Flucht-Kampf-Mechanismus

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Flucht-Kampf-Mechanismus ist eine vom US-amerikanischen Physiologen Walter Cannon und dem österreichisch-ungarisch-kanadischen Mediziners Hans Selye entdeckter angeborener Reflex, der auch als Stressreaktion oder auch als Flight-Fight-Mechanism, abgekürzt Fight-or-Flight bezeichnet wird.

Ein drohender Tiger oder Gefahren des Alltags lösen bei uns Menschen den Flucht-Kampf-Mechanismus aus

In der heutigen Zeit spricht man auch von Flucht-Kampf-Todstell-Reflex, Fight-Fight-Freeze oder auch freeze-flight-fight-or-fright. Der Flucht-Kampf-Mechanismus hat sich als hilfreiche Hypothese in der Stressforschung, in der Stresspsychologie erwiesen. Der Gegenpol zum Flucht-Kampf-Mechanismus ist die Entspannungsreaktion, auch Entspannungsreflex bzw. Entspannungsimpuls bezeichnet.

Flucht-Kampf-Mechanismus Definition

Hier ist eine einfache Definition des Flucht-Kampf-Mechanismus:

"Der Mensch ist ein Organismus, der auf Bedrohung durch Flucht oder Kampf reagieren kann. Für Flucht und Kampf braucht der Mensch Energie. So reagiert der Mensch auf wahrgenommene (tatsächliche oder eingebildete) Bedrohung durch Aktivierung, Wahrnehmungsverengung und Anspannung. Dieser Flucht-Kampf-Mechanismus hat dem Menschen sowie Tieren geholfen, inmitten einer bedrohlichen Welt zu überleben."

Flucht-Kampf-Mechanismus erkennen und überwinden Video und Audio

Hier ein Videovortrag von und mit Sukadev Bretz zum Thema Flucht-Kampf-Mechanismus erkennen und überwinden

Dieser Vortrag ist ein Auszug aus dem 3. Kursvideo Entspannungskurses für Anfänger - Entspannung lernen in 8 Wochen.

Audiovortrag zum Thema Flucht-Kampf-Mechanismus erkennen und überwinden

Hier die Tonspur des oberen Vortrags:

Flucht-Kampf-Mechanismus - Grundlagen und praktische Tipps

Kampf oder Flucht oder Totstellen, sind die Optionen, die hier die kleine Ameise hat

Das erste wichtige Konzept in der Stressforschung in der Stresstheorie ist der Flucht-Kampf-Mechanismus. Und heute möchte ich ihn noch ergänzen durch den Totstell-Reflex. Mann kann sagen, wenn Gefahr auftritt, dann hat der Mensch drei Möglichkeiten: Flucht, Kampf oder Totstellen. Angenommen ein Säbelzahntiger kommt – um das gleiche Beispiel aufzugreifen, wie ich es das letzte Mal benutzt hatte – Säbelzahntiger kommt, und du hast drei Möglichkeiten:

  • Kämpfen gegen den Tiger, mit einer Keule oder vielleicht mit mehreren zusammen.
  • Du kannst fliehen, abhauen, den nächsten Baum finden oder die Höhle und irgendwo zuschließen oder
  • Du kannst dich totstellen und hoffen der Tiger bemerkt dich nicht. Manche Menschen neigen eher zur Flucht, die haben eine gewisse Neigung zur Angst.

Manche Menschen neigen eher zu Kampf, die haben dann auch eine Neigung zu Ärger und Reizbarkeit. Und manche Menschen neigen eher zum Totstellreflex, die geraten dann in eine Depressivität und Antriebslosigkeit unter Stress. Der Flucht-Kampf- Mechanismus beruht also darauf, wahrgenommene Gefahr – der Organismus nimmt etwas als Gefahr wahr – und dann wird eine ganze Kaskade von körperlichen, psychischen Dingen, Reaktionen ausgelöst.

Der Flucht-Kampf-Mechanismus wird durch Hormone gesteuert

Zunächst schüttet der Körper Stresshormone aus, z.B. Adrenalin und Cortisol. Dabei wird der Sympathikus aktiviert, also der Teil des Nervensystems, der aktivierend ist. Muskelanspannung entsteht, Herzschlag wird beschleunigt, Atemfrequenz wird beschleunigt, Blutdruck wird beschleunigt, Schweißabsonderung wird verstärkt. Dann wird der Parasympathikus verlangsamt, das führt zu einer Reduzierung der Verdauung, es führt dazu, dass weniger Energie in die Verdauung gebracht wird. Die Immunabwehr wird verlangsamt, ebenso reparatur-Prozesse werden verlangsamt, denn jetzt bei Gefahr muss alle Energie ins momentane Überleben des Organismus gesteckt werden. Daher: Weniger Energie zur Bekämpfung von Viren, Bakterien, Pilzen usw. . Des Weiteren Aufbauprozesse, Reparaturprozesse sind jetzt auch nicht so dringend. Der Organismus muss jetzt geschützt werden. Und so kommt allgemein eine Reduzierung der Aufmerksamkeit auf das Nötigste. Auch die Psyche ist jetzt eingeschränkt. Es wir geschaut, was ist die Gefahr und es entsteht eine Art Tunnel-Aufmerksamkeit. Die Weite wird ausgeblendet, und es wird geschaut: entweder kann ich fliehen, wie kann ich kämpfen oder wie kann ich mich unsichtbar machen. Das sind also einige Prozesse des Flucht-Kampf-Mechanismus. Dieser Flucht-Kampf-Mechanismus war früher im Dschungel, in der Steppe, in der Prärie sehr sinnvoll und ist auch noch bei den meisten Tieren sehr sinnvoll.

Der Großstadt-Dschungel aktiviert den Flucht-Kampf-Mechanismus

Zeitdruck aktiviert den Flucht-Kampf-Mechanismus

Aber im modernen Großstadt-Dschungel oder auch im Dorf-Dschungel wird der Flucht-Kampf-Mechanismus sehr viel häufiger aktiviert, und er wird eben auch nicht dazu verwendet, wofür er eigentlich gedacht war. Es fängt schon morgens an. Die meisten wachen auf – mit einem Wecker. Typischerweise ein schriller Wecker, man will ja aufwachen. Wecker heißt Gefahr. Schriller Klang bedeutet Gefahr. Adrenalin wird ausgeschüttet, Cortisol wird ausgeschüttet, Atemfrequenz wird erhöht, Herzschlag wird erhöht. Jetzt gibt es bei wahrgenommener Gefahr zwei Möglichkeiten: Fliehen – also schnell Fenster auf und rausspringen, oder kämpfen – Wecker oder Smartphone nehmen und gegen die Wand werfen.

Wird man natürlich nicht machen. Stattdessen geht man weiter, geht vielleicht dann ins Badezimmer, stellt dann seinen Zahnputzapparat an, der natürlich sofort Krach macht und danach macht man vielleicht sein Handy, Smartphone, I-Phone an, schaut sich die Nachrichten an, hört, was alles schief gegangen ist. Zum Beispiel im Bekanntenkreis, was man verpasst hat, was man nicht gesehen hat, wo wieder ein paar Bomben in die Luft gegangen sind, überall Aktivierung des Flucht-Kampf-Mechanismus.

Vermeide Koffein, denn es wirkt wie Adrenalin

In der Zwischenzeit macht das Kochgerät, der Wasserkocher irgendwo ein bisschen Lärm – wieder Aktivierung Flucht-Kampf-Mechanismus. Dann schütten die meisten Menschen sich etwas Kaffee rein, Koffein wirkt so wie Adrenalin – neue Aktivierung des Flucht-Kampf-Mechanismus. Und so wie man die Wohnung verlassen hat, hat man schon ein Dutzend Mal den Flucht-Kampf-Mechanismus aktiviert. Dann geht man auf die Straße, vielleicht fährt man Auto, zwischendurch quietschende Bremsen, rote Ampel, Hupen – jedes mal Aktivierung des Flucht-Kampf-Mechanismus. Noch dazu ist man gefangen in einem engen Raum, Kann also nicht wirklich fliehen oder kämpfen; zwar mit dem Auto mehr gas geben, aber der Körper selbst ist gefangen und eingepfercht. Angenommen du fährst mit der U-Bahn, wildfremde Menschen, die du nicht kennst, auf engstem Raum – Flucht-Kampf-Aktivierung.

Der Stress im Alltag geht endlos weiter

Ruhe und Tiefenentspannung helfen beim Flucht-Kampf-Mechanismus

Du kommst zur Arbeit, und der Chef sagt: „Ich muss Sie mal dringend sprechen!“, auf dem PC leuchtet etwas auf, drei Kunden wollen sofort zurückgerufen werden – ständige Aktivierung des Flucht-Kampf-Mechanismus. So geht es endlos weiter. Währenddessen vielleicht normalerweise in der Natur der Flucht-Kampf-Mechanismus vielleicht zehn bis zwanzig Mal aktiviert werden würde, wird im modernen Großstadt-Dschungel, der sich auch in Dörfern längst ausgebreitet hat, am Tag hundert bis zweihundert Mal der Flucht-Kampf-Mechanismus aktiviert. Die Folge ist: Man gerät in eine Dauerstress-Kaskade, die man als Stresssyndrom bezeichnet. Dieses wird noch verstärkt, durch vieles, was es heute noch gibt: Unsicherheit insbesondere. Stress wird ja hervorgerufen durch wahrgenommene Gefahr. Und wenn man insgesamt unsicher ist, dann sind die Gefahren noch mehr. Es gibt heutzutage Unsicherheiten im Beruf – kaum jemand arbeitet in dem Beruf, den er gelernt hat. Unsicherheit in Beziehungen und Familie, im Wertesystem; es gibt Leistungsdruck, oft gibt es Entfremdung zur Arbeit. Es gibt durch ständigen Umzug weniger Verankerung im Freundeskreis, und vieles weiteres, über das ich noch weiter sprechen will, in der nächsten Woche; was noch für Stressfaktoren gibt, und wie man denen begegnen kann. Wenn der Stress weitergeht, und nicht zur Entspannung führt, dann führt der Stress in sieben Stufen zu einem weitergehenden Stresssyndrom.

Wie kommst du aus dem Flucht-Kampf-Mechanismus heraus?

Siehe auch

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Radharani Birkner,

Zusammenfassung

Was ist der Flucht-Kampf-Mechanismus? Wie kannst du ihn erkennen? Wie kannst du ihn überwinden - oder doch mindestens sicherstellen, dass du nicht in ein Stresssyndrom hineinrutschst? Der Flucht-Kampf-Mechanismus war eine der ersten Theorien der modernen Stress Psychologie. Der Gegenspieler zum Flucht-Kampf-Mechanismus ist die Entspannungsreaktion.