Valli - Göttin

Aus Yogawiki
Tempel Murti Subrahmanya mit seinen beiden Frauen Valli und Deivayanai

Valli (Tamil: வள்ளி, Vaḷḷi; Sanskrit: वल्ली vallī, „Schlingpflanze, Ranke“; auch Valli Amma, Valliyammai oder Valli Devi) ist eine der beiden Gemahlinnen Murugans in der tamilischen Überlieferung. Als Tochter aus der Welt der Bergbewohner und Hüterin eines Hirsefeldes verkörpert sie eine Gottesliebe, die mitten im einfachen Leben aufblüht.

Valli ist eine der beliebtesten Göttinnen Tamil Nadus und Sri Lankas. Während Murugans andere Gemahlin Deivanai (Devasena), die Tochter des Götterkönigs Indra, für die himmlische, geordnete Welt steht, kommt Valli aus den Wäldern und Bergen, aus einem Volk von Jägern. Die Geschichte, wie der Gott selbst in immer neuen Verkleidungen um sie wirbt, gehört zu den bekanntesten Liebesgeschichten Indiens. Sie wird bis heute in Tempelfesten, Liedern, Tänzen und Theaterstücken gefeiert und spirituell als Bild für die Liebe zwischen der Seele und Gott verstanden: Nicht nur die Seele sucht Gott, auch Gott sucht die Seele. In der Theologie der Murugan-Verehrung gilt Valli als Verkörperung der Iccha Shakti, der göttlichen Kraft des Wollens und der Sehnsucht.

Valli auf einen Blick

Merkmal Einordnung
Name Valli; auch Valli Amma, Valliyammai, Valli Devi, Valli Nachiyar
Tamil வள்ளி (Vaḷḷi)
Bedeutung „Schlingpflanze, Ranke“; auch eine essbare Knolle (Valli-Kizhangu)
Gemahl Murugan (Subrahmanya, Skanda, Kartikeya)
Mitgemahlin Deivanai (Devasena), in der Vorgeschichte ihre Schwester
Frühere Gestalt Sundaravalli, Tochter Vishnus
Pflegevater Nambi (Nambirajan), Häuptling der Bergbewohner (Kuravar)
Geburtsort nach der Überlieferung Vallimalai (Tamil Nadu); in Sri Lanka Kataragama
Hochzeitsort Tiruttani; in Sri Lanka Kataragama
Symbolik Iccha Shakti, die Kraft des Wollens und der Liebe; die Seele, die Gott sucht und von Gott gesucht wird
Wichtigste Quelle Kanda Puranam von Kachiyappa Shivachariyar
Feste Valli Kalyanam (Hochzeitsfest), besonders an Panguni Uttiram
Mantra Om Valli Devasena Sameta Sri Subrahmanya Swamine Namah

Name und Bedeutung

Das Wort Valli bedeutet im Tamil wie im Sanskrit „Schlingpflanze, Ranke“. Im Tamil bezeichnet es außerdem eine essbare Wurzelknolle, die die Bergbewohner ausgruben. Nach der Überlieferung wurde das Kind an einer Stelle gefunden, an der solche Valli-Knollen wuchsen oder in einer Ranke lag, und erhielt deshalb seinen Namen.

Das Bild der Ranke hat eine schöne spirituelle Bedeutung: Wie eine Schlingpflanze sich um einen Baum windet und an ihm zum Licht emporwächst, so klammert sich die liebende Seele an Gott und wächst an ihm empor. Zur Bedeutung des Wortes im Sanskrit, etwa als Bezeichnung für die Kapitel mancher Upanishaden, siehe den Artikel Valli.

Murugan trägt als Gemahl Vallis die liebevollen tamilischen Beinamen Valli Manalan („Bräutigam Vallis“) und Valli Nayakan („Herr Vallis“).

Überlieferung und Hintergrund

Ihre ausführliche Liebesgeschichte steht im Kanda Puranam von Kachiyappa Shivachariyar. Sie gehört zur religiösen Erzählung, nicht zu einer datierbaren menschlichen Biografie. Neben der höfisch-himmlischen Welt Deivanais eröffnet Valli die Landschaft der Berge, Felder und kleinen Siedlungen.

Die Vorgeschichte: Die Töchter Vishnus

Nach dem Kanda Puranam, der tamilischen Fassung des Skanda Purana, waren Valli und Deivanai in einer früheren Existenz Schwestern: Sundaravalli und Amritavalli, zwei Töchter Vishnus. Die Überlieferung erzählt, sie seien aus Freudentränen Vishnus hervorgegangen, oder aus dem Licht seiner Augen. Beide verliebten sich in Murugan und wünschten sich, ihn zu heiraten. Sie übten lange Askese, bis Murugan ihnen erschien. Er erklärte, er müsse zuerst den Dämon Surapadma besiegen, und versprach, sie in ihrer nächsten Geburt zu heiraten.

So wurde Amritavalli als Deivanai (Devasena) geboren, die Tochter des Götterkönigs Indra, und Sundaravalli als Valli auf der Erde, unter den Bergbewohnern. Nach Murugans Sieg über Surapadma heiratete er zuerst Deivanai in Tirupparankundram, später Valli in Tiruttani.

Die Legende vom Fluch des Kanva

Eine andere Überlieferung erzählt Vallis Herkunft so:

Upendra, einer der Avatare Vishnus, machte sich einst auf den Weg nach Vaikuntha, um das Darshana der Adimurti, Gott Vishnu und Maha Lakshmi, zu erhalten. Als sie zu dritt in der Halle zusammensaßen kam der große Weise Kanva Rishi dazu. Zum seinem Ärger wurde er von keinem der Drei seinem Status entsprechend ehrenvoll willkommen geheißen. Im Zorn verfluchte er sie wie folgt. Vishnu sollte als ein stummer Weiser geboren werden, der über viele Geburten hinweg Shiva zu verehren hatte. Lakshmi sollte als Reh geboren werden, das durch die Wälder streift. Upendra sollte als Jäger geboren werden.

Um die Auswirkungen des Fluches zu reduzieren unterzog Sich Vishnu strengster Askese auf Shiva. Shiva erschien ihm und, wissend über den Grund des Tapas seines Bhaktas, rief er Kanva Rishi und hieß ihn, die Dauer von "viele Geburten" auf "eine Geburt" zu reduzieren. So geschah es. Vishnu kam danach als Sivamuni in die Welt, ein stummer Heiliger, und lebte im selben Wald, in dem Upendra als Jäger herumzog und Lakshmi als Reh weilte. Wie vorherbestimmt sah der Weise Sivamuni das hübsche Reh und fühlte sich zu ihm hingezogen. Das Reh erwiderte seltsamerweise die Zuneigung des Weisen. In der Folge gebar das Reh ein menschliches Kind, ein Mädchen. Die Verschiedenheit des Kindes wahrnehmend, verstieß das Reh das Kind und verließ den Wald. Upendra, der Jäger, kam zufällig an dem Platz vorbei, an dem das Mädchen weinend in einer Vallikodi (Kletterpflanze) lag. Er nannte es Valli, da er es in einer Vallikodi gefunden hatte, und zog es auf.

In beiden Fassungen ist Valli also mit Vishnu und Lakshmi verbunden. Die Geschichte verbindet so die Verehrung Murugans, des Sohnes Shivas, mit der Welt Vishnus.

Murugan mit seinen zwei Frauen Valli und Deivayanai.

Geschichten über Valli

Das Kind zwischen den Wurzeln

Am Berg Valli Malai entdeckt der Jägerführer Nambi ein verlassenes Mädchen. Die wundersame Vorgeschichte verbindet seine Geburt mit einer Hirschkuh. Gefunden wird das Kind an einer Stelle, an der essbare Valli-Wurzeln ausgegraben werden. Nambi und seine Frau nehmen es freudig auf; nach diesem Fund erhält es seinen Namen.

So beginnt die Geschichte nicht mit einem Palast. Ein Kind wird angenommen und wächst in einer Gemeinschaft heran, deren Leben von den Bergen und ihren Gaben geprägt ist. Als Valli größer ist, hütet sie das Hirsefeld. Sie vertreibt die Vögel, die sich an den Ähren nähren wollen. Die Arbeit ist einfach und notwendig. Gerade dort aber nähert sich der Gott.

Narada erzählt von Valli

Der himmlische Weise Narada kommt in die Berge, sieht Valli auf ihrem Feld und erkennt in ihr die Sundaravalli der früheren Geburt. Er eilt zu Murugan und erzählt ihm von dem Mädchen, das in den Bergen lebt und dessen Herz ganz ihm gehört. Da macht sich Murugan auf, um Valli zu gewinnen.

Narada, der himmlische Weise, der Murugan von Valli erzählte.

Der fremde Jäger

Murugan erscheint als junger Jäger und spricht Valli an. Sie erkennt ihn zunächst nicht. Als ihr Vater mit Begleitern kommt, verwandelt sich der Besucher in einen Baum. Nach ihrem Weggang steht er wieder vor ihr. Die Begegnung führt durch wechselnde Gestalten; die göttliche Nähe lässt sich nicht schon an der ersten äußeren Erscheinung ablesen. In manchen Fassungen erscheint Murugan auch als Händler, der Armreifen verkauft.

Später tritt Murugan als alter Asket auf. Valli begegnet ihm in dieser Rolle und hilft ihm. Als er jedoch um ihre Liebe wirbt, weist sie ihn zurück. Ihre Liebe gehört dem Gott, den sie verehrt, nicht einfach jedem fremden Mann, der sie darum bittet.

Der Elefant und das Wiedererkennen

Nun greift Ganesha in das göttliche Spiel ein. Er erscheint als bedrohlicher Elefant. Erschrocken sucht Valli beim vermeintlichen Asketen Schutz. Im weiteren Verlauf enthüllt Murugan seine wahre Gestalt. Sie erkennt den Geliebten, dem ihr Herz bereits zugewandt war.

Die Erzählung ist damit noch nicht zu Ende. Die Verbindung muss auch in der Welt ihrer Familie sichtbar werden. Es kommt zu Widerstand und Verfolgung; schließlich werden die Angehörigen in die Versöhnung einbezogen. Die Hochzeit besiegelt, was in der Sehnsucht bereits begonnen hatte. Valli wird nicht aus der heiligen Geschichte verdrängt, weil sie aus einer anderen Lebenswelt kommt. Diese Lebenswelt erhält durch sie einen bleibenden Platz an Murugans Seite.[1]

Nach der verbreiteten Überlieferung fliehen Valli und Murugan gemeinsam aus den Bergen. Als Nambi und seine Jäger sie verfolgen und angreifen, sterben sie im Kampf; auf Vallis Bitte erweckt Murugan sie wieder zum Leben. Danach wird die Hochzeit in Einverständnis mit der Familie gefeiert. Das Paar lässt sich in Tiruttani nieder, einem der sechs heiligen Wohnorte Murugans.

Die Überlieferung in Sri Lanka

In Sri Lanka wird die Geschichte in Kataragama verortet, im Süden der Insel. Hier gilt Valli als Tochter des Volkes der Vedda, der Ureinwohner Sri Lankas, die sie bis heute als eine der Ihren verehren. Nach dieser Überlieferung blieb Murugan nach der Hochzeit bei Valli im Wald von Kataragama und kehrte nicht in die Welt der Götter zurück. Der Tempel von Kataragama ist heute einer der wenigen heiligen Orte, die von Hindus, Buddhisten, Muslimen und Vedda gemeinsam verehrt werden.

Betrachtung: Die Liebe auf dem Feld

Die Elefantenszene gehört zur eigentümlichen Dramaturgie dieses Mythos. Sie ist kein Vorbild dafür, einen Menschen durch Angst zur Liebe zu bewegen. Der geistige Reiz liegt in der schrittweisen Enthüllung des göttlichen Gegenübers und in der Würdigung Vallis beständiger Sehnsucht.

Ihr Hirsefeld bleibt dabei ein tröstliches Bild. Man muss den Alltag nicht erst hinter sich lassen, um für das Heilige offen zu werden. Auch die wiederkehrende Aufgabe kann ein Ort der Begegnung sein. Hingabe beginnt dort, wo ein Mensch tatsächlich lebt.

Murugan: Der göttliche Lehrer steht im Mittelpunkt vieler tamilischer Heiligenüberlieferungen.

Die spirituelle Deutung der Geschichte

Valli, die Seele

Valli repräsentiert den Jiva der von seinem Ursprung, der Subrahmanya, der ewigen Glückseligkeit, Paramatman, getrennt wurde. Der getrennte Jiva irrt in der Wildnis des Waldes dieser Welt aufgrund von Avidya umher. Um den unwissenden Jiva zu erretten erscheint der Guru in Gestalt des Rishis Narada, mit dessen Hilfe die Hochzeit zwischen Valli und Murugan, die Hochzeit des Jivas mit Brahman, stattfinden kann. Da der Jiva unerschütterliches Vertrauen in den Herrn hat, war Valli dazu bestimmt, nur Murugan zu heiraten und war in der Lage, ihre Ambitionen trotz vieler Hindernisse zu erkennen.

Durch Vairagya und Viveka konnte der Jiva, Valli, sich aus dem Griff der Maya – dargestellt durch ihre Eltern und weitere Hindernisse – befreien und sich mit Subrahmanya, der Höchsten Glückseligkeit, vereinen. Untersuchen wir den esoterischen Gedanken, der sich in dieser Geschichte verbirgt. Der dunkle Wald ist Tamas; die grausamen Jäger sind Rajas. Valli ist der Jiva, den diese beiden im Griff haben. Das Bewachen des Getreides ist ihr intensives Sadhana, um Paramatman zu erkennen. Die Vögel, die die Körner aufpicken, sind die Hindernisse auf ihrem Sadhana. Um sich selbst zu retten hält sie in ihren Händen die Schleuder, die Viveka repräsentiert, und nimmt die Steine, welche Vairagya repräsentieren. So vertreibt sie die Hindernisse. Um die Stetigkeit ihres Sadhanas zu prüfen erscheint ihr Murugan in verschiedenen Gestalten und lehrt sie am Ende die Bedeutung von Pranava in Form des Elefanten. Das sie umhüllende Rajas (symbolisiert durch die Jäger) wird überwältigt und in Suddha Sattva transformiert. Danach ist der Jiva erkannt und eins mit Para Brahman.

Gott sucht die Seele

Eine Besonderheit der Valli-Geschichte ist, dass nicht nur Valli sich nach Murugan sehnt, sondern dass der Gott selbst zu ihr kommt, um sie wirbt, sich verkleidet, sich zurückweisen lässt und nicht aufgibt. In der tamilischen Frömmigkeit gilt dies als schönstes Bild der göttlichen Gnade: Gott steigt zum Menschen herab, dorthin, wo er lebt, in den Wald und auf das Feld. Die Seele muss nicht erst in den Himmel aufsteigen; der Himmel kommt zu ihr.

Iccha Shakti, Kriya Shakti und Jnana Shakti

In der Theologie der Murugan-Verehrung werden Murugans zwei Gemahlinnen und seine Lanze (Vel) als drei göttliche Kräfte gedeutet: Valli ist die Iccha Shakti, die Kraft des Wollens, der Sehnsucht und der Liebe; Deivanai ist die Kriya Shakti, die Kraft des Handelns; und die Lanze Vel ist die Jnana Shakti, die Kraft der Erkenntnis. Murugan mit Valli und Deivanai verkörpert so die Einheit von Liebe, Tat und Weisheit.

Zwei Wege der Liebe

Die tamilische Literatur kennt zwei Formen der Liebe: Kalavu, die heimliche, spontane Liebe, die sich ohne Vermittlung der Familie findet, und Karpu, die geordnete, von der Gemeinschaft getragene Ehe. Die Literaturwissenschaft hat darauf hingewiesen, dass Valli mit der ersten, Deivanai mit der zweiten Form verbunden ist.[2] Spirituell lässt sich darin die Ergänzung zweier Wege sehen: die spontane, glühende Liebe des Herzens und die geordnete, beständige Verehrung im Ritual und im Leben der Gemeinschaft. Beide haben ihren Platz an der Seite Gottes.

Geschichte der Verehrung

Wurzeln in der Sangam-Zeit

Die Geschichte von Valli ist tief in der tamilischen Kultur verwurzelt. In der Dichtung der Sangam-Zeit ist Murugan der Gott der Berglandschaft Kurinji, der Landschaft der Begegnung der Liebenden. Ein häufiges Motiv dieser Dichtung ist das junge Mädchen, das auf dem Hirsefeld in den Bergen die Papageien verscheucht und dort ihrem Geliebten begegnet, genau wie Valli. In den Liedern der Sangam-Sammlung Paripatal wird bereits Murugans Liebe zu einem Mädchen der Bergbewohner besungen. Valli ist gewissermaßen die göttliche Gestalt dieser alten tamilischen Liebesdichtung.

Das Kanda Puranam

Ihre ausführlichste Gestalt erhielt die Geschichte im Kanda Puranam, der großen tamilischen Dichtung über Murugan, die Kachiyappa Shivachariyar im Mittelalter nach dem Vorbild des Skanda Purana verfasste. Hier wird die Hochzeit Vallis in einem eigenen Kapitel mit über 260 Versen erzählt.

Arunagirinathar und die Tiruppugazh

Im 15. Jahrhundert besang der Dichter Arunagirinathar Murugan in Tausenden von Liedern der Tiruppugazh und in der Kandar Anubhuti. Immer wieder ruft er ihn als Geliebten Vallis an, der zu den Füßen der Bergmaid lag. Die Liebe Murugans zu Valli wird bei ihm zum Bild für die Gnade, mit der Gott sich der Seele zuwendet.

Vallimalai Swamigal und die neuere Zeit

Im 20. Jahrhundert belebte Vallimalai Satchidananda Swamigal (Vallimalai Swamigal) die Verehrung am Berg Vallimalai. Er gründete dort ein Ashram und verbreitete das gemeinsame Singen der Tiruppugazh-Lieder, das bis heute gepflegt wird.

Volkskultur

Die Geschichte von Valli und Murugan ist auch ein beliebter Stoff der tamilischen Volkskultur. Das Theaterstück Valli Tirumanam („Vallis Hochzeit“) gehört zu den bekanntesten Stücken des tamilischen Volkstheaters, und die Geschichte wurde auch mehrfach verfilmt. In den Dörfern werden Lieder über Valli gesungen, und bei Tempelfesten wird ihre Hochzeit nachgespielt.

Darstellung

In den Tempeln wird Murugan meist zusammen mit Valli und Deivanai dargestellt, die zu seinen beiden Seiten stehen. Valli wird oft mit dunkler oder grünlicher Hautfarbe gezeigt, als Tochter der Wälder und Berge, und hält häufig eine Lotusblume. Deivanai erscheint meist mit heller, goldener Hautfarbe. Im Tempel von Tiruttani steht Valli zur Rechten Murugans, Deivanai zu seiner Linken.

Tempel

Valli wird in fast allen Murugan-Tempeln an der Seite ihres Gemahls verehrt. Einige Orte sind besonders mit ihr verbunden:

  • Vallimalai (bei Vellore, Tamil Nadu): Nach der Überlieferung der Geburtsort Vallis und der Ort ihrer Begegnung mit Murugan. Auf dem Berg befindet sich ein alter Höhlentempel mit Murugan, Valli und Deivanai, ein heiliger Teich (Saravana Poigai) und ein eigener Schrein für Valli. Pilger zeigen die Stelle, an der Valli sich mit Kurkuma badete, und die Stelle, an der Murugan sich in einen Baum verwandelte. Auf dem Berg liegt auch das Tiruppugazh-Ashram von Vallimalai Swamigal.
  • Tiruttani (Tamil Nadu): Einer der sechs heiligen Wohnorte Murugans (Arupadai Veedu). Hier ließen sich Murugan und Valli nach ihrer Hochzeit nieder, und die Hochzeit wird hier besonders gefeiert.
  • Kataragama (Sri Lanka): Nach srilankischer Überlieferung der Ort der Begegnung und Hochzeit. Valli Amma hat hier einen eigenen Schrein, und Menschen verschiedener Religionen pilgern zu diesem Ort.
  • Valliyur (bei Tirunelveli, Tamil Nadu): Ein Murugan-Tempel, dessen Name an Valli erinnert.
  • Okanda (Ostküste Sri Lankas): Auf einem der beiden Felshügel des Heiligtums steht ein Schrein für Valli Amman.

Feste

  • Panguni Uttiram (März/April): Das Fest der göttlichen Hochzeiten. In vielen Murugan-Tempeln wird an diesem Tag die Hochzeit Murugans mit Valli (Valli Kalyanam) gefeiert.
  • Skanda Shashti (Oktober/November): Das Fest von Murugans Sieg über den Dämon Surapadma, dem in vielen Tempeln die Hochzeit mit Deivanai folgt.
  • Das Fest von Kataragama (Juli/August): Das große jährliche Fest in Kataragama, zu dem Pilger aus ganz Sri Lanka kommen, viele von ihnen zu Fuß.

Mantras und Lieder

Valli wird meist gemeinsam mit Murugan angerufen. Ein verbreitetes Mantra lautet:

Om Valli Devasena Sameta Sri Subrahmanya Swamine Namah

Om, Verehrung dem erhabenen Subrahmanya, der mit Valli und Devasena vereint ist.

Weitere Mantras und Kirtans der Murugan-Verehrung, in denen Valli mitverehrt wird:

  • Om Saravanabhava, das sechssilbige Mantra Murugans.
  • Die Kirtans Subrahmanya Subrahmanya Shanmukhanatha Subrahmanya und Subrahmanya Subrahmanya Sharavanabhava, die auch in den Satsangs von Yoga Vidya gesungen werden.
  • Die Lieder der Tiruppugazh und der Kandar Anubhuti von Arunagirinathar, die Murugan oft als Vallis Geliebten preisen. Einige Verse der Kandar Anubhuti findest du unter den Weblinks in deutscher Übersetzung.

Spirituelle Bedeutung

Valli steht für die persönliche, sehnsüchtige Seite der Bhakti. Ihre Erzählung verbindet die Landschaft tamilischer Liebesdichtung mit der Verehrung Murugans.

Im Bhakti Yoga kennt man verschiedene Haltungen der Liebe zu Gott (Bhavas). Valli verkörpert Madhurya Bhava, die Liebe zu Gott als dem Geliebten, wie sie auch die Gopis zu Krishna empfanden. Ihre Geschichte zeigt, dass diese Liebe beständig sein muss: Valli bleibt Murugan treu, auch als er sie in fremden Gestalten prüft. Sie zeigt zugleich, dass es Unterscheidungskraft braucht, um Gott auch in unerwarteter Gestalt zu erkennen.

Valli als Iccha Shakti erinnert daran, dass auch die Sehnsucht eine spirituelle Kraft ist. Im Vedanta heißt das brennende Verlangen nach Befreiung Mumukshutva. Wenn die Kraft des Wollens nicht auf vergängliche Dinge, sondern auf Gott gerichtet ist, wird sie zur Kraft, die zur Vereinigung führt.

Werke und weiterführende Texte

Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten

Murugan ist ihr göttlicher Gemahl, Deivanai seine andere Gemahlin. Ganesha hilft im Liebesspiel. Narada erzählt Murugan von Valli. Kachiyappa Shivachariyar überliefert die große dichterische Fassung. Arunagirinathar besingt Murugan als Vallis Geliebten. Vallimalai Satchidananda Swami verbindet die neuere Tiruppugazh-Praxis mit der Landschaft von Valli Malai. Nakkirars Tirumurukarruppatai beschreibt die heiligen Orte Murugans, darunter Tiruttani.

Anregungen für Yoga und Meditation

Erinnere dich während einer alltäglichen Tätigkeit an ein Bild oder einen Namen, der dein Herz öffnet. Im Yoga lässt sich dies als bewusste Verbindung von Achtsamkeit, Mitgefühl und tätiger Verantwortung üben. Eine kurze Meditation kann damit beginnen, den Atem natürlich fließen zu lassen und die gewählte Anregung ohne Selbstverurteilung zu betrachten. Entscheidend ist anschließend eine kleine, tatsächlich ausgeführte Handlung.

Weitere Anregungen:

  • Das Hirsefeld des Herzens: Betrachte in einer Meditation, welche „Vögel“, also welche Gedanken und Ablenkungen, immer wieder an deinem inneren Feld picken. Vertreibe sie sanft mit der Schleuder der Unterscheidung, wie Valli.
  • Gott in unerwarteter Gestalt: Frage dich heute bei einer Begegnung: Könnte sich auch in diesem Menschen, in dieser Situation das Göttliche verbergen?
  • Mantra-Praxis: Wiederhole Om Saravanabhava oder Om Valli Devasena Sameta Sri Subrahmanya Swamine Namah und öffne dein Herz für die Liebe, die Gott und Seele verbindet.
Symbolbild: Hingabe und innere Sammlung lassen das Herz weit werden.

Ein Gedanke für den Alltag

Schenke einer einfachen Aufgabe heute dieselbe Aufmerksamkeit, die du einem heiligen Ort schenken würdest.

Häufige Fragen zu Valli

Wer ist Valli?
Valli ist eine der beiden Gemahlinnen Murugans (Subrahmanya, Skanda) in der tamilischen Überlieferung. Sie wuchs als Tochter eines Häuptlings der Bergbewohner auf und wurde von Murugan in verschiedenen Verkleidungen umworben.

Was bedeutet der Name Valli?
Valli bedeutet „Schlingpflanze, Ranke“ und bezeichnet im Tamil auch eine essbare Wurzelknolle, an deren Fundort sie als Kind gefunden wurde.

Wer ist Vallis Mitgemahlin?
Deivanai (Devasena), die Tochter des Götterkönigs Indra. Nach dem Kanda Puranam waren Valli und Deivanai in einer früheren Geburt Schwestern, Töchter Vishnus.

Was symbolisiert Valli?
Valli gilt als Iccha Shakti, die Kraft des Wollens und der Liebe, und als Sinnbild der Seele, die sich nach Gott sehnt und von Gott gesucht wird.

Wo wird Valli besonders verehrt?
In Vallimalai, ihrem Geburtsort nach der Überlieferung, in Tiruttani, wo sie mit Murugan lebte, in Kataragama in Sri Lanka und in fast allen Murugan-Tempeln an der Seite ihres Gemahls.

Wann wird Vallis Hochzeit gefeiert?
Besonders an Panguni Uttiram im März oder April, dem Fest der göttlichen Hochzeiten.

Videos zur Vertiefung

Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.

Ankommenssatsang - Kirtan, Mantra und Arati mit Sukadev - Yoga Vidya Live, 15.07.2022, 20:00 Uhr

Licht-Meditation mit Sukadev

Sukadev über das Sanskritwort Valli

Symbolbild für Vertrauen, Gelassenheit und eine lebendige Meditationspraxis.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  1. ↑ Kanda Puranam, Daksha-Kandam, Valliyammai Tirumana Padalam, Verse 1801–2067; eigene Nacherzählung der klassischen Legende.
  2. ↑ Kamil Zvelebil: Murugan and Valli, literaturwissenschaftliche Einordnung.

Weblinks

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