Holika Puja und Holika Dahan – Schutzgebet und Feuerfeier vor Holi
Holika Puja und Holika Dahan – Schutzgebet und Feuerfeier vor Holi ist die Verehrung am Holi-Feuer, mit der Familien und Festgemeinschaften um Schutz vor Angst und um Wohlergehen bitten. Im Mittelpunkt steht Prahlada, das Kind, das trotz der Gewalt seines Vaters Hiranyakashipu an Vishnu festhält: Während die Figur Holikas verbrannt wird, wird seine Figur vor dem Anzünden gerettet. Die hier beschriebene nordindische Festfolge gemäß Drik Panchang beginnt mit einer Puja am noch unentzündeten Holzstoß, führt über Blüten- und Getreidegaben sowie die Umwindung mit Baumwollfaden zum Verbrennen Holikas und endet mit dem Teilen gerösteter Körner als Prasad. Sie wird einmal jährlich am Abend vor dem Farbenfest Holi auf einem geeigneten Platz im Freien gefeiert.

Anlass, Vorbereitung und Bedeutung
Zeit und Ausführende
Der Festtermin richtet sich nach Phalguna-Purnima, dem Vollmond des Monats Phalguna. Für die Entzündung ist grundsätzlich Pradosha, die Zeit nach Sonnenuntergang, vorgesehen; die genaue Muhurta hängt von der örtlichen Tithi und der Bhadra-Zeit ab. Bestimme sie für den Veranstaltungsort anhand eines aktuellen Panchanga. In der Zeitwahl von Drik Panchang hat ein Vollmondabend nach Ende von Bhadra Vorrang; erforderliche Ausnahmen werden dort eigens berechnet. Die Puja geht der Entzündung voraus.
Diese Feier gehört zur nordindischen Holi-Überlieferung. Die Anleitung setzt keine persönliche Einweihung voraus und beschreibt die Beteiligung von Familien und Festgemeinschaften. Eine mit der Folge vertraute Person kann die Rezitation anleiten; bei einer Tempel- oder Gemeindefeier führt die dort verantwortliche Person beziehungsweise der Priester durch die Zeremonie. Alle können zuhören, mitbeten und Gaben beisteuern. Für den Holzstoß und das Entzünden wird eine erfahrene erwachsene Person bestimmt.
Warum wird Holika zunächst verehrt?
Das Gebet richtet sich an Holi als ein Wesen, von dem Schutz und Wohlergehen erbeten werden. Die folgende Verbrennung vergegenwärtigt dagegen das Ende der bedrohlichen Holika und Prahladas Bewahrung. Beide Motive gehören zur hier dargestellten Festform. Prahlada wird als Beispiel für Bhakti, für Vertrauen und unerschütterliche Hingabe, geehrt.
Materialien
Bereite für die Puja einen Teller, ein kleines Wassergefäß, sauberes Wasser und eine kleine Auffangschale vor. Hinzu kommen ungebrochene Reiskörner, Blüten, rotes Ritualpulver, Duftstoff beziehungsweise Räucherwerk, naturbelassener Baumwollfaden, Kurkumastücke, ganze Mungbohnen, eine Kokosnuss und eine kleine Geldgabe als Dakshina. Zum Fest gehören auch Zuckersüßigkeiten und Farbpulver. Wenn verfügbar, kommen reife Körner der neuen Ernte, etwa Weizen oder Kichererbsen, hinzu. Für das Rösten und Verteilen werden ein sauberes hitzefestes Gefäß, geeignetes Werkzeug und Schalen benötigt.
Für den traditionellen Aufbau werden ein Holzpfahl, trockenes unbehandeltes Brennholz, Figuren von Holika und Prahlada sowie aus getrocknetem Kuhdung geformte Perlen und Schmuckgirlanden verwendet. Diese heißen regional Gulari, Bharbholiye oder Badkula. Die Figuren können ebenfalls aus diesem Material bestehen. Vier einzelne Perlen werden für die spätere Entnahme bereitgehalten. Die Formen von Sonne, Mond, Sternen, Schilden und Schwertern sind Schmuck des Festaufbaus.
Platz und Aufbau – Sthapana
Wähle einen zulässigen Feuerplatz im Freien mit Abstand zu Gebäuden, Bäumen und Zuschauenden; halte Löschwasser bereit. Ein Festfeuer gehört nicht in eine Wohnung. Reinige den Platz vor dem Aufbau. Traditionell wird der Boden mit Kuhdung bestrichen und mit Gangeswasser besprengt. Auf einem befestigten Veranstaltungsplatz sind gründliches Reinigen und Besprengen mit sauberem Wasser eine heutige praktische Anpassung.
Stelle den Holzpfahl in die Mitte und errichte darum einen standsicheren, überschaubaren Holzstoß mit den trockenen Girlanden und Schmuckformen. Bringe Holika und Prahlada so an, dass Prahladas Figur vor dem Anzünden mühelos abgenommen werden kann. Der Gabenteller steht vor dem Aufbau außerhalb der späteren Feuerfläche. Die Gaben an Ganesha, Ambika, Narasimha und Prahlada können auf dieser sauberen Unterlage niedergelegt werden; richte dich dabei innerlich jeweils an die genannte Gestalt.
Lies die Mantras vor Beginn durch. Die Sanskritform des Sankalpa enthält Felder für Region, Ort, Jahr, Wochentag, Gotra und eigenen Namen. Amuka bedeutet „der/die betreffende“ und wird durch die eigene Angabe ersetzt. Das Gotra ist die überlieferte Abstammungslinie, nicht einfach der Familienname. Wer kein Gotra kennt oder außerhalb des im Sanskrit genannten indischen Kulturraums feiert, kann den Vorsatz in der unten angegebenen deutschen Form mit den tatsächlichen Orts- und Datumsangaben sprechen. Die Quelle erlaubt ausdrücklich Gebete in der eigenen Sprache.
Durchführung
1. Sich und die Gaben reinigen – Pavitrikarana
Sitze vor dem Aufbau mit dem Gesicht nach Osten oder Norden. Besprenge dich und den Gabenteller leicht mit Wasser. Sprich die Anrufung bei insgesamt drei Besprengungen dreimal:
oṃ puṇḍarīkākṣaḥ punātu |
Übersetzung: Om. Möge der Lotusäugige, Vishnu, reinigen.
2. Den Vorsatz aussprechen – Sankalpa
Nimm wenig Wasser, Reis, eine Blüte und die Geldgabe in die rechte Hand. Benenne Zeit, Ort und deine Absicht. Verwende die Sanskritform mit den zuvor bestimmten Angaben oder die anschließende deutsche Praxisfassung. Bei weiblicher Selbstbezeichnung lautet gotrotpannaḥ entsprechend gotrotpannā. Lege die Gaben danach auf dem Teller nieder und lass das Wasser in die Auffangschale fließen.
oṃ viṣṇuḥ viṣṇuḥ viṣṇuḥ śrīmadbhagavato mahāpuruṣasya viṣṇorājñayā pravartamānasya adyaitasya brahmaṇo'hni
dvitīye parārdhe śvetavarāhakalpe jambūdvīpe bharatakhaṇḍe amukapradeśe amukapuṇyakṣetre
kaliyuge kaliprathamacaraṇe amukasaṃvatsare phālgunamāse śubhe śuklapakṣe pūrṇimāyāṃ śubhatithau amukavāsare
amukagotrotpannaḥ ahaṃ [Name]
mama iha janmani janmāntare vā sarvapāpakṣayapūrvakadīrghāyuvipuladhanadhānyasamṛddhyarthaṃ
mama daihikadaivikabhautikatrividhatāpanivṛttyarthaṃ sadabhīṣṭasiddhyarthaṃ ca
prahlādanṛsiṃhaholītyādīnāṃ pūjanamahaṃ kariṣye |
Übersetzung: Om. Vishnu, Vishnu, Vishnu! Auf Geheiß des erhabenen Vishnu, des großen göttlichen Wesens, im gegenwärtigen Tag Brahmas, in dessen zweiter Lebenshälfte, im Shvetavaraha Kalpa, auf Jambudvipa, im Gebiet Bharatakhanda, in der genannten Region und am genannten heiligen Ort, im Kali Yuga und dessen erstem Abschnitt, im genannten Jahr, im Monat Phalguna, in der glückverheißenden hellen Monatshälfte, am glückverheißenden Vollmondtag und am genannten Wochentag: Ich, [Name], aus dem genannten Gotra, werde Prahlada, Narasimha, Holi und die übrigen verehren. Mögen dabei alle Verfehlungen aus diesem und früheren Leben getilgt werden; möge mir langes Leben und reicher Segen an Vermögen und Nahrung zuteilwerden. Mögen die dreifachen Leiden, die den Leib, göttliche beziehungsweise schicksalhafte Einflüsse und die äußere Welt betreffen, weichen und meine guten Wünsche Erfüllung finden.
Deutsche Praxisfassung mit tatsächlichen Angaben: „Om. Vishnu, Vishnu, Vishnu! Heute, am [Datum und Wochentag], zu Phalguna-Vollmond, hier in [Ort, Region und Land], werde ich, [Name; bekannte Abstammungslinie nach eigener Tradition], Prahlada, Narasimha, Holi und die übrigen verehren. Mögen Verfehlungen aus diesem und früheren Leben getilgt werden. Mögen langes Leben, ausreichende Nahrung und Wohlergehen wachsen. Mögen körperliche Leiden, Bedrängnisse durch die äußere Welt und schicksalhafte Not weichen; mögen meine guten Wünsche Erfüllung finden.“ Diese deutsche Ortsfassung ist eine praktische Anpassung des überlieferten Vorsatzes.
3. Ganesha anrufen und eine Blüte darbringen
Nimm eine Blüte mit einigen Reiskörnern in die rechte Hand. Bedenke Ganesha als den, der einen guten Anfang ermöglicht. Sprich:
gajānanaṃ bhūtagaṇādisevitaṃ kapitthajambūphalacārubhakṣaṇam |
umāsutaṃ śokavināśakārakaṃ namāmi vighneśvarapādapaṅkajam ||
Übersetzung: Ich verneige mich vor den Lotusfüßen Vighneshvaras, des elefantengesichtigen Herrn der Hindernisse, dem die Scharen der Wesen dienen, der sich an Kapittha- und Jambu-Früchten erfreut, dem Sohn Umas, der Kummer vertreibt.
Gib etwas Roli auf die Blüte und bringe sie mit Reis und Duft dar:
oṃ gaṃ gaṇapataye namaḥ pañcopacārārthe gandhākṣatapuṣpāṇi samarpayāmi |
Übersetzung: Om gam. Verehrung dem Ganapati! Zur fünffachen Verehrung bringe ich Duft, ungebrochene Reiskörner und Blüten dar.
4. Ambika anrufen und eine Blüte darbringen
Wende dich Ambika, der göttlichen Mutter, zu. Nimm eine neue Blüte mit etwas Roli und Reis und sprich:
oṃ sarvamaṅgalamāṅgalye śive sarvārthasādhike |
śaraṇye tryambake gauri nārāyaṇi namo'stu te ||
Übersetzung: Om. Du Glückverheißende in allem Glückverheißenden, du Gütige, die alle Ziele erfüllt! Du Zuflucht, Dreiäugige, Gauri, Narayani: Dir sei Verehrung!
Lege die Blüte als Gabe nieder und bringe Duft dar:
oṃ ambikāyai namaḥ pañcopacārārthe gandhākṣatapuṣpāṇi samarpayāmi |
Übersetzung: Om. Verehrung der Ambika! Zur fünffachen Verehrung bringe ich Duft, ungebrochene Reiskörner und Blüten dar.
5. Lakshmi-Narasimha betrachten und verehren
Rufe dir Narasimha, Vishnus menschenlöwengestaltigen Beschützer Prahladas, in Erinnerung. Der Betrachtungsvers zeigt ihn hier mit ruhigem Gesicht in Verbindung mit Lakshmi: Schutz erscheint als eine Kraft, bei der das Herz zur Ruhe kommen kann.
oṃ satyajñānasukhasvarūpamamalaṃ kṣīrābdhimadhye sthitaṃ
yogārūḍhamatiprasannavadanaṃ bhūṣāsahasrojvalam |
tryakṣaṃ cakrapinākasābhayakarānbibhrāṇamarkacchaviṃ
chatrībhūtaphaṇīndramindudhavalaṃ lakṣmīnṛsiṃhaṃ bhaje ||
Übersetzung: Om. Ich verehre Lakshmi Narasimha, dessen Wesen Wahrheit, Erkenntnis und Glückseligkeit ist: den Makellosen, der inmitten des Milchozeans weilt, in Yoga versunken, mit überaus heiterem Antlitz und tausendfach glänzendem Schmuck. Er ist dreiäugig, trägt Diskus und den Bogen Pinaka und zeigt Hände, die Furchtlosigkeit schenken. Er strahlt wie die Sonne; der Schlangenkönig bildet seinen Schirm, und er ist hell wie der Mond.
Bringe eine Blüte mit Roli und Reis sowie Duft dar:
oṃ nṛsiṃhāya namaḥ pañcopacārārthe gandhākṣatapuṣpāṇi samarpayāmi |
Übersetzung: Om. Verehrung dem Narasimha! Zur fünffachen Verehrung bringe ich Duft, ungebrochene Reiskörner und Blüten dar.
6. Prahlada ehren
Blicke auf Prahladas Figur. Der folgende Vers aus dem Bhagavata Purana ist Prahladas eigenes Gebet an Hari. Sprich ihn in Erinnerung an seine Bescheidenheit; mit dem „ungestümen Geschlecht“ meint er seine Herkunft aus einer Asura-Familie.
brahmādayaḥ suragaṇā munayo'tha siddhāḥ
sattvaikatānagatayo vacasāṃ pravāhaiḥ |
nārādhituṃ puruguṇairadhunāpi pipruḥ
kiṃ toṣṭumarhati sa me harirugrajāteḥ ||
Übersetzung: Die Götterscharen mit Brahma an der Spitze, die Weisen und die Vollendeten, die ganz auf reine Güte ausgerichtet sind, vermochten ihn selbst jetzt noch nicht mit Strömen vortrefflicher Worte zufriedenzustellen. Wie könnte dann Hari an mir Gefallen finden, der ich aus einem ungestümen Geschlecht stamme?
Bringe auch Prahlada eine Blüte mit Roli und Reis sowie Duft dar:
oṃ prahlādāya namaḥ pañcopacārārthe gandhākṣatapuṣpāṇi samarpayāmi |
Übersetzung: Om. Verehrung dem Prahlada! Zur fünffachen Verehrung bringe ich Duft, ungebrochene Reiskörner und Blüten dar.
Die Darbringungssprüche dieser Vorverehrung beziehen sich auf Panchopachara, die fünffache Verehrung. In dieser Festfolge werden Duft, Reis und Blüten gemeinsam als zusammengefasste Gaben dargebracht.
7. Vor Holika um Wohlergehen bitten – Prarthana
Stehe vor dem Aufbau und falte die Hände. Sprich das überlieferte Gebet an Holi:
asṛkpābhayasaṃtrastaiḥ kṛtā tvaṃ holi bāliśaiḥ |
atastvāṃ pūjayiṣyāmi bhūte bhūtipradā bhava ||
Übersetzung: O Holi, von unerfahrenen Menschen, die vor bluttrinkenden Wesen erschraken, wurdest du geschaffen. Darum werde ich dich verehren. O Wesen, werde zur Spenderin des Wohlergehens!
Benenne anschließend innerlich das Anliegen, das dich heute bewegt. Bitte um Mut, um ein friedliches Miteinander und um Schutz für diejenigen, für die du Verantwortung trägst. Dies kann deine persönliche Besinnung nach dem überlieferten Gebet sein.
8. Gaben darbringen und den Holzstoß umwinden
Bringe Reis, Duft, Blüten, ganze Mungbohnen, Kurkumastücke, Kokosnuss und die vorbereitete Kuhdunggirlande dar. Lege sie an den Aufbau. Umkreise den noch unentzündeten Holzstoß dreimal und führe dabei den rohen Baumwollfaden um ihn. Die Quelle nennt drei, fünf oder sieben Umwindungen; für diese Durchführung sind drei gewählt. Halte den Weg frei und den Faden so, dass niemand darüber stolpert. Bei dieser Umkreisung ist kein zusätzlicher Mantra vorgeschrieben. Gieße danach das Wasser aus dem kleinen Gefäß vor dem Holzstoß auf den Boden.
9. Prahlada bergen und Holika entzünden – Holika Dahan
Nimm Prahladas Figur ausdrücklich vom Holzstoß herunter und stelle sie auf einen geschützten Platz. Entnimm außerdem vier der getrockneten Kuhdungperlen: eine im Gedenken an die Ahnen, eine für Hanuman, eine für Shitala und eine für die Familie. Bewahre sie abseits des Feuers auf. So bleibt Prahladas Bewahrung als sichtbarer Mittelpunkt der Feier erhalten.
Zum bestimmten Zeitpunkt entzündet die verantwortliche Person den Holzstoß. Alle übrigen halten ausreichend Abstand. Lasse die Flamme mit der Erinnerung an Prahladas Vertrauen aufsteigen. Die Holika-Figur verbrennt; die Prahlada-Figur bleibt außerhalb des Feuers.
10. Segen empfangen und die Ernte teilen
Zum Festbrauch gehört, dass Männer einen Tilaka aus Roli erhalten und den Segen der Älteren erbitten. Die übrigen Teilnehmenden können sich ebenfalls mit einer Verneigung an die Älteren wenden. Umkreist das Feuer als Parikrama nur dort, wo ein freier Weg in sicherem Abstand bleibt. Eine feste Zahl ist für diese zweite Umkreisung in der gewählten Fassung nicht vorgeschrieben.
Bringt einen kleinen Teil des neuen Getreides dem Feuer dar. Röste die zum Essen bestimmten Körner getrennt von Farbpulver, Schmuck und Asche in einem sauberen hitzefesten Gefäß; dies ist eine heutige praktische Ausführung des überlieferten Röstens. Teile sie danach als Holika Prasad aus. Auch die bereitgelegten Süßigkeiten können im Festkreis geteilt werden. Speiseteilen und das Empfangen des Segens schließen die gemeinschaftliche Feier ab. Die Feuerverantwortlichen bleiben, bis das Feuer sicher erloschen ist.
Regional wird eine Flamme des öffentlichen Holika-Feuers zu einem weiteren häuslichen Feuerplatz getragen. Für eine einzelne gemeinsame Feier ist ein solches zweites Feuer nicht erforderlich. In der hier beschriebenen Durchführung wird das Feuer am vorbereiteten Platz abgeschlossen.
11. Nachklang am Morgen des Farbenfestes
Am folgenden Morgen gehört das Auftragen etwas Holika-Asche auf den Körper zu den überlieferten Bräuchen. Verwende dafür nur vollständig erkaltete, saubere Asche aus einem geeigneten Feuer ohne künstliche Farbstoffe oder behandeltes Holz; halte sie von Augen und Atemwegen fern. Ist die Asche nicht geeignet, verzichte auf das Auftragen und verweile einen Augenblick in dankbarer Erinnerung.
Nimm die Freude des Festes in den Umgang mit anderen mit. Swami Sivananda verbindet Holi mit Mitgefühl, gleicher Achtung für alle Menschen und einem neuen Anfang. Eine konkrete Fortsetzung der Feier kann sein, einem Menschen freundlich zu begegnen, mit dem du im Streit lagst, oder jemanden an den Speisen teilhaben zu lassen, der sonst übersehen wird. So wird Prahladas Vertrauen auch nach dem Erlöschen des Feuers im eigenen Handeln spürbar.
Zusammenhängende Rezitation
Die drei Fassungen enthalten sämtliche elf Rezitationsblöcke der Sanskritfolge in derselben Reihenfolge. Die erste Formel wird jeweils dreimal gesprochen. Für die eigene Orts- und Namensangabe gelten die Erläuterungen beim Sankalpa; die deutsche Praxisfassung kann dort an die Stelle der wörtlichen Übersetzung treten.
IAST
Reinigung – dreimal
oṃ puṇḍarīkākṣaḥ punātu |
oṃ puṇḍarīkākṣaḥ punātu |
oṃ puṇḍarīkākṣaḥ punātu |
Vorsatz
oṃ viṣṇuḥ viṣṇuḥ viṣṇuḥ śrīmadbhagavato mahāpuruṣasya viṣṇorājñayā pravartamānasya adyaitasya brahmaṇo'hni
dvitīye parārdhe śvetavarāhakalpe jambūdvīpe bharatakhaṇḍe amukapradeśe amukapuṇyakṣetre
kaliyuge kaliprathamacaraṇe amukasaṃvatsare phālgunamāse śubhe śuklapakṣe pūrṇimāyāṃ śubhatithau amukavāsare
amukagotrotpannaḥ ahaṃ [Name]
mama iha janmani janmāntare vā sarvapāpakṣayapūrvakadīrghāyuvipuladhanadhānyasamṛddhyarthaṃ
mama daihikadaivikabhautikatrividhatāpanivṛttyarthaṃ sadabhīṣṭasiddhyarthaṃ ca
prahlādanṛsiṃhaholītyādīnāṃ pūjanamahaṃ kariṣye |
Anrufung Ganeshas
gajānanaṃ bhūtagaṇādisevitaṃ kapitthajambūphalacārubhakṣaṇam |
umāsutaṃ śokavināśakārakaṃ namāmi vighneśvarapādapaṅkajam ||
Gabe an Ganesha
oṃ gaṃ gaṇapataye namaḥ pañcopacārārthe gandhākṣatapuṣpāṇi samarpayāmi |
Anrufung Ambikas
oṃ sarvamaṅgalamāṅgalye śive sarvārthasādhike |
śaraṇye tryambake gauri nārāyaṇi namo'stu te ||
Gabe an Ambika
oṃ ambikāyai namaḥ pañcopacārārthe gandhākṣatapuṣpāṇi samarpayāmi |
Anrufung Lakshmi-Narasimhas
oṃ satyajñānasukhasvarūpamamalaṃ kṣīrābdhimadhye sthitaṃ
yogārūḍhamatiprasannavadanaṃ bhūṣāsahasrojvalam |
tryakṣaṃ cakrapinākasābhayakarānbibhrāṇamarkacchaviṃ
chatrībhūtaphaṇīndramindudhavalaṃ lakṣmīnṛsiṃhaṃ bhaje ||
Gabe an Narasimha
oṃ nṛsiṃhāya namaḥ pañcopacārārthe gandhākṣatapuṣpāṇi samarpayāmi |
Prahladas Gebet
brahmādayaḥ suragaṇā munayo'tha siddhāḥ
sattvaikatānagatayo vacasāṃ pravāhaiḥ |
nārādhituṃ puruguṇairadhunāpi pipruḥ
kiṃ toṣṭumarhati sa me harirugrajāteḥ ||
Gabe an Prahlada
oṃ prahlādāya namaḥ pañcopacārārthe gandhākṣatapuṣpāṇi samarpayāmi |
Gebet an Holi
asṛkpābhayasaṃtrastaiḥ kṛtā tvaṃ holi bāliśaiḥ |
atastvāṃ pūjayiṣyāmi bhūte bhūtipradā bhava ||
Devanagari
Reinigung – dreimal
ॐ पुण्डरीकाक्षः पुनातु।
ॐ पुण्डरीकाक्षः पुनातु।
ॐ पुण्डरीकाक्षः पुनातु।
Vorsatz
ॐ विष्णुः विष्णुः विष्णुः श्रीमद्भगवतो महापुरुषस्य विष्णोराज्ञया प्रवर्तमानस्य अद्यैतस्य ब्रह्मणोऽह्नि
द्वितीये परार्धे श्वेतवराहकल्पे जम्बूद्वीपे भरतखण्डे अमुकप्रदेशे अमुकपुण्यक्षेत्रे
कलियुगे कलिप्रथमचरणे अमुकसंवत्सरे फाल्गुनमासे शुभे शुक्लपक्षे पूर्णिमायां शुभतिथौ अमुकवासरे
अमुकगोत्रोत्पन्नः अहं [Name]
मम इह जन्मनि जन्मान्तरे वा सर्वपापक्षयपूर्वकदीर्घायुविपुलधनधान्यसमृद्ध्यर्थं
मम दैहिकदैविकभौतिकत्रिविधतापनिवृत्त्यर्थं सदभीष्टसिद्ध्यर्थं च
प्रह्लादनृसिंहहोलीत्यादीनां पूजनमहं करिष्ये।
Anrufung Ganeshas
गजाननं भूतगणादिसेवितं कपित्थजम्बूफलचारुभक्षणम्।
उमासुतं शोकविनाशकारकं नमामि विघ्नेश्वरपादपङ्कजम्॥
Gabe an Ganesha
ॐ गं गणपतये नमः पञ्चोपचारार्थे गन्धाक्षतपुष्पाणि समर्पयामि।
Anrufung Ambikas
ॐ सर्वमङ्गलमाङ्गल्ये शिवे सर्वार्थसाधिके।
शरण्ये त्र्यम्बके गौरि नारायणि नमोऽस्तु ते॥
Gabe an Ambika
ॐ अम्बिकायै नमः पञ्चोपचारार्थे गन्धाक्षतपुष्पाणि समर्पयामि।
Anrufung Lakshmi-Narasimhas
ॐ सत्यज्ञानसुखस्वरूपममलं क्षीराब्धिमध्ये स्थितं
योगारूढमतिप्रसन्नवदनं भूषासहस्रोज्वलम्।
त्र्यक्षं चक्रपिनाकसाभयकरान्बिभ्राणमर्कच्छविं
छत्रीभूतफणीन्द्रमिन्दुधवलं लक्ष्मीनृसिंहं भजे॥
Gabe an Narasimha
ॐ नृसिंहाय नमः पञ्चोपचारार्थे गन्धाक्षतपुष्पाणि समर्पयामि।
Prahladas Gebet
ब्रह्मादयः सुरगणा मुनयोऽथ सिद्धाः
सत्त्वैकतानगतयो वचसां प्रवाहैः।
नाराधितुं पुरुगुणैरधुनापि पिप्रुः
किं तोष्टुमर्हति स मे हरिरुग्रजातेः॥
Gabe an Prahlada
ॐ प्रह्लादाय नमः पञ्चोपचारार्थे गन्धाक्षतपुष्पाणि समर्पयामि।
Gebet an Holi
असृक्पाभयसंत्रस्तैः कृता त्वं होलि बालिशैः।
अतस्त्वां पूजयिष्यामि भूते भूतिप्रदा भव॥
Deutsch
Reinigung – dreimal
Om. Möge der Lotusäugige, Vishnu, reinigen.
Om. Möge der Lotusäugige, Vishnu, reinigen.
Om. Möge der Lotusäugige, Vishnu, reinigen.
Vorsatz
Om. Vishnu, Vishnu, Vishnu! Auf Geheiß des erhabenen Vishnu, des großen göttlichen Wesens, im gegenwärtigen Tag Brahmas, in dessen zweiter Lebenshälfte, im Shvetavaraha Kalpa, auf Jambudvipa, im Gebiet Bharatakhanda, in der genannten Region und am genannten heiligen Ort, im Kali Yuga und dessen erstem Abschnitt, im genannten Jahr, im Monat Phalguna, in der glückverheißenden hellen Monatshälfte, am glückverheißenden Vollmondtag und am genannten Wochentag: Ich, [Name], aus dem genannten Gotra, werde Prahlada, Narasimha, Holi und die übrigen verehren. Mögen dabei alle Verfehlungen aus diesem und früheren Leben getilgt werden; möge mir langes Leben und reicher Segen an Vermögen und Nahrung zuteilwerden. Mögen die dreifachen Leiden, die den Leib, göttliche beziehungsweise schicksalhafte Einflüsse und die äußere Welt betreffen, weichen und meine guten Wünsche Erfüllung finden.
Anrufung Ganeshas
Ich verneige mich vor den Lotusfüßen Vighneshvaras, des elefantengesichtigen Herrn der Hindernisse, dem die Scharen der Wesen dienen, der sich an Kapittha- und Jambu-Früchten erfreut, dem Sohn Umas, der Kummer vertreibt.
Gabe an Ganesha
Om gam. Verehrung dem Ganapati! Zur fünffachen Verehrung bringe ich Duft, ungebrochene Reiskörner und Blüten dar.
Anrufung Ambikas
Om. Du Glückverheißende in allem Glückverheißenden, du Gütige, die alle Ziele erfüllt! Du Zuflucht, Dreiäugige, Gauri, Narayani: Dir sei Verehrung!
Gabe an Ambika
Om. Verehrung der Ambika! Zur fünffachen Verehrung bringe ich Duft, ungebrochene Reiskörner und Blüten dar.
Anrufung Lakshmi-Narasimhas
Om. Ich verehre Lakshmi Narasimha, dessen Wesen Wahrheit, Erkenntnis und Glückseligkeit ist: den Makellosen, der inmitten des Milchozeans weilt, in Yoga versunken, mit überaus heiterem Antlitz und tausendfach glänzendem Schmuck. Er ist dreiäugig, trägt Diskus und den Bogen Pinaka und zeigt Hände, die Furchtlosigkeit schenken. Er strahlt wie die Sonne; der Schlangenkönig bildet seinen Schirm, und er ist hell wie der Mond.
Gabe an Narasimha
Om. Verehrung dem Narasimha! Zur fünffachen Verehrung bringe ich Duft, ungebrochene Reiskörner und Blüten dar.
Prahladas Gebet
Die Götterscharen mit Brahma an der Spitze, die Weisen und die Vollendeten, die ganz auf reine Güte ausgerichtet sind, vermochten ihn selbst jetzt noch nicht mit Strömen vortrefflicher Worte zufriedenzustellen. Wie könnte dann Hari an mir Gefallen finden, der ich aus einem ungestümen Geschlecht stamme?
Gabe an Prahlada
Om. Verehrung dem Prahlada! Zur fünffachen Verehrung bringe ich Duft, ungebrochene Reiskörner und Blüten dar.
Gebet an Holi
O Holi, von unerfahrenen Menschen, die vor bluttrinkenden Wesen erschraken, wurdest du geschaffen. Darum werde ich dich verehren. O Wesen, werde zur Spenderin des Wohlergehens!
Quellen und weiterführende Hinweise
- Drik Panchang: Holi Puja Vidhi, Abschnitte Materialien, Aufbau und vollständige neun Abschnitte der Verehrung einschließlich der Bräuche nach der Entzündung; Grundlage der Festfolge.
- Drik Panchang: Holika Dahan Muhurta, zur örtlichen Zeitwahl; Why Holika Is Worshipped?, zu den beiden Motiven von Schutzbitte und Verbrennung.
- Bhagavata Purana 7.9.8: Prahladas Gebet; Sanskritfassung in der Vedabase. Die deutsche Übersetzung im Artikel ist eigenständig.
- Devi Mahatmya 11.10: Anrufung der Göttin, Sanskrittext. Die Lesart sarvamaṅgalamāṅgalye folgt diesem Vers.
- Brihat Stotra Ratnakara, Band 1, Madras 1927, Druckseite 421: erster Betrachtungsvers des Lakshmi Narasimha Sahasranama Stotra; Digitalisat, PDF-Seite 432. Der im Artikel verwendete vollständige Narasimha-Vers folgt diesem Druck; er verdeutlicht insbesondere die drei Augen, die furchtvertreibenden Hände und den Schlangenschirm.
- Drik Panchang: Sankalpa, für die Zeitformel dvitīye parārdhe, „in der zweiten Lebenshälfte Brahmas“.
- Swami Sivananda: Feste und Fastentage, Kapitel Holi; zur Versöhnung und geistigen Erneuerung im Fest.
Siehe auch
Holi · Holika · Prahlada · Narasimha · Puja · Bhakti Yoga · Prasad
Video und Seminare
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