Pranatosini Tantra Teil 6

Aus Yogawiki

Pranatosini Tantra Teil 6 führt in das Jñānakāṇḍa, das Buch der Erkenntnis, ein. Es verbindet körperbezogenen Yoga, die Lenkung des Atems und Meditation mit der Frage nach dem erkennenden Selbst. Nicht allein gelehrte Worte, sondern beständige Übung und die Unterweisung durch den Guru sollen die Lehre lebendig machen. Die Übersetzung umfasst die Inhaltsübersicht und alle sieben erhaltenen Lehrabschnitte.

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Die Verbindung von Atem, Nāḍīs und Kuṇḍalinī gehört zu den Grundlagen des hier beschriebenen Yoga.

Die Sammlung stellt mehrere Überlieferungen nebeneinander und bewahrt deren abweichende Zahlen und Verfahren. Körperliche Reinigungen, operative Eingriffe, Körperstoffpraktiken und übernatürliche Wirkungsversprechen gehören zur historischen Darstellung; sie begründen keine allgemeine Empfehlung zur Selbstpraxis. Für den spirituellen Zugang wesentlich ist die wiederkehrende Mahnung, nicht bei ungewöhnlichen Fähigkeiten stehenzubleiben, sondern den Geist zu sammeln und die Bindung an seine Gegenstände zu lösen.

Sanskrit: Pranatosini Tantra Sanskrit IAST Teil 2 · Pranatosini Tantra Sanskrit Devanagari Teil 3

Deutsche Übersetzung des Pranatosini Tantra: Jñānakāṇḍa

Inhaltsübersicht des Jñānakāṇḍa

J.V.1 Nun wird die Inhaltsübersicht des sechsten Buches, des Buches der Erkenntnis, gegeben. Am Anfang steht der fünffache große Yoga; darauf folgen Yama und die übrigen Glieder. Beschrieben werden der sechsgliedrige Yoga, die wichtigsten Formen von Yama und Niyama und anschließend die Sitzhaltung.

J.V.2 Es folgen die Yoga-Lehre, Hindernisse des Yoga und die Einrichtung einer Übungsstätte; danach die Arten des Prāṇāyāma und des Kumbhaka. Genannt werden vier Zeiten der Atemübung, die Kennzeichen ihrer niedrigen, mittleren und höchsten Vollendung sowie die Wirkung des Einreibens mit dem bei der Anstrengung entstandenen Schweiß.

J.V.3 Danach: die Zeichen gereinigter Nāḍīs und die Frucht vollendeten Kumbhaka; was im Yoga zu meiden ist und was zur Vollendung führt; ungeeignete und geeignete Nahrung; der Zustand Manonmanī; sieben Arten des Kumbhaka; Netī und weitere Übungen; Dhauti und die anderen Reinigungsverfahren mitsamt ihren Wirkungen.

J.V.4 Es folgen die Früchte fortgesetzter Übung und ihre Hindernisse, der Ghaṭa-Zustand mit seinen Wirkungen und Hindernissen sowie die zehn Mudrās mitsamt ihren Früchten. Damit endet der erste Lehrabschnitt.

J.V.5 Danach werden die Konzentration auf Erde und die weiteren Elemente, ihre Wirkungen, Meditation und Samādhi mit seinen Früchten behandelt, ferner weitere Wirkungen des Prāṇāyāma. Es folgt die Reihenfolge des linken und rechten Atemstroms an unterschiedlichen Mondtagen, das Unheil verkehrten Verlaufs und die Bedeutung des Atems beim Aufbruch und beim Sichsetzen.

J.V.6 Besprochen werden die Wirkungen des linken und rechten Atemstroms bei bestimmten Handlungen, die Bedeutung der Himmelsrichtung bei einer Frage sowie die Unterscheidung von voller und leerer Seite und der Verlauf der Nāḍīs. Danach folgen die fünf Elemente in verschiedenen Körperteilen und Handlungen, ihre günstigen und ungünstigen Wirkungen und die Bestimmung ihrer Zeiten.

J.V.7 Behandelt werden die Erkenntnis der Elemente und ihre fünf Zustände vom Kindesalter an; deren Wirkungen; die Bedeutung von links und rechts an verschiedenen Wochentagen; Richtung und Verlauf des Atems in den Adern und die jeweilige Wirkung. Bei verkehrtem Verlauf wird auch die Umkehrung der Wirkung erläutert.

J.V.8 Es folgen der günstige Reisebeginn mit dem Fuß auf der Seite des stärkeren Atemstroms, die Schrittfolge beim Aufbruch und das Bestreichen mit der Hand auf der Seite der tätigen Nāḍī. Erklärt werden dessen Wirkung und die Wahl von Handlungen nach der vollen oder leeren Körperseite: Tätigkeiten beim linken, beim rechten und beim Suṣumnā-Atemstrom.

J.V.9 Danach: das Erkennen von Gestalt und weiteren Merkmalen der Elemente; ihr Verlauf; die Bestimmung einer Handlung nach den fünf Elementen; die Deutung einer Frage als günstig oder ungünstig. Auch die Frage, ob jemand an Wurzeln und Ähnliches denkt, wird anhand der Elemente bestimmt; hinzu kommen der gegenwärtige Mondzustand, der Zeitpunkt des Gelingens und die Bestimmung des Erdzustands.

J.V.10 Es folgen die Erkenntnis der Mondhäuser aus den Elementen, der natürliche Verlauf des Atems und seine Veränderung durch Gehen und andere Tätigkeiten; Ursachen einer Verkürzung und deren Wirkungen. Sieg und Niederlage werden aus aufwärts und anders verlaufendem Atem erschlossen, ebenso die Zuordnung von Waffen zu den Elementen und der Ausgang eines Kampfes.

J.V.11 Gewinn wird dem Eintreten, Verlust dem Austreten zugeordnet. Es folgen die Bestimmung einer Verwundung auf der leeren Seite, des Aufenthaltsorts aus den Elementen, von Sieg und anderen Ergebnissen sowie von Beeinflussung. Danach werden Schwangerschaft, günstige und ungünstige Jahreswirkungen, Krankheitsursachen und Krankheitsbestimmung behandelt.

J.V.12 Es folgen die Erkenntnis von Leben und Tod, die Bestimmung der verbleibenden Zeit, das Erkennen einer eigenen Lebensdauer von drei Jahren und anderen Zeitspannen, die Zeichen an Arundhatī und weiteren Erscheinungen sowie Handlungen zur Verlängerung des Lebens. Den zweiten Lehrabschnitt beschließt das Lob des Wissens vom Atemstrom.

J.V.13 Danach folgen das Lob des Rājayoga und seine fünfzehn Arten mit ihren Kennzeichen; der Lakṣayoga mit fünf Unterscheidungen und die Kennzeichen des Rājayoga. Besprochen werden zwei Formen des Haṭhayoga, danach der Erkenntnisyoga, das äußere Betrachtungsziel und dessen Wirkung sowie die Kennzeichen der fünf Räume.

J.V.14 Es folgen die Bestimmung der sechzehn Stützen, die Erläuterung der acht Glieder, die Einheit von Körper und Weltall und das Bestehen der Welt im Körper; die Frucht der Rājayoga-Vollendung und die wunderbare Bedeutung des Lotus. Danach: die Eigenschaften des Unmanifesten und weiterer Prinzipien, die Unterweisung im Yoga, die Eignung zur Übung und die Ursachen ihrer Vollendung.

J.V.15 Unter den Yoga-Arten werden Mantrayoga und ausführlich Layayoga behandelt. Es folgen das Erkennen des Zeitmenschen und dessen Wirkung sowie die Zungenpraxis mit ihren verschiedenen Früchten. Damit wird der dritte Lehrabschnitt abgeschlossen.

J.V.16 Der vierte beschreibt das Weltall in grober und feiner Ordnung: Meru als Sitz aller Götter, darüber Satyaloka, darunter Rasātala und die übrigen Welten. Es folgen der Wurzellotus, Svādhiṣṭhāna und darin die Beschreibung von Vaikuṇṭha und Goloka; danach Maṇipūra, Anāhata, Viśuddha, Ājñā und Sahasrāra.

J.V.17 Beschrieben werden die Stellung von Guru und Gottheit im abwärts gerichteten Lotus und die zugehörige Keimsilbe sowie eine weitere Darstellung der sechs Cakras. Damit endet der vierte Lehrabschnitt.

J.V.18 Danach folgen die Arten der Erkenntnis und ihre Zweiteilung, die von Zweiheit freie Erkenntnis und ihre Frucht, die Gestalt nichtdualer Erkenntnis, die Erkenntnis der Wirklichkeit und ihr Lob. Bestimmt werden der Ātman als Zeuge und als Wagenherr, der Körper und die übrigen Bestandteile als Wagen und dessen Zubehör sowie die Bedeutung von Genießen und Befreitsein und die Unterscheidung höherer und anderer Zustände.

J.V.19 Für den Brahman-Kenner wird das Entfallen von Meditation, Verehrung und ähnlichen Tätigkeiten erörtert. Es folgen die Bestimmung des Ātman, drei Formen der Erkenntnis und ihre Ursachen, zu Nirvāṇa führendes Handeln, die Śiva-Keimsilbe, die Fesseln und die Schau der Nichtverschiedenheit des individuellen Selbst. Erneut wird gezeigt, dass Geburt, Tod und Ähnliches dem Ātman nicht zukommen.

J.V.20 Es folgen die Erklärung von Piṇḍa, Pada und weiteren Begriffen, die Frucht des Hörens der Tantras, das Wesen der heiligen Wissenschaft und das Lob der Brahman-Erkenntnis; ihr Hervorgehen aus erworbenem Verdienst und die Bestimmung des höchsten Selbst. Diese Wissenschaft wird mit dem Bettelmönch verbunden; beschrieben werden die Entstehung der Welt aus Brahman und die Frucht seiner Erkenntnis.

J.V.21 Danach: Lob und Ableitung des Brahman-Mantras, sein Sinn und lebendiges Bewusstsein sowie seine Verehrung; Brahman-Hymnus, Schutzgebet und Wirkung der Speisegabe; Lob der Verehrenden und vorbereitende Mantra-Praxis. Weitere Gegenstände mögen Verständige jeweils an ihrem Ort erkennen. Damit endet der fünfte Lehrabschnitt.

J.V.22 Im sechsten folgen zwanzig Cakras, beginnend mit Mātrā, sowie das innerhalb des Bālā-Cakra und weiterer Cakras Behandelte mit seiner Erklärung. Dies bildet den Abschluss des sechsten Lehrabschnitts.

J.V.23 Im siebten folgen das Sarvatobhadra-Cakra und seine Erläuterung samt Anwendung, das hundertfeldrige Cakra mit seiner Erklärung, die Anrufung der Rede, Verneigung und Mantra beim Aussprechen einer Frage, die dazugehörigen Zeichen sowie das Prastāra-Cakra mit seiner Auslegung. Damit endet der siebte Lehrabschnitt. Weitere Gegenstände mögen verständige Leser am jeweiligen Ort erkennen.

J.V.24 Dieses Buch der Erkenntnis ist lieblich geschmückt mit sieben weit entfalteten Blüten in Gestalt seiner Lehrabschnitte. Mögen die Weisen es immer wieder betrachten, von seinem Duft bezaubert. Wisse jedoch: Seine Frucht empfängt man aus dem Mund des Guru.

J.V.25 Ihr Gelehrten, verzeiht die Fehler dessen, der von den Gaben anderer lebt! Mögen die Besten unter euch alle meine Unreinheiten und sonstigen Mängel berichtigen. Wegen der Eile des Auftraggebers war es nicht möglich, dieses aus vortrefflichen Aussprüchen gefügte Werk nochmals durchzusehen. Immer wieder bitte ich: Prüft alles und reinigt es mit eurem äußerst feinen Verständnis. [Eine Anrede gegen Ende ist beschädigt.]


Erster Lehrabschnitt: Atem, Reinigung und Mudrā

Die fünf Amarā-Praktiken

J.1.1 Im sechsunddreißigsten Kapitel des zweiten Teils des Rudrayāmala spricht die erhabene Ānandabhairavī: Wem die Erkenntnis der drei Eigenschaften fehlt, der sieht bei Tag und Nacht nicht klar; selbst unter Bedingungen, die Erkenntnis ermöglichen, erkennt er seinen Körper nicht. So ereilt Menschen in Geburt um Geburt der Tod. Um diesem Wiedergeborenwerden ein Ende zu setzen, soll man meinen Yoga üben. [Der Eingang ist sprachlich unsicher.]

J.1.2 Wer den großen Yoga der fünf Amarās vollzieht, wird unsterblich. Höre seine Art, Geliebter meines Lebens, dessen Anblick erfreut! Aus meiner Verbundenheit mit dir spreche ich; verkünde dies nicht anderswo, Śaṅkara. Wird die Yoga-Praxis Ungeeigneten mitgeteilt, entstehen furchtbare Hindernisse im Körper: Wie könnte dann Yoga gelingen? Durch die Verbindung mit Yoga kommt Befreiung, durch seine Preisgabe Verderben. Wer sein eigenes Wohl wünscht, stelle seinen Yoga daher nicht zur Schau.

J.1.3 Täglich soll man hingebungsvoll den Pañcāmarā-Yoga vollziehen und die tausend Namen sowie das achtstrophige Lied der Göttin Kuṇḍalī rezitieren. Durch den Atem wird man ein großer Yogin, o Herr, daran besteht kein Zweifel. Die Wissenschaft der fünf Amarās erhellt alle Wissenschaften. Erst ihre Vollendung, dann die Konzentrationsübungen des achtgliedrigen Yoga: Zuerst steht die Amarā-Vollendung, danach die weitere Yoga-Praxis.

J.1.4 Ich werde ihre Art erklären; höre aufmerksam. In der Welt kenne ich sie, die im Yoga Kundige; ich selbst bin ihre Zeugin, zum Aufstieg der Hingebungsvollen. Nun lehre ich dich den Amarā-Yoga. Wer so handelt, gewinnt beständiges Wesen und lässt den Keim des Yoga aufgehen. Mit der Zeit erreicht der Mensch durch Yoga gewiss Vollendung. Höre die fünf Verfahren der Reihe nach, Śaṅkara.

J.1.5 Netī-Yoga beseitigt bei den Vollendeten starken Schleim. Dantī-Yoga durchbricht den Knoten des Herzens. Danach folgt Dhauti-Yoga, der alle Unreinheit beseitigt; sodann eine Übung, die alle Glieder und den Bauch bewegt. Kṣālana gilt als höchste Reinigung der Nāḍīs. Dies ist der fünffache Amarā-Yoga, schwer zugänglich selbst für Menschen der Selbstzucht. [Bei der vierten Übung steht erneut „Netī“; später wird sie Neḍaṇī genannt.]

J.1.6 Während der Übung von Yama und Niyama soll man die fünf Amarā-Handlungen ausführen. Durch ihre Praxis werde höchste Unsterblichkeit gewonnen. Zu dieser Zeit wird auch der Genuss der fünf Amarā-Stoffe vorgeschrieben: Dadurch erlange man Unsterblichkeit und Yoga-Vollendung. Die Stoffe werde ich dir nennen, höchster Herr; ohne sie gelinge dies selbst in hundert Millionen Weltaltern nicht.

J.1.7 Eine Amarā ist Dūrvā-Gras, dessen Knoten man nehmen soll. Eine andere ist die Göttin Vijayā, Sarasvatī in Gestalt der Vollendung. Eine weitere wohnt im Bilva-Blatt und erfreut Śiva. Auch Nirguṇī gilt als Amarā zur Yoga-Vollendung; die fünfte ist die dunkle Tulasī, die Viṣṇu besonders erfreut. Diese fünf heißen Amarās der Yoga-Praxis.

J.1.8 Von den vortrefflichen Vijayā-Blättern wird die doppelte Menge verlangt. Die als Brāhmaṇī, Kṣatriyā, Vaiśyā und Śūdrā bezeichneten Formen werden sämtlich verehrt. Die Stoffe werden gesammelt, zu Pulver verarbeitet und unter fünf Anrufungen eingenommen, wodurch Bedrängnis weichen soll. [Vijayā bezeichnet hier Cannabis. Die Passage beschreibt eine historische rituelle Zubereitung; ihre Unsterblichkeitsbehauptung ist Teil des Textes.]

J.1.9 Die Anrufung der Dūrvā lautet dem Sinn nach: „O du vom Unsterblichen Genährte, aus dem Unsterblichkeitstrank Entstandene, Glückliche und Geliebte Haras, mache mich immerdar unsterblich!“ Sie endet mit der Opferwidmung an Dūrvā. Die Eingangslesart ist unsicher.

J.1.10 Danach sollen alle als Jungfrauen bezeichneten Pflanzenformen durch den Vijayā-Mantra gereinigt werden. Die Vorlage gibt mehrere Formeln nur mit ihrem Anfang: die Anrufung des Bewusstseins als Brahman, dann die Verehrung der Brāhmaṇī; die Anrufung der Göttin als Ursprung der Vollendung und als Bezwingerin der Königssöhne, Königstochter und Dreizackträgerin, dann der Kṣatriyā; die Formel vom Brennstoff des Nichtwissens, dann der Vaiśyā; schließlich eine mit „Ich verneige mich“ beginnende Formel und die Widmung an die Śūdrā. Einige Keimsilben sind verderbt; die ausgelassenen Mantrateile bleiben offen.

J.1.11 Zur Bilva-Göttin: „Göttin, die den Körper vollendet und im Bilva-Blatt wohnt, gewähre mir immerdar Unsterblichkeit und mache mich Śiva gleich!“ Es folgt die Verehrung der Heil Gewährenden. Zur Nirguṇḍī: „Höchste Herrin, leitende Gottheit der Yoga-Wege, Unsterbliche, die du die innere Haltung zur Vollendung führst, beschütze mich!“ Es folgt die Verehrung der Leid Beseitigenden.

J.1.12 Zur Tulasī: „Geliebte Viṣṇus, große Māyā, die du in der Flamme der Zeit wohnst, beschütze mich immerdar; mache mich ganz unsterblich!“ Es folgen Keimsilben und die Widmung an die Unsterbliche. Darauf werden alle Stoffe zusammengebracht und gemeinsam gereinigt. Die entsprechende Formel beginnt: „Unsterbliche, aus dem Unsterblichkeitstrank Entstandene …“ Ihr Rest wird nicht wiedergegeben.

J.1.13 Dargestellt werden Dhenumudrā, Yonimudrā und Matsyamudrā. Mit der Tattvamudrā soll der Kundige die Labung vollziehen. Siebenmal wird ohne eigene Formel unter Nennung des Gurus am Kopf dargebracht, siebenmal unter Nennung der erwählten Göttin. Dann erfolgt die Labung mit den Worten: „Ich labe; Verehrung, Verehrung!“ Vorangestellt wird der Mantra der erwählten Gottheit, die höchste Gottheit wird genannt und an den Anfang Oṃ gesetzt.

J.1.14 Danach beschreibt der Text die Aufnahme in den Mund als Opfer in ein Feuerbecken und nennt dessen Bezeichnungen. Eine weitere Formel beginnt: „Sprich, sprich …“, nennt eine Macht, die alle Wesen beeinflusst, und eine Dreizackträgerin gegen die Kehle des Feindes; ihr Mittelteil fehlt. Der beherrschte, treffliche Praktizierende erfahre die Wonne des Saftes der fünf Amarās, liebe die Ordnung des Kulācāra und gewinne einen festen Geist. Eine Wendung über die Lebensstände ist beschädigt.

Glieder des Yoga und geeignete Lebensführung

J.1.15 Im ersten Kapitel der Dattātreyasaṃhitā: Yama, Niyama und danach Āsana; als viertes Prāṇāyāma, als fünftes Pratyāhāra; sechstens Dhāraṇā, siebtens Dhyāna, achtens Samādhi, der die Frucht allen Verdienstes verleiht. So kennen Yājñavalkya und andere den achtgliedrigen Yoga. Auch die genannten Siddhas üben Haṭha; der erste ihrer Namen ist unsicher überliefert.

J.1.16 Im vierten Kapitel des Niruttaratantra: Sitzhaltung, Zurückhalten des Atems, Zurückziehen der Sinne, Konzentration, Meditation und Sammlung nennt man die sechs Glieder des Yoga. Zwölf Prāṇāyāmas ergeben Pratyāhāra; zwölf Pratyāhāras die glückverheißende Dhāraṇā; zwölf Dhāraṇās heißen nach den Meditationskundigen Dhyāna; zwölf Dhyānas ergeben Samādhi. Wird darin das höchste, alles durchdringende Licht geschaut, besteht kein Handeln und kein Kommen und Gehen mehr.

J.1.17 In der Dattātreyasaṃhitā: Unter den zehn von wahrheitsschauenden Sehern gelehrten Yamas ist leichte, maßvolle Nahrung das Wichtigste; unter den Niyamas ist es Gewaltlosigkeit. Höre die beste der 8.400.000 Sitzhaltungen: Ādinātha lehrte den hier genannten Lotussitz. [Die Zuordnung von Gewaltlosigkeit zu Niyama entspricht dieser Textstelle.]

J.1.18 Die Füße werden mit aufwärts gerichteten Sohlen auf die Oberschenkel gelegt, die Hände ebenfalls aufwärts zwischen die Oberschenkel. Der Blick ruht an der Nasenspitze; die Zunge wird an die Zahnwurzel geführt, das Kinn zur Brust gebracht. Langsam wird nach Vermögen Atem eingezogen und der Bauch gefüllt, langsam gehalten und danach ebenso langsam entleert. Dies heißt Padmāsana; ihm wird die Beseitigung aller Krankheiten zugeschrieben. Eine Wendung über das Anheben des Gesichts ist unsicher.

J.1.19 Im dreizehnten Kapitel des Grahayāmala: Beide Fußsohlen liegen oben auf den Oberschenkeln nahe der Wurzel des Geschlechtsorgans. Dies ist der Lotussitz, der alle Verfehlungen tilgt. Ob jung, alt oder krank: Durch allmähliche Übung erlangt man Vollendung. Yoga steht allen offen.

J.1.20 Ob Brahmane oder Śramaṇa, ob alt oder in anderer Weise benachteiligt, ob Kāpālika oder Cārvāka: Wer verständig ist, Vertrauen besitzt und sich ständig der Yoga-Übung widmet, erlangt alle Vollendungen. Wer wirklich übt, wird vollendet. Wie sollte es dem Untätigen gelingen? Wie könnte allein das Lesen der Lehrschriften Vollendung hervorbringen?

J.1.21 Ob kahl geschoren oder einen Stab tragend, in ockerfarbenem Gewand, Nārāyaṇas Namen sprechend, mit verfilztem Haar und Asche bestrichen, „Verehrung dem Śiva“ sagend, Brahman verehrend oder an zwölf Stellen Verehrung vollziehend und freundlich redend: Wie sollte einer Vollendung erlangen, wenn er ohne Übung oder grausam ist? Nicht das Anlegen eines Gewandes ist ihre Ursache. Die Übung selbst ist die Ursache der Vollendung; das ist wahr, Sāṅkṛti. Zwei Bezeichnungen der Aufzählung sind sprachlich unsicher.

J.1.22 Wer das Gewand eines Yogin nur um Geschlecht und Bauch willen trägt, täuscht die Menschen um Speise und Trank. Mit mancherlei Irreführung treiben solche dürftigen Menschen ihr Wesen. „Wir sind Yogins“, sagen sie, während sie dem Genuss des Mundes ergeben sind. Man meide solche Unwissenden ohne Yoga-Übung, die nur mit Worten schon ihr Ziel erreicht haben wollen und sich mit dem Gewand begnügen. Sie werden beständig zu Hindernissen des Yoga. Eine solche Tätigkeit führt nicht zur Vollendung.

J.1.23 Beim Eintritt in die Übung ist Trägheit das erste Hindernis, die Gemeinschaft mit den eben genannten Betrügern das zweite, Mantra-Praktiken das dritte, Metallverwandlung das vierte und üble Rede das fünfte. So entstehen vielerlei Hindernisse, einer Luftspiegelung gleich, und setzen sich im Geist fest. Der Verständige erkennt und verlässt sie. [Mantra-Praxis wird hier als Ablenkung von der begonnenen Yoga-Übung genannt.]

J.1.24 Man errichte eine schöne Übungshütte mit kleiner Tür und ohne Beschädigungen, sorgfältig mit Kuhdung oder Kalk verputzt. Sie werde täglich unermüdlich ausgefegt, mit gutem Duft versehen und mit Guggulu und ähnlichen Stoffen ausgeräuchert.

J.1.25 Im zwölften Kapitel des Grahayāmala spricht Īśvara: Die Haṭha-Lehre ist von Yogins, die Vollendung wünschen, streng geheim zu halten. Verborgen ist die Göttin kraftvoll; öffentlich preisgegeben verliert sie ihre Kraft. Der Haṭhayogin wohne zurückgezogen in einer Hütte in einem gut zugänglichen, rechtschaffenen Land, mit reichlicher Nahrung und ohne Störungen.

J.1.26 Die Yoga-Hütte habe eine kleine Tür, keine Löcher, Gruben oder Verstecke und sei weder zu hoch noch zu niedrig noch zu lang. Sie werde dicht mit Kuhdung verputzt, rein gehalten und von äußeren Störungen frei. Draußen seien eine Halle, ein Brunnen und ein Altar angelegt, von einer Mauer umgeben. So wird die Übungsstätte beschrieben, du Befreierin aus dem Daseinskreislauf! Darin übe man frei von allen Sorgen Haṭhayoga auf dem vom Guru gelehrten Weg.

Atemführung und ihre Zeichen

J.1.27 Die Dattātreyasaṃhitā fordert eine von Kot, Urin und achtzehn weiteren Mängeln freie Unterlage aus Stoff oder Fell. Eine eingeschobene Wendung über die Beziehung zur Ehefrau ist beschädigt. Auf einer geeigneten, ausgebreiteten Sitzunterlage nehme der Verständige den Lotussitz ein, halte den Körper aufrecht, lege die Hände zusammen und verneige sich vor seiner erwählten Gottheit.

J.1.28 Mit dem rechten Daumen wird Piṅgalā verschlossen und durch Iḍā langsam eingeatmet. Nach Vermögen wird der Atem gehalten und danach langsam, ohne Hast, durch Piṅgalā ausgeatmet. Wiederum wird durch Piṅgalā eingeatmet, der Bauch langsam gefüllt, nach Vermögen gehalten und langsam ausgeatmet. Durch die Seite, durch die man ausgeatmet hat, atmet man wieder ein; das Halten geschieht ohne Widerstreit.

J.1.29 So werden morgens zwanzig Atemhaltungen vollzogen. Dies heißt Sahita-Kumbhaka, frei von jeder Verkrampfung. Mittags folgen wiederum zwanzig, abends nochmals zwanzig. Täglich soll man diese mit Ausatmung verbundenen Atemhaltungen ohne Trägheit viermal üben. Nach drei Monaten erfolge die Reinigung der Nāḍīs. [Die vierte Zeit wird hier nicht eigens genannt.]

J.1.30 Im dreizehnten Kapitel des Grahayāmala: Prāṇāyāma wird dreifach beschrieben, als Ausatmen, Halten und Einatmen. Kumbhaka ist zweifach: Sahita und Kevala. Mit Aus- und Einatmung verbunden heißt es Sahita. Bis Kevala vollendet ist, übt man Sahita. Das mühelose Halten ohne Aus- und Einatmung heißt Kevala-Kumbhaka; dies wird Prāṇāyāma genannt. Man übe auf dem vom Guru gelehrten Weg.

J.1.31 Solange der Atem im Körper bleibt, spricht man von Leben; sein Entweichen ist der Tod. Deshalb wird er gebunden. Sind die Nāḍīs mit Unreinheiten angefüllt, tritt der Atem nicht in die Mitte ein. Wie könnten dann der entsprechende Zustand und körperliche Reinigung entstehen? Erst wenn der ganze Nāḍī-Kreis gereinigt ist, vermag der Yogin den Atem zu sammeln. Eine Wendung über den mittleren Zustand ist verderbt.

J.1.32 Darum übe man täglich Prāṇāyāma mit klarem, sattvischem Geist. So trocknen die Unreinheiten an der Suṣumnā aus. Im gebundenen Lotussitz atmet man durch den Mond ein, hält nach Vermögen und atmet durch die Sonne aus. Danach zieht man den Atem durch die Sonne ein, füllt langsam den Bauch, hält vorschriftsmäßig und atmet durch den Mond aus. Man atmet durch die zuletzt zum Ausatmen gebrauchte Seite ein und durch die andere langsam aus.

J.1.33 „Mond“ bedeutet das linke, „Sonne“ das rechte Nasenloch. Wer geregelt durch Iḍā Atem trinkt und durch die andere Seite entlässt, dann durch Piṅgalā einzieht, hält und links ausatmet, während er die beiden Scheiben von Sonne und Mond betrachtet, dessen Nāḍīs werden nach drei Monaten rein.

J.1.34 Morgens, mittags, abends und um Mitternacht werden viermal Atemhaltungen bis zur Zahl vierundachtzig geübt. Prāṇāyāma ist ein großer Dharma und schenkt dem Yogin Befreiung. Ein anschließender Satz fordert, bei der Atemübung Tag und Nacht „Wasser aufzugeben“; sein genauer Zusammenhang ist unklar.

J.1.35 Für die niedrigste Form werden zwölf Zeiteinheiten genannt, für die mittlere doppelt so viele, für die höchste dreimal so viele. Bei der geringeren entsteht Schweiß, bei der mittleren Zittern; bei der höchsten erhebt sich der im gebundenen Lotussitz sitzende Mensch wiederholt. Mit der aus der Anstrengung entstandenen Flüssigkeit wird der Körper eingerieben; dadurch entstünden Festigkeit und Glanz.

J.1.36 Bei gereinigten Nāḍīs treten äußerlich erkennbare Zeichen auf: Leichtigkeit und Glanz des Körpers, Zunahme des Verdauungsfeuers und Schlankheit. Wer zu den genannten Zeiten intensiv übt, erlangt die Fähigkeit, den Atem nach Wunsch zu halten. Daraus entsteht die alleinstehende Vollendung des Kumbhaka. Ist Kevala ohne Aus- und Einatmung vollendet, gilt nichts in den drei Welten mehr als schwer erreichbar.

J.1.37 Nun die Frucht vollendeten Kumbhaka: Zuerst entsteht Schweiß, mit dem man den Körper einreiben soll. Durch allmählich zunehmendes Atemhalten beginnt der sitzende Yogin zu zittern. Bei weiterer Übung entsteht der Froschzustand: Wie ein Frosch auf der Erde springt, bewegt sich der Yogin im Lotussitz hüpfend auf dem Boden. Bei noch weiterer Übung soll er den Boden verlassen und ohne Stütze im Lotussitz schweben, eine wunderbare Fähigkeit. [Dies sind überlieferte Vollendungszeichen.]

J.1.38 Ob er wenig oder viel isst, der Yogin werde nicht beeinträchtigt. Urin, Kot und Schlaf nähmen ab. Würmer, Skorpione, verschiedene Schweißerscheinungen und Körpergeruch träten bei dem so Vollendeten nicht auf; die betreffende Aufzählung ist teilweise unsicher. Zu Beginn gelten Milch und geklärte Butter als geeignete Nahrung. Ist die Übung gefestigt, besteht diese strenge Regel nicht mehr.

J.1.39 Wie Löwe, Elefant und Tiger nur allmählich gezähmt werden, so auch der Atem; andernfalls tötet er den Übenden. Richtig geübter Prāṇāyāma soll Krankheiten beseitigen; falsche Übung lässt Krankheiten entstehen. Durch gestörten Atem entstehen Schluckauf, Atemnot, Husten, Kopf-, Ohren- und Augenschmerzen und andere Beschwerden. Damit sind die Folgen verkehrter Atemführung beschrieben.

Nahrung, Hindernisse und Sammlung

J.1.40 Die Dattātreyasaṃhitā nennt zu meidende Hindernisse: Salz, Senf, heiße und trockene Speisen, Tadel, übermäßiges Essen und häufigen Geschlechtsverkehr. Auch das Sitzen am Feuer und besonders die Gesellschaft von Betrügern sollen aufgegeben werden. Eine Lesart innerhalb der Nahrungsaufzählung ist unsicher.

J.1.41 Das Grahayāmala nennt sechs Dinge, die Yoga zerstören: zu viel Essen, Umherreisen, Geschwätz, starres Festhalten an Regeln, Menschenansammlungen und Unbeständigkeit. Durch sechs andere gelingt Yoga: Begeisterung, Entschlossenheit, Geduld, Erkenntnis der Wirklichkeit, mutigen Einsatz und das Aufgeben geselliger Zerstreuung.

J.1.42 Als ungeeignet gelten Scharfes, Saures, Bitteres, Salziges, Heißes und grüne Blattgemüse; saure Gärgetränke, Öl, viel Senf, Fisch, Alkohol, Ziegen- und anderes Fleisch, Sauermilch, Buttermilch, Pferdebohnen, Jujuben, Ölkuchen, Asafoetida und Knoblauch. Auch wieder aufgewärmte Speisen, übermäßig salzige Nahrung und eine starke Mischung aus Sesam, Knollen und Gemüse werden verworfen. Der einleitende Ausdruck zum erneuten Erwärmen ist beschädigt.

J.1.43 Man meide die Zuneigung schlechter Menschen, die Hitze des Feuers sowie körperquälende Regeln wie frühes Baden und Fasten. Damit endet die Aufzählung des Ungeeigneten.

J.1.44 Geeignet für den Meister der Selbstzucht seien Weizen, Reis, Erbsen, Gerste und rasch reifender Reis; Milch, geklärte Butter, Rohrzucker, frische Butter, heller Zucker und Honig; Ingwer, langer Pfeffer und weitere Früchte, fünf Arten von Blattgemüse sowie Milch und reines Wasser. Einige Pflanzennamen sind unsicher. Der Yogin esse wohlschmeckende, angenehm süße, geschmeidige Nahrung, die die Körperbestandteile nährt und seinem Empfinden entspricht.

J.1.45 Die Dattātreyasaṃhitā nennt als Mittel rascher Vollendung Milch, geklärte Butter, süße Speisen und maßvolle Ernährung. Wer durch die sechs Reinigungen übermäßige Fülle, Schleim, Fett und Unreinheiten beseitigt hat, übe Prāṇāyāma; dann gelinge er ohne Mühe. Andererseits heißt es: Schon Prāṇāyāma allein trocknet alle Unreinheiten aus; ohne übermäßiges Fett und Schleim werden die sechs Reinigungsverfahren nicht empfohlen.

J.1.46 Wer mit gutem, gesammeltem Geist den Atem übt, erreicht die Wirkung der sechs Reinigungen. Selbst Brahmā und die anderen Götter widmeten sich dem Atem und gelangten so zur Vollendung. Darum übe man den Atem. Solange er im Körper gebunden ist, bleibt der Geist ohne Anlehnung. Wird der Blick zwischen den Brauen festgehalten, woher sollte dann Furcht vor der Zeit kommen?

J.1.47 Durch geregeltes Atemhalten wird der Nāḍī-Kreis gereinigt; der Atem durchbricht den Eingang der Suṣumnā und tritt ein. Bewegt er sich in der Mitte, entsteht Festigkeit des Geistes. Dieser ganz beständige Geistzustand heißt Manonmanī. Um ihn zu vollenden, übe der Kundige verschiedene Kumbhakas; aus ihrer Verschiedenheit entstehen verschiedene Vollendungen.

J.1.48 Trāṭaka: Mit unbewegtem Blick betrachtet man sorgfältig ein kleines Ziel, bis Tränen fallen. Das heißt Trāṭaka, große Herrin. Es soll behütet werden wie ein Kästchen aus Gold.

Die Atemhaltungen

J.1.49 Als unterschiedliche Kumbhakas werden Sūryabhedana, Uḍḍākhya, Śītkāra, Śītalī, Bhastrikā, Bhrāmarī, Mūrcchā und Plāvanī genannt. Die einleitende Zeile spricht von „sieben“, die folgende Darstellung zählt jedoch acht.

J.1.50 1. Sūryabhedana: In einer angenehmen Sitzhaltung, hier Muktāsana genannt, wird langsam durch die rechte Nāḍī Atem eingezogen. Das Halten wird bis zu einer mit Haar- und Nagelspitzen bezeichneten Grenze beschrieben; die Formulierung ist nicht eindeutig. Danach wird langsam durch die linke Nāḍī ausgeatmet. Als Wirkung werden Reinigung des Schädels, Beseitigung von Windstörungen und Wurmbefall genannt. Dieses Sūryabhedana soll wiederholt werden.

J.1.51 2. Uḍḍākhya: Bei geschlossenem Mund zieht man durch beide Nasenlöcher langsam Atem ein, sodass ein Laut vom Hals bis zum Herzen entsteht. Nach dem Halten wie zuvor wird durch Iḍā ausgeatmet. Der Übung werden die Beseitigung von Schleimkrankheiten, die Entfachung des Feuers und die Aufhebung verschiedener Nāḍī-, Wasserbauch- und Drüsenerkrankungen zugeschrieben; Teile dieser Krankheitsliste sind beschädigt. Sie könne im Gehen und Stehen ausgeführt werden. [Die hier gebrauchte Bezeichnung bleibt erhalten.]

J.1.52 3. Śītkāra: Der Atem wird mit zischendem Mundgeräusch und einer Bewegung durch die Nase geführt. Durch diese Übung werde man zu einem zweiten Liebesgott. Wer den Kreis der Yoginīs erreicht, könne Schöpfung und Auflösung bewirken. Hunger, Durst, Schlaf und Ohnmacht entstünden nicht; der Körper werde frei beweglich und frei von Bedrängnis. Die anschließende Verbindung mit dem Trinken des Atems an Zunge und Gaumenwurzel verspricht aufsteigende Vollendung und das Ende aller Krankheiten; ein Übergangssatz ist beschädigt.

J.1.53 4. Śītalī: Durch die Zunge wird Atem eingezogen und wie zuvor gehalten; danach wird langsam durch die Nasenöffnungen ausgeatmet. Dieser Kumbhaka soll Geschwülste, Milzleiden, Fieber, Samenverlust, Hunger und Durst beseitigen. Die Lesart für Hunger ist unsicher.

J.1.54 5. Bhastrikā: Im festen Lotussitz werden Hals und Rumpf aufgerichtet, der Mund geschlossen und durch die Nase ausgeatmet. Der Atem wird deutlich bewegt, sodass seine Bewegung Herz, Hals und Schädel erreicht; rasch wird bis zum Herzlotus eingeatmet, wieder ausgeatmet und dies wiederholt. Wie der Blasebalg eines Schmieds bewegt wird, so bewegt man den Atem im Körper; die Vorlage verbindet dabei rasche Bewegung mit der Forderung nach allmählichem Vorgehen.

J.1.55 Bei Ermüdung folgt eine leichte Füllung; die Nasenlöcher werden unter Ausschluss der Zeigefinger fest verschlossen. Nach dem Halten wie zuvor wird durch Iḍā ausgeatmet. Einige Einzelwörter dieses Ablaufs sind beschädigt. Als Wirkung nennt der Text die Beseitigung von Wind, Galle und Schleim, die Steigerung des Körperfeuers, die Aufhebung der Behinderung Kuṇḍalinīs und der Schwere im Cakra, die Reinigung der Brahma-Nāḍī-Mündung und das Durchbrechen der drei Knoten. Deshalb wird Bhastrikā besonders empfohlen.

J.1.56 6. Bhrāmarī: Die Einatmung wird mit einem kräftigen, dem Summen einer männlichen Biene vergleichbaren Ton, die Ausatmung sanft mit dem einer weiblichen Biene verbunden. Bei den großen Yogins lässt diese Übung eine besondere Ranke der Wonne im Herzen wachsen. Der Anfangsausdruck über die Stärke des Lauts ist unsicher.

J.1.57 7. Mūrcchā: Am Ende der Einatmung wird Jālandhara fest gebunden; danach folgt langsame Ausatmung. Diese Übung heißt Mūrcchā und wird als beglückendes Versinken des Geistes beschrieben.

J.1.58 8. Plāvanī: Mit nach innen geführter Luft wird der Bauch gefüllt. So soll man selbst auf tiefem Wasser unmittelbar wie ein Lotusblatt schwimmen.

Reinigungsverfahren in zwei Überlieferungen

J.1.59 Im zweiten Teil des Rudrayāmala: Höre die Netī-Verfahren, du von den Helden Verehrter; sie sollen den im Kopf angesammelten Schleim beseitigen. Ein feiner, fester Faden wird durch eine Nasenöffnung geführt und zum Mund gebracht. Durch wiederholtes Hin- und Herbewegen erfolgt die Reinigung; die Stärke des Fadens wird allmählich vergrößert. Dadurch werde die Nasenöffnung rein und der Durchgang des Atems angenehm. Dies ist das erste Verfahren.

J.1.60 Danach wird Dantī-Yoga für den trefflichen Übenden beschrieben, verbunden mit dem Reinigen der Zähne. Genannt wird ein frischer, biegsamer, weder dicker noch dünner, lotusfaserähnlicher Zweig von anderthalb Ellen Länge. Seine Spitze wird morgens wie ein Zahnputzholz bis zur Länge eines kleinen Fingergliedes gekaut, mit Wasser gespült und langsam herausgezogen.

J.1.61 Der Text beschreibt sodann ein allmähliches tieferes Einführen des immer feineren Zweigs, schließlich bis zur Nabelgegend. Die tägliche Morgenpraxis werde fortgeführt, bis die als „Wasserkreis“ und „Schleimgefäß“ des Herzens bezeichneten Hindernisse zerbrochen seien. Sie soll Körper, Rede und Geist reinigen und den Atemdurchgang erleichtern. [Dies ist eine historische Beschreibung eines invasiven Verfahrens, keine Anleitung zur Selbstanwendung.]

J.1.62 Es folgen schwer verständliche Ernährungsangaben: genannt werden Salzigkeit, Säure, Süße, Gemüse, Sauermilch, gekochte Nahrung und zweimalige Nahrung zur Nacht; die Verknüpfung mit Khecara und Kumbhaka ist beschädigt. Danach werden ein Teil „eigener Samen“ und zwei Teile Reis genannt, gut gekocht und mit geklärter Butter und Milch verzehrt. Die Bedeutung von „eigener Samen“ bleibt hier unklar. Alternativ wird allein Milch für die Labung verlangt.

J.1.63 Mit Milch soll der Kundige Kuṇḍalī, die Gestalt des Kula, laben. Kennt ein Yogin diese Kuṇḍalī-Labung, Śaṅkara, dann werde er mühelos zum Yogin und gewiss zum Meister der Erkenntnis.

J.1.64 Im siebenunddreißigsten Kapitel spricht Ānandabhairavī: Ich lehre Dhauti-Yoga, durch den man rein wird, einen höchst geheimen Yoga, der Menschen zur Vollendung führt. Ohne diese Übung verfalle man dem Tod; wer könnte ohne Dhauti auf Erden Vollendung erlangen, o Herr?

J.1.65 Beschrieben wird ein immer feineres Tuch, das in Schritten von je einer Elle allmählich bis zu zweiunddreißig Ellen verwendet wird. Durch diese Praxis werde man sogleich zum Yogin; der Mantra-Praktizierende gewinne schrittweise Vollendung und bringe das Netz der Zeit in seine Gewalt. Zugleich sollen körperliche Sitzhaltungen geübt werden, denn in fester Haltung liege die Vollendung des Yoga. Eine Verbindung mit der Mantra-Vollendung und fünf Yoga-Sitzen ist nicht eindeutig überliefert.

J.1.66 Das Tuch wird nochmals mit acht Fingerbreiten Breite und zweiunddreißig Ellen Länge angegeben. Der Selbstbeherrschte widme sich beständig Erkenntnis und Meditation. Regelwidriges Verhalten, die Macht der Sinne und die Gemeinschaft mit schwer Fehlenden führen zu Verlust. Ob alt, jung oder ein Kind: Eine beschädigte Zeile verspricht langes Leben, Unsterblichkeit, Beliebtheit, Mantra-Vollendung, Erfüllung des Gewünschten und Herrschaft über die Siddhis.

J.1.67 Die Praxis soll immer allmählich erfolgen, um die Mängel der Zeit zu überwinden. Das Durchbrechen des Herzknotens stärke sämtliche Glieder. Das bei Dhauti entstehende Begehren wird als Ursache großen Verderbens bezeichnet; wer es aufgibt, besitzt göttliche Kraft.

J.1.68 Nach Dhauti folgt Neḍaṇī. Allein ihre Übung lasse den Sitzenden in eine entsprechende Bewegung geraten und schenke langes, krankheitsfreies Leben. Höre ihre Ursache aufmerksam: Nach gekochter Mungbohnen-Nahrung soll eine gewisse Zeit abgewartet und der Bauch beobachtet werden; die genaue Zeitangabe und ein Zusatz über Verhärtung sind unsicher.

J.1.69 Der mittlere Bauch wird wiederholt bewegt und wie die Scheibe eines Töpfers gedreht. Durch die Bewegung aller Glieder gerät Kuṇḍalinī-Śakti in Bewegung; dadurch erwacht die Göttin zum Bewusstsein.

J.1.70 Danach wird Kṣālana genannt, das Reinigen der Nāḍīs. Es mache den Menschen zur Schatzkammer aller Wissenschaften und verleihe Vollendung des Atems und der fünf Elemente. Beschrieben werden Muṇḍāsana und ein umgekehrter Lotussitz mit nach unten gesetzten Händen, verbunden mit Rezitation. Der Text behauptet, bei der Fähigkeit, Muṇḍikāsana drei Tage auszuführen, würden sämtliche Nāḍīs beherrscht. Die genaue Zuordnung der Haltungsnamen ist unsicher.

J.1.71 Durch Nāḍī-Reinigung gelange der Praktizierende zur Vollendung. Wer Neḍaṇī nicht kennt, wie könnte er dazu ansetzen? Wer sich verständig, standhaft und sinnesbeherrscht dem Kern dieser Übung widmet, soll auch Kṣālana und die Arbeit an den Nāḍīs ausführen. Wer auf diesem Weg die Nāḍīs reinigt, werde gleich dem König der Könige, Mahākāla.

J.1.72 Auch allein durch das Halten des Lebensatems komme Kṣālana zustande. Ohne diese Reinigung entstehe keine Reinheit des Körpers. Das Reinigen der Nāḍīs beseitige Schleim, Galle und andere Störungen. Der Yogin vollziehe es sorgfältig durch Muṇḍāsana und das Aufnehmen von Atem. Die anschließende Regel über den Zeitpunkt im Verhältnis zu Neḍaṇī ist beschädigt und lässt keine sichere Handlungsfolge erkennen.

J.1.73 Solange Neḍaṇī nicht beherrscht wird, soll nicht in großem Maß Atem aufgenommen werden, denn dies könne Windkrankheiten und Unreinheiten hervorrufen. Bis zur Vollendung dieser Übung wird lediglich das Zählen des Atems verlangt. Durch die fünf Amarā-Praktiken würden die fünf Lebenswinde beherrscht.

J.1.74 Im Grahayāmala: Wer überschüssiges Fett und Schleim besitzt, soll zunächst die sechs Reinigungen üben; anderenfalls nicht, da die entsprechenden Störungen fehlen. Genannt werden Dhauti, Gajakariṇī, Vasti, Laulī, Natī und Kapālabhātī. Diese sechs geheim zu haltenden Verfahren reinigen das Körpergefäß und verleihen dem ausgezeichneten Yogin besondere Eigenschaften.

J.1.75 1. Dhauti: Nach Unterweisung des Gurus wird ein angefeuchtetes Tuch von vier Fingerbreiten Breite und fünfzehn Ellen Länge langsam aufgenommen und wieder zurückgezogen. Dies heißt Dhauti-Reinigung. Ihr werden die Beseitigung von Husten, Atemnot, Milzleiden, Hautkrankheiten und zwanzig Schleimkrankheiten zugeschrieben. [Die Maße unterscheiden sich von der zuvor angeführten Überlieferung.]

J.1.76 2. Gajakariṇī: Der Mageninhalt wird wieder hervorgebracht, indem Apāna angehoben und zum Hals geführt wird. Die Zeile über die allmähliche Einübung und den analen Weg ist beschädigt. Dieses Verfahren heißt Gajakariṇī.

J.1.77 3. Vasti: In nabeltiefem Wasser wird eine tiefe Hockstellung eingenommen und der untere Bereich kontrahiert; dies heißt Vasti-Reinigung. Genannt werden als ihre Wirkungen das Ende von Geschwülsten, Milz- und Bauchkrankheiten sowie von Leiden aus Wind, Galle und Schleim; ferner Klarheit der Körperbestandteile, Sinne und des inneren Organs, Glanz und gesteigertes Verdauungsfeuer. Die genaue Bezeichnung des verwendeten Vasti am Schluss ist unsicher.

J.1.78 4. Laulī: Mit geneigten Schultern wird der Bauch kräftig nach links und rechts gedreht. Diese Übung soll schwaches Verdauungsfeuer entfachen, die Verdauung fördern, Freude bringen und Krankheiten austrocknen. Sie wird als Krone der Haṭha-Verfahren gepriesen.

J.1.79 5. Natī: Ein Faden von einer Spanne wird durch den Nasengang eingeführt und durch den Mund herausgebracht. Ihr werden Reinigung des Schädels, Wohltat für den Hals, göttliches Sehen und rasche Beseitigung der im oberen Körper entstehenden Krankheiten zugeschrieben. Netī und Natī unterscheiden sich somit nur im Namen; Netī wurde bereits erklärt.

J.1.80 6. Kapālabhātī: Beschrieben werden rasche Atembewegungen wie die eines Schmiedeblasebalgs. Die Vorlage ist bei den Bezeichnungen von Ein- und Ausatmung verderbt. Kapālabhātī soll Schleimstörungen beseitigen. Damit enden die sechs Verfahren.

Vollendung, Sinnesrückzug und ihre Hindernisse

J.1.81 Die Dattātreyasaṃhitā: Durch verstärkte Übung entsteht große Kraft. Sie verleihe Vollendung über die auf der Erde gehenden Wesen, sodass Tiger, Wildbüffel, Bär, Elefant oder Löwe durch einen Handschlag des Yogin sterben könnten. Seine Schönheit werde der des Liebesgottes gleich. Gerade dann drohe ihm bei Unachtsamkeit ein großes Hindernis.

J.1.82 Von seiner Schönheit angezogene Frauen wünschen seine Gemeinschaft. Kommt es zum Geschlechtsverkehr, gehe sein Bindu verloren; daraus entstünden Schwächung und Unvermögen. Daher wird diesem Yogin nachdrücklich sexuelle Enthaltsamkeit und die Bewahrung des Bindu aufgegeben. Durch ständiges Bewahren erreiche er Vollendung. [Die Passage spricht aus der Perspektive eines männlichen asketischen Übenden.]

J.1.83 Zurückgezogen rezitiere er das lang gedehnte Oṃ, um frühere Verfehlungen zu tilgen. Dieser Praṇava beseitige alle Hindernisse und Mängel. Durch solche Übung entsteht die Vollendung der Anfangsstufe. Danach folgt für den Atemübenden der Ghaṭa-Zustand: Prāṇa und Apāna, Geist und Atem, individuelles und höchstes Selbst verbinden sich ohne gegenseitigen Widerstreit. So wird dieser Zustand der Vereinigung beschrieben.

J.1.84 Nun einige seiner Zeichen: Die zuvor genannte viermalige Übung wird aufgegeben. Tags oder nachts soll einmal täglich Kevala-Kumbhaka geübt werden; die Zeitangabe lautet in dieser Vorlage „einen Monat lang“. Daraus entsteht Pratyāhāra. Wenn der Yogin, im Kumbhaka ruhend, die Sinne deutlich von ihren Gegenständen zurückzieht, heißt dies Sinnesrückzug.

J.1.85 Was immer er mit den Augen sieht, betrachte er im Selbst. Was immer er mit den Ohren hört, betrachte er im Selbst. Was immer die Zunge schmeckt, betrachte er im Selbst. Was immer die Haut berührt, betrachte er im Selbst. So werden die Erkenntnissinne ihrer Zahl entsprechend gesammelt; eine dazugehörige Zeit- oder Zählangabe ist unklar. Jeden Tag widme er sich unermüdlich jeweils eine Wache lang der Übung.

J.1.86 Dann entstünden besondere Fähigkeiten: fernes Hören, fernes Sehen, augenblickliche Bewegung in die Ferne, Wirksamkeit des gesprochenen Wortes, Bewegung nach Wunsch und Unsichtbarkeit; ferner die Verwandlung von Metallen zu Gold durch Bestreichen mit Ausscheidungen und das Wandeln im Luftraum. Diese Fähigkeiten werden der beständigen Übung zugeschrieben.

J.1.87 Um Yoga wirklich zu vollenden, muss der Yogin verständig bleiben. Diese Fähigkeiten sind Hindernisse für die große Vollendung; der Weise soll sich nicht an ihnen erfreuen. Er stelle seine Kraft niemandem zur Schau; allenfalls einmal einem Menschen voller Hingabe. Um sie zu verbergen, bewege er sich unter Menschen wie ein Unwissender, Einfältiger oder Schwerhöriger.

J.1.88 Andernfalls sammeln sich viele Schüler. Menschen bitten den Yogin unablässig um Hilfe in ihren Angelegenheiten. Beschäftigt mit ihren Aufgaben, vernachlässigt er die eigene Übung und wird schließlich wieder weltlich. Ohne das Wort des Gurus zu vergessen, übe er Tag und Nacht. So entsteht durch vertraute, beständige Übung der Ghaṭa-Zustand. Ohne Übung gelingt dieser Yoga nicht durch leeres Reden; darum widme man ihm alle Kraft.

J.1.89 Durch weitere Übung entsteht die Stufe der Vertrautheit, Paricaya. Der vertraut gewordene Atem erweckt gemeinsam mit dem Selbst Kuṇḍalinī und tritt ungehindert in die Suṣumnā ein. Mit dem Atem tritt der Geist in den großen Weg ein. „Großer Weg“, „Leichenstätte“ und „Suṣumnā“ bezeichnen hier dasselbe. Verschiedene Lehrmeinungen unterscheiden die Namen, nicht die Frucht.

J.1.90 Wessen Geist mitsamt Atem in die Suṣumnā eintritt, der erkenne Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit. Nachdem er das Kommende und Nichtkommende erkannt hat, übe er sorgfältig in der Zurückgezogenheit die fünffache Konzentration, welche die Furcht vor dem jeweiligen Element beseitigt.

Kuṇḍalinī und die zehn Mudrās

J.1.91 Im vierzehnten Kapitel des Grahayāmala: Wie der Schlangenfürst die Erde mit Bergen und Wäldern trägt, so ist Kuṇḍalinī die Grundlage aller Haṭha-Lehren. Der Schlangenfürst ist Ananta. Wenn die Schlafende durch die Gnade des Guru erwacht, werden sämtliche Lotusse und Knoten durchbrochen. Der leere Pfad wird dem Atem zur Königsstraße; der Geist wird stützenlos und die Zeit überlistet.

J.1.92 Der leere Pfad ist die Suṣumnā. Dort heißt es: Suṣumnā, leerer Pfad, Brahman-Öffnung, großer Weg, Leichenstätte, Śaṅkhinī und mittlerer Weg sind gleichbedeutende Namen. „Zur Königsstraße werden“ bezeichnet die Leichtigkeit des Durchgangs. Darum soll man die Mudrās mit aller Sorgfalt üben, um die Herrin zu erwecken, die am Eingang der Brahman-Öffnung schläft.

J.1.93 Die zehn Mudrās sind Mahāmudrā, Mahābandha, Mahāvedha, Khecarī, Uḍḍīyāna, Mūlabandha, Jālandharabandha, Viparītakaraṇī, Vajriṇī und Śakticālana. Sie werden als Vernichter von Alter und Tod, als göttliche Geber der acht Herrlichkeiten und als Lieblinge aller Siddhas gepriesen, selbst für die Götter schwer erreichbar. Man bewahre sie wie ein Schmuckkästchen und erzähle von ihnen so wenig wie vom vertraulichen Liebesleben einer ehrbaren Frau.

J.1.94 1. Mahāmudrā. Die Dattātreyasaṃhitā: Ich werde ehrfürchtig die von Bhairava gelehrte große Mudrā erklären. Die linke Ferse wird an den Damm gelegt, das rechte Bein ausgestreckt und mit beiden Händen fest gehalten. Das Kinn wird zur Brust gebracht, eingeatmet, nach Vermögen gehalten und ausgeatmet. Nach der linken wird die rechte Seite geübt. Das zuvor ausgestreckte Bein wird auf den Oberschenkel gelegt; diese letzte Anweisung leitet offenbar zur folgenden Haltung über.

J.1.95 Im Grahayāmala wird dieselbe Grundhaltung beschrieben: Druck der linken Ferse am Damm, rechtes Bein gestreckt und mit den Händen gehalten, Halsverschluss und aufwärts gerichtetes Halten des Atems. Wie eine mit einem Stock berührte Schlange gerade wird, richtet sich Kuṇḍalinī-Śakti plötzlich auf. Die beiden seitlichen Atemwege geraten dabei in einen todesähnlichen Stillstand. Danach soll langsam, niemals hastig, ausgeatmet werden. Aus Liebe zu dir wird diese große Mudrā offenbart.

J.1.96 Ihre Frucht: Große Leiden, Fehler und Tod schwinden; deshalb heißt sie Mahāmudrā. Nach der Mondseite wird die Sonnenseite geübt, bis die Zahl auf beiden Seiten gleich ist. Danach wird die Mudrā gelöst. Für den Vollendeten gebe es dann keine Unterscheidung geeigneter und ungeeigneter Nahrung; alle Geschmäcker verlieren ihre Macht. Selbst schreckliches Gift werde wie Nektar verdaut. [Dies ist eine überlieferte Siddhi-Behauptung, keine Aussage über tatsächliche Giftverträglichkeit.]

J.1.97 Auszehrung, Hautkrankheiten, Darmstörungen, Erkrankungen des Afters und der Milz sollen bei ihrem Übenden schwinden. Diese Mahāmudrā vernichte Alter und Tod; sie ist sorgfältig zu behüten und nicht beliebig weiterzugeben.

J.1.98 2. Mahābandha. Zunächst heißt es, wer die Mudrā gebunden hat, übe den großen Verschluss; in ihm werden die Gesäßbacken sanft auf den Boden gesetzt. Dieser Mahābandha werde von Vollendeten geübt. Danach folgt seine nähere Beschreibung: linke Ferse am Damm, rechter Fuß auf dem linken Oberschenkel, Einatmung und festes Anlegen des Kinns an die Brust. Durch Zusammenziehen des unteren Bereichs wird der Geist in die Mitte geführt, dann langsam ausgeatmet. Eine Wendung zur Einatmung ist verderbt.

J.1.99 Der große Verschluss wird nach der linken auch auf der rechten Seite geübt. Er gilt als Geber großer Vollendung, hemmt die aufwärts gerichteten Bewegungen in den verschiedenen Nāḍīs, führt zum Zusammenfluss der drei Ströme und lässt den Geist Kedāra erreichen. Wie eine schöne Frau ohne Mann seien Mahāmudrā und Mahābandha ohne Vedha ohne Frucht. So lautet das Vergleichsbild der Vorlage.

J.1.100 3. Mahāvedha. Im Mahābandha wird der Atem eingezogen und durch den Halsverschluss gehalten. Auf die Hände gestützt lässt der Yogin das Gesäß sanft den Boden berühren. Die beiden seitlichen Wege werden zusammengezogen, der Atem bewegt sich rasch. Die folgende Zeile verbindet Mond, Sonne und Feuer mit dem Erlangen von Unsterblichkeit, ist aber sprachlich beschädigt. Wenn ein todesähnlicher Stillstand entstanden ist, woher sollte noch Todesfurcht kommen?

J.1.101 Ein anschließender Satz nennt einen „Königsstab“ und einen Verschluss an der Zunge; sein Sinn bleibt unsicher. Mahāvedha wird als Geber großer Vollendung gepriesen. Die drei großen Verschlüsse seien höchst geheim, beseitigten Alter und Tod, stärkten das Feuer und schenkten die acht Fähigkeiten, beginnend mit dem Kleinwerden. Täglich zu jeder Wache geübt, tilgten sie Verfehlungen und häuften Verdienst an. Die Schlusszeilen über Unterweisung, Schlaf, Feuer, Geschlechtsverkehr und anfängliches Baden sind beschädigt und erlauben keine sichere Regelübersetzung.

Die aufsteigende Kraft und der innere Mond werden in den Mudrā-Lehren miteinander verbunden.

Khecarī

J.1.102 4. Khecarī. Keine Sitzhaltung gleicht Siddhāsana, kein Kumbhaka Kevala, keine Mudrā Khecarī und keine Auflösung der Auflösung im Klang. Der Text beschreibt das allmähliche Verlängern der Zunge durch Bearbeitung und Bewegung, bis sie die Stelle zwischen den Brauen berühre; dies gelte als Vollendung der Khecarī.

J.1.103 Die Dattātreyasaṃhitā definiert sie so: Die Zunge wird zurückgebogen und im inneren Hohlraum des Kopfes festgehalten; der Blick richtet sich zwischen die Brauen. Dies ist Khecarī-Mudrā.

J.1.104 Das Grahayāmala beschreibt dazu ein scharfes, glattes, sauberes Instrument von der Form eines Snuhī-Blatts und das schrittweise Durchtrennen der Zungenbindung in haarbreiten Abständen, verbunden mit Steinsalz und pulverisierter Harītakī. Nach jeweils sieben Tagen werde die Bearbeitung wiederholt; nach sechs Monaten sei die Bindung an der Zungenwurzel gelöst. Ein Kommentar bemerkt, Yogins gebrauchten dafür zu seiner Zeit die Schneide einer Bambusrinde. [Diese historische operative Beschreibung ist keine sichere Übungsanweisung.]

J.1.105 Danach wird die Spitze des „Sitzes der Redeherrin“, also der Zunge, mit einem weichen weißen Tuch umwickelt und langsam gezogen. Das Tuch wird mit einer Spanne Länge und vier Fingerbreiten Breite angegeben. Nach weiteren sechs Monaten erreiche die Zunge nach oben die Brauenmitte, seitlich die Ohröffnungen und nach unten die Kinnwurzel. Eine weitere Entfernungsangabe mit Krośa ist offenkundig unstimmig und bleibt unaufgelöst.

J.1.106 Im zweiten Jahr solle die Zunge mühelos zur Brahman-Öffnung gelangen. Es folgt eine siebentägige Reinigung und Reibung der Gaumenwurzel; die Zunge wird allmählich eingeführt und durchbreche das große diamantene Tor zum Innern des Kopfes. Die in den drei Welten berühmte heilige Wissenschaft sei zuvor zu meistern. Beschrieben werden sechs Glieder und das Durchbrechen der sechs Cakras; die folgenden Verse über das Wandeln im Raum und die Vereinigung mit dem Kopf sind stark beschädigt.

J.1.107 Die Praxis müsse schrittweise erfolgen, schöne Göttin. Bei einem gewaltsamen gleichzeitigen Auflösen könne der Körper zugrunde gehen. Deshalb werde Yoga immer allmählich geübt. Nach drei Jahren erreiche man die Brahman-Pforte. Wer die sechs Cakras durchbricht, die am Ursprung ruhende Schlangenkraft erweckt, die Knoten und die große Mauer des hinteren Weges durchdringt und das Licht des Lebensatems zum reinen Haupt führt, trinke dort den vom Mondkreis herabfließenden Nektar. Der so Befreite sei unmittelbar Śiva. Einzelne Worte der letzten Bildfolge sind unsicher.

J.1.108 Wer mit aufwärts gerichteter Zunge täglich den süßen, kühlenden, siebenfach strömenden Unsterblichkeitstrank trinkt, der Furcht, Verfehlung, Hunger und Durst beseitige, erlange Festigkeit des Körpers, überwinde Tod und Krankheit und wohne wie Śiva. Unglück vergehe; eine Schlusswendung über die drei Zeiten ist beschädigt.

J.1.109 Nochmals die Definition: Die zurückgebogene Zunge tritt in den Schädelhohlraum ein, der Blick richtet sich zwischen die Brauen. Das ist Khecarī. Die Zunge wird nach hinten gewendet und im dreifachen Weg bewegt; dies heißt auch Raum-Cakra. Schon wer einen halben Augenblick mit aufwärts geführter Zunge verweilt, werde von Sinnesbindung, Krankheit, Tod und Alter frei.

J.1.110 Wer Khecarī kennt, dem sollen Krankheit, Tod, Schlaf, Hunger, Durst und Ohnmacht nichts anhaben. Er werde nicht von Krankheit bedrängt, nicht durch Karma befleckt und nicht von der Zeit gebunden. Weil der Geist im Raum wandelt und die Zunge in den Raum eingetreten ist, heißt die verehrte Mudrā Khecarī, „die im Raum Wandelnde“.

J.1.111 Wer durch Khecarī die Öffnung oberhalb des Zäpfchens verschließt, dessen Bindu fließe selbst bei geschlechtlicher Umarmung nicht aus. Bereits bewegter Bindu werde, wenn er den unteren Bereich erreicht, durch die Kraft der Yonimudrā wieder aufwärts gebunden. Wer mit erhobener Zunge fest verweilt und Soma trinkt, überwinde nach einem halben Monat den Tod, so die Verheißung.

J.1.112 Wie Feuer durch Brennstoff und eine Lampe durch den Docht fortbesteht, so verlasse das verkörperte Selbst den von Soma erfüllten Körper nicht. Dies wird nochmals wiederholt: Den stets von Mondnektar erfüllten Körper verlässt es nicht. Selbst beim Biss Takṣakas dringe das Gift nicht in den Leib eines solchen Yogin ein. Darum wird beständige gesammelte Übung gefordert. [Auch diese Aussagen gehören zur bildhaften Vollendungsverheißung.]

J.1.113 Man richte die Zunge aufwärts und trinke die unsterbliche Vāruṇī. Einen solchen Menschen verehre ich als Angehörigen des Kula; andere heißen hier Zerstörer des Kula. Mit dem Wort „Rind“ ist die Zunge gemeint; ihr Eintritt in den Gaumen heißt „Essen von Rindfleisch“ und soll schwere Verfehlungen vernichten. Was bei dieser vom Atem getragenen Zungenstellung vom Mond herabfließt, wird „unsterbliche Vāruṇī“ genannt. Ein Wort in dieser Erklärung ist verderbt.

J.1.114 Mit aufwärts gerichtetem Mund und im Hohlraum gehaltener Zunge wird die höchste Śakti betrachtet. Wer den reinen, wellenartigen Strom trinkt, der aus dem sechzehnblättrigen Lotus im Haupt herabfließt und durch den Atem herbeigeführt wird, werde frei von Mängeln, zart wie eine Lotusfaser und langlebig.

J.1.115 Wenn die Zunge unablässig die Spitze des Zäpfchens berührt, entstehen nach der Beschreibung salzige, scharfe, milchähnliche oder butterähnliche Säfte. Ihnen werden Heilung, Aufhebung des Alterns, das Hervorbringen der Lehrwissenschaft, Unsterblichkeit, achtfache Macht und das Anziehen vollendeter Frauen zugeschrieben.

J.1.116 Ein einziger Same enthält die Schöpfung; eine einzige Mudrā ist Khecarī; ein einziger Gott ist ohne Stütze; ein einziger Zustand ist Manonmanī. Khecarī verweilt lange im makellosen leeren Raum, bringt Erkenntnis hervor und ist mit den fünf Prinzipien verbunden. Damit endet die vierte Mudrā.

Die drei Verschlüsse

J.1.117 5. Mūlabandha. Mit der Ferse wird der Damm gedrückt, der After zusammengezogen und Apāna aufwärts geführt. Dies heißt Wurzelverschluss. Der abwärts gerichtete Apāna wird durch kräftiges Zusammenziehen nach oben gebracht; so erkläre ich Mūlabandha, große Herrin. Durch wiederholten Druck und Zusammenziehen steigt der Atem auf.

J.1.118 Eine teilweise verderbte Zeile verbindet den durch Prāṇa bewegten Bindu mit der vereinigenden Wirkung des Wurzelverschlusses. Danach heißt es klarer: Prāṇa und Apāna gelangen durch Mūlabandha zur Einheit und damit zur Vollendung des Yoga. Durch ihre Vereinigung und die Abnahme von Urin und Kot werde selbst ein Alter wieder jung, wenn er den Verschluss beständig übt.

J.1.119 Steigt Apāna zum unteren Kraftzentrum auf, verlängert und verstärkt sich die dortige Feuerflamme durch den Wind. Wie eine mit Öl genährte Lampe brennt das Körperfeuer. Dadurch wird die schlafende Kuṇḍalinī erhitzt und geweckt. Wie eine mit einem Stock berührte Schlange richtet sie sich zischend auf und tritt in die Höhlung der Brahma-Nāḍī ein. Deshalb soll Mūlabandha beständig geübt werden, höchste Herrin.

J.1.120 6. Uḍḍīyāna. Weil der gebundene Lebensatem in der Suṣumnā emporfliegt, heißt dieser Verschluss „Emporflug“. Der große Vogel fliegt auf; daher sein Name. Beschrieben wird das Zurückziehen des Bauches nach hinten und oberhalb des Nabels. Uḍḍīyāna ist wie ein Löwe gegenüber dem Elefanten Tod.

J.1.121 Uḍḍīyāna wird als natürlich bezeichnet. Wer es unermüdlich übt, werde selbst im Alter jung. Oberhalb und unterhalb des Nabels wird die Bauchwand sorgfältig nach hinten geführt; nach sechs Monaten werde der Tod besiegt. Eine zusätzliche Beschreibung im Vajrāsana nennt das Festhalten der Füße, Druck nahe einer unklar bezeichneten Körperstelle sowie den hinteren Bauch, Herz und Hals. Ihr Wortlaut erlaubt keine sichere Rekonstruktion des Ablaufs.

J.1.122 Der Atem werde allmählich zur Vollendung im Bauch geführt. Uḍḍīyāna sei der beste aller Verschlüsse; durch ihn werde Befreiung natürlich. Auch die Dattātreyasaṃhitā nennt ihn einen natürlichen, von den Weisen gelehrten Verschluss: Wer ihn mit klarem Wesen übt, werde als Alter jung. Der Atem werde ober- und unterhalb des Nabels geführt; nach sechs Monaten werde der Tod besiegt. Die Passage schließt mit dem Satz: Wer täglich Mūlabandha übt, ist ein Kenner des Yoga.

J.1.123 7. Jālandharabandha. Im Grahayāmala: Der Hals wird zusammengezogen und das Kinn fest auf die Brust gesetzt. Dieser Jālandhara genannte Verschluss verhindert den Verlust des Unsterblichkeitstranks. Die Dattātreyasaṃhitā beschreibt das Zusammenziehen des Halses und feste Halten des Atems im Herzen; eine Wendung über eine Zweiteilung des Nektars ist unsicher.

J.1.124 Der vom tausendblättrigen Lotus im Schädel herabfließende Nektar werde bei den Verkörperten zu Bindu und vom Feuer im Nabel verzehrt. Die Übung soll bewirken, dass nicht das Feuer, sondern der Übende selbst ihn trinkt. Er gelange auf dem hinteren Weg hinab und mache den Körper unsterblich. Deshalb wird Jālandhara geübt. Der erste Satz dieses Abschnitts ist grammatisch beschädigt.

J.1.125 Das Grahayāmala erklärt den Namen durch das Binden des Adernetzes; die Aussage über den darin hinabgehenden Stoff ist verderbt. Jālandhara beseitige die Leiden des Halses. Ist der Halsverschluss gesetzt, wird der Nektar nicht im Feuer verdaut und der Atem läuft nicht davon. Durch das Zusammenziehen werden die beiden Nāḍīs festgehalten. Dies gilt als mittleres Cakra und Bindung der sechzehn Stützen.

J.1.126 Diese drei hervorragenden Verschlüsse werden von großen Siddhas geübt und dienen allen Haṭha-Lehren. Werden der untere Bereich zusammengezogen, der Hals verschlossen und die Mitte nach hinten geführt, tritt Prāṇa in die mittlere Nāḍī. Das im Brahman-Ort ruhende Bewusstsein gelangt zur Auflösung des Atems; Tod und Alter entstünden dann nicht mehr.

J.1.127 Nochmals: Man zieht den Wurzelort zusammen, führt Uḍḍīyāna aus, bindet Iḍā und Piṅgalā und lenkt den Atem in die hintere Richtung. Dadurch gelangt er zur Auflösung; Tod, Alter und Krankheit entstehen nicht mehr.

Umkehrung und Bewahrung des Bindu

J.1.128 8. Viparītakaraṇa. Aller göttliche Nektar, der vom Mond tropft, wird von der Sonne verschlungen; dadurch altert der Körper. Es gibt jedoch ein göttliches Verfahren, den Mund der Sonne zu verschließen. Man lernt es aus der Unterweisung des Gurus, nicht aus Millionen Schrifterklärungen.

J.1.129 Nabel und Sonne befinden sich oben, Gaumen und Mond unten: Dies ist die Umkehrhaltung, der die Beseitigung aller Krankheiten zugeschrieben wird. Beständige Übung steigere das Verdauungsfeuer. Wer dann wenig oder nichts isst, werde vom Hunger geschwächt; der Übende brauche reichliche Nahrung. Bei zu wenig Nahrung verbrenne das Feuer den Körper.

J.1.130 Am ersten Tag soll die Stellung mit Kopf unten und Füßen oben nur einen Augenblick dauern; danach wird die Zeit täglich etwas vergrößert. Nach sechs Monaten verschwänden Falten und graue Haare. Eine anschließende Zeile nennt tägliche Übung „einen Monat lang“ und eine unklare Bezeichnung des Siegers; diese Lesart wird nicht zu einer üblichen Parallelfassung ergänzt.

J.1.131 Auch die Dattātreyasaṃhitā enthält hier zunächst Verse über das Zusammenziehen am After und das wiederholte Aufwärtsführen des Atems; das erste Wort ist beschädigt. Prāṇa und Apāna, Nāda und Bindu gelangen durch Mūlabandha zur Einheit und zur Vollendung des großen Yoga. Danach wird erneut die Umkehrhaltung als Beseitigerin aller Krankheiten und Steigerung des Verdauungsfeuers gepriesen.

J.1.132 Der Übende braucht reichliche Nahrung; bei geringer Nahrung verursacht das Feuer Brennen. Eine Zeile setzt hier „Rāhu oben, Mond unten“ und nennt den Blick, Sāṅkṛti; die Lesart weicht von der vorherigen Sonnenbeschreibung ab. Kopf unten und Füße oben werden am ersten Tag einen Augenblick gehalten, dann täglich etwas länger. Nach sechs Monaten seien Falten und graue Haare nicht mehr zu sehen. Wer täglich eine Wache lang übt, gilt als Yoga-Kenner.

J.1.133 9. Vajroṇī. Drei Formen werden genannt: Vajroṇī, Amaroṇī und Sayonī. Ihre Merkmale sollen erklärt werden. Selbst wer nach eigenem Willen lebt und die Yoga-Regeln nicht befolgt, werde durch Kenntnis der Vajroṇī zu einem Träger der Vollendung. Der nach unten gelangte Bindu solle durch Übung wieder aufwärts geführt und bewahrt werden.

J.1.134 Als zwei schwer erhältliche Voraussetzungen nennt die Vorlage Milch und eine willfährige Partnerin. Die Übung wird als allmähliches Zusammenziehen im Genitalbereich beschrieben; sowohl ein Mann als auch eine Frau könne Vollendung erlangen. Eine folgende Zeile über Röhren, Blasen und Luftbewegung ist beschädigt. Sie wird nicht zu einer instrumentellen Übungsanleitung ergänzt.

J.1.135 Der Text beschreibt das Zurückziehen des beim Geschlechtsverkehr abgegebenen Samens in den männlichen Körper und seine Bewahrung. Darin sieht er einen Sieg über den Tod: Ausfluss des Bindu bedeute Tod, Bewahrung Leben. Durch seine Bewahrung werde der Körper wohlriechend. Solange Bindu im Körper bleibt, woher sollte Todesfurcht kommen?

J.1.136 Die Kraft des Mannes wird hier mit Ausscheidungsstoffen, sein Leben mit Samen verbunden; daher seien beide sorgfältig zu bewahren. Auch der Menstrualstoff der Frau wird zusammen mit dem eigenen Bindu genannt und mit einer aufwärts gerichteten Aufnahme verbunden. Die Verse folgen einer historischen Vorstellung von der Bewahrung und Vereinigung körperlicher Essenzen.

J.1.137 Sahayonī und Amaroṇī gelten als Abarten der Vajroṇī. Bei Sahayonī wird nach geschlechtlicher Vereinigung ein Bestreichen der Körper beider Partner beschrieben; der verwendete Stoff ist in dieser Fassung nicht genannt. Beide sitzen danach angenehm und ohne weitere Tätigkeit. Dies wird, große Herrin, als Sahayonī erklärt.

J.1.138 Bei Amarī wird der erste Urinstrahl wegen seines angenommenen Gallenüberschusses, der letzte wegen seiner angenommenen Gehaltlosigkeit verworfen; der mittlere, als kühl geltende Strahl wird aufgenommen. Die Zuordnung zu einer bestimmten asketischen Gruppe ist sprachlich beschädigt. Wer täglich Amarī trinkt, Nyāsa vollzieht und Vajroṇī übt, praktiziere Amaroṇī. [Die Stelle dokumentiert eine historische Körperstoffpraxis.]

J.1.139 Eine Yoginī, die ihren Rajas durch Zusammenziehen aufwärts führt, erkenne Vergangenheit und Zukunft und werde zur Khecarī. Durch Vajroṇī erlange sie körperliche Vollendung. Dieser Yoga wird als heilbringend bezeichnet: Er lasse Genüsse erfahren und gewähre Befreiung. Damit endet die neunte Mudrā.

Die Kraft in Bewegung bringen

J.1.140 10. Śakticālana. Kuṇḍalāṅgī, Kuṇḍalinī, Schlangengöttin, Śakti, Herrin, Kuṇḍalī, Arundhatī und Devī sind gleichbedeutende Namen. Zwischen Gaṅgā und Yamunā lebt bildhaft eine junge verwitwete Asketin. Sie soll kraftvoll emporgeführt und ergriffen werden; dies sei Viṣṇus höchster Ort.

J.1.141 Man erwecke die schlafende Schlange, indem man bildhaft ihren Schwanz ergreift. Sie verlässt den Schlaf, richtet sich auf und steigt kraftvoll empor. Im Vajrāsana bringt der Yogin Kuṇḍalinī in Bewegung und führt anschließend Bhastrā aus, um sie rasch zu wecken. Selbst wer schon vom Donnerkeil des Todes getroffen sei, brauche dann den Tod nicht mehr zu fürchten.

J.1.142 Durch furchtloses Bewegen während zweier Muhūrtas wird die in der Suṣumnā befindliche Kraft etwas aufwärts gezogen. Die folgenden Zeilen über ihr Hervortreten und Freigeben des Weges sind beschädigt; erkennbar ist die Aussage, dass der Lebensatem in die Suṣumnā eintritt. Deshalb soll die vom Klang erfüllte Arundhatī täglich bewegt werden. Schon ihre Bewegung befreie den Kranken von Krankheit.

J.1.143 Wer die Kraft in Bewegung gebracht hat, ist ein Yogin und Träger der Vollendung. Was bedarf es vieler Worte? Er besiege die Zeit mit Leichtigkeit. Eine anschließende Aufforderung nennt eine durch Übung austretende Mondkraft, die beständig aufgenommen und im Haupt gehalten werden soll; sie verleihe göttliches Sehen. Die Einzelwörter sind nicht durchweg sicher.

J.1.144 Aus Liebe zu dir, große Herrin, wurden diese zehn Mudrās gelehrt. Jede einzelne soll Selbstbeherrschten rasch große Vollendung schenken. Ohne Rājayoga bleiben Erde und Stein bloß Erde und Stein; ohne Rājayoga glänzt selbst ein außergewöhnlicher Schlafzustand nicht. Die genaue syntaktische Verbindung dieser Vergleichszeilen ist unsicher.

J.1.145 Alle Atemverfahren der Verständigen seien mit dem Geist verbunden. Bei fester Übung wird auch die mittlere Nāḍī als glückverheißend beschrieben. Sitzhaltung, Verbindung des Lebensatems und Mudrās werden zusammengeführt; Rājayoga erscheint dabei wie ein Ozean. Die abschließenden Verse über die weitere Mudrā der Rudras und ihre Vollendung sind beschädigt und bleiben in ihrer genauen Aussage offen.

J.1.146 So endet in der Prāṇatoṣiṇī, im sechsten Buch, dem Jñānakāṇḍa, der erste Lehrabschnitt: die Darlegung der Lehrzusammenhänge von den fünf Amarās bis zu den zehn Mudrās.


Zweiter Lehrabschnitt: Elementbetrachtung und Atemzeichen

Die fünf Konzentrationen und Samādhi

J.2.1 In der Dattātreyasaṃhitā folgt die fünffache Konzentration. Die Konzentration auf Erde wird als Aufhebung der Furcht vor Irdischem beschrieben: Unterhalb des Nabels und oberhalb des Afters wird der Atem fünf Ghaṭikās gehalten. Dadurch solle dem Yogin kein Tod aus dem Erdelement entstehen. Die erste Zeile hat eine unsichere Lesart für Furcht und deren Aufhebung.

J.2.2 Am Nabel wird der Atem fünf Nāḍikās gehalten; dadurch gebe es keine Furcht vor Wasser und keinen Tod durch Wasser. Oberhalb des Nabels wird er ebenso lange gehalten: Dies ist die Feuerkonzentration. Der Yogin sterbe nicht durch Feuer; selbst in ein Feuerbecken geworfen werde sein Körper nicht verbrannt.

J.2.3 In dem mit zwei Spannen angegebenen Bereich zwischen Nabel und Brauen wird der Atem fünf Ghaṭikās gehalten. Dies ist die Luftkonzentration, die Furcht vor Wind aufhebe. Oberhalb der Brauen wird er sorgfältig fünf Nāḍikās gehalten: Dies heißt Raumkonzentration. Dadurch werde der Tod überwunden; wo immer man sich befinde, erfahre man höchstes Glück.

J.2.4 Wer diese fünf Konzentrationen vorschriftsmäßig übt, dessen Körper werde fest und dessen Tod entfalle. Selbst bei Brahmās Weltauflösung sterbe ein solcher Übender nicht. [Die langen Zeitmaße und Immunitätsverheißungen werden als Aussagen der historischen Vorlage wiedergegeben.]

J.2.5 Danach wird Meditation während sechzig Ghaṭikās gelehrt: Unter Zurückhalten des Atems betrachte man die erwählte, Erfüllung gewährende Gottheit. Dies ist Meditation mit Eigenschaften, die das Glück der Fähigkeiten wie Kleinwerden schenke. Betrachtet man dagegen das Eigenschaftslose wie den Raum, öffnet sich der Weg zur Befreiung.

J.2.6 Nach Vollendung der eigenschaftslosen Meditation übe man Samādhi. In zwölf Tagen werde er erreicht; der verständige Atembeherrscher werde gewiss lebend befreit. Samādhi ist der Zustand der Gleichheit von individuellem Selbst und höchstem Selbst.

J.2.7 Will der Vollendete den Körper verlassen, könne er ihn aus eigener Freiheit ablegen und unter Aufgabe guten wie schlechten Karmas im höchsten Brahman aufgehen. Will er ihn dagegen behalten, weil er ihm lieb ist, könne er mit den Fähigkeiten wie Kleinwerden durch alle Welten wandeln. Nach Wunsch werde er ein Gott im Himmel, augenblicklich ein Mensch oder Yakṣa, ein Löwe, Tiger, Elefant oder eine andere Daseinsgestalt. Der wissende Yogin bewege sich frei wie der große Herr.

J.2.8 „Sāṅkṛti, dies wurde dir über den achtgliedrigen Yoga und seinen Weg dargelegt. Nun werde ich die Auffassung der Siddhas wie Kapila erklären. Die Übungen unterscheiden sich, doch ihre Frucht ist gleich.“ Nach diesen Worten folgen Jālandhara und die übrigen Verfahren. Daraus sollen Verständige erkennen, dass nach Dattātreyas Auffassung Yoga auch ohne Jālandhara und Ähnliches möglich ist. Die erste Bezeichnung des zuvor gelehrten Weges ist unsicher.

J.2.9 Die Vorlage wiederholt anschließend Verse über den Druck am After und das wiederholte Aufsteigen des Atems; das erste Instrumentwort ist beschädigt. Prāṇa und Apāna, Nāda und Bindu werden durch Mūlabandha vereint. Dadurch werde die Vollendung des großen Yoga erreicht.

J.2.10 Die Umkehrhaltung wird erneut als Beseitigung aller Krankheiten und Steigerung des Verdauungsfeuers beschrieben. Der Übende brauche viel Nahrung; bei wenig Nahrung verursache das Feuer Brennen. „Rāhu oben, Mond unten“, heißt es auch hier, verbunden mit einer unsicheren Angabe zum Blick. Am ersten Tag stehen Kopf und Füße nur einen Augenblick in umgekehrter Stellung, danach täglich etwas länger. Nach sechs Monaten verschwänden Falten und graue Haare. Wer täglich eine Wache lang übt, ist ein Yoga-Kenner.

J.2.11 „Nun lehre ich dir Vajroṇī, die von Yogins stets geheim gehalten wird; sie darf nicht beliebig mitgeteilt werden.“ Es folgen teilweise beschädigte Voraussetzungen: Milch und Körpersaft werden genannt, daneben die Mitwirkung einer Frau für den männlichen Übenden und eines Mannes für eine übende Frau. Die Zuordnung eines „ersten“ und „dritten“ Bestandteils ist nicht sicher lesbar.

J.2.12 Mann, Frau oder eine weitere geschlechtliche Ausprägung werden in Bezug auf die für die Praxis nötige Ergänzung genannt; durch das Verwirklichen ihres Zwecks werde Vollendung erreicht. Ist Bindu abgeflossen, soll er nach oben gezogen und bewahrt werden. Seine Bewahrung gelte als Sieg über den Tod: Ausfluss sei Tod, Bewahrung Leben. Durch Bindu-Bewahrung würden alle Yogins vollendet.

J.2.13 Die Übungsfolge von Amaroṇī und Sahayonī soll aus der Überlieferung der Siddhas gelernt werden. Alle genannten Verfahren werden zu geeigneter Zeit geübt. Daraus entsteht Rājayoga; eine dazwischenstehende Wendung ist beschädigt. Eine bloße Andeutung oder geringe Beschäftigung genügt nicht zur Vollendung. Wer den Rājayoga-Zustand erreicht, der alle gedanklichen Entwürfe auflöst, mag nach freiem Ermessen handeln oder nicht handeln. Die Schlusszeile verbindet die Vollendung des yogischen Handelns mit Hingabe und Befreiung, ist aber nicht durchweg sicher.

Mond- und Sonnenatem

J.2.14 Weitere Wirkungen des Prāṇāyāma nach dem Grahayāmala: In der hellen Monatshälfte beginnt der Mondatem, in der dunklen der Sonnenatem. Vom ersten Mondtag an wechselt die Folge in Gruppen von jeweils drei Tagen.

J.2.15 Der Tripurāsārasamuccaya setzt beim Neumond an: Von dort beziehungsweise vom ersten Tag an steigt der Atem drei Tage im linken Nasenloch auf, danach drei Tage im anderen. So geht es bis zum Vollmond weiter. Verkehrt sich diese Ordnung während einer Monatshälfte, werde Krankheit angezeigt; während zweier Monatshälften Unheil für Verwandte und Freunde; während dreier der Tod.

J.2.16 Im Brahmayāmala: Fließt Sonne zur Mondzeit und Mond zur Sonnenzeit, werden Unheil, Verlust und Beunruhigung angezeigt. Die abschließende Aufforderung zur Behandlung günstiger Tätigkeiten ist nicht eindeutig. „Mondaufgang“ meint hier den für den linken Atemstrom bestimmten Zeitpunkt, „Sonnenaufgang“ den für den rechten; die Begriffe bezeichnen in diesem Zusammenhang bestimmte Atemzeiten.

J.2.17 Als günstig gilt Mondatem bei Reise, Gabe, Heirat, Anlegen von Gewändern und Schmuck, bei allen glückverheißenden Handlungen und beim Eintreten. Sonnenatem wird bei Streit, Spiel, Kampf, Baden, Essen, Geschlechtsverkehr, Rechtsgeschäften, Gefahr und dem Brechen von Widerstand gelobt.

J.2.18 Bezauberung, Befriedung, göttliche Heilmittel, Verjüngungsmittel, Beginn des Lernens und beständige Unternehmungen werden dem Mond zugeordnet. Im Fernkampf soll der Mond siegen, im Nahkampf die Sonne. Eine Reise beginne mit dem Fuß auf der Seite der fließenden Nāḍī; der Kommentar erklärt ausdrücklich, dass zuerst der zur aktiven Nasenseite gehörende Fuß vorgesetzt wird.

J.2.19 Beim Liegen, Zusammensein oder Umarmen einer jungen Frau heißt es bildhaft: Wer mit der Sonne den Mond trinkt, werde dem Liebesgott gleich. Der Kommentar versteht darunter den eigenen rechten Atemstrom und den linken Atemstrom der Partnerin, verbunden mit aufmerksamem Einziehen des eigenen Atems während der Vereinigung.

J.2.20 Der Mondstrom soll Gift überwinden, der Sonnenstrom eine Frau beeinflussen; in der Suṣumnā werde Befreiung gewonnen. Ein einziger Gott wird so dreifach betrachtet. Unmittelbar nach dem Essen, bei schwacher Verdauung und bei auf Beeinflussung gerichteten Handlungen wird Liegen unter Sonnenatem vorgeschrieben. Bei Erschöpfung, Kummer, Streit, Fieber, Ohnmacht und zum Erwecken eines nahestehenden Menschen wird Mondatem verlangt.

J.2.21 Der Kommentar erläutert: Nach dem Essen und Ähnlichem liegt man auf der linken, bei Erschöpfung und Ähnlichem auf der rechten Seite. Damit soll der jeweils andere Atemstrom gefördert werden. [Die genannten Heil- und Einflusswirkungen sind historische Zuordnungen.]

J.2.22 Nun die Stellung eines Boten, der aus einer Himmelsrichtung, von oben oder unten her eine Frage stellt: Oben, links und vorn wird er dem linken Weg zugerechnet; hinten, rechts und unten dem Sonnenweg. Fragt er auf der Seite der vollen, also fließenden Nāḍī, soll das Erfragte eintreffen. Auf der leeren Seite bleibe es leer. Steht er zuerst auf der leeren und tritt danach auf die volle Seite, werde das Anliegen erfüllt.

J.2.23 Fragt jemand während des Einströmens des Atems nach seinem Wunsch, werde dieser erfüllt; beim Ausströmen sei keine günstige Wirkung zu erwarten. Danach werden aggressive magische Handlungen wie Tötung, Verblendung, Lähmung, Entzweiung, Vertreibung, Antreiben, Anziehung und Erschütterung dem Sonnenatem zugeordnet; Befriedung, Stärkung, Wohlergehen, Heil- und Verjüngungsmittel sowie Yoga-Übung dem Mondatem.

Die Elementzeichen gehören in dieser Quelle zur Deutung der inneren Ströme.

Die Elemente im Atemstrom

J.2.24 Der Tripurāsārasamuccaya lehrt, in beiden Monatshälften das Aufsteigen der Elemente aufmerksam zu erkennen: Berührt der Atem die Nasenscheidewand, wird Erde angenommen; bei Berührung des unteren Bereichs Wasser; beim Aufwärtsgehen Feuer; bei seitlicher Berührung Luft; beim allseitigen Verlauf Raum. Mit „Gott“ ist in dieser Stelle der Lebensatem gemeint.

J.2.25 Nach dem Yāmala sind Erde und Wasser günstig, Feuer bringt gemischte Frucht; Raum und Luft bringen Verlust und Tod. Der Tripurāsāra differenziert nach Handlungen: Erde gilt für Beeinflussung und Stillstellung, Wasser für Befriedung und Stärkung, Feuer für schädigende Handlungen gegen Feinde, Luft für Vertreibung und Zerstörung, Raum für Befriedung und Entgiftung als geeignet. Die abweichende Wertung des Raums bleibt bestehen.

J.2.26 Zur Frage nach Dauer und Erkennen des Elementwechsels sagt das Yāmala: In jeder Nāḍī steigen nacheinander fünf Kalās auf – Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum. Erde fließt in der Mitte, Wasser unten, Feuer oben, Luft seitlich, Raum beim Übergang.

J.2.27 Auch der Prapañcasāra: An der Scheidewand beider Nasenöffnungen ist Erde, unten Wasser, oben Feuer, seitlich Luft und in der Mitte Raum. Dies ist der körperliche Verlauf der Elemente. [Die Zuordnung der Mitte unterscheidet sich in den zitierten Beschreibungen.]

J.2.28 Im elften Kapitel des zweiten Teils des Rudrayāmala werden die Zustände von Kindheit an beschrieben. Man beobachte das Kreisen des Atems an der Nasenspitze, in der Öffnung, oben und in der Mitte und unterscheide sein Auftreten und Ausbleiben. Die Reihenfolge nennt Raum, Luft, Feuer und Erde; Wasser fehlt in dieser Eingangsliste. Bei linkem Aufgang gilt eine Frau, bei rechtem ein Mann als günstig.

J.2.29 Der ausschließlich mittlere Verlauf wird dem Raum und dem Kindheitszustand zugeordnet. Seitlicher Verlauf und Kreisen an der Nasenspitze kennzeichnen Luft und das Knabenalter; hier wird dies als glückverheißend bezeichnet. Geht der Atem stabförmig über die halbe Nasenspitze, wird Feuer erkannt: Es verleihe Kraft und entspreche der Jugend, in der Handlungen gelingen.

J.2.30 Beim Wasseraufgang beschreibt die Vorlage einen ungestörten Verlauf in der Nasenöffnung, zugleich aber Verwirrung, den Alterszustand und Verzögerung trotz großer Anstrengung. Eine folgende Zeile verspricht Freude beim Aufgang von Varuṇas Zeichen. Die anschließende Erd-Beschreibung verbindet raschen Abwärtsgang, wenig sichtbaren Aufwärtsgang, Kindheitsrückkehr, Krankheit, Kraft und erhöhtes Glück; sie ist zu beschädigt für eine eindeutige Zuordnung.

J.2.31 Der Untergangszustand wird durch raschen Wechsel in und gegen die Ordnung, links und rechts, beschrieben. Erde und Wasser treten zur linken Nasenöffnung und bringen im Kula-Kreis Frucht oder deren Ausbleiben. Eine Zeile über die Luftkraft beider bleibt unklar. Damit endet die Darlegung der Zustände und ihrer Früchte in dieser Quelle.

J.2.32 Bei einer Frage wird weiter nach Frau und Mann unterschieden: Steht bei linkem Atem an der für eine Frau günstigen Stelle ein Mann, werden Krankheit und Scheitern der Handlung vorausgesagt. Bei linkem Luftaufgang und einem rechts stehenden Mann seien schlechte Frucht, erschwerter Erwerb, unerwarteter Verlust, Vereitelung des Wunsches, Bruch der Freundschaft und Streit zu erwarten. Die Zuordnung mehrerer Einzelzeichen ist sprachlich unsicher.

J.2.33 Nur beim Wasserzeichen gilt ein rechts stehender Mann als günstig, beim Erdelement rechts als ungünstig. Es folgt die Aufforderung, rechts die Wirkungen von Luft, Feuer und Raum zu unterscheiden. Bei langsamer Bewegung in der Mitte des rechten Nasenlochs wird der linke Aufgang als günstig bezeichnet. Für links seien Luft- und Feuerzeichen zu prüfen; Mischung bringe Verlust, ein entsprechender Atemton Furcht. Mehrere Verknüpfungen bleiben undeutlich.

J.2.34 Eine Schlussstelle beschreibt die Luftkraft im eigenen Haus und einen gegenüber links oder rechts stehenden Mann. Sie vergleicht das entstehende Verdienst mit dem einer Tochterverheiratung und verheißt durch die Gunst des Atems Reichtum, gute Nachrichten aus der Ferne und Nachkommenschaft. Die genaue Konstellation ist nicht sicher erhalten. Damit endet die Unterscheidung nach Frau und Mann.

Wochentage, Richtungen und Reisebeginn

J.2.35 Im Sūkṣmasvarodaya: An Donnerstag, Freitag, Mittwoch und Montag gilt die linke Nāḍī für alle Vorhaben als erfolgreich, besonders in der dunklen Monatshälfte. An Sonntag, Dienstag und Samstag wird die rechte genannt, verbunden mit der hellen Monatshälfte. Die zweite Zeitzuordnung ist sprachlich unsicher. In jeder Nāḍī entstehen die Elemente nacheinander; innerhalb von Tag und Nacht werden zwölf Übergänge genannt.

J.2.36 Stier, Krebs, Jungfrau, Skorpion, Steinbock und Fische werden dem Mond zugeordnet; Widder, Löwe, Schütze, Waage, Zwillinge und Wassermann dem rechten Aufgang. So wird Günstiges und Ungünstiges nach Wochentagen und weiteren Zeitzeichen bestimmt.

J.2.37 Der Mond steht im Osten und Norden, die Sonne im Westen und Süden. Bei rechtem Atem soll man nicht nach Süden oder Westen gehen, bei linkem nicht nach Osten oder Norden. Dort drohe ein Gegner; wer dennoch aufbricht, kehre nicht zurück. Verständige sollen diese Wege zu solchen Zeiten meiden, weil Zusammenstoß und Tod angekündigt werden.

J.2.38 Am zweiten Tag der hellen Monatshälfte wird Mondatem bei Sonnenaufgang mit großem Gewinn und Wohlergehen verbunden. Wenn Sonne zur Sonnenzeit und Mond zur Mondzeit aufsteigt, gelingen die Handlungen des Tages und der Nacht. Fließt die Sonne bei einem Mondvorhaben oder zur Mondzeit, entstehen Beunruhigung, Streit und Verlust; der Schlussausdruck über glückverheißende Vorhaben ist beschädigt.

J.2.39 Zwei Verse verbinden den Sonnenstrom mit einem unklaren „Netz“ und einer festen Sitzhaltung, den Mondstrom mit einer anderen Frucht des Atems; sie sind nicht zuverlässig auslegbar. Danach heißt es: Bei verkehrtem Aufgang am frühen Morgen – Sonne an Stelle des Mondes und Mond an Stelle der Sonne – folgen nach Tagen unterschiedliche Wirkungen.

J.2.40 Am ersten Tag: geistige Unruhe; am zweiten: Geldverlust; am dritten: Fortgehen; am vierten: Verlust des Geliebten; am fünften: „Herrschaft und Wohlstand“ nach der vorliegenden Lesart, obwohl die Reihe Unheil aufzählt; am sechsten: Verlust aller Güter; am siebten: Krankheit und Leid; am achten: Tod.

J.2.41 Eine Zeile über drei Zeiten, ausbleibendes Unheil und geringere Abweichung ist beschädigt. Klarer folgt: Mondatem am Morgen und Mittag, Sonnenatem am Abend bringen stets Sieg und Gewinn; der umgekehrte Verlauf bringt Leid. Wo der Atem links oder rechts ansetzt, soll man den entsprechenden Fuß zuerst vorsetzen, damit die Reise gelingt.

J.2.42 Der Mond fördert Vorhaben des Wohlergehens, die Sonne wird hier als stets schwierig bezeichnet. Beginnt man mit dem Fuß der vollen Seite, gelingt die Reise. Für Samstag und Freitag werden sieben Schritte genannt. Weitere Zeilen nennen Mond, Sonne, Mars, Saturn und Jupiter, sind aber in ihrer Schrittzuordnung beschädigt; eine vollständige Wochenregel lässt sich daraus nicht sicher gewinnen.

J.2.43 Es folgen unsichere Zeilen über schnelles Gehen, gegnerische Gruppen, Verlust und Streit. Erkennbar ist die Regel, für die Bewegung die Seite der fließenden Nāḍī zu wählen. Beim Mondstrom werden vier, beim Sonnenstrom fünf Schritte genannt. So vollzogener Aufbruch werde als vorzüglich und zur Gewinnung der drei Welten geeignet gepriesen.

J.2.44 Nach dem Erwachen wird das Gesicht mit der Hand auf der Seite des fließenden Atems bestrichen. Dadurch erlange man das gewünschte Ergebnis, erleide weder Verlust noch Streit noch Dornenverletzung und kehre glücklich, von Störungen frei, zurück. Damit endet die Wirkung des Bestreichens mit der Hand der aktiven Nāḍī.

Volle und leere Seite

J.2.45 Guru, Verwandte, König, das eigene Selbst und andere Wohltäter werden auf der vollen Seite angeordnet, damit das Vorhaben gelingt. Feinde, Diebe und weitere teilweise unklar benannte Gefahren sollen auf der leeren Seite bleiben, um Sieg und Glück zu gewinnen.

J.2.46 Für weite Reisen wird Mondatem genannt. Die folgenden Verbote zum Aufbruch unter einem glühenden Zeichen und zur Rückkehr ins Haus sind beschädigt. Alle zuvor erklärten Wirkungen von Gewinn, Kampf und Begegnung werden der vollen Nāḍī zugeschrieben; auf der leeren, entgegengesetzten Seite kehrt sich das Ergebnis um, wie der Allwissende erklärt habe.

J.2.47 Eine weitere unklare Liste nennt Feuer, Übeltäter, Vertreibung, Täuschung mit göttlicher Wissenschaft, Zornige und Feinde: Auf der vollen Seite seien solche Erscheinungen furchterregend. Für den weiten Weg wird nochmals Mondatem als günstig und hindernisfrei gepriesen, für rasches Eintreten dagegen Sonnenatem.

J.2.48 Wiederum: Der Mondatem soll Gift überwinden, der Sonnenatem eine Frau beeinflussen; die Suṣumnā führt zur Befreiung. Der eine Gott bleibt in diesen Formen gegenwärtig. Eine folgende Aussage über Yogin, Nāḍī und Eignung ist beschädigt. Klar ist die Folgerung: Weil Tag und Nacht unterschiedliche Handlungen anstehen, soll die Nāḍī ihrem Zweck entsprechend in Bewegung gebracht werden. Wie dies geschieht, ist vom Guru zu lernen.

Tätigkeiten unter den drei Atemströmen

J.2.49 Iḍā wird empfohlen für beständige Vorhaben und weite Reisen; für Einsiedeleien, Häuser und Paläste, das Sammeln von Gütern, das Anlegen von Wasserbecken, Brunnen und Teichen sowie die Einsetzung von Gottheiten; für Reisen, Gaben, Heirat, Gewänder und Schmuck; für Befriedung, Stärkung, Heil- und Verjüngungsmittel.

J.2.50 Weiter: den Besuch beim Herrn, Reise- und Handelsvorhaben, Einzug in ein Haus, Dienst, Landwirtschaft und Aussaat, glückverheißende Handlungen, Bündnisse und Aufbruch. Ebenso den Beginn des Lernens, Verwandtenbesuche, menschlichen Umgang, Dharma, Einweihung, Mantra-Praxis, Behandlung zeitbedingter Krankheiten und Anrede eines Herrn.

J.2.51 Genannt werden ferner das Besteigen und Bändigen von Elefanten und Pferden, Hilfe für andere, das Anlegen von Schätzen, Gesang, Instrumentalmusik, Tanz und Erörterung der Musikwissenschaft; Wohnen in Stadt und Dorf, Tragen von Stirnzeichen und Schirm; Ruhe bei Kummer, Niedergeschlagenheit, Fieber und Ohnmacht.

J.2.52 Hinzu kommen Beziehungen zu Angehörigen und Herren, das Sammeln von Getreide und Holz, Freude und Schmuck einer Frau, eine unklare Angabe zum Betreten eines Sitzes, Guru-Verehrung und das Bewegen oder Beseitigen von Niedergeschlagenheit. Auch Yoga-Übung gilt unter Iḍā als erfolgreich. Dabei sollen jedoch Luft-, Feuer- und Raumzeichen vermieden werden. Für alle günstigen Tätigkeiten bei Tag und Nacht wird der Mondstrom gelobt.

J.2.53 Piṅgalā wird empfohlen beim Lernen und Lehren schwieriger oder scharfer Wissenschaften, beim Geschlechtsverkehr und Besuch einer Kurtisane, beim Besteigen großer Schiffe, für bestimmte gewünschte Vorhaben, Alkoholgenuss und Verehrung eines Helden-Mantras. Es folgen aggressive Unternehmungen, Verwüstung von Gebieten und Giftgaben gegen Feinde; diese beschädigte Aufzählung wird als historische Zuordnung wiedergegeben.

J.2.54 Weiter nennt der Text Waffen- oder Lehrübung, Aufbruch, das Bezwingen von Wildtieren, schwere Arbeit an Ziegeln, Holz, Stein und Edelsteinen, Gesangsübung, Yantra- und Tantra-Verfahren, das Besteigen von Festungen und Bergen, Spiel, Diebstahl sowie den Umgang mit Elefanten, Pferden, Wagen und anderen Fahrzeugen.

J.2.55 Hinzu kommen körperliche Anstrengung, Tötungs- und Vertreibungsrituale und die sechs magischen Handlungen, der Umgang mit Schutzwesen, Yakṣas, Vetālas und Geistern, das Reiten auf Eseln, Kamelen, Büffeln und Elefanten, das Durchqueren von Flüssen und Wassermassen, Arzneimittel und Bearbeitung oder Beschriftung von Edelsteinen.

J.2.56 Nochmals werden Tötung, Verblendung, Lähmung, Entzweiung, Vertreibung, Beeinflussung, Anziehen des Lebensatems, Geben und Verkauf eines unklar benannten Gegenstands aufgezählt. Auch Kampf mit dem Schwert, Genuss, Königsbesuch, Essen, Rechtsgeschäfte und heftige Tätigkeiten gelten unter Sonnenatem als günstig.

J.2.57 Unmittelbar nach dem Essen, bei schwacher Verdauung und für die Beeinflussung von Frauen wird erneut Liegen unter Sonnenatem vorgeschrieben. Alle grausamen und verschiedenartigen beweglichen Handlungen gelängen unter der Sonne; daran solle kein Zweifel bestehen. Damit endet die Aufzählung der Piṅgalā-Wirkungen.

J.2.58 Suṣumnā: Fließt der Atem bald links, bald rechts, wird dies Suṣumnā genannt. Sie ist an sich glückverheißend, hebt aber alle weltlichen Vorhaben auf. In dieser Nāḍī brennt das Feuer in Gestalt der Zeit. Der ungleiche Verlauf gilt als Zerstörer von Unternehmungen. Fließen beide Seiten unter Überspringen der üblichen Ordnung, wird nahendes Unheil angenommen.

J.2.59 Augenblicklicher Wechsel und gleichzeitiger Verlauf durch beide Seiten heißen ungleich. Man soll dann weder heftige noch milde Vorhaben beginnen; sie blieben ohne Frucht. Bei Fragen nach Leben und Tod, Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage ist unter solchem Verlauf mit Umkehrung zu rechnen. Man gedenke des Herrn der Welt.

J.2.60 Das Betrachten Gottes und Yoga-Übung sollen dann gepflegt werden; andere, auf Sieg, Gewinn und äußeres Glück gerichtete Handlungen nicht. Ein Vers über wiederholten Wechsel zwischen Sonne und Suṣumnā nennt Fluch und Segen und die Umkehr ihrer Wirkung; seine genaue Bedingung bleibt unsicher.

J.2.61 Beim Wechsel der Nāḍīs oder der Elemente soll keine äußere glückverheißende Handlung begonnen werden, selbst keine Gabe in millionenfacher Menge. Eine weitere Zeile über ungleichen Verlauf und einen zweiten Tag ist beschädigt. Reisen werden in diesem Zustand als verlustbringend, in Todesnähe als besonders unheilvoll bezeichnet.

J.2.62 Vorn, links und oben werden dem Mond, rechts und hinten der Sonne zugeordnet. Der Lehrer soll volle und leere Seite stets unterscheiden. Die Botenregel wird wiederholt: oben, links und vorn gehört der Bote zum linken Weg, hinten, rechts und unten zum Sonnenweg.

J.2.63 Es folgen Verse über den anfangslosen, ungleichen Übergang, der ohne Nahrung und ungestört sei; darin löse sich das höchste Feine auf. Dies heiße Sandhyā, die Verbindung. Eine Frage an einem solchen Übergang wird mit Gift verglichen. Die Schlussverse unterscheiden bloßes Reden vom Veda und wirkliches Wissen: Wo das höchste Selbst gegenwärtig ist, dort heißt es wahrhaft Veda. Mehrere Verbindungswörter dieser Passage sind beschädigt.

Erkennen der fünf Elemente

J.2.64 Die erhabene Göttin spricht: Gott der Götter, großer Gott, du Befreier aus allem Daseinskreislauf, sage mir das Geheimnis, das in deinem Herzen ruht! Śiva antwortet: Das Geheimnis des Atemwissens steht in besonderer Beziehung zur erwählten Gottheit; der genaue erste Satz ist beschädigt. Ein Yogin, der sich dem Wissen vom Atemstrom widmet, gilt als höchster Yogin.

J.2.65 Aus den fünf Elementen entsteht die Schöpfung; ein Prinzip löst sich im anderen auf. Jenseits der fünf steht die höchste Wirklichkeit, das makellose Selbst der Prinzipien. Der Yogin soll ihre Namen durch vollendeten Yoga erkennen. Die höchsten Götter kennen auch ihre ungünstigen Zeichen. Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum: Wer alles als aus diesen fünf bestehend erkennt, ist ein Verehrer.

J.2.66 Das Leben aller Welten wird mit diesen unterschiedlichen Prinzipien verbunden; eine Aussage über ihre Nichtverschiedenheit ist unsicher. Von Bhūrloka bis Satyaloka werden die Nāḍīs unterschieden. Bhūrloka wird dem Nabel, Satyaloka dem Haupt zugeordnet, weil diese Welten dort ihren Sitz haben.

J.2.67 Der Aufgang geschieht links oder rechts. Höre die achtfache Erkenntnis der Bestandteile: erstens die Zahl der Prinzipien, zweitens die Atemübergänge, drittens die Zeichen des Atemstroms, viertens Prāṇa selbst, fünftens die Farbe der Elemente, sechstens ihr Ort, siebtens ihr Geschmack, achtens die Art ihrer Bewegung. So wird der Lebensatem achtfach erkannt; eine Folgewendung über Bewegtes und Unbewegtes ist beschädigt.

J.2.68 Nichts stehe höher als der Atemstrom, Göttin. Vom frühen Morgen an soll er sorgfältig beobachtet werden. Yogins vollziehen ihre Handlungen, um die Zeit zu überlisten. Eine Anweisung beschreibt das Verschließen von Ohren, Nasenöffnungen, Mund und Augen mit den Fingern; die genaue Fingerzuordnung ist nicht vollständig lesbar. Dadurch sollen die Elemente nacheinander erkannt werden.

J.2.69 Genannt werden gelbe, weiße, rote und dunkle Punkte als Zeichen. Auch soll man einen Spiegel anhauchen und die entstehende Gestalt beobachten. An ihr erkenne der Kundige die Unterschiede der Elemente. Die folgenden Formen sind Quadrat, Halbmond, Winkel beziehungsweise Dreieck, Kreis und Punkte; der Satz über die Punkte enthält eine unsichere Verneinung.

J.2.70 Eine erneute Bewegungsbeschreibung nennt Mitte, halbe Bereiche, hinteren Bereich, Feuer, seitlichen Luftstrom und Raum beim Übergang; sie ist beschädigt. Klar folgt die Farbenlehre: Wasser ist weiß, Erde gelb, Feuer rot, Luft wie eine dunkle Regenwolke, Raum von allen Farben.

J.2.71 Feuer wird beiden Schultern, Luft der Nabelwurzel, Erde den Knien, Wasser den Füßen und Raum dem Haupt zugeordnet. Nach dem Geschmack gilt Erde als süß, Wasser als zusammenziehend und süß, Feuer als bitter, Luft als sauer und Raum als scharf.

J.2.72 Nach der Atemweite werden Luft acht, Feuer vier, Erde zwölf und Wasser sechzehn Fingerbreiten zugeordnet. Aufwärtsgehen wird mit Tod, Abwärtsgehen mit Befriedung, seitlicher Verlauf mit Vertreibung, mittlerer Verlauf mit Stillstellung verbunden. Raum wird dabei als überall mittig bezeichnet.

J.2.73 Beständige Handlungen gehören zur Erde, bewegliche zum Wasser, grausame zum Feuer, Tötung und Vertreibung zur Luft. Unter Raum soll nichts Weltliches begonnen werden; es eignet sich zur Yoga-Praxis. Im leeren Zustand bleiben die Handlungen leer. Erde und Wasser bringen Erfolg, Feuer Tod, Luft Verlust, Raum Fruchtlosigkeit.

J.2.74 Erde bringt Gewinn nach längerer Zeit, Wasser augenblicklich; Feuer und Luft bringen Verlust, Raum kein Ergebnis. Der Erdatem wird als gelblich, mittig fließend, kräftig und lauwarm beschrieben; ein Farbwort ist unsicher. Er vollendet beständige Vorhaben.

J.2.75 Wasser fließt nach unten, klingt tief, bewegt sich rasch, erscheint kühl und reicht sechzehn Fingerbreiten; es fördert günstige Handlungen. Feuer ist wirbelnd, heiß, goldglänzend, vier Fingerbreiten lang und aufwärts gerichtet; es bewirkt scharfe Handlungen.

J.2.76 Luft ist wechselnd warm und kalt, dunkel, seitlich gerichtet und acht Fingerbreiten lang; sie vollendet bewegliche Vorhaben. Ein Atemstrom, der sämtliche Elementeigenschaften trägt und wirbelt, wird als Yogins den Yoga verleihend beschrieben; der genaue Name dieses Stroms ist unsicher.

J.2.77 Nochmals werden die Zeichen zusammengefasst: Erde ist gelb, quadratisch, süß, mittig, Genuss spendend und zwölf Fingerbreiten weit. Wasser ist weiß, halbmondförmig, süß und zusammenziehend, erquickend, Gewinn bringend und sechzehn Fingerbreiten weit.

J.2.78 Feuer ist rot, dreieckig, bitter, aufwärts fließend, glühend und vier Fingerbreiten weit. Luft ist blau, kreisförmig, süß-sauer, seitlich, unbeständig und acht Fingerbreiten weit. Raum ist in Farbe, Form und Geschmack unbestimmt, unmanifest und überall gehend; es schenkt Befreiung, bleibt aber bei weltlichen Vorhaben fruchtlos.

J.2.79 Wieder heißt es: Erde und Wasser sind günstig, Feuer bringt gemischte Frucht, Raum und Luft Verlust und Tod. Erde wird Osten und Westen, Feuer Süden, Luft Norden, Raum Mitte und Ecken zugeordnet. Wenn Erde und Wasser im Mond, Feuer in der Sonne fließen, gelingen die jeweils entsprechenden Tätigkeiten; der Schluss der Zeile betont milde Handlungen.

J.2.80 Danach steht eine abweichende Aussage, dass Erde keinen Gewinn bringe, Wasser dagegen nachts Gewinn; weitere Worte über Feuer, Tod, Erde, Luft und das Verbrennen eines Ortes sind beschädigt. Die Deutung soll für Fragen nach Leben, Sieg, Gewinn, Landwirtschaft, Geld, Mantra, Kampf, Kommen und Gehen gelten. Beim Wasserzeichen komme der Feind, bei Erde bleibe er an seinem Ort, bei Luft ziehe er fort; Raum und Luft werden wiederum mit Verlust und Tod verbunden.

J.2.81 Bei Erde wird angenommen, dass eine Frage Wurzeln oder Pflanzen betrifft; die gleiche Zuordnung wird auch für Raum genannt. Feuer bezeichnet Stoffe oder Metalle, Wasser und Luft lebende Wesen. Nach der Zahl der Beine bedeutet Erde viele Beine, Luft zwei, Feuer vier, Raum keine Beine.

J.2.82 Im rechten Atemstrom werden Mars dem Feuer, Sonne der Erde, Saturn dem Wasser und Rāhu der Luft zugeordnet. Links stehen Mond bei Wasser, Merkur bei Erde, Jupiter bei Luft und Venus ebenfalls bei Luft nach dieser Lesart. Danach wird wiederholt: Erde zeigt Pflanzen, Wasser Lebewesen, Feuer Stoffe oder Metalle, Raum Leere an.

J.2.83 Als Mondzustände werden Zufriedenheit, Gedeihen, Liebe, Spiel, Rezitation und Lachen bei Erde und Wasser genannt; bei Luft und Feuer folgen Schlaf und weitere beschädigte Bezeichnungen, bei Raum Tod. Der Text spricht von zwölf Zuständen, doch lässt die erhaltene Aufzählung keine sichere vollständige Zwölferliste erkennen. Lehrer sollen sie sorgfältig kennen.

J.2.84 Eine Richtungszuordnung nennt Osten, Westen und Norden als Orte besonderer Stärke der nacheinander genannten Elemente, bleibt aber unvollständig. Danach werden Zeitmaße angegeben: Erde fünfzig Pala, Wasser vierzig, Feuer dreißig, Luft zwanzig und Raum ebenfalls zwanzig. Der Kommentar erklärt, dass „zwanzig“ durch gemeinsame syntaktische Beziehung sowohl Luft als auch Raum zugehört.

J.2.85 Erde bringt Gewinn nach langer Zeit, Wasser sofort. Eine folgende Zeile setzt Erfolg bei Luft und Feuer in Beziehung, ist jedoch nicht eindeutig. So wird aus dem Element die Zeit des Frageergebnisses bestimmt. Die Anzahl der Eigenschaften beträgt bei Erde fünf, Wasser vier, Feuer drei, Luft zwei und Raum eine. Gemeint sind Klang und die weiteren Sinnesqualitäten.

J.2.86 Die Erde wird sodann in verschiedenen Zuständen genannt, darunter aufgebrochen, gespalten und vergangen; weitere Bezeichnungen sind beschädigt. Sie gebe jeder Handlung die ihrem jeweiligen Zustand entsprechende Frucht.

J.2.87 Dem Erdelement werden die Mondhäuser Dhaniṣṭhā, Revatī, Jyeṣṭhā, Anurādhā, Śravaṇa, Abhijit und Uttarāṣāḍhā zugeordnet. Dem Wasser: Pūrvāṣāḍhā, Āśleṣā, Mūla, Ārdrā, Rohiṇī und Uttarabhādrapadā; dieses Element gewähre Gewünschtes.

J.2.88 Zum Feuer gehören Bharaṇī, Kṛttikā, Puṣya, Maghā, Pūrvaphalgunī, Pūrvabhādrapadā und Svātī. Zur Luft gehören Viśākhā, Uttaraphalgunī, Hasta, Citrā, Punarvasu, Aśvinī und Mṛgaśīrṣa. Obwohl die Überschrift von fünf Elementen spricht, wird keine eigene Raumgruppe genannt.

J.2.89 Wer auf der Seite der aktiven Nāḍī nach günstigem oder ungünstigem Ausgang fragt, dessen Anliegen werde erfüllt; auf der leeren Seite bleibe es leer. Durch die Elemente habe Rāma gesiegt, ebenso Dhanañjaya. Die Kauravas seien durch verkehrte Elementzuordnung vernichtet worden. Manche erkennen diese Prinzipien aus Prägungen früherer Geburten oder durch die Gnade des Gurus, nachdem ihre inneren Neigungen rein geworden sind.

Atemweite und Vollendungszeichen

J.2.90 In der Stadt des Körpers ist der Atem der Wächter. Beim Eintreten wird seine Weite mit zehn, beim Austreten mit zwölf Fingerbreiten angegeben; beim Gehen mit vierundzwanzig, beim Laufen mit zweiundvierzig. Der Kommentar erklärt Laufen als schnelles Gehen. Beim Geschlechtsverkehr sind es fünfundsechzig, im Schlaf hundert Fingerbreiten. Natürlich beträgt die Bewegung zwölf, beim Essen und Sprechen achtzehn Fingerbreiten.

J.2.91 Wird der Atem um eine Fingerbreite verkürzt, entstehe Wunschlosigkeit; um zwei: Wonne; um drei: dichterische Kraft; um vier: Macht der Rede; um fünf: Fernsicht; um sechs: Bewegung im Raum; um sieben: eine unklar bezeichnete Fähigkeit; um acht: die acht Siddhis; um neun: Freiheit vom Tod; um zehn: zehnfache Gestalt; um elf: Verschwinden des Schattens; um zwölf: Haṃsa-Bewegung und Trinken des Nektars der Gaṅgā.

J.2.92 Eine anschließende Zeile verbindet die Füllung mit Prāṇa bis zu den Nagelspitzen mit Nahrung und Essen, ist aber unvollständig. So werde die Atemordnung erklärt, die alle Handlungsfrüchte gewährt. Sie ist aus dem Wort des Gurus zu erkennen, nicht aus Millionen von Wissenschaften und Lehrschriften.

J.2.93 Wer durch günstige Fügung morgens Mondatem und abends Sonnenatem erfährt, bei dem trete mittags und um Mitternacht das höchste Prinzip hervor. Im Fernkampf siege der Mond, im Nahkampf die Sonne. Für Reise, Gabe, Heirat, Eintritt in eine Stadt und alle günstigen Vorhaben wird wiederum der Mondstrom gepriesen.

J.2.94 Wenn Halbjahreslauf, Mondtag, Tagesherrscher, Atem und Element günstig zusammenwirken, siege der Kundige über ein feindliches Heer schon durch das Stillhalten des Atemstroms und gewinne selbst Keśavas Welt. Mehrere Wörter der Zeitverbindung sind unsicher.

Atemdeutung beim Kampf

J.2.95 Eine bildreiche Zeile verbindet die lebendige Seite der Brust mit der lebendigen Körperseite: Wer im Kampf die Lebensseite wahrt, gewinne die Erde. Bei Erde und Wasser wird der Aufbruch zu Waffentätigkeiten empfohlen, bei aufflammendem Feuer und Luft nicht.

J.2.96 Waffen sollen mit dem einströmenden Lebensatem gebunden, entfaltet und eingesetzt werden; dies verspreche Sieg. Beim Heranziehen wird Prāṇa genannt, beim Nahkampf ein unklar bezeichnetes Tragen; der entsprechende Fuß soll vorgesetzt werden. Eine folgende Gegenüberstellung von leerer Feindseite und voller eigener Seite ist beschädigt. Wer im vollen Element steht, werde allein die Erde gewinnen.

J.2.97 Die Seite der fließenden Nāḍī wird mit einer unklar benannten Gottheit verbunden; deren Stellung gegenüber soll Ergebnisse verleihen. Zuerst wird Mudrā, danach Kampf genannt. Wer alle Mudrās vollzieht, erreiche Erfolg. Es folgen mehrere stark verderbte Zeilen über Yantra-Bewegung, Sonnenstrom, gleich starke Kämpfer, Luft und Elementstreit. Eine verlässliche Übersetzung ihrer Einzelregeln ist nicht möglich.

J.2.98 Ist der Feind vorn, wird dennoch Sieg verheißen. Von der Seite, deren Nāḍī fließt, wird der Atem eingezogen; eine Bewegung bis zum Ohr wird beschrieben und mit dem Sieg selbst über Indra verbunden. Wer sich gegenüber dem Gegner auf der vollen Seite schützt, dessen Kraft werde auch von mächtigen Feinden nicht zerstört.

J.2.99 Eine Anweisung nennt Daumen, Zeigefinger, großen Zeh und Bogen; ihr Zusammenhang ist beschädigt. Für den Kampf wird Sieg über hunderttausend Krieger verheißen. Wer Sieg wünscht, soll die Himmelsrichtungen unter Beachtung von Mond-, Sonnen- und mittlerem Atem schützen.

J.2.100 Äußert ein Bote sein Anliegen während der Einatmung, werden dessen Zwecke erfüllt; bei der Ausatmung gilt dies nicht. Gewinn und andere eigene Anliegen gelingen beim lebendigen Einströmen, beim Ausströmen entsteht Verlust. Für einen Mann wird rechts, für eine Frau links als günstig genannt. Im Kampf wird Kumbhaka empfohlen; die anschließende Beziehung zu drei Nāḍīs und weiblicher Bewegung ist undeutlich.

J.2.101 Wie könnte der Atemstrom ohne die Unterscheidung von Ha und Sa verstanden werden? Mit „So ’ham“ und „Haṃsa“ rezitiert das Lebewesen beständig. Fragt jemand links oder rechts auf der aktiven Seite, werde dort keine Verwundung angezeigt; die Verwundung wird der leeren Seite zugeordnet.

J.2.102 Nach den Elementen werden fünf Verletzungsorte bestimmt: Erde wird mit dem eigenen Körper verbunden, Wasser mit dem Fuß, Feuer mit dem Oberschenkel, Luft mit der Hüfte und Raum mit dem Kopf. Die erste Zuordnung ist nicht genauer erhalten. So werden fünf Verwundungsarten aus Atemfragen erschlossen.

J.2.103 Bei einer Frage vor dem Kampf soll auf der vollen Seite der zuerst Genannte, auf der leeren der zweite siegen. Steht der Feind vor der leeren Seite, wird sein Tod vorausgesagt. Bei linkem Atem und entsprechender Stellung gilt links als siegreich; fragt jemand rechts bei rechtem Strom, rechts. Wer im Mondstrom fragt, erhält die Deutung „Friedensschluss“, wer im Sonnenstrom fragt, „Kampf“.

J.2.104 Erde bedeutet Krieg, Wasser Frieden. Feuer wird mit Sieg, Luft und Raum mit Niederlage und Tod verbunden; die genaue Verteilung der letzten Ergebnisse ist syntaktisch unsicher.

J.2.105 Kann der Atem wegen einer Störung oder Unaufmerksamkeit nicht erkannt werden, soll der Verständige bei der Frage eine feste Konzentration einnehmen und eine Blume aus der Hand fallen lassen. Fällt sie auf die volle oder leere Seite, wird entsprechend den Wirkungen dieser Seiten geantwortet. Der Name einer dabei erwähnten Haltung ist beschädigt.

J.2.106 Ob stehend oder sitzend, man zieht den eigenen Atem ein; eine folgende Aussage über das Brechen des Geistes ist unklar. Mit dem Lebensatem wird der Atem aufgestellt und bewahrt; beständige entsprechende Tätigkeit sichere Sieg im Kampf. Es folgen beschädigte Preisverse, die den Atemkundigen in dieser und der anderen Welt als kraftvoll bezeichnen und seine Macht mit zehn-, hundert-, zehntausend- und millionenfacher Herrscher- und Götterkraft vergleichen.

J.2.107 Die Göttin fragt: Du hast den Sieg im Kampf zwischen Menschen erklärt. Wie entsteht Sieg, wenn die Gegner gleich sind? Śiva antwortet: Bei festem Lebensatem wird das Prinzip betrachtet und in die feste Vereinigung geopfert; so entstehen Wunscherfüllung, großer Gewinn und Sieg. Aus dem Gestaltlosen ist die ganze gestaltete Welt hervorgegangen. Wer ihre Gestalt und Gestaltlosigkeit erkennt, wird damit eins. So endet die Lehre vom Sieg durch Erkenntnis.

Historische Lehren über Beeinflussung und Empfängnis

J.2.108 Nun fragt die Göttin nach Beeinflussung, nachdem menschlicher und eine unklar benannte weitere Art des Kampfes erklärt wurden. Śiva verbindet Mond- und Sonnenatem mit dem Lebenskreis der Frau und behauptet, dadurch entstehe lebenslange Abhängigkeit. Die folgenden Verse sprechen vom Ergreifen und Weitergeben von Lebensatem und vom Erreichen des Lebensortes; sie sind teilweise beschädigt.

J.2.109 Eine nächtliche Praxis wird auf eine schlafende Partnerin bezogen und als Aufnahme eines Brahman-Samens bezeichnet. Danach wird die Rezitation einer achtgliedrigen beziehungsweise achtsilbigen Formel während der Vereinigung genannt; die Formel selbst fehlt. Die behauptete Wirkung ist Verblendung oder Beeinflussung der Partnerin. Weitere Zeilen verbinden Umarmung, das „Trinken des Mondes durch die Sonne“ und Śivas Verbindung mit Śakti mit derselben Wirkung.

J.2.110 Die Zahlen sieben, neun, drei und fünf werden dem Sonnenzusammenhang, vier und acht einem Mondzusammenhang zugeordnet; ihre zeitliche oder zählende Bedeutung ist nicht eindeutig. Ein Schlussabschnitt verbindet das Gleichmachen von Sonne und Mond mit Mund, Lippen, Schlaf und Erwachen. Wegen beschädigter Wörter lässt sich die Handlung nicht vollständig bestimmen. Er endet mit dem Anspruch, Frauen beeinflussen zu können, und einer Geheimhaltungsvorschrift. [Die Passage dokumentiert eine historische Vorstellung von Kontrolle über eine Partnerin; sie ist keine Empfehlung für heutige Beziehungen.]

J.2.111 Nun zur Schwangerschaft. Die Vorlage setzt die rituelle Reinheit einer Frau am fünften Tag ihres Zyklus voraus und verbindet den Zusammenklang von Sonne, Mond und Lebensatem mit der Empfängnis eines Sohnes. Sie nennt Śaṅkhāvalī und Kuhmilch beim Erdzeichen sowie die dreimalige Bitte an den Ehemann: „Gib mir eine Leibesfrucht.“ Nach dem Zyklusbad werden Trinken und eheliche Vereinigung genannt. Verheißen wird ein schöner, kraftvoller Sohn.

J.2.112 Andere Atemverbindungen mit Suṣumnā und Sonne werden mit Fehlbildungen oder einem als wurmartig beschriebenen Kind verknüpft; die genaue Regel ist beschädigt. Weitere Verse verbinden ungleichen Verlauf, Tag und Nacht, Mond, Auge und Feuer mit der Behauptung, auch eine unfruchtbare Frau könne einen Sohn empfangen. Diese Angaben sind keine verlässliche Aussage über Empfängnis oder kindliche Entwicklung.

J.2.113 Sonnenatem des Mannes zu Beginn und Mondatem am Ende der Vereinigung werden genannt; eine Zeile über menschliche und göttliche Strafe ist verderbt. Danach heißt es eindeutiger: Sonnenatem beim Mann und Mondatem bei der Frau zu Beginn ihrer Vereinigung lasse selbst eine unfruchtbare Frau einen Sohn empfangen. So lautet die historische Ursachendeutung von Sohn- und Tochtergeburt.

J.2.114 Bei einer Frage nach der Schwangerschaft wird Mondatem als Tochter, Sonnenatem als Sohn und gleichzeitiger Verlauf als Gefährdung der Leibesfrucht gedeutet. Mond steht für weiblich, Sonne für männlich, der mittlere Weg für eine nicht eindeutig männliche oder weibliche Ausprägung. Leere bezeichnet keine Frucht, Paarung Zwillinge, Übergang Fehlgeburt. Die nächste Zeile wiederholt Sohn auf der Sonnenseite und Tochter am Mondtag, Fehlgeburt bei ungleichem Verlauf und eine uneindeutige Geschlechtsausprägung bei beiden Strömen.

J.2.115 Nach den Elementen: Empfängnis bei Luft wird mit großem Leid verbunden, bei Wasser mit Glück; eine Bezeichnung dazwischen ist unklar. Feuer bedeutet Fehlgeburt oder kurzes Leben. Erde wird zugleich mit Genuss, Gedeihen und einer unsicheren Unheilsangabe verbunden. Wasser verheißt Wohlstand, Glück, Genuss und ein vorzügliches Kind; Raum den Verlust der Schwangerschaft.

J.2.116 Im Indra- beziehungsweise Erdzeichen werde ein Sohn, im Wasserzeichen eine Tochter geboren; die übrigen Zeichen bedeuteten Schwangerschaftsverlust oder Tod kurz nach der Geburt. Wie Mond in Sonne und Sonne in Mond eintritt, sei rasch vom Guru zu lernen, nicht aus Millionen von Schriften. Damit endet die Schwangerschaftslehre.

Jahresvorzeichen

J.2.117 Am Morgen des ersten Tages der hellen Hälfte des Monats Caitra soll der Yogin aus den Elementunterschieden den kommenden Verlauf erkennen, ebenso im südlichen und nördlichen Sonnenlauf. Zur Mondaufgangszeit bedeuten Erde, Wasser und hier auch Luft gute Versorgung und Getreideertrag; Feuer und Raum große Furcht und Hungersnot. So sollen Jahres-, Monats- und Tageswirkungen erkannt werden.

J.2.118 Der mittlere Strom gilt für diese äußeren Vorhaben als grausam und ungünstig: Er bringe Verwüstung des Landes, große Krankheit, Mühe und Leid. Zum Eintritt der Sonne in den Widder prüfe man den Atemstrom und sage den Menschen daraus die Jahresfrucht voraus. Erde und die übrigen Elemente bestimmen Tag, Monat und Jahr; Raum, Luft und Feuer beeinträchtigten auch die Nahrung.

J.2.119 Erde beim Widder-Eintritt bedeutet reichliche Nahrung, Wachstum, viele Feldfrüchte, viel Regen und Glück. Feuer bedeutet Hungersnot, Zerrüttung des Reiches, heftige Unruhen und immer weniger Regen. Luft bedeutet ungewöhnliche Ereignisse, Bedrängnis, Furcht, wenig Regen und Plagen. Raum bedeutet Schaden an Feldfrüchten und anderen Gütern.

J.2.120 Es folgen schwer verständliche Verse über frühere und früheste Zeitpunkte, Sonne und Mond und günstiges Sammeln von Vorräten. Bei ungleichem Feuerzeichen beziehungsweise Raum wird dem Vorratssammler große Teuerung nach zwei Monaten angekündigt. Ein Schlussvers verbindet Sonnenübergang, einen abfließenden Atemstrom und Luft-Feuer-Verbindung mit höllenartigem Leid auf Erden. Damit endet die Jahresdeutung.

Krankheits- und Lebenszeichen

J.2.121 Die Krankheitslehre beginnt mit einer beschädigten Zuordnung von Erde, Krankheit, Wasser und Wassermüttern. Klar folgt: Steht der Bote zunächst auf der leeren und tritt danach auf die volle Seite, werde der Mensch, nach dem er fragt, selbst aus Ohnmacht wieder leben. Fragt er auf der Seite, auf der der Lebensatem ruht, lebe auch ein von Krankheit Bedrängter.

J.2.122 Weitere Regeln betreffen rechts oder links gesprochene leidvolle oder heftige Silben und ein entsprechendes Mondschema; die Aussagen sind beschädigt, verheißen aber Leben. Ebenso wird ein auf der Lebensseite stehender Fragender bei einer Lebensfrage als Zeichen des Weiterlebens gedeutet. Eine folgende Links-rechts-Eintrittsregel ist nicht eindeutig erhalten.

J.2.123 Bei einer Frage mit abwärts gerichtetem Lebensstrom werde vermindertes Leben, bei aufwärts gerichtetem der Gang zu Yama angenommen. Verkehrte Silben, eine Frage auf der leeren Seite und ungleicher Aufgang kehrten die Deutung um. Liegt der Lebensstrom auf der Mondseite, während der Fragende auf der Sonnenseite steht, werde beim Kranken der Tod angezeigt.

J.2.124 Fließt der Lebensatem in Piṅgalā und fragt der Bote links, werde der Kranke sterben, selbst wenn Mahādeva als Retter genannt wird. Eine abschließende Regel verbindet die Umkehr eines Elements mit Krankheit, die zweier mit Unheil für Verwandte und Freunde und die Umkehr während dreier Monatshälften mit Tod. Die Zeiteinheiten der ersten beiden Glieder sind in dieser Wiederholung uneinheitlich.

J.2.125 Nun die Erkenntnis der verbleibenden Zeit: Zu Beginn von Monat, Jahr und Monatshälfte soll der Verständige die Zeit aus der Stärke des Atemverlaufs prüfen. Die Lampe aus fünf Elementen werde mit dem Öl des Mondes gespeist und vor dem Sonnenwind geschützt; so werde das Leben beständig. Wer den Atem und damit die Sonne bindet, überliste durch Übung selbst die Sonnenzeit.

J.2.126 Der Mond tropfe aus dem Raum und benetze die Körperlotusse. Nachts werde der Mond, tagsüber die Sonne zurückgehalten; wer dies beständig übt, gilt als Yogin. Fließt der Atem einen ganzen Tag und eine Nacht ununterbrochen einseitig, werden noch drei Jahre Leben angegeben; bei zwei Tagen und Nächten ununterbrochener Piṅgalā zwei Jahre, bei dreimaligem entsprechendem Tagesverlauf ein Jahr. „Ständig gehend“ bezeichnet hier den Atem.

J.2.127 Fließt ununterbrochen nachts Mond und tags Sonne, werde Tod innerhalb von sechs Monaten vorausgesagt. Eine Zeile über ein bis sechzehn Tage ununterbrochenen Sonnenatem und die restlichen Monatstage ist beschädigt. Fließt nur Sonne und ist Mond nicht wahrnehmbar, wird Tod nach einer Monatshälfte, im umgekehrten Fall nach einem Monat genannt.

J.2.128 Gleichzeitiges Abgehen von Urin und Kot wird als Zeichen des Sterbens innerhalb von zehn Tagen gedeutet. Wer sein Leben erschöpft habe, sehe Arundhatī, Dhruva, Viṣṇus drei Schritte und als viertes den Mütterkreis nicht mehr. Der Kommentar erklärt diese Namen körperlich: Arundhatī ist die Zunge, Dhruva die Nasenspitze, Viṣṇus Schritte die Brauen, der Mütterkreis die Pupille.

J.2.129 Es folgen weitere Zahlenzeichen: neun bei Dhruva, sieben beim Laut, fünf bei den Elementen, drei bei der Nase und eins bei der Zunge. Ihre Zeitzuordnung ist beschädigt und wird nicht ergänzt. Eine letzte Beobachtung nennt eine kleine, einem Fischwinkel oder Fischteil ähnliche Gestalt; ist der Punkt nicht mehr sichtbar, werde Tod in zehn Tagen angezeigt. Damit endet die Zeitdeutung. [Diese Vorzeichen sind keine medizinische Prognostik.]

Die innere Vereinigung der Ströme

J.2.130 Nun das Wissen von den Nāḍīs: Iḍā ist Gaṅgā, Piṅgalā Yamunā, in der Mitte liegt Sarasvatī. Ihre Vereinigung ist das innere Prayāga. Zunächst wird eine Praxis genannt, die unmittelbare Gewissheit hervorbringen soll: Im gebundenen Lotussitz führt der Yogin Uḍḍīyāna aus.

J.2.131 Einatmung, Halten und als drittes Ausatmung sollen Yogins zur Vollendung des Körpers kennen. Die Einatmung wird mit Erde und dem Gleichgewicht der Körperbestandteile verbunden; Kumbhaka hält fest und stärkt den Schutz des Lebens; Ausatmung tilgt Verfehlung. Durch Kumbhaka gelange man zum Yoga-Zustand.

J.2.132 Eine folgende Anweisung über Stand wie im Kampf und Nichtbinden ist beschädigt. Danach wird verlangt, den natürlichen Atem sorgfältig nach Vermögen zu halten, durch den Mond aus- und durch die Sonne einzuatmen. Mond trinkt Sonne, Sonne trinkt Mond. Durch ihre zeitlich geordnete Wechselwirkung lebe man so lange wie Mond und Sterne.

J.2.133 Auf der Seite der fließenden Nāḍī soll sie erweckt werden. Eine Folgewendung über das Öffnen des Mundverschlusses und fremde Anordnung ist unklar. Mund, Nase und Ohren werden mit Fingern verschlossen; dies heißt das Gegenwärtigmachen des Elementaufgangs. Wer die Gestalt und Kreiszeichen darin erkennt, sei selbst bei niedrigem gesellschaftlichem Rang ein Yoga-Kenner.

J.2.134 Ohne Erwartung und ohne Verlangen nach Frucht soll der Yogin an nichts festhalten. Indem er die inneren Neigungen in den geistübersteigenden Zustand führt, besiegt er die Zeit spielend. Es folgen beschädigte Worte über die gepriesene Kraft und die Tiefe der Eigenschaften des Vollendeten.

J.2.135 Im gebundenen Lotussitz wird der untere Atem zurückgehalten. Eine Zeile über Freigeben von Prāṇa und drei Kumbhakas ist unklar. Die Glücklichen, die Śivas Füßen ergeben sind, halten durch die Kraft den Lebensatem, führen ihn in die Höhlung des Brahma-Cakra und zum Raumweg; die genaue syntaktische Folge ist beschädigt.

J.2.136 Wer als Yogin dies erkennt und täglich liest, werde von allem Leid frei und erlange die gewünschte Frucht. Wer das Atemwissen besitzt, zu dessen Füßen stehe Lakṣmī. Wie die Sonne im Weltall dem Leben der Götter dient, so sei der Atemkundige in der Menschenwelt verehrungswürdig.

J.2.137 Wer die drei Nāḍīs und die Prinzipien erkennt, dessen Wissen komme nicht einmal millionenfache Verjüngungskunst gleich. Für den Lehrer, der eine einzige Silbe und die Unterscheidung der Nāḍīs vermittelt, gibt es auf Erden kein Gut, durch dessen Gabe man schuldenfrei würde.

J.2.138 Atemprinzipien, Kampf und göttliche Beeinflussung werden als dreifacher, von vollendeten Yogins verbreiteter Wissensbereich gepriesen. Schon das Lesen dieser Lehre soll Vollendung verleihen. In angenehmer Haltung sitzend betrachte man das höchste Selbst, lotusäugige Göttin; was ein solcher Mensch ausspricht, werde geschehen.

J.2.139 So endet in der erhabenen Prāṇatoṣiṇī, im sechsten Buch, dem Jñānakāṇḍa, der zweite Lehrabschnitt: die Darlegung des Zweiges, der das Wissen vom Atemstrom bildet.


Dritter Lehrabschnitt: Rājayoga und die innere Welt

Wege des Yoga

J.3.1 Nun Rājayoga. Im Yogasvarodaya spricht Īśvara: Ich werde Rājayoga erklären; höre diesen überall Vollendung verleihenden Weg. Er ist geheimer als das Geheime, Göttin, vielfältig in seinen Ordnungen und höher als das Höchste. Durch Rājayoga werde ein Mensch selbst von Königen verehrt, langlebig und mit den acht Herrlichkeiten erfüllt.

J.3.2 Dieser Rājayoga wird fünfzehnfach genannt. Die erhaltene Aufzählung nennt Kriyāyoga, Jñānayoga, Karmayoga, Haṭha, Dhyānayoga, Mantrayoga, einen unsicher überlieferten „Urayoga“ und Vāsanā; die übrigen Bezeichnungen sind in einer beschädigten Zeile nicht sicher erkennbar. Eine vollständige Liste von fünfzehn Namen wird deshalb nicht ergänzt.

J.3.3 Nun ihre Kennzeichen: Meditation, Verehrung, Gabe, Opfer, Rezitation und Feuerdarbringung sind rituelle Tätigkeiten. Der auf Handlung und Befreiung bezogene Yoga soll auch körperliche Vollendung verleihen. Wer zu Beginn einer Handlung bewusst den Entschluss fasst: „Dies vollziehe ich“, und sie mit sämtlichen Gliedern ausführt, widmet sich Kriyāyoga.

J.3.4 Geduld, Unterscheidung, Entsagung, Frieden, Zufriedenheit und Freiheit von Begehren kennzeichnen ihn. Die Verknüpfung mit „Befreiung“ in der betreffenden Zeile ist sprachlich unsicher. Wo Neid, Besitzdenken, Täuschung, Gewalt, Rausch und Stolz, Begehren, Zorn, Furcht, Scham, Gier, Verblendung und Unreinheit fehlen, wird Kriyāyoga erkannt.

J.3.5 Die Liste nennt weiter Anhaftung, Hass, Abscheu, Trägheit, Ermüdung, Heuchelei und Irrtum; zwischen ihnen steht nach der Lesart nochmals „Geduld“, offenbar beschädigt. Wer von diesen Hemmnissen frei ist, heißt Kriyāyogin, Befreiter und Wissender. Eine Wendung über Vernichtung und Herrschaft ist unsicher. Der Rājayoga, der von der Bindung an Handlungen befreit, gewährt Befreiung.

J.3.6 Nun Jñānayoga: Wer ihn erkennt, gelange zu Śivas Sein. Lesen, Erinnern, Meditation und ein unklar benanntes weiteres Verfahren führen zur Brahman-Praxis. Das Zusammenführen ihrer Unterschiede in eine Einheit verleihe die acht Herrlichkeiten. Wer die drei inneren Pilgerstätten, die Nāḍīs und die dreifache Heiligkeit im eigenen Körper nicht kennt, ist nur dem Namen nach Yogin.

J.3.7 Wer die neun Cakras, die Stützen der Kräfte, die drei Betrachtungsziele und die fünf Räume im eigenen Körper nicht kennt, ist nur dem Namen nach Yogin. Dies nennen die Verständigen den Rājayoga der allgestaltigen Wirklichkeit. Höre seine Besonderheiten mit ungeteilter Aufmerksamkeit.

Die neun Cakras

J.3.8 Am Wurzelknollen befindet sich eine höchste, leuchtende Nāḍī. Oberhalb des Afters teilt sie sich dreifach. Iḍā ist mondhell, eine große Nāḍī in Gestalt der Śakti; ihre Betrachtung gewährt alle Zwecke. Rechts liegt eine hier „Kulā“ genannte, männlich gedachte Sonnenform. In der Mitte ist Suṣumnā, deren Wesen Brahmā, Viṣṇu und Śiva sind.

J.3.9 Mit reinem Geist wird diese erkannt, strahlend wie Millionen Blitze. Ihre Meditation schenkt Genuss und Befreiung und die Fähigkeiten wie Kleinwerden. Höre nun die neun Cakras, die in der Suṣumnā ruhen.

J.3.10 Oberhalb des Afters liegt der große vierblättrige Mūlādhāra. In seiner Mitte, auf goldenem Sitz, ist ein höchstes Dreieck; darin eine Gestalt wie eine Feuerflamme, die überall Vollendung verleiht. Ihre innere Betrachtung, mit einer unsicheren Zusatzangabe über Sitz und Rede, lasse dem Yoga-Kenner das Wissen aller Lehrschriften aufleuchten.

J.3.11 An der Wurzel des Geschlechtsorgans liegt der sechsblättrige Svādhiṣṭhāna, einem heiligen Sitz gleich. In seiner Mitte strahlt ein großes Licht wie die junge Sonne. Durch seine Betrachtung wachse die Lebensdauer; der Übende werde dem Liebesgott gleich.

J.3.12 Das dritte Cakra in der Nabelgegend hat zehn Blätter. Es gleicht einer mächtigen Wolke mit Millionen Blitzen. In seiner Mitte steht ein Licht wie das Feuer am Ende eines Weltalters. Seine Betrachtung verleihe langes Leben, Krankheitsfreiheit, Freiheit von allen Verfehlungen und die Kraft, die Welt zu erschüttern.

J.3.13 Der vierte Lotus im Herzen ist Anāhata, ein achtfacher Sitz, zugleich mit zwölf äußeren Blättern beschrieben. Sein großes, äußerst feines Licht wird innerlich geschaut. In seiner Mitte liegt ein nach oben gerichteter, achtblättriger, hell strahlender Lotus, der Ort des Lebensatems. Sein Blütenboden hat Liṅga-Gestalt und heißt Kālikā.

J.3.14 Darin ist Kuṇḍalinī, deren Glanz als Padmavatī beschrieben wird, daumengroß und edelsteingleich. Mit ihr verbunden ist das individuelle Leben, unendlich in seiner Kraft. Durch diese Betrachtung werde die Welt beeinflussbar, man könne im Raum und überall wandeln; selbst Götter würden dem Betrachtenden zugänglich. Erwünschtes und Unerwünschtes gerieten in seine Gewalt, Wünsche würden erfüllt und Allwissenheit sowie weitere Eigenschaften entstünden.

J.3.15 Das fünfte Cakra ist Viśuddha am Hals mit sechzehn Blättern. Darin befindet sich ein Puruṣa, strahlend wie Millionen Monde. Seine Betrachtung soll selbst unheilbare Krankheiten beseitigen und tausendjähriges Leben verleihen.

J.3.16 Das sechste, Ājñā, liegt zweiblättrig zwischen den Brauen. Dort ist ein Licht wie eine Feuerflamme, frei von männlicher und weiblicher Bestimmung. Seine Betrachtung schenke alle Vollendungen und Freiheit von Alter und Tod.

J.3.17 In der Mitte des Gaumens liegt ein vierundsechzigblättriges Cakra, nektarerfüllt, Millionen Monden gleich, ein Ort des Unsterblichen. Sein rötlicher Blütenboden heißt Ghaṭikā. Mit der Mondkalā strömt dort Nektar. Wer dies betrachtet und sich in diesem Nektar badet, werde durch beständigen Yoga befreit.

J.3.18 Wahnsinn, Fieber, Gallenstörungen, Brennen, Kolik, Schmerzen, Kopfleiden und Trägheit sollen verschwinden. Eine Zeile verbindet unmittelbare Meditation mit dem Genießen oder Erkennen der Welt; ihr Wortlaut ist unsicher. Auch Schwerfälligkeit der Zunge werde aufgehoben.

J.3.19 Das achte Cakra an der Brahman-Öffnung hat hundert Blätter und großen Glanz. Es heißt der Sitz Jālandhara. Dort ist der Ort des vollendeten Puruṣa; eine Flamme wird mit Feuerrauch verglichen. Die höchste männlich-weibliche Gestalt ist ohne Anfang, Mitte und Ende.

J.3.20 Ihre Betrachtung soll Erkenntnis des Endes und Begegnung im Raum ermöglichen. Man werde zu einem beständigen Kenner des Alls, groß und gelehrt. Obwohl als Lebewesen mitten in der Welt, bleibe man von deren Bedrängnis frei.

J.3.21 Das neunte Cakra ist die große Leere, höher als das Höchste; darüber gibt es nichts Höheres mehr. Es heißt großes Cakra, Siddha-Cakra, Pūrṇagaurī und anders. In ihm liegt ein wunderbarer tausendblättriger Lotus, nach oben gerichtet, von herrlicher Farbe und ganz von Heil erfüllt. Nichts ist ihm gleich; weder Geist noch Rede können sein Maß ausdrücken.

J.3.22 Sein Blütenboden ist dreieckig. Dort ruht die siebzehnte Kalā, die makellose, strahlend wie Millionen Sonnen und Monde, frei von Hitze und Kälte. Ihre Betrachtung lasse kein seelisches Leid mehr entstehen. Darüber wird der unendliche Ort höchster Wonne erkannt; eine aufwärts gerichtete Kalā wird genannt, deren Betrachtungsfrucht im Satz unvollständig bleibt.

J.3.23 So wird der vollendete Rājayoga beschrieben. Eine folgende Zeile verbindet ihn mit weiblichem Genuss, großem Glück, Gesang, Instrumentalmusik und Freude in Śivas Gegenwart. Bei ununterbrochener Meditation haften Verdienst und Verfehlung nicht fest. Man schaue die eigene Gestalt und erkenne auch weit entfernte Dinge.

Betrachtungsziele und Gleichmut

J.3.24 Höre nun den leicht zugänglichen Lakṣayoga, Pārvatī. Fünf Formen werden genannt: oberes, unteres, äußeres, mittleres und unendliches Betrachtungsziel. Höre ihre Merkmale und Früchte. Beim oberen Ziel ruht der Blick im Raum und der Geist wird aufwärts geführt; daraus entstehe Einheit mit dem höchsten Herrn.

J.3.25 Beim unteren Ziel soll der Blick zwölf Fingerbreiten über beziehungsweise vor der Nase fest werden; die Richtungsangabe ist nicht eindeutig. Alternativ wird die Nasenspitze genannt. Fester Blick verleihe langes Leben und beständiges Sehen. Das äußere Ziel sei selbst zu erkennen; für Menschen mit Wünschen soll der äußere Blick bei entsprechenden Vorstellungen Erfolg bringen.

J.3.26 Äußeres und mittleres Ziel werden anschließend zusammen als ungestörte Betrachtung des Erwünschten bezeichnet. Nun wird ein inneres Ziel erklärt, frei von Richtungen und Zwischenrichtungen; die Eingangswörter sind beschädigt. Ob in Bewegung, wach, im Tiefschlaf oder beim Essen: In allen Zuständen soll der Geist in die Leere geführt werden.

J.3.27 Handelnder und Veranlasser sind leer; auch der gestaltete Herr ist leer. Freude und Kummer wohnen im Körpergefäß, ebenso Geburt und Tod. Die folgende Zeile über die Gestalt im Gefäß und das Aufheben von Gedanken ist beschädigt. Wer die Sinnesgegenstände als giftgleich erkennt, sie aufgibt und den Atem versteht, werde im Geist frei von begrifflicher Kennzeichnung und von Verdienst wie Verfehlung unbefleckt.

J.3.28 Der äußere und innere Raum heißt hier inneres Betrachtungsziel. Seine beständige Meditation lasse kein Leid zurück; man werde Śiva. Die Leere ist Sein, Bewusstsein und Wonne, lautlos und Brahman genannt. Der Raum mit Klang dagegen heißt Ākāśa. Darin liegt die hier gelehrte Zweiteilung.

J.3.29 Nun die Kennzeichen des Rājayoga: Der Geist wird ganz erfüllt; mitten in der Welt steht man zugleich außerhalb ihrer Bindung. Es gibt keine Erschütterung durch Geburt und Tod, Leid und Glück. Unterscheidung und Nichtunterscheidung, Wissen, Verhalten und Herkunft bestehen nicht mehr als bindende Geistkategorien.

J.3.30 Eine Zeile über die Verbindung des Leuchtens ist beschädigt. Klar folgt: Der Rājayogin erhellt alles, die Unterscheidungen sind geschwunden. Er hat kein Geburtsmerkmal, ist ohne Teile, makellos und unendlich, ein großes Licht. Eine weitere Wendung nennt das Gewähren gewünschten Genusses. In seinem Geist entstehen weder Anhaftung noch Abneigung.

J.3.31 Auch beim Erwerb eines Königreichs gerät er nicht in Jubel, beim Verlust nicht in Leid. Gegenüber Dingen, Orten und Klängen, gegenüber Wissen und Nichtwissen, Freund und Feind ist sein Blick gleich. Sein Geist wird nicht durch Genussbindung und das Gefühl „Ich handle“ bestimmt, sondern gleicht dem Raum.

J.3.32 In der Welt handelt er, im Innern bleibt er ohne Tätigkeit. Dies ist Rājayoga: Gleichheit in Glück und Leid. Freude und Kummer verwirren solche Menschen nicht, auch nicht die Begegnung mit anderen. Im ewigen Aufleuchten, gestaltlos, ohne festen Sitz und ohne begrenztes Selbst, ruht der Geist unbewegt und gleich.

J.3.33 Wie der im Raum wandernde Wind von selbst in den Raum eingeht, so löst sich der Geist im Raum auf: Dies gilt als Rājayoga. Von der Berührung mit der Welt bleibt er unbefleckt wie Wasser auf einem Lotusblatt.

Haṭhayoga und Erkenntnisyoga

J.3.34 Nun Haṭhayoga, der Haṭha-Vollendung schenkt. In geeigneter Sitzhaltung werden Einatmung, Halten und Ausatmung geübt, um körperliche Krankheiten zu beseitigen. In Kenntnis der Reihenfolge und Gegenfolge soll der Atem beständig geschult werden. Der Haṭha-Praktizierende führt auch die sechs Reinigungen, beginnend mit Dhauti, aus.

J.3.35 Ist der Atem in den Nāḍīs vollständig verankert, wird der Geist unbewegt und Wonne entsteht. Durch Haṭhayoga verliere die Zeit ihre Macht, sofern der begrenzte Geist aufgelöst ist. Höre nun seine zweite Form: Im Raum an der Nasenspitze betrachte man ein Licht wie Millionen Sonnen, weiß, rot, gelb, schwarz und in anderen Erscheinungen.

J.3.36 Diese Betrachtung soll langes Leben und Freiheit von körperlicher Wiederentstehung verleihen; die betreffende Wendung ist unsicher. Durch die Gnade des Haṭhayoga werde der Mensch Śiva gleich, lichtvoll und innerlich Śiva. Deshalb heiße dies Haṭhayoga, Vollendung spendend und von Siddhas geübt.

J.3.37 Nun die Kennzeichen des Jñānayoga, glückverheißende Göttin. Wer sie erkennt, werde voller Erkenntnis, Śiva, ohne Wiedergeburt. Er schaue die Welt als eines, als das Selbst des Alls und dessen Hervorbringer. So verbunden übe er Erkenntnisyoga. Wo immer er steht, ist die ganze Welt Erkenntnis. Wer dies bewusst erfasst, ist zur Erkenntnis befähigt.

J.3.38 Beständig dem Höchsten zugewandt, empfange er die Śāmbhavī-Mantras. Wie ein Banyansame, in die Erde gesät, zum Baum wird – zuerst einer, dann vielfältig in seinen Ausbreitungen, Tag und Nacht wachsend, mit Blättern, Trieben, Saft, Blüten, Früchten und Samen –, so entfaltet sich das Eine von selbst.

J.3.39 Das Reine, Ewige, Unveränderliche und Makellose erscheint als eines und vieles. Durch fünf Elemente, Verstand, Māyā und Ichbewusstsein tritt es in Veränderungen hervor. So entsteht die mannigfaltige Welt in ihrer weiten Entfaltung des Sichtbaren und Jenseitigen. Wer erkennt, dass sie eines ist und kein Zweites besteht, kennt die Wirklichkeit.

J.3.40 Unbewegtes wie Berge und Bewegtes wie Vögel sind Gestalten desselben Herrn. Aus dem Spiel seines eigenen Wesens leuchtet er im Raum auf. Was als Gegenstand wahrgenommen wird, heißt das Gesehene; was über das Gesehene hinausgeht, das Ungesehene. Die folgende Wendung über dessen Wahrnehmung ist unsicher.

J.3.41 Wer die leidvolle Welt als Getrenntheit vom eigenen Leib beziehungsweise Selbst auffasst, soll diese Trennung sorgfältig aufgeben und Erkenntnisyoga verwirklichen. Erkenntnis und der in ihr Verbundene sind eins. Das Erkannte ist nicht von Erkenntnis getrennt; die folgenden Zeilen über unterscheidende Rede sind beschädigt, betonen jedoch die Einzigkeit dieses Yoga. Durch solche Erkenntnis werde man zum Überwinder der Zeit und zu Śiva.

J.3.42 Höre die Unterschiede der Erscheinung, Göttin, durch deren Verständnis umfassendes Erkennen und Befreiung entstehen. Erde und die übrigen Elemente sind Ausdruck des Selbst. Das Selbst ist die tragende Erde: einmal weich, einmal hart, einmal schön, rein oder unrein, übelriechend, wohlriechend, geruchlos oder durch Duft betörend.

J.3.43 Es erscheint als Gold, Erz und vielfältiger Edelstein, weiß, rot, gelb oder schwarz, fruchtbar und nach einer doppelten Lesart möglicherweise unfruchtbar, als Gift und Nektar. Ebenso erscheint es als Götter, Gandharvas, Kinnaras, Vögel und andere Wesen, als Glücklicher oder Kranker, Zorniger oder Friedlicher, in unzähligen Gestalten und Denkweisen.

J.3.44 Die göttliche Wirklichkeit wird durch die Elementkraft als individuelles Lebewesen bezeichnet und mit Verirrung verbunden. Der Erkenntnisyogin dagegen erkennt den einen unveränderlichen, leidfreien Herrn. Dieses eine Selbst erscheint ohne wirkliche Teilung und Befleckung zugleich glücklich, unglücklich, verblendet und in unendlichen Bewusstseinsformen.

J.3.45 Als Frau und Mann tritt das Große hervor und erfährt wechselseitige Verblendung. Der Erkenntnisyogin bleibt aus seinem eigenen Wesen ohne ruhelosen Geist. Die folgenden Verse nennen natürliches Verlangen nach Kränzen, Sandel und weiblicher Gesellschaft, eigenes Glück, fremdes Leid, Söhne und Edelsteinschätze. Ihr Satzbau ist beschädigt; erkennbar ist die Aufforderung, in Vergänglichem nicht das Wesentliche zu suchen und den Geist auf Erkenntnis zu richten.

J.3.46 Durch fehlende Unterscheidung des Selbst wird der Geist unruhig und von Sinnesgegenständen verdunkelt; er erkennt das höchste Selbst nicht. Obwohl dieses frei von Māyā und jenseits der Prinzipien ist, erfährt der nicht mit ihm Verbundene wiederholt Glück, Leid, Geburt und Tod. Eine Zeile über das Aufgeben von Entsagung und anderen Gütern ist in ihrer Verneinung unsicher. Das Erkennen des Selbst als Licht von Millionen Sonnen führe durch Jñānayoga zur Befreiung.

J.3.47 Wie Leuchtkraft in der Sonne, Butter in Milch, Öl im Sesam, der Hase im Mond und Salz in salziger Substanz liegen – eine weitere Pflanzenentsprechung ist beschädigt –, so besteht die Welt in Brahman, das ungeteilt und ganz erfüllt ist.

Lichtbetrachtung und innere Ströme

J.3.48 Höre nun die Vollendung verleihenden äußeren Betrachtungsziele, die besonders als Dhāraṇā zu verstehen sind. Man vergegenwärtige mühelos das höchste, ganz von Licht erfüllte Aufgehen. Alternativ wird eine rauchfarbene Erscheinung in sechs Fingerbreiten Entfernung genannt, eine rote in acht Fingerbreiten oberhalb beziehungsweise vor der Nase oder das gelbe Erdelement in zwölf Fingerbreiten.

J.3.49 Man kann dort auch eine Lichtfülle wie Millionen Sonnen im großen Raum betrachten. Durch solche Meditation werde man Śiva. Wer den Blick im Raum und darüber festigt, schaue durch Meditation ohne die äußere Sonne eine mächtige innere Sonne. Eine weitere Zielangabe nennt siebzehn Fingerbreiten oberhalb des Übenden und einen Bezug zu Śiva; ihr Wortlaut ist nicht eindeutig.

J.3.50 Oder man betrachte vor sich das Erdelement wie glühendes Gold. Wer eine der genannten Betrachtungen übt, werde ohne Arznei frei von Falten, grauen Haaren und Krankheiten; Feinde würden freundlich, das Leben dauere tausend Jahre, alle Welten verehrten ihn. Wissen trete auf die Zungenspitze, ohne dass Lehrschriften gelesen werden müssten. So lauten die Verheißungen dieser Quelle.

J.3.51 Vom Wurzelknollen erhebt sich die weiße Brahma-Nāḍī bis zur Brahman-Öffnung. In ihr ruht die höchste Kraft, fein wie ein Lotusfaden und strahlend wie Millionen Sonnen und Blitze. Diese große Gestalt bewegt sich aufwärts. Ihre Betrachtung mache zu Śiva und lasse die acht Siddhis, beginnend mit Kleinwerden, vollständig erscheinen.

J.3.52 Man betrachte auch oberhalb der Stirn den Mond oder den Herrn des Lichtes; dies soll Hautkrankheiten und andere Leiden beseitigen, langes Leben und Śivas höchsten Zustand verleihen. Oder zwischen den Brauen die Sonne, den leuchtenden Herrn: Bei festem Blick werde man von Königen verehrt, lebend befreit wie Śiva.

J.3.53 Wer das Selbst in seiner eigenen Gestalt betrachtet, wird innerlich untätig, ohne Erwartung und auf die Wirklichkeit gesammelt. Die abschließende Gegenüberstellung zu einem anderen Menschen oder königlichen Zustand ist beschädigt.

J.3.54 Nun die Unterschiede der Nāḍīs. Außerhalb des inneren Meru verlaufen Iḍā und Piṅgalā; Suṣumnā reicht auf dem Sonnenweg bis zur Brahman-Pforte. Genannt werden Sarasvatī, Sugandhā, Gāndhārī und Hastijihvikā, mit Bezügen zu Ohren und Augen; die genaue Zuordnung ist nicht sicher erhalten.

J.3.55 Pūṣā und Alambuṣā werden an der Wurzel und an weiteren Stellen genannt; eine Zeile führt von der Geschlechtsöffnung über den Iḍā-Weg zum Brahman-Ort. Die Verästelungen der Nāḍīs werden mit zweiundsiebzigtausend angegeben.

J.3.56 Nun die zehn Lebenswinde und ihre erkennbaren Funktionen. Prāṇa sitzt im Herzen und bewirkt Ein- und Ausatmung. Eine weitere Aussage über Nase, Aufnahme und Yoga ist beschädigt. Apāna im Afterbereich bewirkt Zusammenziehen und Zurückhalten. Samāna im Nabelkreis nährt, befriedigt und belebt die Nāḍīs; er wird mit dem starken Verdauungsfeuer verbunden.

J.3.57 Udāna in der Gaumenmitte ermöglicht Essen und Trinken. Vyāna durchdringt den ganzen Körper und bewirkt Bewegung wie Stillhalten. Kūrma in den Augen öffnet und schließt die Lider. Nāga wirkt beim Aufstoßen und bei aufwärts gerichteter Luftbewegung. Kṛkara bewirkt Hunger, Devadatta das Gähnen. Dhanañjaya, hier mit Sein und Bewusstsein verbunden, verlässt selbst den toten Körper nicht.

J.3.58 Obwohl all dies bereits im Sargakāṇḍa erklärt wurde, wird es zur Verdeutlichung von Ursache und Wirkung erneut angeführt. Deshalb gilt es hier nicht als bloße Wiederholung.

Die fünf Räume und sechzehn Stützen

J.3.59 Nun das mittlere Betrachtungsziel: Man stelle sich die eigene Gestalt weiß, rot, gelb, rauchfarben oder blau vor, wie eine Feuerflamme oder eine Fülle von Blitzen, als Sonnen- oder Mondkreis oder wie leuchtenden Raum. Diesen lichtvollen Leib betrachte man im Geist. Dadurch schwinden die verschiedenen Leiden, die Unreinheit des Geistes weicht und große Wonne entsteht.

J.3.60 Fünf Räume werden genannt: Ākāśa, Mahākāśa, Parākāśa, Tattvākāśa und Sūryākāśa. Ākāśa wird innen und außen als ewig, rein und zugleich raumlos beschrieben; seine Betrachtung führe ohne weitere Mittel zur Vollendung. Parākāśa gleicht dem Inneren dichter Wolken; Mahākāśa dem Licht des Weltuntergangsfeuers.

J.3.61 Tattvākāśa strahlt wie Millionen und Abermillionen Lampen, Sūryākāśa wie Millionen Sonnenpunkte. Wer so den inneren und äußeren Raum betrachtet, wandelt wie Śiva in der Welt, frei von Verfehlung und Verdienst. Eine Zeile über Handeln und das Beseitigen von Unheil ist unsicher.

J.3.62 Wer die neun Cakras, die Kalā-Stützen, die zwei Betrachtungsziele und die fünf Räume nicht vollständig kennt, ist nur dem Namen nach Yogin. [Hier stehen zwei Ziele, während zuvor drei beziehungsweise fünf genannt wurden.] Höre nun die sechzehn Stützen.

J.3.63 1. Die Stütze der großen Zehen: Man hält den Blick auf das dort betrachtete Licht fest. 2. Die Fußwurzel: Die Ferse wird gesetzt beziehungsweise die Wurzel des großen Zehs gehalten; die genaue Haltungsbeschreibung ist unsicher. Dadurch werde der Weise kraftvoll.

J.3.64 3. Die Afterstütze: Öffnen und Zusammenziehen des Afters bei festem Atem soll den Tod überwinden. 4. Die Genitalstütze: Durch Zusammenziehen wird der Atem in den hinteren Stab und die darin befindliche Vajra-Nāḍī geführt. Bewegung von Atem und Geist sowie eine intensive dritte Bewegung werden unterschieden; die Benennung ist beschädigt.

J.3.65 Die drei Knoten werden auf dem Brahman-Weg durchbrochen. Der König der Yogins ruht im mit Atem gefüllten Brahman-Lotus; daraus entstehe Bewahrung der Zeugungskraft. Der junge Übende soll dies beständig vollziehen. Eine weitere Zeile nennt Mūlādhāra, Brahman-Lotus und sechs Lotusse, ohne sichere syntaktische Verbindung.

J.3.66 5. Die Bauchstütze wird allmählich gebunden. Sie wird als Zerstörung des Todes gepriesen. Der Verständige führt dadurch den Atem hinten aufwärts; dieser Verschluss von Verstand und Geist gilt als Überwinder der Zeit.

J.3.67 6. An der Nabelstütze wird Prāṇa geübt. Von selbst entsteht der innere Klang, und aus ihm kommt Befreiung. 7. An der Herzstütze wird der Atem gebunden; die nach oben gerichteten Lotusse öffnen sich und der Übende wird groß.

J.3.68 8. Die Halsstütze besteht im Zusammenziehen des Halses, dem Jālandhara-Verschluss; dadurch wird der Atem fest. 9. An der Zäpfchenstütze wird die Zungenspitze angelegt; dort werde Nektar getrunken, wodurch Yoga und Tod überwunden würden.

J.3.69 10. Die Gaumenstütze: Durch Bewegen und Dehnen wird die Zunge verlängert, bis sie zur Nase reicht und am Gaumen haftet. 11. Die Stütze unter der Zunge: Durch die Bewegung ihrer Spitze entstehe ein süßer Trank; wer ihn trinkt, werde ein hervorragender Kenner von Dichtung, Gesang, Astronomie und Versmaß.

J.3.70 12. Die Zahnstütze soll Krankheiten beseitigen. Die Zungenspitze wird zwischen den Zähnen gehalten; eine halbe Ghaṭikā wird genannt und die Vernichtung aller Krankheiten versprochen. 13. Die Nasenstütze beziehungsweise das Nasenziel macht Geist und Atem fest.

J.3.71 14. Der feste Blick auf die Nasenöffnung: Nach einer als „sechs oder drei Monate“ beziehungsweise möglicherweise „sechsunddreißig Monate“ lesbaren Zeitangabe werde das eigene Licht unmittelbar sichtbar. Das Irdische zerbreche durch diesen Glanz; der genaue Sinn bleibt unsicher.

J.3.72 15. Fester Blick zwischen den Brauen: Millionen Strahlen leuchten auf. 16. Die Augenstütze wird mit Bewegung durch die Fingerspitze verbunden. Eine folgende Zeile nennt Erde und Bauchfeuer; ihr Zusammenhang ist beschädigt. Die Übung soll alles unmittelbar sichtbar machen und Allwissenheit verleihen. Damit enden die sechzehn Stützen.

Die acht Glieder und das Weltall im Körper

J.3.73 Höre nun den achtgliedrigen Yoga mit seinen Merkmalen: Yama, Niyama, Āsana, Atembeherrschung, Pratyāhāra, Dhāraṇā und Samādhi. Obwohl acht Glieder angekündigt werden, fehlt Dhyāna in dieser Aufzählung; es wird anschließend erklärt.

J.3.74 Als Yamas werden Frieden, Zufriedenheit, Nahrung, wenig Schlaf, Beherrschung des Geistes und ein innerlich leeres Organ genannt. Die Niyamas umfassen das Aufgeben der Unruhe, Festigkeit des Geistes, beständiges Sammeln an einem Ort durch den Lebensatem, gleichmütige Haltung, Freiheit von Wünschen, Zufriedenheit mit dem Erhaltenen und Ausrichtung auf den höchsten Herrn. Eine Schlussverbindung mit dem Aufgeben von Ehre und Gaben ist unsicher.

J.3.75 Es gibt so viele Sitzhaltungen wie Lebewesen. Prāṇāyāma wird dreifach und in weiteren Unterarten erklärt. Zarte, wenig belastbare Menschen vermögen Sitz- und Atembeherrschung nicht ohne Weiteres; durch großes Verdienst gelinge sie einem großherzigen Menschen.

J.3.76 Man betrachtet Iḍā mondhell, atmet sanft durch den Mond ein und hält nach Vermögen. Der Geist werde großes Licht, der Körper ganz mit Atem erfüllt. Nach einer beschädigten Wendung über die Kraft wird durch die sonnenfarbig betrachtete Piṅgalā langsam ausgeatmet. Ein Vergleich mit einem Insekt und Holzfeuer ist unsicher; wiederholte sorgfältige Übung soll den Körper reinigen.

J.3.77 Der Geist wird von weltlichen und sinnlichen Tätigkeiten zurückgenommen, seine Veränderungen werden aufgegeben, und er wird von Leere erfüllt. Dies heißt Pratyāhāra; ein Zusatz über Tadel ist beschädigt. Meditation ist zweifach, grob und fein: Die grobe ist von Mantra erfüllt, die feine ohne Mantra. Samādhi ist unbewegte Einsicht, frei von Ein- und Ausatmung.

J.3.78 Höre die Einheit von Körper und Weltall. Die Welteier des Makrokosmos liegen auch im Körper. Tala befindet sich unter den großen Zehen, darüber Talātala; Mahātala zwischen den Knöcheln, Rasātala darüber; Sutala in den Unterschenkeln, Vitala in den Knien, Atala in den Oberschenkeln. Dies sind die sieben Unterwelten; ihre Namen werden nochmals wiederholt.

J.3.79 Nun die sieben oberen Welten: Bhūrloka im Mūlādhāra, Bhuvar an der Spitze des Geschlechtsorgans, Svar an dessen Wurzel, Mahar an der Wurzel des Meru, Jana in dessen Öffnung, Tapas in der Meru-Nāḍī. Im Lotus wird zunächst „Menschenwelt“ gelesen; die anschließende vollständige Namensreihe nennt als siebte Satyaloka. Sieben obere und sieben untere Welten ergeben vierzehn Welten.

J.3.80 Wer die vier Weltenhüter des Weltalls im Körper erkennt, werde Herr aller Vollendungen. Genannt werden Indra, Brahmā, Viṣṇu und Īśa. Im vierblättrigen Mūlādhāra sitzt der Große auf dem Elefanten, dort auch der Schöpfer; im Svādhiṣṭhāna Hari, im Maṇipūra der Dreizackträger, Herr der acht Siddhis.

J.3.81 Es folgt eine Aufzählung von Gaumenpforte, Gaumenmitte, Stirn, Brust, Hals, Śṛṅgāṭikā, Schädel, Zäpfchen, Brahman-Öffnung, neun Cakras, oberem Cakra und Trikūṭa. Die Vorlage verbindet diese mit einundzwanzig Welteiern, doch ist die vollständige Zuordnung nicht sicher erhalten.

J.3.82 Die sieben Inselkontinente: Jambū liegt im Mark, Śāka in einem nur als „Mitte“ bezeichneten Bereich, Śālma im Haupt, Kuśa im Fleisch, Krauñca in der Haut, Gomaya in den Körperhaaren, Śveta in den Nägeln. Die Namen werden nochmals aufgezählt. Diese verborgenen Gestalten der siebengeteilten Erde bestehen im Körper.

J.3.83 Die sieben Meere bestehen aus Salz, Zuckerrohrsaft, Alkohol, geklärter Butter, Sauermilch, Milch und Wasser. Im Körper wird Salz dem Schweiß, Zuckerrohrsaft dem Blut, Honig beziehungsweise Alkohol der Haut, Butter dem Fett, Sauermilch und Milch einem nicht eindeutig getrennten Fett- und Stirnbereich zugeordnet. Im Samen liege Nektar, an den Füßen die große Schildkröte. Die Entsprechungen weichen teilweise von der Eingangsliste ab.

J.3.84 Nun neun Länder an den neun Öffnungen. Genannt werden Bhārata am After und weitere Namen wie Kāśmīra, Trika, Dvija, Ekapāda, Kaivarta und Gāndhāra. Die Verse sind beschädigt; weder neun sichere Namen noch ihre vollständige Verteilung sind erhalten.

J.3.85 Die acht Berge: Sumeru liegt in der Wirbelsäule, Himālaya in der Mitte des Sitzes oder Rückens, Malaya an der linken und Mandara an der rechten Schulter, Vindhya am rechten und Maināka am linken Ohr, Śrīśaila in der Stirnmitte, Kailāsa an der Brahman-Pforte. Diese acht Namen werden nochmals wiederholt. Alle übrigen Berge wohnen in den Fingern.

J.3.86 Die heiligen Flüsse liegen in den neun Nāḍīs. Hier wird Yamunā der Iḍā, Sarasvatī der Piṅgalā und Gaṅgā der Suṣumnā zugeordnet. Die übrigen verteilen sich auf andere Nāḍīs. Genannt werden Gaṅgā, Sarasvatī, Godā, Narmadā, Yamunā, Kāverī, Candrabhāgā, Vitastā und Iḍāvatī. In den zweiundsiebzigtausend Verästelungen fließen Flüsse und Ströme. [Die Dreierzuordnung unterscheidet sich von der im vorigen Lehrabschnitt.]

J.3.87 Die siebenundzwanzig Mondhäuser, Yogas, Tierkreiszeichen, Planeten und Mondtage bestehen im Körper. Eine weitere Zeile über Wellen, Fische, Herbeirufung und Einsetzung ist verderbt. In allen Gliedern liegt der ganze Sternenkreis. Dreihundertdreißig Millionen Gottheiten und sämtliche heiligen Sitze wohnen im Körper.

J.3.88 Im Raum des Herzens leben Ananta, Vāsuki und andere Schlangenwesen, im Bauchraum weitere Nāgas. Auch Gandharvas, Kinnaras, Helden, Vidyādharas, Apsaras, Guhyakas und viele Gestalten heiliger Stätten sind dort gegenwärtig. Im Herzen leuchten durch die Einsicht unendliche Vollendungen auf.

J.3.89 Wolkenkreise werden im Tränenfluss erkannt, Mond und Sonne in den Augen; eine Wendung über Unterschenkel und Haare ist unsicher. Gräser und Sträucher entsprechen weiteren Körpererscheinungen. So soll die allgestaltige Wirklichkeit betrachtet werden. Durch die Schau des Ganzen werde man befreit, erfahre Himmelsgenuss und Śivas Glück und werde von Krankheit und Kummer frei.

J.3.90 Eine Aussage über Handeln, Zweifel im Geist und äußere Tätigkeit ist beschädigt; ihr Schluss schreibt Śiva die Lehre zu, dass eine bestimmte Weise des Handelns Befreiung sei. Schon der Anblick eines solchen Asketen lasse Krankheit und Kummer weichen und erfülle den Geist mit höchster Wonne.

J.3.91 Wer die sieben Inselkontinente so schaut, gewinnt Erkenntnis der Wirklichkeit und aller Zustände; sein Körper werde diamantfest. Schlangengift, Hunger, Schlaf, Durst, Hitze und Kälte könnten ihn nicht überwältigen; sein Wort werde wirksam. Selbst ein Blitzschlag schade seinem Körper nicht. Dies sind die Vollendungsverheißungen der Quelle.

J.3.92 So werde er zum Atemyogin, erkenne die Erde mit ihren Familien, erlange die acht Siddhis und das Aufgehen des großen Lotus. Schätze kämen zu ihm. Wohin er wünsche – Himmel, Menschenwelt oder Unterwelt –, könne er gehen. Der höchste Herr erscheine ihm überall nahe in Gestalt der gebietenden Erkenntnis; Schaffen, Auflösen und Schützen würden möglich.

J.3.93 Der Verständige wohne zurückgezogen und lasse den Geist beständig im Selbst ruhen. Durch die Einheit von Selbst und Geist erreicht er die höchste Stätte. Solange Mond und Sonne bestehen, dauere auch sein Körper; eine Folgewendung über das eine Wort und den Atem ist unklar. Dichterische Kraft, Festigkeit und Frieden entstehen. Durch die Gnade der Füße des Gurus gelangt der Vollendete zu dieser Einheit.

Die Bedeutung der inneren Lotusse

J.3.94 Höre nun die wunderbare Bedeutung der Lotusse. Eine Worterklärung verbindet „Kamala“ mit einer reinen Gestalt, die aus vielen Formunterschieden hervorgeht; sie ist sprachlich unsicher. Drei körperliche Prinzipien werden hervorgehoben. Im vierblättrigen Wurzellotus entstehen Sattva, Rajas und Tamas. Das in diesen Zuständen stehende Selbst bewirkt gutes und schlechtes Handeln. Wird der Geist hier fest, geht Yama wie ein Gefangener davon.

J.3.95 Als zweiter wird Anāhata erklärt: Auf dem großen viereckigen Sitz liegt ein achtblättriger, abwärts gerichteter Lotus als gute Stadt. Berührung, Klang, Gestalt, Geschmack, Geruch, Verstand, Geist und Ichbewusstsein stehen der Reihe nach auf seinen acht Blättern. Dort besteht eine jeweils unterschiedliche Verehrungsform.

J.3.96 Durch Meditation leuchtet das Selbst auf und damit der Lotus. Wie eine Blüte durch Sonnenlicht aufwärts geöffnet wird, so wirkt die Betrachtung des Selbst. Die Lebensdauer wachse täglich, Śakti werde gnädig, Krankheit und Kummer schwänden.

J.3.97 Wer Mudrās geübt und Khecarī richtig vollendet hat, dessen Geist wird Bewusstseinswonne; seine Bewusstheit ist vom Mondlicht erfüllt. Das höchste Selbst ist die große Sonne, die eine Erhellende. Licht und Wonne sollen beständig vereint werden. Dann erscheint das höchste Ziel als mächtiges Leuchten.

J.3.98 Die immer aufgehende Geistessonne wird wie Mondlicht geschaut. Eine folgende Wendung über Nabel, Handlung und Kula ist beschädigt. Danach werden das Unmanifeste, die höchste Wirklichkeit, ein Puruṣa, die höchste Stätte, höchste Leere und das Makellose in einer Stufenfolge genannt; ihre genaue Zahl und Rangordnung sind nicht durchweg sicher.

J.3.99 Fünf Eigenschaften der Wonne werden genannt: Eigenschaftslosigkeit, Reinheit, völlige Erfüllung, Allgegenwart und Einzigkeit. Der höchsten Stätte werden Gestaltlosigkeit, Ewigkeit, Eigenwesen, Makellosigkeit und Wohnungslosigkeit zugeschrieben.

J.3.100 Für die höchste Leere nennt die Vorlage Aufgelöstsein, Zerfallensein, Versinken und eine wasser- beziehungsweise kreisartige Beschaffenheit; obwohl fünf Eigenschaften angekündigt werden, ist die Liste unvollständig. Beim Makellosen werden eigenes Wesen, Natürlichkeit, Wahrheit, Frieden und Friedensnatur genannt. Wer dies erkennt, ist Maheśvara.

J.3.101 Nun die Entstehung des Wissens: Wonne, höchstes Selbst, höchste Wonne, Erwachen, Entstehung des Bewusstseins und Leuchten werden in verschränkten Fünfergruppen behandelt. Die Eingangsverse sind beschädigt. Unzerstörbarkeit, Unvergänglichkeit, Ungeteiltheit, Unverbrennbarkeit und Unverzehrbarkeit werden als fünf Eigenschaften eines klanglosen Prinzips genannt; dessen genauer Name ist unsicher.

J.3.102 Eine weitere Gruppe nennt Strahl, Aufleuchten, Entfaltung, Freude und höchstes Selbst. Zum Erwachen gehören nach der Vorlage Untersuchung, Macht, Aufglanz, Entfaltung und Auflösung. Zur Bewusstseinsentstehung werden Übung, Handelnder, Geist und das Leuchten aller Prinzipien genannt; die Fünferteilung ist nicht vollständig lesbar.

J.3.103 Dem Leuchten werden Erwecken, zeitliche oder vereinende Bestimmung, Vergessen und das Leuchten des Ganzen zugeordnet; wiederum wird von fünf Eigenschaften gesprochen, ohne dass fünf sichere Glieder vorliegen. Aus dem Verständnis dieser Gruppen entstehe große Erkenntnis.

J.3.104 Aus Raum entsteht Luft, aus Luft Feuer, aus Feuer Wasser, aus Wasser Erde. Auch ihnen werden je fünf Eigenschaften zugeschrieben. Die Reihen zu Raum und Luft sind stark beschädigt; erkennbar sind Unsichtbarkeit, Nichtzweiheit, Unendlichkeit, Ergreifbarkeit, Bewegung und Rauchähnlichkeit.

J.3.105 Feuer wird mit Wärme, Leuchten, Röte, Flamme und Brennen verbunden. Für Wasser werden unter anderem Lockerheit oder Flüssigkeit, Süße und Weiß genannt; die Fünferreihe ist unvollständig. Erde erscheint grob, gestaltet, hart, riechend und mit Fallen beziehungsweise Weichheit verbunden; die letzte Wortverbindung ist unsicher.

J.3.106 Nun die fünf großen Elemente im Körper. Die Eingangsliste lässt Wasser aus, obwohl fünf angekündigt sind. Als Erdeigenschaften werden Knochen, Fleisch, Haare, Nāḍīs und Haut genannt. Hunger, Durst, Trägheit, Schlaf und Ermattung werden in dieser Fassung Wasser zugeschrieben. Krankheit, Scham, Furcht, Unruhe und Festhalten gelten als Lufteigenschaften. Weitere Elementgruppen fehlen an dieser Stelle.

J.3.107 Obwohl die Eigenschaften von Erde und den übrigen Elementen schon im Sargakāṇḍa genannt wurden, werden sie hier erneut angeführt, um Ursache und Wirkung zu zeigen. Durch dieses Wissen entstehe eine klare Einsicht in sie.

J.3.108 Geist, Verstand, Ichbewusstsein, Citta und Bewusstheit werden als fünf Formen des inneren Organs genannt. Die Reihe zum Geist ist beschädigt. Dem Verstand gehören Unterscheidung, Frieden, Zufriedenheit, Geduld und Entsagung zu.

J.3.109 Für das Ichbewusstsein nennt der Text Ichgefühl, Größe oder „Ich“ und weitere beschädigte Begriffe bis zu Gewalt. Danach folgen Tätigkeit, Erinnerung, Denken, Aufgeben und Erwartungslosigkeit. Eine weitere Reihe nennt Wunschlosigkeit, Abneigung, Standhaftigkeit, prüfende Reflexion und Nachdenken; ihre Zuordnung zu Citta ist wegen einer widersprüchlichen Zahl unsicher.

J.3.110 Nun Eigenschaften des verkörperten Lebens: Vertrauen, gläubige Zuversicht, Mitgefühl, Hingabe und Wahrheit werden Sattva zugerechnet. Verzicht, Genuss, Zuversicht, Verlangen nach nützlichen Dingen und Geschmack beziehungsweise Rajas bilden die nächste, uneindeutige Gruppe. Zu Tamas gehören Vergnügen, Geschmackssucht, Streit, Disput, zunehmende Verwirrung, Täuschung und Kummer. Die angekündigten Fünferzahlen stimmen nicht überall mit den Listen überein.

J.3.111 Traum, Wachen, Tiefschlaf und Bewusstheit werden als Zustände des Lebewesens genannt. Die Wirklichkeit werde aus Bewusstheit erkannt. Natur, Wille, Handlung, Māyā und Rede erscheinen als weitere Fünfergruppe. Zur Natur gehören Hoffnung, Durst nach Erfahrung, Verlangen, Erwartung und Unwahrheit.

J.3.112 Eine weitere beschädigte Reihe nennt Rausch, innere Prägung, Wunsch und Schauen; anschließend Zuflucht, gutes Kula-Verhalten und Entschluss zur Handlung. Dieses Yoga-Geheimnis soll nicht in Gegenwart Unverständiger ausgesprochen werden.

Ort, Eignung und Guru

J.3.113 Am selben Ort wird der Übungsplatz beschrieben: frei von Störungen, Dornen und ähnlichen Hindernissen, unter guter Herrschaft, ohne Bedrängnis und reich an Feldfrüchten. Dort übe man beständig, gleich in Glück und Leid, frei von Gier und Verblendung. Der rechtschaffene Wahrhaftige soll weder schmeicheln noch herabsetzen.

J.3.114 Ungeeignet ist, wer kein Mitgefühl im Herzen hat, stets Streit liebt, nur nach eigenem Vorteil verlangt und sich den Aufgaben des Gurus entzieht. Ihm soll diese Lehre weder gegeben noch in seiner Gegenwart ausgesprochen werden. Der Kommentar betont, dass die Verneinung für beide Verben gilt.

J.3.115 Der geeignete Yogin ist frei von Fixierung auf Sein und Nichtsein und von allen starren Bindungen, stets von Wonne erfüllt und beständig übend. Auch an widrigen, leidvollen, hässlichen oder furchterregenden Orten, bei unerwünschten Begegnungen, Mangel, Übermaß oder überlegener Gewalt bleibt sein Handeln ohne festhaltende Absicht.

J.3.116 So gehend, schlafend und sehend wird er von Verfehlung und Verdienst nicht befleckt. Erkenntnis der Wirklichkeit ist in ihm entstanden. Eine Zeile über den Blick auf andere und verschiedene tote Dinge ist beschädigt. Sein inneres Organ ist ohne zwanghafte Tätigkeit; er ruht natürlich in der ungeteilten inneren Wirklichkeit.

J.3.117 Was durch Anstrengung hervorgebracht werden müsste, wird hier in Beziehung zu einem ursachlosen Zustand gesetzt; der Satz ist unklar. In seinem Geist besteht kein Zwang, sondern Fülle natürlicher Wonne. Der Blick wird fest, dadurch auch der Geist; darin liegt die höchste Stätte.

J.3.118 Nun die Größe des Yoga und seine Grundlagen: Gnade des Gurus, Lesen der Lehrschriften, rechtes Verhalten, Verständnis des Vedānta und seiner Geheimnisse, umfassendes Wissen und Verehrung; Sitzhaltung, Konzentration, Meditation, Auflösung und die sechs Reinigungen; vierundachtzig Haltungen, Entsagung und Verzicht.

J.3.119 Weiter werden Haṭhayoga, vorzügliche Kräuter, Mudrā-Praxis, Waldleben, große Mühen, Mantra-Praxis, zahlreiche Gaben, Askese, Pilgerstätten, Unterweisung im Geben, die drei täglichen Übergangszeiten, die sechs Lehransichten und Nyāsa an Kopf beziehungsweise Schädel genannt. Der Satz über das Erkennen des Yoga-Prinzips aus diesen Mitteln ist grammatisch nicht ganz sicher.

J.3.120 Der Wahrhaftige diene den Rechtschaffenen und achte das Wasser von den Füßen des Gurus. Eine Zeile über Mädchen, Waffen, Blick, Freude und Bewegung ist stark beschädigt. Klar folgt: Durch die volle Gnade des wahren Gurus erreicht man das höchste Ziel. Es gibt kein höheres Prinzip als den Guru; aus ihm kommt die höchste Stätte.

J.3.121 Schon durch Befolgen seiner Weisung während eines halben Lidschlags könne hundertfache große Wonne erlangt werden. Verehrung diesem erhabenen Guru! Als wahrer Guru gilt, wer die Verwirrung vielfältiger Vorstellungen zerstört, nicht wer Feindschaft erzeugt. Deshalb ist der wahre Guru ursprünglich Śiva.

J.3.122 Wahrhaftig, von gutem Verhalten, dem eigenen Guru ergeben, fest im Gelübde, in schlichter Lebensführung verwurzelt und zu Gaben bereit: So wird er beschrieben. Die Zeile über Täuschung, Gier und deren Ablegen ist beschädigt; auch hohe Herkunft wird genannt. Man bemühe sich um die Gemeinschaft mit einem solchen Lehrer. Dadurch findet der Geist Frieden und erreicht das höchste Ziel.

Mantra- und Layayoga

J.3.123 Im ersten Kapitel der Dattātreyasaṃhitā: Yoga ist vielfältig, Brahmane; ich werde ihn dir erklären. Genannt werden Mantrayoga, Layayoga, Haṭhayoga und Rājayoga, der als höchster aller Yoga-Wege gilt. Vier Zustände werden unterschieden: Anfang, Vereinigung, Vertrautheit und Vollendung – Ārambha, Ghaṭa, Paricaya und Niṣpatti.

J.3.124 Beim Mantrayoga legt der Verständige zunächst die Buchstabenmütter auf die Körperglieder und rezitiert dann den Mantra. Daraus entsteht Mantra-Vollendung. Als geeignet wird ein sanft oder schwach veranlagter Praktizierender genannt; durch zwölfjährige Praxis gewinne er gewöhnlich Erkenntnis und Fähigkeiten wie Kleinwerden.

J.3.125 Diese Quelle wertet Mantrayoga ausdrücklich als den niedrigsten der Yoga-Wege und schreibt ihn dem wenig einsichtigen, schwächeren Übenden zu. Die Wertung bleibt als Aussage dieser einzelnen Überlieferung stehen; sie hebt die anderswo in der Sammlung gepriesene Mantra-Praxis nicht stillschweigend auf.

J.3.126 Layayoga entsteht durch die Verbindung des Geistes mit besonderen Hinweisen. Ādinātha habe unendlich viele Millionen solcher Hinweise gelehrt. Sāṅkṛti fragt: Wer ist dieser Ādinātha, Ehrwürdiger? Dattātreya antwortet: Es ist ein Name des Gottes der Götter, des Bhairava.

J.3.127 Dieser Gott erscheint spielend in eigenen Gestalten; ein Vergleich mit Viriñci ist unsicher. Auf dem Śrīkaṇṭha-Berg mit Gaurī, am Mahendra-Berg und im Bananenwald, auf Girikūṭa und Citrakūṭa und auf hundertfünfundzwanzigtausend Bergen habe er aus Mitgefühl jeweils einzelne Hinweise sogar an Śabaras gegeben. Alle ausführlich zu nennen sei unmöglich; einige leicht durch natürliche Übung zugängliche werden erklärt.

J.3.128 Ob stehend, gehend, schlafend oder essend: Tag und Nacht betrachte man die Leere. Dies ist ein Hinweis Ādināthas. Ein anderer besteht allein im Blick auf die Nasenspitze. Eine folgende Zeile nennt Śiva, Lotus, Bharga und den höchsten Überwinder des Todes sowie eine beschädigte Keimsilbe; ihr Zusammenhang ist unsicher.

J.3.129 Als weiterer Hinweis gilt der Blick zwischen den Brauen, ferner das Bestreichen mit heiliger Asche. Auch die Konzentration auf den großen Zeh des rechten Fußes und ein Liegen auf dem Boden werden genannt; die Lesart des Vergleichs ist unsicher. In gelöster Haltung an einem einsamen Ort ausgeführt, soll dies zur Vollendung führen.

J.3.130 So lehrte Śaṅkara viele Hinweise. Wenn der Geist durch solche heilsamen Hinweise zur Auflösung gelangt, heißt dies Layayoga. „Höre danach Haṭhayoga.“ Der Kompilator bemerkt, Haṭhayoga sei deshalb schon zuvor als besonders hoher Yoga behandelt worden; Mantrayoga wurde hier als vorbereitende Praxis in die Yoga-Darlegung aufgenommen. Diese redaktionelle Einordnung steht neben der vorausgehenden Vorrangstellung des Rājayoga.

Der Zeitmensch und die Zungenpraxis

J.3.131 Im fünften Kapitel des Śivāgama wird der Zeitmensch beschrieben. Allein durch sein Erkennen soll der Mensch die drei Zeiten kennen und selbst die im Schoß der Zeit liegende Gestalt wahrnehmen. Die folgende Kurzfassung beruft sich ausdrücklich auf den Śivāgama.

J.3.132 An einem einsamen Ort stellt man die Sonne in den Rücken und betrachtet gesammelt den Halsbereich des eigenen Schattens. Danach blickt man in den Raum und soll dort Śaṅkara schauen. Die Formel lautet dem Sinn nach: „Oṃ, Hrīṃ, Verehrung dem höchsten Selbst.“ Nach hundertacht Wiederholungen erscheint Hara wie reiner Kristall, viele Gestalten annehmend.

J.3.133 Nach sechs Monaten Übung werde man Herr der Berge beziehungsweise Herrscher; nach zwei Jahren selbst Herr des Schaffens und Auflösens. Man erlange einen Zustand der drei Welten, der höchste Wonne verleiht. Bei ununterbrochener Übung sei nichts schwer erreichbar.

J.3.134 Wird die Gestalt im reinen Raum schwarz gesehen, wird Tod nach sechs Monaten vorausgesagt. Gelb bedeutet Krankheit; Rot und Blau werden mit Tötung verbunden, wobei die genaue Verteilung unsicher ist. Vielfarbigkeit bedeutet große Beunruhigung.

J.3.135 Fehlen Füße, Knöchel oder Bauch, wird Tod nach einem halben Jahr, einem Jahr beziehungsweise zwei Jahren genannt. Fehlt der rechte Arm, sterbe ein Verwandter; beim linken die Ehefrau. Eine weitere Zeile verbindet das Fehlen von Kopf und rechtem Arm mit Tod. Ohne Kopf werden ein Monat, ohne Unterschenkel eine beschädigte Tageszahl, ohne Schulter acht Tage und beim Fehlen der halben Gestalt unmittelbarer Tod angegeben.

J.3.136 Der Yogārṇava beschreibt ebenfalls morgens bei Sonne im Rücken das lange unbewegte Betrachten des eigenen Schattens und danach den weißen Schattenmenschen im Raum. Fehlen Ohren, Schultern, Hände, Gesicht, Seiten oder Herz, werden unterschiedliche Restlebenszeiten in Zahlwörtern genannt; die Zuordnung ist beschädigt. Beim fehlenden Kopf wird eine Monatsfrist genannt, deren Zahl in diesem Satz nicht sicher erkennbar ist. [Diese Schattenzeichen sind historische Vorzeichendeutung.]

J.3.137 Im zweiten Kapitel des Jñānasāra: Wer die Zunge nach oben führt und eine halbe Kalā verweilt, werde augenblicklich von Krankheit, Tod und Alter frei. Wenn die Zunge im Innern bis zur Brahman-Höhlung gelangt, stelle man sich vor, mit ihrer Spitze Nektar zu trinken. Nach einem halben Monat werde der Tod besiegt; der große Yogin sei frei von allen Krankheiten.

J.3.138 Wer an der Zungen- und Gaumenwurzel langsam Atem trinkt, werde innerhalb von sechs Monaten zum großen Yogin. Höre die Unterschiede der dabei erfahrenen Geschmäcker: Milchgeschmack beseitige Krankheit, scharfer Geschmack Juckreiz, angenehmer Geschmack eine als kindlich oder gering bezeichnete Verfehlung; die betreffende Lesart ist unsicher.

J.3.139 Buttergeschmack verleihe Unsterblichkeit, Honiggeschmack lasse Lehrwissen hervorströmen. Es folgen süße Speisen, Zucker, essbare Stücke und Laḍḍu-Geschmack. Bei solchen vielfältigen Erfahrungen sei die wunscherfüllende Kuh gegenwärtig.

J.3.140 Der Übende erfreue sich göttlicher Frauen und besitze Anziehungskraft; mit den Fähigkeiten wie Kleinwerden ausgestattet werde er einer, dessen Zeugungskraft aufwärts gerichtet ist. Eine anschließende Atembeschreibung nennt einen Schluckauf- oder Zischlaut im Mund und eine Bewegung durch die Nase. Durch solche Übung werde er zu einem zweiten Liebesgott, erreiche den Yoginī-Kreis und könne Schöpfung und Auflösung bewirken.

J.3.141 Hunger, Durst, Schlaf und Trägheit entstünden nicht; er werde wie ein Himmelswanderer, von allen Mängeln frei. Damit schließen die Wirkungsverheißungen dieses Abschnitts.

J.3.142 So endet in der erhabenen Prāṇatoṣiṇī, im sechsten Buch, dem Jñānakāṇḍa, der dritte Lehrabschnitt: die Darlegung des Blattschmucks in Gestalt des Rājayoga.


Vierter Lehrabschnitt: Cakras und göttliche Welten

Weltall und Wurzellotus

J.4.1 Um Yoga-Erkenntnis zu vermitteln, wurde der Körper als kleines Weltall beschrieben. Im zehnten Kapitel des Nirvāṇatantra heißt es: Die Kennzeichen des äußeren Weltalls mit seinen vierzehn Welten sind erklärt worden. Dieselbe Gestalt, Göttin, befindet sich im großen Weltall. Alles, was dort in vielfältiger Weise besteht, erscheint auch in den verkörperten Lebewesen auf der Erde.

J.4.2 Im großen Weltall liegt wiederum ein weites Weltall; darin leben Wesen, und in ihnen liegen Welten. Der Unterschied besteht in der Betrachtungsweise, etwa als grob oder fein. Was immer im großen Weltall besteht, höchste Herrin, besteht entsprechend auch im anderen Weltgefüge. Die Vorlage verwendet verschiedene Größenbezeichnungen, ohne sie überall scharf voneinander abzugrenzen.

J.4.3 Im vierten Kapitel: Höre die Kennzeichen des weiten Weltalls. Unter den Bergen liegt Meru als Zuflucht aller Götter. In seiner Mitte fließt ein hier Mahādhīrā genannter Strom. Über Sumeru liegt Satyaloka, darunter Rasātala. So befinden sich der Reihe nach die vierzehn Welten in Meru.

J.4.4 Über den sieben Unterwelten liegt der Brahman-Lotus, das Ādhāra-Cakra, vierblättrig in der Erde. In seinem Samengehäuse befindet sich der schöne Erdkreis. Die sieben Meere liegen ringförmig darum; in der Mitte ist das schöne viereckige Jambūdvīpa.

J.4.5 Darin liegt das dreieckige Haus des Liebesgottes, dessen leitende Gottheit Kandarpa ist. Die Keimsilbe Laṃ erscheint als Indra auf dem Elefanten. Im Dreieck steht Maheśvara als Liṅga. Māyā-Śakti in Schlangengestalt umwindet es dreieinhalbmal und bedeckt mit ihrem Mund seine Öffnung.

J.4.6 Links vom Liṅga steht Indras Keimsilbe. Über dem Klang liegt die schöne, vollendete Wohnstätte Brahmās. Dort wohnt der Schöpfer und Herr der Geschöpfe; links von ihm Sāvitrī, Mutter der Veden und Herrin der Götter. Durch ihre Gnade entfaltet er beständig die Schöpfung.

J.4.7 Brahmās Wohnstätte wird mit hunderttausend Yojanas Weite angegeben; ihre ganze Gestalt sei im Ṛgveda erklärt. Das Dreieck wird mit einer Schlange von zweiundsechzig Windungen verglichen und zugleich als Berg bezeichnet, der alle Götter trägt. Die Bildverbindung ist ungewöhnlich, bleibt aber erhalten.

J.4.8 Sieh innen und außen das Wunderbare: unbewegte Berge, Insekten, Tiere, Vögel, Bäume und alles, was auf der Erde besteht. Außerhalb des Dreiecks liegen vielfältige Berge: Nīlācala, Mandara, Candraśekhara, Himālaya, Suvela, Malaya und Bhasmaparvata. Sie werden als die sieben Kula-Berge im Viereck bezeichnet.

J.4.9 Gräser, Sträucher, Ranken und viele andere Gestalten entstehen und vergehen dort auf dem bereits erklärten Weg. Damit endet die Darstellung des Mūlādhāra.

Svādhiṣṭhāna, Vaikuṇṭha und Goloka

J.4.10 Im fünften Kapitel spricht Śiva: Über diesem Lotus liegt der glückverheißende Bhīma-Lotus, rund, sechsblättrig und mit vier Toren geschmückt. Im Samengehäuse liegt die schöne Bhuvar-Welt, zinnoberrot. Darüber wohnt Viṣṇu, mit Śrī und Vāṇī links und rechts. Brahmā erschafft die Welt, der Diskusträger erhält sie.

J.4.11 Dieser Himmel heißt Vaikuṇṭha und enthält viele Götterwohnungen. Rechts davon liegt das alles bezaubernde Goloka. Dort sind Rādhikā und der zweiarmige Flötenträger, umgeben von Nārada und anderen Göttern, die die Veden durchdrungen haben.

J.4.12 Nach meinem Wissen gibt es keinen Vaikuṇṭha gleichen Ort. Vorn, in der Mitte und links leuchten viele Lichter; alle Bewohner besitzen mannigfaltige Genüsse und Edelsteinschmuck. Indra und die übrigen Gottheiten sowie irdische Wesen stehen zum Lobpreis bereit. Eine Zeile über ihre gegenseitige Sicht ist nicht eindeutig.

J.4.13 Die Welt ist von großer Wirklichkeit erfüllt. Vierarmige, gelbgewandete, friedvolle, mit Waldgirlanden geschmückte Gestalten erfüllen Vaikuṇṭha; auch die Hingebungsvollen erscheinen so. Viṣṇus Wort, Viṣṇus Schar, Viṣṇu-Verehrer und Viṣṇu-Gestalt: Nichts besteht dort ohne Viṣṇus Namen.

J.4.14 Die Gestalt Golokas lässt sich weder durch gewöhnliches Wissen noch durch die Augen vollständig erfassen; eine Bezugnahme auf Yoga-Meditation ist syntaktisch unsicher. Es besteht aus reiner Wirklichkeit und ist mit vielen Göttern geschmückt. In seiner Mitte liegt Goloka als die begehrenswerte Wohnstätte Śrī Viṣṇus.

J.4.15 Wie könnte ich die Größe dieses herzerfreuenden Ortes Viṣṇus, dessen Wesen Sattva ist, jetzt beschreiben? Dort strahlt stets der zweiarmige Flötenträger. Als sattvischer Viṣṇu erhält er die Welt. Dort liegt die große Befreiung der Vaiṣṇavas. Nur kurz ist seine Herrlichkeit erklärt; selbst in hundert weiteren Geburten könnte ich sie nicht ausführlich darlegen.

J.4.16 Um das Samengehäuse liegt ein Wasserkreis, schön wie der Milchozean, lichtvoll und wie Millionen Monde strahlend, ein reiner weißer Ring. Darin erscheinen Gaṅgā und die übrigen Flüsse. Indra und alle Götter werden unablässig gepriesen.

J.4.17 Gandharvas, Yakṣas, Nāgas, Kūṣmāṇḍas und Bhairavas erfreuen sich vielfältiger Seligkeit und singen mit gesammeltem Geist Viṣṇus Lob. Mit dem viergesichtigen Brahmā singen sie die Veden. Die sechs Rāgas, beginnend mit Mālava, und die sechsunddreißig Rāgiṇīs nehmen dabei selbst Gestalt an.

J.4.18 Im Mālava-Rāga wird der Sāmaveda gesungen; Mallāra und Vasanta werden ebenfalls genannt. Im Hillola erfolgt die Yajurveda-Rezitation, im Karṇāṭa und Śrī-Rāga der Ṛgveda-Gesang. Die genaue Zuordnung von Mallāra und Vasanta bleibt in der Vorlage offen. Dies ist nur die bestimmte Auswahl; darüber hinaus gibt es unbestimmt viele weitere Formen.

J.4.19 Dort bestehen sechzehntausend Rāgas. Aus Murāris Flötenspiel entstehen alle Rhythmen; zu ihnen und den Melodien singt Brahmā. Weise unterscheiden ihre Unterteilungen. Frühling und alle übrigen Jahreszeiten sind stets gegenwärtig und schmücken den Flötenträger mit ihren Blüten.

J.4.20 Rādhikā genießt dort vielfältige Freude und bittet: „Geliebter, spiele dein bezauberndes Flötenlied! Lass jene Melodie und jenen Rhythmus erklingen, aus deren Klang immer wieder Liebe entsteht.“ Voll Wonne und tiefer Ergriffenheit strahlt die ihren Verehrern zugewandte Rādhikā stets an seiner linken Seite.

J.4.21 Weiter heißt es aus der Perspektive des verehrten Herrn: Wer zuerst Rādhā und danach Kṛṣṇa rezitiert, dem werde ich einen guten Weg gewähren, ohne Zweifel. Wer mich durch den vom Guru gelehrten Weg der inneren Haltung und des Mantras verehrt, wird mir gleich.

J.4.22 Eine Frau, die mich und den männlichen Partner ohne Trennung verehrt, werde ihm beziehungsweise mir gleich; der Bezug des Vergleichs ist nicht eindeutig. Ob mit Hingabe oder ohne sie: Wer das Paar rezitiert, dem werde ich durch deine Hingabe meinen Zustand schenken, höre, Rādhikā! Damit endet die Darstellung des Svādhiṣṭhāna.

Maṇipūra und Anāhata

J.4.23 Im sechsten Kapitel: Über diesem Lotus liegt ein schwer erreichbarer großer Lotus mit zehn Blättern, blau und von furchtbarer natürlicher Gestalt. Die Buchstaben von Ḍa bis Pha mit dem Mondpunkt schmücken ihn. In seinem Samengehäuse steht stets die vollendete Feuerkeimsilbe; außen liegt das Tripura genannte Zeichen, wie eine junge Sonne, mit Svastikas an drei Seiten.

J.4.24 Diese Welt heißt Svarloka und wird von allen Göttern verehrt. Die verkörperte Feuerkeimsilbe reitet auf einem Widder. Dort ist Rudras Wohnstätte, die große Verblendung zerstört. Links von ihm strahlt Bhadrakālī, die große heilige Wissenschaft, die stets Auflösung bewirkt.

J.4.25 Brahmā erschafft die Welt, Viṣṇu erhält sie, der höchste Gott als Rudra löst sie auf. Mit Bhadrakālī vollzieht Rudra die Auflösung. Was sollte auf Erden durch Rudras Wort nicht gelingen? Gegenüber dem zuvor beschriebenen bezaubernden Goloka wird Rudraloka in jeder Hinsicht als vierfach groß bezeichnet.

J.4.26 Rudra, mit Asche geschmückt, schenkt stets große Befreiung; Bhadrakālī steht links von ihm. Der Flötenträger verehrt Kālī mit großer Sorgfalt und wird dadurch Herr von Vaikuṇṭha und Goloka. Voll Lob und Hingabe wird er durch die Gnade ihrer Füße zum Weltenhüter.

J.4.27 Zur Bewahrung der Welten verehrt der Flötenträger gemeinsam mit seiner Gefährtin Bhadrakālī und wohnt in Goloka. Viṣṇu empfängt stets Kālīs Gunst und ihre Opfergabe; deshalb ist er der sattvische Erhalter. Damit endet die Darstellung des Maṇipūra. [Die Rangordnung wird hier aus der Śākta-Perspektive des zitierten Tantra entfaltet.]

J.4.28 Im siebten Kapitel: Darüber liegt ein reiner, vortrefflicher zwölfblättriger Lotus, rot wie die Bandhūka-Blüte und wie heiliger Zinnober. Er gewährt gewünschte Früchte; ein Wort der Verheißung ist beschädigt. Im Samengehäuse liegt ein glückverheißendes Sechseck, in dessen Mitte die schöne Luftkeimsilbe steht.

J.4.29 Mit ihr erscheint der vierarmige Īśvara, Herr der drei Welten, von allen verehrt. Links von ihm steht Bhuvaneśānī, die in den drei Welten verehrte Vidyā. Dies ist Maharloka, ein Ort der Verehrung, glückverheißende Göttin.

J.4.30 Dort vollzieht der hervorragende Yoga-Kenner den geistigen Yoga. Eine zinnoberrote, schöne, zugleich kristallene Gestalt wird beschrieben. Menschen schauen deshalb zunächst Licht; die Götter selbst bestehen stets mit vollständigen Gliedern. Irdische Wesen sehen einen leuchtenden Kreis, Himmelsbewohner eine Gestalt; die genaue Unterscheidung der Wahrnehmungsstufen ist stellenweise unsicher.

J.4.31 Wie Menschen auf der Erde leben, so die Götter im Himmel. Brahmā wohnt in Bhūrloka, Janārdana in Bhuvarloka, Śambhu als Auflöser in Svarloka. Īśvara ist der Herr Brahmās und der übrigen, der alles vollzieht und allem gebietet.

J.4.32 Das schöne Maharloka wird gegenüber Goloka als hundertfach schön und hundertfach weit beschrieben, in allem hundertfach. Wie könnte ich seine Herrlichkeit ausdrücken? Selbst eine gewöhnliche Gestalt dort entspricht nach einer sprachlich unsicheren Zeile einem Hundertfachen oder einem Verhältnis von hundert zu eins gegenüber dem Flötenträger Golokas.

J.4.33 Auf seine Weisung erschafft der Lotusgeborene; auf seine Weisung erhält der zweiarmige Flötenträger die Welten; in Rudras Gestalt löst er das ganze All auf. Deshalb heißt er der alles vollziehende Īśvara, der eigenschaftslose, unbewegte Śiva.

J.4.34 Durch die Verbindung mit Bhuvaneśī ist er der Herr von allem und Geber der Befreiung. Sie ist die Weltmutter, die die Welt erhält und allen Welten Erlösung gewährt. Ohne Bhuvaneśī vermag Īśa nichts zu vollziehen. Deshalb ist die Göttin allgestaltig und Befreiung spendend. Damit endet die Darstellung des Anāhata.

Viśuddha und der Erkenntnislotus

J.4.35 Im achten Kapitel spricht Śaṅkara: Darüber liegt ein reiner, sechzehnblättriger Lotus, der alles bezaubert und zugleich die Finsternis der Verblendung zerstört. Er leuchtet wie Feuer im Rauch. In seiner Mitte liegt das schöne Janoloka, außen ein Mondkreis; es ist mit Götterscharen, Sängern und Weisen geschmückt.

J.4.36 Dieser schwer erreichbare Ort wird als hunderttausendfach gegenüber Goloka bezeichnet, in Länge, Breite und allen anderen Hinsichten. Im Samengehäuse auf der Edelsteininsel liegt ein vorzügliches sechseckiges Yantra. Darin steht ein Stier, dessen Körper zur Hälfte ein großer Löwe ist.

J.4.37 Darauf befindet sich Mahāgaurī, rechts von ihr Sadāśiva. Er hat fünf Gesichter mit je drei Augen, ist mit Asche geschmückt und gleicht einem Silberberg. Er trägt ein Tigerfell und ist von den Fähigkeiten wie Kleinwerden geziert.

J.4.38 Er gewährt den Welten das Erwünschte, beseitigt Furcht, schenkt Genuss und Befreiung und stiftet beständige Wonne. Als allgegenwärtiger Ardhanārīśvara ist er halb Frau. Einmal ist er lichtvoll, einmal ohne Gestalt; die Götter verehren ihn als ihren Herrn.

J.4.39 Er schenkt den Hingebungsvollen Befreiung und Viṣṇus Zustand. Wer ihn mit Bilva-Blättern verehrt, empfängt Einheit mit ihm. Er schützt seinen Verehrer, indem er ihn zum Herrn Golokas macht. Die folgende Aufforderung, seine Herrlichkeit ausführlich zu beschreiben, bleibt ohne vollständigen Satzabschluss.

J.4.40 Gaurī ist Weltmutter und die eine Hälfte Brahmans. Die große Göttin umfasst die drei Eigenschaften; der Bogenträger wird mit einer einzelnen Eigenschaft verbunden. Durch ihre Gemeinschaft wird Sadāśiva zum Vollbringer aller Dinge. Damit endet die Darstellung des Viśuddha-Ortes.

J.4.41 Im neunten Kapitel spricht Śaṅkara: Darüber liegt der schwer erreichbare Erkenntnislotus, mit zwei Blättern beziehungsweise zwei Lotuselementen verbunden, ein Vollmondkreis. In seinem Samengehäuse betrachte man die Stadt des Wunschedelsteins. Darin liegt das höchst seltene neuneckige Yantra.

J.4.42 In seiner Mitte ist Śambhus Keimsilbe, verkörpert als Haṃsa. Haṃsa ist das höchste Brahman und in Gestalt Śiva. Sein Schnabel ist der befreiende Laut, seine beiden Flügel sind Ausgehen und Eingehen, seine Füße Śiva und Śakti, seine Augen drei Punkte. Er bewegt sich im goldenen Lotus.

J.4.43 Auf der Edelsteininsel ruht der höchste Śiva im Schoß dieses Haṃsa; links von ihm Siddhakālī, deren Wesen immerwährende Wonne ist. Durch ihre Gnade vollzieht Maheśvara alles. Dies ist Tapoloka, schwer erreichbar für sämtliche Welten.

J.4.44 Brahmā und die anderen Götter meditieren stets auf diesen Ort. Weder bloßes Denken noch Yoga oder Askese mache ihn ohne Weiteres erreichbar. Er wird gegenüber Goloka als vierhunderttausendfach bezeichnet; die Zahlenbildung ist beschädigt. Selbst die hingebungsvollen Götter von Brahmaloka, Vaikuṇṭha und Śambhus Welt erreichen ihn nicht allein durch Askese.

J.4.45 Kein Ort unter den Welten gleicht Tapoloka. In Maharloka besteht Sālokya, das Wohnen in derselben Welt; in Janoloka Sārūpya, gleiche Gestalt; in Tapoloka Sāyujya, innige Einheit; darüber Nirvāṇa. Deshalb streben Brahmā und die übrigen Götter stets nach Tapoloka.

J.4.46 So wurden die Kennzeichen der sechs Stufen erklärt, Geliebte. Wer sie erkennt, werde unsterblich und lebend befreit und trete nie wieder in den Mutterschoß ein. Damit endet die Darstellung des Erkenntnisortes.

Die Quelle versteht Kālī als Ursprung und Rückkehrort der göttlichen Erscheinungen.

Sahasrāra und die höchste Göttin

J.4.47 Im zehnten Kapitel spricht Śaṅkara: Über dem Erkenntnislotus liegt der tausendblättrige Lotus, nach unten gerichtet, in der Mitte Sumerus. Er erstrahlt weiß, rot, gelb, schwarz und grün, in vielfältigen Farben. Augenblicklich wechselt er von Weiß zu Rot, zu Gelb, zu Grün und zu bunten Gestalten; so ist er stets mannigfaltig geschmückt.

J.4.48 Jedes seiner Blätter gleicht dem Reich Goloka. Dessen Herr ist dort hingebungsvoll; auch der Herr Kailāsas übt beständig Meditation. Brahmā, Indra und alle Himmelsgötter stehen demütig, voller Lob und Hingabe. Hunderttausende Flötenträger, zehn Millionen Rudras und zehn Millionen Brahmās werden genannt.

J.4.49 Täglich entstehen viele Welteier. In jedes werden Brahmā, der Herr der Lotusgöttin, Śiva in verschiedenen Gestalten und mannigfaltige Śaktis eingesetzt. Jedes Weltall enthält die drei Gottheiten mit ihren Kräften. Auch die Menschen auf der Erde im Brahman-Lotus sind jeweils Welteier mit inneren Welten.

J.4.50 In jedem bestehen sieben Unterwelten und sieben Himmel. So liegen die vierzehn Welten in den Cakras jedes Körpers. Jeder Leib ist ein Weltall, höchste Herrin.

J.4.51 Der vielgestaltige Ort ist die Grundlage aller Körper. Darin liegt Satyaloka, die Ursache Mahārudras. Er wird als vom Diskusträger aus besonders reinem Gold errichtet beschrieben; die Goldbezeichnung ist unsicher. In den Richtungen liegen Wasser- und Vollmondkreise, ringsum Pārijāta-Bäume, in der Mitte ein Wunschbaum.

J.4.52 Nahe dem Wunschbaum steht ein Lichttempel, strahlend wie die aufgehende Sonne, mit vier Toren, sanfter Musik, Düften und Blumen. Darin liegen eine Altarplattform und ein Edelsteinthron. Mahākālī und das höchste Selbst erscheinen in der Gestalt einer Kichererbse mit ihren beiden Hälften; das Selbst ist von Māyā verhüllt und zugleich mit ihr verbunden.

J.4.53 Dieses Selbst ist Mahārudra, Mahāviṣṇu und Mahābrahmā; nur die Namen unterscheiden sich. Eine Gestalt trägt drei Namen: Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara. Wessen Geist sie als getrennte Wirklichkeiten festhält, erreicht keine Befreiung.

J.4.54 Dort entstehen hunderttausendfach Welteier; in ihnen werden Brahmā, Viṣṇu und Rudra eingesetzt. Der ewige Viṣṇu bildet so das Weltall, die lebendige Gestalt und den Körper des Geschöpfs. Eine folgende Zeile nennt die beständige vielfältige Schöpfung und zugleich Eigenschaftslosigkeit; ihre grammatische Verbindung ist unsicher.

J.4.55 Im Eigenschaftslosen gilt die Viṣṇu-Gestalt als Ursache der Vollendung. Einige nennen den Einen Brahmā, andere Viṣṇu, andere den uranfänglichen Rudra. Es ist ein makelloser Gott. Mit der Urkraft verbunden hat er die Gestalt der zweigeteilten Kichererbse.

J.4.56 Er wird als Licht eines magischen Schauspiels, als Mond, Sonne und Feuer, als großes gestaltloses Licht beschrieben; eine Bezugnahme auf Goloka ist undeutlich. Im Samengehäuse Satyalokas, im glückverheißenden Haus des Wunschedelsteins, betrachte man das Makellose auf einem Edelsteinthron.

J.4.57 Nahe dabei betrachte und verehre man den eigenen Guru mit seiner Gefährtin: ihn silberberggleich, sie tiefrot, schön von Angesicht und aus eigenem Licht bestehend. So wird das göttliche Paar im eigenen Haupt vergegenwärtigt. Wie man einen Berg in einem Spiegel sieht, so betrachte man die Gottheit im großen tausendblättrigen Lotus.

J.4.58 Dies ist ganz von Brahman und höchster Befreiung erfüllt, die Wohnstätte des Eigenschaftslosen und Mahākālas. Dort ruht ewig das Gestaltlose, Unbewegte, dessen Wesen höchste Wonne ist, der Herr der höheren und niederen Welt. Kālī ist die ewige Wonne und Offenbarerin der Zeit; als Urkraft Mahākālī führt sie selbst die Götter zu Nirvāṇa.

J.4.59 Wie ein Baum aus Erde entsteht und in Erde zurückkehrt, wie eine Wasserblase aus Wasser entsteht und darin vergeht, wie Blitz in der Wolke aufleuchtet und in ihr verschwindet, so entstehen Brahmā und die anderen Götter aus Kālikā und lösen sich am Ende wieder in ihr auf.

J.4.60 Ohne Erkenntnis der Śakti, Göttin, wird die Vorstellung von Befreiung hier als lächerlich bezeichnet. Aus einem Teil Kālīs entsteht Brahmā, aus einem anderen Janārdana, aus einem anderen Śambhu. Mahākālī selbst ist unermesslich wie das Meer gegenüber Flüssen; Brahmā und die anderen gleichen Wasser in einem Kuhhufabdruck.

J.4.61 Wie sollte eine Hufspur das Wasser des Meeres kennen? Deshalb erkennen Brahmā, Viṣṇu und Śaṅkara ihre Größe nicht vollständig. Wie die Götter aus Kālī entstehen, lösen sie sich bei der Weltauflösung wieder in ihr auf. Kālī schenkt daher Nirvāṇa, die männliche Gottheitsform den Himmel: So formuliert diese Quelle ihren Vorrang.

J.4.62 Der Sohn der Sonne, der im Süden wohnt, flieht beim Namen Kālīs voller Furcht. Darum wird sie in den drei Welten Dakṣiṇā genannt. Eine zweite Erklärung sagt, auch der eigenschaftslose Puruṣa werde von Kālī hervorgebracht und aufgelöst; deshalb heiße sie Dakṣiṇā.

J.4.63 Kālikā ist die beeinflussende Vidyā, die große Vidyā, die Mutter der Welt. Ihre beschreibbare Gestalt gleicht der zweigeteilten Kichererbse; zugleich ist sie ohne Hände und Füße und besteht aus Mond, Sonne und Feuer. Ihr Ort ist Satyaloka, von allen Göttern erstrebt. Wie könnte ich seine Herrlichkeit jetzt aussprechen?

J.4.64 Auf einem einzigen Blatt des tausendblättrigen Lotus liegen tausend Goloka-Reiche. Nicht in tausend Geburten und mit hundert Millionen Zungen könnte ich die Schönheit auch nur eines Blattes beschreiben. Darum lass es dabei bewenden, Pārvatī. Wie erst könnte ich den Glanz zwischen den Staubfäden schildern?

J.4.65 Darin liegt der Blütenboden, darin das Samengehäuse, darin ein vortrefflicher Nektarozean von hunderttausend Yojanas Weite. In seiner Mitte liegt die Edelsteininsel von tausend Yojanas. Ringsum stehen Pārijāta-Bäume und ein herrlicher Kadamba-Wald; in der Mitte der Wunschbaum und der vorzügliche Lichttempel.

J.4.66 Der Tempel hat vier Tore, goldene Umfassungsmauern, sanfte Musik, Duft und Räucherwerk. Tausende göttliche Jungfrauen dienen dort. Die Altarplattform besteht aus den fünfzig Buchstaben; auf ihr steht der Edelsteinthron. Mahākālī und Mahārudra erscheinen dort als die beiden Hälften einer Kichererbse, als Licht eines magischen Schauspiels, als ewiges großes Leuchten.

Die Ausrichtung der Lotusse

J.4.67 Im Samayācāratantra, angeführt im vierten Ullāsa der Śāktānandataraṅgiṇī, fragt die Göttin: Gott der Götter, Starkarmiger, dessen Wesen Schöpfung, Erhaltung und Auflösung ist! Im Haupt soll der rote, abwärts gerichtete tausendblättrige Lotus betrachtet werden, darin der friedvolle Guru mit seiner Śakti; im Mūlādhāra die große Kraft als Kuṇḍalinī.

J.4.68 Werden alle Lotusse der Reihe nach abwärts gerichtet vorgestellt, wie können Guru und Gottheit darin betrachtet werden? Wie verhält es sich mit ihrer Stellung im unteren Grund? So formuliert die Göttin ihren Zweifel.

J.4.69 Mahādeva antwortet: Deine Frage ist berechtigt, von Helden verehrte Göttin. Höre, was den Zweifel löst. Diese Lotusse liegen in der Suṣumnā; sie sind Gestalten des höchsten Brahman und bestehen aus Klang-Brahman. In Wahrheit sind sie nach allen Seiten geöffnet.

J.4.70 Im Lebewesen bestehen zwei Richtungen: Hinwendung zur Entfaltung und Rückkehr. Der Weg der Entfaltung führt in die Welt, der Weg der Rückkehr zum höchsten Selbst. Bei der Betrachtung der Entfaltung werden die Öffnungen entsprechend nach innen beziehungsweise unten gedacht; die Lesart ist nicht ganz klar. Auf dem Yoga-Weg der Rückkehr sind sie stets aufwärts gerichtet. Durch diese Unterscheidung der inneren Haltung verschwindet der Zweifel.

Eine weitere Cakra-Beschreibung

J.4.71 Eine besondere Darstellung bietet der Śrītattvacintāmaṇi: Außen am Meru liegen links und rechts Mond- und Sonnenader. In der Mitte verläuft Suṣumnā, aus den drei Eigenschaften bestehend, in Gestalt von Mond, Sonne und Feuer. Ihr Leib gleicht einer Reihe geöffneter Dhattūra-Blüten; vom Wurzelknollen reicht sie aufwärts. In ihr leuchtet die Vajrā genannte Bahn von der Genitalgegend bis zum Haupt.

J.4.72 In ihr ist Citriṇī, vom Praṇava belebt, nur durch Yoga zugänglich, fein wie ein Spinnenfaden. Sie durchdringt sämtliche Lotusse im Innern des Meru und leuchtet durch deren kunstvolle Verbindung; sie erweckt reine Erkenntnis. In ihr liegt die Brahma-Nāḍī, von der Höhlung an Haras Mund bis zum uranfänglichen Gott reichend.

J.4.73 Fein wie ein im Geist des Weisen leuchtender Faden, spielend wie eine Blitzgirlande, erweckt sie reines Wissen und reine, alles Glück bergende Empfindung. An ihrer Mündung liegt die Brahman-Pforte, ein schöner Ort strömender Nektaressenz. Diesen Knotenort nennt man den Mund der Suṣumnā.

J.4.74 Der Wurzellotus liegt an der Suṣumnā-Mündung, unterhalb des Geschlechtsorgans und oberhalb des Afters. Er hat vier rote, abwärts gerichtete Blätter, geschmückt mit vier Buchstaben von Va bis Śa, schön wie aufgehendes Gold. In ihm liegt der viereckige Erdkreis, von acht glänzenden Speeren umgeben.

J.4.75 Der Erdkreis ist gelb und von blitzfeiner Gestalt; darin ruht die eigene Keimsilbe der Erde. Sie ist vierarmig geschmückt und reitet auf dem Elefantenkönig. In ihrem Schoß strahlt der kindliche Schöpfer wie die junge Sonne, mit vier Armen und der Schönheit seiner vier lotusgleichen Gesichter. Eine Schlussverbindung mit den Veden ist beschädigt.

J.4.76 Hier wohnt die Göttin Ḍākinī, vierarmig, hell leuchtend und rotäugig. Sie strahlt wie viele zugleich aufgehende Sonnen und trägt stets das Licht reiner Einsicht.

J.4.77 An der Mündung der Vajrā, in der Mitte des Blütenbodens, leuchtet das Tripura genannte Dreieck, fein wie ein Blitz, von Kāmarūpa-Gestalt. In ihm bewegt sich stets der Kandarpa genannte Lebenswind, Herr des Lebens, der selbst den Glanz vieler roter Bandhūka-Blüten übertrifft und wie Millionen Sonnen leuchtet.

J.4.78 Darin liegt Svayambhū in Liṅga-Gestalt, zart wie eine geschmolzene goldene Lotusknospe nach einer unsicheren Lesart, nach hinten gerichtet, im Licht von Erkenntnismeditation sichtbar und wie der erste junge Spross. Er lächelt mit der milden Strahlenfülle vieler aufgehender Vollmonde, wohnt in Kāśī, spielt frei und leuchtet wie ein Wasserwirbel.

J.4.79 Darüber ruht die weltbezaubernde Kraft, feiner als eine Lotusfaser. Mit ihrem lieblichen Mund bedeckt sie die Brahman-Pforte. Wie die Windung eines Muschelhorns, wie eine Girlande junger Blitze erscheint sie; schlafend wie eine Schlange umgibt sie Śiva in dreieinhalb Windungen.

J.4.80 Kula-Kuṇḍalinī summt süß wie eine Schar berauschter Bienen. Sie bringt die Rede in ihren feinen Wortverbindungen und in den Folgen von Unterscheidung und Verbindung hervor. Durch die Teilung in Ein- und Ausatmung trägt sie das Leben der Welt. In der Höhlung des Wurzellotus leuchtet sie als mächtige Lichtfülle.

J.4.81 In ihr liegt die höchste Kalā, höchst kunstvoll, feiner als das Feinste, von ewiger Wonne und beweglichem Blitzglanz. Durch ihren Schein leuchtet das ganze Weltgefäß. Heil dieser erhabenen höchsten Herrin, in der ewiges Erwachen aufsteigt!

J.4.82 Wer dieses Licht von Millionen Sonnen im inneren Weg des Wurzellotus betrachtet, werde unverzüglich Herr der Rede, König unter Menschen und Kenner aller Wissenschaften. Stete Gesundheit und grenzenlose große Wonne werden verheißen. Mit reinem Verhalten diene er in Worten und kunstvollen Redefügungen dem Lehrer aller Götter; die letzte Satzverbindung ist unsicher.

J.4.83 Ein weiterer Lotus liegt in der Suṣumnā an der Wurzel des Geschlechtsorgans, schön rot wie eine Fülle von Zinnober. Sechs Blätter umgeben ihn, mit blitzähnlichen Buchstaben von Ba bis La, jeweils mit Punkt geschmückt; die Endbezeichnung der Buchstabenreihe ist in der Vorlage indirekt und unsicher.

J.4.84 In seinem Innern leuchtet Varuṇas Wasserkreis, halbmondförmig, weiß wie der Herbstmond. Die reine Keimsilbe Vaṃ reitet auf einem Makara. In ihrem Schoß ruht Hari: Möge er uns schützen! Er ist von schönem blauem Glanz, gelbgewandet, in erster Jugend, mit Śrīvatsa und Kaustubha geschmückt und vierarmig.

J.4.85 Hier strahlt Rākiṇī, schön wie das Innere eines blauen Lotus. Ihre Glieder leuchten mit erhobenen mannigfaltigen Waffen; sie trägt göttliche Gewänder und Schmuck und ist von berauschter innerer Freude erfüllt.

Überlieferungsgrenze: Diese zweite Cakra-Darstellung endet im vorhandenen Wortlaut bei Rākiṇī. Ohne eigenen Kapitelkolophon folgt das Lob der Erkenntnis. Die nicht angeführten weiteren Cakra-Verse werden nicht aus anderen Fassungen ergänzt.


Fünfter Lehrabschnitt: Erkenntnis des Brahman

Unterscheidung und Nichtzweiheit

J.5.1 Nun das Lob der Erkenntnis. Im dritten Kapitel des Nigamakalpadruma: Durch Erkenntnis gewinnt man Befreiung und tilgt Verfehlung. Durch Erkenntnis werden die Handlungen des Vīra, die Haltung des Paśu und der göttliche Zustand verstanden beziehungsweise verwirklicht. Deshalb ist Erkenntnis vorzüglich. Durch sie wird alles rein. Wie Feuer Holz, Sträucher und Ranken verbrennt, so verbrennt Erkenntnis sämtliche Handlungsfrüchte.

J.5.2 Erkenntnis ist zweifach: unterscheidend und die Nichtverschiedenheit erfassend. Unter unterscheidender Erkenntnis entstehen von Weltalter zu Weltalter Verdienst und Verfehlung. Durch Erkenntnis der Nichtverschiedenheit wird früheres Karma verbrannt und kein neues bindendes Karma erzeugt; so erlangt man Befreiung.

J.5.3 Wer dagegen in Trennung erkennt, gewinnt selbst in hunderttausend Weltaltern keine Befreiung, wohl aber himmlische Zustände durch Śambhus Gunst; die Satzverbindung ist unsicher. Wo ist die Ordnung der Nichtverschiedenheit festgelegt, durch welche Handlung? Trennung gehört zur gebundenen Haltung; die nächste Zeile nennt erneut Trennung beim göttlichen Zustand und ist offenbar beschädigt. Der Vīra kennt Unterscheidung und Nichtunterscheidung und verbindet geregelte Folge mit deren Überschreiten.

J.5.4 Wer eine geordnete Praxis ohne Begehren vollzieht, dessen Handeln führt zu Kaivalya; so ist auch die Überschreitung der Reihenfolge zu verstehen. Bleibt dagegen ein höherer oder niederer Wunsch bindend, ist die Praxis trotz korrekter Ordnung herabgezogen und von den Fesseln des Paśu beherrscht. Eine Schlusszeile nennt eines, zwei und umgekehrte Reihenfolge sowie sorgfältige Reinigung; klar ist ihr Gegensatz: Freiheit von Trennung führt zur Erlösung, trennende Einsicht lässt die eigene Handlungsfrucht bestehen.

J.5.5 Nichtduale Erkenntnis nach dem sechsten Kapitel des Muṇḍamālātantra: Solange die eigene Wirklichkeit nicht erkannt wird – der erste Ausdruck ist beschädigt –, erscheint alles verschieden. Handlungen, Auffassungen und Götter werden getrennt gesehen: Brahmā, Viṣṇu, Maheśvara, Gaṇeśa, Sonne, Feuer, Varuṇa, Kubera und die Hüter der Richtungen.

J.5.6 Solange erscheinen auch weibliche, männliche und geschlechtlich uneindeutige Betätigungen verschieden; Bilva-Blatt und Tulasī-Blatt sind getrennt, ebenso Hibiskus, Droṇa, dunkle Blüten und Oleander. Solange bestehen göttliche, heldenhafte und gebundene Haltung als Gegensätze, Unterschiede zwischen Tantras und verschiedene Gottesdienste. Hari und Hara werden voneinander getrennt gedacht.

J.5.7 Kālī mit furchtbarem Antlitz, die erhabene Ekajaṭā, Śivā, Ṣoḍaśī, Bhairavī, Chinnā, Bhuvaneśvarī, Annapūrṇā, Bagalāmukhī, Mātaṅgī, Kamalā, Vāṇī und Rādhikā erscheinen verschieden. Auch Tätigkeiten, Rituale und Verhaltensordnungen gelten als getrennt, solange nicht Einheit an Bhavānīs Lotusfüßen aufgegangen ist.

J.5.8 Wenn im Herzlotus die Essenz der Erkenntnis und die Nichtzweiheit an Tāriṇīs höchstreinen Lotusfüßen entsteht, wird Einheit in allen Lebewesen erfahren, schöne Śaṅkarī.

J.5.9 Der Kommentar fragt: Warum wird nur von Einheit „in den Lebewesen“ gesprochen? Bei wirklicher Einheitserkenntnis sind doch Śiva, Śakti und alle Wesen eins. Auch die Rede von Tāriṇīs Lotusfüßen wäre dann unangemessen, weil die Unterscheidung von Verehrtem und Verehrendem entfällt. Antwort: Das ist richtig. Die Aussage richtet sich an Befreiungssuchende und lehrt eine mit Erkenntnis verbundene Hingabe. Deshalb wird später unabweichliche Hingabe genannt. Ein Befreiter mit unerschütterlicher Einheitserkenntnis bedarf keiner Unterweisung; er ist vollkommen frei von Sorge.

J.5.10 Für diese Erkenntnis gibt es weder Verfehlung noch Verdienst, weder Himmel noch Hölle, weder Glück noch Leid noch Furcht vor Krankheit; weder Furcht noch Kummer. Die ganze Welt besteht aus Brahman. Eine Frau aus brahmanischer, kṣatriyischer, vaiśyischer, ärztlicher, śūdrischer oder ausgegrenzter Herkunft ist ebenso Tāriṇī-Vidyā; die letzte Gleichsetzung ist sprachlich gedrängt.

J.5.11 Wenn solche Erkenntnis entsteht, höchste Herrin, erscheint jene Vidyā, welche die Gegensätze von Wissen und Nichtwissen überschreitet. Der Mensch wird von Brahman-Wonne erfüllt. Nichtdual, jenseits der Eigenschaften, eigenschaftslos und über der Natur, gelangt er voller höchster Wonne gewiss zur Befreiung.

J.5.12 Wahr ist dies, immer wieder wahr: Es gibt nichts Höheres als Erkenntnis der Wirklichkeit und keinen Gott über Sadāśiva. Bald entsteht die Einsicht „Ich bin Das“. Eine folgende Zeile verbindet die Aufhebung oder Behandlung der Vielheitsvorstellung mit sattvischer, auf das höchste Selbst gerichteter Einsicht; ihr Verb ist unsicher. So wird man zum Kenner des höchsten Sinns. Nichts steht über Erkenntnis. Wer das höchste Prinzip erreicht, wird von der Körperbindung frei.

J.5.13 In verschiedenen Tantras habe ich unterschiedliche Betätigungen gelehrt, Tochter des Berges. Erst wenn Einheitserkenntnis entsteht, wird Vollendung erreicht. Wird der Geist gegenüber Unbewegtem und Bewegtem gleich, was könnte dann hier oder jenseits nicht gelingen? So entstehen Genuss und Befreiung; zuletzt führt die Erkenntnis der Wirklichkeit zu Nirvāṇa.

J.5.14 Im elften Kapitel: Solange Vielheit besteht, gibt es Unterschiede auf Erden: Geburtsschicht, Sippe, Name, Merkmal und soziale Einteilung; Freund und Gegner, Ehepartner und Verwandte; unterschiedliche Verehrung durch Mantra, Yantra und weitere Mittel; Verdienst und Verfehlung. Solange entstehen „du“, „ich“, „dieser“ und „diese“.

J.5.15 Dies dauert, bis die Vidyā entsteht, die den Gegensatz von Wissen und Nichtwissen überwindet. Sie vernichtet Nichtwissen; eine zusätzliche Wendung über das Vermehren von Wissen und Nichtwissen ist beschädigt. Tāriṇī ist diese große Vidyā. Wer sie auf Erden erweckt, erlangt Nirvāṇa und Befreiung, Tripurasundarī.

J.5.16 Durch unabweichliche Hingabe an Durgās Lotusfüße entsteht die selbst für Brahmā schwer erreichbare Brahman-Erkenntnis. Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Indra und die Himmelsgötter, Bhairavas und Gandharvas streben nach dieser Wissenschaft. Keine Vidyā, keine Tätigkeit und kein Wissen kommt Brahmavidyā gleich, niemals.

Der Weg der Rückkehr

J.5.17 In der Welt werden zwei Ausrichtungen unterschieden: Entfaltung und Rückkehr, entsprechend rituellem Handeln und dessen Entsagung. Dazu wird eine Taittirīya-Stelle angeführt, die Śaṅkarācārya im Kommentar zur Vājasaneyi-Upaniṣad zitiert: Zwei Wege sind besonders entfaltet, zuerst der Weg der Tätigkeit, dann die Entsagung. Auf diesen beiden Wegen stehen die Veden: der Dharma der Hinwendung zum Handeln und der erklärte Weg der Rückkehr.

J.5.18 Deshalb wurden im Kāmyakāṇḍa und Bhaktikāṇḍa – der zweite Name ist hier verderbt – viele Formen der Verehrung des eigenschaftsbehafteten Gottes in grober Gestalt erklärt, um den auf Handeln gerichteten Menschen ihre Lebensziele zu eröffnen. Nun wird für Menschen des Rückkehrwegs das Wesen des Selbst dargelegt, zur Verehrung des feinsten, eigenschaftslosen Herrn.

J.5.19 Im vierzehnten Ullāsa des Mahānirvāṇatantra: Von Brahma bis zum Grashalm ist die Welt durch Maya gestaltet. Das eine höchste Brahman ist wirklich. Wer dies erkennt, findet Glück.

J.5.20 Wer Namen und Formen loslässt und im ewigen, ungeteilten Brahman Gewissheit über die Wirklichkeit gewinnt, ist von den Fesseln des Handelns befreit.

J.5.21 Befreiung entsteht nicht durch Rezitation, Feueropfer oder hundert Fastengelübde. Der verkörperte Mensch wird frei, indem er erkennt: Ich bin Brahman.

J.5.22 Auch im fünften Abschnitt des Kulārṇava: Wer auch nur einen Augenblick sein Selbst mit der Einsicht betrachtet: „Ich bin Brahman“, dessen in unzähligen Geburten angesammelte Verfehlung schwindet in diesem Augenblick.

J.5.23 Im Mahānirvāṇatantra: Das Selbst ist Zeuge, alldurchdringend, vollständig, wirklich, nichtdual und über alles erhaben. Obwohl es im Körper ist, ist es nicht an ihn gebunden. Wer dies erkennt, hat Anteil an Befreiung.

Das Selbst als Zeuge und Wagenherr

J.5.24 Einwand: Wenn das Selbst nur Zeuge ist, wie kann es dann als der durch Begrenzungen bedingte Wanderer gelten, der zu Wissen und Nichtwissen, Weltwanderung und Befreiung befähigt ist? Wie kann ihm ein gemeinsamer Wagen für beide Wege zugeschrieben werden? Dazu heißt es in der dritten Vallī der Kaṭha-Upaniṣad:

J.5.25 Erkenne das Selbst als den Herrn des Wagens und den Körper als den Wagen. Erkenne die Einsicht als Wagenlenker und den Geist als Zügel.

J.5.26 Die Sinne nennt man die Pferde, ihre Gegenstände deren Wege. Das mit Körper, Sinnen und Geist verbundene Selbst nennen die Weisen den Erfahrenden.

J.5.27 Śaṅkarācārya erklärt: „Wagenherr“ bedeutet Eigentümer des Wagens. Der Körper heißt Wagen, weil er von den Sinnen gezogen wird wie ein Wagen von angespannten Pferden. Der Verstand, dessen Kennzeichen entschiedene Einsicht ist, heißt Lenker, weil seine Führung für den Körper maßgeblich ist wie die des Wagenlenkers für den Wagen.

J.5.28 Der Geist mit Entwurf, Zweifel und ähnlichen Bewegungen ist der Zügel. Durch ihn werden Hören und die übrigen Sinnesorgane gehalten und gelenkt. Augen und die anderen Sinne heißen Pferde, weil sie gemeinsam den Körperwagen ziehen. Ihre Gegenstände – Gestalten und Ähnliches – sind die Wege.

J.5.29 Das mit Körper, Sinnen und Geist verbundene Selbst nennen die Unterscheidenden den Erfahrenden, also den im Daseinskreislauf Wandernden. Das reine Selbst hat keine Erfahrerschaft; sie entsteht allein durch begrenzende Bedingungen wie den Verstand.

J.5.30 Antwort auf den Einwand: „Im Körper und doch nicht im Körper“ zeigt seine Unberührtheit. Für das Unberührte kommt eigentliche Erfahrerschaft nicht in Betracht, wohl aber Zeugenschaft; deshalb heißt es Zeuge. Wenn in allen Körpern dasselbe Selbst besteht, wem kommen dann Unbeherrschtheit oder Geordnetheit zu? Dieselbe Upaniṣad antwortet:

J.5.31 Wer ohne Einsicht ist und dessen Geist ungeordnet bleibt, dessen Sinne sind unbeherrschbar wie schlechte Pferde für den Wagenlenker.

J.5.32 Wer Einsicht besitzt und dessen Geist stets gesammelt ist, dessen Sinne sind lenkbar wie gute Pferde für den Wagenlenker.

J.5.33 Wenn das Bewusstseins-Selbst nur Zeuge ist, wem kommen Weltwanderung und Befreiung zu? Auch diesen Zweifel löst dieselbe Schrift:

J.5.34 Wer Einsicht besitzt, seinen Geist gesammelt hält und stets rein ist, erreicht jenen Zustand, aus dem keine Wiedergeburt mehr erfolgt.

J.5.35 Wer dagegen ohne Einsicht, ohne gesammelten Geist und stets unrein bleibt, erreicht jene Stätte nicht, sondern gelangt in den Daseinskreislauf.

J.5.36 Wer die ganze Vorstellung von Namen und Formen wie ein Kinderspiel loslässt und in Brahman gegründet ist, ist befreit; daran besteht kein Zweifel.

J.5.37 Eine im Geist entworfene Gestalt führt für sich allein ebenso wenig zur Befreiung, wie ein im Traum gewonnenes Königreich einen Menschen wirklich zum König macht. Die erste Satzverbindung ist unsicher, der Vergleich eindeutig.

J.5.38 Wer Gestalten aus Ton, Stein, Metall oder Holz für Gott hält und sich mit Askese abmüht, erreicht ohne Erkenntnis keine Befreiung.

J.5.39 Ob Menschen sich durch eingeschränkte Nahrung quälen oder durch Essen nach Belieben beleibt werden: Wie sollten sie Erlösung finden, wenn ihnen das Wissen um Brahman fehlt?

J.5.40 Würden Menschen allein durch Gelübde des Lebens von Luft, Blättern, Körnern oder Wasser befreit, dann müssten auch Schlangen, Tiere, Vögel und Wassertiere befreit sein.

J.5.41 Die höchste Haltung ist das wirkliche Gegenwärtigsein Brahmans; die meditative Haltung steht in der Mitte. Lobpreis und Japa sind die niedrigere Haltung; äußere Verehrung ist die niedrigste.

J.5.42 Im Yoga geht es um die Einheit des individuellen mit dem höchsten Selbst, in der Verehrung um Dienenden und Herrn. Für den, der alles als Brahman erkennt, gibt es weder Yoga noch Verehrung.

J.5.43 Einwand: Es wurden doch viele Yoga-Arten genannt. Warum wird Yoga jetzt allein als Einheit von individuellem und höchstem Selbst bezeichnet? Antwort: Jene Yoga-Arten sind als Handlungsformen wie Prāṇāyāma vorbereitend und im übertragenen Sinn Yoga. Der Yoga im eigentlichen Sinn ist ihre Einheit. So auch im Kulārṇava:

J.5.44 Yoga entsteht nicht allein aus dem Lotossitz oder dem Blick auf die Nasenspitze. Die Kenner des Yoga nennen die Einheit des individuellen mit dem höchsten Selbst Yoga.

J.5.45 Im Mahānirvāṇatantra: Wenn im Herzen die höchste Erkenntnis Brahmans leuchtet, wozu bedarf es dann noch Japa und Opfer, Askese, Regeln und Gelübde?

J.5.46 Wer das eine Brahman als Wirklichkeit, Erkenntnis und Glückseligkeit schaut und seinem eigenen Wesen nach Brahman ist: Was bedeuten für ihn noch Verehrung, Meditation und Konzentration?

J.5.47 Wer alles als Brahman erkennt, kennt weder Verfehlung noch Verdienst, weder Himmel noch Wiedergeburt, weder ein zu Betrachtendes noch einen Betrachtenden.

J.5.48 Dieses Selbst ist immer frei und bleibt von allen Dingen unberührt. Was sollte es binden? Weshalb suchen die Unverständigen für es noch Befreiung?

J.5.49 Die von ihm selbst gestaltete Welt ist selbst für Götter nicht durch bloßes Denken fassbar. Es leuchtet überall darin, ohne eingetreten zu sein, als wäre es eingetreten.

J.5.50 Wie der Raum innerhalb und außerhalb aller Dinge gegenwärtig ist, so leuchtet das Selbst, dessen eigenes Wesen der Zeuge ist.

J.5.51 Das Selbst kennt weder Kindheit noch Alter, weder Jugend noch Geburt. Es bleibt immer dasselbe, reines Bewusstsein, frei von Veränderung.

J.5.52 Geburt, Jugend und Alter gehören zum Körper, nicht zum Selbst. Menschen, deren Einsicht von Maya geprägt ist, sehen es und erkennen es dennoch nicht.

J.5.53 Wie man die Sonne im Wasser verschiedener Schalen vielfach gespiegelt sieht, so erscheint durch Maya das eine Selbst in vielen Körpern.

Die Erkenntnislehre deutet Śiva als das ungeteilte Selbst.

Die innere Gottheit

J.5.54 Im fünften Kapitel des Gandharvatantra: Das Selbst ist ewig, allgegenwärtig, unwandelbar und frei von Makel. Obwohl es eines ist, erscheint es durch Täuschung und Maya geteilt, nicht durch sein eigenes Wesen.

J.5.55 Deshalb gibt es für mich keine Zweiheit, keine getrennte Weltentfaltung und keine Daseinswanderung. Wie man von Gefäßraum und großem Raum spricht, so wird durch Verirrung das eine Selbst als individuelles Selbst und als Herr zweifach vorgestellt.

J.5.56 Ich bin nicht der Körper, nicht Prāṇa, nicht die Sinne; nicht Geist, Verstand, Citta oder Ichbewusstsein. Ich bin nicht Erde, Wasser, Feuer, Luft oder Raum; nicht Klang, Berührung, Geschmack, Geruch oder Gestalt; nicht Māyā und nicht der Daseinskreislauf. Ich bin stets das Selbst in Gestalt des Zeugen, allein Brahman.

J.5.57 „Ich bin dieses Brahman, nicht der im Werden Gebundene; nichts ist jemals von mir getrennt.“ So das eigene Selbst zu erkennen, wird Samadhi genannt.

J.5.58 In Samādhi ist es von reiner Gestalt, der Ton des vierten Zustands. Die höchste Śakti ist dessen Anteil, der Bindu allein Brahman. Man erkenne das individuelle Leben als den Herrn: „Ich bin Das“, ganz gewiss.

J.5.59 Wie Schaum und Wellen aus dem Meer hervorgehen und wieder im Meer vergehen, so geht die Welt in das Selbst zurück.

J.5.60 Wem das höchste Selbst so ungetrennt offenbar geworden ist, der gelangt selbst unmittelbar zum höchsten Zustand, zum höchsten Unsterblichen. Wenn allgegenwärtiges Bewusstsein beständig im Geist leuchtet, tritt diese Vollendung ein; eine Zwischenwendung über Yogins und Abstand ist unsicher.

J.5.61 Wenn man alle Wesen im eigenen Selbst und das Selbst in allen Wesen schaut, verwirklicht man Brahman.

J.5.62 Wenn der in Samadhi Ruhende die Wesen nicht mehr als voneinander getrennt schaut, ist er mit dem Höchsten eins und verweilt im Einen.

J.5.63 Dann entsteht als Heilmittel gegen Geburt, Alter, Leid und Krankheit allein die Erkenntnis Brahmans; dadurch wird man Śiva. Befreiung kommt aus dieser Erkenntnis, nicht anders, auch nicht durch Millionen innerer Vorstellungen.

J.5.64 Wie nach traditioneller Vorstellung verschlucktes Gift durch Mantra- und Arzneikraft unschädlich wird, so werden beim Wissenden alle Handlungen in einem Augenblick aufgelöst.

J.5.65 Wenn die Gleichsetzung mit dem Körper geschwunden und das höchste Selbst erkannt ist, wird alles, wohin sich der Geist wendet, zum Ort der Versenkung.

J.5.66 Man vergegenwärtige sich: „Ich bin Brahman, nichts anderes; ich bin frei. Mein Wesen ist Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit; meiner Natur nach bin ich immer befreit.“

J.5.67 Wer so mit Samādhi verbunden ist, ist wahrer Sammlung würdig. „Ich bin Sadāśiva“, erkennt der Asket und wandelt frei. Er wird nicht durch Verfehlung befleckt und nicht durch Karma gebunden. Wie Feuer die Unreinheit geschmolzenen Goldes augenblicklich verbrennt, so vernichtet der Brahman Hingegebene die Bindung sämtlicher Handlungen.

J.5.68 Wer die Gottheit im eigenen Selbst verlässt und sie nur außerhalb sucht, gleicht einem Menschen, der den kostbaren Kaustubha in seiner Hand wegwirft und nach Glasscherben umherirrt.

Erkenntnis und fortgesetzte Praxis

J.5.69 Im elften Kapitel des Muṇḍamālātantra: Erkenntnis sei zweifach und selbst für den Geist schwer zu verstehen: die als höchste Wirklichkeit bezeichnete Erkenntnis und die Erkenntnis als Mittel zum Erreichen des zu Erkennenden. Daneben wird gewöhnliches Wissen genannt, dessen Gegenstand die verwirrende Erscheinungswelt ist. Damit ergibt sich eine Dreiteilung; die letzte Form wird als niedrig und ohne Wirklichkeitserkenntnis bezeichnet.

J.5.70 Die Erkenntnis der Wirklichkeit ist selbst für große Yogins schwer erreichbar. Ohne sie bleiben Verehrung und Rezitation ohne letzte Frucht. Ein Gott, ein Ich: Das Selbst ist nicht getrennt vom Körper, vom Topf oder Tuch, vom Rad der Zeit oder vom Baum. Wenn dieses wirkliche Wissen entsteht, folgt bald Befreiung.

J.5.71 Ihre Ursachen sind vielfältig: Verehrung, Meditation, Besuch heiliger Stätten, Zuflucht zu Tāriṇīs Füßen, Erinnerung an den König der Mantras, Wandern zu den Kula-Bergen, Gemeinschaft mit Wahrhaftigen, Dienst an Viṣṇu, Verehrung Śaṅkaras und Hingabe an Kālikās beide Füße.

J.5.72 Dass auch die Praxis zur Befreiung beiträgt, zeigt das zweite Kapitel: Wer Kalika mit Hingabe und entsprechender Praxis verehrt, oh Chandi, erlangt als individuelles Wesen das Sein Shivas. Wahrlich, daran besteht kein Zweifel.

J.5.73 Weiter: Die Praxis soll beständig ausgeführt werden. Durch sie erreicht der ernsthaft Übende höchste Vollendung; deshalb soll er sie nicht aufgeben.

J.5.74 Der Kompilator bemerkt, diese Aufforderung beziehe sich auf Haushälter; dies werde später deutlich. Im ersten Kapitel werden Yama, Askese, Viṣṇu und das handlungsschädigende Kali in einer teilweise beschädigten Fragefolge genannt. Alles geistige Leid soll als solches erkannt werden. Wer diese Ordnung aufnimmt, rezitiert und betrachtet, erlange bald Śivas Sein.

J.5.75 Die zuvor erklärte Unterscheidung zwischen Śiva und Jīva allein durch begrenzende Bedingungen wird nun ausdrücklich gemacht: Das individuelle Wesen ist Shiva, Shiva ist das Göttliche; dieses Wesen ist allein Shiva. Durch Fesseln gebunden heißt es Jiva; von Fesseln frei heißt es Sadashiva.

J.5.76 Die Fesseln nach dem fünften Abschnitt des Kulārṇava sind Abscheu, Scham, Furcht, Kummer und Widerwille als fünfte, ferner Sippe, festgelegtes Verhalten und Geburtsschicht. Diese acht heißen Fesseln. Gebunden durch sie heißt man Jīva, frei von ihnen Sadāśiva.

J.5.77 Im dritten Kapitel des Muṇḍamālātantra: Von der Hülse umschlossen heißt es Rohreis, ohne Hülse geschälter Reis. Durch Karma gebunden heißt es Jiva, von Karma frei Sadashiva.

J.5.78 Ein weiterer Vergleich nennt Opferbutter, die in Wasser gegeben wird und sich durch ihre Eigenschaften unterscheidet; der erste Satz ist beschädigt. So werde auch das Selbst beschrieben. Danach heißt es: Wie mit Milch vermischtes Wasser gleichsam zu Milch wird, so besteht keine Trennung zwischen individuellem und höchstem Selbst.

J.5.79 Wie Mond und Sonne in wassergefüllten Gefäßen gespiegelt werden und beim Zerbrechen der Gefäße ihre Spiegelbilder im Wasser vergehen, so wird das Selbst nicht geboren und stirbt nicht: Es ist der höchste Śiva. Durch Selbsterkenntnis überschreitet das individuelle Wesen den schwer zu überquerenden Ozean der Welt und gewinnt Śivas Sein.

J.5.80 Auch in der zweiten Vallī der Kaṭha-Upaniṣad: Das erkennende Selbst wird weder geboren noch stirbt es. Es entstand nicht aus etwas anderem, und nichts anderes wurde aus ihm geboren. Ungeboren, ewig, beständig und ursprünglich, wird es nicht getötet, wenn der Körper getötet wird.

J.5.81 Derselbe Vers steht auch in der Bhagavadgītā. Der Kompilator weist auf die abweichende Lesart „jemals“ statt „der Erkennende“ und auf die anders formulierte zweite Vershälfte über Entstehen und künftiges Werden hin.

J.5.82 Im sechsten Kapitel: Jīva ist als Śiva zu erkennen, als Herr des Alls; ein weiteres Beiwort ist unsicher. Das Brahman-Prinzip ist selbst für die Götter schwer erreichbar. Durch Erkenntnis gelangt Jīva zu Śivas Sein. Wer die wunderbaren Lotusfüße des Gurus, Pārvatīs und Śaṅkaras in einheitlicher Weise verehrt, ist lebend befreit.

J.5.83 Wer in Piṇḍa, Pada und Rūpa verbunden ist und wer jenseits der Eigenschaften ruht, ist befreit. Die Göttin fragt: Ich kenne weder Piṇḍa noch Pada noch Rūpa; erkläre sie mir! Śiva antwortet: Piṇḍa ist Kuṇḍalinī-Śakti; Pada werde ich selbst genannt; Rūpa ist Meditation. So lautet die hier erhaltene Definition.

J.5.84 Wer die große Kuṇḍalinī-Śakti in Schlangengestalt verehrt, hat sein Ziel erreicht, ist gesegnet, göttlich und der beste Held. Göttliche Praktizierende, vortreffliche Vīras und Paśus werden unterschieden; die Zeile über ihre Kenntnis aller Schriften ist nicht eindeutig zugeordnet. Der Praktizierende erlangt Befreiung, wahrlich.

J.5.85 Höre, Welterhalterin, das Glückverheißendste: Wer das Tantra hört, erlange Brahman-Nirvāṇa. Man solle daran nicht zweifeln. Die als Āmnāya bezeichnete Tantra-Schrift offenbart die höchste Wirklichkeit und ist deshalb Brahmavidyā; die Veden und andere Wissensbestände werden in diesem Argument anders eingeordnet.

Höheres und niederes Wissen

J.5.86 Dazu die Muṇḍaka-Upaniṣad: Zwei Wissensarten sind zu erkennen, sagen die Brahman-Kenner, die höhere und die niedere. Es folgen Ṛgveda, Yajurveda, Sāmaveda, Atharvaveda, Lautlehre, Rituallehre, Grammatik, Etymologie, Versmaß und Astronomie; danach das Wissen, durch das das Unvergängliche erkannt wird. Die Bezeichnungen „höher“ und „nieder“ sind in der vorliegenden Zitierung vertauscht. Der folgende Kommentar setzt die Erkenntnis des Unvergänglichen als höheres Wissen voraus.

J.5.87 Einwand: Wenn das höhere Wissen außerhalb der Veden liegt, wie kann dann eine Upaniṣad höheres Wissen und Befreiungsmittel sein? Überlieferungen außerhalb der Veden gelten doch wegen falscher Anschauung und Fruchtlosigkeit als nicht anzunehmen. Wären Upaniṣaden außerhalb, träfe dies auch sie; gehören sie zum Ṛgveda und den anderen, wäre ihre gesonderte Einordnung sinnlos.

J.5.88 Antwort: Gemeint ist hier vorrangig die Erkenntnis des Unvergänglichen als Gegenstand der Upaniṣaden, nicht die bloße Menge ihrer Worte. Mit „Veda“ ist in diesem Zusammenhang dagegen der Wortbestand gemeint. Selbst wenn man diesen beherrscht, wird das Unvergängliche ohne weitere Voraussetzungen wie das Aufsuchen eines Gurus und Entsagung nicht erkannt. Deshalb wird Brahmavidyā gesondert als höheres Wissen bezeichnet.

J.5.89 Zum Lob der Brahman-Erkenntnis heißt es im ersten Kapitel des Gāyatrītantra: Alle Wissensarten behalten ihre Bedeutung, solange Erkenntnis nicht entstanden ist; wird der Zustand der Brahman-Erkenntnis erkannt, treten sie zurück. Veden, Lehrschriften und Purāṇas werden mit öffentlich zugänglichen Kurtisanen verglichen, die Śāmbhavī-Vidyā dagegen mit einer behüteten Frau des Hauses. Dies ist das traditionelle Bild für Öffentlichkeit und Vertraulichkeit.

J.5.90 Alle heiligen Wissenskräfte sind im Körper, alle Gottheiten sind im Körper. Durch das Wort des Guru erschließen sich alle im Körper gegenwärtigen heiligen Orte.

J.5.91 Das Wissen um das innere Selbst schenkt den Menschen Glück und Befreiung. Handeln, Nichthandeln und das zu Rezitierende kommen darin zur Ruhe.

J.5.92 Daher heißt es im Kulārṇava: Nachdem man alle Lehrschriften studiert und mit Sorgfalt die Wirklichkeit erkannt hat, lasse man die Schriften los wie ein Mensch, der das Korn sucht, das Stroh zurücklässt.

J.5.93 Auch in der Gītā: Die Veden behandeln den Bereich der drei Eigenschaften; sei jenseits der drei Eigenschaften, Arjuna. Im Gāyatrītantra: Wie Feuer im Holz, Duft in der Blüte und Butter in der Milch, so ist das Göttliche im Körper gegenwärtig, jenseits von Verdienst und Verfehlung.

Die seltene Erkenntnis des Selbst

J.5.94 Dass Selbsterkenntnis die Frucht des Verdienstes vieler Geburten ist, wird mit der zweiten Vallī der Kaṭha-Upaniṣad erklärt: Viele erhalten nicht einmal Gelegenheit, davon zu hören; viele hören und verstehen es dennoch nicht. Wunderbar ist sein Verkünder, kundig sein Empfänger; wunderbar der Erkennende, der von einem Kundigen unterwiesen ist.

J.5.95 Von einem minder Einsichtigen gelehrt, ist dieses Selbst auch durch vielfältiges Nachdenken nicht leicht zu erkennen. Wird es von einem gelehrt, der sich nicht als getrennt erkennt, bleibt kein anderer Weg beziehungsweise kein Zweifel; die Lesart dieser Wendung ist beschädigt. Es ist feiner als das Feinste und nicht durch gewöhnliche Schlussfolgerung zu bemessen.

J.5.96 Diese Einsicht ist nicht durch Argumentieren allein zu gewinnen. Von einem anderen kundig gelehrt, wird sie gut erkannt, Geliebter. Du hast sie erreicht, weil du in der Wahrheit fest bist. Möge uns ein Fragender wie du begegnen, Naciketas!

J.5.97 Ich weiß, dass der Schatz vergänglich ist; durch Unbeständiges wird jenes Beständige nicht erreicht. Dennoch habe ich mit vergänglichen Stoffen das Nāciketa-Feuer geschichtet und einen als dauernd bezeichneten Zustand erreicht. Du aber, standhafter Naciketas, hast die Erfüllung der Wünsche, die Stütze der Welt, die endlose Opferfrucht, das Ufer der Furchtlosigkeit und die weit gerühmte hohe Stellung durchschaut und aufgegeben.

J.5.98 Wer durch den Yoga des inneren Selbst den schwer sichtbaren, tief verborgenen, uralten Gott erkennt, der in der Höhle und Tiefe ruht, lässt Freude und Kummer los. Wer dies hört, ganz aufnimmt und das dem Dharma entsprechende Feine erlangt, freut sich, weil er das wahrhaft Erfreuliche erreicht hat. Die letzte Wendung lautet in dieser Vorlage „geöffneter Lotus Naciketas’“ und ist offenbar beschädigt.

J.5.99 „Was du jenseits von Dharma und Adharma, jenseits von Gemachtem und Ungemachtem, jenseits von Vergangenem und Künftigem siehst, das sage mir.“ Antwort: Das Ziel, das alle Veden verkünden, das alle Askesen benennen und um dessentwillen man Brahmacarya lebt, sage ich dir in Kürze: Oṃ.

J.5.100 Im achten Kapitel des Nityātantra fragt die Göttin: Gott der Götter, großer Gott, du Befreier der Welt, was heißt „höchstes Selbst“? Īśvara antwortet: Gut hast du gefragt. Höre, wodurch ein Mensch schon durch Erkenntnis lebend befreit wird.

J.5.101 In dem Virajā genannten großen Lotus, an dessen Blütenboden, in einer mit Vaikharī und der höchsten Kraft verbundenen inneren Pilgerstätte Puṣkara, ruht gestaltloses höchstes Licht, das Wesen des höchsten Brahman. Es ist allwissend, eigenschaftslos, ewig, nichtdual und in allem gegründet. Die örtliche Verknüpfung der ersten Zeile ist unsicher.

J.5.102 Wenn man durch den Yoga der großen Kuṇḍalinī lichtvoll wird, soll dieses höchste Selbst betrachtet werden. Die individuellen Lebewesen und die übrigen Erscheinungen gelten als seine Anteile.

Brahman und Entsagung

J.5.103 Im zweiten Ullāsa des Mahānirvāṇatantra fragt die Göttin: Du hast das höchste Brahman erklärt, den Herrn über das Höchste, durch dessen Verehrung Menschen Genuss und Befreiung finden. Durch welches Mittel wird dieses höchste Selbst gnädig? Was sind seine Praxis, sein Mantra, seine Meditation und seine Ordnung? Ich möchte dies der Wahrheit nach hören; erkläre es aus Mitgefühl!

J.5.104 Sadāśiva antwortet: Aus Liebe zu dir werde ich das Höchste erklären, das mir lieber ist als mein Leben. Brahman ist als höchste, von Sein und Bewusstsein erfüllte Weltwirklichkeit zu erkennen, entweder nach seinem eigenen Wesen oder anhand seiner Merkmale.

J.5.105 Sein eigenes Wesen ist reines Sein, ohne Besonderheit, jenseits von Rede und Geist, die Wirklichkeit der an sich nicht selbständigen drei Welten. Es wird durch Samādhi-Yoga erkannt von Menschen, die überall gleich schauen, Gegensätze überschritten haben, ohne begriffliche Trennung sind und den Körper nicht mit dem Selbst verwechseln.

J.5.106 An seinen Merkmalen erkennt man Brahman als das, woraus die Welt entsteht, wodurch das Entstandene besteht und worin alles sich auflöst.

J.5.107 Der Kompilator vertritt anschließend die Auffassung, Brahman-Erkenntnis als befreiende Lebensausrichtung gehöre den Entsagenden, nicht den Haushältern. Dazu zitiert er Śaṅkarācāryas Muṇḍaka-Kommentar: Zwar sind Menschen aller Lebensstände zum Erkennen befähigt, doch ist nur die in Entsagung gegründete Brahmavidyā, nicht die mit ritueller Tätigkeit verbundene, Mittel zur Befreiung. Dies zeigen die Aussagen über Bettelmönchleben und Entsagungs-Yoga.

J.5.108 Wissen und rituelles Handeln stehen in diesem Argument im Widerspruch: Die Erkenntnis der Einheit von Brahman und Selbst könne selbst im Traum nicht mit bindendem Handeln zugleich bestehen. Da Erkenntnis nicht auf eine besondere Zeit beschränkt ist, lässt sich der Widerspruch nicht durch getrennte Zeiten für Wissen und Tätigkeit lösen.

J.5.109 Dass Haushälter als Vermittler der Brahmavidyā erscheinen, widerlegt nach diesem Kommentar den begründeten Zusammenhang nicht. Auch hundert Vorschriften können nicht bewirken, dass Dunkelheit und Licht zugleich am selben Ort bestehen.

J.5.110 Einwand: Später wird in dieser Lehre doch ausdrücklich Dienst an Mutter und Vater verlangt, was dem Haushälter zukommt. Antwort: Dies sei auf den Beginn des Weges zu beziehen. Sonst wäre auch die Aufforderung zum Wohl anderer nicht erklärbar, da der ganz in Brahman Ruhende keine Trennung von sich und anderen mehr kennt. Diese Auslegung stammt vom Kompilator.

J.5.111 Die Entstehung der Welt aus Brahman erklärt die Muṇḍaka-Upaniṣad: Wie eine Spinne ihren Faden hervorbringt und wieder einzieht, wie Pflanzen aus der Erde wachsen und Haare aus einem lebenden Menschen, so entsteht die Welt aus dem Unvergänglichen. Bei „Unvergänglichem“ fehlt in der vorliegenden Lesart das verneinende Anfangselement; der Zusammenhang macht den Bezug deutlich.

J.5.112 Im dritten Muṇḍaka: Der Wissende kennt die höchste Brahman-Stätte, in der die ganze Welt ruht und rein aufleuchtet. Wunschlose Weise, die den Puruṣa verehren, überschreiten die entsprechende Begrenzung; die Bezeichnung des Überschrittenen ist hier abweichend überliefert.

J.5.113 Wer begehrend an Wünschen festhält, wird durch sie hier und dort wiedergeboren. Wer jedoch seine Wünsche erfüllt und sein Selbst verwirklicht hat, dessen Wünsche lösen sich schon hier sämtlich auf.

J.5.114 Dieses Selbst ist nicht durch gelehrte Rede, Scharfsinn oder vieles Hören zu gewinnen. Wen es erwählt, von dem wird es erreicht; ihm offenbart es seine eigene Gestalt.

J.5.115 Das Selbst wird nicht vom Kraftlosen erlangt, nicht durch Nachlässigkeit und nicht durch Askese ohne ihre angemessenen Kennzeichen. Wer sich wissend mit den geeigneten Mitteln bemüht, dessen Selbst tritt in die Brahman-Stätte ein.

J.5.116 Zur Frucht der Brahman-Erkenntnis: Die Seher, die es erreicht haben, sind durch Erkenntnis gesättigt, im Selbst vollendet, frei von Leidenschaft und vollkommen friedvoll. Das Allgegenwärtige von allen Seiten erreichend, treten die gesammelten Weisen in alles ein.

J.5.117 Die durch Vedānta-Erkenntnis ihres Sinnes Gewissen, durch Entsagungs-Yoga gereinigten Asketen werden am Ende in den Brahman-Welten vollständig frei und erlangen das höchste Unsterbliche. Der Kompilator sieht darin die zuvor vertretene Bindung der Brahmavidyā an Entsagung ausdrücklich bestätigt.

J.5.118 Die fünfzehn Kräfte kehren in ihre Grundlagen, die Gottheiten in ihre jeweiligen Gottheiten zurück. Handlungen und das von Erkenntnis geprägte individuelle Selbst werden im höchsten Unvergänglichen eins. Wie Flüsse ins Meer strömen und Namen und Gestalt aufgeben, so erreicht der Wissende, frei von Namen und Gestalt, den göttlichen Puruṣa jenseits des Höchsten.

J.5.119 Wer dieses höchste Brahman erkennt, wird Brahman selbst. In seiner Familie werde niemand ohne Brahman-Erkenntnis bleiben. Er überschreitet Kummer und Verfehlung; von den Knoten der Herzhöhle befreit, wird er unsterblich.

Der Brahman-Mantra

J.5.120 Auch im Mahānirvāṇatantra: Wenn durch das Verdienst vieler Geburten ein wahrer Guru gefunden wird, empfange man aus seinem Mund die Unterweisung und mache so die Geburt fruchtbar. Mit den vier Lebenszielen gleichsam in der Hand erfreue man sich hier und jenseits. Ein solcher Mensch ist gesegnet, hat sein Ziel erreicht, ist tüchtig und rechtschaffen.

J.5.121 Wem der große Mantra-Edelstein ans Ohr gelangt ist, der gilt als in allen Pilgerstätten gebadet, in alle Opfer eingeweiht, in allen Schriften erfahren und in allen Welten gegründet. Gesegnet sind Mutter und Vater, rein seine Familie. Seine Ahnen freuen sich mit den Göttern und singen mit vor Freude gesträubten Haaren:

J.5.122 „In unserer Familie ist ein Vorzüglicher geboren, der in Brahman unterwiesen ist und es weitergibt. Was bedürfen wir noch der Reisbällchen in Gayā, der Ahnenriten und Labungen an Pilgerstätten, der Gaben, Rezitationen, Feueropfer und vieler anderer Praktiken? Durch die Praxis dieses guten Kindes sind wir unvergänglich gesättigt.“

J.5.123 Höre, von der Welt verehrte Göttin, wahrlich: Was bedürfen die Verehrer des höchsten Brahman noch anderer Mittel? Schon durch Empfang des Mantras werde der Verkörperte von Brahman erfüllt. Was bliebe einem Brahman Gewordenen in den drei Welten noch zu erlangen?

J.5.124 Was vermögen zornige Planetenmächte, Vetālas und andere schädigende Wesen gegen ihn? Schon bei seinem Anblick fliehen sie. Vom Brahman-Mantra geschützt und von Brahmans Licht umhüllt, fürchtet er sie so wenig wie eine zweite Sonne. Wie Elefanten vor einem Löwen fliehen sie, wie Insekten im Feuer vergehen sie.

J.5.125 Für den in Brahman gegründeten Menschen gibt es keine Befleckung. Wer sollte dem Reinen, Lauteren, allen Wesen Wohltuenden schaden wollen, außer jemand, der sich selbst vernichtet? Wer dem Lehrer des höchsten Brahman feind ist, schadet sich selbst, denn er ist von ihm nicht getrennt. Der Rechtschaffene wirkt zum Wohl aller; wer ihm Unheil zufügt, bleibt nicht unberührt.

J.5.126 Was dem eigenen Wesen nach erkannt wird, kann auch anhand seiner Merkmale erkannt werden. Für jene, die es so erreichen möchten, ist eine Praxis gelehrt. Höre zuerst die Ableitung des Mantras: Man setzt Oṃ voran, danach die Worte für Sein und Bewusstsein, danach „eines“ und zuletzt „Brahman“.

J.5.127 Durch Lautverbindung entsteht der siebenlautige Mantra „Oṃ Sat-Cit-Ekaṃ Brahma“; ohne Oṃ wird er sechslautig genannt. Die deutsche Bedeutung ist: „Oṃ. Brahman ist das eine Sein und Bewusstsein.“ Die Sanskritgestalt wird im Praxisartikel behandelt.

J.5.128 Er wird als höchster aller Mantras gepriesen, der Dharma, Wohlstand, Begehrenserfüllung und Befreiung gewährt. Er bedürfe keiner Prüfung auf Vollendetheit und andere Klassen, kenne keine Mängel aus feindlicher oder freundlicher Zuordnung, keine Einschränkung durch Mondtag, Mondhaus, Tierkreiszeichen, Gruppierung oder Kula-Zugehörigkeit und keine besondere vorbereitende Reinigung. Er gelte unter allen Umständen als vollendet.

J.5.129 Eine Zeile über Mantrabedeutung und Mantrabewusstsein wird in der Vorlage wiederholt. Danach heißt es: Wer Sinn und lebendiges Bewusstsein eines Mantras nicht kennt, dem gelingt er auch nach zehn Millionen Wiederholungen nicht. Darum werden beide erklärt.

J.5.130 A bezeichnet hier den Erhalter der Welt, U den Auflöser, M den Schöpfer. Dies ist die hier gegebene Bedeutung des Praṇava. „Sat“ bezeichnet das aus eigener Freiheit immer Bestehende, „Cit“ Bewusstsein, „Ekam“ das Nichtduale. Wegen seiner Größe heißt es Brahman. So wird der Sinn des Mantras erklärt, der das Gewünschte zur Vollendung führt.

J.5.131 Das Bewusstsein des Mantras ist seine innewohnende Gottheit. Ihre Erkenntnis verleiht den Hingebungsvollen Vollendung. Diese Gottheit ist allgegenwärtig, ewig, dem bloßen Denken entzogen, gestaltlos, jenseits der Rede und makellos.

J.5.132 Die Vorlage nennt außerdem Varianten, bei denen ohne Oṃ die Keimsilben der Rede, Māyā oder Kamalā vorangestellt werden. Daraus ergeben sich unterschiedliche Vidyās. Mit oder ohne Oṃ, mit einzelnen ganzen Worten oder paarweise verbunden, wird der Mantra vielfältig. Die Varianten werden hier nicht zu neuen vollständigen Formeln ausgebaut.

Verehrung des höchsten Selbst

J.5.133 Die Praxis desselben Mantras: In der Brahma-Muhūrta erhebt man sich, verneigt sich vor dem Guru, der Brahman vermittelt, betrachtet das höchste Brahman und erinnert nach Vermögen den Mantra. Danach verneigt man sich erneut. Dies gilt als Morgenhandlung.

J.5.134 Nun die Sandhyā-Praxis: Morgens, mittags und abends betrachte man an einem geeigneten Ort und auf geeignetem Sitz das höchste Brahman wie zuvor und wiederhole die Gāyatrī hundertachtmal. Die Rezitation wird dargebracht, danach verneigt man sich. Diese Übergangszeiten-Praxis führt zur Brahman-Verwirklichung.

J.5.135 Die Brahma-Gāyatrī wird Wort für Wort angegeben: „Dem höchsten Herrn“ im Dativ, danach „mögen wir erkennen“; „über das höchste Prinzip“ beziehungsweise „dem höchsten Prinzip“ und danach „mögen wir meditieren“; schließlich „jenes Brahman möge uns anregen“. Sie wird als Geberin der vier Lebensziele gepriesen.

J.5.136 Opfer, Verehrung, Baden, Trinken, Essen und jede andere Handlung sollen mit dem Brahman-Mantra vollzogen werden. Zu Beginn jeder Handlung spricht man: „Das ist das Wirkliche.“ Bei Trinken und Essen: „Es sei Brahman dargebracht.“

J.5.137 Als Seher des Mantras wird Sadāśiva genannt, als Versmaß Anuṣṭubh, als Gottheit das eigenschaftslose höchste Brahman, der innere Lenker aller. Seine Anwendung dient dem Erlangen der vier Lebensziele.

J.5.138 Für Hand- und Gliedernyāsa werden Oṃ, Sat, Cit, Ekam, Brahma und danach die ganze Formel nacheinander auf Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger, kleine Finger sowie Handflächen und Handrücken gelegt. Die Vorlage nennt die Abschlüsse Namaḥ, Svāhā, Vaṣaṭ, Vauṣaṭ und Phaṭ; ein für sechs Zuordnungen erwarteter weiterer Abschluss fehlt. Der genaue Ablauf wird deshalb nicht ergänzt.

J.5.139 Entsprechend wird die Auflegung am Herzen und an weiteren Körperstellen bis zu den Füßen vollzogen. Danach folgt Atemübung mit dem Grundmantra oder Oṃ. Der Text nennt das Verschließen des linken Nasenlochs mit Mittel- und Ringfinger der rechten Hand und die Einatmung rechts unter Mantra-Rezitation; eine Wiederholungszahl für diese Einatmung fehlt.

J.5.140 Dann wird rechts mit dem Daumen verschlossen, während des Haltens zweiunddreißigmal rezitiert und langsam unter sechzehn Wiederholungen ausgeatmet. Die Vorlage nennt für diese Ausatmung erneut rechts, obwohl zuvor beide Seiten verschlossen wurden. Links soll die gleiche Folge von Einatmen, Halten und Ausatmen geschehen, danach wieder rechts. Diese widersprüchliche Seitenangabe wird nicht stillschweigend korrigiert.

J.5.141 Danach die Meditation: „Ich preise das Brahman-Bewusstsein in der Mitte des Herzlotus, ohne Besonderheit und ohne Begehren, von Hari, Hara und Brahmā zu erkennen, den Yogins durch Meditation zugänglich; es vernichtet die Furcht vor Geburt und Tod, ist Sein und Bewusstsein und der Same aller Welten.“

J.5.142 So betrachtet man das höchste Brahman und verehrt es mit geistigen Darbringungen und höchster Hingabe, um Einheit mit ihm zu erlangen. Erde wird als Duft gegeben, Raum als Blüte, Luft als Räucherwerk, Feuer als Licht und Wasser als Speisegabe an das höchste Selbst.

J.5.143 Danach wiederholt der treffliche Praktizierende den großen Mantra innerlich und bringt die Rezitation Brahman dar. Anschließend beginnt die äußere Verehrung. Vorhandene Düfte, Blumen, Gewänder, Schmuck, Speisen und Getränke werden mit dem Mantra gereinigt und bei geschlossenen Augen dem ewigen Brahman dargebracht.

J.5.144 Die Darbringung ist Brahman, die Opfergabe Brahman, das Feuer Brahman; durch Brahman wird geopfert. Brahman allein wird von dem erreicht, dessen Sammlung im Handeln Brahman gilt.

J.5.145 Dann öffnet man die Augen, wiederholt den Grundmantra nach eigener Kraft, übergibt auch diese Rezitation Brahman und liest Hymnus und Schutzgebet. Höre den Hymnus auf Brahman, das höchste Selbst; schon sein Hören soll Einheit mit Brahman schenken.

Der Hymnus der fünf Edelsteine

J.5.146 Verehrung dir, dem Sein, der Zuflucht aller Welten! Verehrung dir, dem Bewusstsein, dessen Wesen die Gestalt des Alls ist! Verehrung der nichtdualen Wirklichkeit, die Befreiung schenkt! Verehrung Brahman, dem Alldurchdringenden, Eigenschaftslosen!

J.5.147 Du allein bist Zuflucht, du allein das zu Erwählende; du allein bist Ursache und Gestalt der Welt. Du allein erschaffst, erhältst und löst sie auf. Du allein bist das Höchste, Unbewegte, von begrifflicher Teilung Freie.

J.5.148 Du bist die Furcht der Furcht, das Furchtbare für alles Furchtbare, das Ziel der Lebewesen, das Reinigende der Reinigenden. Du allein lenkst die höchsten Stätten, bist höher als das Höchste und der Schutz aller Schutzmächte.

J.5.149 Höchster Herr, Gebieter, unvergänglich in allen Gestalten, nicht zu bezeichnen und von keinem Sinn zu erfassen, Wirklicher, Undenkbarer, Unvergänglicher, Alldurchdringender! Eine Anrede über manifestes Prinzip, Geburt und sprachliches Offenbaren ist beschädigt. Mögest du vor Verderben schützen!

J.5.150 Jenes Eine erinnern wir, jenes Eine verehren wir, vor jenem Einen als Zeugen der Welt verneigen wir uns. Zum einen Wirklichen, zur Grundlage, zum stützenlosen Herrn nehmen wir Zuflucht, zum Schiff über den Ozean des Werdens.

J.5.151 Wer diesen Fünf-Edelstein-Hymnus auf Brahman, dessen Wesen Sein und Bewusstsein ist, gesammelt liest, erlangt Einheit mit Brahman. Besonders am Montag soll er regelmäßig in der Abenddämmerung gelesen werden. Der Verständige lasse auch die in Brahman Gegründeten und seine Angehörigen hören und verstehen. Damit endet der Pañcaratna-Hymnus.

Das Schutzgebet und die Gabe

J.5.152 Höre das Schutzgebet namens „Heil der Welt“. Wer es liest und trägt, soll Brahman-Erkenntnis gewinnen. Die erste Schutzzeile nennt das höchste Selbst, Śiva, und den höchsten Herrn als Schutz des Herzens; eine zugehörige Körperstelle am Satzanfang fehlt.

J.5.153 Möge der Welterhalter den Hals schützen, der allsehende Allgegenwärtige das Gesicht. Möge das Welt-Selbst meine Hände, der aus Bewusstsein Bestehende meine Füße schützen. Möge das ewige höchste Brahman jederzeit meinen ganzen Leib behüten.

J.5.154 Seher dieses Jaganmaṅgala-Schutzgebets ist Sadāśiva, Versmaß Anuṣṭubh, Gottheit das höchste Brahman; die Anwendung dient den vier Lebenszielen. Wer es nach dem Seher-Nyāsa liest, soll durch Brahman-Erkenntnis unmittelbar von Brahman erfüllt werden.

J.5.155 Auf Birkenrinde geschrieben, in einem goldenen Behältnis am Hals oder rechten Arm getragen, soll es Herrschaft über alle Vollendungen verleihen. Dieses Schutzgebet des höchsten Brahman wurde dir offenbart; gib es einem geliebten, verständigen Schüler, der seinem Guru ergeben ist. Damit endet das Brahman-Schutzgebet.

J.5.156 Nach solcher Verehrung nimmt der Verständige gemeinsam mit Angehörigen und Freunden die große Gnadengabe des höchsten Brahman an. Bei seiner Verehrung gibt es weder Herbeirufung noch Entlassung. Brahman-Praxis kann überall und jederzeit geschehen.

J.5.157 Ob gebadet oder ungebadet, nach dem Essen oder hungrig: Mit stets reinem Geist verehre man das höchste Selbst. Speisen und Getränke werden mit diesem Brahman-Mantra verbunden. Was dem höchsten Herrn dargebracht wird, ist dadurch in hohem Maße reinigend.

J.5.158 Bei Gaṅgā-Wasser und bei der Verehrung Śivas und anderer Gottheiten kennt die rituelle Ordnung noch Berührungsmängel; bei einer dem höchsten Brahman dargebrachten Gabe schadet Berührung oder Nichtberührung nicht. Es gibt hier keine Prüfung nach gesellschaftlicher Schicht oder Speiseresten, keine zeitliche Regel und keine Unterscheidung von ritueller Reinheit und Unreinheit.

J.5.159 Wer mit schweren oder anderen Verfehlungen belastet ist, werde schon durch einmaliges Annehmen der Gnadengabe frei. Die Frucht von Baden und Geben an fünfunddreißig Millionen Pilgerstätten werde durch den Genuss des Brahman Dargebrachten erlangt.

J.5.160 Alle Handlungen werden verdienstvoll, Fehlgetanes wird zu Gutgetanem. Für die Praxis dieses großen Mantras wird freie Lebensführung gelehrt. Was bedarf der in Brahman gegründete Wissende vedischer oder tantrischer Verhaltensregeln? Für ihn gilt Freiheit selbst als Regel. Aus Vollzogenem entsteht keine zusätzliche Frucht, aus Unterlassenem keine Verfehlung; die Praxis kenne kein Hindernis und keinen rituellen Rückschlag.

J.5.161 Zugleich fordert der Text für diesen Dharma: Wahrhaftigkeit, Sinnesbeherrschung, Einsatz für das Wohl anderer, Unerschütterlichkeit und gute Zuflucht; Freiheit von Neid und Heuchelei, Mitgefühl und reinen Geist; Freude für Mutter und Vater und aufmerksamen Dienst an ihnen. Die zuvor erklärte Freiheit wird hier mit konkreter ethischer Verantwortung verbunden.

J.5.162 Für die vorbereitende Praxis werden zweiunddreißigtausend Mantra-Wiederholungen genannt. Das Feueropfer beträgt ein Zehntel davon, die Labung ein Zehntel des Feueropfers, die Besprengung ein Zehntel der Labung und die Speisung von Brahmanen wiederum ein Zehntel davon. Die Vorlage erläutert nicht, wie nicht ganzzahlige Endwerte auszuführen wären.

J.5.163 Die Unterscheidung erlaubter und unerlaubter Speise, von Anzunehmendem und Aufzugebendem, wird hier beiseitegesetzt. Es gibt keine Regel zeitlicher Reinheit und keine Festlegung eines Ortes. Ob mit oder ohne Hingabe, gebadet oder ungebadet: Der Praktizierende vollziehe den höchsten Mantra in freier Lebensführung.

J.5.164 Für den Wissenden ist der Tod an jedem Ort Befreiung. Dazu das erste Kapitel des Muṇḍamālātantra: Ob am Gaṅgā-Tor, in Prayāga oder an einem in der Vorlage beschädigt bezeichneten anderen Ort – wo immer ein Wissender stirbt, dort erlangt er Befreiung.

Übergang zur folgenden Lehre: Ein eigener Schlusskolophon dieses Lehrabschnitts ist im vorhandenen Text nicht erkennbar. Es folgt die Deutung von Lauten und Cakras; deren späterer Kolophon bezeichnet sie als sechsten Lehrabschnitt.


Sechster Lehrabschnitt: Lautkreise und Zeitdeutung

Die acht Lautbestimmungen

J.6.1 Zuvor wurden die Zustände der fünf Elemente aus dem Atem erklärt. Nun werden die fünf Zustände aus Lautunterschieden bestimmt und weitere Anwendungen der Buchstaben gezeigt. Grundlage ist das im Narapatijayacaryāsvarodaya angeführte Brahmayāmala.

J.6.2 In der Buchstabenmutter werden sechzehn Vokale gezählt. Die letzten beiden und vier als neutral bezeichnete werden weggelassen. Von den verbleibenden zehn wird jeweils einer aus einem Paar genommen. So erhält man für den Fünfvokal-Aufgang die fünf Grundvokale a, i, u, e und o. Die Lautmütter und ihre Maße durchdringen die drei Welten; deshalb gilt die gesamte bewegte und unbewegte Welt als aus Laut hervorgegangen.

J.6.3 Den fünf Vokalen entsprechen fünf Gottheiten von Brahmā an, fünf Kalās von Nivṛtti an, fünf Kräfte von Wille an, verschiedene Cakras von Māyā an, die fünf Elemente von Erde an und ihre Gegenstände von Geruch an, auch als Pfeile des Liebesgottes bezeichnet. Piṇḍa, Pada, Rūpa, das Formübersteigende und das Makellose werden genannt. Die in den Lautunterschieden liegende Erkenntnis wird stets vom Guru gelernt.

J.6.4 Acht Bestimmungen der fünf Vokale werden unterschieden: Mātrā, Varṇa, Graha, Jīva, Rāśi, Nakṣatra, Piṇḍa und Yoga. Sie verbinden Namenslaut, Buchstabenordnung, Planeten, Lebenszahl, Tierkreiszeichen, Mondhaus und zusammengesetzte Summen.

J.6.5 Mātrā-Svara: Man nimmt den Namen, mit dem ein Schlafender angesprochen wird und auf dessen Ruf er kommt. Der Vokal im ersten Buchstaben dieses Namens ist sein Mātrā-Svara. Damit endet die erste Lautkreisregel.

J.6.6 Varṇa-Svara: Unter die fünf Vokale werden in einem Raster von fünfunddreißig Feldern die Konsonanten von Ka bis Ha geschrieben, ohne Ṅa, Ña und Ṇa. Der Vokal über dem Anfangsbuchstaben des Namens ist dessen Varṇa-Svara. Die drei Nasale werden ausgelassen, weil sie gewöhnlich nicht am Namensanfang stehen. Falls doch, werden in dieser Reihenfolge Ja, Ga und Ḍa als Ersatz genannt. Bei einer Konsonantenverbindung zählt ihr erster Buchstabe.

J.6.7 Graha-Svara: Unter a stehen Widder, Löwe und Skorpion; unter i Jungfrau, Zwillinge und Krebs; unter u Schütze und Fische; unter e Waage und Stier; unter o Steinbock und Wassermann. Unter jedes Zeichen kommt sein herrschender Planet. Die Eingangsliste ist in der Vorlage verdichtet und wird durch den folgenden Kommentar erläutert.

J.6.8 Jīva-Svara: Die Vokalgruppe umfasst sechzehn Buchstaben, die fünf Verschlusslautgruppen je fünf, die Gruppen von Ya und Śa je vier. Aus den Buchstaben und ausdrücklich vorhandenen Vokalen des Namens werden nach ihren Gruppen Zahlen gewonnen, addiert und durch fünf geteilt. Der Rest bestimmt den Lebensvokal. Das erste Gruppenzeichen ist im Grundvers beschädigt und wird im Kommentar als Vokalgruppe erklärt.

J.6.9 Rāśi-Svara nach Neunteln der Tierkreiszeichen: a umfasst Widder, Stier und die ersten sechs Neuntel der Zwillinge; i die übrigen drei Neuntel der Zwillinge sowie Krebs und Löwe; u Jungfrau, Waage und die ersten drei Neuntel des Skorpions; e die übrigen sechs Neuntel des Skorpions, Schütze und die ersten sechs Neuntel des Steinbocks; o die letzten drei Neuntel des Steinbocks sowie Wassermann und Fische.

J.6.10 Nakṣatra-Svara: Unter a stehen sieben Mondhäuser von Revatī an, unter i, u, e und o jeweils fünf. Piṇḍa-Svara: Die Zahlen von Mātrā-, Varṇa- und Lebensvokal werden addiert und durch fünf geteilt; der Rest ist der Piṇḍa-Vokal. Im Grundvers steht für den dritten Summanden „Samenlaut“, der Kommentar erklärt ihn als Jīva-Svara.

J.6.11 Yoga-Svara: Die aus dem Namen gewonnenen Lautzahlen von Mātrā bis Piṇḍa werden zusammengezählt und durch fünf geteilt. Der Rest ist der Yoga-Vokal. Damit sind acht natürliche, aus dem Namen stammende Vokalbestimmungen erklärt.

Zeitzyklen und ihre Unterteilungen

J.6.12 Nun ihre Aufgänge in Zeiträumen von zwölf Jahren abwärts. Beginnend mit Prabhava erhält jeder der fünf Vokale von a an zwölf Jahre des sechzigjährigen Kreises. Ein innerer Abschnitt eines Zwölfjahreszeitraums wird mit einem Jahr, einem Monat, zwei Tagen, dreiundvierzig Ghaṭikās und achtunddreißig Pala angegeben. Die Vorlage setzt dazu die Zahlenreihe 1 | 1 | 2 | 43 | 38 und die Abschnittsnummer 1.

J.6.13 Im Jahreskreis erhält jeder einzelne Jahrname von Prabhava an nacheinander einen Vokal von a an. Seine innere Periode entspricht der zuvor genannten ohne das Jahr. Im Vers wird dies so erklärt; die danebenstehende Ziffernreihe enthält jedoch zusätzliche Nullen und eine Eins: 0 | 0 | 1 | 2 | 43 | 38. Dies ist Abschnitt 2.

J.6.14 Im südlichen Sonnenlauf herrscht a, im nördlichen i. Die innere Halbjahresperiode beträgt die Hälfte der Jahres-Unterperiode. Angegeben ist 0 | 0 | 16 | 21 | 49; diese Zahlen stimmen nicht ohne Weiteres mit der vorausgehenden Monatsangabe überein. Dies ist Abschnitt 3.

J.6.15 Die fünf Vokale steigen von Frühling an in der Jahreszeitenfolge auf; jedem werden zweiundsiebzig Tage zugerechnet. Die innere Periode wird als sechs Tage, zweiunddreißig Ghaṭikās und dreiundvierzig Pala angegeben: 0 | 0 | 6 | 32 | 43. Dies ist Abschnitt 4.

J.6.16 Monatszuordnung: a herrscht in Bhādra, Mārgaśīrṣa und Vaiśākha; i in Āśvina, Śrāvaṇa und Āṣāḍha; u in Caitra und Pauṣa; e in Jyaiṣṭha und Kārttika; o in Māgha und Phālguna. Als innere Monatsperiode nennt der Vers zwei Tage, dreiundvierzig Nāḍīs und achtunddreißig Pala. Die beigefügte Zahlenreihe enthält wiederum eine zusätzliche Eins. Dies ist Abschnitt 5.

J.6.17 In der dunklen Monatshälfte herrscht a, in der hellen i. Die innere Periode beträgt die Hälfte der Monats-Unterperiode; angegeben wird ein Tag, einundzwanzig Ghaṭikās und neunundvierzig Pala. Dies ist Abschnitt 6.

J.6.18 Unter die Vokale von a an werden die fünf Mondtagsgruppen von Nandā an gesetzt. Der Tagesvokal entsteht jeweils mit Beginn seines Mondtags. Seine innere Periode beträgt fünf Ghaṭikās und siebenundzwanzig Pala. Dies ist Abschnitt 7.

J.6.19 Die Länge einer inneren Mondtagsperiode bestimmt den Aufgang des Ghaṭikā-Vokals. Dieser dauert fünf Ghaṭikās und siebenundzwanzig Pala; seine innere Periode wird mit einer halben Ghaṭikā beziehungsweise dreißig Pala angegeben. So sei es im ursprünglichen Yāmala erklärt. Dies ist Abschnitt 8.

J.6.20 Vom Zwölfjahres- bis zum Nāḍī-Kreis beginnt nach Ablauf jeder Periode am jeweiligen Ort ein neuer Zyklus mit elf inneren Aufgängen. Die fünf Maßeinheiten sind Jahr, Monat, Tag, Nāḍī und Pala. Die verstrichene Zeit wird in Pala umgerechnet und durch das Maß der betreffenden Unterperiode geteilt. Der Quotient zeigt verstrichene Vokalphasen, der Rest die laufende Phase; durch Teilungen mit sechzig und den übrigen Umrechnungszahlen wird deren verstrichene Zeit bestimmt. Der Grundvers ist an der Divisorstelle beschädigt und wird im Kommentar präzisiert.

Die fünf Alterszustände

J.6.21 Im Verhältnis zum Namensvokal durchläuft der aufgegangene Vokal fünf Zustände: Kind, Knabe, junger Erwachsener, Alter und Toter. Jeder gibt entsprechend seinem Zustand Frucht. Das Kind bringt kleinen Gewinn, der Knabe halben, der junge Erwachsene volle Vollendung, der Alte Verlust, der Tote Untergang.

J.6.22 Der Kindzustand gilt bei Reise, Krieg, Streit, Verlorenem, Geschädigtem und Krankheit als ungünstig, bei Heirat und anderen glückverheißenden Vorhaben als günstig. Der Knabenzustand vollendet günstige Tätigkeiten und Reisen; im Kampf bringt er Sieg mit Verwundung.

J.6.23 Der junge Zustand schenkt in günstigen wie scharfen Handlungen, bei Mantra- und Yantra-Praxis, besonders aber bei Reise und Krieg vollen Erfolg. Der alte Zustand ist günstig für Gabe, Gottesverehrung, Einweihung und vertrauliche Mantra-Rezitation, im Kampf jedoch für Niederlage und auf Reisen für Furcht kennzeichnend.

J.6.24 Beim Todeszustand soll keinerlei Vorhaben begonnen werden, weder Heirat und anderes Günstiges noch Krieg und anderes Scharfes. In aufsteigender Stärke stehen die Zustände: tot, alt, Kind, Knabe, jung. Der fünfte Vokal vom eigenen aus gilt als todbringend, der dritte als Wachstum verleihend; die übrigen geben mittlere Frucht.

J.6.25 Ein schwächerer Namensvokal bedeutet Tod, ein stärkerer Sieg; bei gleichem Namen Gleichstand, Frieden oder ausgeglichene Siege und Niederlagen. Beim gleichen Vokal besteht Gleichheit, beim zweiten halbe Frucht, beim dritten volle, beim vierten Bindung, beim fünften Verlust. Wenn der Feind im Todeszustand und der eigene Vokal im jungen Zustand steht, wird Kriegsbeginn als sicherer Sieg gedeutet.

J.6.26 Für den augenblicklichen Abschnitt wird Mātrā, für den Tag Varṇa, für die Monatshälfte Graha, für den Monat Jīva, für die Jahreszeit Rāśi, für das Halbjahr Nakṣatra, für das Jahr Piṇḍa und für zwölf Jahre Yoga herangezogen. Der Varṇa-Vokal gilt jederzeit als besonders stark und überall wirksam; deshalb soll an ihm Günstiges und Ungünstiges besonders geprüft werden.

J.6.27 Wie alle Fußspuren in eine Elefantenspur eingehen, Flüsse ins Meer und die Götter in Haris Leib, so gehen die Wirkungen aller Vokale in die Wirkung des Varṇa-Vokals ein.

Anwendungsbereiche

J.6.28 Bei Stärke des Mātrā-Vokals sollen Mantra- und Yantra-Praxis, Yantra-Verbindung und abwärts gerichtete Tätigkeiten ausgeführt werden. Bei Stärke des Varṇa-Vokals alle günstigen und ungünstigen Vorhaben, besonders Kampf. Graha-Svara wird Tötung, Verblendung, Lähmung, Entzweiung, Vertreibung, Beeinflussung, Streit, Fehde und Schädigung zugeordnet.

J.6.29 Jīva-Svara gehört zu Reisen oder Fahrzeugen, Trinken und ähnlichen Genüssen, Gewändern, Schmuck, Lernbeginn und Heirat. Rāśi-Svara gehört zu Tempeln, Gärten, Palästen, Einsetzung von Gottheiten, Königskrönung und Einweihung. Nakṣatra-Svara zu Befriedung, Stärkung, Eintritt, Aussaat, Heirat einer Frau und Reise.

J.6.30 Piṇḍa-Svara wird Verwüstung feindlichen Landes, verdecktem Krieg, Einschließung sowie der Ernennung von Heerführern und Ministern zugeordnet. Durch Yoga-Svara soll der körperinnere, aus Erkenntnis hervorgehende Yoga verwirklicht werden: der individuelle, der śivaische und als dritter der śāktische Weg.

J.6.31 Mondtag, Wochentag und Mondhaus werden zunächst einzeln bestimmt und dann im Varṇa-Svara zusammengeführt. Fällt der Anfangsbuchstabe des Namens durch diese Zeitzeichen in den Todeszustand, soll der Tag wegen Verlust- und Todesgefahr gemieden werden. Für aggressive magische Handlungen gegen Feinde wird genau eine solche Konstellation angeführt. Damit endet die im Grundtext mit 17 bezeichnete Regelgruppe.

J.6.32 Die Zustände von Kindheit an werden nach Auf- und Untergang in zwölf Zeitanteilen betrachtet, im Ghaṭikā-, Tages-, Halbmonats-, Monats-, Jahreszeiten-, Halbjahres-, Jahres- und Zwölfjahreskreis. Die anschließende Maßreihe nennt siebenundzwanzig Pala, fünf Ghaṭikās, zwei Tage und weitere Monats- und Halbmonatszahlen, ist aber beschädigt. Die verstrichene Vokalzeit wird durch das jeweilige Zustandsmaß geteilt; Quotient und Rest zeigen vergangene und gegenwärtige Zustände.

J.6.33 Richtungen: a herrscht im Osten, i im Süden, u im Westen, e im Norden, o in der Mitte. Die fünfte Richtung von der des aufgegangenen Vokals aus soll bei allen Handlungen, besonders Reisen, gemieden werden. Fragt jemand von der Richtung des untergegangenen Vokals aus, werden Verlust, Tod, Furcht und Niederlage angezeigt. Dies ist Regelgruppe 18.

J.6.34 Der Ghaṭikā-Vokal beginnt mit dem Mondtag von dessen Vokal aus. Um ihn für eine Frage zu bestimmen, werden die seit Beginn des Mondtags verstrichenen Ghaṭikās in Pala umgerechnet und durch 327 geteilt. Der Rest bestimmt die gegenwärtige Phase. Ist die Frage ausdrücklich auf jemanden gerichtet, gilt die Deutung dieser Person; sonst dem Fragenden.

J.6.35 1. Kindaufgang: kleiner Gewinn, lange Krankheit, Verlust auf Reisen, Untergang im Kampf. 2. Knabenaufgang: reichlicher Gewinn, Ende der Krankheit, Sieg und erfolgreiche Reise. 3. Jugendaufgang: Gewinn eines Reiches, augenblickliches Ende der Bedrängnis, Überwindung des Feindes und fruchtbare Reise.

J.6.36 4. Altersaufgang: kein Gewinn, zunehmende Bedrängnis, Niederlage im Kampf und keine Rückkehr von der Reise. 5. Todesaufgang: das erfragte Anliegen wird als todbringend, der Kampf als Tod mit Niederlage gedeutet. Damit endet Regelgruppe 19.

J.6.37 Ungeradzahlige Vokale gelten als männlich, geradzahlige als weiblich. Beim Aufgang des eigenen Typs gewinnen Männer beziehungsweise Frauen Kraft. Bei Schwangerschaftsfragen bedeutet männlicher Vokal Sohn, weiblicher Tochter; doppelte Konstellation Zwillinge, verlorener Zustand Verlust der Schwangerschaft, Übergang Tod der Mutter. Dies sind historische Vorzeichenregeln, keine Aussagen über tatsächliche Schwangerschaftsentwicklung.

J.6.38 Sind Tages- und Nāḍī-Vokal beide männlich, werden zwei männliche Kinder, sind beide weiblich, zwei weibliche, bei gemischten Vokalen ein männliches und ein weibliches Kind angenommen. Der Buchstabenvokal des Geburtsviertels im Geburtsmondhaus bestimmt außerdem einen Nāḍī-Vokal zur Deutung der Wesensart.

J.6.39 1. Geburt beim Kindaufgang: unruhig, ängstlich, unwissend, geizig, sinnesunbeherrscht, unwahrhaftig und geschwätzig. 2. Beim Knabenaufgang: unternehmend, kunstkundig, Frauen zugetan, begünstigt, glücklich, langlebig und tapfer gegenüber Feinden.

J.6.40 3. Beim Jugendaufgang: mit allen guten Merkmalen versehen, ein berühmter König, stets siegreich im Kampf. 4. Beim Altersaufgang: von Frauen beherrscht, rechtschaffen, begehrend, unterscheidungsfähig, standhaft und mutig, wahrhaftig und von gutem Verhalten.

J.6.41 5. Beim Todesaufgang: leidend, neidisch, grausam, verwirrt, mit beeinträchtigten Sinnen, in allen Vorhaben träge und von schlechtem Verhalten. Diese pauschalen Charakterzuweisungen gehören zum historischen Deutungssystem.

J.6.42 Dem ersten Mondtag einer Dreiergruppe werden drei Buchstaben, den beiden übrigen je zwei zugeordnet. Die drei Positionen heißen Geburt, Verlust und Tod. Bei entsprechenden Mondhaus- und Geburtsbeziehungen wird wiederum Tod angekündigt; der genaue Satz ist beschädigt. Damit endet Regelgruppe 20.

Die tägliche Gesamtdeutung

J.6.43 Im Svarodaya: Was im Yāmala gelehrt und durch die Gnade des Gurus erkannt wurde, soll nun als Tagesfrucht aus dem Vokal erklärt werden. Aus dem Namen werden die acht Vokale in umgekehrter Folge von Yoga, Piṇḍa, Nakṣatra, Rāśi, Jīva, Graha und Varṇa bis Mātrā gewonnen und untereinander geordnet.

J.6.44 Darunter stehen die acht Zeitvokale von zwölf Jahren abwärts mit ihren jeweiligen Perioden; jede innere Periode beträgt ein Elftel. Die Namensvokale von Yoga an werden der Reihe nach stärker, ebenso die Zeitvokale. Unter die fünf Vokale werden je vier Bewertungseinheiten gesetzt; diese heißen Viṃśopaka, Zwanzigstelpunkte.

J.6.45 Aus Yoga wird der Zustand des Zwölfjahresvokals bestimmt, aus Piṇḍa der des Jahres, aus Nakṣatra der des Halbjahres, aus Rāśi der der Jahreszeit, aus Jīva der des Monats, aus Graha der der Monatshälfte, aus Varṇa der des Tages und aus Mātrā der des Ghaṭikā-Vokals.

J.6.46 Steht ein Zeitvokal in der gleichnamigen Ausgangslage, wird dies zunächst als nicht günstig bezeichnet, selbst bei einem sonst günstigen der fünf Zustände; die genaue Einschränkung ist im Grundtext unklar. Ungünstig sind Alter, Tod und die erste Hälfte der Kindheit; günstig die übrigen zweieinhalb Zustände.

J.6.47 Die günstigen und ungünstigen inneren Zeitaufgänge werden getrennt addiert. Zieht man die kleinere Summe von der größeren ab, zeigt der Rest die Tageswirkung. Der Rest wird mit zwanzig multipliziert und durch vierundsechzig geteilt; das Ergebnis sind die günstigen oder ungünstigen Viṃśopaka-Punkte.

J.6.48 Die Herkunft der Wirkung: bei Yoga aus eigener Tätigkeit, bei Piṇḍa aus dem Körper, bei Nakṣatra aus Freunden, bei Rāśi aus der eigenen Familie, bei Jīva aus einer unsicher bezeichneten vertrauten oder eigenen Person, bei Graha aus Feinden, bei Varṇa aus dem eigenen Herrn, bei Mātrā aus Frauen. So soll der Kundige die günstige oder ungünstige Tagesfrucht nennen.

Kommentar zu Namen und Buchstaben

J.6.49 Nun werden Erklärung, Verfahren und Zeichen erläutert. Die Eingangsworte zur Buchstabenmutter gelten als leicht verständlich. Beim Mātrā-Svara zählt der Name, mit dem ein Schlafender angeredet wird und auf dessen Ruf er herbeikommt. Der Vokal im ersten Buchstaben ist maßgeblich. Im Namen Rāmatoṣaṇa verbindet sich Ra mit langem Ā; auf den Grundvokal zurückgeführt ergibt dies a. Dies ist Erklärung 1.

J.6.50 Für den Varṇa-Kreis werden sechs Linien von Osten nach Westen und acht von Süden nach Norden gezogen; dadurch entstehen fünfunddreißig Felder. In der ersten Reihe stehen a, i, u, e, o. Danach folgen die Konsonanten ohne Ṅa, Ña und Ṇa in dieser Anordnung:

a i u e o
ka kha ga gha ca
cha ja jha ṭa ṭha
ḍa ḍha ta tha da
dha na pa pha ba
bha ma ya ra la
va śa ṣa sa ha

J.6.51 Der Anfangskonsonant des Namens erhält den Vokal seiner Spalte. Ra aus Rāmatoṣaṇa liegt unter e; folglich ist e sein Varṇa-Svara. Beginnt der Name mit einer Verbindung, zählt deren erster Konsonant. Bei Prāṇakṛṣṇa ist dies Pa, das unter u steht; sein Varṇa-Svara ist deshalb u.

J.6.52 Zur Planetentabelle wird erklärt: Unter a stehen Widder, Löwe, Skorpion; unter i Jungfrau, Zwillinge, Krebs; der Rest ist eindeutig. „Mṛga“ bezeichnet Steinbock. Unter die Zeichen werden die Herrscher geschrieben: Mars für Widder und Skorpion, Venus für Stier und Waage, Merkur für Jungfrau und Zwillinge, Jupiter für Schütze und Fische, Saturn für Wassermann und Steinbock, Mond für Krebs, Sonne für Löwe.

J.6.53 Der Vokal der Spalte, in der das zum Namen gehörige Zeichen steht, gilt als Graha-Svara. Für Rāmatoṣaṇa wird Ra mit Waage verbunden; die folgende Vokalbezeichnung ist beschädigt. Nach der zuvor angegebenen Tabelle läge Waage unter e, während die spätere Summenrechnung hier den Zahlenwert drei verwendet. Die Abweichung bleibt offen.

J.6.54 Zur Lebenszahl: Die Vokalgruppe bis Visarga umfasst sechzehn Buchstaben; Ka-, Ca-, Ṭa-, Ta- und Pa-Gruppe je fünf; Ya- und Śa-Gruppe je vier. Die Zahlenwerte der einzelnen Namensbuchstaben nach ihrer Gruppenstellung werden addiert und durch fünf geteilt. Der Rest bestimmt die Position unter a, i, u, e, o.

J.6.55 Das Beispiel Rāmatoṣaṇa nennt für Ra zwei, Ā zwei, Ma fünf; das dem Konsonanten innewohnende a wird nicht zusätzlich gezählt. Es folgen Ta mit eins, eine beschädigte Verbindung für den Vokal O mit dreizehn, Ṣa mit zwei und Ṇa mit fünf. Die Summe beträgt dreißig. Bei Teilung durch fünf bleibt null; dann wird der Divisor fünf als Restwert genommen. So ergibt sich o als Jīva-Svara.

J.6.56 Die Neuntelverteilung der Tierkreiszeichen wird nochmals erläutert: a umfasst Widder, Stier und sechs Neuntel Zwillinge; i die übrigen drei, Krebs und Löwe; u Jungfrau, Waage und drei Neuntel Skorpion; e dessen übrige sechs, Schütze und sechs Neuntel Steinbock; o dessen übrige drei, Wassermann und Fische. Ra von Rāmatoṣaṇa fällt ins erste Neuntel der Waage, daher ist u sein Rāśi-Svara.

J.6.57 Unter a werden sieben Mondhäuser von Revatī bis Ārdrā geschrieben. Unter i folgen die fünf mit den hier gegebenen Nummern 7–11, unter u 12–16, unter e 17–21, unter o 22–26. Die Nummerierung setzt Revatī offenbar an eine vorgelagerte Position; sie wird nicht stillschweigend auf eine andere Zählweise umgestellt.

J.6.58 Für Piṇḍa werden die drei Zahlen von Mātrā, Varṇa und Jīva zusammengezählt und durch fünf geteilt. Im Beispiel Rāmatoṣaṇa: a = 1, e = 4, o = 5; Summe 10, Rest null, daher wiederum o. Die Erklärung trägt in der Vorlage zunächst die Nummer 6 und dann 7.

J.6.59 Für Yoga werden die sieben Werte bis Piṇḍa addiert. Rāmatoṣaṇa erhält hier: Mātrā 1, Varṇa 4, Graha 3, Jīva 5, Rāśi 3, Nakṣatra 3, Piṇḍa 5. Summe 24; durch fünf geteilt bleibt vier, also e. Die zuvor erwähnte Unstimmigkeit beim Graha-Wert wird nicht aufgelöst. Dies ist Erklärung 8.

Der sechzigjährige Kreis

J.6.60 Die acht Namensvokale gelten als natürlich. Nun werden ihre Zustände nach Zwölfjahr, Jahr, Halbjahr, Jahreszeit, Monat, Monatshälfte, Mondtag und Daṇḍa erklärt. Im sechzigjährigen Kreis von Prabhava an erhalten die fünf Vokale jeweils zwölf Jahre.

J.6.61 Unter a stehen: 1 Prabhava, 2 Vibhava, 3 Krūra, 4 Pramoda, 5 Prājāpatya, 6 Aṅgiras, 7 Śrīmukha, 8 Bhāva, 9 Yuvā, 10 Dhātrī, 11 Īśvara nach einer beschädigten Lesart, 12 Bahudhānya. Die Jahresnamen werden nach der vorliegenden Liste wiedergegeben.

J.6.62 Unter i: 13 Pramāthi, 14 Vikrama, 15 Vṛṣa, 16 Citrabhānu, 17 Svarbhānu, 18 Toraṇa, 19 Pārthiva, 20 Vyaya, 21 Sarvajit, 22 Sarvadhārin, 23 Virodhin, 24 Vikṛta.

J.6.63 Unter u: 25 Khara, 26 Nandana, 27 Vijaya, 28 Kṣaya, 29 Manmatha, 30 Durmukha, 31 Helamba, 32 Vilamba, 33 Virodha, 34 Śarvarī, 35 Plava, 36 Śubhakṛt.

J.6.64 Unter e: 37 Śobhana, 38 Krodha, 39 Viśvāvasu, 40 Parābhava, 41 Plavaṅga, 42 Kīlaka, 43 Saumya, 44 Sādhāraṇa, 45 Virodhin, 46 Parivārin, 47 Pramāthi, 48 Ānanda.

J.6.65 Unter o: 49 Rākṣasa, 50 Anala, 51 Piṅgala, 52 Kālasūtra, 53 Siddhārtha, 54 Raudra, 55 Durmita, 56 Dundubhi, 57 Rakta, 58 Raktākṣa, 59 Krodha, 60 Krodha. Mehrere Namen weichen von anderen gebräuchlichen Jahreslisten ab; sie werden hier nicht ersetzt.

J.6.66 Um den gegenwärtigen Zwölfjahres- und inneren Aufgang zu berechnen, wird die Ratnamālā zitiert. Ihre Zahlwörter werden im Kommentar so aufgelöst: Das Śaka-Jahr wird zweimal angesetzt. Eine Kopie wird mit 22 multipliziert, dazu 4291 addiert und das Ergebnis durch 1875 geteilt. Der ganzzahlige Quotient wird zum ursprünglichen Śaka-Jahr addiert. Der Rest nach Teilung dieser Summe durch 60 bestimmt das Jahr von Prabhava an: Rest eins Prabhava, Rest zwei Vibhava und so fort.

J.6.67 Die Zahl 22 wird durch das Versmaß Ākṛti mit zweiundzwanzig Silben erklärt. Für den Jahresbruchteil nennt der zitierte Vers eine Multiplikation mit zwölf, eine Teilung durch sechzig und eine weitere durch dreißig; der Kommentar und die anschließende Musterrechnung stimmen in der Divisorfolge nicht vollständig überein. Aus Quotient und Rest sollen Monate, Tage und Daṇḍas gewonnen werden.

J.6.68 Die ersten zwanzig Jahre des sechzigjährigen Kreises gelten als Brahmā zugehörig und vorzüglich, die zweiten zwanzig als Viṣṇu zugehörig und mittel, die letzten zwanzig als Rudra zugehörig und geringer.

Die Musterrechnung des Kompilators

J.6.69 Das Beispiel wird für den ersten Tag der hellen Hälfte Vaiśākhas im Śaka-Jahr 1742 gegeben. 1742 × 22 = 38324; dazu 4291 ergibt 42615. Geteilt durch 1875 ergibt dies 22 mit Rest 1365.

J.6.70 Der Rest 1365 wird mit zwölf multipliziert: 16380. Durch 1875 geteilt ergeben sich acht Monate mit Rest 1380. Dieser Rest mal dreißig ergibt 41400; durch 1875 geteilt ergeben sich zweiundzwanzig Tage mit Rest 150.

J.6.71 Die nächste Zeile nennt für 150 × 60 das Ergebnis 930; dies ist rechnerisch unstimmig. Danach werden vier Daṇḍas und Rest 1500 angegeben. 1500 × 60 = 90000; durch 1875 geteilt ergibt dies achtundvierzig Pala ohne Rest. Die zusammenfassende Zeit lautet: 22 Jahre, 8 Monate, 22 Tage, 4 Daṇḍas, 48 Pala. Diese Zusammenfassung setzt an der fehlerhaften Zwischenstelle 9000 voraus, ohne dass die Vorlage dies ausdrücklich korrigiert.

J.6.72 Zu Śaka 1742 addiert ergeben sich 1764 Jahre, 8 Monate, 22 Tage, 4 Daṇḍas, 48 Pala. Nach Teilung der Jahreszahl durch sechzig bleiben 24 Jahre und der genannte Zeitrest. Durch Teilung der 24 durch zwölf werden zwei Vokalperioden als verstrichen bestimmt; der dritte Vokal u ist gegenwärtig. So ergibt sich u für den Zwölfjahreskreis.

J.6.73 Die innere Periode eines Zwölfjahreskreises ist dessen elfter Teil. Angegeben werden ein Jahr, ein Monat, zwei Tage, dreiundvierzig Daṇḍas und achtunddreißig Pala. Zur Umrechnung werden Jahre mit zwölf in Monate, Monate mit dreißig in Tage, Tage mit sechzig in Daṇḍas und diese mit sechzig in Pala verwandelt; die jeweils vorhandenen Restgrößen werden hinzugefügt.

J.6.74 Als Pala-Maß des Divisors nennt die Vorlage 943440. Dieser Wert stimmt mit der zuvor genannten Jahres-Unterperiode von einem Monat, zwei Tagen, dreiundvierzig Daṇḍas und achtunddreißig Pala überein, nicht mit der hier besprochenen Zwölfjahres-Unterperiode einschließlich eines Jahres. Die Rechnung bleibt daher in ihrem Maßbezug unsicher.

J.6.75 Für die verstrichene Zeit werden weitere Monats-, Tages- und Daṇḍawerte eingesetzt, doch sind mehrere Zahlen ausgefallen. Als Quotient erscheint zwei. Vom u-Aufgang aus werden o und a als verstrichene innere Vokale, i als gegenwärtiger genannt; diese Folge überspringt e und ist nicht eindeutig.

J.6.76 Als Reste nennt die Vorlage 873740 und danach 540078 Pala. Aus der Rückumrechnung werden drei Monate, zwei Tage, zweiundvierzig Daṇḍas und zwanzig Pala als verstrichen sowie fünf Monate, eine Daṇḍa und achtzehn Pala als verbleibend angegeben; Jahres- und Tagesstellen sind teilweise leer. Diese Werte lassen sich aus den erhaltenen Zwischenschritten nicht geschlossen nachrechnen.

J.6.77 Grundsätzlich wird wiederholt: Jede innere Periode ist ein Elftel der Hauptperiode. Die verstrichene Zeit wird in Pala umgerechnet, durch das eigene Periodenmaß geteilt und in Quotient und Rest zerlegt. Damit endet die Erklärung des Zwölfjahresvokals.

J.6.78 Im Jahreskreis erhalten die Jahre von Prabhava an nacheinander a, i, u, e, o. Die erste Fünfergruppe heißt hier Prabhava, Vibhava, Śukra, Pramoda, Prajāpati; der dritte Name weicht von der obigen Liste ab. Im sechzigjährigen Kreis wiederholt sich die Fünferfolge zwölfmal.

J.6.79 Die Jahres-Unterperiode sei die Zwölfjahres-Unterperiode ohne das ganze Jahr. Hier werden null Jahre, ein Monat, zwei Tage, dreiundvierzig Daṇḍas und achtundvierzig Pala genannt; zuvor stand achtunddreißig. Für das Beispiel sind acht Monate, zweiundzwanzig Tage, vier Daṇḍas und achtundvierzig Pala verstrichen; a und i gelten als vergangen, u als gegenwärtig.

J.6.80 Auch hier wird als Divisor 943440 Pala eingesetzt. Der Quotient wird auf eine zweite Vokalrunde bezogen, der gegenwärtige Vokal ist im Wortlaut ausgefallen. Rest und verbleibende Zeit werden durch wiederholte Division mit sechzig zurückgerechnet; konkrete Ergebnisse fehlen. Damit endet die Jahreserklärung.

J.6.81 Halbjahreskreis: Im südlichen Lauf, den sechs Zeichen von Krebs an, herrscht a; im nördlichen, den sechs Monaten von Steinbock an, i. Die innere Periode ist die Hälfte der Jahres-Unterperiode. Die weiteren Zahlenstellen für Monate, Tage, Daṇḍas, Pala und Divisor sind beschädigt oder leer. Eine Angabe nennt drei bereinigte Tage. Der Quotient soll den sechsten Vokal, also eine Position in der zweiten Runde, anzeigen; dessen Name fehlt.

J.6.82 Jahreszeitenkreis: Die fünf Vokale werden von Frühling an den sechs Jahreszeiten zugeordnet, indem jeder zweiundsiebzig Tage erhält. Der Kommentar erklärt dies durch Einschluss von zwölf zusätzlichen Mondtagen in den jeweils folgenden Vokalabschnitt. Die Unterperiode ist die zuvor genannte von sechs Tagen, zweiunddreißig Daṇḍas und dreiundvierzig Pala. Die seit Vaiśākha nach Sonnenrechnung verstrichenen Tage werden in Pala verwandelt und geteilt; mehrere Ergebnisstellen sind leer, ein vierter Vokal wird als gegenwärtig genannt.

J.6.83 Monatskreis: Die Monatszuordnungen a für Bhādra, Mārgaśīrṣa, Vaiśākha; i für Āśvina, Śrāvaṇa, Āṣāḍha; u für Caitra, Pauṣa; e für Jyaiṣṭha, Kārttika; o für Māgha, Phālguna werden wiederholt. Zwei Tage, dreiundvierzig Daṇḍas und achtunddreißig Pala ergeben den Divisor 9818 Pala.

J.6.84 Der Monat wird hier von der dunklen Hälfte an gerechnet. Für den ersten hellen Tag Vaiśākhas werden die verstrichenen Tage umgerechnet; der Zahlenwert fehlt. Es folgen widersprüchliche Angaben über den sechsten und siebten Vokal in einer zweiten Runde, deren Namen teilweise ausgefallen sind. Die Grundmethode bleibt Teilung und Rückumrechnung von verstrichener und verbleibender Zeit.

J.6.85 Halbmonatskreis: Die Unterperiode ist die Hälfte der Monats-Unterperiode. Die konkreten Zahlenstellen sind hier leer. Die verstrichene Zeit bis zum ersten hellen Tag Vaiśākhas wird in Pala gerechnet und durch dieses Maß geteilt. Für die helle Hälfte wird der entsprechende Vokal als erster gegenwärtiger innerer Vokal bezeichnet; seine Bezeichnung fehlt im Kommentar. Quotient und Rest liefern wiederum vergangene und verbleibende Zeit.

J.6.86 Tageskreis: Unter a werden der erste, sechste und elfte Mondtag geschrieben; unter i der zweite, siebte und zwölfte; unter u der dritte, achte und dreizehnte; unter e der vierte, neunte und vierzehnte; unter o der fünfte, zehnte und Vollmondtag. Die fünf Gruppen von Nandā an wiederholen sich also dreimal. Eine zusätzliche Nennung von au in der einleitenden Buchstabenfolge ist mit dem Fünfvokalsystem nicht vereinbar.

J.6.87 Die innere Tagesperiode beträgt fünf Ghaṭikās und siebenundzwanzig Pala, also 327 Pala. Für das Beispiel werden die seit Beginn des Mondtags verstrichenen Daṇḍas in Pala umgerechnet; die folgende Zahl und mehrere weitere Rechenstellen sind nicht erhalten.

J.6.88 Der gegenwärtige Vokal wird aus dem Quotienten durch Wiederholung der Fünferfolge bestimmt; der Rest gibt seine verstrichene Zeit, die Ergänzung zum Divisor seine verbleibende Zeit. Durch Teilung mit sechzig erhält man Daṇḍas und Pala. Der Kommentar verweist auf den späteren Vers mit dem Divisor 327. Weil der Ghaṭikā-Vokal hier mitbehandelt wird, erläutert er zugleich dessen innere Periode als halbe Ghaṭikā.

J.6.89 Zur Formulierung „im Ghaṭikā-Vokal“ wird grammatisch bemerkt, dass Lokativ und Genitiv denselben Zusammenhang ausdrücken. Das ursprüngliche Yāmala sei die benutzte Grundschrift. Ein Beispiel nennt einen zehnten u-Aufgang im Bereich von fünfzig Daṇḍas und siebenundfünfzig verstrichene Pala; der Zusammenhang ist beschädigt. Bei halber Ghaṭikā als Untermaß wird eine zweite a-Phase genannt, deren Restzahl fehlt.

J.6.90 Allgemein gilt für alle acht Zeitvokale: Nach ihrem jeweiligen Hauptmaß steigen sie auf und gehen unter; innerhalb bestehen elf Aufgänge. Daher wird die Hauptperiode stets durch elf geteilt, um das innere Maß zu erhalten. Dies wurde in den vorangegangenen Rechnungen angewandt.

J.6.91 Die fünf Zeitmaße Jahr, Monat, Tag, Nāḍī und Pala werden je nach Kreis verkürzt verwendet: im Zwölfjahreskreis alle fünf, im Jahreskreis von Monaten an, im Halbjahres-, Jahreszeiten- und Halbmonatskreis von Tagen an, im Tageskreis von Daṇḍas an, im Ghaṭikā-Kreis von Pala an.

J.6.92 Zur Ermittlung vergangener und gegenwärtiger Vokale wird die abgelaufene Zeit in Pala durch das jeweilige innere Periodenmaß geteilt. Der Quotient zählt vergangene Vokale, der Rest bezeichnet die laufende Phase. Der Unterschied zwischen Divisor und Rest ergibt die verbleibende Zeit. Beide werden durch sechzig und die weiteren Faktoren in größere Einheiten zurückverwandelt. Für die Reihenfolge wird auf das Zwölfjahresbeispiel verwiesen.

Kommentar zu den Zuständen und ihrer Stärke

J.6.93 Die fünf Zustände entstehen, indem der aufgegangene Zeitvokal mit dem Namensvokal und dem jeweiligen Zeitmaß verbunden wird. Ihre Früchte entsprechen dem jeweiligen Alter, wie Kinder zu bestimmten Aufgaben noch nicht fähig sind. Bei verlorenen Sachen, Schlangenbiss und Krankheit ist der Kindzustand ungünstig; bei Heirat und anderen günstigen Handlungen gut. Der Kommentar liest hier „gebissen“, während der Grundvers eine beschädigte Form für „geschädigt“ hatte.

J.6.94 Für Reise, Kampf, Einweihung und Mantra-Unterweisung sollen die Zustände in den acht Namens- und Zeitvokalen sowie ihren Unterperioden jeweils bestimmt werden. Die lange Verknüpfung von Ausgangsvokal, Kindzustand und Todesaufgang ist in der Vorlage beschädigt; der Kommentar verweist selbst auf die spätere nähere Erklärung.

J.6.95 Zur Stärke: Der alte Zustand ist stärker als der tote, der kindliche stärker als der alte, der knabenhafte stärker als der kindliche, der junge stärker als alle vorigen. Treffen zwei Kämpfer mit verschieden starken Zuständen aufeinander, soll der stärkere siegen. Der fünfte Vokal vom eigenen Kindvokal aus heißt wegen seiner todbringenden Wirkung „tot“, der dritte wegen voller Förderung „jung“; die übrigen haben mittlere Wirkungen.

J.6.96 Bei schwächerem Vokal wird Tod, bei stärkerem Sieg gedeutet; bei Gleichheit Gleichstand, Friedensschluss oder ausgeglichener Sieg und Niederlage. Haben beide denselben Kindzustand, besteht Gleichheit. Der zweite Zustand bringt gegenüber dem Kind halben Sieg, der dritte vollen Erfolg, der vierte Gefangenschaft und Sieg des Gegners. Steht der Feind im fünften Todes-, man selbst im dritten Jugendzustand, gilt der Sieg als sicher.

J.6.97 Die Zuordnung wird nochmals erläutert: Mātrā bestimmt den Ghaṭikā-Zustand, Varṇa den Mondtag, Graha die Monatshälfte, Jīva den Monat, Rāśi die Jahreszeit, Nakṣatra das Halbjahr, Piṇḍa das Jahr und Yoga den Zwölfjahreskreis. Ein eingeschobenes Beispiel zum Namen Narahari ist lückenhaft und wird nicht vervollständigt.

J.6.98 Für Rāmatoṣaṇa werden erneut die acht Namensvokale angekündigt. Erhalten sind Mātrā mit einer hier abweichenden o-Lesart und Varṇa mit e; mehrere andere Vokalnamen sind zu bloßem „-kāra“ verstümmelt, und ein Glied der Acht fehlt. Die Haupt- und Unterperioden werden darunter geschrieben, um grobe und feine Zustände zu vergleichen.

J.6.99 Im beschädigten Beispiel liegt der grobe Ghaṭikā-Vokal an fünfter Stelle, seine innere Phase im Kindzustand. Der Tagesvokal liegt ebenfalls an fünfter, die innere Tagesphase an vierter Stelle und gilt als alt. Der Halbmonatsvokal und seine innere Phase werden als zweite, also knabenhafte Zustände bezeichnet. Die konkreten Vokalbuchstaben fehlen größtenteils.

J.6.100 Beim Monatskreis wird die innere Phase als zweite und knabenhaft bezeichnet. Im Jahreszeitenkreis ist die Hauptphase dritte, die innere erste. Beim Halbjahreskreis werden Haupt- und Unterphase als dritte und damit jung genannt. Im Jahreskreis ist die Hauptphase fünfte, die innere vierte und alt. Im Zwölfjahreskreis ist die Hauptphase zweite und knabenhaft, die innere identisch mit dem Ausgangsvokal und daher kindlich.

J.6.101 Die Namensvokale von Mātrā bis Yoga und die Zeitvokale von Ghaṭikā bis zwölf Jahren sind also in entgegengesetzter Reihenfolge aufeinander zu beziehen. Dies soll der Leser innerlich nachvollziehen. Für jede Person muss die günstige oder ungünstige Stellung ihrer eigenen Namensvokale berücksichtigt werden.

J.6.102 Warum ist Varṇa jederzeit stark? Weil es alle Zeiträume bis zum Zwölfjahreskreis durchdringt und seine eigene Frucht gibt. Die anderen sieben Bestimmungen sind in ihm enthalten; ihre Wirkung hängt daher auch von seiner Stärke ab. Darum ist Günstiges und Ungünstiges besonders an Varṇa zu prüfen.

J.6.103 Der Vergleich mit der Elefantenspur bedeutet, dass die sieben anderen Lautwirkungen zur Fruchtgabe in Varṇa eingehen. Eine alternative Lesart formuliert, sie stünden unter Vorrang der Varṇa-Frucht; der Sinn ist, dass sie durch seine Stärke stark werden. Besonders im Kampf zählt Varṇa-Stärke.

J.6.104 Yoga-Svara soll dagegen den aus körperinnerer Erkenntnis hervorgehenden Yoga ermöglichen. Āṇava wird hier durch die Fähigkeiten wie Kleinwerden erklärt, Śāmbhava durch die Beziehung zu Śambhu, Śākteya durch die Beziehung zu Gaurī und anderen Śaktis. Damit endet diese Erläuterung des Lautkreises.

Mondtage, Richtungen und zwölf Unterzustände

J.6.105 Die getrennt erklärten Mondtage von Nandā an, Wochentage von Dienstag an und Mondhäuser werden in einem gemeinsamen Lautkreis zusammengeführt. Unter die fünf Vokale werden ihre jeweiligen Zeitgruppen gesetzt. Hat der Vokal Kindzustand, tragen die darunterstehenden Zeitzeichen ebenfalls dessen Frucht; bei Knaben-, Jugend- und weiteren Zuständen entsprechend deren Frucht.

J.6.106 Das Beispiel Rāmatoṣaṇa nennt hier i als kindlichen Varṇa-Vokal, abweichend von der früheren e-Zuordnung. Darunter stehen zweiter, siebter und zwölfter Mondtag, Mittwoch und Montag sowie die entsprechenden Mondhäuser; alle gelten dann als kindlich. Die folgenden Gruppen werden knabenhaft und so weiter. Für andere Namen verfährt man ebenso.

J.6.107 Fällt für den Anfangsbuchstaben einer Person durch Mondtag, Wochentag und Mondhaus der fünfte, tote Vokal auf einen Tag, soll dieser für ihre beabsichtigten Unternehmungen gemieden werden. Er gilt als verlust- und todbringend. Für aggressive Mantra-Handlungen wird dagegen ein Tag gewählt, an dem der Feind im Todes-, die eigene Person besonders im Knaben- oder Jugendzustand steht. So erläutert der Kommentar die historische Anwendung.

J.6.108 Jeder der fünf Alterszustände wird nochmals in zwölf Teile gegliedert. Im Halbjahr ist eine Monatshälfte ein Zwölftel, im Jahr ein Monat, im Zwölfjahreskreis ein Jahr; entsprechend werden die kleineren Kreise geteilt. So entsteht das jeweilige Zustandsmaß.

J.6.109 Die verstrichene Zeit eines Zustands wird in Pala umgerechnet und durch ein Zwölftel seiner ganzen Periode geteilt. Der Quotient gibt die vergangenen Unterzustände, der Rest den gegenwärtigen. Durch Abziehen vom Divisor und Rückumrechnung werden verstrichene und verbleibende Zeit der laufenden Unterphase bestimmt.

J.6.110 Das Beispiel nimmt einen dritten Mondtag als Jugendtag des Namens. Die Zahl der verstrichenen Daṇḍas fehlt. Aus der Rechnung werden vier vergangene und ein fünfter gegenwärtiger Zustand angegeben; verstrichene und verbleibende Zeit der fünften Phase betragen jeweils zweieinhalb Daṇḍas. Dieser fünfte Zustand wird mit Essen verbunden. Wo größere Zeiten entstehen, sind Tage und Monate entsprechend zurückzurechnen.

J.6.111 Nun die Verse über die zwölf Unterzustände. Die erste, dem Kind zugeordnete Reihe enthält lesbar: Schmerz oder Spieß, Kindheit, Kleinkind, Lachen, Knabenalter, Jugend, Herrschaftsgewinn, Bedrängnis, Freude, Alterung und Tod. Mehrere Wortverbindungen lassen die verlangte Zwölferteilung nicht sicher erkennen.

J.6.112 Die Knabenreihe nennt Wohlbefinden, Getragen- oder Genährtsein, Wolke, Reibung, Wachstum, großen Aufgang, Befriedung, eine unsichere Frauenbezeichnung, Alter, Gleichheit, Aufgehen von Eigenschaften und Glückverheißung. Einige Trennungen sind unsicher; die Vorlage selbst erläutert später einzelne zusammengesetzte Wörter nochmals.

J.6.113 Die Jugendreihe nennt Begeisterung, Standhaftigkeit, Heftigkeit oder heftiges Alter, Kraft beziehungsweise ein Mädchen, glückverheißende Verbindung, Wunsch und Gedeihen, Zweig- oder Baumgestalt, Löwe, Bindung, Herrschaft und Frieden. Die genaue Zwölfergliederung ist beschädigt.

J.6.114 Die Altersreihe nennt Beeinträchtigung, Rest, Vergeblichkeit, Fall, Geduld oder Nachlassen, Leid, Nacht, Schlaf, Verstandesbezug, Heftigkeit, Alter und Tod. Die Todesreihe nennt Sorge, Bindung, Gegenstoß, Rest, Erde oder Erdglut, eine beschädigte Meeres- beziehungsweise Feuerbezeichnung, Lebewesen, Streuung, Spaltung, Streit, Tod und Vernichtung.

J.6.115 So sollen insgesamt sechzig Unterzustände aus den fünf Grundzuständen entstehen; ihre Frucht entspricht jeweils ihrem Namen. Die Vorlage fügt eine weitere Worttrennung an: Kleinkind und Lachen, Jugend und Herrschaftsgewinn, Wolke und Reibung, Wachstum und Eigenschaftsaufgang; ferner Begeisterung, Standhaftigkeit, heftiger Impuls, Kind, Wunsch und Gedeihen, Beeinträchtigung und Rest, Leid, Nacht, Schlaf, Erdbewegung und Feuergeben. Auch diese Erläuterung ist beschädigt und erlaubt keine sichere vervollständigte Sechzigerliste.

J.6.116 Zu den Richtungen wird wiederholt: a steht im Osten, i im Süden, u im Westen, e im Norden, o in der Mitte. Bei einem bestimmten Mondtag ist die fünfte Richtung vom aktiven Vokal aus zu meiden. Beispiel: An zweitem, siebtem und zwölftem Tag steigt i im Süden auf; die fünfte Richtung ist Osten und gilt als Todesrichtung.

J.6.117 Wie wird die Mitte als Richtung behandelt? Bei a-Aufgang im Osten am ersten, sechsten und elften Tag ist die fünfte Position die Mitte. Dann soll man nicht in ein inneres Gebäude, einen Palast oder ein darüber beziehungsweise darunter gelegenes Haus eintreten. So deutet der Kommentar die mittlere Richtung.

J.6.118 Fragt jemand von der fünften, untergegangenen Richtung aus, werden Verlust und die anderen schlechten Früchte genannt. Beim südlichen i-Aufgang gilt Osten als untergegangen; einem dort stehenden Fragenden wird entsprechend geantwortet. Damit endet die Richtungsdeutung.

Fragen, Geburt und Kampf im Kommentar

J.6.119 Der Ghaṭikā-Vokal steigt zu Beginn des Mondtags von dessen Vokal aus auf. Die verstrichenen Ghaṭikās werden mit sechzig in Pala verwandelt und durch 327 geteilt. Der Quotient zählt die verstrichenen Vokale vom Tagesvokal an; der Rest bestimmt den gegenwärtigen. Dieser heißt innere Tagesphase oder Ghaṭikā-Svara.

J.6.120 Der Kommentar bemerkt eine Schwierigkeit: Für den Tages-Unteraufgang wurden die Alterszustände nach Varṇa geordnet, für Ghaṭikā dagegen nach Mātrā. Damit ist die Zuordnung nicht widerspruchsfrei festgelegt. Bezieht sich eine Frage auf eine benannte Person, gilt deren Namenszustand; wird niemand genannt, die günstige oder ungünstige Frucht des Fragenden. Die fünf Ergebnisverse werden als klar bezeichnet.

J.6.121 Ungerade Vokale sind der erste, dritte und fünfte, also männlich; die geraden i und e sind weiblich. An einer Stelle steht in der Vorlage statt e ein beschädigtes o. Männer und Frauen gewinnen beim eigenen Typ Kraft. Bei einer Schwangerschaftsfrage wird männlicher Typ als Sohn, weiblicher als Tochter gedeutet; Paarung als Zwillinge, untergegangener Vokal als Schwangerschaftsverlust, Übergang als Tod der Mutter.

J.6.122 Sind Tages- und Ghaṭikā-Vokal beide männlich, werden zwei Söhne, beide weiblich zwei Töchter, bei Mischung Sohn und Tochter vorausgesagt. Dies erläutert die entsprechende Zwillingsregel, ohne ihr medizinische Gültigkeit zuzuschreiben.

J.6.123 Zur Geburtsbestimmung nimmt man den Buchstaben des Viertels im Geburtsmondhaus, wie ihn das hundertfeldrige Cakra angibt. Als Beispiel werden für Punarvasu vier Silben genannt, deren Schreibweise beschädigt ist: die ersten beiden beginnen mit Ka, die letzten beiden mit Ha. Ka steht unter a, Ha unter o. Dieser Varṇa-Vokal heißt hier Nāḍī-Vokal und soll die natürliche Wesensart bestimmen.

J.6.124 Die fünf Verse über die Geburtscharaktere werden nach dem Tagesvokal oder dessen Unteraufgang im Verhältnis zu diesem Nāḍī-Vokal angewandt. Der Kommentar verweist auf die bereits genannten Ergebnisse und wiederholt sie nicht vollständig.

J.6.125 Nun die Frage nach dem Sieger zweier Kämpfer. Eine Einleitung nennt die Reihe von Ka bis Ja, die anschließende ausgeschriebene Liste reicht jedoch weiter: Ka, Kha, Ga, Gha, Ca, Cha, Ja, Jha, Ṭa, Ṭha, Ḍa, Ḍha, Ta, Tha, Da, Dha sowie a, i, u, e, o gelten in der hellen Monatshälfte als stark.

J.6.126 Die übrige Reihe lautet in der Vorlage mit teilweiser Überschneidung: Dha, Na, Pa, Pha, Ba, Bha, Ma, Ya, Ra, La, Va, Śa, Ṣa, Sa, Ha sowie ā, ī, ū, ai, au. Diese gelten in der dunklen Hälfte als stark. Die Überschneidung bei Dha und die unvollständige Vokalliste bleiben erhalten.

J.6.127 Haben zwei Namen denselben Lautvokal, ihre Anfangsbuchstaben gehören aber verschiedenen Monatshälften an, entscheidet die Stärke der hellen oder dunklen Hälfte. Ein beschädigtes Namensbeispiel stellt Ka und Va gegenüber: der erste gewinnt in der hellen, der zweite in der dunklen Hälfte.

J.6.128 Gehören beide Anfangsbuchstaben derselben Hälfte und demselben Vokal an, wird die Hautfarbe als weiteres historisches Unterscheidungsmerkmal benutzt: der Helle siege in der hellen, der Dunkle in der dunklen Monatshälfte. Die angeführten Namen sind Karmu und Gharmu nach unsicherer Lesart; beide werden a zugeordnet. Diese körperbezogene Wertung ist Bestandteil der Quelle.

J.6.129 Sind auch diese Merkmale gleich, werden geringe und große Körpergröße mit Nähe oder Ferne des Namensbuchstabens zum Vokal in der Tabelle verbunden. Der Kleinere soll gewinnen, wenn sein Buchstabe näher am Vokal liegt; der Größere bei einem weiter entfernten Buchstaben. Die zweite Bedingung ist sprachlich beschädigt.

J.6.130 Sind Größe, Namensmerkmale, Farbe und alles Übrige gleich, entscheidet die Rolle als Angreifer oder Standhaltender. Im jungen und einem als tötend bezeichneten Zustand siegt der zuerst Angreifende; in Kindheit, Alter und Tod der Standhaltende. Die doppelte Todeszuordnung zeigt eine beschädigte Zustandsbezeichnung.

J.6.131 Die sieben Buchstaben über der Gruppe des ersten, sechsten und elften Mondtags werden nun auf diese drei Tage verteilt: a, ka, cha auf den ersten; ḍa und dha auf den sechsten; bha und ein als ba überliefertes letztes Zeichen auf den elften. Nach der früheren Tabelle wäre an letzter Stelle va zu erwarten; die Abweichung wird nicht ersetzt.

J.6.132 Der einem Buchstaben zugehörige erste Tag heißt Geburtstag, der folgende innerhalb der Dreiergruppe Verlusttag, der dritte Todestag. Für Ka sind dies erster, sechster und elfter Mondtag. Die anschließende Aussage über das jeweilige Mondhaus ist beschädigt. Damit endet die besondere Unterscheidung der Lautarten.

Kommentar zur Tagesbilanz

J.6.133 Nun soll für einen bestimmten Tag das Ergebnis einer Person aus den fünf Vokalen und ihren acht Namensformen bestimmt werden. „Für Männer“ im Grundvers schließt hier andere Personen ein. Die Kenntnis stammt aus dem Yāmala und der Unterweisung des Gurus.

J.6.134 Die acht Namensvokale werden in einer waagerechten Reihe von Yoga bis Mātrā geschrieben. Die im Kommentar ausgeschriebene Reihenfolge verschiebt Nakṣatra einmal an eine andere Stelle; die zuvor erklärte Zuordnung bleibt der erkennbare Bezug. Darunter kommen die acht Zeitvokale von zwölf Jahren bis Ghaṭikā, sowohl nach Haupt- als auch nach innerer Periode.

J.6.135 Jede Unterperiode wird als ein Elftel des Hauptmaßes berechnet; das Zwölfjahresbeispiel mit einem Jahr, einem Monat, zwei Tagen, dreiundvierzig Nāḍīs und achtunddreißig Pala wird erneut genannt. Von den Namensvokalen ist jeder folgende stärker als der vorige: Piṇḍa stärker als Yoga, Nakṣatra stärker als Piṇḍa und so weiter. Ebenso gilt der Jahresvokal als stärker als der Zwölfjahresvokal, der Halbjahresvokal stärker als der Jahresvokal und so fort.

J.6.136 Unter a, i, u, e und o werden jeweils vier Bewertungseinheiten gesetzt. Der Kommentar nennt sie hier mit einer leicht abweichenden Form Viśeṣopaka, im Grundtext Viṃśopaka. Ihre Anwendung auf die acht Vokalbestimmungen ergibt getrennte günstige und ungünstige Summen.

J.6.137 Der Yoga-Namensvokal bildet den Ausgangspunkt für die Alterszustände des Zwölfjahresvokals, besonders in der inneren Periode. Entsprechend werden Piṇḍa mit Jahr, Nakṣatra mit Halbjahr, Rāśi mit Jahreszeit, Jīva mit Monat, Graha mit Monatshälfte, Varṇa mit Mondtag und Mātrā mit Ghaṭikā verbunden. Diese Zuordnung wird ausführlich wiederholt.

J.6.138 Der schwierige Vers über einen trotz günstigen Zustands ungünstigen Zeitvokal wird mehrfach ausgelegt: Eine günstige Hauptphase kann durch eine ungünstige Unterphase aufgehoben werden; ebenso kann die Tagesbilanz trotz einzelner günstiger Zustände einen ungünstigen Rest ergeben. Der Kommentar erwägt außerdem die Herrscher der zugehörigen Zeichen und Planeten.

J.6.139 Man schreibt die Bewertungseinheiten der günstigen und ungünstigen Vokale getrennt auf und zieht die kleinere von der größeren Summe ab. Der Rest zeigt zunächst die allgemeine Tendenz. Danach wird nach der Zwanzigstelrechnung die gegenwärtige Wirkungsquelle bestimmt und der darunterstehende Planet berücksichtigt. Widersprechen sich günstige Bilanz und ungünstige Planetenwirkung, wird eine gemischte Frucht angegeben.

J.6.140 Gewinn und Verlust werden weiter nach den Planeten als Herren von Stoffen beziehungsweise Metallen, Pflanzen und Lebewesen auf entsprechende Gegenstände bezogen. Die genaue Verknüpfung mehrerer Wiederholungen ist beschädigt, der Gedanke einer kombinierten Deutung jedoch erkennbar.

J.6.141 Für die Bilanz sind Alter und Tod ungünstig, ebenso die erste Hälfte der Kindheit. Günstig sind die zweite Hälfte der Kindheit sowie Knaben- und Jugendzustand. Knabe und Jugend erhalten jeweils vier günstige Punkte, Alter und Tod jeweils vier ungünstige. Die Kindheit wird mit zwei Punkten je Hälfte auf beide Seiten verteilt.

J.6.142 Die acht inneren Zeitaufgänge werden entsprechend eingeordnet. Nach Abzug der kleineren Summe bestimmt die größere verbleibende Seite die Tagesfrucht. Um deren Herkunft zu ermitteln, wird der Rest mit zwanzig multipliziert und durch vierundsechzig geteilt. Ein erster Ergebnisabschnitt verweist auf Yoga, ein zweiter auf Piṇḍa, weiter bis zum achten Mātrā.

J.6.143 Die zwanzig entstehen aus fünf Vokalen zu je vier Punkten; die vierundsechzig erklärt der Kommentar als acht Namens- mal acht Zeitvokale. Eine andere Lesart lautet „durch vierundfünfzig“; dann wäre 54 als Divisor zu verwenden. Die alternative Rechnung wird ausdrücklich überliefert, nicht verworfen.

J.6.144 Die Wirkungsquellen werden genauer erklärt: 1 Yoga bedeutet eigene Tätigkeit oder eigenes Geschäft; 2 Piṇḍa den eigenen Körper; 3 Nakṣatra Freunde; 4 Rāśi die eigene Familie; 5 Jīva eigenes Vermögen. Bei der Lesart „eigener Geist“ an dieser Stelle wäre geistig entstehendes Glück oder Leid gemeint.

J.6.145 6 Graha bedeutet Feinde; eine Zusatzbemerkung ist beschädigt. 7 Varṇa bedeutet den eigenen Herrn oder Dienstgeber; 8 Mātrā Frauen. Aus diesen Bereichen komme die günstige oder ungünstige Wirkung.

J.6.146 Zur Verdeutlichung wird das Verfahren nochmals zusammengefasst: Für Devadatta oder einen anderen Namen werden acht Namensvokale gewonnen, von Yoga bis Mātrā waagerecht geschrieben und die acht Zeitvokale samt Unterperioden daruntergesetzt. Dann werden Kindheit, Knabenalter und die weiteren Zustände bestimmt und ihre Punkte verteilt.

J.6.147 Die zweite Hälfte der Kindheit zählt zwei günstige Punkte, Knabe und Jugend je vier; die erste Hälfte der Kindheit zwei ungünstige, Alter und Tod je vier. Nach Abzug bleibt die dem Rest entsprechende gute oder schlechte Frucht. Der Rest wird mit zwanzig multipliziert und durch vierundsechzig geteilt, um den Wirkungsbereich von Yoga an zu bestimmen.

J.6.148 Es wird auf eine bereits notierte Beispielzeit am ersten hellen Mondtag eines Śaka-Jahres verwiesen. Die Jahresangabe ist an dieser Stelle beschädigt und enthält unter anderem die Zahl 100. Für die Tagesdarstellung werden wieder Rāmatoṣaṇas acht Namensvokale von Yoga an geordnet.

J.6.149 Warum wird Yoga erst zuletzt berechnet, obwohl es in der Anwendung an erster Stelle steht? Weil es ohne die vorherige Bestimmung der sieben Vokale von Mātrā an nicht ermittelt werden kann. Darum wurde seine Bildung erst am Ende erklärt.

J.6.150 Im Beispiel steht die innere Zwölfjahresphase gegenüber Yoga in der zweiten Hälfte der Kindheit: zwei günstige Punkte. Die Jahresphase gegenüber Piṇḍa ist alt: vier ungünstige. Die Halbjahresphase gegenüber Nakṣatra ist jung: vier günstige. Die Jahreszeitenphase gegenüber Rāśi steht in der zweiten Hälfte der Kindheit: zwei günstige Punkte.

J.6.151 Die Monatsphase gegenüber Jīva ist knabenhaft: vier günstige Punkte. Die Halbmonatsphase gegenüber Graha wird ebenfalls mit vier günstigen Punkten versehen; ihr Zustandsname fehlt. Die Tagesphase gegenüber Varṇa erhält vier ungünstige Punkte; auch hier ist die Bezeichnung beschädigt. Die Ghaṭikā-Phase gegenüber Mātrā ist zweite Kindheitshälfte: zwei günstige Punkte.

J.6.152 Zusammen werden drei günstige Kindheitshälften mit sechs, zwei Knabenzustände mit acht und ein Jugendzustand mit vier Punkten gezählt: achtzehn günstig. Auf der ungünstigen Seite stehen acht Punkte aus den beiden schlechten Zuständen sowie sechs aus den verstrichenen ersten Hälften der drei Kindheitszustände: insgesamt vierzehn. Damit berücksichtigt die Musterrechnung auch bereits verstrichene Kindheitshälften, obwohl die vorangehende Regel vorrangig gegenwärtige Phasen beschrieb.

J.6.153 Vierzehn von achtzehn abgezogen lässt vier günstige Punkte. Vier mal zwanzig ergibt achtzig. Bei Teilung durch vierundsechzig ist ein Abschnitt vollendet und der zweite gegenwärtig: Piṇḍa. Die günstige Frucht wird daher auf den Körper bezogen. Eine zusätzliche Erklärung erweitert diesen Bezug auf die eigene Person beziehungsweise eigene Angehörige; ihr Wortlaut ist unsicher.

J.6.154 So werden für jede Person die durch Namen bestimmten Zustände mit den allgemein berechneten Zeitvokalen verbunden, um Tagesfrucht und geeignete Tätigkeiten zu beurteilen. Der Kundige soll auf dieser Grundlage Günstiges oder Ungünstiges nennen.

J.6.155 So endet in der erhabenen Prāṇatoṣiṇī der sechste Lehrabschnitt: die Darlegung der Tabellen und der Cakras von Kindheit an, deren Kenntnis durch Unterweisung des Lehrgurus gewonnen wird. Der Kolophon nennt an dieser Stelle irrtümlich ein „sechstes Kāmya-Buch“; nach Inhaltsübersicht und Zusammenhang handelt es sich um das sechste Kapitel des Jñānakāṇḍa.


Siebter Lehrabschnitt: Astrologische Buchstaben- und Sternenkreise

Der Sarvatobhadra-Kreis

J.7.1 Nun erkläre ich den berühmten Sarvatobhadra-Kreis, der die drei Welten erhellt und unmittelbar Gewissheit geben soll. Zehn senkrechte und zehn waagerechte Linien ergeben einen Kreis mit einundachtzig Feldern. In die Eckfelder werden, im Nordosten beginnend und in der Schöpfungsrichtung fortschreitend, die sechzehn Vokale von a an in vier Umläufen eingetragen.

J.7.2 Die achtundzwanzig Mondhäuser von Kṛttikā an werden zu je sieben auf die vier Seiten verteilt, beginnend im Osten. Für die darunterstehenden Buchstaben nennt der Grundtext im Osten a, va, ka, ha, ḍa; im Süden ma, ṭa, pa, va, ta; im Westen la, ya, bha, ja, kha; im Norden pa, sa, da, ca, la. Die Buchstabenfolgen weichen im späteren Kommentar teilweise ab. Die zwölf Tierkreiszeichen stehen, mit Stier im Osten beginnend und mit Widder endend, zu je drei auf einer Seite. In die übrigen Felder kommen die fünf Tithi-Gruppen von Nandā an sowie die sieben Wochentage, beginnend mit Dienstag.

J.7.3 Die Zeichen der Erhöhung und des Falls sind für die Sonne Widder und Waage, für den Mond Stier und Skorpion, für Mars Steinbock und Krebs, für Merkur Jungfrau und Fische, für Jupiter Krebs und Steinbock, für Venus Fische und Jungfrau, für Saturn Waage und Widder.

J.7.4 Saturn, Sonne, Rāhu, Ketu und Mars gelten als unheilvolle Planeten, die übrigen als günstig. Merkur wird bei Verbindung mit einem unheilvollen Planeten ebenfalls unheilvoll; dasselbe gilt für den abnehmenden beziehungsweise als geschwächt bestimmten Mond.

J.7.5 Von dem Mondhaus, in dem ein Planet steht, gehen drei Durchdringungen aus: nach links, geradeaus und nach rechts. Das bereits durchlaufene, das noch zu durchlaufende und das gegenwärtig besetzte Mondhaus sind bei unheilvoller Durchdringung für Unternehmungen zu meiden. Bei den fünf Planeten von Mars an gilt: Rückläufigkeit richtet den Blick nach rechts, schnelle Bewegung nach links, mittlere Bewegung geradeaus.

J.7.6 Steht die Sonne im zweiten Zeichen gegenüber dem betrachteten Planeten, wird dessen Bewegung als schnell bestimmt; beim dritten als gleichmäßig, beim vierten, fünften und sechsten als langsam, beim siebten und achten als stark rückläufig. Beim neunten und zehnten nennt der Grundvers eine gekrümmte Bewegung; beim elften und zwölften wieder schnelle Bewegung. Rāhu und Ketu sind stets rückläufig, Sonne und Mond schnell. Da ihre Bewegungsart gleichbleibt, besitzen sie stets alle drei Blickrichtungen.

J.7.7 Unheilvolle Planeten gelten bei Rückläufigkeit als besonders unheilvoll, günstige als besonders günstig. Bei schneller Bewegung bewahren günstige und unheilvolle Planeten ihre natürliche Beschaffenheit.

J.7.8 Wird Ka, Pa, Bha oder Da getroffen, werden jeweils auch die zugehörigen Dreiergruppen getroffen: gha–ṅa–cha, ṣa–ṇa–ṭha, dha–pha–ḍa und tha–jha–ña. Bei Ārdrā, Hasta, Pūrvāṣāḍhā und Uttarabhādrapada werden die entsprechenden Gruppen einbezogen. Die letzte Gruppe erscheint in der Vorlage auch mit kha beziehungsweise dha; die Lesarten sind nicht einheitlich.

J.7.9 Ra und Va, Śa und Sa, Ya und Ja sowie Ṅa und Ña werden paarweise verbunden: Trifft die günstige oder ungünstige Durchdringung einen, gilt auch der andere als getroffen. Entsprechende Regeln gelten für zusammengehörige Vokale und für Anusvāra und Visarga. Die knappe Vokalregel ist sprachlich unsicher; sie wird nicht zu einer zusätzlichen vollständigen Zuordnung ergänzt.

J.7.10 Steht ein Planet im letzten beziehungsweise ersten Viertel zweier an einer Ecke zusammentreffender Mondhäuser, trifft dies die dortige Vierergruppe der Vokale und die Pūrṇā-Tithi-Gruppe. Eine, zwei, drei, vier und fünf unheilvolle Durchdringungen werden der Reihe nach als Unruhe, Furcht, Verlust, Krankheit und Tod gedeutet.

J.7.11 Ein getroffenes Mondhaus bedeutet Verwirrung, ein getroffener Buchstabe Verlust, ein getroffener Vokal Krankheit, eine getroffene Tithi Furcht und ein getroffenes Tierkreiszeichen großes Hindernis. Sind alle fünf getroffen, sagt die Quelle den Tod voraus. Für einen Kampf nennt sie bei einer Durchdringung Furcht, bei zwei Vermögensverlust, bei drei Niederlage, bei vier Tod. Diese Aussagen gehören zur historischen Vorhersagelehre.

J.7.12 Wie unheilvolle Planeten Ungünstiges bringen, sollen günstige Günstiges bewirken. Ein günstiger Planet in Verbindung mit einem unheilvollen gilt wiederum als unheilvoll. Die Sonne bringt seelische Bedrängnis, Mars Vermögensverlust, Saturn Krankheitsleiden, Rāhu und Ketu Hindernisse. Dem Mond wird gemischte Wirkung zugeschrieben, Venus Liebesfreude, Merkur Einsicht und Jupiter alles Gute.

J.7.13 Im eigenen Zeichen besitzt ein Planet volle Stärke, im Zeichen eines Freundes drei Viertel, in einem neutralen Zeichen die Hälfte, im Zeichen eines Feindes ein Viertel. Diese Ortsstärke gilt zunächst für günstige und unheilvolle Planeten gleichermaßen; bei der Deutung ihrer Wirkung ist ihr unterschiedlicher Charakter zu beachten. Aus Ort und Durchdringung wird die Stärke berechnet und entsprechend auf den betroffenen Gegenstand bezogen.

J.7.14 Bei Rückläufigkeit wird die Wirkung verdoppelt, bei Erhöhung verdreifacht; bei schneller Bewegung gilt die natürliche Wirkung, im Fall die halbe. Von unheilvollen Planeten getroffene Tithis, Zeichen, Teilzeichen und Mondhäuser sind für Unternehmungen zu meiden.

J.7.15 Wer während einer solchen Durchdringung handelt, findet bei der Heirat keine Freude und kehrt von der Reise nicht zurück. Beim Kranken lautet die erhaltene Stelle dagegen: „Er wird von Krankheiten frei.“ Hier fehlt möglicherweise eine Verneinung; die Übersetzung kehrt den vorhandenen Wortlaut nicht stillschweigend um. Für eine während einer Krankheit eintretende unheilvolle Durchdringung nennt die Quelle bei Rückläufigkeit Tod, bei schneller Bewegung wiederum einen Zustand ohne Krankheit.

J.7.16 Am getroffenen Ort droht Zusammenbruch; an einer Festung entsteht eine Bresche. Ein als Kavi bezeichneter Eindringling und die Verletzung von Kämpfern werden genannt. Die Bedeutung dieser Bezeichnung bleibt auch durch die spätere Glosse unsicher.

Untergehende Richtungen und persönliche Zuordnungen

J.7.17 Die Richtung, deren drei Tierkreiszeichen die Sonne gerade durchläuft, gilt als untergegangen; die übrigen drei als aufgegangen. Die nordöstlichen Vokale gehören zum Osten, die südöstlichen zum Süden, die südwestlichen zum Westen, die nordwestlichen zum Norden. Alle dort angeordneten Mondhäuser, Vokale, Buchstaben, Zeichen und Tithis gelten während dieses dreimonatigen Sonnenabschnitts als untergegangen.

J.7.18 Ein untergegangenes Mondhaus bedeutet Krankheit, ein Buchstabe Verlust, ein Vokal Kummer, ein Zeichen Hindernis und eine Tithi Furcht; beim Untergang aller fünf wird Tod behauptet. Reisen, Krieg, Streit und die Anlage von Türen an Tempeln oder Wohnhäusern sowie andere günstige Vorhaben sollen nicht auf eine untergegangene Richtung ausgerichtet werden.

J.7.19 Wessen Namensanfang in einer untergegangenen Richtung steht, gilt in allen Unternehmungen als bedrängt und vom Schicksal geschlagen. Wer den Sieg in einer großen Schlacht mit dem viergliedrigen Heer wünscht, soll entsprechend als untergegangen bestimmte Kämpfer meiden. Beim Aufgang dagegen bedeutet das Mondhaus Gedeihen, der Buchstabe Gewinn, der Vokal Wohlbefinden, das Zeichen Sieg und die Tithi Glanz. Der Aufgang aller fünf verheißt die gewünschte Stellung.

J.7.20 Wird der Aszendent zur Fragezeit von unheilvollen Planeten getroffen, fällt die Deutung ungünstig aus, bei günstigen günstig, bei beiden gemischt. Ein ungetroffener Aszendent wird nach seiner natürlichen Beschaffenheit und den Blickverbindungen beurteilt, insbesondere danach, ob er beweglich, fest oder doppelt beschaffen ist.

J.7.21 Sind Buchstabe, Tithi, Vokal, Zeichen und Mondhaus eines Menschen von beiden Seiten unheilvoll getroffen, wird Tod vorausgesagt. Entsprechende doppelte Durchdringungen sollen auch Landstriche, Städte, Dörfer, Festungen, Tempel und Hauptstädte zerstören. Im Schildkrötenkreis werden die Mondhäuser von Kṛttikā an in Dreiergruppen den Körperbereichen zugewiesen; unheilvolle Durchdringungen treffen die jeweils zugeordneten Länder, beginnend mit den Ländern am Nabel.

J.7.22 Durchdringungen von Kṛttikā, Puṣya, Revatī und Punarvasu beziehen sich in dieser Ordnung auf Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras. Öl, Waren, Flüssigkeiten, Getreide sowie Elefanten, Pferde und andere Vierfüßer werden dort teuer, wo ein unheilvoller Planet wirksam ist.

J.7.23 Kommt ein Upagraha mit einer unheilvollen Durchdringung zusammen, sagt die Quelle Tod durch Krankheit oder im Kampf voraus. Vom Mondhaus der Sonne aus gezählt heißen das fünfte Vidyunmukha, das achte Śūla, das vierzehnte Sannipāta, das achtzehnte Ketu, das einundzwanzigste Ulkā, das zweiundzwanzigste Kalpa, das dreiundzwanzigste Vajra und das vierundzwanzigste Nirghāta. Diese acht Upagrahas sollen Aufbruch und Unternehmungen behindern.

J.7.24 Das Geburtsmondhaus, Karma, Ādhāna, Vināśa, Sāmudāyika und Sāṅghātika gelten für alle Menschen. Obwohl hier sechs Bezeichnungen stehen, nennt der Grundvers sie eine Achtergruppe. Für einen König treten Jāti, Deśa und Abhiṣeka hinzu, sodass neun Zuordnungen entstehen. Günstige oder unheilvolle Durchdringungen bestimmen ihre Ergebnisse.

J.7.25 Janma ist das Geburtsmondhaus; Karma das zehnte, Ādhāna das einundzwanzigste, Vināśa das dreiundzwanzigste, Sāmudāyika das achtzehnte und Sāṅghātika das sechzehnte. Die knappe Bestimmung des Jāti-Mondhauses ist beschädigt und verbindet Körper, Königreich, Herkunft und Namen. Deśa wird aus dem Landesnamen bestimmt, Abhiṣeka aus dem Mondhaus der Königssalbung.

J.7.26 Unheilvolle Durchdringung von Janma bedeutet Tod, von Karma Mühsal, von Ādhāna Aufenthalt in der Fremde, von Vināśa Auseinandersetzung zwischen gesellschaftlichen Gruppen, von Sāmudāyika Unglück, von Sāṅghātika Verlust. Bei Jāti wird Untergang der Familie, bei Abhiṣeka Gefangenschaft, bei Deśa Verwüstung des Landes genannt. Günstige Durchdringungen sind günstig zu deuten. Die Verbindung mit Upagrahas wird erneut mit Tod, Furcht, Niederlage und Verwundung verbunden; die abschließende Aufzählung ist teilweise verderbt.

Länder, Waren und Preisdeutung nach dem Brahmayāmala

J.7.27 Nun wird erklärt, was im Brahmayāmala über günstige und ungünstige Planetendurchdringungen im einundachtzigfeldrigen Kreis gelehrt ist. Im Kampf werden eine bis fünf unheilvolle Durchdringungen berücksichtigt. Ihre fünf Gegenstände sind Tithi, Mondhaus, Vokal, Zeichen und Buchstabe. An dem Tag, an dem die betreffende Stelle auch vom Mond getroffen wird, soll ihre Wirkung eintreten.

J.7.28 Für die Preisbestimmung sind stets drei Dinge zu untersuchen: Ort, Zeit und Ware. Der Ort gliedert sich in Land, Region und einzelne Stätte; die Zeit in Jahr, Monat und Tag; die Ware in mineralische Stoffe, Pflanzen und lebende Wesen.

J.7.29 Über Länder herrschen Rāhu, Saturn und Jupiter, über Regionen Ketu, Sonne und Venus, über einzelne Stätten Mond, Mars und Merkur. Jahresherrscher sind Rāhu, Ketu, Saturn und Jupiter. Als Monatsherrscher nennt der Grundvers Mars, Sonne und Venus; der Kommentar ergänzt Merkur. Der Mond herrscht über den Tag.

J.7.30 Mineralische Stoffe werden Saturn, Rāhu und Mars zugeordnet, Lebewesen Merkur, Mond und Jupiter, Pflanzen Ketu, Venus und Sonne. Rāhu, Ketu, Sonne, Jupiter und Mars gelten als männliche Planeten, Venus und Mond als weibliche, Saturn und Merkur als geschlechtsneutral. Weiß gehört Venus und Mond, Rot Mars und Sonne, Gelb Merkur und Jupiter, Schwarz Rāhu, Ketu und Saturn.

J.7.31 Unter den zuständigen Planeten soll derjenige als maßgeblicher Herrscher gelten, der rückläufig aufgeht beziehungsweise beim Aufgang die größere Stärke besitzt. Im eigenen Haus wird ihm volle Kraft zugeschrieben. Für vorhergehende und folgende Stellungen wird die Stärke proportional bestimmt. Bei Erhöhung ist sie voll, im Fall halb; Zwischenwerte werden durch Verhältnisrechnung gewonnen.

J.7.32 Bei der Durchdringung eines Landes und der übrigen Gegenstände ist zu beachten, ob die wirkenden Planeten eigene, freundliche, neutrale oder feindliche Beziehungen besitzen. Ein günstiger Planet gibt entsprechend vier, drei, zwei oder ein Viertel günstiger Wirkung. Ein unheilvoller gibt in derselben Ordnung ein, zwei, drei oder vier Viertel ungünstiger Wirkung.

J.7.33 Ein mit vollem Blick treffender Planet gibt nach dem hier erhaltenen Vers ein Viertel seiner Wirkung; sonst richtet sich das Ergebnis nach dem Blick. Auch die in den zwölf Zeichen von Widder an angeordneten Buchstaben und Vokale werden durch die Planetenblicke getroffen. Die Namensvokale und Namensbuchstaben des jeweiligen Kreises sowie die Tithi-Durchdringung sind entsprechend zu berücksichtigen.

J.7.34 Günstige und ungünstige Planeten geben in der hellen Monatshälfte ihre volle bestimmte Wirkung, in der dunklen die Hälfte. Diese Lesung folgt dem erläuternden Kommentar; der Grundvers ist an der entsprechenden Stelle beschädigt. Beim planetarischen Teilzeichen ist ein voller Blick anzusetzen. Ohne Blickverbindung bewirkt eine Durchdringung weder Günstiges noch Ungünstiges.

J.7.35 Für die fünf durchdrungenen Gegenstände werden Wirkungspunkte, Viṃśopakas, berechnet. Der Grundvers nennt fünf für einen günstigen und vier für einen unheilvollen Planeten; der Kommentar bezieht dies auf jedes Viertel der Blickstärke. Nach der Stärke von Ort, Durchdringung und Blick werden die Punkte angesetzt und günstige gegen ungünstige verrechnet.

J.7.36 Ein Punkt entspricht bei der Preisdeutung einem Zwanzigstel des gegenwärtigen Warenpreises. Nach der verbleibenden günstigen oder ungünstigen Punktzahl wird der Preis vermindert oder erhöht. Starke unheilvolle Durchdringungen sollen Landeszerstörung, Bedrängnis der Bevölkerung, Tod, Tötung von Lebewesen und Hungersnot anzeigen.

J.7.37 Wenn Bäume außerhalb ihrer Zeit blühen und Früchte tragen oder Wesen Fleisch ihrer eigenen Art essen, gilt dies als Zeichen schrecklicher Hungersnot und eines feindlichen Einfalls. Eine Umkehr der Jahreszeiten, Erdbeben, Staubfall und Blutregen werden ebenfalls als Vorzeichen genannt. Auch in einem sonst glücklichen Land soll eine unheilvolle Durchdringung Anlass zur Furcht geben.

J.7.38 Wie eine Lampe das Innere eines Hauses von allen Seiten beleuchtet, so soll der Sarvatobhadra-Kreis Erkenntnis erhellen.

Erläuterung zur Anlage und zu den Durchdringungen

J.7.39 Nun folgen Erklärung, Verfahren und Zeichenregeln. Zehn Linien von Osten nach Westen und zehn von Norden nach Süden bilden einundachtzig Felder. In den Eckfeldern werden die Vokale in vier Umläufen eingetragen: Nordosten, Südosten, Südwesten, Nordwesten. In der äußersten Reihe stehen die achtundzwanzig Mondhäuser zu je sieben, darunter die zwanzig Buchstaben, darunter die zwölf Zeichen. Die fünf verbleibenden Felder nehmen die Tithi-Gruppen auf.

J.7.40 Für den Nordosten werden a, u, ḷ, o genannt, für den Südosten ā, ī, ḹ, au, für den Südwesten i, ṛ, e, aṃ, für den Nordwesten ī, ṝ, ai, aḥ. In dieser Überlieferung steht ī zweimal; die fehlende eindeutige Vokalordnung wird nicht stillschweigend verbessert.

J.7.41 Im Osten stehen zunächst die sieben Mondhäuser von Kṛttikā an, dann a–va–ka–ha–ḍa, dann Stier, Zwillinge und Krebs, darunter Nandā. Im Süden folgen die sieben Mondhäuser von Maghā an, ma–ṭa–pa–va–ta, Löwe, Jungfrau und Waage sowie Bhadrā. Die folgende Westbeschreibung ist verkürzt. Nandā wird mit Sonne und Mars, Bhadrā mit Mond und Merkur, Jayā mit Jupiter, Riktā mit Venus und Pūrṇā mit Saturn verbunden.

J.7.42 Die Angaben über Erhöhung und Fall dienen der Bestimmung der Planetenstärke. Da jede günstige oder ungünstige Deutung von den Planeten abhängt, werden Saturn, Sonne, Rāhu, Ketu und Mars nochmals als unheilvoll bezeichnet, Merkur, Jupiter und Venus als günstig. Merkur wird durch unheilvolle Verbindung ungünstig, ebenso der geschwächte Mond.

J.7.43 Die astrologische Regel nennt den Mond von der Mitte des achten Tages der dunklen Monatshälfte bis zur Mitte des achten Tages der hellen Monatshälfte geschwächt, außerhalb dieses Zeitraums voll. Im Kreis entstehen vom besetzten Mondhaus aus drei Durchdringungen nach links, geradeaus und rechts. „Durchlaufen“ meint das vorhergehende, „noch zu durchlaufen“ das folgende, „besetzt“ das gegenwärtige Mondhaus; dort sollen bei ungünstiger Stellung keine Unternehmungen begonnen werden.

J.7.44 Bei Rückläufigkeit der fünf Planeten von Mars an ist der rechte Blick zu deuten, bei schneller Bewegung der linke, bei natürlicher mittlerer Bewegung der geradeaus gerichtete. Die Bewegung wird aus der Stellung zur Sonne bestimmt. Planeten im gleichen Zeichen wie die Sonne gehen bei bestimmten Gradabständen unter. Nach dem Jyotiṣtattva gelten sie nach dem Übergang ins folgende Zeichen wieder als aufgegangen.

J.7.45 Steht die Sonne im zweiten Zeichen vom Planeten, bewegt dieser sich schnell; beim dritten natürlich, beim vierten und fünften langsam, beim siebten und achten stark rückläufig. Für das neunte und zehnte erklärt der Kommentar ausdrücklich eine ungekrümmte natürliche Bewegung, abweichend vom Grundvers. Beim elften und zwölften ist sie wieder schnell. Diese Unterscheidung gilt nur für die fünf Planeten von Mars an.

J.7.46 Rāhu, Ketu, Mond und Sonne behalten ihre jeweilige Bewegungsart und haben deshalb stets alle drei Blickrichtungen. Rückläufige unheilvolle Planeten werden besonders unheilvoll, rückläufige günstige besonders günstig. Der Kommentar nennt günstige Planeten bei natürlicher Bewegung, im eigenen Zeichen oder bei Rückläufigkeit sehr günstig. Anschließend bezeichnet er bei schneller Bewegung sogar günstige und unheilvolle Planeten als günstig; auch diese Abweichung vom Grundvers bleibt erhalten.

J.7.47 Bei den vier Buchstaben Ka, Pa, Bha und Da gelten die schon genannten Dreiergruppen als mitgetroffen. Die Erklärung zu Ka setzt einmal abweichend Gha als Ausgangsbuchstaben. Bei Ārdrā nennt sie ka–gha–ṅa–cha, bei Hasta pa–ṣa–ṇa–ṭha, bei Pūrvāṣāḍhā bha–dha–pha–ḍa und bei Uttarabhādrapada da–tha–dha–ña. Die wechselnden Lesungen erlauben keine widerspruchsfreie Rekonstruktion dieser letzten Gruppe.

J.7.48 Von den im Grundvers paarweise verbundenen Buchstaben gilt jeweils der zweite als getroffen, sobald der erste günstig oder ungünstig getroffen wird. Dasselbe gilt für Anusvāra und Visarga. Die Eckpaare der Mondhäuser sind Bharaṇī–Kṛttikā, Aśleṣā–Maghā, Viśākhā–Anurādhā und Śravaṇā–Dhaniṣṭhā. Steht ein Planet im letzten Viertel des ersten oder im ersten Viertel des zweiten, werden die vier zugehörigen Vokale und die Pūrṇā-Gruppe getroffen: fünfter und zehnter Mondtag, Vollmond und Neumond.

J.7.49 Eine unheilvolle Durchdringung bedeutet Unruhe, zwei Furcht, drei Verlust, vier Krankheit, fünf Tod. Beim Mondhaus heißt Verwirrung genauer Verlust klarer Unterscheidung. Für den Kampf gilt bei einem getroffenen Namensbuchstaben und den übrigen Merkmalen durch einen unheilvollen Planeten Furcht, durch zwei Vermögensverlust, durch drei Niederlage, durch vier Tod.

J.7.50 Zur Planetenwirkung erklärt der Kommentar Saturn als Śani; bei Mars ist die Herkunftsbezeichnung beschädigt. Ein geschwächter Mond bringt ungünstige, ein voller günstige Wirkung. Die Ortsstärke ist bei günstigen und unheilvollen Planeten gleich; ihre Ergebnisse sind verschieden. Volle Stärke eines unheilvollen Planeten bedeutet ein schlechtes, volle Stärke eines günstigen ein sehr gutes Ergebnis.

J.7.51 Eine unheilvoll getroffene Tithi, ein Zeichen, ein Neuntelzeichen oder ein Mondhaus soll für günstige Handlungen gemieden werden. Eine unter solcher Stellung angelegte Königsfestung erleidet eine Bresche und Zusammenbruch. Der unklare Ausdruck Kavi wird durch die ebenfalls unsichere Bezeichnung Ḍākārī erläutert; von dessen Eindringen und der Verletzung von Kämpfern ist die Rede. Auch der Anfangsbuchstabe eines Truppenteils, eines Menschen oder einer Festung wird in die Deutung einbezogen.

J.7.52 Befindet sich die Sonne in einer der drei einer Richtung zugeordneten Tierkreisstellungen, gilt diese Richtung als untergegangen; die anderen bleiben aufgegangen. Die vier nordöstlichen Vokale a, u, ḷ, o werden dem Osten zugeordnet und gehen mit ihm unter. Entsprechend verfährt man in den übrigen Richtungen. Mondhäuser, Buchstaben, Zeichen, Tithis und Wochentage dieser Richtung sind betroffen.

J.7.53 Die zuvor genannten Folgen gelten auch hier. Günstige Vorhaben wie Reisen, aber auch ungünstige Handlungen wie Tötungsriten sollen nicht gegen eine untergegangene Richtung ausgeführt werden. Wessen Namensanfang dort liegt, gilt als vom Schicksal geschlagen. „Erlangung einer Stellung“ bezeichnet das Erreichen des Gewünschten.

J.7.54 Ein zur Fragezeit ungünstig getroffener Aszendent bedeutet Ungünstiges, ein günstig getroffener Günstiges, ein gemischt getroffener gemischte Wirkung. Ist er in diesem Kreis ungetroffen, werden seine bewegliche, feste oder doppelte Natur und die auf die Eckhäuser gerichteten Planetenblicke beurteilt. Ein unheilvoller, nicht dem eigenen Bereich zugehöriger Planet zeigt Misslingen, ein günstiger Gelingen, ein gemischter gemischtes Ergebnis.

J.7.55 Nach der Dīpikā heißen die Zeichen von Widder an der Reihe nach beweglich, fest und doppelt beschaffen; diese Dreierfolge wiederholt sich. Bei beidseitiger unheilvoller Durchdringung der fünf Merkmale gelten die genannten zerstörerischen Folgen. Maṇḍala bedeutet hier Land, Nagara den Aufenthaltsort des Königs, Durga eine Festung, Devālaya einen Tempel und Pura eine mit dem Königsnamen bezeichnete Hauptstadt.

J.7.56 Im Schildkrötenkreis werden die siebenundzwanzig Mondhäuser in neun Dreiergruppen den Körperteilen zugeordnet. Die erste Gruppe von Kṛttikā an betrifft die Länder im Nabelbereich. Ist ein Mondhaus sowohl dort als auch im Sarvatobhadra-Kreis unheilvoll getroffen, wird schwere Verwüstung vorhergesagt; bei Durchdringung in nur einem Kreis geringere Bedrängnis.

J.7.57 Kṛttikā betrifft Brahmanen, Puṣya Kṣatriyas, Revatī Vaiśyas, Punarvasu Śūdras. Günstige, ungünstige und gemischte Durchdringungen haben jeweils entsprechende Folgen. Nach einer anderen, Varāha zugeschriebenen Ordnung gehören die drei Pūrvā-Mondhäuser und Kṛttikā zu Brahmanen, die drei Uttarā-Mondhäuser und Puṣya zu Königen, Revatī, Anurādhā, Maghā und Rohiṇī zu Ackerbauern, Punarvasu, Hasta, Abhijit und Aśvinī zu Händlern.

J.7.58 Mūla, Ārdrā, Svāti und Śatabhiṣā werden in dieser anderen Ordnung als heftig bezeichneten Gruppen zugewiesen. Für Dienende nennt der Vers mondbezogene Bezeichnungen, die in der erhaltenen Form nicht eindeutig auseinanderzuhalten sind, dazu Citrā und Dhaniṣṭhā. Aśleṣā, Viśākhā, Śravaṇā und Bharaṇī werden Caṇḍālas zugeordnet. Diese Einteilungen geben die soziale Ordnung der Quelle wieder.

J.7.59 „Zu wiegende Dinge“ bedeutet durch Gewicht bestimmte Waren; Bhāṇḍa wird als Kostbarkeit erklärt, Rasa als Ghee, Öl und andere Flüssigkeiten, Dhānya als Getreide. Die Deutung berücksichtigt Verteuerung und Verbilligung; günstige Durchdringung verheißt reichliche Versorgung. Die acht Upagrahas werden wie zuvor bestimmt.

J.7.60 Die sechs persönlichen Mondhäuser gelten für jedermann. Das Landesmondhaus wird im Hundertfelderkreis aus dem Anfangsbuchstaben des Landesnamens bestimmt, das Salbungsmondhaus aus dem tatsächlichen Mondhaus der Königssalbung. Den genannten ungünstigen Folgen werden bei günstigen Durchdringungen günstige gegenübergestellt. Die Wirkung soll an dem Tag eintreten, an dem der Mond die bereits getroffene Tithi oder eines der übrigen vier Merkmale ebenfalls trifft.

Erläuterung der Stärke- und Preisrechnung

J.7.61 Ware bedeutet einen zum Verkauf bestimmten Gegenstand. Mineralische Stoffe reichen von Gold bis Erde, Pflanzen von Bäumen bis Sträuchern, Lebewesen von Menschen bis Insekten. Länder gehören Rāhu, Saturn und Jupiter, Regionen Ketu, Sonne und Venus, einzelne Orte Mond, Mars und Merkur. Für Jahre gelten Rāhu, Ketu, Saturn und Jupiter, für Monate Sonne, Mars, Merkur und Venus, für Tage der Mond.

J.7.62 Saturn, Rāhu und Mars herrschen über Mineralisches, Merkur, Mond und Jupiter über Lebewesen, Sonne, Ketu und Venus über Pflanzen. Rāhu, Ketu, Sonne, Jupiter und Mars gelten als männlich, Venus und Mond als weiblich, Saturn und Merkur als neutral.

J.7.63 „Im eigenen Haus“ bedeutet im eigenen Tierkreiszeichen, etwa die Sonne im Löwen. Rückläufigkeit heißt Rückkehr in schon durchlaufene Grade. Volle Stärke im eigenen und die Stärke in vorhergehenden und folgenden Häusern werden durch Verhältnisrechnung bestimmt. Zwischen Erhöhung und Fall wird proportional gerechnet: Von der Erhöhung aus vermindert sich die Stärke je Grad um zehn Vikalās, vom Fall aus wächst sie ebenso. Ein Zeichen umfasst dreißig Grad.

J.7.64 Bei Ländern und anderen Gegenständen sind die Beziehungen der zuständigen Herrscher zu prüfen. Für die Sonne als Regionsherrscher sind Mond, Mars und Jupiter Freunde und wirken günstig, Merkur ist neutral, Saturn und Venus sind Feinde und wirken entgegengesetzt. Entsprechend verfährt man mit den anderen Planeten.

J.7.65 Bei eigener, freundlicher, neutraler und feindlicher Durchdringung gibt ein günstiger Planet volle, Dreiviertel-, halbe und Viertelwirkung. Ein unheilvoller Planet gibt umgekehrt ein Viertel, die Hälfte, drei Viertel und die volle ungünstige Wirkung.

J.7.66 Die Blickregel wird hier ausdrücklich umgekehrt erläutert: Bei vollem Blick ein Viertel Wirkung, bei Viertelblick volle Wirkung, bei halbem Blick drei Viertel, bei Dreiviertelblick die Hälfte. Ein Ausdruck für die Viertelwirkung ist beschädigt. Diese Regel steht neben den späteren proportionalen Punktregeln und wird nicht mit ihnen vereinheitlicht.

J.7.67 In den zwölf Zeichen stehen die aus Buchstaben und den fünf Vokalen a, i, u, e, o gebildeten Zuordnungen. Planetenblicke auf Zeichen und Teilzeichen wirken auch auf deren Buchstaben und Vokale. Bei einem getroffenen Neuntelzeichen werden dessen zugeordnete Laute ebenfalls getroffen; die Wirkung hängt vom Planetenblick auf dieses Zeichen ab.

J.7.68 Die im eigenen Lautkreis bestimmten Namenslaute sind gemeint: Bei einem mit Ka beginnenden Namen ist Ka der Buchstabe und a der Vokal. Ihre unheilvolle Durchdringung und die entsprechende Tithi-Durchdringung gelten als bedrängend. Auch beim Buchstaben und Zeichen einer Tithi wird die Wirkung nach den Vierteln der Blickstärke bestimmt.

J.7.69 In der hellen Monatshälfte gibt ein Planet die gesamte nach seinem Blick berechnete Wirkung, in der dunklen die Hälfte. Beim Teilzeichen des Planeten ist der volle Blick zu berücksichtigen; ohne Blickverbindung entsteht keine günstige oder ungünstige Wirkung.

J.7.70 Für Buchstabe, Vokal, Mondhaus, Zeichen und Tithi gibt ein günstiger Planet je Viertelblick fünf Viṃśopakas, ein unheilvoller vier. Die Richtungszuordnung wird erneut aufgeführt, nun mit abweichenden Buchstaben: zu Stier und den folgenden zwei Zeichen a–va–da–ha–ḍa und die sieben Mondhäuser von Kṛttikā an; zu Löwe und den folgenden zwei ma–ṭa–pa–ba–bhā und die sieben von Maghā an; zu Skorpion und den folgenden zwei ṇa–ṣa–bha–ja–sva und die sieben von Anurādhā an; zu Wassermann und den folgenden zwei ga–śa–da–ca–la und die sieben von Dhaniṣṭhā an. Die beschädigten beziehungsweise widersprechenden Lautfolgen bleiben als solche erkennbar.

J.7.71 Je Viertelblick werden also fünf günstige oder vier ungünstige Punkte angesetzt. Nach Blickstärke am betroffenen Ort und im Kreis werden die Punkte berechnet. Günstige und ungünstige Summen stehen zunächst getrennt; die kleinere wird von der größeren abgezogen. Der verbleibende günstige oder ungünstige Rest bestimmt die Deutung.

J.7.72 Die folgende Tabelle nennt im zweiten oder zehnten Haus fünf, im neunten oder fünften zehn, im vierten oder achten fünfzehn und im siebten zwanzig günstige Punkte. Der anschließende astrologische Merkvers nennt dagegen für den Viertelblick das dritte und zehnte Haus. Für das vierte und achte steht dort erneut „zwei Viertel“, obwohl die zuvor genannten fünfzehn Punkte drei Vierteln entsprechen. Diese Widersprüche werden nicht verdeckt. Bei unheilvollen Planeten ergeben sich vier Punkte je Viertel und sechzehn bei vollem Blick.

J.7.73 Die günstigen und ungünstigen Punkte werden jeweils zusammengerechnet, auf die betreffenden Stellen bezogen und gegeneinander abgezogen. Überwiegt die günstige Summe, folgt günstige, andernfalls ungünstige Wirkung.

J.7.74 Bei Getreide und anderen Verkaufswaren wird der gegenwärtige Preis zugrunde gelegt. Name, Mondhaus, Vokal, Buchstabe, Tithi und Zeichen werden nach dem genannten Verfahren bis zur gegenseitigen Verrechnung bestimmt. Bleibt ein günstiger Punkt, sinkt der Preis um ein Zwanzigstel, bei zwei um zwei Zwanzigstel und entsprechend weiter. Ein unheilvoller Rest erhöht ihn um die entsprechende Zahl von Zwanzigsteln. Die sprachlich beschädigte Zwischenformulierung wird aus diesem ausdrücklich beschriebenen Gegensatz verstanden.

J.7.75 Ausschließlich günstige Durchdringung verheißt besonders Günstiges, ausschließlich unheilvolle besonders Ungünstiges. Bei gemischter Wirkung werden die Punkte nach den Blickstärken berechnet. Überwiegt die unheilvolle Wirkung auf ein Land stark, werden Verwüstung, Bedrängnis der Bewohner, Untergang des Königs und Hungersnot vorhergesagt. Sind Schildkrötenkreis und Sarvatobhadra zugleich unheilvoll betroffen, wird die Vorhersage verstärkt.

J.7.76 Als Vorzeichen nennt die Erklärung das Blühen oder Fruchten zur falschen Jahreszeit und das Essen von Fleisch der eigenen Art, ausdrücklich auch Menschenfleisch durch Menschen. Dies soll eine furchtbare Hungersnot und einen feindlichen Einfall anzeigen, selbst bei guter Königsherrschaft. Unzeitiger Nebel, Hitze in der kalten Zeit oder Kälte im Sommer gelten als Umkehr der Jahreszeiten und als weitere Hungerzeichen.

J.7.77 Lange Erdbeben, Staubregen und Blutregen sollen durch unheilvolle Durchdringung selbst ein sonst glückliches Land treffen. Wie das Licht einer Lampe die Gegenstände im Haus sichtbar macht, soll der Sarvatobhadra-Kreis Wissen über alle Gegenstände eröffnen. Damit endet seine Erläuterung.

Der Hundertfelderkreis

J.7.78 Nun wird der Hundertfelderkreis erklärt, der Mondhäuser, ihre Viertel und Buchstaben verbindet. Aus dem Anfangsbuchstaben eines Namens sollen Mondhaus, Tierkreiszeichen und Teilzeichen erkannt werden. Elf waagerechte und elf senkrechte Linien bilden hundert Felder. Von der nordöstlichen Ecke an werden die Grundbuchstaben in Gruppen von fünf angeordnet. Jeder wird mit fünf Vokalen verbunden und so verfünffacht.

J.7.79 An den Stellen von Ku, Pu, Bhu und Du werden je drei weitere Buchstaben eingefügt. In der nordöstlichen Säule bei Ārdrā steht ku–gha–ṅa–cha, im Südosten bei Hasta pu–ṣa–ṇa–ṭha, im Südwesten bei Pūrvāṣāḍhā bhu–dha–pha–ḍha und im Nordwesten bei Uttarabhādrapada ha–tha–jha–ña. Der Grundvers und seine Erklärung besitzen dabei einzelne abweichende Lesungen.

J.7.80 Je vier Buchstaben bilden ein Mondhaus. Mit Abhijit ergeben sich achtundzwanzig Mondhäuser und einhundertzwölf Viertel. Steht ein günstiger oder unheilvoller Planet im zugeordneten Mondhausviertel, ist die Durchdringung entsprechend günstig oder ungünstig, bei beiden gemischt. Ohne Durchdringung wird keine entsprechende Wirkung bestimmt. Alle Regeln über Planeten und Upagrahas aus dem Sarvatobhadra-Kreis gelten auch hier.

J.7.81 Die Erklärung nennt elf Linien in jeder der beiden Richtungen. In die ersten fünf Felder der Ostreihe kommen a–va–ka–ha–ḍa. Für die übrigen Seiten stehen hier ma–ṭa–pa–ra–ta, la–ya–bha–ja–sva und ga–śa–da–ca–la. Auch diese Reihen stimmen nicht durchgehend mit den vorherigen überein. Untereinander werden die fünf Vokalformen a, i, u, e, o geschrieben, etwa va, vi, vu, ve, vo.

J.7.82 Die drei zusätzlichen Buchstaben bei Ku, Pu, Bhu und Du ergänzen die vier Eckgruppen. Die vollständige Zuordnung der einhundertzwölf Viertel zu den achtundzwanzig Mondhäusern lautet in der erhaltenen Fassung wie folgt. Die Lautzeichen sind technische Tabellenwerte, keine Rezitationsformeln.

Mondhaus Vier Lautwerte der Vorlage
Kṛttikā a · i · u · e
Rohiṇī o · va · vī · vu
Mṛgaśiras ve · vo · ka · ki
Ārdrā ku · gha · ṅa · cha
Punarvasu ke · ko · ha · hi
Puṣya hu · he · ho · ḍa
Aśleṣā ḍi · ḍu · ḍe · ḍo
Maghā ma · mi · mu · me
Pūrvaphalgunī mo · ṭa · ṭi · ṭu
Uttaraphalgunī ṭe · ṭo · pa · pi
Hasta pu · ṣa · ṇa · ṭha
Citrā pe · po · va · vi
Svāti Die zusammengezogene Lesung „vyavevota“ ist nicht eindeutig in vier Werte aufzulösen.
Viśākhā ti · tu · te · to
Anurādhā la · li · lu · le
Jyeṣṭhā no · yā · ye · yu
Mūla ye · yo · bha · bhi
Pūrvāṣāḍhā bhu · dha · pha · ḍha
Uttarāṣāḍhā bhe · bho · ja · ji
Abhijit ju · je · jo · tha
Śravaṇā khi · khu · khe · kho
Dhaniṣṭhā ga · gi · ge · go
Śatabhiṣā śo · śa · śi · śu
Pūrvabhādrapada śe · śo · da · di
Uttarabhādrapada ha · kha · jha · ña
Revatī de · do · ca · ci
Aśvinī cu · ce · co · la
Bharaṇī li · lu · la · lo

J.7.83 Vom Mondhaus des Planeten aus wird quer durch den Kreis geprüft, ob der Namensanfang eines Menschen getroffen wird. Günstige Durchdringung ergibt Günstiges, ungünstige Ungünstiges, gemischte beides; ohne Durchdringung ergibt sich daraus nichts. Die Sarvatobhadra-Regeln werden übernommen. Als Beispiel ordnet die Quelle den Namen Rāmatoṣaṇa Citrā, dessen drittem Viertel und der Waage zu. Die dabei nochmals zitierte Lautreihe weicht von der Tabelle ab; das Beispiel lässt sich aus deren erhaltenem Wortlaut nicht widerspruchsfrei herleiten.

J.7.84 Bei einer Frage sieht der Deuter den Fragenden an und verneigt sich vor Sarasvatī: „Oṃ. Ich verehre Bhāratī, die in Gestalt der Laute erscheint, ihren Verehrern liebevoll zugewandt ist und durch den Mund des Fragenden ausspricht, welche Dinge sein Geist bedenkt.“ Danach wiederholt er im Geist hundertmal das Vāgbhava oder seinen eigenen erwählten Mantra und fragt: „Weshalb bist du hierhergekommen? Sage es.“

J.7.85 Aus dem Anfangsbuchstaben der ersten Antwort bestimmt er Aszendent und Neuntelzeichen. Nach Planetendurchdringung und Planetenblick soll er dann angeben, ob die Frage Mineralisches, Pflanzen oder Lebewesen betrifft, ferner Farbe, Gestalt und günstigen oder ungünstigen Ausgang.

Der Prastāra-Kreis

J.7.86 Dreizehn senkrechte und zehn waagerechte Linien ergeben einhundertacht Felder. In die erste und achte Spalte kommen neun Buchstaben der Ka-Gruppe, in die zweite und siebte die Ca-Gruppe, in die dritte und sechste die Ṭa-Gruppe, in die vierte die Gruppen von Ya und Śa, in die fünfte die Vokalgruppe. In die neunte und zwölfte kommt die Ta-Gruppe, in die beiden verbleibenden die Pa-Gruppe.

J.7.87 Je vier Buchstaben bilden die Mondhäuser von Aśvinī an. Die Buchstaben werden zugleich als Neuntelzeichen in den zwölf Zeichen von Widder an angeordnet. Über die zwölf Spalten schreibt man Mars, Venus, Merkur, Mond, Sonne, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Saturn und Jupiter.

J.7.88 Aus dem Feldbuchstaben wird der für den Augenblick bestimmte Mond ermittelt. Von ihm sollen Gewinn und Nichtgewinn, Sieg und Niederlage abhängen. Die gewünschte Zahl von Nāḍīs wird mit siebenundzwanzig multipliziert und durch sechzig geteilt. Quotient und Rest werden mit dem vom Mond seit Aśvinī durchlaufenen Stand verbunden, um diesen augenblicklichen Mond zu bestimmen.

J.7.89 Steht dieser Mond bei einem Buchstaben im Feld eines unheilvollen Planeten, gilt die Zeit für Unternehmungen als ungünstig, im günstigen Feld als günstig. So lautet die Bestimmung des Mondes im Prastāra-Kreis.

J.7.90 Die festen Zahlen der zwölf Tierkreiszeichen lauten: 4, 3, 7, 12, 7, 9, 3, 5, 12, 7, 12, 24. Die festen Teilzahlen für die Monate und die weiteren Zuordnungen lauten: 3, 7, 4, 5, 7, 5, 3, 4, 8, 5, 6, 5.

J.7.91 Die Teilzahl wird mit der Teilzahl multipliziert, dann wird die feste Zahl hinzugefügt. Danach wird mit dem eigenen Faktor multipliziert und durch die Grundzahl geteilt. Die Grundzahlen für Mond, Mars, Venus, Jupiter, Merkur, Sonne und Saturn sind der Reihe nach 60, 5, 12, 2, 3, 2 und 12. Die einzelnen Faktoren werden hier nicht so vollständig erläutert, dass sich daraus ohne Ergänzung ein eindeutiges Rechenverfahren herstellen ließe.

J.7.92 Die Gruppen von Ya und Śa geben ihr Ergebnis innerhalb einer Nāḍī beziehungsweise eines kurzen Tagesabschnitts, die Vokalgruppe innerhalb eines Tages, Ka innerhalb einer Monatshälfte, Ca innerhalb eines Monats, Ṭa innerhalb einer Jahreszeit, Ta innerhalb eines Halbjahres und Pa innerhalb eines Jahres. Bei Fragen, Heirat, Kampf oder Verletzung, Geburt und weiteren Begegnungen gilt die Mondwirkung als besonders maßgeblich. Damit endet der Prastāra-Kreis.

Erläuterung des Prastāra-Kreises

J.7.93 In zwölf Spalten stehen jeweils neun Felder übereinander. Die erste Spalte ist Widder, die achte Skorpion. Dort werden ka, kha, ga, gha, ṅa, ka, kha, ga, gha eingetragen. Stier und Waage erhalten entsprechend die Ca-Gruppe, Zwillinge und Jungfrau die Ṭa-Gruppe, Krebs die Gruppen von Ya und Śa.

J.7.94 Löwe erhält die neun Vokalwerte a, i, u, e, ai, o, au, aṃ, aḥ. Schütze und Fische erhalten die Ta-Gruppe, Steinbock und Wassermann die Pa-Gruppe. Je vier aufeinanderfolgende Buchstaben bilden die siebenundzwanzig Mondhäuser von Aśvinī an. Je neun Viertel beziehungsweise Neuntelabschnitte bilden eines der zwölf Tierkreiszeichen.

J.7.95 Über den Spalten werden die genannten Planeten eingetragen. Der augenblickliche Mond ist innerhalb eines der siebenundzwanzig Mondhäuser und innerhalb des entsprechenden Viertelfeldes zu bestimmen. Die gewünschte Zahl von Daṇḍas wird mit siebenundzwanzig multipliziert und durch sechzig geteilt. Der Quotient gibt durchlaufene Mondhäuser, der Rest den durchlaufenen Anteil des gegenwärtigen.

J.7.96 Beim Rest bis fünfzehn gilt das erste Viertel, darüber bis dreißig das zweite, bis fünfundvierzig das dritte, bis sechzig das vierte. Der Quotient wird zur Zahl der bereits vom Mond durchlaufenen Mondhäuser hinzugefügt. Übersteigt die Summe siebenundzwanzig, wird siebenundzwanzig abgezogen. So wird der augenblickliche Mond eingetragen.

J.7.97 Das Verfahren wird nochmals erläutert: Die auf das Mondhaus bezogenen gewünschten Zeitteile werden mit siebenundzwanzig multipliziert und durch sechzig geteilt. Quotient und Rest bezeichnen durchlaufene Mondhäuser und den gerade durchlaufenen Teil. Nach Addition des tatsächlichen Mondhausstandes und gegebenenfalls Abzug von siebenundzwanzig bleibt die einzutragende Stellung.

J.7.98 Als Durchlaufzeit eines Mondhauses nennt die Erklärung etwas mehr als zwei Daṇḍas und dreizehn Palas. Abweichungen ergeben sich bei einem von sechzig abweichenden zugrunde gelegten Zeitmaß. Die Zeit- und Restbezeichnungen wechseln in der Vorlage; die Übersetzung vereinheitlicht sie nicht zu einer astronomischen Berechnung.

J.7.99 Steht der so bestimmte Mond im Zeichenbuchstaben eines unheilvollen Planeten, gilt dies für alle Handlungen als ungünstig; im Zeichen oder Mondhaus eines günstigen Planeten als günstig. Damit ist die Mondbestimmung im Prastāra-Kreis erklärt.

J.7.100 Wann das vorhergesagte Ergebnis eintreten soll, erklären die Lautgruppen. Ya und Śa wirken noch innerhalb des Tages. Für das Überschreiten eines Viertels durch den Mond werden dreiunddreißig Palas genannt. Die Zeit bis zur Vollendung soll aus der Zahl der noch zu durchlaufenden Viertel berechnet und in Daṇḍas ausgedrückt werden. Am Ende des Zeichens nennt die Quelle fünf Daṇḍas weniger drei Palas. Diese Angabe wird neben der vorherigen Viertelzeit bewahrt.

J.7.101 Die Vokalgruppe gibt das Ergebnis an einem Tag, die Ka-Gruppe in einer Monatshälfte, die Ca-Gruppe in einem Monat, die Ṭa-Gruppe in einer Jahreszeit, die Ta-Gruppe in sechs Monaten und die Pa-Gruppe in einem Jahr. Bei Fragen, Heirat und anderen Handlungen soll Günstiges und Ungünstiges anhand dieses augenblicklichen Mondes erwogen werden. Die Quelle bezeichnet dies als in den Schriften verborgenes Verfahren. Damit endet erneut die Erläuterung des Prastāra-Kreises.

Abschluss des Erkenntnisbuches

J.7.102 Gepriesen sei Prāṇakṛṣṇa, von allen geehrt, ein Zufluchtsgeber, dessen guter Ruf sich durch verdienstvolle Taten und Freigebigkeit ausbreitet: ausgezeichnet, besonders verdienstvoll, durch dieses Schriftwerk mit neuem Ruhm geschmückt, einer, der die Not begabter Menschen vertreibt und das Land Gauḍa bereichert.

J.7.103 Möge dieses Werk, dessen Zweige durch Śrī Rāmatoṣaṇas Schrift erwachsen sind und dessen geöffnete Blüten die Himmelsrichtungen mit Duft erfüllen, Freude im Herzen Śrī Prāṇakṛṣṇas ausbreiten. Sein Gehalt ist durch Lauterkeit zu erreichen und erschließt sich dem besonders beharrlich Tätigen.

J.7.104 Damit ist in der ehrwürdigen Prāṇatoṣiṇī, verfasst von Śrī Rāmatoṣaṇa Vidyālaṅkāra Bhaṭṭācārya mit Zustimmung Śrī Prāṇakṛṣṇa Viśvāsas, das sechste Buch, das Jñānakāṇḍa, abgeschlossen. Der Schluss nennt es „mit fünf Blütenbüscheln versehen“, während die Inhaltsübersicht sieben Lehrabschnitte unterscheidet. Diese Abweichung gehört zum erhaltenen Textbestand.


Anregung zur Betrachtung

Erfahrung und Erkenntnis unterscheiden

Nach einer vertrauten Meditation kann man sich fragen: Welche Empfindungen kamen und gingen, und wie habe ich sie wahrgenommen? Die Frage braucht keine schnelle philosophische Antwort. Sie lädt zu einer ruhigen Beobachtung ein und hält das Interesse an ungewöhnlichen Erfahrungen mit der Frage nach dem erkennenden Selbst zusammen. Diese heutige Leseanregung verlangt keine Steigerung von Atemanhalten, körperlicher Anstrengung oder Sinnesreizen.

Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung

Grundlage ist der bereitgestellte elektronische Sanskrittext M00061 der Prāṇatoṣiṇī des Muktabodha Indological Research Institute in IAST und Devanagari, nach der Ausgabe von Jīvānanda Vidyāsāgara, Kalkutta 1898. Quellen- und Lizenzhinweise: Muktabodha Digital Library, CC BY-NC 4.0. Historische Einordnung und Literatur stehen unter Pranatosini Tantra.

Die Kennzeichnungen J.V und J. sind redaktionelle Leseabschnitte. Die Vorlage enthält überwiegend keine durchgehende Verszählung. Ihr Wechsel zwischen Zitaten, Erläuterungen und Kolophonen bleibt erhalten. Verweisartig verkürzte Mantras werden nicht ergänzt. Die Grenzen des vierten und fünften Lehrabschnitts ergeben sich aus der Inhaltsübersicht und dem Themenwechsel; eigene Schlusskolophone fehlen dort. Beschädigte Lesarten werden örtlich gekennzeichnet; eine bekannte Parallelfassung ersetzt nicht stillschweigend den überlieferten Wortlaut. Das Jñānakāṇḍa liegt damit bis zu seinem Schlusskolophon vollständig vor.

Siehe auch

Seminare

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