Nachhaltigkeit

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Nachhaltigkeit: Nachhaltig sind Maßnahmen, die den "den Bedürfnissen der heutigen Generation entsprechen, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen". [1]

Permakultur: Gärtnern im Einklang mit der Natur

Das Stichwort "Nachhaltigkeit“ fasst die Herausforderungen zusammen, denen wir uns angesichts der stetig wachsenden Weltbevölkerung, den begrenzten Ressourcen und der Treibhausproblematik stellen müssen.

Nachhaltiger Konsum

Auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 wurde der "nachhaltige Konsum" als Begriff und Idee in die politische Diskussion eingeführt. [1]

Allein der Konsum der privaten Haushalte ist für mehr als ein Viertel aller Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. Die Produktion der Konsumgüter ist dabei noch nicht einmal einbezogen. [1]

Nachhaltiger Konsum ist Teil einer nachhaltigen Lebensweise und ein Verbraucherverhalten, das u.a. Umwelt- und soziale Aspekte bei Kauf und Nutzung von Produkten und Dienstleistungen berücksichtigt. Nachhaltiger Konsum betrifft dabei auch das Nutzungs- und Entsorgungsverhalten von Ressourcen im Alltag. Nachhaltiger Konsum reicht damit in den individuellen Lebensstil des Menschen hinein. [1]

Prüfsiegel, Standardisierungen und Umweltzeichen (Blauer Engel, Bio-Zertifizierungen) sind eingeführt worden, um dies dem Konsumenten möglich zu machen.

Beispiele für nachhaltigen Konsum

Recyclingpapier: Bei Recyclingpapier ist der "Blaue Engel" das entscheidende Umweltzeichen. Der Verbraucher trifft mit der Entscheidung für den "Blauen Engel" die umweltfreundlichste Wahl und kann somit einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften leisten. Wenn in Deutschland ausschließlich Recyclingpapier als Büro- und Kopierpapier verwendet würde, ließen sich jährlich rund 146.000 Tonnen CO2-Emissionen einsparen (Quelle: Initiative Pro Reyclingpapier). [2]

Ernährung: Jeder Deutsche verbraucht durchschnittlich 500 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr (ohne Getränke) und verursacht dadurch auch Treibhausgase. Insgesamt trägt die Ernährung jährlich mit rund 2,1 Tonnen an klimarelevanten Emissionen pro Person zu den Treibhausgasemissionen durch privaten Konsum bei und liegt damit ungefähr in derselben Größenordnung wie bei den Emissionen durch Mobilität in Deutschland. Tipps zur nachhaltigen Ernährung gibt die Ernährungsökologie.

Nachhaltigkeitsforscher Niko Peach empfiehlt: So regional wie möglich - so global wie nötig!

In Deutschland und in anderen Industrieländern werden viele Lebensmittel weggeworfen, im Einzelhandel, aber auch zu Hause. Eine Ursache dafür, dass Lebensmittel unnötig auf dem Müll landen, ist die falsche Interpretation des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD). Es wird vom Verbraucher oft so verstanden, dass ein Lebensmittel nicht mehr genießbar und daher wegzuwerfen ist. Eine gut geplante Vorratshaltung sowie kreative Resteverwertung, der Kauf kleiner Verpackungsgrößen sind weitere Möglichkeiten für die Konsumenten, Lebensmittelabfälle zu verringern.

Einkommen: Eine wichtige übergeordnete Rolle für die persönliche Treibhausgasbilanz und den Ressourcenverbrauch spielt die Höhe des verfügbaren Einkommens. In der Tendenz steigen CO2e-Ausstoß, Ressourcenverbrauch und die damit verbundenen Umweltbelastungen mit dem Einkommen.

Supermärkte: Die Vorgangsweise der Supermärkte ist ein gutes Beispiel für ein nicht nachhaltiges Wirtschaften.

Die Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. 1999 gab es noch acht große Handelsketten in Deutschland, die gemeinsam über einen Marktanteil von 70 Prozent verfügten. Heute teilen sich die fünf führenden Supermarktketten Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Metro rund 90 Prozent des Marktes. [3]

Die Supermarktketten sind so marktdominierend, dass an ihnen kein Lieferant vorbeikommt. Auf dem gesättigten deutschen Markt können Marktanteile nur noch durch die Verdrängung von Mitbewerbern gewonnen werden. [3] Um zusätzliche Marktanteile zu gewinnen, drücken die Supermarktketten die Lieferanten und Erzeuger im Preis und diktieren ihnen unfaire Konditionen in die Verträge. Eine Auslistung bei Nichterfüllung der Preis- und Lieferbedingungen kann schnell das Aus für den Lieferanten oder den Erzeuger hier und in den Entwicklungsländern bedeuten. [3]

Dabei gilt der deutsche Markt schon jetzt als der "nachweislich härteste Markt der Welt“ mit einem "außerordentlich niedrigen Preisniveau“. Letzteres liegt unter anderem an der Durchschlagskraft der Discounter mit ihrem wachstumsstarken Vertriebskonzept. Je größer der Marktanteil der Lebensmitteleinzelhändler, desto mehr können sie ihre Einkaufsmacht ausspielen. [3]

Zentrale Handlungsfelder

Die Umweltfolgen des Konsums ergeben sich aus einer Vielzahl von Einzelentscheidungen. So sind allein die drei Handlungsfelder Bauen & Wohnen, Mobilität und Ernährung bereits für 70 bis 80 Prozent der Umweltfolgen unseres deutschen Konsums verantwortlich. Auch innerhalb dieser Handlungsfelder tragen wenige "Big Points" die Hauptlast. [4]

Im Durchschnitt entfallen demnach in Deutschland rund 24 Prozent der Treibhausgasemissionen auf Heizung und Strom, 23 Prozent auf Mobilität und 13 Prozent auf Ernährung. Zum Beispiel hat der Verzicht auf Erdbeeren im Winter absolut betrachtet nur ein kleines Einsparpotenzial, obwohl diese Maßnahme dem prioritären Bedarfsfeld "Ernährung“ zuzuordnen ist.

Solche "Big Points“ sind im Hinblick auf den persönlichen CO2e-Ausstoß zum Beispiel:

  • Zahl der Fernreisen, zurückgelegte Autokilometer und Kraftstoffverbrauch des Autos im Bereich Mobilität
  • Größe der Wohnfläche und Dämmstandard in Bezug auf den Heizenergieverbrauch . [4]

Dies lässt sich mit Hilfe eines CO2-Rechners einfach veranschaulichen. Alleine durch die Veränderung von zwei Angaben ändert sich der CO2e-Ausstoß einer Person gegenüber dem deutschen Durchschnitt von rund 11 Tonnen CO2e um:

  • Minus 2 Tonnen CO2e (-18 Prozent), wenn die Person in einem Passivhaus und auf 20 m² weniger Wohnfläche wohnt.
  • Plus 5,4 Tonnen CO2e (+49 Prozent), wenn eine zusätzliche Flugreise nach New York sowie eine tägliche Pendlerstrecke von 20 Kilometer hinzukommt. [4]

Die sozialwissenschaftliche Umweltforschung wendet sich daher verstärkt der Frage zu, was solche "Schlüsselentscheide“ eines nachhaltigen Konsums sind. Als Beispiele werden unter anderem Maßnahmen zur Wärmedämmung oder Investitionen in erneuerbare Energien genannt. [4]

Deutschland und international

Es bestehen global sehr große Unterschiede im Konsumniveau. So liegt der deutsche CO2-Ausstoß pro Kopf fast das Zweieinhalbfache über dem Weltdurchschnitt und fast das Zehnfache über dem von Indien. [4]

Nach heutigem Kenntnisstand muss allerdings der weltweite CO2e-Ausstoß bis 2050 um mindestens 50 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 gesenkt werden, um die Erderwärmung auf maximal 2 Grad Celsius eindämmen zu können. Dies macht deutlich, dass das deutsche Konsumniveau nicht global verallgemeinerbar ist und nachhaltiger Konsum große Anstrengungen erfordert. Für den CO2e-Ausstoß bedeutet dies beispielsweise eine Minderung in Höhe von 80 bis 95 Prozent, was einem Pro-Kopf-Ausstoß von unter 1 t CO2e entspricht. [4] Schon der Pro-Kopf-Ausstoß einer ökologisch bewusst lebenden Vegetarierfamilie ist fast doppelt so groß wie dieser Grenzwert.

Nachhaltiges Wachstum?

Der Wissenschaftler Niko Paech entlarvt den Mythos des nachhaltigen Wachstums, von dem Politiker oft sprechen. Wachstum heißt immer, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigt. Dies bedeutet aber zusätzlichen Konsum und wachsende Produktion. Dies ist unmöglich. [5]

  • Zunehmender Konsum kann nicht ökologisch unbedenklich sein, auch wenn es „nachhaltige“ Produkte sind.
  • Zunehmende Produktion kann nicht ökologisch unbedenklich sein. Auch Passivhäuser, Photovoltaikanlagen etc. sind ohne physischen Aufwand nicht zu haben. Man muss auch vorhandene Produktionsstätten umrüsten und bislang genutzte Geräte, Häuser, Produktionsstätten entsorgen.
  • Zunehmendes Einkommen kann nicht ökologisch unbedenklich sein. Wenn Menschen durch „grünes“ Wachstum verdienen, würden sie Einkommen beziehen. Damit würden sie mehr Güter konsumieren, was zu mehr Umweltbelastung führt.

Niko Paech empfiehlt dagegen: Mehr Sesshaftigkeit, Verzicht auf industrielle Produktion und mehr Eigenleistung, gemeinschaftliche Nutzung von Gütern, Stärkung regionaler Märkte, Regionalgeldsysteme, Abbau ökologisch schädlicher Subventionen, radikale Arbeitszeitverkürzung und –umverteilung und ein Rückbauprogramm für Infrastrukturen. [6] Mit diesen Überzeugungen ist er der bekannteste Postwachstumsökologe Deutschlands. Er plädiert auch für lebende Vorbilder für diesen Lebensstil und ist selbst eines.

Siehe auch

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Nachhaltiger Konsum
  2. Recyclingpapier
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Marktmacht
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Konsum und Umwelt: Zentrale Handlungsfelder
  5. "Grünes" Wachstum wäre ein Wunder
  6. Niko Paech: Ich glaube, eine klare Lösung zu haben!

Literatur

  • Joseph Jenkins, The Humanure Handbook: A Guide to Composting Human Manure (2006)
  • Niko Paech, Befreiung vom Überfluss: Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie (2012)

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