatzregel des Bhairava-Tantra nur auf den zuvor beschriebenen Vira-Brahmanen: „Wo die ausgezeichnete Weindarbringung unbedingt vorgeschrieben ist, bereite der Brahmane in einem Kupfergefäß Kuh[-Milch] und Honig.“ Ein anderer Brahmane ist auch hierzu nicht berechtigt; denn ein anderes Tantra sagt: „Wenn ein Brahmane selbst einen solchen Ersatz vollzieht, wird er zum Chandala.“ [Die sozialen Wertungen sind Aussagen der zitierten historischen Texte.]
Band III, S. 744–745, Zwölf Ersatzgetränke
Deutsch: In der Mahakala-Samhita: „Gelegentlich darf ein Zweimalgeborener der Göttin den als Ersatz beschriebenen Sura darbringen. Ich nenne dir die Ersatzgetränke; höre aufmerksam, Göttin. Gleiche Teile frischen Ingwers und Rohzuckers sollen als Sura gelten; ferner Honig in einem Kupfergefäß und darin auch Kuhmilch; Kokoswasser in Bronze, Palmsaft in Messing, Mangosaft in Ranga [Metallbezeichnung, wohl Zinn], Saft der Jackfrucht in einem Muschelhorn, Trauben in einer Madhuka-Blattschale, deren Blüten auf einem Blatt desselben Baumes, Tamarindensaft auf einem Lotusblatt und Karaka-Getränk auf einem Ashvattha-Blatt. Diese gelten als zwölf Ersatzgetränke, Schönangesichtige. [Die Aufzählung lässt die Zählung von zwölf nicht eindeutig nachvollziehen.] Wenn ein Zweimalgeborener Alkohol darbringen möchte, gebe er diese, nicht Sura. Auch diese sollen sattvige, um den Dharma besorgte Menschen nicht darbringen. Ob Alkohol oder Ersatzalkohol: [Der folgende Satz über die Benennung und den Verlust des rituellen Status ist sprachlich beschädigt; er warnt auch vor einer bloßen Benennung als Alkohol.]“ Das Wort „Zweimalgeborener“ bezeichnet hier die Zweimalgeborenen außer den Brahmanen, nicht einen Brahmanen. Deshalb heißt es ebendort: „Kokoswasser in Bronze, Kuhmilch und Honig in Kupfer: Diese Darbringung gilt für Kshatriyas und Vaishyas, niemals für einen Brahmanen. Schon durch eine solche Darbringung wird die Lebensdauer eines Brahmanen verkürzt.“
Band III, S. 745, Kularahashya und Mahakala-Samhita
Deutsch: Ebenso ist das Wort des Kularahasya „Auch wenn Kalika hingebungsvoll mit vielerlei Opferdiensten verehrt wird, ist sie ohne Verbindung mit den Makaras nicht zufrieden“ auf die Verehrung durch Shudras und andere [dieses Weges] zu beziehen. Denn bei der Verehrung durch Brahmanen und andere wird gelehrt, dass sie schon durch sattvige Opferdienste zufrieden ist. [In der überlieferten Verbindung steht ein syntaktisch störendes na; die Begründung folgt dem erkennbaren Zusammenhang.] All dies steht ausdrücklich in der Mahakala-Samhita: „Wenn andere Dinge vorhanden sind, die der Göttin Freude bereiten, wozu dann dieser Sura, der wie der Schmutz schlechter Nahrung ist? Alkohol und Fleisch, mit Eiter vermischt, sind für Bhutas, Pretas und Pishachas bestimmt. Ein Brahmane darf sie weder der Göttin geben noch selbst verzehren. Sie wird dadurch nicht zufrieden, sondern empfindet großen Ekel und Unruhe. Daher soll ein Zweimalgeborener keinen Sura darbringen. Vernichtet sind Veda und Dharma, die eigene jenseitige Zukunft, Familie, Herkunft und Brahmanentum durch den Toren, der sich für weise hält und unwissend Sura trinkt …“ [Die Quellenfußnote nennt für „mit Eiter vermischt“ die Variante „Eiter-Schmutz“.]
Band III, S. 746, Rede der Göttin über reine Gaben
Deutsch: „… Was hat er getan, verwirklicht oder erworben, wenn er durch Alkoholgenuss alles Eigene vernichtet hat? So von Unwissenheit berauscht, wird er bald auch mich vernichten!“ So gerät Mahamaya bei seinem Anblick in Unruhe. „[Es folgt eine abwertende Aufzählung von Berufs- und Herkunftsgruppen:] Kaivartas, Pulkasas, Ambashthas, Kharjurakas, Antyavasayins, Lederarbeiter, Menschenfeinde, Medas und vom Bambusgewerbe Lebende — ihre gekochten, verbrannten oder rohen Speisen [die Verbindung andhya ist unklar] und Stoffe bringt man mir dar! Wie könnte mir vor denen nicht ekeln, die dies wie Amrita trinken? Verlangen danach habe ich nicht. Gibt es denn keine anderen Dinge für Naivedya? Was als unberührbar gilt, bringen Kaulikas herbei und geben es mir. Die Rig-, Yajus-, Saman- und Atharvangiras-Texte sowie die großen Mantras, millionenfach größer als die Veden, reinigen jene, in deren Körper sie wohnen. Diese Menschen aber wollen sogar mich mit ihren alkoholgefüllten Kehlen überschwemmen — wie erstaunlich! Mit sattvigen Speisegaben, Wurzeln, Blumen, Früchten und Blättern bin ich wahrhaft zufrieden; fehlen sie, mit innerer Zuwendung und Hingabe. Nicht mit Massen von Wein und Fleisch, den Speisen von Pretas und Rakshasas.“ [Die Polemik wird als Aussage der zitierten Göttinnenrede übersetzt.]
Band III, S. 746–747, Die Weisen und ihre Verehrung
Deutsch: „Brahmas geistgeborene Söhne, Marichi, Atri, Angiras und die übrigen, und Tausende weitere aus ihren Linien: Kashyapa, Durvasas, Dattatreya, Chandra, Brihaspati, Vishravas, Shakti, Daksha, Mrikandus Sohn, Narada, Kapila, Vyasa, Kalagni, Jamadagnis Sohn, Daksha [hier nochmals in der Form Daksha/Daksha-Abkömmling], Kavi, Atharvan, Shandilya, Gautama, Manu, Nachiketas, Bharadvaja, Shvetashvatara, Aurva, Dadhichi, Chyavana, Richika, Parashara, Shatatapa, Lomasha, Jaigishavya, Devala, Paithinasi, Vitahavya, Samvarta, Agasti, Asuri, Upamanyu, Matanga, Vajashravas, Katha, Uddalaka, Aruneya, Ashvalayana, Uttanka, Yavakrita, Kalayana und Ritashravas: Diese und andere Weise haben Veden und Vedangas durchdrungen. Sie vollziehen alle Opfer mit vollkommener, vortrefflicher Dakshina, hören den gesamten Nigama, üben schweres Tapas, meditieren über das ungeteilte Brahman und wiederholen meinen Mantra. Stets verehren sie mich allein mit sattvigen Opferdiensten. Ihre Herzen sind mir dargebracht, sie sind stets von meiner Gegenwart erfüllt, haben stets bei mir Zuflucht gefunden, sind friedvoll, gezügelt und Herren ihrer Sinne. Sie leben von Luft oder ohne Nahrung und bewahren ihre Zeugungskraft. Solche vermöchten durch die Macht ihres Tapas selbst Indra zu stürzen. Weshalb haben sie mir keinen Alkohol dargebracht? Weil sie seinen großen Makel, seine Verwerflichkeit und sein Hervorrufen von Schuld erkannt haben: Er bringt Schande, Verlust des rituellen Status und Unreinheit, zerstört die jenseitige Zukunft, führt zur Hölle, vernichtet brahmanischen Stand und Herkunft und stellt einen den Mlechchhas gleich. Darum verwarfen sie ihn und hielten sich an den Weg der Shruti. Wenn er makellos wäre und Verdienst brächte, weshalb hätten jene Zweimalgeborenen mir keinen Sura gegeben? Auch andere Zweimalgeborene, die diese Ordnung des Dharma kennen, …“ [Fortsetzung im nächsten Abschnitt.]
Band III, S. 748, Fortsetzung der Göttinnenrede und Unterscheidung der Gaben
Deutsch: Fortsetzung des auf S.747 begonnenen Satzes: „… werden mir keinesfalls Alkohol darbringen. Wer aber, obgleich über den Sinn der Schriften belehrt, mein Wort missachtet und aus Verblendung handelt, dessen Geist von Gier beeinträchtigt ist, den wird Dharmarāja ohne Zweifel mit harten Strafen und dem Sturz in schreckliche Höllen züchtigen.“ So sprach die Mutter der Welt einst wahrhaft zu mir. Darauf sprach ich, Göttin, mit den aus ihrem Mund hervorgegangenen Worten: „Die Zweimalgeborenen, die künftig die in der Shruti verkündete große Dharma-Aussage und das Gebot der Göttin übertreten und Alkohol darbringen, haben Mahāmāyā als Richterin.“ Nun höre die weitere Unterweisung. Ein Nicht-Zweimalgeborener soll der Göttin im Verborgenen Alkohol darbringen und selbst täglich den großen Prasāda genießen, Geliebte. Fleisch und gebratene Fische soll er ebenfalls stets darbringen. Mit solchen Angehörigen der Shudra-Gruppe und weiteren Gruppen sei Kālī sogleich zufrieden. In demselben Maß, wie die Alkoholgabe bei Zweimalgeborenen getadelt werde, sei sie bei Shudras zu loben, Schönfarbige. Deshalb solle ein Shudra der Göttin sorgfältig Alkohol darbringen. Die soziale Unterscheidung und die Strafandrohungen sind Aussagen der zitierten historischen Quelle; die Wendung śrotavyaṃ śṛṇvataḥ ist syntaktisch gedrängt.
Band III, S. 748, Verheißung und Verhältnis zur Nahrung der Gottheit
Deutsch: Durch die Alkoholgabe, heißt es weiter, erlange der Shudra langes Leben, Freiheit von Krankheit, Beredsamkeit, Achtung beim König, Fülle an Söhnen, Landbesitz, Ehefrau und Vermögen und zuletzt den Zugang zum Himmel und weiteren Welten. Was in Tantras und anderen Schriften an besonderer Frucht einer Alkoholgabe verkündet wird, sei auf Shudras zu beziehen, nicht auf Zweimalgeborene, Geliebte. Von welcher Nahrung ein Mensch selbst lebt, von dieser Nahrung lebt nach dieser Darstellung auch seine Gottheit; ebenso erhalten seine Ahnen diese Nahrung. Dies nennt der Text die vedische Ordnung.
Band III, S. 749, Historische Rangordnung und Zuweisung von Eigenschaften
Deutsch: Unter allen Arten von Lebewesen sei Menschsein äußerst selten. Innerhalb der Menschen behauptet die Quelle folgende Rangordnung: Ein Shudra stehe über den als Antyaja bezeichneten Gruppen; ein Vaishya sei hundertmal höher, ein König tausendmal höher als ein Vaishya, ein dem Selbststudium hingegebener Brahmane wiederum zehn Millionen Mal höher als ein König. Deshalb habe Brahmā, nachdem er zu Beginn die bewegliche und unbewegliche Welt geschaffen hatte, alles besonders Wertvolle den Zweimalgeborenen gegeben: die Veden und die Schriften ihrer sechs Hilfswissenschaften, Geduld, Wahrhaftigkeit, Askese, Standhaftigkeit, Reinheit, Geben, Mitgefühl, Dharma, Unterscheidungsvermögen, freundliche Rede, Verzicht, Frieden, angemessene Grenzen, Selbststudium und Nachdenken über das Selbst; ferner Opfer, alle Opferstoffe, Kuhprodukte, Milch und reine Nahrung. Dem Shudra habe er jeweils das Gegenteil zugeteilt, dazu Dienst an den drei anderen Ständen, Lebensunterhalt durch Handwerke und Ausschluss von Mantras. Die weitere abwertende Liste nennt fehlende beziehungsweise unreine rituelle Reinheit, Ausschluss aus der gemeinsamen Speisereihe, Unberührbarkeit, Ausschluss vom Studium und von Gesprächen; Gebrauch und Verkauf von Alkohol und Fleisch, deren Darbringung an die Götter und Verzehr als Nahrung; Reisen in sogenannte Mleccha-Länder und Umgang mit ihren Bewohnern, gewagte Unternehmungen und Ausschluss vom Hören der Veden. Die nebeneinander gedruckten Wörter anāśaucatva und aśaucitva sind in ihrem Gegensatz unklar. Die Rangordnung und Ausschlüsse werden als historische Polemik wiedergegeben, nicht als heutige Bewertung von Menschen.
Band III, S. 749–750, Abschluss der Alkoholdebatte
Deutsch: Aus diesem Grund, Göttin, wird unter Berufung auf die vedische Ordnung eine nach sozialen Gruppen unterschiedene Berechtigung zur Alkoholgabe ausgesprochen. Die Druckverbindung avarṇavādādhikāritā ist beschädigt und lässt sich nicht sicher auflösen. Für die zuvor genannten Nicht-Zweimalgeborenen entstehe durch eine Alkoholgabe an die Götter nicht einmal ein geringer Makel; in den Schriften werde vielmehr eine besondere Frucht gelehrt. Deshalb solle der Shudra sorgfältig geklärten Alkohol geben, während der Brahmane diese Stoffe selbst in Lebensgefahr meiden solle. Der folgende Zweizeiler ist sprachlich beschädigt: niṣkasyāpīdṛśān doṣānatha nehātumicchati. Er scheint das Nichtaufgeben solcher Fehler und das Wissen um Dharma oder Schuld gegenüberzustellen; eine sichere vollständige Satzdeutung bleibt offen. Auch die Agastya-Saṃhitā wird zitiert: „Wer die Urgöttin mit Fleisch, Blut und Alkohol verehrt und dabei den dem Stand und Lebensstadium entsprechenden Dharma nicht bedenkt, Herrin der Götter, wird zu Bhūta, Preta, Piśāca oder Brahmarākṣasa.“ Im Merutantra: „Weil Alkohol zusammen mit Amrita entstand, wird er mit Recht gepriesen; weil er auch zusammen mit Gift entstand, wird er getadelt.“ Ferner: „Aus Zucker, Mehl oder Honig bereitete Getränke werden Surā genannt. Sie sind für Kshatriyas und Vaishyas verboten – was wäre dann erst vom Brahmanen zu sagen?“
Band III, S. 750–751, Kālī-Vidyās – einsilbige und sechssilbige Form
Deutsch: Nun die verschiedenen Vidyās nach dem Kālītantra: Die Herzens-Vidyā Kālīs wird als glückverheißende Vollendungs-Vidyā eingeführt, durch deren Japa die Götter einst Siddhi erlangten. Die Chiffre nennt den als Kāma bezeichneten Laut, auf Feuer gesetzt und mit Indirā, Nāda und Bindu verbunden; diese einsilbige Bildung heißt Mantrakönig und sei für einen von Unrecht erfüllten Geist schwer zu erlangen. Dreifach gesetzt eröffne sie das Verständnis aller Schriften; keine gleiche ihr als Spenderin sprachlicher Erkenntnis. Sie werde für Heranziehung, Unter-Einfluss-Bringen, tödliche Rituale, Vertreibung sowie Befriedung und Gedeihen verwendet. Das Schlusswort divyāliṅgāt bleibt lokal unsicher. Meditation, Puja, Sādhana und Puraścaraṇa werden als dem früheren Verfahren entsprechend bezeichnet; die Bezeichnung am Anfang der letzten Zeile von S.750 ist beschädigt. Im Meru heißt es ausdrücklich: Japa und Puja geschehen wie zuvor und gewähren insbesondere Genuss und Befreiung. Im Śrutisiddhānta: „Nach dem eigenen Bīja folgen ,Kālike‘ und die Feuergattin. Diese sechssilbige Vidyā schenkt Genuss und Befreiung.“ Das Merutantra verweist für Nyāsa und Puja wiederum auf das frühere Verfahren. Der anschließend gedruckte Ausdruck viśeṣādrogado ist unsicher; er wird nicht stillschweigend in ein bestimmtes Heilsversprechen umgedeutet.
Band III, S. 751, Kürzere Kālī-Mantras und einundzwanzigsilbige Bildung
Deutsch: Aus derselben Quelle: „Krī̐ hū̐ hrī̐“ wird als dreisilbiger Kālī-Mantra genannt. Japa und weitere Handlungen geschehen wie zuvor; insbesondere werden Nachkommen verheißen. Eine als fünfsilbig bezeichnete Bildung nennt Kālīs Bīja, Hū̐, Māyā, Huṃ und Phaṭ. Nyāsa und Meditation entsprechen dem früheren Verfahren; als besondere Wirkung wird die Abwehr von Bhūtas genannt. Die siebenlautige Form nennt „krī̐ hū̐ hrī̐ hū̐ phaṭ“ und schließt mit Svāhā. Danach folgt eine stark gedrängte, teilweise beschädigte Zeile über drei Mantras mit Māyā, Hūṃ, zweimal Kūrca und als Astra beziehungsweise Indra bezeichneten Endgliedern. Die genaue Aufteilung bleibt offen. Für eine einundzwanzigsilbige Kālī-Form werden Māyā und Bindu in einer unsicheren Verbindung, „dakṣiṇe kālike“, eine Siebenergruppe von Bījas in Auflösungsreihenfolge und Tāra am Anfang genannt. Die Drucklesung māyābindoścarayutam und die unmittelbar vorausgehende Chiffre sind nicht zu einer gesicherten Rezitationsfolge ergänzt. Die hier ausgeschriebenen Bījas tragen überwiegend Candrabindu; der Druck wechselt an einer Stelle zum Anusvāra.
Band III, S. 751–752, Einundzwanzig- und achtsilbige Kālī-Form
Deutsch: Auch im Merutantra: „Nun werde ich einen anderen, einundzwanziglautigen Mantra erklären.“ Der gedruckte Aufbau beginnt mit Oṃ, zweimal Hrī̐, einem Hū̐-Paar, dreimal Krī̐ und „dakṣiṇe kālike“; anschließend werden dreimal Krī̐, zweimal Hū̐ und ein Śakti-Paar genannt. Nyāsa und weitere Handlungen geschehen wie zuvor. Die Zeile mit yugaṃ ist gedrängt und wird als Bildungsschema bewahrt. Am Fuß eines Bilva- oder Vaṭa-Baumes, auf einem Leichnam sitzend, soll der Übende durch hunderttausend Wiederholungen zum Herrn aller Siddhis werden. Eine weitere Zeile nennt nächtliche Wiederholung über eine Monatshälfte und die Vollendung des südlichen Überlieferungsweges; die Druckform dakṣiṇāśrāya ist lokal unsicher. Ferner: „dakṣiṇe kālike svāhā“ heißt der höchste achtsilbige Mantra. Sein Nyāsa entspricht dem früheren. Man meditiert über die Mantraherrin auf Śiva in Leichengestalt, in Vereinigung mit Mahākāla, von Schakalen in den Himmelsrichtungen umgeben. Dies beschreibt das überlieferte Meditationsbild.
Band III, S. 752, Weitere Kālī-Formen und Puraścaraṇa
Deutsch: Puraścaraṇa und Anwendungen geschehen ebenfalls wie zuvor. Es folgt eine als śakravarṇa bezeichnete, nach dem Zahlwort vierzehnsilbige Formel: Krī̐, Hū̐, Hrī̐, „dakṣiṇe kālike“, erneut Krī̐, Hū̐, Hrī̐ und die „Feuergeliebte“ als Schluss. Verehrung, Nyāsa, Meditation und Japa entsprechen dem früheren Verfahren. Insbesondere soll sie Götter und weitere Wesen heranziehen können. Eine weitere Bildung nennt zweimal Hū̐, dreimal Krī̐, zweimal Lajjā, „dakṣiṇe kālike“, dann nochmals dieselben Bīja-Gruppen und Svāhā. Die Silbenzahl ist im Druck als akṛtivarṇavān angegeben und bleibt in dieser Form ungesichert. Nyāsa und Puja geschehen wie zuvor; als besondere Wirkung wird Beeinflussung genannt. Der nächste Mantrakönig nennt dreimal Krī̐, zweimal Hū̐, zweimal Lajjā, „dakṣiṇe kālike“ und Svāhā. Er wird durch das Zahlwort tithi als fünfzehnsilbig bezeichnet; seine Verehrung geschieht wie zuvor, und besonders den Herrschaftslosen verheißt er Herrschaft. Zur Vidyā erklärt der Siddhāntasaṃgraha das Puraścaraṇa: Nach solcher Meditation über Mahākālī folgen vierhunderttausend Wiederholungen und ein Homa mit einem Zehntel davon, mit roten Lotussen und Bilva-Blättern. Verschlüsselte Schlussglieder werden hier nicht durch ungesicherte Silben ergänzt.
Band III, S. 752–753, Mahākāla – Einführung, Mantra und Zuordnungen
Deutsch: Nun der Mahākāla-Mantra im Śaktisaṅgama. Śiva sprach: „Höre von der furchtlosen Erlösung durch die Verehrung Mahākālas. Mahākāla ist überaus furchtbar, dem Feuer der Weltauflösung gleich. Er ist Śiva in engster Einheit mit Kālī und in ihrem Geist gegenwärtig; die Verbindung kālīsāyujyamuddūtaḥ ist textlich unsicher. Mahākāla ist der höchste Śambhu, jenseits des Höchsten und Hort der Eigenschaften. Ich werde seinen Mantra erklären, durch den die drei Welten beschützt werden.“ Der Aufbau nennt zweimal Kūrca, die beiden Wörter „mahākāla prasīda“, zweimal Lajjā und Vahnijāyā. Die Formel wird als sechzehnsilbig bezeichnet. Wie die sechzehnsilbige Vidyā im ganzen Śrīcakra-Maṇḍala den Vorrang hat, so wird Mahākāla unter allen Kālī-Formen gepriesen. Kālī ist seine Seherin, Virāṭ das Versmaß, Mahākāla die Gottheit: allgestaltig und unbefleckt. Kūrca ist das Bīja, Māyā die Śakti, Svāhā das Kīlaka; die Anwendung gilt wunschbezogenen Ritualen. Die sechs Glieder werden mit Māyā gebildet. „Höre nun die Meditation, Schönangesichtige.“
Band III, S. 753, Mahākāla – Meditation
Deutsch: Meditation: Man vergegenwärtige Mahākāla, strahlend wie zehn Millionen Feuer der Weltauflösung, vierarmig und dreiäugig. Er steht inmitten von acht Verbrennungsstätten, ist mit acht Schädeln geschmückt und ruht auf den fünf Pretas. In den rechten und linken Händen trägt er Dreizack, Trommel, Schwert und Schädelschale. Sein schöner Körper ist mit Asche der Verbrennungsstätte bestrichen. Er spielt unter vielerlei Leichnamen; Kālī befindet sich an seinem Herzen. Er liebkost sie, ist der Vereinigung hingegeben und küsst sie heftig. Geier, Schakale und Scharen von Schakalweibchen umgeben ihn. Dichte Haarflechten zieren ihn; er wohnt in der Stätte völliger Leere. Der abschließende Ausdruck sarvaśūnyamuṇḍabhūṣa ist mehrdeutig und bezeichnet einen mit Leere und Schädeln verbundenen Schmuck. Mit heiterem Gesicht ist er Śiva. Der Kommentar ergänzt das im Vers nur mitgedachte Verb: „Man soll ihn so vergegenwärtigen.“
Band III, S. 753–754, Mahākāla – Puraścaraṇa
Deutsch: Nun Puraścaraṇa: Nach solcher Verehrung folgen hunderttausend Wiederholungen, Śivā, und ein Feueropfer mit einem Zehntel davon aus Karavīra-Blüten. Die anschließende alternative Stoffangabe svayambhūvā ’rkabījātaiḥ kāraṇāktaiḥ ist gedrängt und teilweise beschädigt; sie nennt Svayambhū, Arka-Samen beziehungsweise daraus entstandene Stoffe und das Bestreichen mit dem rituell als Kāraṇa bezeichneten Stoff. Eine eindeutige Rezeptur wird nicht daraus hergestellt. Alle täglichen, anlassbedingten und wunschbezogenen Handlungen werden wie bei Kālī vollzogen.
Band III, S. 754, Mahākālī – Mantra und Anrufung
Deutsch: Nun Mahākālīs Mantra im Merutantra: „Jetzt werde ich Mahākālīs großen Mantra erklären.“ Die ausgeschriebene Zeile nennt Oṃ, zweimal Kṣe̐, zweimal Kre̐, „paśuṃ gṛhāṇa“, Hū̐, Phaṭ und Svāhā. Sinngemäß heißt der Wortteil: „Nimm das Opfertier an.“ Die Formel wird mit dem Zahlwort śakra als vierzehnsilbiger Siddha-Mantra bezeichnet; die Nasalzeichen bleiben der Druckform entsprechend. Für diesen bereits vollendeten Mantra seien keine besonderen Angaben zu Seher und weiteren Zuordnungen und kein Nyāsa vorgesehen. In einen Krug voll dunklen Wassers ruft man Kālī, zusammen mit Brāhmī und den anderen Botinnen, und verehrt sie hingebungsvoll. Danach vergegenwärtigt man die Göttin Cāṇḍikā als achte in dieser Gruppe; die Druckform aṣṭamīṃ cāṇḍikām lässt den genauen Gruppenbezug knapp.
Band III, S. 754, Mahākālī – Meditation und Vollendungsverfahren
Deutsch: Meditation: Die Göttin hat fünf Gesichter, ist überaus furchtbar und besitzt an jedem Gesicht drei Augen. In ihren rechten und linken Armen trägt sie Lanze, Dreizack, Bogen, Pfeil, Schild und Schwert; weitere Hände zeigen Wunschgewährung und Furchtlosigkeit. Schlangen bilden ihren Schmuck. Puraścaraṇa: Im Vāmācāra werden hunderttausend Mantrawiederholungen je Silbe genannt. Danach opfert man mit Ghee bestrichene Picumarda-Holzscheite im Feuer und vollzieht Tarpana und die weiteren Glieder. Die gedruckte Feuerangabe rajjvā prajvalite, „mit einer Schnur entzündet“, ist im Zusammenhang auffällig und bleibt als lokale Unsicherheit erhalten. Die Quelle schließt mit dem historischen Anspruch, ein so vollendeter Mantra könne Feinde rasch töten.
Band III, S. 754–755, Bhadrakālī – erste Formel, Meditation und täglicher Japa
Deutsch: Nun Bhadrakālīs höchster Mantra aus derselben Quelle: Hrī̐, „kāli mahākāli“, zweimal „kiṇi“, Phaṭ und die als Vasupriyā bezeichnete Endung werden genannt; vierzehn Silben werden angegeben. Die folgende Nyāsa-Zeile padair bandhair baḍḍhāni jātiyuktāni ist beschädigt. Sie ordnet die Wörter Gliedern und den entsprechenden Endungen zu, ohne dass sich die vollständige Einsetzung sicher rekonstruieren lässt. Meditation: Bhadrakālī ist furchterregend, vom Hunger ausgemergelt und hohläugig. Sie spricht: „Ich bin nicht satt.“ Ihr Gesicht ist schwarz wie Tinte, ihr Haar gelöst, und sie verlangt danach, die Welt zu verschlingen. Ihre Zähne gleichen Jambū-Früchten; ihre Zunge bewegt sich, ihre Gestalt ist schrecklich. Sie trägt Dreizack, Schädelschale, Haken und eine flammende Schlinge. Alles im Kālītantra zu Japa, Nyāsa und Anwendungen Gelehrte gilt auch hier; nun wird das Besondere genannt. Nach ihrer Verehrung wiederhole man den Mantra täglich108-mal. Wer für den Sieg Siddhi sucht, soll eine „Feindgirlande“ anfertigen; die Bezeichnung ripumālā wird hier nicht näher erklärt. Die große Göttin wird als Beseitigerin der Feindesfurcht beschrieben, wobei die Druckform śatrubhayahakāriṇī gestört ist. Nach eigenem Wunsch verehrt, gewährt die beständige Göttin die Erfüllung von Dharma, Kāma und Artha.
Band III, S. 755–756, Bhadrakālī – weitere Formel und Meditation
Deutsch: Nun eine weitere, streng verborgene Bhadrakālī-Formel. Die Anreden lauten: „Geierohrige, Ungleichäugige, mit herabhängenden Brüsten, Großbäuchige!“ Es folgt zweimal „utpāṭaya“, „reiße heraus“. Die weiteren Lautangaben dvir oṣi und dvir ya ve sind beschädigt; danach werden Hū̐, Phaṭ und Svāhā genannt. Auch die als savāgdvivarṇaka gedruckte Silbenzählung bleibt unsicher. Pippalāda ist der Seher, Nicṛt das Versmaß, Bhadrakālī die Gottheit. Für den Herz-Nyāsa steht die unsichere Bildung vihirūpāya; zwei obere Wortgruppen werden dem Kopf, zwei mit ve bezeichnete der Haarspitze, Hū̐ und Phaṭ dem Panzer und Svāhā der Waffe zugeordnet. Meditation: Sie ist überaus furchtbar, hat große Fangzähne und einen schmalen Bauch. Die Folge bhṛśaṃ doṣī bleibt unklar. Runde Augen, eine lange Nase und heftige Erregung werden genannt; mehrere Adjektive der ersten Zeilen sind beschädigt. Ihr Laut gleicht einer dunklen Gewitterwolke, ihre Farbe ebenfalls. Die Wendung bhṛgudhvaṭasandeśā ist nicht sicher deutbar; schreckliches Brüllen folgt. Fangzähne, Lippen und zornrote Augen prägen ihr Gesicht; ihr Kopfhaar ist lang und rot. In ihren Armen hält sie zwei Dreizacke. Als narakīṭapalāśinī wird sie als Verzehrerin menschlichen Fleisches beziehungsweise „Menschengewürms“ beschrieben; das Kompositum bleibt ungewöhnlich. Sie trägt dunkelrote Gewänder, liebt Blut, Fleisch und Rauschtrank, ist mit einer Girlande von Köpfen geschmückt und trinkt Blut. Sie tanzt und lacht, von Piśācas bedient; auf der Schulter eines Piśāca reitet sie über die Erde. Aus Śaṅkaras Mund hervorgegangen, ist sie Yoginī und Geliebte des Yoga. So wird Bhadrakālī, von den Müttern umgeben, vergegenwärtigt. Puraścaraṇa: Nach Meditation und gründlicher Verehrung wiederholt der Kundige den Mantra zehntausendmal und widmet sich dem Mātṛkā-Nyāsa. Ein Ghee-Homa sowie Tarpana und die übrigen Glieder folgen. Abschließend wird auf ein anderswo beschriebenes Verfahren verwiesen; die gedruckte Bezeichnung dhamālyāṃ ist beschädigt. Die unsicheren Silben werden nicht zu einer vermeintlich rezitierbaren Formel ergänzt.
Band III, S. 756, Siddhikālī – Mantra, Seher und Gliederzuordnung
Deutsch: Nun der Siddhikālī-Mantra im Kālītantra: „Ich werde die glückverheißende Vollendungs-Vidyā erklären, große Göttin, die Īśvara einst verkündet hat, die Göttin mit der Bezeichnung Hṛddeśa.“ Die letzte Bezeichnung ist im Druck unsicher. Der Aufbau beginnt mit Praṇava, danach folgen Hṛllekhās Bīja und das Rati-Bīja, verbunden mit der verschlüsselten Angabe pañcamabhaga und zweimal ṭha. Sie wird Königin der Vidyās genannt. Bhairava ist der Seher, Virāṭ das Versmaß. Die Gottheit ist Siddhikālī von glückverheißender Gestalt, Bhuvaneśvarī. Ihr Bīja ist das Rati-Bīja, ihre Śakti Hṛllekhā. Mit Hṛllekhā in den sechs langen Vokalformen und Praṇava am Anfang werden die entsprechenden Einsetzungen gebildet. Die folgende Anweisung zum sechsfachen Nyāsa und zur Meditation steht bereits im anschließenden Text auf S.757. Die verschlüsselte Wortverbindung pañcamabhaga wird ohne ergänzte Rezitationssilben bewahrt.
Band III, S. 757, Abschluss der vorangehenden Kali-Meditation
Deutsch: Dann vollziehe man den sechsfachen Anganyasa, meditiere über die Göttin und werde Shiva. Das Meditationsbild lautet: Möge sie uns beschützen — die Dreiäugige, deren Körper vom Nektar überströmt wird, der aus der mit dem Schwert gespaltenen Mondscheibe fließt. Mit gelöstem Haar trinkt sie aus der Schädelschale in ihrer linken Hand den fließenden Nektar. Der Raum ist ihr Gewand. Sie trägt einen Hüftgürtel, eine juwelenbesetzte Krone und weiteren Schmuck; ihre Zunge leuchtet. Sie glänzt wie ein blauer Lotus, Sonne und Mond strahlen als ihre Ohrringe, und ihre Füße stehen in Alidha-Stellung. Nun das Purashcharana: Der Mantrakundige wiederhole den Mantra zwanzigtausendmal, in Einheiten von je tausend, und vollziehe ein Homa mit einem Zehntel dieser Zahl, wobei er zarte Blumen darbringt. [Die Wendung zu den Tausendereinheiten ist knapp; keine zusätzliche Zahl wird ergänzt.]
Band III, S. 757, Shmashana-Kali-Mantra
Deutsch: Nun der Mantra der Shmashana-Kali, im Svatantra-Tantra: „Höre aufmerksam den Mantra der Shmashana-Kalika, Shiva. Vani, Maya, danach Lakshmi und anschließend das Kama-Bija: Diese Vierergruppe von Bijas schreibe man als Umschließung um ,Kalike‘. Die elfsilbige Vidya, Herrin der Götter, gewährt die Früchte der vier Lebensziele. Rishi ist Bhrigu, das Versmaß Nichrit, die Gottheit die höchste Kalika, die Shmashana genannt wird. Vag und Maya sind Bija und Shakti, Maheshvari; das Kama-Bija ist das Kilaka …“ [Schon der Druck setzt Auslassungspunkte.] Mit den Vidya-Mantras vollziehe man den sechsfachen Nyasa. [Die gedruckte Folge vier–vier–drei–vier ist nicht eindeutig zuzuordnen.] Dann meditiere man gesammelt über Kalika.
Band III, S. 757–758, Shmashana-Kali-Dhyana und Purashcharana
Deutsch: Man meditiere über die Göttin, dunkel wie ein Berg aus Augenschminke, wohnhaft auf dem Verbrennungsplatz: dreiäugig, mit gelöstem Haar, mit ausgetrocknetem Fleisch und furchtbar anzusehen. Ihre Augen sind gelbbraun. In der linken Hand hält sie eine mit Wein gefüllte Schädelschale, in der rechten ein frisch abgeschlagenes Haupt. Sie ist Shiva, die Segensreiche, und ihr Gesicht lächelt. Stets ist sie der Sättigung mit Vama-Fleisch zugewandt [die Fleischbezeichnung bleibt unaufgelöst]. Ihr Körper trägt vielerlei Schmuck; sie ist nackt und berauscht. „Stets mit Leichnamen …“ [Der Schluss ist unvollständig.] „So soll man meditieren“ ist sinngemäß zu ergänzen. Nun das Purashcharana: Für jede Silbe wiederhole man den Mantra hunderttausendmal und vollziehe das Homa mit einem Zehntel davon.
Band III, S. 758, Siddhilakshmi und die neunsilbige Vidya
Deutsch: Nun der Mantra der Siddhilakshmi im Kalanala-Tantra: „Om, Hrim, Hum, Ham, Frem, Kshaum, Kraum, Namah.“ [Die Nasalzeichen sind im Sanskrit nach der Vorlage wiedergegeben; insbesondere fre ist eine vorläufige Lesung des ungewöhnlichen Druckzeichens.] Es folgt die verschlüsselte Erklärung: „Shruti, Chandi, Dogdhri und Shoshini mit Shira; sodann Dola, Malura, Samara und Niratyaya. Am Schluss ist Danda zu erkennen. Dies heißt die neunsilbige Vidya. In den drei Welten gibt es keinen Mantra, der ihr gleicht.“ Die Bija-Schlüsselnamen werden nicht unbelegt in Silben zurückübersetzt.
Band III, S. 758, Siddhilakshmi und die sechzehnsilbige Vidya
Deutsch: Ebendort ein weiterer Mantra: „Nun will ich die Herrin der Götter als vorzüglichste sechzehnsilbige Vidya herausheben. Wer sie auch nur einmal ausspricht, wird aus der Bedrängnis der Geburt befreit.“ Es folgt die oben wiedergegebene Bija-Formel. [Mehrere Konsonantenverbindungen, besonders fre und kshr, bleiben trotz Scanprüfung unsicher; keine als fehlerfrei bestätigte Rezitationsfassung.] Die verschlüsselte Erklärung nennt Chandi, Dogdhri, Shiras-Siddhi, Bhramadri, Protha, Phali, wiederum Shiras, Retas und Pratar am Ende. [Ihre Zuordnung und die anschließende Zeile über Purashcharana und Homa sind gestört; mantrinahridaparyatah ist nicht zuverlässig übersetzbar.] Auch dieser Mantra gilt als der vorzüglichste unter allen Mantras.
Band III, S. 758–759, Siddhilakshmi Rishi und Karanyasa
Deutsch: Ebendort wird für beide der Nyasa von Rishi und den weiteren Zuordnungen angegeben: „Rishi des Shri-Siddhilakshmi-Mantras ist Narada, das Versmaß Gayatri, die Gottheit Siddhilakshmi. Chandi ist das Bija, Samiha die Shakti, Prabandha das Kilaka. Die Anwendung gilt den vier Lebenszielen; so ist sie dir erklärt, Narada. Nun Kara- und Anganyasa: Sie geschehen mit dem Bija, das die sechs langen Vokale annimmt. Ich erkläre es dir leicht verständlich, Bester der Zweimalgeborenen. Nach dem Bija mit vorangestelltem Shruti spreche man ,angushthabhyam‘, ,den beiden Daumen‘, zuletzt Danda. Wieder die beiden Bijas, ,tarjanibhyam‘, ,den beiden Zeigefingern‘, und Danda. Erneut die beiden Bijas, danach Madhyama mit der Endung -bhyam, ,den beiden Mittelfingern‘, und Danda. Wieder dasselbe Bija, Anamika mit -bhyam, ,den beiden Ringfingern‘, und Danda. Nach den beiden Bijas und ,kanishthabhyam‘, ,den beiden kleinen Fingern‘, folgt das Danda-Bija. Ebenso die beiden Bijas, ,karatalaprishthabhyam‘, ,den Handflächen und Handrücken‘, und Danda.“ Die verschlüsselten Bija-Namen bleiben erhalten.
Band III, S. 759, Siddhilakshmi Anganyasa
Deutsch: Nach dem Karanyasa vollziehe der Verständige den Anganyasa. In dieser Reihenfolge, Brahmane, führe er den Sambhava-Nyasa aus: Nach Shruti und Chandi spreche er „hridayaya“, „dem Herzen“, und Danda, Weiser unter den Brahmanen. Dann die beiden Bijas, „shirase“, „dem Haupt“, und das Dogdhri-Bija. Nach diesen beiden Bijas spreche er „shikhayai“, „der Scheitelhaarlocke“, und das Indra-Bija. Wieder die beiden Bijas, „kavachaya“, „dem Schutzpanzer“, und das Dogdhri-Bija, Narada. Nach den beiden Bijas dann „netratrayaya vaushat“, „den drei Augen, Vaushat“. Dies heißt sechsfacher Anganyasa, die Reinigung des Körpers für die Verehrung. [Der Abschnitt nennt fünf Körperzuordnungen; eine sechste Formel wird nicht ergänzt.]
Band III, S. 759–760, Siddhilakshmi Meditation der neunsilbigen Vidya
Deutsch: Nun die Meditation: „Ich erläutere dir ihr Meditationsbild; höre, Sohn des Ungeborenen. Sie ist weiß und sitzt auf einem weißen Leichnam; Menschenköpfe bilden ihre Ohrringe. Fünfgesichtig ist sie, überaus furchtbar, mit drei Augen in jedem Gesicht. Ein Tigerfell umhüllt ihre Hüften, ausgetrocknete Gliedmaßen dienen ihr als Schmuck. Sie trägt einen festgebundenen Yogagurt und Schmuck aus Menschenknochen. Mit sechzehn Händen erstrahlt sie; ihr dichtes Haar fällt lose herab. In den rechten Händen hält sie Schwert, Pfeil, Dreizack, Diskus, Speer, Keule, Japa-Mala und Schneidemesser. Links trägt sie Schild, Bogen, Schlangenfessel, Axt, Damaru, ein junges Schakaltier, Menschenkopf und Schädelschale. Der Schmuck an allen ihren Gliedern leuchtet.“ Dies ist das Meditationsbild der neunsilbigen Vidya.
Band III, S. 760, Siddhilakshmi Meditation der sechzehnsilbigen Vidya
Deutsch: Für die sechzehnsilbige Vidya wird ebendort ein anderes Meditationsbild gelehrt: „Lakshmi besteht aus gewaltigem Licht; sie strahlt wie unzählige Millionen Lichtstrahlen. Sie hat fünf Gesichter, zehn Arme und fünfzehn Augen. Die Göttin ist weiß und befindet sich auf einem großen Preta, inmitten der acht Matrikas; Siddhayogins verehren sie [der Druck liest verkürzt siddhayoga]. Ihr Mund ist weit geöffnet, ihre Zunge zuckt, ihre Flammen verzehren die drei Welten. Die Gewalt ihres Atems erschüttert die großen Gebirgszüge. An einem Ort, auf einem Gipfel oder anderswo löst sie in einem Augenblick alles auf; andernorts erschafft und erhält sie. Voll souveräner Freiheit wirkt sie. Vipern dienen ihr als Schmuck, mit mächtigen Schlangen ist sie geziert. Sie trägt Schlinge und Stachelstab; ihre Lotushände schenken Segen und Furchtlosigkeit. In einer Hand trägt sie das Schwert, das die drei Welten erschüttert; links den überaus furchtbaren Khatvanga, rechts den herrlichen Dreizack, links das himmlische Gefäß voller kostbarer Juwelen. Diese Göttin ist Pratyangira, ekstatisch, aus dem Raumkörper hervorgegangen. Als die Eine durchdringt sie in vielerlei Gestalten das ganze Universum und ist darin gegenwärtig: Pratyangira, die große Göttin, Siddhilakshmi, die Sieg schenkt.“ [Savya kann links oder rechts bedeuten; die folgenden ausdrücklichen Richtungsangaben bleiben erhalten.]
Band III, S. 761, Siddhilakshmi in der Paddhati
Deutsch: In der Paddhati: „Ich verehre Bhagavati Shri-Siddhilakshmi, die Segensreiche. Ihre erhobenen, bewegten Arme erstrahlen mit Schwert, Stachelstab, Schlinge, Dreizack, segnender Hand, Donnerkeil, Bogen, Haupt und Gefäß [die gedrängte Waffenaufzählung enthält anschließend nochmals asi, Schwert; die genaue Zuordnung bleibt offen]. Sie sitzt auf Rudras Schulter, glänzt wie der junge Mond, ist schön, fünfgesichtig und erstrahlt mit drei Augen an jedem ihrer fünf Gesichter.“ Das Purashcharana der beiden genannten Shri-Siddhilakshmi-Mantras ist entsprechend den noch zu behandelnden, in der Mahakala-Samhita überlieferten Verehrungsformen zu verstehen. [Die zusammengesetzte Bezeichnung vor upasya ist im Druck beschädigt; eine bestimmte Rishi-Zuschreibung wird nicht ergänzt.]
Band III, S. 761, Gemeinsamer Verehrungsweg der Kali-Formen
Deutsch: Hierzu das Kalanala-Tantra: „Wie Kamakala-Kali und Guhyakali, Zweimalgeborener, wie Chhinna, Tara und Vajrakapalini, so ist auch die Göttin Siddhilakshmi; es besteht kein Unterschied. Ihre Puja und ebenso ihre Anwendungen sind als ein und derselbe Weg zu verstehen. Was hier nicht gesagt ist, findet man in der Samhita. Aus Furcht, das Werk zu umfangreich zu machen, wurde manches hier nicht ausgeführt. Alles über Siddhilakshmi habe ich dir knapp erklärt; ausführlich steht es in der Mahakala-Samhita, Bester der Zweimalgeborenen. Japa, Purashcharana und Verhaltensregeln sind dort unter dem Namen Kamakala beschrieben, Narada. Nach demselben Weg soll man alles für Siddhilakshmi verstehen. Um Wiederholungen zu vermeiden, führe ich es hier nicht erneut aus.“ [Die Gleichsetzung wird als Aussage dieser Quelle wiedergegeben.]
Band III, S. 761–762, Guhyakali und ihre Verehrungsformen
Deutsch: Nun der Guhyakali-Mantra, in der Mahakala-Samhita: „Geliebte, es gibt achtzehn Formen der Guhyakali-Mantras. In allen Agamas sollen sie geheim gehalten und niemals öffentlich verkündet werden. Mit den verschiedenen Mantras unterscheiden sich die Meditationsbilder, die Yantras und die Reittiere. Jeder Mantra wird nach demjenigen benannt, der ihn geübt hat. Brahma, Vasishtha, Rama, Hiranyakshas Sohn, Kubera, Yama, Bharata, der Zehnköpfige [Ravana], Bali, Vasava [Indra], Vishnu, weitere Götter und verschiedene Daitya-Herrscher verehrten sie um der Verwirklichung willen und erlangten große Siddhi. Sie wird beschrieben mit hundert, achtzig, sechzig, sechsunddreißig und zwanzig Gesichtern; ferner mit zwanzig, zehn, fünf, drei, zwei und einem Gesicht. [Die zweimalige Nennung von zwanzig bleibt erhalten.] Unter diesen ist die von Bharata verehrte Guhyakali zehnköpfig, ihre Vidya sechzehnsilbig, und sie hat vierundfünfzig Arme. Sie gilt als vorzüglichste aller Guhyakali-Formen. Zuerst beschreibe ich sie, danach die übrigen. Der sechzehnsilbige Mantra besteht als verschlossene und als unverschlossene Form. Zuerst erkläre ich die verschlossene, dann die unverschlossene. Das Meditationsbild ist für beide gleich, Parvati.“
Band III, S. 762–763, Bharatas sechzehnsilbige Guhyakali-Vidya
Deutsch: Nun die Gewinnung des Mantras aus seinen Schlüsselbezeichnungen: Zuerst nehme man den Anfang des Veda [Om], dann den zweiten Buchstaben nach pa, verbinde ihn mit e, darunter ra und mit Bindu. Anschließend spreche man „Siddhi“ und „Karali“. Nach Lajja und Krodha entnehme man Vama [der dazwischenstehende Ausdruck karṇorṇi ist unsicher]. Auf Vama setze man Bindu, Vyoma und Bindu [die gedruckte Verbindung ist sprachlich gestört]. Dann folgen das Vadhu-Bija, wiederum das zweite Bija des Mantras, der Ham-Mantra und die Gemahlin des Feuers [Svaha]. Dieser Mantra ist sechzehnsilbig. Eine andere Anordnung: Oder man denke vor dem Kamini-Bija an Krodha. Diese von Bharata verehrte Vidya ist durch einen Fluch verschlossen. Der Verfasser erläutert: Die von Bharata verehrte sechzehnsilbige Vidya ist zweifach. Die erste ist verschlossen, die zweite unverschlossen. [Die verschlüsselte Folge wird wegen lokaler Lesungsprobleme nicht als vollständig entschlüsselte Rezitationsformel ausgegeben.]
Band III, S. 763, Ramas siebzehnsilbige Guhyakali-Vidya
Deutsch: Nun die siebzehnsilbige Vidya: „Ich erkläre jetzt die von Rama verehrte, siebzehnsilbige Form. Auch sie wurde vom Weisen Harita durch die Kraft seines Tapas verschlossen. Zuerst entnehme man demselben Mantra die ersten vier Silben. Auf das zweite Bija setze man ha-sa-kha; so entsteht das fünfte Bija. Das sechste ist ohne kha, das siebte ohne ha und sa; danach folgt ,Karali‘. An die dreizehnte und elfte Stelle setze man die siebte Silbe, an die zwölfte die fünfte und an die vierzehnte die zweite. An die fünfzehnte setze man die erste; der Mantra endet mit der Gemahlin des Feuers. Dies ist die von Harita verehrte Form. Höre nun die von Chyavana verehrte: Bei ihr werden die sechste und fünfte Silbe vertauscht. Allein dadurch entsteht die Chyavani, die überaus große Früchte schenkt.“ Auch die von Rama verehrte siebzehnsilbige Vidya ist also zweifach: die von Harita und die von Chyavana verehrte. Davon ist Haritas Form verschlossen, Chyavanas hingegen unverschlossen.
Band III, S. 763–764, Zuordnungen der Guhyakali-Mantras
Deutsch: Nun Rishi und die weiteren Zuordnungen: „Höre die Zuordnungen für die beiden sechzehnsilbigen Mantraformen; danach erkläre ich sie für die siebzehnsilbige. Rishi ist Atharvan, das Versmaß Jagati, die Gottheit Guhyakali. Die zweite Silbe ist das Kilaka. Das zehnte Bija ist Shakti; ,das zweite sei das neunte‘ [der Bezug dieser knappen gedruckten Angabe ist nicht eindeutig]. Die Absicht richtet sich auf die Verwirklichung der vier Lebensziele. Beim siebzehnsilbigen Mantra ist Parameshthin der Rishi, Supratishtha das Versmaß und Guhyakalika die Gottheit. Die fünfte Silbe ist das Kilaka, die siebte Shakti. Bei der Chyavani ist dies umgekehrt. Die Anwendung gilt der Erlangung aller Siddhis; beim Japa soll sie ausgesprochen werden. Wenn ich dir die Gewinnung der übrigen Mantraformen erkläre, werde ich auch deren Rishi und weitere Zuordnungen nennen, Parvati.“
Band III, S. 764, Sechsfacher Guhyakali-Nyasa
Deutsch: Ebendort der sechsfache Anganyasa: Von Bharatas Vidya lege man der Reihe nach zwei, fünf, drei, zwei, wieder zwei und nochmals zwei Silben an die betreffenden Körperstellen. Diese Silben lege man jeweils zusammen mit Pranava an die jeweilige Stelle. Entsprechend der Silbenanordnung des Chyavani-Mantras werden die dazwischenliegenden Silben der Göttin zwischen den beiden Tara-Silben [Om] eingesetzt. Auf eben diese Weise verfahre man an den Körperstellen auch mit dem von Harita verehrten Mantra. [Die gedruckte Verbindung zur Chyavani-Anordnung ist grammatisch unregelmäßig; die Verfahrensaussage folgt dem erkennbaren Zusammenhang.]
Band III, S. 764, Beginn des gemeinsamen Guhyakali-Dhyana
Deutsch: Nun das Meditationsbild: „Höre das eine gemeinsame Dhyana der von Bharata und der von Rama verehrten Form, wie ich es dir beschreibe. Man meditiere über die Göttin [in folgendem Bild]: Ein roter Ozean erhebt sich und brandet im Morgenlicht; seine überaus hohen Wogen erfüllen alle Himmelsrichtungen. Darin liegt eine Insel, umgeben von Blut und Fleisch, mit rotem Sand, umringt von neun Koti Chamundas und einer Koti Bhairavas [Koti bezeichnet zehn Millionen].“ [Das Meditationsbild wird im nächsten Abschnitt fortgesetzt.]
Band III, S. 765, Mandala und Thron der Göttin
Deutsch: Inmitten dessen meditiere man über ein Mandala von zehntausend Yojanas Ausdehnung. Man stelle sich dort eine Umfassungsmauer aus einer Koti Bhairavis vor. Darin liegt ein Verbrennungsplatz von hundert Yojanas Ausdehnung, dessen Bereich von auflodernden Feuerflammen erfüllt ist [die gedruckte Verbindung dharmamandala ist auffällig]. Das Händeklatschen einer Koti Yoginis lässt ihn erklingen. Girlanden aus Köpfen bilden seine Torbögen [der Beginn der zusammengesetzten Kopfbezeichnung ist unsicher]. Mit einem das All umfassenden Geist meditiere man über Kali, die dort im Inneren weilt. Ihr himmlischer Juwelenthron ist aus Diamanten, Perlen und weiteren Kostbarkeiten gefertigt. An seinen vier Ecken stelle man sich die Zeitalter und Veden als Träger vor: östlich Satya-Yuga und Rigveda, weiß; südlich Treta-Yuga und Yajurveda, gelb; westlich Dvapara-Yuga und Samaveda, rot; nördlich Kali-Yuga und Atharvaveda, dunkel. Der Thron ruht auf den Häuptern der Upavedas und Shastras.
Band III, S. 765–766, Die Richtungswächter als Thronträger
Deutsch: Unter diesem Thron befindet sich ein weiterer großer Thron. Die acht Herren der Himmelsrichtungen tragen ihn, jeder mit seinen Waffen und seinem Reittier. Wach und aufmerksam meditiere man über diese Träger des Göttinnenthrons, die prachtvoll in ihrer jeweiligen Richtung stehen: Indra, gelb, mit dem Vajra, auf Airavata; Pavaka [Agni], rot, auf einem Ziegenbock, einen Speer in der Hand; Yama, schwarz, auf einem Büffel, furchtbar, mit einem Stab; Nirriti, rauchfarben, mit dem Schwert, auf einem Pferd; Varuna, weiß, mit einer Schlinge, auf dem Makara; Vayu, dunkel, mit einem Banner, auf einer Antilope; Kubera, safranfarben, mit einer Keule, auf einem Menschen; Ishana, weiß, mit dem Dreizack, auf einem Stier.
Band III, S. 766, Fünf Mahapretas und Bhairava
Deutsch: Der dritte Thron, Geliebte, wird von den fünf Pretas getragen: Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva. Diese fünf Mahapretas stehen unter dem Thron [die gedruckte Endung ist gestört]. Sie sind der Reihe nach gelb, dunkel, rot, rauchfarben und weiß; sie tragen Stab, Diskus, Speer, Dreizack und Khatvanga. Ihre Zeigefinger liegen am Mund; sie haben drei Augen. Es folgen die Tierbezeichnungen Löwe, Leopard und Eber [ihre syntaktische Zuordnung bleibt offen]; ihre Schreie sind furchtbar. Darüber meditiere man über den schrecklichen Sitz namens Bhairava: klein, sehr beleibt, furchterregend, schwarz, vierarmig, fünfgesichtig und dreiäugig. Er trägt Schmuck [kokasha ist unklar], rechts Khatvanga und Schneidemesser, ferner Schädelschale und Damaru; eine Kette aus Köpfen umgibt ihn, und seine Hauer sind furchtbar.
Band III, S. 766–767, Opferlotus und Shiva-Sitz
Deutsch: Darüber liegt ein sechzehnblättriger Lotus, dessen Blätter die Opfer darstellen: Jyotishtoma, Agnishtoma, Vajapeya, Shodashi, Chayana, Pundarika, Rajasuya, Ashvamedha, Barhaspatya, Vishvajit, Gomedha, Naramedha, Sautramani, Savitri, Suryakanta und Achalambara. Aus diesen sechzehn Blättern ist der Lotus gebildet. Darüber meditiere man über den herrlichen Shiva-Sitz: mit Bindu und Nada, blau, vom Mond gezeichnet, mit kostbarem Schmuck, drei Augen und furchtbarer Erscheinung. Shiva befindet sich auf der Oberseite des Lotus, mit diamantgleichen Hauern und Nägeln [die Verbindung sparshi ist unklar]. Sein rötlichbraunes verfilztes Haar ist hoch aufgetürmt; er hat zwei Arme und trägt Schlangen als Halskette. In ein Tigerfell gekleidet, hält er Dreizack und Khatvanga. Über ihm leuchtet ein achtblättriger Lotus. In den vier Hauptrichtungen befinden sich Dharma, Jnana, Vairagya und Aishvarya; in den Zwischenrichtungen Yashas [Ruhm], Viveka, Kama und Moksha. Auf diesem achtblättrigen Lotus sitzt Guhyakalika.
Band III, S. 767, Zehn Gesichter der Guhyakali
Deutsch: Man meditiere über Guhyakali, dunkel wie ein blauer Lotus, strahlend wie ein Saphir, mit dem Farbton dichter Regenwolken und dem Glanz frischer Durva-Blätter. Sie steht in einem Lichtkreis aus mächtigen dunklen Strahlen. Sie hat zehn Gesichter und siebenundzwanzig Augen. Die nach links, rechts und vorn gerichteten Gesichter haben je zwei Augen, die sieben übrigen je drei. Das oberste Gesicht heißt Dvipaka [Leopard; die anschließende Wortgruppe ist beschädigt]. Darunter ist das weiße, furchtbare Löwengesicht, darunter das schwarze Schakalgesicht, das die drei Welten erschüttert. Links folgt ein hell leuchtendes rotes Affengesicht. Darunter befindet sich ein bunt schillerndes, überaus wildes Menschengesicht. Rechts ist ein rauchfarbenes, furchtbares Bärengesicht, dann links ein rötlichbraunes Garuda-Gesicht mit schönem Schnabel. Rechts wird ein grünliches Makara-Gesicht beschrieben, links ein helles Elefantengesicht, von dem Brunstsaft fließt. Rechts von Kali stelle man sich ein dunkles Pferdegesicht vor. Alle Gesichter sind mit großen Hauern furchtbar anzusehen, geben schreckliche Laute von sich und lachen stets laut auf.
Band III, S. 768, Guhyakalis Gestalt und Schmuck
Deutsch: Shiva, die Segensreiche, trägt diese Tag und Nacht zitternden Gesichter mit hervorgestreckten, zuckenden Zungen. Ihr Dröhnen ist gewaltig, ihre Erscheinung furchtbar, ihre Brauen sind gekrümmt. Das rötlichbraune verfilzte Haar ist hochgebunden, die Mondsichel krönt ihr Haupt. Sie trägt goldenen, mit Köpfen und vielerlei Edelsteinen geschmückten Zierrat. Eine Girlande bluttriefender Menschenköpfe bildet ihre Sternenkette. Ihre Kopfkette reicht vom Hals bis zu den Knöcheln. Halsketten aus weißen Knochenperlen lassen sie erstrahlen. Eine Gruppe von hundert langen Fingern ziert ihre Brust [die genaue Konstruktion bleibt unsicher]. Sie hat ein festes, volles, hohes Brustpaar; ihre Hüften sind wie eine große Plattform aus Smaragdstein gestaltet. Ihr Becken ist weit, ihre Taille sehr schmal. Dunkle, bewegte Glöckchen schmücken sie [das Kompositum ist im Druck beschädigt]. Die Mutter der Welt ist mit vierundfünfzig Armen ausgestattet.
Band III, S. 768–769, Gegenstände in Guhyakalis Händen
Deutsch: In ihren linken Händen trägt sie Juwelenkette, Schädelschale, Fell oder Schild, Schlinge, Speer, Khatvanga, Haupt, Bhushundi-Waffe, Bogen, Diskus, Glocke, den Leichnam eines Kindes, einen Berg, Naraka [Objektbezeichnung unklar], einen Kala-Stößel, eine Schlange, Unmadacha und Shivaka [beide Bezeichnungen unsicher], Hammer, Feuergrube, Damaru, Dindima-Trommel, Bhindipala-Waffe, Stößel, nochmals eine Schlinge, Pattisha-Waffe, Shataghni-Waffe und ein junges Schakaltier. [Die Aufzählung wird nicht stillschweigend an die Armzahl angepasst.] In den rechten Händen trägt sie Juwelenkette, Schneidemesser, Schwert, den erhobenen Zeigefinger, Stachelstab, Stab, Juwelengefäß, Dreizack sowie fünf Pashupata-Pfeile namens Austrocknung, Verwirrung, Ohnmacht, Vernichtung und Tod. Dazu kommen Lanze, Parijata, Dolch, Wurfspeer, Blumenkette, Dindima-Trommel, Geier, Kamandalu, Fleischstück, großer Opferlöffel, Zitronatzitrone, kleiner Opferlöffel, Axt, Keule, Stock, Faust und das Halten eines Leichnams [der letzte Ausdruck ist mehrdeutig]. So trägt sie diese Dinge als die überaus furchtbare Göttin, die das Universum auflöst.
Band III, S. 769, Schlangenschmuck und göttliche Gegenwart
Deutsch: Ihre beiden Fußreifen bestehen aus mächtigen Schlangen, rot wie Hibiskusblüten. Rötliche Schlangen bilden ihre leuchtenden Armreifen, rauchfarbene Schlangen den starken Hüftgürtel; blassweiße Schlangen bilden ihre Ohrgehänge. Weiße Kobras umwinden ihre Krone aus verfilztem Haar. Sie trägt ein Tigerfell und als Obergewand ein Leopardenfell. Ein Netz von Glöckchen schmückt sie; schrecklicher Glockenklang ertönt. Der Klang ihrer Fußreifen ist anmutig, ihr dröhnendes Rasseln furchtbar. Armreifen, Armspangen und Oberarmschmuck aus Menschenknochen zieren sie. Eine Kette aus roten Lotussen reicht bis zu ihren Lotusfüßen. Gürtel, Hals- und Hüftschmuck lassen sie erstrahlen [einzelne Schmuckbezeichnungen sind gedrängt]. Die heilige Schnur glänzt über ihrer Schulter; Yogagurt und Obergewand gehören zu ihrer Gestalt. Sanfter und schrecklicher Schmuck umgibt sie, acht Nagas zieren sie. Juwelenohrringe schmücken ihre Ohren; sie befindet sich in den fünf Feuern der Weltauflösung. Man stelle sich die Göttin auf dem Lotus vor, tanzend, stets gegenwärtig; auch als die im Lotussitz angenehm Sitzende, die Gottheit über allen Göttern. Mit ausgestoßenem Hum-Laut lässt sie ihre Zungenspitze spielen. Drei Koti Shaktis und neun Koti Chamundas begleiten sie.
Band III, S. 770, Guhyakali als nichtduales Bewusstsein
Deutsch: [Die Eingangszeile über die Mahayoginis ist im Druck stark gestört; ihre Zahl und das Verhältnis zur Göttin bleiben offen.] Sie bewegt sich und lacht, umgeben von sechzig Koti Dakinis, achtzig Koti Bhairavis und ihren Gefolgen. Ihr Körper erhebt sich wie im Feuer von Millionen Weltauflösungen [die Wortverbindung bleibt unsicher]; sie strahlt mit den wilden Strahlen von Millionen Sonnen und Blitzen der großen Auflösung. Selbst Götter und Asuras samt Indra vermögen ihren überaus furchtbaren Anblick kaum zu ertragen. Sie vernichtet feindliche Mächte und bezwingt Daityas und Danavas. Zugleich ist sie unveränderlich, ohne begrenzende Erscheinung, unwandelbar und das freie Spiel des Bewusstseins. Sie ist nichtdual, höchste Wonne, ewig, rein und unbefleckt. Sie wird mit den Begriffen Schöpfung, Erhaltung, Auflösung, Anakhya [das Unbenennbare] und Bhasa [Licht oder Offenbarung] bezeichnet. Durch Vedanta wird sie erkannt; sie ist Kaivalya selbst und führt zu Nirvana. Ihr Bereich liegt jenseits dessen, was nicht durch Erkenntnis des eigenen, über die Gunas hinausgehenden Wesens erschlossen ist [das abschließende Kompositum bleibt mehrdeutig]. So meditiere man über Mahakali, deren Jugend sich immer erneuert: Guhyakali, die höchste Herrin, inmitten des Fünfgesichtigen.
Band III, S. 770, Beginn der Guhyakali-Purashcharana-Regeln
Deutsch: Nun das Purashcharana, ebendort: Auf einem Berg, am Flussufer, in einem leeren Haus, einem Shiva-Heiligtum, einem Pitha oder an einer Wegkreuzung vollziehe man das vorzügliche Purashcharana. Dabei sind zahlreiche Regeln sorgfältig einzuhalten; regelwidriges Handeln führt zum Verlust der Siddhi, daran besteht kein Zweifel. Der Zweimalgeborene bade zu den drei Tageszeiten und esse Havishya-Speise. Seinen Mantra und seine Gebetskette zeige er nicht einmal dem Guru [diese auffällige Regel wird unverändert als Textaussage wiedergegeben]. Er lasse unnützes Gerede und üble Nachrede, meide den Umgang mit schlechten Menschen und das Plaudern mit Frauen [historische Regel des angesprochenen Ritualpraktizierenden]. Tuch, Sitz aus Kusha-Gras, Tigerfell und Menschenschädel … [Die Sitzaufzählung wird auf der folgenden Seite fortgesetzt.]
Band III, S. 771, Guhyakali Sitz Mala und Wiederholungszahl
Deutsch: [Fortsetzung der Sitzaufzählung:] Diese gelten als geeignete Sitze, Mahadevi; man richte sich nach Norden. Eine Japa-Mala aus reinem Bergkristall, Rudraksha oder menschlichem Schädelknochen gilt als günstig; die jeweils folgende wird höher bewertet. Nach diesem beschriebenen Verfahren wiederhole man den Mantra hundertfünfzigtausendmal. Das Homa vollziehe man mit einem Zehntel davon, dazu Tarpana und Abhisheka. Danach, Geliebte, kann der Mantrapraktizierende, dessen Mantra verwirklicht ist, die besonderen Anwendungen ausführen.
Band III, S. 771, Lob der sechzehnsilbigen Guhyakali-Vidya
Deutsch: In der Mahatharvana-Samhita: „Die sechzehnsilbige Mahavidya ist selbst für die Götter schwer zu erlangen. Wer sie aufgrund großer, in Millionen Geburten erworbener Verdienste [der anschließende Ausdruck ist unsicher] aus dem Lotusmund eines Sadguru empfangen hat, Herrin des Kula, ist in allen Welten gesegnet und von den Bewohnern der drei Welten zu verehren. In den drei Welten gibt es keine höhere Vidya. Daher sollen die besten Sadhakas diese sechzehnsilbige Vidya mit aller Hingabe wiederholen und Guhyakalika verehren [das entsprechende Verb ist im Druck gestört]. Wer diese Vidya verwirklicht hat, wird wahrhaft Sadashiva.“
Band III, S. 771–772, Guhyakali und Nirguna Brahman
Deutsch: In der Mahakala-Samhita: „Die zehnköpfige Guhyakali, die ich dir beschrieben habe, ist als Urgestalt der Kali-Formen zu erkennen, als Mutter der Welt. Die anderen gelten als ihre Entfaltungen, unterschieden nach Ursache und Wirkung.“ Ferner: „Sie allein, Schönhüftige, ist als die Gestalt des Nirguna Brahman zu erkennen. Die ganze Welt steht unter ihrer Macht; sie selbst steht unter niemandes Macht. Sie erschafft das gesamte Universum, doch niemand erschafft sie. Sie erhält den Samsara, doch niemand erhält sie. Niemand löst sie auf; sie löst all dies auf. Auf ihren Befehl weht der Wind, aus Ehrfurcht vor ihr scheint die Sonne. Aus Ehrfurcht vor ihr wirken Agni und Dhananjaya [der Zusammenhang ist textlich auffällig], und aus Ehrfurcht vor ihr geht der Tod seinen Weg.“ In der Mahatharvana-Samhita: „Brahma, Vishnu, Rudra, Indra und die übrigen Himmelsbewohner sowie Marichi und die anderen Rishis verehren sie allein.“
Band III, S. 772–773, Die Göttin fragt nach Kamakala-Kali
Deutsch: Nun der Kamakala-Kali-Mantra, in der Mahakala-Samhita. Die Göttin sprach: „Höchster über allem Höchsten, Herr der Herren, mit dem Mond als Krone, Ur-Yogin des Yoga, Allwissender, dem Wohlergehen aller Wesen zugewandt! Von dir habe ich die in allen Tantras geheim gehaltenen Mantras und die ordnungsgemäße Verehrung mit Nyasa und den Folgen der Avaranas gehört: Tara, Chhinnamasta, Tripurasundari, Bala, Bagala, Tripura Bhairavi, Kali, Dakshinakali, Kubjika, Vivareshvari, Aghora, Rajamatangi, Siddhilakshmi, Tvara, Ashvarudha, Bhogavati, Nityaklinna, Kukkuti, Kaumari, Varahi, Chamunda, Chandika, Bhuvaneshi, Ucchishta-Chandali, Chandaghantika, Kalasamkarshini und die höchste Guhyakali. Diese und andere Göttinnen hast du samt ihren Mantras erklärt. Kamakala-Kali aber hast du mir noch nicht erläutert, Herr. Soll dieses Wissen selbst vor mir verborgen bleiben, Parameshvara? Gibt es denn in den drei Welten etwas, das du mir nicht sagen könntest, auch wenn es dir noch kostbarer als dein Leben wäre? Warum verbirgst du diese große Gottheit vor mir, Weiser? Wenn ich deiner Gnade würdig bin, von dir geachtet und geliebt werde, wenn du mir wohlgesinnt bist und ich deine Geliebte bin, dann erkläre mir jetzt die Göttin Kamakala-Kali mitsamt Mantra und Meditation.“
Band III, S. 773, Mahakala über Kamakala-Kalis Wirksamkeit
Deutsch: Shri Mahakala sprach: „Gesegnet bist du und von dieser Göttin selbst begnadet, weil sich dein Geist ihr zugewandt hat, Leuchtende. Nachdem ein Eid abgelegt ist, werde ich es dir erklären. Auf Erden gibt es kein vergleichbares Mittel zu Bhukti und Mukti, zu Erfüllung und Befreiung. Dies ist wahrhaftig, Göttin [die Satzverbindung ist im Druck gestört], und in jeder Hinsicht geheim zu halten. Wegen deiner besonderen Hingabe werde ich es dir dennoch sagen. Man könnte Königreich, Vermögen, die eigene Frau oder sogar den eigenen Kopf hingeben — Kamakala-Kali aber soll man niemandem preisgeben. Indra verehrte sie einst, als er die Herrschaft über die Götter suchte; ebenso Varuna, Kubera, Brahma und ich, Rama, Ravana, Yama, Vivasvat, Chandra, Vishnu und weitere große Rishis. Schon durch spielerisches oder beiläufiges Erinnern an sie stellen sich die Segenskräfte von Wissen, Königsherrschaft und Ruhm ein [der letzte Ausdruck ist gestört]. Wer Wissen sucht, erhält Wissen, wer Reichtum sucht, Reichtum; wer ein Königreich sucht, ein Königreich, wer eine Gefährtin sucht, eine glückbringende Gefährtin. Wer Ruhm sucht, erlangt Ansehen, wer Befreiung sucht, Befreiung. Wer die acht Siddhis, beginnend mit Anima, sucht, erlangt diese acht Kräfte.“ [Das sind Heils- und Wirksamkeitsaussagen der zitierten Quelle.]
Band III, S. 774, Kostbarkeit der Vidya und Eid der Geheimhaltung
Deutsch: Ferner: „Wenn diese Vidya durch das voll erblühte Glück der Vorfahren bis zur zweiundsiebzigsten Generation erlangt wird, nehme man sie ohne Zögern an, selbst um den Preis des gesamten Besitzes. Man berühre die Füße des Gurus und wisse: Das Wesentliche ist vollbracht.“ Ferner: „Stünde auf der einen Seite das Geschenk des Lebens, auf der anderen die Übergabe dieser Vidya, so wäre bei einer Abwägung die Gabe dieser Vidya überlegen.“ Ferner: „Selbst durch Verdienste aus Millionen Geburten wird sie vielleicht erlangt, vielleicht nicht. Schwöre, Herrin der Götter: Ich werde sie nirgendwo öffentlich machen. Wahrlich, wahrlich, dreimal wahrlich — danach werde ich sprechen, Parvati. Andernfalls werde ich sie selbst dir nicht erklären; die Göttin selbst ist meine Zeugin.“ Die Göttin sprach: „Ich schwöre bei deinen Lotusfüßen und bei Himavat, meinem Haupt [die Verbindung ist knapp], bei Skanda und Ekadanta, dass ich sie keinem anderen mitteile. Oder ich schwöre bei jener Göttin, die du mir erklären wirst: Sollte ich sie öffentlich machen, möge sie sich von mir abwenden.“ Mahakala sprach: „Gut, gut, Hochbeglückte! Nun vertraue ich dir. Weil du den Eid abgelegt hast, werde ich es dir gewiss erklären. Sei gesammelt und aufmerksam, Schönangesichtige. Sammle deinen Geist, lege die Hände zu Anjali zusammen und höre aufmerksam von mir über Kali, deren Name mit Kamakala beginnt.“
Band III, S. 775, Verhältnis der Kali-Formen
Deutsch: Ferner: „Dieselbe, die Guhyakali ist, ist auch die Kali namens Kamakala. Verschiedene Mantras bedingen verschiedene Meditationsbilder; ihrem Wesen nach ist sie Kamakala [die Textverbindung ist leicht gestört]. Wie Tara drei Formen hat, Sundari siebenundsiebzig und Dakshina fünf, so erscheint Guhyakalika durch Unterschiede von Meditation und Mantra in sieben Formen. Dem fünfsilbigen Mantra entspricht die Göttin Ekajata, dem zweiundzwanzigsilbigen die Göttin Dakshinakali. Ebenso gibt es unter den vielen Formen anderer Gottheiten jeweils Hauptformen, Geliebte. Der Mantra der Göttin Kamakala-Kali ist achtzehnsilbig. Wie die sechzehnsilbige Vidya in der Mitte des Shri-Chakra die Hauptstellung einnimmt, so gilt diese unter den neun Kali-Formen stets als die vorzüglichste. Ihr Mantra heißt Trailokyakarshana, Anziehung der drei Welten. Ich werde seine Gewinnung erklären; höre aufmerksam, Parvati, und bewahre das Gehörte um allen Wohlergehens willen.“
Band III, S. 775–776, Verschlüsselte Bildung des Kamakala-Kali-Mantras
Deutsch: Nun die Gewinnung des Mantras: Die ersten beiden Zeilen über den Anfangsbuchstaben, einen halben Buchstaben, Vama und die am Kopf anzubringende Verbindung sind im Druck sprachlich beschädigt; eine zuverlässige Silbenableitung bleibt offen. Es folgen die Schlüssel: Vahni mit Bindu und dem linken Auge, am Kopf mit Kha; der dritte mit linkem Ohr und Halbmond [die genaue Verbindung bleibt unsicher]. Danach werden rechte Schulter, Lippe, Zahn und Mund genannt, dazu ein linker Laut und Bindu am Kopf; sodann der zweite Buchstabe der Lippenlautgruppe mit Unterlippe und Bindu [ein dazwischenstehender Ausdruck ist beschädigt]. Die sechs Buchstaben des Namens spreche man als Anrede in ihrer Namensfolge. Dann nehme man die fünf Bijas in umgekehrter Reihenfolge, vom Bhuta-Bija bis zum Mara-Bija. Mit der Gemahlin Vaishvanaras [Svaha] ergibt dies den achtzehnsilbigen Mantra. [Die verschlüsselten Anweisungen werden bewahrt; aus den beschädigten Lautschlüsseln wird keine scheinbar sichere Formel konstruiert.]
Band III, S. 776, Lob des Trailokyakarshana-Mantras
Deutsch: „Alle Siddhis, die es gibt, treten schon durch das bloße Erinnern an sie von selbst hervor — was sollte man erst über Japa und die weiteren Übungen sagen! Sieben geheime Mantras der Kamakala-Kali gibt es; unter ihnen gilt dieser als der vorzüglichste. Beim Erinnern an diesen Mantra werden alle Gottheiten überwältigt und angehalten; zitternd erheben sie sich, völlig ergriffen. Sie folgen seinen Weisungen wie Diener. Wozu viele Worte, Herrin der Götter? Wahrhaftig sage ich: Auch mit tausend Gesichtern oder unzähligen Millionen Mündern könnte ich seine Größe in zehntausend Jahren nicht beschreiben. Verstehe es allgemein so: Was der Sadhaka wünscht, das vollbringt er, wie ein zweiter Prajapati. Dieser Mantra heißt Trailokyakarshaka und verwirklicht alle Ziele.“ [Der Text preist hier die Kraft des Mantras; dies ist keine empirische Wirkungszusage.]
Band III, S. 776, Kamakala-Kali Rishi und Nyasa
Deutsch: Nun Rishi-Nyasa und die weiteren Zuordnungen: „Als Nächstes erkläre ich das Versmaß und das Bija. Als Rishi dieser Kamakala-Kali wird ,Brahma-aham‘ genannt [die gedruckte Verbindung lässt offen, ob Brahma und der sprechende Ich-Bezug getrennt zu lesen sind]. Das Versmaß heißt Brihati, die Gottheit ist die genannte Göttin. Das erste Bija ist das Bija; die Krodha-Silbe ist Shakti. Die Anwendung des Ganzen gilt jederzeit der Erlangung aller Siddhis. Den sechsfachen Anganyasa vollziehe man mit den fünf Bijas und einem weiteren Glied mit ihrem Namen. Die einzelnen Namenssilben sind dabei einzusetzen, Parvati.“
Band III, S. 777, Kamakala-Kali Meditation Gesicht und Augen
Deutsch: Nun die Meditation: „Ich erkläre dir ihr Meditationsbild; sammle deinen Geist auf einen einzigen Gegenstand. Sie gleicht einer Hibiskusblüte, die von aufziehenden dunklen Wolken umfangen ist. Ihr Glanz gleicht dem Auge eines berauschten Kuckucks und einer reifen Jambu-Frucht. Ihr dichtes, sehr langes Haar hängt lose herab. Drei Augen, rot wie glühende Kohlen, schmücken sie; ihr Gesicht gleicht Millionen voller Herbstmonde. Zwei lange Hauer lassen ihren Lotusmund furchtbar erscheinen. Ihre zuckende Zunge ragt eine Spanne weit hervor. Durch den geöffneten Mund werden ihre Zahnreihen sichtbar [ein Wort vor dantamandala ist gestört]. Ihr Haupt bewegt sich unablässig; ihre Gestalt ist schreckenerregend. Aus ihrem geöffneten Mund trinkt sie das Blut der an ihren Schultern befestigten Menschenkopf-Girlande [die Verbindung ist beschädigt]. Das Blut aus den beiden Mundwinkeln benetzt ihr Brustpaar. An ihren Lotusbrüsten befinden sich lange Schlangen; mit ihrer zuckenden Zunge leckt und saugt sie daran [die gedrängte Verbindung der letzten beiden Zeilen bleibt unsicher].“
Band III, S. 777–778, Kamakala-Kali Schmuck und Körpergestalt
Deutsch: Ihre Stirn trägt eine rote Zeichnung aus dichtem Menschenblut. Frisch abgetrennte, noch blutende Menschenköpfe bilden ihre Ohrringe. An den Ohren befestigter, bis zur Brust herabhängender Schmuck bewegt sich [die genaue Schmuckbezeichnung ist unsicher]. Eine an den Haaren zusammengebundene Kopfkette, aus der unablässig Blut fließt, reicht vom Hals bis zu den Knöcheln. Halsketten aus weißen Knochenperlen lassen sie erstrahlen. Eine Gruppe von hundert langen Fingern schmückt ihre Brust; sie besitzt ein festes, volles, hohes Brustpaar. Ihre Hüften gleichen einer großen Smaragdplattform, ihr Becken ist weit, ihre Taille sehr schmal. Dunkle Glöckchen schmücken sie [das Kompositum davor ist unsicher]. Sie hat sechzehn kräftige Arme und eine furchtbare Gestalt [der Schlussausdruck ist gestört]. Umwickelte Bündel von Adern aus Leichnamen bilden ihre Armreifen; aus Leichenhaar geflochtene Schnüre bilden ihren Hüftgürtel. Ihr Gürtel ist aus Reihen von Händen kleiner Leichname geknüpft. Ringe aus Fleisch, Fett und Mark schmücken ihre Finger.
Band III, S. 778–779, Kamakala-Kali Hände Begleiter und Erscheinung
Deutsch: Rechts hält sie Schwert, Dreizack, Diskus, Pfeil, Hammer, Lalana [Gegenstand unklar], Schneidemesser und Japa-Mala. Links hält sie Schlinge, Axt, Schlange, Bogen, Muhura [unsichere Waffenbezeichnung], ein junges Schakaltier, eine mit Fett und Blut gefüllte Schädelschale sowie ein herabhängendes Menschenhaupt. Ihre Fußreifen aus verbundenen Leichengerippen glänzen. Sie steht inmitten der schrecklichen Flammen eines Scheiterhaufens auf dem Verbrennungsplatz, auf dem Rücken eines sehr langen, bäuchlings liegenden Leichnams. Die Flammen aus ihrem Mund erfüllen alle Richtungen. Aufgerichtet steht sie in Pratyalidha-Stellung. Links und rechts begleiten sie zwei furchtbare Schakalinnen, die wiederholt heulen und gewaltige Flammen ausstoßen. Sie glänzen wie Blitze; kein Gott kann sich über sie hinwegsetzen. Sie blicken auf Maheshvari. Die Göttin reicht diesen beiden überaus furchtbaren Schakalinnen unter sich Gehirnmasse aus einer Schädelschale. Sie ist raumbekleidet, mit gelöstem Haar und furchterregendem lautem Lachen. Ein siebenfach gebundener Yogagurt aus Tigerfell schmückt sie. Kali wünscht die Vereinigung mit Samhara-Bhairava; von starkem Verlangen erfüllt, lachend, ist ihre Gestalt klein. Ihr Körper erhebt sich wie aus den Flammen von Millionen Weltauflösungsfeuern [das Kompositum ist beschädigt]. Sie strahlt wie die wilden Strahlen von Millionen Sonnen und Blitzen der großen Auflösung. Sie ist Kali, die das Ende eines Weltzeitalters herbeiführt, von der Gestalt des großen Bhairava. Selbst Götter und Asuras samt Indra können ihren überaus schrecklichen Anblick kaum ertragen. Sie vernichtet feindliche Mächte und bezwingt Daityas und Danavas. So meditiere man über die Göttin Kali namens Kamakala.
Band III, S. 779, Kamakala-Kali Vorbereitung und Sitzmantra
Deutsch: Nun das Purashcharana, ebendort: „Als Nächstes erkläre ich das Purashcharana-Verfahren. Schon wenn es einmal ausgeführt ist, soll unmittelbar Siddhi entstehen [die gedruckte Satzverbindung ist gestört]. Boden- und Körperreinigung habe ich bereits beschrieben. Alle für das Purashcharana geltenden Yamas und Niyamas soll man anwenden, stets voller Hingabe. Nach den morgendlichen täglichen Handlungen und der Puja, im Zustand der Reinheit, vergrabe man einen Menschenknochen und spreche folgenden Mantra: Tara [Om], Krodha, Hrom, Pasha, Smara und Bhuta; danach ,Siddhi‘, zweimal ,Dehi‘, ,gib‘, und die Gemahlin des Feuers [Svaha].“ Das Bhuta-Bija wird als „Phraum“ angegeben [die gedruckte Ligatur ist ungewöhnlich; die Sanskritlesung bleibt vorläufig]. Ferner: Darüber breite man den beschriebenen Sitz aus. Mit einem Menschenhaupt vor sich und einer Japa-Mala aus Menschenknochen wiederhole man tagsüber rein und von Havishya-Speise lebend den Mantra hunderttausendmal.
Band III, S. 780, Abschluss des ersten Mahavidya-Abschnitts
Deutsch: Ebenso wiederhole man ihn nachts in unreinem Zustand hunderttausendmal. Der Mantrapraktizierende vollziehe das Homa mit einem Zehntel der Wiederholungen, dazu Tarpana und Abhisheka. Für Homa und die Sättigungsdarbringung gilt das Verfahren der Puja. Ob Puja, besondere Anwendung, Homa oder Tarpana: Alles ist nach dem Guhyakali-Verfahren auszuführen, Reinlächelnde. Was hier nicht beschrieben wird, entnehme man jenem Verfahren; was auch dort nicht ausgeführt ist, richte sich nach dem beschriebenen Dakshina[-Kali]-Verfahren. Damit endet der Abschnitt über die erste Mahavidya.
Band III, S. 780, Eingang zum zweiten Mahavidya-Abschnitt
Deutsch: Nun die zweite Vidya, im Phetkarini-Tantra: Auf dem Gipfel des Kailasa saß der vom Halbmond geschmückte Herr. Die Tochter des Berges, an seiner Brust sitzend, fragte ihn: „Erkläre mir, allwissender Ishana: Welche Vidya erlangten die Dichter und an Tapas Reichen, durch die sie Größe erreichten und Werke wie das Bharata schufen?“ Als Parameshvara die Worte der Bergestochter hörte, lächelte er, umarmte seine Geliebte und würdigte ihre Frage: „Gut, gut! Höre, Tugendhafte, von der Mahavidya, die den Brennstoff der Unwissenheit verbrennt. Nachdem sie diese erlangt hatten, hielten die großen Dichter mit reinem Verstand nichts im Bereich von Dharma, Kama, Artha und Befreiung für unerreichbar. Sie ist die Rede, die in einer Versammlung beim Streitgespräch die Gegner zum Schweigen bringt. Durch Bali-Darbringung nimmt sie den Feinden ihr Wissen. Man kann [den Gegner] sogar Fehlerhaftes sagen lassen, zur Belustigung der Versammelten, und einen Redner, König oder Minister unter Einfluss bringen.“ Der Verfasser erläutert: Gemeint ist, dass man ihn so sprechen lässt und dergleichen. „Schon das Wissen um den Mantra [bewirkt dies]; sein Japa führt zur Allwissenheit.“ [Die Aussagen über Kontrolle und Wirkungen gehören zum zitierten Ritualtext.]
Band III, S. 781, Gewinnung des Tara-Mantras
Deutsch: Nun die Gewinnung des Mantras: Zuerst setze man Sapara, geschmückt mit dem vierten Vokal, verbunden mit ra, strahlend und mit Mond und Bindu. Danach setze man tra, ebenfalls mit dem vierten Vokal; anschließend ha mit langem u. Dann füge man Phat hinzu: So ist der Siddha-Mantra vollständig. Der Verfasser erklärt: Sapara bedeutet den Buchstaben ha; das Übrige ist deutlich. [Die Vokalbezeichnung vor ha ist im Druck als dīrghokāra wiedergegeben; ihre Auslegung folgt der erkennbaren Hum-Bildung und bleibt als solche kenntlich.]
Band III, S. 781, Tara-Mantra im Matsyasukta und Tararnava
Deutsch: Im Matsyasukta: „Nun erkläre ich die unübertreffliche Gewinnung des Mantras der großen Göttin. Wer sie kennt, strahlt wie ein zweiter Vachaspati, Herr der Rede. Zuerst nehme man das Maya-Bija, dann den ersten Buchstaben der ta-Gruppe, verbunden mit Rati, Bindu und Vahni: Dies ist das vorzügliche zweite Bija. Das dritte ist das Kurcha-Bija, danach folgt Phat. Der vollständige Siddha-Mantra ist mit dem Fünfstrahligen verbunden.“ Der Fünfstrahlige bedeutet Pranava. Hierzu das Tararnava: „Man nehme Anuttara und danach Mayottara, verbinde sie mit dem fünften Buchstaben der pa-Gruppe; dies heißt der Fünfstrahlige.“ Anuttara ist a, Mayottara u, der fünfte Buchstabe der pa-Gruppe m.
Band III, S. 781–782, Tara Ekajata und Nilasarasvati
Deutsch: Im Tantrabodha: „Tara [Om], Lajja, tra mit Kamesha, Hum und Phat: Dies ist Ugratarika. Maya, Strim, Hum und zuletzt Astra [Phat] werden Ekajata genannt. Ohne Astra bezeichnet man sie als Nilasarasvati.“ Kamesha ist der Vokal ī. „Dieser dreisilbige große Mantra, der mit Phat endet und im Herzen weilt, ist mit dem Fünfstrahligen verbunden und verbrennt den Brennstoff der Unwissenheit.“ [Die Silbenzählung und ihre Beziehung zu den gerade genannten Formen bleiben im Druck knapp und werden nicht angeglichen.] Im Matsyasukta: „Lajja-Bija, Vadhu-Bija, Kurcha-Bija und Phat: So ist die fünfsilbige Vidya, welche die fünf Elemente offenbart.“ [Pranava ist im Zusammenhang zuvor erklärt.] Ferner: „Ohne Tara und Astra ist sie die dreisilbige Maha-Nilasarasvati. Sie heißt Kulluka und wird in den drei Welten geheim gehalten.“
Band III, S. 782, Vasishthas Fluch und das Vadhu-Bija
Deutsch: Im Tararnava: „Weil Ugra, von Vasishtha verehrt, nicht rasch Frucht schenkte, belegte der Weise sie mit einem überaus schrecklichen Fluch. Von da an schenkte diese Vidya niemandem Frucht. Das Shakti-Bija wurde vor das in Trapa enthaltene Bija gesetzt. Von da an ist die Vidya ruhmreich wie eine Braut, fruchttragend, unter allen Vidyas siegreich für jene, die Sieg erstreben. Sie vernichtet Gegner und schenkt Unsterblichkeit. Schon durch Kenntnis des Mantras wird man auf Erden siegreich. Ein Stummer wird zum Herrn der Rede; ein Mensch wird zu Gishpati [Brihaspati, Herr der Sprache].“ Der Verfasser erläutert: Das Shakti-Bija ist sa, das in Trapa enthaltene Bija tra. So entsteht Strim, das Vadhu-Bija. Der Fluch reicht jedoch nur bis zur Krishna-Inkarnation, denn ein anderes Tantra sagt: „Wenn die Krishna-Inkarnation erschienen ist, wird sie wieder vom Fluch befreit.“
Band III, S. 782–783, Bedeutung der Tara-Silben
Deutsch: Nun die Bedeutung des Mantras im Sadhanasamuccaya: Durch Pranava ist sie von der Gestalt Brahmans; sie ist die Wirklichkeit von So’ham, „Ich bin Das“. [Der folgende Ausdruck tyoshra ist beschädigt.] Es werden reines Leuchten und die durch Indu bezeichnete Gleichheit genannt. Der Vokal ī bedeutet das Ausströmen des Lichtes; mit Bindu wird eine weitere Bestimmung der Göttin gegeben [tatrikam ist unsicher]. Ta ist der Herr aller Rede, ra offenbart ihn. Mit Bindu versehen ist dies das große Bija, das die dichte Fülle Brahmans offenbart. Kurcha ist von der Gestalt des Erwachens, Astra vernichtet die geistige Trägheit. Wer dies mit reinem Selbst erkennt, ist wahrhaft Maheshvara selbst.
Band III, S. 783, Varianten und Früchte der Tara-Vidya
Deutsch: Im Matsyasukta: „Beginnt die Vidya mit dem Shri-Bija, ist sie allseitiger Segen. Dieselbe Mahavidya, mit Maya beginnend, erfüllt alle Wünsche. Mit Vagbhava beginnend ist sie von der Gestalt des großen Ausspruchs und besteht aus aller Rede.“ Ferner: „Es entstehen die Siddhis von Gutika, Vetala, Patala und Vata-Yakshini, das Eintreten in eine fremde Behausung beziehungsweise einen fremden Körper und die Wirksamkeit des Befehls. Schon indem man sie auf der Zunge meditiert, wird man gewiss zum Kenner der drei Zeiten. Der beste Sadhaka, der über ihre verschiedenen Vidya-Formen meditiert, wird zu Lebzeiten befreit und erlangt am Ende endgültige Befreiung.“ In der Brahma-Samhita und im Phetkarini[-Tantra]: „Nilasarasvati gewährt den Welten rasch ihre Gnade, besonders im Kali-Yuga durch meine Gunst. Wenn ein Mantrapraktizierender mit verwirklichtem Mantra selbst einem Kind die Hand auf den Kopf legt und ihm eine Anweisung gibt [der Schluss des Verbsatzes ist gestört], wird auch dieses Verse sprechen.“ Der Verfasser erläutert: Er weist es an: „Verfasse einen Vers!“ Ferner: „Schon aus der Kenntnis des Mantras entsteht [eine besondere Wirksamkeit; anubhavadoyam ist unsicher], und augenblicklich dichterische Rede, die andere nicht zu ermessen vermögen [Schlusslesung unsicher].“
Band III, S. 783–784, Unterschiedliche Rishi-Zuordnungen
Deutsch: Nun der Nyasa von Rishi und den weiteren Zuordnungen. Im Meru-Tantra: Der Weise heißt Akshobhya, das Versmaß Brihati, die Gottheit Tara; Hrim ist das Bija und Hum die Shakti. Im Mantrachudamani: Akshobhya ist Rishi, Brihati das Versmaß, die in den drei Welten geheim gehaltene Nilasarasvati die Gottheit. Hum ist Bija, Astra [Phat] ist Shakti; sie gewährt die Früchte der vier Lebensziele. In der von Damodara Mishra zusammengestellten Sammlung: Akshobhya ist Rishi, Brihati das Versmaß, die geheime Nilasarasvati die Gottheit. Hum ist der Bija-Mantra; Maya gilt als Shakti, Strim als Kilaka [die syntaktische Verbindung ist im Druck gedrängt]. Die Anwendung, Göttin, gilt der Erlangung der vier Lebensziele. Als weitere Angabe des Mantrachudamani wird genannt: „Ugratara ist die Gottheit.“
Band III, S. 784, Ugratara und Nilasarasvati Nyasa
Deutsch: Nun Kara- und Anganyasa. Zuerst für Ugratara im Tarakalpa: Der sechsfache Anganyasa wird mit dem Maya-Bija in seinen sechs langen Vokalformen vollzogen. Für Nilasarasvati im Siddhasarasvata: Nach „Akhila-vag-rupini“, „Gestalt aller Rede“, spreche man „hridayaya namah“, „dem Herzen Verehrung“. Nach „Akhanda-vag-rupini“, „Gestalt ungeteilter Rede“, folgt „shirase“ und die Geliebte des Feuers [Svaha]. Nach „Brahma-vag-rupini“, „Gestalt der Rede Brahmas beziehungsweise Brahmans“, folgt „shikhayai vashat“. Nach „Vishnu-vag-rupini“ spreche man „kavachaya hum“, nach „Rudra-vag-rupini“ „netratrayaya vaushat“, nach „Sarva-vag-rupini“, „Gestalt sämtlicher Rede“, „astraya phat“. Das Bija wird mit den sechs langen Vokalformen von Maya gebildet; diese Wendungen füge man jeweils nach dem Bija hinzu.
Band III, S. 784–785, Ekajata Anganyasa
Deutsch: Für Ekajata im Tattvachudamani: Nach dem Bija wird „Ekajatayai“ dem Herzen zugeordnet, „Tarinyai“ dem Haupt, „Vajrodake“ der Scheitelhaarlocke, „Ugrajate“ dem Schutzpanzer; „Mahapratisare“ und „Pingovaikajate“ werden den Augen beziehungsweise der Waffe zugeordnet. [Die letzte Anrede ist im Druck unsicher.] Nach Aussage der Überlieferung widerspricht dieser Nyasa weder Ugratara noch Ekajata und kann für beide gelten.
Band III, S. 785, Ort der Tara-Meditation
Deutsch: Nun die Meditation im Gandharva-Tantra: Man stelle sich einen Verbrennungsplatz vor und dort einen Kalpa-Baum, der Wünsche erfüllt. An dessen Wurzel befindet sich ein Juwelensitz, mit vielerlei Edelsteinen geschmückt. Schakalinnen, die sich an Fleisch und Knochen erfreuen, umgeben ihn. In allen vier Richtungen liegen Leichname, Köpfe, Knochen und Glut von Scheiterhaufen [die Syntax ist unregelmäßig]. Inmitten dessen vergegenwärtige man sich die Göttin entsprechend dem gelehrten Meditationsbild.
Band III, S. 785, Tara-Dhyana im Nila-Tantra mit Varianten
Deutsch: Im Nila-Tantra: Man meditiere über die furchtbare Göttin in Pratyalidha-Stellung, mit einer Kette aus Köpfen geschmückt, klein, mit herabhängendem Bauch, schreckenerregend, um die Hüften in Tigerfell gehüllt. Sie steht in frischer Jugend und trägt die fünf Mudras [hier besondere Schmuck- oder Kennzeichen]. Sie hat vier Arme, eine spielende Zunge, ist überaus furchtbar und schenkt Segen. Rechts hält sie Schwert und Schneidemesser, links Haupt und Lotus. Sie trägt eine wilde rötlichbraune Haarflechte; Akshobhya schmückt ihren Scheitel. Drei Augen, den Scheiben der aufgehenden Sonne gleich, zieren sie. Sie befindet sich inmitten des lodernden Verbrennungsplatzes, mit furchtbaren Hauern, einem von innerer Ergriffenheit lächelnden Gesicht und Knochenschmuck. In den Wassern, die das Universum durchdringen, steht sie auf einem weißen Lotus. Im Shyamarahasya und anderen Quellen lautet die Lesung: Die beiden rechten Arme tragen Schwert und Schneidemesser; die beiden linken Hände Schädelschale und Lotus. [Savya wird in diesen Formeln unterschiedlich verwendet; die Zuordnung folgt der Gegenüberstellung.] In einem anderen Tantra lautet die Lesung: „Die Göttin, die Schwert und Schneidemesser, Schädelschale und Lotus hält.“
Band III, S. 786, Tara-Dhyana im Mantrachudamani
Deutsch: Im Mantrachudamani: Die Göttin befindet sich darüber, klein und glänzend wie ein blauer Edelstein, mit herabhängendem Bauch und in Tigerfell gehüllten Hüften. Ihre Brüste sind voll und hoch, ihre Augen rund und rot. Ihre Zunge spielt; sie ist überaus furchtbar, die Spitzen ihrer Hauer leuchten. Eine Girlande blauer Lotusse und aufgebundenes verfilztes Haar schmücken sie. Fünf Schädel mit einer weißen Knochenleiste zieren sie. Eine rote Schlange schmückt Stirn und Ohren [die Zuordnung ist gedrängt]; eine große, ganz weiße Schlange bildet ihre leuchtende Halskette. Eine Schlange, dunkel wie Durva-Blätter, bildet die heilige Schnur. Sie hat vier Arme, ihre Fäuste sind mit Blut und Fleischstücken geschmückt. Eine Gebetskette schmückt ihren Haarknoten. In der oberen rechten Hand glänzt ihr scharfes Schwert; sie erfreut die Viras. Darunter hält sie das Schneidemesser [die Verbindung ahijavat ist unklar]. In der oberen linken Hand hält die bezaubernde, raumbekleidete Göttin einen blauen Lotus mit rotem Stiel; darunter eine Schädelschale, weiß wie eine Kunda-Blüte, welche die Trägheit der Welten enthält. Rauchfarbene Schlangen bilden ihre Oberarmspangen, eine goldfarbene Schlange den strahlenden Handreif. Der weiße Mahadeva bildet ihren Sitz [samhika ist unsicher]. Aus Furcht vor dem Entweichen des Lebens zieht er beziehungsweise sie die Fußspitzen zusammen [der Bezug bleibt offen]. Ihr linker Fuß steht auf den beiden Füßen des Leichnams; ihr Gesicht ist stark erhoben. Sie hat drei Augen. Eine Schlange, weiß wie Kunda, ziert ihren Hüftgürtel; eine blutgefärbte Schlange bildet ihren Fußreif. [Das Dhyana wird auf der folgenden Seite fortgesetzt.]
Band III, S. 787, Abschluss des Tara-Dhyana im Mantrachudamani
Deutsch: Fünfzig frisch abgeschlagene, noch blutende Menschenköpfe, rote Schmuckstücke, sind an den Haaren miteinander verknüpft und reichen bis zu ihren Lotusfüßen. Diese große Kette schmückt Parameshvari. Sie steht inmitten des brennenden Scheiterhaufens und trägt ein Leopardenfell als Obergewand. Die Schlange Akshobhya ist mit ihrem Haarknoten verbunden; sie schenkt Segen. [Die beiden abschließenden Zeilen sind im Druck grammatisch stark gestört. Erkennbar sind die so beschriebene große Göttin, ein reiner Geist, der Gegenstand des Yoga, Vijnana beziehungsweise Erkenntnis und die Aussage „Ich bin gelehrt, ein großer Dichter“. Ein zusammenhängender Satz wird daraus nicht erfunden.]
Band III, S. 787–788, Tara im Taropinibandha
Deutsch: Im Taropinibandha [Quellentitel nach dem Druck]: Die Eingangsverse sind mehrfach beschädigt. Erkennbar beschrieben wird die Göttin inmitten gegensätzlicher Worte und Bedeutungen, im Glanz der jungen Sonne, gewichtig, mit hervortretendem Bauch, sehr klein und in frischer Jugend. Eine Verbindung zu einem unter ihr befindlichen Tigerfell und ihrem Haar folgt, ist aber nicht sicher aufzulösen. Sie steht auf einem Leichnam; ein Teil des Leichnams wird mit der Alidha-Stellung verbunden. Sie ist mit einer leuchtenden Kette von Menschenköpfen geschmückt und hat drei vielfarbig-rötliche Augen. Eine einzelne rötlichbraune Haarflechte ziert sie; Knochenschmuck macht ihre Erscheinung furchtbar. Mächtige Schlangen dienen ihr als Schmuck. Mit lautem Lachen schenkt sie den Welten Furchtlosigkeit. Ananta befindet sich in ihrem Haar, Takshaka an den Ohren, die große Schlange Padma als Halskette auf ihrer Brust. Karkotaka bildet die heilige Schnur, Vasuki den Hüftgürtel, Angapala den Armreif und Padma den Fußschmuck. Kulika bildet die Oberarmspange. [Die anschließende Schlangenverbindung ist gestört.] Weiß, rot, hellweiß, dunkel, wiederum weiß und blass sind die genannten Schlangenfarben; eine vollständige eindeutige Einzelzuordnung gibt der beschädigte Satz nicht her. Schädelschale und Schneidemesser werden mit ihrem hochgebundenen Haar verbunden [unsichere Konstruktion]. Sie trägt eine Girlande im Glanz blauer Lotusse und hält rechts das gezogene Schwert. Die fünf Mudras schmücken sie [die vorausgehende Verbindung ist unklar]. Man meditiere über Tarini mit der Kette dunkler Lotusse, die dichterische Kraft hervorbringt und vielfältige Bedeutungen ausströmen lässt [Schlusskompositum unsicher].
Band III, S. 788, Tara-Dhyana im Phetkarini-Tantra
Deutsch: Auch im Phetkarini-Tantra: Ugratara steht in Pratyalidha-Stellung mit dem Fuß auf dem Herzen eines Leichnams. Sie lacht furchtbar laut und schenkt Segen. Ihre Arme tragen Schwert, blauen Lotus, Schneidemesser und Schädelschale. Sie geht aus dem Bija Hum hervor, ist klein, blau und von weiter beziehungsweise mächtiger Gestalt, mit rötlichbraunem verfilztem Haarknoten und Schlangen geschmückt. Die Trägheit der drei Welten legt sie in die Schädelschale und vernichtet sie selbst.
Band III, S. 788–789, Bedeutung von Pratyalidha und Akshobhya
Deutsch: Zur Bestimmung von Pratyalidha im Sangitaratnakara: Der linke Fuß wird in einer bestimmten inneren Stellung gehalten, der rechte fünf Tala weit ausgestreckt. [Die Angaben zur Gelenkstellung und das Wort astau sind im Druck beschädigt.] Die dadurch beschriebene Haltung heißt Alidha; durch Umkehrung ihrer Gliederstellung entsteht Pratyalidha. Der Verfasser erklärt: Tala ist eine Spanne; astau wird durch chakrau erläutert [der körperliche Bezug bleibt unklar]. Zur Wendung „am Scheitel von Akshobhya geschmückt“: Hier ist Akshobhya ein Nagakönig, denn der Bhavachudamani sagt: „Akshobhya befindet sich auf dem Haupt der Göttin und trägt die Gestalt einer Schlange mit bunter Haube.“
Band III, S. 789, Inneres Tara-Purashcharana
Deutsch: Nun das Purashcharana-Verfahren. Zuerst wird im Sadhanasamuccaya die Meditation über den Mantra erklärt: Im Wurzelchakra vergegenwärtige man Hrillekha [Hrim], leuchtend wie Millionen Sonnen; im Svadhishthana das zweite Bija in gelber Farbe. Im Nabel meditiere man über das mächtig strahlende Kurcha-Bija, dunkel wie eine Regenwolke; im Herzen über das Astra-Bija, strahlend wie das Feuer der Weltauflösung. Vom Wurzelzentrum bis zum Brahmarandhra vergegenwärtige man die ganze Vidya, leuchtend wie Millionen Sonnen, dem inneren Blick der Yogins zugänglich. Hierzu das Tara-Tantra: Wer dem Weg freien Handelns folgt [der Druck liest unregelmäßig mantra statt eines eindeutigen Praktizierendenbezugs], nehme zur Vollendung des Purashcharana die geheime Mala und vollziehe hunderttausend Wiederholungen.
Band III, S. 789, Homa Tarpana und Abhisheka der Tara
Deutsch: In der Surendra-Samhita: Man wiederhole den Mantra hunderttausendmal. Mit einem Zehntel dieser Zahl bringe der Mantrapraktizierende dunkle, mit Ghee bestrichene Lotusse im Homa dar; mit einem Zehntel davon vollziehe er Tarpana. Mit reinem Wasser, dem schwarzes Agaru beigefügt ist [das verbindende Wort ist beschädigt], sättige er die höchste Göttin. Das Verfahren wird hier erläutert: Man rufe sie ordnungsgemäß im Wasser an, verehre sie mit Fußwaschwasser, Arghya und weiteren Opferdiensten und sättige die Göttin sowie jedes Mitglied ihres Gefolges. Der beste Sadhaka betrachte sein eigenes Selbst als die Göttin und gieße Wasser auf sein Haupt mit den Worten: „Tarini besprenge ich.“ Der Abhisheka wird mit der Kumbha-Mudra und einer auf Namah endenden Formel vollzogen.
Band III, S. 790, Unterschiedliche Tara-Purashcharanas
Deutsch: Im Tarachudamani: Der Verständige wiederhole den Mantra vierhunderttausendmal und bringe ein Zehntel davon als Homa mit weißen Lotussen beziehungsweise Utpala-Blüten dar. So werde der Mensch zum Herrn der Rede. Im Tararnava: Nach dieser Meditation wiederhole man, von Havishya-Speise lebend, vierhunderttausendmal; oder man nehme die geheime Mala und vollziehe hunderttausend Wiederholungen. Im Meru-Tantra: Die Eröffnung nennt Speisen, Nahrung, Joghurt, auch Wein, Honig, Fleisch und Betel [die Syntax des Satzanfangs ist beschädigt]. Man vollziehe vierhunderttausend Wiederholungen und ein Homa mit einem Zehntel davon, mit roten Lotussen, die in Milch und Ghee getaucht sind. Der nächste Satz liest wörtlich „nachdem man den Schädel eines Leichnams verlassen beziehungsweise weggelegt hat“ und verbindet dies unregelmäßig mit dem Japa-Ort; eine gegenteilige Anweisung wird nicht still eingesetzt. Eine Frau sehend, berührend oder zu ihr gehend bringe man um Mitternacht Bali dar. Frauen soll man nicht hassen [der anschließende Satzteil ist gestört]. Für Japa besteht keine feste Zeitregel; man übe jederzeit [na sthito ist im Zusammenhang unklar]. Als Orte werden Verbrennungsplatz, leeres Haus, einsames Heiligtum, Berg und Wald genannt. Der weitere Satz ist beschädigt; er nennt die Verehrung eines von einem Feind Getöteten sowie eines sechs Monate alten Kindes [im Kontext der Leichnamrituale; kein Tötungsauftrag wird daraus abgeleitet]. Dadurch, so die Quelle, solle man die Vidya rasch verwirklichen und ihre Gegenwart erfahren. Ein Mantrapraktizierender mit verwirklichtem Mantra sei dann zu den besonderen Anwendungen befähigt.
Band III, S. 790, Die von Brahma verehrte Tara
Deutsch: Weitere Formen derselben Vidya, ebendort: „Nun erkläre ich die von Brahma verehrte Tara zur höchsten Verwirklichung der Götter.“ [Der restliche Ausdruck der Einleitungszeile ist beschädigt.] Man spreche „Om Strim Hrim Hum“, dann „Hrim Hum Phat“; die Silbenzählung am Zeilenende ist im Druck nicht eindeutig lesbar und wird nicht ergänzt. Rishi ist Brahma, das Versmaß Gayatri, die Gottheit Tara. Die Nyasas vollziehe man wie zuvor; ihr Meditationsbild wird anschließend beschrieben.
Band III, S. 791, Meditation der von Brahma verehrten Tara
Deutsch: Man verehre sie in weißem Gewand, mit dem Glanz des Mondes und der Mondsichel als Krone. In ihren beiden Händen hält sie Schneidemesser und Schädelschale. Sie ist mit vielerlei Schmuck geziert, dreiäugig und befindet sich auf einem Lotus. Japa, Puja und alle weiteren Handlungen vollziehe man wie zuvor. Durch ein Homa mit Madhuka-Blüten vergegenwärtige man die Vidya [die gedruckte Verbindung kusumatra ist unregelmäßig]. Für das Unter-Einfluss-Bringen stelle man sie sich rot vor, für das Anhalten golden, für tödliche Rituale schwarz, für das Vertreiben rauchfarben und für Befriedung weiß. [Dies sind die Zuordnungen der historischen Ritualquelle.]
Band III, S. 791, Zwölf- und siebensilbige Tara-Vidyas
Deutsch: „Nun erkläre ich die schwer zu erlangende zwölfsilbige Tara, die Brahma verehrte, um Taraka einen Segen zu gewähren: Vach, Lajja, Rama, Kama; als fünftes Kuta ha-sa-ra, verbunden mit au und Visarga. Danach Hum, Ugratare, Hum, Phat. Dies ist der Mantra. Japa und alles Weitere sind wie zuvor auszuführen. Sie schafft Gewissheit im Kali-Zeitalter. Nun erkläre ich die von Brahma verehrte siebensilbige Form, mit der er Hiranyakashipu einen Segen gab: Pranava, Kavacha, Maya und das als fünftes Kuta bezeichnete Hraum; der Abschluss lautet Hum Phat. Nyasa und alles Weitere vollziehe man wie zuvor.“ [Die knappe Verbindung zwischen Hraum und dem fünften Kuta bleibt vorläufig; die Silbenzahlen werden nicht durch zusätzliche Bijas passend gemacht.]
Band III, S. 791–792, Von Hari und Balarama verehrte Tara
Deutsch: „Nun erkläre ich die von Hari verehrte zwölfsilbige Form. Sie schenkt Siddhi und diente der Verbreitung des buddhistischen Weges. In der von Brahma verehrten Vidya wird beim fünften Kuta Sauh eingesetzt. So wird diese zwölfsilbige Vidya verwirklicht, die überragende Einsicht schenkt. [Die folgende gedruckte Zeile über einen mit yatra beginnenden Ausdruck und einen Diener ist nicht zuverlässig aufzulösen.] Nyasa, Meditation, Japa und alles Weitere sind wie zuvor zu verstehen. Nun erkläre ich die von Rama verehrte siebensilbige Form. Der Pflugträger [Balarama] verehrte sie zur Abwendung des Verlusts von Lakshmi beziehungsweise Wohlergehen [der Satz ist unregelmäßig]. In der von Brahma verehrten siebensilbigen Vidya wird das fünfte Kuta weggelassen und durch Saum und Strim ersetzt [das folgende no ist im Druck syntaktisch störend; die genaue Formel bleibt unsicher]. So wurde sie von Balarama verehrt. Sie vernichtet Feinde und schenkt die Vollendung der Rede. Meditation, Puja und besondere Anwendungen sind wie zuvor.“
Band III, S. 792, Tara-Mantras von Narayana und Shiva
Deutsch: „Nun die von Narayana verehrte fünfsilbige Form, durch deren Macht die Daityas bezwungen wurden: Strim, Hum, Phat, Klim und Vagbhava. Die fünfsilbige Vidya schenkt alle Siddhis. Rishi ist Vishnu [der vorausgehende Ausdruck tryarna ist im Druck unklar]; Japa und die weiteren Handlungen sind wie zuvor. Nun erkläre ich die von mir verehrte sechssilbige Vidya, die auch in einer Verbindung mit Ravi und Aditya genannt wird [die Überlieferungsangabe ist gestört]: Om Hrim Hum Hrim Hum Phat. Ich selbst bin ihr Rishi. Nyasa und die besonderen Anwendungen sind wie zuvor. Eine weitere fünfsilbige Formel habe ich für die Überwindung Jalandharas verwirklicht, ihr Götter: Strim, Hum, Maya, Hum, Phat.“ In einem anderen Tantra: „Vadhu-Bija, Kavacha, Maya, Kurcha und Astra. Der zweite Mantra wird als fünfeinhalbsilbig bezeichnet.“ [Diese abweichende Zählung bleibt als Quellenaussage erhalten.]
Band III, S. 792–793, Rechter und linker Ritualweg
Deutsch: Im Meru-Tantra: „Ich, der Fünfgesichtige, habe den rechten Weg gelehrt, ihr Götter, für Götter, Brahmanen und Menschen, die dem Dharma hingegeben sind. [Der folgende Satz über Yamas, Niyamas und die Bindung der Gottheiten ist grammatisch gestört.] Auf dem linken Weg verehrt sind diese Gottheiten fähig, die angestrebten Vorhaben zu erfüllen. Auf dem rechten Weg verehrte Götter helfen in der Schlacht; sie nehmen den Feinden die Kraft, überwinden sie und führen zum ewigen Brahman. Zur Vernichtung der Kshatriyas wurde sie von mir Rama [Parashurama] übergeben. Anstelle von Wein steht Panchamrita, anstelle von Fleisch Surana [Yams], anstelle von Fisch Khanda [die genaue Speise ist nicht bestimmt]; die geschlechtliche Vereinigung ist diejenige mit der rechtmäßigen Ehefrau. Das Übrige sei wie zuvor. So ist dieses Geheimnis offenbart. Ein Habgieriger soll Tara nicht verehren, da beide Welten dadurch verloren gehen. Ihre Puja und die weiteren Handlungen sind wie zuvor erklärt [ein Ausdruck ist beschädigt]. Die durch einen Sadguru vermittelte Siddhi Taras soll rasch und unerschöpflich sein.“
Band III, S. 793, Der zweiundzwanzigsilbige Mahatara-Mantra
Deutsch: „Nun erkläre ich den Mahatara-Mantra, ihr Götter. [Die einleitende Vergleichszeile über Siddhi-Wege und Silbenzahl ist unregelmäßig.] Strim Hrim Hraum, Namas Tarayai; dann spreche man das Wort Maha und Tarayai, danach Sakala und Ugratare; zweimal Taraya, zweimal Tara und die Gemahlin des Feuers [Svaha]. Dieser Mantra gilt als zweiundzwanzigsilbig. Nyasa, Puja, Japa und alles Weitere vollziehe man wie zuvor.“ [Die Folge ist entsprechend den ausgeschriebenen Wörtern und Bildungsanweisungen erhalten; die Silbenzählung wird nicht eigenmächtig berichtigt.]
Band III, S. 793, Beginn der Tarini-Unterweisung
Deutsch: Im Tarini-Tantra sprach Ishvara: „Höre, Tochter des Berges, von der höchsten Vidya, die geistige Trägheit vernichtet, die Früchte der vier Lebensziele und Mantra-Siddhi schenkt. Man verbinde den Anfangsbuchstaben mit Vahni und schmücke ihn mit dem linken Auge, Nada und Bindu; dies gewährt die acht Siddhis. Dann nehme man den Beginn von Shruta [Lesung und Schlüsselbezug unsicher], geschmückt mit ra, dem vierten Vokal und der Mondsichel. Dies ist das große Bija, welches die Früchte der vier Lebensziele schenkt.“ [Die Mantrabildung wird auf der folgenden Seite fortgesetzt.]
Band III, S. 794, Abschluss der neunsilbigen Tarini-Vidya
Deutsch: Darauf spricht man das Wort „kṛṣṇe“, sodann das Wort „daṃṣṭre“. Danach fügt man Hrīṃ hinzu und entnimmt den fünften Laut der eigenen Gruppe, geschmückt mit i, dem r-Laut und m. Anschließend spricht man Vāgbhava und gewinnt so diesen Mantra. O Göttin, dies wird als der neunsilbige Mantra der Tāriṇī bezeichnet. Diese Mahāvidyā ist im Himmel und in der Menschenwelt sehr schwer zu erlangen. O Göttin, sie verleiht nach der Überlieferung die acht Siddhis und die Frucht der vier Lebensziele. [Lesungshinweis: Besonders die beiden Anrufungswörter am Seitenanfang und die verschlüsselte Lautangabe svapañcam sind im Druck undeutlich; keine aufgelöste Rezitationsformel wird ergänzt.]
Band III, S. 794, Tarini: Rishi-Nyasa
Deutsch: Nun der Nyāsa des Sehers und der übrigen Zuordnungen. Als sein Ṛṣi wird Śakti genannt, als Versmaß Bṛhatī. Die Gottheit ist Tāriṇī; als Keimsilbe wird Hrīṃ bezeichnet. Vāgbhava ist seine Kraft. Mit diesen Zuordnungen vollziehe man den Ṛṣi-Nyāsa und die weiteren entsprechenden Einsetzungen.
Band III, S. 794–795, Tarini: vollständiges Meditationsbild
Deutsch: Nun die Meditation. Schwarz ist sie, mit herabhängendem Bauch, furchtbar und mit Schlangen als Ohrringen geschmückt. Ihr Gesicht ist rot, ihre Zunge bewegt sich hervor; um die Hüften trägt sie ein rotes Gewand. Ihre beiden Brüste sind voll und erhoben, eine große Schlange umwindet sie. O Herrin der Götter, sie befindet sich über einem Leichnam, darüber auf einer Schädelschale. Ihre Meditation ist auf die Nasenspitze gerichtet; sie ist überaus schrecklich und gewährt Gaben. Sie hat vier Arme und langes Haar. In der oberen rechten Hand trägt sie einen Lotus, in der oberen linken ein Trinkgefäß. Die unteren Hände rechts und links zeigen die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit. O Sadāśivā, sie trinkt den Blutstrom aus dem Trinkgefäß: die ewige, in den Bergen wohnende Göttin, die alle Siddhis gewährt. Sie besitzt drei Augen und trägt eine Schlange als heilige Schnur. Lang sind ihre Nase, Unterschenkel, Füße und Zunge. Ihre drei Augen entsprechen Mond, Sonne und Feuer. Sie vernichtet die Feinde, ist überaus furchtbar und gewährt Gaben. Ein Tigerfell ist um ihren Kopf gebunden; sie wird in den drei Welten verehrt. Den Übenden bringt sie Glück, allen Welten ist sie furchterregend. Vor dieser großen Göttin Tāriṇī verneige ich mich. [Lesungshinweis: Die Ortsangabe „darüber auf einer Schädelschale“ folgt der knappen, syntaktisch schwierigen Drucklesung tasyopari kapālake.]
Band III, S. 795, Tarini: Purashcharana
Deutsch: Nun das Purashcharana. O große Göttin, nachdem man sie auf diese Weise mit diesen Opfermaterialien verehrt hat, wiederhole man den Mantra einhunderttausendmal, wobei man sich von opfergeeigneter Speise ernährt und die Sinne beherrscht.
Band III, S. 795, Akshobhya: Mantra und Zuordnungen aus der Brahmasamhita
Deutsch: Nun der Mantra Akṣobhyas. In der Brahmasaṃhitā heißt es: Wenn jemand den Mantra der Göttin Tārā wiederholt, dabei aber Akṣobhyas Mantra weglässt, verliert er seine Siddhi und gelangt in die Raurava-Hölle. O Brahmane, Akṣobhyas Mantra, sein vortrefflicher wesentlicher Schutztext und die höchst geheime große Meditation, die unter allen Meditationen hervorragend ist, werden nun der Reihe nach dargelegt: Zuerst werde ich den Mantra erklären, danach die Meditation und anschließend den Schutztext. Man entnehme Anuttara, geschmückt mit dem fünften Laut der pa-Gruppe; dann folgen „akṣobhya“ und „svāhā“, und der große Mantra endet mit Ramā. Er selbst wird als Ṛṣi bezeichnet, Virāṭ als Versmaß. Die Gottheit ist Akṣobhya, von mannigfaltiger Gestalt, der Schlangenform annimmt. Die Anwendung ist auf die vier menschlichen Lebensziele gerichtet. [Lesungshinweis: Die Drucklesung ramāyantaṃ in der Formelangabe ist unsicher; die Endung wird deshalb nicht zu einer vollständigen Mantraformel aufgelöst. Die Drohung mit der Hölle gehört zur zitierten rituellen Überlieferung.]
Band III, S. 795–796, Akshobhya: Meditation und Abschluss des Tara-Abschnitts
Deutsch: Nun werde ich die Meditation erklären, die alles Glück verleiht. Er strahlt wie tausend Sonnen und nimmt eine glückverheißende Schlangengestalt an. Sein Antlitz gleicht zehn Millionen Blitzen; seine Augen leuchten wie Feuer. Er besitzt dreieinhalb Windungen und befindet sich an der Spitze des verfilzten Haares. Voll großer Schönheit wird er von Göttern und Asuras verehrt. Er leuchtet wie Sonne und Blitz; über seinem Haupt befindet sich ein großer Edelstein. Von solcher Gestalt und gewaltigem Körper wird er selbst von den Göttern ehrerbietig verehrt. In einem anderen Tantra heißt es: Nachdem der Verständige zuerst Akṣobhya verehrt hat, soll er Tārā vollständig verehren. Ferner: Sein Purashcharana und die weiteren Handlungen sind wie bei Tāriṇī auszuführen. Damit endet der Abschnitt über Tārā. [Lesungshinweis: Die knappe Wortfolge mahāmaṇiśiropari ist hier sinngemäß als Edelstein über dem Haupt übersetzt.]
Band III, S. 796, Shrividya: Kamaraja und die drei Kutas
Deutsch: Nun Śrīvidyā. Zuerst die Kāmarāja-Vidyā. Im Candrapīṭha heißt es: Smara, Bhaga und Bindumatī, gefolgt von la, gelten als Vāgbhava. Śiva, Jīva, Smara und Śambhu, gefolgt von la, bilden das Kāma-Kūṭa. Bhṛgu, Kāma, Kṣamā und Māyā: Diese Vidyā trägt den Namen Kāmarāja. Ebendort werden auch die Namen der drei Kūṭas, beginnend mit Vāgbhava, genannt: Das erste ist das Vāgbhava-Kūṭa, das zweite das Kāma-Kūṭa, das dritte soll das Śakti-Kūṭa sein. Der Mantra besteht aus diesen drei Gruppen. [Die Namen dienen hier als verschlüsselte Lautbezeichnungen; die Passage wird in ihrer überlieferten Form wiedergegeben.]
Band III, S. 796, Shrividya: Lopamudra-Vidya
Deutsch: Nun die Vidyā namens Lopāmudrā. Im Jñānārṇava heißt es: Höre, o Göttin, ich werde die höchste, Lopāmudrā genannte Vidyā darlegen, die schöne vierte Kraft der Kāmarāja-Vidyā. Wenn man ihren Anfang weglässt und Śiva und Indra hinzufügt, tritt Lopāmudrā hervor. Die Erklärung lautet: Im Vāgbhava der Kāmarāja-Vidyā lasse man e und ī weg und setze an den Anfang ha und sa. Diese Vidyā wurde von Agastya verehrt.
Band III, S. 796, Shrividya: Shodashi aus dem Yoginitantra
Deutsch: Nun Ṣoḍaśī. Im Yoginītantra heißt es: Śrī-Bīja, Māyā, Smara, Yoni und Śakti; dann Tāra, Māyā und Kamalā, darauf die Vidyā; ferner die mit Śakti beginnenden Keimsilben in umgekehrter Reihenfolge: Dies ist Śrī-Ṣoḍaśī, die verborgene Vidyā. [Die Vorlage beschreibt die Zusammensetzung durch überlieferte Bīja-Namen; eine ausgeschriebene Formel wird hier nicht hinzugefügt.]
Band III, S. 797, Shodashi: weitere Bildung der Vidya
Deutsch: In einem anderen Tantra heißt es: Śrī-Bīja, Śakti-Bīja, Kāma-Bīja und Vāgbhava; die am Ende der Bālā stehende Keimsilbe und danach Praṇava; ferner Śakti-Bīja, Ramā und die Vidyā, o höchste Herrin. Nachdem man die Lopā-Vidyā oder Kāmarāja oder die höchste dreiteilige Vidyā eingesetzt hat, ordne man, o Schöne, die fünf mit Praṇava beginnenden Keimsilben in umgekehrter Reihenfolge an: so die höchste Ṣoḍaśī. Auch im Māyātantra: Lakṣmī, Parā, verbunden mit Madana und Yoni, sowie Śakti; Tāra, Parā und Kamalā, danach die Wurzel-Vidyā. Mit den bei Śakti beginnenden Silben in umgekehrter Folge wird der erhabene König der Mantras der höchsten Gottheit gelehrt. [Die verschlüsselten Namen bleiben in der Form der jeweiligen Quelle erhalten; Unterschiede zwischen den zitierten Fassungen werden nicht stillschweigend ausgeglichen.]
Band III, S. 797–798, Shodashi: Lobpreis und Geheimhaltung
Deutsch: Aus der Mahākālasaṃhitā: Eine höhere Vidyā als diese gab es nicht und wird es nicht geben. Niemand kann sie verfluchen, und niemand hat sie durch einen Sperrmechanismus gebunden. Im Jñānārṇava heißt es: Selbst mit Tausenden von Millionen Mündern und Hunderten von Millionen Zungen lässt sich diese sechzehnsilbige Śrīvidyā nicht beschreiben. Sie ist ihrem Wesen nach Brahmavidyā und gewährt die Früchte des Genusses und der Befreiung. O Herrin der Götter, Millionen Vājapeya-Opfer, Tausende Aśvamedha-Opfer, die Umrundung der Erde und fünfunddreißig Millionen Pilgerfahrten nach Kāśī und anderen heiligen Orten kommen nicht einer einzigen Aussprache gleich. Darüber soll kein Zweifel bestehen. O Tochter des Berges, schon durch einmaliges Aussprechen – was erst vom reinen Brahman zu sagen ist! Niemals soll man die sechzehnsilbige Mahāvidyā öffentlich enthüllen. Du sollst sie geheim halten, o Glückverheißende, o Pārvatī, wie deinen eigenen Schoß. Selbst dem geliebtesten Menschen mag man Kinder, Gattin, Vermögen und anderes überlassen; man mag ein Königreich und das eigene Haupt geben, doch nicht die Sechzehnsilbige. Siebenhunderttausend Mahāvidyās wurden anfangs genannt, o Geliebte; diese wohlverborgene Mahāvidyā ist noch wesentlicher als deren Wesen. [Der Lobpreis und die drastische Geheimhaltungsforderung sind Aussagen der historischen Quelle. Der Halbvers kiṃ punar brahma kevalam ist syntaktisch verkürzt; die Übersetzung lässt diese Verkürzung erkennen.]
Band III, S. 798, Shrividya: Rishi-Nyasa
Deutsch: Nun der Ṛṣi-Nyāsa, ebendort: O große Göttin, der Seher dieses Mantras ist der Herr Dakṣiṇāmūrti. Als Versmaß wird Paṅkti genannt, als Göttin Tripurasundarī. Vāgbhava heißt seine Keimsilbe, das Śakti-Kūṭa ist seine Kraft. Kāmarāja ist sein Kīlaka, sein Verschluss beziehungsweise Befestigungspunkt. So wird der Ṛṣi-Nyāsa dargelegt.
Band III, S. 798, Shrividya: Begründung von Bija, Kilaka und Shakti
Deutsch: Warum Vāgbhava und die übrigen Gruppen als Keimsilbe und so weiter gelten, wird in der Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā erklärt: Die großen Mantras strömen hervor wie Funken aus einem großen Feuer. Ebenso gehen die Mutterlaute, die Buchstaben, aus Vāgbhava hervor, o Geliebte. Deshalb nennt man Vāgbhava die Keimsilbe dieser Gottheit. Die Mutter des Alls offenbart sich als Frau und Mann. O Herrin der Götter, in großer Verzauberung bindet sie die drei Welten. Deshalb ist dies, o Göttin, das Kīlaka; dadurch gestaltet sie das Glück. Weil sie die ganze Welt erhält, wird sie Śakti genannt. [Lesungshinweis: Der Feuervergleich ist im Druck beschädigt; mahānor ist eine vorläufige Wiedergabe der sichtbaren Zeichen, keine gesicherte Sanskritlesung. Auch die Wortverbindung mahāmohana ist grammatisch unsicher.]
Band III, S. 798–799, Shrividya: Hand-Nyasa und die sechs Glieder
Deutsch: Nun der Nyāsa an Händen und Gliedern, nach einem anderen Tantra: Als dreifache vortreffliche Keimsilbe werden aṃ, āṃ und sauṃ genannt. Diese Keimsilbenfolge wiederhole man zweimal und setze sie am Paar der Mittelfinger sowie an den weiteren bezeichneten Stellen der Hand, auch an den Handflächen und Handrücken, ein. Dabei verwende man jeweils die Namensmantras im Dativ, verbunden mit der Verneigung. Mittelfinger, Ringfinger, kleiner Finger, Daumen und Zeigefinger sind der Reihe nach bezeichnet; an den eigenen Fingern soll man die Einsetzung vollziehen, o große Göttin. Im Navaratneśvara heißt es: Allwissenheit, immerwährende Erfülltheit, anfangsloses Erkennen, Freiheit, unverminderte Kraft und Unendlichkeit – diese nennt man, o Śivā, die sechs Glieder der Göttin. Die vielen unterschiedlichen Anordnungen des Nyāsa sind hier im Jñānārṇava und weiteren Werken nachzusehen. [Lesungshinweis: Die Bīja-Schreibung, die Handstellen in der dritten Zeile und das Verb im Anschluss auf S.799 sind im Druck undeutlich. Diese Passage ist daher keine gesicherte praktische Nyāsa-Anleitung.]
Band III, S. 799, Shrividya: kurzes Meditationsbild
Deutsch: Nun die Meditation: Ich nehme Zuflucht zur glückverheißenden Göttin, die wie die Scheibe der jungen Sonne leuchtet, vier Arme und drei Augen hat und Schlinge, Stachelhaken, Bogen und Pfeile trägt.
Band III, S. 799, Shrividya: Nektarmeer und Garten
Deutsch: Im Siddhāntasaṅgraha und in der Mahākālasaṃhitā heißt es: Inmitten des Meeres aus rotem Nektar, das beim Aufgang des Mondes aufgewühlt wird, liegt ein goldenes Land, geschmückt mit Edelsteinen und Rubinen. In seiner Mitte befindet sich der große Nandana-Garten, der selbst den Liebesgott in Entzücken versetzt. Er erstrahlt im kühlen Strahlennetz eines immer aufgegangenen Vollmondes. Kāmadeva beschützt ihn stets gemeinsam mit dem Frühling. Kadamba-, Mango-, Punnāga-, Nāgakeśara-, Campaka-, Bakula- und Pārijāta-Bäume leuchten mit Blüten aller Jahreszeiten. Summende Bienen, rufende Kuckucke und Papageien sowie Scharen anderer verschiedenfarbiger Vögel beleben ihn. Pfauen, Kāraṇḍa-Wasservögel, Schwäne und viele weitere Vögel umgeben ihn. Baumgruppen, mit zahlreichen blühenden Ranken durchzogen, schmücken ihn. Die Winde vom Malaya-Gebirge umspielen ihn, bestäubt vom Pollen der voll erblühten Lotusse und Wasserlilien in den umliegenden Teichen. Nachdem man so über den Nandana-Garten meditiert hat, stelle man sich in seinem Inneren einen Hof vor. Er ist mit Bodenflächen geschmückt, die wie reines Gold glänzen. So vergegenwärtige man sich diesen von Göttern und Siddhas aufgesuchten Hof.
Band III, S. 800, Shrividya: der leuchtende Pavillon
Deutsch: In seiner Mitte meditiere man über einen Pavillon, der den ganzen Kosmos durchdringt. Er gleicht tausend Sonnen, ist viereckig und prächtig geschmückt. Das gebündelte Licht der Edelsteine färbt die Himmelsrichtungen goldrot. Er besitzt keine Säule in der Mitte, wohl aber Säulen an den Ecken. Große Rubine, Vaidūrya-Steine, weitere Edelsteine und Gold schmücken ihn. Ein Baldachin aus Perlenschnüren überspannt ihn; seine Treppen sind mit Edelsteinen besetzt. Sanfter Wind durchzieht ihn, Duft und Weihrauch wogen darin. Kostbare Wedel, Glocken und verschiedenartige Baldachine zieren ihn. Überall ist er mit gemischten Girlanden aus schönen Blüten geschmückt: Jāti, Campaka, Punnāga, Ketakī, Mallikā, roten Wasserlilien, weißen Lotussen und Mādhavī. Quer und nach oben strahlen unzählige Reihen roter Seidenstoffe. Viśvakarman hat ihn aus verschiedenen himmlischen Edelsteinen und anderen kostbaren Materialien erbaut.
Band III, S. 800, Shrividya: Parijata-Baum und inneres Heiligtum
Deutsch: In seiner Mitte vergegenwärtige sich der Mantra-Übende einen entzückenden Pārijāta-Baum, einen Boden aus Gold und anderen Edelsteinen sowie eine goldglänzende Fläche. Das vortreffliche Lichtheiligtum gleicht der aufgehenden Sonne und durchdringt als Pavillon den Kosmos; es ist einhundert Yojanas weit. Es besitzt vier Tore und eine goldene Umfassungsmauer. Acht prächtig mit Edelsteinen ausgestattete Türflügel gehören dazu; hohe Tortürme und Torbögen sind aus den neun Edelsteinen gebildet. Reihen von Fahnen schimmern, die von den Spitzen goldener Stangen herabhängen. Die in der Mitte und an den Ecken stehenden Säulen sind mit neun Edelsteinen versehen. Große Rubine, Vaidūrya-Steine und kostbare Wedel zieren es. Beim Wunscherfüllungsbaum, seitlich in Kopfhöhe, befindet sich ein Schirm über diesem Pavillon. [Lesungshinweis: cāṭukāṃ und die Ortsbestimmung im letzten Vers sind im Druck unsicher; „Fläche“ und die Anordnung des Schirms sind vorläufige Übersetzungen. Die Säulenbeschreibung wird so wiedergegeben, wie sie hier steht; sie wird nicht mit der vorangehenden Pavillonbeschreibung vereinheitlicht.]
Band III, S. 801, Shrividya: innerer Thron und Sitz der Göttin
Deutsch: In seiner Mitte befindet sich ein mit goldenen Fäden gestalteter Edelsteinpavillon. Darin meditiere man über das aufleuchtende höchste Licht mit drei Spitzen. In dessen Mitte liegt das große, mit Nektar erfüllte Cakra. Auf der Mitte jener erhöhten Fläche stelle man sich einen glückverheißenden Edelsteinthron vor. Seine vier Füße haben die Gestalt von Viriñci, Viṣṇu, Rudra und Īśa; er selbst besteht unmittelbar aus Sadāśiva. Darauf befindet sich die aus Paraśiva bestehende Lagerstätte, in ihrer Mitte das Blumenlager auf dem erhabenen Garten-Sitz. Man meditiere über sie, die im verschränkten Sitz strahlt und die Svastika-Haltung einnimmt, auf Paraśivas Schoß sitzt und mitten im Lotus eine leuchtende Gestalt zeigt. [Die gedrängte Beschreibung von Thron und Lager sowie die Drucklesung udyānapīṭhaka bleiben vorläufig; die vier Namen der Thronfüße werden nach der sichtbaren Wortfolge wiedergegeben.]
Band III, S. 801, Tripurasundari: Farbe und Antlitz
Deutsch: Die Göttin Tripurasundarī ist rot wie die Strahlen der jungen Sonne, wie eine Hibiskusblüte und wie die Blüte des Granatapfels. Sie gleicht einem Rubin und dem Rot des Safrans. Ein funkelndes Diadem mit Rubinen und einem Netz kleiner Glöckchen schmückt sie. Ihre krausen Haarlocken gleichen Scharen schwarzer Bienen. Ihr Lotusantlitz leuchtet wie das frische Morgenrot. Die weiche Fläche ihrer Stirn ist sanft wie eine Mondsichel gebogen; die geschwungenen Brauen der höchsten Herrin gleichen dem Pināka-Bogen. Ihre Augen bewegen sich im freudigen Spiel der Wonne. Goldene Ohrringe erstrahlen in Bündeln funkelnder Lichtstrahlen. Die Fülle ihrer Wangen übertrifft die Nektarscheibe des Mondes. Ihre Nase ist klar geformt, als wäre sie nach Viśvakarmans Maßschnur geschaffen. Ihre roten Lippen gleichen rötlicher Koralle und der Bimba-Frucht und sind wie Nektar. Die Reihe ihrer Zähne glänzt wie eine Reihe von Granatapfelkernen. Die Süße ihres Lächelns übertrifft selbst das Meer des süßen Geschmacks.
Band III, S. 802, Tripurasundari: Gestalt und Schmuck
Deutsch: Unvergleichliche Schönheit zeichnet die Partie ihres Kinns aus. Die große Göttin hat einen Hals wie eine Muschel und Arme wie Lotusstängel. Ihre zarten Lotushände gleichen den Blütenblättern einer roten Wasserlilie; das Licht ihrer Fingernägel erhellt den Himmelsraum. Eine Perlenschnur liegt über ihren hochgewölbten Brüsten. Drei Falten zieren ihre schöne Körpermitte. Ihr Nabel gleicht einem Wirbel im Strom der Schönheit. Ihre Hüften umgibt ein Gürtel aus unschätzbaren Edelsteinen. Die Rundung ihrer Hüften gleicht einem Elefanten, die feine Haarlinie dessen herrlichem Stachelhaken. Die Oberschenkel der Herrin sind zart wie anmutige Bananenstämme. Ihre runden Knie sind schön wie Blüten; ihre beiden Unterschenkel gleichen schönen Bananenstämmen. Die Knöchel sind verborgen; die Wölbungen ihrer Füße übertreffen einen Schildkrötenpanzer. Schlanke lange Zehen mit klaren Nagelreihen schmücken sie. Ihre Lotusfüße werden von den Edelsteinen auf den Häuptern Brahmās und Viṣṇus berührt und gerieben. Ihr Lächeln verbreitet einen Glanz wie hundert Monde.
Band III, S. 802–803, Tripurasundari: Attribute und Abschluss der Meditation
Deutsch: Ihr Rot übertrifft Zinnober, Hibiskus und Granatapfelblüten. Sie trägt rote Gewänder und hält Schlinge und Stachelhaken erhoben. Auf einem roten Lotus sitzend, ist sie mit rotem Schmuck geziert. Sie bringt der Welt Freude und erfreut die Welt. Vier Arme und drei Augen hat sie; sie trägt fünf Pfeile und einen Bogen. Ihr Mund ist mit Betel gefüllt, dem Kampferstückchen beigemischt sind. Moschus und kräftiger Safran verleihen ihrer Gestalt einen roten Glanz. Sie trägt alle Zeichen lieblichen Schmucks und sämtliche Zierden. Sie lässt die Freude der Welt entstehen und erfreut die Welt; sie zieht die Welt an und verkörpert die Ursache der Welt. Ich verehre die Ewige, die alle Fülle und alle Kräfte in sich vereint.
Band III, S. 803, Shrividya: Dipini-Vidya und Wiederholungsregel
Deutsch: Nun die Dīpinī-Vidyā, ebendort. Die Keimsilben von Vāc, Māyā und Kamalā sind an den Anfang von Vāgbhava zu setzen. Nach der Wiederholung von Tāra, Lakṣmī, Vāgbīja, Manmatha und Bhuvaneśvarī spreche man den Vāgbhava genannten Teil. Praṇava, Bhuvaneśānī, Ramā, Kāma und Vāgbhava: Danach wiederhole man Kāmarāja, der die drei Welten erschüttert. Oṃkāra, Vāgbīja und Ramā, verbunden mit Manmatha und Māyā: Dann wiederhole man gesammelt, o große Göttin, Svabhāvatī. Praṇava, Adhara, Kāma, Ramā und Bhuvaneśvarī: Darauf wiederhole man Madhumatī. Die Keimsilben Māyā, Śrī und Kūrca sind mit Praṇava am Anfang und dem Haṃsa-Bīja als Umhüllung zu versehen, o Herrin der Götter. Nachdem man diese Keimsilben gesprochen hat, wiederhole man das Śakti-Kūṭa. Die Regel der Wiederholung lautet: Am Anfang und am Ende wiederhole man jeweils siebenmal der Reihe nach und bewirke damit das Entzünden beziehungsweise Beleben der Keimsilben von Kāmarāja und den übrigen Teilen. [Lesungshinweis: Die Verbindungen bei svabhāvatī, madhumatī und adhara sind nicht hinreichend eindeutig; die traditionellen Bezeichnungen werden ohne zusätzliche Entschlüsselung wiedergegeben.]
Band III, S. 803–804, Shrividya: Purashcharana nach zwei Quellen
Deutsch: Nun die Vorschrift des Purashcharana. Im Vāmakeśvaratantra heißt es: Dort verweilend und unmittelbar die Gestalt der Göttin annehmend, wiederhole man den Mantra einhunderttausendmal. O Schönangesichtige, mit Kiṃśuka-Blüten vollziehe man ein Feueropfer im Umfang eines Zehntels, oder mit den genannten anderen Blüten, die mit den drei süßen Stoffen vermischt sind. Auch im Siddhāntasāra: Wer opfergeeignete Speise isst und die Sinne beherrscht, wiederhole die Vidyā einhunderttausendmal. Das Feueropfer vollziehe man im Umfang eines Zehntels mit Kiṃśuka-Blüten, die mit süßen Stoffen benetzt sind. Wenn der Mantra auf diese Weise verwirklicht ist, darf der Mantra-Übende die besonderen Anwendungen ausführen. [Lesungshinweis: Die alternative Blütenbezeichnung in der Druckzeile kusumaiḥ bakusumair vāpi ist beschädigt und botanisch nicht zuverlässig bestimmbar.]
Band III, S. 804, Tripurabhairava: Mantra und Meditation
Deutsch: Nun der Mantra Tripurabhairavas. Im Vāmakeśvara heißt es: Māyā, Lakṣmī, Haṃsa und das Prāsāda-Bīja; mit der Gattin des Feuers, Svāhā, am Ende wird daraus der Mantra Tripurabhairavas. Mit dem Wurzelmantra vollziehe man den Sechsglieder-Nyāsa sowie Bali, Verehrung und die übrigen Handlungen. Nun die Meditation: Er besitzt ein Gesicht, drei Augen und vier Arme. Rechts hält er Stachelhaken und Schwert, links Schild und Schlinge. Der mächtige Herr ist rot und sitzt auf einem Stier. Sein Haar ragt empor; er trägt Halsketten und eine Girlande aus Schädeln. In dieser Gestalt, o große Göttin, meditiere man über Tripurabhairava. Sein Purashcharana entspricht dem Purashcharana der Ṣoḍaśī. [Lesungshinweis: hārahāraṃ ist eine unsichere beziehungsweise wiederholende Drucklesung; die Übersetzung „trägt Halsketten“ gibt ihren erkennbaren Sinn wieder.]
Band III, S. 804–805, Bala: Bildung der drei Keimsilben
Deutsch: Nun der Mantra der Bālā. Im Tripurāsārasamuccaya heißt es: Jetzt werde ich die anmutige, in den drei Welten verehrte Vidyā der aus drei Keimsilben bestehenden reinen Göttin darlegen. Dies ist geheim zu halten; erkenne es als Kula-Dharma, um des geistigen Geschmacks und der eigenen Vollendung willen. Die erste Lautbildung wird durch die Bezeichnungen kāntādi, bhūtapada, ka mit Halbmond und einen im „Ozean“ stehenden Laut beschrieben, dem dantānta vorausgeht. Wenn ein vortrefflicher Mensch auf Erden dieses Vāgbhava genannte Bīja wiederholt, erlangt er die Vollkommenheit einer Rede, die Nektar strömen lässt. Kāntānta, verbunden mit dem fünften Laut vor Kula sowie dem Strich am Ende von Netra, wird Kāma genannt. Dieser Mantra erschüttert durch seine Wiederholung unmittelbar die Welt. Kula, verbunden mit dantānta und mit dem vollständigen Strich, heißt Sammohana. Durch beständige Wiederholung erlangt der Übende die acht Vorzüge und die genannte Vollkommenheit. [Lesungshinweis: Die verschlüsselte Lautbildung ist im Druck an mehreren Stellen beschädigt; auch svaratāsiddhi ist unsicher. Die technische Beschreibung bleibt vorläufig und wird nicht zu scheinbar gesicherten Bīja-Formeln aufgelöst.]
Band III, S. 805, Bala: Seher, Gottheit und Nyasa
Deutsch: Der große Seher heißt Dakṣiṇāmūrti. Das Versmaß dieses Mantras ist Paṅkti. Als Gottheit nennen die Weisen Sarasvatī von unvorstellbarer Macht, deren Füße von den Götterscharen verehrt werden. Das Bīja dieses Mantras wird als mit radānta und dem Strich verbunden, mit Nakulīśa am Anfang beschrieben. Auch seine Kraft wird durch eine verschlüsselte Folge mit khaṇḍala, karṇa und einem halben Mond bezeichnet. Im Merutantra dagegen heißt es: Das Bīja der Bālā ist Vāgbhava; die dritte Silbe wird als ihre Kraft bezeichnet. Kāmarāja ist das Kīlaka. Durch zweimalige Wiederholung wird der Sechsglieder-Nyāsa gebildet. [Lesungshinweis: Die kodierte Bestimmung der Śakti im ersten Quellenauszug ist stark undeutlich; ihre Sanskritfassung ist eine vorläufige Transkription. Die deutlichere Zuordnung des Merutantra wird davon getrennt wiedergegeben.]
Band III, S. 805–806, Bala: Belebung der Vidya und Namensvarianten
Deutsch: Im Tripurāsārasamuccaya folgt eine schwer lesbare Bestimmung des Lautes und des Vokals dieses in den drei Welten verehrten Mantrakönigs durch die im Āgama bewanderten Weisen. Dann heißt es: So habe ich den Ursprung der Vidyā erklärt. Wer Vollendung wünscht, soll ihn unbedingt kennen. Weil die Vidyā zuvor von der Göttin verflucht worden war, war sie ohne Lebenskraft geworden. Der Herausgeber erläutert: Mit „soll gekannt werden“ wird angezeigt, dass sie wiederholt werden soll. Die Aussage „von der Göttin verflucht“ zeigt den Grund ihrer Kraftlosigkeit. Die Befreiung vom Fluch wird ebendort beschrieben: Śambhu setzte die Keimsilben von Śiva und Śakti über die beiden vorausgehenden Keimsilben; Akula über Kula und das Feuer an die entsprechend bezeichnete mittlere Stelle. Von da an wurde sie kraftvoll. Es folgen unterschiedliche Namen: Mit den entsprechend vorangestellten Lauten heißt sie Bhairavī beziehungsweise Kīrtikarī. Sie wird auf Erden eine schnell Frucht bringende Vidyā genannt, die vor den an die gewöhnliche Gebundenheit verhafteten Menschen streng geheim zu halten ist. Der Kommentar erklärt: Akula ist ha; stehen diese beiden Silben hinter ha, ergibt sich Bhairavī. Kula ist sa; steht dieses vor beiden, ergibt sich Kīrtikarī. Weil die entsprechenden Vokale der ersten und letzten Keimsilbe nicht verlängert sind, ist ihr Unterschied zu der später zu beschreibenden Tripurabhairavī-Vidyā zu beachten. [Lesungshinweis: Der einleitende Vers, die Ortsangabe madhyasādhare und die abschließende Erläuterung der Vokallängen sind beschädigt. Die Übersetzung erläutert nur den erkennbaren Sinn; die Sanskrittranskription bleibt an diesen Stellen vorläufig.]
Band III, S. 806, Bala: Meditation und Purashcharana
Deutsch: Ihre Meditation wird im Merutantra beschrieben: Man vergegenwärtige sich Bālā, die mit ihren Händen Furchtlosigkeit, ein Buch und die Gewährung von Gaben zeigt. Sie ist rötlich, sitzt auf einem roten Lotus, trägt rote Gewänder und besitzt drei Augen. In einem anderen Tantra dagegen: Man erinnere sich an Tripurā Bālā, deren Glanz dem Herbstmond gleicht. Damit ist die weiße Erscheinungsweise gemeint. Im Tripurāsārasamuccaya wird eine besondere Ausstattung genannt: Ihre Lotushände halten Schlinge und Stachelhaken und zeigen Furchtlosigkeit und Gewährung. Nun das Purashcharana nach dem Jñānārṇava: Für jede Silbe wiederhole man den Mantra einhunderttausendmal und vollziehe das Feueropfer im Umfang eines Zehntels. Danach führe man Tarpaṇa und die weiteren Handlungen aus; so werde man allen Glücks teilhaftig. Damit endet der Abschnitt über Śrīvidyā.
Band III, S. 806–807, Bhuvaneshvari: erste Vidya und Purashcharana
Deutsch: Nun die Vidyā der Bhuvaneśvarī, nach der Śāradā: Jetzt werde ich Bhuvaneśvarī, die Trägerin der Welt, erklären. Selbst Brahmā und die anderen erlangten durch ihre Erkenntnis mächtige Herrlichkeit. Nakulīśa, auf Agni stehend, verbunden mit dem linken Auge und dem Halbmond: So wird ihre Keimsilbe beschrieben, die jene verehren, welche Siddhi erstreben. Ihr Ṛṣi ist Śakti, ihr Versmaß Gāyatrī. Als Gottheit des Mantras wird die von den Götterscharen verehrte Bhuvaneśvarī genannt. Mit der Keimsilbe, verbunden mit den sechs langen Vokalen, vollziehe man der Reihe nach die sechs Glieder. Nun die Meditation: Ich verehre die Herrin der Welten, die wie der anbrechende Tag leuchtet und den Mond als Krone trägt, mit hohen Brüsten und drei Augen. Ihr Antlitz lächelt; ihre Hände gewähren Gaben und Furchtlosigkeit und halten Stachelhaken und Schlinge. Nun das Purashcharana: Der Mantra-Kundige wiederhole den Mantra 3.200.000-mal. Mit den acht Opferstoffen, verbunden mit den drei süßen Stoffen, bringe er ein Feueropfer im Umfang eines Zehntels dar. [Lesungshinweis: Das Wort unmittelbar vor bhuvaneśvarīm im Einleitungsvers ist im Druck unklar; es wird nicht eigenständig gedeutet.]
Band III, S. 807, Bhuvaneshvari: dreigliedrige Vidya mit Rama
Deutsch: Nun ein anderer Mantra, ebendort: Vāgbhava, die Gattin Śambhus und Ramā – aus diesen drei Keimsilben bilde der Übende den Mantra, der die Früchte der drei Lebensziele verwirklicht. Mit der mittleren Silbe, versehen mit den sechs langen Vokalen und mit Vāgbhava am Anfang, soll der Mantra-Kundige die sechs Glieder einschließlich der zugehörigen rituellen Endungen bilden. Nun die Meditation: Man meditiere über die höchste Mutter, deren Gestalt zinnoberrot ist. Sie hat drei Augen; über ihrer Rubinkrone leuchtet der Herr der Sterne, der Mond. Sie lächelt und besitzt volle Brüste. In den Händen trägt sie einen mit Edelsteinen gefüllten kostbaren Becher und eine rote Wasserlilie. Sie ist mild; ihr linker Fuß ruht auf einem mit Edelsteinen gefüllten Gefäß. Nun das Purashcharana: Der Übende wiederhole den Mantra 1.200.000-mal. Mit süß benetztem Milchreis vollziehe er das Feueropfer im Umfang eines Zehntels und verehre die Göttin an dem zuvor beschriebenen Pīṭha.
Band III, S. 807–808, Bhuvaneshvari: Maya zwischen Vagbija
Deutsch: Nun ein weiterer Mantra, ebendort: Māyā, von Vāgbīja umschlossen, gilt als diese dreisilbige Vidyā. Mit der mittleren Silbe, versehen mit langen Vokalen und von Vāc umhüllt, soll der beste Mantra-Kundige der Reihe nach die Glieder mit ihren rituellen Endungen bilden. Nun die Meditation: Ich verneige mich vor der Ewigen mit dunklem Körper und dem Mond auf dem Haupt. Ihre Hände zeigen die Gabe und die Abwehr der Furcht und tragen eine rote Wasserlilie sowie einen mit Edelsteinen gefüllten Becher. Eine Perlenkette leuchtet auf ihrer Brust; ihre drei Augen strahlen. Sie ist Haras Gemahlin, wird von den Göttern verehrt und steht auf einem roten Lotus. Nun das Purashcharana: Man wiederhole den Mantra so viele Hunderttausende, wie die Zahl der Tattvas beträgt. Ein Zehntel davon opfere man mit süß bestrichenen Palāśa-Blüten oder mit Blüten des Rājavṛkṣa. [Die Zahlbezeichnung tattva wird ohne stillschweigende Entscheidung zwischen unterschiedlichen Tattva-Zählungen wiedergegeben.]
Band III, S. 808, Bhuvaneshvari: weitere dreisilbige Form und Abschluss
Deutsch: Nun ein anderer Mantra, ebendort: Ananta, verbunden mit Bindu, zusammen mit der verschlüsselten Angabe Māyā und Mond, bildet den mit Pāśa beginnenden dreisilbigen Mantra, dem die Frucht zugesprochen wird, alles unter Einfluss zu bringen. Ṛṣi und weitere Zuordnungen sind bereits genannt; die Einsetzung der Glieder soll mit seinen eigenen Keimsilben erfolgen. Nun die Meditation: Ich verehre jene ursprüngliche Bhuvaneśvarī, die auf einem Lotus sitzt und in ihren Händen die Gewährung von Gaben, Stachelhaken, Schlinge und die Geste der Furchtlosigkeit trägt. Sie gleicht zehn Millionen aufgehenden Sonnen und hat drei Augen. Nun das Purashcharana: Von opfergeeigneter Speise lebend und mit beherrschten Sinnen wiederhole man den Mantra so viele Hunderttausende, wie es Tattvas gibt. Am Ende des Japa bringe der beste Mantra-Kundige sechstausend Opfer mit Hölzern milchsaftführender Bäume dar, die mit Dickmilch, Honig und geklärter Butter bestrichen sind. Danach opfere er in derselben Anzahl reine Sesamkörner, die mit Milch benetzt sind. Ihr männlicher Partner ist Mahādeva. Sein fünfsilbiger Mantra ist bereits in dem ihm gewidmeten Abschnitt genannt. Damit endet der Abschnitt über die Vidyā der Bhuvaneśvarī. [Lesungshinweis: Die verschlüsselte Bildung im ersten Vers ist nicht sicher aufzulösen; besonders die Verbindung māyācandrāśritārdhavān bleibt vorläufig.]
Band III, S. 808, Bhairavi: Beginn der Tripurabhairavi-Vidya
Deutsch: Nun die Bhairavī-Vidyā. Zuerst wird die Vidyā der Tripurabhairavī nach der Śāradā dargelegt: Jetzt werde ich die höchste, streng geheim gehaltene Tripurā-Vidyā erklären. Wer sie erkennt, wird zum Herrn der Scharen der Siddhas. Es folgen drei verschlüsselte Lautbildungen: Bhautikā steht auf Viyat, Bhṛgu und Hutāśa und trägt Bindu als Krone; Viyat steht in der anschließend bezeichneten Lautverbindung und besitzt das linke Auge und Bindu; der Mantra steht auf Ākāśa, Bhṛgu und Vahni und besitzt Sarga und die Mondsichel. Die erste Keimsilbe heißt Vāgbhava, die zweite Kāma-Bīja. [Lesungshinweis: Besonders die zweite verschlüsselte Lautverbindung ist im Druck undeutlich. Die Transkription ist vorläufig; eine vollständige Rezitationsformel wird nicht ergänzt. Die Erklärung setzt auf S.809 fort.]
Band III, S. 809, Tripurabhairavi: Zuordnungen und Nyasa
Deutsch: Die dritte heißt Śakti-Bīja. So wird die aus drei Keimsilben bestehende Vidyā gelehrt; als Tripurabhairavī soll man diese aus fünf Kūṭas bestehende Vidyā erkennen. Der Ṛṣi ist Dakṣiṇāmūrti, das Versmaß wird als Paṅkti angegeben. Die Lehrer nennen die Göttin Tripurabhairavī als Gottheit. Ferner: Mit der ersten Keimsilbe, verbunden mit den sechs langen Vokalen, wird der Glieder-Nyāsa vollzogen. Andere Nyāsas werden aus Sorge vor zu großer Ausführlichkeit ausgelassen, da hier gerade das Purashcharana darzustellen ist. [Die Quelle nennt sowohl drei Keimsilben als auch fünf Kūṭas; diese Angaben werden unverändert nebeneinander bewahrt.]
Band III, S. 809, Tripurabhairavi: Meditation und Purashcharana
Deutsch: Nun die Meditation: Ich verneige mich vor der Göttin, die im Lotus steht und wie tausend aufgehende Sonnen leuchtet. Sie trägt rötliche Seide und eine Girlande aus Köpfen; ihre Brust ist mit Blut bestrichen. Ihre Lotushände halten Gebetskette und Wissensbuch und zeigen Furchtlosigkeit und Gewährung. Ihr Lotusantlitz strahlt mit drei Augen; in ihrer Edelsteinkrone ist der Mond befestigt. Nun das Purashcharana: Nachdem man die Einweihung empfangen hat, wiederhole man den Mantra mit beherrschten Sinnen tattva-lakṣa-mal. Zwölftausend Opfer bringe man mit Blüten des Brahmavṛkṣa dar, die mit den drei süßen Stoffen bestrichen sind, oder mit Blüten des Karavīra. Der Kommentar erläutert ausdrücklich: tattva-lakṣa bedeutet hier drei Lakṣa, also 300.000 Wiederholungen.
Band III, S. 809–810, Chaitanyabhairavi
Deutsch: Nun der Mantra der Caitanyabhairavī im Merutantra: Jetzt wird der dreisilbige Mantra Caitanyabhairavīs erklärt. Sa und ha, verbunden mit ai, werden als erstes Bīja bezeichnet. Sa-ka-la, mit Hrīṃ verbunden, heißt die zweite Keimsilbe. Sa-ha-ra, mit au verbunden und mit Visarga am Ende, ist die dritte. Hier vollziehe man den Sechsglieder-Nyāsa durch zweimalige Wiederholung der drei Keimsilben. Nun die Meditation: Sie leuchtet wie tausend aufgehende Sonnen und trägt vielfältigen Schmuck. Die Mondsichel glänzt in ihrer Krone; sie ist in ein rotes Gewand gehüllt. Die Ewige trägt Schlinge und Stachelhaken sowie eine Schädelschale in der linken Hand. Die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit zieren sie; ihre Brüste sind voll, erhoben und fest. Nachdem man so meditiert hat, verehre man die Göttin auf dem zuvor beschriebenen Thron. Purashcharana und die übrigen Handlungen führe man wie zuvor aus und verwirkliche auch die Anwendungen. „Wie zuvor“ bedeutet: wie bei Tripurabhairavī. [Lesungshinweis: Die Schreibungen der verschlüsselten ersten und zweiten Keimsilbe sind vorläufig; der Druck zeigt beim zweiten Bīja einen undeutlichen Nasal.]
Band III, S. 810, Bhuvaneshvarabhairavi
Deutsch: Nun der Mantra der Bhuvaneśvarabhairavī, ebendort: Jetzt werde ich Bhuvaneśvarabhairavī erklären. Ha und sa, verbunden mit ai, heißen die erste Keimsilbe. Ha-sa-ka-la, verbunden mit Hrīṃ, wird als zweite bezeichnet. Ha und sa, verbunden mit au und mit Visarga am Ende, bilden die dritte. Der Sechsglieder-Nyāsa wird mit der mittleren Keimsilbe, versehen mit den sechs langen Vokalen, gelehrt. Nun die Meditation: Ich nehme Zuflucht zur glückverheißenden Göttin, die einer Hibiskusblüte gleicht und wie eine Granatapfelblüte leuchtet. Sie trägt die Mondsichel im verfilzten Haarknoten, hat drei Augen und rote Gewänder. Verschiedener Schmuck macht sie anmutig; ihre Brüste sind voll, erhoben und fest. Sie hält Schlinge und Stachelhaken und zeigt Gewährung und Furchtlosigkeit. Ihr Yantra entspricht dem der Caitanyabhairavī; darin verehre man sie. Ihr Purashcharana ist wie das der Tripurabhairavī zu verstehen. [Die Sanskritschreibung der zweiten Keimsilbe ist wegen des undeutlichen Nasals vorläufig.]
Band III, S. 810–811, Kamaleshvarabhairavi und die Wege der Verehrung
Deutsch: Nun Kamaleśvarabhairavī, ebendort: Jetzt werde ich Bhairavī Kamaleśvarī erklären. Man spreche sa-ha anstelle von ha-sa; alles Weitere am Mantra und den übrigen Handlungen ist wie zuvor. Es folgt eine stark beschädigte Passage über eine Benennung, einen Fluch, den Mond und die Abkehr vom linken Weg aus Furcht vor dem König. Ihr erkennbarer Fortgang lautet: Dies wird im Kali-Zeitalter Bekanntheit erlangen; wenn die Veden verschwunden sind, wird die genannte Folge eintreten. Auch Menschen außerhalb der Varṇa-Ordnung und solche innerhalb der Varṇas werden als Gaben Gewährende bezeichnet: jene, die das Fünferensemble der mit ma beginnenden Stoffe weglassen, die Verehrung vollziehen und sich der Mantrawiederholung widmen. Am Ufer der Narmadā soll das Purashcharana vollzogen werden, wodurch sie gnädig wird. Bhuvaneśī Bhairavī nahm eine andere Gestalt von mir an; um des Wirkens willen wurden viele Schüler zu Kaulas und Anhängern des linken Weges gemacht. Ihre Meditation, Verehrung und die übrigen Handlungen geschehen wie zuvor nach dem rechten Weg. [Lesungshinweis: Die Verse von saṃjñāṃ jñātvā bis pratyadhairyaṃ sind im Druck so unsicher, dass hier keine vollständige gesicherte Übersetzung möglich ist. Der erkennbare Inhalt ist knapp ausgewiesen; der Sanskrittext bleibt ausdrücklich vorläufig. Auch die Narmadā-Zeile ist syntaktisch beschädigt.]
Band III, S. 811, Sampatpradabhairavi: Mantrabildung
Deutsch: Nun Sampatpradā Bhairavī im Jñānārṇava: Wie jene Tripurā Bālā, so auch Tripurabhairavī. Höre, o du mit reinem Geist, von ihrer Form namens Sampatpradā, der Reichtum Gewährenden. Śiva und Candra, auf Vahni stehend, und anschließend Vāgbhava; dann das Kāma-Bīja, o Göttin, verbunden mit Śiva und Candra; darauf das Erd-Bīja, mit Vahni ausgestattet. Höre die dritte Silbe, o Geliebte: Beim Śakti-Bīja setze man, o große Göttin, Śiva und Vahni ein. Bei Kumārī lasse man, o höchste Herrin, Sarga weg und berücksichtige die Bindu-Bestimmung. O Geliebte, die Göttin Tripurabhairavī ist dann die große Fülle Gewährende. Der Kommentar erläutert: Tripurabhairavī ohne Visarga wird zu Sampatpradā. Nyāsa, Verehrung und alles Weitere entsprechen Tripurabhairavī. [Lesungshinweis: Die verschlüsselte Lautbildung, besonders die Verbindung sargaṃ tu vaindavam, ist nicht vollständig gesichert; maßgeblich als ausdrücklich lesbare Erklärung bleibt hier die anschließende Prosa über das Weglassen des Visarga.]
Band III, S. 811–812, Sampatpradabhairavi: Meditation
Deutsch: Die Meditation lautet: Man vergegenwärtige sich die ewige große Fülle Gewährende, die wie tausend kupferrote Sonnen leuchtet. In ihrem verfilzten Haar strahlt die Mondsichel. Die Edelsteine ihrer Krone und vielfach angeordneten Perlen funkeln. Eine Girlande von Köpfen, mit herabfließendem Blut benetzt, schmückt sie. Drei Augen verleihen ihr Glanz; ihr Gesicht gleicht dem Vollmond. Eine Perlenkette leuchtet auf ihrer vollen, erhobenen Brust. Sie ist in rote Gewänder gekleidet und wird mit einer von Jugendfülle belebten Gazelle verglichen. Links hält sie das Buch und zeigt Furchtlosigkeit; rechts trägt sie eine Gebetskette und gewährt unablässig Gaben. Auch ihr Purashcharana ist wie zuvor zu verstehen. [Lesungshinweis: Das bildhafte Kompositum yauvanonmattahariṇī wird als Gazellenvergleich übersetzt; die genaue Drucklesung bleibt vorläufig.]
Band III, S. 812, Kauleshabhairavi
Deutsch: Nun Kauleśabhairavī, ebendort: Erkenne Kauleśabhairavī nach der Form der Sampatpradā Bhairavī. O Herrin der Götter, o Pārvatī, bei den drei Keimsilben werden die Lautgruppen ha-sa-ra beziehungsweise sa-ha-ra angegeben. Meditation, Verehrung und die übrigen Handlungen geschehen entsprechend. Der Kommentar ergänzt: Gemeint ist „wie bei Tripurabhairavī“. Durch das Wort „und so weiter“ ist auch das Purashcharana eingeschlossen. [Lesungshinweis: Der erste Halbvers und die Zuordnung der beiden Konsonantenfolgen sind im Druck undeutlich; deshalb werden sie nicht zu einer vollständigen Mantraformel zusammengesetzt.]
Band III, S. 812, Kameshvarabhairavi
Deutsch: Nun Kāmeśvarabhairavī, ebendort: Kāmeśvarī besitzt elf Silben und befindet sich auf dem zuvor genannten Thron. Die ersten beiden Keimsilben werden aus eben dieser Vidyā genommen. An deren Ende stehen, o höchste Herrin, „nityaklinne madadrave“; dann folgt ihre dritte Keimsilbe. So entsteht die elfsilbige Vidyā, o höchste Göttin. Meditation, Verehrung und die übrigen Handlungen werden wie bei Caitanyā gelehrt. Ebenso auch das Purashcharana. [Die Anrufung nityaklinne madadrave bedeutet sinngemäß: „O immer Feuchte, o in Verzückung Fließende“. Die vollständige Lautform wird angesichts der vorangehenden Lesungsfragen nicht ergänzt.]
Band III, S. 812, Shatkuta-Bhairavi
Deutsch: Nun Ṣaṭkūṭā Bhairavī im Jñānārṇava: Entnimm die Keimsilben von Ḍākinī und Rākinī, das Paar von Lākinī und Kākinī sowie die Keimsilben von Śākinī und Hākinī, o Schöne unter den Göttern. Die erste verbinde man mit ai, die nächste schmücke man mit ī. Die dritte Keimsilbe schreibe man mit dem als Śakra bezeichneten Vokal, o Göttin. Die dritte ist von Bindu, Nāda und Kalā durchdrungen, o Tochter des Berges. Durch zweimalige Wiederholung vollziehe man den Sechsglieder-Nyāsa, o höchste Herrin. Das Purashcharana ist wie zuvor. Nun Nityā Bhairavī, ebendort: Die sechs Laute eben dieser Vidyā stehen der Reihe nach. [Die Darstellung setzt auf S.813 fort. Die technischen Vokalnamen bleiben unaufgelöst.]
Band III, S. 813, Nityabhairavi: Abschluss
Deutsch: Sprich sie in umgekehrter Reihenfolge, o Erhabene. Diese Vidyā gewährt Genuss und Befreiung. Ihren Nyāsa, ihre Verehrung und alle weiteren Handlungen vollziehe man wie zuvor. [Dies setzt die auf S.812 begonnene Bestimmung der sechs Laute fort.]
Band III, S. 813, Rudrabhairavi: Mantrabildung und Zuordnungen
Deutsch: Nun Rudrabhairavī, ebendort. Die erste Lautbildung nennt Śiva und Candra, das Ende von Mādana und der pa-Gruppe, verbunden mit Vahni, mit Śakti vereinigt und mit Bindu, Nāda und Kalā ausgestattet: dies ist Vāgbhava, o Geliebte. Das Kāma-Bīja ist dasselbe wie bei Sampatpradā Bhairavī. Hinzu kommt das Bīja Sadāśivas und des großen Thrones. Der Kommentar erläutert: Das Sadāśiva-Bīja ist das Preta-Bīja. Diese Vidyā lässt sich, o große Göttin, nicht beschreiben. Der Nyāsa des Ṛṣi und der übrigen Zuordnungen erfolgt wie bei Tripurabhairavī. [Lesungshinweis: Die verschlüsselten Verbindungen mādanāntaṃ und śaktimitraṃ sind im Druck nicht sicher zu bestimmen; sie werden nicht zu einer Rezitationsformel ergänzt.]
Band III, S. 813, Rudrabhairavi: Meditation und Abschluss
Deutsch: Nun die Meditation: Die Göttin leuchtet wie tausend aufgehende Sonnen. Sie trägt den Mond auf dem Haupt, hat drei Augen und ist durch vielfältigen Schmuck anmutig. Sie vernichtet alle Feinde. Eine Reihe von Köpfen, aus denen Blut strömt, schmückt sie; ihr Gewand ist rot. Der Reihe nach trägt sie Dreizack, Trommel, Schwert und Schild, den Pināka-Bogen und Pfeile, Schlinge und Stachelhaken, Buch und Gebetskette. Sie sitzt auf dem Śiva-Thron. In einem anderen Tantra heißt es: Nyāsa, Verehrung und alle weiteren Handlungen entsprechen Tripurabhairavī. Ebenso das Purashcharana. Der zugehörige Bhairava ist Baṭuka; sein Mantra und dessen Purashcharana wurden im Śiva-Abschnitt erklärt. Damit endet der Abschnitt über Bhairavī.
Band III, S. 813–814, Chinnamasta: Beginn und Lobpreis
Deutsch: Nun die Vidyā der Chinnamastā. Im Viśvasāra und im Yāmala heißt es: Ich werde Pracaṇḍacaṇḍikā darlegen, die alle ersehnten Früchte gewährt. Allein durch ihre Gnade wird der Mensch zu Śiva selbst. Wer keinen Sohn hat, erlangt einen Sohn; wer kein Vermögen besitzt, gewinnt Reichtum. Er erlangt dichterische Kraft und große Gelehrsamkeit; daran besteht nach der Aussage der Quelle kein Zweifel.
Band III, S. 814, Chinnamasta: Varianten der Mantraeröffnung
Deutsch: Nun wird die Bildung des Mantras erklärt: Lakṣmī, Lajjā, sodann Māyā, danach Mātrādvādaśikā; anschließend „vajravairocanīye“ und zweimal Māyā, verbunden mit „phaṭ svāhā“. Steht das Lakṣmī-Bīja am Anfang, so kommt Fülle von allen Seiten. Mit dem Lajjā-Bīja am Anfang werden Frauen unter Einfluss gebracht. Mit dem Māyā-Bīja am Anfang werden schwere Verfehlungen vernichtet. Steht das Mātrādvādaśikā-Bīja am Anfang, so gewährt der Mantra Befreiung. Der Kommentar erläutert: Hier bezeichnet das Wort Lajjā das Kāma-Bīja. So heißt es ausdrücklich: „O Göttin, das Wort Lajjā ist hier auf das Kāma-Bīja zu beziehen. Die glückverheißende Bildung des Mantras wird nach der Lehre Mahākālas erklärt.“ Doch es entsteht auch kein Widerspruch, wenn das Wort Lajjā im Bildungsvers als Māyā-Bīja verstanden wird: Nach dem Śrī-Bīja findet sich an manchen Stellen Kāma-Bīja, an anderen die mit Śiva und Śakti beginnende Bildung. Auch das Wort Māyā wird bisweilen auf Kūrca bezogen. Dazu wird eine verschlüsselte Definition mit Bindu und dem linken Ohr zitiert. Mātrādvādaśikā ist Vāgbhava. [Lesungshinweis: Die Sanskritwörter in der Erklärung ab śivaśaktyādyasya und die anschließende Definition von Māyā sind im Druck undeutlich; ihre Transkription bleibt vorläufig. Die unterschiedlichen Deutungen werden als Varianten der Quelle bewahrt.]
Band III, S. 814, Chinnamasta: siebzehnsilbige Form aus dem Merutantra
Deutsch: Im Viśvasāra heißt es: Eine weitere sechzehnsilbige Form wird durch Tāra am Anfang siebzehnsilbig. Diese Vidyā ist eine Mahāvidyā, die stets Genuss und Befreiung gewährt. Dazu heißt es im Merutantra: Praṇava, Ramā und Lajjā, das Bīja-Paar und Vāgbhava; „vajravairocanīye“, „hauṃ hauṃ“, „phaṭ svāhā“ – so wird der Mantra mit der verschlüsselten Silbenzahl bezeichnet. Als sein Seher wird Bhairava genannt, als Versmaß Samrāṭ. Die Göttin ist Chinnamastā, die durch den linken Weg Siddhi gewährt. [Lesungshinweis: Die beiden im Druck als hauṃ erscheinenden Silben und die Schlussangabe dhanākṣaraḥ sind nicht gesichert. Dieser Textblock dokumentiert eine Quellenvariante und ist keine bestätigte vollständige Rezitationsformel.]
Band III, S. 815, Chinnamasta: Rishi und Anwendung
Deutsch: Im Yāmala und anderen Quellen: Ihr Seher bin ich, Bhairava, mit dem Namen Krodhabhūpati, „Herrscher des Zorns“. Das Versmaß ist Samrāṭ, und die Gottheit wird Chinnamastā genannt. Māyā ist die Keimsilbe, Svāhā die Kraft: So hat es Brahmayoni erklärt. Als Anwendung werden Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa genannt, also rechtes Leben, Wohlstand, Erfüllung und Befreiung.
Band III, S. 815, Chinnamasta: Glieder-Nyasa nach Meru
Deutsch: Im Meru: „Āṃ khaḍgāya“ wird dem Herzen zugeordnet; „īṃ sukhaḍgāya“ dem Kopf. „Ūṃ vajrāya“ wird für die Haarspitze gelehrt, „aiṃ pāśāya“ als Schutz des Körpers. „Auṃ aṅkuśāya“ gehört zu den Augen. Für die Waffe wird „surakṣayāya“ zusammen mit „hūṃ hūṃ“ genannt; der Waffenmantra wird als neunsilbig bezeichnet. Alle diese Formeln beginnen mit Praṇava und enden mit Svāhā. Danach vollziehe man die Meditation. [Lesungshinweis: Die Vokallängen und die genaue Verbindung des Waffenmantras sind im Druck undeutlich. Die hier getrennt wiedergegebenen Formelteile sind keine überprüfte vollständige Nyāsa-Rezitation.]
Dokumentierte Inhaltsauslassung: Band III, S.815, kurzes Chinnamastā-Dhyāna. Sexualisierte Darstellung einer minderjährig oder nicht eindeutig erwachsen bezeichneten Gestalt; hier nicht wiedergegeben. Dieser Hinweis ersetzt keine Übersetzung.
Band III, S. 815–816, Chinnamasta: weitere Form aus der Mahakalasamhita
Deutsch: Nun ein anderer Mantra aus der Mahākālasaṃhitā: Jetzt werde ich dir den Mantra Chinnamastās aussprechen. Schon durch den Wunsch, ihn zu empfangen, sollen dem Übenden die acht Siddhis zuteilwerden. Eine höhere Göttinnen-Vidyā als diese wird es nicht geben. Deshalb darf ein Mensch, der unrechten Handlungen nachgeht, sie keinesfalls empfangen. Entweder Vollendung oder Tod – eines von beidem wird eintreten. Praṇava, Ramā-Bīja, Lajjā und Vāgbhava; danach spreche man „vajravairocanīye“. Dann folgen zweimal Kūrca und Astra; mit Svāhā am Ende ist der Mantra sechzehnsilbig. Sein Nyāsa und die weiteren Handlungen sind wie zuvor auszuführen. [Lesungshinweis: Die Negation im Vers über den Empfang durch einen Menschen mit unrechtem Handeln ist im Druck schwer zu trennen; die Übersetzung versteht die Stelle als Ausschluss. Die Alternative „Vollendung oder Tod“ ist eine drastische Behauptung der zitierten Überlieferung.]
Dokumentierte Inhaltsauslassung: Band III, S.816–817, ausführliches Chinnamastā-Dhyāna. Sexualisierte Darstellung einer minderjährig oder nicht eindeutig erwachsen bezeichneten Gestalt; hier nicht wiedergegeben. Dieser Hinweis ersetzt keine Übersetzung.
Band III, S. 817, Chinnamasta: weitere Mantras nach Yamala
Deutsch: Nun ein weiterer Mantra im Yāmala: Bhuvaneśī, Kāma-Bīja, Kūrca-Bīja und Vāgbhava; sodann Bhuvaneśī, Kūrca-Bīja und Vāgbhava; danach „vajravairocanīye“, „huṃ phaṭ svāhā“. Ein anderer Mantra: Hṛllekhā, Vāgbhava, Kūrca, Vāgbhava und nochmals Kūrca, mit Astra am Ende. Dies wird als die Mahāvidyā Chinnamastās bezeichnet, der in den Welten keine Vidyā gleicht. Dieser sechssilbige Mantra gewährt unmittelbar Befreiung; daran besteht nach der Quelle kein Zweifel. Bei diesen beiden Formen sind Ṛṣi-Nyāsa, Hand-Nyāsa und Sechsglieder-Nyāsa wie zuvor auszuführen.
Dokumentierte Inhaltsauslassung: Band III, S.818, Chinnamastā-Dhyāna-Variante. Sexualisierte Darstellung einer minderjährig oder nicht eindeutig erwachsen bezeichneten Gestalt; hier nicht wiedergegeben. Dieser Hinweis ersetzt keine Übersetzung.
Band III, S. 818, Chinnamasta: kürzere Mantraformen
Deutsch: Nun ein anderer Mantra, ebendort: „Vajravairocanīye“, zweimal Kūrca, dazu Phaṭ und die als ṭha-ṭha verschlüsselte Endung. Mit Tāra am Anfang ist dies die Mahāvidyā, die alle Strahlkraft an sich zieht. Nyāsa, Meditation und alle weiteren Handlungen vollziehe man wie bei der sechzehnsilbigen Form. Ein anderer Mantra: Viyat, mit Śrotra umhüllt und mit Bindu und Nāda verbunden, o Geliebte: Dies ist die einsilbige Mahāvidyā, die die drei Welten unter Einfluss bringt. Zweimal wiederholt wird sie zur Mahāvidyā, welche die drei Welten bezaubert. Mit Tāra am Anfang gewährt sie die Früchte der vier Lebensziele. Nyāsa, Meditation und alles Weitere werden wie zuvor erklärt. [Die verschlüsselten Lautnamen werden nicht stillschweigend aufgelöst.]
Band III, S. 819, Chinnamasta: Purashcharana nach Vishvasara und Rudrayamala
Deutsch: Nun das Purashcharana im Viśvasāra: Im Rahmen des Purashcharana vollziehe man einhunderttausend Mantrawiederholungen. Für die Mahāvidyā wird überall, in allen Tantras, von Padmayoni eine Wiederholungszahl von einhunderttausend genannt. Auch im Rudrayāmala: Beim Purashcharana wiederhole man einhunderttausendmal; danach bringe man ein Zehntel als Feueropfer dar. Das Homa vollziehe man mit Bilva-Hölzern, die mit geklärter Butter bestrichen sind. Man kann auch Brennhölzer des Udumbara oder Palāśa verwenden; ebenso soll man mit Apāmārga-Hölzern opfern, um den Mantra zu verwirklichen. [Die Fußnote nennt für die letzte Materialangabe eine abweichende, teilweise undeutliche Lesart mit Apāmārga und Śamī.]
Band III, S. 819, Chinnamasta: unterschiedliche Wiederholungszahlen
Deutsch: Auch in einem anderen Yāmala: Nachdem man über die Göttin meditiert hat, wiederhole man den Mantra einhunderttausendmal und ernähre sich dabei von opfergeeigneter Speise. Ein Zehntel davon opfere man mit Bilva-Hölzern, die mit geklärter Butter benetzt sind. Im Vārāhītantra dagegen heißt es: In einem verlassenen Haus, auf einem Verbrennungsplatz, am Fuß eines Baumes oder in einem Śiva-Heiligtum wiederhole man den Mantra dreihunderttausendmal; dann tritt gewiss Siddhi ein. Auch im Gāndharvatantra: Bei Tage lebe man in Brahmacarya, nachts mit einer Frau als Gefährtin. Mit den fünf mit ma beginnenden Stoffen und einer Mahāśaṅkha-Gebetskette wiederhole man, o Göttin, den Mantra dreihunderttausendmal, dem Zeitalter entsprechend im Kali-Yuga. Der auf Reinheit ausgerichtete Mensch wiederhole zusätzlich einhunderttausendmal. Nach Abschluss der dreihunderttausend Wiederholungen vollziehe man das Homa. Im von Verfehlungen erfüllten Kali-Yuga, in dem Wahrhaftigkeit und Dharma fehlen, ist die Handlung beziehungsweise Wiederholung vierfach auszuführen; dadurch kommt Siddhi, ohne Zweifel. Der Kommentar erklärt: Diese Purashcharana-Vorschrift mit rechtem Weg am Tag und linkem Weg bei Nacht bezieht sich auf die Kaulas. [Die Quelle nennt nebeneinander mehrere Zahlen und eine Vervierfachung; diese werden nicht zu einer einzigen vermeintlich eindeutigen Gesamtzahl vereinheitlicht. Die Lesung śuddhāparo ist vorläufig.]
Band III, S. 820, Chinnamasta: Merutantra und redaktionelle Zuordnung
Deutsch: Im Merutantra: So vollziehe man die Verehrung und wiederhole den Mantra vierhunderttausendmal. Mit Palāśa- oder Bilva-Blüten und -Früchten bringe man das Feueropfer dar. Danach vollziehe man Tarpaṇa und die weiteren Handlungen; dann ist der Mantra verwirklicht. Der Kommentar ordnet die Zahlen zu: Für den im Viśvasāra gelehrten sechzehnsilbigen Mantra besteht das Purashcharana aus einhunderttausend Wiederholungen. Für die im Tantrāloka genannten anderen sechzehnsilbigen Formen werden dreihunderttausend genannt. Für den im Merutantra gelehrten siebzehnsilbigen Mantra beträgt die Wiederholung vierhunderttausend, so wird erklärt.
Band III, S. 820, Krodhabhairava: Voraussetzung und Mantrabildung
Deutsch: Im Bhūtabhairava: Nachdem man zuerst den Mantra des Krodha genannten Bhairava wiederholt hat, nehme man eine Gebetskette aus Knochen und wiederhole den Vajravairocanī-Mantra. Der Mantra Krodhabhairavas wird ebendort genannt: Jetzt werde ich den Krodha-Mantra erklären, durch den selbst das schwer zu Verwirklichende gelingt. Man nehme das Hālāhala-Bīja, danach das Krodha-Bīja. Dann spreche man die als Bhayaṅkara bezeichneten Laute, „asitāṅga“ und anschließend die als Kṣatajā bezeichnete Bildung; nach „pratyālīḍha mahājvāla“ gewinne man den Mantra. So ausgesprochen wird Krodha von selbst wirksam. [Lesungshinweis: Die Lautangaben bhayaṅkarārṇa und kṣatajā sowie ihre syntaktische Verbindung sind im Druck undeutlich; es wird keine vollständige Formel ergänzt.]
Band III, S. 820, Krodhabhairava: Sechsglieder-Nyasa
Deutsch: Danach vollziehe man mit dem Krodha-Mantra den Sechsglieder-Nyāsa. Viṣa, mit Vajra verbunden, „bodhi mahākāla“ setze man im Herzen ein. Viṣa, zweimal Huṃ und die als Vajrakūrcīca erscheinende Verbindung gehören zum Kopf. Hālāhala, verbunden mit „daṃ huṃ“, und „vajrakāla“ setze man an der Haarspitze ein. Viṣa mit Astra und „vajram āyudham“ gehören zur Schutzrüstung. Die Verbindung von Tārā-Bīja und Vajra mit „mahākālāya“ gehört zu den beiden Augen. Man nehme Viṣa mit Huṃ, sodann zweimal „daha“ und die anschließenden Lautangaben; Krodha, mit Vajra verbunden, „dahat sarvaduṣṭān“ und danach „māraya vajrāstram“. Der Sechsglieder-Nyāsa endet mit der Versiegelung der Himmelsrichtungen. [Lesungshinweis: Mehrere Formelglieder sind im Druck beschädigt, besonders vajrakūrcīcaṃ und daṃhuṃyutam. Diese Transkription und ihre Zuordnung sind vorläufig. Die erkennbaren Befehlswörter bedeuten unter anderem „verbrenne“ und „vernichte“ und gehören zum zitierten rituellen Formeltext.]
Band III, S. 821, Krodhabhairava: Meditation, Mudra und Abschluss
Deutsch: Nun die Meditation: In der Mitte vergegenwärtige man sich den Furchtbaren, umgeben von Flammen, laut auflachend und überaus schrecklich. Er gleicht einer Masse zerstoßenen schwarzen Augenschminks. Er steht in Pratyālīḍha-Haltung und hat vier Arme. Rechts trägt er ein Rad; mit der linken Hand zeigt er die drohende Zeigefingergeste. Scharfe Fangzähne machen sein Antlitz furchtbar. Seine Krone ist mit Schädeln und Edelsteinen versehen; er ist der Lenker der drei Welten. Er leuchtet wie zehn Millionen Sonnen und trägt acht Schlangen als Schmuck. Es folgt eine gedrängte Beschreibung seiner unbesiegbaren Stellung und seiner kraftvollen Mudrā: Man verbinde beide Ringfinger und krümme beide Zeigefinger; kleiner Finger, Mittelfinger und Daumen werden der Reihe nach einbezogen. So trägt der Furchtbare die Mudrā und verwirklicht das in den drei Welten sonst Unverwirklichbare. Das Purashcharana seines Mantras entspricht dem der Pracaṇḍacaṇḍikā, denn es heißt: Die Vorschriften von Japa und Homa für Śiva und Śakti gelten als gleich. Damit endet der Abschnitt über Chinnamastā. [Lesungshinweis: Der Vers ab aparājitapadākrānta ist beschädigt, ebenso die anschließende genaue Fingeranordnung. Die Beschreibung ist keine gesicherte praktische Mudrā-Anweisung. Eine Fußnote bietet statt „Rad tragend“ die Lesart „Vajra tragend“.]
Band III, S. 821, Chinnamasta: zusätzlicher Versbestand der Fußnote
Deutsch: Die Herausgeberfußnote verzeichnet zwei zusätzliche Verse in einem anderen Textzeugen: Ramā, Kāma, Lajjā und Vāgbhava; dann die Wortfolge „vajravai-“ und „rocanīyai“, zweimal Lajjā sowie Svāhā bilden den Mantra. Dies wird als jene sechzehnsilbige Form bezeichnet, die alle ersehnten Früchte gewährt. Damit sind alle glückverheißenden Vidyās erklärt, die noch wesentlicher sind als das Wesentliche. [Dies ist zusätzlicher Versbestand der Fußnote, kein stillschweigend in den Haupttext eingefügter Vers. Die getrennte Wortbildung der Anrufung folgt dem Druck.]
Band III, S. 821–822, Dhumavati: Mantra und Nyasa
Deutsch: Nun die Vidyā der Dhūmāvatī. In der Mahātharvaṇasaṃhitā heißt es: Die zweimalige verschlüsselte Lautbildung dānta, versehen mit linkem Ohr und Mond, dann Dhūmāvatī und die Gattin des Feuers bilden die achtsilbige Mahāvidyā, die den Verehrenden alle Siddhis gewährt. Im Merutantra: Der Seher ist Pippalāda, das Versmaß Nivṛt; ihre Gottheit ist Jyeṣṭhā. Mit dha, versehen mit den sechs langen Vokalen und Bindu, vollziehe man den Sechsglieder-Nyāsa. Mit den sechs Lauten, die zwischen dem anfänglichen Bīja-Paar stehen, vollziehe man den Nyāsa. Der Übende setze sie am Daumen und den weiteren Handstellen sowie nochmals an den sechs Gliedern ein. [Die verschlüsselte Eingangsbildung und die Trennung nivṛt/jyeṣṭhā sind nach dem Druck wiedergegeben; die vollständige Formel wird nicht ergänzt.]
Band III, S. 822, Dhumavati: Meditation
Deutsch: Die Meditation lautet: Sie ist von fahler Farbe, unruhig, dunkel, hochgewachsen und in unreine Gewänder gehüllt. Ihr Haar ist gelöst; sie erscheint langgestreckt als Witwe mit lückenhaften Zähnen. Sie fährt auf einem Wagen mit einer Krähe als Bannerzeichen; ihre Brüste hängen herab. In der Hand hält sie eine Worfelschwinge. Ihre Augen sind überaus rau; mit einer Hand zeigt sie die Gewährung einer Gabe. Ihre Körperhaare sind stark gewachsen, ihr Haupthaar verfilzt, ihr Blick schräg. Ständig ist sie von Hunger und Durst gequält und immer zum Streit bereit. In dieser Gestalt meditiere man stets über sie; danach vollziehe man die rituelle Handlung. [Die Formulierung dhṛtahastā ist im Druck nicht eindeutig; die Handgeste wird nach der anschließenden Angabe vara wiedergegeben.]
Band III, S. 822, Dhumavati: Purashcharana
Deutsch: Nun das Purashcharana: Am vierzehnten Tag der dunklen Mondhälfte wiederhole man in einem verlassenen Haus bei Tag und bei Nacht den Mantra. Fastend soll man am eigenen Ort innerhalb eines Tages Siddhi erlangen. Oder man wiederhole auf einem Verbrennungsplatz oder im Wald einhunderttausendmal, wobei man Schweigen bewahrt, eine Kopfbedeckung und feuchte Kleidung trägt; dadurch wird der Mantra wirksam. Das Homa wird hier mit geklärter Butter ausgeführt; danach folgen Tarpaṇa und die übrigen Handlungen. Oder man wiederhole den Mantra einhunderttausendmal unbekleidet auf einem Verbrennungsplatz, esse nur nachts und vollziehe mit Sesam ein Feueropfer im Umfang eines Zehntels. [Lesungshinweis: Die Ortsangabe svasyadeśe in der ersten Vorschrift ist vorläufig; die Tagesangabe wird als Behauptung der Quelle übersetzt.]
Band III, S. 822–823, Dhumavati: weitere Formeln und Zuordnungen
Deutsch: Nun ein anderer Mantra aus einem anderen Tantra: Dreimal spreche man das Bīja Dhūṃ, danach zweimal die als dhūra bezeichnete Folge. Man spreche das Wort Dhūmāvatī, verbunden mit „kroṃ svāhā phaṭ“. Dies wird als der erste Mantra bezeichnet. Höre aufmerksam den zweiten: Man spreche Praṇava, das Dhūmra-Bīja und das Wort Dhūmāvatī, dann „devadatto dhāvati“; dieser Mantrakönig endet mit Svāhā. Der Seher heißt Kṣapaṇaka, das Versmaß Gāyatrī. Die Gottheit ist Dhūmāvatī, als Keimsilbe wird Dhūṃ genannt. Svāhā ist die Kraft; als Anwendung wird das Vertreiben bezeichnet. Mit sechs Formen des Dhūṃ-Bījas vollziehe man die sechs Glieder. Höre nun die Meditation, o Schönangesichtige. [Lesungshinweis: dhūrayugmaṃ und die genaue Endfolge der ersten Formel sind vorläufig. „Devadatta läuft davon“ verwendet den traditionellen Beispielnamen für eine einzusetzende Person.]
Band III, S. 823, Dhumavati: zweites Meditationsbild
Deutsch: Sie reitet auf einer Krähe, ist überaus dunkel, hat zerbrochene Zähne und erscheint leidenschaftslos. Ihr Haar ist gelöst, ihre Augen sind rauchfarben. Hunger und Durst bedrängen sie; Furcht erfüllt sie. Sie ist unstet, von starkem Verlangen gequält, zugleich froh und wohlgenährt, eine Piśācī. Sie ist unrein, eine Asketin, rot beziehungsweise leidenschaftlich, mit deutlich wahrnehmbarem Geruch und zum Widerspruch geneigt. In der Hand hält sie die Worfelschwinge. So meditiere man über die höchste Dhūmāvatī. Die Vorschrift des Purashcharana lautet: O große Göttin, man wiederhole einhunderttausendmal und vollziehe das Vertreiben aus der Welt. [Der Quellentext stellt widersprüchlich wirkende Attribute wie „leidenschaftslos“ und „von Verlangen gequält“ nebeneinander; diese werden nicht geglättet. Mehrere Adjektive der mittleren Zeile sind im Druck undeutlich.]
Band III, S. 823, Aghora: Anwendungen und eingeschobene Erläuterung
Deutsch: Nun der Aghora-Mantra nach der Śāradā: Jetzt werde ich den vortrefflichen Aghora genannten Mantra nach der Vorschrift erklären. Allein durch seine Vergegenwärtigung verschwinden alle Bedrängnisse. Eine eingeschobene Erläuterung nennt unterschiedliche Endungen je nach ritueller Anwendung: Huṃ beim Stillstellen; Kroṃ beim Heranziehen und der anschließenden, undeutlich bezeichneten Anwendung; Vaṣaṭ beim Einschließen, Namaḥ beim Auseinandertreiben. Zur Vernichtung von Besessenheit, Dieben und Feinden werden Huṃ und Kroṃ am Ende vorgeschrieben. Für alle Anwendungen wird außerdem eine Śānta-Endung genannt, beim Töten Kṣoṃ; bei der Vernichtung von Geisterwesen Phaṭ. Dieser Mantra wird einem Wunscherfüllungsbaum verglichen. Im Īśvarakalpa stehen zweimal „prasphura“ und zweimal „bandha“. Im Kommentar Padārthādarśa wird der Mantra als einundvierzigsilbig bezeichnet. [Die Herausgeberfußnote erklärt ausdrücklich, dass der zwischen Anführungszeichen stehende Einschub in keinem weiteren benutzten Textzeugen gefunden wurde. Mehrere Anwendungswörter und Endungen dieses Einschubs sind zudem unsicher gelesen.]
Band III, S. 823–824, Aghora: Bildung des Mantras und Nyasa
Deutsch: Māyā, zweimal „sphura“, dann zweimal „prasphura“; danach „ghora ghoratara“ und das Wort tanurūpa. Es folgen zweimal „caṭa“, zweimal „pracaṭa“, die zweimalige als kaha erscheinende Folge und die anschließende undeutliche Lautangabe; danach zweimal „bandha“ und zweimal „ghātaya“. Mit Varma und Phaṭ am Ende wird dieser große Aghora-Mantra als fünfzigsilbig bezeichnet. Als sein Seher wird Aghora genannt, als Versmaß Triṣṭubh. Die besten Mantra-Kundigen bestimmen Aghorarudra als Gottheit. Die ersten fünf Silben gehören zum Herzen, die nächsten sechs zum Kopf. Zehn werden für die Haarspitze genannt, ebenso viele für die Schutzrüstung. Acht Silben gehören zu den Augen; die übrigen werden der Waffe zugeordnet. [Lesungshinweis: Besonders kahayugmaṃ namastadvaṃ ist beschädigt. Eine Fußnote bietet hierfür die Variante „zweimal vaha, vadhadvayam“. Die Quelle zählt hier fünfzig Silben; der zuvor verzeichnete einundvierzigsilbige Text bleibt als andere Überlieferung getrennt.]
Band III, S. 824, Aghora: Meditation und Purashcharana
Deutsch: Die Meditation lautet: Ich vergegenwärtige mir Aghora, der wie eine wasserreiche Wolke aussieht, furchtbare Fangzähne und drei Augen hat und Schlangen trägt. Seine Gewänder und die Salbung seines Körpers sind rot. Er hält Axt, Trommel, Schwert, Schild, Pfeile und Bogen, Dreizack und menschlichen Schädel. Nun sein Purashcharana, ebendort: Man wiederhole den Mantra einhunderttausendmal. Um den Mantra zu verwirklichen, bringe der Übende ein Zehntel davon als Feueropfer mit reinen Sesamkörnern dar, die mit geklärter Butter benetzt sind. Damit endet der Abschnitt über Dhūmāvatī.
Band III, S. 824, Bagalamukhi: Beginn
Deutsch: Nun die Vidyā der Bagalāmukhī im Merutantra: Jetzt werde ich Bagalāmukhī erklären, die stillstellende Göttin. Nachdem man Tāra und Māyā gesprochen hat, sage man „bagalāmukhi“. Darauf folgen „sarvaduṣṭānāṃ“, dann die Wörter „vācaṃ mukhaṃ“, danach „stambhaya“, „jihvāṃ“ und anschließend „kīlaya“. Sinngemäß: „O Bagalāmukhī, stelle Rede und Mund aller Übeltäter still; halte ihre Zunge fest.“ [Die Mantrabildung setzt auf S.825 fort.]
Band III, S. 825, Bagalamukhi: Abschluss der Formel und Nyasa
Deutsch: Es folgen „buddhiṃ vināśaya hrīṃ oṃ svāhā“: „Zerstöre ihre Absicht; Hrīṃ Oṃ Svāhā.“ Der Mantra umfasst sechsunddreißig Silben. Sein Seher ist Nārāyaṇa, das Versmaß Triṣṭubh, die Göttin Bagalāmukhī. Hṛllekhā ist das Bīja, Svāhā wird als Kraft genannt. Seine Anwendung ist auf die vier menschlichen Lebensziele gerichtet. Hṛllekhā wird dem Herzen zugeordnet, Bagalāmukhī dem Kopf. „Sarvaduṣṭānāṃ“ gehört zur Haarspitze; die anschließende Wortfolge „vācaṃ mukhaṃ stambhaya“ bildet die Schutzrüstung. „Jihvāṃ kīlaya“ gehört zu den Augen, „buddhiṃ vināśaya“ zur Waffe. So wird der Sechsglieder-Nyāsa erklärt. [Dies schließt die auf S.824 begonnene Formel ab; die Zuordnungen folgen dieser Quellenfassung.]
Band III, S. 825, Bagalamukhi: vierarmige Meditation
Deutsch: Nun die Meditation: Sie ist tief und erhaben, von Verzückung erfüllt und gleicht glühendem Gold. Vier Arme und drei Augen hat sie; sie sitzt auf einem Lotus. Rechts hält sie Keule und Schlinge, links Zunge und Vajra. Sie trägt ein gelbes Gewand; ihre Brüste sind fest, rund und voll. Goldene Ohrringe schmücken sie, und eine gelbe Mondsichel ziert ihr Haupt. Gelber Schmuck umgibt sie; sie sitzt auf einem goldenen Thron.
Band III, S. 825–826, Bagalamukhi: gelbe Ritualausstattung und Japa
Deutsch: Nun das Purashcharana: Die Gebetskette ist aus Kurkuma gefertigt. Der Übende trägt selbst gelbe Kleidung, sitzt auf einer gelben Unterlage, vergegenwärtigt sich die gelbe Gestalt und vollzieht zehntausend Mantrawiederholungen. Das Feueropfer wird im Umfang eines Zehntels ausgeführt; mit gelben Stoffen bringe man die Sättigungsgaben dar. Durch ausschließlich gelbe Verehrungsgaben wird der Mantra für den Übenden verwirklicht. In der von Vajrayoginī Miśra verfassten Sammlung dagegen heißt es: In gelbe Gewänder gekleidet und nach Osten gewandt wiederhole man den Mantra einhunderttausendmal mit einer Gebetskette aus Kurkumastücken. Man wahre beständig Brahmacarya, sei rein und gesammelt und widme sich der Meditation. Das Homa vollziehe man mit Priyaṅgu, Milchreis und gelben Blüten. [Die Zehntausendzahl der ersten Quelle und die Hunderttausendzahl der zweiten bleiben getrennt.]
Band III, S. 826, Bagalamukhi: andere Formel aus dem Yamala
Deutsch: Nun ein anderer Mantra im Yāmala: Am Anfang steht die verschlüsselte Māyā-Bildung, ohne Vahni und mit dem Mondpaar; dann „bagalāmukhi“, „sarva“ und „duṣṭānāṃ vācam“. Darauf spreche man „mukhaṃ stambhaya“, dann „jihvāṃ kīlaya“ und „buddhiṃ vināśaya“. Es folgen das anfängliche Bīja, Tāra und als Abschluss die Gattin des Feuers. Diese Bagalāmukhī-Form wird als vierunddreißigsilbig, mit zusätzlichem Tāra, bezeichnet. Der Seher ist Nārāyaṇa, das Versmaß Paṅkti, die Gottheit Śrī Bagalāmukhī. Madana ist das Bīja, Pāvakasundarī die Kraft. Als Anwendung wird das Stillstellen des Mundes aller Feinde genannt. Mit dem Bīja, versehen mit den sechs langen Vokalen, wird der Sechsglieder-Nyāsa gelehrt. [Lesungshinweis: Die Eingangsbildung ist stark verdichtet und nicht sicher aufzulösen. Die Silbenzählung und das hier genannte Bīja werden nicht mit der vorigen Fassung vereinheitlicht. Die Fußnote nennt Nārada als alternative Ṛṣi-Lesart.]
Band III, S. 826–827, Bagalamukhi: zweiarmige Meditation und Abschluss
Deutsch: Nun die Meditation: Ich verehre die ganz gelbe Göttin, die mitten im Nektarmeer auf dem Thron einer Edelsteinplattform in einem kostbaren Pavillon sitzt. Sie trägt gelbe Gewänder und glänzt mit goldenem Schmuck und Girlanden. In den Händen hält sie eine Keule und die Zunge des Feindes. Ich verneige mich vor der zweiarmigen, in Gelb gekleideten Göttin: Mit der linken Hand ergreift sie die Zungenspitze, mit der rechten bedrängt sie die Feinde durch den Schlag der Keule. Nun das Purashcharana, ebendort: O Herrin der Götter, die Gebetskette besteht aus Kurkumastücken. Auf gelber Unterlage sitzend und ganz auf die Meditation der gelben Gestalt ausgerichtet, vollziehe man täglich die Verehrung mit gelben Blüten und zehntausend Mantrawiederholungen. Das Homa umfasst ein Zehntel und wird mit schönen gelben Stoffen ausgeführt. Ihr männlicher Partner ist Mṛtyuṃjaya; sein Mantra und dessen Purashcharana wurden im Śiva-Abschnitt erklärt. Damit endet der Abschnitt über Bagalāmukhī. [Die Fußnoten bieten beim Schmuck eine gleichsinnige Wortvariante und statt „Keulenschlag“ die Lesart „Fußtritt“.]
Band III, S. 827, Matangi: Mantra und Nyasa
Deutsch: Nun die Vidyā der Mātaṅgī im Yāmala: Jetzt werde ich die große Göttin Mātaṅgī darlegen, die alle Siddhis gewährt. Allein durch ihren Dienst erlangt man nach der Quelle gewiss die Vollkommenheit der Rede. Praṇava, dann Māyā, Kāma-Bīja und Kūrca; Mātaṅgī im Dativ, Astra und schließlich die Gattin des Feuers bilden den Mantra. Der Seher ist Dakṣiṇāmūrti, das Versmaß Virāṭ. Die Gottheit ist Mātaṅgī, die Göttin, welche alle Siddhis gewährt. Gesammelt vollziehe der Übende Glieder-Nyāsa und Hand-Nyāsa. Er bilde sie mit dem Bīja, versehen mit den sechs langen Vokalen und Praṇava am Anfang.
Band III, S. 827, Matangi: Meditation und Purashcharana
Deutsch: Nun die Meditation: Man meditiere über die Göttin mit dunklem Körper, dem Mond auf dem Haupt und drei Augen. Sie sitzt auf einem Thron aus edlen Steinen und trägt vielfältigen Edelsteinschmuck. Ihre Taille ist schmal, ihre Brust voll; ihr Antlitz lächelt. In ihren vier Armen trägt sie der Reihe nach Stachelhaken, schmiegsames Schwert, Schlinge und Schild. Nun das Purashcharana: Während des Purashcharana wiederhole man den Mantra sechstausendmal. Ein Zehntel davon bringe der Übende als Homa mit geklärter Butter, Zucker und Honig sowie mit Hölzern des Brahmataru dar, gemeinsam mit den Śaktis. Nachdem er auf diese Weise die vorbereitende Handlung vollzogen hat, führe er die Vorschriften der besonderen Anwendungen aus. [Śaktis bezeichnet hier die rituellen weiblichen Gefährtinnen; der Text wird nicht in eine moderne Übungsanleitung umgedeutet.]
Band III, S. 828, Ucchishtamatangi
Deutsch: Nun ein anderer Mantra im Merutantra: Jetzt werde ich Ucchiṣṭa Mātaṅgī mit der verschlüsselt bezeichneten Silbenzahl erklären. Man spreche „namaḥ ucchiṣṭacāṇḍāli mātaṅgi sarvavaśaṅkari svāhā“: „Verehrung dir, Ucchiṣṭa-Cāṇḍālī Mātaṅgī, die alles unter Einfluss bringt; Svāhā.“ Dieser Mantra bezaubert nach der Quelle die Welt. Das Versmaß wird als Nivṛt-Gāyatrī bezeichnet; in der Seherangabe stehen Nārada und die undeutliche Bezeichnung Babhru. Die Gottheit ist Mātaṅgī. Es folgt eine beschädigte Zahlenfolge zur Verteilung der Silben auf die Glieder; danach meditiere man über sie im Lotus des Herzens. Die Meditation lautet: Sie trägt ein schwarzes Gewand; ihre Füße sind mit rotem Lack benetzt. Ihre Brüste sind erhoben. Sie trägt eine reiche Kette aus Perlen und Korallen sowie Ohrringe aus Muscheln. [Lesungshinweis: Die Seherzeile und die Zahlenfolge des Nyāsa sind nicht zuverlässig lesbar. Die Sanskritfassung bewahrt die vorläufig erkannten Zeichen; eine praktische Zuordnung wird nicht ergänzt.]
Band III, S. 828, Sarvasammohini-Matangi und Purashcharana
Deutsch: Nun ein anderer Mantra, ebendort: Jetzt werde ich einen weiteren wunderbaren Mātaṅgī-Mantra erklären. „Kāminī rañjinī svāhā“ wird als sechssilbig bezeichnet. Sein Seher ist Sammohana, das Versmaß Nivṛt, die Gottheit Sarvasammohinī, „die alles Bezaubernde“. Die Glieder werden durch zweimalige Wiederholung der Wörter gebildet. Nun die Meditation: Ihre Gestalt ist dunkel; mit beiden Armen spielt sie die Vallakī-Laute. Sie ist schön geschmückt und trägt den Mond als Kopfschmuck. Durch mannigfaltigen Gesang bezaubert sie die Welt. Das Purashcharana dieser beiden Formen: Man wiederhole zwanzigtausendmal und bringe danach ein Zehntel als Homa mit Madhūka-Blüten dar, die mit den drei süßen Stoffen bestrichen sind. Damit werde die ganze Welt bezaubert. [Die Druckfassung der Schlusszeile des Dhyāna ist grammatisch unregelmäßig; die Übersetzung gibt den erkennbaren Sinn wieder. Die im Druck genannte Silbenzahl wird beibehalten.]
Band III, S. 828, Rajamatangi: Beginn der längeren Formel
Deutsch: Nun der Mantra Rājamātaṅgīs, ebendort: Jetzt werde ich einen weiteren Mantra mit vierundfünfzig Silben erklären. Man spreche „oṃ hrīṃ namaḥ“, dann „brahmaśrīrājite rājapūjite jaye vijaye gauri gāndhāri“. Sinngemäß: „Oṃ Hrīṃ, Verehrung dir, die du in Brahmans Herrlichkeit erstrahlst, von Königen verehrt wirst, siegreich bist und den Sieg verleihst, o Gaurī, o Gāndhārī.“ [Die Formel setzt auf S.829 fort; die zusammengesetzte Anrufung brahmaśrīrājite ist eine vorläufige Lesung.]
Band III, S. 829, Rajamatangi: Abschluss der Formel
Deutsch: Es folgen „tribhuvanavaśaṅkari“, dann „sarvastrīpuruṣa“ und „vaśaṅkari“: „Du bringst die drei Welten, alle Frauen und Männer unter deinen Einfluss.“ Danach stehen die Lautfolgen „su su du du ghe ghe vā vā“ und die Gattin des Feuers. Der Seher ist Aja; als Versmaß wird Nivṛd-Gāyatrī genannt. Die Gottheit ist Rājamātaṅgī. Der Sechsglieder-Nyāsa und die weiteren Einsetzungen erfolgen mit Māyā. [Lesungshinweis: Die vier wiederholten Lautpaare sind undeutlich; die vorliegende Umschrift ist keine bestätigte Rezitationsformel.]
Band III, S. 829, Rajamatangi: Ort und Mandala der Meditation
Deutsch: Nun die Meditation. Auf einer entzückenden Edelsteininsel mitten im Nektarmeer, von goldenen Mauern umgeben und aus Edelsteinen errichtet, geschmückt mit Kadamba, Bilva, Wasserlilien und Wunscherfüllungsbäumen, befindet sich in der Mitte einer Plattform ein bequem ausgestatteter glückverheißender Edelsteinthron. Darauf ist ein großer achtblättriger Lotus mit Staubfäden und Samenkapsel. In seiner Mitte liegt ein Dreieck, außen darum ein achtblättriger Lotus, dann ein sechzehnblättriger und außerhalb davon ein vierblättriger. Das vortreffliche Maṇḍala wird als viereckig und mit vier Toren beschrieben. [Die ersten vier Halbverse sind laut Herausgeberfußnote zusätzlicher Text eines einzelnen Textzeugen. Die anschließende Gestaltbeschreibung wird separat als Auslassung ausgewiesen.]
Dokumentierte Inhaltsauslassung: Band III, S.829–830, Gestaltbeschreibung der Rājamātaṅgī. Sexualisierte Darstellung einer minderjährig oder nicht eindeutig erwachsen bezeichneten Gestalt; hier nicht wiedergegeben. Dieser Hinweis ersetzt keine Übersetzung.
Band III, S. 830, Rajamatangi: Purashcharana
Deutsch: Nun das Purashcharana: Man wiederhole den Mantra zehntausendmal. Ein Zehntel davon bringe der Übende als Homa mit Bandhūka-Blüten dar, die in den drei süßen Stoffen gewendet wurden. [Die Herausgeberfußnote kennzeichnet diesen Purashcharana-Vers als zusätzlichen Text eines einzelnen Textzeugen.]
Band III, S. 830–831, Sumukhi: Mantra und Lobpreis
Deutsch: Nun der Mantra Sumukhīs im Guhyātantra: Höre den Mantra, o große Göttin; ich werde ihn dir genau erklären. Man setze das Wort Ucchiṣṭa, dann Cāṇḍālinī, danach Sumukhī und anschließend Mahāpiśācinī. Darauf folgt das Māyā-Bīja mit Bindu und Nāda, danach dreimal ṭha mit Visarga, o große Göttin. Diese Bildung gewährt nach der Quelle alle Siddhis. Diese Vidyā ist eine Mahāvidyā, die alle Verfehlungen vernichtet. Sie schenkt Himmel, Befreiung und alles Glück. Mit dem nach dem Essen ungereinigten Mund vergegenwärtige man sich stets die siegverleihende Göttin, ohne zuvor Ācamana zu vollziehen. Dann soll die bezeichnete Wirkung unmittelbar eintreten, o Göttin. Die Unglückliche wird glücklich, die Leidende froh. Auch eine unfruchtbare Frau erlangt einen Sohn, der hundert Jahre lebt. Der Schwache gewinnt Kraft, der Unwissende Wissen. Welche Siddhi man auch erbittet, eben diese soll man unmittelbar erlangen. [Lesungshinweis: tadāśvanto in der Zeile über Ācamana ist beschädigt; eine bestimmte Wirkung wird dort nicht hinzuerfunden. Die Heils- und Fruchtbarkeitsaussagen sind Aussagen der Quelle. Die Fußnote bietet statt „alles Glück“ die Variante „Glück im Königtum“.]
Band III, S. 831, Sumukhi: Ritualbedingungen und Zuordnungen
Deutsch: Ich werde auch die Vorschrift erklären; höre, o Göttin mit schönem Antlitz. Hier gibt es keinen Ari-Doṣa, kein Hindernis, keine rituelle Unreinheit und keine entsprechende Regelbindung. Wer diesen Mantra in sich trägt, wird von Hindernissen nicht bedrängt. Ferner: Als Seher wird Aja genannt, als Versmaß Gāyatrī. Die Gottheit heißt Sumukhī; der Sechsglieder-Nyāsa wird mit Māyā vollzogen. [Ari-Doṣa ist hier als technischer Ausdruck für eine ungünstige beziehungsweise feindliche Mantrazuordnung verstanden.]
Dokumentierte Inhaltsauslassung: Band III, S.831, Sumukhī-Dhyāna. Sexualisierte Darstellung einer minderjährig oder nicht eindeutig erwachsen bezeichneten Gestalt; hier nicht wiedergegeben. Dieser Hinweis ersetzt keine Übersetzung.
Band III, S. 831, Sumukhi: Japa mit Speiseresten
Deutsch: Nachdem man mit Speiseresten ein Bali dargebracht hat, wiederhole man den Mantra mit ganz auf sie gerichtetem Geist. Wer Siddhi wünscht, soll ihren Japa gerade im Ucchiṣṭa-Zustand ausführen. Dem, der so wiederholt, sollen alle Siddhis entstehen. Der Kommentar nennt als Purashcharana dieses Mantras ayuta-sahasra Wiederholungen und verweist auf die zuvor zitierte Regel, die mit „bei deren Japa und Homa …“ beginnt. [Lesungshinweis: Die Zahlenverbindung ayutasahasra ist mehrdeutig und wird nicht ohne weitere Absicherung als feste Wiederholungszahl aufgelöst. Der Druck gibt das angeführte Regelzitat hier selbst nur verkürzt wieder.]
Band III, S. 831–832, Vashya-Matangi
Deutsch: Nun der Mantra Vaśyamātaṅgīs im Merutantra: Jetzt werde ich den Mantra der unter Einfluss bringenden Mātaṅgī erklären. „Oṃ rājamukhi rājādhimukhi vaśyamukhi“, dann Māyā, Śrīṃ und Klīṃ; danach „devadevi mahādevi devādhidevi sarvajanasya mukhaṃ mama vaśaṃ kuru“, die als Indra bezeichnete Lautbildung und Svāhā als Abschluss. Sinngemäß: „O Königsangesichtige, Herrin über Könige, Beeinflussende, Göttin der Götter, große Göttin, höchste Göttin: Bringe den Mund aller Menschen unter meinen Einfluss.“ Es folgt eine verschlüsselte Silbenzahl und eine nicht eindeutig lesbare Vorschrift zur Bildung der Glieder, mit dreimal sieben für das Herz. Verehrung, Japa und die weiteren Handlungen sind wie bei Rājamātaṅgī zu verstehen, ebenso die besonderen Anwendungen. Diese Form bewirkt insbesondere das Unter-Einfluss-Bringen. [Lesungshinweis: Die Silbenzahl und die Nyāsa-Zeile sind beschädigt; weder die Zählung noch die genaue Gliederaufteilung wird stillschweigend ergänzt.]
Band III, S. 832, Chandamatangini
Deutsch: Nun eine weitere Formel: Māyā, Namaḥ, die zweimalige als hili erscheinende Lautfolge, dann „caṇḍamātaṅgini svāhā“. Sie wird mit der Silbenzahl der Tithis, also fünfzehn, bezeichnet. Ihr Nyāsa, ihre Verehrung und alles Weitere entsprechen Rājamātaṅgī. Der Japa umfasst zehntausend Wiederholungen. Das Homa wird mit geklärter Butter und Milchreis vollzogen; die besonderen Anwendungen sind wie zuvor. [Lesungshinweis: Die wiederholte Lautfolge ist im Druck unklar; hिलिहृन्द्वं ist eine vorläufige Transkription und keine bestätigte Formel.]
Band III, S. 832, Karnamatangi und Abschluss
Deutsch: Nun der Mantra Karṇamātaṅgīs: Jetzt werde ich den Mantra der Mātaṅgī am Ohr erklären. Man spreche Vāgbhava, die als Hṛdaya bezeichnete Verneigungsformel, o Herr, und das Wort „śrīmātaṅgi“. Dann „amoghe satyavādini mama karṇe avatara satyaṃ kathaya kathaya ehy ehi śrīṃ mātaṅgyai namaḥ“. Sinngemäß: „O unfehlbare, wahrsprechende Śrī Mātaṅgī, tritt in mein Ohr ein, sprich die Wahrheit, sprich sie; komm, komm! Śrīṃ, Verehrung der Mātaṅgī.“ Der Mantra wird mit der verschlüsselten Zahl tryaṣṭa bezeichnet. Die Glieder werden hier mit Vāgbhava gebildet; die Verehrung und die weiteren Handlungen entsprechen der bereits beschriebenen Ordnung. Nun das Purashcharana: Einhunderttausend Wiederholungen und Homa mit Milchreis und geklärter Butter lassen den Mantra wirksam werden. Die Göttin soll dann dem Fragenden Glück und Unglück ins Ohr sagen. Damit endet der Abschnitt über Mātaṅgī. [Lesungshinweis: Die Angabe tryaṣṭavarṇaka und die Schlussformulierung kṛtāgrakam sind undeutlich; die Silbenzahl wird nicht ergänzt.]
Band III, S. 832, Lakshmi: Beginn
Deutsch: Nun die Vidyā der Lakṣmī nach der Śāradā: Jetzt werde ich die Mantras der Śrī erklären, welche Fülle und Glück als Früchte gewähren. Allein durch ihren Seitenblick gedeihen selbst die drei Welten. Die Keimsilbe wird mit der verschlüsselten Lautbildung vānta beschrieben, auf Vahni stehend und mit dem linken Auge und dem Mond verbunden. [Die Erklärung setzt auf S.833 fort.]
Band III, S. 833, Lakshmi: Bija und Zuordnungen
Deutsch: Diese Keimsilbe wird als Bīja der Śrī bezeichnet, gleich einem weiteren wunscherfüllenden Edelstein. Der Seher ist Bhṛgu, das Versmaß Nivṛt, die Gottheit Śrī. Mit dem Bīja, verbunden mit den sechs langen Vokalen, bilde man die sechs Glieder. [Fortsetzung der verschlüsselten Bīja-Bildung auf S.832.]
Band III, S. 833, Lakshmi: goldene Gestalt und Purashcharana
Deutsch: Nun die Meditation: Ich verneige mich vor Śrī, die in ihrem Glanz dem Gold gleicht. Vier Elefanten, weiß wie der Schneeberg, übergießen sie mit Nektar aus goldenen Gefäßen, die sie mit ihren Rüsseln emporheben. Ihre Hände zeigen Gewährung und Furchtlosigkeit und halten zwei Lotusse. Ihre Krone strahlt; Seide umhüllt anmutig ihre Hüften. Sie steht auf einem Lotus. Nun das Purashcharana: Der eingeweihte Übende mit beherrschten Sinnen wiederhole 1.200.000-mal, nachdem er Śrī täglich mit duftenden Blüten und weiteren Gaben verehrt hat. Er opfere ferner die als tat-sahasra bezeichnete Zahl von Lotussen, die mit süßen Stoffen benetzt sind. Nach dem Japa kann er auch mit süß vermischtem Sesam oder mit Bilva-Früchten und den drei süßen Stoffen opfern. [Lesungshinweis: Die Zahlenverbindung tat-sahasra ist im Druck knapp und nicht eindeutig; sie wird nicht stillschweigend zu einem Zehntel oder einer anderen festen Zahl ergänzt.]
Band III, S. 833–834, Lakshmi: vier Bija und rubinrote Gestalt
Deutsch: Nun ein anderer Mantra, ebendort: Vāgbhava, die Gemahlin Viṣṇus, Māyā und Makaraketana bilden einen aus vier Keimsilben bestehenden Mantra, der die Früchte der vier Lebensziele gewährt. Der Tantra-Kundige vollziehe die Glieder mit dem Ramā-Bīja, versehen mit den langen Vokalen. Nun die Meditation: Ich verneige mich vor Haris Gemahlin, deren Glanz dem Rubin gleicht. Vier hohe, schneeweiße Elefanten übergießen sie beständig mit Wasser aus Edelsteingefäßen, die sie mit den Rüsselspitzen halten. Ihre Lotushände zeigen die Gewährung einer Gabe und Furchtlosigkeit und tragen zwei Lotusse. Sie ist wie eine Pārijāta-Ranke, die das Ersehnte schenkt, und sitzt auf einem Lotus. Nun das Purashcharana: Von opfergeeigneter Speise lebend, wiederhole man 1.200.000-mal. Danach opfere man mit beherrschten Sinnen voll erblühte rote Lotusse in der als tat-sahasra bezeichneten Anzahl. [Die Zahlformulierung wird wie in der vorangehenden Passage ohne ungesicherte Ergänzung bewahrt.]
Band III, S. 834, Lakshmi: zehnsilbiger Mantra und Glieder
Deutsch: Nun ein anderer Mantra, ebendort: Brahmā mit langem Anfangsvokal und Visarga am Ende, Bhānu und Vasundharā; es folgen die undeutliche Wortverbindung vānte sindyai und die Geliebte des Feuers. Der Mantra wird als zehnsilbig bezeichnet. Der Seher ist Dakṣa, das Versmaß Virāṭ, die Gottheit Śrī. „Devyai“ gehört zum Herzen, „padminyai“ zum Kopf, „viṣṇupatnyai“ zur Haarspitze, „varadāyai“ zur Schutzrüstung und „kamalarūpiṇyai“ zur Waffe. Diese Gliedermantras beginnen mit Praṇava und enden mit Namaḥ. Mit ungeteilter Aufmerksamkeit meditiere man über die Göttin. [Lesungshinweis: Die verschlüsselte Eingangszeile ist beschädigt; eine vollständige zehnsilbige Formel wird nicht ergänzt. Die Quelle nennt hier fünf Gliederzuordnungen.]
Band III, S. 834, Kamala: Meditation und Purashcharana
Deutsch: Nun die Meditation: Möge Kamalā euch beschützen! Sie sitzt auf einem Lotus und lächelt. Ihre Lotushände zeigen Geben und Furchtlosigkeit und tragen zwei Lotusse. Ihr Körper besitzt den Glanz eines Blitzes. Eine Perlenkette strahlt auf ihrer breiten, erhobenen Brust. Mit der Macht ihres Seitenblicks erfreut sie Hari. Nun das Purashcharana: Der Mantra-Kundige mit beherrschten Sinnen wiederhole diesen Mantra eine Million Mal. Ein Zehntel davon opfere er mit Lotussen, die mit süßen Stoffen bestrichen sind.
Band III, S. 834, Mahalakshmi: zwölfsilbige Form und Zuordnungen
Deutsch: Nun der Mantra Mahālakṣmīs, ebendort: Vāgbhava, die Gemahlin Śambhus, Ramā und Makaraketana; es folgen die als dritte Bildung und Jagatpathya bezeichneten Laute, erhellt durch das Feuer-Bīja, sodann Adhośākha, Bhṛgu und Hṛd. Dieser zwölfsilbige Mantra wird Mahālakṣmī zugeordnet und gewährt alle erwünschten Vollendungen. Als Seher wird Brahmā genannt, als Versmaß Gāyatrī. Die Gottheit ist Mahālakṣmī, der Ursprung der Welten. Mit dem Mantra, der mit Tāra beginnt und mit Hṛdaya endet, reinige man die beiden Hände. [Lesungshinweis: Die verschlüsselte Lautbildung in der mittleren Zeile ist vorläufig; sie wird nicht zu einer gesicherten Gesamtformel aufgelöst.]
Band III, S. 835, Mahalakshmi: Finger-, Körper- und Glieder-Nyasa
Deutsch: Die fünf Keimsilben setze man der Reihe nach an den Fingern ein. Den übrigen Mantratext setze der Übende in beide Handflächen ein. Mit dem Mantra vollziehe er die Durchdringung vom Scheitel bis zu den Füßen. Die fünf Bījas werden an Kopf, Augen, Brust, verborgenem Bereich und Füßen eingesetzt. Die übrigen sieben Silben setze man im Herzen und in den sieben Körperbestandteilen ein. Die fünf Bījas bilden die Glieder; die verbleibenden Silben bilden die Waffe. Sie werden mit den im Dativ stehenden Bezeichnungen Wissen, Herrschaft und den folgenden Kräften sowie den zugehörigen rituellen Endungen verbunden. Wissen, Herrschaft, Kraft, Stärke, Tatvermögen und Strahlkraft: Diese sechs werden der Reihe nach den Gliedern zugeordnet.
Band III, S. 835–836, Mahalakshmi: Garten und Teich
Deutsch: Nun die Meditation: Nachdem der Körper so durch Nyāsa geheiligt ist, stelle man sich einen wunderbaren Garten vor. Campaka, Aśoka, Punnāga und Pāṭala schmücken ihn; ebenso Nelkenbäume, Mādhavī, Bilva, Devadāru und Nameru. Mandāra, Pārijāta und weitere Wunscherfüllungsbäume stehen in voller Blüte. Sandelholz, Karṇikāra, Zitronatzitrone und Vañjula, Granatapfel, Lakuca, Aṅkola, Arekapalmen und Kurabaka sind dort zu sehen. Bananen, Kunda, Mandāra und Kokospalmen zieren ihn; weitere Baumgruppen mit duftenden Blüten schmücken ihn. Mālatī, Mallikā, Jāti, Ketakī und hundertblättrige Blüten, Yāvantī, Tulasī, Kundyāvarta und Damanaka begleiten die mit Blumen aller Jahreszeiten versehenen Bauten. Sanfter Wind verbreitet den Blütenduft in alle Himmelsrichtungen. In seiner Mitte liegt ein großer Teich mit stets blühenden Kumuda, Utpala und Paṅkaja, mit Saugandhika, Kahlāra und blauen Kuvalaya. Schwäne, Sārasas, Kāraṇḍa-Wasservögel, Bienen und ihre Gefährtinnen sowie andere lebhaft rufende Vögel beleben ihn. Inmitten dieses großen Teiches befindet sich eine überaus liebliche Sandbank. [Lesungshinweis: Die Pflanzenfolge bei kundyāvarta und die Verbindung nimnamandira sind unsicher; die Namen werden vorsichtig nach dem Druck wiedergegeben. Die Bienenzeile ist grammatisch beschädigt.]
Band III, S. 836, Mahalakshmi: kostbares Heiligtum
Deutsch: Dort befindet sich ein mit Edelsteinen gepflasterter Bereich, ringsum mit Pārijāta und weiteren Bäumen geschmückt. Er leuchtet wie die aufgehende Sonne und ist zugleich kühl wie der Mond. Vier Tore und eine goldene Umfassungsmauer zieren ihn. Acht mit Edelsteinen ausgestattete Türflügel gehören dazu; hohe Tortürme und Torbögen sind aus den neun Edelsteinen gestaltet. Reihen von Fahnen hängen von den Spitzen goldener Stangen herab. Säulenreihen mit den neun Edelsteinen und Lampenständer mit tausend Lichtern lassen ihn erstrahlen. Fenster aus geläutertem Gold verleihen ihm Anmut. Verschiedene Edelsteine, Stoffe und die undeutlich bezeichneten goldenen Verzierungen sowie Fahnen mit Glöckchengirlanden schmücken ihn. Sehr weite goldene Baldachine, vielfältig mit Edelsteinen verziert, tragen Reihen von Rubinen, Diamanten, Vaidūrya-Steinen und goldenen Girlanden. Sie sind untereinander verbunden, lieblich anzusehen und durch kunstvolle Muster gegliedert. Das goldene Pflaster leuchtet und enthält sämtliche Edelsteinarten. Ketakī, Mālatī, Jāti, Campaka, Utpala und Kesara, Mallikā, Tulasī sowie die weiteren genannten Blüten und Kunda-Girlanden schmücken mit anderen Blumen den Boden. Es folgen Duftstoffe, vermischt mit reinem kaschmirischem Safran und Moschus … [Lesungshinweis: Die Reihe der goldenen Verzierungen und ein Teil der letzten Pflanzenliste sind im Druck beschädigt. Der letzte Satz setzt auf S.837 fort.]
Band III, S. 837, Mahalakshmi: Pavillon und Thron
Deutsch: Sandelholz, Aguru und Kampfer erfüllen zusammen mit den zuvor genannten Duftstoffen die Himmelsrichtungen mit Wohlgeruch. Nachdem man diesen überaus schönen Pavillon im Geist vergegenwärtigt hat, stelle sich der Mantra-Übende in seiner Mitte einen entzückenden Pārijāta-Baum vor. Unter ihm vergegenwärtige er sich einen großen Edelsteinthron. Auf diesem meditiere er über die liebliche Göttin Mahālakṣmī.
Band III, S. 837, Mahalakshmi: Attribute und Schmuck
Deutsch: Man meditiere über die höchste Gottheit, deren Glanz der jungen Sonne gleicht. Die Mondsichel leuchtet in ihrer Krone; Halsketten und kostbarer Edelsteinschmuck lassen sie strahlen. Unter der Fülle ihrer Brust ist sie leicht geneigt. In ihren Händen hält sie eine Reisähre, zwei Lotusse und den Kaustubha-Edelstein. Sie lächelt anmutig; ihre drei Augen gleichen voll erblühten Lotussen. Ihre Lotusfüße glänzen mit klingenden Fußringen. Ein Gürtel mit den neun Edelsteinen schmückt sie; eine Leibbinde ist mit Perlen, Rubinen und Vaidūrya-Steinen besetzt. Ihre Mitte leuchtet und zeigt drei Falten. Ihr Nabel ist schön wie ein Wirbel im Wasser der Gaṅgā. Ihre Brust ist mit Sandelpaste, Kampfer und Safran geschmückt. Eine kostbare Perlenkette wird mit aus Wolken hervorgegangenen Perlen verglichen. Sie trägt einen oberen Überwurf aus feinem Seidenstoff. Armreifen aus Vaidūrya in Goldfassungen und goldene, rubinbesetzte Handreifen schmücken ihre Lotushände. Ringe mit Rubinstücken, goldene Ketten und Halsschmuck zieren sie. Ihr vielfältiger Schmuck ist kunstvoll gestaltet; ihr Hals gleicht einer Muschel. Edelsteinohrscheiben wie aufgehende Sonnen schmücken sie. [Die Perlenzeile folgt dem poetischen Wolkenbild der Quelle, ohne daraus eine sachkundliche Aussage über die Herkunft von Perlen zu machen.]
Band III, S. 838, Mahalakshmi: Antlitz und Abschluss der Meditation
Deutsch: Leuchtender goldener, mit Edelsteinen besetzter Ohrschmuck ziert sie. Ihre zarten Lippen besitzen die Schönheit von Hibiskus und Koralle. Ihre Zahnreihe gleicht den Kernen eines Granatapfels. Ihr Antlitz ist wie der Herbstmond, frei von Flecken und Trübung. Drei Augen in der Gestalt weißer Lotusblätter schmücken sie. Die geschwungenen Brauen übertreffen die Anmut von Kandarpas vortrefflichem Bogen. Ihre lange Nase übertrifft die Schönheit einer erblühenden Sesamblüte. Die Strahlkraft ihrer Stirn übertrifft die schönen Strahlen der Mondsichel. Ein dicht duftendes Moschus-Tilaka zeichnet sie aus. Die Locken um ihr Lotusantlitz gleichen einer Schar berauschter Bienen. Ihr schön gebundener Haarknoten trägt Pārijāta-Blüten; eine Krone aus unschätzbaren Edelsteinen schmückt ihr Haupt. So vergegenwärtige man sich Mahālakṣmī: die Wohnung aller Schönheit, die Heimstätte anmutigen Glanzes, die Geburtsstätte sämtlicher Strahlkraft. [Die Verbindung bei alakālya ist im Druck undeutlich; der erkennbare Lockenvergleich wird sinngemäß wiedergegeben.]
Band III, S. 838, Mahalakshmi: Purashcharana in zwei Quellen
Deutsch: Nun das Purashcharana: Nachdem man so über die Göttin meditiert hat, wiederhole der von opfergeeigneter Speise lebende Übende mit beherrschten Sinnen 1.200.000-mal. Ein Zehntel davon opfere er mit Sesam. Anschließend bringe er jeweils zehntausend Opfer mit Śrī-Früchten und mit Lotussen dar. Mit reinem, wohlriechendem Wasser vollziehe er zwanzigtausend Sättigungsgaben. Im Merutantra: Wer seine Nahrung regelt und seine Gelübde beherrscht, wiederhole 1.200.000-mal. Ein Zehntel opfere er mit geklärter Butter und den drei süßen Stoffen. Mit Lotussen und roten Wasserlilien opfere er jeweils zehntausendmal. Die abschließende beschädigte Zeile schreibt zwanzigtausend Tarpaṇa-Gaben mit sehr kühlen, als befriedend bezeichneten Flüssigkeiten vor. [Lesungshinweis: Die letzten beiden Zeilen des Merutantra-Zitats sind im Scan erheblich beschädigt; insbesondere die Flüssigkeitsbeschreibung ist nicht gesichert.]
Band III, S. 839, Mahalakshmi: weitere Formel und Nyasa
Deutsch: Nun ein anderer Mantra, ebendort: Die Quelle beginnt mit einer verschlüsselten Folge aus Śambhus Gemahlin, Śrī, Rudrā, Kama, Bhagavatī, Mahī, Brahmā, Āditya, Dharā, dem langen Laut, la, Bhagavān und Marut. Dann folgen zweimal „prasīda“, erneut Śrī, Rudrā und Bhuvaneśvarī sowie Mahālakṣmī. Der mit Praṇava beginnende und mit Namaḥ endende Mantra wird als siebenundzwanzigsilbig bezeichnet und soll alle Fülle gewähren. „Kamale“ gehört zum Herzen, „kamalālaye“ zum Kopf. „Prasīda“ gehört zur Haarspitze; mit derselben viersilbigen Folge bildet man die Schutzrüstung. Mit diesen Wörtern, jeweils vom Śrī-Bīja umhüllt, bilde man die Waffe. [Lesungshinweis: Die verschlüsselte Anfangsfolge und die genaue Abgrenzung der viersilbigen Folge sind nicht sicher aufzulösen; die vollständige Formel wird nicht ergänzt.]
Band III, S. 839, Mahalakshmi: weitere Meditation und kurze Formen
Deutsch: Nun die Meditation: Man meditiere über die höchste, in einem Lotus wohnende Geliebte des Śārṅgin. Ihr Glanz ist zinnoberrot; sie ist ein Meer der Schönheit. Krone, Armreifen, Halsketten, Ohrringe, Hüftgürtel und weitere Zierden schmücken sie. In ihren Lotushänden trägt sie ein Gefäß des Reichtums, zwei Lotusse und einen Spiegel. Stets umgeben sie Dienerinnen. Nun das Purashcharana: Man wiederhole einhunderttausendmal und bringe ein Zehntel davon mit süß benetzten Bilva-Früchten in das geweihte Feuer dar, genau nach dem zuvor erklärten Verfahren. In einem anderen Tantra: Mandākṣa und Indirā-Ratna bilden den als dreisilbig bezeichneten großen Mantra. Mit Hṛd am Ende ist er fünfsilbig. Alle zugehörigen Handlungen gelten wie beim einsilbigen Mantra. [Die verschlüsselten Bezeichnungen der kurzen Formen werden nicht ohne Textabsicherung ausgeschrieben.]
Band III, S. 839–840, Samrajyalakshmi: Herkunft und Mantra
Deutsch: Nun der Mantra der Sāmrājyalakṣmī im Merutantra: Ich werde erklären, wie Gaṇeśa diese Lakṣmī zur Erlangung der Herrschaft über Kāśī verehrte. Die anschließende Zeile nennt Śāntāditya, Rākṣasas und eine Störung, ist aber im Druck nicht zuverlässig zu deuten. Sie ist als Sāmrājyalakṣmī bekannt und gibt verlorene Herrschaft zurück. Der elefantengesichtige Gott ist dort als Lakṣmīvināyaka berühmt. Ihre Siddhi wird ausschließlich durch den rechten Weg erlangt, nicht durch den linken. Die fünf Laute sa, ha, ka, la und ra, mit dem als iṃ bezeichneten Vokal verbunden, bilden das erste Kūṭa. Als zweite Keimsilbe wird Haṃ angegeben; der Mantra gilt als zweisilbig. Der Seher ist Hari, das Versmaß Gāyatrī. Die Gottheit wird als Lakṣmī Mohinī, die Herrschaft Gewährende, bezeichnet. Das Kūṭa ist das Bīja; Śrīṃ ist die Kraft. Mit den sechs langen Vokalen vollziehe man die sechs Glieder. [Lesungshinweis: Die einleitende Erzählzeile und die Vokalschreibung der ersten Keimsilbe sind unsicher. Keine vollständige Formel wird ergänzt.]
Band III, S. 840, Samrajyalakshmi: Meditation und Abschluss
Deutsch: Nun die Meditation: Sie gleicht der Atasī-Blüte und trägt Edelsteinschmuck. In sechs Händen hält die Herrin der Götter Muschel, Rad, Keule, Lotus, Śārṅga-Bogen und Pfeile; die beiden übrigen zeigen Gewährung und Furchtlosigkeit. Nachdem der Verständige so über die Achtarmige meditiert hat, wiederhole er dreihunderttausendmal. Ein Zehntel opfere er mit Lotussen, um Herrschaft zu erlangen. So soll man Lakṣmī verehren; nach der Quelle entsteht dadurch zweifellos Herrschaft. Der Mantra Nārāyaṇas wurde bereits in seinem eigenen Abschnitt genannt. Damit endet der Abschnitt über die Vidyā der Lakṣmī.
Band III, S. 840, Beginn der Nilakrama-Unterweisung
Deutsch: Nun Nīlakrama und die weiteren Überlieferungsfolgen, nach Śaktisaṅgama, Tantrasāra und Sammlungen. Die Göttin sprach: O Herr der Götter, ich möchte das Geheimnis der Geheimnisse hören. Du hast zuvor von den zehn Überlieferungsfolgen der zehn Vidyās gesprochen, o Herr. Erkläre mir nun diese Folgen. Śiva sprach: Aus Liebe zu deiner Hingabe wird dir das Geheimnis der Geheimnisse erklärt. Durch den Mahānīlakrama verleiht Kālikā Siddhi. [Die Quellenüberschrift ist im Druck gedrängt; die genaue Trennung der genannten Werktitel bleibt vorläufig.]
Band III, S. 841, Nilakrama: Sakala und seine Kennzeichen
Deutsch: Der Mahānīlakrama, o Göttin, wird in zwei Formen gelehrt: Sakala, mit Bestandteilen, und Niṣkala, ohne Bestandteile. Höre diese Überlieferungsfolge, Pārvatī. Der Übende hält ein Schwert in der Hand; śironyasta ist im Zusammenhang unsicher. Seine Haare trägt er stets offen. Er erfreut sich an Fleisch und vergorenem Getränk; seine Augen sind von Vijayā berauscht. Auf der Stirn trägt er ein zinnoberrotes Tilaka, in der Hand alkoholisches Getränk. Nachts wandert er umher und verehrt die Śakti. Die Quelle zählt dazu den Kuss der Yoni und die Umarmung der Śakti und fragt: Wie könnte ein Mann, der dies nicht vollzieht, dein Verehrer sein? Betel, Yoni-Kreis, Schädelkette, Leichensitz, Zinnober, Schwert und der Saft von Saṃvid und Āsava gehören zu den genannten Mitteln. Wer ohne diese Kālī verwirklichen will, erfährt nach der Quelle hier Erschütterung und gelangt danach in die Hölle; selbst in zahllosen Weltaltern erlange er Kālikā nicht. [Historische Ritualvorschrift mit ausschließlichem Geltungsanspruch der zitierten Tradition. Die Wortverbindung bei tāmbūlayonicakra bleibt vorläufig.]
Band III, S. 841–842, Nilakrama: Tilaka und Ausstattung
Deutsch: Zwischen den Brauen wird ein Zinnoberpunkt angebracht; die folgende Verbindung mit svayambhukusuma ist undeutlich. Auch rotes Sandelholz wird genannt, darüber ein Tripuṇḍra. Ferner nennt die Quelle ein Blatt und zwei Kajalpunkte; die genaue Anordnung ist nicht sicher zu erkennen. So wird das Tilaka des Mahānīlakrama beschrieben. Der Übende liegt auf dem Verbrennungsplatz, isst Fleisch und hat einen durch Saṃvid erfreuten Geist. Während er eine Frau ansieht, berührt oder zu ihr geht, vollzieht er jederzeit Japa. Mit einer Kurtisane verbunden und auf dem Verbrennungsplatz verweilend, ist er mit einem mṛdumuṇḍaka ausgestattet. Eine Gebetskette wird aus Zähnen gefertigt; ihr Meru besteht aus Elefantenzahn. Stets Betel kauend wiederholt er den Mantra. Eine Schädelkette ist sein Schmuck; er widmet sich dem Küssen seiner Gefährtin. Die folgenden Verse verbinden die Freude an der Śakti, Augen, Mund, Hālā und den Ritualraum; mehrere Wortverbindungen sind im Druck nicht zuverlässig zu deuten. Sie nennen ferner eine Kurtisane, eine Gebetskette, das Spiel der Śakti und den Lotus der Vulva. Nach dem rituellen Yoni-Kuss soll er jederzeit Japa vollziehen. Er verneige sich vor der Vulva der Śakti als der gesamten beweglichen und unbeweglichen Welt. Als berechtigt gilt ein freudiger, hingebungsvoller Mensch mit beherrschten Sinnen; so wird der Mensch des Mahānīlakrama beschrieben. Abschließend wird eine aus rāja-Zähnen bestehende Kette genannt; die anschließende Materialbezeichnung dvirephadrākṣasambhavā ist ungesichert. [Mehrere Verse dieser Passage bedürfen eines besseren Textzeugen; die Transkriptionen sind vorläufig.]
Band III, S. 842, Nilakrama: Nishkala und freie Zeitwahl
Deutsch: Für diejenigen, die dazu nicht imstande sind, besteht die Niṣkala-Form. Höre diese Überlieferungsfolge, Pārvatī. Die erste Zeile nennt ein zu trinkendes Mittel; pītāyā dadhakaṃ ist im Druck nicht verlässlich aufzulösen. Der Geist sei auf Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit gerichtet. Man fertige eine Kristallgebetskette und übe Japa beim Umhergehen beziehungsweise am Aufenthaltsort. Es gibt hier keine Bindung an Richtung und Zeit und keine Vorschrift über Körperstellung und Ähnliches. Bei der Verwirklichung des großen Mantras gibt es für Japa keine zeitliche Beschränkung. Für den jeweiligen Mantra gilt die entsprechende Verhaltensweise als sein Dharma. Darüber soll keine Verwirrung entstehen; als Ziel werden Himmel oder Befreiung genannt.
Band III, S. 842, Nilakrama: Sitze und Abschluss
Deutsch: Die Quelle zählt verschiedene Sitze und Ritualbezeichnungen auf: mṛdu, komalaka, muṇḍaka oder anaṅgaka; einen Leichnam als Vīrāsana oder einen Sitz aus Yoni-Haut; Kāmarūpāsana und Suratāsana; Sindūrāsana und Parvatāsana; Prayogāsana und Mahāprayogāsana. Sie nennt ferner Śrīmuṇḍasurata und Śrīvīrasurata sowie Pañcavīrāsana in der Reihenfolge der mit Indra beginnenden Himmelsrichtungen. Damit endet der Nīlakrama. [Knappe Liste teilweise verhüllender Ritualnamen. Eine eindeutige körperliche Ausführung wird hier nicht erklärt und deshalb nicht ergänzt.]
Band III, S. 843, Mahachinakrama: fünf Formen und zwei Hauptweisen
Deutsch: Nun der Mahācīnakrama, aus derselben Quelle. Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte den höchsten Mahācīnakrama hören. Śiva sprach: Nun erkläre ich dir den Mahācīnakrama, o Göttin. Durch ihn gewährt Tārā rasche Frucht. Die fünf Cīna-Formen heißen Brahmacīna, Vīracīna, als dritte Divyacīna, Mahācīna und Niṣkala. Zugleich wird der Mahācīnakrama in zwei Hauptweisen gelehrt: Sakala und Niṣkala. Sakala wird dem Bereich der Buddhisten zugeordnet; Niṣkala wird als die zweite Weise für Brahmanen bezeichnet. [Diese Zuordnung gibt die Darstellung des zitierten Tantra wieder.]
Band III, S. 843, Mahachinakrama: geistiger Vollzug
Deutsch: Ferner: Bad und weitere Reinigung geschehen geistig; der vorzügliche Japa ist geistig. Die göttliche Verehrung, Tarpaṇa und weitere Handlungen werden im Geist vollzogen. Auch die Regelbefolgung und das Zähneputzen werden als geistig bezeichnet. Jede Zeit ist günstig; nirgends gibt es eine ungünstige. Tag und Nacht unterscheiden sich hierbei nicht, ebenso wenig Dämmerung und tiefe Nacht. Eine äußere Reinigung wird hier nicht verlangt; der Geist soll frei von unterscheidenden Vorstellungen wirken. Reinheit wird nicht vorausgesetzt, und Unreines gilt hier nicht als Verunreinigung. Wer so den alle Wünsche erfüllenden Mantra vergegenwärtigt, dem entstehen nach der Quelle in der Versammlung Worte in Prosa und Versen. Schon bei seinem Anblick verlieren Gegner ihren Glanz. Selbst Könige werden ihm dienstbar – um wie viel mehr andere Menschen. Er soll die Göttin jederzeit verehren, auch ohne vorheriges Bad und nachdem er gegessen hat.
Band III, S. 844, Mahachinakrama: nächtlicher Ritus und Nahrung
Deutsch: In tiefer Nacht bringe man an einem unreinen Ort mit dem Mantra eine Bali-Gabe dar. Frauenhass darf keinesfalls gepflegt werden; vielmehr wird besonders die Verehrung der Frau betont. Als Japa-Ort beziehungsweise Japa-Mittel wird Mahāśaṅkha genannt; dort übe man ohne Furcht. Auch beim Zugehen auf eine Frau, beim Berühren und Sehen wird Japa genannt; die anschließende Orts- oder Zustandsangabe ist undeutlich. Betel und andere essbare oder zu kauende Speisen werden nach Geschmack genannt: Fleisch, Fisch, Dickmilch, Honig sowie der Saft von Saṃvid und Āsava. Nachdem man Speisen und selbst andernorts als unzulässig betrachtete Nahrung dargebracht und gegessen hat, übe man Japa. Es besteht keine Bindung an Richtung und Zeit, ebenso wenig an Körperstellung und Ähnliches. Weder für Japa noch für Verehrung oder Bali-Gaben wird eine Zeitbindung vorgeschrieben. Bei der Verwirklichung dieses großen Mantras gilt hier die selbst gewählte Regel. [Die Lesung bei kutrāpyanacūḍake ist vorläufig; Mahāśaṅkha bleibt als technischer Ausdruck stehen.]
Band III, S. 844, Mahachinakrama: Verhalten und Ausschlüsse
Deutsch: Die erste Zeile nennt Vajrāsana im Haus und eine Haltung gegenüber Berührung und Nichtberührung, ist syntaktisch aber nicht sicher zu lesen. Öl wird bereitgestellt; der Übende kaut stets Betel. Nachdem er verschiedene Gewänder abgelegt hat, reibe er seinen Körper mit einem Tuch ab. Auf diese Weise vollziehe er sein Bad, mit stets darauf gerichtetem Sinn. Er lasse sein Haar wachsen und verwende stets Öl. Darin liege nach dieser Quelle kein Unrecht, sondern ein großer Dharma. Er wird als frei handelnd bezeichnet, mit kraftvoll freudigem Geist. Er halte sein Ziel für erreicht und erfülle seinen eigenen Geist mit Zufriedenheit. Hareḥ māṃsaṃ soll er nicht annehmen; Tulasi-Blätter soll er nicht berühren, Bilva-Blätter meiden und einen Toten beziehungsweise Totes sorgfältig meiden. Er soll seine Gedanken nicht auf anderes richten, niemals andere schmähen und keinen anderen Mantra wiederholen. Stets sei er frei von unterscheidenden Vorstellungen. Die Schlussverse nennen das unmittelbare Trinken von Alkohol, das Verweilen mit den Mātṛs und Japa mit ungeteilter Aufmerksamkeit während des rituellen Küssens, Leckens und Betrachtens der Yoni. [Hareḥ māṃsaṃ und der genaue Bezug von mṛtam sind ohne weiteren Textzeugen nicht eindeutig übersetzbar; die Formulierungen bleiben ausdrücklich offen.]
Band III, S. 845, Mahachinakrama: Konzentration, Tilaka und Mala
Deutsch: Mit der geistigen Konzentration auf die Yoni wird Japa vollzogen; die Quelle verheißt Siddhi innerhalb eines Jahres. Andernfalls gebe es sie auch durch Millionen Wiederholungen, hunderttausendfache Purashcharanas und Millionen Feueropfer und weitere Riten nicht. Im Bereich beider Brauen nennt der Text eine Haarlocke, anschließend Zinnober, rotes Sandelholz und ein Tripuṇḍra beziehungsweise fünf Markierungen mit Kuṅkuma. Eine Schädelkette wird am Hals getragen, eine Schädelschale in der Hand. Wer sich stets diesem Verhalten widmet, gilt als Übender des Mahācīnakrama. Als Mahāśaṅkha wird der zwischen Ohr und Auge befindliche Knochen bezeichnet. Eine Kette mit fünfzig Perlen wird aus Knochen gefertigt; die Verbindung gor-narottha nennt Rind und Mensch, ist aber grammatisch nicht ganz eindeutig. Wer diese Kette fertigt, werde nach dem Text Herr der acht Siddhis. Sie selbst sei Tārā; darüber solle man nicht zweifeln. Für den jeweiligen Mantra gilt die entsprechende Verhaltensweise als Dharma. Dadurch werde das Ziel erreicht, sei es Himmel oder Befreiung. [Die Tilaka-Zeile und einzelne Flexionsformen bleiben vorläufig.]
Band III, S. 845, Mahachinakrama: weitere Quellenzeugnisse
Deutsch: Im Svacchandabhairavatantra: Die von den Smṛti-Lehren angeordneten Reinigungsmaßnahmen sollen hier nicht vorgenommen werden – etwa die als einmalige Reinigung des Gliedes und fünffache Reinigung des Afters bezeichneten. Die vorzüglichen Sādhakas sollen diese nicht ausführen, wenn sie langes Leben wünschen. Auch im Siddhāntasaṅgraha: Bei der Verwirklichung des großen Mantras gibt es keine Orts- und Zeitregel, keine Bindung hinsichtlich der Nahrung und keine Reinigungsvorschrift. Am Tag oder in der Nacht, am Ende der Nacht oder zu ihrem Beginn soll man Japa üben, auch nachdem man Fleisch gegessen, vergorenes Getränk getrunken und mit einer Frau verkehrt hat. Im Śaktisaṅgama: Die Sakala-Form habe ich erklärt; nun höre die Niṣkala-Form, Pārvatī. [Die Aufhebung der Reinheitsvorschriften gilt innerhalb der hier zitierten Ritualtradition.]
Band III, S. 846, Mahachinakrama: Nishkala und Verinnerlichung
Deutsch: Man wasche die Hände vom Handgelenk und die Füße von den Knöcheln an sowie das Gesicht: Das ist das Cīna-Bad. Man gehe mit beiden Knien auf den Boden und bringe den Kopf zur Erde. So habe ich dir die Verneigung des Cīna-Weges erklärt. Die folgende, beschädigte Zeile bezeichnet dies als stellvertretenden Vollzug des vorherigen Verfahrens. Nach Bad, Gabe, Verehrung und weiteren Handlungen folgt die innere Betrachtung: Mein Körper ist dadurch nicht gebadet; auch haftet mir kein Vergehen an. Was ist ein Bad, wer wird gebadet? Auch ungebadet und nach dem Essen ist alles im Herzlotus; in mir ist alles gegründet. In mir ist es entstanden, in mir ist Vollendung; meine Gottheiten gewähren Gaben. Die ganze Welt hat die Gestalt des Leuchtens, und Tāriṇī trägt eben diese Gestalt. Indem man den eigenen Körper als von diesem Leuchten erfüllt vergegenwärtigt, vollziehe man Japa. Wer die Entschiedenheit dieser inneren Vergegenwärtigung erlangt, werde nach der Quelle ein Yogin und großer Dichter. [Die erste Zeile und die Zeile zum stellvertretenden Vollzug weisen Druckschäden auf; der Wortlaut bleibt vorläufig.]
Band III, S. 846, Mahachinakrama: Ersatzgabe und Abschluss
Deutsch: Für den Brahmanen tritt eine Zubereitung mit Guḍa und frischem Ingwersaft an die Stelle von Surā. Fehlt sie, vergegenwärtige man Wasser entsprechend und vollziehe die Verehrung. Ausschließlich dem Japa dieses Mantras hingegeben und stets auf ihn ausgerichtet, lasse man das Denken in Gegensätzen los; so werde man nach der Quelle Herr aller Siddhis. Brahmā, Vasiṣṭha und andere große Ṛṣis verehren beständig auf dem Niṣkala-Weg. Tārā-Verehrer werden hier als Brahmanen bezeichnet. Die Brahmavidyā, die große Vidyā, ist im Kali-Zeitalter überall schwer zu erlangen. Dieses Geheimnis der Geheimnisse sei im Umkreis der als Paśu bezeichneten Unvorbereiteten verborgen zu halten. Damit endet der Mahācīnakrama. [Guḍārdrakarasa wird als Verbindung aus Guḍa und frischem Ingwer gelesen; die Druckgestalt ist nicht völlig eindeutig.]
Band III, S. 847, Divyachinakrama
Deutsch: Nun der Divyacīnakrama aus derselben Quelle. Die Göttin sprach: Erkläre mir rasch, o Gott, die Überlieferungsfolge im Ritus der Chinnamastā. Śiva sprach: Durch den Divyacīnakrama gewährt Chinnamastā Gaben. Die beiden Überlieferungsfolgen wurden bereits zuvor erklärt. Die erste Tilaka-Bezeichnung ist undeutlich; zwischen den Brauen wird rotes Sandelholz genannt. Daran schließt ein Tripuṇḍra mit leuchtenden Farben auf einer Rocanā-Markierung an. In die Mitte setze man einen Punkt aus Asche des Verbrennungsplatzes. Mund an Mund bringend, wiederhole man zu jeder Zeit. Was immer ein Mensch beim Betrachten des Yoni-Kreises tut, das erlangt durch die Gnade der Chinnā-Vidyā Unvergänglichkeit. Es gibt keine Bindung an Richtung und Zeit und keine Regel über die Körperstellung. In der Unterwelt, in einer Höhle, an schwer zugänglichem Ort, auf einem Berg, am Flussufer, im Luftraum oder auf der Erde – überall kann Japa vollzogen werden. Dies wird als besondere, das Śakti-Prinzip bewahrende Unterweisung bezeichnet. Damit endet der Divyacīnakrama. [Die Tilaka-Zeile und einzelne Verbindungen sind beschädigt; die Lesung und die genaue Anordnung der Zeichen bleiben vorläufig.]
Band III, S. 847–848, Gandharvakrama: Einführung und Ausstattung
Deutsch: Nun der Gandharvakrama. Die Göttin sprach: Erkläre mir, o Gott und Herr, die Gandharva genannte Überlieferungsfolge. Śiva sprach: Durch den Gandharvakrama verleiht Sundarī Siddhi. Höre nun seine Erklärung. Zwischen die Brauen kommt Kuṅkuma; in seine Mitte Malaya-Aguru. In der Mitte des Tripuṇḍra aus acht Duftstoffen befindet sich Moschus. Der Übende schmückt sich mit wohlriechenden roten Blumen. Durch Räucherung mit den acht Duftstoffen wird er von vielfältigem Wohlgeruch durchdrungen. Er trägt rote Girlanden und Gewänder und ist mit einer Perlenkette geschmückt. Da sein Haupt die volle Weihe empfangen hat, wird es hierbei nicht geschoren. Stets bade er mit warmem Wasser; fehlt es, mit dem verfügbaren Wasser.
Band III, S. 848, Gandharvakrama: Haus und Abschluss
Deutsch: Das Haus sei farbenprächtig, mit Bildern geschmückt und glänzend wie das Innere eines Spiegels. Baldachine, Fahnen und weiterer Schmuck zieren es; Glockenklang verschönt es. Die fünf Arten von Musikinstrumenten und vielfältige Klänge gehören dazu. Im Inneren befinden sich feine Stoffe; goldene Gefäße und Ähnliches schmücken es. Der Übende trägt stets Halsschmuck, Armreifen und Fingerringe. Die anschließende Zeile nennt vielfältige schmackhafte beziehungsweise berauschende Getränke und wiederholten Milchgenuss; ihre erste Wortverbindung ist beschädigt. Dieser mit vielerlei Genuss verbundene Weg heißt Gandharvakrama. Damit endet der Gandharvakrama. [Die Lesung bei nānāsurasa bleibt vorläufig.]
Band III, S. 848, Beginn des Bhairavakrama
Deutsch: Nun der Bhairavakrama. Das Vorhergehende wurde in Kürze erklärt; höre nun die Bhairava genannte Überlieferungsfolge. Durch den Svapuṣpakrama wird die auf Erden schwer zugängliche Bhairavī erreicht. Höre jetzt die Erklärung des Svapuṣpa genannten Verfahrens. Die Quelle beschreibt eine junge erwachsene, schöne und anmutige Gefährtin, deren Gestalt als Nektar jugendlicher Kraft bezeichnet wird, die selbst sexuelles Verlangen und Bereitschaft zur Vereinigung hat. Die anschließende Verbindung indriyadvandvasaṃyuktā ist im Druck nicht gesichert. Nachdem sie herbeigeführt wurde, sollen beide unbekleidet sein; der Übende vollziehe Japa. Dabei wird gegenseitiges Anschauen vorgeschrieben. [Sachliche Wiedergabe eines historischen Sexualritus; keine Alterszahl im Text. Die ungesicherte Wortverbindung wird nicht durch eine erfundene Detailanweisung ersetzt.]
Band III, S. 849, Bhairavakrama: Eignung und abweichende Verfahren
Deutsch: Nur wer die entsprechende Befähigung besitzt, ist für die Sādhana geeignet, nicht ein anderer. Entsteht eine innere Veränderung oder Erregung, gehe der Übende nach der Quelle augenblicklich zugrunde. Auch für eine entsprechende Veränderung bei der Gefährtin werden anschließend Śuṣkiṇī- und Drāviṇī-Mantras genannt: Mit dem ersten soll das als „Blüte“ bezeichnete Ritualmittel kraftvoll herbeigeführt, mit dem zweiten durch den Blick Flüssigkeit hervorgebracht werden. Wegen eines Fehlers im Liebesspiel komme dieser Yoga nicht zustande. Daher wird nun Bālā in einer als pāyasikarūpa bezeichneten Form gelehrt. Bei Bālā bestehen beide Verhaltensweisen; die rechte gilt als die hauptsächliche. [Die Bezeichnung pāyasikarūpa und der genaue rituelle Sinn der „Blüte“ sind hier nicht abgesichert. Die Passage ist ein Bericht über die Quelle; die verkürzt genannten Mantras werden nicht ergänzt.]
Band III, S. 849, Bhairavakrama: weitere Variante und Tilaka
Deutsch: Ferner: Wer rasche Siddhi wünscht, soll den als Gavākṣa bezeichneten Yoga üben. Der Text nennt einen Ort am Fluss oder Meer, an dem Frauen gemeinsam baden, und eine dort anzubringende Sichtöffnung; unter fortgesetztem Hinsehen werde längere Zeit Japa vollzogen. So wurde es in Kürze erklärt. Nun höre das Tilaka, Pārvatī: Man zeichne sorgfältig ein Yantra auf die linke Handfläche. Mit dem übrig gebliebenen Stoff fertige man das Tilaka. Auf die Stirn kommt ein Moschuspunkt; ferner werden munipatra und rotes Sandelholz genannt, in die Mitte ein weißer Punkt. Mit den Haaren und Weiterem verfahre man wie zuvor. Im Ritus der zehn Vidyās wird das Wachsenlassen der Haare gelehrt. Damit endet der Bhairavakrama. [Gavākṣa wird als historische, die Privatsphäre der beobachteten Frauen verletzende Ritualvorstellung dokumentiert. Munipatra bleibt als ungesicherter technischer Ausdruck stehen.]
Band III, S. 849–850, Kamalakrama: Tilaka und tägliche Verehrung
Deutsch: Nun der Kamalākrama. Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung des Kamalākrama hören. Śiva sprach: Zwischen die Brauen kommt Safran, anschließend Zinnober, ferner ein weißes Tripuṇḍra; dessen Mitte wird mit dem undeutlichen Ausdruck karāra bezeichnet. Nach dem Bad trägt der Übende weiße Gewänder und badet zu den drei Tagesübergängen. Er lebt von opfergeeigneter Speise, schläft auf der Erde und liebt nach dem vermutlich als madhurātripriya gedruckten Ausdruck die süßen Speisen; die genaue Lesung bleibt offen. Die Quelle nennt Freitag und einen zweiten Freitag als zeitliche Grenzen. Täglich verehre man unter dem Klang verschiedener Instrumente. Ein fortgesetzter Vollzug bis zum sechzehnten Tag wird genannt; anschließend beginnt der Zyklus erneut vom entsprechenden Tag bis zu dessen Abschluss. Stets verehre man gesammelt und ganz auf die Vergegenwärtigung der Gottheit ausgerichtet. [Die Zeitangaben zum Freitagszyklus stehen neben der Sechzehntagesangabe; ihre genaue Abstimmung ist aus dem beschädigten Wortlaut nicht sicher zu bestimmen.]
Band III, S. 850, Kamalakrama: Mondphasen und Abschluss
Deutsch: Die Umrundungen werden entsprechend der Folge der Mondteile vollzogen. Lampen bringt man entsprechend ihrem Anwachsen dar. Auch Brahmanen werden täglich nach der Folge der Mondteile gespeist. Ein Mensch, der sich diesem Verhalten widmet, werde glückverheißend und von Viṣṇus Gestalt. Alle königlichen Zeichen soll er gesammelt verehren. Die folgende Zeile verheißt eine Stellung als Herr der umfassenden Herrschafts-Lakṣmī; das Wort nāyo ist im Druck beschädigt. Die Reichtum spendende Göttin werde in seinem Haus wohnen, und selbst der König werde sein Diener. Damit endet der Kamalākrama. [Die Wirkungsversprechen werden als Aussagen des zitierten Textes wiedergegeben.]
Band III, S. 850–851, Brahmamargakrama
Deutsch: Nun der Brahmamārgakrama. Die Göttin sprach: Herr der Götter, Śiva, ich möchte den Brahmamārgakrama hören. Śiva sprach: Kajal einer Kurtisane wird aufgetragen, ein Tripuṇḍra mit Zinnober. Auf beide Brauen kommt Kurkuma; eine weiße blattförmige Markierung und in ihre Mitte ein roter Punkt werden angebracht. Stets sei der Geist darauf ausgerichtet – beim Essen, beim Liegen, in der Nacht und beim Geschlechtsverkehr. Mit durch Speisereste verunreinigter Hand bringe man eine Bali-Gabe aus Speiseresten dar. Die Speisereste der Śakti und die anderer Personen gelten jederzeit als Nahrung. Man vollziehe Japa; eigens wird der nächtliche Japa hervorgehoben. Betel kauend und Fleisch essend soll man nach dem Essen die Verehrung vollziehen. Mit noch durch Speisereste verunreinigter Hand wiederhole man den Mantra. Dies wird Brahmamārga genannt. Damit endet der Brahmamārgakrama.
Band III, S. 851, Maharajakrama: königlicher Ort
Deutsch: Nun der Mahārājakrama. Die Göttin sprach: Erkläre mir den Mahārājakrama, o Gott und Herr. Śiva sprach: Höre nun seine Erklärung. Der Ort ist ein prachtvoller Pavillon mit verschiedenartigen kunstvollen Treppen, mit Palästen und hohen Bauten, Baldachinen und Fahnen. Vielfältige Gärten, Schwäne und Pfauen schmücken ihn. Unterschiedliche Klänge erfüllen ihn; Elefanten und Pferde verleihen ihm Glanz. Ringsum ist er glückverheißend und mit vielfältigem Schmuck versehen. Wohlriechender Weihrauch erfüllt ihn, kunstvolle Lampen zieren ihn. Dort befindet sich ein schöner Edelsteinthron, mit Edelsteinschmuck ausgestattet. Jasmin, Campaka-Blüten und Ketakī-Duft, Kampfer, Aguru, Moschus, Rocanā und Kuṅkuma gehören dazu. Der Übende ist mit duftenden Pasten aus Jaṭāmāṃsī und anderen Stoffen geschmückt. Glocken und weitere Klänge umgeben ihn. Sein Geist ist stets rein, sein Herz voller Freude. Göttliche Opferhandlungen zeichnen ihn aus; er trägt herrliche Girlanden, Gewänder und Schmuck.
Band III, S. 852, Maharajakrama: Musik, Matangi und Tilaka
Deutsch: Sein Mund ist mit Betel gefüllt; er strahlt wie Indra, der Herr der Götter. Veda-Vortrag, Tanz und Genuss werden als begleitende Bereiche genannt; die mit pātra gebildeten Bezeichnungen sind nicht völlig eindeutig. Tanz, Gesang, Instrumentalmusik und vierundzwanzig Instrumente erklingen, ebenso Melodien, Rhythmen und vielfältige Töne. Sprachen verschiedener Länder, Prosa und Dichtung schmücken den Rahmen. Der vortreffliche Sādhaka trägt mannigfaltigen Schmuck. Die folgende Zeile nennt die Beeinflussung von Königen und königlichen Frauen; ihre Wortverbindung ist beschädigt. Śrīmahārājamātaṅgī wird als die alle Götter bezaubernde Göttin bezeichnet. Höre nun ihr Tilaka, Pārvatī: Zwischen den Brauen rotes Sandelholz, darin gurusāra, wohl Aguru-Essenz; ein Tripuṇḍra aus Moschus und in seiner Mitte das als karāra bezeichnete Zeichen. So habe ich dir den Mahārājakrama erklärt. Die Schlusszeile nennt als weitere Möglichkeit, selbst ein Gandharva zu werden. Damit endet der Mahārājakrama. [Die Wörter zu den Pātras, die Königszeile und einzelne Stoffbezeichnungen sind vorläufig gelesen.]
Band III, S. 852, Beginn des Divyabhavakrama
Deutsch: Nun der Divyabhāvakrama. Die Göttin sprach: Erkläre die höchst schwer zugängliche Überlieferungsfolge der Śrībhuvaneśānī. Śiva sprach: Durch den Divyabhāvakrama gewährt Bhuvanā rasche Siddhi. Der Laut ha hat die Gestalt Śivas; der Repha-Laut ra vernichtet Vergehen. Der Laut ī hat die Gestalt des Verlangens; dadurch wird sie Mahāmāyā genannt. Dieses Weltenei ist von Māyā umhüllt. Wie ohne Māyā nichts erscheint, so folgt anschließend ein weiterer Vergleich, dessen letzte Zeile im Scan erheblich beschädigt ist. [Die Schlusszeile wird vorläufig transkribiert, aber nicht durch eine erfundene Übersetzung ergänzt. Der Zusammenhang wird auf der Folgeseite fortgeführt.]
Band III, S. 853, Divyabhavakrama: Abschluss und Tilaka
Deutsch: Die erste Zeile führt den auf der vorherigen Seite beschädigten Vergleich fort: Mit dem dort genannten Prinzip erscheint diese Welt. Ohne sie, o Maheśānī, wäre die Welt wie unbelebt. Wer auf diesem Weg seinen Geist stets auf sie richtet, werde nach der Quelle Sieger über die drei Welten; daran solle kein Zweifel bestehen. Höre nun ihr Tilaka: Zwischen die Brauen setzt man einen Punkt aus weißem Sandelholz. Anschließend werden Duftessenz und ein Tripuṇḍra aus leuchtenden Farbstoffen genannt; in die Mitte kommen rot gefärbte unversehrte Reiskörner. Dadurch werde man Herr der Siddhis. Damit endet der Divyabhāvakrama. [Die Lesung yantrāsa am Seitenanfang ist ebenso wie die Schlusszeile von S.852 ungesichert; der klare Folgesatz wird vollständig übersetzt.]
Band III, S. 853–854, Dhumakrama
Deutsch: Nun der Dhūmrakrama. Die Göttin sprach: Herr der Götter, Śiva, ich möchte die Überlieferungsfolge der Dhūmāvatī hören. Śiva sprach: Höre nun ihre Erklärung, Pārvatī. Zwischen die Brauen kommt Kajal, in seine Mitte ein Aschepunkt. Auf die Stirn wird ein Tripuṇḍra gesetzt; dazwischen befindet sich Leichenasche. Der Übende trägt schwarze Gewänder und verwendet dunkle Duftstoffe. Duft und Blumen begleiten ihn; sein Sitz befindet sich auf dem Verbrennungsplatz. Er vergegenwärtigt die gesamte Welt rauchfarben und wird selbst ganz von dieser Rauchgestalt erfüllt. Als Sitz werden Krähenfedern genannt; er trägt schwarze Ritualgegenstände. Er lebt enthaltsam, isst maßvoll, ist frei von unterscheidenden Vorstellungen und beherrscht die Sinne. Er spricht wahrhaftig, hält sich fest an seine Disziplin und schläft auf der Erde; die folgende Sitzbezeichnung kudāviṣṭara ist unsicher, möglicherweise ist ein Kuśa-Sitz gemeint. Er badet zu den drei Tageszeiten und widmet sich Uccāṭana, der rituellen Vertreibung. Indem er seine Stimme der einer Krähe angleicht, soll er nach der Aussage des Textes die Welt in Unruhe versetzen beziehungsweise vertreiben können. Wer diesem Verhalten folgt, befindet sich im Dhūmrakrama. Damit endet der Dhūmrakrama.
Band III, S. 854, Saubhagyakrama: gelbe Ausstattung
Deutsch: Nun der Saubhāgyakrama, aus derselben Quelle. Durch die Verehrungsfolge des Saubhāgya gewährt Bagalā rasche Siddhi. Der Mantra-Übende trägt gelbe Gewänder und gelben Schmuck, gelbe Girlanden und Kleidung. Er befindet sich in einem gelben Haus, gebraucht gelbe Ritualstoffe und sitzt auf einem gelben Sitz. Mit gelben Stoffen vollzieht er Homa, verwendet gelbe Blumen und ist mit der gelben Śakti verbunden. Die Quelle nennt Rocanā, Kuṅkuma und munipatraka; die Ortsangabe bhuvi ist vermutlich beschädigt. Mit Kurkuma bildet er ein Tripuṇḍra, in dessen Mitte Khadira genannt wird. Haricandana-Räucherung umhüllt ihn. [Einzelne Stoff- und Zeichenbezeichnungen sind vorläufig gelesen.]
Dokumentierte Inhaltsauslassung: Band III, S.854–855, intime Ritualpassage des Saubhāgyakrama. Sexualisierte Darstellung einer minderjährig oder nicht eindeutig erwachsen bezeichneten Gestalt; hier nicht wiedergegeben. Dieser Hinweis ersetzt keine Übersetzung.
Band III, S. 855, Saubhagyakrama: Schlussmahnung
Deutsch: Ohne diese Überlieferungsfolge gelinge nach der Quelle die rituelle Anwendung nicht. Deshalb soll, wer auf Erden Siddhi erstrebt, mit aller Sorgfalt die acht Arten des Hochmuts, die drei Fehler und die Anhänglichkeit an die fünf Sinne aufgeben und den Saubhāgyakrama vollziehen. Damit endet der Saubhāgyakrama. [Die acht Arten des Hochmuts und die drei Fehler werden an dieser Stelle nicht einzeln aufgezählt.]
Band III, S. 855, Drei Bhavas: Einleitung und redaktioneller Zusatz
Deutsch: Nun die göttliche, heroische und gebundene Haltung: Divya, Vīra und Paśu. Im Bhāvacūḍāmaṇi sprach die Göttin: Die innere Haltung ist dreifach, o Gott, in der Reihenfolge Divya, Vīra und Paśu. Auch die Gurus sind hier dreifach, ebenso die Mantra-Gottheiten. Besonders beim Śakti-Mantra verleiht diese Haltung Mantra-Siddhi. Die erste Haltung, Mahādeva, ist die vorzüglichste und gewährt alle Fülle. Die zweite ist mittelmäßig, die dritte wird allgemein getadelt. Der Kompilator fügt in Prosa hinzu: „Allgemein getadelt“ beziehe sich auf Nichtbrahmanen; denn für einen Brahmanen werde vielmehr das Annehmen einer anderen Haltung als Paśu getadelt. [Der Prosaeinschub schränkt die vorherige allgemeine Wertung ausdrücklich ein; beide Stimmen bleiben erkennbar.]
Band III, S. 855–856, Bhava als Voraussetzung der Mantrawirkung
Deutsch: Ferner: Durch hunderttausendfache Wiederholung, Feueropfer und umfangreiche körperliche Mühen verleihen Tantra-Mantras ohne die entsprechende innere Haltung keine Frucht. Was nützt die bloße Vīra-Sādhana mit den in der folgenden beschädigten Verbindung genannten Weltanschauungen und Kula-Bezügen? Was nützen Pīṭha-Verehrung und die Speisung von Kanyās? Was nützt es, der eigenen Frau oder einer anderen Freude zu bereiten? Was nützen Sinnesbeherrschung und Kulācāra-Handlungen, wenn der dem Kula-Weg Zugewandte nicht durch Bhāva innerlich gereinigt ist? Durch Bhāva erlangt man Befreiung; durch Bhāva wachsen und gedeihen Kula und seine Schönheit. Was nützen ausgedehnter Nyāsa und umfangreiche Reinigung der Tattvas? Was nützt Verehrung, wenn Bhāva nicht entsteht? Die folgende Zeile fragt, durch wen die Vidyā verehrt wird und durch wen nicht; ihre mittlere Wortfolge ist undeutlich. Das Ausbleiben der Frucht entsteht, o Herr der Götter, durch das Ausbleiben des Bhāva. [Kula bezeichnet hier den tantrischen Überlieferungszusammenhang; einzelne Wortverbindungen sind vorläufig.]
Band III, S. 856, Divyabhava: Welt und Selbst als göttliches Leuchten
Deutsch: Ferner: Nun wird als erste die göttliche Haltung erklärt; höre aufmerksam. Welche Gestalt die Gottheit jeweils hat, mit deren geballtem Leuchten wird alles erfüllt. Man vergegenwärtige die gesamte Welt als lichtgestaltet und bilde so die Vorstellung ihrer Erscheinung. Der Mantra wird als von der jeweiligen göttlichen Gestalt erfüllt betrachtet. Man mache sich selbst ganz zu dieser Gestalt, ebenso alle inneren Zustände. All dies vergegenwärtige man in der Frau und betrachte es mit gesammeltem Geist. [Die Verbindung bei svena svena ist im Druck vorläufig; das Leitmotiv der göttlichen Lichtgestalt ist eindeutig.]
Band III, S. 856, Kumariverehrung: Vielfalt der Herkunft und Altersrahmen
Deutsch: Die verehrte Kumārī kann aus beliebiger Familie, aus unterschiedlichen sozialen Gruppen und aus verschiedenen Ländern stammen; sie wird als mit guten Eigenschaften und Anmut versehen beschrieben. Vom zweiten Lebensjahr an bis zum zehnten Jahr wird sie hier als Kumārī bestimmt, deren Verehrung nach der Quelle die Frucht des Mantra-Opfers gewährt. Der folgende Satz beginnt: „Durch die Verehrung der Kumārī und ebenso durch ihre Speisung …“ und wird auf der nächsten Seite fortgeführt. [Die Altersobergrenze lautet im vorliegenden Druck daśamābdakam, zehntes Jahr. Diese Passage behandelt Verehrung und Speisung, keine sexuelle Handlung.]
Band III, S. 857, Divyabhava: Kumarispeisung und Schutz
Deutsch: Die Speisung einer, zweier, dreier oder weiterer Kumārīs trägt nach der Quelle Frucht; daran bestehe kein Zweifel. Man gebe ihnen Blumen, Früchte, wohlriechende Salben, geeignete Bali-Gaben und Speisen und erfülle sich dabei mit der entsprechenden inneren Haltung. Auch sich selbst vergegenwärtige man als Gabe; die Verbindung tad-aṅga ist nicht völlig klar. Man unterhalte sich mit ihnen, ermögliche Spiel und anregende Beschäftigung und tue in angemessener Weise, was ihnen Freude bereitet. So werde man nach der Quelle Herr der Siddhis. Anschließend wird eine junge Person bis zum sechzehnten Jahr als yuvatī bezeichnet. Wenn sich hierbei Bhāva offenbart, gilt die rechte innere Haltung als das Höchste. Die Mädchen sollen mit Sorgfalt geschützt werden; die anschließende Verbindung akṣatās tā na kārayet ist grammatisch auffällig und wird nicht als gesicherte Einzelanweisung aufgelöst. So wurde dir die glückbringende göttliche Haltung erklärt. Sie sei nicht wahllos weiterzugeben und vor dem als Paśu bezeichneten Unvorbereiteten sorgfältig zu bewahren. Damit endet der Divyabhāva. [Die Altersangabe sechzehn ergänzt die abweichende Kumārī-Definition der Vorseite; beide werden unverändert dokumentiert.]
Band III, S. 857, Virabhava: Bhairava und Bhairavi
Deutsch: Nun der Vīrabhāva aus derselben Quelle. Die Göttin sprach: Die heroische Haltung wird erklärt; höre, Mahādeva, Bhairava. Der Geist soll frei von Gegensätzen werden; im Herzen vergegenwärtige man die Kāmakalā-Gestalt. Vorzüglich ist die dreimal täglich vollzogene Verehrung, verbunden mit dem als Hetu bezeichneten Ritualmittel. Man ordne das eigene Kula und nehme selbst die Gestalt Bhairavas an. Das Kula wird als Bhairavī-Gestalt betrachtet; hier folgt die Entfaltung des Nyāsa. Genannt wird der Nyāsa aus neun Yonis. Der Kompilator erläutert: „Aus neun Yonis bestehend“ bezieht sich auf Śrīvidyā. Auf einer schönen Lagerstätte, mit vielen Blumen und vielfältigen Düften versehen, zeichne der hingebungsvolle Übende mit dem Kula-Stoff ein Yantra und verehre es, nachdem er zuvor das Ritualgefäß aufgestellt hat. [Die genaue Funktion von Kula und Hetu wird durch die folgenden Verse und den Prosaeinschub näher bestimmt.]
Band III, S. 858, Virabhava: Gefäß und Unterscheidung der Ritualstoffe
Deutsch: Links von sich zeichne man ein Sechseck und in dessen Mitte ein Brahmarandhra-Zeichen. Darauf stelle man ein wohlriechend gemachtes Gefäß aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton; Mahāloha, hier wohl Eisen, ist ausgeschlossen. Es wird auf eine Kalasha-Unterlage gesetzt. Man fülle es mit dem Hetu-Stoff entsprechend der Unterscheidung zwischen Brahmanen und den weiteren Gruppen. Der Prosaeinschub erklärt diese Unterscheidung als Milch, geklärte Butter, Madya und Āsava, die von den jeweiligen Gruppen verwendet werden. Die anschließende Erklärung nennt für einen Vīra-Brahmanen Milch als Hetu; die Wortfolge nach kṣīram eva ist beschädigt und nicht zuverlässig zu übersetzen. Zuerst zeichne man sorgfältig das dem Kula entstammende Yantra, meditiere dort über die persönliche Gottheit und wiederhole einhundertachtmal. Danach werden Dhenu- und Yoni-Mudrā gezeigt; die abschließende Handlungsbeschreibung ist undeutlich. [Der Prosaeinschub ist als redaktionelle Erläuterung von den zitierten Versen getrennt; die beschädigte Schlussaussage zur Milch bleibt offen.]
Band III, S. 858–859, Virabhava: Amrita, Verteilung und Verehrung
Deutsch: Beim Anblick des Amṛta im eigenen Gefäß tanzen nach dem Bild der Quelle die Yoginī-Scharen. Alle Bhairavas und die Mütter tanzen; Indra und die anderen nach dem süßen Getränk verlangenden Götter tanzen. Brahmā, Viṣṇu, Maheśa und die weiteren Gottheiten sind ganz von Freude erfüllt. Die Hälfte des Gefäßinhalts wird dreigeteilt: ein Teil für den Guru, einer für das Kula und einer für die Sättigung der Gottheiten. Nach dem Trinken des Kula-Saftes werden verschiedene Gewänder und Schmuck genannt. Die anschließende Zeile verbindet die leibliche Anwesenheit des Gurus mit dem Fortgeben ins Wasser; ihr genauer Sinn ist nicht sicher. Ganz von Freude erfüllt verehre man die höchste Göttin nach den jeweiligen Kalpa-Vorschriften und mit entsprechender Sorgfalt. Nach der abschließenden Entlassung verbinde man sie mit dem eigenen Kula. Es folgen symbolische Aussagen: Durch das Trinken des äußeren Saftes wird Amṛta genossen; bei dessen Geschmack entsteht Freude. Schon das Erfassen ihrer Glieder wird mit dem Herabsteigen vom Meru-Gipfel verglichen; durch die Umarmung der als „Liane“ bezeichneten Gefährtin ist der Leib wie mit Nektar gewaschen. [Mehrere Wortverbindungen des Schlussbildes sind beschädigt und vorläufig transkribiert; die Bilder werden nicht zu zusätzlichen praktischen Anweisungen ausgeführt.]
Band III, S. 859, Virabhava: Japa-Zahl und Abschluss
Deutsch: Nach dem Vollzug des Mūlayoga soll man achttausendmal Japa ausführen. Wo für den täglichen Japa und das Feueropfer keine Zahl angegeben ist, nennt der Text tausendacht Wiederholungen beziehungsweise Gaben. Danach nehme man die mit Wasser gereinigte Opfergabe und vollziehe Tarpaṇa. Nach der Sättigung umschreite man die Gottheit rechtsherum, preise sie, verneige sich und trage den im jeweiligen Kalpa gelehrten Lobpreis vor. Dies ist das liebliche Vīrakula, das von den Göttern verehrt wird. [Die Quelle unterscheidet ausdrücklich aṣṭasahasraka, achttausend, und aṣṭottarasahasraka, tausendacht.]
Band III, S. 859, Virabhava: Nachtverehrung und Geheimhaltung
Deutsch: Im Kālīkalpa: Nachts wandere man umher und verehre die Śakti. Wie könnte, Īśāna, ohne dies mein Verehrer ein Kaulika sein? Im Bhairavatantra: Das Kula bewahre man verborgen wie das Wasser im Inneren einer Kokosnuss. Den Guru soll der Verständige bekannt machen, den Mantra jedoch sorgfältig geheim halten. Im Kulārṇava: Veden, Śāstras und Purāṇas liegen offen zutage – die Quelle vergleicht dies mit einer öffentlich zugänglichen Kurtisane. Die Śāmbhavī-Vidyā hingegen sei verborgen wie die Frau eines angesehenen Hauses. Einen gut geheim gehaltenen Kaulika-Lebensvollzug segnen die Gottheiten; sie gewähren die Erfüllung der Wünsche. Durch dessen Offenlegung werde die Wirkung zerstört. [Die sozialen Vergleiche und der Anspruch auf Geheimhaltung gehören zur historischen Ausdrucksweise der zitierten Quellen.]
Band III, S. 859–860, Virabhava: Achtung gegenüber Frauen
Deutsch: Im Merutantra: Tagsüber verkehre man nicht mit einer Frau und betrachte nicht ihre Yoni. Selbst wenn eine Frau hundert Fehler begangen hätte, soll man sie nicht einmal mit einer Blume schlagen. Man zähle nicht die Fehler von Frauen auf, sondern spreche von ihren guten Eigenschaften. Ferner: Mädchen, Kumārīs, unbekleidete oder auch geistig verwirrte Frauen soll man weder schmähen noch verabscheuen, auslachen oder verachten. Beim Anblick eines einzelnen Baumes, eines Verbrennungsplatzes, einer Frauengruppe oder einer rot gekleideten Frau verneige man sich hingebungsvoll. [Die Aufzählung schützt ausdrücklich unterschiedliche Personen vor Herabsetzung; sie ist keine Beschreibung sexueller Handlungen.]
Band III, S. 860, Virabhava: Kulabäume und fünf ausgeschlossene Handlungen
Deutsch: Ferner: Die Kula-Yoginīs wohnen stets in den Kulabäumen. Von ihren Blättern soll man nicht essen, besonders nicht von Arka-Blättern. Unter einem Kulabaum soll man nicht schlafen und ihn nicht beschädigen. Beim Anblick verneige man sich hingebungsvoll; niemals soll man ihn fällen. Zehn werden genannt: Śleṣmāntaka, Karañja, Arka, Nimba, Aśvattha, Kadambaka, Bilva, Vaṭa, Uḍumbara und Ciñcā. Ein Kaula soll fünf Dinge meiden: Sühneriten, den Sturz von einem Felsen, Saṃnyāsa, die Übernahme von Gelübden und Pilgerfahrten. Der Kompilator schränkt ein: Mit Sühneriten und Ähnlichem ist hier gemeint, was außerhalb des Tantra liegt. [Die Baumliste hat zehn Glieder; die verschmolzene Anfangsform im Druck wird entsprechend getrennt. Der Felssturz ist eine historisch erwähnte Selbsttötungsform, die hier ausdrücklich abgelehnt wird.]
Band III, S. 860, Virabhava: äußeres Auftreten und Verheißung
Deutsch: Im Raudra: Den Vīrabhāva soll man auf keine Weise offenlegen. Im Vīracūḍāmaṇi: Kommt während der Verehrung jemand hinzu, zeige man eine Vaiṣṇava-Mudrā, Viṣṇu-Nyāsa und einen entsprechenden Lobpreis. Innerlich sind sie Śāktas, äußerlich Śaivas und in der Versammlung Vaiṣṇavas. In vielfältiger Gestalt wandern die Vīras auf der Erde. Im Bhāvacūḍāmaṇi: Wo ein Vīra oder sein Kula lebt, gebe es nach dieser Verheißung weder Furcht vor Seuchen noch vor königlicher Bedrohung und Ähnlichem. Dort herrsche stets Glück; Reichtum und Nachkommenschaft nähmen zu. Lakṣmī bleibe dort dauerhaft. [Dies sind Schutz- und Wohlergehensverheißungen des Quellentextes, keine überprüften Wirkungszusagen.]
Band III, S. 861, Virabhava: Mantra, Ritualort und besondere Tage
Deutsch: Der Mantra soll sorgfältig mit der als svaprabodhinī bezeichneten Kraft an einer Baumwurzel verbunden werden; dann entstehe kein Hindernis. Das zum Genuss eines anderen Vīra Bestimmte darf nicht genommen werden; die folgende Zeile über Gottheiten, Yoginīs und Schuld ist beschädigt, lässt aber eine Missbilligung dieses Nehmens erkennen. Wer an einem Dienstag zum Verbrennungsplatz geht, erlange nach der Quelle die Frucht von sieben Tagen Verehrung. Wer am vierzehnten Mondtag dorthin geht, erlange die Frucht einer ganzen Monatshälfte. Die letzte Zeile tadelt das Meiden eines besonderen Ritualortes als Paśu-Verhalten; die Lesung vāmyataḥ ist nicht gesichert. [Die ersten und letzten Wortverbindungen bedürfen eines besseren Textzeugen; keine zusätzlichen Ritualmittel werden ergänzt.]
Band III, S. 861, Virabhava: Genuss und innerer Zustand
Deutsch: Der Geist soll von der Überzeugung erfüllt sein: Es gibt nichts Höheres als dies. Der dem Kula Zugewandte genießt die Ritualstoffe in der Identifikation mit der sprechenden Göttin; die Wortfolge madeva ist vorläufig. Wird der Sādhaka erschüttert, so wird nach ihrer Aussage auch sie erschüttert. Deshalb soll der Vīra glücklich und mit Genuss versehen sein; die genaue Bezeichnung am Versanfang ist beschädigt. Durch Genuss erlange man Befreiung und die Kula-Verwirklichung. Ohne den Genuss des Hetu und bei aufgewühltem Geist gelingen nach dieser Lehre weder ihre Verehrung noch die innere Berührung, Meditation und Betrachtung. Deshalb soll man nach Essen und Trinken die höchste Göttin verehren. Darin liege nach dem Text kein Fehler des Abweichens; die folgende Formulierung doṣabhūṣaṇa ist unklar. Was immer man sagt, im Schlaf erfährt, tut oder isst: All dies vergegenwärtige man als Gestalt des Kula und lebe freudig. [Die rituelle Rechtfertigung von Genuss ist traditionsgebunden; beschädigte Einzelwörter bleiben vorläufig.]
Band III, S. 861–862, Virabhava: Zurückgezogenheit und Blumensymbolik
Deutsch: Allein an einem einsamen Ort, auf dem Verbrennungsplatz, auf einem Berg, im Wald, in einem leeren Haus oder am Flussufer lebe man ungebunden und freudig. Für Vīras ist jede Zeit zum Japa geeignet; er kann an jedem Ort und jedem Pīṭha vollzogen werden. Ist ein Brahmane rein und dem Kula-Dharma ergeben, soll er nach dem entsprechenden Verfahren das Kula erfreuen. Das Innere einer Aparājitā-Blüte wird als schöner Kula-Ort betrachtet, von allen Gottheiten erfüllt und von der Gestalt der großen Kāmakalā. In der Hayāri-Blüte wohne Sadāśiva selbst. In ihrer Mitte vergegenwärtige man das Aufgehen; in die Blüte gebe man Sandelholz, eine rote Substanz oder Kuṅkuma. Sich selbst als Śiva vergegenwärtigend, verbinde man Śiva und Śakti und betrachte ihre Einheit. Nach einer kurzen inneren Sammlung verehre man damit die höchste Göttin. Die Schlusszeile nennt das schwer zugängliche, als Kuṇḍa bezeichnete Mittel; das Verb am Anfang ist beschädigt. [Die Zeile zur Einheit von Śiva und Śakti sowie die Schlusszeile sind vorläufig transkribiert.]
Band III, S. 862, Virabhava: Blumen und Unterschiede der Haltungen
Deutsch: Wo Aparājitā-, Hibiskus-, rote Karavīra- und Droṇa-Blüten vorhanden sind, wohne die Göttin stets. Man verehre sie im entsprechenden Yantra; der genaue Abschluss dieser Zeile ist unsicher. Auch die Hibiskusblüte gewähre eine dem Lotus vergleichbare Frucht. Selbst das Vergehen der Brahmanentötung und andere schwere Vergehen würden nach dem Text augenblicklich vernichtet. Die Größe der Aparājitā lasse sich nicht aussprechen. Vīra-Sādhana ist von vorzüglichen Vīras und auch von Menschen der Divya-Haltung zu vollziehen, nicht von Paśus oder Unvorbereiteten. Die folgende Zeile stellt die Tätigkeit eines Pāmara dennoch über die eines Paśu; diese spannungsreiche Wertung bleibt stehen. Nach den zuvor gegebenen Andeutungen zur Mantra-Sādhana fertige der kraftvolle Vīra Añjana und Guṭikā. Zwischen Divya und Vīra gebe es grundsätzlich keinen Unterschied; der besondere Unterschied werde nun genannt: Der Divya ist friedvoll, bescheiden, freundlich und mit Kunstsinn und Anmut versehen, gewöhnlich wie ein Gott. Der Vīra besitzt dagegen einen kraftvoll aufstrebenden Geist. [Añjana und Guṭikā bleiben als benannte Ritualzubereitungen stehen; die Quelle gibt hier keine Zusammensetzung an.]
Band III, S. 863, Virabhava: Unterformen und äußere Merkmale
Deutsch: In der Kularatnāvalī: Divya und Vīra sind ganz dem Dienst an der Śakti hingegeben. Beide werden nochmals in zwei Formen unterschieden, Vāmika und Kaulika. Im Bhāvacūḍāmaṇi: Der Übende kann mit heiliger Asche geschmückt oder mit Sandelholz bestrichen sein. Er kann seine äußere Gestalt verbergen; die Gegenformulierung tyakta ist im Zusammenhang unklar. Er kann rotes Sandelholz tragen, Vaiṣṇava oder Nicht-Vaiṣṇava sein. Bei Missachtung wie bei Ehrung soll er stets gefestigt bleiben; das Wort dṛṣṭa ist vermutlich beschädigt. Selbst Gottesschelte oder ausdrückliche Verehrung werden als mögliche äußere Formen genannt. Die anschließende Zeile stellt Verehrung und deren Abwesenheit sowie Kula und Akula nebeneinander, ist aber grammatisch nicht ganz sicher. Mit der eigenen inneren Haltung erfüllt, wandelt er wie ein Gott auf Erden. Innerhalb des eigenen Kula soll das Purashcharana nachts vollzogen werden, nicht anders. [Die gegensätzlichen äußeren Erscheinungsweisen werden nicht zu einheitlichen Geboten geglättet.]
Band III, S. 863, Virabhava: Kula, Guru und Abschluss
Deutsch: Wie bei einem Zweimalgeborenen ohne Veda-Kenntnis kein Gespräch über die Śruti möglich sei; wie ohne Viṣṇu-Hingabe die Hingabe an die Göttin nicht entstehen könne; wie die Behauptung einer Befreiung ohne Śakti-Erkenntnis lächerlich sei; wie ohne Guru keinerlei Berechtigung zum Tantra bestehe; und wie eine Frau ohne Ehemann nach der hier vorausgesetzten historischen Sozialordnung von Riten ausgeschlossen sei: Ebenso bestehe nach dem Text ohne Kula keine Berechtigung zu ihrer Sādhana. Deshalb solle man sich ihm widmen. Wie könne jemand ihr Verehrer sein, dessen Kula ohne rechte Schulung sei? Die folgende Zeile mahnt sorgfältiges Handeln im Hinblick auf Siddhi an, ist aber beschädigt. Ohne Bhāva gebe es keine Berechtigung zur Kula-Lehre. Daher werde der durch Bhāva gereinigte Sādhaka ein Kaulika. Damit endet die Überlieferungsfolge des Vīrabhāva. [Die Ausschlussvergleiche geben die historische Argumentation der Quelle wieder; die vorletzte Mahnzeile bleibt vorläufig gelesen.]
Band III, S. 864, Pashubhava: Einführung und Lebensführung
Deutsch: Nun der Paśubhāva aus derselben Quelle. Die Göttin sprach: Ich werde die Paśu-Haltung erklären; höre gesammelt, mein Kind. Nachdem man die für Paśu bestimmte Vidyā ordnungsgemäß empfangen hat, widme man sich der entsprechenden Haltung. Zunächst vollziehe man für den vorbereitenden Dienst sorgfältig die Reinigung. Man verneige sich vor dem Essen und denke dabei nicht an eine Frau. Man sei nicht begehrlich nach fremdem Eigentum. Die anschließende Aussage zum auf Genuss gerichteten Geist scheint beschädigt und bleibt ungesichert. Als Orte werden ein Strom- oder Meeresufer, Berg, Wald, Tempel, die Wurzel eines Bilva-Baumes, ein abgeschiedener Ort und ein schöner heiliger Bezirk genannt. Der Text verbietet in seiner historischen Kastensprache den Anblick eines Śūdra; ferner soll man Hinterlist sorgfältig aufgeben. Man meditiere gesammelt über die glückverheißend gefärbte Gottheit. Zu den drei Tagesübergängen vollziehe man ihre Verehrung und Japa. [Die soziale Ausschlussregel wird als Quellenbefund dokumentiert.]
Band III, S. 864, Pashubhava: Japa, Enthaltsamkeit und Reinheit
Deutsch: Nachts soll man weder den Mantra noch die Gebetskette berühren; die Verbindung mit „Mantra berühren“ bleibt wörtlich und ist vermutlich verkürzt. Die folgende Zeile untersagt ein bestimmtes Aussprechen des Mantras und verlangt Schweigen bei allen Handlungen; duṣṭvā ist ungesichert. Zu Fest- und Übergangszeiten soll der vorzügliche Sādhaka keinen Geschlechtsverkehr haben. Blumen, Duftstoffe und Wasser soll er selbst herbeibringen und damit verehren. Geschlechtsverkehr, Gespräche darüber und entsprechende Zusammenkünfte meide er. Außerhalb der fruchtbaren Zeit soll er auch seiner Frau nicht beiwohnen. Er höre die Purāṇas mit Vertrauen und widme sich dem Veda und seinem Sinn. Nachts soll er Brahmanen nicht bewirten; der syntaktische Anschluss von Betel in dieser Zeile bleibt offen. Alles, was der Guru anordnet, vollziehe er sorgfältig. Nach Berührung oder Riechen an dem als svajātakusuma bezeichneten Stoff und an Hetu reinige er sich nach der Quelle mit Pañcagavya. Wer der Göttin ergeben ist, soll kein rotes Gewand annehmen. [Die hier geltenden Einschränkungen unterscheiden sich ausdrücklich von denen der zuvor dargestellten Vīra-Haltung.]
Band III, S. 865, Pashubhava: Vishnutantras und Pflichten
Deutsch: Die in den Viṣṇu-Tantras gelehrten Handlungen sollen vollzogen werden. Gespräche über den Vīra-Weg sollen unterbleiben; der abschließende Ausdruck vīranindite ist nicht sicher zuzuordnen. Der dem Dharma Zugewandte vollzieht das tägliche Śrāddha, das Śrāddha in Gayā, die Sandhyā-Verehrung, das Bad an heiligen Orten und den Besuch von Pīṭha-Stätten. [Diese Vorschriften gehören zum Paśubhāva und werden nicht auf die zuvor dargestellten Haltungen übertragen.]
Band III, S. 865, Pashubhava: Merutantra zu Achtung und Zurückhaltung
Deutsch: Im Merutantra: An einem Götterort, am Ort des Gurus, auf einem Verbrennungsplatz und an einer Wegkreuzung meide man Schuhwerk, unangemessenes Sitzen, Ausscheidung und Geschlechtsverkehr. Frauen und Mädchen soll man nicht schmähen, auch nicht wegen Berauschtheit, niedriger sozialer Herkunft, Menstruation, körperlicher Merkmale, offenen Haares oder sexuellen Verlangens. Die nächste, teilweise beschädigte Aufzählung verbietet indiskretes Betrachten intimer Körperbereiche und sexueller Vorgänge; anschließend werden das Begehren fremden Eigentums und fremder Ehepartner untersagt. Die Füße soll man nicht gegen Getreide, Kühe, Feuer, Gottheiten, ehrwürdige Personen, Kuśa-Gras oder Bücher ausstrecken und auch nicht über diese hinwegsteigen. Man meide Trägheit, Hochmut, Verblendung, ungezügeltes Frohlocken, Verleumdung, Streit, Missgunst, Selbstüberhebung und das Schmähen anderer. [Die Aufzählung mit divyastra ist beschädigt; die Verbotsrichtung wird wiedergegeben, ohne daraus eine detaillierte Körperbeschreibung zu machen.]
Band III, S. 865, Bhava: inneres Erfahren und Abschluss des Pashubhava
Deutsch: Im Bhāvacūḍāmaṇi: Bhāva ist eine Eigenschaft des Geistes. Wie könnte er bloß ein Wort sein? Deshalb lässt er sich nicht vollständig aussprechen; es wurde lediglich eine Richtung angedeutet. Wie die Süße des Rohrzuckers erst durch das Essen erkannt wird, so wird die Entfaltung des Bhāva im Geist erfahren. In einem anderen Tantra: Divyabhāva gilt als der höchste, Vīrabhāva als der mittlere und Paśubhāva als der niedrigere. Man soll sich auf eine dieser Haltungen stützen. Damit endet die Überlieferungsfolge des Paśubhāva.
Band III, S. 866, Sampradayas: Gauda
Deutsch: Nun die Überlieferungsschulen. Im Siddhāntasaṅgraha: Ich werde die Schulen Gauḍa, Kaśmīra und Kerala erklären. Der Vorsatz wird auf die Erfüllung aller Ziele gerichtet; Verehrung und Blumengabe folgen. Der genaue Anschluss der ersten Verszeile ist beschädigt. Nach der Speisengabe wird Homa vollzogen, nach der Betelgabe die Bali-Gabe. Die Verehrung erfolgt mit der linken Hand, Tarpaṇa mit der rechten. Die anschließende Verbindung sākṣādānaṃ makāreṇa nennt den unmittelbaren Vollzug mit den Makāras, ist aber nicht eindeutig. Die Göttin wird am Ende ins Herz entlassen. Dies ist die Gauḍa-Überlieferung, der sich die Anhänger des linken Weges beständig widmen. [Die erste Schlussverbindung und die Makāra-Zeile sind vorläufig gelesen.]
Band III, S. 866, Sampradayas: Kashmir und Ersatzstoffe
Deutsch: Für die Verehrung wird der Viniyoga genannt; nach der Pīṭha-Verehrung folgt Bali. Nach den fünf Darbringungen wird Homa vollzogen; Verehrung und Tarpaṇa geschehen mit der rechten Hand. Ein Kuhprodukt im Kupfergefäß gilt als Ersatz für Vāruṇī; Ghee ist dabei ausgenommen. Als Fleischersatz wird eine Folge von Salz, frischem Ingwer, Ölkuchen, zubereitetem Laḍḍu und Māṣa genannt; zusätzlich erscheint Knoblauch. Fehlt Fisch, werden Betelnuss, Betel und das undeutliche yavaśāmiṣa genannt. Fehlt Guḍa, dienen Reis oder geröstete Kichererbsen und Ähnliches. Fehlt das fünfte Element, zeichne der kundige Sādhaka mit rotem Sandelholz auf seinen linken Oberschenkel ein Dreieck mit dem Śakti-Bīja. Damit verehre er die Śakti und wiederhole ihre Gāyatrī einhundertmal. Fehlt svayambhukusuma, verwende er rotes Sandelholz. Die Hayāri-Blüte stellt Śambhu dar, die Aparājitā-Blüte Śakti. Das aus ihrer Verbindung hervorgehende Kula-Amṛta nehme man an. [Einzelne Ersatzstoffbezeichnungen sind im Druck nicht sicher; die Passage beschreibt historische rituelle Entsprechungen.]
Band III, S. 866–867, Sampradayas: Kashmir-Abschluss und Worterklärung
Deutsch: Ferner werden im Zusammenhang mit einem Kupfergefäß Kuhprodukte, Piṇyāka, Gṛñjana, Milchreis und Milch genannt. Sie gelten jeweils als entsprechende Ersatzmittel. Die abschließende Entlassung erfolgt in das Sahasrāra. Dies ist die den Kaulikas liebe Kaśmīra-Überlieferung. Der Kompilator erklärt: Piṇyāka bedeutet Sesampaste; Gṛñjana bedeutet Knoblauch. [Die knappe erste Aufzählung wird als solche bewahrt und nicht zu einer neuen Rezeptur zusammengestellt.]
Band III, S. 867, Sampradayas: Kerala und Abschluss
Deutsch: Ferner: Der Vorsatz wird auf das Wohlgefallen der Gottheit gerichtet; die Tattvas werden innerlich vergegenwärtigt, der Reihe nach als Ātman, Vidyā, Śiva, das All und die Fülle. Die Verehrung umfasst die fünf Darbringungen; nach ihrem Abschluss erfolgt Bali. Verehrt wird mit der rechten Hand, Tarpaṇa mit der linken. Homa steht am Ende aller Handlungen; die Entlassung erfolgt in den Herzraum. Dies ist die Kerala genannte Überlieferung, die von den Weisen gepflegt wird. Damit endet die Darstellung der Überlieferungsschulen.
Band III, S. 867, Schlussvers und Kolophon des neunten Taranga
Deutsch: Der kunstvolle Schlussvers nimmt das Bild des Ozeans und seiner Wellen auf: vielfältige Nektarströme, ein Zusammenfluss der in diesem Werk vereinigten Ströme und perlenähnliche Darlegungen. In diesem neuen, vom Herrscher geschaffenen Purashcharanarnava ist damit die schöne neunte Welle zu ihrem Abschluss gelangt. [Der Anfang und mehrere Komposita des metrischen Schlussverses sind im Scan beschädigt; die vorläufige Transkription wird deshalb nur sinngemäß wiedergegeben.] Kolophon: So endet im Purashcharanarnava, verfasst vom erhabenen Großkönig der Könige Śrīpratāpasiṃha Śāha, die neunte Welle mit dem Titel „Darlegung des Purashcharana der zehn Mahāvidyās“.

10. Taraṅga: Weitere Gottheiten, vedische Mantras und Hymnen
Lesehilfe: Weitere Gottheiten, vedische Mantras und Hymnen erweitern das Spektrum der Sammlung. Achte auf den Unterschied zwischen einer ausgeschriebenen Anrufung, einer Erklärung und dem bloßen Verweis auf einen bekannten Text. Das vertieft sowohl das Verständnis der Quelle als auch die Aufmerksamkeit für das eigene Japa.
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Band III, S. 868, Sarasvati: zehn Silben und Nyasa
Deutsch: Nun werden die Mantras der Sarasvatī und weiterer Gottheiten sowie die Besonderheiten ihres Purashcharana dargestellt. In der Śāradā heißt es: Die Formel beginnt mit einer verschlüsselten Lautbildung aus Adri und Varuṇa; daran schließen eine undeutliche Silbe, „vāgvādini“ und zweimal ṭha an. Dieser zehnsilbige Mantra der Vāgīśvarī gewährt nach der Quelle die Fülle der Rede. Der Seher ist Kaṇva, das Versmaß Virāj, die Gottheit Vāc, die göttliche Rede. Die Mantrasilben werden auf Kopf, Ohren, Augen, Nase, Mund und die weiteren genannten Körperstellen gelegt. Die Glieder bildet man wie zuvor nach dem im Zusammenhang mit der Mātṛkā erklärten Verfahren. [Lesungshinweis: Die verschlüsselte Anfangsbildung und die letzten Körperstellen sind im Druck beschädigt. Eine ausgeschriebene Gesamtformel wird nicht ergänzt.]
Band III, S. 868, Sarasvati: erste Meditation und Purashcharana
Deutsch: Nun die Meditation: Möge uns die Gottheit der Rede beschützen und alle Fülle gewähren. Sie trägt die junge Mondsichel und strahlt weiß. Unter der Fülle ihrer Brust ist ihre Gestalt leicht geneigt; sie sitzt auf einem weißen Lotus. In ihren Lotushänden leuchten Schreibgriffel und Buch. Nun das Purashcharana: Man wiederhole den Mantra eine Million Mal. Anschließend bringe man ein Zehntel davon als Feueropfer dar, mit milchbenetzten weißen Lotussen oder mit Sesam, der mit süßen Stoffen getränkt ist.
Band III, S. 868–869, Sarasvati: sechzehnsilbige Form, Meditation und Purashcharana
Deutsch: Nun ein anderer Mantra aus derselben Quelle: Nach Hṛdaya folgen „bhagavati“, zweimal „vada“ und „vāgdevi“. Die mit Vāgbhava beginnende und mit der Gemahlin des Feuers endende Formel hat sechzehn Silben und verleiht nach dem Text Meisterschaft der Rede. Mit ihren sechs Wörtern, verbunden mit den jeweiligen Jāti-Endungen, bilde man den sechsfachen Nyāsa. Nun die Meditation: Ich verehre die weiße Gottheit der Rede, mit weißen Salben, Girlanden und Gewändern geschmückt, vom Mondstück erhellt. Ihre Lotushände zeigen die Geste der Darlegung und halten Gebetskette, nektargefüllten Krug und das Buch des Wissens. Sie sitzt auf einem Lotus, unter der Fülle ihrer Brust leicht geneigt, und lächelt freundlich. Dreiäugig gewährt sie Sprachfülle, Glück und Wohlergehen. Nun das Purashcharana: Von opfergeeigneter Speise lebend und mit ungeteilter Aufmerksamkeit wiederhole man achthunderttausendmal. Am Ende opfere man ein Zehntel mit in Ghee getränktem Sesam. [Hṛdaya, Vāgbhava und die Gemahlin des Feuers sind verschlüsselte Mantrabezeichnungen; die Quelle wird nicht stillschweigend zu einer neuen Formel erweitert.]
Band III, S. 869, Sarasvati: elfsilbige Form und Nyasa
Deutsch: Nun ein weiterer Mantra aus derselben Quelle: Tāra, Māyā, Dhara, Bindu, Śakti, erneut Tāra und Sarasvatī im Dativ bilden die mit Verneigung endende, als elfsilbig bezeichnete Formel. Der Übende lege ihre Silben der Reihe nach auf das Brahmarandhra, die Mitte zwischen den Brauen und die neun Körperöffnungen. Die Gliederzuordnung erfolgt mit Vāgbhava. [Die Abgrenzung der verschlüsselten Anfangselemente ist im Druck nicht eindeutig; es wird keine rezitationsfertige Gesamtformel ergänzt.]
Band III, S. 869, Sarasvati: Hamsa-Meditation und Purashcharana
Deutsch: Nun die Meditation: Ich verehre Vāṇī, deren Antlitz wie der Vollmond strahlt und deren Glanz Kampfer und weißen Kunda-Blüten gleicht. Ihr Haupt trägt die Mondsichel. In ihren Händen hält sie sorgsam Vīṇā, Gebetskette, einen Krug voller Nektar und das Buch des Wissens. Ihre Brust ist erhoben; göttlicher Schmuck ziert ihre Gestalt. Sie reitet auf einem Haṃsa. Nun das Purashcharana: Der vorzügliche Sādhaka wiederhole 1.200.000-mal und opfere zwölftausendmal mit weißen Lotussen oder Nāgacampaka-Blüten. [Die Quelle hat hier tat-sahasram nach dvādaśa-lakṣāṇi; dies wird als zwölftausend wiedergegeben, nicht an ein Zehntel angeglichen.]
Band III, S. 869–870, Sarasvati: Vacaspati-Form, Meditation und Purashcharana
Deutsch: Nun ein weiterer Mantra: Man spreche „vācaspate“, „amṛte“ und anschließend die im Druck undeutlich als pluvaḥ und pluḥ erscheinenden Lautfolgen. Der mit Vāg beginnende Mantra wird von den Weisen als elfsilbig bezeichnet. Mit den fünf Wörtern, beginnend mit Vāg, bildet man ordnungsgemäß die Glieder. Nun die Meditation: Möge die über die Rede waltende Gottheit zu eurem Wohlergehen wirken. Sie sitzt auf einem Lotus und hält in ihren Händen eine Gebetskette, zwei Lotusse und ein Buch. Die junge Mondsichel ist an ihrer Krone befestigt. Sie leuchtet wie Perlen, Mond und Kunda-Blüten. Ihre Augen sind in freudigem Entrücktsein geöffnet; ihre Gestalt ist von der Fülle der Brust geprägt. Scharen von Weisen verehren sie unablässig. Nun das Purashcharana: Man wiederhole 1.100.000-mal und opfere ein Zehntel mit Ghee. Man verehre sie auf dem gemäß der Mātṛkā gebildeten Sitz wie zuvor. [Die letzten Mantrasilben sind ungesichert; keine vollständige Formel wird daraus rekonstruiert.]
Band III, S. 870, Sarasvati: drei Bijas
Deutsch: Nun ein weiterer Mantra aus derselben Quelle: Die drei Keimsilben werden verschlüsselt durch das im Wasser befindliche Lager Viṣṇus und weitere Lautbezeichnungen beschrieben. Der zweite Teil der ersten Zeile ist beschädigt. Die folgende Zeile nennt Bindu, Dhī, Feuer sowie Bhṛgu mit Wasser und Bindu; ihre genaue Lautauflösung bleibt ungesichert. So werden drei Bījas für diejenigen gelehrt, die Sarasvatīs Gaben erstreben. Mit den dreimal gesprochenen Bījas, verbunden mit den Jāti-Endungen, bilde man die Glieder. [Die beschädigte Verschlüsselung wird nicht zu scheinbar sicheren Rezitationssilben ergänzt.]
Band III, S. 870, Sarasvati: Meditation und Purashcharana der drei Bijas
Deutsch: Nun die Meditation: Ich preise beständig die Herrin der Rede, vor der sich die drei Welten verneigen. Sie ist hell wie eine Perlenkette, trägt die Mondsichel auf dem Haupt und sitzt auf einem weißen Lotus. Ihre Hände zeigen die Geste der Darlegung und tragen die Buchstaben-Gebetskette, einen Edelsteinkrug und ein Buch. Ihre Körpermitte neigt sich unter der Fülle ihrer erhobenen Brust. Nun das Purashcharana: Man wiederhole den Mantra dreihunderttausendmal und opfere ein Zehntel davon mit Ghee benetztem Milchreis in das geweihte Opferfeuer.
Band III, S. 870–871, Chintamani-Sarasvati: Mantra, Nyasa und Meditation
Deutsch: Nun der Mantra der Cintāmaṇi-Sarasvatī im Merutantra: Zuerst erkläre ich Cintāmaṇi-Sarasvatī. Genannt werden Tāra, Māyā und die Laute ha, sa und ra mit dem ai-Vokal und Bindu; danach wieder Māyā, Tāra und Sarasvatī im Dativ. Die mit Hṛdaya endende Formel wird als bhavārṇa bezeichnet, nach der Wortzahlverschlüsselung elfsilbig. Das Versmaß ist Triṣṭubh, der Seher Kaṇva und die Gottheit Cintāmaṇi-Sarasvatī. Das Bīja ist im Druck undeutlich als hsaiṃ wiedergegeben; Hrīṃ ist die Kraft. Der Glieder-Nyāsa wird mit den von Vokalen umschlossenen Konsonantengruppen ab ka gebildet. Nun die Meditation: Sie reitet auf einem Haṃsa, leuchtet wie eine Perle, lächelt sanft und trägt den Mond auf dem Haupt. Ihre Hände strahlen mit Vīṇā, Nektarkrug und Gebetskette; ihr Sitz wird als kuja angegeben, vermutlich ist ein Lotus gemeint. Zum Purashcharana heißt es zunächst: Man wiederhole 1.200.000-mal. Anschließend werden zwölftausend Feueropfer mit weißen Lotussen oder Campaka-Blüten vorgeschrieben. [Die genaue zusammengesetzte Bīja-Schreibung, bhavārṇa und die Sitzbezeichnung bedürfen der Kollation.]
Band III, S. 871–872, Parijata-Sarasvati: Mantra und Nyasa
Deutsch: Nun der Mantra der Pārijāta-Sarasvatī in der Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā: Man schreibe das Vāgbhava-Bīja der Fülle gewährenden Bhairavī und umschließe es mit Tāra und Parā. Es folgen „sarasvatyai“ und Hṛd. Der Mantra wird als elfsilbig bezeichnet. Seher ist Dakṣiṇāmūrti, das Versmaß Gāyatrī, die Gottheit Vāṇī als Pārijāteśvarī. Das dritte und das zweite Bīja werden als Bīja und Śakti zugeordnet; Tāra ist der Kīlaka. Die Formel gewährt die große Gabe Sarasvatīs. Den Glieder-Nyāsa vollziehe man mit der Keimsilbe, verbunden mit den sechs langen Vokalen. [Die verschlüsselten Anfangselemente und ihre Umschließung werden nicht ohne weiteren Beleg als vollständige Formel ausgeschrieben.]
Band III, S. 871–872, Parijata-Sarasvati: Meditation, Purashcharana und Variante
Deutsch: Nun die Meditation: Möge Bhāratī euch die Erfüllung eures guten Anliegens gewähren. Vāṇī reitet auf einem Haṃsa und ist hell wie eine strahlende Kette, der Mond und weiße Kunda-Blüten. Ihr Antlitz lächelt sanft; die Mondsichel ist in ihrem Haarknoten befestigt. Ihre Hände leuchten mit Buch, Vīṇā, Nektargefäß und Gebetskette; sie befindet sich auf einem weißen Lotus. Zum Purashcharana heißt es in einem anderen Tantra: Man wiederhole je Silbe hunderttausendmal und opfere anschließend ein Zehntel mit Kiṃśuka- oder Campaka-Blüten beziehungsweise mit in Ghee und Honig getränktem Sesam. Auch eine neunsilbige Formel wird genannt: Zuerst Praṇava, dann das Vāgbhava der Sampatpradā und anschließend das Lajjā-Bīja. [Die Anfangsverbindung des Meditationsverses ist im Druck ungewöhnlich; die kurze Mantravariante wird nur soweit wiedergegeben, wie die Quelle sie angibt.]
Band III, S. 872, Sarasvati: Einweihung und Verehrungsstoffe
Deutsch: In der Śāradā: Wer in einen der so erklärten Mantras eingeweiht ist, seinen Geist gesammelt hält und sich ihm hingebungsvoll widmet, erlange sowohl Lebensfülle als auch Befreiung. Beim Sarasvatī-Ritus wird mit ganz weißen Duftstoffen und Blumen verehrt. Genannt werden Dūrvā-Sprossen, aus dem Rājavṛkṣa stammende Blüten, Utpala-Blumen und Sindhuvāra-Sprossen. Der Text nennt die Utpala-Blumen zunächst „geschätzt“, sagt anschließend jedoch, der beständige Sarasvatī-Verehrer solle „diese“ meiden. [Die Reichweite von etāni, „diese“, ist wegen dieses Spannungsverhältnisses nicht sicher; die gegensätzlichen Aussagen werden nicht stillschweigend angeglichen.]
Band III, S. 872, Sarasvati: Verhalten und Achtung vor Schrift
Deutsch: Wer Sarasvatīs Gaben erstrebt, soll beim Essen bereits berochene Speise, Gṛñjana, Bimba, Karañja, Knoblauch, Öl, Zwiebel und Piṇyāka meiden; die abschließende Aufzählungsform saṅgāṣṭam ist beschädigt. Ebenso soll man alle abgestandene Nahrung meiden. Nachts soll man keinen Betel kauen und tagsüber keinen Geschlechtsverkehr haben. Zu beiden Dämmerungszeiten soll man nicht schlafen; unrein soll man nichts rezitieren. Am frühen Abend halte man Schweigen und betrachte keine unbekleidete Frau. Während ihrer Menstruation soll man einer Frau nicht beiwohnen; eine Frau soll man nicht schmähen. Man spreche keine Unwahrheit. Der Verständige trete nicht auf ein Buch. Blätter, die Schriftzeichen tragen, soll er weder achtlos liegen lassen noch überschreiten. [Die Pflanzen- und Speisebezeichnungen bleiben quellennahe; ein unlesbarer Ausdruck der Liste wird nicht ergänzt.]
Band III, S. 872–873, Sarasvati: Regeln des Lehrens und Abschluss
Deutsch: Am vierzehnten und achten Mondtag, zu den Parvan-Tagen, am ersten Mondtag, während Finsternissen und an sämtlichen Sonnenübergängen soll man das Studium beziehungsweise die Rezitation der Vidyā aussetzen. Beim Erklären meide der Verständige Schlaf, Trägheit, Gähnen, Zorn, Ausspucken und das Berühren der unteren Körperbereiche. Gehen Menschen, Schlangen, Katzen, Frösche, Mungos oder ähnliche Wesen dazwischen hindurch, werde die Erklärung unterbrochen. Erlischt nachts die Lampe, unterbreche man die Rezitation sofort. Wer diese Fehler kennt und Bhāratī mit Hingabe verehrt, erlangt nach der Quelle Vollendung der Rede und wird gleichsam ein zweiter Vācaspati. Damit endet der Abschnitt über Sarasvatī.
Band III, S. 873, Tvarita: verschlüsselter Mantra und Nyasa
Deutsch: Nun der Mantra der Tvaritā aus derselben Quelle: Ich erkläre Tvaritā, die rasch Frucht gewährt. Die zwölf Silben werden verschlüsselt durch Tāra, Māyā, das Schutz-Bīja, Ṛddhi mit dem Īśa-Vokal und weitere Lautnamen gebildet. Es folgen im Druck karma, Bhagavān, Kṣauṃ, eine lange Schutzsilbe, Saṃvarta, erneut Bhagavān und Māyā; die Formel endet mit Phaṭ. Seher ist Arjuna, das Versmaß Virāj, die Gottheit Tvaritā, die die Lebensziele gewährt. Der vorzügliche Sādhaka bilde den sechsfachen Nyāsa aus den mit karma beginnenden fünf Zeichen, unter Weglassung der jeweils vorangehenden, sowie aus paarweise verbundenen Silben. [Mehrere verschlüsselte Lautbezeichnungen und die genaue Gruppierung des Nyāsa sind im Druck nicht eindeutig. Deshalb wird keine ausgeschriebene Gesamtformel ergänzt.]
Band III, S. 873, Tvarita: Meditation und Purashcharana
Deutsch: Nun die Meditation: Ich verehre die dunkle, dreiäugige Göttin in der Gestalt einer Kirāta-Frau. Ein Pfauenfederbüschel schmückt ihr Haupt; sie trägt ein aus Blättern gebundenes Gewand. Eine Guñjā-Kette glänzt über ihrer Brust. Acht Schlangenfürsten bilden Ohrgehänge, Armreifen, Gürtel und klingende Fußringe. Ihre erhobenen Hände gewähren Gaben und Furchtlosigkeit. Nun das Purashcharana: Der mantra-kundige Übende mit beherrschten Sinnen wiederhole diesen Mantra einhunderttausendmal. Ein Zehntel opfere er mit süß benetztem Bilva-Brennholz. Wer so den Mantra verwirklicht hat, werde nach der Quelle von Frauen, Männern und Königen geachtet und übertreffe innerhalb eines Jahres durch Wohlstand den Herrn des Reichtums. Damit endet der Mantra-Abschnitt der Tvaritā.
Band III, S. 874, Nityaklinna: Mantra und Nyasa
Deutsch: Nun der Mantra der Nityaklinnā aus derselben Quelle: Nach Tāra, Māyā und Vāgbhava folgen „nityaklinne“ und „madadrave“, anschließend Vāc und Māyā; die Formel endet mit der Gemahlin des Feuers. Sie wird als fünfzehnsilbig bezeichnet. Den sechsfachen Glieder-Nyāsa vollziehe man mit vier Zweiergruppen, einer Fünfergruppe und der gesamten Formel unter Auslassung von Vāc. [Die verschlüsselten Keimsilben und die Gruppierung werden quellengetreu benannt; die Gesamtformel wird nicht stillschweigend vervollständigt.]
Band III, S. 874, Nityaklinna: Inselmeditation und Purashcharana
Deutsch: Nun die Meditation: Man vergegenwärtige eine weite dreieckige Insel mitten im Nektarmeer, bezaubernd durch göttliche Bäume. Kuckucksrufe erfüllen sie; ein sanfter Wind streicht darüber. Bienen, Blüten und Ranken schmücken sie; Mond und Sonne steigen auf. In ihrem Edelsteinpavillon befindet sich ein Juwelenthron. Auf ihm liegt ein Lotus mit einem Dreieck in der strahlenden Mitte. Dort meditiere man über die Göttin, die die drei Welten bezaubert. Ich verehre Nityā, die die junge Mondsichel im Haar trägt: rötlich und dreiäugig hält sie Schlinge, Stachelstock, Wunschranke und Schädelschale in den Händen und spielt eine melodische Laute. Nun das Purashcharana: Man wiederhole dreihunderttausendmal und opfere anschließend mit Ghee. Der Kompilator ergänzt: „Ein Zehntel“ ist sinngemäß hinzuzudenken. Damit endet der Mantra-Abschnitt der Nityaklinnā.
Band III, S. 874–875, Annapurna: Mantra und Nyasa nach Merutantra
Deutsch: Nun der Mantra der Annapūrṇā im Merutantra: Ich erkläre den großen Mantra der Annapūrṇā. Nach „oṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ namaḥ“ spreche man „bhagavati“, „māheśvari“, „annapūrṇe“ und „svāhā“. Der Mantra ist zwanzigsilbig. Das Versmaß ist Anuṣṭubh, der Seher Brahmā und die Gottheit Annapūrṇā. Hrīṃ ist das Bīja, Śrīṃ die Kraft und Klīṃ der Kīlaka. Für die sechs Glieder wird Hṛllekhā mit den sechs langen Vokalen verbunden. [Die Bīja-Zeichen des Scans sind stellenweise verschmiert; Hrīṃ, Śrīṃ und Klīṃ sind vorläufige Lesungen und keine abschließend kollationierte Rezitationsfassung.]
Band III, S. 875, Annapurna: Meditation und Purashcharana nach Merutantra
Deutsch: Nun die Meditation: Man meditiere über die höchste Göttin, die wie glühendes Gold leuchtet und die junge Mondsichel auf dem Haupt trägt. Ihre Krone strahlt mit den neun Edelsteinen; sie ist kuṅkumarot. Sie trägt buntes Gewand, hat fischförmige Augen und volle Brüste. Beim Anblick des unablässig tanzenden Īśa ist sie ganz von Freude erfüllt. Ihr Antlitz ist freudig, ihre Augen bewegen sich lebhaft; ein Gürtel schmückt ihre Hüften. Sie ist ewig, widmet sich dem Spenden von Nahrung und wird von Bhūmi und Śrī verehrt. In der linken Hand hält sie ein juwelenbesetztes Gefäß voller Milchreis, in der rechten einen goldenen Schöpflöffel. Zum Purashcharana: Unter Einhaltung der Regeln wiederhole man einhunderttausendmal und opfere ein Zehntel mit köstlichem Milchreis. So gewährt sie nach der Quelle Siddhi. [Die Endverbindung der Milchreiszeile ist beschädigt; weitere Zutaten werden nicht ergänzt.]
Band III, S. 875, Annapurna: weitere Formel und Meditation nach Sharada
Deutsch: Nun ein weiterer Mantra in der Śāradā: Māyā, Hṛd und „bhagavati“, danach „māheśvari“, „annapūrṇe“ und zweimal ṭha bilden die siebzehnsilbige Formel. Den Glieder-Nyāsa vollziehe man mit Māyā und meditiere anschließend über die Göttin. Ich verehre Bhagavatī, die das Leid des weltlichen Daseins vernichtet. Sie ist rot, trägt ein farbenprächtiges Gewand und die neue Mondsichel auf dem Haupt. Unablässig spendet sie Nahrung; unter der Fülle ihrer Brust ist sie geneigt. Sie freut sich beim Anblick des Tanzenden, der die Mondsichel als Schmuck trägt.
Band III, S. 876, Annapurna: zweites Purashcharana und Abschluss
Deutsch: Nun das Purashcharana: Man wiederhole den Mantra nach der Vorschrift in der angegebenen, im Scan beschädigten Tausenderzahl. Die Zahlenverbindung beginnt mit vasu; ob weitere Multiplikatoren folgen, ist nicht sicher. Anschließend opfere man ein Zehntel mit Ghee versetzter Speise. Damit endet der Mantra-Abschnitt der Annapūrṇā. [Die Japa-Zahl wird wegen des Druckschadens nicht ungesichert numerisch ergänzt.]
Band III, S. 876, Pratyangira: sechzehnsilbige Formel und sechs Gottheiten
Deutsch: Nun der Mantra der Pratyaṅgirā im Merutantra: Ich erkläre die Göttin Pratyaṅgirā, die fremde schädigende Magie abwehrt und alle Bedrängnisse fernhält. Es folgt eine als sechzehnsilbig bezeichnete Bīja-Folge, beginnend mit Oṃ und einer Reihe nasalierter Konsonanten. Mehrere Zeichen sind beschädigt; am Schluss werden Huṃ, Astra und Svāhā genannt. Seher ist Vidhātṛ, das Versmaß wird als Agni bezeichnet. Sechs Gottheiten sind zugeordnet: der große Wind, die große Erde, der große Raum, der große Ozean, der große Berg und das große Feuer. Huṃ ist das Bīja, Hrīṃ die Kraft. Den sechsfachen Nyāsa vollziehe man mit Lajjā, verbunden mit den sechs langen Vokalen. Danach meditiere der Übende mit fest gesammeltem Geist über die Mantra-Gottheit. [Unleserliche Bīja-Zeichen stehen als ausdrücklich markierte Lücken; es wird keine rekonstruierte Gesamtformel angeboten.]
Band III, S. 876–877, Pratyangira: Meditation über die sechs kosmischen Gestalten
Deutsch: Nun die Meditation: Man vergegenwärtige einen Berg, von vielfältigen Edelsteinen erfüllt, mit Bäumen, Wasserquellen und Bergrücken, belebt von Tigern und weiteren Tieren. Man betrachte den Ozean, in dem Fische, Schildkröten und andere Lebewesen wohnen, mit den neun Edelsteinen versehen, wolkendunkel und voller Wogen. Zur Befriedung von Feinden vergegenwärtige man das gelbe große Feuer, dessen Flammenreihen die wunderbaren drei Welten erfüllen. Die anschließende beschädigte Zeile beschreibt rasch aufsteigenden, trübenden Staub oder eine ähnliche Erscheinung; die genaue Lesung bleibt offen. Den Wind vergegenwärtige man als das Leben der Welt in der Gestalt des Prāṇa. Man meditiere über die Erde als Trägerin der Welt, erfüllt von Flüssen, Bergen, Bäumen und vielfältigen Landschaften; eine Wortverbindung ist beschädigt. Über den reinen Himmel meditiere man als Wohn- und Tragraum der Wesen, mit Sonne, Planeten, Sternen und dem Rad der Zeit. [Die Windzeile sowie einzelne beschreibende Wörter sind vorläufig; die sechs kosmischen Gestalten bleiben vollständig unterschieden.]
Band III, S. 877, Pratyangira: Purashcharana der sechs Gestalten
Deutsch: Zum Purashcharana heißt es: Nachdem man so über die sechs Gottheiten meditiert hat, wiederhole man den Mantra sechzehntausendmal. Ein Zehntel opfere man mit sechs Stoffen: unenthülstem Reis, enthülstem Reis, Ghee, Senfsamen, Gerste und Sesam. Nachdem man diese entsprechend ihrem Anteil geopfert hat, verehre man auf dem zuvor erklärten Pīṭha.
Band III, S. 877–878, Pratyangira: Mala-Mantra
Deutsch: Nun der Mālā-Mantra aus derselben Quelle: Es wird der als wirksam geltende lange Mantra der Pratyaṅgirā erklärt. Er beginnt „oṃ hrīṃ namaḥ kṛṣṇavāsase“, Verneigung vor der Schwarzgekleideten. Die folgende Zeichenfolge mit śata, viśva, sahasra und him/simi ist im Druck beschädigt. Es folgen Anrufungen der Tausendgesichtigen und Kraftvollen; parājite ist vorläufig gelesen. Pratyaṅgirā wird als Zerstörerin feindlicher Heere und Handlungen, als Beseitigerin fremder Mantras und als Bezähmerin aller Wesen angerufen. Es folgen „alle Götter“ und zweimal „binde“, „alle Vidyās“ und zweimal „zerschneide“, zweimal „erschüttere“, „fremde Yantras“ und zweimal „zersprenge“, „alle Ketten“, zweimal „zerreiße“, dann „lodere, Flammenzüngige, Schrecklichgesichtige“. Der Schluss nennt Pratyaṅgirā, Hrīṃ und Namaḥ. Die Formel wird als 125-silbig bezeichnet. Seher und Versmaß sind Brahmā und Anuṣṭubh, die Gottheit Pratyaṅgirā. Tāra und Māyā sind Bīja und Śakti; der Viniyoga gilt der Abwehr schädigender Magie. Den sechsfachen Nyāsa vollziehe man mit Māyā und den sechs langen Vokalen. [Die Sanskritfassung bewahrt die vorläufige Drucklesung; wegen der beschädigten Anfangsfolge ist dies keine gesicherte Rezitationsfassung.]
Band III, S. 878, Pratyangira: Meditation und Purashcharana des Mala-Mantras
Deutsch: Nun die Meditation: Ich verehre die auf einem Löwen reitende Göttin mit tiefdunkler Gestalt, flammendem Mund und furchterregender Erscheinung. Sie hält Dreizack und Schwert und trägt zwei neue Gewänder. Nun das Purashcharana: Man wiederhole den Mantra zehntausendmal und opfere tausendmal mit Sesam und Rājikā-Senf. Nach der Verwirklichung des Mantras wiederhole man bei besonderen Anwendungen einhundertmal. Bei Bedrängnis, die Grahas, Geistern und Ähnlichem zugeschrieben wird, besprenge man unter Mantra-Rezitation mit Wasser. Dadurch sollen nach der Quelle von anderen ausgeführte Yantra-, Mantra- und weitere magische Anwendungen aufgehoben werden.
Band III, S. 878, Pratyangira: weitere Formel aus Siddhantasangraha
Deutsch: Nun ein weiterer Mantra im Siddhāntasaṅgraha: „Oṃ. Die grausame Kṛtyā, welche unsere Feinde gegen uns bereiten wie eine Braut, treiben wir durch Brahman zurück. Sie möge zu ihrem Urheber zurückkehren. Hrīṃ.“ Seher, weitere Zuordnungen und Viniyoga gelten wie beim Mālā-Mantra. Die sechs Glieder werden aus Versfüßen und Halbfüßen gebildet, umschlossen von Hṛllekhā mit den sechs langen Vokalen und den Herz- und weiteren Zuordnungen. Wortweise legt man die Formel auf Kopf, Brauenmitte, Mund, Hals, beide Arme, Herz, Nabel, Flanken, Hüften, weitere Glieder und Füße. Mit der ganzen Formel vollzieht man den umfassenden Nyāsa. Danach meditiere man über Maheśvarī: dunkel, mit offenem Haar, unbekleidet, mit Schwert und Schild, mit furchtbaren Fangzähnen und vielfältigem Schmuck. Sie wird als vom Leuchten Śivas angetrieben vorgestellt, den Feind verschlingend. [Der Druck markiert diesen Abschnitt als Zusatz eines mit „4 pu°“ bezeichneten Textzeugen. Die Gliedergruppierung ist nicht vollständig eindeutig.]
Band III, S. 878–879, Pratyangira: weiteres Purashcharana und Abschluss
Deutsch: Zum Purashcharana heißt es: Mit gesammeltem Geist wiederhole der Übende diese Formel zehntausendmal. Anschließend opfere er ein Zehntel mit Apāmārga-Brennholz und Rājikā-Senf, mit Ghee verbunden. Dadurch werde der Mantra nach der Quelle verwirklicht. Bei besonderen Anwendungen wiederhole der Verständige einhundertachtmal; durch ebenso viele Feueropfer werde fremde schädigende Magie aufgehoben. Damit endet der Mantra-Abschnitt der Pratyaṅgirā.
Band III, S. 879, Kubjika: Frage und verschlüsselte acht Glieder
Deutsch: Nun der Mantra der Kubjikā aus dem Kulālikāmnāyatantra. Śrī Kubjikā spricht: Herr der Labdhikā, erkläre die mit Mantragliedern und Kennzeichen ausgestattete, allwissende Gestalt. Bhairava antwortet: Höre von Labdhikā, o Labdhikā; du darfst dies einem Schüler nicht mitteilen, solange er nicht unterwiesen beziehungsweise dazu ermächtigt ist. Es folgen acht verschlüsselte Glieder: haneve, ṇikiṇiki, eine zweifache Bīja-Folge, khimurayo…; menana-/menaṇa-jaḍa…, eine dreifache Bīja-Folge, yaikāñjikuśro und tvaivāgabha mona. [Die Devanāgarī-Fassung ist eine vorläufige diplomatische Lesung der auffälligen, absichtlich verschlüsselten Druckfolge. Insbesondere die Bīja-Ligaturen und die Wortgrenzen sind unsicher. Die Benennung Labdhikā bleibt vorläufig; aus diesem Abschnitt wird keine gesicherte Rezitationsformel abgeleitet.]
Band III, S. 879–880, Kubjika: Umkehrung und Geheimhaltung
Deutsch: Dies ist die Göttin Samayā mit einer Girlande von zweiunddreißig Silben. Sie erhält am Anfang und Ende die fünf Praṇavas und die angegebenen Kennzeichen. Die nächste Druckzeile verbindet Anfang und Phaṭ-Schluss mit einer zweiundvierzigsilbigen Gestalt. Nach der mündlichen Unterweisung des Gurus soll sie in umgekehrter Reihenfolge ausgesprochen werden. Der mit ra versehene Kūṭa gilt als siebentes Glied der Vidyā und wird beim Ausfall von śrī eingesetzt: „Er ist mein Leben, Kubjikā.“ Die folgende Wendung über eigenmächtiges Verstehen und Strahlen des Bewusstseins ist im Druck unsicher. Die Formel, welche die Herzen der Yoginīs erfreut, soll besonders geheim bewahrt werden. Sie ist das ganze Gut der Yoginī-Familie, die Mutter in den Pīṭhas und ihrem Wesen nach Samaya. Schon die Erinnerung an sie erschüttere nach der Quelle die drei Welten; deshalb werde die Mutter geschützt. Vom Herz- bis zum Astra-Glied wird die zusammenhängende Aussprache auf dem Siddha-Pfad in umgekehrter Folge gelehrt. [Einzelne Wortformen und die Zählung der Rahmensilben bleiben quellenbedingt unsicher; die Druckangaben 32 und 42 werden nicht harmonisiert.]
Band III, S. 880, Kubjika: Kaulika-Sprache und Nyasa
Deutsch: Es folgt eine längere, in Kaulika-Sprache verschlüsselte Formel. Ihre vorläufige Zeichenlesung ist in der Sanskritfassung bewahrt; eine semantische Übersetzung der verschlüsselten Lautfolge ist nicht gesichert. Das Herzglied hat fünfzehn Silben, das Kopfglied dreizehn, das Scheitelglied acht und der Schutzpanzer neunzehn. Das Augenglied zählt so viele Silben wie Mondtage, also fünfzehn; das Astra-Glied vierzehn. Die fünf Praṇavas stehen am Anfang und Ende, entsprechend der Vidyā auch bei ihrem letzten Glied. Dies sei in Kaulika-Sprache mit Erklärung mitgeteilt; die deutliche Gestalt liege im Mund des Gurus. In der umgekehrten Gestalt allein komme sie nicht zur Verwirklichung. So werde das auf dem Siddha-Pfad schwer Erhältliche in der Kaulika-Lehre erklärt. [Die verschlüsselte Prosa enthält unsichere Ligaturen; keine stillschweigende Entschlüsselung oder Rezitationsfreigabe. Die Aussagen zur Umkehrung werden als unterschiedliche Ebenen von verschlüsselter Überlieferung und mündlicher Auflösung verstanden.]
Band III, S. 880–881, Kubjika: Meditation im Paratantra
Deutsch: Nun die Meditation nach dem Parātantra: Man stelle sich den Gott auf einem Stier vor, in seinen eigenen Farben leuchtend, mit einem Gesicht, drei Augen und achtzehn Armen. Rechts trägt er Beil, Ḍamaru-Trommel, Pfeil, Schwert, Elefantenhaken, Vajra, Muschelhorn und Flöteninstrument; die weitere Hand gewährt Gaben. Links trägt er Khaṭvāṅga, Dreizack, Bogen, Schild, Schlinge, Glocke, Schädelschale und Flöte; die weitere Hand gewährt Furchtlosigkeit. Er ist mit dem Lotussitz verbunden. Kubjikā befindet sich am linken Knie beziehungsweise Oberschenkel. Sie hat ein Gesicht, drei Augen, eine mit Mitgefühl beschriebene Erscheinung und zwei Arme, gewährt Gaben und Furchtlosigkeit und wird zugleich als auf einem Löwen befindlich bezeichnet. Ihr Leib trägt vielfachen Schmuck, die Mondsichel krönt ihr Haupt. Ihr Haar ist ungebändigt, ihre Brüste sind schön, voll und fest. So meditiere man über Mutter Kubjā, die Herrin des westlichen Āmnāya. [Die Farbbeschreibung „karuṇā…“ und die räumliche Verbindung von linkem Oberschenkel, Lotussitz und Löwen sind im Druck nicht eindeutig; die überlieferten Motive bleiben nebeneinander erhalten.]
Band III, S. 881, Kubjika: Purashcharana und Abschluss
Deutsch: Nun das Purashcharana nach dem Kulālikāmnāyatantra: Die Folge der einzelnen Silben wird mit der Zahl von jeweils einem Lakh, also hunderttausend, verbunden. Der Übende werde dadurch dem Herrn der Labdhi vergleichbar – die genaue Benennung ist unsicher –, selbst ein Herr des Hervorbringens und Auflösens. Er schaue unmittelbar den Zustand der Khecarīs. Dabei wird Maheśvarī durch einen Yoga vergegenwärtigt, den die Quelle nirācāra, jenseits festgelegter Verhaltensformen, nennt. Damit endet der Kubjikā-Mantra. [Die Lakh-Angabe bezieht sich auf die Silbenfolge; wegen der zuvor unterschiedlichen Formelgestalten wird hier keine ungesicherte Gesamtzahl errechnet.]
Band III, S. 881–882, Ganga: erste Formel und Meditation
Deutsch: Nun der Gaṅgā-Mantra aus dem Merutantra: Ich erkläre den höchsten Mantra der auf Rudras Haupt Wohnenden. Tāra, dann „namaḥ śivāyai nārāyaṇyai daśaharāyai gaṅgāyai“, mit Svāhā am Ende: die Formel wird als zwanzigsilbig bezeichnet. Vyāsa ist der Seher, Kṛti das Versmaß und Gaṅgā die Göttin. Die sechs Glieder werden aus drei, drei, vier, fünf, drei und zwei Silben gebildet. Meditation: Die Göttin hat vier Arme und drei Augen und trägt allen Schmuck. Ihre Hände halten einen Edelsteinkrug und einen weißen Lotus und gewähren Gaben und Furchtlosigkeit. Mit Yakschweifwedeln wird ihr Luft zugefächelt, ein weißer Schirm schmückt sie. Purashcharana: Man wiederhole hunderttausendmal und opfere ein Zehntel mit Sesam, der mit Ghee verbunden ist.
Band III, S. 882, Ganga: zweite Formel
Deutsch: Nun ein weiterer Mantra aus derselben Quelle: Ich erkläre eine weitere, Verfehlungen des Vāmācāra beseitigende Formel. Die anschließende Zeile über Opfernde und die Sonne ist sprachlich beschädigt und wird nicht sicher gedeutet. Es folgen Tāra, „namo bhagavati“, Vāgbhava, zweimal „hili“, zweimal „mili“, „gaṅge māṃ“, zweimal „pāvaya“ und Svāhā. Die Formel wird als pāpapraṇāśana, als Aufhebung von Verfehlungen, bezeichnet; die Wortfolge zur Silbenzahl ist unsicher. Īśvara ist der Seher, Amita wird als Versmaß gelesen, Gaṅgā ist die Gottheit. Die Glieder werden mit drei, vier, sechs, drei, sechs und zwei Silben gebildet. [Die beschädigte Einleitungszeile und die Zählungsangabe bleiben lokal offen; die lesbaren Bestandteile der Formel sind vollständig wiedergegeben.]
Band III, S. 882, Ganga: rote Meditation und Herbeirufung
Deutsch: Meditation: Gaṅgā ist rot, trägt rote Gewänder und hält Dreizack und Krug; mit den weiteren Händen gewährt sie Gaben und Furchtlosigkeit. Sie lächelt und sitzt auf einer Schildkröte. Götter und weitere Wesen, auch entsprechende weibliche Gestalten – die grammatische Zuordnung ist unsicher –, dienen ihr zur Aufhebung ihrer Verfehlungen. Purashcharana: Je Mantrasilbe werden hunderttausend Wiederholungen vorgeschrieben; das Feueropfer besteht aus einem Zehntel mit Lotusblumen. Nach Verwirklichung der Formel soll der Übende, wenn Wasser benötigt wird, in ein wasserloses Gebiet wie eine Wüste gehen und dort das Purashcharana durchführen. Nach Abschluss des Feueropfers und der weiteren Glieder rufe er Gaṅgā herbei, lege dort einen Brunnen oder eine ähnliche Wasserstelle an und verehre das ambrosiagleiche Wasser. Die Quelle schreibt diesem Gaṅgā-Wasser eine einen Kalpa währende, alle Verfehlungen aufhebende Kraft zu.
Band III, S. 882–883, Ganga: weitere Silbenformen und Regenanwendung
Deutsch: Weiter: Die erste Zeile beschreibt eine neunsilbige Form durch Weglassung bestimmter Anfangssilben; die konkrete Verbindung „hṛyamādima…“ ist im Druck nicht sicher lesbar. Die übrigen Mantra-Zuordnungen gelten wie zuvor. Für die sechs Glieder nennt der Druck fünf, vier, drei, drei, drei und zwei Silben. Das Purashcharana wird als hunderttausend Wiederholungen je Silbe angegeben; die Feueropferstoffe bleiben wie zuvor. Wer den Mantra verwirklicht hat, soll für die besondere Anwendung im Wasser stehen und zehntausendmal rezitieren. Die Quelle verheißt dann innerhalb von drei Tagen starken Regen, selbst außerhalb der Regenzeit. [Die Silbenzählung und die erste Zeile sind nicht eindeutig miteinander vereinbar; sie werden nicht eigenmächtig berichtigt.]
Band III, S. 883, Ganga: fünfzehn- und achtzehnsilbige Formen
Deutsch: Nun ein weiterer Mantra: Tāra, je zweimal „hili“ und „mili“, dann „gaṅge devi namo“. Er wird als fünfzehnsilbig bezeichnet; Seher und weitere Zuordnungen sowie Verehrung gelten wie zuvor. Die anschließende Zahlwortreihe für den sechsfachen Nyāsa ist im Druck beschädigt. Durch die Verehrung dieser Formel werde einem Menschen nach der Quelle das Sterben an einem heiligen Badeort zuteil. Noch eine Formel wird genannt: Tāra, Lajjā, Ramā, Hārda, dann Bhagavatī im Vokativ, „gaṅgadayite namo huṃ“ und Astra. Dieser Mantra wird als achtzehnsilbig bezeichnet, die Seherzuordnungen gelten wie zuvor. Damit endet der Gaṅgā-Mantra. [Die Zahlwortfolge des Nyāsa und die ungewöhnliche Anrede gaṅgadayite sind vorläufige Drucklesungen.]
Band III, S. 883–884, Manikarnika: Formel und Meditation
Deutsch: Nun der Mantra der Maṇikarṇikā aus derselben Quelle: Die als fünfzehnsilbig bezeichnete, schwer zu erlangende Formel besteht aus Tāra, Vāk, Hrauṃ, Ramā, Kāma, wiederum Tāra, „maṇikarṇike nama“ und Oṃ. Vyāsa ist der Seher, Atiśakvarī das Versmaß und Maṇikarṇikā die Gottheit. Die Zahlwortverbindung für die sechs Glieder ist teilweise beschädigt. Meditation: In der rechten Hand trägt sie eine Zitronatzitrone, links eine Girlande aus blauen Wasserlilien. Sie wird zugleich mit zusammengelegten Händen beschrieben. Weiß gekleidet, dreiäugig und mit mondgleichem Gesicht wendet sie sich lächelnd nach Westen. Sie sitzt auf einem Lotus, trägt eine Lotusgirlande und vielfachen Schmuck. So meditiere man über Śrī Maṇikarṇikā. Purashcharana: Dreihunderttausend Wiederholungen; ein Zehntel als Feueropfer mit weißen Lotusblumen, die mit den drei süßen Stoffen bestrichen sind. Man verehre sie zusammen mit Gaṅgā. Damit endet der Maṇikarṇikā-Mantra. [Die Bīja-Ligatur nach Vāk und die Nyāsa-Zählung bleiben vorläufig; die nebeneinander überlieferten Handhaltungen werden bewahrt.]
Band III, S. 884, Vagamati: erster Mantra und Meditation
Deutsch: Nun die Mantras der Vāgmatī aus derselben Quelle: Ich erkläre zwei Formeln der Vāgmatī. Der erste Mantra ist das Vāgbīja. Sein Seher ist Nārada, das Versmaß Anuṣṭubh, die Gottheit Vāgmatī. Die sechs Glieder werden mit dem Bīja und den sechs langen Vokalen gebildet; das verbindende Druckwort ist unsicher. Meditation: Sie trägt Weiß, hat eine weiße Gestalt und ist mit weißer Duftsalbe bestrichen. In ihren Händen hält sie einen Ambrosiakrug, einen Lotus, eine Vīṇā und ein Buch. Sie befindet sich auf einem Fisch und trägt Perlenschmuck. Nach dieser Meditation verehrt man die Göttin im Lotusinnern. Im Sechseck verehrt man Rudradhārā, Maṇimatī, Phalgu, Viṣṇumatī, Prabhāvatī und Bhānumatī; im äußeren Quadrat die Herren der Himmelsrichtungen.
Band III, S. 884, Vagamati: Purashcharana und besondere Anwendungen
Deutsch: Nun das Purashcharana: Man wiederhole den Mantra dreihunderttausendmal und vollziehe das Feueropfer mit den fünf Speisen. Nach Tarpaṇa und den weiteren Gliedern gelte der Mantra als verwirklicht. Die Quelle nennt sodann einen historischen Brauch: Das Bīja werde mit Honig und einem goldenen Schreibgerät auf die Zunge eines Neugeborenen geschrieben; dem Kind wird daraufhin dichterische Begabung im achten Lebensjahr verheißen. Wer an Vāgmatī oder Gaṅgā das Purashcharana vollzieht, soll von erbettelter Speise leben und schweigen. Die unmittelbar vorausgehende Zeitangabe mit „zweiter Nacht-/Tageswache“ ist beschädigt; die Verhaltensregeln werden auf der nächsten Seite fortgesetzt. [Die Säuglingsanwendung wird als Quelleninhalt dokumentiert, nicht als heutige Handlungsempfehlung.]
Band III, S. 885, Vagamati: Abschluss der Regeln und zweite Formel
Deutsch: Fortsetzung: Der Übende wahrt Brahmacarya, schläft auf dem Boden, trägt weiße Kleidung und hält sich rein. So erlange er nach der Quelle sicher Vāksiddhi, die Verwirklichung der Rede; er sei gebend, genießend und nicht bittend. [Das letzte „nicht bittend“ steht neben der vorherigen Angabe, von Almosenspeise zu leben; die Spannung der Vorlage bleibt sichtbar.] Nun die zweite Formel: Ramā-, Trapā- und Vāgbīja, Vāgmatī im Dativ, dann „namo mama dhāraṇāṃ dhiyaṃ vācam adbhutāṃ pradehi“, mit Svāhā am Ende: „Gewähre mir Gedächtniskraft, Einsicht und wunderbare Rede.“ Die Formel wird mit der Zahl der Tattvas, hier sechsunddreißig Silben, verbunden. Seher und weitere Zuordnungen, Verehrung und Purashcharana gelten wie zuvor. Damit endet der Vāgmatī-Mantra.
Band III, S. 885, Candra: sechs Silben und Meditation
Deutsch: Nun der Candra-Mantra nach der Śāradā: Es wird die Formel des Mondgottes erklärt, die alle Fülle gewähre. Das Bīja wird verschlüsselt durch Bhṛgu, Khaḍgīśa, Bindu und einen Vokal gebildet; die genaue Verbindung ist im Druck unsicher. Es folgen „somāya“ und die Herz-Endung, Namaḥ. Die Formel wird als sechssilbig bezeichnet. Bhṛgu ist der Seher, Paṅkti das Versmaß, Soma die Gottheit. Der Gliedernyāsa geschieht mit dem eigenen Bīja und den langen Vokalen. Meditation: Ich verehre Soma, den Ozean des Nektars, reinweiß wie Kampfer und Bergkristall, sein Gesicht wie die Scheibe des Vollmonds. Mit seinem von Perlenschnüren geschmückten Leib vertreibt er unaufhörlich die Dunkelheit. In einer Hand hält er eine Wasserlilie, die andere gewährt Gaben; dunkle Locken lassen ihn erstrahlen. Das Tierzeichen in seiner eigenen Mondscheibe deutet auf seine Schutz gewährende Art. [Die Schlussverbindung mit mṛga, dem Mondtier beziehungsweise Mondfleck, ist syntaktisch unsicher; keine Ergänzung des verschlüsselten Bīja.]
Band III, S. 885–886, Candra: Purashcharana und weitere Formel
Deutsch: Purashcharana: Der Übende, der seine Sinne beherrscht, wiederhole den Mantra sechshunderttausendmal. Danach opfere er sechstausendmal – der Druck sagt „dieselbe Zahl in Tausenden“ – mit Milchreis und Ghee. Nun eine weitere Formel aus dem Merutantra: Oṃ, Āṃ, Śrauṃ, Śrūṃ, jeweils mit Bindu, dann „somāya“ und Agnigehinī, Svāhā. Sie wird als zehnsilbig bezeichnet. Als Japa-Zahl steht nṛpāyuta, nach der gewöhnlichen Zahlwortlesung sechzehnmal zehntausend; diese Deutung bleibt vorläufig. Feueropfer und alle weiteren Anwendungen geschehen wie zuvor. Damit endet der Candra-Mantra. [Die Bīja-Ligaturen werden nach dem Druck gelesen; insbesondere die mittlere Vokalform bleibt unsicher. Die ausdrücklich verschiedenen Zählweisen werden nicht auf ein Zehntel vereinheitlicht.]
Band III, S. 886, Bhauma: erste Formel und Purashcharana
Deutsch: Nun der Bhauma-Mantra aus derselben Quelle: Ich erkläre die Formel des Mars, der die Quelle das Abwehren aller Krankheiten zuschreibt. Aṃ, Aṅgāraka im Dativ und die Herz-Endung ergeben die als achtsilbig bezeichnete Formel. Der Sehername ist beschädigt; Gāyatrī ist das Versmaß und Bhūmiputra die Gottheit. Die sechs Glieder werden mit dem eigenen Bīja gebildet. Meditation: Ich verneige mich vor dem roten Aṅgāraka mit roten Gewändern und rotem Schmuck. Seine linke Hand ruht auf dem Knie, die andere gewährt Furchtlosigkeit. Purashcharana: Achthunderttausend Wiederholungen sind angegeben. Das Feueropfer geschieht mit Khadira-Holz und Ghee, die weitere Darbringung mit rotem Sandel und den entsprechenden Gaben.
Band III, S. 886, Bhauma: sechssilbige Formel
Deutsch: Nun eine weitere, Verwirklichung gewährende Formel des Erdsohnes: Der Druck bietet die als sechssilbig bezeichnete Folge „oṃ hāṃ haṃsaḥ khaṃ kha“. Virūpa ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Dharātmaja die Gottheit. Mit den sechs Silben soll der Übende die sechs Glieder bilden. Meditation: Ich verehre den Erdsohn, rot wie eine Hibiskusblüte, mit Lanze, Dreizack, Keule und Gaben gewährender Hand, auf einem Widder, in roter Kleidung. Das Purashcharana besteht aus sechshunderttausend Wiederholungen. Zur Begründung wird dieselbe Quelle angeführt: „Man wiederhole sechs Lakh und vollziehe das Feueropfer mit Khadira-Brennholz.“ [Die nasalisierten Bīja-Zeichen sind nach dem sichtbaren Druck wiedergegeben; die Silbenzählung rechtfertigt keine zusätzliche Silbe.]
Band III, S. 887, Bhauma: dritte und vierte Formel
Deutsch: Eine weitere Formel aus derselben Quelle: Oṃ, Krāṃ, Krīṃ, Krauṃ mit Bindu, „kujāya“ und Svāhā. Dieser Bhauma-Mantra wird als zehnsilbig bezeichnet; neunzigtausend Wiederholungen sind angegeben. Eine weitere Formel lautet nach ihren Bestandteilen: Oṃ, Śrīṃ, Klīṃ, Hrīṃ, Bhauma im Dativ und die Herz-Endung Namaḥ. Auch sie gilt als zehnsilbig. Virūpākṣa ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Maṅgala die Gottheit. Hrīṃ ist Bīja, Śrīṃ die Kraft und Klīṃ der Schlüssel. Nach der Nennung von Zeit und weiteren Umständen gilt der Viniyoga der Aufhebung von Schulden. Die sechs Glieder, beginnend mit den Fingern, werden mit dem Bīja und den sechs langen Vokalen gebildet.
Band III, S. 887, Bhauma: Meditation und Abschluss
Deutsch: Meditation: Man stelle ihn sich rot vor, mit roten Girlanden und Gewändern, einer Lotusgirlande um den Hals, Lanze und Dreizack in den Händen. Er ist das Glückverheißende unter allem Glückverheißenden und gewährt die Früchte aller Wünsche. Purashcharana: Nach dieser Meditation wiederhole man hunderttausendmal. Das Feueropfer vollziehe man mit vielen Oleander- und Hibiskusblüten, verbunden mit den drei süßen Stoffen. Mit rotem Sandelduft und den weiteren Gaben verehre man vorschriftsmäßig den rot geschmückten Erdsohn, dem die Quelle das Gewähren aller erwünschten Früchte zuschreibt. Damit endet der Kuja-Mantra.
Band III, S. 887–888, Budha: beide Formeln
Deutsch: Nun der Budha-Mantra. [Die Zwischenüberschrift der Vorlage lautet irrtümlich erneut Bhauma; der folgende Text handelt eindeutig von Budha.] Ich erkläre die wunderbare Formel des Merkur: Buṃ, Budha im Dativ und die Herz-Endung ergeben die als sechssilbig bezeichnete Formel. Brahmā, Paṅkti und Budha sind Seher, Versmaß und Gottheit. Nachdem man mit dem eigenen Bīja die sechs Glieder aufgelegt hat, meditiere man: Ich verehre stets den Gott Budha, in gelbem Gewand mit schönem Schmuck. Seine linke Lotushand liegt auf dem Knie, die andere gewährt Furchtlosigkeit. Purashcharana: Je Silbe tausend Wiederholungen, ein Zehntel als Feueropfer mit Ghee. Eine weitere Formel aus derselben Quelle besteht aus Oṃ, Brāṃ, Brīṃ, Brūṃ mit Bindu, „budhāya“ und Svāhā. Sie wird als zehnsilbiger Saumya-Mantra bezeichnet und hunderttausendmal wiederholt. Damit endet der Budha-Mantra.
Band III, S. 888, Brihaspati: erste Formel und Purashcharana
Deutsch: Nun der Bṛhaspati-Mantra aus derselben Quelle: Ich erkläre die Formel des Guru, die Würde und geistiges Gewicht verleiht. Bṛṃ, „bṛhaspataye“ und die Herz-Endung ergeben die als achtsilbig bezeichnete Formel. Anuṣṭubh ist das Versmaß, Brahmā der Seher und Bṛhaspati die Gottheit. Bṛṃ ist Bīja, „pataye“ die Kraft; der Gliedernyāsa wird mit dem Bīja vollzogen. Meditation: Er leuchtet golden und trägt gelbe Kleidung. Mit der rechten Hand verteilt er rotes Gold, Gewänder und weitere Güter, während die linke den Vorrat berührt. Die anschließende Verbindung über Gold auf einem Markt ist im Wortlaut unsicher. Vielfacher Schmuck lässt ihn erstrahlen; er hat den Ozean des Wissens durchschritten. Purashcharana: Nach achtzigtausend Wiederholungen und einem Feueropfer mit Kuhghee verehre man ihn auf dem Pīṭha von Dharma, Adharma und den weiteren Kräften, zusammen mit seinen Gliedergottheiten und den Hütern der Richtungen. [Der Druck der Meditationszeile mit vipaṇau ist unsicher; kein zusätzlicher Gegenstand wird ergänzt.]
Band III, S. 888–889, Brihaspati: zweite Formel und Abschluss
Deutsch: Nun eine weitere Formel aus derselben Quelle: Oṃ, Jrāṃ, Jrīṃ, Jrūṃ mit Bindu, Bṛhaspati im Dativ und die Feuergattin Svāhā. Sie wird mit viśva, dreizehn Silben, bezeichnet und einhundertfünfzigtausendmal wiederholt. Damit endet der Bṛhaspati-Mantra.
Band III, S. 889, Sukra: erste Formel und Meditation
Deutsch: Nun der Śukra-Mantra aus derselben Quelle: Am Anfang steht Śuṃ, dann „vastraṃ me dehi śukrāya“ und die Herz-Endung Namaḥ: „Gewähre mir Kleidung; Verneigung vor Śukra.“ Die Formel wird als elfsilbig bezeichnet. Virāṭ ist das Versmaß, Brahmā der Seher, der von Daityas und weiteren Wesen verehrte Śukra die Gottheit. Mit den sechs Wörtern werden die sechs Glieder gebildet. Danach meditiere man: Ich verneige mich vor Śukra, der sich auf einem Markt befindet und Perlenschmuck trägt. Seine beiden Hände verteilen einen Strom von Gold, Gewändern und Edelsteinen. Purashcharana: Zehntausend Wiederholungen und tausend Feueropfer mit Ghee.
Band III, S. 889, Sukra: weitere Formel und Abschluss
Deutsch: Weitere Formel aus derselben Quelle: Oṃ, Hrāṃ, Hrīṃ, Hrauṃ mit Bindu, „śukrāya“ und Svāhā. Dieser Śukra-Mantra wird als zehnsilbig bezeichnet und einhundertzwanzigtausendmal wiederholt. Das Feueropfer erfolgt mit Udumbara-Brennholz. Die Quelle verheißt die Aufhebung aller von Herrschern verursachten Bedrängnisse und Glück in der Beziehung zu Frauen. Damit endet der Śukra-Mantra.
Band III, S. 889–890, Sanaisvara: erste Formel und zwei Meditationen
Deutsch: Nun der Śanaiścara-Mantra aus derselben Quelle: Śāṃ, „śanaiścarāya“ und die Herz-Endung bilden die als achtsilbig bezeichnete Formel. Brahmā, Gāyatrī und Śanaiścara sind Seher, Versmaß und Gottheit. Die sechs Glieder werden mit dem Bīja und den sechs langen Vokalen vollzogen. Meditation: Ich verehre Śanaiścara mit gekrümmten Fangzähnen und blauem Schmuck. Seine linke Hand ruht auf dem linken Knie, die rechte gewährt Gaben. Eine weitere Meditation wird aus dem Mārtaṇḍabhairavatantra angeführt: Siegreich ist die göttliche Gestalt, die wie ein blauer Berg erstrahlt, mit Schwert, Dreifachstab, Pfeil und Bogen; Śambhu, Mahākāla-Śani, der Zerstörer der Städte und aller Asuras. [Die Druckausgabe kennzeichnet diese zweite Meditation als nur im Textzeugen „5“ überliefert.]
Band III, S. 890, Sanaisvara: Purashcharana und zweite Formel
Deutsch: Purashcharana nach dem Merutantra: Je Silbe tausend Wiederholungen, ein Zehntel als Feueropfer mit Ghee. Die umfassende Verehrung gilt den sechs Gliedern, den Planeten und den mit ihren Waffen versehenen Richtungshütern. Śanaiścaras Verehrern werden Freiheit von Bedrängnis und Armut verheißen. Eine weitere Formel besteht aus Oṃ, Prāṃ, Prīṃ, Prauṃ, der im Druck angeschlossenen s-/Bindu-Angabe, Śanaiścara im Dativ und Svāhā. Sie gilt als zwölfsilbig; die Zahl der Wiederholungen lautet prayuta, gewöhnlich eine Million. Das Feueropfer geschieht mit Śamī-Brennholz. Im Anschluss wird die Unterwerfung von klīvas genannt, einem historisch mehrdeutigen Ausdruck für als impotent oder nichtmännlich bezeichnete Personen. Damit endet der Śanaiścara-Mantra. [Die Bīja-Ligaturen der zweiten Formel bleiben vorläufig; die historische Personenbezeichnung wird quellenbezogen wiedergegeben.]
Band III, S. 890–891, Rahu: erste Formel und Purashcharana
Deutsch: Nun der Rāhu-Mantra aus derselben Quelle: Eine weitere Formel lautet Rāṃ, „rāhave namaḥ“. Sie wird als sechssilbig bezeichnet; mit den Silben werden die Glieder gebildet. Brahmā, Gāyatrī und Rāhu sind Seher, Versmaß und Gottheit. Meditation: Täglich verehre ich Rāhu, rauchfarben, mit Schlangenleib und zusammengelegten Händen, entstelltem Gesicht, roten Augen und rauchfarbenem Schmuck. Purashcharana: Je Silbe tausend Wiederholungen, danach Feueropfer mit Kuhghee. Zur umgebenden Verehrung gehören die Planeten, die Richtungsherren und ihre Waffen; eine Wortverbindung im Druck ist undeutlich. Ein Rāhu verehrender König werde nach der Quelle in der Schlacht siegreich. [Zur Meditationszeile bietet die Druckfußnote „maṇḍitam“, geschmückt, als Lesart der Zeugen 2, 3 und 4.]
Band III, S. 891, Rahu: weitere Formel und Abschluss
Deutsch: Weitere Formel aus derselben Quelle: Oṃ, Sāṃ, Sīṃ, Sauṃ mit Bindu, „rāhave“ und Svāhā. Die als zehnsilbig bezeichnete Rāhu-Formel wird hunderttausendmal wiederholt. Nach einem Feueropfer mit Dūrvā-Gras und der Bewirtung von Zweimalgeborenen gelte sie als verwirklicht. Damit endet der Rāhu-Mantra.
Band III, S. 891, Ketu: erste Formel und Meditation
Deutsch: Nun der Ketu-Mantra aus derselben Quelle: Keṃ, „ketave“ und die Herz-Endung ergeben die als sechssilbig bezeichnete Formel. Brahmā ist der Seher, Paṅkti das Versmaß und Ketu die Gottheit. Keṃ ist Bīja, Veṃ die Kraft; die sechs Glieder werden mit dem Bīja gebildet. Meditation: Ich verehre Ketu, schwarz von Gestalt und mit schwarzen Gewändern geschmückt. Seine linke Hand ruht auf dem linken Oberschenkel, die andere gewährt Furchtlosigkeit. Purashcharana: Je Silbe tausend Wiederholungen, ein Zehntel als Feueropfer mit Ghee.
Band III, S. 891, Ketu: weitere Formel und Abschluss
Deutsch: Weitere Formel aus derselben Quelle: Oṃ, Prāṃ, Prīṃ, Prauṃ mit Bindu, „ketave“ und Svāhā. Dieser Ketu-Mantra wird als zehnsilbig bezeichnet und einhundertzwanzigtausendmal wiederholt. Das Feueropfer vollziehe man mit gheegetränktem Kuśa-Gras, danach Tarpaṇa und die weiteren Glieder. Den Verehrern gehen nach der Quelle ketavas voraus – wörtlich Zeichen oder Banner, hier als Anspielung auf Ketu bewahrt. Damit endet der Ketu-Mantra. [Die erste Konsonantenligatur der Bīja-Reihe ist vorläufig nach dem Druck als pr gelesen.]
Band III, S. 891–892, Graha-Matrikas: Einführung und Namen
Deutsch: Nun die Mantras der Graha-Mātṛkās aus derselben Quelle: Ich erkläre die Verehrung der Mütter der Planeten. Ist die Planetenmutter zufriedengestellt, was vermögen dann selbst ungünstige Planeten? Und wozu bedarf es dann günstiger Planeten? Genannt werden Maṅgalā, Piṅgalā, Dhanyā, Bhrāmarī, Bhadrikā, Ulkā, Siddhā, Saṃkaṭā und Vikaṭā, die Beschützerin des Mutterleibs. Es folgt eine beschädigte Berechnungsregel mit acht und dem Geburts-Nakṣatra. Die Frucht entspreche dem jeweiligen Namen; die folgende Wendung über eine Zunahme um eins bei zwei Größen ist nicht sicher aufzulösen. [Die astrologische Rechenregel wird wegen ihrer beschädigten Lesung nicht rekonstruiert. Die Namen und die anschließenden ausdrücklichen Planetenzuordnungen bleiben maßgeblich.]
Band III, S. 892, Pingala: Mantra und Meditation
Deutsch: Piṅgalā ist die Mutter der Sonne und bewirkt schwere seelische und körperliche Bedrängnisse: Zufriedengestellt richte sie diese gegen die Feinde, erzürnt gegen den Übenden. Die Formel besteht aus dem vorläufig als Jrauṃ gelesenen Bīja, „piṅgale vairivāriṇi prasīda phaṭ“: „Piṅgalā, du Abwehrerin der Feinde, sei gnädig; Phaṭ.“ Die Wortverbindung zur Silbenzahl ist beschädigt. Die sechs Glieder werden mit dem Anfangsbīja und den sechs langen Vokalen gebildet. Meditation: Ich verehre die Göttin mit goldbrauner Gestalt, goldbraunem Haar und goldbraunen Augen, mit Bogen, Pfeilen und einem Paar Lotusblumen in den Händen. [Das Anfangsbīja und die Silbenangabe bleiben lokale Lesungsunsicherheiten.]
Band III, S. 892–893, Graha-Matrikas: gemeinsame Verehrung und Opfer
Deutsch: Nun die gemeinsame Verehrungsweise aller dieser Göttinnen nach dem Tantra: Geeignet sind Hibiskusblüten, Guggulu-Räucherwerk, eine Gheeleuchte und süße Speisegaben wie Milchreis. Schmuck, Gewänder und Sandel sollen rot sein. Mit goldenem Schmuck, guten Gaben und den im Druck undeutlich bezeichneten fünfteiligen Stoffgruppen bringt man jeder Göttin unter ihrem Mantra tausendfache Sättigung dar. Auf einer schönen, unbeschädigten Goldplatte von einer Hasta Länge zeichne man das vorgeschriebene Yantra und verehre dort die Yoginī. Durch tausendfache Wiederholung des jeweiligen Mantras zur Befriedung von Hindernissen werde innerhalb einer Woche die dreifache Art unheilvoller Erscheinungen abgewehrt. Dann bereite man vorschriftsmäßig eine viereckige Feuergrube oder einen reinen, mit Kuhdungwasser bestrichenen Opferplatz von vier Hasta Maß. Mit gefestigtem Geist setze man das Yoginī-Feuer ein und vollziehe die zuvor genannten Handlungen. Für die übrigen Göttinnen erfolgen je zehn Opfer, für die entgegenwirkende tausend. Als Stoffe werden Bilva-Blätter, Takara – die Pflanzenlesung ist vorläufig –, Lotus, Nāgakeśara, Milchreis und ein als Kula-Stoff bezeichnetes Mittel genannt. Je nach Anliegen opfert man tausend-, zehntausend- oder hunderttausendmal. [Die beiden undeutlichen Stoffbezeichnungen werden nicht botanisch oder rituell konkretisiert.]
Band III, S. 893, Graha-Matrikas: Mandala und besondere Anwendung
Deutsch: Die Verehrung wird weiter erklärt: In der Mitte verehrt man die Göttin, in den drei Ecken die Kräfte des Wollens, Erkennens und Handelns. Darunter, in den fünf Ecken, die fünf Manmathas; danach die sechs Glieder und auf den acht Blättern die übrigen Yoginīs. Im äußeren Quadrat verehrt man die Welthüter und die Waffen. Diese Form von Verehrung und Feueropfer gilt für alle. Für die feindgerichtete Abhicāra-Anwendung nennt die Quelle eine besondere Meditation: die furchtbare Göttin, sechsarmig, mit Schwert und Schild, auf Garuḍa sitzend und Gegner bezwingend. Zunächst werden hunderttausend Wiederholungen genannt; die nächste Wendung wiederholt das Lakh und verbindet es mit Tarpaṇa, ohne die Zuordnung ganz eindeutig zu machen. Es folgt die Verheißung, alle Feinde würden vernichtet und der Übende bleibe frei von Leiden. [Die historische Abhicāra-Passage und ihre Wirkungsbehauptung sind als Quelleninhalt übersetzt; die doppelte Zahlenangabe wird nicht geglättet.]
Band III, S. 893–894, Mangala: Mantra und Meditation
Deutsch: Nun die Verehrung der Mondmutter: Māyā am Anfang, „maṅgale maṅgalālaye“ und die Feuergattin am Ende bilden den als elfsilbig bezeichneten Maṅgalā-Mantra: „Maṅgalā, Wohnstatt des Glückverheißenden“, umrahmt von Hrīṃ und Svāhā. Nach dem sechsfachen Nyāsa mit dem Anfangsbīja und den sechs langen Vokalen meditiere man über sie: dreiäugig, wie die aufgehende Sonne leuchtend, mit sanft lächelndem Lotusgesicht und zinnoberroten Lippen. Ihre zarten Arme tragen zwei Lotusblumen, Bogen und Pfeile. Wohltönende Fußglöckchen und ein klingender Gürtel schmücken sie. So meditiert und verehrt man sie wie zuvor. Dann rezitiert man den erhaltenen Mantra, dem Tāra und Māyā vorausgehen, und bringt Bali für Yoginī, Kṣetrapāla, Vaṭuka und Gaṇādhipa dar. Am Ende der Verehrung aller wird sie wie Maṅgalā gnädig. [Das Wort kṣetra ist im Druck verkürzt; die Zuordnung zu Kṣetrapāla ist eine erklärte Auflösung.]
Band III, S. 894, Graha-Matrikas: abgestufte Wiederholungszahlen
Deutsch: Zum Purashcharana: Um die Gnade der Yoginī zu gewinnen, wiederhole man je Silbe hunderttausendmal. Um eine ungünstige Yoginī günstig zu stimmen, je Silbe zehntausendmal. Zur Erlangung einer guten Frucht, die durch unsichtbare karmische Umstände gehemmt ist, entsprechend je tausendmal. Für die tägliche Rezitation werden je Silbe hundert Wiederholungen angegeben, solange die Yoginī ungünstig wirkt, und je Silbe zehn, wenn sie zufriedengestellt ist. Einen Kranken bespreche man mit so vielen Mantrawiederholungen, wie die Formel Silben hat. Wer der betreffenden Göttin zugewandt dient, dessen Bedrängnis ende nach der Quelle innerhalb einer der Silbenzahl entsprechenden Zahl von Tagen. So ist die Vorschrift für die neun Göttinnen zu verstehen. Die Yoginī gewährt auf dem linken und dem rechten Pfad gleiche Früchte. [Die Heilungsangaben sind Wirkungszuschreibungen der Vorlage.]
Band III, S. 894–895, Bhramari: Mantra und Reiseanwendungen
Deutsch: Nun Bhrāmarī, die Mutter des Bhauma: Die Formel wird aus dem vorläufig als Kṣīṃ gelesenen Anfangsbīja, „bhrāmari jaya tān me adhīśvari bhrāmaya“ und Klīṃ gebildet und als sechzehnsilbig bezeichnet: „Bhrāmarī, Herrin, besiege sie für mich und versetze sie in Verwirrung.“ Alle weiteren Regeln gelten wie bei Piṅgalā. Für die Anwendung werden zehn kleine Steine unter dem Mantra besprochen und auf dem Reiseweg in die zehn Richtungen geworfen. Am Morgen breche man auf. Die Quelle verheißt, Tiger, Schlangen, Diebe, Zolleinnehmer und böse Herrscher auf dem Weg würden verwirrt; dies werde täglich wiederholt. Ferner heißt es: Wird der Name einer Person auf eine Schuhsohle geschrieben und der Mantra während einer Yojana Wegs rezitiert, so werde diese Person auf der Erde umherirren. [Die Anfangsligatur und die Worttrennung „jaya tān me“ bleiben vorläufig. Die genannten Anwendungen werden als historische Ritualvorstellungen wiedergegeben.]
Band III, S. 895, Bhadrika: Formel und Verehrung
Deutsch: Nun Bhadrikā, die Mutter des Budha: Am Anfang steht ein aus Wasser- und Erdelement gebildetes Bīja, im Druck vorläufig Bhlūṃ gelesen. Danach „bhadrike me mama bhadraṃ dehi“, dann „parabhadrāṇi“ und zweimal „nāśaya“, mit Svāhā am Ende: „Bhadrikā, gewähre mir Wohlergehen; vernichte das Wohlergehen der anderen.“ Der Mantra wird mit der Jina-Zahl, vierundzwanzig Silben, verbunden. Der sechsfache Nyāsa erfolgt mit dem Bīja und den sechs langen Vokalen. Für günstige Wirkungen gilt die Meditation wie bei Maṅgalā; für ungünstige Wirkungen wie bei Piṅgalā. Japa und die übrigen Handlungen erfolgen nach der schon genannten Ordnung. [Das verschlüsselte Anfangsbīja ist nicht sicher aufgelöst; die ungewöhnliche doppelte Selbstbezeichnung me mama bleibt gemäß Druck stehen.]
Band III, S. 895, Dhanya: Formel und Purashcharana
Deutsch: Nun Dhanyā, die Mutter des Guru: Śrī beziehungsweise das Śrī-Bīja, „dhanade dhanye svāhā“ bilden die als achtsilbig bezeichnete Formel: „Reichtum Gewährende, Gesegnete, Svāhā.“ Die sechs Glieder werden mit dem Anfangsbīja und den sechs langen Vokalen gebildet. Keine Göttin dieser Welt sei Dhanyā im Gewähren von Früchten gleich. Nach dreifachem Purashcharana halte sie die in früheren Geburten erworbenen Verfehlungen auf und gewähre dem Übenden Gedeihen. In Kāśī ist Dhanyā hinter beziehungsweise westlich von Bṛhaspatīśvara aufzusuchen. Wer dort das Purashcharana vollzieht, werde als Vaiśya wohlhabend und gesegnet. [Der letzte Ausdruck ist vorläufig als vaiśya gelesen; die Quelle verknüpft den Ort ausdrücklich mit kaufmännischem Gedeihen.]
Band III, S. 896, Siddha: Formel und Wirksamkeit
Deutsch: Nun Siddhā, die Mutter des Śukra: Hrīṃ, „siddhe me sarvamānaṃ“, zweimal „sādhaya“ und die Herz-Endung bilden den mit Mitra, zwölf Silben, bezeichneten Mantra. Die Anrufung bittet Siddhā, das Genannte zu verwirklichen; sarvamānam ist im Druck unsicher und wird nicht stillschweigend durch eine geläufigere Bitte ersetzt. Die sechs Glieder werden mit dem Bīja gebildet; Japa und die weiteren Handlungen gelten wie zuvor. Den Verehrern Siddhās misslinge nach der Quelle keine Handlung. Welchem Āmnāya ihre Verehrer auch angehören, die Gottheiten dieses Überlieferungszweiges stehen zu ihrer Reifung beziehungsweise Wirksamkeit in Beziehung – die genaue Wortverbindung ist unsicher. Alle sechs rituellen Handlungsarten gelängen dem Verehrer ohne gesonderte Mantra-Verehrung. [Die beschädigte Zeile mit pāke und das Wort sarvamānam bleiben lokal offen.]
Band III, S. 896, Ulka: Formel und Prozession
Deutsch: Nun Ulkā, die Mutter des Manda, des Saturn: „Oṃ mama rogaṃ nāśaya“ – „Oṃ, beseitige meine Krankheit“ – wird als elfsilbiger Mantra angegeben. Durch siebenhundertfache rituelle Besprengung schreibe man ihm das Aufheben aller Krankheiten zu. Wessen Ulkā-Mantra verwirklicht sei, in dessen Haus gebe es nach der Quelle keine Krankheit. Bei Śītalā-Erkrankungen und großer Seuche werde ein Büffel mit den vorgeschriebenen Kennzeichen zu Ulkās Freude verehrt, mit Gewändern und Schmuck ausgestattet und unter verschiedener Instrumentalmusik durch die Stadt geführt. Danach werde er in Yamas Richtung, nach Süden, freigelassen; damit werde die Bedrängnis befriedet. [Die Bezeichnung der Krankheit und die Wirkungsbehauptungen gehören zum historischen Quellentext; die Silbenzahl wird trotz der knappen sichtbaren Formel unverändert dokumentiert.]
Band III, S. 896–897, Samkata: Formel und Kaschi-Bezug
Deutsch: Nun Saṃkaṭā, die Mutter Rāhus: Hrīṃ, „saṃkaṭe rogaṃ me paramaṃ“ und zweimal „nāśaya“ bilden den als sechzehnsilbig bezeichneten Mantra: „Saṃkaṭā, beseitige, beseitige meine schwere Krankheit.“ Er wird als Aufhebung allen Leids gepriesen. Hunderttausend Wiederholungen im Gefängnis sollen Befreiung aus der Fesselung bringen. Wo Saṃkaṭā in Kāśī nördlich von Vīreśvara ihren Sitz hat, werden eine Million sechshunderttausend Wiederholungen und ein Feueropfer mit Dūrvā angegeben. Dann gelte der Mantra als verwirklicht. Wenn der Übende ausspreche, eine bestimmte Bedrängnis einer bestimmten Person sei vergangen, so sei sie nach der Quelle tatsächlich vergangen.
Band III, S. 897, Vikata: Formel und Abschluss der Planetenmütter
Deutsch: Nun Vikaṭā, die Mutter Ketus: Tāra, „namo bhagavati vikaṭe vīrapālike“ und zweimal „prasīda“ bilden die mit der Prakṛti-Zahl, zwanzig Silben, bezeichnete Formel: „Verneigung, erhabene Vikaṭā, Beschützerin der Helden, sei gnädig, sei gnädig.“ In Kāśī befindet sich Vikaṭā westlich nahe Vīreśvara. Nach Rezitation dieses Mantras an ihrem Ort werden folgende Berührungsanwendungen genannt: an von Grahas bedrängten Kindern, am Bauch einer unfruchtbaren Frau, am Kopf einer Gebärenden sowie an Kindern, die von ihrem Vater oder anderen Angehörigen verlassen wurden oder ihre Mutter verloren haben. Die Berührung durch die Hand des Übenden soll nach der Quelle Gesundheit und langes Leben bringen. Damit enden die Mantras der Graha-Mātṛkās. [Die medizinischen und geburtshilflichen Zuschreibungen sind historische Quellenangaben.]
Band III, S. 897, Dikpalas: Indra
Deutsch: Nun die Mantras der Richtungshüter, zuerst Śakra: „Iṃ indrāya namaḥ“, die als sechssilbig bezeichnete Formel Indras. Paṅkti ist das Versmaß, Brahmā der Seher, Indra die Gottheit. Māyā wird als Kraft genannt; die Bīja-Angabe in der nächsten Druckzeile ist als riṃ beziehungsweise iṃ nicht eindeutig. Mit dem Bīja werden die sechs Glieder gebildet. Meditation: Ich verneige mich vor Indra, dem mächtigen Herrn der Richtungshüter, gelb von Gestalt, tausendäugig, mit Vajra und Lotus in den Händen und allem Schmuck versehen. Purashcharana: Hunderttausend Wiederholungen, danach Feueropfer mit Sesam und Ghee. Nach dieser Mantra-Verwirklichung sei der Übende für besondere Anwendungen geeignet. [Die auffällige Bīja-Schreibung bleibt als lokale Druckunsicherheit vermerkt.]
Band III, S. 897–898, Agni: Formel und Nyasa
Deutsch: Nun der Agni-Mantra nach der Śāradā: Die drei Vyāhṛtis stehen bei Agni; es folgen „jātaveda ihāvaha sarvakarmāṇi sādhaya“ und Agnipriyā, Svāhā. Mit Tāra am Anfang wird die Formel als fünfundzwanzigsilbig bezeichnet: „Jātavedas, bringe hierher und vollende alle Handlungen.“ Bhṛgu ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß, Anala die Gottheit. Die Glieder des Grundmantras werden nacheinander aus fünf, sechs, vier, fünf, drei und zwei Silben gebildet. [Die drei Vyāhṛtis sind die kosmischen Rufe Bhūḥ, Bhuvaḥ und Svaḥ; die Quelle nennt sie zusammenfassend.]
Band III, S. 898, Agni: Meditation
Deutsch: Meditation: Ich verehre den dreiäugigen Agni inmitten eines roten Lotus. Eine goldene Girlande ruht auf seinen Schultern; rote Blütenketten und Sandel schmücken ihn. Sein Haupt erstrahlt mit einer Flechtenkrone wie einem Bündel von Flammen, sein Gewand ist schön angelegt – die genaue Gewandlesung ist unsicher. In seinen Armen trägt er Lanze, Svastika, ein Büschel Darbha-Gras, Gebetskette und die beiden Opferlöffel Sruk und Sruva; die weiteren Hände gewähren Furchtlosigkeit und Gaben. [Die Schreibweise der beiden Opferlöffel ist im Druck leicht beschädigt, ihre Bezeichnung im Ritualzusammenhang jedoch erkennbar.]
Band III, S. 898, Agni: zehntägiges Purashcharana
Deutsch: Purashcharana: Wer den Mantra vom Guru empfangen hat, fastet am vierzehnten Mondtag und wiederholt zwölftausendmal, mit reiner Lebensführung und beherrschten Sinnen. Am Neumondtag bewirtet er Brahmanen nach Vermögen mit besonders süßen festen und gekochten Speisen und gibt ihnen Dakṣiṇā. Nachdem er selbst gegessen hat, trägt er die benötigten Dinge zusammen und reinigt die Feueropferstoffe. Vom folgenden Tag an vollzieht er aufmerksam das Feueropfer: mit Banyan-Brennholz, unenthülstem Reis, Sesam, Rājī-Senf, Opferspeise und Ghee, jeweils einhundertacht Darbringungen täglich. Zehn Tage führt der Kundige dies vorschriftsmäßig aus. Nach der vollständigen Schlussdarbringung lädt er Brahmanen ein, ehrt sie und erfreut sie respektvoll mit Vermögensgaben nach seinen Möglichkeiten. Dem Guru gibt er als Dakṣiṇā eine rötliche milchgebende Kuh und erfreut ihn ferner mit Gewändern, Geld, Getreide und weiteren Gaben.
Band III, S. 898–899, Yama: Formel und Meditation
Deutsch: Nun der Yama-Mantra aus dem Merutantra: Oṃ, Krauṃ, Hrīṃ, Āṃ und eine im Druck beschädigte weitere Bīja-Angabe, dann Vaivasvata im Dativ, „dharmarājāya bhaktānugrahakṛte namo“: „Verneigung vor dem Sohn Vivasvats, dem König des Dharma, der den Verehrern Gnade erweist.“ Die Formel wird als vierundzwanzigsilbig und alle Wünsche erfüllend bezeichnet. Die folgende Silbengruppierung für die sechs Glieder ist beschädigt. Man vergegenwärtige Yama: dunkel wie eine Wolke, mit freundlichem Gesicht, vielfältigem Schmuck, auf einem Büffel, einen Stab tragend. Die Ahnen preisen und umgeben ihn; Boten verschiedener Gestalt begleiten den Weißgekleideten. So verehre man Yama. Purashcharana: Je Silbe hunderttausend Wiederholungen, Feueropfer mit Sesam und Ghee. [Die zusätzliche Bīja-Lesung und die Nyāsa-Zahlwortreihe bleiben offen; die Formel wird nicht als sicher rekonstruierte Gesamtfolge ausgegeben.]
Band III, S. 899, Nirrti: Formel und Purashcharana
Deutsch: Nun der Nairṛta-Mantra aus derselben Quelle: Oṃ, Kṣāṃ, „nirṛtaye rakṣādhipataye dhūmravarṇāya khaḍgahastāya pretavāhanāya“ und die Herz-Endung: „Verneigung vor Nirṛti, Herrn der Rākṣasas, Rauchfarbenem, Schwertträger, dessen Fahrzeug ein Toter ist.“ Die Formel gilt als dreißigsilbig. Der fünffache Nyāsa wird mit fünf Wortgliedern gebildet, denen Oṃ und Kṣaṃ vorausgehen und die mit der Herz-Endung schließen. Meditation: Ich verehre den Gekrönten mit goldbraunen Augen, rauchfarben, auf einem Toten reitend, von verschiedenen Rākṣasa-Scharen bedient, mit Schwert und Schild. Purashcharana: Dreißigtausend Wiederholungen, danach Feueropfer mit Rohzucker und Ghee.
Band III, S. 899–900, Varuna: Formel und Purashcharana
Deutsch: Nun der Varuṇa-Mantra aus derselben Quelle: Tāra, Vaṃ, „varuṇāya jalādhipataye śuklavarṇāya pāśahastāya makaravāhanāya namaḥ“: „Verneigung vor Varuṇa, dem Herrn der Wasser, dem Weißen, der die Schlinge trägt und den Makara als Fahrzeug hat.“ Die Formel wird als einunddreißigsilbig bezeichnet. Triṣṭubh ist das Versmaß, Vasiṣṭha der Seher, Varuṇa die Gottheit. Die fünf Glieder werden mit fünf Wortgruppen gebildet, jeweils mit Oṃ und Vaṃ am Anfang und Namaḥ am Ende. Meditation: Er trägt weiße Kleidung, hält Schlinge und Haken und gewährt Gaben und Furchtlosigkeit. Er wohnt auf einem reinen Lotus und trägt Perlenschmuck. Der rundbäuchige, freundlich blickende Varuṇa möge mir Schätze gewähren. Purashcharana: Je Silbe tausend Wiederholungen; das Feueropfer wird mit Lotussamen vollzogen.
Band III, S. 900, Vayu: Formel und Purashcharana
Deutsch: Nun der wunderbare Vāyu-Mantra aus derselben Quelle: Tāra, Yaṃ, „vāyave prāṇādhipataye kṛṣṇavarṇāya aṅkuśahastāya mṛgavāhanāya namo“: „Verneigung vor Vāyu, dem Herrn des Lebensatems, dem Dunklen, der den Haken trägt und auf einer Antilope reitet.“ Die Formel ist als godvivarṇa bezeichnet, eine hier nicht sicher numerisch aufgelöste Zahlwortverbindung. Gaṇaka ist der Seher, Nivṛt das Versmaß, Vāyu die Gottheit. Die fünf Glieder entstehen aus den Wortgruppen mit Oṃ und dem Bīja Yaṃ am Anfang. Meditation: Er ist dunkel, eilt dahin, sitzt auf einer Antilope und ist überaus schnell. Schlinge und Haken trägt er in den Händen; Pretas und Kṛtyās umgeben ihn. Purashcharana: Je Silbe tausend Wiederholungen, Feueropfer mit Puffreis und Ghee. Der Übende, dessen Mantra verwirklicht ist, werde nach der Quelle sogleich besonders kraftvoll. [Die Zahlwortangabe sowie die letzte Verbindung der Meditationszeile bleiben vorläufig.]
Band III, S. 900–901, Kubera: Hauptformel und Meditation
Deutsch: Nun der glückverheißende Mantra des Königs der Könige, Kubera: „yakṣāya kuberāya vaiśravaṇāya dhanadhānyādhipataye dhanadhānyasamṛddhiṃ me dehi“, mit Svāhā am Ende: „Yakṣa, Kubera, Vaiśravaṇa, Herr über Reichtum und Getreide, gewähre mir Fülle an Reichtum und Getreide.“ Die Formel wird als fünfunddreißigsilbig bezeichnet. Viśravas ist der Seher, Bṛhatī das Versmaß. Die Zahlwortfolge für die sechs Glieder ist teilweise undeutlich; sie wird nicht frei ergänzt. Meditation: Er gleicht einem Smaragd, ist friedvoll, mit Krone und weiterem Schmuck versehen, rundbäuchig und von Yakṣas bedient; eine Hand gewährt Gaben, die andere trägt eine Keule. Purashcharana: Hunderttausend Wiederholungen, ein Zehntel als Feueropfer mit Sesam. Auf dem Pīṭha von Dharma und den weiteren Kräften verehrt man ihn mit seinen Gliedern und den Welthütern; die abschließende Wortverbindung ist im Druck undeutlich. Im Śiva-Heiligtum werden zehntausend Wiederholungen zur Vermehrung des Wohlstands genannt; hunderttausend im Sitzen an der Wurzel eines Bilva-Baums sollen Reichtum gewähren.
Band III, S. 901, Kubera: sechzehnsilbige Variante
Deutsch: Eine weitere Formel wird erklärt: Oṃ, Śrīṃ, Oṃ, Hrīṃ, Śrīṃ, Hrīṃ, Klīṃ, Śrīṃ, Klīṃ, danach „vitteśvarāya namaḥ“, Verneigung vor dem Herrn des Reichtums. Die Formel gilt als sechzehnsilbig; Seher und weitere Zuordnungen sind wie zuvor. Die sechs Glieder entstehen aus der angegebenen Zahlwortreihe, deren mittlere Verbindung im Druck nicht sicher lesbar ist; erkennbar sind drei am Anfang und fünf sowie zwei am Ende. Meditation, Verehrung und die übrigen Handlungen gelten wie zuvor. [Die Bīja-Folge folgt vorläufig den sichtbaren Ligaturen und wird nicht aus der Silbenzahl korrigiert.]
Band III, S. 901, Kubera: acht Silben und Schatzgefäße
Deutsch: Eine weitere Kubera-Formel hat acht Silben: Tāra, „vaiśravaṇāya svāhā“. Der fünffache Nyāsa wird aus fünf Mantragliedern gebildet, mit Praṇava am Anfang und Svāhā am Ende. Meditation: In beiden Händen hält er einen mit Reichtum gefüllten goldenen Krug und einen Edelsteinkasten. Hände und Füße sind golden, sein Bauch ist rund. Er sitzt unter der Erde auf einem großen Sitz und lächelt. Purashcharana: Je Silbe hunderttausend Wiederholungen; Feueropfer und Verehrung gelten wie zuvor. Die Verehrung soll großen Reichtum und vorzügliche Yakṣiṇīs gewähren. [Die fünfteilige Gliederung wird von der Quelle knapp vorausgesetzt.]
Band III, S. 901–902, Isana: Formel und Verhältnis von Mantra und Vidya
Deutsch: Nun der Īśāna-Mantra aus derselben Quelle: Praṇava, Haṃ, „īśānāya vidyādhipataye sphaṭikavarṇāya śūlahastāya vṛṣavāhanāya namaḥ“: „Verneigung vor Īśāna, Herrn der Vidyās, Kristallfarbenem, Dreizackträger, auf dem Stier Reitendem.“ Die Formel wird als einunddreißigsilbig bezeichnet. Die fünf Glieder entstehen aus fünf Wortgruppen, mit Oṃ und Haṃ am Anfang und Namaḥ am Ende. Die Quelle erläutert anschließend: Die Mantras der weiblichen Kräfte heißen Vidyās, diejenigen männlicher Gottheiten Mantras. Vidyās seien ohne das männliche Prinzip nicht fruchtbar, vergleichbar einer Frau ohne Mann. Wo die Verbindung mit männlichen Gottheiten vorgesehen sei, würden die entsprechenden Mantras eingesetzt. [Dies ist die historische geschlechtliche Symbolik der Quelle; die letzte Wortverbindung ist im Druck beschädigt.] Ein anderes Tantra nennt als Purashcharana achttausend Wiederholungen.
Band III, S. 902, Brahma: Formel und Umfang der Verehrung
Deutsch: Nun der Brahmā-Mantra aus dem Merutantra: Tāra, Pāśa, dann „brahmaṇe lokādhipataye raktavarṇāya ūrdhvalokapālakāya padmahastāya haṃsavāhanāya namaḥ“: „Verneigung vor Brahmā, Herrn der Welten, Rotem, Hüter der oberen Welt, Lotusträger, auf dem Schwan Reitendem.“ Die Formel wird mit bāṇa-rāma, fünfunddreißig Silben, bezeichnet. Die Glieder werden aus sechs Wortgruppen mit Tāra und Pāśa am Anfang und den Herz-Endungen gebildet. Der Text erklärt, es gebe keine eigenständige Verehrung dieses Mantras beziehungsweise seiner Gottheit, die als nicht gesondert zu verehren bezeichnet werde. Schon je Silbe hunderttausend Rezitationen verleihen nach der Quelle die Fähigkeit zu Begrenzung und Begnadung. Auf dem zehnblättrigen Lotus soll er dennoch im Zusammenhang verehrt werden; eine folgende Wendung ist beschädigt. Der Sprecher erklärt, dort gelte sein Fluch nicht, dieser betreffe nur die isolierte Verehrung. [Die beschädigte Zeile nach daśapatre bleibt offen; die Unterscheidung zwischen eingebundener und alleiniger Verehrung wird aus den klaren Schlusswörtern erschlossen.]
Band III, S. 902–903, Ananta: Formel und Abschluss der Richtungshüter
Deutsch: Nun der Ananta-Mantra aus derselben Quelle: Tāra, Māyā, „anantāya nāgādhipataye gauravarṇāya atalādisaptalokeśvarāya cakrahastāya garuḍavāhanāya namaḥ“: „Verneigung vor Ananta, Herrn der Nāgas, dem Hellen, Herrn der sieben mit Atala beginnenden Welten, Träger des Diskus, auf Garuḍa Reitendem.“ Die Formel wird als vierzigsilbig bezeichnet. An jedem vierzehnten Mondtag wiederhole man eintausendvierhundertmal, opfere Milch und bewirte vierzehn Brahmanen. Wer den vierzehnten Mondtag so mit Hingabe begeht, werde reich an Besitz und Getreide. Ein seines Reiches Beraubter erlange das Reich zurück, ein nach Wissen Strebender werde gelehrt. Besonders vorgesehen ist die Verehrung am vierzehnten Tag der hellen Hälfte des Monats Bhādra. Damit endet das Kapitel über die Richtungshüter. [Die für Śeṣa/Ananta auffälligen Viṣṇu-Attribute Diskus und Garuḍa werden nach der Vorlage beibehalten.]
Band III, S. 903, Gayatri: Brahman mit und ohne Eigenschaften
Deutsch: Nun das Purashcharana der Gāyatrī und weitere Vorschriften. Im Merutantra: Ich erkläre Gāyatrī, die Herrin der Mantras und Mutter der Veden. Durch sie wird Brahman mit Eigenschaften besungen und erläutert, ebenso das eigenschaftslose Brahman. Ohne sie werde niemandem Befreiung zuteil. Mahākāla selbst verehrt sie als Mahāmāyā. Durch ihre Macht seien „ich und du“ und ein weiterer Kāla hervorgetreten; die letzte Verswendung ist sprachlich unsicher. Der Kommentar erläutert: Saguṇa-Brahman ist das Licht inmitten der Sonnenscheibe, das die drei Guṇas umfasst. Dazu heißt es im Bṛhatsiddhāntasāra: Das Licht in der Sonnenscheibe, seinem Wesen nach dreifach, ist das Saguṇa-Brahman in der Gestalt von Brahmā, Viṣṇu und Śiva. Nirguṇa bedeutet frei von der Begrenzung durch die drei Guṇas. Gāyatrī wird als Ursache der Befreiung bezeichnet, weil sie durch die Benennung des Brahman mit Eigenschaften auf das eigenschaftslose Brahman hinweist.
Band III, S. 903–904, Gayatri: Pranava und sieben Vyahritis
Deutsch: Nach der Śāradā stehen die sieben Vyāhṛtis mit Praṇava am Anfang, danach die mit „tat“ beginnende vierundzwanzigsilbige Gāyatrī samt ihrem Śiras-Zusatz. Dieser Mantra gilt als die aus allen Veden gewonnene Essenz. Für Praṇava werden Brahmā als Seher, Devī-Gāyatrī als Versmaß und Paramātman als Gottheit genannt. Die Seher der Vyāhṛtis sind in der Druckfolge Jamadagni/Atri – die erste Namensverbindung ist beschädigt –, Bharadvāja, Bhṛgu, Gautama, Kāśyapa, Viśvāmitra und Vasiṣṭha; aufgrund der undeutlichen Anfangsverbindung bleibt die genaue Siebener-Zuordnung offen. Die sieben Versmaße heißen Gāyatrī, Uṣṇih, Anuṣṭubh, Bṛhatī, Paṅkti, Triṣṭubh und Jagatī. Als ihre Gottheiten werden nacheinander Saptārcis, das siebenflammige Feuer, Anila, Sūrya, Vākpati, Varuṇa, Vṛṣa und die Viśvedevās genannt. [Die Gottheitsbezeichnung Vṛṣa wird nicht ungesichert durch einen anderen Namen ersetzt.]
Band III, S. 904, Gayatri: Seher und kosmischer Leib
Deutsch: Im Merutantra wird Viśvāmitra, der große Asket, als Seher der Gāyatrī genannt, Gāyatrī als Versmaß und Savitṛ als Gottheit. In einem anderen Tantra: Agni ist ihr Mund, Brahmā ihr Kopf, Viṣṇu ihr Herz, Śiva das als gulika bezeichnete Glied – die Lesung ist unsicher. Ihr Gotra ist Sāṅkhyāyana, ihre drei Versfüße sind die drei Welten. Nach der Śāradā hat der Śiras-Zusatz Brahmā als Seher, Devī-Gāyatrī als Versmaß und Paramātman als Gottheit.
Band III, S. 904–905, Gayatri: erster und zweiter Nyasa
Deutsch: Nach dem Merutantra erfolgt der erste Nyāsa mit den sieben Vyāhṛtis: Sie werden der Reihe nach auf Herz, Mund, die beiden Schultern, die beiden Oberschenkel und den Bauch gelegt. Die Anfangswendung zur Reihenfolge ist im Druck undeutlich. Der zweite Nyāsa ist die Auflegung der einzelnen Gāyatrī-Silben. Genannt werden die ersten Gelenke der Zehen, der Übergang zwischen Fuß und Knöchel, der Bereich zwischen Knöchel und Knie sowie zwischen Knie und Oberschenkel; sodann Geschlechtsorgan, Nabel, Herz und Kehle. Es folgen Fingergrundgelenke, Handgelenke, Ellbogen, Armansätze, Mund, Nase, Wangen, Augen, Ohren, Brauen und Kopf, dann der Bereich unter dem Haarschopf, das rechte Ohr, Mund und Scheitel. [Die dichte Körperstellenreihe ist im Druck stellenweise beschädigt. Alle erkennbaren Stellen bleiben in ihrer Reihenfolge erhalten; es wird keine präzise Silben-Körper-Tabelle aus unsicheren Wortgrenzen konstruiert.]
Band III, S. 905, Gayatri: dritter bis fünfter Nyasa
Deutsch: Die zehn Wörter der Gāyatrī werden auf Kopf, Brauenmitte, Augen, Mund, Kehle, Herz, Nabel, verborgenen Körperbereich, Knie und Füße gelegt. Den Śiras-Zusatz legt man auf den Kopf: Dies ist der dritte Nyāsa. Der vierte ist ein sechsfacher Gliedernyāsa: Herz für Brahmā, Kopf für Viṣṇu, Scheitel für Rudra, Schutzpanzer für Īśvara, Augen für Sadāśiva und Astra für Sarvātman, das Selbst aller. Beim fünften Nyāsa legt man die Vyāhṛtis der Reihe nach auf Füße, Knie, Hüften, Nabel, Herz, Kehle und Stirn; „Para-Brahman“ wird auf den Scheitel gelegt. Dies ist eine weitere Form des Vyāhṛti-Nyāsa.
Band III, S. 905, Gayatri: sechster Nyasa und fünfgesichtige Meditation
Deutsch: Beim sechsten Nyāsa lautet die Zuordnung: „tat savituḥ“ zum Herzen, „vareṇyam“ zum Kopf, „bhargo devasya“ zum Scheitel, „dhīmahi“ zum Schutzpanzer, „dhiyo yo naḥ“ zu den Augen und der restliche Mantra zum Astra. Diese sechs Nyāsas werden als Verfehlungen aufhebend bezeichnet. Nach dreimaligem Prāṇāyāma vollzieht man die Meditation: Ich verehre Gāyatrī mit fünf je dreiäugigen Gesichtern in den Farben von Perle, Koralle, Gold, Blau und Weiß. Ihre Edelsteinkrone trägt den Mond; ihr Wesen sind die Silben und die Bedeutung der Wirklichkeitsprinzipien. Ihre Hände gewähren Gaben und Furchtlosigkeit und tragen Haken, Peitsche, eine weiße Schädelschale, Schnur beziehungsweise Gebetskette, Muschelhorn, Diskus und zwei Lotusblumen. [Die Wortgrenze zwischen Peitsche und weißer Schädelschale sowie guṇa als Schnur/Kette wird nach der sichtbaren Druckfolge verstanden.]
Band III, S. 906, Gayatri: drei Tageszeitengestalten
Deutsch: Eine weitere Meditation aus einem anderen Tantra: Als Brahmāṇī ist Gāyatrī viergesichtig; ihre Hände tragen Gebetskette, Krug und die Opferlöffel Sruk und Sruva. Sie leuchtet rötlich, ihr Gesicht gleicht dem Mond. Als jugendliche Gestalt verkörpert sie den Ṛgveda, bewegt sich spielerisch auf dem Schwan und wohnt geschmückt in der Sonnenscheibe. Im Herzen vergegenwärtigt möge sie stets Fülle und Gedeihen schenken. Nun die anderen Formen für Mittag und die weitere Dämmerung: Als Rudrāṇī ist sie in frischer Jugend, dreiäugig und mit einem Tigerfell bekleidet. Sie trägt Khaṭvāṅga, Dreizack und Gebetskette und gewährt Furchtlosigkeit. Ihre Flechten erstrahlen wie ein Blitzbündel, die junge Mondsichel krönt sie. So wird Sāvitrī mit dunkler Gestalt auf dem Stier als Verkörperung des Yajurveda meditiert. Als ältere Gestalt leuchtet sie wie eine dunkle Wolke und trägt gelbe Gewänder und göttlichen Schmuck. Diskus, Muschelhorn und Keule werden genannt; die Verbindung mit „Lotus“ beziehungsweise „Lotushand“ ist im Druck undeutlich. Auf Garuḍas Schulter befindet sich die höchste Vaiṣṇavī, von der ganzen Welt verehrt. So meditiere man über die erhabene Sarasvatī als Verkörperung des Sāmaveda. [Die Tageszeitengestalten werden gemäß der Vorlage unterschieden; eine unsichere Attributverbindung der letzten Gestalt bleibt offen.]
Band III, S. 906, Gayatri: Verehrungs-Yantra
Deutsch: Das Verehrungs-Yantra wird im Merutantra beschrieben: Man zeichne einen achtblättrigen Lotus mit Hrīṃ im Innern. Auf jedes Blatt kommen die im Druck als Hrauṃ Hrauṃ beziehungsweise als paarweise Vokale lesbaren Zeichen. An die Staubfäden und ihre Spitzen schreibt man die Gāyatrī-Silben in der angegebenen, teilweise beschädigten Gruppierung. Außen folgen Zwischenräume einer doppelt genannten Zehnergruppe und die mit ka beginnenden Buchstaben. Weiter steht „oṃ āpo jyotī raso ’mṛtaṃ brahma bhūr bhuvaḥ suvar om“: Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit, Brahman und die drei Welten, umschlossen von Oṃ. Das Yantra gilt als alle Ziele erfüllend. Nach der Śāradā vollzieht man zuerst Prāṇāyāma und rezitiert Gāyatrī zu den Dämmerungszeiten. [Die räumliche Verteilung und einzelne Zahlwörter sind im Druck unsicher; deshalb wird aus diesem Absatz keine vermeintlich exakte Yantra-Zeichnung hergestellt.]
Band III, S. 907, Gayatri: Atemhaltung und Rezitation
Deutsch: Fortsetzung der Śāradā-Anweisung: Die Gāyatrī mit den sieben Vyāhṛtis und dem Śiras-Zusatz wird dreimal geistig rezitiert, während man den Atem hält und den Geist in der Meditation sammelt. Dieser Prāṇāyāma gilt als alle Verfehlungen aufhebend. Der Eingeweihte rezitiert Gāyatrī auch in der mit den drei Vyāhṛtis verbundenen Form.
Band III, S. 907, Gayatri: erster bis vierter Verehrungskreis
Deutsch: Nun die Verehrungsordnung nach dem Merutantra: Die Göttin wird mit zehn umgebenden Kreisen verehrt. Zuerst verehrt man die Herrin selbst, dann in den Dreiecksecken, von der südöstlichen Feuerecke im Uhrzeigersinn, Brāhmī, Māheśvarī und Vaiṣṇavī: der erste Kreis. Darunter werden acht Gestalten genannt. Die Anfangsverbindung ist beschädigt; lesbar folgen Āditya beziehungsweise Āditya-Mukhā, Ravi, Prajñā, Bhānu, Prabhā, Bhāskara und Sandhyā. Dies ist der zweite Kreis. In den Staubfäden des achtblättrigen Lotus verehrt man die sechs Glieder der Gāyatrī: der dritte Kreis. In den Blattmitten verehrt man Prahlādinī, Prabhā, Nityā, Viśvambharā, Vilāsinī, Prabhāvatī, Jayā und Śāntā: der vierte Kreis. [Der zweite Kreis ist trotz der Zahl acht in der vorliegenden Druckzeile nicht vollständig eindeutig aufteilbar; kein zusätzlicher Name wird erfunden.]
Band III, S. 907–908, Gayatri: fünfter bis zehnter Verehrungskreis
Deutsch: An den Blattspitzen verehrt man Kānti, Durgā, Sarasvatī, Viśvarūpā, Viśālā, Īśānī, Vyāpinī und Vimalā: der fünfte Kreis. Auf dem folgenden achtblättrigen Lotus werden Tamo’pahāriṇī, Sūkṣmā, Viśvayoni, Jayāvahā, Padmālayā, Parā, Śobhā und Padmarūpā verehrt: der sechste Kreis. Außen folgen die sieben Mütter beginnend mit Brāhmī und als achte Tvaritā: der siebte Kreis. Ravi, Sita, Kuja, Rāhu, Śani, Candra, Budha und Guru stehen im äußeren Quadrat in den acht Richtungen: der achte Kreis. Im neunten folgen die Richtungshüter, im anschließenden äußeren Ring ihre Waffen als zehnter Kreis. So verehrt man die Göttin und zeigt ihr danach die Mudrās. [Sita bezeichnet hier den hellen Planeten Śukra; die Quelle nennt in diesem Kreis acht Planeten und führt Ketu nicht zusätzlich auf.]
Band III, S. 908, Gayatri-Mudras: Sumukha bis Pancamukha
Deutsch: Nun werden die vierundzwanzig Gāyatrī-Mudrās mit ihren Gottheiten und Früchten erklärt; man zeigt sie zu Beginn des Japa. 1. Sumukha: Beide Hände liegen zusammen, nach oben geöffnet, die Finger gekrümmt; ihre Kraft ist Prahlādinī, die dem Übenden Freude schenkt. 2. Saṃpuṭa: Die Hände schließen sich wie eine Lotusknospe aneinander; die Kraft heißt Nityaviśvā, die alles durchdringt und erfreut. 3. Vitata: Zusammengeführte, nach oben gewendete Hände mit gestreckten Fingern; die Kraft Hṛdayā gelangt zu allen Herzen. 4. Vistīrṇa: Die Hände sind verbunden, ein Fingerpaar bleibt voneinander gelöst; die Kraft ist Vimalā, der beeinflussende Wirkung zugeschrieben wird. 5. Dvimukha: Die einander zugewandten Hände berühren sich an den kleinen Fingern; die Kraft ist Vidyā. 6. Trimukha: Auch die Ringfinger sind miteinander verbunden, die übrigen Finger bleiben getrennt; die Kraft ist Prabhāvatī. 7. Caturmukha: Auch die Mittelfinger sind verbunden, die übrigen getrennt; die Kraft heißt Lolā. 8. Pañcamukha: Ebenso werden zusätzlich die Zeigefinger verbunden; die übrigen Finger bleiben getrennt. Die Kraft ist Śānti und bewirkt Frieden. [Einzelne Lagewörter der ersten vier Gesten bleiben vorläufig; die Übersetzung ergänzt keine nicht überlieferte Fingertechnik.]
Band III, S. 908–909, Gayatri-Mudras: Sanmukha bis Vilamba
Deutsch: 9. Ṣaṇmukha: Die Finger werden vollständig zusammengefügt, ausgenommen das Paar kleiner Finger; ihre Kraft ist Durgā. 10. Adhomukha: Die Hände werden nach unten gewendet und an den gekrümmten Fingerspitzen verbunden; ihre Kraft ist Sarasvatī. 11. Vyāpikāñjali: Eine ähnliche Haltung, aber nach oben geöffnet; Gottheit ist Viśvarūpā. 12. Śakaṭa: Die Finger sind gebunden beziehungsweise ineinandergelegt, beide Fäuste nach unten gewendet; Kraft ist Viśālā. 13. Yamapāśa: Bei geschlossenen Fäusten werden die Zeigefinger ineinandergehakt; die anschließende Lagebestimmung ist knapp. Gottheit ist Vāmā. 14. Granthita: Die Finger greifen an den Gelenken ineinander; die Hände sind nach oben gewendet, die Daumen aufgerichtet. Kraft ist Vāmā. 15. Sammukhonmukha: Die Hände sind mit aufwärts gerichteten Fingern verbunden, die rechte nach unten und die linke nach oben gewendet; Kraft ist Nārāyaṇī. 16. Vilambā: Die Hände liegen offen nach oben, mit einer Verbindung an den kleinen Fingern; die genaue Endung der Lageangabe ist undeutlich. Kraft ist Vimalā. [Die teils knappen oder beschädigten technischen Angaben bleiben als solche kenntlich.]
Band III, S. 909–910, Gayatri-Mudras: Mustika bis Pallava
Deutsch: 17. Muṣṭika: Die beiden Fäuste sind miteinander verbunden, die Hände nach oben gerichtet; Kraft ist Tamomayī. 18. Matsya: Die Hände stehen einander gegenüber; Ringfinger und kleine Finger sind verbunden, die übrigen Finger werden nach oben gekrümmt zusammengeführt. Kraft ist Hiraṇmayī. 19. Kūrma: Die linke Hand liegt nach unten gerichtet, die rechte über ihrem Rücken; Kraft ist Sūkṣmā, die subtile Ziele verwirklicht. 20. Vārāhī: Die linke Hand wird über die rechte gelegt; die Angaben zu Aufwärts- und Abwärtswendung sind im Druck widersprüchlich beziehungsweise beschädigt. Zugeordnet ist Viśvayoni. 21. Siṃhākrānta: Beide Hände mit gestreckten Fingern werden über die Ohren gehalten; Kraft ist Jayāvahā. 22. Mahākrānta: Wie zuvor, aber mit gekrümmten Fingern an den Ohren; Kraft ist Padmālayā. 23. Die nächste Geste wird durch den etwas erhobenen linken Zeigefinger beschrieben, den die rechte Hand umfasst; ein eindeutiger Gestenname ist hier nicht lesbar. Zugeordnet erscheinen Parā und Śobhā beziehungsweise die Verbindung Parāśobhā. 24. Pallava: Die Finger werden wie junge Blatttriebe entfaltet und vor der Göttin gezeigt; Kraft ist Padmarūpā. [Die Nummerierung macht die angekündigten 24 Gesten nachvollziehbar; der Name der 23. Geste wird nicht aus anderen Traditionen ergänzt.]
Band III, S. 910, Gayatri: Purashcharana und Abschluss
Deutsch: Nun das Purashcharana aus derselben Quelle: Vierundzwanzig Lakh, also 2.400.000 Wiederholungen, werden genannt. Mit Milchreis, Sesam, Dūrvā, gekochtem Reis und Brennholz vollzieht man zur Mantra-Verwirklichung jeweils dreitausend Feueropfer. Danach führt man Tarpaṇa und die weiteren Glieder aus und erfreut sorgfältig die Gurus. Besondere Anwendungen vollzieht der Kundige erst nach der jeweiligen Erlaubnis. Damit endet die Vorschrift zum Gāyatrī-Purashcharana. [Die fünf Stoffgruppen und die ausdrückliche Zahl von je 3.000 bleiben gemäß der Druckangabe stehen; sie werden nicht nach einer pauschalen Zehntelregel verändert.]
Band III, S. 910–911, Vyahritis: sieben kosmische Namen
Deutsch: Nun die Erklärung der Vyāhṛtis nach dem Prapañcasāra: Die kosmischen Rufe beginnen mit Bhūḥ. Das Wort Bhūḥ verweist auf „jenes“ beziehungsweise auf das Sein; es heißt Bhūḥ, weil es reines Sein ist. Bhuvaḥ wird mit dem Gewordensein und dem Ursachesein verbunden. Svar bezeichnet die alles beherrschende beziehungsweise aus sich selbst bestehende Wirklichkeit; die genaue Wortverbindung ist im Druck unsicher. Mahas heißt sie aufgrund ihrer Größe. Weil sie alles hervorbringt, lautet die nächste Vyāhṛti Janaḥ. Tapas wird als Wissen und als Glut erklärt. Satyam verweist auf das Höchste, das Sein und das aus sich bestehende unendliche Wissen. [Die ersten und letzten etymologischen Verbindungen sind stellenweise beschädigt; die Deutung bleibt an die erkennbaren Begründungswörter gebunden.]
Band III, S. 911, Vyahritis: Einheit mit Pranava
Deutsch: Dieselbe Quelle erklärt die Einheit der Vyāhṛtis mit Praṇava: Zwischen Oṃ und den kosmischen Rufen besteht ein innerer Zusammenhang. A entspricht Bhūḥ, U Bhuvaḥ, M Svar. Bindu entspricht Mahas, Nāda Janaḥ, Śakti Tapas und Śānti Satyam. Dieses Sein ist die höchste Wirklichkeit.
Band III, S. 911, Gayatri-Auslegung: tat savitur varenyam
Deutsch: Nun wird durch die Auslegung der Gāyatrī ihre Einheit mit Praṇava und den Vyāhṛtis erklärt. Zuerst erläutert der Text „tat“, „jenes“: Gemeint ist das höchste Brahman, immerwährende Glückseligkeit, lichtgestaltig in der Sonnenscheibe und Ursache der Schöpfung und der weiteren Vorgänge aller Dinge. Die verbindende Anfangszeile ist beschädigt. „Savituḥ“ ist ein Genitiv Singular, abgeleitet von einer Wurzel, die das Hervorbringen lebender Wesen bezeichnet: „des Hervorbringers aller Lebewesen“. „Vareṇyam“ heißt das zu Wählende, dem man dienen soll, das von allen zu verehren und zu erbitten ist. Diesem ersten acht Silben umfassenden Versfuß entspricht die Vyāhṛti Bhūḥ.
Band III, S. 911–912, Gayatri-Auslegung: bhargo devasya dhimahi
Deutsch: „Bhargas“ wird vom Verb „verbrennen“ her erklärt: Es verbrennt Verfehlungen und ist zugleich von Hingabe durchdrungen. „Devasya“ bezeichnet den Gott, der stets Gaben wie Regen gewährt, oder den durch Herrlichkeit und Licht Leuchtenden. „Dhīmahi“ wird von dhyai, nachsinnen beziehungsweise meditieren, abgeleitet. Mit dem göttlichen Auge der Erkenntnis, das aus der vedischen Offenbarung hervorgeht, wird der goldene Gott geschaut, der ewig in der Sonne wohnt. Golden heißt er, weil sein Licht frei von Mangel ist. „Jenes Subtile bin ich“: So betrachten wir ihn immerfort. Dem zweiten acht Silben umfassenden Versfuß entspricht Bhuvaḥ. [Die Druckfußnote bietet in Zeuge 4 statt „divyena“ die Lesart „deveśi“, o Herrin der Götter.]
Band III, S. 912, Gayatri-Auslegung: dhiyo yo nah pracodayat
Deutsch: „Dhiyaḥ“ bezeichnet die Erkenntniskräfte, Buddhi. Der Text erklärt die grammatische Form aus dem vedischen Sprachgebrauch und verweist auf einen Wechsel grammatischer Kategorien; die zitierte Sūtra-Verbindung ist nicht eindeutig. Das unvergleichliche Licht enthält alle Gottheiten und wird als Ursache dafür bezeichnet, dass die Verfehlungen seiner Verehrer schwinden. „Naḥ“ ist die entsprechende Kurzform des Personalpronomens und bedeutet hier „unser“. „Pracodayāt“ steht als Bitte: Es möge anregen und ausrichten. Dem dritten acht Silben umfassenden Versfuß entspricht Svar. Die Gāyatrī hat zehn Wörter und drei Versfüße zu je acht Silben; auch eine Gliederung in vier Teile zu je sechs Silben ergibt die vierundzwanzig Silben. Der zusammenhängende Sinn lautet: Jenes höchste, erwählenswerte Leuchten des mächtigen Gottes Savitṛ, das die Verfehlungen der Verehrer aufhebt und über das wir meditieren, möge unsere Erkenntniskräfte anregen.
Band III, S. 912–913, Gayatri-Siras und Abschluss der Erklärung
Deutsch: Nachdem so Gāyatrī erklärt ist, folgt ihr Śiras-Zusatz. „Āpaḥ, jyotis, rasaḥ“ – Wasser, Licht und Essenz – bezeichnen die Leuchtkraft von Soma und Agni. Die ganze Welt besteht aus ihnen; Rasa wird als die Verbindung dieser beiden Kräfte verstanden. Weil diese Wirklichkeit nicht vergeht, heißt sie Amṛta, unsterblich; wegen ihrer grenzenlosen Größe Brahman. Das glückselige Brahman, dessen Kennzeichen Wahrheit, Erkenntnis und weitere Vollkommenheiten sind, wird durch Bhūḥ, Bhuvaḥ und Svar bezeichnet. Oṃ wird als „so ’ham“, „Das bin ich“, ausgelegt. Dieser Zusatz hat vedischen Rang und wird „Haupt des Veda“ genannt. Wer nach diesen Kennzeichen in der Essenz der Veden feststeht, erlangt die angestrebte Frucht; wer Befreiung sucht, gelangt zur Befreiung. Damit endet die Erklärung der Vyāhṛtis.
Band III, S. 913, Pranava: Bedeutung und Nyasa
Deutsch: Nun der Praṇava-Mantra nach dem Prapañcasāra: Ich erkläre den höchsten, Praṇava genannten Mantra mit Rezitation, Verehrung, Feueropferordnung und Meditation. Er hebt alle Verfehlungen auf, ist ein Wunschbaum für vielerlei Ziele, verleiht die Frucht der Befreiung und wird von Menschen reinen Geistes verehrt. Die erste Vokalform wird mit weiteren verschlüsselt bezeichneten Lautbestandteilen und Bindu verbunden; so entsteht der aus drei Mātrās bestehende Praṇava, der allen Mantras innewohnt. Prajāpati ist sein Seher, Devī-Gāyatrī sein Versmaß und das Paramātman genannte Selbst der Welt seine Gottheit. Die folgende Lautanweisung zum Gliedernyāsa ist teilweise beschädigt und verbindet Vokale, Dhruva/Praṇava und die rituellen Endungen. Alternativ werden nacheinander die Vyāhṛtis ohne Satyam verwendet. [Die technische Lautbildungszeile bleibt als Drucklesung bewahrt; keine ungesicherte Bīja-Reihe wird daraus ergänzt.]
Band III, S. 913, Pranava: Vishnu-Meditation
Deutsch: Meditation: Ich verneige mich vor Viṣṇu auf dem Lotus. Eine leuchtende Krone, Armreife, Armbänder, Halsschmuck, Ketten sowie Schmuck an Leibmitte, Füßen und Hüften zieren ihn; große, edelsteinbesetzte Makara-Ohrringe lassen seine Gestalt erstrahlen. Seine erhobenen Hände tragen Diskus, Muschelhorn, Lotus und Keule. Makellos leuchtet er in gelber Seide wie die aufgehende Sonne. [Die Druckfußnote nennt in Textzeuge 4 für die Verbindung mit der leuchtenden Krone eine Variante mit „bhāsvatkalāpa“.]
Band III, S. 913–914, Pranava: Purashcharana und Abschluss
Deutsch: Das Purashcharana besteht aus einer Koṭi, zehn Millionen Wiederholungen. Die Quelle begründet dies ausdrücklich: Der Eingeweihte wiederhole den Mantra einhundert Lakh und vollziehe ein Zehntel als Feueropfer, mit gheeversetztem Milchreis oder Brennholz des als „Brahmanenbaum“ bezeichneten Baums. Wer mit Ghee, Milchreis, Sesam und Brennholz opfert, erlange bald die gewünschten Früchte für diese und die jenseitige Welt. Nach der Verehrungsordnung heißt es zusammenfassend: Der Übende nehme den Tāra-Mantra durch die verschiedenen Formen von Japa, Feueropfer und Verehrung in sich auf und verbinde damit die Yoga-Verfahren. Dadurch erlange er hier umfassendes Gedeihen und am Ende, in Viṣṇus Wohnstatt, das wahre Sein. Damit endet das Praṇava-Purashcharana. [Die Stoffreihe im zweiten Vers ist im Druck leicht beschädigt; der „Brahmanenbaum“ wird nicht ohne weiteren Beleg botanisch festgelegt.]
Band III, S. 914, Vedischer Mrityunjaya: Mantra und Zuordnung
Deutsch: Nun der vedische Mṛtyuñjaya-Mantra aus dem Merutantra: Alle Wesen fürchten jederzeit und bei allen Handlungen den Tod. Ist er überwunden, könne der Mensch die Ziele bis hin zur Befreiung verwirklichen. Deshalb wird der „Todüberwindung“ genannte Mantra erklärt. Der nächste Satz bringt fehlende Verehrung mit kurzem Leben und Krankheit in Verbindung; die grammatische Lesung ist beschädigt. „Wir verehren den Dreiäugigen, den Wohlriechenden, der das Gedeihen mehrt. Wie eine reife Gurkenfrucht von ihrer Bindung möge ich vom Tod gelöst werden, nicht von der Unsterblichkeit.“ Vasiṣṭha ist der Seher, Anuṣṭubh das Versmaß und Tryambaka die Gottheit. Die sechs Glieder werden aus drei, vier, acht, neun, fünf und drei Silben gebildet. [Die Gleichsetzung des Zahlworts go mit neun folgt hier der angegebenen Gliederung von insgesamt 32 Silben; die Quelle selbst gibt die Zahlwörter.]
Band III, S. 914, Vedischer Mrityunjaya: Meditation
Deutsch: Die Meditation: Ich verehre den dreiäugigen Śiva auf dem Kailāsa, auf einem reinen Lotus sitzend und mit der jungen Mondsichel gekrönt. Mit zwei Händen übergießt er sein Haupt aus zwei Krügen mit Nektar; zwei weitere Hände halten die Krüge. Zwei tragen Antilope und Gebetskette. Das auf dem Schoß ruhende weitere Händepaar hält einen Nektarkrug. [Die Quelle beschreibt die achtarmige Gestalt über vier Handpaare; die doppelte Bezugnahme auf die oberen Krüge bleibt erhalten.]
Band III, S. 914–915, Vedischer Mrityunjaya: Purashcharana und Abschluss
Deutsch: Purashcharana: Mit beherrschten Sinnen meditiere man auf diese Weise und wiederhole den Mantra hunderttausendmal. Zehntausend Feueropfer werden mit zehn Stoffen und Ghee vollzogen. Die aufgezählten Stoffe sind Bilva, Palāśa, Khadira, Banyan, Sesam, Senf, Milchreis, Dickmilch und Dūrvā; je Stoff werden tausend Darbringungen genannt. [Die Aufzählung enthält neun ausdrücklich benannte Stoffe; möglicherweise ist das bereits genannte Ghee der zehnte. Der Druck wird nicht durch einen erfundenen weiteren Stoff ergänzt.] Nach Tarpaṇa und Abhiṣeka erfreue man Brahmanen und den Guru. Danach gelte der große Mantra als für besondere Anwendungen geeignet. Damit endet das vedische Mṛtyuñjaya-Purashcharana.
Band III, S. 915, Rudradhyaya: Dialog und Viniyoga
Deutsch: Nun die Vorschrift zum Purashcharana des Rudrādhyāya aus derselben Quelle. Viṣṇu spricht: Gott der Götter, Mahādeva, der du den Verehrern Gnade erweist! Du bist die Zeit der Welten, und diese höchste Kraft ist Mahāmāyā. Welche Mantras und Hymnen erfreuen uns beide und gewähren Genuss und Befreiung ohne Leiden? Śiva antwortet: Viṣṇu, du hast nach Geheimem gefragt, das einem tantrischen Zweimalgeborenen nicht mitgeteilt werden soll. Im Tantra erscheint meine tamasische Gestalt; deine Frage gilt hier der sattvischen. Erkenne mein Śatarudriya als den Herrn der Hymnen, als höchsten Mantra der vier Veden und Wohnstatt von Genuss und Befreiung. Die Versmaße sind Anuṣṭubh und weitere; Aghora gilt als Seher. Gottheit ist Rudra, Āditya, der höchste Puruṣa. Nach der Paddhati lautet der Viniyoga: Rezitation des Śatarudriya zur Freude Śrī Rudras. [Die Abgrenzung zwischen vedisch-sattvischer und tantrisch-tamasischer Überlieferung ist die Position des zitierten Textes.]
Band III, S. 915–916, Rudradhyaya: Hand- und Gliedernyasa
Deutsch: Nun der Nyāsa an Händen und Gliedern: Oṃ, Verneigung vor dem Selbst des Agnihotra an beiden Daumen; vor dem Selbst der Neu- und Vollmondopfer an beiden Zeigefingern; vor dem Selbst der Cāturmāsya-Opfer an beiden Mittelfingern; vor dem Selbst des Nirūḍhapaśubandha-Opfers an beiden Ringfingern; vor dem Selbst des Jyotiṣṭoma an beiden kleinen Fingern; vor dem in der Quelle durch „vierzig, hundert, tausend“ bezeichneten umfassenden Selbst an Handflächen und Handrücken. Entsprechend erfolgt der Nyāsa am Herzen und den weiteren Gliedern. Der Herausgeber beziehungsweise Kompilator sagt ausdrücklich, der Mahānyāsa werde wegen seiner Länge ausgelassen. [Die letzte Zahlverbindung wird wörtlich bewahrt und nicht in eine unbelegte Gesamtzahl umgerechnet.]
Band III, S. 916, Rudradhyaya: kosmisches Linga und Anrufung
Deutsch: Meditation: Der Brahmane meditiert bei der Rezitation der Rudra-Anuvākas über den einen Herrn als leuchtendes Kristall-Liṅga, das das Weltall von der Unterwelt bis zum Himmelsraum erfüllt. Der Vollmond auf seinem Haupt ergießt Nektar, der es ganz durchtränkt. Zur Erlangung des Ersehnten vollzieht man Abhiṣeka über Śiva, die wunderbare höchste Stätte. Nach dem Merutantra wird das Liṅga entsprechend der zuvor für das irdene Liṅga gegebenen Ordnung verehrt. Anrufung: „Von Menschen, Siddhas, Göttern, Asuras und weiteren Wesen wirst du verehrt. Auch ich verehre dich mit Hingabe; nimm mich an, Maheśvara. Die kundigen Rosse mögen dich bringen, mit weißen, gekennzeichneten Pferden, wind- und gedankenschnell und kraftvoll. Komm rasch zu meiner Opfergabe; Verneigung vor Śarva. Dies ist dein Anteil, Rudra; ziehe damit über den Mūjavat hinaus. Mit entspanntem Bogen, Pināka tragend, in ein Fell gekleidet, gehe heilvoll und uns nicht verletzend vorüber. Vier Hörner, drei Füße, zwei Häupter und sieben Hände hat der dreifach gebundene Stier; er brüllt, und der große Gott ist in die Sterblichen eingetreten. Sei gnädig, Herr der Götter; blicke freundlich, Śaṅkara. Sei friedvoll und wende dich mir zu.“ [Einzelne vedische Wortformen werden nach dem unakzentuierten Druck bewahrt.]
Band III, S. 917, Rudradhyaya: Abhisheka und Avartana
Deutsch: „Herr, Gebieter der ganzen Welt, bleibe bis zum Ende der Verehrung liebevoll in diesem Liṅga gegenwärtig.“ Danach erfolgt Abhiṣeka nacheinander mit den fünf Nektarstoffen und mit reinem Wasser, anschließend die Verehrung. Dann lässt man den Rudra-Wasserstrom fließen. Seine Ordnung wird erklärt: Die beiden Textabschnitte, die mit „namaste rudra“ und „…viṣṇu“ bezeichnet werden, bilden zusammen ein Āvartana, einen vollständigen Rezitationsdurchgang; ihm wird die Frucht eines Bades in der Gaṅgā zugeschrieben. Wer täglich diesen Āvartana-Abhiṣeka vollzieht, dessen tägliche Verfehlungen schwänden. Sind diese bereits durch das Sandhyā-Gebet vermindert, so würden Verfehlungen aus früheren Geburten aufgehoben. [Die verkürzten Textbezeichnungen des Drucks werden als solche beibehalten.]
Band III, S. 917–918, Rudradhyaya: Rudri bis Atirudra
Deutsch: Ein vollständiger Vortrag des mit „namas“ bezeichneten Textes wird jeweils mit einem Anuvāka des anderen verbunden; die folgende knappe Beschreibung bis „viṣṇu“ ist im Druck nicht ganz eindeutig. Diese Folge heißt Rudrī und wird als schwere Verfehlungen durchtrennend gepriesen. Beim täglichen Liṅga-Abhiṣeka mit ihr sollen Jahr für Jahr die Verfehlungen früherer Geburten schwinden. Nach Aufhebung der Last aus sieben Geburten mehre sich Wohlstand, die Familie gewinne Bestand und der Ruf verbreite sich in alle Richtungen. Eine weitere Bildzeile über Gestalt und Wasser ist beschädigt und bleibt unaufgelöst. Elf Rudrīs bilden einen Laghurudra. Wer das so begossene Liṅga schaut, begegne nach der Quelle nicht dem Sohn der Sonne, Yama. Elf Laghurudras bilden einen Mahārudra, der besonders für mittellose Zweimalgeborene als Aufhebung schwerer Verfehlungen genannt wird. Das damit vollzogene Feueropfer gilt als dem Soma-Opfer gleichwertig; diese Möglichkeit wird im Kali-Zeitalter mit fehlender Berechtigung zur entsprechenden Weihe begründet. Elf Mahārudras heißen Atirudra. [Die klaren Elferverhältnisse werden getrennt von den beschädigten Detailzeilen festgehalten.]
Band III, S. 918, Rudradhyaya: Überlieferungszweig und Entlohnung
Deutsch: Weiter: Jeder rezitiere so, wie er den Text im eigenen vedischen Überlieferungszweig gelernt hat; die Śākhā soll nicht gewechselt werden. Wer in seiner Śākhā keinen Rudra-Text hat, rezitiere die Taittirīya-Fassung. Bei einer durch Brahmanen für einen Opferherrn ausgeführten Handlung wird auf dessen Śākhā Bezug genommen; die folgende Erlaubnis einer anderen beziehungsweise Taittirīya-Śākhā ist syntaktisch nicht völlig eindeutig. Die Quelle warnt vor einer Vermischung von Zweigen und schreibt ihr Schaden für den Auftraggeber zu. Wer aus Geldgier für andere den Abhiṣeka vollziehe, wird mit einer abwertenden Kastenvergleichsformel und Armut in sieben Geburten bedroht. Für einen Hausvater, der zum Lebensunterhalt verehrt, nennt der Text dagegen eine Sühne durch ein Zehntel seitens Rezitierendem und Geber; die genaue Aufteilung bleibt unklar. Erneut heißt es: Wer keinen Rudra-Text in seiner Śākhā hat oder dessen Zweig verloren ist, verwendet den Taittirīya-Rudra samt dem als paricīya bezeichneten Zusatz. Nun sollen die Mantras des Rudrādhyāya mit ihren Anwendungen folgen. Die Quelle beschränkt ihre Weitergabe auf rituell vorbereitete Personen und schließt tantrische Adressaten aus. [Diese sozialen Wertungen und Zugangsregeln werden als historische Position der Vorlage dokumentiert, nicht als redaktionelle Vorgabe übernommen.]
Band III, S. 918–919, Rudradhyaya: erste Mantragruppe und Befriedung
Deutsch: Zuerst die Purashcharana- und Anwendungsregeln für die Mantragruppe von „oṃ namaste rudra manyavaḥ“ bis „mā hiṃsīḥ puruṣaṃ jagat“. [Die Quelle zitiert die Gruppe nur mit Anfang und Ende, nicht vollständig.] Mit beherrschten Sinnen werden eine Million Wiederholungen angegeben, danach hunderttausend Feueropfer mit Gerste und Weizen, verbunden mit Honig, Sesam, Ghee und Dickmilch. Dies soll das jeweilige Vorhaben verwirklichen. Täglich tausend Darbringungen über elf Tage werden gegen einen das Dorf heimsuchenden Bālagraha genannt; eine Kindergruppe betreffende Bedrängnis soll nach zwölf Tagen enden. Fünfzehn Tage Homa gelten der Befriedung des Reiches, zwanzig Nächte der des Landes und ein Monat der der Erde. Bei Bedrängnis des Viehs nennt die Quelle ein Feueropfer im Viehhof mit Vaikaṅkata-Holz und zehntausend Dūrvā-Gaben; die Verbindung beider Stoffe ist knapp formuliert. Zwanzigtausend Opfer gelten als große Befriedung. [Die Graha- und Befriedungswirkungen sind historische Zuschreibungen; eine beschädigte Wortform bei der Kinderbedrängnis bleibt vorläufig.]
Band III, S. 919, Rudradhyaya: sivena vacasa und adhyavocat
Deutsch: Für die mit „śivena vacasā“ beginnende Stelle werden zehntausend Wiederholungen zur Lösung eines Fluches angegeben. Hunderttausend Rezitationen am Morgen im winterlichen Wasser sollen Glück bringen. Für „adhyavocat“ besteht das Purashcharana aus hunderttausend Wiederholungen und einem Feueropfer mit weißem Senf. Die Quelle nennt dies auch ein Ritual zur Verlagerung von Krankheit. Senfkörner werden siebenmal besprochen und in den vier Richtungen um einen Kranken ausgestreut; die anschließende Wendung mit „zehn“ ist beschädigt. Für eine Reise werden dreimal Körner in die zehn Richtungen ausgestreut und Sicherheit verheißen. Bei einer als Besessenheit durch Brahmarākṣasas, Yakṣas, Piśācas, Pretas oder Bhūtas gedeuteten Bedrängnis beschreibt die Quelle ein Schlagen beziehungsweise Bewerfen mit siebenmal besprochenem Senf unter wiederholter Rezitation. Die Wesen werden als auf eine Gabe ausgehend beschrieben und sollen nach Empfang einer Geldgabe fortgehen; die Schlusswendung zur Hand ist unklar. [Diese Exorzismusvorstellungen werden historisch dokumentiert; beschädigte Einzelanweisungen werden nicht zu einem heutigen Verfahren ergänzt.]
Band III, S. 920, Rudradhyaya: weitere Anwendungen von adhyavocat
Deutsch: Fortsetzung derselben Anwendungsgruppe: Nach Anrufung und Verehrung Śivas nennt die Quelle ein die ganze Nacht fortgesetztes Ritual mit weißem Senf gegen Skanda und weitere Grahas. Eine nach den Lehrtexten gewählte Arznei werde unter dem Mantra besprochen und danach gegeben; dadurch solle ihre Wirkung nach der Quelle unmittelbar gefördert werden. Besprochenem Wasser wird eine Wirkung gegen schlangenbedingte Beschwerden zugeschrieben, Senf dem Abwehren von Grahas und dem Tragen von Asche dem Abwehren von Bhūtas. Es folgt eine tags und nachts dreimalige Besprechung mit einer beschädigten Zahlen- und Ortsangabe, danach die Behauptung, Schlangen würden verschwinden. Besprochene Asche wird in einem von Schlangen heimgesuchten Haus ausgestreut, was sie vertreiben solle. [Die Zahlen-/Ortszeile mit sahasra und vāgāhada ist nicht sicher lesbar. Die Passage beschreibt historische Heil- und Schutzvorstellungen und liefert keine verlässliche Schlangenbissbehandlung.]
Band III, S. 920, Rudradhyaya: asau yas tamra
Deutsch: Die beiden Verse beginnend mit „asau yas tāmra“: Bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang verehrt man mit ihnen die Sonne, mit einhundertacht Wiederholungen; ihnen wird beständige Gesundheit zugeschrieben. Tausendfach besprochenes Wasser oder Milch wird zum Abhiṣeka Śivas verwendet. Nach einem Jahr werde er gnädig; Abhiṣeka mit Ghee soll Regen bewirken. Zehntausend Opfer mit Leinblüten werden mit Beeinflussung und Savitṛs Gunst verbunden. Eine weitere Anweisung nennt Milchsaft des Arka-Baums in einer beschädigten Stoffverbindung, zehntausend Arka-Hölzer sowie Mehl mit Wasser. Nach dem Feueropfer soll die Sonne Regen senden. Das Mantrapaar gewähre seinen Verehrern das ersehnte Gelingen. [Die unleserliche Stoffverbindung bei Arka wird nicht konkretisiert.]
Band III, S. 921, Rudradhyaya: namostu nilagrivaya
Deutsch: Für „namo ’stu nīlagrīvāya“: Auf dem vorbereiteten Opferplatz wird Milchreis mit Ghee dargebracht. Vom achten bis zum vierzehnten Tag der dunklen Mondhälfte erfolgen täglich eine tausendfache Besprechung und Abhiṣeka beziehungsweise Darbringung; die Verbindung beider Handlungen ist im Druck knapp. Der Gottheit werden tausend Kārṣāpaṇa-Münzen angeboten. Bei verwirklichtem Mantra soll daraus Gewinn einschließlich des Aufwands erwachsen, sonst die Hälfte. Auch eine Darbringung an einem Sūryakānta-Stein wird mit erneutem Gewinn verbunden. Das Purashcharana beträgt hunderttausend Wiederholungen, das Feueropfer geschieht mit Milchreis und Ghee. Die Anwendung wird als nicht allgemein mitzuteilen bezeichnet. [Die Fußnote nennt „kṛśaram“, ein Reisgericht, als Variante in Zeugen 2 und 3; die genaue Gewinnberechnung bleibt vorläufig.]
Band III, S. 921, Rudradhyaya: pramunca dhanvanas und feindgerichtete Riten
Deutsch: Mit den sechs Versen beginnend „pramuñca dhanvanas tvam“ werden Waffen tausendmal besprochen und für den Kampf angelegt; Feinde sollen dadurch weichen. Die Quelle beschreibt danach Abhicāra-Riten: zehntausend Feueropfer mit der vorläufig als Garbhakaṇṭakī gelesenen Pflanze, eine unklare Handlung mit Rohzucker am Mund und Rezitation unter Erinnerung an den Namen eines Feindes. Der Rezitationssitz allein soll dessen Vertreibung bewirken. Als Zeitstufen nennt sie einen ganzen Tag für Stadt oder Dorf, Tag und Nacht für einen König, einen halben Tag für einen Prinzen, einen Drittelanteil für einen Kṣatriya, einen Viertelanteil für einen Vaiśya und einen Sechstelanteil für einen als ekajātika bezeichneten Angehörigen der untersten Varṇa. Zur Beeinflussung der vier Varṇas werden der Reihe nach Palāśa-, Aśvattha-, Bilva- und Apāmārga-Holz mit Dickmilch, Honig und Ghee genannt, jeweils zehntausend Opfer. [Dies sind historische magische Wirkungsbehauptungen und soziale Einteilungen der Vorlage; beschädigte Stoff- und Handlungsangaben bleiben offen.]
Band III, S. 922, Rudradhyaya: Fortsetzung der sechs Verse
Deutsch: Fortsetzung zu den sechs Versen: Für die Beeinflussung sozial niedriger eingestufter Gruppen nennt die Quelle Varuṇa-, Arka-, Vetasa- und Śākhoṭaka-Holz; die anschließende Verbindung zu den Lebensweisen der Varṇas ist undeutlich. Hunderttausend mit Sandel bestrichene Saugandhika-Blumen, blaue und weiße Wasserlilien werden mit jedem der sechs Mantras einzeln an einem selbstentstandenen Liṅga dargebracht. Dies soll einem entthronten König sein Reich und einem nach Reichtum Strebenden Vermögen bringen. Hunderttausend Sesamgaben auf Śiva unter den einzelnen Mantras werden mit Überlegenheit über Feinde verbunden. Zehntausend Feueropfer mit Rājavṛkṣa-Holz sollen Sieg in Schlacht, Königshof und Spiel gewähren. Sechstausend Guggulu-Opfer vor Dakṣiṇāmūrti gelten dem raschen Gelingen eines Vorhabens, achttausend selbst dem scheinbar Unmöglichen. Achttausend Darbringungen frisch zubereiteter Speise sollen unerschöpfliche Vorräte bewirken. [Die Pflanzenbezeichnungen werden ohne ungesicherte botanische Gleichsetzung übernommen.]
Band III, S. 922–923, Rudradhyaya: namaste astu bhagavan und hiranyabahave
Deutsch: Vor der nächsten Gruppe wird ein Vers des Pariśiṣṭa angeführt: „namaste astu bhagavan“, „Verneigung sei dir, Erhabener“. Zehntausend Rezitationen und je Name tausend Feueropfer mit gheegetränkten Bilva-Blättern sollen allgemeine Verehrung bringen. Für „namo hiraṇyabāhave“, „Verneigung vor dem Goldarmigen“, werden achttausend Wiederholungen als Purashcharana genannt. Die Rezitation für jemanden im Kampf soll dessen Wohlergehen dienen und ihn nach der Quelle vor feindlichen Waffen schützen. Eine anschließende Zeile verweist auf einen weiteren Pariśiṣṭa-Zusatz und Nyāsa; ihre Anfangswörter sind beschädigt und bleiben unaufgelöst.
Band III, S. 923, Rudradhyaya: rohita bis avyadhinibhyah
Deutsch: „Namo rohitāya sthapataye“ – Verneigung vor dem Roten, dem Meister: Fünftausend Wiederholungen bilden das Purashcharana; dem Rezitierenden wird Freiheit von Furcht vor Tigern, Räubern und weiteren Waldgefahren zugeschrieben. „Namaḥ sahamānāya nivyādhine“ – Verneigung vor dem Überwältigenden, dem Durchbohrenden: Achttausend Wiederholungen; der Japa gilt als Aufhebung heftiger Schmerzen durch Wunden und Ähnliches. „Nama iṣumadbhyaḥ“ – Verneigung vor den Pfeiltragenden: Neuntausend Wiederholungen; Rezitation zur Befriedung beziehungsweise zum Schutz des viergliedrigen Heeres. „Nama āvyādhinībhyaḥ“ – Verneigung vor den allseits Durchbohrenden: Sechzehntausend Wiederholungen; nach Bali für einen schädigenden Graha und Rezitation wird Gesundheit verheißen. [Die Übersetzungen der Anfänge geben nur die in der Quelle zitierten Wörter wieder.]
Band III, S. 923–924, Rudradhyaya: bhavaya bis asusenaya
Deutsch: „Namo bhavāya ca“ – Verneigung vor Bhava: Zehntausend Wiederholungen, angewandt für Gedeihen. Rezitation an den drei Sandhyā-Zeiten soll innerhalb eines Jahres Glück bringen. „Namo hrasvāya“ – Verneigung vor dem Kleinen: Fünftausend Wiederholungen; dem Übenden werden Führung innerhalb einer Gruppe und Anerkennung durch andere zugesprochen. „Namo jyeṣṭhāya ca“ – Verneigung vor dem Ältesten: Zehntausend Wiederholungen; damit werde er der Hervorragendste unter seinen Verwandten. „Nama āśuṣeṇāya“ – Verneigung vor dem mit schnellem Heer: Fünftausend Wiederholungen; der Text verheißt das Ende von Gehbehinderung und Pādukā-Siddhi, die magische Vollkommenheit der Sandalen.
Band III, S. 924, Rudradhyaya: dundubhyaya bis somaya
Deutsch: „Namo dundubhyāya“ – Verneigung vor dem in der Trommel Gegenwärtigen: Zwanzigtausend Wiederholungen; der Anuvāka wird als Sieg im Kampf bewirkend bezeichnet. „Namaḥ kūpyāya ca“ – Verneigung vor dem im Brunnen: Sechstausend Wiederholungen. Mit dem Mantra besprochenes Wasser soll einen von einem Graha bewachten Schatz freigeben. „Namaḥ somāya ca“ – Verneigung vor Soma: Zehntausend Wiederholungen als Purashcharana, anschließend einhundertacht Wiederholungen zu den drei Tageszeiten. Die Quelle beschreibt die Einnahme und das Auftragen von Asche und Wasser und schreibt dem Ritual das Verschwinden von Rājayakṣman, Kilāsa, Śvitra und Arbuda nach drei Monaten sowie kleinerer Leiden nach drei Tagen zu. [Die historischen Krankheitsnamen werden nicht in sichere moderne Diagnosen umgedeutet; die Angaben sind keine Belege für Heilwirksamkeit.]
Band III, S. 924, Rudradhyaya: tirthyaya und irinyaya
Deutsch: „Namas tīrthyāya ca“ – Verneigung vor dem an der heiligen Furt: Sechstausend Wiederholungen als Purashcharana. Wer an einem Tīrtha sechs Monate rezitiert, genieße schon in diesem Leben dessen verheißene Frucht. „Nama iriṇyāya ca“ – Verneigung vor dem im unfruchtbaren Gelände: Neuntausend Wiederholungen; ihm wird das Gelingen der auf Silber bezogenen Metallverwandlung zugeschrieben. Hier wird ferner ein Anuvāka aus dem Pariśiṣṭa genannt, beginnend mit „rajasyāya ca“ und mit Namaḥ endend; er soll zehntausendmal rezitiert werden. [Die Quelle bietet auch diesen Zusatz nur als Textverweis.]
Band III, S. 924–925, Rudradhyaya: nindikaya und urvyaya
Deutsch: Für den im Druck als „namo nindikāya ca“ gelesenen Anfang werden achttausend Wiederholungen als Purashcharana genannt. Durch rituelles Abstreichen mit einem Bündel Pfauenfedern sollen Bālagrahas, als Kinder bedrängend vorgestellte Mächte, schwinden. Für „nama ūrvyāya ca“ werden viertausend Wiederholungen angegeben. Besprochenes Wasser wird einem Trauernden gereicht, um seinen Kummer zu befrieden. [Die beiden verkürzten Mantra-Anfänge sind nach dem Druck vorläufig gelesen.]
Band III, S. 925, Rudradhyaya: kirikebhyah – Reichtum und Herrschaft
Deutsch: Für „namo vaḥ kirikebhyaḥ“ nennt die Quelle eine Folge von Wohlstandsriten. Zehntausend Sesamopfer sollen innerhalb eines Jahres tausend Kārṣāpaṇas aus eigener Tätigkeit oder vom König bringen. Zehntausend Opfer mit Apāmārga-Holz werden mit Herrschaft beziehungsweise einem Vermögen im Wert von tausend Goldstücken verbunden; die Wortverknüpfung ist undeutlich. Eine aus Guggulu gefertigte Figur wird zerteilt und in achttausend Darbringungen geopfert; als Frucht wird eine geschmückte Braut genannt. Derselbe Homa mit vorausgehender Rezitation soll dem nach Reichtum Strebenden hundert Goldstücke innerhalb eines Jahres verschaffen. Elftausend mit Ghee bestrichene Zuckerrohrstücke sollen innerhalb eines Monats elf Kühe bringen. Nach dem Purashcharana gelten hunderttausend Opfer mit Sesam und Reis als Herbeirufung königlichen Wohlstands; Opfer mit Sesam und Getreide sollen diesen festigen. Eine Königsfigur aus Śatapuṣpā und tausend Darbringungen werden als Beeinflussungsritus beschrieben. Hunderttausend Lotus- und Wasserlilienopfer sollen weiteren Wohlstand bringen. Die letzte, beschädigte Verbindung nennt Kichererbsenfiguren beziehungsweise Guggulu-Kugeln und hunderttausend Opfer zur Erlangung eines vorgestellten Vasallenreiches. [Die unklaren Verbindungen werden nicht in eine präzise Herstellungsanleitung umgeformt.]
Band III, S. 926, Rudradhyaya: kirikebhyah – Kreuzweg und Sprache
Deutsch: Fortsetzung: Hunderttausend Bilva-Holzopfer vor Dakṣiṇāmūrti sollen ein Vasallenreich verschaffen. An einer großen Kreuzung wird ein Liṅga aus Termitenhügelerde errichtet, mit Pañcagavya begossen und unter dem Rudrādhyāya besprochen. Abhiṣeka mit „mā nas toke“, Milchreis mit Ghee und Bali für die Bhūtas werden für drei Monate genannt; als Frucht wird große Herrschaftsmacht verheißen. Danach beschreibt die Quelle eine Einnahmezubereitung vor Dakṣiṇāmūrti: ein Pala oder ein halbes Pala der unklar bezeichneten Substanz Śvetāmbarā werde pulverisiert, in einem Kupfergefäß mit Ghee einer rötlichbraunen Kuh vermischt, mit dem Zeigefinger bearbeitet und achttausendmal unter dem Mantra besprochen. Der Einnahme wird unaufhaltsame Wirksamkeit der Rede zugeschrieben. [Śvetāmbarā ist hier nicht sicher identifiziert; die historische Rezeptur wird nicht botanisch ergänzt und nicht als Einnahmeempfehlung verstanden.]
Band III, S. 926, Rudradhyaya: kirikebhyah – Vieh und Ersatzstoffe
Deutsch: Zehntausend mit Dickmilch bestrichene Udumbara-Hölzer sollen den Besitz vieler Kühe und den Fortbestand der Herde sichern. Achttausend mit Ghee versehene Bilva-Gaben sollen acht Goldstücke bringen, bei nicht verwirklichtem Mantra acht Silberstücke. Fehlt Bilva, werden nacheinander Āmalaka, Udumbara, Haimavatī und Vibhītaka als Ersatz genannt. Hunderttausend mit Sandel und Kuhghee versehene Lotusblumen sollen Lakṣmī von selbst herbeiführen. Für den nächsten Anfang „drāpe andhasaspate“ nennt die Quelle ein Feueropfer mit Ghee in Zehntausenderzahl bis zu einer festgesetzten Grenze; die Mengenverbindung ist knapp. Als Frucht werden unerschöpfliche Gewänder verheißen.
Band III, S. 927, Rudradhyaya: ya te rudra – Schutzfaden
Deutsch: Für „yā te rudra“ beschreibt der Text einen Schutzfaden. Wolle wird genommen; die Herkunftsverbindung der ersten Zeile ist beschädigt. Daraus wird eine elffache Schnur gefertigt, tausendmal besprochen und mit elf Knoten versehen. Die Schnur wird verehrt, beräuchert und umgebunden. An der linken Hand einer Schwangeren soll sie eine leichte Geburt, an der rechten Hand eines Kindes dessen Wohlergehen bewirken. Ein Vermögender beziehungsweise ein in Schuldverhältnissen Stehender trägt sie am Oberarm oder Hals; ihm wird Freiheit von Furcht vor dem Gläubiger zugesprochen. [Die sozialen Begriffe dhanika und uttamarṇa stehen im Druck in einer nicht ganz stimmigen Verbindung. Geburtshilfliche und sonstige Schutzwirkungen sind Quellenzuschreibungen.]
Band III, S. 927–928, Rudradhyaya: imam rudraya – Befriedung
Deutsch: Für „imāṃ rudrāya“ werden täglich 1008 Sesamopfer genannt; dadurch soll man ungebeten Vermögen von anderen Menschen erhalten. Zehntausend mit Ghee bestrichene Dūrvā-Sprosse sollen selbst einen durch schweres Fieber dem Tod nahen Menschen am Leben erhalten. Zehntausend Darbringungen von Honig, Milchreis, Ghee und Ähnlichem sollen von schweren Grahas, Fieber und Schadenzauber befreien. Zehntausend Vaikaṅkata-Hölzer mit Ghee gelten ebenfalls als Befriedung von Fieberleiden. Wer wegen seines Besitzes von Feinden bedrängt wird, soll nach zehntausend Opfern mit Spelzen wieder Wohlergehen finden. Hunderttausend Opfer mit Vaikaṅkata, Udumbara und Sesam werden als allgemeiner Friedensritus bezeichnet. Werden Kühe oder andere Tiere heimgesucht, wird an ihrem Standort Feuer eingerichtet; zehntausend in Dickmilch getauchte Vaikaṅkata-Hölzer sollen die Bedrängnis stillen. Bei zehntausend mit Ghee bestrichenen Palāśa-Hölzern sollen Fieber-Grahas, Rākṣasas, Bhūtas, Vetālas, Pretas und Piśācas Menschen, Elefanten und Pferde verlassen. [Die Heil- und Schutzwirkungen sind Aussagen der historischen Quelle.]
Band III, S. 928, Rudradhyaya: imam rudraya – Schutz eines Ortes
Deutsch: Wo in einem Haus häufig Geburt, Tod oder Verlust vorkommt, nennt die Quelle einen Friedensritus mit zehntausend Sesamopfern in Ghee. [Die Lesung „Geburt“/janana ist im Druck vorhanden, in diesem Zusammenhang aber auffällig.] Für eine von Seuche, Tigern oder anderen Gefahren sowie göttlichen oder dämonischen Mächten bedrohte Gegend wird ein Feuer in der Mitte des Ortes errichtet. Vier ausgerüstete Wächter stehen in den vier Himmelsrichtungen; der Ritus wird achtsam vollzogen. Es folgen 1008 Sesamopfer mit Ghee. Um Mitternacht, wenn die Bevölkerung schläft, werden an verschiedenen Stellen Reis mit Ghee, Sesam, Mehl, Reis mit schwarzen Bohnen, Kṛśara und süßer Milchreis auf Palāśa-Blättern als Bali dargebracht, zuerst den Rudras, danach den Rakṣas. Die Durchführung während einer Monatshälfte soll alle Heimsuchungen beseitigen.
Band III, S. 928–929, Rudradhyaya: mrda no und ma no mahantam
Deutsch: Zu „mṛḍā no rudra“: tausend Wiederholungen im Wasser; am Ufer wird Śiva verehrt. Die folgende Verszeile ist im vorliegenden Druck nicht zuverlässig auflösbar und bleibt lokal offen. Zu „mā no mahāntam“: Für die Gesundheit der Angehörigen und Kinder werden zehntausend Sesamopfer genannt; dadurch werde rasch Genesung von Śītalā und ähnlichen Leiden erreicht, so die Quelle.
Band III, S. 929, Rudradhyaya: ma nas toke – Vorbereitung und Erneuerung
Deutsch: Zu „mā nas toke“: „Den großen Kalpa dieses Mantras, der in allen Tantras verborgen ist, werde ich dem Weisen zur Erfüllung der Aufgaben der Götter erklären.“ Zuerst wird der Körper durch Atikṛcchra, Kṛcchra und Cāndrāyaṇa gereinigt; danach beginnt Japa. Während des Rezitationsgelübdes besteht die Nahrung aus Blattgemüse, Gerstengrieß, Milch oder erbettelter Speise. Zehntausend Wiederholungen und tausend Feueropfer machen den Mantra für Anwendungen bereit. Nach einer Anwendung wird einen Tag und eine Nacht ununterbrochen rezitiert; ein Zehntel dieser Zahl folgt als Homa mit Udumbara-Holz und Ghee. Ebenso viele Gheeopfer werden anschließend mit den großen Vyāhṛtis dargebracht; man nimmt den Rest der Opferflüssigkeit ein. Die knappe Aussage über ein Schwinden durch die Anwendung ist syntaktisch unsicher und wird hier auf die zu erneuernde Ritualkraft bezogen. Der Ritus und die Sühne sind wiederholt vorzunehmen. Eine Waschung mit siebenmal besprochenem scharfem Öl wird als Lösung von der Schuld an Tötungszauber und ähnlichen Anwendungen beschrieben.
Band III, S. 929, Rudradhyaya: ma nas toke – Glanz und Wohlstand
Deutsch: Wer brahmanischen Glanz erstrebt, bringt achttausend mit Ghee versehene Opferhölzer dar; ihm wird Unüberwindlichkeit in allen Unternehmungen zugesprochen. Wer Lakṣmī oder eine Schau Śivas wünscht, fastet zehn Nächte und bringt zehntausend Lotusblumen mit Ghee dar. Zehntausend Opfer mit den als „Reiskörner aus Apāmārga“ bezeichneten Samen, versehen mit Dickmilch und Ghee, werden für Gedeihen in allen Anliegen genannt.
Band III, S. 930, Rudradhyaya: ma nas toke – weitere Wünsche
Deutsch: Zur Erlangung von tausend Kühen nennt der Druck ein Opfer mit Ghee; die erste Stoffverbindung „osarpiṣā“ ist beschädigt. Es folgen achttausend Gheeopfer. Nach zehntägigem Fasten werden zehntausend mit Ghee bestrichene Bilva-Früchte geopfert: Ein verwirklichter Mantra soll achttausend Goldstücke, ein noch nicht verwirklichter Silberstücke verschaffen. Für den Wunsch „Jene möge meine Frau werden“ beschreibt der Text Opfer mit Jātī-Blüten, Ghee und Honig. Hat eine rötlichbraune oder weiße Kuh ein männliches Kalb geboren, wird ihre erste Milch zu Caru gekocht. Nach 108 oder achttausend Darbringungen und Besprechung essen Mann und Frau davon; die Quelle verheißt kräftige, langlebige Söhne. Achttausend Dūrvā-Sprosse mit Dickmilch, Honig und Ghee sollen langes Leben bringen. Achttausend Opfer mit ebenso bestrichenen Blumen sollen Kleinvieh verschaffen; die Pflanzenbezeichnung „kurukāśayoḥ“ bleibt vorläufig und wird botanisch nicht aufgelöst.
Band III, S. 930–931, Rudradhyaya: ma nas toke – Einfluss und Schutz
Deutsch: Für einen Beeinflussungsritus werden drei Fastennächte und eine große Kreuzung genannt. Der Boden wird mit Kuhdung bestrichen; die folgende Verbindung mit Ghee und Kopf ist beschädigt. Nach Verehrung folgen nach vorläufiger Lesung 1008 Darbringungen; dadurch soll ein König beeinflussbar werden. Ein weiterer Ritus verwendet siebenmal besprochenes scharfes Öl an beiden Händen und verbindet die Berührung eines Menschen mit dessen Gefügigkeit. Hunderttausend Bilva-Hölzer mit Dickmilch, Honig und Ghee sollen brahmanischen Glanz bringen; zehntausend entsprechende Udumbara-Hölzer reichliche Nahrung. Hunderttausend Palāśa-Hölzer mit Ghee gelten als Mittel zu unerschöpflichem Vermögen. Achttausend Apāmārga-Hölzer mit scharfem Öl werden zur Vertreibung eines Feindes genannt; die Glosse erklärt Uccāṭana als Verjagung aus einem Land oder Ort. Für allgemeinen Schutz werden nach undeutlicher Lesung Kiesel mit Senf genommen, tausendmal besprochen und in die vier Richtungen sowie nach oben und unten gestreut. Dem Reisenden wird damit Schutz vor Räubern und Tigern zugesprochen. [Die beschädigten Stoff- und Mengenverbindungen bleiben ausdrücklich vorläufig.]
Band III, S. 931–932, Rudradhyaya: arat te, vikiri und sahasrani
Deutsch: Zu „ārāt te goghna“: Bei großer Furcht, etwa vor Tigern oder Räubern, vergegenwärtigt man sich die vier Verse, denen die Beseitigung dieser Bedrohungen zugeschrieben wird. Zu „vikiri“: Zehntausend Wiederholungen bei Gefangenschaft durch Mächtige sollen Besänftigung und Wohlwollen des Königs bewirken. Zu „sahasrāṇi“: Bei Todesfällen unter bedeutenden Menschen oder schwerer Heimsuchung werden je hundert Opfer mit Vaikaṅkata-Holz, Udumbara-Holz, Sesam oder Gerste genannt, jeweils elffach besprochen. Danach folgt Bali mit Kṛśara oder Milchreis für die Bhūtas; zusätzlich nennt die Quelle Katzenfleisch als Bali. Dadurch sollen die Heimsuchungen enden. Zu „sahasrāṇi sahasraśo ye rudrāḥ“: Die neun Verse mit dem Pariśiṣṭa sollen weltlichen Genuss gewähren; ohne diesen Zusatz gelten sie als Erkenntnis vermittelnd. [Die letzte Aussage unterscheidet die Rezitation mit und ohne Anhang.]
Band III, S. 932, Rudradhyaya: namo rudrebhyah und Schulanhänge
Deutsch: Zu „namo rudrebhyaḥ“: Mittags werden zehntausend mit Ghee versehene dornige Gaben geopfert. Diesem Mantra wird dieselbe Funktion wie dem Pratyaṅgirā-Mantra zugeschrieben. Der vollständige Mṛtyuñjaya wird als Abschluss des mit „namaste“ bezeichneten Abschnitts genannt. Die folgende, gedrängt gedruckte Schulbezeichnung wird vorläufig als „in einer anderen als der Taittirīya-Schule“ verstanden: sieben Anhänge, nämlich die fünf mit Sadyojāta beginnenden Formeln, „tryambakaṃ yajāmahe“ und Tvarita-Rudra. [Der Wortlaut „taittirīyetyaśākhāyām“ bleibt lokal unsicher; die Siebenerliste selbst ist lesbar.]
Band III, S. 932, Rudradhyaya: agnavisnu und Camaka-Anwendungen
Deutsch: Zu „agnāviṣṇū“: Nach dem täglichen Sandhyā-Gebet wird stehend zu den drei Tageszeiten jeweils 1008-mal rezitiert. Sechs Monate dieser Praxis sollen wahrhaft wirksame Rede bringen. Zu „vājaś ca me prasavaś ca me“: Der Text nennt sieben Anuvākas und eine zusätzliche, nicht sicher lesbare Fünfergruppe. Nach tausend Gheeopfern werden im Wasser hundert Wiederholungen vollzogen; dies soll Augenleiden verhindern oder beruhigen und die Leuchtkraft der Augen steigern. Zu „idhmaś ca me barhiś ca me“: Der so umrissene Rudra-Text wird als Erfüller aller Wünsche bezeichnet. Eine Rezitation ohne Tonakzente wird hier mit der Befriedung eines Augenleidens verbunden; die beschädigte Wortfolge wird nur vorläufig so gelesen. Zu „iḍā devahūḥ“: Dieser Anhang wird ebenfalls rezitiert. Damit ist der Rudra-Ritus umrissen.
Band III, S. 933, Rudradhyaya: Abschluss und Früchte der Rezitationsmaße
Deutsch: Für Kräftigung wird Abhiṣeka, für Befriedung Homa genannt. Wer Siddhi erstrebt, rezitiert entsprechend der Zahl der Silben; er werde schon hier vajrafest im Körper und Śiva selbst, sagt der Text. Wiederholungen entsprechend der Zahl der Wörter sollen Vollkommenheit der Rede, entsprechend der Zahl der Sätze Tilgung aller Verfehlungen bringen. Eine an der Verszahl ausgerichtete Rezitation soll kleinere Leiden beseitigen, eine an der Anuvāka-Zahl ausgerichtete die Bedrängnis durch schädliche Grahas überwinden. Damit endet die Darlegung der Purashcharana-Anwendungen des Rudrādhyāya. [Einzelne Komposita sind im Druck beschädigt; die Zuordnung der Rezitationsmaße ist erkennbar.]
Band III, S. 933, Ganesha-Sukta: Hindernisse und Zuordnungen
Deutsch: Nun das Purashcharana des Gaṇeśa-Sūkta, aus derselben Quelle: „O Viṣṇu, ich erkläre das höchste Sūkta Gaṇapatis. Ohne dessen Übung werden alle Mantras von Hindernissen gehemmt. Deshalb möge man zuerst Gaṇeśa gnädig stimmen und dann die weitere Praxis vollziehen. Schlaf, Trägheit, Hunger, Zorn, Gier, Verblendung und Begehren gelten als Hindernisse für diejenigen, die den Herrn der Gaṇas nicht verehren. Darum wird sein Sūkta zusammen mit dem Verfahren gelehrt; die Aufgaben seiner Rezitierenden sollen ungehindert gelingen.“ Das Sūkta hat zwölf Verse. Als Seher nennt die Quelle Gṛtsamada und in derselben Zeile Gaṇaka; ihre genaue syntaktische Beziehung ist unklar. Die ersten drei Verse stehen im Triṣṭubh-, die folgenden neun im Gāyatrī-Metrum. Gottheit ist Mahāgaṇapati; der Viniyoga wird dem jeweiligen Anliegen entsprechend ausgesprochen. Als Anfang steht „gaṇānāṃ tvā gaṇapatiṃ …“.
Band III, S. 934, Ganesha-Sukta: Nyasa
Deutsch: Die Quelle nennt verkürzte Versanfänge für den Nyāsa, beginnend mit „gaṇānāṃ tvā“, „ni ṣu sīda“ und „tvaṃ gaṇam“. Die folgenden Anfänge sind im Druck undeutlich: „ā … indra“, „vidmā hi …“ und „na hi tvā …“. Sie werden vom Daumen an bis zu den Handrücken aufgelegt. Mit „gaṇānāṃ tvā“ und dem Bīja erfolgt der sechsgliedrige Nyāsa vom Herzen an. Nach diesen beiden Nyāsas wird eine als Brechung der sechs Wogen bezeichnete Übung genannt; der genaue Wortlaut ist beschädigt. Die Prosaüberleitung erklärt, dass nach weiteren Nyāsas und dem Pūjā-Verfahren nun das Purashcharana folgt. [Die nur als Incipits zitierten vedischen Verse werden hier nicht zu Vollmantras ergänzt.]
Band III, S. 934, Ganesha-Sukta: Purashcharana
Deutsch: Das Purashcharana des Sūkta umfasst 21.000 Wiederholungen. Ein Zehntel der Japa-Zahl wird als Feueropfer mit Milchreis, Ghee, Zucker, Pañcakhādya, Karavīra-Blüten, Bilva-Blättern, Zuckerrohrstücken, Granatapfel- und Bananenfrüchten sowie Modakas, Laḍḍukas und wohlschmeckendem Gheegebäck dargebracht. Sind diese Stoffe nicht verfügbar, dienen Sesam und Ghee als Ersatz. Tarpaṇa umfasst ein Zehntel des Homa und wird mit Kuhmilch, wahlweise Zuckerrohrsaft oder ersatzweise Jaggerywasser vollzogen. Mārjana mit reinem Wasser beträgt ein Zehntel des Tarpaṇa; die Brahmanenspeisung wiederum ein Zehntel des Mārjana. Genannt werden Milchreis, Pañcakhādya, Modakas, Laḍḍukas, Apūpa- und Maṇḍaka-Gebäck mit Ghee und Zucker, Mangosaft und Bananen. Dem so verwirklichten Sūkta werden unvergleichlicher Wohlstand, Einsicht, Wissen, Ruhm, Kraft und Vollkommenheit der Rede zugeschrieben; am Ende führe es zum Brahman-Zustand. Damit endet das Purashcharana-Verfahren des Gaṇeśa-Sūkta.
Band III, S. 935, Purusha-Sukta: Zuordnung und Körpernyasa
Deutsch: Nun das Verfahren des Puruṣa-Sūkta aus dem Merutantra: „Ich erkläre das dort verborgene Verfahren.“ Die Metrumzeile nennt Anuṣṭubh und Triṣṭubh in beschädigter syntaktischer Verbindung. Gottheit ist Puruṣa, der Same der Welt; Seher ist Nārāyaṇa. Nach dem vorgeschriebenen Bad und mit reinem Geist richtet man sich nach Osten. Die sechzehn Verse werden der Reihe nach aufgelegt: 1 auf die linke Hand, 2 auf die rechte, 3 auf den linken Fuß, 4 auf den rechten, 5 auf das linke Knie, 6 auf das rechte, 7 auf die linke Hüfte, 8 auf die rechte, 9 auf den Nabelbereich, 10 auf das Herz, 11 auf den Hals, 12 auf den linken Arm, 13 auf den rechten, 14 auf das Gesicht, 15 auf die Augen und 16 auf den Scheitel. Nach diesem Nyāsa folgt die Pūjā.
Band III, S. 935–936, Purusha-Sukta: sechs Orte der Verehrung
Deutsch: Hari kann an sechs Orten angemessen verehrt werden: im Wasser, im Feuer, im Herzen, in der Sonne, auf der geweihten Bodenfläche und in Bildgestalten. Wasser ist seine Wohnstätte. Für Ritualkundige ist Viṣṇu im Feuer, für Yogis Hari im Herzen; Gelehrte verehren ihn als Sonne, innerlich Gesammelte auf der Opferfläche. Bildgestalten werden vom Text den weniger Einsichtigen zugeordnet. Er unterscheidet sechs Arten: natürlich entstandene, künstlich gefertigte, unbewegliche, beweglich-unbewegliche, unbelebte und lebende. Natürlich sind der hochheilige Śālagrāma sowie, ersatzweise, das Cakra aus Dvārakā. Die künstlichen werden zehnfach gegliedert und jeweils die vorhergehenden höher bewertet: mit Edelsteinen besetzt, aus Gold, Silber, Kupfer, Messing, Kristall, rotem oder weißem Material, Holz, Ton und als gemaltes Bild. [Die Stoff- und Zählverbindung bei Kristall sowie Rot und Weiß ist knapp.] Unbewegliche Erscheinungen sind heilige Orte wie Haridvāra und Gayā. Von Gottheiten geschaffene Bildgestalten wie Jagannātha, Veṅkaṭeśa und Pāṇḍuraṅga gelten als beweglich-unbeweglich. Lebende Träger sind Brahmanen und Kühe; der Pippala-Baum wird in dieser traditionellen Klassifikation als „unbelebt“ bezeichnet.
Band III, S. 936, Purusha-Sukta: sechzehn Verehrungsgaben
Deutsch: Zuerst werden Mantras auf den eigenen Körper und die Gottheiten aufgelegt. Die folgende beschädigte Zeile verbindet den Gāyatrī-Nyāsa mit der Verehrung des unvergänglichen Viṣṇu. Mit den sechzehn Versen folgen: 1 Anrufung Puruṣottamas, 2 Sitz, 3 Fußwasser, 4 Arghya, 5 Mundspülwasser, 6 Bad, 7 Gewand, 8 heilige Schnur, 9 Salbung, 10 Blumen, 11 Räucherwerk, 12 Licht, 13 Speise, 14 Verneigung, 15 Umwandlung und 16 Dakṣiṇā nach Vermögen. Nach Bad, Bekleidung und Speisedarbringung wird jeweils Mundspülwasser gereicht. Danach umwandelt man die Gottheit, rezitiert gesammelt nach den eigenen Kräften und bringt ihr die Sūkta-Rezitation dar.
Band III, S. 937, Purusha-Sukta: Feuerverehrung
Deutsch: Rechts von der Gottheit wird mit dem ersten Vers eine Feuergrube oder Opferfläche eingerichtet, mit dem zweiten besprengt, mit dem dritten das Feuer eingesetzt und mit dem vierten entzündet. Mit dem fünften werden Ghee und Caru bereitet beziehungsweise erhitzt, mit dem sechsten ein Lotussitz inmitten des Feuers vorgestellt. Man betrachtet den Herrn der Götter, strahlend wie das Feuer am Zeitenende. Nach Bitte um Erlaubnis werden mit dem siebten und den folgenden Versen Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speise in der angegebenen Reihenfolge dargebracht. Zuerst werden entsprechend viele mit Ghee übergossene Hölzer geopfert, dann Ghee und erneut Caru. Nach dem Opfer und der Bitte um Erlaubnis wird bei dem göttlichen Feuer der folgende Lobpreis gesprochen.
Band III, S. 937–938, Purusha-Sukta: Lobpreis der Zuflucht
Deutsch: „Verehrung dir, Lotusäugiger; Verehrung dir, der du die Welt hervorbringst! Verehrung dir, Hṛṣīkeśa, ursprünglicher großer Puruṣa. Du bist die gemeinsame höchste Gottheit der Devas und Dānavas. Stets nehme ich Zuflucht zu deinen beiden Füßen. Du allein bist Schöpfer und Auflöser der Welt, unmanifest und zustimmender innerer Zeuge, von der Māyā der Guṇas verhüllt. Die Einsichtigen überschreiten den furchtbaren Ozean des Saṃsāra, den Behälter endloser Leiden, indem sie allein bei dir Zuflucht finden. Du hast weder Gestalt noch äußere Form, weder Waffen noch festen Ort. Dennoch offenbarst du dich den Verehrenden in menschlicher Gestalt. Nichts ist dir verborgen, doch keinem bist du unmittelbar sichtbar. Nichts ist dir unmöglich, doch niemand kann dich beherrschen. Als ursprüngliche Ursache aller Wirkungen, als unübertrefflichen Sinn aller Worte und als höchste Vollendung der Yogis erkennen sie deine höchste Stätte.“
Band III, S. 938, Purusha-Sukta: Bitte um bleibende Hingabe
Deutsch: „Ich fürchte mich, Herr der Götter, in diesem Saṃsāra voller großer Gefahr. Rette mich, Lotusäugiger; ich kenne die höchste Stätte nicht. Zu allen Zeiten und in allen Richtungen, o Acyuta, sowie im Körper bist du gegenwärtig; dennoch besteht meine große Furcht. Auch in anderen Geburten [suche ich nichts] außerhalb deiner Lotusfüße. Möge die gewonnene Erkenntnis und die erlangte Stätte mir, o Gott, auch in einer anderen Geburt nicht verloren gehen. Selbst in einer elenden Daseinsform richtet sich mein Sehnen auf dich. Solange es nicht vergeht, bin ich stets erfüllt. In allen Geburten wünsche ich allein Viṣṇus Füße.“ [Die Verbindung der mittleren Verse ist im Druck stellenweise unvollständig; die Ergänzung in eckigen Klammern macht die sinngemäße Verbindung kenntlich.] Das Sūkta Haris, des Puruṣa, wird als zum Himmel führend, segensreich und Ruhm verleihend gepriesen: heilige Selbsterkenntnis und höchste Yoga-Erkenntnis. Nach diesem Lobpreis wird der Opferträger Agni verabschiedet.
Band III, S. 938–939, Purusha-Sukta: Reinigung und monatliche Verehrung
Deutsch: Wenn der Mensch durch das bisherige Verfahren noch nicht von Verfehlungen gereinigt ist, wird nochmals wie zuvor geopfert; erst danach beginnen die besonderen Anwendungen. Für Kinderwunsch fastet das Ehepaar an einer Ekādaśī der hellen Monatshälfte im Tempel, bei günstigem Wochentag, Nakṣatra und Gestirnstand. An Dvādaśī wird Vaiṣṇava-Caru bereitet, Janārdana mit den sechzehn Versen verehrt und der Caru unter dem Puruṣa-Sūkta zur Einnahme gereicht. Die Quelle verheißt bald einen Viṣṇu ergebenen, die Familie fortführenden Sohn. An jeder Dvādaśī wird Caru mit Milch geopfert; tausend Darbringungen sollen zu Viṣṇus höchster Stätte führen. Von Mārgaśīrṣa an werden in den zwölf Monaten nacheinander Keśava, Nārāyaṇa, Mādhava, Govinda, Viṣṇu, Madhusūdana, Trivikrama, Vāmana, Śrīdhara, Hṛṣīkeśa, Padmanābha und Janārdana verehrt. Danach folgen 108 Wiederholungen des Sūkta und Homa wie zuvor; als Frucht wird Wunscherfüllung genannt.
Band III, S. 939, Purusha-Sukta: besonderer Kinderwunschritus
Deutsch: Für eine Frau ohne Sohn, mit verstorbenem Sohn oder mit ausschließlich weiblichen Kindern erklärt der Text einen Ritus zur Erlangung eines guten Sohnes. Je Vers werden 108 Aśvattha-Hölzer mit Ghee geopfert; die Qualifizierung des Feuers ist beschädigt. Nach erneuter Viṣṇu-Verehrung folgen schweigend und gereinigt nochmals je Vers 108 Gheeopfer. Das gesammelte Opferghee wird der Frau zur Einnahme gegeben; sie verneigt sich vor ihrem Mann und Viṣṇu und nimmt es ein. Brahmanen werden zufriedengestellt; nach ihrem Segen legt sie sich zur Nacht nieder. Der Schluss verheißt Schwangerschaft spätestens nach sieben Vollzügen, wobei das betreffende Wiederholungswort beschädigt ist. [Die Bevorzugung männlicher Nachkommen und die Wirkungszusage gehören zur historischen Quelle.]
Band III, S. 939–940, Purusha-Sukta: Purashcharana und Gottesschau
Deutsch: Nun das Purashcharana: Man wohnt im Wald, badet dreimal täglich und rezitiert das Sūkta zu den drei Tageszeiten jeweils 108-mal. Einen Monat lebt man von Früchten, einen weiteren von Wasser. Täglich wird die Sonne mit diesem Mantra verehrt. Genannt werden tausend Gheeopfer und eine über drei Jahre reichende tägliche Rezitation; die Zeitverknüpfung der betreffenden Zeile ist knapp. Wer zehn Jahre ausschließlich hingegeben, mit auf Nārāyaṇa gerichtetem Geist und ohne anderweitige Bindung übt, soll den leidfreien Gott unmittelbar schauen. Damit endet das Purashcharana des Puruṣa-Sūkta.
Band III, S. 940, Shri-Sukta: Seher, Metren und Nyasa
Deutsch: Nun das Śrī-Sūkta-Verfahren, ebenfalls aus dem Merutantra: Es wird als höchstes Mittel gegen Armut im Kali-Zeitalter gepriesen. Der Text zitiert den Anfang „hiraṇyavarṇām …“. Für diesen Vers nennt er Lakṣmī als Seher; für die übrigen vierzehn folgen Ānanda, Kardama und Ciklīta mit einer knappen Verbindung zu den Söhnen Lakṣmīs. Insgesamt werden vier Seher genannt. Die ersten drei Verse werden dem Anuṣṭubh zugeordnet; „kāṃ so ’smitām“ dem Bṛhatī, „candrām“ und „ādityavarṇe“ dem Triṣṭubh, die acht mit „upaitu māṃ deva“ beginnenden Verse wieder dem Anuṣṭubh und „tāṃ ma āvaha“ dem Prastārapaṅkti. [Die Angabe zu den ersten drei Versen ist im Druck beschädigt.] Gottheiten sind Śrī und Vibhāvasu, das Feuer. Konsonanten gelten als Bījas, Vokale als Śaktis, Bindus als Kīlaka. Der sechsgliedrige Nyāsa beginnt am Daumen. Genannt werden Hiraṇyā, Candrā, Rajataprabhā, Hiraṇyasrak, Hiraṇyākṣā und Hiraṇyavarṇikā; ihre Namen werden im Dativ mit abschließendem namaḥ auf die Glieder aufgelegt.
Band III, S. 941, Shri-Sukta: Meditation der Weltenmutter
Deutsch: Meditation: „Auf einem roten Lotus ruhend, von der Farbe seiner gesammelten Blütenstäubchen, hält sie in ihren Lotushänden die Geste der Wunscherfüllung, die Geste der Furchtlosigkeit und zwei Lotusblumen. Mit juwelenbesetzter Krone und vielfältigem Schmuck geschmückt – möge Śrī, die Mutter der Welt, uns immer zum Segen sein.“
Band III, S. 941, Shri-Sukta: Purashcharana und Blumen
Deutsch: Beim täglichen Bad wird unter dem Sūkta dreimal besprengt. Man rezitiert der Sonne zugewandt und vollzieht Tarpaṇa in gleicher Zahl. Vom ersten Tag der hellen Monatshälfte bis Ekādaśī werden mit unbewegtem Geist insgesamt 18.000 Wiederholungen vollzogen. Der Übende hält Brahmacarya und achtet auf reine Kleidung, Zähne und Körper. Je dreihundert Opfer erfolgen mit Lotusblumen samt den drei süßen Stoffen, mit Milchreis und Ghee, mit Śrī-Holz und mit reinem Ghee. An Dvādaśī werden zwölf würdige Brahmanen gespeist; dadurch gilt der Mantra als verwirklicht. Als Lakṣmī besonders lieb nennt die Quelle Kunda, Mandāra, Kumuda, Mālatī, Padma, Ketaka, Nandyāvarta, Jātī, Kalhāra, Campaka, roten Utpala und ähnliche Blüten. Wer sechs Monate dreimal täglich den vorgeschriebenen Homa vollzieht, soll selbst zum Herrn des Wohlstands werden. Damit endet das Purashcharana des Śrī-Sūkta.
Band III, S. 941–942, Vedische Navagraha-Mantras: Surya
Deutsch: Nun die vedischen Mantras der neun Grahas, aus derselben Quelle. Für den Sonnenmantra ist Hiraṇyastūpa der Seher, Triṣṭubh das Metrum und Savitṛ die Gottheit. Der Vers lautet sinngemäß: „Im dunklen Raum sich bewegend, Unsterbliche und Sterbliche zur Ruhe bringend, fährt der göttliche Savitṛ auf goldenem Wagen, alle Welten schauend.“ Der Druck bietet den Vers ohne vedische Akzente und mit gedrängten Wortverbindungen. Es folgt ein sechsgliedriger Nyāsa vom Daumen an mit den sechs langen Vokalen; die Verbindung von Śrī und Bhuvaneśī ist beschädigt. Der Wortnyāsa wird entsprechend den beim Śrī-Sūkta genannten Stellen vollzogen. Man meditiert die Sonne auf einem Lotus, Lotusblumen in den Händen, wie das Innere einer Lotusblüte leuchtend, gekrönt, mit Armreifen und Juwelen, von rotem Glanz, auf dem Wagen und nach Osten gewandt. Die seitliche Zuordnung der Begleitgottheit ist undeutlich; Aruṇa wird als Pratyadhidevatā genannt. Japa beträgt hunderttausend Wiederholungen je Silbe, Homa ein Zehntel davon. Für Adhidevatā und Pratyadhidevatā wird Japa in der Zahl des Homa vorgenommen. Tarpaṇa erfolgt mit Karavīra- und anderen Blüten, rotem Sandel, Dūrvā-Sprossen und ungebrochenem Reis.
Band III, S. 942–943, Vedische Navagraha-Mantras: Candra
Deutsch: Nun der Mondmantra: Gautama ist Seher, Gāyatrī das Metrum, Soma die Gottheit. „Schwelle an; von allen Seiten möge Kraft sich in dir vereinen, o Soma. Sei uns zur Vereinigung mit stärkender Nahrung!“ Der Nyāsa verwendet sa mit Bindu und den sechs langen Vokalen. Die Meditation zeigt Soma gekrönt, weiß gekleidet und geschmückt, auf einem Wagen mit zehn Pferden, zweiarmig mit Schlinge. Er wird als aus Atris Gotra stammend und im Yavana-Land geboren beschrieben, mit weißer Salbung, weißem Schirm, weißen Fahnen, juwelenbesetzten Armreifen und fest auf dem Wagen sitzend. Hier wird ihm Anuṣṭubh zugeordnet, abweichend von der vorherigen Mantra-Angabe. Wasser ist seine Adhidevatā, Umā die Pratyadhidevatā; er blickt nach Nordwesten. Japa beträgt hunderttausend Wiederholungen je Silbe; das ganze Verfahren verwendet weiße Gaben.
Band III, S. 943–944, Vedische Navagraha-Mantras: Bhauma
Deutsch: Nun der Bhauma-Mantra: Virūpa wird als Seher, Aṅgāraka als Gottheit und Gāyatrī als Metrum genannt. „Agni ist das Haupt des Himmels, der Gipfel und Herr dieser Erde; er belebt den Samen der Wasser.“ Mit dem im Druck nasalisierten a-Bīja erfolgen sechs Glieder- und Fingernyāsas, danach ein Wortnyāsa an denselben Stellen. Mars wird rot gekleidet, rotfarbig, rot gesalbt und mit roten Blumen verehrt vorgestellt: gekrönt, vierarmig, mit Wunschgewährung, Furchtlosigkeit, Keule und Dreizack, auf einem Widder. Er gehört hier zu Vasiṣṭhas Gotra; eine weitere Seherverbindung mit Yama ist beschädigt. Für die Gestalt nennt der Text Jagatī, rote Fahnen und Herkunft aus Avanti. Zur Anrufung dienen Reis und roter Sandel; das Größen- beziehungsweise Maṇḍala-Wort ist beschädigt. Erde ist Adhidevatā, Ṣaṇmātura/Skanda die Pratyadhidevatā. Japa beträgt hunderttausend je Silbe. Homa verwendet Khadira-Holz mit den drei süßen Stoffen; Tarpaṇa und die weiteren Glieder erfolgen wie bei der Sonne.
Band III, S. 944, Vedische Navagraha-Mantras: Budha
Deutsch: Nun der Budha-Mantra: Seher ist nach der Drucklesung Baudha, Metrum Triṣṭubh, Gottheit der Einsicht verleihende Budha. Der gedruckte Agni-Vers bedeutet annähernd: „Erwache, Agni, werde wieder wach! Möget ihr Opferwerk und wohltätige Werke mit diesem [Opfernden] verbinden. Dich wieder zum jungen Vater machend, spannt er diesen Faden in dir aus.“ [Die zweite Vershälfte ist im Druck beschädigt; die Deutung bleibt vorläufig.] Mit dem nasalierten bu-Bīja erfolgt der sechsgliedrige Nyāsa. Budha wird gelb gekleidet und gefärbt, gelb gesalbt und mit gelben Blumen verehrt, mit Schwert, Schild, Keule und Wunschgeste, auf einem Löwen, aus Atris Gotra, mit Bhāradvāja als Seherzuordnung und in Magadha geboren vorgestellt. Er ist gekrönt, mit gelbem Schirm, gelben Fahnen und juwelenbesetzten Armreifen ausgestattet; die Meditation nennt Bṛhatī als Metrum. Viṣṇu begleitet ihn als Adhidevatā; die Pratyadhidevatā ist in der knappen Zeile nicht gesondert benannt. Japa beträgt hunderttausend je Silbe, Homa ein Zehntel davon mit Apāmārga-Holz. Danach folgen Tarpaṇa und die übrigen Glieder.
Band III, S. 944–945, Vedische Navagraha-Mantras: Brihaspati
Deutsch: Nun der Bṛhaspati-Mantra: Gṛtsamada ist Seher, Triṣṭubh das Metrum, der vom Götterherrn verehrte Bṛhaspati die Gottheit. Der Vers bedeutet: „O Bṛhaspati, der du machtvoll und lichtvoll unter den Menschen hervorstrahlst: Was du an Kraft aufleuchten lässt, aus der Wahrheit geboren, diesen vielfältigen Reichtum lege in uns!“ [Die erste Vershälfte ist im Druck gedrängt und teilweise beschädigt.] Mit dem nasalierten bṛ-Bīja erfolgt der sechsgliedrige Nyāsa. Die Meditation zeigt ihn gelb, gekrönt, mit Wunschgeste, Stab, Gebetskette und Wassergefäß, gelb gekleidet, aus dem Sindhu-Land, mit Vasiṣṭha als Seherzuordnung und aus Aṅgiras Gotra. Hier wird Anuṣṭubh genannt. Gelbe Fahnen, gelber Schirm, gelbe Salbung und glänzende Armreifen schmücken ihn. Indra ist Adhidevatā, Brahmā die Pratyadhidevatā. Japa beträgt hunderttausend je Silbe. Homa erfolgt mit Pippala-Holz und den drei süßen Stoffen; Tarpaṇa mit gelben Lotusblumen.
Band III, S. 945–946, Vedische Navagraha-Mantras: Shukra
Deutsch: Nun der Śukra-Mantra: Bhāradvāja ist Seher, Triṣṭubh das Metrum, der Lehrer der Daityas die Gottheit. „Eines ist deine helle Gestalt, ein anderes deine verehrungswürdige; wie der Himmel erscheinst du in den verschiedenartigen Tag- und Nachtformen. Alle schöpferischen Kräfte behütest du, aus eigener Macht wirkend. O Pūṣan, möge deine Gabe hier glückverheißend sein!“ [Die ungewöhnliche Wortverbindung der ersten Vershälfte wird sinngemäß wiedergegeben.] Mit dem nasalierten śu-Bīja folgt der sechsgliedrige Nyāsa. Śukra wird weiß gekleidet und gefärbt, weiß gesalbt, mit weißen Blüten verehrt, gekrönt und vierarmig meditiert. Er trägt Stab, Gebetskette und Wassergefäß und gewährt Wünsche. Die Meditation ordnet ihn Śaunaka, dem Paṅkti-Metrum, dem Koṅkaṇa-Land und dem Bhārgava-Gotra zu. Weiß sind Schirm, Fahnen und Schmuck; er sitzt auf dem Wagen und trägt Armreifen. Japa beträgt hunderttausend je Silbe; Homa erfolgt mit Udumbara-Holz und den drei süßen Stoffen. Tarpaṇa und weitere Glieder werden wie beim Mond vollzogen.
Band III, S. 946, Vedische Navagraha-Mantras: Shani
Deutsch: Nun der Śani-Mantra: Sindhudvīpa ist Seher, Gāyatrī das Metrum, Śanaiścara die Gottheit. „Mögen die göttlichen Wasser uns zur Erfüllung und zum Trinken heilsam sein; mögen sie uns Heil zuströmen lassen!“ Mit dem nasalierten śa-Bīja erfolgt der sechsgliedrige Nyāsa. Die Meditation zeigt Śani mit Bogen beziehungsweise Pfeilsitz und Dreizack, saphirgleich leuchtend, aus Saurāṣṭra, Wünsche gewährend, auf einem Geier, mit Bhṛgu als Seherzuordnung, aus Kaśyapas Gotra. Er ist gekrönt, schwarz gekleidet, schwarzfarbig und schwarz gesalbt, mit dunklem Schmuck, Armreifen und schwarzen Fahnen, auf dem Wagen. Gāyatrī bleibt das Metrum. Prajāpati ist Adhidevatā; als Pratyadhidevatā steht im Druck „Padma“, eine hier nicht geklärte Lesung. Der Beginn der Purashcharana-Zeile zu Moschus, Eisen und Maṇḍala ist beschädigt; daraus wird keine genaue Form- oder Maßvorschrift rekonstruiert. Homa erfolgt mit Śamī-Holz, Tarpaṇa mit Arghya in einem eisernen Gefäß. Genannt werden schwarze Blumen sowie Kālīya und Aguru als Duftstoffe.
Band III, S. 946–947, Vedische Navagraha-Mantras: Rahu
Deutsch: Nun der Rāhu-Mantra: Vāmadeva ist Seher, Gāyatrī das Metrum, Saiṃhikeya die Gottheit. Der Vers fragt: „Mit welcher wundervollen Hilfe kam der stets stärkende Freund zu uns, mit welcher mächtigsten Begleitung?“ Mit dem nasalierten rā-Bīja erfolgt der sechsgliedrige Nyāsa. Rāhu erscheint mit furchtbarem Gesicht, Schwert, Schild und Dreizack, schwarz gekleidet, schwarzfarbig und schwarz gesalbt, mit schwarzen Blumen verehrt, mit Armreifen und Krone. Er stammt hier aus dem östlichen Land und dem Pāṭalā-Gotra; die Seherverbindung mit Aṅgiras ist beschädigt. Die Meditation nennt Anuṣṭubh sowie schwarzen Schirm und schwarze Fahnen auf dem Wagen. Schlange ist Adhidevatā, Kāla die Pratyadhidevatā. Im Südwesten wird er auf einem zwölf Aṅgulas breiten schlangenförmigen Maṇḍala mit dunkel gefärbtem ungebrochenem Reis angerufen. Homa erfolgt mit Dūrvā und süßen Stoffen. Kaula-Brahmanen werden mit geeigneten Tarpaṇa-Gaben zufriedengestellt.
Band III, S. 947–948, Vedische Navagraha-Mantras: Ketu
Deutsch: Nun der Ketu-Mantra, aus derselben Quelle: Madhucchandas ist Seher, die Ketus – ausdrücklich im Plural – sind Gottheiten, Gāyatrī ist das Metrum. „Ein Zeichen für den Zeichenlosen schaffend, Gestalt für den Gestaltlosen, wurdest du mit den Morgenröten geboren.“ [Ein Wort im gedruckten Vers ist beschädigt; die Übersetzung gibt den erkennbaren Sinn wieder.] Mit dem nasalierten ka-Bīja erfolgt der sechsgliedrige Nyāsa. Die Ketus werden rauchfarben an Augen und Armen, mit Schlingen, entstellten Gesichtern, Kronen, auf Geiern, kräftig und aus Madhyadeśa stammend beschrieben. Gewänder, Farben und Salbungen sind bunt. Ihnen werden verschiedene Metren, Gautama als Seher und Jaiminis Gotra zugeordnet. Sie tragen dunkle und gelbbraune Fahnen, Kronen und Armreifen, sitzen heldenhaft auf Wagen. Brahmā ist ihre Adhidevatā, Citragupta die Pratyadhidevatā. Japa beträgt hunderttausend je Silbe. Homa erfolgt mit Kuśa und den drei süßen Stoffen; Tarpaṇa mit verschiedenfarbigen Gaben. Damit endet die Darstellung der vedischen Mantras der neun Grahas.
Band III, S. 948, Agnidurga: Mantra und Meditation
Deutsch: Nun der Agnidurgā-Mantra, aus derselben Quelle: „Höre den Mantra, der alle Anliegen erfüllt und Sieg im Kampf schenkt, dessen ich zum Töten Jalandharas gedenke.“ Der vedische Vers bedeutet: „Für Jātavedas pressen wir Soma; er möge das feindliche Wesen verbrennen. Dieser Agni trage uns über alle Schwierigkeiten hinweg, wie ein Schiff über den Strom, über alles Unheil.“ [Einzelne Verbindungen im gedruckten Mantra sind beschädigt; die sinngemäße Übersetzung ersetzt keine gesicherte Rezitationsfassung.] Triṣṭubh ist das Metrum; die Seherzeile nennt Marīci und Kāśyapa in knapper Verbindung. Gottheit ist Jātavedas-Agni. Der sechsgliedrige Nyāsa verteilt nach der Zahlenverschlüsselung neun, sieben, sechs, sieben, acht und sieben Mantrasilben. Meditation: „Gedenke der furchtbaren, dreiäugigen Durgā, leuchtend wie eine Blitzgirlande, auf dem Rücken des Löwen. Mädchen mit glänzenden Schwertern und Schilden in den Händen dienen ihr. Sie trägt Diskus, Muschelhorn, Schwert, Schild, Pfeile, Schlinge, Haken und die drohende Fingergeste; ihr Wesen ist Feuer, und sie trägt den Mond.“
Band III, S. 948–949, Agnidurga: Purashcharana und Abschluss
Deutsch: Japa beträgt tausend Wiederholungen je Mantrasilbe. Für die einzelnen Homa-Stoffe folgt eine beschädigte Zahlenverschlüsselung „veda-veda-ardhi“; eine sichere Gesamtzahl wird daraus nicht konstruiert. Genannt werden Sesam, weißer Senf, Wurzeln von Citraka sowie Opferhölzer von Vaṭa, Udumbara und Pippala, außerdem Arka und Dūrvā, Ghee, Havis und Speisen. Alle Gaben werden mit Ghee versehen. Am Ende stehen Sesamopfer und eine Ghee-Darbringung. Danach werden Wasser-Tarpaṇa und Selbst-Abhiṣeka vollzogen sowie die erhabenen Gottheiten verehrt; die letzte Zielverbindung ist beschädigt. Damit endet das Purashcharana des Agnidurgā-Mantras. Der Herausgeber erklärt ausdrücklich, dass das beim vedischen Mantra-Purashcharana verwendete ausführliche vedische Homa-Verfahren hier wegen seines Umfangs nicht wiedergegeben wird.
Band III, S. 949, Homa-Maße: Flüssigkeiten, Speisen und Früchte
Deutsch: Nun die Maße der Homa-Gaben aus dem Śāradā-Werk: Ghee wird mit einem Karṣa, Milch mit einer Śukti bemessen. Die erwähnten fünf Stoffe erhalten dasselbe Maß; Honig wird gleichgesetzt, Milchreis mit einem Akṣa. [Die Zuordnung der zusammengedruckten Stoffwörter bleibt teilweise unsicher.] Dickmilch: eine Prasṛti. Gepuffter Reis, flachgeschlagener Reis und geröstetes Mehl: je eine Handvoll. Jaggery und Zucker: je ein halbes Pala. Caru: ein halber Bissen; Zuckerrohr: ein Stück zwischen zwei Knoten. Blätter, Blumen und Apūpa-Gebäck werden einzeln dargebracht, ebenso Bananen und Orangen. Eine Zitrone der Mātuluṅga-Art wird in vier, eine Jackfrucht in zehn, eine Kokosnuss in acht Stücke geteilt. Bilva- und Kapittha-Früchte werden gedrittelt; andere Früchte bleiben ganz. Opferhölzer messen zehn Aṅgulas, Guḍūcī vier; Dūrvā wird dreifach genommen. Ungeschälter Reis, Mungbohnen, schwarze Bohnen und Gerste: je eine Handvoll. Geschälter Reis: ein Viertel davon; Kodrava: eine Handvoll.
Band III, S. 950, Homa-Maße: Getreide, Salz und Duftstoffe
Deutsch: Weizen und roter Kalama-Reis werden mit einer Handvoll bemessen; Sesam und Senf mit einem Culaka, dem Maß einer hohlen Hand. Salz: eine Śukti; Pfeffer: zwanzig Körner. Pura und Rāmaṭha erhalten je die Größe einer Badara-Frucht. Sandel, Aguru, Kampfer, Moschus und Kuṅkuma werden jeweils mit der Größe eines Tamarindensamens bemessen, so die Lehrer.
Band III, S. 950, Homa-Maße: zwei Maßsysteme und Worterklärungen
Deutsch: Die Bestimmungen von Karṣa und verwandten Maßen werden aus dem Skānda zitiert: zehn Guñjās ergeben einen Māṣa, vier Māṣas einen Śāṇa; zwei Śāṇas werden Vaṭaka, Kola, Badara oder Kṣudrava genannt. Zwei davon heißen Pāṇitala, Karṣa, Suvarṇa, Kavala oder Graha; auch Picu, Viḍālapadaka, Tinduka und Akṣa erscheinen in der synonymischen Liste. Die doppelte Menge heißt Śukti oder Aṣṭamikā, deren Verdoppelung Pala oder Niṣkacaturthikā; eine Handvoll heißt Prakuñca, zwei Palas ergeben eine Prasṛti. [Einzelne seltene Synonyme und ihre Versanschlüsse sind vorläufig gelesen.] Agastya nennt dagegen fünf Guñjās je Māṣaka und sechzehn Māṣakas je Suvarṇa beziehungsweise Karṣa. Ein Pala umfasst vier oder auch fünf Suvarṇas. Die Erläuterung rechnet für dieses System achtzig Guñjās je Karṣa, gleich einem Suvarṇa. Worterklärungen: Pṛthuka bedeutet flachgeschlagener Reis; Guḍūcī ist eine Kletterpflanze; Pura bedeutet Guggulu, Rāmaṭha Hing/Asafötida und Soma hier Śambhu. Die unterschiedlichen Maßsysteme werden nicht in vermeintlich einheitliche moderne Grammwerte umgerechnet.
Band III, S. 950–951, Homa-Maße: Ersatzregeln und Handgesten
Deutsch: Wenn das Havis nicht bestimmt ist, werden Sesam und Ghee verwendet; fehlt die Angabe eines Bestreichungsmittels, gilt Ghee. Fehlt die Zahl, gilt tausend; fehlt eine Stoffangabe, Ghee. Sind die Opferhölzer nicht näher bestimmt, wird Palāśa genannt. Gepuffter Reis und ähnliche Gaben werden mit der Hand samt Fingern geopfert. Für Hölzer, Blumen und Früchte dient die Mṛgamudrā, für flüssige Gaben der Sruva-Opferlöffel, so die Kundigen in Mantra und Tantra. Damit endet die Darstellung der Homa-Maße.
Band III, S. 951, Zehnter Taranga: Schlussvers und Kolophon
Deutsch: Der bildreiche Schlussvers vergleicht das Werk erneut mit einem Ozean: Ströme verschiedenartiger, nektargleicher Aussagen und zusammenfließende Flüsse gelehrter Darlegungen nähren ihn; seine Einsichten gleichen edlen Perlen. Darin ist nun die schöne zehnte Welle vollendet. [Die erste Hälfte des Verses ist im Druck beschädigt; sie wird nur dem erkennbaren Bildzusammenhang nach wiedergegeben.] Kolophon: Damit endet im von Mahārājādhirāja Śrī Pratāpasiṃha Śāha verfassten Puraścaryārṇava der zehnte Taraṅga, genannt „Darlegung des Purashcharana der vedischen Mantras, beginnend mit Gāyatrī, nach dem Purashcharana der Mantras, beginnend mit Sarasvatī“.
11. Taraṅga: Durgā-Mantras und Durgā-Fest
Lesehilfe: Diese Welle widmet sich Durga-Mantras und der Ordnung des Durgā-Festes. Die Abfolge der Handlungen lässt erkennen, wie Verehrung über einen einzelnen Augenblick hinaus gestaltet wird. Frage dich beim Lesen, welche Bedeutung Dankbarkeit, gemeinsames Feiern und bewusste Übergänge in deinem spirituellen Leben haben.
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Band III, S. 952, Durga: Eingang und Mantradarstellung
Deutsch: Nun werden die verschiedenen Durgā-Mantras und ihre besonderen Purashcharanas dargelegt. Das Śāradātilaka sagt: „Ich erkläre den Durgā-Mantra, der sichtbare und unsichtbare Früchte schenkt.“ Seine Silben werden verschlüsselt über Māyā, Karṇa-Bīja, Sarga, Pañcāntaka, Pratiṣṭhā, Māruta und Bhautikāsana beschrieben; einzelne Verbindungen sind im Druck unsicher. Er beginnt mit Tāra, endet mit dem als „Herz“ bezeichneten Abschluss und gilt als achtsilbig. [Die verschlüsselte Passage wird nicht zu einer ungesichert vollständigen Formel ergänzt.] Seher ist Nārada, Metrum Gāyatrī, Gottheit Durgā, die Unheil und Bedrängnis entfernt. Der Übende vollzieht den sechsgliedrigen Nyāsa mit dem Grundmantra ohne Namaskāra-Abschluss, zusammen mit den mit drām beginnenden Bījas.
Band III, S. 952, Durga: Meditation und Purashcharana
Deutsch: Meditation: „Möge Durgā euch schützen, die auf dem Löwen sitzt und den Mond trägt, smaragdgleich strahlt und in ihren vier Händen Muschelhorn, Diskus, Bogen und Pfeile hält. Drei Augen schmücken sie; Armreifen, Halsketten, Armbänder, klingender Hüftgürtel und Fußschellen trägt sie, und ihre Ohrringe leuchten von Edelsteinen. Sie nimmt das Elend hinweg.“ Purashcharana: achthunderttausend Wiederholungen des Mantras. Der seine Sinne beherrschende Übende opfert mit süßen Stoffen getränkten Sesam oder Milchreis in entsprechender Tausenderzahl, hier achttausend. Damit endet der Durgā-Mantra.
Band III, S. 952–953, Mahishamardini: acht- und neunsilbige Formen
Deutsch: Nun der Mahīṣamardinī-Mantra, aus derselben Quelle. Seine verschlüsselte Ableitung nennt Bhānta, Viyat mit Auge, Śveta, die Anrede mardini und das doppelte ṭha. Die Vidyā der Büffeldämonenbezwingerin wird achtsilbig genannt. Mit einem vorangestellten Bīja, etwa Māyā oder Praṇava, wird sie neunsilbig. Kulacūḍāmaṇi, Viśvasāra und weitere Quellen beschreiben: auf das Bīja der drei Welten folgt die Anrede, danach die Laute von Schöpfung und Auflösung. Ein Einsichtiger kann die Vidyā mit Praṇava, mit Māyā, mit dem Vadhū-Bīja oder mit dem als Kavaca bezeichneten Bīja rezitieren. [Die verschlüsselten Bījas werden in ihrer Quellenbenennung erhalten.]
Band III, S. 953, Mahishamardini: fünfgliedriger Nyasa
Deutsch: Das Śāradā-Werk nennt fünf Gliedermantras: für das Herz „mahiṣahiṃsike huṃ phaṭ“ – „O Bezwingerin des Büffels …“; für den Kopf die beschädigte Verbindung „mahiṣaśatro sākṣi huṃ phaṭ“. Für den Haarschopf folgt „mahiṣaṃ heṣaya heṣaya huṃ phaṭ“ – annähernd „Lass den Büffel aufschreien!“; für den Schutzpanzer „mahiṣaṃ hana hana devi huṃ phaṭ“ – „Schlage den Büffel, schlage ihn, o Göttin!“; für die Waffe „mahiṣamardini huṃ phaṭ“ – „O Büffelbezwingerin …“. Mit den jeweiligen Abschlussklassen werden diese fünf Nyāsa-Glieder gebildet. [Die Kopfzeile und das Verb heṣaya sind vorläufige Drucklesungen; der mythologische Gegner ist Mahīṣa.]
Band III, S. 953, Mahishamardini: Meditation und Purashcharana
Deutsch: Meditation: „Ich verneige mich vor ihr, die wie Smaragd leuchtet, mit Juwelenkrone und Ohrringen geschmückt ist, ein Auge auf der Stirn trägt und auf dem Kopf des Büffeldämons sitzt. In ihren Armen hält sie Diskus, Muschelhorn, Schwert, Schild, Pfeile, Bogen und Dreizack und zeigt die drohende Fingergeste; den Mond trägt sie auf dem Haupt.“ Purashcharana: achthunderttausend Wiederholungen. Der ergänzende Herausgeberhinweis versteht den verkürzten Schluss als Feueropfer mit achttausend guten Sesamgaben. Damit endet der Mahīṣamardinī-Mantra.
Band III, S. 953–954, Shulini: Mantra und Gliedernyasa
Deutsch: Nun der Śūlinī-Mantra: Auf „jvala jvala“ – „Flamme auf, flamme auf!“ – folgen śūlini, duṣṭagraha, huṃ, der Waffenabschluss und Vahnijāyā. Der Mantra wird fünfzehnsilbig genannt und soll schädliche Grahas und Feinde beseitigen. Seher ist Dīrghatapas, Metrum Kakubh, Gottheit die von allen Göttern verehrte Śūlinī. Für den fünfgliedrigen Nyāsa nennt der Text Durgā beim Herzen, Vindhyavāsinī beim Kopf, Asuramardinī beim Haarschopf, Yuddhapriyā mit zweimal „trāsaya“ beim Schutzpanzer sowie die von Göttern und Siddhas Verehrte, Nandinī, zweimal „rakṣa“ und Mahāyogeśvarī in der folgenden Verbindung. Die Gliedermantras beginnen mit Śūlinī und enden mit huṃ phaṭ. [Die Zuordnung der längeren letzten Anreden ist im Druck gedrängt; sie wird nicht als gesicherte vollständige Formel rekonstruiert.]
Band III, S. 954, Shulini: Meditation und Purashcharana
Deutsch: Meditation: „Ich vergegenwärtige Śūlinī auf dem Löwen, dunkel wie eine wasserreiche Regenwolke. In ihren Lotushänden hält sie Dreizack, Pfeil, Schwert, Diskus, Muschelhorn, Keule, Bogen und Schlinge. Sie trägt den Mond und hat drei Augen. Vier Mädchen mit Schwertern und Schilden dienen ihr; ihren Gegnern flößt sie Furcht ein.“ Purashcharana: Ein kundiger Mantraübender rezitiert hunderttausendmal je Silbe. Der Homa mit Ghee beträgt ein Zehntel davon. Damit endet der Śūlinī-Mantra.
Band III, S. 954–955, Vanadurga: Mantra, Druckhinweis und Nyasa
Deutsch: Nun der Vanadurgā-Mantra. Die Herleitung setzt die Worte „uttiṣṭha … puruṣi … svapiṣi … bhayaṃ ca me samupasthitam … yadi śakyam aśakyaṃ vā … tan me bhagavati śamaya“ zusammen: „Erhebe dich … schläfst du? Furcht ist über mich gekommen. Ob es möglich oder unmöglich ist – o Göttin, stille sie für mich!“ Der dazwischenstehende Bīja-Code „pitāmaha mit Auge und na“ bleibt in der Quellenform. Der Abschluss wird als Agnivadhū bezeichnet. Der Mantra hat siebenunddreißig Silben; Seher ist Āraṇyaka, Metrum Atyanuṣṭubh, Gottheit Vanadurgā, die aus allen Schwierigkeiten befreit. Die sechs Nyāsa-Glieder erhalten der Reihe nach sechs, vier, acht, acht, sechs und fünf Silben samt den jeweiligen Abschlussklassen. Eine Fußnote des Drucks vermerkt: In nahezu allen Vorlagen finde sich anstelle von „Vanadurgā“ die Lesung „Navadurgā“. Diese Variante bleibt ausdrücklich erhalten.
Band III, S. 955, Vanadurga: Meditation und Purashcharana
Deutsch: Meditation: Man betrachtet die dreiäugige, blitzgleich leuchtende Göttin inmitten eines goldenen Lotus. Sie hält Muschelhorn und Diskus und zeigt Wunschgewährung und Furchtlosigkeit; sie trägt die Mondsichel, Halsschmuck, Armreifen, Ketten und Ohrringe. Indra und andere Götter preisen sie. Sie wohnt im Vindhya-Gebirge, ihr Gesicht gleicht dem Mond, und an ihrer Seite steht ein Löwe. Nach dieser Meditation folgen vierhunderttausend Wiederholungen. Homa beträgt ein Zehntel davon, mit Havis, Śāli-Reis, Ghee und Sesam. Damit endet der Vanadurgā-Mantra.
Band III, S. 955–956, Chamunda: Navarna und Zuordnungen
Deutsch: Nun der Cāmuṇḍā-Mantra in Gestalt der neun Durgās, aus dem Merutantra: Seine Verehrung soll weltlichen Genuss und Befreiung schenken. Durch ihre Gnade gewann Suratha sein Reich und wurde Manu; Samādhi erlangte die Erkenntnis, die die Bindung an den Saṃsāra zerstört. Die drei im Mārkaṇḍeyapurāṇa erzählten Caritas bilden den Lobpreis. Der Mantra besteht aus den Bījas der Rede, der Lajjā und des Kāma, gefolgt von „cāmuṇḍāyai vicce“. Er wird als neunsilbiger, höchster Śakti-Mantra bezeichnet. Seher sind Brahmā, Viṣṇu und Maheśa; Metren Gāyatrī, Uṣṇih und Anuṣṭubh; Gottheiten Mahākālī, Mahālakṣmī und Sarasvatī. Nandā, Śākambharī und Bhīmā werden als drei Śaktis genannt, danach ebenfalls Durgā, Bhrāmarī und Raktadantikā. Als Tattvas erscheinen Agni, Vāyu und Bhaga. Die Zuordnungen werden wie zuvor aufgelegt. Für den sechsgliedrigen Nyāsa werden die Grundsilben in Einzel-, Vierer- und Zweiergruppen verteilt; das sechste Glied verwendet den ganzen Mantra. [Die Quelle nennt die Bījas verschlüsselt; die doppelte Śakti-Liste und „Bhaga“ bleiben als Druckbefund stehen.]
Band III, S. 956, Chamunda: Mahakali-Meditationen
Deutsch: Nun werden die drei Göttinnen meditiert. Kālī hat zehn Gesichter, zehn Füße und zehn Hände, leuchtet wie Saphir und wird von Brahmā gepriesen. Rechts trägt sie Schwert, Diskus, Muschelhorn, Kopf und Pfeile, links Keule, Dreizack, Bhuśuṇḍī-Waffe, Eisenstange und Bogen. Geschmückt und dreiäugig wird sie zur Vernichtung Madhus und Kaiṭabhas angerufen. Ein anderes Tantra formuliert: „Ich verehre Mahākālikā, die in ihren Händen Schwert, Diskus, Keule, Pfeile, Bogen, Eisenstange, Dreizack, Bhuśuṇḍī, Kopf und Muschelhorn trägt, dreiäugig und an allen Gliedern geschmückt. Sie leuchtet wie blauer Stein und hat zehn Gesichter und Füße. Der Lotusgeborene pries sie, als Hari schlief, damit Madhu und Kaiṭabha getötet würden.“ Hier steht der Abschnittsschluss „Cāmuṇḍā-Mantra“; die Meditationen der beiden anderen Göttinnen folgen anschließend.
Band III, S. 956–957, Chamunda: Mahalakshmi-Meditationen
Deutsch: Nun Mahālakṣmīs Meditation aus dem Merutantra: Man betrachtet Mahālakṣmī, die Mahīṣāsura bezwingt, aus dem Licht aller Gottheiten entstanden und auf einem Lotus sitzend. Sie hat achtzehn Arme. Ihre Hände tragen Gebetskette, Lotus, Pfeile, Schwert, Vajra, Keule, Diskus, Wassergefäß, Muschelhorn, Speer, Axt, Bogen, Schild, Stab, Weingefäß, Glocke, Schlinge und Dreizack. Die Liste verteilt die ersten neun auf die rechte, die weiteren auf die linke Seite. Eine andere Quelle sagt: „Ich verehre hier Mahālakṣmī, die Büffelbezwingerin, korallenrot leuchtend und auf dem Lotus sitzend. In ihren Händen hält sie Gebetskette, Axt, Keule, Pfeile, Vajra, Lotus, Bogen, Wassergefäß, Stab, Speer, Schwert, Schild, Muschelhorn, Glocke, Weingefäß, Dreizack, Schlinge und Sudarśana.“ [Im zweiten Zitat sind einzelne Wortverbindungen beschädigt; die Gegenstandsliste ist erkennbar.]
Band III, S. 957, Chamunda: Sarasvati-Meditationen
Deutsch: Nun Sarasvatīs Meditation aus dem Merutantra: Sie strahlt wie der Herbstmond. Rechts hält sie Muschelhorn, Stößel, Diskus und Pfeile, links Glocke, Dreizack, Pflug und Bogen. Aus Gaurīs Körper hervorgegangen, schenkt sie den Menschen Freude, trägt die Welt und bezwingt Śumbha und die anderen Dämonen. Als Herrin des dritten Carita soll sie stets vergegenwärtigt werden. Ein anderes Tantra sagt: „Ich verehre hier Mahāsarasvatī, die in ihren Lotushänden Glocke, Dreizack, Pflug, Muschelhorn, Stößel, Diskus, Bogen und Pfeil trägt. Sie leuchtet wie der Mond, der aus den Wolken hervortritt. Aus Gaurīs Körper entstanden, bildet sie die Grundlage der drei Welten und bedrängt Śumbha und die anderen Daityas.“ Der Quellentext erklärt den Namen durch die Vorsilbe mahā.
Band III, S. 957–958, Chamunda: Purashcharana
Deutsch: Purashcharana: Vom Anfang der hellen Monatshälfte des Iṣa/Āśvina bis zur Aṣṭamī werden hunderttausend Wiederholungen des Mantras vollzogen. Homa erfolgt mit Speisen, die in die drei süßen Stoffe getaucht sind; hier wird keine eigene Homa-Zahl genannt. Täglich wird die Göttin verehrt und zu Beginn und am Ende der Caṇḍī-Text gelesen. Nach der Verehrung von Brahmanen und Gurus soll sich der Wunsch rasch erfüllen.
Band III, S. 958, Jayadurga: Mantra und Nyasa
Deutsch: Nun der Jayadurgā-Mantra aus dem Śāradā-Werk. Die Herleitung nennt Tāra, zweimal durge, rakṣiṇi und weitere beschädigte Lautangaben, am Ende das doppelte ṭha. Diese Jayadurgā-Vidyā wird zehnsilbig genannt. Für den Nyāsa steht durge mit vorangestelltem Tāra beim Herzen, durge beim Kopf, durgāyai beim Haarschopf und bhūtarakṣiṇi beim Schutzpanzer. Für die Waffe folgen Tāra, zweimal durge und rakṣiṇi. [Der beschädigte Bīja-Teil des ersten Verses bleibt offen; eine vollständige Rezitationsformel wird daraus nicht hergestellt.]
Band III, S. 958, Jayadurga: Meditation und Purashcharana
Deutsch: Meditation: Man betrachtet Durgā namens Jayā, dunkel wie eine Regenwolke. Ihr Seitenblick erfüllt die Feindschar mit Furcht, die Mondsichel ist in ihr Haar gebunden. Dreiäugig trägt sie Muschelhorn, Diskus, Schwert und Dreizack. Auf dem Rücken des Löwen sitzend erfüllt sie die drei Welten mit ihrem Licht, umgeben von Göttern und verehrt von denen, die Siddhi suchen. Purashcharana: fünfhunderttausend Wiederholungen; danach ein Zehntel als Gheeopfer im geweihten Feuer und Brahmanenspeisung. Die Fußnote verzeichnet als abweichende Lesung „hunderttausend je Silbe“ statt „fünfhunderttausend“. Damit endet der Durgā-Mantra-Abschnitt.
Band III, S. 958–959, Durgotsava: Herbstfest und Lebensführung
Deutsch: Nun das Durgā-Fest. Das Bṛhatsiddhāntasāra sagt: Wer die vier Lebensziele erstrebt, möge Śrī Durgā in der hellen Monatshälfte des Āśvina durch vielfältige große Feste erfreuen. Nach dem Kālikāpurāṇa wird das Fest mit Durgā-Tantra und Mantra vollzogen; Könige und andere bringen im Herbst an Mahānavamī Bali dar. An der hellen Durgāṣṭamī des Āśvina nimmt die große Göttin in ihren verschiedenen Gestalten Verehrung zum Wohlergehen entgegen. Bei Sonne in Kanyā beginnt die Observanz mit der hellen Pratipad: nicht um Nahrung bitten, nur nachts oder einmal täglich essen beziehungsweise nach einer Lesart allein von Luft leben. Morgendliches Bad, Ertragen der Gegensätze und dreimalige tägliche Śiva-Verehrung werden genannt. Das Devīpurāṇa beschränkt den Zusatz mahā auf die drei Tithis von Saptamī bis Navamī in dieser hellen Monatshälfte. Die Glossen erläutern: Beginn ist die helle Pratipad; die Variante annada wird als Speisung von Brahmanen erklärt, vāyvāda als Luftnahrung; jitadvandva bedeutet Ertragen von Kälte, Hitze und Ähnlichem. „Śiva-Verehrender“ wird als zusammenfassender Ausdruck verstanden. [Die asketischen Ernährungsformen gehören zur historischen Ritualbeschreibung.]
Band III, S. 959–960, Durgotsava: Rezitation und besondere Nächte
Deutsch: Das Rudrayāmala empfiehlt Caṇḍī-Rezitation bis Navamī mit täglich um eins wachsender Zahl, selbst vollzogen oder ordnungsgemäß durch andere. Brahmanen, die die vier Veden kennen, werden geehrt und zur Veda-Rezitation ausgewählt. Ein anderes Tantra nennt die Mahārātri unter den besonderen Nächten als vorzüglich: Nach dem Fasten wird Durgā verehrt, die die Bedrängnis der Schwierigkeiten beseitigt. Das Śaktisaṅgama zählt Vīrarātri, Mahārātri, Kālarātri, nochmals Mahārātri, Ghorarātri, Krodharātri, Acalarātri, Tārārātri, Śivarātri, Divyarātri und Dāruṇā auf. [Die wiederholte Mahārātri ist Druckbefund; in der folgenden Erklärung erscheint dafür Moharātri.] „Höre aufmerksam, höchste Herrin“, leitet die Einzelerklärung ein.
Band III, S. 960, Durgotsava: Vira-, Maha-, Kala- und Moharatri
Deutsch: Vīrarātri liegt nach dieser Quelle vor, wenn um Mitternacht Caturdaśī, Sonnenübergang, ein Kula-Nakṣatra und ein Kula-Wochentag passend zusammentreffen. Als Mahārātri bezeichnet sie die helle Aṣṭamī des Āśvina im Navarātra. Kālarātri entsteht durch das Zusammentreffen der Caturdaśī des Lichterfestes mit Amāvāsyā und gilt Tārā und Kālī als besonders lieb. Janmāṣṭamī wird Moharātri genannt. Diese Bestimmungen werden als überlieferte Konstellationen wiedergegeben, nicht als Berechnung konkreter heutiger Termine.
Band III, S. 960–961, Durgotsava: weitere Festnacht-Konstellationen
Deutsch: Die helle Navamī des Caitra, verbunden mit „bhū“ – hier wohl Mars/Dienstag –, heißt Krodharātri und wird als Tārās Gestalt bezeichnet. Die dunkle Aṣṭamī des Mārgaśīrṣa heißt Ghorarātri, Gestalt Mahākālas. Eine dunkle Ekādaśī des Phālguna in Verbindung mit Bhṛgu und Bhauma wird Acalarātri genannt; die genaue astronomische Verknüpfung bleibt offen. Für Divyarātri nennt die Quelle die helle Daśamī des Jyeṣṭha, Freitag, einen Daśā-Yoga und eine Ekādaśī-Verbindung in beschädigter Folge. Die helle Daśamī des Jyeṣṭha mit Daśayoga gilt auch als Vaṭukas Geburtstag. Tārārātri erfordert Amāvāsyā am Dienstag, Sonnenübergang, Kula-Nakṣatra und Finsternis; diese seltene Konstellation sei nur durch Glück erreichbar. Śivarātri wird hier mit Mitternacht in der dunklen Hälfte des Phālguna und Bhṛgu verbunden und als Geberin aller Siddhis bezeichnet. Amāvāsyā am Freitag mit Sonnenfinsternis am Nachmittag heißt Mṛtasaṃjīvinī-Tithi; Bad, Gabe und Homa sollen dann unendliche Frucht tragen. Aṣṭamī im Caitra mit Sonnenübergang heißt Siddhirātri, im Kali-Zeitalter Tārā und Kālī gleich. Die helle Tṛtīyā im Mādhava/Vaiśākha mit Kula-Wochentag und Kula-Nakṣatra heißt Dāruṇā, höchste Herrin aller Siddhis. [Unklare Konstellationen werden nicht durch moderne Kalenderannahmen ergänzt.]
Band III, S. 961, Durgotsava: Kula-Kalenderklassen und Deviratri
Deutsch: Die Kula-Wochentage werden erläutert: Sonntag, Montag, Donnerstag und Samstag gelten als Akula; Dienstag und Freitag als Kula, Mittwoch als Kula-Akula. Zweiter, zehnter und sechster Mondtag sind Kula-Akula; alle ungeraden Tithis Akula, die übrigen Kula. Vāruṇa, Ārdrā, Abhijit und Mūla werden als Kula-Akula-Nakṣatras bezeichnet; die übrigen geradzähligen als Kula, die restlichen als Akula. Diese Einteilung wird dem Rudrayāmala zugeschrieben. Weiter heißt es: Jede dunkle Aṣṭamī eines Monats gilt als Devīrātri und als Geberin aller Siddhis, ob mit Dienstag und einem geeigneten Nakṣatra verbunden oder für sich allein. Die Glosse präzisiert das genannte Nakṣatra als Kula-Nakṣatra.
Band III, S. 961–962, Durgotsava: Vishnuratri und zwei Navaratras
Deutsch: Eine auf Mittwoch fallende Aṣṭamī heißt Viṣṇurātri, besonders im Monat Bhādra. Im Navarātra-Abschnitt derselben Quelle heißt es: „Navarātra verbindet sich mit neun Śaktis; die eine Göttin ist neunfach gegenwärtig.“ Zwei Formen werden unterschieden: das Śayana, das Ruhen, im Caitra und das Bodhana, das Erwecken, im Āśvina. Die Observanz beider soll alle Siddhis verleihen. Als nach den eigenen Kräften zu wählende Formen werden Fasten ohne Nahrung, Fruchtnahrung, eine tägliche Mahlzeit, Wasserobservanz, nächtliches Essen oder Havis-Nahrung genannt.
Band III, S. 962, Durgotsava: Festpavillon und Altar
Deutsch: Das Devīpurāṇa beschreibt den Festpavillon: Im Nordosten oder Osten wird ein dem Geist angenehmes, den Merkmalen entsprechendes Haus der Göttin errichtet, von zehn oder zwölf bis zu hundert Hastas Größe. Nach dem Bhaviṣyottara ist Durgās Haus quadratisch, schön und zurückgezogen, mit glückverheißenden Svastika-Zeichen, Stoffen, Lichterketten und Girlanden geschmückt, rituell mit Kuhurin und Kuhdung bestrichen. In seiner Mitte steht eine ebene, vier Hastas große Vedikā; darauf ein ansprechender Thron mit Decke und Fell. Dort wird Durgā aufgestellt, vollkommen in ihren Merkmalen, alle Gottheiten umfassend, in der kraftvollen Fülle erwachsenen Lebens, mit vier oder zehn schönen Armen. Ihr Körper gleicht glühendem Gold; sie hat drei Augen und trägt den Mond.
Band III, S. 963, Durgotsava: Durgas Bild mit Mahisha
Deutsch: Die Göttin trägt gelbes Gewand und blaue Seide, Halsschmuck, Ketten, Armreifen und Fußschellen. Ihre Krone glänzt von vielfältigen Edelsteinen, ihr Haarknoten ist mit Blumen bedeckt; Glöckchen am Hüftgürtel erklingen. Ihre Hände tragen Dreizack, Diskus, Stab, Speer, Vajra, Bogen, Schwert, Glocke, Gebetskette, Wasser- und Trinkgefäß. Vor ihr liegt der enthauptete Büffel in Blut. Aus seinem Hals tritt der Dämon zur Hälfte hervor, mit Schild und Schwert; die Göttin hält seinen Hals und trifft seine Brust mit dem Dreizack. Er hat furchtbare Fänge und blitzgelbes Haar, ist von einer Schlangenschlinge gefasst und wird vom Löwen bedrängt. Dieser hat ein blutiges Maul, schüttelt zornig die Mähne und erhebt den Schwanz; er dient der Göttin als Stand. Umgeben vom Kreis der Mütter und den Göttern wird sie von dem gesammelten, seine Observanz haltenden Menschen verehrt. [Einzelne Bildkomposita sind gedrängt.] Zur Aufstellung sagt das Devīpurāṇa: Nach Süden gewandte Durgā bringt Heil, nach Osten gewandte fördert Sieg. Die folgende Zeile nennt Westen und verbietet die Ausrichtung nach Norden; die genaue syntaktische Verbindung mit „stets“ bleibt knapp.
Band III, S. 963–964, Katyayani: zehnarmige Gestalt
Deutsch: Die zehnarmige Gestalt Kātyāyanīs nach dem Matsyapurāṇa: Sie wirkt Dharma, Kāma und Artha auch für die drei Götter. Ein hoher Flechthaarknoten und der Halbmond zeichnen sie aus; sie hat drei Augen und ein vollmondgleiches Gesicht, die Farbe einer Atasī-Blüte, festen Stand und schöne Augen. Sie erscheint jugendlich, reich geschmückt, mit schönen Zähnen und voller, erhobener Brust. Als Mahīṣāsura-Bezwingerin steht sie in der dreifach gebogenen Tribhaṅga-Haltung. Rechts trägt sie von oben nach unten Dreizack, Schwert, Diskus, scharfen Pfeil und Speer; links Schild, gespannten Bogen, Schlinge, Haken und Glocke oder Axt. Unter ihr wird der enthauptete Büffel gezeigt; aus dem abgetrennten Hals tritt der Dämon mit Schwert hervor. Durgā hält ihn mit der linken Hand am Haar, zugleich von der Schlinge gefasst. Ihr Löwe hat ein blutiges Maul. Ihr rechter Fuß steht gerade auf dem Löwen; der etwas angehobene linke große Zeh ruht auf dem Büffel. Die Götter umgeben sie lobpreisend. Eine Fußnote nennt bei „Schwert in der Hand“ die kürzere Kasusform khaḍgapāṇim als Lesung aller Vorlagen.
Band III, S. 964–965, Bhadrakali: sechzehnarmige Gestalt
Deutsch: Die sechzehnarmige Gestalt nach dem Kālikāpurāṇa: Yoganidrā, Mahāmāyā, Trägerin und Wesen der Welt, heißt mit sechzehn Armen Bhadrakālī. Am Nordufer des Milchozeans erscheint sie mit mächtigem Körper, in der Farbe der Atasī-Blüte und mit flammend goldenen Ohrringen. Flechthaarknoten, Vollmond und Krone bilden ihren dreifachen Hauptschmuck; Schlangen- und Goldketten schmücken sie. Rechts trägt sie Dreizack, Schwert, Muschelhorn, Diskus, Pfeil, Speer, Vajra und Stab; links Kheṭaka und Carma – zwei Schildbezeichnungen –, Bogen, Schlinge, Haken, Glocke, Axt und Stößel. Ihre weit geöffneten drei Augen glühen rot. Auf dem Löwen stehend hat die höchste Weltenmutter Mahīṣa mit dem Dreizack durchbohrt und tritt mit dem linken Fuß auf ihn. Die Meditation der achtzehnarmigen Gestalt, so der Verweis, wurde bereits zuvor beschrieben.
Band III, S. 965, Candika: geschmückte Kaushiki
Deutsch: Nun Caṇḍikās Meditation aus derselben Quelle. Ihr Haar ist zum Knoten gebunden; über dem Tilaka am Haaransatz trägt sie die nach unten gerichtete Mondsichel. Juwelenohrringe berühren ihre Wangen, eine Krone schmückt sie; leuchtender Ohrschmuck füllt die Ohren. Gold, Edelsteine, Rubine und Schlangenketten glänzen an ihr. Um den Hals trägt sie eine stets duftende, unwelke Lotusgirlande, an den Armen Juwelenreifen. Ihre langen, runden Arme gleichen weichen Lotusstängeln. Sie trägt ein Brustgewand, hat volle erhobene Brüste, eine schmale Taille mit drei Hautfalten und gelbe Kleidung. Von oben nach unten hält sie in den linken Händen Dreizack, Vajra, Pfeil, Schwert und Speer. Kauśikī steht auf dem Löwen, auf einem Tigerfell, in unvergleichlicher Gestalt, die Götter und Asuras bezaubert. [Der Text beschreibt hier ausschließlich die linke Waffenreihe; eine rechte wird nicht ergänzt.]
Band III, S. 966, Sarvamangala: vier- und achtarmige Gestalt
Deutsch: Nun Sarvamaṅgalās Meditation aus dem Devīpurāṇa. Brahmā spricht: Ihre Erscheinung wurde bereits kurz beschrieben; nun folgen die Merkmale ihres Bildes. Die freundliche, glückverheißende Göttin sitzt auf Löwe und Lotus, trägt eine Flechthaarkrone und hält Dreizack, Gebetskette und Wassergefäß; eine Hand gewährt Wünsche. So erscheint sie vierarmig. Achtarmig zeigt sie rechts Wunschgewährung, Furchtlosigkeit, Schwert und Gebetskette, links Spiegel, Dreizack, Bogen und Schild. So ist Maṅgalā, die allen Segen schenkt.
Band III, S. 966–967, Bodhana: Gestalten und Festablauf
Deutsch: Nun die Bestimmung der Erweckungszeit. Die Mahātharvaṇasaṃhitā erklärt: Dieselbe Mahīṣāsuramardinī heißt achtzehnarmig Ugracaṇḍā, sechzehnarmig Bhadrakālī und zehnarmig Kātyāyanī. Verschiedene Kalpas beschreiben verschiedene Meditationsgestalten und entsprechend unterschiedliche Bodhana-Zeiten im Durgā-Fest. Ugracaṇḍā wird an der dunklen Navamī des Āśvina bei Ārdrā nach hingebungsvoller Tagesverehrung erweckt. Die Glosse präzisiert Āśvina nach der mit Vollmond endenden Monatszählung; Verehrung und Erweckung gehören an diesen Tag. Liṅga- und Devīpurāṇa nennen für die achtzehnarmige Mahāmāyā bei Sonne in Kanyā die dunkle Navamī, Ārdrā und Gesang samt Instrumenten. In der hellen Hälfte werden an Caturthī die Haare der Göttin gelöst, an Pañcamī morgens das Bad mit heilvollen Wassern, an Saptamī die Patrikā-Verehrung, an Aṣṭamī Fasten, Pūjā und Nachtwache, an Navamī der vorgeschriebene Bali und an Daśamī die Verabschiedung mit Spielen, Festfreude und Segenshandlungen vollzogen.
Band III, S. 967, Bodhana: Mittagsregel und Entscheidungsfolge
Deutsch: Auch die Mahākālasaṃhitā sagt: Verehrer der achtzehnarmigen Ugracaṇḍā sollen sie gesammelt an der dunklen Āśvina-Navamī, an einem Kula-Wochentag, mittags unter Muschelhornklängen erwecken. „Mittag“ bedeutet das dritte Fünftel des Tages: erstes Fünftel Prātaḥkāla, zweites Saṅgava, drittes Madhyāhna, viertes Aparāhṇa, fünftes Sāyāhna. Muschelhornklänge stehen beispielhaft für verschiedene Instrumente. Der Verfasser der Varṣakriyākaumudī entscheidet zunächst nach dem Tag, an dem Navamī tagsüber mit Ārdrā zusammenfällt. Geschieht dies an beiden Tagen, wird wegen der Paarungsregel die noch mit Aṣṭamī verbundene Navamī gewählt; ebenso entscheide man bei fehlendem Ārdrā. Der vorliegende Autor gewichtet dagegen die ausdrückliche Mittagsangabe stärker: Maßgeblich ist die Tithi, die den vorgeschriebenen Handlungszeitraum umfasst, nach Vṛddhayājñavalkya. Umfasst Navamī an beiden Tagen Mittag oder an keinem, entscheidet das Nakṣatra. Ist auch dieses an beiden vorhanden oder an beiden abwesend, entscheidet die Paarungsregel.
Band III, S. 967–968, Bodhana: Paarung der Tithis
Deutsch: Der Nigama nennt Tithi-Paare: zweiter und dritter, vierter und fünfter, sechster und siebter, achter und neunter Tag, sodann Ekādaśī mit Dvādaśī, Caturdaśī mit Vollmond und Amāvāsyā mit Pratipad. Solche Paarungen gelten als besonders fruchtbar, die umgekehrte Zuordnung als fehlerhaft. Die verschlüsselten Zahlwörter werden erläutert; Rudra bedeutet elf. Im Nirṇayāmṛta und anderen Werken wird die Regel auf die helle Monatshälfte bezogen, weil Vollmond und die Amāvāsyā-Pratipad-Verbindung nicht innerhalb der dunklen Hälfte vorkämen. Dennoch fordert Mādhava in beiden Hälften eine mit der vorherigen Tithi verbundene Navamī; also ist auch in der dunklen Hälfte die Aṣṭamī-Navamī-Verbindung zu nehmen. Kommentatoren der Nibandhas beziehen die Paarungsregel auf beide Hälften, da andere Smṛtis statt „Caturdaśī mit Vollmond“ die Lesung „Trayodaśī mit Caturdaśī“ haben. Auch der Nirṇayasindhu versteht sie für beide Hälften: Die Verbindung von Amāvāsyā und Pratipad deute gerade auf die dunkle Hälfte; besondere Einzelregeln können dort einzelne Tithis ausnehmen.
Band III, S. 968–969, Bodhana: Vorrang der Tithi und Gegenmeinung
Deutsch: Die Erwähnung Ārdrās bedeutet nach dem Autor: diese Verbindung ist vorzuziehen, soweit sie möglich ist. Das Ergebnis lautet daher: Bodhana an der mittags geltenden Navamī, möglichst mit Ārdrā. Devala, im Nirṇayasindhu zitiert, fordert bei gemeinsamer Verfügbarkeit Tithi und Nakṣatra, andernfalls allein die Tithi. Mahākāla erklärt, dass das Nakṣatra die Frucht steigere, die bloße Tithi aber ebenfalls geeignet sei. Der Nirṇayāmṛta-Verfasser argumentiert grammatisch anders: Das Absolutiv „nachdem man verehrt hat“ bezeichne eine dem Erwecken vorausgehende Handlung desselben Handelnden; daher solle Pūjā an Aṣṭamī, Bodhana an Navamī stattfinden. Im Nirṇayasindhu steht dazu die Lesung „nachdem man am Aṣṭamī-Tag verehrt hat“; eine Fußnote bezeichnet sie als vereinzelte Lesung. Die Auffassung, Pūjā müsse an einer mit Ārdrā verbundenen Aṣṭamī und Bodhana erst an Navamī erfolgen, weist der vorliegende Autor zurück: Mahākāla verbindet ausdrücklich Navamī mit dem Śiva-Nakṣatra Ārdrā und lässt dort das Herbstgelübde beginnen. So erstreckt sich die achtzehnarmige Festform von der dunklen bis zur hellen Āśvina-Navamī.
Band III, S. 969, Bodhana: sechzehnarmige Form und Kalasha
Deutsch: Nun die sechzehnarmige Festform: Nach der Mahātharvaṇasaṃhitā wird Bhadrakālī an der hellen Pratipad des Iṣa/Āśvina erweckt und bis Navamī verehrt. Ebenso nennt die Mahākālasaṃhitā neun Tage nach tantrisch-purāṇischem Verfahren. Wird ausschließlich nach purāṇischem Verfahren gefeiert, erfolgt das Erwecken dagegen schon an der dunklen Āśvina-Caturdaśī. Kaumudī und Liṅgapurāṇa nennen dazu bei Sonne in Kanyā: Fasten an dunkler Ekādaśī, eine Mahlzeit an Dvādaśī, nächtliches Essen am Folgetag; an Caturdaśī Erweckung Mahāmāyās mit Gesang, Instrumenten und vielfältigem Naivedya. Es folgt die Einnahme ungebetener Nahrung und am nächsten Tag Fasten; ein Wort dazwischen ist beschädigt. Diese Observanz wird bis Navamī fortgesetzt. Der Kalasha wird nach dem Yāmala an Pratipad aufgestellt; bei einer dritten Festform wird später Saptamī genannt. Anschließend beginnt die Bestimmung der hellen Āśvina-Pratipad: Für Durgā-Fest, Fasten und Ähnliches ist die mit der nachfolgenden Tithi verbundene Form zu wählen.
Band III, S. 970, Pratipad: Verbindung mit der nachfolgenden Tithi
Deutsch: Das Devīpurāṇa verheißt der Verehrung an der hellen Āśvina-Pratipad, die mit Bhadrā/Dvitīyā verbunden ist, die Frucht von hundert Opfern. Damit wird die Verbindung mit der nachfolgenden Tithi bevorzugt. Mārkaṇḍeya- und Devīpurāṇa verbieten dagegen für das Navarātra-Gelübde eine noch mit der vorherigen Amāvāsyā verbundene Pratipad; als Unheilsfolgen werden Zerfall des Landes und Hungersnot genannt. Das Rudrayāmala missbilligt diese Amāvāsyā-Verbindung ebenfalls und fordert für das Aufstellen des Kumbha die mit Dvitīyā verbundene Pratipad. Der Kalpataru verlangt, schon eine mit einem Rest von Kuhū/Neumond vermischte Pratipad zu meiden; sonst werde der Untergang des Reiches bewirkt, so seine Warnung. [Die Unheilsfolgen sind traditionelle Aussagen der zitierten Texte.]
Band III, S. 970–971, Pratipad: Tagesabschnitte und widersprüchliche Belege
Deutsch: Das Devīpurāṇa leitet die Caṇḍikā-Verehrung mit der hellen Āśvina-Pratipad ein. Sie soll an einer reinen, weiterlaufenden Tithi stattfinden; die ersten sechzehn oder zwölf Nāḍikās sind auszulassen. Wer reine Nachkommenschaft wünscht, vollzieht sie am Nachmittag. Der Kommentator beschränkt diesen Nachmittagsvorrang auf den Fall, dass am zweiten Tag keine Pratipad mehr vorhanden ist. Das Devīpurāṇa und Uḍḍāmaratantra lassen die Göttin sagen: Eine Amāvāsyā-verbundene Pratipad ist zu meiden; eine nur einen Muhūrta dauernde, mit den Vorzügen Dvitīyās verbundene genügt. Die nächste gedruckte Zeile droht demjenigen Unheil an, der nach Überschreiten der ersten sechzehn Nāḍīs den Kalasha aufstellt. Das unmittelbar folgende Śaktisaṅgama sagt umgekehrt ausdrücklich: Die ersten sechzehn Ghaṭikās sind auszulassen, dann bringt die Aufstellung Heil. [Dieser Widerspruch des überlieferten Wortlauts bleibt sichtbar.] Weiter werden Amāvāsyā-Verbindungen für Kālī-Verehrung ausgeschlossen. Auch der Skānda-Text bevorzugt die mit Dvitīyā verbundene, alle Wünsche erfüllende Pratipad.
Band III, S. 971, Pratipad: Warnungen und Sonnenaufgangsregel
Deutsch: Die Göttin spricht im Devīpurāṇa: Wer sie hingebungsvoll an der herbstlichen Pratipad mit den Vorzügen Dvitīyās verehrt, genießt unvergängliches Glück. Eine Aufstellung an der mit Neumond verbundenen Pratipad wird dagegen mit zehntausend Flüchen, Untergang der Familie, Vermögensverlust und Tod des ältesten Sohnes bedroht. Besonders nach Wohlstand Strebende sollen sie daher meiden. Nicht einmal ein kleiner Rest der Neumond-Tithi soll mit der Caṇḍikā-Verehrung verbunden sein. Eine Pratipad, die nach Sonnenaufgang nur zwei Muhūrtas fortbesteht, wird angenommen, sofern sie bei Sonnenaufgang gilt. Eine weitere Quelle fordert entsprechend das Durgā-Fest an der reinen, zur folgenden Tithi hin verbundenen Āśvina-Pratipad. [Die Drohungen werden als historische Quellenrede wiedergegeben.] Mit „Widersprechen diese Aussagen nicht …?“ beginnt anschließend die Erörterung der Gegenargumente.
Band III, S. 972, Pratipad: Einwand aus Paarung und Nachtfasten
Deutsch: Einwand: Widerspricht dies nicht der Regel, dass Amāvāsyā und Pratipad ein fruchtbares Paar bilden? Antwort: Nein; jene Regel betrifft andere Pratipad-Anlässe. Deshalb sagt das Devīpurāṇa, dass die jährliche herbstliche Mahāpūjā an der bei Sonnenaufgang geltenden Tithi stattfinden soll; dort gilt die Paarungsregel nicht. Ein weiterer Einwand beruft sich auf den Skānda-Text: Nach Verehrung der neun Durgās esse man gesammelt nachts; Navarātra sei ein Naktavrata. Da bei Nachtfasten die Verbindung mit der Nacht bevorzugt werde, müsse die mit der vorhergehenden Tithi verbundene Pratipad gelten. Der Autor verwirft dies wegen des besonderen Amāvāsyā-Verbots. Außerdem ist Navarātra nicht ausschließlich Nachtfasten: Das bei Hemādri zitierte Bhaviṣya nennt vier Formen der Verehrung Vindhyavāsinīs in jedem Ort – Fasten, eine Mahlzeit, nächtliches Essen und ungebetene Nahrung. Kamalākarabhaṭṭa versteht die Nachtfasten-Aussage daher als Beschreibung einer möglichen Form. Andere meinen: Rudrayāmala und Devīpurāṇa verböten am ersten Tag nur die Kalasha-Aufstellung, nicht Fasten und Ähnliches. Für Letzteres blieben die Paarungsregel und Mādhavas Aussage über die mit Neumond verbundene helle Pratipad wirksam; ein gegenteiliger Beleg fehle. Darauf folgt die Antwort des Autors.
Band III, S. 972, Pratipad: Varianten der Belegführung
Deutsch: Die Fußnoten zu dieser Seite bewahren vier Varianten einer bezeichneten Vorlage: Der erste Beleg wird dort dem Nandikeśvarapurāṇa zugeschrieben; eine Verslesung lautet „der Mensch [nehme] nach seiner Kraft ungebetene Nahrung“; statt der ausdrücklichen Vierzahl steht „weil verschiedene Gelübde genannt werden“; und zur Hauptsache heißt es: „Obwohl hier viele Handlungen wie Fasten genannt werden, ist nach den Kennern des Geheimnisses die Verehrung der Göttin das Wesentliche.“
Band III, S. 973, Pratipad: Hauptpraxis und Mindestdauer
Deutsch: Der Autor antwortet: Da die Göttinnenverehrung die Hauptsache ist und am vorhergehenden Tag verboten wird, müssen auch ihre Glieder wie Fasten dem späteren Tag folgen. Devala sagt, bei Gelübden, Fasten und Observanzen genüge eine noch verbleibende Ghaṭikā der Tithi; bei Ahnenriten gelte das Gegenteil. Die Gauḍa-Gelehrten verstehen hier ghaṭikā als Muhūrta. Kamalākarabhaṭṭa deutet die Einheiten „eine Ghaṭikā“ und „ein Muhūrta“ als Lob der Zweimuhūrta-Regel: Maßgeblich sei eine Pratipad, die ab Sonnenaufgang noch zwei Muhūrtas dauert, sonst wäre diese Vorschrift nutzlos. Ist sie dagegen am ersten Tag vollständig rein und dauert in den nächsten hinein, gilt der erste Tag, da er vollständig und ohne Amāvāsyā-Verbindung ist. Verbote einer Dvitīyā-Verbindung beziehen sich dann auf das unnötige Überschreiten eines solchen reinen Tages. Der Samayaprakāśa-Verfasser fordert drei Muhūrtas am zweiten Tag und nimmt andernfalls den ersten, selbst wenn er mit Neumond verbunden ist. Der vorliegende Autor unterscheidet Hauptregel und Ersatzregel: Drei Muhūrtas sind vorrangig, zwei genügen ersatzweise, wie Dakṣas „auch zwei“ zeigt. Fehlt Pratipad am zweiten Tag völlig, wird ausnahmsweise die Neumond-Verbindung angenommen; dafür wird eine Nibandha-Glosse zitiert.
Band III, S. 973–974, Pratipad: neun Tithis statt starrer Tageszahl
Deutsch: Fußnoten bekräftigen: Auch im vorliegenden Satz zeigt „selbst zwei Muhūrtas“ eine Ersatzregel; anderswo genannte Neumond-Pratipad-Ausnahmen gehören in diesen Fall. Manche führen einen im Nirṇayasindhu bewahrten Devīpurāṇa-Vers an: Bei Tithi-Verlängerung ende die Observanz an Aṣṭamī, bei Verkürzung beginne Navacaṇḍī in der Nacht von Amāvāsyā zu Pratipad. Sie verstehen Navarātra daher als neun volle Tag-Nacht-Einheiten und begrenzen das Neumond-Verbot auf Fälle ohne Verkürzung. Eine Variante liest „Beginn des Navarātra“ statt „Navacaṇḍī“. Der Autor bezeichnet dies als nepalesische Überlieferung. Er selbst widerspricht: Das Matsyapurāṇa verbietet Kalasha-Aufstellung und Kumbha-Abhiṣeka bei Nacht. Der Vers betreffe deshalb neun Caṇḍī-Lesungen an neun Tagen, getrennt von den übrigen Verehrungshandlungen. Navarātra meint grundsätzlich neun Tithis; die Bezeichnung des Rituals ist übertragen. Eine starre Zahl von neun Sonnentagen wäre wegen verlängerter oder verkürzter Tithis unpassend. Die folgenden Verse aus Nirṇayāmṛta und Devīpurāṇa sind teilweise gestört, halten aber fest, dass auch bei Tithi-Verkürzung die Verehrung an der hellen Āśvina-Pratipad beginnt. Eine Fußnotenvariante ergänzt einen tantrischen Beleg, wonach bei Verkürzung oder Verlängerung die Verbindung mit der vorherigen Tithi nicht schadet. [Die beschädigte Versgruppe wird nicht zu einer widerspruchsfreien Regel umgeschrieben.]
Band III, S. 974–975, Pratipad: Citra und Vaidhriti
Deutsch: Weiter wird die Verbindung der Pratipad mit Citrā – auch Tvāṣṭra genannt – und Vaidhṛti ausgeschlossen. Der Kalasha soll erst nach deren Ende aufgestellt werden; ein vollständiger reiner Pratipad-Tag wird unter Vermeidung beider bevorzugt. Gibt es keinen solchen freien Abschnitt, fordert Kātyāyana, die ersten Viertel von Vaidhṛti und Citrā auszulassen und dann Navarātra zu beginnen. Das Rudrayāmala droht Vaidhṛti mit Verlust von Söhnen, Citrā mit Vermögensverlust zu; dauert die ungünstige Verbindung die ganze Pratipad, empfiehlt es den Abhijit-Muhūrta um Mittag. Das Bhaviṣya nennt dagegen das Auslassen der ersten drei Viertel und Verehrung im letzten Viertel. Der Durgotsava-Text gewährt eine weitere Ausnahme: Eine mit Bhadrā/Dvitīyā verbundene Pratipad kann trotz ungünstiger Kombinationen angenommen werden und gilt als förderlich für Wohlstand, Nachkommen und Herrschaft. [Die Alternativen der Quellen bleiben als unterschiedliche Regeln erhalten.]
Band III, S. 975–976, Gerstenaussaat und Verehrung
Deutsch: Nun die Gerstenaussaat. Nach dem Rudrayāmala verehre man die Göttin nach einem glückverheißenden Bad, bereite aus geeigneter Erde ein Beet und säe dort Gerste zusammen mit Weizen. Ein anderes Tantra fordert sorgfältig gesammelten Flusssand und ein quadratisches, segensreiches Beet: zwei Hasta gelten als beste, anderthalb als mittlere, ein Hasta als kleinste Größe; man weiche davon nicht ab. Mit dem Mantra-Anfang „bhūr asi“ berühre man das Beet; mit der hier als „apāmārga“ bezeichneten Formel besprenge man es mit Sandelwasser. In die Mitte schreibe man den Jayadurgā-Mantra, rufe dort die höchste achtzehnarmige Göttin an und verehre sie mit fünf Darbringungen, danach die Richtungswächter. Mit dem neunsilbigen Mantra verehre man die Buchstabenmutter. Die gereinigte Gerste gebe man unter „yavo ’si“ und dem folgenden Spruch in das Beet. [Die vedischen Formeln sind in der Quelle nur durch Anfänge bzw. Bezeichnungen vertreten.]
Band III, S. 976, Segen der Gerste und Namen der Göttin
Deutsch: Oṃ. O Gerste, du bist von Gerstengestalt, von Vidhi, dem Schöpfer, für das Opfer geschaffen. Weil du die Götter sättigst, werde uns zur Segensspenderin. Dir sei Verehrung: Jayantī, die Siegreiche; Maṅgalā, die Glückverheißende; Kālī; Bhadrakālī; Kapālinī, die Schalen- oder Schädelträgerin; Durgā; Kṣamā, die Geduld und Vergebung; Śivā, die Gütige; Dhātrī, die Tragende; Svāhā und Svadhā.
Band III, S. 976, Fest der Aussaat und Keimzeichen
Deutsch: Bei der Gerstenaussaat veranstalte man ein großes Fest mit Bherī-, Mṛdaṅga-, Ḍamaru- und Paṭaha-Trommeln sowie Glocken. Am zehnten Tag deute man das Aufgegangene als günstiges oder ungünstiges Zeichen. Eine andere Quelle nennt gut entwickelte, lange und gerade Keime günstig; ausgebliebene, gehemmte, kurze, vertrocknete, brüchige, von Insekten oder Mäusen angefressene, beschädigte und ungleichmäßige Keime ungünstig. Der Autor übergeht weitere Deutungen anderer Sammlungen, weil sie nur auf scheinbaren Belegen beruhen. [Die genaue Bedeutung von śāṭita bleibt hier unsicher.]
Band III, S. 976–977, Kalasha und neun Festtage
Deutsch: Nach dem Rudrayāmala stelle man dort unter Mantras einen Kumbha aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton auf. Das Matsyapurāṇa untersagt seine Aufstellung und Besprengung bei Nacht. Viṣṇu bestimmt für Aufstellung und ähnliche Handlungen den Morgen als die ersten zehn Nāḍikās nach Sonnenaufgang. Die genaue Kalasha-Handlung folgt bei der zehnarmigen Form. Der Vaiṣṇavīkalpa schreibt neun Tage der Verehrung nach den Regeln besonderer Anlässe vor: Fasten an Aṣṭamī, reichliche Bali-Gaben an Navamī und Entlassung an Daśamī. Für einen Mann mit Söhnen schließt das Kālikāpurāṇa allerdings das Fasten an Mahāṣṭamī aus; er soll die Göttin als beherrschter Gelübdehalter auf geeignete Weise verehren. Der Autor folgert: Die besondere Fülle der Bali-Gaben an Navamī lässt die gewöhnliche, zur Pūjā gehörige Bali-Darbringung an Aṣṭamī und anderen Tagen bestehen. Manche zitieren eine Aussage, Bali an Aṣṭamī bringe sicher den Tod eines Sohnes; ihre Quelle müsse erst gefunden werden. Falls sie belegt werde, sei sie als Verbot umfangreicher Bali-Gaben zu verstehen. Einzelheiten von Pūjā, Bali und Entlassung folgen später.
Band III, S. 977–978, Festordnung der zehnarmigen Durga
Deutsch: Nun die Festform der zehnarmigen Göttin. Nach dem Kālikāpurāṇa erwecke man die Göttin an Ṣaṣṭhī in fruchttragenden Bilva-Zweigen. An Saptamī hole man einen solchen Zweig herbei und verehre ihn. An Aṣṭamī folge besondere Pūjā, persönliches Nachtwachen und Bali in der großen Nacht; an Navamī reichliche Bali-Darbringung nach Vorschrift. Verbunden mit Japa und Homa speise man Kumārīs. Man meditiere über die zehnarmige Göttin und verehre sie mit dem Durgātantra; der Autor erklärt dies als den zuvor genannten Jayadurgā-Mantra. An Daśamī entlasse man sie mit Śābara-Festlichkeiten, deren Kleidung, Sprache sowie Staub- und Schlammwerfen später erläutert werden. „In den Früchten“ meint hier fruchttragende Zweige. Die Erweckung an Ṣaṣṭhī soll am späten Nachmittag oder in der Abenddämmerung erfolgen; Mahākāla und Bhaviṣyapurāṇa werden dafür zitiert. Sāyāhna ist das letzte Fünftel des in fünf Teile geteilten Tages; Sandhyā ein Muhūrta am Übergang von Tag und Nacht.
Band III, S. 978, Tithis und Mondhäuser beim Einzug
Deutsch: Das Devīpurāṇa verbindet die Einladung am Bilva-Baum mit Ṣaṣṭhī und Jyeṣṭhā, den Einzug der Patrikā mit Saptamī und Mūla. Der Autor versteht die Mondhäuser als Verstärkung der Frucht, nicht als zwingende Bedingung: Das Nandikeśvarapurāṇa erlaubt den Einzug an Saptamī auch ohne Mūla. Entsprechend bedeutet die Reihenfolge Jyeṣṭhā, Mūla, Pūrvā/Uttarā und Ende von Śravaṇa die besonders günstige Verbindung von Tithi und Nakṣatra; Pūrvā und Uttarā sind hier Pūrvāṣāḍhā an Aṣṭamī und Uttarāṣāḍhā an Navamī. Wegen eines Mondhauses dürfen Einzug und Entlassung nicht in die Nacht verlegt werden. Die Durgābhaktitaraṅgiṇī droht einem solchen nächtlichen Vollzug mit dem Untergang des Handelnden und seines Reiches. Fällt das letzte Viertel von Śravaṇa in die Nacht, soll die Göttin am Tagesabschnitt von Daśamī zum Abschied erhoben werden. Die Anweisung „am Ende von Śravaṇa entlassen“ begründet also keine nächtliche Entlassung.
Band III, S. 978–979, Drei Verehrungen und vorbereitende Gaben
Deutsch: Die drei Pūjās der drei Tithis finden gewöhnlich an drei Tagen statt. Durch Verkürzung einer Tithi können sie jedoch auf zwei Tage fallen, durch Verlängerung vier Tage beanspruchen. Das Bhaviṣya gestattet ausdrücklich die Verehrung ab Saptamī an drei, zwei oder vier Tagen entsprechend dem Tithi-Verlauf. Auch für diese Festform nennt es vorbereitende Gaben: an Pratipad Mittel zur Haarpflege; an Dvitīyā eine seidene Schnur zum Zusammenbinden des Haares; an Tṛtīyā Spiegel, Sindūra und roten Lack; an Caturthī Madhuparka, Tilaka und Augenschminke; an Pañcamī Körpersalbe und Schmuck nach Vermögen. An Ṣaṣṭhī folge die Erweckung am Bilva-Baum zur Abenddämmerung. [Die Drucklesung śakyā wird hier sinngemäß als „nach Vermögen“ verstanden.]
Band III, S. 979, Erweckung bei fehlender Abend-Tithi
Deutsch: Eine zunächst referierte Regel bindet die vorbereitende Einweihung am Vorabend des Patrikā-Einzugs an Ṣaṣṭhī zur Abendzeit: Fehle diese vollständig, entfalle die Einweihung; als Beleg dient der Kalpataru. Entsprechendes werde für die Erweckung angenommen. Der Autor unterscheidet jedoch: Die in vielen Tantras geforderte Erweckung ist notwendig. Daher vollziehe man sie an dem Tag, dessen Abenddämmerung Ṣaṣṭhī berührt. Ist dies an beiden Tagen der Fall, entscheide die Tithi-Paarungsregel. Fehlt die Verbindung an beiden Abenden, ist mit dem Kaumudī-Verfasser auf Ṣaṣṭhī zur Pradoṣa-Zeit oder einem vergleichbaren Ersatzzeitraum auszuweichen. Denn die unmittelbar auf die eigentliche Zeit folgende gilt als nachgeordnete Zeit eines Festritus. Ācāryacūḍāmaṇi erklärt deshalb: Die Nennung des Abends bezeichnet den besonderen Ertrag; die Handlung soll nicht entfallen. Für Pradoṣa stehen zwei Definitionen nebeneinander: Vyāsa im Madanaratna nennt drei Muhūrtas nach Sonnenuntergang, Vatsa zwei Ghaṭikās.
Band III, S. 979–980, Saptami und der Vorabend des Einzugs
Deutsch: Für den Einzug ist Saptamī bei Sonnenaufgang maßgeblich; die allgemeine Paarung von Ṣaṣṭhī und Saptamī begründet hier keinen Vorrang des früheren Tages. Der Kṛtyatattvārṇava nennt Yuga-Anfang, Jahreszuwachs und die Pārvatī liebe Saptamī als Anlässe, die Sonnenaufgang verlangen und nicht nach der Tithi-Paarung entschieden werden. Nach dem im Tithitattva zitierten Nandikeśvarapurāṇa sind alle Handlungen vom Einzug bis zur Entlassung der Göttin an einer bei Sonnenaufgang geltenden Tithi zu vollziehen. Die vorbereitende Einweihung erfolgt dagegen unbedingt am unmittelbar vorhergehenden Abend, auch wenn Ṣaṣṭhī oder Jyeṣṭhā dann fehlen. Eine frühere Ṣaṣṭhī mit passendem Mondhaus am Abend wird dafür nicht vorgezogen.
Band III, S. 980, Einzug am Vormittag und eintägige Feier
Deutsch: Eine astrologische Aussage erklärt den Einzug der Navapatrikā am Vormittag für segensreich, Gesundheit, Wohlstand, Erfolg und Sieg verheißend. Die Mittagszeile ist textlich widersprüchlich: Sie enthält sowohl „keine Bedrängnis“ als auch „Verfall verursachend“; die genaue Aussage bleibt offen. Dem späten Nachmittag werden Tötung, Gefangenschaft, Streit und umfassender Schaden zugeschrieben. Nach dem Matsyasūkta soll der König den mit Bilva-Früchten versehenen Pflanzenverband nicht wegen Mūla erst bei untergehender Saptamī einziehen lassen; dies bedrohe sein siebengliedriges Reich und das Wohl der Bevölkerung. Er wähle Saptamī bei Sonnenaufgang und stelle das hier „dämonisch“ genannte Mondhaus zurück. Das Brahmāṇḍapurāṇa fordert die Einladung Caṇḍīs im Bilva-Baum am Vorabend des Einzugs ausdrücklich ohne Vorrang der Ṣaṣṭhī. Die Einzelheiten folgen später. Das Kālikāpurāṇa kennt außerdem eine eintägige Form: Ein Sādhaka verehrt die segenspendende Göttin allein an Aṣṭamī oder Navamī mit reichlicher Festpracht. [Die gestörte Mittagszeile bleibt in den Sanskrit-Fassungen erhalten.]
Band III, S. 981, Sarasvati im Herbstfest
Deutsch: Nach dem Rudrayāmala verehre man Sarasvatī vom Mondhaus Mūla an täglich bis Śravaṇa. Solange das Buch rituell aufgestellt ist, soll der nach Wissen strebende Zweimalgeborene weder lehren noch schreiben noch studieren. Eine Sammlung sagt entsprechend: Wer Erkenntniskraft wünscht, rufe Sarasvatī in der hellen Hälfte des Āśvina unter Mūla an und entlasse sie unter Śravaṇa.
Band III, S. 981–982, Mahashtami: Vorrang der Verbindung mit Navami
Deutsch: Nun wird Mahāṣṭamī bestimmt. Für Pūjā, Fasten und verwandte Handlungen gilt ihre Verbindung mit der folgenden Navamī, entsprechend der Paarung von achtem und neuntem Mondtag. Das Brahmavaivarta verbietet für Aṣṭamī und Caturdaśī der hellen Monatshälfte die Verbindung mit der vorhergehenden Tithi. Der Smṛtisaṃgraha lobt herbstliche Mahāṣṭamī mit Navamī und verbindet ihre Vermischung mit Saptamī mit Trauer und Leid. Als Beispiel nennt er Jambha, der auf diese Weise verehrte und von Indra erschlagen wurde. Wer Heil wünscht, solle deshalb die Saptamī-Verbindung vermeiden. Selbst unabsichtlicher Vollzug wird mit Höllenfolgen bedroht; ein kleiner Rest von Saptamī heißt ein „Stachel“, der Söhne und Enkel gefährde. Weitere Verse steigern dies zum Verlust von Kindern, Vieh, König und Reich sowie geborenen und ungeborenen Nachkommen. Nirṇayāmṛta und Devīpurāṇa bevorzugen ausdrücklich Aṣṭamī mit Navamī und schildern ein großes, freudiges Fest; die gegenteilige Verbindung wird mit dem Verlust von Familie und Besitz und geisterhaftem Umherirren bedroht. Der Bhojarājīya begründet die günstige Paarung theologisch: Navamī gehört Umā, Aṣṭamī Hara; ihre Einheit ist die hochheilige Umā-Maheśvara-Tithi. [Die Drohungen geben die historische Argumentation der zitierten Texte wieder.]
Band III, S. 982, Mahashtami: kurze Restdauer oder drei Muhurtas
Deutsch: Der im Madanaratna zitierte Smṛtisamuccaya verwirft Mahāṣṭamī mit dem Saptamī-Stachel, erklärt aber eine kurze Aṣṭamī bei Sonnenaufgang für besonders heilig. Der Nirṇayasindhu-Verfasser und die Gauḍa-Gelehrten verstehen „kurz“ als selbst nur eine Ghaṭikā, gestützt auf Devalas Regel für Gelübde und Fasten. Schon die geringste Saptamī-Berührung reicht nach dieser Auffassung zur Verwerfung; nicht erst drei Muhūrtas. Die Verfasser des Samayaprakāśa und anderer Werke vertreten dagegen: Nur eine am späteren Tag noch drei Muhūrtas dauernde Aṣṭamī zwingt zur Aufgabe der früheren Saptamī-Verbindung. Dauert sie kürzer, wird der erste Tag gewählt. Aussagen über winzige Zeitteile, Ghaṭikā, ein oder zwei Muhūrtas seien als mittelbares Lob der drei Muhūrtas zu lesen; auch der Nibandha-Kommentator vertritt diese Deutung.
Band III, S. 983, Mahashtami: Ausnahmen und dunkle Monatshälfte
Deutsch: Ein Vers erlaubt die heilbringende helle Mahāṣṭamī im Āśvina selbst mit Saptamī, besonders unter Mūla. Der Autor begrenzt ihn auf den Fall, dass am Folgetag keine Aṣṭamī mehr vorhanden ist. Das im Nirṇayāmṛta zitierte Devīpurāṇa gestattet den früheren Tag bei Ausfall der folgenden Tithis. Andere Verse setzen das Fest auf den Tag, an dem die Sonne in Aṣṭamī untergeht, und drohen einer Navamī-Pūjā mit Hungersnot. Diese gelten nach der Erklärung für den Fall, dass am folgenden Tag Navamī fehlt; dafür wird der Smṛtisaṃgraha angeführt. Viśvarūpas Nibandha verlangt ebenfalls den Tag mit Sonnenaufgang in Saptamī und anschließender Aṣṭamī. Das bezieht der Kommentator jedoch auf die dunkle Āśvina-Hälfte: Dort ist eine Aṣṭamī-Pūjā Bestandteil der für die dunkle Navamī vorgeschriebenen Erweckung. Für Aṣṭamī und Caturdaśī der dunklen Hälfte gilt bei Fasten und ähnlichen Handlungen die Verbindung mit der vorherigen Tithi. Nirṇayāmṛta stimmt zu. [Die abschließende Druckprosa hat irrtümlich paraviddhā, „mit der folgenden verbunden“, entgegen dem unmittelbar vorausgehenden Vers. Eine Fußnotenvariante nennt Āpastamba und liest sinnvoll pūrvaviddhā, „mit der vorherigen verbunden“. Beide Befunde sind erhalten.]
Band III, S. 984, Bhadra und besonders günstige Mahashtami
Deutsch: Das Devīpurāṇa lässt die Göttin sagen: „Ich bin Bhadrā, und Bhadrā bin ich; zwischen uns besteht kein Unterschied. Auch unter Bhadrā verehrt, gewähre ich alle Vollendung.“ Ein weiterer Vers verspricht dabei Lebensdauer und Gesundheit, weil die Göttin selbst Bhadrā verkörpere. Dies bezieht der Autor auf die Verehrung während des Viṣṭi-Karaṇa, das ebenfalls Bhadrā heißt. Wer Viṣṭi bei ihrer Mahāṣṭamī-Pūjā meide, missachte sie und verliere die Frucht. Eine Aussage, die daraus die Annahme einer mit Saptamī verbundenen Durgāṣṭamī ableitet, wird auf das Fehlen von Aṣṭamī am vorhergehenden Tag begrenzt. Besonders günstig gilt Mahāṣṭamī am Dienstag: Nach Madanaratna geht die Sonne in Aṣṭamī auf, während Navamī am Tagesende beginnt. Der Skānda-Text nennt Mahāṣṭamī unter Mūla äußerst selten und wertvoll. Der Durgotsava hält dennoch fest: Selbst unter Mūla ist eine auch nur gering mit Saptamī vermischte Aṣṭamī zu meiden. [Die auffällige Angabe „vorhergehender Tag“ in der Ausnahme wird nicht stillschweigend geändert.]
Band III, S. 984–985, Mahashtami: vollständiger Tag und Nachtpuja
Deutsch: Ist Aṣṭamī am ersten Tag vollständig rein und dauert in den nächsten hinein, gilt der erste Tag wegen seiner Vollständigkeit und fehlender Saptamī-Verbindung. Eine Smṛti-Regel nennt den über einen vollen Sechzig-Daṇḍa-Tag hinausgehenden Rest rituell unbrauchbar; Ekādaśī bildet eine Ausnahme. Im Übrigen bestätigt das Verbot selbst geringster Saptamī-Berührung die Bevorzugung der mit der folgenden Tithi verbundenen Mahāṣṭamī; ein völlig reiner Tag ist unstrittig. Manche unterscheiden jedoch Tages- und Nachtpūjā. Für die Tagespūjā berufen sie sich auf Bhadrakālīs Erscheinen an Aṣṭamī mit zahllosen Yoginīs zur Vernichtung von Dakṣas Opfer: Daher werde sie an diesem Tag zu den drei Übergangszeiten mit Japa und Hymnen verehrt. Hier gilt die spätere Verbindung. Für die ausdrücklich nächtliche Verehrung an der hellen Āśvina-Aṣṭamī ist dagegen entscheidend, dass Aṣṭamī die Nacht berührt. Ihr allgemeiner Grundsatz lautet: Man vollziehe eine Handlung an der Tithi, die ihre vorgeschriebene Zeit umfasst; Verkürzung oder Verlängerung ist dafür nicht ausschlaggebend. Die eigentlichen Mahāṣṭamī-Riten folgen später.
Band III, S. 985–986, Mahanavami und die vorhergehende Tithi
Deutsch: Nun Mahānavamī. Die Paarungsregel für Aṣṭamī und Navamī bevorzugt hier die Verbindung mit der vorhergehenden Aṣṭamī. Der Bṛhatsiddhāntasāra fordert dies ausdrücklich. Der Laghutithinirṇaya zitiert dafür das Matsyapurāṇa; eine Fußnotenvariante nennt stattdessen das Yamapurāṇa. Paiṭhīnasi verlangt Pratipad und Navamī als „zugewandte“ Tithis; die Glosse erklärt dies als Geltung am späten Nachmittag. Brahmavaivarta und Padma verbinden ebenfalls Navamī mit Aṣṭamī. Matsya erlaubt ihre Verbindung mit der folgenden Pūrṇā/Daśamī nur, wenn keine Aṣṭamī-Verbindung vorhanden ist. Ein bei Hemādri zitierter Padma-Vers nennt Śrāvaṇī, Durgānavamī, Dūrvā, Hutāśanī, Śivarātri und Balis Tag als Feste mit vorheriger Tithi-Verbindung. Eine Fußnote erläutert, dass die allgemeinen Navamī-Regeln aus Yamapurāṇa und anderen Werken vom Nibandha-Kommentar übernommen wurden, weil sie dem vorliegenden Fall nicht widersprechen; eine weitere Vorlage hat an dieser Stelle nur die Überleitung „und so“.
Band III, S. 986–987, Mahanavami: Mondhäuser und zeitlicher Vedha
Deutsch: Das Bhaviṣya nennt die mit Mūla verbundene helle Āśvina-Aṣṭamī „Mahānavamī“. Die Glosse versteht dies als Navamī, die mit Aṣṭamī und Mūla verbunden ist; Mūla steht dabei stellvertretend auch für die folgenden Mondhäuser. Ein im Madanaratna zitierter Liṅga-Text nennt Navamī unter einem der drei Mondhäuser ab Mūla „groß“ und fordert dann die Verehrung Durgās als Mahiṣamardinī. Die wechselseitige Verbindung von Aṣṭamī und Navamī mit diesen Mondhäusern wird hochgepriesen. Der zeitliche Vedha ist hier als Drei-Muhūrta-Überschneidung zu verstehen. Paiṭhīnasi formuliert dies für beide Monatshälften als allgemeine Regel. Zwar nennt der bei Hemādri zitierte Viṣṇudharma zwei oder drei Muhūrtas bei Götter- und Ahnenriten, doch die kürzere Frist gilt nach dem Autor nur morgens; abends sind drei maßgeblich. Der Skānda-Text bestätigt die am Sonnenuntergang geltende Tithi bei dreifacher Muhūrta-Dauer. Auch morgens sind zwei Muhūrtas nur Ersatzregel, wie Dakṣas Formulierung „auch zwei“ für eine zunehmende Tithi zeigt.
Band III, S. 987–988, Unterschied zwischen Fasten und Bali
Deutsch: Auch der Nirṇayasindhu-Verfasser wählt bei drei Muhūrtas die frühere Navamī und verweist auf das skandische Verbot ihrer Daśamī-Verbindung. Fehlt diese Dauer, nimmt er ausnahmsweise den sonst verbotenen späteren Tag. Die allgemeinen Aussagen über eine einzige Ghaṭikā oder Geltung bei Sonnenaufgang beträfen andere Tithis, weil Navamī besonders geregelt sei. Der Autor differenziert trotz dieser gelehrten Entscheidung: Das Saurapurāṇa behandelt selbst einen Muhūrta oder kleinen Zeitteil von Āśvina-Navamī für Wohlstand, Wissen und Sieg als vollständige Tithi. Ein im Siddhāntasaṃgraha bewahrter Beleg lässt Navamī am Ende des Aṣṭamī-Tages beginnen; bleibt am nächsten Morgen nur ein kleiner Rest, verehrt man dennoch dann Durgā, die Bedrängnis vernichtet, und bringt Bali dar. Das Devīpurāṇa bevorzugt für Bali ebenfalls die bei Sonnenaufgang vorhandene Navamī mit anschließender Daśamī; Bali an Aṣṭamī wird mit Verlust eines Sohnes bedroht, eine Variante liest Verlust des Reiches. Somit ist für Bali die spätere Verbindung günstiger, für Fasten dagegen grundsätzlich die frühere. Padma und Brahmavaivarta vergleichen mit Daśamī vermischte Navamī oder Ekādaśī mit durch Alkohol verunreinigtem Gangeswasser und verbieten Fasten an Navamī oder Daśamī in Verbindung mit der jeweils folgenden Tithi. [Die Druckauslassung im Sonnenaufgangszitat wird nicht ergänzt.]
Band III, S. 988, Umfang und Zeit der Bali-Darbringung
Deutsch: Die zur Pūjā gehörige Bali-Gabe soll auch an Aṣṭamī erfolgen; Mahākāla fordert sogar mehr als an Saptamī. Verboten sei dort nur die umfangreiche Darbringung, die Bhairava auf Navamī beschränkt. Das Bhaviṣya beschreibt im historischen Tieropferritus, nach der freudig verbrachten Aṣṭamī-Nacht am Morgen hundert, fünfzig oder fünfundzwanzig Büffel und Schafe mit gesenktem Nacken töten zu lassen. Der Autor versteht aruṇodaya hier als Sonnenaufgang, nicht als frühere Morgendämmerung: Ein anderes Tantra fordert Bali an Navamī bei Sonnenaufgang, und der Amarakośa kennt aruṇa auch als Bezeichnung der Sonne. Gegenbelege aus Brahmavaivarta und anderen Werken drohen Feuerentzündung unter Nandā, Tieropfer unter Pūrṇā und Viehherden-Fest unter Bhadrā mit Reichsverlust; sie bevorzugen Bali am Navamī-Nachmittag und schließen Daśamī aus. Der Autor deutet dies als Verbot, einen verfügbaren reinen Tag unnötig zu überschreiten. Die Navamī-Riten folgen später. [Historische Opferbeschreibung; die Zahlen und Zuschreibungen werden als Quelleninhalt bewahrt.]
Band III, S. 988–989, Vijayadashami: Siegzeit und Tageswahl
Deutsch: Nun Vijayādaśamī. Für ihre Handlungen mit Ausnahme der Entlassung der Göttin wählt man zunächst Daśamī beim Sichtbarwerden der Sterne. Nārada im Jyotirnibandha nennt die Zeit kurz nach der Dämmerung, wenn erste Sterne hervortreten, Vijaya: Sie verleihe Erfolg in allen Unternehmungen. Umfasst Daśamī diesen Zeitpunkt an zwei Tagen, gilt nach einer Auffassung der frühere. Bei Hemādri zitierte Skānda-Verse bevorzugen die mit einem Navamī-Rest verbundene Pūrṇā/Daśamī für die Verehrung Aparājitās, die Wohlergehen und Sieg schenkt. Der Nirṇayasindhu wählt dagegen den späteren Tag wegen seiner stärkeren Überdeckung des Nachmittags; ein weiterer Skānda-Vers verlangt Aparājitā-Pūjā nach Nordosten gewandt am Nachmittag. Das Vratatattva bevorzugt Daśamī im elften Muhūrta, nach Möglichkeit zusammen mit Śravaṇa. Dhaumya und Bhṛgu begründen dies: Ein Aufbruch sei an der hellen Āśvina-Daśamī abends oder tagsüber im Vijaya-Zeitpunkt günstig; auch der elfte Muhūrta heißt Vijaya. Umfasst Daśamī diesen Muhūrta an beiden Tagen, wird wegen der besseren Sternaufgangs-Verbindung der frühere gewählt.
Band III, S. 989–990, Shravana und Entlassung der Göttin
Deutsch: Liegt am späteren Tag auch nur wenig Daśamī zusammen mit Śravaṇa vor, wird dieser für den Aufbruch gewählt. Kāśyapa bei Hemādri nennt den Tag mit kurzem Daśamī-Rest bei Sonnenaufgang, anschließend voller Ekādaśī und Śravaṇa-Verbindung Vijaya. Da Rāma, der Kākutstha, unter Śravaṇa und Pūrṇā/Daśamī aufbrach, sollen Menschen dann rituell die Grenze überschreiten. Ebenso soll die Entlassung der Göttin am späteren Tag erfolgen, wenn Daśamī diese Merkmale besitzt. Der hierzu gedruckte Devīpurāṇa-Beleg ist widersprüchlich: Seine erste Zeile nennt die morgendliche Entlassung an Daśamī unter Śravaṇa, die zweite erklärt eine Entlassung für schädlich und Wohlstand, Wissen und Kraft mindernd. Die Glosse versteht ihn als Verbot des früheren Tages. Eine Fußnotenvariante liefert dazu die passende erste Zeile: „Bei mit Navamī vermischter Daśamī auch keine Entlassung der Göttin.“ Nārada nennt die bei Sonnenaufgang sichtbare helle Āśvina-Daśamī Vijaya. Die Entlassung erfolgt daher an Daśamī mit Śravaṇa oder allein an Daśamī. Mahākāla erklärt Mondhäuser als Verstärkung der Frucht, ihr Fehlen hindert den Vollzug an der Tithi nicht. Lalla sagt: Die Tithi ist Leib, Ursache, Maß und Mittel. Fehlt Daśamī am Folgetag, wird noch im Daśamī-Abschnitt des ersten Tages mit Spielen und glückverheißender Festfreude verabschiedet, wie das Nandikeśvarapurāṇa fordert.
Band III, S. 990–991, Aszendenten und jährliche Entlassung
Deutsch: Nun die Aszendenten für Aufstellung und Entlassung: Eine Regel nennt für die Aufstellung der Göttin einen „grausamen“ Aszendenten, für ihre Bewegung einen beweglichen. Die Mahākālasaṃhitā und ein weiterer Tantra-Beleg setzen dagegen für beide Handlungen im Herbstfest einen beweglichen Aszendenten oder Teilabschnitt an und versprechen umfassendes Gedeihen; andere Stellungen sollen gegenteilige Früchte bringen. Danach entlasse man die Göttin, wiederholt lobpreisend und sich verneigend, an Daśamī im letzten Viertel von Śravaṇa mit Śābara-Festlichkeiten. Der Autor erinnert daran, dass dafür nicht in die Nacht ausgewichen werden darf. Das im Tithitattva zitierte Devīpurāṇa ordnet Anrufung, Einzug, Verehrung und Entlassung jeweils am Morgen an; bei der Entlassung ist der mit der folgenden Tithi verbundene Daśamī-Tag gemeint. Aufstellung und Entlassung sind Jahr für Jahr zu vollziehen. [Die unterschiedlichen Aszendentenregeln werden nicht vereinheitlicht.]
Band III, S. 991, Aufbruch und Abschluss der Dashami-Bestimmung
Deutsch: Ein anderes Tantra fordert, am Nachmittag unter Śravaṇa Aparājitā zu verehren; dann breche der König mit Ministern, Heer und Fahrzeugen auf. Beide Riten werden später erklärt. Grundsätzlich dürfe der Aufbruch nicht über Daśamī hinaus in den Ekādaśī-Abschnitt verschoben werden: Der im Nirṇayāmṛta zitierte Skānda-Text droht sonst mit einem ganzen Jahr ohne Sieg. Kāśyapas zuvor genannte Regel über einen kurzen Daśamī-Rest bei Sonnenaufgang scheint jedoch nicht einmal Daśamī während der eigentlichen Handlung zu verlangen. Deshalb beschränkt der Autor das skandische Verbot auf Daśamī ohne Śravaṇa. Damit endet die Bestimmung der Daśamī.
Band III, S. 991–992, Fortsetzung bei Ashaucha
Deutsch: Nun Sonderregeln bei Āśauca, ritueller Unreinheit. Viśvarūpas Nibandha fragt, wie bei einem Todesfall oder einer Geburtsunreinheit während des bereits begonnenen Navarātra in der hellen Āśvina-Hälfte zu verfahren sei. Die Göttinnenverehrung soll nach der dafür genannten Opferregel weitergehen; insbesondere werden Verehrung und der Göttin gewidmete Gaben als fehlerfrei erklärt. Viṣṇu unterscheidet: Bei bereits begonnenem Gelübde, Opfer, Hochzeit, Śrāddha, Homa, Pūjā oder Japa wirkt Sūtaka nicht unterbrechend; vor Beginn gilt es dagegen. Ein Tantra fordert ebenso, Begonnenes nicht aufzugeben. Als Beginn gilt hier der Saṃkalpa, die förmliche Absichtserklärung, unter Berufung auf Viṣṇu. Daher führt man eine begonnene Göttinnen-Pūjā selbst fort; wurde sie noch nicht begonnen, lässt man sie nach Art des Agnihotra durch jemand anderen vollziehen. Der Autor begründet die persönliche Fortsetzung damit, dass hier keine besondere Stellvertretungsregel wie im Fall der Menstruation vorliegt. [Die Kategorien beschreiben historische Ritualvorschriften.]
Band III, S. 992, Stellvertretung und Fastenbrechen
Deutsch: Das Matsya sagt für eine während der Observanz einsetzende Menstruation ausdrücklich, die Pūjā durch eine andere Person vollziehen zu lassen. Tätige Handlungen wie Pūjā werden demnach etwa einem Sohn übertragen; Enthaltungen wie Fasten führt die Gelübdehalterin selbst weiter, weil Āśauca ihnen nach dieser Ritualsystematik nicht entgegensteht. Aṅgiras verlangt, die betreffenden Nächte fastend zu verbringen und nach dem Bad den Rest des Gelübdes zu vollenden. Einige wollen das Fastenbrechen verschieben, wenn an seinem vorgesehenen Tag Sūtaka eintritt. Der Autor widerspricht mit Rudrayāmala: Auch dann soll an Navamī nach Homa das Fasten gebrochen, anschließend sollen Brahmanen gespeist und nach Vermögen Gaben verteilt werden. Die Angabe Navamī gehört hier zur Gauḍa-Tradition.
Band III, S. 992–993, Fastenbrechen in den drei Überlieferungen
Deutsch: Das Prakṛtayoginīmata ordnet das Fastenbrechen in der Gauḍa-Tradition Navamī zu, allerdings ohne Daśamī-Berührung. In der Kashmir-Tradition gilt gerade diese Berührung als günstig; in der Kerala-Tradition wird erst an Daśamī gebrochen. Der Śaktisaṅgama lehrt dasselbe. Für Gauḍa wird die Caṇḍikā-Verehrung samt Fastenbrechen an mit Daśamī vermischter Navamī als verdienstlos bezeichnet. Das Verbot der Verehrung gilt laut Autor jedoch nur, wenn am Vortag eine geeignete Navamī verfügbar war. Die Muṇḍamālā-Regel „an Daśamī das Fasten brechen“ betrifft Puraścaraṇa. Für weitere traditionsabhängige Unterschiede verweist er auf den neunten Taraṅga; die Druckfußnote nennt Seite 866. Der Nirṇayasindhu-Verfasser vertritt eine andere Auffassung: Navamī-Regeln seien unbelegt oder bezögen sich, falls belegt, auf die hier sneha-abhisārika genannte, nur bis Aṣṭamī reichende Observanz. Da Navarātra selbst bis Navamī dauert, müsse sein Fastenbrechen an Daśamī erfolgen. [Die genaue Bezeichnung sneha-abhisārika bleibt erklärungsbedürftig; sie wird nicht durch einen vermuteten Ritualnamen ersetzt.]
Band III, S. 993–994, Pflicht, Wunschritus und Anlass
Deutsch: Nun die Einordnung der Herbst-Pūjā. Manche nennen sie nitya, verpflichtend, weil ihre Unterlassung nachteilige Folgen hat. Andere nennen sie naimittika, durch einen Anlass bedingt, nämlich das Kommen des Herbstes. Wieder andere verstehen sie wegen ihrer vielen verheißenen Früchte als kāmya, einen Wunschritus. Der Autor entscheidet auf beides, Pflicht- und Wunschritus, aber nicht bloß anlassbedingt: Würde schon der Zeitpunkt als besonderer Anlass genügen, müssten alle zeitgebundenen Pflichtriten naimittika heißen. Die Mahākālasaṃhitā kündigt dazu die geheimnisvolle Herbst- und Frühlingsverehrung mit ihren vielfältigen Früchten an. Smṛti-Gelehrte und Kaulas diskutierten ihre Einordnung in drei Kategorien: Nitya ist, dessen Unterlassung Schuld schafft; kāmya, dessen Vollzug eine gewünschte Frucht bringt; naimittika, dessen Unterlassung Schuld verursacht, dessen Vollzug aber keine eigene zusätzliche Frucht verheißt. Entsprechend begründen die Gelehrten ihre verschiedenen Urteile mit Fruchtversprechen, Herbstbeginn oder verpflichtendem Charakter.
Band III, S. 994, Doppelte Bedeutung der Jahresfeste
Deutsch: Eine ältere Aussage des Götterherrn im Zusammenhang mit Tripuras Vernichtung droht denen, die die Herbst-Pūjā unterlassen und der Verehrung Abbruch tun, mit Höllenfall; daraus ergibt sich ihre Verbindlichkeit. Zugleich begründet ein als Nektar aus Caṇḍikās Lotusmund gepriesenes Wort ihren Wunschritus-Charakter: Den hingebungsvoll Feiernden verspricht sie Ehegefährten, Kinder, Lebensgenuss, Vermögen, Gesundheit, Aufstieg und Aufenthalt in der Himmelswelt. Wegen dieser ausdrücklichen Früchte ist die Feier auch kāmya. Die bloße Ankunft des Herbstes begründe keine eigene Anlasskategorie, denn Zeit wirke bei allen Dingen mit; andernfalls verlören selbst Pflichtriten ihre Einordnung. Die folgende Definitionszeile ist im Druck widersprüchlich: Sie sagt „bei Unterlassung entsteht keine Schuld“, obwohl zuvor das Gegenteil als Merkmal von naimittika stand. Die Schlussfolgerung bleibt klar: Verpflichtung und Fruchtversprechen stehen nebeneinander, daher ist die Verehrung nitya und kāmya zugleich. Für die Frühlingsverehrung gilt dasselbe; die Nigamas und verwandten Texte unterscheiden beide hierin nicht. [Die gestörte Definitionszeile bleibt im Sanskrit erhalten.]
Band III, S. 995, Ursprung des Herbstfestes: Rama und Ravana
Deutsch: Nun wird der Ursprung des Herbstfestes erzählt. Früher habe es in den drei Welten nur die große Frühlingsverehrung gegeben. Als im Tretā-Yuga Rāma gegen Rāvaṇa kämpfte, konnte er diesen wegen Kālikās Schutz nicht töten. Besorgt erweckte Brahmā, umgeben von den Göttern, die im Himalaya wohnende Kālikā: „Göttin, komm und sieh die Waffenkunst und Gewandtheit deiner beiden Verehrer im furchtbaren Kampf.“ Außerhalb ihrer gewöhnlichen Zeit erweckt, ging sie mit Brahmā nach Laṅkā und traf an der hellen Pratipad des Iṣa/Āśvina ein. Sieben Nächte lang kämpften die beiden ohne Nahrung bei Tag und Nacht, göttliche Waffen einsetzend und abwehrend. Rāma vermochte den Kālī-Verehrer nicht zu töten, Rāvaṇa ebenso wenig Rāma, in dem Viṣṇu selbst erschienen war. Die Göttin freute sich über die Armkraft des Rākṣasa und begünstigte ihn als ihren Verehrer. Brahmā und alle Götter lobten sie darauf mit geneigten Häuptern und göttlichen Hymnen. Durch Kākutsthas Niederwerfen, Verneigungen und Lobpreis erfreut, forderte sie Brahmā auf, den Wunsch seines Herzens zu nennen. [Einzelne Flexionen des Drucks sind gestört; der Erzählzusammenhang bleibt eindeutig.]
Band III, S. 995–996, Brahmas Bitte und Stiftung des Festes
Deutsch: Der viergesichtige Brahmā bat gemeinsam mit den Göttern: „Verlasse diesen bösen Rākṣasa, obwohl er deinen Füßen ergeben ist – aus Gnade zu mir, aus Achtung vor Viṣṇu, aus Mitgefühl mit den Göttern und zur Wiederherstellung des Dharma. Mögen die drei Welten wohlgeordnet sein, die Götter wieder Opferanteile empfangen, die Weisen Askese üben und die vierfache gesellschaftliche Ordnung bestehen. Möge er selbst die erhabenen Welten der Helden gewinnen. Gemeinsam mit den Göttern werde ich deine Verehrung vom ersten Mondtag bis zum Tod des Rākṣasa einführen: neun Tage in den drei Welten. Wird der Held Rāvaṇa, der Stachel der Welt, an Navamī getötet, erfreuen wir dich durch reiche Bali-Gaben. Am folgenden Daśamī-Tag feiern Götter und Menschen ein großes Nīrājana-Fest mit Gesang, Tanz, Instrumenten, Wasser- und Schlammspielen, derber Kleidung und Sprache, Waffenschwingen sowie dem Ausschmücken von Wagen, Elefanten und Reittieren. Wie Rāvaṇa wird auch Rāma stets dein Verehrer sein. Ein dir lieber Mantra wird als Rāmopāsita, der von Rāma verehrte, in der Welt bekannt werden.“ Nach Brahmās Worten wandte Kālī sich von Rāvaṇa ab; Rāma erschlug ihn mit göttlichen Waffen. So begann die Herbstverehrung. Daher sollen beide Feste begangen werden, im Frühling und im Herbst. Über das Frühlingsfest bestehe kein Meinungsstreit.
Band III, S. 997, Drei Formen der Herbstverehrung
Deutsch: Für das Herbstfest werden drei Formen erklärt. Erstens: Man erweckt die Herrin an der dunklen Āśvina-Navamī mit der hier Śiva/Ārdrā genannten Verbindung und setzt die Verehrung bis zur hellen Navamī fort. Zweitens: Erweckung an der hellen Pratipad und neun Tage Verehrung nach tantrischer und purāṇischer Ordnung. Drittens: Erweckung am Bilva-Zweig am späten Nachmittag von Ṣaṣṭhī; ab dem Morgen von Saptamī folgen drei Festtage. Weil Gelehrte über diese Dreiteilung streiten, kündigt der Sprecher eine klärende Entscheidung an. [Die Zusammensetzung śivārdrayuk ist in der Vorlage nicht weiter erklärt; Ārdrā bleibt als erkennbarer Nakṣatra-Bezug erhalten.]
Band III, S. 997, Mahishasura in früheren Weltaltern
Deutsch: Im Rambha-Kalpa nahm die Göttin eine äußerst furchtbare achtzehnarmige Gestalt an und erschlug Mahiṣāsura, den Sohn des Asura Rambha, als Ugracaṇḍā mit dem hellen Schwert. Sein auf die Erde gefallener Körper zerfiel. Im Nīlalohita-Kalpa wurde er wieder geboren, versetzte die Götter in Unruhe und zerstörte Opfer. Deshalb erschien Mahāmāyā erneut, diesmal als sechzehnarmige Bhadrakālī, tötete ihn mit einem scharfen Pfeil und ließ ihn auf die Erde sinken.
Band III, S. 997–998, Mahishasuras Erinnerung und Bitte
Deutsch: Zu Beginn des Śvetavārāha-Kalpa wurde Mahiṣāsura erneut geboren. Durch Jaigīṣavyas Gnade erinnerte er sich an frühere Leben und erkannte, dass die Göttin ihn schon zweimal getötet hatte. Aufgrund von Kātyāyanas Fluch und einer Traumvision wusste er, dass auch in diesem Leben eine Frau ihn töten würde. In der Abgeschiedenheit verehrte er Kālī mit dreifacher Hingabe, um sein künftiges Geschick zu läutern. Nach zwölftausend göttlichen Jahren erschien die Herrin und bot ihm einen Wunsch an. Er erwiderte: „Den Herzenswunsch werde ich später nennen. Zuerst löse den Zweifel in meinem Herzen: Welche milden oder furchtbaren Gestalten nahmst du an, als du mich zweimal im Kampf der Götterfeinde erschlugst? Und in welcher Gestalt wirst du mich, den Übeltäter und Stachel aller Götter, in diesem Leben töten, Kālike?“ [Die Wortgruppe svasyāsmākyāṃ janāv api ist im Druck gestört; die Übersetzung folgt dem erkennbaren Bezug auf seine gegenwärtige Geburt.]
Band III, S. 998–999, Die beiden furchtbaren Erscheinungen
Deutsch: Die Weltmutter lächelte, bewegte leicht den Kopf und sprach sanft: „Welchen Nutzen hättest du davon, Dämonenkönig? Du würdest nur erschrecken. Wenn du meine furchtbare Gestalt dennoch sehen willst, so sieh!“ Sie legte ihre liebliche Erscheinung ab und zeigte Ugracaṇḍā: achtzehn Arme, ein flammenschreckliches Gesicht, göttliche Waffen, eine furchtbare Schädelgirlande, weit geöffnete Mundwinkel, schreckliche Fangzähne, eine wie zuckender Blitz bewegte Zunge und entsetzliches Getöse. Der Asura schloss die Augen, faltete die Hände und bat: „Ich kann diese schreckliche Gestalt nicht ansehen. Ziehe sie zurück, Göttin, die Gestalt, vor der die drei Welten erbeben!“ Sie kehrte zu ihrer gewöhnlichen Erscheinung zurück, und er beruhigte sich. Darauf zeigte die höchste Herrin ihre zweite, lebensraubende Gestalt als Bhadrakālī. Wieder erschrak er; erst als auch diese Gestalt verschwand, kam er zu sich.
Band III, S. 999–1000, Mahishasuras drei Wünsche
Deutsch: Von seiner Furcht befreit fragte der Dämonenkönig: „Wie konnte ich, durch gewährte Gaben übermütig, überhaupt gegen dich in solchen Gestalten kämpfen? Das war wie der Kampfwunsch einer Ḍuṇḍubha-Schlange gegen Garuḍa, der Motten gegen den Waldbrand, der Dunkelheit gegen die Sonne, der Gazellen gegen den Löwen, der Bäume gegen den Wind, der Frösche gegen die Schlange und der Lebewesen gegen den Tod. Wie kam es zu meinem großen Kampf gegen dich? Doch das Vergangene ist vergangen. Jetzt erbitte ich drei Gaben, die alle Vorstellung übersteigen: Erstens, nimm in diesem Leben eine milde Gestalt an, wenn du mich zum Schutz der opferempfangenden Götter tötest. Zweitens, möge dein linker Lotusfuß stets auf meinem Kopf ruhen, während ich lebendig den Glanz deines Gesichts schaue. Drittens, Göttin, möge mir ein Anteil am Opfer zukommen.“ [Die Drucklesung mahātraṇaḥ ist gestört; „großer Kampf“ folgt dem eindeutigen Vergleichszusammenhang.]
Band III, S. 1000, Die Göttin offenbart Mahishasuras Herkunft
Deutsch: Die Göttin lächelte den hingebungsvoll Geneigten an: „Dämonenkönig, höre meine wahre, freundliche Rede. Dein Vater Rambha erfreute im Rambha-Kalpa Śaṅkara durch schwere Askese im Himalaya. Als Hara ihm einen Wunsch gewährte, verzichtete er auf alle anderen Gaben und bat: Werde du mein Sohn! Durch Hingabe gebunden, gewährte Maheśvara dies und nahm Sohnesgestalt an. Aus dem von Verlangen ergriffenen Rambha wurdest du im Leib einer Büffelkuh geboren. Du bist Rudra selbst, keine gewöhnliche Erscheinung.“ Weiter erklärt sie: „Als Śiva wurdest du durch diese Gabe Rambhas Sohn und hast dreieinhalb Manvantaras lang die drei Welten genossen. Nun sollst du nicht länger im Asura-Leib bleiben, sondern in deine eigene Stadt unterhalb meiner Welt zurückkehren. Wegen Kātyāyanas Fluch, der deine Enthauptung bewirkt, wird deine jetzige Hingabe im Kampf nicht bestehen bleiben.“ Eine kurze Prosaglosse nennt fünf Ursachen, darunter einen Tauben-Fluch und den Wunsch zu sehen, ohne sie hier vollständig aufzulösen. [Die Lesung am Ende des Rudra-Verses ist beschädigt; ihre genaue Form bleibt ungesichert.]
Band III, S. 1001, Vergessen und Deutung der drei Gestalten
Deutsch: Nachdem Kālī Mahiṣa diese Gabe gewährt und die alte Geschichte erzählt hatte, verschwand sie augenblicklich wie ein Blitz im Regen. Sofort vergaß er alles und wurde wie zuvor zum Feind der Opfer, Götter und Zweimalgeborenen. Seine beständige Hingabe an die Göttin ging verloren; die folgende, sprachlich gestörte Zeile beschreibt das Schwinden der zuvor gewährten Einsicht. Der Sprecher erklärt der Göttin, die alte Erzählung sei zur Klärung der Lehre vorgetragen worden. Die Dreiteilung der Herbst-Pūjā beruht auf den verschiedenen Gestalten: In der jeweils angerufenen Form nimmt die Göttin die Verehrung der Menschen entgegen.
Band III, S. 1001, Ugracanda und Bhadrakali: sechzehn oder neun Tage
Deutsch: Wer die achtzehnarmige Göttin Ugracaṇḍā verehren will und ihrem Kult angehört, erwecke sie gesammelt an der dunklen Āśvina-Navamī mittags im Schwert unter Muschelhornklang. Sechzehn Tage lang werden nach der zusammengestellten Ordnung Bali-Gaben dargebracht, hier Vögel, Ziegen, Büffel, Antilopen und andere. Diese erste Form wird mit der Büffelopfer-Praxis verbunden. Die mittlere Form beginnt am Morgen der hellen Pratipad des Iṣa/Āśvina: Unter Paṭaha-, Ḍhakkā- und Ānaka-Trommeln sowie Gomukha-Hörnern erweckt man die sechzehnarmige Bhadrakālī und verehrt sie neun Tage. Die Bali-Gaben bestehen hier überwiegend aus Apūpa-Gebäck und Modaka-Süßigkeiten.
Band III, S. 1002, Zehnarmige Durga und gemeinsame Festglieder
Deutsch: Die dritte Form, von Tripuras Feind Śiva gelehrt, beginnt mit der Erweckung Durgās an einem Bilva-Zweig am Abend der hellen Ṣaṣṭhī, begleitet von vielfältiger lauter Musik. Die schöne zehnarmige Göttin wird an den drei Tagen ab Saptamī verehrt. Die folgenden Zeilen nennen Bilva-Blätter oder Karavīra sowie nach Möglichkeit Büffel und Ziegen; der genaue syntaktische Zusammenhang der Gefäß- und Blattangabe ist im Druck gestört. Alle übrigen Handlungen richten sich nach dem jeweiligen Vermögen: Homa, Japa, Kumārī-Verehrung, Speisung der Sādhakas, Fasten und Schweigen zur Erlangung reicher Frucht. Die früheren Tötungen durch Schwert und Pfeil begründen die entsprechenden Erweckungsorte; das Erscheinen am Bilva-Baum begründet hier die Erweckung im Baum. Passende Mondhäuser steigern den Ertrag, fehlen sie, genügt die richtige Tithi.
Band III, S. 1002, Schmuckgaben am vierten Tag
Deutsch: Wenn die Mittel vorhanden sind, löse man an Caturthī das Haar der Göttin und veranstalte eine prächtige Pūjā. Mit besonderer Hingabe, so die Anrede an Pārvatī, bringe man ihr Hautreinigungspaste, einen Kamm oder ein entsprechendes gezähntes Gerät, Haarbindeschnur, Nagelfarbe, Schminkstäbchen, Sindūra, roten Lack, Augenschminke, duftendes Öl, warmes Wasser und zerstoßene Āmalaka-Früchte dar. [Die Wortverbindung piṣṭātāmalaka ist im Druck gestört; die genannten Materialien sind erkennbar.]
Band III, S. 1002–1003, Puranische und tantrische Ordnungen
Deutsch: Die großen Weisen unterscheiden zur Freude Kālikās eine purāṇische und eine tantrische Pūjā. Die von Nandikeśvara an Śrutadhvaja gelehrte Herbstverehrung gilt als umfangreiche Form. Was die Göttin selbst dem großen Weisen Kapila erklärte, ist weder sehr ausgedehnt noch sehr kurz und heißt mittlere Form. Die von Aurva an König Sagara überlieferte gilt als kürzere Form; die Namensform im Druck ist gestört. Die tantrische Ordnung ist in vielen Tantras entsprechend den jeweiligen Schulen überliefert. Wer nach einer solchen Abfolge verehrt, erhält die ihr entsprechende Frucht. Der tantrischen Pūjā wird die Kaula-Weise, der purāṇischen die vedische Weise zugeordnet. Die Menschen begrüßen jeweils die Form, die ihnen zusagt.
Band III, S. 1003–1004, Orte der Verehrung und Navapatrika
Deutsch: An welchen Orten kann verehrt werden? Die Antwort nennt Bild oder Yantra aus Metall, Erde, Holz, Stein und bergstämmigen Mineralien; ferner Bilva-Baum, Patrikā-Pflanzenverband und den zuvor beschriebenen Krug. Auch eine mit Kuhdung bestrichene Opferfläche, ein mit Sindūra gezeichnetes Maṇḍala, Dreizack, Schwert, Pfeil, Buch, gemaltes Tuch, Sarvatobhadra-Maṇḍala, uranfänglicher Pīṭha, Śivaliṅga, Wasser, Feuer sowie eine hier als Stätte mit eingegrabenem Menschenschädel bezeichnete Fläche werden genannt. Die erste Patrikā-Aufzählung nennt Banane, Bilva, Granatapfel, Kurkuma, Aśoka, Kaccī, Jayantī und Getreide; ihre abschließende Wortform ist unklar. Das Bhaviṣya führt ausdrücklich neun Pflanzen auf: Rambhā/Banane, Kaccī, Kurkuma, Jayantī, Bilva, Granatapfel, Aśoka, Mānaka und Getreide. Die Mahākālasaṃhitā nennt das einundachtzigfeldrige Sarvatobhadra-Cakra; auch die auf eine Wand gemalte Göttin verleiht durch Verehrung Frucht. [Die unvollständige erste Pflanzenliste wird nicht stillschweigend um die neunte Art ergänzt.]
Band III, S. 1004, Hauptakte an Ashtami und Navami
Deutsch: An Aṣṭamī soll die besondere Pūjā stattfinden, an Navamī die umfangreiche Bali-Darbringung und Homa. Besonders wird am Übergang von Aṣṭamī zu Navamī verehrt. Nach dem Bali an Navamī folgt Kumārī-Pūjā. An allen drei Tagen bereite man das Bad der großen Göttin. Fasten an Aṣṭamī dient Kālikās Freude, der Erfüllung eigener Wünsche und weiterem Wohlergehen; ein Mann mit einem Sohn soll es jedoch nicht vollziehen, da die Quelle sonst den Verlust des Sohnes androht. Der Göttin bringe man nach Vermögen Gegenstände weiblicher Ausstattung, darunter Juwelen, dar. [Ratnanādīni ist eine gestörte Druckform; „Juwelen und Ähnliches“ ist die sinngemäße Lesung.]
Band III, S. 1004–1005, Sankalpa und Erweckung am Bilva-Baum
Deutsch: Nach dem Beginn an der hellen Pratipad vollziehe der Lehrer am sechsten Tag zunächst die täglichen Pflichten und erwecke die höchste Herrin am Abend im Bilva-Zweig. Voraus gehen Segensworte und Saṃkalpa: Der Auftraggeber nennt Tierkreisstellung, Monat, Monatshälfte, Tithi, Gotra und Namen und erklärt: „Ich werde die Handlung der Durgā-Erweckung vollziehen.“ Es folgen Elementreinigung und die sechs Glieder einschließlich Ṛṣi-Zuordnung. Der Lehrer ruft die Weltträgerin im Bilva-Zweig, im Bild oder im Pīṭha an und verehrt sie mit dem Wurzelmantra und sechzehn Darbringungen. Wenn die Sonne halb untergegangen ist, verehrt er auch den Bilva-Baum mit Duft, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern. Mit Muschelhörnern, weiteren Instrumenten, Mṛdaṅga/Muraja-Klang, Gesang und Lobreden erweckt er die Göttin wie ein Hofsänger den König. Unter dem folgenden Mantra bringt er Śivā rituell in Bewegung.
Band III, S. 1005, Verschlüsselte Erweckungsformel
Deutsch: Die Formel wird durch Mantra-Codenamen beschrieben: Tārā und Medhā, Śākinī sowie das Svāpnāvatī-Kūṭa; dann ohne Sandhi „bhagavati“, zweimal „uttiṣṭha“ – erhebe dich –, zweimal „nidrāṃ jahi“ – gib den Schlaf auf –, zweimal „pratibudhyasva“ – erwache –, „mama śatrūn hana hana“ – schlage meine Feinde –, zweimal „pātaya“ – wirf nieder –, danach Lajjā, Ramā, Ḍākinī und „phaṭ svāhā“. Die Glosse erklärt Tārā als Praṇava/Oṃ und Medhā als Vāgbhava. Die gedruckten Zeichen für Śākinī, Svāpnāvatī-Kūṭa und Ḍākinī sind nicht sicher lesbar und werden nicht zu einer ausführbaren Gesamtformel ergänzt.
Band III, S. 1005, Erweckungsverse mit Rama-Bezug
Deutsch: Ein anderes Tantra überliefert die Mantras in Versform: „Zur Tötung Rāvaṇas und zur Begünstigung Rāmas vollzog Brahmā einst außerhalb der gewöhnlichen Zeit die Erweckung der Göttin in dir. Auch ich erwecke dich am späten Nachmittag der Āśvina-Ṣaṣṭhī. Auch Śakra erlangte nach deiner Erweckung die Herrschaft im Götterreich. Deshalb wecke ich dich, um Machtfülle und Herrschaft zu erlangen. Wie Rāma den Zehnköpfigen erschlug, so bringe ich meinen Feind zu Fall.“ Außerdem heißt es: An Ṣaṣṭhī abends vollziehe man die vorbereitende Einweihung am Bilva-Baum. [Historischer ritueller Wortlaut.]
Band III, S. 1006, Adhivasa und Schutz der Feststätte
Deutsch: Die Mahākālasaṃhitā setzt die Adhivāsa-Einweihung Caṇḍikās in den ersten Muhūrta der Nacht. Duftöl, fünf Duftarten und ebenso viele besondere Blumensorten werden genannt; alle glückverheißenden Gegenstände werden in einem Gefäß gesammelt und der Göttin vorgehalten bzw. zur feierlichen Gesichtszeremonie verwendet. Den Bhūtas wird eine Bali-Gabe aus gekochter Speise mit Fleisch und Fisch überlassen. Gesang, Instrumentalmusik, Tanz, Verneigungen, Nachtwachen und respektvolle, auch indirekte Lobreden erfreuen sie. Mit weißem Senf und Mantrarezitation wird Schutz hergestellt. Nach Nennung von Monat, Monatshälfte und Tithi erklärt man: „Als Glied der herbstlichen Pūjā und zur Aufstellung von Patrikā, Bild, Pīṭha oder Yantra vollziehe ich für Durgā die Adhivāsa-Handlung mit Düften, Blumen, Duftpulver, Girlanden und anderen Gaben.“ Wie zuvor folgen Elementreinigung, Hand- und Sechsgliedernyāsa mit Ṛṣi, drei Prāṇāyāmas und Bereitstellung des Arghya. Gaṇeśa, Richtungswächter, die in einer beschädigten Wortgruppe genannten Mütter, Baṭukas, Kṣetrapālas, Torhüter und Yoginīs werden nach Vermögen verehrt; dann wird die eigene erwählte Göttin in Patrikā, Pīṭha oder Bild angerufen und mit Wurzelmantra und Darbringungen verehrt. [Mehrere lokale Ritualbegriffe des Drucks bleiben provisorisch.]
Band III, S. 1006–1007, Salbung und Blumenschmuck
Deutsch: Die in der ersten Zeile als śātā, Haridrā und Öl bezeichneten Stoffe werden zu gleichen Teilen vermischt. Unter einer aus Caitanya, Kamalā, Lajjā, Gandha und weiteren beschädigten Codenamen beschriebenen Formel trägt man sie auf Stirn, Kopf und Füße auf. Danach schmückt man dieselben Stellen mit einer Mischung aus Safran, Kampfer, Moschus und Sandel unter dem Ḍākinī-Hṛd-Mantra. Bilva-Blätter, Javā/Hibiskus, Lotus, Karavīra und Aparājitā werden vereinigt und unter der als Madana-Mastaka bezeichneten Formel auf den Kopf gelegt. Yantra, Bild und Patrikā werden mit Girlanden bedeckt. [Śātā und die verschlüsselte Salbungsformel sind lokal unsicher; die Codenamen bleiben unaufgelöst.]
Band III, S. 1007–1008, Glücksgegenstände und Nachtwache
Deutsch: Die Liste glückverheißender Dinge nennt Muschelhorn, Erde, Sandel, Gorocanā, Getreide, Dūrvā-Gras, Stein, Sindūra, Augenschminke, Kurkuma, Svastika-Zeichen, roten Lack, Dickmilch, ungebrochene Reiskörner, Früchte, Lotus, Räucherwerk, Lampe, Honig, Ghee, von einer Kumārī gefertigte Fäden, Kampfer, Moschus, Kakkola, Safran, große Heilpflanzen, weißen Senf, Gold, Edelstein, Silber, Tigerkralle, nochmals Lotus, Viṣṇukrāntā und Aparājitā. Einige Wörter nach „Muschelhorn“ sind beschädigt und bleiben unbestimmt. Man sammelt alles in einem Gefäß, hebt die Dinge einzeln an und berührt damit unter den Codenamen Tārā, Medhā, Trapā und Śiras dreimal sanft Kopf und Brust der Göttin. Den Bhūtas und anderen Mächten bringt man Bali dar, mit dem jeweiligen Bīja, Namen und der Schlusswendung „eṣa baliḥ namaḥ“ – dies ist die Bali-Gabe, Verehrung. In die zehn Richtungen werden Rājikā und weißer Senf gestreut; die Formel nennt Tārā, zweimal „rakṣa“ – schütze –, Astra, Śiras und abschließend Kūrca. Die folgende Zeile beschreibt ein Umwinden mit gesprenkelten Fäden, ist aber im Haupttext mit „vier Farben/Buchstaben“ unklar; zwei Vorlagen lesen stattdessen „Pfeile“. Die Waffen der Göttin werden vor ihr niedergelegt, und man wacht die ganze Nacht. Damit endet die Ṣaṣṭhī-Handlung.
Band III, S. 1008, Saptami: Abnahme des Bilva-Zweigs
Deutsch: Nun die Saptamī-Handlung nach derselben Quelle. Am Morgen, nach den täglichen Pflichten, verehrt der Sādhaka die Göttin wie zuvor im Bilva-Zweig. Mit einem scharfen Messer nimmt er einen Zweig mit zwei Früchten ab. Der Mantra wird durch Caitanya, Praṇava, Māyā, Roṣa, Rāva und Ḍākinī beschrieben; es folgen „imaṃ śākhāṃ chindhi chindhi, chedaya chedaya“ – schneide diesen Zweig, trenne ihn ab –, zweimal Astra und Śiras. Den Zweig in beiden Händen haltend, spricht er mit gefalteten Händen die folgenden vier purāṇischen Mantras. [Die Codenamen bleiben unaufgelöst; die Druckform imaṃ śākhāṃ ist grammatisch gestört.]
Band III, S. 1008, Vier Anreden an den Bilva-Baum
Deutsch: „Du Śrīphala-Baum, gewachsen auf den Höhen von Meru, Maṇḍala, Kailāsa und Himavat, bist Ambikā stets lieb. – Du Śrīphala, auf dem Gipfel des Śrīśaila gewachsen, Wohnstatt des Glücks: Ich soll dich mitnehmen; komm, du wirst als Durgā verehrt. – Hochbeglückter Bilva-Baum, stets Śaṅkara lieb: Deinen Zweig nehme ich, um die Göttin zu verehren. – Baum, empfinde keinen Schmerz über das Abschneiden des Zweigs. Es ist überliefert, dass auch die Götter deinen Zweig nahmen und darin die Mutter verehrten.“
Band III, S. 1008, Einladung der Göttin im Zweig
Deutsch: Ein weiterer Versmantra lautet: „Für das Gedeihen von Kindern, Lebensdauer und Vermögen nehme ich dich mit, die du Umā lieb bist. Wohne im Bilva-Zweig, Göttin, und gewähre mir Herrschaft. Komm, Caṇḍikā, Göttin, zum Ursprung allen Heils! Kātyāyanī, nimm die Verehrung an. Dir sei Verehrung, Geliebte Śaṅkaras.“
Band III, S. 1009, Einzug der Pflanzen und grosses Bad
Deutsch: Danach werden die übrigen acht genannten Pflanzen herbeigeholt. Ein anderes Tantra beschreibt ihren Einzug in den Hof mit Gesang, Instrumentalmusik und vedischer Rezitation. Nach der Mahākālasaṃhitā bindet man sie mit der Aparājitā-Ranke zusammen, umhüllt sie mit Stoff und erklärt den Pūjā-Saṃkalpa sowie die beabsichtigte Aufstellung. Die Göttin wird in Patrikā, Bild, Schwert oder Yantra angerufen; eine Fußnotenvariante nennt Yantra und Krug. Nach der Verehrung und drei Handvoll Bilva-Blättern folgt nach Möglichkeit das große Bad. Die purāṇisch-vedische Ordnung wird nun erläutert. Wer kann, vollzieht es an allen drei Tagen, sonst an zweien; mindestens an Navamī ist es erforderlich. Als Wunschritus verlangt es einen eigenen Saṃkalpa. Genannte Früchte sind Befreiung von Schuld aus hundert Geburten, achttausend Jahre Aufenthalt in Durgās Welt und der Ertrag von hundert Opfern. Alle neun Pflanzen werden mit reinem Wasser gebadet, jeweils unter ihrer Benennung; bei einer Bildgestalt geschieht die Zuordnung durch Namen und Vorstellung. Für den tantrischen Vollzug werden den Versmantras einzeln Tārā, Trapā, Smara, Ramā, Medhā, Rāva, Roṣa und Ḍākinī vorangestellt. [Der Druck zählt neun, nennt aber nur acht klar erkennbare Codenamen; ein neunter wird nicht erfunden.]
Band III, S. 1010, Badeanreden an die neun Pflanzen
Deutsch: 1. Banane: „Du wohnst im Bananenbaum, du ruhst an Śambhus Brust. Heute bade ich dich, Pflanzen-Göttin; Verehrung dir, Geliebte Haras.“ 2. Kaccī: „Du hast Pflanzengestalt angenommen und verleihst unmittelbar Vollendung. Als Durgā schenke durch dieses Bad überall Sieg.“ 3. Kurkuma: „Haridrā, nimm die Leiden hinweg, stets Śaṅkara lieb. Du Göttin bist Rudra-Gestalt; gewähre mir umfassenden Frieden.“ 4. Jayantī: „Du bist Siegesgestalt, Siegerin für die Welten. Hier stelle ich dich auf, Göttin; schenke meinem Haus Sieg.“ 5. Bilva: „Śrīphala, du bist Wohnstatt des Glücks und Mehrer des Sieges. Gib mir Dharma, erfülltes Verlangen und Wohlstand; sei stets gnädig.“ 6. Granatapfel: „Du wurdest einst vom Schöpfer geschaffen, um Schuld und Hunger der Menschen zu beseitigen. Sei gnädig, Umās Geliebte.“ 7. Aśoka: „Bleibe fest in der Welt, Durgā, Vernichterin des Kummers. Stets von mir verehrt, bleibe beständig, Haras Geliebte.“ 8. Mānaka: „Du bist Ehre unter den Geehrten, von Göttern und Asuras zu ehren. Ich bade die große Göttin; schenke Ehre. Dir sei Verehrung.“ 9. Getreide: „Du bist Lakṣmī in Getreidegestalt, Lebensspenderin der Lebewesen. Bleibe uns im Haus dauerhaft gegenwärtig und erfülle Wünsche.“ [Der Beginn der Mānaka-Zeile ist gestört; ihr erkennbares Wortspiel mit māna, Ehre, bleibt gewahrt.]
Band III, S. 1010–1011, Abhisheka: Flüsse und heilige Gewässer
Deutsch: Man füllt Wasser aus zwei oder drei Flüssen in einen Kalasha, mischt Sandel hinein und badet Caṇḍikā damit. Der Hymnus ruft alle Gewässer an: „Śītā, Alakanandā, Cakṣu, Bhadrā, Bṛhatī; Tuṅgabhadrā, Kṛṣṇavarṇā, Payoṣṇī, Narmadā; Tāpī, Bhīmarathī, Siprā, Vitastā und Airāvatī; Godāvarī, Vipāsā, Śatadru und Sindhu; Carmaṇvatī, Kāverī, Tāmraparṇī, Mahānadī; Karatoyā, Bāhudā, Śoṇā, Vetravatī; Devikā, Bhairava, Kokā, Gomatī, Utpalāvatī; Ātreyī, Bhāratī, Gaṅgā, Yamunā, Sarasvatī; Sarayū, Gaṇḍakī, Śvetagandhā, Kauśikī; Bhogavatī in der Unterwelt und Mandākinī im Himmel: Diese und alle anderen genannten oder ungenannten Flüsse, gottgeschaffene Wasserstätten, Tīrthas, Brunnen, Quellen, Seen, Meere und Zusammenflüsse der Erde mögen dich mit dem Weihebad übergießen.“ [Einzelne Flussnamen sind gestört. Fußnoten lesen vittairāvatī sowie, klarer, Śvetagaṅgā statt Śvetagandhā.]
Band III, S. 1011–1012, Abhisheka: Götter und personifizierte Kräfte
Deutsch: „Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara, Vāsudeva, der Weltenherr, der Herr Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha mögen dich baden. Ebenso die zwölf Ādityas, elf Rudras, neunundvierzig Maruts, acht Vasus und sechs Jahreszeiten. Indra, Agni, Yama, Nirṛti, Varuṇa, Windgott, Schatzherr und Śiva, dazu Brahmā und Śeṣa: Diese Richtungswächter mögen dich baden. Die Mütter Kīrti/Ruhm, Lakṣmī/Glück, Dhṛti/Standfestigkeit, Medhā/Erkenntniskraft, Puṣṭi/Gedeihen, Śraddhā/Vertrauen, Kṣamā/Geduld, Rati/Freude, Buddhi/Einsicht, Lajjā/Schamhaftigkeit, Kriyā/Handlung, Śānti/Frieden, Tuṣṭi/Zufriedenheit und Kānti/Schönheit mögen dich weihen, denn sie tragen Gestalten deiner Kraft. Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn, Rāhu und Ketu – die neun Grahas – mögen dich baden; ebenso Ṛṣis, Manus, Kühe, Göttermütter, Göttergemahlinnen, Opfer, Nāgas, Daityas und Apsaras-Scharen.“
Band III, S. 1012, Abhisheka: Waffen und Wissensgebiete
Deutsch: Der Weiheaufruf umfasst auch die Waffen: Dreizack, Rad, Bogen, Muśuṇḍī, Eisenriegel, Keule, Speer, Hammer, Khaṭvāṅga, Śakti-Lanze, Tomara, Axt, Paṭṭiśa, Mudgala, Prāsa, Bhindipāla, Kuṭṭaṅka, Śataghnī, Donnerkeil, Schlinge und Pflug. [Einige Glieder der gedruckten Waffenliste, darunter cāpaṣṭi und hutā, sind beschädigt und bleiben unbestimmt.] Es folgen die vier Veden Ṛg, Yajus, Sāman und Atharvan; ihre sechs Hilfswissenschaften Lautlehre, Rituallehre, Metrik, Grammatik, Etymologie und Astronomie; alle Purāṇas; Mīmāṃsā, Nyāya, Vedānta, Akṣapādas Lehre, Sāṃkhya und Patañjalis Lehre; alle Smṛti-Schriften und die Regierungskunst; Musik-, Medizin- und Waffenkunde sowie die vierundsechzig Künste. Auch sämtliche Wurf- und Handwaffen, Fahrzeuge, Könige, Heilmittel und handwerklichen Wissenschaften werden einbezogen.
Band III, S. 1012–1013, Abhisheka: Edelsteine, Zeit und Welten
Deutsch: „Perlen, Rubine, Vaiḍūrya, Diamanten, Indra-Edelsteine, Gomeda, Padmarāga, Korallen, Śyāma-Steine und alle weiteren Juwelen; sämtliche Teile der Zeit, alle Manvantaras und die vier Yugas, Jahre, Monate, Jahreszeiten, Monatshälften, Tage und Nächte, Halbjahresläufe, Kalās, Lavas und feinste Zeitteile; Tierkreiszeichen, Mondhäuser und Yogas; Flüsse, Meere, Berge, heilige Stätten, Wolken und Ströme; Götter, Dānavas, Gandharvas, Yakṣas, Rākṣasas und Schlangenwesen: Sie alle mögen dich zur Vollendung von Dharma, Wünschen und Wohlstand weihen. Die auf Erden berühmten Seen, im Druck als Sindhu, Raivata, Śoṇa und weitere genannt, mögen dich wohlgesinnt aus Schnabelkrügen baden. Takṣaka und die anderen Nāgas der Unterwelt mögen dich, Weltträgerin, mit wohlriechendem Wasser aus solchen Krügen baden.“ [Die Seenliste ist lokal unsicher; eine Variante liest Sindhu-Bhairava.]
Band III, S. 1013–1014, Einzelne Wasserbäder
Deutsch: Nun die unterschiedlichen purāṇischen und tantrischen Mantras für die Materialien des großen Bades. Zum Wasser aus dem Muschelhorn: „Der Herr aller, Īśāna mit Namen, der dreizacktragende Mahādeva, möge dich baden.“ Zum Gangeswasser: „Das höchste, alle Schuld hinwegnehmende Wasser der Mandākinī, aus dem Himmelsstrom hervorgegangen, diene deinem Bad.“ Zum warmen Wasser: „Warm, angenehm zu berühren, von Licht und Feuer durchdrungen, reinigend und heilsam – damit vollziehe dein Bad.“ Zum Duftwasser aus dem Krug: „Duftreich, schön, kühl und herzerfreuend, alle Schuld beseitigend: Dieses Wasser sei zu deinem Bad bereitet.“ Zum klaren kühlen Wasser: „Verdienstvoll, rein, klar, kühl und wohlschmeckend: Dieses Wasser diene deinem Bad und dem Stillen deiner Ermüdung.“
Band III, S. 1014, Pancagavya: Gesamtspruch, Kuhurin und Kuhdung
Deutsch: Für die fünf Kuhprodukte spricht man zunächst allgemein: „Kühe sind rein und makellos, die Mütter der Welt und Trägerinnen der Opfer; in ihnen ist alles gegründet. Mit den fünf aus ihrem Leib hervorgehenden Gaben bade ich dich.“ Danach folgt jede Substanz einzeln. Beim Kuhurin: „Mit dem heiligen Kuhurin, der alle Schuld hinwegnehmen soll, bade ich die Weltträgerin zum Gedeihen von Kindern, Lebensdauer und Vermögen.“ Dabei wird die Göttin langsam übergossen. Beim Wasser mit Kuhdung: „Kuhdung reinigt die Erde, gilt als hohe Ursache des Gedeihens und als Vernichter aller Schuld. Damit bade ich dich.“ [Die Reinheitsaussagen gehören zum historischen Ritualverständnis und beziehen sich hier auf das rituelle Bildbad.]
Band III, S. 1014–1015, Dickmilch, Milch und Ghee
Deutsch: Zum Dickmilchbad: „Diese aus dem Leib der Kühe hervorgegangene Dickmilch, Grundlage der Opfergabe, möge deinen Gliedern Schönheit verleihen.“ So badet der Lehrer Bhagavatī mit Dickmilch. Zum Milchbad: „In dieser Milch ist die ganze Fülle der Opferhandlungen gegründet. Mit solcher Milch bade ich dich, Geliebte Haras.“ Zur Ghee-Darbringung: „Was in Nigamas und anderen Schriften als Mittel des Homa bekannt ist, was alle Götter durch Agnis Mund empfangen, über das hinaus nichts Reineres gilt und was Kraft und Stärke verleiht: Mit dieser Opfergabe aus der Kuh bade ich dich heute, Herrin.“ Mit diesen beiden Versen wird Kālī mit Ghee gebadet.
Band III, S. 1015, Gemischtes Pancagavya und Pancamrita
Deutsch: Alle fünf Kuhprodukte werden vereinigt und mit dem Ringfinger oder einer Kuśa-Wurzel vermischt. Dazu der Spruch: „Dieses Pañcagavya, über das hinaus nichts Reineres gilt, das die im Leib haftende Schuld tilgt und über das hinaus nichts Erfreulicheres gilt, möge zu deinem Bad dienen.“ Danach folgt Pañcāmṛta, die „fünffache Unsterblichkeitsspeise“ aus Kuhmilch, Dickmilch, Ghee, Honig und weißem Zucker. Beim Bad Umās lautet der Mantra: „Der Schöpfer nahm die Essenz der drei Welten und bildete daraus diese Opfergabe. Möge dieses süße, liebliche Pañcāmṛta zu deinem Bad dienen, Weltmutter.“
Band III, S. 1015, Durga-Gayatri und Pflanzenbad
Deutsch: Zum Zuckerrohrsaftbad der Götterherrin dient diese Gāyatrī: „Oṃ. Wir erkennen Kātyāyanī; über Bhagavatī meditieren wir. Möge Durgā uns anregen und führen.“ Ein anderes Tantra schreibt zur Erfüllung aller Wünsche ein Bad mit den großen Heilpflanzen unter dem nur im Anfang genannten Mantra „yā oṣadhī“ vor. Das Matsya nennt acht dafür: Sahadevī, Vyāghrī, Balā, Atibalā, Śaṅkhapuṣpī, Siṃhī, Vacā und Suvarcasā. Die Glosse identifiziert Vyāghrī mit Kaṇṭakārikā; die Bezeichnung zur Balā ist beschädigt und wird nicht botanisch aufgelöst. Für die umfassendere Heilpflanzenliste verweist der Autor auf die frühere Stelle.
Band III, S. 1015–1016, Tausendstrahlbad und kosmische Gewässer
Deutsch: Die Weltmutter wird mit dem Tausendstrahl-Krug gebadet. Dazu spricht die Mahākālasaṃhitā: „Meere, alle Flüsse, Himmelsstrom und weitere Ströme, die fünfunddreißig Millionen Tīrthas der Erde, Brunnen, Seen, Quellen, gottgeschaffene Teiche und Wassergruben, Kanäle, Wasserfälle, Stufenbrunnen und alle Wasserstätten; die sieben Meere aus Salzwasser, Zuckerrohrsaft, berauschendem Getränk, Ghee, Dickmilch, Milch und Wasser sowie die sieben Inselkontinente Jambū, Plakṣa, Kuśa, Krauñca, Śāka, Śālmali und Puṣkala: Durch die Mantrarezitation herbeigerufen mögen sie alle dich weihen.“ [Der letzte Inselname lautet im Druck Puṣkala; er wird nicht stillschweigend geändert.]
Band III, S. 1016, Die Veden als Badende
Deutsch: „Mit dem Mantra ‚agnim īḷe‘, dem ersten Vers des Ṛgveda, möge dieser dich, Caṇḍikā, aus einem Krug Kuhmilch baden. Der Yajurveda mit seinen sechsundachtzig Gliederungen möge dich, Götterherrin, mit Zuckerrohrsaft unter ‚iṣe tvā‘ baden. Der Sāmaveda mit tausend Zweigen möge dich mit Honig unter ‚agna āyāhi‘ baden. Der vielzweigige Atharvaveda möge dich mit Ghee unter ‚śaṃ no devī‘ weihen. Die achtzehn von Vyāsa gelehrten Purāṇas und die Upapurāṇas mögen dich mit Dickmilch baden; ebenso die hundertachtzig von großen Weisen verfassten Dharmaśāstras.“ [Die vedischen Mantras stehen in der Quelle nur als Anfangswörter.]
Band III, S. 1016–1017, Acht Wasserkalashas
Deutsch: Die ersten acht Kalashas werden so zugeordnet: 1. „Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara mögen dich mit dem ersten Krug, gefüllt mit dem Wasser des Himmelsstroms, weihen“ – verwendet wird Gangeswasser. 2. „Die hingebungsvollen Maruts mögen die Götterherrin mit dem zweiten Krug voll Wolkenwasser weihen“ – Regenwasser. 3. „Vidyādharas mögen dich, Caṇḍikā, mit dem dritten Krug voll klarem, reinem Sarasvatī-Wasser baden.“ 4. „Die versammelten Weltenhüter mit Indra an der Spitze mögen dich aus dem vierten, mit Meerwasser gefüllten Krug baden.“ Die nachfolgende Prosazeile ist gestört; die Variante ārṇavena bestätigt Meerwasser. 5. „Die Nāgas mögen dich mit dem fünften Krug, dessen Wasser nach Lotusstaub duftet, weihen“ – Wasser mit Lotusblüten. 6. „Himavat, Meru, Kailāsa und die Berge mögen dich mit dem sechsten Krug voll Quellwasser weihen.“ 7. „Die sieben am Himmel wandelnden Ṛṣis mögen die Götterherrin mit dem siebten Krug voll Wasser aller heiligen Stätten weihen.“ 8. „Die Vasus mögen dich mit dem achten Krug aus Seewasser weihen. Durgā, Göttin, dir sei Verehrung.“
Band III, S. 1018, Neunter Kalasha und Frucht des grossen Bades
Deutsch: Zum neunten Krug mit reinem Wasser: „Dharma, Erkenntnis, Nichtanhaften, Askese, Wahrheit, Geduld, Standfestigkeit, Ruhm, Unterscheidung, Selbstverpflichtung, Brahmacarya, Mitgefühl, Selbstbeherrschung, Frieden, Schweigen, Reinheit, Zufriedenheit und maßvolles Sprechen; alle Upaniṣaden, die Befreiung lehren; alles Unbewegliche und Bewegliche der drei Welten, alles Geschaffene mit und ohne Gestalt, alles Aussprechbare und Unaussprechbare: Sie alle mögen dich mit dem neunten Krug baden.“ Damit endet die Beschreibung des großen Bades im Herbstfest. Ein von Hingabe erfüllter Verehrer darf es auch an anderen Tagen vollziehen. Die Quelle verheißt Befreiung von Schuld aus sieben Geburten und achttausend göttliche Jahre in der Welt der Göttin. Das große Bad an Navamī fördere Wohlstand und Nachkommen und bringe die Frucht von tausend Opfern. Ein König erlange Herrschaft und Niederlage seiner Feinde, andere Menschen das von ihnen Ersehnte. [Die hier genannten sieben Geburten und tausend Opfer unterscheiden sich von den früheren Fruchtangaben auf S1009; beide bleiben erhalten.]
Band III, S. 1018–1019, Bali an die Bhutas nach dem Bad
Deutsch: Nach dem großen Bad folgt eine Bali-Gabe an die Bhūtas: Bei den Kaulas besteht sie aus Fleisch, bei den Smṛti-Anhängern aus Māṣa-Speise, also mit Urdbohnen bereitetem Essen. Die erste Formel lautet: „Bhūtas, Pretas und Piśācas, die hier auf der Erde wohnen, mögen diese von mir bereitete und dargebrachte Gabe annehmen. Mit Duft und Blumen verehrt und durch Bali gesättigt, verlasst diesen Ort und schaut auf die von mir vollzogene Pūjā.“ Eine zweite Formel wird mit den Codenamen Tārā, Rāva, Kūrca und Bhūta, der Dativpluralendung -bhyaḥ sowie „eṣa baliḥ“ und Hṛd beschrieben. Die Bīja-Glossen sind im Druck nicht sicher lesbar. Die Quelle erklärt, ohne diese Gabe sei das Bad fruchtlos und die Pūjā unvollständig; störende Wesen nähmen die Gaben weg, die Gottheiten empfingen sie nicht. Deshalb folge die Wegweisung der Bhūtas.
Band III, S. 1019, Wegweisung störender Wesen
Deutsch: Geröstete Körner, Sandel, weißer Senf, Asche, Dūrvā-Gras, ungebrochener Reis und ähnliche Stoffe werden unter Tārā, Roṣa und Astra ausgestreut. Dazu spricht man: „Weichen mögen jene Bhūtas … [ein beschreibendes Glied ist beschädigt]. Ohne Feindschaft gegen die Bhūtas vollziehe ich die Verehrung der Göttin. Vetālas, Piśācas, Rākṣasas und kriechende Wesen mögen überall weichen, von der Kraft der Mantra-Zeichen getroffen.“ Am Ende der Formeln steht „hūṃ aḥ phaṭ“. [Die beschädigte Zeile wird nicht durch eine anderswo bekannte Standardfassung ersetzt.]
Band III, S. 1019–1020, Nirajana in fünf Formen
Deutsch: Nach der Wegweisung werden die Torhüter verehrt. Für die Göttin beschreibt der Text die Formel mit Trapā und Hṛd sowie „bilvaśākhāntavāsinyai durgāyai“ – der im Bilva-Zweig wohnenden Durgā –, anschließend Kūrca und Astra. Nach Fußwasser und weiteren Darbringungen folgt Nīrājana, das ehrende Umschwenken von Gaben. Die Fußnote aus dem Śabdastomamahānidhi nennt fünf Formen: zuerst mit einer Lampenreihe, zweitens mit dem hier als sodakābja bezeichneten wasserhaltigen Gegenstand, drittens mit einem gewaschenen Tuch, viertens mit Mango-, Aśvattha- und anderen Blättern, fünftens mit vorschriftsmäßiger achtgliedriger Niederwerfung. Ein anderer Tantra-Beleg lässt die Göttin dafür an den Torbereich bringen. [Sodakābja bleibt als unsichere Druckbezeichnung erhalten.]
Band III, S. 1020, Einzugsformel und feste Aufstellung
Deutsch: Man hebt den Sitz und bewegt die Göttin als Pflanzenverband oder Tonbild unter Gesang und Musik. Auf dem vorbereiteten Sitz wird sie fest aufgestellt. Der Einzugsmantra nennt Tārā, Trapā, Rāva, Lakṣmī, Yoginī, Kāma, Yoṣit, Ḍākinī und Phetkārī; dann „caṇḍike bhagavati“, zweimal „cala“ – bewege dich –, zweimal „cālaya“ – bringe in Bewegung –, „jayakāpālini“ und „pūjālayaṃ praviśa praviśa“ – tritt in das Verehrungshaus ein –, gefolgt von „hūṃ phaṭ svāhā“. Der anschließende Vers lautet: „Komm in mein Haus, Göttin, zusammen mit den acht Kräften. Nimm die vorschriftsmäßige Verehrung an, zum Ursprung allen Heils.“ So wird die allheilbringende Göttin für die dreitägige Pūjā auf Altar oder Sitz aufgestellt. Die Glosse lässt Trapā als hrīṃ, Kāma als klīṃ und Yoṣit als strīṃ erkennen; die übrigen Bījas bleiben teilweise beschädigt. Zur Festigung nennt die Quelle weitere Codenamen, „sthāṃ sthīṃ“, „tvam ambike sthirībhava“ – du, Ambikā, werde fest –, und Śiras. Cit wird als Vāgbhava erklärt. [Die ungesicherte Gesamtformel wird nicht rekonstruiert.]
Band III, S. 1020–1021, Ausstattung und vedische Aufstellung des Kalasha
Deutsch: Nun folgt die Aufstellung des Kalasha. Auf einem neu angelegten Sarvatobhadra-Maṇḍala steht das fünffarbig bemalte Gefäß mit Dickmilch, ungebrochenem Reis und Früchten; innen befinden sich fünf Edelsteine und Gold. Ein Tuch umhüllt seinen Hals, Zweige schmücken es. Es wird auf Reis oder Gerste gestellt. Die vedischen Formeln sind hier nur durch ihre Anfänge bezeichnet: Beim Berühren des Bodens „bhūr asi“, über dem Getreide „dhānyam asi“, beim Aufstellen „ājighra“, beim Füllen mit Wasser „varuṇasya“, für den Zweig „kāṇḍāt kāṇḍāt“, für die Frucht „yā phalinī“, für die Blume „śrīś ca“, für Duft „gandhadvāra“, für ungebrochenen Reis „sahasra“ und zur Festigung „sthirībhava“. Erde von Ameisenhügel, Elefantenstoßzahn, Flusszusammenfluss, Berg, Rinderstätte sowie Tempel- und Königstor wird jeweils mit dem Herzmantra ins Gefäß gegeben. Die Glosse erklärt diesen hier als „namaḥ“. [Die Quelle zitiert die vedischen Mantras nur auszugsweise; keine Ergänzung aus anderen Fassungen.]
Band III, S. 1021–1022, Reinigung und Zuordnung des Herbst-Durga-Ritus
Deutsch: Alle Gegenstände werden wie zuvor mit der genannten Formel und durch rituelles Anblicken gereinigt. Nach der Quelle sollen dabei auch unbemerkte Verunreinigungen verschwinden: Berührung durch im damaligen Kastensystem als unberührbar geltende Menschen, unrechtmäßiger Erwerb, Kontakt mit bereits dargebrachten Gaben oder Befall durch Insekten. Nach Wegweisung störender Wesen und Reinigung der Elemente verehrt man den eigenen Sitz, verneigt sich vor Gaṇeśa, Guru und Gottheiten und vollzieht dreimal Prāṇāyāma. Es folgen die Ṛṣi- und weiteren Zuordnungen für den Pflanzenverband. Für diesen herbstlichen Durgā-Ritus gelten Nārada als Seher, Gāyatrī als Versmaß und Śrī Durgā als Gottheit; hrīṃ ist das Bīja, śrīṃ die Śakti, klīṃ der Kīlaka. Die Anwendung ist die Pūjā. [Die Reinheitskategorien geben die historischen Vorstellungen der Quelle wieder.]
Band III, S. 1022, Gemeinsamer Sankalpa und Mantra des Pflanzenverbandes
Deutsch: Einige sprechen erst hier den Saṅkalpa, weil sie den Ritus als auf einen Wunsch gerichtet verstehen. Andere lassen ihn fort, da sie ihn wie die täglichen dreifachen Pflichten als verbindlichen Ritus ansehen. Wird ein Saṅkalpa gesprochen, gilt ein einziger für alle drei Tage: Die Handlung bildet eine Einheit, ebenso ihre Frucht und die abschließende Verabschiedung. Bei einem dauerhaften Pīṭha oder Kultbild verwendet man die Zuordnungen seines eigenen Mantras. Für Tonbild und Pflanzenverband wird folgende Formel verschlüsselt angegeben: zuerst Vedādi, zweimal „durge“, dann die Anrede von Rakṣiṇī und Śiras. Sie dient den Darbringungen bei der Verehrung der Patrikā. Ihre Zeichen werden auf Finger und die mit dem Herzen beginnenden Körperstellen gelegt. [Zwei Druckstellen sind unsicher: die Anrede vor niśāmaya und die Zahlenfolge der Nyāsa-Verteilung. Der Druck ist im Sanskrit bewahrt; eine vermeintlich sichere Zahlenreihe wird nicht eingesetzt.]
Band III, S. 1022–1023, Meditation der zehnarmigen Durga
Deutsch: Am dauerhaften Pīṭha verwendet man die zuvor beschriebene jeweilige Meditation. Für Tonbild und Pflanzenverband wird Durgā so betrachtet: Sie glänzt wie geläutertes Gold und besitzt jugendliche Fülle. Ihr Gesicht strahlt wie der Vollmond; eine Krone aus Haarflechten und die Mondsichel schmücken ihr Haupt. Lange dunkle Augen und bewegte Brauen, eine mit Granatapfelblüten verglichene Zahnreihe, volle erhobene Brüste, drei Bauchfalten, schlanke Taille und leuchtende Hüften bestimmen die Gestalt. Sie steht in dreifach gebogener Haltung, mit zehn Armen und allem Schmuck. Rechts trägt sie Dreizack, Schwert, Diskus, Pfeil und Śakti-Speer. Die linke Waffenreihe ist im Druck teilweise beschädigt; erkennbar sind Schlinge, Elefantenhaken und Bogen. Ihr rechter Fuß ruht auf dem Löwen. Vor ihr liegt der abgetrennte Kopf des Büffeldämons; aus dessen Hals tritt der Dämon mit Krone und Haarfülle hervor. Die höchste Herrin hält links die Schlinge und blickt zornig auf den im Herzen vom Dreizack durchbohrten Dämon. Eine große Schlange umschlingt wie ein Fangseil seinen Bauch und seine Arme. Sein blutiger Körper und seine zusammengezogenen Brauen sind furchterregend; der Löwe trifft ihn an Hüfte und Becken, Blut strömt aus seinem Maul. Von den Göttern gepriesen, lächelt die Göttin leicht, nachdem sie den Dämon mühelos getötet hat. Acht Kräfte umgeben sie: Ugracaṇḍā, Pracaṇḍā, Caṇḍogrā, Caṇḍanāyikā, Caṇḍā, Caṇḍavatī, Caṇḍarūpā und Caṇḍikā. So meditiere man über Durgā, die Dharma, Wunscherfüllung, Wohlstand und Befreiung gewährt. [Lokale Unsicherheiten: linke Waffenreihe pāśābham…, Kompositum über den Schwertangriff und Götterreihe brahmājeśa…; ihre unklare Syntax wird nicht als sichere ikonographische Einzelheit ausgegeben.]
Band III, S. 1023–1024, Arghya und Pitha-Verehrung
Deutsch: Nach dieser Meditation verehrt man die Göttin mit geistigen Darbringungen. Arghya wird nach dem bereits beschriebenen Verfahren bereitet, dessen ausführliche Form im Abschnitt über besondere Anlässe steht. Wenn die Mittel reichen, stellt man Fußwasser und die übrigen Gaben getrennt bereit: nördlich vom Arghya Fußwasser, Wasser zum Mundspülen, Badewasser, Madhuparka und weitere Darbringungen. Wer das Devī-Pañcāyatana verehrt, bringt jetzt auch Gaṇeśa, der Sonne, Hari und Īśāna die vorbereiteten Gaben dar. Zuerst erfolgt die allgemeine Pīṭha-Verehrung, zuletzt Yogaratna mit dem im Text als śeṣamantra bezeichneten Zusatz. Nach erneuter Meditation ruft der Übende die Göttin mit geschlossenen Augen und den zugehörigen Mudrās an. Mit dem Wurzelmantra vergegenwärtigt er ihre gegliederte Gestalt; durch Berührung legt er die Mantra-Zeichen als sechsfachen Aṅganyāsa auf. [Die knappe Bezeichnung śeṣamantra lässt offen, ob der restliche Formelteil oder ein eigenständiger Name gemeint ist.]
Band III, S. 1024, Wahl der Einsetzungsformeln
Deutsch: Für dauerhaftes Yantra und Kultbild dient der schon beschriebene Mantra zur Einsetzung des Wurzel-Pīṭha. Bei Tonbild, Pflanzenverband, Gefäß und weiteren vorübergehenden Trägern lehnen manche, darunter die hier genannten Kāpālikas, diesen Mantra ab. Stattdessen werden purāṇische und einzelne vedische Formeln für die jeweiligen Träger gesprochen. Die folgenden werden Nandikeśvara zugeschrieben. Man legt die Hand auf die Patrikā, spricht dreimal Tārā mit „tat sat“, also „oṃ tat sat“, und rezitiert die folgenden Anrufungen. [Die Aufzählung der Träger und der letzte Lokativ sthirapīṭhayoḥ sind sprachlich beschädigt oder unklar; die Zuordnung wird nicht vereinheitlicht.]
Band III, S. 1024–1025, Anrufung zum Herbstfest
Deutsch: „Komm in mein Haus, Göttin, mit deinen acht Kräften. Nimm die vorschriftsmäßige Verehrung an, du Wirkende allen Heils. Komm, komm, erhabene Mutter, die Feinde vernichtet und Sieg gewährt. In Hingabe verehre ich dich, Navadurgā, von den Göttern verehrt. Durgā, Göttin, komm her und schenke deine Gegenwart; empfange mit den acht Kräften deinen Opferanteil. Ich vollziehe diese herbstliche Verehrung, du von den Göttern Verehrte. Gewähre deine Zustimmung, große Göttin, die den Hochmut der Daityas zerschlägt. Rette mich, in das schwer überquerbare Meer des furchtbaren Saṃsāra gefallen, gabenspendende Göttin. Dir Verehrung, Geliebte Śaṅkaras. Alle Götter und Göttinnen, die mit dir ziehen, wenn du dich bewegst, rufe ich herbei, Caṇḍikā, höchste Herrin. Schütze Leben und Ansehen, schütze Gattin, Sohn und Besitz; denn du schützt alles, Göttin, der Welt Geliebte. Tritt in dieses Opfer ein und bleibe, solange ich die Pūjā vollziehe. Göttin, die Freude und Glück schenkt, gewähre mir alle Vollendung. Komm, Caṇḍikā, Göttin, zum Heil in allem; nimm die Verehrung an, Schönantlitzige. Dir Verehrung, Geliebte Śaṅkaras.“
Band III, S. 1025–1026, Anrufung in den verschiedenen Kultträgern
Deutsch: „Ich rufe dich, Göttin, im Tonbild, im Śrīphala, im Dreizack, Kalasha, Schwert, Maṇḍala und Bild an. Komm vom Gipfel des Kailāsa, vom Vindhya und vom Schneegebirge und sei im Bilva-Zweig gegenwärtig, Caṇḍikā. Ich habe dich aufgestellt und verehre dich; sei mir gnädig. Caṇḍā, von gewaltigem Wesen, Caṇḍī, Trägerin der gewaltigen Gestalt, bleibe im Bilva-Zweig mit deinen Scharen – oder im Tongefäß, im Dreizack, Schwert, gemalten Bild, Menschenschädel oder Feuerkreis. Du Allgegenwärtige, komm und schenke hier deine Gegenwart. Göttin, Mutter der Welten, die Schöpfung und Auflösung bewirkt, sei in allen Maṇḍalas gegenwärtig, in den vierundzwanzig gewünschten, Caṇḍikā. Komm, empfange die herbstliche Pūjā und sei mir gnädig. In deinem ganzen Maṇḍala bist du angerufen; bleibe hier fest und erfülle im Haus meine Wünsche. Caṇḍī, deine Gestalt ist gewaltig; aus dem Glanz der Götter entstanden, komm mit deinem Gefolge und nimm hier rasch deinen Platz ein.“ [Śrīphala steht hier im Bilva-Ritus. Die vierundzwanzig Maṇḍalas werden an dieser Stelle nicht einzeln benannt. Die Kultträger sind historische Angaben der Quelle.]
Band III, S. 1026, Achtzehn puranische und fünf vedische Formeln
Deutsch: Die vorangegangene Anrufung wird als achtzehn purāṇische Mantras gezählt. Danach folgen fünf vedische Formeln, hier nur im Ansatz genannt: „haṃsaḥ śuciṣat“, „pratad viṣṇuḥ stave“, „viṣṇur yonim“, die Gāyatrī mit Tārā und den Vyāhṛtis davor sowie Tārā danach, schließlich „tryambakam“. Auch diese sollen nicht für ein dauerhaftes Pīṭha oder Kultbild neu angesetzt werden. Es folgt die Lebensgegenwartseinsetzung, Prāṇapratiṣṭhā, nach den angegebenen Formeln: zuerst dem für den dauerhaften Ort, dann dem für besondere Anlässe genannten Verfahren, anschließend einer dritten, hier im Druck beschädigten Formel. Diese besondere Folge gilt nur für die Herbst-Pūjā und die genannten Pīṭha-, Bild- und Maṇḍala-Träger. Für die nächste Anrufung stehen neun Bīja-Codenamen: Tārā, Aidha [Lesung unsicher], Trapā, Rāva, Yoginī, Ḍākinī, Phetkārī, Kūrca und Vanitā. Danach folgen die drei Wörter „ehy ehi bhagavati“ – komm, komm, Erhabene. [Die beiden Verweiszeilen mit tārtīya/āsyāsya sind beschädigt; keine ungesicherte Vollform ergänzt.]
Band III, S. 1027, Verschlüsselte Formel zur Lebensgegenwart
Deutsch: Die Formel setzt die Ausdrücke „dreiunddreißig Koṭis“, „Götter“, „aus ihrem Glanz gebildet“ und die Anrede „śarīre“ zusammen: Ihr Leib ist aus dem Glanz der dreiunddreißig Koṭis von Göttern gebildet. Es folgen „mahiṣāsuramardini“ – Bezwingerin des Büffeldämons – und „jagattrayasya pālini“ – Beschützerin der drei Welten. Danach nennt die Quelle Kāma, Prasāda, Pāśa, Nṛsiṃha und Kamalā. Es folgen zweimal „āgaccha“, zweimal „sānnidhyaṃ kalpaya“, „pūjālayaṃ praviśa“, zweimal „tiṣṭha“, die Anrede als von acht Kräften Umgebene sowie zweimal „jvala“, zweimal „prajvala“, „sphura“, „prasphura“ und zweimal der als Ceṭ bezeichnete Laut. Weitere Codenamen sind Aṅkuśa, Preta, Bhairavī, Amā, Hāra, Pralaya, Vidyut, Mahākrodha, Tārā und Śiras. Die Formel soll 108 Zeichen haben. Mit der genannten Dreiheit wird Prāṇapratiṣṭhā vollzogen. Für Tonbild, Pflanzenverband und Gefäß wird abschließend die vedische Formel „mano jūtiḥ“ rezitiert. Eine dreifache Anrufung nach dem Verfahren für besondere Anlässe gilt dagegen für das Pīṭha, hier ausdrücklich nicht für die Patrikā. [Die Bīja-Reihe und mehrere Verbindungswörter sind im Druck unsicher. Codenamen und behauptete Zeichenzahl werden bewahrt; eine vollständige Lautform wird nicht erfunden.]
Band III, S. 1027–1028, Kaula-Verfahren und Zusammenführung der Ritualformen
Deutsch: Die Kaulas vollziehen jetzt die Gefäßaufstellung nach dem Verfahren für besondere Anlässe. Voraus gehen die dort genannten Nyāsas; wer dazu imstande ist, führt sämtliche Fünfergruppen und die dreifache Ṣoḍhā-Ordnung aus. Bei Tonbild und Pflanzenverband wird diese Folge ausdrücklich ausgeschlossen. Die Gefäße werden nach der eigenen Überlieferung aufgestellt. Die zuvor erläuterte besondere Ritualordnung gilt mit ihren Vergegenwärtigungen, Mantras, Reihenfolgen, Anordnungen, Nyāsas, Reinigungen, Stoffen und Sättigungsgaben. Nach der hier vertretenen Auffassung unterscheidet sich die herbstliche Verehrung an Pīṭha und Kultbild nicht einmal geringfügig von jenem Verfahren. Der Autor erläutert nun gesondert die beiden, tantrische und purāṇische, Formen: die purāṇische für Patrikā und verwandte Träger, die tantrische für das Pīṭha. Die früher bei der Verehrung zu besonderen Anlässen genannten Darbringungsmantras gelten auch hier. Für die einzelnen Gaben an Patrikā und andere Träger folgen nun eigene Formeln.
Band III, S. 1028–1029, Zwei ergänzende Durga-Mantras
Deutsch: Wie sonst auf die jeweilige Darbringungsformel der Wurzelmantra folgt, kann hier an die purāṇische Formel einer von zwei Mantras angeschlossen werden: der zweiunddreißigzeichige oder der von Bhairava gelehrte, von Kātyāyana verehrte zehnzeichige Durgā-Mantra. Beide werden für Gaben in der purāṇischen Pūjā angeführt; mindestens einer ist nach der Quelle zu sprechen. Die erste verschlüsselte Fassung beginnt mit Tārā und Trapā, danach folgen die Bezeichnungen Raudrā, Dakṣayajñavināśinī – Zerstörerin von Dakṣas Opfer –, Mahāghorā – die überaus Furchtbare – und die von Koṭis von Yoginīs Umgebene. Dann stehen das Māyā-Bīja, Bhadrakālī und zuletzt der Herzabschluss. Alternativ folgen auf Tārā zweimal „durge“, die Anrede „rakṣiṇi“ und der Tarjanī-Mantra als Abschluss. Obwohl beide Formeln tantrisch sind, werden sie an die purāṇischen Darbringungsverse angeschlossen. [Kasusformen und Bīja-Codenamen werden nicht zu einer ungesichert behaupteten vollständigen Rezitationsfassung ergänzt.]
Band III, S. 1029, Folge der Darbringungen und Sitzvers
Deutsch: Es folgen die purāṇischen Mantras zu allen Darbringungen. Die tantrischen wurden bereits beim Ritus für besondere Anlässe gelehrt: Sie gelten für Pīṭha und Kultbild, die purāṇischen für Patrikā und verwandte Träger. Die Folge lautet: Sitz, Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser, Madhuparka, Badewasser, Gewand, Schmuck, Sandel, Blumen, Räucherwerk, Licht, Augensalbe, roter Fußlack, Speise, Umwandlung und Verneigung. Diese Gaben sollen die Göttin erfreuen. Bei jedem Stoff, auch Schmuck und Gold, wird die zuständige Gottheit genannt; es folgen Besprengen, Verehren und Darbringen mit der jeweiligen Formel. Die Reinigung geschieht in purāṇischer Ordnung. Der Sitzvers lautet: „Diesen Sitz habe ich dir gegeben, von den höchsten Göttern Verehrte. Bleibe darauf sitzen, solange ich die Pūjā vollziehe.“
Band III, S. 1029–1030, Fußwasser und Abschlusswörter der Gaben
Deutsch: Für das Fußwasser bei besonderen Verehrungen wird Wasser mit Dūrvā, Aparājitā, Lotus und Śyāmāka bereitet. Der Vers lautet: „Nimm das von mir gegebene Fußwasser an, das alles Leid hinwegnimmt. Rette mich, gabenspendende Göttin, aus diesem schrecklichen Meer des Werdens.“ Die Fußnote nennt „mahādevi“ als abweichende Lesart in den Zeugen 4 und 5. Nach Bad, Gewand und Speise wird Mundspülwasser dargebracht. Dieses und Madhuparka erhalten den Abschluss „svadhā“, Arghya den Abschluss „svāhā“, die übrigen Gaben „namaḥ“.
Band III, S. 1030, Arghya-Gaben und zwei Darbringungsverse
Deutsch: Reines Wasser mit Duft, Blumen, ungebrochenem Reis, Gerste, Kuśa-Spitzen, Sesam, Senf, Bilva-Blättern, Milch und Dūrvā wird in einer Muschelschale Kālikā dargebracht. Die Verse lauten: „Empfange dieses schöne Arghya in der Muschelschale, mit Dūrvā, ungebrochenem Reis und Bilva-Blättern, Geliebte Haras. Wasser aus vielerlei heiligen Stätten, mit allen Zutaten bereitet: Nimm dieses Arghya an, Göttin, Trägerin der Welt. Dir sei Verehrung.“
Band III, S. 1030, Mundspülwasser und Madhuparka
Deutsch: Das besondere Mundspülwasser enthält Candra, hier die Duftstoffbezeichnung für Kampfer, Jāti, Gewürznelke, Kardamom und Kaṅkola. Dazu spricht man: „Dieses vortreffliche, mit duftenden Stoffen wohlriechend gemachte Mundspülwasser nimm an; in Hingabe bringe ich es dar. Dieses Wasser habe ich in Hingabe zu deinen Füßen dargebracht. Spüle deinen Mund, große Göttin; sei erfreut und schenke mir Frieden.“ Wenn Surā, alkoholisches Ritualgetränk, fehlt, werden Ghee, Dickmilch und Honig in einem Bronzegefäß als Madhuparka dargebracht, das selbst die Götter begehren. Der Vers lautet: „Nimm das von Brahmā bereitete Madhuparka an, Maheśānī; ich bringe es dir dar, Herrin der Welt.“ Danach wird erneut Mundspülwasser gereicht, weil der Mund nach dem Genuss als von Speiseresten berührt gilt.
Band III, S. 1031, Bad Gewand Schmuck und Salbung
Deutsch: „Dieses wohlriechende, klare und reine Wasser bringe ich dir in Hingabe zum Bad dar, Herrin der Götter. Empfange das aus bunten Seidenfäden und anderem Gewebe gefertigte Gewand, weiß oder rot, Herrin der Götter. Trägerin der Welt, lege dieses reine, mit Farbstoffen gefärbte Gewand an, das den Körper schmückt und in Hingabe dargebracht wird.“ Nach dem Anlegen des Gewandes folgt erneut Mundspülwasser; der Text verweist dazu auf die Smṛti. „Mit himmlischen Edelsteinen besetzte Schmuckstücke, strahlend wie Feuer und Sonne, mögen deine Glieder schmücken, Herrin der Götter. Diese stark duftende, kühlende Salbe bringe ich dir dar, Göttin; nimm sie und salbe deinen Körper.“
Band III, S. 1031–1032, Blumen Rauch Licht Augensalbe und Fußlack
Deutsch: „Empfange diese von mir gegebenen duftenden Blumen aus Dorf und Wald, wohltuend und die Lebenskraft sättigend. Empfange den dargebrachten Rauch aus Baumharz, vermischt mit Kampfer und Aguru, Göttin der Götter. Feuerlicht, Sonnenlicht und Mondlicht – empfange diese Lampe, das höchste Licht unter den Lichtern. Du bist das Licht von Mond und Sonne, des Blitzes und aller übrigen Lichter; du selbst bist das Licht der Welten. Empfange diese Lampe. Nimm die geschmeidige, warme und angenehme Augenschminke, die deine Augen verschönert, und salbe sie, Pārvatī. Empfange diesen von mir dargebrachten roten Lack, Göttin, der die Nägel deiner Lotusfüße zum Glänzen bringt.“
Band III, S. 1032, Speisen Früchte und Süßspeisen
Deutsch: „Nimm die vielerlei schönen, süßen und schmackhaften Speisegaben an, die ich darbringe, von den Göttern Verehrte. Empfange alle Früchte und Wurzeln aus Dorf und Wald, von vielerlei Gestalt und Wohlgeruch, höchste Herrin.“ Die Fußnote überliefert in Zeuge 5 die Anrede Hareśvarī. „Empfange diese vier Arten von Speise mit den sechs Geschmacksrichtungen, Göttin, diese schöne und immer sättigende Nahrung. Empfange den von mir dargebrachten süßen Milchreis mit Kuh-Ghee, Milch und mancherlei Süßem. Nimm die verschiedenen schmackhaften Gebäcke aus Ghee und Zucker an, wie mit Nektar durchtränkt, Geliebte Haras. Empfange die wohlschmeckenden schönen Modakas mit Kampfer und weiteren Zutaten; nimm und genieße sie rasch.“ [Die vier Speisearten werden hier nicht einzeln erklärt.]
Band III, S. 1032, Getränke Mundspülung und Tambula
Deutsch: „Empfange Sīdhu im Kupfergefäß, oder Kuhmilch, oder Kokoswasser im Bronzegefäß, Geliebte Śaṅkaras. Empfange gnädig das kühle, saubere, klare, mit Kampfer versetzte Trinkwasser und die sättigende Speise, Göttin.“ Nach dem Essen wird stets erneut Mundspülwasser mit dem bereits genannten Mantra gegeben. „Empfange das angenehme Tāmbūla aus Frucht und Blatt, mit Kampfer und anderem wohlriechend gemacht, das dem Mund Schönheit schenkt.“ [Sīdhu bezeichnet hier ein vergorenes Getränk; Tāmbūla die traditionelle Betelgabe.]
Band III, S. 1032–1033, Durva Bilva Blumengirlande und Sindura
Deutsch: Danach gibt der Übende der Göttin Dūrvā-Sprossen: „Dir Verehrung, allgegenwärtige Göttin; dir Verehrung, die Genuss und Befreiung schenkt. Empfange die Dūrvā und rette mich aus Bedrängnis.“ Bilva-Blätter werden gesondert dargebracht: „Ich gebe dir das reine Blatt des Mālūra-Baumes, aus Nektar entstanden, mit Schönheit erfüllt und Mahādeva stets lieb.“ Die Fußnote verzeichnet zu „nivedayet“ die Lesart „pradīyate“ in den Zeugen 3, 4 und 5. Zur Blumenkette heißt es: „Ich bringe dir, Göttin, diese aus vielerlei Blumen gefertigte, duftende, vortreffliche, lang herabhängende Girlande dar.“ [Das Druckwort stanavaddhā steht in der Beschreibung der Girlande; sein genauer Bezug bleibt unsicher.] Sindūra wird bei der Patrikā zuletzt gegeben, bei Pīṭha und Kultbild bereits während der Salbung. „Empfange das leuchtende, tiefrote Sindūra, das Stirn und weitere Körperstellen schmückt.“
Band III, S. 1033–1034, Herrschaftszeichen Arati und Durga-Gayatri
Deutsch: „Empfange den weißen, weichhaarigen Yakschweif mit goldenem Griff, den ich dir als königliches Hoheitszeichen darbringe. Empfange diesen Fächer aus Pfauenfedern mit einem Griff in der Mitte, Göttin, um den Schweiß vom Körper zu nehmen. Ich gebe dir diese Glocke, mit der du die Daityas erschreckst und den Luftraum erfüllst. Empfange sie, Bezwingerin des Büffels.“ Die Zeugen 3, 4 und 5 bieten stattdessen „prasīda me“ – sei mir gnädig. „Dieses glückverheißende Ārātrika mit vielen Lampen bringe ich dir dar, Göttin. Vertreibe das aus Unwissenheit geborene Dunkel.“ Zuletzt werden dreimal mit beiden Händen Blumen dargebracht. Dazu dient die Durgā-Gāyatrī: „Oṃ. Wir wollen Caṇḍikā erkennen; wir meditieren über die Erhabene. Gaurī möge uns anregen und leiten.“
Band III, S. 1034, Fruchtverheißung und Göttinnen des Pflanzenverbandes
Deutsch: Wer nach diesem Verfahren und mit diesen Mantras Mahāmāyā, die Bezwingerin des Büffels, in den Pflanzenverbänden verehrt, erlange nach der Quelle die Frucht eines Aśvamedha und gelange zu Caṇḍikās Wohnstatt; schon hier werde er Empfänger des Heils. Die Verehrung an Pīṭha und Kultbild sei ähnlich, mit Unterschieden bei Mantras und Gefäßaufstellung. Danach wird jede Pflanze einzeln nach den eigenen Möglichkeiten verehrt. Ihre zugeordnete Göttin wird zusammen mit dem jeweiligen Zweig im Dativ angerufen. Die Zuordnungen lauten: Brahmāṇī zur Banane, Kālikā zu Kaccī, Durgā zu Haridrā, Kārttikī zu Jayantī, Śivā zu Bilva, die Feindscharen vernichtende Raktadantikā zum Granatapfel, Śokarahitā zu Aśoka, Cāmuṇḍā zu Māna und die von allen Göttern verehrte Lakṣmī zum Getreide. Über dem gesamten neunteiligen Pflanzenverband steht Kātyāyanī. Die zugehörigen Mantras werden nun in derselben Reihenfolge angegeben.
Band III, S. 1035, Anrufungen an Banane Kacci Haridra und Jayanti
Deutsch: „Brahmāṇī, komm her und schenke hier deine Gegenwart. In Gestalt der Banane stifte überall Frieden; dir sei Verehrung. Kālikā, in den Kämpfen mit Mahiṣāsura nahmst du Kaccī-Gestalt an; zum Segen der Menschen bist du in diese Welt gekommen. Haridrā, gabenspendende Göttin, du bist von Durgās Gestalt, du Schöne. Nimm die Verehrung an, damit meine Hindernisse verschwinden; sei mir gnädig. Jayantī, beim Vernichten von Śumbha und Niśumbha wurdest du einst von Indra und den Götterscharen verehrt. Sei auch uns Gabenspenderin.“
Band III, S. 1035, Anrufungen an Bilva Granatapfel Ashoka Mana und Getreide
Deutsch: „Bilva-Baum, du erfreust Mahādeva, bist Vāsudeva immer lieb und erfreust stets Kālī. Dir sei Verehrung. Granatapfel, einst erfreutest du Cāmuṇḍā im Kampf gegen Raktabīja; darum verehre ich dich. Aśoka ist ein Baum, der Hara erfreut und Kummer vertreibt. Weil du Durgā erfreust, mache mich immer frei von Kummer. Māna-Baum, Śacī lieb, auf dessen Blatt die Göttin wohnt: Nimm zu meinem Segen die Verehrung an, Herrin der Götter. Getreide wurde einst von Brahmā geschaffen, um das Leben der Welt zu erhalten; du erfreust Umā, darum beschütze mich immer. Patrikā, Navadurgā, die Mahādevas Herz erfreut: Nimm die gesamte Verehrung an und beschütze mich, Herrin der Götter.“ [Der Personenwechsel beim Māna-Baum gehört zur überlieferten Anrufung. Die grammatisch auffällige Granatapfelzeile bleibt im Sanskrit erhalten.]
Band III, S. 1035–1036, Abschluss des Saptami-Ritus
Deutsch: Nach der Einzelverehrung mit diesen Versen werden auch die zuvor genannten Namen im Dativ verwendet. Die Richtungshüter werden mit den beim allgemeinen Pīṭha-Nyāsa angegebenen Namen, dem Herzabschluss sowie ihren im täglichen Ritus beschriebenen Reittieren und Waffen verehrt. Am Pīṭha und Kultbild gelten die Stoffe und ausführlichen Verehrungsformen der täglichen beziehungsweise besonderen Pūjā. Die dort genannten Pflichten sind entsprechend anzuwenden; die Sättigungsgabe, Tarpaṇa, richtet sich nach der gewählten Ritualart. [Eine Zwischenzeile über strīyoga und das Fehlen von Mantras im als vaitrika gedruckten Verfahren ist sprachlich beschädigt. Ihr genauer Ritualbezug bleibt offen; der Text verlangt offenbar eine gesonderte Behandlung dieses Elements und die Ausführung aller übrigen Schritte.] Wer dazu imstande ist, verehrt auch die zehn Waffen der in der Patrikā anwesenden Göttin; ihre Namen stehen im Dativ zwischen Tārā und dem Herzabschluss. Nach der gesamten Pūjā wird Mahiṣāsura verehrt. Es folgt Bali nach den verfügbaren Mitteln; die Quelle nennt dabei auch Tiere und Vögel und verweist auf die bereits beschriebene besondere Ritualordnung. Damit endet der Saptamī-Ritus.
Band III, S. 1036–1037, Beginn des Ashtami-Ritus
Deutsch: Nun beginnt der Aṣṭamī-Ritus. Das für Saptamī beschriebene Verfahren gilt weiter; nur die Zusätze werden erläutert. Wie zuvor reinigt man die Stoffe, Sitz und weitere Gegenstände, vollzieht Prāṇāyāma, Elementereinigung, Mātṛkā-Nyāsa, Pīṭha- und sechsfachen Aṅganyāsa sowie weitere Nyāsas. Es folgt das große Bad, wobei das Spiegelbild verwendet wird. Nach Darbringung des Zahnreinigungshölzchens, Saṅkalpa, Arghya-Aufstellung und Sitzverehrung wird Gaṇapati im Gefäß verehrt, dazu sorgfältig die Pañcāyatana-Gottheiten, beginnend mit der Sonne. Nach Meditation und geistigen Gaben verehrt man Mahāmāyā mit sechzehn Darbringungen, den jeweiligen Mantras, Mudrās, Rezitationen und Vergegenwärtigungen. Für Pīṭha und Kultbild gilt die tantrische, für Patrikā die purāṇische Ordnung. Im Mahāṣṭamī-Ritus erfolgt die Verehrung der umgebenden Gottheiten am Pīṭha nach den beiden bereits beschriebenen Formen für tägliche und besondere Anlässe.
Band III, S. 1037–1038, Die acht Chanda-Kräfte
Deutsch: Bei der Patrikā-Verehrung werden die acht Kräfte, beginnend mit Ugracaṇḍā, in den Haupt- und Zwischenrichtungen ab Osten mit zehn Darbringungen verehrt. Kaulas verwenden Mantras aus der Mantramālā, Angehörige der vedischen Überlieferung die folgenden Verse aus dem Nandikeśa-Purāṇa. Die kurze Namensformel hat Tārā, Hrī und Kamalā am Anfang, den Göttinnennamen im Dativ in der Mitte und den Herzabschluss am Ende. „Ugracaṇḍā, furchterregend und wie die Mittagssonne strahlend, sei mir stets gabenspendend; ihr immer wieder Verehrung. Pracaṇḍā, die Söhne schenkt, von gewaltigen Scharen umgeben, der Welt Freude gebend: Sei immer gnädig. Caṇḍogrā, deine Gestalt ist heilbringend, allen Wesen flößt du Furcht ein; mir gegenüber sei sanft und stets gabenspendend, du Schöne.“ Die Zeugen 2, 4 und 5 lesen statt „heilbringende Gestalt“ „furchtbare Gestalt“. „Du Kraft, die der Götterherr Vollendung nennt: Dir Verehrung, Caṇḍanāyikā. Göttin Caṇḍā, von gewaltigem Wesen, die den Sieg über gewaltige Feinde schenkt, du gibst Dharma und Befreiung; sei mir stets gabenspendend. Caṇḍavatī verehre ich immer wieder: Sie vereint die drei Kräfte von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung; keine steht über ihr. Caṇḍarūpā, Mahācaṇḍā, Caṇḍanāyaka-Caṇḍikā, Göttin, die alle Vollendung schenkt: Ihr stets Verehrung. Caṇḍikā mit Augen, rot wie die junge Sonne, ihren Verehrern stets zugetan, Bezwingerin des Dämons Caṇḍa, sei gabenspendend.“ [Die siebte Namensreihe ist im Druck zusammengedrängt; ihre Glieder werden nicht in zusätzliche, ungenannt vorausgesetzte Gottheiten aufgeteilt.]
Band III, S. 1038–1039, Die vierundsechzig Yoginis
Deutsch: Auf den acht Blättern des Lotus werden jeweils acht, insgesamt vierundsechzig Yoginīs verehrt. Vor den Namen steht die als tāratraya bezeichnete dreifache Anfangsformel, am Ende „namaḥ“; der Name in der Mitte erhält den Dativ. Man verwendet fünf Gaben, die zuvor genannten Gaben oder nur ungebrochenen Reis. Die Namen lauten: Brahmāṇī, Caṇḍikā, Raudrī, Gaurī, Indrāṇī, Kaumārī, Bhairavī, Durgā, Nārasiṃhī, Kālikā, Cāmuṇḍā, Śivadūtī, Vārāhī, Kauśikī, Māheśvarī, Śāṅkarī, Jayantī, Sarvamaṅgalā, Karālinī, Muktakeśī, Śivā, Śākambharī, Bhīmā, Śāntā, Bhrāmarī, Rudrāṇī, Caṇḍakarṇiṇī, Kṣamā, Dhātrī, Svadhā, Svāhā, Aparṇā, Mahodarī, Ghorarūpā, Mahākālī, Vidyutjihvā, Kapālinī, Kṣemaṅkarī, Mahāmāyā, Meghamālā, Balākinī, Śaṅkodarī, Caṇḍaghaṇṭā, Mahāpretā, Priyaṅkarī, Kharatuṇḍī, Krūrakarṇī, Balapramathanī, Manomathanī, Sarvabhūtadamanī, Umā, Tārā, Mahānidrā, Vijayā, Jayā, Śailaputrī, Maholkā, Trilocanā, Sunetrabhā, Kūṣmāṇḍī, Viśvasantrāsā, Kātyāyanī, Kālarātrī und Mahāgaurī. [Die zusammengeschriebene Druckfolge trilocanasunetrabhā ist hier zur verlangten Zahl 64 in zwei Namen gegliedert; die zweite Form bleibt unsicher.] Zeuge 4 liest Kharakarṇī; die Fußnote bestätigt Manomathanī für alle Handschriften beziehungsweise Druckzeugen. Die Göttinnen werden am Rand des Maṇḍala verehrt, nach der Quelle zur Erfüllung aller Wünsche. Danach werden die Koṭi-Yoginīs mit einer gemeinsamen Formel verehrt. Die Ortsangabe pañcapañcāmbujeṣu bleibt mehrdeutig; die Mantras werden wie zuvor gebildet.
Band III, S. 1039–1040, Die neun Göttinnen und ihre Anrufungsarten
Deutsch: Anschließend werden bei der Göttin die neun fruchtspendenden Durgā-Gestalten verehrt, in der von Nordosten ausgehenden Ordnung und in der Mitte. [Die im Druck zweimal stehenden Zeichen ङे ङे sind beschädigt; die genaue Verteilung wird daraus nicht rekonstruiert.] Ihre Mantras werden wie bei Ugracaṇḍā gebildet. Fußwasser und die weiteren Gaben werden mit den jeweiligen Formeln dargebracht. Die Quelle nennt die mit Mṛtyuñjaya und Prāṇasthairya bezeichneten Formeln sowie purāṇische Verse: die erste Form für Kaulas, die zweite für Angehörige der vedischen Überlieferung. Es folgen diese Verse.
Band III, S. 1040, Brahmani Maheshvari Kaumari und Vaishnavi
Deutsch: „Ich verneige mich vor Brahmāṇī, der viergesichtigen Trägerin der Welt, auf dem Schwan reitend, Gaben spendend, der erhabenen Schöpferin. Ich verehre Māheśvarī, auf dem Stier reitend, heilvoll und glückverheißend, dreiäugig und gabenspendend, Śivā, die die Welt auflöst. Ich verneige mich stets vor Kaumārī im gelben Gewand, auf dem herrlichen Pfau reitend, den Śakti-Speer in der Hand, von rotem Leib und gabenspendend. Ich verneige mich vor Vaiṣṇavī, Trägerin von Muschel, Diskus, Keule und Lotus, von dunkler Gestalt, Verkörperung der Erhaltung, auf dem König der Vögel sitzend.“
Band III, S. 1040, Varahi Narasimhi Indrani Chamunda und Katyayani
Deutsch: „Ich verneige mich vor Vārāhī, der Göttin in Ebergestalt, die mit dem Hauer die Erde emporhebt, Heil spendend und blau gekleidet. Ich verneige mich vor Nārasiṃhī, von Menschenlöwengestalt, gewaltig, Vernichterin der Daityas und Dānavas, mit schrecklichem Gesicht und zornvoll. Ich verneige mich vor Indrāṇī, auf dem Stirnhöcker des Elefanten sitzend, tausendäugig, heilvoll, gabenspendend und von allen Göttern verehrt. Ich verneige mich vor Cāmuṇḍā, Bezwingerin Muṇḍas, mit einer Schädelgirlande geschmückt, in lautem Lachen strahlend, zur Entfaltung meiner eigenen Kraft. Ich verneige mich vor Kātyāyanī, zehnarmig, Bezwingerin des Büffeldämons, mit freundlichem Gesicht, der gabenspendenden Göttin. Caṇḍikā, Navadurgā, Mahādeva stets lieb, nimm die gesamte Verehrung an und beschütze mich, Herrin der Götter.“
Band III, S. 1041, Elf Göttinnen und Beginn der Waffenverehrung
Deutsch: Die beiden vorangehenden Formeln gelten Kātyāyanī und Durgā; mit ihnen werden diese verehrt. Danach verehrt man nach dem früheren Verfahren elf Göttinnen: Jayantī, Maṅgalā, Kālī, Bhadrakālī, Kapālinī, Durgā, Kṣamā, Śivā, Dhātrī, Svadhā und Svāhā. Es folgt eine gegenüber Saptamī erweiterte Waffenverehrung. Die Formeln beginnen mit Praṇava und enden mit „namaḥ“. Zuerst werden die Waffen auf der rechten, danach auf der linken Seite verehrt, beginnend mit dem Dreizack, mit Fußwasser und weiteren Gaben oder lediglich mit ungebrochenem Reis.
Band III, S. 1041, Verse an Dreizack Schwert Diskus Pfeil Speer Schild und Bogen
Deutsch: Zum Dreizack: „Als erste aller Waffen schuf dich Pinākin, indem er die Essenz des Speeres nahm und einen trefflichen Griff formte.“ Zum Schwert: „Asi, Viśāsana, Khaḍga, scharfschneidig und unnahbar, Śrīgarbha, Vijaya und Dharmapāla – dir sei Verehrung.“ Zum Diskus: „Diskus, du bist Viṣṇus Gestalt, stets in Viṣṇus Hand und auch in der Hand der Göttin. König der Disken, dir Verehrung.“ Zum Pfeil: „Beste aller Waffen, Vernichter der Dämonenheere, schütze stets vor Gefahren, scharfer Pfeil; dir Verehrung.“ Zum Śakti-Speer: „Du bist die Kraft aller Götter, besonders Guhas. Schütze überall in Gestalt der Kraft; dir Verehrung.“ Zum Schild: „Schild, als Schutzgestalt vernichtest du die Feinde; stets in der Hand der Göttin, bewahre mich vor vieler Bedrängnis.“ Zum Bogen: „Oberster aller Waffen, Vernichter aller Asuras, Bogen, schütze mich von allen Seiten zusammen mit deinen Pfeilscharen.“
Band III, S. 1042, Verse an Schlinge Elefantenhaken Glocke und Axt
Deutsch: Zur Schlinge: „Schlinge, du hast Schlangengestalt, bist mit Gift erfüllt und trägst Gift in dir. Den Feinden bist du stets unerträglich. Schlangenschlinge, dir Verehrung.“ Zum Elefantenhaken: „Du bist der Aṅkuśa; dir Verehrung. Du lenkst die Elefanten, und Pārvatī hält dich zum Schutz auch der Götter in der Hand.“ Zur Glocke: „Glocke, bei deren Klang die zahlreichen Dämonenscharen …, schütze du vor vielerlei Gefahren.“ [Das Prädikat im ersten Glockenvers ist beschädigt: śaṅkumatre. Die übliche Vorstellung von erschreckten Dämonen wird nicht als gesicherte Lesung eingesetzt.] Zur Axt: „Axt, du bist überaus scharf, zerschlägst alle Feinde und ruhst in der Hand der Göttin. Dir stets Verehrung, Verehrung.“
Band III, S. 1042, Gesamtheit der Waffen Schmuck und Löwenthron
Deutsch: „Alle bedeutenden und bekannten Waffen, die Feinde vernichten und die Ambikā in ihren Händen trägt, verehre ich heute besonders an Mahāṣṭamī: Bhuśuṇḍī, Schlinge, Eisenriegelkeule, Bhindipāla, Schlagstöcke, Ṛṣṭi, Tomara und Kunta-Speere, Paṭṭiśa, Mörserkeule, Keule, Śataghnī, Schwert sowie die als pañcachurikā und kartarī bezeichneten Klingen und weitere Waffen. Sie alle mögen mich stets beschützen und sämtliche Vollendung schenken.“ [Einzelne Waffennamen und die Verbindung pañcachurikā bleiben nach dem Druck stehen; eine unsichere technische Identifikation wird vermieden.] Danach folgen Tārā, Kūrca, „durgāyai sarvāyudhadhāriṇyai namaḥ“ – Verehrung Durgā, der Trägerin aller Waffen – und drei Blumengaben mit beiden Händen. Krone und weitere Schmuckstücke der Göttin werden jeweils mit ihrem Namen im Dativ, Tārā am Anfang und „namaḥ“ am Ende verehrt. Darauf folgt ihr herrlicher Löwenthron. Für den Löwen nennt die Quelle Tārā, Hṛd, „nakhadaṃṣṭrāyudhāya mahāsiṃhāya“ – dem großen Löwen, dessen Waffen Krallen und Fangzähne sind –, „hūṃ“ und den Herzabschluss.
Band III, S. 1043, Löwe und Mahishasura als Rudra
Deutsch: Mit den vorbereiteten Gaben, Blumen und Reis wird der Löwenthron verehrt: „Du bist der Sitz der Göttin, mit gewaltigen, furchtbaren Fangzähnen; deine Gestalt gleicht einem Gipfel des Himalaya. Löwenkönig, dir Verehrung.“ Mahiṣāsura wird besonders an Aṣṭamī und Navamī ausführlich verehrt, gerade weil ihn die Göttin getötet hat. Die Darbringungen beginnen mit Fußwasser und richten sich nach den Möglichkeiten. Der Mantra hat Praṇava am Anfang, „mahiṣāsurāya“ in der Mitte und „namaḥ“ am Ende. Man betrachtet ihn dabei ausdrücklich als Rudra selbst. Mit gefalteten Händen spricht man: „Du bist Rudra, König der Asuras, der den Hochmut der Götter vernichtet. Auf den Wunsch deines Vaters nach einer Gnade hin wurdest du aus dem Leib einer Büffelin geboren. Wer sonst vermag mit Kātyāyanī zu kämpfen? Welcher Asura hielt Madhusūdana im Kampf auf? Wer sonst besiegte die Götter und machte sie zu Dienern? Wer genoss drei Manvantaras lang unangefochten die Herrschaft? Wessen Heer zählte hundert Parārdhas? Darum sei dir Verehrung, Mahiṣāsura, der Rudras Gestalt trägt.“
Band III, S. 1043–1044, Die vier Batukas
Deutsch: Danach werden vier Baṭukas verehrt: Siddhaputra, Jñānaputra, Sahajaputraka und Samayaputra. Der Mantra setzt Vedādi und das Kamalā-Bīja voran, verbindet den jeweiligen Namen mit Baṭuka im Dativ und endet mit „namaḥ“. Die Quelle beschreibt dies als dreigliedrige Namensbildung. Die vier werden mit den nach den eigenen Mitteln bereitgestellten Gaben verehrt, wenn man die weiteren umgebenden Gottheiten einbezieht. [Die genaue Wortsegmentierung der zusammengesetzten Baṭuka-Namen bleibt der knappen Quellenangabe überlassen.]
Band III, S. 1044, Kshetrapalas und neun Bhairavas
Deutsch: Anschließend werden die Kṣetrapālas in der Mitte und den Richtungsbereichen verehrt: Hetuka, Tripuraghna, Agnijihva, Agnivetāla, Kāla, Karālaka, Ekapāda und Bhīmanātha. [Die folgende Ordnungsangabe anurādikrameṇa ist unsicher gedruckt.] Die Formel beginnt mit den drei Bīja-Codenamen Tārā, Kūrca und Kṣetrapāla, gefolgt vom jeweiligen Namen und Kṣetrapāla im Dativ; Mahābhīṣaṇa wird zusätzlich genannt. Danach folgen Krodha, Hṛd und Śiras. Während der Herbstverehrung werden neun Bhairavas verehrt: jeweils zwei in den vier Hauptrichtungen und einer in der Mitte. Es sind Asitāṅga, Ruru, Caṇḍa, Krodha, Unmatta, Ānanda, Kapālī, Bhīṣaṇa und Saṃhārī. Ihre Formel beginnt mit Tārā, Trapā und Roṣa-Bīja, dann dem jeweiligen Namen mit dem Abschluss Bhairava im Dativ und dem Herzmantra. [Die Formelglieder werden als Codenamen bewahrt.]
Band III, S. 1044–1045, Richtungshüter und ihre Attribute
Deutsch: Außerhalb des Lotus werden die acht Richtungshüter verehrt: Indra, Agni, Yama, Nairṛta, Varuṇa, Vāyu, Soma und Īśāna. Ihre Attribute sind in dieser Reihenfolge Donnerkeil, Śakti-Speer, Stab, Schwert, Schlinge, Elefantenhaken, Banner und Dreizack. Zwischen Nairṛta und Varuṇa steht Ananta mit dem Diskus; zwischen Indra und Īśāna steht Brahmā mit dem Lotus. So werden zehn Richtungshüter genannt. Die Formel beginnt mit Praṇava, dann folgt der jeweilige Name, das mit sa- verbundene Waffenattribut sowie die Bezeichnungen „mit Reittier und Gefolge“ und „bewaffnet“, jeweils im Dativ; am Ende steht „namaḥ“. [Die Attribute werden nach dieser Quellenliste wiedergegeben, ohne sie nach anderen Listen zu vereinheitlichen.]
Band III, S. 1045, Bali Japa Verneigung und Nachtwache
Deutsch: Danach wird der Göttin Bali nach dem früher beschriebenen Verfahren dargebracht, an Aṣṭamī reichlicher als an Saptamī. Ein anderer Tantra-Beleg verlangt anschließend Japa nach den eigenen Möglichkeiten und die Rezitation eines Stotra; die Redaktion kündigt an, Bali-Verfahren und Hymnus später zu behandeln. In Hingabe verneigt man sich mit acht Gliedern auf dem Boden vor der Göttin. Ein im Nirṇayāmṛta angeführtes Purāṇa lässt den König das Schwert verehren und Sieg, Überwindung der Feinde sowie Wohlstand im Reich erbitten. Wiederholt verneigt er sich vor Āryā und vergegenwärtigt Śivā im Herzen, spricht „Vollbringe alles“ und hält in der Aṣṭamī-Nacht Wache. Ein großes Fest mit Schauspiel und Darbietungen wird veranstaltet. [Die Druckfolge naṭanāṭakavarṣaiḥ ist auffällig; die Zeugen 3, 4 und 5 lesen ausdrücklich Darbietungen von Schauspielern, Tänzern und Gesang.]
Band III, S. 1046, Chamunda-Verehrung an der Grenze von Ashtami und Navami
Deutsch: Zur Sandhi-Pūjā zwischen Aṣṭamī und Navamī zitiert der Text die Mahākālasaṃhitā: Einige verehren genau am Übergang, wie es die Purāṇas als Sandhi-Pūjā bezeichnen. Manche Tantriker bevorzugen Mitternacht an Navamī oder eine Zeit danach; nach der Quelle sind beide Formen wirksam. Verehrt wird dabei ausdrücklich die Göttin als Cāmuṇḍā. Die Redaktion verschiebt ihren Mantra und ihre Meditation in den späteren Abschnitt über wunschbezogene Sādhanās. Nach Meditation und verschiedenen Gaben beschreibt der historische Ritus irdene Schalen mit gekochtem und rohem Fleisch, Blut sowie weiteren im Druck beschädigten Zutaten aus dem Bereich Dickmilch und Mehl. Diese werden mit roten Blumen und Reis verehrt und als Bali dargebracht; die Quelle verheißt dafür großes Wohlergehen. Einige Kaulas schließen einen Śakti-Yāga an und verweisen auf dessen früher erläutertes Verfahren. [Schalenbezeichnung, ein Mantraverweis und die Zutatenfolge sind sprachlich beschädigt; keine praktische Rekonstruktion dieser Lücken.]
Band III, S. 1046–1047, Mahatmyam der Navami
Deutsch: Zum Navamī-Ritus wird das Bhaviṣya-Purāṇa angeführt: An Navamī, in der hellen Hälfte des Monats Āśvayuja, empfing die gabenspendende Göttin die Weihe, wurde von allen Göttern verehrt und tötete den bösen Mahiṣa, den die Götter nicht töten konnten. Deshalb soll Caṇḍikā an diesem Tag verehrt werden. Weil die Göttin Sarasvatī dabei Größe erlangte, heißt diese Navamī „die Große“. Durch die Verehrung der großen Göttin Maṅgalacaṇḍikā an Navamī erlangten auch Brahmā, Viṣṇu und die Götter Größe. Daher gilt der Tag als besonders verdienstvoll und als Tilger von Schuld. Alle Herrscher sollen das Fastengelübde sorgfältig mit den zuvor beschriebenen Handlungen begehen; der Text nennt außerdem Kinder, Alte, Menschen in der Jugendkraft sowie Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas, Śūdras und Diener. Die Redaktion verweist auf die Durgotsavapaddhati.
Band III, S. 1047–1048, Navami-Puja an verschiedenen Trägern
Deutsch: Ein anderer Tantra-Beleg verlangt an Mahānavamī dieselbe ausführliche Verehrung der Weltenmutter wie an Aṣṭamī; als Besonderheit sollen die Bali-Gaben reichlich sein. Nach der Mahākālasaṃhitā wird die Verehrung von Pīṭha und Kultbild nach dem Verfahren für besondere Anlässe vollzogen. Wer dazu imstande ist, ergänzt die Verehrung der umgebenden Gottheiten aus dem täglichen Ritus. Eine abweichende Pūjā wird hier nicht vorgesehen; dies gilt als Śivas Ordnung. Verehrt jemand in Hingabe sowohl Pīṭha oder Kultbild als auch Patrikā oder Tonbild, sind zwei getrennte Pūjās vorgesehen: zuerst an der Patrikā, danach an Pīṭha beziehungsweise Kultbild. Für letztere gilt die tantrische, für Patrikā und verwandte Träger die purāṇische Weise. Deshalb werden die Gefäße getrennt und beide Formen unterschieden.
Band III, S. 1048, Rezitation des Devi-Mahatmya
Deutsch: Danach liest man selbst oder lässt die im Mārkaṇḍeya-Purāṇa enthaltene Lobpreisung der Erhabenen zur Befriedung rezitieren: entweder vollständig oder die Abschnitte über die Tötung Śumbhas und Niśumbhas, Mahiṣāsuras oder Madhu und Kaiṭabhas. Die beiden Formen werden mit Saṅkalpa vollzogen. Werden Brahmanen mit der Rezitation betraut, erhalten sie Gewänder, Schmuck und Sitze; das Buch der heiligen Schrift wird verehrt und der Wunsch genannt. Der Rezitierende liest langsam und mit deutlicher Aussprache der Zeichen, zusammenhängend, ohne übermäßige Trennung, ohne Kopfnicken und ohne gesangsartige Übertreibung. Er soll den Körper nicht wiegen, nicht lachen oder weinen, nicht umhergehen, nicht mit anderen sprechen und nicht mitten im Text abbrechen. Nach Mundspülung und Reinigung bedenkt er die Bedeutung der Wörter. So, erklärt die Quelle, wird die Weltenmutter erfreut und schenkt die verheißene Frucht. Diese Rezitation erfreue die Göttin stärker als noch so reiche Gaben von Rauch, Lampen, Kränzen, Bali und Speisen. Wer Kālikā im Herbstfest erfreuen möchte, soll deshalb sorgfältig selbst lesen oder lesen lassen.
Band III, S. 1048–1049, Homa-Mantras Gaben und Wiederholungen
Deutsch: Wie die Rezitation gilt auch Homa bei der herbstlichen Verehrung als verbindlich; beide gelten als Hauptbestandteile. Auf einer etwa eine Hasta messenden Fläche aus feiner Erde wird das Feuer mit vedischen Mantras eingesetzt. Die Quelle nennt als Gaben Ghee, auch mit Sesam vermischt, Bilva-Blätter, Gerste, Lotus oder honiggetränkte Milchspeise. Als Mantras nennt sie Vijayā, Bhāratī in sechzehnzeichiger Form oder den festgelegten Jayadurgā-Mantra; alternativ können die einzelnen Verse der Saptaśatī dienen. Die Glosse erklärt die sechzehnzeichige Bhāratī aus dem jeweiligen Zusammenhang und den Jayadurgā-Bezug als allgemein anwendbar; ihr Ausdruck bhakta ist dabei nicht eindeutig. Genannt werden tausend oder hundert Wiederholungen. Bei beiden Handlungen werden am Ende angemessene Dakṣiṇā-Gaben verteilt. Rezitation und Homa sollen vor dem Bild stattfinden. [Die folgende Ortsbeschränkung mit kṣaṇārthaṃ vāsagṛhādvahi ist beschädigt. Sie untersagt offenbar die Verlagerung aus dem Verehrungsraum; der genaue Wortlaut und die Reichweite bleiben offen.]
Band III, S. 1049, Vier wesentliche Teile und Übergang zur Bali-Lehre
Deutsch: Die Göttin nimmt die vorschriftsmäßige Saptaśatī-Rezitation an; die folgende Zeile über Homa ist im Druck mit nidhinā vāpyanidhinā sprachlich unsicher und wird nicht zu einer eindeutigen Erlaubnis oder Verbotsregel geglättet. Nachdrücklich verlangt der Text Homa während der Herbstverehrung. Vier Bestandteile werden für Kālikās Verehrung im Monat Āśvayuja hervorgehoben: Homa, Saptaśatī-Rezitation, Bali und Instrumentalmusik. Reichliche Bali-Gaben richten sich nach den Möglichkeiten. Der folgende Abschnitt behandelt historisch die Lebewesen betreffende Opferpraxis. Er unterscheidet ein vedisches und ein āgamisches Verfahren: das erste mit Śruti-Mantras und nach der jeweiligen Gṛhya-Überlieferung, das zweite mit Tantra-Mantras. Weitere Unterschiede ergeben sich nach der Art des Opfertieres.
Band III, S. 1050, Drei Bali-Traditionen und pflanzliche Ersatzgaben
Deutsch: Das Bhairava-Tantra unterscheidet tantrisches, smārta und vedisches Bali. In seiner historischen achtgliedrigen tantrischen Liste stehen Mensch, Büffel, Schwein, Ziege, Schaf, Kranich, Taube und Hahn, mit einer Rangfolge zugunsten der jeweils früher genannten Art. Für die dem Dharmaśāstra folgende smārta-Tradition nennt der Text dagegen Kürbis, Kokosnuss, Śrīphala oder Zuckerrohr; diese werden in Tuch gehüllt und als Ersatzgabe geteilt. Die vedische Form verwendet gekochten Reis und gegarte Māṣa-Bohnen; für besonders furchtbare Gottheiten kommen Rocanā und Vaṭaka-Speisen hinzu. [Die Menschenopfer-Nennung ist eine historische Quellenangabe innerhalb der Klassifikation.]
Band III, S. 1050, Bali als allgemeine Darbringung
Deutsch: Nach der Mahākālasaṃhitā ist das vedische Opfer in den Śruti-Texten über die Opferhandlungen zu suchen. Der Autor kündigt nun die vollständige āgamische Ordnung nach seiner Überlieferung an. Er behauptet, es gebe keinen Gott, keine Göttin, keine Art göttlicher Wesen, keine Zeit und kein Wesen, das keine Bali-Gabe wünsche. Sogar unkörperliche Zeitabschnitte – Monate, Jahre, Halbmonate, Sonnenhalbjahre, Tag und Nacht, Tithis, Tagesviertel und Übergänge – verlangten solche Darbringungen. Ebenso nennt er Bäume, Heilpflanzen, Schlingpflanzen, Sträucher, Berge sowie unbewegliche und bewegliche Wesen. [Bali hat hier den weiten Sinn einer zugeordneten Darbringung; die Fortsetzung erläutert die jeweils passende Gabe.]
Band III, S. 1051, Bali-Zuordnungen der Götter mit Einschränkung
Deutsch: Bei dieser Gelegenheit nennt der Text einzelne Zuordnungen: Svayambhū erhält den Löwen; Viṣṇu ist die als Bhīṣaṇa bezeichnete Gabe zugeordnet; Indra das Pferd, Parameṣṭhin das Nashorn. Die Glosse des Verfassers der Vidhānamuktāvalī schränkt ausdrücklich ein, bei Viṣṇu und den weiteren gemeinten Göttern gehe es um die Darbringung des Körpers nach einem bestimmten Tod, nicht um Tötung. [Die Bezeichnung dieses Todes, im Druck vārṇaṇaśa-ähnlich, ist beschädigt; ihre Erklärung wird für später angekündigt.] Weiter stehen: Eber für Bhairava, Schakal für die Pramathas, Dvīpin und Citraka – zwei Raubtierbezeichnungen mit hier unklarer syntaktischer Zuordnung – bei Vedhas, Bär für Gaṇādhyakṣa, rotes Wild für die Yakṣas, Waran für Skanda, Camara für die Viśvedevas, Schwarzantilope für die Vināyakas, Büffel für die Vetālas und Sambara-Wild für die Guhyakas. Śacī wird Śalya zugeordnet, den Tuṣitas Rohita, den Dānavas Kṛkalāśa, den Daityas der Falke, Hiraṇyagarbha Tarakṣu, Īśāna Padaścarī und Rudra Ruru. [Seltene Tiernamen bleiben unbestimmt, statt zoologisch ungesichert übersetzt zu werden.]
Band III, S. 1051–1052, Weitere Zuordnungen zu Gottheiten
Deutsch: Der Sprecher nennt Gokarṇa als seine eigene Gabe; den Sādhyas entspricht Gavaya, den Bhāsuras Sṛmara, den Vasus Ṛkṣa, Bṛhaspati wiederum Gavaya und Prajāpati der Elefant. Es folgen Kuluṅga für die Gaṇasādhyas, das Kamel für Takṣan und der Stier für die beim Śrāddha verehrten Viśvedevas. Eine beschädigte Zeile verbindet Aja mit dem Kuṭaru-Vogel; Pracetas erhält den Cakravāka-Vogel. Bei den Opferfeuern nennt der Druck Pāśva für Gārhapatya und Cotaka für Dakṣiṇāgni; die Fortsetzung zu Āhavanīya und dem Hasen ist beschädigt. Weiter: Balākā für Vāyu, Haṃsa für Soma, Lava für Candra, Krokodil für Varuṇa, Kulīyaka für Mitra, Cāṣa für Agni-Soma, Krauñca für Indra-Agni, Madgu für die als mitramitra gedruckte Doppelgottheit und Kulīka für Tvaṣṭṛ. Den Ādityas entspricht Nyaṅku, Yama ein schwarzes Tier, Prajāpati-Vāyu Gomṛga, den Nāsatyas der Pfau, Paṇi der Schakal, Nirṛti der Esel, Mitra-Varuṇa die Taube, den Götterfrauen Waran und verwandte Tiere, Savitṛ Mallika, den göttlichen Wesen und dem König der Apsaras Kulīka. Für den Luftraum steht Yoktra, für die Erde die Maus, für den Himmel Kaśā, für die Hauptrichtungen der Mungo und für die Zwischenrichtungen Babhru. [Mehrere Formen und Zuordnungen sind druckbedingt unsicher; sie bleiben ausdrücklich Quellenbezeichnungen.]
Band III, S. 1052, Zuordnungen zu Zeitabschnitten
Deutsch: Den Wassern entspricht der Fisch, dem Feuerelement eine Homīya genannte Schlange. Die folgende Zeit-Zuordnung nennt Jala und Cillikā; ihr genauer Gegensatz bleibt unklar. Für Jahr und Monat steht Suparṇa. Die Jahreszeiten erhalten: Frühling Kapiñjala, Sommer Kalaviṅka, Regenzeit Tittiri, Herbst Vartikā, Winter Kakara und Spätwinter Vaikakari. Zum Halbmonat gehört Khañjarīṭa, zum Sonnenhalbjahr Sārasa, zum Tag die Taube, zur Nacht Sīrā, zur Dämmerung der Blutegel, zur Tithi Yajarāja [Druck unsicher], zum Yāma Sūciloma, zum Übergang Saṅkrānti Asthipācaka, zu den Planeten Kirīṭaka und zu den Mondstationen Śāśpaka. [Diese taxonomisch unsicheren Namen werden als historische Quellenbegriffe bewahrt.]
Band III, S. 1053, Kosmische Zuordnungen und Wesenklassen
Deutsch: Die Liste setzt fort: Sākalya für die Tierkreiszeichen, Buccuṭa für die Aszendenten, Śiśumāra für das Meer, Timiṅgila für Flüsse, Makara für Strudel und Śaṅkhala für Wellen. Der Gott der Unterwelt erhält das Kamel, Tāṇḍava Śaṅkha, Parjanya den Frosch, Regen Mahīlatā, Blitze Sambūka; Bhāradvāja erscheint mit einer beschädigten Zuordnung. Für Sinīvālī, Kuhū, Rākā und Anumati werden der Reihe nach Śarāri, Kaṅka, Harita und Jīvañjīva genannt. Pretas erhalten Kalaṅka, Piśācas den Reiher, Bhūtas Kurara, Brahmarākṣasas den Hahn, Gandharvas den Kuckuck, Ghoṇakas die Krähe, Kṣetrapālas Vartaka und Baṭukas den Hahn. Den Jātihāriṇīs entspricht Bhāraṇḍa. Danach folgt eine beschädigte Zeile mit Chucchundarī und Śarabha; für Ḍākinīs steht Cillā, für Kinnaras Takṣaka, für Yoginīs Bhulinda, für eine unleserliche Wesenklasse Ṭiṭṭibha. [Seltene Tiernamen und beschädigte Empfängernamen sind bewusst nicht zoologisch oder mythologisch rekonstruiert.]
Band III, S. 1053–1054, Sinne Körperkräfte und Pflanzen
Deutsch: Für die Sinne nennt der Text: Mücke für die Augen, Bhramara für die Ohren, Saraghā für den Geruch, Cillī für die Zunge und Fliege für die Haut. Dem Geist entspricht Pataṅga, der Rede Pluṣi, den Händen das Jhilli-Insekt, den Füßen das Leuchtinsekt, dem Ausscheidungsorgan Ghūkā, dem Geschlechtsorgan Sinīpati. Den Bäumen wird Madhuka, den Schlingpflanzen Tailapāyikā, den Heilpflanzen die Wanze, den Gräsern die Ameise, den Sträuchern Gandhakīṭa und den Bergen Vṛttatā zugeordnet. [Die Bedeutung der seltenen Tiernamen und einzelne Kasusformen sind unsicher. Die Passage überträgt die Darbringungsordnung auf Wahrnehmung, Körperfunktionen und Natur.]
Band III, S. 1054, Schluss der Zuordnungsliste und Begründung
Deutsch: Die letzte Reihe nennt Hund für Pūtanā und Schlange für Rākṣasīs. Eine beschädigte, hier als puttyā gedruckte Empfängerbezeichnung ist mit einem neugeborenen Kind verbunden; eine weitere dunkle Zuordnung betrifft den Bālagraha. Für Garuḍa steht Cakora, für die Mütter Tailapāyikā, für Vidyādharas Kola, für Yakṣas der Papagei. Die folgende Zeile nennt Pathodahana mit beschädigter Zuordnung und Kareṇuka für Naraka. Dem König entspricht der Affe; die Verbindung von Wildnis, Hund und Vogel am Zeilenende bleibt unklar. [Dies ist die historische Klassifikation des Textes, einschließlich ihrer problematischen Menschenopfer-Nennung; beschädigte Namen werden nicht ergänzt.] Allgemein nennt die Quelle Büffel, Ziegen und weitere Tiere als Bali für Götter und besonders Göttinnen: Wasser- und Landtiere, Haus- und Wildtiere, Vögel, Insekten und andere Lebewesen. Sie behauptet, solche Gaben erfreuten die Gottheiten mehr als Arghya und Speisen, und beruft sich dafür auf Mīmāṃsā und Veda. Anschließend begrenzt sie diese breite Aufzählung ausdrücklich: Für die Göttin seien reine Tiere und Vögel vorgesehen, nicht alle zuvor genannten Würmer und Insekten. Die Argumentation und ihre Einschränkung werden als Lehre der Quelle wiedergegeben.
Band III, S. 1054–1055, Historische Opferbegründung und Kali-Zuordnungen
Deutsch: Zur Begründung beruft sich die Quelle auf ältere Opfernamen: einen weißen Stier im Gomeda, einen Menschen im Naramedha, einen Elefanten im Gajakrānta, ein Pferd im Aśvamedha und einen Elefanten im Śāṅkara-Ritus. Sie behandelt die angenommene vedische Autorität als entscheidend und erklärt Bali im besonderen Verehrungsritus für notwendig; ohne Bali nehme die Göttin die Pūjā nicht an. Besonders hebt sie Büffel und Ziege hervor und wendet sich dann von allgemeinen Gottheitenzuordnungen den für Kālī genannten Arten zu. Aufgezählt werden Fische, Wildtiere, Eber, Schildkröten, Büffel, Nashörner, Warane, Krokodile, Tiger, Löwen, Mungos, Śarabha, Gavaya, Ziegen, Menschen und Vögel. Die anschließende Wendung teṣāṃ kośāḥ ist unklar. Der Text schreibt diesen Darbringungen die Erfüllung aller Vorhaben zu. [Dieser Abschnitt gibt historische Opferlehre wieder, einschließlich der Menschenopfer-Nennung; beschädigte Begriffe und Ritualnamen bleiben in Quellenform.]
Band III, S. 1055–1056, Verheißungen und Zahlen der Tiergruppen
Deutsch: Die Quelle verspricht den Bali-Gaben langes Leben, Beruhigung von Krankheit, Sieg über Feinde, Wohlstand, Vollendung und Bestand; wer ohne eigennützigen Wunsch handle, könne dadurch sogar Befreiung erlangen. [Dies sind religiöse Fruchtverheißungen des Textes.] Anschließend nennt sie die Zahlen der Gruppen: achtzehn Fischarten, vierundzwanzig Wildarten, fünf Eberarten, drei Schildkrötenarten, zwei Büffelarten, vier Nashornarten, drei Waranarten, zwei Krokodilarten, je drei Tiger- und Löwenarten, zwei Mungoarten, eine Śarabha-Art, drei Gavaya-Arten, fünf Ziegenarten, vier Kategorien von Menschen und sechsunddreißig Vogelarten. Danach sollen ihre Namen in derselben Reihenfolge folgen.
Band III, S. 1056, Fisch Wild Eber Schildkröten und Büffelnamen
Deutsch: Die Fischliste nennt Śaṅkula, Rohita, Śāla, Pāṭhīna, Rāghava, Proṣṭhī sowie die schwer trennbare Folge nālaśiśāṅkavyaṅgameraṭālulicānvaṭāḥ, dann Timi, Bhākūṭa, Rājīva und Gaṇḍaka. [Die Quelle fordert achtzehn Arten, doch die beschädigte Mitte lässt keine gesicherte vollständige Segmentierung zu.] Die Wildliste beginnt mit Gokarṇa, Kṛṣṇasāra, Eṇa, Ruru, Nyaṅku und Camara; es folgen die teilweise beschädigten Namenfolgen priyavātapramīlīnasamahasramarakruṣāḥ und śaṅkuśambarakandavyaḥ sowie Sukhara, Rohiṣa, Vaṭa, Kadalyena, Viśālākṣa, Pataṅga, Ollāṭa und Rohita. Die fünf Ebernamen erscheinen als varāhāstabdhakroḍakarākṣīṇajalakhanāḥ; ihre genaue Trennung bleibt unsicher. Bei den Schildkröten nennt der Text Citrī, Citrakuṭa und Vāmana, bei Büffeln Akara und Kṣīrila. [Seltene Namen werden nicht zu modernen zoologischen Arten erklärt; die beschädigten Folgen bleiben auch in Devanagari und IAST vollständig erhalten.]
Band III, S. 1056, Nashörner Warane Krokodile und Tiger
Deutsch: Die vier Nashornarten stehen im Druck als Kausvara, Vārttila, Cārmī und Vaiḍha; die drei Waranarten als Hiraṇyā, Kilikā und Monā. Bei den Krokodilen ist Dīrghagrīva – langhalsig – erkennbar, der zweite Name ist als mapara beschädigt. Die drei Tigernamen erscheinen in der zusammengedrängten Folge tarakṣukaṭalakṣitra. [Die Formen werden als unsichere Drucknamen bewahrt; weder die zweite Krokodilart noch die Tigerreihe wird frei ergänzt.]
Band III, S. 1057, Restliche Tiergruppen und Einleitung der Menschenkategorien
Deutsch: Für den Löwen behauptet die Quelle drei Arten; die Namensfolge śārlaḥ krūkarmadī ist beschädigt und nicht sicher dreifach teilbar. Beim Mungo nennt sie Sthūla und Kaliṅga. Śarabha hat nur eine Art. Die drei Gavaya-Namen erscheinen als Lāṭika, Viṭcavara und Sākṣī; die fünf Ziegennamen als Tripica, Pālita, Kṣaurī, Varkara und Māripa. Drei Schafarten heißen Urmika, Pāriśa und Bhaṭa. Danach wendet sich der Text den Menschen zu und erklärt ausdrücklich, seine Vierteilung sei keine allgemeine Einteilung der Menschen, sondern eine Unterscheidung nach bestimmten Umständen. [Seltene Tiernamen bleiben nach dem Druck stehen.]
Band III, S. 1057, Historische Vierteilung menschlicher Opfer
Deutsch: Der Text nennt historisch vier Kategorien: Erstens einen Menschen, den er als von Caṇḍikā begnadet und des Saṃsāra überdrüssig beschreibt, der nach dem Hören jenseitiger Fruchtverheißungen von sich aus öffentlich, besonders vor dem König, die Rolle eines Opfers erbittet. Zweitens einen als Dieb großen Vermögens oder von Edelsteinen bekannten Menschen, der nach richterlicher Entscheidung vor der Versammlung zur Enthauptung verurteilt wurde. Drittens einen im Krieg besiegten und gefangenen Feind, den der Text als hinterlistigen Kämpfer und furchterregend kennzeichnet. Viertens einen Gewalttäter gegen Reisende in der Wildnis oder gegen Menschen im Haus, dessen Tat durch wahrheitsgemäße Zeugenaussagen festgestellt wurde. Eine fünfte Kategorie wird ausdrücklich ausgeschlossen. [Dies dokumentiert die historische Menschenopfer- und Strafrechtsvorstellung der Quelle. Ihre religiöse Rechtfertigung wird nicht als Zustimmung der Ausgabe übernommen.]
Band III, S. 1058, Vogelverzeichnis
Deutsch: Das Vogelverzeichnis nennt Pārāvata, Tāmracūḍa, Haṃsa, Vārdhrīṇasa, Ulūka, Lohapṛṣṭha, Darvāghāṭa, Sārasa, Kalaviṅka, Cakora, Cakravāka, Śuka, Śatapatra, Bharadvāja, Bhuliṅga, Caṭaka, Kāraṇḍava, nochmals Cakravāka, Pārśva, Kulīyaka, Plava, Kuṭarava, Vartaka und Kukkubha. Danach folgen die teilweise schwer trennbaren Druckgruppen tittiryutkrauñcāś ca navacāpaśikhaṇḍinaḥ und yoktradātyūhamākalyapaṇḍurājanyavāyakāḥ sowie Jihīka, Sukhiloka, Madgu, Hārīta, Carcikā, Jīvañjīva, nochmals Hārīta, Koyaṣṭa, Aṭa, Ṭiṭṭibha, Baka, Kokila, Ṣṭa [unsicheres Folgeglied], Kareṭu, Droṇa, Khañjana, Cirīka und Jahika. Die nächste Folge sīcāpucchantamekalāḥ ist nicht sicher zu trennen; den Schluss bilden Kaśa, Suparṇa, Bhāraṇḍa und Hāmāya. Der Text bezeichnet diese als geeignete Arten und verweist für ihre Unterarten auf die Ḍāmara-Texte; um das Werk nicht zu verlängern, werden sie nicht vollständig erläutert. [Die Liste enthält Wiederholungen und wesentlich mehr mögliche Namensglieder als die zuvor angekündigten 36. Diese Abweichung wird nicht durch Streichung oder erfundene Neuordnung beseitigt. Moderne zoologische Gleichsetzungen bleiben ungesichert.]
Band III, S. 1058–1059, Beispiele für Unterarten und editorischer Hinweis
Deutsch: Als Beispiele nennt die Quelle zehn Arten von Pārāvata, darunter Kapota, Śyāmaka und die beschädigte Folge vajramaṇisyatanuka; fünf Haṃsa-Arten heißen Rājahaṃsa, Mallika, Dhātarāṣṭra, Parisphuṭa und Māhiya. Andere Vogelarten seien ebenso zu verstehen. Anschließend kündigt sie an, für welche Dauer die jeweiligen Bali-Gaben Kālikā zufriedenstellen sollen. Die gedruckte editorische Fußnote bestätigt die Quellenunsicherheit ausdrücklich: Viele zuvor genannte Fisch- und Tiernamen stammen offenbar aus regionalem Sprachgebrauch und lassen sich selbst in Wörterbüchern wie Śabdakalpadruma und Vācaspatya nicht vollständig nachweisen; deshalb wurden sie so bewahrt, wie sie in der Vorlage stehen.
Band III, S. 1059, Verheißene Sättigungsdauern bis zwölf Jahre
Deutsch: Die Quelle staffelt die behauptete Dauer der Zufriedenheit Kālikās: einen Monat für die achtzehn Fischarten und Schildkröten; zwei Monate für Tāmracūḍa, Haṃsa und Sārasa; drei für die beschädigte Doppelbezeichnung dvīpivakra; vier für Kalaviṅka und Ulūka; fünf für Papageien und Tauben; sechs für Darvāghāṭa und Cakora; sieben für Jihīka und Kulīyaka; acht für die vierundzwanzig Wildarten und Krokodile; neun für den Kuckuck; zehn für Hārīta; elf für Dātyūha und Elefanten; ein Jahr für Warane; drei Jahre für Schaf und Mungo; fünf für Ziege; acht für Jīvañjīva und Pāṇḍra; zwölf für Pārṣata-Wild und Eber. [Dies sind rituelle Fruchtverheißungen der Quelle, keine überprüften Wirkungsangaben. Die unsicheren Tiernamen werden bewahrt.]
Band III, S. 1059–1060, Weitere Sättigungsdauern und Vardhrinasa
Deutsch: Für den Hāmāya-Vogel, rötlich und mit löwenförmigem Kopf beschrieben, behauptet die Quelle fünfundzwanzig Jahre Zufriedenheit der Göttin. Für die drei Tiger-, zwei Büffel- und vier Nashornarten nennt sie hundert Jahre. Der Name Vārdhrīṇasa bezeichnet nach dem Text zweierlei: eine besondere Ziege und einen Vogel am Fuß des Himalaya. Die Ziege ist alt, bärtig, weiß, mit rissigen Füßen, geschwächten Sinnen, roter Zunge, ohne Hörner und mit gebrochener Stimme; außerdem heißt sie tripiva, dessen genaue Bedeutung hier nicht erklärt wird. Der Vogel hat gelben Schnabel, roten Kopf, weiße Flügel, schwarze Füße, blauen Hals und einen rosafarbenen Kehlbereich. Als Parallelbeleg nennt das Kālikā-Purāṇa ebenfalls eine weiße alte Ziege mit geschwächten Sinnen und dem Merkmal tripiva sowie einen Vogel mit blauem Hals, rotem Kopf, schwarzen Füßen und weißem Gefieder, der dem Sprecher und Viṣṇu lieb ist. [Die Beschreibung der besonderen Ziege steht in Spannung zu späteren allgemeinen Ausschlüssen gebrechlicher Tiere; sie wird nicht stillschweigend harmonisiert.]
Band III, S. 1060–1061, Abschluss der zeitlichen Fruchtverheißungen
Deutsch: Die Mahākālasaṃhitā nennt dreißig Jahre für die Vārdhrīṇasa-Ziege. Die nächste, mit niraṅgusāmānyadairdhaiḥ beschädigt überlieferte Gabe soll Guhyakālī fünfhundert Jahre erfreuen. Für Śarabha, Löwe und die Gabe eigenen Blutes werden tausend Jahre behauptet, für den Vārdhrīṇasa-Vogel zwölftausend Jahre. Die historische Menschenopferstelle mit den zuvor genannten Dieben beziehungsweise Gewalttätern behauptet dreihunderttausend Jahre. Damit endet diese Liste von Fruchtverheißungen. [Die beschädigte Gabe wird nicht rekonstruiert. Zeitangaben und die Gewalt rechtfertigende Wertung gehören zur historischen Quelle.]
Band III, S. 1061, Ausgeschlossene Tierarten
Deutsch: Nun folgen die ausgeschlossenen Gaben. Die Liste nennt Bären, Affen, die beschädigte Form Phena, Schlangen, Hunde, Kamele, die als Vāleya bezeichneten Tiere, Śalya und Kot fressende Schweine. Unter den Wassertieren erscheinen Frösche, Rāsama, Śiśumāra, Kulīra und viele Fische, darunter Dīrghapṛṣṭha. Unter den Vögeln werden Krähen, Cilla, Tuvida und Kulika genannt. Weitere Ausschlüsse seien den verschiedenen Ḍāmara- und Āgama-Texten zu entnehmen. [Einzelne Tiernamen und Verbindungswörter sind beschädigt. Diese Ausschlüsse gelten hier für die Göttinnenverehrung; frühere Zuordnungen an andere Wesen werden nicht deshalb aus der Ausgabe entfernt.]
Band III, S. 1061, Allgemeine Ausschlussmerkmale
Deutsch: Auch bei grundsätzlich zugelassenen Haus- und Wildtieren sowie Vögeln gelten Ausschlüsse. Weibliche Tiere werden untersagt; absichtliches Zuwiderhandeln verbindet der Text mit Höllenstrafe, unwissentliches mit geringerer Schuld. Sehr junge Tiere und Vögel werden ausgeschlossen; die Zeilen nennen drei Monate beziehungsweise die Hälfte davon, sind aber syntaktisch beschädigt. Weiter werden Tiere mit gebrochenem Horn oder Zahn, abgetrenntem Schwanz, einäugige, missgebildete, kranke, aggressive, haarlose, ausgezehrte oder am Hals blutende Tiere ausgeschlossen; außerdem ein Tier, das einen Menschen mit dem Horn verletzt hat. Bei Vögeln nennt die Quelle beschädigten Schnabel oder Flügel und eine beschädigte Bestimmung zur Nahrung. Unentwickelte Jungtiere, die noch bei der Mutter bleiben, sowie nicht der vorgesehenen Art angehörende Tiere sind ebenfalls ausgeschlossen. [Die Passage wird als historische Auswahlregel dokumentiert; unklare Alters- und Futterformulierungen werden nicht als praktische Anleitung präzisiert.]
Band III, S. 1062, Farbregeln und Verbote nach sozialer Stellung
Deutsch: Ein weiterer Tantra-Beleg schließt eine schwarze Ziege mit weißem Schwanz sowie eine weiße mit schwarzem Schwanz aus. Die Mahākālasaṃhitā unterscheidet dann Verbote nach sozialer Stellung. Brahmanen dürfen der Quelle zufolge weder Menschen, Löwen, Tiger, Cāpa, Nashörner, eigenes Blut noch Alkohol darbringen. Die Folgezeile nennt zwei bereits gemeinte Vögel, Löwe, Dvīpin und Mensch und verbindet Übertretung mit Krankheit, verkürztem Leben und Höllenstrafe. Eigenes Blut wird als Selbsttötung gewertet; Alkohol soll nach der historischen Kastenlehre den Verlust des Brahmanenstatus und Ausschluss von Ritualen bewirken. Herrscher beziehungsweise Angehörige des zweiten Varṇa dürfen Kṛṣṇasāra und Hariṇa nicht darbringen; auch dies wird mit schwerer Schuld gleichgesetzt. Vaiśyas werden Schwein, Vartaka und Kulīyaka untersagt. Der vierte Varṇa darf Waran, Papagei, Khañjana, Madgu, Katze und Cāpa nicht geben; die Hundegabe wird besonders verurteilt. [Die Namen Cāpa und die Rückverweisung auf zwei Vögel bleiben unklar. Kastenabwertungen und Strafdrohungen werden als historische Quellenvorstellungen dokumentiert.]
Band III, S. 1062–1063, Gewaltfreie Ersatzpraxis
Deutsch: Waldeinsiedler, Schüler im Brahmacarya, mitfühlende Hausleute, sattvische, in Brahman gefestigte Menschen und alle, die Gewalt meiden, sollen keine Tieropfer geben, sondern die Ersatzform, Anukalpa, vollziehen. Eine redaktionelle Bemerkung verweist auf die zuvor erklärte Regel, dass die grundsätzliche rituelle Berechtigung auch für Ersatzhandlungen gilt. Danach heißt es ausdrücklich: Ein sattvischer Mensch soll niemals ein Lebewesen töten. Stattdessen verwendet er Zuckerrohr, Kürbis, Waldfrüchte oder Tierfiguren aus eingedickter Milch und Reismehl; die jeweilige Frucht vertritt das entsprechende Tier.
Band III, S. 1063, Zuordnung pflanzlicher und geformter Ersatzgaben
Deutsch: Als Ersatz nennt der Text: Kürbis für Büffel, Gurke für Ziege, Aubergine für Hahn, Flaschenkürbis für Schaf, Jackfrucht für Mensch, Zuckerrohr für Fisch, Śūraṇa-Knolle für Sambara-Wild, Kośātaka für Wild, Milchspeise für Elefant, Kulattha-Bohnen für Katze und Paṭola für Schwein. Zuckerkörner beziehungsweise Zuckersand stehen bei der Nashorngabe, Banane nochmals bei Fisch, Rettich bei Maus, Kaliṅgaka bei Sāraṅga und Kokosnuss nochmals bei Elefant. Māṣa-Bohnen gelten als allgemeiner Ersatz bei furchtbaren Gestalten. [Die zusätzliche Zeile mit Bananenblüte, Zitrusfrucht und Piṇḍa ist beschädigt; ihre einzelnen Tierzuordnungen bleiben offen. Auch die Verbindung der Zuckergabe mit dem Nashorn beruht auf der versübergreifenden Syntax.] Tiergestalten können außerdem aus Ghee, Weizen, Zuckerrohrprodukten und eingedicktem Zuckersaft geformt werden. Die Quelle verspricht für solche Ersatzgaben dieselben Früchte wie für die jeweils vertretene Tiergabe.
Band III, S. 1063–1064, Merkmale geeigneter Tiere und abweichende Farbregel
Deutsch: Das Rudrayāmala beschreibt das als geeignet betrachtete Tier mit aufgerichteten Hörnern, hängenden Ohren, einheitlicher Farbe, kräftigem und gesundem Körper, Lebhaftigkeit und Stärke, ohne überzählige oder fehlende Glieder und etwa ein bis drei Jahre alt. Ein anderer Tantra-Beleg erklärt eine schwarze Ziege mit weißem Schwanz für geeignet und schließt die umgekehrte Färbung aus; die Glosse erläutert Weiß mit dunklem Schwanz. [Die Zulassung Schwarz mit Weiß widerspricht ausdrücklich dem Ausschluss auf Seite 1062. Beide Quellenstimmen bleiben erhalten.] Die Tripurapaddhati nennt Ziege und Schaf als allgemeine Bali-Arten zur Wunscherfüllung, Büffel bei täglichem, besonderem oder wunschbezogenem Ritus für Sieg und das Erreichen der Göttinnenwelt. Die Mahākālasaṃhitā verlangt bei mehreren Tieren zuerst ein kräftiges, schönes Exemplar mit allen beschriebenen Merkmalen. [Die Passage dokumentiert historische Opferregeln.]
Band III, S. 1064–1065, Rituelle Besprengung und Pashupasha-Gayatri
Deutsch: Die Besprengung ist bei allen Tieren gleich; Unterschiede betreffen die Übergabe, die gewünschte Frucht und die Anrede der Gottheit. Nach der Tripurapaddhati wird das Tier vor die Göttin gebracht, mit Wasser besprengt, durch Astra- und Kavaca-Mantra rituell geschützt und unter dem Wurzelmantra mit der Dhenu-Mudrā als mit Nektar erfüllt vorgestellt. Nach Duft, Blumen und Reis folgt ein ins rechte Ohr gesprochener Mantra, dem die Quelle Befreiung von der Bindung des Paśu zuschreibt: „Oṃ. Wir wollen Paśupāśa erkennen; wir meditieren über Viśvakarman. Jīva möge uns anregen und leiten.“ Die Fußnote bietet in Zeuge 4 „Rudra“ statt „Jīva“. Diese Gāyatrī wird als Paśupāśavimocinī bezeichnet. Die redaktionelle Glosse erklärt, dass die dreifache Besprengung mit reinem Wasser aus dem Arghya-Gefäß und dem Wurzelmantra erfolgt. [Die behauptete befreiende Wirkung gehört zum historischen Ritualverständnis der Quelle.]
Band III, S. 1065, Weitere Gayatri und Schwertverehrung
Deutsch: Eine weitere Gāyatrī wird über ihre Formelglieder angegeben: Yoginī-Bīja, „balirūpāya vidmahe“, „devīpriyāya dhīmahi“ und „tan naḥ paśuḥ pracodayāt“ – wir wollen die Gestalt der Darbringung erkennen, meditieren über das der Göttin Liebe; Paśu möge uns anregen. Die Glosse der Tripurapaddhati erklärt das Yoginī-Bīja als hrīṃ. Danach beschreibt der Text die Schwertverehrung. Ihr Mantra enthält Tārā, Bhuvaneśānī, zweimal Kālī, Vajreśvarī und Lohadaṃṣṭrā im Dativ; der folgende Lautabschluss ist im Druck beschädigt und wird nicht rekonstruiert. Am Griff, in der Mitte und an der Spitze werden drei göttliche Paare mit Duft, Blumen und Reis verehrt: Brahmā mit Vāgīśī, Lakṣmī-Nārāyaṇa und Umā-Maheśvara. Die abschließende Schwertanrede nennt es Vernichter der Asuras, dem Wirken der Śakti gewidmet, und fordert im historischen Opferritus das rasche Durchtrennen des Tieres; sie endet mit Verehrung des „Herrn der Schwerter“.
Band III, S. 1066, Historische Übergabeformeln des Bali
Deutsch: Der historische Ablauf beschreibt die Übergabe des Tieres mit Saṅkalpa und Wurzelmantra, Wasser, Kuśa und Reis aus einem Kupfergefäß sowie die anschließende Tötung mit dem verehrten Schwert. Ein Zitat aus Bhairava-Tantra und Siddhāntasāra enthält eine unklare Bestimmung zu den Bewegungen des Tieres; sie bleibt ohne praktische Rekonstruktion. Der Übende ist nach Norden, das Tier nach Osten ausgerichtet. Die Anrede lautet: „Du Tier bist mir als Bali erschienen; ich verneige mich vor dem Allgestaltigen in Gestalt dieser Gabe. Verehrung dir als Cāmuṇḍās Bali, das Caṇḍikā erfreut und nach dieser Lehre die Bedrängnis des Gebers beseitigt. Tiere wurden von Svayambhū für das Opfer geschaffen; deshalb töte ich dich heute. Daher gilt nach dieser Lehre Töten im Opfer als Nichttöten. Verlasse diesen Körper, nimm göttliche Gestalt an und freue dich mit den Pramathas für die Dauer von vierzehn Indras.“ Es folgen aiṃ hrīṃ śrīṃ, die Vorstellung des Bali als Gestalt des göttlichen Sprechers und eine Blumengabe auf dem Kopf bei angehaltenem Atem. [Die Rechtfertigung „Töten als Nichttöten“ ist ein Argument der Quelle, keine ethische Aussage der Ausgabe.]
Band III, S. 1066–1067, Meditation der Schwertgottheit
Deutsch: Die Mahākālasaṃhitā beschreibt eine Meditation über die im Schwert vergegenwärtigte Gestalt: dunkel, den Pināka-Bogen tragend, von Kālarātrīs Wesen, furchtbar, mit rotem Mund und roten Augen, roten Kränzen und roter Salbung, rot gekleidet, eine Schlinge in der Hand und mit Gefolge. Sie trinkt Blut, verzehrt Fleisch und erschüttert die Welt; links und rechts umgeben sie Mṛtyu und Kāla, Tod und Zeit. Ein anderer Tantra-Beleg lässt anschließend das Schwert mit Fußwasser, Duft, Blumen, Reis und den weiteren Gaben verehren. Die Redaktion verweist auf den bereits genannten Mantra. [Die drastischen Bilder gehören zur historischen Schwertmeditation.]
Band III, S. 1067, Anrede an das Schwert und Quellenvarianten
Deutsch: Mit gefalteten Händen wird das Schwert als Zunge Caṇḍikās und als Förderer der Götterwelt angeredet. Die Quelle fordert es auf, Blut und Fleisch des Tieres anzunehmen, den Feind zu durchtrennen und Glück zu gewähren; sie bezeichnet es als vom Blut und Fett der Daityas, Dānavas und Rākṣasas berauscht. [Das Prädikat chindhomiva ist beschädigt; Zeuge 2 liest „chindhīśa piba“.] Danach werden die acht Namen Asi, Viśāsana, Khaḍga, Tīkṣṇadhāra, Durāsada, Śrīgarbha, Vijaya und Dharmapāla gesprochen. Das Bhairava-Tantra nennt āṃ hūṃ phaṭ und verlangt die Tötung mit einem einzigen Schlag; die Mahākālasaṃhitā wiederholt diese Vorgabe für das Candrahāsa-Schwert und beschreibt eine stehende statt sitzende Haltung. [Dies dokumentiert die historische Durchführung, ohne die beschädigte Formel zu ergänzen.]
Band III, S. 1068, Varianten der Opferwerkzeuge
Deutsch: Das Kālikā-Purāṇa stuft die Verwendung von Candrahāsa oder Kartarī als vorrangig ein, die Verwendung von Sichel, bestimmten Schwertformen, Säge und Rasierklinge als zweitrangig. Die anschließende Namensreihe zu Schwert- und Klingenformen ist teilweise beschädigt; erkennbar sind Cakrakartarī, Kṣura, Kṣurapra und Bhalla. Andere Waffen, insbesondere Speer und Pfeil, werden ausgeschlossen. Die Quelle droht bei ungeeigneter Durchführung mit Tod des Gebers und bezeichnet die Tötung mit bloßer Hand als schwere Schuld. Auch die vorherige Mantra-Anrede des Schwerts ist vorgeschrieben. Ein weiterer Tantra-Beleg bevorzugt Candrahāsa und nennt als Maße fünfzig Aṅgulas oder drei Tālas, als Form Oleander- oder Lotusblatt; alternativ werden Axt und Daṇḍakhaḍga genannt. [Die technischen Kategorien werden historisch wiedergegeben, ohne beschädigte Werkzeugnamen zu rekonstruieren.]
Band III, S. 1068–1069, Gemeinsame Konsekration und räumliche Zuordnung
Deutsch: Die Mahākālasaṃhitā behandelt große Opferzahlen und beschreibt eine gemeinsame Konsekration in Gruppen von zwei, drei, fünf, acht, zehn oder zwölf, nicht mehr. Die Tiere werden dabei als Gestalten der Göttin betrachtet und gemeinsam nach Osten ausgerichtet, mit einem Mantra besprochen und besprengt; mehrere Ausführende werden vorgesehen. Die Fußnote nennt eine Variante zum Ausdruck devībhāva. Eine stark beschädigte Liste auf Seite 1068 ordnet bestimmte Gaben der linken Seite zu; auf Seite 1069 werden auch Getränke ausdrücklich dort genannt. Die Glosse erklärt in diesem Zusammenhang uṣṭra als Schaf. Fische, Krokodile, Hasen, Nashörner, Schildkröten, Schweine, Warane und sämtliche Wildarten werden vor der Göttin angeordnet. [Die beschädigte erste Seitenliste wird im Sanskrit bewahrt, aber nicht durch vermutete Tiernamen aufgefüllt.]
Band III, S. 1069, Widersprüchliche Regeln zur ausführenden Person
Deutsch: Die Śrīkramasaṃhitā verlangt sorgfältige Darbringung, untersagt aber dem Opfernden die eigenhändige Tötung und droht bei Übertretung mit Höllenstrafe. Auch Mahākāla wird mit der Aussage zitiert, eigenhändige Tötung führe zur Wiedergeburt als Tier. Unmittelbar danach erlaubt ein anderer Tantra-Beleg die Durchführung durch den Opfernden selbst, seinen Neffen, Bruder, Freund oder einen Verwandten, sofern dessen Gesinnung rein sei. Ausgeschlossen werden Feinde, Angehörige der gegnerischen Seite und Personen mit den im damaligen Text genannten körperlichen Beeinträchtigungen. [Die Regeln widersprechen einander und außerdem der Selbstvornahme auf Seite 1066. Die Ausgabe bewahrt diesen Gegensatz; die historischen Ausschlusskategorien sind keine Wertung der Ausgabe.]
Band III, S. 1069–1070, Gottheiten am Körper des Büffels
Deutsch: Für den Büffel beschreibt die Mahākālasaṃhitā eine zusätzliche Verehrung der Gottheiten an seinem Körper, mit Blumen, Reis und Namensformeln, die mit Praṇava beginnen und mit „namaḥ“ enden. Die Orte und Gottheiten werden in entsprechender Reihenfolge genannt: Scheitelöffnung – Brahmā; Nase – Medinī, die Erde; Ohren – Ākāśa; Zähne – Sarvatomukha; Augen – Jyotis; Mund – Viṣṇu; Stirn – Candra; rechte Wange – Śakra; linke Wange – Vahni; Hals – Maheśvara; Haare – Nirṛti; rechte Braue – Mitra; linke Braue – Varuṇa; Oberlippe – Lakṣmī; Unterlippe – Sarasvatī; Schultern – Dhaneśvara; Herz – Sarparāja; Rücken – Āditya; Bauch – Sādhya; Füße – Gandharvendra; Schwanz – die Siddhas; ganzer Körper – Cāmuṇḍā. Die Quelle überträgt dieselbe zusätzliche Körperverehrung auch auf das historische Menschenopfer; der übrige Ablauf gelte wie zuvor. [Die Paarung ergibt sich aus der Reihenfolge der beiden Listen; sie ist keine unabhängig kommentierte Zuordnung.]
Band III, S. 1070, Anrede an den Büffel
Deutsch: Danach folgen die verbleibenden Anreden. Zum Büffel heißt es: „Du bist als Yamas Reittier bekannt, Kāsara. An den Spitzen deiner Hörner wohnen stets Tod und Zeit. Du übertriffst sogar schnelle Pferde.“ [Das Verb parihṛṣṭi ist beschädigt; der Vergleich mit schnellen Pferden bleibt erkennbar.] „Einst nahm Rambhās Asurasohn deine Gestalt an und kämpfte, vom Hochmut verblendet, gegen die Erhabene. Die Göttin tötete dich und trat auf deinen Kopf. Noch heute trägst du Caṇḍikā auf deinem gebeugten Haupt. Keine andere Gabe erfreut die Göttin so wie du. Darum übergebe ich dich Kālī mit hingebungsvollem Herzen. Bringe mir Heil und gelange zu einem guten Dasein, Kāsara.“ [Die Anrede verbindet den realen Büffel mit dem Mythos Mahiṣāsuras; diese Gleichsetzung gehört zum Ritualtext.]
Band III, S. 1070–1071, Historische Sonderbestimmungen zum Menschenopfer
Deutsch: Der historische Menschenopferabschnitt beschreibt eine Person, die ihre Nahrung auf einem Blatt empfangen und sich des Geschlechtsverkehrs enthalten hat, gebadet und rot gekleidet ist, mit geschorenem Kopf, gepflegtem Bart und Nägeln sowie rotem Sandel am Körper. Sie solle nach der Quelle nicht weinen, nicht niedergeschlagen sein und den Blick nicht senken. Brahmanen, als Caṇḍālas oder Klibas eingeordnete Personen sowie aus ihrer sozialen Ordnung Ausgeschlossene werden von dieser Opferkategorie ausgenommen. Unter den vier zuvor genannten Gruppen erklärt die Quelle den von selbst Gekommenen für den höchsten. Sie verweist anschließend auf die allgemeine Besprengung und die beim Büffel beschriebene Körperverehrung. [Dies dokumentiert historische Menschenopferideologie und deren soziale Ausschlüsse; es ist keine Billigung oder heutige Praxisempfehlung.]
Band III, S. 1071, Historische Anrede an das menschliche Opfer
Deutsch: Die Opferanrede lautet dem Sinn nach vollständig: „Als Mensch stehst du unter allen Lebewesen an höchster Stelle. Du höchste Gabe, Hochbegnadeter, trägst Göttliches in dir. Beschütze mich vor allen Gefahren und schenke mir höchste Vollendung. Gib mir Herrschaft, Ansehen und den höchsten Weg, Gesundheit, langes Leben, wachsende Nachkommenschaft und Sieg im Kampf, Heil und reichen Genuss, wie ich ihn im Herzen wünsche, feste Hingabe an Kātyāyanī und bleibenden großen Wohlstand. Nachdem du Herrschaft gewährt hast, verlasse den aus fünf Elementen bestehenden Körper und gelange rasch zur Welt der Göttin … [die Verbindung zu Verwandten ist beschädigt]. Gelange, bester Mensch, an jenen Ort, der selbst durch große Gaben, große Opfer und schwere Askese schwer zu erreichen ist. Von Mahākālī in ihrem Verlangen nach Fleisch und Blut angenommen, erreiche rasch die schwer zugängliche Welt der Göttin. Dort meditiere über Śiva … [die anschließende Wendung mākarmāṇi jagaty api ist beschädigt]. Durch meine Gunst soll dein Weg zur Göttinnenwelt sicher sein; durch deine Gunst möge ich die Feinde auf dem Schlachtfeld besiegen.“ Der Text ordnet diese Verse dem Zeitpunkt des Menschenopfers zu. [Die versprochene jenseitige Belohnung ist Teil der historischen Opferrechtfertigung; beschädigte Übergänge bleiben offen.]
Band III, S. 1072, Historische Nashorn-Anrede
Deutsch: Zur Nashorngabe nennt die Quelle eine eigene Anrede: „Nashorn, dessen Körpergestalt einem Elefanten gleicht und dessen Leib von Waffen nicht durchdrungen wird: Ahnen und Götter mögen durch dein Fleisch gesättigt werden. Nichts auf Erden sei reiner als du. Gefäße aus deinem Schädel gelten beim Śrāddha als geeignet. Heute habe ich dich der Göttin als Bali dargebracht. Entferne meine Hindernisse und werde sogleich Teil des Gefolges der Göttin.“ [Die behauptete Reinheit und Unverletzbarkeit sind Aussagen der historischen Quellenanrede.]
Band III, S. 1072–1073, Blutgabe und zulässige Gefäße
Deutsch: Das Yāmala beschreibt, dass nach der Tötung das noch warme, schäumende Blut in einem Gefäß aus Gold oder einem anderen zugelassenen Stoff aufgefangen wird. Die Formel des Kālikāpurāṇa lautet: „Oṃ hrīṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ – Kauśikī möge durch das Blut gestärkt werden.“ Das Blut wird im Gefäß, eine Lampe auf dem Kopf des Opfertiers angeordnet. Die Mahākālasaṃhitā unterscheidet die Gefäße nach der sozialen Stellung: für Könige Gold, Silber oder Kupfer, für Lehnsherren und Regionalfürsten Kupfer, Bronze oder Messing, für Arme Ton, Holz oder gefaltete Blätter. Eisen, Zinn, Blei und Kokosnussschalen werden ausgeschlossen; für Kaulas gilt die Schädelschale als vorzüglich. Die zuvor dem Fleisch zugeschriebene Dauer der Befriedigung wird auch dem Blut zugeschrieben. Bei täglicher wie anlassbezogener Verehrung Kātyāyanīs sollen Fleisch und Blut nicht ohne den entsprechenden Bali dargebracht werden, ob sie von Tieren, Vögeln oder insbesondere Menschen stammen. [Historische Opferbestimmungen; die beschädigte Wortfolge daridrair abhiś cāpi bleibt im Sanskrit stehen.]
Band III, S. 1073, Historische Vorzeichen am Opferhaupt
Deutsch: Die Quelle schließt Vorzeichendeutungen für König und Reich an: Ein nach Nordwesten, Südwesten oder Süden fallender Kopf gilt als Verlustzeichen; Osten und Norden verheißen Wohlstand und Herrschaft. Fällt er nach einer Drehung auf das rechte Ohr, werde Erfolg bis zum Monatsende erwartet, auf das linke Ohr dagegen Unglück. Für Könige wird Verlust, für Hausleute Günstiges genannt, wenn der Kopf nach Nordosten oder in die Mitte fällt. Ein scheinbar lächelnder Kopf wird als Zeichen von Macht, Herrschaft und baldiger Vollendung verstanden. Einmaliges Auftreten verheißt den Hausleuten Erfolg, zweimaliges Verlust; für Könige gelte das Umgekehrte. Tränen gelten als Verlustzeichen, hörbares Zähneklappern als Todes- und Verlustzeichen. [Dies sind historische Omenvorstellungen. Der Bezug von „einmal/zweimal“ ist im Wortlaut nicht eindeutig; ebenso ist die Zuordnung des Nordost-/Mitte-Verses syntaktisch unsicher.]
Band III, S. 1073–1074, Abweichendes Vorzeichen und Sühneritus
Deutsch: Die Traipurapaddhati nennt rechtsseitiges Fallen als Erfolgszeichen und linksseitiges als ungünstig. Für den ungünstigen Fall wird das Erinnern des Göttinnenmantras und ein Feueropfer mit fünfzehn Gaben beschrieben, das den durch das Opferzeichen angezeigten Fehler besänftigen solle. [Die Lesung des Fehlerkompositums ist unsicher; der Text bietet gegenüber dem vorherigen Abschnitt eine eigene Vorzeichenregel.]
Band III, S. 1074, Anordnung der historischen Blut- und Hauptgabe
Deutsch: Die Mahākālasaṃhitā ordnet das Opferhaupt und rechts davon das Blutgefäß an; die umgekehrte Anordnung wird verworfen. Der abgeschnittene Teil wird zur Gottheit hin ausgerichtet; das Haupt soll vor ihr, nicht unmittelbar auf der Erde oder verkehrt, stehen. Dem dem eigenen Vermögen entsprechenden Blutgefäß werden etwas Steinsalz und eine Frucht zugesetzt. Blut wird hier dem Havis, das Haupt dem Puroḍāśa gleichgesetzt. Der anschließende historische Abschnitt beschreibt das Einlegen abgetrennter Fleischstücke aus Nasen-, Wangen- und Schwanzbereich in das Maul sowie entsprechende Einzelheiten bei Vögeln. [Die erste Richtungsangabe akṣadigbhāge und die letzten drei Halbverse sind erheblich beschädigt; insbesondere die Vogelbestimmung und der Schluss lassen sich nicht verlässlich vollständig übersetzen. Der überlieferte Wortbestand ist erhalten, keine Ergänzung aus Vermutung.]
Band III, S. 1074–1075, Lampen bei historischen Tiergaben
Deutsch: Der historische Opfertext beschreibt Lampen und Räucherdochte auf den Tierhäuptern. Den beim Verbrennen von Haaren entstehenden Geruch erklärt er zum Gegenstand von Caṇḍikās Wohlgefallen; deshalb werden für diesen Zeitpunkt zusätzliche Räucherung und Lichter nach den eigenen Möglichkeiten genannt. Bei mehreren Gaben sollen die Häupter lotusförmig angeordnet und mit Räucherwerk, Lampen, Blumen und ungebrochenem Reis versehen werden. Ein weiterer Beleg nennt das zur Gottheit gerichtete Haupt mit einer Lampe ohne gesondertes Gefäß. Als Brennstoff werden Schmelzbutter oder Sesamöl genannt, Senföl und Öle anderer Früchte dagegen ausgeschlossen. Honig, Schmelzbutter und das genannte Öl werden mit Vollendung, andere Samenöle mit Krankheit, Trauer und Tod verbunden. Der Schluss betont das Verbrennen der Haare. [Historische Vorschrift, keine heutige Praxisempfehlung. Die Druckfußnote bietet zu „ghrāti taṃ“ die Variante „tena sā“. Das Kompositum haviraktaḥ ist unsicher.]
Band III, S. 1075, Dochte und Ausnahmen der Lampengabe
Deutsch: Ein anderes Tantra nennt einen Fadendocht und empfiehlt auch einen Stoffdocht. Die Größenangabe verbindet Daumenmaß mit sechs Fingerbreiten; ihr genauer Satzbau ist unsicher. Als Stoffe erscheinen Baumwollfäden und Fasern von Arka und weiteren Pflanzen; Kampfer, Agaru und Sandel dienen der Duftbereitung. Für Krokodile, Schildkröten, insbesondere Warane, ferner Fische und Vögel wird die Lampengabe ausgeschlossen. Die Dauer des Brennens auf dem Haupt wird mit einer entsprechenden Himmelsverweildauer verbunden. Der Text wiederholt die Vorstellung, dass der Geruch verbrannter Haare die Göttin erfreue, und begründet damit die unmittelbare Anordnung ohne Lampenschale. Der letzte Vers behauptet im überlieferten Wortlaut, „Freunde“ würden bei dieser Lampengabe den Tod finden; vermutlich liegt eine Textstörung vor. [Keine Änderung in „Feinde“ ohne gesicherten Beleg. Auch die Faser- und Maßangaben sind lokal unsicher.]
Band III, S. 1075, Übergang zur gemischten Blutgabe
Deutsch: Die Mahākālasaṃhitā beschreibt anschließend das vor die Göttin gestellte Gefäß mit Tierblut und eine Zugabe aus Zucker, Dickmilch und Wasser sowie den drei süßen Stoffen. [Die Wortverbindung sapaśu śoṇitam ist im Druck auffällig; der historische Opferzusammenhang ist eindeutig.]
Band III, S. 1076, Anteilgaben und Richtungsordnung
Deutsch: Der Text ergänzt Steinsalz, Ingwer, Banane und Süßes im Zusammenhang mit dem jeweiligen Wunsch des Übenden. Er beschreibt eine achtfache Teilung und einen mittleren Anteil, etwas Schmelzbutter sowie Tarpana mit der entsprechenden Handgeste für die anteilnehmenden Göttinnen. Die folgenden Verse erläutern die Einfügung von Mantrateilen und „tarpayāmi – ich sättige“; ihre genaue Laut- und Kasusvorschrift ist beschädigt und wird nicht zu einem vermeintlich gesicherten Vollmantra ergänzt. Die Richtungsordnung lautet: Osten Cāmuṇḍā, Süden Yoginī, Westen Ḍākinī, Norden Bhairavī; Südosten Vidārikā, Südwesten Pāparākṣasī, Nordwesten Pūtanā, Nordosten Kālikā. Danach folgt der Lobpreis mit gefalteten Händen. [Die mittlere Anordnung und die vier Verse der Mantrakonstruktion sind lokal unsicher.]
Band III, S. 1076–1077, Göttinnenlob am Ende der Bali-Vorschrift
Deutsch: „Sieg dir, Göttin, Mutter der Welt, die du die Flut des Bösen hinwegnimmst! Sieg dir, deren Gestalt das Waldfeuer ist, das Geburt, Alter und Krankheit wie Gras verzehrt! Sieg dir, die alles Unglück vernichtet, die von den Göttern verehrt wird; dir, deren Wesen ewige Wonne ist, die Heil gewährt! Sieg dir, die Feinde bezwingt und Krankheiten beseitigt, Furchtbare und Aghorā, Retterin aus Bedrängnis! Sieg dir, deren gewaltiger Leib vom Genuss des Unsterblichkeitstranks erfüllt ist; Dreiäugige, mit schrecklichem Antlitz und einer Schädelgirlande geschmückt, Vernichterin aller Asuras, Trägerin von Schwert und Khaṭvāṅga! Überaus Furchtbare, laut Rufende, Zerstörerin des Daitya-Stolzes! Nimm diese Tiergabe an, Göttin Kālarātrikā. Sei gnädig, Mahācaṇḍā, schütze mich, der bei dir Zuflucht sucht. Schenke Lebensdauer, Wohlstand, Glück und Ansehen, eine Frau, Söhne und alle ersehnten Güter. Ugracaṇḍā, gewaltig bist du, Trägerin des mächtigen Schwertes; Mahācaṇḍā mit kraftvollen Armen, Herrin des Alls, dir Verneigung! Schütze mich, der Zuflucht sucht und seinen Geist deinen Füßen hingegeben hat. Nimm Schuld, Bedrängnis, Trauer und Unheil hinweg; nimm Krankheit, Aufruhr und Elend hinweg, Geliebte!“ Nach dem Lobpreis nennt der Text die vollständige Niederwerfung. [Historischer Lobpreis im Tieropferkontext; die schwierige Wortfolge tundilāmanda ist sinngemäß, aghore als Namensform wiedergegeben.]
Band III, S. 1077, Schlussgebete und dreifache Blumengabe
Deutsch: „Guhyakālī, Erhalterin der Welt, Herrin, die alles von innen lenkt: Nimm diese Tiergabe an und gewähre die genannte Frucht. Mit Körper, Geist und Rede kenne ich keine andere Zuflucht als dich. Im Innern der Wesen wirkst du; du bist die Schauende, höchste Herrin.“ Das Yāmala fügt hinzu: „Kātyāyanī, Mahāmāyā, Durgā, Retterin aus schwerem Geschick, dir Verneigung, Erhalterin der Welt, deren Gestalt Kālarātri ist!“ Nach dem Lob werden der großen Göttin Blumen in gefalteten Händen dargebracht und die achtgliedrige Niederwerfung mit hingebungsvollem Geist vollzogen. Der Kommentar erklärt den Plural der Blumenhandgaben nach dem Mīmāṃsā-Grundsatz des Kapiñjala-Adhikaraṇa als Dreizahl: Gemeint seien drei Puṣpāñjalis vor der Verneigung. Damit endet die Bali-Vorschrift.
Band III, S. 1077–1078, Gottheiten der Tiere und weiterer Gaben
Deutsch: Nun nennt die Mahākālasaṃhitā die Gottheiten, denen Tiere, Vögel und andere Gaben beim Utsarga zugeordnet werden. Elefant: Prajāpati; Pferd und weitere im Text als naikaśapha bezeichnete Huftiere sowie Büffel: Yama; Kamel: Nirṛti; Stier: Rudra; Ziegenbock: Agni; Widder: Brahmā; Eber: Viṣṇu; Tiger und Löwe: Gaurī; Nashorn: Brahmā. Alle Wildtierarten und Vögel werden Vāyu zugeordnet, Fische Prajāpati, Schildkröten den Sādhyas, Warane und Krokodile Varuṇa. Der folgende Tiernamenvers ist beschädigt und nennt Yakṣas und weitere Gottheiten, ohne dass die Einzelzuordnung gesichert werden kann. Mädchen, männliche und weibliche Dienende sowie Menschen allgemein werden Prajāpati zugeordnet; Schutzgewährung Śiva, Land Viṣṇu, Edelsteine und Perlen dem Meer. Gewässer, Wassergefäße, Trinkwasserstellen, Krüge und Karaḳa-Gefäße stehen unter Varuṇa. [Historische Zuordnungsliste auch von Personen als Gaben; naikaśapha und der babhru-Vers bleiben lokal unsicher.]
Band III, S. 1078–1079, Metalle und Lebensmittel als Gaben
Deutsch: Die Zuordnung setzt sich fort: Gold – Agni; Eisen – Bhairava; Bronze – Pūṣan und die Aśvins; Zinn – Nāsatya; Blei – Vāyu; Kupfer – Sūrya; Messing – Kuja/Mars; Silber – Candra; Schädelschale bzw. Scherbengefäß – die Ahnen; Rohzucker – Kubera; Zucker – Mitra. Eine abweichende, bereits im Druck lückenhafte Stelle ordnet Rohzucker den Wassern zu. Wildfleisch gilt als Agni zugehörig; die Fußnote bietet Brahmā. Beim Honig ist der Gottesname beschädigt. Betel wird Śakra oder einem Vidyādhara zugeordnet; ein anderes Tantra nennt Śakra, Vidyādharas und Vināyakas. In Schmelzbutter ist Mṛtyuñjaya gegenwärtig. Öl wird Rāhu, Baumwolle Ketu, Milch Tāra und Dickmilch den Heilkräutern zugeordnet. Die Fußnote liest bei Dickmilch „Herr der Heilkräuter“ und erklärt dies als Candra. Ein abweichender Text nennt Nārāyaṇa für Milch, ist bei Dickmilch und Schmelzbutter jedoch unvollständig. Mehl und Sindūra werden Śacī zugeordnet; ein anderes Tantra nennt für Speisen alle Götter und für Mehl Prajāpati. [Die in Anführungszeichen ergänzten Parallelbelege sind laut Druckapparat Zusätze eines weiteren Textzeugen; offene Stellen werden nicht ausgefüllt.]
Band III, S. 1079–1080, Gottheiten der Verehrungsgegenstände
Deutsch: Salz wird Agni, Wasser Varuṇa zugeordnet; Madhuparka Smara und Sandel dem Gandharva. Blumen gehören Lakṣmī, Räucherwerk Vanaspati, Moschus und ähnliche Duftstoffe den Apsaras; Lampen Agni, Naivedya Viṣṇu. Sandalen gehören Soma, Schirme Indra, der Yakschweifwedel Kāmadhenu, Fächer Vāyu, der Thron Indra, Girlanden Rati, alkoholische Getränke Ḍākinī, Fleisch Nirṛti, Baldachine Candra. Feldfrüchte und sämtliche gekochten Speisen werden Prajāpati zugeordnet. Weiße und schwarze Kleider gehören Vanaspati, rote Maya, Seidenstoff Durgā. Wissen steht unter Brahmā, Lehrwerke und Bücher unter Sarasvatī. Viśvakarman ist die leitende Gottheit sämtlicher Gefäße. Der eingeschobene Yāmala-Beleg ordnet die vier Arten von Musikinstrumenten Rudra und den Gandharvas zu. [Die ungewöhnliche Zuordnung roter Stoffe zu Maya folgt der Drucklesung mayadaivāni.]
Band III, S. 1080, Pflanzen, Fahrzeuge und Abschluss der Zuordnungen
Deutsch: Bäume, Kletterpflanzen, Gemüse und Grünpflanzen sowie alle Früchte stehen unter Vanaspati. Felle, Betten, Wagen, Sitze, Schuhe, Schaukeln und weitere unbelebte Gegenstände werden nach den Weisen Uttānāṅgiras zugeordnet. Die Fahne gehört Dharma, der Pflug Parjanya, Steine und Edelsteine Śakra. Ein Haus umfasst alle Gottheiten. Alles beim Utsarga nicht ausdrücklich Genannte soll als Rudra zugehörig gelten. Damit endet die Liste der zugehörigen Gottheiten. [Uttānāṅgiras ist die im Druck vorliegende Namensform. Die erneute Edelsteinzuordnung weicht von der Meereszuordnung auf S. 1078 ab; beide bleiben erhalten.]
Band III, S. 1081, Bedeutung der Kumārī-Verehrung
Deutsch: Es folgt die Kumārī-Pūjā, die Verehrung eines Mädchens als Erscheinungsform der Göttin. Die Mahātharvaṇasaṃhitā erklärt, dass sie die rituelle Handlung vervollständigt und dass ihr Fehlen einen unvollständigen Ritus hinterlässt; der anschließende Halbvers ist beschädigt. Die Mahākālasaṃhitā setzt sie nach Abschluss der Tagesverehrung bei einsetzender Abenddämmerung an. Die Göttin selbst nehme diese Gestalt an, erfüllt von höchstem Bhāva, um Hingabe und Verehrung zu sehen. Deshalb sei dem Mädchen mit Achtung zu begegnen. Sein Auftreten lasse nach der Quelle günstige oder ungünstige Entwicklungen für den Verehrer erkennen, wie auch die drei Arten außergewöhnlicher Zeichen künftiges Geschehen anzeigen. Die Verehrung werde bei Kaulas, Smārtas und Anhängern von Ersatzformen anerkannt; hier gebe es weder Lehr- noch Ritualstreit. Sie verheiße reichen Ertrag und das Wohlgefallen der Göttin sowie Erkenntnis des im Jahr bevorstehenden Guten oder Schlechten: Das Gute lasse Freude entstehen, das Ungünstige Anlass zur Suche nach Abhilfe. Der Schluss stellt fest, Śivā werde durch Bali, Homa und Lobpreis nicht so unmittelbar erfreut wie durch Kumārī-Pūjā. [Die Zahl „vier“ bei den Traditionen ist im überlieferten Satz nicht eindeutig aufzulösen; pañcamaṃ hitam und der Eingang zum Omenabschnitt sind textlich auffällig.]
Band III, S. 1082, Bewirtung und Zeit der Kumārī-Pūjā
Deutsch: Das Mädchen soll nicht nur verehrt, sondern auch sorgfältig bewirtet werden. Unterbleibe dies, werde die Pūjā als unvollständig bezeichnet; durch Kumārī-Verehrung werde die Göttin unmittelbar erfreut. Ihre Ausführung könne sogar Vollständigkeit gewähren, wenn ein anderer Bestandteil fehle. Für Kaulas wird die Nacht, für Smārtas der Nachmittag als Zeit genannt. Bei der herbstlichen Verehrung ist diese Pūjā verbindlich; außerhalb davon kann sie wunschbezogen oder durch einen besonderen Anlass veranlasst sein.
Band III, S. 1082, Historische Auswahlmerkmale der Kumārī
Deutsch: Die Quelle beschreibt die für diese Verehrung ausgewählte Kumārī als gebadet, in leuchtende rote, gelbe oder andere schöne Gewänder gekleidet und geschmückt, noch vor Brustentwicklung und Menarche, ungefähr acht- oder neunjährig, hellhäutig, mit lebenden Eltern und nach ihrer damaligen Sozialordnung nicht aus „niedriger“ Herkunft. Genannt werden ferner unauffällige Zähne, keine zusätzlichen Gliedmaßen, nicht überlanges Haar, ein freundliches Lächeln und Freiheit von Habgier. Die Gegenliste schließt dunkle Haut, lange Zähne, auffällige Augen, rötlichbraunes Haar, Zorn, Buckel, Hinken, Kleinwuchs, Halswunden sowie bereits eingetretene Brustentwicklung oder Menstruation aus. Ein weiterer Tantra-Beleg nennt zusätzliche oder fehlende Gliedmaßen, Krankheit, Wunden, Blindheit, Einäugigkeit, Schielen, als „unschön“ bewertetes Aussehen und starke Körperbehaarung. [Dies dokumentiert historische, teils diskriminierende Auswahlkriterien, keine Bewertung des Werts eines Kindes. Mehrere beschreibende Wörter sind beschädigt, besonders avāgdantām, muhitām, mītanayanām, tanumanugatim und der bhrūkeśa-Halbvers; sie bleiben ohne erfundene Detailübersetzung.]
Band III, S. 1083, Herkunft und Altersnamen der Kumārī
Deutsch: Das Merutantra verbindet die damalige soziale Herkunft des Mädchens mit verschiedenen Wünschen: brahmanische Herkunft mit umfassender Erfüllung, Kṣatriya-Herkunft mit Ruhm, Vaiśya-Herkunft mit Vermögenszuwachs, Śūdra-Herkunft mit Nachkommenschaft. Der Skanda-Beleg nennt für eine grausame Ritualabsicht ein Mädchen aus einer als Antyaja bezeichneten Gruppe. Das Yāmala erklärt: Wer Kumārī an allen Festtagen verehrt, verehrt damit die große Göttin. Anschließend folgen sechzehn Altersnamen: einjährig Sandhyā; zweijährig Sarasvatī; dreijährig Tridhāmanī; vierjährig Kālikā; fünfjährig Subhagā; sechsjährig Umā; siebenjährig Mālinī; achtjährig Kubjikā; neunjährig Kālasaṃkarṣā; zehnjährig Aparājitā; elfjährig Rudrāṇī; zwölfjährig Bhairavī; dreizehnjährig Mahālakṣmī; vierzehnjährig Kulanāyikā; fünfzehnjährig Kṣetrajñā; sechzehnjährig Caṇḍikā. Diese Benennungen beziehen sich auf die Zeit vor der Menarche. [Historische soziale Zuordnungen; der dreijährige Name ist im Druck tridhāmanir, hier vorsichtig als Tridhāmanī aufgelöst.]
Band III, S. 1083–1084, Anzahl und abweichende Altersregeln
Deutsch: Der von Hemādri angeführte Skanda-Beleg nennt die Verehrung jeweils eines Mädchens, eine tägliche Steigerung um eins, Verdoppelung oder Verdreifachung sowie jeweils neun Mädchen. Neun werden mit Herrschaft über Land, die doppelte Zahl mit Macht, die Steigerung um eins mit Wohlergehen und jeweils eines mit Wohlstand verbunden. Einjährige werden hier ausdrücklich ausgeschlossen, weil sie sich an Duftstoffen, Blumen und Früchten noch nicht erfreuen könnten. Der Vāḍavānala-Beleg bewertet sieben-, acht- und neunjährige als vorzüglich, fünf-, sechs- und zehnjährige als mittlere, ein- bis vierjährige und ab elfjährige als geringere Kategorie. [Rudrābda bezeichnet hier elf Jahre. Diese Alterswertung und der Ausschluss Einjähriger widersprechen der vorangehenden vollständigen Altersnamenreihe; die Quellen werden nebeneinander erhalten. Die Fußnote bietet eine leicht abweichende Lesung zum Herrschaftsvers.]
Band III, S. 1084, Empfang der Kumārīs und Fußwaschung
Deutsch: Die Mahākālasaṃhitā beschreibt den freudigen, achtungsvollen Empfang unter Gesang und Instrumentalklang. Eine ungerade Zahl von Kumārīs – fünf, sieben, neun oder elf – wird an die Tür des Verehrungsraums geführt. Eine von ihnen nimmt als Hauptkumārī die erste Stellung ein; fehlen mehrere, genügt eine. Für wunschbezogene und anlassbezogene Pūjā wird eine, für die Herbstfeier werden mehrere genannt. Sie stehen in einer Reihe, die Hauptkumārī voran. Der Verehrer soll ohne Hast in ihr die Göttin erkennen und die Gaben bereithalten; der Text erwähnt dabei auch rituellen Weingenuss. Es folgen Prāṇāyāma, die Entfernung störender Wesen, die Verneigung vor Guru und Gaṇapati links und rechts sowie vor der Kumārī in der Mitte als Gestalt der Hauptgöttin. Fingerschnippen und dreimaliges Klatschen dienen dem rituellen Verschließen der Richtungen. Der Hauptkumārī werden die Füße gewaschen; dieses Wasser wird als Fußwasser der Göttin an den eigenen Kopf gebracht. Der letzte Vers betrifft das Trocknen mit dem Obergewand; die Drucklesung naiva wirkt verneinend und ist im Zusammenhang unsicher. [Keine stillschweigende Änderung in na eva oder eva.]
Band III, S. 1085, Zweifache Beseitigung von Hindernissen
Deutsch: Der Text beschreibt erneut die Entfernung von Hindernissen mit ungebrochenem Reis, dreimaligem Klatschen und einem Mantra. Dessen Anfang wird verschlüsselt durch Tāra, Pāśa, Kalā, Kūrca und Astra angegeben; genannt sind die Worte „Entferne die Wesen, vernichte die Hindernisse“, am Ende Hṛd und Śiras. Die Quelle zählt einunddreißig Silben. Sie begründet die Wiederholung damit, dass mit der Kumārī als Erscheinungsform der Göttin auch Wesen verschiedener göttlicher und geisterhafter Klassen zur Schau kommen: Pretas, Bhūtas, Piśācas, Gandharvas, Guhyakas, Rākṣasas, Dānavas, Yakṣas und weitere gewalttätige Wesen. Diese könnten nach der historischen Vorstellung die Herbstverehrung stören; deshalb sei die Hindernisbeseitigung zweimal vorzunehmen. [Der verschlüsselte Mantra wird nicht ohne gesicherten Beleg zu einer vollständigen Lautform ergänzt.]
Band III, S. 1085–1086, Gebet beim Eintritt der Kumārī
Deutsch: Die Kumārī wird an der rechten Hand geführt und tritt mit dem rechten Fuß zuerst ein; die anderen folgen in einer Reihe. Dabei lautet das fünfversige Gebet: „Ursprung aller Welten, deren Gestalt der tragende Grund des Alls ist: Nimm die Gestalt der Kumārī an und betrete mein Haus. Mutter, ich weiß nicht, wie deine wahre Gestalt beschaffen ist; mit menschlichen Augen sehe ich diese Mädchengestalt. Weil du meine Hingabe an deine Lotusfüße kennst, Śivā, hast du dich in dieser Gestalt gezeigt, um alle Vollendung zu gewähren. Blicke nicht auf mein Fehlverhalten und mein Wandeln auf unwahrem Weg; richte deinen Blick allein auf die Hingabe meines Herzens, von den Göttern Verehrte. Selbst Śiva und die anderen wissen nicht, wie deine Gestalt beschaffen ist. Wie sollte ich armseliges Wesen mit einem Leib aus fünf Elementen sie erkennen?“ Die Quelle beschreibt das Einführen unter Gesang und Instrumentalklang, mit abgewandtem Blick bzw. rückwärtsgehend. [Der Übergang beim Eintritt und der vierte Vers sind beschädigt; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Zusammenhang, nicht einer behaupteten gesicherten Rekonstruktion.]
Band III, S. 1086, Sitz und achtzehn Namen des Kumārī-Nyāsa
Deutsch: Das Yāmala beschreibt die gebadete, mit Duftöl behandelte und geschmückte Kumārī neben dem Gottesbild. Die Mahākālasaṃhitā erklärt die Verehrung der Hauptkumārī zum zentralen Ritus: Durch sie seien alle übrigen mitverehrt. Nach einer Bali-Gabe für die Wesenklassen beginnt der Kumārī-Nyāsa. Die achtzehn Namen lauten im Druck: Mahācaṇḍayogeśvarī, Siddhikarālī, Siddhivikālī, Mahāntā [anschließendes Wort mārthya beschädigt], Vajrakāpālinī, Muṇḍamālinī, Aṭṭahāsinī, Caṇḍakāpālinī, Kālacakreśvarī, Guhyakālī, Kātyāyanī, Kāmākhyā, Cāmuṇḍā, Siddhilakṣmī, Kubjikā, Mātaṅgī, Caṇḍeśvarī und Kaumārī. Der ergänzte Satz ordnet diese Namen Guhyeśī zu. [Der vierte Name bleibt provisorisch; keine stillschweigende Ersetzung durch einen aus anderer Quelle bekannten Namen.]
Band III, S. 1087, Alternative achtzehn Göttinnennamen und Körperstellen
Deutsch: Ein abweichender Beleg nennt folgende achtzehn Namen: Durgā, Nārāyaṇī, Śivā, Mahāmāyā, Yoganidrā, Kālarātrī, Karpardinī, Ugracaṇḍā, Bhadrakālī, Ajitā, Aparājitā, Kātyāyanī, Mahākālī, Kāmākhyā, Kulanāyikā, Bhairavī, Bhuvaneśī und Kaumārī. Die zugehörigen achtzehn Körperstellen werden anschließend genannt: Kopf, Gesicht, Augen, Ohren, Nasenöffnungen, Wangen, Lippen, Zahnreihen, Schultern, Herz, Arme, Bauch, Rücken, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel, Füße und ganzer Körper. Paarige Körperteile zählen dabei jeweils als eine Stelle.
Band III, S. 1087–1088, Weitere Nyāsa-Überlieferung
Deutsch: Das Triśaktirahasya beschreibt die auf einen schönen Sitz gesetzte Kumārī und einen Nyāsa an ihrem Körper. Es nennt zunächst Kumārikā, Nāyikā, Bhairavī, Vāgīśvarī und Pālikā, mit vorangestelltem Kula und in Anredeform, im Zusammenhang mit einem fünfgliedrigen Nyāsa. Eine vierfache Gesichtsverehrung wird gegen den Uhrzeigersinn beschrieben. Die folgende Namensfolge lautet im Druck Siddhā, Jayā, eine weitere Jayā, Kubjikā, Kālikā und Vijayā; ihre Zählung und Zuordnung sind beschädigt. Die Formen sollen mit den Richtungen von Osten an verbunden, im Dativ mit abschließendem namaḥ an den jeweiligen Stellen eingesetzt werden. Das zuvor genannte Nyāsa-Gefüge wird mit fünf Praṇavas und dem Caitanya-Mantra verbunden. [Die vierfache Gesichtsordnung und die als „fünfte“ bezeichnete Kālikā passen nicht eindeutig zur gedruckten Namensfolge. Keine stille Tilgung des wiederholten Jayā oder Ergänzung einer fremden Ritualfassung.]
Band III, S. 1088, Meditation über die kindliche Göttin
Deutsch: Die Mahākālasaṃhitā verweist auf die zuvor beschriebene dreifache Arghya-Bereitung sowie die Reinigung der Verehrungsgeräte und Hände. Danach folgt die Meditation: „Man betrachte die junge Kumārikā, deren Lotusgesicht heiter ist, die wie die aufgehende Morgensonne leuchtet, rote Gewänder und rote Girlanden trägt und vielfältig geschmückt ist. Sie lächelt und ist mit himmlischen Mädchen freudig ins Spiel vertieft; ihren Verehrern gewährt sie die Erfüllung ihrer guten Wünsche.“ Anschließend werden alle Gaben vom Fußwasser bis zum abschließenden Lobpreis dargebracht. Der Kommentar ergänzt ausdrücklich das im Vers auszulassende Verb „darbringen“.
Band III, S. 1088, Neun Namen einer weiteren Verehrungsfolge
Deutsch: Das Yāmala erlaubt die zuvor erklärte oder die nun folgende Verehrungsweise. Die Namen stehen im Dativ, mit Tritāra am Anfang und namaḥ am Ende. Die entsprechend ausgewählten Kumārīs werden westlich der Gottheit verehrt. Die neun Namen sind: Śuddhā, Kālikā, Lalitā, Mālinī, Vasundharā, Sarasvatī, Ramā, Gaurī und Durgā. [Śuddhā folgt der Drucklesung; die Tritāra-Laute sind hier nur verschlüsselt bezeichnet.]
Band III, S. 1089, Knabenverehrung und Mantras der Gaben
Deutsch: Der Text nennt zusätzlich einen fünfjährigen Knaben als Baṭuka und einen neunjährigen als Gaṇeśvara. Bei den Gaben werden Bījas über ihre Bezeichnungen zugeordnet: Sitz mit Vāc, Fußwasser mit Hrī, Arghya mit Ramā, Duftstoff mit Strī, Blumen mit dem Śakti-Bīja; Räucherwerk und Lichter mit dem Caitanya-Mantra. Es folgt eine verschlüsselte Lautbeschreibung mit Bhṛgu, Bhairava, Bindu und Nāda sowie einem fünften Praṇava. Diese Lautableitung ist im Druck beschädigt und wird nicht als sichere Rezitationsform rekonstruiert. Der Kommentar erläutert, dass bei nur einer Kumārī alle Gaben mit dem mit Tritāra beginnenden Mantra dargebracht werden; er belegt dies mit dem Satz: „Mit dem Mantra, dessen Anfang Tritāra ist, bringe man ihr alles dar.“
Band III, S. 1089, Geschenke für die Kumārī
Deutsch: Die Mahākālasaṃhitā nennt Schmuck, feine Gewänder, Sindūra, roten Fußlack, Kajal, Spiegel, Palmblattfächer und Kästchen; Behälter für Pflegegegenstände, Kleidung, kleine Bänke, Sitze, Schaukeln, Puppen, Truhen, Sandalen, Decken und Tücher; Sonnenschutz und ein Gefäß für Speisereste, Bett, Kissen, Liege, Schmuckkästchen und Pflegegerät, Auffanggefäß, weitere Schaukeln sowie Gegenstände für den Haarscheitel. Dazu kommen Gorocanā, Moschus, Kampfer und Safran. Solche und weitere mögliche Gegenstände sollen so gegeben werden, dass die Kumārī Freude daran hat. [Einige Kompositagrenzen der langen Gegenstandsliste sind unsicher; alle genannten Wortgruppen bleiben im Original erhalten.]
Band III, S. 1090, Annahme der Gabe und fünfzig Śaktis
Deutsch: Das bereitgestellte Gefäß wird der Kumārī übergeben. Die Quelle betont seine Annahme und wertet Nichtannahme als rituellen Mangel. Anschließend werden mit Blumen und ungebrochenem Reis fünfzig Śaktis an ihrem Körper verehrt. Die gedruckte Namensfolge lautet: Ādyā, Jayā, Vijayā, Ṛddhidā, Māyā, Kalā, Siddhidā, Sūkṣmā, Prabhā, Suprabhā, Vidyuttā, Viśuddhi, Nandinī, Viśuddhi, Aparājitā, Lalitā, Lakṣmī, Gaurī, Medhā, Gāyatrī, Sāvitrī, Svadhā, Svāhā, Icchā, Kriyā, Vidyā, Prajñā, Dīpti, Cetanā, Bhadrā, Jyeṣṭhā, Umā, Śivā, Muditā, Kṣamā, Śraddhā, Vimalā, Kaumudī, Viśadā, Aśokā, Jñānadā, Baladā, Rājyadā, Maitrī, Rudrāṇī, Bhavānī, Mṛḍānī, Sarvajñā, Caṇḍikā und zuletzt Kumārī. [Um die ausdrücklich genannte Fünfzigzahl abzubilden, ist Ādyā als Name und viśuddhiyuk als zweite Viśuddhi gelesen. Diese Segmentierung und die Wiederholung bleiben unsicher; Vidyuttā folgt dem sichtbaren Druck.]
Band III, S. 1090–1091, Begleitwesen und abschließende acht Göttinnen
Deutsch: Darauf folgen die acht Bhairavas, die Bhairavīs, Vighnavināyakas, Baṭuka und Kṣetrapāla, Yoginīs, Bhūtas, Pretas, Yakṣas und Ḍākinīs, verehrt mit ungebrochenem Reis und Sandel sowie den genannten Gaben. Zuletzt nennt der Text acht Göttinnen: Mahāmāyā, Kālarātrī, Sarvamaṅgalā, Ḍamarukā, Rājarājeśvarī, Sampatpradā, Bhagavatī und Kumārī. [Die grammatische Anweisung ḍantā ist auffällig; die Fußnote bietet zum ersten Halbvers eine alternative Formulierung mit Blumengaben.]
Band III, S. 1091, Weitere Kula-Göttinnen
Deutsch: Das Yāmala beschreibt eine zusätzliche Kula-Verehrung: An den Kula-Ecken stehen Kāmeśvarī, Vajreśī und Bhagamālinī. Darüber folgen sechs Śaktis an den sechs Ecken: Anaṅgakusumā, Anaṅgamanmathā, Anaṅgamadanānandā, Kusumotkarā, Anaṅgamadanā und Anaṅgaśiśirā. Mit dieser Ordnung wird die Kumārī verehrt. [Die Namen drei und sechs werden aus den ausdrücklich gegebenen Wortbestandteilen zusammengesetzt; rasasaṃkhyaka bedeutet hier die Sechszahl. Kula ist ein technischer Ausdruck dieser Ritualtopografie und wird nicht durch eine ungesicherte anatomische Deutung ersetzt.]
Band III, S. 1091–1092, Speisebereitung und Darbringungsformel
Deutsch: Nach Abschluss der Verehrung wird vor der Kumārī ein rundes Maṇḍala mit Wasser angelegt, darin Kulakāminī bezeichnet und das Maṇḍala mit Wasser, Blumen, Reis und Sandel verehrt; der Text nennt „Sumadāyai namaḥ“. Darauf stehen die Speisen mit verschiedenen ess-, leck- und trinkbaren Zubereitungen. Die historische Kaula-Fassung nennt ausdrücklich auch Fleisch, Fisch und alkoholische Getränke. Die rechte Hand der Kumārī wird über den Speisen mit nach oben gerichteter Handfläche beschrieben; der letzte Halbvers vor dem Mantra ist beschädigt. Die in einer Paddhati belegte Formel lautet: „Aiṃ hrīṃ śrīṃ strīṃ sauḥ. Der Gestalt aller Kräfte, der Geberin aller Vollendungen, der erhabenen Kumārī bringe ich diese reiche Speisegabe dar, aus vielfältigen Gerichten bereitet, mit den sechs Geschmacksrichtungen versehen. Nimm an, nimm an; genieße, genieße; sei gnädig, sei gnädig; gewähre mir alle Vollendung, gewähre sie. Aiṃ hrīṃ śrīṃ namaḥ svāhā.“ [Die Ziffer २ markiert jeweils die Wiederholung. Historischer Ritualbeleg, einschließlich der problematischen Bewirtung von Kindern mit Alkohol; keine heutige Praxisempfehlung.]
Band III, S. 1092, Gleichartige Bewirtung und Beobachtung
Deutsch: Jede weitere Kumārī wird einzeln mit Duftstoffen, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speisen, Reis und Sprossen verehrt. Alle sollen gleichartige Speisen erhalten wie die Hauptkumārī. Die Vorzeichendeutung richtet sich nach der Hauptkumārī. Während die Mädchen essen, soll keine weitere Verehrung durchgeführt, die Aufmerksamkeit nicht abgelenkt und kein Gespräch begonnen werden. Lärm und Ungünstiges, Lachen und das Entweichen von Körperwinden werden ausgeschlossen. Beobachtet wird nach der Quelle, was sie zuerst essen, worüber sie miteinander sprechen, worum sie streiten, wohin sie schauen und was sie erschrocken sagen. Solche Verhaltensweisen werden als Anzeichen günstiger oder ungünstiger Entwicklungen aufgefasst. [Historische Divinationsvorstellung; gewöhnliches kindliches Verhalten erhält dadurch keine objektive Vorhersagekraft.]
Band III, S. 1093, Kumārī-Stotra während der Mahlzeit
Deutsch: Während die Kumārīs essen, wird mit gefalteten Händen, gesenktem Kopf und auf sie gerichtetem Blick folgender Lobpreis gesprochen: „Sieg dir, Kālī, überaus Furchtbare, mit gewaltigem Ruf, die Furcht hinwegnimmt! Flamme im Waldbrand des Saṃsāra, Retterin über den Ozean der Verfehlungen! Von Brahmā, Indra, Upendra, Bhūteśa und den anderen Unsterblichen Verehrte, Ursache von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung, Vernichterin des Unheils! Guhyakālī, deren Gestalt vom Geschmack höchster Wonne erfüllt ist, die die Wonne des Kaivalya und das Erfahren des höchsten Brahman gewährt! Jenseits der Guṇas und doch mit Eigenschaften, Tänzerin am Ende des großen Weltalters, Wesen von Erkenntnis und Weisheit! Du hast Mädchengestalt angenommen und bist in mein Haus gekommen, um die Herbstverehrung zu vollenden und das Heil des kommenden Jahres anzuzeigen. Gesegnet bin ich, mein Werk ist erfüllt, mein Leben trägt Frucht, weil du in dieser vortrefflichen Mädchengestalt gekommen bist, Guhyakālī, und meine Verehrung annehmen willst. In eben dieser Gestalt wurdest du einst von den Göttern angerufen und gewährtest Herrschaft und ersehnte Gaben. Gewähre auch mir heute, Herrin der Götter, eine Gabe, nachdem ich dich verehrt habe. Einst schenktest du Brahmā die Kraft zu erschaffen, Viṣṇu die Kraft zu erhalten, Mahārudra die Aufgabe der Auflösung und den Göttern die Fähigkeit, die Daityas zu bezwingen. Du bist die innere Lenkerin aller Bewohner der drei Welten.“ [Einzelne Sandhiverbindungen des Drucks sind unregelmäßig, insbesondere der Vers zur Brahman-Erfahrung; der Sinn ist hier durch den unmittelbaren Zusammenhang erschlossen.]
Band III, S. 1094, Fortsetzung des Kumārī-Stotra
Deutsch: „Was sollte ich dir berichten, die du Zeugin jedes einzelnen Wesens bist? Vier Gaben erbitte ich: Überwindung der Feinde, Gewinn von Herrschaft, Gesundheit des Körpers und Hingabe an deine Lotusfüße. Dir Verneigung, erhabene Mutter; dir Verneigung, die du deine Verehrer liebst! Dir Verneigung, Grund der Welt, schütze mich immer. Mutter, ich kenne weder deine Gestalt noch deinen Leib noch deine Eigenschaften; ich kenne nur deine Verehrung durch die Hingabe im Herzen … [der letzte Ausdruck anyadhīḥ ist unsicher]. Du bist Mutter, Vater und Verwandter, Herrin der Welt. Du bist der Weg und die Zuflucht, der Himmel und die Befreiung. Außer dir, Mutter der Welt, kenne ich keine andere Gottheit. Dir Verneigung, dir Verneigung, dir Verneigung, wieder und wieder!“ [Im Erkenntnissatz ist die Negation im Druck ungleichmäßig gesetzt; die Übersetzung wahrt die erkennbare Aussage über die Unbegreiflichkeit der Göttin.]
Band III, S. 1094, Verabschiedung und Beginn der Vorzeichendeutung
Deutsch: Nach diesen Lobversen werden den Kumārīs am Ende der Mahlzeit ohne Hast Wasser zur Mundreinigung und mit Moschus aromatisierter Betel gereicht. Unter Instrumentalklang werden sie ein Stück begleitet und verabschiedet. Nun kündigt der Text günstige und danach ungünstige Vorzeichen an. Die Speisereste sollen Schakalen überlassen, auf die Erde gegeben oder vermischt im Wasser entsorgt werden. Berührt die Kumārī zuerst gekochten Reis, verheißt dies nach der Quelle gute Versorgung im Land; zuerst Milchspeise, wachsenden Viehbestand des Auftraggebers; zuerst Schmelzbutter, langes Leben und Gesundheit. Eine beschädigte Wendung verbindet eine weitere Handlung oder Speise mit Verehrung und Machtzuwachs. Modakas und Śaṣkulī-Gebäck werden mit reicher Nachkommenschaft verbunden. [Der Wortlaut pūjām aiśvaryavṛddhaye ist unklar. Alle Deutungen sind historische Omenbehauptungen.]
Band III, S. 1095, Historische Omen einzelner Fleischspeisen
Deutsch: Die Omenliste deutet zuerst gegessenen Fisch als Wohlstandsgewinn, Kṛśara als Fahrzeugreichtum, Fleisch als Nachkommenschaft und eine Gemüse- oder Saucenzubereitung (temana) als Gewinn einer Partnerin. Sie unterscheidet sodann Fleischarten: Eber – Geldgewinn; Nashorn – Sieg im Kampf; Büffel – Herrschaft; Hirsch – Gesundheit; Kṛṣṇasāra-Antilope – Redegewandtheit; Hase – Scharfsinn; Ziege – die im Wort ajaṭharatā unklare Eigenschaft; Schaf – umfassendes Heil; Schildkröte – Landgewinn und Fülle im Reich; Vārdhrīṇasa – Überwindung von Feinden; Haṃsa – Einfluss auf Menschen; Rebhuhn – Wunscherfüllung; Wachtel – Verringerung von Schuld; Balākā – ein im Druck madālābha genannter Gewinn; die als phaṭakṣetra überlieferte Vogelart – Einfluss auf die Welt. [Dies sind historische Speiseomen, keine Wirkungszusagen. Mehrere Tiernamen und der Schildkröten-Halbvers sind beschädigt; zoologische Gleichsetzungen werden dort nicht erfunden.]
Band III, S. 1095–1096, Weitere Speise- und Gegenstandsvorzeichen
Deutsch: Dickmilch wird mit großem Ansehen, Milch mit höchstem Wohlstand, Mehlgebäck mit Nachkommenschaft, Gemüse mit Überwindung von Feinden verbunden. Hālā, ein alkoholisches Getränk, gilt hier als Zeichen zunehmenden Verdienstes; Saug- oder Trinkbares verheißt Wohlstand, Phāṇita-Sirup Geldzufluss, saure Kañjikā Kraftzuwachs. Eine Gemüsezubereitung aus Flaschenkürbis, Aubergine, Kürbis, Bittermelone, Paṭola und weiteren im Druck beschädigt benannten Gemüse- und Wurzelarten wird mit Wissenserwerb verbunden, Buttermilch mit Redegewandtheit und eine Weizenmehlzubereitung mit Geistesgegenwart im Kampf. Blickt die Kumārī auf den Altar, wird Befreiung, beim Blick auf den Pavillon Aufstieg erwartet. Yakschweifwedel, Schirm, Fächer, Liege, Glocke, Spiegel, Schmuck, Goldnetze und Gewänder gelten als Zeichen von Fülle und vielerlei Besitz für den Verehrer. Damit leitet der Text von günstigen zu gegenteiligen Zeichen über. [Die Gemüsefolge, der Schmuckvers und vardhitānyaśubhāni sind beschädigt; der zuletzt genannte Ausdruck passt nicht eindeutig zum Übergang von günstigen Zeichen.]
Band III, S. 1096, Historische Deutung von Stimmung und Verhalten
Deutsch: Die Hauptkumārī wird nun Gegenstand ungünstiger Omendeutung. Zwei- oder dreimaliges Lachen wird mit Hungersnot und bedrängter Bevölkerung, Weinen mit dem Untergang des Königs verbunden. Ausscheidungen werden mit Seuche bzw. Stadtbrand verknüpft. Nichtessen gilt als Feindgefahr, übermäßiges Essen als Bedrängnis; Schweigen bzw. viel Sprechen werden unterschiedlich bewertet, der Schweigevers ist beschädigt. Unruhige Hand- und Fußbewegungen gelten als Störungen. Übermäßige Scham wird ungünstig, Schamlosigkeit günstig genannt. Furcht verheißt allgemeinen Untergang, Zorn Tod; der anschließende Besessenheitsvers verbindet das Zeichen mit dem Tod des Königs. Misstrauen deutet auf wachsende Feinde; Ruhe, Nachdenklichkeit und Sieg bzw. Reichsuntergang stehen in beschädigten Versen, deren Verknüpfung offenbleibt. Verwirrung wird mit Vermögensverlust, Stumpfheit mit fruchtloser Pūjā und Unruhe mit schwankendem Wohlstand verbunden. Niedergeschlagenheit deutet auf ein krankes Reich, Erkrankung des Mädchens auf den Tod des Königs durch Krankheit. [Historische Zuschreibungen, keine Aussagen über tatsächliche Folgen kindlichen Verhaltens. Die beschädigten Sätze, besonders upasargā…, nāmodabhāva…, śāntāyām… und cintitāyām…, werden nicht durch erfundene Einzeldeutungen geschlossen.]
Band III, S. 1097, Weitere historische Verhaltensomen
Deutsch: Tränen gelten in dieser Omenliste als Zeichen von Hunger, Seuche und Angst, Kopfschütteln als Untergang, Erschrecken als Feindbedrohung. Zittern wird als Abwendung Kālīs, gesenkter Kopf als Unzufriedenheit der Göttin gedeutet. Der folgende Vers zur verkürzten Lebensdauer ist beschädigt. Unruhe des Mädchens gilt als Armut des Verehrers, Verwirrung als Unruhe der ganzen Stadt, Beschämung als Krankheit; eine weitere unklare Handlung wird mit Verlust von Frau und Vermögen verbunden. Unwillkürlich entweichende Körperwinde gelten als Zeichen einer feindlichen Belagerung. Unvermitteltes Singen wird mit dem Tod des Königs samt Familie und Reich verbunden; Streit mit den Begleiterinnen mit einem plötzlichen Angriff. Eine bedrückte oder ängstliche Sprechweise gilt als Ankündigung der sechs Plagen im Gebiet. Das Bewegen oder Durcheinanderbringen der Speise wird auf die Wünsche des Verehrers bezogen, doch die Ergebnislesung ist beschädigt. Das Berühren der für die Göttin bereitgestellten Geschenke wird als Flucht des Königs gedeutet. Der Schluss beginnt ein weiteres Zeichen an der Lampe mit dem Atem des Mädchens. [Die besonders beschädigten Stellen bleiben im Sanskrit erkennbar; der Zusammenhang erlaubt dort keine gesicherte vollständige Einzeldeutung.]
Band III, S. 1098, Trancevorstellungen und Drohzeichen
Deutsch: Die Fortsetzung verbindet das vorangegangene Lampenzeichen mit Verlust von Verstand und Wissen. Tanzen die Mädchen unter dem Einfluss des im Text genannten surā, werde der Ort samt König und Ministern einem Leichenplatz gleich. Das Ablegen der Kleider wird mit dem Tod des Königs im Kampf verknüpft; Springen und kreisendes Bewegen mit gefassten Händen mit Besessenheit des Herrschers. Eine scherzhafte Ankündigung körperlicher Ausscheidung beim Essen wird als Seuchengefahr gedeutet. Rollende Augen, Kopfdrehen und ein erschreckendes lautes Lachen gelten als Zeichen von Besessenheit oder tanzenden Totengeistern in der Stadt. Zähneknirschen wird mit dem Tod des Verehrers bzw. Herrschers und seiner Angehörigen verbunden; unbeweglicher Blick, Lippenbeißen, drohender Ruf und Kopfschütteln sollen dasselbe anzeigen. [Historische Trance- und Omenvorstellungen. Die Verse zum Springen und zur Kopf-/Augenbewegung sind beschädigt; surākulāḥ deutet auf Alkoholeinfluss. Das Verhalten der Kinder wird hier von der Quelle gedeutet, nicht von der Ausgabe bestätigt.]
Band III, S. 1098, Beginn der Liste sonstiger ungünstiger Gebärden
Deutsch: Die folgende Liste beginnt mit undeutlich überlieferten Angaben zu Schweigen und Verhalten während der Verehrung. Genannt werden das Senken des Kopfes, Zeichnen auf den Boden mit dem großen Zeh, zweckloses Ziehen von Linien mit dem Fingernagel, das Kratzen des Kopfes – die Körperteilangabe davor ist beschädigt –, Spielen mit oder Bearbeiten von Grashalmen ohne Anlass und Fingerschnippen. [Der erste Halbvers und die Körperteilverbindung bleiben unsicher; die Liste wird auf der nächsten Seite fortgesetzt.]
Band III, S. 1099, Abschluss der ungünstigen Gebärdenliste
Deutsch: Die Liste setzt sich fort: Augen mit den Händen verschließen, Ohren zuhalten, eine im Druck bāhuṭikā genannte Armgebärde oder eine Faust machen, einen sehr großen Bissen nehmen, mit offenem Mund verharren, über den Speisen niesen oder wiederholt gähnen, Essen in alle Richtungen werfen, aufstehen und den Ritus verlassen, erbrechen, erstarren, Gänsehaut bekommen oder zittern. Es folgen beschädigte Angaben zu Flüssigkeitsaustritt, unvermitteltem klagendem Ton, ungehörigem Reden, Weinen wegen eines Traums und einer Fingergebärde; auch „Ich will gehen“ wird genannt. Weitere Zeichen sind Drohen, Schimpfen mit Begleiterinnen, das Zerbrechen eigener Armreifen, Trauer um einen verstorbenen Angehörigen und grundloses Reden. All dies erklärt die Quelle zu ungünstigen Zeichen. [Mehrere Wortverbindungen sind beschädigt, besonders payāśrave und āmuktakāṅgulīm; gewöhnliche kindliche Bedürfnisse oder Beschwerden werden hier historisch divinatorisch gedeutet.]
Band III, S. 1099–1100, Zusammenfassung der Omendeutung und Abhilfe
Deutsch: Als vermeintliche Folgen werden Hunger, Vermögensverlust, Krankheit und Seuchengefahr, fortgesetzte Bedrängnis, Trauer, Furcht vor Feinden, plötzlicher Angriff, Brand in Stadt oder Haus, Todesangst, Armut, Trennung von Angehörigen und Besessenheit durch Bhūtas, Pretas und Piśācas genannt; schwere Krankheiten könnten die Bevölkerung dahinraffen. Das Verhalten der Kumārī wird als Anzeige des Jahresgeschicks des Königs verstanden: Sieg oder Niederlage, Tod und Leid, Geld und Wohlergehen, Feindgefahr, wachsende Kraft und Herrschaft, bedrängte Bevölkerung, Mangel und Verlust des Heeres. Verehrung und insbesondere Mahlzeit werden daher als Grundlage der Prüfung des eigenen künftigen Geschicks bezeichnet. Günstige Zeichen gelten als erfreulich; bei ungünstigen wird ein zusätzlicher wunschbezogener Ritus mit vielen Gaben als Abhilfe genannt. Selbst eine erst nach der Heimkehr am selben Tag eintretende Erkrankung des Mädchens gilt als ungünstig. Der Text schließt die ausführliche Unterscheidung mit der Mahnung, sie im Herzen zu bewahren, und verweist auf weitere Verehrung zur Mitternacht. [Historische Divination und rituelle Abhilfe; keine medizinische oder prognostische Aussage der Ausgabe.]
Band III, S. 1100, Wiederholte Verehrung und Gleichsetzung mit Prakṛti
Deutsch: Der Vāḍavānala-Beleg sagt, dass die bei der Herbstfeier verehrte Kumārī mit den genannten Merkmalen an allen Festtagen wieder verehrt werden soll, solange die Menarche nicht eingetreten ist. Der Kommentar erläutert „Blüte“ als stellvertretende Bezeichnung. Der anschließende Mahākāla-Vers nennt die Verehrung des Pīṭha mit Räucherwerk, Lichtern, Salbung, Speisegaben, Geschenken, Gesang und Instrumenten; sein Satzanfang ist beschädigt. Das Yāmala erklärt: „Die verehrte Kumārī vernichtet zuvor angesammelte Unreinheit. Man erkenne in ihr unmittelbar die Gestalt der Prakṛti.“
Band III, S. 1101, Verdienst und regelmäßige Kumārī-Verehrung
Deutsch: Ein Blatt, eine Blume, eine Frucht, Wasser oder irgendein schöner Gegenstand, der der Kumārī dargebracht wird, gilt als Gabe mit unbegrenzter Frucht. Wird die Kumārī bewirtet, so seien die drei Welten bewirtet. Wer nach der historischen Aussage eine Kumārī einem Brahmanen von gutem Verhalten übergibt, erlange das Verdienst einer Erdlandschenkung. Wer sie verehrt, erlange alle Vollendung. In ihrem Körper wohnen nach dem Text beständig die Yoginīs; deshalb solle sie verehrt, gegrüßt und ihren Wünschen entsprechend umsorgt werden. Täglich wird die Verehrung einer Kumārī empfohlen; kein Fest solle ohne sie vorübergehen. Regelmäßige Verehrung verheiße höchste Vollendung. Während Navarātra bis zur Navamī wird eine zunehmende Zahl von Kumārīs mit vielfältigen Gaben genannt; daraus solle die ersehnte Vollendung hervorgehen. [Die Übergabe eines Mädchens gehört zur historischen Sozial- und Gabenvorstellung der Quelle und ist keine heutige Empfehlung.]
Band III, S. 1101–1102, Neun Namen und Abschluss der Kumārī-Pūjā
Deutsch: Als Alternative nennt der Text neun junge Frauen, verehrt unter den Namen Hṛllekhā, Gaganā, Raktā, Mahāsūkṣmā, Karālikā, Icchā, Jñānā, Kriyā und Durgā, mit der vorherigen Verehrungsweise und etwas mehr als tausend Mantrawiederholungen. Die anschließenden Verse sprechen davon, bei einer als kṣobha bezeichneten Erregung oder Unruhe mit ihr die Nacht oder den Tag zu verbringen; danach heißt es ausdrücklich, die Kumārī nicht zu berühren und eine von Bhāva erfüllte Haltung zu bewahren. Bei gegenteiligem Verhalten drohen nach dem Text Tod oder Abwendung der Göttin. [Der Übergang von yuvatī zu kumārī und die beschädigte Schlusswendung sind mehrdeutig; es wird keine sexuelle Handlung in den Wortlaut hineingelesen.] Die Mahākālasaṃhitā schließt: In Kenntnis von Fehlern und Vorzügen solle die Kumārī-Pūjā mit Hingabe bei der Herbstverehrung ordnungsgemäß vollzogen werden; Bali, Homa und weitere Riten erreichten nicht einmal ein Sechzehntel ihres Werts. Damit endet die Kumārī-Pūjā.
Band III, S. 1102, Beginn des Śivā-Bali an die Schakalin
Deutsch: Es folgt Śivā-Bali: Śivā bezeichnet hier die Schakalin als Tiergestalt der Göttin. Das Kulacūḍāmaṇi nennt eine vorwiegend aus Fleisch bestehende Gabe bei Dämmerung am Fuß eines Bilvabaums, in freiem Gelände oder auf einem Verbrennungsplatz. Die Mahākālasaṃhitā beschreibt die zweite Nachthälfte nahe einem großen Wald, Speisen und Verehrungsgeräte, zwei oder drei Begleiter und rohe wie gekochte Fleischgaben. Der Verehrer ist nach Norden gewandt, furchtlos und gereinigt; es folgen Prāṇāyāma, sechsfacher Nyāsa bzw. sechs Glieder, Arghya und der Ruf mit gelöstem Haar. Im Kulacūḍāmaṇi lautet der Ruf „Kāli, Kāli“. Die Göttin komme in Tiergestalt mit ihrem Gefolge. Heult sie nach dem Essen mit nach Nordosten erhobenem Kopf wohlklingend, gilt dies als günstig. Ihre Bewirtung wird als verbindlich dargestellt, vergleichbar mit täglichem Śrāddha, Sandhyā-Verehrung und Ahnen-Tarpana. Wer die Göttin in Tiergestalt an einsamem Ort nicht verehrt, dem droht der Text Verlust durch ihr Heulen an. [Historische Tierfütterung und Divination. Einzelne Übergänge des Drucks, besonders ātmair, sind beschädigt.]
Band III, S. 1103, Bedeutung und Anrede der Śivā-Gabe
Deutsch: Die Quelle setzt die Warnung fort: Die Schakalin nehme Japa, Pūjā und sonstige Verdienste hinweg und heule an einsamem Ort mit einem Fluch. Wo eine einzige Śivā zufriedengestellt werde, sei zugleich das schwer erreichbare Wohlgefallen aller Śaktis gewonnen. Śakti sei in Tieren, Menschen und Vögeln gegenwärtig; ihre Verehrung könne eine mangelhafte Handlung vollständig machen. Daher wird der Ritus nachdrücklich empfohlen, insbesondere angesichts von Furcht vor Herrschern, Gefahren in anderen Ländern oder der Frage nach günstigen und ungünstigen Folgen. Die Anrede lautet: „Nimm an, hochbegnadete Göttin Śivā, Gestalt des Weltbrandes! Sprich deutlich die günstige oder ungünstige Frucht aus; nimm deine Bali-Gabe an.“ [Der Eingang ist als Fortsetzung der Strafandrohung des vorigen Blatts zu lesen; diese bleibt eine Aussage der historischen Quelle.]
Band III, S. 1103–1104, Beobachtung der Schakalinnen und Begleitgaben
Deutsch: Die Mahākālasaṃhitā beschreibt einen gewissen Abstand zur Gabe, damit die Schakalinnen furchtlos kommen können. Beobachtet wird, was sie fressen. Kommen alle und verzehren alles, gilt dies als Zeichen von Vollendung, Herrschaft und Geldzufluss. Jede gefressene Speise verheißt die ihr zuvor zugeordnete Frucht; nicht Gefressenes verheiße diese Frucht nicht. Der Autor verweist auf die bereits bei der Kumārī-Pūjā erläuterten Einzelheiten und vermeidet Wiederholung, um das Werk nicht weiter auszudehnen. Wie Maheśvarī in Mädchengestalt komme, so Kālikā in Gestalt der Schakalin; deshalb sei diesen Tieren Hingabe entgegenzubringen. Während sie fressen, werden Begleitgaben für Saṃhārabhairava, Baṭukas, Vināyakas, Mātṛs, Kṣetrapālas, Yoginīs, Ḍākinīs und Śivadūtīs mit den zuvor genannten Mantras beschrieben. Vollständiges Verzehren gilt als großer Erfolg, die Hälfte als mittlerer Erfolg, Nichtessen als Unglück. Das Kulacūḍāmaṇi bestätigt dieselbe Regel. [Die historischen Deutungen werden berichtet, nicht als Prognosen bestätigt.]
Band III, S. 1104, Beginn des Śivā-Stotra
Deutsch: Wenn die Schakalinnen nach dem Fressen aufstehen, beschreibt die Mahākālasaṃhitā eine Niederwerfung vor ihnen in der Vorstellung der eigenen verehrten Göttin. Mit einer von Duftstoffen und Sandel begleiteten Blumenhandgabe, gelöstem Haar, geschlossenen Augen, unbekleidet, furchtlos und mit leicht geneigtem Kopf folgt das Gebet: „Göttin in Gestalt der Śivā, Guhyakālī, dir Verneigung! Flammenmündige, mit heraushängender Zunge, mit schrecklichem Ruf, Schakalin! Bewohnerin des Verbrennungsplatzes, Preta-Gestalt, die Leichenfleisch liebt, Makellose! Waldwandernde Mutter, Śivā in Schakalsgestalt! Dir Verneigung, Mahāmāyā, Retterin der Welt, Kālikā!“
Band III, S. 1105, Abschluss des Śivā-Stotra
Deutsch: „Mātaṅgī, Kukkuṭā, Raudrī, Mahākālī, dir Verneigung! Geberin aller Vollendungen, Furchtbare, die Schrecken erregt und Furcht hinwegnimmt: Sei mir, deinem Verehrer, gnädig, Herrin der Götter, Caṇḍikā! Retterin über den Ozean des Saṃsāra, Sieg dir, die alles Heil schafft! Caṇḍī mit erschreckendem Gefolge, Cāmuṇḍā, Trägerin der Schädelgirlande, zornige Vollzieherin der Auflösung: Gewähre mir alle Vollendung. Durgā, Kirātī, Śabarī, auf einem Preta-Thron Sitzende, Furchtlose: Schenke stets deine Gnade, blicke voll Erbarmen auf mich. Gewähre Herrschaft, Vikāṭā, Vermögen, Lebensdauer, Söhne und eine Frau. Sei durch diese Śivā-Bali-Gabe erfreut, Herrin! Dir Verneigung, dir Verneigung, dir Verneigung, dir Verneigung!“ Der Text bezeichnet das gesamte Śivā-Stotra als sechs Verse. [Die Anrede kukkuṭe und das Kompositum vidrastanikare sind textlich auffällig; die Wiedergabe wahrt die Druckform.]
Band III, S. 1105, Reste der Śivā-Gabe und Rückkehr
Deutsch: Die verbliebenen Speisen im Gefäß und alle weiteren Reste sollen nach der Quelle sorgfältig vergraben werden. Fressen Krähen, Esel, Hunde oder andere dort als ungünstig bewertete Tiere davon, gilt dies als Hindernis. Die Rückkehr aus dem Wald erfolgt noch in der Nacht. Damit endet Śivā-Bali. Es folgen die restlichen Aufgaben: Nach der Rückkehr wird die Göttin erneut mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben verehrt, rechtsherum umschritten und mit vollständiger Niederwerfung begrüßt. Der Verehrer spricht, von Hingabe gebeugt, mit bewegter und stockender Stimme einen Lobpreis.
Band III, S. 1105–1106, Daṇḍa-Praṇāma und Durgā-Gebet
Deutsch: Wenn Stirn, Nase, Arme, Brust, Bauch und Füße die Erde berühren, heißt dies Daṇḍa-Praṇāma. Es folgt das Gebet: „Gib mir Lebensdauer, Ansehen und Glück, Erhabene; gib mir Söhne, Wohlstand und alle ersehnten Güter. Pracaṇḍā, Geberin von Nachkommen, stets Erfreute, Führerin der Götter, die das Geschlecht zum Leuchten bringt, Gewaltige: Schenke Sieg, dir Verneigung! Ugracaṇḍā, überaus Gewaltige, Vernichterin mächtiger Heere: Dir stets Verneigung, Göttin, Herrin des Alls. Durgā, Retterin aus schwerer Bedrängnis, Vernichterin alles Unheils, Geberin von Dharma, Wohlstand und Befreiung: Sei mir stets gnädig. Hochbegnadete Durgā, beschütze mich, der Zuflucht sucht. Vom Blut Mahīṣas berauscht, dir neige ich mich: Sei mir gnädig! Nimm Schuld, Bedrängnis, Trauer und Unheil hinweg; nimm Krankheit, Aufruhr und Verderben hinweg, Geliebte. Kālī, Kālī, Mahākālī, Kālikā, die Schuld hinwegnimmt, Geberin von Dharma und Wunscherfüllung, Nārāyaṇī: Dir Verneigung! Schenke Sieg im Kampf, beständigen Wohlstand im Haus und Erfüllung von Dharma, Kāma und Artha. Mahīṣa-Bezwingerin, Mahāmāyā, Cāmuṇḍā mit Schädelgirlande, schenke Lebensdauer, Gesundheit und Sieg; dir Verneigung!“
Band III, S. 1106–1107, Schutzgebet mit Göttinnennamen
Deutsch: „Kālī möge mir Lebensdauer schenken, Sadāśivā Nachkommen, Mahāmāyā Wohlstand und Wunscherfüllung, Sarvamaṅgalā Fülle. Caṇḍikā schütze meinen Kopf, Sureśvarī den Hals, Cāmuṇḍā das Herz, Kālikā mich von allen Seiten. Brahmāṇī, Kaumārī, Vārāhī, Vaiṣṇavī, Māheśvarī, Nārasiṃhī, Indrāṇī, Śivadūtī, Mahākālī, Cāmuṇḍā, Bhairavī, Kauśikī, Ugracaṇḍā, Pracaṇḍā, Caṇḍogrā, Caṇḍanāyikā, Caṇḍā, Caṇḍavatī, Aticaṇḍā und Caṇḍikā: Mit diesen und den weiteren Kräften, die bei dir weilen, Rudrāṇī, beschütze mich im Kampf und in Bedrängnis. Nach den Worten vieler Purāṇas, den Aussagen der Götterweisen und Sadāśivas Weisung bist du allein meine Zuflucht. Außer dir suche ich bei keiner anderen Gottheit Schutz. Mutter, vollbringe nun, was angemessen ist. Nimm seelische Bedrängnis, Armut, Krankheit, schweren Kummer und die Entfremdung von Angehörigen hinweg; Durgā, nimm das schwere Geschick hinweg. Wer dich über seinem Haupt hat, besitzt Herrschaft und festen Stand, bleibenden Wohlstand, Macht und Vermögen. Gesegnet bin ich, mein Werk ist erfüllt, mein Leben trägt Frucht, denn du bist in mein Haus gekommen, Durgā, Māheśvarī. Nimm Arghya, Blumen, Speisegabe, Räucherwerk, Licht und Bali an, gabenreiche Göttin, und schaffe stets Heil.“
Band III, S. 1107–1108, Darbringung der gesamten Verehrung
Deutsch: Nach Niederwerfung und Lobpreis wird Wasser in die Hand genommen und die gesamte Verehrung der Göttin übergeben: „Herrin der Götter, was ich dir dargebracht habe, mag an Mantra, Handlung und Hingabe mangelhaft sein; lass es dennoch vollständig werden. Nimm diese Herbstverehrung an, du, die in die Menschenwelt gekommen bist. Caṇḍikā, heute neige ich mich vor dir; nimm diese Pūjā an. Mit Körper, Geist und Rede kenne ich keine andere Zuflucht als dich. Du wirkst im Innern der Wesen, du bist die Wissende und Zeugin von allem.“ [Die gedruckte Akkusativverbindung martyamaṇḍalam āgatām ist syntaktisch auffällig; der Bezug auf die angerufene Göttin ist aus dem Gebetszusammenhang erschlossen.]
Band III, S. 1108, Abschluss der Navamī und vereinfachte Verehrung
Deutsch: Damit sind die Aufgaben der Herbstverehrung vom Morgen bis zum Ende des dritten Nachtabschnitts beschrieben. Dieselbe Ordnung gilt auch für Aṣṭamī, unter Auslassung von Śivā-Bali, Kumārī-Verehrung und der hier genannten besonderen Bali-Gabe. Danach wird das von der Göttin übriggebliebene Prasāda – Duftstoffe, Blumen und gekochte oder ungekochte Speisen – gemeinsam mit Angehörigen freudig angenommen bzw. verzehrt. Gesang, Tanz, Unterhaltung und Spiele mit Verwandten schließen sich an; eine Wortverbindung vor „veranstalten“ ist beschädigt. Wer die vollständige Ordnung nicht ausführen kann, erhält eine Kurzform aus dem Kālikāpurāṇa: Duftstoff, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speisegabe; fehlen diese, Wasser und Blumen; fehlen auch sie, Hingabe allein. Der zitierte Kurztext endet bereits im Druck mit einer Lücke. Damit endet das Navamī-Kṛtya.
Band III, S. 1108–1109, Revanta-Verehrung vom zweiten bis neunten Tag
Deutsch: Es folgt die Verehrung Revantas und weiterer Schutzmächte vom zweiten bis zum neunten Mondtag. Das Skandapurāṇa nennt als Ziel den Frieden und das Gedeihen der Pferde sowie den Sieg des Königs. Ein anderer Beleg legt den Zeitraum auf die helle Monatshälfte Āśvinas fest und nennt Revanta, Uccaiḥśravas und die geschützten Pferde als Gegenstände vielfältiger Verehrung. Dadurch sollen die Pferde ohne Störungen gedeihen. Der Kommentar versteht „geschützt“ als Hinweis auf die nun folgende Schutzordnung. [Im Druck erscheint überwiegend Revata ohne n; die Abschnittsbezeichnung Revanta folgt der erkennbaren Gottheit, die abweichende Quellenschreibung bleibt im Sanskrit erhalten.]
Band III, S. 1109, Śālihōtra über Svātī und den Pferdeschutz
Deutsch: Der Śālihōtra-Beleg erklärt mythologisch, dass Svātī in der Gestalt einer Stute während sieben Nächten vom zweiten Tag der hellen Hälfte Āśvinas an den Sonnenwagen ziehe. Ein beschädigter Satz beschreibt sie als bedrängt und zornig auf andere Pferde blickend; dabei würden Glanz, Lebenskraft und Stärke der Pferde geschwächt, Krankheiten und schwere Störungen entstünden. Während dieser sieben Tage sollen die Pferde nach der historischen Vorschrift vor Sonnenstrahlen geschützt sein. Der Stall wird als angenehm, ausgestrichen, schattig, mit verschiedenartigen Blumen geschmückt und ausgeräuchert beschrieben. Am zweiten Tag werden die gebadeten, beräucherten und verehrten Pferde hineingeführt und eine Woche durch bewaffnete Männer bewacht. Der König lässt sie zusammen mit seinem Priester zu einem günstigen Zeitpunkt nach Segenshandlungen in den Stall bringen. [Mythologisch begründete historische Pferdehaltung; moraṇākrāntā und der Wechsel des grammatischen Subjekts sind beschädigt.]
Band III, S. 1109–1110, Svātī als Gemahlin der Sonne
Deutsch: Auch ein Jyotiḥśāstra-Beleg nennt Svātī als Gemahlin der Sonne, die in Stutengestalt ihren Wagen zieht. Im Monat Āśvina wirke sie durch die Sonnenstrahlen eine Woche lang bedrängend auf die Pferde. Darauf werden Baden, Verehrung und Unterbringung im Haus bzw. Stall sowie Revantas Verehrung und ein Schutzbeutel am Hals genannt. [Der Satz geht unmittelbar in die folgende praktische Stallordnung über; die kosmische Erklärung ist als Quellenanschauung wiedergegeben.]
Band III, S. 1110, Stallordnung und Schutzbeutel
Deutsch: Am zweiten Tag der hellen Hälfte werden die Pferde im Stall durch Matten und Tücher vor Sonnenstrahlen geschützt. Nach Sonnenuntergang werden diese entfernt und morgens wieder angebracht. Ein Schutzbeutel am Hals enthält nach dem Druck Eisen, Nimba-Blätter, Guggulu, Senfsamen, Schmelzbutter, eine unklar benannte Substanz, Vacā und Hiṅgu. Abreiben, Bewegen und weiteres Training bzw. Wenden werden auf das Ende der Nacht gelegt, solange die Sonne noch fern ist. Dies gilt sieben Tage lang; Brahmanen führen täglich Śānti und Svastyayana aus. Das Brahmapurāṇa nennt eine abweichende Schutzmischung aus Getreide, Bhallātaka, Kuṣṭha, Vacā und weißem Senf, mit einem fünffarbigen Faden am Hals befestigt. Täglich folgen Homas mit Vāyu-, Varuṇa-, Sonnen-, Śānti- und Viśvedeva-Mantras sowie weiteren Formeln. Bewaffnete Männer bewachen die Pferde; Schlagen und Reiten bzw. Belasten werden ausdrücklich ausgeschlossen. Der anschließende Śālihōtra-Halbvers nennt eine Anordnung am Kopf und die regelmäßige Verehrung Revantas; das Objekt der Kopfanordnung ist beschädigt. [Historische Tierhaltungs- und Pflanzenangaben, keine tiermedizinische Anwendungsempfehlung; besonders nailambrahmāṃ ist ungesichert.]
Band III, S. 1111, Revanta-Speisegaben und Agni-Mantra
Deutsch: Revanta erhält vielfältige Speisegaben. Am vorderen Ende des Stalls wird ein Altar angelegt und das Feueropfer nach der vorgeschriebenen Ordnung vollzogen; der Kommentar erklärt dhuri ausdrücklich als Stallkopf bzw. vorderes Ende. Der Priester ist morgens und abends rein und hält Brahmacarya. Der Śālihōtra-Mantra ruft Agni an: „Rohitāśva, hochbegnadeter Opferträger, bester Unsterblicher, Rauchbanner, Träger des Opfers, auf dem Himmelsweg Berühmter: Erhebe dich zu diesem gehörig vollzogenen Homa; Frieden sei unter seinen Pferden. Svāhā.“ Damit wird die erste Gabe genannt. [Die letzten beiden Halbverse sind im Druck grammatisch gestört; die Übersetzung gibt den erkennbaren Gebetsinhalt wieder.]
Band III, S. 1111, Weitere Homa-Empfänger und Segensriten
Deutsch: Es folgen Gaben mit Svāhā für Prajāpati und Indra, Soma, Varuṇa, Vivasvat, Kubera, Suṣeṇa und den im Druck ahiśānti bezeichneten Empfänger; für Ādityas, Aśvins, Rudras, Vasus, Viṣṇu, Viśvedevās, Sādhyas und Maruts; für die Nāgas mit Vāsuki an der Spitze und Garuḍa, sämtliche Vollmondtage und Tithis, Göttinnen, Flüsse, Meere und Bäume. Eine dritte Gabe im Feuer gilt allen Göttern. Die Quelle erklärt, dass feindliche Wesen durch Brahman-Glanz geschwächt würden, und verbindet dies mit Ruhe und Versorgung der Pferde. Der Priester führt zweimal täglich die genannte Sättigung bzw. Bewirtung eines ausgezeichneten Brahmanen und täglich Puṇyāha mit Wohlergehens-, Segens- und Glückswünschen aus. [Die Verbformen im Brahman-Glanz-Vers und der Name ahiśānti sind unsicher; die im Druck ungewöhnliche Aufzählung wird nicht normalisiert.]
Band III, S. 1112, Musik und Pferdebad nach sieben Tagen
Deutsch: Schauspieler, Tänzer, Musiker, Sūtas, Cāraṇas und Māgadhas sollen eine Woche lang zum Frieden der Pferde beitragen. Die Quelle erklärt, störende Grahas entfernten sich beim Hören schöner, süßer Klänge; deshalb werde im Stall täglich Musik eingesetzt. Nach Ablauf der Woche werden die Pferde am „achten“ Tag gebadet, nachdem Varuṇa eine Gabe erhalten hat. Der Kommentar präzisiert: Gemeint ist der achte Mondtag, vom zweiten an gerechnet, also die achte Stelle der Zählung ab Dvitīyā. [Die Zählweise ist ausdrücklich kommentiert und darf nicht ohne Erklärung mit der kalendarischen Aṣṭamī gleichgesetzt werden.]
Band III, S. 1112, Revanta-Anrufungen
Deutsch: Ein anderer Beleg beschreibt die geschmückten, in den Stall geführten Pferde und Revantas Verehrung in einer Statue, auf einem Bildtuch, auf einem Bodenaltar oder im Maṇḍala. Die Anrede lautet: „Verneigung dem Gott über den Göttern, der mit der Pferdeschar zieht, dem göttlichen Sohn der Sonne, der den Pferden Heil bringt … [der nächste Halbvers über die Pferdebegleitung und das Reiten ist beschädigt]. Schütze den Herrn der Pferde samt seinen Pferden; bei dir suche ich Zuflucht.“ Darauf folgen Blumenhandgabe und Bali für Revanta. Ein weiterer Vers lautet: „Sohn der Sonne, Starkarmiger, Freude von Chāyās Herzen: Schaffe Frieden für die Pferde; dir, Revanta, Verneigung!“ Danach folgt die Verehrung Uccaiḥśravas.
Band III, S. 1112–1113, Uccaiḥśravas und die Verehrung der Pferde
Deutsch: Das Brahmapurāṇa berichtet, dass Uccaiḥśravas einst bei einer günstigen Svātī-Verbindung in der hellen Hälfte Āśvinas zuerst die Sonne getragen habe. Deshalb sollen Pferdebesitzer ihn vertrauensvoll und die Pferde bis zur Navamī verehren. Ein weiterer Beleg bietet die Anrufung: „Uccaiḥśravas, dir Verneigung, Sohn des Milchozeans! Lass die Pferde gedeihen, König der Pferde, vernichte alle Störungen.“ Nach diesem Lob werden die Pferde mit vielfältigen Gaben verehrt; anschließend wird ihnen die folgende Formel ins Ohr gesprochen.
Band III, S. 1113, Historische Anrede an das Pferd
Deutsch: „Du bist im Geschlecht der Gandharvas geboren; werde nicht zum Schandfleck deines Geschlechts. Durch das wahre Wort Brahmās, Somas und Varuṇas, durch den Glanz der Sonne und die Askese der Weisen, durch Rudras Brahmacarya, die Kraft des Windes und die Macht des Feuers: Gedeihe, Pferd! Erinnere dich, du bist ein Königssohn; erinnere dich an den Kaustubha-Edelstein. Beim Quirlen des Milchozeans durch Götter und Asuras entstand einst Uccaiḥśravas zusammen mit dem Unsterblichkeitstrank und weiteren Kostbarkeiten. Von ihm stammst du; erinnere dich daran. Solltest du im Kampf oder auf dem Weg versagen, so sollst du rasch das Geschick eines Brahmanen-, Vater-, Mutter- oder Ungeborenentöters, eines Lügners oder eines im Kampf Fliehenden erleiden; Sonne, Mond, Wind und die anderen Zeugen des Unrechts mögen dies sehen. Besiege die Feinde im Kampf und sei mit deinem Herrn glücklich. Pferd, lebe lange, von feindlichen Waffen unversehrt. Schütze mich stets im Kampf und erfülle stets die Aufgabe deines Herrn.“ [Historische militärische Pferdeanrede, einschließlich einer rituellen Drohung; die unsaubere Sandhiform nṛtavādī ist als anṛtavādī verstanden.]
Band III, S. 1113–1114, Abschluss der Pferdeverehrung
Deutsch: Das Jyotiḥśāstra-Zitat schließt Wasserblumen von der hier behandelten Verehrung aus, empfiehlt aber ausdrücklich Saugandhika. Der erste Halbvers nach dem Blumenverbot ist beschädigt; die botanische oder rituelle Abgrenzung dieser Ausnahme ist daher nicht sicher. Es folgen Graha-Homa und Verehrung der Planetengottheiten. Wer das Pferdefest nach dieser Ordnung vollzieht, dem verheißt der Text als Pferdeherrn Freiheit von Furcht. [Das Nebeneinander von Wasserblumenverbot und Saugandhika wird nicht stillschweigend harmonisiert.]
Band III, S. 1114, Elefantenverehrung und die acht Weltelefanten
Deutsch: Auch die Elefantenverehrung wird genannt. Das Brahmapurāṇa berichtet, dass bei einer Jyeṣṭhā-Verbindung einst acht mächtige Elefanten die Erde samt Bergen und Wäldern getragen hätten: Kumuda, Airāvata, Padma, Puṣpadanta, Vāmana, Supratīka, Añjana und Nīla. Deshalb werden sie verehrt, vom im Druck beschädigt als śākrādrakṣāt bezeichneten Beginn bis zur Navamī, in der zuvor beschriebenen Weise. [Der Anfangstermin lässt sich aus dem sichtbaren Halbvers nicht sicher bestimmen.]
Band III, S. 1114, Schutzmantra der Elefanten
Deutsch: Der Elefantenmantra lautet: „Vasus, Rudras und Ādityas samt den Maruts mögen euch beschützen. Beschütze deinen Herrn, König der Elefanten; halte die Übereinkunft. Gewinne Sieg im Kampf und komme zur rechten Zeit zu unserem Heil. Glanz komme von Soma, Stärke von Kṛṣṇa, Leuchtkraft von der Sonne, Schnelligkeit vom Wind, Standfestigkeit vom Meru, Sieg von Rudra und Ruhm von Purandara. Im Kampf mögen die Nāgas und die Himmelsrichtungen samt ihren Gottheiten dich beschützen. Die Aśvins mit den Gandharvas mögen dich stets von allen Seiten behüten.“ Damit endet die aus dem Jyotiḥśāstra angeführte Formel und der Abschnitt zur Verehrung Revantas und der übrigen Gottheiten.
Band III, S. 1114–1115, Regionale Navarātra-Ordnungen
Deutsch: Nun folgen besondere wunschbezogene Navarātra-Regeln aus dem Śaktisaṅgama. Der Text verheißt dem Gelübdehingegebenen den Stand eines Navanātha und kündigt drei regionale Wege an: Gauḍa, Kāśmīra und eine im Druck beschädigt als dviḍa erscheinende dritte Benennung. Zunächst wird Japa bis Aṣṭamī und Homa an Aṣṭamī genannt. Die um Mitternacht vorliegende Aṣṭamī gelte auch dann, wenn sie noch vom vorausgehenden Mondtag berührt sei; in ihr finden Homa und Pūjā statt. Liegt sie am zweiten der fraglichen Kalendertage, wird an diesem gefastet. Von Pratipad werden die ersten sechzehn Ghaṭikās für die Kalasha-Aufstellung ausgeschlossen; danach soll diese Heil bringen. Fastenbrechen erfolgt an Navamī, Visarjana an Daśamī. Der ausdrücklich kāśmīrische Ablauf nennt Fasten während Navarātra, Homa an Aṣṭamī, Brahmanenbewirtung an Navamī und Fastenbrechen an dem genannten Tag. Der nächste Ablauf fordert ebenfalls Fasten und Sinnesbeherrschung, setzt den Homa aber an die Verbindung von Aṣṭamī und Navamī, die Bewirtung an Navamī und das Fastenbrechen an Daśamī; dieser wird Kerala genannt. [Die regionale Eingangsdreierliste ist beschädigt; die nachfolgenden ausdrücklichen Benennungen werden erhalten. Nirāhāra ist die historische Fastenvorschrift, keine gesundheitliche Empfehlung.]
Band III, S. 1115, Kalenderabweichungen und Wiederholungszahlen
Deutsch: Bei ausfallendem oder verlängertem Tithi gelten die genannten Grundsätze. Die Berührung durch den vorangehenden Tithi am Morgen von Aṣṭamī und Navamī wird hier nicht als Mangel betrachtet. Was zur Mitternacht der Aṣṭamī im Navadurgā-Ritus getan wird, gilt als unvergänglich. Bei Stotra und Japa kann die Zahl täglich um eins erhöht oder an jedem Tag die Zahl des ersten Tages beibehalten werden. Rezitation von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird mit Sieg über die drei Welten verbunden. Die letzten zwei Verse sprechen im gedruckten Wortlaut von einer Frau während des Navarātra-Gelübdes und einem mṛtyuyoga; sie werde als Göttin erkannt und verehrt. [Diese Stelle ist beschädigt und semantisch nicht sicher auflösbar; die Fußnote bietet statt mṛtyuyogī die Variante sa tu yogī. Keine weitergehende Ritualdeutung wird ergänzt.]
Band III, S. 1116, Ausdauernde Rezitation und Śāmbhavī-Gelübde
Deutsch: Der von der vorigen Seite fortgesetzte Vers nennt Betel, Agaru, Moschus, schöne Gewänder und Schmuck als Verehrungsgaben. Rezitation von einem Sonnenaufgang bis zum nächsten wird mit Herrschaft über alle Vollendungen verbunden. Ein anderes Gelübde beschreibt Navarātra an einem Sitz mit Śāmbhavī-Mudrā und verheißt den Rang eines Herrn der neun Nāthas. Höhle, kleine Klosterhütte oder einsamer Berg werden als Orte genannt; es folgen eine nach unten gerichtete Haltung und die Lesung nirambubhuk, die eine Entbehrung von Wasser bzw. Nahrung bezeichnet. Ein Gefäß mit Erde wird aufgestellt und Gerstensprossen werden darin gezogen; dabei wird Śāmbhavī-Mudrā genannt. Fester Sitz oder Verzicht auf Liegen gelten als Alternativen. Die Quelle ordnet dieses Gelübde Kāpālikas und Avadhūtas zu. [Historische Askese, keine Durchführungsempfehlung. Die Gefäßbestimmung svamātrāc ca mṛdā und nirambubhuk sind sprachlich unsicher.]
Band III, S. 1116, Śāmbhavī-Mudrā im Tripurāsārasamuccaya
Deutsch: Als Śāmbhavī-Mudrā zitiert der Text den Tripurāsārasamuccaya: Die Ferse verschließt die Kanda-Wurzel, die linke Ferse liegt am Bereich der Geschlechtswurzel; Körper, Kopf und Hals werden aufgerichtet, der Geist gesammelt und die Sinne von ihren Gegenständen zurückgenommen. Durch eine krähenschnabelförmige Mundhaltung wird wiederholt Luft in den Bauch aufgenommen. Die Daumen verschließen die Ohren, die Zeigefinger die Augen, die Mittelfinger die Nasenöffnungen und die übrigen Finger den Mund, ohne übermäßigen Druck. Mit ruhigem, klarem Geist wird die Aufmerksamkeit auf den Sitz des Lotusgeborenen gerichtet. [Die Bezeichnung dieser Verschlussübung als Śāmbhavī folgt ausdrücklich der Quelle. Die gedruckte Ohrumschreibung nararipuvivaram und kākīcañcūyakṛṣṭe sind unsicher; keine moderne Atemanleitung oder Zeitvorgabe wird ergänzt.]
Band III, S. 1116, Einholung der rituellen Zustimmung
Deutsch: Der Śaktisaṅgama knüpft das Fasten an eine erteilte rituelle Zustimmung. Wird sie nicht unmittelbar erlangt, nennt er als Instanzen den Dorfvorsteher, Landesherrn, Brahmanen, Priester und eine Frau; nach Einholung der Zustimmung und Bitte um eine Gabe werde der Verehrer glücklich. Durgā selbst, erfreut über die Hingabe, gebe ihre Zustimmung. [Die Beziehung der aufgezählten Instanzen untereinander ist im knappen Wortlaut nicht genauer bestimmt.]
Band III, S. 1117, Historische Selbstopfererzählungen des Śaktisaṅgama
Deutsch: Der Śaktisaṅgama schildert nun extreme Selbstopfer unter dem Namen Caṇḍadarpa-Gelübde im Vīra-Śākta-Kontext. Er nennt das Abtrennen und Darbringen der eigenen Zunge mit alkoholischer Gabe und behauptet, sie wachse wieder nach und der Ausführende werde Herr der Siddhis. Eine weitere Passage beschreibt die Verehrung der Göttin zu Beginn der Mahāṣṭamī-Nacht und eine „Kopfblume“ als Opfer im Yantra; die technische Wendung madhyakaniṣṭhataḥ ist beschädigt. Der Text verspricht Gleichheit mit Śiva, Rückkehr des Kopfes und bezeichnet den Ausführenden als Mahācīnacara. Eine weitere Erzählung verbindet Navarātra-Fasten mit dem Darbringen eigenen Fleisches im Feuer und behauptet eine unmittelbare Erscheinung der Göttin sowie die Erlangung ihres Leibes. Sodann werden eine körpergroße Feuergrube, Holz von fünf Pflanzenarten, die Opferung des eigenen Körpers vom Zeh bis zum Kopf und eine Feuerliege genannt; auch hier wird Göttinnenschau versprochen. Der abschließende, unklare Übergang zum Eintritt in ein „Rankenhaus“ verbindet diesen mit der Macht einer wunscherfüllenden Ranke. [Dies sind historische Selbstopfer- und Regenerationsbehauptungen, keine ausführbaren spirituellen Empfehlungen. Abgetrennte Körperteile wachsen dadurch nicht nach; die versprochenen Wirkungen sind Aussagen der Quelle. Beschädigte technische Wörter werden nicht zu ergänzten Handlungsanweisungen ausgebaut.]
Band III, S. 1118, Historische Vaśīkaraṇa-Prayogas
Deutsch: Die folgenden Prayogas versprechen Vaśīkaraṇa, das Unter-Einfluss-Bringen einer anderen Person. Der erste verbindet entschlossenes Navarātra-Fasten mit einer Formel aus Kāma-Bīja, dem Namen der Zielperson, „vaśīkuru“ und Svāhā sowie einer als Homa im Verdauungsfeuer bezeichneten Handlung. Der Text behauptet, das anvisierte Gegenüber werde dadurch unterworfen. Ein zweiter nennt Wahrhaftigkeit, Sinnesbeherrschung, Sahadevī-Saft an Navamī und eine beschädigte Piṇḍa-Bestimmung; er verspricht lebenslange Beeinflussung der Person samt Familie. Ein dritter verbindet Schweigen und Vṛkṣāsana während Navarātra mit Gomukha am Tag des Fastenbrechens und wiederum dem inneren Feuer; der folgende Satz über das eigene und das fremde Haus ist beschädigt. Auch hier wird lebenslange Macht über eine Person behauptet. Ein vierter nennt vier Nächte auf dem linken und vier auf dem rechten großen Zeh, Fastenbrechen an Navamī und eine Piṇḍa-Gabe beim Bilva; die versprochene Frucht ist Einfluss auf die drei Welten. [Historische Zauberritualbehauptungen, keine nachgewiesenen Wirkungen. Die unklaren Ausdrücke werden nicht zu Rezepten ergänzt; besonders pañcāny api piṇḍam und tatsurātreṇa bleiben offen.]
Band III, S. 1119, Letzte Sondergelübde vor Daśamī
Deutsch: Eine weitere Sonderordnung beschreibt während Navarātra Umherziehen in Verbindung mit Vairocana-Āsana, Homa an Mahāṣṭamī, Fastenbrechen an Navamī und die Schenkung des gesamten Besitzes; sie verheißt Sieg über die drei Welten. Ein nächster Beleg nennt Kuhurin als einzige Nahrung, Mantrarezitation, Homa und Fastenbrechen an Navamī mit einer als Gomukha bezeichneten Handlung; daraus solle eine Gottheit nachts im Traum angezogen werden. Der letzte Prayoga beschreibt Atembeherrschung, Schweigegelübde, Reinheit, Freiheit von Gegensätzen und Ichbezogenheit, Wahrhaftigkeit und Klarheit. Für die gewünschte Beeinflussung eines Königs wird die Blickrichtung zu dessen Haus genannt, dazu Fastenbrechen nach Wunsch und nächtliche Rezitation. Auch dieser Text behauptet Herrschaft über die drei Welten. [Historische Gelübde; die Übergänge zu Vairocana-Āsana, Gomukha und der beschädigte Königskompositumvers bleiben lokal ungesichert.]
Band III, S. 1119–1120, Daśamī und erstes Entlassungsgebet
Deutsch: Es folgt das Daśamī-Kṛtya. Nach Bad und täglichen Pflichten wird die Göttin mit den möglichen Gaben verehrt; Nyāsa wird dabei ausgelassen. Mit gefalteten Händen folgt das Entlassungsgebet: „Was ich ohne ausreichende Regelkenntnis, ohne vollständige Handlung und ohne genügende Hingabe verehrt habe, möge durch deine Gnade ganz werden, Maheśvarī. Selbst Brahmā und die anderen Götter vermögen deine Verehrung nicht vollkommen zu vollziehen. Was könnte ich tun, ein sterblicher Mensch von geringer Einsicht? Mutter, ich kenne weder deine Gestalt noch deinen Leib noch deine Eigenschaften. Nur eines kenne ich: die Hingabe an deine Lotusfüße. Würdige diese Hingabe in meinem Herzen, nimm die Herbstverehrung an und kehre an deinen eigenen Ort zurück, nachdem du mir viele Gaben gewährt hast.“
Band III, S. 1120, Bewegung des Bildes und Nirmālya-Gabe
Deutsch: Nach den gesprochenen Entlassungsformeln bewegt der Priester Statue oder Patrikā behutsam. Mit den gebrauchten Opfergaben wird Nirmālyavāsinī über dem Kalasha verehrt, mit dem Namen in der geforderten Kasusform und namaḥ; die grammatische Druckangabe ḍantā ist auffällig. Nach der Yoni-Mudrā werden die Gaben nach Nordosten gelegt, mit „Caṇḍeśvaryai namaḥ“. Tonbild oder Patrikā werden nach der historischen Ordnung in tiefes Wasser gebracht und in einer Strömung der Flussbewegung überlassen. Ein dauerhaftes Pīṭha-Bild wird nach dem symbolischen Bewegen wieder an seinen eigenen Platz gesetzt.
Band III, S. 1120, Weitere Entlassungsformel
Deutsch: Für das Bewegen des Bildes lautet das Gebet: „Erhebe dich, Göttin Cāmuṇḍā, nachdem du meine gute Verehrung angenommen hast. Schaffe mein Heil zusammen mit den acht Śaktis. Geh, geh an den höchsten Ort, an deinen eigenen Ort, Göttin Caṇḍikā. Was ich dir dargebracht habe, möge für dich vollständig sein. Gehe zum Gewinn von Wohlstand, zum Wohlergehen und Sieg, zur Vernichtung des Stolzes der Feinde und zu deiner Wiederkehr. Gehe im strömenden Wasser und bleibe zugleich in meinem Haus zu dessen Gedeihen. Im kommenden Jahr wirst du gewiss wiederkommen.“ Nach dem Bewegen des Bildes werden weitere Mantras angekündigt und lauter Instrumentalklang ringsum genannt. [Der letzte Übergangssatz ist grammatisch beschädigt.]
Band III, S. 1121, Bewegungsmantra und festliche Prozession
Deutsch: Der Bewegungsmantra wird verschlüsselt beschrieben: dreifaches Tāra und Astra, Śākinī und Ḍākinī, die Anrede Cāmuṇḍe, zweimal cala und zweimal cālaya sowie Kūrca, Astra und Analakāntā. Es folgen Muschelhörner, Blasinstrumente, Mṛdaṅgas, Paṭahas, Ḍhakkās, Bherīs, Jharjharas, Paṇavas, Ānakas, Gomukhas, Becken, Vīṇās, Lobgesänge, Ḍiṇḍimas, Murajas und Flöten; einzelne Instrumentenwörter sind im Druck unsicher. Die Prozession umfasst das Werfen von Staub und Schlamm, Spiel, festliche Ausgelassenheit, wechselnde Verkleidungen und Śābara-Festformen. Genannt werden dabei auch ausdrückliche Benennungen und Lieder über Vulva und Phallus sowie Worte über sexuelle Handlungen, Verkleidung und Tanz. Beim Visarjana wird freies Spiel zum Wohlgefallen der Göttin beschrieben. Der Text droht demjenigen ihren Zorn an, der die gegenseitige Neckerei nicht mitvollzieht; der genaue Wortlaut zur Beteiligung ist beschädigt. [Historischer Festbrauch mit rituell obszöner Sprache. Die Lautchiffren des Mantras werden nicht ungesichert ausgeschrieben.]
Band III, S. 1121, Theologische Begründung der Festfreude
Deutsch: Die Quelle führt eine kühne Aussage der Göttin an: „Wer an meiner Freude beständig Freude hat, wird beständige Freude erlangen; wer dabei freudlos ist, wird freudlos bleiben. In dem Maße, wie meine guten Verehrer sich an meiner Freude beteiligen, bin ich über ihre Verehrung erfreut, Geliebter. Als mein Zeichen ist die Vulva bekannt, als dein Zeichen der Phallus, Herr. Die Geschöpfe tragen diese Zeichen … [die anschließende Wortfolge ist beschädigt]. Im Innern der drei Welten gibt es nichts außerhalb dieser beiden bzw. meiner … [der genaue Schlussbezug ist ebenfalls gestört].“ [Die geschlechtliche Symbolik wird als Teil der historischen Kosmologie übersetzt; beschädigte Aussagen über das Verhältnis der beiden Zeichen werden nicht metaphysisch ergänzt.]
Band III, S. 1122, Fortsetzung der historischen Festbegründung
Deutsch: Die Göttin sagt weiter: „Wer am Ende meiner Verehrung mit solchen Worten über die Geschlechtszeichen spielt, hat einen Platz in meinem Herzen. Auch ohne Geschlechtsverkehr erfreut mich derjenige unmittelbar, der ‚Vulva, Vulva‘ und ‚Phallus, Phallus‘ ausspricht. Ein Zustand wie beim Ausgießen des Samens entstehe auch hier. Wer dürfte die Vulva schmähen, die die drei Welten hervorbringt?“ Aufgrund solcher Worte beschreibt der Text freies festliches Verhalten mit Benennungen männlicher und weiblicher Geschlechtsteile und entsprechenden Gebärden. [Der erste Halbvers ist beschädigt; die historische Begründung ritueller Obszönität wird vollständig im erkennbaren Sinn wiedergegeben.]
Band III, S. 1122, Immersion, Wasserspiel und Dakṣiṇā
Deutsch: Der Text beschreibt das Betreten des Wassers und behutsame Einsetzen von Patrikā oder Tonbild. Ein beschädigter Entlassungsvers verbindet das Eintauchen mit der Bitte: „Göttin, nachdem du mir Gaben gewährt hast, gehe in deine eigene Wohnstatt.“ Für dauerhafte Pīṭha-Bilder gilt diese Immersion ausdrücklich nicht. Danach folgt gemeinsames Wasserspiel mit Untertauchen, Auftauchen, Spritzen und weiteren Spielen. Nach der aus Hingabe veranstalteten Pūjā werden Dakṣiṇās gegeben: Gold, Silber, Kühe, Land, Gewänder oder ein Gebäude, je nach den eigenen Möglichkeiten. Auch die großen der Göttin übergebenen Ausstattungsgegenstände sollen aufgeteilt und an die Beteiligten verschenkt werden. [Die Einleitung zum Wasser und der erste Mantrahalbvers sind beschädigt; keine gesicherte Vollformel wird vorgetäuscht.]
Band III, S. 1122–1123, Verheißene Frucht der Herbstverehrung
Deutsch: Nun wird die Frucht der so vollzogenen Herbstverehrung gepriesen. Oberhalb der sieben Welten liegt nach dieser Kosmologie Vaikuṇṭha, darüber Śivaloka, dann Goloka und darüber die strahlende Göttinnenwelt. Ihre Breite und Länge werden mit jeweils hundert Koṭis Yojanas angegeben. Ein beschädigter Vers beschreibt ihre Bewohner und Gefolgschaften. Der Verehrer verweile dort länger als hundert Koṭis Kalpas, mit acht Armen, einem zweiten Ṣaḍānana vergleichbar, und durchwandere die drei Welten wie ein zweiter elefantenköpfiger Gott. Kehrt er irgendwann hierher zurück, werde er hundert Jahre alt und Herr der ganzen Erde: strahlend wie die Sonne, schön wie der Mond, reich wie Kubera, geduldig wie die Erde, standfest wie Meru, tief wie das Meer, gelehrt wie Bṛhaspati und schön wie Kāma. Er sei freundlich in der Rede, bescheiden, freigebig und von grenzenloser Tatkraft. Alle Tugenden sammelten sich in ihm wie Flüsse im Meer. Die einzelnen Verheißungen seien noch weit zahlreicher; wegen der drohenden Ausführlichkeit werde auf die Ḍāmara-Texte verwiesen. Keine Frucht komme derjenigen der Herbstverehrung gleich. [Traditioneller Phalaśruti-Lobpreis, keine Tatsachenzusage. Der Vers zu den Bewohnern der Göttinnenwelt bleibt lokal unübersetzbar.]
Band III, S. 1123–1124, Aparājitā und Auszug an Daśamī
Deutsch: Nach Aparājitās Verehrung folgt der Auszug. Das im Nirṇayāmṛta zitierte Purāṇa nennt für Daśamī ein Tonbild Aparājitās oder einen wassergefüllten Kalasha, dessen Öffnung mit Jayantī-Zweigen versehen ist. Alle vier Varṇas sollen den Auszug nach ihren Möglichkeiten vollziehen. Der mächtige König verehrt Aparājitā, vollzieht einen symbolischen oder gewünschten Auszug in die zehn Richtungen, empfängt selbst Nīrājana und lässt danach das Heer damit segnen. Die Formel bittet um ein fest gegründetes viergliedriges Heer und um Sieg überall durch die Gnade der Gottheit; ihr erster Halbvers ist beschädigt. Das Kṛtyaratna bietet die klare Variante: „Überall möge mir durch deine Gnade Sieg zuteilwerden, Herrin der Götter.“
Band III, S. 1124, Kurzordnung der Aparājitā-Pūjā
Deutsch: Die Kurzordnung beschreibt den Nachmittag, die nordöstliche Richtung und das Überschreiten der Ortsgrenze. Der Vorsatz lautet: „Heute, an der hellen Daśamī Āśvinas, werde ich zur Erlangung von Wohlergehen Aparājitā verehren.“ In der Mitte eines achtblättrigen Lotus am Kalasha wird Aparājitā mit „Aparājitāyai namaḥ“ angerufen; rechts Jayā mit „Kriyāśaktyai namaḥ“, links Vijayā mit „Umāyai namaḥ“. Die Verehrungsformeln lauten: „Oṃ Aparājitāyai namaḥ. Oṃ Jayāyai namaḥ. Oṃ Vijayāyai namaḥ.“ Nach der Verneigung folgt die Entlassung: „Göttin, diese Pūjā habe ich nach meinen Kräften dargebracht. Nimm sie zu unserem Schutz an und kehre an deinen höchsten eigenen Ort zurück.“
Band III, S. 1124–1125, Königlicher Schmuck beim Nīrājana
Deutsch: Die Mahākālasaṃhitā beschreibt das Nīrājana des Königs am Nachmittag, gemeinsam mit Angehörigen und Verwandten. Er trägt festliche Kleidung, strahlenden Kopfschmuck, Krone und Ohrringe, herabhängenden Schmuck, Perlengirlanden, Hand- und Oberarmreifen, Ketten und Fingerringe. Genannt sind ferner Turban und umgegürtetes Schwert sowie Duftsalbung mit Sandel, Safran und Moschus. [Die Verbindung nach baddhanistriṃśa ist beschädigt; der Zusammenhang bezeichnet königlichen Schmuck und Parfümierung.]
Band III, S. 1125–1126, Heer und königlicher Auszug
Deutsch: Die Pferde verschiedener Länder werden mit den dort üblichen Zieraten und Decken ausgestattet: genannt sind Gandhāra, Persien, Kāmboja, Bāhlīka und weitere, beschädigt überlieferte Herkunftsnamen. Ebenso schmückt man die Elefanten aus Kaliṅga, Jaṅgala, Cedi und Telaṅga mit Decken, Glocken und Treibstacheln. Wagen mit ihrer Ausrüstung, Fußsoldaten und Krieger treten in Formation an. Der Waffenkatalog nennt Bogen, Pfeile, Schwerter, Dreizack, Paṭṭīśa und Tomara, Keule, Schlagbaum, Rad, Speer, Bhuśuṇḍī und Axt; ferner Bhindipāla, Śakti und Mudgara, Khaṭvāṅga, Vajra, Mörserkeule, Schlinge, Eisenknüppel und Schneidewerkzeug sowie Śataghnī, Kriegsmaschine, Hacke, Säge und Dolch. [Mehrere Verbindungen zwischen diesen Bezeichnungen sind im Druck beschädigt und bleiben im Original sichtbar.] Dieses viergliedrige Heer zieht voran, ebenso die Stadt- und Landbevölkerung auf verschiedenen Fahrzeugen. Alle Instrumente ertönen; wie bei einem Feldzug entsteht großer Lärm. Unter „Siege! Lebe!“-Rufen zieht der König in eine ihm günstige Richtung aus der Stadt. Brahmanen gehen voran, während er Betel kaut. Froh betrachtet er Schauspieler, Ringer, Barden, Handwerker, Kurtisanen, Astrologen, Kaufleute, Boten und auswärtige Besucher und gibt ihnen Belohnungen. Wie ein auf Sieg ausziehender Herrscher schreitet er dahin. Dies wird Nīrājana genannt. [Die Schlussverbindung und ein Ausdruck vor vijigīṣu sind beschädigt.]
Band III, S. 1126, Khañjana und seine Zeichen
Deutsch: Nun folgt in derselben Quelle die Beobachtung von Vögeln. Nach dem Ritus soll der geschmückte König Khañjana, Sārasa und Cāṣa aufmerksam betrachten. Ein Khañjana, der ruft und seine Flügel bewegt, gilt an bestimmten Orten als günstig. [Die erste Aufzählung der Standorte ist beschädigt; unter den erkennbaren Bestandteilen stehen Getreide und Kuhdung.] Ein anmutiger mittlerer Standort gilt als gut, das Gegenteil als ungünstig; der anschließende Satz bleibt teilweise unklar. Auf Bäumen, Kühen, Elefanten, Pferden und großen Schlangen verheißt er nach dieser Omenlehre Herrschaft, auf reinem Rasen Wohlergehen. Auf Asche, Knochen, Holzstücken, Spelzen, Haaren oder trockenem Gras zeigt er Unheil an. Wo er sich paart, vermutet man einen Schatz; wo er erbricht, Gold, und an der Stelle seines Kotes Kohle. Sein Erscheinen gilt zugleich als bemerkenswertes, glückverheißendes Ereignis. Der König soll ihn mit gefalteten Händen und dem folgenden versförmigen Gebet grüßen. [Historische Vogelorakel; keine Aussage über tatsächliche Vorhersagekraft.]
Band III, S. 1126–1127, Gebet an Khañjana
Deutsch: Khañjana, Khañjarīṭa, Śaṅkhamauli, Śubhaprada, Mahāpakṣa, Nīlagāla, Capalāṅga und Haridvija: Wer den Vogel mit diesen Namen grüßt, dem wird Glück daheim und auf dem Weg verheißen. „Aus Nārāyaṇas Leib hervorgegangen, Glückspender für das Jahr, dessen Kehle einem Śālagrāma-Stein gleicht: Khañjarīṭa, dir sei Verehrung! In der Gestalt Vāsudevas bist du auf die Erde herabgestiegen, um alle Wünsche zu erfüllen: Khañjarīṭa, dir sei Verehrung! Du bist dem Yoga verbunden, ein Sohn der Weisen. Mit dem Eintritt der Kälte wirst du unsichtbar; wenn die Regenzeit vergangen ist, zeigst du dich. Wunderbarer Khañjana, dir sei Verehrung!“ [Die jahreszeitliche Aussage wird so wiedergegeben, wie sie im Druck steht.] Nach einem ungünstigen Zeichen werden die Verehrung der Gottheiten und Brahmanen, ein Befriedungsritus und ein Bad mit Wasser aus zahlreichen Heilpflanzen genannt. Der Vogel gilt der Quelle als Viṣṇus Gestalt, die Glück und Unglück des Jahres anzeigt.
Band III, S. 1127–1128, Sārasa und sein Gebet
Deutsch: Der Sārasa, ebenfalls ein König der Vögel, gilt als Gestalt der Göttin. Man grüßt ihn als Glückspender, wenn er am Wasserufer, auf Bäumen oder an den weiteren hier beschädigt überlieferten Orten erscheint. Auf Haaren, Asche und Knochen gilt sein Erscheinen als ungünstig. Günstig ist es, wenn er frisst, sich mit dem Schnabel kratzt, im Nest steht oder seinem Jungen Nahrung gibt. Das Gebet lautet: „Sārasa, Bewohner der Seen, Puṣkara, im Lotus Wohnender, Beseitiger der Hindernisse, König der Vögel, Gestalt der Göttin, großer Kraftvoller! Vernichte das Hindernis, Vogelkönig, schenke Heil, du Kraftvoller. Verkünde das puṣkarāṅka-Ergebnis und überwinde die Feinde, du Kraftvoller!“ [puṣkarāṅkaphala ist textlich unsicher; keine freie Ersatzdeutung.] Nach diesen beiden Versen verneigt sich der Kundige vor Sārasa. Bei entgegengesetzten Zeichen vollzieht er wie zuvor den Befriedungsritus.
Band III, S. 1128, Cāṣa als Gestalt Rudras
Deutsch: Dann betrachtet man Cāṣa, die Gestalt Mahārudras. An den zuvor genannten günstigen Orten wird dieser Vogel in Śivas Gestalt als Glückspender begrüßt, anderswo gilt er als Unglückszeichen. Seine acht Namen lauten Aśoka, Viśoka, Nandīśa, Puṣṭivardhana, Tāmracūḍa, Maṇigrīva, Svastika und Aparājita. Wer ihn sieht, spricht diese Namen. Vor einem verheißt er Geldgewinn, seitlich Sieg, hinter einem Wohlergehen und Vermögen. „Cāṣa, sei gegrüßt! Verehrung dir als Aśoka, dem Spender alles Erwünschten; Verehrung dem Blaukehligen, dem Gütigen, der Gestalt des Heils. Gib mir Heil! [Die folgende Anrede bhadrabhājo paraya pūraka ist beschädigt.] Du bist Svastika: gewähre Wohlergehen. Nandīśa, erfreue mich. Aśoka, mache mich frei von Kummer. Puṣṭivardhana, lass mich gedeihen!“ So wird Cāṣa gegrüßt. [Das gedruckte puṣpa am Schluss dürfte zur Bitte um Gedeihen gehören; die Originalform bleibt erhalten.]
Band III, S. 1128–1129, Śamī-Gebet und Rückkehr
Deutsch: Es folgt die Verneigung vor dem Śamī-Baum: „Zur glücklichen Śamī nehme ich Zuflucht, die Unglück, schlechte Taten und böse Träume beschwichtigt. Śamī stillt die Schuld; Śamī hat rötliche Dornen. Du bewahrtest Arjunas Pfeile und sprichst Rāma freundlich zu. Gewähre, dass mein bevorstehender Auszug zur rechten Zeit glücklich verläuft. Von Śrī Rāma Verehrte, beseitige dabei die Hindernisse!“ Nach diesem Gebet nimmt der König gelbe Erde vom Fuß des Baumes und umschreitet ihn im Uhrzeigersinn. Er betrachtet die Ringkämpfe der Ringer, die Waffengeschicklichkeit der Soldaten, das Pfeilschießen und die Läufe der Elefanten und Pferde. Bei Sonnenuntergang kehrt er, von Hunderten Lampen umgeben und unter lautem Jubel, in die Stadt zurück. [Die Druckfußnote erklärt, dass der durch Anführungszeichen gekennzeichnete Śamī-Einschub nur in Exemplar 4 vorkommt. Der Druck liest śarāṇāṃ prekṣaṇam; der Zusammenhang bezeichnet die Darbietung mit Pfeilen.]
Band III, S. 1129, Abschluss des Durgā-Festes
Deutsch: Wer das Herbstfest nach dieser Ordnung begeht, dem bleibt die Göttin, so die Verheißung des Textes, stets gewogen und verlässt ihn nicht. Wer könnte den Ertrag ihrer Herbstverehrung vollständig aussprechen? In entsprechender Weise soll auch die Frühlings-Pūjā in der hellen Monatshälfte des Madhu vollzogen werden. Damit endet die Ordnung des Durgā-Festes.
Band III, S. 1129, Kolophon des elften Taraṅga
Deutsch: Der abschließende Schmuckvers preist das Werk als neuen Ozean der Purashcharana mit wunderbaren Strömen des Unsterblichkeitstranks, dem Zusammenfluss guter Darlegungen und perlenartigen Begründungen; darin endet die elfte Welle. [Mehrere Zusammensetzungen sowie der Name im Schmuckvers sind beschädigt; vijñaśrīvaradeva wird nicht ohne Beleg angeglichen.] Das Prosakolophon lautet: „Damit endet im Puraścaryārṇava des erhabenen Großkönigs Pratāpasiṃha Sāha die elfte Welle namens Purashcharana der Durgā-Mantras und Ordnung des Durgā-Festes.“

Mit offenem Herzen und wachem Urteil lesen
Leserbegleitung und heutige Praxisanregung:
Die Vielfalt dieser Wellen verlangt Zeit. Manche Passagen sprechen unmittelbar zur Hingabe, andere brauchen Erklärung oder bleiben fremd. Du kannst beides wahrnehmen und dennoch mit einem klaren eigenen Schwerpunkt weiterüben.
Als heutige Besinnung: Halte einen Moment inne und frage, wofür du dankbar bist. Lass diese Dankbarkeit in einer freundlichen Handlung Ausdruck finden. So kann das Studium der Verehrung einen lebendigen Bezug zum Alltag bekommen. Die zwölfte Welle führt anschließend zum Abschluss des Werkes.
Wegweiser durch die zwölf Wellen
Die Seiten sind unterschiedlich aufgeteilt. Über diese Übersicht erreichst du jede Welle direkt in allen drei Fassungen.
| Taraṅga | Schwerpunkt | Deutsch | IAST | Devanagari |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Mit Vertrauen und Unterscheidungsvermögen beginnen | Lesen | Lesen | Lesen |
| 2 | Der Praxis einen guten Rahmen geben | Lesen | Lesen | Lesen |
| 3 | Verehrung mit Aufmerksamkeit erfüllen | Lesen | Lesen | Lesen |
| 4 | Die Einweihung zum Abschluss führen | Lesen | Lesen | Lesen |
| 5 | Verschiedene Wege der Einweihung verstehen | Lesen | Lesen | Lesen |
| 6 | Beständigkeit in der Mantrapraxis entdecken | Lesen | Lesen | Lesen |
| 7 | Über die Reifung der Praxis nachdenken | Lesen | Lesen | Lesen |
| 8 | Die Vielfalt der Gottheitsverehrung kennenlernen | Lesen | Lesen | Lesen |
| 9 | Die Überlieferungen der Göttin aufmerksam lesen | Lesen | Lesen | Lesen |
| 10 | Mantra, Hymne und Verehrung zusammen betrachten | Lesen | Lesen | Lesen |
| 11 | Der Verehrung der Göttin Zeit und Raum geben | Lesen | Lesen | Lesen |
| 12 | Die letzte Welle mit Sammlung lesen | Lesen | Lesen | Lesen |
Siehe auch
- Purashcharana
- Mantra
- Japa
- Diksha
- Guru
- Meru Tantra – im vorliegenden Werk mehrfach zitiert
- Kularnava Tantra
- Rudrayamala Tantra – im Abschnitt über Göttin und Bhairava zitiert
- Mantramahodadhi – ebenfalls eine umfangreiche Schrift zur Mantrapraxis
- Dakshinamurti Samhita
- Mahanirvana Tantra
- Vijnana Bhairava Tantra
- Shiva Samhita
Textumfang und Quellenhinweise
Umfang und dokumentierte Auslassungen: Alle zwölf Taraṅgas sind bis zum Werk-Kolophon auf Band III, S. 1231 bearbeitet. Die frühere Überlieferungslücke dieser Arbeitsausgabe auf S. 748–756 wurde anhand des vorliegenden PDF neu bearbeitet und geschlossen. Gesondert verbleiben neun ausdrücklich markierte Inhaltsauslassungen: Taraṅga 7, Verse 344–349, 394–399, 405–418; Taraṅga 9, S. 815, 816–817, 818, 829–830, 831 und 854–855. Sie betreffen sexualisierte Darstellungen minderjährig oder nicht eindeutig erwachsen bezeichneter Personen. Daher wird keine ausnahmslos lückenlose Vollübersetzung beansprucht. Lokale beschädigte oder unsichere Quellenlesungen bleiben gekennzeichnet.
Literatur und Quellen
- Pratapasimha Shah: Puraścaryārṇava. Herausgegeben von Muralidhara Sharma, ältere Ausgabe in drei Bänden, Varanasi. Verwendeter Textumfang: Band I, S. 1–318. Die beiden Digitalisate von Band I ergänzen sich; die Seiten 8–9 wurden nach dem vollständigeren Exemplar wiedergegeben. Für Band II dient die von Rajanatha Tripathi herausgegebene Ausgabe von 2013 als Grundlage; deren S. 1 entspricht S. 319 der älteren Ausgabe. Die abweichende Seitenzählung wird in den Fundstellen mit der Bandangabe kenntlich gemacht.
- Puraścaryārṇava, Band II, herausgegeben von Rajanatha Tripathi, Sampurnanand Sanskrit University; Hauptgrundlage der Taraṅgas 5–8, S. 1–330; gezielt mit der älteren Ausgabe, S. 319–412, verglichen.
- Purashcharana im Yoga-Vidya-Wiki – ergänzende heutige Erläuterung, nicht Ersatz für den Sanskrittext.
- Band III der älteren Ausgabe: gedruckte S.723–1231, Digitalisat 2015.487364.Purascharyarnava-Part-III_text.pdf, PDF48–556; einschließlich der neu bearbeiteten S.748–756.
- IAST wurde aus dem bearbeiteten Devanagari transliteriert und ist kein unabhängiger Textzeuge. Unnummerierte Prosa und Verse werden durch die gedruckte Seite nachgewiesen. Die deutschen Lesungshinweise kennzeichnen örtliche Unsicherheiten. Eine kollationierte kritische Edition wird nicht beansprucht.
Ausgewählte Lesarten
- Vers 1.49: Zur Lesung „Verrichtungen zu Navaratri“ verzeichnet der Druck die Variante „Verrichtungen“ im Plural; die sachliche Aussage bleibt gleich.
- Vers 1.51: Die Hauptlesung bhūtalipi („Elementeschrift“) steht neben der verzeichneten Variante bhūtabali („Darbringung an die Wesen“). Hier wird der Hauptlesung gefolgt.
- Band I, S. 12: Zur Hauptlesung Svarṇakoṭīśvarī ist Koṭeśvarī als Variante genannt.
- Band I, S. 14: Zu śuṣke („kraftlos/trocken“) bei Shiva ohne Shakti verzeichnet der Druck sūkṣme („fein/subtil“). Die Übersetzung folgt der Hauptlesung.
- Band I, S. 19: Statt „ein verständiger Verehrer der Göttin“ steht als Variante „ein Verehrer der Göttin, voller Hingabe“.
- Band I, S. 21: Der Druck nennt neben „beides vermischt“ die Lesung „beides aufsuchend/auf beidem beruhend“; bei der Mittagsrezitation steht neben „Japa, o Herrin“ auch „Japa, o Göttin“.
- Band I, S. 79–82: Mehrere Zitate werden innerhalb des gedruckten Werkes erneut angeführt. Diese Wiederholungen bleiben erhalten; das auf S. 80 abgebrochene Vishnuyamala-Zitat wird auf S. 82 vollständig gegeben.
- Band I, S. 26: Neben padaṃ śivam (Shivas Stätte) steht die Variante pathaṃ śivam (Shivas Weg).
- Band I, S. 33: Neben tadveṣeṇa (unter diesem Vorwand/in dieser Verkleidung) steht taddveṣeṇa (aus Hass darauf).
- Band I, S. 34: Zur Reihe Guru, Gottheit, Selbst und Kala wird eine abweichende Lesung ohne Guru genannt; die Hauptlesung wird beibehalten.
- Band I, S. 24: Neben vāmapathe („auf dem linken Weg“) ist vāmapade („im linken Bereich/Weg“) verzeichnet.
Zur Wiedergabe: Die Nummern 1–54 sind die Nummern des gedruckten Eingangsteils. Danach stehen genaue Seiten- und Abschnittsangaben für unnummerierte Zitate und Prosa. Unsichere Lesungen sind unmittelbar an der betreffenden Stelle bezeichnet. Zuordnungen, Wirkungsaussagen und Wertungen innerhalb der Übersetzung geben die jeweilige traditionelle Quelle wieder.
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