Vikshipta: Unterschied zwischen den Versionen

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Oliver Hahn (Diskussion | Beiträge)
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Aktuelle Version vom 29. Juli 2023, 16:27 Uhr

Vikshipta (Sanskrit: विक्षिप्त vikṣipta adj. u. n.) zerstreut, unaufmerksam, nicht gesammelt, unkonzentriert; zerpflückt; unruhig, hin und her gehend; geteilt; vertrieben, verscheucht; das Zerstreutsein an verschiedenen Orten.

Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von Heute

Vikshipta ist einer der fünf Grundzustände des Geistes, die von Patanjali in den Yoga Sutras definiert wurden. In Vikshipta sammelt sich der Geist und bemüht sich um Konzentration, wobei er aber noch immer wieder abgelenkt wird. Ab diesem Punkt beginnt Yoga, da ab hier der Geisteszustand langsam sattwig wird.

Sukadev über Vikshipta

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Vikshipta

Vikshipta ist ein Sanskrit-Ausdruck, der zwei entgegengesetzte Bedeutungen hat. Vikshipta kann zum einen heißen, der Geisteszustand, geprägt durch Unruhe und Ablenkung. Vikshipta kann aber auch der Geisteszustand der Sammlung sein. Das mag paradox klingen, dass sowohl zerstreut Vikshipta ist, als auch gesammelt. Aber das kommt von den zwei unterschiedlichen Herkünften her: "Vikshepa" heißt nämlich Umherwerfen und Ablenkung, und so ist Vikshipta der Gemütszustand gekennzeichnet durch Umherwerfen und Unruhe. Vikshipta kommt aber auch von "Kshipta". Kshipta ist eben der unruhige Geist, ist der Geist, der unruhig ist und zerstreut ist. Und "Vi" heißt im Sanskrit unter anderem "das Gegenteil davon" oder "anders". So ist Vikshipta das Gegenteil von Kshipta und damit ist Vikshipta das Gegenteil von "unruhiger Geist" und damit ist Vikshipta "der gesammelte Geist".

Bei Yoga Vidya verwenden wir den Ausdruck "Vikshipta" hauptsächlich als "gesammelter Geisteszustand". Und da gibt es die fünf Geisteszustände: Es gibt dort nämlich Mudha, Kshipta, Vikshipta, Ekagrata und Nirodhah. Mudha ist dort die niedrigste Bhumi, die niedrigste Ebene, eben die Trägheit, die Müdigkeit, die Dumpfheit. Dann gibt es Kshipta, Kshipta ist dann Verwirrtheit, Unruhe, Abgelenktheit, die Unfähigkeit, einen klaren Gedanken zu fassen, tausende von verschiedenen Gedanken hintereinander zu haben, zerstreut zu sein, sich nichts zu merken. Als drittes folgt dann Vikshipta, gesammelt, das Bemühen um Konzentration. Bei Vikshipta ist der Geist mal etwas mehr konzentriert, mal etwas weniger konzentriert. Daraus folgt dann der vierte Gemütszustand, Ekagrata, und Ekagrata heißt wörtlich "Einpünktigkeit", heißt, der Geist ist voll konzentriert bei einer Sache.

Ekagrata umfasst die höheren Stufen von Dharana, Dhyana und Samadhi vom Yogasutra. Und schließlich folgt dann Nirodhah, die vollkommene Ruhe des Geistes, der gleichzusetzen ist mit Asamprajnata Samadhi, Nirvikalpa Samadhi und damit mit Unio Mystica, der mystischen Vereinigung mit Gott, wo Aham Brahmasmi, die Einheit von Selbst und Gott, erfahren wird.

Vikshipta ist also ein sehr wichtiger Zustand, du kannst dich um ihn bemühen. Ekagrata kommt von selbst, wenn Vikshipta vertieft wird. Du kannst Ekagrata nicht gewaltsam herbeiführen. Du kannst dich aber um Vikshipta bemühen. Wenn du irgendwo müde und deprimiert, melancholisch, dumpf bist, kannst du dir bewusst vornehmen: "Ich will jetzt meinen Geist wach machen und konzentriert halten." Du kannst Techniken üben wie Pranayama oder Asanas oder auch einfach das bewusste Hineinholen des Geistes in die Gegenwart, so erfährst du Vikshipta.

Oder auch wenn du merkst, dein Geist ist so voller Zweifel und denkt dieses und jenes, du kannst keinen klaren Gedanken fassen, da kannst du einfach überlegen: "Was müsste ich tun, um wieder Klarheit des Geistes zu haben? Was müsste ich tun, um gesammelt zu sein?" Schon allein wenn du diese Frage stellst, kommt meistens eine Antwort und sehr zügig kommst du zu Vikshipta. Wenn du in Vikshipta bist, dann ist diese Unruhe und Verzweiflung von Kshipta und diese Dumpfheit und Traurigkeit von Mudha schnell vorbei.

Und wenn Vikshipta stärker wird, kommst du zu Ekagrata, einer Ruhe des Geistes, Einpünktigkeit. Und Patanjali sagt ja auch, dass durch Samyama, was gleichbedeutend ist mit Ekagrata, Vijaya und Prajna kommen, also Meisterschaft und intuitives Wissen. Indem du dich sammelst und konzentriert bist, bist du in der Lage, Dinge zu meistern, zu beherrschen, aber auch tiefe Erfahrungen zu machen, Erkenntnisse zu bekommen und spirituell zu wachsen. Übe also Vikshipta, die Sammlung des Geistes.

Siehe auch

Literatur

Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von Heute von Sukadev Bretz

Weblinks

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