Pranatosini Tantra

Aus Yogawiki
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Pranatosini Tantra (Sanskrit: प्राणतोषिणी, Prāṇatoṣiṇī) ist eine umfangreiche tantrische Wissenssammlung des bengalischen Gelehrten Rāmatoṣaṇa Vidyālaṅkāra Bhaṭṭācārya. Sie verbindet die Verehrung von Shakti, Shiva und weiteren Gottheiten mit Mantra, Puja, Einweihung, Yoga und der Frage nach befreiender Erkenntnis. Ihr Reichtum liegt im Gespräch vieler Stimmen: Ältere Tantras, Purāṇas, Yoga-Schriften und philosophische Erläuterungen werden zu einer weit gespannten Darstellung spirituellen Lebens zusammengeführt.

Shiva und Shakti: Bewusstsein und schöpferische Kraft sind ein Leitmotiv der Prāṇatoṣiṇī.

Für ernsthafte Aspiranten eröffnet das Werk eine anspruchsvolle Perspektive: Spirituelle Praxis betrifft Sprache und Denken, Körper und Atem, Hingabe und Unterscheidungskraft. Ein Mantra ist hier mehr als eine Lautfolge; Guru-Unterweisung mehr als die Vermittlung von Informationen. Die äußere Form der Verehrung gewinnt ihre Tiefe aus dem Erkennen dessen, dem sie gilt. Zugleich begegnen dem Leser historische Ritualwelten, deren Voraussetzungen nicht mit denen heutiger Yogakurse gleichgesetzt werden können.

Umfang dieser Ausgabe: Die deutsche Lesefassung erschließt die sieben Kāṇḍas einschließlich ihrer erhaltenen Vorreden, Erläuterungen und des abschließenden Nachtrags. Sie verteilt sich auf sieben Artikel. Die Überlieferungslücke im Bhaktikāṇḍa bleibt offen. Vier Passagen des Nirguṇakāṇḍa werden ausschließlich sachlich zusammengefasst; weitere ausführliche Ritualbeschreibungen sind dort stellenweise verdichtet. Näheres erläutert der Abschnitt zur Textgrundlage. Es wird deshalb keine lückenlose, überall wörtliche Wiedergabe des historischen Gesamtwerks behauptet.

Nächster Teil: Dharmakāṇḍa

Sanskrit: Pranatosini Tantra Sanskrit IAST · Pranatosini Tantra Sanskrit Devanagari

Titel, Verfasser und Überlieferung

Prāṇa kann Leben, Lebenshauch oder Lebenskraft bedeuten; toṣiṇī bezeichnet eine Erfreuende oder Zufriedenstellende. „Die das Leben Erfreuende“ ist daher eine mögliche sprachliche Deutung. Der konkrete Werkkontext legt zusätzlich einen Bezug zum Förderer Prāṇakṛṣṇa Viśvāsa nahe: Die Vorrede und zahlreiche Schlussverse nennen ihn ausdrücklich, und der Verfasser erklärt, auf seine Veranlassung zu schreiben. Den Titel allein als Hinweis auf Pranayama zu verstehen, würde den Charakter des Werkes verengen.

Die Forschung datiert den Abschluss der Kompilation auf 1820 und ordnet sie Bengalen zu.[1] Die Sanskritgrundlage nennt eine von Jīvānanda Vidyāsāgara Bhaṭṭācārya herausgegebene Druckausgabe von 1898. Entstehungszeit und Erscheinungsjahr dieser späteren Ausgabe sind somit zu unterscheiden.

Rāmatoṣaṇa versteht seine Tätigkeit ausdrücklich als Sammeln und Erläutern. Er setzt sich mit dem Tantrasāra seiner Familientradition auseinander, ergänzt dort nicht angeführte Belege und erklärt strittige Formulierungen. Die Prāṇatoṣiṇī ist deshalb genauer eine tantrische Kompilation mit Ritual-, Yoga- und Lehrabschnitten als ein durchgehend einheitlicher Offenbarungsdialog. Wenn im Werk Shiva oder die Göttin sprechen, gehören diese Sprecher häufig zu einer angeführten älteren Schrift.

Die sieben Kāṇḍas

Deutsche Ausgabe: 1. Sarga · 2. Dharma · 3. Artha · 4. Kāmya · 5. Bhakti · 6. Jñāna · 7. Nirguṇa und Nachtrag

Der Verfasser vergleicht seine Sammlung mit einer rankenden Pflanze. Abschnitte erscheinen als Samen, Triebe, Zweige, Knospen, Blüten und Früchte. Dieses Bild verbindet die Vielfalt des Wissens mit dem Gedanken geistigen Wachstums.

Kāṇḍa Schwerpunkte
1. Sargakāṇḍa Schöpfung, Shiva und Shakti, Klang und Sprache, Entstehung des Körpers, Buchstaben und Mantras.
2. Dharmakāṇḍa Lebensriten, Guru und Schüler, Vorbereitung und Durchführung der Einweihung.
3. Arthakāṇḍa Tägliche Praxis, Guru-Verehrung, Kundalini, Reinigung und rituelle Verrichtungen.
4. Kāmyakāṇḍa Mantra-Bedeutung und Mantra-Belebung, besondere Sādhanas, Verehrungsorte und Feste der Göttin.
5. Bhaktikāṇḍa Verehrung unter anderem von Ganesha, Shiva, Vishnu und den Mahāvidyās; heilige Orte. Der zugängliche Textbestand ist innerhalb dieses Kāṇḍa unterbrochen.
6. Jñānakāṇḍa Yoga-Praxis, Atem, Svara-Wissen, Rājayoga und weitere Formen traditionellen Wissens einschließlich prognostischer Verfahren.
7. Nirguṇakāṇḍa Spirituelle Grundhaltungen, Lebensführung, Kaula-Riten und Erkenntnis; daran anschließend ein Nachtrag mit traditionellen Rezepten und Verfahren.

Die Kāṇḍa-Titel dürfen nicht auf moderne Fachbegriffe reduziert werden. Insbesondere bezeichnet Jñāna hier einen weiteren Wissensbereich als ausschließlich philosophische Selbsterkenntnis. Auch der Nirguṇakāṇḍa enthält ausführliche Ritualdarstellungen. Die Sammlung zeigt gerade das Nebeneinander unterschiedlicher Zugänge.

Zentrale Zugänge zum Werk

Shiva, Shakti und die Kraft des Wortes

Bereits der erste Lehrabschnitt fragt, wie aus dem höchsten Prinzip Shakti, Nada und Bindu hervorgehen. Die angeführten Schriften ordnen diese Entfaltung teilweise unterschiedlich. Rāmatoṣaṇa versucht, solche Unterschiede durch verschiedene Überlieferungsströme zu verstehen. Die Göttin erscheint als schöpferische Kraft und als Bewusstsein, das in den Lebewesen wirkt. Sprache verbindet dabei Kosmologie, Kundalini und Mantra-Praxis.

Guru, Einweihung und lebendige Überlieferung

Der Dharmakāṇḍa behandelt die Voraussetzungen geistiger Unterweisung; der Arthakāṇḍa enthält auch Meditationen und Hymnen für einen weiblichen Guru. Das Werk bewahrt damit konkrete Zeugnisse weiblicher spiritueller Lehrerschaft. Seine starke Betonung der Diksha erklärt, weshalb ein nachgelesenes Ritual nicht automatisch einer empfangenen Unterweisung gleichkommt.

Verehrung und Erkenntnis

Das Werk kann auf der einen Seite ausgearbeitete Nyasa-, Mudra- und Puja-Verfahren darstellen und auf der anderen Seite betonen, dass ohne Erkenntnis keine Befreiung erreicht wird. Diese Spannung gehört zur Sammlung. Sie lässt sich fruchtbar lesen, indem man fragt: Welche Haltung und welcher Bewusstseinswandel sollen die Handlung tragen?

Rituelle Formen werden im Tantra durch Konzentration, Bedeutung und Hingabe belebt.

Verwandte Schriften

Die Vorrede nennt zahlreiche herangezogene Werke, darunter Mundamala Tantra, Mahanirvana Tantra, Niruttara Tantra, Kularnava Tantra, Rudrayamala Tantra, Todala Tantra und Yogini Hridaya. Der erste Lehrabschnitt zitiert zudem das Gandharva Tantra. Diese Zitatangaben belegen die Benennungen in der Prāṇatoṣiṇī; sie garantieren nicht, dass jede Stelle in jeder heute zugänglichen Fassung der jeweiligen Schrift identisch erhalten ist. Gerade bei umfangreichen Yamala- und Kubjikā-Überlieferungen bleibt diese Unterscheidung wichtig.

Ein Zugang für Studium und Praxis

Die Prāṇatoṣiṇī lässt sich fortlaufend lesen oder nach einer spirituellen Frage erschließen. Wer zunächst einen Zugang sucht, kann mit den ausgewählten Versstellen beginnen und anschließend den Zusammenhang der betreffenden Passage aufsuchen.

Die Stimmen unterscheiden

Rāmatoṣaṇa führt häufig zunächst ein Schriftzitat an und erläutert anschließend dessen Bedeutung oder sein Verhältnis zu anderen Belegen. Nicht jede Aussage des Werkes ist deshalb eine allgemeine Anweisung für alle Leser. Sprecher, Quelle, Berechtigung und Zusammenhang gehören zur jeweiligen Lehre. Die heutigen Anregungen zur Betrachtung stehen außerhalb der übersetzten Abschnitte.

Deutsche Übersetzung des Pranatosini Tantra

Die folgenden fett gedruckten Ziffern sind redaktionelle Leseabschnitte, keine überlieferten Versnummern. Zitatnachweise und Erläuterungen des Kompilators werden mitübersetzt. Kleinere Zwischenüberschriften dienen der Orientierung.


Werkvorrede und Übersicht des Sargakāṇḍa

Die mit „V“ bezeichneten Absätze geben die ursprüngliche Werkvorrede wieder. Auch diese Zählung dient allein der Orientierung; die überlieferte Inhaltsübersicht nennt dagegen ausdrücklich die zehn Paricchedas des Sargakāṇḍa.

Anrufung der Göttin

V.1 Du schenkst selbst dem Unverständigen die Gabe der Dichtung. Einen Wassertropfen kannst du im Nu zum Ozean machen und den Ozean zur Winzigkeit eines Tropfens. Alles untersteht dir allein. Einen Berg kannst du zum Staubkorn machen und ein Staubkorn zum gewaltigsten Berg. Heil dir, rettende Göttin! Dein immer neuer, wunderbarer Wille wirkt frei und siegreich.

V.2 Durch den Dienst an ihren Lotosfüßen vollbringen Brahmā, Upendra, Maheśvara und die übrigen täglich Schöpfung und andere Werke augenblicklich und spielerisch. Durch ihre Verehrung erlangte Suratha die Würde eines Manu und Samādhi unmittelbar Erkenntnis. Möge sie uns die ersehnte Frucht schenken! Dieser Bhavānī gilt unsere Verneigung.

Der Förderer und seine Familie

V.3 In der Familie Viśvāsa lebte der lautere Dayārāma Viśvāsa. Sein Sohn hieß Rāmahari, war außerordentlich beherrscht und reich an guten Werken. Der Verehrung Viśvanāthas ergeben und eine Stätte allgemeinen Vertrauens, wohnte er in Vārāṇasī, vollbrachte vielerlei gute Taten und erlangte Befreiung.

V.4 Sein Sohn ist der hochbegünstigte, verehrungswürdige Landherr Śrī Prāṇakṛṣṇa, hervorragend unter vielerlei Gelehrten; sein jüngerer Bruder ist als Jaganmohana bekannt. Sechs Söhne wurden ihm geboren, von lauterem Denken, standhaft und tiefgründig. Ihr Sinn ist ganz darauf gerichtet, Arme, Schutzlose, Blinde, Angehörige und Brahmanen zu versorgen.

V.5 Der älteste unter ihnen ist Ānandamaya, stets in die Meditation über die Gemahlin Maheśas vertieft, vorzüglich, barmherzig und ein Vertreiber der Armut. Sein jüngerer Bruder Śrī Rāmacandra gleicht Upendra, ist verdienstvoll und der Göttin ergeben; wie eine Biene sehnt er sich nach dem Paar der Lotosfüße von Bhavānīs Gemahl. Danach folgt Śrī Viśvanātha: freigebig wie Karṇa, im Kampf wie Arjuna, den Feinden wie der Tod und voll Erbarmen für die Armen. Nach ihm kam der schöne Śambhunātha, danach Śrī Kāśīnātha und als dessen jüngerer Bruder Candranātha, leuchtend wie der Mond.

V.6 Möge das berühmte Dorf Khaḍdaha am östlichen Ufer der himmlischen Gaṅgā gedeihen! Es gleicht Indras Wohnstatt, ist durch die Āśramas vollendeter Meister wie Nityānanda geheiligt und reich an prächtigen Häusern, Gärten und großen Heiligtümern, welche bedeutende Menschen dort errichtet haben. Es liegt nördlich der Stadt Kalkutta, dem Sitz der Herrschaft, in der Entfernung einer Wache Reisezeit. Eine Wache entspricht traditionell ungefähr drei Stunden; die Angabe ist keine moderne Entfernungsbestimmung.

V.7 Dort wohnt Śrī Prāṇakṛṣṇa, der bei den Seinen jeden Mangel beseitigt, siegreich wie Indra und Hüter eines Schatzhauses voll überaus kostbarer Edelsteine. Glücklich und verständig ist er, durch seinen Ruhm dem Mond gleich, der Schmuck der Familie Viśvāsa. In seiner Macht gleicht er der Sonne, welche die Feinde wie dürres Gras verbrennt. Möge er mit seinen Nachkommen leben!

Die Entstehung der Sammlung

V.8 Ferner: Nachdem er zahlreiche Werke der Sternkunde durch viele Gelehrte hatte prüfen lassen, veranlasste er die Sammlung Prāṇakṛṣṇakriyāmbudhi. Nach der Durchsicht weiterer verschiedenartiger Werke ließ er mit Sorgfalt den Prāṇakṛṣṇīyaśabdābdhi zusammenstellen. Danach ließ er aus vielen Ländern zahlreiche Tantras herbeischaffen und durch Gelehrte eine große Sammlung anlegen. Die im Sanskrit verschlüsselt angegebene Zahl dieser Sammlung ist in ihrem genauen Bezug unsicher und wird hier nicht in eine ungesicherte Werkzahl umgerechnet.

V.9 Weil er in solchen Sammlungen die Namen von Königen wie Jayasiṃha fand, die längst verstorben und doch durch ihre Namen in den Büchern weiterhin lebendig sind, hielt er den Ruhm eines Buches für vorzüglich und unvergänglicher als jeden anderen Ruhm. Deshalb suchte der Tatkräftige mit Sorgfalt nach einem kundigen Menschen, der ein solches Werk schaffen könnte. Da er ihn nicht sogleich fand, blieb er ständig damit beschäftigt.

V.10 Darauf brachte Śrī Gopīnātha Miśra den Rāmatoṣaṇa zu ihm. Gopīnāthas Geist war wie eine Biene an den Lotosfüßen Śivas; in der schönen Stadt Kalkutta hatte er ein Kloster errichtet. Śrī Prāṇakṛṣṇa Viśvāsa, die Sonne der Familie Viśvāsa, beauftragte Rāmatoṣaṇa, eine vorzügliche Sammlung tantrischer Lehren zusammenzustellen.

V.11 Nachdem er sich tausendfach vor den sechs Gurus verneigt hatte, die ihm das gesamte Wissen vermittelt hatten, studierte er folgende Schriften:

Muṇḍamālā, Matsyasūkta, Mahiṣamardinī-Tantra, Māyā, Mātṛkābheda, das vorzügliche Mātṛkodaya, Mahānirvāṇa-Tantra und Mālinīvijaya; Mahānīla, Mahākāla-Saṃhitā, Meru-Tantra, Bhairava, Bhairavī, Bhūtaḍāmara, Vīrabhadra, Bījacintāmaṇi und Ekajaṭī; Nirvāṇa-Tantra, Tripurāsāra, Kālīvilāsa, Viśvasāra, Varadā, Vāsudevarahasya, Vārāhī, Bṛhadgautamīya und Varṇoddhṛti; das Viśvasāra genannte Tantra, Viṣṇuyāmala, Bṛhannīla, Bṛhadyoni, das von Viṣṇu gebilligte Rahasya, Vāmakeśvara-Tantra und Brahmajñāna; Brahmayāmala, Varṇavilāsa, Phetkāriṇī, Puraścaraṇacandrikā, Puraścārarasollāsa und das heilvolle Pañcadaśī-Tantra. Der Ausdruck unmittelbar nach Brahmayāmala ist nicht sicher abtrennbar; möglicherweise liegt eine beschädigte Titelangabe vor.

Ferner Picchilā, Prapañcasāra, Haṃsa und die weiteren, Pārameśvara, Navaratneśvara, Nitya, Nīla, Nārāyaṇīyaka, Niruttara, Nāradīya und Nāgārjuna; Dakṣiṇāmūrti-Tantra und Dakṣiṇāmūrti-Saṃhitā, Dattātreya-Saṃhitā und Aṣṭāvakra-Saṃhitā; Yakṣiṇī, Yoginī, Yoni, Yogasāra, Yogārṇava, Yoginīhṛdaya und das unübertreffliche Yogiyājñavalkya; Yogambarodaya, Ākāśabhairava, Rājarājeśvarī, Rādhā, Revatī, Rudrayāmala, Rāmārcanacandrikā, Sāvara und Indrajāla; Kālī-Tantra, Kāmākhyā, Kāmadhenu, Śrīkālīkulasarvasva, Kumārī-Tantra, Kṛkalāsadīpikā und Kaṅkālamālinī; Kālottara, Kubjikā, Kuloḍḍīya, Kulārṇava, das Kulamūlāvatāra genannte Kalpasūtra und Yakṣaḍāmara; Sarasvatī, Śāradā, Śaktisaṅgama-Tantra, Śaktikāgamasarvasva, Ūrdhvāmnāya und Svarodaya; Svatantra-Tantra, Sammoha, Cīnācāra, Toḍala, Ṣaḍanvayamahāratna und Siddhaikavīra-Tantra; Nigamakalpadruma, Nigamalatā und Nigamasāra, Tārārahasya, Śrīśyāmārahasya und Skandayāmala.

V.12 Nachdem er diese und zahlreiche weitere Tantras, Purāṇas, Pāñcarātra-Schriften, Sammlungen aus Śruti und Smṛti und andere Lehrwerke betrachtet und aus diesen Schatzgruben die Edelsteine zusammengetragen hatte, pflanzte Śrī Rāmatoṣaṇa diese Prāṇatoṣiṇī.

Das Bild der wunscherfüllenden Ranke

V.13 Der Wunschbaum gewährt das Gewünschte, der Wunschstein das Gedachte, die Wunschkuh das Ersehnte. Diese von Prāṇatoṣaṇa geschaffene Ranke aber schenkt den Menschen schon durch ihren Anblick auf Erden jede gewährbare Frucht. Der Verfassername erscheint hier in der Lesung Prāṇatoṣaṇa; an anderen Stellen lautet er Rāmatoṣaṇa.

V.14 Der Unwissende soll sie nicht für eine bloße Reihe von Buchstaben halten. Durch das Erbarmen des wahren Guru möge er diese von eigenem Glanz erfüllte, aus vielfältigen Edelsteinen bestehende Ranke schauen. Der Mensch mit beschränkter Einsicht sieht die Welt nur in ihrer unmittelbaren Erscheinung. Wird er aber durch den Guru von Nichtanhaften erfüllt, erkennt er: Diese Welt ist wahrhaft Brahman.

V.15 In dem furchtbaren, uferlosen Meer, dessen hoch aufgetürmte Wogen der Wind der Wünsche aufwühlt, habe ich ein morsches Boot bestiegen und fürchte mich. Sei du, oh Guru, mein Steuermann, damit ich das ersehnte Ziel erreiche! Eine Wortgruppe des Meeresbildes ist beschädigt; die erkennbare Aussage bleibt die Bitte um Führung im Ozean des Werdens.

V.16 Zu denen, die aus Missgunst nur Fehler sehen und dieses Werk verspotten, spreche ich offen. Mögen sie zuhören und danach tun, was ihnen gefällt! Verehrungswürdige Leser, mit gefalteten Händen sage ich bescheiden: Hier stehen die Worte der Lehrer und der Älteren. Aus ihnen habe ich die Glieder dieser Ranke geordnet. Weder ihre Fehler noch ihre Vorzüge gehören mir allein; erkennt dies, ihr Verständigen!

V.17 Wer selbst aus einer Menge von Fehlern kleine Körner des Guten herausnimmt, gleicht der Biene, die den Lotos aufsucht. Solche Leser mögen die von einem Menschen wie mir gestaltete wunderbare Ranke betrachten, die von Edelsteinen erstrahlt und denen, die sich ihr nähern, Gutes verheißt. Das Bienen- und Lotosbild weist im Wortlaut eine unsichere Lesung auf.

V.18 Diese Ranke besitzt sieben Kāṇḍas: Schöpfung, Dharma, Artha, Wunscherfüllung, Verehrung, Erkenntnis und Eigenschaftslosigkeit. Sie ist mit vielfältigen Blüten, Blättern, Knospen und Früchten geschmückt. Möge sie das Leiden jener lindern, deren Geist durch die glühenden Strahlen der zahlreichen Lehrmeinungen und Erörterungen überhitzt und verwirrt ist! Ihre eigenen, auf beständige Lehrentscheidungen gerichteten Aussagen mögen ihnen Schatten spenden.

Zeitangabe und erneute Verehrung

V.19 Diese zarte Ranke entstand im vierten Abschnitt des achtundzwanzigsten Weltzeitenzyklus innerhalb des Zeitalters des Vaivasvata-Manu, im durch die Zahlenwörter Erde, Augen, Dharma und Weltzeitalter bezeichneten vergangenen Jahr, im Monat Rādha, am durch die drei Guṇas bezeichneten Mondtag. Im vergangenen Śaka-Jahr, das durch Augen, Weltzeitalter, Berge und Erde bezeichnet wird, erschien sie an Akṣayā-Tṛtīyā und erfreute die Wasserlotosse in den Herzen der Verständigen. Die zweite Jahresangabe ergibt in der üblichen rückläufigen Zahlenwortlesung Śaka 1742, entsprechend 1820 n. Chr.; die erste Zahlenwortfolge ist erklärungsbedürftig und bleibt hier als solche wiedergegeben.

V.20 Diese von dem Brahmanen Śrī Rāmatoṣaṇa geschaffene Prāṇatoṣiṇī erstrahlt im Wesen von Mond, Wohlergehen und Sarasvatī. Du bist Sprache, heilige Prāṇatoṣiṇī, mit allen Vorzügen versehen, von kraftvoll leuchtender Gestalt, immer sanft und neu und durch die neun dichterischen Stimmungen anmutig. Inmitten eines Gartens bist du gepflanzt. Doch denen, deren Urteil durch verfehltes Verstehen und törichten Hochmut verdunkelt ist, erscheinst du anders, gleichsam in gealterter Gestalt. Göttin, dir sei Verehrung! Einzelne Vergleiche dieses Lobverses sind in der überlieferten Form nicht eindeutig aufzulösen.

V.21 In jedem Kāṇḍa habe ich mich vor der Göttin verneigt, die Hindernisse beseitigt. So habe ich die sieben Kāṇḍas geschaffen, welche Edelsteine zum Leuchten bringen. Möge die Göttin mit den Himmelsrichtungen als Gewand, dunkel wie eine Wolke, mit einer aus fünfzig Lauten bestehenden Girlande und unendlicher Gestalt uns Wohlergehen schenken! Wenn man über sie meditiert, erfüllt sie das Ersehnte; ihr frei herabfallendes Haar macht sie anmutig, und ihre Girlande schmückt sie. Die mittleren Attribute des Sanskritverses sind teilweise beschädigt.

V.22 Nun folgt der erste, neue und reine Sargakāṇḍa. Er behandelt den Ursprung des Klanges, die Frage nach seiner Ewigkeit oder Vergänglichkeit, die Entstehung der Laute, die aus ihnen hervorgehenden Viṣṇu-Gestalten, Pflanzen, Gestirne und Himmelsmächte sowie die aus den Elementen entstandene bewegte und unbewegte Welt. Ferner wird erklärt, wie der Brahman-Klang aus dem Lebewesen die Laute hervorbringt, wie man schreibt und welche Bezeichnungen die Laute tragen.

V.23 Um die Menschen zur Beschäftigung mit diesem Werk einzuladen, gebe ich zu Beginn ein Verzeichnis einiger Gegenstände. Mögen sie darüber hinaus auch die zahlreichen weiteren Themen kennenlernen!

Übersicht des ersten Pariccheda

V.24 Zuerst kommen der Lobpreis des Tantra und verwandte Themen, die Ursache des Hervortretens der Laute, die Offenbarung von Shiva und Shakti und die Beschreibung ihrer Zustände; die dreifache Gestalt der Kraft, die Bestimmung der Kräfte Brahmas und der übrigen Götter und deren Untätigkeit ohne Shakti; sodann die Darstellung des Wort-Brahman. Wort-Brahman und höchstes Brahman werden als ewige Gestalten des Herrn erläutert. So ist der erste Pariccheda des Sargakāṇḍa beschaffen.

Übersicht des zweiten Pariccheda

V.25 Zur Erklärung, wie Bedeutung offenbar wird, folgt die Erörterung der Lehre von Wort und Sphoṭa. Die Auffassungen vom bekannten und vom vergänglichen Klang erscheinen als zwei Blätter im Zusammenhang mit dem Ewigen. Die Fehler der Vergänglichkeitslehre werden untersucht und die gebräuchliche Lehrmeinung bestimmt. Die Auffassungen „Der Klang ist Brahman“ und „Die Bedeutung des Klanges ist Brahman“ werden in ihren Einwänden erörtert; zur Ewigkeitslehre werden Gegenposition und abschließende Entscheidung dargestellt.

V.26 Der Körper besteht aus sechsunddreißig Prinzipien und ist mit den begrenzenden Hüllen verbunden. Aus Mond-, Sonnen- und Feuerkräften entstehen die Laute, aus den Lauten wiederum Kräfte. Aus ihnen gehen Viṣṇu und Rudra mit ihren Shaktis sowie die Pflanzen hervor. Es folgen die Verwendungszwecke der Pflanzen; Haṃsa und die durch Umformung entstehenden Laute; die Art dieser Umformung, das Hervorgehen von Haṃsa aus dem Praṇava und der Nachweis, dass der Praṇava beim Fortfall von Ha und Sa übrigbleibt.

V.27 Weitere Belege verdeutlichen die Ewigkeit der Laute. Die beiden Auffassungen über die Ewigkeit beziehungsweise Vergänglichkeit der Veden werden behandelt und ihre tatsächliche Ewigkeit durch Gründe, Beobachtung und Zeugnisse begründet. Die Entstehung von Planeten, Tierkreiszeichen und Mondstationen aus den Lauten wird als kreisförmige Entfaltung erläutert, ebenso das Entstehen von Neumond und den übrigen Mondphasen.

V.28 Die den Mondstationen zugeordneten Bäume werden bestimmt und die Verfehlung beschrieben, die im Fällen des zur eigenen Geburtsstation gehörenden Baumes liegt. Es folgen die Schutzgottheiten und Tierklassen der Mondstationen sowie ihre Gegensätze bei der Prüfung von Eheverbindungen und ähnlichen Fragen. Schließlich werden die verschiedenen Mondtage und ihre Schutzgottheiten erläutert. Damit endet die Übersicht des zweiten, mit dem Trieb verglichenen Pariccheda.

Übersicht des dritten Pariccheda

V.29 Es folgen das Hervorgehen von Sadāśiva und den übrigen Gestalten, die Bestimmung der Zeitmaße von Lava an, der Beginn der Entfaltung der Prinzipien und die dreifache Gestalt des Ichprinzips. Aus dem dreifachen Ichprinzip entsteht die weitere Welt; aus Klang und den übrigen feinen Gegenständen entstehen die Elemente. Dargestellt werden die Formen ihrer Bereiche, die vier Arten körperlicher Entstehung und die Verfünffachung der Elemente.

V.30 Danach: die Entstehung der aus der Erde aufsprießenden Wesen, das Hineingeborenwerden in Pflanzenformen infolge von Verfehlung und dessen Sühne; die Entstehung feuchtigkeitsgeborener und eigeborener Wesen; der Wert des Menschseins und die Abfolge von Geburt und Tod. Alles entsteht aus Prakriti und geht wieder in sie ein. Damit endet die Übersicht des dritten, als Zweig bezeichneten Pariccheda.

Übersicht des vierten Pariccheda

V.31 Behandelt werden die Entstehung des Embryos aus dem Samen des Mannes im Mutterleib, die Ursache der Menstruation und der Weg des Samens bei der Empfängnis; die Ursachen weiblicher, männlicher und nicht eindeutig zugeordneter Geschlechtsentwicklung, von Mehrlingsgeburten und eines kräftigen Embryos; der Eintritt des individuellen Lebensprinzips und die Entstehung von Samen und weiteren Körpersubstanzen.

V.32 Danach folgen Entstehung und Ausscheidung von Schweiß, Urin und Kot, Krankheitsursachen und die Entstehungsfolge der Körpergewebe; die Tätigkeiten von Prana und den übrigen Lebenswinden, die embryonalen Entwicklungsstufen vom flüssigen Keim an, die Unterscheidung von Ausscheidungsstoffen und weiteren Bestandteilen, das Hervortreten des Fleischklumpens, die Entstehung von Fett, Mark, Gliedern und Nebengliedern. Ferner werden die Erfüllung der Wünsche der Mutter und ihre Folgen dargestellt. Eine kurze Wendung bei der Unterscheidung der Entwicklungsbestandteile ist textlich unsicher.

V.33 Es folgen die Entstehung von Haut, Gehör und anderen Organen, die vollständige Ausbildung der Gelenke, die Bestimmung von Störfaktoren und den von ihnen betroffenen Bestandteilen, die Sinnesorgane und das innere Organ sowie die fünfundzwanzig Prinzipien. Der Körper wird anhand der Eigenschaften der fünf Elemente und der zehn Lebenswinde beschrieben. Danach kommen die Nadis, ihre Wurzel, die an den Körperöffnungen liegenden Bahnen, ihre Verzweigungen und Seitenverzweigungen und deren Lage. Knochen, Knochengelenke und Muskeln werden behandelt; bei Frauen wird eine größere Muskelzahl angenommen. Damit endet die Übersicht des vierten, den Seitenzweigen entsprechenden Pariccheda. Die Angaben zur Körperentstehung und Anatomie gehören zum historischen Lehrsystem des Werkes.

Übersicht des fünften Pariccheda

V.34 Es folgen die Namen der Lebenswinde, ihre Rangordnung, ihre jeweiligen Gestalten, Orte und Tätigkeiten. Wenn Prana in Pingala und Ida fließt, werden die Bewegungen von Sonne und Mond erläutert. Danach kommen die Benennungen der Störfaktoren, der betroffenen Bestandteile und des Verdauungsfeuers sowie die Wogen des Daseins und die Hüllen des Menschen. Behandelt wird, wie der Kenner des Feldes die Gegenstände erfasst; bei Gehör und den übrigen Sinnen wird die besondere Gegenwart von Raum und den anderen Elementen gezeigt.

V.35 Krankheiten entstehen durch die von Vata, Pitta und Kapha beeinträchtigten Körpergewebe. Es folgen die Erinnerung an zuvor nicht Gesehenes, die Kennzeichen des Aufenthalts im Mutterleib, das Maß des Mutterleibs, die dreifache Art des Karma, die Gedanken des Embryos und seine Bewegungslosigkeit. Sodann werden die im Körper gegenwärtigen Laute und die vierzehn Welten behandelt, die Gegenwart von Bergen, Kontinenten, Planeten, Tierkreiszeichen und Mondstationen im Körper, das Sichtbarwerden von Blut und Bindu aus Samen und weiblicher Zeugungssubstanz sowie die Orte von Sonne, Mond, Brahma und den übrigen Gottheiten.

V.36 Schließlich folgen das Austreten des Kindes aus dem Mutterleib, das Vergessen des Früheren, das größere Leiden der mit Verfehlungen Belasteten beim Geborenwerden und die Beschreibung des Klangzustands beim Weinen. Die Körperzustände und das Erlangen eines neuen Körpers entsprechend dem Karma werden erläutert. Die Frucht des hier ausgeführten Handelns wird auch nach dem Tod erfahren. Damit endet die Übersicht des fünften, den jungen Blättern entsprechenden Pariccheda.

Übersicht des sechsten Pariccheda

V.37 Undeutliche Lautsprache entsteht, solange die Wege des Hörens und Sprechens noch nicht ausdifferenziert sind. Wenn Kundali in einer bis fünfzig Formen aufleuchtet, erscheint sie vervielfältigt; Wort, Bedeutung und weitere Erscheinungen entfalten sich nacheinander. Darauf folgen die fünfzig Namen Kamas und die Namen Ratis, die Namen der Ganesha-Gestalten mit ihren Shaktis, die Namen des Kshetrapala und die Früchte seiner Verehrung.

V.38 Die Offenbarung der Laute und ihr Vergessen nach dem Verklingen werden behandelt, sodann ihre Artikulationsorte und ihre Herkunft aus Mond, Sonne und Feuer. Alle Laute gehen aus Visarga hervor; ihre acht Orte, die Abläufe der Aussprache und ihre Zuordnung zu den fünf Elementen werden bestimmt. Damit endet die Übersicht des sechsten, mit dem Blütenbüschel verbundenen Pariccheda. Die Bezeichnung im Schlusswort ist verderbt; die Zuordnung folgt der Pflanzenmetaphorik der Vorrede.

Übersicht des siebten Pariccheda

V.39 Es folgen der Grund dafür, dass Laute einen auf Blättern niedergeschriebenen Körper erhalten, die Schreibfolge der Buchstaben von A bis Ksha und ihre Gottheiten; das Verbot, auf den Boden zu schreiben, und die Vorschriften für Schreibgeräte; das Maß eines Buches, die Bestimmung seiner Löcher und seiner Blätter sowie die Kritik am Niederschreiben des Veda. Je nach Weltzeitalter werden unterschiedliche Gottheiten der Buchstaben genannt; die Verehrung vor dem Schreiben und die Kritik daran, dass ein Schreiber bereits zu Beginn Bezahlung annimmt, werden behandelt. Damit endet die Übersicht des siebten, der Knospe entsprechenden Pariccheda.

Übersicht des achten Pariccheda

V.40 Die Namen der Laute von Om bis Ksha sind gleichsam die Blüten und dienen als tantrische Geheimbezeichnungen. Damit endet die Übersicht des achten Pariccheda.

Übersicht des neunten Pariccheda

V.41 Mantras, Tantras und weitere Lehrschriften gehen aus dem Fünfgesichtigen hervor. Danach wird geschildert, wie Ganesha alle Tantras ausführlich darlegt. Es folgen die Keimsilbengestalt der großen Vidyas, die Bestimmung der achtzehn Wissensgebiete und der philosophischen Sichtweisen, das Verfassen der Lehrschriften durch den von Shakti erfüllten Herrn und die Verfasserschaft von Menschen und anderen Wesen.

V.42 Die prüfende Denklehre und verwandte Gebiete werden bestimmt. Für Haushälter wird die bloß gedankliche Verfehlung gesondert behandelt. Es folgen der Grund dafür, dass der Herr sich zweifach erscheinen ließ, der Anlass für das Herabkommen der Tantra-Lehren, die Namen und Gestalten des Fünfgesichtigen und die fünf Überlieferungsströme. Sodann werden sechs Überlieferungsströme beschrieben, ihre jeweiligen Gottheiten, ihre Früchte und die Geschwindigkeit, mit der diese eintreten.

V.43 Für die Mantras der verschiedenen Überlieferungsströme werden die Verhaltensweisen und weitere Voraussetzungen bestimmt. Die Wissenslehren werden nach allgemeiner Regel und Ausnahme eingeordnet. Mantra und Vidya werden nach ihren Gottheiten unterschieden, die Mantras als weiblich, männlich oder sächlich in Bezug auf die sechs rituellen Tätigkeiten eingeteilt sowie als streng oder mild und als schlafend oder wach beschrieben. Damit endet die Übersicht des neunten, den Staubfäden entsprechenden Pariccheda.

Übersicht des zehnten Pariccheda

V.44 Es folgen die Mängel von Mantras, etwa ihre Unterbrechung, und die Verfahren ihrer Behebung; die Kennzeichen der Mahamudra und die Ausführung der Yonimudra; die Beschreibung des Kanthasana und die Vergegenwärtigung der erwählten Gottheit in den sechs Chakras; die Meditation über die erwählte Göttin im tausendblättrigen Lotos und die erneute Betrachtung der Lotosse von Muladhara an.

V.45 Danach wird beschrieben, was zu tun ist, wenn die Buchstaben des Mantra in die Bewusstseinskraft eingefügt sind, und welche Frucht daraus entsteht: durch ein Jahr der Übung unübertreffliche Vollendung. Für denjenigen, der die Yonimudra nicht ausführen kann, wird eine Folge des Japa angegeben. Es folgen die Anordnung der Bhūtalipi, ihre Seher und weiteren Zuordnungen, ihre Meditation, die Einsetzung des Lebens, das Nyasa der Laute, die Verehrung, die neun Umkreisungen und das je nach Wunsch unterschiedliche Feueropfer.

V.46 Wird der mit Bhūtalipi eingefasste Mantra einen Monat lang tausendfach rezitiert, schenkt er alle Vollendungen. Die Ursachen beziehungsweise Verfahren der zehn Mantra-Weihen werden genannt. Es folgen die Namen der Bijas entsprechend dem Bhūtaḍāmara. Damit endet die Übersicht des zehnten, hier als „Raum“ bezeichneten Pariccheda.


Sargakāṇḍa: methodisches Vorwort und erster Lehrabschnitt

Zur Anlage der Sammlung

1.1 Was der Verfasser des Tantrasāra, die Sonne für den Lotos unserer Familie, bereits als maßgeblichen Beleg angeführt hat, braucht hier nicht nochmals dargestellt zu werden. Dort ist alles nachzulesen: Mantras und Yantras, Nyāsa, Pūjā und Mudrās, Hymnen und Schutzgesänge sowie die Weihe der Gebetskette und die übrigen Verrichtungen. Ich sammle, was von ihm nicht aufgenommen wurde, gelegentlich auch aus der Smṛti-Überlieferung. Wenn ich von ihm angeführte Belege wiederhole, geschieht dies entsprechend der Folge des Grundtextes zur Erklärung und zur Zurückweisung von Einwänden. Wo jener Gelehrte nur den Sinn angegeben, aber keinen Beleg genannt hat, führe ich den Beleg an. Wo er Wörter und Absichten erläutert hat, erkläre ich dies für diejenigen, die es nicht verstehen und mit beschränktem Urteil darüber spotten, entsprechend der gesicherten Bedeutung der Schriften. Die Kundigen mögen wissen: Dieses Verfahren gilt in allen Kāṇḍas.

1.2 Aus dem Samen erwächst ein neuer Trieb; danach entstehen herrliche Zweige und Seitenzweige, junge Blätter, Blütenbüschel, Knospen, Blüten und Staubfäden. Schließlich reift diese wohlschmeckende Frucht: der Sargakāṇḍa. Gelehrter Leser, läutere damit gleichsam deine beiden Augen und betrachte von hier aus das Ganze klar!

1.3 Möge der glückliche, geachtete und vorzügliche Prāṇakṛṣṇa, einer der Ersten unter den Ruhmreichen, eine dauerhafte Wohnstatt Lakṣmīs, reich an Glück und seiner erwählten Gottheit ergeben, zusammen mit seinen Söhnen lange leben!

Die Würdigung des Tantra

1.4 Im achten Paṭala des Muṇḍamālā-Tantra heißt es: „Oh große Herrin, ohne Tantra, ohne Mantra und ohne Yantra entstehen weder erfüllender Genuss noch Befreiung, du Schönste!“

1.5 Im großen Matsyasūkta-Tantra von vierundzwanzigtausend Versen, im oberen Teil, ersten Abschnitt, vierten Paṭala: „Wie Viṣṇu unter den Göttern hervorragt, der Ozean unter den Gewässern, die Gaṅgā unter den Flüssen, der Himālaya unter den Bergen, der Aśvattha unter allen Bäumen, Indra unter den Herrschern, Durgā unter den Göttinnen und der Brahmane unter den Ständen, so ist die Tantra-Lehre unter allen Lehrschriften unübertroffen.“ Damit endet der Lobpreis der Tantra-Lehre.

1.6 Im ersten Paṭala des Bṛhannīla-Tantra: „In dem Haus, in dem das Tantra wohnt, bleibt Lakṣmī beständig. Am Königstor, auf dem Verbrennungsplatz, in der Versammlung und mitten im Kampf, in der Einsamkeit, in gefährlichen Gewässern und an Orten voller Raubtiere zeigt sich, oh Göttin, seine wunderbare Wirksamkeit. Deshalb soll es mit aller Sorgfalt geheim bewahrt werden.“ Damit ist die Frucht beschrieben, die der Gegenwart einer Tantra-Schrift im Haus zugeschrieben wird. Der Ausdruck unmittelbar vor „wunderbare Wirksamkeit“ ist in der Sanskritgrundlage beschädigt; sein genauer Bezug bleibt unsicher.

1.7 Im Matsyasūkta: „Was in Tantras und Āgamas gelehrt wird, dürfen die Zweimalgeborenen nicht durch Argumente zu Fall bringen, denn es wurde vom Herrn verkündet.“ Damit endet das Verbot, tantrisch vorgeschriebene Handlungen durch bloße Widerlegung aufzugeben.

1.8 Ebenda: „In der Sternkunde, der Mantra-Lehre, der Heilkunde und bei vedischen Handlungen soll man den Sinn erfassen und sich nicht mit sprachlichen Unregelmäßigkeiten aufhalten.“ Mantra-Lehre bedeutet hier das Tantra, in dem die Mantras erörtert werden. Dies ist die Einschränkung sprachlicher Kritik in diesen Wissensgebieten.

1.9 Ebenda: „Man soll ein Wort nicht deshalb bezweifeln, weil man es anderswo nicht gesehen hat. Angesichts der unbegrenzten Vielfalt sprachlicher Formen soll man nach Prüfung Vertrauen fassen.“ Im neunten Paṭala des Nirvāṇa-Tantra heißt es ebenfalls: „Dies besitzt die Natur des Wort-Brahman und ist aus meinem Mund hervorgegangen. Wer Befreiung wünscht, soll es nicht bezweifeln. Durch Zweifel gelangt er mitsamt den Ahnen in die schreckliche Raurava-Hölle.“ Damit endet die Warnung vor Zweifel an der Tantra-Lehre.

1.10 Im zweiten Paṭala des Gandharva-Tantra: „Bei allen Handlungen, tantrischen ebenso wie vedischen, ist mangelndes Vertrauen ein großes Hindernis; man soll es sorgfältig vermeiden. Vertrauen, oh Göttin, wird als Ursache der Vollendung bezeichnet.“ Dies beschreibt die Frucht des Vertrauens in die Lehre.

1.11 Im vierzehnten Ullāsa des Mahānirvāṇa-Tantra: „Was braucht ein solcher Mensch Pilgerreisen, Opfer oder Japa-Übungen? Indem er das große Tantra erkennt, wird er von den Fesseln des Handelns frei. Wer das Tantra versteht, oh Kālikā, ist in allen Lehrschriften bewandert, hervorragend unter den Kennern des Dharma, ein Wissender, ein Kenner Brahmans und ein guter Mensch.“ Damit endet die Darstellung der Frucht tantrischen Wissens.

1.12 Ebenda: „Genug mit Veden, Purāṇas, Smṛtis und Saṃhitās! Wozu noch viele andere Tantras? Wer dieses eine erkennt, kann alles Wesentliche erkennen.“ Dies ist die Frucht des Verstehens auch nur eines Tantra.

1.13 Im zweiten Paṭala des Gandharva-Tantra: „Wer Vertrauen in die heilige Überlieferung besitzt, rein und geschickt ist, frei von Zweiheitsdenken und Herr seiner Sinne; wer in Brahman gegründet ist, von Brahman spricht, Brahman zugehört und Brahman zum höchsten Ziel hat; wer von jeder Gewalttätigkeit frei und dem Wohl aller Lebewesen zugewandt ist: Ein solcher Mensch ist für diese Lehre geeignet. Ohne diese Voraussetzungen ist man hier kein wahrer Übender.“ Damit werden die Voraussetzungen zum Studium der Tantra-Lehre bezeichnet.

Tantra und das Kali-Zeitalter

1.14 Im ersten Paṭala des Kubjikā-Tantra: „In den drei früheren Weltzeitaltern ist die Verehrung nach Śruti und Smṛti auszuführen. Im Kali-Zeitalter soll der Verständige die Götter nach den Vorschriften der Āgamas verehren; durch andere Verfahren werden sie in diesem Zeitalter nicht zufriedengestellt.“

1.15 Auch im dritten Paṭala des Puraścaraṇarasollāsa-Tantra: „In Indien sind im Kali-Zeitalter die tantrisch gelehrten Meditationen und Mantras angemessen. Was dagegen Veda, Smṛti und Purāṇa vorschreiben, ist in diesem Zeitalter dafür nicht empfohlen, du Schöne mit den beweglichen Blicken.“

1.16 Im zweiten Ullāsa des Mahānirvāṇa-Tantra: „Oh Geliebte, ohne den Weg der Āgamas gibt es im Kali-Zeitalter keinen Zugang zum Ziel. Dies habe ich schon früher in Śruti, Smṛti und Purāṇa verkündet, oh Śivā. Der Verständige soll in diesem Zeitalter die Götter nach der Vorschrift der Āgamas verehren. Wer die Āgamas übergeht und einen anderen Weg einschlägt, erreicht das Ziel nicht. Wahrlich, wahrlich, daran besteht kein Zweifel.“

1.17 Weiter: „Die in den Tantras gelehrten Mantras sind im Kali-Zeitalter wirksam und bringen rasch Frucht. Sie sind für alle entsprechenden Handlungen empfohlen, für Japa, Opfer und Riten. Die zur vedischen Śruti gehörigen Mantras sind dagegen wie Schlangen ohne Gift kraftlos geworden. In den früheren Zeitaltern waren sie voll wirksam; im Kali-Zeitalter gleichen sie Toten. Wie gemalte Figuren an einer Wand zwar alle Sinnesorgane haben, aber nichts verrichten können, so verhält es sich mit jenen anderen Mantras. Mit ihnen zu handeln gleicht der Vereinigung mit einer unfruchtbaren Frau: Es entsteht keine Frucht, nur Mühe. Wer im Kali-Zeitalter durch anders gelehrte Wege Vollendung sucht, handelt wie ein törichter Durstiger, der am Ufer der Gaṅgā einen Brunnen gräbt. Kein anderer Weg führt in derselben Weise zu Befreiung und Wohlergehen hier und jenseits wie der im Tantra gelehrte Weg.“ Damit endet die Darstellung, dass im Kali-Zeitalter durch tantrisch gelehrte Handlungen Frucht erreicht wird. Die Schlusszeilen haben unsichere Lesungen; „Wohlergehen“ gibt die hier naheliegende Bedeutung wieder.

Lehrer und Hören der Lehre

1.18 Im Muṇḍamālā: „Der Verkünder des Tantra ist unmittelbar der Guru, wie Śiva, der Erkenntnis schenkt. Er ist wie der Guru, der höchste Guru, der übergeordnete Guru und der höchste Lehrer der Überlieferung. Wie der Kenner des Mantra ist der Verkünder des Tantra selbst Guru.“ Damit endet der Lobpreis des Tantra-Lehrers.

1.19 Ebenda: „Wer das Tantra, seinen Verkünder oder die tantrische Handlung schmäht, gegen den erheben sich die Bhairavas, bereit, Fleisch und Knochen zu zermalmen. Deshalb soll man einen Tantra-Kundigen niemals verspotten, schmähen oder verächtlich über ihn sprechen.“ Dies ist die Darstellung der Folgen der Schmähung von Tantra und Lehrer.

1.20 Im ersten Paṭala: „Höre, Göttin, Trägerin der Welt, das Heilvollste unter allem Heilvollen! Wer das Tantra hört, oh Herrin der Götter, erlangt das Erlöschen in Brahman.“ Im zehnten Paṭala: „Wer diesen König der Tantras, die Essenz der Essenz, hört und versteht, erlangt rasch Befreiung, oh Geliebte; daran besteht kein Zweifel.“

1.21 Im elften Paṭala: „Wer das Muṇḍamālā-Tantra hört, das den höchsten Ursprung lehrt, Erkenntnis und Befreiung schenkt, Hingabe, Erfüllung und Glück gewährt – wer dieses Höchste versteht, das selbst den Göttern schwer zugänglich ist –, der ist auf Erden ein Kenner der höchsten Wirklichkeit.“ Damit endet die Darstellung der Frucht des Hörens bestimmter Tantras.

1.22 Im Nirvāṇa-Tantra: „Wer sein Wissen und seine Einsicht geläutert hat, von großer Hingabe erfüllt und dem Wohl aller Lebewesen zugewandt ist, wer die Lehre als vom Wort-Brahman durchdrungen erkennt und einen ihrer Abschnitte hört, erlangt Befreiung. Wahrlich, wahrlich, daran besteht kein Zweifel.“

1.23 „Welche Frucht auch aus dem Hören der achtzehn Purāṇas erwächst, aus der hingebungsvollen Gabe von Gold so hoch wie der Meru an den Guru in Brahmans Gestalt oder aus der Gabe der ganzen Erde mit ihren sieben Kontinenten und ihren Feldfrüchten durch einen Veda-Kundigen: Wer einen Abschnitt dieses Tantra hört, erlangt gewiss eine zehnmillionenfach größere Frucht, oh schöne Göttin.“ Damit endet der Lobpreis des Hörens auch nur eines Tantra-Abschnitts.

Shakti, Nada und Bindu

1.24 Ohne Wissen um die Sprache wird jeder von Unwissenheit überwältigt. Deshalb beginne ich nun, die Entstehung der Laute zu erläutern.

1.25 Im ersten Paṭala des Śāradātilaka: „Aus dem höchsten Herrn, dessen Fülle Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist und der mit seiner Kraft verbunden ist, entstand Śakti; daraus entstand Nāda, und aus Nāda ging Bindu hervor.“ Rāghavabhaṭṭa erläutert die Bezeichnung „dessen Fülle Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit ist“. Die überlieferte Formulierung zur Frage, ob die Verbindung mit Unwissenheit das Wesen des Herrn beeinträchtige, ist sprachlich unsicher; vermutlich fehlt eine Verneinung. Der Satz ist so zu verbinden: Aus dem mit Prakṛti verbundenen Herrn entstand Śakti.

1.26 Denn ebenda heißt es: „Der ewige Śiva ist als eigenschaftslos und als mit Eigenschaften verbunden zu erkennen. Eigenschaftslos ist er von Prakṛti verschieden; mit Eigenschaften verbunden heißt er mit seiner Kraft ausgestattet.“ Die Erläuterung lautet: Kalā bedeutet Prakṛti; „mit Kalā“ bezeichnet sein Verbundensein mit ihr.

1.27 Man könnte fragen: Wie kann aus dem bereits mit Śakti verbundenen Herrn noch einmal Śakti entstehen? Die Antwort lautet: Die anfangslose Kraft bleibt während der großen Weltauflösung in feinem Zustand, dem Bewusstsein zugeschrieben. Durch das Ungleichgewicht ihrer Guṇas tritt sie mit Eigenschaften hervor, um die aus Sattva, Rajas und Tamas bestehende Welt hervorzubringen. Ihr Eintreten in einen solchen Zustand heißt nur in übertragenem Sinn „Entstehung“. So ist diese Aussage des Verfassers unter Rückgriff auf die Sāṃkhya-Lehre zu verstehen.

1.28 Im Mārkaṇḍeya-Purāṇa heißt es entsprechend: „Wenn sie erscheint, um die Aufgabe der Götter zu erfüllen, wird sie in der Welt als geboren bezeichnet, obwohl sie ewig ist.“ Auch der von Rāghavabhaṭṭa angeführte Prayogasāra sagt: „Aus ihm ging die Ewige hervor, die alles durchdringt und Ursprung des Alls ist.“ „Ursprung des Alls“ bedeutet: diejenige, aus der alles entsteht.

1.29 Ebenso die von ihm zitierte Vāyavī-Saṃhitā: „Durch Śivas Willen ist die höchste Śakti mit dem Śiva-Prinzip eins geworden. Zu Beginn der Schöpfung tritt sie daraus hervor wie Öl aus dem Sesamsamen.“

1.30 Im ersten Paṭala des Kubjikā-Tantra heißt es hingegen: „Es war Bindu; daraus entstand Nāda und aus Nāda Śakti. Oh große Herrin, die höchste Kalā besitzt die Natur des Klangs und des Bewusstseins. Aus Nāda ging auch der halbe Bindu hervor. Aus den dreieinhalb Bindus erscheint die schlangenförmige Kula-Kuṇḍalī: jenseits der Eigenschaften und mit Eigenschaften verbunden, ewig und von Brahmans Wesen. Die Göttin ist Bewusstsein und bringt alle Wesen zum Leuchten. Sie ist Glückseligkeit und offenbart die Glückseligkeit Brahmans.“ Dass hier Bindu zuerst entsteht, ist wegen der Verschiedenheit der Überlieferungsströme kein Widerspruch. Diese Verschiedenheit wird später deutlicher werden. Damit endet die Darstellung des Hervorgehens von Śakti aus Śiva mit Eigenschaften.

1.31 Nāda und Bindu sind zwei Zustandsformen dieser Śakti, durch die Schöpfung möglich wird. Im Prayogasāra heißt es: „Als Nāda erwacht, wendet sie sich dem unversehrten Zustand zu. Wenn Śakti sich Śiva zuwendet, wird sie als von männlicher Gestalt bezeichnet.“ Dies beschreibt unterschiedliche Zustände der Kraft.

1.32 Auch Bindu wird in Bezug auf Willenskraft, Sattva und weitere Aspekte dreifach genannt. Lakṣmaṇācārya, der große Lehrer aus Kānyakubja, sagt im Śāradātilaka: „Unmittelbar aus Śiva und Śakti bestehend, teilt er sich wiederum dreifach.“ Gemeint ist: Bindu ist von Śivas Wesen, von Śaktis Wesen oder von beider Wesen.

1.33 Ebenda wird diese Dreiteilung erläutert: „Seine Unterschiede werden Bindu, Nāda und Bīja genannt. Bindu ist von Śivas Wesen, Bīja ist Śakti, und Nāda ist ihre gegenseitige Verbindung – so erklären es die Kenner aller Āgamas.“ Auch im Kriyāsāra: „Bindu gilt dort als von Śivas Wesen, Bīja als von Śaktis Wesen. Aus ihrer Vereinigung entsteht Nāda; aus ihnen gehen die drei Kräfte hervor.“ Damit endet die Darstellung der drei Formen des Bindu.

1.34 Die drei Kräfte werden ebenda genannt: „Aus Bindu entsteht Raudrī, aus Nāda Jyeṣṭhā, aus Bīja Vāmā. Aus ihnen gehen Rudra, Brahmā und der Gemahl Ramās hervor. Ihr Wesen ist Erkennen, Wollen und Handeln; ihre Gestalten sind Feuer, Mond und Sonne.“ Diese eineinhalb Verse stehen auch im Śāradātilaka. Gemeint sind Śiva, Brahmā und Nārāyaṇa als Verkörperungen von Erkenntnis-, Willens- und Handlungskraft. Daher sind sie Feuer, Mond und Sonne zugeordnet. Die als Nibodhikā, Halbmond und Bindu bezeichneten Formen innerhalb der Klangschöpfung sind besondere Zustände der Śakti. Damit wird angedeutet, dass Śakti selbst Schöpfung und die übrigen kosmischen Tätigkeiten vollzieht.

1.35 Dazu heißt es: „Sie erschafft in Mondgestalt die aus Wort und Bedeutung werdende Welt. In Sonnengestalt trägt sie diese durch ihre eigene Kraft; in Feuergestalt nimmt sie am Ende des Weltzeitalters alles wieder zurück. Diese Śāradā will ich niemals in meinem Herzen vergessen.“

1.36 Auch in der Gorakṣa-Saṃhitā: „Wollen, Handeln und Erkennen; Gaurī, Brāhmī und Vaiṣṇavī: Wo die Kraft dreifach gegenwärtig ist, dort ist das höchste Licht, Oṃ.“ Die Zuordnung ist dem Zusammenhang entsprechend zu erschließen: Erkenntnis ist Gaurīs Kraft, Wille Brāhmīs Kraft und Handlung Vaiṣṇavīs Kraft. So ist sie dreifach.

1.37 Auch die später angeführten Aussagen über Sonne, Mond und Feuer als drei Laute des Praṇava beziehen sich auf die Bestandteile A, U und M und ihre Verbindung mit Brahmā, Viṣṇu und Rudra. „Aus A entstand Brahmā“ und ähnliche Aussagen bezeichnen die jeweilige Stellung dieser Gottheiten in ihren Bereichen. Wenn man einwendet, dort sei Brahmā als A der Sonne zugeordnet, hier aber Viṣṇu, so ist die Reihenfolge nach dem jeweiligen Zusammenhang der gegenständlichen Schöpfung zu verstehen, nicht einfach nach der Abfolge der Niederschrift.

1.38 Im zehnten Paṭala des ersten Teils des Yoginī-Tantra heißt es dagegen: „Nachdem Mahākālī so gesprochen hatte, verlieh sie uns, oh Śāmbhavī, Willens-, Handlungs- und Erkenntniskraft, durch die alle Aufgaben erfüllt werden. Den Willen gab sie Viṣṇu, die Handlungskraft Brahmā; mir gab sie die Erkenntniskraft, welche die Natur aller Kräfte besitzt.“ Dass hier Viṣṇu die Willenskraft zugeordnet wird, ist aufgrund der verschiedenen Überlieferungsströme kein Widerspruch. Ebenso sind später auftretende Unterschiede über fünf oder sechs Überlieferungsströme und deren Gestalten nach Guṇa-Unterschieden oder verschiedenen Traditionen einzuordnen. Damit endet die Darstellung der Entfaltung von Nibodhikā und den übrigen Aspekten.

Shakti wird als die Kraft verstanden, ohne die die göttlichen Funktionen nicht wirksam werden.

Die Göttin und die drei Götter

1.39 Im ersten Paṭala des Nirvāṇa-Tantra: „In Satyaloka ist die Göttin formlos, von der Natur großen Lichtes und mit der ganzen Welt identisch. Sie legt die Hülle der Māyā ab und erscheint zweifach. Durch die Unterscheidung von Śiva und Śakti beginnt die Entfaltung der Schöpfung. Zuerst wird ein Sohn namens Brahmā geboren, oh Pārvatī.“

1.40 Kālikā sprach: „Höre, mein Sohn, großer Held: Bemühe dich, eine Ehe einzugehen!“ Brahmā antwortete ehrfürchtig: „Außer dir gibt es keine Mutter. Schenke mir eine Śakti, du Schöne!“ Als die Mutter der Welten dies hörte, brachte sie aus ihrem eigenen Leib eine bezaubernde Gestalt hervor: die zweite, die große Weisheit Sāvitrī, die höchste Kalā. „Verbinde dich mit ihr und entfalte die Veden. Werde mühelos zum Schöpfer auf Erden!“

1.41 „Als Zweiter wird Viṣṇu geboren, in dem Sattva vorherrscht.“ Kālikā sprach: „Höre, mein Sohn, großer Held: Bemühe dich, eine Ehe einzugehen!“ Viṣṇu antwortete: „Schon dein bloßer Anblick macht den Menschen frei von Begehren. Wie soll ich es tun, Mutter? Gib mir eine bezaubernde Kraft, oh Śivā!“ Kālikā ließ eine Śakti aus ihrem Leib hervorgehen und gab sie ihm: Vaiṣṇavī, die große Weisheit, Śrīvidyā. Auf sie gestützt erhält Mahāviṣṇu die gesamte Welt.

1.42 „Als Dritter wird der große Yogī Sadāśiva geboren. Als Mahākālī ihn sah, wurde sie freudig zur Vereinigung bereit. Sie sprach: ‚Höre, mein Sohn, großer Yogī, nimm mein Wort zu Herzen! Wer ist außer dir der männliche Geist, wer außer mir die bezaubernde Kraft? Deshalb, du höchste Glückseligkeit, gehe die Ehe mit mir ein, oh Śiva!‘ Sadāśiva antwortete: ‚Was du gesagt hast, Mutter, ist wahr: Außer dir gibt es keine bezaubernde Kraft, und außer mir keinen männlichen Geist. Doch solange du diese Gestalt trägst, gehe ich die Ehe nicht ein. Nimm einen anderen Leib an, Mutter, wenn du Erbarmen hast!‘ Sogleich brachte Mahākālī die Schönheit der Welten hervor.“

1.43 Im ersten Paṭala des Kubjikā-Tantra: „Brāhmāṇī vollzieht die Schöpfung, nicht Brahmā selbst. Deshalb ist Brahmā ohne sie wie ein Leichnam, oh große Herrin. Vaiṣṇavī vollzieht die Erhaltung, nicht Viṣṇu selbst; deshalb ist auch Viṣṇu ohne sie wie ein Leichnam. Rudrāṇī vollzieht das Verschlingen der Welt, nicht Rudra selbst; deshalb ist auch Rudra ohne sie wie ein Leichnam. Brahmā, Viṣṇu, Maheśa und die übrigen werden als unbewegt bezeichnet. Ohne Prakṛti, oh Göttin, sind sie zu keiner Tätigkeit fähig.“ Damit endet die Darstellung, dass Śakti Schöpfung und die übrigen kosmischen Tätigkeiten vollzieht.

Das Wort-Brahman

1.44 Nun wird das Hervorgehen des Wort-Brahman erläutert. Im ersten Paṭala des Śāradātilaka heißt es: „Aus dem sich teilenden höchsten Bindu ging das vortreffliche Unmanifestierte hervor. Die Kenner aller Āgamas nennen es Wort-Brahman.“ „Aus dem höchsten Bindu“ meint: Aus dem ersten Bindu, einem Zustand der Śakti, entsteht bei seiner Differenzierung der ungeteilte, reine Klang, noch ohne die besonderen Unterschiede einzelner Laute.

1.45 Durga erläutert: „Der Klang, in dem die Laute A und die übrigen noch nicht gesondert hervortreten, wird unmanifestiert genannt.“ Der alles durchdringende, brahmanhafte Klang ist das erste Aufleuchten des sich zur Schöpfung wendenden Paramaśiva: ungeteilt, unmanifestiert, aus Nāda und Bindu bestehend. Dies ist der Kern der Bezeichnung Wort-Brahman.

1.46 Dazu führt Rāghavabhaṭṭa an: „Aus der binduförmigen Prakṛti, in der die Handlungskraft vorherrscht, entstand das höchste Wort-Brahman, die Ursache von Wort und Wortbedeutung.“ Auch im Prayogasāra: „Dieser innere Ātman, oh Göttin, erklingt von selbst als Nāda. Indem er sich entsprechend den verschiedenen Artikulationsorten ausprägt, wird er zu Lauten. Vom Atem angetrieben wird er aus dem Körper heraus offenbar.“

1.47 Im Śāradātilaka: „Das Bewusstsein aller Wesen ist nach meiner Auffassung Wort-Brahman. Es nimmt die Gestalt der Kuṇḍalī an, befindet sich im Innern der Lebewesen und erscheint als Laute in Prosa, Dichtung und anderen Ausdrucksformen.“ Der Zusammenhang ist: Dieses Bewusstsein als sich differenzierender Bindu, als Kuṇḍalī und als Praṇava ist im Körper der Lebewesen gegenwärtig und tritt als Laute hervor. Was hat es dazu erreicht? Ergänzend sind die Artikulationsorgane wie die Kehle zu verstehen. So wird der Lehrer im Prapañcasāra erklären: „Der zuerst aus dem Mūlādhāra aufsteigende Tāra, der Parā genannt wird …“ Deshalb ist die später dargestellte Entfaltung als aus Kuṇḍalī hervorgehend zu verstehen.

1.48 Im Kularṇava, fünften Khaṇḍa, ersten Ullāsa, wird Brahman als Wort-Brahman und höchstes Brahman unterschieden: „Zweifach nennt man die Erkenntnis: aus der Überlieferung entstanden und aus Unterscheidung entstanden. Wort-Brahman wird durch die Lehre der Āgamas erschlossen, höchstes Brahman durch Unterscheidung.“ Auch im sechsten Skandha, sechzehnten Kapitel des Śrī-Bhāgavata: „Ich bin alle Wesen, das Selbst der Wesen und ihr Hervorbringer. Wort-Brahman und höchstes Brahman sind beide meine ewige Gestalt.“

1.49 Wort-Brahman hat die Gestalt des Praṇava. Entsprechend sagt die Bhagavadgītā: „Wer Oṃ, das einsilbige Brahman, ausspricht und dabei meiner gedenkt, während er den Körper verlässt und dahingeht, erreicht das höchste Ziel.“ Oṃ steht hier auch stellvertretend für den Klang. Deshalb besteht kein Widerspruch zu später angeführten Aussagen wie: „Das Brahman, das im Mund des Guru gegenwärtig ist, wird durch dessen Gnade erlangt.“ Denn Klang ist überall vorhanden. Oder es ist die Bedeutung des Praṇava gemeint, entsprechend der Aussage: „Das Bezeichnete ist höchstes Brahman; der Praṇava gilt als das Bezeichnende.“

Damit endet in der heiligen Prāṇatoṣiṇī, im ersten Kāṇḍa, der erste Pariccheda: die Darstellung des Ursprungsortes, nämlich des Hervorgehens des Klanges in Samengestalt.


Die Vielfalt der Erscheinungen wird auf ihre gemeinsame schöpferische Grundlage bezogen.

Sargakāṇḍa, zweiter Pariccheda: Klang, Bedeutung und die Entfaltung der Welt

Streitfragen über den Klang

2.1 Als der Klang so in seinem Ursprungsort hervorgetreten war, öffnete sich, aus dem Zweifel geboren, gleichsam eine Höhlung des Streites: Die Beteiligten wollten einander in der Erörterung besiegen. Über den Klang bestehen drei Auffassungen: Er sei ewig, er sei vergänglich oder er sei durch fortlaufenden Gebrauch bekannt. Nach der ersten Auffassung ist die Bezeichnung Wort-Brahman gut begründet.

2.2 Auch unter den Vertretern der Vergänglichkeit gibt es verschiedene Richtungen. Dazu gehören die Anhänger eines inneren Sphoṭa und diejenigen, die einen äußeren Sphoṭa als allgemeine Form oder als Einzelgestalt annehmen. Sie erörtern die Sache folgendermaßen: Wie kann eine Bedeutung durch das Wort vermittelt werden, wenn die einzelnen Laute dazu nicht imstande sind? Eine bestimmte Lautfolge lässt einen Gegenstand verstehen. Tun die Laute dies nacheinander oder gleichzeitig?

2.3 Nicht nacheinander: Würde bei einem Wort wie „Kuh“ schon jeder einzelne Laut dessen Bedeutung vermitteln, wären die übrigen Laute überflüssig. Man könnte sagen, jeder Laut vermittle einen Teil der Bedeutung. Auch das trifft nicht zu, denn zwischen den einzelnen Lauten und Teilen der Kuh besteht keine entsprechende Benennungskonvention. Ebenso wenig geschieht es gleichzeitig: Was zu verschiedenen Zeiten wahrgenommen wird, ist nicht gleichzeitig gegenwärtig. Laute vergehen nach ihrer Aussprache und bleiben nicht bis zum Ende der ganzen Folge bestehen.

2.4 Auch kann die Erkenntnis jedes früheren Lautes nicht unverändert in der Erkenntnis jedes späteren fortbestehen; sonst müsste man ihr Ewigkeit zusprechen. Deshalb ist auch die Behauptung zurückgewiesen: „Diejenigen Laute, deren Anzahl, Art und Fähigkeit zur Vermittlung einer bestimmten Bedeutung bekannt sind, vermitteln diese Bedeutung eben in dieser Weise.“

2.5 Zwischen einem noch nicht entstandenen Laut und einem bereits entstandenen und wieder vergangenen Laut besteht hinsichtlich ihres Nichtvorhandenseins kein Unterschied. Aus den einzelnen Lauten allein lässt sich daher das Erfassen der Bedeutung nicht erklären. Deshalb wird ein Sphoṭa angenommen, der sich von den Lauten unterscheidet und durch sie offenbar wird. Er heißt Sphoṭa, weil aus ihm die Bedeutung hervortritt; das Wort wird mit einem Suffix zur Bezeichnung des Ausgangspunktes erklärt. Die Aussprache der Laute dient dem Offenbarwerden dieses Sphoṭa.

2.6 Wenn die Laute eines Wortes den Sphoṭa offenbar machen, könnte man erneut fragen, wie dies nacheinander oder gleichzeitig möglich sei. Die Antwort lautet: Dass Bedeutung verstanden wird, steht fest. Weil dieses Verstehen andernfalls unerklärlich wäre, wird auch auf der Ebene der Laute ein Sphoṭa angenommen. Aus dem Laut-Sphoṭa ergibt sich der Wort-Sphoṭa, aus diesem das Bedeutungsverstehen. Ebenso lässt sich der Satzsinn nicht allein aus nacheinander oder gleichzeitig auftretenden Einzelwörtern erklären; deshalb wird er durch einen Satz-Sphoṭa erkannt, den die Wort-Sphoṭas offenbar machen.

2.7 Der Einwand lautet: Nach der Aussprache eines Wortes wie „Kuh“ nehmen wir nichts wahr, das von den Lauten verschieden wäre. Nur die Laute werden erfasst. Weil ein Sphoṭa nicht wahrgenommen wird, gibt es ihn ebenso wenig wie das Horn eines Hasen. So greifen die Gegner die Sphoṭa-Lehre an: „Nicht einmal unter Eiden ist eure Aussage anzunehmen, ihr Vertreter des Sphoṭa. Welcher vernünftige Mensch würde behaupten, es gebe eine Blume am Himmel?“

2.8 Die Sphoṭa-Anhänger antworten zunächst auf die Behauptung, Sphoṭa werde nicht unmittelbar wahrgenommen: Wenn bei dem Wort „Kuh“ die drei Bestandteile G, Au und Visarga nacheinander erfahren worden sind, entsteht anschließend die einheitliche Erkenntnis „ein Wort“. Diese einheitliche Erkenntnis lässt sich nicht als bloßes Nebeneinander der drei Laute behandeln. Wie die einheitliche Erkenntnis eines Gewebes zwar aufgrund der Fäden entsteht, sich aber auf das von den einzelnen Fäden verschiedene Gewebe richtet, so richtet sich auch hier die Erkenntnis auf etwas von den drei Lauten Verschiedenes: den Sphoṭa. Die einleitende Negation ist im überlieferten Dialog nicht eindeutig zugeordnet; der folgende Gedankengang verteidigt gerade die Wahrnehmbarkeit des Sphoṭa.

2.9 Man wendet ein: Etwas von den Lauten Verschiedenes wird doch gar nicht gesehen. Dann, so die Antwort, wird auch das Gewebe nicht getrennt von den Fäden gesehen. Warum erkennt man es dennoch an? Weil es in der Erkenntnis des Gewebes erscheint. Entsprechend verhält es sich mit dem Sphoṭa. Auf die Forderung, seine Gestalt unmittelbar vorzuweisen, als packe man ein Tier bei den Hörnern, wird geantwortet: Was durch eine bestimmte Erkenntnis erfasst wird, ist eben durch diese Erkenntnis zugänglich und nicht durch eine andere. Auch das Gewebe wird durch die Erkenntnis des Gewebes erfasst. Wie nach der Wahrnehmung der Fäden das aus Teilen bestehende Gewebe unmittelbar feststeht, so wird nach der Erfahrung aller Laute der durch sie offenbarte Sphoṭa erfahren und ist unmittelbar erwiesen. So erklärt es Gopīnātha Tarkācārya.

Wort-Brahman und die verschiedenen Sprachlehren

2.10 Um diese beiden Auffassungen zu prüfen, beginnt der Lehrer im ersten Paṭala des Śāradātilaka: „Unter Wort-Brahman verstehen die einen die Bedeutung des Wortes, andere den Klang.“ Einige Lehrer nennen den inneren Sphoṭa, die Wortbedeutung, Wort-Brahman. Dazu heißt es: „Der innere Sphoṭa ist die ungeteilte Wortbedeutung, unterschiedslos und von der Natur ewiger Erkenntnis.“

2.11 Andere Grammatiker nennen den Klang Wort-Brahman, insofern er als Satz-Sphoṭa eine einzige ungeteilte Bedeutung offenbart. Die Aussprache der früheren Laute hinterlässt Eindrücke der betreffenden Wörter; durch diese unterstützt, weckt die Wahrnehmung des letzten Wortes den Satz-Sphoṭa. Dazu heißt es: „Er ist einer, ewig und ungeteilt: der äußere Sphoṭa, als Einzelgestalt oder als allgemeine Form, der offenbar wird.“ Die grammatische Form eines Ausdrucks für das Offenbarwerden ist in der Textgrundlage unsicher.

2.12 Es wird eingewandt: Wenn Klang vergänglich ist, wie können dann verschiedene Weise und Mahādeva in unterschiedlichen Schriften über die Verehrung der Göttin jeweils dieselbe Aussage machen? Dies wird später deutlich werden. Auf der Seite der Ewigkeitslehre entstünde dieses Problem nicht, da auch die Aussage ewig wäre. Die Antwort lautet jedoch: Selbst nach der Vergänglichkeitslehre kann die eine Sprachgöttin aus verschiedenen Mündern in derselben Aussagegestalt hervortreten. Wem wäre dies als Fehler anzulasten? Die Kraft besitzt vielfältige Möglichkeiten.

2.13 Im zehnten Paṭala des ersten Teils des Yoginī-Tantra heißt es: „In ihrem Innern sah ich eine gewaltig leuchtende Menge von Lauten, strahlend wie Millionen Sonnen, kühl wie Millionen Monde, flammend wie Millionen Feuer und wahrhaft vom höchsten Brahman erfüllt.“ Dies ist so zu verstehen, dass sie wie die Welteneier im Leib der Urgöttin gegenwärtig sind. Andernfalls müsste auch den Welteneiern und allen anderen in ihrem Leib befindlichen Erscheinungen Ewigkeit zukommen.

2.14 Dass die Welteneier in ihrem Leib sind, zeigt die anschließende Aussage Śivas: „Milliarden überaus großer Welteneier bewegen sich dort unablässig, oh Göttin. Wer vermöchte sie zu zählen?“

2.15 Dagegen wird eingewandt: Nach eurer Auffassung müssten auch Mantras, Veden und Gayatri vergänglich sein. Wenn ihr dies als erwünschte Folgerung hinnehmt, wie erklärt ihr dann die folgenden Aussagen? Die Gita sagt: „Om, das einsilbige Brahman aussprechend und meiner gedenkend …“ Die Gurugita: „Brahman, das im Mund des Guru gegenwärtig ist, wird durch seine Gnade erlangt.“ Das sechste Kapitel des Guptasādhana-Tantra: „Was der Guru einem Menschen vermittelt, wird für diesen Brahman genannt.“ Der Gayatri-Schutzgesang: „Gayatri ist von Brahmans Wesen.“ Durgasiṃha sagt: „Die Aussagen des Veda sind nicht von einem Menschen verfasst.“

2.16 Ferner heißt es: „Ob Fehler vorhanden sind oder nicht, ist bei menschlichen Werken eine Frage. Weil der Veda keinen Verfasser hat, besteht für uns nicht einmal der Verdacht eines solchen Fehlers.“ Man könnte antworten, all diese Stellen seien übertragen zu verstehen: Sie vermittelten Brahman. Doch eine solche übertragene Bedeutung wäre hier nicht begründet, da weder ein feststehender Sprachgebrauch noch ein besonderer Zweck sie rechtfertige.

2.17 Im Kāvyaprakāśa wird gesagt: „Wenn der Hauptsinn nicht anwendbar ist, mit ihm aber ein Zusammenhang besteht, wird aufgrund des Sprachgebrauchs oder eines besonderen Zwecks ein anderer Sinn angezeigt. Diese hinzukommende Tätigkeit heißt übertragene Bezeichnung.“ Hauptsinn ist die Bedeutung, die schon durch das Hören des Wortes verstanden wird. So sagt Gopīnātha Tarkācārya: „Was unmittelbar beim Hören als Bedeutung des Wortes feststeht, gilt als Hauptbedeutung; die mit zusätzlicher Bemühung erschlossene Bedeutung als übertragene.“

2.18 Die Behinderung des Hauptsinns besteht darin, dass er sich nicht sinnvoll mit dem Satz verbinden lässt. Das Wort „yad“ steht in der Definition im Sinn von „wodurch“ und ist hier als Partikel gebraucht. „Tätigkeit“ bedeutet sprachliche Funktion. „Hinzugefügt“ meint eine Erkenntnis, zu der man über die Erkenntnis des unmittelbar Bezeichneten gelangt.

Die Auffassung einer fortlaufenden Sprachüberlieferung

2.19 Die Vertreter der Auffassung des bekannten, überlieferten Klanges sagen: Diese Laute sind nicht ewig, denn die Definition des Ewigen passt nicht auf sie. Die Definition lautet: „Ewig ist, was besteht und keine Ursache besitzt.“ „Bestehend“ bedeutet, dass ihm Wirklichkeit zukommt; „ohne Ursache“ bedeutet, dass es nicht hervorgebracht wird. Würde man nur „bestehend“ sagen, müsste nach dem hier vorgetragenen Einwand auch das Vergehen von Topf und Gewebe als ewig gelten; sagte man nur „ohne Ursache“, würde auch das vorausgehende Nichtvorhandensein darunterfallen. Deshalb werden beide Merkmale genannt. Die Begründung der ersten Einschränkung ist in dieser Überlieferung logisch auffällig; sie wird nicht stillschweigend umgeschrieben.

2.20 Laute treten entsprechend den aufeinanderfolgenden Tätigkeiten von Kehle, Gaumen und anderen Artikulationsorganen hervor und können deshalb nicht in diesem Sinn ewig sein. Sie sind aber auch nicht einfach vergänglich, denn man erkennt wieder: „Dies ist derselbe Laut, den ich schon früher vernommen habe.“ Man könnte sagen, es sei nur ein ähnlicher Laut. Dann müsste jedoch jedes Mal eine neue Benennungskonvention angesetzt werden.

2.21 Eine Benennungskonvention ist die Festlegung: „Durch dieses Wort soll diese Bedeutung verstanden werden.“ Wenn mit jedem ausgesprochenen und vergangenen Laut auch diese Festlegung vergangen wäre, bliebe keine Verständigung möglich. Deshalb sind die Laute weder ewig noch bloß vergänglich, sondern in einer nicht abreißenden Folge bekannt und überliefert.

Klang, Laut und Bedeutung

2.22 Der Einwand lautet: Wenn die Laute ewig sind, warum heißt es, das Bewusstsein „erscheine als Laute“? Darin liegt kein Widerspruch; der Verdacht entsteht, weil die Absicht nicht verstanden wird. Klang ist zweifach: als bloßer Schall und als gegliederter Sprachlaut. In den sieben musikalischen Tönen Ṣaḍja, Ṛṣabha, Gāndhāra, Madhyama, Pañcama, Dhaivata und Niṣāda tritt Schall auch unabhängig von Sprachlauten hervor. Amarasiṃha sagt ebenfalls: „Töne entstehen aus Saiten und Kehle.“

2.23 Ein von Rāyamukuṭa und anderen angeführter musiktheoretischer Vers lautet: „Der Pfau ruft Ṣaḍja, die Rinder brüllen Ṛṣabha, die Ziege ruft Gāndhāra, der Krauñca-Vogel lässt Madhyama erklingen. Zur Blütenzeit singt der Kuckuck Pañcama; der Elefant ruft Dhaivata, das Pferd wiehert Niṣāda.“

2.24 Auch Ragas wie Mālava sind Klang, der sich durch die Tonfolgen unterscheidet. Beim Hören des Gesanges erkennen die Zuhörer aufgrund der Klangunterschiede: „Dies ist Mālava, dies ist Vasanta.“ Die Unterscheidung geschieht anhand der Töne, nicht aufgrund verschiedener selbständiger Substanzen. Ein Sprachlaut hingegen wird ohne Schall nicht offenbar. Der Sinn der Aussage ist daher: Damit Bedeutung verstanden wird, erscheint der Schall als gegliederter Laut.

2.25 Man könnte einwenden: Auch der bloße Klang, der die Zustände Parā, Paśyantī, Madhyamā und Vaikharī durchläuft, erscheint zur Vermittlung von Bedeutung. So dient das Rufen der Kühe dem Herbeirufen ihrer Kälber. Deshalb heißt es in der Lehre vom Ton: „Das Kind kennt die Freude am Gesang, das Tier kennt sie, die Schlange kennt sie. Hari kennt sie, Hara kennt sie; ob Nārada sie kennt oder nicht, bleibt dahingestellt.“

2.26 Das wird zugestanden: Kühe und andere Wesen, die sich auf die Wahrnehmung bloßer Töne beziehen, besitzen ein gewisses Wissen über Gegenstände. Nicht dadurch allein entstehen jedoch begriffliche Einsicht, geistiges Erfassen und unterscheidende Erkenntnis; diese sind ohne Kenntnis gegliederter Laute nicht möglich. Selbst die Erkenntnis dessen, was mit „Herr“ gemeint ist, entsteht nicht ohne das betreffende Wort. Auch das nicht beschreibbare, eigenschaftslose Brahman wird durch das Wort „eigenschaftslos“ angezeigt, wie eine Lampe einen im Dunkeln befindlichen Gegenstand erhellt.

2.27 Deshalb haben die Dichter den bloßen Ton geringgeschätzt und scherzhaft gesagt: „Das Kind versteht den Gesang, das Tier versteht ihn, die Schlange versteht ihn; das Wesen der Dichtung aber kennt allein der Herr, kein anderer.“ Dichtung erschließt sich durch ihren Sinn; daraus folgt jedoch nicht, dass sie ohne lautgestaltige Sprache möglich wäre. Ebenso ist damit nicht behauptet, das Eigenschaftslose sei im gewöhnlichen Sinn durch ein Wort begrenzt.

2.28 Im Śāradātilaka heißt es: „Der ewige Shiva ist als eigenschaftslos und mit Eigenschaften verbunden zu erkennen. Eigenschaftslos ist er von Prakriti verschieden; mit Eigenschaften verbunden wird er als mit seiner Kraft ausgestattet bezeichnet.“ Da die Laute aus Prakriti hervorgehen, können sie auf das von Prakriti Unabhängige nicht in derselben Weise angewandt werden. „Von Prakriti verschieden“ bedeutet hier: nicht an Prakriti gebunden.

2.29 Im ersten Paṭala des Kubjikā-Tantra wird die zweite Vershälfte anders fortgesetzt: „Der ewige Shiva ist als eigenschaftslos und mit Eigenschaften verbunden zu erkennen. Aus dem Eigenschaftslosen entstanden die drei Bindus: Brahma-Bindu, Vishnu-Bindu und Rudra-Bindu, oh große Herrin.“ Ohne sprachliche Unterscheidung könnte man nach dem Erkennen von Prakriti und dem Herrn auch das Eigenschaftslose nicht vom mit Eigenschaften Verbundenen unterscheiden, in dem beide vereinigt erscheinen.

2.30 Deshalb ist auch Parīkṣits Frage im Kapitel über die Śruti verständlich: „Wie können die heiligen Offenbarungsworte, deren Funktionen sich auf Eigenschaften beziehen, unmittelbar im unbeschreiblichen, eigenschaftslosen Brahman wirken, das über Ursache und Wirkung erhaben ist?“ Doch genug der Ausführlichkeit; ich kehre zum eigentlichen Gegenstand zurück.

Die Einheit von Wort und Bedeutung

2.31 Nachdem das Śāradātilaka die beiden Auffassungen genannt hat, nach denen Klang oder Bedeutung Brahman seien, weist es sie zurück: „Keines von beiden lässt sich auf diese Weise begründen, da beide für sich unbewusst sind.“ Der Grund ist die Unbewusstheit beider, wenn man sie voneinander trennt. Ohne Wort bleibt die Bedeutung unerschlossen – wer sollte sie vermitteln? Ohne Bedeutung bleibt auch das Wort unwirksam – was sollte es zu verstehen geben? Deshalb wird das durch Wort und Bedeutung gemeinsam bestimmte Ganze als Wort-Brahman verstanden.

2.32 Im Adhyātmaviveka heißt es: „Das anfangs- und endlose Brahman, das unvergängliche Wortprinzip, entfaltet sich als Bedeutung. Dies gilt als der Vorgang der Weltentstehung.“ Anderswo: „Die Weisen verstehen unter Wort-Brahman die durch das Wort erschließbare Bedeutung.“ Die anschließende Wendung verbindet dies mit dem Nichtbegrenztsein der Bedeutungen; ihre genaue Lesung ist unsicher. Weiter heißt es: „Nachdem die ganze Entfaltung zur Elementgestalt verflochten ist, erscheint es wiederum in den Körpern der Lebewesen, ausgebreitet als Bedeutungswelt.“

Die sechsunddreißig Prinzipien und die Hüllen

2.33 Deshalb heißt es in dem Śaṅkarācārya zugeschriebenen Kommentar zum Kalpasūtra: „Die sechsunddreißig Prinzipien sind die Welt und der Körper. Der mit Hüllen versehene Shiva ist das individuelle Wesen; ohne Hüllen ist er Paramashiva.“ Diese sechsunddreißig Prinzipien werden als rein, gemischt und unrein unterschieden.

2.34 Die reinen sind Shiva, Shakti, Sadashiva, Ishvara und Shuddhavidya. Zur gemischten, zugleich reinen und unreinen Gruppe werden genannt: Maya, Kala, Vidya, Vāk, Ahamkara, Zeit, Begrenzungsordnung, Purusha, Prakriti, Buddhi und Manas. Die Lesung Vāk, „Sprache“, ist hier auffällig; im Zusammenhang der begrenzenden Hüllen wäre Rāga, „Anhaften“, zu erwarten. Die fehlerhafte Zuordnung wird nicht unbemerkt normalisiert.

2.35 Die unreinen Prinzipien sind: Gehör, Tastsinn, Gesichtssinn, Geschmack und Geruch; Sprechen, Greifen, Gehen, Ausscheiden und Fortpflanzen; Klang, Berührung, sichtbare Gestalt, Geschmack und Geruch als Sinnesgegenstände; Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde.

2.36 In der Mṛtyuñjaya-Saṃhitā heißt es, dass Shiva, von den begrenzenden Prinzipien umhüllt, zum individuellen Wesen wird. Die dort angeführte Liste nennt Kala, Vidya, Vāk, Zeit, Maya und Niyati, spricht zugleich aber von fünf Hüllen. Zählung und Wortlaut stimmen hier nicht überein; die folgende Erläuterung bestimmt die fünf Hüllen genauer. Somit unterscheiden sich Shiva und Jiva nur durch die begrenzenden Bedingungen. Die besonderen Eigenschaften der Prinzipien werden im Abschnitt über die Einweihung erläutert.

2.37 Die Kennzeichen der Hüllen beschreibt der Parāparimala-Ullāsa: „Dass der Allwirkende sich irrtümlich als nur begrenzt handelnd erfährt, hat seine Ursache in dem Prinzip, das die Kenner Kala nennen. Dass der Allwissende sich nur als begrenzt wissend erfährt, ist seine eingeschränkte Vidya. Dass der Vollständige an Gegenständen haftet, heißt Raga.“

2.38 „Zeit ordnet die Erscheinungen in eine Folge, von den kleinsten Zeitmaßen bis zur Weltauflösung, und begegnet ihnen als Furchterregendes oder Nichtfurchterregendes. Dass man bestimmt: ‚Dies muss ich tun, dies darf ich nicht tun‘, hat seine Ursache in Niyati, der begrenzenden Ordnung. Weil diese fünf Prinzipien sein eigenes Wesen verhüllen, werden sie die fünf Hüllen genannt.“

2.39 Auch im fünften Khaṇḍa des Kularṇava heißt es: „Abscheu, Scham, Furcht, Trauer und als fünftes Ekel, ferner Familie, Verhaltensnorm und soziale Herkunft werden die acht Fesseln genannt. Von Fesseln gebunden heißt es Jiva, von Fesseln frei Sadashiva.“ Damit ist die Einheit von Shiva und Jiva ausgesprochen. Die Begriffe bezeichnen hier bindende Identifikationen im kaulischen Lehrzusammenhang; ihre Erwähnung allein legt keine beliebige Handlungsanweisung fest.

Erneute Erörterung des Wort-Brahman

2.40 Rāghavabhaṭṭa wendet dagegen ein: Wenn Klang oder Wortbedeutung Brahman genannt werden, passt die Benennung nicht, denn Brahman bedeutet Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. Die Śruti sagt: „Brahman ist ewige Erkenntnis und Glückseligkeit.“ Diese Erklärung erscheint dem Kompilator jedoch nicht angemessen: Sie passt nicht zu der von Rāghavabhaṭṭa selbst niedergeschriebenen Aussage, dass die Kraft Kundali-Gestalt und Praṇava-Gestalt besitzt, und auch nicht zu den Aussagen des Viśvasāra und anderer Texte.

2.41 Im Viśvasāra heißt es: „Der Gott Sadashiva selbst nennt dies Wort-Brahman. Dieser Klang wird in den Anahata-Zentren beschrieben. Der große Anahata-Lotos ist im Herzen aller Lebewesen. Dort heißt der mit den drei Gunas verbundene Klang Om. Shiva, Brahma und Vishnu sind in Om gegenwärtig. A ist Brahma, U ist von Sein und Bewusstsein erfüllt, M wird Rudra genannt.“ So wird seine Bedeutung bestimmt.

2.42 Eine andere Zuordnung lautet: „Im ersten Laut ist Vishnu, in U Prajapati und in M Rudra.“ Die Textgrundlage schreibt beim ersten Laut Ca; im Zusammenhang ist diese Lesung unsicher. Die unterschiedliche Götterzuordnung ist dagegen als solche ausdrücklich überliefert.

2.43 Im ersten Paṭala des Phetkāriṇī-Tantra: „Aus eben diesen Lauten gehen die mit Shakti verbundenen Gestalten Vishnus und des Dreizackträgers hervor; sie erscheinen in ihrer Reihenfolge.“ So werden jeweils fünfzig Gestalten Vishnus und Shivas samt ihren Kräften genannt.

2.44 Auch im dritten Paṭala des Prapañcasāra: „Vokale, Verschlusslaute und durchdringende Laute gehen aus Mond, Sonne und Feuer hervor. Aus ihrer dreifachen Gliederung entstehen die achtunddreißig Kräfte. Die Vokale gehören zum Mond, die paarweise geordneten Verschlusslaute zur Sonne und die mit Va beginnenden Laute zum Feuer. Die Zahlen der Kräfte sind der Reihe nach sechzehn, zwölf und zehn.“ „Ina“ bedeutet Sonne, „Spṛk“ Berührungs- beziehungsweise Verschlusslaut. Gemeint sind sechzehn Mondkräfte, zwölf Sonnenkräfte und zehn Feuerkräfte, insgesamt achtunddreißig.

2.45 „Aus den Lauten selbst und den fünf auf die Elemente bezogenen Gliederungen des Tara entstehen ferner die fünfzig allgegenwärtigen Kräfte.“ Tara bezeichnet hier den Praṇava. „Aus ihnen gehen ebenso viele Vishnu-Gestalten mit ihren Shaktis hervor; ebenso viele Rudra-Gestalten mit ihren Mutterkräften. Aus ihnen werden auch fünfzig Heilpflanzen genannt, durch die der Mantra-Praktizierende die Vollendung erlangen soll, welche das Gewünschte schenkt.“

Die Kräfte von Mond, Sonne, Feuer und Om

2.46 Die sechzehn aus den Vokalen entstandenen, Wünsche erfüllenden Mondkräfte heißen Amṛtā, Mānadā, Pūṣā, Tuṣṭi, Puṣṭi, Rati, Dhṛti, Śaśinī, Candrikā, Kānti, Jyotsnā, Śrī, Prīti, Aṅganā, Pūrṇā und Pūrṇāmṛtā. Der sechste Ullāsa des fünften Khaṇḍa des Kularṇava bietet stattdessen den Abschluss: „So sind sie genannt, Herrin des Kula.“

2.47 Die zwölf Reichtum spendenden Sonnenkräfte heißen Tāpinī, Tāpinī, Dhūmrā, Marīci, Jvālinī, Ruci, Suṣumnā, Bhogadā, Viśvā, Bodhinī, Dhāriṇī und Kṣamā. Sie gehören zu den Buchstabenpaaren von ka–bha bis ṭha–ḍa. [Der Name Tāpinī steht in der Grundlage zweimal.] Die zehn aus dem Feuer hervorgegangenen, Dharma verleihenden Kräfte heißen Dhūmrārci, Ūṣmā, Jvalinī, Jvālinī, Visphuliṅginī, Suśrī, Surūpā, Kapilā, Havyavahā und Kavyavahā. Sie sind mit den Buchstaben von ya an verbunden. Das Kularṇava liest entsprechend: „Die zehn Feuerkräfte, beginnend mit den Buchstaben von ya an, verleihen Dharma.“ Die Śāradā ergänzt zur Aufzählung ab Amṛtā: Man meditiere sie mit den Handgesten der Furchtlosigkeit und der Wunscherfüllung, in der Reihenfolge der drei Gruppen weiß, gelb und rot.

2.48 Im Prapañcasāra werden zehn aus A entstandene Kräfte genannt: Sṛṣṭi, Ṛddhi, Smṛti, Medhā, Kānti, Lakṣmī, Dhṛti, Sthirā, Sthiti und Siddhi. Aus A und Brahmā hervorgegangen dienen sie der Schöpfung. Die Śāradā beschreibt ihren Glanz wie erhitztes Gold, also die Farbe geschmolzenen Goldes. Ihre Hände tragen Gebetskette, zwei Lotusblüten und Wassergefäß.

2.49 Aus U entstehen nach dem Prapañcasāra Jarā, Pālinī, Śānti, Īśvarī, Rati, Kāmikā, Varadā, Hlādinī, Prīti und Dīrghā. Die Śāradā fügt eine in der vorliegenden Lesung unklare Zuordnung zu Buchstabengruppen hinzu. Von Vishnu aus U hervorgebracht gleichen sie dem Blatt des Tamāla-Baumes; ihre Arme zeigen Furchtlosigkeit und Wohltat und tragen den Diskus. [Die abschließende Bezeichnung der Handattribute ist gestört.]

2.50 Tīkṣṇā, Raudrī, Bhayā, Nidrā, Tantrī, Kṣut, Krodhanī, Kriyā, Utkārī und Mṛtyu sind die zehn Kräfte des Lautes M. Von Rudra aus M hervorgebracht dienen sie der Auflösung. Die Śāradā ergänzt eine Zuordnung zu den Gruppen pa und ya sowie diese Beschreibung: Sie glänzen wie der Herbstmond; ihre Hände zeigen Furchtlosigkeit und Wohltat und tragen Dreizack und Schädelschale.

2.51 Aus dem Bindu entstehen vier Kräfte: Pītā, Śvetā, Aruṇā und Asitā, die Gelbe, Weiße, Rote und Dunkle. Die Śāradā beschreibt sie als durch Ishvara aus dem Bindu hervorgegangen, der ya-Gruppe zugehörig und hibiskusrot, mit Furchtlosigkeitsgeste, Antilope, Beil und Wohltatsgeste. [Die Wendung mit Anantā bleibt in dieser Lesung unklar; die unterschiedlichen Farbangaben stehen nebeneinander.] Das Kularṇava erklärt, diese aus Ishvara und dem Bindu entstandenen Kräfte dienten der Verhüllung.

2.52 Die sechzehn Kräfte des Nada heißen Nivṛtti, Pratiṣṭhā, Vidyā, Śānti, Indhikā, Dīpikā, Recikā, Mocikā, Parā, Sūkṣmā, Sūkṣmārttatā, Jñānāmṛtā, Āpyāyanī, Vyāpinī, Vyomarūpā und Anantā. Sie verleihen Lebensgenuss und Befreiung. Sadashiva bringt sie aus Nada hervor; weiß leuchten sie, und ihre Lotushände tragen Gebetskette, Buch, Schnur und Schädelschale. So beschreibt die Śāradā die fünfzig Kräfte, welche alle Fülle schenken. Damit endet die Darstellung der fünfzig Kalās.

Vishnu, Rudra und ihre Shaktis

2.53 Der Prapañcasāra nennt die aus den Vokalen entstandenen Vishnu-Gestalten: Keśava, Nārāyaṇa, Mādhava, Govinda, Viṣṇu, Madhusūdana, Trivikrama als siebten, Vāmana, Śrīdhara, Hṛṣīkeśa, Padmanābha, Dāmodara, Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha. Es folgen die aus den Konsonanten von ka bis kṣa hervorgegangenen: Cakrī, Gadī, Śārṅgī, Khaḍgī, Śaṅkhī, Halī, Muṣalī, Śūlī, Pāśī, Aṅkuśī, Mukunda, Nandaja, Nandī, Nara, Narakajit, Hari, Kṛṣṇa, Satya, Sātvata, Śauri, Śūrī, Janārdana, Bhūdhārī, Viśvamūrti, Vaikuṇṭha, Puruṣottama, Balī, Balānuja, Bāla, Vṛṣaghna, Vṛṣa, Haṃsa, Varāha, Vimala und Nṛsiṃha. Die Śāradā beschreibt sie als dunkel, mit Diskus und Muschelhorn in den Händen. Das Phetkāriṇītantra ergänzt: Alle tragen Muschelhorn und Diskus, haben den Glanz einer Wolke, sind gelb gekleidet und werden von der jeweils auf ihrem Schoß sitzenden Shakti geschmückt. Damit sind die fünfzig Vishnu-Gestalten genannt.

2.54 Ihre Shaktis werden in der Vokalfolge genannt: Kīrti, Kānti, Tuṣṭi, Puṣṭi, Dhṛti, Śānti, Kriyā, Dayā, Medhā, Sarṣī, Śraddhā, Lajjā, Lakṣmī, Sarasvatī, Prīti, Rati und Ramā. [Die überlieferte Wortfolge, besonders Sarṣī, erlaubt keine sichere Abstimmung auf sechzehn Vokale.] Es folgen Jayā, Durgā, Prabhā, Satyā, Caṇḍā, Vāṇī, Vilāsinī, Vijayā, Virajā, Viśvā, Vinadā, Sunadā, Smṛti, Ṛddhi, Samṛddhi, Śuddhi, Bhakti, Mukti, Miti, Kṣamā, Ramā, Umā, Kledinī, Klinnā, Vasudā, Vasudhā, Parā, Parā, Parāyaṇā, Sūkṣmā, Sandhyā, Prajñā, Prabhā, Niśā, Amoghā und Vidyutā. Diese alle Wünsche erfüllenden Shaktis sitzen lächelnd auf dem Schoß ihrer Geliebten. Ihre Leiber gleichen einer Blitzgirlande; sie halten einen Lotus und zeigen Furchtlosigkeit. Ebenso beschreibt das Phetkāriṇītantra die mit Kīrti beginnende Reihe: lächelnde Lotusgesichter, Blitzglanz, auf dem Schoß des Geliebten, mit Lotus und Furchtlosigkeitsgeste. Damit endet die als „fünfzig Vishnu-Shaktis“ bezeichnete Reihe; die Unebenheiten der Namensfolge werden nicht durch Ergänzungen ausgeglichen.

2.55 Die Rudra-Gestalten der Vokale heißen Śrīkaṇṭha, Ananta, Sūkṣma, Trimūrti, Amareśvara, Arghīśa, Bhāvabhūti, Atithi, Sthāṇuka, Hara, Jhiṇṭīśa, Bhetika, Sadyojāta, Anugraheśvara, Akrūra und Mahāsena. Danach folgen Krodhīśa, Caṇḍeśa, Pañcāntaka, Śivottama, Ekarudra, Kūrma, Ekanetra, Caturānana, Ajeśa, Sarvasomeśa, Lāṅgali, Dāraka, Ardhanārīśvara, Umākānta, Āṣāḍhi und Daṇḍin. Die anschließende, teilweise gestörte Namensfolge lautet dem Sinn der Aufzählung nach: Apri, Mīna, Meṣa, Losthita, Śikhī, Chagalaṇḍa, Dviraṇḍeya, Mahākāla, Vālin, Bhujaṅgeśa, Pinākīśa, Khaḍgīśa, Vakeśaka, Śveta, Sragvīśa, Nakuli, Śiva und Saṃvartaka. [Mehrere Namen und Wortgrenzen dieser zweiten Reihe sind unsicher.] Diese Rudras werden rot vorgestellt, Dreizack und Schädelschale tragend. Damit endet die Reihe der fünfzig Rudras.

2.56 Ihre Vokal-Shaktis heißen Pūrṇodarī, Virajā, Śālmalī, Lolākṣī, Vartulākṣī, Dīrghaghoṇā, Sudīrghamukhā, Gomukhī, Dīrghajihvā, Kuṇḍodarī, Ūrdhvakeśī, Vikṛtamukhī, Jvālāmukhī, Ulkāmukhī, Suśrīmukhī und Vidyāmukhī. Danach werden Mahākālī und Sarasvatī, ausgestattet mit allen Vollendungen, Gaurī, Trailokyavidyā, Mantrasiddhi, Ātmaśakti, Bhūtamātā, Lambodarī, Drāviṇī, Nāgarī, Khecarī, Mañjarī, Rūpiṇī, Citriṇī, Kākodarī, Pūtanā, Bhadrakālī, Yoginī, Śaṅkhinī, Garjinī, Kālarātri, Kubjinī, Kapardinī, Vajraṣā, Jayā, Sumukheśvarī, Revatī, Mādhavī, Vāruṇī, Vāyavī, Raṇevidāriṇī, Ālakṣmī, Vyāpinī und Māyā genannt. [Einzelne Namen und die Gliederung der Schlussreihe sind unsicher.] Diese Shaktis sitzen auf dem Schoß ihrer Rudras; ihre Körper sind zinnoberrot, ihre Lotushände mit rotem Lotus und Schädelschale geschmückt. Bei solchen Meditationen sind Waffen und andere Attribute der linken beziehungsweise rechten Seite zuzuordnen. Damit endet die Reihe der fünfzig Rudra-Shaktis.

Pflanzen und Buchstaben

2.57 In der Reihenfolge der Buchstaben werden sodann Pflanzen und Duftstoffe genannt: Candana, Kucandana, Aguru, Karpūra, Uśīra, Roga, Jala, Ghusṛṇa, Kakkola, Jāti, Māṃsī, Murā, Cora, Granthi, Rocanā, Patra, Pippala, Bilva, Guhā, Aruṇatṛṇa, Phalaraṅga, Kumbhī, Vallinī, Śolvambara, Kāśmarikā, Sthirā, Abja, Darapuṣpikā, Mayūraśikhā, Plakṣa, Agnimantha, Siṃhī, Kuśa, Darbha, Kṛṣṇa, Darapuṣpī, Rohiṇa, Cuṇḍuka, Bṛhatī, Pāṭala, Citrā, Tulasī, Apāmārga, Śatamakhalatā, Dvirephā, Viṣṇukrāntā, Mūṣalī, Añjalinī, Dūrvā, Śrīdevī, Lakṣmī, Sadā und Bhadrā. Die Reihe wird als buchstabenweise Zuordnung beschrieben. Ihre Zubereitung zu Kügelchen und mit Abkochungen durchtränkten Mitteln soll nach dem Text unterschiedliche Vollendungen gewähren. [Wortgestalt und Abgrenzung einzelner Pflanzennamen sind unsicher; die historische Benennung ist keine botanische Bestimmung.]

2.58 Die Erläuterung erklärt: Candana ist der bekannte Sandelstoff, Kucandana rotes Sandelholz, Aguru der bekannte Aguru-Stoff, Karpūra hier Rasakarpūra; Uśīra ist die Vīraṇa-Wurzel, Roga Kuṣṭha, Jala Bālā und Ghusṛṇa Kuṅkuma. Kakkola ist als Kākolī bekannt; Jāti ist eine besondere Blüte, Māṃsī Jaṭāmāṃsī, Murā Murāmāṃsī und Cora Corapuṣpī, im Bengalischen Ḍholakalambī. Granthi heißt im Bengalischen Gāṭhiyānī. Rocanā bedeutet hier Haridrā, Patra Tejapatra, Pippala Aśvattha. Bilva ist bekannt. Guhā ist Jayantī, Aruṇatṛṇa Pṛśniparṇī und Phalaraṅga das als Kāmarāṅgā Bekannte. Kumbhī ist Gāmbhārī, Vallinī Tāmbūlī; Śolvambara ist als Cholaṅga bekannt. Kāśmarikā ist Kaśeru, Sthirā Balā und Abja Dujjala, auch Hijala genannt. Darapuṣpikā ist die Sesamblüte. Mayūraśikhā ist eine besondere Apāmārga-Art, als Supāṅ bekannt. Plakṣa bezeichnet hier Vaṭa, Agnimantha Gambhāri und Siṃhī Kaṇṭakārī. Kuśa ist unter seinem eigenen Namen bekannt; Darbha ist eine Kāśa-Art. Kṛṣṇa bedeutet Pippalī, Darapuṣpī Indrayava, Rohiṇa Kuṭukī und Cuṇḍuka Kukubalyā. Bṛhatī ist bekannt; Pāṭala wird Pāralī genannt. Tulasī und Apāmārga sind bekannt. Śatamakhalatā ist Indralatā, Dvirephā Bhṛṅgarāja, Viṣṇukrāntā Aparājitā und Mūṣalī Tālamūlī. Añjalinī heißt Lājālu oder Lajjāvatī. Dūrvā ist bekannt. Śrīdevī ist Getreide; Lakṣmī heißt Śatamūlī, Sadā Rudrajaṭā und Bhadrā Bhadraparpaṭī. Damit endet die Erklärung der Pflanzenstoffe.

2.59 Auch ihre Verwendung wird durch einen von Rāghavabhaṭṭa angeführten Beleg erläutert: „Für jeden Mantra wird ein Kügelchen aus den seinen Buchstaben zugeordneten Pflanzenstoffen hergestellt, in den Zahlen, die aus den jeweiligen Buchstaben hervorgehen. Es soll die Vollendung des Mantras verleihen. Rituelle Begießung damit, Opferung damit, sein Kosten, das Auftragen und die Verehrung damit sollen Vollendung gewähren, auf diese Weise und nicht anders.“ Damit endet die Darstellung der den Pflanzen zugeschriebenen Wirkungen.

Om, Haṃsa und die schöpferische Sprache

2.60 Auch der erste Paṭala des Kāmadhenutantra sagt: „Die Mātṛkā von A bis Kṣa hat die Gestalt des Samens; Visarga, Bindu und die Verbindung der beiden sind von der Gestalt Brahmans.“ Visarga bedeutet Prakṛti, Bindu Puruṣa; die Verbindung bezeichnet zugleich ihre Unterscheidung. „Aus dem Buchstaben entstehen Brahmā, Vishnu, der Herr der Geschöpfe, und Rudra, o Göttin, der die Welt auflöst.“

2.61 Somit entstehen alle verehrten Gottheiten, angefangen mit Brahmā und Vishnu, alle allgegenwärtigen Kalās und die Pflanzenstoffe aus den fünf Strahlen des Praṇava, der Brahmans Wesen hat: A, U, M, Bindu und Nada. Wendet man ein, das Wort Praṇava bezeichne nur mittelbar, aufgrund der Beziehung zwischen Bezeichnendem und Bezeichnetem, das von ihm bezeichnete Brahman, bleibt derselbe Einwand bestehen: Nach den angeführten Belegen aus Śāradā, Viśvasāra und Prapañcasāra bringen die Bestandteile des Praṇava selbst alles hervor. Sie sind nicht bloß Bezeichnungen besonderer Teile Brahmans. Wie könnte sonst alles aus ihnen entstehen?

2.62 Einwand: Brahman ist nicht lediglich Urheber der Entstehung, sondern als Ursache von Entstehung, Bestand und Auflösung bestimmt. Die im Vedānta-Kommentar zitierte Offenbarung lautet: „Woraus diese Wesen entstehen, wodurch die entstandenen leben und worin sie beim Hingelangen eingehen: Das erkenne als Brahman.“ Wie könnte der Praṇava, wenn er nur hervorbringt, Brahman sein? Antwort: Richtig; doch weil Brahmā und die anderen aus seinen Strahlen hervorgehen und die Schöpfung sowie die übrigen Vorgänge bewirken, wird die Ursächlichkeit des Praṇava deutlich erkannt. Der weitere Einwand, dies könne zwar für den Praṇava, aber nicht für die übrigen Buchstaben gelten, greift ebenfalls nicht: Auch diese sind Klang und Umgestaltungen des Praṇava.

2.63 Deshalb heißt es im ersten Paṭala des Prapañcasāra: „Den Wurzellaut, seine Umgestaltungen, die Umgestaltungen dieser Umgestaltungen, die daraus unterschiedenen Mantras und die verschiedenen vedischen wie tantrischen Anwendungen erklärte er auf diese Weise vollständig.“ Der Wurzellaut ist Haṃsa; seine Umgestaltungen sind die Buchstaben von A bis Kṣa, deren weitere Umgestaltungen die Buchstabenverbindungen und Ähnliches. Daraus entstehen die Unterschiede der Mantras. Der übrige Sinn ist leicht verständlich: Kāla erklärte Brahmā dies alles auf diese Weise.

2.64 Die Art der Umgestaltung von Haṃsa wird im vierten Paṭala beschrieben: „Der Ha genannte Same hat das Wesen des Lebenshauchs. Aus ihm entstehen sechs Wellen; aus dem Repha, dem R-Laut, vier Eigenschaften. Von Luft bis Erde erscheinen die Elemente mit ihren Eigenschaften, beginnend mit Berührung. Vier innere Werkzeuge, ihre Gesamtheit und Bewusstsein werden von den Wissenden als die sechs Eigenschaften des Ha genannt. Aus seinen sechs Unterteilungen entstehen die sechs Buchstaben von A bis U; die vier von Ṛ an gelten als aus Repha entstanden. Auch die sechs Buchstaben von E bis Visarga werden aus den sechs Gliedern des Ha entfaltet. So ist dieses Prinzip sechzehngliedrig. Aus diesen Gliedern entstehen die sechzehn allgegenwärtigen Vokale, aus ihnen alle übrigen Buchstaben. Deshalb erkennt man dies als die Wurzel.“ [Die genaue Zuordnung einzelner Lautgruppen ist in der vorliegenden Lesung nicht durchgehend eindeutig.]

2.65 „Dieser Tara besteht in den Lebewesen als Same. Von ihm ist das Welt-Ei mit allem Beweglichen und Unbeweglichen durchdrungen. Nada, Prāṇa, Jīva, Ghoṣa und weitere Namen werden ihm gegeben. Er wird durch männliche, weibliche und sächliche Benennungen bezeichnet. Repha, Māyā und Bīja sind drei Benennungen der Māyā. Shakti, Śrī, Sannati, Kānti, Lakṣmī, Medhā, Sarasvatī, Kṣānti, Puṣṭi, Sthiti, Śānti, Vidyā und weitere Namen drücken ihre jeweiligen Bedeutungen aus. Nach den mannigfaltigen Veränderungen und den jeweils vorgestellten Zuständen wird sie unterschiedlich gedacht.“

2.66 „Einige Weise kennen sie als Kundalini, deren Aufenthaltsort das Herz ist. Die Göttin tönt unablässig wie der Gesang einer Biene. Gelehrte erkennen ihre Gestalt je nach Betrachtungsweise verschieden. Immer ist sie als Kundalini zu erkennen, die der Sushumna folgt. Weil sie der Same der beweglichen und unbeweglichen Welt ist, heißt sie Bīja, Same.“

2.67 „Durch die Verbindung des Wurzelprinzips mit dem Bindu entsteht Śatānanda, Brahmā. Durch die Verbindung des Repha mit U und A entstehen die beiden anderen. Aus dem Ha genannten Prinzip hervorgegangen heißt der eine Hari; auf entsprechende Weise ergibt sich der Name Hara und auch mein Alles-Sein. Durch das Hervorgehen dieses Bindu wird am Ende So’ham gesprochen. Der mit dem Ich-Prinzip verbundene gilt als Puruṣa; Sa bezeichnet Prakṛti. Diese Shakti gilt als Ajapā, die nicht eigens gesprochene Rezitation.“ [Die lautbezogenen Ableitungen der Gottesnamen sind in dieser Überlieferung teilweise gestört.]

2.68 „Ebenso werden rechts und links unterschieden: Der rechte Teil ist Bindu, der linke Visarga. Daher heißen die beiden Teile rechts und links und werden als männlich und weiblich bestimmt. Bindu heißt Puruṣa, Visarga gilt als Prakṛti. Haṃsa besteht aus Puruṣa und Prakṛti; aus ihnen besteht diese Welt. Sie nimmt die Gestalt des Puruṣa und den Zustand So’ham an.“ [Eine Wendung zwischen diesen Aussagen ist unklar.] „Dies ist sein höchster Mantra. Man lasse Sa und Ha weg und bilde die Lautverbindung, die als Pūrvārūpa bezeichnet wird; so wird daraus der Praṇava. Aus dem letzten Teil des gegliederten Tara entstehen die Elemente, beginnend mit dem Raum; aus dem mittleren Sonne und andere Lichter; aus dem ersten entstehen in der Welt die Worte mitsamt den Mantras.“ Statt „mitsamt den Mantras“ wird stellenweise „sämtliche“ gelesen.

2.69 Auch der zweite Paṭala des Viśvasāra sagt: „Dort entstehen Ha und Sa, als männlich und weiblich anerkannt. Ha heißt Puruṣa, Sa gilt als Prakṛti. Diese beiden durchdringen die ganze Welt, wie Asche das Feuer.“ Der Ausdruck Kṛtaka bedeutet Asche. Gemeint ist: Wie sie das Feuer durchdringt, so durchdringen jene die Welt. Auch ohne ausdrücklich vergleichendes Wort wird ein Vergleich verstanden, wie bei der Aussage „Der Knabe ist Feuer“.

2.70 „Wenn man diesen Zustand erlangt, wird er So’ham genannt. Dies ist das höchste Brahman, unwandelbar, der Keim der Welt. Alle Götter und Veden, Richtungen, Wind, Sonne und die übrigen Erscheinungen, kleinste Zeitmaße, Richtungen, Zeiten und Weltalter haben eben dieses Wesen. Worin sie beim Vergehen der Sprache aufgelöst werden, o Weltenherrin, worin die Schöpfung stets eintritt und noch jetzt besteht: Das ist das höchste Brahman, das im Zustand So’ham offenbar wird. Tilgt man Sa und Ha und setzt den Verbindungslaut ein, erscheint der Praṇava, den der Lotusgeborene unter allen Lauten lehrt.“

2.71 Im zweiundzwanzigsten Paṭala des Uttarakhaṇḍa des Rudrayāmala heißt es: „Brahman besteht aus höchster Wonne, ist mit Wort-Brahman geschmückt und befindet sich, Geliebte, im eigenen Körper als Wesen aller Mantras. Brahmā, Vishnu und Maheshvara sind drei Götter von einer Gestalt. Als Ausprägungen meiner Gestalt schaffen, erhalten und vernichten sie. Aus dem Praṇava hervorgegangen können sie dem Yoga stets Hindernisse bereiten.“ [Die auffällige Aussage über Hindernisse entspricht der vorliegenden Lesung.]

2.72 „Man nehme Zuflucht zu A, dem Laut Brahmās: klangförmig, von großem Glanz, ewig im Praṇava enthalten und dem Einatmen des Yoga zugeordnet. Man nehme Zuflucht zu U, dem Vishnu-Laut, dem Herrn, der den Klang gliedert: als Sattva im Praṇava enthalten und dem Atemanhalten des Yoga zugeordnet. Man nehme Zuflucht zu M, der Gestalt Shambhus: zum Lebewesen geworden, aus dem Mond hervorgegangen, als Zeit im Praṇava enthalten, der Stätte der Auflösung. Diese Laute bilden in ihrer Gliederung den Praṇava.“

2.73 „Aus dem Praṇava entsteht Haṃsa; Haṃsa wird zum höchsten So’ham. Die Erkenntnis So’ham ist große Erkenntnis, selbst für Yogis schwer zu erlangen. Wer sie ununterbrochen vergegenwärtigt, wird selbst zum Höchsten. Ha ist männlich; Sa steht in seinem Wesen und seiner Verbindung mit dem Mond für Prakṛti. Erkenne Haṃsa als das, was den Sonnenkreis durchdringt. Wenn es in umgekehrter Reihenfolge den Namen So’ham annimmt, ist der Vollendete in der Sonne und wird von Vāsudeva verehrt. Lässt man die Laute Ha und Sa weg und bildet danach die Lautverbindung, entsteht der Praṇava, der große Mantra.“

2.74 So wird das Hervorgehen aller Buchstaben und der übrigen Erscheinungen aus dem Praṇava gezeigt. Deshalb wird die spätere Erklärung der Buchstabennamen für ihn auch die Bezeichnung „Erzeuger aller Lebewesen“ anführen.

Ewigkeit und Offenbarung des Wortes

2.75 Einwand: Gesagt sei lediglich, der Praṇava bezeichne Brahman, nicht, er sei Brahman. Die entfaltete Schöpfung stamme vielmehr von Brahmā, Vishnu, Rudra, Shakti und Ishvara, welche durch die fünf Bestandteile A, U, M, Nada und Bindu bezeichnet werden. Deshalb sagt auch Puṣpadanta: „Das Wort Om preist dich, Zuflucht Gewährender, in deiner Gesamtheit und in deinen einzelnen Gestalten.“ Anderswo heißt es: „Das Bezeichnete ist das höchste Brahman; der Praṇava gilt als das Bezeichnende.“ Brahman-Sein wird dem Bezeichneten zugesprochen, nicht dem bezeichnenden Praṇava; der Laut sei daher vergänglich.

2.76 Antwort: Nein, dies widerspricht dem Kalpasūtra: „Die aus Buchstaben bestehenden Worte sind ewig.“ Der Gedanke ist folgender: Klang ist zweifach, als Schall und als gegliederter Sprachlaut. Manche nennen den Schall vergänglich, weil er nicht fortwährend wahrgenommen wird. Dabei denken sie nur an den durch Trommelschlag und Ähnliches entstehenden Ton und behaupten, der Buchstabenlaut sei kein Schall. Das ist sehr unzulänglich.

2.77 Schall wird vielmehr zweifach erläutert: wie eine Welle und wie eine Kadamba-Knospe. Der erste lässt einen nahen Hörer seine Gestalt nach Art von Wellen Laut für Laut erfassen und vermittelt dadurch die bezeichnete Sache. Der zweite lässt einen entfernten Hörer lediglich seine undeutliche Gesamtgestalt erfassen, wie eine Kadamba-Knospe, nicht die bezeichnete Sache: etwa das Geräusch eines Marktes. Der gegliederte Sprachlaut hingegen ist ewig.

2.78 So heißt es im Mātṛkodaya: „Der Herr ist der Urheber der Veden, die großen Seher sind es für die Purāṇas. Da für die Mātṛkā kein Urheber vernommen wird, ist sie selbstentstanden.“ Ferner im Yāmala: „Brahmā erlangte das Brahmā-Sein, Vishnu selbst das Vishnu-Sein.“ Im Parākrama: „Die begnadeten Verehrer Maheshvaras, welche die eigene Wirklichkeit wiedererkennen, werden allein durch Selbsterkenntnis bereits im Leben befreit.“ Dadurch wird die Ewigkeit der Mantras gezeigt. So wird es in dem Śaṅkarācārya zugeschriebenen Kommentar zum Kulamūlāvatārakalpasūtra erläutert. Tatsächlich war schon zuvor gesagt worden: Das Bezeichnete ist das höchste Brahman; damit ist nicht ausgeschlossen, dass auch das Wort Brahman ist.

2.79 Einwand: Mit den Aussagen „Die Sätze des Veda sind nicht menschengemacht“ und „Der Veda hat keinen Urheber“ wird seine Ewigkeit gelehrt. Wie kann es dann heißen, der Herr sei der Urheber der Veden? Auch spätere Aussagen über den Samen der Veden scheinen das Entstehen der Mantras zu lehren. Wie verträgt sich das mit ihrer Ewigkeit? Antwort: Die Urheberschaft des Herrn wird als Offenbarmachen angenommen, nicht als erstmaliges Hervorbringen.

2.80 So heißt es im vierten Paṭala des Bṛhannīlatantra: „Erkenne den Veda unmittelbar als Brahman, Tochter des Berges! Der Veda entfaltet sich aus sich selbst; er hat keinen Urheber, Schöne. Vormals wurde er vom Erhabenen dem Selbstgeborenen vorgetragen. Von Shiva bis zu den Sehern sind alle seine Erinnerer, nicht seine Schöpfer. Krishna und die übrigen Himmelsbewohner sind seine Offenbarer.“

2.81 Im Lob der Sāvitrī, dreizehntes Kapitel der ersten Nacht des Nāradapañcarātra, heißt es: „Ich bin Sāvitrī, die Mutter der Veden; Vidhi ist ihr Vater. Jenen Schöpfer des Schöpfers verehre ich, der jenseits der drei Gunas ist.“ Dass Sāvitrī hier Mutter und Vidhi Vater heißt, muss zusammen mit der zuvor angeführten Aufforderung verstanden werden, durch die Verbindung mit ihr den Veda zu entfalten: Gemeint ist die Ausbreitung des Veda.

2.82 Andernfalls wären sowohl der erste Vers des Bhāgavata, wonach er Brahmā im Herzen das heilige Wissen vermittelte, als auch die folgende Aussage im achtzehnten Kapitel des fünften Buches gegenstandslos: „Dir sei Verehrung, dessen Wirken niemals vergeblich ist: Am Ende des Weltalters brachtest du in der Gestalt des Mensch-Pferdes die von der Finsternis verhüllten Veden aus Rasātala dem darum bittenden Seher zurück.“ Wäre Brahmā selbst der ursprüngliche Erzeuger der Veden, müsste er sie nicht von einem anderen lernen oder erbitten. Der Satz bedeutet: In der Gestalt Hayagrīvas holte der Herr für den bittenden Brahmā die Veden zurück, die von der Finsternis in Dämonengestalt geraubt worden waren.

2.83 Einwand: Wie ist dann die Erklärung Śrīdharasvāmins zum ersten Kapitel des sechsten Buches zu verstehen? Dort steht: „Der Veda ist unmittelbar Nārāyaṇa, selbstentstanden; so haben wir gehört.“ Er erklärt: Der Veda sei aus Nārāyaṇa hervorgegangen; darum werde er im übertragenen Sinne Nārāyaṇa genannt. „Selbstentstanden“ bedeute, dass er allein durch dessen Atem von selbst entsteht. Entsprechend sagt die Offenbarung: „Der Ṛgveda ist das Ausatmen dieses großen Wesens.“

2.84 Auch das Kāmadhenutantra sagt: „Von A bis Kṣa ist sie selbst die höchste Kundalini. Als Wesen der Buchstaben gebiert sie wahrlich die gesamte bewegliche und unbewegliche Welt. Die mannigfaltigen Lehrschriften, Purāṇas und Geschichtsüberlieferungen, Schöne, den Veda, die Smṛti-Schriften und alles Weitere: Alles entsteht aus dem unvergänglichen Laut, Geliebte, und besteht aus dem höchsten Brahman.“ Wie verträgt sich die Aussage, Kundalini gebäre den Veda, mit den später angeführten Offenbarungsstellen über die drei Stätten der Veden und die achtzehn Wissensgebiete?

2.85 Antwort: Dies alles lässt sich vom Standpunkt des Vedānta erklären. Nach diesem ist allein der Herr ewig, alles Übrige vergänglich. Die Aussagen über die Urheberlosigkeit entsprechen hingegen dem Standpunkt der Mīmāṃsā. So ergibt sich kein Widerspruch. Tatsächlich begründet aber die später angeführte Śāradā-Aussage „Die Göttin besteht aus allen Veden und ebenso aus allen Mantras“ gerade die Ewigkeit der Veden und Mantras: Kundalini ist Bewusstsein, als Wort-Brahman bestimmt, von der Gestalt sowohl des Wortes als auch seiner Bedeutung und von der Gestalt der Veden.

2.86 Was wird dann aus der Offenbarung über das Ausatmen? Auch wenn man den Veda als Ausatmen des Herrn in seiner gewaltigen kosmischen Gestalt versteht, folgt daraus nicht seine erstmalige Erzeugung. Wollte man aus Śrīdharasvāmins Erklärung eine solche Erzeugung ableiten, müsste auch die Ebergestalt des Erhabenen von Brahmā erzeugt sein, da sie durch dessen Atem offenbar wurde.

2.87 Dafür steht Maitreyas Bericht im dreizehnten Kapitel des dritten Buches: Brahmā sah die Erde im Wasser versunken und dachte: „Jener Herr, aus dessen Herzen ich entstand, möge für mich handeln.“ „Während er so sann, du Makelloser, trat plötzlich aus seiner Nasenöffnung ein daumengroßes Eberjunges hervor. Vor seinen Augen, o Nachkomme Bharatas, wuchs es in einem Augenblick zur Größe eines Elefanten. Dies war ein großes Wunder.“ Damit endet die Erörterung über das Hervorgehen der verschiedenen Schriften.

Buchstaben, Gestirne und Zeit

2.88 Auch das Hervorgehen der Planeten aus den Buchstaben wird gelehrt. Im vierten Paṭala des Prapañcasāra heißt es: „Die Sonne herrscht über die Vokale; der Rote, Mars, über die ka-Gruppe. Zur ca-Gruppe gehört Kāvya, Venus; aus der ṭa-Gruppe entsteht Budha, Merkur. Aus der ta-Gruppe kommt der Lehrer der Götter, Jupiter, aus der pa-Gruppe Saturn und aus der ya-Gruppe der kühlstrahlende Mond. So ist diese Kraft siebenfältig.“

2.89 Das Viśvasāratantra nennt die Planeten als herrschende Gottheiten der aus der inneren Mātṛkā entstandenen Gruppen: „Götterherrin, ich nenne dir die Gottheiten der sieben Gruppen. Der rote Sohn der Erde ist die Gottheit der ka-Gruppe. Kāvya herrscht über die ṭa-Gruppe, Budha über die ca-Gruppe; der Lehrer der Götter über die ta-Gruppe, Saturn über die pa-Gruppe, der Mond über die ya-Gruppe und die Sonne über die Vokale.“ [Die beiden Zitate ordnen Venus und Merkur unterschiedlich zu.]

2.90 Im Prapañcasāra heißt es: „Aus den Buchstaben ihrer Entfaltung entstehen die zwölf Tierkreiszeichen. Mit den aus kleinsten Zeitmaßen angesammelten Zeiten vollzieht sich die Bewegung des Rades. Durch die Radbewegung in Mondhäusern, Tierkreiszeichen und den übrigen Größen besteht die Welt. Ich werde die mit den Tierkreiszeichen verbundene Gestalt dieses Rades erklären. Man bilde den Kreis der Tierkreiszeichen mit innerer und äußerer Gliederung. Im Erdenkreis, dem menschlichen Bereich, beginnt die Folge mit Widder.“

2.91 „Aus den ersten Lauten bis Ī wird das Zeichen Widder erkannt. Aus den drei folgenden bis Ṛ entsteht Stier, aus den drei bis Ḷ Zwillinge. Aus E und Ai entsteht Krebs, aus O und Au Löwe. Aus Aṃ, Aḥ und dem Ś-Laut entsteht Jungfrau. Aus den sechs Gruppen ka, ca, ṭa, ta, pa und ya entstehen durch die Entfaltung der Shakti die Zeichen von Waage bis Fische. Zu den vier Lauten von ya an tritt Kṣa im Zeichen Fische.“ Damit endet die Darstellung der Tierkreiszeichen aus den Buchstaben. [Die genaue Abgrenzung der Lautgruppen ist stellenweise unsicher.]

2.92 Dort werden auch die Zeichenherrscher genannt: Mars herrscht über Widder und Skorpion, Venus über Stier und Waage, Merkur über Zwillinge und Jungfrau, der Mond über Krebs, die Sonne über Löwe, Jupiter über Schütze und Fische sowie Saturn über Steinbock und Wassermann. Diese Reihenfolge wird dargelegt. [Die abschließende Wendung des Verses ist gestört.] Damit endet die Darstellung der Zeichenherrscher.

2.93 „Darüber befindet sich in gleicher Weise der Kreis von Bhuvas. Er beginnt mit Löwe und bestimmt den Gang der Ahnen. Darüber befindet sich ebenso der Kreis von Svas. Dieser Götterkreis beginnt mit Schütze; so hat das Rad drei Naben.“ Damit endet die Darstellung der Tierkreise der drei Welten.

2.94 „Aus eben diesen Tierkreiszeichen entstehen die Mondhäuser; durch die Unterscheidung der Buchstaben sind es siebenundzwanzig. Aus den ersten beiden entsteht Aśvayuj; danach entstehen Bharaṇī und Kṛttikā aus jeweils drei Schriftzeichen, Rohiṇī aus den folgenden vier. E und Ai ergeben Mṛgaśīrṣa und Ārdrā, die beiden folgenden Punarvasu. Die Verbindung von Aṃ und Aḥ wird für Revatī gesondert zurückgestellt. Aus ka entsteht Tiṣya, aus kha und ga Āśleṣā, aus gha und ṅa Maghā. Aus ca, cha und ja entsteht die vordere Phalgunī, aus jha und ña die hintere. Ṭa und ṭha ergeben Hasta und Citrā, ḍa Svātī. Viśākhā entsteht aus ḍha und ṇa, Anurādhā aus ta, tha und da, Jyeṣṭhā aus dha, Mūla aus na, pa und pha. Danach entstehen die vordere und hintere Āṣāḍhā sowie Śravaṇa. Śraviṣṭhā entsteht aus ya und va; darauf folgt Śatabhiṣaj. Aus va und śa entsteht die vordere Proṣṭhapad, aus va, sa und ha die hintere.“ [Mehrere Buchstabenangaben dieser Reihe sind gestört oder nicht vollständig; die Übersetzung ergänzt keine vermeintlich richtige Zuordnung.] Damit endet die Darstellung der Mondhäuser aus den Buchstaben.

2.95 „Wenn sich Kṣa mit Aṃ und Aḥ verbindet, wird dies als Verbindung von Mond und Sonne, als Neumond, verstanden. Aus der Verbindung von ka und ṣa entsteht Kṣa; seine Gottheit ist Nṛsiṃha. Zusammen mit ṣa, sa und ha gehört er wiederum zur hinteren Proṣṭhapad.“ [Die vorausgehende Wendung zur Herkunft von ka und ṣa ist nicht sicher verständlich.] Damit endet die Darstellung des Neumondes.

2.96 „An den Tagen der jeweiligen Mondhäuser ist eine weitere Rezitation des eigenen Mantras vorgesehen. Deshalb werden auch die Gottheiten und die übrigen Zuordnungen dieser Tage genannt.“ Damit ist die Rezitation nach Mondhäusern erwähnt.

2.97 Die zugehörigen Bäume werden in dieser Reihenfolge genannt: Kāraskara, Āmalaka, Uḍumbara, Jambu, Khadira, Kṛṣṇavaṃśa, Pippala, Nāga, Rohiṇ, Palāśa, Plakṣa, Kāmboṣṭha, Dhi, Arjuna, Vikaṅkata, Vakula, Sarajā, Sarja, Vañjula, Panasa, Arka, Śamī, Kadamba, Nimba, Āmra und Madhuka. [Mehrere Namen und Wortgrenzen sind unsicher; die vorliegende Reihe lässt sich nicht verlässlich auf siebenundzwanzig Einträge verteilen.] „Wer langes Leben wünscht, soll den Baum seines eigenen Mondhauses niemals fällen.“ Die Verbform umfasst sowohl eigenes Fällen als auch das Veranlassen des Fällens: Man soll ihn weder selbst schneiden noch schneiden lassen. Damit endet das Verbot, den Baum des eigenen Mondhauses zu fällen.

2.98 Die Gottheiten der Mondhäuser sind der Reihe nach: die Aśvins, Yama, Agni, Dhātṛ, der Mond, Rudra, Aditi, der Lehrer der Götter, die Schlangen, die Ahnen, Aryaman, Bhaga, die Sonne, Tvaṣṭṛ, die Maruts, Indra und Agni gemeinsam, Mitra, Indra, Nirṛti, die Wasser, die Allgötter, Hari, die Vasus, Varuṇa, Aja Ekapād, Ahirbudhnya und Pūṣan. Damit endet die Darstellung der Mondhausgottheiten.

2.99 Es folgt die Reihe der Yoni-Zuordnungen, der symbolischen Herkunfts- oder Tierklassen der Mondhäuser. Genannt werden Pferd, Elefant, Ziege, Schlange und erneut Schlange; danach ist die Wortfolge gestört. Erkennbar folgen Katze, Ziege, Ratte und Maus, Rudras Reittier, Büffelkuh, Tiger, Yamas Reittier, Tigerin, Hirschkuh und weitere, nicht sicher abgrenzbare Bezeichnungen, darunter Affe, Pferd, Mensch, Kuh und Elefantenkuh. [Eine vollständige eindeutige Zuordnung der siebenundzwanzig Glieder ist aus dieser Lesung nicht möglich.] Damit endet die Darstellung der Yoni-Zuordnungen.

2.100 Als feindliche Paare werden Kuh und Tiger, Elefant und Löwe, Pferd und Büffel, Hund und Hirsch, Mungo und Schlange, Affe und Widder sowie Katze und Ratte genannt. Wer Günstiges erstrebt, soll solche Verbindungen bei Ehepaaren sowie im Verhältnis zwischen Herrscher und Diener meiden und auch weitere Gegensätze anhand des gewöhnlichen Verhaltens erkennen. Die Paarbildungen werden wegen ihrer als beständig geltenden Feindschaft grammatisch als sächliche Einheiten aufgefasst.

2.101 Aus diesen Größen entstehen die Mondtage, beginnend mit Pratipad und endend mit Neumond. Je zweieinhalb Mondtage entsprechen hier einem Tierkreiszeichen; so verteilen sich dreißig Mondtage auf zwölf Abschnitte. Sie werden nochmals nach der ersten und zweiten Monatshälfte zweigeteilt. Eine Hälfte umfasst fünfzehn Tage. Die erste, helle Hälfte beginnt mit dem ersten Tag des zunehmenden Mondes; entsprechend beginnt die andere, dunkle Hälfte mit dem ersten Tag des abnehmenden Mondes. Damit endet die Darstellung der Monatshälften.

2.102 Obwohl die Tage beider Hälften gleich heißen, sind sie wegen des Abnehmens und Zunehmens des Mondes nicht gleich; deshalb werden dreißig unterschieden. Als Herrscher der Mondtage werden der Reihe nach Agni, die Aśvins, Umā, der Herr der Hindernisse, die Nāgas, Guha, die Sonne, die Mütter, Durgā, die Himmelsrichtungen, der Herr des Reichtums, Vishnu, Yama, Hara sowie die abschließend nicht eindeutig abgegrenzten Bezeichnungen Pati und Mond genannt. [Die Schlussgruppe der Herrscherliste ist unsicher.]

Schluss des zweiten Pariccheda: In der ehrwürdigen Prāṇatoṣiṇī endet hier im ersten, der Schöpfung gewidmeten Kāṇḍa der zweite Lehrabschnitt, „Darstellung der aus den Buchstaben entstandenen Welt, einschließlich der Erörterung Brahmans als Wesen von Wort und Bedeutung“.


Sargakāṇḍa, dritter Pariccheda: Zeit, Elemente und die vier Arten der Verkörperung

Von der Klangschöpfung zur Welt der Gestalten

3.1 Damit ist die Schöpfung des Klanges bis zur untersten Sprachstufe dargestellt. Sie wurde zuerst behandelt, um ihren Vorrang zu zeigen. Da sich Paśyantī und die übrigen Sprachstufen ohne die Entstehung des Körpers nicht erläutern lassen, beginnt nun die Darstellung der Schöpfung der Körper.

3.2 Der Lehrer sagt im ersten Paṭala des Śāradātilaka: „Aus Shambhu, dessen Wesen Bindu ist, der mit der Zeit verbunden ist und das Wesen der Kalā besitzt, entstand Sadashiva, Zeuge der Welt und alldurchdringend. Aus Sadashiva entstand Isha, aus diesem Rudra, aus Rudra Vishnu und aus Vishnu Brahmā. So ist ihr Hervorgehen.“ Dass Rudra und die anderen hier erneut entstehen, ist keine Wiederholung: Zuvor wurden sie als Klang dargestellt; hier erscheinen sie in der Schöpfung der bezeichneten Wirklichkeiten als deren Gestalten.

3.3 Kalā bedeutet hier Māyā; Shambhu besitzt ihr Wesen, weil er aus ihr hervorgegangen ist. „Mit der Zeit verbunden“ bedeutet: Er hat Nada zum Wesen und die schöpferische Zeit als Helferin innerhalb der anfangs- und endlosen Zeit. Diese beiden Bestimmungen besagen, dass Prakṛti und Zeit auch während der großen Weltauflösung bestehen. Ihre Ewigkeit ist deshalb relativ; die Ewigkeit des Puruṣa beruht auf ihm selbst, da alles Vergehen an ihm seine Grenze findet.

3.4 Deshalb sagt der Viśvasāra: „Augenblicke und Māyā, Tage und Nächte, Monatshälften, Monate, Jahreszeiten, Sonnenhalbjahre und Jahre, Weltalter und ihre Maße sowie die Manu-Zeiträume: Alles bis zur großen Weltauflösung gilt als von der Natur des Bindu.“ Damit wird die Auflösung der als Schöpfung gegliederten Zeit ausgesprochen. Das Wort „Gefährte“ in „mit der Zeit verbunden“ deutet hingegen auf die fortbestehende ursächliche Zeit hin. Rāghavabhaṭṭa führt dazu an: „Diese Zeit, entfaltet durch die Kraft des Tamas, reicht vom kleinsten Zeitmaß bis zur Weltauflösung und ist die mitwirkende Ursache für Entstehen und Vergehen der Dinge.“

Die Maße der Zeit

3.5 Auch die Maße vom Lava an beschreibt der erste Paṭala des Prapañcasāra: „Wenn eine feine Nadel einen Stapel Lotusblätter durchsticht, heißt die Zeit für jedes einzelne Blatt Lava. Dreißig Lava ergeben eine Truṭi, ebenso viele Truṭi eine Kalā. Ebenso viele Kalā ergeben eine Kāṣṭhā und ebenso viele Kāṣṭhā einen Nimeṣa. Dieser entspricht einem Fingerschnippen. Acht davon gelten als eine Mātrā. Die Zeit, in der die eigene Hand das eigene Knie umkreist, gilt als eine Mātrā; sie entspricht auch einem Atemzug.“

3.6 „Dreihundertsechzig Atemzüge gelten als eine Ghaṭikā. Zwei Nāḍikā ergeben einen Muhūrta, dreißig Muhūrta Tag und Nacht. Dreißig Tage und Nächte bilden einen Monat, zwölf Monate ein menschliches Jahr. Dieses entspricht einem Tag und einer Nacht der Götter. Dreihundertsechzig solcher Göttertage ergeben ein Götterjahr. Zwölftausend entsprechend aufgeteilte Götterjahre ergeben einen Zyklus der vier Weltalter. Tausend solcher Zyklen, Śatānanda, gelten als ein Tag von dir; ebenso lang ist deine Nacht. Dreißig solcher Tage und Nächte bilden deinen Monat, zwölf solcher Monate dein Jahr. Hundert solcher Jahre lebst auch du. Deine gesamte Lebenszeit ist ein Atemzug von mir.“ So spricht Kāla, die Zeit.

3.7 Eine im Abschnitt über den Sonnenübergang des Tithitattva angeführte Smṛti bietet dagegen diese Rechnung: „Ein Viertel einer kurzen Silbe heißt Truṭi, zwei Truṭi ein Lava, zwei Lava ein Nimeṣa; achtzehn Nimeṣa ergeben eine Kāṣṭhā.“ Am Ende stehen die von Amarasiṃha als Saṃvarta, Pralaya und Kalpa bezeichneten Maße. Dass Zeit dabei als mitwirkende Ursache verstanden wird, zeigte der vorangehende Beleg. [Die unterschiedlichen Rechnungen werden nicht vereinheitlicht.]

3.8 Auch das Merutantra beschreibt im ersten Uddeśa zunächst auf andere Weise die Lebensdauer eines Indra und sagt dann: „Vierzehn solche Indra-Zeiträume heißen ein Tag Brahmās. Für Mahāmāyā, über die ich meditiere, ist dies ein Ausatmen. Die entfaltete Welt während Brahmās Tag entspricht ihrem Ausatmen, seine Nacht ihrem Atemanhalten. Eine ihrer Ghaṭikā entspricht einem Jahr Vidhis. Hundert ihrer Ghaṭikā lebt Brahmā, einem kleinen Insekt gleich. Eine helle Monatshälfte erscheint sie als Satī, eine dunkle als Pārvatī. Hari lebt eine ihrer Jahreszeiten, Sadashiva eines ihrer Jahre. So lebt sie als Gemahlin Mahākālas hundert Jahre. Wie eine Schlange ihre Haut legt sie den Körper immer wieder ab und ist erneut jung.“ Damit endet die Darstellung der Zeit.

Mahat, Ahaṃkāra und die fünf Elemente

3.9 Nun beginnt innerhalb der Schöpfung der gegenständlichen Welt die Darstellung der Wirklichkeitsprinzipien. Im ersten Paṭala der Śāradā heißt es: „Aus jener ursprünglichen, unentfalteten höchsten Wirklichkeit entstand, als sie sich umgestaltete, das große Prinzip Mahat, dessen Wesen die Gunas und das innere Werkzeug sind.“ Gemeint ist: Aus dem zur Schöpfung sich wendenden Wort-Brahman entstand Mahat. Oder: Es entstand aus der höchsten, unentfalteten Wirklichkeit in Bindu-Gestalt, die Wurzel aller Schöpfung ist. Es besteht aus Sattva, Rajas und Tamas und ist die eine Ursache des vierfachen inneren Werkzeuges: Manas, Buddhi, Ahaṃkāra und Citta. Die Wirkung wird dabei auf die Ursache übertragen, wenn von deren „Wesen“ gesprochen wird. Auch die Offenbarung sagt: „Aus Prakṛti entsteht Mahat, aus Mahat Ahaṃkāra.“

3.10 Das von Rāghavabhaṭṭa angeführte Vāmakeśvaratantra sagt ebenfalls: „Aus dem Wort-Brahman von unentfalteter Gestalt entstand das Buddhi-Prinzip als Ursache von allem, mit hervortretendem Sattva.“ In der Sāṃkhya-Lehre wird Mahat als Buddhi bezeichnet.

3.11 Die Śāradā fährt fort: „Aus ihm entstand der dreifache Ahaṃkāra, durch den sich die Schöpfung gliedert. Aus dem Vaikārika-Ahaṃkāra entstanden die zehn entsprechenden Gottheiten: die Richtungen, Wind, Sonne, Pracetas, die Aśvins, Feuer, Indra, Upendra und Mitra. Aus dem Taijasa entstanden die Sinne in der Verbindung mit der Folge der feinen Sinnesgrundlagen. Aus dem Bhūtādi-Ahaṃkāra entstanden die fünf Elemente.“ [Die ausgeschriebene Gottheitenreihe lässt sich in dieser Lesung nicht eindeutig auf zehn Einheiten verteilen.]

3.12 Rāghavabhaṭṭa führt an: „Der Ahaṃkāra ist aufgrund der Gunas dreifach. Vaikārika heißt der sattvische, Taijasa der rajasische, Bhūtādi der tamasische. Sie bringen die entsprechenden Prinzipien hervor.“ Die Benennung folgt jeweils dem Überwiegenden. Tatsächlich sind alle drei Gunas in allen drei Formen vorhanden, nur in unterschiedlichem Maß. Entsprechend ist dies auch bei den als Shiva und Shakti beschriebenen Gestalten zu bedenken.

3.13 Aus Vaikārika entstehen die herrschenden Gottheiten der Sinne und der Mond; aus Taijasa die fünf Erkenntnissinne, die fünf Handlungskräfte und Manas; aus Bhūtādi die fünf feinen Sinnesgrundlagen. Ein weiterer von Rāghavabhaṭṭa angeführter Beleg sagt: „Aus Vaikārika entstehen die Richtungen und die übrigen, mit dem Mond elf Gottheiten. Sie gelten als die herrschenden Gottheiten der Sinne. Das weitere Prinzip Manas mit seinem Entwerfen und Unterscheiden entsteht aus Taijasa, ebenso die zehn Sinne. Aus Bhūtādi entstehen die fünf Tanmātras, danach die Elemente.“

3.14 Die Tanmātras sind Klang, Berührung, sichtbare Gestalt, Geschmack und Geruch. Aus der feinen Klanggrundlage entsteht Raum; aus Klang und Berührung Luft; aus Klang, Berührung und Gestalt Feuer; aus diesen und Geschmack Wasser; aus allen zusammen mit Geruch Erde. So wird es im ersten Paṭala versifiziert gelehrt: Die fünf Elemente besitzen in dieser Folge zunehmend mehr Eigenschaften.

3.15 Brahmajñānatantra und Nirvāṇatantra sagen dagegen: „Aus dem Raum entsteht Luft, aus Luft das Feuerlicht, daraus Wasser und aus Wasser Erde. Erde löst sich in Wasser, Wasser im Feuerlicht, dieses in Luft und Luft im Raum auf. Aus den fünf Prinzipien entsteht die Schöpfung; ein Prinzip geht jeweils im vorhergehenden auf.“ Auch die Offenbarung sagt: „Aus jenem Brahman entstand der Raum, aus Raum Luft, aus Luft Feuer, aus Feuer Wasser, aus Wasser Erde, aus Erde Pflanzen und aus Pflanzen Nahrung.“ Hier wird das Hervorgehen der Elemente jeweils aus einem Element gelehrt. Damit endet die Darstellung ihres Entstehens und Vergehens.

3.16 Die Logiker nennen Klang und die übrigen Wahrnehmungsqualitäten Eigenschaften von Raum und den anderen Elementen. Auch das Sāṃkhya lehrt: Klang ist die Eigenschaft des Raumes, Klang und Berührung sind die der Luft; Feuer besitzt dazu Gestalt, Wasser zusätzlich Geschmack und Erde zusätzlich Geruch. Dasselbe sagt die von Rāghavabhaṭṭa angeführte Īśānasaṃhitā in einer Aufzählung von einer bis fünf Eigenschaften.

3.17 Tatsächlich sind infolge der fünffachen Vermischung in jedem der fünf Elemente alle fünf Eigenschaften vorhanden, wie auch überall die drei Gunas bestehen. Deshalb werden auch an der Nase und den übrigen, der Erde und den anderen Elementen zugeordneten Sinnesorganen Eigenschaften wie Schärfe wahrgenommen. [Die letzte Eigenschaftsreihe ist in der Grundlage gestört.] Damit endet die Darstellung der Eigenschaften der Elemente.

Gestalt und Farbe der Elemente

3.18 Der erste Paṭala des Śāradātilaka beschreibt die Elementkreise: „Der Raumkreis ist rund; der Luftkreis ist rund und mit sechs Punkten gekennzeichnet. Der Feuerkreis ist dreieckig und mit einem Svastika versehen. Dem Wasser gehört ein Lotus mit einer Mondsichel, der Erde ein Viereck.“ Der Prapañcasāra beschreibt entsprechend den runden Raumkreis, den mit sechs Punkten versehenen Luftkreis, das Feuerdreieck mit Svastika, die mit Lotus und Halbmond versehene Wasserform und die viereckige Erdform mit Vajra-Zeichen.

3.19 Der Viśvasāra bietet eine andere Darstellung: „Der Raumkreis ist, wie allgemein anerkannt, rund; der Luftkreis sechseckig, der Feuerkreis dreieckig, der Wasserkreis achteckig und der Erdkreis viereckig.“ So werden dort drei Auffassungen als Alternativen verzeichnet. Ihr Nutzen liegt in der Formbestimmung bei Befragungsverfahren, im unmittelbaren Erkennen beim Pranayama und beim Auftreten der Elemente sowie in der Durchführung der sechs rituellen Handlungen. All dies wird später erläutert. Damit endet die Darstellung der Elementkreise.

3.20 Zu ihren Farben sagt die Śāradā: „Raum ist klar, Luft schwarz, Feuer rot, Wasser hell und Erde gelb. Die fünf Elemente erkennt man jeweils an ihrer eigenen Grundlage.“ Rāghavabhaṭṭa erklärt „klar“ als weiß; auch „hell“ bedeutet weiß. Der Prapañcasāra sagt: „Raum erkennt man an Öffnungen, Luft an Bewegung, Feuer am Reifen und Garen, Wasser an Saftigkeit und Erde an Festigkeit. Ihre Farben sind weiß, dunkel, rötlich, weiß und gelb.“ Öffnung bedeutet Hohlraum, „dunkel“ schwarz.

3.21 Tatsächlich bedeutet „klar“ jedoch rein, hier blau; dies wird im Abschnitt über Befragungen deutlicher werden. Nach dieser Auffassung ist bei der Lesung „weiß“ ein vorausgehendes A mitzulesen, sodass „nichtweiß“ entsteht. Der Sinn ist, Raum und die übrigen Elemente anhand von Öffnung und den anderen Kennzeichen zu erkennen. „Jeweils an ihrer eigenen Grundlage“ bedeutet: Sie beruhen jeweils auf der ihnen zugehörigen Ursache.

Verkörperung und Vermischung der Elemente

3.22 Die vier Arten des Körpers, bestehend aus den fünf Elementen und auf Sonne und Mond bezogen, werden im ersten Paṭala des Viśvasāratantra erläutert: „Aus der Erde entstehen Pflanzen, aus Pflanzen Nahrung; daraus entsteht, Göttin, der alle Freude tragende Same. Aus diesem entsteht das Welt-Ei von Mond und Sonne. Diese ganze bewegliche und unbewegliche Welt hat das Wesen von Mond und Sonne.“ Beweglich bedeutet sich fortbewegend, unbeweglich ortsfest.

3.23 Das Śāradātilaka sagt: „Die ganze bewegliche und unbewegliche Welt besteht aus fünf Elementen. Das Unbewegliche ist vielfach gegliedert, etwa in Berge und Bäume. Die beweglichen Wesen sind dreifach: aus Feuchtigkeit entstanden, aus Eiern geboren und aus einer Fruchthülle geboren.“ Der Ausdruck „aus fünf Elementen“ verweist sowohl auf die Lehre der dreifachen als auch auf die der fünffachen Vermischung.

3.24 Nach der dreifachen Vermischung bestehen beispielsweise die Körper der feurigen Gottheiten zur Hälfte aus Feuer, zu einem Viertel aus Erde und zu einem Viertel aus Wasser. Nach der fünffachen Vermischung bildet Feuer vier Achtel, jedes der übrigen Elemente ein Achtel. Entsprechend verhält es sich in anderen Fällen.

3.25 Hierzu wird aus dem Tattvaviveka der Pañcadaśī zitiert, in der Grundlage als fünfter Abschnitt bezeichnet: „Um ihren Erfahrungen zu dienen und die Gegenstände des Erfahrens sowie die Körper hervorzubringen, vermischt der Erhabene Raum und die übrigen Elemente jedes für sich fünffach.“ Bhagavān, der Erhabene, besitzt die sechs Vollkommenheiten. Sie sind umfassende Herrschaft, Kraft, Ruhm, Schönheit beziehungsweise Fülle, Wissen und Loslösung. Die Smṛti sagt: „Die Gesamtheit von Herrschaft, Kraft, Ruhm, Fülle, Wissen und Loslösung wird Bhaga genannt.“

3.26 Das Wort „umfassend“ deutet die acht Herrschaftskräfte an, beginnend mit dem Vermögen, sich winzig zu machen. Daher ergibt sich hier gegenüber dem als tamasisch beschriebenen Ishvara ein Vorrang des Bhagavān, in dem Sattva und die übrigen Gunas gleichmäßig bestehen. Die Bezeichnung Bhagavān kommt nicht ausschließlich einer von Sattva beherrschten Gestalt zu; sonst wäre sie für die aus den drei Gunas bestehende Göttin nicht verständlich. Dies mögen Verständige bedenken.

3.27 Der höchste Herr vermischt Raum und die übrigen fünf Elemente immer wieder einzeln fünffach, damit die Lebewesen erfahren können: damit Nahrung, Trank und andere Erfahrungsgegenstände sowie die vier Arten von Körpern als Stätten des Erfahrens entstehen. Er macht das noch nicht Fünffache zum Fünffachen: „Er teilt jedes Element in zwei Hälften, eine Hälfte wiederum in vier Teile. Durch die Verbindung mit den entsprechenden Anteilen der jeweils anderen Elemente entsteht die fünffache Zusammensetzung aller fünf.“

3.28 Eine weitere Auffassung gibt dem vorherrschenden Feuer sechs Zehntel und Erde, Wasser, Luft und Raum jeweils ein Zehntel. Entsprechend bestehen unsere erdhaften Körper aus sechs Zehnteln Erde und je einem Zehntel der anderen Elemente. Rāghavabhaṭṭa führt dazu an: „Man teile jedes Element in zwei Hälften, nehme jeweils eine Hälfte und teile sie nochmals fünffach. Man füge je einen solchen Anteil jedem Element zu. So besitzt etwa das Raumelement sechs eigene Anteile und vier fremde Anteile; bei Luft und den anderen verfahre man ebenso.“

3.29 Dadurch wird erklärt, dass sich fliegende Wesen wegen ihres hohen Anteils an Raum und Luft durch den Luftraum bewegen; Hauseidechsen und ähnliche Tiere bewegen sich wegen des Raumanteils an Wänden; Geisterwesen können sich wegen ihres hohen Luftanteils überallhin bewegen und sind unstet. Damit endet die Darstellung der fünffachen Vermischung.

Die vier Geburtsweisen

3.30 Der erste Paṭala des Prapañcasāra sagt: „Wenn die Zeit Prakṛti antreibt, deren Wesen die Gunas und das innere Werkzeug sind, entstehen die Körper der Lebewesen je nach ihrer Geburtsweise in vier Formen: aus der Erde sprossend, aus Feuchtigkeit entstanden, aus Eiern geboren und als vierte aus einer Fruchthülle geboren.“ [Der zweite Teil dieser Aussage steht in der Textgrundlage doppelt.] Gemeint ist: Aus Prakṛti, der durch die Zeit angetriebenen Ursache der Gunas und des inneren Werkzeuges, entstehen die vier Körperarten der verkörperten Wesen.

3.31 Viśvasāra und Prapañcasāra beschreiben das Sprossende so: „Was die Erde durchbricht und hervortritt, heißt Udbhida. Es ist ortsfest und wird an Stamm, Zweigen, Blättern, Blüten, Früchten und weiteren Merkmalen erkannt.“ Rāghavabhaṭṭa führt zur Entstehung an: „Als sprossende ortsfeste Wesen sind Gräser, Sträucher und ähnliche Pflanzen zu verstehen. Die Erde wird von Wasser durchtränkt, durch innere Wärme gereift und durch Luft bewegt; so gelangt sie zum Samenzustand. Die Samen werden erneut von Wasser durchtränkt, schwellen an, werden weich und bilden Wurzeln. Aus der Wurzel entsteht der Spross, aus dem Spross das Blatt, dann der beblätterte Stängel und daraus die weitere Hervorbringung.“ Damit endet die Darstellung des pflanzlichen Entstehens.

Historische Vorstellungen über Karma und Pflanzengeburt

3.32 Im siebenundzwanzigsten Paṭala des Matsyasūkta wird eine Geburt als ortsfestes Wesen nach schuldhaftem Handeln gelehrt: „Wer Vater, Tochtersohn und Mutter hasst, wird zur Yūthikā; wer den Sohn hasst, zum Varuṇa-Baum.“ [Die daran anschließende Wendung ist gestört.] „Wer Land raubt, wird zu Kodrava, wer Pilgerstätten hasst, zu Caipaka. Wer die Haare seiner Frau verbrennt, wird zu Dūrvā; wer Rinderhaare verbrennt, zu Kṛśa; wer Brahman hasst, zu Vaka. Wer die Ehefrau hasst, wird zu Kuruvaka; wer allein Süßes genießt, zu Tintiḍī.“ Gemeint ist jemand, der andere täuscht und das Süße für sich allein isst.

3.33 „Wer Kupfer stiehlt, wird zu Panasa, wer Land raubt, zu Arjuna. Wer die Frau eines anderen entführt, wird zu Bahuja. Wer den Guru hasst, wird zum Soma-Baum; wer die Schwiegermutter hasst, zu Jayantikā. Wer mit der Mutter streitet, wird zum Cora-Baum; wer mit dem Gatten beziehungsweise Herrn streitet, zum Brahma genannten Baum. Wer zwei Ehefrauen hat und eine davon hasst, wird zu Caṇḍāla. Wer die Ehefrau betrügt, wird zu Karamardaka. Wer bereits aufgeteiltes Vermögen raubt, wird zu Nīpa; wer Getreide entwendet, zu Eraṇḍa; wer das Opfer hasst, zu Dhavī.“ [Caṇḍāla steht hier innerhalb einer Pflanzenreihe; ob ein Pflanzenname oder die soziale Bezeichnung gemeint ist, bleibt offen.]

3.34 „Wer sich an der Frau eines anderen vergeht, wird zu Snuhī.“ [Die näher beschreibende Wendung ist unsicher.] „Ein Denunziant wird zu Vāsaka; wer beim König verleumdet, zum Rāma genannten Vāsaka; wer vom Diebstahl lebt, zu Kuddāla. Wer Öl stiehlt, wird zur Sesampflanze; wer Früchte verdirbt, zu Senf. Eine Frau, die zu einem fremden Mann geht, wird zu Dodrava. Wer Fische hasst, wird zum Picu-Baum; wer an verbotenen Festtagen Geschlechtsverkehr hat, zu Śivāmada. Ein Brahmane, der mit einer Schakalin verkehrt, wird zum Ghaṭa-Baum.“ [Einige Pflanzenbezeichnungen sind unsicher.]

3.35 „Wer den Schwiegervater tötet, wird zur Kokospalme; wer die Schwiegermutter tötet, zu einer Schlingpflanze.“ [Die folgende Zuordnung mit Pañcaśivā ist gestört.] „Wer den Schwager hasst, wird zu Jala; wer den Sohn einer Mitfrau hasst, Geliebte, zu Dhattūra. Wer Brüste verletzt und wer das Innere eines Körpers verletzt, wird zu Bheruka.“ [Die Abgrenzung dieser beiden Zuordnungen ist unsicher.] „Wer Hände abtrennt, wird zu Karamarda, wer Füße abtrennt, zu Jīvantī. Wer Wesen hasst, wird zu Devadāru; wer Kinder schmäht, zu Nameru; wer von der als Āmlāna bezeichneten Gewohnheit ist, zu Bandhūka; wer die Dämmerungsandacht unterlässt, zu Jaḍa. Wer Gäste betrügt, wird zu Śara.“

3.36 „Wer Tiere kastriert, wird zu Pūga; wer Kuhurin schmäht, zu Parṇa. Wer Götter hasst, wird zum Jāti-Baum, wer das Muschelhorn hasst, zu Mallikā. Wer religiöse Gelübde hasst, wird zum Pūta-Baum; wer einen Vorsatz bricht, zum Soma-Baum. Wer einen Ashram schädigt, wird zum Kāma-Baum; wer die Erzeugnisse der Kuh verwirft, zu Śatāvarī. Wer Wissen raubt, wird zu Bhallātaka; wer für einen nicht opferberechtigten Menschen opfert, zu Vari. Wer unrechtmäßige Gaben annimmt, wird zu Aṭasāra; wer königliches Eigentum raubt, zu Cāṇḍālaka. Wer eine Tempeldienerin entführt, wird zu Karṇikāra.“

3.37 „Aus einer Verfehlung beim Retten aus dem Wasser entsteht die Geburt als Aśoka.“ [Die Wendung ist nicht sicher lesbar.] „Wer Teile eines Götterheiligtums zerstört, wird zu Dhātakī; wer das Haus hasst, zu Jīvantī; wer einen Brahmanen tötet, zu Anala. Wer das Innere beziehungsweise ungeborenes Leben zerstört, wer ein Kind tötet und wer alles verunreinigt, wird zu Girikarṇikāra; wer seine Ehefrau verlässt, zu einem Baum. Wer das Geschlechtsorgan verletzt, wird zur Bananenpflanze; wer Samen zerstört, zu Bījaka; wer Samen stiehlt, zu Bījamūla; wer Liebesbegehren vereitelt, zu Mayūraka. Wer Shiva hasst, wird zu Bhūvadara; wer Mantras hasst, zu Javā. Wer Seidenstoff stiehlt, wird zum Yoga-Baum, wer Kleidung stiehlt, zu Kāsikā. Wer Eisen stiehlt, wird zu Vaṭa; wer Kupfer stiehlt, zu Vīnaśa; wer Bronze stiehlt, zum Raṇa-Baum; wer Silber stiehlt, zu Śādvala. Je nach den einzelnen Verfehlungen werden sie so hundert- und tausendfach unter allen Umständen zu ortsfesten Wesen.“ Damit endet die Darstellung der Pflanzengeburt als Folge von Verfehlungen. [Die historischen Zuordnungen sind Textaussagen, keine Beurteilung heute lebender Menschen.]

3.38 Derselbe Text lehrt ein Werden zu Wasser: „Durch Verfehlung wird man zu Wasser oder zu Gestein, Shankari; je nach Art der Verfehlung entsteht eine Vermischung der Stände. Wer mit einer menstruierenden Frau verkehrt, wird zu einem Fluss.“ [Die Flussbezeichnung ist gestört.] „Durch unwahre Rede wird man zu ortsfestem Wasser. Wer vor Mutter, Vater oder Guru lügt, wird zum Wasser eines Teiches. Eine Frau, die sich vor ihrem Gatten oder hinter seinem Rücken schlecht verhält, wird zum Wasser einer Grube. Eine Frau, die das Lager ihres Gatten nicht besteigt, wird nach ihrem Tod zu anderem Wasser: So ist es, Geliebte.“

3.39 Es folgen Zahlenangaben zur Unterscheidung reinen Wassers: „Bei einundachtzig, sechzig und fünfundzwanzig erkenne dort jeweils das Wasser als Vishnus Gestalt. Im Meer gilt ein Maß von achtzig Ellen. Wo das Maß einer Kalā-Elle zwölf erreicht, ist es frei von Schuld; das Übrige gelangt als aus Verfehlungen Entstandenes zu seiner jeweiligen Zeit dazu.“ [Bezüge und Maße dieser Passage sind nicht zuverlässig verständlich; eine praktische Regel lässt sich daraus nicht ableiten.] Damit endet die Darstellung des Werdens zu Wasser.

3.40 „Entsprechend der jeweiligen Verfehlung vollziehe man Sühne: Man errichte vorschriftsgemäß einen Shiva Linga und verehre ihn. Am vierzehnten Tag der hellen Monatshälfte, während die Sonne im Stier steht, faste man, spreche die Absicht der Tilgung der Verfehlung aus und gebe einem Zweimalgeborenen eine Kuh. Dies wird als Sühne zur Reinigung von jenen Verfehlungen gelehrt.“ Damit endet die Darstellung dieser Sühne.

Feuchtigkeitsgeburt, Ei und Mutterleib

3.41 Prapañcasāra und Viśvasāra nennen Würmer, kleine Insekten und fliegende Kleintiere „aus Feuchtigkeit geborene Körperwesen“. Dort wird ihre Entstehung erläutert: „Aus schwitzender, sich erwärmender Erde, Feuer und Wasser entsteht das Feuchtigkeitsgeborene: Läuse, Wanzen, Insekten und andere kurzlebige Wesen.“ Die Laus heißt im Bengalischen Ukanī, die Wanze Chārapokā. Dass Erde durch innere Wärme in einen Samenzustand gelangt, gilt als durch die Schrift begründet; dass aus dem Zusammenwirken feuchter Erde, Feuer und Wasser solche Wesen entstehen, wird dagegen als unmittelbar beobachtbar betrachtet, etwa beim Auftreten von Insekten in einem Misthaufen. Darin liegt die Unterscheidung. [Dies gibt eine historische Entstehungslehre wieder.]

3.42 Zur Entstehung der Ei- und Mutterleibgeborenen aus Samen und Blut sagt der Prapañcasāra: „Das Eiergeborene geht aus der rund gewordenen Verbindung von Samen und Blut hervor. Wenn deren Hülle zur rechten Zeit aufbricht, tritt es vollständig gebildet heraus und bewegt sich fort. Dazu gehören Schlangen, Eidechsen, Vögel, Frösche, Śiśumāra und andere.“ Rāghavabhaṭṭa führt an: „Eiergeboren sind Vögel, Schlangen, Krokodile, Fische, Schildkröten, Krebse, Eidechsen, Frösche, Śiśumāra, Muscheln und Perlmuscheln.“ Abja bedeutet hier Muschelhorn beziehungsweise dessen Tier.

3.43 Dazu gibt es die Redensart: „Wer Nahrung hinunterschluckt, legt Eier; wer sie kaut, gebiert mit einer Fruchthülle.“ Dieses Merkmal gilt nur im Allgemeinen. Entsprechend wird gesagt: „Ein wiederkäuendes Tier besitzt Hörner, ein anderes nicht.“ Die Śāradā erklärt: „Menschen und ähnliche Wesen werden mit einer Fruchthülle geboren. Nun wird die Entstehung des Menschen beschrieben.“

Der Wert der menschlichen Geburt

3.44 Im zweiten Paṭala des Viśvasāratantra heißt es: „Nirgends gibt es eine Geburt wie die menschliche. Alle Götter und Ahnen wünschen eine menschliche Geburt. Unter allen Körpern ist der menschliche stets schwer zu erlangen; darum wird diese Geburt überaus selten genannt. Unter Menschen ist wiederum besonders selten, Pārvatī, wer Zweifel durchschneidet. Noch seltener ist jemand, der Mantra und Tantra ergeben ist. Unter ihnen stehen die Kenner der Āgamas hoch und werden unter allen Verkörperten verehrt. Unter ihnen wiederum steht der Sādhaka am höchsten: Dies wird in allen Tantras verborgen gelehrt.“

3.45 Der zweite Paṭala des Uttarakhaṇḍa des Rudrayāmala sagt: „Die menschliche Geburt ist fruchtbar; alle Lehrschriften machen dies verständlich. Unter den vierundachtzig mal hunderttausend Körperformen der verkörperten Wesen wird Erkenntnis der Wirklichkeit allein im menschlichen Dasein erlangt. Irgendwann erlangt man durch angesammeltes Verdienst diese Geburt. Die menschliche Geburt, eine Stufe zur Befreiung, ist schwer zu erlangen.“

3.46 Auch der zweite Paṭala des Nirvāṇatantra sagt: „Unter ortsfesten Wesen, Würmern, Tieren und Vögeln, Tochter des Berges, durchläuft das Unvergängliche vierundachtzig mal hunderttausend Geburten. Danach erlangt es, höchste Herrin, den seltenen menschlichen Körper.“ Das Karmavipāka erläutert die Erlangung einer Brahmanengeburt nach dem Durchwandern dieser Geburtsformen: „Drei Millionen ortsfeste, neunhunderttausend im Wasser geborene, eine Million wurmartige, eine Million einhunderttausend Vogelgeburten, zwei Millionen Tiergeburten und vierhunderttausend menschliche Geburten: Nach dem Durchwandern dieser Formen entsteht das Zweimalgeboren-Sein.“

3.47 Der Kompilator versteht „menschlicher Körper“ in der Stelle des Nirvāṇatantra aufgrund des Zusatzes „selten“ als den durch Brahmanenstatus bestimmten menschlichen Körper. Weiter sagt das Nirvāṇatantra: „Im menschlichen Körper wird der Mensch verantwortlich für Dharma und Adharma. Danach gelangt er wieder zur Geburt und erfährt erneut den Tod. Gebunden durch die Fesseln des Karma werden die Wesen in den vierundachtzig mal hunderttausend mannigfaltigen Geburtsformen geboren und sterben, Tochter des Berges.“ Damit endet das Lob der menschlichen Geburt.

Tod, Weitergehen und Befreiung

3.48 Caṇḍikā fragt: „Wie erlangt man Geburt, und wie kommt der Tod, Herr? Dies möchte ich hören, Mahadeva. Erkläre es mir!“ Shankara antwortet: „Was hier getan wird, wird im Jenseits erfahren. Wie ein Grashalm-Blutegel wandert das Lebewesen von einem Körper zum anderen. Erst nachdem es einen weiteren Körper erlangt hat, verlässt es den vorherigen.“ Als Caṇḍī dies hört, fragt sie Shankara: „Wenn bereits ein weiterer Körper erlangt ist, wozu dienen dann die Totenspeisungen und die übrigen Gaben?“ [Die wiederholte Bezeichnung des neuen Körpers ist in der Grundlage nicht eindeutig.]

3.49 Shiva antwortet: „Höre, Göttin, ich werde es erklären. Jener ist ein durch Māyā gebildeter Körper. Er hat die Gestalt der Luft, höchste Herrin, und keine andere. Weil dieser luftartige Körper haltlos im Raum besteht, wird er durch die Gabe der Totenspeisung gefestigt. Zuerst entsteht der Kopf, Göttin, danach der Reihe nach das Übrige. Dann gelangt das Wesen in meine Stadt und vollzieht die mit Dharma und Karma verbundenen Vorgänge. Wenn das entsprechende Karma erfahren ist und nichts davon verbleibt, gelangt das Lebewesen auf mein Geheiß unter Brahmās Anordnung.“

3.50 „Wenn es seinem Karma entsprechend den schwer zu erlangenden Körper erhält, wenn es kraft glücklicher Fügung die Mahavidya von einem wahren Guru empfängt und wenn es, Maheshani, die Erkenntnis der Wirklichkeit erlangt, dann ist höchste Befreiung erreicht, solange das Welt-Ei besteht. Durch die Gnade der Mahāvidyā gibt es keine Wiederkehr.“

3.51 Im dritten Paṭala heißt es: „Wie eine Wasserblase aus dem Wasser entsteht und wieder im Wasser vergeht, so entsteht alles aus Prakṛti und löst sich wieder in ihr auf. Brahmā, Vishnu und Shiva entstehen, Göttin, aus Prakṛti; zur Zeit der Auflösung gehen sie wieder in ihr unter.“

Schluss des dritten Pariccheda: In der ehrwürdigen Prāṇatoṣiṇī endet hier im ersten, der Schöpfung gewidmeten Kāṇḍa der dritte Lehrabschnitt, „Darstellung der Entstehung der vier Arten von Körpern“.


Die Vielfalt der Erscheinungen wird auf ihre gemeinsame schöpferische Grundlage bezogen.

Sargakāṇḍa, vierter Pariccheda: Der menschliche Körper und seine Nāḍīs

Die folgenden Abschnitte verbinden tantrische Körperbilder mit historischer Embryologie und Elementenlehre. Ihre Aussagen über Zeugung, Körperentwicklung und Geschlechtsmerkmale gehören zu diesen überlieferten Erklärungsmodellen.

Zeugung und Verkörperung

4.1 Nachdem er sich vor dem Guru verneigt hat, dem Mondlicht in der Finsternis des Nichtwissens, beschreibt der zweimalgeborene Rāmatoṣaṇa die Entstehung des menschlichen Körpers.

4.2 Das im ersten Pariccheda der Śāktānandataraṅgiṇī angeführte Jñānabhāṣya lässt die Göttin fragen: „Wie ist der Körper beschaffen, Herr, und durch welches Handeln wird Befreiung erlangt? Dies möchte ich jetzt hören. Sage es mir, Mondbekrönter!“ Ishvara antwortet: „Höre, Göttin, ich werde den aus Karma entstehenden Körper beschreiben. Wenn eine Frau nach ihrer Menstruation am fünften Tag als gereinigt gilt und, vom Pfeil des Begehrens getroffen, einen Mann begehrt, findet durch die Verbindung von Vulva und Penis ihre geschlechtliche Vereinigung statt. Durch gegenseitige Berührung entsteht große Lust. Wenn der mit Prāṇa und Apāna verbundene Same ausströmt, sind Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum als Prinzipien im körperlichen Blut und Samen gegenwärtig.“

4.3 Nach der Beschreibung des Mutterleibes erläutert der zweite Paṭala des Mātṛkābhedatantra die Entstehung des Embryos. Die Göttin fragt: „Sage mir, allwissender Ishana, Bester unter den Kennern aller Prinzipien, was du beim Liebesspiel mit mir angedeutet hast: Wie entsteht ein Kind, und wie kommt der Same zu liegen? Wie tritt das anschwellende Glied ein? Ich bin voller Furcht, Herr; rette mich aus bedrängender Not!“ Das Wort „Sohn“ steht hier stellvertretend für jede Leibesfrucht. Der Sinn der Frage ist, wie eine Schwangerschaft entsteht.

4.4 Mahadeva antwortet: „Der große Lotus Maṇipūra befindet sich inmitten der Sushumna. Von ihm aus ist durch einen Stängel der schöne Nabellotus verbunden. Er besitzt drei Stängel und ist stets vom Zeugungsstoff erfüllt. Der obere Stängel reicht zum Sahasrāra; daher ist er mit Zeugungsstoff versehen. Dadurch wächst auch das Brustpaar von Tag zu Tag. Der mittlere Stängel reicht zur Sushumna, ist stielförmig und sehr kühl. Der untere reicht zur Öffnung der Yoni und ist von Wonne erfüllt, Shive. Höre, Schöngliedrige: Durch die Bewegung des Gliedes darin entsteht eine höchste Lust, der in den drei Welten nichts gleichkommt.“

4.5 „Höre gesammelt, wie der Nabellotus beschaffen ist. In seiner Mitte liegt die ständig vom Lotus geschmückte Stätte.“ [Das benennende Wort ist in der Grundlage gestört.] „Außen liegen acht Blätter und darum ein Viereck mit vier Toren, goldglänzend und mit einem Stiel versehen. Aus diesem Lotus entsteht eine gestielte, dreiblättrige Blüte. Wenn sie sich öffnet, wird außen Blut sichtbar. Findet darin die Bewegung des Gliedes statt und gelangt der Same in die Mitte des Lotus, entsteht daraus Nachkommenschaft.“

4.6 Der Prapañcasāra beschreibt das Eindringen des Samens: „Der Wind nimmt einen Tropfen des von seiner Stätte gelösten Samens und führt ihn in den Mutterleib. Ein anderer Wind nimmt den entsprechenden Keim aus dem weiblichen Zeugungsstoff an seiner Wurzel und führt ihn ebenfalls dorthin. Dann vermischt der Wind beides, bewegt und vermehrt diese Substanz. Überwiegt das Blut, entsteht nach dieser Lehre eine Frau; überwiegt der Same, ein Mann; bei Gleichheit ein weder eindeutig männliches noch weibliches Wesen. Durch das Zusammenwirken von Wind, Feuer und Wasser wächst der Embryo.“ Hierdurch wird die Lehre der dreifachen Vermischung verdeutlicht.

4.7 Das Jñānabhāṣya sagt: „Im Nabellotus wird die Leibesfrucht durch die Winde bewegt, große Göttin. Wie ein Töpfer auf seiner Scheibe Krüge formt, so formt der Wind im Mutterleib den Körper der Lebewesen.“ Auch das Śāradātilaka lehrt: „Bei Überwiegen des Blutes entsteht eine Frau, bei Überwiegen des Samens ein Mann; bei Gleichheit beider ein geschlechtlich nicht eindeutig bestimmtes Wesen.“

4.8 Das Mātṛkābhedatantra beschreibt entsprechend das Verhältnis des Zeugungsstoffs der Frau zu dem des Mannes: Überwiegt jener der Shakti, wird ein Mädchen angenommen; im umgekehrten Fall ein Junge; bei Gleichheit ein als Klīva bezeichnetes Wesen. Die Angaben über Überwiegen und Gleichheit beziehen sich auf das von Rāghavabhaṭṭa angeführte Maß: „Bei der Zeugung kommen zweiundzwanzig Anteile weiblichen Blutes und vierzehn Anteile Samens zusammen.“ Mātrā bedeutet hier Anteil. „Bei einem darüber hinausgehenden Blutanteil entsteht eine Frau, bei einem darüber hinausgehenden Samenanteil ein Mann; beim jeweils genannten Zahlenverhältnis ein geschlechtlich nicht eindeutig bestimmtes Wesen.“

4.9 Der von Rāghavabhaṭṭa angeführte Vāgbhaṭa nennt als Ursache mehrerer Kinder: „Wird jener Tropfen durch den Wind vielfach geteilt, entstehen mehrere Nachkommen. Wird er verändert, entstehen abweichende Geburtsformen und Gestalten.“ Danach heißt es: „Höre, Schöngliedrige, vom großen Vermögen der Blüte: Mit Samen verbunden wächst das geeignete Gebilde von Tag zu Tag. Wenn zehn Monate vollendet sind und die mit dem Tropfen verbundene Blüte sich löst, höchste Herrin, tritt die Nachkommenschaft hervor.“

4.10 Die Göttin fragt: „Wenn Krankheit oder die Entstehung von Würmern und kleinen Lebewesen eintritt und dadurch diese Leben vergehen, wie lebt dann die Frau weiter?“ Shankara antwortet: „Wie könnte ich das Vermögen dieser Blüte vollständig beschreiben? Tausend Stätten für Tropfen befinden sich in ihrer Mitte, Lieblichredende. Wo solche Bläschen bestehen, kann Nachkommenschaft entstehen. Selbst wenn auf diese Weise tausend Nachkommen vorhanden wären, würde sich die Blüte entsprechend ausdehnen und keinen Schmerz hervorrufen.“

4.11 Ein von Rāghavabhaṭṭa angeführter Text nennt die Voraussetzungen eines kräftigen Kindes: „Eine Frau mit vollendeten sechzehn Jahren, verbunden mit einem Mann von vollendeten zwanzig Jahren, gebiert bei reiner Gebärmutter, reinem Geburtsweg, Blut, Samen, Wind und Herzen ein kräftiges Kind. Sind beide jünger, so ist die Leibesfrucht krankheitsanfällig, kurzlebig oder unglücklich, oder sie entsteht gar nicht.“

4.12 In den aus Samen und Blut verbundenen Tropfen tritt der Atman ein wie in ein Haus. Er ist zwar ewig und einer, erscheint aber vielfach gegliedert und durch die Fessel des Nichtwissens gebunden. Maßgeblich ist unter den zahllosen in früheren Geburten angesammelten Handlungen das jeweils starke, zur Frucht heranreifende Karma: aus Verdienst und Verfehlung bestehend, Freude und Leid hervorbringend und in einem menschlichen Körper zu erfahren.

4.13 So sagt das von Rāghavabhaṭṭa angeführte Adhyātmaviveka: „Es gibt Brahman, das makellose Licht, bestehend aus Bewusstsein und Wonne, allmächtig und allwissend. Seine Anteile heißen Jīvas. Durch anfangsloses Nichtwissen bedingt sind sie wie Funken des Feuers. Durch begrenzende Bedingungen unterschieden und durch ihre anfangslosen eigenen Handlungen, Verdienste und Verfehlungen gelenkt, die Freude und Leid gewähren, nehmen sie in jeder Geburt einen Körper einer bestimmten Lebensform, eine Lebensdauer und Erfahrungsgegenstände an, alle aus Karma entstanden. So sind sie durch die Schlinge der Māyā gebunden.“

4.14 Auch das Nirvāṇatantra sagt: „In Satyaloka ist Mahākālī von Mahārudra umschlossen. Ihre Ausdehnung gleicht einer Kichererbse; sie hat die Gestalt von Mond, Sonne und Feuer. Mit dem anfangslosen Puruṣa verbunden, bringt sie die als Jīvas bezeichneten Anteile hervor, wie Funken aus einem lodernden Feuer hervorspringen. Wenn der höchste Tropfen sich von ihr löst und auf die Erde fällt, ist er sofort mit Shakti verbunden.“ Damit endet die Darstellung der Entstehung der Leibesfrucht.

Verdauung, Körperstoffe und Lebenswinde

4.15 Zur Entstehung von Samen und Blut sagt der Yogārṇava: „Der Lebenswind teilt die aufgenommene, das Leben erhaltende Nahrung im Inneren in zwei Teile: Nahrung für sich und Flüssigkeit für sich.“ Gemeint ist Prāṇa. Auch das vierte Kapitel des Uttarakhaṇḍa des Yogiyājñavalkya sagt: „Prāṇa, in der Mitte des Bauches befindlich, trennt die aufgenommene und zusammengebrachte Nahrung in ihre verschiedenen Bestandteile.“

4.16 Der Yogiyājñavalkya erläutert: Das Wasser wird zum Feuer und die Nahrung darüber gebracht. Apāna gelangt gemeinsam mit Prāṇa zum Feuer in der Körpermitte. Wenn im Folgenden nur Prāṇa als antreibend oder anwesend genannt wird, geschieht dies wegen seines Vorrangs; tatsächlich wirken Prāṇa und Apāna zusammen. „Durch den Apāna-Wind wächst das Feuer allmählich, Beste der Brahmaninnen, und brennt an seiner eigenen Stätte in der Körpermitte. Von Prāṇa angetrieben erhitzt es das Wasser im Bauchraum. Die mit Beilagen versehene, über dem Wasser befindliche Nahrung wird durch das feuererhitzte Wasser gut gegart.“

4.17 Der Yogārṇava sagt: „Prāṇa stellt Wasser über das Feuer und Nahrung über das Wasser. Selbst unterhalb des Wassers befindlich lässt er sie allmählich garen. Das durch den Wind angefachte Feuer macht das Wasser sehr heiß, und dieses kocht die Nahrung ringsum. Die gekochte Nahrung teilt sich in zwei Bestandteile: Ausscheidungsstoff und Nahrungssaft.“ Kīṭṭa bedeutet Ausscheidungsstoff.

4.18 Zum Entstehen des Nahrungssaftes sagt der zweite Paṭala des Prapañcasāra: „Die aufgenommene Nahrung mit den sechs Geschmacksrichtungen gelangt durch die Kehle und wird unter dem Einfluss von Schleim zunächst süß. Die sechs Geschmacksrichtungen sind süß, sauer, salzig, bitter, scharf und zusammenziehend. Sie beruhen als Veränderungen der Elemente auf den jeweiligen Stoffen. Danach gelangt die Nahrung aus dem ersten Hohlraum zur Stätte der Galle; unter deren Einfluss wird sie scharf und durch die damit verbundene Gallenflüssigkeit gekocht.“ Die Erläuterung setzt Svādu mit süß, Uṣaṇa mit scharf und Āśaya mit Hohlraum gleich.

4.19 Der Yogiyājñavalkya beschreibt die Umwandlung: „Wasser wird zu Schweiß und Urin, der Nahrungssaft nimmt die Form des Zeugungsstoffs an, Nahrung wird zu Kot. Prāṇa, Gārgī, trennt dies jeweils voneinander.“ Der Prapañcasāra sagt: „Das Gefäß namens Grahaṇī gleicht einer ausgestreckten hohlen Hand.“ Gefäß bedeutet hier Kanal. „Darunter liegt das Hauptfeuer, auch von Samāna angetrieben. Diese Stätte kennen die Wissenden als Mūlādhāra.“ Das Hauptfeuer ist das als Bauchfeuer bekannte, dem untermeerischen Feuer vergleichbare Feuer; es unterscheidet sich von den Feuern in den Doṣas und den Körperstoffen.

4.20 „Der Wind leitet den bei der Verdauung abgesonderten Nahrungssaft zu Blut und den übrigen Stoffen weiter. Den getrennten Ausscheidungsstoff sammelt er in der Grahaṇī. Als Kot bezeichnet füllt dieser sie wiederholt. Wenn sie gefüllt ist, gibt sie ihn an die als Valitā bezeichnete Darmpartie weiter; der Kot verlässt den Körper durch den After. Aus dem verdauten Wasser füllt der Wind durch feine innere Kanalöffnungen, ähnlich der Schweißabgabe an der Körperoberfläche, die Blase. Wenn sie voll ist, entlässt sie einen Strahl. Die bogenförmig gekrümmte Urinstätte heißt Blase; das durch den Wind daraus ausgestoßene Wasser heißt Urin. Werden diese beiden Wege durch gestörte Doṣas bei ungeeigneter Lebensweise beeinträchtigt, entstehen Harnleiden, erschwertes Wasserlassen sowie Grahaṇī- und andere Verdauungsleiden.“

4.21 Der von Rāghavabhaṭṭa angeführte Suśruta nennt Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Samen als Körperstoffe: „Durch die Hitze des Pitta gekocht entstehen sie sämtlich jeweils auseinander.“ Damit wird jeder vorausgehende Stoff als Ursache des nachfolgenden bezeichnet. Weiter heißt es: „Der Nahrungssaft in den Kanälen wird durch die Körperwärme stark gekocht; dabei erfolgen weitere Reifungen. Haut umhüllt den Körper, und Blut entsteht. Durch das Feuer ihrer jeweiligen Bereiche gekocht entstehen die Körperstoffe der Reihe nach.“

4.22 Der Yogārṇava sagt: „Prāṇa füllt die Kanäle allmählich mit diesem Nahrungssaft. Gefüllt ernähren sie den Körper ringsum.“ Der Yogiyājñavalkya erklärt: „Zusammen mit Samāna verbreitet der Wind den Saft in allen Kanälen und bewegt sich als Atem durch den Körper. Die Winde bewirken unablässig die Ausscheidungen durch die neun räumlichen Körperöffnungen.“

4.23 „Ein- und Ausatmen sowie Husten gelten als Wirkungen des Prāṇa; Ausscheiden von Kot, Urin und Ähnlichem als Wirkung des Apāna. Das Zusammenwirken von Prāṇa und Apāna sowie die Bewegungen werden Vyāna zugeordnet. Udāna bewirkt das Aufrichten und Emporheben des Körpers. Samāna erfüllt die Aufgaben der Ernährung. Aufstoßen und Ähnliches sind Wirkungen des Nāga; Schließen der Augen und Ähnliches des Kūrma; Hunger und Durst des Kṛkara. Gähnen heißt die Wirkung des Devadatta, Beste der Brahmaninnen. Ernährung und weitere Vorgänge werden Dhanañjaya zugeschrieben.“ Die Stätten der Winde und weitere Einzelheiten folgen später. Damit endet die Darstellung der Entstehung von Samen, Blut und den übrigen Körperstoffen.

Entwicklung im Mutterleib

4.24 Der Yogārṇava sagt: „Ein Wasser führender Kanal der Mutter, Parā genannt, verbindet sich mit dem Nabelkanal des Embryos und führt ihm den von der Mutter gebildeten Nahrungssaft zu.“ [Die genaue Verbindungsbeschreibung ist in der Lesung unsicher.] Die Śāktānandataraṅgiṇī nennt folgende Stadien: „In einer Nacht entsteht die erste Vermischung, am fünften Tag ein Bläschen, nach zehn Nächten Blut und am vierzehnten Tag ein Fleischklumpen.“

4.25 Der Prapañcasāra unterscheidet die aus der Verbindung hervorgegangene weibliche, māyische Substanz und die männliche, karmische Substanz. Ihre Vereinigung heißt die āṇavaartige Substanz. [Die erste Benennung ist in der Textgrundlage gestört.] Die vierundzwanzig feinen Prinzipien verbinden sich rasch mit diesen beiden. Danach ist die bereits angeführte Aussage anzuschließen: Der Wind des Embryos bewegt und vermehrt das Gemisch. „Durch die darin befindlichen Winde, Feuer und Wasser wird es befeuchtet und gekocht. Bereits an jenem Tag ist das Gemisch so groß wie der Daumen der Mutter.“ Gemeint ist die Größe ihres Daumennagels.

4.26 Der von Rāghavabhaṭṭa angeführte Yogārṇava sagt: „Am zwanzigsten Tag erscheint festes Fleisch als Klumpen; am vollendeten fünfundzwanzigsten Tag beginnt diese Masse zu sprossen.“ Die Śāktānandataraṅgiṇī setzt das Sprossen des Fleischklumpens dagegen nach einem vollendeten Monat an. Dort heißt es weiter: „Zuerst entsteht der Same, dann sogleich das Welt-Ei als Spross. In seiner Mitte steht Sumeru als Stab des Knochengerüstes. Innerhalb dieses Meru liegt die Stätte aller Wesen, der beweglichen und unbeweglichen und besonders der Gottheiten.“

4.27 „Der Jīva wohnt stets im Herzen und gleicht der Spitze einer Lampenflamme. Wie ein an einer Schnur gebundener Falke nach dem Fortfliegen wieder zurückgezogen wird, so wird der durch die Gunas gebundene Jīva von Prāṇa und Apāna gezogen.“ Der zweite Abschnitt des Yogiyājñavalkya sagt hingegen: „In der Mitte liegt der Nabel. Dort entsteht ein Rad mit zwölf Speichen, durch das der Körper getragen wird. In diesem Rad bewegt sich der von Verdienst und Verfehlung angetriebene Jīva wie eine Spinne inmitten ihres Fadengehäuses.“ Lūtikā bedeutet Spinne, im Bengalischen Mākarasā. Am Nabel findet lediglich die Bewegung des Jīva statt; sein Wohnsitz ist das Herz. Daher widersprechen sich die beiden Aussagen nicht.

4.28 Nach dem Yogārṇava entstehen nach zwei vollendeten Monaten Kopf und Fett, nach drei Monaten Mark und Knochen und im vierten Monat Haare und Haut. Das Adhyātmaviveka gibt hierzu abweichende Einzelheiten: „Im ersten Monat entsteht der flüssige Zustand namens Kalala; im zweiten ein fester Klumpen beziehungsweise eine Fleischmasse oder Geschwulst. Dies sind der Reihe nach die anfänglichen Zustände männlicher, weiblicher und geschlechtlich nicht eindeutig bestimmter Leibesfrüchte. Im dritten Monat entstehen fünf Sprosse für Hände, Füße und Kopf.“

4.29 Die drei unterschiedlichen Angaben über das Sprossen in diesen drei Werken widersprechen sich nicht, wenn man zwischen dem ersten Körperspross, dem Meru-Spross und den Gliedmaßensprossen unterscheidet. Oder sie entsprechen unterschiedlichen Überlieferungen. „Die feinen Teile der Haupt- und Nebenglieder entstehen gleichzeitig; im vierten Monat werden sie deutlich. Das von der Mutter stammende Herz begehrt Sinnesgegenstände. Daher soll man zur guten Entwicklung der Leibesfrucht die Wünsche der Mutter erfüllen. Weil sie zwei Herzen trägt, nennen die Wissenden eine solche Frau Dohādinī. Unerfüllte Schwangerschaftswünsche führen nach dieser Lehre zu Fehlbildungen und Ähnlichem; erhält die Mutter das Begehrte nicht, wird das Kind von diesem Mangel bedrängt geboren.“

4.30 Es folgen Zuordnungen zwischen den Wünschen der Mutter und Eigenschaften des Kindes: „Beim Wunsch, körperliche Herrlichkeit zu sehen, wird es wohlhabend und genussfähig; beim Wunsch nach Schmuck kunstsinnig, beim Wunsch nach einem Asketen-Ashram rechtschaffen. Beim Wunsch nach dem Anblick einer Gottheit wird es hingebungsvoll, beim Anblick einer Schlange gewalttätig. Durch das Essen von Eidechsenfleisch wird es schläfrig, durch Rindfleisch kräftig, durch Büffelfleisch rotäugig und stark behaart.“ [Die erste Zuordnung ist nicht eindeutig lesbar.]

4.31 „Im fünften Monat wächst die Masse und wird durch Fleisch und Blut genährt. Im sechsten werden Knochen, Sehnen, Kanäle, Nägel und Haare unterscheidbar. Im siebten nehmen Kraft und Wachstum zu, die Haut ist aber noch unvollständig. Im achten entstehen die vollständige Haut und das Gehör sowie das aus dem Herzen stammende Ojas.“ [Einzelne Wörter der Monatsangaben sind gestört.] Das Jñānabhāṣya sagt dagegen: „Im fünften entstehen die Öffnungen von Ohren, Augen und Nase sowie Kehle und Bauch; im sechsten Gesicht und Füße; im siebten alle Glieder; im achten gelangen die Gelenke zur Vollständigkeit.“ Auch diese Unterschiede sind wie die vorangehenden zu verstehen.

4.32 „Vom Grund des Afters aus wächst das tragende Knochengerüst mit zweiunddreißig Knoten des Wissens und Erkennens.“ [Die nähere Bezeichnung des getragenen Körpergebildes ist unsicher.] Das Śāradātilaka sagt: „Durch die von der Mutter aufgenommene Nahrung und Flüssigkeit ernährt, wächst der mit den Prinzipien ausgestattete Körper Tag für Tag, Monatshälfte für Monatshälfte und Monat für Monat.“ Gemeint ist ein aus vierundzwanzig Prinzipien bestehender Körper. „Durch die Doṣas und Körperstoffe gedeiht er und wird mit seinen eigenen Sinnesorganen deutlich ausgeprägt. Die Doṣas sind Vāta, Pitta und Kapha, die von ihnen betroffenen Stoffe die sieben Dhātus.“ Damit endet die Darstellung der Körperstoffe.

Sinne, Geist und Wirklichkeitsprinzipien

4.33 Die Śāradā nennt als Erkenntnissinne Ohr, Haut, Auge, Zunge und Nase. Ihre Gegenstände sind Klang, Berührung, sichtbare Gestalt, Geschmack und Geruch. Als Handlungsorgane nennen die Weisen Sprechen, Hände, Füße, After und Geschlechtsorgan, körperlich also Mund, Hände, Füße, After und Glied. Ihre Tätigkeiten sind Sprechen, Ergreifen, Fortbewegung, Ausscheidung und Lust.

4.34 Der erste Paṭala des Viśvasāra sagt: „Höre von den Eigenschaften der Sinne, Lotusgesichtige: Dem Auge gehört die sichtbare Gestalt, den Ohren der Klang, der Nase der Geruch, der Haut die Berührung, den Armen das Ergreifen und der Zunge der Geschmack. Dem verborgenen Ausscheidungsorgan gehört das Ausscheiden, dem Geschlechtsorgan die Lust, den Füßen das Gehen und dem Lotusmund das Sprechen.“ Damit endet die Darstellung der Sinne und ihrer Gegenstände.

4.35 Der Verfasser der Śāradā erläutert das innere Werkzeug: „Es wird als Manas, Buddhi, Ahaṃkāra und Citta bezeichnet.“ Manas entwirft und unterscheidet; Buddhi entscheidet über die Dinge; Ahaṃkāra trägt die Selbstzuschreibung „Ich bin der Erkennende“; Citta ist hier das noch nicht unterscheidende Bewusstsein. Dazu heißt es: „Diese höchste Shakti, von Samengestalt und mit den genannten Merkmalen, wird zu Manas, wenn sie Vorstellungen und Alternativen bildet. Als Buddhi entscheidet sie über alle Dinge. Erfüllt von der Selbstzuschreibung ‚Ich bin der Erkennende‘ heißt sie Ahaṃkāra. Als nichtunterscheidendes Gewahrsein hat dieselbe die Gestalt des Citta. So erscheint die eine wie eine Tänzerin in vielen Formen.“

4.36 Auch die Offenbarung sagt: „Manas entwirft, Buddhi entscheidet, das Ich schreibt sich selbst zu, Cetas nimmt wahr.“ Der Prapañcasāra erklärt ebenfalls: Die große Kraft, durch das höchste Licht entfaltet, heißt Manas, wenn sie entwirft und unterscheidet, Buddhi, wenn sie entscheidet, Ahaṃkāra, wenn sie sich selbst als Erkennenden auffasst, und Citta in ihrem inneren Erfassen des bestimmten Gegenstandes.

4.37 Die Śāradā zählt die Prinzipien: Die zehn Sinne, die fünf Elemente und Manas sind sechzehn Umgestaltungen. Die fünf feinen Elementgrundlagen, Ahaṃkāra, das Unentfaltete und Mahat bilden acht Ursachen. Die fünf Tanmātras, Mahat und Ahaṃkāra sind zugleich sieben hervorgebrachte Prinzipien. Der zusammengefasste Sinn lautet: sechzehn bloße Wirkungen, acht Ursachen und sieben zugleich verursachte Ursachen. Entsprechend heißt es: „Die Wurzel-Prakṛti ist nicht selbst hervorgebracht. Mahat und die sechs weiteren sind zugleich Ursachen und Wirkungen. Die sechzehn sind bloße Wirkungen; Puruṣa ist weder Ursache noch Wirkung.“ [Im angeführten Satz ist die ausdrückliche Benennung des Puruṣa in der Grundlage ausgefallen; der folgende Kommentar stellt den Bezug her.]

4.38 Mit Prakṛti sind es vierundzwanzig Prinzipien, mit Puruṣa fünfundzwanzig. Die Vāyavīsaṃhitā sagt: „Jenseits der dreiundzwanzig Prinzipien wird Prakṛti genannt; jenseits der Prakṛti nennen sie Puruṣa als fünfundzwanzigstes.“ Die Kenner der Wirklichkeitsprinzipien verwenden diese Benennungen aufgrund der jeweiligen Einordnung.

4.39 Die Śāradā sagt: „Der Körper hat das Wesen von Feuer und Soma, weil auch der Bindu beide in sich trägt.“ Same gilt hier als Feuer, Blut als Soma; da der Bindu aus beiden besteht, besitzt er beider Wesen. Rāghavabhaṭṭa führt an: „Der Mond hat sechzehn Kalās, die Sonne zwölf und das Feuer zehn. Ihre achtunddreißig Anteile wirken bei der Empfängnis zusammen. Darum wird die bewegliche und unbewegliche Welt als feuer- und somaartig besungen. Durch die Verbindung ihrer Kraftanteile entsteht die Leibesfrucht.“

Die Elemente im Körper

4.40 Im ersten Paṭala des Brahmajñānatantra sagt Shiva: „Knochen, Fleisch, Nägel, Kanäle und als fünfte Haut gelten als die fünf Erscheinungen der Erde. Ausscheidungsstoff, Urin, Samen, Schleim und Blut sind die fünf des Wassers. Lachen, Schlaf, Hunger, Verwirrung und Trägheit sind die fünf des Feuers. Halten, Bewegen, Schleudern, Zusammenziehen und Hervorbringen sind die fünf des Windes. Begehren, Zorn, Gier, Scham und als fünfte Verblendung sind die fünf des Raumes. So wird es im Wissen von Brahman gelehrt.“

4.41 Ein von Rāghavabhaṭṭa angeführter Text bietet andere Zuordnungen: „Knochen, Fleisch, Haut, Sehnen und Haare sind die fünf Formen der festen Erde. Speichel, Urin, Samen, Blut und Mark sind die fünf als Rudra-Gestalten bezeichneten Erscheinungen des Wassers. Hunger, Durst, Furcht, Schlaf, Trägheit und Geduld werden dem Feuer zugeordnet.“ [Hier werden sechs statt fünf Erscheinungen genannt.] „Halten, Bewegen, Aufnehmen, Zusammenziehen und Ausdehnen sind die fünf handlungsförmigen Eigenschaften des Windes. Zuneigung, Abneigung, Scham, Furcht und Verblendung sind die fünf Eigenschaften des leeren, hohlraumartigen Raumes.“ Damit endet die Darstellung der aus den fünf Elementen hervorgegangenen Körperbestandteile.

4.42 Die Śāktānandataraṅgiṇī nennt die zehn Winde: Prāṇa, Apāna, Samāna, Udāna, Vyāna, Nāga, Kūrma, Kṛkara, Devadatta und Dhanañjaya. Diese zehn werden als die das Leben bestimmenden Kräfte bezeichnet.

Die Hauptnāḍīs

4.43 Das Śāradātilaka sagt: „Die rechte Körperhälfte gilt als Sonne, die linke als Mond. Man kennt zehn Nāḍīs, von denen drei die wichtigsten sind: Ida links, Sushumna in der Mitte und Pingala auf der anderen Seite. Unter ihnen ist die mittlere Nāḍī von der Natur des Feuers und Soma.“ Der Kommentar versteht Ida als unter dem linken Hoden beginnend und bogenförmig bis zum linken Nasenloch verlaufend; Pingala entsprechend rechts. Sushumna liegt innerhalb der Wirbelsäule. Dies wird später genauer erklärt.

4.44 Der Prapañcasāra beschreibt: Aus der vom Wind aufwärts getriebenen zweifachen Zeugungssubstanz entsteht eine lange, gerade Nāḍī, die beide Naturen besitzt und deren Öffnung nach unten weist. Auf beiden Seiten entstehen zwei weitere; hinzu kommen sieben andere Nāḍīs. Die zuerst entstandene heißt Sushumna, die linke Ida, die rechte Pingala.

4.45 Eine weitere, nach außen gerichtete Nāḍī verbindet sich mit dem Herzen der Mutter. Durch sie wird der Embryo ernährt wie ein Feld durch einen Bewässerungskanal. Er wächst allmählich durch die Körperstoffe, die aus dem Nahrungssaft der Mutter entstehen. Im Verlauf des Wachstums nimmt ein Anteil des höchsten Lichtes den Zustand des „Kenners des Feldes“, des Kṣetrajña, an. Die genannte Körpersubstanz mit diesem Erkennenden, mit Elementen, Gunas, Doṣas und Körperstoffen wird Jantu, Lebewesen, genannt. Gemeint sind die fünf Elemente, Sattva und die übrigen Gunas, Vāta, Pitta und Kapha sowie die sieben Dhātus. Damit ist das Kennzeichen des Lebewesens erläutert.

4.46 „Die beiden fruchtartigen Behälter sind beim Mann deutlich ausgebildet, bei der Frau nicht; bei einem geschlechtlich nicht eindeutig bestimmten Wesen zeigt sich eine gewisse Ausbildung.“ Mit den beiden Behältern sind die Hoden gemeint.

4.47 Im ersten Paṭala des Niruttaratantra heißt es: „Der Ursprung der Nāḍīs, Göttin, ist die Lotuswurzel, einem Vogelei gleich. Dort entstehen zweiundsiebzigtausend Nāḍīs. Zehn davon gelten als die wichtigsten, den Lebenshauch führenden: Ida, Pingala, als dritte Sushumna, Gandhari, Hastijihva, Pusha, Yashasvini, Alambusha, Kuhu und Shankhini. So ist das aus Nāḍīs bestehende Rad im Shakti-Kreis zu erkennen.“ Die „Geburtsstätte des Lotus“ bezeichnet den Wurzelstock.

4.48 „Zwischen Ida und Pingala liegt Sushumna. Sie ist als dreifach zu erkennen, bestehend aus Brahmā, Vishnu und Shiva: Vajrā ist von Rajas bestimmt, Citriṇī mit Sattva verbunden, die Brahmanāḍī tamasisch, entsprechend der Unterscheidung ihrer Wirkungen.“ Ferner: „Der Wind ist sonnenartig, Manas mondartig; die Winde sind Prāṇa, Apāna, Samāna, Udāna und Vyāna.“

4.49 Zur Bahn der seitlichen Nāḍīs sagt dieselbe Überlieferung: „Die mit dem linken Hoden verbundene Nāḍī schließt sich an Sushumna an, nimmt den rechten Kreis auf, liegt bogenförmig im Herzen, durchläuft das innere Gebilde der linken Seite und erreicht das rechte Nasenloch. Entsprechend führt die am rechten Hoden beginnende zum linken Nasenloch.“ Ein anderes Tantra beschreibt dagegen eine mit Sushumna verbundene, am rechten Hoden beginnende Nāḍī, die sich mit dem inneren Gebilde links verbindet und das rechte Nasentor erreicht; die mit der linken Seite verbundene erreicht das linke Nasenloch. [Die Wegbeschreibungen unterscheiden sich; einzelne Verbindungswörter sind gestört.]

4.50 Der Yogārṇava beschreibt ihr Aussehen: „Ida steht links von ihr und glänzt wie Muschelhorn und Mond. Pingala liegt rechts und leuchtet weißrötlich.“ Ein anderes Tantra sagt: „In Ida wohnt der Mond, in Pingala die Sonne.“ Unter diesen Nāḍīs steht Sushumna an erster Stelle. Der Śrītattvacintāmaṇi sagt: „Außen am Meru befinden sich links und rechts die glückverheißenden Bahnen von Mond und Sonne. In der Mitte liegt Sushumna, aus den drei Gunas bestehend, von der Gestalt von Mond, Sonne und Feuer.“ Anderswo heißt es, sie verlaufe zwischen den beiden an der Wirbelsäule entlang bis zum Brahmarandhra.

4.51 Die Śāradā nennt die übrigen sieben Nāḍīs: Gandhari, Hastijihva, Pusha, Alambusha, Yashasvini, Shankhini und Kuhu. Der Yogārṇava beschreibt Lage und Aussehen: „Gandhari liegt hinter Ida, gleicht dem Hals eines Pfaus und reicht links vom Fuß bis zum Auge. Hastijihva, lotusfarben, liegt vor ihr und reicht links vom Kopf bis zur großen Zehe. Pusha liegt hinter Pingala, gleicht einer dunklen Regenwolke und reicht rechts vom Auge bis zur Fußsohle. Yashasvini ist muschelweiß und liegt vor Pingala. Shankhini liegt zwischen Gandhari und Sarasvati, ist goldfarben und reicht links vom Fuß bis zur oberen, in der Lesung unsicher bezeichneten Grenze. Kuhu reicht rechts von der großen Zehe bis zum Kopf.“

4.52 Auch Rāvaṇā, Sarasvatī, Viśvodarī und Śaṅkhinī werden als Hauptnāḍīs genannt. Dazu heißt es: „Unter den zahlreichen Nāḍīs gelten vierzehn als besonders wichtig: Sushumna, Ida, Pingala, Kuhu, Sarasvati, Gandhari, Hastijihva, Rāvaṇā, Yashasvini, Vishvodari, Shankhini, Pusha, Yashasvini und Alambusha.“ [Yashasvini erscheint in dieser Liste zweimal; Rāvaṇā steht so in der Grundlage.]

4.53 Das in der Śāktānandataraṅgiṇī angeführte Jñānabhāṣya ordnet die Öffnungen so zu: „Ida liegt am linken Nasenloch, Pingala am rechten, Sushumna am Brahmarandhra, Gandhari am linken Auge, Hastijihva am rechten, Pusha am rechten Ohr, Yashasvini am linken, Alambusha am Mund, Kuhu an der Wurzel des Gliedes und Shankhini oberhalb des Kopfes. So bestehen die zehn Nāḍīs jeweils an einem Tor. Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum haben innen wie außen Bestand.“

Verzweigungen und unterschiedliche Überlieferungen

4.54 Nach den Hauptnāḍīs folgen ihre Verzweigungen. Die Śāradā sagt: „An den fünf Knotenpunkten der Sushumna entstehen unzählige Nāḍīs.“ Gemeint sind Svādhiṣṭhāna, Maṇipūra, Anāhata, Viśuddha und Ājñā, vom jeweils unteren bis zum obersten Knoten. „Unzählig“ heißt: nicht abzählbar. Ein Beleg erläutert: „Aus den Knotenpunkten der mittleren Sushumna an Nabel, Herz, Kehle, Gaumen und Brauenmitte entstehen, Schönäugige, abwärts-, aufwärts- und seitwärts gerichtete Kanäle. Dreihundertfünfzigtausend werden als Hauptbahnen genannt. In ihnen allen wirkt ringsum der mächtige Prāṇa-Wind.“

4.55 Der Viśvasāra sagt dagegen: „Vom Nabel gehen die den Körper ernährenden Nāḍīs aus. Ida liegt links, Pingala rechts, Sushumna in der Mitte, von der Natur von Mond, Sonne und Feuer. An ihren fünf Knoten entstehen unzählige Nāḍīs.“ Die Angabe „vom Nabel“ bezieht sich, wie der Zusatz „den Körper ernährend“ zeigt, auf die Bewegung von Nahrungssaft und anderen Stoffen zur Ernährung des Körpers, nicht auf Erkenntnis und Meditation. Dies wird im Abschnitt über die Windpraxis deutlicher erläutert.

4.56 Auch das im Narapatijayacaryāsvarodaya angeführte Brahmayāmala setzt Kundalini im Zusammenhang mit der Ernährung des Körpers am Nabel an: „Die große Shakti Kundalini befindet sich schlangengestaltig in der Nāḍī. Von ihr gehen zehn Bahnen aufwärts, zehn abwärts und je zwei seitwärts, insgesamt vierundzwanzig. Daraus entstehen zweiundsiebzigtausend feine Hauptnāḍīs; ihre Wurzelwege liegen in der großen Shakti Kundalini. Aus ihnen entstehen siebenhundertsieben feine, den Körper ernährende Kanäle. Zehn Hauptnāḍīs führen die zehn Winde.“ [Die Zahlen der verschiedenen Verzweigungsebenen werden so überliefert.]

4.57 Der erste Abschnitt des Yogiyājñavalkya beginnt beim Nabelrad: „In der Mitte des Kanda liegt die Sushumna genannte Nāḍī. Um sie herum befinden sich alle anderen Nāḍīs dieses Rades. Unter allen sind vierzehn die wichtigsten, Gārgī.“ Gārgī ist die angeredete Frau Yājñavalkyas. „Ida, Pingala, Sushumna, Sarasvati, Varuni, Pusha, Hastijihva, Yashasvini, Vishvodari, Kuhu, Shankhini, Payasvini, Alambusha und Gandhari sind diese vierzehn.“

4.58 „Unter ihnen sind drei besonders wichtig, und unter diesen dreien eine am höchsten: Sushumna, die Trägerin des Alls, wird als Weg der Befreiung bezeichnet. Sie steht in der Mitte des Kanda, Gārgī, und zieht in der Rückenmitte entlang dem Knochen bis zum Kopf. Als Vaishnavi steht sie auf dem Weg der Befreiung. Ida und Pingala liegen links und rechts von ihr. In Ida bewegt sich der Mond, in Pingala die Sonne. Der Mond wird tamasisch, die Sonne rajasisch genannt. Der Sonnenanteil gilt als Gift, der Mondanteil als Nektar. Diese beiden bestimmen die ganze aus Tag und Nacht bestehende Zeit. Sushumna aber verschlingt die Zeit: Dies ist das gelehrte Geheimnis.“

4.59 „Sarasvati und Kuhu liegen zu beiden Seiten der Sushumna. Gandhari und Hastijihva liegen hinter und vor Ida, Yashasvini und Pusha hinter und vor Pingala. Vishvodari liegt zwischen Kuhu und Hastijihva; Varuni zwischen Yashasvini und Kuhu; Yashasvini zwischen Pusha und Sarasvati; Shankhini zwischen Gandhari und Sarasvati. Alambusha liegt, Beste der Brahmaninnen, unterhalb der Mitte des Kanda.“ [Die Platzangaben für Yashasvini sind nicht vereinheitlicht.]

4.60 „Vor Sushumna reicht Kuhu bis zum Ende des Geschlechtsorgans. Varuni ist als auf- und abwärts und überallhin gehend zu erkennen. Yashasvini reicht bis zur rechten großen Zehe. Pingala steigt rechts bis zum Nasenloch auf, Geliebte. Pusha liegt hinter Pingala und reicht zum rechten Auge. Auch Payasvini reicht, Gārgī, zum rechten Auge. Sarasvati geht aufwärts.“ [Die anschließende Verbindung mit dem Namen Hastijihva ist gestört.] „Shankhini steigt bis zum linken Ohr; Gandhari liegt links von Ida und reicht zum linken Auge. Ida führt zum linken Nasenloch. Hastijihva reicht bis zur linken großen Zehe. Vishvodari befindet sich in der Bauchmitte. Alambusha hat ihre Wurzel am unteren Ausgang und steigt auf, Glückliche.“ [Die Wurzelbezeichnung der letzten Nāḍī ist unsicher.]

4.61 „Aus diesen gehen andere Bahnen hervor und aus jenen wiederum weitere. Wie die Adern eines Aśvattha-Blattes oder eines Lotusblattes sind sie alle zu verstehen, du an Askese Reiche.“ Damit endet die Darstellung der Entstehung der Nāḍīs.

Zahlen des Körpers

4.62 Das Adhyātmaviveka nennt für den Körper dreihundertsechzig Knochen; Dhanvantari nennt dagegen dreihundert. Es werden zweihundertzehn Knochengelenke sowie zweitausend Verbindungen von Muskeln, Sehnen und Gefäßen angegeben. Neunhundert Sehnen und fünfhundert Muskeln werden gezählt; bei Frauen kommen zwanzig hinzu, je zehn in beiden Brüsten. Die Zahl der Gefäße und Pulsbahnen wird mit einer Zahlenfolge aus neunundzwanzig Hunderttausenden, neunhundert und sechsundfünfzig sowie einem nicht eindeutig zugehörigen „und einem halben“ angegeben. [Diese letzte Zahl ist aus der vorliegenden Lesung nicht sicher zusammenzusetzen.] Damit endet die Darstellung der Knochen und weiterer Körperbestandteile.

4.63 Im siebzehnten Paṭala des Rudrayāmala heißt es: „Dreieinhalb Koṭi, fünfunddreißig Millionen, Körperhaare besitzt der Mensch. Sie sind allesamt Öffnungen der Nāḍīs und sondern Tropfen ab.“ [Die Grundlage liest anstelle des zu erwartenden Wortes für Schweiß „Dharma“.] Damit endet die Darstellung der Stätten der Nāḍī-Öffnungen.

Schluss des vierten Pariccheda: In der ehrwürdigen Prāṇatoṣiṇī endet hier im ersten, der Schöpfung gewidmeten Kāṇḍa der vierte Lehrabschnitt, „Darstellung des menschlichen Körpers als Nahrungshülle, Annamayakośa“.


Sargakāṇḍa, fünfter Pariccheda: Lebenswinde, Körperkosmos und menschliche Geburt

Die zehn Lebenswinde

5.1 Nach der Darstellung der Nāḍīs ist es angemessen, die Lebenswinde zu erläutern. Das Śāradātilaka sagt: „Prāṇa steigt aus dem Mūlādhāra auf und durchdringt durch diese Nāḍīs den verkörperten Leib. Zehn Winde und zehn Feuer werden darin genannt.“ Die Winde heißen Prāṇa, Apāna, Vyāna, Udāna, Samāna, Nāga, Kūrma, Dhanañjaya, Kṛkara und Devadatta.

5.2 Auch das vierte Kapitel des Yogiyājñavalkya nennt diese zehn Winde: „Sie bewegen sich in allen Nāḍīs. Unter ihnen sind die fünf mit Prāṇa beginnenden die wichtigsten; unter diesen stehen Prāṇa und Apāna im Vordergrund, Beste unter den Menschen. Von diesen beiden ist Prāṇa bei allen Lebewesen stets der wichtigste.“

5.3 Zu Gestalt und Stätten sagt der Yogārṇava: „Prāṇa glänzt wie Saphir. Als seine Stätten nennt man den Bereich von Mund und Nase, die Herzmitte und die Nabelmitte; manche auch die große Zehe. Apāna führt die Nahrung und die Ausscheidungen, Samen und Urin nach außen; daher heißt dieser Wind Apāna. Er gleicht dem roten Indragopa-Insekt oder einer Abendwolke. Er befindet sich am Glied, am After, an Oberschenkeln, Leisten, Knien, Unterschenkeln, Bauch, Nacken und an der Nabelwurzel.“ Die Erläuterung setzt Meḍhra mit Glied, Pāyu mit After und Vaṅkṣaṇa mit Leiste gleich. Indragopa ist ein rotes Insekt, im Bengalischen Kāpāsiyāpokā genannt.

5.4 „Vyāna entfaltet sich hundertfach und kann alle Krankheiten in Bewegung setzen. Er glänzt wie Gold und bewirkt die Aufnahme von Nahrung. Er wohnt unablässig im Bereich von Augen und Ohren, Hüfte, Knöcheln, Nase, Kehle und Gesäß.“ Mahārajata bedeutet hier Gold; „Aufnahme bewirkend“ wird als Ergreifen der Nahrung erklärt. Gulpha ist das Fußgelenk.

5.5 „Udāna bewegt Unterlippe und Mund, regt Glieder und Augen an und versetzt die Gegenstände beziehungsweise Sinnestätigkeiten in Bewegung. Er hat die Farbe von Blitz und Feuer und bewirkt Aufstehen und Sitzen. Er befindet sich in Händen, Füßen und Gelenken. Samāna verteilt Getrunkenes, Gegessenes und Eingeatmetes sowie Blut, Pitta, Kapha und Wind gleichmäßig in den Gliedern. Er gleicht Kuhmilch und ist im ganzen Körper gegenwärtig.“

5.6 Der Yogiyājñavalkya nennt als Stätten des Prāṇa ebenfalls Mund und Nase, Herz, Nabel und nach manchen die große Zehe; außerdem liegt sein Bereich rings um Kundalini, oberhalb und unterhalb von ihr. Apāna wird im After, in Oberschenkeln, Knien, Bauch, Hoden, Hüfte, Unterschenkeln und Nabel angesetzt. „Zwischen After und den beiden Grundlagen steht der Apāna-Wind und leuchtet an diesen Stätten beständig wie eine Lampe. Udāna befindet sich in allen Gelenken sowie Händen und Füßen; Samāna durchdringt den ganzen Körper.“ Rāyamukuṭa sagt kürzer: „Prāṇa im Herzen, Apāna im After, Samāna am Nabel, Udāna in der Kehle und Vyāna im gesamten Körper.“

5.7 „Nāga wirkt beim Aufstoßen und gleicht einer dunklen Regenwolke. Kūrma wirkt beim Öffnen der Augen und glänzt wie zerbrochener Augenschminkstein. Kṛkara ist mit Hunger verbunden und hibiskusrot. Devadatta wirkt beim Gähnen und gleicht reinem Kristall. Dhanañjaya wirkt bei Lautäußerungen und ist goldfarben. Diese fünf, beginnend mit Nāga, befinden sich gemeinsam an Stirn, Brust, Schultern, Herz, Nabel, Haut und Knochen.“

5.8 Der erste Paṭala des Viśvasāra bietet andere Farben: „Prāṇa sitzt im Herzen und glänzt wie Rubin; Apāna im verborgenen unteren Bereich und gleicht dem roten Indragopa. Samāna am Nabel ist weiß wie Kuhmilch. Udāna in der Kehle ist rauchfarben. Vyāna wohnt lichtförmig in allen Gliedern.“ Der von Rāyamukuṭa angeführte Beleg entspricht dieser Anordnung. Die verschiedenen Farben in den Belegen sind durch unterschiedliche Überlieferungen zu erklären.

5.9 Der Verfasser des Prapañcasāra sagt: „Dhanañjaya bewirkt in diesem Körper mannigfaltige Atembewegungen. Als gewöhnlicher körperlicher Wind verlässt er selbst den Verstorbenen nicht.“ Deshalb sagt der Viśvasāra: „Wenn sich das Verlangen nach geschlechtlicher Vereinigung regt, möge die Vereinigung stattfinden. Zur entsprechenden Zeit sammelt Dhanañjaya den Samen im Mutterleib, bringt ihn in den Windweg und lässt ihn erneut eintreten.“ Damit wird Dhanañjaya eine Rolle bei der Empfängnis zugeschrieben.

5.10 Andere nennen vier zusätzliche Winde: Vairambhaṇa, Sthānamukhya, Pradyota und Prākṛta. Diese sind den übrigen Winden untergeordnet. Das im Narapatijayacaryāsvarodaya angeführte Brahmayāmala sagt: „Die Weisen beobachten die erkennbare Bewegung des Windes im Körper mittels Pingala, Ida und Sushumna. In Ida wohnt der Mond; Pingala führt die Sonne. Sushumna hat die Gestalt Shambhus, und Shambhu ist Haṃsa. Ha bezeichnet das Hinausgehen, Sa das Eintreten. Ha ist Shambhu, Sa wird Shakti genannt.“ Weitere Einzelheiten folgen später.

5.11 Im zweiten Paṭala der Śāradā heißt es: „Die kurzen Vokale befinden sich in Pingala, die anderen in Ida; die vier geschlechtlich neutralen sind in der Mitte der Sushumna zu erkennen.“ Wenn der Atem vom linken zum rechten Nasenloch wechselt, fließt er eine Zeitlang durch beide. Dies entspricht dem Beginn des südlichen Sonnenhalbjahrs; dabei treten die beiden kurzen Laute Ṛ und Ḷ hervor. Beim Wechsel von rechts nach links, dem Beginn des nördlichen Sonnenhalbjahrs entsprechend, treten die langen Laute Ṝ und Ḹ hervor. Der Prayogasāra sagt: „Die vier neutralen Vokale, vom siebten Vokal an gezählt, treten beim Wechsel der Sonnenhalbjahre hervor, wenn Prāṇa in Sushumna ruht.“ Das Yāmala sagt: „Als Shakti fließt der Mond in der linken Nāḍī, als Shambhu die Sonne in der rechten.“ Damit endet die Darstellung der körperlichen Winde.

Feuer, Wellen und Hüllen

5.12 Die Śāradā nennt zehn Feuer, die in den Doṣas und Körperstoffen verborgen liegen. Rāghavabhaṭṭa überliefert ihre Namen: Jṛmbhaka, Dīpaka, Vibhrama, Bhrama, Śobhana, Āvasathya, Āhavanīya, Dakṣiṇāgni, Anvāhārya und Gārhapatya. Die zusammengesetzte Bezeichnung Bhramaśobhana wird dabei als „Śobhana zusammen mit Bhrama“ verstanden, sodass zehn Feuer gezählt werden.

5.13 Die Śāradā sagt: „Hunger und Durst gehören Prāṇa zu, Kummer und Verblendung dem Geist, Alter und Tod dem Körper. Dies sind die sechs Wellen.“ Der Prapañcasāra ordnet dieselben sechs Wellen entsprechend Prāṇa, Buddhi und Körper zu. „Wellen“ bezeichnet besondere Zustände, die Bedrängnis hervorrufen.

5.14 Die Śāradā lehrt: „Aus dem Samen entstehen Sehnen, Knochen und Mark; aus dem Blut Haut, Fleisch und Blutgewebe. Daher wird der Körper aller verkörperten Wesen sechshüllig genannt.“ Gemeint sind der Same des Vaters und das Blut der Mutter. Dasselbe sagt der zweite Paṭala des Prapañcasāra mit der Reihenfolge Mark, Knochen, Sehnen sowie Haut, Fleisch und Blut.

5.15 Die Vedānta-Kenner beschreiben dagegen fünf Hüllen. So sagt Vidyānandasvāmin im achten, der Unterscheidung der fünf Hüllen gewidmeten Abschnitt der hier Paurṇamāsī genannten Schrift: „Aus dem Zeugungsstoff entstanden, der aus der vom Vater gegessenen Nahrung hervorgeht, wächst der Körper wiederum durch Nahrung. Er ist die Nahrungshülle, nicht das Selbst, weil er vor der Geburt und nach dem Tod nicht besteht.“ Der Ausdruck „vom Vater gegessen“ schließt nach dem Kommentar die von Mutter und Vater gegessene Nahrung ein. Mit der späteren Ernährung sind Milch und andere Speisen gemeint.

5.16 „Der Wind, der den Körper erfüllt, ihm Kraft gibt und seine Tätigkeiten antreibt, ist die Lebenshauchhülle. Sie ist nicht das Selbst, da sie kein eigenes Bewusstsein besitzt. Die Erkenntniskraft, die im Schlaf ruht, im Wachen den Körper bis zu den Nagelspitzen durchdringt und einen Widerschein des Bewusstseins trägt, heißt Erkenntnishülle; auch sie ist nicht das Selbst.“

5.17 „Das innere Werkzeug wandelt sich je nachdem, ob es als Handelnder oder als Werkzeug tätig ist. Diese beiden heißen Erkenntnis und Manas und verhalten sich zueinander wie innen und außen.“ Rāmakṛṣṇapaṇḍita erläutert: Man könnte einwenden, Manas und Buddhi seien gleichermaßen das innere Werkzeug; daher sei die Unterscheidung zwischen Geistes- und Erkenntnishülle unbegründet. Die Antwort liegt in den unterschiedlichen Funktionen: Das innere Werkzeug erscheint einerseits als Erkenntnissubjekt, andererseits als dessen Werkzeug. Diese heißen Vijñāna und Manas; eines liegt dem anderen gegenüber innen. Daher ist die Unterscheidung zweier Hüllen begründet.

5.18 „Eine bestimmte nach innen gewandte geistige Bewegung empfängt bei der Erfahrung verdienstvoller Früchte einen Widerschein der Wonne. Wenn diese Erfahrung endet, löst sie sich in der Gestalt des Schlafes auf.“ Damit wird das Wesen der Wonnenhülle beschrieben, um auch ihr Nicht-Selbst-Sein zu zeigen. Eine nach innen gerichtete Bewegung der Erkenntniskraft spiegelt bei der Erfahrung guter Karmafrüchte die Wonne, welche das Wesen des Selbst ist. Nach dem Ende dieser Erfahrung sinkt sie in Schlaf zurück. Diese Bewegung heißt Wonnenhülle.

5.19 Die sechs von Tantra-Kennern genannten Hüllen aus Mark, Knochen, Sehnen, Haut, Fleisch und Blut sind nach den Vedānta-Kennern somit sämtlich in der Nahrungshülle enthalten. Zusätzlich werden Lebenshauch-, Erkenntnis-, Geistes- und Wonnenhülle genannt. In dieser zusammengeführten Zählung ergibt sich ein Körper aus zehn Hüllen. Damit endet die Erläuterung der Körperhüllen.

Bewusstsein und Wahrnehmung

5.20 Der Prapañcasāra beschreibt die aufeinanderfolgende Reifung der Körperstoffe vom Nahrungssaft bis zum Samen. Mit dessen weiterer Reifung tritt ein achter, als Jarā bezeichneter Zustand hervor. [Der Zusammenhang dieser Benennung ist in der Lesung nicht eindeutig.] Das Lebewesen gilt dann als Stätte des Kenners des Feldes. „Wie das Öl der Lampe, wie die Wolke dem Blitz und wie das Licht eines in einem vielfach durchlöcherten Gefäß eingeschlossenen Feuers, das seine Umgebung erhellt, so entfaltet sich der große Glanz des vom Körper umhüllten Erkennenden durch die Sinne zur Erfassung ihrer jeweiligen Gegenstände.“

5.21 Der Kommentar erläutert das Gleichnis auf zwei Weisen. Nach der ersten Lesung strömt das Öl zur Flamme, damit die Lampe brennt; entsprechend wirken Wolke und Blitz beziehungsweise das Licht des mit Fett gespeisten Feuers zusammen. So breiten sich die Strahlen des Atman, der innerhalb der zehn Körperhüllen wohnt, durch die Sinne zu ihren Gegenständen aus. Nach der anderen Lesung richtet sich der Glanz der Lampe auf ihr Öl, der Blitz auf die Wolke und das Feuer auf den Brennstoff; ebenso richten sich die Kräfte des Selbst auf die Wahrnehmungsgegenstände. Der Plural „entfalten sich“ deutet an, dass durch mehrere Sinne gleichzeitig mehrere Gegenstände erfasst werden können.

5.22 Deshalb betet der Kula-Yogi um den Zustand reifer Wonne: „Nach innen gerichtet sei mein Schauen, während die Wahrnehmung nach außen geht; die Fesseln seien zerschnitten. Durch reife Freude sei das höchste Brahman erlangt, das Bewusstsein unbehindert. Aus den jeweiligen inneren Zuständen möge süße Rede hervorgehen; mein Inneres sei ganz heiter, mein Antlitz lächelnd. Möge mir stets jener unaussprechliche Zustand Shambhus zuteilwerden.“ Auch die später angeführte Kularṇava-Aussage über inneres Schauen bei nach außen gerichteten Augen passt dazu.

5.23 Die Vaiṣṇavas sagen ebenfalls: „Selbst wenn er sich Augenblick für Augenblick wechselnden Gegenständen zuwendet, verliert der Besonnene die Lotusfüße Mukundas nicht aus dem Sinn: wie eine Tänzerin, die sich Gesang, Tanz, Bewegung und Rhythmus überlässt und doch darauf achtet, den Krug auf ihrem Kopf zu bewahren.“ Auch unmittelbar ist zu beobachten, dass jemand sich gleichzeitig kratzt, einen anderen losschickt und etwas betrachtet. Ob die Ansicht mancher, zwei Gegenstände könnten nicht gleichzeitig erkannt werden, überzeugend ist, mögen Verständige sorgfältig erwägen. Genug der Ausführung; wir kehren zum Thema zurück.

5.24 Die Lehrer des Prapañcasāra erläutern die Elemente in den Sinnen: „Raum im Ohr, Luft in der Haut, Feuer im Auge, Wasser in der Zunge und Erde in der Nase: So vollzieht sich die Tätigkeit gegenüber den Gegenständen.“ Dies gilt aufgrund des jeweiligen Überwiegens. Tatsächlich sind infolge der bereits erläuterten fünffachen Vermischung in jedem Sinn alle fünf Elemente vorhanden.

5.25 „Wenn Pitta, vom Wind angetrieben, die Stoffe verflüssigt, gelangt die Umwandlung der Reihe nach zum Blut und lässt die Lymphflüssigkeit schmelzen. Diese flüssig gewordene Lasikā tritt durch die Haaröffnungen aus; so entsteht überall außen tropfenweise Schweiß. Wenn Kapha durch Wind und Pitta bewegt und verflüssigt aufwärts steigt, entsteht jeweils feuchte Absonderung. Eine aus Kapha bestehende Veränderung füllt auch die Ohrmuschel und kann karmabedingte Drüsenschwellungen und ähnliche Beschwerden hervorrufen.“ [Einzelne Verben der Umwandlung sind in der Grundlage gestört.]

Erinnerung und Vorsatz im Mutterleib

5.26 Die Śāradā sagt: „So gebildet verweilt das Wesen im Mutterleib, von der Fruchthülle umschlossen, leidend und an das Gute und Schlechte seiner früheren Geburt erinnernd.“ Die Śāktānandataraṅgiṇī sagt: „Im neunten Monat erinnert es sich im Herzen an alles. In der neuntorigen Stadt verbringt der Verkörperte die Zeit nur langsam.“

5.27 Ein von Rāghavabhaṭṭa angeführter Beleg beschreibt seine Haltung: „Mit vor der Stirn zusammengelegten Händen, dem Rücken der Mutter zugewandt und mit zusammengezogenen Gliedern liegt das männliche Kind rechts im Mutterleib. Das weibliche liegt links, das geschlechtlich nicht eindeutig bestimmte in der Mitte.“ Der Viśvasāra nennt den von der Yoni bis zur Nabelwurzel reichenden Hohlraum Mutterleib: „Dort ruht die erste Keimmasse, dort entsteht die Leibesfrucht. Ihrer karmischen Verbindung entsprechend ordnet Vidhi ihre Gestalt an. Um die Früchte früherer und noch früherer Handlungen zu erfahren, tritt der Jīva ein.“

5.28 Gemeint ist der durch Nichtwissen bedingte Jīva, der in den Mutterleib eintritt, um früheres Karma zu erfahren. Karma wird dreifach unterschieden: angesammeltes, bereits wirksam gewordenes und künftig entstehendes. Angesammeltes Karma kann durch Sühne, Heilmittel und Ähnliches aufgehoben werden, künftig entstehendes durch Askese. Darum beschreibt Gopīnātha Tarkācārya die Rechtschaffenen als solche, bei denen eine Verfehlung bereits aufgehoben ist, ehe sie sich entfalten kann. [Die logische Formulierung dieses Satzes ist gedrängt.] Für bereits wirksam gewordenes Karma gibt es keinen anderen Weg als Erfahrung. Deshalb wird der Eintritt in den Mutterleib zur Erfahrung seiner Früchte gelehrt: „Begonnenes Karma erschöpft sich allein durch das Erleben.“

5.29 Die Śāktānandataraṅgiṇī sagt: „Alles Gute und Schlechte seiner früheren Geburt wissend liegt das Wesen mit den Füßen nach oben und dem Gesicht nach unten im dunklen, furchterregenden Mutterleib. Es denkt: ‚Ich werde die heilvolle Erkenntnis üben, welche über den Ozean des Saṃsāra führt. Ein beständiger Yogi geworden werde ich befreit jene Stätte erreichen.‘ So denkt der Jīva, von der Qual des Mutterleibes bedrängt und wieder zu Bewusstsein gelangt, fortwährend im Herzen.“ Der Viśvasāra sagt entsprechend: „An das Gute und Schlechte früherer Geburt erinnernd verweilt die Leibesfrucht dort unbeweglich.“

Die Buchstaben im Körper

5.30 Ohne die Anwesenheit der fünfzig Buchstaben im Körper können Laute nicht aus dem Mund hervortreten. Deshalb erläutert der Viśvasāra das Offenbarwerden des Wort-Brahman und die Stätten der Buchstaben bereits für den werdenden Körper: „Einst im Kṛtayuga, Göttin, meditierte ich auf dem herrlichen Berg Kailasa durch Dhyānayoga über deine beiden Füße. Am Ende des Weltalters erlangte ich Vollendung, Lotusgesichtige. Von höchster Wonne erfüllt schlug ich mit den Händen den Rhythmus. Im selben Augenblick entstand zur Mehrung meiner Freude eine mit Wort-Brahman erfüllte Trommel.“

5.31 „Durch Nada, von der Natur von Wort und Bedeutung, wird im Zusammenwirken der Stoffe Klang erzeugt. Mit den fünfzig Buchstaben, Nada und Bindu ausgestattet ruht die Mātṛkā im Kreis. Im Inneren der verkörperten Wesen ist sie mit den sechs Chakras und ihren Mantras verbunden.“ Der folgende Nyāsa-Vers nennt die Stätten Grundlage, Geschlechtsbereich, Nabel, Herzlotus, Gaumenwurzel und Stirn sowie die Lotusformen mit vier, sechs, zehn, zwölf, sechzehn und zwei Blättern. Ein Mensch klaren Geistes soll zur Vollendung des Nyāsa die Buchstabenbereiche va–sa, ba–la, ḍa–pha und ka–ṭha sowie die Vokale in der Kehle und ha–kṣa im bogenförmigen Bereich der Brauenmitte einsetzen. [Reihenfolge und einzelne Lautgrenzen sind im überlieferten Vers verschoben; eine korrigierte vollständige Praxisanweisung wird daraus nicht hergestellt.]

Der Körper als Welt

5.32 Die Śāktānandataraṅgiṇī beschreibt die vierzehn Welten im Körper: „Unterwelten, Berge, Welten, die neun Planeten beginnend mit der Sonne, die sieben oberen Welten und die Nāgas wohnen allesamt im Körper der verkörperten Wesen. Ihre Stätten will ich dir nennen. Unter den Füßen liegt Tala, darüber Vitala, an den Knien Sutala, in den Gelenkhöhlungen Atala, im After Talātala, an der Wurzel des Gliedes Rasātala und im Hüftgelenk Pātāla. Der Weise erkenne sie von den Füßen an.“

5.33 „Bhūrloka liegt am Nabel, Bhuvarloka im Herzen, Svarloka in der Kehle, Maharloka in den Augen, Janaloka darüber, Tapoloka an der Stirn und Satyaloka in der großen Yoni: Dies sind die vierzehn Welten. Im Dreieck steht Meru, an der oberen Ecke Mandara, rechts Kailasa und links Himalaya. Darüber befinden sich Vindhya und der als Vishnu gelesene Berg; dies sind die Kula-Berge.“ [Der letzte Bergname und die Vollständigkeit der Reihe sind unsicher.]

5.34 „In den Knochen liegt Jambudvīpa, Maheshani, im Fleisch Kuśadvīpa, in den Gefäßen Krauñcadvīpa, im Blut Śākadvīpa. Bei den Gelenken und darüber wird Śālmalidvīpa genannt; in der Gesamtheit der Haare Plakṣadvīpa und am Nabel Puṣkaradvīpa. Danach folgen die Meere: im Urin das Salzmeer, im Samen das Milchmeer, im Mark das Sauermilchmeer, darüber das Meer geklärter Butter. Das Wassermeer wird dem Fett zugeordnet, das Zuckerrohrsaftmeer dem Blut im Hüftbereich und das Weinmeer dem Blut. Dies sind die sieben Meere.“ [Die Zuordnung zu den Gelenken ist in der Satzfolge nicht eindeutig.]

5.35 „Höre nun vom Kreis der Planeten, Pārvatī: Im Nada-Kreis steht die Sonne, im Bindu-Kreis der Mond, in den Augen Mars, im Herzen der Sohn des Mondes, Merkur, im Bauch Jupiter, im Samen Venus, am Nabel Saturn, im Mund Rāhu und in Händen und Füßen Ketu. Der Körper ist ein Kreis heiliger Stätten.“

5.36 Der Viśvasāra ordnet die zwölf Tierkreiszeichen vom Widder an dem Kopf, Gesicht, Armen, Herzen, Bauch, Hüfte, Blase, Geschlechtsbereich, Oberschenkeln, Knien, Unterschenkeln und Füßen zu. Ihre Farben werden als rötlich, weiß, dunkelgrün, rosarot, blass, bunt, schwarz, blaugelb gemischt, gelbbraun, gescheckt und in weiteren Lotusfarbtönen beschrieben. [Die letzten Farbzuordnungen sind in der überlieferten Reihe nicht sicher einzeln abzugrenzen.] Der Kommentar erklärt Harita als dunkelgrün, „nichtweiß“ als schwarz, Piśaṅga als Mischung von Blau und Gelb sowie Babhru als gelbbraun.

5.37 „Man setze Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische auf den Körper, jeweils mit Om am Anfang und der Verehrungsformel am Ende.“

5.38 Die Mondhäuser werden der Reihe nach genannt: Aśvinī, Bharaṇī, Kṛttikā, Rohiṇī, Mṛgaśiras, Ārdrā, Punarvasu, Puṣya, Āśleṣā, Maghā, Pūrvaphalgunī, Uttaraphalgunī, Hasta, Citrā, Svāti, Viśākhā, Anurādhā, Jyeṣṭhā, Mūla, Pūrvāṣāḍhā, Uttarāṣāḍhā, Śravaṇa, Abhijit, Dhaniṣṭhā, Śatabhiṣaj, Pūrvabhādrapadā, Uttarabhādrapadā und Revatī. Ihre Körperstätten sind Scheitel, beide Brauen, Augen, Ohren, Nase, Wangen, Lippen, Zahnreihen, Zunge, Halswurzel, beide Brüste, Brustkorb, Seiten, Nabel, Gesäß, Rücken, Geschlechtsbereich und Füße; einem Fuß werden zwei Mondhäuser zugeordnet. [Die Liste enthält Abhijit und damit achtundzwanzig Namen; die Zuordnung aller Einzelstellen ist in der gedrängten Schlussformulierung nicht vollständig eindeutig.]

5.39 Die Beschreibung von Tierkreiszeichen und Mondhäusern im Körper dient auch Befragungsverfahren: Berührt ein Fragender bei seiner Frage einen Körperteil, wird das dort zugeordnete Zeichen zur Bestimmung von Farbe und weiteren Eigenschaften herangezogen. Mit denselben Angaben werden auch der Tierkreiszeichen-Nyāsa und der Mondhaus-Nyāsa der Śrīvidyā erläutert.

5.40 Das in der Śāktānandataraṅgiṇī angeführte Jñānabhāṣya sagt: „Aus Samen entsteht Blut, aus Blut Bindu; aus Prāṇa entsteht Wind, aus Apāna das Zeitfeuer. Aus Samen entsteht der Nabel, aus Samen auch Feuer.“ Die Entstehung von Feuer wird zweimal genannt, weil zwei Arten unterschieden werden: das aus Apāna stammende Zeitfeuer am Nabel, dem untermeerischen Feuer gleich, welches Nahrung verdaut, und die aus Samen stammenden zehn Feuer in Vāta, Pitta, Kapha und den Körperstoffen.

5.41 „Aus Fleisch entstehen Ausscheidungsstoffe und daraus Mark. Aus Samen entstehen Zunge und Nase der verkörperten Wesen.“ [Die dabei stehende Zahl sieben ist nicht eindeutig zuzuordnen.] „Aus Blut entstehen das linke und rechte Auge, aus Prāṇa die Hohlräume und die beiden Nasenöffnungen.“

Innere Pilgerstätten und Vereinigung

5.42 Im sechsten Paṭala des Tattvasāra nennt Ishvara die Bestandteile des inneren Kosmos: „Mond, Sonne, Feuer, die zehn Nāḍīs, die fünf Winde, Manas, Bindu, die sechs Chakras, der Meru-Stab, Uḍḍīyāna, Jālandhara, Kāmarūpa, Pūrṇagrīva und Śrīhaṭṭa befinden sich im Körper.“

5.43 Der erste Paṭala des Nirvāṇatantra sagt: „Das Welt-Ei hat die Gestalt des Lebewesens und mannigfaltige Körperformen, Pārvatī. Der Körper wird Welt-Ei genannt, grobstofflich, feinstofflich und in seinen weiteren Formen. In seiner Mitte steht der Meru-Berg mit den sieben Kula-Bergen. Von der Wurzel bis zum Kopf reicht der als Sumeru bezeichnete Berg. An seinem unteren und oberen Bereich liegen in einer Gliederung von je zwei Fingerbreiten die sieben oberen Welten von Bhūr an und die sieben Unterwelten.“ [Die räumliche Gliederung ist in der vorliegenden Lesung nicht eindeutig.]

5.44 Das Tattvasāra sagt: „Prakṛti und Puruṣa, Brahmā, Vishnu und Shiva, Flüsse, Meere und die vierzehn Welten wohnen im Körper. Welche Eigenschaften im Welt-Ei bestehen, bestehen auch im Leib. Ich werde dies zusammengefasst erklären, Reinlächelnde. Am Meru steht der sechzehnteilige Mond. Mit nach unten gerichtetem Antlitz lässt er Tag und Nacht einen frostweißen Strom regnen. Er spendet mannigfaltigen Nektar und ist selbst der Nektartropfen. Durch das Juwel des Bindu wird Vollendung des Körpers erlangt.“

5.45 „Im Blasenbereich steht hibiskusrot die Sonne und umfasst die Wurzel der Shankhini, Schöne. Die Sonne besitzt zwölf, das Feuer zehn Kalās. Im Körper aller verkörperten Wesen verdaut es stets Nahrung und Ähnliches. Der Mond lässt seinen kühlen Strom regnen, die Sonne trocknet ihn beständig. Durch ihre Verbindung besteht der Lebenshauch, durch ihre Trennung tritt der Tod ein. Die Strahlen richten sich nach oben, der Mondnektar stets nach unten. Die Kenner nennen die Übung in Kāmarūpa Yoga.“

5.46 „Durch die Vereinigung von Prāṇa und Apāna wird der Yogi zum Geeinten. Prāṇa heißt mondartig, Apāna sonnenartig. Ihr Zusammenkommen in der Mitte ist ein Mittel …“ [Die anschließende Wortfolge mit Rajas und Krankheit ist gestört; die genaue Wirkungsbehauptung bleibt offen.] „Nach festem Uḍḍīyāna vollzieht er Aus- und Einatmung. Durch die Vereinigung von Prāṇa und Apāna verbinden sich auch Samāna und Udāna. In Kāmarūpa geschieht die Vereinigung von Prāṇa, Apāna und Samāna.“

5.47 „Zwischen Nabel und Shakti liegt die Uḍḍīyāna genannte Stätte. Jālandhara ist im Blasenbereich, im Inneren von Kāmarūpa, zu erkennen. Pūrṇagrīva liegt zwischen den Brauen, Śrīhaṭṭa oberhalb des Gaumens.“ Weiter heißt es: „Brahmā steht in der Nabelmitte, Keshava in der Herzmitte, Shankara ist im Kopf zu erkennen. Diese drei Stätten verleihen Befreiung.“ Damit endet die Beschreibung der heiligen Stätten im Körper.

Geburt und Lebenslauf

5.48 Die Śāktānandataraṅgiṇī sagt: „Dann, Göttin, wird das im Mutterleib bedrängte Wesen im neunten oder zehnten Monat durch die mächtigen Geburtswinde wie ein Pfeil durch die Öffnung hinausgetrieben, von Schmerz gequält. Hinausgestürzt und benommen erkennt es nichts. Durch die Gewalt des Geburtswindes und den Druck der Geburtsöffnung wird alles Wissen vergessen, das es im Mutterleib im Herzen erwogen hatte.“

5.49 Der zweite Paṭala des Prapañcasāra schreibt Menschen mit schuldhaftem Karma verstärkte Geburtsqualen zu: „Für solche verkörperten Wesen ist das Verlassen des Mutterleibes große Mühsal. Vielgestaltig ist das Denken des Lotusgeborenen, Brahmās; überaus vielfältig der Gang des menschlichen Karma. Voll großer Erschütterung geboren streckt sich das Wesen mit zitternden Gliedern, atmet heftig und möchte aus Furcht weinen.“

5.50 „Zuerst steigt aus dem Mūlādhāra jener Tara auf, der Parā heißt. Dann wird er Paśyantī; zum Herzen gelangt und mit Buddhi verbunden heißt er Madhyamā; im Mund wird er Vaikharī. Bei dem weinen wollenden Lebewesen entsteht daraus, an Sushumna gebunden und vom Wind angetrieben, die Verbindung der Laute.“ Weil auch das Weinen des Neugeborenen aus noch undeutlichen Lauten besteht, zeigt diese Beschreibung zugleich allgemein das Hervorgehen aller Laute aus Kundalini.

5.51 „Da die Lautwege noch nicht gegliedert sind, treten die Buchstaben noch nicht deutlich hervor, solange die Unterschiede von Kehle, Kopf und den übrigen Artikulationsstätten nicht ausgebildet sind. Wenn sich das Empfinden ‚Ich bin geboren‘ entwickelt, wächst die mit Bewusstsein beginnende Eigenart des Wesens mit Manas, Ahaṃkāra und Buddhi allmählich heran. Es bindet sich zuerst an Mutter und Vater, danach an weitere Angehörige. Nachdem es häufig die Brust getrunken hat, weint es beim Anblick der stillenden Mutter nicht; es entsteht gegenseitige Verbundenheit.“ [Die letzte Wendung ist in der Quelle verkürzt.]

5.52 Die Śāktānandataraṅgiṇī sagt: „Fünf Dinge werden bereits für das im Mutterleib befindliche Wesen bestimmt: Lebensdauer, Karma, Besitz, Wissen und Tod.“ Als elf Zustände werden genannt: Kleinkind, Kind, das Gaṇḍa genannte Jugendstadium, heranwachsende Jugend, junger Erwachsener, reifes Erwachsenenalter, fortgeschrittene Reife, Alter, hohes Alter, Ergrauen und Tod. Damit endet die Darstellung der elf Lebenszustände.

5.53 Über die Zeit nach dem Tod heißt es dort: „Dann gelangt das Wesen durch sein eigenes Karma in eine Hölle oder in einen Himmel. Durch die Handlungen seiner Geburten entsteht es als Gott, Mensch, Tier, Vogel, Wurm oder ortsfestes Wesen. Durch Karma wird das Lebewesen geboren, durch Karma vergeht es. Wenn der Körper zerstört ist, führt jenes Karma zu einem weiteren Körper. Wie ein Kalb unter tausend Kühen seine Mutter findet, so folgt gutes und schlechtes Karma seinem Täter.“

5.54 Dem Zweifel, wie eine rasch vergangene Handlung anderswo erfahren werden könne, begegnet der erste Ullāsa des fünften Khaṇḍa des Kularṇava mit einem Gleichnis: „Was hier getan wird, wird dort erfahren. Wird die Wurzel eines Baumes bewässert, erscheinen die Früchte an seinen Zweigen.“

Schluss des fünften Pariccheda: In der ehrwürdigen Prāṇatoṣiṇī endet hier im ersten Kāṇḍa der fünfte Lehrabschnitt, „Darstellung der menschlichen Geburt“.


Die Vielfalt der Erscheinungen wird auf ihre gemeinsame schöpferische Grundlage bezogen.

Sargakāṇḍa, sechster Pariccheda: Kundalini und das Hervortreten der Sprache

Die eine Kraft in vielen Gestalten

6.1 Der Prapañcasāra erläutert nun schrittweise die Entstehung der Laute: „Solange die Lautwege des Mundes noch nicht deutlich ausgebildet sind, äußert das Kind undeutliche, nicht klar gegliederte Laute. Dabei tönt Kundalini im Mūlādhāra und umwindet wiederholt Sushumna.“ Gemeint ist das Lallen und Ähnliches: Weil der Mundkanal noch nicht vollständig ausgebildet ist, sind die Laute unklar; die zugrunde liegende Kraft klingt in der Wurzelstätte und umschließt die mittlere Bahn.

6.2 Das Śāradātilaka beschreibt Kundalini: „Sie hat das Wesen des Bewusstseins, ist allgegenwärtig und von der Gestalt des Alls. Zu Shiva gelangt, besteht sie als ewige Wonne und Ursprung der Eigenschaften.“ Die Wendung „bei Shiva“ zeigt, dass hier Shakti gemeint ist; daher stehen ihre Beschreibungen in weiblicher Form. Zwar sind Shiva und Shakti wesenseins und nicht verschieden, doch wird um der Darstellung willen eine gedachte Unterscheidung angenommen.

6.3 Dazu wird Abhinavagupta angeführt: Shakti erscheint gegenüber dem Träger der Kraft als dessen Entfaltung; ihre Wesenseinheit besteht ewig, wie die Einheit des Feuers und seiner Brennkraft. „Ewige Wonne und Ursprung der Eigenschaften“ bedeutet: In ihr gehen die Eigenschaften auf, und sie ist zugleich ewige Wonne.

6.4 „Unbegrenzt durch Richtung, Zeit und Ähnliches, ganz und alle Gegenstände durchdringend, glückverheißend, gilt sie in der Unterscheidung von höherer und niederer Kraft als die höchste Shakti.“ Auch wo verschiedene höhere und niedere Kräfte unterschieden werden, ist diese die höchste. Die Bhagavad Gītā sagt dazu: „Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum, Manas, Buddhi und Ahaṃkāra bilden meine achtfach gegliederte Natur. Diese ist die niedere. Erkenne aber meine andere, höhere Natur, Starkarmiger: Sie ist zum lebendigen Wesen geworden und trägt diese Welt.“

6.5 Die Śāradā fährt fort: „Im Herzlotus der Yogis tanzt sie wahrhaft ihren Tanz. Im Mūlādhāra aller Lebewesen blitzt sie auf. Wie die Windung eines Muschelhorns umfasst die Göttin alles.“ Wie die innere Spirale das Muschelhorn durchzieht, so umschließt sie hier ganz Shiva. „Sie besitzt die Schönheit einer zusammengerollten Schlange. Die Göttin besteht aus allen Veden, die Glückverheißende aus allen Mantras. Sie ist unmittelbar das Wesen aller Wirklichkeitsprinzipien, feiner als das Feine und unbegrenzt.“ Unbegrenzt bedeutet: Ihr Umfang kann nicht bestimmt werden.

6.6 „Die Göttin ist Mutter der drei Lichtstätten und hat die Gestalt des Wort-Brahman. Sie besteht aus zweiundvierzig Lauten und nimmt die Gestalt der fünfzig Buchstaben an.“ Die drei Lichtstätten sind Mond, Sonne und Feuer; die Zweiundvierzig beziehen sich auf die Bhūtalipi-Mantras, die Fünfzig auf die Mātṛkā. „Mit all ihren Gliedern vervielfacht erwacht Kundalini, die höchste Gottheit, als Selbst des Alls und gebiert die aus Mantras bestehende Welt.“ Ihre Glieder sind die miteinander verbundenen Buchstaben; „gebären“ bedeutet hier offenbar machen. Weil sie in der schlangenartig gewundenen Bahn des Mūlādhāra wohnt, heißt sie Kundalī.

6.7 „Als eine wirkt die Shakti und setzt die gesamte Welt in Gang.“ Die beiden Ausdrücke „gesamte“ und „Welt“ deuten hier nach dem Kommentar die Hervorbringung beider Bereiche an: Wort und Bedeutung. Sie bringt die Keimlaute des Veda, der Śrī, der Shakti und des Liebesgottes sowie Prāsāda, Tumburu, Piṇḍa, Cintāratna, Gaṇeśvara, Mārtaṇḍabhairava, Durgā, Nṛsiṃha, Varāha, Vāsudeva, Hayagrīva, Śrīpuruṣottama und weitere Bījas hervor. [Die Namen bezeichnen Mantraklassen; vollständige Rezitationsformeln werden an dieser Stelle nicht ausgeschrieben.]

6.8 „Wenn dieses Bewusstsein seine Gestalt verdoppelt, schafft die höchste Göttin Sa und Ha als höchste Prinzipien, Wort und Bedeutung, Tag und Nacht, Prakṛti und Puruṣa. Jedes andere Paar in dieser Welt entsteht ebenso aus ihr.“

6.9 „Dreifach entfaltet bringt die bewusstseinsförmige Gemahlin Shivas den Tripurā-Mantra, den Mantra des Shakti-Vināyaka, den mit Pāśa beginnenden dreisilbigen Mantra, Traipuṭa, Caṇḍanāyaka, den Sonnen-, Mṛtyuñjaya-, Shakti-, Shambhu- und Garuḍa-Mantra, den dreisilbigen Mantra der Vāgīśī und den giftabwehrenden Nīlakaṇṭha-Mantra hervor. Sie entfaltet die dreifache Göttinnenformel, die drei Welten, drei Gunas, drei Lichtstätten, drei Veden, drei Stände, die drei Puṣkara-Stätten und drei Tonakzente, die Triade Brahmā und der übrigen, die drei Feuer, Zeiten, Shaktis, Tätigkeiten und Nāḍīs sowie die drei Lebensziele und alles weitere Dreifache.“ Die drei Puṣkara-Stätten heißen die große, mittlere und kleine; die Tonakzente sind hoch, tief und zusammengesetzt.

Zahlengruppen und Mantras

6.10 Der zweite Paṭala des Prapañcasāra beschreibt die Entfaltung zu zwei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, zehn, zwölf und fünfzig Gliedern. Zur Dreizahl sagt er: „Wenn die unbegrenzte Shakti dreifach wird, erscheint sie in verborgener Gestalt als Zeitfeuer und Nada. Die Vielgelehrten nennen sie Tara und Raumselbst; andere nennen sie Shakti, Hara oder Atman. Sie ist die drei Gunas, die drei Doṣas, die drei Stände, das dreifache Veda-Wissen, die drei Welten, die drei Gestalten und die drei Linien. Tara heißt sie, weil sie über diese hinüberführt; Shakti, weil deren Kraft in ihr ruht.“

6.11 „Vierfach geworden durchwandert sie die Stätten von der feinen an, wird zur Sprache und entfaltet die Zustände von Wachen an sowie die inneren Werkzeuge. Fünffach geworden unterscheidet sie die Fünfergruppen, die fünf Silben, die Lautgruppen und die fünf Lebenswinde. Sechsfach geworden entfaltet sie Hüllen, Wellen, Geschmacksrichtungen und den sechsfach genannten Mond.“ [Die letzte Mondbezeichnung wird hier nicht näher erklärt.]

6.12 „Siebenfach geworden besteht sie in den sieben Gliederungen von Tara und Hṛllekhā, vom ersten Laut bis Śānti. Die sieben Tara-Glieder sind A, U, M, Bindu, Nada, Shakti und Śānti; die sieben Glieder des Shakti-Bījas sind Ha, Repha, Māyā, Bindu, Nada, Shakti und Śānti. Aus ihren sieben Gliedern wird die Welt siebenfach: Welten, Berge, Kontinente, Unterwelten, Meere, Planeten, Seher, Körperstoffe und weitere Siebenergruppen.“

6.13 „Achtfach geworden entfaltet sie die achtfache Prakṛti; zehnfach die Nāḍīs, empfindlichen Körperstellen, Richtungen und weitere Zehnergruppen. Zwölffach besitzt sie die Formen von Tierkreiszeichen und Sonnen und bringt den zwölfsilbigen Mantra sowie die entsprechende Vokalgruppe zum Ausdruck. Die Shakti entfaltet jeweils die Mantras entsprechender Gliederzahl. Fünfzigfach geworden unterscheidet sie die fünfzig Buchstaben. In göttlichem innerem Zustand gibt sie, verbunden mit dem aus dem Hohlweg der Sushumna aufsteigenden Nada, die fünfzig Laute in ihrer Reihenfolge von sich.“

6.14 Die Śāradā beschreibt weitere Einzelheiten: „Vierfach entfaltet schafft die wohltuende Shambhavi den viersilbigen Sonnenmantra, vier Gaṇeśa-Gestalten, die Vierergruppe von Atman an, die mit Oḍḍiyāna und den weiteren beginnende Vierergruppe der Pīṭhas, die vier mit Dharma beginnenden Prinzipien, die vier Elefanten von Dalaka an und alles andere Vierfache.“ [Die Eigennamen der Pīṭha- und Elefantenlisten sind in der Grundlage teilweise gestört.]

6.15 „Fünffach entfaltet schafft Shambhus Gemahlin, die alle Ziele gewährt, die fünfgliedrige Tripurā-Formel, ihre beiden fünfsilbigen Formeln, die fünf Juwelen der großen Göttin, die alle Wünsche erfüllen, den fünfsilbigen Mantra Maheshas und die fünf Laute Garuḍas. Sie schafft die fünf betörenden Liebespfeile, die fünf Kāma-Gestalten, die fünf Wunschbäume, die fünf Lebenswinde, die fünf Laute, Gestalten und Kalās Maheshvaras sowie die fünf Brahman-Formeln beziehungsweise Veda-Verse. Diese höchste Shakti ist Veda und Sinn des Veda.“

6.16 „Sechsfach entfaltet trägt sie den sechssilbigen Mantra, die sechsgliedrige Tripurā-Formel, die sechssilbigen Gaṇapati-, Mond- und Nṛsiṃha-Mantras. Sie schafft die sechs Jahreszeiten von Frühling an, die sechs Gaṇa-Herren von Āmoda an, die sechs Hüllen, Wellen und Geschmacksrichtungen, die sechs Shaktis von Ḍākinī an, die sechs Wege, das sechsfache Shakti-Yantra und die sechs Grundlagen. Alles Sechsfache in der Welt ist ihre Entfaltung.“

6.17 „Siebenfach schafft die ewige Göttin, die Shankaras halben Körper bildet, den siebensilbigen Tripurā- und Vināyaka-Mantra, die sieben Vyāhṛtis, den siebensilbigen Sudarśana-Mantra, die sieben Welten, Berge, Götter, Körperstoffe, Seher, Planeten und Kontinente sowie die sieben Opferhölzer und sieben Zungen des Feuers. Alles weitere Siebenfache entsteht in ihr.“

6.18 „Achtfach entfaltet schafft Shakti zwei achtsilbige Shiva-Mantras, den achtsilbigen Hari-Mantra, zwei höchste achtsilbige Shakti-Mantras sowie die achtsilbigen Formeln der Sonne, Durgā, des höchsten Selbst, Nīlakaṇṭhas und Vāsudevas. Sie schafft das göttliche Kāmārgala-Yantra, das Ghaṭārgala-Yantra der Göttin und die acht Duftstoffe, die Göttin und Göttern lieb sind. Sie entfaltet die Muttergottheiten von Brāhmī an, die Bhairavas, die Gestalten, Richtungen und Vasus, die acht Pīṭhas der großen Göttin mit ihren Acht-mal-acht-Gruppen, die achtfache Prakṛti, die Gestalten des Hindernisherrn von Vakratuṇḍa an, die Kräfte von Aṇimā an, die Nāgas, die Feuerformen und die Yogaglieder von Yama an. Alles Achtfache breitet sie aus.“

6.19 „Neunfach schafft die Ewige den entsprechenden Mantra, die neun Shakti-Prinzipien, die neun Pīṭha-Shaktis, die neun ästhetischen Grundempfindungen von Liebe an, die neun Klassen der Edelsteine von Rubin an, die neun Prāṇa-Dūtīs und den glückverheißenden neunfachen Kreis. Alles Neunfache in der Welt erhebt sich in ihr.“

6.20 „Zehnfach entfaltet schafft Shambhus Geliebte, die das Leid des Werdens aufhebt, die zehnsilbigen Mantras Gaṇapatis und Tvaritās, die zehngliedrige und die zehnsilbige Tripurā-Formel, die zehnsilbigen Sarasvatī- und Yakṣiṇī-Mantras, den Vāsudeva-Mantra, die zehnsilbigen Formeln Aśvārūḍhās, Padmāvatīs und des Windes. Sie schafft die zehn Shakti-Prinzipien, die zehn weiblichen Kräfte, die zehn Inkarnationen Vishnus, die zehn Weltenhüter und weitere Zehnergruppen.“ [Die Grundlage liest in der weiblichen Gruppe Nārī, nicht ausdrücklich Nāḍī.]

6.21 „Elffach entfaltet bringt das weltförmige Bewusstsein die elfteilige Rudra-Rezitation, die elfsilbigen Formeln der Ur-Shakti und der Vāṇī sowie die elf Rudras hervor. Zwölffach schafft die Allwissende den ewigen Mantra von Mahesha an, die Vāsudeva-Formel, Tierkreiszeichen, Sonnen, Hari-Gestalten und das zwölffache Yantra sowie alles weitere Entsprechende.“ [Die Verbindung zwischen Nityā und Mahesha ist nicht eindeutig.]

6.22 Der von Rāghavabhaṭṭa angeführte Padārthādarśa fährt fort: Dreizehnfach entfaltet schafft sie die Mantras Vāgīśvarīs und Aśvārūḍhās sowie die Allgötter und Weiteres; vierzehnfach die Vāsudeva- und Gopāla-Mantras und die Welten; fünfzehnfach als Nityā den Mantra des Dreizackträgers und die Mondtage; sechzehnfach Kreisformeln, Vokale und Kalās. Vokale meint die Reihe von A bis Visarga. Siebzehnfach schafft sie die Laghu-Pañcamī- und Tārāvidyā-Formeln; neunzehnfach die Kṛṣṇa- und Dharā-Mantras; zwanzigfach die Ratnadhārā- und Umāmaheśvara-Mantras; einundzwanzigfach den Bahuka genannten Mantra mit Yantra; zweiundzwanzigfach die Kṛṣṇa-, Annādhipati- und Sumukhī-Mantras; dreiundzwanzigfach die Laghuśyāmā-, Puruṣottama- und Hṛdayaṅgama-Mantras. [Die Achtzehnzahl fehlt in der vorliegenden Reihe; einzelne Mantranamen sind unsicher.]

6.23 Die Śāradā sagt: „Als die vierundzwanzig Prinzipien entfaltet sie die Gāyatrīs Savitṛs, Shambhus, des Liebesgottes, Vishnus, Tripurās, Dakṣiṇāmūrtis und Shambhus Gemahlin. Die vierundzwanzig Prinzipien bestehen in ihr als höchstem Selbst.“ Weitere Vierundzwanzigergruppen sind mitgemeint.

6.24 „Zweiunddreißigfach entfaltet schafft die allgegenwärtige, aus allen Mantras bestehende Göttin den Mṛtyuñjaya-Mantra, den großen Nṛsiṃha-Mantra, den mit Lavaṇa beginnenden großen Mantra Varuṇas, die Mantras Hayagrīvas, Durgās, Varāhas, des Feuerherrn, Gaṇeśas, des Heerführers, Dakṣiṇāmūrtis, den Mālā-Mantra des Liebesgottes, den Triṣṭubh-Mantra der Waldbewohnerin, den großen Aghora-Mantra, die Mantras von Devakīs Sohn, Puruṣottama, Gopāla, der Erde, Tārā, Mahālakṣmī, Bhūteśvara und Kṣetrapāla sowie die Not abwehrende Formel, die Mātaṅginī-Vidyā und die glückverheißende Siddhividyā.“ [Der als Erdmantra wiedergegebene Name ist beschädigt.]

6.25 „Auf diese Weise weiter entfaltet bildet Shivas Geliebte die sechsunddreißig śivaitischen Prinzipien“ – daneben steht in der Grundlage eine nicht sicher zuzuordnende Fünfzahl – „und bringt weitere glückverheißende Mantras und Yantras hervor.“ Wenn dieser Abschnitt von Gebären oder Hervorbringen spricht, meint er Offenbarwerden beziehungsweise Erkennbarwerden. Andernfalls widerspräche er der früheren Aussage, die Göttin bestehe aus allen Veden. Da alles die Gestalt von Gliedern der als Mātṛkā bestehenden Kundalini hat, wäre ein erstmaliges Entstehen widersprüchlich. Dies mögen Verständige mit feiner Unterscheidung betrachten.

Von der feinen Kraft zur hörbaren Rede

6.26 Die Lehrer der Śāradā beschreiben die Lautfolge: „An der Wurzel zweiundvierzigfach entfaltet bringt Kundalini, die Weltenherrin, deren Wesen Wort-Brahman ist, Shakti hervor; aus dieser entsteht Dhvani, daraus Nada, daraus Nibodhikā, daraus der Halbmond, daraus Bindu und daraus Parā.“ Gemeint ist die zweiundvierzigteilige Buchstabenreihe von A bis Sa der Bhūtalipi-Mantras; die Abfolge Shakti, Dhvani und so weiter erläutert ihr Erscheinen.

6.27 Dieselbe Kraft heißt, in Sattva eingetreten und von Rajas durchdrungen, Dhvani im Lautzustand; von Tamas durchdrungen heißt sie Nada im unentfalteten Zustand. Bei stärkerem Tamas heißt sie Nibodhikā, beim Überwiegen beider betreffenden Prinzipien Halbmond. [Die letztgenannte Eigenschaftsverbindung ist in der Grundlage gestört.] Der Padārthādarśa beschreibt die Wirkkraft als durch die Willenskraft angeregt, die Erkenntniskraft erleuchtend und in männlicher Gestalt schöpferisch tätig. Derselbe Bindu erhält, wenn er andere Stätten erreicht, die Namen Parā und die weiteren Sprachstufen.

6.28 Die Rede gliedert sich in Parā, Paśyantī, Madhyamā und Vaikharī, den Entstehungsgrund hörbarer Worte. Parā liegt an der Wurzel, Paśyantī im Svādhiṣṭhāna, Madhyamā im Herzen, Vaikharī im Mund. Der Padārthādarśa erklärt: „In der Mitte besteht die feine Kundalini als reines Licht, kein Gegenstand des Hörens. Von dort steigt sie auf und wird in Sushumna zur selbstleuchtenden Paśyantī. Erreicht dieselbe den Herzlotus, ist sie Madhyamā von Nada-Gestalt. Noch ungeteilt steigt sie als bloße innere Rede weiter auf.“

6.29 „In Brust, Kehle, Gaumen, Kopf, Nase und Mund befindlich, an Zungenwurzel und Lippen gegliedert, nimmt sie alle Buchstaben an. Als Mutter der entfalteten Sprache und Gegenstand des Hörens heißt sie Vaikharī. Kundalini besteht aus Wollen, Erkennen und Handeln, aus Licht und den Gunas. In dieser Folge schafft sie die zweiundvierzigteilige Lautreihe von A bis Sa; fünfzigfach entfaltet schafft sie die fünfzig Buchstaben. Aus deren Unterschieden entfaltet sie die Kalās, Rudras und weiteren Gestalten.“ Die Kalās und Rudras wurden bereits genannt. Mit den weiteren sind fünfzig Kāmas, deren Shaktis, Gaṇeśas und deren Shaktis sowie die Kṣetrapālas gemeint.

Die Gestalten des Liebesgottes

6.30 Rāghavabhaṭṭa nennt die Kāma-Gestalten: Kāma, Kāmada, Kānta, Kāntimān, Kāmaga, Kāmacāra, Kāmī, Kāmuka, Kāmavardhana, Rāma, Rama, Ramaṇa, Ratinātha, Ratipriya, Rātrinātha, Ramākānta, Ramamāṇa, Niśācara, Nandaka, Nandana, Nandī, Nandayitā, Pañcabāṇa, Ratisakha, Puṣpadhanvan, Mahādhanu, Bhrāmaṇa, Bhramaṇa, Bhramamāṇa, Bhrama, Bhrānta, Bhrāmaka, Bhṛṅgī, Bhrāntācāra, Bhramāvaha, Mohana, Mohaka, Moha, Mohavardhana, Madanī, Manmatha, Mātaṅgī, Bhṛṅganāyaka, Gāyanī, Gītija, Nartaka, Khelaka, Unmatta, Mattaka, Vilāsa und Lobhavardhana. [Die als fünfzig angekündigte Reihe weist in dieser Lesung abweichende Namenszahl und teils ungewöhnliche Namensformen auf.]

6.31 „Sie glänzen wie die Blüte des Granatapfels und sind links mit ihrer Shakti verbunden. Alle sind freundlich, rot gekleidet, mit allem Schmuck versehen und tragen Blumenpfeile, Gebetskette und Bogen. So werden die fünfzig Kāmas beschrieben.“

6.32 Ihre Shaktis heißen nach demselben Beleg: Rati, Prīti, Kāminī, Mohinī, Kamalapriyā, Vilāsinī, Kalpalatā, Śyāmalā, Śucismitā, Vismitākṣī, Viśālākṣī, Lelihānā, Digambarī, Vāmā, Kubjādharā, Nityā, Kalyāṇī, Mohinī, Madanā, Suraśreṣṭhā, Lāpinī, Mardinī, Kalahapriyā, Ekākṣī, Sumukhī, Nalinī, Jayinī, Pālinī, Śivā, Mugdhā, Savibhramā, Cārunetrā, Sulolā, Dīrghajihvā, Ratipriyā, Lolākṣī, Śṛṅgiṇī, Pāvanā, Mādanā, Mālā, Haṃsinī, Viśvatomukhī, Nandinī, Ramaṇī, Kānti, Kalakaṇṭhī, Vṛkodarī, Meghaśyāmā und Ruṣonmattā. [Die abschließende Zahlbezeichnung ist gestört; Wiederholungen bleiben erhalten.] „Die Shaktis sind kuṅkumarot und mit allem Schmuck geschmückt. Man meditiere sie mit blauen Lotussen in den Händen, fähig, die drei Welten anzuziehen.“

Gaṇeśas und ihre Shaktis

6.33 Derselbe Beleg nennt die Gaṇeśa-Gestalten: Vighneśa, Vighnarāja, Vināyaka, Śivottama, Vighnahṛt, Vighnakartṛ und eine unsicher gegliederte Namengruppe mit Gaṇa, Eka, Dvi und Sudantaka; danach Gajavaktra, Nirañjana, Kapardī, Dīrghajihvaka, Śaṅkukarṇa, Vṛṣabhadhvaja, Gaṇanāyaka, Gajendra, Sūryakarṇa, Trilocana, Lambodara, Mahānanda, Caturmūrti, Sadāśiva, Amogha, Durmukha, Sumukha, Pramodaka, Ekapāda, Dvijihva, Sūra, Vīra, Śivāmukha, Varada, Vāmadeva, Vakratuṇḍa, Dviraṇḍaka, Senānī, Grāmaṇī, Matta, Vimatta, Mattavāhana, Jaṭī, Muṇḍī, Khaḍgī, Vareṇya, Vṛṣaketana, Bhakṣyapriya, Gaṇeśa, Meghanāyaka, Vyāpī und Gaṇeśvara. „Diese fünfzig Gaṇa-Herren glänzen wie das junge Morgenrot, haben Elefantengesichter und drei Augen. Ihre Hände tragen Schlinge und Stachelstock und zeigen Wohltat und Furchtlosigkeit; sie sind mit ihren Shaktis verbunden.“

6.34 Die Shaktis heißen: Hrī, Śrī, Puṣṭi, Śānti, Kṣānti, Sarasvatī, Svāhā, Medhā, Kānti, Kāminī, Mohinī, Naṭī, Pārvatī, Jvalinī, Nandā, Suyaśas, Kāmarūpiṇī, Ugrā, Tejovatī, Satyā, Vighneśānī, Surūpiṇī, Kāmadā, Madajihvā, Bhūti, Bhautikā, Sitā, Ramā, Mahiṣī, Bhañjinī, Vikarṇā, Bhrūkuṭi, Lajjā, Dīrghaghoṇā, Dhanurdharā, Yāminī, Rātri, Kāmāndhā, Śaśiprabhā, Lolākṣī, Cañcalā, Dīpti, Śubhagā, Durbhagā, Śivā, Garbhā, Bhaginī, Bhoginī, Subhagā, Kālarātri und Kālikā. [Mehrere Wortgrenzen sind unsicher; die Verse nennen fünfzig, die anschließende Schlussbemerkung neunundvierzig Shaktis.]

6.35 „Von allem Schmuck erstrahlend sitzen sie schön auf dem Schoß ihrer Geliebten. Man meditiere sie mit roten Lotusblüten in den Händen, mit roten Kränzen und Gewändern, von roter Farbe.“ Damit endet die Darstellung der Gaṇeśa-Shaktis.

Die Hüter der Stätten

6.36 Im Kṣetrapāla-Abschnitt des Prayogasāra werden neunundvierzig Formen gelehrt: „Die Kṣetrapālas sind nach ihren Mātṛkā-Keimlauten und Namen unterschieden.“ Die überlieferte Namensreihe lautet, bei teilweise unsicherer Worttrennung: Ajara, Apakumbha, Indrastuti, Iḍācāra, Ukta, Uṣmāda, Ṛṣisūdana, Samukta, Luptakeśa, Kṣepaka, Ekadaṃṣṭraka, Airāvata, Oghabandhu, Ogādhīśa, Añjana, Astravāra, Kavala, Kharukhānala, Cāmukhya, Ghaṇṭāda, Ṅmana, Caṇḍavāraṇa, Chaṭāṭopa, Jaṭāla, Ṛddhīva, Jaḍaścara, Ṭaṅkapāṇi, Ṭhānabandhu, Ḍāmara, Ḍhakkāvāra, Ṇavāṇa, Taḍiddeha, Sthira, Dantura, Dhanada, Anattiktānta, Pracaṇḍaka, Phaṭkāra, Vīrasaṅgha, Śṛṅga, Meghabhāmura, Yugānta, Ūhyava, Lamboṣṭhī, Vasava, Śukananda, Ṣaḍāla, Śunānāha und Vṛka. [Mehrere Namen sind beschädigt und nur als vorläufige Lautgestalten wiederzugeben.]

6.37 „Diese unterschiedlichen Formen stammen aus den Buchstaben der Mātṛkā. Welcher Buchstabe in einem Namen zuerst vorkommt, ihm entsprechend besteht dort die besondere Gestalt des Kṣetrapāla. Daher ist jeweils der entsprechende Hüter der Stätte zu verehren. Wer irgendwo eine rituelle Handlung vollzieht, ohne den Kṣetrapāla zu verehren, dessen Handlungsfrucht vernichtet dieser, ohne Zweifel.“ Damit endet die Darstellung der neunundvierzig Kṣetrapālas.

Die hörbare Aussprache

6.38 Zur Entstehung der Vaikharī sagt der zweite Paṭala der Śāradā: „Nun erkläre ich das Hervortreten der Laute im menschlichen Mund. Beständig vom Wind angetrieben treten sie aus dem Hohlraum der Sushumna aus und werden nacheinander durch Kehle und weitere Werkzeuge offenbar.“ Gemeint ist die Ursache ihres hörbaren Erscheinens.

6.39 Einwand: Der erste Paṭala des Uttarakhaṇḍa des Rudrayāmala sagt: „Papageien, Sāraṅga-Vögel und andere Vögel im Käfig erlernen durch den Umgang mit Guten meinen großen, glückverheißenden Namen.“ Auch Geschichten wie die von Schwan und Krähe im Mahābhārata zeigen sprechende Vögel; ebenso lässt sich ihr Sprechen beobachten. Warum heißt es also „im menschlichen Mund“? Antwort: Weil dies der gewöhnliche Fall ist oder weil hier der Mensch das Thema bildet, nicht um Vögel auszuschließen. Oder der Plural bezeichnet die Gesamtheit der zur Lautäußerung befähigten Wesen. Darin liegt kein Widerspruch.

6.40 „Vom Wind angetrieben“ bedeutet: Die Laute werden zur Stätte der Paśyantī geführt und zum Hervortreten angeregt. Aus dem Hohlraum der Sushumna kommend erscheinen sie durch Kehle und andere Werkzeuge der Reihe nach. Weil nicht alle zugleich gesprochen werden, heißt es „der Reihe nach“. Bhartṛhari wird dazu angeführt: „Das Selbst erfasst mit Buddhi die Bedeutungen und verbindet durch den Wunsch zu sprechen Manas damit. Manas regt das Körperfeuer an, dieses treibt den Wind an. Der Wind bewegt sich in der Brust und erzeugt einen tiefen Klang.“

6.41 Mit „Kehle und weitere“ sind auch Gaumen und andere Lautstätten gemeint. Das Śikṣāsūtra nennt acht: Brust, Kehle, Kopf, Zungenwurzel, Zähne, Nase, Lippen und Gaumen. Die spätere Vorschrift „Die Aussprache der fünfzig Mātṛkā-Buchstaben lerne man beim Guru“ zeigt, dass beim Menschen ebenso wie beim Vogel der Umgang mit einem Unterweisenden eine Ursache des Lauterwerbs ist.

6.42 Zuvor wurde allgemein gesagt, die Buchstaben seien Mond, Sonne und Feuer. Nun unterscheidet die Śāradā: „Die Vokale gelten als mondartig, die Verschlusslaute als sonnenartig, die durchdringenden Laute als feuerartig. So bestehen sie aus Mond, Sonne und Feuer. Sechzehn Vokale und fünfundzwanzig Verschlusslaute sind bekannt.“ Die Verschlusslaute entsprechen den Prinzipien: Ma ist Puruṣa, das höchste Selbst von Sonnengestalt; daher entsprechen ka bis bha den vierundzwanzig Prinzipien von Prakṛti an.

6.43 Weil allen Keimformeln Ma von Vishnu-Gestalt verbunden ist, soll ihre Einheit mit Puruṣa verstanden werden. Ma hat die Gestalt des Bindu; dazu passt die spätere Aussage: „Bindu ist männlich und wird Sonne genannt.“ Die Laute von ka an heißen „Berührungslaute“, weil sie von diesem sonnenartigen Ma-Bindu berührt werden.

6.44 Die durchdringenden Laute werden hier als zehn angegeben. Sie heißen so, weil sie in Doṣas und Körperstoffen wirken; wegen der dort ebenfalls bestehenden Feuer heißen sie feuerartig. Oder sie heißen so, weil ihre Reihe mit Kṣa endet, der Gestalt Nṛsiṃhas als Zeitfeuer. Der Sinn der Wirkungszuordnung ist: Vokale verleihen Wunscherfüllung, Verschlusslaute Reichtum und die durchdringenden Laute Dharma. [Die genannte Zehnzahl wird nicht stillschweigend an eine andere Alphabetzählung angepasst.]

Tonhöhe, Länge und Artikulationsorte

6.45 Nachdem das Hervorgehen von Haṃsa aus dem Praṇava gezeigt wurde, erklärt der dritte Paṭala des Prapañcasāra die Entstehung der Buchstaben aus Haṃsa: „Ich werde wahrheitsgemäß erklären, wie diese fünfzig Buchstaben im Körper entstehen und sich unterscheiden. Vom Wind angetrieben treten sie aus Sushumna hervor und werden durch Berührung der Kehle und anderer Stätten im Mund deutlich. Aufwärts gerichteter Wind erzeugt den hohen Ton, abwärts gerichteter den tiefen, seitwärts gerichteter den zusammengesetzten.“ Der zusammengesetzte Ton heißt Svarita.

6.46 „Nach ihrer Dauer von einer halben, einer, zwei oder drei Mātrās heißen die Laute der Reihe nach Konsonanten, kurze, lange und gedehnte Vokale. Durch die Verbindung von A und I entsteht E; durch dessen Verbindung mit A entsteht Ai. Aus A und U entsteht O, durch die weitere A-Verbindung Au. Diese vier sind Verbindungslaute und Mantras, die alle Ziele verwirklichen.“ Die Aussprache der beiden Ḷ-Laute wird hier nicht vollständig erklärt. Die folgende Wendung verbindet das Hervortreten von Bindu und Visarga mit Ajapā und der inneren Lautbildung; ihre genaue Wortfügung ist unsicher.

6.47 „Visarga tritt aus der Kehle hervor und steht dem inneren Prinzip nahe. In seiner Veränderung wird er zu Sa beim Einatmen und zu Ha als Lebensatem beim Ausatmen.“ Der Kommentar erläutert: Sarga bedeutet Visarga; dessen veränderte Form ist Sa. Ucchvāsa wird hier als einwärts gehender Wind erklärt, Prāṇa als auswärts gehender; Ha entspricht dem Letzteren. Die sprachliche Verbindung der Wörter wird auf zwei Weisen gedeutet, wobei die Visarga-Verbindung verneint wird. [Der grammatische Bezug ist in der Grundlage beschädigt; die Atemzuordnung folgt der ausdrücklichen Erläuterung.]

6.48 „Mit der Kehle verbunden lässt dieser Laut durch den Wind die ka-Reihe hervortreten: ka durch einfache Berührung, kha durch die entsprechende Hauchverbindung, ga und gha durch zunehmend tiefere Berührung und ṅa beim weiteren Austritt. Zum Gaumen gelangt lässt er śa, die ca-Reihe und ya entstehen; am Kopf ṛ, die ṭa-Reihe, ra und ṣa; an den Zähnen ḷ, die ta-Reihe, la und sa; an den Lippen die u- und pa-Laute sowie den Upadhmānīya. Durch Zähne und Lippen entsteht va. So bringt er an den jeweiligen Stätten die Laute hervor.“ [Einzelne Bezeichnungen des Berührungsgrades sind gestört.]

6.49 Das Śikṣāsūtra nennt dementsprechend: a-Laute, ka-Gruppe, ha und Visarga sind Kehllaute; i-Laute, ca-Gruppe, ya und śa Gaumenlaute; ṛ-Laute, ṭa-Gruppe, ra und ṣa retroflexe Laute; ḷ-Laute, ta-Gruppe, la und sa Zahnlaute; u-Laute, pa-Gruppe und Upadhmānīya Lippenlaute. Va ist ein Zahn-Lippenlaut. E und Ai verbinden Kehle und Gaumen, O und Au Kehle und Lippen.

6.50 Im zehnten Paṭala des Varadātantra sagt Shiva: „Aus Liebe zu dir erkläre ich heute die in allen Tantras verborgene Regel der Lautaussprache, Maheshani. Man erlerne die Aussprache der fünfzig Mātṛkā-Buchstaben beim Guru. Acht Gruppen werden genannt: Vokale, ka-, ca-, ṭa-, ta-, pa-, ya- und śa-Gruppe.“ Das in den abkürzenden Gruppennamen eingesetzte U dient der Abgrenzung der jeweiligen Buchstabengruppen.

6.51 „A, die ka-Gruppe und Ha entstehen in der Kehle; die ca-Gruppe, Ya und Śa am Gaumen; Ṛ, die ṭa-Gruppe, Ra und Ṣa am Kopf; Ḷ, die ta-Gruppe, La und Sa an den Zähnen; U und die pa-Gruppe an den Lippen. Damit sind die Stätten genannt. Nun die Einzelheiten: Die Vokale werden aus der Kehle gesprochen; die beiden Ṛ-Laute mit der zum oberen Mundraum gerichteten Zunge, die beiden Ḷ-Laute an Zunge und Zähnen. Die Konsonanten erklingen an ihren Mundstätten; Kṣa entsteht mit einem Kehlanschlag.“

6.52 „Vor einer Verbindung zweier Konsonanten wird der vorausgehende Vokal schwer. Bei Verbindungen an Vers- und Wortgrenzen sollen beide Laute hörbar sein. Bei Ya und Va in anderen Verbindungen kann ihre eigene Lautgestalt zurücktreten und vokalähnlich werden.“ [Die genaue Abgrenzung der Sonderfälle ist im Sanskrit nicht durchgehend klar.] „Bei der als Triyābīja bezeichneten Formel hat Śa den Klang von Cha.“ Es folgen Angaben zu Cha- und Ca-Lauten in weiteren Verbindungen, mit den Beispielen Sahasra, Namas tasmai und Āsthā. [Die zugehörigen Buchstabenbedingungen sind beschädigt; eine verlässliche allgemeine Ausspracheregel ist daraus nicht abzuleiten.]

6.53 „Bei Verbindungen mit Repha vor oder nach Ha besteht eine angeglichene Aussprache“, erläutert durch Beispiele wie Varha und Hrada. „Wegen der Verschiedenheit der Laute ist Ha dort nicht vollständig selbständig auszusprechen. Vor Ya nähert es sich dem vierten Laut der ca-Gruppe“, wie bei Bāhya; „vor Va besonders dem vierten Laut der pa-Gruppe“, wie bei Āhvāna. „Vor La und Na bleibt eine gewisse Verschiedenheit bei abgeschwächter Aussprache“, wie bei Prahlāda und Ahnāya. „Vor Ma wird auch dessen Laut an der Nasenwurzel gebildet.“ [Einige Bedingungen sind im Wortlaut nicht sicher abgegrenzt.]

6.54 „Ṅa, Ña, Ṇa, Na, Ma und Bindu gelten als an der Nasenwurzel entstanden. Ya nimmt am Wortanfang den Wert des dritten Lautes der ca-Gruppe an; auch in Keyūra und ähnlichen Wörtern, andernorts bleibt es beim bloßen Kehlansatz.“ Es folgen Sonderregeln zu Śa und Sa bei Na-Verbindungen, veranschaulicht durch Praśna und Snāna. „Ḍa und Ḍha sind nach anderen Lauten mit zurückgebogener Zunge zu sprechen; auch hierbei gibt es Unterschiede, die man vom Guru erlernen soll.“ Eine abschließende Regel über anlautendes Repha und die Wurzel „sehen“ ist in der Grundlage nicht eindeutig lesbar. [Diese Angaben spiegeln die Ausspracheüberlieferung des zitierten Textes.]

6.55 „Nachdem man dies verstanden hat, Maheshani, rezitiere man Hymnen, Mantras und Schutztexte; andernfalls erlangt man die Frucht nicht. Wo immer man einen Hymnus oder eine Saṃhitā vorträgt, soll der Verständige am Ende sorgfältig deren Abschluss aussprechen.“ Damit endet die Darstellung der Lautaussprache.

Shiva, Shakti und die Elemente im Alphabet

6.56 Die Śāradā sagt: „Bei den Vokalen steht jeweils zuerst der kurze, danach der lange. In dieser Reihenfolge sind sie Shiva und Shakti; die Reihen enden mit Bindu und Visarga. Bindu ist männlich und Sonne, Visarga ist Shakti und Mond.“ Obwohl E und O lautlich lang sind, gelten sie in dieser besonderen Einteilung als kurz. Die Shiva- beziehungsweise männliche Reihe lautet A, I, U, Ṛ, Ḷ, E, O, Aṃ; die Shakti- beziehungsweise weibliche Reihe Ā, Ī, Ū, Ṝ, Ḹ, Ai, Au, Aḥ.

6.57 Bindu und Visarga werden dabei als unterscheidbare Gestalten von Puruṣa und Prakṛti aufgefasst. Dass die Reihen mit ihnen enden, bedeutet: In der kurzen Reihe steht Bindu an achter Stelle, in der langen Visarga. Wird Visarga als Mond bezeichnet, entsprechen die anderen Vokale seinen Kalās und Mondtagen. Deshalb wurden die Vokale zuvor mondartig genannt.

6.58 „Die vier in der Mitte stehenden Vokale sind neutral. Ohne Vokale können die übrigen Laute nicht deutlich hervortreten; daher nennen die Weisen die Buchstaben Shiva und Shakti.“ Der Gedanke ist: Die Vokale wurden als Shakti beschrieben. Weil Konsonanten ohne Vokal nicht ausgesprochen werden können, hat ihre gemeinsame Aussprache das Wesen von Shiva und Shakti.

6.59 Die Śāradā sagt: „Weil die Mātṛkā aus der Ursache der fünf Elemente hervorgeht, besitzen die Buchstaben in ihrer fünffachen Gliederung das Wesen der fünf Elemente.“ Gemeint ist Bindu, die Vereinigung von Shiva und Shakti, aus dem die Mātṛkā entsteht. Die Gesamtheit der Buchstaben von A bis Kṣa heißt Mātṛkā.

6.60 „Luft, Feuer, Erde, Wasser und Raum entsprechen der Reihe nach den fünfzig Schriftzeichen: fünf kurzen, fünf langen, den aus Verbindungen entstandenen bis zum Bindu, dann den Fünfergruppen von ka an und den abschließenden Gruppen mit ya, kṣa, la, sa und ha.“ [Die genaue Reihenbildung des letzten Satzgliedes ist nicht sicher lesbar.] Dass Luft zuerst und Raum zuletzt stehen, stellt die gewöhnliche Elementreihenfolge um und soll den Vorrang der fünffachen Vermischung hervorheben. Das Übrige ist leicht verständlich.

6.61 Weshalb wird Visarga hier nicht mitgezählt? Der durch den Wunsch zu sprechen aus dem Mūlādhāra angeregte Lebenswind treibt ihn hervor; er tritt unmittelbar aus der Kehle aus, ohne eine andere Artikulationsstätte zu erreichen. Dieser Visarga von Prakṛti-Natur wird deshalb hier nicht unter den Elementen gezählt.

Schluss des sechsten Pariccheda: In der ehrwürdigen Prāṇatoṣiṇī endet hier im ersten Kāṇḍa der sechste Lehrabschnitt, „Darstellung der Reihenfolge des Hervortretens der Buchstaben“.


Sargakāṇḍa, siebter Pariccheda: Schriftzeichen und heilige Schriftkultur

Die sichtbare Gestalt des Klanges

7.1 Auch wenn die Buchstaben als Laute hervortreten, können Menschen sich darüber irren. Deshalb gab der Herr ihnen eine auf einem Blatt festgehaltene Gestalt. Bṛhaspati sagt im Jyotistattva: „Weil selbst innerhalb von sechs Monaten Irrtum entsteht, schuf der Schöpfer einst die auf Blätter geschriebenen Buchstaben.“ Auf die Frage der Göttin beginnt Shiva im ersten Paṭala des Varṇoddhāratantra: „Höre, ich erkläre dir im Tantra der Buchstabenentfaltung die ewige fünfzigfache Mātṛkā, die unmittelbar Brahmans Gestalt ist.“ Danach beschreibt er die Schreibung sämtlicher Buchstaben. Diese Beschreibung folgt nun.

7.2 A. Das erste Kapitel des Kāmadhenutantra sagt: „Höre das höchst geheime Wesen des A, Schönangesichtige. Es gleicht dem Herbstmond, ist fünfeckig, besteht aus den fünf Gottheiten und besitzt zwei Shaktis. Es ist eigenschaftslos und doch mit Eigenschaften verbunden, selbst die Gestalt der Losgelöstheit. Es besitzt zwei Bindus und ist selbst Prakṛti.“ Das Varṇoddhāratantra beschreibt die Linien: Rechts gewunden, krümmt sich die Linie nach links; eine weitere zieht nach oben und rechts. In ihnen wohnen der Reihe nach Shankara, Vidhi und Nārāyaṇa. Die halbe Mātrā ist Shakti. Die Meditation darüber wird angekündigt. [Mātrā bezeichnet in den folgenden Zeichenbeschreibungen ein Schriftglied beziehungsweise eine ergänzende Linie.]

7.3 Ā. Das zweite Kapitel des Kāmadhenutantra nennt Ā höchst wunderbar und muschelhornhell: Es besteht aus Brahmā, Vishnu und Rudra, aus den fünf Lebenshauchen und ist die höchste Kundalini selbst. Nach dem Varṇoddhāratantra nimmt es die Form von A an und erweitert dessen rechte Bucht nach unten. In den Linien wohnen Brahmā und die anderen sowie Shakti beständig.

7.4 I. Das Kāmadhenutantra beschreibt I als höchste Wonne, duftendem Kuṅkuma gleich, von der Natur Haris, Brahmās, Rudras, der ewigen Shakti, des Gurus beziehungsweise Brahmans, Sadashivas und des höchsten Brahman. [Die Wortverbindung beim Guru ist unsicher.] Im Varṇoddhāratantra heißt es: Die oben und unten gekrümmten Teile sind in der Mitte durch eine Linie verbunden; Lakṣmī, Vāṇī und Indrāṇī wohnen der Reihe nach darin. Vom Kopf aus krümmt sich eine Linie abwärts und steigt rechts auf, von der Natur Kāmarūpiṇīs. Die winkelförmige Mātrā ist Shakti; ihre Meditation wird angekündigt.

7.5 Ī. Nach dem Kāmadhenutantra ist Ī selbst höchste Kundalini, aus Brahmā, Vishnu, Rudra und allen fünf Gottheiten bestehend, wie ein gelber Blitz, von vierfachem Wissen und den fünf Lebenshauchen erfüllt. Das Varṇoddhāratantra beschreibt eine oben und unten gekrümmte Linie, die in der Mitte dreieckig abwärts zieht, rechts einen gebogenen Winkelkopf bildet und sich vom Kopf rechts wieder nach oben krümmt. Die Mātrā-Shakti hat die Gestalt von Mond, Sonne und Feuer.

7.6 U. Das Kāmadhenutantra nennt U die untere Kundalini selbst, gelb wie die Campaka-Blüte, aus fünf Gottheiten und fünf Lebenshauchen bestehend und die vier Lebensziele verleihend. Nach dem Varṇoddhāra verläuft die oben, unten und in der Mitte gekrümmte Linie nach links. Darin wohnen Wind, Feuer und Indra; die Mātrā gilt als höchste Shakti.

7.7 Ū. Muschelhorn- und Jasminblütenglanz, höchste Kundalini, fünf Lebenshauche, fünf Gottheiten, drei Gunas und drei Bindus werden dieser Form im Kāmadhenutantra zugesprochen. Zugleich wird sie einem gelben Blitz verglichen und als Spenderin von Dharma, Wohlstand, Freude und Befreiung beschrieben. [Der Text nennt im einleitenden Vers U; die nachfolgende Zeichenangabe ist Ū.] Im Varṇoddhāratantra zieht die zuvor beschriebene U-Linie weiter abwärts und krümmt sich links. In den Linien stehen der Reihe nach Yama, Feuer und Varuṇa; die ab- und aufwärts ziehende Mātrā wird Lakṣmī und Vāṇī genannt.

7.8 Ṛ. Das Kāmadhenutantra nennt Ṛ verkörperte Kundalini, in der Brahmā, Vishnu, Rudra, Sadashiva und Ishvara wohnen. Nach dem Varṇoddhāratantra geht die obere Linie rechts, krümmt sich dreieckig nach links und zieht dann wieder abwärts nach rechts. Die Mātrā ist höchste Shakti; in ihren Gliedern wohnen Brahmā, Vishnu und Isha.

7.9 Ṝ. Nach dem Varṇoddhāratantra nimmt die Linie die vorangehende Form an, zieht rechts abwärts, krümmt sich unten nach links und geht erneut nach rechts. Darin wohnen Brahmā, Isha und Vishnu. Die Mātrā ist höchste Shakti; die Meditation wird angekündigt.

7.10 Ḷ. Das Kāmadhenutantra nennt diesen Laut höchste Kundalini, in der Brahmā und alle übrigen beständig wohnen. Er besteht aus fünf Gottheiten, vierfachem Wissen, fünf Lebenshauchen, drei Gunas und drei Bindus und gleicht einem gelben Blitz. Das Varṇoddhāra beschreibt unterhalb der Linie eine gewundene Krümmung von rechts nach links; darin wohnen Feuer, Isha und Wind.

7.11 Ḹ. Nach dem Kāmadhenutantra glänzt Ḹ wie der Vollmond, ist die höchste Kundalini und besitzt das Wesen der fünf Gottheiten, fünf Lebenshauche, drei Gunas, drei Bindus und vier Lebensziele. Das Varṇoddhāratantra bezeichnet die dem Innenbogen der vorigen Form entsprechende Linie als Vaiṣṇavī; ferner werden Durgā, Vāṇī und Sarasvatī in ihr genannt. [Die Verbindung dieser Göttinnenangabe ist beschädigt.]

7.12 E. Das Kāmadhenutantra beschreibt E als höchst göttlich, aus Brahmā, Vishnu und Shiva bestehend, der Vaṅkinī-Blüte gleich, stets von den fünf Gottheiten und fünf Lebenshauchen erfüllt. Es enthält ferner eine unklare Wesensbestimmung, nennt vier Varṇas und die höchste Kundalini. Das Varṇoddhāratantra beschreibt eine nach links gekrümmte Linie, die vom rechten Winkel abwärts und wieder nach links geht; in ihr wohnen Feuer, Isha und Wind.

7.13 Ai. Der sechste Paṭala des Kāmadhenutantra nennt Ai die große Kundalini selbst, leuchtend wie zehn Millionen Monde, aus den fünf Lebenshauchen, Brahmā, Vishnu, Rudra und Sadashiva bestehend und mit drei Bindus versehen. Nach dem Varṇoddhāratantra liegt auf der Grundlage der E-Form eine kleine Erweiterung in der Mitte nach rechts und oben. Mond, Indra und Sonne entsprechen den Gliedern; die zuvor genannte dreifache Shakti ist Durgā, Vāṇī und Sarasvatī.

7.14 O. Das Kāmadhenutantra nennt auch dieses Zeichen die höchste Kundalini selbst. Nach dem Varṇoddhāratantra windet sich die Linie links, krümmt sich von rechts zur Mitte, bewegt sich etwas nach rechts und unten wieder nach links. Brahmā, Isha und Vishnu wohnen darin. Die Mātrā ist Brahman-Gestalt und dieselbe höchste Shakti; ihre Meditation wird angekündigt.

7.15 Au. Das Kāmadhenutantra beschreibt Au als Kundalini, rot wie eine Blitzranke. Brahmā und die übrigen wohnen darin; es besteht aus den fünf Lebenshauchen und Sadashiva, ist stets mit Ishvara verbunden und verleiht die vier Lebensziele. Nach dem Varṇoddhāratantra geht die Linie von der rechten Mitte des O nach oben, verlängert sich und krümmt sich etwas nach links. Brahmā, Isha und Vishnu wohnen darin; eine weitere Linie liegt in der Mitte der Shakti. Die Meditation wird angekündigt.

7.16 Aṃ. Das Kāmadhenutantra beschreibt A mit Bindu als gelb blitzend, aus fünf Lebenshauchen und den Gottheiten von Brahmā an bestehend, von allem Wissen, drei Bindus und drei Shaktis erfüllt: höchste Kundalini. Nach dem Varṇoddhāratantra sitzt der Bindu rechts oberhalb der A-Form; Brahmā, Vishnu und Rudra wohnen in ihren Teilen. Die punktförmige Linie heißt Ur-Shakti.

7.17 Aḥ. Nach dem Kāmadhenutantra leuchtet Aḥ wie ein roter Blitz, besteht aus fünf Gottheiten, fünf Lebenshauchen, allem Wissen, den Prinzipien von Atman an, drei Bindus und drei Shaktis. Das Varṇoddhāra beschreibt rechts neben der in der Grundlage Ā genannten Form zwei übereinanderliegende Punkte. Brahmā, Isha und Vishnu stehen in den Teilen; die Mātrā und die mit zwei Punkten versehene Linie heißen Ur-Shakti.

Die Verschlusslaute

7.18 Ka. Das Varṇoddhāra erklärt die linke Linie als Brahmā, die rechte als Vishnu, die untere als Rudra und die Mātrā unmittelbar als Sarasvatī. Die gewundene Linie ist wie ein Stachelstock, die leere Mitte Sadashiva. Der Verständige meditiere Ka als kugelförmige Kadamba-Blüte.

7.19 Der dritte Paṭala des Kāmadhenutantra wiederholt diese Zuordnungen und ergänzt die Farben: Die linke Linie ist hibiskusrot, die rechte herbstmondhell, die untere smaragdglänzend; die Mātrā Sarasvatī ist wie Muschelhorn und Jasmin. Die stachelstockartige Kundalini gleicht zehn Millionen Blitzen, Sadashiva im mittleren Leerraum zehn Millionen Monden. Im Inneren der Leere wohnt Kali, die Kaivalya gewährt. Aus dieser Anordnung entstehen auch Wohlstand und Dharma. Ka ist die Wurzel-Prakṛti aller Buchstaben.

7.20 „Kāminī, die schöne Prakṛti selbst, ist Mutter aller Gottheiten und verleiht die Stätte der Losgelöstheit. Im oberen Winkel steht Vāmā als Brahmā-Shakti, links Jyeṣṭhā als Vishnu-Shakti, rechts Raudrī als auflösende Kraft. Sie ist Wissen, schön an Gliedern und mit der Vierheit des Kula verbunden. Brahmā ist Willenskraft, Vishnu Erkenntniskraft und Rudra Tatkraft, die Gestalt der gesamten Prakṛti. Die Mātrā steht in den Prinzipien Atman, Vidyā und Shiva. Ka, von fünf Gottheiten erfüllt, ist der Sitz Tripurās. Ishvara steht im Dreieck, dem höchsten Yoni-Kreis. Weil man durch sie Kaivalya erreicht, heißt sie Kāminī.“

7.21 Kha. Das Varṇoddhāratantra nennt die linke Linie Shiva-Gestalt und zugleich Feuer-Gestalt. [Eine ausführlichere Zeichenbeschreibung steht hier nicht.]

7.22 Ga. Nach dem Varṇoddhāratantra heißt die vorn gekrümmte Linie Gaṇeśī; im rechts anschließenden Teil wohnt Kamalā, in der abwärts und wieder aufwärts geführten Linie beständig Isha. Die Erläuterung erklärt ausdrücklich diesen Hinab- und Wiederaufstieg.

7.23 Gha. Die linke, schöpferische Linie krümmt sich etwas, nimmt eine Windung an und geht rechts abwärts. Anschließend steigt sie auf; in diesen Teilen stehen Shambhu und Nārāyaṇa. Die Mātrā ist höchste Shakti von Brahman-Gestalt.

7.24 Ṅa. Die Linie zieht der Reihe nach von oben nach unten, krümmt sich etwas und windet sich abwärts. Die Mātrā ist Shakti selbst; in den drei Linien wohnen Brahmā, Isha und Vishnu.

7.25 Ca. Das Kāmadhenutantra nennt Ca Spender der vier Lebensziele, mit der gewundenen Kundalini verbunden und selbst höchste Kundalini, stets aus fünf Gottheiten und fünf Lebenshauchen bestehend, mit drei Shaktis und drei Bindus. Nach dem Varṇoddhāratantra besitzt es eine rundliche, einer Aubergine verglichene Form mit auf- und abwärts ziehenden Linien. In den drei Linien wohnen Mond, Feuer und Sonne; die Mātrā ist Shakti. Die Meditation wird angekündigt.

7.26 Cha. Nach dem Varṇoddhāratantra zieht die Linie von oben nach unten, krümmt und windet sich und geht erneut abwärts. In den Gliedern wohnen Brahmā, Isha und Vishnu.

7.27 Ja. Das Kāmadhenutantra nennt Ja die mittlere Kundalini, herbstmondhell, mit drei Gunas, fünf Gottheiten, fünf Lebenshauchen, drei Shaktis und zwei Bindus. Nach dem Varṇoddhāratantra ist die Linie oben und unten gekrümmt; Brahmā, Isha und Vishnu stehen darin. Die zweifache Mātrā wird als Vāgdevī, Kamalā und Nityā bezeichnet. [Die Dreierbenennung bei „zweifach“ wird nicht ausgeglichen.]

7.28 Jha. Das Kāmadhenutantra beschreibt Jha als Kundalini von betörender Gestalt, rot blitzend, mit drei Gunas, fünf Gottheiten, fünf Lebenshauchen, drei Bindus und drei Shaktis. Nach dem Varṇoddhāratantra entsteht durch die Verbindung der linken und rechten Teile eine dreieckige Windung. Darin wohnen Mond, Sonne und Feuer. Die sechzehnfache Mātrā ist Shakti von Brahman-Gestalt; die obere Mātrā ist Indrāṇī, die mittlere Nārāyaṇī.

7.29 Ña. Das Kāmadhenutantra nennt Ña stets mit Ishvara verbunden, rot blitzend und höchste Kundalini, aus fünf Gottheiten und fünf Lebenshauchen bestehend, mit drei Shaktis und drei Bindus. Nach dem Varṇoddhāratantra windet sich die Linie von rechts nach links, zieht gerade abwärts und krümmt sich wieder nach links. Darin wohnen Sonne, Indra und Varuṇa. Die doppelt gewundene mittlere Mātrā hat die Gestalt der großen Shakti; die Meditation wird angekündigt.

7.30 Ṭa. Das Kāmadhenutantra beschreibt Ṭa als höchste Kundalini, zehn Millionen Blitzen gleich, mit fünf Gottheiten, fünf Lebenshauchen, drei Gunas und zwei Bindus. Die Dreifachheit wird nochmals in einer nicht eindeutig abweichenden Formulierung genannt. Nach dem Varṇoddhāratantra geht die Linie von oben nach unten und bildet unten eine Windung; in ihren Teilen stehen Kubera, Yama und Wind. Die Mātrā geht in einen Winkel und weiter aufwärts: Sie ist die ewige höchste Shakti, welche die vier Lebensziele gewährt.

7.31 Ṭha. Das Kāmadhenutantra nennt Ṭha Kundalini von Befreiungsgestalt, gelb blitzend, mit drei Gunas, fünf Gottheiten und drei Shaktis. Nach dem Varṇoddhāratantra ist die Linie rundlich wie eine Aubergine; Mond, Sonne und Feuer herrschen darüber. Ṭha besitzt keine Mātrā und hat einen oberen Scheitel.

7.32 Ḍa. Nach dem Varṇoddhāratantra zieht die Linie von oben nach unten und ist in der Mitte gekrümmt. Lakṣmī, Vāṇī und Bhavānī stehen der Reihe nach darin. Die Mātrā ist die große Shakti von Brahman-Gestalt.

7.33 Ḍha. Die Linie geht oben und unten nach links und rechts und nimmt dann eine Windung an. Sie besteht aus Vishnu, Isha und Brahmā; ihre Mātrā aus der großen Shakti. Die Meditation wird angekündigt.

7.34 Ṇa. Nach dem Kāmadhenutantra ist Ṇa höchste Kundalini, gelb blitzend, aus fünf Gottheiten und fünf Lebenshauchen bestehend, mit drei Gunas und den Prinzipien von Atman an verbunden und große Befreiung verleihend. Im Varṇoddhāratantra geht die gewundene Linie von der Mitte aufwärts, links hinab und erneut aufwärts. Sie besteht aus Brahmā, Isha und Vishnu und gewährt die Früchte der vier Lebensziele.

7.35 Ta. Im fünften Paṭala des Kāmadhenutantra nennt Mahadeva Ta höchste Kundalini, aus fünf Gottheiten und fünf Lebenshauchen bestehend, mit drei Shaktis, den Prinzipien von Atman an und drei Bindus, gelb wie ein Blitz. Das Varṇoddhāratantra beschreibt zuerst einen Punkt; daraus entsteht in der Mitte eine Windung, die von rechts nach links zieht. Sie ist ewig und besteht aus Brahmā, Vishnu und Isha.

7.36 Tha. Das Kāmadhenutantra nennt Tha Kundalini von Befreiungsgestalt, mit drei Shaktis und drei Bindus. Nach dem Varṇoddhāratantra krümmt sich die Windung von links nach rechts, wieder nach links, rechts hinunter und weiter nach rechts; die Linie steigt dann gerade auf. Ganga und weitere göttliche Kräfte sowie Vāṇī, Bhavānī und Lakṣmī werden ihren Teilen zugeordnet. Die Meditation wird angekündigt.

7.37 Da. „Höre, Schöngliedrige, von Da, das die vier Lebensziele gewährt und stets aus den fünf Gottheiten und fünf Lebenshauchen besteht“, sagt das Kāmadhenutantra.

7.38 Dha. Das Varṇoddhāratantra erklärt: In der dreieckigen Linie wohnen die drei Götter. Die Weltenherrin und Weltenmutter steht links am Schulteransatz des Zeichens.

7.39 Na. Das Kāmadhenutantra nennt Na rot blitzend, aus fünf Gottheiten und fünf Lebenshauchen bestehend, die höchste Kundalini selbst: „Vergegenwärtige es im Herzen, Pārvatī.“ Nach dem Varṇoddhāratantra ist die links gewundene Linie oben und unten angeordnet und besteht aus Mond, Sonne und Feuer. Die Mātrā heißt Vāṇī.

7.40 Pa. Das Kāmadhenutantra beschreibt Pa als unvergänglich, die vier Lebensziele und große Befreiung verleihend, herbstmondhell, höchste Kundalini, aus fünf Gottheiten und fünf Lebenshauchen bestehend, mit drei Shaktis, der Dreifachheit und den Prinzipien von Atman an. „Vergegenwärtige es im Herzen, Pārvatī.“ Nach dem Varṇoddhāratantra krümmt sich die linke Linie; von ihrem Winkel geht eine weitere gekrümmte Linie nach rechts. Die Mātrā steigt links auf. Shambhu, Brahmā und die Göttin wohnen der Reihe nach darin.

7.41 Pha. Nach dem Kāmadhenutantra gleicht Pha einem roten Blitz, gewährt die vier Lebensziele, besteht aus fünf Gottheiten und fünf Lebenshauchen, ist mit drei Gunas, den Prinzipien von Atman an und drei Bindus verbunden. Nach dem Varṇoddhāratantra geht die gekrümmte Linie nach links und abwärts, steigt wieder auf und bildet von rechts aus eine Windung. Brahmā, Rudra und Vishnu entsprechen den Teilen; die Windung ist Brahman-Gestalt. Die von links nach rechts führende Mātrā heißt Shakti.

7.42 Ba. Das Kāmadhenutantra beschreibt Ba als Spender der vier Lebensziele, herbstmondhell, aus fünf Gottheiten und fünf Lebenshauchen bestehend, stets mit drei Bindus. Nach dem Varṇoddhāratantra ist die dreieckige Linie Vishnu, Isha und Brahmā; die Mātrā höchste Shakti. Die Meditation wird angekündigt.

7.43 Bha. Nach dem Kāmadhenutantra ist Bha höchste Kundalini, große Befreiung verleihend, wie die junge Sonne leuchtend, aus fünf Lebenshauchen und fünf Gottheiten bestehend. Im Varṇoddhāratantra zieht die Linie von oben nach unten, windet sich links, geht erneut abwärts und steigt wieder auf. Brahmā, Shambhu und Vishnu stehen der Reihe nach darin.

7.44 Ma. Das Kāmadhenutantra nennt Ma höchste Kundalini, leuchtend wie die junge Sonne, die vier Lebensziele verleihend und aus fünf Gottheiten und fünf Lebenshauchen bestehend. Nach dem Varṇoddhāratantra ist die auf- und abwärts verlaufende Linie viereckig und glückverheißend; Nārāyaṇa, Isha und Vidhi stehen darin. Die Mātrā ist Kundalini; die Meditation wird angekündigt.

Die weiteren Buchstaben

7.45 Ya. Nach dem Kāmadhenutantra besteht Ya aus den vier Lebenszielen, gleicht dem Rauch brennenden Strohs, ist höchste Kundalini und enthält fünf Lebenshauche und fünf Gottheiten. Das Varṇoddhāratantra beschreibt die oben und unten verlaufende Linie als dreieckig nach unten gerichtet; Vidhi, Isha und Keshava wohnen darin. Die obere Mātrā ist Shakti, die mittlere Linie Feuer. Das Zeichen gilt hier als eigenschaftslos und nimmt niemals Eigenschaften an.

7.46 Ra. Der sechste Paṭala des Kāmadhenutantra beschreibt Repha mit zwei Windungen, einem roten Blitz gleich, aus fünf Gottheiten und fünf Lebenshauchen bestehend, mit drei Bindus. Nach dem Varṇoddhāratantra liegt rechts eine Windung; die Linie geht von links nach rechts hinunter, erneut zweifach nach rechts und danach hinab und hinauf. Bhavānī, Shankara und Feuer stehen darin. Die halbe Mātrā ist die große Shakti von Brahman-Gestalt.

7.47 La. Nach dem Kāmadhenutantra besitzt La drei Windungen, glänzt wie ein gelber Blitz und lässt alle Juwelen erstrahlen. Es enthält fünf Gottheiten, fünf Lebenshauche, drei Shaktis, drei Bindus und die Prinzipien von Atman an: „Vergegenwärtige es im Herzen, Pārvatī.“ Im Varṇoddhāratantra geht die dreifach gewundene Linie von links nach rechts hinunter und wieder aufwärts. Darin stehen Nārāyaṇa, Shiva und Brahmā-Shakti. Die Meditation wird angekündigt.

7.48 Va. Das Kāmadhenutantra nennt Va Kundalini und unvergängliche Befreiung, aus fünf Lebenshauchen und fünf Gottheiten bestehend, mit drei Shaktis, drei Bindus und den Prinzipien von Atman an. Gelb blitzend gewährt es die vier Lebensziele und alle Vollendungen. Die Verbindung mit drei Shaktis und drei Bindus wird wiederholt. Nach dem Varṇoddhāratantra besteht die dreieckige Linie aus Brahmā, Vishnu und Shiva; Māyā-Shakti ist höchste und ewige Kraft. [Die abschließende Buchstabenmarke lautet in der Grundlage Ba.]

7.49 Śa. Das anschließende Zitat nennt Śa rot leuchtend, höchste Kundalini, Brahmans Gestalt und Spender der vier Lebensziele. Es besteht aus fünf Gottheiten und fünf Lebenshauchen und ist mit einer Fünfergruppe von Juwelen, drei Bindus, drei Shaktis und den Prinzipien von Atman an verbunden. Nach dem Varṇoddhāra ist die Linie links und rechts viereckig gegliedert; Feuer, Indra und Vishnu stehen darin. Die obere Mātrā ist Shakti, Mahālakṣmī gleich; die mittlere Mātrā ist die höchste Vāgdevī.

7.50 Ṣa. Das Kāmadhenutantra nennt Ṣa achteckig, einem roten Mond gleich, höchste Kundalini, von Nektargestalt und den vier Lebenszielen erfüllt. Es enthält fünf Gottheiten, fünf Lebenshauche, Rajas, Sattva und Tamas, drei Shaktis, drei Bindus und die Prinzipien von Atman an. „Als Wesen aller Götter vergegenwärtige es im Herzen, Pārvatī.“ Nach dem Varṇoddhāratantra krümmt sich die Linie links, zieht rechts hinunter und wieder aufwärts. Feuer, Mond und Sonne stehen darin; die Mātrā ist Bhavānī. [Der Vergleich für die untere Linienform ist unsicher.]

7.51 Sa. Das Kāmadhenutantra nennt Sa das höchste Shakti-Bīja jenseits des Höchsten, zehn Millionen Blitzen gleich, mit drei Windungen, aus fünf Gottheiten und fünf Lebenshauchen bestehend, mit Rajas, Sattva, Tamas und drei Bindus.

7.52 Ha. Nach dem Kāmadhenutantra verleiht Ha die vier Lebensziele, besitzt zwei Windungen und gleicht einem roten Blitz. Es enthält Rajas, Sattva und Tamas, fünf Gottheiten, fünf Lebenshauche, drei Shaktis und drei Bindus: „Vergegenwärtige es im Herzen, Pārvatī.“ Im Varṇoddhāratantra krümmt sich die Linie von oben zur Mitte, windet sich nach unten und steigt wieder auf. Brahmā und die anderen wohnen der Reihe nach darin. Die Mātrā ist Pārvatī; die Meditation wird angekündigt.

7.53 Kṣa. Das Kāmadhenutantra beschreibt Kṣa mit drei Windungen, als Wesen der vier Lebensziele, fünf Gottheiten und fünf Lebenshauche, mit drei Shaktis, drei Bindus und den Prinzipien von Atman an. „Herbstmondhell vergegenwärtige es im Herzen, Schöne.“

Schreibgeräte, Handschriften und Schreiber

7.54 Der siebte Paṭala des dritten Teils des Yoginītantra sagt: „Man schreibe die Buchstaben nicht auf die Erde und den Mantra nicht in ein Buch. Man lasse ein Buch nicht offen liegen und nehme es nicht offen auf. Liegen bei einem Erdbeben oder einer Finsternis Schriftzeichen beziehungsweise ein Buch auf der Erde, so folgt daraus Torheit in Geburt um Geburt, Götterherrin. Deshalb vermeide man dies.“ Damit endet das Verbot des Schreibens auf die Erde und der übrigen genannten Handlungen.

7.55 „Wer mit einer Bambusnadel schreibt, erleidet Verlust. Eine Kupfernadel bringt Wohlstand, ohne dessen Verfall. Ein goldener Stift bringt beständig große Fülle. Eine Nadel aus großem Rohr vermehrt die Einsicht.“ Dieses Rohr heißt im Bengalischen Vola. „Mit einem Stift aus Feuerholz entstehen Söhne, Enkel und Vermögen.“ Feuerholz wird als Citraka-Holz erklärt. „Messing bringt große Fülle, Bronze den Tod.“ Rautya bedeutet Messing.

7.56 „Man schreibe ein Buch mit einem Stift von acht oder zehn Fingerbreiten; bei einem Stift von vier Fingerbreiten wird die Lebenszeit um so viele Tage verkürzt, wie Buchstaben geschrieben werden.“ Der Kommentar erklärt, dass hier wie im Satz über Messing und Bronze Vorschrift und Verbot nebeneinanderstehen: Acht und zehn Fingerbreiten werden empfohlen, vier verboten. Damit endet die Darstellung günstiger und ungünstiger Schreibgeräte.

7.57 Zur Größe des Buches heißt es dort: „Höre zusammengefasst die Maße des Buches. Auch durch das rechte Maß wird Frucht erlangt; bei falschem Maß vergeht die Fülle. Eine Elle, eine Faust, eine Armlänge, zwölf, zehn oder acht Fingerbreiten: Kleiner soll man es nicht machen.“ Damit endet die Darstellung der Buchmaße.

7.58 „Bei faust-, ellen- oder armlangen Büchern sind zwei Durchbohrungen vorgesehen, an gleichmäßigen Stellen. Außer beim acht Fingerbreiten langen Buch bringe man keine Bohrung in der Mitte an. Bei spannengroßen und weiteren Formaten setze man die Öffnung entsprechend, gegebenenfalls im Abstand von zwei Fingerbreiten. Am Anfang und Ende des Buches ist die Bindebohrung zu bestimmen.“ [Mehrere Angaben zu Abständen und Bindung sind beschädigt.] Es folgen angedrohte Folgen falscher Bohrung: Verlust der Ehefrau oder des Vermögens. „Ein ausgebranntes Loch bringt Leid, ein rundes Gutes, ein viereckiges Unruhe, ein dreieckiges Tod.“ Damit endet die Darstellung der Folgen der Buchbohrung.

7.59 „Man fertige ein Buch auf Birkenrinde, Tejapatra, Palmyra- oder Tāḍi-Blättern und auch auf Aguru, Geliebte. Wenn möglich auch auf Gold- oder Kupferplatten, Shankari.“ Danach nennt der Text andere Baumrinden, Ketakī-Blätter, Mārtaṇḍa-Blätter, Silber, Banyan-Blätter und sonstige schöne Blätter und sagt über das Schreiben und Studieren auf diesen: „Es führt zu ungünstigem Geschick und zum Verlust von Vermögen.“ [Die genauen Grenzen der zulässigen Materialgruppe sind wegen der fortlaufenden Aufzählung nicht völlig eindeutig.] Damit endet die Darstellung der Schreibmaterialien und ihrer Folgen.

7.60 „Wer den Veda niederschreibt und daraus liest, wird einem Brahmanentöter gleich. Wird ein solches Buch im Haus aufbewahrt, trifft es gewiss der Blitz.“ Damit endet das Verbot, den Veda in ein Buch zu schreiben. [Die Aussage bezeugt den Vorrang mündlicher Überlieferung in der zitierten Tradition.]

7.61 „Im Satya-Zeitalter wohnt Shambhu, der dreiäugige Dreizackträger, im Buchstaben; im Dvāpara Prajāpati, im Tretā die Sonne. Im Kṛta-Zeitalter ist es Pinākin, im Kali-Zeitalter Hari im geschriebenen Zeichen.“ [Satya und Kṛta werden hier beide genannt, obwohl sie dasselbe Weltalter bezeichnen.] „Zu Beginn und am Ende verehre man den Schreiber und Hari mit Duftstoffen, Blüten und schönen Gewändern. So viele Buchstaben auf jedem Blatt stehen, Schöne, so viele tausend Weltalter wohnt man lange in Brahmās Welt.“ Damit endet die Darstellung der Frucht der Schreiberverehrung.

7.62 „Wer jedoch nach dem Schreiben eines Buches Lohn annimmt, wohnt so lange in einer Hölle, wie das Buch Buchstaben zählt.“ Damit endet die Darstellung der dem Annehmen von Schreiblohn zugeschriebenen Verfehlung.

Schluss des siebten Pariccheda: In der ehrwürdigen Prāṇatoṣiṇī endet hier im ersten, der Schöpfung gewidmeten Kāṇḍa der siebte, als „Knospe“ bezeichnete Lehrabschnitt, „Darstellung des Schreibens der Buchstaben und der damit verbundenen Verfahren“.

Überlieferter zusätzlicher Schlussvermerk: „In der ehrwürdigen Prāṇatoṣiṇī endet hier im fünften Bhaktikāṇḍa der dritte Lehrabschnitt, der die Darstellung des Shiva-Abschnitts bildet.“ [Dieser an dieser Stelle sachfremde Schlussvermerk gehört nicht zur Gliederung des Sargakāṇḍa.]


Die Vielfalt der Erscheinungen wird auf ihre gemeinsame schöpferische Grundlage bezogen.

Sargakāṇḍa, achter Pariccheda: Namen und Deckbezeichnungen der Buchstaben

Die folgenden Reihen nennen Wörter und Eigennamen, die in tantrischen Texten als Bezeichnungen einzelner Laute dienen. Ein Wort kann mehrere Laute bezeichnen; seine Bedeutung ergibt sich dann aus dem jeweiligen Zusammenhang. Göttinnen- und Götternamen bleiben als Namen erkennbar. Wiederholungen und unsichere Namensformen werden nicht durch eine vermeintlich regelmäßige Liste ersetzt.

8.1 „Zum Verständnis der tantrischen Zeichen werde ich zur Freude der Wissenden einige Namen der Buchstaben anführen, die ich den Tantra-Schriften entnommen habe.“

Om und die Vokale

8.2 Om: Oṃkāra, der Runde, der Hinüberführende, Vāma, Ursache von Haṃsa, Anfang der Mantras, Praṇava, Wahrheit, Bindu-Shakti, die drei Gottheiten, Erzeuger aller Lebewesen, die fünf Gottheiten, der Beständige, die Dreiheit, Sāvitrī, der Dreigipflige, Brahman, die drei Gunas, Lebenskraft der Gunas, Ursame, Essenz des Veda, Same des Veda, das Höchste, der Fünfstrahlige, die drei Gipfel, die drei Daseinsbereiche, Vernichter des Werdens, Same der Gāyatrī, der Fünfteilige, Mutter der Mantra-Wissenschaft, der Herr, das Unvergängliche beziehungsweise die Silbe, Mutter der Mātṛkā, der Anfangslose, Nichtdualität und Spender der Befreiung.

8.3 A: Śrīkaṇṭha, Götterherr, Stirn, der Einmātrige, Pūrṇodarī, Schöpfung, Einsicht, Sārasvata, Lieblichredender, Mahābrāhmī, Vāsudeva, Herr des Reichtums, Keśava, Nektar, Ruhm, Nivṛtti, Herr der Rede, Feind Narakas, Hara, Wind, Brahmā, Vāma und die anschließend nicht eindeutig abgegrenzte Geburtsbezeichnung, der Kurze, Erzeuger der Hand beziehungsweise des Strahls, erster Teil des Praṇava – so wird der zuletzt genannte Ausdruck erklärt –, Brahmāṇī, Kāmarūpa, Kāmeśī, Vāśinī, Raum, Weltenherr, Śrī, Vishnu, Kehle, erster Mondtag, Aṃśinī, Sonnenkreis, Anfang der Buchstaben, Brahmane und Kāmākarṣiṇī. [Die abschließende Zeichenmarke lautet Aḥ; die Namenreihe betrifft nach ihrer Stellung A.]

8.4 Ā: Vijaya, Ananta, der Lange, Schatten, Vināyaka, Milchozean, Wolke, Schlinge, Langgesichtiger, Kreisförmiger, Pracaṇḍa, Einmalgeborener, Rudra, Nārāyaṇa, der als Iteśvara gelesene Name, Pratiṣṭhā, Mānadā, Geliebter, Weltenbeender, Elefantentöter, Großvater, Dviṭhānta, Erde, Handlung, Glanz, Entstehung, zweiter Mondtag, nochmals Mānadā, Kāśī, Vighnarāja, Mars, Raum, Ende der Vokale, Herz, Daumen und Bhagamālinī. [Einzelne Namen sind unsicher.]

8.5 I: Sūkṣmā, Śālmalī, Vidyā, Mond, Pūṣā, Suguhyaka, guter Freund, der Schöne, Held, Höhlung, Kāṭara, Wasser, Brauenmitte, Mādhava, Zufriedenheit, rechtes Auge, Nase, der Friedvolle, Geliebter, Kāminī, Kāma, Vighnavināyaka, Nepāla, Bharaṇī, Rudra, Nityā, Klinnā und Feuer. [Ob Nityā und Klinnā hier zusammenzulesen sind, bleibt offen.]

8.6 Ī: Trimūrti, Mahāmāyā, Lolākṣī, linkes Auge, Govinda, Scheitelschmuck, Puṣṭi, Subhadrā, der Edelstein Genannte, Vishnu, Lakṣmī, Lachen, der als Vāyviśuddha gelesene Name, Höheres und Niederes, Kalottarīya, Bheruṇḍā, Rati, Pauṇḍravardhana, Śivottama, Śivā, Tuṣṭi, vierter Mondtag, Bindumālinī, Vaiṣṇavī, Vaindavī, Zunge, Kāmakalā mit Nada, Feuer, Höhlung, Ruhm, Mohinī, Kālakārikā, Brustpaar, Zeigefinger, Frieden und Tripurasundarī.

8.7 U: Shankara, Rundäugiger, Wesen beziehungsweise Element, Bezeichnung des Heils, Amareśa, rechtes Ohr, Sechsgesichtiger, Betörer, Shiva, Ugraprabhu, Standhaftigkeit, Vishnu, Viśvakarman, Maheśvara, Feindvernichter, Dienerin, Gedeihen, fünfter Mondtag, Vahnivāsinī, Vernichter des Begehrens, Wunsch, Isha, Mohinī, Hindernisbeseitiger, Erde, Ḍaṭasū, Kuṭilā, Gehör, Pāradvīpa, Stier und Hara. [Ḍaṭasū ist nicht sicher verständlich.]

8.8 Ū: Kaṇṭhaka, Rati, Frieden, Kṣodhana, Madhusūdana, König des Begehrens, Kujeśa, Maheśa, linkes Ohr, Arghīśa, Bhairava, der Feine, Dīrghaghoṇā, Sarasvatī, Vilāsinī, Erzeuger von Hindernissen, Lakṣmaṇa, Rūpākarṣiṇī, Mahāvidyeśvarī, sechster Mondtag, Ṣaṇḍa, Erde und Kānyakubja.

8.9 Ṛ: Stadt, Dīrghamukhī, Rudra, Göttermutter, Trivikrama, Bhāvabhūti, Handlung, Krūrā, Recikā, der an der Nase Befindliche, Ekapāda, Schädelgirlande, Maṇḍalā, Śāntinī, Wasser, Ohr, Kāmalabhā, Medha, Nivṛtti, Gaṇanāyaka, Rohiṇī, Śivadūtī, Pūrṇagiri und siebter Mondtag. [Die Trennung der Anfangsnamen und Kāmalabhā sind unsicher.]

8.10 Ṝ: Zorn, Atithiśa, Vāṇī, Vāmana, Kuh beziehungsweise Erde, Śrīdhṛti, Ūrdhvamukhī, Herr der Nacht, Lotusgirlande, einer mit verlorener Einsicht, Śaśinī, Mocikā, die Beste, Dämonenmutter, Pratiṣṭhitā, der Ekadanta Genannte, Mutter, Haritā, Zwilling, Mitgefühl, der Sanfte, Śyāmalā, Medhī, Pratiṣṭhā, Herr, achter Mondtag, Brahmanentum beziehungsweise Brahman-Nähe, Wasser, Feuer und Gandhākarṣiṇī. [Die vorletzte Wortverbindung ist gestört.]

8.11 Ḷ: Sthāṇu, Śrīdhara, der Reine, Medhadhūmra, Vaka, Raum, Götterschoß, rechte Wange, Vaheśa, Kaunta, Rudraka, Viśveśvara, Dīrghajihvā, Mahendra, Lāṅgali, Parā, Candrikā, der Erdhafte, Dhūmrā, der Zweizähnige, Kāmavardhana, Śucismitā, neunter Mondtag, Glanz, Āyātakeśvara, Cittākarṣiṇī, Kāśa und die dritte Kulasundarī. [Mehrere Namen dieser Reihe sind unsicher.]

8.12 Ḹ: Kamalā, Freude, Hṛṣīkeśa, Honigbiene, Sūkṣmā, Glanz, linke Wange, Rudra, Kāmodarī, Surā, Friedensstifter, Svastikā, Shakra, Māyā-Kundiger, der Begierige, Raum, Kuśamī, der ganz Beständige, Mutter, Blaugelber, Gajānana, Kāminī, Viśvayā, Zeit, der ewig Reine, der Reine, der Tüchtige, Sonne, Standhaftigkeit, Ākarṣiṇī, der Alleinige und Mutter der Dānavas.

8.13 E: Vāstava, Shakti, Jhīṇṭīśa, Lippe, Bhaga beziehungsweise weibliche Geschlechtsstätte, Wind, Sūkṣmabhūta, Ardhakeśī, Jyotsnā, Vertrauen, Pramardana, Furcht, Wissen, Mitgefühl, die Standhafte, Unterschenkel, Ursprung von allem, Feuer, Vishnu, Bhagavatī, Kundalini, Mohinī, Vasa, Frau, tragende Kraft, Dreieck, der Isha Genannte, Verbindung, elfter Mondtag, Bhadrā, Padmanābha und Kula-Berg. [Einzelne Wortgrenzen und Namen sind beschädigt.]

8.14 Ai: Scham, Bhautika, Geliebte, Vāyavī, Mohinī, der Alldurchdringende, Dakṣā, Dāmodara, der Weise, Unterlippe, Vikṛtamukhī, Wesen der Geduld, Weltenschoß, der Höchste, Erwecker höchsten Wissens, Jñānāmṛtā, Kapardiśrī, Pīṭha-Herr, Feuer, der mit Müttern Verbundene, Tripurā, die Rote, Königin, Ursprung der Rede, Bhautikāsana, Maheśvara, zwölfter Mondtag, der Makellose, Sarasvatī, Kāmakoṭa, linkes Knie, der Strahlende, Vijayā und Haarflechte.

8.15 O: Wahrheit, Nektar, Westgesichtiger, Offenbarung beziehungsweise Gehör, Sthirā, Sadyojāta, Vāsudeva, Gāyatrī, Langschenkliger, Āpyāyanī, oberer Zahn, Lakṣmī, Vāṇīmukhī, Zweimalgeborener, der das Gemeinte Zeigende, der Heftige, Kailāsa, Vasudhākṣara, Anteil des Praṇava, Brahma-Schnur, Ajeśa, Sarvamaṅgalā, dreizehnter Mondtag, Langnasige, Ratinātha, Digambarā, Trailokyavijayā, Einsicht, Zuneigung und die mit Bīja beginnende Anziehungskraft.

8.16 Au: Śaktika, Nada, Feuerkraft, linker Unterschenkel, die unsichere Namensverbindung Manubaddhagraheṇa, Śaṅkukarṇa, Sadashiva, unterer Zahn, Kehle, Lippen, Saṅkarṣaṇa, Sarasvatī, Ājñā, Ūrdhvamukhī, der Friedvolle, Vyāpinī, der Ursprüngliche, der Höchste, Anantā, Jvālinī, Raum, vierzehnter Mondtag, Rati, Geliebter, Auge, Atman, Ākarṣiṇī, Jvālāmālinikā und Bhṛgu.

8.17 Aṃ: Auge, Zahn, Ghaṭikā, Samaguhyaka, Pradyumna, Śrīmukhī, Zuneigung, Samenschoß, Vṛṣadhvaja, das Höchste, Mond, Pramāṇīśa, Mondtropfen, Schatz der Kalās, Akrūra, Bewusstsein, Nādapūrṇā, Leidbeseitiger, Shiva, Kopf, Shambhu, Menschenherr, Erreger von Freude und Leid, Vollmondtag, Revatī, der Reine, Jungfrau, das Bewegliche, Raum, Sonne, Amṛtā, Ākarṣiṇī, Leere, Vicitrā, Vyomarūpiṇī, Kedāra, Vernichter der Nacht, Kubjikā und Wasserblase. [Einige zusammengesetzte Namen sind nicht sicher zu trennen.]

8.18 Aḥ: Kaṇṭhaka, Mahāsena, Kālā, Pūrṇāmṛtā, Hari, Wille, Bhadrā, Gaṇeśa, Rati, Vidyāmukhī, Glück, zwei Bindus, Zunge, Soma, der Ungebundene, Leidankündiger, Zweizüngiger, Ring beziehungsweise Windung, Gesicht, Hervorbringung beziehungsweise Visarga, Shakti, Mond, Sundarī, Suyaśā, Anantā, Gaṇanātha und Maheśvara.

Die Verschlusslaute

8.19 Ka: Krodhīśa, Mahākālī, Kāma, Offenbarer, Kapālī, Feuerkraft, Frieden, Vāsudeva, Jaya, Feuer, Diskusträger, Prajāpati, Schöpfung, rechte Schulter, Herr der Menschen, Ananta, der Erdhafte, Bindu, Tāpinī, höchstes Selbst, Anfang der Lautgruppe, Mukhī, Brahmā, Anfang von Kha, Wasser, Shiva, nochmals Wasser, Māheśvarī, Waage, Puṣpā, Mars beziehungsweise Heil, Fuß, Hand, Nityā, Kāmeśvarī, der Erste, Kāmarūpa, Gajendra, Śrīpura, Ramaṇa, Vaṅgakusumā und nochmals höchstes Selbst. [Die Wortgruppe nach Brahmā ist unsicher.]

8.20 Kha: Pracaṇḍa, Kāmarūpin, Ṛddhi, Feuer, Sarasvatī, Raum, Sinnesvermögen, Durgā, Caṇḍīśa, Tāpinī, Guru, Śikhaṇḍin, Dantajātīśa, Ellbogen, Garut und eine unklare Anschlussform, Leere, Kapālī, Kalyāṇī, Śūrpakarṇa, Jarāmara, Śubhrāgneyā, Caṇḍaliṅga sowie die beschädigte Schlussgruppe mit Janāvyā, Glut und Schwert.

8.21 Ga: Gaurī, Schwere beziehungsweise Würde, Ganga, Gaṇeśa, Gokuleśvara, Träger des Śārṅga-Bogens, Pañcāntaka, Liedstrophe, Gandharva, der Allgegenwärtige, Erinnerung, alle Vollendungen, Glanz, Dhūmrā, der Zweimalgeborene, Shiva-Schauen, Weltenselbst, Kuh beziehungsweise Erde, verschiedene Gestalt, Bālabaddha, Dreiäugiger, Gesang, Sarasvatī, Wissen, Bhoginī, Nandana, Erde, Bhogavatī, Herz, Erkenntnis, Jālandhara und kleinster Zeitteil.

8.22 Gha: Schwertträger, Ghurghura, Glockenträger, Glockenherr, Tripurāntaka, Wind, Śivottama, Satyā, Glöckchen, schrecklicher Herr, Marīci, Varuṇa, Einsicht, Zeitgestalt, Heuchler, Lambodarā, Flammenwurzel, Nandeśa, Töten, Klang, Dreiweltenwissen und Vernichter sowie die unsichere Schlussgruppe mit Kāmākhya und Anaghāmaya.

8.23 Ṅa: Muschelhornträger, Bhairava, Caṇḍa, mit Bindu Geschmückter, Kinderfreund, Ekarudra, rechter Nagel, Schädelschale, Begehren nach Sinnesgegenständen, Glanz, der Śveta Genannte, der Standhafte, Wesen des Zweimalgeborenen, Jvālinī, Raum, Mantra-Shakti, Gesicht, Vighneśī, Herr des Selbst, Einäugiger, große Wonne, der schwer zu Tragende, Mond, Asket, Shivas Gemahlin, Nīlakaṇṭha, Kāmeśī, Maya und Gewand. [Die letzten beiden Wortgrenzen sind unsicher.]

8.24 Ca: Puṣkara, Pflugträger, Vāṇī, eigene Kraft, Sudarśana, Träger von Haut und Schädel, die unklare Verbindung Bhūtvā Mahiṣācārasandhinī, der Eingestaltige, Glanz, Schildkröte, Cāmuṇḍā, Dīrghavāluka, linker Arm, Wurzel-Māyā, Gestalt der vier Erscheinungen, Geliebter, Zweiäugiger, Lakṣmī, Dreiäugiger, Sandel, Mond, das Göttliche, der Bewusste, Skorpion, Budha, Göttin, die beschädigte Namensgruppe Keṭamukhecchātmā, Kaumārī, Pūrvaphalgunī, Anaṅgamekhalā, Wind, Modinī und Mulāvatī.

8.25 Cha: Chandana, Sushumna, gebundenes Wesen beziehungsweise Tier, die unsichere Verbindung Pati-Mṛti, das Reine, Bewegliche, Feuer, Elementgrundlage, Vilāsinī, Einäugiger, Vṛṣalī, Zweiköpfiger, linker Ellbogen, Gokarṇā, Pflugträger, Vāma, Kāmamattā, Sadashiva, Mutter, Nachtwanderer, After, der Verletzte und die Bezeichnung „Bestand“.

8.26 Ja: Leichnam, Affe, Dreizackträger, Bhogadā, Vijayā, Sthirā, Laladeva, Sieg, Sieger, Dhātakī, Sumukhī, der Alldurchdringende, Lambodarī, Erinnerung, Zweig, Suprabhā, Kartṛkā, Erde, Langgestaltiger, Vielglänzender, Haṃsa, Nandī, Glanz, Götterherr, der Schnelle, der Eilige, Vāma, Mānavākṣa, der stets Bestehende, Herr des Herzenswindes, der Rasche, Āmoda und von Begeisterung Ergriffener.

8.27 Jha: Jhaṅkārin, Guha, Sturmwind, Wahrheit, Ṣaḍunnata, Ajeśa, Drāviṇī, Nada, Schlingenträger, Zunge, Wasser, Bestand, Virājendra, Bogenhändiger, der Raue, aus Nada Entstandener, Mars, lange Arme, Kraft, Gestalt, Ākandita, der sehr Bewegliche, Durmukha, der Verlorene, der Selbstbeherrschte, Vikaṭā, Brustkreis, Kalahaṃsapriyā, Vāmā, mittleres Fingergelenk, Dakṣahāsa, Aṣṭahāsa, Wasserwesen, Konsonant und Vokal. [Mehrere Namen dieser Reihe sind beschädigt.]

8.28 Ña: Bodhinī, Viśvā, Kundalini, Mathada, Raum, Kaumārī, Kenner der Nāgas, linker Fingernagel, Vaka, die unsichere Verbindung Sarveśacūrṇitā, Buddhi, Himmelswesen, rollender Klang, Dharma, Ekapāda, Sumukha, Virajā, Candaneśvarī, Sänger, Blumenbogen, Wesen der Zuneigung und Varākṣiṇī.

8.29 Ṭa: Ṭaṅkāra, Kapālī, Somavā, Khecarī, Klang, Mukunda, Vinadā, Erde, Vaiṣṇavī, Vāruṇī, der Neue, rechte Körperseite, Halbmond, Alter, Wohlergehen, Wiederentstehung, Bṛhaspati, Bogen, Citrā, Pramodā, Vimalā, Hüfte, König, Berg, großer Bogen, Geruchssinn, Sumukha und Wind.

8.30 Ṭha: Leere, Mañjarī, Same, Pāṇinī, Pflugträger, Kṣayā, Waldgeborener beziehungsweise Lotus, Nandana, Zunge, Sunañjaghūrṇaka, Nektar, der Runde, Ring, Feuer, Unsterblichkeit, Mondkreis, rechtes Knie, Oberschenkelzustand, Götterspeise, großer Klang, Ekapāda, Entfaltungskraft, Stirn, Freund aller, Vṛṣaghna, Nalinī, Vishnu, Maheśa, Grāmaṇī und Mond. [Sunañjaghūrṇaka ist gestört.]

8.31 Ḍa: Erinnerung, Dāruka, Nandirūpiṇī, Liebling der Yoginīs, Kaumārī, Shankara, Schrecken, der dreifach Gekrümmte, Nadaka, Klang, der schwer zu Erfassende, Haarflechtenträger, Bhīmā, Zweizüngiger, Erde, Satī, Koragiri, Geduld, Glanz, Nabel, Svātī und Auge.

8.32 Ḍha: Ḍhakkā-Trommel, Entscheidung, der Frühere beziehungsweise Osten, die unsichere Verbindung Yajñeśādanadeśvara, Ardhanārīśvara, Wasser, Īśvarī, Dreigipfliger, der Neue, Wurzel der rechten Zehen, Siddhidaṇḍā, Vināyaka, Prahāsā, Trivarā, Ṛddhi, der Eigenschaftslose, Ende beziehungsweise Tod, Klang, Vighneśa, Pālinī, Haut, Dhāriṇī, Eberschwanz, Elāpūra, Hautwesen, Viśākhā, Śrīmanas und Rati.

8.33 Ṇa: Eigenschaftslosigkeit, Rati beziehungsweise Freude, Wissen, Jambhana, Vogel als Reittier, Jayā, Shambhu, Naraka-Besieger, Niṣkalā, Liebling der Yoginīs, Zweigesichtigkeit, Koṭavī, Gehör, Fülle, Bodhanī, Dreiäugiger, Mānuṣī, Raum, Spitze der rechten Zehen, Bādhava, Śaṅkhinī, Held, Nārāyaṇa und Entscheidung.

8.34 Ta: Pūtanā, Hari, Reinheit, Śaktin, Shakti, Haarflechtenträger, Banner, linke Gesäßhälfte, linke Hüfte, Kāminī, Madhyakarṇaka, Āṣāḍhī, Taṇḍatunna, Kāmikā, hinterer Schwanzteil, Juwel, Śyāmamukhī, Vārāhī, Steinbock beziehungsweise Makara, Aruṇā, Sugata, Halbgesicht, Budha, Knie, Eberschwanz, Geruch, Viśvā, Wind, Schirm, Anurādhā, Sauraka, Jayantī, Gänsehaut, Verwirrung und Anaṅgamadanāturā. [Einige Wortgrenzen sind unsicher.]

8.35 Tha: Sthirāmī, großer Knoten, Knoten, Greifer beziehungsweise Planet, der Furchterregende, Śilin, Haar, Stabträger, Bhadrakālī, Felsmasse, Krishna, Buddhi, Vikarman, Herr der rechten Nase, Unsterblicher, Varadā, Bhogadā, Haar, linkes Knie, Geschmack beziehungsweise Saft, Feuer, die unklare Verbindung Lolau Jarjayinī, der Verborgene, Herbstmond und Sonne.

8.36 Da: Bergherr, Dhātakī, Schöpfer, Geber, Blatt, Ehefrau, das Arme, Wissen, Gabe, Hingabe, Āhavanī, Erde, Sushumna, Yoginī, Sadya, Kundalini, linker Knöchel, Kātyāyanī, Śivā, Durgā, Laṅghanānā, Trikaṇḍakī, Svastika, gekrümmte Gestalt, Krishna, Umā, Sinnesbeherrschter, Dharma-Herz, Vāmadeva, Bhramā, die sehr Bewegliche, Haridrāpura, die unsichere Form Atrau, rechte Hand und der Dreilinige.

8.37 Dha: Vermögen und Zweck, Glanz, Sthāṇu, Sāttvata, Liebling der Yoginīs, Mīneśa, Śaṅkhinī, Wasser, Nāgeśa, Viśvapāvanī, Einsicht, Halten, Denken, Augenpaar, Geliebter, Verstand, Gelbgekleideter, Trivarṇā, Schöpfer, Dharma, Affe, Anblick, Betörer, Scham, Vajratuṇḍā, Unterlippe, Erde, Wurzel der linken Zehen, Jyeṣṭhā, Entstehung der Götterstadt, Wesen der Berührung, Dīrghajaṅghā, Reichtumsherr und Ansammlung von Vermögen.

8.38 Na: Garjinī, Geduld, Śauri, Vāruṇī, Viśvapāvanī, Widder, Savitṛ, Auge, Dantura, Nārada, Augenschminke, Ūrdhvacāmin, Dviraṇḍa, Spitze der linken Zehen, Vainateya, Lob, Vatma, Tvaraṇi, Bāli, Āgama, Vāmana, Jvālinī, der Lange, der Wunschlose, guter Weg, Raum, Wortwesen, Dīrghaghoṇā, Hastināpura, der Dunkle, Herr der Berge, der Blaue, Shiva, Nādin und der große Einsichtige. [Mehrere Namen im mittleren Teil sind unsicher.]

8.39 Pa: Pūrapriyatā, Tīkṣṇā, der Rote, der Fünfte, Ramā, verborgener Täter, Schatz, Śeṣa, Kālarātri, Suvāhitā, Erhitzer, Erhalter, Beschützer, Lotuspollen, der Makellose, Sāvitrī, Pātinī, Trinken, Heldenprinzip, Bogenträger, rechte Seite, Heerführer, Marīci, Wind und Blitz, Uḍḍīśa, Jayinī, Krug beziehungsweise Wassermann, der Träge, Linie, Betörer, Mūla, das Zweite, Indrāṇī, Lokākṣī und Geist des Selbst.

8.40 Pha: Sakhaī, Durgiṇī, Dhūmrā, linke Seite, Janārdana, Jayā, Fuß, Flamme beziehungsweise Haarbüschel, Raudrī, Phetkāra, Liebling der Śākhinī, Umā, Vogel, Zeit, Kubjinī, Geliebter, Feuer, Weltauflösungsfeuer, Blaufüßiger, unvergänglicher Laut, Paśupati, Mond, Phutkāra, Yāminī, die Entfaltete, Reiniger, Vermehrer der Betörung, fruchtlose Rede, Ahaṃkāra, Prayāga, Grāmaṇī und Frucht.

8.41 Ba: Erde, Berg, Weg, Ghargharī, Augenfreund, Pracetas, Krug, Vogel, Sthalagaṇḍa, Kapardinī, Wirbelsäule, Furcht, Mātta, Pfauenreiter, Yugandhara, Mundpunkt, der Starke, Glocke, Kämpfer, Liebling des Dreiäugigen, Kledinī, Tāpitā, Erde, Sugaṇī, Liebling Indras und Balis, Surabhi, Mund-Vishnu, Auflösung, Herr der Erde, sechster Mondtag beziehungsweise Ṣaṣṭhī, Stadt, Handfläche beziehungsweise Schlag, Modaka, Himmel, die unklare Anschlussform Prati, Pūrvāṣāḍhā, mittleres Linga, Saturn, Krug beziehungsweise Wassermann und das Dritte. [Mehrere zusammengesetzte Namen sind nicht sicher abgrenzbar.]

8.42 Bha: Klinnā, Biene, Bhīma, Viśvamūrti, Nacht, Furcht, Dviraṇḍa, Schmuck, Wurzel, Bezeichnung des an der Opferschnur Befindlichen, Mondhaus, Bhramaṇā, Leuchten, Lebensalter, Erde, Wasser, Raum, Nabel, Heil, Großarmiger, nochmals Viśvamūrti, Vitāṇḍaka, Lebenshauchwesen, Tāpinī, Vajrā, Weltgestaltiger, Candrikā, Bhīmasena, Sudhāsena, Gesicht, Māyāpura und Hara.

8.43 Ma: Kali, der Bedrängte, Zeit, Mahākāla, großer Beender, Vaikuṇṭha, Vasudhā, Mond, Sonne, Puruṣarājaka, Kālabhadra, Jayā, Einsicht, Viśvadā, der Leuchtende, Bauch, Bhramā, Maß beziehungsweise Selbstgefühl, Lakṣmī, Mutter, mächtige Fessel, Gift, Shiva, Größe, großer Held, Śaśiprabhā, Menschenherr, der Unachtsame beziehungsweise Verzückte, Priyasū, Rudra, alle Glieder, Feuerkreis, Mātaṅgamālinī, Bindu, Śravaṇā, Bharata und Raum. [Die Wortgrenzen einiger Namen bleiben unsicher.]

Weitere Laute

8.44 Ya: Vāṇī, Vasudhā, Windveränderung, Puruṣottama, Ende des Weltalters, Atmen, der Schnelle, Rauchflamme, Diener der Lebewesen, Śaṅkhā, Irrtum, Haarflechtenträger, Lolā, Windesschneller, Yaśaṅkarī, Saṅkarṣaṇa, Nacht, Kind, Herz, Kapilā, Glanz, der Feurige, der Durchdringende, Verzicht, Feueropfer, Fahrzeug, gültige Erkenntnis, Glück, Caṇḍa, Sarveśvarī, Rauch, Cāmuṇḍā, Sumukheśvarī, Hautwesen, Malaya, Mutter, Haṃsinī, Bhṛṅgināyaka, die gestörte Verbindung Tena Maḥ, Austrockner, Fisch, Dhaniṣṭhā, Anaṅgavedinī, Meṣṭha, Soma, der Pakti Genannte, Sündenbeseitiger und Prāṇa.

8.45 Ra: Blut beziehungsweise Rot, Krodhinī, Repha, Feuer, Lebenskraft, Licht, Schauen, Lampe, die unsichere Form Ratakṛṣṇā, das Höchste, der Starke, Schlangenherr, Verstand, Sonne, Blut als Körperstoff, Erheller, der Durchdringende, Revatī, Diener, Bauchanteil, Feuerkreis, heftige Linie, dicker Stab, die beschädigte Namensgruppe Vedakaṇṭhapalā, Stadt, Prakṛti, Mugala, Brahman-Wort, Sänger, Vermögen, Śrīkaṇṭha, Hitze, Herz, Muṇḍin, Tripurasundarī, aus der mit Bindu verbundenen Yoni Entstandener, Flamme, Śrīśaila und Viśvatomukhī.

8.46 La: Mond, Pūtanā, Erde, Mādhava, Bezeichnung des Feindes, Balas jüngerer Bruder, Pinākīśa, der Durchdringende, Fleisch, Schwertträger, Nada, Nektar, Göttin, Salz, Herr der Vāruṇī, Flamme beziehungsweise Haarbüschel, Vāṇī, Handlung, Mutter, Bhāminī, Kāminī, Geliebte, Jvālinī, Veginī, nochmals Nada, Pradyumna, Austrockner, Hari, Weltenselbst, tiefer Klang, der Starke, Bewusstsein, Meru, Berg, Kalā und Geschmack beziehungsweise Saft.

8.47 Va: Kind, Vāruṇī, Sūkṣmā, Varuṇa, Fett, Khaḍgīśa, Jvālinī, Vaṅka, Bezeichnung des Krugklanges, Utkārīśa, Nāvīta, Vajrā, Gesäß, Meer, der Reine, die drei Körpergrundlagen, Shankara, der Beste, Besonderheit und Yamas Stätte. [Vaṅka und Nāvīta sind unsicher.]

8.48 Śa: die linke Seite, Kāmarūpa – in der Grundlage wiederholt –, große Einsicht, Glück, Kumāra, Knochen, Śrīkaṇṭha, Vṛṣaketana, Vṛṣaghna, Lager, Śāntā, Subhagā, Visphuliṅginī, Tod, Gott, Mahālakṣmī, Mahendra, Kulakaulinī, Arm, Haṃsa, Raum, Gesicht, Herz, Anaṅgāṅkuśa, der Niederträchtige, linker Oberschenkel, Lotuswesen, Glanz und Bezeichnung des Heils. [Einzelne Trennungen sind unsicher.]

8.49 Ṣa: der Weiße, Vāsudeva, Pītā, Einsicht, Vināyaka, Parameṣṭhin, linker Arm, der Beste, aus dem Mutterleib Befreiender, Lambodara, Yama, Ajeśa, Wunschkuh, Kāmadhūmaka, Suśrī, Hitze, Stier, Scham, von Luft Lebender, Geliebter, Shiva, Sonnenwesen, Bauch, Hülle, Mattā, Vakṣovidāriṇī, Kalakaṇṭha, Madhyabhinnā, Kampfwesen, Malapū und nochmals Shiva.

8.50 Sa: Haṃsa, Suyaśā, Vishnu, Bhṛgvīśa, Mond, Weltensame, Shakti, So’ham, die unsichere Verbindung Veśaratī, Bhṛgu, Prakṛti, Ishvara, der Reine, Prabhā, Śvetā, Kulojjvala, rechter Fuß, Nektar, Brāhmī, höchstes Selbst, höchster unvergänglicher Laut, Surūpā, Herr der Gunas, Kuh beziehungsweise Erde, Kalakaṇṭha, Vṛkodarī, die mit Prāṇa beginnenden Kräfte, Stadt, Göttin, Lakṣmī, Soma, Hiraṇyapu, Durgottāriṇī, Jīva im Zusammenhang mit Betörung und der Gestaltenschöne. [Die Schlussverbindung ist gestört.]

8.51 Ha: Shiva, Himmel, Haṃsa, Nāga-Welt, Gemahl Ambikās, Nakulīśa, Lebenshauch der Welt, Prāṇa-Herr, Kapila, der Makellose, höchstes Selbst, Selbstgeborener beziehungsweise Sohn, Jīva, Yavāka, Friedensspender, Aṅgana, Wildtier, Furcht beziehungsweise Furchtlosigkeit, Aruṇā, Sthāṇu, die beschädigte Gruppe Kruṭakūpavirāvaṇa, Lakṣmī, Mavihara, Shambhu, Prāṇa, Śaṅki, Stirngeborener, Abwehr des eigenen Zorns, Dreizackträger, Bewusstsein, Pādapūraṇa, Mahālakṣmī, höchster Shambhu, Śākhīṭha und Mondkreis.

8.52 Zusätzliche La-Reihe: Erde, Vimalā, Wolke, Ananta, Avyavahāsitā, Vyāpinī, Śivadā, Ketu, höchste Essenz der Welt, Haṭha, die Keimbezeichnung Glaur, Mṛḍānī, Essenz des Veda-Sinnes, Nārāyaṇa selbst, Bauch, Nakuli, Pītā, Śiveśa und Anaṅgamālinī. [Die Grundlage bietet hier nochmals die Zeichenmarke La. Diese Reihe wird nicht stillschweigend einem anderen Laut zugeordnet.]

8.53 Kṣa: Zorn, Tumbuka, Zeit, der Raue, Saṃvartaka, der Höchste, Nṛsiṃha, Vidyutā, Māyā, großer Glanz, Beender des Weltalters, höchstes Selbst, Zorn und Auflösung, Ende der Kraft, Bezeichnung des Meru, alle Glieder, Meer, Kāma, Ende einer Verbindung, Tripūraka, Kṣetrapāla, große Erschütterung, Ende der Mātṛkā, Feuer und Auflösung, Gesicht, Kavyavahā, Anantā, Kālajihvā, Gaṇeśvara, Sohn des Schattens, Gesamtheit, Malayaśrī und Stirnzeichen. [Mehrere zusammengesetzte Namen und Wortgrenzen sind unsicher.]

Schluss des achten Pariccheda: In der ehrwürdigen Prāṇatoṣiṇī endet hier im ersten, der Schöpfung gewidmeten Kāṇḍa der achte Lehrabschnitt, „Darstellung der Namen der Buchstaben“.


Sargakāṇḍa, neunter Pariccheda: Überlieferungsströme und Arten der Mantras

Das Herabkommen der Tantras

9.1 Weil Mantras aus Buchstaben bestehen, folgt auf die Buchstabenlehre angemessen die Mantralehre. Im dritten Paṭala des Viśvasāratantra heißt es: „Nun werde ich die Mantras erklären. Höre, Lotusgesichtige! Durch ihre Gnade erlangt der Mensch die vier Lebensziele. In den vier Richtungen des Kailasa bestehen für Mantras und ihre Praktizierenden überall vierfache Tantras. Unzählige Mantras, Yantras und Sādhakas gibt es auf Erden, in der Götterwelt, bei Gandharvas, in Rasātala, in Menschen- und Seherwelten sowie bei Kūṣmāṇḍas und Rākṣasas. Mannigfaltige, jeweils besondere Tantras bestehen dort. Unter allen haben die tantrischen Mantras für Menschen ihre besondere Bedeutung.“

9.2 „Ich verehre den mondbekrönten Herrn, strahlend wie zehn Millionen Vollmonde, mit fünf dreiäugigen Gesichtern von der Farbe einer Perle, von Gelb, Wolke, Koralle und Hibiskus. Er trägt Dreizack, Beil, Schwert, Vajra, Feuer, Schlangenherrn, Glocke, Stachelstock und Schlinge und gewährt Furchtlosigkeit; sein Körper erstrahlt mit dunklem Schmuck. Nach meiner Verneigung werde ich das Höchste zum Wohl aller Welten erklären. Welche Lebensweise in einer Überlieferung gilt, ihr entspricht dort der Dharma. Durch ihn wird man erfüllt und erlangt Himmel und Befreiung. Man soll darüber nicht in Verwirrung geraten; dann entsteht Vollendung.“

9.3 „Mit dem perlfarbenen Gesicht sprach er die Mantras für die Gottheiten; mit dem gelben für Yakṣas, Gandharvas und Nāgas; mit dem wolkenfarbenen für Kūṣmāṇḍas und die im Folgenden unklar bezeichneten Wesen; mit dem Edelstein- beziehungsweise hibiskusfarbenen für die Menschen. Der Götterherr ließ die großen Vidyās den Schülern geben.“ [Die Farbangaben der beiden Zitate stimmen nicht vollständig überein.]

9.4 Wie die Weitergabe an Schüler geschah, erzählt der zehnte Brāhmaṇa-Paṭala des Gāyatrītantra. Shiva sagt: „Lambodara, Glücklicher, höre mein höchstes Wort. Diese große Zusammenstellung ist aus meinem Mund hervorgegangen und ebenso aus Pārvatīs Mund, ein höchst seltenes Tantra. Schreibe es mit großer Sorgfalt auf und gehe, mein Sohn, nach Siddhāśrama, wo die in Veda und Vedāṅgas bewanderten Seher wohnen. Sei rasch mit den Kräften von Aṇimā an ausgestattet.“ Nach Shankaras Worten nahm er acht Arme an, schrieb mit vieren und legte das Geschriebene Shiva vor.

9.5 Shiva sagte: „Gehe schnell, starkarmiger Sohn, mit diesem Tantra in den schönen Wald Siddhāśrama, der Indras Nandana gleicht.“ Nach seiner Verneigung ging er mit dem Tantra dorthin. Später heißt es: „Nachdem er die Worte des Sehers gehört hatte, gab er ihm das Tantra. So schrieb er alle Tantras nieder und überreichte sie.“ Damit endet die Darstellung des Herabkommens der Tantras auf die Erde.

9.6 Der Viśvasāra sagt: „Die Mahāvidyā ist in unzählige Lebewesen eingetreten, Maheshvari, und wird durch das Lebewesen selbst ausgesprochen. Im Jīva verwirklicht sich das Lebendigsein, bei den Gottheiten ihr Gottsein. Aus den Unterschieden der Mātṛkā-Buchstaben entstanden sämtliche Mantras.“ „Entstanden“ bedeutet: Sie wurden offenbar. „Die großen Vidyās und großen Mantras, Bhāvinī, gelten nach Shankaras Lehre als Samen von allem.“ [Die zusätzliche Wendung mit Mahāpūrvā ist nicht eindeutig.]

Wissensgebiete und philosophische Schulen

9.7 Die im Kommentar zum Kulamūlāvatārakalpasūtra angeführte Tāpanī sagt: „Der erhabene Paramaśiva brachte spielerisch, jeweils die entsprechenden Zustände annehmend, die achtzehn überlieferten Wissensgebiete und sämtliche Lehransichten hervor. Von der bewusst erwägenden Göttin, die von seinem eigenen Selbst nicht verschieden ist, befragt, lehrte er durch seine fünf Gesichter die fünf Überlieferungsströme, deren Wesen die höchste Wirklichkeit ist.“

9.8 Der Śaṅkarācārya zugeschriebene Kommentar erklärt Paramaśiva mit einer Stelle des Parimalollāsa: „Der höchste Herr ist heiteren Wesens. Das erste Pulsieren des großen Herrn als Licht heißt Shiva-Prinzip.“ Bhaṭṭāraka bedeutet Lenker von allem. Der siebzehnte Ullāsa des fünften Khaṇḍa des Kularṇava erklärt den Titel durch die Besänftigung der Verfehlungen des Daseins, den Klang Ṭaṅ, den Mond auf dem Scheitel, das Beschützen und die Lieblichkeit. [Dies ist eine traditionelle deutende Wortzerlegung.]

9.9 Die achtzehn Wissensgebiete werden als vier Veden, vier Upavedas, sechs Vedāṅgas sowie Purāṇa, Nyāya, Mīmāṃsā und Dharmaśāstra aufgezählt. Dass sie „durch die Offenbarung bekannt“ heißen, drückt ihre anerkannte Autorität aus. Die vier Veden sind Ṛg-, Sāma-, Atharva- und Yajurveda. Ihnen werden Āyurveda, Musik- und Aufführungskunde, Staats- und Strafkunst sowie Bogen- und Kriegskunde zugeordnet.

9.10 Śaunakas Caraṇavyūha nennt Āyurveda als Upaveda des Ṛgveda, Dhanurveda als den des Yajurveda, Gāndharvaveda als den des Sāmaveda und die Lehren vom weltlichen Wohl und Staatswesen als die des Atharvaveda. Südliche Überlieferer lesen an letzter Stelle „Waffenlehren“. Im zwölften Kapitel des dritten Buches des Bhāgavata heißt es hingegen: „Aus den Gesichtern von Osten an schuf er der Reihe nach Āyurveda, Dhanurveda, Gāndharvaveda und Sthāpatyaveda.“ Śrīdharasvāmin erklärt Sthāpatya als die Lehre Viśvakarmans, also die Errichtung von Häusern, Anlagen, Feuergruben und Ähnlichem.

9.11 Śaṅkarācārya nennt diese Wissensgebiete am Anfang aller Lehrschriften, um ihre Autorität gegenüber anderen, vom Veda verschiedenen Lehren auszudrücken. Śrīdharasvāmin bezeichnet in seinem Gītā-Kommentar die Staatskunst jedoch als gegenüber der Smṛti schwächer. Würde man dies uneingeschränkt anwenden, wären auch die im Āyurveda genannten starken Heilmittel unzulässig, sofern ihre Stoffe sonst nicht gegessen oder getrunken werden dürfen. Manche verlangen dafür Sühne. Dem hält der Kompilator die Smṛti entgegen: Solche Stoffe sind beim Kranken im Rahmen ärztlicher Behandlung nicht verboten; auch vergleichbare Mittel gelten dort als nicht fehlerhaft.

9.12 Die sechs Vedāṅgas sind Lautlehre, Rituallehre, Grammatik, Wortdeutung, Verslehre und Sternkunde. Purāṇa bezeichnet die Vyāsa zugeschriebenen Schriften mit fünf Merkmalen. Nyāya wird hier auch als Erörterung des Ritualhandelns verstanden; wegen der späteren Nennung von Gautamas Nyāya ist ebenso die prüfende Logik eingeschlossen. Mīmāṃsā bezeichnet die Erforschung Brahmans, also Vedānta. Dharmaśāstras sind die von Manu und anderen verfassten Lehren. Damit werden die achtzehn Wissensgebiete erklärt.

9.13 Die Lehransichten werden als buddhistisch, śivaitisch, brahmanisch, solar, viṣṇuitisch und śāktisch aufgezählt. Gegenwärtig, sagt der Kompilator, betrachten Verständige dagegen Vedānta, Sāṃkhya, Mīmāṃsā, Vaiśeṣika und Logik als Darśanas. „Spielerisch“ bedeutet eine besondere Weise des Wollens; der wunschlose Erhabene ist für sein Schaffen auf keine weitere Ursache angewiesen. „Jeweils die entsprechenden Zustände annehmend“ heißt: in Gestalten wie Brahmā, Vishnu, Rudra, Vyāsa und Nārada.

9.14 Daher sagt der erste Paṭala des Gandharvatantra: „Zuerst lehrte ich selbst die śivaitischen Lehren wie Pāśupata. Danach lehrten von meiner Shakti erfüllte Brahmanen weiter. Kaṇāda verkündete das große Vaiśeṣika, Gautama den Nyāya, Kapila das Sāṃkhya und Dhiṣaṇa die als sehr tadelnswert bezeichnete Cārvāka-Lehre. Vishnu in Buddhagestalt verkündete zur Vernichtung der Dämonen buddhistische und weitere, darunter die mit dem blauen Gewand verbundenen Lehren.“ Es folgt eine beschädigte Polemik über das Anführen von Offenbarungsworten, das Verwerfen rituellen Handelns und das Abfallen von allen Handlungen. [Die Wertungen gehören zur zitierten konfessionellen Auseinandersetzung.]

9.15 Das Gandharvatantra fährt fort: „Die in einer Schakalgeburt Befindlichen beschäftigen sich ausschließlich mit der von Gautama gelehrten Schrift und zweifeln an allen Handlungen.“ Dazu wird aus dem Gespräch zwischen Kāśyapa und Indra im Mokṣadharma des Mahābhārata ein Schakal zitiert: „Ich war ein eingebildeter Gelehrter, ein auf bloße Gründe pochender Verächter des Veda, der einer fruchtlosen prüfenden Logik ergeben war. Ich beschimpfte Brahmanen bei ihren heiligen Verrichtungen und überredete sie anmaßend. Die Frucht davon ist mein Schakalsein, Brahmane.“

9.16 Einwand: Im tausendnamigen Lob der Urgöttin aus dem Kālīkulasarvasva heißen prüfende Erkenntnis, Staatskunst und Veda-Wissen selbst Namen Dakṣiṇakālikās. Wenn ihre Verehrung durch Studium zur Schakalgeburt führte, woher könnten dann die vier Lebensziele erlangt werden? Antwort: Unter prüfender Erkenntnis kann die Wissenschaft des Selbst verstanden werden, die Dattātreya und nicht Gautama lehrt. So sagt das erste Buch des Bhāgavata: „Als sechste Erscheinung nahm er, von Atri erwählt, durch Anasūyā die Gestalt seines Sohnes an und lehrte Alarka, Prahlāda und anderen Ānvīkṣikī.“ Der Kommentar erklärt die Sohnschaft und die Beziehung zu Anasūyā; Śrīdhara deutet Ānvīkṣikī ausdrücklich als Selbstwissen.

9.17 Doch es wäre nicht richtig, deshalb Gautamas Logik von dieser Bezeichnung auszuschließen. Andernfalls wären sowohl die nähere Bestimmung „Ānvīkṣikī, die Wissenschaft der Logik“ im Mokṣadharma als auch Amarasiṃhas Gleichsetzung mit Logik unverständlich. Beide Wissensarten tragen also denselben Namen. Der Einwand bleibt nur bestehen, wenn man die Aussage des Gandharvatantra nicht genau erwägt.

9.18 Die Vergangenheitsform „in Schakalgeburt gelangt“ besagt dort: Die bereits in dieser Geburtsform Befindlichen sind ausschließlich in der Logik bewandert und deshalb an allen Handlungen zweifelnd. Die Einschränkung „ausschließlich“ grenzt die übrigen Schriften aus. Darum wird auch gelesen: „Wer logische Erwägung betreibt, ohne den Sinn der Überlieferung zu bestreiten, erreicht das höchste Gut; andernfalls Schakalgeburt.“ Im Mokṣadharma hingegen ist das Schakalsein ausdrücklich Frucht des Beschimpfens und anmaßenden Redens gegenüber Brahmanen, nicht des Logikstudiums als solchen.

9.19 Dies passt dazu, dass Manu Folgen sprachlicher Verfehlungen lehrt: „Durch körperliche Verfehlungen wird der Mensch ortsfest, durch sprachliche zum Vogel, durch geistige zu einem Menschen niedrigster sozialer Stellung.“ [Die angeführte Tierzuordnung stimmt nicht mit dem Schakalbeispiel überein; die historische soziale Wertung wird als Quellenaussage wiedergegeben.] Dass bloße geistige Verfehlungen für Hausleute anders behandelt werden, wird später erklärt; oder die Aussage bezieht sich auf andere Weltalter als Kali.

9.20 Dazu sagt das erste Buch des Bhāgavata: „Der Herrscher, der wie eine Biene das Wesentliche aufnimmt, hasst das Kali-Zeitalter nicht: Gute Handlungen gelangen darin rasch zur Vollendung, andere erst, wenn sie tatsächlich getan werden.“ Gemeint ist: Gutes trägt bereits durch den Vorsatz Frucht; Verfehlungen erst durch die vollzogene Tat, nicht durch bloße Vorstellung. Amarasiṃha nennt den Vorsatz eine geistige Handlung. Wäre dagegen bereits Logikstudium die Ursache der Schakalgeburt, wäre die ausdrückliche Erwähnung der Beschimpfung im Mokṣadharma überflüssig. Dies mögen Verständige prüfen.

9.21 Das Gandharvatantra sagt weiter: „Der zweimalgeborene Jaimini schuf eine sehr große Lehrschrift, indem er den gesamten Veda durch eine Lehre ohne Ishvara anders deutete.“ Die Wörter der früheren Tāpanī-Stelle werden nun weiter erklärt: „mit Erwägung“ bezeichnet reflektierendes Bewusstsein; „die Erhabene“ bezeichnet die Göttin als Sein, Bewusstsein und Wonne; „vom eigenen Selbst nicht verschieden“ ihre Wesenseinheit mit Shiva.

Shiva als Lehrer und Schüler

9.22 Dazu wird die Offenbarung angeführt: „Er erfreute sich nicht; deshalb erfreut sich der Einsame nicht. Er wünschte ein Zweites. Er nahm eine Gestalt an wie Mann und Frau in Umarmung und teilte dieses Selbst in zwei. So entstanden Gatte und Gattin.“ Es folgt die Aussage Yājñavalkyas über die jeweilige Hälfte und darüber, dass der Zwischenraum durch die Frau erfüllt wird: „Er vereinigte sich mit ihr; daraus entstanden die Menschen. Sie erwog darauf …“ [Der Beleg endet hier; eine Formulierung zur Erfüllung des Raumes ist gestört.]

9.23 Das Svacchandabhairava sagt: „Indem der Gott Maheshvara selbst die Stellen von Guru und Schüler einnahm, ließ er die Tantras durch Rede und Gegenrede herabkommen.“ Auch die Parāpañcāśikā sagt: „Der höchste Herr hat das Wesen des Lichtes. Dass dieses Licht des großen Herrn seinem Wesen nach reflektierendes Bewusstsein ist, wird nirgends aufgehoben.“

Die fünf und sechs Āmnāyas

9.24 Die fünf Gesichter sind Īśāna, Tatpuruṣa, Vāmadeva, Aghora und Sadyojāta. Die fünf Überlieferungsströme heißen östlich, westlich, südlich, nördlich und unübertrefflich; sie umfassen die jeweiligen Darstellungen der Gottheiten. Das Bhairavatantra nennt eben diese fünf. Ein anderer Beleg ordnet Ost dem östlichen Gesicht, West dem westlichen, Süd dem südlichen und Nord dem nördlichen zu. Niruttara ist der obere Strom von der Gestalt des Siddhānta-Āgama. „Die Erkenntnis des oberen Āmnāya ist nicht die Frucht geringer Askese.“

9.25 Ein weiterer Beleg deutet sie innerlich: „Der östliche Strom ist Wort, der südliche Ohr, der westliche Frage und der nördliche Antwort. Der obere ist Erkenntnis der Wirklichkeit, von der Natur unmittelbarer Erfahrung.“ Das Kularṇava sagt: „Aus meinen fünf Gesichtern gingen die fünf Āmnāyas hervor.“ Dass sie das Wesen der höchsten Wirklichkeit besitzen, bedeutet, dass sie die Essenz der śivaitischen und anderen Überlieferungsströme sind.

9.26 Der sechste Paṭala des Nirvāṇatantra beschreibt Shivas fünf Gesichter: Sadyojāta ist weiß wie reiner Kristall, Vāmadeva gelb, freundlich und schön, Aghora schwarz und furchterregend, Tatpuruṣa rot und von göttlich schöner Gestalt, Īśāna dunkel und vom Wesen aller Götter und Shivas. Der Hingebungsvolle meditiere Sadyojāta im Westen, Vāmadeva im Norden, Aghora im Süden, Tatpuruṣa im Osten und Īśāna in der Mitte.

9.27 Der zweite Paṭala des Samayācāratantra lehrt dagegen sechs Āmnāyas: „Wenn der Mantra dem östlichen Strom angehört, stehe ich, der erhabene Sadashiva, im Osten; entsprechend steht der südliche Strom im Süden und der nördliche im Norden. Was ich vor dir mit aufwärts gerichtetem Gesicht lehrte, heißt oberer Āmnāya, selbst für Götter schwer zugänglich. Was ich mit abwärts gerichtetem Gesicht lehrte, heißt unterer Āmnāya, wahrlich, Schmalhüftige. So sind die sechs nach ihrer Entstehung genannten Ströme erklärt.“ [Der westliche Strom wird erst in der folgenden Gottheitenliste ausdrücklich genannt.]

9.28 „Zum Wohl der Praktizierenden nenne ich ihre Gottheiten: Zum östlichen Strom gehören die Formen der Śrīvidyā, Tārā, Tripurā, Bhuvaneśī und Annapūrṇā. Zum südlichen gehören Bagalāmukhī, Vaśinī, Tvaritā, Dhanadā, Mahiṣaghnī und Mahālakṣmī.“ Vaśinī wird als Bālabhairavī erklärt. „Zum westlichen gehören Mahāsarasvatī, die höchste Vāgvādinī, Pratyaṅgirā und Bhavānī.“

9.29 „Zum nördlichen gehören die Formen Kālikās und Tārās, Mātaṅgī, Bhairavī, Chinnā und die höchste Dhūmāvatī. Sie gewähren im Kali-Zeitalter rasch Frucht. Die Kālikā-Formen werden mit sämtlichen Unterteilungen genannt; ihre zweiundzwanzigsilbige Form wird dem südlichen Strom zugeordnet. Diese ist höchste Vidyā und wird durch keine andere Vidyā verdeckt. Der Parāprāsāda-Mantra gehört zum oberen Strom, Vāgīśvara und weitere Gottheiten zum unteren.“

9.30 „Der obere und der untere Strom gewähren allein Befreiung; die anderen werden für Dharma, Wohlstand, Begehren und Befreiung gelehrt. Wer die jeweils genannte Ordnung befolgt, erlangt ihre Frucht. Höre die Verfahren aller Ströme von Osten an, durch deren Vollzug die höchste Frucht rasch erreicht wird. Die sechs Ströme gewähren die Früchte der sechs rituellen Handlungen; unter ihnen wirkt der nördliche besonders rasch.“ Deshalb heißt es im Pādukāpañcakastotra: „Mit der Frucht der sechs Āmnāyas ausgestattet.“

9.31 Die voneinander abweichenden Farben in den Tantras und die Zählung von fünf beziehungsweise sechs Strömen sind durch unterschiedliche Überlieferungen oder Weltperioden zu erklären. Der erste Paṭala des Niruttaratantra unterscheidet auch die Lebensweisen: „Die im östlichen und südlichen Strom gelehrten Handlungen gehören zur Paśu-Haltung. Die westlichen beruhen auf Paśu und Vīra; die nördlichen auf Divya und Vīra. Auch ein Divya-Praktizierender übe im Heldenzustand auf dem Verbrennungsplatz. Der Divya verehre dort ohne Vīrāsana. Die Handlungen des oberen Stromes beruhen auf Divya.“ [Die nebeneinanderstehenden Bestimmungen zum Divya-Praktizierenden werden nicht geglättet.]

Veda, Āgama und weitere Lehrschriften

9.32 Daraus ergibt sich, dass auch die Tantras Āmnāya heißen. Amarasiṃha verwendet Śruti, Veda und Āmnāya als gleichbedeutend, um ihre gleiche Autorität anzuzeigen. Der erste Prakāśa des Merutantra sagt: „Ohne Praṇava gibt es keinen Veda; der Mantra geht aus dem Veda hervor. Deshalb ist der Mantra das Höchste im Veda und der Āgama von Veda-Gliedern gebildet.“ Der Kommentar erklärt die Tantras als mit dem Veda verbunden; „Veda-Glieder“ kann auch bedeuten, dass die Veda-Mantras ihre Glieder sind. Das Niruttaratantra sagt: „Āgama ist der fünfte Veda, der Kaula der fünfte Lebensstand.“

9.33 Die ausdrückliche Begrenzung auf achtzehn Vidyās und die gesonderte Nennung der Darśanas sollen zeigen, dass andere Fachgebiete zwar Lehrschriften, aber nicht Vidyās in diesem engeren Sinne sind. Dazu gehören Liebeskunst, Kochkunst, Schauspiel, Mudrās, Handwerk, Prüfung von Pferden, Elefanten, Edelsteinen und Falken, Waffenherstellung, Baukunst, Kerala-Lehren, Atemkunde, Omenkunde, Staatskunst, Dichtung und Poetik.

9.34 Wenn im Sarasvatī-Lob „Wissensgebiete, Lehrschriften, Künste, Tanz und Gesang“ gesondert genannt werden, obwohl auch die Künste Lehrschriften besitzen, ist das kein Widerspruch: Mit „Künsten“ sind dort die entsprechenden Tätigkeiten gemeint. Dass auch darüber Śāstras bestehen, zeigt etwa die Aussage: „Wer die Liebeslehre nicht kennt, verkehrt wie ein Tier.“

9.35 Unter den Purāṇas, die zu den achtzehn Wissensgebieten gehören, wird das Bhāgavata wegen seiner Verbreitung und seines durch Kommentar geklärten Sinnes näher bestimmt. Im siebten Kapitel der zweiten Nacht des Nāradapañcarātra heißt es: „Wer das von Śuka vorgetragene Bhāgavata hört, das achtzehntausend Texteinheiten und zwölf Bücher umfasst, gelangt zur Befreiung. Einst wurde es vom Erhabenen Krishna Brahmā und Śuka gelehrt. Es ist die reine Essenz der Purāṇas; deshalb heißt es Bhāgavata.“

Mantra, Vidyā und rituelle Funktion

9.36 Der zweite Paṭala der Śāradā sagt: „Aus den Unterschieden der Mātṛkā-Buchstaben gingen alle Mantras hervor. Als Mantra und Vidyā sind sie zweifach: Formeln mit männlicher Gottheit heißen Mantras, solche mit weiblicher Gottheit Vidyās.“ Der Prayogasāra nennt diese Unterscheidung auch solar und lunar: Die solaren gehören männlichen Gottheiten und heißen Mantras; die lunaren gehören weiblichen und heißen Vidyās.

9.37 Für besondere Anwendungen lehrt die Śāradā außerdem drei Formen: „Alle Mantras heißen männlich, weiblich oder neutral. Männlich sind solche, die auf Huṃ oder Phaṭ enden; weiblich solche mit der als Dviṭha bezeichneten Endung; neutral solche auf Namas.“ Der Einwand, wie das ungeteilte, bewusstseins- und wonneartige Mantraprinzip männlich oder weiblich sein könne, wird so beantwortet: Tatsächlich bestehen diese Unterschiede dort nicht; sie sind um der Verehrenden willen gedacht. „Für die Aufgaben der Verehrenden wird dem bewusstseinsförmigen, zweitlosen, ungeteilten und körperlosen Brahman Gestalt zugeschrieben.“

9.38 Huṃ und Phaṭ können nach Überlieferung einzeln oder gemeinsam als Endungen auftreten. Dviṭha bedeutet hier Svāhā. Ṭha bezeichnet aufgrund der Schriftähnlichkeit einen Punkt beziehungsweise eine Null; die Verdoppelung ergibt die beiden Visarga-Punkte. Weil Visarga Shakti ist, wird so Svāhā als Feuer-Shakti bezeichnet.

9.39 Der Prayogasāra nennt dagegen Endungen auf Vaṣaṭ oder Svāhā weiblich und solche auf Huṃ oder Namas neutral. Auch aus der Stellung des Tara am Anfang, Ende oder in der Mitte lässt sich eine Zuordnung erschließen, entsprechend seiner Nähe zum jeweiligen Wesen. Ebenso werden Endungen mit Bindu, Visarga oder Mondsichel unterschieden. [Diese Einteilung wird neben der vorherigen bewahrt.]

9.40 Die Śāradā nennt die drei Formen geeignet für Beeinflussung, Befriedung und schädigende Riten. Das Nārāyaṇīya erläutert: Die übrigen, männlichen Mantras gelten besonders für Unterwerfung und Vertreibung; weibliche für die Abwehr niederer schädigender Einwirkungen; neutrale für andere Aufgaben. [Dies beschreibt die historische rituelle Klassifikation.]

9.41 Die Śāradā sagt: „Mantras sind als feurig oder somaartig zu erkennen, entsprechend heftigen oder besänftigenden Handlungen.“ Da ihr Hervorgehen aus der Mātṛkā-Kundalini gelehrt wurde und diese selbst aus Feuer und Soma besteht, gilt dasselbe für die Mantras. Feurige Formeln enthalten vorwiegend Feuer, Tara, den letzten Buchstaben und Raum; damit sind Ra, Om, Kṣa und Ha gemeint. „Vorwiegend“ bezeichnet das Überwiegen eines dieser Laute. Somaartige Formeln enthalten vorwiegend Mond und Nektar: Sa und Va. Sa bezeichnet den Mond, weil der Mondkreis im Tattva-Nyāsa damit eingesetzt wird.

9.42 Die Īśānasaṃhitā sagt entsprechend: „Formeln mit Tara, Raum und den genannten Anfangs- und Endlauten sind feurig; die übrigen Laute sind somaartig. Doch auch eine feurige Formel wird durch die Endung Namas somaartig, und eine somaartige wird durch Phaṭ feurig. Die feurige dient heftigen Handlungen, die somaartige besänftigenden.“ Das Nārāyaṇīya bestätigt: „Ein Mantra, in dem Tara, der letzte Laut, Feuer und Raum überwiegen, gilt als feurig; der übrige als somaartig. Beide eignen sich jeweils für die entsprechenden Handlungen.“

Das Erwachen der Mantras

9.43 Die Śāradā sagt: „Feurige Mantras erwachen, wenn Prāṇa rechts fließt. Die somaartigen erwachen, wenn Prāṇa in der zugehörigen Bahn steht.“ [Die vorliegende Formulierung nennt die Nabelstätte und ist unsicher; der folgende Kommentar erläutert die linke Atembahn.] „Fließt Prāṇa durch beide Nāḍīs, erwachen alle. Erwacht gewähren sie den Mantra-Praktizierenden stets Gutes.“ Während ihres Schlafes soll keine Anwendung stattfinden.

9.44 Das Nārāyaṇīya sagt: „Ein schlafender oder erst eben erwachter Mantra gewährt keine Vollendung. Beim feurigen Mantra ist linksläufiger Atem Schlaf, rechtsläufiger Wachen; beim somaartigen gilt das Umgekehrte.“ Der Kommentar erläutert: Rechtsatmung ist für den somaartigen Schlaf, Linksatmung Wachen. „Die Zeit des Erwachens erkenne man am Übergang zwischen beiden Strömungen.“

Schluss des neunten Pariccheda: In der ehrwürdigen Prāṇatoṣiṇī endet hier im ersten, der Schöpfung gewidmeten Kāṇḍa der neunte Lehrabschnitt, „Darstellung des Blütenfadens als Unterscheidung der Überlieferungsströme“. [Die Textgrundlage vermerkt daneben die abweichende Zählung „achter“.]


Die Vielfalt der Erscheinungen wird auf ihre gemeinsame schöpferische Grundlage bezogen.

Sargakāṇḍa, zehnter Pariccheda: Mantrafehler, Reinigung und Keimlautnamen

Die hier beschriebenen Verfahren gehören zur traditionellen Mantra-Unterweisung. Die Quelle selbst setzt Einweihung und Anleitung voraus; ihre teils unterschiedlichen Regeln werden nebeneinander wiedergegeben.

Arten der Mantrafehler

10.1 Obwohl der Verfasser des Tantrasāra bereits die Kennzeichen fehlerhafter Mantras, beginnend mit den „zerschnittenen“, anführt, werden sie hier nochmals erläutert, um auch verschiedene Reinigungsverfahren zu zeigen. Die Śāradā sagt: „Fehlerhafte Mantras schützen den Praktizierenden nicht.“ Sie nennt zerschnitten, blockiert, kraftlos, abgewandt, taub, augenlos, festgenagelt, erstarrt, verbrannt, herabgesunken, furchtsam, befleckt, verworfen, gespalten, tief schlafend, berauscht, ohnmächtig, der Wirkkraft beraubt, mangelhaft, zerstört, kindlich, knabenhaft, jugendlich, reif, alt, schwertartig, ohne Zeugungskraft, ohne Vollendung, träge, zusammengedrängt, anteillos, ohne Substanz, schielend, samenlos, verraucht, umklammert, verwirrt, hungrig, überheblich, gliedlos, übermäßig zornig, übermäßig grausam, beschämt, beruhigten Geistes, aus der Stätte gefallen, entstellt, überaltert, ohne Saft und bedrängt. Ihre Kennzeichen folgen.

10.2 Der Kommentar erklärt, „zusammengedrängt“ und „anteillos“ bezeichneten hier dasselbe. Rāghavabhaṭṭa bezieht zunächst auch „überaltert“ auf „ohne Saft“, weshalb es nach diesem Ausdruck erklärt werde. [Die anschließenden Definitionen behandeln mehrere Benennungen gesondert; nicht jeder zuerst genannte Name erhält eine eindeutige eigene Definition.]

10.3 Zerschnitten. Die Śāradā nennt einen Mantra so, wenn an Anfang, Mitte und Ende der Feuer-Keimlaut steht, einzeln oder mit anderen Lauten verbunden, beziehungsweise wenn die betreffende Bīja-Gestalt drei-, vier- oder fünffach von Vokalen überlagert ist. Der Kommentar betont die Zusammengehörigkeit von Anfang, Mitte und Ende; „verbunden“ meint die Verbindung mit einem anderen Buchstaben, „unverbunden“ das einzelne Stehen. Die weiteren Bestimmungen des Bījas sind teilweise beschädigt. Als Bīja wird hier der Shakti- beziehungsweise Māyā-Keim verstanden; mit den langen Vokalen werden Ā, Ī, Ū, Ai und O verbunden. [Die besondere Vokalliste wird unverändert in ihrer Einteilung wiedergegeben.]

10.4 Dass „Bīja“ den Māyā-Keim meinen kann, belegt eine śivaitische Stelle mit dessen Namen: Māninī, Shivas Geliebte, Vātāvartī, Kalā, Vāṇī, Bīja, Shakti und Kundalinī. Blockiert heißt ein Mantra, wenn Anfang, Mitte und Ende jeweils durch ein Paar der Erd-Bījas gekennzeichnet sind; er gewährt nach dem Text weder Lebensgenuss noch Befreiung. Das Erd-Bīja wird durch La bezeichnet. Das Piṅgalāmata bestätigt: Am Anfang, in der Mitte und am Ende stehe jeweils zweimal der Indra-Keim.

10.5 Kraftlos heißt ein Mantra, in dem der Māyā-, Tritattva-, Śrī- oder Vāra-Keim fehlt. Māyā ist der Bhuvaneśī-Keim, Tritattva Huṃ oder Om, Śrī der Lakṣmī-Keim und Vāra die als Phreṃ bezeichnete Form. Die Aufzählung ist alternativ zu verstehen, nicht als Forderung, alle müssten zusammen vorkommen. Entsprechende Belege sagen: Fehlt Māyā, Tritattva, Vāra oder Śrīgṛha, heißt die Formel kraftlos und beeinträchtigt das Vermögen des Praktizierenden.

10.6 Abgewandt. Die Śāradā verbindet diese Bezeichnung mit dem Fehlen des Kāma-Keims, von Māyā und Aṅkuśa an den betreffenden Anfangs-, Mittel- und Endstellen. Der Kommentar nennt Aṅkuśa als Kroṃ und deutet das verbindende „oder“ hier zusammenfassend. Piṅgalāmata und Yantramuktāvalī erklären genauer: Fehlt der Kāma- beziehungsweise Kāmakalā-Keim in der Mitte, Māyā am Anfang und Aṅkuśa am Ende, ist der Mantra der Vollendung abgewandt. [Die erste Versfolge und ihre Kommentarzuordnung sind nicht vollständig glatt.]

10.7 Taub heißt die Formel, wenn an Anfang, Ende oder Mitte der mit Bindu verbundene Ha-Laut beziehungsweise der entsprechende Lebenskeim fehlt. Hier sind die Stellen als Alternativen gemeint. Ein Beleg spricht vom „mit Bindu versehenen Raumlaut“ oder vom Jīva-Bīja. Manche verstehen Bindu als Ṭha; diese Auffassung wird nach dem Kommentar gerade durch die Bezeichnung „Lebenskeim“ widerlegt.

10.8 Augenlos heißt eine fünfsilbige Formel ohne Feuer, Sonne und Mond, also ohne Ra, Ha und Sa. Ha bedeutet Sonne, weil der Sonnenkreis im Tattva-Nyāsa damit eingesetzt wird oder weil Ha männlich ist. Die Folgen werden der Reihe nach als Leid, Kummer und Krankheit beziehungsweise im Piṅgalāmata als Leid, Kummer und Furcht genannt. Da Feuer, Sonne und Mond die drei Augen bilden, gilt auch das Fehlen eines oder zweier davon als entsprechender Mangel.

10.9 Erstarrt und vollendungshemmend heißt nach der Śāradā ein Mantra mit Haṃsa-Prāsāda und Vāgbhava an Anfang, Mitte und Ende. Der Kommentar bezeichnet Prāsāda hier als Hoṃ und Vāgbhava als Aiṃ. Verbrannt heißt ein Mantra, wenn an seinem Anfang der Feuerlaut siebenfach mit dem Windlaut verbunden erscheint. Feuer ist Ra, Wind Ya. Das Piṅgalāmata erläutert, sieben anfängliche Wind-Bījas hätten den Feuerlaut angefacht.

10.10 Herabgesunken heißt ein Mantra, bei dem nach zwei, drei, sechs oder acht Silben das Waffen-Bīja Phaṭ erscheint und am Anfang der Praṇava fehlt. [Die Negation wird in der verbundenen Versfolge nicht überall deutlich überliefert.] Das Piṅgalāmata nennt diese Form „furchtsam“ und beschreibt das Fehlen der Waffenformel an Anfang, Mitte oder Ende als fruchtlos. Eine weitere furchtsame Form wird durch das Fehlen von Shiva-Ha, Shakti-Sa oder Om am Anfang erklärt. Im Piṅgalāmata heißt sie „der Mātṛkā beraubt“ und verminderte Kraft verleihend.

10.11 Befleckt heißt nach der Śāradā ein Mantra mit vier Ma-Lauten, zusammen über Anfang, Mitte und Ende verteilt. Der Kommentar betont, dass insgesamt vier gemeint sind, nicht jeweils vier; das Piṅgalāmata bestätigt diese Lesart. Verworfen heißt eine Formel mit Da oder dem Zorn-Bīja Hūṃ in der Mitte und zwei Waffen-Bījas Phaṭ am Ende. Die Alternative gilt für Da und Hūṃ, die Zweizahl für die Waffenendung.

10.12 Gespalten heißt nach der Śāradā ein Mantra mit zwei Om an Anfang und Ende sowie Vaṣaṭ und Phaṭ in der Mitte. Mantramuktāvalī und Piṅgalāmata beschreiben dagegen zwei Waffenlaute in der Mitte und Vaṣaṭ am Ende; solche Formeln gelten als gering und ohne Vollendung. Tief schlafend heißt eine dreisilbige Formel ohne Haṃsa. Die Dreisilbigkeit und das Fehlen von Haṃsa müssen dabei demselben Mantra zukommen; die angeführten Parallelbelege nennen dies die Aufhebung aller Vollendungsfrucht.

10.13 Berauscht heißt ein Mantra oder eine Vidyā, die mit fünf Phaṭ beginnt und achtzehn Silben umfasst. Die Śāradā-Lesung mit „sieben über zehn“ wird vom Kommentar als mehr als siebzehn, also achtzehn gedeutet; ein von Rāghavabhaṭṭa angeführter Beleg nennt achtzehn ausdrücklich, das Piṅgalāmata „mehr als siebzehn“. Ohnmächtig heißt eine Formel mit den entsprechenden fünf Waffen-Bījas in der Mitte. Der Wirkkraft beraubt heißt sie, wenn diese an der Abschlussstelle stehen; das Piṅgalāmata bietet eine abweichende, nicht ganz eindeutige Verteilung auf Mitte und Ende und verneint ihre Vollendungskraft.

10.14 Mangelhaft heißt eine achtzehnsilbige Formel mit insgesamt vier Waffen-Bījas über Anfang, Mitte und Ende verteilt. Andere Tantras nennen dieselbe Anordnung „furchtsam“ oder „furchterregend“. Zerstört heißt eine achtzehn- oder neunzehnsilbige Formel mit Om, Hṛllekhā und Aṅkuśa; Hṛllekhā bezeichnet Hrīṃ, Aṅkuśa Kroṃ. Die beiden Silbenzahlen werden durch Parallelbelege erläutert.

10.15 Eine siebensilbige Formel mit Dhruva, also Om, wird zunächst schwertartig genannt. Danach folgen Altersbezeichnungen: sieben Silben „Kind“, acht „Knabe“, sechzehn „Jugendlicher“, vierzig „Reifer“. Rāghavabhaṭṭa führt dieselben Zahlen an. Dreißig, vierundsechzig, hundert oder vierhundert Silben heißen „alt“. Eine weitere Definition nennt neun Silben mit Dhruva „schwertartig“ und todbringend. [Die beiden unterschiedlichen Zahlen für dieselbe Benennung werden nicht angeglichen.]

10.16 Ohne Zeugungskraft heißt eine Formel, der die entsprechenden Glieder fehlen: am Ende Herz und Kopf, in der Mitte Schopf und Panzer beziehungsweise die Endungen Vauṣaṭ und Phaṭ, oder die Shiva- und Shakti-Laute. Der Kommentar löst die Decknamen auf: Herz ist Namas, Kopf Svāhā, Schopf Vaṣaṭ, Panzer Hūṃ, Shiva Ha und Shakti Sa. Rāghavabhaṭṭas Beleg nennt das Fehlen von Herz- und Kopf-Bīja am Ende, Panzer und Schopf in der Mitte sowie Ha und Sa. Ein anderes Tantra nennt bereits das Fehlen von Om am Anfang so.

10.17 Ohne Vollendung heißt eine Formel mit insgesamt sechs Phaṭ an Anfang, Mitte und Ende. Träge heißt eine zehnsilbige Formel; die Zahl wird durch das Versmaß Paṅkti erklärt. Eine einsilbige Formel heißt zusammengedrängt und ebenso anteillos; eine zweisilbige substanzlos, eine viersilbige schielend, eine sechssilbige samenlos.

10.18 Verraucht heißen Formeln von sechseinhalb, zwölfeinhalb oder dreieinhalb Silben; die halbe Silbe erklärt der Kommentar durch einen am Ende fehlenden Vokal. In der Śāradā-Folge steht außerdem eine einundzwanzigsilbige Form an einer nicht eindeutig zugeordneten Stelle. Das Piṅgalāmata bestätigt die drei halben Zahlen. Umklammert heißen zwanzig- oder dreißigsilbige, verwirrt zweiundzwanzigsilbige, hungrig zweiunddreißig-, siebenundzwanzig- oder vierundzwanzigsilbige Formeln.

10.19 Überheblich heißen elf-, fünfundzwanzig- oder dreiundzwanzigsilbige Formeln. Dass anfangs „übermäßig überheblich“ und später nur „überheblich“ steht, ist nach dem Kommentar kein Widerspruch: Vorsilben können die Bedeutung einer Wortwurzel verändern, ihr folgen, sie näher bestimmen oder ohne zusätzliche Bedeutung stehen. Ein entsprechender Vers aus der Mantramuktāvalī wird angeführt.

10.20 Gliedlos heißen sechsundzwanzig- oder neunundzwanzigsilbige Formeln; die Sechsundzwanzigzahl steht in der Grundlage doppelt. Übermäßig zornig heißen achtundzwanzig- oder einunddreißigsilbige, übermäßig grausam dreißig- oder dreiunddreißigsilbige. Beide Gruppen werden für alle Handlungen getadelt. Beschämt heißen die vierundzwanzig Längen von vierzig bis einschließlich dreiundsechzig Silben.

10.21 Fünfundsechzig Silben heißen beruhigten Geistes. Von sechsundsechzig bis neunundneunzig heißen Formeln aus ihrer Stätte gefallen. Der Kommentar schließt fünfundsechzig ausdrücklich aus, da diese Zahl bereits anders benannt ist, und führt zur Bestätigung die Mantramuktāvalī an. Es ergeben sich vierunddreißig Längen.

10.22 Entstellt heißen dreizehn- oder fünfzehnsilbige Formeln. Ohne Saft heißen solche von hundert, hundertfünfzig, zweihundert, zweiundneunzig, einundneunzig oder dreihundert Silben. „Eines weniger“ wird ausdrücklich auf zweiundneunzig bezogen. Überaltert heißen vierhundert bis tausend Silben; Wissende sollen sie bei Anwendungen meiden. Mehr als tausend Silben heißen Daṇḍaka und bedrängt. Zweitausendsilbige, in sieben Abschnitte gegliederte Texte sind als Hymnen aufzufassen.

10.23 Was über Mantras gesagt wurde, gilt entsprechend für Vidyās. Rāghavabhaṭṭas Beleg erklärt, ihre Unterschiede seien solche der Kennzeichen, nicht der höchsten Wirklichkeit. Manche lesen statt „bei allen Handlungen“ „bei Wunschhandlungen“ und meinen, für befreiungsorientierte Rezitation entfielen diese Fehler und die zehn Veredelungen. Der Kompilator weist dies zurück: Auch dabei seien die folgenden Reinigungen zu vollziehen, wie Rāghavabhaṭṭa sagt.

Reinigung durch innere Vereinigung

10.24 Im zweiten Paṭala des Śāradātilaka heißt es: „Wer diese Fehler nicht kennt und solche Mantras verehrt, erlangt selbst in Hunderten Millionen Weltaltern keine Vollendung. Man verbinde die fehlerhaften Mantras mit dem eigenen Selbst und reinige sie mit gebundener Yoni-Mudrā und aufwärts geführtem Lebenswind.“ Der Kommentar erklärt den aufwärts gerichteten Wind als Atemanhalten.

10.25 Ein von Rāghavabhaṭṭa angeführter Beleg erläutert: „Nach dem Binden der Yoni-Mudrā ziehe man den Wurzellotus zusammen, meditiere die daraus hervorgehenden Mantrabuchstaben als bis zum Brahmarandhra auf- und absteigend, fülle mit Atem und halte ihn an. Zur Besänftigung der Mantrafehler rezitiere man den Mantra tausendmal.“ Yoni-Mudrā heißt so wegen des Verschließens der Yoni-Stätte. Es folgen Beschreibungen von Mahā-Mudrā und Mūla-Bandha: Die linke Ferse drückt den unteren Bereich, das rechte Bein ist ausgestreckt; die Hände und der Mund werden in einer im Text beschädigten Anweisung genannt, dann das Heranführen des Gesichtes zur Kehle und das Aufwärtshalten des Atems. Mūla-Bandha wird als Fersendruck, Zusammenziehen des Afters und Aufwärtsziehen Apānas beschrieben.

10.26 Der sechste Paṭala des Kubjikātantra lehrt eine weitere Yoni-Mudrā: „Nun erkläre ich dir, herbstmondangesichtige Maheshani, etwas höchst Erhabenes, das niemals öffentlich gemacht werden soll, so wenig wie die eigene Yoni. Um Mitternacht, mit gelöstem Haar, unbekleidet und mit Shakti verbunden, meditiere der Praktizierende die persönliche Göttin, welche den Yogis selbst Yoga ist. Die linke Ferse wird an den unteren Körperbereich gebracht, der Körper gefestigt, Zunge und Gaumen verbunden und die Augen auf die Nasenspitze gerichtet. Nach der entsprechenden Kehlhaltung meditiere er die aufwärts strömende, schlangengestaltige Göttin im Mūlādhāra.“

10.27 „Im Wurzellotus, über dem Feuerkreis, meditiere er die vierarmige große Göttin, vom höchsten Nektar erfüllt, dunkel, auf einem großen Lotus sitzend. Rechts zeigt sie Furchtlosigkeit und Wohltat, links hält sie Schwert und abgeschlagenen Kopf. Ewig ist sie, mit gelöstem Haar, lächelnd, auf dem Verbrennungsplatz wohnend, mit hervortretenden Zähnen, unbekleidet und nach rechts ausgreifend.“ [Eine Wendung dieser Körperhaltung ist unsicher.]

10.28 „Sie trägt einen Gürtel aus den Händen Verstorbener und eine herabhängende Kopfgirlande, steht mit dem rechten Fuß auf dem Herzen einer Leichengestalt und sehnt sich nach der Vereinigung mit Mahākāla. Ihre drei Augen sind Mond, Sonne und Feuer; sie trägt die Mondsichel und hat volle, hohe Brüste. Ringsum sind schrecklich heulende Schakalinnen. Durch die vier Veden nicht zu begrenzen, von allen Veden geschmückt, Wünsche erfüllend, jede Gestalt annehmend, ihre Verehrer schützend, die vier Lebensziele gebend und furchtgebietend: So verehre ich Dakṣiṇakālikā.“

10.29 „Im Svādhiṣṭhāna meditiere er die große Göttin als Mondgestalt, rein und weltförmig. Sie zeigt Furchtlosigkeit und Wohltat und trägt Bogen, Pfeile, Schlinge und Stachelstock. Mit dem Bāṇa-Linga verbunden glänzt ihr Antlitz wie eine dunkle Wolke. Sie streckt die Zunge hervor, ist Vishnu-Gestalt und ewig. Ein Paar kindlicher Gestalten schmückt ihre Ohren; sie vernichtet böse Dämonen, trägt Tigerfell, wohnt im Brahmarandhra und besitzt ein überaus freundliches, lächelndes Lotusgesicht.“

10.30 „Im Maṇipūra meditiere er die Ewige als Lichtfülle: unbekleidet, mit schrecklichem Antlitz, gelöstem Haar und vier Armen, rot und zugleich in rote Gewänder gehüllt, auf einem Lotus sitzend und mit allen Schlangen geschmückt. Sie trägt Muschelhorn, Diskus, Keule und Lotus und wird von den Göttern verehrt. Sie gibt Dharma und Wohlstand, schützt ihre Verehrer, verleiht alle Vollendungen und betört die Welten. Als Mahāmāyā schenkt sie den Wissenden Erkenntnis; schön, erfreuend und lieblich gibt sie die vier Lebensziele. Friedvoll und den Frieden liebend ist sie zugleich gewaltig und vernichtet gewaltige Dämonen. Sie liebt berauschenden Trank und Fleisch, ist dunkel und erfreut Yaśodā. Durch Hingabe zugänglich, in Mahākāla wohnend, ist sie die ewige Mutter aller.“ [Die nebeneinanderstehenden Gestaltmerkmale werden nicht harmonisiert.]

10.31 „Im Anāhata meditiere er die höchste Göttin achtarmig, rot und dreifache Shakti. Sie trägt Bogen, Pfeile, Schwert, Diskus, Schlinge und Stachelstock und wird von Brahmā und den anderen Göttern verehrt. Mondsicheltragend, mit vollen hohen Brüsten, als Mahāmāyā auf einem großen Lotus sitzend, geht sie den Brahman-Weg.“ [Sechs der acht Handattribute sind ausdrücklich genannt.]

10.32 „Im großen Viśuddha-Chakra meditiere er die ewige höchste Herrin gelb und zehnarmig. Rechts trägt sie Schädelschale, Schild, Muschelhorn, Spiegel und Wedel; links Schwert, großen Lotus, Schneidemesser, Schlinge und Stachelstock. Sie steht über Kāmarāja und sitzt auf einem großen Löwenthron, trägt göttliche Gewänder und eine Krone aus Haarflechten und wird von Brahmā, Vishnu und Mahādeva verehrt.“

10.33 „Im Ājñā-Chakra meditiere der Verständige die zweiarmige Göttin auf dem Rücken eines Löwen. Schön ist sie, zeigt Wohltat und Furchtlosigkeit, trägt vielfältige Edelsteine, Haarflechtenkrone und Mondsichel, Juwelengürtel und Edelsteingirlande sowie rote Gewänder. Vom Herrn der Kamalā verehrt besänftigt sie das Leid des Saṃsāra und führt über seinen Ozean. Schlangengestaltig folgt sie Sushumna; durch die Durchdringung der sechs Chakras wird die höchste Herrin betrachtet.“ 10.34 „Im tausendblättrigen Lotus meditiere er die höchste Herrin und in dessen Mitte den umherziehenden Kāma mit seinen fünf Pfeilen. In jedem Chakra sind die heiligen Badeplätze, angefangen mit der Gaṅgā, und der Unsterblichkeitstrank gegenwärtig. Der herrliche weiße Tausendblattlotus ist mit sämtlichen Jahreszeiten, angefangen mit dem Frühling, geschmückt. Alle Götter, alle Shaktis und sämtliche Mantras sind darin; die vier Veden zieren ihn. Seine goldene Mitte wird mit den elf Mahādevas sowie mit Brahmā, Vishnu und Shiva verbunden. Dort meditiere er den ewigen Paraśiva, der aus Bewusstsein besteht und durch Meditation zugänglich ist.“ [Die grammatische Verbindung der elf Mahādevas mit der Lotusmitte ist nicht eindeutig.]

10.35 „Er ist das Innerste alles Wesentlichen, höher als das Höchste, dem Denken und der Rede unzugänglich, ununterbrochene ewige Glückseligkeit, unvergleichlich, durch die Veden nicht auszuschöpfen: das Höchste. Er besteht aus Shiva und Shakti, ist ohne Eigenschaften und zugleich die Grundlage der Eigenschaften. Einer kleinen Lampenflamme gleich erscheint er in der Meditation der Yogis. Dieser Gott ist Bewusstsein selbst, erfüllt vom höchsten Unsterblichkeitstrank.“

10.36 „In seiner Mitte meditiere er die ewige Göttin der drei Gunas: mit furchtbaren Hauern, gewaltigem Antlitz, heraushängender Zunge und vier Armen. Die linke obere und untere Lotushand werden mit frisch abgeschlagenem Kopf und Schwert verbunden; die rechte untere und obere zeigen Furchtlosigkeit und Wohltat. Schlank, wie eine dunkelblaue Wolke leuchtend, schrecklich und unbekleidet, ist sie mit dem herabtropfenden Blut ihrer Schädelgirlande bestrichen. Zwei Leichen dienen ihr als furchterregender Ohrschmuck. Ihre drei Augen gleichen den Scheiben der jungen Sonne; Blutströme fließen aus beiden Mundwinkeln.“ [Die Vorlage verbindet die Attribute außerdem mit oberen und unteren Händen; deren Zuordnung ist sprachlich gedrängt.]

10.37 „Mit gelöstem Haar und lächelndem Gesicht wohnt sie auf dem Verbrennungsplatz. Ein Gürtel aus den Händen von Leichen umgibt sie. Sie steht auf dem Herzen des leichengestaltigen Mahādeva und ist, von Verlangen bewegt, zur Liebesvereinigung mit Mahākāla niedergelassen. Ringsum ertönen die schrecklichen Rufe der Schakale. Ihr Lotusantlitz ist dennoch freundlich und von einem überaus heiteren Lächeln erfüllt.“

10.38 „Dort ist auch Anāhata, leuchtend wie Millionen Blitze. Darüber befindet sich, o Schlanke, die höchste, bewusstseinsförmige Kraft als Flammenspitze. Mit ihr vereint betrachte er sein eigenes Selbst. Sie geht den Brahman-Weg, indem sie die Lingas der Reihe nach durchdringt. Was wie Millionen Sonnen strahlt und zugleich wie Millionen Monde kühlt, heißt Unsterblichkeitstrank; höchste Glückseligkeit ist sein Kennzeichen. Nachdem er die göttliche Einheit von Kula und Akula erreicht hat, kehre er wieder in Kula ein. Wer dies beharrlich übt, wird hierdurch, so die Verheißung, von Alter, Todesleid und den Fesseln des Werdens befreit.“

10.39 „Die vierfache Schöpfung entfaltet sich in dieser Yoni. Dies ist die Yoni-Mudra, die sämtliche Vollendungen verleiht. Im Lotus des Mūlādhāra befindet sich ein überaus schönes Dreieck; darin bewegt sich Kāma, glänzend wie Millionen aufgehende Sonnen. Darüber meditiere er Kundalini, die Shakti, leuchtend wie Millionen Blitze, einer schlafenden Schlange gleich und in dreieinhalb Windungen gelegt. Diese göttlich Schöne stelle er sich im Dreieck des Mūlādhāra vor.“

10.40 „Er hebe die Shakti gemeinsam mit seinem Selbst nach und nach durch die Lotussitze empor, bis zu Brahmās Wohnstatt, und richte sein Herz auf diese Stätten. Er meditiere sie innerhalb der großen, im inneren Raum aufblühenden Lotusse, bis zur ewigen Glückseligkeit: als Bewusstsein selbst, einer frischen Regenwolke gleich und als den einzigen Weg zur Befreiung. Vom Haṃsa im großen Lotus des Himmels trinke er den göttlichen Strom des Unsterblichkeitstranks, leuchtend rot wie Lacksaft, und kehre danach in die Mitte des Kula zurück. Chakra um Chakra erquicke er mit den Strömen dieses Nektars sämtliche Gottheiten, angefangen mit den Ḍākinīs, sowie Kundalini in sämtlichen Lotusblättern.“ [Einzelne Verbindungen der langen Komposita bleiben unsicher.]

10.41 „Darüber [folgen] Indra, Bodhinī, Nāda und wiederum in der Shakti ein Anteil der Vyāpikā, im Bereich des Mantras.“ [Diese Zeilen sind in der vorliegenden Überlieferung sprachlich beschädigt; eine genaue Folge lässt sich daraus nicht sicher gewinnen.] „Er stelle sich vor, dass die Buchstaben des Mantras in die Bewusstseinskraft eingereiht sind. Im höchsten, vom Nektar erfüllten Raum offenbare er ihr das eigene Selbstsein, ohne äußere Puja, Feueropfer und dergleichen. Wer den Mantra so betrachtet, ist ohne Zweifel ein Yogi. Von allen Verfehlungen befreit schaut er seine erwählte Göttin. Nach sechs Monaten werden ihm alle Vollendungen und die Schau des Selbst zugesprochen; nach einem Jahr die achtzehn großen Siddhis.“

10.42 „So meditiere er die Göttin als das Wesen des höchsten Selbst. Er selbst ist unmittelbar Śaṅkara, er selbst der unvergängliche Vishnu, er selbst das höchste Brahman und die höchste Gottheit. Damit, o Göttin, ist dir die Yoni-Mudra erklärt. Innerhalb eines Jahres erlange er Vollendung und die Erfüllung seiner Wünsche.“

10.43 Die ehrwürdige Pārvatī sprach: „Im Kali-Zeitalter sind Menschen von geringer Einsicht zur Yoni-Mudra nicht fähig. Wie erreichen sie das höchste Ziel, wenn ihre Kraft zur vorgeschriebenen Sadhana nicht ausreicht?“ Sadāśiva sprach: „Gut hast du gefragt, große Göttin, die du den Lebewesen Gutes erweist! Wer die Yoni-Mudra nicht auszuführen vermag, umschließe den Wurzelmantra mit Māyā, Śrī, Kāma oder dem Praṇava und wiederhole ihn achttausendmal. Dadurch werde er gut vollendet; so betreibe man die Mantra-Sadhana. Höre noch ein anderes, überaus wunderbares Verfahren, dessen bloße Ausführung alle Vollendungen hervorbringen soll.“

Die Bhūtalipi, das Alphabet der Elemente

10.44 „Die fünf kurzen Vokale, die zusammengesetzten Vokale, Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde; sodann bei jeder der fünf Konsonantenreihen zuerst der letzte, danach der erste, zweite, vierte und mittlere Buchstabe; zuletzt die drei durch die Merkwörter bezeichneten Laute: Dies heißt Bhūtalipi, bestehend aus zweiundvierzig Buchstaben. Die Anfangsbuchstaben der neun Gruppen ergeben sich aus den ersten Vokalgruppen, dem Raumlaut, den fünften Buchstaben der Konsonantenreihen und dem abschließenden Śa.“ Diese Anweisung steht auch im sechsten Paṭala der Śāradā.

10.45 Ihre Bedeutung ist: Die fünf kurzen Vokale a, i, u, ṛ und ḷ bilden die erste Gruppe; e, ai, o und au die zweite. Raum bezeichnet ha, Wind ya, Feuer ra, Wasser va und Erde la: die dritte Gruppe. Die fünf Konsonantenreihen werden jeweils in der Reihenfolge fünfter, erster, zweiter, vierter und dritter Buchstabe geordnet. Als Beispiel nennt die Erläuterung ḍa, ka, kha, gha, ga. [Das erste Zeichen ḍa steht hier offenbar fehlerhaft für den Nasal der Ka-Reihe; der Befund wird nicht zu einer sicher überlieferten Ritualformel erklärt.] Entsprechend verfährt man mit den vier übrigen Reihen; damit sind acht Gruppen erreicht. Die neunte besteht aus den drei Zischlauten. Die Erläuterung nennt für ihre Merkwörter śa, ya und sa; bei „weiß“ ist ya gegenüber dem erwartbaren ṣa auffällig. Die anschließende Ableitung der neun Gruppenanfänge ergibt im Wortlaut a, e, i, ṅa, ña, ṇa, na, ma, śa, obwohl der unmittelbar davor erklärte Raumlaut ha lautet. [Die beiden Unstimmigkeiten bleiben als Lesungsprobleme kenntlich.]

10.46 Die Śāradā erläutert die Elementnatur der Gruppen: „Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde entsprechen der Reihe nach den Buchstaben jeder Gruppe. In der zweiten Gruppe fehlt Erde; in der neunten fehlen Wasser und Erde.“ Gemeint ist: Die zweite Gruppe besitzt nur vier, die letzte nur drei Buchstaben; deshalb fehlen die jeweils letzten Elemententsprechungen.

10.47 „Viriñci, Vishnu, Rudra, die Aśvins, Prajāpati und die Herren der Himmelsrichtungen sind, mit den Kräften des Handelns und den weiteren Shaktis verbunden, die Gottheiten der Gruppen.“ Mit den Richtungsherren sind Indra, Yama, Varuṇa und Candra gemeint. Alle sind mit Handlungs-, Erkenntnis- und Willenskraft verbunden; diese drei Kräfte werden dreimal der Reihe nach durchlaufen. Manche verstehen dagegen „Herr der Himmelsrichtungen“ als eine Gottheit und zählen die drei Shaktis des Handelns, Erkennens und Wollens eigens hinzu; auch so ergeben sich neun Gottheiten.

10.48 „Der Seher ist Dakṣiṇāmūrti, das Versmaß Gāyatrī; als Gottheit gilt die höchste Varṇeśvarī selbst, die Herrin der Laute. Mit den sechs Gruppen, angefangen mit ha, und den jeweils zugehörigen Lauten vollziehe man die sechs Gliederzuweisungen. Am Fuß des Buchstabenbaumes meditiere man die Göttin in einem aus diesen Buchstaben bestehenden Lotus.“

10.49 „Die Weisen nennen diesen höchsten, aus ewigen Lauten bestehenden Baum: Höchstes Bewusstsein ist sein großer Same, Bindu und Nāda sind seine mächtigen Wurzeln. Seine aus Erdlauten bestehenden Zweige breiten sich nach allen Richtungen aus; die Blätter der Wasserlaute bedecken die drei Welten. Die Sprosse der Feuerlaute lassen ihn wie einen edlen, mit Juwelen geschmückten Baum glänzen. Blüten der Windlaute entfalten seine Schönheit; unter den Früchten der Raumlaute neigt er sich. Als höchste Zuflucht aller Wesen übergießt er die höchste Herrin mit dem Honig des höchsten Unsterblichkeitstranks. Aus Veden und Āgamas gestaltet erhebt er sich in Schönheit. Er ist Shiva und Shakti selbst; die drei Welten ruhen in seinem Schatten. Weise, die bei ihm Zuflucht suchen, erlangen sämtliche Wünsche.“ [Die Zeile über das Übergießen weist eine unstimmige grammatische Form auf; der Zusammenhang trägt die Übersetzung.]

10.50 Die Erläuterung verbindet die Wörter so: Am Fuß des Buchstabenbaumes, in einem aus Lauten bestehenden Lotus, ist die Göttin zu meditieren. Ihre Meditationsgestalt wird anschließend beschrieben. Der Baum heißt ewig und besteht aus Lauten. Sein Same ist das höchste Bewusstsein, Kundalini oder das höchste Brahman; Bindu und Nāda sind seine beiden Wurzeln. Einwand: Wenn dieser Baum ewig ist, wie kann das höchste Bewusstsein sein Same heißen? Antwort: Es wird im übertragenen Sinn Same genannt, insofern es ihn offenbar macht. Der übrige Sinn ist leicht verständlich.

10.51 Die Meditation lautet: „Ich nehme Zuflucht bei der ursprünglichen Vāgīśvarī, der Herrin der Rede: Sie gleicht Millionen fleckenloser Monde, hat volle, hohe Brüste und trägt den Halbmond auf ihrem Haupt. Ihre Augen bewegen sich im Rausch des Honigtranks. Ihre Hände zeigen Wohltat und halten Gebetskette, Wissen beziehungsweise Buch und Schädelschale. Jugendstolz ist sie; ihr Leib besteht aus den Buchstaben.“ Das Kubjikā-Tantra beschreibt sie so: „Verneigt euch vor der dreiäugigen Varṇeśvarī, die Gebetskette, [ein unsicher bezeichnetes Attribut], ein hohes Beil und die Wissensschriften beständig in Händen trägt. Den Halbmond auf dem Haupt, rötlich und mit Lotusgirlande geschmückt, neigt sie sich unter der Fülle ihrer Brüste.“ [Die Verbindung „hariṇapīta“ lässt keine sichere Bestimmung des betreffenden Handattributs zu.]

10.52 Weiter heißt es: „Man umschließe Māyā mit Schlinge und Stachelstock, spreche danach Wind, Feuer, Erde, Wasser, Māheśvara, Prāsāda und die mit Sonne verbundene Shakti aus. Dann sage man: ‚Die Lebenskräfte dieser Bhūtalipi seien hier.‘ Man wiederhole die mit Schlinge beginnenden Mantras und sage: ‚Die lebendige Seele sei hier gegenwärtig.‘ Nach erneuter Wiederholung folgen ‚sämtliche Sinne‘ und die Anrufung: ‚Rede, Geist, Auge, Haut, Ohr, Nase und Lebenskräfte mögen hierherkommen und lange glücklich verweilen‘; abgeschlossen wird mit der Geliebten des Feuers.“ Damit sind die Lebenskräfte eingesetzt; zur Erfüllung des erstrebten Ziels meditiere man die Göttin. Danach folgt die bereits genannte Meditation. [Die Namen sind Chiffren von Mantrabausteinen; aus ihnen wird hier keine zusätzliche Rezitationsformel rekonstruiert.]

10.53 Anschließend ist Nyāsa zu vollziehen. Die Śāradā sagt: „Der vorzügliche Lehrer ordne die neun Vokale nach der Vorschrift den neun Grundlagen zu: dem Grundbereich, dem Eigenstand, Nabel, Herz und der Stätte, dann Bindu, Nāda, Shakti und Shiva.“ Die Erläuterung nennt Mūlādhāra, Svādhiṣṭhāna, Nabel, Herz, die Stätte beziehungsweise den Fuß, Augenbrauenmitte, Scheitel, den darüberliegenden Bereich und den zwölfblättrigen Lotus. Dort sollen die neun Vokale eingesetzt werden. [Die Entsprechung zwischen den beiden Aufzählungen ist nicht überall eindeutig.]

10.54 „Die mit ha beginnenden Laute setze er gesammelt an den Gesichtern, vom oberen ausgehend, in oberer, östlicher, südlicher, nördlicher und westlicher Richtung ein. Die vier Konsonantenreihen ordne der vorzügliche Lehrer Armen und Beinen zu: an Wurzel, wurzelnaher Stelle, Spitze, spitzennaher Stelle und Mitte.“ Die Erläuterung nennt als Spitzen die Finger beziehungsweise Zehen, als Wurzeln Schulteransätze und entsprechende Gliedmaßenansätze, als wurzelnahe Stellen Ellbogen und Knie, ferner die ersten Finger- und Zehengelenke sowie Hand- und Fußgelenke. „Gesammelt“ fordert sorgfältige Aufmerksamkeit, damit die Stellen nicht vertauscht werden. [Die Richtungs- und Gelenkfolge ist in der Vorlage teilweise gedrängt beziehungsweise beschädigt.]

10.55 Die Śāradā sagt weiter: „Die drei mit śa beginnenden Laute werden der Reihe nach am Geschlechtsbereich, am Herzen und in der Höhlung zwischen den Brauen eingesetzt. Bei der Schöpfung endet die Lautfolge mit Visarga, beim Bestand mit Bindu und Visarga; bei der Auflösung wird sie rückwärts, mit Bindu versehen, eingesetzt.“ Für den Bestand wird Feuer, Wind, Wasser, Raum und Erde als Reihenfolge angegeben. Die anschließend ausdrücklich ausgeschriebene Folge lautet nach Lautgruppen: ū, i, ṛ, a, ḷ; o, au, ai, e; ra, ya, va, ha, la; kha, ka, gha, ga, ṅa; cha, ca, jha, ja, ña; ṭha, ṭa, ḍha, ḍa, ṇa; tha, ta, dha, da, na; pha, pa, bha, ba, ma; sa, ṣa, śa. Jeder dieser Laute ist dort mit Bindu und Visarga versehen. [Der erste ausgeschriebene Vokal ist langes ū; dies weicht von der vorherigen Angabe kurzer Vokale ab.] Eine andere Auffassung setzt zuerst alle Feuerlaute, danach die Wind- und Wasserlaute mit Bindu ein und anschließend die Raum- und Erdlaute mit Visarga.

10.56 Die Śāradā sagt: „Der hervorragende Sādhaka, der auf dem durch die Āgamas gelehrten Weg eingeweiht ist, vollziehe den Nyāsa hunderttausendmal, wiederhole ebenso oft den Mantra und bringe zehntausend Sesamopfer dar.“ „Ebenso oft“ bedeutet hunderttausendmal. Dabei gehört jeweils ein Nyāsa zu einem Rezitationsdurchgang.

10.57 „Der Verständige verehre täglich die Göttin auf dem zuvor beschriebenen Sitz.“ Der Rückverweis zeigt, dass hier auch die Sitzkräfte aus dem Sarasvatī-Abschnitt verehrt werden sollen. Dazu sind ein achtblättriger, ein sechzehnblättriger, ein zweiunddreißigblättriger und ein vierundsechzigblättriger Lotus sowie die äußere Einfassung anzulegen; darin werden die Sitzkräfte verehrt.

10.58 Die Śāradā sagt: „Mit dem Buchstabenlotus bereite er den Sitz, mit dem Wurzelmantra vergegenwärtige er die Gestalt und verehre die Göttin samt den Umkreisen, angefangen mit den Gliedern.“ Als Umkreise werden zunächst die Glieder, dann die mit Ambikā beginnenden Göttinnen, die Mütter, die acht beziehungsweise anschließend genannten Shaktis, die zweiunddreißig Shaktis, die vierundsechzig Shaktis, die Welthüter und zuletzt ihre Waffen genannt. Die Erläuterung ordnet die Glieder den Staubfäden zu, Ambikā und die drei weiteren Göttinnen den Blättern der vier Richtungen, darüber Brahmī und die übrigen Mütter, dem Sechzehnblatt Karālī und die weiteren, dem Zweiunddreißigblatt Vidyā und die weiteren, dem Vierundsechzigblatt Piṅgalā und die weiteren. Auf der äußeren Einfassung stehen Welthüter und ihre Waffen. [Die versifizierte Aufzählung der mittleren Umkreise ist sprachlich unstimmig; die anschließende Erläuterung ist deutlicher.]

10.59 Beim Darbringen des Buchstabenlotussitzes werden der überlieferte Laut „hesauḥ“, die Bhūtalipi und Sarasvatī mit der Verehrung ihres Yogasitzes verbunden. Die Śāradā sagt: „So ist die Weltenträgerin, die ehrwürdige Gottheit der Bhūtalipi, zu verehren; ihre Glieder sind an den genannten Stellen nach der Vorschrift wie zuvor zu ehren.“ „Wie zuvor“ bedeutet: wie im Sarasvatī-Abschnitt. Die vier zuerst genannten Göttinnen sind Ambikā, Vāgbhavī, Durgā und Śrīśakti in den bereits beschriebenen Gestalten; Brahmī und die anderen Mütter werden ebenfalls wie zuvor verehrt.

10.60 Die sechzehn Shaktis sind Karālī, Vikarālī, Umā, Sarasvatī, Śrī, Durgā, Umā, Lakṣmī, Śruti, Smṛti, Dhṛti, Śraddhā, Medhā, Mati, Kānti und Āryā. Dunkel, schön geschmückt und mit Schwert und Schild in Händen sind sie zu verehren. [Umā steht in der Liste zweimal; die Wiederholung bleibt erhalten.]

10.61 Die zweiunddreißig segensreichen Shaktis heißen Vidyā, Śrī, Puṣṭi, Prajñā, Sinīvālī, Kuhū, Rudravīryā, Prabhā, Nandā, Piṣiṇī, Ṛddhidā, Śubhā, Kālarātri, Mahārātri, Bhadrakālī, Kapālinī, Prakṛti, Daṇḍinī, Muṇḍinī, Indukhaṇḍā, Śikhaṇḍinī, Niśumbhaśumbhamathanī, Mahiṣāsuramardinī, Indrāṇī, Rudrāṇī, Śaṅkarārdhaśarīriṇī, Nārī, Nārāyaṇī, Triśūlinī, Pāśinī, Ambikā und Hlādinī. Sie tragen Disken, besitzen Piśāca-Gesichter und schönen Schmuck. [Einzelne Namensformen sind unsicher; die überlieferte Folge wird beibehalten.]

10.62 Als vierundsechzig Göttinnen werden genannt: Piṅgalāṅgī, Piśācākṣī, Samṛddhi, Vṛddhi, Śraddhā, Svāhā, Svadhā, Bhikṣā, Māyā, Saṃjñā, Vasundharā, Trilokarātri, Sāvitrī, Gāyatrī, Tridaśeśvarī, Svarūpā, Bahurūpā, Skandamātā, Hutapriyā, Vimalā, Amalā, Aruṇī, Pūrṇavāruṇī, Prakṛti, Vikṛti, Sṛṣṭi, Sthiti, Saṃhṛti, Sandhyā, Māyā, Satī, Haṃsī, Mardikī, Raktikī, Parā, Devamātā, Bhagavatī, Devakī, Kamalāsanā, Trimukhī, Saptamukhī, Surāsuravimardinī, Lamboṣṭhī, Ūrdhvakeśī, Bahuśīrṣā, Vṛkodarī, Ratharekhā, Śaśirekhā, Gaganavegā, Pavanavegā, Bhuvanapālā, Madanāturā, Aṅganā, Anaṅgavadanā, Anaṅgamekhalā, Anaṅgakusumā, Viśvarūpā, Asurabhayaṅkarī, Ākhyāhvā, Satyavādinī, Vajrarūpā, Śucivratā, Varadā und Vāgīśī. [Die Trennung „Ākhyāhvā, Satyavādinī“ ist unsicher; die doppelte Māyā folgt der Vorlage.]

10.63 Alle tragen Bogen und Pfeile, strahlen mächtig, besitzen Hauer und aufgerichtetes Haar, sind zum Kampf entschlossen und glänzen in sämtlichen Schmuckstücken. Sie sind sorgfältig zu verehren. [Ein zusätzliches Wort zur Flammenerscheinung ist unklar.] Auch die Welthüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen werden wie zuvor verehrt. Wer als Mantra-Praktizierender die Gottheit der Bhūtalipi auf diese Weise verehrt, wird zur Wohnstätte von Glück und Redegewandtheit und selbst von den Göttern gepriesen.

10.64 „Mit zehntausend Lotusopfern soll ein König unter Einfluss gebracht werden; entsprechende Opfer blauer Wasserlilien sollen großen Reichtum hervorbringen. Opfer von Palāśa-Blüten sollen innerhalb eines Jahres dichterische Begabung verleihen; ein Feueropfer mit dem als Vājī bezeichneten Stoff und Salz soll eine Frau gefügig machen. Die für die Mātṛkā angegebenen Verrichtungen können auch hier ausgeführt werden. Wer seinen Mantra mit der Bhūtalipi umschließt und sie hundertmal vorwärts und rückwärts durchläuft, dem wird Mantravollendung zugesprochen.“ [Diese Aussagen geben historische Wirkungsversprechen einschließlich beherrschender Ritualziele wieder; Vājī ist hier nicht sicher als Opferstoff bestimmt.]

10.65 Im Kubjikā-Tantra heißt es nach der Meditation: „Nachdem er so meditiert hat, wiederhole er sie mit heiterem Geist. Die vorbereitende Übung der Bhūtalipi besteht in hundert Durchgängen vorwärts und rückwärts. Welchen Mantra ein Mensch auch, von der Bhūtalipi umschlossen, tausendmal wiederholt: seine Vollendung soll mit Macht und gewiss eintreten. Einen Monat lang wiederhole er den so eingeschlossenen Mantra vorwärts und rückwärts; daraus entsteht, o Schöne, höchste Vollendung.“

10.66 Zur Beruhigung der Mantrafehler beschreibt die Śāradā außerdem zehn Läuterungsriten. Der hochverehrte Kṛṣṇānanda Āgamavāgīśa Bhaṭṭācārya, ein weit zurückliegender Ahnherr und herausragender Angehöriger der Gemeinschaft der Kundigen, hat sie in seinem Tantrasara aufgezeichnet. Wer sie sucht, möge dort nachsehen. Das Samayācāra-Tantra nennt die zehn Riten auch bei anderen Fehlern: „Selbst ein vom Guru empfangener und wiederholter Mantra kann, o Schöne, durch schlechtes Verhalten, Unachtsamkeit oder Trägheit seine Kraft verlieren. Um solche Fehler zu beseitigen, vollziehe man die zehn Läuterungsriten.“ Damit endet die Vorschrift zur Behebung der Mantrafehler.

Namen und Chiffren der Keimsilben

10.67 „Um die Kennwörter der Keimsilben verständlich zu machen, will ich zur Freude der Kundigen einige ihrer Namen aus den Tantra-Schriften zusammentragen.“ Genannt werden Māyā, Scham, die Höchste, Bewusstsein, die Dreifache, Bhuvaneśvarī, Herzzeichnung, Śambhus Gemahlin, Shakti, die göttliche Herrin, Śivā, Mahāmāyā, Pārvatī, die Gestaltgebende, die höchste Herrin, Bhuvanā, die Trägerin und die im Leben Wohnende. Hinter dieser Liste steht in der Vorlage strīṃ. [Die Namen weisen überwiegend auf Māyā beziehungsweise Hrīṃ; das abweichende Schlusszeichen wird nicht stillschweigend geändert.] „Māyā ohne Feuer und mit dem Waffenlaut verbunden heißt feste Māyā.“ Dahinter steht hrīṃ. Auch hier ist die Zuordnung in der Vorlage unsicher.

10.68 „Śa, Feuer, Śānti, Bindu und Nāda ergeben den Praṇava der Lakṣmī. Seine Namen sind Śrī, Lakṣmī, Vishnus Gemahlin, Ramā und die aus dem Milchozean Geborene“: śrīṃ. „Der sechzehnte Konsonant, mit Feuer, linkem Auge und Bindu verbunden und auf dem Mondkeim ruhend, gilt als der Keim der Braut. Braut, die mit schönem linkem Blick, Frau, Einäugige, Weib und Liebende sind seine Namen“: strīṃ.

10.69 „Der zwölfte Vokal, mit Nāda und Bindu verbunden, heißt Bhaga, Yoni, Sarasvatīs Keim, Unterlippe beziehungsweise Grundlage, Ursprung der Rede und Rede“: aiṃ. „Ha mit dem linken Ohr, geschmückt mit Nāda und Bindu, heißt Kūrca, Zorn, gewaltiger Stolz, langes Hūṃ, Laut, langer Schutzpanzer, Tārā und Hervorbringung“: hūṃ. [Die bildhaften Bezeichnungen fungieren als Lautchiffren.]

10.70 „Der Kāma-Laut auf Feuer, mit Rati und Bindu geschmückt, heißt Kālīs Keim und zugleich Ratis Keim“: krīṃ. „Der Kāma-Laut auf Erde, mit Rati und Bindu geschmückt, heißt der verborgene Kālī-Keim oder Gopāla-Keim; er ist der Kāma-Keim, der Kāmeśī-Keim und die höchste Shakti“: klīṃ. „Der Raumlaut, mit dem bezeichneten Abschluss und dem Mond verbunden, heißt der shivaitische Prāsāda“: hauṃ. [Die Chiffre am Anfang dieser letzten Definition ist nicht sicher aufzulösen.]

10.71 „Der mit Kalā beginnende Kledinī-Keim, der Kroṃ-Laut, trägt den Namen Stachelstock“: kroṃ. „Ā mit Bindu heißt Schlinge und Śeṣa. Sakalā, Bhuvaneśānī und Kāmeśī-Keim sind weitere Bezeichnungen.“ [Die Zuordnung dieser unmittelbar anschließenden Namen ist nicht eindeutig.] „Namaḥ heißt Herz; Svāhā wird durch das Paar ṭha, ṭha bezeichnet.“ Als entsprechende Formeln stehen namaḥ und svāhā.

10.72 Für svāhā folgen die Namen Mondpaar, Shiva, Mutter der Veden, Schöne des Feuers, Svāhā, die Höchste, Götterspeise, doppeltes ṭha, Mondpaar, Opferlöffel, Opfergabe, Mutter der Veden, Göttermund und Feuerschöne. Die Wiederholungen gehören zur überlieferten Liste. „Haarschopf, Vaṣaṭ, Mitte des Hauptes, Mutter Śakras und Haras Geliebte“ werden zusammengestellt; anschließend stehen „Haarschopf“ und vaṣaṭ. Danach werden „Vaṣaṭ, Schutzpanzer, Zorn, Rüstung und Huṃ“ genannt. „Der Zorn Genannte, haṃ, Leiblichkeit und im Zusammenhang mit Waffen der Feind Bezeichnete“ schließt mit hūṃ. [Die Abgrenzung mehrerer Formeln ist in dieser Passage gestört.]

10.73 „Waffe und Augenpaar“ werden mit vauṣaṭ verbunden, während die Schlussangabe vaṣaṭ lautet. „Phaṭ heißt Waffe, Schneidwaffe und Kampfgerät“: phaṭ. Der „dritte“ beziehungsweise Tārā zugeordnete Laut hesauḥ heißt Totengeist-Keim; die Bezeichnung am Zeilenanfang ist unsicher. „Haṃsa ist der unwillkürlich wiederholte Mantra“: haṃsaḥ. „Ga mit Bindu heißt Hindernis-Keim und Ganesha-Keim“: gaṃ. Die folgende beschädigte Wortgruppe nennt Smṛti, Fleisch und Bindu; danach folgt die Bezeichnung Erdkeim mit laṃ. „Der auf ṭha folgende Laut, mit Feuer, Auge und Mond verbunden, heißt Abbild-Keim“: ḍrīṃ.

10.74 Für die Kāmakalā werden linkes Auge und Bindu genannt; dann Sonnenmaß, Kalā, Rede, Nāda, Halbmond, Sadāśiva, die Unaussprechbare, der vierte Zustand und die höchste Kraft der Weltmutter. Als Abschluss stehen und die Bezeichnung Nāda. [Die gedrängte Reihe bietet keine zweifelsfreie Einzelzuordnung sämtlicher Namen.]

10.75 Zum Verständnis der Chiffren des Bhūtaḍāmara werden auch dessen Keimsilbennamen aufgezeichnet: „Der Praṇava gilt als Giftkeim und heißt der Beständige, Hālāhala, Weg des Zeitgehörs, Vielgestaltiger und Makelloser.“ Gemeint ist der Praṇava. „Das Raumgesicht auf Blut, mit Dhūmrabhairavī, Nāda und Bindu geschmückt, heißt der aus Lebenskraft bestehende Keim“: hrīṃ. „Der Zornherr auf Blut, mit Dhūmrabhairavī geschmückt und mit der Zunge der Vidyā sowie Bindu verbunden, heißt die auf dem Verbrennungsplatz Wohnende“: krīṃ. [Die Bezeichnungen werden als Chiffren übersetzt; unklare Kombinationen bleiben unaufgelöst.]

10.76 „Aus Zorn und Zeit gestaltet wird der elementhafte Ursprung der Rede; Nāda und Bindu werden mit Ugrabhairavī verbunden. Dieser Keim setzt reine Einsicht in Bewegung“: aiṃ. „Zornherr, Kraftträger, Dhūmrabhairavī, Nāda und Bindu; Dreigestaltiger, Liebesgott, Kāmarāja, Betörer der drei Welten; Brahmā auf Indras Sitz, mit dem Liebesgott verbunden“: klīṃ. [Die zweite Stelle bietet eine Folge von Lautchiffren und Namen mit teilweise unklarem Satzbau.]

10.77 „Der Opfergabenverzehrer auf Blut, mit Dhūmrabhairavī, Nāda und Bindu verbunden, heißt der vortreffliche Glöckchenkeim“: hrīṃ. „Der Opfergabenverzehrer auf Blut, mit Nāda und Bindu und dem Sitz der Kālarātri versehen, ist der große Mantra namens Viśikhā“: hrāṃ. „Der von Vidārī umschlungene Schreckensmund, [der als Vasi bezeichnete Laut], mit Blut besprengt und mit Nāda und Bindu verbunden, heißt Fleischverzehrer“: huṃ. „Unter dem Rauchbanner befindet sich das Zeitfeuer, verbunden mit Ūrdhvakeśī, Mond und Bindu: Dies ist der von Bhairava offenbarte Keim, der das Weltzeitalter beendet“: spheṃ.

10.78 „Man nehme den Haarflechtenträger mit blutbesprengtem Leib, verbinde ihn mit Dhūmrabhairavī und versehe ihn mit Nāda und Bindu.“ Die Zeile bezeichnet das Ergebnis als „kṣo“, die Schlussangabe lautet jedoch prīṃ. „Man nehme das Paar der Kapālīs, schmücke es mit Mahākāla und verbinde das als gleicher Sitz Bezeichnete mit Caṇḍikā“: ṭhaṃ ṭhaṃ ṭhaḥ ṭhaḥ. „Das Raumgesicht auf Blut, mit einem Mondstück geschmückt, heißt Leuchtkäfer; hinzu treten Grāsinī und Kālarātri“: hraṃ hraṃ. [Die erste Zuordnung ist widersprüchlich; auch die folgenden Kombinationen werden nicht über den Wortlaut hinaus ergänzt.]

10.79 „Der blutbesprengte Raum, mit Nāda und Bindu sowie Vidārī geschmückt, ist der Keim [des] Vaivasvata beziehungsweise dessen Blick“: hrāṃ. „Die als Kīrti bezeichnete, das Zeitgesicht und die Verbindung mit Mahākāla ergeben den anfanglosen Fünfstrahligen, der Schöpfung, Bestand und Ende bewirkt“: oṃ. „Auf Raum und Tālajaṅghā ruhend, mit Bindu und Nāda geschmückt: Kūrca, Zeit, Mahākāla, Zornkeim und der Makellose“: hūṃ. [Der Satzbau der ersten beiden Definitionen ist beschädigt; ihre Schlussangaben bleiben unverändert.]

Abschluss des Schöpfungsbuches

10.80 „Der hochgesinnte, verständige König Kṛṣṇacandra, Herr von Navadvīpa, zeugte jenen selbstbeherrschten Īśānacandra, der wegen seiner Gelehrsamkeit und seines Brahmanentums verehrt wurde. Durch ihn erlangte der Verfasser, dank der Gnade seiner erwählten Göttin, den Titel ‚Weltsieger‘. Dieser hat nun das mannigfaltige Schöpfungsbuch verfasst, das den Kundigen die ersehnten Früchte schenkt.“ [Der mittlere Satz ist sprachlich unsicher; insbesondere die genaue Vermittlung der Titelverleihung lässt sich nicht zweifelsfrei bestimmen.]

10.81 „Haṃsa ist der Lebenshauch, der Geist ist der Mond; zwischen beide tritt Kṛṣṇa. So gehen am Himmel Bengalens die beiden Lichter auf: der ehrwürdige Prāṇakṛṣṇa und Candra.“ [Das Wortspiel verbindet Lebenshauch, Geist, Sonne beziehungsweise Haṃsa und Mond mit den Namen der Förderer.] „Weil König Kṛṣṇacandra das Annadāmaṅgala in der Landessprache verfassen ließ, bleibt außerhalb des Landes für ihn Neumond.“ Gemeint ist im Lobgedicht: Sein Ruhm erscheint jenseits des Sprachgebiets dunkel.

10.82 „Diese ehrwürdige Prāṇatoṣiṇī dagegen ist in der Sprache der Götter aufgegangen, mit makellosem Sonnenglanz; sie erhellt die Welt und bringt ihr den Tag. Deshalb ist der ruhmreiche, Prāṇakṛṣṇa genannte Haṃsa auf Erden durch diesen Ruhm ewig: Er geht nicht unter, sondern bleibt beständig im Aufgang.“ [Die Einleitung der letzten Strophe enthält eine gestörte Wortfolge; das Sonnen- und Namensspiel ist erkennbar.]

10.83 Damit endet in der ehrwürdigen Prāṇatoṣiṇī, die mit Zustimmung des ehrwürdigen Prāṇakṛṣṇa Viśvāsa vom „Weltsieger“ Rāmatoṣaṇa Vidyālaṅkāra verfasst wurde, das Sargakāṇḍa samt seinem zehnten Lehrabschnitt, der die Früchte darlegt.


Spirituelle Bedeutung und heutige Lektüre

Eine ausführliche spirituelle Gesamtsynthese beschließt den siebten Teil.

Die Prāṇatoṣiṇī fordert dazu heraus, spirituelle Praxis zugleich ernsthaft und unterscheidend zu betrachten. Ihre frühen Lehrabschnitte verbinden Bewusstsein und schöpferische Shakti: Das Höchste ist nicht nur ein fernes Ziel, sondern wirkt im Vermögen zu erkennen, zu sprechen und sich einer Sache ganz zuzuwenden. Mantra-Praxis erhält dadurch eine innere Dimension. Die Frage ist nicht allein, wie oft ein Laut wiederholt wird, sondern was im Rezitierenden wach wird.

Die Zitate zur Erkenntnis im Jñānakāṇḍa verschärfen diese Frage. Äußere Zeichen, asketische Anstrengung oder die bloße Kenntnis vieler Bücher ersetzen dort nicht die Einsicht in Atman und Brahman. Zugleich werden Hingabe und beständige Übung als Wege gewürdigt. Diese unterschiedlichen Stimmen sollten nicht zu einer einzigen, widerspruchsfreien Lehrformel geglättet werden: Die Sammlung stellt gerade mehrere Sichtweisen nebeneinander und kommentiert ihre Zusammenhänge.

Für Meditation lässt sich daraus eine klare Anregung gewinnen: vor der Praxis sammeln, während der Praxis gegenwärtig bleiben und danach prüfen, ob mehr Klarheit und Wohlwollen entstanden sind. Das ist eine heutige Übertragung der Lektüre, keine zusätzliche Vorschrift des Sanskrittextes. Die im Gandharva-Zitat geforderte Hinwendung zum Wohl aller Wesen gibt dafür einen besonders wertvollen Maßstab.

Sammlung und Herzensöffnung können die Lektüre in eine persönliche Betrachtung verwandeln.

Drei Fragen für das Studium

  • Was bezeichnet das Göttliche in der jeweiligen Passage: eine verehrte Gestalt, die schöpferische Kraft oder das nichtduale Selbst?
  • Welche Voraussetzungen nennt der Text für diese Praxis: ethische Haltung, Unterweisung, Einweihung oder Erkenntnis?
  • Was kann ich daraus für Aufmerksamkeit, Wahrhaftigkeit und mitfühlendes Handeln lernen, ohne historische Ritualvorschriften vorschnell in heutige Selbstpraxis zu verwandeln?

Die drohenden Strafbilder und ausschließenden Wertungen mancher Zitate gehören zur religiösen Rhetorik ihrer Überlieferung. Sie sind als Textaussagen kenntlich zu lesen. Ebenso bleiben die Unterscheidung historischer Sozialordnungen, die Beurteilung von Lehrern und die Frage nach eigener Verantwortung wichtig. Der Dharmakāṇḍa bewahrt selbst die Mahnung, dass es viele Lehrer gibt, die den Schülern Besitz nehmen, aber selten einen, der ihr inneres Leid lindert.

Siehe auch

Literatur und Weblinks

Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung

Die Sanskritgrundlage bilden die sechs elektronischen Textpaare des Muktabodha Indological Research Institute in IAST und Devanagari. Sie erschließen die sieben Kāṇḍas, jedoch mit einer Lücke innerhalb des Bhaktikāṇḍa. Nach dessen drittem Pariccheda setzt der erhaltene Anschluss erst mit der Abhandlung über die Kennzeichen der Dvārakā-Steine ein. Die dazwischenliegenden Passagen sind hier nicht ergänzt. Die Bezeichnung „part 6“ in der Katalogisierung bezeichnet keinen eigenen sechsten Kāṇḍa: Dieser Textbestand enthält den Anschluss des fünften sowie den sechsten und siebten Kāṇḍa und einen Nachtrag.

Die Originalzählungen sind uneinheitlich. Viele Verse, Halbverse und längere Erläuterungen sind unnummeriert. Die fett gedruckten Ziffern sind ausschließlich redaktionelle Leseabschnitte. Die sieben deutschen Artikel folgen dem erhaltenen Text von der Werkvorrede bis zum abschließenden Nachtrag. Sie umfassen 5.764 redaktionelle Leseabschnitte. Zitate, Prosaerklärungen und Kolophone gehören zur Wiedergabe. Im Nirguṇakāṇḍa sind vier sexualisierte Darstellungen Minderjähriger nur durch ausdrücklich bezeichnete, nichtgraphische Inhaltsangaben vertreten; auch die Sanskritartikel lassen dort den Wortlaut aus (N-M1 bis N-M4). Einzelne weitere Sexualrituale, beschädigte Rezepturen und magische Verfahren sind sachlich verdichtet wiedergegeben. Damit handelt es sich um eine kommentierte deutsche Lesefassung mit gekennzeichneten Einschränkungen, nicht um eine überall ungekürzte philologische Übersetzung.

Zu den erkennbaren Unstimmigkeiten gehören ein Bhaktikāṇḍa-Kolophon nach dem siebten Abschnitt des Sargakāṇḍa und die Benennung des sechsten Kāṇḍa als „kāmyamāṇḍa“ in einem späteren Kolophon. Die Sanskritausgabe bewahrt solche Lesungen; sie leitet daraus keine zusätzlichen Werkteile ab. Unterschiedliche Beschreibungen der kosmischen Entfaltung werden nicht vereinheitlicht. Eine vollständige Kollation mit der Druckausgabe liegt nicht vor.

Die elektronische Sanskritausgabe nennt Creative Commons Namensnennung–Nicht kommerziell 4.0 als Nutzungsbedingung. Diese Quellen- und Lizenzangabe gehört zur Übernahme des Sanskritbestands. Die deutsche Übersetzung ist eine eigenständige Übertragung aus dem Sanskrit; unsichere Stellen sind lokal gekennzeichnet.

Die Bilder illustrieren Themen der Tradition; sie sind keine Abbildungen einer bestimmten Handschrift. Die Videos bieten ergänzende Yoga-Vidya-Praxisimpulse und sind keine fortlaufenden Kommentare zur Prāṇatoṣiṇī.

Einzelnachweise

  1. S. V. B. K. V. Gupta und Jason Birch: The Ocean of Yoga: An Unpublished Compendium Called the Yogārṇava. Journal of Indian Philosophy 50 (2022), 345–385, Abschnitt „Verses of the Yogārṇava in Other Works“.

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