Pflanzenheilkunde

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Die Pflanzenheilkunde, auch Phytotherapie genannt, nutzt Heilpflanzen, um therapeutische Wirkungen zu erzielen. Der Pflanzenheilkunde untersucht die Inhaltsstoffe der Heilpflanzen auf ihre therapeutische Wirkung. Sie ist mittlerweile ein fester Bestandteil der Schuldmedizin und viele Wirkungsweisen sind wissenschaftlich belegt.

Tulsi, das heilige indische Basilikum

Dabei arbeitet man mit den gesamten Pflanzen, nicht mit isolierten Bestandteilen, und hat oft ein Bündel an Wirkungen. Deswegen ist es auch ein Anliegen der Pflanzenheilkunde, trotz der natürlichen Schwankungen hinsichtlich der Inhaltsstoffe (unterschiedliche Rohkostqualität, Zubereitungsform) das System und die Wirkungsweise von Heilpflanzen zu systematisieren und zu standardisieren.

Weltweit werden mehr als 20.000 Pflanzenarten als Heilmittel verwendet. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) greifen 80% der Weltbevölkerung auf Mittel der Pflanzenheilkunde zurück, was vor allem bei armen Bevölkerungsteile eine gute Alternative zu der teuren Schulmedizin ist. Ayurveda (Indien) und die traditionelle chinesische Medizin (TCM) sind bekannte Systeme, bei der die Pflanzenheilkunde eine wichtige Säule ist, aber auch in Deutschland hat die therapeutische Nutzung von Heilpflanzen eine lange Tradition (Kneipp, Hildegard von Bingen).

Geschichte

Naturheilkunde hat eine sehr lange Tradition. Der erste Nachweis über Aufzeichnungen über Heilpflanzen wurde am Persischen Golf auf Tontafeln gefunden. Sie sind 6.000 Jahre alt.

Auch aus dem antiken Ägypten gibt es solche Hinweise. Ein Kräuterbuch, welches 600 Pflanzen und ihre Anwendungsbereiche auflistet, entstand 3000 v. Chr. in China.

Hippokrates (500 v. Ch.r), der als der Begründer der wissenschaftlichen Medizin gilt, beschäftigte sich wie viele andere nach ihm mit Kräutern und deren Wirkungen. Im Mittelalter waren es vor allem Mönche und Nonnen (Hildegard von Bingen, Paracelcus), die sich mit Pflanzenheilkunde beschäftigten. Dadurch, dass viele solcher Pflanzenkundiger als Hexen verfolgt wurden, durch chemische Innovationen und durch die Philosophie der Aufklärung verlor sich viel Wissen um die Wirksamkeit von Pflanzenheilmitteln.

Die Pfarrer Kneipp, Künzle und Weidinger ließen die Tradition der Pflanzenheilkunde in Deutschland wieder aufleben. Dr. Rudolf Fritz Weiss stellte dann die Pflanzenheilkunde auf eine wissenschaftliche Basis, gründete einen Lehrstuhl und fand Anerkennung von der Schulmedizin.

Swami Sivananda über Pflanzenheilkunde

Auszug aus dem Buch "Practice of Nature Cure" (1951) von Swami Sivananda, S. 179-180. (Divine Life Society)

Prakriti oder Mutter Natur ist gut zu uns. Sie lässt Kräuter und Pflanzen, die wir verwenden können, um gesund zu werden, in unseren Gärten wachsen.

Pflanzliche Mittel im Ayurveda: Das Ayurvedische System hat sich in den letzten Jahren als sehr wirkungsvoll gegen Malaria herausgestellt. Bei Rheuma können ayurvedische Medikamente große Linderung verschaffen. Sie heilen besser als andere Mittel.

Die besten Fiebersenkungsmittel haben die Engländer von den Hindus übernommen. Wenn Patienten taub wurden, durch den Missbrauch von Chinin Schwellungen bekamen und langsam unter Fieber dahinstarben, konnten sie von versierten Ärzten durch die Rinde der Margosa (Neem-Baum) und durch Chiretta-Kraut komplett geheilt werden. Diese Anwendung hat einen Ehrenplatz unter den europäischen Medikamenten eingenommen. Es gibt Kräuter, die wie Betäubungsmittel wirken. Charaka und Sushruta erwähnen den antiken Gebrauch von Betäubungsmitteln. Samohini wirkt wie Chloroform.

Den indischen Asketen des alten Indien blieb keine geheimnisvolle Wirkung von Pflanzen und Mineralien unbekannt. Sie waren eingeweiht in die größten Geheimnisse des medizinischen Wissens und besaßen unübertroffene Fähigkeiten auf diesem Gebiet. Die Länder, in denen es die meisten medizinischen Pflanzen gibt, sind Indien, Burma, Siam und Sri Lanka. Der indische Reichtum an medizinischen Pflanzen ist unübertroffen. Die Literatur der einheimischen Medizin beschreibt medizinische Eigenschaften von mehr als 2000 Pflanzen. Medizinische Kräuter werden im Rig Veda erwähnt.

Ayurveda behandelt die pflanzlichen Heilmittel, die Grundlage der alten medizinischen Wissenschaft, ausführlich. In den medizinischen Universitäten und Schulen in Indien, Europa und Amerika erhalten die Studenten während ihres Medizinstudiums Wissen über die indischen Pflanzen, Kräuter und Medikamente. Die indischen Pflanzen und Kräuter sind sehr wirkungsvoll. Viele Pflanzen sind von therapeutischem Wert.

Es ist deine Pflicht, und die Pflicht der Regierung, den Wald zu bereichern und den Pflanzenreichtum in Indien zu erhalten. Wenn die Regierung die Waldkräuter in Mittel verwandeln würde, die in den Dörfern und Städten dringend gebraucht werden, dann könnte man den Import westlicher Medikamente einschränken und Millionen Rupien pro Jahr sparen, die für die Lösung wichtiger Probleme des Landes benutzt werden könnten.

Pflanzenheilkunde in Deutschland aktuell

Tees für die innere Anwendung

Viele Heilpflanzen werden in Form eines Aufgusses eingenommen. Kräutertees sollten morgens nüchtern und am Abend vor dem Schlafengehen getrunken werden, zwischendurch eventuell ein bis zwei Stunden nach dem Mittagessen. Unterschiedliche Tees erfordern eine unterschiedliche Zubereitungsweise. Heilkräutertees sind hervorragende Hausmittel, gerade bei kleineren Beschwerden wie etwa bei beginnenden Erkältungen, Atemwegserkrankungen, Erschöpfung, Schlafstörungen, leichten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magenbeschwerden, Verdauungsproblemen, Blasenleiden, Menstruationsbeschwerden und leichten Hauterkrankungen, Verletzungen und Verstauchungen [1].

Hier einige Beispiele für Heilkräutertees und ihre heilsamen Kräfte [2]:

  • Anis – Tee: Schleimlösend und entkrampfend durch ätherische Öle, immunstärkend. Bei Verdauungsproblemen, aber auch bei Erkrankungen der Atemwege. Fördert den Milchfluss bei stillenden Frauen.
  • Baldrian – Tee: Bei innerer Unruhe, Nervosität und Schlafstörungen. Wirkt ausgleichend auf das Nervensystem, entspannt und entkrampft.
  • Brennessel – Tee: Harntreibend, blutbildend; entzündungshemmend (bei regelmäßigem Genuss)
  • Damiana – Tee: aphrodisierend, auch bei Erschöpfung oder leichten Depressionen.
  • Fencheltee: wirkt im Magen-Darm- Bereich (gegen Blähungen und Bauchkrämpfe), krampflösend und appetitanregend.
  • Goldruten – Tee: bei Entzündungen der Harnorgane
  • Ingwer – Tee bzw. Ingwer – Wasser: harmonisiert Magen-Darm-Bereich, wirksam bei Erkältungskrankheiten, wärmender Effekt, hilft bei Migräne und Menstruationsbeschwerden (schmerzstillend, krampflösend)
  • Klettenwurzel – Tee: harntreibend, blutreinigend und entgiftend – stärkt Leber und Galle, heilt das Verdauungssystem und hilft bei Gicht und Rheuma.
  • Kamillenblüten – Tee: entzündungshemmend, krampflösend, antibakteriell und antimykotisch (gegen Pilze). Bei Problemen des Verdauungssystems, Reizungen der oberen Atemwege, Mundentzündungen (Mundspülungen mit Kamille); auch abends als Entspannungsmittel.
  • Rosmarin – Tee: stimuliert und fördert die Leistungsfähigkeit, gleichzeitig auch beruhigend auf das Nervensystem- vermindert Stress. Harntreibend, entgiftend, durchblutungsfördernd.
  • Salbei – Tee: desinfizierend, entzündungshemmend, krampflösend und schweißhemmend – bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum (Mundspülungen mit Salbei), auch bei Magen- und Darmproblemen.

Siehe auch

Fußnoten

  1. Zentrum der Gesundheit: Phytotherapie
  2. Zentrum der Gesundheit: Heilkräutertee

Literatur

Seminare

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