Pranatosini Tantra Teil 5

Aus Yogawiki

Pranatosini Tantra Teil 5 eröffnet die deutsche Übersetzung des Bhaktikāṇḍa, des fünften Buches der Prāṇatoṣiṇī. Hingabe zeigt sich hier als sorgfältige, innerlich getragene Verehrung: Guru, Mantra, Gottheitsbetrachtung und konkrete Darbringungen gehören zusammen. Der Auftakt gilt Gaṇeśa, danach wendet sich das Buch Śiva, Viṣṇu und den Gestalten der Göttin zu. Die Übersetzung umfasst den gesamten vorhandenen Bestand dieses Buches, von der Inhaltsübersicht bis zum siebten Lehrabschnitt. Die Lücke vor dem überlieferten fünften Abschnitt bleibt offen.

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Śiva und die mit ihm verbundenen Gottheitsgestalten prägen mehrere Lehrstücke des Bhaktikāṇḍa.

Die Gaṇeśa-Lehre verbindet äußere Puja mit innerer Meditation. In der Reinigung der Elemente wird der gewöhnliche Körper als Lichtgestalt neu vergegenwärtigt; die Gaṇapati-Upaniṣad erkennt in der verehrten Gottheit das eine Brahman. Damit eröffnet sich ein Zugang zum Yoga, in dem bildhafte Hingabe und die Erkenntnis des Selbst einander durchdringen.

Sanskrit: Pranatosini Tantra Sanskrit IAST · Pranatosini Tantra Sanskrit Devanagari Teil 3

Deutsche Übersetzung des Pranatosini Tantra: Bhaktikāṇḍa

Bhaktikāṇḍa: Einleitung und Inhaltsübersicht

B.V.1 „Nachdem Rāmatoṣaṇa sich vor den Lotosfüßen seiner erwählten Gottheit verneigt hat, die die Frucht der vier Lebensziele gewährt, entfaltet er nun das fünfte Buch, das Bhaktikāṇḍa. Jetzt wird dessen Inhaltsübersicht erklärt.“ Die folgende Übersicht kündigt sieben Lehrabschnitte an; sie ist von dem tatsächlich erhaltenen Textbestand zu unterscheiden.

B.V.2 Der erste Abschnitt behandelt Gaṇeśas morgendliche Handlungen, Bad und die weiteren Vorbereitungen, die besondere Sättigungsgabe und ihre Frucht, die Missbilligung von Handlungen ohne Gaṇeśas Elementreinigung und Buchstabeneinsetzung, den sechsfachen Glieder-Nyāsa, die Ausführung des Mātṛkā-Nyāsa, weitere Einsetzungen, Betrachtung und Herstellung des Yantras.

B.V.3 Es folgen Sitzverehrung, Herbeirufung und Verehrungsfolge, Gaṇeśas acht Duftstoffe und Blumen, verschiedene Räucher- und Lichtgaben, Umkreisverehrung, Puraścaraṇa und wunscherfüllende Anwendungen. Danach werden die Sādhana von Mahālakṣmī und weiteren Mächten, Gaṇeśas Mantra und ein tragbares Yantra, Anziehung und andere Werke sowie eine weitere Betrachtung angekündigt.

B.V.4 Die Übersicht nennt außerdem die nach Handlung wechselnden Farben, drei Bījas Gaṇeśas, weitere Betrachtungen, Mudrās und ein weiteres Puraścaraṇa, die Betrachtung der Śaktis von Tīvrā an, den Sitzmantra, Verehrung und Umkreis, den achtarmigen Gaṇapati, die Maus, die Entstehung Haridrāgaṇapatis, die Gaṇeśa-Upaniṣad, Hymnus, Schutztext und die Entfaltung des Buchstaben-Lambodara. Weitere Gegenstände sollen die Gelehrten an ihren jeweiligen Stellen erkennen. Damit ist der erste Abschnitt angekündigt.

B.V.5 Der zweite behandelt Bāṇaliṅgas, ihre Arten, Kennzeichen und Prüfung, die Herleitung des Namens Bāṇa, ihren Lobpreis, die Früchte ihrer Verehrung und Aufstellung sowie die des Quecksilber-Liṅgas. Es folgen ungeeignete und günstige Liṅgas, der Ursprung der Bāṇaliṅgas, ihre Fundorte und verschiedenen Formen, Betrachtung, Verehrung und Hymnus sowie die Kennzeichen der Raudra-Liṅgas und anderer Arten.

B.V.6 Weiter nennt die Übersicht die Verehrungsfrüchte von Stein-, Ton- und anderen Liṅgas, die Weihe metallener und anderer Formen, die Verehrung des mit Śakti verbundenen Liṅgas und die jeweiligen Maße. Es folgen Tonarten entsprechend der historischen Standeseinteilung, die Früchte größerer Steinformen, die Fünffaden-Regel und die Herleitung des Wortes Liṅga.

B.V.7 Größe und Verehrungsfrucht des Liṅgas, Bedeutung und Herstellung des Quecksilber-Liṅgas, Ursprung des Liṅgas und die Berechtigung von Vaiṣṇavas und anderen zur Liṅga-Verehrung werden angekündigt. Die Vorlage wiederholt einen Teil dieser Zeile. Es folgen die Missbilligung der Unterlassung, die Verehrungsordnung, die Aufstellungsfrucht und wunscherfüllende Verehrungen. Damit ist der zweite Abschnitt angekündigt.

B.V.8 Der dritte beginnt mit geeignetem Ton von Pilgerstätten und anderen Orten zur Śiva-Gestaltung, der Bestimmung kleiner Flüsse, der Liṅga-Herstellung, den Mantras für das Holen des Tons und der Missbilligung ihrer Unkenntnis. Es folgen Herstellungsmantra, Maß, Einsetzung, Nyāsa, Prāṇāyāma, Betrachtung, Herbeirufung, der sechssilbige Mantra, Verehrung, die acht Gestalten, Rezitation und deren Übergabe, Mundklänge, Verneigung und Verabschiedung.

B.V.9 Anschließend nennt die Übersicht Kurzordnung, Platz des Verehrenden, Fehler durch zu wenig oder zu viel, den Vorrang der Liṅga-Verehrung vor allen anderen, Blumengaben und ihre Bedeutung, die Größe des Vijayā-Blatts und wunscherfüllende Liṅga-Verehrung. Tägliche Verehrung, die Frucht dargebrachter Gaben, Besänftigung unheilvoller Zeichen und die Frucht einer an einem einzigen Tag vollzogenen Liṅga-Verehrung folgen; eine Verbindung ist beschädigt.

B.V.10 Weiter werden die alle Wünsche erfüllende Verehrung, nicht anzunehmende Liṅga-Gaben und der Grund dafür, die Essbarkeit in einem Gefäß dargebrachter Speise, das Unrecht der Aneignung von Śivas Eigentum und dessen Sühne angekündigt. Gaben an Bāṇaliṅga und selbstentstandene Formen werden zugelassen; die Entscheidung über Opferreste gilt auch für von Sehern eingesetzte Formen. Es folgen Pāśupata-Waffe, Liṅga-Hymnus, Śivas Schutztext, Bedeutung des Bilva-Baums und der Rudrākṣas sowie der Saṃvit-Abschnitt. Damit ist der dritte Abschnitt angekündigt.

B.V.11 Der vierte behandelt Ursprung der Śālagrāma-Steine und ihrer Radzeichen, den besonderen Wert eines ohne Bemühung erlangten Viṣṇu-Steins, günstige Eigenschaften wie Glätte sowie Mängel und deren Bedeutung bei wunscherfüllender Verehrung. Es folgen Verehrungsfrucht, zwölf Radzeichen, Früchte verschiedener Radzahlen, Bestimmung der Steine, die Frucht ihrer Gegenwart und ihre Arten.

B.V.12 Die Übersicht kündigt ferner Radmerkmale nach historischer Standeszugehörigkeit, Berührungs- und Verehrungsverbote für Kṣatriyas und andere, die Missbilligung von Essen ohne Śālagrāma-Verehrung und das Verbot zweier Radsteine oder zweier Liṅgas im Haus an. Es folgen die Verehrungsfrüchte von zwölf und weiteren Radzeichen, eine als Fehlerfreiheit beim Verkauf des Radsteins formulierte Angabe, die Frucht seiner Verehrung, die Verbindung von Gaṇḍakī- und Dvārakā-Steinen sowie Viṣṇus Verehrung im Śālagrāma. Damit ist der vierte Abschnitt angekündigt.

B.V.13 Der fünfte behandelt Kennzeichen und Größe des Dvārakā-Radsteins, günstige und ungünstige Farben, Mängel sowie Namen nach Stein- und Radarten. Es folgen Erneuerungs- und Wiederherstellungsriten im Zusammenhang mit Śālagrāma-Verehrung, der Ṣaṭpadī-Hymnus, Verneigung und Gebet, Trinken und Auflegen des Fußwassers auf den Kopf sowie die Missbilligung des bloßen Auflegens ohne Trinken. Eine weitere Angabe betrifft Wasser von Brahmanenfüßen und ist verkürzt.

B.V.14 Weiter werden Speisedarbringungsmantra, Kurzordnung, Mantras der sechzehn Darbringungen, wunscherfüllende Anwendungen, Größe von Viṣṇus Namen und sein Hundertnamenhymnus genannt. Viṣṇu-Verehrung in Holzgefäßen und ähnlichen wird als ungünstig, in Gold- und anderen Gefäßen als besonders fruchtbar bezeichnet. Es folgen Puruṣasūkta, drei Bäder, Einreibung, günstige und ungünstige Muschelhörner, der dreifüßige Untersatz, Tulasīs Größe, Tragen von Ketten, Lob des Vaiṣṇava und die Mondtage der zehn Avatāras. Damit ist der fünfte Abschnitt angekündigt.

B.V.15 Der sechste behandelt die Bestimmung und Größe der Mahāvidyās, ihre Bhairavas, die großen Nächte, die Entstehung der Vidyās, Mahākālīs Gestalt und ihre Stellungen. Es folgen Lob des Kālī-Mantras, die Folgen der Herabsetzung Ādyās, zwei Kālī-Mantras, damit verbundene besänftigende und andere Werke, ihre Früchte und die Einsetzung von Seher und weiteren Mantragliedern.

B.V.16 Die tantrischen Handlungen von der Vorbereitung an sollen durch den Guru, dessen Sohn und weitere Berechtigte oder selbst, niemals durch beliebige andere ausgeführt werden. Die Übersicht nennt die Frucht der Ausführung durch den Guru, das Fehlen des Feueropfers bei Ausführung durch die Gurupatnī, die Missbilligung der Ausführung durch einen gewöhnlichen Hauspriester und das Verbot öffentlicher Verehrung. Alternativ wird dort die im Viṣṇutantra beschriebene Form vorgeschrieben.

B.V.17 Es folgen die Missbilligung einer Hinwendung zu anderen als der erwählten Gottheit, drei Verehrungsarten, die Frucht äußerer Verehrung, ausführliche und verkürzte Ordnung, tägliche Verehrung und die Vorbereitung der zwei Mantras. Hundertnamenhymnus, Mahāvidyā-Hymnus, Mahāvidyā- und Kālī-Schutztexte, Lob der Śāktas, Gründe für die Śākta-Zugehörigkeit der Brahmanen und ein Verbot anderer Verehrung im Haus eines Śakti-Verehrers werden angekündigt. Die letzte Beziehung ist grammatisch mehrdeutig. Weitere Punkte stehen an ihren jeweiligen Orten. Damit ist der sechste Abschnitt angekündigt.

B.V.18 Der siebte behandelt die Namen der Kumārī nach dem Alter ab einem Jahr, Abweichungen verschiedener Tantras, Orte und Zeiten ihrer Verehrung, Früchte von Blumen- und Speisegaben, Verehrungsplatz, Mantras, Reihenfolge und Verneigung, Gaben sowie die Frucht des Verheiratens einer Tochter. Eine weitere Heiratsangabe ist beschädigt. Es folgen Mantravorbereitung, praktische Kumārī-Verehrung, Hymnenkönig und Schutztext.

B.V.19 Weiter nennt die Übersicht das Lob der Brahmanen, die Frucht des Lebensunterhalts durch Lehre, die Wirkung eines Brahmanenfluchs und Pilgerreise. Verbotene Monate je nach Reiserichtung, die Bestimmung der Yoginī, Reiseverbote durch Verbindungen von Mondtagen, Yogas und Mondhäusern, Geburtsmonat und weitere Zeiten, Morgenbestimmung, Reise- und Blickrichtungen sowie passende Reisegegenstände werden angekündigt.

B.V.20 Es folgen Bestimmung Gayās und der Pretaśilā, Liṅgas von Gola an, Darbringung eigener Piṇḍas und die dazu im Āgastya überlieferte Frucht, Zeitbestimmung und das Fehlen fester Zeitbeschränkung für bestimmte Ahnenriten. Die Übersicht nennt Verbote fleischloser Viṣuva-Ahnenopfer, rohen Fleisches bei Āma-Śrāddha sowie die Missbilligung fleischloser eigener Nahrung nach einem fleischhaltigen Ahnenopfer.

B.V.21 Die Fleischgabe bei jährlichen Ahnenopfern, der Fehler des Fleischessens nach einem fleischlosen Ahnenopfer und die Missbilligung brahmanischen Essens nach Einladung durch einen Śūdra folgen. Genannt werden geeignetes Fleisch und seine Frucht, ungeeignetes Fleisch, erlaubte und verbotene Fische, Verbote bestimmter Räucherstoffe und reifer Bananen, Sättigungsdauer entsprechend Gefäßen und Speisen sowie Fehler beim Abweichen von einer Einladung. Den Abschluss bildet Kāśīs Größe. Damit ist der siebte Abschnitt angekündigt.

B.V.22 „Dieses Bhaktikāṇḍa entfaltet sich in sieben Abschnitten und trägt sie als Früchte: um ihretwillen übten Götter, Menschen, Kinnaras und andere strenge Askese und ernährten sich von abgefallenen Blättern. Wegen der Eile des Auftraggebers konnte ich dieses unvergleichliche Buch nicht bis ins Letzte durchdenken. Ihr Standhaften, verspottet es deshalb nicht: So schwierig ist die Lage dessen, der dem Auftrag eines anderen untersteht.“ Ein Wort ist beschädigt, der selbstkritische Sinn jedoch erkennbar.

B.V.23 „Schaut immer wieder den einen, wunschlosen, allgegenwärtigen Herrn, der durch die schwer abzuwerfenden Kräfte der Māyā mannigfaltige Gestalten annimmt und dessen Bewusstsein stets von ‚du‘ und ‚ich‘ erfüllt erscheint.“ Die beschädigte Schlusszeile verbindet die Einheit des Herrn mit der Erfahrung von Verschiedenheit.


Bhaktikāṇḍa: Erster Lehrabschnitt – Gaṇeśa

Morgendliche Vorbereitung und Sättigungsgaben

B.1.1 Die im Kommentar zum Kulamūlāvatāra-Kalpasūtra zitierte Gaṇeśavimarśinī des zweiten Buches lehrt: „Zur Brahma-Muhūrta stehe der Praktizierende auf und gedenke seines Gurus auf einem weißen Lotos über dem Kopf: weiß, friedvoll, zweiäugig, mit Händen, die Gaben und Furchtlosigkeit gewähren. Nach angemessener Verneigung gehe er hinaus und erfülle die notwendigen Reinigungen, Mundspülung, Zahnpflege und Gesichtswäsche. Danach bade er.“

B.1.2 Mit Herz- und Stachelstockmantra wird das heilige Wasser aus dem Sonnenkreis herbeigerufen und dem Badewasser verbunden. Darin betrachtet man die Kreise von Mond, Sonne und Feuer, taucht gesammelt unter und wiederholt dreimal innerlich den Wurzelmantra. Nach dem Auftauchen und der Mundreinigung werden die sechs Mantraglieder im Körper eingesetzt.

B.1.3 Mit dem Wurzelmantra und der Krug-Mudrā wird der eigene Körper siebenmal begossen. Besprochenes Wasser wird getrunken; nach Mundreinigung zieht man zwei reine Gewänder an, reinigt den Mund erneut und setzt die sechs Glieder wie zuvor ein. Aus der linken Hand herabtropfendes Wasser dient unter Wurzelmantrarezitation der siebenfachen Besprengung. Das verbleibende, in die rechte Hand genommene Wasser wird besprochen und stehend der Sonne zugeworfen: drei Handvoll Ehrengabe mit der Gāyatrī.

B.1.4 „Nun erkläre ich die vierfach wiederholte Sättigungsgabe, die alles Ersehnte schenkt.“ An einem einsamen, störungsfreien Waldort vergegenwärtigt der gebadete und mit Nyāsa vorbereitete Praktizierende mitten in einem Teich einen blühenden Lotoshain und darin einen großen, hochragenden, frisch erblühten, duftenden Lotos, schön wie die junge Sonne.

B.1.5 Alternativ nimmt man entsprechend den eigenen Mitteln eine weite Schale aus Gold oder einem anderen geeigneten Stoff, auch eine neue Tonschale mit breiter Öffnung, stellt sie auf einen guten Sitz und füllt sie mit reinem Wasser aus Fluss oder Teich. Darin wird der Lotos vorgestellt. Sich selbst als Gaṇanāyaka erkennend, gelangt man über eine silberne Treppe in dessen Mitte und betrachtet Gaṇeśa dort sitzend, mit allem Schmuck, verehrt durch Duft und Blumen.

B.1.6 Die nächste Anweisung verbindet Haupt und Nasenspitze mit einem Nektarstrom; die genaue Blickführung ist beschädigt. Gaṇapati wird auf dem Haupt vergegenwärtigt, sein Leib vom Strom durchdrungen. Das Wasser ist mit Kampfer beziehungsweise Candra, Sandel, Safran und Moschus verbunden. Zuerst wird viermal mit dem Wurzelmantra gesättigt.

B.1.7 Danach folgen die göttlichen Paare, sechs Gaṇeśas und die Schätze Śaṅkha und Padma, jeweils mit ihren eigenen Bījas und Formeln, die auf Svāhā enden. Vor jeder Vierergruppe stehen vier Wiederholungen des Wurzelmantras. Die kleinste Ordnung ergibt nach der Quelle insgesamt hundertacht Darbringungen.

B.1.8 In der mittleren Ordnung beginnt man mit acht Wurzelmantra-Gaben. Die mit Śrī beginnenden Paare bis zu den Schätzen werden einzeln aufgeteilt und jeweils vierfach, mit vorausgehender Wurzelformel, gesättigt. Insgesamt werden zweihundertsechzehn genannt. Die höchste Ordnung beginnt mit zwanzig Wurzelmantra-Gaben, verwendet dann die einzelnen Mantrabuchstaben mit Svāhā jeweils viermal, wiederum mit vier Wurzelwiederholungen, und fügt die Paare wie zuvor hinzu. Ihre Gesamtzahl ist vierhundertvierundvierzig.

B.1.9 Nach der Begießung des Leibes mit nektargleichem Wasser wird die Gottheit erneut mit Duft und weiteren Gaben erfreut. Man erbittet das besonders Ersehnte, verneigt sich und verabschiedet sie. Wer täglich zu Tagesbeginn so sättigt, soll innerhalb einer Maṇḍala-Zeit alles Gewünschte ohne Hindernis erlangen; die Zeitspanne wird hier nicht eigens bemessen.

B.1.10 Auch das dreizehnte Kapitel des Śāradātilaka nennt vierhundertvierundvierzig Sättigungsgaben mit reinem Wasser an die Sonne und Gaṇanāyaka und verheißt noch vor Ablauf einer Maṇḍala-Zeit mehr als das Ersehnte. Ein anschließender, teilweise beschädigter Betrachtungsvers zeigt Gaṇeśa spielend auf dem goldenen Gipfel des Sonnenaufgangsbergs, über goldene Stufen herabkommend, reichlich Gaben von Lotos und anderen Stoffen empfangend und erfreut an seinen Ort zurückkehrend.

B.1.11 Die praktische Sättigungsformel bedeutet: „Mit Gaṃ sättige ich Gaṇeśa.“ Eine anschließende Anmerkung verbindet vierhundert mit vier Stoffen je Mondtag und derselben Anzahl von Feueropfern; der genaue Bezug auf die zuvor genannte Gesamtzahl ist verkürzt. Bei Dürre, großer Furcht, Bedrängnis durch König oder Räuber, großem Kampf, Rechtsstreit, schwerer Armut, Hochzeit und anderen Anliegen wird diese Sättigung auch mit innerlich vorgestellten Gaben vollzogen. „Durch Śrī Gaṇeśas Macht gelingt alles spielend“, verheißt die Quelle.

Die Elementreinigung verbindet Körperbetrachtung, Kuṇḍalinī und Bewusstseinsmeditation.

Die innere Landschaft und Reinigung der Elemente

B.1.12 „Mit ungetrübtem Geist vergegenwärtige man einen Ozean aus Zuckerrohrsaft. Darin liegt eine Koralleninsel wie die junge Sonne, in deren Mitte eine weite goldene Fläche. Darüber steht im Garten der Wunschbäume ein edelsteinbesetzter Boden, von angenehmem Wind umspielt, in Mondlicht und rötlichem Licht leuchtend.“ Eine Zeitangabe des Lichtes ist unsicher.

B.1.13 „In der Mitte befindet sich eine göttliche Halle mit Edelsteinsäulen, mit kräftigem Zinnober bestrichen, lieblich, mit einem Baldachin aus Perlen und Edelsteinen sowie Blumenkränzen, Glocken, Bannern und Fahnen. Darin steht der große Wunschbaum, von Götterscharen verehrt und zugleich von allen sechs Jahreszeiten von Frühling an bedient. Edelsteine, Korallen, Früchte, Blüten und junge Blätter schmücken ihn; er gewährt jede Frucht.“

B.1.14 „An seiner Wurzel steht ein großer, gleichmäßig mit neun Edelsteinen besetzter Löwenthron. Darauf ruht ein Lotos mit leuchtender sechseckiger Mitte, verbunden mit den Schriftlauten.“ Danach beginnt die Elementreinigung.

B.1.15 Die Körperhaltung wird mit der rechten Ferse unterhalb von Geschlechtswurzel und After, aufrechtem Leib, Kopf und Hals, beherrschten Sinnen und Gedanken, Händen im Schoß und Blick auf die Nasenspitze beschrieben. Der Körper wird vom großen Zeh bis zum Scheitel als innerer Raum vorgestellt, von Śakti innen und außen durchdrungen.

B.1.16 Ichbewusstsein, Denken, individuelles Leben und Lebenskräfte werden gesammelt. Nach dem vom Guru gezeigten Weg erhebt der Kundige Kuṇḍalinī-Śakti aus dem Mūlādhāra und vereinigt das eigene Selbst mit ihr. Mit der Waffenformel werden die Knoten gelöst; Haṃsa, Atemanhalten und aufsteigende höchste Freude werden genannt. Die anschließende Handlungsangabe ist beschädigt.

B.1.17 Durch den mittleren Weg der Suṣumṇā wird das individuelle Selbst ohne Ablenkung über den Scheitel zum Śiva im Dvādaśānta geführt. Dort betrachtet man die Prinzipien und ihre Laute als aufgelöst. Am Nabel wird ein rauchfarbenes Bīja mit Bindu vergegenwärtigt, das die Vorlage Feuer-Bīja nennt; Haṃsa und ein mächtiger Wind trocknen den Körper aus.

B.1.18 Nach fünf aufwärtsgerichteten Impulsen wird im sechseckigen Herzenslotos die Flammengirlande des Nārasiṃha-Lautes betrachtet. Eine weitere Wendung über Grundlage, Wert und Makellosigkeit ist beschädigt. Durch die Flamme des Bījas wird der Leib zu Asche verbrannt; der ganze Aschehaufen wird durch den aus dem Feuer-Bīja entstehenden Wind zerstreut.

B.1.19 Danach wird im Bewusstseinsraum eine zwölfsilbige beziehungsweise zwölfgliedrige Größe genannt, ohne sichere Ergänzung. Aus den von Śiva und Śakti ausgehenden Prinzipien entsteht in der Schöpfungsfolge ein lichtgestaltiger Leib. Ein Wasser-Bīja wird in der Mitte des Bewusstseinsmond-Bījas betrachtet. Im daraus hervorgehenden Nektarozean erscheint eine große Blase, darin ein Weltei, darin das All und die Göttin in dessen Herzenslotos.

B.1.20 Mit der Einsicht „Das bin ich“ wird das eigene Bewusstsein aus dem Bewusstseinsraum herangeführt. Durch das Erd-Bīja wird das Selbst als fest gegründet betrachtet. Der Leib wird innen und außen mit Nektar überflutet; Śakti kehrt an ihren eigenen Ort zurück. Nach dieser Elementreinigung folgt erneut Nyāsa.

Buchstabeneinsetzung und weitere Nyāsas

B.1.21 „Rezitation und andere Handlungen mit irgendeinem Mantra bleiben ohne Frucht, wenn die Einsetzung der Schriftlaute fehlt. Deshalb setze man zuerst die Laute ein.“ Eine beschädigte Chiffre verbindet die sechs Konsonantengruppen von Ka an mit den ersten zwölf Vokalen und Visarga zur sechsfachen Gliedereinsetzung.

B.1.22 Die Vokale werden am Haaransatz, im Gesichtskreis, an beiden Augen und Ohren, den Paaren von Nasenöffnungen, Wangen, Lippen und Zahnreihen sowie an Scheitel und Mund eingesetzt. Die fünf Laute jeder Konsonantengruppe folgen an Armen und Beingelenken, dann an Seiten, Rücken, Nabel und Herz. Die Reihe von Ya an wird den Körperbestandteilen, Lebenskräften und Selbstbezügen zugeordnet. Nach Mātṛkā-Nyāsa wird eine weitere Einsetzung angekündigt; eine Einleitungszeile wird im Sanskrit wiederholt. B.1.23 Mit dem Wurzelmantra werden fünf weitere Einsetzungsweisen angekündigt. Eine setzt sechs Bījas nacheinander an Kopf, Mund, Herz, verborgenem Bereich, Füßen und nochmals Herz ein; die übrigen Mantralaute durchdringen den ganzen Leib. Eine weitere nennt Kopf, Stirn, Augen, Mund, Haarknoten und Zunge, danach wieder Mund und ganzen Körper. Die Wiederholungen werden nicht aus der Vorlage entfernt.

B.1.24 Eine dritte Reihe nennt Kopf, Brauenmitte, Ohren, Augenpaar, Nasenöffnungen, Mund, Hände, Füße und vier Gelenkbereiche, dazu einen beschädigten Ausdruck und den Herzenslotos. Die Mantralaute durchdringen wiederum den Leib. Fünf göttliche Paare werden mit ihren jeweiligen Bījas und Namen an Kopf, Mund, Herz, verborgenem Bereich und Füßen eingesetzt. Īśānaśiva und die Kenner der Āgamas erwähnen daneben ein fünftes und sechstes, mit Kamalā verbundenes Paar; die Beziehung zur Fünferliste ist nicht ganz klar.

B.1.25 Die sechs Grundglieder werden mit den sechs Bījas und den überlieferten Abschlussformeln eingesetzt. Bei Schülern verläuft die schöpfende Fingerfolge vom Daumen zum kleinen Finger, bei Hausvätern die erhaltende vom Mittelfinger bis zum Zeigefinger, bei Entsagenden die auflösende vom kleinen Finger zum Daumen. Entsprechend dem Lebensstand werden beide Hände samt Fingerspitzen, Handflächen und Handrücken einbezogen; dann folgen mit den passenden Mudrās Herz und die übrigen Glieder.

B.1.26 Die acht Hindernisherren werden an Kopf, Augen, Zunge, Herz, Nabel, einem nochmals als Kopf überlieferten Ort, Knien und Fußspitzen eingesetzt: Vināyaka, Virūpākṣa, Krūrakarman, Aparājita, Caṇḍavega, Hayagrīva, Karāla und Caṇḍavikrama. Eine weitere Reihe, nun mit Hals- und Schulterbereichen, nennt Vighna, Vināyaka, Vīra, Śūra, Vadana, Gajavaktra, Ekadanta, Lambodara, Kṣipra und Mahāgaṇapa.

B.1.27 Die Mütter von Brahmāṇī an und die Bhairavas von Asitāṅga an, mit dem Śakti-Bīja und den weiteren Formeln, werden an ihren eigenen Orten eingesetzt. Die Ortsliste umfasst Stirn, Arme, Brüste, Seiten, Bauch, rechte Seite, rechten und hinteren Hals sowie Herz. Nach diesen Einsetzungen folgt gesammelt die Betrachtung.

B.1.28 Manche beschreiben den zehnarmigen Vighneśvara, von Siddhilakṣmī an der Seite umarmt, mit Mondsichel, rotem Leib und von Freude erfüllt. Als Gegenstände werden Zitrusfrucht, Keule, Zuckerrohrbogen, Dreizack, Sudarśana-Rad, Muschelhorn, blaue Wasserlilie, Getreideähre, eigener Stoßzahn und eine Edelsteinglocke genannt. Eine weitere Angabe bezieht den Rüssel als elfte Hand ein. Seine Schläfen sind von Brunstsaft geöffnet; er vernichtet alle Hindernisse.

B.1.29 Eine allumfassende Betrachtung deutet seinen Leib kosmisch: Die Erde sind seine Füße, der Raum sein Körper; eine Verbindung von Bauch und Wind ist beschädigt. Sonne, Mond und Feuer sind seine Augen, die zehn Richtungen seine Ohren, die Urnatur sein Haupt, Erkenntnis und Sinne sein Wirken. Ohne Anfang und Ende, göttlich, eine makellose Lichtfülle, ist Gaṇeśa die Gestalt von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit.

B.1.30 Danach folgt die Betrachtung mit bestimmter Gestalt. Mit ungetrübtem Geist schaut man den Zuckerrohrsaftozean und in seiner Mitte den Elefantengesichtigen, dreiäugig, mit einem Stoßzahn, zehn Armen, muschelartig geformtem Hals und großem Bauch. Der rechte Fuß ruht auf einem Lotos, der andere hängt herab; die zweite Fußbezeichnung ist beschädigt. Er gleicht der jungen Sonne, trägt gelbes Gewand und goldenen Schmuck an einem abendrötlichen Haarknoten.

B.1.31 Die Mondsichel schmückt sein Haupt, eine Schlange dient als heilige Schnur, Edelsteinketten leuchten auf seiner weiten Brust. Sein Hüftgürtel trägt Edelsteine, Perlen und Korallen; Glöckchen schmücken das linke Bein. Die erste Waffenreihe ist teilweise beschädigt: Rechts werden Keule, Dreizack und Stoßzahn genannt, links Getreideähre, Schlinge, Rad, Zuckerrohr und Zitrusfrucht. Eine zweite Überlieferung nennt Zitrusfrucht, Keule, Zuckerrohrbogen, Dreizack, Sudarśana, Lotos, Schlinge, Wasserlilie, Reisähre und Stoßzahn.

B.1.32 Auf seiner linken Seite sitzt seine mit allem Schmuck versehene Śakti, mit klingenden Fußreifen und einem Lotos in der Hand; sie umarmt ihn. Er gewährt alle Fülle und Freude. Spielerisch trägt er an der Rüsselspitze einen Edelsteinkrug und lässt ringsum stets Edelsteine auf den Praktizierenden regnen. Mit den bewegten Ohrflächen vertreibt er die nach Brunstsaft verlangenden Bienen. Götter und Dämonen dienen ihm; sein Geist ist von heldenhaften Rufen, Gesängen und Hymnen erfüllt. So betrachtet man Mahāgaṇeśa.

Yantra und Sitzverehrung

B.1.33 Das Yantra wird mit den genannten Duftstoffen gezeichnet; die erste Stoffbezeichnung ist beschädigt, danach folgen Wasser, Moschus, Kampfer, Sandel und Safran. Als Schreibgerät dienen goldene Nadel oder Dūrvā-Halm. Der schön und gleichmäßig gezogene Lotos wird auf einen goldenen Sitz gelegt, ersatzweise auf einen gut gefertigten viereckigen Sitz aus Śrīparṇa-Holz. Zuerst werden links und rechts Guru und Gaṇeśa verehrt; mit ihrer Erlaubnis beginnt die Sitzverehrung.

B.1.34 Nacheinander werden Ādhāraśakti, Ananta, Schildkröte und Erde übereinander verehrt, danach der Löwenthron in den Richtungen. Die tragende Śakti sitzt weiß und mit weißem Schmuck; auf Śivas Geheiß trägt sie die Welten. Die zweiunddreißig Prinzipien von Erde bis Vidyā bilden Ananta als Sitzgestalt, den Ananta-Sitz.

B.1.35 Dharma, Wissen, Loslösung und Macht bilden nach dem Kalpasūtra-Kommentar die vier Thronfüße, vom Südosten an. Ihre Gegensätze stehen in den vier Hauptrichtungen vom Osten an. Dharma erscheint als roter Stier, Wissen als dunkler Löwe, Loslösung in Geistergestalt, Macht weiß und mondgleich. So stehen sie als tragende Herren des Gold- und Edelsteinsitzes.

B.1.36 Auf dem Sitzlotos werden Sattva, Rajas und Tamas, darüber Māyā in pfahlartiger Form und Vidyā als Bedeckung verehrt. Im Inneren liegt der freudvolle Buchstabenlotos. Darüber folgen Sonnenkreis auf den Blättern, Mondkreis in den Staubgefäßen und Feuerkreis in der Mitte. Mit den Bestandteilen von Oṃ und den jeweiligen Namen werden Brahmā, Viṣṇu und Īśvara in den drei Kreisen betrachtet. Selbst und inneres Selbst werden wiederum übereinander verehrt.

B.1.37 Auf den Staubgefäßen und in der Mitte stehen vom Osten an die Sitz-Śaktis: wie frischer Safran, mit Schlinge und Stachelstock, edelsteingeschmückt. Ihre Namen sind Tīvrā, Jvālinī, Nandā, Bhogadā, Kāmavardhinī, Ugrā, Tejovatī, Satyā und Vighnanāśinī. Die letzte ist ausdrücklich die neunte. Der Sitzmantra verbindet „alle Kräfte“ mit dem Lotossitz und der Verneigung. Duft, Blumen und ungebrochene Reiskörner schließen die Sitzverehrung ab; eine folgende Anweisung über drei Einlagen ist beschädigt.

B.1.38 Mit der Einatmung wird der Wurzelmantra innerlich verbunden und das individuelle Bewusstsein in den Herzenslotos erhoben. Dort verehrt man Śrī Gaṇeśa nach der vorigen Ordnung mit sämtlichen Darbringungen. Die erfreute Gottheit wird als eigenes Lichtwesen erkannt. Dieses Licht wird durch einen als Mantra-Stamm bezeichneten Bereich zum weißen Lotos und zum „Bogenort“, wohl einem inneren Stirnbereich, geführt; die Ortsangaben bleiben verkürzt.

B.1.39 Durch die strömende Nadi wird die Gegenwart in die mit Blumen gefüllten Hände und von dort in den verehrten Sitzlotos entlassen. Mit der Gāyatrī wird die Gestalt, darin der Vidyā-Leib und mit dem Bīja das höchste Bewusstsein vergegenwärtigt. Die Formel gilt der Gestalt Mahāgaṇapatis. „Ich rufe Gaṇeśa herbei“ wird mit Wurzelmantra, Vidyā-Leib und höchstem Bewusstsein verbunden. Der Praktizierende folgt dabei sorgfältig der Unterweisung seines Lehrers.

B.1.40 Die Prinzipienlaute werden in der Gestalt, danach alle Nyāsas im Vidyā-Leib eingesetzt. Nach erneuter Betrachtung und Belebung zeigt man fünf Mudrās: Aufstellung, Gegenwart, Festhaltung, Verhüllung und Verwandlung in Nektar. Allwissenheit gehört zum Herzen, Zufriedenheit zu einem als Śiva überlieferten Glied, anfangsloses Erwachen zum Scheitel und unendliche Kraft zur Waffenform. Nach der Unterweisung werden die Glieder mit ihren Abschlussformeln eingesetzt und der Wurzelmantra über den ganzen Leib ausgebreitet.

Darbringungen und Umkreisverehrung

B.1.41 Nach Gaṇeśas Mudrās betrachtet man den vollkommenen Herrn, bietet eine Handvoll Blumen und heißt ihn willkommen. Die sechzehn Darbringungen sind Sitz, Willkommen, Ehrengabe, Fußwasser, Mundwasser, Honigmischung, erneutes Mundwasser, Bad, Gewand, Schmuck, Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speise und Verneigung. Von Fußwasser bis Speise besteht die verkürzte Zehnerordnung, von Duft bis Speise die Fünferordnung. Eine dieser drei Formen soll ausgeführt werden.

B.1.42 Die acht Stoffe der Ehrengabe sind Duft, Blumen, ungebrochene Reiskörner, Gerste, Kuśa-Spitzen, Sesam, Senf und Dūrvā. Fußwasser enthält Śyāmāka, Dūrvā, Lotos und Viṣṇukrāntā; Mundwasser Jātī, Gewürznelke und Kakkola. Die Honigmischung besteht aus Honig, Ghee und Dickmilch; erneutes Mundwasser aus reinem Wasser.

B.1.43 Als acht Duftstoffe werden Sandel, Aloeholz, Kampfer, Safran, Kapi, Rocanā, Jaṭāmāṃsī und Cora genannt; einige Namen sind botanisch nicht sicher. Eine einfache Duftmischung besteht aus Sandel, Aloeholz und Kampfer. Die Blumenliste nennt Oleander, zwei Arten Wasserlilie, Vijayā, Punnāga, Nāga, Campaka, Kunda, Mandāra, Bandhujīva, Hibiskus, eine beschädigte Folge mit Anuśrī und Ramā, Nimba, Kuraṇṭaka, Pāṭala, Aśoka, Madana, Jātī, Kuñjā, Aparājitā und Nandyāvarta sowie weitere in den Āgamas genannte, Gaṇeśa liebe Blumen.

B.1.44 Nicht verwendet werden Knospen, verwelkte, alte, wurmzerfressene, bereits beschnupperte, mit dem Körper berührte oder über Nacht abgestandene Blumen. Guggulu, Aloeholz, Uśīra, Zucker, Ghee, Honig und Sandel auf guter Kohle bilden das Räucherwerk, das niedrig gezeigt wird. Die hoch gezeigte reine, duftende Lampe wird mit Kuh-Ghee oder Sesamöl und einem kampferhaltigen Docht entzündet. Weißer Reis mit Duft, Zucker beziehungsweise einer beschädigten Zusatzangabe und Ghee, dazu Banane, Honig, Milch und weitere Stoffe werden dargebracht.

B.1.45 Der Gottheit wird das Bad angekündigt. Haarpflege, Ölsalbung, Einreibung und warmes Wasser folgen. Fußwasser wird Mahāgaṇapati mit Verneigung an den Füßen, Mundwasser dreimal mit Svadhā am Mund, Ehrengabe mit Svāhā am Kopf und Honigmischung wiederum mit Svadhā gereicht. Erneutes Mundwasser und eine Blume am Haupt mit der Scheitelformel schließen sich an.

B.1.46 Die weitere Badereihe nennt die fünf Kuhprodukte, eine sechste Gabe, deren Bezug unklar ist, Duft-Einreibung, wohlriechende Āmalakī, Duft und Wasser heiliger Orte. Nach göttlicher Salbung wird mit dem Wurzelmantra besprochenes duftendes, rötliches Pilgerstättenwasser zur Begießung verwendet. Spiegelvorzeigen und weitere Glückshandlungen folgen, danach göttliche Gewänder und Kronen. Mit persönlicher Anrede wird jeweils erklärt: „Ich bereite dir dies.“

B.1.47 Wieder folgen die drei Wassergaben, Duft, Reiskörner, Blumen und Räucherwerk mit den jeweiligen Mudrās und den Gliedermantras vom Herzen bis zum Schutzpanzer. Nach innerer Versenkung und Verehrung wird der Mantra entsprechend seiner Buchstabenzahl rezitiert. Nach Ankündigung an die Gottheit werden Glieder und äußerer Umkreis verehrt.

B.1.48 Die Weltenhüter stehen in der viereckigen Umfassung. Zwischen Indra und Īśāna sowie zwischen Nirṛti und Varuṇa werden weitere Einsetzungen genannt; die Zuordnung von Brahmā, Viṣṇu, Śiva und einer Mondangabe ist beschädigt. Die Richtungswächter werden jeweils mit ihrem Herrschaftsbereich, Waffen, Reittier und Gefolge angerufen. Alle Formeln vom Guru bis zu den Weltenhütern beginnen mit Oṃ, enthalten das eigene Bīja und den Namen im Dativ und enden mit Verneigung.

B.1.49 Nach der Umkreisverehrung mit Kunda-Blüten wird die Hauptgottheit erneut mit Wurzelmantra, Duft und weiteren Gaben verehrt. Eine kurze Anrufung mit Siegesklang und Mantramutter ist beschädigt. Glockenklang und die fünf großen Festklänge begleiten die Verehrung. Räucherwerk wird mit der bei „Vanaspatī“ beginnenden Formel und Svāhā, Licht mit der bei „Suprakāśa“ beginnenden Formel und Verneigung gezeigt, jeweils mit eigener Mudrā.

B.1.50 Alle Speise wird zu Nektar verwandelt und Gaṇeśa mit der Bitte um Annahme und Svāhā dargebracht. Mudrā und Wassergabe begleiten die vollständige Übergabe. Danach betrachtet man Gottheit und Gefolge als vollkommen gesättigt.

Puraścaraṇa

B.1.51 Neben der täglichen Ordnung vollzieht der vom Guru eingeweihte, gesammelte Praktizierende das Puraścaraṇa. Als Gesamtzahl werden vierhundertvierundvierzigtausend Wiederholungen genannt. Kopf, Hals, Lippen, Zunge, Blick und Gebetskette sollen ruhig beziehungsweise beherrscht sein. Eine anschließende Angabe über Nase, Gaumen, Zunge und Mundwinkel ist beschädigt. Der Hals ist leicht erhoben, die Augen etwas geschlossen, der Blick auf die Nasenspitze gerichtet; die Zähne sollen einander nicht berühren.

B.1.52 Denken, Lebensatem, Ausrichtung und Hingabe sind ganz auf die Gottheit gerichtet. Rezitiert wird laut, leise oder innerlich. Als Tageszahl nennt die Quelle eine schwierige Verbindung von viertausend mit vierundvierzig, vermutlich 4.044, alternativ eintausendacht. Man lebt von reiner Opferspeise und beherrscht die Sinne. Die anfänglich festgelegte tägliche Zahl wird bis zur Vollendung beibehalten; Unterschreiten oder Überschreiten wird als Gelübdebruch bezeichnet.

B.1.53 Ein Zehntel gilt den Sättigungsgaben. Nach Vollendung der Rezitation wird ebenfalls ein Zehntel als Feueropfer dargebracht, hingebungsvoll mit den zuvor beschriebenen Begleithandlungen. Brahmanen werden entsprechend Werk und Zahl gespeist, sodass alle Glieder erfüllt sind; die nähere Zahlenbeziehung ist verkürzt. Dem Guru gibt man nach den eigenen Mitteln eine Gabe.

B.1.54 Nachdem man die Gnade des Gurus empfangen hat, folgt täglich die vierfach wiederholte Ordnung oder eine Ausführung nach den eigenen Kräften. Verehrung und Feueropfer werden sorgfältig und ohne Geiz fortgeführt. Wer so Vighneśvara dient, soll noch innerhalb eines Jahres ohne Hindernisse große Fülle erlangen. Wo eine Feuerhandlung vorgesehen ist, geschieht sie vor Bali im ordnungsgemäß geweihten Feuer. Die Schlussanweisung über Sitz, Mantra und dreifache Sättigung ist beschädigt. „Geeignete“ Ausführende erklärt der Kommentar als Menschen, die der jeweiligen Mantrapraxis ergeben sind. Besondere Anwendungen

B.1.55 Nach erlangter Mantravollendung werden wunscherfüllende Anwendungen in Kürze angekündigt. Wer Gaṇeśa im eigenen Herzenslotos ständig weiß wie Kunda und Mond und mit weißem Schmuck betrachtet, dessen Mundlotos soll Bhāratī erhellen: schön durch die Erschließung vieler Lehrschriften und göttliches Wissen schenkend.

B.1.56 Eine zinnoberrote Betrachtung mit Schlinge und Stachelstock wird dagegen mit erotischer Anziehung verbunden. Eine weitere, schnee-, Kunda- und mondweiße Gestalt trägt dieselben Gegenstände, Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste sowie leuchtenden Rubinschmuck; ihr Gedenken soll begehrte Frauen gefügig machen. Bei Streit wird Gaṇeśa wie loderndes Feuer im Mund des Gegners betrachtet; innere Rezitation solle dessen Rede lähmen. Diese Anwendungen geben historische Vorstellungen von Einflussnahme wieder.

B.1.57 Im Herzenslotos wird der daumengroße, bergkristallgleiche Gaṇeśa mit dem Nektar des Bewusstseinsraums begossen. Die Quelle verheißt dadurch Freiheit von Krankheit und langes Leben. Eine weiße, zehnarmige, friedvolle Gestalt in weißem Gewand, überströmt vom Nektar des Bewusstseinsmondes, soll dreifaches Gift wie Garuḍa überwinden. Diese religiösen Verheißungen sind keine medizinischen Wirkungsnachweise.

B.1.58 Die Zuordnungen von Feueropferstoffen und Wünschen lauten: Honig für Gold, Milchspeise für Unterwerfung, Ghee und Zucker für Glück und Fülle, Dickmilch für Lebenszeit und Vermögen, Speise für Nahrung, Sesam und Reis für Güter, Salz für Ausbleiben von Regen, Vetasa für Regen, Puffreis und Saflor für glückliche Lebensumstände. Eine zusätzliche Stoffbezeichnung ist beschädigt.

B.1.59 Lotosgaben sollen einen König unterwerfen, große Kairava-Wasserlilien seine Gefährtin. Brennholz von Aśvattha, Uḍumbara, Plakṣa und Banyan wird entsprechend Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras zugeordnet. Teigfiguren von Frauen und Ghee-Opfer werden als Mittel ihrer Unterwerfung beschrieben. Eine weitere Variante verbindet Rezitation, ein Zehntel Feueropfer mit Senf und Salz sowie die dabei entstehende Asche mit erzwungener erotischer Anziehung.

B.1.60 Gelbe Blumen sollen das feindliche Heer samt Ministern, Truppen und Reittieren stillstellen, den Gegensprecher stumm machen und die fünf Gottesurteile unwirksam werden lassen. Vibhītaka-Holz wird zur Vertreibung der Gegner genannt, selbst wenn sie so mächtig wie Meru und Mandara seien; im Dorf, Krieg oder in einer Stadt soll die beschriebene Huldigung mit Feueropfer rasche Vertreibung bewirken.

B.1.61 Ein weiteres Verfahren verbindet Feindnamen auf Nimba-Blättern, Blut von Rind, Pferd und Büffel, Nimba-Öl und zwanzigtausend Darbringungen mit allgemeiner Verhasstheit der Zielperson, selbst wenn diese Kāma gleiche. Eine Tötungsbeschwörung nennt einen acht Fingerbreiten langen menschlichen Knochenpflock, Totenhaar, achttausend Wiederholungen, Kulika-Aufgang und Vergraben vor dem feindlichen Tor; die Quelle behauptet Tod binnen einer Woche. Die beschriebenen magischen Kausalitäten werden nicht als tatsächliche Wirkungen ausgegeben.

B.1.62 Danach wird eine visionäre Ergriffenheit bei einem Jungen oder Mädchen beschrieben. An verborgenem, mit Kuhdung gereinigtem Ort stellt der gebadete und sinnenbeherrschte Lehrer einen neuen Krug auf; die Füllungsangabe ist beschädigt. Darauf kommt eine neue Schale mit Ghee einer Kapilā-Kuh und eine Lampe. Nach hundertacht Wiederholungen sollen die Kinder Vergangenes, Zukünftiges und Gegenwärtiges, Günstiges und Ungünstiges sehen. Gaṇeśa wird betrachtet und nach Ablauf eines Nachtviertels rezitiert; die Kinder sollen dann entsprechende Auskünfte geben.

B.1.63 Für den Wunsch nach einer Gefährtin nennt die Quelle zehntausend Wiederholungen von Gaṇeśas Mantra und ein Zehntel Feueropfer mit roten Aśvamāra-Blüten; ein zusätzliches Pflanzenwort ist unsicher. Dies soll die gewünschte junge Frau verschaffen.

B.1.64 Für Könige wird ein Ritual zum Gewinn von Elefanten beschrieben. In einem elefantenreichen Wald lässt der König eine große Fanggrube und nahebei eine Halle nach den zuvor genannten Merkmalen anlegen. Nördlich des Altars entsteht ein viereckiges Feuerbecken. Auf dem Altar wird Gaṇeśa herbeigerufen und erhält reife Früchte, Wasser und gekochte Speise.

B.1.65 Im geweihten Feuer werden die acht Stoffe, jeweils mit den drei süßen Stoffen verbunden, einzeln geopfert. Die Zahl wird in der Vorlage aus vierzigtausend, viertausend und vierhundertvierundvierzig zusammengesetzt, insgesamt 44.444; die Ausführung wird über fünf Tage genannt. Brahmanen vollziehen begleitende Rezitation. Durch Gaṇeśas Gnade sollen innerhalb von vierzig Tagen goldfarbene, durch Rufe aufgescheuchte Elefanten in die große Grube fallen.

B.1.66 Brahmanen werden täglich mit wohlschmeckenden Speisen versorgt; ihre Segenswünsche sollen den König fördern. Dem Lehrer werden fünfzig Elefanten, ein Zehntel davon oder ihr Verkaufswert als Gabe genannt. Mit den Formeln der göttlichen Paare bis zu den Richtungswächtern wird das Ghee-Opfer vollendet. Nach weiterer Darbringung, Blumen und Rücknahme Gaṇeśas in den eigenen Herzenslotos wird auch das Feuer verabschiedet.

B.1.67 Der König übergibt dem Lehrer sämtliche Opfergeräte mit reinem Herzen, verneigt sich wiederholt und erfreut ihn zusätzlich mit Schmuck und feinen Gewändern. Dies soll die Zahl der Elefanten erhöhen und König, Herrscherstand und Reich gedeihen lassen.

Mahālakṣmī und weitere Vollendungen

B.1.68 An schönem, einsamem, störungsfreiem Ort trägt der Praktizierende weiße Gewänder, Kränze und Salbung, erfüllt die täglichen Pflichten und bereitet das Feuer. Weiße Lotosblüten mit den drei süßen Stoffen, Wasserlilien in einer mehrfachen Fünfergliederung und Bilva-Früchte mit Honig, Ghee und Milch werden genannt. Eine Lakṣa-Zahl ist in den Satz eingebunden, aber nicht eindeutig zugeordnet. Beginn ist morgens am ersten Tag der hellen Hälfte; die Frucht soll unvergängliche große Fülle sein.

B.1.69 Eine weitere Ordnung beginnt ebenfalls am ersten hellen Tag mit Mātṛkā-Nyāsa und besonderer Gaṇeśa-Verehrung am vierten. Mit den vorher genannten süßen Stoffen wird geopfert, bis die als „Lakṣa mit hundertacht“ überlieferte Zahl voll ist. Der Wortlaut lässt die genaue Zusammensetzung offen. Am Ende solle man die eigene Lakṣmī und einen Schatz schauen.

B.1.70 Hunderttausend Wiederholungen, der Sonne zugewandt und mit erhobenen Armen, sollen großes Vermögen bringen. Milch, Ghee und Dūrvā als tägliche Morgengaben oder am eigenen Geburtstag sollen Gesundheit, Überwindung des Todes und langes Leben gewähren. Eine Schutzanwendung an Vollmond zur Brahma-Muhūrta nennt reinen Kuhdung einer Kapilā-Kuh auf einem Lotosblatt, zehntausend Wiederholungen und Vergraben. Dies solle vor Geistern, Räubern und Schlangen schützen.

B.1.71 Tägliche Feuerverehrung Mahāgaṇeśas wird außerdem mit dem Hervortreten von Vetālas, Siddhas und Kulikas aus dem Feuerbecken verbunden. Vollendete Augensalbe, magisches Schwert, Sandalen und ähnliche Kräfte sollen dem Praktizierenden in den drei Welten nicht unerreichbar sein. Die Aussage gehört zur historischen Siddhi-Lehre.

Das tragbare Yantra

B.1.72 Der „König der Yantras“ Gaṇeśas wird auf ebenem, gereinigtem und mit Duft versehenem Boden vorbereitet. Frei von Begierde und Zorn, mit Nyāsa versehen, verehrt man Śaṅkaras Sohn. Als Schreibunterlage erscheint Birkenrinde; weitere Angaben sind beschädigt. Die Farbstoffe umfassen Moschus, Rocanā, Kampfer, Safran, Sandel, einen als Rasa bezeichneten Stoff, Kuhdungsaft und Elefanten-Brunstsaft, in gleichen Anteilen. Geschrieben wird nach Sammlung des Atems mit Griffel, Goldnadel, Jātī-Holz oder Dūrvā.

B.1.73 Genannt werden sechsunddreißig Winkel, ein Acht- und ein Zwölfspeichenbereich, außen die Konsonantengruppen und Gāyatrī-Laute sowie ein großer Erdkreis mit acht Elefanten. Außerhalb folgen Varuṇa- und Schildkrötenkreis; ein Zusatz ist beschädigt. In der Mitte stehen Ha und Kṣa, von Oṃ umgeben, in sechs Winkeln die Glieder und auf den Blättern Lakṣmīs Mantra.

B.1.74 Im Zwölfbereich steht Śakti mit einer Einschränkung bezüglich neutraler Vokale; die Vokalgruppe folgt auf den Kalā-Blättern. Auf dem achtblättrigen Lotos stehen von Osten an die Laute von Ka bis Ma. Eine weitere seitliche Winkelbeschriftung ist nicht sicher lesbar. Dieses Yantra, einst von Śiva zur Besänftigung aller Hindernisse gelehrt, solle nicht beliebig weitergegeben werden.

B.1.75 In drei Metalle gefasst, rituell belebt und durch Mantra zu Nektar gemacht, wird es getragen. Die Quelle verheißt das Verschwinden von Hindernissen, Krankheit und Bedrängnis, Unterwerfung von Königen, Erregung fremder Frauen und Bezwingung von Löwen, Räubern, Schlangen, brünstigen Elefanten, Menschen aller Stände und mächtigen Gegnern schon durch den Anblick. Sanskrit- und Prakrit-Rede sollen sich eröffnen; Mahālakṣmī selbst diene dem Träger mit Schirm, Fächer, Krone, Kranz und Stab. Seine Wirkung sei kaum beschreibbar, nichts bleibe unerreichbar.

B.1.76 Eine Anziehungsanwendung verbindet das mit roten Stoffen und Blut beschriftete Yantra samt Zielnamen, rote Blumen, rotes Sandelholz und eine belebte Wachsfigur. Die Quelle beschreibt drei Tage vorsichtiger Erwärmung und achthundert Mantrawiederholungen. Sie behauptet, selbst eine Tilottamā gleiche Frau werde innerhalb einer Woche lebenslang wie eine Dienerin unterworfen. Diese ausdrücklich vereinnahmende Vorstellung wird als historische Quellenbehauptung erhalten.

B.1.77 Ein gelb auf Stein gezeichnetes, auf Arka-Blätter gesetztes, mit gelben Blumen verehrtes und in gelbes Gewand gehülltes Yantra soll Waffen, Dämonen, ergreifende Mächte, Räuber und Heere stillstellen; eine Verneinung in der Vorlage macht die genaue Reichweite unsicher. Danach beginnt eine beschädigte Feindanwendung mit Blut zweier grundlos Verfeindeter.

B.1.78 Unvermittelt werden Seher Gaṇaka, Versmaß Nivṛt, Gottheit Vighna, G als Bīja und Bindu als Śakti genannt. Die folgende Gaṇeśa-Gāyatrī bedeutet: „Wir wollen den Einen-Hauer-Tragenden erkennen; über den mit dem gekrümmten Rüssel meditieren wir. Möge Vighna uns erleuchten.“ Diese Mantraangaben unterbrechen die vorherige Anwendung im erhaltenen Text.

B.1.79 Die anschließende Beschriftung mit Verbrennungsplatzkohle, Krähenfeder, Zielname und Handlungsbezeichnung wird auf einer Scheiterhaufen-Unterlage beschrieben. Ein am Banner eines einzelnen Liṅgas angebrachtes Yantra soll Vertreibung und allgemeine Verfeindung bewirken. Eine weitere Tötungsbeschwörung nennt Verbrennungsplatztuch, einen Griffel aus Menschenknochen oder Giftbaum, Kohle, Zorn und Vergraben; die Quelle behauptet Tod in einer Woche. Herausnehmen und Waschen mit Milch scheinen zur Rücknahme zu gehören, doch ist der Satz beschädigt.

Weitere Gaṇeśa-Gestalten

B.1.80 Eine alle Ziele erfüllende Betrachtung zeigt den achtzehnarmigen Gaṇeśa wie eine frische Gewitterwolke oder dunkle Augenschminke, mächtig wie Meru und Mandara, mit furchtbarem Mund, ungewöhnlichen Augen und donnerndem Klang. Er trägt rotes Gewand, Schlangen als heilige Schnur, Edelsteine, Krone und Schmuck und sitzt auf einem Lotos, von allen Göttern gegrüßt.

B.1.81 Die teilweise beschädigte Gegenstandsliste nennt Speer, Axt, Wurfspeer und Drohgeste, Stoßzahn, Lotos, Keule beziehungsweise einen unsicheren Verbindungslaut, Schlinge, Stachelstock, Zuckerrohrbogen, Blumenpfeile, Reisähre, mit Konfekt gefüllte Schale, Wassergefäß, Gebetskette sowie Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste. Mit dem Rüssel trägt er einen Krug. So wird er zur Besänftigung aller Bedrängnisse betrachtet.

B.1.82 Die Farbe richtet sich nach dem Ziel: rot bei Unterwerfung und Anziehung, gelb bei Stillstellung, rauchfarben bei Verfeindung und Vertreibung, schwarz bei Tötung eines Gegners, goldfarben für Vermögen, weiß für Wissen. So solle die jeweilige Handlung vollendet werden.

B.1.83 Das dreizehnte Kapitel des Śāradātilaka verschlüsselt Gaṇapatis Bīja als den fünften Schlusslaut, also G, mit dem Mond. „Mond“ wird einerseits als Bindu, andererseits als Visarga erklärt; die Chiffre diene der Geheimhaltung. Nach Rāghavabhaṭṭa werden beide Formen im Uttara-Gārgya gelehrt und besitzen dieselbe Verehrungsordnung. Manche fügen Au hinzu, gestützt auf eine Chiffre des Prayogasāra. Mit den sechs langen Vokalen werden die sechs Glieder gebildet.

B.1.84 „Verehrt Gaṇapati, zinnoberfarben, dreiäugig und großbäuchig, mit Stoßzahn, Schlinge, Stachelstock und Gabengeste in den lotosgleichen Händen. Der große Rüssel mit der Zitrusfrucht macht ihn anmutig. Die Mondsichel erhellt sein Haupt, er hat das Antlitz eines großen Elefanten; eine Beschreibung der feuchten Wangen ist mit der Zitrusfrucht verbunden und möglicherweise gestört. Schlangenherrscher bilden seinen Schmuck, Gewand und Salbung sind rot.“

B.1.85 Rāghavabhaṭṭa nennt nach der Betrachtung mehrere Gaṇeśa-Mudrās: eine vor dem Mund herabhängende Hand mit gebeugten Fingern, wobei der Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger steht und der Mittelfinger nach unten reicht; alternativ eine entsprechende Faust mit lang ausgestrecktem, abwärts gerichtetem Mittelfinger. Eine weitere Form bringt die Handwurzel der vorn gebeugten Hand an die Nase. Diese Mudrā gilt allgemein für Gaṇapati-Mantras.

B.1.86 Das Śāradātilaka schreibt vierhunderttausend Wiederholungen und ein Zehntel Feueropfer vor. Die acht Stoffe sind Konfekt, gepresstes Getreide, Puffreis, geröstetes Mehl, Zuckerrohrstücke, Kokos, reiner Sesam und reife Bananen. Rāghavabhaṭṭa verlangt die gesonderte Darbringung jedes Stoffes; eine Zusatzangabe zum Zerkleinern ist nicht ganz klar. Manche lehren dagegen eine Mischung aller acht.

B.1.87 Der Verfasser weist die pauschale Mischung zurück: Sie lasse die Menge jeder Darbringung unklar, widerspreche dem getrennten Vollzug des Grundtextes und mache die Mischung zu einem neuen, nicht ausdrücklich vorgeschriebenen Stoff. Bhadrācārya wird dafür angeführt, dass eine gemischte Gabe nicht ohne entsprechende Vorschrift an die Stelle einzeln genannter Stoffe treten könne.

B.1.88 Dies verbietet jedoch nicht die Verbindung mit den drei süßen Stoffen, weil dafür eine ausdrückliche Regel besteht: „Jeder Opferstoff ist mit den drei süßen Stoffen versehen.“ Die Mischung wird mit zulässigen Ghee-Verbindungen bei anderen Opfergaben verglichen. Die Gaṇeśavimarśinī bestätigt: Die acht Stoffe, mit den drei süßen benetzt, werden einzeln geopfert. „Rein“ bedeutet, Abfall zu entfernen und die Stoffe durch Waschen zu reinigen. B.1.89 Das Śāradātilaka nennt den mit neun Śaktis versehenen Sitz: Tīvrā, Jvālinī, Nandā, Bhogadā, Kāmarūpiṇī, Ugrā, Tejovatī, Satyā und Vighnanāśinī. Nach Rāghavabhaṭṭa erscheinen sie wie frischer Safran, edelsteingeschmückt, mit Schlinge, Stachelstock und gefalteten Händen. Der Sitzmantra gilt dem Lotossitz aller ursprünglichen Kräfte und endet mit der Herzformel. Darauf wird mit dem Wurzelmantra die Gestalt vergegenwärtigt und Vighneśa verehrt.

B.1.90 Zuerst werden in den vier Richtungen der Mitte die vorgesehenen Mächte, dann in den Staubgefäßen die Gliedergottheiten verehrt. Auf den Blättern stehen Vakratuṇḍa, Ekadaṃṣṭra, Mahādeva, Gajānana, Lambodara, Vikaṭa, Vighnarāja und Dhūmravarṇa. Rāghavabhaṭṭa erklärt, dass ihre Formeln Gaṇapatis Bīja verwenden. An den Blattspitzen folgen Brāhmī und die übrigen Mütter, danach die Weltenhüter und ihre Waffen.

B.1.91 Nach der Mantravollendung werden die Anwendungen des Kalpa genannt. Kokos-Feueropfer am vierten Mondtag soll Glück und Fülle gewähren. Vom ersten bis zum vierten Tag der hellen Hälfte folgen nacheinander Kokos, geröstetes Mehl, Puffreis und Sesam, jeweils vierhundert Darbringungen; die behauptete Wirkung ist Unterwerfung aller Wesen.

B.1.92 Prayogasāra und Nārāyaṇīya ergänzen für Unterwerfung die innere Vorstellung, die Zielperson mit Schlinge und Stachelstock heranzuholen und über ihr stehend zu rezitieren. Dies solle selbst starken Zorn stillen. Reis mit Sesam wird für Fülle und Unterwerfung genannt, wiederum vierhundert Darbringungen vom ersten bis zum vierten Tag.

B.1.93 Puffreis mit den drei süßen Stoffen wird vom ersten bis zum siebten Tag in jeweils vierhundert Darbringungen für eine gewünschte Gefährtin geopfert. Nach dem Kommentar kann eine Frau entsprechend den gewünschten Gatten erhalten. Ghee-benetzte Opferspeise soll das Ersehnte verwirklichen. Mit Dickmilch vermischter Puffreis wird für Zuneigung und Unterwerfung genannt; der Kommentar bestimmt den Zeitraum vom ersten bis zum vierten Tag.

B.1.94 Eine Figur Vighneśvaras aus weißer Arka-Wurzel, rotem Sandelholz, von einem Elefanten gebrochenem Nimba-Holz oder Elefantenstoßzahn wird bei Mondfinsternis verehrt. Fastend berührt man sie und rezitiert vom Beginn der Verfinsterung bis zur Freigabe. Im Haarknoten getragen soll sie Sieg in Kampf und Rechtsstreit sowie Wohlstand bringen.

B.1.95 Eine besprochene Mischung aus Rocanā und Elefanten-Brunstsaft als Stirnzeichen soll Menschen gefügig machen. Eine weitere Anwendung setzt den Zielnamen zwischen zwei Bījas auf frische Butter, verbindet dies mit Belebungsmantra, hundertacht Wurzelwiederholungen und nächtlichem Verzehr während sieben Tagen. Eine Angabe mit Eisen ist beschädigt. Der Kommentar erklärt, dass „vorwärts und rückwärts“ hier nur die Umrahmung des Namens durch die beiden Bījas meint. Die Quelle behauptet Unterwerfung der Zielperson.

Achtarmiger Gaṇeśa und die Maus

B.1.96 Im ersten Brāhmaṇa-Kapitel des Gāyatrītantra wird Śivas Sohn mit sechzehn Darbringungen und den großen Mantras der Kräfte von Aṇimā an verehrt. Er erscheint zinnoberfarben, mit Yoga-Gurt, großem Bauch und großem Leib, elefantengesichtig, achtarmig und dreiäugig, mit den Vollendungsmächten versehen. Eine für Befreiung bestimmte, mit Vijayā verbundene Liṅga-Angabe ist nicht eindeutig zu deuten.

B.1.97 Seine Verehrungsformel nennt Oṃ, Aṃ, Gaṇapati im Dativ und Svāhā. Obwohl acht Machtmantras angekündigt werden, sind hier nur sechs ausgeschrieben: Aṇimā, Prāpti, Mahimā, Īśitā, Vaśitā und Kāmāvasāyitā. Sie bedeuten Kleinwerden, Erlangen, Großwerden, Herrschaft, Verfügungsmacht und Verwirklichung des Begehrens. Die Formeln verbinden die jeweiligen Bījas A beziehungsweise Praṃ, Maṃ, Īṃ, Vaṃ und Kaṃ mit Verneigung und Svāhā. Die fehlenden zwei werden nicht ergänzt.

B.1.98 Nach ordnungsgemäßer Verehrung werden die Wünsche vorgetragen und verschiedene süße Früchte, Milchspeise, schönes Gebäck, Dickmilch, Milch, Ghee, duftende Blumen und Salben dargebracht. Auch die Maus erhält vielfältige süße Früchte und weitere Gaben. Ihr Mantra nennt Oṃ, Maṃ, die Maus, das Reittier des Herrn der Scharen und Dharmarāja, abgeschlossen mit Svāhā. So wird sie stets verehrt.

Haridrā-Gaṇeśas Ursprung

B.1.99 Im zehnten Kapitel des Nāradapañcarātra fragt Nārada: „Du hast mir die Entstehung des Buchstaben-Lambodara erklärt. Sage nun, wie die anderen Gestalten des Herrn der Scharen entstanden.“ Brahmā antwortet: „Einst zerrieb Pārvatī vorzüglichen Kurkuma und schuf daraus eine kleine Gestalt. Sie sagte zu Śaṅkara: Behüte diesen Sohn! Auf die Bitte seiner Geliebten ließ Śambhu ihn heranwachsen und sprach voller Liebe über die Reinigung des Körpers: Hochbeglückter, übe Askese; dann wirst du Vollendung erlangen.“

B.1.100 „Nachdem der Sohn die Worte seines Vaters gehört und von Śiva Unterweisung empfangen hatte, ging er zur Askese nach Kāmākhyā auf dem Berg Kāmarūpa. Rein und gesammelt verehrte er die fünfsilbige Ugratārā und erlangte rasch ihre unmittelbare Erscheinung. Darauf sprach Girijās Gemahl liebevoll zu seinem Sohn: Du schenkst den Praktizierenden die vier Lebensziele. Wie Brahmā, Viṣṇu, Rudra, die höchste Herrin und die übrigen Gottheiten ihre Frucht gewähren, so auch du.“

B.1.101 „In allen Āgamas wirst du als Haridrāgaṇanātha bekannt sein, ebenso wie der göttliche Buchstaben-Lambodara und Heramba.“ Die kindliche Erscheinung dieser Gestalten werde in den Lehrschriften Ucchiṣṭagaṇanātha genannt. Damit endet die Herkunftserzählung des Kurkuma-Gaṇeśa.

Mahāgaṇapati-Upaniṣad

B.1.102 Die Eröffnung verbindet Oṃ und Laṃ mit einer abweichend überlieferten Friedensformel; Svāhā steht mehrfach an Stellen, an denen andere Fassungen anders lauten. Ihr Sinn: „Möge er uns beide schützen und nähren. Gemeinsam wollen wir Kraft entfalten. Unser Lernen möge leuchten. Mögen wir einander nicht hassen. Frieden, Frieden, Frieden.“ Die besondere Lesart dieser Sammlung wird nicht durch einen anderen Text ersetzt.

B.1.103 „Verneigung vor dir, Gaṇapati! Du allein bist die unmittelbar offenbare Wirklichkeit“ – die entsprechende Sanskritform ist verkürzt. „Du allein bist der Handelnde, du allein der Erhaltende, du allein der Auflösende. Du allein bist all dies, wahrlich Brahman. Du bist unmittelbar das ewige Selbst. Die kosmische Wahrheit spreche ich, die Wahrheit spreche ich.“

B.1.104 „Schütze mich, schütze den Sprecher, schütze den Hörer, schütze den Gebenden.“ Eine weitere Schutzbitte ist beschädigt und enthält eine unklare Wendung zu Kind und Rede. „Schütze den Schüler, schütze von hinten, von vorn, von Norden und Süden, von oben und unten. Von allen Seiten beschütze mich, beschütze mich ringsum!“

B.1.105 „Du bestehst aus Rede und aus Bewusstsein. Du bist Brahman und von Brahman erfüllt. Du bestehst aus Glückseligkeit; du bist Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit, ohne ein Zweites. Du bist unmittelbar Brahman. Du bestehst aus Wissen und verwirklichter Erkenntnis.“

B.1.106 „Diese ganze Welt entsteht aus dir. Diese ganze Welt wird sich in dir auflösen. Du bist Erde, Feuer, Wind und Raum.“ Wasser fehlt in dieser Aufzählung. „Du bist die vier: Rede, Hand, Ausscheidungsorgan und Fuß.“ Die Vorlage nennt hier körperliche Wirkkräfte, nicht die in anderen Fassungen bekannten vier Redeebenen; sie wird entsprechend übersetzt.

B.1.107 „Du bist jenseits der drei Guṇas, jenseits der drei Körper und jenseits der drei Zeiten. Du weilst stets im Mūlādhāra. Du bist das Wesen der drei Kräfte. Über dich meditieren die Yogis immer. Du bist Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Indra, Feuer, Wind, Sonne und Mond. Du bist Brahman, Erde, Zwischenwelt, Himmelswelt und Oṃ.“

B.1.108 Die Lautdarlegung beginnt mit einer beschädigten Chiffre über den Anfang von Gaṇa, den Anfang der Laute, Anusvāra und Mondsichel. Dann heißt es: „Dies ist deine Mantragestalt. G ist die Anfangsgestalt, A die mittlere, Anusvāra die letzte, Bindu die darüberstehende. Nāda verbindet, die Zusammenfügung ist der Übergang. Dies ist die Īśāna-Gaṇeśa-Vidyā.“ Als Seher wird Gaṇaka, als Versmaß eine beschädigt geschriebene Nivṛt-Gāyatrī genannt. Es folgt die Verneigung vor Gaṇapati mit dem Bīja Gaṃ.

B.1.109 Die Gāyatrī bedeutet: „Wir wollen den Einen-Stoßzahn-Tragenden erkennen; über den mit dem gekrümmten Rüssel meditieren wir. Möge der Stoßzahntragende uns erleuchten.“

B.1.110 „Ein Stoßzahn, vier Hände: Schlinge und Stachelstock trägt er, dazu Furchtlosigkeit und Gaben gewährend; die Maus ist sein Banner. Rot, mit großem Bauch, Ohren wie Getreideschwingen und rotem Gewand, mit roter Duftsalbe bestrichen und mit roten Blumen verehrt, ist er der Gott, der sich seiner Verehrer erbarmt, der unvergängliche Ursprung der Welt. Zu Beginn der Schöpfung erschien er, jenseits von Prakṛti und Puruṣa. Wer so täglich meditiert, ist ein Yogi, der vorzüglichste unter den Yogis.“

B.1.111 „Verneigung vor dem Herrn der Eber, vor dem Herrn der Scharen, vor dem ersten Herrn, vor dir, dem Großbäuchigen! Verneigung vor dem Einstoßzahnigen, dem Vernichter der Hindernisse, Śivas Sohn, der Gestalt des Gabengewährens!“ Die erste und dritte Anrede sind auffällige Lesarten der bereitgestellten Fassung; sie werden nicht durch vertrautere Formeln ersetzt.

B.1.112 „Wer dies studiert, wird zum Brahman-Sein befähigt. Er wird von den fünf großen Verfehlungen frei und erlangt allseitig Glück. Abends gelesen tilgt es die am Tag begangene, morgens gelesen die in der Nacht begangene Verfehlung. Wer es abends und morgens liest, wird als Schuldiger frei von Schuld. Überall gelesen, macht es frei von Hindernissen und lässt Dharma, Wohlergehen, Freude und Befreiung finden.“

B.1.113 „Dieses Atharvaśīrṣa soll keinem gegeben werden, der nicht Schüler ist. Wer es aus Verblendung weitergibt, wird schuldiger. Nach tausend Wiederholungen erlangt man jeweils den Wunsch, um dessentwillen man liest. Wer Gaṇapati damit begießt, wird redegewandt. Wer am vierten Mondtag fastend rezitiert, wird wissend.“ Ein anschließender als Atharvan-Wort bezeichneter Satz über Brahman und Furchtlosigkeit ist beschädigt; er verheißt dem entsprechend Wissenden Furchtlosigkeit.

B.1.114 „Wer mit Dūrvā-Trieben opfert, wird Vaiśravaṇa gleich; wer mit Puffreis opfert, wird angesehen und verständig. Wer mit tausend Konfektstücken opfert, erlangt das Ersehnte; wer mit Ghee und Brennhölzern opfert, gewinnt alles. Wer acht Brahmanen dies richtig erfassen lässt, wird sonnenstrahlend. Wer bei Sonnenfinsternis an einem großen Fluss oder in Gegenwart des Bildes rezitiert, dessen Mantra wird vollendet. Er wird von großer Verfehlung frei und zum Allwissenden – wer dies so erkennt.“ Es folgen der Upaniṣad-Abschluss, eine verkürzte Wiederaufnahme der Schutzformel und dreimal Frieden. Damit endet die Mahāgaṇapati-Upaniṣad.

Gaṇapati-Hymnus

B.1.115 Im siebten Kapitel der ersten Nacht des Nāradapañcarātra spricht Nārada: „Gaṇeśa, bester der Götter, Großbäuchiger, Höchster über dem Höchsten, Heramba, Ursprung des Glückverheißenden, Elefantengesichtiger, Dreiäugiger, Sohn des Dreiäugigen! Du schenkst Glück und verlangst nach dem Gedenken an Śrīdhara. Höchste Freude, höchster Sohn Pārvatīs!“

B.1.116 „Überall und von allen zu verehren, von der Welt verehrt, Lehrer der Welt, Herr, Same und Gebieter der Welt: Verneigung vor dir! Ihn, dessen Verehrung allen anderen vorausgeht, den alle Yogis preisen und die Herren der Götter und großen Seher verehren, grüße ich.“

B.1.117 „Durch höchste Verehrung Kṛṣṇas, des höchsten Selbst, und durch ein heiliges Gelübde erlangte die treue Pārvatī ihn als Sohn. Diesen Besten der Götter, Höchsten unter allen, Ehrwürdigsten und Vorzüglichsten verehre ich: den Herrn der Scharen.“

B.1.118 „Diesen einst von Nārada verfassten Lambodara-Hymnus soll man täglich während der Verehrung sprechen. Dann ist Sieg auf Schritt und Tritt. Wer ihn mit festem Entschluss ein Jahr gesammelt spricht, erhält einen hervorragenden Sohn, ganz Kṛṣṇa ergeben, angesehen, gelehrt, wohlhabend und langlebig. Hindernisse vergehen, große Fülle und makelloser Ruhm entstehen. Nachdem man hier Glück erfahren hat“ – die Vorlage hat eine gestörte Wortform –, „gelangt man am Ende zu Haris Zustand.“ Damit endet der Gaṇeśa-Hymnus im Jñānāmṛtasāra.


Bhaktikāṇḍa: Zweiter Lehrabschnitt – Die Verehrung Śivas

Die Kennzeichen der Bāṇaliṅgas

B.2.1 Im vom Vīramitrodaya angeführten Kālottara heißt es: „Erkenne das Bāṇaliṅga als Spender von Lebensgenuss und Befreiung. Höre von seiner Entstehung und seinen Kennzeichen. O Sechsgesichtiger, solche Liṅgas finden sich in Narmadā und Devikā, Gaṅgā und Yamunā und anderen heiligen Flüssen. Von Indra und weiteren Göttern verehrt, tragen sie deren Kennzeichen. Stets ist Śiva, der alle Ziele gewährt, darin gegenwärtig. Die Indraliṅgas genannten Steine schenken Herrschaft und Wohlstand.“ Hier endet das Kennzeichen des Indraliṅga. (1)

B.2.2 „Rötlich, glühend und heiß ist das dem Feuer zugehörige Liṅga; es stiftet Wohlergehen und gleicht einem Speer oder trägt ein Speerzeichen. Wer dieses vortreffliche Liṅga aufstellt, wird Herr über die Strahlkraft.“ Hier endet das Kennzeichen des Feuerliṅga. (2) Die Wendung zur roten Flüssigkeit beziehungsweise Glut ist sprachlich unsicher.

B.2.3 „Das Yama zugehörige Liṅga hat Stab- oder Zungenform. Werden die genannten Zeichen nicht eindeutig erkannt, so bringt es nach seiner Aufstellung den Tod.“ Hier endet das Kennzeichen des Yamaliṅga. (3) Der mittlere Satz des überlieferten Verses ist beschädigt; die Todesdrohung gehört zur historischen Zeichenlehre.

B.2.4 „Das rākṣasische Liṅga gleicht einem Schwert und schenkt die Frucht des Erkenntnisyoga. Ist es mit rauen, kieselartigen Stellen bedeckt, stumpf und bauchig, so gilt es als Liṅga der Nirṛti und bringt im Hausstand kein Glück.“ Hier endet das Kennzeichen des Nirṛtiliṅga. (4)

B.2.5 „Das Varuṇa zugehörige Liṅga ist rund, mit einem Schlingenzeichen versehen und von bienenähnlichem Glanz. Es wird mit Wachstum, Glück und Genuss verbunden.“ Hier endet das Kennzeichen des Varuṇaliṅga. (5) Die zweite Verszeile ist syntaktisch gestört; die genaue Zuordnung ihrer Merkmale bleibt offen.

B.2.6 „Schwarz, rauchfarben oder ansprechend gefärbt, einer Fahne oder einem Fahnenstab ähnlich, mit Merkmalen am oberen Ende und ungleichen Stellen“ – so beschreibt der beschädigte Wortlaut das Windliṅga. Hier endet dessen Kennzeichnung. (6)

B.2.7 Zum Kubera-Liṅga nennt die verderbte Zeile Formen wie Baumwolle oder eine Keule und eine schwere Mitte. Eine geschlossene, sichere Übersetzung der weiteren Zeichen ist nicht möglich. Hier endet das Kennzeichen des Kubera-Liṅga. (7)

B.2.8 Das Rudra zugehörige Liṅga wird mit Knochen- und Dreizackzeichen sowie schneeartigem Glanz beschrieben. Die vorausgehende Zeile über Tag, Nacht, Getreidewachstum und Kraft ist beschädigt. Hier endet das Kennzeichen des Rudraliṅga. (8)

B.2.9 „Das Viṣṇu zugehörige Liṅga kann vierfarbig sein. Es trägt Muschel, Rad, Keule, Lotos und weitere Zierzeichen, das Śrīvatsa- und Kaustubha-Zeichen, Thronzeichen, Garuḍas Zeichen oder die Fußspur Viṣṇus. Ein solches Vaiṣṇavaliṅga schenkt alle Herrlichkeit.“ Hier endet seine Kennzeichnung. (9)

B.2.10 „Einem Śālagrāma ähnlich und mit einem Mondzeichen versehen, mehrt es das Gedeihen. Lotos-, Svastika- oder Śrīvatsa-Zeichen verleihen Wohlergehen.“ Auch dies beschreibt das Vaiṣṇavaliṅga. (10)

B.2.11 Im von Hemādri angeführten Lakṣaṇakāṇḍa spricht Nārada: „Nun erkläre ich dir, Brahmane, das höchste elfte Kennzeichen. Schon sein Hören lässt Verfehlungen augenblicklich schwinden. Honigbraun und mit schwarzen Ringzeichnungen versehen ist das Svayambhūliṅga, dem alle Vollendeten dienen.“ (1)

B.2.12 „Bunt gefärbt, mit Zeichen von verfilztem Haar und Dreizack, heißt es Mṛtyuñjaya, Bezwinger des Todes; Götter und Dämonen verneigen sich davor.“ (2) „Länglich, weiß und mit schwarzen Punkten versehen heißt es Nīlakaṇṭha, der Blaukehlige; Götter und Dämonen verehren es.“ (3)

B.2.13 „Weiß strahlend, mit weißem Haar und drei Augen, ist es der dreiäugige Mahādeva, der alle Verfehlungen vertreibt.“ (4) „Flammend, mit aufgetürmtem Haar, dunkel und von kräftiger Gestalt, heißt es Kālāgnirudra; alle Wesen dienen ihm.“ (5)

B.2.14 „Honigbraun, mit weißer heiliger Schnur, auf einem weißen Lotos sitzend, mit der Mondsichel geschmückt und mit der Waffe der Weltauflösung versehen, heißt es Tripurāri, Feind der drei Städte.“ (6)

B.2.15 „Weiß strahlend, mit braunem Flechtenhaar, Schädelkranz und Dreizack, ist es das höchste Īśānaliṅga, das alle Ziele verwirklicht.“ (7) „Mit Dreizack und Handtrommel, zur Hälfte weiß und zur Hälfte rot, heißt es Ardhanārīśvara und gewährt das von allen Göttern Ersehnte.“ (8)

B.2.16 „Leicht rötlich, schön, kräftig, lang und leuchtend heißt es Mahākāla. Es schenkt Dharma, Wunscherfüllung, Wohlstand und Befreiung.“ (9) „Damit sind dir die Zeichen des großen Herrn erklärt. Schon durch eines erreicht man sein Ziel – wie viel mehr durch viele, du Gelübdetreuer!“ Hier enden die Zeichen der Bāṇaliṅgas. Obwohl die Einleitung ein elftes Kennzeichen ankündigt, umfasst diese folgende Reihe neun nummerierte Formen.

B.2.17 Das im Vīramitrodaya zitierte Kālottara fährt fort: „Ein Liṅga mit den genannten Zeichen dient dem Heil; das am Kopf [beschädigte oder anders zu meidende Merkmal: Lesung unsicher] lasse man beiseite. Ein Liṅga von Yamas Farbe oder mit seinen Zeichen, mit Wassertopf, Stab oder Schnurzeichen wird mit Brahman-Erkenntnis verbunden. Mahākāla ist mondfarben, Nandīśa wie ein Rubin. Rubinähnlicher großer Glanz wird von Vollendeten verehrt; perlenähnlicher oder blauer Glanz von Rudras und Ādityas, von Reichtumsspendern, Indra, dem Yakṣa-Herrn, Guhyakas und Yātudhānas. Es erscheint vielfarbig, blau oder wie die Mondscheibe.“ Einzelne Zuordnungen dieser beschädigten Aufzählung bleiben unsicher. Hier endet die Kennzeichnung des Bāṇaliṅga.

Die Prüfung und der Name des Bāṇaliṅga

B.2.18 Der Vīramitrodaya überliefert: „So lehren es die Kenner der Prüfung: Ergibt sich bei drei, sieben oder fünf Wägungen keine Gleichheit, nennt man es Bāṇa; der übrige Stein ist gewöhnliches Gestein.“ Gewogen wird gegen Reis. Sind bei den weiteren Wägungen die Reiskörner schwerer, gilt das Liṅga als für Hausleute geeignet; ist das Liṅga schwerer, für Weltentsagende. So lautet eine als überlieferte Rede angeführte Erklärung im von Hemādri zitierten Lakṣaṇakāṇḍa.

B.2.19 Die Sūtasaṃhitā sagt: „Was bei sieben Wägungen an Gewicht zunimmt und nicht abnimmt, erkennt man als Bāṇaliṅga; das Übrige heißt lediglich Narmadā-Stein. Ergibt sich bei drei oder fünf Wägungen keine Gewichtsgleichheit, heißt es Bāṇa; das Übrige ist gewöhnliches Gestein.“ Der Vīramitrodaya ergänzt: „Wirft man es wieder in den Fluss und findet es erneut, so erkenne es als Bāṇaliṅga, das Glück vermehrt.“ Das zusätzlich überlieferte Wort „geringer“ ist in diesem Satz nicht eindeutig einzuordnen. Hier endet die Bāṇaliṅga-Prüfung.

B.2.20 Dort wird auch der Name erklärt: „Nun höre, weshalb es Bāṇa heißt. Bāṇa ist der Gott Sadāśiva; daneben gibt es einen anderen Bāṇa. Weil es durch ihn beziehungsweise für ihn geschaffen wurde, heißt es Bāṇaliṅga. Stets ist Śiva darin gegenwärtig und gewährt alle Ziele. Durch den Bāṇa genannten Śiva selbst ist es geweiht. Es gleicht einer Lotosfrucht oder einem Ring.“ Lotosfrucht bedeutet hier Lotossamen. Der von Hemādri angeführte Lakṣaṇakāṇḍa liest stattdessen: „wie eine reife Jambū-Frucht oder ein Hühnerei“. „Es heißt Bāṇaliṅga und schenkt Genuss und Befreiung.“

B.2.21 In der Yājñavalkyasaṃhitā spricht Śiva zur Göttin: „Gepriesen ist das Narmadā-Liṅga in Gestalt einer reifen Jambū-Frucht: honigfarben, weiß, blau oder smaragdglänzend. Auch die Form eines Gänseeis wird für die Aufstellung gelobt. Von selbst gleitet das Liṅga vom Berg in das Wasser der Narmadā. Einst bat mich Bāṇāsura am Ufer der Narmadā darum. Als liṅgaförmiger Maheśvara nahm ich dort auf dem Berg Wohnung. Deshalb heißt es auf Erden Bāṇaliṅga. Die Frucht der Verehrung von zehn Millionen anderen Liṅgas erlangt ein Mensch durch die Verehrung eines einzigen Bāṇaliṅga.“

B.2.22 Weiter heißt es: „Eine Unterlage aus Kupfer, Kristall, Gold, Stein oder Silber soll gefertigt werden. Darauf stellt man es zur Verehrung. Wer täglich in Hingabe das Narmadā-Liṅga verehrt – was wäre ihm noch bloß irdischer Lohn? Die Befreiung liegt bereits in seiner Hand.“ Hier endet die Frucht täglicher Bāṇaliṅga-Verehrung.

B.2.23 Die Sūtasaṃhitā erklärt: „Das aufgestellte herrliche Bāṇaliṅga ist zehn Millionen Mal wirksamer als ein Edelsteinliṅga. Das Quecksilberliṅga wiederum gilt als zehn Millionen Mal wirksamer als das Bāṇaliṅga. Śaṅkarī vermag die Vorzüge des Quecksilberliṅga zu verkünden; die Vollkommenheiten des Kleinwerdens und die übrigen Siddhis sind fest darin gegenwärtig.“

B.2.24 Im Kedārakhaṇḍa heißt es: „Die erwähnten Liṅgas aus Edelsteinen und Metallen sind rein, verehrungswürdig und erfüllen alle Wünsche. Unter ihnen ragt das kaschmirische hervor; über dieses noch das Bāṇaliṅga. Nichts Reineres als dieses wird hier gesehen. Dem Verehrenden gewährt es alles Diesseitige und Jenseitige.“ Hier endet das Lob des Bāṇaliṅga.

B.2.25 Derselbe Text nennt ungünstige Formen: „Ein raues Bāṇaliṅga bringt Verlust von Kindern und Ehefrau. Die Verehrung eines abgeplatteten führt zum Zusammenbruch des Hauses. Ein einseitig geneigtes bringt Verlust von Kühen, Kindern, Ehefrau und Vermögen. Ein Riss am Kopf kündet Krankheit und Tod; ein Loch führt in die Fremde. Ein knotenartiger Vorsprung bringt Krankheit; ein übermäßig erhobenes oder hohles Ende den Verlust des Viehvermögens.“ Die zuletzt genannte Form ist im Sanskrit nicht eindeutig. Diese Aussagen geben die traditionelle Vorzeichenlehre wieder.

B.2.26 Hemādri überliefert: „Spitze, gekrümmte und dreieckige Liṅgas meide man. Ein Hausvater soll auch übermäßig dicke, sehr dünne, kleine oder mit auffälligen Erhebungen versehene Formen meiden; für Befreiungssuchende sind solche dagegen heilsam.“ Hier enden die ungünstigen Bāṇaliṅga-Kennzeichen.

B.2.27 Günstige Formen nennt der Vīramitrodaya: „Ein gelbbraunes Liṅga verleiht Wohlstand; ein wolkenfarbenes dient den Befreiungssuchenden. Ein kleines beziehungsweise leichtes oder ein dickes gelbbraunes Liṅga soll ein Hausvater niemals verehren. Für ihn eignet sich eines in Bienenfarbe. Mit oder ohne Sockel und ohne Mantraweihe schenkt es Vollendung und Befreiung; es kann auf den Sockeln aller Heiligtümer stehen.“ Hier enden die günstigen Kennzeichen. Die unterschiedliche Bewertung gelbbrauner Formen bleibt im Wortlaut bestehen.

Bāṇas Hingabe und Śivas Gabe

B.2.28 In der Sūtasaṃhitā spricht Bhairava: „Gütige, einst war Bāṇāsura Śiva überaus lieb. Er hatte seinen Zorn bezwungen, war ihm zugetan und widmete sich seiner Verehrung. Er kannte das Feuerwesen, war geschickt, kunstkundig und mit guten Eigenschaften versehen. Täglich stellte er selbst ein Liṅga her, richtete es auf und verehrte es. So verehrte er hundert Jahre nach göttlichem Maß. Da trat Śaṅkara vor ihn, der sich durch Hingabe leicht gewinnen lässt.“

B.2.29 Śaṅkara sprach: „Ich bin zufrieden mit dir, Bāṇa. Nenne deinen Wunsch!“ Bāṇa antwortete: „Wenn du mir geringem, wenig begünstigtem Menschen wohlgesinnt bist, Herr der Götter: Mühsam ist mir das tägliche Herstellen deines Liṅga. Die von den Schriften geforderten, vollkommenen Kennzeichen sind schwer zu erfüllen; auch das Verständnis der Schriften und das zur Verwirklichung Nötige sind schwer zu erlangen. Bist du mir gewogen, so schenke ein Liṅga mit glückverheißenden Zeichen, das alle Wünsche erfüllt und allen Wesen Erbarmen erweist. Erweise deine Gnade zum Wohle aller, Śaṅkara!“

B.2.30 Als Śiva, die höchste Ursache, diese Worte hörte, schuf er auf dem Gipfel des Kailāsa vierzehn Koṭi Liṅgas, also 140 Millionen. Diese vollkommenen Liṅgas waren von sich aus stets wirksam und wurden Bāṇa in ihrer Fülle übergeben. Unvergängliche Frucht gewährt ein aufgestelltes Bāṇaliṅga. Bāṇa verehrte die Gabe in aufrichtiger Gesinnung, brachte sie ehrfürchtig in seine Stadt und erwog, wie ihre unerschöpfliche Kraft durch tägliche Aufstellung den Wesen zur Vollendung dienen könnte. Einige verbindende Wendungen der Erzählung sind sprachlich beschädigt.

B.2.31 „Drei Koṭi Liṅgas wurden im Kālikāgarta niedergelegt, drei Koṭi auf dem Śrīśaila, eine Koṭi im Kanyakāśrama, eine in Māheśvara, eine am Kanyātīrtha und je eine auf dem Mahendra und in Nepal. Weil das Liṅga für Bāṇas Verehrung geschaffen wurde, heißt es Bāṇaliṅga. Oder: Śiva selbst heißt Bāṇa; was er schuf, wird deshalb Bāṇa genannt. An diesen Orten und heiligen Stätten besteht so Śivas wahre Gegenwart in seiner sichtbaren Gestalt.“ Die aufgezählten Mengen ergeben elf Koṭi; der Text nennt zuvor vierzehn.

B.2.32 Auch Hemādris Zusammenstellung der Gestaltmerkmale beziehungsweise der Samuccaya lehrt: „Wie ein selbstentstandenes Liṅga dient das Bāṇaliṅga Lebensgenuss und Befreiung. An seinem jeweiligen Ort verehrt, schenkt es tausendfache Frucht gegenüber anderem. Auf Śrīśaila, im Kālikāgarta, auf Liṅgādri, im Kanyakāśrama, am Kanyātīrtha, im Wald und auf dem Mahendra oder in Sureśvara befinden sich Bāṇaliṅgas, die Śiva selbst geschaffen hat.“ Einzelne Ortsnamen sind unsicher überliefert.

B.2.33 Der Siddhāntaśekhara beschreibt Bāṇaliṅgas als gleichförmig oder verschiedenfarbig, ohne Sockel, ohne eingezeichnete Gestaltmerkmale und mit breitem oberen Ende. Für Bāṇaliṅgas ist keine Herbeirufung der Gottheit und kein entsprechender Einleitungsritus erforderlich. Im Bhaviṣya heißt es dazu: „König, die Bāṇaliṅgas bestehen in den drei Welten. Für sie gibt es weder Aufstellungsweihe noch reinigende Sakramente noch Herbeirufung.“

Das Liṅga verkörpert die Gegenwart Śivas und seine Einheit mit Śakti.

Betrachtung und Hymnus des Bāṇaliṅga

B.2.34 Im fünften Lehrabschnitt des Yogasāra heißt es: „Wer in der Brahma-Muhūrta aufsteht und des Bāṇaliṅga gedenkt, erlangt überall Sieg. Wahrlich, wahrlich, Maheśvara!“ Die Betrachtung lautet: „Oṃ. Den berauschten, mit Śakti vereinten, Bāṇa genannten, mächtig strahlenden Gott, versehen mit dem Liebespfeil, fähig, den Kreislauf des Daseins zu verbrennen, jubelnd in den Empfindungen der Liebe und den übrigen Rasas – diesen Bāṇa genannten höchsten Herrn betrachte man als Bāṇaliṅga und verehre den höchsten Śiva. Innerlich bringe man Duft, Blüten und weitere Gaben dar und gedenke seines Mantra.“

B.2.35 Weiter: „Nach der Atemregelung erfreue man das Bāṇaliṅga. Seine Einheit mit der eigenen erwählten Gottheit vergegenwärtigend, wiederhole man das Vāgbhava-Bīja. Nach Abschluss der Rezitation erfreue man ihn durch diesen Hymnus.“

B.2.36 „Oṃ. Bāṇaliṅga, reich Gesegneter, Herr, rette mich aus dem Daseinskreislauf! Verehrung deiner furchtbaren Gestalt! Verehrung dir, dessen Ursprung sichtbar geworden ist! Du wirkst das Weltdasein; Verehrung dir, Träger der feinen Gestalt! Dem Berauschten, dem großen Herrn, der Gestalt der Zeit gilt meine Verneigung.“

B.2.37 „Verehrung dir, der verbrennt! Verehrung dir, der Yoga hervorbringt! Den Genießenden schenkst du Genuss; Befreiung gewährst du – dir immer wieder Verehrung! Verehrung dem Vernichter von Kāmas Leib, dem Tilger der Befleckung, dem Geber des Weltalls und dem, dessen Gestalt das Weltall ist!“

B.2.38 „Du gewährst Bāṇa Gaben, vernichtest Rāvaṇa, begnadest Rāma und verleihst Bharata die Herrschaft. Den Weisen schenkst du Yoga, den Rākṣasas Untergang. Dir Verehrung, dir Verehrung, dir immer wieder Verehrung!“

B.2.39 „Aiṃ. Dem mit brennender Śakti Verbundenen, dem Mahāmāyā Lieben, dem Liebhaber der schöpferischen Yoni, dem Allseienden, der Feinde bezwingt, die Yogins schützt und den Kaulas lieb ist; dem Verehrer der Frauen des Kula, dem am Kula-Weg Freudigen, dem Kula-Hingegebenen, dem Yoga und Nārāyaṇa gilt die Verneigung.“ Das Wort für die schöpferische Yoni kann hier auch Glück und Fülle anklingen lassen.

B.2.40 „Dem vom Weintrank Berauschten, dem Herrn des Yoga sei immer wieder Verehrung! Dem, der die Schmähung des Kula vernichtet, den Kaulas Glück bringt, dem Kula-Yoga, der Festigkeit, dem Reinen und höchsten Selbst; dem Wesen des höchsten Selbst, dem Grund des Liṅga, dem Herrn aller, dem Allseienden, Śiva jenseits der Eigenschaften gilt die Verneigung.“

B.2.41 „Śaṅkara, dies ist das höchste Geheimnis des Bāṇaliṅga. Der ausgezeichnete Praktizierende, der es vorträgt, erlangt die Herrschaft über die göttlichen Scharen. Durch die Gnade dieses Hymnus erreicht der Yogin wahres Yoginsein. Wer Herrschaft sucht, erhält Herrschaft; wer Genuss sucht, Genuss. Den Guten wird er zur Verwirklichung ihrer Praxis, den Kaulas zur Erfüllung des Kula. Was der Mantrakundige ersehnt, erreicht er mühelos; durch die Gnade des Bāṇaliṅga erlangt er alles rasch.“

B.2.42 „Was soll ich noch sagen? Du weißt alles, Herr des Kula. In großer Gefahr, am Tor des Königs, bei Gefahr in fremdem Land und inmitten von Räubern und Dieben bleibt durch das Vortragen dieses Königs der Hymnen die Furcht fern. In Kürze habe ich die Größe des Bāṇaliṅga erklärt; schon ihr Hören kann dem Menschen Befreiung gewähren.“

B.2.43 „Stets sollen Yogins es in ihrer Yogapraxis verehren, Kaulas im Kula-Ritus, die Gebundenen im Streit mit Feinden, Vedakundige beim Vedavortrag und Kranke zur Überwindung von Krankheit. Wer es nicht verehrt, dessen Bemühen bleibt ohne Frucht.“ Hier endet der Bāṇaliṅga-Hymnus im Gespräch zwischen Pārvatī und Śiva des Śrīyogasāra, der als hervorragend unter allen Āgamas bezeichnet wird.

Weitere natürliche Liṅgaformen

B.2.44 Zum Raudraliṅga überliefert der Vīramitrodaya: „Im Fluss entstanden, durch gegenseitige Reibung und die Gewalt des Stromes gleichmäßig und glatt geworden, heißt es Raudra.“ Auch der Samuccaya erklärt: „Ein im Flussstrom befindlicher Stein von Bāṇaliṅga-Gestalt, der nicht zu jener besonderen Art gehört, gilt als glückbringendes Raudraliṅga. Auch in der Narmadā findet sich diese vom Bāṇaliṅga unterschiedene, ähnlich geformte Art. Weiße, rote, gelbe und schwarze Formen werden von Brahmanen und den weiteren Ständen verehrt. Von Natur aus schwarze schenken allen Herkunftsgruppen Vollendung. Ein aus der Narmadā stammendes Raudraliṅga wird wie ein Bāṇaliṅga behandelt.“ Hier endet seine Kennzeichnung. (1)

B.2.45 Zum Śivanābhi-Liṅga heißt es im vom Vīramitrodaya angeführten Gespräch Śivas mit Nārada: „Dreifach ist das Liṅga: vorzüglich, mittel und gering. Vier Fingerbreiten hoch und mit einer schönen Unterlage versehen nennen die schriftkundigen Weisen es vorzüglich. Die Hälfte davon gilt als mittel, deren Hälfte als gering.“ Über seine Größe heißt es: „Von den großen Weisen verehrt, ist das Śivanābhi-Liṅga allen anderen überlegen; deshalb verehre man es nach der Vorschrift.“ Hier endet dessen Kennzeichnung. (2)

B.2.46 Unter der Ankündigung „Kennzeichen des göttlichen Liṅga“ zitiert der Text den Siddhāntaśekhara: „Wie von zusammengelegten Händen berührt, mit Dreizack, Beil und Mond geschmückt, mit Linien und Vertiefungen, niedrigen und hohen Stellen versehen, länglich und ohne die abgegrenzten Teile für Brahmā und die anderen Götter …“ Der überlieferte Text geht ohne klaren Abschluss zur runden Form über: „Gola heißt das Liṅga; nun wird das kugelförmige erklärt. Einer Kürbisfrucht, einer Orange oder einem Krähenei ähnlich heißt es Golaliṅga.“ Hier endet dessen Kennzeichnung. (4) Ein eigener Abschluss mit Nummer 3 fehlt an dieser Stelle.

B.2.47 Zum Liṅga der Ṛṣis heißt es dort: „Verschiedenen Bilva-Früchten ähnlich, mit einer umlaufenden Brahma-Linie, am Grund dick wie eine Kapittha-Frucht oder einer Nāla-Frucht ähnlich und in der Mitte verdickt: Dieses vortreffliche, in der Mitte kräftige Liṅga heißt Ṛṣibāṇa.“ Die Benennung einer Frucht ist unsicher. Hier endet die Kennzeichnung des Ṛṣi-Liṅga. (5)

B.2.48 Liṅgas sind grundsätzlich zweifach: natürlich und künstlich. Natürlich sind selbstentstandene Formen wie Svayambhū- und Bāṇaliṅgas; künstlich sind hergestellte, etwa aus Metall. Im Siddhāntaśekhara steht nach einer beschädigten Verehrungsformel für Nārada und weitere Ehrwürdige eine Ankündigung der Liṅga-Kennzeichen. Genannt werden dabei Teig-, Punkt- und Steinformen; ihre genaue Verbindung ist nicht sicher lesbar.

B.2.49 „Zweifach erkenne man das Liṅga: unbeweglich und beweglich; beide Arten werden jeweils dreifach unterschieden. Ein in einem Heiligtum aufgestelltes steinernes oder entsprechendes Liṅga ist unbeweglich. Auch ein dauerhaft im Haus aufgestelltes gilt als fest. Fünffach werden die feststehenden Formen genannt: selbstentstanden, göttlich, Pālaka, von Ṛṣis herrührend und geistig. Ihre Kennzeichen werden nun erklärt.“ Die Lesarten der letzten Einteilung sind teilweise unsicher und werden nicht an eine andere Systematik angeglichen.

B.2.50 Die Dīpikā lehrt: „Wo Maheśvara sich einem Lehrer oder Weisen von selbst offenbart, heißt das dort selbst hervorgetretene Liṅga Svayambhū. Durch die Berührung der Dhamanī verbrennt es rasch.“ Die Erläuterung bezeichnet Dhamanī als jene Nāḍī, die von Suṣumṇā, Iḍā und Piṅgalā unterschieden ist und das Brahmarandhra durchdringt. Worauf sich das Verbrennen bezieht, bleibt im überlieferten Wortlaut unbestimmt.

B.2.51 Der Siddhāntaśekhara sagt: „Ein mit vielen Öffnungen versehenes, verschiedenfarbiges, raues Liṅga, dessen Wurzel in der Erde nicht sichtbar ist, gilt als selbstentstanden; ein anderes entbehrt dieses Kennzeichens. Das Svayambhūliṅga ist von vielerlei Art: mit muschelförmigem Kopf dem Viṣṇu zugehörig, mit lotosförmigem Kopf Brahmā, mit schirmförmigem Indra, mit doppeltem Kopf Agni, mit drei Füßen Yama, schwertförmig Nirṛti, krugförmig Varuṇa, fahnenförmig Vāyu, mit Keulenzeichen Kubera und dreizackförmig Īśāna. Von den Welthütern und anderen Gottheiten hervorgegangen nennen die Schriftgelehrten solche Formen selbstentstandene Liṅgas.“ Hier endet ihre Kennzeichnung.

B.2.52 Im Matsyasūkta heißt es: „Pārvatī, wer das selbstentstandene Liṅga des großen Herrn schaut, wird von allen Verfehlungen frei und geht im höchsten Brahman auf.“

Materialien und zugeschriebene Früchte der Verehrung

B.2.53 Über die Früchte heißt es dort: „Das steinerne Liṅga dient besonders der Befreiung und nebenbei dem Lebensgenuss. Das irdene wird für Lebensgenuss gepriesen und nebenbei für Befreiung. Entsprechend sind das hölzerne und das mit Zeichen versehene zu verstehen. Das goldene verleiht bleibendes Glück und Königsherrschaft; das kupferne mehrt Nachkommenschaft, das zinnerne verlängert das Leben.“

B.2.54 Das Padmapurāṇa lehrt: „Quecksilber dient großer Machtfülle, Perlmutter beziehungsweise Perle dem Glück; Mondstein überwindet den Tod, Gold erfüllt alle Wünsche.“ Auch das im Vīramitrodaya zitierte Kalpottara sagt: „Erde schenkt alle Früchte, ebenso Edelsteine. Acht Edelsteine, beginnend mit Ananta, werden genannt: blitzend hell, nachts leuchtend und alle Gifte unschädlich machend. Sie unterscheiden sich in Farbe, Geschmack, Geruch und Gestalt. Liṅgas aus Diamant und anderen Edelsteinen, Kristall und ähnlichen Stoffen oder aus Rohzucker, Speise und weiteren Materialien erfüllen alle Wünsche; die zuletzt genannten gelten als zeitweilige Liṅgas.“

B.2.55 Der Lakṣaṇasamuccaya erklärt: „Ein Duftstoffliṅga schenkt Glück, ein Blütenliṅga Befreiung. Aus unterschiedlichen Blüten gebildete erfüllen unterschiedliche Wünsche. Ein Sandliṅga verleiht Vorzüge, ein Salzliṅga Glück. Für Vertreibung wird eine Pāśāpta genannte, unsicher überlieferte Substanz gebraucht; ein Wurzelliṅga gilt als feindvernichtend. Auch ein Armer kann ein zeitweiliges Liṅga bilden und es in Hingabe verehren.“

B.2.56 Das Garuḍapurāṇa nennt für ein Duftstoffliṅga zwei Teile Moschus, vier Teile Sandel und drei Teile Safran; anschließend wird Kampfer mit einer nicht eindeutig lesbaren Verhältnisangabe genannt. „Wer ein solches Liṅga bildet und hingebungsvoll verehrt, erlangt gemeinsam mit seinen Angehörigen die Vereinigung mit Śiva. Ein Blütenliṅga wird mit Hayagandha verbunden. Wer es verehrt, genießt die Erde mit ihren neun Teilen und wird Herr über die göttlichen Scharen. Wer ein aus Staub gebildetes Liṅga in Hingabe verehrt, erlangt den Rang eines Vidyādhara und wird später Śiva gleich.“

B.2.57 „Wer Gedeihen wünscht, forme und verehre hingebungsvoll ein Liṅga aus reinem Dung einer braunen Kuh.“ Rein bedeutet hier: aufgefangen, bevor er den Boden berührt. „Nacheinander fertige man Liṅgas aus Gerste, Weizen und Reis; wer Wohlstand, Kräftigung oder einen Sohn wünscht, verehre sie entsprechend. Ein Liṅga aus festem Zucker dient der Gesundheit.“ Die zunächst verderbte Materialbezeichnung wird durch die anschließende eindeutige Erläuterung verständlich.

B.2.58 Ein Salzliṅga, verbunden mit Haritāla und den drei scharfen Gewürzen, wird der Beeinflussungsmagie zugeordnet. Haritāla bezeichnet das arsenhaltige Auripigment; die drei scharfen Gewürze sind getrockneter Ingwer, langer Pfeffer und schwarzer Pfeffer. „Die Verehrung eines Liṅga aus Kuhbutterschmalz mehrt die Einsicht.“ Die Stoffangaben stehen hier als Beschreibung eines historischen Rituals.

B.2.59 Weiter heißt es: „Salz schenkt Glück; Erde erfüllt alle Wünsche; Sesammehl gewährt Begehrtes. Ein aus Spelzen gebildetes Liṅga wird für Tötungsmagie genannt. Asche schenkt alle Früchte, Rohzucker mehrt Zuneigung, Duftstoff verleiht viele Vorzüge und Zucker Glück. Bambussprossen fördern die Familienlinie. Kuhdung bringt alle Krankheiten.“ Die letzte Aussage lautet im vorhandenen Text tatsächlich so und wird nicht stillschweigend in eine Heilungszusage geändert.

B.2.60 „Ein Liṅga aus Haaren und Knochen dient der Vernichtung aller Feinde; eines aus Mehl gilt für Aufwühlungs- und Tötungsmagie als vorzüglich. Holz bringt Armut; Mehl verleiht Sarasvatīs Gabe. Joghurt und Milch schenken Ruhm, Wohlstand und Glück; Getreide schenkt Getreide, Früchte bringen Frucht. Blüten dienen himmlischem Genuss und langem Leben, Āmalaka-Früchte der Befreiung. Frische Butter mehrt Ruhm und Glück; Dūrvā-Stängel wenden vorzeitigen Tod ab.“

B.2.61 Danach werden Kampferliṅgas und bewegliche Formen als Spender von Genuss und Befreiung genannt; die Verbindung der Wörter ist beschädigt. „Magnetstein wird vierfach unterschieden und für allgemeine Vollendungen gebraucht.“

B.2.62 Der Sārasaṃgraha gibt weitere Unterscheidungen. Die erste Zeile ist verderbt; erkennbar sind die Vorrangstellung eines Materials und die Vernichtung von Feinden durch Diamant. Es folgen: „Ein Yama genanntes Liṅga dient großer Machtfülle, Perle dem Glück, tiefblauer Edelstein der Kräftigung; ferner wird ein an einem Jyotis-Ufer entstandenes genannt. Berührungsstein dient dem Gedeihen der Familie, Sonnenstein der Strahlkraft, Mondstein dem Sieg über den Tod und Kristall allen Wünschen.“ Mehrere Materialnamen bleiben unsicher. Die Glosse erklärt die Bezeichnung „Mondbekrönter“ als Mondstein.

B.2.63 „Ein Liṅga aus dem Śūla genannten Edelstein dient dem Untergang von Feinden; ebenso wird Perle genannt.“ Śūlamaṇi heißt der Stein, in dessen Nähe stechende Schmerzen verschwinden sollen. „Diamant führt zu Kinderlosigkeit; Perle nimmt Krankheiten. Puṣkala wirkt heilsam am heiligen Ort; Vaidūrya bricht den Stolz der Feinde. Blauer Edelstein schenkt Wohlstand, Kristall erfüllt alle Wünsche.“ Die abweichenden Wirkungszuordnungen der Sammlung bleiben erhalten.

B.2.64 Im Kālottara heißt es: „Gold gewährt große Fülle, Silber mehrt das Gedeihen. Messing und Bronze schenken gewöhnliche Befreiung. Liṅgas aus Zinn, Blei und Eisen dienen der Vernichtung von Feinden.“ Die Erläuterung setzt Ārakūṭa mit Messing gleich. Weiter: „Bronze verleiht Ruhm, Silber mehrt Söhne, Messing dient Genuss und Befreiung; ein gemischtes Metall gewährt alle Vollendungen.“ Gemischt bedeutet hier: aus acht Metallen gefertigt.

B.2.65 Im Gespräch Śivas mit Nārada heißt es: „Zur Befreiung der Ahnen verehre man ein silbernes Liṅga, zum Erreichen der Wahrheitswelt ein goldenes und zur Kräftigung ein kupfernes.“ Die anschließende Erklärung schränkt die Verehrung kupferner und ähnlicher Liṅgas auf andere Weltalter als das Kali-Zeitalter ein.

B.2.66 Dafür wird das Matsyasūkta angeführt: „Im Kali-Zeitalter verehre man kein Liṅga aus Kupfer, Messing, Blei, rotem Sandel, Muschel, Bronze oder Eisen.“ Unmittelbar darauf stehen jedoch die Vorschriften: „Wer Zufriedenheit wünscht, verehre stets Messing; wer Ruhm wünscht, Bronze; wer Feinde töten will, Eisen; wer langes Leben wünscht, Blei.“ Verbot und anschließende Empfehlungen widersprechen sich in der vorliegenden Zusammenstellung.

B.2.67 Auch der Lakṣaṇasamuccaya sagt: „Gold verleiht beständiges Glück, Silber Königsherrschaft, Zinn mehr Nachkommen, Kupfer längeres Leben. Bronze schafft Zwietracht, Messing vernichtet Feinde, Blei heilt Krankheiten und Eisen vernichtet Feinde. Ein Liṅga aus acht Metallen überwindet Kuṣṭha-Erkrankungen, eines aus drei Metallen schenkt Vollendung hinsichtlich der Erkenntnis.“ Kuṣṭha umfasst im historischen Sprachgebrauch unterschiedliche schwere Hautleiden.

B.2.68 Das Liṅgapurāṇa erklärt: „Diamant verleiht Gedeihen, Stein alle Vollendungen, Metall unmittelbar Reichtum und Holz die Erfüllung des Lebensgenusses.“

B.2.69 Das Kālottara nennt Liṅgas aus Duftstoffen, Blüten und Speisen und fährt fort: „Wer Reichtum wünscht, verehre Moschus; wer Schönheit wünscht, Gorocanā; wer Ausstrahlung wünscht, Safran. Weißes Adlerholz mehrt große Einsicht; schwarzes Adlerholz verleiht die Kraft der Sammlung und des Behaltens.“

B.2.70 Im zwölften Kapitel des Mātṛkābhedatantra heißt es: „Die Verehrung Śivas in einem irdenen Liṅga verleiht alle Vollendungen; in einem steinernen wird die doppelte Frucht genannt. Gold dient dem Untergang von Feinden. Durch Silber wird man Herr aller Vollendungen; seine Frucht ist nochmals vierfach. Kupfer kräftigt, Bronze mindert Vermögen. An der Gaṅgā ist die Frucht hunderttausendfach; Lack bringt Krankheit. Kristall und Smaragd verleihen alle Vollendungen, Geliebte. Eisen vernichtet Feinde, Asche erfüllt Wünsche. Sand bringt die ersehnten Erfolge, Kuhdung schädigt Feinde. Die Größe aller Liṅgas verleiht Dharma, Wunscherfüllung, Wohlstand und Befreiung.“

B.2.71 Der in der Ṣaṭkarmadīpikā angeführte Śivadharma erklärt: „Brahmā verehrt täglich ein glückverheißendes Steinliṅga und erlangte dadurch seine höchste Brahmā-Würde. Viṣṇu verehrt stets ein Saphirliṅga; dadurch erlangte er Viṣṇus Wesen und wurde der einzigartige Beschützer der Geschöpfe. Varuṇa verehrt stets ein reines Kristallliṅga; dadurch erreichte er die mit Glanz und Kraft verbundene Varuṇa-Würde.“

B.2.72 Auch das siebte Kapitel des Mātṛkābhedatantra lehrt: „Verehre die Gottheit in einem irdenen, steinernen, goldenen, silbernen, kupfernen oder bronzenen Liṅga, Göttin; in Quecksilber, an der Gaṅgā, in Kristall oder Smaragd; je nach Absicht in Eisen, Asche, Sand oder Kuhdung. Stein und Holz verehre jedoch nicht ohne vorbereitende Weihe.“ Hier enden die Stoffe zur Herstellung des Śivaliṅga.

Weihe, Śakti und die Maße des Liṅga

B.2.73 Derselbe Text erklärt die Weihe: „Nun sage ich die besondere Vorbereitung. Ein silbernes oder goldenes Liṅga lege man in ein goldenes Gefäß. Herausgenommen verbleibe es drei Tage in Milch. Mit dem Tryambaka-Mantra bade man es und verehre Kālarudra mit sechzehn Darbringungen; auf dem Sockel verehre man Pārvatī. Wieder herausgenommen verbleibe es drei Tage in Gaṅgā-Wasser. Danach vollziehe der Einsichtige die vedisch vorgeschriebene Weihe.“

B.2.74 Die zuvor angeführten Aussagen lehren die Verehrung unterschiedlicher Liṅgas zur Erlangung bestimmter Früchte. Dabei gilt: „Fertige ein Liṅga mit guten Kennzeichen; eines ohne diese meide. Zu geringe Länge führt zu Krankheit, zu große stärkt die Feinde. Zu geringe Maße bringen Verderben, übermäßige Verlust von Kindern. Zu große oder zu kleine Breite bringt gewiss dem Reich Untergang. Fehlender Sockel bringt Armut, fehlender Kopf den Untergang der Familie; fehlt die Brahma-Linie, gehen Könige und Reiche zugrunde. Deshalb bemühe man sich um ein Liṅga mit richtigen Kennzeichen.“ Solche Aussagen erklären nur das korrekt gestaltete Liṅga für fruchtbringend.

B.2.75 Im zweiten Kapitel des Liṅgārcanatantra fragt die Göttin: „Sadāśiva ist ohne Sinnesorgane und von der Natur der Leere. Der Gott hat keine Gestalt. Welche Frucht kann seine Verehrung haben?“

B.2.76 Śiva antwortet: „Große Herrin, Pārvatī, ein Leichnam wird niemals so verehrt. Rudras Kraft heißt Raudrī; diese ist die ursprüngliche Kuṇḍalinī, deren Wesen Brahmā, Viṣṇu und Śiva umfasst. In dreieinhalb Windungen hält sie Śiva stets umschlungen. Ohne Śakti wäre er gewiss leichenhaft. Allein durch die Vereinigung mit Śakti wirkt Sadāśiva. Deshalb verehre man das Śivaliṅga.“ Hier endet die Erklärung der Frucht der Verehrung des mit Śakti verbundenen Śivaliṅga.

B.2.77 Im siebten Kapitel des Mātṛkātantra fragt die Göttin: „Herr der Götter, erkläre mir die Maße des Liṅga und die Besonderheiten bei Erde, Stein und den übrigen Stoffen.“ Śiva antwortet: „Man nehme ein oder zwei Tola Erde. Niemals verwende man eine andere Menge, Pārvatī.“

B.2.78 Auch das in der Ṣaṭkarmadīpikā angeführte Viśvasāratantra sagt: „Man nehme ein oder zwei Tola Erde und forme das Liṅga nach dem Maß der drei Schnüre. In der Größe des eigenen Daumengliedes soll es gefertigt und verehrt werden. So ist das Maß für die Formung aus Erde und ähnlichen Stoffen erklärt. Dadurch erlangt man die genannte Frucht; geschieht es anders, ist auch das Ergebnis anders.“

B.2.79 Das Kālottara erklärt das Dreischnurmaß: „Am Liṅga, an der Verehrungsfläche und am Sockel legt man gleich lange Schnüre an. Ihre Gleichheit nennt man die Bemessung mit drei Schnüren.“ Ferner wird die besondere Eignung verschiedener Erdfarben für die Angehörigen der vier Stände beschrieben.

B.2.80 Im dritten Kapitel des Liṅgārcanatantra heißt es: „Vierfach ist das irdene Liṅga entsprechend der Erde: weiß, rot, gelb und schwarz, Pārvatī. Weiß wird für Brahmanen gepriesen, Rot für Kṣatriyas, Gelb für Vaiśyas, Schwarz für Śūdras.“ Die Zuordnung gehört zur historischen Ordnung der Stände.

B.2.81 Weiter: „Wer ein weißes irdenes Liṅga bildet und verehrt, erlangt die Frucht der drei weltlichen Lebensziele. Der Kṣatriya erlangt sie durch regelmäßige Verehrung eines roten. Der Vaiśya erlangt sie durch die Verehrung eines grünlich-gelben, der Śūdra durch ein schwarzes.“ Die Farbbezeichnung für den Vaiśya wechselt hier von Gelb zu Harita.

B.2.82 Das Mātṛkābhedatantra sagt: „Bei Stein und ähnlichen Stoffen ist auch große Gestalt fruchtbringend. Ob daumengroß oder groß wie der goldene Berg: entsprechend wächst die Frucht. Je größer Liṅga und Rudrākṣa, desto vielfältiger gilt die Frucht ihrer Verehrung beziehungsweise ihres Tragens.“ Die Erklärung schränkt diese Steigerung auf andere als irdene Liṅgas ein, weil für Erde zuvor ausdrücklich ein oder zwei Tola vorgeschrieben wurden.

B.2.83 Für Stein, Kristall, Smaragd und ähnliche Stoffe wird im Liṅgapurāṇa das Fünfschnurmaß genannt: „Das Maß des Śivaliṅga gelte rechts und links; das Maß des vorderen Yoni-Teils gelte entsprechend auch darunter.“ Ein anderes Tantra sagt: „Seiner Breite entspreche auch seine weitere Ausdehnung. Die Verehrungsfläche sei doppelt so groß wie das Liṅga, die Yoni halb so groß. Niemals fertige man es kleiner als einen Daumen. Bei der Herstellung aus Edelsteinen richtet sich das Maß jedoch nach dem vorhandenen Stoff.“ Die geometrischen Einzelbezüge der ersten Formulierung sind knapp und nicht vollständig erläutert.

Der Sinn des Liṅga und die Größe seiner Verehrung

B.2.84 Das Skandapurāṇa erklärt den Namen: „Den Raum nennt man Liṅga; die Erde ist sein Sockel. Es ist die Wohnstätte aller Götter; weil alles darin aufgeht, heißt es Liṅga.“

B.2.85 Śiva spricht: „Die Verehrung eines Bildes durch Blüten, Räucherwerk und Speisen erfreut mich nicht in demselben Maß. Wird aber das Liṅga verehrt, bin ich aufs Höchste erfreut, Pārvatī. So haben mich einst alle Götter bei ihrem heiligen Werk gewonnen. Götter, Dämonen und Kinnaras nennen es aufgrund seines Liṅga-Wesens Liṅga. Wer sich seiner Verehrung hingibt, dem schenke ich den Himmel. Alle Verfehlungen zurücklassend, frei von Krankheit, mit verbrannter Befleckung, den Geist auf mich gerichtet und mir seine Verneigung darbringend, gelangt er zu mir allein.“ Eine Zeile der Namensdeutung ist im Sanskrit unklar und wird nicht zu einer weiteren Etymologie ausgebaut.

B.2.86 Derselbe Text nennt besondere Gaben: „Wer mein Liṅga mit durch ein Tuch gefiltertem Wasser badet, erlangt die Frucht von Hunderttausenden Pferdeopfern. Wer es hingebungsvoll mit duftender Sandelpaste bestreicht, den salben himmlische Frauen mit wohlriechender Yakṣakardama-Paste.“

B.2.87 Im dort angeführten Gespräch Śivas mit Nārada heißt es: „Wessen Zeit Tag für Tag ohne Liṅga-Verehrung vergeht, der erleidet großen Verlust, verirrt und unheilvoll gesinnt. Alle Gaben, mannigfaltigen Gelübde, Wallfahrtsstätten, Selbstbindungen und Opfer auf der einen Seite – die Liṅga-Verehrung auf der anderen. In den vier Veden und der alten Überlieferung gibt es nichts, das ihr gleichkommt; das ist der feste Schluss aller Schriften.“

B.2.88 „Wer täglich das Liṅga verehrt, das Lebensgenuss und Befreiung schenkt und vielfältige Bedrängnisse abwendet, erreicht die Vereinigung mit Śiva. Der Wissende lasse das gesamte Netz der übrigen Riten zurück und verehre mit höchster Hingabe allein das Liṅga.“

B.2.89 Im sechzehnten Kapitel des Matsyasūkta heißt es: „Tausend Pferdeopfer und hundert Vājapeya-Opfer erreichen nicht einmal den sechzehnten Teil des Verdienstes der Verehrung des großen Herrn.“ Das Liṅgapurāṇa sagt: „Wozu viele Worte? Diese ganze Welt mit Beweglichem und Unbeweglichem besteht durch die Verehrung des Śivaliṅga; daran ist kein Zweifel.“

B.2.90 Das Mātṛkābhedatantra erklärt: „Durch Śivas Verehrung wird man Herr der vier Lebensziele. Durch die Verehrung Śambhunāthas erlangt ein Sterblicher die acht Herrlichkeiten. Wer Śambhu verehrt, wird selbst Nārāyaṇa genannt. Alle Gottheiten im Himmel, auf Erden und in der Unterwelt werden durch die Verehrung Śambhunāthas mitverehrt.“

B.2.91 Im von der Ṣaṭkarmadīpikā angeführten Kālottara spricht Nārada: „In diesem vergänglichen Dasein sind vier Dinge wesentlich: Wohnen in Kāśī, Gemeinschaft mit den Guten, das Wasser der Gaṅgā und die Verehrung Śambhus.“

B.2.92 Das Skandapurāṇa sagt: „Feueropfer, die drei Veden und Opfer mit reichen Priestergaben kommen der Liṅga-Verehrung nicht einmal zu einem Zehnmillionstel gleich. Selbst wer Wesen zerschnitten und verwundet und die ganze Welt verlassen hat, wird nach der Verehrung des ungleichäugigen Gottes nicht von Verfehlung befleckt. Welcher Mensch, der durch Tausende Geburten und Daseinsformen wandert, erlangte ohne Liṅga-Verehrung Befreiung?“ Die drastische Aussage über Gewalt steht im Zusammenhang eines Lobes der Reinigungskraft der Verehrung.

B.2.93 Im vom Vīramitrodaya angeführten Skandapurāṇa heißt es: „Brahmane, Kṣatriya, Vaiśya, Śūdra oder aus einer Anuloma-Verbindung Geborener: Jeder verehre das Liṅga stets ehrfürchtig mit dem ihm entsprechenden Mantra.“ Die Erläuterung versteht darunter einen jeweils geeigneten vedischen, tantrischen oder Namensmantra. Anuloma bezeichnet eine nach der damaligen Standesordnung bestimmte Verbindung von Eltern unterschiedlicher Zugehörigkeit.

B.2.94 Das Liṅgapurāṇa erklärt: „An der Wurzel ist Brahmā, in der Mitte Viṣṇu, Herr der drei Welten, darüber Rudra, der große Gott, Sadāśiva, der als Praṇava bezeichnet wird. Die Liṅga-Unterlage ist die große Göttin, das Liṅga unmittelbar der große Herr. Durch ihre tägliche Verehrung werden Göttin und Gott verehrt.“

Das Quecksilberliṅga

B.2.95 Im achten Kapitel des Mātṛkābhedatantra heißt es: „Auf Kailāsa besteht das große lichtvolle Liṅga, Geliebte. Ein Sechzehntel davon ist als Viśveśvara in Kāśī gegenwärtig. Das volle Liṅga ist Śivas Same, nichts anderes. Wie in einem Stein mit Radzeichen Lakṣmī-Nārāyaṇa gegenwärtig ist, so verhält es sich hier; doch erreicht Lakṣmī-Nārāyaṇa nicht ein Hundertstel des Quecksilbers.“

B.2.96 „Im Wort Pārada ist der Laut Pa Viṣṇu, Ā Kālikā selbst, R Śiva und Da Brahmā. Quecksilber hat das Wesen Brahmās, Viṣṇus und Śivas. Wer ein Quecksilberliṅga verehrt, ist selbst der unvergängliche Śambhu. Wer es auch nur einmal im Leben verehrt, ist gesegnet, wissend und der Wahrheit kundig; er kennt Brahman, ist reich, ein auf Erden verehrter König und als ausgezeichneter Praktizierender Herr der Vollkommenheiten des Kleinwerdens und der übrigen Kräfte.“

B.2.97 Derselbe Text beschreibt die Herstellung: „Weil beim Formen Śivas aus Quecksilber viele Hindernisse auftreten, vollziehe man befriedende und glückverheißende Riten. Quecksilber ist Śivas Same; es darf nicht geschlagen werden. Schlagen führt zu Vermögensverlust, Mittellosigkeit, Krankheit und Tod.“ Die folgenden Angaben schildern historische Alchemie; Quecksilber ist giftig und diese Behandlung keine geeignete Selbstpraxis.

B.2.98 Zur Vorbereitung nennt der Text die Verehrung von zwölf irdenen Liṅgas mit sechzehn Darbringungen. Die Zahlenform ist beschädigt. Dargebracht werden zwei weiße Gewänder aus Seide oder entsprechendem Fadenstoff, der verehrten Gestalt angemessen; ein zum Genuss geeigneter Madhuparka und nach Vermögen Schmuck als Glücksgabe. Die Verehrung geschieht besonders sorgfältig mit Bilvablättern. Nach der im Toḍala gelehrten Vorschrift wird jeweils zehntausendfach rezitiert; zu Beginn 108-mal der fünfsilbige Mantra, nach der Verehrung der große Prasāda-Mantra.

B.2.99 Nach Abschluss mit einer Gabe an den Ritualkundigen lebt der Sinnesbeherrschte von Opferspeise. Betel und Fisch sollen nach diesem Text dabei ausdrücklich nicht gemieden werden: „In diesem Tantra gelten Betel und vortrefflicher Fisch als Opferspeise.“ Das Feueropfer beträgt ein Zehntel oder ein Hundertstel der Rezitationen; auch dafür wird eine abschließende Gabe vorgesehen. So sollen Hindernisse fernbleiben.

B.2.100 Für den folgenden Tag nennt die Überlieferung das Herbeibringen des Quecksilbers und die Rezitation eines neunbestandteiligen Bindungsmantra darüber. Dieser wird verschlüsselt durch Raum-Bīja, Śiva-Laut, Anfangsbuchstaben mit Bindu sowie Wind-Bīja mit Mondzeichen beschrieben; außerdem erscheint die Bezeichnung Tryambaka. Die genaue Lautfolge ist aus diesem Wortlaut nicht sicher zu gewinnen. Über der als Arzneistoff bezeichneten Substanz und 108-mal über dem Quecksilber gesprochen, soll der Mantra zusammen mit den Zusätzen dessen Bindung bewirken.

B.2.101 Am nächsten Tag wird der ausführende Fachkundige nach den eigenen Mitteln feierlich bestellt und beschenkt: goldene, Campaka-förmige Ohrzier für beide Ohren, ein viereckiger goldener Halsschmuck, zwei helle Armreifen, ein Ring und ein gelber Ring sowie zwei Leinengewänder. Die Glosse erklärt Ūrmī als Ring. Danach wird der Beschenkte als Śivas Gestalt betrachtet.

B.2.102 Die historische Beschreibung fährt mit einer Behandlung auf Stein unter Verwendung von Jhiṇṭī-Blattsaft und Praṇava-Rezitation fort; die Masse soll schlammartig und formbar werden. Daraus wird das Liṅga geformt und weiter gefestigt. Ein mit Khapuṣpa verbundener Stoff und geringe Wärme über Kuhdungglut werden als weitere Mittel genannt. Khapuṣpa ist hier ein mehrdeutiger alchemistischer Ausdruck und wird nicht durch eine vermutete Substanz ersetzt.

B.2.103 Anschließend folgt eine dem Avadhūta zugeschriebene, stark beschädigte volkssprachliche Passage. Erkennbar sind Hinweise auf Quecksilber, Bearbeitung beziehungsweise Vermischung, das Formen Śivas, Erwärmung, Wasser und eine diamantgleiche Festigkeit. Eine zuverlässige vollständige Satzübersetzung ist aus dem vorhandenen Wortlaut nicht möglich. Hier endet die Vorschrift zur Herstellung des Quecksilber-Śivaliṅga.

Die Entstehung des Śivaliṅga

B.2.104 Im ersten Kapitel der dritten Nacht des Nāradapañcarātra erklärt Brahmā im Gespräch mit Nārada: „Früher hielt ich dich für unstet und offenbarte es dir nicht. Jetzt erkenne ich dich als Yogin und will es sagen. Es ist überaus geheim, überaus geheim, überaus geheim, ohne Zweifel. Auch du sollst es hüten, hüten, hüten. Śambhu verbarg es in einem Tantra und offenbarte es in einem anderen. Höre nun gesammelt und aufmerksam.“

B.2.105 „Am Anfang der Schöpfung schuf ich vielerlei Wesen: Götter, Dānavas, Daityas, Gandharvas, Yakṣas und Rākṣasas. Sie alle waren den Frauen zugetan; durch geschlechtliche Vereinigung entsteht Nachkommenschaft. Śiva allein dachte niemals daran, eine Frau zu nehmen. Besorgt darüber suchten die Götter mit Indra und die übrigen Wesen bei mir Zuflucht. Sie verneigten sich, priesen mich und sprachen mit gefalteten Händen, aus Furcht stockend.“

B.2.106 Die Götter sagten: „Wir alle sind verheiratet, auch du und Janārdana. Allein Mahādeva, Gott der Götter und Herr der Welt, denkt nicht an Heirat. Welche Frau könnte Śiva bezaubern? Ersinne ein Mittel, damit auch der Weltenherr eine Gemahlin nimmt. Vollbringe dies, Schatz des Erbarmens!“ Nach diesen Worten ging Brahmā, der lotossitzende Herr der Geschöpfe, mit ihnen zu Viṣṇu, der auf Garuḍa saß, und sprach den lotosäugigen Weltenherrn an.

B.2.107 Brahmā sagte: „Bester der Götter, ich habe die Menschen als durch geschlechtliche Vereinigung Entstehende geschaffen. Alle sind Frauen zugetan außer Śambhu. Sage mir, was zu tun ist.“ Der Erhabene antwortete: „Du und ich wollen mit ihnen zu Śiva gehen. Mit seiner Zustimmung soll das Nötige ordnungsgemäß geschehen. Doch bestimme zunächst eine ihm angemessene Frau zur Vermählung.“

B.2.108 Brahmā sagte: „Gehen wir alle zu Dakṣa. Weise ihn an, Hari, rasch die ursprüngliche Śakti, Mahāmāyā, gnädig zu stimmen. Als seine Tochter geboren wird sie den großen Śambhu bezaubern.“ So gingen Brahmā und Keśava mit den anderen zum mächtigen Dakṣa und erklärten ihr Anliegen. Der Schöpfer forderte ihn zu entsprechender Askese auf. Durch Askese erfreuten Brahmā, Viṣṇu und die anderen die Göttin. Kālikā, Herrin der Welt, erschien und fragte, weshalb Götter und Dämonen sie so sehnlich begehrten.

B.2.109 Die Göttin sprach: „Bald werde ich eurer Bitte die gewünschte Gestalt und Frucht gewähren. Wahrlich, wahrlich, ohne Zweifel!“ Die Götter antworteten: „Werde Dakṣas Tochter und bezaubere Śaṅkara. Erfülle diesen unseren Wunsch, stets Heilvolle!“ Darauf blickte Kālikā, die Weltenherrin, Brahmā an und sprach; die Beschreibung ihres Gemütszustands ist beschädigt.

B.2.110 Die Göttin sagte: „Śambhu ist noch jung. Wird er mich zufriedenstellen? Bestimme einen anderen Mann, der mir angemessen ist.“ Brahmā antwortete: „Śambhu ist der Lehrer aller, unser höchster Herr, von gewaltigem Wesen und großer Strahlkraft. Er wird dich zufriedenstellen. Nirgends und niemals gibt es einen Mann, der Śambhu gleicht.“

B.2.111 Darauf gewährte die Herrin Dakṣa ihren Anblick und forderte ihn auf, einen Wunsch zu nennen. Er sah die höchste Göttin mit Schwert und Schneidemesser, klein von Gestalt, mit hängendem Bauch, Tigerfell um die Hüften, blauem Lotos und Schädelgefäß in den Händen, Gaben gewährend. Dakṣa, der Herr der Geschöpfe, empfand sein Leben als erfüllt.

B.2.112 Dakṣa sagte: „Wenn du mir eine Gabe gewährst, erfülle auch den Wunsch der Götter: Werde meine Tochter und bezaubere Śaṅkara.“ „So sei es“, sprach die Weltenmutter und verschwand. Die Götter verneigten sich und begaben sich mit ihren Frauen dorthin, wo Hara Askese übte. Sie nahten dem höchsten Selbst, dem Weltenherrn, verneigten sich, priesen ihn voller Hingabe und sprachen mit stockender Stimme.

B.2.113 Die Götter sagten: „Erhabener, Gott der Götter, Weltenherr, Großgesinnter! Wir alle haben um der Schöpfung willen Gemahlinnen. Heirate auch du, damit die Schöpfung bewahrt werde. Im Hause Dakṣas ist Mahākālī, die Māyā genannt wird, zu deiner Freude geboren, Śambhu. Ohne Zweifel ist sie dir angemessen.“

B.2.114 Der Herr antwortete: „Zu eurer Freude werde ich es gewiss tun. Trefft rasch die Vorbereitungen für meine Hochzeit.“ So vom großen Herrn angesprochen, gingen die Götter befriedigt zum schönen Haus Dakṣas und berichteten Śaṅkaras Worte. Nach vollzogener Hochzeit kehrten alle heim. Auch Maheśvara ging mit Satī nach Hause und genoss lange mit ihr die Liebe, ganz darin versunken.

B.2.115 Eines Tages vereinigte sich Maheśvara mit Satī; sie konnte ihn nicht länger ertragen und war erschöpft. Mit flehender Stimme sagte sie zum Gott der Götter, zum Weltenlehrer: „Erhabener, ich vermag deine schwer erträgliche Last nicht mehr zu tragen. Schone mich, großer Gott; erbarme dich, Weltenherr!“ Obwohl der Stierbannerträger ihre Worte hörte, setzte er die Vereinigung heftig und ohne Erbarmen fort.

B.2.116 Als die Vereinigung vollendet war und Satī sich aufrichten wollte, fiel die höchste Kraft beider auf die Erde und erfüllte die ganze Welt. In Unterwelt, Erdenwelt und Himmel entstanden Śivaliṅgas. So entstanden die mit einer Yoni verbundenen Liṅgas der Vergangenheit und Zukunft: „Wo Liṅga ist, ist Yoni; wo Yoni ist, ist Śiva. Aus der Kraft beider entstand das Śivaliṅga.“ Die Erzählung bewahrt hier auch Satīs ausdrückliche Bitte um Schonung und Śivas im Text als erbarmungslos beschriebenes Verhalten.

Zugang zur Verehrung und ihr beanspruchter Vorrang

B.2.117 Hier endet die Erzählung von der Entstehung des Śivaliṅga. Dass alle zur Verehrung berechtigt sind, erklärt das vierundsechzigste Kapitel des Utpattitantra: „Ob Verehrer der Śakti, Viṣṇus, der Sonne oder Gaṇeśas: Wie könnte ohne Śiva-Verehrung Vollendung entstehen, Geliebte? Wer eine andere Gottheit verehrt, ohne mich zuvor zu verehren – deren Gabe wird nicht angenommen; die Gottheit spricht einen Fluch aus und kehrt in ihre Wohnstatt zurück.“

B.2.118 „Selbst wenn Süßspeisen bergeshoch, Früchte und Blüten in großer Menge, verschiedenste Speisen wie der Sumeru und Suppen wie ein Meer dargebracht werden: Alle Blüten und Speisegaben werden zu Kot, wenn jemand ohne Śiva-Verehrung eine andere Gottheit verehrt. Besonders im Kali-Zeitalter lädt er Verfehlung auf sich.“ Diese ausschließende Sprache ist die Aussage der zitierten śivaitischen Quelle.

B.2.119 Auch im ersten Kapitel des Liṅgārcanatantra heißt es: „Unter allen Verehrungen nimmt die Liṅga-Verehrung den höchsten Rang ein. Wer ohne sie eine andere vollzieht, dessen Verehrung bleibt fruchtlos; am Ende gelangt er in die Hölle. Deshalb verehre man zuerst das Liṅga. Ein Reich, dem diese Verehrung fehlt, halte ich für gefallen und einem Kotplatz gleich. Wenn Brahmane, Vaiśya und Kṣatriya das Liṅga nicht verehren, werden sie augenblicklich zu Caṇḍālas; der Śūdra gilt dann wie ein Schwein.“ Diese abwertenden Standesbezeichnungen werden als historischer Wortlaut wiedergegeben.

B.2.120 „Ein Haus ohne Śiva-Verehrung ist wie eine Kotgrube, Pārvatī; seine Speise ist Kot, seine Milch Urin. Ob Śākta, Vaiṣṇava oder Śaiva: Zuerst verehre man das Liṅga mit Bilvablättern, dann erbitte man seine Zustimmung und verehre die andere Gottheit. Ohne Śiva-Verehrung ist alles wie Urin.“

B.2.121 Zum Śivaliṅga heißt es im vom Vīramitrodaya zitierten Skandapurāṇa: „Durch seinen Anblick und seine Berührung finden Menschen Ruhe und Seligkeit. Nicht einmal in hundert Weltaltern könnte ich sein Verdienst vollständig beschreiben. Deshalb stelle man diesen Śiva auf: die glückverheißende göttliche Gestalt des allgegenwärtigen Herrn für alle Stände, wohlgestaltet und der Betrachtung würdig.“ Die folgende Wendung über Yogins lautet in der vorhandenen Lesung „fruchtlos“; ihre beabsichtigte Aussage ist nicht sicher herzustellen.

B.2.122 „Ein König, der das Śivaliṅga übergeht und andere Gottheiten verehrt, gelangt mit seinem Land in die Raurava-Hölle. Alle Götter mit Brahmā an der Spitze, Könige, große Ṛṣis, Menschen und Weise verehren das Liṅga. Nachdem Viṣṇu-Nārāyaṇa Brahmās Sohn samt Heer getötet hatte, stellte er am Ufer des Meeres hingebungsvoll ein Liṅga nach der Vorschrift auf. Selbst nach tausend Verfehlungen und dem Töten von hundert Brahmanen wird, wer beim Liṅga Zuflucht sucht, von Schuld frei – daran ist kein Zweifel.“

B.2.123 „Alle Welten bestehen aus Liṅga, alle gründen im Liṅga. Deshalb verehre es, wer den ewigen Zustand ersehnt. Die ganze Welt ist von seiner Natur und gründet darin; deshalb stelle man es mit aller Sorgfalt auf und verehre es.“

B.2.124 „Brahmā, Hara, die Viśvedevas, Umā, Hari, Lakṣmī, Dhṛti, Smṛti, Prajñā, Vidhi, Durgā und Śacī; die Rudras und Vasus, Skanda, Viśākha, Śākha und der erhabene Naigameśa; Welthüter und Planeten; die Scharen mit Nandin an der Spitze und ihr Herr Gaṇapati; Ahnen, Weise, Kubera und die übrigen Edlen; Ādityas, Vasus, Sādhyas, die beiden Aśvins als hervorragende Ärzte und die vereinten Viśvedevas; Haustiere, Vögel und Wildtiere – von Brahmā bis zum Unbeweglichen gründet alles im Liṅga. Deshalb stelle man das Liṅga des Herrn mit aller Sorgfalt auf.“ Die abschließende Zeile über die Verehrung eines mit einem Pala-Maß aufgestellten Liṅga bleibt ohne vollständig erhaltenen Folgesatz.

B.2.125 An anderer Stelle heißt es: „An seiner Wurzel wohnt der erhabene Brahmā, in der Mitte Viṣṇu, an der Spitze Śambhu, der ungeborene Herr der Geschöpfe, der erwählte Rudra. Deshalb stelle man das Liṅga, den großen göttlichen Wunschbaum, auf oder verehre es; dieser Herr der Scharen wird von allen führenden Gottheiten verehrt.“

B.2.126 „Mit Duftstoffen, duftenden Blüten, zahlreichen Opfergaben, Hymnen, Mantras und Darbringungen verehren sie täglich den von den höchsten Göttern gepriesenen Maheśa in Liṅga-Gestalt. Das erneute Eingehen in einen Mutterleib und die damit verbundenen Zustände enden; furchtlos werden die Verehrenden selbst von Göttern, Gandharvas, Vollendeten und den göttlichen Scharen geehrt.“ Die zweite Strophe ist grammatisch beschädigt; die genaue Verbindung ihrer Ehrentitel bleibt unsicher.

B.2.127 „Deshalb stelle man den höchsten Herrn mit Hingabe und Darbringungen auf und verehre das Liṅga besonders zur Verwirklichung aller Ziele. Stets ist Maheśvara in Liṅga-Gestalt zu verehren. So lange die Verehrung des Götterherrn währt, so lange dauert das Verweilen im Himmel. Deshalb verehren die Glaubensvollen Śiva täglich. Die ganze Welt ist Liṅga und gründet darin; wer seine Vollendung wünscht, verehre es.“

B.2.128 „Götter, Daityas, Dānavas, Yakṣas, Vidyādharas, Vollendete, Rākṣasas und Fleischverzehrende erlangten durch die Verehrung der Liṅga-Gestalt Vollendung, ohne Zweifel. Deshalb verehre man es täglich mit irgendeiner verfügbaren Gabe, ihr Götter! Wer großen Genuss oder Herrschaft in der Götterwelt wünscht, verehre stets Maheśvara in Liṅga-Gestalt. Selbst wer Wesen zerschnitten, verwundet und diese ganze Welt getötet hat, wird durch die Verehrung des einen ungleichäugigen Gottes nicht befleckt.“ Die letzte Zeile enthält eine beschädigte Lesung für die befleckende Schuld. Diese Zitate sind dem Vīramitrodaya entnommen.

Verehrung zu den drei Tageszeiten

B.2.129 Das Matsyasūkta erklärt: „Wer morgens aufsteht und das Liṅga in Hingabe verehrt, erlangt die Frucht der Gabe von hundert braunen Kühen. Wer es zur Mittagszeit verehrt, erlangt die Frucht der Schenkung der ganzen Erde.“

B.2.130 Weiter: „Wer Śiva täglich 1008-mal verehrt, einmal oder zu drei Tageszeiten, reinigt drei Familienlinien. Auch vierundsechzig, hundert oder fünfzig werden genannt.“ Die anschließende Zeile verbindet diese Zahlen mit einer Tausenderzahl und dem Laut Ma, ist aber nicht zuverlässig deutbar. „Wer ein Kristallliṅga verehrt, erlangt Vermögen, langes Leben, Frau, Söhne und alles sonst im Herzen Ersehnte. Lieber das Leben aufgeben oder den Kopf verlieren, als ohne Verehrung des großen Herrn im Śivaliṅga zu handeln.“ Das letzte Verb ist unsicher; häufig erwartetes „essen“ steht hier nicht eindeutig. Die Todesformulierung ist ein drastischer Ausdruck ritueller Verpflichtung, keine Praxisempfehlung.

B.2.131 Auch das in der Ṣaṭkarmadīpikā zitierte Skandapurāṇa sagt: „Wer nach dem morgendlichen Aufstehen das Liṅga einmal in Hingabe verehrt, erlangt die Frucht der Gabe von hunderttausend braunen Kühen. Zur Mittagszeit entspricht die Verehrung der Schenkung der ganzen Erde. Wenn die Sonne in Varuṇas Himmelsrichtung, im Westen, steht, entspricht Śivas Verehrung der Gabe von hunderttausend Kühen.“ Die Morgenzahl weicht von der zuvor genannten Hundert ab.

Die Zahl irden angefertigter Liṅgas

B.2.132 Der Vīramitrodaya überliefert die Zahl irden angefertigter Liṅgas je nach Wunsch: „Das irdene Liṅga schenkt in höchstem Maß Genuss und Befreiung. Ort, Zeit und Umstände erkennend, fertige man das fruchtbringende Liṅga. Wer trotz dieses Wissens nicht handelt, dessen Vorhaben gelingt nicht.“

B.2.133 „Wer Wissen sucht, fertige hunderttausend; wer Reichtum sucht, die Hälfte. Für einen Sohn werden 1500 genannt, für eine Tochter beziehungsweise Braut 300. Zehntausend gelten als hervorragendes Mittel zur Tilgung aller Verfehlungen. Für Königsherrschaft sind es hunderttausend, für eine Geliebte 500. Wer Befreiung sucht, fertige eine Koṭi, also zehn Millionen; wer Machtfülle sucht, tausend. Für Schönheit sind es dreitausend, für ein Wallfahrtsziel zweitausend, für Freundschaft tausend und für Kleidung achthundert.“

B.2.134 Für schädigende und beeinflussende Ritualziele nennt die Sammlung siebenhundert für Tötung, achthundert für Verblendung, je tausend für Vertreibung und Unterwerfung sowie tausend für Erstarrung. Unmittelbar danach werden für Tötung fünfhundert genannt; beide Angaben bleiben bestehen. „Bei großer Furcht vor dem König, in Not und Bedrängnis sind fünfhundert vorgesehen. Tausend beziehungsweise zehntausend werden als alle Wünsche erfüllend bezeichnet.“ Die Verbindung der letzten Zahlen ist im Text unklar.

B.2.135 „Ein Liṅga tilgt Verfehlung, zwei verwirklichen ein Ziel, drei gelten als hervorragender Grund aller Wunscherfüllung. Die Verehrung von zehntausend gefertigten Liṅgas nimmt die Furcht vor dem König. Tausend befreien gewiss von Fesseln; zur Entlassung aus dem Gefängnis werden zehntausend angefertigt. Bei Furcht vor Ḍākinīs und ähnlichen Wesen sind fünftausend vorgesehen. Ein Kinderloser fertige fünfzigtausend.“ Die unterschiedlichen Zahlen für einen Sohn und für Kinderlosigkeit werden nicht angeglichen.

B.2.136 Im neunten Kapitel des Liṅgārcanatantra heißt es: „Wer nach dieser Folge hunderttausend verehrt, erlangt ohne Zweifel jede erhoffte Frucht, Göttin.“ Weiter: „Zwei verehre man nicht zu einer Einheit zusammengefasst. Zehn, fünf oder hundert kann man zusammenstellen oder einzeln mit Bilvablättern verehren. Jedes Liṅga verehre man für sich, niemals ein Paar als Einheit; die Verehrung eines Paares bringt Armut.“ Hier endet das Verbot der paarweisen Liṅga-Verehrung. Die überlieferte Schlussmarkierung lautet 1.

B.2.137 Hier endet in der Śrīprāṇatoṣiṇī, im fünften Buch über die Hingabe, der zweite Lehrabschnitt mit dem überlieferten Titel „Darlegung der Zweige“.


Bhaktikāṇḍa: Dritter Lehrabschnitt – Die Verehrung Śivas

Das irdene Liṅga und seine Belebung

B.3.1 Im fünfzehnten Kapitel des großen Matsyasūkta-Tantra heißt es: „Man hole Erde von einer heiligen Stätte und forme ein wunderbares Liṅga. Fehlt eine solche Stätte, nehme man Flusserde, du mit reinem Lächeln; fehlt ein großer Fluss, Erde von einem kleinen Wasserlauf.“ Die Unterscheidung lautet: „Was im Gebirge entspringt, heißt Fluss; ein anders entspringender Wasserlauf heißt klein. Erde von einem Wasserfall schenkt Wohlstand, Erde aus einem See vielerlei Glück. Fehlt alles dies, nehme man Erde aus einer Kuhhufspur oder von einem Ort, an dem das Herz sich klärt.“

B.3.2 „Das irdene Liṅga werde wohlgeformt, schön, anmutig und frei von Kies gefertigt, verbunden mit einer umschlingenden Form. Das Liṅga ist Rudra, der höchste Herr; die umschlingende Kuṇḍalī ist die Göttin, die höchste Herrin. Durch Śivas Verehrung werden Göttin und Gott verehrt. Die Verehrung des einen ist die Verehrung beider.“

B.3.3 Das zweite Kapitel des Liṅgārcanatantra ordnet die Erde nach den Farben zu. Die Erläuterung bezieht dies auf die zuvor erklärte Zuordnung der Farben zu Brahmanen und den weiteren Ständen. Die Erde wird mit den Mātṛkā-Mantras in vorwärts- und rückläufiger Folge besprochen; eine zehnfache Rezitation wird genannt. Danach richtet man ein Gebet an die Erde.

B.3.4 „Göttin Erde, die du alle Kräfte in dir trägst, Herrin der Götter! Ich forme ein irdenes Liṅga und vollziehe Śivas Verehrung. In dir sind Wunscherfüllung und Dharma und die weitere Ordnung gegründet. Göttin, Geberin der vier Lebensziele, mit mannigfaltigen Edelsteinen geschmückt! Wo wären ohne dich Befreiung und Glück? Ohne dich entstehen weder Wohlstand noch Wunscherfüllung.“ Eine Verbindung im mittleren Satz ist beschädigt.

B.3.5 „Oṃ hrīṃ, Erde, Tilgerin böser Taten, hrīṃ oṃ“ – mit diesem Mantra wird die Erde genommen. Als Alternative nennt der Text „Oṃ, Verehrung Hara“. Wer die Erde unwissend ohne diese Vorbereitung nimmt, dessen Verehrung des irdenen Liṅga gilt als fruchtlos. Zum Formen werden Mātṛkā-Mantras und „Oṃ, Verehrung Maheśvara“ gesprochen. Danach folgen Mātṛkā, die Anrufung des Dreizackträgers und „Sei fest gegründet“. Mit dem Mantra der Lebensbegründung wird dem irdenen Śivaliṅga Lebenskraft zugeordnet.

B.3.6 Auch im fünften Kapitel des Toḍalatantra heißt es: „Höre die Verehrung Śivas im irdenen Liṅga. Zuerst erfreue man den göttlichen Guru mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Mit der Verneigung vor Hara nehme man die Erde, mit der Verneigung vor Maheśvara forme man sorgfältig. Dann spreche man: ‚Dreizackträger, sei hier fest gegründet.‘ Mit diesem Mantra vollziehe man das Einsetzen des Lebens. Für die sechs Mantraglieder wird Ha mit Bindu und den langen Vokalen verbunden.“

B.3.7 Das Liṅgārcanatantra ordnet zuerst die Reinigung der Elemente an, danach den sorgfältigen Mātṛkā-Nyāsa, dann die Atemregelung und die Betrachtung Śivas.

Die Betrachtung des großen Herrn

B.3.8 Das Toḍalatantra lehrt: „Oṃ. Stets betrachte man Maheśa, dem Silberberg gleich, mit schöner Mondsichel als Schmuck; seine Glieder leuchten im Edelsteinschmuck. Friedvoll hält er Beil und Gazelle und gewährt mit den Händen Gaben und Furchtlosigkeit. Auf einem Lotos sitzend, ringsum von den unsterblichen Scharen gepriesen, trägt er ein Tigerfell. Er ist Anfang und Same des Weltalls, nimmt alle Furcht, hat fünf Gesichter und drei Augen.“ Die Glossen erklären ausdrücklich den strahlenden Edelsteinschmuck und das umhüllende Tigerfell.

B.3.9 Eine Blüte wird auf den eigenen Kopf gelegt und die Verehrung innerlich vollzogen. Nach erneuter Betrachtung und Auflegen der Blüte wird der Träger des Pināka-Bogens gerufen: „Komm hierher, komm hierher; bleibe hier, bleibe hier; sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig. Rudra, bleibe hier gegenwärtig, solange ich die Verehrung vollziehe.“ Der Text gibt die Formel teilweise durch Anweisungen zur Wortwiederholung an. Das Badewasser wird mit der Verneigung vor Paśupati dargebracht.

B.3.10 Für den brahmanischen Praktizierenden wird der Beginn des Verehrungsmantra mit dem „Anfang des Veda“, dem Praṇava Oṃ, erklärt. Nach der Bezeichnung der Gabe, etwa „dieses Wasser für die Füße“, folgen der sechssilbige Mantra und die Verneigung; entsprechend werden alle Gaben dargebracht.

B.3.11 Zunächst beschreibt die Quelle den Prasāda-Mantra verschlüsselt: Nakulīśa, also Ha, mit dem Manu-Vokal, hier Au, verbunden mit Bindu, Nāda und Kalā. „Seine Größe habe ich im oberen Überlieferungsstrom erklärt.“ Danach folgt die Entschlüsselung des fünfsilbigen Śiva-Mantra: die Verneigung „namaḥ“, Śa mit dem rechten Auge als I, der Varuṇa-Laut mit dem Mundkreis als Ā und der Windlaut mit dem Stirnzeichen als A. Die Zuordnung des Varuṇa-Lautes ist im vorhandenen Wortlaut fehlerhaft; sie wird nicht stillschweigend geglättet. Mit vorangestelltem Oṃ heißt der Mantra sechssilbig und schenkt die Frucht der fünf Überlieferungsströme.

B.3.12 Danach wird eine höchst geheime Formel beschrieben, in der Prasāda, die Anrede an Ardhanārīśvara und erneut Prasāda verbunden werden. „So vielgestaltig ist meine Gestalt, Tochter des Berges. Nach ihrer Verehrung verehre man meine acht Erscheinungsformen.“

Die acht Erscheinungsformen und der Abschluss

B.3.13 Genannt werden Śarva, Bhava, Rudra, Ugra, Bhīma, Paśupati, Mahādeva und Īśāna. Ihnen entsprechen Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum, der Opfernde, Mond und Sonne. Gottheitsname und Gestaltbezeichnung stehen jeweils im Dativ; die Formel beginnt mit Oṃ und endet mit der Verneigung. Die acht Formen werden auf der Verehrungsfläche gegen den Uhrzeigersinn verehrt, beginnend im Osten und endend im Südosten; im Liṅga selbst verehrt man Śiva.

B.3.14 Danach werden 1008 oder hundert Rezitationen genannt. Zur Darbringung spricht man: „Oṃ. Du hütest das Geheimste der Geheimnisse. Nimm meine vollzogene Rezitation an. Durch deine Gnade möge mir Vollendung werden, Gott, der du gegenwärtig bist.“ Mit einem Hymnus wird die Rezitation übergeben. Es folgen ein mit dem Mund erzeugter Klang und die achtgliedrige Verneigung. Mit der Einziehungs-Mudrā und „Großer Gott, verzeihe“ wird die äußere Gegenwart verabschiedet.

B.3.15 Als geheime Merkfolge werden die Namen genannt: Hara, Maheśvara, Śūlapāṇi, Pinākadhṛk, Paśupati, Śiva und Mahādeva. Danach folgen die acht Erscheinungsformen, Rezitation und Mundklang. Auch der Mantratantraprakāśa ordnet diese Namen den Schritten Erdholen, Formen, Begründung, Betrachtung, Aufstellung, Verehrung und Verabschiedung zu.

B.3.16 Zur Sitzrichtung heißt es: „Nicht im Osten vor Śambhu, nicht im Norden, wo Śakti ihren Platz hat, und nicht im Westen, seinem Rücken zugewandt; deshalb nehme man im Süden Platz.“ Ein anderes Tantra nennt dieselben acht Formen, verwendet an siebter Stelle jedoch Śiva statt Mahādeva. Ihnen entsprechen wiederum die fünf Elemente, der Opfernde, Mond und Sonne; sie werden gegen den Uhrzeigersinn verehrt.

B.3.17 Die Erklärung setzt den Opfernden mit dem Verehrenden, also dem eigenen Selbst, gleich. Deshalb sagt Puṣpadanta im Mahimnaḥ-Hymnus: „Du bist die Erde … du bist das Selbst.“ Nochmals wird die Verehrung der acht Formen gegen den Uhrzeigersinn, vom Osten bis zum Südosten, vorgeschrieben; Śiva selbst wird im Liṅga verehrt.

B.3.18 Das Toḍalatantra schränkt ein: „Wer der Śakti-Einweihung verpflichtet ist, soll nichts anderes ausführen. Verbotenes Handeln bringt Verfehlung. Wird bei Verehrung und den zugehörigen Riten etwas vermindert oder hinzugefügt, laden Lehrer und Schüler die Schuld der Tötung Śivas auf sich. Wird auch nur ein Laut der festgelegten Lautzahl hinzugefügt oder ausgelassen, entsteht die Schuld einer Brahmanentötung. So wird man schwer schuldig, wahrlich, wahrlich!“ Dies ist die strenge Bindung an die jeweilige Einweihungsüberlieferung.

B.3.19 „Nach dieser ersten Verehrung verehre man die anderen. Zuerst Śiva, danach Śakti; andernfalls gilt alles wie Urin, selbst wenn es Gaṅgā-Wasser wäre. Deshalb verehre man zuerst das Liṅga.“

Blüten, Gaben und wunscherfüllende Verehrung

B.3.20 Im neunten Kapitel des Liṅgārcanatantra heißt es: „Das irdene Liṅga werde mit Duft, Blüten und weiteren Gaben verehrt. Dem Fünfgesichtigen werden Blüten, Sandel und dreifache Speisegaben dargebracht, angenehm, duftend oder ohne Duft. Bilvablätter, Kahlāra, Tagara, Mallikā, Mālatī, Yūthikā, schöner Oleander, Lotos, Ketakī, Kunda, Āmalakī, Kumuda und roter Lotos, alle Waldblüten, Dūrvā und Tulasī werden dem irdenen Liṅga dargebracht.“

B.3.21 „Auch andere Blüten, etwa Dhustūra, gehören dazu. Eine Blüte, die Dhustūra gleichkommt, kenne ich nicht. Ihre Gabe entspricht der Frucht des Schenkens von zehn Millionen Kühen. Alle im Weltall vorhandenen Blüten lege man auf das irdene Liṅga.“ Die Erklärung begründet die erneute Aufzählung trotz der Behandlung im Arthakāṇḍa damit, dass hier ausdrücklich die Wiederzulassung sonst verbotener Blüten gezeigt werden soll; es handle sich daher nicht um unnötige Wiederholung.

B.3.22 „Ebenso werden unterschiedliche Räuchergaben, Lichter und alle weiteren Darbringungen nach der genannten Vorschrift gegeben.“ Im zehnten Kapitel heißt es: „Auch ein Vijayā-Blatt lege man auf das irdene Liṅga. Seine Darbringung schenkt die Frucht eines Pferdeopfers.“ Vijayā bezeichnet in diesem Zusammenhang die Hanfpflanze.

B.3.23 Die wunschbezogene Verehrung erklärt das zwölfte Kapitel: „Nach der genannten Vorschrift verehre man im eigenen Haus den irdenen Hara, der von der eigenen Śakti gefertigt wurde.“ Die Glosse versteht unter eigener Śakti die Ehefrau; die verbindende Partikel erlaubt auch die Herstellung durch einen anderen Angehörigen des Hauses. „Mit sechzehn Darbringungen verehre man den irdenen Śiva ein volles Jahr hindurch in guter Hingabe.“

B.3.24 Danach wird eine monatliche geheime Verehrung beschrieben. Die tagsüber verehrten Liṅgas werden nachts zu einem Bilvabaum gebracht, besonders zu Neumond, am vierzehnten Mondtag oder zu Vollmond, an einem Dienstag, Samstag oder Montag. Der Ritus wird unbekleidet vollzogen; tausend Bilvablätter werden dargebracht. Diese sollen frei von Insektenfraß und anderen Schäden, zart, angenehm und dreiblättrig sein. Ohne Bilvablätter soll diese Verehrung nicht geschehen.

B.3.25 Nach der bisherigen Vorschrift werden die Blätter rituell gereinigt und einzeln unter Mantrarezitation gegeben. „Wer dies ein Jahr lang mit klarem Herzen vollzieht und seine Absicht innerlich gegenwärtig hält, erlangt rasch das Gewünschte und wird Gaṇeśa gleich.“ Danach wird an dem Ort eine Grube angelegt, das Liṅga hineingelegt und rezitiert. Nach Verneigung und „Verzeihe“ erfolgt die Verabschiedung. „Wer sich selbst hingibt und diesen geheimen Ritus mit klarem Herzen vollzieht, ist selbst der herrliche Sadāśiva.“

B.3.26 Zur täglichen Verehrung heißt es dort: „An jedem Tag, solange man auf Erden lebt, verehre man mit höchster Hingabe das Liṅga, dessen Wesen Brahman ist.“ Im zwölften Kapitel des Mātṛkābhedatantra heißt es: „Bei dieser Śiva-Verehrung gibt es keine Erwägung von rein und unrein. Wer auf welche Weise auch immer mit Bilvablättern verehrt, erlangt alle Vollendungen und ist selbst Śiva. Alle Gottheiten innerhalb und außerhalb des Weltalls werden allein durch Śivas Verehrung zufriedengestellt.“

B.3.27 Über die dargebrachten Gaben heißt es: „Selbst Wasser in der Menge einer Kuśa-Grasspitze wird bei seiner Darbringung einem Meer gleich, wahrlich, Bergestochter. Eine auf das Liṅga gelegte Blüte wird dem Meru gleich. Die Gabe einer Speise, die auf dem Kopf des Liṅga liegt, schenkt die Frucht der Schenkung der Erde. Wer auch nur einen Dūrvā-Halm darbringt, erlangt die Frucht einer Ehrengabe an alle Gottheiten. Wer den großen Herrn mit gewöhnlichem Wasser badet, erhält die Frucht des Bades an dreieinhalb Koṭi, also 35 Millionen, heiligen Stätten.“

Befriedung und die Verehrung als Feueropfer

B.3.28 Zur Abwendung unheilvoller Zeichen heißt es in den vom Vīramitrodaya angeführten Werken Pārāśara und Mādhavīya: „Wer Śiva mit Wasser aus tausend Krügen nach der Vorschrift und mit Mantras übergießt, wird langlebig.“ Zur eintägigen Verehrung: „Wer hunderttausend milchgebende Kühe einem Vedakundigen schenkt, erlangt weniger Verdienst als durch die Verehrung des Liṅga an einem einzigen Tag. Ihre Frucht ist größer als die eines Pferdeopfers.“

B.3.29 Eine zu jeder Zeit geeignete besondere Verehrung beschreibt das Matsyasūkta: „Das mit Butterschmalz gebadete Liṅga bestreiche man mit Sandel. Nach einer Safranwaschung verehre man es mit zwei weißen Gewändern, schönen Perlen, Yakṣakardama-Räucherwerk, Milch, Milchreis und einem Butterschmalzlicht mit einem Docht aus Lotosfäden. Diese ganz weiße Verehrung erfüllt alle Wünsche.“ Die Bezeichnung „ganz weiß“ steht trotz der ebenfalls genannten Safrangabe im Text.

B.3.30 Selbst wer kein Opferfeuer unterhält, wird durch Liṅga-Verehrung einem Feueropfernden gleich. Das Mātṛkābhedatantra sagt: „Blüten, Duft, Wasser und andere Gaben lege man auf das Liṅga. In Śiva ist das große Feuer, das Rudra heißt. Was darauf gegeben wird, ist gleichsam zu Asche geworden. Śivas Verehrung ist unmittelbar Feueropfer; durch sie wird ein Sterblicher Herr des großen Opfers.“

Opferreste: Verbote und Ausnahmen

B.3.31 Das zwölfte Kapitel des Liṅgārcanatantra erklärt die Unzulässigkeit der Annahme: „Was Śiva, dem höchsten Selbst, gegeben wird, wird augenblicklich von seiner Natur. Jede auf das Liṅga gelegte Darbringung ist Nirmālya, Opferrest; sie darf nicht genommen werden.“

B.3.32 Im dreizehnten Kapitel fragt die Göttin: „Deine Opferreste sind selbst für Brahmā und die anderen schwer zu erlangen. Wie kannst du sagen, sie seien nicht anzunehmen, Träger des Yoga?“ Der Herr antwortet: „Das in der Mitte befindliche dunkle Antlitz ist Īśāna, stets nach oben gerichtet, von Licht erfüllt.“ Nach der Erinnerung an das gewaltige Gift, das beim Quirlen des Milchozeans entstand, heißt es: „Ich nahm dieses Gift in die hohle Hand und trank es mit dem dunklen Antlitz. Seitdem brennt dieses Gesicht stets; das Gift bleibt in der Kehle.“

B.3.33 Im vierzehnten Kapitel heißt es: „Das Wissen um Īśāna ist überaus schwer zu erlangen; schon sein Hören schenkt die Frucht der Śiva-Verehrung. Dieses Antlitz ist das höchste Brahman. Blätter, Blüten, Wasser und andere schöne Gaben, die darauf gelegt werden, sind als Opferrest nicht anzunehmen, weil sie unmittelbar Brahmans Wesen angenommen haben. Wer solche Reste trägt, fällt; eine Sühne gibt es für ihn nicht. Deshalb sind diese meine Opferreste nicht anzunehmen.“

B.3.34 „Anders die Gaben, die gereinigt in ein anderes Gefäß gelegt, durch Mantra geheiligt und den Antlitzen Vāmadeva und den übrigen dargebracht werden: Mein Genuss daran sättigt das ganze Weltall. Diese Speise ist selbst für Brahmā schwer zu erlangen. Wer davon isst, ob unrein oder rein, wird selbst höchst verehrungswürdig, unmittelbar Brahman.“

B.3.35 „Wer aus fester Hingabe die Opferreste annehmen möchte, bringe sie zunächst Viṣṇu mit dessen Mantra dar. Meine Opferreste sind für Viṣṇu annehmbar. Götter, Dämonen, Menschen, Gandharvas, Kinnaras und andere sind dagegen begrenzte, wenig verständige Wesen: Wie könnten sie dazu berechtigt sein?“

B.3.36 Im vierten Kapitel des Mātṛkābhedatantra fragt Caṇḍikā: „Durch Kāraṇa und durch Śivas Opferreste wird große Befreiung erlangt – das hörte ich in Veden, Purāṇas und deinen Worten, Maheśvara. Nun sollen beide nicht anzunehmen sein! Wie kannst du Unwahres sagen, großer Gott, Träger des Yoga?“ Kāraṇa bezeichnet hier den tantrischen Ritualtrank.

B.3.37 Śaṅkara antwortet: „Die individuelle Seele wandert durch vierundachtzig Lakh Daseinsformen und wird dann zur Befreiung fähig. Entsteht aber mitten darin das große Wissen, erlangt sie sogleich Befreiung; für wen bliebe dann Wanderung? Wessen Geburtenlauf noch nicht vollendet ist, wie wäre er schon zur Befreiung fähig? Wessen Verfehlungen überwiegen, wie wäre er des Himmels würdig? Deshalb habe ich diese Lehre verborgen.“ Die überlieferte Zahlenzeile fügt den 84 Lakh noch einen nicht eindeutig angeschlossenen Tausenderausdruck hinzu.

B.3.38 „Durch die Opferreste wird der Himmel erlangt, durch den Nektar Nirvāṇa. Selbst ein mit Schuld beladener Caṇḍāla erreicht, wenn er die Opferreste annimmt, wahrlich Befreiung und Śivas Gestalt. Auch wer schwere Verfehlungen trägt und Kāraṇa trinkt, wird durch Wissen befreit – Unterschiede der Geburt gelten dabei nicht. In allen Herkunftsgruppen entsteht Nirvāṇa durch Erkenntnis. Deshalb habe ich diese Lehre verborgen.“ Die Aussage bindet die Befreiung ausdrücklich an Wissen und stellt keine allgemeine Empfehlung zum Alkoholkonsum dar.

B.3.39 Das Padmapurāṇa vertritt dagegen: „Gegenstände, Speisen, Früchte und Wasser Śivas berühre man nicht. Seine Opferreste nehme man nicht fort, sondern lege alles in eine Grube oder einen Brunnen. Wer aus Gier oder Verblendung auch nur im Maß eines Fliegenfußes von Śivas Eigentum lebt, fällt bis zum Ende des Weltalters in die Hölle.“

B.3.40 Im Purāṇasaṃgraha sagt Śiva: „Meine sonst unzulässige Speisegabe, Blatt, Blüte, Frucht und Wasser werden durch Berührung mit einem Śālagrāma-Stein rein.“ Danach heißt es: „Wer die Speisegabe gegessen hat, vollziehe zur Reinigung das Cāndrāyaṇa-Gelübde.“ Hier wird die Sühne für den Verzehr unzulässiger Opferreste genannt.

B.3.41 Die ausdrückliche Ausnahme für Bāṇaliṅgas steht im Gespräch Śivas mit Nārada: „Beim Bāṇaliṅga gibt es keine rituelle Unreinheit und keine Einstufung als unzulässiger Opferrest. Alles ihm Dargebrachte darf von Hingebungsvollen in Hingabe angenommen werden, nicht anders. Die Unterscheidung von annehmbar und unannehmbar entfällt hier. Das dargebrachte Wasser und die Blätter sind als Prasāda, Gnadengabe, anzunehmen.“

B.3.42 Auch für selbstentstandene und verwandte Formen wird die Annahme gestattet: „Beim Bāṇaliṅga, beim selbstentstandenen, bei Mondstein und Indra-Stein entspricht der Genuss von Śambhus Speisegabe dem Cāndrāyaṇa-Gelübde.“ Der Siddhāntaśekhara erklärt die Opferreste: „Ausgenommen Erdeigentum, Gold, Kühe, Edelsteine, Kupfer, Silber, Gewänder und Ähnliches, bringe man die übrigen Reste Caṇḍeśa dar.“

B.3.43 Die anschließende Erklärung formuliert, dass sich daraus ein Vergehen beim Nehmen auf das Liṅga gelegter Gewänder und ähnlicher Gegenstände ergebe; diese Folgerung ist gegenüber der vorangehenden Ausnahme nicht eindeutig. Sicher ist die folgende Aussage: Was Caṇḍeśa dargebracht wurde, darf nicht gegessen werden. Danach werden Liṅgas aus Śālagrāma, Jyotirliṅgas, selbstentstandene, Indraliṅgas und von Göttern oder Vollendeten aufgestellte genannt. Die Glosse erklärt Indraliṅga hier als Liṅga aus dem besonderen Edelstein Indranīla, Saphir, und bezieht dies auch auf die frühere Formulierung über Mondstein und Indra.

B.3.44 Śambhu spricht zu Hanumān: „Bei Bāṇaliṅga, selbstentstandenem und der mondgestaltigen, im Herzen befindlichen Form entspricht der Genuss meiner Speisegabe dem Cāndrāyaṇa-Gelübde. Über selbstentstandene, Bāṇa-, Quecksilber- und von Vollendeten aufgestellte Liṅgas hat Caṇḍa kein Verfügungsrecht. Wo dieses Recht besteht, dürfen Menschen die Gabe nicht essen; wo es nicht besteht, soll sie in Hingabe gegessen werden.“

B.3.45 Dazu führt der Pañcapuruṣārthaprabodha Śivas Worte an: „Was bedarf es der Einweihung, der Askese, der Meditation oder des Opfers, wenn meine Speise gegessen wird?“ Die Glosse erklärt „meine Speise“ ausdrücklich als das ihm Dargebrachte. Auch dies bezieht sich auf die Speisegaben an Bāṇa- und entsprechende Liṅgas. Aus der Erklärung, ihr Genuss sei kein Vergehen, ergibt sich zugleich die Erlaubnis, solche Opferreste ehrfürchtig zu tragen.

B.3.46 Das Tragen beziehungsweise Empfangen des heiligen Wassers von Viśvanātha und ähnlichen Heiligtümern wird sogar ausdrücklich gefordert. Im Kāśīkhaṇḍa des Skandapurāṇa steht nach einer beschädigten Einleitung über das Auflegen des Wassers auf den Kopf: „Wer das Liṅga vorschriftsmäßig badet und dreimal sein Badewasser trinkt, dessen dreifache Verfehlung schwindet rasch. Wer sich mit dem Wasser seiner Verehrung den Kopf übergießt, erlangt die Frucht eines Bades in der Gaṅgā, du Kruggeborener!“

B.3.47 In der Erzählung von Bāṇeśvara heißt es: „Für die gläubigen Verehrenden gibt es selbst in großer Bedrängnis kein anderes Mittel als das Wasser von den Füßen des Herrn. Schwerste äußere und innere Leiden der Verkörperten schwinden durch die Berührung mit diesem reinen heiligen Wasser.“ Dies sind religiöse Heilszusagen der Quelle.

Die Pāśupata-Lehre zur Befriedung

B.3.48 Das Kukkuṭeśvaratantra beschreibt Liṅga-Verehrung für Befriedung und verwandte Ziele. Pārvatī fragt: „Gott der Götter, großer, höchster, uranfänglicher Herr! Durch deine Gnade habe ich vieles über Dināstra, die höchste Waffe und die Kṛtyā-Waffe gehört. Nun wünsche ich von der Pāśupata genannten Waffe zu hören. Erkläre sie aus Erbarmen, wenn du mir zugetan bist.“

B.3.49 Sadāśiva antwortet: „Gut gefragt, große Göttin, Wohltäterin der Wesen! Aus Liebe zu dir erkläre ich diese wunderbare Waffe, diesen Yoga, der mir so lieb wie mein Leben und selbst für die Götter schwer zu erlangen ist. Hüte ihn sorgfältig; immer wieder beschwöre ich dich. Maße des Liṅga, Mengen der Stoffe, Verehrung und Rezitationsweise werde ich vollständig erklären. Höre, Lotosgesichtige!“

B.3.50 Beschrieben wird ein Liṅga aus hundert Tola Erde. Die Begießungsstoffe werden nach Ritualzweck geordnet: Butterschmalz oder Honig für Beeinflussung, Milch für Befriedung und Todesüberwindung, Honig für Anziehung, Asche für grausame Riten. Für die genannten Stoffe werden jeweils hundert Tola angegeben; dieselbe Menge gilt für Saṃvidā-Pulver und die Speisegabe. Saṃvidā ist hier eine Bezeichnung für die berauschende Ritualpflanze Hanf.

B.3.51 Weiter werden 108 Bilvablätter und Blüten genannt. Droṇa-Blüten gehören zur Befriedung, Barbarā zur Schadensmagie, Dhustūra, auch Kanaka genannt, zu Erstarrung und Verblendung, Javā oder Aparājitā zu Entzweiung und Vertreibung. Vom vierzehnten Mondtag bis zum folgenden vierzehnten wird täglich ein Liṅga in Hingabe verehrt; die tägliche Rezitationszahl beträgt 1008. Als kürzere Folgen werden sieben Liṅgas in sieben Tagen oder fünf in fünf Tagen genannt.

B.3.52 Die Verehrung und Rezitation folgt je nach Überlieferung Caṇḍogra, Vaṭuka oder Mañjughoṣa; für Befriedung wird der Tryambaka-Mantra genannt. Maßgeblich ist jeweils die Vorschrift des betreffenden Ritualhandbuchs. Bei drohendem Untergang der Gemeinschaft oder Familie, Verlust des Lebens, großer Furcht oder Schadenszauber werden 108 Liṅgas verehrt.

B.3.53 Die Liṅgas werden mit reichlich Milch übergossen, nach einer unsicheren Maßangabe „bis zum Ohr“. Genannt werden Atirudra-Riten, das Rudra-Kapitel oder ein Nīlakaṇṭha-Hymnus zum Erfreuen Śivas. Gewänder, Schmuck und weitere Zier werden nach Vermögen gegeben. „Dies erfüllt alle Wünsche und schenkt alles Glück; in den drei Welten gibt es nichts Höheres.“

B.3.54 „Damit ist dir die Pāśupata genannte Waffe erklärt. Sie darf nicht irgendjemandem mitgeteilt und niemals öffentlich gemacht werden.“ Der von Hingabe erfüllte Praktizierende speist nach Vermögen Brahmanen. Die Erläuterung beschränkt die vorher genannte Nīlakaṇṭha-Anwendung auf andere Weltalter als das Kali-Zeitalter, weil das Kālīvilāsatantra sie für dieses verbietet.

Hymnus an Śiva

B.3.55 „Oṃ. Allwissender, Spender von Wissen und verwirklichter Erkenntnis, großes Selbst! Verehrung dir, Herr aller Götter, dem Wohle aller Wesen zugetan! Mit unendlichem Glanz erfüllt, auf dem unendlichen Sitz gegenwärtig, in höchster Schönheit und Freude – höchster Herr, dir Verehrung!“

B.3.56 „Du übersteigst Höheres und Niederes, bewirkst Entstehung und Bestand. Du bist das Mittel zur Verwirklichung aller Ziele, Herr des Weltalls – dir Verehrung! Du genießt alles in Reinheit, vernichtest alle Krankheiten; Yogin, großer Yogin, Herr der Yogins – dir Verehrung!“

B.3.57 „Nachdem das Liṅga geformt und begründet, Sadāśiva betrachtet und vorschriftsmäßig verehrt wurde, spreche man diesen Hymnus. Wer diesen höchst verdienstvollen Liṅga-Hymnus stets hört, wird nicht wieder im Daseinskreislauf geboren, sondern erlangt den ewigen Zustand. Deshalb höre man ihn mit aller Sorgfalt. Von der Hülle der Verfehlung frei, erreicht man den höchsten Zustand.“ Hier endet der im Bhaviṣyapurāṇa gelehrte Liṅga-Hymnus.

Śivas Schutzgebet

B.3.58 Im Rudrayāmala spricht Bhairava: „Göttin, ich werde das glückverheißende, lebensschützende Kavaca verkünden, mit Gottheiten geschmückt, zum Schutz durch Mahādeva bei Tag und Nacht.“ Für dieses Śrīmahādevakavaca werden Vāmadeva als Seher und Paṅkti als Versmaß genannt. Die Gottheitsangabe ist beschädigt; die Anwendung gilt allen Verwirklichungen.

B.3.59 „Rudra schütze mich von vorn, Śaṅkara von hinten; der Flechtenhaarige zur Rechten und Hara an der linken Seite. Śiva schütze meinen Kopf, Nīlalohita die Stirn; der mit dem Augenlaut Verbundene meine Augen, Maheśvara beide Arme. Mahādeva sei im Herzen, Īśvara im Bauch; Nabel, Leib, Hüftgegend und Füße schütze Maheśvara. Der Herr der Wesen schütze alles, Hara alle meine Glieder.“ Die Schutzbezeichnung bei den Augen ist unsicher überliefert.

B.3.60 „Schlinge, Dreizack, göttliche Waffe, Schwert und Donnerkeil verehre ich, und den Herrn der Wesen. Schütze mich, Weltenherr! Vor Verfehlungen und Höllen rette mich, du deinen Verehrenden Zugetaner; vor Geburt, Tod, Alter und Krankheit, vor Begehren und Zorn, Herr! Vor Gier und Verblendung schütze mich, großer Gott, Herr der Götter!“

B.3.61 „Du bist mein Ziel, du meine Einsicht, du mein Gedeihen, du meine letzte Zuflucht. Mit Körper, Geist und Rede möge meine Hingabe an dich fest sein.“

B.3.62 „Dieses Rudra-Kavaca tilgt durch seinen Vortrag Verfehlung; Bhairava verkündete es durch Mahādevas Gnade. Für den Rezitierenden gibt es weder Schuld noch Furcht. Er erlangt Glück, Gesundheit, einen Sohn und langes Leben. Wer Söhne wünscht, erhält Söhne; wer Reichtum sucht, Reichtum; wer Wissen sucht, Wissen; wer Befreiung sucht, Befreiung. Der Kranke wird von Krankheit frei, der Gefesselte von seinen Fesseln. Selbst die Schuld einer Brahmanentötung schwindet durch den Vortrag.“ Hier endet das Śiva-Kavaca im Rudrayāmala.

Die Größe des Bilvabaums

B.3.63 Im fünften Kapitel des ersten Teils des Yoginītantra heißt es: „Der Bereich rings um die Wurzel des Bilvabaums erstreckt sich über sechzehn Ellen. Seine Blätter erkenne als mein Flechtenhaar. Die drei Teilblätter entsprechen Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda; seine Zweige sind alle Schriften. Der Bilva gleicht dem Wunschbaum und hat das Wesen Brahmās, Viṣṇus und Śivas. Als Bilvabaum wurde Mahālakṣmī auf dem Śrīśaila-Berg geboren.“

B.3.64 Die Göttin fragt: „Wie wurde Viṣṇus Gemahlin zum Bilvabaum?“ Die Antwort setzt mit einer beschädigten Passage über eine lichtvolle Gestalt und die Bitte Brahmās und anderer ein. Danach heißt es: „Durch meine Gnade wurde Vāṇī allen lieb; Sarasvatī wurde Viṣṇu stets überaus teuer. Eine solche Zuneigung empfand Keśava nicht für Lakṣmī. Darüber bekümmert ging Lakṣmī zum Heiligtum auf Śrīśaila, suchte mein einsames Liṅga auf und übte härteste Askese.“

B.3.65 „Als sich meine Gnade dennoch nicht zeigte, nahm sie Baumgestalt an. Dem Liṅga zugetan verehrte sie es fortwährend mit ihren eigenen Blättern und Blüten, zehn Millionen Jahre lang. Dann erwachte meine Gnade. Durch sie erhielt sie ihren Platz an Viṣṇus Brust und wurde ihm stets lieb.“ Eine zusätzliche Wendung beschreibt sie als den Brahmanen zugänglich beziehungsweise unterworfen; ihre Verbindung zum Zusammenhang ist unsicher.

B.3.66 „Deshalb verehrt Haris geliebte, unvergleichlich hingebungsvolle Gemahlin mich beständig in dieser Gestalt. Darum wohne ich Tag und Nacht an diesem Baum. Er enthält alle heiligen Stätten und alle Gottheiten; deshalb heißt er Śrī-Baum, ohne Zweifel. Wer mich mit seinen Früchten, Blüten, Blättern oder der Paste seines Holzes verehrt, ist mein Verehrer und mir lieb.“

B.3.67 „Wer ehrfürchtig die Paste seines Holzes auf der Stirn trägt, vor dessen Körper verneigt sich die Göttin freudig, weil sie darin Śiva erkennt. Deshalb soll niemand diese Paste tragen, ebenso niemals seine Blätter oder Blüten.“ Der ungewöhnliche Übergang vom Lob zum Verbot bleibt erhalten. „Wer an der Wurzel eines Bilvabaums stirbt, erlangt wahrlich Rudras Leib, selbst wenn er Millionen Verfehlungen trägt.“

B.3.68 Im zehnten Kapitel des Puraścaraṇarasollāsa heißt es: „Der Bilvabaum ist der erhabene Śaṅkara selbst. Wer unter ihm sein Leben vollendet, erlangt augenblicklich Befreiung; was bedarf er Millionen heiliger Stätten? Dort verweilen Brahmā und die übrigen Götter um der Kraft willen. Selbst wenn der Platz unter dem Baum mit Unrat bedeckt ist, bleibt er Śaṅkaras Bezirk, erfüllt von allen heiligen Stätten, allen Kraftsitzen und allen Gottheiten.“

B.3.69 „Man verlasse weder Śaṅkaras Bezirk noch die Gaṅgā. Steht ein Bilvabaum nahe, so gleicht dieser Ort Kāśī. Wer dort stirbt – was bedarf er Millionen Wallfahrtsstätten oder eines Wohnens in Kāśī?“

Die Verehrungsfläche und der Hain der fünf Bäume

B.3.70 Im zwölften Kapitel des mittleren Teils wird die Anlage einer Verehrungsfläche beschrieben. Nach glückverheißenden Segensworten wird der Platz vom Nordosten zum Südosten, von dort zum Südwesten, weiter zum Nordwesten und zurück zum Nordosten abgemessen. Die Erde soll in allen vier Richtungen eben sein. Die Fläche beträgt acht Ellen in Länge und Breite und ist eine Spanne hoch. Darüber beziehungsweise ringsum wird eine große Verehrungsfläche von sechzehn Ellen genannt. Dies gilt allgemein für solche Verehrungsorte; die genaue Beziehung beider Maße wird nicht näher erklärt.

B.3.71 Die Regel gilt an der Wurzel eines Bilvabaums, am Verbrennungsplatz, auf freiem Land, unter einem Aśvattha, am Flussufer, im Innern eines Heiligtums, im Bereich der Gaṅgā, an einer Wegkreuzung, an einem abgeschiedenen Ort, auf einem Berg, in einem blühenden Garten, in einem Śiva-Tempel, einem leeren Haus oder im eigenen Haus, im Haus einer Kurtisane, an einem Ort mit einer Lātā genannten Gefährtin, im Kuhstall oder an einem anderen geeigneten Ort.

B.3.72 Auch das Rudrayāmala nennt die Maße: Unter Aśvattha oder Bilva wird nach Norden blickend die Fläche angelegt. Im Nordosten beginnt die Schnurführung, im Südosten das Setzen eines Pfostens. Der Raum wird wie zuvor in neun Felder geteilt. Das mit vier Schnüren umgrenzte Viereck darf weder vergrößert noch verkleinert werden; Länge und Breite stimmen überein. Acht Ellen gelten unter Ausschluss der Ausdehnung des Wurzelbereichs. Die gut gestaltete Fläche ist eine Spanne hoch.

B.3.73 In der Mitte wird eine vier Ellen lange Fläche angelegt. Schnurführung und Pfostensetzung erfolgen wie zuvor; Länge und Breite betragen je vier Ellen nach dem Maß des Ausführenden. Eine weitere Elle bleibt ausgespart. Die knappen Maßangaben werden hier ohne ergänzende Bauzeichnung wiedergegeben.

B.3.74 Im Zusammenhang folgt die Anlage einer Pañcavaṭī. Das Skandapurāṇa nennt fünf Bäume: Aśvattha, Bilva, Vaṭa, Dhātrī und Aśoka. Für die Askese werden sie so gepflanzt: Aśvattha im Osten, Bilva im Norden, Vaṭa im Westen, Dhātrī im Süden und Aśoka im Südosten. In der Mitte liegt eine schöne Verehrungsfläche von vier Ellen. Nach fünf Jahren wird die Weihe vollzogen. Diese Anlage schenkt unendliche Frucht und lässt Askese fruchtbar werden.

B.3.75 „Nun höre die große Pañcavaṭī: Ein Bilvabaum steht in der Mitte, vier weitere in den vier Himmelsrichtungen. In den vier Ecken werden vier Vaṭa-Bäume gepflanzt. Fünfundzwanzig Aśokas bilden einen Kreis; je ein Āmalaka steht in den Haupt- und Zwischenrichtungen; Aśvatthas stehen in den vier Himmelsrichtungen. Wer diese große Pañcavaṭī anlegt, wird Indra gleich. In dieser Welt erlangt er Mantravollendung, danach das höchste Ziel.“ Diese Aussagen werden auch im Vratakhaṇḍa Hemādris angeführt.

Die Größe des Bilvablatts

B.3.76 Im sechzehnten Kapitel des Matsyasūkta heißt es: „Die Wahrheit des Śrīphala-Blattes ist der höchste unvergängliche Zustand. Das schöne göttliche Blatt ist Rudra, Viṣṇu und Brahmā; es umfasst fünfzig Wirklichkeitsprinzipien und stets die vier Lebensziele. Es schenkt Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung. Seine Größe lässt sich nicht vollständig beschreiben. Die drei Teilblätter gleichen drei Haarflechten; sie umfassen alle Prinzipien: das Prinzip des Selbst, das der Erkenntniskraft und das höchste Prinzip – überaus geheim und schön.“

B.3.77 „Bilvablatt, Oleander und Aparājitā-Blüte sind kostbare Gaben in der Śiva-Verehrung. In der Śakti-Verehrung schenken sie die Frucht von zehn Millionen Verehrungen. Der Ertrag ihrer Gabe ist unbeschreiblich. In ihrer Mitte wohnt Brahmā, an ihrer Wurzel Janārdana, in ihrer Mitte Rudra und an ihrem Grund alle Gottheiten. Das Bilvablatt ist ganz von Licht erfüllt.“ Die zweimalige Zuordnung zur Mitte steht so im Text.

B.3.78 Im fünften Kapitel heißt es: „Das Bilvablatt hat das Wesen Brahmās, Viṣṇus und Śivas. Als dreiteiliges Blatt verkörpert es die drei Guṇas und erfüllt alle Wünsche.“ Das Yoginītantra sagt: „Selbst die Götter können seine Größe schwer erfassen. Wer es Śivā und Śaṅkara darbringt, wird Sadāśiva gleich und geht in Brahmans Wohnstatt ein.“

B.3.79 Eine besondere Vorschrift nennt die im Śrītattvacintāmaṇi zitierte Trivikramasaṃhitā: „Wer bei Śaṅkaras Verehrung ein Blatt mit unbeschnittener Basis darbringt, dessen Verehrung ist vergeblich; nach dem Tod gelangt er in die Hölle.“ Demgegenüber sagt das zwölfte Kapitel des Mātṛkābhedatantra: „Ein einziges beschädigtes Bilvablatt bringt hunderttausendmal mehr Verdienst als tausend goldene Blüten. Selbst Gold vom Gewicht des Meru erreicht nicht ein Tausendstel seiner Frucht.“

B.3.80 Deshalb erklärt der Kompilator die zuvor aus dem zwölften Kapitel des Liṅgārcanatantra angeführte Vorschrift – unbeschädigte, zarte, angenehme, dreiteilige Blätter ohne Insektenfraß – als Empfehlung für eine besonders große Frucht. Hier endet die Größe des Bilvablatts.

Die Größe der Rudrākṣa

B.3.81 Im zweiten Lehrabschnitt des Yogasāra fragt Mahādeva: „Herrin der Götter, erkläre mir nun das glückverheißende Tragen der Ketten und die Größe der Rudrākṣa.“ Die Göttin antwortet: „Wer sie hingebungsvoll am Haarschopf, an den Händen, am Hals und an den Ohren trägt, erlangt Śivas Welt. Eine neunflächige trage man am linken Arm, ebenso gesammelt am rechten. Am Haarschopf gilt die Zahl der Zähne, am Hals fünfundzwanzig, an den Ohren fünf, auf der Brust 108 und am Nabel sieben. Ihr Tragen lässt an Befreiung teilhaben; durch Rudrākṣa wird ein Mensch göttlich.“ Die Zahl der Zähne wird ausdrücklich als zweiunddreißig erläutert.

B.3.82 „Stets trage man Rudrākṣa und Bhadrākṣa. Höre ihre Größe: Die einflächige ist Śiva selbst und tilgt die Schuld einer Brahmanentötung. Sie macht unverletzlich, wirkt gegen die Strömung und hemmt Feuer.“ Die Verbindung der Aussage zur Strömung ist unsicher. „Die zweiflächige ist Hara-Gaurī und tilgt Schuld wie Kuhtötung. Die dreiflächige ist Agni, Herr der Welt, und vernichtet die Masse der Verfehlungen. Wie Feuer einen Baumwollhaufen verbrennt, verbrennt sie Schuld.“

B.3.83 „Die vierflächige ist der Schöpfer und tilgt Menschentötung. Die fünfflächige ist Kālāgni und tilgt die Schuld unerlaubter sexueller Verbindung. Die sechsflächige ist Guha selbst und tilgt Lehrertötung. Die siebenflächige ist Ananta und nimmt die Schuld des Golddiebstahls. Die achtflächige ist Vināyaka und vernichtet Unwahrheit. Die neunflächige ist Bhairava und schenkt Vereinigung mit Śiva.“

B.3.84 „Die zehnflächige ist Viṣṇu selbst und vertreibt Geister, Totengeister und Piśācas. Die elfflächige ist Rudra und schenkt die Frucht vieler Opfer. Die zwölfflächige ist die Sonne und schenkt die Frucht aller Wallfahrtsstätten. Die dreizehnflächige ist Kāma und erfüllt alle Wünsche. Die vierzehnflächige ist Śrīkaṇṭha und erhebt die Familienlinie. Dieselben Vorzüge gelten für Indrākṣa und Bhadrākṣa.“

B.3.85 Ihre Weihe hat Kṛṣṇānanda Āgamavāgīśa, der Hochgeachtete unserer gelehrten Gemeinschaft, in seinem Tantrasāra beschrieben; deshalb wird sie hier nicht wiederholt. Auch Belege für die ein- bis vierzehnflächigen Formen hat er dort angeführt, jedoch als purāṇische Belege aus Padma- und Skandapurāṇa. Da einseitige Leser deshalb bezweifeln, dass Rudrākṣa in tantrischen Schriften belegt sei, werden hier diese Nachweise gegeben. Hier endet die Größe der Rudrākṣa.

Saṃvidā und Vijayā in der tantrischen Überlieferung

B.3.86 Das erste Kapitel des Samayācāratantra erklärt: „Unter den geheimzuhaltenden Dingen gilt Samayā stets als besonders verborgen. Praktizierende, die sie vorschriftsmäßig zu sich nehmen, genießen auf Erden und gelangen danach in den Himmel. Selbst vor Schülern soll sie verborgen werden. Wie könnten ohne Samayā die Riten gelingen? Ohne sie bringt die Verehrung nirgends Heil hervor.“ Samayā, Saṃvidā und Vijayā bezeichnen in diesem Abschnitt die rituell gebrauchte Hanfpflanze; die Aussagen beschreiben eine besondere historische Praxisüberlieferung.

B.3.87 Im siebten Kapitel des Saṃvitkalpa im Ācārasāra fragt die Göttin: „Was sollen Yogins regelmäßig gebrauchen? Was gibt Kaulas Kraft und Nahrung, nimmt dem Geist seine Unstetigkeit und schenkt die Frucht des Samādhi?“ Nach der Erzählung von der Niederlage Indras und der anderen Götter gegen den Dämon Bala, ihrem Gang zum Kailāsa und ihrem Lobpreis spricht Śiva: „Höre, gesegneter Śakra, ich erkläre dir alles. Zuerst höre die Namen der als Bezwingerin der drei Welten Berühmten, die ich aus Liebe zu dir trotz ihrer höchsten Geheimhaltung verkünde.“

B.3.88 Genannt werden: Bezwingerin der drei Welten, Vollendete, Vollendung, Wurzel der Vollendung, Wissen, Bewusstsein, Bewusstseinskraft, Dunkle, Bhaṅgā, verjüngendes Mittel, Yogageberin, von Yoginīs Verehrte, Erhellerin des Yogaweges, Brahmāṇī, aus Brahmā Entstandene, Spenderin der Brahman-Seligkeit, Bezwingerin der Sprachgöttin, Siegreiche, Siegspenderin, Geberin des Samādhi und Vernichterin des Nichtwissens. Der Text bezeichnet diese als einundzwanzig Namen; einige grammatische Verbindungen lassen unterschiedliche Abgrenzungen zu.

B.3.89 Es werden vier Arten nach weißen, roten, schwarzen und gelben Blüten unterschieden. Die weiße heißt Brāhmaṇī, die rote Kṣatriyā, die gelbe Vaiśyā; für die Śūdrā steht im vorhandenen Wortlaut nochmals Rot, obwohl zuvor Schwarz als vierte Farbe genannt wurde.

B.3.90 Die historische Zubereitungsbeschreibung nennt Blätter samt Samen, in Butterschmalz geröstet und auf Stein zerkleinert. Als Zusätze werden die drei scharfen Gewürze, Triphalā, Śṛṅgī, Kuṣṭha, Koriander, Steinsalz, Śaṭhī, Tālīśa-Blatt, Kaṭuka, Nāgakeśara, zwei Yavānī-Arten, Bockshornklee und zwei Kreuzkümmelarten aufgeführt. Diese werden zu gleichen Teilen sonnengetrocknet und pulverisiert; in einem goldenen oder anderen Gefäß werden sie rituell gereinigt und mit Wasser verbunden.

B.3.91 Die vier Reinigungsmantras werden nur mit ihren Anfängen zitiert: „Oṃ, Saṃvid …“, „Oṃ, du wirkende Wurzel der Vollendung …“, „Oṃ, Feuer des Nichtwissens als Brennstoff …“ und „Oṃ, ich verneige mich …“. Als Abschlüsse stehen Verneigungen mit Svāhā vor Brāhmaṇī, Kṣatriyā, Vaiśyā und Śūdrā; den letzten drei sind die Bījas Aiṃ, Hrīṃ und Klīṃ vorangestellt. Die ausgelassenen Teile werden nicht zu vollständigen Mantras ergänzt.

B.3.92 Im fünften Ullāsa des Mahānirvāṇatantra heißt es, der Mantrakundige reinige Vijayā im gebundenen Heldensitz. Das Muṇḍamālātantra nennt für den Vāgvādinī-Mantra Brahmā als Seher, Gāyatrī als Versmaß, Vāgvādinī als Gottheit, Aiṃ als Bīja, Klīṃ als Keil und Sauḥ als Śakti; die Rezitation dient dem Erfreuen Vāgvādinīs und der eigenen Vollendung. Nach Glieder- und Hand-Nyāsa wird das Saṃvidā-Pulver gepriesen und der Mantra gesprochen.

B.3.93 Weiter heißt es: „Den aus dem Mund des Gurus empfangenen Mantra wiederholt der Praktizierende täglich. Mit eben dieser Vorschrift bespreche er Samayā siebenmal, betrachte alles als Guru, bringe die Gabe Guru, Śiva und Göttin dar und nehme sie dann zu sich.“

B.3.94 Das Mahānirvāṇatantra beschreibt einen Reinigungsmantra aus Oṃ und dem Māyā-Bīja mit den Anreden: „Unsterbliche, aus Unsterblichkeit Entstandene, Nektarregnende! Ziehe den Nektar herbei, ziehe ihn herbei! Verleihe Vollendung; bringe mir die bezeichnete Person unter Einfluss.“ Der Abschluss wird verschlüsselt als doppelte Ṭha-Silbe angegeben. Danach folgen sieben Wiederholungen des Wurzelmantra über Vijayā und die Mudrās der Herbeirufung sowie Kuh- und Yoni-Mudrā.

B.3.95 Der Guru wird im tausendblättrigen Lotos mit der überlieferten Zeichen-Mudrā vergegenwärtigt und dreimal gesättigt; die Göttin im Herzen unter Rezitation des Wurzelmantra. Eine Formel an Vāgvādinī beginnt mit dem Sprach-Bīja und zweimal „Sprich“, bittet um Beständigkeit an der Zungenspitze und um Einfluss auf alle Wesen und endet mit Svāhā. Die Einnahme wird als Opfer in den Mund der Kuṇḍalinī verstanden.

B.3.96 Nach der Erwähnung des Sieges Indras und der anderen wird die Formel nochmals ausdrücklich gegeben: „Aiṃ, sprich, sprich; Krīṃ, Vāgvādinī, bleibe fest an meiner Zungenspitze, du alle Wesen unter Einfluss Bringende, Svāhā.“ Sie wird siebenmal gesprochen; der Guru wird betrachtet und Saṃvidā mit gefestigtem Geist angenommen. Als Alternative nennt der Text: „Oṃ, siege, siege, sei siegreich, sei siegreich, du mit der Gestalt des höchsten Brahman! Bringe alle Menschen unter meinen Einfluss, Hūṃ Phaṭ Svāhā.“ Danach wird der eigene Gottheitsmantra mit der Tattva-Mudrā siebenmal wiederholt.

B.3.97 Der Ācārasāra gibt eine ähnliche Formel: „Oṃ, Unsterbliche, aus Unsterblichkeit Entstandene, Nektarregnende, ziehe den Nektar herbei, ziehe ihn herbei; verleihe Vollendung, bringe mir die bezeichnete Person unter Einfluss.“ Der verschlüsselte Abschluss dient der Besprechung der vier Arten. Anschließend werden Ānandabhairava und Ānandabhairavī angerufen. Die Bījas werden durch Lautbezeichnungen für Śiva, Mond, Mātṛkā-Ende, Zeit, Erde, Varuṇas Bereich, linkes Ohr, Wind und Halbmond verschlüsselt; der vorhandene Wortlaut erlaubt keine sichere vollständige Rekonstruktion.

B.3.98 Es folgen Kuh- und Yoni-Mudrā, dreimaliges Händeklatschen und Fingerschnippen zur Begrenzung der Richtungen sowie der göttliche Blick und Fersenstöße zur Abwehr von Hindernissen. Am Brahmarandhra wird der Guru unter Mantrarezitation siebenmal gesättigt; im tausendblättrigen Lotos mit der überlieferten Zeichen-Mudrā dreimal oder nach eigenem Wunsch einmal. Danach folgen die höheren Gurus, Parama und Parāpara, sowie Ānandabhairavī.

B.3.99 Die Göttin im Herzen wird mit Wurzelmantra und Tattva-Mudrā drei- oder einmal mit Saṃvidā von Sesam- oder Mungbohnengröße gesättigt. Eine weitere Fassung der Vāgvādinī-Anrufung bittet um Beständigkeit an der Zungenspitze und Einfluss auf alle Wesen; ihre Lesung enthält ein zusätzliches, nicht sicher einzuordnendes „sieben“. Dreimal gesprochen begleitet sie die als Mundopfer verstandene Annahme mit dem göttlichen Mundnektar.

Lobpreis der Vijayā

B.3.100 Im ersten Kapitel des Samayācāratantra heißt es: „Nun erkläre ich den höchsten Samayā-Hymnus. Wird er gehört, schenkt die angenommene Wurzel der Vollendung ihre Frucht. Oṃ. Saṃvid, aus Brahmā Entstandene, Tochter Brahmās, stets Unbefleckte! Sei immer rein zur Sättigung der Bhairavas. Mutter und Herrin der Menschen, mit schönem Gewand und Schmuck versehen! Du löschst die Qual des Daseins und bist den Einsichtigen ein großer Schatz.“

B.3.101 „Oṃ. Wirkende Wurzel der Vollendung, Erweckerin derer mit geringem Verständnis! Du bringst Könige und Untertanen unter Einfluss, triffst den Hals der Feinde mit dem Dreizack. Oṃ. Flamme des Feuers, das Nichtwissen als Brennstoff verzehrt, du mit der Gestalt der Erkenntnis! Nimm die Darbringung der Freude an und schenke mir rechte Erkenntnis.“

B.3.102 Die Betrachtung der Freudvollen lautet: „Ich verehre die Göttin Vijayā, Weltenherrin in den drei Welten, auf einen Stab gestützt, erfüllt von Befreiung und Genuss, mit mondgleich heiterem Gesicht, bereit, Sieg zu schenken, Bezwingerin vieler Feinde.“ Die Wendung zur Haltung auf dem Stab ist unsicher. Nach dieser Betrachtung wird der Ānanda genannte Hymnus vorgetragen.

B.3.103 „Ich verneige mich vor der Freudebringenden, deren beide Füße beständige Seligkeit sind; vor der Bananenstaude der Freude, der Gestalt frei entfalteter Erkenntnis. Sie lässt große Dichtung entstehen, zeigt den Menschen ihr wahres Ziel und nimmt die Wohnstatt des Unheils fort. Was könnte das Aufleuchten des Bewusstseins nicht bewirken?“

B.3.104 „Zwischen Saṃvidā und gegorenem Trank ist Saṃvidā die höhere. Geruchlos und von der Natur der Erkenntnis soll ihre Annahme das Werden aufheben.“ Es folgen weitere Namen: Gutes Bewusstsein, Dreizackträgerin, Göttin, Siegreiche, Bewusstseinsspross, Vaiṣṇavī, Tulasī, Erhabene, Strahlenfülle, Herrin der Essenzen, Selbstreflexion, die einer weißen Gestalt beziehungsweise einem Heilkundigen Vergleichbare – diese Lesung ist unsicher –, Lakṣmī-Göttin, Großbäuchige, Samayā, Bezaubernde, Wurzel der Vollendung, nochmals Großbäuchige, Mātulānī, Gestalt und Trägerin der Vollendung, Sarasvatī, Redende, stets Ewige und Freudespenderin.

B.3.105 „Wer diese Namen gebraucht und die Wurzel der Vollendung verehrt, erlangt höchstes Wissen, Genuss und Befreiung, Gelehrsamkeit, Dichtkunst und Mantravollendung.“ Hier endet der Vijayā-Hymnus.

Zugeschriebene Wirkungen, Zeiten und weitere Anwendungen

B.3.106 Der Ācārasāra beschreibt die Annahme von Vijayā mit Milch, Wasser, Butterschmalz, Honig beziehungsweise süßem Trank, Stein- oder anderem Salz, Zucker, Rohzucker, reifen Bananen und weiteren süßen Stoffen wie reifen Mangos und Jackfrüchten. Die Quelle schreibt den verschiedenen Verbindungen besondere Wirkungen zu; sie sind historische Heils- und Arzneivorstellungen.

B.3.107 „Mit Milch mehrt sie Freude, verleiht große Strahlkraft und beseitigt Augenleiden. Mit Wasser nimmt sie Verdauungsstörungen. Mit Butterschmalz stärkt sie Einsicht, gewinnt die Sprachgöttin und erhebt die gesunkene Verstandeskraft zu Klarheit. Mit Honig beseitigt sie körperliche Störungen; mit Stein- oder anderem Salz entfacht sie starkes Verdauungsfeuer.“

B.3.108 „Mit Zucker oder Rohzucker nimmt sie stechende Schmerzen und saure Gallenbeschwerden, beruhigt Durchfall und überwindet Atemnot und Husten sowie aus Āma und Vāta entstandene Darmstörungen. Mit den genannten Stoffen und Honig verbunden gilt sie als Überwinderin aller Krankheiten, als Spenderin von Kraft, Ernährung und wohltönender Stimme. Sie eröffnet Wissen, verwirklichte Erkenntnis, Geschick und den Weg guten Verhaltens. Wozu viele Worte? Sie ist reines Bewusstsein selbst.“

B.3.109 „Von Saṃvidā und gegorenem Trank ist Saṃvidā die höhere; deshalb sollen ausgezeichnete Praktizierende sie gebrauchen.“ Danach nennt der Text als historische Einnahmehäufigkeiten ein-, zwei-, drei- oder fünfmal und als Mengen ein Tola, ein halbes oder zwei Tola sowie abweichende Mengen. Er erklärt ausdrücklich, unterschiedliche Mengen hätten unterschiedliche Folgen und nur ein Maßkundiger solle dies zur Vollendung anwenden. Diese Zahlen werden als Quelleninhalt, nicht als Dosierungsempfehlung wiedergegeben.

B.3.110 Das Samayācāratantra nennt als Zeiten die Brahma-Muhūrta nach dem Aufstehen, Sonnenaufgang, Mittag, Nachmittag und besonders Mitternacht. Die vorschriftsmäßige Annahme wird jeweils als tilgend, verwirklichend und wunscherfüllend gepriesen. „Wie könnten ohne Samayā Rezitation und Verehrung gelingen? Vollendung bleibt aus; das Tun wird zu schädigender Magie.“

B.3.111 „Sie nimmt vorzeitigen Tod, Krankheit und Kummer, befriedet böswillige Feinde und erfreut alle Welten. Die Vollkommenheiten des Kleinwerdens und die übrigen liegen dem Praktizierenden in der Hand. Körperliche, sprachliche und geistige Verfehlungen sowie die Schuld einer Brahmanentötung vergehen. Wer Samayā bewahrt, ist Śiva, ein Vereinigter und ein Entsagender, als Sterblicher bereits im Himmel. Wer sie annimmt, trägt und bewahrt, ist von schweren Verfehlungen frei.“

B.3.112 „Welchen Mantra ein Mensch nach ihrer Annahme auch rezitiert, dessen Frucht erlangt er, wahrlich, wahrlich. Wer dagegen täglich ohne Samayā rezitiert, wird kurzlebig und erzürnt die Gottheit.“ Auch das siebte Kapitel des Kubjikātantra sagt: „Ohne Samayā wird man niemals vollendet; deshalb soll sie sorgfältig angenommen werden, ohne Zweifel.“ Diese ausschließenden Aussagen gehören zum Selbstverständnis der hier zitierten Ritualtradition.

B.3.113 Zum Rauchen von Vijayā heißt es im ersten Lehrabschnitt des Yogasāra: „Eine andere Weise soll den Hunger stillen: Der mantrakundige Yogaherr nimmt täglich Vijayā-Rauch durch das Brahmarandhra auf; dadurch vergeht der Hunger.“ Die ungewöhnliche Bezeichnung des Aufnahmewegs steht so in der Quelle. Ein Brahma-Mantra wird verschlüsselt aus Saṃvarta und weiteren Lautzeichen beschrieben und danach ausdrücklich als dreifaches Kṣrauṃ angegeben. Der Text behauptet, nach solcher rituellen Reinigung entstehe durch den Rauch kein Schaden; dies ist eine historische Behauptung, keine gesundheitliche Unbedenklichkeitszusage.

B.3.114 Der Yogasāra nennt noch eine andere Weise der Hungerstillung: Zunächst lebt der Praktizierende von Opferspeise, dann rezitiert er die Mātṛkā und nimmt anschließend Butterschmalz unter Verwendung des als Hasauḥ angegebenen Bīja-Mantra an. Hier endet der Abschnitt über Vijayā-Rauch; hier endet die Vijayā-Lehre.

B.3.115 Hier endet in der Śrīprāṇatoṣiṇī, im fünften Buch über die Hingabe, der dritte Lehrabschnitt, der die Lehre von Śiva darlegt.


Überlieferungslücke: Zwischen dem dritten Lehrabschnitt und dem folgenden Anschluss fehlt Text. Die angekündigte Śālagrāma-Lehre des vierten Abschnitts ist nicht vollständig überliefert; der vorhandene Text setzt mit den Dvārakā-Steinen ein und endet mit dem Kolophon des fünften Abschnitts.

Bhaktikāṇḍa: Fünfter Lehrabschnitt – Viṣṇu-Verehrung, erhaltener Anschluss

Dvārakā-Steine und ihre Kennzeichen

B.5.1 Der erhaltene Anschluss beginnt mit den Kennzeichen der Dvārakā-Steine. Das Skandapurāṇa sagt: „Nārada, zeigt sich in dem Radzeichen des Steins ein Liṅga, erkenne darin Śrīdhara, der alle Wünsche erfüllt.“ Hier endet das Kennzeichen Śrīdharas. (1)

B.5.2 Im Purāṇasāra, im Lob des Kārttika-Monats von Dvārakā, heißt es: „Ein Rad in der Mitte, ein weißer Teil mit hufartigem Zeichen: Diese Form heißt Śivanābhi und schenkt Genuss und Befreiung.“ Die Glosse erklärt das Hufzeichen als rinnenartige Spur. Das Brahmāṇḍapurāṇa nennt die Unterseite schildkrötenförmig und den Liṅga-Teil mit einem Hufzeichen versehen. Das Nṛsiṃhapurāṇa spricht von einem Schildkrötenrad auf der Unterseite und einem weißen Teil mit Hufzeichen. „Die Vertiefung ist gerstenkorngroß, das Liṅga halb so groß. Śivanābhi heißt diese in den drei Welten seltene Form.“ Hier endet ihre Kennzeichnung. (2)

B.5.3 Das Brahmāṇḍapurāṇa nennt zunächst Aghorā mit Flechtenhaar und Schlinge und erwähnt ihre Verehrung durch Hausleute. Es folgt: „Mit goldfarbenen Haarzeichen und goldenen Punkten, mit einer Kuhhufspur auf dem Kopf, dunkel wie ein Berg aus Augenschminke, heißt sie die vorzügliche Sadyojātā und schenkt Kinder, Enkel und Reichtum.“ Der Übergang zwischen Aghorā und Sadyojātā ist nicht klar abgegrenzt. Hier endet das Kennzeichen Sadyojātas. (3)

B.5.4 „In der Kopfmitte rot, mit weißem Mond und Haarzeichen versehen, heißt die vorzügliche Form Vāmadevā; Hausleute verehren sie stets.“ (4) „Etwas gelbbraun, mit schwarzblauem Haarzeichen und seitlichen Linien, ist sie Īśānī und schenkt Befreiung.“ (5)

B.5.5 „Sonne und Blitz ähnlich leuchtend, mit Haar- und Mondzeichen an der Seite, heißt sie Tatpuruṣā, selten und alle Wünsche erfüllend.“ (6) „Mit zwei, drei, vier, fünf oder weiteren Liṅga-Zeichen, der Knospe des Tāpiñcha-Baums ähnlich, ist sie Sadāśiva, Gott der Götter.“ (7) Hier endet die Kennzeichnung der fünf Formen, beginnend mit Aghora; die Überschrift und die vorausgehende Zählung stimmen nicht vollständig überein.

B.5.6 Der Prayogapārijāta erklärt: „Ein radförmiger Stein mit zwei Nabelvertiefungen hat das Wesen Haris und Haras. Trägt er im Nabel ein Liṅga, ist er weiß und mit einer Hufspur versehen, heißt er Śivanābhi und schenkt Genuss und Befreiung. Das umgebende Feld ist Vāsudeva, das Liṅga Śiva. Deshalb verehre man auf diesem Hari-Hara-Feld Śaṅkara und Acyuta. Es überragt hundert andere Steine und schenkt die vier Lebensziele.“

B.5.7 Zur Größe des Dvārakā-Steins heißt es im Skandapurāṇa: „Der glückverheißende Dvārakā-Radstein mit Schlingenzeichen macht zusammen mit seinem Gefäß einen Bereich von zwölf Yojanas zum heiligen Ort. Wo ein Radzeichenstein steht, ob im Land der Mlecchas oder an einem reinen Ort, sind drei Yojanas mein heiliger Bezirk, Erde! Wer dort gesammelt als Verehrender stirbt, wird von hundert Bedrängnissen frei und nicht wiedergeboren.“ Mleccha ist die historische Bezeichnung für außerhalb der vedischen Gesellschaft Stehende.

B.5.8 „Was in der Nähe des Radzeichensteins geschieht – Bad, Gabe, Rezitation und Feueropfer –, wird unvergänglich. Alle innerhalb eines Jahres geistig und körperlich begangenen Verfehlungen vergehen durch das einmalige Verschenken eines solchen Steins. Fieberhitze, Gift sowie Furcht vor Feuer und Dieben werden durch seine einmalige Reinigung beziehungsweise Berührung gestillt. Wird ein Stein mit fünf Rädern aufgestellt, schwinden Geister, Totengeister, Piśācas und Ḍākinīs.“

B.5.9 „Wer den Radzeichenstein mit oder ohne Hingabe verehrt, wird selbst bei schlechtem Lebenswandel befreit, ohne Zweifel. Wer ihn ein Jahr lang verehrt, berührt und schaut, wird durch den Vināśa genannten Yoga befreit.“ Die genaue Bedeutung dieser letzten Yoga-Bezeichnung wird nicht erläutert.

B.5.10 Das Padmapurāṇa ordnet Farben und Formen zu: „Schwarz bringt Tod, Gelbbraun Furcht, Buntheit Wahnsinn, Gelb Vermögensverlust, Rauchfarbe Verlust von Söhnen; Bruch bringt Verlust von Frau und Vermögen. Weiße, wohlvollendete Steine erfüllen alle Wünsche. Ein Stein mit unversehrtem Rad ist verehrungswürdig und nimmt Leid und Armut. Runde und viereckige Formen schenken Vollendung; gleichmäßige Räder Glück, ungleichmäßige Leid.“ Die Lesung für „weiße Steine“ ist leicht beschädigt.

B.5.11 „Gelochte, gebrochene, schiefwinklige, mit ungleichen Rädern versehene und halbmondförmige Steine sollen nicht verehrt werden.“ Der Yogapārijāta ergänzt: „Ein gebrochener bringt Vermögensverlust, ein dicker zerstört Einsicht, ein langer verkürzt das Leben, ein rauer vernichtet Gedeihen. Weiß gilt als günstig, ebenso ein gezähntes Rad.“ Diese Aussagen geben die traditionelle Vorzeichenlehre wieder.

B.5.12 Das Agnipurāṇa unterscheidet die Gottheiten nach der Radzahl: ein Rad – Sudarśana; zwei – Lakṣmī-Nārāyaṇa; drei – Acyuta oder Trivikrama; vier – Janārdana; fünf – Vāsudeva; sechs – Pradyumna; sieben – Saṅkarṣaṇa; acht – Puruṣottama; neun – die neun Entfaltungen; zehn – die zehn Avatāras; elf – Aniruddha; zwölf – der Zwölffache; darüber – der Körperlose. Die Glosse erklärt ausdrücklich die Alternative bei drei Rädern. Das Garuḍapurāṇa nennt die vierrädrige Form abweichend den Vierarmigen.

B.5.13 Zu ihren Früchten heißt es: „Ein Rad schenkt Genuss und Befreiung. Zwei Räder kennzeichnen hier Acyuta und verleihen Indras Rang. Vier Räder kennzeichnen Janārdana, der Gedeihen schenkt und Feinde vernichtet; ihn verehre man hingebungsvoll mit duftenden Blüten. Fünf Räder kennzeichnen Vāsudeva, dessen beständige Verehrung vor der Furcht vor Geburt und Tod rettet. Sechs Räder kennzeichnen Pradyumna, der bei hingebungsvoller Verehrung Wohlstand und Ruhm schenkt.“

B.5.14 „Sieben Räder kennzeichnen den Balabhadra-Stein, Vogel! Verehrt und erfreut schenkt der Gott Söhne und Enkel. Acht Räder kennzeichnen Puruṣottama, der das Gewünschte gewährt. Neun Räder sind die neun Entfaltungen; der verehrte Keśava schenkt einen selbst für Götter schwer erreichbaren höchsten Ort. Zehn Räder verleihen Herrschaft; ihre Verehrung ist die Verehrung der zehn Avatāras. Elf verleihen größere Herrlichkeit. Zwölf schenken unendliche Frucht aller Wünsche, Genuss und Befreiung. Darüber ist das höchste Selbst, das Zuneigung mehrt, alle Welten umfasst und Viṣṇus Welt gewährt.“ Hier enden die nach Gruppen benannten Radzeichensteine.

B.5.15 Für einrädrige Steine nennt der Prayogapārijāta Sonderformen. Die Farbreihe ist beschädigt; erkennbar sind Weiß, Rot, Weißrot beziehungsweise nochmals Rot, Zweifarbigkeit und Vielfarbigkeit. Als Namen folgen Puṇḍarīka, Pralambaghna, Rāma, Vaikuṇṭha und Viśveśvara. Ihnen werden der Reihe nach Befreiung, Tod, Streit, Armut und Abhängigkeit zugeschrieben. „Deshalb meide man sie“, schließt die Quelle, obwohl die erste Frucht günstig ist. Hier endet die Kennzeichnung der Dvārakā-Steine.

Beschädigte Liṅgas und ihre Erneuerung

B.5.16 Das Brahmāṇḍapurāṇa fährt mit einer beschädigten Passage über vollständig rote Gestalt oder roten Glanz am Kopf fort. Genannt werden das Hinzufügen eines fehlenden Sockels, rituelle Besprengung und die Verabschiedung Śivas. Eine eindeutige Übersetzung der anschließenden Aussage zur Weihe ist nicht möglich. „Ein verbranntes, abgenutztes oder beschädigtes Liṅga werde in ein Gewässer gelegt. Was sich zusammenfügen lässt, werde repariert und erneut geweiht.“

B.5.17 Die folgenden gestörten Sätze nennen ein unversehrtes Liṅga, vorausgehende Verehrung, die Aufnahme der Gottheit ins Herz und die erneute Zuordnung des Lebens. Ferner erscheinen ein rückseitiges beziehungsweise minderwertiges Liṅga, eine nicht ordnungsgemäße Aufstellung durch Śūdras und eine Rudra-ähnliche Form; der Einsichtige soll reinigen und verehren. Die genauen Bedingungen sind im erhaltenen Wortlaut nicht zuverlässig verbunden.

B.5.18 Der Siddhāntaśekhara erklärt das rituelle Entfernen zur Abwendung allen Unheils und zum Wohl aller Lebewesen. Es betrifft Liṅga und Sockel, Bilder und Gesichtsliṅgas, Begleitgottheiten, Gebäude und Heiligtümer. Gründe sind Risse, Brüche, Zerspaltung, Brandschäden, Beschädigung oder Entwendung durch Geistesverwirrte, Feinde, Räuber, Elefanten oder Wasser sowie altersbedingter Verfall; einzelne Wörter der Aufzählung sind beschädigt.

B.5.19 „Wie der Verkörperte einen verfallenen Leib verlässt und einen anderen annimmt, verlassen die Gottheiten verfallene Liṅgas und Bilder. Totengeister, Vetālas und Brahmarākṣasas suchen die ihrer göttlichen Gegenwart entleerten Formen auf. Sie bedrängen den Stifter, die Könige, das Reich und besonders das Dorf mit Hungersnot, Tod und anderem Unheil. Deshalb vollziehe man sorgfältig die rituelle Entfernung.“ Hier endet die Vorschrift zum Entfernen von Liṅgas und anderen Kultgestalten.

B.5.20 Derselbe Text nennt Ausnahmen: Selbstentstandene Formen, heilige Sockel, Bāṇaliṅgas und von Ṛṣis, Asuras, Göttern oder Wahrheitskundigen aufgestellte Liṅgas werden auch bei altersbedingten Schäden nicht entfernt. Bei den selbstentstandenen und verwandten Formen wird anschließend das Ablegen des Sockels genannt; die Verbindung ist knapp und nicht eindeutig. Von Menschen hergestellte Formen werden bei den genannten Mängeln entfernt. Ein von Dieben oder anderen versetztes, aber unverletztes Liṅga wird erneut aufgestellt.

B.5.21 Bilder von Begleitgottheiten ohne Arme, Füße, Kopf, Ohren, Nase oder Gesicht werden ausgesondert. Ein ersetztes Liṅga oder Bild soll in demselben Material und Maß gefertigt werden, nicht in anderem Maß, Stoff oder anderer Gestalt und nicht ohne Mantra erneut aufgestellt. Wird ein Liṅga oder Heiligtum vom Wasser fortgerissen, erfolgt die Aufstellung an einem nahen, ungestörten Ort.

B.5.22 Eingestürzte Umfassungsmauern, Gebäude, Torbauten und Hallen werden in gleicher Gestalt, gleichem Material und Maß erneuert; geeignete, unbeschädigte Steine werden verwendet. Ein aus minderwertigem Material errichtetes Gebäude darf mit besserem Material erneuert werden, doch ohne sein Maß oder seine Gestalt zu verkleinern oder zu vergrößern. Bei solchem Verfall wartet man nicht auf einen besonderen Mondtag, ein Sternbild oder einen Wochentag. Der Einsichtige entfernt Verfallenes und schützt Unversehrtes.

B.5.23 Das Agnipurāṇa sagt: „Ein gut oder schlecht bestehendes Śivaliṅga soll nicht bewegt werden. Die Aufstellung geschehe mit hundert, die eines Bāṇaliṅga mit tausend.“ Die gezählte rituelle Handlung ist hier nicht ausdrücklich genannt. Gut und schlecht bestehend wird so erklärt: „Auch ein verfallenes gilt als gut bestehend, wenn es verehrt wird; ein unversehrtes ohne Verehrung dagegen als schlecht bestehend.“

Die Verehrung des Śālagrāma

B.5.24 „Oṃ. Tausend Köpfe hat der Puruṣa, tausend Augen und tausend Füße. Die Erde von allen Seiten umfassend, ragt er zehn Fingerbreiten über sie hinaus.“ Mit einer, zwei oder drei Strophen des so beginnenden Puruṣasūkta wird der Śālagrāma mit Wasser aus einer Muschel oder anderem Wasser gebadet. Ein neues Tuch oder die Hände nehmen das Wasser ab. Der Stein wird auf ein mit Sandel versehenes Tulasī-Blatt gelegt und mit einem weiteren solchen Blatt bedeckt, in einem kupfernen oder entsprechenden Gefäß aufgestellt.

B.5.25 Nach Bereitung der allgemeinen Ehrengabe werden Gaṇeśa, die neun Planeten beginnend mit der Sonne und die zehn Welthüter beginnend mit Indra verehrt. Eine weitere Ehrengabe wird bereitet. Mit „Nāṃ, Verehrung dem Herzen“ und den entsprechenden Formeln folgen Glieder- und Hand-Nyāsa. Rings um den Śālagrāma, vom Osten bis zum Nordosten, gelten Verneigungen mit Oṃ dem Schöpfer, Wegnehmenden, Erhalter, Ordner sowie Sāma-, Yajur-, Ṛg- und Atharvaveda.

B.5.26 Mit einer Blüte in der Hand betrachtet man: „Oṃ. Stets ist Nārāyaṇa zu betrachten, mitten im Sonnenkreis, auf einem Lotos sitzend, mit Armreifen, goldenen Ohrringen, Krone und Halskette, von goldenem Leib, Muschel und Rad tragend.“ Die Blüte wird auf den eigenen Kopf gelegt, die Verehrung innerlich vollzogen und die Betrachtung wiederholt.

B.5.27 Dann werden die Gaben mit der Formel „Oṃ, Verehrung Nārāyaṇa“ bezeichnet: Wasser für die Füße, Ehrengabe, Mundspülwasser, Duft, Blüte, Tulasī-Blatt, Räucherwerk, Licht, Speise, Trinkwasser, erneutes Mundspülwasser und Betel, nach den eigenen Möglichkeiten. Für die Ehrengabe gibt die Quelle unterschiedliche grammatische Formen nach Yajur-, Ṛg- und Sāmaveda an: Argha, Arghya beziehungsweise das sächliche Arghyam. Eine Merkregel erläutert außerdem, dass beim Piṇḍa das grammatische Geschlecht anders gebraucht wird.

B.5.28 Danach werden die acht Lautglieder des Nārāyaṇa-Mantra einzeln verehrt, jeweils von Oṃ und der Verneigung umgeben: Oṃ, Na, Mo, Nā, Rā, Ya, Ṇā, Ya. Es folgt die Radverehrung. Genannt werden Ācakra, Vicakra, Sucakra, das die drei Welten schützende Rad, Sudarśana, das Daityas vernichtende, das Asuras vernichtende, das Weltrad und das höchste Rad; zuletzt Vāsudeva, die gegenwärtige Gottheit im Śālagrāma-Stein. Ein Beleg für diese Verehrung wird für später angekündigt.

B.5.29 Nach Rezitation gemäß den eigenen Kräften wird diese mit der zuvor bekannten Formel vom Hüter des Geheimnisses übergeben. Es folgt der sechsstrophige Hymnus: „Oṃ. Nimm meine Unbescheidenheit fort, Viṣṇu! Zügle meinen Geist, stille den Durst nach dem Geschmack der Sinnendinge. Weite mein Mitgefühl mit den Wesen und führe mich über den Ozean des Daseins.“ (1)

B.5.30 „Ich verehre die Lotosfüße des Herrn der Śrī: Ihr Nektar ist der göttliche Fluss; ihr Duft und Genuss sind Sein, Bewusstsein und Seligkeit. Sie schneiden die Mühsal des Werdens ab.“ (2) Die überlieferte Verbform ist beschädigt; der Sinn des Lobpreises bleibt erkennbar.

B.5.31 „Herr, auch wenn die Trennung aufgehoben ist: Ich bin dein, nicht bist du mein. Die Welle gehört zum Meer; niemals gehört das Meer zur Welle.“ (3)

B.5.32 „Du hobst den Berg empor, bist der Freund des Bergspalters Indra, Feind der Dämonensippen, mit Mondblick! Wenn du geschaut wirst, vermag das Werden nicht mehr zu herrschen; es wird überwunden.“ (4) Die Schlusszeile ist beschädigt; die Wortspiele mit Schauen, Werden und Überwindung sind nicht vollständig sicher aufzulösen.

B.5.33 „Durch deine Herabkünfte als Fisch und die übrigen Gestalten lass jenen Nektar herabkommen. Höchster Herr, ich bin von der Hitze des Daseins erschreckt und deiner Bewahrung bedürftig.“ (5) Die Bitte um den Nektar folgt der vorhandenen, von anderen Fassungen abweichenden Lesung.

B.5.34 „Dāmodara, Wohnstatt der Vorzüge, mit schönem Lotosgesicht, Govinda! Du bist der Mandara-Berg, der den Ozean des Daseins aufwühlt; nimm mir die größte Furcht. Nārāyaṇa, voller Erbarmen, bei deinen beiden Füßen suche ich Zuflucht. Möge diese sechsfüßige Biene, dieser sechsstrophige Hymnus, stets im Lotos meines Mundes wohnen.“ (6) Hier endet die im vorliegenden Text Yama zugeschriebene Ṣaṭpadī. Die Zuschreibung wird nicht stillschweigend durch die einer bekannteren Fassung ersetzt.

B.5.35 Unter diesem Lobpreis wird das Ehrengabengefäß genommen und dreimal rechtsherum umschritten. Dann wird die Muschel über dem Kopf geschwenkt; drei Gebete begleiten eine acht- oder fünfgliedrige Verneigung.

B.5.36 „Großer Puruṣa, ich verehre deine Lotosfüße, die stets zu betrachten sind: Sie nehmen Erniedrigung, erfüllen Wünsche, sind Wohnstatt aller heiligen Stätten, von Śiva und Brahmā gepriesen, sichere Zuflucht, Linderung der Not deiner Diener, Schutz der Verneigten und Schiff über den Daseinsozean.“ (1)

B.5.37 „Du verließest die schwer aufzugebende, selbst von Göttern begehrte königliche Herrlichkeit und gingst, dem Dharma treu, auf das Wort des Ehrwürdigen in den Wald. Dem trügerischen Hirsch, den deine Geliebte begehrte, eiltest du nach. Großer Puruṣa, ich verehre deine Lotosfüße.“ (2)

B.5.38 „Oṃ. Verehrung dem Gott der heiligen Erkenntnis, dem Wohltäter von Kühen und Brahmanen, dem Wohl der Welt zugetanen Kṛṣṇa, Govinda – immer wieder Verehrung!“ Nach der Verneigung folgt die Bitte: „Herr, durch welche Tausende Daseinsformen ich auch gehe, in jeder bleibe meine Hingabe an dich, Acyuta, unerschütterlich.“

B.5.39 „Jene unablässige Liebe, die an Sinnendingen haftende Menschen ihnen entgegenbringen, möge beim Gedenken an dich nicht aus meinem Herzen weichen. Wie sich der Geist junger Frauen an einem jungen Mann und der junger Männer an einer jungen Frau erfreut, so erfreue sich mein Geist an dir.“ Die Bezeichnung der Sinnlich-Anhaftenden ist in der Vorlage beschädigt.

B.5.40 „Mein Ziel ist erfüllt“, spricht und vergegenwärtigt der Verehrende. Nach Tanz, Gesang und anderen Ehrungen folgt: „Oṃ. Kṛṣṇa, Kṛṣṇa, Starkarmiger, Vernichter der Not deiner Verehrenden! Gewähre mir das Wasser von deinen Füßen, das alle Verfehlungen stillt.“ Nach dem Trinken wird der Rest auf den Kopf genommen: „Das heilige Wasser von Viṣṇus Füßen, das vorzeitigen Tod nimmt und alle Krankheiten vernichtet, trage ich auf meinem Kopf.“

B.5.41 Über seine Frucht heißt es: „Wer sich mit dem Wasser des Śālagrāma-Steins übergießt, das vorzeitigen Tod und Krankheit nimmt, hat in allen heiligen Stätten gebadet und ist in alle Opfer eingeweiht. Wer es trinkt und auf dem Kopf trägt, gelangt in Viṣṇus Welt.“ Im vom Vīramitrodaya angeführten Bṛhannāradīya steht: „Wessen Herz Haris Gestalt, dessen Mund seinen Namen, dessen Leib seine Speise und dessen Kopf sein Fußwasser und seine Opferreste trägt, der ist Acyuta selbst. Wird einem Sterbenden dieses Wasser in den Mund gegeben, erreicht er den unvergänglichen Viṣṇu, selbst nach schlechtem Lebenswandel.“

B.5.42 Die Kennzeichen des heiligen Fußwassers werden durch neun Bestandteile beschrieben: Wasser, Tulasī, Sandel, ein Zweimalgeborener, Lotos, Glocke, vedische Strophe, Stein und Kupfer. Die Strophe meint den Puruṣasūkta-Mantra; die Deutung der beiden mittleren Gegenstandsbezeichnungen ist nicht völlig sicher.

B.5.43 Die Vasiṣṭhasaṃhitā sagt: „Wer das Śālagrāma-Wasser auf seinen Kopf gießt, ohne zuvor davon zu trinken, wird einem Brahmanentöter gleichgesetzt. Getrunken tilgt Viṣṇus Fußwasser die Schuld von zehn Millionen Geburten; fällt aber ein Tropfen auf die Erde, entsteht achtfache Schuld. Vor Viṣṇus Fußwasser trinke man das Wasser von den Füßen eines Brahmanen; wer die Reihenfolge aus Verblendung umkehrt, gilt als Selbstschädiger. Alle heiligen Stätten der Erde sind im Meer, die des Meeres im rechten Fuß des Brahmanen.“

B.5.44 Als Formel beim Geben des Fußwassers wird angeführt: „Kind, ich habe es dir gegeben; trinke den Rest, den Nektar gegen Alter. Gott, stets Glückspender, gewähre Sieg und verbrenne den Feind.“ Der Wortlaut ist im Übergang zwischen Gebendem und Angerufenem nicht ganz klar. Diese Formel wird im Zusammenhang zusätzlich aufgeführt.

B.5.45 Die Formel zur Annahme der Speisegabe lautet: „Oṃ. Wir verlangen nach den Resten seiner Speise – nach denen dessen, der als dunkler Eber Hiraṇyākṣa niederwarf.“ Besondere Mantras für Dadhivāmana und andere Gestalten sollen im Tantrasāra nachgesehen werden. Hier endet die aus einem älteren Ritualhandbuch übernommene Śālagrāma-Verehrung.

Die Viṣṇu-Pūjā

B.5.46 Im zweiten Kapitel des Sanatkumāratantra heißt es: „In der Brahma-Muhūrta aufstehen, sich reinigen, gesammelt Platz nehmen, mit gefalteten Händen den Guru verehren und sich immer wieder als Brahmans Gestalt betrachten: Wer so den Mantra rezitiert, siegt über alle Streitredner. Nach Bad und Reinigung vollzieht der Unterwiesene die vedischen Sandhyā-Riten und nach dem Unterricht des Gurus auch die weiteren üblichen Handlungen.“

B.5.47 Mit dem Wurzelmantra und „Ich sättige Śrīkṛṣṇa“ wird die Sättigungsgabe vollzogen. Am Eingang des Verehrungsraums werden die Füße gewaschen, der Haarschopf mit dem Waffenmantra gebunden, der Mund gereinigt und die Türgottheiten verehrt. Deren Verehrung wurde zuvor erklärt. Nach Vertreibung der Hindernisse und Reinigung von Händen und Boden folgen Verneigung vor Guru und Gaṇeśa sowie die Verehrung des Vāstu.

B.5.48 Nach Brahmās Verehrung wird der eigene Sitz geehrt. Nach der Reinigung der Elemente vergegenwärtigt man: „Ich bin die Gottheit.“ Seher und weitere Mantrabestandteile sowie Mātṛkā-Laute werden im Körper eingesetzt; es folgen dreifache Atemregelung und Glieder-Nyāsa.

B.5.49 Genannt werden Ācakra, Vicakra, Sucakra, das die drei Welten schützende Rad, das Asuras vernichtende, Sudarśana, Weltrad, Daitya-Vernichter und das große höchste Rad. Die Namen werden mit „Rad“ verbunden, in den Dativ gesetzt und mit Svāhā abgeschlossen. Für die einzelnen Körperglieder folgen die üblichen Abschlüsse Namaḥ, Svāhā, Vaṣaṭ und Hūṃ beim Schutzpanzer; Herz, Kopf, Haarschopf, Leib und Richtungen werden nacheinander zugeordnet. Die knappe Aufzählung nennt nicht alle Abschlusslaute vollständig.

B.5.50 Keśava und die weiteren Gestalten werden mit ihren Śaktis eingesetzt. Es folgen Vibhūtipañjara- und Mūrtipañjara-Nyāsa, Tattva-, Hand- und Mantra-Nyāsa sowie dreifache Ganzkörperzuordnung. Beim Vibhūtipañjara wird der zehnsilbige Mantra genannt. Alle Nyāsas sind in der Folge des jeweiligen Ritualhandbuchs auszuführen. Die Erklärung verweist auf ihre Darstellung beim Verfasser des Tantrasāra und wiederholt die vollständigen Reihen hier nicht.

B.5.51 Nach Unterweisung des Gurus wird die Muschel aufgestellt, die Ehrengabe bereitet und die Gegenstände besprengt. Der göttliche Sitz wird im Körper vergegenwärtigt; Dharma und weitere Träger werden verehrt, im Herzen Ananta und die übrigen. Eine folgende Wendung unterscheidet äußere Verehrung für Hausleute von einer abschließenden Verehrung für den Gelübdetreuen, bleibt aber sprachlich unsicher. Sonne, Gaṇeśa, Śiva und Durgā werden verehrt.

B.5.52 Auf Kupfer wird das Yantra angelegt. Ananta und die weiteren Sitzträger werden verehrt, Dharma und die zugehörigen Kräfte in den Ecken, Adharma und die entsprechenden Gegensätze an den Seiten. In der Mitte werden vierzehn, beginnend mit Ananta, verehrt, auf den Lotosstaubfäden Vimalā und die weiteren Gottheiten.

B.5.53 Als Gottheit sich selbst betrachtend, lässt der Praktizierende die vergegenwärtigte Gegenwart durch die eigene Nasenöffnung hervortreten und ruft sie sorgfältig in die äußere Verehrung. Mit Ananta und den entsprechenden Bījas wird die Lebenskraft begründet. Die mit Padma beginnenden Gestalten und die umgebenden Scharen werden verehrt. Räucherwerk, Licht und Speise werden dargebracht. Nach dem tantrisch gelehrten Mantra wird auch das eigene Selbst als göttlich verehrt.

B.5.54 Mit dem Wurzelmantra und „Ich sättige Śrīkṛṣṇa“ erfolgen dreimal Sättigungsgaben aus dem Ehrengabenwasser über dem Haupt. Nach dreifacher Atemregelung und dreifacher Ganzkörperzuordnung vollzieht der Einsichtige die Anwendung nach dem eigenen Tantra. Hier endet die Grundfolge der Viṣṇu-Verehrung.

Die Formeln zu Viṣṇus Darbringungen

B.5.55 Der Yoginīpaṭala nennt zur Herbeirufung: „Als Fisch, Eber, Menschlöwe und Zwerg möge der gabenspendende Gott, mein Nārāyaṇa, vor mich kommen.“ Zum Sitz: „Auf dem Fußschemel des Götterherrn ist ein Lotos als Sitz bereitet. Nimm Platz, Madhusūdana, zum Heil aller Wirklichkeit.“ Zum Fußwasser: „Gott, Lotosnabeliger, Ewiger, Viṣṇu mit lotosblattgleichen Augen, nimm dieses Wasser für deine Füße an!“

B.5.56 Zur Ehrengabe: „Dem Herrn der Herren der drei Welten, dem Gott der Götter, dem Ehrwürdigen, Hṛṣīkeśa, diesem herrlichen Viṣṇu gilt die Verneigung.“ Zum Mundspülwasser: „Das Wasser der Mandākinī nimmt Schuld und Unheil. Nimm dieses von mir in Hingabe dargebrachte Mundspülwasser an!“ Die erste Zeile ist sprachlich gestört.

B.5.57 Zum Bad: „Du bist Wasser und Erde, Licht und Feuer. Dem Verständnis der Welt folgend bade ich dich mit Wasser.“ Zu den Gewändern: „Gott, diese Gewänder, mit den Farben des Opfers und goldenen Farbtönen geschmückt, sind für dich, Keśava.“ Zum Duft: „Ich bestreiche deinen Leib; diese Handlung gilt dir, Keśava. Nimm den von mir dargebrachten Duft an und lass dich damit salben.“

B.5.58 Zur heiligen Schnur: „Von dem Lotosgeborenen mit Mantras des Ṛgveda und der übrigen gereinigt, mit dem Sāvitrī-Knoten verbunden, sei diese heilige Schnur unvergänglich.“ Zum Schmuck: „In göttlichen Farben, mit Feuer- und Sonnenglanz, schmücken diese von Menschen gefertigten Zierden deine Glieder.“ Zum Räucherwerk: „Dieser göttliche, duftreiche, wohlriechende Saft der Bäume wird dir in Hingabe dargebracht; nimm diesen Weihrauch an.“

B.5.59 Zum Licht: „Du bist Sonne, Mond, Blitz und Feuer; du bist das Licht aller Lichter. Nimm dieses Licht an!“ Zur Speise: „Gott, diese fünffache Speise mit den sechs Geschmacksrichtungen bringe ich dir in Hingabe dar, Keśava.“

B.5.60 Das achtundvierzigste Kapitel des oberen Teils des Matsyasūkta bietet abweichende Formeln. Zum Sitz: „Am Fuß des Sumeru ist ein Lotos als Sitz bereitet. Nimm ihn zum Wohle aller Wesen an, Madhusūdana.“ Zum Fußwasser: „Gott, Lotosnabeliger, Ewiger, Viṣṇu mit lotosblattgleichen Augen, nimm dieses gute Wasser für die Füße an, Madhusūdana.“ (2)

B.5.61 Zur Ehrengabe: „Herr der Herren der drei Welten, Gott der Götter, Janārdana, Weltenherr! Nimm die Ehrengabe mit verschiedenem Sandel an.“ (3) Zum Mundspülwasser: „Nimm das reine, alle Schuld tilgende Wasser der Mandākinī an, das ich dir in Hingabe als Mundspülwasser darbringe.“ (4) Zum Madhuparka: „Großer Gott, nimm den von Brahmā und den übrigen bereiteten und von mir in Hingabe dargebrachten Madhuparka an, Madhusūdana.“ (5)

B.5.62 Zu den Gewändern: „Diese beiden göttlichen, aus vielen Fäden gefertigten, goldglänzenden Gewänder sind für dich, Keśava.“ (6) Zur heiligen Schnur: „Mit Ṛg-, Yajur- und Sāma-Mantras von Brahmā gefertigt, mit dem Sāvitrī-Knoten versehen, ist diese heilige Schnur für dich, Acyuta.“ (7)

B.5.63 Zum Räucherwerk: „Aus Baumharz entstanden, duftreich und von Göttern geschätzt, soll dieser Weihrauch von allen Gottheiten gerochen werden. Nimm ihn an.“ (8) Zum Licht: „Du bist das Licht von Sonne und Mond, von Blitz und Feuer, das Licht der Lichter. Nimm dieses Licht an.“ (9)

B.5.64 Zur Speise: „Diese vierfache Speise mit den sechs Geschmacksrichtungen ist dir in Hingabe dargebracht, Keśava.“ (10) Zum Schmuck: „Diese glückverheißenden, mit göttlichen Fäden und Feuer- und Sonnenglanz verbundenen Zierden mögen deine Glieder schmücken.“ (11) Die Speisezählung lautet hier vierfach, zuvor fünffach.

Acyuta in der Stadt Dvārakā

B.5.65 Im fünfzehnten Kapitel der dritten Nacht des Nāradapañcarātra spricht Vyāsa: „Ich erkläre die Verehrung des Herrn der Śrī zur Erlangung unerschöpflichen Reichtums, von Kubera und anderen Göttern streng gehütet und stets gepflegt. In Dvārakā stehen herrliche Häuser, leuchtend wie tausend Sonnen, und zahllose Wunschbäume. In einer Halle bestehen Säulen, Tore, Torbögen und Wände aus strahlenden Edelsteinen; blühende Girlanden und farbige Baldachine tragen herabhängende Perlen.“

B.5.66 „Inmitten von Edelsteinflüssen, unter einem mit Edelsteinen erfüllten Wunschbaum, dessen ungehinderter Glanz ringsum strömt, erhellen Reihen von Edelsteinlampen alle Richtungen. Auf dem Lotos eines Löwenthrons, der wie die aufgehende Sonne strahlt, sitzt Acyuta. Ihn betrachte man, geschmolzenem Gold gleich, mit dem Glanz von Millionen zugleich aufgehender Monde, Sonnen und Blitze, an allen Gliedern schön, mild, mit allem Schmuck geziert, gelb gewandet; Rad, Muschel, Keule und Lotos glänzen in seinen Händen.“

B.5.67 Die folgende beschädigte Passage beschreibt einen ununterbrochenen Edelsteinstrom und die Berührung einer sprossenzarten, Acyutā genannten Gestalt mit der Spitze des linken Lotosfußes. „Rukmiṇī und Satyabhāmā stehen rechts und links und begießen sein Haupt mit Edelsteinstromen aus Krügen in ihren Händen.“ Weitere Dienerinnen, deren Namen teilweise beschädigt sind – erkennbar Jyotiḥ, Sunandā, Śānti, Mitravṛndā und Sulakṣaṇā –, sind mit gefüllten Krügen verbunden. Jāmbavatī und Suśīlā reichen mit Essenz gefüllte Gefäße aus dem Edelsteinfluss weiter; die genaue Aufstellung ist nicht sicher lesbar.

B.5.68 „Rings um Hari stehen seine sechzehntausend Gemahlinnen, strahlend mit Krügen, aus denen Gold und Edelsteine fließen. Außerhalb stehen die acht Schätze, die Erde mit Reichtum erfüllend; weiter außen alle Vṛṣṇis und wie zuvor die Gottheiten. So betrachte man das höchste Selbst.“

B.5.69 Es folgt die Anweisung zu einem zwanzigsilbigen Mantra, vierhunderttausend Rezitationen und 22.000 Butterschmalzopfern. Die verschlüsselte Mantrabildung ist beschädigt und wird nicht ergänzt. „In den drei Welten gibt es keinen ihm gleichen Mantra.“ Brahmā ist sein Seher, Gāyatrī sein Versmaß, Kṛṣṇa seine Gottheit; Bīja und Śakti werden wie zuvor bestimmt.

B.5.70 Der nun folgende Kalpa wird Sanatkumāra zugeschrieben. Nach den vorbereitenden Handlungen bis zum Sitz-Nyāsa werden die sechs Glieder in Hände, Finger und Handflächen eingesetzt. Mit dem Mantra wird der ganze Körper durchdrungen; die Mātṛkā wird vom Mantra umschlossen. Zehn Prinzipien werden in der Folge der Einziehung und Schöpfung eingesetzt. Nach erneuter Ganzkörperzuordnung folgen die Mantralaute an Kopf, Stirn, Augenbrauenmitte, Augen, Ohren, Nase, Mund, Kinn, Hals, Armansätzen, Herz, Bauch, Nabel, Geschlechtsbereich, Basis, Hüften, Knien, Unterschenkeln, Knöcheln und Füßen. Eine Stelle beim Geschlechtsbereich weist ausdrücklich eine Textlücke auf.

B.5.71 Die schöpferische Folge wird von der erhaltenden, Herz bis Nase, und der einziehenden, bei den Füßen beginnend, unterschieden. Fünfmal wird das Mūrtipañjara bis zur Erhaltung durchgeführt; dann folgen Schöpfungs-, Erhaltungs- und Sechsglieder-Nyāsa. Eine Zahlen- und Lautanweisung mit Guṇa, Feuer, Veda und Hand ist beschädigt. Nach der Kronen-Mudrā werden die Richtungen wie zuvor begrenzt. So betrachtet man die Gottheit und verehrt das Heiligtum unter Einbeziehung des Mūrtipañjara.

B.5.72 Als weitere Viṣṇu-Verehrung wird ein mit Kuhdung gereinigter Platz mit einem Sitz beschrieben. Duftstoffpaste dient zum Zeichnen eines achtblättrigen Lotos; im Fruchtboden liegt ein Sechseck mit der bezeichneten Zielperson und dem Mantraanfang. Die übrigen siebzehn Laute umschließen es. In bestimmten Ecken werden Śrī und Saṃvid eingesetzt; die genaue Eckenzuordnung ist beschädigt. An den Verbindungen stehen sechs Laute; auf den Staubfäden je drei Laute der Liebes-Gāyatrī; auf den acht Blättern je sechs des Mālā-Mantra. Außen folgen Mātṛkā-Laute und der Erdbezirk mit Haupt- und Zwischenrichtungen.

B.5.73 Auf Gold oder einem entsprechenden Träger geschrieben, nach der Vorschrift belebt und getragen, soll dieses Yantra selbst die Verehrung der Götter bewirken. Die Liebes-Gāyatrī wird durch Kāma und den Blumenpfeilträger im Dativ sowie „wir erkennen“, „wir meditieren“ und „der Körperlose möge uns anregen“ beschrieben. Danach werden Gopāla und ein als menschengewinnend bezeichneter Mantra genannt. Die anschließende vierzigsilbige Madana-Formel enthält Bitten um allgemeine Zuneigung, Bezauberung und Einfluss auf Herzen sowie „Flamme, flamme, lodere auf“. Mehrere Wörter sind beschädigt; eine vollständige Lautfolge wird nicht rekonstruiert. Für die Rezitation wird das Liebes-Bīja vorangestellt.

B.5.74 Der äußere Erdbezirk ist viereckig und vermutlich mit acht Vajras versehen; die Vorlage markiert die Lesung selbst als unsicher. Nach Verehrung des Sitzes wird die göttliche Person vergegenwärtigt, Acyuta hingebungsvoll herbeigerufen und mit allen Gliedern verehrt. Die Gaben reichen vom Sitz bis zum Schmuck. Schöpfung, Erhaltung, sechs Glieder, Krone, beide Ohrringe, Muschel, Rad, Keule, Lotos, Girlande, Śrīvatsa und Kaustubha werden mit Duft, ungebrochenen Reiskörnern, Blüten und Wurzelmantra verehrt. Eine Zwischenformulierung zum Nyāsa ist unklar.

B.5.75 Die Glieder werden in den Ecken, beginnend mit der Feuerseite, verehrt; Kopf, Haarschopf, Schutzpanzer und Augen werden genannt. Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha stehen an den Blattwurzeln, beginnend im Südosten. Śānti, Lakṣmī, Sarasvatī, Rati und weitere weibliche Kräfte folgen; ihre Reihe ist beschädigt. Danach werden die acht Hauptgemahlinnen und die äußeren Umkreise mit Mond, Vajra und weiteren Gestalten verehrt. Insgesamt ist Acyuta von sieben Umkreisen umgeben.

B.5.76 Er wird mit Milch beziehungsweise Milch-Wasser erfreut, dem Joghurt, Zucker und Butterschmalz beigemischt sind. Nach königlichen Ehrungen, Lobpreis und Verneigung wird Keśava mit seinem Gefolge ins eigene Herz zurückgenommen. Man verneigt sich, verehrt sich selbst als seine Gegenwart und rezitiert in Einheit mit ihm. Die Edelstein-Begießungsbetrachtung wird wiederum mit dem zwanzigsilbigen Mantra und Śrī verbunden; die genaue Mantraerweiterung ist beschädigt.

B.5.77 „Wer diesen Mantra mit Rezitation, Feueropfer, Verehrung und Betrachtung pflegt, dessen Haus füllt sich ungehindert mit Edelsteinen, Gold und Getreide. Die fruchtbare Erde liegt in seiner Hand; reich an Söhnen und Freunden erreicht er schließlich das höchste Ziel.“ Die Quelle nennt ferner zehntausend Opfer weißer, mit Butterschmalz versehener Reiskörner und Blüten an Govinda im Feuer; die Asche wird aufs Haupt genommen. Als Wirkungen werden Speisefülle und Einfluss auf Frauen behauptet.

B.5.78 Hunderttausend Opfer aus Butterschmalz oder roten, mit süßen Stoffen getränkten Lotosblüten werden mit Indra gleicher Herrlichkeit verbunden; eine folgende Wendung ist beschädigt. Weiße Blüten dienen dem Erlangen weißer und anderer Gewänder. Eine alternative Betrachtung verzichtet auf Rad und weitere Zeichen beziehungsweise Begleitgestalten. Sie zeigt Acyuta, von seinen mit Lotos und blauer Wasserlilie versehenen Geliebten umschlungen, mit Händen der Gabe und Furchtlosigkeit; die Beziehungen der Arme und des weiterhin erwähnten Rades sind nicht eindeutig.

B.5.79 Genannt werden eine Million Rezitationen und eine entsprechende Tausenderzahl von Butterschmalzopfern; die genaue Bezugnahme dieser Opferzahl bleibt unsicher. Zwei so vollendete Mantras sollen Wohlstand, Glück und günstiges Geschick schenken. Danach werden drei weitere Mantras durch Liebes-, Śakti- und Śrī-Bījas verschlüsselt; die Anweisung ist beschädigt. Kṛṣṇa wird mit Muschel, Rad, Bogen, Pfeilen, Schlinge und Stachelstock sowie mit der in zwei Händen gespielten Flöte betrachtet. Es folgen Bezüge auf eine erste, zweite und dritte Mantraform, die nicht vollständig erhalten sind. Fünfhunderttausend Rezitationen und fünfzigtausend Milchreisopfer werden als Vollendung genannt, die Wohlstand und Glanz verleihe.

Kṛṣṇa und Kāliya: Auch die Namenlitanei erinnert an die Überwindung des Schlangenkönigs.

Die Größe der Namen Viṣṇus

B.5.80 Im sechzehnten Kapitel des großen Matsyasūkta-Tantra heißt es: „Wer eine Nachtwache lang Viṣṇus heilige Namen singt, wohnt für unzählige Weltalter in Vaikuṇṭha. Wer Augenblick für Augenblick einen Namen, einen zweiten und einen dritten in Hingabe singt, gelangt in Viṣṇus Welt. Wer Haris heilige Namen hingebungsvoll preist, hat selbst in großen Gefahren nichts zu fürchten.“

B.5.81 „Wer dies einen Tag und eine Nacht selbst tut oder veranlasst, führt tausend Familienlinien mit sich und gelangt wahrhaft zu mir. Wer die Namenslaute mit ihren Vorzügen und innerer Hingabe an den drei Tagesübergängen singt, erreicht Viṣṇus Stadt. Wer Viṣṇu-Verehrende stets ehrt, wird von aller Schuld frei und erreicht Śivas Welt. Für die Einsichtigen, die ‚Verehrung Nārāyaṇa‘ sprechen, wozu viele andere Mantras, die den Geist verwirren?“ Das vorangestellte Bīja lautet in der vorhandenen Lesung Āṃ.

Der Hymnus der 108 Namen Kṛṣṇas

B.5.82 Im ersten Kapitel der vierten Nacht des Nāradapañcarātra, im Gespräch Umās mit Maheśvara, wird die folgende Rede Kṛṣṇa zugeschrieben: „Erde, Schöngestaltige! Die 108 Namen sind das Glückverheißendste alles Glückverheißenden. Sie schenken die acht Vollkommenheiten, beginnend mit dem Kleinwerden, vernichten Millionen schwerer Verfehlungen und verleihen die Frucht aller Wallfahrtsstätten, Rezitationen und Opfer. Höre sie, Göttin! Die Frucht des dreimaligen Vortrags der tausend heiligen Namen gewährt schon der einmalige Vortrag eines Namens Kṛṣṇas. Deshalb ist dieser Hymnus höchst heilig und schuldtilgend.“ Die Rahmung und die Sprecherangabe werden trotz ihrer Spannung beibehalten.

B.5.83 Für die 108 Namen Śrīkṛṣṇas werden Śeṣa als Seher, Anuṣṭubh als Versmaß und Śrīkṛṣṇa als Gottheit genannt; die Anwendung ist ihr Vortrag. „Oṃ. Der herrliche Kṛṣṇa, Herr der Kamalā, Vāsudeva, der Ewige, Sohn Vasudevas, der Heilige, dessen menschliche Gestalt göttliches Spiel ist; Träger von Śrīvatsa und Kaustubha, Yaśodā liebevoll Zugewandter, Hari, der Vierarmige mit Rad, Schwert, Keule, Muschel und Lotos als Waffen.“ Die Aufzählung nennt mehr Gegenstände als Arme.

B.5.84 „Devakīs Freude, Herr der Śrī, Nandagopas geliebter Sohn, Beender des Spiels an der Yamunā, Begnadiger Sucukundas; Herr von sechzehntausend Frauen, dessen dreifach gebogene Gestalt süß ist; Ozean des Nektars von Śukas Rede, Govinda, Herr der Kühekundigen, umherziehender Hüter der Kälber, Bezwinger Dhenukāsuras, Spalter der aufragenden Palmen, dunkel wie der Tamāla-Baum.“ Die Lesarten zum Yamunā-Spiel und zum Namen Sucukunda sind beschädigt; sie werden nicht durch bekannte Namensfassungen ersetzt.

B.5.85 „Herr der Hirten und Hirtinnen, Yogin, strahlend wie zehn Millionen Sonnen, Herr der Erde, höchstes Licht, König der Yādavas, Erheber des Yadu-Geschlechts; Träger des Waldblütenkranzes, Gelbgewandeter, Entführer des Pārijāta-Baumes, Emporheber des Govardhana-Berges, Kuhhirt und Hüter aller; Ungeborener, Unbefleckter, Vater Kāmas, Lotosäugiger, Bezwinger Madhus, Herr von Mathurā, Führer von Dvārakā, der Starke.“ Die letzte Namensform ist unsicher.

B.5.86 „Wanderer in Vṛndāvana, mit Tulasī-Kränzen Geschmückter, Erlanger des Syamantaka-Edelsteins, von der Natur Naras und Nārāyaṇas; Träger des dunklen Gewandes der Kubjā, Māya, höchster Puruṣa, kundig im großen Opfer der Dämonen Muṣṭika und Cāṇūra; Feind des Daseinskreislaufs, Feind Kaṃsas und Muras, Beender Narakas, Anfangloser, Brahmacārin, Fortnehmer von Kṛṣṇās Not.“ Die Verbindungen bei Kubjā sowie Muṣṭika und Cāṇūra sind beschädigt und bleiben entsprechend vorsichtig übersetzt.

B.5.87 „Abschläger von Śiśupālas Kopf, Beender von Duryodhanas Geschlecht, Gabenspender für Vidura und Akrūra, Offenbarer der Weltgestalt; Vernichter des Stierdämons, Brecher von Bāṇāsuras Macht, Begründer von Yudhiṣṭhiras Herrschaft, mit Pfauenfedern Geschmückter; Weltenlehrer, Weltenherr, Meister des Flötenspiels, Wagenlenker Pārthas, Unmanifestierter, großer Ozean des Gītā-Nektars.“

B.5.88 „Dessen Lotosfüße vom Edelstein auf Kāliyas Schlangenhaube gefärbt sind; Dāmodara, Genießer des Opfers, Vernichter der Dämonenherrscher; Nārāyaṇa, höchstes Brahman, dessen Reittier der Schlangenverzehrer ist; Entführer der Gewänder der im Wasserspiel versunkenen Gopīs; heilig Gepriesener, an heiligen Stätten und durch die Veden Erkennbarer, Schatz des Erbarmens, Wesen aller Wallfahrtsstätten, Gestalt aller Planeten, Höchster über dem Höchsten.“ Die Quelle schließt die Reihe mit 108 ab; beschädigte oder zusammengezogene Namen werden nicht zur Herstellung einer künstlichen Zählung ergänzt.

B.5.89 „So lauten die 108 Namen des Gottes Kṛṣṇa. Nachdem Kṛṣṇa, der Kṛṣṇa-Verehrer, einst den Nektar der Gītā gehört hatte, schuf er diesen Kṛṣṇa erfreuenden Hymnus; von ihm hörte ich ihn.“ Die Identität der hier mehrfach Kṛṣṇa genannten Person wird nicht eindeutig erklärt. „Der Nektar von Kṛṣṇas Namen schenkt höchste Freude, nimmt Bedrängnis und Leid und mehrt das Leben. Gaben, Studium, Askese und Wallfahrt, die in diesem Leben vollzogen wurden, werden den Vortragenden und Hörenden millionenfach vervielfacht.“

B.5.90 „Kinderlosen schenkt er Söhne, Zufluchtlosen ein Ziel, Armen Reichtum, Siegsuchenden Sieg, Kindern und Rinderherden Wachstum und Verdienst. Er stillt Windleiden, Besessenheit und Fieber, schenkt Frieden und Befreiung, erfüllt alle Wünsche und tilgt die Schuld von zehn Millionen Geburten. Am Ende schenkt er das Gedenken Kṛṣṇas, das Hitze und Furcht des Daseins nimmt.“

B.5.91 „Verehrung Kṛṣṇa, dem König der Yādavas, dem durch Erkenntnis Reinen, dem Yogin, dem Herrn, Rukmiṇīs Gemahl, dem Kenner des Vedānta.“ „Wer diesen Mantra bei Tag und Nacht rezitiert, empfängt die Gunst aller Planeten und wird allen lieb; von Söhnen und Enkeln umgeben, reich an allen Vollendungen, erreicht er schließlich die Vereinigung mit Kṛṣṇa.“ Eine verbindende Wendung über die Hirten ist beschädigt. Hier endet der Hymnus der 108 Namen Śrīkṛṣṇas im Gespräch Umās mit Maheśvara, in der vierten Nacht des als Jñānāmṛtasāra bezeichneten Nāradapañcarātra.

Gefäße, Puruṣasūkta und rituelles Bad

B.5.92 Im sechzehnten Kapitel des Matsyasūkta werden drei Ursachen der Armut genannt: die Gottheit eigenhändig zu tragen, sie in einem Holzgefäß zu verehren und sie in einem irdenen Gefäß aufzustellen. Weitere untersagte Träger sind die bloße Hand, ein unklar bezeichnetes Blatt, Bronze, Muschel, Messing, Gras, ein unsicher überliefertes Netra-Gefäß, Haut beziehungsweise Rinde und Silber. Hier endet das Verbot der Viṣṇu-Verehrung in Holzgefäßen und auf den weiteren genannten Trägern.

B.5.93 Dagegen gilt die Verehrung in Gold- oder Kupfergefäßen, auf Stein, einer Kokosnuss oder anderen Frucht, einem Lotosblatt, Palāśa-Blatt oder Aśvattha-Blatt als Spenderin der Frucht von zehntausend Opfern. Die Glossen erklären Kiṃśuka als Palāśa und den „beweglichblättrigen“ Baum als Aśvattha. Hier endet die Frucht der Verehrung auf diesen Trägern.

B.5.94 Im fünfzehnten Kapitel heißt es: „Wer mit dem Puruṣasūkta Blüten oder auch nur eine einzige darbringt, hat die ganze bewegliche und unbewegliche Welt verehrt. Wer wissend auch nur mit einer Strophe eine Handvoll Wasser darbringt, wird durch dieses Sūkta von aller Schuld frei. Wer es im Wasser rezitiert, wird von allen Bindungen des Handelns und allen Verfehlungen frei. Wer das Puruṣasūkta kennt und täglich unermüdlich rezitiert, schaut innerhalb eines Jahres den Götterherrn Vāsudeva.“ Hier endet die Größe des Puruṣasūkta.

B.5.95 Das sechzehnte Kapitel nennt die Früchte verschiedener Badegaben: „Wer den im Wasser Ruhenden mit sehr kühlem Wasser badet, erreicht Brahmās Welt für die Dauer von vierzehn Indras. Wasser mit Kuśa und Blüten führt ebenfalls in Brahmās Welt; Edelsteinwasser in die Sonnenwelt, Goldwasser in Kuberas Welt. Die Gabe aller Heilkräuter schenkt die Frucht eines Pferdeopfers.“

B.5.96 Zum Einreiben werden Pulver von Kalāya-Hülsenfrüchten, Gerste, Kurkuma, Māṣa-Bohnen oder Reis genannt; eines davon soll Viṣṇus Welt gewähren. „Wer den Gott der Götter mit Gersten- und Weizenpaste und warmem Wasser reinigt, erlangt Varuṇas Welt. Wer einen Fußschemel und Wasser zur Gesichtsreinigung gibt und mit einem Bilvablatt abreibt, wird von allen Verfehlungen frei.“

B.5.97 Zum großen Bad Viṣṇus heißt es: „Wer es beim Sonnenstand in Waage, Steinbock oder Widder vollzieht, wohnt sechzigtausend Weltalter lang in Brahmās Welt. Von jeder der fünf Nektarsubstanzen werden hundert Pala genommen, oder die Hälfte, oder wiederum deren Hälfte; weniger nicht.“

B.5.98 Danach nennt die Quelle Öl sowie tausend, hundert oder fünfzig Krüge und Begießungen in hundert oder tausend Strömen als Tilgung schwerer Schuld. Die Verbindung der Mengen ist nicht ganz eindeutig. Für das Kali-Zeitalter werden Halbierungen genannt; ein Kräuterauszug soll fünfundzwanzig Pala betragen, entsprechend wird warmes Wasser und die Krugzahl angesprochen. „Wer dieses Bad vollzieht oder veranlasst, dessen in sieben Geburten erworbene Schuld schwindet augenblicklich.“ Die einzelne Substanz wird später mit vier Tola bemessen; ein geringeres Maß soll nicht verwendet werden.

B.5.99 „Wer Keśava mit Muschelwasser und Viṣṇus Mantra badet, rettet hundert Familienlinien. Milch einer braunen Kuh in der Muschel gewährt die Frucht von tausend Brautgaben. Andere Kuhmilch schenkt die halbe Frucht, Kuśa-Wasser die doppelte.“ Zur großen Verehrung werden dreihunderttausend Blüten und Blätter genannt, im Kali-Zeitalter hunderttausend, je nachdem, was verfügbar ist. Die Hälfte gilt als mittlere, deren Hälfte als geringere Form. Hier endet die Darstellung des großen Bades und der großen Verehrung.

Die Größe der Muschel

B.5.100 Das Padmapurāṇa verbindet in einer beschädigten Einleitung die heiligen Stätten der drei Welten mit Vāsudevas Verehrung und fordert deshalb die Verehrung der Muschel. „Aus dem Meer entstanden, von Viṣṇu in der Hand getragen, von allen Gottheiten gestaltet: Pāñcajanya, dir Verehrung! Schon beim Anblick der Muschel, erst recht bei ihrer Berührung, vergehen Verfehlungen wie Schnee beim Sonnenaufgang.“

B.5.101 „Wer vor Vāsudeva die mit Blüten geschmückte Muschel verehrt, dem ist Wohlstand nicht schwer erreichbar. Wasser, Blüten und feuchte ungebrochene Reiskörner in der Muschel als Ehrengabe dargebracht gewähren die Frucht der Schenkung der Erde samt Meeren. Wer nach dieser Gabe rechtsherum umschreitet, hat die Erde mit ihren sieben Kontinenten umschritten. Wer das heilige Muschelwasser über Haris Haupt kreisen lässt, dem schenkt die aus dem Milchozean Geborene Lebensgenuss. Wer dieses über Keśava geschwenkte Wasser auf dem Kopf trägt, trägt die Gaṅgā selbst; was bedarf er noch ihres Stromes?“

B.5.102 Der Kriyāsāra unterscheidet vorzügliche, mittlere und kleinere Muscheln nach Fassungsmaßen; die erste Zahlen- und Maßreihe ist beschädigt. Eine für die Verehrung geeignete Muschel ist gut geformt, mit heller Spitze, glatt, lang und mit guter Windung. Die Bezeichnung „mit einem Stirnauge“ wird durch eine ebenfalls unsichere Zahlenangabe erläutert. Ungeeignet sind schmutzige, eingesenkt zugespitzte, rötlich verfärbte, wurmzerfressene, kurze oder mit mangelhaftem Kanal versehene Muscheln.

B.5.103 „Milchweiß, glatt, mit langem Kanal, groß, rund und rechtsgewunden heißt sie vortreffliche Muschel. Auch eine linksgewundene mit den zuvor genannten guten Kennzeichen ist selten und für die Götterverehrung hervorragend.“ Der Kalpataru hebt die rechtsgewundene hervor: „Wer freudig Wasser aus einer solchen Muschel, in einem Udumbara-Gefäß aufgefangen, auf dem Kopf empfängt, dessen Schuld aus sieben Geburten schwindet augenblicklich.“ Im Skandapurāṇa gilt dieselbe Frucht für Haris Verehrung mit diesem Wasser.

B.5.104 Der Kriyāsāra erklärt, dass bei Kupfer, Kristall, Muschel, Gold und Silber ein Bruch nicht dieselbe rituelle Unzulässigkeit bewirkt wie bei anderen Stoffen. Eine Muschel wird durch Abreiben mit Spelzen gereinigt; die Glosse erklärt diese als Getreideschalen.

B.5.105 Im sechzehnten Kapitel des Matsyasūkta heißt es: „Wasser aus Fluss, Teich, Zisterne, Brunnen oder See wird, mit einer Muschel geschöpft, zu Gaṅgā-Wasser. Alle heiligen Stätten der drei Welten wohnen bei Vāsudevas Verehrung in der Muschel; deshalb verehre man sie. Schon beim Schauen, erst recht beim Berühren, vergehen Verfehlungen wie Schnee durch die Sonne. Wer sie vor Vāsudeva mit Blüten, Wasser und ungebrochenen Reiskörnern verehrt, dem ist Lakṣmī nicht schwer erreichbar.“

B.5.106 „Wer nach einer Ehrengabe mit der Muschel rechtsherum umschreitet, hat die Erde mit sieben Kontinenten umschritten. Wer Keśava mit Muschelwasser und dem achtsilbigen Mantra badet, wird von Bedrängnis frei. Die Muschel soll nicht auf die Erde gelegt werden; geschieht es, wird sie erneut mit Sandelwasser, Milch oder reinem Wasser gereinigt.“ Die Formel lautet: „Oṃ. Einst aus dem Meer entstanden, von Viṣṇu in der Hand getragen, von allen Gottheiten gestaltet: Pāñcajanya, dir Verehrung!“

B.5.107 Den dreifüßigen Gefäßständer beschreibt der im Vīramitrodaya angeführte Siddhāntaśekhara. Vierundsechzig Maßeinheiten werden für die beste Form genannt; weitere Unterteilungen unterscheiden beste, mittlere und geringere Formen, sind aber sprachlich beschädigt. Drei radartig gestaltete Füße, Löwenmotive und Löwengesichter an beziehungsweise unter den Füßen werden genannt. Die übrige Gestaltung richtet sich nach Schönheit. Der Dreifuß trägt die Gefäße für Ehrengabe, Speise und weitere Darbringungen.

Die Größe der Tulasī

B.5.108 Im sechzehnten Kapitel des Matsyasūkta heißt es: „Unter allen Blättern und Blüten ist Tulasī die vorzüglichste: rein, alle Wünsche erfüllend, Viṣṇu zugehörig und ihm lieb, Spenderin von Genuss und Befreiung, höchste Wohltäterin aller Welten. Als Mutter verleiht sie den unvergänglichen Himmel.“ Die letzte Verbindung ist beschädigt. „Zum Wohl aller Welten wurde sie einst auf Erden gepflanzt. Wie Lakṣmī Viṣṇu lieb ist und du Hara, so diese Göttin Tulasī; eine vierte ihresgleichen gibt es nicht.“

B.5.109 „Wie die reine Gaṅgā alle Welten befreit, nimmt Tulasī alle Verfehlungen. Wer Viṣṇu mit ihren Blättern samt Blütenständen verehrt, dessen Verdienst lässt sich nicht beschreiben. Mit der einzelnen Tulasī-Blüte allein soll der Garuḍa-Bannerträger jedoch nicht verehrt werden, denn ihre Kraft wird mit einer Säge verglichen.“ Die ungewöhnliche Begründung bleibt ohne weitere Erklärung im Text stehen.

B.5.110 „In den drei Welten berühmt, tilgt sie alle Verfehlungen, erfüllt alle Wünsche und bringt alles Heil. Im furchtbaren Ozean des Daseins ist sie ein Schiff. Sie erfreut die Gottheiten, Śiva und Durgā aufs Höchste. Für die von der Masse der Schuld Gequälten ist sie das eine große Heilmittel. Höre dazu die alte Erzählung, das Gespräch Marīcis mit Rāma.“

B.5.111 Einst verehrte der Herr des Raghu-Geschlechts täglich zur rechten Zeit den in Veda und Vedāṅgas bewanderten Weisen. Bald war dieser erfreut und gab Śrīrāma eine herrliche Girlande aus einem Tulasī-Hain, mit Blütenständen und Blättern, göttlich und von der Natur der vier Veden. Er legte sie ihm auf den Kopf.

B.5.112 Rāma nahm die Girlande, sah sie an und wurde zornig: „Welch Überheblichkeit dieses großen Brahmanen! Wie kann er Baumblätter auf mich legen? Ein verständiger Mensch soll den Segen der Zweimalgeborenen annehmen; deshalb ertrage ich deine Anmaßung, Weiser.“ Als die Göttin Tulasī diese zornigen Worte hörte, verfluchte sie Rāma: „Weil du mich in Hochmut vom Kopf entfernt hast, wirst du von Vaidehī getrennt werden!“

B.5.113 Marīci sah den Fluch und Sītās geliebten Herrn mit zornigen Augen und sprach: „Sei gnädig, großer König! Ich suche deine Zuflucht. Ich erzähle dir eine alte wunderbare Begebenheit, von Weisen verkündet. Diese Tulasī-Girlande habe ich dir gegeben, Götterherr; höre von mir ihre ganze wunderbare Größe.“

B.5.114 „Tulasī ist Mahālakṣmī in Pflanzengestalt, die höchste Brāhmī-Śakti, aus Brahmās Körperhaar entstanden. Sie entspricht Ṛg-, Yajur-, Sāma- und weiteren Veden samt ihren Zweigen und Schulen. Wie Gaṅgā, Gītā und Gāyatrī aus dem Lotosgeborenen entstanden, so auch diese Weltreinigerin. Wo sie gut gedeiht, ist Lakṣmī gegenwärtig; ohne sie kann Wohlstand zum Verderben werden. Brahmā selbst schuf die Weltenmutter Tulasī und ließ sie zum Schutz der Welten auf Erden herabkommen.“

B.5.115 „Durch ihre Verehrung besiegte Mahādeva, Gott der Götter und Weltenherr, den Dämon Ghora in heftigem Kampf.“ Der Kompilator merkt an, dass er diese Kampferzählung aus Sorge vor einer weiteren Vergrößerung des Werkes nicht aufnimmt. „So ist diese große Göttin Tulasī von der Gestalt des Alls. Verehre auch du sie; gewiss wirst du siegen.“

B.5.116 Nach diesen Worten des großen Weisen nahm der hier Madhusūdana genannte Rāma die Girlande ehrfürchtig auf den Kopf, verneigte sich und empfing einen Zweig der alle Wünsche erfüllenden Pflanze. Er ging nach Hause, pflanzte sie vorschriftsmäßig und verehrte sie. Durch ihre Kraft besiegte Raghus Nachkomme den mächtigen Rāvaṇa im Kampf.

B.5.117 „Menschen, die sie verehren, vorschriftsmäßig pflanzen und preisen, erlangen Vollendung. Wer ein mit Wasser versehenes Tulasī-Blatt auf dem Kopf trägt, eine Ehrengabe darbringt und sich verneigt, hält die Befreiung in der Hand. Wer sie dagegen am Flussufer, am Verbrennungsplatz, auf salzig-unfruchtbarem Boden oder in der Nähe von Mlecchas pflanzt, gelangt in Yamas Wohnstatt.“ Diese Orts- und Gesellschaftswertungen gehören zur historischen Quelle.

Pflanzung, Betrachtung und Lobpreis der Tulasī

B.5.118 Die Pflanzvorschrift desselben Textes nennt nordöstlich vor dem Haus eine handspannen- beziehungsweise Tāla-tiefe Grube. Bei Tagesbeginn werden Pañcagavya und ein Pfauenei hineingegeben; nachts wird gepflanzt und die Pflanze siebenmal mit einer Schnur umwunden. An ihrer Wurzel wird eine runde, eine Elle große Unterlage angelegt, ferner eine viereckige Verehrungsfläche. Nach Bewässerung erfolgt die Verehrung.

B.5.119 Duft, Blüten, Räucherwerk, Butterschmalzlichter, Milchreis und mit Joghurt verbundene Speise werden vorschriftsmäßig dargebracht. Mit „Verehrung Tulasī“ gibt man eine Ehrengabe für das Gedeihen: Wasser in einer Muschel mit Dūrvā, ungebrochenen Reiskörnern, Sandel, Kuśa-Spitzen und Blüten.

B.5.120 Die Betrachtung lautet: „Man betrachte die Göttin mit dem Gesicht des jungen Mondes, den Lippen einer reifen Bimba-Frucht, strahlend, mit schlanker, unter der Fülle ihrer Brüste leicht geneigter Gestalt, sanft lächelndem Gesicht und Augen wie Mond, Sonne und Feuer. Weiß ist ihr Leib; sie gewährt Furchtlosigkeit und Gaben und sitzt auf einem weißen Lotos.“

B.5.121 Der Herr spricht: „Ich verehre Tulasī von milder Gestalt, die himmlisch Schöne, von Indra und allen Göttern verehrt, ihren Verehrenden Gaben schenkend.“ (1) „Ich verehre Tulasī von milder Gestalt, jenseits von Nāda, Bindu und Kalā, mit Schädelkranz, asketisch und Vāsudeva hingegeben.“ (2)

B.5.122 „Ich verehre Tulasī von milder Gestalt, die Göttin aller Gottheiten, die Veden in ihrem Schoß tragend, schön und durch Yoga erreichbar.“ (3) „Ich verehre Tulasī von milder Gestalt, Kennerin der Besonderheiten von Göttern und Dämonen, mit allem Schmuck geziert, Mutter der drei Welten.“ (4)

B.5.123 „Ich verehre Tulasī von milder Gestalt, einen Lotos in der Hand, mit Lotosgesicht, auf einem Lotos stehend, lotosäugig, von Lakṣmīs Gestalt.“ (5)

B.5.124 „Wer diesen Hymnus gesammelt beim Sonnenübergang, am Ende einer Mondhälfte oder bei Mond- und Sonnenfinsternis vorträgt, erlangt alle Vollendungen. Auch ohne Mantra, Rezitation, Opfer, Ritus, Betrachtung und Wallfahrt vermag er alle Vollendungen zu schenken. Wer diesen vom Guru verfassten Hymnus vorträgt oder hört, hält die Befreiung in der Hand und ist zweifellos befreit.“ Hier endet der Tulasī-Hymnus im sechzehnten Kapitel des Matsyasūkta.

B.5.125 Der Verneigungsmantra lautet: „Schenke mir Gedeihen, Ansehen, Ruhm, langes Leben und Glück, Kraft, Kräftigung und Dharma, Tulasī!“ Mit dieser Formel verneigt man sich gesammelt.

Das Tragen der heiligen Ketten

B.5.126 Der Bhagavadbhaktivilāsa überliefert: „Danach trage der Vaiṣṇava die Kṛṣṇa dargebrachten Ketten aus Tulasī-Blättern, Lotossamen, Tulasī-Holz oder Āmalaka-Früchten. Schmuck aus Tulasī-Holz kann er nach Neigung am Kopf, an den Ohren, Armen und Händen tragen.“

B.5.127 Das Skandapurāṇa erklärt: „Wer eine Kette aus Tulasī-Holz zuerst Hari darbringt und erst dann selbst trägt, ist ein hervorragender Gottesverehrer. Wer sie dagegen töricht trägt, ohne sie Hari darzubringen, gelangt gewiss in die Hölle.“ Die Kette wird mit Pañcagavya gewaschen, mit Wurzelmantra und achtmaliger Gāyatrī-Rezitation besprochen, beräuchert und mit höchster Hingabe unter dem Sadyojāta-Mantra verehrt.

B.5.128 Die Bitte lautet: „Aus Tulasī-Holz entstandene Kette, den Kṛṣṇa-Verehrenden lieb! Ich trage dich am Hals; mache mich Kṛṣṇa lieb. Wie du Viṣṇu und seinen Verehrenden stets teuer bist, mache auch mich ihnen stets lieb, Göttin!“ Es folgt eine beschädigte etymologische Erklärung des Wortes Mālā, die Mā, Geben und alle Verehrenden verbindet; eine sichere Satzübersetzung ist nicht möglich. „Wer so vorschriftsmäßig bittet und die zuvor um Kṛṣṇas Hals gelegte Kette trägt, erreicht Viṣṇus Zustand.“

B.5.129 Zur beständigen Verpflichtung heißt es im Kārttika-Abschnitt desselben Purāṇa: „Wer keine Kette aus Āmalaka-Früchten am Hals trägt, ist kein Vaiṣṇava, selbst wenn er Viṣṇu verehrt.“ Das Garuḍapurāṇa erklärt polemisch: „Die schuldgesinnten Zweifler, die keine Kette tragen, kehren nicht aus der Hölle zurück, von Haris Zornesfeuer verbrannt.“ Deshalb sagt das Skandapurāṇa: „Man lege die Tulasī-Kette nicht ab. Wer mit ihr Hari verehrt, dessen Tun schenkt unendliche Frucht.“

B.5.130 Das Nāradīya sagt: „Die Vaiṣṇavas mit Tulasī- und Lotossamenketten am Hals, mit Muschel- und Radzeichen an den Oberarmen und leuchtendem senkrechtem Stirnzeichen reinigen rasch die Welt.“ Ferner: „Wessen beide Arme Viṣṇus Zeichen tragen, dessen Rede die Namen des höchsten Puruṣa preist, dessen Stirn ein gerades heiliges Zeichen und dessen Hals eine Lotossamenkette trägt – dessen Diener bin ich.“

B.5.131 Im Viṣṇudharmottara spricht der Erhabene über den Träger einer Tulasī-Holzkette, auch wenn sein Verhalten mangelhaft ist; die abschließende Prädikation ist in der Vorlage beschädigt. Das Skandapurāṇa sagt: „Wer sichtbar eine Kette aus Āmalaka-Früchten oder Tulasī-Holz trägt, ist ein hervorragender Gottesverehrer. Wer Tulasī-Blätter am Hals trägt, ist mit Viṣṇus besonderem Zeichen versehen und selbst den Himmlischen verehrungswürdig. Tulasī- oder Āmalaka-Ketten schenken sogar Schuldigen Befreiung – wie viel mehr Viṣṇus Dienenden!“

B.5.132 Im Kārttika-Abschnitt heißt es: „Wer mit einer Tulasī-Kette am Hals Janārdana verehrt, erlangt für jede Blüte das Verdienst der Gabe von zehntausend Kühen. Solange die Āmalaka-Kette sich am Hals bewegt, bewegt sich Keśava liebevoll am Körper dieses Menschen. So viele Körperhaare die Kette berührt, so viele Jahrtausende wohnt er in Keśavas Wohnstatt. So viele Tage er sie im Kali-Zeitalter trägt, so viele Tausende Weltalter wohnt er in Vaikuṇṭha. Wer täglich beide Ketten, Tulasī und Āmalaka, trägt, wohnt zehn Millionen Weltalter im Himmel.“

B.5.133 Im Garuḍapurāṇa sagt Mārkaṇḍeya: „Wer eine Kṛṣṇa abgenommene Tulasī-Blätterkette trägt, erhält für jedes Blatt die Frucht von zehn Pferdeopfern. Wer eine Tulasī-Holzkette trägt, dem gewährt der Dämonenfeind täglich die Frucht des Aufenthalts in Dvārakā. Wer sie hingebungsvoll trägt, trägt keine schwere Schuld; Kṛṣṇa, Devakīs Sohn, ist ihm stets wohlgesinnt. Für ihn gibt es keine Sühnepflicht und keine rituelle Unreinheit des Körpers.“

B.5.134 „Wer Tulasī-Holz als Kette und als Schmuck am Kopf, an Armen und Händen trägt, in dessen Körper wohnt Hari stets. Mit solchen Ketten geschmückt soll man heilsam handeln. Was für Ahnen und Gottheiten vollzogen wird, wirkt im Kali-Zeitalter zehnmillionenfach. Die Boten des Totenkönigs fliehen beim Anblick einer Tulasī-Holzkette wie vom Wind verwehte Blätter. Wer damit geschmückt umhergeht, braucht weder schlechte Träume und Vorzeichen noch Waffen zu fürchten.“

Lob der Viṣṇu-Verehrenden

B.5.135 Im neunten Kapitel der ersten Nacht des Nāradapañcarātra heißt es: „Wie wunderbar ist die Größe der Diener des Unendlichen, die stets grundlose, um keinen Lohn bittende Hingabe an Haris Füße üben! Sie betrachten Tag und Nacht die Lotosfüße des Lotosnabeligen, von Lakṣmī und ihrem Herrn sowie Śeṣa und den übrigen Göttern verehrt.“ Die folgende beschädigte Passage beschreibt das Verlangen nach Gespräch, Berührung und dem Kontakt ihrer Füße mit der Erde zur Reinigung und zum Heil.

B.5.136 „Das reine Fußwasser der Kṛṣṇa-Mantra-Verehrenden heiligt alle Wallfahrtsstätten und die Erde selbst, Pārvatī. Wen der Kṛṣṇa-Mantra aus dem Mund eines Zweimalgeborenen erreicht, den nennen die Kundigen der alten Überlieferung einen Vaiṣṇava, einen Reiniger der Welt. Schon durch den Empfang des Mantra wird der Mensch von Nārāyaṇas Wesen und reinigt mühelos Hunderte Menschen.“

B.5.137 „Schon durch seine Geburt werden Hunderte seiner Ahnen gereinigt; sie gelangen sogleich nach Goloka und werden von der Bindung des Handelns frei. Sieben Generationen seiner mütterlichen Vorfahren erhebt er, ebenso sieben Generationen dessen, dessen Tochter er heiratet. Mutter, Großmutter, Ehefrau, Söhne und sieben Generationen, Brüder, Schwestern und Töchter erhebt der Kṛṣṇa-Verehrer.“ Einzelne Beziehungen der Generationenzählung sind im knappen Wortlaut nicht eindeutig.

B.5.138 „Er hat in allen heiligen Stätten gebadet, ist in alle Opfer eingeweiht, hat die Frucht aller Verehrungen und Gelübde erlangt. Wer Viṣṇus Mantra von einem ausgezeichneten vaiṣṇavischen Brahmanen empfängt, wird von der Schuld von zehn Millionen Geburten frei. Schon der Anblick eines Kṛṣṇa-Mantra-Verehrenden tilgt die Schuld von hundert Geburten. Durch Schauen und Berühren von Vaiṣṇavas werden Wasser, Feuer und der weltreinigende Wind selbst gereinigt. Die Götter wünschen stets ihren Anblick; in allen Welten ist niemand reiner als ein Vaiṣṇava.“

B.5.139 Im zehnten Kapitel spricht Brahmā: „Selbst ein Augenblick der Gemeinschaft mit einem Vaiṣṇava ist überaus schwer zu erlangen. Er führt über den furchtbaren Daseinsozean und schenkt Genuss und Befreiung.“ Hier endet das Lob der Vaiṣṇavas.

Die Erscheinungszeiten der zehn Avatāras

B.5.140 Das Svatantratantra nennt die Erscheinungszeiten: Matsya erschien am ersten hellen Mondtag des Caitra, unter Revatī, an einem Montag, innerhalb der zwölften Nāḍikā des Tages. Kūrma erschien am zweiten hellen Mondtag des Jyaiṣṭha, unter Rohiṇī, an einem Mittwoch, innerhalb der vierten Tages-Ghaṭī. Varāha erschien am siebten hellen Mondtag des Māgha, unter Aśvinī, an einem Sonntag, innerhalb der achten Tages-Ghaṭī.

B.5.141 Nṛsiṃha erschien am vierzehnten hellen Mondtag des Rādha genannten Vaiśākha, unter Svātī, an einem Samstag, zur Mittagszeit. Vāmana erschien am zwölften hellen Mondtag des Bhādra, unter Śravaṇa, an einem Freitag, innerhalb der fünfzehnten Tages-Ghaṭī. Der erste hier Rāma genannte Avatāra, in der Zehnerfolge Paraśurāma, erschien am dritten hellen Mondtag des Mādhava genannten Vaiśākha, unter Rohiṇī, an einem Samstag, innerhalb der elften Nacht-Ghaṭī.

B.5.142 Rāma erschien am neunten hellen Mondtag des Caitra, unter Punarvasu, an einem Montag, am Vormittag. Kṛṣṇa erschien am achten dunklen Mondtag des Bhādra, unter Rohiṇī, an einem Mittwoch, um Mitternacht. Der als Teil Haris bezeichnete Buddha erschien am neunten hellen Mondtag des Āṣāḍha, unter Viśākhā, an einem Sonntag, innerhalb der sechsten Tages-Nāḍī. Kalki erschien nach der grammatischen Form dieses Textes am dritten hellen Mondtag des Mārgaśīrṣa, unter Pūrvāṣāḍhā, an einem Samstag, innerhalb der dritten Nacht-Ghaṭī. Die Vergangenheitsform wird nicht an die sonst übliche Zukunftserwartung angepasst.

B.5.143 Alle weiteren Besonderheiten der Viṣṇu-Verehrung sollen im Tantrasāra nachgesehen werden; aus Sorge vor zu großem Umfang werden sie hier nicht ausgeführt. Hier endet in der Śrīprāṇatoṣiṇī, im fünften Buch über die Hingabe, der fünfte Lehrabschnitt, der Viṣṇu-Verehrung und verwandte Themen erklärt.


Bhaktikāṇḍa: Sechster Lehrabschnitt – Die Mahāvidyās

Die zehn großen Weisheitsgöttinnen

B.6.1 Das Cāmuṇḍātantra nennt die zehn Mahāvidyās: Kālī, Tārā, Ṣoḍaśī, Bhuvaneśvarī, Bhairavī, Chinnamastā, Dhūmāvatī, Bagalā, Mātaṅgī und Kamalātmikā. „Diese zehn großen Weisheitskräfte heißen vollendete Vidyās.“

B.6.2 Die Erklärung fragt, weshalb Kālī und Tārā eigens als Mahāvidyā bezeichnet werden, wenn doch die abschließende Aussage dies allen zuspricht. Die besondere Nennung hebt gerade ihre Eigenschaft als große Vidyās hervor. Dazu wird die Viśvasāra-Wendung „Mahāvidyā, mit Mahā vorangestellt“ angeführt. Entsprechend bedeutet die besondere Bezeichnung Bagalās als Siddhavidyā, obwohl alle so heißen, dass sie besonders rasch Vollendung schenkt.

B.6.3 Im ersten Kapitel des Kubjikātantra heißt es: „Im Kali-Zeitalter nimmt sie dunkle Farbe an; obwohl weiß, erscheint sie blau. Weil sie spielend Sprache schenkt, heißt sie Nīlasarasvatī. Weil sie hinüberführt, heißt sie stets Tārā und Tāriṇī. Weil sie die Welten schützt, heißt sie Bhuvaneśī; sie bewirkt Schöpfung und Erhaltung.“

B.6.4 „Weil die Vidyā stets Śrī, Glück und Fülle, gewährt, heißt sie Śrīvidyā. Die große Göttin jenseits der Eigenschaften heißt Ṣoḍaśī. Bhairavī vernichtet Leid und die Qualen Yamas; als Gemahlin Kālabhairavas heißt sie Bhairavī. Chinnā wird mit drei Kräften und einer Gabe der Zeit verbunden“ – die Verbindung ist unsicher –, „sie umfasst die drei Guṇas, bezaubert und gewährt gewiss Befreiung.“

B.6.5 „Dhūmāvatī ist Mahāmāyā, die Vernichterin Dhūmrāsuras, die rauchgestaltige große Göttin, Spenderin der vier Lebensziele, Weltenmutter, Weltenträgerin und Wohltäterin aller Welten.“ Der folgende Name Bagalā wird durch seine Laute erklärt: Va als Vāruṇī, Ga als Vollendungsgeberin, La als Erde und Bewusstsein. Die Überlieferung schreibt den ersten Laut als Va.

B.6.6 „Mātaṅgī heißt so wegen ihrer berauschten Natur und weil sie den Dämon Mātaṅga vernichtet; sie führt aus allen Bedrängnissen. Die in Vaikuṇṭha wohnende Göttin heißt Kamalā; auch in der Unterwelt wohnt die Schöne in Lakṣmīs Gestalt. Diese zehn Mahāvidyās heißen vollendete Vidyās. Sie gewähren stets Dharma, Wohlstand und Befreiung, die Frucht aller vier Lebensziele, und schenken im Kali-Zeitalter auf vielfältige Weise volle Frucht.“

B.6.7 „Armen, Geizigen, Angehörigen fremder Herkunft, Häretikern, Betrügern, Schmähenden, Tugendlosen, Unhingegebenen – selbst eigenen Söhnen – und Vertrauenslosen soll dies nicht offenbart werden. Dies ist meine feste Beschwörung. Einem mit allen guten Kennzeichen Begabten gebe man die Lehre. In den drei Welten gibt es nichts ihnen Gleiches. Schon einmaliges Aussprechen befreit von aller Schuld, bloßes Gedenken von der Bindung an das Werden.“ Die Ausschlüsse werden als historische Zugangsvorschriften der Quelle wiedergegeben.

Die Bhairavas der Mahāvidyās

B.6.8 Im ersten Kapitel des Toḍalatantra spricht Śiva: „Schöngestaltige, Glückliche, höre von Kālikās Bhairava. Rechts von Dakṣiṇā wird Mahākāla verehrt; mit ihm erfreut sie sich stets. Rechts von Tārā wird Akṣobhya verehrt. Beim Quirlen des Meeres entstand Kālakūṭa-Gift; alle Götter mit ihren Frauen gerieten in große Erschütterung. Weil er das Hālāhala-Gift ohne Erschütterung trank, heißt er Akṣobhya, der Unerschütterliche. Mit ihm erfreut sich Mahāmāyā Tāriṇī stets.“

B.6.9 „Rechts von Mahātripurasundarī verehre man Śiva, fünfgesichtig, mit drei Augen in jedem Gesicht. Mit ihm ist die große Göttin stets voll freudiger Liebesneugier; deshalb heißt sie Pañcamī, die Fünfte. Rechts von Bhuvanasundarī verehre man Tryambaka. Die ursprüngliche Bhuvaneśvarī ist im Himmel, auf Erden und in der Unterwelt; mit ihr erfreut er sich und heißt deshalb Tryambaka. Mit Śakti verbunden wird er in allen Tantras verehrt.“ Die Namensdeutung verbindet hier die drei Welten mit dem dreifachen Namen.

B.6.10 „Rechts von Bhairavī verehre man sorgfältig den fünfgesichtigen Dakṣiṇāmūrti. Rechts von Chinnamastā den Śiva Kabandha, den kopflosen Rumpf; durch seine Verehrung wird man Herr aller Vollendungen. Dhūmāvatī trägt die Gestalt einer Witwe.“ Für sie wird hier kein Bhairava genannt.

B.6.11 „Rechts von Bagalā verehre man den eingesichtigen Mahārudra, den Vernichter der Welt. Rechts von Mātaṅgī Śiva als Mataṅga, eben jenen Dakṣiṇāmūrti, der der Welt Freude schenkt. Rechts von Kamalā verehre man Sadāśiva in Viṣṇus Gestalt; so wird man gewiss vollendet.“

B.6.12 „Rechts von Annapūrṇā verehre man den zehngesichtigen Maheśvara, der höchste Befreiung verleiht. Rechts von Durgā Nārada. Na bedeutet den Schöpfer, Da den Erhalter, R den Auflösenden; deshalb heißt er Nārada. Bei allen übrigen Vidyās ist der jeweils genannte Seher auch ihr Gemahl und wird zu ihrer Rechten verehrt.“

Die besonderen Nächte der Erscheinung

B.6.13 Zur Bestimmung der Erscheinungszeiten nennt das Svatantratantra besondere Nächte: Mahārātri ist der elfte dunkle Mondtag im Phālguna. Divyarātri liegt vor, wenn am zehnten hellen Mondtag des Jyeṣṭha, an einem Freitag, nachts bereits der elfte Mondtag eintritt. Bhāvarātri ist die seltene Verbindung von Neumond, Dienstag, Sonnenübergang, Kula-Sternbild und Finsternis.

B.6.14 Siddharātri wird dem achten Mondtag mit dem Caitra-Sonnenübergang zugeordnet. Der dritte helle Mondtag des Mādhava unter einem Kula-Sternbild heißt die furchtbare Nacht beziehungsweise Zeit. Kālarātri ist die Verbindung des vierzehnten Mondtags des Lichterfestes mit Neumond und erfreut Tārā und Kālī. Kṛṣṇas Geburtsnacht am achten dunklen Mondtag heißt Moharātri; der neunte helle Caitra-Mondtag Krodharātri. Ghorarātri liegt am achten dunklen Mondtag des Mārgaśīrṣa. Vīrarātri verbindet einen vierzehnten Mondtag, Dienstag, Kula-Sternbild und eine als Makāra bezeichnete Bedingung, die hier nicht weiter erläutert wird.

Kālī und Viśvāmitra

B.6.15 Im dritten Kapitel der dritten Nacht des Nāradapañcarātra spricht Brahmā: „Die in Dakṣas Haus geborene, weithin als Satī Bekannte gab aus Zorn über König Dakṣa ihren Leib auf. Aus Gnade wurde sie darauf als Tochter Menās geboren. Unter dem Namen Kālī wurde sie bekannt und in allen Schriften gefeiert.“ Das Svatantratantra ergänzt: „Am Tag der Mahārātri entstand in der Stadt Avantī diese Gestalt Kālīs, die unmittelbar höchste Befreiung schenkt.“

B.6.16 Zur Größe Kālīs erzählt das Nāradapañcarātra: Viśvāmitra verehrte Brahmā, erlangte aber nicht die Brahmanenwürde. Darauf ging er zu Viṣṇu; auch durch ihn erreichte der ausgezeichnete Kṣatriya sie nicht. Immer wieder suchte und verehrte er alle Götter. Auf Bṛhaspatis Rat verehrte er schließlich den Stierbannerträger. Als Maheśvara ihm erschien, fühlte er sein Ziel nahe und bat: „Gott der Götter, großer, erbarmungsvoller Herr! Wenn du mir eine Gabe gewähren willst, schenke mir Brahmanenwürde.“

B.6.17 Der Herr antwortete: „Die einsilbige Mahāvidyā Kālikās ist sehr schwer zu erlangen. Wiederhole sie, Starkarmiger; dadurch wirst du Brahmane.“ Dann verschwand Mahādeva. Viśvāmitra verehrte die weltumfassende Göttin nach der Vorschrift, erreichte jedoch keine Mantravollendung. Zornig verfluchte er sie: „Du sollst nicht erfolgreich verehrbar sein!“ Er kehrte zu Śiva zurück. Nach heftiger Zurechtweisung – die Satzverbindung lässt den genauen Sprecherwechsel offen – sagte Maheśvara: „Warum hast du die Vidyā verflucht? Höre sorgfältig, König: Durch Ka mit daraufgesetztem R wirst du Vollendung erreichen, nicht anders.“

B.6.18 Brahmā fährt fort: Śambhu verschwand. Viśvāmitra rezitierte nach der ihm gegebenen Vorschrift, und Kālī erschien sogleich zusammen mit Rudra. Die Göttin sagte: „Nenne deinen Wunsch, König. Ich schenke dir eine heilsame Gabe. Was du ersehnst, werde ich gewähren, wahrlich, ohne Zweifel.“

B.6.19 Viśvāmitra antwortete: „Alle Götter, beginnend mit Brahmā, habe ich verehrt; keiner gab mir Brahmanenwürde. Schenke du sie mir!“ Die Göttin blickte wohlwollend in das Gesicht ihres Gemahls und gab ihm ein Zeichen. Śaṅkara verstand, umarmte den König liebevoll mit beiden Armen und verlieh ihm die Brahmanenwürde. Augenblicklich wurde er Brahmane, kundig und vollkommen bewandert in allen Schriften. Hier endet die Größe Kālīs.

B.6.20 Der Kompilator vermerkt: Die dritte Nacht des Nāradapañcarātra liegt in zwei Fassungen vor. Eine umfasst zweiundzwanzig Kapitel und enthält die Entstehung der Vidyās, die Erscheinung des Śivaliṅga und weitere Lehren; daraus wurden die entsprechenden Erzählungen übernommen. Die andere umfasst fünfzehn Kapitel mit morgendlichen Handlungen und Verehrungsvorschriften. Da dort größtenteils Aussagen der Kramadīpikā erscheinen, bleiben an verschiedenen Stellen Zweifel an der Überlieferungszuordnung.

Tārā, Nīlasarasvatī und Kāmākhyā

B.6.21 Im zweiten Kapitel der dritten Nacht des Nāradapañcarātra heißt es: „Die in Dakṣas Haus geborene Satī schenkt höchste Befreiung und heißt deshalb Ekajaṭā. Weil sie hinüberführt, heißt sie Tārā; weil sie spielerisch Sprache schenkt, Nīlasarasvatī. Wegen ihrer gewaltigen Natur heißt sie Ugratāriṇī; weil sie aus schwerster Bedrängnis rettet, Ugratārā.“

B.6.22 Das Svatantratantra erzählt: „In der Mitte der Kālarātri erschien Ugratārā als eigene göttliche Kraft, um aus schwerster Bedrängnis zu retten. Westlich des Meru liegt der große See Colana; dort entstand die Mutter Nīlasarasvatī. Während dort die Rezitation vollzogen wurde, vergingen drei Weltalter. Aus meinem oberen Antlitz trat eine Lichtfülle hervor; sie fiel in den Cola-See und nahm blaue Farbe an. Nördlich des Sees verehrte sie ein hervorragender Seher namens Akṣobhya, ein Teil von mir. Sie, deren Wesen das Kūrca-Bīja ist, stand in der Pratyālīḍha-Haltung.“ Die Namen Colana und Cola wechseln im Text.

B.6.23 Das Nāradapañcarātra sagt: „Sieben Koṭi, also siebzig Millionen, Mahāvidyās gibt es und ebenso viele untergeordnete Vidyās; ihre Gestalten lassen sich nicht zählen.“ Es folgt eine Erzählung: Hari kam einst von Nordosten nach Südwesten zum Nīlācala, der den Leib der Göttin bildet. Die dortigen mächtigen Vollendeten wollten ihn aufhalten: „Diese ist der Ursprung aller, die ewige Weltgestalt. Über sie hinwegzugehen geziemt dir nicht, Keśava. Du bist Lehrer, Zeuge und Versammlungsherr aller. Wähle einen anderen Weg!“ Der Satz über das Hinübergehen ist ohne ausdrücklich erhaltene Verneinung überliefert; die anschließende Warnung macht die ablehnende Absicht deutlich.

B.6.24 Madhusūdana hörte nicht auf sie. Garuḍa flog mit ihm auf diesem Weg weiter. Da erstarrte Viṣṇu und konnte nicht mehr vorankommen. Er stieg zur Erde herab, nahm acht Arme an und versuchte mit aller Kraft, den blauen Berg emporzuheben. Es gelang ihm nicht; der Weltenherr geriet in Verwirrung. Zweitausend Jahre dauerte dies. Dann umwand die erzürnte Göttin ihn mit der linken Hand mit einer Vollendungsschnur und warf ihn ins Salzmeer.

B.6.25 Brahmā sah Keśava im Wasser und fragte erstaunt, was geschehen sei. Viṣṇu bat zuerst um rasche Rettung. Brahmā packte ihn, um ihn herauszuheben, wurde aber selbst gebunden. Ebenso erging es Indra und allen anderen Göttern. Nach langer Zeit durchwanderte Jīva, der hervorragende Götterlehrer Bṛhaspati, die drei Welten und fand nirgends die Gottheiten. Er sah alle Städte leer und ging zu Śaṅkaras Wohnstatt. Als er diese bewohnt fand, freute er sich, pries den ewigen Herrn, fiel lang ausgestreckt vor ihm nieder und sprach mit gefalteten Händen.

B.6.26 Bṛhaspati fragte: „Wohin sind Brahmā, Viṣṇu, Indra und die anderen Götter gegangen? Aus Furcht vor den Dämonen ist mein Geist beunruhigt.“ Śiva antwortete: „Weil sie Kāmākhyā missachteten, leiden sie verstört und bedrängt im Salzmeer.“ Bṛhaspati bat: „Erwäge ein Mittel zu ihrer Rettung, Weltenherr! Die Dämonen greifen schnell an, und die Götterstadt ist leer.“

B.6.27 Śiva sagte: „Ich gehe sogleich, um sie zu retten. Komm mit mir zum Salzmeer!“ Beide gingen an dessen Ufer. Obwohl Śiva die Macht zur Rettung besaß, wahrte er die heilige Ordnung: Er nahm so viele Gestalten an, wie Götter gebunden waren, und trug das Kāmākhyā-Kavaca am Hals. Mit ausgestreckter linker Hand umfasste er die Götter und hob sie heraus.

B.6.28 Die Götter zitterten wie Bäume, fielen zu Boden und verneigten sich immer wieder vor Mahādeva. Er beruhigte sie und wies sie an, die Weltenmutter Ambikā als Kāmākhyā gnädig zu stimmen. Mit Viṣṇu an der Spitze gingen sie zu ihr. Hṛṣīkeśa verneigte sich, pries sie, mit Tränen in der Kehle und zitternd vor Hingabe. Die noch erzürnte ewige Weltenschöpferin sprach aus der Ferne: „Törichter, welche Ehre hast du durch meine Missachtung erwiesen? Welche Gabe begehrst du jetzt von mir? Nenne deinen Wunsch.“

B.6.29 Viṣṇu antwortete: „Mutter, in deinem hochheiligen Bezirk möchte ich mit meiner Śakti in allen acht Richtungen bei Tag und Nacht wohnen, stets deinem Gebot unterworfen.“ Die allumfassende Weltenmutter sagte: „So sei es“, und begnadete Hari. „Damit habe ich dir, Sohn, ein wenig von der höchsten Größe und dem Geheimnis der Göttin Tāriṇī erzählt; ausführlich vermag ich es nicht.“ Hier endet die Größe Tārās. Der Text verbindet in diesem Abschnitt Tārā mit der Erzählung Kāmākhyās.

Wie Kālī Tripurasundarī wurde

B.6.30 Im fünften Kapitel spricht Brahmā: „Höre nochmals ein wunderbares Geheimnis, wie Kālī-Mahāmāyā zu Sundarī wurde. Als Śaṅkara auf dem schönen Gipfel des Kailāsa wohnte, sandte Indra freudig alle Apsaras dorthin. Sie kamen und priesen Mahādeva.“ Nach ihren Worten sprach der Stierbannerträger sanft und erbarmungsvoll: „Ein Mann gilt als Gast eines Mannes, eine Frau als Gast einer Frau. Geht deshalb zu Kālikā.“ Dann betrat er den schönen Palast und sprach mit der höchsten Herrin Kālī; auch die Besucherinnen erfuhren große Freude.

B.6.31 Im sechsten Kapitel heißt es: Mahākālī dachte immer wieder: „Ich werde diese Gestalt ablegen und reine Gaurī werden, denn Mahādeva nennt mich ständig Kālī, die Dunkle.“ So verschwand die höchste Göttin. Als Śiva später die inneren Gemächer betrat, fand er sie nicht und blieb allein im Palast.

B.6.32 Eines Tages kam Nārada. Er verneigte sich und stand mit gefalteten Händen vor dem großen Herrn. Mahādeva berührte ihn mit der linken Hand, hieß ihn willkommen und führte ein heiliges Gespräch mit ihm. Danach fragte Nārada ehrfürchtig: „Wohin ist Kālī, die Vernichterin der Zeit, gegangen und hat dich verlassen?“ Śiva antwortete: „Sie ist verschwunden und ließ mich zurück, bester Weiser.“

B.6.33 Nārada freute sich innerlich über die Gelegenheit zu einem Streit zwischen Mahākālī und dem Dreizackträger. In Meditation sah er die höchste Herrin nördlich des Sumeru. Er ging zu ihr, verneigte sich voller Hingabe und pries die Weltgestalt. Danach fragte die Göttin: „Was tut Maheśvara fern von mir? Berichte mir, Herr der Weisen, wie es ihm geht.“

B.6.34 Nārada sagte: „Der große Gott hat umfangreiche Vorbereitungen für eine neue Hochzeit getroffen. Halte ihn davon ab, Bergestochter!“ Als sie dies hörte, geriet die höchste Herrin in Zorn. Mit flammenden roten Augen nahm sie eine andere, unvergleichliche Gestalt an, deren Schönheit in den drei Welten alles überragte, und gelangte augenblicklich zu Maheśvara.

B.6.35 In Śambhus Herzen sah sie ihr eigenes Spiegelbild. Von heftigem Zorn ergriffen sagte sie: „Du bist undankbar, großer Gott! Warum hast du die Vereinbarung gebrochen, die du mit mir getroffen hast? Nach der Hochzeit habe ich dir einen Platz in meinem Herzen gegeben, Śiva!“ Die letzte Zuordnung des Herzplatzes ist im überlieferten Satz ungewöhnlich; sie wird nicht umgestellt.

B.6.36 Der höchste Herr lächelte und antwortete seiner treuen Geliebten mit vor Liebe stockender Stimme: „Ich bin nicht undankbar, Heilvolle, und habe die Vereinbarung nicht gebrochen. Was du in meinem Herzen gesehen hast, ist ohne Zweifel dein eigenes Spiegelbild. Meditiere, Gesegnete, und schaue mit dem Auge der Erkenntnis!“ Da erkannte sie ihr Bild und wurde ruhig.

B.6.37 Voll höchster Liebe fragte sie den Weltenherrn: „Welche Gestalt war es, die ich in deinem Herzen gesehen habe? Erkläre sie mir.“ Mahādeva antwortete liebevoll: „Weil du die schönste Gestalt der drei Welten angenommen hast, wirst du im Himmel, auf Erden, in der Unterwelt und überall Sundarī, Pañcamī, Śrī und Tripurasundarī heißen. Da du stets sechzehnjährig bist, heißt du Ṣoḍaśī.“

B.6.38 „Weil du beim Anblick der Gestalt in meinem Herzen erschrakst, heißt diese in den drei Welten Tripurabhairavī. In deinem ruhigen, erbarmungsvollen Zustand kennt man dich als Bhuvaneśānī und Rājarājeśvarī. Ugratāriṇī, die in Dikkara Wohnende, Lalitakāntā, Maṅgalacaṇḍikā, Kauśikī, die Götterbotin und andere Gestalten sind vielfältige Entfaltungen der Bhuvaneśānī.“

B.6.39 Genannt werden ferner Tripuṭā, Jayadurgā, Vanadurgā, Trikaṇṭakī, Kātyāyanī, Mahiṣaghnī, Durgā als Waldgöttin, Śrīrāmas Gottheit, Vajraprastāriṇī, Śūlinī, Hausgöttin, im Haus Thronende, Medhā, Rādhā und Kālikā. „In Kürze sind ihre Formen genannt, Nārada. Wer könnte sie ausführlich alle beschreiben?“ Hier enden die Größe Ṣoḍaśīs und ihre Entfaltungen.

Gaurī und Ardhanārīśvara

B.6.40 Die ewige Weltenmutter Kālī sagte zu ihrem Gemahl: „Gib mir die Erlaubnis, großer Gott; ich möchte eine andere Gestalt annehmen.“ Śiva antwortete: „Welche Gestalt du jetzt wünschst, Weltenträgerin, alles werde ich verwirklichen, woran du beständig Freude hast.“

B.6.41 Die Göttin sprach: „Du wirkst alles durch deine Kraft, Weltenherr. Doch höre mein Wort: Ich werde durch schwerste Askese die heilige Ordnung begründen, dir zur Freude. Sei mir gewogen und verleihe mir eine helle, rötlich-helle, dunkle, weiße oder irgendeine andere Gestalt.“ Śiva antwortete: „Vollziehe deinen Wunsch zum Wohl der Welt. Doch die Trennung von dir bringt mir schwer erträgliches Leid.“

B.6.42 Sie tröstete ihren Geliebten und ging zur Mandākinī. Dort übte sie hundert göttliche Jahre lang schwerste Askese. Dann erschien der Stierbannerträger, hob sie mit der linken Hand auf, reinigte liebevoll ihren Leib und badete Pārvatī im schönen Fluss. Sie wurde blitzartig hell und hieß Vidyudgaurī. Weitere Gestalten sind Svāhāgaurī, Śyāmā, Śuklā, Raktagaurī, Śākambharī, Amalā, Sūkṣmā, Ṣaṭpadī und Bhrāmarī. In unendlichen, millionenfachen Formen und vielen Farben besteht die ewige Göttin. Hier endet die Entstehung Vidyudgaurīs und verwandter Gestalten.

B.6.43 Im zehnten Kapitel heißt es: Als die Göttin ihr eigenes reines Spiegelbild in Śambhus Herzen sah, sagte sie liebevoll: „Der Anblick meiner Gestalt in deinem Herzen hat mich überwältigt. Gib mir einen Platz in deinem Leib, wenn du mir zugetan bist.“ Śiva antwortete: „Sogleich werde ich die Hälfte deines Leibes annehmen; auch mir bereitet dieses Geben und Nehmen unvergleichliche Freude.“

B.6.44 Mit seinem Fingernagel teilte Hara die Leiber und vereinte je eine Hälfte seiner selbst und Pārvatīs zu einer Gestalt. Aus Hara und Gaurī entstand Ardhanārīśvara. Die beiden übrigen Hälften fügte Maheśvara zu einer Kugel zusammen und warf sie nach Vaikuṇṭha. Noch heute sehen dessen Bewohner durch die Kraft ihrer Askese diese Lichtgestalt beziehungsweise Maheśvaras verkörperte Gegenwart. Hier endet die Entstehung Ardhanārīśvaras und der zugehörigen Gestalt.

Chinnamastā

B.6.45 Eines Tages ging Pārvatī freudig mit zwei Gefährtinnen zum Bad in die Mandākinī. Nach dem Bad von Liebespfeilen bewegt, nahm die weltumfassende, Freude schenkende Göttin dunkle Farbe an. Die Gefährtinnen baten: „Höchste Herrin, wir hungern; gib uns Nahrung!“ Sie antwortete: „Ich werde euch geben; wartet auf mich.“ Nach kurzer Zeit baten sie erneut, und sie bat sie wiederum um etwas Geduld.

B.6.46 Wieder sagten die beiden: „Du bist die Mutter aller Welten; das Kind bittet seine Mutter. Die Mutter gibt allen Nahrung und Kleidung. Deshalb bitten wir dich um Speise, Erbarmungsvolle.“ Die Göttin sagte: „Zu Hause werde ich euch geben.“ Doch Ḍākinī und Varṇinī, die hier auch mit Jayā und Vijayā verbunden werden, baten erneut: „Wir sind vom Hunger gequält. Gib uns Nahrung, damit wir satt werden, Weltenmutter; erfülle unseren Wunsch!“

B.6.47 Die erbarmungsvolle, rein lächelnde Göttin hörte ihre sanften Worte und trennte mit dem Nagel ihrer linken Hand den eigenen Kopf ab, der in dieselbe Hand fiel. Drei Blutströme flossen aus ihrem Hals. Den linken und rechten leitete sie in die Münder ihrer Gefährtinnen, den mittleren in ihren eigenen Mund. Danach kehrten alle zurück. Weil ihr Kopf abgeschnitten war, heißt sie Chinnamastā. Dies ist eine mythische Ursprungserzählung der Gottheitsgestalt.

B.6.48 Das Svatantratantra bietet eine weitere Erzählung. Śiva spricht: „Ich erkläre Chinnās Entstehung; sie ist Tārā und Kālikā selbst. Im Kṛta-Zeitalter war Mahāmāyā auf dem Kailāsa mit mir in tiefer Liebesvereinigung. Im Augenblick des Samenergusses nahm sie eine gewaltige Gestalt an. Aus ihrem Leib gingen zwei Kräfte hervor, die Gefährtinnen Ḍākinī und Varṇinī. Mit ihnen ging die wilde Herrin zum Ufer der Puṣpabhadrā.“

B.6.49 „Mittags baten die Hungrigen um Nahrung. Caṇḍikā lächelte, blickte in alle Richtungen und trennte ihren Kopf ab. Mit dem aus der linken Nasenseite fließenden Blut sättigte sie Ḍākinī, mit dem von rechts Varṇinī; mit dem Blut aus dem Halsgrund ihren eigenen Kopf. Nach diesem Spiel kehrte sie abends heim, setzte den Kopf auf den Rumpf und nahm ihre frühere Gestalt an.“ Die ungewöhnliche Nennung der Nasenseiten bleibt erhalten.

B.6.50 „Als ich ihre veränderte Farbe sah, wurde ich plötzlich zornig, weil ich meinte, andere hätten ihr dies angetan. Dann hörte ich, was geschehen war. Aus meinem Zorn entstand als Teil von mir Krodhabhairava. Am Tag der Vīrarātri, gegen Tagesende, erschien Pracaṇḍikā als höchste Kraft mit ihren Gefährtinnen an jenem Fluss.“ Hier endet die Entstehung Chinnamastās und der zugehörigen Gestalten.

Pārvatīs Besuch bei ihren Eltern

B.6.51 Im zwölften Kapitel des Nāradapañcarātra erzählt Brahmā: Auf dem schönen, mit Edelsteinen geschmückten Gipfel des Kailāsa saß die große Göttin im Schoß ihres geliebten Śambhu und sprach: „Durch deine Gnade ist mir nichts unerreichbar, Weltenherr, denn du gibst alles und erfreust alle. Doch ich möchte das glückverheißende Haus meiner Eltern besuchen.“

B.6.52 Śiva antwortete: „Das ist auch mir lieb; auch ich würde gern gehen. Doch eines lässt mich zögern: Du würdest uneingeladen kommen.“ Sie erwiderte freudig, sie werde zuerst gehen; eine anschließende Wendung über sein Nachkommen ist grammatisch nicht ganz klar. Śiva sagte: „Diese Vereinbarung treffe ich mit dir: Wenn du dorthin gegangen bist, werde ich kommen, um dich zurückzuholen.“

B.6.53 Inzwischen bereitete Menā ein großes Fest und sandte Krauñca zu Sadāśiva. Der Bergessohn kam rasch auf einem windesschnellen Wagen. Aus der Ferne stieg er ab, fiel vor dem Herrn auf die Erde, mit Freudentränen in den Augen und aufgerichteten Körperhärchen, zitternd und in Hingabe gebeugt. Die Erzählung nennt ihn an einer Stelle Maināka, obwohl sonst Krauñca erscheint; die Namen werden nicht vereinheitlicht.

B.6.54 Mahādeva hob den Bergessohn mit der linken Hand auf, umarmte ihn, küsste sein Haupt, benetzte es mit Tränen, setzte ihn in seinen Schoß und fragte nach seinem Wohlergehen und dem Grund seines Kommens. Krauñca sagte: „Wenn du deinem Diener Gnade erweist, möchte ich Gaurī, Himālayas Tochter, heimführen. Nach einigen Monaten wird sie gewiss zurückkommen. Gewähre die entsprechende Erlaubnis, Weltenherr.“ Śiva antwortete: „Gehe rasch zu Pārvatī und berichte ihr alles.“

B.6.55 Mit Śivas Erlaubnis ging Krauñca zur Göttin, fiel aus der Ferne nieder, pries sie, berührte ihre Füße und stand bescheiden vor ihr. Auch sie nahm ihn mit der linken Hand auf, setzte ihn in ihren Schoß, segnete ihn und fragte nach dem Bergvater. „Warum bist du gekommen, Kind? Lange habe ich dich nicht gesehen. Ich werde tun, was du erbittest.“

B.6.56 Krauñca antwortete: „Alle Bewohner wünschen deinen Anblick, Wohltäterin der Welt, ebenso Himavān und Menā. Mit Maheśas Erlaubnis komme rasch mit mir ins Vaterhaus und erfreue sie; alle sehnen sich nach dir.“ Die Göttin bat ihn zu warten und ging zum Stierbannerträger. Sie verneigte sich hingebungsvoll und sagte: „Gewähre mir die Erlaubnis, Sadāśiva. Durch deine Gnade möchte ich meine Eltern und Angehörigen sehen. Von dir zurückgeholt werde ich wiederkommen.“

B.6.57 Śaṅkara sagte: „Gehe rasch mit Krauñca, Pārvatī. Wenn du nicht gehst, würden die beiden dich gewiss verfluchen.“ Nach erneuter Verneigung bestieg sie schweren Herzens den Wagen und fuhr mit dem hier Maināka genannten Begleiter. Rasch erreichte sie das Vaterhaus, stieg ab und eilte mit Krauñca zu Himavān und Menā. Sie berührte ihre Füße und stand mit sanfter Rede vor ihnen.

B.6.58 Der Bergkönig ehrte die höchste Göttin, fragte nach ihrem Wohlergehen und umarmte sie lange, glücklich wie ein Armer, der einen Schatz gefunden hat. Dann schickte er sie zu Menā, damit sie auch die Mutter erfreue. Menā begrüßte sie mit vor Freude stockender Stimme; nach langer Trennung mehrte ihr Anblick das mütterliche Glück. Pārvatī blieb einige Monate freudig im Vaterhaus und erfreute alle.

Śiva als Muschelschmuckhändler und die Entstehung Mātaṅgīs

B.6.59 Inzwischen nahm Śambhu schöne, wohlgeformte Muschelstücke und ging als Muschelschmuckhändler verkleidet zum Haus Himavāns. Unter dem Vorwand des Verkaufs gab er den Frauen Muschelschmuck, Pārvatī jedoch nicht. Als sie ihn begehrte, sagte er: „Ich gebe dir den schönen Schmuck, doch musst du als Preis geben, was ich verlange.“ Sie stimmte zu und legte den reinen, göttlich schönen Muschelschmuck an. Darauf forderte der Händler seinen Preis.

B.6.60 Die Göttin sagte: „Mein Vater ist der Berg Himavān, mein Gemahl der erbarmungsvolle Śambhu, meine Söhne sind Gaṇanātha und die übrigen, mein Bruder Maināka, mein Neffe Krauñca und meine Mutter Menā. Was du erbittest, werde ich dir gewiss geben.“ Der Händler antwortete: „Von Liebespfeilen bedrängt wünsche ich die Vereinigung mit dir. Wähle mich rasch; nichts anderes begehre ich.“

B.6.61 Pārvatī dachte: „Wer in den drei Welten könnte so anmaßend zu mir sprechen?“ Sie sammelte sich, gedachte Śambhus und erkannte in Meditation sein Spiel. Lächelnd sagte sie: „Gehe jetzt; an einem anderen Tag werde ich deinen Wunsch erfüllen.“ Dann nahm sie die Gestalt einer Kirāta-Frau an und begab sich mit Gefährtinnen dorthin, wo Maheśvara seine Abendandacht hielt. Tanz, Gesang, verführerischer Schmuck, Getränke und Speisen begleiteten ihr Spiel.

B.6.62 Am Ufer des Mānasa-Sees sah Śambhu die höchste Göttin mit ihren Gefährtinnen, in Liebesglanz, rot gekleidet, von rötlichem Leib, schlank, großäugig und mit vollen Brüsten. Er trat zu ihr und fragte: „Wer bist du, Schöne, und weshalb bist du gekommen? Deinen Wunsch will ich erfüllen, wahrlich; sei mir gnädig.“

B.6.63 Die als Caṇḍālī auftretende Göttin antwortete: „Ich bin eine Caṇḍāla-Frau und kam um der Askese willen. Ich wünsche Göttlichkeit; störe mich nicht, Kundiger!“ Śiva sagte: „Ich bin Śiva, der den Asketen ihre Frucht schenkt. Sogleich werde ich dich Pārvatī gleich machen. Wende dich mir in Liebe zu; warum zögerst du, wenn du Göttlichkeit wünschst?“

B.6.64 Sie wiederholte, sie sei zur Askese gekommen und wünsche Göttlichkeit; er möge sie nicht stören. Er erwiderte: „Kein Hindernis soll dir entstehen. Wozu die körperliche Mühsal? Werde jetzt Göttin; mein Wort ist nicht vergeblich.“ Er nahm ihre Hand, setzte sich zu ihr, umarmte und küsste sie und begann die Liebesvereinigung. Währenddessen nahm er selbst Caṇḍāla-Gestalt an.

B.6.65 Die geliebte Göttin sagte: „Mich kann niemand auf irgendeine Weise täuschen. Du aber bist der Lehrer der Götter, der Gott der Götter und Weltenherr.“ Im vielfältigen Liebesspiel erfuhren beide unvergleichliche Freude. Nach der Vereinigung saßen sie zusammen, und Satī sprach erneut.

B.6.66 „Vollziehe die Rezitation, Weltenherr, und gewähre mir die ersehnte Gabe!“ Śiva antwortete: „Weil du mir in Caṇḍāla-Gestalt nahtest, wird diese deine Gestalt bestehen und Ucchiṣṭacāṇḍālī heißen, in allen Schriften verborgen. Wird sie am Ende deiner Verehrung verehrt, ist diese mit allen Gliedern vollständig, andernfalls nicht. Mātaṅgī wird diese deine Gestalt heißen, vollendete und große Vidyā – wie Tripurasundarī, Tripurabhairavī, Bhuvaneśvarī, Kālī, Tārā, Bhairavī, Chinnamastā, Dhūmāvatī und Bagalā.“

B.6.67 Nach dieser Gabe sagte er: „Gehe nun zu Himavāns Haus; ich kehre zum Kailāsa zurück. Von dort aus soll Mahāmāyā in meine Wohnstatt zurückgebracht werden.“ Die Satzbeziehung der letzten Aufforderung ist unklar. Die Göttin verneigte sich und kehrte auf dem Weg ihres Kommens zurück. Die durch Māyā verblendeten Angehörigen bemerkten nichts. Hier endet die Entstehung Ucchiṣṭacāṇḍālīs.

B.6.68 Das Svatantratantra erzählt anders: Nārada bat Viṣṇu um Wissen über den Gesang. Hari antwortete: „Einst ging ich zu Śaṅkara. Dort sah ich den friedvollen Śiva, von einer Mārīca genannten Schar umgeben, vielerlei Geschmack und Genuss erfahrend. Im Zustand gleicher Wonne floss freudig ein Speiserest herab. Daraus entstand ein mit vielen Vorzügen begabtes Mädchen. ‚Gebt mir den Speiserest!‘, bat sie. Pārvatī und Śaṅkara gaben ihr liebevoll ihre Reste als Gnadengabe und sprachen: ‚Mädchen, wer dich durch Rezitation, Feueropfer und andere Riten verehrt, dessen Wünsche werden erfüllt.‘ Seitdem heißt sie Ucchiṣṭamātaṅgī.“ Hier endet diese weitere Entstehungserzählung.

Dhūmāvatī und Bagalāmukhī

B.6.69 Im dreizehnten Kapitel des Nāradapañcarātra erzählt Brahmā: Als Hara auf dem Kailāsa verweilte und Girijā in seinem Schoß saß, bat sie ihn um Speise: „Ich bin vom Hunger gequält.“ Er antwortete: „Warte einen Augenblick; dann gebe ich dir zu essen.“ Doch sie wiederholte: „Ich kann nicht länger warten, großer Gott!“ Wieder bat er sie um Geduld.

B.6.70 Nach weiterem Warten sagte sie erneut: „Gib mir Nahrung, Weltenherr; ich kann nicht länger warten!“ Sie ergriff ihren Gemahl und verschlang ihn. Augenblicklich stieg dichter Rauch aus ihrem Körper auf. Durch seine eigene Māyā nahm Śambhu wieder Gestalt an und sprach: „Schöne, schaue mit dem Auge der Erkenntnis: Es gibt keinen Mann außer mir und keine Frau außer dir. Nun bist du Witwe. Lege Muschelschmuck und Zinnober, die Zeichen der verheirateten Frau, ab.“

B.6.71 „Diese deine höchste Gestalt wird Bagalāmukhī genannt. Weil dein Leib von Rauch erfüllt ist, heißt du Dhūmāvatī. Diese beiden höchsten Gestalten heißen vollendete Vidyās, wie Ugratāriṇī, Kālī, Bhuvaneśānī, Tripurabhairavī und Chinnamastā.“ Die Erzählung nennt ausdrücklich beide Namen; sie wird nicht auf die bekanntere Zuordnung allein zu Dhūmāvatī verkürzt. Hier endet Dhūmāvatīs Entstehung.

B.6.72 Das Svatantratantra berichtet eine andere Entstehung: „Beim Opfer Dakṣas gab die erzürnte, zur Vernichtung aller bereite Göttin ihren Leib auf. Daraus entstand gewaltiger Rauch und aus ihm Dhūmāvatī, die alle Feinde vernichtet. Als Kālī mit zeitvernichtendem Antlitz erschien sie an einem Dienstag zu Beginn der Nacht, am Tag Akṣayatṛtīyā.“ Die Verbindung der Zeit- und Antlitzbezeichnung ist beschädigt. Hier endet diese weitere Entstehung Dhūmāvatīs.

B.6.73 Zur Entstehung Bagalās sagt das Svatantratantra: „Im Kṛta-Zeitalter erhob sich ein gewaltiger Sturm, der Bewegliches und Unbewegliches zu vernichten drohte. Viṣṇu war bekümmert und übte Askese. Die dadurch erfreute Mahāśrītripurāmbikā sah den Haridrā-See und gab sich dort dem Wasserspiel hin. Am großen gelben See in Saurāṣṭra entfaltete sich als Bagalāmbikā der aus Śrīvidyā hervorgegangene Glanz.“

B.6.74 „Ein vierzehnter Mondtag mit Dienstag, Makāra und Kula-Sternbild heißt Vīrarātri. Zu ihrer Mitternacht erschien die Bewohnerin des gelben Sees als höchste Brahmāstra-Vidyā, die die drei Welten zum Stillstand bringt. Dieser aus Viṣṇu hervorgegangene Glanz ging in Vidyā und untergeordnete Vidyā ein.“ Hier endet Bagalāmukhīs Entstehung.

Weitere Erscheinungen

B.6.75 Derselbe Text erklärt Mātaṅginī, vor der grausame Geister erschrecken: „Im Kadamba-Wald, erfüllt von vielen Baumarten, übte der Seher Mataṅga hunderttausend Jahre lang ununterbrochen Askese, um alle Wesen unter Einfluss zu bringen. Da trat aus Sundarīs Auge eine Lichtfülle hervor, Śrīkālikāmbikā selbst. Sie nahm dunkle Gestalt an und wurde Rājamātaṅginī.“ Hier endet Mātaṅginīs Entstehung.

B.6.76 Das Svatantratantra kündigt Bhuvanā, Mutter des Entstehens der drei Welten, an: „Brahmā übte zur Erschaffung der Welt schwere Askese. Die höchste Śakti wurde dadurch erfreut und erschien am neunten hellen Caitra-Mondtag als Tāriṇī selbst. Diese Zeit heißt Krodharātri; sie ist Śivā, die alle Kräfte umfasst.“

B.6.77 Anschließend heißt es: „Beim Quirlen des Milchozeans entstand Ramā, auf einem Lotos sitzend und an Viṣṇus Brust gegenwärtig. Am achten dunklen Bhādrapada-Mondtag erschien die Kolāsura vernichtende Kraft Mahāmātaṅginī. An einem elften Phālguna-Mondtag, verbunden mit Freitag oder Dienstag, erschien Mahālakṣmī, Spenderin allen Glücks.“ Die verschiedenen Göttinnenbezeichnungen stehen in dieser Folge zusammen. Hier endet die Entstehung Mahālakṣmīs.

B.6.78 „Am achten dunklen Mārgaśīrṣa-Mondtag liegt Ghorarātri; in ihr erschien der erhabene Mahākāla selbst.“ Ferner werden der zehnte helle Jyeṣṭha-Mondtag für Vaṭuka, der vierzehnte helle Mārgaśīrṣa-Mondtag für eine als Danta überlieferte Gestalt und die große Durgāṣṭamī für Mahāmahiṣamardinī genannt. Der Name Danta ist unsicher.

Kālī wird als Kraft beschrieben, die auch die Zeit in sich aufnimmt.

Kālī, Zeit und das Gestaltlose

B.6.79 Im vierten Ullāsa des Mahānirvāṇatantra spricht Sadāśiva: „Mahākāla, der Vernichter der Welt, ist deine Gestalt. Bei der großen Auflösung wird die Zeit alles verschlingen. Weil er alle Wesen bemisst und aufzehrt, heißt er Mahākāla. Weil du auch Mahākāla aufzehrst, bist du die ursprüngliche höchste Kālikā. Weil du die Zeit in dich nimmst und der Ursprung aller bist, heißt du Ādyā Kālī.“

B.6.80 „Wenn du wieder in dein eigenes Wesen eingehst, dunkel und gestaltlos, jenseits der Worte, dem Denken unerreichbar, bleibst du allein. Obwohl gestaltet, bist du gestaltlos und durch Māyā vielgestaltig. Du bist Anfang aller und selbst ohne Anfang, Schöpferin, Wegnehmende und Erhalterin. Deshalb habe ich erklärt: Die Frucht, die ein in den Brahma-Mantra Eingeweihter erlangt, wird auch durch deine Verwirklichung erreicht.“

B.6.81 Im sechsten Kapitel des Guptasādhanatantra fragt die Göttin nach Ālīḍha und Pratyālīḍha und weshalb Dakṣiṇākālī am Verbrennungsplatz wohnt. Die Antwort lautet: „Ālīḍha bezieht sich auf den linken, Pratyālīḍha auf den rechten Fuß. Kālī ist die Gestalt der Auflösung und bezaubert die Welt. Mahāmāyā ist von Feuerwesen, wahrlich; deshalb wohnt sie am Verbrennungsplatz. Augenblick für Augenblick steht sie in Ālīḍha und Pratyālīḍha. Wer könnte ihre unendlichen Gestalten beschreiben? Die dunkle Göttin ist unendlich gestaltet und schenkt die vier Lebensziele.“

B.6.82 Im zweiten Kapitel des Picchilātantra heißt es: „Ihre Lotosfüße werden von den Kronjuwelen Brahmās, Viṣṇus, Śivas und der anderen berührt. Im Kali-Zeitalter Kālī, im Kali-Zeitalter Kālī – keine andere Gottheit! Besonders auch für Befriedung und verwandte Riten ist sie zu verehren. Wenn Vertrauen zu ihrer Verehrung im Herzen entsteht, gibt es keine Furcht vor Planetenmächten und Krankheiten. Unter allen Mantras ist Kālikās Mantra der höchste; schon sein Empfang macht selbst einen Niedrigen zu Lebzeiten befreit.“

B.6.83 Im ersten Kapitel des Kubjikātantra heißt es: „Wer ist in unserem Geschlecht geboren und bereit, Kālī zu verwirklichen?“ Wenn die Ahnen davon hören, tanzen sie vor Freude. „Diese höchste Vidyā wird nicht beliebig weitergegeben; im Kali-Zeitalter schenkt sie volle und rasche Frucht und Befreiung. Aus dem Mund des Gurus soll man die schuldtilgende Mahāvidyā empfangen.“

B.6.84 „Was der ausgezeichnete Praktizierende an Dharma, Nicht-Dharma und anderem vollzieht, nimmt Kālikā in ihrer Verehrung gnädig an. Doch es muss nach der Vorschrift der Überlieferung geschehen. Wer ohne Sampradāya handelt, erlangt keine Frucht.“ Hier endet das Lob der Ursprünglichen. Das Picchilātantra droht den Schmähenden Kālīs mit verkürztem Leben, Verlust von Kindern und Ehefrau sowie Höllenstrafe. Hier endet die Darstellung des Vergehens ihrer Schmähung.

Mantra, Überlieferung und Verantwortung des Gurus

B.6.85 Im elften Kapitel des Picchilātantra wird Kālīs Mantra angekündigt: Er mache den heldenhaften Praktizierenden zum Verwirklicher aller Ziele, zum Herrn aller Vollendungen und zum Verehrten aller Welten. Schon seine Erkenntnis gewähre die vier Lebensziele. „Unter allen Göttinnen ist Dakṣiṇā die ursprüngliche Natur. Höre ihren in den drei Welten schwer erreichbaren Mantra.“ Das Kālī-Bīja wird verschlüsselt durch Yakṣaskanda, Feuer, linkes Auge, Mond und Bindu bezeichnet.

B.6.86 „Wer dieses höchste Geheimnis, die Essenz der Essenz, empfängt, erreicht mühelos die vier Lebensziele. Dreifach gesprochen wird das Bīja noch wesentlicher. Keine Vidyā gleicht ihr; rasch verwirklicht sie Frieden, Kräftigung und weitere Ziele.“ Bei großer Not, Schrecken, Armut, wachsenden Feinden oder Krankheiten, furchtbarer Bedrohung und königlicher Gefahr werden hunderttausend Wiederholungen genannt.

B.6.87 Zehntausend Rezitationen nennt die Quelle bei göttlichem Zorn, schwerer Furcht, unheilvollen Hausverhältnissen, Gefahr auf freiem Land, Einschließung durch Räuber, Befriedungsbedarf, drohendem Vermögensverlust und Streit mit Angehörigen. „Wie Skanda schützt Kālī den Rezitierenden stets vor Gefahren. Deshalb verehre sie mit aller Sorgfalt. Ohne Rezitation kann selbst die vollendete Mahāvidyā Verlust bringen; ohne Feueropfer keine Herrlichkeit, ohne Rezitation keine Vollendung, ohne eigentliche Verehrung keine wirksame Verehrung.“

B.6.88 „Diese beiden Mantras dürfen selbst in Lebensgefahr nicht beliebig weitergegeben werden. Gibt man sie aus Zuneigung, sind zehntausend Rezitationen zu vollziehen. Wer den Mantra erkennt, wird kundig im Sinn aller Schriften, Dichter, Redner, mutig und allen angenehm. Er erlangt Ruhm und schließlich Befreiung.“ Die „beiden“ beziehen sich im Zusammenhang auf die zuvor erläuterten Mantraformen, ohne dass neue vollständige Formeln stehen.

B.6.89 Das sechste Kapitel des Guptasādhanatantra beschreibt den höchsten Dakṣiṇā-Kalpa: „Durch ihre Gnade versinkt man nicht im Daseinsozean.“ Der die drei Welten bezaubernde Mantra wird verschlüsselt aus Ka – in der Glosse als der auf die Vokale folgende Laut erklärt –, Feuer, linkem Auge, Bindu, Nāda und Kalā gebildet. Bhairava ist sein Seher, Uṣṇih sein Versmaß, Dakṣiṇākālikā seine alles vollendende Gottheit. Māyā-Bīja gilt als Bīja, Kūrca-Bīja als Śakti, das eigene Bīja als alles bezaubernder Keil. Die Anwendung umfasst Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung.

B.6.90 Am Vortag der Verehrung werden Rasur und weitere Vorbereitungen vorgenommen; gegessen wird Opferspeise oder fleischlose Nahrung. Am nächsten Morgen folgen Bad und die täglichen Verehrungen mit reinem, göttlich ausgerichtetem Geist. Als Ausführende nennt der Text Guru, Guru-Sohn und Guru-Gemahlin, betont jedoch: Für die āgamische Verehrung ist zuerst der Guru selbst zuständig. Fehlt er, vollzieht der Schüler sie selbst.

B.6.91 Das zehnte Kapitel des Varadātantra sagt: „Die im eigenen Tantra und Kalpa gelehrten Handlungen vollziehe man selbst oder lasse sie vom Guru beziehungsweise einer Frau mit Sohn ausführen. Anders vollzogen bleiben sie fruchtlos.“ Der Kompilator verbindet beide Aussagen: Vorrang hat der Guru, bei seiner Abwesenheit die eigene Ausführung. Obwohl es um das eigene Ritual geht, gibt die ausdrückliche Schriftregel dem Guru als Stellvertreter Vorrang. Ist auch die eigene Ausführung unmöglich, kommt die genannte Frau in Betracht.

B.6.92 Das Guptasādhanatantra warnt vor der Ausführung durch andere tantrische Ritualkundige außerhalb dieser Gruppe: Die Frucht werde von Yakṣas und Rākṣasas verschlungen. „Deshalb ist der Guru als Ausführender bestimmt. Vollzieht der Guru, der unmittelbar Brahmans Gestalt ist, die Verehrung, wird alles hundert Koṭi Mal vervielfacht. Oder man verehre selbst und lege danach alle Verehrungsgaben vor den Guru; ihm gegeben, werden sie zehnmillionenfach fruchtbar.“

B.6.93 Führt die Guru-Gemahlin die Verehrung aus, werden Bali und weitere Gaben gegeben, das Feueropfer jedoch ausgelassen. Dessen Stoffe werden vor die Göttin gelegt und mit dem Wurzelmantra der Mahādevī dargebracht. Dadurch entsteht nach der Quelle die Frucht des Feueropfers; sie werden nicht ins Feuer gegeben.

B.6.94 „Was der Guru opfert, wird unvergänglich. Die in den Smṛtis genannten Opferpriester, Söhne und sonstigen Stellvertreter sollen für diese tantrische Verehrung nicht eingesetzt werden. Wer einen gewöhnlichen Hauspriester herbeiholt und ihn den Ritus ausführen lässt, verliert alle Ziele; Kālikā wird zornig. Während der Verehrung schaue man nicht in fremde Gesichter. Wer die Verehrung seiner erwählten Gottheit öffentlich vollzieht, verliert ihre Frucht. Besser unterbleibt diese Verehrung, als dass sie vor anderen geschieht.“

B.6.95 Sind andere anwesend, nennt der Text als Möglichkeit eine im Viṣṇutantra gelehrte Verehrung mit deren Mudrās, sodass die eigene geheime Handlung nicht offenbart wird. Das Varadātantra sagt: „Besondere Riten sind wie der Mantra geheimzuhalten.“ Bei Dīpānvitā und anderen Festverehrungen soll dagegen ein großes Fest zur Freude Bhavānīs mit heiterem Geist begangen werden. Die Aussagen unterscheiden damit geheime Einzelpraxis und Festfeier.

B.6.96 „Der eigenen erwählten Gottheit gebührt beständige Hingabe. Ihr gegenüber fehlende Hingabe bringt großes Leid und Krankheit. Wer die eigene Göttin und den eigenen Guru aufgibt und sich anderswo bindet, dessen Bemühen geht zugrunde. Doch niemals sollen Praktizierende andere schmähen. Überall habe ich das eine, zweitlose Brahman gelehrt. Durch unterschiedliche Begrenzungen und Erscheinungsweisen nimmt es Vielheit an. Wer eine Gottheit verehrt, verehrt alle.“

Drei Formen der Verehrung und die vollständige Folge

B.6.97 Die Verehrung ist dreifach: geistig, inneres Opfer und äußerlich. Im fünften Kapitel des Muṇḍamālātantra heißt es: „Geistige Verehrung schenkt große Vollendung und Befreiung; das innere Opfer hebt alles begrenzte Einzelsein auf. Die äußere Verehrung ist von Rajas geprägt und schenkt Glück, Genuss und Befreiung; sie nimmt Bedrängnis, Fehler, Feinde, Krankheiten und Bindungen. Für Vīras und Paśus ist sie nicht minderwertig; nur für ausschließlich Divya-Veranlagte gilt sie als die niedrigere Form.“

B.6.98 Das dritte Kapitel des Toḍalatantra gibt die Verehrung in Merkform: Segensworte, Entschluss und sorgfältige Krugaufstellung; rituelles Mundspülen mit Mantra und Bereitung der allgemeinen Ehrengabe; Besprengung und Verehrung des Eingangs; Entfernung dreifacher Hindernisse und störender Wesen; Verehrung des Sitzes und Verneigung vor dem göttlichen Guru.

B.6.99 Es folgen Handreinigung, dreifaches Klatschen, Begrenzung der Richtungen, ein umgebender Feuerkreis und Reinigung der Elemente. Danach die sechs Mātṛkā-Glieder, innere Mātṛkā, ihre Betrachtung und die äußere Einsetzung der Laute; Sitz-Nyāsa und Atemregelung; Seher- und weitere Mantrabestandteile, Hand-, Glieder- und Laut-Nyāsa; sechsfacher Nyāsa und Ganzkörperzuordnung; Tattva-, Bīja- und erneuter Ganzkörper-Nyāsa. Mit dem Wurzelmantra folgt eine siebenfache Einsetzung, dann geistige Verehrung.

B.6.100 Besondere Ehrengabe, Verehrung des göttlichen Sitzes, erneute Betrachtung und die auf die Augen bezogene Handlung folgen; dann Mudrās, Herbeirufung und sechs Glieder, Kuh-Mudrā und weitere, Lebensbegründung und Verehrung mit dem Wurzelmantra. Nach Erbitten der Erlaubnis werden die Glieder, die mit Kālī beginnenden Kräfte, Brāhmī und die übrigen Mütter, Asitāṅga und die übrigen Bhairavas sowie Mahākāla verehrt. Ein Gruppenname ist beschädigt.

B.6.101 Danach werden Schwert und weitere Attribute, die Guru-Reihe und erneut die Göttin verehrt. Bali, Feueropfer, Atemregelung und Rezitation folgen. Die Rezitation wird übergeben, nochmals Atemregelung vollzogen, Hymnus und Kavaca vergegenwärtigt und die achtgliedrige Verneigung ausgeführt. Mit „Ich bin Śiva“ wird die Gottheit durch die Einziehungs-Mudrā aus der äußeren Form verabschiedet. Im Nordosten wird ein Maṇḍala für Ucchiṣṭacāṇḍālī angelegt. Das Ehrengabenwasser wird auf den Kopf, Sandel auf die Stirn genommen; nach Annahme eines Teils der Speisegabe kann der Praktizierende seinen Tätigkeiten nachgehen.

B.6.102 Die Betrachtung Mahākālas beschreibt das dritte Kapitel des Niruttaratantra: „Man verehre Mahākāla, rauchfarben, mit schwerem Flechtenhaar, dreiäugig, von Śivas Gestalt, mit Śakti verbunden und frei von Leiden; unbekleidet, furchtbar, dunkel wie angehäufte Augenschminke, jenseits der Guṇas und doch deren Grund, stets Kālīs Wohnstatt.“ Die beiden Farbbeschreibungen bleiben nebeneinander bestehen.

B.6.103 Zur Attributverehrung heißt es dort: „Links verehre Schwert und abgeschlagenen Kopf, rechts die Hände der Furchtlosigkeit und Gabe.“ Die Bhairavas, beginnend mit Asitāṅga, werden paarweise an den vier Toren verehrt, vom Osten ausgehend.

Die verkürzte und die tägliche Verehrung

B.6.104 Die Kurzform im dritten Kapitel des Toḍalatantra beginnt mit Seher-Nyāsa, Handreinigung, Finger- und Ganzkörper-Nyāsa sowie Herz- und weiteren Gliedern. Es folgen dreifaches Klatschen, Richtungsbegrenzung, Atemregelung, Betrachtung, geistiges Opfer, Ehrengabe, Sitzverehrung, erneute Betrachtung und Herbeirufung.

B.6.105 Nach dem Einsetzen des Lebens werden die höchste Gottheit, ihre Glieder, Kālī und die weiteren Kräfte, Brāhmī und die Mütter, die acht Bhairavas, Mahākāla und die Guru-Reihe verehrt. Es folgen Schwert und weitere Attribute, erneute Göttinnenverehrung, Atemregelung und Rezitation. Deren Frucht wird in die Hand der Göttin gelegt. Nach weiterer Atemregelung, achtgliedriger Verneigung, Hymnus und Kavaca wird die besondere Ehrengabe dargebracht. Selbsthingabe und Einziehungs-Mudrā schließen ab; im Nordosten wird Ucchiṣṭacāṇḍālī verehrt. Nach Annahme von etwas Speise endet der Ritus.

B.6.106 Das zwölfte Kapitel des Picchilātantra erklärt die tägliche Verehrung. Eine einleitende Zeile über ausbleibende Frucht ist beschädigt. Eindeutig folgt: „Durch Verehrung erlangt man Verehrungswürdigkeit; deshalb sei man ihr zugewandt. Ohne tägliche Verehrung gelingt keine besondere wunschbezogene Handlung.“

B.6.107 Die tägliche Folge umfasst Mundreinigung am Eingang, allgemeine Ehrengabe, Buchstaben- und Seher-Nyāsa, Handreinigung mit dem Wurzelmantra, Hand- und Ganzkörperzuordnung sowie die Glieder. Es folgen dreifaches Klatschen, Richtungsbegrenzung, dreifache Atemregelung, Betrachtung der erwählten Gottheit, Verehrung und Rezitation. „Dies ist die Verehrungsfolge für alle. Mit sechzehn Gaben ist es eine große Verehrung; täglich genügen zehn oder fünf.“

B.6.108 „Fehlt das Nötige, verehre mit Duft und Blüten; fehlt auch dies, nur mit einer Blüte, sonst mit Blättern, Reis oder Wasser. Fehlt selbst das, vollziehe geistige Verehrung. Niemals unterlasse sie. Unterlassung führt zu Verlust und Bedrängnis auf Schritt und Tritt.“ Für die beiden zuvor erläuterten Mantraformen wird eine Puraścaraṇa mit hunderttausend Rezitationen angegeben.

Tag- und Nachtpraxis: eine Auslegungsfrage

B.6.109 Das zweite Kapitel des Kālītantra sagt: „Zuerst vollziehe man die vorbereitende Vertiefung nach fester Regel. Tagsüber rezitiere man die Vidyā hunderttausendmal, rein und von Opferspeise lebend. Nachts, den Mund mit Betel gefüllt, auf dem Lager nochmals hunderttausendmal. Danach ist der Mantra vollendet und der Praktizierende zur besonderen Anwendung berechtigt, sonst nicht.“

B.6.110 Der Kompilator erklärt: Diese Stelle steht auch im Tantrasāra. Neuere Ausleger leiten daraus zweihunderttausend Rezitationen, verteilt auf Tag und Nacht, ab, auch unter Hinweis auf die dort behandelte Aniruddhasarasvatī. Diese Auslegung weist er zurück: Der Tantrasāra-Verfasser habe für die beiden Mantras ausdrücklich hunderttausend genannt; als Beleg sei die dort zitierte Siddheśvarī-Stelle zu beachten. Die beiden Hunderttausenderreihen beträfen unterschiedliche Praxisweisen, Paśu und Vīra, nicht zwingend ihre Addition.

B.6.111 Das im Śyāmārahasya angeführte Svatantratantra sagt: „Tagsüber rezitiere der reine, von Opferspeise lebende Mensch hunderttausendmal; ein Zehntel davon wird als Feueropfer mit Opferspeise dargebracht. Sättigungsgaben erfolgen mit heiligem Wasser, Milch, Butterschmalz, Honig oder Zuckerwasser. Die Göttin wird mit einem Zehntel der Sättigungszahl begossen; mit einem weiteren Zehntel werden im Kālītantra kundige Brahmanen hingebungsvoll gespeist und der Guru beschenkt. Dies ist der Paśu-Kalpa; nun höre den Vīra-Kalpa.“

B.6.112 Auch das vierte Kapitel des Niruttaratantra nennt tagsüber hunderttausend Rezitationen, ein Zehntel Feueropfer, davon ein Zehntel Sättigung, davon ein Zehntel Begießung mit heiligem Wasser und wiederum ein Zehntel Speisungen. Nach dieser Paśu-Form wird die Vīra-Form angekündigt: Nach einer Nachtwache wird das eigene Kula vergegenwärtigt. In Betrachtung der Wirklichkeit werden hunderttausend Kula-Akula-Rezitationen vollzogen.

B.6.113 Für die Nachtform nennt der Text Feueropfer mit gegorenem Trank und Fleisch, Sättigung mit Nektartrank und Fleisch, Begießung mit heiligem Wasser und Speisungen mit Kula-Stoffen, jeweils um ein Zehntel vermindert. Am Anfang, in der Mitte und am Ende werden die weiblichen Śaktis gespeist; ist dies nicht möglich, wird zumindest die Śakti verehrt. „Ohne Śakti-Verehrung während der Vertiefung werden Verehrung, Rezitation und Feueropfer zu schädigender Magie.“

B.6.114 Schon das erste Kapitel unterscheidet: „Die Tageshandlung gehört zum Paśu, die Nachthandlung zum Kaula. Puraścaraṇa und verwandte Handlungen sind entsprechend der inneren Verfassung zweifach.“ Daher folgert der Kompilator: Im Paśu-Kalpa hunderttausend tagsüber, im Vīra-Kalpa hunderttausend nachts.

B.6.115 Würde man im Paśu-Kalpa dennoch Tag und Nacht zu zweihunderttausend verbinden, würde nach seiner Erklärung das Verbot widersprüchlicher Praxisweisen im Kālītantra sinnlos: „Nicht verschiedene Verhaltensweisen vermischen, nicht unstet umherziehen, keine Wesen verletzen, besonders keine Tiere. Abgesehen von der ausdrücklich geregelten Opfergabe ist Gewalt überall getadelt.“ Die Auslegung wahrt hier die Unterscheidung der Ritualsysteme.

B.6.116 Auch der Karpūrādi-Hymnus unterscheidet: „Der Selbstbeherrschte, von Opferspeise lebend und in der Betrachtung deiner beiden Füße geübt, wiederholt tagsüber hunderttausendmal den Mantra, Mutter. Ein anderer wiederholt nachts unbekleidet, in der Freude der Liebesvereinigung, hunderttausendmal und wird auf Erden Śiva gleich.“ Gerade „ein anderer“ und die Liebesfreude kennzeichnen nach dem Kompilator die Vīra-Nachtpraxis. Die verschiedenen Verehrungsweisen dieser Mantras seien ausführlich im Tantrasāra nachzusehen.

Der Hundertnamen-Hymnus Kālīs

B.6.117 Śiva spricht: „Die Schreckensgesichtige, Kālī, die Liebende, Kamalā, die Kraft; die Wirkende, Hohläugige, Kāmākhyā, Liebesschöne; Kapolā, die Furchtbare, Kāśī, Kātyāyanī, die verborgene Neumondnacht; die Skelettgestaltige, Zeitbezwingerin, Erbarmen, von Kamalā Verehrte; Kādambarī, Zeitnehmerin, Spielfreudige, Liebhaberin des Ritualtranks; die Dunkle, Kṛṣṇa Liebe, von Kṛṣṇa Verehrte, Kṛṣṇas Geliebte.“

B.6.118 „Von Kṛṣṇa Unbesiegte, nochmals Kṛṣṇa Liebe, Kṛṣṇa-Gestaltige; Kālikā, Nacht der Zeit, im Kula Geborene, Kula-Kundige; dem Kula-Dharma Zugetane, Verlangen, mit wunscherfüllenden Handlungen Geschmückte; Kula-Liebende, im Kula Freudige, von Kula-Eingeweihten Verehrte; Kula-Kennerin, Kamalā, Verehrungswürdige, mit dem Kailāsa-Berg Geschmückte; Kūṭajā, Haarreiche, Verlangen, Wunschgeberin, Liebeskundige.“ Wiederholungen der Namensreihe bleiben erhalten.

B.6.119 „Schreckensmündige, Geliebte des Liebesgottes, durch Schönheit Geschmückte; Kelambakā, Spielfreudige, Spielende, mit Spiel Geschmückte; Keśavas Geliebte, Keśā, Kāśmīrā, von Keśava Verehrte; Herrin der Liebe, Liebesgestaltige, mit Wunschgaben Geschmückte; Zeitvernichterin, Liebhaberin von Schildkrötenfleisch, von Kūrma und weiteren verehrt; Spielende, krugförmig Gestaltete, dem Kaṭakūrma Dienende.“ Mehrere seltene Namen sind nicht sicher etymologisch deutbar und bleiben als Namen stehen.

B.6.120 „In der Mitte von Kaṭakeśara Wohnende, Kaṭakī, von Kaṭa Verehrte; Kaṭa Liebende, in Kaṭa Freudige, nochmals dem Kaṭakūrma Dienende; an Mädchenverehrung Freudige, von Mädchenscharen Bediente; dem Kula-Weg Zugewandte, den Kaulas Liebe, dem Kula Dienende; Edle des Kula, Kennerin seines Dharma, Vernichterin seiner Furcht.“

B.6.121 „Dem Dharma der Liebe Zugetane, Begehrenswerte, Ewige, Gestalt des Verlangens; Liebesgestaltige, Wunschnehmerin, im Liebestempel Verehrte; selbst das Liebeshaus, Kāmākhyā, mit Liebe Geschmückte; an tätiger Hingabe Freudige, Begehrenswerte, Goldene, Wunschgeberin; mit Kola-Blüten Gewandete, Kolā, Niṣkolā, Beenderin des Streits; Kauśikī, Ketakī, Kuntī, mit Haarlocken und weiterer Zier Geschmückte.“ Die Quelle nennt die Reihe Hundertnamen-Hymnus; unklare Abgrenzungen und Wiederholungen werden nicht durch erfundene Namen ersetzt.

B.6.122 „Höre dieses geheime, allheilbringende Lob, Schöngestaltige. Wer es mit höchster Hingabe vorträgt, ist Śiva, ohne Zweifel. Was wäre durch die Gnade der hundert Namen auf Erden nicht erreichbar? Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Indra und die übrigen Götter wurden durch diesen geheimen Vortrag frei von Qual. In den drei Welten und in den Tantras gibt es nichts Höheres, wahrlich!“

B.6.123 „Auch ohne besondere Handlung, selbst ohne Hingabe, wird die unbekleidete, furchtbar gesichtige Göttin durch den Vortrag erfreut. Weder in Goloka noch in Vaikuṇṭha noch auf Kailāsa gibt es eine höhere Vidyā, einen höheren Hymnus oder Schutztext. Bei Nacht, am Tag oder in der Dämmerung rezitiere man diesen geheimen Hymnus mit Hingabe. Durch die hundert Namen entsteht Mantravollendung.“ Die wechselnden Aussagen zur Hingabe bleiben bestehen.

B.6.124 „Wer ihn nachts an einem Dienstag und vierzehnten Mondtag vorträgt, ist erfüllt, schriftkundig, edel im Kula und stets rein; er kennt Kula, die Kräfte und den Dharma. Der geheime Vortrag schenkt die Frucht von zehn Millionen Puraścaraṇas. Was könnte dadurch auf Erden nicht gelingen? Man wird Herr der acht Vollkommenheiten. Nachts unter Bilva, Aśvattha oder Aparājitā trage man ihn nach Kräften vor; hundert Wiederholungen gewähren gewiss Mantravollendung.“ Hier endet der Kālī-Hundertnamen-Hymnus im achten Kapitel des Muṇḍamālātantra.

Hymnus an die Mahāvidyās

B.6.125 Śiva spricht: „Schwer erreichbar sind Tāriṇīs Weg und ihr Zustand, der Sinn und das lebendige Bewusstsein des Mantra sowie die Praxis am Leichnam. Praxis am Verbrennungsplatz, Yoni-Praxis, Brahman-Praxis, rituelle Praxis, Hingabe und Befreiung – durch die Gnade dieses Hymnus werden alle Vollendungen erreichbar.“

B.6.126 „Verehrung dir, Caṇḍikā, Wilde, Vernichterin Caṇḍas und Muṇḍas! Verehrung dir, Kālikā, Vernichterin der großen Furcht vor der Zeit! Heilvolle, schütze uns, Weltenträgerin; sei gnädig, Haras Geliebte! Ich verneige mich vor der Weltenträgerin, die die Welt erhält, als Vidyā erschüttert und ihre Schöpfung vollzieht.“

B.6.127 „Vor der Schrecklichen, Gewaltigen, Furchtbaren, mit Schädelkranz Geschmückten, von Hara Verehrten und anzubetenden Geliebten Haras verneige ich mich. Vor Gaurī, dem Guru lieb, mit heller Farbe und Schmuck geziert, Haris Geliebter, Mahāmāyā, von Brahmā verehrt, verneige ich mich.“

B.6.128 „Die Vollendete, Herrin der Vollendungen, umgeben von Siddhas und Vidyādharas, Geberin der Mantra- und Yoni-Vollendung, mit dem Liṅga geziert – vor Mahāmāyā Durgā, die den schlechten Weg vernichtet, verneige ich mich. Vor der Gewaltigen, ganz von wilder Kraft, mit furchtbaren Scharen, blau und dunkel wie eine Regenwolke, der blauen Schönen verneige ich mich.“

B.6.129 „Dunkelgliedrig, in Dunkelheit gehüllt und mit dunkler Farbe geschmückt: Vor der Weltenträgerin Gaurī, die alle Ziele verwirklicht, verneige ich mich. Weltenherrin, große Furchtbare, Gewaltige mit furchtbarem Ruf, Ursprüngliche, Ursprung des ursprünglichen Gurus, von Ādinātha verehrt; herrliche Durgā, Reichtumsspenderin, Annapūrṇā, Lotosgöttin, Götterherrin – vor der Weltenträgerin, Geliebten des Mondbekrönten, verneige ich mich.“

B.6.130 „Tripurā, Schöne, Mädchenhafte, von Frauenscharen geschmückt, Śivas Botin, von Śiva verehrt und betrachtet, Ewige; Sundarī, Tāriṇī, von allen Śivā-Scharen umgeben; Nārāyaṇī, von Viṣṇu verehrt, Brahmā, Viṣṇu und Hara lieb; Geberin aller Vollendungen, ewig und nicht-ewig, frei von Eigenschaften, mit Eigenschaften und jenseits ihrer, zu betrachten und zu verehren.“

B.6.131 „Vidyā, Vollendungsgeberin, große Vidyā, Maheśvarī, Maheśa zugetan, Māheśī, von Mahākāla verehrt – vor der Weltenträgerin, Bezwingerin Śumbhas, verneige ich mich. Blutliebende, Rotfarbige, Bezwingerin Raktabījas; Bhairavī, Bhuvanā, Göttin mit beweglicher Zunge, Götterherrin; vierarmig, zehnarmig, achtzehnarmig, Heilvolle.“

B.6.132 „Tripureśī, dem Weltenherrn lieb, Weltenherrin, Śivā; laut Lachende, am gewaltigen Lachen Freudige, Vernichterin Dhūmras; Kamalā, die mit abgetrenntem Haupt, Mātaṅgī, himmlisch Schöne; Ṣoḍaśī, Siegreiche, Furchtbare, Dhūmā, Bagalāmukhī; Geberin aller Vollendungen, Reinigerin aller Vidyās und Mantras – vor der Weltretterin und Essenz verneige ich mich zur Mantravollendung.“

B.6.133 „Wer diesen höchsten, vollendenden Hymnus vorträgt, erreicht wahrlich Befreiung, Bergestochter. Dienstag, vierzehnter Mondtag, Neumond, Donnerstag und Freitag werden als Zeiten genannt, besonders nachts. Durch seinen Vortrag entsteht innerhalb dreier Mondhälften Mantravollendung. Auch am vierzehnten Mondtag sowie Samstag oder Dienstag zu Beginn der Nacht schenkt er Vollendung. Allein durch seinen Vortrag entsteht die höchste Mantravollendung; durch ihn erwacht die schlangenförmige Kraft beständig.“ Hier endet der Mahāvidyā-Hymnus im elften Kapitel des Muṇḍamālātantra.

Schutzgebet der Mahāvidyās

B.6.134 Sadāśiva ist der Seher dieses Kavaca, Uṣṇih das Versmaß; die Anwendung dient beständiger Mantravollendung. „Pārvatī, die dem Fünfgesichtigen Liebe, schütze meinen Kopf. Caṇḍī und die blutliebende Bhāratī schützen Haar und Gesicht. Hals, Brust und Schädel schütze Kālī, die Schreckensgesichtige, Wunderbare, mit vielfältigen Glocken Geschmückte.“ Die genaue Aufteilung der ersten Körperstellen ist nicht vollständig ausgedrückt.

B.6.135 „Brustgrund und Nabelgrund schützen Durgā und Tripurasundarī. Tārā, die alle Glieder umfasst, schütze mein Ganzes. Viśveśvarī schütze den Rücken, Maheśvarī die Augen, Kālikā den Herzenslotos und den Hals bis zum Raum. Nārāyaṇī schütze den geheimen Bereich, Meḍhreśvarī das Geschlechtsorgan; Jayā beide Füße. Caṇḍikā behüte mich stets, Pārvatī mein Leben, Mātaṅgī mich allezeit.“

B.6.136 „Chinnā, Dhūmā und Bhīmā schützen in Gefahr, im Wasser und im Wald. Kaumārī, Vārāhī und Nārasiṃhī meinen Ruhm; die am Verbrennungsplatz wohnende Bhadrakālī behüte mich täglich. Sarvāṇī, die Allheilvolle, schütze den Bauch; die auf Kailāsa wohnende Weltenmutter den Sieg; Śivas Geliebte und die Bergestochter meinen Sohn.“

B.6.137 „Bagalā schütze die drei Welten, Bhuvaneśvarī die Welt. Pārvatī, Wohnstatt aller, schütze alle Glieder. Cāmuṇḍā, die alle Ziele verwirklicht, schütze meine Haarporen, die schöne Mahāvidyā mein Weltei. Liṅgeśvarī schütze das Liṅga, Maheśvarī am großen Kraftsitz. Sadāśivas Geliebte und die Götterherrin schützen stets. Gaurī und Tripureśvarī schützen meine Gelenke.“

B.6.138 „Die Götterherrin schütze mich am Verbrennungsplatz und bei der Leichnamspraxis, beim Atemhalten, Ausatmen und Einatmen, im Haus der Liebe. Kāmākhyā, Durgā und Maheśvarī schützen den Ort des Begehrens. Ḍākinī, Kākinī, Śākinī, Hākinī, Lākinī und Rākiṇī schützen mich stets; Jvālāmukhī allezeit und Śivā im Innern des Mundes.“

B.6.139 „Tāriṇī schütze im Gedeihen, Bhavānī im Werden. Die drei Welten Bezaubernde schütze alle Glieder und in der Einsamkeit. Am Königshof, bei schwerem Angriff, im Kampf und in Feindesnot schütze mich Praktizierenden Pracaṇḍā, die selbst Bhairava bezaubert. Die Könige Bezaubernde schütze am Palasttor und in Gefahr; Wohlstandsspenderin Bhairavī und Bālā schützen meine Kraft. Śambhus Gemahlin und die Vernichterin der drei Städte behüten mich stets.“

B.6.140 „Damit ist das zu allen Zeiten gültige Geheimnis erklärt, das Genuss, Befreiung, Glück und allen Wohlstand schenkt. Wer es morgens nach dem Aufstehen vorträgt, wird ein Herr der Praktizierenden. An Dienstag, vierzehntem Mondtag, Neumond, Samstag und Donnerstag, nach Verehrung des Gurus, führt sein Vortrag in die Wohnstatt der Göttin. Hingebungsvoll gesprochen, bewirkt es rasch Mantravollendung.“

B.6.141 „Die Frucht von hunderttausend Puraścaraṇas erlangend, gelangt man zu Śivā. Auf Śivas königlichem Weg wird die individuelle Seele Śiva. Durch Kavaca und Hymnus wird Befreiung erreicht; werden danach die zehn Vidyās verehrt, entstehen Vidyā- und Mantravollendung. Die auf Erden seltenen Khara- und Scheiterhaufen-Vollendungen werden leicht erreichbar; auch Betel wird als Mittel genannt.“ Die Verbindung dieser letzten Aussagen ist unsicher. „Zu Beginn und während der Nacht, zur großen Nachtzeit und am Nachtende vorgetragen, schenkt der Text Herrschaft über die göttlichen Scharen.“ Hier endet das Mahāvidyā-Kavaca im elften Kapitel des Muṇḍamālātantra.

Das Schutzgebet der Śmaśānakālikā

B.6.142 Die Verehrung Śmaśānakālikās und verwandter Gestalten soll im Tantrasāra nachgesehen werden. Es folgt ihr Kavaca. Auf dem Kailāsa fragt die Göttin den allwissenden, gabenspendenden Śaṅkara: „Erhabener, Herr aller Götter, Spender ihres Genusses! Erkläre mir, auch wenn es geheim ist, wodurch Feinde vernichtet, die eigene Person geschützt und unvergleichliche höchste Herrlichkeit erlangt werden.“

B.6.143 Bhairava antwortet: „Ich erkläre dir das wunderbare Kavaca der Göttin, das alle Wünsche verwirklicht, besonders Feinde vernichtet, Menschen schützt, Unheil stillt und Schadenszauber aufhebt. Es schenkt Glück, Genuss und Einfluss. Feindesscharen sollen untergehen, krank, fiebrig und unglücklich werden und ihre Wünsche verlieren.“ Der Text wird hier als historischer Schutz- und Schadenzauber wiedergegeben. Bhairava ist sein Seher, Gāyatrī sein Versmaß, Śrīkālikā seine Gottheit; die Anwendung wird ausdrücklich als Vernichtung von Feindesscharen bezeichnet.

B.6.144 „Oṃ. Man betrachte Kālī-Mahāmāyā, dreiäugig, vielgestaltig, vierarmig, mit beweglicher Zunge, vollmondgleichem Gesicht, dunkel wie ein blaues Lotosblatt, Feindesscharen zerreißend. Sie trägt Menschenkopf, Schwert und Lotos und gewährt eine Gabe; ihr Gesicht ist rot, die Reihen ihrer Fangzähne furchtbar. Sie lacht gewaltig, ist stets unbekleidet, sitzt auf einem Leichnam und trägt einen Schädelkranz.“ Nach dieser Betrachtung folgt das Kavaca.

B.6.145 „Oṃ. Kālikā, von furchtbarer Gestalt, alle Wünsche erfüllend, heilvoll, überall gepriesene Göttin, vernichte meine Feinde. Als Hrīṃ, Hrīṃ, als Hrāṃ, Hrāṃ und Hūṃ, als Hīṃ, Hāṃ, Kṣauṃ, Kṣauṃ bezwinge sie stets meine Feinde. Als Śrīṃ, Hrīṃ und Aiṃ löst sie die Bindung des Werdens; als Hasakalahrīṃ möge sie die Gegner vernichten.“ Diese Lautfolgen stehen hier als Bestandteile des vollständig übersetzten Quellentextes.

B.6.146 „Ich verehre Kālikā, Śaṅkaras Geliebte, die Śumbha und Niśumbha tötete, zur Vernichtung der Feinde. Brāhmī, Śaivī, Vaiṣṇavī, Vārāhī, Nārasiṃhikā, Kaumārī, Aindrī und Cāmuṇḍā sollen meine Gegner verzehren. Die furchtbare Götterherrin, Vernichterin Caṇḍas und Muṇḍas, mit Schädelkranz umhüllt, schütze mich stets von allen Seiten.“

B.6.147 Die folgende Formel ruft die blutliebende Kālikā mit furchtbaren Zähnen, blutgefülltem Mund und blutbedeckter Brust an. Sie fordert wiederholt das Verzehren, Zerschneiden, Verletzen, Töten, Spalten, Vertreiben und In-die-Flucht-Schlagen der bezeichneten Feinde und endet mit Svāhā. Daran schließt sich mit den Lauten Vāṃ Vīṃ die Übergabe des bezeichneten Feindes an Kālikā an.

B.6.148 Eine weitere Formel beginnt mit Oṃ, zweimal „Siege“ und den Lautfolgen Kiri Kiri, Kiṭi Kiṭi und Kaṭṭa Kaṭṭa. Es folgen doppelte Aufforderungen zum Zermalmen, Verblenden, Wegnehmen, Vernichten, Verzehren und Zerbrechen der bezeichneten Feinde. Die als Yātudhānī und Cāmuṇḍā angerufene Göttin soll Menschen, Könige, königliche Beamte und Frauen unter Einfluss bringen sowie Getreide, Vermögen, Pferde, Elefanten, Edelsteine, himmlische Geliebte, Söhne und Königsglück geben. Der Abschluss lautet Kṣāṃ Kṣīṃ Kṣūṃ Kṣaiṃ Kṣauṃ Kṣaḥ Svāhā.

B.6.149 „Dieses göttliche Kavaca lehrte Śambhu einst. Für seine regelmäßigen Rezitierenden gehen die Feinde zugrunde, werden krank und verlieren Vermögen und Söhne. Nach tausend Vorträgen ist das Kavaca vollendet; dann gelingen die Anwendungen.“

B.6.150 Die anschließende historische Anwendung beschreibt zerstoßene Verbrennungsplatzkohle, mit Fußwasser vermischt, und eine eiserne Schreibspitze. Damit werden entstellte Feindesbilder mit dem Kopf nach Norden auf den Boden gezeichnet. Die Hand wird auf ihr Herz gelegt, das Kavaca gesprochen und der dargestellte Feind durch Mantra symbolisch belebt. Waffenstöße gegen das Bild sollen nach dem Text Tod, glühende Kohle Fieber und das Verwischen mit dem linken Fuß Armut bewirken.

B.6.151 Die Quelle preist das Kavaca als feindvernichtend, beeinflussend, höchstes Gedeihen und Nachkommenschaft mehrend. Morgens, besonders zur Verehrung, und abends vorgetragen, soll es alle Vollendungen verleihen; der Feind werde vertrieben, verliere sein Land und werde schließlich dienstbar. Der Schluss lautet: „Feindvernichtende Göttin, Spenderin allen Wohlstands, Heilvolle, von allen Göttern Gepriesene, Kālikā – vor dir verneige ich mich.“ Hier endet im Rudrayāmala das Śmaśānakālikā-Kavaca namens „Beseitigung der Feinde“.

Lob der Śakti-Verehrenden

B.6.152 Da auch der rechtsseitige Weg zum Śākta-Bereich gehört, folgt das Lob der Śāktas. Im zweiten Kapitel des Muṇḍamālātantra heißt es: „Im Himmel, auf Erden und in der Unterwelt ist niemand lieber als ein Śākta. Sonnen-, Gaṇeśa- und Viṣṇu-Verehrende werden allmählich zuletzt zu Śāktas. Niemand steht über einem Śākta; er ist Śaṅkara selbst und hat Anteil am höchsten Brahman.“

B.6.153 „Wer Kālī, Tārā, Tribhuvaneśvarī, Ṣoḍaśī, Mātaṅgī, Chinnā oder Bagalāmukhī verehrt, ist Śiva, ohne Zweifel. Höchst geheim ist der höchste Zustand der Śāktas. Wer ihn auf Erden kennt, ist Śiva. Wer freudig die von Brahmā und den übrigen verehrten Lotosfüße verehrt, gelangt bald in die Wohnstatt der Befreiung.“

B.6.154 Das dritte Kapitel sagt: „Durch die Verehrung von Pārvatīs beiden Füßen wird man ihr Diener. Wie könnten Śāktas nicht Himmelsgenuss und Befreiung erlangen?“ Danach droht die Quelle denen, die Śāktas schmähen oder verletzen: Bhairavī-Scharen tränken ihr Blut, Bhairavas und Bhairavīs bedrängten sie, Haras Geliebte schlage ihnen die Köpfe ab. „Keiner steht über den Śāktas in Himmel, Erde und Unterwelt. Erkenne den Śākta als Śaṅkara, dreiäugig und mondbekrönt; als Gaṅgā-Träger wandert er auf Erden.“ Die Gewaltdrohungen werden als sektiererische Rhetorik der Quelle wiedergegeben.

B.6.155 Im vierten Kapitel sagt Śiva zur Göttin: „Die aus meinem Anteil entstandenen Wesen sind Śaivas, die aus deinem Anteil Śāktas, wahrlich, Bergestochter. Nach vielen Jahrtausenden wenden sich Śaivas ganz der Śakti zu. Śāktas sind Śaṅkaras, gleich aus welchem Geschlecht sie stammen: Caṇḍālas, Brahmanen, Śūdras, Kṣatriyas oder Vaiśyas. Sie sind niemals bloß Menschen; nur das fleischliche Auge sieht sie als solche.“

B.6.156 Im siebten Kapitel heißt es: „Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras sollen durch die Kraft des linken Weges Rezitation und Verehrung vollziehen. Unter den Śāktas gelten auch Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras als Brahmanen; diese Brahmanen sind Śaṅkaras, dreiäugig und mondbekrönt.“ Die Lesung für Vaiśyas ist beschädigt und kann wörtlich auch Kurtisanen bezeichnen; die vorausgehende Ständereihe legt hier die erste Deutung nahe.

B.6.157 Das dritte Kapitel des Nirvāṇatantra erklärt: „Alle Zweimalgeborenen sind eigentlich Śāktas, nicht bloß Śaivas oder Vaiṣṇavas, weil sie die Göttin Gāyatrī, die höchste Silbenkraft, verehren.“ Das zweite Kapitel des Gandharvatantra verbietet nach der Verehrung Tripurās den Wechsel zu einer anderen Gottheit: „Wer sie verehrt hat, soll keine andere verehren; durch Hinwendung zu einer anderen zieht er sich den Fluch der Yoginīs zu.“ Hier endet das Lob der Śāktas.

B.6.158 Hier endet in der Śrīprāṇatoṣiṇī, im fünften Buch über die Hingabe, der sechste Lehrabschnitt, der die Mahāvidyās und verwandte Themen erklärt.


Bhaktikāṇḍa: Siebter Lehrabschnitt – Kumārī-Verehrung und heilige Stätten

Altersstufen und die Gegenwart der Göttin

B.7.1 Der Kompilator erklärt: Die vorausgehenden Worte über die Freude an der Kumārī-Verehrung haben deren Darstellung angekündigt; nun folgt sie an passender Stelle. Das sechste Kapitel des oberen Teils des Rudrayāmala ordnet die verehrte Kumārī nach Lebensjahren zu: einjährig Sandhyā, zweijährig Sarasvatī, dreijährig Tridhāmūrti, vierjährig Kālikā, fünfjährig Subhagā, sechsjährig Umā, siebenjährig Mālinī, achtjährig Kubjikā, neunjährig Kālasandarbhā, zehnjährig Aparājitā, elfjährig Rudrāṇī, zwölfjährig Bhairavī, dreizehnjährig Mahālakṣmī, vierzehnjährig Pīṭhanāyikā, fünfzehnjährig Kṣetrajñā und sechzehnjährig Ambikā.

B.7.2 Die Reihe gilt bis zum Einsetzen der Menstruation; entsprechend der zunehmenden Mondphase, vom ersten Mondtag bis zum Vollmond, wird verehrt. Das Bṛhannīlatantra bietet dieselbe Reihe, nennt jedoch die Vierzehnjährige Nāyikā und die Sechzehnjährige Carcakā. Bei Umā weicht nur die Formulierung des Alters ab.

B.7.3 Das siebte Kapitel des Kubjikātantra unterscheidet: Fünf bis zwölf Jahre gelten als Kumārī, die die eigene göttliche Gestalt offenbart; sechs bis neun Jahre werden für die Erfüllung der Wünsche des Praktizierenden genannt. Acht bis dreizehn Jahre heißen Kulajā; zehn bis sechzehn Jahre Yuvatī, die als Gottheit betrachtet wird. Diese sich überschneidenden Altersgruppen gehören zur historischen Ritualsystematik.

B.7.4 „Wer der Kumārī Nahrung, Kleidung und Wasser gibt, dessen Speisegabe wird dem Meru, dessen Wasser dem Meer gleich. Durch Kleidung wird er für unermessliche Zeiten in Śivas Welt geehrt. Wer ihr Verehrungsgegenstände gibt, dem ist die Gottheit so zugetan wie einem Sohn.“ Die letzte Satzkonstruktion lässt auch eine andere Beziehung zwischen Gottheit und Sohn zu.

B.7.5 Der Viśvasāra nennt die Achtjährige Gaurī, die Neunjährige Rohiṇī, die Zehnjährige Kanyakā; danach erscheint Mahāmāyā als menstruierende Frau. Zwölf bis zwanzig Jahre heißen Sukumārā. „Sie ist als Lichtkraft in Gefährten, Steinen und Metallen gegenwärtig – wie viel mehr in lebendigen Wesen! Wo Mahāmāyā nicht ist, gibt es überhaupt nichts.“ Die erste Gegenstandsbezeichnung ist unsicher.

B.7.6 Im siebzehnten Kapitel des ersten Teils des Yoginītantra heißt es: „Die Frucht der Kumārī-Verehrung vermag ich selbst mit unzähligen Zungen und Mündern nicht zu beschreiben. Deshalb verehre man das Mädchen aus jeder Herkunftsgruppe. Unterschiede der Geburt dürfen dabei nicht gemacht werden; wer sie macht, kehrt nicht aus der Hölle zurück. Wer voller Zweifel ist, lädt Schuld auf sich. Mit großer Hingabe betrachte man sie als Göttin: Die Kumārī ist die Gestalt aller Vidyās.“

B.7.7 „Findet der Praktizierende durch günstiges Geschick ein Mädchen aus einer Kurtisanenfamilie, soll er es freudig und sorgfältig mit Gold, Silber und selbst seinem ganzen Besitz ehren. Dadurch entsteht große Vollendung.“ Der Schwerpunkt der Aussage liegt auf der Überschreitung gesellschaftlicher Herkunftsgrenzen.

B.7.8 „Wo Kumārī verehrt wird, ist ein die Erde heiligender Ort; fünf Krośa ringsum werden höchst heilig.“ Das Rudrayāmala nennt alle großen Feste, besonders Pavitraka und Mahānavamī, als Gelegenheiten. Bis sechzehn wird die Bezeichnung Yuvatī verwendet. Dort offenbart sich nach der Quelle die höchste innere Haltung. Die Mädchen sollen sorgfältig geschützt und als unversehrt betrachtet werden. Auch ein wenig begünstigter Mensch erlangt Sieg und Heil, wenn er sie nach der großen Verehrung mit Kleidung, Schmuck und Speisen ehrt.

B.7.9 Die vorschriftsmäßige Verehrung gilt für die drei Verfassungen Divya, Vīra und Paśu und soll in allen großes Glück, in göttlicher Praxis gute Frucht schenken. Mädchen aus allen Familien, Herkunftsgruppen und Ländern, mit oder ohne die zugeschriebenen Vorzüge, werden eingeschlossen. Eine weitere Regel nennt die Zeit nach dem zweiten bis zum achten Lebensjahr. Wer gesammelt rezitiert und das Mädchen verehrt, erlangt in Divya-Haltung die Frucht von Tantra und Mantra.

B.7.10 Verehrung und Speisung der Kumārī sollen die Frucht ein-, zwei- und mehrsilbiger Bījas gewähren. Blüten, Früchte, Salben und kindgerechte Lieblingsspeisen werden gegeben. Der Verehrende soll sich auf die kindliche Haltung einstellen, freundlich sprechen und durch Spiel und Aufmerksamkeit Freude bereiten. Eine Zeile über Erde, Körper und eigenes Selbst ist beschädigt. „Wer ihr tatsächlich Liebes und Angenehmes tut, wird Herr der Vollendungen.“

B.7.11 „Das Mädchen ist alle Fülle und höchste Askese. Ohne Kumārī-Verehrung wird die Frucht von Feueropfer, Mantraverehrung, täglichen Handlungen, Kaula-Riten und vielfältigem Dharma nicht vollständig erlangt. Durch sie wird die Frucht zehnmillionenfach. Eine volle Handvoll Blüten, ihr dargebracht, gewährt augenblicklich das Verdienst der Gabe von Gold im Gewicht von zehn Millionen Meru-Bergen. Wer ein Mädchen speist, hat die drei Welten gespeist.“ Das elfte Kapitel des Kālītantra fordert Kumārī-Verehrung zur Erlangung der Frucht aller Handlungen.

Die Kumārī als lebendige Verehrungsstätte

B.7.12 Das siebte Kapitel des oberen Rudrayāmala nennt als Ort einen großen Kraftsitz oder Tempel. Zur Verehrung kommen Töchter von Schauspielerinnen, gesellschaftlich Geringgeschätzten, Kāpālikas, Wäschern, Barbieren, Hirten, Brahmanen, Śūdras, Ärzten, Händlern und Caṇḍālas sowie Mädchen aus dem Freundeskreis in Betracht. In welcher Wohn- oder Lebensgemeinschaft sie auch leben: Man hole sie sorgfältig herbei und verehre sie mit höchster Freude, in der Betrachtung des Selbst gesammelt.

B.7.13 „Wer mich täglich mit reiner Hingabe verehrt, soll gewiss Kumārīs verehren und speisen. In ihnen offenbart sich der Glanz von Sonne, Mond und Feuer. Durch ihre Verehrung, freundliches Gespräch und Speisung werde ich selbst erfreut; verborgen ist die Gottheit gegenwärtig.“ Die Quelle verbindet sie außerdem mit dem jugendlichen Bhairava beziehungsweise Vaṭuka, dem kraftvollen, von allen Welten verehrten Sohn der Göttin.

B.7.14 „Die Kumārī ist die von Göttern verehrte Gottheit, die Weltenherrin überall. Die Götter holen sie zur Verehrung zum Wohl aller herbei. Sie wohnt in verborgener göttlicher Gegenwart, wünscht Nahrung, verdient Achtung und lächelt zufrieden. Sie weint nicht ohne Grund. Als Sarasvatīs Gestalt wird sie von allen Führenden verehrt, von Śiva-, Viṣṇu- und anderen Gottheitsverehrenden. Auch die Einsichtigen sollen sie verehren.“

B.7.15 „Durch diese Verehrung erlangt man Ehre, Gedeihen, Reichtum, Land, Lakṣmī, Sarasvatī und große Kraft. Die Mahāvidyās und alle Götter werden erfreut: Kālabhairava, Brahmā, Indra, Brahman-Kundige, Rudras, Götterscharen, Vaiṣṇavas von Brahman-Wesen, zwei- und vierarmige Avatāras, Welthüter, Lehrer des Beweglichen und Unbeweglichen, die verschiedenen Vidyās Zugewandten, Dämonen und alle störenden Mächte. Wenn selbst ich, die reine Gestalt, erfreut werde, wie viel mehr die anderen! Kumārī-Verehrung bringt Einfluss auf die drei Welten, raschen Frieden und die Frucht aller guten Taten.“

B.7.16 Das Bṛhannīlatantra sagt: „Große Gefahren, Hungersnot, Unheilszeichen, schlechte Träume, vorzeitiger Tod und anderes Leid verlieren durch Kumārī-Verehrung ihre Macht. Täglich und vorschriftsmäßig verehrt, nehmen sie Hindernisse, Furcht und heftige Feinde. Planetenplagen, Krankheiten, Geister, Vetālas und Schlangenmächte schwinden.“

B.7.17 Das Rudrayāmala erklärt: Schon die Nennung der jeweiligen Mantras verleihe zehntausendfaches Verdienst; mit den entsprechenden Mantras umschlossen und rezitiert entstehe Vollendung. „Die von mir gelehrte Weise soll eingehalten und nicht durch eine abweichende Auffassung verändert werden. Höre den großen, vollendeten Mantra der Kumārī-Verehrung: Durch seine Kraft wird der Einsichtige zu Lebzeiten befreit und gelangt am Ende zum Zustand der Göttin. Im Diesseits erlangt er Glück und Fülle sowie Madhumatīs Gnade.“

B.7.18 Dem Vāgbhava-Bīja wird eine Erregung beziehungsweise Durchdringung des Körpers zugeschrieben, dem Māyā-Bīja achtfache Vorzüge, dem Śrī-Bīja Gedeihen und erneut dem Māyā-Bīja Feindesüberwindung; dem Bhairava-Bīja das Wandeln im Raum mit den Göttern. „Ich bin die Kumārikā, Herr, und du stets der Kumāraka. Man verehre 108 oder auch nur eine. Geehrt erweisen sie Ehre; missachtet entziehen sie ihre Gunst.“ Die letzte Verbform ist unsicher.

B.7.19 „Die Kumārī ist unmittelbar Yoginī und höchste Gottheit. Asuras, böswillige Schlangenmächte und Planeten, Geister, Vetālas, Gandharvas, Ḍākinīs, Yakṣas, Rākṣasas, alle anderen Gottheiten und Bhairavas in den drei Welten, Erde und die übrigen Elemente, das Weltall mit Beweglichem und Unbeweglichem, Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Īśvara und Sadāśiva werden durch ihre Verehrung zufrieden. Nach der Vorschrift werde sie gespeist; Fußwasser, Ehrengabe, Räucherwerk, Safran und Sandel werden mit Hingabe dargebracht.“

Die Verehrungsfolge

B.7.20 Die Kumārī wird mit Schmuck, Muschelzier und Gewändern geehrt und stets als Göttin betrachtet. Wasser wird mit dem Vāgbhava-Bīja und ihrem Namen gegeben, Fußwasser mit Māyā-Bīja, die Ehrengabe mit Lakṣmī-Bīja, Sandel mit Kūrca-Bīja und Blüten wiederum mit Māyā-Bīja. Räucherwerk und Licht werden mit dem Sadāśiva-Mantra dargebracht; es folgen die sechs Mantraglieder.

B.7.21 Das Herz wird als große weiße Lichtkraft betrachtet. Die Formel verbindet Vāgbhava, Māyā, Lakṣmī, Kūrca und ein Preta genanntes Bīja mit Visarga und Mondzeichen, dann „Kula-Kumārikā“ und die Verneigung vor dem Herzen. Für den Kopf wird eine weiße, alles umfassende Gestalt betrachtet; die verschlüsselte Lautreihe nennt Ha, Va, Vāgbhava, Māyā und Lakṣmī und endet mit der Kopfanrufung und Feuerabschluss. Der vorhandene Wortlaut ist nicht durchgängig sicher zu einer vollständigen Formel auflösbar.

B.7.22 Für den Haarschopf wird dunkler, augenschminkengleicher Glanz vergegenwärtigt; die Formel beginnt mit Oṃ, nennt Viṣṇusundarī und endet mit „dem Haarschopf, Vaṣaṭ“. Für den Schutzpanzer wird eine kraftvolle, schönleibige Gestalt wie die frühe Morgensonne betrachtet. Vāgbhava, Kula-Vāgīśvarī und die Bezeichnung des Schutzpanzers werden genannt; ein Bezug auf das rettende Brahman folgt, dessen genaue Lautfunktion unklar bleibt.

B.7.23 In den drei Augen wird das mächtige rote Bīja betrachtet, strahlend wie unzählige Hibiskusblüten und Sonnen. Die Formel verbindet Vāgbhava, Kuleśvarī und „den drei Augen, Vauṣaṭ“. Für die Waffenhandlung werden Mittel- und Zeigefinger auf die linke Handfläche geführt und zweimal geklatscht. Der Mantra wird als Glanz unzähliger Sonnen und gewaltiger Klang aus dem großen Raum betrachtet; Māyā-Bīja, „der Waffe“ und Phaṭ werden genannt.

B.7.24 Danach wird Bālabhairava mit seinem Gefolge in einer als Kuṇḍa-Öffnung bezeichneten Stelle vergegenwärtigt und mit einem Licht- beziehungsweise Nektarstrom gesättigt und verehrt. Die genaue örtliche Vorstellung ist knapp überliefert. Die Begleitgottheiten folgen der Reihe nach: Siddhajayā am östlichen Gesicht, Jayā am nördlichen, Kubjikā am westlichen und Kālikā am südlichen. Den Anrufungen gehen Vāgbhava beziehungsweise Vāgbhava, Māyā und Śrī voraus; sie schließen mit der Verneigung.

B.7.25 Danach werden die Sonne, Caṇḍa, die Welthüter, Sandhyā und die übrigen Altersgestalten verehrt; ferner Vīrabhadrā, Mahākanyā, Kaulinī, Kulagāminī, die achtzehnarmige Kālī und Caṇḍadurgā. Als Speisen nennt der Text Milch, eingedickte Milch, gekochte Speisen, reife Früchte und jahreszeitlich Geeignetes, mit Honig verbunden. Auch die fünf Kula-Stoffe werden als nach dem jeweiligen Kalpa bereitetes Ritualmaterial genannt; ihre Verbindung mit der kindbezogenen Verehrung wird hier nicht weiter ausgeführt. Danach wird kühles Wasser gereicht.

B.7.26 Der seltene Kumārī-Mantra und der Wurzelmantra werden rezitiert; ihre genaue Verbindung ist beschädigt. Nach Übergabe der Rezitation folgt die eigene Atemsammlung, danach achtgliedrige und weitere Verneigungen unter Hymnenvortrag.

B.7.27 Das Verneigungsgebet ehrt die geliebte Kula-Göttin als Spenderin höchsten Glücks, Gefährtin des jugendlichen Gottes und Freudespenderin aller Vollendungen, mit Korallenperlenkette, silbrig gefärbtem Gewand und goldenem Schmuck, als Kumārī und Sprache der Welt. Anschließend werden Tāriṇī, Śiva und Gaṇeśa verehrt und den Kumārīs angemessene Gaben überreicht.

B.7.28 Danach geht die Quelle zur Verheiratung beziehungsweise rituellen Brautgabe über: Wer ein Mädchen verheiratet, dem werde die Schuld einer Brahmanentötung genommen; wer zur heiligen Zeit die Brautgabe vollzieht, erlange Genuss, Befreiung, Glück und alle Fülle und wohne als dreiäugiger Hara in Rudras Welt. Die Frucht entspreche unzähligen Wallfahrten und hundert Pferdeopfern; Familienlinien würden für unermessliche Zeiten erhoben. Die Aussagen dokumentieren historische Heiratsvorstellungen, keine Empfehlung für Kinderehen.

B.7.29 „Wer diese Gabe zur Freude und Zufriedenheit seiner erwählten Gottheit vollzieht, erreicht Befreiung, Bhairava.“

B.7.30 Im Zusammenhang mit der Brautgabe soll der Bräutigam als vollständige Śiva-Gestalt betrachtet werden: schön, lichtvoll, ruhmreich, von Kālabhairavas und Vaṭukeśas Wesen. Die Braut wird als jugendliche, mit Schmuck versehene Göttin, schön in den drei Welten, freundlich lächelnd, voller Freude und heilbringend, im zwölfblättrigen Lotos betrachtet. Mit dem jeweils zugehörigen Mantra wird die Gabe vollzogen. Eine einleitende Wendung über ein „zweites Mädchen“ ist beschädigt. Hier endet die Folge und Frucht dieser Gabe.

Die Mantravertiefung

B.7.31 Im achten Kapitel werden Rezitation und Feueropfer für die große Göttin Kumārī erklärt. Hunderttausendmal wird Māyā-, Vāgbhava-, Kālī- oder Kāma-Bīja rezitiert, von Sadāśiva-Mantra beziehungsweise Praṇava umschlossen und mit Bindu und Mondzeichen verbunden. Ein Zehntel davon wird als Feueropfer mit in Butterschmalz getränkten Bilvablättern gegeben; alternativ werden weiße Blüten, Kunda oder Oleander genannt, mit Butterschmalz, allein oder mit Sandel und Adlerholz.

B.7.32 Tagsüber lebt der Praktizierende von Opferspeise; nachts gilt er der Verehrung. Die eigene Gottheit wird mit den vollständigen Kula-Stoffen verehrt. Eine Rezitationszahl „nach der Zahl der Sonnen“, also zwölf, wird genannt, ohne dass eine größere Zähleinheit erhalten ist. Danach folgt das Feueropfer mit den beschriebenen Stoffen. Wiederholte Atemreinigung, dreifache Atemregelung und freudige achtgliedrige Verneigung schließen an.

B.7.33 Bei der Verneigung werden der Kumārī-Hymnus und das Kavaca oder der große Hymnus und Schutztext der eigenen Göttin vorgetragen. Ferner werden die 1008 Namen der Kumārī genannt; wer sie nicht vortragen kann, verwendet die glückverheißende Tausendnamen- oder 108-Namen-Reihe der eigenen Göttin. Die Verbindung beider Zahlen ist knapp. Vor den ehrfürchtig platzierten, kühl wie Edelsteine beschriebenen Kumārīs wird gesammelt, selbstbeherrscht und voller Hingabe rezitiert, ob in Divya- oder ausgeprägter Vīra-Haltung. So sollen große Erkenntnis und Wunscherfüllung entstehen.

Die zusammengefasste Ritualanwendung

B.7.34 Die anschließende Anwendung wiederholt die Altersgrenze: ein bis sechzehn Jahre, sofern die Menstruation noch nicht eingetreten ist. Die Namen lauten nochmals Sandhyā (1), Sarasvatī (2), Tridhāmūrti (3), Kālikā (4), Subhagā (5), Umā (6), Mālinī (7), Kubjikā (8), Kālasandarbhā (9), Aparājitā (10), Rudrāṇī (11), Bhairavī (12), Mahālakṣmī (13), Pīṭhanāyikā (14), Kṣetrajñā (15) und Ambikā (16). Die Verehrung folgt dem Anwachsen vom ersten bis zum fünfzehnten Mondtag.

B.7.35 Wieder wird die Eignung aller Herkunftsgruppen betont: Töchter von Schauspielerinnen, Kāpālikas, Wäschern, Barbieren, Hirten, Brahmanen, Śūdras, Ärzten, Händlern, Caṇḍālas und Freunden. Die Kumārī nimmt auf dem Sitz Platz und wird als jugendliche, weltenschöne, geschmückte, lächelnde, von großer Herzensfreude erfüllte und heilbringende Göttin betrachtet. Eine Blüte wird auf den eigenen Kopf gelegt, die Verehrung innerlich vollzogen; nach erneuter Betrachtung wird ihr die Blüte dargebracht.

B.7.36 Die Sitzformel verbindet Aiṃ Hrīṃ Śrīṃ Hūṃ Hsauḥ mit dem altersentsprechenden Göttinnennamen und „der Kumārī, Verehrung“. So werden die sechzehn Darbringungen gegeben. Wasser erhält Aiṃ, Fußwasser Hrīṃ; ebenso wird Schmuck genannt. Duft erhält Hūṃ, Blüten Hrīṃ mit Vauṣaṭ, Räucherwerk und Licht Hsauḥ. Bei der Speisegabe wird die vollständige Bīja-Reihe mit „ich bringe dar“ verbunden. Muschelschmuck, Girlande, Augenschminke, Safran und weitere Gaben werden mit derselben Reihe und abschließender Verneigung gegeben. Stets soll nach dem Göttinnennamen ausdrücklich „der Kumārī“ stehen.

B.7.37 Es folgt die sechsfach gegliederte Verehrung: das Herz als weißes Licht mit Aiṃ Hrīṃ Śrīṃ Hūṃ Hsauḥ und der Anrede Kula-Kumārikā; der Kopf weiß und allumfassend mit Haiṃ Vaiṃ Hrīṃ Śrīṃ Aiṃ und Svāhā; der Haarschopf dunkel mit Oṃ Śrīṃ und Vaṣaṭ; der Schutzpanzer morgengerötet und strahlend mit Aiṃ Kula-Vāgīśvarī und Hūṃ; die drei Augen rot und von allen Bījas erfüllt mit Aiṃ Kuleśvarī und Vauṣaṭ. Die Quelle beschreibt dabei eine rituelle Handzuordnung am Herzbereich.

B.7.38 Mit Hrīṃ und der Waffenformel bis Phaṭ wird zweimal mit Zeige- und Mittelfinger auf die linke Handfläche geklatscht. Danach werden Bālabhairava und sein Gefolge in der bereits genannten Kuṇḍa-Öffnung betrachtet und mit Duft und Blüten verehrt. Es folgen Siddhajayā im Osten, Jayā im Norden, Kubjikā im Westen und Kālikā im Süden; die zugehörigen Bījas entsprechen der vorausgehenden Darstellung.

B.7.39 Sonne, einzelne Welthüter, Vīrabhadrā, Mahākanyā, Kaulinī, die hier Kalanāminī genannte Gestalt, die achtzehnarmige Kālī und Caṇḍadurgā erhalten Verneigungen mit Oṃ. Nach Kräften wird der Kumārī-Wurzelmantra oder der eigene Mantra rezitiert. Atemregelung, Übergabe der Rezitation, Hymnus und Kavaca, acht- oder fünfgliedrige Verneigung und eine abschließende Gabe beenden die Verehrung.

Kumārī-Hymnus

B.7.40 Bhairavī spricht: „Indra und die übrigen Götter verehren zum Gedeihen die hervorragende Kumārī: strahlend wie Millionen Monde, in Vārāṇasī wohnend, Vidyā und dem Sprachprinzip zugetan, dreiäugig, auf dem Weg feiner Handlung, heftige Erschütterung abschneidend, Mutter der drei Welten, im Wurzellotos wohnend, mondgesichtig.“ (1)

B.7.41 „Ich verehre die von Götterscharen, Śiva, Indra und befreiungssuchenden Entsagenden betrachtete Sandhyā: jugendlich, stets mit aufstrahlenden Vorzügen, weiß leuchtend, höchste Herrin, heilbringend, freundlich und großgesichtig; Gāyatrī, Mutter der Scharen, Gang des Tages, auch dunkel und alt.“ (2) Die Wendung zu den ausgezeichneten Zweimalgeborenen und dem Besteigen eines Pferdes ist beschädigt.

B.7.42 „Stets verehre ich zum Heil der Befreiung die jugendliche, von Kindern verehrte, mit Vorzügen erfüllte Göttin, die Wissenden Befreiung schenkt: Weltenträgerin, weiße Sarasvatī, vorzügliche Göttin, Vāgvādinī und Caṇḍikā, im Svādhiṣṭhāna Hara lieb, Freude schenkend, Geberin des Vedānta-Wissens, mit Yogaleib und Bewusstseinsgestalt.“ (3)

B.7.43 „Ich verneige mich vor der in einem aus Edelsteinen gebauten Haus von Göttern verehrten jungen Göttin, im Nandana-Hain und im Geist, dessen Wesen das vollendete Lehr-Bīja ist. Schenke meinem mittellosen Dasein Sinn und Mittel, mütterliche Kumārikā, dreifache, lichtvolle Gestalt.“ (4) Eine Wendung zum Ablegen der Kumārī-Kraft ist nicht eindeutig verbunden.

B.7.44 Die fünfte Strophe verehrt eine furchtbare, mit Hālāhala und dem Kula-Weg verbundene Göttinnengestalt, die Fleischgaben annimmt und mehr als das Ersehnte verleiht. Der Sprecher bezeichnet sich als Kind, das bei Vaṭukeśvaras Lotosfüßen Zuflucht sucht, und vergegenwärtigt die Göttin im weißen Lotos am Kopf. Eine innere Verbindung der Strophe ist beschädigt. (5)

B.7.45 „Ich verehre im Herzenslotos, auf dem Sonnenblatt, die lichtvolle Kālikā, die Sonne erfreuend, die große Schuld und Qual des Kali-Zeitalters nehmend, in Licht und Sonne gegenwärtig, furchtlos machend; die reine Kumārī, unmittelbar vollendend, Herrin der ursprünglichen Gestalt.“ (6) Die Bezeichnung der jugendlichen Vidyā enthält eine unsichere Lautfolge.

B.7.46 „Stets verehre ich die herrliche Kula-Geliebte, die dem Kula Zugehörige, Kaulā, Umā, Ambikā, in vielen Yogaformen Spielende, Juwel der Götter, Ewige und Asketische; in besonderen Bedeutungen des Vedānta, in Ländern, Gewändern und Sprachen gegenwärtig, die Tochter des Bergkönigs, der Zeit lieb.“ (7)

B.7.47 Die achte Strophe verehrt Kaumārī als Kula-Mālinī, die Feindesscharen durch Feuer erschüttert, mit roten Augen, heilvoll, auf dem höchsten Weg Befreiung offenbarend; ferner als Gefährtin des fünfgesichtigen Herrn, Furcht nehmend und mit Schlangen geschmückt. Die Zeile über Gattin, Genuss und den Herrn der drei Welten ist grammatisch beschädigt. (8)

B.7.48 „Wer die mondgesichtige, schöne Śrīkubjikā mit ihren herrlich glänzenden Lotosfüßen, die Verblendung vernichtet und Gaben gewährt, täglich verehrt, dem werden Reichtum, langes Leben und die drei Welten durchdringende Herrschaft zugesprochen.“ Eine Bezeichnung als Fluss und ein Bild vom Kronjuwel der Könige stehen in derselben Strophe. (9)

B.7.49 „Ich betrachte den Herrn des Yoga und der Welt, Freude schenkend, mit Kālasandarbhā verbunden, im Ozean der Schönheit, die Wunschfrucht des göttlichen Baumes entfaltend; mit Śivā als Śrī-Vidyā tilgt er die Schuld der Welten und ist den Sichverneigenden ein Wunschbaum, göttliches Leben des Dharma.“ Die Strophe wechselt zur männlichen Grammatik. (10)

B.7.50 Die elfte Strophe beschreibt Aparājitā als Vollendung der Vidyā, freudig bewegt, mit den heiligen Fußzeichen im Herzenslotos, Kula-Kraft, Kātyāyanī und Bhairavī. Die tugendhaft Gesinnten verehren sie freudig im Ozean höchster Seligkeit, deren alles überdeckender Glanz Ehrfurcht erweckt, zur Befreiung und zu gutem Ruhm. (11)

B.7.51 „Ich verneige mich vor Rudrāṇī, lotosgesichtig, mit dem Glanz von Millionen Sonnen, vielfältig geschmückt, den Kula-Angehörigen Freude schenkend; Śrīmāyā, mit Kamalā verbunden, im Herzen gegenwärtig, wirkende Kraft des Fortpflanzungssamens; Vāgbhava-Gestalt, Frau des Kula, aus dem Hūṃ-Bīja hervorgegangen.“ (12)

B.7.52 „Ich verehre die vorzügliche Bhairavī, das Feuer der Zeit für die Schuld auf Erden, rötlich wie eine Lotosblüte, Reinigerin der Fehler der Welt, höchste Bezwingerin der Weltfurcht, Yogaherrin, die mich über tausend Bedrängnisse führt und allen Lebensgenuss schenkt.“ (13)

B.7.53 „Ich verehre stets die erhabene Mahālakṣmī, die Königsherrschaft und unmittelbar achtfache Fülle schenkt, Erschütterungen des Kula nimmt, im schönen Svādhiṣṭhāna-Lotos wohnt, Viṣṇus unendlichem Gedeihen dient, königlichen Rang und Heil verleiht, die Herrin der Kaulas.“ (14)

B.7.54 „Ich verehre die höchste Herrin der Kraftsitze, Dämonenvernichterin, heilvolle Vidyā und Führerin, mit allem Schmuck geziert, die Erschütterung der drei Welten nehmend, Vāruṇī; Pīṭhanāyikā, von den Erscheinungen der drei Welten umhüllt, Wohltäterin aller, Herrin in Freudegestalt.“ (15)

B.7.55 „Ich verehre Kṣetrajñā, freudig berauscht, dem Kula zugehörig, Vollendung liebend, Gefährtin Śambhus als Śrīvaṭukeśvara, die den Großen Freude vermittelt; unmittelbar aus dem höchsten Selbst hervorgehend, Unruhe des eigenen Geistes nehmend, Śākinī, Offenbarung des Wortsinns, silberglänzende Mahābhairavī.“ (16)

B.7.56 „Ich verehre die höchste Ambikā mit vollmondgleichem Gesicht, in der Lotosmitte erscheinend, im tausendblättrigen Lotos am Kopf den Strom des großen Nektarozeans tragend, die Frucht der Verneigung schenkend, alle Reiche unter Einfluss bringend und die Fesseln der Sinnendinge zerschneidend.“ (17)

B.7.57 „Ich verehre dich, deren Leib die drei Welten mit Nektar erfüllt, Sandhyā und die übrigen Göttinnen umfassend, höchste Kula-Kundige, in der innersten Mitte des tausendblättrigen Lotos, Herrin der Kaulas und Zuflucht aller göttlich Gesinnten.“ (18) Eine kurze Verneinungs- beziehungsweise Pronomenfolge ist beschädigt.

B.7.58 „Weltenherrin, vorzügliche Kālikā im göttlichen Kula, täglich verneige ich mich im Feuer der Vollendung hingebungsvoll vor dir. Schenke Hingabe, Reichtum, Sieg und den Dienst an dir.“ Die abschließende Bitte verbindet Mahāmadhumatī mit Haus und Gemahlin; ihr genauer Satzsinn ist nicht zuverlässig erhalten. (19)

B.7.59 „Durch die Gnade dieses Hymnus wird man Meister dichterischer Rede, Herr großer Vollendungen, göttlich und der Vīra-Haltung zugewandt. Überall siegreich und Hara lieb, wird man rasch Herr der Sprache und kann jede Gestalt annehmen. Der Paśu wird zum großen Vīra und zum Divya; allmählich entstehen die acht Vollkommenheiten. Alle Vidyās und Welthüter werden erfreut, Feuer wird kühl, Wasser kann angehalten werden. Reichtum, Söhne und Königswürde entstehen; danach gelangt man nach Vaikuṇṭha oder Kailāsa in Śivas Nähe. Wer stets vorträgt, erlangt Befreiung und schaut die Lotosfüße der Mahāvidyā.“

Sättigungsgebete an die Göttinnengestalten

B.7.60 „Höre nun die Sättigungsgaben, durch die Kula-Vollendung entsteht. Hundertfach mit dem Wurzelmantra sättige ich die jugendliche Kula-Göttin im Wurzellotos, in schöpferischer Freude gegenwärtig.“ Die erste Strophe trägt in der Vorlage die ungewöhnliche Nummer 11. „Mit dem Liebes-Bīja sättige ich Sandhyā, geschmückt mit dem Lichtkreis des Mūlādhāra.“ (2)

B.7.61 „Mit Kula-Stoffen sättige ich zu deiner Freude Śrīsarasvatī als Kumārī, deren Yogagestalt im Wurzellotos besteht.“ Die Nummer 2 wird wiederholt. „Im schönen Mūlādhāra-Lotos sättige ich die dreifache Gestalt, jugendliche Herrin, Geberin allen Heils, mit höchstem Nektar.“ (4)

B.7.62 „Die im sechsblättrigen großen Svādhiṣṭhāna-Lotos Leuchtende sättige ich mit dem Śrī-Bīja für Genuss und Befreiung.“ (5) „Kālikā, im Svādhiṣṭhāna in Kula-Freude und Viṣṇus Zeichen gegenwärtig, sättige ich mit ihrem eigenen Bīja und Kula-Nektar.“ (6)

B.7.63 „Die im Svādhiṣṭhāna-Lotos wohnende lichtvolle Śivā, Kula-Herrin, sättige ich mit dem Honig am Haupt der Sonnen.“ (7) Die letzte Bildformel ist unklar. „Umā-Pārvatī, mit schöner Gestalt in der Mitte des Maṇipūra-Lotos, sättige ich mit dem Māyā-Bīja.“ (8)

B.7.64 „Mālinī, von den drei Welten verehrt, im Maṇipūra-Lotos, sättige ich zur guten Einsicht meines befleckten Geistes.“ (9) „Kubjikā, die gewaltige, höchste Freude mehrende, durch den Raum gehende Göttin im Maṇipūra, sättige ich.“ (10)

B.7.65 „Die große Göttin, der Mantrapraxis zugewandte Yoginī Kālasandarbhā mit Kula-Antlitz, sättige ich.“ (11) „Aparājitā, die große Kula-Herrin, Spenderin des Śakti-Mantra, gewaltig und mit beweglicher Zunge, sättige ich.“ (12)

B.7.66 „Rudrāṇī, den großen Kaulas lieb, vollendet, Geberin von Glück in Rudras Welt, mit Rudras Strahlen und dem Honigtrank zugetan, sättige ich.“ (13) „Bhairavī, Vollendung der sechzehn Vokale, Vernichterin der Mahāraurava-Hölle, deren Geist dem großen Ritualtrank gilt, sättige ich.“ (14)

B.7.67 „Mahālakṣmī, Geberin von Gaben an die drei Welten, von einer Kette von Śrī-Bījas umgeben, Herrlichkeit des Daseins, sättige ich, Ambikā.“ (15) „Pīṭhanāyikā, Ursprung der Kraftsitze, Wohltäterin der Welten, wohl- und übelwollenden Menschen zugetan, sättige ich mit dem Ramā-Bīja.“ (16)

B.7.68 „Kṣetrajñā, die Siegreiche, Mutter von Veden, Vedāṅgas und Sonne, von Māyā umgeben, sättige ich mit Nektar.“ (17) „Ambikā, die das andere Ufer der Kula-Freude erreicht hat, mit höchstem Antlitz, die als Mahālakṣmī im Herzen wohnt, sättige ich.“ (18)

B.7.69 „Stets sättige ich dich, glückverheißende Śrīṣoḍaśī, mit den sechzehn heiligen Vokalen verbunden, auf dem weißen Lotos, auf dem mit Rubinen des Freudemeeres geschmückten Löwenthron; die Lotosfüße sind Bewusstsein und dienen dem Glück der Wissenden.“ Die Satzverbindung am Anfang ist beschädigt. (19)

B.7.70 Die zwanzigste Strophe preist die tägliche, vollständig gegliederte Sättigung als Ursprung der Wissensgabe und Weg zur höchsten Befreiung. Schädigende Feinde sollen schwinden, Könige günstig gestimmt und die Praktizierenden durch die Gesamtheit des Yoga beständig werden. Einzelne Satzverbindungen bleiben unsicher. (20)

B.7.71 „Wer diesen als Befreiung bezeichneten Sättigungstext vorträgt, erlangt achtfache Herrlichkeit und nach einem Jahr die Schau. Schon nach einem Monat Übung wird er ein großer Yogin, kann die drei Welten erschüttern und Wünsche erfüllen. Ungeteilt vorgetragen, schenkt der Text die Frucht der Sättigung; der Kumārī-Hymnus die Frucht der Verehrung. Wer weder Kumārī verehrt noch den heilbringenden Hymnus pflegt, bleibt im Paśu-Zustand und begegnet dem Tod auf Schritt und Tritt.“ Hier endet der Kumārī-Hymnus im oberen Rudrayāmala, im Gespräch Bhairavas mit Bhairavī, innerhalb der Lehre über Kula-Entfaltung, Darbringungen, vollendete Mantras und Divya-Haltung.

Kumārī-Kavaca

B.7.72 „Nun erkläre ich das heilvolle Kumārī-Kavaca namens ‚Heil der drei Welten‘, das schwere Verfehlungen tilgt. Durch Vortrag und Tragen wurden die Wesen zu großen, lichtvollen Vollendeten: Indra zum Götterherrn, Bṛhaspati zum Götterlehrer, Agni lichtvoll, Dharmarāja furchtbar, Varuṇa zum verehrten Herrn der Wasser, der große Wind zum alles Wegnehmenden; Kumāra, der Elefantenherr und Kubera, Śambhus lieber Schatzherr, sowie alle Welthüter erlangten ihre Würden.“

B.7.73 „Du bist der eine Herr, das eine Selbst, der Herr aller, rein aufstrahlend. Durch den Vortrag dieses Kavaca werden Könige zu Reichtumsherren. Praṇava und die als Māyā-Sandhyā erscheinende Satī schützen meinen Kopf; Mahāmāyā und Śrīsarasvatī den Bereich über der Stirn, Kāmākhyā-Vaṭukeśānī als Trimūrti die Stirn; Kālikā in Gestalt des Cāmuṇḍā-Bīja mein Gesicht.“

B.7.74 „Die in der Sonne Wandelnde schütze mich und beide Augen. Die Asketin von Kāma-Bīja-Gestalt schütze beide Ohren. Vāgdevī-Mālinī schütze die Zungenspitze, Kāmarūpā den Gaumen, Kubjikā die Zähne. Die Göttin als Praṇava schütze stets den Kopf, die als Śakti-Bīja und Svāhā erscheinende Ober- und Unterlippe. Mahāraudrī-Aparājitā schütze den Halsbereich; Kṣrauṃ und Rudrāṇī mit Svāhā die Kehle.“

B.7.75 „Ṣoḍaśī-Vidyā mit den sechzehn schönen Vokalen schütze das Herz, die ursprüngliche Mahālakṣmī beide Arme, Pīṭhanāyikā als Gestalt aller Mantras den Bauch, die Herzensgöttin von Vāgbhava-Wesen beide Seiten, Kaiśorī als Māyā-Bīja die Hüften und Jayantī-Yoginī mit der Kullukā beide Unterschenkel. Ambikā, die den Mantrasinn erschließt, schütze alle Glieder.“

B.7.76 „Kamalā schütze die Haarspitzen, die Menschenbezaubernde die Nasenspitze, Caṇḍikā-Kumārī das Kinn, Lalitā das Herz, die Bergbewohnerin den Rücken, die dreifache Śakti Ṣoḍaśī die verborgenen Körperbereiche. Am Verbrennungsplatz schütze Ambikā, in der Gaṅgā Bhairavī, im leeren Haus die fünf Mudrās umfassende Offenbarerin von Mantra und Yantra, an der Wegkreuzung die Vajra-Trägerin.“

B.7.77 „Die auf dem Leichnam sitzende Caṇḍā mit Schädelkranz, die Herrin von Śakti-Gestalt, schütze mich beim Liṅga. Im Wald schütze Mahābālā, in der großen Wildnis die Kampffreudige, in großen Gewässern, Teichen und unter Feinden Sarasvatī, auf dem Weg durch den großen Raum Pṛthvī und stets Śītalā. In der Schlacht schütze Rājalakṣmī-Kumārī, die Kula-Geliebte; Ardhanārīśvarā und die Erde meine Fußsohlen.“

B.7.78 „Neunhunderttausend Mahāvidyās in Kumārī-Gestalt, wie zehn Millionen Sonnen strahlend und wie zehn Millionen Monde kühl, schützen mich als gabenspendende Vāṇī, Vaṭukeśvaras Gefährtin.“ Damit sei das wunderbare Kavaca der Kula schenkenden Kumārī erklärt, das den Sinn der fünf Prinzipien erschließt.

B.7.79 Der Text verheißt dem, der mit den fünf Prinzipien, Hymnus und Kavaca verehrt, das Wandeln im Raum, einen vajrafesten Leib, alle Vollendungen, Yoga und Erkenntnis. Im Streit, im Rechtsverfahren, im Kampf, im Kula-Kreis, auf der Straße, am Verbrennungsplatz und beim Entstehen yogischer Kräfte bringe sein Vortrag Erfolg. Als glückverheißendes, Einfluss schenkendes Kavaca verleihe es überall Sieg.

B.7.80 „Der tugendhaft Gelübdetreue, der es täglich vorträgt, wird ein begünstigter Entsagender. Kumārī, die vollendete Vidyā, schenkt höchste Vollendung. Wer vorträgt oder hört, wird einem Wunschbaum gleich. Genuss, Befreiung, Zufriedenheit, Kräftigung, Königsglück und Wohlstand werden erlangt. Wer es trägt, siegt; der Wissende verwirklicht das Unmögliche. Es schenkt den Kula-Angehörigen großes Glück und die vier Lebensziele.“

B.7.81 Die Quelle unterscheidet tägliche Yoginī-Verehrung am Tag und Kumārī-Verehrung in der Nacht und verbindet besondere Darbringungen mit Einfluss auf die drei Welten. Genannt werden Fleisch, Fisch, Mudrā-Speise, vielfältige Speisen, Duftstoffe, Girlanden, Gold- und Silberschmuck und gute Gewänder. Verehrung, Rezitation, Sättigung, Opfer, Gaben, Askese und Hymnenvortrag sollen bei ungeteilter Haltung rasche Vollendung und Königswürde schenken. Die verschiedenen Bedeutungen von Kumārī und die altersbezogenen Regeln werden in diesem Textabschnitt nicht eigens auseinandergelegt.

B.7.82 Das Kavaca wird auf Birkenrinde geschrieben und getragen. Als Zeiten nennt die Quelle Samstag oder Dienstag, den achten oder neunten Mondtag, den vierzehnten oder Vollmond, besonders die dunkle Mondhälfte; die Aussagen bilden keine einzige gleichzeitig erfüllbare Kalenderkombination. Der Schreibende blickt nach Norden. Selbst schwere Verfehlungen sollen dadurch vergehen. Frauen tragen es am linken Arm für Heil, Kinder und Wohlstand; Männer am rechten für einen göttlichen, dem Fünfgesichtigen gleich strahlenden Leib.

B.7.83 „Danach gelangt man krankheitsfrei und windesschnell in Śivas Welt, durchdringt den Sonnenkreis und erreicht höchste Befreiung. Wer dieses aus dem Ozean der Freude entstandene, heilvolle Kavaca vorträgt, das Glück schenkt, Furcht nimmt und Hingabe an die heiligen Füße weckt, überwindet die furchtbare Befleckung des Kali-Zeitalters und gelangt augenblicklich zur Befreiung.“ Hier endet das Kumārī-Kavaca im oberen Rudrayāmala, innerhalb der Mahātantra-Entfaltung, der Darbringungslehre, des Kavaca-Ullāsa, der vollendeten Mantras und der Bestimmung der inneren Haltung.

B.7.84 Wer dazu fähig ist, soll außerdem die im zehnten Kapitel gelehrten tausend Namen der Kumārī vortragen. Der Kompilator nimmt sie aus Sorge vor zu großem Umfang hier nicht auf.

Lob der Brahmanen

B.7.85 Im ersten Kapitel des dritten Abschnitts des Matsyasūkta heißt es: „Brahmanen sind eine wandelnde heilige Stätte, ohne Wasser und zu jeder Zeit zugänglich; durch das Wasser ihrer Worte werden befleckte Menschen rein.“ Das dreizehnte Kapitel des ersten Yoginītantra-Teils sagt: „Der Brahmane umfasst alle Götter, hat das Wesen Brahmās, Viṣṇus und Śivas, stammt aus Brahmans Licht und ist nicht bloß gewöhnlich. Wo Brahmanen essen, isst Hari selbst, ebenso Brahmā, Rudra, himmlische Wesen, Ṛṣis, Weise, Ahnen und alle Gottheiten. Deshalb soll man ihn nicht verachten.“

B.7.86 Das siebte Kapitel fordert die Ehrung des Brahmanen, ob gelehrt oder ungelehrt. „Ist er zufrieden, sind die Götter zufrieden; ist er unzufrieden, sind auch wir es. Selbst wenn er hundert ungehörige Handlungen begeht, soll der um sein eigenes Wohl Bemühte ihm nicht feindlich werden und ihn nicht verachten. Er ist das Selbst aller Götter und unmittelbar lichtvoll.“ Diese Vorrangstellung wird als historische Standeslehre wiedergegeben.

B.7.87 Das dreizehnte Kapitel nennt Brahmane, Kumārī, Śakti, Feuer, heilige Überlieferung und Kuh als Gegenstände beständiger göttlicher Verehrung im Land des Handelns. Das siebte Kapitel des Bṛhannīlatantra preist die Versorgung eines Lehrers, damit er Brahmanen unterrichten kann: „Was hätte der nach Dharma, Wohlstand und Wunscherfüllung Strebende damit nicht gegeben? Erkenne dies als allseits anerkanntes, überaus großes Verdienst.“ Das Yoginītantra warnt anschließend vor dem schwer abzuwehrenden Fluch eines Brahmanen.

B.7.88 „Das Wort eines Brahmanen ist ein Vajra.“ Im dreizehnten Kapitel heißt es: „Für den von einem Brahmanen Verfluchten liegt Abhilfe fern. Gegen Takṣakas Schlangenbiss kann rasch ein Mittel gefunden werden, gegen einen Brahmanenfluch erst am Ende eines Kalpa.“ Die anschließende Zeitbestimmung setzt einen Kalpa im Kali-Zeitalter mit dreihundert Jahren gleich. Die Nachkommen seien bis zur siebten Generation vielfältigen Bedrängnissen ausgesetzt. Deshalb wird erneut vor Verachtung gewarnt. Hier endet das Lob der Brahmanen.

Die Pilgerreise

B.7.89 Im zweiten Kapitel des mittleren Yoginītantra-Teils spricht der Erhabene: „Nach den täglichen Pflichten im eigenen Haus verehre man hingebungsvoll die Ahnen samt den Nāndīmukha-Ahnen und trete erst dann die Reise an. Venus stehe nördlich, die günstigen Planeten seien förderlich. Mit Erlaubnis von Guru und Eltern und besonders der Brahmanen speise man sieben Brahmanen und breche auf.“

B.7.90 Die Reiseastrologie verbietet den östlichen Kraftsitz bei Löwe, Schütze und Widder; den Westen bei einer beschädigten Reihe, die zweimal Wassermann und einen als Manmatha bezeichneten Eintrag nennt; den Süden bei Stier, Jungfrau und Steinbock; den Norden bei Krebs, Skorpion und Fische. Südosten wird bei Schütze, Stier und Jungfrau gemieden, Südwesten bei Steinbock, Krebs und Fische, Nordwesten bei Wassermann, Widder und Schütze, Nordosten bei Löwe, Fische und Krebs. Diese Hinderniskombination heißt Śūla.

B.7.91 Die folgende Yoginī-Regel nennt ungünstige Wochentage und Richtungen: Samstag Osten, Sonntag Westen, Mittwoch Süden, Dienstag Norden, Montag Südosten, Donnerstag Südwesten, Freitag Nordwesten, Samstag und besonders Montag Nordosten.

B.7.92 Als ungünstige Mondtage folgen: erster und neunter für Osten; sechster und vierzehnter für Westen; fünfter und dreizehnter für Süden; zweiter und zehnter für Norden, den Bereich des Yakṣa-Herrn; siebter und Vollmond für Nordwesten; achter und Neumond für Nordosten. Der Pilger solle der jeweiligen Yoginī nicht entgegengehen.

B.7.93 Weitere Verbote verbinden Mondtage mit astrologischen Yogas: am ersten Viṣkumbha, Prīti und Āyuṣmān; am zweiten Saubhāgya, Śobhana und Atigaṇḍa; am dritten Sukarman und Dhṛti; am vierten Gaṇḍa, Vṛddhi, Dhruva und Vyāghāta. Zum fünften steht lediglich eine Schädigungsbezeichnung, keine sicher lesbare Yoga-Zuordnung. Am sechsten werden Vajra, Siddhi und Vyatīpāta, am siebten Varīyān und Parigha, am achten Śiva, Siddhi und Sādhya, am neunten Śubha und Śakra, am zehnten Brahmā, am elften Aindra und am zwölften Vaidhṛti gemieden. Die Namen Siddhi und Śakra/Aindra erscheinen in abweichender beziehungsweise wiederholter Zuordnung.

B.7.94 Kṛttikā am ersten und Jyeṣṭhā am zweiten Mondtag gelten als ungeeignete Reisekonstellationen. Bei reisefeindlichen Sternbildern soll nicht aufgebrochen werden; die Prüfung der Karaṇas wird dagegen hier nicht als eigenes Hindernis behandelt. Geburtsmonat, Geburtstag, Geburtsstern sowie achter und neunter Mondtag sollen gemieden werden.

B.7.95 Für dringliche Reisen werden Tageszeiten genannt: nach Westen in der Morgendämmerung, nach Osten zur abendlichen Kuhstaubzeit, nach Süden mittags, nach Norden nachmittags, nach Nordosten nachts, nach Südwesten an den beiden Dämmerungen, nach Südosten mittags und nach Nordwesten morgens. Förderliche Yogas, beginnend mit Vāruṇa, können entsprechend genutzt werden; Geburtstag, achter und neunter Mondtag bleiben ausgeschlossen.

B.7.96 Für den rituellen Reisebeginn gelten besondere Blickrichtungen: Bei einer Reise nach Osten blickt man zunächst nach Norden, nach Westen zunächst nach Osten, nach Süden zunächst nach Westen, nach Norden zunächst nach Süden. Als günstige Zeichen rechts werden Blüten, Yāvaka – möglicherweise Gerste oder roter Farbstoff –, Muschel, Trommel, Brahmanen, Könige, Kühe, Schirm, Wagen und Fahrzeuge genannt.

B.7.97 Ebenfalls rechts günstig seien gekochte Speise, ein Fleischstück, Speisegefäße und Tiere, Erdklumpen und Aasfresser; einige Wortverbindungen sind unsicher. Links gelten Mädchen, Paare, Kurtisanen, Frauen mit vollen Krügen sowie sich bewegende Vögel und Tiere als günstig. Joghurt und Früchte vor dem Reisenden bringen Heil. Paarweise ziehende Kraniche und Pfauen gelten als Erfolgszeichen, andernfalls als Hindernis. Ziehen Geier, Falken oder Weihen seitlich vorbei oder ertönt hindernde Rede, soll die Reise unterbleiben.

Āgastya, Gayā und Ahnengaben in Kāmarūpa

B.7.98 Das fünfte Kapitel beschreibt nach dem Janārdana-gekennzeichneten Berg in Kāmarūpa einen heiligen Bezirk zwischen Bergen, Viraja und einem westlichen hellen Liṅga. Die genaue Grenzbeschreibung ist knapp und beschädigt. Der Bezirk heißt Āgastya und wird mit dreihundert Maßeinheiten angegeben; die Einheit fehlt. „Erkenne dies als Gayā, das Übrige heißt Lohitya. Durch Piṇḍa-Gaben dort erlangen die Ahnen das höchste Ziel.“

B.7.99 Eine wohlschmeckende Speisekugel wird in Janārdanas Hand dargebracht: „Diesen Piṇḍa gebe ich in deine Hand, Janārdana. In der anderen Welt wirst du ihn mir, Herr, zurückgeben.“ Acht Bogenmaße östlich eines Kaliśeṣa genannten Ortes liegt ein Stein zur Rettung der Ahnen aus dem Totengeisterzustand. Wer dort Piṇḍa darbringt, soll niemals zum Preta werden.

B.7.100 Zwei Bogenmaße südöstlich von Cakratīrtha liegt das bewegliche beziehungsweise Lola genannte Liṅga, eine höchste heilige Stätte; dort wird mit Sesam und Milch gesättigt. Nach dem Anblick Janārdanas wird man von den drei Schulden frei. Für den Übergang von Dvāpara zu Kali wird ein von Śukra aufgestelltes Liṅga namens Śukreśvara genannt; eine Entfernungsangabe von einem halben Bogenmaß ist nur knapp angeschlossen.

B.7.101 „Wer könnte nach dem Anblick Śukreśvaras nicht von Bindung frei werden? Goleśvaras Anblick tilgt Brahmanentötung. Wer Aṅgāreśa, Siddheśa, Gajāditya, Gaja und Mārkaṇḍeyeśvara schaut, wird von der Ahnenschuld frei. Nach Bad und Anblick Gayā-Goleśvaras und Janārdanas – welches gute Werk wäre dadurch nicht vollzogen? Einundzwanzig Vorfahren werden in Brahmās Welt geführt.“

B.7.102 „Alle heiligen Stätten der Erde, Meere und Seen kommen täglich einmal nach Cakratīrtha. Auf Erden ist Gayā heilig, in Gayā der Brunnen; achtmal höher als dieser steht Mātṛgayā. Ein Sohn, der Mātṛgayā erreicht, wird augenblicklich von der Mutterschuld frei; durch Piṇḍa in Gayā von der Ahnenschuld. Gayā ist die Vollendung von Piṇḍa-Gabe und Wallfahrt.“

B.7.103 „Wer im großen Āgastya-Bezirk einen Piṇḍa für sich selbst darbringt, dessen Lebenszeit wächst um ein Jahr und zwei Monate.“ Solange die Eltern leben, soll ein Sohn ihre Totenriten nicht vollziehen. Danach nennt der Text Menschen mit vielen Söhnen, einem Sohn, einem dem Yoga hingegebenen oder seit Geburt schwer hautkranken Sohn sowie Kinderlose. Nach dem vierzigsten Jahr können sie ihre eigenen vorausnehmenden Totenriten vollziehen.

B.7.104 Eine eigenhändig vollzogene Stierfreilassung und vorausnehmende Totenzeremonie gelten nach dem Tod als unvergänglich. Bei einem lebenden Ehepaar werden zwei Stierfreilassungen genannt. Nochmals wird untersagt, dass der Sohn die Totenriten lebender Eltern vollzieht.

B.7.105 Zur Gayā-Reise werden zunächst vorschriftsmäßiges Śrāddha, das Anlegen einfacher Pilgerkleidung und eine Rechtsumwandlung des Dorfes vorgeschrieben. Im nächsten Dorf wird der Rest der Śrāddha-Speise gegessen; danach geht man weiter, ohne Geschenke anzunehmen. „Schon jeder Schritt, jede Elle vom Haus in Richtung Āgastya, ist für die Ahnen eine Stufe zum Himmel.“ Dort kann Śrāddha bei Tag oder Nacht vollzogen werden.

Fleischgaben und widersprechende Speiseregeln

B.7.106 Die Quelle warnt zunächst, ein fleischloses Śrāddha oder eines ohne Viṣṇu-Verehrung lasse die Ahnen enttäuscht und fluchend fortgehen. Bei einem Śrāddha mit ungekochten Gaben wird rohes Fleisch genannt. Danach heißt es, wer ein Śrāddha mit Fleisch vollzieht, selbst aber fleischlos isst, gelange mit den Ahnen in die Tāmisra-Hölle. Unmittelbar anschließend unterscheidet der Text jedoch: Wer fleischlos lebt, soll ein fleischloses Śrāddha vollziehen; Fleischessende eines mit Fleisch. Die Spannung der Aussagen wird nicht geglättet.

B.7.107 Auch das sechsundzwanzigste Kapitel des Matsyasūkta verlangt Fleisch für das jährliche Śrāddha und preist es für Festtags- und Gayā-Śrāddha. Wallfahrts-Śrāddha und Nāndīmukha sollen dagegen fleischlos sein. Wer nach einem fleischlosen Śrāddha selbst Fleisch isst, dessen Ahnen gingen unter heftigem Fluch enttäuscht fort. Eine weitere, sprachlich gestörte Regel wertet die Speisung von Brahmanen bei von Śūdras veranstalteten Śrāddha-, Opfer- oder Festhandlungen ab und vergleicht sie mit dem Essen von Unrat.

B.7.108 Als Fleischgaben werden Büffel, ein großer Ziegen- beziehungsweise Wildtyp, Antilope, Camara-Tier, Waran, Schildkröte, Stachelschwein, Hase, Hausschwein, Wildschwein und Schaf genannt. Außerhalb des Kali-Zeitalters werden außerdem Rind und Hund genannt. Ziegen mit mangelhaften Sinnesorganen oder nichtschwarzer Farbe sollen gemieden werden. Diese Aufzählung dokumentiert historische Opferkost.

B.7.109 Die Dauer der Ahnensättigung wird unterschiedlich angegeben: schwarzes Ziegenfleisch und eine als Mārga überlieferte Wildart sechs Jahre; Camara hundert Jahre; Waran tausend Jahre. Es folgen sechs Monate ohne sicher angeschlossene Tierart, ein Monat für Schildkröte, sechs Monate für Schwein, neun für Hase und zweiundzwanzig für eine als Śālvaka überlieferte Art und kleines Wildschwein. Camara wird nochmals mit hundert Jahren genannt. Die Zuordnungen sind teilweise beschädigt.

B.7.110 Übermäßig großes Fleisch soll gemieden werden; eine unklare Größenbestimmung nennt vier oder sechs Männer. Für Büffel, Rind, Wildschwein, Wild und die große Ziegenart wird Größe dagegen gebilligt. Es folgen weitere erlaubte und verbotene Tierbezeichnungen, darunter Nashorn und fünfkrallige Tiere; die Verbindungen mit Taube, viergesichtiger und nichtgroßer Form sind beschädigt. Waran, ein „goldenes Nashorn“, schwarzer Camara und eine Schildkröte mit Radzeichen werden in einer Verbotsreihe genannt.

B.7.111 Für Fischgaben nennt die Quelle Siṃhatuṇḍa, Rohita, Rājīva, Citraka, Mahāśaṅka, Prauṣṭhika, Gebirgsfisch sowie große Rohita-, Prauṣṭhika-, Śalla- und Citra-Arten. Schuppenlose und schlangenförmige Fische werden ausgeschlossen; unter den schuppenlosen werden zwei gepanzerte Arten ausgenommen. Weitere unsichere Namen, missgestaltete, schlangenmäulige, besonders fette und Vaḍālī genannte Fische werden gemieden.

B.7.112 Nicht verwendet werden sollen rauchgereifte Bananen, von Insekten befallener Zucker, Büffelbutterschmalz, Büffelmilch und Ziegenmilch. Kokosnuss, Palmfrucht, Dattel, Pīnaka, Buttermilch und Milch ohne Butterschmalz erscheinen in einer weiteren Verbotsreihe. Licht mit Stoffdocht und unmittelbar verwendetes Öl, Saflor, Nālikā-Gemüse und Mālatī-Blüten werden ausgeschlossen; beim freudigen Vṛddhi-Śrāddha außerdem Lotos und Oleander.

B.7.113 Speise wird in Gefäßen gleicher Art gegeben, zuerst für die Gottheiten, dann für die Ahnen. Ahnenreste dürfen niemals den Gottheiten gegeben werden. Bei ungekochtem Śrāddha ohne Feuer soll die Speise nicht gewaschen werden; bei Vṛddhi, Sonnenübergang und Finsternissen dagegen schon. Der Kompilator bemerkt, diese Aussage werde auch vom Smṛti-Ausleger angeführt. Die Gabe an den Brahmanen beträgt acht Handvoll, nicht mehr und nicht weniger; eine verbindende Formulierung ist beschädigt.

B.7.114 Śrāddha auf einem schönen Lotosblatt schenke über hundert Jahre Sättigung; Aśvattha- und Brahmablatt sechs Monate, ein hundertblättriger Lotos unbegrenzte Sättigung. Kupfergefäße gewähren einen Monat, Gold ein Jahr, Silber das Zehnfache, ein Nashorngefäß über hundert. Am Todestag werden gleiche Gefäßarten verwendet, bei Pārvaṇa und Vṛddhi auch verschiedene.

B.7.115 Reis soll bis zu einem Jahr alt verwendet werden; älterer wird für Gelübde und Śrāddha gemieden. Regenzeitgetreide, im Śrāvaṇa gewachsener Sesam und zweimal gekochte Speise werden bei Opfer und Śrāddha ausgeschlossen.

B.7.116 Als geeignete Getreidesorten nennt der Text Ṣaṣṭi, Rājadhānya, Bṛhaddhānya, Vallabha, Soma, Śīghra, Vaṅgāni beziehungsweise einen beschädigten Sortennamen, Raktapāṇika, Ketakī, Kalaviṅka, Nārāyaṇa, Mādhava, Pradīpa, Viṣṇu, nochmals Vallabha, Bhoga, Aśoka und eine fünfteilige Nāga-Gruppe. Diese alten Sortennamen werden nicht mit unsicheren modernen Züchtungen gleichgesetzt. Weizen, Gerste, daraus bereitetes Gebäck, Wildreis und Devadhānya werden ebenfalls genannt.

B.7.117 Im Frühling gepflanztes Getreide soll gemieden werden; sein Genuss übertrage Schuld. Śrāvaṇa-Reis bringe Armut, Soma-Getreide verlange das Cāndrāyaṇa-Sühnegelübde, altes beziehungsweise Bṛddha genanntes Getreide bringe Gedeihen. Rāja- und Ślakṣṇa-Getreide führen in Viṣṇus Welt, roter Reis zu Sieg und Glück. Nārāyaṇa-, Mādhava- und Bhoga-Sorten werden nochmals genannt; eine anschließende Angabe von dreizehn Sorten verheißt Ruhm, ohne die Zählung eindeutig anzuschließen. Die positive und negative Bewertung des Alters sowie der Soma-Sorte bleiben als Unterschiede der Quelle erkennbar.

B.7.118 „Ein zum Śrāddha eingeladener Brahmane, der nicht erscheint, gelangt mit seinen Ahnen in eine furchtbare, langwährende Hölle.“ Hier endet die Darstellung von Pilgerreise, Śrāddha und verwandten Themen.

Die Größe Kāśīs

B.7.119 Im sechzehnten Kapitel des ersten Yoginītantra-Teils folgt nach der Erzählung vom Kampf mit Tripurāsura und dem Lob der besiegten Götter Śivas Rede: „Ich machte die Erde zum Wagen, Sonne und Mond zu Rädern, Brahmā zum Wagenlenker, die Veden zu Seilen, die Götter zu Wagenteilen, den Sumeru zum Bogen und Vāsuki zur Sehne. Die ganze bewegliche und unbewegliche Welt wurde auf den Wagen gebracht; Viṣṇu wurde zum Pfeil. So verbrannte ich Tripura mit Beweglichem und Unbeweglichem, Göttern und Dämonen zu Asche. Danach schuf ich die Welt erneut.“

B.7.120 „Wo diese ganze Welt verbrannt wurde, erkenne den großen Verbrennungsplatz, Grund der Auflösung aller. Dort blieb der Glanz aller verstorbenen Gottheiten und der Welten in einem fünf Krośa umfassenden Bezirk bestehen. Durch Māyā nahm ich einen Leib an, trug Tripuras Asche auf der Brust und pries dort unter dem Vorwand des Todes die höchste Herrin, Mahākālī als reines Bewusstsein in jenem Licht.“

B.7.121 „Im Licht erschien Kālī als höchste Kraft. Der in großer Helligkeit strahlende Glanz wird Kālī genannt. Nur Mahākālīs Antlitz wurde darin sichtbar; deshalb besingen die Weisen den Ort als Gaurīmukha, Gaurīs Gesicht. Sein Anblick schenkte mir Freude; deshalb nennen ihn die Götter Ānandakānana, Wald der Seligkeit.“

B.7.122 „Der gesamte Glanz wurde ganz Kālī. Wie ein aus dem Meer entstandener Tropfen wieder Meer wird, so wurde das Licht der Götter zu Kālīs Licht. Wie jedes Wasser, das in die Gaṅgā fließt, Gaṅgā wird, so wurde alle Strahlkraft vollständig Kālī; kein Unterschied bleibt. Deshalb ist Kāśī gewiss Kālī selbst.“

B.7.123 „Fünf Krośa umfassend, aus Brahmans Licht bestehend, erscheint Kāśī allen Menschen halbmondförmig. Diese Kāśī ist deine Kraft, frei von Schwinden und Entstehen. Darin leuchtet Maṇikarṇī als Bindu. Die Gaṅgā erkenne als ihren Mondnektar; alle heiligen Stätten in dieser Kālī sind Nektar.“

B.7.124 „Tag und Nacht trage ich diese Mondkraft auf meinem Kopf; deshalb bin ich Śaṅkara, der Heilbringende. Diese fünf Krośa umfassende Kālī auf dem Haupt tragend, verehre ich sie unablässig in höchster Freude. Deshalb bin ich Viśveśvara, Herr des Alls. Der Herr Brahmās, Viṣṇus und der übrigen ist Viśveśvara, kein anderer. Ganz von Seligkeit erfüllt verehre ich stets die Höchste. Da erwachte ihre Gnade für die Verkörperten.“

B.7.125 Die Göttin sprach: „Gott, höchste Seligkeit, du hast mir Freude bereitet. Deshalb schenke auch du stets denen Freude, die in Kāśī sterben.“ Śiva antwortet in seiner Erzählung: „Nach diesen Worten versank ich im Nektarozean. Dem Sterbenden gebe ich das höchste Brahman ins Ohr. Stets in Vārāṇasī verweilend, betrachte ich die Höchste.“

B.7.126 „Wer in Vārāṇasī stirbt, im Wasser, an Land oder im Raum, dem gebe ich das höchste Brahman ins Ohr. Alles gute und schlechte Karma zurücklassend, erreichen sie durch meine Unterweisung augenblicklich Brahman-Nirvāṇa. Durch Mahākālīs Gnade und Erkenntnisyoga wird ihr gesamtes Handeln zu Asche.“

B.7.127 „Was mit Kāśī verbunden wird, wird augenblicklich Kāśī. Schon ihre Berührung führt dazu, dass man in diesem oder einem späteren Leben dort stirbt – wahrlich, immer wieder wahrlich. Wie Feuer bei Berührung Baumwolle verbrennt, so verbrennt der Glanz Kāśīs das Karma. Wie Feuer einen Baumwollhaufen in kurzer Zeit verzehrt, so verbrennt eine einzige Geburt in Kāśī die angesammelten Handlungen.“

B.7.128 „Was soll ich noch von Kāśīs Verdienstfülle sagen? Frauen wie du und Männer wie ich, aus Eiern, Feuchtigkeit, Erde oder Mutterleib geborene Wesen – alle erlangen Befreiung, wenn sie durch günstiges Geschick in Kāśī sterben.“

B.7.129 „Dieses heilvolle Vārāṇasī besteht aus großer Lichtkraft. Entsprechend den Weltaltern sehen die Menschen es vierfach: im Kṛta-Zeitalter aus Edelsteinen, im Tretā aus Gold, im Dvāpara aus Stein, im Kali aus Erde. In den drei Welten gibt es keinen höheren heiligen Bezirk. Wahrlich, ich beschwöre es, große Göttin!“

B.7.130 „Wer tief im Daseinskreislauf steht und Befreiung ersehnt, suche bei mir Zuflucht und wohne beherrscht in Kāśī. Er ist wissend und Reiniger seines Geschlechts, selbst wenn er als gefallen gilt. Auch am Lebensende soll der Zweimalgeborene Kāśī nicht verlassen. Wer sie töricht verlässt, nachdem er sie erreicht hat, wird als Narr und Verderber seines Geschlechts bezeichnet. Hat man sie durch das Verdienst vieler Geburten erreicht, soll man sie niemals aufgeben.“

B.7.131 „Wer ohne Mühsal den Ozean des Daseins überqueren möchte, gelange auf irgendeine Weise in meine Stadt Vārāṇasī. Annapūrṇā gibt Nahrung, Sarasvatī gibt Erkenntnis, und ich schenke am Lebensende Befreiung. Was bedarf es in Kāśī noch weiterer Sorge?“

B.7.132 Der Kompilator erklärt, dass er das Lob von Vṛndāvana, Kāñcī und weiteren Stätten aus Sorge vor zu großem Umfang nicht aufnimmt. Wer es sucht, soll im fünfzehnten und weiteren Kapiteln des ersten Teils des Yoginītantra nachsehen.

B.7.133 Hier endet in der Śrīprāṇatoṣiṇī das fünfte Buch namens Bhaktikāṇḍa, das sieben Lehrabschnitte umfasst.


Anregung zur Betrachtung

Hingabe als aufmerksame Beziehung

Die vielen Gottheitsgestalten können dazu anregen, eine vertraute Form der erwählten Gottheit mit neuer Aufmerksamkeit zu betrachten. Welche Eigenschaft spricht mich an: Weisheit, Schutz, Mitgefühl oder Mut? Nach einer kurzen stillen Betrachtung lässt sich fragen, wie diese Qualität heute im Umgang mit einem anderen Menschen sichtbar werden könnte. Diese Anregung verbindet Lektüre und Alltag; sie ersetzt keine besondere Ritualunterweisung.

Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung

Grundlage ist der bereitgestellte elektronische Sanskrittext der Prāṇatoṣiṇī des Muktabodha Indological Research Institute, M00060 sowie der Bhakti-Anschluss in M00061, jeweils in IAST und Devanagari. Die elektronische Ausgabe beruht auf der von Jīvānanda Vidyāsāgara herausgegebenen Druckausgabe, Kalkutta 1898; ihre Betreuung wird Mark S. G. Dyczkowski zugeschrieben. Quellen- und Lizenzhinweise: Muktabodha Digital Library, CC BY-NC 4.0. Historische Einordnung und Literatur stehen unter Pranatosini Tantra.

Die Kennzeichnungen B.V und B. sind redaktionelle Leseabschnitte, keine vorgegebene durchgehende Verszählung. Die Inhaltsübersicht kündigt sieben Kapitel an. Der erste erhaltene Abschnitt endet mit dem Gaṇeśa-Hymnus und geht ohne eigenen Kapitelkolophon zur Bāṇaliṅga-Lehre über. Ein angekündigter Gaṇeśa-Schutztext und eine eigene Ursprungserzählung des Buchstaben-Lambodara sind an dieser Stelle nicht erkennbar; fehlender Text wird nicht ergänzt. Die Mahāgaṇapati-Upaniṣad wird nach den Lesarten dieser Sammlung übersetzt, einschließlich ihrer Abweichungen von anderen verbreiteten Fassungen. Lokale Unsicherheiten sind gekennzeichnet. Der vorhandene Sanskrittext dieses Buches ist vollständig übersetzt; die dokumentierte Lücke wird nicht ergänzt.

Zwischen dem Ende von M00060 und dem Anschluss in M00061 besteht eine Überlieferungslücke. Die angekündigte Śālagrāma-Lehre des vierten Abschnitts ist deshalb nicht vollständig zugänglich. Der Anschluss beginnt mit den Kennzeichen der Dvārakā-Steine. Aus dem vorliegenden Bestand lässt sich keine Vollständigkeit des historischen Gesamtwerkes ableiten.

Siehe auch

Seminare

Kundalini Yoga

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Maik Hofmeister, Jeannine Hofmeister

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