Rechtschaffenheit

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Rechtschaffenheit : Was versteht man unter Rechtschaffenheit? Was ist der ethymolgische Ursprung dieses Wortes? Wozu ist Rechtschaffenheit gut? Was sind Begriffe mit ähnlicher Bedeutung, was Begriffe mit entgegengesetzter Bedeutung zu Rechtschaffenheit? Du findest hier einen umfangreichen Artikel, Videovortrag und Audiovortrag. Lass dich inspirieren! Rechtschaffenheit besitzt jemand, der sich recht verhält. Rechtschaffenheit bedeutet sich an ethische Prinzipien zu halten. Rechtschaffenheit ist also die Zusammenfassung der Tugenden.

Caspar David Friedrich Der Wanderer über dem Nebelmeer.jpg

Derjenige, der sich an die wichtigen ethischen Prinzipien hält, besitzt Rechtschaffenheit. Im Yoga würde man zur Rechtschaffenheit die fünf Yamas zählen, nämlich: (1) Ahimsa - Nichtverletzen und Mitgefühl, (2) Satya - Wahrhaftigkeit, (3) Asteya - Ehrlichkeit, (4) Brahmacharya - Vermeidung von sexuellem Fehlverhalten, (5) Aparigraha - Unbestechlichkeit. Wer diese fünf Prinzipien (oder ähnliche) zur Richtschnur seines Lebens erhebt, der ist rechtschaffen und damit tugendhaft und anständig.

Rechtschaffenheit als hilfreiche Tugend

Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Apollo mit den Stunden, Gemälde von Kersting (1785 - 1847)

Rechtschaffenheit ist ein Wort, das heute etwas aus der Mode gekommen ist. Rechtschaffenheit könnte man auch übersetzen mit ethischem Verhalten. Rechtschaffenheit, das kommt von Recht bzw. richtig und es kommt von schaffen, schaffen hat etwas mit tun zu tun, etwas bewirken. Rechtschaffenheit heißt also, dass man auf die rechte Weise etwas schafft, auf die rechte Weise etwas bewirkt. Rechtschaffenheit ist damit ethisches Handeln und ethisches Tun. Rechtschaffenheit setzt sich zusammen aus verschiedenen ethischen Prinzipien.

Im Yoga kennen wir die fünf Yamas, wir sagen gerne, das sind die fünf ethischen Prinzipien, wir können aber auch sagen, es sind die fünf Prinzipien der Rechtschaffenheit. Zur Rechtschaffenheit gehört in diesem Sinne Ahimsa, Nichtverletzen oder auch uneigennütziges Dienen, Liebe, Gutes bewirken wollen, all das gehört zum ersten der fünf Yamas. Zweite der fünf Yamas ist Satya, Satya ist Wahrhaftigkeit, Satya kann man auch übersetzen als Ehrlichkeit.

Das dritte ist Asteya, Asteya heißt Nichtstehlen und das könnte man auch übersetzen als Ehrlichkeit. Also, Wahrhaftigkeit, Satya gehört zur Rechtschaffenheit, das heißt, man sagt nichts, was nicht der Wahrheit entspricht. Dritte ist dann eben Ehrlichkeit, Asteya, die Ehrlichkeit will sagen, man verdient seinen Lebensunterhalt auf ehrliche Weise, man stiehlt nicht, man betrügt nicht usw., Ehrlichkeit. Das vierte ist Brahmacharya, Brahmacharya heißt Vermeiden von sexuellem Fehlverhalten.In unterschiedlichen Kulturen wird da Unterschiedliches verstanden. In unserer heutigen Zeit wird man vermutlich sagen, Brahmacharya heißt, keine Gewalt in der Sexualität, heißt, keine sexuellen Beziehungen, ohne dass beide Partner einverstanden sind und Einhalten auch der Versprechen, die man gegenüber seinem Partner gemacht hat, was meistens eben Treue heißt. Das ist Brahmacharya.

Und das fünfte ist dann Aparigraha, Aparigraha heißt Unbestechlichkeit, Aparigraha heißt, dass du weder selbst bestochen wirst, dass du dich nicht bestechen lässt, noch dass du andere bestichst. Bestechen heißt jetzt nicht, dass du nicht anderen etwas geben kannst, um etwas zu bekommen. Angenommen, du hast einen Partner, eine Partnerin, dann wirst du ihr oder ihm ein Geschenk machen und da ist ganz natürlich, dass er oder sie dir auch ein Geschenk macht. Angenommen, dein Kollege tut dir einen Gefallen, natürlich tust du ihm anschließend einen Gefallen. Aber Bestechlichkeit oder Bestechung heißt ja, du tust jemandem einen Gefallen, einen Gefallen für sich, damit er anschließend im Namen von etwas anderem dir einen Vorteil gewährt.

Also, ein Beispiel: Angenommen, du gehst zum Baudezernenten einer Stadt und du bietest ihm an, sein Haus zu einem günstigeren Preis zu bauen und er schanzt dir dafür im Namen der Stadt einen Auftrag zu. Also, du hast ihm persönlich einen Gefallen getan, um nachher von der Stadt einen Auftrag zu bekommen, das ist dann Bestechlichkeit, dieses sollte man nicht tun. Du kannst sehr wohl jemandem einen Vorteil geben und nachher hoffen, dass er dir etwas gibt, aber eben von sich selbst heraus. Du könntest auch der Stadt etwas tun und nachher hoffen, dass die Stadt etwas für dich zurück tut.

Aber einem Mitarbeiter der Stadt etwas zu geben, um anschließend zu hoffen, dass der Mitarbeiter in einem Unternehmen, einer Stadt, einem Verein oder was auch immer dir einen Vorteil zuschanzt, das ist Bestechung. Das sind also die fünf Aspekte der Rechtschaffenheit und ich glaube, damit kann man alles recht gut zusammenfassen. Auf eine gewisse Weise sind die fünf Yamas die einfachste und umfassendste Zusammenfassung von Ethik, Moral und Rechtschaffenheit. Um es nochmal zusammenzufassen, Ahimsa, Nichtverletzen bzw. auch Gutes bewirken wollen, Mitgefühl, Liebe. SatyaWahrhaftigkeit, AsteyaEhrlichkeit, BrahmacharyaVermeidung von sexuellem Fehlverhalten, und AparigrahaUnbestechlichkeit. Das sind, könnte man sagen, die fünf Aspekte der Rechtschaffenheit.

Rechtschaffenheit - Antonyme und Synonyme

Persönlichkeitsmerkmale und Tugenden versteht man am besten in ihrer Beziehung zueinander. Hier einige Hinweise, wie man Rechtschaffenheit in Beziehung zu anderen Fähigkeiten und Verhaltensweisen sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Rechtschaffenheit - Synonyme

Ähnliche Eigenschaften wie Rechtschaffenheit, also Synonyme zu Rechtschaffenheit sind z.B. Anständigkeit, Ehrenhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Unbestechlichkeit, Vertrauenswürdigkeit, Integrität.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Rechtschaffenheit übertrieben kann ausarten z.B. in Spießbürgertum, Oberflächlichkeit, Steifheit. Daher braucht Rechtschaffenheit als Gegenpol die Kultivierung von Vorurteilslosigkeit, Liebe, Mitgefühl, Flexibilität.

Gegenteil von Rechtschaffenheit - Antonyme

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Rechtschaffenheit, Antonyme zu Rechtschaffenheit :

Rechtschaffenheit Antonyme

Antonyme Rechtschaffenheit, also Gegenteile, sind Vorurteilslosigkeit, Liebe, Mitgefühl, Flexibilität, Unehrenhaftigkeit, Unredlichkeit, Unanständigkeit, Charakterlosigkeit, Bestechlichkeit.

Rechtschaffenheit in Bezug auf Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Kultivierung von Rechtschaffenheit

Rechtschaffenheit ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das man stärken kann, sofern man es will. Vielleicht willst du ja Rechtschaffenheit in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Rechtschaffenheit mehr zum Ausdruck zu bringen.
  • Du kannst z.B. den Entschluss fassen: "Während der nächsten Woche will ich Rechtschaffenheit kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein rechtschaffenerer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, täglich mindestens etwas zu tun, was Rechtschaffenheit ausdrückt. Lebe jeden Tag so, als ob du diese Eigenschaft besitzt - und handle entsprechend.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Rechtschaffenheit."
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine Autosuggestion, Affirmation wie z.B.: Ich bin rechtschaffen."

Affirmationen zum Thema Rechtschaffenheit

Hier einige Affirmationen für mehr Rechtschaffenheit. Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr zu Funktion und Wirkungsweise von Affirmationen. Nicht alle unten aufgeführten Affirmationen passen - nutze diejenigen, die für dich stimmig erscheinen.

Klassische Autosuggestion für Rechtschaffenheit Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin rechtschaffen.

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin rechtschaffen. Om Om Om.
  • Ich bin ein Rechtschaffener, eine Rechtschaffene OM.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Rechtschaffenheit Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin rechtschaffen " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Rechtschaffenheit.
  • Ich werde rechtschaffen.
  • Jeden Tag werde ich rechtschaffener.
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Rechtschaffenheit.

Dankesaffirmation für Rechtschaffenheit :

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag rechtschaffener werde.

Wunderaffirmationen Rechtschaffenheit Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr rechtschaffen. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Rechtschaffenheit entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr rechtschaffen zu sein.
  • Ich bin jemand, der rechtschaffen ist.

Gebet für Rechtschaffenheit

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Rechtschaffenheit:

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Rechtschaffenheit.
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein rechtschaffener Mensch werde.
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Rechtschaffenheit mehr und mehr zum Ausdruck bringe.

Frage dich: Was müsste ich tun, um Rechtschaffenheit zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Rechtschaffenheit zu entwickeln?
  • Wie könnte ich rechtschaffen werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Rechtschaffenheit.
  • Angenommen, ich will rechtschaffen sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre rechtschaffen, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Rechtschaffenheit kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als rechtschaffener Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Rechtschaffenheit

Eigenschaften im Alphabet nach Rechtschaffenheit

Literatur

Weblinks

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