Tschhakli

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Tschhakli ist eine Upanishad, die in der Oupnek'hat-Sammlung aufgeführt wird. Es geht darin um die Frage, ob die Geburt einen Brahmanen ausmache und darauf aufbauend, ob das Wesen des Menschen im Körper oder der Seele zu suchen sei.[1]

Indra: "Wie ohne Lenker ein Wagen nicht umläuft, tönt und sich bewegt, so auch der Leib, wenn ausziehend die Seele ihn verlassen hat." Zitat: Tschhakli

Tschhakli (Chagaleya Upanishad?) mit Erläuterungen von Paul Deussen

Artikel aus "Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 1008 - 1012.

Einleitung

Der weise Tschhakli, nach dem diese Upanishad benannt ist, wird von Stenzler und Weber als Chagaleya gedeutet, und wir wüßten diese Vermutung durch nichts Besseres zu ersetzen, da Cakrayana (Chand. 1, 10) dem Lautwert nach zu fern liegt, auch Brih. 3, 4 als Tschekrain wiedergegeben wird. Auch in der Deutung von Nimkehar als Naimishawald (Naimisharanyam) und K'herk'hit als Kurukshetram schließen wir uns an Weber an.

Das Thema der Upanishad ist nicht streng festgehalten; im Anfang handelt es sich darum, ob die Geburt den Brahmanen ausmache; im weiteren Verlaufe darum, ob das Wesen des Menschen im Leib oder der Seele zu suchen sei. Als Grundgedanken kann man allenfalls, beides vermittelnd, aufstellen, daß nicht die Geburt den Brahmanen ausmache, weil nur der Leib geboren werde, das Wesen des Menschen aber in der Seele zu suchen sei.

Eine Zeitbestimmung ist aus dem Inhalt schwerlich zu gewinnen, da die Frage, worin das Wesen des Brahmanen bestehe, zu jeder Zeit, von Chand. 4, 4 an bis hinab zur Vajrasucika, möglich war, und der Vergleich von Leib und Seele mit dem Wagen und seinem Lenker sowohl abhängig als auch unabhängig von Kath. 3, 3 aufgestellt werden konnte. Die "wie die Kinder Lebenden" scheinen allerdings Brih. 3, 5 zur Voraussetzung zu haben, wenn nicht etwa an die zwerghaften Valakhilyas zu denken ist.

Der Form nach macht das Stück freilich den Eindruck, einer sehr späten Zeit anzugehören, aber wir wissen nicht, wie viel hierbei auf Rechnung der von den persischen Übersetzern eingefügten Erläuterungen zu setzen ist.

Tschhakli

Es begab sich, daß die Rishis am Ufer der Sarasvati ein Opfer veranstalteten. Da saß unter ihnen ein Brahmane, von dem sagten die Rishis: "Wir müssen ihn ausschließen, denn seine Mutter ist eine Magd, und es ist gegen die Vorschrift, daß ein solcher beim Opfer zugegen sei." - Da sprach der Brahmane: "Ihr verehrungswürdigen Opferbringer und Vedakenner, welches ist diese eure Größe, die in mir nicht wäre?" - Und sie sprachen: "Dieses ist unsere Größe, daß wir geborene Brahmanen sind." - Und er sprach: "Was ist jenes Brahman in euch, das in mir nicht wäre?" - Die Rishis sprachen: "Wer im Haus eines Brahmanen geboren ist und das Werk der Brahmanen vollbringt, jene Werke, die im Veda geboten sind, der ist ein Brahmane."

Da zeigte er ihnen einen Toten, der lag am Ufer des Flusses; und er sprach zu ihnen: "Auch dieser, welcher tot hier liegt, ist ein Brahmane und hat alle Werke des Veda vollbracht; warum nennt man nicht diesen Toten einen Brahmanen? Wenn ihr den Leib für den Brahmanen haltet, so müßt ihr auch diesen für einen Brahmanen halten; denn die Werke sind nicht aus dem Leib ausgezogen." - Die Rishis sprachen: "Wir wissen nicht, was aus ihm ausgezogen ist, nach dessen Auszug wir ihn nicht mehr einen Brahmanen nennen." - Er sprach: "Im Naimishawald (Nimkehar) war eine heilige Stätte, weil die Brahmanen dort ein Opfer veranstaltet hatten. Dieser Tote war unter jenen Brahmanen zur Zeit des Opfers und wußte alles Wissen und vollbrachte die Werke. Was ist aus diesem, seinem Wissen geworden?" - Da waren die Rishis bestürzt, nahten sich ihm als Schüler und sprachen: "Wir wissen es nicht! Laß uns deine Schüler sein, belehre uns!" - Er aber sprach lächelnd: "Das ist doch gegen den Strich, daß ein Niedriger so Große und Edle zu Schülern haben sollte!" - Die Rishis sprachen: "Wenn es also ist, so nimm uns nicht als Schüler an, aber zeige uns an, wohin wir gehen sollen!" - Er sprach: "In Kurukshetram (K'herk'hit) sind sie versammelt, welche wie die [www.yoga-vidya.de/kinderyoga.html Kinder] leben; so macht euch auf und geht hin zu ihnen; sie werden euch die Wahrheit darüber mitteilen."

Da machten sich die Rishis auf und gingen nach Kurukshetram zu jenen hin, welche wie die Kinder leben. Als sie dort ankamen, forschten jene nach ihrem Begehr und sprachen: "Wir leben wie die Kinder; warum seid ihr zu uns gekommen, die ihr groß seid und alt und weise und vedakundig? Auch hier gibt es solche, die alt sind und weise und groß und vedakundig und von großem Reichtum; warum geht ihr nicht zu ihnen sondern zu uns?" - Als die Rishis diese Rede hörten, waren sie bestürzt, sahen einander an und sprachen: "Der uns angewiesen hat, zu euch zu gehen wie Schüler zu ihrem Lehrer, der hat uns hergesandt, und wir sind, auf ihn vertrauend, zu euch gekommen." - "So sagt denn, was ihr von uns wollt", sprachen sie. - Und die Rishis sprachen: "Als die Brahmanen das Opfer im Naimishawalde veranstalteten, war unter ihnen ein Brahmane aus dem Geschlecht des Atri, der wußte alles Wissen und vollbrachte alle Werke. Was ist nun, nachdem er gestorben und sein Leib dahingefallen ist, aus diesem seinem Wissen geworden?" - Sie sprachen: "Wir haben von unseren Vorfahren die Sitte überkommen, daß wir niemand als Schüler annehmen, der uns nicht vorher ein Jahr lang gedient hat. Wenn ihr ein Jahr lang hier verweilen und uns dienen wollt, so werden wir mit euch reden."

Und sie blieben ein Jahr und dieneten ihnen. Darauf sprachen die wie die Kinder Lebenden zu den Rishis: "Nachdem ihr uns nun ein Jahr lang gedient, wollen wir mit euch reden." - Und sie nahmen sie an der Hand und führten sie an einen Weg, auf dem fuhren Wagenfahrer mit ihren Wagen vorüber; und sie sprachen: "0 ihr Wahrheitliebenden, seht ihr dies?" - "Was?" sprachen sie. - "Den Wagen" sprachen sie. - Die Rishis sprachen: "Wohl sehen wir den Wagen; aber warum wollt ihr, daß wir ihn sehen?" - Sie sprachen: "Wie die Wagenrosse, gleich Meereswellen, springen und laufen, also springt und läuft auch der Wagen; wohin immer die Pferde gehen, dahin geht der Wagen und bringt den Wagenfahrer ans Ziel. Also verhält sich dieses." - Die Rishis sprachen: "So ist es, und alle fahren auf den Wagen, bis sie zur Abendzeit ans Ziel gelangen."

Da hielt der Wagenlenker den Wagen an, stieg ab und schirrte die Pferde los. Und sie sprachen zu den Rishis: "Seht, wie jetzt der Wagen, gleich einem bloßen Holzstück, dasteht, ohne zu fahren, umzulaufen oder sich zu bewegen. Was ist es", so fragten sie, "das den Wagen verlassen hat, so daß er, statt zu laufen, unbeweglich steht?" - Die Rishis sprachen: "Der Wagenlenker hat ihn verlassen." - Da sprachen sie: "Wie ihr den Wagen ohne Bewegung stehen seht, nachdem der Wagenlenker ihn verlassen, so ist, o ihr Wahrheitliebenden, auch dieser Körper ohne Bewegung, nachdem die Seele (Jivatman) ihn verlassen hat. Die Seele ist es, die den Körper bewegt; die Sinne sind die Rosse des Wagens, die Sehnen sind die Stricke, die seine Teile zusammenhalten, die Knochen sind die Holzteile, das Blut ist das Öl, das man ihm einträufelt, damit er laufe; das Werk ist der Stab, mit dem man die Pferde antreibt; die Rede ist das Knarren des Wagens, die Haut ist seine Decke. - Und gleichwie der Wagenlenker den Wagen verläßt, also daß er ohne Bewegung steht, so auch gelangt die Seele, den Stand des Wachens verlassend, zum Träumen, und den Stand des Träumens verlassend, zum Tiefschlaf (Sushupti), welcher von Erkenntnisart (Prajna) ist. Und wenn sie auch diesen Stand verläßt, sich losmacht, nicht wieder hierher zurückkehrt und den Leib losläßt, dann steht dieser Wagen des Leibes ohne Bewegung und tönt nicht mehr und riecht übel, und man berührt ihn nicht, und die Hunde und Krähen und Geier und Schakale zerfleischen ihn." -

Da verstanden die Rishis, was die Wahrheit ist, und daß das, durch dessen Auszug der Leib zum Leichnam wird, die Seele ist, und daß der Leib niedrig und die Seele hoch ist, und daß niemals der Leib hoch und die Seele niedrig genannt werden kann.

Als die Rishis diese Wahrheit wohl begriffen hatten, berührten sie die Füße von jenen und sprachen: "Wahrlich, wir haben kein Gut, das wir, als dem gleichwertig, was ihr uns gelehrt habt, euch als Gabe darbieten und geben könnten. Hier stehen wir mit ehrfurchtsvoll verbundenen Händen." -

Diese Erzählung berichtete der Rishi Chagaleya und sprach diesen Mantra des Veda:

Sadhu Japa Sadhana.JPG
Wie ohne Lenker ein Wagen
Nicht umläuft, tönt und sich bewegt,
So auch der Leib, wenn ausziehend
Die Seele ihn verlassen hat.
Und wie des Wagens Werkzeuge
Ohne den Lenker tatlos sind,
So auch des Körpers Werkzeuge
Tatlos ohne die Seele sind.
Und wenn auch einen, der tot ist,
Die Seinigen betrauern all,
So werden sie dadurch bringen
Keinen Nutzen dem toten Leib.

Fußnoten

  1. s. "Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 1008.

Siehe auch

Literatur

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