Offenheit

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Offenheit ist ein offenes, aufrichtiges Wesen. Offenheit ist Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Offenheit kann man in mehreren Richtungen zeigen: Offenheit bedeutet Natürlichkeit, Unverstelltheit: Man zeigt sich so wie man ist. Offenheit bedeutet auch auf andere zuzugehen, sich für einen anderen bzw. für andere zu öffnen.

Offenheit bedeutet auch Vorurteilsfreiheit, bedeutet sich für neue Ideen und Konzepte zu öffnen. Gerade auf dem spirituellen Weg ist immer wieder Offenheit notwendig: Man will durch spirituelle Praxis die Grenzen der bisherigen Vorstellungen überschreiten. Und immer wieder ist spiritueller Fortschritt anders als man das denkt. Auch wenn man in einen Ashram geht, wenn man einem spirituellen Lehrer begegnet, gilt es Offenheit zu haben, bereit zu sein zum Lernen.

Offenheit - eine Tugend. Was ist Offenheit ? Woher stammt das Wort? Wozu ist Offenheit gut? Was sind ihre Grenzen? Wie kann man sie kultivieren? Was ist das Gegenteil von Offenheit ?

Offenheit als hilfreiche Tugend

Auszug aus einem Vortrag von Sukadev Bretz

Sukadev Bretz, Gründer und Leiter von Yoga Vidya, Yogalehrer, Meditationslehrer, spiritueller Lehrer, Seminar- und Ausbildungsleiter, Autor mehrerer Bücher. Sukadev Volker Bretz lernte 12 Jahre bei Swami Vishnu-devananda.

Offenheit, eine wichtige Tugend. Offenheit ist eine innere Eigenschaft, ist eine innere Einstellung. Offenheit ist die Bereitschaft, zu lernen. Offenheit ist die Bereitschaft, auf andere zuzugehen. Offenheit ist die Bereitschaft, sich zu öffnen. Der Mensch ist tief im Inneren ein göttliches Wesen, im Inneren ist er eins mit dem Unendlichen und dem Ewigen.

Der Mensch hat einen Körper und eine Psyche. Der Mensch hat einen Körper, der scheinbar begrenzt ist, aber in Wahrheit auch offen. Wir atmen ein, wir atmen aus, wir nehmen Nahrung auf, wir geben auch wieder Dinge ab, wir nehmen Sinneseindrücke auf und wir tun etwas in dieser Welt. Der Mensch ist nicht so verschlossen, wie man denkt.

Wo fängt Mensch an, wo hört Mensch auf? An der Haut? Ist die Luft, die man einatmet, schon Teil von einem, oder wird sie es erst, wenn sie über die Lungen in den Körper reingeht? Wir sind ständig in Verbindung, der Mensch ist ein offenes System.

Außerdem, - der menschliche Körper ist ja auch nicht einfach nur die menschlichen Zellen, da sind etwa zehn- bis hundertmal mehr Zellen mit nicht-menschlicher DNA am Menschen als Zellen mit menschlicher DNA. Auf der Haut sind lauter andere Zellen, im Verdauungstrakt sind lauter andere Zellen, überall sind andere Zellen, der Mensch ist ein offenes System, verbunden mit anderen.

Genauso auch, - du hast einen Charakter und du hast eine Persönlichkeit, du hast vorgefasste Meinungen, du hast Gewohnheiten, mit dem Ego identifizierst du dich damit und sagst: "So bin ich halt, das mache ich halt, das tue ich nur usw." Und so verschließt du dich oft.

Es braucht eine gewisse Offenheit. Wenn du mit einem anderen Menschen sprichst, musst du offen sein für die Begegnung, offen sein für die Meinung anderer, offen, von ihm oder ihr zu lernen. Wenn du in eine andere Kultur gehst, wenn du z.B. Urlaub machst, braucht es eine Offenheit.

Oder angenommen, du gehst in einen Ashram, es gibt ja auch in Deutschland Ashrams, ich wohne ja in einem solchen. Dort sind andere Gepflogenheiten, es sieht ein bisschen anders aus, da braucht es eine gewisse Offenheit, dass du dich darauf einlässt.

Umgekehrt, wenn man in einem Ashram wohnt und dann spricht man mit anderen, die vielleicht andere Werte haben, ist es wichtig, Offenheit zu zeigen. Oder wenn du feste Gewohnheiten hast, du arbeitest an einem Arbeitsplatz und jetzt ändert sich etwas. In unserer heutigen Zeit ist vieles schnelllebig, da brauchst du Offenheit, um aus deinen bisherigen Gewohnheiten herauszugehen.

Also, - du brauchst Offenheit, um auf andere Menschen zuzugehen, Offenheit, um dich auf andere Werte einzulassen, dich auf andere Eindrücke einzulassen, dich auf andere Umstände einzulassen. Du brauchst Offenheit, deine Gewohnheiten zu ändern, du brauchst Offenheit, letztlich auch, dich für göttlichen Segen zu öffnen.

Immer wieder gibt es wunderschöne Momente und Erfahrungen, die kommen wollen. Es braucht Offenheit, diese anzunehmen. Wenn du meditierst, oder andere Yoga-Übungen übst, braucht es auch eine Offenheit: "Will sich jetzt das Göttliche, eine höhere Wirklichkeit in mir offenbaren? Kann ich es jetzt erfahren?"

Für all das brauchst du Offenheit. Natürlich, - Offenheit braucht als Gegenpol auch eine Konsequenz. Offenheit braucht als Gegenpol auch ein gewisses Selbstbild, braucht auch eine Ethik und eine Moral. Offenheit braucht als Gegenpol auch Manieren, gute Angewohnheiten usw. Denn wer immer offen ist, der ist auch nicht so ganz dicht, man kann nicht für alles offen sein.

Man kann sich öffnen, man kann sich für vieles öffnen und man kann bereit sein, sich immer wieder in Frage zu stellen, man kann sich öffnen für die Meinungen anderer, man kann sich öffnen für das, was jetzt nötig ist, man kann sich öffnen für neue Erfahrungen.

Trotzdem, es braucht einen ethischen Kompass, es braucht gute Gewohnheiten und es braucht auch ein gewisses Selbstbild, um das zu tun, was zu tun ist, seine Aufgaben zu erfüllen. In diesem Sinne, überlege jetzt selbst, was heißt für dich Offenheit?

Wie gehst du mit dem Pol Offenheit, Verlässlichkeit um? Wie gehst du mit deinem Selbstbild und Offenheit um? Wie gehst du damit um, in dir selbst zu ruhen und offen zu sein für andere, eigene Wertvorstellungen zu haben und offen zu sein für andere Wertvorstellungen?

Auf welchem Pol bist du in diesem Pol oder vielleicht sogar Dreieck und Mehreck? Und wann bist du offener, wann bist du eher verschlossener? Ist das so richtig? Solltest du in mancherlei Hinsicht mehr Offenheit haben, bist du vielleicht in mancher Hinsicht zu offen und giltst deshalb als unzuverlässig oder als zu wechselhaft, unbeständig? Wichtige Fragen, denke darüber nach, überlege, triff entsprechende Entscheidungen und sei immer wieder offen, auch die Art und Weise deines Verhaltens wieder neu zu überdenken.

Offenheit und andere Tugenden

In diesem Yoga Wiki werden über 1000 Tugenden und geistigen Eigenschaften beschrieben. Hier einige Erläuterungen, wie man die Eigenschaft der Offenheit in Beziehung zu anderen Tugenden und geistigen Eigenschaften sowie in Bezug auf Laster sehen kann:

Ähnliche Eigenschaften wie Offenheit

Ähnliche Eigenschaften wie Offenheit, also Synonyme zu Offenheit sind z.B. Unvoreingenommenheit, Vorurteilslosigkeit, Geradlinigkeit, Lauterkeit.

Ausgleichende Eigenschaften

Jede Eigenschaft, jede Tugend, die übertrieben wird, wird zu einer Untugend, zu einem Laster, einer nicht hilfreichen Eigenschaft. Offenheit übertrieben kann ausarten z.B. in Rücksichtslosigkeit, Verurteilung, Verklemmtheit. Daher braucht Offenheit als Gegenpol die Kultivierung von Etikette, Benehmen, Sittlichkeit, Moral.

Gegenteil von Offenheit

Zu jeder Eigenschaft gibt es ein Gegenteil. Hier Möglichkeiten für Gegenteil von Offenheit, Antonym zu Offenheit :

Offenheit im Kontext von Tugendengruppen, Persönlichkeitsfaktoren und Temperamenten

Entwicklung von Offenheit

Offenheit kann man sehen als Tugend, als eine positive Eigenschaft. Vielleicht willst du ja Offenheit in dir stärker werden lassen. Hierzu einige Tipps:

  • Nimm dir vor, eine Woche lang diese Eigenschaft der Offenheit zu kultivieren. Du kannst nicht mehrere Tugenden auf einmal entwickeln. Aber es ist möglich, jede Woche eine Tugend, eine Eigenschaft, wachsen zu lassen.
  • Triff den Entschluss: "Während der nächsten Woche will ich die Tugend, die Eigenschaft, Offenheit kultivieren, wachsen lassen, stärker werden lassen. Ich freue mich darauf, in einer Woche ein offenerer Mensch zu sein."
  • Nimm dir vor, jeden Tag mindestens eine Handlung auszuführen, die Offenheit ausdrückt. Mache jeden Tag etwas, was du sonst nicht tun würdest, was aber diese Tugend zum Ausdruck bringt.
  • Wenn du morgens aufwachst, dann sage eine Affirmation, z.B.: "Ich entwickle Offenheit ". Mehr Möglichkeiten zu Affirmationen findest du weiter unten.
  • Am Tag wiederhole immer wieder eine solche Affirmation:
  • Ich bin offen.

Affirmationen zum Thema Offenheit

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Affirmationen für mehr Offenheit . Unter dem Stichwort "Affirmation" und "Wunderaffirmationen" erfährst du mehr darüber.

Klassische Autosuggestion für Offenheit

Hier die klassische Autosuggestion:

  • Ich bin offen.

Im Yoga verbindet man das gerne mit einem Mantra. Denn ein Mantra lässt die Affirmation stärker werden:

  • Ich bin offen. Om Om Om.
  • Ich bin ein Offener, eine Offene.

Entwicklungsbezogene Affirmation für Offenheit

Manche Menschen fühlen sich als Scheinheiliger oder als Heuchler, wenn sie sagen "Ich bin offen " - und sie sind es gar nicht. Dann hilft eine entwicklungsbezogene Affirmation:

  • Ich entwickle Offenheit.
  • Ich werde offen.
  • Jeden Tag werde ich offener.
  • Durch die Gnade Gottes entwickle ich jeden Tag mehr Offenheit.

Dankesaffirmation für Offenheit

  • Ich danke dafür, dass ich jeden Tag offener werde.

Wunderaffirmationen Offenheit

Du kannst es auch mit folgenden Affirmationen probieren, die Sukadev Volker Bretz als Wunderaffirmationen bezeichnet:

  • Bis jetzt bin ich noch nicht sehr offen. Und das ist auch ganz verständlich, ich habe gute Gründe dafür. Aber schon bald werde ich Offenheit entwickeln. Jeden Tag wird diese Tugend in mir stärker werden.
  • Ich freue mich darauf, bald sehr offen zu sein.
  • Ich bin jemand, der offen ist.

Gebet für Offenheit

Auch ein Gebet ist ein machtvolles Mittel, um eine Tugend zu kultivieren. Hier ein paar Möglichkeiten für Gebete für mehr Offenheit:

  • Lieber Gott, bitte gib mir mehr Offenheit.
  • Oh Gott, ich verehre dich. Ich bitte dich darum, dass ich ein offener Mensch werde.
  • Liebe Göttliche Mutter, ich danke dir. Ich danke dir dafür, dass ich jeden Tag die Tugend Offenheit mehr und mehr zum Ausdruck bringe.

Was müsste ich tun, um Offenheit zu entwickeln?

Du kannst dich auch fragen:

  • Was müsste ich tun, um Offenheit zu entwickeln?
  • Wie könnte ich offen werden?
  • Lieber Gott, bitte zeige mir den Weg zu mehr Offenheit.
  • Angenommen, ich will offen sein, wie würde ich das tun?
  • Angenommen, ich wäre offen, wie würde sich das bemerkbar machen?
  • Angenommen, ein Wunder würde geschehen, und ich hätte morgen Offenheit kultiviert, was hätte sich geändert? Wie würde ich fühlen? Wie würde ich denken? Wie würde ich handeln? Als offener Mensch, wie würde ich reagieren, mit anderen kommunizieren?

Vortragsmitschnitt zu Offenheit - Audio zum Anhören

Hier kannst du einen Vortrag von Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, anhören. Dieser Vortrag ist die Audio Version eines Videos zu Offenheit, Teil des Yoga Vidya Multimedia Lexikons der Tugenden. The media player is loading...

Siehe auch

Eigenschaften im Alphabet vor Offenheit

Eigenschaften im Alphabet nach Offenheit

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