Netra Tantra
Netra Tantra (Sanskrit: नेत्रतन्त्र, Netratantra, „Tantra des Auges“) ist eine Schrift des Shivaismus, in deren Mittelpunkt Shiva als Bezwinger des Todes und die erhaltende, erhellende und auflösende Kraft seines göttlichen Auges stehen. Das Netra Tantra verbindet Mantra, rituelle Verehrung, Yoga und spirituelle Erkenntnis. In einem Gespräch zwischen Parvati und Shiva fragt die Göttin nach dem Geheimnis des Auges, das zugleich Feuer und Amrita, Unsterblichkeitsnektar, hervorbringt.

Eine wichtige Leitfrage des Netra Tantra lautet, wie die göttliche Kraft dem Wohl der Lebewesen dienen kann. Parvati spricht von Krankheit, Furcht und vorzeitigem Tod. Shivas Antwort führt vom Schutzmantra zur Erkenntnis jener Kraft, die als Wille, Erkenntnis und Handeln erscheint. Der Text überliefert historische religiöse Vorstellungen; seine Aussagen über Heilung und Lebensverlängerung sind als solche zu lesen.
Hintergrund und Datierung
Das Netra Tantra wird in der Forschung im Umfeld des frühmittelalterlichen kaschmirischen Shivaismus untersucht. Eine Datierung um das frühe 9. Jahrhundert ist eine historische Annäherung, keine im Text bezeugte Jahreszahl. Das Oxford Centre for Hindu Studies beschreibt das Netra Tantra als in Kaschmir und Nepal bedeutenden Text, der im 11. und wahrscheinlich bereits im 10. Jahrhundert weit verbreitet war.[1] Kṣemarājas Kommentar aus dem Umfeld des 11. Jahrhunderts liest die Schrift im Horizont nichtdualistischer Erkenntnis. Grundtext und Kommentar sind deshalb als unterschiedliche historische Ebenen zu behandeln. Gavin Flood untersucht besonders die Vorstellungen von Person, Körper und Bewusstsein, die den Ritualen und Yogalehren zugrunde liegen.[2]
Die ersten beiden Kapitel des Netra Tantra geben bereits eine klare inhaltliche Richtung vor: Das göttliche Auge wird als Einheit von auflösender und erhaltender Kraft beschrieben. Die Shakti ist dabei keine von Shiva unabhängige zweite Ursache. Der Text vergleicht sie mit der Hitze des Feuers und dem Strahlen der Sonne. Die drei Kräfte des Wollens, Erkennens und Handelns sind verschiedene Erscheinungsweisen derselben Wirksamkeit.
Kapitel 2 stellt das Mitgefühl der Göttin in den Vordergrund. Sie fragt ausdrücklich nach dem Wohl gefährdeter Lebewesen. Die anschließende Mantralehre verbindet Laut, rituelle Gestalt und göttliche Gegenwart. Ein Mantra erscheint im Netra Tantra damit als Träger spiritueller Wirkkraft, nicht lediglich als sprachliche Mitteilung. Die verschlüsselten Buchstabenbeschreibungen setzen eine eingeweihte Lehrtradition voraus.

Die Forschung untersucht das Netra Tantra auch als geschichtete Komposition. David Gordon White unterscheidet eine dämonologische Überlieferungsebene und eine systematisierende Ebene der Shiva- und Mantraverehrung. Diese Forschungsdeutung hilft, Spannungen zwischen den Ritualbeschreibungen und der nichtdualistischen Auslegung zu verstehen.[3]
Inhalt und Aufbau des Netra Tantra
Kapitel 3–6: Verehrung, Einweihung und Schutz
Kapitel 3 des Netra Tantra beschreibt die Vorbereitung der Verehrung: Reinigung, rituelle Sicherung, Pranayama, Auflösung der begrenzten Körpervorstellung und Vergegenwärtigung der Gottheit. Besonders anschaulich ist die Meditation über Amritesha als weiße, vom Mondnektar erfüllte Gestalt. Geistige Verehrung, äußeres Mandala und Feueropfer bilden aufeinander bezogene Ebenen. Die Opfergeräte werden auf Shiva und Shakti bezogen.
Kapitel 4 fasst die Einweihung in knapper Form zusammen und verweist für Einzelheiten auf andere Überlieferungen. Kapitel 5 behandelt Abhisheka, die rituelle Weihe durch Übergießen, und die anschließende Mantrapraxis. Kapitel 6 führt Schutz- und Befriedungsrituale sowie die Meditation über den Nektar aus. Es unterscheidet ausdrücklich grobe, subtile und höchste Zugänge. Der Text stellt damit rituelle Form, yogische Verinnerlichung und Befreiung in einen gemeinsamen Zusammenhang.

Kapitel 7–8: Subtiler und höchster Yoga
Kapitel 7 des Netra Tantra entfaltet die subtile Nektarmeditation. Es beschreibt einen Aufstieg durch Nadis, Chakras und Knoten, das Eingehen in die höchste Stätte und das anschließende Erfüllen des Körpers mit Amrita. Der Körper wird in dieser Vorstellungswelt als ein zusammenhängender Raum von Bewusstsein und Kraft erfahren. Die technischen Einzelheiten setzen den historischen Lehrzusammenhang voraus.
Kapitel 8 des Netra Tantra beschreibt den höchsten Zugang. Die acht Glieder des Yoga werden als Formen der Verankerung im höchsten Bewusstsein verstanden. Vairagya, das Aufgeben von Anhaftung und Abneigung und die Gleichsicht gegenüber den Wesen erhalten besonderes Gewicht. Einerseits wird „Ich bin Shiva“ ausgesprochen, andererseits jede begrenzte Vorstellung von „Ich“ und „Anderem“ überschritten. Diese Aussagen betreffen unterschiedliche Ebenen der Meditation im Text.
Für heutiges Schriftenstudium ist die Verbindung der Kapitel besonders wichtig: Die Verinnerlichung des Netra Tantra hebt seine rituellen Formen nicht einfach auf. Die Quelle beschreibt mehrere Zugänge und verbindet ihre Wirksamkeit mit der lebendigen Gegenwart von Shakti, mit Übung und mit der Lehrerüberlieferung.
Kapitel 9–12: Vielfalt der göttlichen Gestalten
Kapitel 9 des Netra Tantra veranschaulicht die Beziehung zwischen Einheit und Vielgestaltigkeit durch einen Kristall: Er nimmt scheinbar die Farben seiner Umgebung an, ohne sein eigenes Wesen zu verlieren. Entsprechend erscheint die Gottheit in unterschiedlichen Überlieferungen und Gestalten. Die folgende Beschreibung gilt Sadashiva. Kapitel 10 beschreibt Bhairava und seinen Göttinnenkreis, Kapitel 11 Tumburu und die zugehörigen Göttinnen, Botinnen und Diener. Die bildhaften Beschreibungen enthalten sowohl friedvolle als auch furchterregende Formen und werden ungekürzt übersetzt.
Kapitel 12 des Netra Tantra behandelt die acht Muttergöttinnen innerhalb der Kula-Überlieferung. Sie werden als Ursprung, Bewahrerinnen und erneute Hervorbringerinnen der Welt verstanden. Besonders anschaulich ist der Vergleich mit Bauern, die Saatgut aufbewahren und zur passenden Zeit aussäen. Der Text verbindet diese kosmologische Bedeutung mit dem Wunsch nach Schutz und Gedeihen der Lebewesen.
Kapitel 13–16: Überlieferung und Erkenntnis
Kapitel 13 des Netra Tantra setzt die Darstellung verschiedener göttlicher Gestalten und religiöser Überlieferungen fort. Die Vielfalt der Formen wird auf den gemeinsamen Mantraherrn bezogen. Kapitel 14 erörtert, weshalb dieser eine Mantra unterschiedliche Verehrungsformen umfasst, und betont die mündliche Weitergabe. Kapitel 15 verbindet rituelle Wirksamkeit mit der Anerkennung des Guru, mit Reinheit und der inneren Verfassung des Lehrenden.
Kapitel 16 des Netra Tantra entwickelt diese Verbindung ausführlich. Die Göttin fragt nach einer allgemein wirksamen Hilfe für leidende Menschen im Kali Yuga. Die Antwort verbindet das Festhalten an überlieferten Ritualordnungen mit der Erkenntnis der gemeinsamen göttlichen Wirklichkeit. Ein Lehrer, der nur Maße und Formen beherrscht, wird mit einem geschickten Handwerker verglichen; Befreiung setzt nach dem Text Erkenntnis voraus. Jnana, Yoga und rituelles Handeln werden aufeinander bezogen. Anschließend kehrt das Netra Tantra zu Befriedungsritualen und einem Schutzdiagramm zurück.
Die historischen Aussagen über Krankheit, Tod und Wiederbelebung sind Wirkversprechen der Quelle. Ihre Wiedergabe bedeutet keine Bestätigung ihrer medizinischen Wirksamkeit. Für heutige Meditation können die Aufmerksamkeit auf Mitgefühl, innere Klarheit und verantwortliche Unterweisung eigenständig betrachtet werden.
Kapitel 17–18: Schutzräder und Mahalakshmi
Kapitel 17 des Netra Tantra beschreibt Schutzräder, Namen- und Mantraanordnungen sowie die Vergegenwärtigung von Nektar, der den Körper und seine Nadis erfüllt. Es setzt die Schutzrituale aus Kapitel 16 fort und bezieht sie auch auf Könige und ihre Angehörigen.
Kapitel 18 des Netra Tantra beginnt mit Verfahren zur Belebung und Anordnung von Mantras. Es führt dann zur Verehrung von Shri beziehungsweise Mahalakshmi als allumfassender göttlicher Kraft. Die ausführliche Beschreibung des Mandalas, die weiße Erscheinung der Göttin und die Verbindung mit Amritesha oder Shridhara verdeutlichen den übergreifenden Anspruch des Netra Tantra. Der Schluss behandelt Tempelinstallation, Einweihung und Rituale für Verstorbene. Diese Abschnitte werden als historische religiöse Vorstellungen wiedergegeben.
Kapitel 19–22: Schutz, Mantrawesen und Befreiung
Kapitel 19 des Netra Tantra behandelt Muttergöttinnen, Geister, Schutz vor dem schädigenden Blick, königliche Schutzrituale sowie den Schutz von Eltern, Schwangeren, Neugeborenen und Kindern. Die Göttin fragt ausdrücklich, ob eine alldurchdringende Seele überhaupt Schutz benötigt. Die Antwort unterscheidet Befreiung von Unreinheit, Schutz des Jiva und Schutz des Körpers. Religiöse und körperbezogene Deutungen greifen dabei ineinander.
Kapitel 20 des Netra Tantra erörtert die Macht der Yoginis, unterscheidet höchsten, subtilen und groben Yoga und begrenzt die Anwendung von Gegenritualen. Das Netra Tantra warnt vor einem Einsatz aus Geldgier oder Ruhmsucht. Seine Deutung von Opferhandlungen als Befreiung ist als historischer Legitimationsversuch zu untersuchen, nicht als heutige Praxisempfehlung zu übernehmen.
Kapitel 21 fragt nach dem Wesen der Mantras: Wie können körperlose Mantras handeln? Der Text verbindet Shiva, Shakti und individuelles Selbst als drei Prinzipien und beschreibt die Entfaltung von Kraft, Klang und Sprache. Kapitel 22 erläutert abschließend den Vorrang Mrityujits, die Bedeutung des Namens Netra, Lautstufen und Kalas sowie die Beziehung von gereinigtem Selbst und Shiva. Das Netra Tantra endet mit Regeln der Weitergabe durch Einweihung und Lehrerüberlieferung.
Kapitelübersicht und Umfang
Die Vorlage enthält 22 Kapitel mit insgesamt 1285 nummerierten Einträgen sowie vier unnummerierten Schlusshalbversen. Einzelne Einträge sind Halbverse oder weisen eine ungewöhnliche metrische Teilung auf; die Zählung bezeichnet deshalb nicht 1285 sicher vollständig erhaltene Strophen. Die folgenden Kapitelüberschriften sind redaktionell formuliert.
| Kapitel | Redaktionelle Inhaltsüberschrift | Nummerierte Einträge |
|---|---|---|
| 1 | Das göttliche Auge und seine Wirkkraft | 47 |
| 2 | Mitgefühl und die Offenbarung des Mantras | 33 |
| 3 | Verehrung, Visualisierung und Feueropfer | 82 |
| 4 | Einweihung | 10 |
| 5 | Weihe und Mantrapraxis | 10 |
| 6 | Schutzrituale und Nektarmeditation | 50 |
| 7 | Der subtile Yoga | 53 |
| 8 | Der höchste Yoga und die Erkenntnis Shivas | 64 |
| 9 | Einheit und Vielfalt der göttlichen Gestalten | 27 |
| 10 | Bhairava und sein Göttinnenkreis | 45 |
| 11 | Tumburu und die vier Göttinnen | 33 |
| 12 | Die Muttergöttinnen in der Kula-Überlieferung | 15 |
| 13 | Göttliche Gestalten und Überlieferungen | 50 |
| 14 | Der gemeinsame Mantraherr und die mündliche Überlieferung | 11 |
| 15 | Lehrerverehrung und die Reinheit der Mantras | 29 |
| 16 | Erkenntnis, Lehrerbefugnis und Schutzrituale | 116 |
| 17 | Weitere Schutzräder und Nektarvisualisierungen | 31 |
| 18 | Mantraverfahren, Mahalakshmi und Rituale der Befreiung | 121 |
| 19 | Schutz der Seele, des Lebens und des Körpers | 226 |
| 20 | Yoginis und die Grenzen ritueller Gegenmaßnahmen | 75 |
| 21 | Das Wesen und die Wirksamkeit der Mantras | 82 |
| 22 | Netra, Lautstufen und die höchste Vereinigung | 75 |
Unnummerierte Schlusshalbverse folgen auf 1.47, 14.11, 15.29 und 17.31. Sprecherangaben, Kolophone und Schlussverse des Kommentators werden nicht in die Zahl der Grundtextverse eingerechnet.
Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung
Textgrundlage ist die elektronische Muktabodha-Fassung auf KSTS-Grundlage, überliefert in der bereitgestellten Datei Netra Tantra.txt: Muktabodha Indological Research Institute, Katalognummer M00038, netratantra with commentary by kṣemarāja, Revision 0 vom 25. Oktober 2007. Laut Quellenkopf beruht die elektronische Fassung auf Devanagari-Satzdateien von Sudhakar Malaviya nach der Ausgabe der Kashmir Series of Texts and Studies, Bände 46 und 61. Die beiden Druckbände wurden von Madhusudan Kaul Shastri herausgegeben; der bibliografische Nachweis nennt 1926–1939.[4]
Die Quelldatei ist korrektes UTF-8. Die Zeichen ś, ṣ, ṛ, ṅ, ñ und die langen Vokale gehören zur wissenschaftlichen Sanskrit-Umschrift. Es wurden keine ungültigen UTF-8-Bytefolgen und keine Unicode-Ersatzzeichen festgestellt. Der Kopf der Quelle nennt die Lizenz CC BY-NC 4.0. Die Lizenzangabe und die Zuschreibung an Muktabodha müssen bei Verwendung der elektronischen Textfassung erhalten bleiben.
Die Quelle enthält den Grundtext und Kṣemarājas Netroddyota ineinander verschachtelt. Kommentierende Prosa unterbricht vielfach sogar die beiden Hälften eines Verses. In dieser Ausgabe werden die Halbverse wieder zusammengeführt; der Kommentar selbst wird nicht vollständig übersetzt. Die Devanagari-Fassung ist eine Rücktransliteration des hier erfassten IAST-Grundtexts, keine unabhängig kollationierte Sanskritedition.
Hinweis zur Ausgabe: Alle 22 Kapitel sind mit IAST, deutscher Erstübersetzung und anschließender Devanagari-Rücktransliteration erfasst. Die gespeicherten Versnummernfolgen und Textbestandteile wurden nach jedem Kapitel geprüft. Eine unabhängige philologische Endprüfung und der vollständige Vergleich mit dem KSTS-Druck stehen aus. Unsichere Lesungen und vorläufige Textzuordnungen sind im Abschnitt Lesungen, Zuordnung und offene Prüfstellen dokumentiert. Eine gesonderte GRETIL-Fassung wurde nicht als Textzeuge verwendet.
Netra Tantra: Sanskrit mit deutscher Übersetzung
Die Sätze des Sanskrit können sich über Versgrenzen hinweg fortsetzen. Die Übersetzung steht dennoch unmittelbar unter jedem Vers. Sprecherwechsel innerhalb eines Verses bleiben erkennbar. Erläuternde Kapitelüberschriften stammen aus dieser Bearbeitung.
Kapitel 1: Das göttliche Auge und seine Wirkkraft
1.1
tridhā tisṛṣvavasthāsu rūpamāsthāya śaktimān |
udbhavasthitisaṃhārān kṛtsnaviśvasya śaktitaḥ || 1.1 ||
Der mit Shakti Begabte nimmt in den drei Zuständen dreifache Gestalt an und bewirkt durch seine Kraft Entstehen, Bestehen und Auflösung des gesamten Alls.
1.2
vidhātā yo namastasmai śuddhāmṛtamayātmane |
śivāya brahmaviṣṇvīśaparāya paramātmane || 1.2 ||
Ihm, der dies vollbringt, sei Verehrung: Shiva, dessen Wesen reiner Unsterblichkeitsnektar ist, dem höchsten Selbst, das über Brahma, Vishnu und Isha steht.
1.3
kailāsaśikharāsīnaṃ devadevaṃ maheśvaram |
krīḍamānaṃ gaṇaiḥ sārdhaṃ pārvatyā sahitaṃ haram || 1.3 ||
Auf dem Gipfel des Kailasa saß Maheshvara, der Gott der Götter, Hara, zusammen mit Parvati und spielte mit seinen Scharen.
1.4
dṛṣṭvā pramuditaṃ devaṃ prāṇināṃ hitakāmyayā |
utsaṅgādavatīryāśu pādau jagrāha pārvatī || 1.4 ||
Als Parvati den freudigen Gott sah, stieg sie rasch von seinem Schoß herab und ergriff seine Füße, vom Wunsch nach dem Wohl der Lebewesen bewegt.
1.5
papraccha parayā bhaktyā saṃtoṣya parameśvaram |
bhagavan devadeveśa lokanātha jagatpate || 1.5 ||
Nachdem sie den höchsten Herrn durch tiefe Hingabe erfreut hatte, fragte sie: „Erhabener, Herr der Götter, Beschützer der Welten, Gebieter des Alls!
1.6
yat tvayā mahadāścaryaṃ kṛtaṃ vismayakārakam |
sarvasya jagato deva kintu me parameśvara || 1.6 ||
Das große Wunder, das du vollbracht hast, versetzt die gesamte Welt in Staunen, o Gott. Doch mir, höchster Herr,
1.7
durvijñeyaṃ durāsādaṃ rahasyaṃ na prakāśitam |
kārtikeyasya ca na me na sureṣu gaṇeṣu vā || 1.7 ||
ist dieses schwer zu erkennende, schwer zugängliche Geheimnis nicht offenbart worden: weder Karttikeya noch mir, weder den Göttern noch den Scharen,
1.8
yogeśvarīṇāṃ mātṝṇāmṛṣīṇāṃ yogināṃ nahi |
tadadya me jagannātha prasanno'si yadi prabho || 1.8 ||
weder den Herrinnen des Yoga und den Müttern noch den Sehern und Yogis. Wenn du mir heute wohlgesinnt bist, Herr der Welt,
1.9
prārthayāmi prapannāhaṃ niḥśeṣaṃ vaktumarhasi |
evaṃ devyā vacaḥ śrutvā prahāsavadano'bravīt || 1.9 ||
bitte ich dich darum; ich habe bei dir Zuflucht genommen. Erkläre es vollständig!“ Nachdem er diese Worte der Göttin gehört hatte, sprach er mit lächelndem Gesicht:
1.10
kiṃ kiṃ vadasva suśroṇi rahasyaṃ te hṛdi sthitam |
sarvaṃ vakṣyāmyasaṃdehaṃ toṣito'haṃ tvayānaghe || 1.10 ||
„Sage, schönhüftige Göttin, welches Geheimnis dir am Herzen liegt. Ohne Zweifel werde ich dir alles erklären, denn du hast mich erfreut, Makellose.“
1.11
bhagavan devadeveśa citrāścaryapravartaka |
āścaryamīdṛśaṃ ramyaṃ na śrutaṃ tacchṛṇomyaham || 1.11 ||
„Erhabener, Herr der Götter, Urheber mannigfaltiger Wunder! Ein solches herrliches Wunder habe ich noch nicht vernommen; davon möchte ich hören.
1.12
vibho prasannavadana paramānandakāraka |
amātsaryeṇa bhagavan kathanīyaṃ tvayā mama || 1.12 ||
Allgegenwärtiger mit freundlichem Gesicht, der höchste Wonne schenkt! Erhabener, du mögest es mir ohne Zurückhaltung erklären.
1.13
yattadāpo'mayaṃ deva cakṣuḥ sarvatra dṛśyate |
tasmādagniḥ kathaṃ raudra utpannaḥ kāladāhakaḥ || 1.13 ||
Das Auge, o Gott, erscheint doch überall als wasserhaft. Wie entstand daraus ein furchtbares Feuer, das Kala, den Tod, verbrannte?
1.14
yena vai dṛṣṭamātrastu mitrajo bhasmasātkṛtaḥ |
kiṃ tadraudraṃ kṛtaṃ deva vahnikāladidhakṣayā || 1.14 ||
Durch seinen bloßen Anblick wurde Mitraja zu Asche. Was war das für eine furchtbare Tat, o Gott, als du mit Feuer Kala verbrennen wolltest?
1.15
prajvālitaṃ jagatsarvaṃ brahmādisthāvarāntakam |
kāmastathaiva nirdagdho līlayā parameśvara || 1.15 ||
Die gesamte Welt, von Brahma bis zu den unbeweglichen Wesen, wurde in Flammen gesetzt. Ebenso hast du Kama spielerisch verbrannt, höchster Herr.
1.16
krodhanetrānalaṃ nātha dṛśyate yanna kasyacit |
kṛtaṃ yad devadevena mahāvismayakārakam || 1.16 ||
Herr, bei niemandem sieht man ein solches Feuer des Zornesauges. Was der Gott der Götter vollbracht hat, erregt gewaltiges Staunen.
1.17
deva netrāntare vahnistvadṛte kasya dṛśyate |
kiṃ vā vahnimayaṃ cakṣustatkathaṃ na vibhāvyate || 1.17 ||
O Gott, bei wem außer dir zeigt sich Feuer im Inneren des Auges? Oder besteht das Auge aus Feuer? Warum erkennt man es dann nicht als solches?
1.18
yena vai cakṣuṣā kṛtsnaṃ prasaraṃśca jagatpate |
sarvāmṛtamayenaiva jagadāpyāyase kṣaṇāt || 1.18 ||
Herr der Welt, mit eben diesem Auge, das ganz aus Unsterblichkeitsnektar besteht, durchdringst du die ganze Welt und erquickst sie in einem Augenblick.
1.19
māmānandayase deva prasannenaiva cakṣuṣā |
amṛtākāravacchubhraṃ jagadāpyāyakārakam || 1.19 ||
Mit deinem freundlichen Blick erfreust du mich, o Gott. Hell wie eine Quelle des Unsterblichkeitsnektars ist dieses Auge, das die Welt erquickt.
1.20
tasmātkālānalaprakhyaḥ kuto vahniḥ prajāyate |
etatsarvaṃ samāsena bhagavan vaktumarhasi || 1.20 ||
Wie entsteht daraus ein Feuer, das dem Weltenbrand gleicht? Erhabener, erkläre mir dies alles in zusammengefasster Form.“
1.21
atikautūhalāviṣṭā pṛcchasyetacchṛṇu priye |
yanme netrāntare vahniryadvāmṛtamanuttamam || 1.21 ||
„Von großer Neugier erfüllt fragst du danach. Höre, Geliebte, von dem Feuer in meinem Auge und ebenso vom unübertrefflichen Unsterblichkeitsnektar.
1.22
tatsarvaṃ kathayiṣyāmi yogayuktyā śṛṇu priye |
yatsvarūpaṃ nijaṃ śuddhaṃ vyāpakaṃ sarvatomukham || 1.22 ||
Ich werde dir dies alles erklären. Höre mit der Sammlung des Yoga, Geliebte, von meinem eigenen reinen Wesen, das alles durchdringt und nach allen Seiten gewandt ist.
1.23
sarvabhūtāntarāvasthaṃ sarvaprāṇiṣu jīvanam |
yogagamyaṃ durāsādaṃ duṣprāpamakṛtātmabhiḥ || 1.23 ||
Es wohnt im Inneren aller Wesen und ist das Leben in allem Lebendigen. Durch Yoga ist es zugänglich, doch schwer zu erreichen, besonders für diejenigen, die ihr Selbst nicht geläutert haben.
1.24
svaṃ svavīryaṃ svasaṃvedyaṃ mamaiva paramaṃ padam |
tadvīryaṃ sarvavīryāṇāṃ tadvai balavatāṃ balam || 1.24 ||
Es ist mein Eigenstes, meine eigene Wirkkraft, nur durch eigenes Bewusstsein erfahrbar, meine höchste Stätte. Es ist die Wirkkraft aller Kräfte, die Stärke der Starken.
1.25
tadojaścaujasāṃ sarvaṃ śāśvataṃ hyacalaṃ dhruvam |
sā mamecchā parā śaktiḥ śaktiyuktā svabhāvajā || 1.25 ||
Es ist die ganze Lebensmacht der Lebensmächtigen: ewig, unbeweglich und beständig. Es ist mein Wille, die höchste Shakti, aus meinem eigenen Wesen hervorgegangen und voller Kraft.
1.26
vahnerūṣmeva vijñeyā raśmirūpā raveriva |
sarvasya jagato vāpi svā śaktiḥ kāraṇātmikā || 1.26 ||
Man soll sie verstehen wie die Hitze des Feuers und wie das Strahlenlicht der Sonne: als meine eigene Kraft, die Ursache des gesamten Alls.
1.27
sarvajñādiguṇāstatra vyaktāvyaktāśca saṃsthitāḥ |
saivecchā jñānarūpā ca kriyādiguṇavistṛtā || 1.27 ||
In ihr ruhen Allwissenheit und die anderen Eigenschaften, offenbar und unoffenbar. Derselbe Wille ist auch Erkenntnis und entfaltet sich in Wirken und den weiteren Eigenschaften.
1.28
jñānādiṣaḍguṇā ye te tatrasthāḥ prabhavanti hi |
sā vai mahākriyārūpā saṃsthitaikā kriyā matā || 1.28 ||
Die sechs Eigenschaften, beginnend mit Erkenntnis, entfalten sich aus ihrem Ruhen in ihr. Als große Wirkkraft bestehend, gilt diese eine Kraft als Handeln.
1.29
aṇimādiguṇānaṣṭau karoti vikaroti sā |
evaṃ mamecchā jñānākhyā kriyākhyā śaktirucyate || 1.29 ||
Sie bringt die acht Fähigkeiten, beginnend mit dem Kleinwerden, hervor und gestaltet sie um. So wird meine Shakti Wille, Erkenntnis und Handeln genannt.
1.30
sūryācandramasau vahnistridhāmaparikalpanā |
trinetrakalpanā mahyaṃ tadarthamiha dṛśyate || 1.30 ||
Sonne, Mond und Feuer bilden die Vorstellung der drei Leuchtstätten. Auf diese Bedeutung bezieht sich hier die Darstellung meiner drei Augen.
1.31
dahanāpyāyane tena prākāśyaṃ vidadhāmyaham |
sṛṣṭiṃ sthitiṃ saṃhṛtiṃ ca tritanurvidadhāmyaham || 1.31 ||
Durch sie vollbringe ich Verbrennen, Erquicken und Erhellen. In dreifacher Gestalt bewirke ich Schöpfung, Erhaltung und Auflösung.
1.32
tadvīryāpūritaṃ sarvaṃ mama tejopabṛṃhitam |
icchājñānakriyārūpaṃ netrāmṛtamanuttamam || 1.32 ||
Alles ist von dieser Wirkkraft erfüllt und durch meine Strahlkraft gestärkt. Der unübertreffliche Nektar des Auges besteht aus Wille, Erkenntnis und Handeln.
1.33
tadvīryaṃ paramaṃ dhāma yatparāmṛtarūpi ca |
yattattat paramānandaṃ yadetat paramaṃ padam || 1.33 ||
Diese Wirkkraft ist die höchste Lichtstätte und besteht aus höchstem Unsterblichkeitsnektar. Sie ist jene höchste Wonne, sie ist diese höchste Stätte.
1.34
tadetanniṣkalaṃ jñānaṃ viśuddhaṃ netramuttamam |
mṛtyujittena cākhyātaṃ sarveṣāṃ mokṣadāyakam || 1.34 ||
Dies ist das ungeteilte, ganz reine Erkennen, das höchste Auge. Darum wird es Mrityujit, ‚Bezwinger des Todes‘, genannt; es schenkt allen Befreiung.
1.35
tatsiddhidaṃ paraṃ devaṃ sarvaduḥkhavimokṣadam |
sarvavyādhiharaṃ devaṃ sarvāmayaharaṃ śivam || 1.35 ||
Es verleiht Vollendung, ist das höchste Göttliche und befreit von allem Leid: der Gott, der alle Krankheiten beseitigt, Shiva, der jedes Gebrechen aufhebt.
1.36
dāridryaśamanaṃ nityaṃ mṛtyujit sarvatomukham |
amoghamamalaṃ śāntaṃ sarvadaṃ sarvamocanam || 1.36 ||
Es stillt Armut, ist ewig, Bezwinger des Todes und allseitig gegenwärtig; unfehlbar, makellos und friedvoll, gibt es alles und befreit alle.
1.37
sūryakoṭisahasrāṇāṃ vahnyayutasahasraśaḥ |
yattejasā samaṃ tasya kalāṃ nārhati ṣoḍaśīm || 1.37 ||
Die Strahlkraft von Tausenden mal zehn Millionen Sonnen und von Abertausenden Feuern erreicht nicht einmal ein Sechzehntel seiner Leuchtkraft.
1.38
sarvatejomayaṃ yasmāt tvapradhṛṣyaṃ surāsuraiḥ |
tena netrāgninā sarvaṃ nirdahāmi kṣaṇād dhruvam || 1.38 ||
Weil es die gesamte Strahlkraft in sich vereint und für Götter wie Dämonen unangreifbar ist, verbrenne ich durch dieses Augenfeuer gewiss alles in einem Augenblick.
1.39
tenaivāpyāyanaṃ bhūyaḥ prākāśyaṃ vidadhāmi ca |
tasmāt parataraṃ nānyat kiṃcidvīryaṃ pradṛśyate || 1.39 ||
Durch eben dieses bewirke ich wiederum Erquickung und Erhellung. Keine andere Wirkkraft zeigt sich, die über ihm steht.
1.40
tadevāstramayaṃ raudramaṇusantāraṇaṃ param |
kṣayadaṃ sarvaśatrūṇāṃ śastraṃ hyetat prakīrtitam || 1.40 ||
Eben dies ist das furchtbare göttliche Geschoss und die höchste Kraft, die die begrenzten Seelen hinüberführt. Als Waffe wird es bezeichnet, weil es alle Feinde vernichtet.
1.41
sarveṣāmeva bhūtānāmāyurdhatte tadāyudham |
tadekaṃ bahudhā vīryaṃ bhedānantyavisarpitam || 1.41 ||
Allen Wesen erhält es das Leben und ist so ihre Wehr. Diese eine Wirkkraft breitet sich mannigfach in unendlich vielen Unterschieden aus.
1.42
mahāpāśupataṃ mahyaṃ viṣṇostacca sudarśanam |
brahmaṇo brahmadaṇḍastu sarveṣāṃ svaṃ svamāyudham || 1.42 ||
Für mich ist sie das große Pashupata-Geschoss, für Vishnu Sudarshana, für Brahma der Brahma-Stab: für jeden seine eigene Waffe.
1.43
anekākārarūpeṇa āyudhaṃ tadanekadhā |
surāṇāṃ svaṃ svarūpeṇa mayā vīryaṃ samarpitam || 1.43 ||
In vielen Erscheinungsformen wird diese Waffe vielfältig. Den Göttern habe ich die Wirkkraft jeweils in ihrer eigenen Gestalt verliehen.
1.44
yogaśaktyā tu yogeśe tena vyāptamidaṃ jagat |
bhītānāṃ sā parā rakṣā trastānāmabhayaṃ param || 1.44 ||
Durch ihre Yogakraft, Herrin des Yoga, ist diese Welt durchdrungen. Sie ist der höchste Schutz der Furchtsamen, die höchste Furchtlosigkeit der Erschrockenen.
1.45
śatrubhiścārditānāṃ tu mokṣadaṃ paramaṃ dhruvam |
kiṃ vātivistaroktena paunaḥpunyena sundari || 1.45 ||
Den von Feinden Bedrängten schenkt sie höchste, beständige Befreiung. Doch wozu diese allzu ausführliche, wiederholte Erklärung, Schöne?
1.46
yadyattīvrataraṃ raudraṃ śrīmadūrjitameva vā |
prasādaṃ varadaṃ śreyaḥ prākāśyaṃ tattadeva hi || 1.46 ||
Was immer höchst durchdringend, furchtbar, herrlich oder machtvoll ist, was Klarheit, Gaben, Heil und Leuchten gewährt: das alles ist eben diese Kraft.
1.47
tajjñeyamaprameyaṃ ca jñānaṃ mantramahābalam |
trātāraṃ sarvabhūtānāṃ guptaṃ gopyaṃ sadā tvayā || 1.47 ||
Erkenne dies als das Unermessliche, als Erkenntnis und große Kraft der Mantras, als Beschützer aller Wesen. Es ist verborgen und muss von dir stets geheim gehalten werden.
Unnummerierter Schlusshalbvers nach 1.47
tavādya kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ paripṛcchasi |
Dies habe ich dir heute erklärt, Göttin. Wonach fragst du nun weiter?
Kapitel 2: Mitgefühl und die Offenbarung des Mantras
2.1
yadyevaṃ paramaṃ śāntamaprameyaguṇālayam |
sarvānugrāhakaṃ vīryaṃ tava deva mukhācchrutam || 2.1 ||
Die Göttin sprach: „Wenn also diese höchste, friedvolle Wirkkraft, der Hort unermesslicher Eigenschaften, allen Gnade erweist, wie ich aus deinem Mund gehört habe, o Gott:
2.2
bhagavan devadeveśa lokānugrahakāraka |
triyonijamidaṃ sarvaṃ tiryaṅmānuṣadevagam || 2.2 ||
Erhabener, Herr der Götter, der du den Welten Gnade erweist! Diese gesamte Schöpfung aus drei Geburtsbereichen, aus Tieren, Menschen und Göttern,
2.3
ādhivyādhibhayodvignaṃ viṣabhūtabhayārditam |
apamṛtyuśatākīrṇaṃ jvarakāsakṣayānvitam || 2.3 ||
ist erschüttert durch die Furcht vor seelischer Bedrängnis und Krankheit, gequält durch die Furcht vor Gift und Geisterwesen, umgeben von hundert Arten vorzeitigen Todes und von Fieber, Husten und Auszehrung befallen.
2.4
bhūrbhuvarmānuṣe loke viprādiprāṇinastathā |
duḥkhadoṣaśatākīrṇāḥ kutasteṣāṃ sukhaṃ vibho || 2.4 ||
Ebenso sind in den Bereichen Bhur, Bhuvar und in der Menschenwelt die Lebewesen, angefangen bei den Brahmanen, von hundert Leiden und Übeln bedrängt. Woher sollen sie Glück erlangen, Allgegenwärtiger?
2.5
yugānurūpamānena teṣāmāyuḥ svamānataḥ |
jighāṃsanti balopetāstvattejobalabṛṃhitāḥ || 2.5 ||
Ihre Lebensspanne ist nach dem Maß des jeweiligen Weltalters bemessen. Mächtige Wesen, durch deine Strahlkraft und Stärke gewachsen, trachten danach, dieses Leben zu vernichten.
2.6
anekaśataśo bhedairvyādhibhiśca supīḍitāḥ |
teṣāmanugrahārthāya kṛpayā prāṇināṃ hitam || 2.6 ||
Von Krankheiten in vielen hundert verschiedenen Formen werden sie schwer gequält. Aus Mitgefühl, um diesen Lebewesen Gnade zu erweisen und ihr Wohl zu fördern,
2.7
vadopāyaṃ jagannātha mucyante yena sarvataḥ |
yena yena prakāreṇa jñānayogena mantrataḥ || 2.7 ||
nenne ein Mittel, Herr der Welt, durch das sie allseits frei werden: auf welche Weise auch immer, durch Erkenntnis und Yoga oder durch Mantra.
2.8
yadyat paśyasi deveśa tadupāyaṃ vada sva me |
evaṃ devyā vacaḥ śrutvā prahasyovāca śaṅkaraḥ || 2.8 ||
Welches Mittel du auch siehst, Herr der Götter, nenne es mir!“ Nachdem Shankara diese Worte der Göttin gehört hatte, sprach er lächelnd:
2.9
atikāruṇyamāviṣṭā devi tvaṃ pṛcchasīha mām |
na kenacidahaṃ pṛṣṭo nākhyātaṃ kasyacinmayā || 2.9 ||
„Von großem Mitgefühl erfüllt fragst du mich, Göttin. Niemand hat mich danach gefragt, und niemandem habe ich es erklärt.
2.10
satsu mantreṣu sarveṣu netrabhūtaṃ prakīrtitam |
mamāśaye na kenāpi lakṣitaṃ tu sudurlabham || 2.10 ||
Unter allen bestehenden Mantras wird es als das Auge bezeichnet. Es ist äußerst schwer zu erlangen und wurde von niemandem in meinem Inneren erkannt.
2.11
tavādya kathayiṣyāmi triprakāraṃ paraṃ dhruvam |
mantrayogajñānagamyaṃ mokṣadaṃ siddhidaṃ varam || 2.11 ||
Heute werde ich dir dieses höchste, beständige, dreifache Prinzip erklären, das durch Mantra, Yoga und Erkenntnis zugänglich ist, Befreiung und Vollendung schenkt und vortrefflich ist.
2.12
ādau mantramayaṃ vakṣye siddhitrayasamanvitam |
sāṅgaṃ svamudrayā yuktaṃ sarvatrāṇakaraṃ param || 2.12 ||
Zuerst werde ich seine Mantraform erklären, die mit dreifacher Vollendung verbunden ist, mit ihren Gliedern und ihrer eigenen Mudra: den höchsten Schutz für alle.
2.13
bhūtayakṣagrahonmādaśākinīyoginīgaṇaiḥ |
bhaginīrudramātrādiḍāvīḍāmarikādibhiḥ || 2.13 ||
Von Scharen der Bhutas, Yakshas, Grahas, Unmadas, Shakinis und Yoginis, von Bhaginis, Rudra-Müttern, Davis, Damarikas und anderen,
2.14
rūpikābhirapasmāraiḥ piśācaiścāpyanekaśaḥ |
brahmarakṣograhādyaiśca koṭiśo yadi mudritāḥ || 2.14 ||
von Rupikas, Apasmaras, vielerlei Pishachas, Brahmarakshasas, Grahas und anderen, selbst wenn diese zu Millionen auftreten, können Menschen in Beschlag genommen sein.
2.15
apamṛtyubhirākrāntāḥ kālapāśairjighāṃsitāḥ |
rājāno rājatanayā rājapatnyo hyanekaśaḥ || 2.15 ||
Sie können von vorzeitigem Tod heimgesucht und von den Schlingen Kalas mit Vernichtung bedroht sein: Könige, Königssöhne und zahlreiche Königinnen,
2.16
viprādiprāṇinaḥ sarve sarvadoṣabhayārditāḥ |
yena vai smṛtimātreṇa mucyante tad bravīmi te || 2.16 ||
alle Lebewesen, angefangen bei den Brahmanen, von der Furcht vor jeglichem Übel gequält. Ich werde dir das nennen, durch dessen bloße Vergegenwärtigung sie befreit werden.
2.17
bhūpradeśe same śuddhe candanāgurucarcite |
karpūrāmodagandhāḍhye kuṅkumāmodasevite || 2.17 ||
Auf einer ebenen, reinen Bodenfläche, die mit Sandel und Agarholz bestrichen ist, reich an Kampferduft und vom Duft des Safrans erfüllt,
2.18
ācāryastu prasannātmā candanāgurucarcitaḥ |
uṣṇīṣādyairābharaṇairbhūṣitaḥ sumahāmatiḥ || 2.18 ||
soll der hochverständige Lehrer mit heiterem Geist, mit Sandel und Agarholz gesalbt, mit Turban und weiteren Schmuckstücken geschmückt,
2.19
padmamaṣṭadalaṃ kṛtvā mātṛkāṃ tatra cālikhet |
tritanuṃ madhyato nyasya vargān prāgādito likhet || 2.19 ||
einen achtblättrigen Lotus anlegen und darauf die Matrika schreiben. In die Mitte setzt er den Dreigestaltigen; die Buchstabengruppen schreibt er von Osten aus ringsum nieder.
2.20
pūjayet parayā bhaktyā puṣpadhūpādivistaraiḥ |
mantrāṇāṃ mātaraṃ devi proddharenmantradevatām || 2.20 ||
Mit höchster Hingabe soll er die Mutter der Mantras durch Blumen, Räucherwerk und weitere reiche Gaben verehren, o Göttin, und dann die Mantragottheit aus ihr erschließen.
2.21
viśvādyaṃ viśvarūpāntaṃ viśvahāmṛtakandalam |
jyotirdhvaniḥ parāśaktiḥ śiva ekatra saṃsthitaḥ || 2.21 ||
Der Anfang des Alls, das Ende aller Gestalt, der Auflöser des Alls, der Nektarspross, das Licht, der Klang, die höchste Shakti und Shiva sind an einer Stelle vereinigt.
2.22
anena grathitaṃ sarvaṃ sūtre maṇigaṇā iva |
asmānmantrāḥ samutpannāḥ saptakoṭyo'dhikāriṇaḥ || 2.22 ||
Von diesem ist alles zusammengehalten wie eine Schar von Edelsteinen auf einer Schnur. Aus ihm sind die siebzig Millionen mit Wirkmacht betrauten Mantras hervorgegangen.
2.23
citrabhānupadāntaṃ tu śaśāṅkaśakalodaram |
tadaṅkuśordhvavinyastaṃ tiryaggāntordhvayojitam || 2.23 ||
Der letzte Laut des Feldes des Feuers trägt die Mondsichel im Inneren; er wird über den Elefantenhaken gesetzt und oben mit dem letzten Laut des quer Gehenden verbunden.
2.24
etattatparamaṃ dhāma etattatparamāmṛtam |
yattatparamamuddiṣṭamamṛtaṃ lokaviśrutam || 2.24 ||
Dies ist jene höchste Lichtstätte, dies ist jener höchste Unsterblichkeitsnektar: das, was als das Höchste bezeichnet wird und in der Welt als Amrita bekannt ist.
2.25
pīyūṣakalayā yuktaṃ pūrṇacandraprabhopamam |
etattatparamaṃ dhāma etattatparamaṃ padam || 2.25 ||
Mit der Nektarkraft verbunden, gleicht es dem Glanz des Vollmonds. Dies ist jene höchste Lichtstätte, dies ist jene höchste Stätte.
2.26
etattatparamaṃ vīryametattatparamāmṛtam |
tejasāṃ paramaṃ tejo jyotiṣāṃ jyotiruttamam || 2.26 ||
Dies ist jene höchste Wirkkraft, dies ist jener höchste Unsterblichkeitsnektar, die höchste Strahlkraft alles Strahlenden, das höchste Licht aller Lichter.
2.27
sarvasya jagato devamīśvaraṃ kāraṇaṃ param |
sraṣṭā dhartā ca saṃhartā nāstyasya sadṛśo balī || 2.27 ||
Es ist der Gott und Herr der ganzen Welt, ihre höchste Ursache: Schöpfer, Erhalter und Auflöser. Keiner gleicht ihm an Macht.
2.28
mantrāṇāmālayo hyeṣa sarvasiddhiguṇāspadam |
adhunāṅgāni vakṣyāmi saṃnaddho yaistu siddhyati || 2.28 ||
Denn es ist die Wohnstätte der Mantras und die Grundlage aller Vollendungen und Eigenschaften. Nun werde ich die Glieder erklären, mit denen versehen man Vollendung erlangt.
2.29
kṛtāntamadhyamaṃ varṇaṃ svararāṭpañcamānugam |
prabhañjanāntaśirasaṃ hṛdayaṃ sarvasiddhidam || 2.29 ||
Der mittlere Laut des Feldes des Todesherrn, verbunden mit dem fünften nach dem König der Vokale, trägt den letzten Laut des Windfeldes als Haupt: dies ist das Herz, das alle Vollendungen schenkt.
2.30
somāntamanalādyena yuktaṃ praṇavayojitam |
etacchiraḥ....... ...'nilāntena yuktā māyā śikhā smṛtā || 2.30 ||
Der letzte Laut des Mondfeldes, verbunden mit dem ersten des Feuers und mit dem Pranava, ist der Kopf. […] Maya, mit dem letzten Laut des Windes verbunden, gilt als Scheitelbüschel.
2.31
īśāntamīśvarordhvaṃ ca dvādaśārdhordhvayojitam |
śivaśaktyātha nādena yuktaṃ tadvarma cottamam || 2.31 ||
Der letzte Laut des Isha-Feldes wird über Ishvara gesetzt und mit dem sechsten darüber verbunden; zusammen mit Shivas Shakti und Nada ist dies der höchste Schutzpanzer.
2.32
sabhairavādyaṃ praṇavaṃ sadāgatiśiraḥsthitam |
netramantro mahograśca sarvakilviṣanāśanaḥ || 2.32 ||
Der Pranava, zusammen mit dem Anfang Bhairavas und mit dem Haupt des immer Bewegten versehen, ist der äußerst mächtige Augenmantra, der alle Verfehlungen vernichtet.
2.33
ajīvakaṭasaṃyuktamastrametat prakīrtitam |
aṅgaṣaṭkaṃ samākhyātaṃ mantrarājasya siddhidam || 2.33 ||
Mit dem leblosen Laut und kaṭ verbunden wird dies als Geschoss bezeichnet. Damit sind die sechs Glieder des Mantrakönigs erklärt, die Vollendung verleihen.
Kapitel 3: Verehrung, Visualisierung und Feueropfer
Die folgenden Abschnitte beschreiben historische Ritualvorschriften einschließlich traditioneller Wirkversprechen. Die Übersetzung gibt diese Aussagen des Textes wieder.
3.1
adhunā yajanaṃ vakṣye yena siddhyati mantrarāṭ |
ādau snānaṃ prakurvīta sarvakilviṣanāśanam || 3.1 ||
Nun werde ich die Verehrung erklären, durch die der Mantrakönig wirksam wird. Zuerst soll man das Bad vollziehen, das alle Verfehlungen beseitigt.
3.2
astramantreṇa deveśi mṛdamuddhṛtya mantravit |
śaucaṃ yathocitaṃ kṛtvā paścāt snānaṃ samārabhet || 3.2 ||
Die mantrakundige Person soll, Herrin der Götter, mit dem Waffenmantra Erde aufnehmen, die angemessene Reinigung vornehmen und danach das Bad beginnen.
3.3
pādau jaṅghe kaṭiṃ corū pūrvaṃ mṛdbhistribhistribhiḥ |
trirantaritayogena saptabhiḥ śuddhyate punaḥ || 3.3 ||
Zuerst reinige man Füße, Unterschenkel, Hüften und Oberschenkel jeweils dreimal mit Erde, mit jeweils dreifachem Zwischenreinigen; danach reinigt man sich erneut mit sieben Portionen.
3.4
saptābhimantritāṃ kṛtvā mṛdamastreṇa mantravit |
pratāpyārkamukhāṃ paścāccharīramanulepayet || 3.4 ||
Man spreche den Waffenmantra siebenmal über die Erde, erwärme sie zur Sonne gewandt und bestreiche danach den Körper damit.
3.5
vighnopaśamanārthaṃ tu ākṣālya dehamācamet |
vāmahastatale bhāgān mṛtsnāyāstrīṃstu kārayet || 3.5 ||
Zur Beseitigung von Hindernissen spüle man den Körper und vollziehe das rituelle Wasserschlürfen. Auf der linken Handfläche teile man die Erde in drei Portionen.
3.6
astrajaptaṃ kṣipeddikṣu mūlaṃ tīrthe prakalpayet |
aṅgaiḥ śarīramālabhya kṣālya cāntarjalaṃ japet || 3.6 ||
Die mit dem Waffenmantra besprochene Portion werfe man in die Richtungen; die mit dem Grundmantra versehene bringe man am Badeplatz dar. Mit den Gliedmantras bestreiche man den Körper, wasche ihn und rezitiere unter Wasser.
3.7
mūlaṃ śaktyā samuttīrya sandhyāṃ vandeta ca kramāt |
śikhāṃ baddhvā śikhāṃ smṛtvā mantrāṇāṃ tarpaṇaṃ tataḥ || 3.7 ||
Den Grundmantra rezitiere man nach Vermögen. Nach dem Heraussteigen verehre man der Reihe nach die Dämmerungszeiten. Man binde den Haarknoten unter Vergegenwärtigung des Scheitelmantras und bringe dann den Mantras Wasserspenden dar.
3.8
devān pitṛnṛṣīṃścaiva manujān bhūtasaṃyutān |
saṃtarpya tīrthaṃ saṃgṛhya yāgauko vidhinā viśet || 3.8 ||
Nachdem man Götter, Ahnen, Seher, Menschen und weitere Wesen durch Wasserspenden befriedigt und den heiligen Badeplatz rituell zurückgenommen hat, betrete man vorschriftsgemäß den Opferraum.
3.9
āśāmātṛragaṇaṃ lakṣmīṃ nandigaṅge ca pūjayet |
mahākālaṃ tu yamunāṃ dehalīṃ pūjayettataḥ || 3.9 ||
Man verehre die Richtungen, die Mütter, die Schar, Lakshmi, Nandin und Ganga, dann Mahakala, Yamuna und die Türschwelle.
3.10
vighnaproccāṭanaṃ kṛtvā digbandhaṃ kavacāstrataḥ |
svāsanārthaṃ prakalpyātha śaktimādhārikāṃ śubhām || 3.10 ||
Nach der Vertreibung der Hindernisse und der Sicherung der Richtungen durch Schutzpanzer- und Waffenmantra stelle man sich die segensreiche tragende Shakti als Grundlage des eigenen Sitzes vor.
3.11
upaviśya tataḥ kuryāt prāṇāyāmamanukramāt |
dhāraṇāmārabhetātra yugapacchoṣaṇādibhiḥ || 3.11 ||
Nachdem man sich gesetzt hat, vollziehe man der Reihe nach Pranayama. Dann beginne man mit der Konzentration, verbunden mit Austrocknen und den weiteren Vorgängen.
3.12
ṣāṭkośikaṃ tu malinaṃ nirdagdhaṃ tatra bhāvayet |
vijñānaṃ kevalaṃ tatra śūnyaṃ sarvagataṃ smaret || 3.12 ||
Dabei stelle man sich den unreinen, aus sechs Bestandteilen aufgebauten Körper als vollständig verbrannt vor. Man vergegenwärtige allein das leere, allgegenwärtige Bewusstsein.
3.13
nāhamasmi na cānyo'sti dhyeyaṃ cātra na vidyate |
ānandapadasaṃlīnaṃ manaḥ samarasīgatam || 3.13 ||
„Ich bin nicht; auch kein Anderer ist da, und hier gibt es keinen Gegenstand der Meditation.“ Der Geist geht in der Stätte der Wonne auf und gelangt zur Einheit des gleichen Wesens.
3.14
paścādādhāraśaktisthaṃ svāsanaṃ paribhāvayet |
dhātrīṃ payo'rṇavaṃ padmaṃ candrabimbāvabhāsitam || 3.14 ||
Danach stelle man sich den eigenen Sitz auf der tragenden Shakti vor: die Erde, das Milchmeer und den Lotus, erhellt von der Mondscheibe.
3.15
paścāt kālakalāpotthapīyūṣeṇa tu secayet |
mūrtibhūtaṃ tritattvaṃ ca mūlenaiva prakalpayet || 3.15 ||
Dann besprenge man ihn mit dem Nektar, der aus dem Gefüge der Kalas hervorgeht. Die drei Prinzipien, die zur Gestalt werden, vergegenwärtige man durch den Grundmantra.
3.16
tato'ṅgāni karābhyāṃ ca śarīre kalpayet punaḥ |
māntraṃ caivābhimānaṃ tu cintayeddhyānayogataḥ || 3.16 ||
Danach ordne man die Glieder den beiden Händen und erneut dem Körper zu. Durch meditative Sammlung vergegenwärtige man die eigene Identität als Mantra.
3.17
mudrāṃ caivāmṛtāṃ baddhvā padmamudrāmathāpi vā |
dhyāyedātmani deveśaṃ candrakoṭisamaprabham || 3.17 ||
Nachdem man die Amrita-Mudra oder die Lotus-Mudra gebildet hat, meditiere man im eigenen Selbst über den Herrn der Götter, der wie zehn Millionen Monde leuchtet.
3.18
svacchamuktāphalaprakhyaṃ sphaṭikādrisamaprabham |
kundendugokṣīranibhaṃ himādrisadṛśaṃ vibhum || 3.18 ||
Er gleicht einer reinen Perle und strahlt wie ein Kristallberg; er gleicht weißen Jasminblüten, dem Mond und Kuhmilch, der allgegenwärtige Herr, gleich dem Schneegebirge.
3.19
śubhrahārendukandādisitabhūṣaṇabhūṣitam |
sitacandanaliptāṅgaṃ karpūrakṣodadhūsaram || 3.19 ||
Er ist mit weißen Ketten, Mondschmuck und weiteren hellen Schmuckstücken geschmückt, sein Körper mit weißem Sandel bestrichen und mit Kampferpulver bestäubt.
3.20
sphuraccandrāmṛtasphārabahulormipariplutam |
somamaṇḍalamadhyasthamekavaktraṃ trilocanam || 3.20 ||
Er wird von mächtigen Wogen des reich strömenden Nektars des strahlenden Mondes umflutet. Inmitten der Mondscheibe weilt er, mit einem Gesicht und drei Augen.
3.21
sitapadmopaviṣṭaṃ tu baddhapadmāsanasthitam |
caturbhujaṃ viśālākṣaṃ varadābhayapāṇikam || 3.21 ||
Er sitzt auf einem weißen Lotus in gebundenem Lotussitz, vierarmig und mit großen Augen; seine Hände zeigen die Gesten des Gabengewährens und der Furchtlosigkeit.
3.22
pūrṇacandranibhaṃ śubhramamṛtenaiva pūritam |
kalaśaṃ dhārayantaṃ hi jagadāpyāyakārakam || 3.22 ||
Er hält ein weißes Gefäß, das dem Vollmond gleicht und ganz mit Unsterblichkeitsnektar gefüllt ist, wodurch er die Welt erquickt.
3.23
paripūrṇaṃ tathā candraṃ vāmahaste'sya cintayet |
sarvaśvetopacāreṇa pūjitaṃ tamanusmaret || 3.23 ||
In seiner linken Hand stelle man sich auch den vollen Mond vor. Man vergegenwärtige ihn als durch ausschließlich weiße Gaben verehrt.
3.24
bahunātra kimuktena sākṣādamṛtasāgaraḥ |
asmādeva samutpannamamṛtaṃ viśvajīvanam || 3.24 ||
Wozu hier viele Worte? Er ist unmittelbar ein Meer des Unsterblichkeitsnektars. Aus ihm selbst ist der Nektar hervorgegangen, der das Leben des Alls ist.
3.25
atha cintāmaṇiprakhyaṃ bhāvabhedena saṃsmaret |
saumyaṃ raudraṃ tathā bhīmaṃ vikṛtaṃ bhāvabhedataḥ || 3.25 ||
Dann vergegenwärtige man ihn dem Wunschedelstein gleich, gemäß der jeweiligen inneren Ausrichtung: friedvoll, zornig, furchtbar oder verwandelt, je nach dieser Ausrichtung.
3.26
sadāśivaṃ tumburuṃ ca bhairavaṃ vīranāyakam |
evaṃ dhyātvā yajeddevaṃ mānasaiḥ kusumaiḥ śubhaiḥ || 3.26 ||
Als Sadashiva, Tumburu oder Bhairava, den Herrn der Helden, soll man ihn so meditierend mit segensreichen geistigen Blumen verehren.
3.27
hṛtpadme sarvasiddhyarthaṃ paścād bāhye prapūjayet |
mānasaiḥ kusumairyārcā sāttvikī sā sthirā matā || 3.27 ||
Im Lotus des Herzens tue man dies zur Erlangung aller Vollendungen und verehre ihn danach äußerlich. Die Verehrung mit geistigen Blumen gilt als sattvig und beständig.
3.28
anirmālyā parā śuddhā mokṣadā siddhidā śubhā |
tasmāt sarvaprayatnena mānasaṃ yajanaṃ dhruvam || 3.28 ||
Sie hinterlässt keine verwelkten Opferreste, ist erhaben, rein und segensreich, schenkt Befreiung und Vollendung. Darum ist die geistige Verehrung mit aller Sorgfalt gewiss
3.29
ādāveva prakartavyaṃ paścād dravyaistu vistaraiḥ |
svagṛhe devatāgāre saṅgame girimūrdhani || 3.29 ||
gleich zu Beginn auszuführen, danach die Verehrung mit vielfältigen stofflichen Gaben: im eigenen Haus, im Tempel, an einem Zusammenfluss oder auf einem Berggipfel,
3.30
supraśaste tu bhūbhāge padmakhaṇḍe suśobhane |
ālikhenmaṇḍalaṃ citraṃ sitarekhopaśobhitam || 3.30 ||
auf einem besonders geeigneten Stück Erde oder an einem schönen Lotusgewässer. Dort zeichne man ein buntes Mandala, geschmückt mit weißen Linien.
3.31
caturdvāraṃ catuṣkoṇaṃ susamaṃ tu manoramam |
śobhopaśobhāsaṃpannaṃ tanmadhye śaśimaṇḍalam || 3.31 ||
Es soll vier Tore und vier Ecken besitzen, wohlproportioniert, schön und mit Haupt- und Nebenverzierungen ausgestattet sein. In seiner Mitte befindet sich die Mondscheibe,
3.32
saṃpūrṇacandrasadṛśaṃ raśmimālāvalīyutam |
tanmadhye'ṣṭadalaṃ padmaṃ susitaṃ candrasannibham || 3.32 ||
dem Vollmond gleich, von Strahlenkränzen umgeben. In ihrer Mitte liegt ein achtblättriger Lotus, ganz weiß und dem Mond ähnlich,
3.33
vicitrakesaropetaṃ hemakarṇikamuttamam |
tanmadhye devadeveśaṃ svasthānādavatārayet || 3.33 ||
mit vielfältigen Staubfäden und einer ausgezeichneten goldenen Mitte. In diese Mitte lasse man den Herrn der Götter von seiner eigenen Stätte herabsteigen.
3.34
uttānau tu karau kṛtvā aṅguṣṭhau tatra madhyagau |
āvāhayettato devaṃ tridehaparikalpitam || 3.34 ||
Mit nach oben gewandten Händen und den Daumen in ihrer Mitte rufe man den Gott herbei, dessen Gestalt als dreifach vergegenwärtigt wird.
3.35
āgneyyādivibhāgena daleṣvaṅgāni vinyaset |
pūjyaṃ śvetopacāreṇa puṣpāmbaravilepanaiḥ || 3.35 ||
Von Südosten aus ordne man die Glieder auf den Blütenblättern an. Man verehre ihn mit weißen Gaben: Blumen, Gewändern und Salben,
3.36
naivedyairvividhaiścitrairdhūpairmṛṣṭaiḥ sudhūpitam |
hṛdyaiḥ pānaiśca vividhaiḥ bhāvabhedena pūjayet || 3.36 ||
mit verschiedenen, vielfältigen Speisen und wohlriechendem Räucherwerk, das ihn umduftet, sowie mit verschiedenen angenehmen Getränken, jeweils entsprechend der inneren Ausrichtung.
3.37
sarvaśvetopacāreṇa śāntyarthaṃ pūjayet priye |
puṣṭyarthaṃ bahubhirmiśraiḥ saṃbhāraiḥ saṃbhṛtairyajet || 3.37 ||
Zur Befriedung verehre man ihn, Geliebte, mit ausschließlich weißen Gaben. Zur Förderung des Gedeihens opfere man mit zahlreichen zusammengestellten, gemischten Materialien.
3.38
paścāddhomaṃ prakurvīta yathākāmānusārataḥ |
trimekhale vartule ca caturaśre suśobhane || 3.38 ||
Danach vollziehe man das Feueropfer entsprechend dem jeweiligen Wunsch: in einer schönen runden oder viereckigen Grube mit drei Rändern,
3.39
hastamātre'ntataḥ kuṇḍe ṣaḍaṃśenordhvamekhalā |
madhyamā dvicatuṣkeṇa dvādaśāṃśādhamā bhavet || 3.39 ||
deren Innenmaß eine Elle beträgt. Der obere Rand misst ein Sechstel, der mittlere ein Achtel, der untere ein Zwölftel davon.
3.40
dairghyācca pārśvatastadvat ṣaṇmadhyāgre'ṅgulatrayām |
uktaṃ sāhasrike home dviguṇaṃ cāyute matam || 3.40 ||
In der Länge und seitlich ebenso; in der Mitte sechs und an der Spitze drei Fingerbreiten. Dies gilt für ein Opfer mit tausend Darbringungen; bei zehntausend ist das doppelte Maß vorgesehen.
3.41
tripañcāyute home tu dviguṇaṃ tadvidhīyate |
kuṇḍaṃ vai lakṣaṇopetaṃ lakṣahome praśasyate || 3.41 ||
Bei einem Feueropfer von drei- oder fünfmal zehntausend ist wiederum das Doppelte vorgeschrieben. Für hunderttausend Darbringungen wird eine Grube mit den entsprechenden Merkmalen empfohlen.
3.42
nitye naimittike kāmye śāntau puṣṭau ca vartulam |
sarvasiddhau praśasyeta śrīkāmye caturaśrakam || 3.42 ||
Eine runde Grube empfiehlt sich für tägliche, anlassbezogene und wunschbezogene Riten, für Befriedung, Gedeihen und alle Vollendungen. Für den Wunsch nach Wohlstand ist eine viereckige geeignet,
3.43
śasyate pūrvamānena śiṣṭaṃ vai karmabhedataḥ |
saṃskārāstasya kuṇḍasya kartavyā hyastramantrataḥ || 3.43 ||
nach dem zuvor genannten Maß. Das Übrige richtet sich nach der Art der Handlung. Die Weihen dieser Grube sollen mit dem Waffenmantra ausgeführt werden:
3.44
adhaḥkhananamuddhāra ītikṣepaḥ prapūraṇam |
secanaṃ kuṭṭanaṃ caiva mārjanaṃ lepanaṃ tathā || 3.44 ||
Ausheben, Herausnehmen, Wegwerfen störender Bestandteile, Auffüllen, Besprengen und Feststampfen, Auswischen und Bestreichen.
3.45
praṇavena tu kartavyaṃ kuṇḍasya parikalpanam |
catuṣpathaṃ cākṣavāṭaṃ vāgīśyā gṛhakalpanam || 3.45 ||
Mit dem Pranava soll die Grube rituell ausgestaltet werden: als Kreuzung, Spielplatz und Wohnstatt der Vagishi.
3.46
asinā praṇavenaiva vāgīśyāvāhanaṃ punaḥ |
arcanaṃ devi kartavyaṃ tritattvena ukṣaṇaṃ tathā || 3.46 ||
Dies geschieht mit dem Schwertmantra; die Herbeirufung Vagishis wiederum mit dem Pranava. Die Verehrung, Göttin, und ebenso die Besprengung sind mit den drei Prinzipien auszuführen.
3.47
astreṇa tāḍanaṃ caiva saṃskṛtya vidhipūrvakam |
kriyāśaktisvarūpeṇa kauṇḍalyā kuṇḍakalpanam || 3.47 ||
Man vollziehe auch das Anschlagen mit dem Waffenmantra und weihe die Grube vorschriftsgemäß. Man stelle sie sich als Kundali, die Gestalt der Handlungskraft, vor.
3.48
jñānaśaktisvarūpaṃ tu vahniṃ tatropakalpayet |
vahnimādāya pātrasthaṃ pañcasaṃskārasaṃskṛtam || 3.48 ||
Das Feuer vergegenwärtige man dort als Gestalt der Erkenntniskraft. Man nehme das Feuer, das in einem Gefäß liegt und durch fünf Weihen geläutert wurde.
3.49
nirīkṣaṇādi cāstreṇa kavacenāvaguṇṭhanam |
praṇavenāhutīḥ pañca hutvā kravyādaśuddhaye || 3.49 ||
Die Betrachtung und die weiteren Handlungen erfolgen mit dem Waffenmantra, die Umhüllung mit dem Schutzpanzermantra. Man opfere fünf Gaben mit dem Pranava zur Reinigung vom fleischverzehrenden Feuer.
3.50
viśvāgnyāpādanaṃ paścāt kurvīta bhramayettridhā |
bījarūpaṃ tato vahnimātmānaṃ parameśvaram || 3.50 ||
Danach stelle man es als Allfeuer her und führe es dreimal im Kreis. Das Feuer vergegenwärtige man als Samen und sich selbst als höchsten Herrn.
3.51
māyāṃ caiva tu vāgīśīṃ yonau saṃkṣobhya saṃkṣipet |
vartulīkṛtya viśvāgnau pūjanaṃ praṇavena tu || 3.51 ||
Maya stelle man sich als Vagishi vor; nachdem man ihre Yoni erregt hat, lege man das Feuer hinein und führe es im Kreis. Im Allfeuer geschehe die Verehrung mit dem Pranava.
3.52
kartavyaṃ tanmukhe paścāt saṃskārāstu tato'nale |
garbhādhānaṃ puṃsavanaṃ sīmantonnayanaṃ tathā || 3.52 ||
Sie ist an seiner Mündung auszuführen. Danach folgen im Feuer die Weihen: Empfängnis, das Ritual zur Zeugung eines Sohnes und die Scheitelteilung.
3.53
vaktrakalpananiṣkrāmasīmagrīvādikalpanam |
jātakarma tathaivātra niṣkrāmo nāmakalpanā || 3.53 ||
Es folgen die Gestaltung des Mundes, das Heraustreten sowie die Gestaltung von Begrenzung und Hals; ebenso das Geburtsritual, das Hinausführen und die Namensgebung.
3.54
hṛdayādyaṅgaṣaṭkena kartavyamanupūrvaśaḥ |
cūḍādyā ye tu bālāntāḥ pūrṇāhutyaikayā puraḥ || 3.54 ||
Mit den sechs Gliedern, beginnend mit dem Herzen, ist dies der Reihe nach auszuführen. Die weiteren Kindheitsweihen, beginnend mit der Haarschur, werden zunächst mit einer einzigen vollen Opfergabe vollzogen.
3.55
saṃskārānapi sarvāṃstān vahnau mūlena pūrayet |
śivaśaktimayau tatra kalpayeta vidhānavit || 3.55 ||
Auch all diese Weihen vollende man im Feuer durch den Grundmantra. Die beiden Opferlöffel stelle die vorschriftenkundige Person dort als Shiva und Shakti vor.
3.56
sruksruvau tau dṛḍhau kāryau kṣīravṛkṣasamudbhavau |
śasyete śāntipuṣṭyostu praśastadrumasaṃbhavau || 3.56 ||
Der große und der kleine Opferlöffel sollen fest und aus einem milchsaftführenden Baum hergestellt sein. Für Befriedung und Gedeihen werden Löffel aus geeigneten Bäumen empfohlen.
3.57
anyatra bhāvabhedena kāryau karmānurūpataḥ |
ṣaṭtriṃśāṅgulamānena srug vā bāhupramāṇataḥ || 3.57 ||
Für andere Zwecke sind sie entsprechend der Handlung und der inneren Ausrichtung herzustellen. Der große Opferlöffel misst sechsunddreißig Fingerbreiten oder eine Armlänge.
3.58
ṣaḍaṃśapariṇāhena daṇḍaḥ kumbhasamutthitaḥ |
caturaṅgulapīṭhāgraḥ sarvataścaturaṅgulaḥ || 3.58 ||
Der aus dem topfförmigen Ansatz hervorgehende Stiel hat einen Umfang von einem Sechstel. Er trägt vorn eine vier Fingerbreiten messende Auflage, die nach allen Seiten vier Fingerbreiten misst.
3.59
pīṭhaṃ catuṣkikākāraṃ tatpīṭhaṃ kamalodaram |
kartavyaṃ daṇḍamadhye tu dvyaṅgulāyatavartulam || 3.59 ||
Die Auflage ist viereckig und hat einen Lotus im Inneren. Sie ist in der Mitte des Stiels anzubringen; der runde Lotus darin erstreckt sich über zwei Fingerbreiten.
3.60
ardhāṅgulasamutsedhaṃ vicitraracanāṅgulam |
vedikāṣṭāṅgulā kāryā caturasrā suśobhanā || 3.60 ||
Er ist eine halbe Fingerbreite hoch und mit verschiedenartiger fingerbreiter Verzierung versehen. Die schöne viereckige Opferfläche ist acht Fingerbreiten groß anzulegen.
3.61
adhaḥpadmaniviṣṭā tu ūrdhvaṃ pañcāṅgulāyatam |
khātaṃ tu tryaṅgulaṃ kāryaṃ tadūrdhve vartulaṃ kramāt || 3.61 ||
Unten ruht sie auf einem Lotus; oben erstreckt sie sich über fünf Fingerbreiten. Eine Vertiefung von drei Fingerbreiten ist anzulegen, darüber der Reihe nach eine Rundung.
3.62
ardhāṅgulapramāṇaiśca tilakairupaśobhitam |
tacca pārśvacatuṣkaṃ tu catuṣkoṇasamanvitam || 3.62 ||
Sie ist mit Schmuckzeichen von einer halben Fingerbreite zu verzieren. Die vier Seiten sind mit vier Ecken versehen,
3.63
śilpivijñānaracanānānāsuracanaṃ ca tat |
kaṇṭha ekāṅgulaḥ kāryastattribhāgavibhaktitaḥ || 3.63 ||
und das Ganze erhält durch die Sachkenntnis des Handwerkers vielfältige schöne Gestaltung. Der Hals ist eine Fingerbreite groß anzulegen und in drei Teile zu gliedern,
3.64
pārśvayostu tathā kāryaṃ mukhaṃ saptāṅgulaṃ śubham |
dairghyāt tatpārśvato'ṣṭau tu dvau bhāgau hrāsayet kramāt || 3.64 ||
an seinen Seiten. Ebenso soll die schöne Mündung sieben Fingerbreiten lang sein; seitlich acht. Zwei Teile sind der Reihe nach zu verringern.
3.65
mukhāgraṃ tattribhāgaṃ tu dvau bhāgau tasya pārśvataḥ |
vartayet vedhayettattu kaniṣṭhāṅgulimānataḥ || 3.65 ||
Die Spitze der Mündung gliedere man in drei Teile und runde die beiden seitlichen Teile ab. Man durchbohre sie im Maß des kleinen Fingers.
3.66
nimnaṃ nimnataraṃ kuryādyāvadagramukhāntaram |
pārśvayośca tathā kāryā vicitraracanā śubhā || 3.66 ||
Man lasse die Vertiefung bis zum Ende der vorderen Mündung immer tiefer werden. Ebenso ist an beiden Seiten eine schöne, vielfältige Verzierung anzubringen.
3.67
hastamātraṃ sruvaṃ kuryānmūlapīṭhaṃ triśākhinam |
madhyāgrapīṭhapadmāṅkaṃ kaṇṭhe'ṅgulasuvartulam || 3.67 ||
Den kleinen Opferlöffel fertige man eine Elle lang, mit dreifach verzweigter Grundauflage, mit einem Lotuszeichen auf der mittleren vorderen Auflage und am Hals schön rund, eine Fingerbreite messend.
3.68
caturaṅguladīrghaṃ tu dvipuṭāgraṃ suvartitam |
aṅguṣṭhaparvavat khātaṃ goṣpadākṛti kārayet || 3.68 ||
Sein vorderer Teil ist vier Fingerbreiten lang, schön gerundet und zweifach ausgehöhlt. Die Höhlung soll einem Daumenglied und der Gestalt einer Kuhspur gleichen.
3.69
kaniṣṭhāṅgulimānena pratiśākhaṃ tu vartulam |
vartayedracanāyuktaṃ karṣāpūritavaktrakam || 3.69 ||
Jeden Zweig runde man im Maß des kleinen Fingers ab und versehe ihn mit Gestaltung. Die Mündung soll eine Karsha-Menge aufnehmen.
3.70
catuṣpalā bhavet pūrṇā srukśaktistu sruvaḥ śivaḥ |
kriyāśaktistu vai kuṇḍaṃ jñānaśaktistathānalaḥ || 3.70 ||
Eine volle Opfergabe soll vier Pala betragen. Der große Opferlöffel ist Shakti, der kleine Shiva; die Grube ist die Handlungskraft und das Feuer die Erkenntniskraft.
3.71
evaṃ saṃpādya vidhivat paścāddhomaṃ samārabhet |
tilaiḥ kṣīrayutairhomāccharkarāghṛtasaṃyutaiḥ || 3.71 ||
Nachdem man alles so vorschriftsgemäß vorbereitet hat, beginne man das Feueropfer. Durch Darbringung von Sesam mit Milch, Zucker und geklärter Butter
3.72
mahāśāntiḥ prajāyeta tatkṣaṇānnātra saṃśayaḥ |
ādau caivājyasaṃskārān kuryāddhomaṃ tataḥ param || 3.72 ||
entsteht augenblicklich große Befriedung; daran besteht kein Zweifel. Zuerst vollziehe man die Weihen der geklärten Butter und danach das Feueropfer.
3.73
adhiśrayaṇamudvāsaṃ bhramaṇaṃ sthāpanaṃ tataḥ |
nirīkṣaṇaṃ tathāstreṇa nīrājanamataḥ param || 3.73 ||
Dazu gehören Aufsetzen zum Erhitzen, Herunternehmen, Herumführen und Aufstellen, dann die Betrachtung mit dem Waffenmantra und anschließend das Umkreisen mit Licht,
3.74
paryagnikaraṇaṃ caiva tathaivotplavasaṃplavau |
astreṇaiva 'rcanaṃ mūlenāmṛtīkaraṇaṃ tathā || 3.74 ||
ferner das Umführen des Feuers sowie die beiden Reinigungen durch Auf- und Durchschöpfen mit dem Waffenmantra; dann Verehrung mit dem Grundmantra und Verwandlung in Nektar.
3.75
darbhāstaraviṣṭarāṇi paridhīnastramantrataḥ |
sūryācandramasau bāhye kalpayet praṇavena tu || 3.75 ||
Die Darbha-Streu, die Sitze und die Umlegehölzer ordne man mit dem Waffenmantra an. Außerhalb vergegenwärtige man Sonne und Mond mit dem Pranava.
3.76
bhāvayennavajihvaṃ tu pūrṇāṃ mūlena pātayet |
tataḥ paścāttu taṃ mantraṃ sāṅgaṃ madhyagataṃ yajet || 3.76 ||
Man stelle sich das Feuer als neunzüngig vor und bringe mit dem Grundmantra die volle Opfergabe dar. Danach verehre man in seiner Mitte den Mantra samt seinen Gliedern.
3.77
evaṃkṛte tu juhuyānmantraṃ karmānusārataḥ |
payasā ghṛtayuktena puṣṭirbhavati śāśvatī || 3.77 ||
Ist dies geschehen, opfere man mit dem Mantra gemäß der beabsichtigten Handlung. Durch Milch mit geklärter Butter entsteht beständiges Gedeihen.
3.78
ghṛtagugguluhomena pūrṇāyurbhavati dhruvam |
śrīkāmo juhuyāt padmān ghṛtakṣīrapariplutān || 3.78 ||
Durch ein Feueropfer mit geklärter Butter und Guggulu erlangt man gewiss die volle Lebensspanne. Wer Wohlstand wünscht, opfere Lotusblüten, die in Butter und Milch getränkt sind.
3.79
rājyakāmastu bilvāni trimadhvāktāni homayet |
kṣīravṛkṣasamidbhistu homādārogyamāpnuyāt || 3.79 ||
Wer Königsherrschaft wünscht, opfere Bilva-Früchte mit den drei süßen Substanzen. Durch Brennhölzer von milchsaftführenden Bäumen erlangt man beim Feueropfer Gesundheit.
3.80
praśastasamidhā homāt praśastataruje'nale |
sarvān kāmānavāpnoti satyameva na cānyathā || 3.80 ||
Durch ein Feueropfer mit geeigneten Brennhölzern in einem Feuer aus geeignetem Holz erlangt man alle Wünsche. Dies ist wahr und nicht anders.
3.81
vrīhisaptakahomena dhanārthī dhanabhāgbhavet |
īhitaṃ kāmamuddiśya īhitaṃ homamācaret || 3.81 ||
Wer Reichtum wünscht, erhält Reichtum durch das Opfer der sieben Reis- beziehungsweise Getreidearten. Auf den gewünschten Zweck gerichtet, vollziehe man das entsprechende Feueropfer.
3.82
payasā kevalenaiva homānmṛtyuṃ jayed dhruvam || 3.82 ||
Durch ein Feueropfer allein mit Milch besiegt man gewiss den Tod.
Kapitel 4: Einweihung
4.1
atha dīkṣāṃ pravakṣyāmi bhuktimuktiphalapradām |
tattvaiḥṣaṭtriṃśatārdhena tadardhenātha pañcabhiḥ || 4.1 ||
Nun werde ich die Einweihung erklären, die Genuss und Befreiung als Frucht gewährt. Sie kann mit sechsunddreißig Prinzipien, mit deren Hälfte, wiederum deren Hälfte oder mit fünf erfolgen,
4.2
tribhirekena vā kāryā parāparavibhūtaye |
kalābhiḥ pañcabhirvātha padairdīkṣā'thavā punaḥ || 4.2 ||
mit drei oder einem, zur höheren und niederen Entfaltung. Oder die Einweihung erfolgt durch die fünf Kalas, ferner durch die Wörter,
4.3
varṇaiḥ pañcāśatā vāpi mantrairvā bhuvanaistathā |
etaiḥ sarvaiḥ prakartavyā kāryā hyekatamā'thavā || 4.3 ||
durch die fünfzig Laute, durch Mantras oder durch die Welten. Sie ist mit all diesen zusammen oder mit einem einzelnen dieser Wege auszuführen.
4.4
sarvaistu samudāyena śaktivyaktisvarūpataḥ |
yathāvibhavasāreṇa kartavyā daiśikottamaiḥ || 4.4 ||
Mit allen gemeinsam, entsprechend der Erscheinungsform der Shakti, sollen ausgezeichnete Lehrer sie nach dem Maß ihrer Möglichkeiten vollziehen.
4.5
vāgīśīpūjanaṃ kāryaṃ tadgarbhe yojayet paśum |
garbhādhānaṃ tu jananamadhikāro layastathā || 4.5 ||
Vagishi ist zu verehren; in ihren Schoß soll man die gebundene Seele versetzen. Dann folgen Empfängnis, Geburt, Amtsübernahme, Auflösung,
4.6
bhogaḥ karmārjanaṃ caiva niṣkṛtistadanantaram |
mūlamantreṇa kartavyaṃ pāśacchedastathā smṛtaḥ || 4.6 ||
Erfahrung, Erwerb von Karma und anschließend dessen Tilgung. Dies ist mit dem Grundmantra auszuführen; ebenso ist das Durchschneiden der Fesseln vorgesehen,
4.7
astramantreṇa dāhastu bhasmīkaraṇatatsthite |
śikhācchedaṃ tato homaṃ mūlenaiva tu yojayet || 4.7 ||
mit dem Waffenmantra; ferner Verbrennen, Zu-Asche-Machen und das Verweilen darin. Nach dem Abschneiden des Haarknotens und dem Feueropfer verbinde man die Seele allein durch den Grundmantra.
4.8
saṃyojya parame tattve saṃsthānaṃ tatra kārayet |
adhikārārthamācārye parāparapade sthite || 4.8 ||
Nachdem man sie mit dem höchsten Prinzip verbunden hat, lasse man sie darin Bestand gewinnen. Beim Lehrer geschieht dies zur Übertragung der Befugnis, wobei er in der höheren und niederen Stätte ruht,
4.9
śivatve sādhakānāṃ tu vidyāddīkṣāṃ sadāśive |
putrake parame tattve samayinyaiśvare tathā || 4.9 ||
im Shiva-Zustand; für die Praktizierenden ist die Einweihung in Sadashiva zu verstehen, für den Putraka im höchsten Prinzip und für den Samayin im Ishvara-Prinzip.
4.10
evamuddeśato dīkṣā kathitā vistaro'nyataḥ || 4.10 ||
So ist die Einweihung in ihren Grundzügen erklärt. Die ausführliche Darstellung ist anderswo zu finden.
Kapitel 5: Weihe und Mantrapraxis
5.1
abhiṣekaṃ pravakṣyāmi yathā yasyeha dīyate |
aṣṭabhiḥ kalaśairdeya ācāryasya vidhānataḥ || 5.1 ||
Ich werde die Weihe durch Übergießen erklären: wie und wem sie hier erteilt wird. Dem Lehrer ist sie vorschriftsgemäß mit acht Gefäßen zu erteilen.
5.2
te ca vidyeśvarāḥ proktāḥ samudrāśca sagarbhagāḥ |
pañcabhirbhūtasaṃkhyairvā tribhirvā tattvarūpakaiḥ || 5.2 ||
Diese gelten als Herren der Erkenntnis und als Meere, die ihren Inhalt in sich tragen. Oder man verwendet fünf Gefäße entsprechend den Elementen oder drei als Darstellungen der Prinzipien,
5.3
ātmavidyāśivākhyaistu ekenāpi śivātmanā |
adhikārārthamācārye sādhake siddhikāmataḥ || 5.3 ||
die Atman, Vidya und Shiva heißen, oder auch nur eines, dessen Wesen Shiva ist. Beim Lehrer dient die Weihe der Befugnis, beim Praktizierenden dem Wunsch nach Vollendung.
5.4
abhiṣikto hyanujñātaḥ prakuryānmantrasādhanam |
tadvratastatsamācārastadbhaktastatparāyaṇaḥ || 5.4 ||
Geweiht und ermächtigt soll er die Mantrapraxis ausführen, ihren Gelübden und ihrer Lebensführung folgen, ihr ergeben und ganz auf sie ausgerichtet sein.
5.5
pavitrāhāranirato laghvāśī saṃyatendriyaḥ |
ekānte puṇyakṣetre tu tīrthāyatanagocare || 5.5 ||
Reiner Nahrung zugetan, wenig essend und mit beherrschten Sinnen soll er an einem abgeschiedenen, heiligen Ort, an einer Pilgerstätte oder einem Heiligtum,
5.6
sarvasaṃyogojjhitamanāḥ sādhako japamārabhet |
lakṣamekaṃ japenmantrī pūrvasevāsamanvitaḥ || 5.6 ||
mit einem Geist, der alle Bindungen abgelegt hat, die Rezitation beginnen. Der Mantrapraktizierende soll den Mantra hunderttausendmal rezitieren und die vorbereitende Verehrung vollziehen.
5.7
tena sāmānyakarmāṇi siddhyante sādhakasya tu |
bhaumīṃ siddhimavāpnoti daśalakṣajapena tu || 5.7 ||
Dadurch gelingen ihm die gewöhnlichen rituellen Handlungen. Durch eine Million Rezitationen erlangt er die irdische Vollendung.
5.8
āntarikṣīṃ ca labhate lakṣapañcāśatā dhruvam |
divyāṃ siddhimavāpnoti sādhako nātra saṃśayaḥ || 5.8 ||
Er erlangt auch die Vollendung des Luftraums. Durch fünf Millionen Rezitationen erlangt der Praktizierende gewiss die göttliche Vollendung; daran besteht kein Zweifel.
5.9
tathā koṭikṛte japya eśvarīṃ siddhimāpnuyāt |
vyāpakastu śivo bhūtvā nigrahānugrahakṣamaḥ || 5.9 ||
Bei zehn Millionen Rezitationen erlangt er die herrscherliche Vollendung. Als allgegenwärtiger Shiva ist er fähig zu Einschränkung und Gnadenerweisung.
5.10
yathecchaṃ kurute sarvaṃ dhārayet saṃhared bhṛśam |
sarvagaḥ sarvakartā ca sarvajño bhavati dhruvam || 5.10 ||
Nach seinem Willen vollbringt er alles, erhält und löst es kraftvoll auf. Er wird gewiss allgegenwärtig, allwirkend und allwissend.
Kapitel 6: Schutzrituale und Nektarmeditation
6.1
śruto mayā mahādeva mṛtyujit siddhimokṣadaḥ |
adhunā śrotumicchāmi siddhitrayasamanvitam || 6.1 ||
Die Göttin sprach: „Ich habe von Mrityujit gehört, großer Gott, der Vollendung und Befreiung schenkt. Nun möchte ich von ihm als dem mit dreifacher Vollendung Verbundenen hören,
6.2
amṛteśaṃ mahātmānaṃ sarvaprāṇiṣu jīvitam |
yathā siddhipradaṃ loke mānavānāṃ hitaṅkaram || 6.2 ||
von Amritesha, dem Erhabenen, dem Leben in allen Lebewesen: wie er in der Welt Vollendung verleiht und das Wohl der Menschen fördert,
6.3
pūrvoktaduṣṭaśamanamapamṛtyuvināśanam |
āpyāyanaṃ śarīrasya śāntipuṣṭipradaṃ śubham || 6.3 ||
die zuvor genannten schädlichen Mächte besänftigt, vorzeitigen Tod beseitigt, den Körper erquickt und segensreich Frieden und Gedeihen schenkt.“
6.4
śrūyatāṃ saṃpravakṣyāmi rahasyaṃ paramādbhutam |
yathā taranti manujā duḥkhodadhipariplutāḥ || 6.4 ||
„Höre! Ich werde das höchst wunderbare Geheimnis erklären: wie die Menschen hinübergelangen, die vom Meer des Leidens überschwemmt sind,
6.5
apamṛtyuśatākrāntā janā dāridryasaṃyutāḥ |
ādhivyādhibhayodvignāḥ pāpaughairvinipīḍitāḥ || 6.5 ||
Menschen, die von hundert Arten vorzeitigen Todes betroffen sind, in Armut leben, durch die Furcht vor seelischer Bedrängnis und Krankheit erschüttert und von Massen übler Taten gequält sind,
6.6
mucyante ca yathā sarve pūrvoktairdāruṇaiḥ priye |
trividhaṃ tadupāyaṃ tu sthūlaṃ sūkṣmaṃ paraṃ ca tat || 6.6 ||
und wie alle von den zuvor genannten furchtbaren Gefahren befreit werden, Geliebte. Dieses Mittel ist dreifach: grob, subtil und höchst.
6.7
sthūlaṃ tu yajanaṃ homo japo dhyānaṃ samudrakam |
yantrāṇi mohanādīni mantrarāṭ kurute bhṛśam || 6.7 ||
Die grobe Form umfasst Verehrung, Feueropfer, Rezitation, Meditation samt Mudras und Yantras für Bezauberung und andere Zwecke. Dies alles vollbringt der Mantrakönig kraftvoll.
6.8
sūkṣmaṃ cakrādiyogena kalānāḍyudayena ca |
paraṃ sarvātmakaṃ caiva mokṣadaṃ mṛtyujid bhavet || 6.8 ||
Die subtile Form vollzieht sich durch die Verbindung mit Chakras und weiteren Strukturen, durch Kalas, Nadis und deren Aufsteigen. Die höchste Form umfasst alles: Sie ist Mrityujit, der Befreiung schenkt.
6.9
yadā mṛtyuvaśāghrataḥ kālena kalitaḥ priye |
dṛṣṭastatpratighātārthamamṛteśaṃ yajettadā || 6.9 ||
Wenn man erkennt, dass jemand unter die Macht des Todes geraten und von Kala erfasst ist, Geliebte, verehre man Amritesha, um dies abzuwehren.
6.10
sarvaśvetopacāreṇa pūrvoktavidhinā tataḥ |
yasya nāma samuddiśya pūjayenmṛtyujidvibhum || 6.10 ||
Nach dem zuvor erklärten Verfahren geschehe dies mit ausschließlich weißen Gaben. In wessen Namen man den allgegenwärtigen Mrityujit verehrt,
6.11
mṛtyoruttarate śīghraṃ satyaṃ me nānṛtaṃ vacaḥ |
sitaśarkarayā yuktairghṛtakṣīraplutaistilaiḥ || 6.11 ||
der gelangt rasch über den Tod hinaus. Wahr ist mein Wort, nicht unwahr. Mit Sesam, der mit weißem Zucker vermischt und in geklärter Butter und Milch getränkt ist,
6.12
puṇyadārvindhane vahnau kuṇḍe vṛtte trimekhale |
mahārakṣāvidhānena juhuyādyasya nāmataḥ || 6.12 ||
opfere man in seinem Namen nach dem Verfahren des großen Schutzes, in einer runden Grube mit drei Rändern, im Feuer aus heiligem Holz.
6.13
mahāśāntirbhavet kṣipraṃ gatasyāpi yamakṣayam |
athavā śarkarāyuktapayasā kevalena tu || 6.13 ||
Rasch entsteht große Befriedung, selbst für jemanden, der bereits in Yamas Reich eingegangen ist. Oder man opfere allein mit Milch, die mit Zucker vermischt ist.
6.14
homānmṛtyuṃ jayecchīghraṃ mṛtyujinnātra saṃśayaḥ |
sugandhighṛtahomena kṣīravṛkṣamaye'nale || 6.14 ||
Durch dieses Feueropfer besiegt man rasch den Tod als Mrityujit; daran besteht kein Zweifel. Wird er durch ein Opfer wohlriechender geklärter Butter im Feuer milchsaftführender Bäume
6.15
tarpito nāśayenmṛtyuṃ mṛtyujinnātra saṃśayaḥ |
kṣīravṛkṣasamiddhomājjvaraṃ nāśayate kṣaṇāt || 6.15 ||
befriedigt, beseitigt Mrityujit den Tod; daran besteht kein Zweifel. Durch ein Opfer von Brennhölzern milchsaftführender Bäume vernichtet er Fieber in einem Augenblick.
6.16
tilataṇḍulamākṣīkamājyakṣīrasamanvitam |
eṣa pañcāmṛto homaḥ sarvaduṣṭanivarhaṇaḥ || 6.16 ||
Sesam, Reis, Honig, geklärte Butter und Milch: Dies ist das Feueropfer aus fünf Nektaren, das alle schädlichen Mächte beseitigt.
6.17
guggulorgulikābhiśca tryaktābhiścaṇamātrayā |
homāt puṣṭirbhavatyāśu kṣīṇadehasya suvrate || 6.17 ||
Durch das Opfer von Guggulu-Kügelchen in Kichererbsengröße, mit den drei Substanzen bestrichen, entsteht rasch Gedeihen für einen ausgemergelten Körper, Gelübdetreue.
6.18
yadā vyādhiśatākīrṇo hyabalo dṛśyate naraḥ |
tadāsya sampuṭīkṛtya nāma japtvā vimucyate || 6.18 ||
Wenn ein Mensch von hundert Krankheiten bedrängt und kraftlos erscheint, schließe man seinen Namen zwischen die Mantrateile ein und rezitiere; dadurch wird er befreit.
6.19
yaṃ yaṃ mantraṃ japed vidvānamṛteśena saṃpuṭam |
tasya siddhyati sa kṣipraṃ bhāgyahīno'pi yo bhavet || 6.19 ||
Welchen Mantra die kundige Person auch rezitiert, eingerahmt vom Amriteshamantra: Dieser wird ihr rasch wirksam, selbst wenn sie ohne Glück ist.
6.20
kṣīṇagātrasya deveśi bheṣajaṃ mantrasaṃpuṭam |
dīyate tatkṣaṇāddevi sa puṣṭiṃ labhate balī || 6.20 ||
Einem Menschen mit ausgezehrtem Körper wird, Herrin der Götter, ein Heilmittel gegeben, das mit dem einschließenden Mantra versehen ist. Augenblicklich erlangt er Gedeihen und wird kräftig, Göttin.
6.21
hṛtpadmamadhyagaṃ jīvaṃ candramaṇḍalamadhyagam |
sādyarṇarodhitaṃ kṛtvā mṛtyoruttarate bhṛśam || 6.21 ||
Man stelle sich den Jiva inmitten des Herzlotus und der Mondscheibe vor, von den Lauten sa und den weiteren umschlossen. Dadurch gelangt man über den Tod hinaus.
6.22
sādyarṇarodhitaṃ kṛtvā dhyāyeddehe tu yogavit |
sarvavyādhivinirmuktaḥ sa bhavennātra saṃśayaḥ || 6.22 ||
Die yogakundige Person meditiere im Körper darüber, nachdem sie ihn mit den Lauten sa und den weiteren umschlossen hat. Sie wird von allen Krankheiten frei; daran besteht kein Zweifel.
6.23
kṣīrodapadmamadhyasthamamṛtormibhirākulam |
ūrdhvādhaḥśaśiruddhaṃ tu sādyarṇaiḥ saṃpuṭīkṛtam || 6.23 ||
Inmitten eines Lotus im Milchmeer befindlich, von Nektarwogen erfüllt, oben und unten vom Mond begrenzt und mit den Lauten sa und den weiteren eingeschlossen,
6.24
dhyāyate suprahṛṣṭātmā ātmano'pi parasya vā |
sa bāhyābhyantaraṃ śubhraṃ sudhāpūritavigraham || 6.24 ||
soll man das eigene Wesen oder das eines anderen mit freudigem Geist meditieren: innen und außen weiß, mit einem von Nektar erfüllten Körper.
6.25
anudvignamanāyāsaṃ sarvarogaiḥ pramucyate |
rocanākuṅkumenaiva kṣīreṇa ca samanvitaḥ || 6.25 ||
Ohne Beunruhigung und Anstrengung wird man von allen Krankheiten befreit. Mit Rochana, Safran und Milch verbunden,
6.26
sitapadme'ṣṭapatre tu madhye sādyarṇarodhitaḥ |
sarvavyādhisamākrāntaścandramaṇḍalaveṣṭitaḥ || 6.26 ||
inmitten eines weißen achtblättrigen Lotus, umschlossen von den Lauten sa und den weiteren und von der Mondscheibe umgeben, wird der von allen Krankheiten Befallene dargestellt,
6.27
catuṣkoṇapurākrānto vajrabhṛdvajralāñchitaḥ |
mucyate nātra saṃdehaḥ sarvavyādhinipīḍanāt || 6.27 ||
von einer viereckigen Umfriedung umgeben und mit dem Vajra des Vajraträgers gekennzeichnet. Er wird ohne Zweifel von der Bedrängnis sämtlicher Krankheiten frei.
6.28
ṣoḍaśāre mahācakre ṣoḍaśasvarabhūṣite |
ādyantamantrayogena madhye nāma samālikhet || 6.28 ||
In ein großes Rad mit sechzehn Speichen, geschmückt mit den sechzehn Vokalen, schreibe man in die Mitte den Namen, mit dem Mantra an Anfang und Ende verbunden.
6.29
jīvāntaḥ sāntamadhyasthaṃ varṇāntenābhirakṣitam |
pratyarṇamamṛteśena saṃpuṭitvā tu sarvataḥ || 6.29 ||
Innerhalb des Lebenslautes, inmitten der Begrenzung durch sa und durch den letzten Laut geschützt, rahme man jeden einzelnen Laut ringsum mit Amritesha ein.
6.30
madhye daleṣu sarveṣu śaśimaṇḍalamadhyagam |
bāhye tu dviguṇaṃ padmaṃ kādisāntakrameṇa tu || 6.30 ||
Dies geschehe in der Mitte und auf allen Blütenblättern, jeweils innerhalb einer Mondscheibe. Außen füge man einen Lotus mit doppelt so vielen Blättern hinzu, in der Reihenfolge von ka bis sa.
6.31
pūrvavattu likhenmantrī prati sādyarṇarodhitam |
varṇaṃ tadantaḥ sādhyasya nāma bāhye'rkamaṇḍalam || 6.31 ||
Wie zuvor schreibe die mantrakundige Person jeden Laut, umschlossen von sa und den weiteren Lauten; in sein Inneres den Namen der betreffenden Person, außen die Sonnenscheibe.
6.32
purandarapureṇādhaḥ samantāt parivārayet |
sitacandanasaṃyuktaṃ rocanākṣīrayogataḥ || 6.32 ||
Ringsum umgebe man dies unterhalb mit der Umfriedung Purandaras. Mit weißem Sandel, Rochana und Milch
6.33
likhitvā mantrarājaṃ tu karpūrakṣodadhūsaram |
mahārakṣāvidhānaṃ tu puṣṭasaubhāgyadāyakam || 6.33 ||
schreibe man den Mantrakönig, von Kampferpulver überstäubt: das Verfahren des großen Schutzes, das Gedeihen und Glück schenkt.
6.34
etaccakraṃ mahādevi sitapuṣpaiḥ prapūjayet |
sarvaśvetopacāreṇa madhumadhye nidhāpayet || 6.34 ||
Dieses Rad, große Göttin, verehre man mit weißen Blumen und ausschließlich weißen Gaben. Man lege es in Honig.
6.35
anenaiva vidhānena saptāhānmṛtyujid bhavet |
rājarakṣāvidhānaṃ tu bhūbhṛtāṃ tu prakāśayet || 6.35 ||
Durch eben dieses Verfahren wird man innerhalb von sieben Tagen zum Bezwinger des Todes. Das Schutzverfahren für Könige soll man den Herrschern offenbaren.
6.36
saṃgrāmakāle varadaṃ ripudarpāpahaṃ bhavet |
śivādinavatattvāni pratyekaṃ śaśimaṇḍalam || 6.36 ||
Zur Zeit der Schlacht gewährt es Gaben und nimmt den Feinden ihren Hochmut. Die neun Prinzipien, beginnend mit Shiva, stelle man jeweils in einer Mondscheibe dar,
6.37
madhyāt pūrvādi eśyantamamṛteśena mantriṇā |
yadā vyādhiśatākīrṇamapamṛtyuśatena vā || 6.37 ||
von der Mitte über Osten bis Nordosten, verbunden mit Amritesha, durch die mantrakundige Person. Wenn jemand von hundert Krankheiten oder hundert Formen vorzeitigen Todes betroffen ist,
6.38
tadā śvetopacāreṇa pūjyaṃ kṣīraghṛtena vā |
tilaiḥ kṣīrasamidbhirvā homācchāntiṃ samaśnute || 6.38 ||
verehre man dies mit weißen Gaben oder mit Milch und geklärter Butter. Durch ein Feueropfer mit Sesam oder milchsaftführenden Brennhölzern erlangt man Frieden.
6.39
evaṃ saṃpūjya kumbhe tu sarvauṣadhisamanvite |
sitapadmamukhodgāre ratnagarbhāmbupūrite || 6.39 ||
Nachdem man so in einem Gefäß verehrt hat, das mit allen Heilkräutern ausgestattet ist, aus dessen Öffnung ein weißer Lotus hervorragt und das mit Wasser und Edelsteinen im Inneren gefüllt ist,
6.40
sarvamaṅgalaghoṣeṇa śirasi hyabhiṣecayet |
sa mucyate na saṃdehaḥ sarvavyādhiprapīḍitaḥ || 6.40 ||
gieße man unter allen glückverheißenden Klängen davon über den Kopf. Der von sämtlichen Krankheiten Bedrängte wird befreit, daran besteht kein Zweifel.
6.41
dhyātvā parāmṛtaṃ nityaṃ nityoditamanāmayam |
prakriyāntasthamamṛtamavatārya parācchivāt || 6.41 ||
Man meditiere stets über den höchsten Nektar, der ewig aufgegangen und frei von Übel ist. Vom höchsten Shiva lasse man den Nektar herabsteigen, der im Inneren der rituellen Ordnung ruht,
6.42
caturnavāmṛtādhāraṃ navadhā navapūritam |
śatārdhakṣobhitaṃ nityaṃ ṣaṭpañcaikasamanvitam || 6.42 ||
der sechsunddreißig Nektargrundlagen besitzt, neunfach ist und neunfach erfüllt, stets von fünfzig in Bewegung gesetzt und mit sechs, fünf und einem verbunden,
6.43
anantādhāragambhīramaṣṭātriṃśadvibhūṣitam |
pañcabhirvā prasiddhyarthaṃ pūrṇaṃ tena nirantaram || 6.43 ||
tief in seiner unendlichen Grundlage, mit achtunddreißig geschmückt oder mit fünf zur Erlangung der Vollendung, ununterbrochen von diesem Nektar erfüllt.
6.44
evaṃ dhyānaparo yastu sabāhyābhyantarāmṛtam |
vikṣobhya kalaśaṃ mūrdhni daiśiko mantratatparaḥ || 6.44 ||
Der Lehrer, der sich so der Meditation widmet und dem Mantra hingegeben ist, bewegt das Gefäß mit dem Nektar innen und außen über dem Kopf,
6.45
anugrahapadāvastho hyabhiṣiñcet prayatnataḥ |
sa mucyate na sandehaḥ saṃsārād duratikramāt || 6.45 ||
weilt in der Stätte der Gnadenerweisung und vollzieht sorgfältig das Übergießen. Die betreffende Person wird ohne Zweifel aus dem schwer zu überschreitenden Samsara befreit.
6.46
āyurbalaṃ jayaḥ kāntirdhṛtirmedhā vapuḥ śriyaḥ |
sarvaṃ pravartate tasya bhūbhṛtāṃ rājyamuttamam || 6.46 ||
Lebensdauer, Stärke, Sieg, Schönheit, Standhaftigkeit, Einsicht, körperliches Wohlergehen und Glück wachsen ihm zu; den Königen eine ausgezeichnete Herrschaft.
6.47
duḥkhārdito viduḥkhastu vyādhimān gatarugbhavet |
vandhyā tu labhate putraṃ kanyā tu patimāvahet || 6.47 ||
Der von Leid Bedrängte wird leidfrei, der Kranke gesund. Eine unfruchtbare Frau erhält einen Sohn, ein Mädchen gewinnt einen Ehemann.
6.48
yān yān samīhate kāmāṃstān sarvān dhruvamāpnuyāt |
abhiṣekasya māhātmyaṃ vidhānavihitasya tu || 6.48 ||
Welche Wünsche man auch erstrebt, man erlangt sie alle gewiss. Die Größe der nach Vorschrift vollzogenen Weihe
6.49
kathitaṃ te mayā devi prajānāṃ hitakāmyayā |
anyaśāstropacāreṇa sarvaśāntyaraho bhavet || 6.49 ||
habe ich dir, Göttin, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Geschöpfe erklärt. Auch mit den Verrichtungen anderer Lehrschriften wird man aller Befriedung würdig.
6.50
evaṃ sthūlaṃ vidhānaṃ tu sūkṣmaṃ caivādhunā śṛṇu || 6.50 ||
So ist das grobe Verfahren erklärt. Höre nun auch das subtile.
Kapitel 7: Der subtile Yoga
7.1
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi dhyānaṃ sūkṣmamanuttamam |
ṛtucakraṃ svarādhāraṃ trilakṣyaṃ vyomapañcakam || 7.1 ||
Nun werde ich die unübertreffliche subtile Meditation erklären. Der Körper besitzt sechs Chakras, die durch die Vokale bezeichneten Grundlagen, drei Zielpunkte und fünf Räume,
7.2
granthidvādaśasaṃyuktaṃ śaktitrayasamanvitam |
dhāmatrayapathākrāntaṃ nāḍitrayasamanvitam || 7.2 ||
zwölf Knoten und drei Kräfte; er wird von den Bahnen der drei Leuchtstätten durchzogen und ist mit den drei Nadis verbunden.
7.3
jñātvā śarīraṃ suśroṇi daśanāḍipathāvṛtam |
dvāsaptatyā sahasraistu sārdhakoṭitrayeṇa ca || 7.3 ||
Nachdem man den Körper so erkannt hat, Schönhüftige, mit den Bahnen der zehn Nadis, zweiundsiebzigtausend und fünfunddreißig Millionen
7.4
nāḍivṛndaiḥ samākrāntaṃ malinaṃ vyādhibhirvṛtam |
sūkṣmadhyānāmṛtenaiva pareṇaivoditena tu || 7.4 ||
Nadis angefüllt, unrein und von Krankheiten umgeben, erquickt der Yogi ihn durch den Nektar der subtilen Meditation, der als höchster beschrieben wurde.
7.5
āpyāyaṃ kurute yogī ātmano vā parasya ca |
divyadehaḥ sa bhavati sarvavyādhivivarjitaḥ || 7.5 ||
Den eigenen Körper oder den eines anderen erquickt er. Er erhält einen göttlichen Körper, frei von allen Krankheiten.
7.6
yatsvarūpaṃ svasaṃvedyaṃ svasthaṃ svavyāptisaṃbhavam |
svoditā tu parā śaktistatsthā tadgarbhagā śivā || 7.6 ||
Jenes Wesen ist aus eigener Erfahrung erkennbar, ruht in sich und entsteht aus seiner eigenen Durchdringung. Die aus sich selbst aufgegangene höchste Shakti ruht darin, in seinem Inneren, als segensreiche Kraft.
7.7
tāṃ vahenmadhyamaprāṇe prāṇāpānāntare dhruve |
ahaṃ bhūtvā tato mantraṃ tatsthaṃ tadgarbhagaṃ dhruvam || 7.7 ||
Man führe sie im mittleren Lebenshauch, in der beständigen Mitte zwischen Prana und Apana. Zum „Ich“ geworden, vergegenwärtige man dann den Mantra, der darin ruht und beständig in seinem Inneren ist.
7.8
svoditena varārohe spandanaṃ spandanena tu |
kṛtvā tamabhimānaṃ tu janmasthāne nidhāpayet || 7.8 ||
Mit der aus sich aufgegangenen Schwingung, Schöne, bringe man durch Schwingung die Bewegung hervor; nachdem man diese Identifikation vollzogen hat, setze man sie an die Ursprungsstätte.
7.9
bhāvabhedena tatsthānānmūlādhāre niyojayet |
nādasūcyā prayogena vedhayet sūkṣmayogataḥ || 7.9 ||
Gemäß der inneren Ausrichtung führe man sie von dieser Stätte in die Wurzelgrundlage. Mit der Nadel des Nada durchdringe man durch subtile Yogapraxis.
7.10
ādhāraṣoḍaśaṃ bhittvā granthidvādaśakaṃ tathā |
madhyanāḍipathārūḍho vedhayet paramaṃ dhruvam || 7.10 ||
Nachdem man die sechzehn Grundlagen und die zwölf Knoten durchbrochen hat, steige man auf dem Weg der mittleren Nadi empor und durchdringe das höchste, beständige Prinzip.
7.11
tatpraviśya tato bhūtvā tatstho'sau vyāpakaḥ śivaḥ |
sarvāmayaparityāgānniṣkalākṣobhaśaktitaḥ || 7.11 ||
In dieses eingetreten und zu ihm geworden, ist man darin der allgegenwärtige Shiva. Durch das Abstreifen aller Gebrechen und die Kraft, das Ungeteilte in Bewegung zu versetzen,
7.12
punarāpūrya tenaiva mārgeṇa hṛdayāntaram |
tatra praviṣṭamātraṃ tu dhyāyellabdhaṃ rasāyanam || 7.12 ||
fülle man auf demselben Weg erneut das Innere des Herzens. Sobald es dort eingetreten ist, meditiere man darüber als das erlangte Lebenselixier.
7.13
viśrāmānubhavaṃ prāpya tasmāt sthānāt pravāhayet |
sarvaṃ tadamṛtaṃ vegāt sarvatraiva virecayet || 7.13 ||
Nachdem man die Erfahrung des Ruhens erreicht hat, lasse man es von dieser Stätte ausströmen. Den ganzen Nektar lasse man rasch nach allen Seiten fließen.
7.14
anantanāḍibhedena anantāmṛtamuttamam |
anantadhyānayogena paripūrya puraṃ svakam || 7.14 ||
Durch die unzähligen Verzweigungen der Nadis erfülle man die eigene Stadt, den Körper, mit dem höchsten, unendlichen Nektar, durch die Yoga-Meditation über das Unendliche.
7.15
ajarāmarastato bhūtvā sabāhyābhyantaraṃ priye |
evaṃ mṛtyujitā sarvaṃ sūkṣmadhyānena pūritam || 7.15 ||
So wird man innen und außen alterslos und unsterblich, Geliebte. Durch subtile Meditation wird alles von Mrityujit erfüllt.
7.16
tato'sau siddhyati kṣipraṃ satyaṃ devi na cānyathā |
janmasthāne samāśritya spandasthāṃ madhyamāṃ kalām || 7.16 ||
Dadurch erlangt man rasch Vollendung; dies ist wahr, Göttin, nicht anders. An der Ursprungsstätte suche man die mittlere Kala auf, die in der Schwingung ruht.
7.17
tatsthaṃ kṛtvā tadātmānaṃ kālāgniṃ tu samāśrayet |
gatvā gṛhītavijñānaṃ vīryaṃ tatraiva nikṣipet || 7.17 ||
Nachdem man das eigene Selbst dort verankert hat, nähere man sich dem Zeitfeuer. Dorthin gelangt, lege man die mit dem Bewusstsein erfasste Wirkkraft eben dort nieder.
7.18
tadvīryāpūritā śaktiḥ kriyākhyā madhyamottamā |
vijñānenordhvato bhittvā granthibhedena cecchayā || 7.18 ||
Die höchste mittlere Shakti, Handlungskraft genannt, wird von dieser Wirkkraft erfüllt. Mit Bewusstsein und nach eigenem Willen durchdringe man nach oben die Knoten,
7.19
mūlaspandaṃ samāśritya tyaktvā vāhadvayaṃ tataḥ |
madhyamārgapravāhinyā suṣumnākhyāṃ samāśrayet || 7.19 ||
stütze sich auf die ursprüngliche Schwingung und verlasse die beiden Ströme. Durch die im mittleren Weg Fließende suche man die Sushumna auf.
7.20
tāmevāśritya viramettatsarvendriyagocarāt |
tadā pratyastamāyena vijñānenordhvataḥ punaḥ || 7.20 ||
Auf sie allein gestützt, ruhe man fern vom Bereich sämtlicher Sinne. Dann steige man erneut mit dem Bewusstsein auf, in dem Maya zur Ruhe gekommen ist,
7.21
brahmādikāraṇānāṃ tu tyāgaṃ kṛtvā śanaiḥ śanaiḥ |
ṣaṇṇāṃ śaktimatāṃ prāpya kuṇḍalākhyāṃ nirodhikām || 7.21 ||
und lasse allmählich die sechs mit Kraft versehenen Ursachen, beginnend mit Brahma, hinter sich. Man erreiche die hemmende Kraft, die Kundala genannt wird,
7.22
māyādigranthibhedena hṛdādivyomapañcakam |
janmamūle tu māyākhyo granthirjanmani pāśavaḥ || 7.22 ||
und durchbreche die Knoten, beginnend mit Maya, sowie die fünf Räume, beginnend mit dem Herzen. An der Wurzel der Ursprungsstätte liegt der Maya-Knoten; an der Ursprungsstätte der die gebundene Seele betreffende Knoten.
7.23
brahmā viṣṇuśca rudraśca īśvaraśca sadāśivaḥ |
kāraṇasthāstu pañcaivaṃ granthayaḥ samudāhṛtāḥ || 7.23 ||
Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva: So werden die fünf Knoten genannt, die in den Ursachen ruhen.
7.24
indhikākhyastu yo granthirdvimārgāśamanaḥ śivaḥ |
tadūrdhve dīpikā nāma tadūrdhve caiva baindavaḥ || 7.24 ||
Der Knoten namens Indhika ist Shiva, der die beiden Wege stillt. Darüber liegt der namens Dipika und über diesem der Bindu-Knoten.
7.25
nādākhyastu mahāgranthiḥ śaktigranthirataḥ paraḥ |
granthidvādaśakaṃ bhittvā praviśet parame pade || 7.25 ||
Darüber liegen der große Knoten namens Nada und danach der Shakti-Knoten. Nachdem man die zwölf Knoten durchbrochen hat, trete man in die höchste Stätte ein.
7.26
brahmāṇaṃ ca tathā viṣṇuṃ rudraṃ caiveśvaraṃ tathā |
sadāśivaṃ tathā śaktiṃ śivasthānaṃ prabhedayet || 7.26 ||
Man durchdringe Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara, Sadashiva und Shakti und gelange zur Stätte Shivas.
7.27
khamanantaṃ tu janmākhyaṃ nābhau vyoma dvitīyakam |
tṛtīyaṃ tu hṛdi sthāne caturthaṃ bindumadhyataḥ || 7.27 ||
Der unendliche Raum heißt „Ursprung“; im Nabel liegt der zweite Raum, in der Herzstätte der dritte, inmitten des Bindu der vierte.
7.28
nādākhyaṃ tu samuddiṣṭaṃ ṣaṭcakramadhunocyate |
janmākhye nāḍicakraṃ tu nābhau māyākhyamuttamam || 7.28 ||
Der weitere wird Nada genannt. Nun werden die sechs Chakras beschrieben: An der Ursprungsstätte liegt das Nadi-Chakra, im Nabel das höchste Maya-Chakra,
7.29
hṛdisthaṃ yogicakraṃ tu tālusthaṃ bhedanaṃ smṛtam |
bindusthaṃ dīpticakraṃ tu nādasthaṃ śāntamucyate || 7.29 ||
im Herzen das Yogi-Chakra, im Gaumen das „Durchdringung“ genannte, im Bindu das Leucht-Chakra und im Nada das „Frieden“ genannte.
7.30
pūrvoktāni ca sarvāṇi jñānaśūlena bhedayet |
ākramya janmādhārākhyaṃ tanmūlaṃ pīḍayecchanaiḥ || 7.30 ||
Alles zuvor Genannte durchdringe man mit dem Dreizack der Erkenntnis. Man nehme die als Ursprungsgrundlage bezeichnete Stätte ein und drücke ihre Wurzel behutsam.
7.31
janmādhārasya suśroṇi paryāyān śṛṇvataḥ param |
janmasthānaṃ tu kandākhyaṃ kūrmākhyaṃ sthānapañcakam || 7.31 ||
Höre nun, Schönhüftige, die anderen Bezeichnungen der Ursprungsgrundlage: Ursprungsstätte, Kanda, Kurma und die fünffache Stätte;
7.32
matsyodaraṃ tathaiveha mūlādhārastathocyate |
tatsthāṃ vai khecarākhyāṃ tu mudrāṃ vindeta yogavit || 7.32 ||
auch Fischbauch und Muladhara wird sie hier genannt. Die yogakundige Person erlange dort die Mudra namens Khechara.
7.33
mudrayā tu tayā devi ātmā vai mudrito yadā |
tadā cordhvaṃ tu visaredvijñānenordhvataḥ kramāt || 7.33 ||
Wenn durch diese Mudra, Göttin, das Selbst versiegelt ist, dann breite man sich nach oben aus, mit dem Bewusstsein stufenweise aufwärts.
7.34
bhindyādbhindyāt paraṃ sthānaṃ yāvat svaravarārcite |
tatsthānaṃ caiva saṃprāpya yogī samaraso bhavet || 7.34 ||
Man durchdringe und durchdringe weiter, bis zur höchsten Stätte, von den besten Lauten Verehrte. Hat der Yogi diese Stätte erreicht, gelangt er zur Wesenseinheit.
7.35
niṣkalaṃ bhāvamāpanno vyāpakaḥ paramaḥ śivaḥ |
evaṃ bhūtvā samaṃ sarvaṃ niḥspandaṃ sarvadoditam || 7.35 ||
Er erreicht den ungeteilten Zustand als allgegenwärtiger höchster Shiva. So geworden, ist alles gleich, ohne Schwingung und stets aufgegangen.
7.36
tataḥ pravartate śaktirlakṣyahīnā nirāmayā |
icchāmātravinirdiṣṭā jñānarūpā kriyātmikā || 7.36 ||
Dann entfaltet sich die Shakti, ohne Zielpunkt und frei von Übel, allein vom Willen bestimmt, von der Gestalt der Erkenntnis und vom Wesen des Handelns.
7.37
ekā sā bhāvabhedena tasya bhedena saṃsthitā |
khecarīmudrayāpūrya śaktyantaṃ tatra sarvataḥ || 7.37 ||
Diese eine Kraft besteht je nach der unterschiedlichen inneren Ausrichtung in verschiedener Gestalt. Durch die Khechari-Mudra erfülle man dort ringsum alles bis an die Grenze der Shakti.
7.38
yāvacca noditaścandrastāvat sūkṣmaṃ nirañjanam |
bhāvagrāhyamasaṃdigdhaṃ sarvāvasthojjhitaṃ param || 7.38 ||
Solange der Mond noch nicht aufgegangen ist, ist das subtile, makellose Höchste nur durch innere Vergegenwärtigung erfassbar, zweifelsfrei und von allen Zuständen frei:
7.39
vyāpakaṃ padamaiśānamanaupamyamanāmayam |
bhavanti yoginastattu tadārūḍhau varānane || 7.39 ||
die allgegenwärtige Stätte des Herrn, unvergleichlich und frei von Übel. Zu ihr werden die Yogis, wenn sie zu ihr aufsteigen, Schönangesichtige.
7.40
sā yoniḥ sarvadevānāṃ śaktīnāṃ cāpyanekadhā |
agnīṣomātmikā yonistasyāḥ sarvaṃ pravartate || 7.40 ||
Sie ist der Ursprung aller Götter und der vielfältigen Kräfte. Dieser Ursprung besteht aus Feuer und Mond; aus ihm entfaltet sich alles.
7.41
tatra saṃgrathitā mantrāstrāṇavanto bhavanti hi |
sarveṣāṃ caiva saṃhārastadeva paramaṃ padam || 7.41 ||
Die in ihm zusammengefügten Mantras erhalten schützende Kraft. Er ist auch die Auflösung aller Dinge, eben jene höchste Stätte.
7.42
tasmāt pravartate sṛṣṭirvikṣobhya paramaṃ śivam |
anaupamyāmṛtaṃ prāpya binduṃ vikṣobhya līlayā || 7.42 ||
Aus ihm entfaltet sich die Schöpfung, indem er den höchsten Shiva in Bewegung setzt. Man erlange den unvergleichlichen Nektar und bewege spielerisch den Bindu.
7.43
candrodaye tadā khyāte paramāmṛtamuttamam |
bahalāmṛtakallolamanantaṃ tatra saṃsmaret || 7.43 ||
Wenn dann der Mondaufgang offenbar wird, vergegenwärtige man dort den höchsten, vortrefflichen Nektar, unendlich, mit mächtigen Nektarwogen.
7.44
tasmāt prāpyāmṛtaṃ śuddhaṃ svaśaktyā caiva karṣayet |
madhyamārgeṇa suśroṇi kāraṇādi prabhedayet || 7.44 ||
Nachdem man von dort den reinen Nektar erlangt hat, ziehe man ihn durch die eigene Kraft heran. Durch den mittleren Weg, Schönhüftige, durchdringe man die Ursachen und das Übrige.
7.45
āpyāyanaṃ prakurvīt sthāne sthāne hyanukramāt |
yāvad brahmapadaṃ prāptaṃ tasmādāpyāyayedadhaḥ || 7.45 ||
Man erquicke Stätte um Stätte der Reihe nach, bis die Brahma-Stätte erreicht ist. Von dort aus erquicke man das darunter Liegende,
7.46
janmasthānapathāccaiva kālāgnau tu pravartayet |
tadāpūrya samantāttu paripūrṇaṃ smaret puram || 7.46 ||
führe den Strom durch die Ursprungsstätte und weiter in das Zeitfeuer. Nachdem man dieses ringsum erfüllt hat, stelle man sich die Stadt des Körpers als ganz erfüllt vor.
7.47
suṣumnāmṛtenākhilaṃ paripūrṇaṃ vibhāvayet |
anantanāḍibhistatra romakūpaiḥ samantataḥ || 7.47 ||
Man vergegenwärtige alles als vom Nektar der Sushumna vollständig erfüllt, durch die unzähligen Nadis und ringsum durch die Haarporen.
7.48
niṣkramya vyāpako bhūtvā hyamṛtormibhirākulam |
amṛtārṇavasaṃrūḍhaṃ majjantamamṛtārṇave || 7.48 ||
Man trete hinaus, werde allgegenwärtig, von Nektarwogen umflutet, im Nektarmeer aufgegangen und in dieses Meer eintauchend.
7.49
tadūrdhve hyamṛtārṇaṃ tu pradrutaṃ vyāpakaṃ śivam |
evaṃ samarasībhūtaṃ hyamṛtaṃ sarvatomukham || 7.49 ||
Darüber vergegenwärtige man den Nektarozean als verflüssigten, allgegenwärtigen Shiva. So wird alles zur Wesenseinheit: allseitig gegenwärtiger Unsterblichkeitsnektar,
7.50
icchājñānakriyārūpaṃ śivamātmasvarūpakam |
nirāmayamanuprāpya svānubhūtyā vibhāvayet || 7.50 ||
Shiva in der Gestalt von Wille, Erkenntnis und Handeln, das eigene wahre Wesen. Diesen von Übel freien Zustand erlange und vergegenwärtige man durch eigene Erfahrung.
7.51
amṛteśapadaṃ sūkṣmaṃ saṃprāpyaivāmṛtībhavet |
tadāsāvamṛtībhūya mṛtyujinnātra saṃśayaḥ || 7.51 ||
Hat man die subtile Stätte Amriteshas erreicht, werde man selbst zu Nektar. So zu Nektar geworden, ist man Mrityujit; daran besteht kein Zweifel.
7.52
kālajit subhago dhīro mṛtyustaṃ ca na bādhate |
kālasya vañcanaṃ sūkṣmaṃ mayā te prakaṭīkṛtam || 7.52 ||
Als Bezwinger der Zeit, glückhaft und standhaft, wird man vom Tod nicht bedrängt. Dieses subtile Überlisten der Zeit habe ich dir offenbart.
7.53
na kasyacinmayākhyātaṃ tvadṛte bhaktavatsale || 7.53 ||
Niemandem außer dir habe ich es erklärt, du den Ergebenen Liebevolle.
Kapitel 8: Der höchste Yoga und die Erkenntnis Shivas
8.1
atha mṛtyuñjayaṃ nityaṃ paraṃ caivādhunocyate |
yatprāpya na pravarteta saṃsāre trividhe priye || 8.1 ||
Nun wird der ewige, höchste Bezwinger des Todes beschrieben. Hat man ihn erreicht, kehrt man nicht in den dreifachen Samsara zurück, Geliebte.
8.2
yogī sarvagato bhāti sarvadṛk sarvakṛcchivaḥ |
tadahaṃ kathayiṣyāmi yasmādanyanna vidyate || 8.2 ||
Der Yogi erstrahlt als allgegenwärtiger, allsehender und allwirkender Shiva. Ich werde dir jenes erklären, außerhalb dessen nichts besteht.
8.3
yatprāpya tanmayatvena bhavati hyajarāmaraḥ |
yanna vāgvadate nityaṃ yanna dṛśyeta cakṣuṣā || 8.3 ||
Hat man es erreicht und ist eins damit geworden, wird man alterslos und unsterblich. Es ist das Ewige, das die Sprache nicht ausspricht und das das Auge nicht sieht,
8.4
yacca na śrūyate karṇairnāsā yacca na jighrati |
yannāsvādayate jihvā na spṛśedyat tvagindriyam || 8.4 ||
was die Ohren nicht hören und die Nase nicht riecht, was die Zunge nicht schmeckt und der Tastsinn nicht berührt.
8.5
na cetasā cintanīyaṃ sarvavarṇarasojjhitam |
sarvavarṇarasairyuktamaprameyamatīndriyam || 8.5 ||
Es ist durch Denken nicht zu erfassen, frei von allen Farben und Geschmäckern und doch mit allen Farben und Geschmäckern verbunden, unermesslich und jenseits der Sinne.
8.6
yatprāpya yogino devi bhavanti hyajarāmarāḥ |
tadabhyāsena mahatā vairāgyeṇa pareṇa ca || 8.6 ||
Wenn Yogis es erreichen, Göttin, werden sie alterslos und unsterblich. Durch große, beständige Übung und höchste Leidenschaftslosigkeit,
8.7
rāgadveṣaparityāgāllobhamohakṣayāt priye |
madamātsaryasaṃtyāgānmānagarvatamaḥkṣayāt || 8.7 ||
durch das Aufgeben von Anhaftung und Abneigung, das Verlöschen von Gier und Verblendung, Geliebte, durch das Aufgeben von Übermut und Neid und das Schwinden von Dünkel, Stolz und Dunkelheit,
8.8
labhyate śāśvataṃ nityaṃ śivamavyayamuttamam |
nimeṣonmeṣamātreṇa yadi caivopalabhyate || 8.8 ||
erlangt man den ewigen, beständigen, unvergänglichen höchsten Shiva. Wenn man ihn auch nur während des Schließens und Öffnens der Augen erfährt,
8.9
tataḥ prabhṛti mukto'sau na punarjanma cāpnuyāt |
aṣṭāṅgena tu yogena prāpnuyānnānyataḥ kvacit || 8.9 ||
ist man von da an befreit und wird nicht wiedergeboren. Durch den achtgliedrigen Yoga erlangt man ihn, nicht auf irgendeine andere Weise.
8.10
saṃsārādviratirnityaṃ yamaḥ para udāhṛtaḥ |
bhāvanā tu pare tattve nityaṃ niyama ucyate || 8.10 ||
Die beständige Abkehr vom Samsara wird als höchster Yama bezeichnet. Die fortwährende Vergegenwärtigung des höchsten Prinzips heißt Niyama.
8.11
madhyamaṃ prāṇamāśritya prāṇāpānapathāntaram |
ālambya jñānaśaktiṃ ca tatsthaṃ caivāsanaṃ labheta || 8.11 ||
Indem man im mittleren Lebenshauch zwischen den Bahnen von Prana und Apana Zuflucht nimmt und sich auf die Erkenntniskraft stützt, erlange man den darin ruhenden Sitz.
8.12
prāṇādisthūlabhāvaṃ tu tyaktvā sūkṣmamathāntaram |
sūkṣmātītaṃ tu paramaṃ spandanaṃ labhyate yataḥ || 8.12 ||
Wenn man den groben Zustand von Prana und den übrigen Lebenshauchen hinter sich lässt, dann den subtilen inneren Zustand, wird die höchste Schwingung jenseits des Subtilen erlangt.
8.13
prāṇāyāmaḥ sa uddiṣṭo yasmānna cyavate punaḥ |
śabdādiguṇavṛttiryā cetasā hyanubhūyate || 8.13 ||
Dies wird Pranayama genannt, von dem man nicht wieder abfällt. Die Tätigkeit der Eigenschaften, beginnend mit Klang, die mit dem Geist erfahren wird,
8.14
tyaktvā tāṃ praviśeddhāma paramaṃ tatsvacetasā |
pratyāhāra iti prokto bhavapāśanikṛntakaḥ || 8.14 ||
lasse man hinter sich und trete mit dem eigenen Geist in die höchste Lichtstätte ein. Dies heißt Pratyahara, der die Fessel des Daseins durchschneidet.
8.15
dhīguṇān samatikramya nirdhyeyaṃ cāvyayaṃ vibhum |
dhyātvā dhyeyaṃ svasaṃvedyaṃ dhyānaṃ tacca vidurbudhāḥ || 8.15 ||
Nachdem man die Eigenschaften des Denkvermögens überschritten hat, meditiere man über das Unvergängliche und Allgegenwärtige, den aus eigener Erfahrung erkennbaren Gegenstand der Meditation. Dies nennen die Weisen Dhyana.
8.16
dhāraṇā paramātmatvaṃ dhāryate yena sarvadā |
dhāraṇā sā vinirdiṣṭā bhavabandhavināśinī || 8.16 ||
Das beständige Festhalten am Wesen des höchsten Selbst ist Dharana. So wird Dharana bezeichnet, welche die Bindung an das Dasein vernichtet.
8.17
samaṃ sarveṣu bhūteṣu ādhānaṃ cittanigrahaḥ |
samādhānamiti proktamanyathā lokadāmbhikam || 8.17 ||
Das gleichmäßige Verankern in allen Wesen und die Sammlung des Geistes werden Samadhana genannt; andernfalls handelt es sich um weltliche Heuchelei.
8.18
svaparastheṣu bhūteṣu jagatyasmin samānadhīḥ |
śivo'hamadvitīyo'haṃ samādhiḥ sa paraḥ smṛtaḥ || 8.18 ||
Mit gleichem Verständnis gegenüber den Wesen dieser Welt, ob sie zum Eigenen oder zum Anderen gerechnet werden, erkenne man: „Ich bin Shiva, ich bin ohne Zweiten.“ Dies gilt als höchster Samadhi.
8.19
samyaksvarūpasaṃvedyaṃ saṃvidrūpaṃ svabhāvajam |
svasaṃvedyasvarūpaṃ ca samādhānaṃ paraṃ viduḥ || 8.19 ||
Das im eigenen wahren Wesen vollständig Erkennbare, aus dem eigenen Wesen Hervorgegangene, dessen Gestalt Bewusstsein und eigene unmittelbare Erkenntnis ist, gilt als höchste Sammlung.
8.20
rāśibhyāṃ cijjaḍābhyāṃ ca vicārya nipuṇaṃ padam |
yannityaṃ śāśvataṃ rūpaṃ samādhānaṃ tu tadviduḥ || 8.20 ||
Nachdem man das feine Prinzip hinsichtlich der beiden Bereiche, Bewusstem und Unbewusstem, untersucht hat, erkennt man die ewige, beständige Wirklichkeit: Diese nennen sie Samadhana.
8.21
evamaṣṭāṅgayogena svabhāvasthaṃ paraṃ dhruvam |
dṛṣṭvā vañcayate kālamamṛteśaṃ paraṃ vibhum || 8.21 ||
Indem man durch diesen achtgliedrigen Yoga den höchsten, beständigen, im eigenen Wesen ruhenden Amritesha, den höchsten allgegenwärtigen Herrn, erkennt, überlistet man die Zeit.
8.22
mṛtyujit sa bhaveddevi na kālaḥ kalayecca tam |
tattvaṣaṭtriṃśatastyāgād bhuvanānantyavarjanāt || 8.22 ||
Man wird Mrityujit, Göttin, und die Zeit vermag einen nicht zu bemessen: durch das Hinter-sich-Lassen der sechsunddreißig Prinzipien und der Unendlichkeit der Welten,
8.23
ekāśītipadordhvaṃ vai varṇapañcāśataḥ param |
vyāpakaṃ sarvamantreṣu sarveṣveva hi jīvanam || 8.23 ||
jenseits der einundachtzig Wörter und über die fünfzig Laute hinaus, allgegenwärtig in allen Mantras und das Leben in ihnen allen,
8.24
aṣṭātriṃśatkalordhvaṃ tu sarvāntaḥ sarvamadhyagam |
ādirmadhyaṃ na caivānto labhyate yasya kenacit || 8.24 ||
über den achtunddreißig Kalas, im Inneren und in der Mitte von allem; niemand findet seinen Anfang, seine Mitte oder sein Ende.
8.25
tadaprameyamatulaṃ prāpya sarvaṃ na labhyate |
yenaikena jagat sarvamaprameyena pūritam || 8.25 ||
Hat man dieses Unermessliche, Unvergleichliche erreicht, findet sich kein davon gesondertes Alles mehr: von diesem einen Unermesslichen ist die ganze Welt erfüllt.
8.26
tajjñātvā mucyate kṣipraṃ ghorāt saṃsārabandhanāt |
tattvatrayavinirmuktaṃ śāśvataṃ cācalaṃ dhruvam || 8.26 ||
Wer dies erkennt, wird rasch von der furchtbaren Bindung an den Samsara frei. Es ist von den drei Prinzipien unabhängig, ewig, unbeweglich und beständig.
8.27
divyena yogamārgeṇa dṛṣṭvā bhūyo na jāyate |
sarvendriyavinirmuktamavedyaṃ cāpyanāmayam || 8.27 ||
Wer es auf dem göttlichen Yogaweg schaut, wird nicht wiedergeboren: frei von sämtlichen Sinnen, nicht als Gegenstand erkennbar und frei von Übel.
8.28
paramātmasvarūpaṃ tu sarvopādhivivarjitam |
caitanyamātmano rūpaṃ sarvaśāstreṣu kathyate || 8.28 ||
Die wahre Gestalt des höchsten Selbst ist von allen Begrenzungen frei. Bewusstheit wird in allen Lehrschriften als das Wesen des Selbst bezeichnet.
8.29
nirmalaṃ na bhaveddevī yāvacchaktyā na bodhitam |
dīkṣājñānādinā śodhyamātmānaṃ caiva nirmalam || 8.29 ||
Es wird nicht rein, Göttin, solange es nicht durch Shakti erweckt ist. Wer sagt, allein das durch Einweihung, Erkenntnis und weitere Mittel zu reinigende Selbst sei makellos,
8.30
ye vadanti na caivānyaṃ vindanti paramaṃ śivam |
ta ātmopāsakāḥ śaive na gacchanti paraṃ padam || 8.30 ||
und den darüber hinausgehenden höchsten Shiva nicht erkennt, verehrt nur das begrenzte Selbst. Nach der shivaitischen Lehre erreicht man so die höchste Stätte nicht.
8.31
yadvā tu paramāśaktiḥ sarvajñādiguṇānvitā |
āpādādivikāsinyā na vikāsyeta nirmalā || 8.31 ||
Solange die höchste Shakti, mit Allwissenheit und weiteren Eigenschaften verbunden, sich nicht rein entfaltet, durch die von den Füßen an sich ausbreitende Kraft,
8.32
tāvanna nirmalo hyātmā baddhaḥ śaive tadocyate |
yatrasthaḥ puruṣaḥ sarvaṃ vettyatītamanāgatam || 8.32 ||
ist das Selbst noch nicht rein und wird im Shivaismus als gebunden bezeichnet. In jenem Prinzip ruhend erkennt der Mensch alles Vergangene und Zukünftige.
8.33
sanniyamyendriyagrāmaṃ tattattvaṃ śaktilakṣaṇam |
yatra yatra bhavedicchā jñānaṃ vāpi pravartate || 8.33 ||
Nachdem er die Schar der Sinne gesammelt hat, ist jenes Prinzip durch Shakti gekennzeichnet. Wo immer Wille oder Erkenntnis sich entfalten,
8.34
kriyākṛtyasvarūpā vā tattattvaṃ śaktilakṣaṇam |
vyāpakasya yato devi cidrūpasyātmanaḥ śivāt || 8.34 ||
oder das Wesen der Handlung und ihrer Aufgabe erscheint, ist jenes Prinzip durch Shakti gekennzeichnet. Denn aus Shiva, dem allgegenwärtigen Selbst von der Gestalt des Bewusstseins, Göttin,
8.35
prasaratyadbhutānandā sā śaktiḥ paramā smṛtā |
viprasārya tamātmānaṃ sarvajñādiguṇairguṇī || 8.35 ||
strömt jene wundervolle Wonne hervor, die als höchste Shakti gilt. Indem er sein Selbst ausbreitet, ist er mit Allwissenheit und weiteren Eigenschaften ausgestattet,
8.36
sābhāsaḥ kathyate devi śivaḥ paramakāraṇam |
sarvajñaḥ paritṛptaśca yasya bodho hyanādimān || 8.36 ||
und wird als mit Erscheinung versehener Shiva, die höchste Ursache, bezeichnet, Göttin: allwissend, vollkommen erfüllt und von anfangsloser Erkenntnis,
8.37
svatantro hyapraluptaśca yaśca vānantaśaktikaḥ |
śaktimān guṇabhedena svaguṇān vindate guṇī || 8.37 ||
frei, von unverminderter Kraft und mit unendlicher Shakti versehen. Als Träger der Shakti erkennt er seine eigenen Eigenschaften in ihren Unterschieden.
8.38
pṛthagbhedavibhedena nānātvaṃ vimṛśediha |
sa sābhāsa iti prokto nirābhāsastu kathyate || 8.38 ||
In den einzelnen Unterscheidungen erkennt er die Vielfalt. So wird er als „mit Erscheinung“ bezeichnet. Nun wird der Zustand ohne Erscheinung erklärt.
8.39
nāhamasmi na cānyo'sti nirābhāsastadā bhavet |
sāvasthā paramā proktā śivasya paramātmanaḥ || 8.39 ||
„Ich bin nicht; auch kein Anderer ist da.“ Dann besteht der Zustand ohne Erscheinung. Dies wird als höchster Zustand Shivas, des höchsten Selbst, bezeichnet.
8.40
nāhamasmi na cānyo'sti dhyeyaṃ cātra na vidyate |
ānandapadasaṃlīnaṃ manaḥ samarasīgatam || 8.40 ||
„Ich bin nicht; auch kein Anderer ist da, und hier gibt es keinen Gegenstand der Meditation.“ Der Geist geht in der Stätte der Wonne auf und gelangt zur Einheit des gleichen Wesens.
8.41
nordhve dhyānaṃ prayuñjīta nādhastānna ca madhyataḥ |
nāgrataḥ pṛṣṭhataḥ kiñcit pārśvayorubhayorapi || 8.41 ||
Man richte die Meditation weder nach oben noch nach unten oder in die Mitte, weder auf etwas vor oder hinter sich noch auf eine der beiden Seiten.
8.42
nāntaḥśarīrasaṃsthāne na bāhye bhāvayet kvacit |
nākāśe bandhayellakṣyaṃ nādho dṛṣṭiṃ niveśayet || 8.42 ||
Man stelle sich weder eine Stätte im Körperinneren noch irgendwo außerhalb vor. Man fixiere kein Ziel im Raum und richte den Blick nicht nach unten.
8.43
na cākṣṇormīlanaṃ kiñcinna kiñcid dṛṣṭibandhanam |
avalambaṃ nirālambaṃ sālambaṃ na ca bhāvayet || 8.43 ||
Es gibt hier weder ein bestimmtes Schließen der Augen noch ein Fixieren des Blicks. Man vergegenwärtige weder Stütze noch Stützlosigkeit noch Gestütztsein.
8.44
nendriyāṇi na bhūtāni śabdasparśarasādi yat |
sarvaṃ tyaktvā samādhisthaḥ kevalaṃ tanmayo bhavet || 8.44 ||
Weder die Sinne noch die Elemente oder Klang, Berührung, Geschmack und die weiteren Gegenstände halte man fest. Alles hinter sich lassend, ruhe man im Samadhi und werde allein zu jenem.
8.45
sāvasthā paramā proktā parasya paramātmanaḥ |
nirābhāsaṃ padaṃ tattu tatprāpya vinivartate || 8.45 ||
Dies gilt als höchster Zustand des erhabenen höchsten Selbst. Jene Stätte ist ohne Erscheinung; hat man sie erreicht, kehrt man sich vom gebundenen Dasein ab.
8.46
bhāvayedevamātmānamātmano bhāvanābalāt |
sa gacchet paramaṃ śāntaṃ śivamatyantanirmalam || 8.46 ||
So vergegenwärtige man das eigene Selbst. Durch die Kraft dieser Selbstvergegenwärtigung gelangt man zum höchsten, friedvollen, ganz makellosen Shiva.
8.47
tattattvamekaṃ sarvatra bhavati(te) mṛtyujicchivam |
taccāmṛteśaṃ paramaṃ tṛtīyaṃ padamuttamam || 8.47 ||
Dieses eine Prinzip ist überall der segensreiche Bezwinger des Todes. Es ist der höchste Amritesha, die dritte, vortrefflichste Stätte.
8.48
ākhyātaṃ tava deveśi kimanyat kathayāmi te |
evaṃ mṛtyujitā sarvaṃ dhyātvā vyāptaṃ vimucyate || 8.48 ||
Sie ist dir erklärt, Herrin der Götter. Was soll ich dir sonst erzählen? Indem man so meditiert, dass alles von Mrityujit durchdrungen ist, wird man befreit.
8.49
sarvakālaṃ tu kālasya vañcanaṃ kathitaṃ priye |
evaṃ tu trividhaṃ devi mayā te prakaṭīkṛtam || 8.49 ||
Das Überlisten der Zeit zu jeder Zeit ist damit erklärt, Geliebte. So habe ich dir, Göttin, den dreifachen Weg offenbart.
8.50
kālasya vañcanaṃ nāma yogaḥ paramadurlabhaḥ |
anenābhyāsayogena mṛtyujid bhavati(te) naraḥ || 8.50 ||
„Überlisten der Zeit“ heißt dieser äußerst schwer zu erlangende Yoga. Durch die beständige Übung dieses Yoga wird der Mensch zum Bezwinger des Todes.
8.51
anenaiva tu yogena lokānugrahakāmyayā |
bhavate mṛtyujidyogī sarvaprāṇiṣu sarvadā || 8.51 ||
Durch eben diesen Yoga, mit dem Wunsch, den Welten Gnade zu erweisen, wird der Yogi stets zum Bezwinger des Todes in allen Lebewesen.
8.52
eṣa mṛtyuñjayaḥ khyātaḥ śāśvataḥ paramo dhruvaḥ |
asmāt parataro nāsti satyametadvadāmyaham || 8.52 ||
Dies ist als Mrityunjaya bekannt: ewig, höchst und beständig. Nichts steht darüber. Dies sage ich in Wahrheit.
8.53
yatparāmṛtarūpaṃ tu trividhaṃ coditaṃ mayā |
tadabhyāsād bhavejjanturātmano'tha parasya vā || 8.53 ||
Was ich als dreifache Gestalt des höchsten Nektars gelehrt habe: Durch seine Übung, für sich selbst oder für einen anderen, wird ein Lebewesen
8.54
amṛteśasamo devi mṛtyujinnātra saṃśayaḥ |
yena yena prakāreṇa yatra yatraiva saṃsmaret || 8.54 ||
Amritesha gleich, Göttin, ein Bezwinger des Todes; daran besteht kein Zweifel. In welcher Weise und an welchem Ort man sich seiner auch erinnert,
8.55
tena tenaiva bhāvena sa yogī kālajid bhavet |
yatra yatra sthito vāpi yena yena vratena vā || 8.55 ||
durch eben diese innere Ausrichtung wird jener Yogi zum Bezwinger der Zeit. Wo er sich auch befindet und welchem Gelübde er auch folgt,
8.56
yena yena ca yogena bhāvabhedena siddhyati |
tadekaṃ bahudhā devi dhyātaṃ vai siddhidaṃ bhavet || 8.56 ||
durch welchen Yoga und welche innere Ausrichtung er auch Vollendung erlangt: Dieses Eine, auf vielerlei Weise meditiert, schenkt Vollendung, Göttin.
8.57
dvaitādvaitavimiśre vā ekavīre'tha yāmale |
sarvaśāstraprakāreṇa sarvadā siddhidaṃ bhavet || 8.57 ||
In dualer, nichtdualer oder gemischter Form, als einzelner Held oder als Paar, in der Weise sämtlicher Lehrschriften schenkt es stets Vollendung.
8.58
cintāratnaṃ yathā loke cintitārthaphalapradam |
tathaiva mantrarājastu cintitārthaphalapradaḥ || 8.58 ||
Wie der Wunschedelstein in der Welt das Gewünschte als Frucht gewährt, so schenkt auch der Mantrakönig die Frucht des vergegenwärtigten Ziels.
8.59
mantrāṇāṃ saptakoṭīnāmālayaḥ paramo balī |
bhāvahīnāstu ye mantrāḥ śaktihīnāstu kīlitāḥ || 8.59 ||
Er ist die höchste, mächtige Wohnstätte der siebzig Millionen Mantras. Mantras jedoch, die ohne innere Vergegenwärtigung und ohne Kraft sind oder versiegelt wurden,
8.60
varṇamātrāvihīnāstu gurvāgamavivarjitāḥ |
bhraṣṭāmnāyavihīnā ye āgamojjhitavighnitāḥ || 8.60 ||
denen Laute oder Lautmaße fehlen, die ohne Lehrer und Überlieferung sind, deren Weitergabe abgerissen ist und die durch den Verlust der Tradition behindert sind,
8.61
na siddhyanti yadā devi japtā iṣṭāḥ sahasraśaḥ |
asiddhā ripavo ye ca sarvāṃśakavivarjitāḥ || 8.61 ||
gelingen nicht, Göttin, selbst wenn sie tausendfach rezitiert und verehrt werden; auch die erfolglosen, feindlichen oder von sämtlichen Teilen entblößten Mantras.
8.62
ādyantasaṃpuṭenaiva sādyarṇena tu rodhitāḥ |
mantreṇānena deveśi amṛteśena jīvitāḥ || 8.62 ||
Werden sie aber am Anfang und Ende eingerahmt, von sa und den weiteren Lauten umschlossen und durch diesen Amritesha-Mantra belebt, Herrin der Götter,
8.63
siddhyanti hyaprayatnena japtā iṣṭā na saṃśayaḥ |
dhyātāḥ sarvapradā devi bhavanti na vaco'nṛtam || 8.63 ||
so werden sie ohne Mühe wirksam, wenn sie rezitiert und verehrt werden; daran besteht kein Zweifel. Meditiert schenken sie alles, Göttin. Mein Wort ist nicht unwahr.
8.64
iti sarvaṃ samākhyātaṃ rahasyaṃ paramaṃ priye || 8.64 ||
So ist dir alles erklärt, das höchste Geheimnis, Geliebte.
Kapitel 9: Einheit und Vielfalt der göttlichen Gestalten
9.1
śrutaṃ deva mayā sarvaṃ māhātmyaṃ mantranāyake |
adhunā śrotumicchāmi yaduktaṃ vibhunā mama || 9.1 ||
Die Göttin sprach: „Gott, ich habe die gesamte Größe des Mantraführers vernommen. Jetzt möchte ich hören, was der allgegenwärtige Herr mir angekündigt hat:
9.2
sarvāgamavidhānena bhāvabhedena siddhidam |
vāmadakṣiṇasiddhāntasauravaiṣṇavavaidike || 9.2 ||
dass er gemäß den Vorschriften aller Agamas, je nach innerer Ausrichtung, Vollendung verleiht, in den linken und rechten Strömen, im Siddhanta, in den Traditionen der Sonne, Vishnus und des Veda.
9.3
yatheṣṭasiddhidaṃ devaṃ yatheṣṭācārayogataḥ |
tadākhyāhi sureśāna cintāratnaphalodayam || 9.3 ||
Er schenkt die gewünschte Vollendung entsprechend der gewählten Lebens- und Übungsweise. Erkläre mir diesen Gott, Herr der Götter, der die Frucht eines Wunschedelsteins hervorbringt.“
9.4
śṛṇu sundari tattvena paramārthaṃ vadāmi te |
amṛteśavidhānena mṛtyujit kathitaṃ mayā || 9.4 ||
„Höre, Schöne; ich sage dir wahrheitsgemäß den höchsten Sinn. Als Verfahren Amriteshas habe ich Mrityujit erklärt.
9.5
tadevaṃ paramaṃ devamamṛteśamanāmayam |
svabhāvastatsamuddiṣṭaṃ vyāpakaṃ śāśvataṃ dhruvam || 9.5 ||
So ist dieser höchste Gott Amritesha frei von Übel. Sein eigenes Wesen wird als allgegenwärtig, ewig und beständig bezeichnet.
9.6
na tasya rūpaṃ varṇo vā paramārthena vidyate |
yasmāt sarvagato devaḥ sarvāgamamayaḥ śubhaḥ || 9.6 ||
In höchster Wahrheit besitzt er weder Gestalt noch Farbe. Denn der segensreiche Gott ist überall gegenwärtig und besteht aus allen Agamas.
9.7
vyāpakaḥ sarvamantrāṇāṃ sarvasiddhipradāyakaḥ |
nirmalaṃ sphaṭikaṃ yadvat tantau protaṃ sitādike || 9.7 ||
Er durchdringt sämtliche Mantras und gewährt alle Vollendungen. Wie ein reiner Kristall, auf einen weißen oder andersfarbigen Faden gereiht,
9.8
pratibimbeta sarvatra yena yena hi rañjitam |
tattad darśayate'nyeṣāṃ na svabhāvena rañjitam || 9.8 ||
überall das widerspiegelt, wodurch er gefärbt erscheint, und dies anderen zeigt, ohne seiner eigenen Natur nach gefärbt zu sein,
9.9
tathā tathaiva deveśaḥ sarvāgamaniyojitaḥ |
phalaṃ dadāti sarveṣāṃ sādhakānāṃ hi sarvataḥ || 9.9 ||
so gewährt der Herr der Götter, in sämtliche Agamas eingesetzt, allen Praktizierenden überall ihre Frucht.
9.10
tasmāt srotaḥsu sarveṣu cintāmaṇirivojjvalaḥ |
bhāvabhedena vai dhyātaḥ sarvāgamaphalapradaḥ || 9.10 ||
Darum leuchtet er in allen Überlieferungsströmen wie ein Wunschedelstein. Entsprechend der inneren Ausrichtung meditiert, verleiht er die Früchte sämtlicher Agamas.
9.11
śivaḥ sadāśivaścaiva bhairavastumburustathā |
somasūryasvarūpeṇa vahnirūpadharo vibhuḥ || 9.11 ||
Er ist Shiva, Sadashiva, Bhairava und Tumburu; als Mond und Sonne und in der Gestalt des Feuers erscheint der allgegenwärtige Herr.
9.12
yato jñānamayo devo jñānaṃ ca bahudhā sthitam |
niyantritānāṃ baddhānāṃ trāṇaṃ tannetramucyate || 9.12 ||
Denn der Gott besteht aus Erkenntnis, und Erkenntnis besteht auf vielerlei Weise. Der Schutz der Eingeschränkten und Gebundenen wird als dieses Netra bezeichnet.
9.13
mṛtyoruttārayedyasmānmṛtyujittena cocyate |
amṛtatvaṃ dadātyevamamṛteśa iti smṛtaḥ || 9.13 ||
Weil er über den Tod hinausführt, heißt er Mrityujit. Weil er Unsterblichkeit verleiht, gilt er als Amritesha.
9.14
evaṃ sarvagato devo bahurūpo maṇiryathā |
sarvairārādhito devi svasiddhiphalavāñchayā || 9.14 ||
So ist der Gott allgegenwärtig und vielgestaltig wie ein Edelstein. Von allen wird er verehrt, Göttin, im Wunsch nach der Frucht ihrer eigenen Vollendung.
9.15
sarveṣāṃ phalado devaḥ prārthitārthavidhāyakaḥ |
tasmād bhāvānurūpeṇa sādhakaḥ sādhane sthitaḥ || 9.15 ||
Der Gott gewährt allen die Frucht und erfüllt das Erbetene. Darum wird er dem Praktizierenden, der in seiner Übung entsprechend einer inneren Ausrichtung feststeht,
9.16
yena yenaiva bhāvena tasya tatphalado bhavet |
yaḥ sadāśivarūpeṇa sadā dhyāyati sādhakaḥ || 9.16 ||
je nach dieser Ausrichtung die betreffende Frucht verleihen. Wer als Praktizierender immer über ihn in Sadashivas Gestalt meditiert,
9.17
sadāśivatanustasya bhavatīva sureśvari |
sarvāstā (stanavo) hyeṣa sarvānugrahakārakaḥ || 9.17 ||
dem erscheint er gleichsam in Sadashivas Körper, Herrin der Götter. Er ist all diese Gestalten und erweist allen Gnade.
9.18
sadyo vāmo hyaghoraśca puruṣeśānavigrahaḥ |
anena hṛdayādīni nyastavyāni varānane || 9.18 ||
Er hat die Gestalten Sadyojata, Vamadeva, Aghora, Purusha und Ishana. Mit diesem Mantra sind die Glieder, beginnend mit dem Herzen, einzusetzen, Schönangesichtige.
9.19
anenaiva tu mantreṇa svāsanaṃ parikalpayet |
candrārbudapratīkāśaṃ himādrinicayopamam || 9.19 ||
Mit eben diesem Mantra gestalte man den eigenen Sitz. Den Gott stelle man sich leuchtend wie hundert Millionen Monde und wie eine Masse von Schneebergen vor,
9.20
pañcavaktraṃ viśālākṣaṃ daśabāhuṃ trilocanam |
nāgayajñopavītaṃ tu vyāghracarmāmbaracchadam || 9.20 ||
mit fünf Gesichtern, großen Augen, zehn Armen und drei Augen, mit einer Schlange als heiliger Schnur und mit Tigerfell bekleidet.
9.21
baddhapadmāsanāsīnaṃ siddhapadmoparisthitam |
triśūlamutpalaṃ bāṇamakṣasūtraṃ samudgaram || 9.21 ||
Er sitzt in gebundenem Lotussitz auf einem vollkommenen Lotus. Dreizack, Lotus, Pfeil, Gebetskette und Hammer
9.22
dakṣiṇeṣu kareṣvevaṃ vāmeṣu śṛṇvataḥ param |
spheṭakādarśacāpaṃ ca mātuluṅguṃ kamaṇḍalum || 9.22 ||
hält er in den rechten Händen. Höre nun von den linken: Schild, Spiegel, Bogen, Zitronatzitrone und Wassergefäß.
9.23
candrārdhamaulinaṃ devamāpītaṃ pūrvavaktrataḥ |
dakṣiṇaṃ kṛṣṇabhīmograṃ daṃṣṭralaṃ vikṛtānanam || 9.23 ||
Der Gott trägt die Mondsichel auf dem Haupt; sein östliches Gesicht ist gelblich. Das südliche ist schwarz, schrecklich und wild, mit Fangzähnen und entstelltem Antlitz,
9.24
kapālamālābharaṇaṃ jagatsaṃtrāsakārakam |
paścimaṃ himakundābhaṃ vāmaṃ raktotpalaprabham || 9.24 ||
mit einem Schmuck aus Schädeln, das die Welt erschrecken lässt. Das westliche gleicht Schnee und weißem Jasmin, das linke leuchtet wie ein roter Lotus.
9.25
ūrdhvavaktraṃ maheśāni sphaṭikābhaṃ vicintayet |
evaṃ dhyātvā tu deveśaṃ pūjayedvidhipūrvakam || 9.25 ||
Das obere Gesicht, große Herrin, stelle man sich kristallhell vor. Hat man so über den Herrn der Götter meditiert, verehre man ihn vorschriftsgemäß,
9.26
svamūrtau sthaṇḍile liṅge jale vā kamalopari |
īśānādyāṃśca sadyo'ntān svadikṣu pratipūjayet || 9.26 ||
in der eigenen Gestalt, auf einem Opferplatz, im Linga, im Wasser oder auf einem Lotus. Ishana und die weiteren bis Sadyojata verehre man jeweils in ihrer eigenen Richtung.
9.27
āgneyyādau hṛdādīni nyasyet pūjāvidhānataḥ |
tadā sidhyatyasaṃdehaṃ satyametad bravīmi te || 9.27 ||
Von Südosten aus setze man nach der Verehrungsvorschrift das Herz und die weiteren Glieder ein. Dann erlangt man ohne Zweifel Vollendung. Dies sage ich dir in Wahrheit.
Kapitel 10: Bhairava und sein Göttinnenkreis
10.1
athedānīṃ pravakṣyāmi bhairavāgamabheditam |
bhinnāñjanacayaprakhyaṃ kalpāntadahanātmakam || 10.1 ||
Nun werde ich die besondere Form gemäß dem Bhairava-Agama erklären: dunkel wie eine Masse zerstoßenen Augenschminks und vom Wesen des Feuers am Ende eines Weltzeitalters,
10.2
pañcavaktraṃ śavārūḍhaṃ daśabāhuṃ bhayānakam |
kṣapāmukhagaṇaprakhyaṃ garjantaṃ bhīṣaṇasvanam || 10.2 ||
mit fünf Gesichtern, auf einer Leiche stehend, zehnarmig und furchterregend, einer Masse einbrechender Nacht gleich, mit schrecklichem Laut brüllend,
10.3
daṃṣṭrakarālavadanaṃ bhrukuṭīkuṭilekṣaṇam |
siṃhāsanapadārūḍhaṃ vyālahārairvibhūṣitam || 10.3 ||
mit von Fangzähnen entstelltem Antlitz und unter zusammengezogenen Brauen gekrümmtem Blick, auf einem Löwenthron und mit Schlangenketten geschmückt,
10.4
kapālamālābharaṇaṃ dāritāsyaṃ mahātanum |
gajatvakprāvṛtapaṭaṃ śaśāṅkakṛtaśekharam || 10.4 ||
mit einer Schädelkette, aufgerissenem Mund und gewaltigem Körper, in Elefantenhaut gehüllt und mit dem Mond als Kopfschmuck.
10.5
kapālakhaṭvāṅgadharaṃ khaḍgakheṭakadhāriṇam |
pāśāṅkuśadharaṃ devaṃ varadābhayapāṇikam || 10.5 ||
Er trägt Schädelschale und Khatvanga-Stab, Schwert und Schild, Schlinge und Elefantenhaken; seine Hände zeigen Gabengewähren und Furchtlosigkeit.
10.6
vajrahastaṃ mahāvīraṃ paraśvāyudhapāṇikam |
bhairavaṃ pūjayitvā tu tasyotsaṅgagatāṃ smaret || 10.6 ||
Er hält den Vajra, der große Held, und die Streitaxt. Nachdem man Bhairava verehrt hat, vergegenwärtige man die auf seinem Schoß befindliche Göttin,
10.7
pralayāgnisamākārāṃ lākṣāsindūrasaprabhām |
ūrdhvakeśīṃ mahākāyāṃ vikarālāṃ subhīṣaṇām || 10.7 ||
dem Feuer der Weltauflösung gleich, im Glanz von Lackrot und Zinnober, mit aufgerichtetem Haar, gewaltigem Körper, entsetzlich und überaus furchtbar,
10.8
mahodarīṃ pañcavaktrāṃ netratrayavibhūṣitām |
nakharālāṃ koṭarākṣīṃ muṇḍamālāvibhūṣitām || 10.8 ||
mit großem Bauch, fünf Gesichtern und drei Augen, mit Krallen, tief liegenden Augen und einer Kette aus Köpfen geschmückt.
10.9
bhairavoktabhujāṃ devīṃ bhairavāyudhadhāriṇīm |
icchāśaktiriti khyātāṃ svacchandotsaṅgagāminīm || 10.9 ||
Die Göttin hat die für Bhairava genannten Arme und trägt Bhairavas Waffen. Als Willenskraft ist sie bekannt und weilt auf Svacchandas Schoß.
10.10
aghoreśīti vikhyātāmetadrūpadharāṃ smaret |
sarvatantreṣu ca proktaṃ pracchannaṃ na sphuṭīkṛtam || 10.10 ||
Als Aghoreshi ist sie berühmt; in dieser Gestalt soll man sie vergegenwärtigen. Dies ist in allen Tantras verborgen ausgesprochen, nicht offen erklärt.
10.11
mamāśayo na kenāpi lakṣito bhuvi durlabhaḥ |
vyādhinigrahaṇādyeṣu pāpeṣu kṣayahetave || 10.11 ||
Niemand hat meine schwer zu erlangende innere Absicht auf Erden erkannt. Zur Vernichtung von Krankheiten, schädlicher Bedrängung und weiteren Übeln,
10.12
gobrahmaṇeṣu rakṣārthaṃ śāntau puṣṭau sadā yajet |
athavā himakundendumuktāphalasamadyutim || 10.12 ||
zum Schutz von Kühen und Brahmanen, für Frieden und Gedeihen verehre man stets. Oder man stelle sich den Gott im Glanz von Schnee, weißem Jasmin, Mond und Perle vor,
10.13
candrakoṭisamaprakhyaṃ sphaṭikācalasaṃnibham |
kalpāntadahanaprakhyaṃ japākiṃśukasaṃnibham || 10.13 ||
leuchtend wie zehn Millionen Monde und einem Kristallberg gleich; oder wie das Feuer am Weltende, Hibiskus und rote Kimshuka-Blüten,
10.14
sūryakoṭisamākāraṃ raktaṃ vā tamanusmaret |
athavā padmarāgābhaṃ haritālasamadyutim || 10.14 ||
in der Gestalt von zehn Millionen Sonnen, rot. Oder man vergegenwärtige ihn rubingleich, oder mit dem Glanz des gelben Haritala.
10.15
icchārūpadharaṃ devamicchāsiddhiphalapradam |
yādṛśenaiva vapuṣā sādhakastamanusmaret || 10.15 ||
Der Gott nimmt die gewünschte Gestalt an und schenkt die Frucht der gewünschten Vollendung. Mit welchem Körper der Praktizierende ihn auch vergegenwärtigt,
10.16
tādṛśaṃ bhajate rūpaṃ tādṛksiddhipradaṃ śubham |
padmamadhyasthitaṃ dhyāyet pūjayedvidhinā tataḥ || 10.16 ||
diese Gestalt nimmt er an, segensreich und die entsprechende Vollendung gewährend. Man meditiere ihn inmitten des Lotus und verehre ihn dann nach Vorschrift,
10.17
yathānurūpanaivedyapuṣpadhūpāsavairvibhum |
gokṣīrasadṛśīṃ devīṃ hārahāsasamaprabhām || 10.17 ||
den allgegenwärtigen Herrn mit passenden Speisen, Blumen, Räucherwerk und gegorenen Getränken. Die Göttin stelle man sich kuhmilchweiß vor, im Glanz von Perlenketten und hellem Lächeln,
10.18
suśuddhasphaṭikaprakhyāṃ kundenduśaśinirmalām |
caturbhujāṃ trinetrāṃ ca vaktraikena vibhūṣitām || 10.18 ||
ganz reinem Kristall gleich, makellos wie Jasmin und Mond, mit vier Armen, drei Augen und einem Gesicht.
10.19
sitāmbaradharāṃ devīṃ sitahāravibhūṣitām |
sāraṅgāsanasaṃsthāṃ tu vajrahastāṃ mahābalām || 10.19 ||
Die Göttin trägt ein weißes Gewand und weiße Ketten. Sie sitzt auf einer Antilope, hält den Vajra und ist von großer Kraft,
10.20
pāśāṅkuśadharāṃ devīṃ ghaṇṭādhvanininādinīm |
pūrvasyāṃ diśi tiṣṭhantīṃ devadevasya saṃmukhīm || 10.20 ||
trägt Schlinge und Elefantenhaken und lässt die Glocke ertönen. Im Osten steht sie, dem Gott der Götter zugewandt.
10.21
yastu dhyāyati yuktātmā kṣipraṃ sidhyatyasau naraḥ |
sūryakoṭisamaprakhyāṃ jvalitāgnisamaprabhām || 10.21 ||
Wer mit gesammeltem Selbst so meditiert, erlangt rasch Vollendung. Die nächste Göttin ist leuchtend wie zehn Millionen Sonnen und wie loderndes Feuer,
10.22
sindūrarāśisadṛśīṃ vidyudrūpāṃ bhayaṅkarām |
trinetrāṃ bhīmavadanāṃ sthūlakāyāṃ mahodarīm || 10.22 ||
einer Masse Zinnober gleich, blitzgestaltig und furchterregend, dreiäugig, mit schrecklichem Gesicht, schwerem Körper und großem Bauch,
10.23
lambodarīṃ lambakucāṃ pretārūḍhāṃ mahābalām |
kapālamālābharaṇāṃ vyāghracarmakaṭisthalām || 10.23 ||
mit herabhängendem Bauch und herabhängenden Brüsten, auf einem Totengeist stehend, von großer Kraft, mit einer Schädelkette und Tigerfell um die Hüften,
10.24
gajacarmottarīyāṃ ca muṇḍamālāvibhūṣitām |
maholkāmiva rājantīṃ bhāsayantīṃ digambarām || 10.24 ||
mit Elefantenhaut als Obergewand und einer Kette aus Köpfen geschmückt, wie eine große Feuerfackel strahlend, leuchtend und in die Himmelsrichtungen gekleidet.
10.25
caturbhujāmekavaktrāṃ khaḍgakheṭakadhāriṇīm |
kapālakhaṭvāṅgadharāṃ dakṣadiksaṃsthitāṃ smaret || 10.25 ||
Vierarmig, mit einem Gesicht, Schwert und Schild, Schädelschale und Khatvanga-Stab soll man sie im Süden stehend vergegenwärtigen.
10.26
kṛṣṇāruṇāṃ mahādīptāṃ nirmāṃsāṃ vikṛtānanām |
suśuṣkāṃ koṭarākṣīṃ ca ekavaktrāṃ caturbhujām || 10.26 ||
Die nächste ist schwarzrot, sehr strahlend, ohne Fleisch, mit entstelltem Gesicht, völlig ausgetrocknet, mit tief liegenden Augen, einem Gesicht und vier Armen,
10.27
trinetrāṃ bhīmavadanāṃ vyālahāravibhūṣitām |
ūrdhvakeśīṃ mahākāyāṃ muṇḍamālāvibhūṣitām || 10.27 ||
dreiäugig, schrecklich von Angesicht, mit Schlangenketten geschmückt, mit aufgerichtetem Haar, gewaltigem Körper und einer Kette aus Köpfen.
10.28
snāyurajjunibaddhāṅgīṃ naracarmakaṭicchadām |
vyāghracarmāmbaradharāṃ khaḍgakheṭakadhāriṇīm || 10.28 ||
Ihre Glieder sind durch Sehnenstricke zusammengehalten; sie trägt Menschenhaut um die Hüften und ein Tigerfellgewand, Schwert und Schild.
10.29
antrāsṛṅmāṃsasaṃpūrṇapiṭakaṃ bibhratīṃ kare |
troṭayantīṃ mahāntrāṇi paścimāyāṃ diśi smaret || 10.29 ||
Sie hält einen Korb voll Eingeweiden, Blut und Fleisch und zerreißt große Därme. So stelle man sie sich im Westen vor,
10.30
kumbhīrāsanasaṃsthāṃ tu devadevasya saṃmukhām |
uṣṭragrīvo gajaskandho hyaśvakarṇo huḍānanaḥ || 10.30 ||
auf einem Kumbhira sitzend und dem Gott der Götter zugewandt. Dieser hat einen Kamelhals, Elefantenschultern, Pferdeohren und das Gesicht eines Huda-Tieres,
10.31
vyāḍajaṅghopamākāro vajrāyudhanakhopamaḥ |
kūrmapṛṣṭho mīnapucchaḥ kumbhīraḥ parikīrtitaḥ || 10.31 ||
Unterschenkel wie ein Raubtier und Krallen wie Vajra-Waffen, einen Schildkrötenrücken und einen Fischschwanz. So wird der Kumbhira beschrieben.
10.32
nīlotpaladalaśyāmā śāradāmbarasaṃnibhā |
trinetrā caikavaktrā ca nīlāmbaravibhūṣitā || 10.32 ||
Die nächste ist dunkel wie das Blatt eines blauen Lotus und gleicht dem Herbsthimmel; sie hat drei Augen und ein Gesicht und trägt ein blaues Gewand.
10.33
siṃhapṛṣṭhasamārūḍhā śaracāpakarodyatā |
śaktihastā mahādevī dhyātā ceṣṭaphalapradā || 10.33 ||
Sie sitzt auf dem Rücken eines Löwen und hält Pfeil und Bogen empor. Die große Göttin hat einen Speer in der Hand; meditiert schenkt sie die gewünschte Frucht.
10.34
siddhā raktā tathā śuṣkā tathā cotpalahastikā |
caturdikṣu sthitā devyo bhairavasya gaṇāmbike || 10.34 ||
Siddha, Rakta, Shushka und Utpalahastika: Diese Göttinnen befinden sich in den vier Richtungen Bhairavas, Mutter der Scharen.
10.35
vidikṣu dūtyo vinyasyā vahnyādīśadigantataḥ |
kālī caiva karālī ca mahākālī tathaiva ca || 10.35 ||
Die Botinnen setze man in den Zwischenrichtungen ein, von Südosten bis Nordosten: Kali, Karali, Mahakali
10.36
bhadrakālīti vikhyātā devīrūpeṇa saṃsthitāḥ |
kintvetā dvibhujā devyaḥ padmāsanamavasthitāḥ || 10.36 ||
und die als Bhadrakali bekannte. Sie haben die Gestalt der Göttinnen, doch diese Göttinnen sind zweiarmig und sitzen im Lotussitz,
10.37
kartikāmuṇḍadhāriṇyaḥ kiṅkarā dvāradeśataḥ |
krodhano vṛntakaścaiva karṣaṇo'tha gajānanaḥ || 10.37 ||
halten Messer und Kopf. An den Toren stehen die Diener: Krodhana, Vrintaka, Karshana und Gajanana,
10.38
dvibhujā vikṛtāsyāśca khaḍgakheṭakapāṇayaḥ |
śāntyarthaṃ tu sitāḥ sarve rūpaṃ vā karmabhedataḥ || 10.38 ||
zweiarmig, mit entstellten Gesichtern und mit Schwert und Schild in den Händen. Zur Befriedung sind sie alle weiß; andernfalls richtet sich ihre Gestalt nach der Handlung.
10.39
athedānīṃ pravakṣyāmi rājarakṣāṃ vidhānataḥ |
mantrasaṃpuṭayogena madhye nāma samālikhet || 10.39 ||
Nun werde ich den Königsschutz gemäß der Vorschrift erklären. Den Namen schreibe man in die Mitte, eingeschlossen zwischen den Mantrateilen.
10.40
tadūrdhve bhairavaṃ devamamṛteśaṃ yajet priye |
devyo daleṣu tenaiva tathaivādyantayojitāḥ || 10.40 ||
Darüber verehre man Bhairava als Amritesha, Geliebte. Die Göttinnen auf den Blütenblättern werden ebenso mit diesem Mantra am Anfang und Ende verbunden.
10.41
dūtyastathā niyojyante mūlamantreṇa kiṅkarāḥ |
padmabāhye suśuklaṃ tu likhettacchaśimaṇḍalam || 10.41 ||
Die Botinnen werden ebenso eingesetzt und die Diener mit dem Grundmantra. Außerhalb des Lotus zeichne man eine ganz weiße Mondscheibe,
10.42
catuṣkoṇaṃ tu tadbāhye vajralāñchanalāñchitam |
rocanākuṅkumenaiva kṣīreṇa sitayā tathā || 10.42 ||
außerhalb davon eine viereckige Umfriedung, mit Vajra-Zeichen versehen. Mit Rochana, Safran, Milch und weißer Substanz
10.43
likhitvā pūjayecchāntau sarvaśvetopacārataḥ |
yathānurūpanaivedyairghasmarairbalināsavaiḥ || 10.43 ||
zeichne man dies und verehre es zur Befriedung mit ausschließlich weißen Gaben, mit entsprechenden Speisen, Opferkost, Opfergabe und gegorenen Getränken.
10.44
sitacandanasaṃmiśrān karpūrakṣodadhūsarān |
sākṣatāṃstaṇḍulatilān sitaśarkarayā saha || 10.44 ||
Mit weißem Sandel vermischt und mit Kampferpulver bestäubt, zusammen mit ungebrochenen Körnern, nehme man Reis und Sesam sowie weißen Zucker,
10.45
ghṛtakṣīrasamāyuktān homayedyastu yatnadhīḥ |
mahāśāntirbhavet kṣipraṃ gṛhīto yadi mṛtyunā || 10.45 ||
verbunden mit geklärter Butter und Milch. Wer dies mit sorgfältigem Geist im Feuer opfert, erfährt rasch große Befriedung, selbst wenn er vom Tod ergriffen ist.
Kapitel 11: Tumburu und die vier Göttinnen
11.1
athedānīṃ pravakṣyāmi tantramuttaramuttamam |
mantreṇānena yaṣṭavyaṃ sarvasiddhiphalodayam || 11.1 ||
Nun werde ich das nun folgende höchste Tantra erklären. Mit diesem Mantra soll die Verehrung erfolgen, aus der die Früchte aller Vollendungen hervorgehen.
11.2
sarvopadravaśāntyarthamaṣṭapatre kuśeśaye |
pūrvoktamaṇḍale devi madhye devaṃ ca tumburum || 11.2 ||
Zur Besänftigung aller Bedrängnisse verehre man, Göttin, im zuvor beschriebenen Mandala, in der Mitte eines achtblättrigen Lotus, den Gott Tumburu,
11.3
daśabāhuṃ sureśānaṃ pañcavaktraṃ trilocanam |
sādāśivena vapuṣā vaktrāṇyasya prakalpayet || 11.3 ||
den zehnarmigen Herrn der Götter mit fünf Gesichtern und drei Augen. Seine Gesichter gestalte man entsprechend der Erscheinung Sadashivas.
11.4
taṃ cārdhacandraśirasaṃ rājīvāsanasaṃsthitam |
himakundendudhavalaṃ tuhinācalasaṃnibham || 11.4 ||
Er trägt die Mondsichel auf dem Haupt und sitzt auf einem Lotus. Er ist weiß wie Schnee, Jasmin und Mond und gleicht dem Schneegebirge,
11.5
nāgayajñopavītaṃ ca sarpabhūṣaṇabhūṣitam |
sarvābharaṇasaṃyuktaṃ vyāghracarmakaṭisthalam || 11.5 ||
trägt eine Schlange als heilige Schnur und Schlangenschmuck, ist mit allen Schmuckstücken versehen und trägt Tigerfell um die Hüften.
11.6
gajacarmaparīdhānaṃ vṛṣārūḍhaṃ mahābalam |
khaḍgacarmadharaṃ devaṃ ṭaṅkakandalabhūṣitam || 11.6 ||
In Elefantenhaut gekleidet sitzt er auf einem Stier, von großer Kraft; der Gott hält Schwert und Schild und ist mit Axt und Spross versehen,
11.7
pāśāṅkuśadharaṃ devaṃ cakrahastākṣasūtriṇam |
varadābhayahastaṃ ca sarvakilviṣanāśanam || 11.7 ||
trägt Schlinge und Elefantenhaken, Rad und Gebetskette. Seine Hände gewähren Gaben und Furchtlosigkeit; er beseitigt alle Verfehlungen.
11.8
sarvadikṣu sthitā devyaḥ pūrvādau dūtya eva ca |
āgneyyādividikṣvevaṃ kiṅkarā dvāradeśataḥ || 11.8 ||
Die Göttinnen stehen in allen Hauptrichtungen, beginnend im Osten, die Botinnen in den Zwischenrichtungen von Südosten an, die Diener an den Toren.
11.9
jambhanī mohanī caiva subhagā durbhagā tathā |
dūtayastu samākhyātāḥ kiṅkarān śṛṇvataḥ param || 11.9 ||
Jambhani, Mohani, Subhaga und Durbhaga werden als Botinnen bezeichnet. Höre nun von den Dienern:
11.10
krodhano vṛntakaścaiva gajakarṇo mahābalaḥ |
savyāpasavye gāyatrīṃ sāvitrīṃ viniveśayet || 11.10 ||
Krodhana, Vrintaka, Gajakarna und Mahabala. Zur linken und rechten Seite setze man Gayatri und Savitri ein,
11.11
adha ūrdhve'ṅkuśaṃ māyāṃ vinyasyettadanantaram |
sarvāṇyetāni yojyāni mūlamantreṇa sarvadā || 11.11 ||
darunter und darüber danach Ankusha und Maya. All diese sind stets mit dem Grundmantra zu verbinden.
11.12
sitaraktapītakṛṣṇā devyo vai caturānanāḥ |
caturbhujā trinetrā ca ṭaṅkakandaladhāriṇī || 11.12 ||
Die Göttinnen sind weiß, rot, gelb und schwarz und haben vier Gesichter. Die erste ist vierarmig, dreiäugig und trägt Axt und Spross,
11.13
daṇḍākṣasūtrahastā ca pretopari virājate |
jayā devī tu vijayā raktavarṇā caturbhujā || 11.13 ||
hält Stab und Gebetskette und erstrahlt auf einem Totengeist: die Göttin Jaya. Vijaya ist rot und vierarmig,
11.14
caturvaktrā trinetrā ca śarakārmukadhāriṇī |
khaḍgacarmadharā devī hyulūkopari saṃsthitā || 11.14 ||
mit vier Gesichtern und drei Augen, trägt Pfeil und Bogen, Schwert und Schild; die Göttin befindet sich auf einer Eule.
11.15
ajitā padmagarbhā ca caturvaktrā caturbhujā |
śaktighaṇṭādharā devī carmapaṭṭisadhāriṇī || 11.15 ||
Ajita ist lotusinnerfarben, mit vier Gesichtern und vier Armen. Die Göttin trägt Speer und Glocke, Schild und Pattisha-Lanze.
11.16
aśvārūḍhā mahādevī sarvābharaṇabhūṣitā |
bhinnendranīlasadṛśī caturvaktrā vibhūṣitā || 11.16 ||
Die große Göttin sitzt auf einem Pferd, mit allen Schmuckstücken geschmückt. Die nächste gleicht einem gespaltenen Saphir und ist mit vier Gesichtern versehen,
11.17
caturbhujā trinetrā ca pāśāṅkuśadharā tathā |
ratnapātragadāhastā divyāsanasusaṃsthitā || 11.17 ||
vierarmig und dreiäugig; sie trägt Schlinge und Elefantenhaken, hält Edelsteingefäß und Keule und ruht auf einem göttlichen Sitz.
11.18
sauvarṇāmbarasaṃvītā svarṇabhūṣaṇabhūṣitā |
svadikṣu saṃsthitā iṣṭā dhyātāḥ siddhiphalapradāḥ || 11.18 ||
Sie ist in ein goldenes Gewand gehüllt und mit Goldschmuck geschmückt. In ihren eigenen Richtungen aufgestellt, verehrt und meditiert, verleihen die Göttinnen die Früchte der Vollendung.
11.19
dūtyastadrūpadhāriṇyaḥ kintu vaktraikabhūṣitāḥ |
dvibhujāśca trinetrāśca muṇḍakartaribhūṣitāḥ || 11.19 ||
Die Botinnen haben dieselben Gestalten, doch nur ein Gesicht; sie sind zweiarmig und dreiäugig und tragen Kopf und Messer.
11.20
matsyaḥ kūrmastu makaro bhekastāsāṃ tathāsanam |
kiṅkarāḥ khaḍgahastāśca dvibhujāścarmadhāriṇaḥ || 11.20 ||
Fisch, Schildkröte, Makara und Frosch sind ihre Sitze. Die Diener haben zwei Arme, halten Schwerter und tragen Schilde,
11.21
ekavaktrāstrinetrāśca bhrukuṭīkuṭilekṣaṇāḥ |
sitādivarṇabhedena dhyātāḥ siddhiphalapradāḥ || 11.21 ||
haben ein Gesicht und drei Augen sowie einen unter zusammengezogenen Brauen gekrümmten Blick. In den unterschiedlichen Farben, beginnend mit Weiß, meditiert, verleihen sie die Früchte der Vollendung.
11.22
gāyatrī raktavarṇābhā vaktraikena vibhūṣitā |
baddhapadmāsanāsīnā dhyānonmīlitalocanā || 11.22 ||
Gayatri leuchtet rot und hat ein Gesicht. Sie sitzt in gebundenem Lotussitz, die Augen in Meditation geöffnet.
11.23
sāvitrī sitavarṇena dhyānāntargatalocanā |
tathaivāvayavā devī māyā kṛṣṇā caturbhujā || 11.23 ||
Savitri ist weiß, ihre Augen sind nach innen in die Meditation gerichtet; ihre Glieder entsprechen denen Gayatris. Maya ist schwarz und vierarmig,
11.24
mahāpaṭāvagūhinyāsaṃpuṭākārayugmataḥ |
aṅkuśo bhairavākāraḥ pāśāṅkuśadharo vibhuḥ || 11.24 ||
mit einer verhüllenden großen Tuchgeste, durch ein Paar einschließender Formen. Ankusha ist von Bhairavas Gestalt, allgegenwärtig und trägt Schlinge und Elefantenhaken,
11.25
kapālakhaṭvāṅgadharo vasā'sṛṅmāṃsalampaṭaḥ |
kṣīrārṇavaṃ corvīṃ śaktimādhārikāṃ śubhām || 11.25 ||
Schädelschale und Khatvanga-Stab, nach Fett, Blut und Fleisch verlangend. Das Milchmeer, die Erde und die segensreiche tragende Shakti
11.26
āsanārthaṃ prayuñjīta śāntyarthaṃ sitanīrajam |
sarva eva tu deveśi suśulkāḥ(suśuklāḥ) śāntikārakāḥ || 11.26 ||
soll man als Sitzgrundlage einsetzen, zur Befriedung einen weißen Lotus. Alle sind dabei, Herrin der Götter, ganz weiß und Frieden stiftend.
11.27
raktāḥ pītāstathā kṛṣṇā dhyātavyāḥ karmabhedataḥ |
athānyaṃ saṃpravakṣyāmi cakrarājaṃ mahābalam || 11.27 ||
Rot, gelb oder schwarz sind sie je nach Handlung zu meditieren. Nun werde ich ein anderes, sehr mächtiges Königsrad erklären.
11.28
ādyantasaṃpuṭenaiva madhye nāma samālikhet |
devaṃ devīśca dūtīśca pūrvavadvidhinā nyaset || 11.28 ||
In die Mitte schreibe man den Namen, am Anfang und Ende vom Mantra eingeschlossen. Gott, Göttinnen und Botinnen setze man nach dem früheren Verfahren ein,
11.29
madhye daleṣu vidaleṣvanyataḥ sarvataḥsudhī |
yathānurūpairnaivedyairbhūriśāntyarthamātmanaḥ || 11.29 ||
in der Mitte, auf den Blättern und Zwischenblättern, die Übrigen ringsum, mit Verständnis. Mit jeweils passenden Speisen, um große Befriedung für sich selbst
11.30
anyasya vā prayoktavyaṃ yaṣṭavyaṃ śāntikarmaṇi |
tilataṇḍulamadhvājyakṣīraśarkarayā saha || 11.30 ||
oder für einen anderen zu bewirken, wende man es an und verehre im Befriedungsritual. Mit Sesam, Reis, Honig, geklärter Butter, Milch und Zucker
11.31
homayet pūrvavat kuṇḍe praśastendhanadīpite |
mahāśāntiḥ prajāyeta satyaṃ me nānṛtaṃ vacaḥ || 11.31 ||
opfere man wie zuvor in der Grube, deren Feuer mit geeignetem Holz entfacht ist. Große Befriedung entsteht; wahr ist mein Wort, nicht unwahr.
11.32
sarvarakṣāvidhāneṣu yājyā devyaḥ susiddhidāḥ |
paṅktiṣṭhā vā yajeddevīrmadhye devaṃ ca tumburum || 11.32 ||
Bei allen Schutzverfahren sind die Göttinnen zu verehren, die gute Vollendung verleihen. Oder man verehre sie in einer Reihe, mit dem Gott Tumburu in der Mitte.
11.33
sarvāḥ śriyaḥ samāpnoti sādhakaḥ saṃyatendriyaḥ |
anyasya vā prayuñjāno jayatyatra na saṃśayaḥ || 11.33 ||
Der Praktizierende mit beherrschten Sinnen erlangt alles Glück. Auch wenn er das Verfahren für einen anderen anwendet, ist er darin erfolgreich; daran besteht kein Zweifel.
Kapitel 12: Die Muttergöttinnen in der Kula-Überlieferung
12.1
athātaḥ saṃpravakṣyāmi kulāmnāyanidarśanam |
yāgaṃ homaṃ japaṃ kāryaṃ yena sarvamavāpnuyāt || 12.1 ||
Nun werde ich die Darstellung der Kula-Überlieferung erklären: die auszuführende Verehrung, das Feueropfer und die Rezitation, wodurch man alles erlangt.
12.2
padmamadhye tu saṃpūjyo bhairavaḥ pūrvacoditaḥ |
pūrvādidigdalāvasthā hyaṣṭau devyaḥ svabhāvataḥ || 12.2 ||
In der Mitte des Lotus verehre man den zuvor beschriebenen Bhairava. Auf den Blütenblättern in den Richtungen von Osten an stehen die acht Göttinnen in ihrer jeweiligen Natur,
12.3
brahmādidevatānāṃ ca svarūpāyudhavāhanāḥ |
brahmī māheśvarī caiva kaumārī vaiṣṇavī tathā || 12.3 ||
mit Gestalten, Waffen und Reittieren der Götter, beginnend mit Brahma: Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi,
12.4
vārāhī caiva māhendrī cāmuṇḍā bahurūpiṇī |
brahmādibahurūpāntaṃ rūpamāsāṃ svavāhanam || 12.4 ||
Varahi, Mahendri, Chamunda und Bahurupini. Ihre Gestalten und Reittiere entsprechen denen von Brahma bis Bahurupa.
12.5
svāyudhaṃ caiva sarvāsāṃ svarūpeṇa vibhūṣitam |
kapālakhaṭvāṅgadharā varābhayakarodyatāḥ || 12.5 ||
Alle besitzen ihre eigenen, ihrer Gestalt entsprechenden Waffen. Sie tragen Schädelschale und Khatvanga-Stab und erheben ihre Hände zum Gabengewähren und zur Furchtlosigkeit.
12.6
paṅktiṣṭhā vā yajeddevīḥ sarvābhīṣṭaphalapradāḥ |
sarveṣāmeva śāntyarthaṃ prāṇināṃ bhūtimicchatā || 12.6 ||
Oder man verehre die Göttinnen in einer Reihe; sie schenken alle gewünschten Früchte. Wer das Wohlergehen der Lebewesen wünscht, soll sie für den Frieden aller
12.7
bhūriyāgena yaṣṭavyā yathākāmānurūpataḥ |
viśeṣāddevi yaṣṭavyā bhūbhṛtāmapi daiśikaiḥ || 12.7 ||
mit reicher Verehrung entsprechend dem jeweiligen Wunsch verehren. Besonders für die Herrscher sind sie, Göttin, durch die Lehrer zu verehren.
12.8
āsāmeva prasādena rājyaṃ nihatakaṇṭakam |
bhuñjate sarvarājānaḥ subhagā hyavanītale || 12.8 ||
Denn allein durch ihre Gnade genießen alle Könige glücklich auf Erden ein Reich, dessen Dornen, die Störungen, beseitigt sind.
12.9
yasmādetajjagatsarvaṃ devīnāṃ tu svabhāvajam |
etā yonisvarūpāstu devādijagataḥ priye || 12.9 ||
Diese ganze Welt ist aus dem eigenen Wesen der Göttinnen hervorgegangen. Sie bilden den Ursprung der Welt, angefangen bei den Göttern, Geliebte.
12.10
sarvāstāḥ sarvaduḥkhaughahāriṇyaḥ prāṇināṃ priye |
rakṣanti mātṛvaccaitāḥ pālayanti jagat sadā || 12.10 ||
Alle beseitigen die Flut sämtlicher Leiden der Lebewesen, Geliebte. Sie schützen wie Mütter und erhalten stets die Welt.
12.11
koṣṭhe vai kārṣikā yadvacchaktirūpaṃ jagat priye |
pralaye dhārayanti sma sṛjantīha punaśca tāḥ || 12.11 ||
Wie Bauern im Speicher bewahren sie bei der Auflösung die Welt in der Gestalt ihrer Kraft, Geliebte, und bringen sie hier erneut hervor.
12.12
yadvacca kārṣakāḥ kāle bījavāpaṃ prakurvate |
phalāya tadvat phaladā brahmakalpasisṛkṣayā || 12.12 ||
Wie Bauern zur rechten Zeit Samen aussäen, damit Frucht entsteht, so schenken sie Frucht, wenn der Wunsch entsteht, im Weltzeitalter Brahmas zu schaffen.
12.13
kalpādau kalpamadhyānte vyāpnuvanti jagacca tāḥ |
tasmāt sarvaprakāreṇa śāntyarthaṃ hitakārikāḥ || 12.13 ||
Am Anfang, in der Mitte und am Ende eines Kalpa durchdringen sie die Welt. Darum sollen diese Wohltäterinnen auf jede Weise um des Friedens willen
12.14
yaṣṭavyā devi hotavyā dhyātavyāḥ siddhikāmataḥ |
sarvabījaistrimadhvaktaistilairvā śrīphalaiḥ śubhaiḥ || 12.14 ||
verehrt, durch Feueropfer erfreut und im Wunsch nach Vollendung meditiert werden, Göttin: mit allen Samen, mit den drei süßen Substanzen bestrichen, oder mit Sesam und guten Bilva-Früchten,
12.15
puṣpairvā supraśastaiśca phalairvānyaiḥ suhomitaiḥ |
sarvasiddhipradā devyaḥ sarvakāmaphalapradāḥ || 12.15 ||
mit besonders geeigneten Blumen oder anderen Früchten, die recht im Feuer geopfert werden. Die Göttinnen schenken alle Vollendungen und die Früchte sämtlicher Wünsche.
Kapitel 13: Göttliche Gestalten und Überlieferungen
13.1
evaṃ vai mantrarājasya kaulikaścodito vidhiḥ |
punaranyat pravakṣyāmi vidhānaṃ yatphalapradam || 13.1 ||
So ist das kaulische Verfahren des Mantrakönigs dargelegt. Nun werde ich ein anderes Verfahren erklären, das Frucht gewährt.
13.2
nārāyaṇaṃ caturbāhuṃ padmapatrāyatekṣaṇam |
atasīpuṣpasaṅkāśamekavaktraṃ dvilocanam || 13.2 ||
Man vergegenwärtige Narayana mit vier Armen und Augen, die sich wie Lotusblätter erstrecken, flachsblütenfarben, mit einem Gesicht und zwei Augen,
13.3
śaṅkhacakragadāpadmasarvābharaṇabhūṣitam |
divyāmbaradharaṃ devaṃ divyapuṣpopaśobhitam || 13.3 ||
mit Muschelhorn, Rad, Keule, Lotus und sämtlichen Schmuckstücken versehen, den Gott im göttlichen Gewand und mit göttlichen Blumen geschmückt,
13.4
sphuranmukuṭamāṇikyakiṅkiṇījālamaṇḍitam |
divyakuṇḍaladhartāramutthitaṃ tu sadā smaret || 13.4 ||
mit strahlender Krone, Rubinen und einem Netz kleiner Glocken geschmückt, göttliche Ohrringe tragend; stets stelle man ihn sich aufrecht stehend vor.
13.5
athavā pakṣirājasthaṃ suśvetaṃ tu manoramam |
trivaktraṃ saumyavadanaṃ varāhaharibhūṣitam || 13.5 ||
Oder auf dem König der Vögel sitzend, ganz weiß und lieblich, mit drei Gesichtern: einem friedvollen sowie Eber- und Löwengesicht.
13.6
bhujaiḥ ṣaḍbhiḥ samāyuktaṃ varābhayasamanvitam |
utsaṅge'sya śriyaṃ dhyāyettadvarṇāyudhadhāriṇīm || 13.6 ||
Er besitzt sechs Arme, darunter die Hände des Gabengewährens und der Furchtlosigkeit. Auf seinem Schoß meditiere man Shri, von entsprechender Farbe und mit entsprechenden Waffen,
13.7
lāvaṇyakāntisadṛśīṃ devadevasya saṃmukhīm |
caturdikṣu sthitā devīrvidikṣvaṅgāni pūjayet || 13.7 ||
von gleicher Anmut und Schönheit, dem Gott der Götter zugewandt. Man verehre die Göttinnen in den vier Richtungen und die Glieder in den Zwischenrichtungen.
13.8
jayā lakṣmīstathā kīrtirmāyā vai dikṣu tā yajet |
pāśāṅkuśadharā devyo varadābhayapāṇikāḥ || 13.8 ||
Jaya, Lakshmi, Kirti und Maya verehre man in den Richtungen. Die Göttinnen tragen Schlinge und Elefantenhaken und zeigen Gabengewähren und Furchtlosigkeit.
13.9
devasya saṃmukhe dhyāyecchrīvarṇā rūpadhāriṇīḥ |
devasya sadṛśāṅgāni tadvarṇāstradharāṇi ca || 13.9 ||
Man meditiere sie dem Gott zugewandt, in Shris Farbe und Gestalt. Die Glieder gleichen dem Gott und tragen seine Farben und Waffen.
13.10
athavāṣṭabhujaṃ devaṃ pītavarṇaṃ suśobhanam |
meṣoparisthitaṃ devi digvastraṃ cordhvaliṅginam || 13.10 ||
Oder man meditiere den Gott achtarmig, gelb und sehr schön, auf einem Widder stehend, Göttin, unbekleidet und mit aufgerichtetem Geschlecht.
13.11
śṛṅgaṃ vaṣṭabhya caikena ceyā (kenā) rodyatapāṇikam |
bālarūpaṃ yajennityaṃ krīḍantaṃ yoṣitāṃ gaṇaiḥ || 13.11 ||
Mit einer Hand hält er ein Horn, die andere ist erhoben [die genaue Handstellung ist in der Quelle unklar]. In Knabengestalt verehre man ihn stets, mit Scharen von Frauen spielend.
13.12
caturdikṣu sthitā devyo digambaramanoramāḥ |
karpūrī candanī caiva kastūrī kuṅkumī tathā || 13.12 ||
In den vier Richtungen stehen die lieblichen unbekleideten Göttinnen: Karpuri, Chandani, Kasturi und Kunkumi.
13.13
tadrūpadhārikā devya icchāsiddhiphalapradāḥ |
bahunātra kimuktena viśvarūpaṃ tu taṃ smaret |
anekavaktrasaṃghātairanekāstrabhujaistathā || 13.13 ||
Diese Göttinnen tragen die entsprechenden Gestalten und schenken die gewünschte Vollendung. Wozu hier viele Worte? Man vergegenwärtige ihn als Allgestalt, mit einer Vielzahl von Gesichtern sowie vielen Waffen und Armen.
13.14
śayanasthaṃ vivāhasthamardhalakṣmīyutaṃ tathā || 13.14 ||
Oder man stelle ihn sich liegend, bei der Hochzeit oder mit Lakshmi als seiner einen Körperhälfte vor.
13.15
kevalaṃ narasiṃhaṃ vā varāhaṃ vāmanaṃ smaret |
kapilo'pyathavā pūjyaścāvyakto vāpi niṣkalaḥ || 13.15 ||
Man vergegenwärtige ihn auch allein als Narasimha, Varaha oder Vamana. Ebenso ist Kapila zu verehren oder der Unmanifestierte, Ungeteilte.
13.16
yena yena prakāreṇa bhāvabhedena saṃsmaret |
tasya tanmayatāmeti ityājñā pārameśvarī || 13.16 ||
In welcher Weise und mit welcher inneren Ausrichtung man ihn auch vergegenwärtigt: Er nimmt die entsprechende Gestalt an. Dies ist die Weisung des höchsten Herrn.
13.17
tejomayamato vakṣye yena siddhirbhavennṛṇām |
raktapadmanibhākāraṃ lākṣārasasamaprabham || 13.17 ||
Nun werde ich die lichtvolle Gestalt erklären, durch die Menschen Vollendung erlangen: dem roten Lotus gleich und wie Lacksaft leuchtend,
13.18
sindūrarāśivarṇābhaṃ padmarāgasamaprabham |
kusumbharāgasaṅkāśaṃ dāḍimīkusumaprabham || 13.18 ||
in der Farbe einer Masse Zinnober, rubingleich, wie die Färbung der Färberdistel und wie Granatapfelblüten strahlend,
13.19
kalpāntavahnisadṛśamekavaktraṃ trilocanam |
caturbhujaṃ mahātmānaṃ varadābhayapāṇikam || 13.19 ||
dem Feuer am Weltende gleich, mit einem Gesicht und drei Augen, vierarmig und erhaben, mit Händen, die Gaben und Furchtlosigkeit gewähren.
13.20
vajramekena hastena raśmimekena dhārayet |
saptāśvarathamārūḍhaṃ nāgayajñopavītinam || 13.20 ||
Mit einer Hand hält er den Vajra, mit einer die Zügel. Er fährt auf einem Wagen mit sieben Pferden und trägt eine Schlange als heilige Schnur,
13.21
raktamālyāmbaradharaṃ raktagandhānulepitam |
athavāṣṭabhujaṃ devi lokapālāyudhānvitam || 13.21 ||
rote Girlanden und Gewänder und ist mit roten Duftstoffen gesalbt. Oder er ist achtarmig, Göttin, mit den Waffen der Welthüter versehen,
13.22
trivaktraṃ ghoravadanaṃ trinetraṃ vikṛtānanam |
aśvoparisamārūḍhaṃ padmamadhye sadā yajet || 13.22 ||
dreigesichtig, mit schrecklichen, entstellten Gesichtern und drei Augen. Auf einem Pferd reitend verehre man ihn stets inmitten des Lotus.
13.23
hṛcchiraśca śikhā varma locanāstraṃ prapūjayet |
padmamadhye yajeddevaṃ grahānaṣṭau dvitīyake || 13.23 ||
Man verehre Herz, Kopf, Scheitel, Schutzpanzer, Auge und Geschoss. Den Gott verehre man in der Lotusmitte, die acht Planetengottheiten im zweiten Kreis,
13.24
nakṣatrāṇi tṛtīye tu yathāsaṃkhyaṃ tribhistribhiḥ |
dalāgre tritayaṃ pūjyaṃ lokapālāṃścaturthake || 13.24 ||
die Mondstationen im dritten, entsprechend ihrer Zahl zu je drei; an der Blattspitze ist eine Dreiergruppe zu verehren, die Welthüter im vierten Kreis.
13.25
pañcame padmasaṃsthāne astrāṇyaṣṭau prapūjayet |
utthitaṃ kevalaṃ vāpi dvibhujaṃ raśmisaṃyutam || 13.25 ||
Im fünften Lotusbereich verehre man die acht Waffen. Oder man meditiere den Gott allein, aufrecht stehend, zweiarmig und mit Strahlen versehen,
13.26
viśvakarmasvarūpaṃ vā viśvākāraṃ jagatpatim |
caturbhujaṃ mahātmānaṃ ṭaṅkapustakadhāriṇam || 13.26 ||
oder in Vishvakarmans Gestalt, den allgestaltigen Herrn der Welt, erhaben und vierarmig, Axt und Buch tragend.
13.27
saṃdaṃśaṃ vāmahastena sūtraṃ vai dakṣiṇena tu |
devaiḥ siddhaiśca gandharvaiḥ stūyamānaṃ vicintayet || 13.27 ||
In der linken Hand hält er eine Zange, in der rechten eine Schnur. Man stelle sich vor, wie Götter, Siddhas und Gandharvas ihn preisen.
13.28
sthale'nale jale caiva parvatāgre prapūjayet |
yatra vā rocate citte icchāsiddhiphalapradam || 13.28 ||
Man verehre ihn auf festem Boden, im Feuer, im Wasser und auf einem Berggipfel oder wo es dem Geist zusagt; er schenkt die gewünschte Vollendung.
13.29
śaṅkhakundendudhavalaṃ trinetraṃ rudrarūpiṇam |
sādāśivena rūpeṇa vṛṣārūḍhaṃ vicintayet || 13.29 ||
Muschelhorn-, jasmin- und mondweiß, dreiäugig, in Rudras Gestalt, in der Erscheinung Sadashivas, auf einem Stier sitzend, vergegenwärtige man ihn,
13.30
caturbhujaṃ mahātmānaṃ śūlābhayasamanvitam |
mātuluṅgadharaṃ devamakṣasūtradharaṃ prabhum || 13.30 ||
vierarmig und erhaben, mit Dreizack und Furchtlosigkeitsgeste, eine Zitronatzitrone tragend, den Gott und Herrn mit Gebetskette.
13.31
atho bahubhujaṃ devaṃ nāṭyasthaṃ cintayet prabhum |
umārdhadhāriṇaṃ yadvā viṣṇorardhārdhadhāriṇam || 13.31 ||
Oder man meditiere den Herrn mit vielen Armen tanzend, mit Uma als seiner einen Hälfte oder mit Vishnu als der anderen Körperhälfte.
13.32
vivāhasthaṃ ca vā dhyāyet samīpasthaṃ prapūjayet |
brahmā caturmukhaḥ saumyo raktavarṇaḥ sulocanaḥ || 13.32 ||
Oder man meditiere ihn bei seiner Hochzeit und verehre ihn als nahe gegenwärtig. Brahma ist viergesichtig, friedvoll, rot und schönäugig,
13.33
lambakūrcaḥ sutejāśca haṃsārūḍhaścaturbhujaḥ |
daṇḍākṣasūtrahastaśca kamaṇḍalvabhaye dadhat || 13.33 ||
mit langem Bart, von großer Strahlkraft, auf einem Schwan sitzend, vierarmig, Stab und Gebetskette haltend, ferner Wassergefäß und Furchtlosigkeitsgeste.
13.34
vedaiścaturbhiḥ saṃyuktaḥ sarvasiddhiphalapradaḥ |
buddhaḥ padmāsanagataḥ pralambaśruticīvaraḥ || 13.34 ||
Mit den vier Veden verbunden schenkt er die Früchte aller Vollendungen. Buddha befindet sich im Lotussitz, mit langen Ohren und Mönchsgewand,
13.35
padmākṣaḥ padmacihnaśca maṇibaddho jagaddhitaḥ |
samādhistho mahāyogī varadābhayapāṇikaḥ || 13.35 ||
mit Lotusaugen und Lotuszeichen, mit einem Edelstein geschmückt, der Welt heilsam, im Samadhi ruhend, ein großer Yogi, mit Gabengewähren und Furchtlosigkeit.
13.36
akṣasūtradharo devaḥ padmahastaḥ sulocanaḥ |
evaṃ dhyātaḥ pūjitaśca strīṇāṃ mokṣaphalapradaḥ || 13.36 ||
Der schönäugige Gott trägt Gebetskette und Lotus. So meditiert und verehrt, schenkt er den Frauen die Frucht der Befreiung.
13.37
bahunātra kimuktena paunaḥpunyena sundari |
kārtikeyaśca kāmaśca sūryaḥ somo vināyakaḥ || 13.37 ||
Wozu hier viele Worte und Wiederholungen, Schöne? Karttikeya, Kama, Surya, Soma und Vinayaka,
13.38
lokapālāstathā sarve ye'nye vā devayonijāḥ |
gāruḍe bhūtatantre ca vāgvidhāneṣu sarvataḥ || 13.38 ||
alle Welthüter und die weiteren göttlich Geborenen, in der Garuda-Lehre, den Bhuta-Tantras und überall in den Lehren der Rede,
13.39
nyāyārahatayogeṣu vaidikādyeṣvanekaśaḥ |
yāmale caikavīre ca navake trikabhedataḥ || 13.39 ||
in Nyaya, den Arhat- und Yogalehren, in den vielfältigen vedischen und weiteren Lehren, als Paar, einzelner Held, Neunergruppe oder nach den Unterschieden des Trika,
13.40
samabhede ca devyākhye durgākhye vindhyavāsini |
caṇḍikādye catuṣke ca svayambhūtthe maheśvare || 13.40 ||
in der Gleichheitslehre, den Lehren der Devi, Durga und Vindhyavasini, in den vier beginnend mit Chandika, in den selbstentstandenen Erscheinungen Maheshvaras,
13.41
prākpratiṣṭhitarūpe vā ṛṣimānuṣayojite |
āyudhe vividhe caiva vidyāpīṭheṣu sarvataḥ || 13.41 ||
in zuvor eingesetzten Gestalten, die Seher oder Menschen errichtet haben, in verschiedenen Waffen und überall an den Sitzen der Vidyas,
13.42
sarvapātālatantreṣu nāgeṣu drāmiḍeṣu ca |
śaktayo vā hyanantāśca mantreṇānena suvrate || 13.42 ||
in allen Unterwelts-Tantras, bei den Nagas und in den dravidischen Überlieferungen, ebenso die unendlichen Shaktis: Werden sie mit diesem Mantra, Gelübdetreue,
13.43
vidhānenārcitāḥ sarve sarvasiddhiphalapradāḥ |
bhavantyavitathāḥ sarve satyaṃ me nānṛtaṃ vacaḥ || 13.43 ||
vorschriftsgemäß verehrt, schenken sie alle Früchte der Vollendung. Alle werden unfehlbar wirksam. Wahr ist mein Wort, nicht unwahr.
13.44
sarvasādhāraṇo devaḥ sarvasiddhiphalapradaḥ |
sarveṣāmeva mantrāṇāṃ jīvabhūto yataḥ smṛtaḥ || 13.44 ||
Der Gott ist allen gemeinsam und schenkt die Früchte aller Vollendungen, denn er gilt als das Leben sämtlicher Mantras.
13.45
pratiṣṭhāpūjane caiva bhadrapīṭhārghapātrake |
agnisaṃskaraṇe caiva nyāsadhyānādivāhane || 13.45 ||
Bei Einsetzung und Verehrung, beim segensreichen Sockel und Opferwasserschälchen, bei der Weihe des Feuers sowie bei Nyasa, Meditation, Herbeiführung und weiteren Handlungen
13.46
vikalpo naiva kartavyaḥ sarvasādhāraṇo yataḥ |
saṅkaro'tra na jāyeta tasmācchaṅkāṃ parityajet || 13.46 ||
soll man keine Unterscheidung machen, da er allen gemeinsam ist. Hier entsteht keine unzulässige Vermischung; darum lasse man den Zweifel hinter sich.
13.47
sakṛjjaptaḥ śarīrasthaḥ sakṛjjapto'rghapātrake |
sakṛddhasteṣu vinyāso mānase tu sakṛjjapāt || 13.47 ||
Einmal wird er im Körper rezitiert, einmal am Opferwasserschälchen, einmal auf den Händen eingesetzt, einmal in der geistigen Verehrung rezitiert.
13.48
bāhyasthitaḥ sakṛtpūjyaḥ sakṛccandrārkamūrtiṣu |
sakṛddhome sakṛjjapye udake tu sakṛdyajet || 13.48 ||
Einmal ist er äußerlich zu verehren, einmal in den Gestalten von Mond und Sonne, einmal beim Feueropfer, einmal bei der Rezitation und einmal im Wasser.
13.49
sakṛtsakṛcca sarvatra pūjayet parameśvaram |
prāṇāyāmādikaḥ kleśo mudrā yogaśca dhāraṇā || 13.49 ||
Je einmal verehre man den höchsten Herrn überall. Die Mühe von Pranayama und weiteren Übungen, Mudra, Yoga und Dharana
13.50
naivopayujyate hyasya mantrarājasya suvrate |
vyavasāyena kartavyamanyathā naiva dūṣaṇam || 13.50 ||
ist für diesen Mantrakönig nicht erforderlich, Gelübdetreue. Mit entschlossenem Willen ist zu handeln; andernfalls liegt darin keine Verfehlung.
Kapitel 14: Der gemeinsame Mantraherr und die mündliche Überlieferung
14.1
yadi deva paratvena varṇito mantra uttamaḥ |
sarveṣāmeva tantrāṇāṃ devatānāṃ ca sarvataḥ || 14.1 ||
Die Göttin sprach: „Wenn dieser vortreffliche Mantra, o Gott, als das Höchste aller Tantras und sämtlicher Gottheiten beschrieben wird,
14.2
hṛdayaṃ paramaṃ hyeṣa mantrarāṭ sarvasiddhidaḥ |
kimanyairmantramukhyaiśca japtairiṣṭairvada sva me || 14.2 ||
wenn dieser Mantrakönig ihr höchstes Herz ist und alle Vollendungen schenkt, wozu dienen dann die anderen vorzüglichen Mantras, wenn sie rezitiert und verehrt werden? Erkläre es mir.“
14.3
sādhu sādhu maheśāni pṛṣṭo'haṃ yattvayānaghe |
tadahaṃ saṃpravakṣyāmi yatsāraṃ paramaṃ dhruvam || 14.3 ||
„Gut, gut, große Herrin, dass du mich dies gefragt hast, Makellose! Ich werde dir den höchsten, beständigen Wesenskern erklären.
14.4
āsīdidaṃ śaktirūpamanaupamyamanāmayam |
śivaṃ sarvagataṃ śuddhamapratarkyamatīndriyam || 14.4 ||
Dies bestand als Shakti, unvergleichlich und frei von Übel: Shiva, allgegenwärtig, rein, durch Schlussfolgern nicht zu erfassen und jenseits der Sinne.
14.5
sisṛkṣuḥ svecchayā devi jñānaśaktyā kriyātmakaḥ |
prathamo hyeṣa deveśaḥ sarvajñaḥ sarvagaḥ śivaḥ || 14.5 ||
Aus eigenem Willen zu schaffen begehrend, Göttin, wird er durch Erkenntniskraft zum Handelnden. Er ist der erste Herr der Götter, der allwissende, allgegenwärtige Shiva,
14.6
sarvasarvātmako deva ādisṛṣṭipravartakaḥ |
tato'nu mantrasṛṣṭirvai śivena paramātmanā || 14.6 ||
der Gott, der in jeder Hinsicht alles ist und die anfängliche Schöpfung entfaltet. Danach wurde vom höchsten Selbst Shiva die Schöpfung der Mantras
14.7
nānāprakārā racitā pṛthagbhedavyavasthayā |
yathā tathaiva deveśaḥ sarvasarvātmakaḥ paraḥ || 14.7 ||
auf vielfältige Weise hervorgebracht, gemäß der Ordnung ihrer einzelnen Unterschiede. Wie immer diese beschaffen ist: Der höchste Herr der Götter bleibt in jeder Hinsicht alles,
14.8
sādhāraṇo mantranāthaḥ sarveṣāmeva vācakaḥ |
yadā tadā hi sarveṣāmātmabhūto hyalepakaḥ || 14.8 ||
der allen gemeinsame Herr der Mantras, der sie sämtlich bezeichnet. Zu jeder Zeit ist er ihr eigenes Selbst und bleibt unbefleckt.
14.9
mantrakoṭyo hyasaṃkhyātā vyaktāvyaktā vyavasthitāḥ |
sarvāstāḥ siddhidāstena ādyantena nirodhitāḥ || 14.9 ||
Unzählige Millionen Mantras bestehen, offenbar und unoffenbar. Sie alle verleihen Vollendung, wenn sie von ihm am Anfang und Ende eingeschlossen sind.
14.10
etatsaṃpuṭayogena japtāḥ siddhiphalapradāḥ |
tadarthaṃ tava suśroṇi snehena prakaṭīkṛtam || 14.10 ||
Mit dieser Einschließung verbunden, gewähren sie rezitiert die Früchte der Vollendung. Dafür habe ich dir dies aus Zuneigung offenbart, Schönhüftige:
14.11
rahasyaṃ paramaṃ satyaṃ nākhyeyaṃ yasya kasyacit |
guptaḥ susiddhido devi prakaṭaḥ siddhihā bhavet || 14.11 ||
das höchste, wahre Geheimnis. Man soll es nicht einem beliebigen Menschen mitteilen. Geheim gehalten schenkt es gute Vollendung, Göttin; öffentlich gemacht kann es die Vollendung zunichtemachen.
Unnummerierter Schlusshalbvers nach 14.11
tasmāt suguptaḥ kartavyaḥ saṃpradāyo mukhāgamaḥ |
Darum ist die mündlich weitergegebene Überlieferung sorgfältig geheim zu halten.
Kapitel 15: Lehrerverehrung und die Reinheit der Mantras
15.1
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi sarvarakṣākaro yathā |
mantranātho mahograṃ ca dhūpaṃ rakṣoghnacoditam || 15.1 ||
Nun werde ich erklären, wie der Herr der Mantras allen Schutz gewährt, und das sehr mächtige Räucherwerk, das als dämonenvertreibend bezeichnet wird.
15.2
saptavārābhijaptastu rakṣoghno yasya dīyate |
śiraḥsthaṃ dhārayennityaṃ sarvadoṣaiḥ sa mucyate || 15.2 ||
Wer das siebenmal mit dem Mantra besprochene Dämonenvertreibende erhält und stets auf dem Kopf trägt, wird von allen Übeln frei.
15.3
sarvadaityakṣayārthaṃ tu maduktenaiva brahmaṇā |
serṣyāṇāṃ caiva sarveṣāmabhicāro yataḥ kṛtaḥ || 15.3 ||
Zur Vernichtung aller Daityas wurde durch Brahma nach meiner Weisung eine Abwehrhandlung gegen sämtliche Missgünstigen vollzogen.
15.4
tadāsau sarṣapaḥ proktaḥ pāti rakṣati sarvataḥ |
yadā rakṣāṃsi sarvāṇi vidrutāni hatāni ca || 15.4 ||
Damals wurde es Sarshapa genannt: Es behütet und schützt ringsum. Als alle Rakshasas vertrieben und vernichtet waren,
15.5
tadā devi mayā proktā rakṣoghnā prathitā bhuvi |
āhaveṣu ca sarveṣu daityaiḥ saha surottamaiḥ || 15.5 ||
habe ich es, Göttin, als Rakshoghna bezeichnet, als Dämonenvertreibendes auf Erden bekannt. In allen Kämpfen der höchsten Götter gegen die Daityas
15.6
niyuktā duṣṭahantāraḥ siddhyarthaṃ ripunāśane |
teṣāmartho yadā siddhastena siddhārthakā bhuvi || 15.6 ||
wurden diese Mittel zur Beseitigung des Schädlichen eingesetzt, damit die Vernichtung der Feinde gelänge. Als ihr Zweck erfüllt war, wurden sie auf Erden Siddharthaka genannt,
15.7
khyātā darpaharā devi bhūtānāṃ duṣṭacetasām |
yadā sarveṣu bhūteṣu bhayatrasteṣu sarvataḥ || 15.7 ||
berühmt dafür, den Hochmut böswilliger Wesen zu brechen, Göttin. Wenn alle Wesen von Furcht ergriffen und überall erschrocken sind,
15.8
nīrājanavidhānena nāmāṅkaṃ juhuyāt priye |
vahnau saṃkruddhamanasā mantrī rakṣārthamudyataḥ || 15.8 ||
soll die mantrakundige Person, zum Schutz bereit und zornig gesinnt, nach dem Nirajana-Verfahren eine mit dem Namen bezeichnete Gabe ins Feuer opfern, Geliebte.
15.9
tadā nīrājanaṃ khyātaṃ sarvaśreyaskaraṃ param |
sitādiryugabhedena vartate'nugrahe balī || 15.9 ||
Dann heißt dies Nirajana, das höchste Verfahren, das alles Heil bewirkt. Je nach Weltalter erscheint das kraftvolle Mittel zur Gnadenerweisung in Weiß und den weiteren Farben.
15.10
śuklaḥ sarvapradaḥ khyāto rakto rājyapradāyakaḥ |
pīto rakṣākaraḥ proktaḥ kṛṣṇaḥ śatruvināśakṛt || 15.10 ||
Weiß gilt als allesgewährend, Rot als königliche Herrschaft schenkend, Gelb als schützend und Schwarz als Feinde vernichtend.
15.11
caturyugeṣu sarvatra pītakṛṣṇau dvirūpakau |
rājasarṣapagaurākhyau dvirūpo'ntarhitaḥ priye || 15.11 ||
In allen vier Weltaltern bestehen Gelb und Schwarz als zwei Formen, Rajasarshapa und Gaura genannt; die beiden anderen Formen sind verborgen, Geliebte.
15.12
yadā mṛtyuvaśaṃ yātaḥ sarvabhūtairupadrutaḥ |
tadā tu ghṛtasaṃyuktaṃ gokṣīrasitaśarkarā || 15.12 ||
Wenn jemand unter die Macht des Todes geraten und von allen Geisterwesen bedrängt ist, nehme man geklärte Butter, Kuhmilch und weißen Zucker,
15.13
tilairvimiśritaṃ kṛtvā juhuyāt sarvaśāntidam |
tilaiḥ kṛṣṇaiḥ samāyuktaṃ rājasarṣapamuttamam || 15.13 ||
vermische sie mit Sesam und opfere sie als allseitig befriedende Gabe. Ebenso nehme man ausgezeichneten Rajasarshapa mit schwarzem Sesam,
15.14
tryaktaṃ vai juhuyāt sadyaḥ sarvaśāntiphalapradam |
anenaivābhimantryaitadyasya haste pradīyate || 15.14 ||
mit den drei Substanzen bestrichen, und opfere ihn; dies schenkt sogleich die Frucht umfassender Befriedung. Wer dieses mit demselben Mantra besprochene Mittel in die Hand gelegt bekommt,
15.15
saubhāgyamatulaṃ tasya jāyate nātra saṃśayaḥ |
saptakṛtvo'bhisaṃmantrya mantreṇānena mantravit || 15.15 ||
dem entsteht unvergleichliches Glück, daran besteht kein Zweifel. Die mantrakundige Person bespreche es siebenmal mit diesem Mantra
15.16
mūrdhni prapātayedyasya sarvadoṣaiḥ sa mucyate |
abhimantrya vāsāṃsi cauṣadham || 15.16 ||
und lasse es auf den Kopf der betreffenden Person fallen; diese wird von allen Übeln frei. Ebenso bespreche man Kleidung und Heilmittel.
15.17
samālambhena vābhimantritam |
dīyate yasya tasya hiṃsakaḥ |
(naiva hiṃsāṃ karotyahiṃsakaḥ) || 15.17 ||
Auch Salbung werde mit dem Mantra versehen und der betreffenden Person gegeben. [Nach der beigefügten Lesung:] Ein schädigendes Wesen fügt ihr keinen Schaden zu und wird unschädlich.
15.18
digvidikṣu japedyasya rakṣārthaṃ prayatātmanaḥ |
divā vā yadi vā rātrau svapato jāgrato'pi vā || 15.18 ||
Für wen man mit gesammeltem Selbst zum Schutz in Haupt- und Zwischenrichtungen rezitiert, bei Tag oder Nacht, im Schlaf oder im Wachen,
15.19
avadhyaḥ sarvabhūtaiśca bhuvi tiṣṭhatyasau naraḥ |
rājarakṣāvidhānaṃ tu mayaitat prakaṭīkṛtam || 15.19 ||
der lebt auf Erden unangreifbar für alle Geisterwesen. Dieses Königsschutzverfahren habe ich dir offenbart,
15.20
tava snehāt praśastaṃ tu rahasyaṃ sarvasiddhidam |
nṛpāṇāṃ nṛpapatnīnāṃ tatsutānāṃ dvijādiṣu || 15.20 ||
aus Zuneigung zu dir: ein ausgezeichnetes Geheimnis, das alle Vollendungen gewährt, für Könige, Königinnen, deren Kinder und die Zweimalgeborenen samt den anderen.
15.21
ācāryaḥ kurute yastu sarvānugrahakārakaḥ |
mantrajñaḥ sādhako vātha sa pūjyaḥ sarvathā prabhuḥ || 15.21 ||
Der Lehrer, der es ausführt und allen Gnade erweist, oder der mantrakundige Praktizierende ist als Herr in jeder Weise zu ehren,
15.22
saṃmānairvividhairnityaṃ dānairvividhavistaraiḥ |
yathā mantrāntasaṃyuktaḥ svāhā home praśasyate || 15.22 ||
stets durch verschiedenartige Ehrungen und vielfältige reiche Gaben. Wie Svaha am Ende eines Mantras beim Feueropfer als vorzüglich gilt,
15.23
tathā sarveṣu kāryeṣu dakṣito mantravit sadā |
phalaprado bhavet sadyaḥ sarvaśāntipradaḥ śubhaḥ || 15.23 ||
so verleiht die mantrakundige Person bei allen Aufgaben, wenn sie durch eine Gabe geehrt wird, sogleich Frucht, segensreich und umfassenden Frieden schenkend.
15.24
sudhā yathā ca nāgānāṃ pitṛṇāṃ ca svadhā yathā |
namaskāraśca devānāṃ vauṣaṭ śāntau praśasyate || 15.24 ||
Wie Nektar für die Nagas und Svadha für die Ahnen, wie die Verneigung für die Götter und Vaushat bei der Befriedung als vorzüglich gelten,
15.25
mantrajñānāṃ tathā nityaṃ dānaṃ saṃmānamuttamam |
phalapradaṃ bhavatyāśu sarvasiddhipradāyakam || 15.25 ||
so bringen den Mantrakundigen stets Gaben und höchste Ehrung rasch Frucht und gewähren alle Vollendungen.
15.26
jñānaśaktau sthitā mantrāstajjñānaṃ cetasi sthitam |
taccetaḥ pūjitaṃ tuṣṭaṃ sāttvikaṃ tu bhavet sadā || 15.26 ||
Die Mantras ruhen in der Erkenntniskraft, diese Erkenntnis im Geist. Wird dieser Geist geehrt und erfreut, ist er stets sattvig.
15.27
sattvasthāstu śriyo nityaṃ lakṣmīstatraiva vartate |
rajastamovināśena mantrāḥ sattvodaye sthitāḥ || 15.27 ||
Im Sattva ruht beständig das Glück, dort verweilt Lakshmi. Wenn Rajas und Tamas schwinden, stehen die Mantras im Aufgang des Sattva
15.28
siddhipradā bhavantyāśu yato'tīva sunirmalāḥ |
tasmāt sarvaprayatnena hyājñaiṣā pārameśvarī || 15.28 ||
und gewähren rasch Vollendung, weil sie überaus rein sind. Darum ist dies mit aller Sorgfalt als Weisung des höchsten Herrn
15.29
paripālyā prayatnena siddhimuktī na dūrataḥ |
anuttaravidhānaṃ tu na dadyāt paradīkṣite || 15.29 ||
gewissenhaft zu bewahren; Vollendung und Befreiung sind dann nicht fern. Das höchste Verfahren gebe man jedoch nicht jemandem, der anderswo eingeweiht wurde.
Unnummerierter Schlusshalbvers nach 15.29
svaśiṣye dīkṣite dadyādanyathā na prasiddhyati |
Dem eigenen eingeweihten Schüler gebe man es; andernfalls gelangt es nicht zur Vollendung.
Kapitel 16: Erkenntnis, Lehrerbefugnis und Schutzrituale
16.1
kathitaṃ devadevena rahasyaṃ paramādbhutam |
sarvāgamamayo deva ekavīro mahābalaḥ || 16.1 ||
Die Göttin sprach: Der Gott der Götter hat das höchst wunderbare Geheimnis erklärt: den Gott, der alle Offenbarungen umfasst, den einzigen Helden von großer Kraft.
16.2
vāmadakṣiṇasiddhānta bhedatrayavibhedataḥ |
vaiṣṇavādisamāyuktaḥ sarahasyamudāhṛtaḥ || 16.2 ||
Mit den drei Unterscheidungen der linken, der rechten und der Siddhanta-Überlieferung, einschließlich der vishnuitischen und anderer Lehren, wurde er samt seinem Geheimnis dargestellt.
16.3
sarvadevamayo hyeṣa mṛtyujid vyāpakaḥ śivaḥ |
bahubhiḥ saṃpradāyaiśca yaṣṭavyo bhāvabhedataḥ || 16.3 ||
Dieser alles durchdringende Shiva, der Bezwinger des Todes, umfasst alle Götter. In vielen Überlieferungen ist er entsprechend der jeweiligen inneren Ausrichtung zu verehren.
16.4
nānākriyopacāreṇa nānāsiddhiphalapradaḥ |
adhunā śrotumicchāmi saṃśayo me hṛdi sthitaḥ || 16.4 ||
Durch verschiedenartige rituelle Handlungen und Gaben gewährt er die Früchte verschiedener Vollendungen. Nun möchte ich hören, was einen Zweifel beseitigt, der in meinem Herzen liegt.
16.5
tvadṛte saṃśayasyāsya cchetā na hyupapadyate |
pṛthak pṛthak samācāraḥ pūrvaṃ devena bhāṣitaḥ || 16.5 ||
Außer dir findet sich niemand, der diesen Zweifel durchschneiden könnte. Zuvor hat der Gott jeweils unterschiedliche Regeln der Lebensführung erklärt.
16.6
kathamasmin samācāraḥ sāmānyaḥ pūrvacoditaḥ |
kathamekena mantreṇa sarve siddhyanti pūjitāḥ || 16.6 ||
Wie ist dann die zuvor gelehrte gemeinsame Lebensführung in diesem System zu verstehen? Wie erlangen alle Gottheiten, mit einem einzigen Mantra verehrt, Wirksamkeit,
16.7
bījaiḥ kūṭaistathā piṇḍairmālāmantrairaśeṣataḥ |
vācyavācakabhedena sarvasiddhiphalapradāḥ || 16.7 ||
während sie durch Keimsilben, Lautgruppen, kompakte Mantras und Mantraketten vollständig, gemäß der Unterscheidung von Bezeichnetem und Bezeichnendem, alle Früchte der Vollendung gewähren?
16.8
kathamekena mantreṇa pūjanārho naro bhavet |
bhavantīha surāḥ sarve kathaṃ vāpi prasādataḥ || 16.8 ||
Wie wird ein Mensch durch einen einzigen Mantra zur Verehrung befähigt? Und wie werden hier alle Götter durch Gnade gegenwärtig?
16.9
manuṣyāṇāṃ hitārthāya kāruṇyāt parameśvara |
kalimāsādya siddhyanti manujā duḥkhamohitāḥ || 16.9 ||
Zum Wohl der Menschen, aus Mitgefühl, höchster Herr: Wie gelangen Menschen, die im Kali-Zeitalter von Leiden verwirrt sind, zur Vollendung,
16.10
dāridryānalasantaptā nānāmṛtyubhayānvitāḥ |
pāpaikaniratāḥ krūdāḥ śaucācārabahiṣkṛtāḥ || 16.10 ||
vom Feuer der Armut versengt, von der Furcht vor vielerlei Todesarten erfüllt, allein dem Unrecht ergeben, grausam und von Reinheit und rechter Lebensführung ausgeschlossen,
16.11
hiṃsāpaiśunyaniratāstapaḥsatyavivarjitāḥ |
yoginīśākinībhiśca ḍāvyā ḍāmarikādibhiḥ || 16.11 ||
der Gewalt und der Verleumdung ergeben, ohne Askese und Wahrhaftigkeit, von Yoginis, Shakinis, Dakis, Damarikas und weiteren Wesen
16.12
bhūtairyakṣairapasmārairmudritāḥ prāṇino yathā |
siddhyanti vigatāyāsāstathā brūhi maheśvara || 16.12 ||
sowie von Geistern, Yakshas und Apasmara-Wesen gezeichnet? Erkläre, großer Herr, wie die Lebewesen ohne Mühsal zur Vollendung gelangen.
16.13
sādhu sādhu mahābhāge yathāpṛṣṭaṃ vadāmi te |
alpāyuṣastathā martyā mohopahatacetasaḥ || 16.13 ||
Der Herr sprach: Gut, gut, Hochbeglückte! Ich sage dir, wonach du gefragt hast. Die Sterblichen sind kurzlebig, ihr Geist ist von Verblendung beeinträchtigt,
16.14
duṣṭācāraratāḥ nityamasatsaṅgopasevinaḥ |
nindakā balinaḥ krūrā jarārogavaśīkṛtāḥ || 16.14 ||
sie erfreuen sich stets an schlechter Lebensführung und suchen schlechte Gesellschaft; sie verleumden, sind gewalttätig und grausam, Alter und Krankheit unterworfen,
16.15
duṣṭācāraratā mūrkhāḥ parerṣyāsevinaḥ sadā |
mahābhayākrāntanibhā dāridryānalapīḍitāḥ || 16.15 ||
der schlechten Lebensführung ergeben, töricht und stets auf andere neidisch, erscheinen sie von großer Furcht überwältigt und werden vom Feuer der Armut gequält.
16.16
nāstikyavādino duṣṭāścaurācārasamanvitāḥ |
abhaktā devaguruṣu mātsaryādhamasevinaḥ || 16.16 ||
Sie vertreten die Leugnung des Heiligen, sind schlecht, führen das Leben von Dieben, haben keine Hingabe an Gottheiten und Lehrer und pflegen niedrigsten Neid.
16.17
tīrthopavāsaniyamairvrataiḥ kaṣṭataraistathā |
siddhihīnāstu te sarve na muktā iti niścayaḥ || 16.17 ||
Durch Pilgerstätten, Fasten, Regeln und äußerst beschwerliche Gelübde bleiben sie alle ohne Vollendung und sind nicht befreit; dies ist gewiss.
16.18
teṣāmuddharaṇārthaṃ tu mantrarājaṃ mahābalam |
yena ceṣṭena dhyātena pūjitena surārcite || 16.18 ||
Um sie zu retten, [offenbare ich] den mächtigen Mantrakönig. Wenn er verehrt, meditiert und angebetet wird, du von Göttern Verehrte,
16.19
saṅgacchanti paraṃ sthānaṃ nirvāṇaṃ bheṣajaṃ param |
bhaviṣyati mahādevi kaliḥ kaṣṭataro yataḥ || 16.19 ||
erreichen sie die höchste Stätte, Nirvana, das höchste Heilmittel. Denn das Kali-Zeitalter wird überaus leidvoll sein, große Göttin.
16.20
tadarthaṃ paramārtho'yaṃ mayā te prakaṭīkṛtaḥ |
paramārthaḥ paratvena mṛtyujit sarvatomukhaḥ || 16.20 ||
Deshalb habe ich dir diese höchste Wirklichkeit offenbart: die höchste Wirklichkeit in ihrer Erhabenheit, Mrityujit, der nach allen Seiten blickt.
16.21
bhāvabhedena yaṣṭavyo mokṣasiddhimabhīpsatā |
yeṣu yeṣu samācāro mayā śāstreṣu bhāṣitaḥ || 16.21 ||
Wer Befreiung und Vollendung wünscht, soll ihn entsprechend seiner inneren Ausrichtung verehren. Die Lebensführung, die ich jeweils in den Lehrschriften erklärt habe,
16.22
srotaḥsu sa tathā kāryo viśeṣādyāgahomayoḥ |
anye sāmānyato devi na siddhyanti kadācana || 16.22 ||
ist in den entsprechenden Überlieferungsströmen einzuhalten, besonders bei Verehrung und Feueropfer. Andere [Mantras] führen, Göttin, nicht allgemein zur Vollendung.
16.23
kintvasmiṃścādhikāro'sti trividhe sarvasiddhide |
dvaitādvaitavimiśre vāpīṣṭo vai siddhido bhavet || 16.23 ||
Doch dieser dreifache, alle Vollendungen gewährende [Mantra] besitzt diese Befugnis. In dualistischer, nichtdualistischer oder gemischter [Überlieferung] verehrt, gewährt er gewiss Vollendung.
16.24
yasmāt sarvagato devo viśvarūpo maṇiryathā |
sādhakasyecchayā ceṣṭaḥ siddhido bhavati dhruvam || 16.24 ||
Denn der Gott durchdringt alles, trägt alle Gestalten und gleicht dem Wunschedelstein. Nach dem Wunsch des Praktizierenden verehrt, gewährt er zuverlässig Vollendung.
16.25
yo'sau sarvagato devaḥ sarveṣvantargato vibhuḥ |
siddhimuktipradātā'sau na varṇāḥ paramārthataḥ || 16.25 ||
Jener alles durchdringende Gott, der mächtige Herr im Inneren aller, gewährt Vollendung und Befreiung; in höchster Wahrheit sind es nicht die Schriftlaute.
16.26
yasmāttasmāt sadā devi yaṣṭavyo bhāvabhedataḥ |
yāgamasya pravakṣyāmi kriyate tu yathecchayā || 16.26 ||
Darum soll man ihn stets entsprechend der inneren Ausrichtung verehren, Göttin. Ich werde seine Verehrung erklären, die man dem eigenen Wunsch gemäß vollzieht.
16.27
parvatāgre nadītīre gavāṃ goṣṭhe'tha catvare |
vane copavane ramye deśakālānurūpataḥ || 16.27 ||
Auf einem Berggipfel, an einem Flussufer, im Aufenthaltsbereich der Kühe, auf einem freien Platz, im Wald oder in einem schönen Hain, den örtlichen und zeitlichen Bedingungen entsprechend,
16.28
sarvaśalyavinirmukte duṣṭasattvavivarjite |
puṇyadharmiṣṭhasaṃvāse pāpācāravivarjite || 16.28 ||
an einem von allen störenden Fremdkörpern freien Ort, ohne bösartige Wesen, wo verdienstvolle und rechtschaffene Menschen wohnen und schlechte Lebensführung fern ist,
16.29
yatra nindāparāḥ paurā na dṛśyante kadācana |
yanna paśyanti te duṣṭāḥ saṅkīrṇāḥ sarvasaṅkarāḥ || 16.29 ||
wo keine zur Verleumdung neigenden Einwohner anzutreffen sind und jene schlechten, unterschiedslos alles vermischenden Menschen nicht hinsehen:
16.30
tasmin yajenmahāmantramītibhiḥ parivarjite |
gṛhe yāgaḥ prakartavya ācāryaistattvadarśibhiḥ || 16.30 ||
Dort verehre man den großen Mantra, fern von Heimsuchungen. Im Haus soll die Verehrung durch Lehrer vollzogen werden, die die Wirklichkeit schauen.
16.31
suguptastu prakartavyo viśeṣācchāntikarmaṇi |
dīkṣākāle tu kartavyaṃ maṇḍalaṃ yatra tatra hi || 16.31 ||
Sie ist sorgfältig verborgen zu halten, besonders bei Befriedungsriten. Zur Einweihung jedoch kann man das Mandala an verschiedenen Orten herstellen.
16.32
śāntau puṣṭau prayatnena suguptaṃ yajanaṃ dhruvam |
yasmāddhiṃsāparā loke dṛśyante siddhihiṃsakāḥ || 16.32 ||
Bei Befriedung und Förderung des Gedeihens ist die Verehrung sorgfältig geheim zu halten; denn in der Welt gibt es der Schädigung ergebene Menschen, die den Erfolg beeinträchtigen.
16.33
kīlanaṃ caiva mantrāṇāṃ bhedanaṃ mohanaṃ tathā |
saṃtrāsaṃ tāḍanaṃ caiva jambhanaṃ stambhanaṃ tathā || 16.33 ||
Sie betreiben das Festnageln von Mantras, ihr Aufbrechen und Verwirren, das Erschrecken und Schlagen sowie Lähmung und Stillstellung,
16.34
riputvakaraṇaṃ cānyat pratyaṅgiratvameva hi |
sarvahānividhāyitvaṃ kriyate duṣṭamantribhiḥ || 16.34 ||
ferner das Hervorrufen von Feindschaft und das Zurückwenden [der Mantrawirkung]. Das Bewirken jeder Art von Verlust wird von bösartigen Mantrapraktikern ausgeführt.
16.35
evaṃ daśaprakāreṇa prayatante hi hiṃsakāḥ |
tasmāt sarvaprayatnena sugupte śaraṇopari || 16.35 ||
Auf diese zehn Arten gehen die Schädigenden vor. Darum soll man mit aller Sorgfalt an einem gut verborgenen Ort oben auf dem Haus
16.36
svagṛhe kārayedyatnādyāgaṃ homaṃ japaṃ tathā |
atyantaphaladaḥ śreṣṭhaḥ sugupto mṛtyujit sadā || 16.36 ||
im eigenen Heim Verehrung, Feueropfer und Rezitation ausführen lassen. Der sorgfältig verborgene Mrityujit ist stets vorzüglich und gewährt höchsten Erfolg.
16.37
maṇḍale sthaṇḍile kumbhe nirviśaṅkena cetasā |
harmyopari tathā homo viśeṣācchāntipuṣṭidaḥ || 16.37 ||
Auf einem Mandala, einem geweihten Bodenplatz oder in einem Gefäß [verehre man ihn] mit zweifelsfreiem Geist. Ebenso gewährt das Feueropfer oben auf dem Haus besonders Frieden und Gedeihen.
16.38
na vikalpo'tra deveśi vikalpādrauravaṃ vrajet |
yāgaṃ homaṃ tu tatraiva sarvasiddhiphalapradam || 16.38 ||
Hier ist kein Zweifel angebracht, Herrin der Götter; durch Zweifel gelangt man in die Raurava-Hölle. Dort vollziehe man Verehrung und Feueropfer, die alle Früchte der Vollendung gewähren.
16.39
taskaraṃ tu vijānīyāt siddhihāniṃ karoti yaḥ |
nādhikārī bhavedvai sa tantre'smin pārameśvare || 16.39 ||
Wer den Verlust der Vollendung verursacht, ist als Dieb anzusehen. Er besitzt keine Befugnis in diesem Tantra des höchsten Herrn.
16.40
sarvadaḥ sa bhaveddevi tattvaviccādhvavid guruḥ |
evaṃ vyāptiṃ tu yo vetti parāparavibhāgataḥ || 16.40 ||
Ein Lehrer, der die Prinzipien und den Weltenweg kennt, vermag alles zu gewähren, Göttin. Wer auf diese Weise die Durchdringung nach höherer und niederer Ebene versteht,
16.41
sa bhavenmocakaḥ sākṣācchivaḥ paramakāraṇam |
śivatattvamavijñāya dīkṣāṃ prakurute tu yaḥ || 16.41 ||
ist unmittelbar ein Befreier, Shiva, die höchste Ursache. Wer dagegen eine Einweihung vollzieht, ohne das Shiva-Prinzip erkannt zu haben,
16.42
andhenaiva yathāndhastu sarve te śvabhrapātinaḥ |
ātmānaṃ ca tathā śiṣyānnayennirayasaṅkaṭam || 16.42 ||
gleicht einem Blinden, der einen Blinden führt: Sie alle stürzen in den Abgrund. Er führt sich selbst wie seine Schüler in die Bedrängnis der Hölle.
16.43
tasmāttattvavidācāryaḥ śrīmān sarvaprado bhavet |
yāvanna tattvavicchaive kathaṃ karmāṇi kārayet || 16.43 ||
Darum soll der Lehrer die Prinzipien kennen, von Würde erfüllt sein und alles gewähren können. Solange er die Prinzipien der Shiva-Lehre nicht kennt, wie könnte er die Handlungen ausführen lassen?
16.44
mantrajño mantrayāge tu parasyaivātmano'pi vā |
yāvanna nirmalā mantrāstāvatsiddhiḥ kathaṃ bhavet || 16.44 ||
Wie könnte ein Mantrakundiger die Mantraverehrung für andere oder für sich selbst [wirksam vollziehen]? Solange die Mantras nicht rein sind, wie könnte Vollendung entstehen?
16.45
nirmalaḥ sa bhaveccettattatsthā mantrāḥ sunirmalāḥ |
tadudbhūtatāstatsamāśca bhaveyu sarvasiddhidāḥ || 16.45 ||
Wenn er selbst rein wird, sind die in ihm befindlichen Mantras vollkommen rein. Aus ihm hervorgegangen und ihm gleich, können sie alle Vollendungen gewähren.
16.46
śivaśaktiniyogācca mantrāṇāmudayaḥ paraḥ |
sarvatra phaladā mantrā yataste'taḥ śivāḥ smṛtāḥ || 16.46 ||
Aus dem Auftrag von Shiva und Shakti entspringt die höchste Entfaltung der Mantras. Weil sie überall Frucht gewähren, gelten diese Mantras als Formen Shivas.
16.47
tasmācchivasamāḥ sarve nityānugrahakāriṇaḥ |
śivaścācāryarūpeṇa tenaite phaladāḥ smṛtāḥ || 16.47 ||
Darum gleichen sie alle Shiva und wirken stets Gnade. Shiva selbst hat die Gestalt des Lehrers; durch ihn gelten sie als fruchtbringend.
16.48
yāvanna tattvavinmantrī gururvā sādhako'pi vā |
tāvanna phalado devi satyametad bravīmi te || 16.48 ||
Solange ein Mantrapraktiker, Lehrer oder Sadhaka die Prinzipien nicht kennt, gewährt er keinen Erfolg, Göttin. Dies sage ich dir wahrheitsgemäß.
16.49
anyathā bhogasaṃyukta ācāryaḥ phalado nahi |
tasmāttu tattvavicchreṣṭhaḥ sarvadā sarvakarmasu || 16.49 ||
Andernfalls ist der Lehrer mit Genuss verbunden, gewährt aber keine Frucht. Darum ist der Kenner der Prinzipien stets bei allen Handlungen der vorzüglichste.
16.50
tena yo dīkṣito jantuḥ brahmahāpi śivo bhavet |
yatra yatra sthito deśe yaścaivaṃ tu vidhiṃ yajet || 16.50 ||
Das Lebewesen, das er einweiht, wird Shiva, selbst wenn es einen Brahmanen getötet hat. An welchem Ort man sich auch befindet und dieses Verfahren verehrend vollzieht,
16.51
yena yenopacāreṇa bhāvabhedena yena vā |
sāmānyena viśeṣeṇa kaulikenātha suvrate || 16.51 ||
mit welchen Gaben oder mit welcher inneren Ausrichtung auch immer, nach einem allgemeinen, besonderen oder Kula-Verfahren, Gelübdetreue:
16.52
tattatsādhayate śīghraṃ yathā devaḥ sadāśivaḥ |
caturaśre vartule'tha hastamātrādhike'pi vā || 16.52 ||
Das jeweilige Ziel erreicht man rasch, wie der Gott Sadashiva. In einer viereckigen oder runden [Opfergrube], von einer Elle oder auch größer,
16.53
ācāryasyecchayā sarvaṃ siddhyati vyāptivedanāt |
kriyāśaktisvarūpeṇa kuṇḍalyā vyāptibhāvanāt || 16.53 ||
gelingt alles nach dem Willen des Lehrers, weil er die Durchdringung kennt. Indem er die Durchdringung durch Kundali in der Gestalt der Handlungskraft vergegenwärtigt
16.54
tatkuṇḍaṃ vyāpakaṃ jñātvā sarvajñastu bhaved guruḥ |
yāvanna vindate vyāptiṃ kuṇḍasyaivātmano'pi ca || 16.54 ||
und die Opfergrube als alldurchdringend erkennt, wird der Lehrer allwissend. Solange er die Durchdringung der Opfergrube und des eigenen Selbst nicht erkennt,
16.55
sādhyasyaiva paśoścaiva pāśānāṃ ca ṣaḍadhvanaḥ |
bālavat krīḍate tāvat kāryaṃ tasya kathaṃ bhavet || 16.55 ||
ebenso des zu Verwirklichenden, der gebundenen Seele, der Fesseln und des sechsfachen Weges, spielt er wie ein Kind. Wie könnte sein Vorhaben gelingen?
16.56
yaḥ punarvetti cātmānaṃ śivaśaktisvarūpakam |
sa sarvaphaladaḥ śreṣṭhaḥ sa kartā sarvavicchivaḥ || 16.56 ||
Wer hingegen sich selbst als die Gestalt von Shiva und Shakti erkennt, ist vorzüglich, gewährt alle Früchte, ist der Handelnde, der Allwissende, Shiva.
16.57
jñānaśaktimayo vahnirvyāpyavyāpakabhedataḥ |
sa jñātā sarvakartā ca mokṣadaḥ phalado guruḥ || 16.57 ||
Das Feuer besteht aus Erkenntniskraft, gemäß der Unterscheidung von Durchdrungenem und Durchdringendem. [Wer dies erkennt,] ist der wissende, alles wirkende Lehrer, der Befreiung und Frucht gewährt.
16.58
ṣaḍadhvātītayāgaṃ tu yajate yastu daiśikaḥ |
māyodadhau sa naubhūtaḥ sarvatrāṇakaraḥ śivaḥ || 16.58 ||
Der Lehrer, der eine Verehrung jenseits des sechsfachen Weges vollzieht, wird im Meer der Maya zum Schiff: Shiva, der alle rettet.
16.59
adhvamadhyagataṃ yāgaṃ yaḥ karotyavicārataḥ |
nāsau mocayituṃ śaktaḥ paramātmānameva vā || 16.59 ||
Wer ohne Einsicht eine innerhalb des Weltenweges verbleibende Verehrung vollzieht, kann weder einen anderen noch sich selbst befreien.
16.60
naiva siddhiṃ tu labhate na kāryakaraṇe kṣamaḥ |
ṣaḍadhvanā tu tenaiva bandhanaṃ tu malaṃ smṛtam || 16.60 ||
Er erlangt keine Vollendung und vermag keine Wirkung hervorzubringen. Die Bindung durch eben diesen sechsfachen Weg gilt als Unreinheit.
16.61
māyīyāṇavakārmaṃ tu visared bandhakāraṇam |
paśoścaiva na tatrasthaḥ śakto vai mocane guruḥ || 16.61 ||
Die Maya-, die Anava- und die Karma-Unreinheit breiten sich als Ursache der Bindung der gebundenen Seele aus. Ein Lehrer, der darin verbleibt, vermag nicht zu befreien.
16.62
adhvamadhyagatāḥ pāśāḥ prarohanti sadātmanaḥ |
tadatītaṃ paraṃ jñātvā ko na mucyeta bandhanāt || 16.62 ||
Innerhalb des Weltenweges wachsen die Fesseln der Seele immer wieder nach. Wer würde nicht von der Bindung frei, wenn er das Höchste jenseits davon erkennt?
16.63
ko vā mokṣaprado na syāt kaḥ siddhiṃ labhate na ca |
ko na dātā bhavenmantrī kaḥ kārye na kṣamaḥ priye || 16.63 ||
Wer würde dann nicht Befreiung gewähren, wer nicht Vollendung erlangen? Welcher Mantrapraktiker könnte nicht zum Geber werden, und wer wäre zu einer Handlung unfähig, Geliebte?
16.64
yaḥ paraḥ sarvatorudrastaṃ jñātvā tanmayo bhavet |
mānonmānapramāṇādi vetti vai yo'dhvano guruḥ || 16.64 ||
Wer den höchsten, allseitigen Rudra erkennt, wird mit ihm identisch. Ein Lehrer hingegen, der Maße, Größen und Maßverhältnisse des Weltenweges kennt,
16.65
śilpivat sa bhaveddakṣo vicitrākārakārakaḥ |
na mokṣadastu bhavati nāsau siddhiphalapradaḥ || 16.65 ||
ist geschickt wie ein Handwerker, der vielfältige Gestalten herstellt. Doch er gewährt weder Befreiung noch die Frucht der Vollendung.
16.66
tasmācchivasamāḥ sarve draṣṭavyāstattvavedinaḥ |
karmī yogī tathā jñānī ācāryastrividhaḥ smṛtaḥ || 16.66 ||
Darum sind alle Kenner der Wirklichkeit als Shiva gleich anzusehen. Der Lehrer gilt als dreifach: als Ritualhandelnder, Yogi und Wissender.
16.67
karmayogau tu deveśi jñānamūlau phalapradau |
pṛthagbhedo na dṛśyeta jñānādvai yogakarmaṇoḥ || 16.67 ||
Rituelle Handlung und Yoga gewähren Frucht, wenn sie in Erkenntnis wurzeln, Herrin der Götter. Eine gesonderte Abtrennung von Yoga und Handlung gegenüber der Erkenntnis ist nicht anzunehmen.
16.68
tasmādācāryamukhyastu jñānavān sarvado bhavet |
śivāśrayaḥ śivasthastu śivaśaktipracoditaḥ || 16.68 ||
Darum ist der mit Erkenntnis begabte Hauptlehrer einer, der alles gewährt. Auf Shiva gestützt, in Shiva gegründet und von Shivas Kraft angetrieben,
16.69
nirmimīte jagatsarvaṃ śivarūpo yataḥ smṛtaḥ |
icchājñānakriyāyogaśivaśaktiviśāradaḥ || 16.69 ||
gestaltet er die ganze Welt, weil er als Verkörperung Shivas gilt. Er ist kundig in Shivas Kraft, die sich mit Wollen, Erkennen und Handeln verbindet.
16.70
yaḥ karoti śivecchāto jñātvā cāpyadhvasaṃsthitim |
acintyā mantraśaktirvai parameśamukhodbhavā || 16.70 ||
Er handelt gemäß Shivas Willen und kennt die Anordnung des Weltenweges. Unvorstellbar ist die Mantrakraft, die aus dem Mund des höchsten Herrn hervorgeht.
16.71
yadyatprakurute jñānī śivaśaktisamāśrayāt |
tattanniṣpadyate tasya śivaśaktiprabhāvataḥ || 16.71 ||
Was auch immer der Wissende im Rückgriff auf Shivas Kraft vollzieht, das gelingt ihm durch die Macht von Shivas Kraft.
16.72
tasya vai saṃmukhā mantrā dṛṣṭapratyayakārakāḥ |
śāntikādīni karmāṇi viṣabhūtagrahādiṣu || 16.72 ||
Die Mantras wenden sich ihm zu und bringen sichtbare Bestätigung hervor: Befriedungsriten und weitere Handlungen bei Gift, Geistern und besitzergreifenden Mächten.
16.73
kṣaṇena kurute sarvaṃ śivaḥ paramakāraṇam |
taṃ prabodhayate yastu jñānayogabalānvitaḥ || 16.73 ||
Alles vollbringt er in einem Augenblick. Shiva ist die höchste Ursache. Wer ihn erweckt, mit der Kraft von Erkenntnis und Yoga versehen,
16.74
mantraśaktiprabhāveṇa sa dīkṣyān dīkṣayet priye |
kṣayaṃ nayatyasau pāśān dadātyeva paraṃ padam || 16.74 ||
soll durch die Macht der Mantrakraft diejenigen einweihen, die einzuweihen sind, Geliebte. Er lässt die Fesseln vergehen und gewährt die höchste Stätte.
16.75
yojanyā yojane śaktaḥ śivaśaktiprabhāvataḥ |
pratyayastu bhavettasya dṛṣṭo nānyasya kasyacit || 16.75 ||
Durch Shivas Kraft vermag er mittels der verbindenden [Shakti] die Vereinigung herzustellen. Ihm kommt sichtbare Bestätigung zu, keinem anderen.
16.76
gāruḍe mātṛtantre ca vāme srotasi dakṣiṇe |
jyeṣṭhe caṇḍāsidhāre ca pratyakṣaphaladā kriyā || 16.76 ||
In den Garuda- und Muttergöttinnen-Tantras, im linken und rechten Überlieferungsstrom, in der Jyeshtha- und Candasidhara-Lehre bringt die rituelle Handlung unmittelbar sichtbare Frucht.
16.77
atyantamalinasyāsya puṃso viddhasya māyayā |
karmaṇā bhogasaktasya abhilāṣānvitasya ca || 16.77 ||
Diesem überaus unreinen Menschen, der von Maya durchdrungen, durch Karma an Genuss gebunden und mit Verlangen erfüllt ist,
16.78
mokṣaṃ dadāti dīkṣāsau kriyākhyā jñānarūpiṇī |
unmanā tu parā śaktirjñānarūpāvadhūtikā || 16.78 ||
gewährt jene Einweihung Befreiung, die Handlung genannt wird und ihrem Wesen nach Erkenntnis ist. Unmana aber ist die höchste Kraft, die abschüttelnde [Avadhutika], deren Gestalt Erkenntnis ist.
16.79
sā kriyetyabhidhīyeta na kriyā tvadhvamadhyagā |
yogaśaktirjñānaśaktiḥ sarvaśāstreṣu gīyate || 16.79 ||
Sie wird Handlung genannt, nicht eine innerhalb des Weltenweges verbleibende Handlung. In allen Lehrschriften wird sie als Yogakraft und Erkenntniskraft besungen.
16.80
sā śaktiḥ parameśasya śivasyāśivahāriṇī |
bandhamokṣakarī puṃsāṃ na svatantrā svabhāvataḥ || 16.80 ||
Diese Kraft des höchsten Herrn Shiva nimmt das Unheil hinweg. Sie bewirkt Bindung und Befreiung der Menschen und ist ihrem Wesen nach nicht unabhängig [von ihm].
16.81
anenaivānusāreṇa śivaḥ sarvapradaḥ śubhaḥ |
śivādigurupaṅktiryā rudrakoṭyo hyanekaśaḥ || 16.81 ||
Eben in diesem Sinne gewährt der segensreiche Shiva alles. Die Reihe der Lehrer, die mit Shiva beginnt, und die vielen Millionen Rudras
16.82
āptopadeśamātreṇa pāramparyeṇa saṃsthitā |
śivajñānaṃ yato devi sadaivāptāgamaḥ smṛtaḥ || 16.82 ||
bestehen durch die Unterweisung Vertrauenswürdiger in fortlaufender Überlieferung. Denn die Erkenntnis Shivas, Göttin, gilt stets als verlässliche Offenbarung.
16.83
brahmādistambaparyantaṃ śivaśaktisamanvitam |
evaṃ śaktimayaṃ sarvaṃ jagat sthāvarajaṅgamam || 16.83 ||
Von Brahma bis zum Grashalm ist alles mit Shivas Kraft verbunden. So besteht die gesamte Welt, das Unbewegliche und das Bewegliche, aus Shakti.
16.84
śaktimān sarvakarmāṇi kurute nātra saṃśayaḥ |
śaktihīnā na siddhyanti yāgakoṭiśatairapi || 16.84 ||
Wer Kraft besitzt, vollbringt alle Handlungen; daran besteht kein Zweifel. Kraftlose gelangen selbst durch hundert Millionen Verehrungsriten nicht zur Vollendung,
16.85
japakoṭisahasraistu homalakṣaiḥ savistaraiḥ |
tasmāt sarvaprayatnena śivajñānaṃ samabhyaset || 16.85 ||
auch nicht durch Milliarden Rezitationen oder Hunderttausende ausgedehnter Feueropfer. Darum übe man mit aller Sorgfalt die Erkenntnis Shivas.
16.86
tadā sidhyantyaśeṣāṇi karmāṇyevānyathā na hi |
śāntikādīni karmāṇi kurute'sau tadā guruḥ || 16.86 ||
Dann gelingen sämtliche Handlungen, anders jedoch nicht. Dann vollbringt jener Lehrer die Befriedungsriten und weiteren Handlungen,
16.87
yāge home jape caiva tathālekhyakrame'pi ca |
āpado yadi cotpannāḥ pūrvoktaṃ yāgamārabheta || 16.87 ||
bei Verehrung, Feueropfer und Rezitation sowie beim Verfahren des Zeichnens. Wenn Gefahren entstanden sind, beginne er die zuvor erklärte Verehrung.
16.88
sādhyaṃ vimṛśya taddravyaṃ saṃbhāreṇa tu saṃbhṛtam |
yāgastu kriyate yasya tasya śāntiḥ prajāyate || 16.88 ||
Nach der Betrachtung des Ziels sammle man die entsprechenden Materialien und rituellen Mittel. Für wen die Verehrung vollzogen wird, für den entsteht Befriedung.
16.89
tilaṃ kṣīraṃ ghṛtenaiva sitaśarkarayā saha |
homayedyasya nāmnā ca mahāśāntimavāpnuyāt || 16.89 ||
Man bringe Sesam und Milch mit geklärter Butter und weißem Zucker als Feueropfer dar. In wessen Namen man dies tut, der erlangt große Befriedung.
16.90
kṣīravṛkṣasamidbhastu kṣīrāktābhiḥ samāhitaḥ |
homayedyasya nāmnā ca tasya śāntirbhaved dhruvam || 16.90 ||
Gesammelt bringe man milchgetränkte Brennhölzer milchsaftführender Bäume als Feueropfer dar. In wessen Namen dies geschieht, für den entsteht gewiss Befriedung.
16.91
sumano ghṛtasaṃyuktā homayedyasya nāmataḥ |
tasya śāntirbhavet kṣipraṃ nātra kāryā vicāraṇā || 16.91 ||
In wessen Namen man Blüten mit geklärter Butter opfert, für den entsteht rasch Befriedung; daran ist nicht zu zweifeln.
16.92
śrīkāmaḥ śrīphalān hutvā śriyamāpnoti puṣkalām |
ghṛtaguggulahomena puṣṭirbhavati śāśvatī || 16.92 ||
Wer Wohlstand wünscht, erlangt durch das Opfer von Bilva-Früchten reichlichen Wohlstand. Ein Feueropfer mit geklärter Butter und Guggulu bewirkt beständiges Gedeihen.
16.93
mṛtyujitsaṃpuṭaṃ kṛtvā sādhyanāma japedyadi |
ātmano vā parasyāpi mṛtyustasya na bādhate || 16.93 ||
Wenn man den Namen der betreffenden Person, den eigenen oder den eines anderen, in den Mrityujit-Mantra einschließt und rezitiert, bedrängt sie der Tod nicht.
16.94
aṣṭapatre'tha kamale karṇikāyāṃ niveśayet |
sādhyārṇarodhitaṃ nāma tadūrdhve mṛtyujid bhavet || 16.94 ||
In die Mitte eines achtblättrigen Lotus setze man den Namen, eingeschlossen von den betreffenden Lauten; darüber soll sich Mrityujit befinden.
16.95
āgneyyādivibhāgena daleṣvaṅgāni vinyaset |
dviraṣṭadalasaṃpūrṇaṃ bāhye tatkamalaṃ likhet || 16.95 ||
Von Südosten aus ordne man auf den Blättern die Gliedmantras an. Außen zeichne man einen weiteren Lotus mit sechzehn Blättern.
16.96
kalāṣoḍaśakenaiva pūrvādau pūrayettataḥ |
dvātriṃśaddalasaṃyuktaṃ tadvāhye paṅkajaṃ nyaset || 16.96 ||
Diese fülle man von Osten aus mit den sechzehn Kalas. Außen füge man einen Lotus mit zweiunddreißig Blättern hinzu,
16.97
kādimāntakrameṇaiva pūrvādāvīśamantataḥ |
sādhyārṇarodhitāḥ sarve varṇāścakratraye sthitāḥ || 16.97 ||
in der Folge von ka bis ma, von Osten an bis Nordosten. Alle Laute in den drei Rädern sind von den betreffenden Lauten eingeschlossen.
16.98
sarveṣāṃ madhyataḥ saṃjñāṃ sādhyasyaiva tu rodhayet |
jīvamadhyagataṃ nāma karṇikāyāṃ niveśayet || 16.98 ||
In ihrer aller Mitte schließe man den Namen der betreffenden Person ein. In die Lotusmitte setze man den Namen, der sich im Inneren des Lebenslautes befindet.
16.99
prāṇāntaḥ kalpayejjīvaṃ prāṇaṃ varṇāntamadhyagam |
bāhye'sya maṇḍalaṃ saumyaṃ susaṃpūrṇaṃ tu kārayet || 16.99 ||
Man stelle sich den Lebenslaut im Inneren des Atemlautes vor und diesen im Inneren des letzten Lautes. Außen lasse man eine vollständige Mondscheibe anfertigen.
16.100
tadvāhye tu puraṃ caindraṃ vajrabhṛdvajrarodhitam |
bhūrjapatre tu saṃlikhya cakrametadvarānane || 16.100 ||
Außen darum liegt Indras Umfriedung, umschlossen vom Vajra des Vajraträgers. Dieses Rad zeichne man, Schönangesichtige, auf Birkenrinde,
16.101
suśuddhe nirvraṇe ślakṣṇe rocanākuṅkumena ca |
saṃveṣṭya sitasūtreṇa kārpāsena navena ca || 16.101 ||
die ganz rein, unbeschädigt und glatt ist, mit Rochana und Safran. Dann umwickle man es mit einem neuen weißen Baumwollfaden.
16.102
madhumadhye nidhāpyaitat sugandhighṛtamiśrite |
mṛdbhāṇḍe saṃnidhāpyaitat sitapuṣpaiḥ prapūjayet || 16.102 ||
Man lege es in Honig, der mit wohlriechender geklärter Butter vermischt ist. In ein Tongefäß gesetzt, verehre man es mit weißen Blumen,
16.103
pāyasairghṛtasaṃmiśrairbhakṣyairnānāvidhaistathā |
mṛṣṭairdhūpairdhūpayitvā pūjayed bhūrisaṃbhṛtaiḥ || 16.103 ||
mit Milchreis, der mit geklärter Butter vermischt ist, und vielerlei Speisen. Nachdem man es mit angenehmem Räucherwerk beduftet hat, verehre man es mit reichlich gesammelten Gaben.
16.104
bāhye'tra kalaśānaṣṭau pūrvādau pūjayettataḥ |
sitacandanakarpūrasudhūpāmodasaṃyutān || 16.104 ||
Außen verehre man dann acht Gefäße, von Osten aus angeordnet, erfüllt vom Duft weißen Sandels, Kampfers und guten Räucherwerks,
16.105
ratnagarbhāmbusaṃpūrṇān sarvauṣadhisamanvitān |
sauvarṇān rājatāṃstāmran mṛṇmayān vā suśobhanān || 16.105 ||
mit Wasser gefüllt, das Edelsteine enthält, und mit allen Heilkräutern ausgestattet: schöne Gefäße aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton,
16.106
akālamūlān suśubhān praśastāṃllakṣaṇānvitān |
teṣāṃ madhye tu saṃpūjya lokapālān krameṇa tu || 16.106 ||
ohne schwarze Stellen, sehr günstig, vortrefflich und mit den vorgeschriebenen Merkmalen versehen. In ihnen verehre man der Reihe nach die Hüter der Weltrichtungen.
16.107
teṣāṃ śivājñā dātavyā rakṣadhvaṃ sādhyamuttamam |
prātarmadhye'hni sāyaṃ ca niśārdhe pūjayettataḥ || 16.107 ||
Ihnen ist Shivas Befehl zu erteilen: „Schützt die betreffende Person aufs Beste!“ Dann verehre man morgens, mittags, abends und um Mitternacht.
16.108
saptarātre vyatikrānte mṛtyujid bhavate naraḥ |
sarvavyādhiviniṣkrāntaḥ sarvadoṣavivarjitaḥ || 16.108 ||
Wenn sieben Nächte vergangen sind, wird der Mensch zum Bezwinger des Todes, frei von allen Krankheiten und sämtlichen Beeinträchtigungen.
16.109
sarvarogairvimucyeta jvaraiḥ sarvairna saṃśayaḥ |
sarvaduḥkhavinirmukta ītibhiḥ parivarjitaḥ || 16.109 ||
Er wird von allen Krankheiten und jedem Fieber befreit, ohne Zweifel, von allem Leid erlöst und von Heimsuchungen verschont.
16.110
tiṣṭhecca sa naro bhūyo yathāhirmuktakañcukaḥ |
yadi nānyamanā devi sādhakastatparāyaṇaḥ || 16.110 ||
Jener Mensch lebt erneut auf wie eine Schlange, die ihre Haut abgelegt hat, wenn der Praktizierende, Göttin, seine Aufmerksamkeit nicht auf anderes richtet, sondern ganz darauf ausgerichtet ist,
16.111
japahomarataḥ śāntastasmin sthāne tu tiṣṭhati |
sattvavān vīryasaṃpanno dayādākṣiṇyasaṃyutaḥ || 16.111 ||
der Rezitation und dem Feueropfer hingegeben, friedvoll an jenem Ort verweilt, von innerer Stärke und Tatkraft erfüllt und mit Mitgefühl und Entgegenkommen versehen.
16.112
saptarātre vyatikrānte mṛtāṃścaivānayed balāt |
gobhūhiraṇyavastrādyaiḥ keyūrakaṭakādibhiḥ || 16.112 ||
Nach Ablauf von sieben Nächten könnte er selbst Tote kraftvoll zurückbringen. Mit Kühen, Land, Gold, Gewändern, Oberarmreifen, Armringen und weiteren Gaben
16.113
pūjyo'sau parayā bhaktyā śāntipuṣṭyā viśeṣataḥ |
yasmānmantramayo vai sa śivaḥ sākṣāttu daiśikaḥ || 16.113 ||
ist er mit höchster Hingabe zu ehren, besonders im Zusammenhang mit Befriedung und Gedeihen; denn er besteht aus Mantra, der Lehrer ist unmittelbar Shiva.
16.114
tena pūjitamātreṇa sarve siddhiphalapradāḥ |
bhavantyavitathaṃ bhadre satyaṃ me nānṛtaṃ vacaḥ || 16.114 ||
Allein dadurch, dass er verehrt wird, gewähren alle [Mantras] zuverlässig die Früchte der Vollendung, Glückverheißende. Wahr ist mein Wort, nicht unwahr.
16.115
anyathā siddhihāniḥ syāt kṛtaṃ caiva nirarthakam |
ācāryasyāpi sādhyasya kṛtyā sthitivināśinī || 16.115 ||
Andernfalls würde der Erfolg verloren gehen und das Vollzogene fruchtlos sein. Eine schädigende Macht würde den Bestand sowohl des Lehrers als auch der betreffenden Person vernichten.
16.116
tasmāt sarvaprayatnena mantravit pūjayed gurum |
bhavanti pūjitā mantrāḥ sarvasiddhiphalapradāḥ || 16.116 ||
Darum soll der Mantrakundige den Lehrer mit aller Sorgfalt verehren. So sind die Mantras verehrt und gewähren alle Früchte der Vollendung.
Kapitel 17: Weitere Schutzräder und Nektarvisualisierungen
17.1
athātaḥ saṃpravakṣyāmi cakrarājaṃ mahābalam |
pūrvavanmadhyato nāma jīvāntaḥ kalpayet sudhīḥ || 17.1 ||
Nun werde ich den mächtigen König der Schutzräder erklären. Wie zuvor setze die verständige Person den Namen in die Mitte, in das Innere des Lebenslautes.
17.2
prāṇasyāntastataḥ kṛtvā varṇāntāntarvyavasthitam |
antimaṃ tu tato bāhye tadbāhye madhyamaṃ nyaset || 17.2 ||
Diesen setze man in den Atemlaut, der seinerseits im Inneren des letzten Lautes ruht. Außen setze man dann den letzten [Mantralaut], außerhalb davon den mittleren.
17.3
prathamaṃ tu tato bāhyo karṇikāyāṃ tu vinyaset |
kesareṣu svarāḥ pūjyā daleṣvaṅgāni pūrvavat || 17.3 ||
Außen darum ordne man den ersten [Mantralaut] in der Lotusmitte an. Auf den Staubfäden sind die Vokale zu verehren, auf den Blättern wie zuvor die Gliedmantras.
17.4
bāhye kalaśamālikhya kamalobhayamadhyagam |
pūjayet pūrvavidhinā japahomārcane rataḥ || 17.4 ||
Außen zeichne man ein Gefäß, das sich zwischen zwei Lotussen befindet. Nach dem zuvor beschriebenen Verfahren verehre man es, der Rezitation, dem Feueropfer und der Anbetung hingegeben.
17.5
sādhayatyacireṇaiva cintitaṃ nātra saṃśayaḥ |
sarvaśāntipradaṃ cakraṃ puṣṭisaubhāgyadāyakam || 17.5 ||
Ohne Verzögerung verwirklicht man das Ersehnte; daran besteht kein Zweifel. Das Rad gewährt umfassende Befriedung, Gedeihen und Glück,
17.6
āyurvīryapradaṃ caiva jvararogavināśanam |
pararāṣṭravibhītānāṃ nṛpāṇāṃ vijayāvaham || 17.6 ||
ferner Lebensdauer und Lebenskraft; es vernichtet Fieber und Krankheiten und bringt Königen, die ein fremdes Reich fürchten, den Sieg.
17.7
rājastrīṇāṃ tatsutānāṃ viprādīnāṃ ca sarvaśaḥ |
rakṣā hyeṣā prakartavyā sarvopadravanāśinī || 17.7 ||
Für Könige, Frauen und ihre Kinder sowie für Brahmanen und die weiteren Gruppen ist dieser Schutz umfassend auszuführen; er vernichtet alle Bedrängnisse.
17.8
paṅktyā caiva likhennāma tvakṣarāntaritaṃ priye |
ādyante mūlamantraṃ tu vauṣaḍjātiyutaṃ nyaset || 17.8 ||
Man schreibe auch den Namen in einer Zeile, mit dazwischengesetzten Lauten, Geliebte. An Anfang und Ende setze man den Grundmantra mit der Endformel vaushat.
17.9
pūrvavat pūjayed bhūriyāgenaiva sitaiḥ śubhaiḥ |
tatkṣaṇānmucyate rogairāghrato yadi mṛtyunā || 17.9 ||
Wie zuvor verehre man mit reichlichen weißen, glückverheißenden Gaben. Augenblicklich wird [die betreffende Person] von Krankheiten befreit, selbst wenn der Tod sie bereits erfasst hat.
17.10
vauṣaḍjātiyutaṃ mantraṃ dikṣvaṣṭāsu likhet site |
bhūrjavalkalake ramye madhye nāma tu pūrvavat || 17.10 ||
Den mit der Endformel vaushat verbundenen Mantra schreibe man in die acht Richtungen auf schöne weiße Birkenrinde; in die Mitte wie zuvor den Namen,
17.11
rakṣāpadasamāyuktaṃ tadbāhye śaśimaṇḍalam |
mantrāntyavarṇamamṛtaṃ kalāṣoḍaśasaṃsthitam || 17.11 ||
verbunden mit dem Schutzwort, außen darum die Mondscheibe. Der letzte Laut des Mantras ist Nektar und besteht in sechzehn Kalas.
17.12
tābhirmaṇḍalamāpūrya bāhye tu kalaśaṃ nyaset |
tadbāhye candrasūryau tu purandarapurasthitau || 17.12 ||
Mit diesen fülle man die Scheibe; außen setze man ein Gefäß. Außen darum ordne man Mond und Sonne innerhalb von Indras Umfriedung an.
17.13
rocanākuṅkumenaiva kṣīraśarkarayā likhet |
pūjayitvā vidhānena pūrvavacchāntyavasthitaḥ || 17.13 ||
Mit Rochana, Safran, Milch und Zucker schreibe man [das Diagramm]. Nachdem man es vorschriftsgemäß verehrt hat, verweile man wie zuvor in Frieden.
17.14
rājarakṣā tu vai proktā sarvopadravanāśinī |
rājarakṣāvidhānena homayet kṣīrasaṃyutān || 17.14 ||
So ist der Schutz für den König erklärt, der alle Bedrängnisse vernichtet. Nach dem Verfahren des Königsschutzes bringe man als Feueropfer [Sesam] dar, mit Milch verbunden,
17.15
sitaśarkarayā yuktān sugandhīn ghṛtamiśritān |
kṣīravṛkṣendhane vahnau tilān śāntiṃ labheta saḥ || 17.15 ||
mit weißem Zucker, wohlriechenden Stoffen und geklärter Butter vermischt, im Feuer aus Brennholz milchsaftführender Bäume. So erlangt man Frieden.
17.16
yadā mṛtyuvaśāghrataḥ kālena kalito naraḥ |
dṛṣṭvā taṃ pūrvavadyāgo maṇḍale tu yathodite || 17.16 ||
Wenn man einen Menschen sieht, der vom Tod erfasst und von Kala heimgesucht ist, vollziehe man wie zuvor die Verehrung im beschriebenen Mandala,
17.17
kriyate dravyasaṃbhārasaṃbhṛto mṛtyunāśanaḥ |
mṛtyoruttarate śīghraṃ mantrasyāsya prabhāvataḥ || 17.17 ||
mit reichlich gesammelten Materialien, als Vernichtung des Todes. Durch die Macht dieses Mantras gelangt er rasch über den Tod hinaus.
17.18
tadeva bhūrjapatre tu sitaśarkarayā saha |
kṣīreṇa rocanāyuktaṃ kuṅkumena yutaṃ likhet || 17.18 ||
Dasselbe zeichne man auf Birkenrinde mit weißem Zucker und Milch, vermischt mit Rochana und Safran.
17.19
rukmakumbhe tu madhvaktaṃ sthāpayet sugopitam |
tadūrdhvato dvitīyaṃ tu kṣīrapūrṇaṃ suśobhanam || 17.19 ||
Mit Honig bestrichen lege man es in ein goldenes Gefäß und halte es gut verborgen. Darüber setze man ein zweites, sehr schönes und mit Milch gefülltes [Gefäß].
17.20
sravantamamṛtaṃ dhyātvā sthāpayet puṣṭikāmataḥ |
saptarātraprayogeṇa mṛtyujid bhavate naraḥ || 17.20 ||
Man meditiere darüber, wie Nektar daraus strömt, und stelle es mit dem Wunsch nach Gedeihen auf. Durch die siebentägige Anwendung wird der Mensch zum Bezwinger des Todes.
17.21
kṣīṇakāyo bhavet pūrṇaḥ pakṣānte tu yathā śaśī |
na mṛtyorvaśagaḥ so vai satyaṃ me nānṛtaṃ vacaḥ || 17.21 ||
Selbst mit ausgezehrtem Körper wird er wieder voll wie der Mond am Ende der hellen Monatshälfte. Er gerät nicht unter die Macht des Todes. Wahr ist mein Wort, nicht unwahr.
17.22
sādhyārṇarodhitaṃ nāma rakṣāpadasamanvitam |
madhye saṃpūjayet sādhyaṃ pūrvavaccāmṛtīkuru || 17.22 ||
Den Namen schließe man mit den betreffenden Lauten ein und verbinde ihn mit dem Schutzwort. In der Mitte verehre man die betreffende Person und verwandle sie wie zuvor in Nektar.
17.23
tadātmanā tu saṃveṣṭya vāruṇena tu vai punaḥ |
kalāśeṣeṇa tadbāhye saṃpūrṇena tu veṣṭayet || 17.23 ||
Man umhülle sie mit dessen Gestalt und erneut mit dem Varuna-Laut. Außen umhülle man sie mit der vollständig ausgeführten übrigen Kala.
17.24
purandaraṃ tato bāhye dviścaturdikṣu gocare |
tanmaṇḍalaṃ tu yojyeta vajramaṇḍalamadhyagam || 17.24 ||
Außen darum setze man Purandara, in den acht Richtungen ausgebreitet. Dessen Mandala ist innerhalb des Vajra-Mandalas anzuordnen.
17.25
rakṣitaścāmṛteśena na tasya bhayadāḥ kvacit |
bhavanti yoginībhūtayakṣarākṣasahiṃsakāḥ || 17.25 ||
Wer von Amritesha geschützt ist, dem werden schädigende Yoginis, Geister, Yakshas und Rakshasas nirgends Furcht einflößen.
17.26
kumbhāntastu likhennāma tatsthāpyaṃ kamalopari |
adhomukhaṃ tu tatpṛṣṭhe kamalaṃ pūrvavallikhet || 17.26 ||
In das Gefäß schreibe man den Namen; es ist auf einen Lotus zu setzen. Auf seiner Rückseite zeichne man wie zuvor einen nach unten gerichteten Lotus.
17.27
tatkarṇikāsthaṃ vilikhedadhovaktraprayogataḥ |
sravantamamṛtaṃ dhyāyet saṃpūrṇaṃ sarvatomukham || 17.27 ||
In dessen Mitte zeichne man [den Mantra] nach dem Verfahren der nach unten gerichteten Mündung. Man meditiere über ihn, wie er Nektar ausströmt, ganz erfüllt und nach allen Seiten gewandt.
17.28
amṛteśaṃ karandhreṇa praviṣṭaṃ tasya bhāvayet |
hṛdaye tatpraviṣṭaṃ tu sarvanāḍīḥ prapūrayet || 17.28 ||
Man stelle sich vor, wie Amritesha durch die als „karandhra“ bezeichnete Öffnung [genaue Bedeutung unsicher] in ihn eintritt. Im Herzen eingetreten, soll er alle Nadis vollständig erfüllen.
17.29
tatkṣaṇājjāyate puṣṭiḥ kṣīṇakāyo'pi yo naraḥ |
paṅktyā tu vilikhenmantraṃ pratyekaṃ varṇamadhyagam || 17.29 ||
Augenblicklich entsteht Gedeihen, selbst bei einem Menschen mit ausgezehrtem Körper. In einer Zeile schreibe man den Mantra; zwischen die einzelnen Laute
17.30
nāma sādhyasya vai lekhyaṃ digvidiṅmṛtyujillikhet |
pūrvavat padmamālikhya ṣaḍaṅgaṃ pūrvavat priye || 17.30 ||
ist jeweils der Name der betreffenden Person zu schreiben. In die Haupt- und Zwischenrichtungen schreibe man Mrityujit. Man zeichne wie zuvor den Lotus und verbinde ihn, Geliebte, wie zuvor mit den sechs Gliedern.
17.31
saṃyojya pūjayecchaktyā yathāvibhavavistaraiḥ |
sarvaśvetopacāreṇa sarvaduḥkhanibarhaṇaḥ || 17.31 ||
Dann verehre man nach Kräften mit Gaben entsprechend den eigenen Mitteln. Durch ausschließlich weiße Gaben wird [der Mantra] zum Beseitiger allen Leids.
Unnummerierter Schlusshalbvers nach 17.31
bhavate mantramukhyastu nātra kāryā vicāraṇā |
Der vorzüglichste Mantra wird dazu; daran ist nicht zu zweifeln.
Kapitel 18: Mantraverfahren, Mahalakshmi und Rituale der Befreiung
18.1
bhagavan devadeveśa sarvasattvahite rataḥ |
trāyakastvaṃ sureśāna sarvānugrahakāraka || 18.1 ||
Die Göttin sprach: Erhabener, Herr der Götter, dem Wohl aller Wesen zugewandt! Du bist der Retter, Gebieter der Götter, der allen Gnade erweist.
18.2
uktā tvayā maheśāna vyāptirmantreṣu cādhvanaḥ |
ākhyāhi me jagannātha yadi tuṣṭo'si he prabho || 18.2 ||
Du hast, großer Herr, die Durchdringung des Weltenweges in den Mantras erklärt. Erläutere mir [das Folgende], Herr der Welt, wenn du mir gewogen bist, Gebieter.
18.3
mantrāṇāṃ kīlanādau tu yojanaṃ sūcitaṃ vibho |
nākhyātaṃ devadevena yathā sidhyanti sādhakāḥ || 18.3 ||
Bei der Festnagelung von Mantras und weiteren Verfahren hast du ihre Anwendung angedeutet, Allmächtiger. Doch der Gott der Götter hat nicht erklärt, wie die Praktizierenden Vollendung erlangen,
18.4
paraprayuktā naśyanti kṛtyākhārkhodakādayaḥ |
pratyaṅgirā prayogeṇa hanti duṣṭānyanekaśaḥ || 18.4 ||
wie von anderen ausgesandte Kritya- und Kharkhoda-Mächte zugrunde gehen und wie die Anwendung der Gegenwendung die zahlreichen schädigenden Mächte vernichtet.
18.5
yathā tathā mahādeva brūhi niḥsaṃśayaṃ mama |
vādānāmeva sarveṣāṃ mantravādamihottamam || 18.5 ||
Erkläre mir dies so, dass kein Zweifel bleibt, großer Gott. Der Herr sprach: Von allen Verfahrenslehren ist hier die Lehre von den Mantras die höchste.
18.6
jñātvā niyojayenmantrī mantraliṅgāni suvrate |
dīpanaṃ bodhanaṃ caiva tāḍanaṃ cābhiṣecanam || 18.6 ||
Hat der Mantrakundige dies erkannt, setze er die Kennzeichen der Mantras ein, Gelübdetreue: Entzünden, Erwecken, Schlagen und Übergießen,
18.7
vimalīkaraṇaṃ caiva tathendhananiveśanam |
saṃtarpaṇaṃ guptibhāva āpyāyo navamastathā || 18.7 ||
ferner Reinmachen, Einsetzen in den Brennstoff, Sättigen, Verbergen und als neuntes Kräftigen.
18.8
evaṃ navaprakāreṇa mantravādamaśeṣataḥ |
yo jānāti sa jānāti mantrasādhanasādhanam || 18.8 ||
Wer die Mantralehre auf diese neunfache Weise vollständig kennt, der kennt das Mittel zur Verwirklichung der Mantras.
18.9
ekādaśavidho mantro jñātavyaśca punaḥ priye |
yena samyaṅnayogena siddhyanti sādhakeśvarāḥ || 18.9 ||
Ferner ist der Mantra in elf Formen zu kennen, Geliebte. Durch deren richtige Anwendung gelangen die vorzüglichen Praktizierenden zur Vollendung.
18.10
taṃ caiva saṃpravakṣyāmi sarvaśāstreṣu saṃmatam |
saṃpuṭaṃ grathitaṃ grastaṃ samastaṃ ca vidarbhitam || 18.10 ||
Diese werde ich erklären; sie sind in allen Lehrschriften anerkannt: Einschließen, Verflechten, Verschlingen, Zusammenfügen und Einfügen,
18.11
ākrāntaṃ ca tathādyantaṃ garbhasthaṃ sarvatovṛtam |
tathā yuktividarbhaṃ ca vidarbhagrathitaṃ tathā || 18.11 ||
ferner Überdecken, Anfang-und-Ende, Im-Schoß-Befindliches, Allseits-Umgebenes, kunstvolles Einfügen und eingefügtes Verflechten.
18.12
ityekādaśadhā mantrā niyuktāḥ siddhidāḥ smṛtāḥ |
siddhaṃ sādhyaṃ susiddhaṃ ca tathaivāritvameva ca || 18.12 ||
So angewandt gelten die Mantras als elffach und als Vollendung gewährend. [Man unterscheide ferner] den bereits wirksamen, den erst zu verwirklichenden, den vollkommen wirksamen und den feindlichen Mantra.
18.13
jñātvā sarvamaśeṣeṇa mantranyāsaṃ samācaret |
udayāstamayau vyāptiṃ dhyānaṃ mudrāṃ svarūpataḥ || 18.13 ||
Hat man alles vollständig erkannt, führe man die Einsetzung der Mantras aus: ihren Aufgang und Untergang, ihre Durchdringung, Meditation und Mudra jeweils ihrem Wesen gemäß.
18.14
yo vettyevaṃ sa sarvajñaḥ sarvakṛt sādhakottamaḥ |
evamanyairaśeṣaiśca bhāvabhedaiḥ sureśvari || 18.14 ||
Wer dies so kennt, ist allwissend, vollbringt alles und ist der vorzüglichste Praktizierende. Auch mit allen weiteren Unterscheidungen innerer Ausrichtung, Herrin der Götter,
18.15
bhāvitavyā mahāmantrā bhavanti phaladāḥ priye |
tasmātsarvaprayatnena jñātvā sarvaṃ niyojayet || 18.15 ||
sind die großen Mantras zu vergegenwärtigen; so bringen sie Frucht, Geliebte. Darum setze man sie mit aller Sorgfalt ein, nachdem man alles erkannt hat.
18.16
asyaivaṃ mantrarājasya nāsti bhedavicāraṇā |
sarveṣāṃ mantrarājānāṃ bṛṃhakaḥ parameśvaraḥ || 18.16 ||
Bei diesem Mantrakönig ist eine solche Prüfung auf Unterschiede nicht erforderlich. Der höchste Herr kräftigt alle Mantrakönige.
18.17
anena grathitā mantrāḥ sūtre maṇigaṇā iva |
asya garbhe sthitā mantrāḥ jāyante mokṣasiddhidāḥ || 18.17 ||
Durch ihn sind die Mantras zusammengefügt wie eine Reihe von Edelsteinen an einer Schnur. In seinem Schoß ruhend, gewähren die Mantras Befreiung und Vollendung.
18.18
paraṃ sarvagataṃ devaṃ sarvasiddhaphalodayam |
vyāpakaṃ sarvatobhadraṃ sarvatomukhamavyayam || 18.18 ||
[Er ist] der höchste, allgegenwärtige Gott, aus dem alle Früchte der Vollendung hervorgehen, alldurchdringend, allseits segensreich, nach allen Seiten gewandt und unvergänglich,
18.19
pūraṇaṃ sarvamantrāṇāṃ rakṣaṇaṃ sarvatobalam |
mantrāṇāṃ yonibhūtaṃ tu mokṣadaṃ siddhidaṃ śivam || 18.19 ||
die Erfüllung aller Mantras, ihr Schutz und ihre Kraft in jeder Hinsicht, ihr Ursprung, Shiva, der Befreiung und Vollendung gewährt.
18.20
yatastato'sya mantrasya nāsti devi vicāraṇā |
etairdoṣasahasraistu cchidritaḥ sādhako yadi || 18.20 ||
Deshalb bedarf es bei diesem Mantra keiner solchen Prüfung, Göttin. Wenn ein Praktizierender von diesen tausendfachen Mängeln durchlöchert ist,
18.21
vināyakaiśca ye grastā ādhivyādhiprapīḍitāḥ |
viraktapaurā nirbhṛtyā aputrāśca suduḥkhitā || 18.21 ||
wenn Menschen von Vinayakas ergriffen, von seelischem und körperlichem Leid gequält sind, ihre Einwohner ihnen entfremdet sind, sie keine Diener und keine Söhne haben und sehr leiden,
18.22
mṛtaputrā mṛtadārāḥ sabhayā vigataśriyaḥ |
ācāryāḥ sādhakā vāpi mantrasiddhiparāṅmukhāḥ || 18.22 ||
wenn ihnen Kinder oder Ehefrauen gestorben sind, sie in Furcht leben und ihren Wohlstand verloren haben, wenn Lehrer oder Praktizierende keine Mantravollendung erreichen,
18.23
viputrā durbhagā nāryo vandhyā vidviṣṭabhartṛkāḥ |
evamādisahasraiśca duḥkhadoṣaiśca saṃyutāḥ || 18.23 ||
wenn Frauen kinderlos, unglücklich, unfruchtbar oder von ihren Ehemännern gehasst sind, von diesen und tausenderlei ähnlichen Leiden und Mängeln betroffen:
18.24
dṛṣṭvā tān mānavāṃlloke uktadoṣaiśca dūṣitān |
teṣāṃ caiva prakartavyo yāgo bhāgyāvahaḥ paraḥ || 18.24 ||
Sieht man solche Menschen in der Welt, von den genannten Mängeln beeinträchtigt, soll für sie die höchste, Glück bringende Verehrung vollzogen werden.
18.25
śrīyāgaḥ parameśāni mantreṇānena mantriṇā |
mahālakṣmīkṛte yāge bhāgyabhāgbhavate naraḥ || 18.25 ||
Die Shri-Verehrung soll der Mantrakundige mit diesem Mantra durchführen, höchste Herrin. Wird die Verehrung für Mahalakshmi vollzogen, erhält der Mensch Anteil am Glück.
18.26
pūrvoktadoṣanirmuktaḥ prāpnoti paramaṃ sukham |
kalaśenābhiṣikto'sau pūjayitvā mahāśriyam || 18.26 ||
Von den zuvor genannten Mängeln befreit, erlangt er höchstes Wohlergehen. Nachdem Mahashri verehrt wurde, wird er mit dem Gefäß geweiht.
18.27
prāpnotyacintitān kāmān brahmaviṣṇuśivopamān |
evaṃ jñātvā tu medhāvī yāgaṃ kuryāt suśobhanam || 18.27 ||
Er erlangt selbst ungeahnte Wunscherfüllungen, denen Brahmas, Vishnus und Shivas vergleichbar. In dieser Erkenntnis soll die verständige Person die schöne Verehrung ausführen.
18.28
yāgo'yaṃ sarvathā devi sarvaśreyaskaraḥ paraḥ |
pūrvokte bhūpradeśe tu sarvalakṣaṇalakṣite || 18.28 ||
Diese Verehrung, Göttin, bewirkt in jeder Hinsicht das höchste Heil. Auf dem zuvor beschriebenen Bodenplatz, der alle günstigen Merkmale aufweist,
18.29
sarvaśalyojjhite ramye mahāpadmavane'thavā |
supracchanne praśaste ca sugupte śaraṇopari || 18.29 ||
von allen Fremdkörpern befreit und schön, oder in einem großen Lotusgarten, an einem abgeschiedenen, geeigneten und gut verborgenen Ort oben auf dem Haus,
18.30
ālikhenmaṇḍalaṃ tatra caturaśraṃ samantataḥ |
(ekānnaviṃśasūtrāṇi pātayedaindravāruṇe) || 18.30 ||
zeichne man dort ein allseits viereckiges Mandala. [Die Quelle ergänzt in Klammern:] Man lege neunzehn Schnüre in der Ost-West-Richtung aus.
18.31
tathā dakṣiṇakauberasūtrāṇi susamāni ca |
tatrāṣṭādaśabhirbhāgaiścaturdikṣu samantataḥ || 18.31 ||
Ebenso lege man vollkommen gleichmäßige Schnüre in der Süd-Nord-Richtung aus. Durch jeweils achtzehn Abschnitte auf allen vier Seiten
18.32
triśatī koṣṭhakānāṃ tu caturviṃśādhikā bhavet |
tanmadhye cālikhet padmamaṣṭapatraṃ suśobhanam || 18.32 ||
entstehen dreihundertvierundzwanzig Felder. In ihrer Mitte zeichne man einen sehr schönen achtblättrigen Lotus.
18.33
bhāgāṣṭake tu tanmadhye caturdhā vibhajettataḥ |
prathame karṇikā kāryā kesarāṇi dvitīyake || 18.33 ||
Innerhalb von acht Abschnitten teile man dessen Mitte wiederum vierfach. Im ersten Teil ist die Lotusmitte anzulegen, im zweiten die Staubfäden,
18.34
sandhayaśca tṛtīye tu dalāgrāṇi caturthake |
bhramayeccaturo vṛttān susamāṃstu samāṃśataḥ || 18.34 ||
im dritten die Verbindungen und im vierten die Blattspitzen. Man ziehe vier vollkommen gleichmäßige Kreise in gleichen Abständen.
18.35
dikṣu sūtrāṣṭakaṃ dadyādvidikṣvevaṃ ca pātayet |
endrīṃ diśaṃ gṛhītvā tu madhyasūtrapramāṇataḥ || 18.35 ||
In den Hauptrichtungen lege man acht Schnüre aus, ebenso in den Zwischenrichtungen. Man nehme die östliche Richtung entsprechend dem Maß der Mittelschnur.
18.36
kiñjalkasthaṃ bhavet patraṃ tanmadhye karṇikāṃ likhet |
dalasandhisthitaṃ sūtraṃ sthāpya pārśve tu bhramayet || 18.36 ||
Das Blatt soll im Bereich der Staubfäden liegen; in dessen Mitte zeichne man die Lotusmitte. Man setze die Schnur am Übergang der Blätter an und führe sie seitwärts im Kreis.
18.37
dvābhyāmubhayapārśvābhyāṃ pūrvapatraṃ prasādhayet |
pītā tu karṇikā kāryā puṣkarā haritāḥ smṛtā || 18.37 ||
Mit je zwei [Bögen] an beiden Seiten gestalte man das östliche Blatt. Die Lotusmitte soll gelb sein; die Pushkaras gelten als grün.
18.38
kesarāṇi vicitrāṇi caturviṃśatisaṃkhyayā |
sitaraktāni pītāni mūlamadhyāgradeśataḥ || 18.38 ||
Die Staubfäden seien bunt, vierundzwanzig an der Zahl: weiß, rot und gelb an Grund, Mitte und Spitze.
18.39
suśvetāni dalāni syurvyomarekhā tu vartulā |
bāhyasyāṅguṣṭhamānena śvetavarṇā suśobhanā || 18.39 ||
Die Blätter seien rein weiß, die Raumlinie kreisförmig; außen sei sie daumenbreit, weiß und sehr schön.
18.40
dalāntarāṇi raktāni tadbāhye caturaśrakam |
tathaivāṅgulimānena sitarekhā tu pītalā || 18.40 ||
Die Zwischenräume der Blätter seien rot. Außen darum liege ein Viereck, ebenso mit einer fingerbreiten weißen Linie, gelb [ausgefüllt].
18.41
gātrakāṇi tato bāhye bhāgābhyāṃ caiva pārśvataḥ |
sitādivarṇabhedena koṇeṣvāgneyamāditaḥ || 18.41 ||
Außen darum liegen seitliche Glieder mit jeweils zwei Abschnitten. In den Ecken, von Südosten aus, sind sie durch die Farben, beginnend mit Weiß, unterschieden.
18.42
gātrakānpītavarṇāṃśca pūrvādau tu samālikhet |
dvau dvau bhāgau tato lopyau vīthyarthaṃ caiva sarvataḥ || 18.42 ||
In den Hauptrichtungen von Osten an zeichne man die Glieder gelb. Dann lasse man ringsum jeweils zwei Abschnitte für den Umgang frei.
18.43
kṛṣṇena rajasā lekhyā padmaśaṅkhavibhūṣitā |
dvāraṃ ca śuklaṃ kurvīta dvibhāgenaiva pārśvataḥ || 18.43 ||
Dieser ist mit schwarzem Pulver zu zeichnen, geschmückt mit Lotus und Muschelhorn. Das Tor mache man weiß, mit zwei Abschnitten an der Seite.
18.44
vīthīmānena vistārādvīthyardhena tu kārayet |
kaṇṭhaṃ tathopakaṇṭhaṃ ca tathā śobhopaśobhake || 18.44 ||
Seine Breite richte sich nach dem Maß des Umgangs; mit dessen halbem Maß fertige man den Hals, den Nebenhals sowie die Haupt- und Nebenverzierungen an.
18.45
evaṃ dvārāṇi niṣpādya vṛttāni trīṇi kārayet |
paścimaṃ vivṛtaṃ kāryaṃ pārśvayostu vilekhayet || 18.45 ||
Nach der Ausführung der Tore ziehe man drei Kreise. Im Westen lasse man eine Öffnung und zeichne an den Seiten
18.46
śobhāṃ caivaupaśobhāṃ ca raktavarṇāṃ tu pītikām |
pratidvāraṃ caturdikṣu koṣṭhakairadharottaraiḥ || 18.46 ||
Haupt- und Nebenverzierung, rot beziehungsweise gelb, an jedem Tor in den vier Richtungen, mit unteren und oberen Feldern.
18.47
koṇānteṣu likheddevi padmaśaṅkhau samantataḥ |
tasminbāhyasamantāttu bhūtarekhāstu pātayet || 18.47 ||
An den Enden der Ecken zeichne man ringsum Lotus und Muschelhorn, Göttin. Außen um das Ganze ziehe man die Linien der Elemente,
18.48
sitādivarṇabhedena nivṛttyādyāstu tā kalāḥ |
bāhye tu patravallyabjaiḥ svastikairupaśobhitam || 18.48 ||
unterschieden durch die Farben, beginnend mit Weiß; sie sind die Kalas, beginnend mit Nivritti. Außen werde es mit Blattranken, Lotussen und Svastikas geschmückt.
18.49
ālikhya maṇḍalaṃ mukhyaṃ tanmadhye tu yajecchiryam |
pūrvādhivāsaḥ kartavyo yathāvibhavavistaraiḥ || 18.49 ||
Nachdem man dieses vorzügliche Mandala gezeichnet hat, verehre man Shri in seiner Mitte. Zuvor ist eine vorbereitende Weihe entsprechend den eigenen Mitteln durchzuführen.
18.50
yāgaharmyaṃ tu kartavyaṃ śaktyā dravyānusārataḥ |
vedītoraṇasaṃyuktaṃ nānādhvajavirājitam || 18.50 ||
Eine Opferhalle ist nach Kräften und entsprechend den verfügbaren Materialien herzustellen, mit Altar und Torbögen versehen, von vielerlei Fahnen geschmückt,
18.51
pādukācchatraśayyādinānāśobhāsamanvitam |
gṛhopakaraṇādyaiśca bhogairnānāvidhaistathā || 18.51 ||
ausgestattet mit Sandalen, Schirm, Lager und weiteren Verzierungen, mit Hausgeräten und vielerlei Gegenständen des Genusses.
18.52
vitānamūrdhvaṃ kartavyaṃ suśvetaṃ tu manoramam |
javanikāṃ caturaṅgāṃ dīpāṣṭau dikṣu dāpayet || 18.52 ||
Oben bringe man einen schönen, rein weißen Baldachin an. Man lasse einen vierseitigen Vorhang und acht Lampen in den Richtungen aufstellen,
18.53
bālavyajanaghaṇṭādi tathādarśacatuṣṭayam |
patākāṣṭau navāḥ śreṣṭhā nānāraṅgasamujjvalāḥ || 18.53 ||
Schweifwedel, Fächer, Glocken und weitere Gegenstände, ebenso vier Spiegel und acht neue, vortreffliche Fahnen, die in vielerlei Farben leuchten.
18.54
kalaśāṣṭau tathā raupyāstāmra vā mṛṇmayā api |
samudrāṣṭau tathā pūjyāḥ sarvauṣadhisamanvitān || 18.54 ||
Ferner acht Gefäße aus Silber, Kupfer oder Ton. Die acht Meere sind [darin] zu verehren; die Gefäße seien mit allen Heilkräutern versehen.
18.55
cūtapallavasaṃyuktān sahiraṇyāṃśca pūjayet |
kāṇḍāṣṭau pañcaraṅgāṇi digvidikṣu niveśayet || 18.55 ||
Mit Mangozweigen und Gold ausgestattet, verehre man sie. Acht fünffarbige Stäbe setze man in die Haupt- und Zwischenrichtungen.
18.56
lokapālāstathā pūjyāḥ paṭeṣu svākṛtisthitāḥ |
tathā hyastrākṛtiḥ kāryā daśadikṣu samantataḥ || 18.56 ||
Die Hüter der Weltrichtungen sind auf Tuchbildern in ihrer jeweiligen Gestalt zu verehren. Ebenso sind ringsum in den zehn Richtungen die Formen der Waffen anzufertigen.
18.57
dvārādhyakṣāstato bāhye kāryāḥ svāmnāyadarśanāt |
sarvasādhāraṇatvācca paṭe kāryāstu tādṛśāḥ || 18.57 ||
Außen sind die Torhüter gemäß der Anschauung der eigenen Überlieferung darzustellen. Weil [der Mantra] allen gemeinsam ist, fertige man sie auf Tuch entsprechend an.
18.58
vedamaṅgalanirghoṣairjayapuṇyāhasaṃyutaiḥ |
nṛttavāditraghoṣaiśca stotrairnānāvidhaistathā || 18.58 ||
Unter glückverheißendem vedischem Klang, Siegesrufen und der Verkündigung eines heiligen Tages, mit Tanz, Instrumentenklang und vielerlei Lobgesängen
18.59
ācāryastu śucirdakṣaścandanāgurucarcitaḥ |
dhautapautikayā yukta uṣṇīṣāṅgulibhūṣitaḥ || 18.59 ||
[soll handeln] der reine, geschickte Lehrer, mit Sandel und Agaru bestrichen, in gewaschenes Tuch gekleidet, mit Kopfbund und Fingerringen geschmückt,
18.60
kaṭakādyairmahāhāraiḥ puṣpasragdāmabhūṣitaḥ |
mūrtipairdhūpavāhaiśca arghavāhaistathaiva ca || 18.60 ||
mit Armringen, großen Halsketten, Blumengirlanden und Blütenketten geziert, begleitet von den Hütern der Formen, den Trägern des Räucherwerks und den Trägern des Begrüßungswassers.
18.61
sarvasaṃbhārasaṃyukto hyadhivāsanapūrvakam |
kumbhāstravārdhanīmiṣṭvā kṛtakṣetraparigrahaḥ || 18.61 ||
Mit allen Materialien versehen, vollziehe er zunächst die vorbereitende Weihe. Nach der Verehrung von Gefäß, Waffenmantra und Vardhani-Krug sichere er das rituelle Feld.
18.62
paścāddevi rajaḥpātaṃ vidadhyād daiśikottamaḥ |
pūrvoktavapuṣā dhyātvā mṛtyujinmadhyato yajet || 18.62 ||
Danach, Göttin, bringe der vorzügliche Lehrer das Farbpulver aus. Er meditiere über Mrityujit in der zuvor beschriebenen Gestalt und verehre ihn in der Mitte.
18.63
tadutsaṅgagatāṃ devīṃ śriyaṃ vai viśvamātaram |
viśuddhasphaṭikaprakhyāṃ himakundendusaprabhām || 18.63 ||
[Er meditiere über] die Göttin Shri, Mutter der Welt, die auf seinem Schoß sitzt, wie reiner Bergkristall, strahlend wie Schnee, Jasmin und Mond,
18.64
candrārbudapratīkāśāṃ gokṣīrasadṛśaprabhām |
muktāphalanibhāṃ śvetāṃ śvetavastrānugūhitām || 18.64 ||
leuchtend wie unzählige Monde und Kuhmilch, einer Perle gleich, weiß und in weiße Gewänder gehüllt,
18.65
sitacandanaliptāṅgīṃ karpūrakṣodadhūsarām |
śuddhahārendukāntādiratnojjvalavimaṇḍitām || 18.65 ||
die Glieder mit weißem Sandel bestrichen, von Kampferpulver überstäubt, mit reinen Halsketten, Mondsteinen und anderen strahlenden Edelsteinen reich geschmückt,
18.66
sitasragdāmamālābhiḥ kamalaiḥ suvibhūṣitām |
harahāsasuśubhraṅgīṃ sitahāsāṃ manoramām || 18.66 ||
mit weißen Blütenketten, Girlanden und Lotussen schön geziert, ihr Körper hell wie Haras Lachen, mit hellem Lächeln und lieblich,
18.67
suśuklamukuṭopetāmekavaktrāṃ trilocanām |
baddhapadmāsanāsīnāṃ yogapaṭṭavibhūṣitām || 18.67 ||
mit rein weißer Krone, einem Gesicht und drei Augen, im gebundenen Lotussitz sitzend und mit einem Yogagurt versehen,
18.68
śaṅkhapadmakarāṃ saumyāṃ varadābhayapāṇikām |
caturbhujāṃ mahādevīṃ sarvalakṣaṇalakṣitām || 18.68 ||
friedvoll, Muschelhorn und Lotus in den Händen, mit den Gesten des Gabengewährens und der Furchtlosigkeit: die vierarmige große Göttin, mit allen günstigen Merkmalen ausgestattet.
18.69
dhyātvā vai bhāvabhedena rūpāyudhavibhūṣitām |
amṛteśavidhānena tathaivāṅgāni kalpayet || 18.69 ||
Nachdem man sie entsprechend der inneren Ausrichtung meditiert hat, mit ihrer Gestalt und ihren Attributen geziert, ordne man die Gliedmantras nach demselben Verfahren wie bei Amritesha an.
18.70
sarvaśvetopacāreṇa pūjayet sarvasiddhidām |
anenaiva vidhānena śrīdharaṃ vā śriyā saha || 18.70 ||
Mit ausschließlich weißen Gaben verehre man sie, die alle Vollendungen gewährt. Oder man verehre nach eben diesem Verfahren Shridhara zusammen mit Shri,
18.71
pūjayed bhaktito devi sarvakāmaphalapradam |
pādyārghyakusumaiḥ śubhrairmṛṣṭadhūpādibhistathā || 18.71 ||
voll Hingabe, Göttin, ihn, der alle Wunschfrüchte gewährt, mit Fußwaschwasser, Begrüßungswasser, weißen Blumen und angenehmem Räucherwerk,
18.72
lehyaiḥ peyaistathā cūṣyairbhakṣyairnānāvidhaiḥ śubhaiḥ |
pūjayet parameśānīṃ sarvasiddhiphalapradām || 18.72 ||
mit Speisen zum Lecken, Trinken, Saugen und Kauen, vielerlei günstigen Gaben. So verehre man die höchste Herrin, die alle Früchte der Vollendung gewährt.
18.73
pūrvavannirmite kuṇḍe homāt pūrvoditena tu |
tarpayeddevadeveśīṃ bhaktiyuktena cetasā || 18.73 ||
In einer wie zuvor angefertigten Opfergrube befriedige man durch das zuvor beschriebene Feueropfer die Herrin der Götter mit hingebungsvollem Geist.
18.74
athavāṣṭabhujā devī cintāratnakarā śubhā |
kalaśaṃ dhārayennityamamṛtena samanvitam || 18.74 ||
Oder die segensreiche Göttin ist achtarmig und hält den Wunschedelstein in der Hand. Sie soll stets ein mit Unsterblichkeitsnektar gefülltes Gefäß tragen.
18.75
somasūryakarā devī sitapadmoparisthitā |
nidhīnāṃ copariṣṭāttu gajamaṅgalabhūṣitā || 18.75 ||
Die Göttin hält Mond und Sonne in den Händen und steht auf einem weißen Lotus, oberhalb der Schätze, mit dem Glückszeichen der Elefanten geschmückt.
18.76
brahmādisurasaṅghātaiḥ pūjitā saṃstutā sadā |
dhyātā japtā maheśānī siddhimuktiphalapradā || 18.76 ||
Von den Götterscharen, beginnend mit Brahma, stets verehrt und gepriesen, gewährt die höchste Herrin, wenn sie meditiert und ihr Mantra rezitiert wird, die Früchte der Vollendung und Befreiung.
18.77
iṣṭāṃ tu devadeveśīṃ kumbhasthāṃ saṃprapūjayet |
pūrvoktena vidhānena yāge pūrvodite śubhe || 18.77 ||
Nachdem man die Herrin der Götter verehrt hat, verehre man sie im Gefäß, nach dem zuvor erklärten Verfahren in der beschriebenen glückverheißenden Verehrung.
18.78
pūrvoktadhyānayogena kumbhamadhyagatāṃ śriyam |
japtvā cāṣṭottaraśatamabhiṣiñcettu pūrvavat || 18.78 ||
Durch die zuvor beschriebene Meditation vergegenwärtige man Shri im Gefäß. Nach hundertacht Rezitationen vollziehe man wie zuvor die Weihe durch Übergießen.
18.79
tasyācalā mahālakṣmī rājyaṃ vā yadabhīpsitam |
bhaumāntarikṣasiddhiṃ ca divyāṃ caivaiśvarīṃ śubhām || 18.79 ||
Ihm wird beständige Mahalakshmi zuteil, oder die ersehnte Königsherrschaft, die irdische, die atmosphärische, die göttliche und die glückverheißende herrscherliche Vollendung.
18.80
īhitaṃ kāmayetkiñcit suprasannā prayacchati |
āyurbalaṃ yaśaḥ kīrtirmedhā kāntiḥ śriyo vapuḥ || 18.80 ||
Was immer er an Ersehntem wünscht, das gewährt sie ihm, völlig zufrieden. Lebensdauer, Stärke, Ansehen, Ruhm, Einsicht, Ausstrahlung, Wohlstand und körperliche Schönheit:
18.81
sarvaṃ vivardhate tasya yasya veśmani pūjyate |
yaḥ kaścidabhiṣikto vā yaśca vā sādhayet priye || 18.81 ||
All dies wächst für den, in dessen Haus sie verehrt wird. Wer auch immer geweiht wurde oder sie verwirklicht, Geliebte,
18.82
pūrvoktaṃ sarvamāpnoti śāntiṃ puṣṭiṃ karoti ca |
paṭe tu likhitā devī yasya veśmani pūjyate || 18.82 ||
erlangt alles zuvor Genannte; sie bewirkt Frieden und Gedeihen. In wessen Haus die auf ein Tuch gemalte Göttin verehrt wird,
18.83
pūrvoktena vidhānena tasya sarvaṃ prayacchati |
bahunātra kimuktena siṃhasyeva yathā mṛgāḥ || 18.83 ||
dem gewährt sie nach dem zuvor erklärten Verfahren alles. Wozu viele Worte? Wie die Tiere vor einem Löwen
18.84
palāyante diśaḥ sarvā duṣṭadoṣāḥ sahasraśaḥ |
kimanyairmantravṛndaiśca devatārādhanena ca || 18.84 ||
fliehen die schädlichen Einflüsse zu Tausenden in alle Richtungen. Wozu andere Scharen von Mantras und die Verehrung anderer Gottheiten,
18.85
yatraiṣā devadeveśī dhyātā japtā supūjitā |
saṃgrāmakāle dhyātavyā khaḍgapatralatāsthitā || 18.85 ||
wo diese Herrin der Götter meditiert, rezitiert und gut verehrt wird? Zur Zeit der Schlacht ist sie auf der Blattfläche der Schwertklinge zu meditieren.
18.86
jayaṃ prayacchate tasya ripudarpāpahā bhavet |
saṃgrāmāgre sadā yājyā pararāṣṭrajigīṣuṇā || 18.86 ||
Sie gewährt ihm den Sieg und nimmt den Feinden ihren Hochmut. Wer ein fremdes Reich erobern will, soll sie stets vor Beginn der Schlacht verehren.
18.87
avaśyaṃ jayamāpnoti devadevyāḥ prasādataḥ |
api vyādhiśatārto vā duḥkhadoṣaiḥ prapīḍitaḥ || 18.87 ||
Durch die Gnade der Göttin der Götter erlangt er gewiss den Sieg. Selbst wenn jemand von hundert Krankheiten und leidvollen Beeinträchtigungen gequält wird,
18.88
sarvapāpavilipto vā kṛtyākhārkhodapīḍitaḥ |
mantrairyantraistathā dhyānairjapahomairviṣādikaiḥ || 18.88 ||
mit sämtlichem Unrecht befleckt oder von Kritya- und Kharkhoda-Mächten bedrängt ist, [wenn Feinde] durch Mantras, Yantras, Meditationen, Rezitationen, Feueropfer, Gifte und weitere Mittel
18.89
cūrṇalepāñjanādīni kuhakāni ca yāni ca |
kariṣyantyarayo yatra striyo vā puruṣasya vā || 18.89 ||
sowie Pulver, Salben, Augensalben und jegliche Täuschungskünste gegen eine Frau oder einen Mann vorgehen,
18.90
pūjitā tena vidhinā teṣāṃ pratyaṅgirā bhavet |
āśritya paramāṃ devīṃ bhaktyā saṃpūjayettu yaḥ || 18.90 ||
kehrt die nach diesem Verfahren verehrte [Göttin deren Wirkung] gegen sie zurück. Wer sich auf die höchste Göttin stützt und sie mit Hingabe verehrt,
18.91
yathā na dṛśyate duṣṭaiḥ pāpācāraratairnaraiḥ |
mantrasiddhaistathā dhūrtaiḥ samagraiḥ kaṇṭakaistathā || 18.91 ||
[soll es] so [tun], dass ihn schlechte Menschen, die schlechter Lebensführung ergeben sind, Mantrakundige, Betrüger und all die schädlichen Personen nicht sehen.
18.92
tathā suguptā yaṣṭavyā gopitā siddhidā bhavet |
yāge home tathā japye mudrāyāṃ dhyānayogataḥ || 18.92 ||
So ist sie wohlverborgen zu verehren; verborgen gehalten, gewährt sie Vollendung. Bei Verehrung, Feueropfer, Rezitation, Mudra und meditativer Sammlung
18.93
sugupto dhyāyate devīṃ yaḥ saubhāgyabhāgbhavet |
asmādduṣṭāśca bahavo jighāṃsanti sukhāni ca || 18.93 ||
wird derjenige, der die Göttin sorgfältig verborgen meditiert, des Glücks teilhaftig. Denn viele schlechte Menschen wollen das Wohlergehen zerstören.
18.94
anye saubhāgyasaṃtyaktā daurbhāgyena prapīḍitāḥ |
paśyanti yāgaṃ homaṃ ca japaṃ dhyānavidhiṃ sadā || 18.94 ||
Andere, vom Glück verlassen und von Unglück gequält, beobachten stets Verehrung, Feueropfer, Rezitation und Meditationsverfahren
18.95
janayanti mahāvighnāṃstasmād guptatamo vidhiḥ |
bhāvabhedena yaṣṭavyā sādhakena vipaścitā || 18.95 ||
und verursachen große Hindernisse. Darum ist das Verfahren äußerst geheim zu halten. Der verständige Praktizierende verehre sie entsprechend seiner inneren Ausrichtung.
18.96
ekavīrakrameṇātha pūjitā vā sureśvarī |
dadāti sarvakāmāṃśca prasannā parameśvarī || 18.96 ||
Auch nach dem Verfahren der alleinigen Helden-Gottheit verehrt, gewährt die höchste Herrin der Götter, wenn sie zufrieden ist, sämtliche Wünsche.
18.97
śaivavaiṣṇavasiddhāntabhedenaiva supūjitā |
bhaktānāṃ cittabhedena phaladā parameśvarī || 18.97 ||
Gemäß den Unterscheidungen der shivaitischen und vishnuitischen Lehrsysteme gut verehrt, gewährt die höchste Herrin Frucht entsprechend der verschiedenen inneren Verfassung der Verehrenden.
18.98
cintāmaṇiryathā loke cintitārthaphalapradaḥ |
tathaiṣā tu mahālakṣmīḥ sarvakāmaphalapradā || 18.98 ||
Wie der Wunschedelstein in der Welt die Frucht des Gedachten gewährt, so gewährt diese Mahalakshmi alle Wunschfrüchte.
18.99
devāsuramanuṣyāśca nāgagandharvakinnarāḥ |
daityāḥ sadānavā yakṣā rākṣasāśca piśācakāḥ || 18.99 ||
Götter, Asuras und Menschen, Nagas, Gandharvas und Kinnaras, Daityas, Danavas, Yakshas, Rakshasas und Pishacas,
18.100
bhūtavetālayoginyo mātaro guhyakāstathā |
ḍāvyo ḍāmarikā devyo bhaginyo dūtayastathā || 18.100 ||
Geister, Vetalas, Yoginis, Muttergöttinnen und Guhyakas, Dakis, Damarikas, Göttinnen, Schwestern und Botinnen,
18.101
tathā yogeśvarāḥ sarve yāgasiddhisamutkaṭāḥ |
mahāsiddhiprasādena sarve siddhāḥ susiddhitāḥ || 18.101 ||
ebenso alle Yogaherren, die durch rituelle Vollendung mächtig sind: Durch die Gnade der großen Vollendung haben sie alle vollkommene Verwirklichung erlangt.
18.102
ākaraḥ sarvasiddhīnāṃ mahālakṣmīrmahābalā |
āśritānāṃ ca bhaktānāṃ sādhakānāṃ varapradā || 18.102 ||
Die mächtige Mahalakshmi ist die Quelle aller Vollendungen. Den ihr ergebenen Verehrenden und Praktizierenden, die bei ihr Zuflucht nehmen, gewährt sie Gaben.
18.103
asyāḥ parā hi jagato nānyā kācit sukhapradā |
aṇimādiguṇā ye ca sārvajñyādyāśca ye'pare || 18.103 ||
Es gibt für die Welt keine andere über ihr, die Glück gewährt. Die Fähigkeiten, beginnend mit dem Winzigwerden, und die höheren, beginnend mit Allwissenheit,
18.104
te sarve'syāḥ prasādena siddhyante nātra saṃśayaḥ |
mokṣārthinā prakartavya ekavīrastu pūrvavat || 18.104 ||
werden alle durch ihre Gnade verwirklicht; daran besteht kein Zweifel. Wer Befreiung wünscht, soll wie zuvor [die Verehrung] des einzigen Helden vollziehen.
18.105
athavā śaktisaṃyuktaṃ pratiṣṭhāpayate vibhum |
pūrvasaṃbhārasaṃyuktaṃ prāsāde tu manorame || 18.105 ||
Oder man installiere den allmächtigen Herrn zusammen mit Shakti in einem schönen Tempel, versehen mit den zuvor genannten Materialien.
18.106
śaktiśaktimatoryogaṃ sthāpayitvā vidhānataḥ |
janmāntarasahasraistu yatpāpaṃ samupārjitam || 18.106 ||
Nachdem man die Verbindung von Kraft und Kraftträger vorschriftsgemäß installiert hat, wird das Unrecht, das in Tausenden früherer Geburten angesammelt wurde,
18.107
tatkṣaṇānnaśyate devi tūlarāśirivānale |
iṣṭamātrastu deveśaḥ sthāpito vāpi dīkṣitaiḥ || 18.107 ||
augenblicklich vernichtet, Göttin, wie ein Baumwollhaufen im Feuer. Allein schon verehrt oder von Eingeweihten installiert, [wirkt] der Herr der Götter:
18.108
kulyānuddharate sarvān daśa pūrvān daśāvarān |
yāvat prāsādaliṅge ca pratimācitrabhittiṣu || 18.108 ||
Er rettet sämtliche Familienangehörigen, zehn frühere und zehn spätere [Generationen]. So viele [Teilchen] sich in Tempel und Linga, Bildwerk, Gemälde und Wänden befinden,
18.109
pāṣāṇe dhātuṣu tathā dhvajeṣu dhvajayaṣṭiṣu |
saṃkhyānaṃ paramāṇūnāṃ tāvatkālaṃ bhunakti saḥ || 18.109 ||
in Stein, Metallen, Fahnen und Fahnenstangen, so viele kleinste Teilchen gezählt werden, so lange genießt er [himmlische Güter].
18.110
samudrāḥ sarito yāvanmaruccandrārkabhūmayaḥ |
bhogān sādāśive tattve bhuktvā nirvāṇamāpnuyāt || 18.110 ||
Solange Meere und Flüsse, Wind, Mond, Sonne und Erde bestehen, genießt er im Sadashiva-Prinzip Freuden und erlangt danach Nirvana.
18.111
yathā samudraṃ saṃprāpya sindhuḥ samarasībhavet |
tathā śivatvamāpannaḥ paśurmukto bhavārṇavāt || 18.111 ||
Wie ein Fluss, der das Meer erreicht, mit ihm von gleichem Wesen wird, so wird die gebundene Seele, die den Shiva-Zustand erreicht hat, aus dem Meer des Werdens befreit.
18.112
pratiṣṭhāphalametaddhi prāpnuyānnātra saṃśayaḥ |
adīkṣite tu nṛpatau tatsuteṣu dvijātiṣu || 18.112 ||
Diese Frucht der Installation erlangt man gewiss. Wenn aber ein König, seine Söhne oder Zweimalgeborene nicht eingeweiht sind,
18.113
bhogālaseṣu vā devi karmadoṣaiśca vighnite |
na ceṣṭaṃ na tapastaptaṃ na dhyātaṃ na pratiṣṭhitam || 18.113 ||
wenn sie, Göttin, aus Genusssucht untätig oder durch karmische Mängel behindert sind und weder verehrt noch Askese geübt, weder meditiert noch eine Installation vorgenommen haben,
18.114
parameśaviṣayaṃ na kṛtaṃ yāgādi teṣvapi |
pātityena mṛtānāṃ tu yeṣāṃ narakasaṃsthitiḥ || 18.114 ||
auch wenn sie keine auf den höchsten Herrn gerichtete Verehrung und dergleichen vollzogen haben: Für Verstorbene, denen wegen ihres Falles ein Aufenthalt in der Hölle bestimmt ist,
18.115
nidānairbahubhirdevi bālastrīvṛddha āture |
mṛteṣūddharaṇārthāya dīkṣārthaṃ parameśvaraḥ || 18.115 ||
aufgrund vieler Ursachen, Göttin, für Kinder, Frauen, Alte und Kranke, die gestorben sind, [ist] zur Rettung und Einweihung der höchste Herr
18.116
yaṣṭavyaḥ pūrvavaddevaḥ viśeṣāttatra cākṛtiḥ |
kartavyā rajasāvaśyaṃ sadṛśī dvādaśāṅgulā || 18.116 ||
wie zuvor zu verehren. Dabei ist insbesondere ein entsprechendes Abbild aus Farbpulver anzufertigen, unbedingt zwölf Fingerbreiten groß.
18.117
kāryā vā gomayāddevi kuśairvā snānaśodhitā |
dīkṣaiva tatra saṃskāraḥ vyāptyā yavasthamānayet || 18.117 ||
Oder es werde, Göttin, aus Kuhdung oder Kusha-Gras hergestellt und durch ein Bad gereinigt. Die Einweihung selbst ist dabei die Weihe; durch die Durchdringung führe man [die betreffende Seele an ihren Ort; Lesung unsicher].
18.118
aṇūṃśca yojayettasyāṃ pūrṇāhutyā saha kṣipet |
yojanyā śivatattve tu tataḥ sāyujyabhāgbhavet || 18.118 ||
Die Einzelseelen setze man darin ein und überführe sie zusammen mit der vollen Opfergabe durch die verbindende [Shakti] in das Shiva-Prinzip. Dann erhalten sie Anteil an der Vereinigung.
18.119
śrāddhe saṃpūjayeddevamantyeṣṭāvathavā yajet |
pratiṣṭhāpyaṃ tathā devi dagdhapiṇḍe śmaśānake || 18.119 ||
Beim Ahnenritus verehre man den Gott, oder man opfere beim letzten Totenritual. Ebenso ist er, Göttin, am Verbrennungsplatz des Leichnams auf der Leichenstätte zu installieren,
18.120
pūrvoktairdravyasaṃbhārairguruṇā prāgvidhānataḥ |
pūrvoktaṃ bhīṣaṇaṃ rūpaṃ śaktidvayasamanvitam || 18.120 ||
durch den Lehrer, mit den zuvor genannten Materialien und gemäß dem früher erklärten Verfahren: die zuvor beschriebene furchterregende Gestalt, mit zwei Shaktis verbunden,
18.121
catasro'ṣṭāvatho devi pūrvadhyānāvalokitāḥ |
pūrvoktaphalamāpnoti ityājñā pārameśvarī || 18.121 ||
oder, Göttin, mit vier oder acht, wie in der früheren Meditation geschaut. Man erlangt die zuvor erklärte Frucht; dies ist die Weisung des höchsten Herrn.
Kapitel 19: Schutz der Seele, des Lebens und des Körpers
19.1
kathitaṃ devadeveśa prāṇināṃ hitakāmyayā |
amṛteśavidhānaṃ tu sarvarakṣākaraṃ param || 19.1 ||
Die Göttin sprach: Herr der Götter, mit dem Wunsch nach dem Wohl der Lebewesen hast du das höchste Verfahren Amriteshas erklärt, das allen Schutz gewährt.
19.2
idānīṃ śrotumicchāmi saṃśayo me hṛdi sthitaḥ |
dṛṣṭipātaṃ prakurvanti manuje mātaraḥ sadā || 19.2 ||
Nun möchte ich weiter hören; ein Zweifel liegt in meinem Herzen. Die Muttergöttinnen richten immer wieder ihren Blick auf Menschen.
19.3
asaṃkhyātāstu tā devyo hyaprameyabalānvitāḥ |
chāyācchidreṇa bādhante yoginyo balavattarāḥ || 19.3 ||
Diese Göttinnen sind zahllos und von unermesslicher Kraft. Die übermächtigen Yoginis bedrängen [Menschen] durch eine im Schatten entstehende Öffnung.
19.4
atyantamalināstīvrā nistriṃśā nirbhayā dṛḍhāḥ |
hiṃsakāḥ sarvajantūnāṃ bālānāṃ ca viśeṣataḥ || 19.4 ||
Sie sind äußerst unrein, heftig, erbarmungslos, furchtlos und unnachgiebig, schädigen alle Geschöpfe und besonders die Kinder.
19.5
na saṃkhyā vidyate teṣāṃ tatropāyaṃ vadasva me |
chāyārūpaṃ chalaṃ yattaddṛṣṭipātacchalaṃ tathā || 19.5 ||
Ihre Zahl ist nicht zu bestimmen. Nenne mir ein Gegenmittel gegen die Gelegenheit, die der Schatten bietet, und gegen die Gelegenheit des Blickwurfs,
19.6
prakurvanti sadā deva cchāyā sā katidhā smṛtā |
dṛṣṭipātabhayaṃ kiṃ vā kathaṃ vā vinivartate || 19.6 ||
die sie stets ausnutzen, Gott. Wie viele Arten dieses Schattens werden gelehrt? Was ist die Gefahr des Blickwurfs, und wie wird sie abgewendet?
19.7
etatsarvaṃ samāsena prasādādvada śūladhṛk |
śrūyatāṃ saṃpravakṣyāmi cchāyāyāścaiva nirṇayam || 19.7 ||
Erkläre mir dies alles in Kürze aus Gnade, Dreizackträger. Der Herr sprach: Höre! Ich werde die Bestimmung des Schattens erklären.
19.8
aprameyā hyanantāśca mātaro balavattarāḥ |
bhūtāśca vividhākārā hyanantāśca mahābalāḥ || 19.8 ||
Unermesslich und unendlich sind die übermächtigen Muttergöttinnen. Ebenso gibt es Geister von vielfältiger Gestalt, unendlich viele und von großer Kraft,
19.9
yakṣarakṣaḥpiśācāśca ye cānye hiṃsakā dṛḍhāḥ |
na saṃkhyā vidyate teṣāṃ koṭibhedena saṃsthitāḥ || 19.9 ||
Yakshas, Rakshasas, Pishacas und weitere unnachgiebige Schädiger. Ihre Zahl ist nicht zu bestimmen; sie bestehen in Millionen verschiedener Gruppen.
19.10
saṃkṣepeṇa pravakṣyāmi mucyante yena bālakāḥ |
striyaśca manujā vāpi nṛpapatnyaśca tatsutāḥ || 19.10 ||
Ich werde in Kürze erklären, wodurch Kinder, Frauen und Männer, die Ehefrauen der Könige und ihre Söhne befreit werden,
19.11
yathā tyajanti balino yāgavrataparāyaṇāḥ |
mantrasaṃnaddhadehāśca hyaprameyabalānvitāḥ || 19.11 ||
wie die mächtigen [Wesen] von ihnen ablassen, die Verehrung und Gelübden ergeben sind, deren Körper von Mantras gepanzert sind und die unermessliche Kraft besitzen.
19.12
purākalpe samutpannā nānājanmasahasraśaḥ |
sarvatra hiṃsakāḥ krūrāḥ sarvakālaṃ jighāṃsavaḥ || 19.12 ||
In einem früheren Weltzeitalter entstanden sie zu Tausenden aus verschiedenen Geburten: überall grausame Schädiger, jederzeit darauf bedacht zu verletzen.
19.13
yāgārthamudyatāḥ sarve bhairavānucarāḥ sadā |
tacchaktyā balinaḥ sarve tattejobalabṛṃhitāḥ || 19.13 ||
Alle sind stets zur Verehrung bereit, Gefolgsleute Bhairavas; durch seine Kraft sind sie mächtig, durch seine Glut und Stärke gekräftigt.
19.14
mahāpaśūpahāreṇa toṣayanti mahāvratāḥ |
mahābhairavarūpaṃ yat svacchandaṃ kṛtavānaham || 19.14 ||
Als Träger großer Gelübde erfreuen sie [ihn] mit der Darbringung des „großen Opfertiers“. Jene große Bhairava-Gestalt, Svacchanda, habe ich angenommen,
19.15
daityānāṃ tu vadhārthāya devānāṃ sthāpanāya ca |
indrādyāstu yadā devāḥ sarvadaityairupadrutāḥ || 19.15 ||
um die Daityas zu töten und die Götter wieder einzusetzen. Als die Götter, beginnend mit Indra, von allen Daityas bedrängt wurden,
19.16
vidrāvitā yadā daityaistadāhaṃ saṃstutastu taiḥ |
brahmādyairvividhaiḥstotrairmayā teṣāṃ hitārthataḥ || 19.16 ||
als die Daityas sie vertrieben hatten, priesen sie mich, Brahma und die anderen, mit verschiedenen Lobgesängen. Zu ihrem Wohl
19.17
mahābhairavarūpaṃ tat svacchandaṃ tu kṛtaṃ tataḥ |
vidrāvaṇāya daityānāṃ devānāṃ sthāpanāya ca || 19.17 ||
nahm ich darauf jene große Bhairava-Gestalt Svacchanda an, um die Daityas zu vertreiben und die Götter wieder einzusetzen.
19.18
tadarthaṃ ca grahā bhūtā mātaro nirmitā mayā |
jitvā taṃ śatrusandarbhaṃ kṛtārthāste madantikam || 19.18 ||
Zu diesem Zweck schuf ich die besitzergreifenden Mächte, Geister und Muttergöttinnen. Nachdem sie die feindliche Schar besiegt und ihr Werk vollbracht hatten, kamen sie zu mir.
19.19
āgatāḥ prārthayante sma vināśabhayahetutaḥ |
bhagavan devadeveśa asmābhistoṣito hyasi || 19.19 ||
Aus Furcht vor ihrer Vernichtung baten sie: „Erhabener, Herr der Götter, durch uns bist du erfreut worden.
19.20
tuṣṭena devadevena yatkāryaṃ tatprasādataḥ |
kuru deveti coktaṃ taistadā te tu vṛtā mayā || 19.20 ||
Was der erfreute Gott der Götter aus seiner Gnade tun sollte, das tue, Gott!“ So sprachen sie; darauf wurden sie von mir erwählt.
19.21
ajeyā varadānena prārthayanto mahābalāḥ |
evaṃ bhavantvime sarve yathā sṛṣṭā mayā purā || 19.21 ||
Die Mächtigen baten darum, durch eine Gabe unbesiegbar zu sein. [Ich sprach:] „So sollen sie alle sein, wie ich sie einst geschaffen habe.“
19.22
tataḥ prabhṛti taiḥ sarvairjagatsthāvarajaṅgamam |
ākramya pīḍitaṃ sarvaṃ tiryaṅmānuṣadaivatam || 19.22 ||
Von da an überfielen und bedrängten sie alle die gesamte Welt, das Unbewegliche und Bewegliche, Tiere, Menschen und Götter.
19.23
devān kecijjighāṃsanti bhūtāḥ svarge mahābalāḥ |
manuṣyān balino'nye ca jighāṃsanti samantataḥ || 19.23 ||
Einige mächtige Geister wollen die Götter im Himmel verletzen; andere starke Wesen wollen ringsum Menschen schädigen.
19.24
tiryagyonīṃśca vividhā jighāṃsanti tathāparāḥ |
asaṃkhyātāstu te proktā hyaprameyabalotkaṭāḥ || 19.24 ||
Wieder andere, verschiedenartige, wollen die Wesen tierischer Geburt schädigen. Zahllos werden sie genannt, durch unermessliche Kraft gewaltig.
19.25
punaḥ stuto'haṃ devaiśca prajāpatipuraḥsaraiḥ |
tadā kṣiptā mayā sarve bhūtāśca balavattarāḥ || 19.25 ||
Erneut wurde ich von den Göttern mit Prajapati an ihrer Spitze gepriesen. Da wies ich all die übermächtigen Geister zurecht,
19.26
mātaro bhīmarūpāśca bhayabhītā madantikam |
ājñāvidhāyinaḥ sarve kiṃ kurvāṇāḥ samāgatāḥ || 19.26 ||
auch die Muttergöttinnen von furchtbarer Gestalt. Voller Furcht kamen alle zu mir, meinem Befehl gehorsam, und fragten: „Was sollen wir tun?“
19.27
mayā kruddhena deveśi mantrakoṭyo hyanekaśaḥ |
avatārya vināśārthaṃ mātṝṇāṃ ca graheṣu ca || 19.27 ||
Zornig ließ ich, Herrin der Götter, viele Millionen Mantras herabsteigen, um die Muttergöttinnen und besitzergreifenden Mächte zu vernichten.
19.28
śivaśaktiprabhāveṇa mananatrāṇadharmiṇaḥ |
mantrakoṭyo hyanekāstā mayā sarvādhikārikāḥ || 19.28 ||
Durch die Macht von Shivas Kraft haben sie das Wesen des Erwägens und Rettens. Diese vielen Millionen Mantras wurden von mir mit umfassender Befugnis versehen.
19.29
vidyābalabhayād bhītā āgatāste madantikam |
tadā mayā te vikṣiptāḥ sthaleṣu ca jaleṣu ca || 19.29 ||
Aus Furcht vor der Kraft der Vidyas kamen jene zu mir. Darauf verteilte ich sie auf trockene Orte und Gewässer,
19.30
digantareṣu śūnyeṣu madājñāvaśavartinaḥ |
balikāmāstathā cānye bhoktukāmāstathāpare || 19.30 ||
in die Zwischenräume der Richtungen und an leere Orte, meinem Befehl unterworfen. Einige wünschen Opfergaben, andere wollen essen,
19.31
ratikāmā hantukāmā vātajāḥ pittajāḥ pare |
śleṣmajāḥ saṃnipātotthā bhūtā vividharūpakāḥ || 19.31 ||
andere begehren Liebesgenuss oder wollen töten; manche entspringen dem Wind, andere der Galle, wieder andere dem Schleim oder ihrem Zusammenwirken: Geister in vielerlei Gestalten.
19.32
mayoktāste tu balino maryādāvaśavartinaḥ |
maduktamantramudrābhirdhyānaiśca vividhaiḥ sadā || 19.32 ||
Die Mächtigen wurden von mir angewiesen und den gesetzten Grenzen unterworfen. Durch die von mir gelehrten Mantras, Mudras und verschiedenen Meditationen,
19.33
pañcasrotovinirbhinnaṃ śṛṇvanti hi yadā priye |
tadā sarve vidravanti palāyante diśo daśa || 19.33 ||
die in fünf Überlieferungsströme gegliedert sind, [werden sie gebunden]. Sobald sie diese hören, Geliebte, zerstreuen sie sich alle und fliehen in die zehn Richtungen.
19.34
nidānairbahubhirdevi jighāṃsanti narān paśūn |
durācāraṃ durātmānamaśuciṃ puruṣādhamam || 19.34 ||
Aus vielen Anlässen, Göttin, wollen sie Menschen und Tiere schädigen: [Sie ergreifen] den schlecht handelnden, bösartigen, unreinen und niedrig gesinnten Menschen,
19.35
mātāpitrorasaṃmānāttathādhyayanavarjanāt |
atistrīgamanāccaiva kṣībatvācca viśeṣataḥ || 19.35 ||
wegen mangelnder Achtung vor Mutter und Vater, wegen Unterlassung des Schriftstudiums, übermäßigen Verkehrs mit Frauen und besonders wegen Trunkenheit,
19.36
akāle maithunānmohabhayāt saṃbhramaṇāttathā |
sandhyāvivarjitā ye ca sandhyāmaithunasevakāḥ || 19.36 ||
wegen Geschlechtsverkehrs zur ungeeigneten Zeit, Verblendung, Furcht und Aufregung; ferner jene, die die Dämmerungsriten unterlassen oder in der Dämmerung Geschlechtsverkehr pflegen,
19.37
bhojanādhyayanaṃ nidrāṃ sandhyāyāṃ ye ca kurvate |
akāminīḥ kāmayante gurudārāṃśca ye priye || 19.37 ||
die in der Dämmerung essen, studieren oder schlafen, die Frauen begehren, die es nicht wünschen, und die Frauen ihres Lehrers begehren, Geliebte,
19.38
pradhvaṃsayanti balino balāccaivānyayoṣitaḥ |
tathānye'satyavaktāraḥ prabhudrohakṛto'śubhāḥ || 19.38 ||
starke Männer, die andere Frauen mit Gewalt schänden, ferner Lügner und Unheilstifter, die ihrem Herrn untreu werden,
19.39
anuktaiḥ pāpacaritairye narā saṃyutāstathā |
etairanyairnidānaiśca gṛhṇate mānuṣān grahāḥ || 19.39 ||
und Menschen, die weitere, nicht genannte schlechte Handlungen begehen. Aus diesen und anderen Gründen ergreifen die besitzergreifenden Mächte Menschen.
19.40
striyaścaiva tu dauḥśīlyādaśaucābhakṣyabhakṣaṇāt |
tathobhayagurudveṣād bhartari vyabhicārataḥ || 19.40 ||
Frauen [ergreifen sie] wegen schlechter Lebensführung, Unreinheit, des Essens verbotener Nahrung, wegen Feindschaft gegen die Älteren beider Familien und Untreue gegenüber dem Ehemann.
19.41
anyairanuktairdoṣaiśca dūṣitā mudrayanti te |
rudatāṃ cāpi bālānāṃ rātrau jāgaraṇāttathā || 19.41 ||
Auch durch andere, nicht genannte Mängel beeinträchtigte [Frauen] zeichnen sie. Ebenso [entsteht die Gelegenheit] durch das nächtliche Wachen bei weinenden Kindern.
19.42
unmattavidrutā bhītāstrastā doṣaiśca dūṣitāḥ |
rudatyaḥ krośamānāśca muktakeśāśca dāruṇāḥ || 19.42 ||
[Betroffen sind] Wahnsinnige, Umhergetriebene, Furchtsame, Erschreckte und mit Mängeln Behaftete, weinende und schreiende Frauen mit offenem Haar und furchterregendem Auftreten,
19.43
duṣṭapukkasacaṇḍālasparśenaiva tu dūṣitāḥ |
śavasparśāttadgamanāttatrasthasparśanāttathā || 19.43 ||
[solche, die nach der Reinheitsvorstellung des Textes] durch Berührung schlechter Pukkasas und Candalas beeinträchtigt sind, durch Berührung eines Leichnams, das Hingehen dorthin oder die Berührung der dort Befindlichen,
19.44
tadduṣṭasāhacaryācca tadvārtānugamāttathā |
aśaucādyaistathānekairduḥsparśaiścāpi dūṣitāḥ || 19.44 ||
durch Umgang mit den dortigen Schlechten oder die Beschäftigung mit ihren Angelegenheiten, ferner durch Unreinheit und viele weitere als schädlich geltende Berührungen.
19.45
duṣṭā strī puruṣo vātha snātvā cchāyāṃ prapātayet |
bālānāṃ bhūpatīnāṃ ca tatpatnīnāṃ tapasvinām || 19.45 ||
Wenn eine beeinträchtigte Frau oder ein solcher Mann nach dem Bad den eigenen Schatten auf Kinder, Könige, deren Ehefrauen oder Asketen fallen lässt,
19.46
chāyācchidreṇa bhūtāśca mātaro balavattarāḥ |
dṛṣṭipātaṃ prakurvanti labdhacchidrā hi hiṃsakāḥ || 19.46 ||
werfen die mächtigen Geister und Muttergöttinnen durch die Öffnung des Schattens ihren Blick auf sie: Die Schädigenden haben eine Angriffsstelle gefunden.
19.47
raudrāṃ dṛṣṭiṃ pātayanti bālānāṃ ca jighāṃsayā |
pāpiṣṭhāśca durācārā bhūtairgrastā jvarādibhiḥ || 19.47 ||
Mit dem Wunsch, Kinder zu verletzen, richten sie einen grausamen Blick auf sie. Sehr schlechte und schlecht handelnde Menschen, von Geistern und Fiebern ergriffen,
19.48
tathonmattā duṣṭacittāḥ pāpācārāḥ suduḥkhitāḥ |
bubhukṣitā matsarāśca śatravo dhairyagarvitāḥ || 19.48 ||
ebenso Wahnsinnige, Böswillige, schlecht Handelnde, sehr Leidende, Hungrige, Neidische und Feinde, die auf ihre Standhaftigkeit stolz sind:
19.49
ete cānye ca bahavo dṛṣṭiṃ saṃpātya bhīṣaṇām |
paśyanti yadi bālānāṃ pūrvoktānāṃ ca sarvaśaḥ || 19.49 ||
Wenn diese und viele andere ihren furchtbaren Blick auf Kinder und auf alle zuvor Genannten richten,
19.50
dṛṣṭipātaṃ tato jātaṃ jñātvā śreyaḥ samācaret |
tatkṣaṇaṃ na vilambeta svalpenaiva kṛtena hi || 19.50 ||
erkenne man, dass ein schädigender Blickwurf erfolgt ist, und vollziehe eine heilsame Handlung. Man zögere keinen Augenblick; denn schon durch eine kleine Maßnahme
19.51
bādhante naiva duṣṭāni uṣitvā bādhayanti te |
na vilambastadā kāryaḥ sadya eva samācaret || 19.51 ||
bedrängen die schädlichen Mächte nicht. Haben sie sich jedoch festgesetzt, verursachen sie Bedrängnis. Darum darf man nicht zögern, sondern soll sogleich handeln.
19.52
sarvauṣadhaiḥ supraśastairbahubhirmaṅgalānvitaiḥ |
pañcagavyena vā tatra mantrayuktena kārayet || 19.52 ||
Mit vielen vortrefflichen, glückverheißenden Heilkräutern oder mit den durch Mantra versehenen fünf Erzeugnissen der Kuh lasse man dort
19.53
snānaṃ saubhāgyajananaṃ sarvadoṣabhayāpaham |
ācāryo mantrakalaśaṃ pūrvavadvidhicoditam || 19.53 ||
ein Glück hervorbringendes Bad vollziehen, das die Furcht vor allen Mängeln beseitigt. Der Lehrer [bereite] wie zuvor vorgeschrieben das Mantragefäß.
19.54
dadāti sadyo bālānāṃ pūrvoktānāṃ ca sarvaśaḥ |
sadyaḥśreyaskaraṃ puṇyaṃ śāntidaṃ puṣṭidaṃ dhruvam || 19.54 ||
Er verabreicht [die Weihe daraus] sogleich den Kindern und allen zuvor Genannten: unmittelbar heilsam, verdienstvoll und zuverlässig Frieden und Gedeihen gewährend.
19.55
yadā hyanantāstatrasthā mātaraḥ saṃnidhānataḥ |
jighāṃsanti tadā sadyo mahāmātṛḥ prapūjayet || 19.55 ||
Wenn die zahllosen dort anwesenden Muttergöttinnen durch ihre Nähe schädigen wollen, verehre man sogleich die großen Muttergöttinnen:
19.56
brahmī māheśvarī caiva kaumārī vaiṣṇavī tathā |
vārāhī ca tathendrāṇī cāmuṇḍā saptamātaraḥ || 19.56 ||
Brahmi, Maheshvari, Kaumari, Vaishnavi, Varahi, Indrani und Chamunda, die sieben Mütter.
19.57
etāstu mātaraḥ sapta pūjayitvā śivaṃ bhavet |
samastamātṛcakrasya yonayastāḥ prakīrtitāḥ || 19.57 ||
Nach der Verehrung dieser sieben Muttergöttinnen entsteht Heil. Sie werden als Ursprünge des gesamten Kreises der Muttergöttinnen bezeichnet.
19.58
tābhiḥ pūjitamātrābhirupahāraiḥ pṛthagvidhaiḥ |
kṛtsno mātṛsamūhastu tuṣṭo bhavati tatkṣaṇāt || 19.58 ||
Sobald sie mit verschiedenartigen Gaben verehrt wurden, ist augenblicklich die gesamte Schar der Muttergöttinnen zufrieden.
19.59
pradhānāḥ sarvamātṝṇāmetāḥ sapta prakīrtitāḥ |
sitaraktapītakṛṣṇaiḥ puṣpairnānāvidhaistathā || 19.59 ||
Diese sieben gelten als die Hauptgestalten aller Muttergöttinnen. Mit weißen, roten, gelben und schwarzen Blumen und vielerlei weiteren [Gaben],
19.60
pāyasaiḥ kṛsarai(krasarai)ramatsyairlehyaiḥ peyairaśeṣataḥ |
caturvidhena māṃsena ghasmarairbalibhistathā || 19.60 ||
mit Milchreis, Reis-Mischgerichten, Fischen, Speisen zum Lecken und Trinken aller Art, mit vier Arten Fleisch sowie reichlichen Speise- und Opfergaben
19.61
pūjayitvā tu bālānāṃ sadyaḥ śreyo bhaviṣyati |
tasmāt pradhānayāgena guṇabhūtāstu devatāḥ || 19.61 ||
verehre man sie; dann entsteht sogleich Heil für die Kinder. Denn durch die Verehrung der Hauptgottheit werden auch die untergeordneten Gottheiten
19.62
tṛptā bhavanti sarvatra sadyaḥ śreyo hyavāpnuyāt |
triṃśatkoṭī sahasrāṇāṃ svāṅguṣṭhānnirmitā mayā || 19.62 ||
überall gesättigt. Sogleich erlangt man Heil. Dreißigtausend Koti habe ich aus meinem eigenen Daumen hervorgebracht:
19.63
vināyakānāṃ ghorāṇāmagnijvalitatejasām |
yadi tairvighnitaḥ kaścidabhibhūto bhavennaraḥ || 19.63 ||
furchtbare Vinayakas, deren Glanz wie Feuer lodert. Wenn irgendein Mensch durch sie behindert und überwältigt wird,
19.64
tatrādhidaivataṃ pūjyo vighneśastu vināyakaḥ |
anyatantropacāreṇa dhyānayogena pūjayet || 19.64 ||
ist als ihre übergeordnete Gottheit Vinayaka, der Herr der Hindernisse, zu verehren. Mit den Gaben eines anderen Tantras und dessen Meditation verehre man ihn,
19.65
modakairvividhaiścitrairbalibhirghasmaraistathā |
bhūrimadyaistathā māṃsai raktapuṣpavilepanaiḥ || 19.65 ||
mit verschiedenen bunten Modakas, reichlichen Speise- und Opfergaben, viel alkoholischem Getränk und Fleisch, roten Blumen und Salben.
19.66
sarveṣāmeva vāsāṃsi svarūpāṇi pradāpayet |
hemaratnāni dhātūṃśca dīpāṃścaiva pradāpayet || 19.66 ||
Allen lasse man Gewänder entsprechend ihrer jeweiligen Gestalt geben, ferner Gold, Edelsteine, Metalle und Lampen.
19.67
svena svenaiva rūpeṇa sarvaṃ sarveṣu dāpayet |
vighnaiḥ pramucyate sādhyastatkṣaṇānnātra saṃśayaḥ || 19.67 ||
Entsprechend der jeweiligen eigenen Gestalt lasse man allen alles geben. Die betreffende Person wird augenblicklich von den Hindernissen befreit, ohne Zweifel.
19.68
yadi bhūtagrahairghorairmudrito balibhirnaraḥ |
tadā bhūteśvaro yājyaḥ pūrvoktena vidhānataḥ || 19.68 ||
Wenn ein Mensch von furchtbaren, mächtigen Geistermächten gezeichnet ist, verehre man Bhuteshvara nach dem zuvor erklärten Verfahren.
19.69
rākṣasairvividhairye'tra prāṇino bhāvitā dhruvam |
iṣṭvā rakṣodhipaṃ śreyaḥ sarve tatra samāpnuyuḥ || 19.69 ||
Die Lebewesen, die hier von verschiedenartigen Rakshasas beeinflusst sind, erlangen alle Heil, wenn der Herr der Rakshasas verehrt wird.
19.70
yadā yakṣairasaṃkhyātairabhibhūto bhavennaraḥ |
tadā vaiśravaṇaṃ śīghramiṣṭvā mokṣamavāpnuyāt || 19.70 ||
Wenn ein Mensch von zahllosen Yakshas überwältigt wird, soll er rasch Vaishravana verehren und dadurch Befreiung erlangen.
19.71
aṣṭayonyo yadā devyo viruddhā yatra kutracit |
tadā tu bhairavaṃ yāgaṃ kṛtvā śreyaḥ samāpnuyāt || 19.71 ||
Wenn sich irgendwo Göttinnen aus den acht Ursprungsgruppen feindlich verhalten, erlangt man Heil durch die Vollziehung einer Bhairava-Verehrung.
19.72
antarbaliḥ pradātavyaḥ sarveṣāṃ bhūrighasmaraiḥ |
tathā bāhye baliḥ kṣetre dātavyaḥ śreya icchatā || 19.72 ||
Für alle ist im Inneren ein Bali mit reichlichen Speisen darzubringen. Ebenso soll, wer Heil wünscht, draußen im Feld ein Bali dargebracht werden.
19.73
araṇyake baliścānyo mahiṣādyaistathājakaiḥ |
vividhaistu baliṃ kuryāt sarvebhyastu pradāpayet || 19.73 ||
Ein weiterer Bali im Wald besteht aus Büffeln und Ziegen sowie weiteren verschiedenartigen [Opfertieren und Gaben]. Man lasse ihn allen darbringen,
19.74
nadītīre śmaśāne vā hyaṭavyāṃ mātṛmaṇḍale |
prātarmadhyāhnakāle ca sāyaṃ caivārdharātrataḥ || 19.74 ||
am Flussufer, auf der Leichenstätte, im Wald oder im Kreis der Muttergöttinnen: morgens, zur Mittagszeit, abends und um Mitternacht.
19.75
balistebhyaḥ pradātavyastena tṛptā bhavanti te |
udakaṃ hyannamiśraṃ ca bhūri tebhyaḥ pradāpayet || 19.75 ||
Ihnen ist die Opfergabe darzubringen; dadurch werden sie gesättigt. Man lasse ihnen reichlich Wasser, mit Speise vermischt, geben.
19.76
tena tṛptāstu te sarve sarvaśreyaḥphalapradāḥ |
bhavantyavitathaṃ bhadre mātṛvat pālayanti ca || 19.76 ||
So gesättigt, gewähren sie alle zuverlässig sämtliche heilsamen Früchte, Glückverheißende, und beschützen wie eine Mutter.
19.77
smṛtimojo jayaṃ vṛddhiṃ vapurāyuryaśaḥ sukham |
naṣṭaṃ balena sarvebhyo dadyāttena baliḥ smṛtaḥ || 19.77 ||
Weil [die Gabe] allen kraftvoll das Verlorene zurückgibt – Erinnerung, Lebenskraft, Sieg, Wachstum, Schönheit, Lebensdauer, Ansehen und Glück –, wird sie Bali genannt.
19.78
evaṃ mṛtyujitā sarvaṃ kartavyaṃ sarvasiddhim |
skandagrahagṛhītānāṃ bālānāṃ pīḍitātmanām || 19.78 ||
So ist alles durch Mrityujit auszuführen, [zur Erlangung] aller Vollendungen. Wenn Kinder von Skanda-Mächten ergriffen und in ihrem Wesen bedrängt sind,
19.79
ratigrahaistathā nāryo hyabhibhūtāḥ kvacidyadā |
kārtikeyastadā yājyaḥ pūrvoktavidhinā dhruvam || 19.79 ||
oder wenn Frauen irgendwo von Mächten des Liebesbegehrens überwältigt sind, ist Karttikeya nach dem zuvor erklärten Verfahren zu verehren.
19.80
kṣipraṃ tāśca pramuñcanti skandādyā ye śiśugrahāḥ |
yasmin kule yadaṃśena mudritaḥ kīlitaḥ kvacit || 19.80 ||
Rasch lassen Skanda und die weiteren Kinder ergreifenden Mächte von ihnen ab. Durch welchen Anteil welcher göttlichen Familie auch immer jemand gezeichnet oder festgenagelt wurde,
19.81
tatkulenaiva ceṣṭena sarvadoṣaiḥ pramucyate |
tadarthena mayā sarvaṃ rahasyaṃ prakaṭīkṛtam || 19.81 ||
wird er von allen Mängeln befreit, wenn eben diese Familie verehrt wird. Dafür habe ich das gesamte Geheimnis offenbart.
19.82
asmiṃstantre tu sarveṣāmamṛtaṃ ca vidhānataḥ |
sarvatantreṣu sāmānyo mṛtyujit prakaṭīkṛtaḥ || 19.82 ||
In diesem Tantra [ist] der Nektar für alle nach dem Verfahren [gelehrt]. Mrityujit ist als allen Tantras gemeinsam offenbart worden,
19.83
sarveṣāṃ hṛdayaṃ guhyamaprakāśyaṃ mahādbhutam |
na kenacidahaṃ pṛṣṭaḥ nākhyātaṃ kasyacinmayā || 19.83 ||
als ihrer aller verborgenes Herz, nicht öffentlich zu machen und höchst wunderbar. Niemand hatte mich danach gefragt; keinem hatte ich es erklärt.
19.84
rahasyaṃ saṃpradāyaśca sarvaśreyaḥsukhāvahaḥ |
sādhakāstu prasannā ye bhaktā hyārādhayanti ca || 19.84 ||
Das Geheimnis und seine Überlieferung bringen alles Heil und Glück. Die heiteren, hingebungsvollen Praktizierenden, die ihn verehren,
19.85
sarvaduḥkhavimuktāste satyaṃ me nānṛtaṃ vacaḥ |
anenaivātmanaḥ kāryaṃ sarvaduḥkhanivāraṇam || 19.85 ||
sind von allem Leid befreit. Wahr ist mein Wort, nicht unwahr. Eben damit soll man für sich selbst die Abwendung allen Leids vollziehen.
19.86
bhaktānāṃ svasutānāṃ ca svadārāṇāṃ ca kārayet |
svaśiṣyāṇāṃ ca bhaktānāṃ nānyathā tu prayojayet || 19.86 ||
Für die Ergebenen, die eigenen Kinder, die eigenen Ehefrauen und die eigenen hingebungsvollen Schüler lasse man es vollziehen; anders soll man es nicht anwenden.
19.87
sarvāśramagurutvācca bhūpatīnāṃ ca sarvadā |
tatsutānāṃ ca patnīnāṃ kartavyo hitamicchatā || 19.87 ||
Weil [der Lehrer] Lehrer aller Lebensstände ist, soll, wer ihr Wohl wünscht, es stets auch für Könige, deren Söhne und Ehefrauen vollziehen.
19.88
nitye naimittike kāmye śāntyarthaṃ kārayet sadā |
mukhe prakṣālite nityaṃ tilakaḥ śvetabhasmanā || 19.88 ||
Bei täglichen, anlassbezogenen und wunschbezogenen Handlungen lasse man es stets zur Befriedung vollziehen. Nach dem Waschen des Gesichts ist täglich mit weißer Asche ein Stirnzeichen
19.89
saptābhimantritaḥ kāryo mātṛdoṣanivṛttaye |
samālambhanapuṣpaṃ vā tāmbūlenābhimantritam || 19.89 ||
anzubringen, das siebenmal mit dem Mantra besprochen wurde, um die Beeinträchtigung durch Muttergöttinnen abzuwenden. Auch Salbe oder Blumen, zusammen mit Betel mit dem Mantra besprochen,
19.90
dīyate yasya tasyaiva na hiṃsantīha hiṃsakāḥ |
bhojanaṃ cābhimantreta mantreṇānena mantravit || 19.90 ||
soll man geben; wem man sie gibt, den schädigen hier die Schädigenden nicht. Die mantrakundige Person soll mit diesem Mantra auch die Nahrung besprechen.
19.91
ubhayoḥ pārśvayormadhye bhuñjāno'mṛtamaśnute |
sarvavyādhivinirmuktastiṣṭhate nṛpatiḥ kṣitau || 19.91 ||
[Mit dem Mantra] auf beiden Seiten und in der Mitte isst der Essende Nektar. Von allen Krankheiten befreit, bleibt der König auf Erden bestehen.
19.92
atha krīḍanakāleṣu gajāśvasahitasya ca |
astrakrīḍāsu sarvāsu rakṣārthaṃ kalaśaṃ yajet || 19.92 ||
Bei Spielen mit Elefanten und Pferden und bei allen Waffenspielen verehre man zum Schutz ein Gefäß,
19.93
krīḍārthaṃ vijayārthaṃ ca rakṣārthaṃ hiṃsakādiṣu |
yasmādduṣṭāśca bahavo jighāṃsanti nṛpādikam || 19.93 ||
für das Spiel, für den Sieg und zum Schutz gegen Schädiger. Denn viele schlechte Menschen wollen den König und andere verletzen.
19.94
tasmādrakṣā prakartavyā sarvaśreyaskarī śubhā |
tataḥ suptasya nṛpate rakṣārthaṃ kalaśaṃ yajet || 19.94 ||
Darum ist ein glückverheißender, alles Heil bewirkender Schutz auszuführen. Dann verehre man ein Gefäß zum Schutz des schlafenden Königs,
19.95
raupyaṃ cauṣadhisaṃyuktaṃ candanāgurulepitam |
kṣīreṇa cāmbhasā pūrṇaṃ yajenmṛtyujitaṃ param || 19.95 ||
ein silbernes, mit Heilkräutern versehen, mit Sandel und Agaru bestrichen, mit Milch und Wasser gefüllt. Man verehre den höchsten Mrityujit
19.96
sarvaśvetopacāreṇa puṣpadhūpārghapāyasaiḥ |
agre sthitā mahānidrā jagatsaṃmohakāriṇī || 19.96 ||
mit ausschließlich weißen Gaben: Blumen, Räucherwerk, Begrüßungswasser und Milchreis. Vor ihm befindet sich Mahanidra, die die Welt in Schlafversunkenheit führt.
19.97
sukhārthaṃ nṛpate rātrau jīrṇārthaṃ bhojanādike |
ārabdhā devadevena ājñāṃ dattveti bhāvayet || 19.97 ||
Man stelle sich vor, dass der Gott der Götter sie beauftragt und entsandt hat, zum Wohlbefinden des Königs in der Nacht und zur Verdauung seiner Speisen.
19.98
tato rātriṃ samagrāṃ tu tiṣṭhedvai nidrayā saha |
yakṣarakṣaḥpiśācādyairduḥsvapnairmātṛsaṃbhavaiḥ || 19.98 ||
Dann soll er die ganze Nacht im Schlaf verbringen, frei von [Bedrängnissen durch] Yakshas, Rakshasas, Pishacas und andere, von schlechten Träumen, die den Muttergöttinnen entspringen,
19.99
bhayaissantrāsaduḥkhaistu muktastiṣṭhedyathāsukham |
lokapāleṣu sāstreṣu rakṣārthaṃ nṛpasaṃnidhau || 19.99 ||
und von Furcht, Schrecken und Leid; er ruhe nach Wohlgefallen. Die Hüter der Weltrichtungen mit ihren Waffen [sollen] zum Schutz nahe beim König
19.100
pūjanaṃ cārghapuṣpādyaiḥ kalaśe pūjite sati |
yasyaivaṃ satataṃ kuryājjñānavān daiśikottamaḥ || 19.100 ||
mit Begrüßungswasser, Blumen und weiteren Gaben verehrt werden, nachdem das Gefäß verehrt wurde. Für wen der erkenntnisreiche, vorzügliche Lehrer dies beständig tut,
19.101
pūrvoktaṃ samavāpnoti prāheti bhagavāñchivaḥ |
nimitteṣu ca sarveṣu amṛteśaṃ yajeta ca || 19.101 ||
der erlangt das zuvor Genannte: So hat der erhabene Shiva gesprochen. Bei allen Anlässen verehre man Amritesha,
19.102
kāmarūpaṃ sadā yasmāt sarvakāmānavāpnuyāt |
prajānāṃ rakṣaṇārthāya śālīnāṃ cāpi saṃpade || 19.102 ||
stets in der gewünschten Gestalt; denn so erlangt man alle Wünsche. Zum Schutz der Untertanen und zum Gedeihen des Reises,
19.103
sutapatnīṣu rakṣārthamātmano rāṣṭravṛddhaye |
indrarūpaṃ yajettatra vijayārthaṃ nṛpasya ca || 19.103 ||
zum Schutz von Söhnen und Ehefrauen, für sich selbst, für das Wachstum des Reiches und für den Sieg des Königs verehre man ihn in der Gestalt Indras.
19.104
gobrahmaṇeṣu rakṣārthamātmanaḥ svajaneṣu ca |
mahānavamyāṃ pūjyeta bhūriyāgena veśmani || 19.104 ||
Zum Schutz von Kühen und Brahmanen, seiner selbst und der eigenen Angehörigen verehre man ihn an Mahanavami im Haus mit reichlicher Verehrung.
19.105
pūrvoktaṃ samavāpnoti āyurārogyasaṃpadam |
astrayāgaḥ prakartavyaḥ prayatnāt siddhihetave || 19.105 ||
Man erlangt das zuvor Genannte: Lebensdauer, Gesundheit und Gedeihen. Zur Erlangung von Vollendung ist sorgfältig die Waffenverehrung auszuführen.
19.106
astrasiddhimavāpnoti prayoktā phalamaśnute |
yadā mṛtyuvaśāghrataḥ kālena kalito nṛpaḥ || 19.106 ||
Man erlangt die Vollendung der Waffen; der Anwender genießt die Frucht. Wenn ein König vom Tod erfasst und von Kala heimgesucht ist,
19.107
ariṣṭacihnitātmā vai deśo vā tatsutādayaḥ |
brahmaṇādiṣu sarveṣu nāśe janapadasya ca || 19.107 ||
sein Wesen durch Unheilszeichen gezeichnet ist, oder das Land, seine Söhne und weitere Angehörige [bedroht sind], bei Brahmanen und allen anderen sowie beim Untergang des Landes,
19.108
śālyādiṣu ca sasyeṣu phalamūlodakeṣu ca |
durbhikṣavyādhikāryeṣu utpāteṣu mahatsu ca || 19.108 ||
bei [Schäden an] Reis und anderen Feldfrüchten, Früchten, Wurzeln und Wasser, bei Hungersnot, Krankheit und großen Unheilsereignissen,
19.109
tadā nīrājanaṃ kāryaṃ rā(jñā)jño rāṣṭravivṛddhaye |
pūrvavadyajanaṃ kṛtvā kalaśenābhiṣecayet || 19.109 ||
ist zur Mehrung des Reiches das Nirajana für den König auszuführen. Nach der Verehrung wie zuvor weihe man ihn durch Übergießen aus dem Gefäß.
19.110
niḥśaṅko nirjane rātrau śubharkṣe ca tathāṃśake |
jayapuṇyāhaśabdaiśca vedamaṅgalaniḥsvanaiḥ || 19.110 ||
Ohne Bedenken, nachts an einem menschenleeren Ort, unter einem günstigen Mondhaus und Teilabschnitt, unter Siegesrufen, der Verkündigung des heiligen Tages und glückverheißendem vedischem Klang
19.111
abhiṣiñcettu rājānaṃ siddhārthān juhuyād bahūn |
nīrājanavidhānena nāmāṅke saṃskṛte priye || 19.111 ||
weihe man den König durch Übergießen. Viele Senfkörner bringe man nach dem Nirajana-Verfahren, Geliebte, in dem mit seinem Namen gekennzeichneten, geweihten [Feuer] dar.
19.112
vahnau saṃruddhamanasā ajāṃśca prokṣayed bahūn |
tṛptyarthaṃ bhūtasaṅghasya mantrī rakṣārthamudyataḥ || 19.112 ||
Mit gesammeltem Geist [opfere man] im Feuer; viele Ziegen weihe man durch Besprengen, um die Geisterschar zu sättigen. So handle der Mantrakundige, der zum Schutz bereit ist.
19.113
śākunoktyāṃśagatyā vā vijñāya śakunaṃ hitam |
yakṣendraśivavāruṇyā niryātaḥ sarvasiddhidaḥ || 19.113 ||
Nachdem man aus der Deutung der Vorzeichen oder der Bewegung der Teilabschnitte ein günstiges Zeichen erkannt hat, führt der Auszug in nördlicher, nordöstlicher oder westlicher Richtung zu allen Erfolgen.
19.114
atha pūrvoktavidhinā gṛhe yāgaṃ tu kārayet |
yāvat saptāhnikaṃ devi bhūrihomena siddhidam || 19.114 ||
Dann lasse man nach dem zuvor erklärten Verfahren im Haus die Verehrung ausführen, bis zu sieben Tage lang, Göttin, durch reichliches Feueropfer Vollendung gewährend.
19.115
asyācalā mahālakṣmī rājyaṃ vā yadabhīpsitam |
bhaumāntarikṣasiddhīśca prāpnuyānnṛpatiḥ sukhī || 19.115 ||
Beständige Mahalakshmi oder die gewünschte Königsherrschaft wird ihm zuteil. Der glückliche König erlangt irdische und atmosphärische Vollendungen.
19.116
tadā nīrājanaṃ khyātaṃ sarvaśreyaskaraṃ param |
pūrvoktānnāśayeddoṣān devi nāstyatra saṃśayaḥ || 19.116 ||
Dies heißt Nirajana, das höchste Verfahren, das alles Heil bewirkt. Es vernichtet die zuvor genannten Mängel, Göttin; daran besteht kein Zweifel.
19.117
goṣu madhye yajedyasmāt sadā vardheta gokulam |
sindūraṃ gairikaṃ vāpi abhimantryaiva mantravit || 19.117 ||
Weil man mitten unter den Kühen verehrt, wächst die Rinderherde beständig. Der Mantrakundige bespreche Zinnober oder roten Ocker mit dem Mantra
19.118
yojayed goṣu rakṣārthaṃ śṛṅgordhve sarvadoṣajit |
aśvānāmapi rakṣārthaṃ pūrvoktavidhinā yajet || 19.118 ||
und bringe ihn zum Schutz der Kühe oben an den Hörnern an, als Bezwinger aller Mängel. Auch zum Schutz der Pferde verehre man nach dem zuvor erklärten Verfahren.
19.119
abhimantryaiva kalaśaṃ mūrdhni teṣāṃ prapātayet |
siddhārtho mantrajaptastu kaṇṭhe kāryo'tha mūrdhani || 19.119 ||
Man bespreche das Gefäß mit dem Mantra und lasse [seinen Inhalt] auf ihre Köpfe fließen. Mit dem Mantra besprochener Senf ist am Hals oder am Kopf anzubringen.
19.120
sarvadoṣavinirmuktān gajāṃścaiva tu rakṣati |
ajādiṣu paśuṣvevaṃ rakṣāṃ sarveṣu kārayet || 19.120 ||
[Das Verfahren] schützt auch die Elefanten und befreit sie von sämtlichen Mängeln. Ebenso lasse man für Ziegen und alle anderen Tiere den Schutz vollziehen.
19.121
sarvaprāṇiṣu rakṣārthaṃ yoktavyo nṛpateḥ sadā |
mahāśāntirbhavetteṣāṃ durbhikṣaṃ naśyati kṣaṇāt || 19.121 ||
Zum Schutz aller dem König zugehörigen Lebewesen ist es stets anzuwenden. Große Befriedung entsteht für sie, Hungersnot vergeht in einem Augenblick.
19.122
mahābhayeṣu sarveṣu bhūkampolkānipātane |
ativṛṣṭāvanāvṛṣṭau mūṣakādibhayeṣu ca || 19.122 ||
Bei allen großen Gefahren, Erdbeben und herabfallenden Feuerzeichen, bei übermäßigem Regen, ausbleibendem Regen und Gefahren durch Mäuse und andere [Schädlinge],
19.123
akālotpannapuṣpādau devairnaṣṭaiśca khaṇḍitaiḥ |
jvaralūtādidoṣaiśca apamṛtyubhireva ca || 19.123 ||
bei zur Unzeit erscheinenden Blüten und anderem, bei verlorenen oder beschädigten Götterbildern, bei Beeinträchtigungen durch Fieber, Spinnengift und dergleichen sowie bei vorzeitigen Todesfällen,
19.124
duḥkhairnānāvidhaiścaiva āghrataṃ maṇḍalaṃ yadi |
karmadoṣāśca ye kecid grahadoṣāstathāgatāḥ || 19.124 ||
wenn ein Gebiet von verschiedenartigen Leiden erfasst ist, bei beliebigen karmischen Mängeln und eingetretenen Beeinträchtigungen durch ergreifende Mächte,
19.125
tirobhāvastathotpanno mantracchidraṃ tathāgatam |
nāgādiviṣadoṣāśca kīṭavisphoṭakādayaḥ || 19.125 ||
bei entstandener Verhüllung und einer Schwachstelle im Mantra, bei Giftbeeinträchtigungen durch Schlangen und andere Tiere, Insekten und Blasenausschlägen,
19.126
vātapittavikārāśca śleṣmadoṣāśca sarvataḥ |
arśāṃsi cakṣūrogāśca tathā visarpakādayaḥ || 19.126 ||
bei Störungen von Wind und Galle und jeder Art von Schleimstörung, bei Hämorrhoiden, Augenleiden und sich ausbreitenden Hauterkrankungen,
19.127
vyādhyantarāṇi doṣāśca kṣatajādyāḥ sahasraśaḥ |
ābhyantarā vyādhayaśca śokādyāścittanāśakāḥ || 19.127 ||
bei anderen Krankheiten und tausendfachen Beeinträchtigungen, beginnend mit Verletzungen, inneren Krankheiten sowie Kummer und anderem, was den Geist zerstört,
19.128
abhiśaptāśca devādyairbrahmaṇādyā yadā janāḥ |
tadā tu pūrvavadyāgaḥ kartavyaḥ śāntihetave || 19.128 ||
und wenn Menschen, Brahmanen und andere, von Göttern und weiteren Wesen verflucht wurden, ist wie zuvor die Verehrung zum Zweck der Befriedung auszuführen.
19.129
pratyahaṃ havanaṃ kāryaṃ rājñāṃ rāṣṭravivṛddhaye |
sukhena bhujyate rājyaṃ nātra kāryā vicāraṇā || 19.129 ||
Täglich ist das Feueropfer zum Wachstum des Reiches der Könige zu vollziehen. Die Königsherrschaft wird in Wohlergehen genossen; daran ist nicht zu zweifeln.
19.130
sakṛtpūjanamātreṇa naśyante hiṃsakādayaḥ |
naṣṭā daśa diśo yānti siṃhasyeva mṛgādayaḥ || 19.130 ||
Schon durch einmalige Verehrung gehen die Schädigenden und weitere [Mächte] zugrunde. Geschlagen fliehen sie in die zehn Richtungen wie Wildtiere vor einem Löwen.
19.131
satatābhyāsayogena dāridryaṃ naśyati kulāt |
yasmin deśe ca kāle ca nivasenmantravit sadā || 19.131 ||
Durch die Verbindung mit beständiger Übung verschwindet die Armut aus der Familie. An welchem Ort und zu welcher Zeit der Mantrakundige auch wohnt,
19.132
ītayo vyādhayaścaiva khārkhodāstasya vā grahāḥ |
śākinyo vividhā yakṣāḥ piśācā rākṣasāstathā || 19.132 ||
[haben] Heimsuchungen, Krankheiten, Kharkhodas oder ergreifende Mächte, verschiedene Shakinis, Yakshas, Pishacas und Rakshasas,
19.133
bālagrahāśca visphoṭā vyantarāścāparāśca ye |
sarvāṇi viṣajātāni durbhikṣaṃ grahapīḍanam || 19.133 ||
Kinder ergreifende Mächte, Blasenausschläge, Vyantara-Wesen und andere, sämtliche Giftarten, Hungersnot und Bedrängnis durch ergreifende Mächte
19.134
sarvaṃ na prabhavettatra mantravitsaṃnidhānataḥ |
sa pūjyaḥ sarvajantūnāṃ bhūpatīnāṃ ca sarvadā || 19.134 ||
keine Macht, weil der Mantrakundige anwesend ist. Er ist von allen Lebewesen und von den Königen stets zu ehren.
19.135
dānapūjanasaṃmānairasamaiḥ pūjyate yadi |
tena pūjitamātreṇa sarve mantrāśca pūjitāḥ || 19.135 ||
Wird er durch unvergleichliche Gaben, Verehrung und Anerkennung geehrt, so sind allein durch seine Verehrung sämtliche Mantras verehrt.
19.136
bhavanti sukhadāstatra tanmukhāṃstāṃstu pūjayet |
sarvatra cchedakartāro grahāḥ hiṃsanti sādhakam || 19.136 ||
Sie gewähren dort Glück; man verehre sie durch ihn als ihren Zugang. Überall verursachen ergreifende Mächte Unterbrechungen und schädigen den Praktizierenden.
19.137
tasmād grahāṇāṃ dātavyaṃ sadaivodakamodanam |
iṣṭā grahā hi tṛpyanti tṛptā na prabhavanti hi || 19.137 ||
Darum sind den ergreifenden Mächten stets Wasser und gekochter Reis darzubringen. Verehrt werden sie gesättigt; gesättigt können sie nicht übermächtig werden.
19.138
tadā rakṣā tu kartavyā daiśikena mahātmanā |
rakṣā tu kathitā deva prāṇināmanukampayā || 19.138 ||
Dann ist der Schutz durch den hochgesinnten Lehrer auszuführen. Die Göttin sprach: Aus Mitgefühl für die Lebewesen hast du den Schutz erklärt, Gott.
19.139
kīdṛśī procyate sā tu kasya vā kriyate katham |
vyāpakaḥ puruṣaḥ prokto hyamūrtaḥ sarvadehinām || 19.139 ||
Wie wird dieser Schutz beschrieben, für wen wird er wie ausgeführt? Die Person gilt als alldurchdringend und gestaltlos bei allen verkörperten Wesen.
19.140
dehī bāhyāntarastho'sau nirguṇo hyaśarīravān |
kathaṃ tu kriyate tasya rakṣā kasmācca rakṣyate || 19.140 ||
Dieser Träger des Körpers ist innen und außen, ohne Eigenschaften und selbst körperlos. Wie lässt sich für ihn Schutz ausführen, und wovor wird er geschützt?
19.141
śarīraṃ sakalaṃ vātha rakṣitavyaṃ kathaṃ ca tat |
pṛthivyādimahābhūtairnirmitaṃ coditaṃ kila || 19.141 ||
Oder soll der gegliederte Körper geschützt werden: Wie geschieht das? Er ist ja, so wurde gelehrt, aus den großen Elementen, beginnend mit Erde, gebildet.
19.142
anyastṛtīyo vā rakṣyaḥ kasmādeva kathaṃ vibho |
kasmācca rakṣaṇīya syāt kena vā vada śūladhṛk || 19.142 ||
Oder ist ein anderes, Drittes zu schützen? Wovor und wie, Allmächtiger? Wovor wäre es zu schützen und durch wen? Sage es, Dreizackträger.
19.143
etatsarvamaśeṣeṇa kā rakṣā bhagavan vada |
śṛṇu devi paraṃ praśnaṃ na pṛṣṭo'haṃ surāsuraiḥ || 19.143 ||
Erkläre dies alles vollständig, Erhabener: Was ist Schutz? Der Herr sprach: Höre, Göttin, die höchste Frage! Danach haben mich weder Götter noch Asuras gefragt,
19.144
garuḍādyaistathā śiṣyairbahubhirmunibhirna ca |
tadadya te pravakṣyāmi śṛṇuṣvāyatalocane || 19.144 ||
weder Garuda und die anderen noch die zahlreichen Schüler und Weisen. Dies werde ich dir heute erklären; höre, Großäugige.
19.145
vyāpakaḥ puruṣaḥ sūkṣmo nirguṇo niṣkriyo'calaḥ |
kintvāṇavastathā kārmo māyīyastrividho malaḥ || 19.145 ||
Die Person ist alldurchdringend, subtil, ohne Eigenschaften, untätig und unbewegt. Doch die Unreinheit ist dreifach: Anava, Karma und Maya.
19.146
tatsaṃbandhāt sa malino hyasvatantro'pyaśaktimān |
aviśuddho hyasau tasmānmalatrayanirodhataḥ || 19.146 ||
Durch die Verbindung damit ist sie unrein, unselbständig und machtlos. Darum ist sie nicht rein, weil die drei Unreinheiten sie einschränken.
19.147
nirmalo vā kathaṃ sakto bhogeṣu etadvirudhyate |
śuddho bhogī na siddhyettu vikalpo bhoga ucyate || 19.147 ||
Wie könnte sie, wenn sie rein wäre, an Erfahrungen haften? Das widerspricht sich. Ein reiner Erfahrender ließe sich so nicht begründen; unterscheidende Vorstellung heißt Erfahrung.
19.148
vikalpamātraḥ saṃsāraḥ paśoḥ saṃsaraṇaṃ sadā |
saṃsāryasya ca baddhasya nirmalatvaṃ na yujyate || 19.148 ||
Der Samsara ist nichts als unterscheidende Vorstellung; die gebundene Seele wandert beständig. Reinheit passt nicht zu diesem gebundenen, im Samsara wandernden Wesen.
19.149
āṇavo'yaṃ malaḥ sūkṣmaḥ kāryato hyupapadyate |
abhilāṣastataḥ kāryo bhogādau sa pravartakaḥ || 19.149 ||
Die subtile Anava-Unreinheit wird aus ihrer Wirkung erschlossen. Das Verlangen ist ihre Wirkung und setzt das Erfahren und die weiteren Vorgänge in Gang.
19.150
kārmaṃ yad bhogakāryaṃ taddeśakālaśarīrataḥ |
kalādi yatpṛthivyantaṃ māyākāryaṃ vidurbudhāḥ || 19.150 ||
Das Karmische bewirkt die Erfahrung gemäß Ort, Zeit und Körper. Das von Kala bis zur Erde Reichende kennen die Weisen als Wirkung der Maya.
19.151
evaṃ malatrayopetaḥ saṃsāre saṃsaredaṇuḥ |
kośakāraḥ krimiryadvadātmānaṃ veṣṭayed dṛḍham || 19.151 ||
Mit diesen drei Unreinheiten versehen wandert die Einzelseele im Samsara. Wie die Seidenraupe sich selbst fest umhüllt,
19.152
tadveṣṭanena śakto'sau tathātmā pāśapañjaraiḥ |
yāvanna ceśvaro devo hyanugṛhṇāti śaktimān || 19.152 ||
ist sie durch diese Hülle [gebunden], ebenso die Seele durch die Käfige ihrer Fesseln, solange der mächtige Gott Ishvara ihr keine Gnade erweist.
19.153
tāvad balāvagūhena gūhitastiṣṭhate paśuḥ |
atha cenneśvaraḥ kaścit svatantramakhilaṃ jagat || 19.153 ||
So lange bleibt die gebundene Seele durch die Verhüllung ihrer Kraft verdeckt. Wenn es aber keinen Herrn gäbe und die ganze Welt unabhängig wäre,
19.154
niyamaḥ kāraṇānāṃ tu na bhavet 'samañjasam |
valīvardo yathā kaścid badhyate pāśabandhataḥ || 19.154 ||
gäbe es keine Ordnung der Ursachen; [dies wäre] widersinnig. Wie ein Ochse mit einer Fessel angebunden wird,
19.155
tṛṇaiḥ saṃyojito bhogairasvatantrastathā paśuḥ |
grāhyasya pāśahā tasya grāhakaḥ kaściduttamaḥ || 19.155 ||
mit Gras als Nahrung versorgt und dabei unselbständig ist, so ist die gebundene Seele. Wie sich für das gefesselte Wesen ein höherer, zugreifender [Helfer], der seine Fessel löst,
19.156
samartho dṛśyate yadvat tadvadīśo'pyanugrahī |
sarveṣāṃ sarvakṛcchaktaḥ svaśaktyā baṃhitaḥ śivaḥ || 19.156 ||
als fähig erweist, so erweist auch der Herr Gnade. Shiva vermag für alle alles zu wirken, durch seine eigene Kraft mächtig entfaltet.
19.157
aviyuktā tu sā tasya nijaraśmī raveriva |
dāhaprakāśake vahnāvūṣmā naiva viyujyate || 19.157 ||
Diese ist von ihm ungetrennt wie die eigenen Strahlen von der Sonne. Beim Feuer, das brennt und leuchtet, löst sich die Wärme nicht ab.
19.158
tadvadīśasya sā śaktiraviyuktā śivātmikā |
jagataḥ kāraṇaṃ devī saivaikā bahubhiḥ sthitā || 19.158 ||
Ebenso ist die Kraft des Herrn ungetrennt und von Shivas Wesen. Die Göttin ist die Ursache der Welt; als die Eine besteht sie in vielen Formen.
19.159
icchājñānakriyārūpā kṛtyabhedena vartate |
aghorā sābhavadicchā vyāpikā samavāyinī || 19.159 ||
Als Wollen, Erkennen und Handeln wirkt sie gemäß der Unterscheidung ihrer Aufgaben. Aghora ist das Wollen geworden, durchdringend und untrennbar innewohnend.
19.160
ghorā jñānasvarūpā tu sā parigrahavartinī |
ghoraghoratarā cānyā kṣobhikā sā kriyātmikā || 19.160 ||
Ghora hat die Gestalt des Erkennens und wirkt im Bereich des Ergreifens. Die andere, Ghoraghoratara, setzt in Bewegung und hat das Wesen des Handelns.
19.161
sā rakṣā sarvabhūtānāṃ sarvarakṣā surakṣiṇī |
sā ca dīkṣā samuddiṣṭā dānakṣapaṇalakṣaṇā || 19.161 ||
Sie ist der Schutz aller Wesen, umfassender Schutz und gute Beschützerin. Sie wird als Einweihung bezeichnet, gekennzeichnet durch Geben und Vernichten.
19.162
anenaiva prakāreṇa sarvadoṣanivarhaṇī |
vyāpakasya sataḥ puṃsaḥ sā rakṣā na virudhyate || 19.162 ||
Auf diese Weise beseitigt sie alle Mängel. Ein solcher Schutz steht nicht im Widerspruch zur Alldurchdringung der Person.
19.163
punaranyāṃ pravakṣyāmi rakṣāṃ sarvasurakṣiṇīm |
malatrayanirodhena nānākarmaphalodayāt || 19.163 ||
Nun werde ich einen anderen Schutz erklären, der vollkommen beschützt. Aufgrund der Beschränkung durch die drei Unreinheiten und des Hervorgehens verschiedener Karmafrüchte
19.164
śabdādiviṣayāṇāṃ ya indriyāṇāṃ pravartate |
hṛtpuṇḍarīkamadhyastho dharmādharmapravartakaḥ || 19.164 ||
[ist da einer,] der sich auf die Sinnesgegenstände, beginnend mit dem Klang, und auf die Sinne richtet, inmitten des Herzlotus weilt und Verdienst und Unverdienst in Gang setzt,
19.165
rāgadveṣābhibhūtastu tridhāntaḥkaraṇāvṛtaḥ |
kāryakāraṇasaṃbaddhaḥ karaṇairbhūtasaṃyutaiḥ || 19.165 ||
von Anhaften und Abneigung überwältigt, vom dreifachen inneren Organ umhüllt, mit Wirkungen und Ursachen verbunden, durch die mit den Elementen verbundenen Organe
19.166
nirbaddhaścinmalenaiva śataśo'tha sahasraśaḥ |
kāryākāryāntaraśatairdharmādharmaviceṣṭitaiḥ || 19.166 ||
und die Unreinheit des Bewusstseins hundert- und tausendfach gebunden, durch Hunderte verschiedener erlaubter und unerlaubter Handlungen, durch verdienstvolle und unverdienstvolle Regungen.
19.167
praluptanijacaitanyo jīva ityabhidhīyate |
tasya rakṣā samuddiṣṭā mantrairvividhavistaraiḥ || 19.167 ||
Weil sein eigenes Bewusstsein verdeckt ist, wird er Jiva genannt. Sein Schutz ist mit verschiedenartig ausgeführten Mantras gelehrt,
19.168
dhāraṇāyantratantraiśca śivena paramātmanā |
jīvarakṣā tu sā proktā kriyāśaktirmaheśvarī || 19.168 ||
mit Konzentrationen, Yantras und Ritualverfahren durch Shiva, das höchste Selbst. Dies heißt Schutz des Jiva: die große herrscherliche Handlungskraft.
19.169
anyā tṛtīyā rakṣā yā śarīrasya tu rakṣiṇī |
mahābhayebhyaḥ sarvebhyaḥ bhūtayakṣagrahādikaiḥ || 19.169 ||
Ein anderer, dritter Schutz ist der Beschützer des Körpers vor allen großen Gefahren, [die verursacht werden] durch Geister, Yakshas, ergreifende Mächte und andere,
19.170
ḍāvyā ḍāmarikābhiśca bhaginīmātṛbhistathā |
śākinīyoginībhiśca mukhamaṇḍitakādibhiḥ || 19.170 ||
durch Dakis, Damarikas, Schwestern, Muttergöttinnen, Shakinis, Yoginis, Mukhamanditakas und weitere [Wesen].
19.171
nānāvidhairaśeṣaiśca hiṃsakaiḥ kriyate dhruvam |
yad bhayaṃ tasya śamanī sā rakṣā śaktirucyate || 19.171 ||
Die Gefahr, die sämtliche verschiedenartigen Schädiger verursachen, wird durch sie beruhigt; diese Kraft heißt Schutz.
19.172
bhūtajaṃ malinaṃ caitadadhruvaṃ yadaśāśvatam |
vātapittakaphaśleṣmasaṃnipātādivistaraiḥ || 19.172 ||
Dieser aus den Elementen entstandene [Körper] ist unrein, unbeständig und vergänglich. Durch die vielfältigen Störungen von Wind, Galle, Kapha beziehungsweise Schleim und ihr Zusammenwirken,
19.173
anekaśatasaṃkhyātairdoṣairduṣṭaṃ śarīrakam |
tacca hiṃsanti bahavo hiṃsakā duṣṭabuddhayaḥ || 19.173 ||
durch viele hundert Mängel ist der Körper beeinträchtigt. Viele böswillige Schädiger verletzen ihn:
19.174
vātajāḥ pittajā bhūtāḥ śleṣmajāḥ saṃnipātajāḥ |
bhoktukāmā ratikāmā hantukāmāstathāpare || 19.174 ||
Geister, die dem Wind, der Galle, dem Schleim oder ihrem Zusammenwirken entspringen, solche, die essen oder Liebesgenuss erfahren wollen, und andere, die töten wollen,
19.175
balikāmāśca bahavo hīṃsakāḥ sutajantuṣu |
vātasthānaṃ samāsādya vātajā prabhavanti hi || 19.175 ||
ferner viele, die Opfergaben wünschen und Kinder beziehungsweise Lebewesen schädigen. Die dem Wind entstammenden gelangen an den Sitz des Windes und werden dort wirksam.
19.176
kṣobhayanti svakaṃ sthānaṃ pittajāḥ paittikaṃ tathā |
śleṣmajāśca svakaṃ sthānaṃ sarvasthāḥ saṃnipātajāḥ || 19.176 ||
Sie bringen ihren eigenen Sitz in Unruhe, ebenso die der Galle entstammenden den Gallensitz und die Schleimgeister ihren eigenen Sitz; die aus dem Zusammenwirken entstandenen befinden sich überall.
19.177
kṣobhayanti vināśārthaṃ deharakṣā tadarthataḥ |
mantrauṣadhakriyāyogai rakṣā vai śivacoditā || 19.177 ||
Sie erregen [diese Orte], um zu zerstören. Deshalb besteht der Schutz des Körpers. Durch Mantras, Heilmittel und rituelle Anwendungen ist der von Shiva angeordnete Schutz
19.178
kartavyā śivadā nityā sā śivāśivahāriṇī |
balikāmāṃstu balibhirghasmaraistarpayet priye || 19.178 ||
stets auszuführen, der Heil schenkt; sie ist die segensreiche, Unheil hinwegnehmende [Kraft]. Die nach Opfergaben Verlangenden sättige man mit reichlichen Speiseopfern, Geliebte.
19.179
bhoktukāmā jighāṃsanti naśyante mantrayogataḥ |
ratikāmāstvanekaiśca sarvaistantraistathauṣadhaiḥ || 19.179 ||
Die essen Wollenden beabsichtigen zu schädigen; durch Mantraanwendung werden sie vernichtet. Die Liebesgenuss Begehrenden [sind] durch vielerlei Ritualverfahren und Heilmittel
19.180
mantriṇānugrahasthena protsāryā mantrayogataḥ |
hantukāmāstu ye proktā durādharṣā mahābalāḥ || 19.180 ||
von einem auf Gnadenerweisung ausgerichteten Mantrakundigen mittels Mantraanwendung zu vertreiben. Die als töten wollend Bezeichneten sind schwer zu bezwingen und sehr mächtig.
19.181
tathāpi pārameśena mantratejobalena te |
śivaśaktiprabhāveṇa naśyantyatra na saṃśayaḥ || 19.181 ||
Dennoch werden sie durch die Glut und Kraft des Mantras des höchsten Herrn, durch Shivas Kraft vernichtet; daran besteht kein Zweifel.
19.182
evaṃ saṃkṣepataḥ proktastvayaṃ bhūtavinirṇayaḥ |
prāṇināṃ tu hitārthāya vistaro'nyatra varṇitaḥ || 19.182 ||
So ist diese Bestimmung der Geister in Kürze erklärt. Zum Wohl der Lebewesen ist die ausführliche Darstellung anderswo gegeben.
19.183
evaṃ tu kriyate rakṣā sujñātā sukṛtā bhavet |
anyathā tu svaghātāya veditavyātra yoginā || 19.183 ||
So wird der Schutz ausgeführt; richtig verstanden ist er richtig vollzogen. Andernfalls dient er dem eigenen Untergang: Dies soll der Yogi hier wissen.
19.184
rakṣā bahuprakārā ca kartavyāmnāyadarśanāt |
ādhārarakṣā prathamā bījarakṣā dvitīyikā || 19.184 ||
Schutz ist in vielerlei Formen gemäß der Anschauung der Überlieferung auszuführen. Der erste ist der Schutz der Grundlage, der zweite der Schutz des Samens,
19.185
tṛtīyā garbharakṣā tu sūtikāle caturthikā |
pañcamī sūtikārakṣā snātvā ṣaṣṭhī bhavediha || 19.185 ||
der dritte der Schutz der Leibesfrucht, der vierte der Schutz bei der Geburt, der fünfte der Schutz der Wöchnerin und der sechste hier der Schutz nach dem Bad.
19.186
bālānāṃ saptamī proktā puruṣāṇāṃ tathāṣṭamī |
bhedāṃstu saṃpravakṣyāmi hyādhārādigatān priye || 19.186 ||
Der siebte gilt als Schutz der Kinder, der achte als Schutz der Erwachsenen. Die Unterschiede, beginnend mit der Grundlage, werde ich erklären, Geliebte.
19.187
mātāpitroḥ parā rakṣā kāryā tattvavicintakaiḥ |
doṣaiḥ sudaṣṭaḥ puruṣaḥ saṃbhavantyasya hiṃsakāḥ || 19.187 ||
Für Mutter und Vater ist durch Kenner der Prinzipien der höchste Schutz auszuführen. Wenn ein Mann durch Mängel stark beeinträchtigt ist, treten bei ihm Schädiger auf.
19.188
hiṃsanti rakṣaṇīyo'sau saṃbhavārthaṃ prayatnataḥ |
yadā strī mudritā bhūtaistadā garbho na saṃbhavet || 19.188 ||
Sie verletzen ihn; deshalb ist er um der Zeugung willen sorgfältig zu schützen. Wenn eine Frau von Geistern gezeichnet ist, entsteht keine Leibesfrucht.
19.189
evaṃ ca prathamā rakṣā tvādhārākhyā prakīrtitā |
retoraktamayaḥ kāyaḥ sarveṣāṃ prāṇināṃ yataḥ || 19.189 ||
So wird der erste Schutz als Schutz der Grundlage bezeichnet. Weil der Körper aller Lebewesen aus Samen und Blut besteht,
19.190
tataḥ saṃrakṣitau dvau tu kartavyau mantravādibhiḥ |
ratikāmā grahā ye ca kāmācārā hyanekaśaḥ || 19.190 ||
sollen beide von den Mantrapraktikern geschützt werden. Die zahlreichen Mächte, die Liebesgenuss begehren und nach ihrem Verlangen handeln,
19.191
pibanti reto raktaṃ ca naṣṭe'smin saṃbhavaḥ kutaḥ |
tasmāttu kāraṇādasmin rakṣite saṃbhavo bhavet || 19.191 ||
trinken Samen und Blut. Woher sollte, wenn diese vernichtet sind, Entstehung kommen? Darum kann Entstehung stattfinden, wenn diese Grundlage geschützt ist.
19.192
saṃbhūte garbhage hetau saṃrakṣyaṃ garbhapātanam |
prasūtikāle nārīṇāṃ rakṣāgativiśāradaiḥ || 19.192 ||
Wenn die Ursache als Leibesfrucht entstanden ist, ist gegen das Abgehen der Leibesfrucht Schutz zu gewähren. Zur Zeit der Entbindung der Frauen [sollen] Kenner des Schutzverfahrens
19.193
rakṣā kāryā prayatnena na hiṃsantīha hiṃsakāḥ |
yāvanna sūtikā śuddhā tadgṛhasthaṃ tu bālakam || 19.193 ||
sorgfältig Schutz ausführen; dann schädigen die Schädigenden nicht. Solange die Wöchnerin noch nicht rituell gereinigt ist, [bedrängen sie] das in ihrem Haus befindliche Kind.
19.194
sūtikāgṛhadoṣādyā bādhante rakṣayā vinā |
tasmāt surakṣitaṃ kāryaṃ bāhyāstrādyairvicakṣaṇaiḥ || 19.194 ||
Die Beeinträchtigungen des Wöchnerinnenhauses und weitere [Einflüsse] bedrängen es ohne Schutz. Darum sollen Kundige es mit dem äußeren Waffenmantra und weiteren Mitteln gut schützen.
19.195
sūtikāsnānakāle tu bālo vā yaśca tatsthitaḥ |
hiṃsanti balino bhūtāstasmāt snāne tu rakṣayet || 19.195 ||
Beim Bad der Wöchnerin schädigen mächtige Geister das Kind oder den dort Befindlichen. Darum soll man während des Bades Schutz gewähren.
19.196
snātvā taduttaraṃ kālaṃ bālā rakṣyāḥ sadhātrikāḥ |
dhātrī tu kāraṇaṃ tasya kṣīrasparśādipoṣaṇaiḥ || 19.196 ||
Nach dem Bad sind die Kinder in der folgenden Zeit zusammen mit der Amme zu schützen. Denn die Amme ist ihre Grundlage, indem sie durch Milch, Berührung und anderes nährt.
19.197
tasmāt sā rakṣitavyādau dhātrī bālastadūrdhvataḥ |
sarvakālaṃ tu saṃrakṣyo mantrauṣadhiprayogataḥ || 19.197 ||
Darum ist zuerst die Amme zu schützen, danach das Kind. Zu jeder Zeit soll es durch die Anwendung von Mantras und Heilmitteln geschützt werden,
19.198
dhāraṇādhyānamudrābhiryantrairdhūpairatandritam |
tilājyādikṛtairhomaiḥ kalaśairvividhaiḥ śubhaiḥ || 19.198 ||
unermüdlich durch Konzentrationen, Meditationen, Mudras, Yantras und Räucherwerk, durch Feueropfer mit Sesam, geklärter Butter und anderen Stoffen sowie durch verschiedene glückverheißende Gefäße.
19.199
śirasi hyabhiṣekaiśca rakṣaṇīyaśca sarvadā |
pratibuddhaṃ tu suptaṃ ca rudantaṃ ca prasādhitam || 19.199 ||
Auch durch Weihen über dem Kopf ist es stets zu schützen: wenn es erwacht ist oder schläft, weint oder geschmückt wurde,
19.200
bhuñjānaṃ śayanasthaṃ tu tiṣṭhantaṃ krīḍamānakam |
prabhāte cārdharātre ca sāyaṃ madhyāhnagocare || 19.200 ||
wenn es isst, im Bett liegt, steht oder spielt, morgens, um Mitternacht, abends und zur Mittagszeit.
19.201
sandhyākāleṣu sarveṣu rakṣedyatnāttu bālakam |
devāsurāṇāṃ bhūtānāṃ mātṝṇāṃ bhaginīṣu ca || 19.201 ||
Zu allen Übergangszeiten soll man das Kind sorgfältig schützen. Die Götter, Asuras, Geister, Muttergöttinnen und Schwestern,
19.202
grahaduṣṭapiśācānāṃ saṃdhyākāle tu saṅgamaḥ |
tasmāt sarvāsu sandhyāsu rakṣitavyaśca bālakaḥ || 19.202 ||
die ergreifenden Mächte und schädlichen Pishacas kommen in den Übergangszeiten zusammen. Darum ist das Kind zu allen Übergangszeiten zu schützen.
19.203
gacchaṃstiṣṭhan svapañjāgrat sarvakālaṃ tu rakṣyate |
gacchantaṃ darśanāddevi jighāṃsantīha hiṃsakāḥ || 19.203 ||
Gehend, stehend, schlafend und wachend wird es zu jeder Zeit geschützt. Denn die Schädiger wollen es, Göttin, beim Gehen schon durch ihren Blick verletzen.
19.204
rakṣāhīnaṃ tu tiṣṭhantaṃ mudrayanti subhīṣaṇāḥ |
svasthaṃ cchalena suptaṃ tu trāsayanti samantataḥ || 19.204 ||
Steht es ohne Schutz da, zeichnen es die Furchtbaren; liegt es ruhig im Schlaf, nutzen sie eine Gelegenheit und erschrecken es von allen Seiten.
19.205
jāgrataḥ kevalaṃ rātrau bhīṣayanti grahādhamāḥ |
tasmāt sarvaprayatnena sarvadā rakṣyate śiśuḥ || 19.205 ||
Wenn es nachts allein wach ist, jagen ihm die niedrigsten ergreifenden Mächte Angst ein. Darum wird das kleine Kind mit aller Sorgfalt stets geschützt.
19.206
jīvennānyairupāyaistu mantravādairvinā priye |
viśeṣādrājatanayo rakṣitavyo hi daiśikaiḥ || 19.206 ||
Ohne die Mantraverfahren könnte es durch andere Mittel nicht leben, Geliebte. Besonders ein Königssohn ist von den Lehrern zu schützen.
19.207
bhāgyabhuk supraśastaśca sarvalakṣaṇalakṣitaḥ |
dṛṣṭvā yatnena duṣṭāśca jighāṃsanti śiśuṃ śubham || 19.207 ||
Wenn die Schlechten das glückbegünstigte, vortreffliche, mit allen günstigen Merkmalen ausgestattete Kind sehen, wollen sie dieses schöne Kind nachdrücklich schädigen.
19.208
tasmāt sarvaprakāreṇa dharaṇābhirnirantaram |
prākārāstreṇa vā devi mantrairvā vividhaiḥ śubhaiḥ || 19.208 ||
Darum [schütze man es] auf jede Weise unablässig durch Konzentrationen, durch den Umfriedungs-Waffenmantra, Göttin, oder durch verschiedene glückverheißende Mantras,
19.209
likhitairyantrayogairvā pūjitaiḥ suprayatnataḥ |
veṣṭitaiḥ kaṇṭhasaṃlagnaiḥ sūtrakairvāsitādikaiḥ || 19.209 ||
durch schriftliche Yantraanordnungen, die sorgfältig verehrt, eingewickelt und am Hals befestigt werden, durch Fäden und mit Duft versehenes [Material],
19.210
dhūpairvividharūpaiśca dhāritairmaṇibhistathā |
rakṣoghnaistilakairvāpi nīrājanapuraḥsaraiḥ || 19.210 ||
durch verschiedenartiges Räucherwerk, getragene Edelsteine oder Dämonen abwehrende Stirnzeichen, denen Nirajana vorausgeht.
19.211
rakṣaṇīyaḥ sadā bālo rājaputro viśeṣataḥ |
rājānastadamātyāśca rājapatnyastathā priye || 19.211 ||
Stets ist das Kind zu schützen, besonders der Königssohn. Auch Könige und ihre Minister sowie die Ehefrauen der Könige, Geliebte,
19.212
anenaiva vidhānena rakṣitavyāḥ suniścitaiḥ |
yasmāt kṣudrā grahā bhūtā mātaro duṣṭahiṃsakāḥ || 19.212 ||
sind nach eben diesem Verfahren durch fest Entschlossene zu schützen. Denn die niedrigen ergreifenden Mächte, Geister und Muttergöttinnen sind bösartige Schädiger,
19.213
deveṣvasādhyā balino durjayā duratikramāḥ |
jighāṃsanti prayatnena nityakālamatandritāḥ || 19.213 ||
von Göttern nicht zu bewältigen, stark, schwer zu besiegen und schwer zu überwinden. Stets und unermüdlich bemühen sie sich zu schädigen.
19.214
teṣāṃ praśamanārthāya prāṇināmanukampayā |
mantrāstrauṣadhayatnāśca mahābalaparākramāḥ || 19.214 ||
Um sie zu besänftigen, aus Mitgefühl mit den Lebewesen, [habe ich] die höchst kraftvollen und mächtigen Mantras, Waffenmantras, Heilmittel und Verfahren
19.215
anugrahārthaṃ martyānāṃ mayā sarve'vatāritāḥ |
teṣāmeva hi sarveṣāṃ mantrāṇāṃ bhūritejasām || 19.215 ||
zur Gnadenerweisung für die Sterblichen allesamt herabsteigen lassen. Für all diese Mantras von großer Glut
19.216
balamojastathā jñānaṃ smṛtirmedhā vapuḥ śriyaḥ |
jīvanaṃ prabhu sarveṣāṃ mṛtyujit kathito mayā || 19.216 ||
habe ich Mrityujit als Stärke, Lebenskraft, Erkenntnis, Erinnerung, Einsicht, Gestalt, Wohlstand und als das mächtige Leben aller erklärt.
19.217
bhūriyāgairjapairhomaistapasā saṃyamena ca |
mantrāścāstrāṇi sidhyanti yugabhāvānurūpataḥ || 19.217 ||
Durch reichliche Verehrung, Rezitationen, Feueropfer, Askese und Sammlung werden Mantras und Waffenmantras wirksam, entsprechend der Beschaffenheit des Weltzeitalters.
19.218
tathā kaliyuge duṣṭe pāpiṣṭhā ye narādhamāḥ |
teṣāṃ te siddhidā mantrā bhavanti na bhavanti ca || 19.218 ||
Doch bei den schlechtesten, sehr sündigen Menschen im schlechten Kali-Zeitalter gewähren jene Mantras Vollendung oder auch nicht.
19.219
asya devātidevasya na kṛtādiyugasthitiḥ |
bhāvānurūpaniṣṭhānāmatapovratasevinām || 19.219 ||
Für diesen Gott über den Göttern besteht keine Bindung an Krita und die weiteren Weltzeitalter. Für jene, die gemäß ihrer inneren Ausrichtung gefestigt sind, auch ohne Askese und Gelübde,
19.220
sarvabhāvaprapannānāṃ dvaitādvaitajigīṣayā |
daurbhāgyālasyayuktānāṃ pāpopahatacetasām || 19.220 ||
die allen möglichen Haltungen folgen, mit dem Wunsch, Dualität oder Nichtdualität zu meistern, die von Unglück und Trägheit behaftet und deren Geist durch Unrecht beeinträchtigt ist,
19.221
bhaktimātrāvalambitvāt sidhyatyatra na saṃśayaḥ |
cintāratnaṃ yathā sarvaṃ cintitārthaṃ prayacchati || 19.221 ||
wird er allein durch die Stütze der Hingabe wirksam; daran besteht kein Zweifel. Wie der Wunschedelstein jeden gedachten Wunsch erfüllt,
19.222
tathā sarvāṇi kāryāṇi bhāvitasya karoti hi |
sūryācandrau yathā loke sāmānyenāvabhāsakau || 19.222 ||
so vollbringt er sämtliche Vorhaben desjenigen, der ihn vergegenwärtigt. Wie Sonne und Mond in der Welt allen gemeinsam Licht geben,
19.223
pṛthivyāpastathā tejo vāyurākāśameva ca |
sāmānyaṃ vartayatyetadannaṃ kṣuddoṣahṛdyathā || 19.223 ||
wie Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum alle gemeinsam tragen und wie Nahrung das Übel des Hungers wegnimmt,
19.224
tathā sarveṣu bhūteṣu vyāpakaḥ parameśvaraḥ |
śivaḥ prapañcarahitaḥ sarveṣāṃ sarvadaḥ prabhuḥ || 19.224 ||
so durchdringt der höchste Herr sämtliche Wesen: Shiva, frei von gedanklicher Entfaltung, der mächtige Herr, der allen alles gewährt.
19.225
mṛtyujit paramo devaḥ sarveṣāṃ sarvasiddhidaḥ |
bhaktimātrāvalambitvāddhāraṇādhyānatatparaḥ || 19.225 ||
Mrityujit, der höchste Gott, gewährt allen sämtliche Vollendungen. Allein auf Hingabe gestützt, ganz der Konzentration und Meditation ergeben,
19.226
yo'sya vettā prapannaśca mantrī niṣkampacetanaḥ |
sa sarvaṃ phalamāpnoti sarvasiddhyaraho bhavet || 19.226 ||
erlangt der Mantrapraktiker, der ihn kennt, bei ihm Zuflucht nimmt und ein unerschütterliches Bewusstsein hat, jede Frucht und wird aller Vollendungen würdig.
Kapitel 20: Yoginis und die Grenzen ritueller Gegenmaßnahmen
20.1
uktaṃ devena tatsarvaṃ paripṛṣṭaṃ hi yanmayā |
adhunā śrotumicchāmi saṃśayo'yaṃ hṛdi sthitaḥ || 20.1 ||
Die Göttin sprach: Der Gott hat alles erklärt, wonach ich gefragt habe. Nun möchte ich weiter hören; dieser Zweifel liegt in meinem Herzen:
20.2
yoginyo mātaraścaiva śākinyo balavattarāḥ |
kathaṃ parapurāt prāṇān kṣaṇādākarṣayanti tāḥ || 20.2 ||
Wie ziehen die übermächtigen Yoginis, Muttergöttinnen und Shakinis in einem Augenblick die Lebenskräfte aus der „Stadt“ eines anderen, seinem Körper, heraus?
20.3
kasmācca nirghṛṇā raudrāḥ kiṃ vā tāsāṃ prayojanam |
etatsarvamaśeṣeṇa bhagavan vaktumarhasi || 20.3 ||
Warum sind sie erbarmungslos und grausam? Was ist ihr Zweck? All dies sollst du vollständig erklären, Erhabener.
20.4
śṛṇu devi pravakṣyāmi rahasyaṃ paramādbhutam |
yathā prāṇāñjighāṃsanti paśūnāṃ patiśāsanāt || 20.4 ||
Der Herr sprach: Höre, Göttin! Ich werde das höchst wunderbare Geheimnis erklären, wie sie auf Befehl des Herrn die Lebenskräfte der gebundenen Wesen angreifen.
20.5
rāgadveṣavimuktāstā lobhamohavivarjitāḥ |
yāgārthaṃ devadevasya paśūn vai prokṣayanti tāḥ || 20.5 ||
Sie sind frei von Anhaften und Abneigung, ohne Gier und Verblendung. Um den Gott der Götter zu verehren, weihen sie die Opferwesen durch Besprengen.
20.6
na lobhena na hiṃsārthaṃ na caiva hi jighāṃsayā |
mahābhairavadevasya śāsanaṃ pālayanti tāḥ || 20.6 ||
Weder aus Gier noch um der Gewalt willen noch aus dem Wunsch zu schädigen handeln sie; sie befolgen den Befehl des Gottes Mahabhairava.
20.7
tadarthaṃ paśavaḥ sṛṣṭāḥ svayameva svayaṃbhuvā |
paśavaḥ patiyāgārthamupayuktā na cānyathā || 20.7 ||
Dazu hat der Selbstentstandene selbst die Opferwesen geschaffen. Zur Verehrung des Herrn werden sie verwendet und nicht anders.
20.8
eṣāmanugrahārthāya paśūnāṃ tu varānane |
mocayanti ca pāpebhyaḥ pāpaughāṃśchedayanti tān || 20.8 ||
Um diesen gebundenen Wesen Gnade zu erweisen, Schönangesichtige, befreien sie sie von Verfehlungen und durchschneiden ihre Massen von Unrecht.
20.9
paśūnāmupayuktānāṃ nityamūrdhvagatirbhavet |
trividhena tu yogena yojayanti śivājñayā || 20.9 ||
Die so verwendeten Wesen gelangen stets aufwärts. Durch dreifachen Yoga verbinden sie sie gemäß Shivas Befehl:
20.10
pareṇaiva hi sūkṣmeṇa sthūlena tritayena tu |
yojayanti na caivātra ghātayanti balena tāḥ || 20.10 ||
durch den höchsten, den subtilen und den groben, diese drei, stellen sie die Verbindung her; dabei töten sie sie nicht gewaltsam [so die Deutung des Textes].
20.11
paraḥ sarvātmako'nanto niṣkriyo nirmalastu yaḥ |
vyāpakaḥ parameśānaḥ sarvakāraṇakāraṇam || 20.11 ||
Der Höchste ist allumfassend, unendlich, untätig und rein, der alldurchdringende höchste Herr, Ursache sämtlicher Ursachen,
20.12
sarvabhūtāntarāvasthaḥ sarvānugrahakārakaḥ |
tasminneva niyuktāstā nirmalā vigataklamāḥ || 20.12 ||
im Inneren aller Wesen gegenwärtig und allen Gnade erweisend. Auf ihn allein sind jene ausgerichtet, rein und ohne Ermüdung.
20.13
ekībhāvamanuprāpya na viyuktāḥ kathaṃcana |
tacchaktau tu vilīnāstā icchārūpeṇa saṃsthitāḥ || 20.13 ||
Nachdem sie Einheit erreicht haben, sind sie auf keine Weise getrennt. In seine Kraft aufgegangen, bestehen sie als sein Wollen,
20.14
jñānotkarṣāḥ kriyāvasthā yāgayogāvadhūtikāḥ |
tadbhāvaṃ tu samāsthāya tadrūpaṃ yojayanti yān || 20.14 ||
in gesteigerter Erkenntnis und im Handeln gegründet, als Avadhutikas von Verehrung und Yoga. Indem sie seinen Zustand annehmen, verbinden sie [bestimmte Wesen] mit seiner Gestalt.
20.15
te muktāḥ śivabhūtāstu śivaśaktyā śiveritāḥ |
nirmalāḥ śivarūpāstu tatprabhāvād bhavanti ca || 20.15 ||
Diese sind befreit und Shiva geworden, durch Shivas Kraft zu Shiva hingeleitet. Durch deren Macht werden sie rein und von Shivas Gestalt.
20.16
yathā yogena dīkṣāyāṃ śivatvamupalabhyate |
tathā vai yogiyogena śivatvamupayānti te || 20.16 ||
Wie durch die Verbindung bei der Einweihung der Shiva-Zustand erlangt wird, so gelangen sie durch den Yoga der Yogis zum Shiva-Zustand.
20.17
atyantamalinasyāsya pūrvoktasyādhikāriṇaḥ |
malapradhvastarūpasya nairmalyaṃ vyañjayanti tāḥ || 20.17 ||
Bei dem zuvor beschriebenen, überaus unreinen Berechtigten, dessen Gestalt von Unreinheit verwüstet ist, bringen jene die Reinheit zum Vorschein.
20.18
mūlacchedena teṣāṃ hi jighāṃsanti malatrayam |
malatrayaviyuktasya śarīraṃ na prarohati || 20.18 ||
Indem sie an der Wurzel abschneiden, wollen sie die drei Unreinheiten dieser Wesen vernichten. Für den von den drei Unreinheiten Befreiten wächst kein Körper mehr nach.
20.19
dīpavadyojanaṃ tasya paśornaiva hi ghātanam |
vyāpakena svarūpeṇa svaśaktivibhavena ca || 20.19 ||
Seine Vereinigung ist wie die einer Flamme [mit einer anderen], keine Tötung der gebundenen Seele. Mit ihrem alldurchdringenden Wesen und der Macht der eigenen Kraft
20.20
troṭayanti paśoḥ pāśān śarīraṃ yena naśyati |
śarīreṇa pranaṣṭena mokṣaṇaṃ nahi māraṇam || 20.20 ||
zerreißen sie die Fesseln des gebundenen Wesens, wodurch der Körper vergeht. Wenn der Körper vergangen ist, handelt es sich um Befreiung, nicht um Tötung [in der Unterscheidung des Textes].
20.21
dṛḍhapraruḍhapāśasya baddhasya puruṣasya yaḥ |
viyogastu śarīreṇa maraṇaṃ tadvidurbudhāḥ || 20.21 ||
Die Trennung vom Körper bei einer gebundenen Person, deren Fesseln fest eingewachsen sind, nennen die Weisen dagegen Tod.
20.22
evaṃ paraḥ prakāśastu sūkṣmaścaivādhunocyate |
sūkṣmaṃ śaktimayaṃ jñānaṃ jñānaśaktyā tu gamyate || 20.22 ||
So ist die höchste Offenbarung [des Yoga] erklärt; nun wird der subtile [Yoga] beschrieben. Die subtile, aus Kraft bestehende Erkenntnis wird durch Erkenntniskraft erreicht.
20.23
arāvarāvarāviṇyā dhvanibhāvānusārakam |
siddhānāṃ siddhidaṃ jñānaṃ khecaryaḥ paryupāsate || 20.23 ||
Die dem Klangzustand der Aravaravaravini folgende Erkenntnis, die den Vollendeten Vollendung gewährt, verehren die Khecaris.
20.24
ajñānenāvṛtaṃ jñānaṃ paśūnāṃ samalaṃ sthitam |
nirmalena tu tā devyā jñānenābhibhavanti tat || 20.24 ||
Die Erkenntnis der gebundenen Wesen ist von Nichtwissen umhüllt und mit Unreinheit behaftet. Mit reiner Erkenntnis überwältigen jene Göttinnen sie.
20.25
yathā prabuddhaḥ suptena krīḍate ca yatastataḥ |
madirāsavapānena yathaivonmāditaḥ kvacit || 20.25 ||
Wie ein Wacher nach Belieben mit einem Schlafenden spielt, wie jemand durch das Trinken von Wein und berauschendem Getränk verwirrt ist,
20.26
krīḍate hyasvatantratvād bālo vā bhramyati kvacit |
unmatto vāpramattena preryate paśavastathā || 20.26 ||
[so] spielt [einer mit ihm] wegen dessen Unselbständigkeit; oder wie ein Kind umherirrt beziehungsweise ein Verwirrter von einem Besonnenen gelenkt wird, so [verhält es sich mit] den gebundenen Wesen.
20.27
mātṛbhirguhyakaiḥ śaktyā svena yogabalena tu |
jīva ākṛṣyate kṣipraṃ paśūnāṃ yogavīryataḥ || 20.27 ||
Durch die Muttergöttinnen und Guhyakas wird kraft ihrer eigenen Yogamacht, durch die Wirkkraft des Yoga, der Jiva der gebundenen Wesen rasch herangezogen.
20.28
yattatparamamavyaktaṃ śāśvataṃ hyacalaṃ dhruvam |
tatprāpya yogamārgeṇa praviśya paradehataḥ || 20.28 ||
Nachdem [der Yogi] jenes höchste Unmanifestierte, Ewige, Unbewegte und Beständige auf dem Yogaweg erreicht hat und in einen fremden Körper eingetreten ist,
20.29
paro bhūtvā svaśaktyā tu jīvaṃ jīvena veṣṭayet |
ākramya taṃ hṛdisthaṃ vai adha ūrdhvapraveśataḥ || 20.29 ||
werde er durch seine eigene Kraft zum anderen und umhülle dessen Jiva mit seinem Jiva. Er bemächtige sich des im Herzen Befindlichen durch das Eintreten von unten und oben.
20.30
ekībhāvaṃ samāsādya samatvaṃ tatra cābhyaset |
paraṃ kāraṇamāśritya svatantratvaṃ tadābhyaset || 20.30 ||
Nach dem Erreichen der Einheit übe er dort Gleichheit. Auf die höchste Ursache gestützt, übe er dann Selbständigkeit.
20.31
vyāpakena svarūpeṇa śaktyā śaktiṃ tu dārayet |
tadetatsaṃpuṭīkṛtya śakticchedaṃ tu kārayet || 20.31 ||
Mit seinem alldurchdringenden Wesen zerreiße er durch Kraft die Kraft. Nachdem er sie so eingeschlossen hat, lasse er das Durchschneiden der Kraft geschehen.
20.32
śaktirūpaṃ tato devi sattvamāsthāya yogavit |
svasattvasattārūpeṇa citsūryatvena tāpayet || 20.32 ||
Dann nehme der Yogakundige, Göttin, das aus Kraft bestehende Wesen an. Als Dasein des eigenen Wesens erhitze er es in Gestalt der Bewusstseinssonne.
20.33
drāvayettu parastho hi raśmīn raśmibhirarkavat |
yojayed hṛdaye sarvān śabdādīnindriyāṇi ca || 20.33 ||
Im anderen befindlich, lasse er die Strahlen durch seine Strahlen schmelzen, wie die Sonne. Alle [Sinnesgegenstände], beginnend mit Klang, und die Sinne vereinige er im Herzen,
20.34
bhūtāni rasabhūtāni guṇāneva hi sarvataḥ |
antaḥkaraṇasaṅghātaṃ gṛhītvā tatsvacetasā || 20.34 ||
die Elemente, zu flüssigem Wesen geworden, und die Eigenschaften allseits sowie das Gefüge des inneren Organs, nachdem er dies mit seinem Bewusstsein ergriffen hat.
20.35
praviśettu tadā yogī puramākramya sarvataḥ |
drutaṃ gṛhītaṃ tatsarvaṃ kṣipramātmasthamānayet || 20.35 ||
Dann trete der Yogi ein und bemächtige sich der Körperstadt vollständig. Das alles, geschmolzen und ergriffen, führe er rasch in sich selbst hinein.
20.36
tatkṣaṇādānayejjīvaṃ mudrāmantraprayogataḥ |
anena vidhinā sūkṣmaṃ yogī yogaṃ samabhyaset || 20.36 ||
Augenblicklich führe er den Jiva durch Anwendung von Mudra und Mantra herbei. Nach diesem Verfahren soll der Yogi den subtilen Yoga üben.
20.37
tatsarvaṃ prāpnuyāt kṣipraṃ sūkṣmayogena yogavit |
sūkṣmayogaḥ samākhyātaḥ sthūlaścaivādhunocyate || 20.37 ||
All das erlangt der Yogakundige rasch durch den subtilen Yoga. Der subtile Yoga ist erklärt; nun wird der grobe beschrieben.
20.38
piṇḍasthaṃ tatprayogeṇa piṇḍamākarṣayed dhruvam |
mantramudrāvidhānena vidhinā pāṃsavena ca || 20.38 ||
Durch das entsprechende Verfahren ziehe man das im Körper Befindliche beziehungsweise den Körper heran, durch Mantra- und Mudra-Verfahren und durch das Verfahren mit Staub.
20.39
dhyānayogabalenaiva chummakādyaṅgalakṣaṇaiḥ |
pātayanti na sandehaḥ paśūnāṃ pāśavaṃ puram || 20.39 ||
Durch die Kraft der Meditation und durch Körperzeichen, beginnend mit Chummakas, bringen sie die gebundene Körperstadt der Wesen zu Fall, ohne Zweifel.
20.40
trividhena tu yogena yoginyo balavattarāḥ |
jighāṃsanti yadā devi tadā śreyaḥ samācaret || 20.40 ||
Wenn die übermächtigen Yoginis durch den dreifachen Yoga schädigen wollen, Göttin, soll man eine heilsame Handlung vollziehen.
20.41
mṛtyujit paramaṃ devamamṛtaṃ sarvatomukham |
pareṇaiva svarūpeṇa vyāpakatvena mantravit || 20.41 ||
Der Mantrakundige [erkenne] Mrityujit, den höchsten Gott, den Nektar, der nach allen Seiten gewandt ist, in seiner höchsten eigenen Gestalt als alldurchdringend.
20.42
jñātvā taṃ paramaṃ yogaṃ mantrī vyāpya paśoḥ puram |
icchāśaktyā tvadhiṣṭhāya paśūnāṃ jīvitaṃ śubham || 20.42 ||
Nachdem der Mantrapraktiker diesen höchsten Yoga erkannt und die Körperstadt des gebundenen Wesens durchdrungen hat, beherrsche er durch die Willenskraft dessen segensreiches Leben.
20.43
saṃrakṣedyogavinmantrī kramājjñātvā tu yoginām |
pūrvoktānāṃ tu sarveṣāṃ hiṃsakānāṃ yaśasvini || 20.43 ||
Der yogakundige Mantrapraktiker soll es schützen, nachdem er der Reihe nach [die Verfahren] der Yogis und aller zuvor genannten Schädiger erkannt hat, Ruhmreiche.
20.44
sūkṣmaṃ svaśaktimārgeṇa cakrānugamayogataḥ |
pūrvoktagranthibhedena sūkṣmadhyānena yogavit || 20.44 ||
Auf subtile Weise, dem Weg seiner eigenen Kraft folgend, durch das Durchlaufen der Chakras, das zuvor erklärte Durchbrechen der Knoten und subtile Meditation
20.45
mocayet sarvadoṣebhyo nānyathā tu kadācana |
jñānayogabalopeto mantratantraviśāradaḥ || 20.45 ||
befreie der Yogakundige von allen Mängeln; anders niemals. [Er sei] mit der Kraft von Erkenntnis und Yoga versehen und in Mantras und Ritualverfahren kundig,
20.46
mṛtyujitsiddhamantraśca tapasvī saṃyatendriyaḥ |
dhyānamantrābhiyuktaśca sattvastho jñānavān balī || 20.46 ||
habe den Mrityujit-Mantra verwirklicht, sei asketisch und sinnenbeherrscht, der Meditation und dem Mantra zugewandt, in Sattva gegründet, wissend und stark,
20.47
saṃtuṣṭaḥ paramo yogī iṣṭāpūrtavidhau rataḥ |
rāgadveṣavinirmukto lobhamohavivarjitaḥ || 20.47 ||
zufrieden, ein höchster Yogi, den Opfer- und gemeinnützigen Werken ergeben, frei von Anhaften und Abneigung, ohne Gier und Verblendung,
20.48
nirbhayaścaiva niḥśaṅko hyanugrahaparāyaṇaḥ |
pūrvoktāddāruṇāddoṣānmocakaḥ sa bhavet priye || 20.48 ||
furchtlos, ohne Zweifel und ganz auf Gnadenerweisung ausgerichtet. Ein solcher wird zum Befreier von der zuvor genannten furchtbaren Beeinträchtigung, Geliebte.
20.49
anyathā vartate yastu sa bhavedātmanāśakaḥ |
svakulabhraṃśako duṣṭo narake pacyate dhruvam || 20.49 ||
Wer sich anders verhält, wird zum Vernichter seiner selbst, bringt die eigene Familie zu Fall und wird als Schlechter gewiss in der Hölle gepeinigt.
20.50
bhūtāśca vividhākārā mātaro duṣṭahiṃsakāḥ |
yoginyo guhyakā yakṣāḥ piśācā duratikramāḥ || 20.50 ||
Geister in verschiedenen Gestalten, bösartig schädigende Muttergöttinnen, Yoginis, Guhyakas, Yakshas und schwer zu überwindende Pishacas,
20.51
balikāmā hantukāmā bhoktukāmāstathāpare |
ratikāmā hyasādhyāśca skandādyā brahmarākṣasāḥ || 20.51 ||
solche, die Opfergaben wünschen, töten oder essen wollen, solche, die Liebesgenuss wünschen, die Unbezwingbaren, Skanda und die weiteren Mächte, Brahmarakshasas:
20.52
asaṃkhyātāstato ghorā na taistu saha kutracit |
virodhaścaiva kartavya ātmajñaiḥ svārthapaṇḍitaiḥ || 20.52 ||
Zahllos und furchtbar sind sie. Wer sich selbst kennt und das eigene Wohl versteht, soll nirgends Feindschaft mit ihnen eingehen.
20.53
dhanārthibhirvā lubdhaiśca na kāryaśca yaśo'rthibhiḥ |
svakuṭumbasutādīnāṃ kāruṇyāccaiva kārayet || 20.53 ||
Weder aus Geldstreben und Gier noch aus dem Wunsch nach Ruhm soll man [solche Gegenmaßnahmen] ausführen. Für die eigene Familie, die Kinder und weitere Angehörige aber lasse man sie aus Mitgefühl vollziehen,
20.54
nṛpāṇāṃ tatsutānāṃ ca tatpatnīnāṃ ca sarvadā |
yasmin deśe'thavā rāṣṭre nivasenmantrayogavit || 20.54 ||
auch stets für Könige, deren Söhne und Ehefrauen. Denn in welchem Land oder Reich der Kenner von Mantra und Yoga wohnt,
20.55
tatra rājā prabhuścaiva sadaivāśramiṇāṃ guruḥ |
tatkṛte vartamānasya kṣamante tāstu mātaraḥ || 20.55 ||
ist der König Herr und stets Lehrer der Angehörigen der Lebensstände. Handelt man für ihn, so dulden es die Muttergöttinnen.
20.56
pūrvoktāddāruṇād ghorāḥ praśamaṃ yānti sarvathā |
tāśca balyupahāreṇa bhūriyāgena te nṛpāḥ || 20.56 ||
Die Furchtbaren kommen hinsichtlich der zuvor genannten schrecklichen [Bedrängnis] gänzlich zur Ruhe. Denn jene Könige erfreuen sie mit Opfergaben und reichlicher Verehrung.
20.57
santoṣayanti yasmādvai tasmātsarvaṃ kṣamanti tāḥ |
mantravādo hi sarvatra na kāryaḥ śivacintakaiḥ || 20.57 ||
Weil sie sie zufriedenstellen, dulden jene alles. Die auf Shiva Besonnenen sollen Mantrapraxis dieser Art nicht überall ausüben.
20.58
nānāvidhairupāyaiśca śarīraṃ pāñcabhautikam |
vināśayanti ye ghorāsteṣāṃ praśamanaṃ śṛṇu || 20.58 ||
Höre, wie jene Furchtbaren beruhigt werden, die den aus fünf Elementen bestehenden Körper mit verschiedenartigen Mitteln zerstören.
20.59
sthūlaṃ sthūlena yogena cūrṇadhūpavilepanaiḥ |
yantracakraprayogaiśca jīvarakṣādibhistathā || 20.59 ||
Das Grobe [wird behandelt] durch groben Yoga: Pulver, Räucherwerk, Salben, Anwendungen von Yantras und Rädern sowie Schutz des Jiva und weitere [Verfahren],
20.60
dhāraṇādhyānayogaiśca siddhamantraiśca sarvadā |
mudrāmantravidhijñaiśca gamāgamavicintakaiḥ || 20.60 ||
durch Konzentration, Meditation und verwirklichte Mantras, durch Kenner der Mudra- und Mantraverfahren, die Ein- und Ausgehen aufmerksam betrachten,
20.61
bhūtatantravidhau vīrairauṣadhajñaiḥ sucintakaiḥ |
saṃyatairapramattaiśca sarvasaṅkaravarjitaiḥ || 20.61 ||
durch Mutige im Verfahren der Geister-Tantras, die Heilmittel kennen und gut überlegen, beherrscht und achtsam sind und jede Vermischung vermeiden,
20.62
snātaiśca kṛtapūjaiśca japadhyānaparāyaṇaiḥ |
lakṣyalakṣaṇavedajñairnirapekṣaiḥ supeśalaiḥ || 20.62 ||
gebadet und die Verehrung vollzogen haben, Rezitation und Meditation ergeben sind, Ziel, Merkmale und Wissen kennen, uneigennützig und geschickt sind.
20.63
mantravādastu kartavyo nānyathā kṣemacintakaiḥ |
yadīccheduttamāṃ siddhiṃ mokṣaṃ vā śāśvataṃ dhruvam || 20.63 ||
So ist die Mantrapraxis durch jene auszuführen, die das Wohlergehen bedenken, nicht anders. Wer jedoch höchste Vollendung oder ewige, beständige Befreiung wünscht,
20.64
mantravādo na kartavya ityāha parameśvaraḥ |
anugrahārthaṃ martyānāṃ bhūpatīnāṃ kuṭumbinām || 20.64 ||
soll diese Mantrapraxis nicht ausführen: So spricht der höchste Herr. Um Menschen, Königen und Familienangehörigen Gnade zu erweisen,
20.65
anugrahapadasthena kartavyo hitamicchatā |
kadācinna prabandhena yadi kuryādvinaśyati || 20.65 ||
soll sie jemand ausführen, der in der Stätte der Gnadenerweisung ruht und ihr Wohl wünscht; gelegentlich, nicht fortlaufend. Wer sie ständig betreibt, geht zugrunde.
20.66
na kṣamante balopetāḥ śivayāgeṣu bhāvitāḥ |
nityaśuddhā vītabhayā bhairavājñānupālinaḥ || 20.66 ||
Die Mächtigen, in Shivas Verehrung gegründeten, ewig reinen und furchtlosen Befolger von Bhairavas Befehl dulden dies nicht.
20.67
ājñaptāste mayā pūrvaṃ mudrāmantraprayogataḥ |
ātmārthaṃ te jighāṃsanti tena te balinaḥ smṛtāḥ || 20.67 ||
Früher habe ich ihnen durch die Anwendung von Mudras und Mantras ihren Auftrag erteilt. Zu ihrem eigenen Zweck wollen sie schädigen; darum gelten sie als mächtig.
20.68
purā devātidevena śivena paramātmanā |
sṛṣṭā hyanena vidhinā vicaranti diśo daśa || 20.68 ||
Einst vom Gott über den Göttern, Shiva, dem höchsten Selbst, auf diese Weise geschaffen, durchstreifen sie die zehn Richtungen.
20.69
tadbalena samāviṣṭā jayino balavattarāḥ |
pravṛttāste mahāghorāḥ pūrvaṃ devajighāṃsayā || 20.69 ||
Von seiner Kraft erfüllt, siegreich und übermächtig, traten die höchst Furchtbaren einst mit dem Wunsch hervor, die Götter zu schädigen.
20.70
dṛṣṭāḥ svayambhuvā pūrvaṃ mantrāścāmoghaśaktayaḥ |
saptakoṭyastu balino vaśinaḥ pratipakṣakāḥ || 20.70 ||
Früher wurden durch den Selbstentstandenen Mantras von unfehlbarer Kraft geschaut: siebzig Millionen mächtige, gebietende Gegenkräfte.
20.71
ye duṣṭā jagato ghorā jighāṃsanti balotkaṭāḥ |
teṣāṃ hi śamanārthāya jagato rakṣaṇāya ca || 20.71 ||
Um die schlechten, furchtbaren und durch Kraft gewaltigen [Wesen], die die Welt schädigen wollen, zu besänftigen und die Welt zu schützen,
20.72
mantrauṣadhakriyāyogaḥ śataśo'tha sahasraśaḥ |
ājñaptaḥ parameśena tadarthaṃ hi pravartanam || 20.72 ||
hat der höchste Herr hundert- und tausendfach Anwendungen von Mantras, Heilmitteln und rituellen Handlungen angeordnet. Zu diesem Zweck sollen sie angewandt werden.
20.73
mantravādeṣu sarveṣu nājñābhaṅgena cānyathā |
tatprabhāvācca balino mantrāścāmoghaśaktayaḥ || 20.73 ||
Bei allen Mantraverfahren [gilt dies], nicht anders durch Übertretung des Befehls. Durch seine Macht sind die Mantras stark und von unfehlbarer Kraft.
20.74
tadvīryāpūritāḥ sarve śeṣā varṇāstu kevalāḥ |
mṛtyujittena cākhyātaḥ sarvamantreśvaraḥ prabhuḥ || 20.74 ||
Alle sind von seiner Wirkkraft erfüllt; die übrigen sind bloße Laute. Deshalb wird Mrityujit der mächtige Herr aller Mantras genannt.
20.75
na cāsya kaścinmantro vā vidyā vājñāṃ vilaṅghayet |
smaraṇācca palāyante siṃhasyeva mṛgādayaḥ || 20.75 ||
Kein Mantra und keine Vidya kann seinen Befehl übertreten. Schon bei seiner Vergegenwärtigung fliehen sie wie Wildtiere vor einem Löwen.
Kapitel 21: Das Wesen und die Wirksamkeit der Mantras
21.1
mantrāḥ kimātmakā deva kiṃsvarūpāśca kīdṛśāḥ |
kiṃprabhāvāḥ kathaṃ śaktāḥ kena vā saṃpracoditāḥ || 21.1 ||
Die Göttin sprach: Woraus bestehen die Mantras, Gott? Was ist ihr Wesen, wie sind sie beschaffen? Welche Macht besitzen sie, wie sind sie wirksam, und von wem werden sie angetrieben?
21.2
śivātmakāstu ceddeva vyāpakāḥ śūnyarūpiṇaḥ |
kriyākaraṇahīnatvāt kathaṃ teṣāṃ hi kartṛtā || 21.2 ||
Wenn sie von Shivas Wesen sind, Gott, alldurchdringend und von der Gestalt der Leere, wie können sie handeln, da sie ohne Handlung und Werkzeuge sind?
21.3
amūrtatvāt kathaṃ teṣāṃ kartṛtvaṃ copapadyate |
vigraheṇa vinā kāryaṃ kaḥ karoti vada prabho || 21.3 ||
Wie lässt sich ihre Handlungsmacht begründen, wenn sie gestaltlos sind? Wer vollbringt etwas ohne Körper? Sage es, Herr.
21.4
na dṛṣṭo hyaśarīrasya vyāpāraḥ parameśvara |
śarīriṇo yato bandhaḥ kathaṃ baddhasya kartṛtā || 21.4 ||
Bei einem Körperlosen wurde keine Tätigkeit beobachtet, höchster Herr. Weil aber der Verkörperte gebunden ist, wie kann ein Gebundener Handlungsmacht besitzen?
21.5
śaktihīnasya kartṛtvaṃ viruddhaṃ sarvavastuṣu |
evaṃ śivātmakā mantrāḥ kathaṃ sidhyanti vastutaḥ || 21.5 ||
Handlungsmacht ohne Kraft widerspricht allen Sachverhalten. Wie können also Mantras von Shivas Wesen in Wirklichkeit wirksam werden?
21.6
atha cecchaktirūpāste kasya śaktistu kīdṛśī |
śaktiḥ kiṃ kāraṇaṃ deva kāryaṃ tasyāśca kīdṛśam || 21.6 ||
Wenn sie hingegen aus Kraft bestehen: Wessen Kraft ist das, und wie ist sie beschaffen? Was ist die Ursache dieser Kraft, Gott, und welcher Art ist ihre Wirkung?
21.7
yāvanna śaktimān kaścit kasya śaktirvidhīyate |
svatantrā na prasidhyettu vinā siddhena kenacit || 21.7 ||
Solange kein Kraftträger [feststeht], wessen Kraft wird dann angenommen? Unabhängig kann sie nicht begründet werden, ohne etwas, das bereits feststeht.
21.8
asiddhena tu yatsādhyaṃ tadasiddhaṃ pracakṣate |
vastuśūnyā na caivātra śaktirvai vidyate kvacit || 21.8 ||
Was mittels eines Unbegründeten begründet werden soll, nennt man selbst unbegründet. Eine von einem Träger leere Kraft findet sich nirgends.
21.9
śaktirūpāstu te mantrāḥ kevalāstu viparyayaḥ |
atha cedāṇavā mantrā vigrahākārarūpiṇaḥ || 21.9 ||
Die Mantras als bloße Kraft anzusehen wäre daher verkehrt. Wenn die Mantras hingegen von individueller Seelennatur sind und die Gestalt eines Körpers besitzen,
21.10
ātmasvarūpā vikhyātā malinā balino nahi |
malino malinasyeva prakṣālayati kasya kaḥ || 21.10 ||
als Formen des individuellen Selbst gelten, sind sie unrein und nicht mächtig. Wer reinigt wen, wenn ein Unreiner [einen anderen] Unreinen [reinigen soll]?
21.11
na siddhā hyāṇavā mantrā kevalāḥ parameśvara |
tattvatrayaṃ vināstittvaṃ viruddhaṃ vastusantateḥ || 21.11 ||
Als bloß individuell-seelenhafte Mantras lassen sie sich nicht begründen, höchster Herr. Ein Dasein ohne die drei Prinzipien widerspricht dem Zusammenhang der Wirklichkeit.
21.12
yuktirevātra vaktavyā prāṇināṃ hitakāmyayā |
dṛśyante balino mantrā apradhṛṣyāḥ surāsuraiḥ || 21.12 ||
Hier ist also die schlüssige Erklärung zu geben, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Lebewesen. Man sieht die mächtigen Mantras, denen Götter und Asuras nichts anhaben können,
21.13
sarvānugrāhakatvena sarvadāḥ sarvagāḥ śivāḥ |
saṃkṣepato mahādeva saṃśayaṃ tu vada sva me || 21.13 ||
wie sie allen Gnade erweisen, alles gewähren, überall gegenwärtig und segensreich sind. Erkläre mir in Kürze [die Auflösung] dieses Zweifels, großer Gott.
21.14
tvattaḥ parataro nānyaḥ kaścidasti jagatpate |
brūhi sarvaṃ maheśāna yadi tuṣṭo'si me prabho || 21.14 ||
Es gibt niemanden, der höher ist als du, Herr der Welt. Erkläre alles, großer Herr, wenn du mir gewogen bist, Gebieter.
21.15
aho praśno mahāgūḍho na pṛṣṭo'haṃ tu kenacit |
coditaṃ tu mayā sarvaṃ sarvaśāstreṣu sarvadā || 21.15 ||
Der Herr sprach: Welch tief verborgene Frage! Niemand hat mich danach gefragt. Doch habe ich dies alles stets in sämtlichen Lehrschriften gelehrt.
21.16
na vindanti vimūḍhāstu māyayācchāditāḥ sadā |
tattvatrayaṃ vinā vastu mantro vaktuṃ na yujyate || 21.16 ||
Die völlig Verwirrten erkennen es nicht, stets von Maya verhüllt. Ohne die drei Prinzipien lässt sich ein wirkliches Gebilde nicht als Mantra bezeichnen.
21.17
āstāṃ tāvat jagatsarvaṃ tattvahīnaṃ na sidhyati |
tritattvanirmitaṃ sarvaṃ yatkiṃcidiha dṛśyate || 21.17 ||
Davon zunächst abgesehen: Die gesamte Welt lässt sich ohne die Prinzipien nicht begründen. Alles, was hier gesehen wird, ist aus drei Prinzipien gebildet.
21.18
tattvatrayaṃ vinā devi na padārtho hi vidyate |
tasmāttattvatrayaṃ sarvaṃ paraṃ cāparameva ca || 21.18 ||
Ohne die drei Prinzipien gibt es keinen Gegenstand, Göttin. Darum ist alles, das Höhere und das Niedere, dreiprinzipiell.
21.19
śivātmakāḥ śaktirūpā jñeyā mantrāstathāṇavāḥ |
tattvatrayavibhāgena vartante hyamitaujasaḥ || 21.19 ||
Die Mantras sind als von Shivas Wesen, als Kraftgestalten und als individuelle Seelen zu erkennen. Mit unermesslicher Glut bestehen sie gemäß der Gliederung der drei Prinzipien.
21.20
paraṃ sarvātmakaṃ śuddhamanādyaṃ kāraṇaṃ dhruvam |
aprameyamanirdeśyamanaupamyamanāmayam || 21.20 ||
Das Höchste ist allumfassend, rein, anfangslos, beständige Ursache, unermesslich, nicht bezeichenbar, unvergleichlich und frei von Übel,
21.21
nirābhāsaṃ paraṃ śāntaṃ sarvāvayavavarjitam |
vyāpakaṃ sarvatobhadraṃ sārvajñyādiguṇairyutam || 21.21 ||
ohne begrenzte Erscheinung, höchst friedvoll, frei von allen Teilen, alldurchdringend, allseits segensreich und mit Allwissenheit und weiteren Eigenschaften versehen,
21.22
vijñānaghanasaṃpūrṇaṃ svānandānandananditam |
nirānandaṃ nirvikalpaṃ nirācāraṃ nirakṣaram || 21.22 ||
ganz erfüllt von dichter Erkenntnis, erfreut an der Wonne seiner eigenen Wonne, jenseits [begrenzter] Wonne, ohne unterscheidende Vorstellung, ohne Verhaltensordnung und ohne Laute,
21.23
advaitaṃ kalpanāhīnaṃ cidghanaṃ cinmalāpaham |
cidacidvyāpakaṃ jñeyaṃ nityoditamanuttamam || 21.23 ||
nichtdual, frei von gedanklicher Konstruktion, dichtes Bewusstsein, die Unreinheit des Bewusstseins beseitigend. Als Bewusstes und Unbewusstes durchdringend ist es zu erkennen, stets aufgegangen und unübertrefflich,
21.24
nirvikāraṃ paraṃ nityaṃ nirmalaṃ nirupaplavam |
sarvopamānarahitaṃ sarvabhāvavivarjitam || 21.24 ||
unveränderlich, höchst und ewig, rein und ungestört, ohne jedes Vergleichsbild und frei von allen begrenzten Zuständen,
21.25
sarvarūpakalātītamacalaṃ śāśvataṃ vibhum |
sarvagaṃ sarvabhāvasthaṃ sarvabhūteṣu saṃsthitam || 21.25 ||
jenseits sämtlicher Formen und Kalas, unbewegt, ewig und mächtig, allgegenwärtig, in allen Zuständen und allen Wesen gegenwärtig,
21.26
hṛdisthaṃ sarvabhūtānāṃ prerakaṃ sarvavastuṣu |
na tena rahitaṃ kiṃcid dṛśyate suravandite || 21.26 ||
im Herzen aller Wesen und der Antrieb in allen Dingen. Nichts wird gesehen, das seiner entbehrt, du von Göttern Verehrte.
21.27
tasmātsarvagataṃ viśvaṃ sa ekaḥ parameśvaraḥ |
sarvajño nityatṛptaśca tasya bodho hyanādimān || 21.27 ||
Darum ist der eine höchste Herr allgegenwärtig und das All. Er ist allwissend und ewig erfüllt; seine Erkenntnis ist anfangslos.
21.28
svatantro'luptaśaktiścānantaśaktirmaheśvaraḥ |
tasya cecchā maheśasya na vikalpyā kathañcana || 21.28 ||
Unabhängig ist der große Herr, mit ungeschmälerter und unendlicher Kraft. Sein Wille lässt sich auf keine Weise begrifflich bestimmen.
21.29
ameyatvādanāditvāt kathaṃ kenopalabhyate |
kāryato hyanumānena vastutaḥ paribhāvyate || 21.29 ||
Weil er unermesslich und anfangslos ist: Wie und durch wen könnte er erfasst werden? Aus seiner Wirkung wird er durch Schlussfolgerung als wirklich vergegenwärtigt.
21.30
kāryaṃ tasya parā śaktiryathā sūryasya raśmayaḥ |
vahnerūṣmeva vijñeyā hyavinābhāvinī sthitā || 21.30 ||
Seine Wirkung ist die höchste Kraft, wie die Strahlen der Sonne. Wie die Wärme des Feuers ist sie als untrennbar mit ihm verbunden zu erkennen.
21.31
sarvānandakarī bhadrā śivasyecchānuvartinī |
taddharmadharmiṇī śāntā nityānugrahaśālinī || 21.31 ||
Sie erfreut alle, ist segensreich und folgt Shivas Willen; sie besitzt seine Eigenschaften, ist friedvoll und stets voll Gnadenerweisung.
21.32
vivarta etatsarvaṃ hi tacchakternānyato bhavet |
sānandā tu parā śaktirnirānandaḥ paraḥ śivaḥ || 21.32 ||
All dies ist Entfaltung seiner Kraft und entsteht aus nichts anderem. Die höchste Kraft ist mit Wonne verbunden, der höchste Shiva ist jenseits [dieser] Wonne.
21.33
sārvajñādiguṇā ye ca śivasya paramātmanaḥ |
śāktāste nānyato dṛṣṭā hyanyathānupapattitaḥ || 21.33 ||
Die Allwissenheit und weiteren Eigenschaften Shivas, des höchsten Selbst, gehören der Kraft an; sie werden nirgends anders gesehen, weil es anders nicht begründbar wäre.
21.34
ekaḥ śivastathaikā tu śaktireva hi śāśvatī |
abhinnādvaitasaṃsthānā saivaikā samudāyinī || 21.34 ||
Shiva ist einer, und ebenso ist die ewige Kraft eine. Ungetrennt in Nichtdualität gegründet, ist sie selbst die eine, die sich als Vielheit entfaltet.
21.35
icchārūpā śivasyaiṣā hyabhinnā sarvatomukhī |
kiñciducchūnatāpatteḥ sārvajñādiguṇāstataḥ || 21.35 ||
Sie ist Shivas Willensgestalt, ungetrennt und nach allen Seiten gewandt. Aus einem gewissen Anschwellen entstehen Allwissenheit und die weiteren Eigenschaften.
21.36
jñānarūpā tu saivaikā yadā saṃbodhayatyalam |
bodho hyanādiratyantaḥ paraṃ jñānaṃ tu sā smṛtā || 21.36 ||
Als die eine Erkenntnisgestalt erweckt sie umfassend Erkenntnis. Die Erkenntnis ist anfangslos und unbegrenzt; als höchste Erkenntnis gilt sie.
21.37
jñānaśaktiriti khyātā sārvajñādiguṇāspadam |
yadā svatantrāluptā sā kriyā karaṇarūpiṇī || 21.37 ||
Sie heißt Erkenntniskraft, Grundlage der Allwissenheit und weiterer Eigenschaften. Wenn sie unabhängig und ungeschmälert als Handlung die Gestalt des Wirkens annimmt,
21.38
varṇarūpāṣṭabhedena sphoṭādidhvanirūpiṇī |
mātṛkā sā vinirdiṣṭā kriyāśaktirmaheśvari || 21.38 ||
als Laute in achtfacher Unterscheidung und als Klang, beginnend mit Sphota, wird sie Matrka genannt: die Handlungskraft, große Herrin.
21.39
kriyākhyā paramā sā tu sarvavāṅmayarūpiṇī |
evaṃ kriyeti sā proktā ekānanyasvabhāvajā || 21.39 ||
Die Handlung genannte höchste [Kraft] hat die Gestalt aller Sprache. So heißt sie Handlung, als eine aus dem nichtverschiedenen eigenen Wesen Hervorgegangene.
21.40
svabhāvotthā svabhāvārthā svā svataḥ svoditā śivā |
vyatiriktā na caivaiṣā kartṛtvaṃ śaktirucyate || 21.40 ||
Aus dem eigenen Wesen entstanden, auf dieses gerichtet, eigen, aus sich selbst und von selbst aufgegangen, ist sie Shiva. Sie ist nicht abgesondert; die Handlungsmacht wird Kraft genannt.
21.41
śivasya paripūrṇasya svatantrasya vibhoryataḥ |
kaḥ kartā kṣobhakaḥ ko vā tasmādadvaitatā śive || 21.41 ||
Denn wer könnte für den vollkommenen, unabhängigen und alldurchdringenden Shiva ein anderer Handelnder oder Antreiber sein? Darum besteht in Shiva Nichtdualität.
21.42
yattasya sarvaśaktitvaṃ sā śaktirupacaryate |
tayā tu kurute sṛṣṭiṃ sthitiṃ saṃhṛtimeva ca || 21.42 ||
Dass er jede Kraft besitzt, wird in übertragener Rede seine Kraft genannt. Durch sie vollzieht er Schöpfung, Erhaltung und Auflösung.
21.43
karoti bhagavān sarvaṃ tirobhāvamanugraham |
kriyāśaktyā tu sṛjati jñānaśaktyā jagatsthitim || 21.43 ||
Der Erhabene tut alles, auch Verhüllung und Gnadenerweisung. Durch Handlungskraft erschafft er, durch Erkenntniskraft [bewirkt er] die Erhaltung der Welt,
21.44
saṃhāraṃ rudraśaktyā tu tirobhāvaṃ tu vāmayā |
anugrahaṃ jyeṣṭhayā tu kurute nātra saṃśayaḥ || 21.44 ||
durch Rudra-Kraft die Auflösung, durch Vama die Verhüllung und durch Jyeshtha die Gnadenerweisung; daran besteht kein Zweifel.
21.45
kṛtyaṃ pañcavidhaṃ śambhorjagato dṛśyate yataḥ |
kriyamāṇaṃ vikalpyaṃ tat sarvajñasya viceṣṭitam || 21.45 ||
Weil in der Welt das fünffache Wirken Shambhus gesehen wird, ist das Geschehende als Tätigkeit des Allwissenden zu bestimmen.
21.46
yatastataḥ śaktireṣā śivasyaivānumīyate |
ātmāṇavo hyanantāśca malenaiva nirodhitāḥ || 21.46 ||
Daraus wird diese Kraft eben Shivas erschlossen. Unendlich viele Einzelseelen sind von Unreinheit eingeschränkt.
21.47
te'nugṛhītāḥ parayā parameśasya cecchayā |
śivaḥ śaktistathātmā ca tritattvaṃ cetyanuttamam || 21.47 ||
Ihnen wird durch die höchste Kraft und den Willen des höchsten Herrn Gnade erwiesen. Shiva, Shakti und Selbst: Dies sind die unübertrefflichen drei Prinzipien.
21.48
trisvarūpastathā devo rudro viṣṇuḥ pitāmahaḥ |
karoti ṣaḍvidhāṃ sṛṣṭiṃ caturbhedavibheditām || 21.48 ||
Der Gott in seinen drei Gestalten Rudra, Vishnu und Pitamaha bewirkt die sechsfache Schöpfung, die durch vier Geburtsarten unterschieden ist:
21.49
pretanārakatiryañcasadevamunimānuṣam |
jarāyujāṇḍajaṃ devi tathā saṃsvedajodbhijam || 21.49 ||
Verstorbene, Höllenwesen, Tiere, Götter, Weise und Menschen; [die Geburtsarten sind,] Göttin, Geburt aus dem Mutterleib, aus dem Ei, aus Feuchtigkeit und durch Hervorsprossen.
21.50
śaktyā tu bhagavān sarvaṃ karoti hi vibhutvataḥ |
nimittakāraṇaṃ devo yathā sūryo maṇeḥ kriyā || 21.50 ||
Durch seine Kraft vollbringt der Erhabene aufgrund seiner Allmacht alles. Der Gott ist die wirkende Ursache, wie die Sonne [die Ursache] des Wirkens eines Edelsteins ist.
21.51
upādānaṃ tu sā śaktiḥ saṃkṣubdhā samavāyataḥ |
yathārkaraśmisaṃyogāt sūryakānto maṇirmahān || 21.51 ||
Die stoffliche Grundlage aber ist jene Kraft, durch die untrennbare Verbindung in Bewegung gesetzt. Wie der große Sonnenstein durch die Verbindung mit Sonnenstrahlen
21.52
tejaḥ prakirate'tyarthamubhayornaiva kāmitā |
ayaskāntamaṇiṃ dṛṣṭvā lohaḥ prakurute kriyām || 21.52 ||
überaus viel Feuer ausstrahlt, ohne dass bei beiden Begehren vorliegt, und wie Eisen beim Zusammentreffen mit dem Magnetstein in Bewegung gerät,
21.53
ubhayornaiva kāmo'sti nimittaṃ tu tathā śivaḥ |
sūkṣmatvānnopalabhyeta yastayostu pracodakaḥ || 21.53 ||
ohne dass beide Begehren haben, so ist Shiva die wirkende Ursache. Wegen seiner Subtilität wird der Antreiber jener beiden nicht [als Gegenstand] erfasst.
21.54
tādṛksarvasya jagato nānubhūtaṃ tu kāraṇam |
upādānaṃ tu sā śaktiḥ sarvatraiva vibhāvyate || 21.54 ||
Von solcher Art ist die Ursache der ganzen Welt, nicht [gegenständlich] erfahren. Die stoffliche Grundlage dagegen, jene Kraft, wird überall vergegenwärtigt,
21.55
yathā sarvaṃ suniṣpannaṃ kriyāśaktyā pradṛśyate |
kṣobhyakṣobhakabhāvastu pratyakṣo naiva kasyacit || 21.55 ||
so wie alles durch die Handlungskraft vollkommen hervorgebracht erscheint. Doch die Beziehung zwischen Bewegtem und Bewegendem ist niemandem unmittelbar gegenständlich.
21.56
saṃkṣubdhaṃ samavāyāttu kāraṇaṃ tadvidurbudhāḥ |
akāmataḥ sṛjet śarvaḥ śaktyā sarvaṃ carācaram || 21.56 ||
Was durch untrennbare Verbindung bewegt ist, erkennen die Weisen als Ursache. Ohne Begehren erschafft Sharva durch seine Kraft alles Bewegliche und Unbewegliche.
21.57
evamuktena vidhinā mantrāḥ sarve tritattvajāḥ |
śivākhyāḥ śaktirūpāśca tathaivātmasvarūpakāḥ || 21.57 ||
Auf die so erklärte Weise entspringen sämtliche Mantras den drei Prinzipien: Sie heißen Shiva, haben Kraftgestalt und ebenso die Gestalt des Selbst.
21.58
trisvabhāvāḥ samuddiṣṭāḥ sarvatra balaśālinaḥ |
bhavanti sarvadā sarve sarvagāḥ sarvarūpiṇaḥ || 21.58 ||
Mit dreifachem Wesen werden sie beschrieben; alle sind überall stets kraftvoll, alldurchdringend und von sämtlichen Gestalten.
21.59
śivo hyanādimān dhāma śāśvataḥ prathamo'calaḥ |
icchayā ca yadā devi prasaratyavilambitaḥ || 21.59 ||
Shiva ist die anfangslose Stätte, ewig, ursprünglich und unbewegt. Wenn er sich, Göttin, durch seinen Willen unverzüglich entfaltet,
21.60
sā śaktiḥ paramā sūkṣmā unmanā śivarūpiṇī |
astitvamātramātmānaṃ kṣobhyaṃ kṣobhayate yadā || 21.60 ||
ist dies die höchste subtile Kraft Unmana, die Shivas Gestalt besitzt. Wenn sie das Selbst als bloßes Dasein, das zu Bewegende, in Bewegung setzt,
21.61
samanāsau vinirdiṣṭā śaktiḥ sarvādhvavartinī |
kroḍīkaroti yā viśvaṃ saṃhṛtya sṛjate punaḥ || 21.61 ||
wird diese Kraft Samana genannt, die den gesamten Weltenweg durchzieht, das All in sich schließt, es zurücknimmt und erneut erschafft.
21.62
kuṇḍalākhyā mahāśaktistṛtīyāpyupacaryate |
dhvanirūpo yadā sphoṭastvadṛṣṭācchivavigrahāt || 21.62 ||
Als dritte wird die große Kraft namens Kundala bezeichnet. Wenn die klanggestaltige Entfaltung aus Shivas unsichtbarer Gestalt
21.63
prasaratyativegena dhvanināpūrayan jagat |
sa nādo devadeveśaḥ proktaścaiva sadāśivaḥ || 21.63 ||
mit großer Geschwindigkeit hervorströmt und die Welt mit Klang erfüllt, heißt dieser Nada der Gott der Götter, Sadashiva.
21.64
dhvaniradhvagato yatra viśrāmyatyanirodhitaḥ |
nirodhinīti vikhyātā sarvadevanirodhikā || 21.64 ||
Wo der im Weltenweg befindliche Klang ungehindert zur Ruhe kommt, [liegt] die als Nirodhini bekannte [Kraft], die alle Götter einschränkt.
21.65
niruddhasya maheśatvamahimā na pravartate |
asaṃkhyātāstu koṭyo vai mantrāṇāṃ tatra saṃsthitāḥ || 21.65 ||
Beim Eingeschränkten entfaltet sich die Größe des Großherrseins nicht. Zahllose Millionen Mantras befinden sich dort.
21.66
labhante tatpraviṣṭā vai sa binduśceśvaraḥ smṛtaḥ |
yadā śivāmṛtaṃ mūrdhni patati sṛṣṭikāraṇam || 21.66 ||
Die dort Eingetretenen erlangen [diese Größe]. Dies heißt Bindu und Ishvara. Wenn der Shiva-Nektar, die Ursache der Schöpfung, auf den Scheitel fällt,
21.67
āpyāyastu bhavettena so'rdhacandra iti smṛtaḥ |
saṃhāraḥ sarvabhūtānāṃ sṛṣṭikāraṇameva ca || 21.67 ||
entsteht dadurch Erquickung; das wird Halbmond genannt. Die Auflösung aller Wesen und zugleich die Ursache der Schöpfung
21.68
makāro hyatra vai rudro varṇasaṅghaṭṭa uttamaḥ |
yadā sthitiṃ ca labhate svonmukhaṃ sṛṣṭikāraṇam || 21.68 ||
ist hier der Laut ma, Rudra, das höchste Zusammentreffen der Laute. Wenn die auf sich selbst gerichtete Schöpfungsursache Bestand erlangt,
21.69
pratiṣṭhākhya ukārastu viṣṇuḥ sākṣād bhavatyasau |
nivṛttistu yadā sarvaṃ niṣpannaṃ praṇavaṃ vibhuḥ || 21.69 ||
ist der Pratishtha genannte Laut u unmittelbar Vishnu. Nivritti aber [liegt vor], wenn der mächtige Herr den Pranava vollständig hervorgebracht hat.
21.70
akārākhyaṃ paraṃ dhāma brahmā sa kamalāsanaḥ |
mantrasṛṣṭirbhavedeṣā śivasya paramātmanaḥ || 21.70 ||
Die a genannte höchste Stätte ist Brahma, der auf dem Lotus sitzt. Dies ist die Mantraschöpfung Shivas, des höchsten Selbst.
21.71
tato'ṣṭavidhabhedena pañcāśadvarṇarūpiṇī |
jñānaśaktiḥ parā sūkṣmā mātṛkāṃ tāṃ vidurbudhāḥ || 21.71 ||
Darauf hat die höchste subtile Erkenntniskraft in achtfacher Gliederung die Gestalt der fünfzig Laute. Die Weisen kennen sie als Matrka.
21.72
sā yoniḥ sarvamantrāṇāṃ sarvatrāraṇivat sthitā |
juhoti vīryamatulamamṛtaṃ sṛṣṭisaṃyutam || 21.72 ||
Sie ist der Ursprung aller Mantras und überall wie das untere Reibholz gegenwärtig. [Man] opfert die unvergleichliche Wirkkraft, den mit Schöpfung verbundenen Nektar.
21.73
tenāsau devadeveśo hyamṛteśaḥ parāparaḥ |
mṛtyoruttārayedyasmānmṛtyujittena cocyate || 21.73 ||
Daher ist jener Gott der Götter Amritesha, der Höhere und Niedere. Weil er über den Tod hinwegführt, wird er Mrityujit genannt.
21.74
bharaṇāt prakriyāṇḍānāṃ sa bhairava iti smṛtaḥ |
evamādyāḥ smṛtā mantrāḥ sarve hyamitatejasaḥ || 21.74 ||
Weil er die kosmischen Eier der Entfaltungsordnung trägt, gilt er als Bhairava. Diese und weitere Mantras werden alle als von unermesslicher Glut beschrieben.
21.75
adhikāraṃ prakurvanti sarvasya jagataḥ priye |
mocayanti ca saṃsārādyojayanti pare śive || 21.75 ||
Sie üben ihre Befugnis über die gesamte Welt aus, Geliebte, befreien aus dem Samsara und verbinden mit dem höchsten Shiva.
21.76
mananatrāṇadharmitvāt tena mantrā iti smṛtāḥ |
tasmāt sarvagatā mantrāḥ sarvadāste tritattvajāḥ || 21.76 ||
Weil sie das Wesen des Erwägens und Rettens besitzen, heißen sie Mantras. Daher sind die Mantras alldurchdringend, alles gewährend und aus den drei Prinzipien hervorgegangen.
21.77
śivaśaktyātmarūpāstu nityānugrahaśālinaḥ |
śivaśaktiprabhāvāśca śivadāśivahārakāḥ || 21.77 ||
Sie haben die Gestalt von Shiva, Shakti und Selbst, erweisen stets Gnade, besitzen Shivas Kraft, gewähren Heil und beseitigen Unheil.
21.78
jñātamātrā hi phaladā bhogamokṣapradāyinaḥ |
yatteṣāṃ sarvaveditvaṃ sarvaśaktitvameva ca || 21.78 ||
Schon erkannt bringen sie Frucht, gewähren Genuss und Befreiung. Ihr Alleswissen und ihr Besitzen sämtlicher Kräfte
21.79
tacchivatvaṃ samākhyātaṃ śaktitvaṃ sarvakartṛtā |
sarvānugrahakartṛtvaṃ sarvatra phaladāyakam || 21.79 ||
werden ihr Shiva-Sein genannt; ihr Shakti-Sein ist das Alleswirken. Allen Gnade zu erweisen und überall Frucht zu gewähren
21.80
ātmatvaṃ tatsvarūpaṃ tu trividhaṃ sādhanaṃ smṛtam |
mantro dhyānaṃ tathā mudrā sādhanaṃ śāstracoditam || 21.80 ||
ist ihr Selbst-Sein. Ihr Wesen [zeigt sich in] dem dreifach genannten Mittel: Mantra, Meditation und Mudra, dem von den Lehrschriften gelehrten Verfahren.
21.81
dīkṣāmaṇḍalasaṃskāraṃ yajanaṃ japanaṃ tathā |
homakriyā tathā lekhyaṃ dhyānadhāraṇayoḥ kriyā || 21.81 ||
Einweihung, die Weihe des Mandalas, Verehrung und Rezitation, die Handlung des Feueropfers und das Zeichnen, die Ausführung von Meditation und Konzentration,
21.82
mudrābandhastathā yogo yajanaṃ tu kriyaikatā |
evaṃ mantrāḥ samākhyātāḥ sarvatraivādhikāriṇaḥ || 21.82 ||
das Bilden von Mudras, Yoga und Verehrung bilden die Einheit der Handlung. So sind die Mantras erklärt, die überall Befugnis besitzen.
Kapitel 22: Netra, Lautstufen und die höchste Vereinigung
22.1
asaṃkhyātāstu koṭyo vai mantrāṇāmamitaujasām |
uktā devena sarvajñāḥ sarvagāḥ sarvadā śubhāḥ || 22.1 ||
Die Göttin sprach: Zahllose Millionen Mantras von unermesslicher Glut hat der Gott als allwissend, allgegenwärtig und stets segensreich erklärt.
22.2
sarvāḥ sarveśvarāḥ śastāḥ sarvatraivādhikārikāḥ |
tāsāmeva hi sarvāsāṃ kathamabhyadhiko balī || 22.2 ||
Alle sind als Herren über alles gepriesen und überall mit Befugnis versehen. Wie ist dann [dieser eine] mächtiger als sie alle,
22.3
mantrarāṭ parameśānaḥ kathaṃ mṛtyuñjayaḥ paraḥ |
saṃśayo me samutpanno hṛdi deva vada sva me || 22.3 ||
der Mantrakönig, der höchste Herr? Wie ist Mrityunjaya der Höchste? In meinem Herzen ist ein Zweifel entstanden; erkläre es mir, Gott.
22.4
pūrvoktamantrasadbhāvo hṛto devena me katham |
tadadya śrotumicchāmi paraṃ kautuhalaṃ hi me || 22.4 ||
Wie hat der Gott mir [durch diese Vorrangstellung] die zuvor erklärte Wesenheit der Mantras wieder entzogen? Dies möchte ich heute hören; meine Wissbegierde ist groß.
22.5
śrūyatāṃ saṃpravakṣyāmi saṃśayaṃ te hṛdi sthitam |
mantrakoṭyo hyasaṃkhyātā sarvāḥ sarvādhikārikāḥ || 22.5 ||
Der Herr sprach: Höre! Ich werde [die Auflösung] des Zweifels in deinem Herzen erklären. Die zahllosen Millionen Mantras sind alle mit umfassender Befugnis versehen.
22.6
śivaśaktiprabhāvāśca sarvaśaktisamanvitāḥ |
bhogamokṣapradāḥ sarvāḥ svaśaktibalabṛṃhitāḥ || 22.6 ||
Sie besitzen Shivas Kraft, sind mit sämtlichen Kräften ausgestattet und gewähren alle Genuss und Befreiung, durch die Stärke ihrer eigenen Kraft entfaltet.
22.7
kintu devaḥ paraḥ śānto hyaprameyaguṇānvitaḥ |
śivaḥ sarvātmakaḥ śuddho bhāvagrāhyo hyanuttamaḥ || 22.7 ||
Doch der höchste, friedvolle Gott besitzt unermessliche Eigenschaften: Shiva, allumfassend, rein, durch innere Vergegenwärtigung erfassbar und unübertrefflich.
22.8
āśrayaḥ paramasteṣāṃ vyāpakaḥ parameśvaraḥ |
tadicchayā samutpannāstacchaktyā saṃpracoditāḥ || 22.8 ||
Der alldurchdringende höchste Herr ist ihre höchste Grundlage. Durch seinen Willen entstanden und durch seine Kraft angetrieben,
22.9
bhavanti saphalāḥ sarve sarvatraivādhikāriṇaḥ |
yadetatparamaṃ dhāma sarveṣāmālayaḥ śivaḥ || 22.9 ||
werden sie alle fruchtbringend und haben überall Befugnis. Diese höchste Stätte, Shiva, ist die Wohnstatt aller.
22.10
asmādeva samutpannā mantrāścāmoghaśaktayaḥ |
nityo niyāmako hyeṣāṃ netāraṃ nirupaplavaḥ || 22.10 ||
Aus ihm allein sind die Mantras von unfehlbarer Kraft hervorgegangen. Ewig ist er ihr Lenker, ihr ungestörter Führer,
22.11
niṣprapañco nirābhāsastrāyakastāraṇaḥ śivaḥ |
trāṇaṃ karoti sarveṣāṃ tāraṇaṃ trastacetasām || 22.11 ||
frei von gedanklicher Entfaltung, ohne begrenzte Erscheinung, Beschützer und Hinüberführer, Shiva. Er gewährt allen Schutz und führt jene hinüber, deren Geist erschrocken ist.
22.12
nayate mokṣabhāvaṃ tu tārayenmahato bhayāt |
nayanācca tathā trāṇānnetramityabhidhīyate || 22.12 ||
Er führt zum Zustand der Befreiung und lässt die große Furcht überschreiten. Wegen des Führens und des Beschützens wird er Netra genannt.
22.13
jīvanaṃ sarvabhūteṣu netrabhūtaṃ prakīrtitam |
samastamantrajātasya svāmivat parameśvaraḥ || 22.13 ||
Als Leben in allen Wesen wird er als ihr Auge bezeichnet. Über die gesamte Gesamtheit der Mantras steht der höchste Herr wie ein Gebieter.
22.14
praṇavaḥ prāṇināṃ prāṇo jīvanaṃ saṃpratiṣṭhitam |
gṛhṇāti praṇavaḥ sarvaṃ kalābhiḥ kalayecchivam || 22.14 ||
Der Pranava ist als Atem und Leben der Lebewesen gegründet. Der Pranava nimmt alles in sich auf; durch die Kalas vergegenwärtige man Shiva.
22.15
ṣaṭprakāraṃ mahādhvānaṃ ṣaṭkāraṇapadasthitam |
juhoti vidyayā sarvaṃ juṃkāreṇa pracoditam || 22.15 ||
Den sechsfachen großen Weltenweg, der in den Stätten der sechs Ursachen ruht, opfert [man] vollständig durch die Vidya, angetrieben durch den Laut jum.
22.16
svarūpaṃ yat svasaṃvedyaṃ samyaksaṃtṛptilakṣaṇam |
sarvāmṛtapadādhāraṃ savisargaṃ paraṃ śivam || 22.16 ||
Die eigene Gestalt, die nur selbst zu erfahren ist, deren Kennzeichen vollkommene Erfüllung ist, die Grundlage sämtlicher Nektarstätten, [ist] der höchste Shiva mit Visarga.
22.17
pūrṇaṃ nirantaraṃ tena pūrṇāhutyā tu pūrṇayā |
svoccārā yā svabhāvasthā svasvarūpā ca svoditā || 22.17 ||
Durch ihn [ist alles] vollständig und lückenlos erfüllt, durch die vollständige volle Opfergabe. Die eigene Lautentfaltung, die im eigenen Wesen ruht, ihre eigene Gestalt hat und von selbst aufgeht,
22.18
icchājñānakriyārūpā sā caikā śaktiruttamā |
tayā prakurute nityaṃ śaktimān sa śivaḥ smṛtaḥ || 22.18 ||
hat die Form von Wollen, Erkennen und Handeln; sie ist die eine höchste Kraft. Durch sie wirkt stets der Kraftträger, der Shiva genannt wird.
22.19
udgīthākṣarasaṃbaddhaṃ tattvavarṇapadātmakam |
bhuvanāni kalā mantrāḥ kāraṇāni ṣaḍeva tu || 22.19 ||
Mit dem Laut des Udgitha verbunden [sind] Prinzipien, Laute und Wörter, Welten, Kalas und Mantras sowie genau sechs Ursachen:
22.20
brahmā viṣṇuśca rudraścāpīśvaraśca sadāśivaḥ |
śivaśceti svaśaktyā tu ṣaṭtyāgāt saptame layaḥ || 22.20 ||
Brahma, Vishnu, Rudra, Ishvara, Sadashiva und Shiva. Durch die eigene Kraft und das Zurücklassen der sechs erfolgt das Aufgehen im siebten.
22.21
akāraśca ukāraśca makāro bindureva ca |
ardhacandro nirodhī ca nādo nādānta eva ca || 22.21 ||
Der Laut a, der Laut u, der Laut ma, Bindu, Halbmond, Nirodhi, Nada und Nadanta,
22.22
kauṇḍalī vyāpinī śaktiḥ samanāśceti sāmayāḥ |
niṣkalaṃ cātmatattvaṃ ca śaktiścaiva tathonmanā || 22.22 ||
Kaundali, Vyapini-Shakti und Samana: Dies sind die zeitlich begrenzten [Stufen]. Das ungeteilte Selbst-Prinzip und ebenso die Kraft Unmana
22.23
sābhāsaṃ tat nirābhāsaṃ paratattvamanuttamam |
ṣaṭtyāgāt saptamaṃ proktaṃ layamālayamuttamam || 22.23 ||
[sind] mit Erscheinung; [darüber ist] das erscheinungslose, unübertreffliche höchste Prinzip. Durch das Zurücklassen der sechs wird das siebte als höchstes Aufgehen und höchste Wohnstatt bezeichnet.
22.24
tatra sarve pralīnāstu tatsamāstatprasādataḥ |
tacchaktibṛṃhitāḥ śāktāḥ paripūrṇā bhavanti hi || 22.24 ||
Alle gehen dort auf, ihm gleich durch seine Gnade. Durch seine Kraft entfaltet, werden sie kraftbegabt und vollkommen.
22.25
kramaṃ teṣāṃ pravakṣyāmi līyante surasundari |
akāraṃ brahmadaivatyaṃ hṛdayaṃ yāvadadhvani || 22.25 ||
Ich werde ihre Reihenfolge erklären, in der sie aufgehen, Schöne unter den Göttern. Den Laut a mit Brahma als Gottheit, auf dem Weg bis zum Herzen,
22.26
kalāṣṭakena saṃyuktaṃ kalayet sarvajantuṣu |
siddhirṛddhirdyutirlakṣmīrmedhā kāntirdhṛtiḥ svadhā || 22.26 ||
verbunden mit acht Kalas, vergegenwärtige man in allen Lebewesen: Siddhi, Riddhi, Dyuti, Lakshmi, Medha, Kanti, Dhriti und Svadha.
22.27
sadyobrahmakalā etāḥ paścimaṃ vyāpya saṃsthitāḥ |
rajā rakṣā ratiḥ pālyā kāmyā tṛṣṇā matiḥ kriyā || 22.27 ||
Dies sind die Kalas des Sadyo-Brahma, die den Westen durchdringen. [Die nächste Reihe lautet:] Raja, Raksha, Rati, Palya, Kamya, Trishna, Mati, Kriya,
22.28
vṛddhirmāyā ca nāḍī ca bhramaṇī mohanī tathā |
vāmadevakalā hyetā vaiṣṇavāṃśe vyavasthitāḥ || 22.28 ||
Vriddhi, Maya, Nadi, Bhramani und Mohani. Dies sind die Kalas Vamadevas, die im Vishnu-Anteil ruhen.
22.29
kaṇṭhāntayāvattad vyāptamāpo vyāpya sthitāstvimāḥ |
tamo mohā kṣudhā nidrā mṛtyurmāyā bhayā jarā || 22.29 ||
Dieser Bereich ist bis zum Hals durchdrungen; diese [Kalas] bestehen, das Wasser durchdringend. [Die nächste Reihe lautet:] Tamas, Moha, Kshudha, Nidra, Mrityu, Maya, Bhaya und Jara.
22.30
aghorasya kalā hyetā raudrāṃśe tu vyavasthitāḥ |
tālvantayāvattad vyāptaṃ taijasī vyāptiruttamā || 22.30 ||
Dies sind die Kalas Aghoras, die im Rudra-Anteil ruhen. Dieser Bereich ist bis zum Gaumen durchdrungen: die höchste feurige Durchdringung.
22.31
nivṛttiśca pratiṣṭhā ca vidyā śāntistathaiva ca |
puruṣasya kalā hyetā īśvare tu vyavasthitāḥ || 22.31 ||
Nivritti, Pratishtha, Vidya und Shanti: Dies sind die Kalas Purushas, die in Ishvara ruhen.
22.32
vāyyāvaraṇamāśritya bindvantaṃ yāvadujjvalāḥ |
śāntyavasthā tu turyākhyā nādante saṃpracakṣmahe || 22.32 ||
Auf die Umhüllung des Windes gestützt, leuchten sie bis zum Bindu. Den Zustand der Shanti, der „der vierte“ heißt, beschreiben wir am Ende des Nada.
22.33
vyāptiḥ sādāśivī sā tu vyomākhyā śūnyarūpiṇī |
tārā sutārā taraṇī tārayantī sutāriṇī || 22.33 ||
Dies ist die Sadashiva-Durchdringung, Raum genannt und von der Gestalt der Leere. [Ihre Kalas sind:] Tara, Sutara, Tarani, Tarayanti und Sutarini.
22.34
dvādaśāntapadārūḍhāsturyāntāstu kalāḥ smṛtāḥ |
īśānasya kalā hyetāḥ pañca vai kāraṇātmikāḥ || 22.34 ||
Die Kalas, die bis zur Stätte des Dvadashanta aufgestiegen sind, gelten als am Ende des vierten Zustands befindlich. Dies sind die fünf Kalas Ishanas, die das Wesen der Ursache besitzen.
22.35
sthūlastvevaṃ samākhyāto hyadhvā vai brahmabhūtajaḥ |
sūkṣmaṃ caivamato vakṣye hyadhvānaṃ tu yathāsthitam || 22.35 ||
So ist der grobe Weltenweg erklärt, der aus Brahma und den Elementen hervorgeht. Nun werde ich den subtilen Weltenweg seinem Bestand gemäß beschreiben.
22.36
yaścārdhacandraḥ kathitaḥ plāvako bindumūrdhani |
tacchaktyamṛtamuddiṣṭaṃ kalāyuktaṃ maheśvari || 22.36 ||
Der Halbmond, der als überflutend auf dem Haupt des Bindu beschrieben wurde, ist der mit Kalas verbundene Nektar seiner Kraft, große Herrin.
22.37
jyotsnā jyotsnāvatī caiva suprabhā vimalā śivā |
ardhacandrakalā hyetāḥ sarvajñapadasaṃsthitāḥ || 22.37 ||
Jyotsna, Jyotsnavati, Suprabha, Vimala und Shiva: Dies sind die Kalas des Halbmonds, in der Stätte der Allwissenheit ruhend,
22.38
vidyāvaraṇasaṃbaddhā mantrakoṭivibhūṣitāḥ |
kriyāśaktisvarūpāstu saṃsthitā vimalāḥ śubhāḥ || 22.38 ||
mit der Umhüllung der Vidyas verbunden, von Millionen Mantras geschmückt, in der Gestalt der Handlungskraft bestehend, rein und segensreich.
22.39
rundhanī rodhanī raudrī jñānabodhā tamopahā |
nirodhikā kalā hyetā sarvadevanirodhikāḥ || 22.39 ||
Rundhani, Rodhani, Raudri, Jnanabodha und Tamopaha: Dies sind die Kalas Nirodhikas, die alle Götter einschränken,
22.40
nityatṛptā mahābhāgā vāmāśaktisvarūpikāḥ |
indhikā dīpikā caiva rocikā mocikā tathā || 22.40 ||
ewig erfüllt, hochbeglückt und von der Gestalt der Vama-Kraft. [Es folgen:] Indhika, Dipika, Rocika und Mocika
22.41
ūrdhvagāminya ityetāḥ kalā nādasamudbhavāḥ |
etāḥ svatantratāyuktāḥ sakale niṣkale sthitāḥ || 22.41 ||
sowie Urdhvagamini; dies sind die aus Nada hervorgegangenen Kalas. Mit Unabhängigkeit versehen, ruhen sie im Geteilten und Ungeteilten.
22.42
jñānaśaktisvarūpāstu jñātāḥ sārvajñyadāyikāḥ |
sūkṣmā caiva susūkṣmā ca hyamṛtāmṛtasaṃbhavā || 22.42 ||
Als Gestalten der Erkenntniskraft erkannt, gewähren sie Allwissenheit. [Es folgen:] Sukshma, Susukshma, Amrita und Amritasambhava
22.43
vyāpinī caiva vikhyātā śaktitattvasamāśritāḥ |
aluptaśaktisaṃbandhāccicchaktisamadhiṣṭhitāḥ || 22.43 ||
sowie die als Vyapini bekannte [Kala]. Auf das Shakti-Prinzip gestützt und mit ungeschmälerter Kraft verbunden, werden sie von der Bewusstseinskraft getragen.
22.44
śaktitattve sthitā hyetāścinmātrā api lakṣitāḥ |
vyāpinī vyomarūpā ca hyanantā'nāthasaṃjñitā || 22.44 ||
Diese ruhen im Shakti-Prinzip und werden als bloßes Bewusstsein gekennzeichnet. [Es folgen:] Vyapini, Vyomarupa, Ananta und die Anatha genannte
22.45
anāśritā maheśāni vyāpinyāstu kalāḥ smṛtāḥ |
sarvajñā sarvagā durgā savanā spṛhaṇā dhṛtiḥ || 22.45 ||
sowie Anashrita, große Herrin: Dies sind die Kalas der Vyapini. [Es folgen:] Sarvajna, Sarvaga, Durga, Savana, Sprihana, Dhriti
22.46
samanā ceti vikhyātā etāḥ śivakalāḥ smṛtāḥ |
icchāśaktimadhiṣṭhāya icchāsiddhipradāyikāḥ || 22.46 ||
und die als Samana bekannte. Diese gelten als Shivas Kalas. Auf die Willenskraft gestützt, gewähren sie die Vollendung des Willens,
22.47
śivatattvaṃ samāśritya susaṃpūrṇārṇavaprabhāḥ |
anantaśaktisaṃsthānāḥ sūkṣmāścātyantanirmalāḥ || 22.47 ||
im Shiva-Prinzip ruhend, leuchtend wie ein völlig erfülltes Meer, in unendlicher Kraft gegründet, subtil und äußerst rein.
22.48
samanāntaṃ varārohe pāśajālamanantakam |
ṣaṭkāraṇapadākrāntaṃ sthūlasūkṣmaprabhedataḥ || 22.48 ||
Bis zur Samana, Schöngewachsene, reicht das endlose Netz der Fesseln, von den Stätten der sechs Ursachen umfasst, nach grober und subtiler Ebene unterschieden.
22.49
śaktyādisamanāntaṃ hi sūkṣmavijñānagocaram |
tadūrdhve tu paraṃ śāntamaprameyamanāmayam || 22.49 ||
Von Shakti bis Samana reicht der Bereich subtiler Erkenntnis. Darüber aber ist das Höchste, Friedvolle, Unermessliche und von Übel Freie.
22.50
tattvatrayaṃ paraṃ devi jñātvā mocayate guruḥ |
tatrāsau nirmalo hyātmā svaśaktyādhārasaṃsthitaḥ || 22.50 ||
Wenn der Lehrer die höchsten drei Prinzipien erkennt, Göttin, befreit er. Dort ist das Selbst rein, in der Grundlage seiner eigenen Kraft gegründet,
22.51
jñānakriyāsamāviṣṭaścinmātro niranuplavaḥ |
sarvabhāvapadātītaḥ sarvendriyavivarjitaḥ || 22.51 ||
von Erkenntnis und Handlung erfüllt, bloßes Bewusstsein und ungestört, jenseits aller Zustände und Stätten, ohne sämtliche Sinnesorgane,
22.52
nirmalaḥ sphaṭikākāraḥ svātmanyātmā vyavasthitaḥ |
tatrasthasya ca sā śaktistasyānugrahakāriṇī || 22.52 ||
rein, kristallgleich; das Selbst ruht im eigenen Selbst. Solange für das dort befindliche [Selbst] jene Kraft nicht zur Gnadenerweisenden
22.53
yāvanna bhavate devi tāvadātmā śivo na hi |
īṣatprasāritaḥ śuddhaḥ kamalaṃ vārkaraśmibhiḥ || 22.53 ||
wird, Göttin, ist das Selbst noch nicht Shiva. Rein und nur wenig entfaltet [ist es] wie ein Lotus durch Sonnenstrahlen,
22.54
yāvannodbhāsitaṃ sarvaṃ tāvadīṣatpravistaram |
yathārkaraśmisaṃyogāt kamalaṃ prasaret kṣaṇāt || 22.54 ||
solange er nicht vollständig erhellt ist: So lange ist er nur wenig geöffnet. Wie ein Lotus durch die Berührung der Sonnenstrahlen in einem Augenblick aufblüht,
22.55
śivaśaktyā tathātmā vai gṛhītaḥ sarvataḥ śivaḥ |
sārvajñyādiguṇairyukto bhavatyeva śivo yathā || 22.55 ||
so wird das Selbst, von Shivas Kraft allseits ergriffen, Shiva: mit Allwissenheit und weiteren Eigenschaften versehen, eben wie Shiva,
22.56
nirābhāsaḥ paraṃ śānto hyapratarkyo hyanuttamaḥ |
yāvanna pūrṇatāṃ prāptastāvat sābhāsa ucyate || 22.56 ||
ohne begrenzte Erscheinung, höchst friedvoll, dem Schlussfolgern entzogen und unübertrefflich. Solange es nicht Vollkommenheit erreicht hat, heißt es mit Erscheinung versehen.
22.57
yadā tu sarvabhāvena śaktyātmā saṃprasāritaḥ |
tataḥ prasararūpiṇyā gṛhītastu parastadā || 22.57 ||
Wenn aber das Selbst durch die Kraft in jeder Hinsicht entfaltet wird, dann wird es von der sich entfaltenden [Kraft] ergriffen und ist das Höchste.
22.58
śivo bhavati deveśi hyavibhāgena sarvaśaḥ |
evaṃ jñātvā tu mantrāṇāṃ mantratvaṃ kurute sadā || 22.58 ||
Es wird Shiva, Herrin der Götter, gänzlich ohne Teilung. In dieser Erkenntnis verwirklicht [man] stets das Mantra-Sein der Mantras.
22.59
śaktisthāḥ śaktidāḥ sarve bhogamokṣaphalapradāḥ |
na vindati yadā mantrī sṛṣṭisaṃhāravartmanī || 22.59 ||
In Shakti gegründet, gewähren sie alle Kraft und die Früchte von Genuss und Befreiung. Wenn aber der Mantrapraktiker die Wege von Schöpfung und Auflösung nicht kennt,
22.60
udayāstamarūpeṇa mantrā alpaphalapradāḥ |
bhogaṃ mokṣaṃ na yacchanti japtā dhyātāstu pūjitāḥ || 22.60 ||
in der Gestalt von Aufgang und Untergang, gewähren die Mantras nur geringe Frucht. Selbst rezitiert, meditiert und verehrt gewähren sie weder [vollen] Genuss noch Befreiung.
22.61
īṣatphalaṃ prayacchanti śivājñāsaṃpracoditāḥ |
yadā tu vetti vai mantrī hyutpattisthitisaṃhṛtīḥ || 22.61 ||
Angetrieben von Shivas Befehl gewähren sie ein wenig Frucht. Wenn der Mantrapraktiker jedoch Entstehung, Bestand und Auflösung
22.62
udayāstamarūpeṇa mantrāṇāmamitaujasām |
tadā kiṅkaratāṃ yānti madājñānuvidhāyinaḥ || 22.62 ||
der Mantras von unermesslicher Glut in der Gestalt von Aufgang und Untergang kennt, werden sie zu seinen Dienern, meinem Befehl folgend.
22.63
saṃmukhāśca bhavantyete sādhakasya bhavāntare |
evaṃ śivājñayāviṣṭāḥ śivībhūtāḥ śivapradāḥ || 22.63 ||
Sie wenden sich dem Praktizierenden auch in einer anderen Geburt zu. So sind sie von Shivas Befehl erfüllt, Shiva geworden und Shiva gewährend,
22.64
bhavanti vigatāyāsā nirlepā niranuplavāḥ |
mantrasyāsya prabhāveṇa śivasya paramātmanaḥ || 22.64 ||
ohne Mühsal, unbefleckt und ungestört, durch die Macht dieses Mantras, Shivas, des höchsten Selbst,
22.65
amṛteśasya devasya mṛtyujidbhairavasya tu |
parāparavibhedaṃ tu yo vindetāsya sarvadā || 22.65 ||
des Gottes Amritesha, des todbezwingenden Bhairava. Wer stets seine Unterscheidung in Höheres und Niederes erkennt,
22.66
so'cirādamṛteśatvamāpnuyānnātra saṃśayaḥ |
prapannā ye'sya mantrasya kṛtakṛtyā bhavanti te || 22.66 ||
erlangt bald den Zustand Amriteshas; daran besteht kein Zweifel. Diejenigen, die bei diesem Mantra Zuflucht genommen haben, haben vollbracht, was zu vollbringen war.
22.67
yena yena hi bhāvena yadyatphalajigīṣayā |
yadyadāśrayate bhaktyā tattatphalamavāpnuyāt || 22.67 ||
Mit welcher inneren Ausrichtung und mit dem Wunsch nach welcher Frucht man auch immer voll Hingabe Zuflucht nimmt, eben diese Frucht erlangt man.
22.68
satyametat samākhyātaṃ mayā tubhyaṃ na cānyathā |
yadahaṃ codito devi sarvānugrahakāraṇāt || 22.68 ||
Wahrheitsgemäß habe ich dir dies erklärt, nicht anders. Weil du mich, Göttin, um der Gnadenerweisung für alle willen
22.69
gūḍhapraśnena tatsarvaṃ mayā te prakaṭīkṛtam |
iti saṃkṣepataḥ proktaṃ vidhānaṃ bhuvi durlabham || 22.69 ||
mit einer tief verborgenen Frage angesprochen hast, habe ich dir all dies offenbart. So ist das auf Erden schwer zugängliche Verfahren in Kürze erklärt.
22.70
na cedaṃ pāpaśīlānāṃ krodhināṃ kāmināṃ tathā |
gurunindāparāṇāṃ ca devamantrādidūṣiṇām || 22.70 ||
Dieses [Wissen ist] nicht für Menschen von schlechter Lebensführung, für Zornige, Begehrliche, solche, die den Lehrer verleumden, oder Gottheiten, Mantras und anderes herabsetzen,
22.71
nāstikānāṃ śaṭhānāṃ ca kriyādharmabahiṣkṛtām |
deyametat svaśiṣyāṇāṃ svaputrāṇāṃ na cānyathā || 22.71 ||
nicht für Leugner des Heiligen, Hinterlistige oder solche, die außerhalb der rituellen Ordnung stehen. Es ist den eigenen Schülern und Söhnen zu geben, nicht anders,
22.72
svadīkṣitānāṃ bhaktānāṃ gurudevāgnipūjinām |
vinā samayadīkṣāṃ ca na dadyāt svapriye'pi ca || 22.72 ||
den selbst Eingeweihten, Hingebungsvollen, die Lehrer, Gottheit und Feuer verehren. Ohne Samaya-Einweihung gebe man es auch einem eigenen geliebten Menschen nicht.
22.73
sarvathā naiva dātavyamityājñā pārameśvarī |
ājñābhaṅgena deveśi dehapāto bhavedyataḥ || 22.73 ||
Auf keinen Fall soll es [unter diesen Umständen] gegeben werden: Dies ist die Weisung des höchsten Herrn. Denn durch Übertretung des Befehls, Herrin der Götter, kann der Körper fallen.
22.74
dadāti yadi mohena snehena dhanalipsayā |
gamyate narakaṃ ghoramityājñā pārameśvarī || 22.74 ||
Wer es aus Verblendung, Zuneigung oder Geldgier weitergibt, gelangt in eine furchtbare Hölle. Dies ist die Weisung des höchsten Herrn.
22.75
etasyāḥ parameśāni pālanāt siddhimāpnuyāt |
pālanācca bhaveddevi mṛtyujit parameśvaraḥ || 22.75 ||
Durch die Befolgung dieser [Weisung], höchste Herrin, erlangt man Vollendung. Durch ihre Befolgung wird man, Göttin, Mrityujit, der höchste Herr.
Netra Tantra: Vollständiger Sanskrittext in Devanagari
Die Rücktransliteration umfasst die erfassten Kapitel, einschließlich der dokumentierten redaktionellen Berichtigungen. Sie enthält alle 22 Kapitel des ausgewählten Grundtexts; offene Lesungen sind im Prüfapparat vermerkt.
Kapitel 1
1.1
त्रिधा तिसृष्ववस्थासु रूपमास्थाय शक्तिमान् ।
उद्भवस्थितिसंहारान् कृत्स्नविश्वस्य शक्तितः ॥ 1.1 ॥
1.2
विधाता यो नमस्तस्मै शुद्धामृतमयात्मने ।
शिवाय ब्रह्मविष्ण्वीशपराय परमात्मने ॥ 1.2 ॥
1.3
कैलासशिखरासीनं देवदेवं महेश्वरम् ।
क्रीडमानं गणैः सार्धं पार्वत्या सहितं हरम् ॥ 1.3 ॥
1.4
दृष्ट्वा प्रमुदितं देवं प्राणिनां हितकाम्यया ।
उत्सङ्गादवतीर्याशु पादौ जग्राह पार्वती ॥ 1.4 ॥
1.5
पप्रच्छ परया भक्त्या संतोष्य परमेश्वरम् ।
भगवन् देवदेवेश लोकनाथ जगत्पते ॥ 1.5 ॥
1.6
यत् त्वया महदाश्चर्यं कृतं विस्मयकारकम् ।
सर्वस्य जगतो देव किन्तु मे परमेश्वर ॥ 1.6 ॥
1.7
दुर्विज्ञेयं दुरासादं रहस्यं न प्रकाशितम् ।
कार्तिकेयस्य च न मे न सुरेषु गणेषु वा ॥ 1.7 ॥
1.8
योगेश्वरीणां मातॄणामृषीणां योगिनां नहि ।
तदद्य मे जगन्नाथ प्रसन्नोऽसि यदि प्रभो ॥ 1.8 ॥
1.9
प्रार्थयामि प्रपन्नाहं निःशेषं वक्तुमर्हसि ।
एवं देव्या वचः श्रुत्वा प्रहासवदनोऽब्रवीत् ॥ 1.9 ॥
1.10
किं किं वदस्व सुश्रोणि रहस्यं ते हृदि स्थितम् ।
सर्वं वक्ष्याम्यसंदेहं तोषितोऽहं त्वयानघे ॥ 1.10 ॥
1.11
भगवन् देवदेवेश चित्राश्चर्यप्रवर्तक ।
आश्चर्यमीदृशं रम्यं न श्रुतं तच्छृणोम्यहम् ॥ 1.11 ॥
1.12
विभो प्रसन्नवदन परमानन्दकारक ।
अमात्सर्येण भगवन् कथनीयं त्वया मम ॥ 1.12 ॥
1.13
यत्तदापोऽमयं देव चक्षुः सर्वत्र दृश्यते ।
तस्मादग्निः कथं रौद्र उत्पन्नः कालदाहकः ॥ 1.13 ॥
1.14
येन वै दृष्टमात्रस्तु मित्रजो भस्मसात्कृतः ।
किं तद्रौद्रं कृतं देव वह्निकालदिधक्षया ॥ 1.14 ॥
1.15
प्रज्वालितं जगत्सर्वं ब्रह्मादिस्थावरान्तकम् ।
कामस्तथैव निर्दग्धो लीलया परमेश्वर ॥ 1.15 ॥
1.16
क्रोधनेत्रानलं नाथ दृश्यते यन्न कस्यचित् ।
कृतं यद् देवदेवेन महाविस्मयकारकम् ॥ 1.16 ॥
1.17
देव नेत्रान्तरे वह्निस्त्वदृते कस्य दृश्यते ।
किं वा वह्निमयं चक्षुस्तत्कथं न विभाव्यते ॥ 1.17 ॥
1.18
येन वै चक्षुषा कृत्स्नं प्रसरंश्च जगत्पते ।
सर्वामृतमयेनैव जगदाप्यायसे क्षणात् ॥ 1.18 ॥
1.19
मामानन्दयसे देव प्रसन्नेनैव चक्षुषा ।
अमृताकारवच्छुभ्रं जगदाप्यायकारकम् ॥ 1.19 ॥
1.20
तस्मात्कालानलप्रख्यः कुतो वह्निः प्रजायते ।
एतत्सर्वं समासेन भगवन् वक्तुमर्हसि ॥ 1.20 ॥
1.21
अतिकौतूहलाविष्टा पृच्छस्येतच्छृणु प्रिये ।
यन्मे नेत्रान्तरे वह्निर्यद्वामृतमनुत्तमम् ॥ 1.21 ॥
1.22
तत्सर्वं कथयिष्यामि योगयुक्त्या शृणु प्रिये ।
यत्स्वरूपं निजं शुद्धं व्यापकं सर्वतोमुखम् ॥ 1.22 ॥
1.23
सर्वभूतान्तरावस्थं सर्वप्राणिषु जीवनम् ।
योगगम्यं दुरासादं दुष्प्रापमकृतात्मभिः ॥ 1.23 ॥
1.24
स्वं स्ववीर्यं स्वसंवेद्यं ममैव परमं पदम् ।
तद्वीर्यं सर्ववीर्याणां तद्वै बलवतां बलम् ॥ 1.24 ॥
1.25
तदोजश्चौजसां सर्वं शाश्वतं ह्यचलं ध्रुवम् ।
सा ममेच्छा परा शक्तिः शक्तियुक्ता स्वभावजा ॥ 1.25 ॥
1.26
वह्नेरूष्मेव विज्ञेया रश्मिरूपा रवेरिव ।
सर्वस्य जगतो वापि स्वा शक्तिः कारणात्मिका ॥ 1.26 ॥
1.27
सर्वज्ञादिगुणास्तत्र व्यक्ताव्यक्ताश्च संस्थिताः ।
सैवेच्छा ज्ञानरूपा च क्रियादिगुणविस्तृता ॥ 1.27 ॥
1.28
ज्ञानादिषड्गुणा ये ते तत्रस्थाः प्रभवन्ति हि ।
सा वै महाक्रियारूपा संस्थितैका क्रिया मता ॥ 1.28 ॥
1.29
अणिमादिगुणानष्टौ करोति विकरोति सा ।
एवं ममेच्छा ज्ञानाख्या क्रियाख्या शक्तिरुच्यते ॥ 1.29 ॥
1.30
सूर्याचन्द्रमसौ वह्निस्त्रिधामपरिकल्पना ।
त्रिनेत्रकल्पना मह्यं तदर्थमिह दृश्यते ॥ 1.30 ॥
1.31
दहनाप्यायने तेन प्राकाश्यं विदधाम्यहम् ।
सृष्टिं स्थितिं संहृतिं च त्रितनुर्विदधाम्यहम् ॥ 1.31 ॥
1.32
तद्वीर्यापूरितं सर्वं मम तेजोपबृंहितम् ।
इच्छाज्ञानक्रियारूपं नेत्रामृतमनुत्तमम् ॥ 1.32 ॥
1.33
तद्वीर्यं परमं धाम यत्परामृतरूपि च ।
यत्तत्तत् परमानन्दं यदेतत् परमं पदम् ॥ 1.33 ॥
1.34
तदेतन्निष्कलं ज्ञानं विशुद्धं नेत्रमुत्तमम् ।
मृत्युजित्तेन चाख्यातं सर्वेषां मोक्षदायकम् ॥ 1.34 ॥
1.35
तत्सिद्धिदं परं देवं सर्वदुःखविमोक्षदम् ।
सर्वव्याधिहरं देवं सर्वामयहरं शिवम् ॥ 1.35 ॥
1.36
दारिद्र्यशमनं नित्यं मृत्युजित् सर्वतोमुखम् ।
अमोघममलं शान्तं सर्वदं सर्वमोचनम् ॥ 1.36 ॥
1.37
सूर्यकोटिसहस्राणां वह्न्ययुतसहस्रशः ।
यत्तेजसा समं तस्य कलां नार्हति षोडशीम् ॥ 1.37 ॥
1.38
सर्वतेजोमयं यस्मात् त्वप्रधृष्यं सुरासुरैः ।
तेन नेत्राग्निना सर्वं निर्दहामि क्षणाद् ध्रुवम् ॥ 1.38 ॥
1.39
तेनैवाप्यायनं भूयः प्राकाश्यं विदधामि च ।
तस्मात् परतरं नान्यत् किंचिद्वीर्यं प्रदृश्यते ॥ 1.39 ॥
1.40
तदेवास्त्रमयं रौद्रमणुसन्तारणं परम् ।
क्षयदं सर्वशत्रूणां शस्त्रं ह्येतत् प्रकीर्तितम् ॥ 1.40 ॥
1.41
सर्वेषामेव भूतानामायुर्धत्ते तदायुधम् ।
तदेकं बहुधा वीर्यं भेदानन्त्यविसर्पितम् ॥ 1.41 ॥
1.42
महापाशुपतं मह्यं विष्णोस्तच्च सुदर्शनम् ।
ब्रह्मणो ब्रह्मदण्डस्तु सर्वेषां स्वं स्वमायुधम् ॥ 1.42 ॥
1.43
अनेकाकाररूपेण आयुधं तदनेकधा ।
सुराणां स्वं स्वरूपेण मया वीर्यं समर्पितम् ॥ 1.43 ॥
1.44
योगशक्त्या तु योगेशे तेन व्याप्तमिदं जगत् ।
भीतानां सा परा रक्षा त्रस्तानामभयं परम् ॥ 1.44 ॥
1.45
शत्रुभिश्चार्दितानां तु मोक्षदं परमं ध्रुवम् ।
किं वातिविस्तरोक्तेन पौनःपुन्येन सुन्दरि ॥ 1.45 ॥
1.46
यद्यत्तीव्रतरं रौद्रं श्रीमदूर्जितमेव वा ।
प्रसादं वरदं श्रेयः प्राकाश्यं तत्तदेव हि ॥ 1.46 ॥
1.47
तज्ज्ञेयमप्रमेयं च ज्ञानं मन्त्रमहाबलम् ।
त्रातारं सर्वभूतानां गुप्तं गोप्यं सदा त्वया ॥ 1.47 ॥
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तवाद्य कथितं देवि किं भूयः परिपृच्छसि ।
Kapitel 2
2.1
यद्येवं परमं शान्तमप्रमेयगुणालयम् ।
सर्वानुग्राहकं वीर्यं तव देव मुखाच्छ्रुतम् ॥ 2.1 ॥
2.2
भगवन् देवदेवेश लोकानुग्रहकारक ।
त्रियोनिजमिदं सर्वं तिर्यङ्मानुषदेवगम् ॥ 2.2 ॥
2.3
आधिव्याधिभयोद्विग्नं विषभूतभयार्दितम् ।
अपमृत्युशताकीर्णं ज्वरकासक्षयान्वितम् ॥ 2.3 ॥
2.4
भूर्भुवर्मानुषे लोके विप्रादिप्राणिनस्तथा ।
दुःखदोषशताकीर्णाः कुतस्तेषां सुखं विभो ॥ 2.4 ॥
2.5
युगानुरूपमानेन तेषामायुः स्वमानतः ।
जिघांसन्ति बलोपेतास्त्वत्तेजोबलबृंहिताः ॥ 2.5 ॥
2.6
अनेकशतशो भेदैर्व्याधिभिश्च सुपीडिताः ।
तेषामनुग्रहार्थाय कृपया प्राणिनां हितम् ॥ 2.6 ॥
2.7
वदोपायं जगन्नाथ मुच्यन्ते येन सर्वतः ।
येन येन प्रकारेण ज्ञानयोगेन मन्त्रतः ॥ 2.7 ॥
2.8
यद्यत् पश्यसि देवेश तदुपायं वद स्व मे ।
एवं देव्या वचः श्रुत्वा प्रहस्योवाच शङ्करः ॥ 2.8 ॥
2.9
अतिकारुण्यमाविष्टा देवि त्वं पृच्छसीह माम् ।
न केनचिदहं पृष्टो नाख्यातं कस्यचिन्मया ॥ 2.9 ॥
2.10
सत्सु मन्त्रेषु सर्वेषु नेत्रभूतं प्रकीर्तितम् ।
ममाशये न केनापि लक्षितं तु सुदुर्लभम् ॥ 2.10 ॥
2.11
तवाद्य कथयिष्यामि त्रिप्रकारं परं ध्रुवम् ।
मन्त्रयोगज्ञानगम्यं मोक्षदं सिद्धिदं वरम् ॥ 2.11 ॥
2.12
आदौ मन्त्रमयं वक्ष्ये सिद्धित्रयसमन्वितम् ।
साङ्गं स्वमुद्रया युक्तं सर्वत्राणकरं परम् ॥ 2.12 ॥
2.13
भूतयक्षग्रहोन्मादशाकिनीयोगिनीगणैः ।
भगिनीरुद्रमात्रादिडावीडामरिकादिभिः ॥ 2.13 ॥
2.14
रूपिकाभिरपस्मारैः पिशाचैश्चाप्यनेकशः ।
ब्रह्मरक्षोग्रहाद्यैश्च कोटिशो यदि मुद्रिताः ॥ 2.14 ॥
2.15
अपमृत्युभिराक्रान्ताः कालपाशैर्जिघांसिताः ।
राजानो राजतनया राजपत्न्यो ह्यनेकशः ॥ 2.15 ॥
2.16
विप्रादिप्राणिनः सर्वे सर्वदोषभयार्दिताः ।
येन वै स्मृतिमात्रेण मुच्यन्ते तद् ब्रवीमि ते ॥ 2.16 ॥
2.17
भूप्रदेशे समे शुद्धे चन्दनागुरुचर्चिते ।
कर्पूरामोदगन्धाढ्ये कुङ्कुमामोदसेविते ॥ 2.17 ॥
2.18
आचार्यस्तु प्रसन्नात्मा चन्दनागुरुचर्चितः ।
उष्णीषाद्यैराभरणैर्भूषितः सुमहामतिः ॥ 2.18 ॥
2.19
पद्ममष्टदलं कृत्वा मातृकां तत्र चालिखेत् ।
त्रितनुं मध्यतो न्यस्य वर्गान् प्रागादितो लिखेत् ॥ 2.19 ॥
2.20
पूजयेत् परया भक्त्या पुष्पधूपादिविस्तरैः ।
मन्त्राणां मातरं देवि प्रोद्धरेन्मन्त्रदेवताम् ॥ 2.20 ॥
2.21
विश्वाद्यं विश्वरूपान्तं विश्वहामृतकन्दलम् ।
ज्योतिर्ध्वनिः पराशक्तिः शिव एकत्र संस्थितः ॥ 2.21 ॥
2.22
अनेन ग्रथितं सर्वं सूत्रे मणिगणा इव ।
अस्मान्मन्त्राः समुत्पन्नाः सप्तकोट्योऽधिकारिणः ॥ 2.22 ॥
2.23
चित्रभानुपदान्तं तु शशाङ्कशकलोदरम् ।
तदङ्कुशोर्ध्वविन्यस्तं तिर्यग्गान्तोर्ध्वयोजितम् ॥ 2.23 ॥
2.24
एतत्तत्परमं धाम एतत्तत्परमामृतम् ।
यत्तत्परममुद्दिष्टममृतं लोकविश्रुतम् ॥ 2.24 ॥
2.25
पीयूषकलया युक्तं पूर्णचन्द्रप्रभोपमम् ।
एतत्तत्परमं धाम एतत्तत्परमं पदम् ॥ 2.25 ॥
2.26
एतत्तत्परमं वीर्यमेतत्तत्परमामृतम् ।
तेजसां परमं तेजो ज्योतिषां ज्योतिरुत्तमम् ॥ 2.26 ॥
2.27
सर्वस्य जगतो देवमीश्वरं कारणं परम् ।
स्रष्टा धर्ता च संहर्ता नास्त्यस्य सदृशो बली ॥ 2.27 ॥
2.28
मन्त्राणामालयो ह्येष सर्वसिद्धिगुणास्पदम् ।
अधुनाङ्गानि वक्ष्यामि संनद्धो यैस्तु सिद्ध्यति ॥ 2.28 ॥
2.29
कृतान्तमध्यमं वर्णं स्वरराट्पञ्चमानुगम् ।
प्रभञ्जनान्तशिरसं हृदयं सर्वसिद्धिदम् ॥ 2.29 ॥
2.30
सोमान्तमनलाद्येन युक्तं प्रणवयोजितम् ।
एतच्छिरः....... ...ऽनिलान्तेन युक्ता माया शिखा स्मृता ॥ 2.30 ॥
2.31
ईशान्तमीश्वरोर्ध्वं च द्वादशार्धोर्ध्वयोजितम् ।
शिवशक्त्याथ नादेन युक्तं तद्वर्म चोत्तमम् ॥ 2.31 ॥
2.32
सभैरवाद्यं प्रणवं सदागतिशिरःस्थितम् ।
नेत्रमन्त्रो महोग्रश्च सर्वकिल्विषनाशनः ॥ 2.32 ॥
2.33
अजीवकटसंयुक्तमस्त्रमेतत् प्रकीर्तितम् ।
अङ्गषट्कं समाख्यातं मन्त्रराजस्य सिद्धिदम् ॥ 2.33 ॥
Kapitel 3
3.1
अधुना यजनं वक्ष्ये येन सिद्ध्यति मन्त्रराट् ।
आदौ स्नानं प्रकुर्वीत सर्वकिल्विषनाशनम् ॥ 3.1 ॥
3.2
अस्त्रमन्त्रेण देवेशि मृदमुद्धृत्य मन्त्रवित् ।
शौचं यथोचितं कृत्वा पश्चात् स्नानं समारभेत् ॥ 3.2 ॥
3.3
पादौ जङ्घे कटिं चोरू पूर्वं मृद्भिस्त्रिभिस्त्रिभिः ।
त्रिरन्तरितयोगेन सप्तभिः शुद्ध्यते पुनः ॥ 3.3 ॥
3.4
सप्ताभिमन्त्रितां कृत्वा मृदमस्त्रेण मन्त्रवित् ।
प्रताप्यार्कमुखां पश्चाच्छरीरमनुलेपयेत् ॥ 3.4 ॥
3.5
विघ्नोपशमनार्थं तु आक्षाल्य देहमाचमेत् ।
वामहस्ततले भागान् मृत्स्नायास्त्रींस्तु कारयेत् ॥ 3.5 ॥
3.6
अस्त्रजप्तं क्षिपेद्दिक्षु मूलं तीर्थे प्रकल्पयेत् ।
अङ्गैः शरीरमालभ्य क्षाल्य चान्तर्जलं जपेत् ॥ 3.6 ॥
3.7
मूलं शक्त्या समुत्तीर्य सन्ध्यां वन्देत च क्रमात् ।
शिखां बद्ध्वा शिखां स्मृत्वा मन्त्राणां तर्पणं ततः ॥ 3.7 ॥
3.8
देवान् पितृनृषींश्चैव मनुजान् भूतसंयुतान् ।
संतर्प्य तीर्थं संगृह्य यागौको विधिना विशेत् ॥ 3.8 ॥
3.9
आशामातृरगणं लक्ष्मीं नन्दिगङ्गे च पूजयेत् ।
महाकालं तु यमुनां देहलीं पूजयेत्ततः ॥ 3.9 ॥
3.10
विघ्नप्रोच्चाटनं कृत्वा दिग्बन्धं कवचास्त्रतः ।
स्वासनार्थं प्रकल्प्याथ शक्तिमाधारिकां शुभाम् ॥ 3.10 ॥
3.11
उपविश्य ततः कुर्यात् प्राणायाममनुक्रमात् ।
धारणामारभेतात्र युगपच्छोषणादिभिः ॥ 3.11 ॥
3.12
षाट्कोशिकं तु मलिनं निर्दग्धं तत्र भावयेत् ।
विज्ञानं केवलं तत्र शून्यं सर्वगतं स्मरेत् ॥ 3.12 ॥
3.13
नाहमस्मि न चान्योऽस्ति ध्येयं चात्र न विद्यते ।
आनन्दपदसंलीनं मनः समरसीगतम् ॥ 3.13 ॥
3.14
पश्चादाधारशक्तिस्थं स्वासनं परिभावयेत् ।
धात्रीं पयोऽर्णवं पद्मं चन्द्रबिम्बावभासितम् ॥ 3.14 ॥
3.15
पश्चात् कालकलापोत्थपीयूषेण तु सेचयेत् ।
मूर्तिभूतं त्रितत्त्वं च मूलेनैव प्रकल्पयेत् ॥ 3.15 ॥
3.16
ततोऽङ्गानि कराभ्यां च शरीरे कल्पयेत् पुनः ।
मान्त्रं चैवाभिमानं तु चिन्तयेद्ध्यानयोगतः ॥ 3.16 ॥
3.17
मुद्रां चैवामृतां बद्ध्वा पद्ममुद्रामथापि वा ।
ध्यायेदात्मनि देवेशं चन्द्रकोटिसमप्रभम् ॥ 3.17 ॥
3.18
स्वच्छमुक्ताफलप्रख्यं स्फटिकाद्रिसमप्रभम् ।
कुन्देन्दुगोक्षीरनिभं हिमाद्रिसदृशं विभुम् ॥ 3.18 ॥
3.19
शुभ्रहारेन्दुकन्दादिसितभूषणभूषितम् ।
सितचन्दनलिप्ताङ्गं कर्पूरक्षोदधूसरम् ॥ 3.19 ॥
3.20
स्फुरच्चन्द्रामृतस्फारबहुलोर्मिपरिप्लुतम् ।
सोममण्डलमध्यस्थमेकवक्त्रं त्रिलोचनम् ॥ 3.20 ॥
3.21
सितपद्मोपविष्टं तु बद्धपद्मासनस्थितम् ।
चतुर्भुजं विशालाक्षं वरदाभयपाणिकम् ॥ 3.21 ॥
3.22
पूर्णचन्द्रनिभं शुभ्रममृतेनैव पूरितम् ।
कलशं धारयन्तं हि जगदाप्यायकारकम् ॥ 3.22 ॥
3.23
परिपूर्णं तथा चन्द्रं वामहस्तेऽस्य चिन्तयेत् ।
सर्वश्वेतोपचारेण पूजितं तमनुस्मरेत् ॥ 3.23 ॥
3.24
बहुनात्र किमुक्तेन साक्षादमृतसागरः ।
अस्मादेव समुत्पन्नममृतं विश्वजीवनम् ॥ 3.24 ॥
3.25
अथ चिन्तामणिप्रख्यं भावभेदेन संस्मरेत् ।
सौम्यं रौद्रं तथा भीमं विकृतं भावभेदतः ॥ 3.25 ॥
3.26
सदाशिवं तुम्बुरुं च भैरवं वीरनायकम् ।
एवं ध्यात्वा यजेद्देवं मानसैः कुसुमैः शुभैः ॥ 3.26 ॥
3.27
हृत्पद्मे सर्वसिद्ध्यर्थं पश्चाद् बाह्ये प्रपूजयेत् ।
मानसैः कुसुमैर्यार्चा सात्त्विकी सा स्थिरा मता ॥ 3.27 ॥
3.28
अनिर्माल्या परा शुद्धा मोक्षदा सिद्धिदा शुभा ।
तस्मात् सर्वप्रयत्नेन मानसं यजनं ध्रुवम् ॥ 3.28 ॥
3.29
आदावेव प्रकर्तव्यं पश्चाद् द्रव्यैस्तु विस्तरैः ।
स्वगृहे देवतागारे सङ्गमे गिरिमूर्धनि ॥ 3.29 ॥
3.30
सुप्रशस्ते तु भूभागे पद्मखण्डे सुशोभने ।
आलिखेन्मण्डलं चित्रं सितरेखोपशोभितम् ॥ 3.30 ॥
3.31
चतुर्द्वारं चतुष्कोणं सुसमं तु मनोरमम् ।
शोभोपशोभासंपन्नं तन्मध्ये शशिमण्डलम् ॥ 3.31 ॥
3.32
संपूर्णचन्द्रसदृशं रश्मिमालावलीयुतम् ।
तन्मध्येऽष्टदलं पद्मं सुसितं चन्द्रसन्निभम् ॥ 3.32 ॥
3.33
विचित्रकेसरोपेतं हेमकर्णिकमुत्तमम् ।
तन्मध्ये देवदेवेशं स्वस्थानादवतारयेत् ॥ 3.33 ॥
3.34
उत्तानौ तु करौ कृत्वा अङ्गुष्ठौ तत्र मध्यगौ ।
आवाहयेत्ततो देवं त्रिदेहपरिकल्पितम् ॥ 3.34 ॥
3.35
आग्नेय्यादिविभागेन दलेष्वङ्गानि विन्यसेत् ।
पूज्यं श्वेतोपचारेण पुष्पाम्बरविलेपनैः ॥ 3.35 ॥
3.36
नैवेद्यैर्विविधैश्चित्रैर्धूपैर्मृष्टैः सुधूपितम् ।
हृद्यैः पानैश्च विविधैः भावभेदेन पूजयेत् ॥ 3.36 ॥
3.37
सर्वश्वेतोपचारेण शान्त्यर्थं पूजयेत् प्रिये ।
पुष्ट्यर्थं बहुभिर्मिश्रैः संभारैः संभृतैर्यजेत् ॥ 3.37 ॥
3.38
पश्चाद्धोमं प्रकुर्वीत यथाकामानुसारतः ।
त्रिमेखले वर्तुले च चतुरश्रे सुशोभने ॥ 3.38 ॥
3.39
हस्तमात्रेऽन्ततः कुण्डे षडंशेनोर्ध्वमेखला ।
मध्यमा द्विचतुष्केण द्वादशांशाधमा भवेत् ॥ 3.39 ॥
3.40
दैर्घ्याच्च पार्श्वतस्तद्वत् षण्मध्याग्रेऽङ्गुलत्रयाम् ।
उक्तं साहस्रिके होमे द्विगुणं चायुते मतम् ॥ 3.40 ॥
3.41
त्रिपञ्चायुते होमे तु द्विगुणं तद्विधीयते ।
कुण्डं वै लक्षणोपेतं लक्षहोमे प्रशस्यते ॥ 3.41 ॥
3.42
नित्ये नैमित्तिके काम्ये शान्तौ पुष्टौ च वर्तुलम् ।
सर्वसिद्धौ प्रशस्येत श्रीकाम्ये चतुरश्रकम् ॥ 3.42 ॥
3.43
शस्यते पूर्वमानेन शिष्टं वै कर्मभेदतः ।
संस्कारास्तस्य कुण्डस्य कर्तव्या ह्यस्त्रमन्त्रतः ॥ 3.43 ॥
3.44
अधःखननमुद्धार ईतिक्षेपः प्रपूरणम् ।
सेचनं कुट्टनं चैव मार्जनं लेपनं तथा ॥ 3.44 ॥
3.45
प्रणवेन तु कर्तव्यं कुण्डस्य परिकल्पनम् ।
चतुष्पथं चाक्षवाटं वागीश्या गृहकल्पनम् ॥ 3.45 ॥
3.46
असिना प्रणवेनैव वागीश्यावाहनं पुनः ।
अर्चनं देवि कर्तव्यं त्रितत्त्वेन उक्षणं तथा ॥ 3.46 ॥
3.47
अस्त्रेण ताडनं चैव संस्कृत्य विधिपूर्वकम् ।
क्रियाशक्तिस्वरूपेण कौण्डल्या कुण्डकल्पनम् ॥ 3.47 ॥
3.48
ज्ञानशक्तिस्वरूपं तु वह्निं तत्रोपकल्पयेत् ।
वह्निमादाय पात्रस्थं पञ्चसंस्कारसंस्कृतम् ॥ 3.48 ॥
3.49
निरीक्षणादि चास्त्रेण कवचेनावगुण्ठनम् ।
प्रणवेनाहुतीः पञ्च हुत्वा क्रव्यादशुद्धये ॥ 3.49 ॥
3.50
विश्वाग्न्यापादनं पश्चात् कुर्वीत भ्रमयेत्त्रिधा ।
बीजरूपं ततो वह्निमात्मानं परमेश्वरम् ॥ 3.50 ॥
3.51
मायां चैव तु वागीशीं योनौ संक्षोभ्य संक्षिपेत् ।
वर्तुलीकृत्य विश्वाग्नौ पूजनं प्रणवेन तु ॥ 3.51 ॥
3.52
कर्तव्यं तन्मुखे पश्चात् संस्कारास्तु ततोऽनले ।
गर्भाधानं पुंसवनं सीमन्तोन्नयनं तथा ॥ 3.52 ॥
3.53
वक्त्रकल्पननिष्क्रामसीमग्रीवादिकल्पनम् ।
जातकर्म तथैवात्र निष्क्रामो नामकल्पना ॥ 3.53 ॥
3.54
हृदयाद्यङ्गषट्केन कर्तव्यमनुपूर्वशः ।
चूडाद्या ये तु बालान्ताः पूर्णाहुत्यैकया पुरः ॥ 3.54 ॥
3.55
संस्कारानपि सर्वांस्तान् वह्नौ मूलेन पूरयेत् ।
शिवशक्तिमयौ तत्र कल्पयेत विधानवित् ॥ 3.55 ॥
3.56
स्रुक्स्रुवौ तौ दृढौ कार्यौ क्षीरवृक्षसमुद्भवौ ।
शस्येते शान्तिपुष्ट्योस्तु प्रशस्तद्रुमसंभवौ ॥ 3.56 ॥
3.57
अन्यत्र भावभेदेन कार्यौ कर्मानुरूपतः ।
षट्त्रिंशाङ्गुलमानेन स्रुग् वा बाहुप्रमाणतः ॥ 3.57 ॥
3.58
षडंशपरिणाहेन दण्डः कुम्भसमुत्थितः ।
चतुरङ्गुलपीठाग्रः सर्वतश्चतुरङ्गुलः ॥ 3.58 ॥
3.59
पीठं चतुष्किकाकारं तत्पीठं कमलोदरम् ।
कर्तव्यं दण्डमध्ये तु द्व्यङ्गुलायतवर्तुलम् ॥ 3.59 ॥
3.60
अर्धाङ्गुलसमुत्सेधं विचित्ररचनाङ्गुलम् ।
वेदिकाष्टाङ्गुला कार्या चतुरस्रा सुशोभना ॥ 3.60 ॥
3.61
अधःपद्मनिविष्टा तु ऊर्ध्वं पञ्चाङ्गुलायतम् ।
खातं तु त्र्यङ्गुलं कार्यं तदूर्ध्वे वर्तुलं क्रमात् ॥ 3.61 ॥
3.62
अर्धाङ्गुलप्रमाणैश्च तिलकैरुपशोभितम् ।
तच्च पार्श्वचतुष्कं तु चतुष्कोणसमन्वितम् ॥ 3.62 ॥
3.63
शिल्पिविज्ञानरचनानानासुरचनं च तत् ।
कण्ठ एकाङ्गुलः कार्यस्तत्त्रिभागविभक्तितः ॥ 3.63 ॥
3.64
पार्श्वयोस्तु तथा कार्यं मुखं सप्ताङ्गुलं शुभम् ।
दैर्घ्यात् तत्पार्श्वतोऽष्टौ तु द्वौ भागौ ह्रासयेत् क्रमात् ॥ 3.64 ॥
3.65
मुखाग्रं तत्त्रिभागं तु द्वौ भागौ तस्य पार्श्वतः ।
वर्तयेत् वेधयेत्तत्तु कनिष्ठाङ्गुलिमानतः ॥ 3.65 ॥
3.66
निम्नं निम्नतरं कुर्याद्यावदग्रमुखान्तरम् ।
पार्श्वयोश्च तथा कार्या विचित्ररचना शुभा ॥ 3.66 ॥
3.67
हस्तमात्रं स्रुवं कुर्यान्मूलपीठं त्रिशाखिनम् ।
मध्याग्रपीठपद्माङ्कं कण्ठेऽङ्गुलसुवर्तुलम् ॥ 3.67 ॥
3.68
चतुरङ्गुलदीर्घं तु द्विपुटाग्रं सुवर्तितम् ।
अङ्गुष्ठपर्ववत् खातं गोष्पदाकृति कारयेत् ॥ 3.68 ॥
3.69
कनिष्ठाङ्गुलिमानेन प्रतिशाखं तु वर्तुलम् ।
वर्तयेद्रचनायुक्तं कर्षापूरितवक्त्रकम् ॥ 3.69 ॥
3.70
चतुष्पला भवेत् पूर्णा स्रुक्शक्तिस्तु स्रुवः शिवः ।
क्रियाशक्तिस्तु वै कुण्डं ज्ञानशक्तिस्तथानलः ॥ 3.70 ॥
3.71
एवं संपाद्य विधिवत् पश्चाद्धोमं समारभेत् ।
तिलैः क्षीरयुतैर्होमाच्छर्कराघृतसंयुतैः ॥ 3.71 ॥
3.72
महाशान्तिः प्रजायेत तत्क्षणान्नात्र संशयः ।
आदौ चैवाज्यसंस्कारान् कुर्याद्धोमं ततः परम् ॥ 3.72 ॥
3.73
अधिश्रयणमुद्वासं भ्रमणं स्थापनं ततः ।
निरीक्षणं तथास्त्रेण नीराजनमतः परम् ॥ 3.73 ॥
3.74
पर्यग्निकरणं चैव तथैवोत्प्लवसंप्लवौ ।
अस्त्रेणैव ऽर्चनं मूलेनामृतीकरणं तथा ॥ 3.74 ॥
3.75
दर्भास्तरविष्टराणि परिधीनस्त्रमन्त्रतः ।
सूर्याचन्द्रमसौ बाह्ये कल्पयेत् प्रणवेन तु ॥ 3.75 ॥
3.76
भावयेन्नवजिह्वं तु पूर्णां मूलेन पातयेत् ।
ततः पश्चात्तु तं मन्त्रं साङ्गं मध्यगतं यजेत् ॥ 3.76 ॥
3.77
एवंकृते तु जुहुयान्मन्त्रं कर्मानुसारतः ।
पयसा घृतयुक्तेन पुष्टिर्भवति शाश्वती ॥ 3.77 ॥
3.78
घृतगुग्गुलुहोमेन पूर्णायुर्भवति ध्रुवम् ।
श्रीकामो जुहुयात् पद्मान् घृतक्षीरपरिप्लुतान् ॥ 3.78 ॥
3.79
राज्यकामस्तु बिल्वानि त्रिमध्वाक्तानि होमयेत् ।
क्षीरवृक्षसमिद्भिस्तु होमादारोग्यमाप्नुयात् ॥ 3.79 ॥
3.80
प्रशस्तसमिधा होमात् प्रशस्ततरुजेऽनले ।
सर्वान् कामानवाप्नोति सत्यमेव न चान्यथा ॥ 3.80 ॥
3.81
व्रीहिसप्तकहोमेन धनार्थी धनभाग्भवेत् ।
ईहितं काममुद्दिश्य ईहितं होममाचरेत् ॥ 3.81 ॥
3.82
पयसा केवलेनैव होमान्मृत्युं जयेद् ध्रुवम् ॥ 3.82 ॥
Kapitel 4
4.1
अथ दीक्षां प्रवक्ष्यामि भुक्तिमुक्तिफलप्रदाम् ।
तत्त्वैःषट्त्रिंशतार्धेन तदर्धेनाथ पञ्चभिः ॥ 4.1 ॥
4.2
त्रिभिरेकेन वा कार्या परापरविभूतये ।
कलाभिः पञ्चभिर्वाथ पदैर्दीक्षाऽथवा पुनः ॥ 4.2 ॥
4.3
वर्णैः पञ्चाशता वापि मन्त्रैर्वा भुवनैस्तथा ।
एतैः सर्वैः प्रकर्तव्या कार्या ह्येकतमाऽथवा ॥ 4.3 ॥
4.4
सर्वैस्तु समुदायेन शक्तिव्यक्तिस्वरूपतः ।
यथाविभवसारेण कर्तव्या दैशिकोत्तमैः ॥ 4.4 ॥
4.5
वागीशीपूजनं कार्यं तद्गर्भे योजयेत् पशुम् ।
गर्भाधानं तु जननमधिकारो लयस्तथा ॥ 4.5 ॥
4.6
भोगः कर्मार्जनं चैव निष्कृतिस्तदनन्तरम् ।
मूलमन्त्रेण कर्तव्यं पाशच्छेदस्तथा स्मृतः ॥ 4.6 ॥
4.7
अस्त्रमन्त्रेण दाहस्तु भस्मीकरणतत्स्थिते ।
शिखाच्छेदं ततो होमं मूलेनैव तु योजयेत् ॥ 4.7 ॥
4.8
संयोज्य परमे तत्त्वे संस्थानं तत्र कारयेत् ।
अधिकारार्थमाचार्ये परापरपदे स्थिते ॥ 4.8 ॥
4.9
शिवत्वे साधकानां तु विद्याद्दीक्षां सदाशिवे ।
पुत्रके परमे तत्त्वे समयिन्यैश्वरे तथा ॥ 4.9 ॥
4.10
एवमुद्देशतो दीक्षा कथिता विस्तरोऽन्यतः ॥ 4.10 ॥
Kapitel 5
5.1
अभिषेकं प्रवक्ष्यामि यथा यस्येह दीयते ।
अष्टभिः कलशैर्देय आचार्यस्य विधानतः ॥ 5.1 ॥
5.2
ते च विद्येश्वराः प्रोक्ताः समुद्राश्च सगर्भगाः ।
पञ्चभिर्भूतसंख्यैर्वा त्रिभिर्वा तत्त्वरूपकैः ॥ 5.2 ॥
5.3
आत्मविद्याशिवाख्यैस्तु एकेनापि शिवात्मना ।
अधिकारार्थमाचार्ये साधके सिद्धिकामतः ॥ 5.3 ॥
5.4
अभिषिक्तो ह्यनुज्ञातः प्रकुर्यान्मन्त्रसाधनम् ।
तद्व्रतस्तत्समाचारस्तद्भक्तस्तत्परायणः ॥ 5.4 ॥
5.5
पवित्राहारनिरतो लघ्वाशी संयतेन्द्रियः ।
एकान्ते पुण्यक्षेत्रे तु तीर्थायतनगोचरे ॥ 5.5 ॥
5.6
सर्वसंयोगोज्झितमनाः साधको जपमारभेत् ।
लक्षमेकं जपेन्मन्त्री पूर्वसेवासमन्वितः ॥ 5.6 ॥
5.7
तेन सामान्यकर्माणि सिद्ध्यन्ते साधकस्य तु ।
भौमीं सिद्धिमवाप्नोति दशलक्षजपेन तु ॥ 5.7 ॥
5.8
आन्तरिक्षीं च लभते लक्षपञ्चाशता ध्रुवम् ।
दिव्यां सिद्धिमवाप्नोति साधको नात्र संशयः ॥ 5.8 ॥
5.9
तथा कोटिकृते जप्य एश्वरीं सिद्धिमाप्नुयात् ।
व्यापकस्तु शिवो भूत्वा निग्रहानुग्रहक्षमः ॥ 5.9 ॥
5.10
यथेच्छं कुरुते सर्वं धारयेत् संहरेद् भृशम् ।
सर्वगः सर्वकर्ता च सर्वज्ञो भवति ध्रुवम् ॥ 5.10 ॥
Kapitel 6
6.1
श्रुतो मया महादेव मृत्युजित् सिद्धिमोक्षदः ।
अधुना श्रोतुमिच्छामि सिद्धित्रयसमन्वितम् ॥ 6.1 ॥
6.2
अमृतेशं महात्मानं सर्वप्राणिषु जीवितम् ।
यथा सिद्धिप्रदं लोके मानवानां हितङ्करम् ॥ 6.2 ॥
6.3
पूर्वोक्तदुष्टशमनमपमृत्युविनाशनम् ।
आप्यायनं शरीरस्य शान्तिपुष्टिप्रदं शुभम् ॥ 6.3 ॥
6.4
श्रूयतां संप्रवक्ष्यामि रहस्यं परमाद्भुतम् ।
यथा तरन्ति मनुजा दुःखोदधिपरिप्लुताः ॥ 6.4 ॥
6.5
अपमृत्युशताक्रान्ता जना दारिद्र्यसंयुताः ।
आधिव्याधिभयोद्विग्नाः पापौघैर्विनिपीडिताः ॥ 6.5 ॥
6.6
मुच्यन्ते च यथा सर्वे पूर्वोक्तैर्दारुणैः प्रिये ।
त्रिविधं तदुपायं तु स्थूलं सूक्ष्मं परं च तत् ॥ 6.6 ॥
6.7
स्थूलं तु यजनं होमो जपो ध्यानं समुद्रकम् ।
यन्त्राणि मोहनादीनि मन्त्रराट् कुरुते भृशम् ॥ 6.7 ॥
6.8
सूक्ष्मं चक्रादियोगेन कलानाड्युदयेन च ।
परं सर्वात्मकं चैव मोक्षदं मृत्युजिद् भवेत् ॥ 6.8 ॥
6.9
यदा मृत्युवशाघ्रतः कालेन कलितः प्रिये ।
दृष्टस्तत्प्रतिघातार्थममृतेशं यजेत्तदा ॥ 6.9 ॥
6.10
सर्वश्वेतोपचारेण पूर्वोक्तविधिना ततः ।
यस्य नाम समुद्दिश्य पूजयेन्मृत्युजिद्विभुम् ॥ 6.10 ॥
6.11
मृत्योरुत्तरते शीघ्रं सत्यं मे नानृतं वचः ।
सितशर्करया युक्तैर्घृतक्षीरप्लुतैस्तिलैः ॥ 6.11 ॥
6.12
पुण्यदार्विन्धने वह्नौ कुण्डे वृत्ते त्रिमेखले ।
महारक्षाविधानेन जुहुयाद्यस्य नामतः ॥ 6.12 ॥
6.13
महाशान्तिर्भवेत् क्षिप्रं गतस्यापि यमक्षयम् ।
अथवा शर्करायुक्तपयसा केवलेन तु ॥ 6.13 ॥
6.14
होमान्मृत्युं जयेच्छीघ्रं मृत्युजिन्नात्र संशयः ।
सुगन्धिघृतहोमेन क्षीरवृक्षमयेऽनले ॥ 6.14 ॥
6.15
तर्पितो नाशयेन्मृत्युं मृत्युजिन्नात्र संशयः ।
क्षीरवृक्षसमिद्धोमाज्ज्वरं नाशयते क्षणात् ॥ 6.15 ॥
6.16
तिलतण्डुलमाक्षीकमाज्यक्षीरसमन्वितम् ।
एष पञ्चामृतो होमः सर्वदुष्टनिवर्हणः ॥ 6.16 ॥
6.17
गुग्गुलोर्गुलिकाभिश्च त्र्यक्ताभिश्चणमात्रया ।
होमात् पुष्टिर्भवत्याशु क्षीणदेहस्य सुव्रते ॥ 6.17 ॥
6.18
यदा व्याधिशताकीर्णो ह्यबलो दृश्यते नरः ।
तदास्य सम्पुटीकृत्य नाम जप्त्वा विमुच्यते ॥ 6.18 ॥
6.19
यं यं मन्त्रं जपेद् विद्वानमृतेशेन संपुटम् ।
तस्य सिद्ध्यति स क्षिप्रं भाग्यहीनोऽपि यो भवेत् ॥ 6.19 ॥
6.20
क्षीणगात्रस्य देवेशि भेषजं मन्त्रसंपुटम् ।
दीयते तत्क्षणाद्देवि स पुष्टिं लभते बली ॥ 6.20 ॥
6.21
हृत्पद्ममध्यगं जीवं चन्द्रमण्डलमध्यगम् ।
साद्यर्णरोधितं कृत्वा मृत्योरुत्तरते भृशम् ॥ 6.21 ॥
6.22
साद्यर्णरोधितं कृत्वा ध्यायेद्देहे तु योगवित् ।
सर्वव्याधिविनिर्मुक्तः स भवेन्नात्र संशयः ॥ 6.22 ॥
6.23
क्षीरोदपद्ममध्यस्थममृतोर्मिभिराकुलम् ।
ऊर्ध्वाधःशशिरुद्धं तु साद्यर्णैः संपुटीकृतम् ॥ 6.23 ॥
6.24
ध्यायते सुप्रहृष्टात्मा आत्मनोऽपि परस्य वा ।
स बाह्याभ्यन्तरं शुभ्रं सुधापूरितविग्रहम् ॥ 6.24 ॥
6.25
अनुद्विग्नमनायासं सर्वरोगैः प्रमुच्यते ।
रोचनाकुङ्कुमेनैव क्षीरेण च समन्वितः ॥ 6.25 ॥
6.26
सितपद्मेऽष्टपत्रे तु मध्ये साद्यर्णरोधितः ।
सर्वव्याधिसमाक्रान्तश्चन्द्रमण्डलवेष्टितः ॥ 6.26 ॥
6.27
चतुष्कोणपुराक्रान्तो वज्रभृद्वज्रलाञ्छितः ।
मुच्यते नात्र संदेहः सर्वव्याधिनिपीडनात् ॥ 6.27 ॥
6.28
षोडशारे महाचक्रे षोडशस्वरभूषिते ।
आद्यन्तमन्त्रयोगेन मध्ये नाम समालिखेत् ॥ 6.28 ॥
6.29
जीवान्तः सान्तमध्यस्थं वर्णान्तेनाभिरक्षितम् ।
प्रत्यर्णममृतेशेन संपुटित्वा तु सर्वतः ॥ 6.29 ॥
6.30
मध्ये दलेषु सर्वेषु शशिमण्डलमध्यगम् ।
बाह्ये तु द्विगुणं पद्मं कादिसान्तक्रमेण तु ॥ 6.30 ॥
6.31
पूर्ववत्तु लिखेन्मन्त्री प्रति साद्यर्णरोधितम् ।
वर्णं तदन्तः साध्यस्य नाम बाह्येऽर्कमण्डलम् ॥ 6.31 ॥
6.32
पुरन्दरपुरेणाधः समन्तात् परिवारयेत् ।
सितचन्दनसंयुक्तं रोचनाक्षीरयोगतः ॥ 6.32 ॥
6.33
लिखित्वा मन्त्रराजं तु कर्पूरक्षोदधूसरम् ।
महारक्षाविधानं तु पुष्टसौभाग्यदायकम् ॥ 6.33 ॥
6.34
एतच्चक्रं महादेवि सितपुष्पैः प्रपूजयेत् ।
सर्वश्वेतोपचारेण मधुमध्ये निधापयेत् ॥ 6.34 ॥
6.35
अनेनैव विधानेन सप्ताहान्मृत्युजिद् भवेत् ।
राजरक्षाविधानं तु भूभृतां तु प्रकाशयेत् ॥ 6.35 ॥
6.36
संग्रामकाले वरदं रिपुदर्पापहं भवेत् ।
शिवादिनवतत्त्वानि प्रत्येकं शशिमण्डलम् ॥ 6.36 ॥
6.37
मध्यात् पूर्वादि एश्यन्तममृतेशेन मन्त्रिणा ।
यदा व्याधिशताकीर्णमपमृत्युशतेन वा ॥ 6.37 ॥
6.38
तदा श्वेतोपचारेण पूज्यं क्षीरघृतेन वा ।
तिलैः क्षीरसमिद्भिर्वा होमाच्छान्तिं समश्नुते ॥ 6.38 ॥
6.39
एवं संपूज्य कुम्भे तु सर्वौषधिसमन्विते ।
सितपद्ममुखोद्गारे रत्नगर्भाम्बुपूरिते ॥ 6.39 ॥
6.40
सर्वमङ्गलघोषेण शिरसि ह्यभिषेचयेत् ।
स मुच्यते न संदेहः सर्वव्याधिप्रपीडितः ॥ 6.40 ॥
6.41
ध्यात्वा परामृतं नित्यं नित्योदितमनामयम् ।
प्रक्रियान्तस्थममृतमवतार्य पराच्छिवात् ॥ 6.41 ॥
6.42
चतुर्नवामृताधारं नवधा नवपूरितम् ।
शतार्धक्षोभितं नित्यं षट्पञ्चैकसमन्वितम् ॥ 6.42 ॥
6.43
अनन्ताधारगम्भीरमष्टात्रिंशद्विभूषितम् ।
पञ्चभिर्वा प्रसिद्ध्यर्थं पूर्णं तेन निरन्तरम् ॥ 6.43 ॥
6.44
एवं ध्यानपरो यस्तु सबाह्याभ्यन्तरामृतम् ।
विक्षोभ्य कलशं मूर्ध्नि दैशिको मन्त्रतत्परः ॥ 6.44 ॥
6.45
अनुग्रहपदावस्थो ह्यभिषिञ्चेत् प्रयत्नतः ।
स मुच्यते न सन्देहः संसाराद् दुरतिक्रमात् ॥ 6.45 ॥
6.46
आयुर्बलं जयः कान्तिर्धृतिर्मेधा वपुः श्रियः ।
सर्वं प्रवर्तते तस्य भूभृतां राज्यमुत्तमम् ॥ 6.46 ॥
6.47
दुःखार्दितो विदुःखस्तु व्याधिमान् गतरुग्भवेत् ।
वन्ध्या तु लभते पुत्रं कन्या तु पतिमावहेत् ॥ 6.47 ॥
6.48
यान् यान् समीहते कामांस्तान् सर्वान् ध्रुवमाप्नुयात् ।
अभिषेकस्य माहात्म्यं विधानविहितस्य तु ॥ 6.48 ॥
6.49
कथितं ते मया देवि प्रजानां हितकाम्यया ।
अन्यशास्त्रोपचारेण सर्वशान्त्यरहो भवेत् ॥ 6.49 ॥
6.50
एवं स्थूलं विधानं तु सूक्ष्मं चैवाधुना शृणु ॥ 6.50 ॥
Kapitel 7
7.1
अतः परं प्रवक्ष्यामि ध्यानं सूक्ष्ममनुत्तमम् ।
ऋतुचक्रं स्वराधारं त्रिलक्ष्यं व्योमपञ्चकम् ॥ 7.1 ॥
7.2
ग्रन्थिद्वादशसंयुक्तं शक्तित्रयसमन्वितम् ।
धामत्रयपथाक्रान्तं नाडित्रयसमन्वितम् ॥ 7.2 ॥
7.3
ज्ञात्वा शरीरं सुश्रोणि दशनाडिपथावृतम् ।
द्वासप्तत्या सहस्रैस्तु सार्धकोटित्रयेण च ॥ 7.3 ॥
7.4
नाडिवृन्दैः समाक्रान्तं मलिनं व्याधिभिर्वृतम् ।
सूक्ष्मध्यानामृतेनैव परेणैवोदितेन तु ॥ 7.4 ॥
7.5
आप्यायं कुरुते योगी आत्मनो वा परस्य च ।
दिव्यदेहः स भवति सर्वव्याधिविवर्जितः ॥ 7.5 ॥
7.6
यत्स्वरूपं स्वसंवेद्यं स्वस्थं स्वव्याप्तिसंभवम् ।
स्वोदिता तु परा शक्तिस्तत्स्था तद्गर्भगा शिवा ॥ 7.6 ॥
7.7
तां वहेन्मध्यमप्राणे प्राणापानान्तरे ध्रुवे ।
अहं भूत्वा ततो मन्त्रं तत्स्थं तद्गर्भगं ध्रुवम् ॥ 7.7 ॥
7.8
स्वोदितेन वरारोहे स्पन्दनं स्पन्दनेन तु ।
कृत्वा तमभिमानं तु जन्मस्थाने निधापयेत् ॥ 7.8 ॥
7.9
भावभेदेन तत्स्थानान्मूलाधारे नियोजयेत् ।
नादसूच्या प्रयोगेन वेधयेत् सूक्ष्मयोगतः ॥ 7.9 ॥
7.10
आधारषोडशं भित्त्वा ग्रन्थिद्वादशकं तथा ।
मध्यनाडिपथारूढो वेधयेत् परमं ध्रुवम् ॥ 7.10 ॥
7.11
तत्प्रविश्य ततो भूत्वा तत्स्थोऽसौ व्यापकः शिवः ।
सर्वामयपरित्यागान्निष्कलाक्षोभशक्तितः ॥ 7.11 ॥
7.12
पुनरापूर्य तेनैव मार्गेण हृदयान्तरम् ।
तत्र प्रविष्टमात्रं तु ध्यायेल्लब्धं रसायनम् ॥ 7.12 ॥
7.13
विश्रामानुभवं प्राप्य तस्मात् स्थानात् प्रवाहयेत् ।
सर्वं तदमृतं वेगात् सर्वत्रैव विरेचयेत् ॥ 7.13 ॥
7.14
अनन्तनाडिभेदेन अनन्तामृतमुत्तमम् ।
अनन्तध्यानयोगेन परिपूर्य पुरं स्वकम् ॥ 7.14 ॥
7.15
अजरामरस्ततो भूत्वा सबाह्याभ्यन्तरं प्रिये ।
एवं मृत्युजिता सर्वं सूक्ष्मध्यानेन पूरितम् ॥ 7.15 ॥
7.16
ततोऽसौ सिद्ध्यति क्षिप्रं सत्यं देवि न चान्यथा ।
जन्मस्थाने समाश्रित्य स्पन्दस्थां मध्यमां कलाम् ॥ 7.16 ॥
7.17
तत्स्थं कृत्वा तदात्मानं कालाग्निं तु समाश्रयेत् ।
गत्वा गृहीतविज्ञानं वीर्यं तत्रैव निक्षिपेत् ॥ 7.17 ॥
7.18
तद्वीर्यापूरिता शक्तिः क्रियाख्या मध्यमोत्तमा ।
विज्ञानेनोर्ध्वतो भित्त्वा ग्रन्थिभेदेन चेच्छया ॥ 7.18 ॥
7.19
मूलस्पन्दं समाश्रित्य त्यक्त्वा वाहद्वयं ततः ।
मध्यमार्गप्रवाहिन्या सुषुम्नाख्यां समाश्रयेत् ॥ 7.19 ॥
7.20
तामेवाश्रित्य विरमेत्तत्सर्वेन्द्रियगोचरात् ।
तदा प्रत्यस्तमायेन विज्ञानेनोर्ध्वतः पुनः ॥ 7.20 ॥
7.21
ब्रह्मादिकारणानां तु त्यागं कृत्वा शनैः शनैः ।
षण्णां शक्तिमतां प्राप्य कुण्डलाख्यां निरोधिकाम् ॥ 7.21 ॥
7.22
मायादिग्रन्थिभेदेन हृदादिव्योमपञ्चकम् ।
जन्ममूले तु मायाख्यो ग्रन्थिर्जन्मनि पाशवः ॥ 7.22 ॥
7.23
ब्रह्मा विष्णुश्च रुद्रश्च ईश्वरश्च सदाशिवः ।
कारणस्थास्तु पञ्चैवं ग्रन्थयः समुदाहृताः ॥ 7.23 ॥
7.24
इन्धिकाख्यस्तु यो ग्रन्थिर्द्विमार्गाशमनः शिवः ।
तदूर्ध्वे दीपिका नाम तदूर्ध्वे चैव बैन्दवः ॥ 7.24 ॥
7.25
नादाख्यस्तु महाग्रन्थिः शक्तिग्रन्थिरतः परः ।
ग्रन्थिद्वादशकं भित्त्वा प्रविशेत् परमे पदे ॥ 7.25 ॥
7.26
ब्रह्माणं च तथा विष्णुं रुद्रं चैवेश्वरं तथा ।
सदाशिवं तथा शक्तिं शिवस्थानं प्रभेदयेत् ॥ 7.26 ॥
7.27
खमनन्तं तु जन्माख्यं नाभौ व्योम द्वितीयकम् ।
तृतीयं तु हृदि स्थाने चतुर्थं बिन्दुमध्यतः ॥ 7.27 ॥
7.28
नादाख्यं तु समुद्दिष्टं षट्चक्रमधुनोच्यते ।
जन्माख्ये नाडिचक्रं तु नाभौ मायाख्यमुत्तमम् ॥ 7.28 ॥
7.29
हृदिस्थं योगिचक्रं तु तालुस्थं भेदनं स्मृतम् ।
बिन्दुस्थं दीप्तिचक्रं तु नादस्थं शान्तमुच्यते ॥ 7.29 ॥
7.30
पूर्वोक्तानि च सर्वाणि ज्ञानशूलेन भेदयेत् ।
आक्रम्य जन्माधाराख्यं तन्मूलं पीडयेच्छनैः ॥ 7.30 ॥
7.31
जन्माधारस्य सुश्रोणि पर्यायान् शृण्वतः परम् ।
जन्मस्थानं तु कन्दाख्यं कूर्माख्यं स्थानपञ्चकम् ॥ 7.31 ॥
7.32
मत्स्योदरं तथैवेह मूलाधारस्तथोच्यते ।
तत्स्थां वै खेचराख्यां तु मुद्रां विन्देत योगवित् ॥ 7.32 ॥
7.33
मुद्रया तु तया देवि आत्मा वै मुद्रितो यदा ।
तदा चोर्ध्वं तु विसरेद्विज्ञानेनोर्ध्वतः क्रमात् ॥ 7.33 ॥
7.34
भिन्द्याद्भिन्द्यात् परं स्थानं यावत् स्वरवरार्चिते ।
तत्स्थानं चैव संप्राप्य योगी समरसो भवेत् ॥ 7.34 ॥
7.35
निष्कलं भावमापन्नो व्यापकः परमः शिवः ।
एवं भूत्वा समं सर्वं निःस्पन्दं सर्वदोदितम् ॥ 7.35 ॥
7.36
ततः प्रवर्तते शक्तिर्लक्ष्यहीना निरामया ।
इच्छामात्रविनिर्दिष्टा ज्ञानरूपा क्रियात्मिका ॥ 7.36 ॥
7.37
एका सा भावभेदेन तस्य भेदेन संस्थिता ।
खेचरीमुद्रयापूर्य शक्त्यन्तं तत्र सर्वतः ॥ 7.37 ॥
7.38
यावच्च नोदितश्चन्द्रस्तावत् सूक्ष्मं निरञ्जनम् ।
भावग्राह्यमसंदिग्धं सर्वावस्थोज्झितं परम् ॥ 7.38 ॥
7.39
व्यापकं पदमैशानमनौपम्यमनामयम् ।
भवन्ति योगिनस्तत्तु तदारूढौ वरानने ॥ 7.39 ॥
7.40
सा योनिः सर्वदेवानां शक्तीनां चाप्यनेकधा ।
अग्नीषोमात्मिका योनिस्तस्याः सर्वं प्रवर्तते ॥ 7.40 ॥
7.41
तत्र संग्रथिता मन्त्रास्त्राणवन्तो भवन्ति हि ।
सर्वेषां चैव संहारस्तदेव परमं पदम् ॥ 7.41 ॥
7.42
तस्मात् प्रवर्तते सृष्टिर्विक्षोभ्य परमं शिवम् ।
अनौपम्यामृतं प्राप्य बिन्दुं विक्षोभ्य लीलया ॥ 7.42 ॥
7.43
चन्द्रोदये तदा ख्याते परमामृतमुत्तमम् ।
बहलामृतकल्लोलमनन्तं तत्र संस्मरेत् ॥ 7.43 ॥
7.44
तस्मात् प्राप्यामृतं शुद्धं स्वशक्त्या चैव कर्षयेत् ।
मध्यमार्गेण सुश्रोणि कारणादि प्रभेदयेत् ॥ 7.44 ॥
7.45
आप्यायनं प्रकुर्वीत् स्थाने स्थाने ह्यनुक्रमात् ।
यावद् ब्रह्मपदं प्राप्तं तस्मादाप्याययेदधः ॥ 7.45 ॥
7.46
जन्मस्थानपथाच्चैव कालाग्नौ तु प्रवर्तयेत् ।
तदापूर्य समन्तात्तु परिपूर्णं स्मरेत् पुरम् ॥ 7.46 ॥
7.47
सुषुम्नामृतेनाखिलं परिपूर्णं विभावयेत् ।
अनन्तनाडिभिस्तत्र रोमकूपैः समन्ततः ॥ 7.47 ॥
7.48
निष्क्रम्य व्यापको भूत्वा ह्यमृतोर्मिभिराकुलम् ।
अमृतार्णवसंरूढं मज्जन्तममृतार्णवे ॥ 7.48 ॥
7.49
तदूर्ध्वे ह्यमृतार्णं तु प्रद्रुतं व्यापकं शिवम् ।
एवं समरसीभूतं ह्यमृतं सर्वतोमुखम् ॥ 7.49 ॥
7.50
इच्छाज्ञानक्रियारूपं शिवमात्मस्वरूपकम् ।
निरामयमनुप्राप्य स्वानुभूत्या विभावयेत् ॥ 7.50 ॥
7.51
अमृतेशपदं सूक्ष्मं संप्राप्यैवामृतीभवेत् ।
तदासावमृतीभूय मृत्युजिन्नात्र संशयः ॥ 7.51 ॥
7.52
कालजित् सुभगो धीरो मृत्युस्तं च न बाधते ।
कालस्य वञ्चनं सूक्ष्मं मया ते प्रकटीकृतम् ॥ 7.52 ॥
7.53
न कस्यचिन्मयाख्यातं त्वदृते भक्तवत्सले ॥ 7.53 ॥
Kapitel 8
8.1
अथ मृत्युञ्जयं नित्यं परं चैवाधुनोच्यते ।
यत्प्राप्य न प्रवर्तेत संसारे त्रिविधे प्रिये ॥ 8.1 ॥
8.2
योगी सर्वगतो भाति सर्वदृक् सर्वकृच्छिवः ।
तदहं कथयिष्यामि यस्मादन्यन्न विद्यते ॥ 8.2 ॥
8.3
यत्प्राप्य तन्मयत्वेन भवति ह्यजरामरः ।
यन्न वाग्वदते नित्यं यन्न दृश्येत चक्षुषा ॥ 8.3 ॥
8.4
यच्च न श्रूयते कर्णैर्नासा यच्च न जिघ्रति ।
यन्नास्वादयते जिह्वा न स्पृशेद्यत् त्वगिन्द्रियम् ॥ 8.4 ॥
8.5
न चेतसा चिन्तनीयं सर्ववर्णरसोज्झितम् ।
सर्ववर्णरसैर्युक्तमप्रमेयमतीन्द्रियम् ॥ 8.5 ॥
8.6
यत्प्राप्य योगिनो देवि भवन्ति ह्यजरामराः ।
तदभ्यासेन महता वैराग्येण परेण च ॥ 8.6 ॥
8.7
रागद्वेषपरित्यागाल्लोभमोहक्षयात् प्रिये ।
मदमात्सर्यसंत्यागान्मानगर्वतमःक्षयात् ॥ 8.7 ॥
8.8
लभ्यते शाश्वतं नित्यं शिवमव्ययमुत्तमम् ।
निमेषोन्मेषमात्रेण यदि चैवोपलभ्यते ॥ 8.8 ॥
8.9
ततः प्रभृति मुक्तोऽसौ न पुनर्जन्म चाप्नुयात् ।
अष्टाङ्गेन तु योगेन प्राप्नुयान्नान्यतः क्वचित् ॥ 8.9 ॥
8.10
संसाराद्विरतिर्नित्यं यमः पर उदाहृतः ।
भावना तु परे तत्त्वे नित्यं नियम उच्यते ॥ 8.10 ॥
8.11
मध्यमं प्राणमाश्रित्य प्राणापानपथान्तरम् ।
आलम्ब्य ज्ञानशक्तिं च तत्स्थं चैवासनं लभेत ॥ 8.11 ॥
8.12
प्राणादिस्थूलभावं तु त्यक्त्वा सूक्ष्ममथान्तरम् ।
सूक्ष्मातीतं तु परमं स्पन्दनं लभ्यते यतः ॥ 8.12 ॥
8.13
प्राणायामः स उद्दिष्टो यस्मान्न च्यवते पुनः ।
शब्दादिगुणवृत्तिर्या चेतसा ह्यनुभूयते ॥ 8.13 ॥
8.14
त्यक्त्वा तां प्रविशेद्धाम परमं तत्स्वचेतसा ।
प्रत्याहार इति प्रोक्तो भवपाशनिकृन्तकः ॥ 8.14 ॥
8.15
धीगुणान् समतिक्रम्य निर्ध्येयं चाव्ययं विभुम् ।
ध्यात्वा ध्येयं स्वसंवेद्यं ध्यानं तच्च विदुर्बुधाः ॥ 8.15 ॥
8.16
धारणा परमात्मत्वं धार्यते येन सर्वदा ।
धारणा सा विनिर्दिष्टा भवबन्धविनाशिनी ॥ 8.16 ॥
8.17
समं सर्वेषु भूतेषु आधानं चित्तनिग्रहः ।
समाधानमिति प्रोक्तमन्यथा लोकदाम्भिकम् ॥ 8.17 ॥
8.18
स्वपरस्थेषु भूतेषु जगत्यस्मिन् समानधीः ।
शिवोऽहमद्वितीयोऽहं समाधिः स परः स्मृतः ॥ 8.18 ॥
8.19
सम्यक्स्वरूपसंवेद्यं संविद्रूपं स्वभावजम् ।
स्वसंवेद्यस्वरूपं च समाधानं परं विदुः ॥ 8.19 ॥
8.20
राशिभ्यां चिज्जडाभ्यां च विचार्य निपुणं पदम् ।
यन्नित्यं शाश्वतं रूपं समाधानं तु तद्विदुः ॥ 8.20 ॥
8.21
एवमष्टाङ्गयोगेन स्वभावस्थं परं ध्रुवम् ।
दृष्ट्वा वञ्चयते कालममृतेशं परं विभुम् ॥ 8.21 ॥
8.22
मृत्युजित् स भवेद्देवि न कालः कलयेच्च तम् ।
तत्त्वषट्त्रिंशतस्त्यागाद् भुवनानन्त्यवर्जनात् ॥ 8.22 ॥
8.23
एकाशीतिपदोर्ध्वं वै वर्णपञ्चाशतः परम् ।
व्यापकं सर्वमन्त्रेषु सर्वेष्वेव हि जीवनम् ॥ 8.23 ॥
8.24
अष्टात्रिंशत्कलोर्ध्वं तु सर्वान्तः सर्वमध्यगम् ।
आदिर्मध्यं न चैवान्तो लभ्यते यस्य केनचित् ॥ 8.24 ॥
8.25
तदप्रमेयमतुलं प्राप्य सर्वं न लभ्यते ।
येनैकेन जगत् सर्वमप्रमेयेन पूरितम् ॥ 8.25 ॥
8.26
तज्ज्ञात्वा मुच्यते क्षिप्रं घोरात् संसारबन्धनात् ।
तत्त्वत्रयविनिर्मुक्तं शाश्वतं चाचलं ध्रुवम् ॥ 8.26 ॥
8.27
दिव्येन योगमार्गेण दृष्ट्वा भूयो न जायते ।
सर्वेन्द्रियविनिर्मुक्तमवेद्यं चाप्यनामयम् ॥ 8.27 ॥
8.28
परमात्मस्वरूपं तु सर्वोपाधिविवर्जितम् ।
चैतन्यमात्मनो रूपं सर्वशास्त्रेषु कथ्यते ॥ 8.28 ॥
8.29
निर्मलं न भवेद्देवी यावच्छक्त्या न बोधितम् ।
दीक्षाज्ञानादिना शोध्यमात्मानं चैव निर्मलम् ॥ 8.29 ॥
8.30
ये वदन्ति न चैवान्यं विन्दन्ति परमं शिवम् ।
त आत्मोपासकाः शैवे न गच्छन्ति परं पदम् ॥ 8.30 ॥
8.31
यद्वा तु परमाशक्तिः सर्वज्ञादिगुणान्विता ।
आपादादिविकासिन्या न विकास्येत निर्मला ॥ 8.31 ॥
8.32
तावन्न निर्मलो ह्यात्मा बद्धः शैवे तदोच्यते ।
यत्रस्थः पुरुषः सर्वं वेत्त्यतीतमनागतम् ॥ 8.32 ॥
8.33
सन्नियम्येन्द्रियग्रामं तत्तत्त्वं शक्तिलक्षणम् ।
यत्र यत्र भवेदिच्छा ज्ञानं वापि प्रवर्तते ॥ 8.33 ॥
8.34
क्रियाकृत्यस्वरूपा वा तत्तत्त्वं शक्तिलक्षणम् ।
व्यापकस्य यतो देवि चिद्रूपस्यात्मनः शिवात् ॥ 8.34 ॥
8.35
प्रसरत्यद्भुतानन्दा सा शक्तिः परमा स्मृता ।
विप्रसार्य तमात्मानं सर्वज्ञादिगुणैर्गुणी ॥ 8.35 ॥
8.36
साभासः कथ्यते देवि शिवः परमकारणम् ।
सर्वज्ञः परितृप्तश्च यस्य बोधो ह्यनादिमान् ॥ 8.36 ॥
8.37
स्वतन्त्रो ह्यप्रलुप्तश्च यश्च वानन्तशक्तिकः ।
शक्तिमान् गुणभेदेन स्वगुणान् विन्दते गुणी ॥ 8.37 ॥
8.38
पृथग्भेदविभेदेन नानात्वं विमृशेदिह ।
स साभास इति प्रोक्तो निराभासस्तु कथ्यते ॥ 8.38 ॥
8.39
नाहमस्मि न चान्योऽस्ति निराभासस्तदा भवेत् ।
सावस्था परमा प्रोक्ता शिवस्य परमात्मनः ॥ 8.39 ॥
8.40
नाहमस्मि न चान्योऽस्ति ध्येयं चात्र न विद्यते ।
आनन्दपदसंलीनं मनः समरसीगतम् ॥ 8.40 ॥
8.41
नोर्ध्वे ध्यानं प्रयुञ्जीत नाधस्तान्न च मध्यतः ।
नाग्रतः पृष्ठतः किञ्चित् पार्श्वयोरुभयोरपि ॥ 8.41 ॥
8.42
नान्तःशरीरसंस्थाने न बाह्ये भावयेत् क्वचित् ।
नाकाशे बन्धयेल्लक्ष्यं नाधो दृष्टिं निवेशयेत् ॥ 8.42 ॥
8.43
न चाक्ष्णोर्मीलनं किञ्चिन्न किञ्चिद् दृष्टिबन्धनम् ।
अवलम्बं निरालम्बं सालम्बं न च भावयेत् ॥ 8.43 ॥
8.44
नेन्द्रियाणि न भूतानि शब्दस्पर्शरसादि यत् ।
सर्वं त्यक्त्वा समाधिस्थः केवलं तन्मयो भवेत् ॥ 8.44 ॥
8.45
सावस्था परमा प्रोक्ता परस्य परमात्मनः ।
निराभासं पदं तत्तु तत्प्राप्य विनिवर्तते ॥ 8.45 ॥
8.46
भावयेदेवमात्मानमात्मनो भावनाबलात् ।
स गच्छेत् परमं शान्तं शिवमत्यन्तनिर्मलम् ॥ 8.46 ॥
8.47
तत्तत्त्वमेकं सर्वत्र भवति(ते) मृत्युजिच्छिवम् ।
तच्चामृतेशं परमं तृतीयं पदमुत्तमम् ॥ 8.47 ॥
8.48
आख्यातं तव देवेशि किमन्यत् कथयामि ते ।
एवं मृत्युजिता सर्वं ध्यात्वा व्याप्तं विमुच्यते ॥ 8.48 ॥
8.49
सर्वकालं तु कालस्य वञ्चनं कथितं प्रिये ।
एवं तु त्रिविधं देवि मया ते प्रकटीकृतम् ॥ 8.49 ॥
8.50
कालस्य वञ्चनं नाम योगः परमदुर्लभः ।
अनेनाभ्यासयोगेन मृत्युजिद् भवति(ते) नरः ॥ 8.50 ॥
8.51
अनेनैव तु योगेन लोकानुग्रहकाम्यया ।
भवते मृत्युजिद्योगी सर्वप्राणिषु सर्वदा ॥ 8.51 ॥
8.52
एष मृत्युञ्जयः ख्यातः शाश्वतः परमो ध्रुवः ।
अस्मात् परतरो नास्ति सत्यमेतद्वदाम्यहम् ॥ 8.52 ॥
8.53
यत्परामृतरूपं तु त्रिविधं चोदितं मया ।
तदभ्यासाद् भवेज्जन्तुरात्मनोऽथ परस्य वा ॥ 8.53 ॥
8.54
अमृतेशसमो देवि मृत्युजिन्नात्र संशयः ।
येन येन प्रकारेण यत्र यत्रैव संस्मरेत् ॥ 8.54 ॥
8.55
तेन तेनैव भावेन स योगी कालजिद् भवेत् ।
यत्र यत्र स्थितो वापि येन येन व्रतेन वा ॥ 8.55 ॥
8.56
येन येन च योगेन भावभेदेन सिद्ध्यति ।
तदेकं बहुधा देवि ध्यातं वै सिद्धिदं भवेत् ॥ 8.56 ॥
8.57
द्वैताद्वैतविमिश्रे वा एकवीरेऽथ यामले ।
सर्वशास्त्रप्रकारेण सर्वदा सिद्धिदं भवेत् ॥ 8.57 ॥
8.58
चिन्तारत्नं यथा लोके चिन्तितार्थफलप्रदम् ।
तथैव मन्त्रराजस्तु चिन्तितार्थफलप्रदः ॥ 8.58 ॥
8.59
मन्त्राणां सप्तकोटीनामालयः परमो बली ।
भावहीनास्तु ये मन्त्राः शक्तिहीनास्तु कीलिताः ॥ 8.59 ॥
8.60
वर्णमात्राविहीनास्तु गुर्वागमविवर्जिताः ।
भ्रष्टाम्नायविहीना ये आगमोज्झितविघ्निताः ॥ 8.60 ॥
8.61
न सिद्ध्यन्ति यदा देवि जप्ता इष्टाः सहस्रशः ।
असिद्धा रिपवो ये च सर्वांशकविवर्जिताः ॥ 8.61 ॥
8.62
आद्यन्तसंपुटेनैव साद्यर्णेन तु रोधिताः ।
मन्त्रेणानेन देवेशि अमृतेशेन जीविताः ॥ 8.62 ॥
8.63
सिद्ध्यन्ति ह्यप्रयत्नेन जप्ता इष्टा न संशयः ।
ध्याताः सर्वप्रदा देवि भवन्ति न वचोऽनृतम् ॥ 8.63 ॥
8.64
इति सर्वं समाख्यातं रहस्यं परमं प्रिये ॥ 8.64 ॥
Kapitel 9
9.1
श्रुतं देव मया सर्वं माहात्म्यं मन्त्रनायके ।
अधुना श्रोतुमिच्छामि यदुक्तं विभुना मम ॥ 9.1 ॥
9.2
सर्वागमविधानेन भावभेदेन सिद्धिदम् ।
वामदक्षिणसिद्धान्तसौरवैष्णववैदिके ॥ 9.2 ॥
9.3
यथेष्टसिद्धिदं देवं यथेष्टाचारयोगतः ।
तदाख्याहि सुरेशान चिन्तारत्नफलोदयम् ॥ 9.3 ॥
9.4
शृणु सुन्दरि तत्त्वेन परमार्थं वदामि ते ।
अमृतेशविधानेन मृत्युजित् कथितं मया ॥ 9.4 ॥
9.5
तदेवं परमं देवममृतेशमनामयम् ।
स्वभावस्तत्समुद्दिष्टं व्यापकं शाश्वतं ध्रुवम् ॥ 9.5 ॥
9.6
न तस्य रूपं वर्णो वा परमार्थेन विद्यते ।
यस्मात् सर्वगतो देवः सर्वागममयः शुभः ॥ 9.6 ॥
9.7
व्यापकः सर्वमन्त्राणां सर्वसिद्धिप्रदायकः ।
निर्मलं स्फटिकं यद्वत् तन्तौ प्रोतं सितादिके ॥ 9.7 ॥
9.8
प्रतिबिम्बेत सर्वत्र येन येन हि रञ्जितम् ।
तत्तद् दर्शयतेऽन्येषां न स्वभावेन रञ्जितम् ॥ 9.8 ॥
9.9
तथा तथैव देवेशः सर्वागमनियोजितः ।
फलं ददाति सर्वेषां साधकानां हि सर्वतः ॥ 9.9 ॥
9.10
तस्मात् स्रोतःसु सर्वेषु चिन्तामणिरिवोज्ज्वलः ।
भावभेदेन वै ध्यातः सर्वागमफलप्रदः ॥ 9.10 ॥
9.11
शिवः सदाशिवश्चैव भैरवस्तुम्बुरुस्तथा ।
सोमसूर्यस्वरूपेण वह्निरूपधरो विभुः ॥ 9.11 ॥
9.12
यतो ज्ञानमयो देवो ज्ञानं च बहुधा स्थितम् ।
नियन्त्रितानां बद्धानां त्राणं तन्नेत्रमुच्यते ॥ 9.12 ॥
9.13
मृत्योरुत्तारयेद्यस्मान्मृत्युजित्तेन चोच्यते ।
अमृतत्वं ददात्येवममृतेश इति स्मृतः ॥ 9.13 ॥
9.14
एवं सर्वगतो देवो बहुरूपो मणिर्यथा ।
सर्वैराराधितो देवि स्वसिद्धिफलवाञ्छया ॥ 9.14 ॥
9.15
सर्वेषां फलदो देवः प्रार्थितार्थविधायकः ।
तस्माद् भावानुरूपेण साधकः साधने स्थितः ॥ 9.15 ॥
9.16
येन येनैव भावेन तस्य तत्फलदो भवेत् ।
यः सदाशिवरूपेण सदा ध्यायति साधकः ॥ 9.16 ॥
9.17
सदाशिवतनुस्तस्य भवतीव सुरेश्वरि ।
सर्वास्ता (स्तनवो) ह्येष सर्वानुग्रहकारकः ॥ 9.17 ॥
9.18
सद्यो वामो ह्यघोरश्च पुरुषेशानविग्रहः ।
अनेन हृदयादीनि न्यस्तव्यानि वरानने ॥ 9.18 ॥
9.19
अनेनैव तु मन्त्रेण स्वासनं परिकल्पयेत् ।
चन्द्रार्बुदप्रतीकाशं हिमाद्रिनिचयोपमम् ॥ 9.19 ॥
9.20
पञ्चवक्त्रं विशालाक्षं दशबाहुं त्रिलोचनम् ।
नागयज्ञोपवीतं तु व्याघ्रचर्माम्बरच्छदम् ॥ 9.20 ॥
9.21
बद्धपद्मासनासीनं सिद्धपद्मोपरिस्थितम् ।
त्रिशूलमुत्पलं बाणमक्षसूत्रं समुद्गरम् ॥ 9.21 ॥
9.22
दक्षिणेषु करेष्वेवं वामेषु शृण्वतः परम् ।
स्फेटकादर्शचापं च मातुलुङ्गुं कमण्डलुम् ॥ 9.22 ॥
9.23
चन्द्रार्धमौलिनं देवमापीतं पूर्ववक्त्रतः ।
दक्षिणं कृष्णभीमोग्रं दंष्ट्रलं विकृताननम् ॥ 9.23 ॥
9.24
कपालमालाभरणं जगत्संत्रासकारकम् ।
पश्चिमं हिमकुन्दाभं वामं रक्तोत्पलप्रभम् ॥ 9.24 ॥
9.25
ऊर्ध्ववक्त्रं महेशानि स्फटिकाभं विचिन्तयेत् ।
एवं ध्यात्वा तु देवेशं पूजयेद्विधिपूर्वकम् ॥ 9.25 ॥
9.26
स्वमूर्तौ स्थण्डिले लिङ्गे जले वा कमलोपरि ।
ईशानाद्यांश्च सद्योऽन्तान् स्वदिक्षु प्रतिपूजयेत् ॥ 9.26 ॥
9.27
आग्नेय्यादौ हृदादीनि न्यस्येत् पूजाविधानतः ।
तदा सिध्यत्यसंदेहं सत्यमेतद् ब्रवीमि ते ॥ 9.27 ॥
Kapitel 10
10.1
अथेदानीं प्रवक्ष्यामि भैरवागमभेदितम् ।
भिन्नाञ्जनचयप्रख्यं कल्पान्तदहनात्मकम् ॥ 10.1 ॥
10.2
पञ्चवक्त्रं शवारूढं दशबाहुं भयानकम् ।
क्षपामुखगणप्रख्यं गर्जन्तं भीषणस्वनम् ॥ 10.2 ॥
10.3
दंष्ट्रकरालवदनं भ्रुकुटीकुटिलेक्षणम् ।
सिंहासनपदारूढं व्यालहारैर्विभूषितम् ॥ 10.3 ॥
10.4
कपालमालाभरणं दारितास्यं महातनुम् ।
गजत्वक्प्रावृतपटं शशाङ्ककृतशेखरम् ॥ 10.4 ॥
10.5
कपालखट्वाङ्गधरं खड्गखेटकधारिणम् ।
पाशाङ्कुशधरं देवं वरदाभयपाणिकम् ॥ 10.5 ॥
10.6
वज्रहस्तं महावीरं परश्वायुधपाणिकम् ।
भैरवं पूजयित्वा तु तस्योत्सङ्गगतां स्मरेत् ॥ 10.6 ॥
10.7
प्रलयाग्निसमाकारां लाक्षासिन्दूरसप्रभाम् ।
ऊर्ध्वकेशीं महाकायां विकरालां सुभीषणाम् ॥ 10.7 ॥
10.8
महोदरीं पञ्चवक्त्रां नेत्रत्रयविभूषिताम् ।
नखरालां कोटराक्षीं मुण्डमालाविभूषिताम् ॥ 10.8 ॥
10.9
भैरवोक्तभुजां देवीं भैरवायुधधारिणीम् ।
इच्छाशक्तिरिति ख्यातां स्वच्छन्दोत्सङ्गगामिनीम् ॥ 10.9 ॥
10.10
अघोरेशीति विख्यातामेतद्रूपधरां स्मरेत् ।
सर्वतन्त्रेषु च प्रोक्तं प्रच्छन्नं न स्फुटीकृतम् ॥ 10.10 ॥
10.11
ममाशयो न केनापि लक्षितो भुवि दुर्लभः ।
व्याधिनिग्रहणाद्येषु पापेषु क्षयहेतवे ॥ 10.11 ॥
10.12
गोब्रह्मणेषु रक्षार्थं शान्तौ पुष्टौ सदा यजेत् ।
अथवा हिमकुन्देन्दुमुक्ताफलसमद्युतिम् ॥ 10.12 ॥
10.13
चन्द्रकोटिसमप्रख्यं स्फटिकाचलसंनिभम् ।
कल्पान्तदहनप्रख्यं जपाकिंशुकसंनिभम् ॥ 10.13 ॥
10.14
सूर्यकोटिसमाकारं रक्तं वा तमनुस्मरेत् ।
अथवा पद्मरागाभं हरितालसमद्युतिम् ॥ 10.14 ॥
10.15
इच्छारूपधरं देवमिच्छासिद्धिफलप्रदम् ।
यादृशेनैव वपुषा साधकस्तमनुस्मरेत् ॥ 10.15 ॥
10.16
तादृशं भजते रूपं तादृक्सिद्धिप्रदं शुभम् ।
पद्ममध्यस्थितं ध्यायेत् पूजयेद्विधिना ततः ॥ 10.16 ॥
10.17
यथानुरूपनैवेद्यपुष्पधूपासवैर्विभुम् ।
गोक्षीरसदृशीं देवीं हारहाससमप्रभाम् ॥ 10.17 ॥
10.18
सुशुद्धस्फटिकप्रख्यां कुन्देन्दुशशिनिर्मलाम् ।
चतुर्भुजां त्रिनेत्रां च वक्त्रैकेन विभूषिताम् ॥ 10.18 ॥
10.19
सिताम्बरधरां देवीं सितहारविभूषिताम् ।
सारङ्गासनसंस्थां तु वज्रहस्तां महाबलाम् ॥ 10.19 ॥
10.20
पाशाङ्कुशधरां देवीं घण्टाध्वनिनिनादिनीम् ।
पूर्वस्यां दिशि तिष्ठन्तीं देवदेवस्य संमुखीम् ॥ 10.20 ॥
10.21
यस्तु ध्यायति युक्तात्मा क्षिप्रं सिध्यत्यसौ नरः ।
सूर्यकोटिसमप्रख्यां ज्वलिताग्निसमप्रभाम् ॥ 10.21 ॥
10.22
सिन्दूरराशिसदृशीं विद्युद्रूपां भयङ्कराम् ।
त्रिनेत्रां भीमवदनां स्थूलकायां महोदरीम् ॥ 10.22 ॥
10.23
लम्बोदरीं लम्बकुचां प्रेतारूढां महाबलाम् ।
कपालमालाभरणां व्याघ्रचर्मकटिस्थलाम् ॥ 10.23 ॥
10.24
गजचर्मोत्तरीयां च मुण्डमालाविभूषिताम् ।
महोल्कामिव राजन्तीं भासयन्तीं दिगम्बराम् ॥ 10.24 ॥
10.25
चतुर्भुजामेकवक्त्रां खड्गखेटकधारिणीम् ।
कपालखट्वाङ्गधरां दक्षदिक्संस्थितां स्मरेत् ॥ 10.25 ॥
10.26
कृष्णारुणां महादीप्तां निर्मांसां विकृताननाम् ।
सुशुष्कां कोटराक्षीं च एकवक्त्रां चतुर्भुजाम् ॥ 10.26 ॥
10.27
त्रिनेत्रां भीमवदनां व्यालहारविभूषिताम् ।
ऊर्ध्वकेशीं महाकायां मुण्डमालाविभूषिताम् ॥ 10.27 ॥
10.28
स्नायुरज्जुनिबद्धाङ्गीं नरचर्मकटिच्छदाम् ।
व्याघ्रचर्माम्बरधरां खड्गखेटकधारिणीम् ॥ 10.28 ॥
10.29
अन्त्रासृङ्मांससंपूर्णपिटकं बिभ्रतीं करे ।
त्रोटयन्तीं महान्त्राणि पश्चिमायां दिशि स्मरेत् ॥ 10.29 ॥
10.30
कुम्भीरासनसंस्थां तु देवदेवस्य संमुखाम् ।
उष्ट्रग्रीवो गजस्कन्धो ह्यश्वकर्णो हुडाननः ॥ 10.30 ॥
10.31
व्याडजङ्घोपमाकारो वज्रायुधनखोपमः ।
कूर्मपृष्ठो मीनपुच्छः कुम्भीरः परिकीर्तितः ॥ 10.31 ॥
10.32
नीलोत्पलदलश्यामा शारदाम्बरसंनिभा ।
त्रिनेत्रा चैकवक्त्रा च नीलाम्बरविभूषिता ॥ 10.32 ॥
10.33
सिंहपृष्ठसमारूढा शरचापकरोद्यता ।
शक्तिहस्ता महादेवी ध्याता चेष्टफलप्रदा ॥ 10.33 ॥
10.34
सिद्धा रक्ता तथा शुष्का तथा चोत्पलहस्तिका ।
चतुर्दिक्षु स्थिता देव्यो भैरवस्य गणाम्बिके ॥ 10.34 ॥
10.35
विदिक्षु दूत्यो विन्यस्या वह्न्यादीशदिगन्ततः ।
काली चैव कराली च महाकाली तथैव च ॥ 10.35 ॥
10.36
भद्रकालीति विख्याता देवीरूपेण संस्थिताः ।
किन्त्वेता द्विभुजा देव्यः पद्मासनमवस्थिताः ॥ 10.36 ॥
10.37
कर्तिकामुण्डधारिण्यः किङ्करा द्वारदेशतः ।
क्रोधनो वृन्तकश्चैव कर्षणोऽथ गजाननः ॥ 10.37 ॥
10.38
द्विभुजा विकृतास्याश्च खड्गखेटकपाणयः ।
शान्त्यर्थं तु सिताः सर्वे रूपं वा कर्मभेदतः ॥ 10.38 ॥
10.39
अथेदानीं प्रवक्ष्यामि राजरक्षां विधानतः ।
मन्त्रसंपुटयोगेन मध्ये नाम समालिखेत् ॥ 10.39 ॥
10.40
तदूर्ध्वे भैरवं देवममृतेशं यजेत् प्रिये ।
देव्यो दलेषु तेनैव तथैवाद्यन्तयोजिताः ॥ 10.40 ॥
10.41
दूत्यस्तथा नियोज्यन्ते मूलमन्त्रेण किङ्कराः ।
पद्मबाह्ये सुशुक्लं तु लिखेत्तच्छशिमण्डलम् ॥ 10.41 ॥
10.42
चतुष्कोणं तु तद्बाह्ये वज्रलाञ्छनलाञ्छितम् ।
रोचनाकुङ्कुमेनैव क्षीरेण सितया तथा ॥ 10.42 ॥
10.43
लिखित्वा पूजयेच्छान्तौ सर्वश्वेतोपचारतः ।
यथानुरूपनैवेद्यैर्घस्मरैर्बलिनासवैः ॥ 10.43 ॥
10.44
सितचन्दनसंमिश्रान् कर्पूरक्षोदधूसरान् ।
साक्षतांस्तण्डुलतिलान् सितशर्करया सह ॥ 10.44 ॥
10.45
घृतक्षीरसमायुक्तान् होमयेद्यस्तु यत्नधीः ।
महाशान्तिर्भवेत् क्षिप्रं गृहीतो यदि मृत्युना ॥ 10.45 ॥
Kapitel 11
11.1
अथेदानीं प्रवक्ष्यामि तन्त्रमुत्तरमुत्तमम् ।
मन्त्रेणानेन यष्टव्यं सर्वसिद्धिफलोदयम् ॥ 11.1 ॥
11.2
सर्वोपद्रवशान्त्यर्थमष्टपत्रे कुशेशये ।
पूर्वोक्तमण्डले देवि मध्ये देवं च तुम्बुरुम् ॥ 11.2 ॥
11.3
दशबाहुं सुरेशानं पञ्चवक्त्रं त्रिलोचनम् ।
सादाशिवेन वपुषा वक्त्राण्यस्य प्रकल्पयेत् ॥ 11.3 ॥
11.4
तं चार्धचन्द्रशिरसं राजीवासनसंस्थितम् ।
हिमकुन्देन्दुधवलं तुहिनाचलसंनिभम् ॥ 11.4 ॥
11.5
नागयज्ञोपवीतं च सर्पभूषणभूषितम् ।
सर्वाभरणसंयुक्तं व्याघ्रचर्मकटिस्थलम् ॥ 11.5 ॥
11.6
गजचर्मपरीधानं वृषारूढं महाबलम् ।
खड्गचर्मधरं देवं टङ्ककन्दलभूषितम् ॥ 11.6 ॥
11.7
पाशाङ्कुशधरं देवं चक्रहस्ताक्षसूत्रिणम् ।
वरदाभयहस्तं च सर्वकिल्विषनाशनम् ॥ 11.7 ॥
11.8
सर्वदिक्षु स्थिता देव्यः पूर्वादौ दूत्य एव च ।
आग्नेय्यादिविदिक्ष्वेवं किङ्करा द्वारदेशतः ॥ 11.8 ॥
11.9
जम्भनी मोहनी चैव सुभगा दुर्भगा तथा ।
दूतयस्तु समाख्याताः किङ्करान् शृण्वतः परम् ॥ 11.9 ॥
11.10
क्रोधनो वृन्तकश्चैव गजकर्णो महाबलः ।
सव्यापसव्ये गायत्रीं सावित्रीं विनिवेशयेत् ॥ 11.10 ॥
11.11
अध ऊर्ध्वेऽङ्कुशं मायां विन्यस्येत्तदनन्तरम् ।
सर्वाण्येतानि योज्यानि मूलमन्त्रेण सर्वदा ॥ 11.11 ॥
11.12
सितरक्तपीतकृष्णा देव्यो वै चतुराननाः ।
चतुर्भुजा त्रिनेत्रा च टङ्ककन्दलधारिणी ॥ 11.12 ॥
11.13
दण्डाक्षसूत्रहस्ता च प्रेतोपरि विराजते ।
जया देवी तु विजया रक्तवर्णा चतुर्भुजा ॥ 11.13 ॥
11.14
चतुर्वक्त्रा त्रिनेत्रा च शरकार्मुकधारिणी ।
खड्गचर्मधरा देवी ह्युलूकोपरि संस्थिता ॥ 11.14 ॥
11.15
अजिता पद्मगर्भा च चतुर्वक्त्रा चतुर्भुजा ।
शक्तिघण्टाधरा देवी चर्मपट्टिसधारिणी ॥ 11.15 ॥
11.16
अश्वारूढा महादेवी सर्वाभरणभूषिता ।
भिन्नेन्द्रनीलसदृशी चतुर्वक्त्रा विभूषिता ॥ 11.16 ॥
11.17
चतुर्भुजा त्रिनेत्रा च पाशाङ्कुशधरा तथा ।
रत्नपात्रगदाहस्ता दिव्यासनसुसंस्थिता ॥ 11.17 ॥
11.18
सौवर्णाम्बरसंवीता स्वर्णभूषणभूषिता ।
स्वदिक्षु संस्थिता इष्टा ध्याताः सिद्धिफलप्रदाः ॥ 11.18 ॥
11.19
दूत्यस्तद्रूपधारिण्यः किन्तु वक्त्रैकभूषिताः ।
द्विभुजाश्च त्रिनेत्राश्च मुण्डकर्तरिभूषिताः ॥ 11.19 ॥
11.20
मत्स्यः कूर्मस्तु मकरो भेकस्तासां तथासनम् ।
किङ्कराः खड्गहस्ताश्च द्विभुजाश्चर्मधारिणः ॥ 11.20 ॥
11.21
एकवक्त्रास्त्रिनेत्राश्च भ्रुकुटीकुटिलेक्षणाः ।
सितादिवर्णभेदेन ध्याताः सिद्धिफलप्रदाः ॥ 11.21 ॥
11.22
गायत्री रक्तवर्णाभा वक्त्रैकेन विभूषिता ।
बद्धपद्मासनासीना ध्यानोन्मीलितलोचना ॥ 11.22 ॥
11.23
सावित्री सितवर्णेन ध्यानान्तर्गतलोचना ।
तथैवावयवा देवी माया कृष्णा चतुर्भुजा ॥ 11.23 ॥
11.24
महापटावगूहिन्यासंपुटाकारयुग्मतः ।
अङ्कुशो भैरवाकारः पाशाङ्कुशधरो विभुः ॥ 11.24 ॥
11.25
कपालखट्वाङ्गधरो वसाऽसृङ्मांसलम्पटः ।
क्षीरार्णवं चोर्वीं शक्तिमाधारिकां शुभाम् ॥ 11.25 ॥
11.26
आसनार्थं प्रयुञ्जीत शान्त्यर्थं सितनीरजम् ।
सर्व एव तु देवेशि सुशुल्काः(सुशुक्लाः) शान्तिकारकाः ॥ 11.26 ॥
11.27
रक्ताः पीतास्तथा कृष्णा ध्यातव्याः कर्मभेदतः ।
अथान्यं संप्रवक्ष्यामि चक्रराजं महाबलम् ॥ 11.27 ॥
11.28
आद्यन्तसंपुटेनैव मध्ये नाम समालिखेत् ।
देवं देवीश्च दूतीश्च पूर्ववद्विधिना न्यसेत् ॥ 11.28 ॥
11.29
मध्ये दलेषु विदलेष्वन्यतः सर्वतःसुधी ।
यथानुरूपैर्नैवेद्यैर्भूरिशान्त्यर्थमात्मनः ॥ 11.29 ॥
11.30
अन्यस्य वा प्रयोक्तव्यं यष्टव्यं शान्तिकर्मणि ।
तिलतण्डुलमध्वाज्यक्षीरशर्करया सह ॥ 11.30 ॥
11.31
होमयेत् पूर्ववत् कुण्डे प्रशस्तेन्धनदीपिते ।
महाशान्तिः प्रजायेत सत्यं मे नानृतं वचः ॥ 11.31 ॥
11.32
सर्वरक्षाविधानेषु याज्या देव्यः सुसिद्धिदाः ।
पङ्क्तिष्ठा वा यजेद्देवीर्मध्ये देवं च तुम्बुरुम् ॥ 11.32 ॥
11.33
सर्वाः श्रियः समाप्नोति साधकः संयतेन्द्रियः ।
अन्यस्य वा प्रयुञ्जानो जयत्यत्र न संशयः ॥ 11.33 ॥
Kapitel 12
12.1
अथातः संप्रवक्ष्यामि कुलाम्नायनिदर्शनम् ।
यागं होमं जपं कार्यं येन सर्वमवाप्नुयात् ॥ 12.1 ॥
12.2
पद्ममध्ये तु संपूज्यो भैरवः पूर्वचोदितः ।
पूर्वादिदिग्दलावस्था ह्यष्टौ देव्यः स्वभावतः ॥ 12.2 ॥
12.3
ब्रह्मादिदेवतानां च स्वरूपायुधवाहनाः ।
ब्रह्मी माहेश्वरी चैव कौमारी वैष्णवी तथा ॥ 12.3 ॥
12.4
वाराही चैव माहेन्द्री चामुण्डा बहुरूपिणी ।
ब्रह्मादिबहुरूपान्तं रूपमासां स्ववाहनम् ॥ 12.4 ॥
12.5
स्वायुधं चैव सर्वासां स्वरूपेण विभूषितम् ।
कपालखट्वाङ्गधरा वराभयकरोद्यताः ॥ 12.5 ॥
12.6
पङ्क्तिष्ठा वा यजेद्देवीः सर्वाभीष्टफलप्रदाः ।
सर्वेषामेव शान्त्यर्थं प्राणिनां भूतिमिच्छता ॥ 12.6 ॥
12.7
भूरियागेन यष्टव्या यथाकामानुरूपतः ।
विशेषाद्देवि यष्टव्या भूभृतामपि दैशिकैः ॥ 12.7 ॥
12.8
आसामेव प्रसादेन राज्यं निहतकण्टकम् ।
भुञ्जते सर्वराजानः सुभगा ह्यवनीतले ॥ 12.8 ॥
12.9
यस्मादेतज्जगत्सर्वं देवीनां तु स्वभावजम् ।
एता योनिस्वरूपास्तु देवादिजगतः प्रिये ॥ 12.9 ॥
12.10
सर्वास्ताः सर्वदुःखौघहारिण्यः प्राणिनां प्रिये ।
रक्षन्ति मातृवच्चैताः पालयन्ति जगत् सदा ॥ 12.10 ॥
12.11
कोष्ठे वै कार्षिका यद्वच्छक्तिरूपं जगत् प्रिये ।
प्रलये धारयन्ति स्म सृजन्तीह पुनश्च ताः ॥ 12.11 ॥
12.12
यद्वच्च कार्षकाः काले बीजवापं प्रकुर्वते ।
फलाय तद्वत् फलदा ब्रह्मकल्पसिसृक्षया ॥ 12.12 ॥
12.13
कल्पादौ कल्पमध्यान्ते व्याप्नुवन्ति जगच्च ताः ।
तस्मात् सर्वप्रकारेण शान्त्यर्थं हितकारिकाः ॥ 12.13 ॥
12.14
यष्टव्या देवि होतव्या ध्यातव्याः सिद्धिकामतः ।
सर्वबीजैस्त्रिमध्वक्तैस्तिलैर्वा श्रीफलैः शुभैः ॥ 12.14 ॥
12.15
पुष्पैर्वा सुप्रशस्तैश्च फलैर्वान्यैः सुहोमितैः ।
सर्वसिद्धिप्रदा देव्यः सर्वकामफलप्रदाः ॥ 12.15 ॥
Kapitel 13
13.1
एवं वै मन्त्रराजस्य कौलिकश्चोदितो विधिः ।
पुनरन्यत् प्रवक्ष्यामि विधानं यत्फलप्रदम् ॥ 13.1 ॥
13.2
नारायणं चतुर्बाहुं पद्मपत्रायतेक्षणम् ।
अतसीपुष्पसङ्काशमेकवक्त्रं द्विलोचनम् ॥ 13.2 ॥
13.3
शङ्खचक्रगदापद्मसर्वाभरणभूषितम् ।
दिव्याम्बरधरं देवं दिव्यपुष्पोपशोभितम् ॥ 13.3 ॥
13.4
स्फुरन्मुकुटमाणिक्यकिङ्किणीजालमण्डितम् ।
दिव्यकुण्डलधर्तारमुत्थितं तु सदा स्मरेत् ॥ 13.4 ॥
13.5
अथवा पक्षिराजस्थं सुश्वेतं तु मनोरमम् ।
त्रिवक्त्रं सौम्यवदनं वराहहरिभूषितम् ॥ 13.5 ॥
13.6
भुजैः षड्भिः समायुक्तं वराभयसमन्वितम् ।
उत्सङ्गेऽस्य श्रियं ध्यायेत्तद्वर्णायुधधारिणीम् ॥ 13.6 ॥
13.7
लावण्यकान्तिसदृशीं देवदेवस्य संमुखीम् ।
चतुर्दिक्षु स्थिता देवीर्विदिक्ष्वङ्गानि पूजयेत् ॥ 13.7 ॥
13.8
जया लक्ष्मीस्तथा कीर्तिर्माया वै दिक्षु ता यजेत् ।
पाशाङ्कुशधरा देव्यो वरदाभयपाणिकाः ॥ 13.8 ॥
13.9
देवस्य संमुखे ध्यायेच्छ्रीवर्णा रूपधारिणीः ।
देवस्य सदृशाङ्गानि तद्वर्णास्त्रधराणि च ॥ 13.9 ॥
13.10
अथवाष्टभुजं देवं पीतवर्णं सुशोभनम् ।
मेषोपरिस्थितं देवि दिग्वस्त्रं चोर्ध्वलिङ्गिनम् ॥ 13.10 ॥
13.11
शृङ्गं वष्टभ्य चैकेन चेया (केना) रोद्यतपाणिकम् ।
बालरूपं यजेन्नित्यं क्रीडन्तं योषितां गणैः ॥ 13.11 ॥
13.12
चतुर्दिक्षु स्थिता देव्यो दिगम्बरमनोरमाः ।
कर्पूरी चन्दनी चैव कस्तूरी कुङ्कुमी तथा ॥ 13.12 ॥
13.13
तद्रूपधारिका देव्य इच्छासिद्धिफलप्रदाः ।
बहुनात्र किमुक्तेन विश्वरूपं तु तं स्मरेत् ।
अनेकवक्त्रसंघातैरनेकास्त्रभुजैस्तथा ॥ 13.13 ॥
13.14
शयनस्थं विवाहस्थमर्धलक्ष्मीयुतं तथा ॥ 13.14 ॥
13.15
केवलं नरसिंहं वा वराहं वामनं स्मरेत् ।
कपिलोऽप्यथवा पूज्यश्चाव्यक्तो वापि निष्कलः ॥ 13.15 ॥
13.16
येन येन प्रकारेण भावभेदेन संस्मरेत् ।
तस्य तन्मयतामेति इत्याज्ञा पारमेश्वरी ॥ 13.16 ॥
13.17
तेजोमयमतो वक्ष्ये येन सिद्धिर्भवेन्नृणाम् ।
रक्तपद्मनिभाकारं लाक्षारससमप्रभम् ॥ 13.17 ॥
13.18
सिन्दूरराशिवर्णाभं पद्मरागसमप्रभम् ।
कुसुम्भरागसङ्काशं दाडिमीकुसुमप्रभम् ॥ 13.18 ॥
13.19
कल्पान्तवह्निसदृशमेकवक्त्रं त्रिलोचनम् ।
चतुर्भुजं महात्मानं वरदाभयपाणिकम् ॥ 13.19 ॥
13.20
वज्रमेकेन हस्तेन रश्मिमेकेन धारयेत् ।
सप्ताश्वरथमारूढं नागयज्ञोपवीतिनम् ॥ 13.20 ॥
13.21
रक्तमाल्याम्बरधरं रक्तगन्धानुलेपितम् ।
अथवाष्टभुजं देवि लोकपालायुधान्वितम् ॥ 13.21 ॥
13.22
त्रिवक्त्रं घोरवदनं त्रिनेत्रं विकृताननम् ।
अश्वोपरिसमारूढं पद्ममध्ये सदा यजेत् ॥ 13.22 ॥
13.23
हृच्छिरश्च शिखा वर्म लोचनास्त्रं प्रपूजयेत् ।
पद्ममध्ये यजेद्देवं ग्रहानष्टौ द्वितीयके ॥ 13.23 ॥
13.24
नक्षत्राणि तृतीये तु यथासंख्यं त्रिभिस्त्रिभिः ।
दलाग्रे त्रितयं पूज्यं लोकपालांश्चतुर्थके ॥ 13.24 ॥
13.25
पञ्चमे पद्मसंस्थाने अस्त्राण्यष्टौ प्रपूजयेत् ।
उत्थितं केवलं वापि द्विभुजं रश्मिसंयुतम् ॥ 13.25 ॥
13.26
विश्वकर्मस्वरूपं वा विश्वाकारं जगत्पतिम् ।
चतुर्भुजं महात्मानं टङ्कपुस्तकधारिणम् ॥ 13.26 ॥
13.27
संदंशं वामहस्तेन सूत्रं वै दक्षिणेन तु ।
देवैः सिद्धैश्च गन्धर्वैः स्तूयमानं विचिन्तयेत् ॥ 13.27 ॥
13.28
स्थलेऽनले जले चैव पर्वताग्रे प्रपूजयेत् ।
यत्र वा रोचते चित्ते इच्छासिद्धिफलप्रदम् ॥ 13.28 ॥
13.29
शङ्खकुन्देन्दुधवलं त्रिनेत्रं रुद्ररूपिणम् ।
सादाशिवेन रूपेण वृषारूढं विचिन्तयेत् ॥ 13.29 ॥
13.30
चतुर्भुजं महात्मानं शूलाभयसमन्वितम् ।
मातुलुङ्गधरं देवमक्षसूत्रधरं प्रभुम् ॥ 13.30 ॥
13.31
अथो बहुभुजं देवं नाट्यस्थं चिन्तयेत् प्रभुम् ।
उमार्धधारिणं यद्वा विष्णोरर्धार्धधारिणम् ॥ 13.31 ॥
13.32
विवाहस्थं च वा ध्यायेत् समीपस्थं प्रपूजयेत् ।
ब्रह्मा चतुर्मुखः सौम्यो रक्तवर्णः सुलोचनः ॥ 13.32 ॥
13.33
लम्बकूर्चः सुतेजाश्च हंसारूढश्चतुर्भुजः ।
दण्डाक्षसूत्रहस्तश्च कमण्डल्वभये दधत् ॥ 13.33 ॥
13.34
वेदैश्चतुर्भिः संयुक्तः सर्वसिद्धिफलप्रदः ।
बुद्धः पद्मासनगतः प्रलम्बश्रुतिचीवरः ॥ 13.34 ॥
13.35
पद्माक्षः पद्मचिह्नश्च मणिबद्धो जगद्धितः ।
समाधिस्थो महायोगी वरदाभयपाणिकः ॥ 13.35 ॥
13.36
अक्षसूत्रधरो देवः पद्महस्तः सुलोचनः ।
एवं ध्यातः पूजितश्च स्त्रीणां मोक्षफलप्रदः ॥ 13.36 ॥
13.37
बहुनात्र किमुक्तेन पौनःपुन्येन सुन्दरि ।
कार्तिकेयश्च कामश्च सूर्यः सोमो विनायकः ॥ 13.37 ॥
13.38
लोकपालास्तथा सर्वे येऽन्ये वा देवयोनिजाः ।
गारुडे भूततन्त्रे च वाग्विधानेषु सर्वतः ॥ 13.38 ॥
13.39
न्यायारहतयोगेषु वैदिकाद्येष्वनेकशः ।
यामले चैकवीरे च नवके त्रिकभेदतः ॥ 13.39 ॥
13.40
समभेदे च देव्याख्ये दुर्गाख्ये विन्ध्यवासिनि ।
चण्डिकाद्ये चतुष्के च स्वयम्भूत्थे महेश्वरे ॥ 13.40 ॥
13.41
प्राक्प्रतिष्ठितरूपे वा ऋषिमानुषयोजिते ।
आयुधे विविधे चैव विद्यापीठेषु सर्वतः ॥ 13.41 ॥
13.42
सर्वपातालतन्त्रेषु नागेषु द्रामिडेषु च ।
शक्तयो वा ह्यनन्ताश्च मन्त्रेणानेन सुव्रते ॥ 13.42 ॥
13.43
विधानेनार्चिताः सर्वे सर्वसिद्धिफलप्रदाः ।
भवन्त्यवितथाः सर्वे सत्यं मे नानृतं वचः ॥ 13.43 ॥
13.44
सर्वसाधारणो देवः सर्वसिद्धिफलप्रदः ।
सर्वेषामेव मन्त्राणां जीवभूतो यतः स्मृतः ॥ 13.44 ॥
13.45
प्रतिष्ठापूजने चैव भद्रपीठार्घपात्रके ।
अग्निसंस्करणे चैव न्यासध्यानादिवाहने ॥ 13.45 ॥
13.46
विकल्पो नैव कर्तव्यः सर्वसाधारणो यतः ।
सङ्करोऽत्र न जायेत तस्माच्छङ्कां परित्यजेत् ॥ 13.46 ॥
13.47
सकृज्जप्तः शरीरस्थः सकृज्जप्तोऽर्घपात्रके ।
सकृद्धस्तेषु विन्यासो मानसे तु सकृज्जपात् ॥ 13.47 ॥
13.48
बाह्यस्थितः सकृत्पूज्यः सकृच्चन्द्रार्कमूर्तिषु ।
सकृद्धोमे सकृज्जप्ये उदके तु सकृद्यजेत् ॥ 13.48 ॥
13.49
सकृत्सकृच्च सर्वत्र पूजयेत् परमेश्वरम् ।
प्राणायामादिकः क्लेशो मुद्रा योगश्च धारणा ॥ 13.49 ॥
13.50
नैवोपयुज्यते ह्यस्य मन्त्रराजस्य सुव्रते ।
व्यवसायेन कर्तव्यमन्यथा नैव दूषणम् ॥ 13.50 ॥
Kapitel 14
14.1
यदि देव परत्वेन वर्णितो मन्त्र उत्तमः ।
सर्वेषामेव तन्त्राणां देवतानां च सर्वतः ॥ 14.1 ॥
14.2
हृदयं परमं ह्येष मन्त्रराट् सर्वसिद्धिदः ।
किमन्यैर्मन्त्रमुख्यैश्च जप्तैरिष्टैर्वद स्व मे ॥ 14.2 ॥
14.3
साधु साधु महेशानि पृष्टोऽहं यत्त्वयानघे ।
तदहं संप्रवक्ष्यामि यत्सारं परमं ध्रुवम् ॥ 14.3 ॥
14.4
आसीदिदं शक्तिरूपमनौपम्यमनामयम् ।
शिवं सर्वगतं शुद्धमप्रतर्क्यमतीन्द्रियम् ॥ 14.4 ॥
14.5
सिसृक्षुः स्वेच्छया देवि ज्ञानशक्त्या क्रियात्मकः ।
प्रथमो ह्येष देवेशः सर्वज्ञः सर्वगः शिवः ॥ 14.5 ॥
14.6
सर्वसर्वात्मको देव आदिसृष्टिप्रवर्तकः ।
ततोऽनु मन्त्रसृष्टिर्वै शिवेन परमात्मना ॥ 14.6 ॥
14.7
नानाप्रकारा रचिता पृथग्भेदव्यवस्थया ।
यथा तथैव देवेशः सर्वसर्वात्मकः परः ॥ 14.7 ॥
14.8
साधारणो मन्त्रनाथः सर्वेषामेव वाचकः ।
यदा तदा हि सर्वेषामात्मभूतो ह्यलेपकः ॥ 14.8 ॥
14.9
मन्त्रकोट्यो ह्यसंख्याता व्यक्ताव्यक्ता व्यवस्थिताः ।
सर्वास्ताः सिद्धिदास्तेन आद्यन्तेन निरोधिताः ॥ 14.9 ॥
14.10
एतत्संपुटयोगेन जप्ताः सिद्धिफलप्रदाः ।
तदर्थं तव सुश्रोणि स्नेहेन प्रकटीकृतम् ॥ 14.10 ॥
14.11
रहस्यं परमं सत्यं नाख्येयं यस्य कस्यचित् ।
गुप्तः सुसिद्धिदो देवि प्रकटः सिद्धिहा भवेत् ॥ 14.11 ॥
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तस्मात् सुगुप्तः कर्तव्यः संप्रदायो मुखागमः ।
Kapitel 15
15.1
अतः परं प्रवक्ष्यामि सर्वरक्षाकरो यथा ।
मन्त्रनाथो महोग्रं च धूपं रक्षोघ्नचोदितम् ॥ 15.1 ॥
15.2
सप्तवाराभिजप्तस्तु रक्षोघ्नो यस्य दीयते ।
शिरःस्थं धारयेन्नित्यं सर्वदोषैः स मुच्यते ॥ 15.2 ॥
15.3
सर्वदैत्यक्षयार्थं तु मदुक्तेनैव ब्रह्मणा ।
सेर्ष्याणां चैव सर्वेषामभिचारो यतः कृतः ॥ 15.3 ॥
15.4
तदासौ सर्षपः प्रोक्तः पाति रक्षति सर्वतः ।
यदा रक्षांसि सर्वाणि विद्रुतानि हतानि च ॥ 15.4 ॥
15.5
तदा देवि मया प्रोक्ता रक्षोघ्ना प्रथिता भुवि ।
आहवेषु च सर्वेषु दैत्यैः सह सुरोत्तमैः ॥ 15.5 ॥
15.6
नियुक्ता दुष्टहन्तारः सिद्ध्यर्थं रिपुनाशने ।
तेषामर्थो यदा सिद्धस्तेन सिद्धार्थका भुवि ॥ 15.6 ॥
15.7
ख्याता दर्पहरा देवि भूतानां दुष्टचेतसाम् ।
यदा सर्वेषु भूतेषु भयत्रस्तेषु सर्वतः ॥ 15.7 ॥
15.8
नीराजनविधानेन नामाङ्कं जुहुयात् प्रिये ।
वह्नौ संक्रुद्धमनसा मन्त्री रक्षार्थमुद्यतः ॥ 15.8 ॥
15.9
तदा नीराजनं ख्यातं सर्वश्रेयस्करं परम् ।
सितादिर्युगभेदेन वर्ततेऽनुग्रहे बली ॥ 15.9 ॥
15.10
शुक्लः सर्वप्रदः ख्यातो रक्तो राज्यप्रदायकः ।
पीतो रक्षाकरः प्रोक्तः कृष्णः शत्रुविनाशकृत् ॥ 15.10 ॥
15.11
चतुर्युगेषु सर्वत्र पीतकृष्णौ द्विरूपकौ ।
राजसर्षपगौराख्यौ द्विरूपोऽन्तर्हितः प्रिये ॥ 15.11 ॥
15.12
यदा मृत्युवशं यातः सर्वभूतैरुपद्रुतः ।
तदा तु घृतसंयुक्तं गोक्षीरसितशर्करा ॥ 15.12 ॥
15.13
तिलैर्विमिश्रितं कृत्वा जुहुयात् सर्वशान्तिदम् ।
तिलैः कृष्णैः समायुक्तं राजसर्षपमुत्तमम् ॥ 15.13 ॥
15.14
त्र्यक्तं वै जुहुयात् सद्यः सर्वशान्तिफलप्रदम् ।
अनेनैवाभिमन्त्र्यैतद्यस्य हस्ते प्रदीयते ॥ 15.14 ॥
15.15
सौभाग्यमतुलं तस्य जायते नात्र संशयः ।
सप्तकृत्वोऽभिसंमन्त्र्य मन्त्रेणानेन मन्त्रवित् ॥ 15.15 ॥
15.16
मूर्ध्नि प्रपातयेद्यस्य सर्वदोषैः स मुच्यते ।
अभिमन्त्र्य वासांसि चौषधम् ॥ 15.16 ॥
15.17
समालम्भेन वाभिमन्त्रितम् ।
दीयते यस्य तस्य हिंसकः ।
(नैव हिंसां करोत्यहिंसकः) ॥ 15.17 ॥
15.18
दिग्विदिक्षु जपेद्यस्य रक्षार्थं प्रयतात्मनः ।
दिवा वा यदि वा रात्रौ स्वपतो जाग्रतोऽपि वा ॥ 15.18 ॥
15.19
अवध्यः सर्वभूतैश्च भुवि तिष्ठत्यसौ नरः ।
राजरक्षाविधानं तु मयैतत् प्रकटीकृतम् ॥ 15.19 ॥
15.20
तव स्नेहात् प्रशस्तं तु रहस्यं सर्वसिद्धिदम् ।
नृपाणां नृपपत्नीनां तत्सुतानां द्विजादिषु ॥ 15.20 ॥
15.21
आचार्यः कुरुते यस्तु सर्वानुग्रहकारकः ।
मन्त्रज्ञः साधको वाथ स पूज्यः सर्वथा प्रभुः ॥ 15.21 ॥
15.22
संमानैर्विविधैर्नित्यं दानैर्विविधविस्तरैः ।
यथा मन्त्रान्तसंयुक्तः स्वाहा होमे प्रशस्यते ॥ 15.22 ॥
15.23
तथा सर्वेषु कार्येषु दक्षितो मन्त्रवित् सदा ।
फलप्रदो भवेत् सद्यः सर्वशान्तिप्रदः शुभः ॥ 15.23 ॥
15.24
सुधा यथा च नागानां पितृणां च स्वधा यथा ।
नमस्कारश्च देवानां वौषट् शान्तौ प्रशस्यते ॥ 15.24 ॥
15.25
मन्त्रज्ञानां तथा नित्यं दानं संमानमुत्तमम् ।
फलप्रदं भवत्याशु सर्वसिद्धिप्रदायकम् ॥ 15.25 ॥
15.26
ज्ञानशक्तौ स्थिता मन्त्रास्तज्ज्ञानं चेतसि स्थितम् ।
तच्चेतः पूजितं तुष्टं सात्त्विकं तु भवेत् सदा ॥ 15.26 ॥
15.27
सत्त्वस्थास्तु श्रियो नित्यं लक्ष्मीस्तत्रैव वर्तते ।
रजस्तमोविनाशेन मन्त्राः सत्त्वोदये स्थिताः ॥ 15.27 ॥
15.28
सिद्धिप्रदा भवन्त्याशु यतोऽतीव सुनिर्मलाः ।
तस्मात् सर्वप्रयत्नेन ह्याज्ञैषा पारमेश्वरी ॥ 15.28 ॥
15.29
परिपाल्या प्रयत्नेन सिद्धिमुक्ती न दूरतः ।
अनुत्तरविधानं तु न दद्यात् परदीक्षिते ॥ 15.29 ॥
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स्वशिष्ये दीक्षिते दद्यादन्यथा न प्रसिद्ध्यति ।
Kapitel 16
16.1
कथितं देवदेवेन रहस्यं परमाद्भुतम् ।
सर्वागममयो देव एकवीरो महाबलः ॥ 16.1 ॥
16.2
वामदक्षिणसिद्धान्त भेदत्रयविभेदतः ।
वैष्णवादिसमायुक्तः सरहस्यमुदाहृतः ॥ 16.2 ॥
16.3
सर्वदेवमयो ह्येष मृत्युजिद् व्यापकः शिवः ।
बहुभिः संप्रदायैश्च यष्टव्यो भावभेदतः ॥ 16.3 ॥
16.4
नानाक्रियोपचारेण नानासिद्धिफलप्रदः ।
अधुना श्रोतुमिच्छामि संशयो मे हृदि स्थितः ॥ 16.4 ॥
16.5
त्वदृते संशयस्यास्य च्छेता न ह्युपपद्यते ।
पृथक् पृथक् समाचारः पूर्वं देवेन भाषितः ॥ 16.5 ॥
16.6
कथमस्मिन् समाचारः सामान्यः पूर्वचोदितः ।
कथमेकेन मन्त्रेण सर्वे सिद्ध्यन्ति पूजिताः ॥ 16.6 ॥
16.7
बीजैः कूटैस्तथा पिण्डैर्मालामन्त्रैरशेषतः ।
वाच्यवाचकभेदेन सर्वसिद्धिफलप्रदाः ॥ 16.7 ॥
16.8
कथमेकेन मन्त्रेण पूजनार्हो नरो भवेत् ।
भवन्तीह सुराः सर्वे कथं वापि प्रसादतः ॥ 16.8 ॥
16.9
मनुष्याणां हितार्थाय कारुण्यात् परमेश्वर ।
कलिमासाद्य सिद्ध्यन्ति मनुजा दुःखमोहिताः ॥ 16.9 ॥
16.10
दारिद्र्यानलसन्तप्ता नानामृत्युभयान्विताः ।
पापैकनिरताः क्रूदाः शौचाचारबहिष्कृताः ॥ 16.10 ॥
16.11
हिंसापैशुन्यनिरतास्तपःसत्यविवर्जिताः ।
योगिनीशाकिनीभिश्च डाव्या डामरिकादिभिः ॥ 16.11 ॥
16.12
भूतैर्यक्षैरपस्मारैर्मुद्रिताः प्राणिनो यथा ।
सिद्ध्यन्ति विगतायासास्तथा ब्रूहि महेश्वर ॥ 16.12 ॥
16.13
साधु साधु महाभागे यथापृष्टं वदामि ते ।
अल्पायुषस्तथा मर्त्या मोहोपहतचेतसः ॥ 16.13 ॥
16.14
दुष्टाचाररताः नित्यमसत्सङ्गोपसेविनः ।
निन्दका बलिनः क्रूरा जरारोगवशीकृताः ॥ 16.14 ॥
16.15
दुष्टाचाररता मूर्खाः परेर्ष्यासेविनः सदा ।
महाभयाक्रान्तनिभा दारिद्र्यानलपीडिताः ॥ 16.15 ॥
16.16
नास्तिक्यवादिनो दुष्टाश्चौराचारसमन्विताः ।
अभक्ता देवगुरुषु मात्सर्याधमसेविनः ॥ 16.16 ॥
16.17
तीर्थोपवासनियमैर्व्रतैः कष्टतरैस्तथा ।
सिद्धिहीनास्तु ते सर्वे न मुक्ता इति निश्चयः ॥ 16.17 ॥
16.18
तेषामुद्धरणार्थं तु मन्त्रराजं महाबलम् ।
येन चेष्टेन ध्यातेन पूजितेन सुरार्चिते ॥ 16.18 ॥
16.19
सङ्गच्छन्ति परं स्थानं निर्वाणं भेषजं परम् ।
भविष्यति महादेवि कलिः कष्टतरो यतः ॥ 16.19 ॥
16.20
तदर्थं परमार्थोऽयं मया ते प्रकटीकृतः ।
परमार्थः परत्वेन मृत्युजित् सर्वतोमुखः ॥ 16.20 ॥
16.21
भावभेदेन यष्टव्यो मोक्षसिद्धिमभीप्सता ।
येषु येषु समाचारो मया शास्त्रेषु भाषितः ॥ 16.21 ॥
16.22
स्रोतःसु स तथा कार्यो विशेषाद्यागहोमयोः ।
अन्ये सामान्यतो देवि न सिद्ध्यन्ति कदाचन ॥ 16.22 ॥
16.23
किन्त्वस्मिंश्चाधिकारोऽस्ति त्रिविधे सर्वसिद्धिदे ।
द्वैताद्वैतविमिश्रे वापीष्टो वै सिद्धिदो भवेत् ॥ 16.23 ॥
16.24
यस्मात् सर्वगतो देवो विश्वरूपो मणिर्यथा ।
साधकस्येच्छया चेष्टः सिद्धिदो भवति ध्रुवम् ॥ 16.24 ॥
16.25
योऽसौ सर्वगतो देवः सर्वेष्वन्तर्गतो विभुः ।
सिद्धिमुक्तिप्रदाताऽसौ न वर्णाः परमार्थतः ॥ 16.25 ॥
16.26
यस्मात्तस्मात् सदा देवि यष्टव्यो भावभेदतः ।
यागमस्य प्रवक्ष्यामि क्रियते तु यथेच्छया ॥ 16.26 ॥
16.27
पर्वताग्रे नदीतीरे गवां गोष्ठेऽथ चत्वरे ।
वने चोपवने रम्ये देशकालानुरूपतः ॥ 16.27 ॥
16.28
सर्वशल्यविनिर्मुक्ते दुष्टसत्त्वविवर्जिते ।
पुण्यधर्मिष्ठसंवासे पापाचारविवर्जिते ॥ 16.28 ॥
16.29
यत्र निन्दापराः पौरा न दृश्यन्ते कदाचन ।
यन्न पश्यन्ति ते दुष्टाः सङ्कीर्णाः सर्वसङ्कराः ॥ 16.29 ॥
16.30
तस्मिन् यजेन्महामन्त्रमीतिभिः परिवर्जिते ।
गृहे यागः प्रकर्तव्य आचार्यैस्तत्त्वदर्शिभिः ॥ 16.30 ॥
16.31
सुगुप्तस्तु प्रकर्तव्यो विशेषाच्छान्तिकर्मणि ।
दीक्षाकाले तु कर्तव्यं मण्डलं यत्र तत्र हि ॥ 16.31 ॥
16.32
शान्तौ पुष्टौ प्रयत्नेन सुगुप्तं यजनं ध्रुवम् ।
यस्माद्धिंसापरा लोके दृश्यन्ते सिद्धिहिंसकाः ॥ 16.32 ॥
16.33
कीलनं चैव मन्त्राणां भेदनं मोहनं तथा ।
संत्रासं ताडनं चैव जम्भनं स्तम्भनं तथा ॥ 16.33 ॥
16.34
रिपुत्वकरणं चान्यत् प्रत्यङ्गिरत्वमेव हि ।
सर्वहानिविधायित्वं क्रियते दुष्टमन्त्रिभिः ॥ 16.34 ॥
16.35
एवं दशप्रकारेण प्रयतन्ते हि हिंसकाः ।
तस्मात् सर्वप्रयत्नेन सुगुप्ते शरणोपरि ॥ 16.35 ॥
16.36
स्वगृहे कारयेद्यत्नाद्यागं होमं जपं तथा ।
अत्यन्तफलदः श्रेष्ठः सुगुप्तो मृत्युजित् सदा ॥ 16.36 ॥
16.37
मण्डले स्थण्डिले कुम्भे निर्विशङ्केन चेतसा ।
हर्म्योपरि तथा होमो विशेषाच्छान्तिपुष्टिदः ॥ 16.37 ॥
16.38
न विकल्पोऽत्र देवेशि विकल्पाद्रौरवं व्रजेत् ।
यागं होमं तु तत्रैव सर्वसिद्धिफलप्रदम् ॥ 16.38 ॥
16.39
तस्करं तु विजानीयात् सिद्धिहानिं करोति यः ।
नाधिकारी भवेद्वै स तन्त्रेऽस्मिन् पारमेश्वरे ॥ 16.39 ॥
16.40
सर्वदः स भवेद्देवि तत्त्वविच्चाध्वविद् गुरुः ।
एवं व्याप्तिं तु यो वेत्ति परापरविभागतः ॥ 16.40 ॥
16.41
स भवेन्मोचकः साक्षाच्छिवः परमकारणम् ।
शिवतत्त्वमविज्ञाय दीक्षां प्रकुरुते तु यः ॥ 16.41 ॥
16.42
अन्धेनैव यथान्धस्तु सर्वे ते श्वभ्रपातिनः ।
आत्मानं च तथा शिष्यान्नयेन्निरयसङ्कटम् ॥ 16.42 ॥
16.43
तस्मात्तत्त्वविदाचार्यः श्रीमान् सर्वप्रदो भवेत् ।
यावन्न तत्त्वविच्छैवे कथं कर्माणि कारयेत् ॥ 16.43 ॥
16.44
मन्त्रज्ञो मन्त्रयागे तु परस्यैवात्मनोऽपि वा ।
यावन्न निर्मला मन्त्रास्तावत्सिद्धिः कथं भवेत् ॥ 16.44 ॥
16.45
निर्मलः स भवेच्चेत्तत्तत्स्था मन्त्राः सुनिर्मलाः ।
तदुद्भूततास्तत्समाश्च भवेयु सर्वसिद्धिदाः ॥ 16.45 ॥
16.46
शिवशक्तिनियोगाच्च मन्त्राणामुदयः परः ।
सर्वत्र फलदा मन्त्रा यतस्तेऽतः शिवाः स्मृताः ॥ 16.46 ॥
16.47
तस्माच्छिवसमाः सर्वे नित्यानुग्रहकारिणः ।
शिवश्चाचार्यरूपेण तेनैते फलदाः स्मृताः ॥ 16.47 ॥
16.48
यावन्न तत्त्वविन्मन्त्री गुरुर्वा साधकोऽपि वा ।
तावन्न फलदो देवि सत्यमेतद् ब्रवीमि ते ॥ 16.48 ॥
16.49
अन्यथा भोगसंयुक्त आचार्यः फलदो नहि ।
तस्मात्तु तत्त्वविच्छ्रेष्ठः सर्वदा सर्वकर्मसु ॥ 16.49 ॥
16.50
तेन यो दीक्षितो जन्तुः ब्रह्महापि शिवो भवेत् ।
यत्र यत्र स्थितो देशे यश्चैवं तु विधिं यजेत् ॥ 16.50 ॥
16.51
येन येनोपचारेण भावभेदेन येन वा ।
सामान्येन विशेषेण कौलिकेनाथ सुव्रते ॥ 16.51 ॥
16.52
तत्तत्साधयते शीघ्रं यथा देवः सदाशिवः ।
चतुरश्रे वर्तुलेऽथ हस्तमात्राधिकेऽपि वा ॥ 16.52 ॥
16.53
आचार्यस्येच्छया सर्वं सिद्ध्यति व्याप्तिवेदनात् ।
क्रियाशक्तिस्वरूपेण कुण्डल्या व्याप्तिभावनात् ॥ 16.53 ॥
16.54
तत्कुण्डं व्यापकं ज्ञात्वा सर्वज्ञस्तु भवेद् गुरुः ।
यावन्न विन्दते व्याप्तिं कुण्डस्यैवात्मनोऽपि च ॥ 16.54 ॥
16.55
साध्यस्यैव पशोश्चैव पाशानां च षडध्वनः ।
बालवत् क्रीडते तावत् कार्यं तस्य कथं भवेत् ॥ 16.55 ॥
16.56
यः पुनर्वेत्ति चात्मानं शिवशक्तिस्वरूपकम् ।
स सर्वफलदः श्रेष्ठः स कर्ता सर्वविच्छिवः ॥ 16.56 ॥
16.57
ज्ञानशक्तिमयो वह्निर्व्याप्यव्यापकभेदतः ।
स ज्ञाता सर्वकर्ता च मोक्षदः फलदो गुरुः ॥ 16.57 ॥
16.58
षडध्वातीतयागं तु यजते यस्तु दैशिकः ।
मायोदधौ स नौभूतः सर्वत्राणकरः शिवः ॥ 16.58 ॥
16.59
अध्वमध्यगतं यागं यः करोत्यविचारतः ।
नासौ मोचयितुं शक्तः परमात्मानमेव वा ॥ 16.59 ॥
16.60
नैव सिद्धिं तु लभते न कार्यकरणे क्षमः ।
षडध्वना तु तेनैव बन्धनं तु मलं स्मृतम् ॥ 16.60 ॥
16.61
मायीयाणवकार्मं तु विसरेद् बन्धकारणम् ।
पशोश्चैव न तत्रस्थः शक्तो वै मोचने गुरुः ॥ 16.61 ॥
16.62
अध्वमध्यगताः पाशाः प्ररोहन्ति सदात्मनः ।
तदतीतं परं ज्ञात्वा को न मुच्येत बन्धनात् ॥ 16.62 ॥
16.63
को वा मोक्षप्रदो न स्यात् कः सिद्धिं लभते न च ।
को न दाता भवेन्मन्त्री कः कार्ये न क्षमः प्रिये ॥ 16.63 ॥
16.64
यः परः सर्वतोरुद्रस्तं ज्ञात्वा तन्मयो भवेत् ।
मानोन्मानप्रमाणादि वेत्ति वै योऽध्वनो गुरुः ॥ 16.64 ॥
16.65
शिल्पिवत् स भवेद्दक्षो विचित्राकारकारकः ।
न मोक्षदस्तु भवति नासौ सिद्धिफलप्रदः ॥ 16.65 ॥
16.66
तस्माच्छिवसमाः सर्वे द्रष्टव्यास्तत्त्ववेदिनः ।
कर्मी योगी तथा ज्ञानी आचार्यस्त्रिविधः स्मृतः ॥ 16.66 ॥
16.67
कर्मयोगौ तु देवेशि ज्ञानमूलौ फलप्रदौ ।
पृथग्भेदो न दृश्येत ज्ञानाद्वै योगकर्मणोः ॥ 16.67 ॥
16.68
तस्मादाचार्यमुख्यस्तु ज्ञानवान् सर्वदो भवेत् ।
शिवाश्रयः शिवस्थस्तु शिवशक्तिप्रचोदितः ॥ 16.68 ॥
16.69
निर्मिमीते जगत्सर्वं शिवरूपो यतः स्मृतः ।
इच्छाज्ञानक्रियायोगशिवशक्तिविशारदः ॥ 16.69 ॥
16.70
यः करोति शिवेच्छातो ज्ञात्वा चाप्यध्वसंस्थितिम् ।
अचिन्त्या मन्त्रशक्तिर्वै परमेशमुखोद्भवा ॥ 16.70 ॥
16.71
यद्यत्प्रकुरुते ज्ञानी शिवशक्तिसमाश्रयात् ।
तत्तन्निष्पद्यते तस्य शिवशक्तिप्रभावतः ॥ 16.71 ॥
16.72
तस्य वै संमुखा मन्त्रा दृष्टप्रत्ययकारकाः ।
शान्तिकादीनि कर्माणि विषभूतग्रहादिषु ॥ 16.72 ॥
16.73
क्षणेन कुरुते सर्वं शिवः परमकारणम् ।
तं प्रबोधयते यस्तु ज्ञानयोगबलान्वितः ॥ 16.73 ॥
16.74
मन्त्रशक्तिप्रभावेण स दीक्ष्यान् दीक्षयेत् प्रिये ।
क्षयं नयत्यसौ पाशान् ददात्येव परं पदम् ॥ 16.74 ॥
16.75
योजन्या योजने शक्तः शिवशक्तिप्रभावतः ।
प्रत्ययस्तु भवेत्तस्य दृष्टो नान्यस्य कस्यचित् ॥ 16.75 ॥
16.76
गारुडे मातृतन्त्रे च वामे स्रोतसि दक्षिणे ।
ज्येष्ठे चण्डासिधारे च प्रत्यक्षफलदा क्रिया ॥ 16.76 ॥
16.77
अत्यन्तमलिनस्यास्य पुंसो विद्धस्य मायया ।
कर्मणा भोगसक्तस्य अभिलाषान्वितस्य च ॥ 16.77 ॥
16.78
मोक्षं ददाति दीक्षासौ क्रियाख्या ज्ञानरूपिणी ।
उन्मना तु परा शक्तिर्ज्ञानरूपावधूतिका ॥ 16.78 ॥
16.79
सा क्रियेत्यभिधीयेत न क्रिया त्वध्वमध्यगा ।
योगशक्तिर्ज्ञानशक्तिः सर्वशास्त्रेषु गीयते ॥ 16.79 ॥
16.80
सा शक्तिः परमेशस्य शिवस्याशिवहारिणी ।
बन्धमोक्षकरी पुंसां न स्वतन्त्रा स्वभावतः ॥ 16.80 ॥
16.81
अनेनैवानुसारेण शिवः सर्वप्रदः शुभः ।
शिवादिगुरुपङ्क्तिर्या रुद्रकोट्यो ह्यनेकशः ॥ 16.81 ॥
16.82
आप्तोपदेशमात्रेण पारम्पर्येण संस्थिता ।
शिवज्ञानं यतो देवि सदैवाप्तागमः स्मृतः ॥ 16.82 ॥
16.83
ब्रह्मादिस्तम्बपर्यन्तं शिवशक्तिसमन्वितम् ।
एवं शक्तिमयं सर्वं जगत् स्थावरजङ्गमम् ॥ 16.83 ॥
16.84
शक्तिमान् सर्वकर्माणि कुरुते नात्र संशयः ।
शक्तिहीना न सिद्ध्यन्ति यागकोटिशतैरपि ॥ 16.84 ॥
16.85
जपकोटिसहस्रैस्तु होमलक्षैः सविस्तरैः ।
तस्मात् सर्वप्रयत्नेन शिवज्ञानं समभ्यसेत् ॥ 16.85 ॥
16.86
तदा सिध्यन्त्यशेषाणि कर्माण्येवान्यथा न हि ।
शान्तिकादीनि कर्माणि कुरुतेऽसौ तदा गुरुः ॥ 16.86 ॥
16.87
यागे होमे जपे चैव तथालेख्यक्रमेऽपि च ।
आपदो यदि चोत्पन्नाः पूर्वोक्तं यागमारभेत ॥ 16.87 ॥
16.88
साध्यं विमृश्य तद्द्रव्यं संभारेण तु संभृतम् ।
यागस्तु क्रियते यस्य तस्य शान्तिः प्रजायते ॥ 16.88 ॥
16.89
तिलं क्षीरं घृतेनैव सितशर्करया सह ।
होमयेद्यस्य नाम्ना च महाशान्तिमवाप्नुयात् ॥ 16.89 ॥
16.90
क्षीरवृक्षसमिद्भस्तु क्षीराक्ताभिः समाहितः ।
होमयेद्यस्य नाम्ना च तस्य शान्तिर्भवेद् ध्रुवम् ॥ 16.90 ॥
16.91
सुमनो घृतसंयुक्ता होमयेद्यस्य नामतः ।
तस्य शान्तिर्भवेत् क्षिप्रं नात्र कार्या विचारणा ॥ 16.91 ॥
16.92
श्रीकामः श्रीफलान् हुत्वा श्रियमाप्नोति पुष्कलाम् ।
घृतगुग्गुलहोमेन पुष्टिर्भवति शाश्वती ॥ 16.92 ॥
16.93
मृत्युजित्संपुटं कृत्वा साध्यनाम जपेद्यदि ।
आत्मनो वा परस्यापि मृत्युस्तस्य न बाधते ॥ 16.93 ॥
16.94
अष्टपत्रेऽथ कमले कर्णिकायां निवेशयेत् ।
साध्यार्णरोधितं नाम तदूर्ध्वे मृत्युजिद् भवेत् ॥ 16.94 ॥
16.95
आग्नेय्यादिविभागेन दलेष्वङ्गानि विन्यसेत् ।
द्विरष्टदलसंपूर्णं बाह्ये तत्कमलं लिखेत् ॥ 16.95 ॥
16.96
कलाषोडशकेनैव पूर्वादौ पूरयेत्ततः ।
द्वात्रिंशद्दलसंयुक्तं तद्वाह्ये पङ्कजं न्यसेत् ॥ 16.96 ॥
16.97
कादिमान्तक्रमेणैव पूर्वादावीशमन्ततः ।
साध्यार्णरोधिताः सर्वे वर्णाश्चक्रत्रये स्थिताः ॥ 16.97 ॥
16.98
सर्वेषां मध्यतः संज्ञां साध्यस्यैव तु रोधयेत् ।
जीवमध्यगतं नाम कर्णिकायां निवेशयेत् ॥ 16.98 ॥
16.99
प्राणान्तः कल्पयेज्जीवं प्राणं वर्णान्तमध्यगम् ।
बाह्येऽस्य मण्डलं सौम्यं सुसंपूर्णं तु कारयेत् ॥ 16.99 ॥
16.100
तद्वाह्ये तु पुरं चैन्द्रं वज्रभृद्वज्ररोधितम् ।
भूर्जपत्रे तु संलिख्य चक्रमेतद्वरानने ॥ 16.100 ॥
16.101
सुशुद्धे निर्व्रणे श्लक्ष्णे रोचनाकुङ्कुमेन च ।
संवेष्ट्य सितसूत्रेण कार्पासेन नवेन च ॥ 16.101 ॥
16.102
मधुमध्ये निधाप्यैतत् सुगन्धिघृतमिश्रिते ।
मृद्भाण्डे संनिधाप्यैतत् सितपुष्पैः प्रपूजयेत् ॥ 16.102 ॥
16.103
पायसैर्घृतसंमिश्रैर्भक्ष्यैर्नानाविधैस्तथा ।
मृष्टैर्धूपैर्धूपयित्वा पूजयेद् भूरिसंभृतैः ॥ 16.103 ॥
16.104
बाह्येऽत्र कलशानष्टौ पूर्वादौ पूजयेत्ततः ।
सितचन्दनकर्पूरसुधूपामोदसंयुतान् ॥ 16.104 ॥
16.105
रत्नगर्भाम्बुसंपूर्णान् सर्वौषधिसमन्वितान् ।
सौवर्णान् राजतांस्ताम्रन् मृण्मयान् वा सुशोभनान् ॥ 16.105 ॥
16.106
अकालमूलान् सुशुभान् प्रशस्तांल्लक्षणान्वितान् ।
तेषां मध्ये तु संपूज्य लोकपालान् क्रमेण तु ॥ 16.106 ॥
16.107
तेषां शिवाज्ञा दातव्या रक्षध्वं साध्यमुत्तमम् ।
प्रातर्मध्येऽह्नि सायं च निशार्धे पूजयेत्ततः ॥ 16.107 ॥
16.108
सप्तरात्रे व्यतिक्रान्ते मृत्युजिद् भवते नरः ।
सर्वव्याधिविनिष्क्रान्तः सर्वदोषविवर्जितः ॥ 16.108 ॥
16.109
सर्वरोगैर्विमुच्येत ज्वरैः सर्वैर्न संशयः ।
सर्वदुःखविनिर्मुक्त ईतिभिः परिवर्जितः ॥ 16.109 ॥
16.110
तिष्ठेच्च स नरो भूयो यथाहिर्मुक्तकञ्चुकः ।
यदि नान्यमना देवि साधकस्तत्परायणः ॥ 16.110 ॥
16.111
जपहोमरतः शान्तस्तस्मिन् स्थाने तु तिष्ठति ।
सत्त्ववान् वीर्यसंपन्नो दयादाक्षिण्यसंयुतः ॥ 16.111 ॥
16.112
सप्तरात्रे व्यतिक्रान्ते मृतांश्चैवानयेद् बलात् ।
गोभूहिरण्यवस्त्राद्यैः केयूरकटकादिभिः ॥ 16.112 ॥
16.113
पूज्योऽसौ परया भक्त्या शान्तिपुष्ट्या विशेषतः ।
यस्मान्मन्त्रमयो वै स शिवः साक्षात्तु दैशिकः ॥ 16.113 ॥
16.114
तेन पूजितमात्रेण सर्वे सिद्धिफलप्रदाः ।
भवन्त्यवितथं भद्रे सत्यं मे नानृतं वचः ॥ 16.114 ॥
16.115
अन्यथा सिद्धिहानिः स्यात् कृतं चैव निरर्थकम् ।
आचार्यस्यापि साध्यस्य कृत्या स्थितिविनाशिनी ॥ 16.115 ॥
16.116
तस्मात् सर्वप्रयत्नेन मन्त्रवित् पूजयेद् गुरुम् ।
भवन्ति पूजिता मन्त्राः सर्वसिद्धिफलप्रदाः ॥ 16.116 ॥
Kapitel 17
17.1
अथातः संप्रवक्ष्यामि चक्रराजं महाबलम् ।
पूर्ववन्मध्यतो नाम जीवान्तः कल्पयेत् सुधीः ॥ 17.1 ॥
17.2
प्राणस्यान्तस्ततः कृत्वा वर्णान्तान्तर्व्यवस्थितम् ।
अन्तिमं तु ततो बाह्ये तद्बाह्ये मध्यमं न्यसेत् ॥ 17.2 ॥
17.3
प्रथमं तु ततो बाह्यो कर्णिकायां तु विन्यसेत् ।
केसरेषु स्वराः पूज्या दलेष्वङ्गानि पूर्ववत् ॥ 17.3 ॥
17.4
बाह्ये कलशमालिख्य कमलोभयमध्यगम् ।
पूजयेत् पूर्वविधिना जपहोमार्चने रतः ॥ 17.4 ॥
17.5
साधयत्यचिरेणैव चिन्तितं नात्र संशयः ।
सर्वशान्तिप्रदं चक्रं पुष्टिसौभाग्यदायकम् ॥ 17.5 ॥
17.6
आयुर्वीर्यप्रदं चैव ज्वररोगविनाशनम् ।
परराष्ट्रविभीतानां नृपाणां विजयावहम् ॥ 17.6 ॥
17.7
राजस्त्रीणां तत्सुतानां विप्रादीनां च सर्वशः ।
रक्षा ह्येषा प्रकर्तव्या सर्वोपद्रवनाशिनी ॥ 17.7 ॥
17.8
पङ्क्त्या चैव लिखेन्नाम त्वक्षरान्तरितं प्रिये ।
आद्यन्ते मूलमन्त्रं तु वौषड्जातियुतं न्यसेत् ॥ 17.8 ॥
17.9
पूर्ववत् पूजयेद् भूरियागेनैव सितैः शुभैः ।
तत्क्षणान्मुच्यते रोगैराघ्रतो यदि मृत्युना ॥ 17.9 ॥
17.10
वौषड्जातियुतं मन्त्रं दिक्ष्वष्टासु लिखेत् सिते ।
भूर्जवल्कलके रम्ये मध्ये नाम तु पूर्ववत् ॥ 17.10 ॥
17.11
रक्षापदसमायुक्तं तद्बाह्ये शशिमण्डलम् ।
मन्त्रान्त्यवर्णममृतं कलाषोडशसंस्थितम् ॥ 17.11 ॥
17.12
ताभिर्मण्डलमापूर्य बाह्ये तु कलशं न्यसेत् ।
तद्बाह्ये चन्द्रसूर्यौ तु पुरन्दरपुरस्थितौ ॥ 17.12 ॥
17.13
रोचनाकुङ्कुमेनैव क्षीरशर्करया लिखेत् ।
पूजयित्वा विधानेन पूर्ववच्छान्त्यवस्थितः ॥ 17.13 ॥
17.14
राजरक्षा तु वै प्रोक्ता सर्वोपद्रवनाशिनी ।
राजरक्षाविधानेन होमयेत् क्षीरसंयुतान् ॥ 17.14 ॥
17.15
सितशर्करया युक्तान् सुगन्धीन् घृतमिश्रितान् ।
क्षीरवृक्षेन्धने वह्नौ तिलान् शान्तिं लभेत सः ॥ 17.15 ॥
17.16
यदा मृत्युवशाघ्रतः कालेन कलितो नरः ।
दृष्ट्वा तं पूर्ववद्यागो मण्डले तु यथोदिते ॥ 17.16 ॥
17.17
क्रियते द्रव्यसंभारसंभृतो मृत्युनाशनः ।
मृत्योरुत्तरते शीघ्रं मन्त्रस्यास्य प्रभावतः ॥ 17.17 ॥
17.18
तदेव भूर्जपत्रे तु सितशर्करया सह ।
क्षीरेण रोचनायुक्तं कुङ्कुमेन युतं लिखेत् ॥ 17.18 ॥
17.19
रुक्मकुम्भे तु मध्वक्तं स्थापयेत् सुगोपितम् ।
तदूर्ध्वतो द्वितीयं तु क्षीरपूर्णं सुशोभनम् ॥ 17.19 ॥
17.20
स्रवन्तममृतं ध्यात्वा स्थापयेत् पुष्टिकामतः ।
सप्तरात्रप्रयोगेण मृत्युजिद् भवते नरः ॥ 17.20 ॥
17.21
क्षीणकायो भवेत् पूर्णः पक्षान्ते तु यथा शशी ।
न मृत्योर्वशगः सो वै सत्यं मे नानृतं वचः ॥ 17.21 ॥
17.22
साध्यार्णरोधितं नाम रक्षापदसमन्वितम् ।
मध्ये संपूजयेत् साध्यं पूर्ववच्चामृतीकुरु ॥ 17.22 ॥
17.23
तदात्मना तु संवेष्ट्य वारुणेन तु वै पुनः ।
कलाशेषेण तद्बाह्ये संपूर्णेन तु वेष्टयेत् ॥ 17.23 ॥
17.24
पुरन्दरं ततो बाह्ये द्विश्चतुर्दिक्षु गोचरे ।
तन्मण्डलं तु योज्येत वज्रमण्डलमध्यगम् ॥ 17.24 ॥
17.25
रक्षितश्चामृतेशेन न तस्य भयदाः क्वचित् ।
भवन्ति योगिनीभूतयक्षराक्षसहिंसकाः ॥ 17.25 ॥
17.26
कुम्भान्तस्तु लिखेन्नाम तत्स्थाप्यं कमलोपरि ।
अधोमुखं तु तत्पृष्ठे कमलं पूर्ववल्लिखेत् ॥ 17.26 ॥
17.27
तत्कर्णिकास्थं विलिखेदधोवक्त्रप्रयोगतः ।
स्रवन्तममृतं ध्यायेत् संपूर्णं सर्वतोमुखम् ॥ 17.27 ॥
17.28
अमृतेशं करन्ध्रेण प्रविष्टं तस्य भावयेत् ।
हृदये तत्प्रविष्टं तु सर्वनाडीः प्रपूरयेत् ॥ 17.28 ॥
17.29
तत्क्षणाज्जायते पुष्टिः क्षीणकायोऽपि यो नरः ।
पङ्क्त्या तु विलिखेन्मन्त्रं प्रत्येकं वर्णमध्यगम् ॥ 17.29 ॥
17.30
नाम साध्यस्य वै लेख्यं दिग्विदिङ्मृत्युजिल्लिखेत् ।
पूर्ववत् पद्ममालिख्य षडङ्गं पूर्ववत् प्रिये ॥ 17.30 ॥
17.31
संयोज्य पूजयेच्छक्त्या यथाविभवविस्तरैः ।
सर्वश्वेतोपचारेण सर्वदुःखनिबर्हणः ॥ 17.31 ॥
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भवते मन्त्रमुख्यस्तु नात्र कार्या विचारणा ।
Kapitel 18
18.1
भगवन् देवदेवेश सर्वसत्त्वहिते रतः ।
त्रायकस्त्वं सुरेशान सर्वानुग्रहकारक ॥ 18.1 ॥
18.2
उक्ता त्वया महेशान व्याप्तिर्मन्त्रेषु चाध्वनः ।
आख्याहि मे जगन्नाथ यदि तुष्टोऽसि हे प्रभो ॥ 18.2 ॥
18.3
मन्त्राणां कीलनादौ तु योजनं सूचितं विभो ।
नाख्यातं देवदेवेन यथा सिध्यन्ति साधकाः ॥ 18.3 ॥
18.4
परप्रयुक्ता नश्यन्ति कृत्याखार्खोदकादयः ।
प्रत्यङ्गिरा प्रयोगेण हन्ति दुष्टान्यनेकशः ॥ 18.4 ॥
18.5
यथा तथा महादेव ब्रूहि निःसंशयं मम ।
वादानामेव सर्वेषां मन्त्रवादमिहोत्तमम् ॥ 18.5 ॥
18.6
ज्ञात्वा नियोजयेन्मन्त्री मन्त्रलिङ्गानि सुव्रते ।
दीपनं बोधनं चैव ताडनं चाभिषेचनम् ॥ 18.6 ॥
18.7
विमलीकरणं चैव तथेन्धननिवेशनम् ।
संतर्पणं गुप्तिभाव आप्यायो नवमस्तथा ॥ 18.7 ॥
18.8
एवं नवप्रकारेण मन्त्रवादमशेषतः ।
यो जानाति स जानाति मन्त्रसाधनसाधनम् ॥ 18.8 ॥
18.9
एकादशविधो मन्त्रो ज्ञातव्यश्च पुनः प्रिये ।
येन सम्यङ्नयोगेन सिद्ध्यन्ति साधकेश्वराः ॥ 18.9 ॥
18.10
तं चैव संप्रवक्ष्यामि सर्वशास्त्रेषु संमतम् ।
संपुटं ग्रथितं ग्रस्तं समस्तं च विदर्भितम् ॥ 18.10 ॥
18.11
आक्रान्तं च तथाद्यन्तं गर्भस्थं सर्वतोवृतम् ।
तथा युक्तिविदर्भं च विदर्भग्रथितं तथा ॥ 18.11 ॥
18.12
इत्येकादशधा मन्त्रा नियुक्ताः सिद्धिदाः स्मृताः ।
सिद्धं साध्यं सुसिद्धं च तथैवारित्वमेव च ॥ 18.12 ॥
18.13
ज्ञात्वा सर्वमशेषेण मन्त्रन्यासं समाचरेत् ।
उदयास्तमयौ व्याप्तिं ध्यानं मुद्रां स्वरूपतः ॥ 18.13 ॥
18.14
यो वेत्त्येवं स सर्वज्ञः सर्वकृत् साधकोत्तमः ।
एवमन्यैरशेषैश्च भावभेदैः सुरेश्वरि ॥ 18.14 ॥
18.15
भावितव्या महामन्त्रा भवन्ति फलदाः प्रिये ।
तस्मात्सर्वप्रयत्नेन ज्ञात्वा सर्वं नियोजयेत् ॥ 18.15 ॥
18.16
अस्यैवं मन्त्रराजस्य नास्ति भेदविचारणा ।
सर्वेषां मन्त्रराजानां बृंहकः परमेश्वरः ॥ 18.16 ॥
18.17
अनेन ग्रथिता मन्त्राः सूत्रे मणिगणा इव ।
अस्य गर्भे स्थिता मन्त्राः जायन्ते मोक्षसिद्धिदाः ॥ 18.17 ॥
18.18
परं सर्वगतं देवं सर्वसिद्धफलोदयम् ।
व्यापकं सर्वतोभद्रं सर्वतोमुखमव्ययम् ॥ 18.18 ॥
18.19
पूरणं सर्वमन्त्राणां रक्षणं सर्वतोबलम् ।
मन्त्राणां योनिभूतं तु मोक्षदं सिद्धिदं शिवम् ॥ 18.19 ॥
18.20
यतस्ततोऽस्य मन्त्रस्य नास्ति देवि विचारणा ।
एतैर्दोषसहस्रैस्तु च्छिद्रितः साधको यदि ॥ 18.20 ॥
18.21
विनायकैश्च ये ग्रस्ता आधिव्याधिप्रपीडिताः ।
विरक्तपौरा निर्भृत्या अपुत्राश्च सुदुःखिता ॥ 18.21 ॥
18.22
मृतपुत्रा मृतदाराः सभया विगतश्रियः ।
आचार्याः साधका वापि मन्त्रसिद्धिपराङ्मुखाः ॥ 18.22 ॥
18.23
विपुत्रा दुर्भगा नार्यो वन्ध्या विद्विष्टभर्तृकाः ।
एवमादिसहस्रैश्च दुःखदोषैश्च संयुताः ॥ 18.23 ॥
18.24
दृष्ट्वा तान् मानवांल्लोके उक्तदोषैश्च दूषितान् ।
तेषां चैव प्रकर्तव्यो यागो भाग्यावहः परः ॥ 18.24 ॥
18.25
श्रीयागः परमेशानि मन्त्रेणानेन मन्त्रिणा ।
महालक्ष्मीकृते यागे भाग्यभाग्भवते नरः ॥ 18.25 ॥
18.26
पूर्वोक्तदोषनिर्मुक्तः प्राप्नोति परमं सुखम् ।
कलशेनाभिषिक्तोऽसौ पूजयित्वा महाश्रियम् ॥ 18.26 ॥
18.27
प्राप्नोत्यचिन्तितान् कामान् ब्रह्मविष्णुशिवोपमान् ।
एवं ज्ञात्वा तु मेधावी यागं कुर्यात् सुशोभनम् ॥ 18.27 ॥
18.28
यागोऽयं सर्वथा देवि सर्वश्रेयस्करः परः ।
पूर्वोक्ते भूप्रदेशे तु सर्वलक्षणलक्षिते ॥ 18.28 ॥
18.29
सर्वशल्योज्झिते रम्ये महापद्मवनेऽथवा ।
सुप्रच्छन्ने प्रशस्ते च सुगुप्ते शरणोपरि ॥ 18.29 ॥
18.30
आलिखेन्मण्डलं तत्र चतुरश्रं समन्ततः ।
(एकान्नविंशसूत्राणि पातयेदैन्द्रवारुणे) ॥ 18.30 ॥
18.31
तथा दक्षिणकौबेरसूत्राणि सुसमानि च ।
तत्राष्टादशभिर्भागैश्चतुर्दिक्षु समन्ततः ॥ 18.31 ॥
18.32
त्रिशती कोष्ठकानां तु चतुर्विंशाधिका भवेत् ।
तन्मध्ये चालिखेत् पद्ममष्टपत्रं सुशोभनम् ॥ 18.32 ॥
18.33
भागाष्टके तु तन्मध्ये चतुर्धा विभजेत्ततः ।
प्रथमे कर्णिका कार्या केसराणि द्वितीयके ॥ 18.33 ॥
18.34
सन्धयश्च तृतीये तु दलाग्राणि चतुर्थके ।
भ्रमयेच्चतुरो वृत्तान् सुसमांस्तु समांशतः ॥ 18.34 ॥
18.35
दिक्षु सूत्राष्टकं दद्याद्विदिक्ष्वेवं च पातयेत् ।
एन्द्रीं दिशं गृहीत्वा तु मध्यसूत्रप्रमाणतः ॥ 18.35 ॥
18.36
किञ्जल्कस्थं भवेत् पत्रं तन्मध्ये कर्णिकां लिखेत् ।
दलसन्धिस्थितं सूत्रं स्थाप्य पार्श्वे तु भ्रमयेत् ॥ 18.36 ॥
18.37
द्वाभ्यामुभयपार्श्वाभ्यां पूर्वपत्रं प्रसाधयेत् ।
पीता तु कर्णिका कार्या पुष्करा हरिताः स्मृता ॥ 18.37 ॥
18.38
केसराणि विचित्राणि चतुर्विंशतिसंख्यया ।
सितरक्तानि पीतानि मूलमध्याग्रदेशतः ॥ 18.38 ॥
18.39
सुश्वेतानि दलानि स्युर्व्योमरेखा तु वर्तुला ।
बाह्यस्याङ्गुष्ठमानेन श्वेतवर्णा सुशोभना ॥ 18.39 ॥
18.40
दलान्तराणि रक्तानि तद्बाह्ये चतुरश्रकम् ।
तथैवाङ्गुलिमानेन सितरेखा तु पीतला ॥ 18.40 ॥
18.41
गात्रकाणि ततो बाह्ये भागाभ्यां चैव पार्श्वतः ।
सितादिवर्णभेदेन कोणेष्वाग्नेयमादितः ॥ 18.41 ॥
18.42
गात्रकान्पीतवर्णांश्च पूर्वादौ तु समालिखेत् ।
द्वौ द्वौ भागौ ततो लोप्यौ वीथ्यर्थं चैव सर्वतः ॥ 18.42 ॥
18.43
कृष्णेन रजसा लेख्या पद्मशङ्खविभूषिता ।
द्वारं च शुक्लं कुर्वीत द्विभागेनैव पार्श्वतः ॥ 18.43 ॥
18.44
वीथीमानेन विस्ताराद्वीथ्यर्धेन तु कारयेत् ।
कण्ठं तथोपकण्ठं च तथा शोभोपशोभके ॥ 18.44 ॥
18.45
एवं द्वाराणि निष्पाद्य वृत्तानि त्रीणि कारयेत् ।
पश्चिमं विवृतं कार्यं पार्श्वयोस्तु विलेखयेत् ॥ 18.45 ॥
18.46
शोभां चैवौपशोभां च रक्तवर्णां तु पीतिकाम् ।
प्रतिद्वारं चतुर्दिक्षु कोष्ठकैरधरोत्तरैः ॥ 18.46 ॥
18.47
कोणान्तेषु लिखेद्देवि पद्मशङ्खौ समन्ततः ।
तस्मिन्बाह्यसमन्तात्तु भूतरेखास्तु पातयेत् ॥ 18.47 ॥
18.48
सितादिवर्णभेदेन निवृत्त्याद्यास्तु ता कलाः ।
बाह्ये तु पत्रवल्ल्यब्जैः स्वस्तिकैरुपशोभितम् ॥ 18.48 ॥
18.49
आलिख्य मण्डलं मुख्यं तन्मध्ये तु यजेच्छिर्यम् ।
पूर्वाधिवासः कर्तव्यो यथाविभवविस्तरैः ॥ 18.49 ॥
18.50
यागहर्म्यं तु कर्तव्यं शक्त्या द्रव्यानुसारतः ।
वेदीतोरणसंयुक्तं नानाध्वजविराजितम् ॥ 18.50 ॥
18.51
पादुकाच्छत्रशय्यादिनानाशोभासमन्वितम् ।
गृहोपकरणाद्यैश्च भोगैर्नानाविधैस्तथा ॥ 18.51 ॥
18.52
वितानमूर्ध्वं कर्तव्यं सुश्वेतं तु मनोरमम् ।
जवनिकां चतुरङ्गां दीपाष्टौ दिक्षु दापयेत् ॥ 18.52 ॥
18.53
बालव्यजनघण्टादि तथादर्शचतुष्टयम् ।
पताकाष्टौ नवाः श्रेष्ठा नानारङ्गसमुज्ज्वलाः ॥ 18.53 ॥
18.54
कलशाष्टौ तथा रौप्यास्ताम्र वा मृण्मया अपि ।
समुद्राष्टौ तथा पूज्याः सर्वौषधिसमन्वितान् ॥ 18.54 ॥
18.55
चूतपल्लवसंयुक्तान् सहिरण्यांश्च पूजयेत् ।
काण्डाष्टौ पञ्चरङ्गाणि दिग्विदिक्षु निवेशयेत् ॥ 18.55 ॥
18.56
लोकपालास्तथा पूज्याः पटेषु स्वाकृतिस्थिताः ।
तथा ह्यस्त्राकृतिः कार्या दशदिक्षु समन्ततः ॥ 18.56 ॥
18.57
द्वाराध्यक्षास्ततो बाह्ये कार्याः स्वाम्नायदर्शनात् ।
सर्वसाधारणत्वाच्च पटे कार्यास्तु तादृशाः ॥ 18.57 ॥
18.58
वेदमङ्गलनिर्घोषैर्जयपुण्याहसंयुतैः ।
नृत्तवादित्रघोषैश्च स्तोत्रैर्नानाविधैस्तथा ॥ 18.58 ॥
18.59
आचार्यस्तु शुचिर्दक्षश्चन्दनागुरुचर्चितः ।
धौतपौतिकया युक्त उष्णीषाङ्गुलिभूषितः ॥ 18.59 ॥
18.60
कटकाद्यैर्महाहारैः पुष्पस्रग्दामभूषितः ।
मूर्तिपैर्धूपवाहैश्च अर्घवाहैस्तथैव च ॥ 18.60 ॥
18.61
सर्वसंभारसंयुक्तो ह्यधिवासनपूर्वकम् ।
कुम्भास्त्रवार्धनीमिष्ट्वा कृतक्षेत्रपरिग्रहः ॥ 18.61 ॥
18.62
पश्चाद्देवि रजःपातं विदध्याद् दैशिकोत्तमः ।
पूर्वोक्तवपुषा ध्यात्वा मृत्युजिन्मध्यतो यजेत् ॥ 18.62 ॥
18.63
तदुत्सङ्गगतां देवीं श्रियं वै विश्वमातरम् ।
विशुद्धस्फटिकप्रख्यां हिमकुन्देन्दुसप्रभाम् ॥ 18.63 ॥
18.64
चन्द्रार्बुदप्रतीकाशां गोक्षीरसदृशप्रभाम् ।
मुक्ताफलनिभां श्वेतां श्वेतवस्त्रानुगूहिताम् ॥ 18.64 ॥
18.65
सितचन्दनलिप्ताङ्गीं कर्पूरक्षोदधूसराम् ।
शुद्धहारेन्दुकान्तादिरत्नोज्ज्वलविमण्डिताम् ॥ 18.65 ॥
18.66
सितस्रग्दाममालाभिः कमलैः सुविभूषिताम् ।
हरहाससुशुभ्रङ्गीं सितहासां मनोरमाम् ॥ 18.66 ॥
18.67
सुशुक्लमुकुटोपेतामेकवक्त्रां त्रिलोचनाम् ।
बद्धपद्मासनासीनां योगपट्टविभूषिताम् ॥ 18.67 ॥
18.68
शङ्खपद्मकरां सौम्यां वरदाभयपाणिकाम् ।
चतुर्भुजां महादेवीं सर्वलक्षणलक्षिताम् ॥ 18.68 ॥
18.69
ध्यात्वा वै भावभेदेन रूपायुधविभूषिताम् ।
अमृतेशविधानेन तथैवाङ्गानि कल्पयेत् ॥ 18.69 ॥
18.70
सर्वश्वेतोपचारेण पूजयेत् सर्वसिद्धिदाम् ।
अनेनैव विधानेन श्रीधरं वा श्रिया सह ॥ 18.70 ॥
18.71
पूजयेद् भक्तितो देवि सर्वकामफलप्रदम् ।
पाद्यार्घ्यकुसुमैः शुभ्रैर्मृष्टधूपादिभिस्तथा ॥ 18.71 ॥
18.72
लेह्यैः पेयैस्तथा चूष्यैर्भक्ष्यैर्नानाविधैः शुभैः ।
पूजयेत् परमेशानीं सर्वसिद्धिफलप्रदाम् ॥ 18.72 ॥
18.73
पूर्ववन्निर्मिते कुण्डे होमात् पूर्वोदितेन तु ।
तर्पयेद्देवदेवेशीं भक्तियुक्तेन चेतसा ॥ 18.73 ॥
18.74
अथवाष्टभुजा देवी चिन्तारत्नकरा शुभा ।
कलशं धारयेन्नित्यममृतेन समन्वितम् ॥ 18.74 ॥
18.75
सोमसूर्यकरा देवी सितपद्मोपरिस्थिता ।
निधीनां चोपरिष्टात्तु गजमङ्गलभूषिता ॥ 18.75 ॥
18.76
ब्रह्मादिसुरसङ्घातैः पूजिता संस्तुता सदा ।
ध्याता जप्ता महेशानी सिद्धिमुक्तिफलप्रदा ॥ 18.76 ॥
18.77
इष्टां तु देवदेवेशीं कुम्भस्थां संप्रपूजयेत् ।
पूर्वोक्तेन विधानेन यागे पूर्वोदिते शुभे ॥ 18.77 ॥
18.78
पूर्वोक्तध्यानयोगेन कुम्भमध्यगतां श्रियम् ।
जप्त्वा चाष्टोत्तरशतमभिषिञ्चेत्तु पूर्ववत् ॥ 18.78 ॥
18.79
तस्याचला महालक्ष्मी राज्यं वा यदभीप्सितम् ।
भौमान्तरिक्षसिद्धिं च दिव्यां चैवैश्वरीं शुभाम् ॥ 18.79 ॥
18.80
ईहितं कामयेत्किञ्चित् सुप्रसन्ना प्रयच्छति ।
आयुर्बलं यशः कीर्तिर्मेधा कान्तिः श्रियो वपुः ॥ 18.80 ॥
18.81
सर्वं विवर्धते तस्य यस्य वेश्मनि पूज्यते ।
यः कश्चिदभिषिक्तो वा यश्च वा साधयेत् प्रिये ॥ 18.81 ॥
18.82
पूर्वोक्तं सर्वमाप्नोति शान्तिं पुष्टिं करोति च ।
पटे तु लिखिता देवी यस्य वेश्मनि पूज्यते ॥ 18.82 ॥
18.83
पूर्वोक्तेन विधानेन तस्य सर्वं प्रयच्छति ।
बहुनात्र किमुक्तेन सिंहस्येव यथा मृगाः ॥ 18.83 ॥
18.84
पलायन्ते दिशः सर्वा दुष्टदोषाः सहस्रशः ।
किमन्यैर्मन्त्रवृन्दैश्च देवताराधनेन च ॥ 18.84 ॥
18.85
यत्रैषा देवदेवेशी ध्याता जप्ता सुपूजिता ।
संग्रामकाले ध्यातव्या खड्गपत्रलतास्थिता ॥ 18.85 ॥
18.86
जयं प्रयच्छते तस्य रिपुदर्पापहा भवेत् ।
संग्रामाग्रे सदा याज्या परराष्ट्रजिगीषुणा ॥ 18.86 ॥
18.87
अवश्यं जयमाप्नोति देवदेव्याः प्रसादतः ।
अपि व्याधिशतार्तो वा दुःखदोषैः प्रपीडितः ॥ 18.87 ॥
18.88
सर्वपापविलिप्तो वा कृत्याखार्खोदपीडितः ।
मन्त्रैर्यन्त्रैस्तथा ध्यानैर्जपहोमैर्विषादिकैः ॥ 18.88 ॥
18.89
चूर्णलेपाञ्जनादीनि कुहकानि च यानि च ।
करिष्यन्त्यरयो यत्र स्त्रियो वा पुरुषस्य वा ॥ 18.89 ॥
18.90
पूजिता तेन विधिना तेषां प्रत्यङ्गिरा भवेत् ।
आश्रित्य परमां देवीं भक्त्या संपूजयेत्तु यः ॥ 18.90 ॥
18.91
यथा न दृश्यते दुष्टैः पापाचाररतैर्नरैः ।
मन्त्रसिद्धैस्तथा धूर्तैः समग्रैः कण्टकैस्तथा ॥ 18.91 ॥
18.92
तथा सुगुप्ता यष्टव्या गोपिता सिद्धिदा भवेत् ।
यागे होमे तथा जप्ये मुद्रायां ध्यानयोगतः ॥ 18.92 ॥
18.93
सुगुप्तो ध्यायते देवीं यः सौभाग्यभाग्भवेत् ।
अस्माद्दुष्टाश्च बहवो जिघांसन्ति सुखानि च ॥ 18.93 ॥
18.94
अन्ये सौभाग्यसंत्यक्ता दौर्भाग्येन प्रपीडिताः ।
पश्यन्ति यागं होमं च जपं ध्यानविधिं सदा ॥ 18.94 ॥
18.95
जनयन्ति महाविघ्नांस्तस्माद् गुप्ततमो विधिः ।
भावभेदेन यष्टव्या साधकेन विपश्चिता ॥ 18.95 ॥
18.96
एकवीरक्रमेणाथ पूजिता वा सुरेश्वरी ।
ददाति सर्वकामांश्च प्रसन्ना परमेश्वरी ॥ 18.96 ॥
18.97
शैववैष्णवसिद्धान्तभेदेनैव सुपूजिता ।
भक्तानां चित्तभेदेन फलदा परमेश्वरी ॥ 18.97 ॥
18.98
चिन्तामणिर्यथा लोके चिन्तितार्थफलप्रदः ।
तथैषा तु महालक्ष्मीः सर्वकामफलप्रदा ॥ 18.98 ॥
18.99
देवासुरमनुष्याश्च नागगन्धर्वकिन्नराः ।
दैत्याः सदानवा यक्षा राक्षसाश्च पिशाचकाः ॥ 18.99 ॥
18.100
भूतवेतालयोगिन्यो मातरो गुह्यकास्तथा ।
डाव्यो डामरिका देव्यो भगिन्यो दूतयस्तथा ॥ 18.100 ॥
18.101
तथा योगेश्वराः सर्वे यागसिद्धिसमुत्कटाः ।
महासिद्धिप्रसादेन सर्वे सिद्धाः सुसिद्धिताः ॥ 18.101 ॥
18.102
आकरः सर्वसिद्धीनां महालक्ष्मीर्महाबला ।
आश्रितानां च भक्तानां साधकानां वरप्रदा ॥ 18.102 ॥
18.103
अस्याः परा हि जगतो नान्या काचित् सुखप्रदा ।
अणिमादिगुणा ये च सार्वज्ञ्याद्याश्च येऽपरे ॥ 18.103 ॥
18.104
ते सर्वेऽस्याः प्रसादेन सिद्ध्यन्ते नात्र संशयः ।
मोक्षार्थिना प्रकर्तव्य एकवीरस्तु पूर्ववत् ॥ 18.104 ॥
18.105
अथवा शक्तिसंयुक्तं प्रतिष्ठापयते विभुम् ।
पूर्वसंभारसंयुक्तं प्रासादे तु मनोरमे ॥ 18.105 ॥
18.106
शक्तिशक्तिमतोर्योगं स्थापयित्वा विधानतः ।
जन्मान्तरसहस्रैस्तु यत्पापं समुपार्जितम् ॥ 18.106 ॥
18.107
तत्क्षणान्नश्यते देवि तूलराशिरिवानले ।
इष्टमात्रस्तु देवेशः स्थापितो वापि दीक्षितैः ॥ 18.107 ॥
18.108
कुल्यानुद्धरते सर्वान् दश पूर्वान् दशावरान् ।
यावत् प्रासादलिङ्गे च प्रतिमाचित्रभित्तिषु ॥ 18.108 ॥
18.109
पाषाणे धातुषु तथा ध्वजेषु ध्वजयष्टिषु ।
संख्यानं परमाणूनां तावत्कालं भुनक्ति सः ॥ 18.109 ॥
18.110
समुद्राः सरितो यावन्मरुच्चन्द्रार्कभूमयः ।
भोगान् सादाशिवे तत्त्वे भुक्त्वा निर्वाणमाप्नुयात् ॥ 18.110 ॥
18.111
यथा समुद्रं संप्राप्य सिन्धुः समरसीभवेत् ।
तथा शिवत्वमापन्नः पशुर्मुक्तो भवार्णवात् ॥ 18.111 ॥
18.112
प्रतिष्ठाफलमेतद्धि प्राप्नुयान्नात्र संशयः ।
अदीक्षिते तु नृपतौ तत्सुतेषु द्विजातिषु ॥ 18.112 ॥
18.113
भोगालसेषु वा देवि कर्मदोषैश्च विघ्निते ।
न चेष्टं न तपस्तप्तं न ध्यातं न प्रतिष्ठितम् ॥ 18.113 ॥
18.114
परमेशविषयं न कृतं यागादि तेष्वपि ।
पातित्येन मृतानां तु येषां नरकसंस्थितिः ॥ 18.114 ॥
18.115
निदानैर्बहुभिर्देवि बालस्त्रीवृद्ध आतुरे ।
मृतेषूद्धरणार्थाय दीक्षार्थं परमेश्वरः ॥ 18.115 ॥
18.116
यष्टव्यः पूर्ववद्देवः विशेषात्तत्र चाकृतिः ।
कर्तव्या रजसावश्यं सदृशी द्वादशाङ्गुला ॥ 18.116 ॥
18.117
कार्या वा गोमयाद्देवि कुशैर्वा स्नानशोधिता ।
दीक्षैव तत्र संस्कारः व्याप्त्या यवस्थमानयेत् ॥ 18.117 ॥
18.118
अणूंश्च योजयेत्तस्यां पूर्णाहुत्या सह क्षिपेत् ।
योजन्या शिवतत्त्वे तु ततः सायुज्यभाग्भवेत् ॥ 18.118 ॥
18.119
श्राद्धे संपूजयेद्देवमन्त्येष्टावथवा यजेत् ।
प्रतिष्ठाप्यं तथा देवि दग्धपिण्डे श्मशानके ॥ 18.119 ॥
18.120
पूर्वोक्तैर्द्रव्यसंभारैर्गुरुणा प्राग्विधानतः ।
पूर्वोक्तं भीषणं रूपं शक्तिद्वयसमन्वितम् ॥ 18.120 ॥
18.121
चतस्रोऽष्टावथो देवि पूर्वध्यानावलोकिताः ।
पूर्वोक्तफलमाप्नोति इत्याज्ञा पारमेश्वरी ॥ 18.121 ॥
Kapitel 19
19.1
कथितं देवदेवेश प्राणिनां हितकाम्यया ।
अमृतेशविधानं तु सर्वरक्षाकरं परम् ॥ 19.1 ॥
19.2
इदानीं श्रोतुमिच्छामि संशयो मे हृदि स्थितः ।
दृष्टिपातं प्रकुर्वन्ति मनुजे मातरः सदा ॥ 19.2 ॥
19.3
असंख्यातास्तु ता देव्यो ह्यप्रमेयबलान्विताः ।
छायाच्छिद्रेण बाधन्ते योगिन्यो बलवत्तराः ॥ 19.3 ॥
19.4
अत्यन्तमलिनास्तीव्रा निस्त्रिंशा निर्भया दृढाः ।
हिंसकाः सर्वजन्तूनां बालानां च विशेषतः ॥ 19.4 ॥
19.5
न संख्या विद्यते तेषां तत्रोपायं वदस्व मे ।
छायारूपं छलं यत्तद्दृष्टिपातच्छलं तथा ॥ 19.5 ॥
19.6
प्रकुर्वन्ति सदा देव च्छाया सा कतिधा स्मृता ।
दृष्टिपातभयं किं वा कथं वा विनिवर्तते ॥ 19.6 ॥
19.7
एतत्सर्वं समासेन प्रसादाद्वद शूलधृक् ।
श्रूयतां संप्रवक्ष्यामि च्छायायाश्चैव निर्णयम् ॥ 19.7 ॥
19.8
अप्रमेया ह्यनन्ताश्च मातरो बलवत्तराः ।
भूताश्च विविधाकारा ह्यनन्ताश्च महाबलाः ॥ 19.8 ॥
19.9
यक्षरक्षःपिशाचाश्च ये चान्ये हिंसका दृढाः ।
न संख्या विद्यते तेषां कोटिभेदेन संस्थिताः ॥ 19.9 ॥
19.10
संक्षेपेण प्रवक्ष्यामि मुच्यन्ते येन बालकाः ।
स्त्रियश्च मनुजा वापि नृपपत्न्यश्च तत्सुताः ॥ 19.10 ॥
19.11
यथा त्यजन्ति बलिनो यागव्रतपरायणाः ।
मन्त्रसंनद्धदेहाश्च ह्यप्रमेयबलान्विताः ॥ 19.11 ॥
19.12
पुराकल्पे समुत्पन्ना नानाजन्मसहस्रशः ।
सर्वत्र हिंसकाः क्रूराः सर्वकालं जिघांसवः ॥ 19.12 ॥
19.13
यागार्थमुद्यताः सर्वे भैरवानुचराः सदा ।
तच्छक्त्या बलिनः सर्वे तत्तेजोबलबृंहिताः ॥ 19.13 ॥
19.14
महापशूपहारेण तोषयन्ति महाव्रताः ।
महाभैरवरूपं यत् स्वच्छन्दं कृतवानहम् ॥ 19.14 ॥
19.15
दैत्यानां तु वधार्थाय देवानां स्थापनाय च ।
इन्द्राद्यास्तु यदा देवाः सर्वदैत्यैरुपद्रुताः ॥ 19.15 ॥
19.16
विद्राविता यदा दैत्यैस्तदाहं संस्तुतस्तु तैः ।
ब्रह्माद्यैर्विविधैःस्तोत्रैर्मया तेषां हितार्थतः ॥ 19.16 ॥
19.17
महाभैरवरूपं तत् स्वच्छन्दं तु कृतं ततः ।
विद्रावणाय दैत्यानां देवानां स्थापनाय च ॥ 19.17 ॥
19.18
तदर्थं च ग्रहा भूता मातरो निर्मिता मया ।
जित्वा तं शत्रुसन्दर्भं कृतार्थास्ते मदन्तिकम् ॥ 19.18 ॥
19.19
आगताः प्रार्थयन्ते स्म विनाशभयहेतुतः ।
भगवन् देवदेवेश अस्माभिस्तोषितो ह्यसि ॥ 19.19 ॥
19.20
तुष्टेन देवदेवेन यत्कार्यं तत्प्रसादतः ।
कुरु देवेति चोक्तं तैस्तदा ते तु वृता मया ॥ 19.20 ॥
19.21
अजेया वरदानेन प्रार्थयन्तो महाबलाः ।
एवं भवन्त्विमे सर्वे यथा सृष्टा मया पुरा ॥ 19.21 ॥
19.22
ततः प्रभृति तैः सर्वैर्जगत्स्थावरजङ्गमम् ।
आक्रम्य पीडितं सर्वं तिर्यङ्मानुषदैवतम् ॥ 19.22 ॥
19.23
देवान् केचिज्जिघांसन्ति भूताः स्वर्गे महाबलाः ।
मनुष्यान् बलिनोऽन्ये च जिघांसन्ति समन्ततः ॥ 19.23 ॥
19.24
तिर्यग्योनींश्च विविधा जिघांसन्ति तथापराः ।
असंख्यातास्तु ते प्रोक्ता ह्यप्रमेयबलोत्कटाः ॥ 19.24 ॥
19.25
पुनः स्तुतोऽहं देवैश्च प्रजापतिपुरःसरैः ।
तदा क्षिप्ता मया सर्वे भूताश्च बलवत्तराः ॥ 19.25 ॥
19.26
मातरो भीमरूपाश्च भयभीता मदन्तिकम् ।
आज्ञाविधायिनः सर्वे किं कुर्वाणाः समागताः ॥ 19.26 ॥
19.27
मया क्रुद्धेन देवेशि मन्त्रकोट्यो ह्यनेकशः ।
अवतार्य विनाशार्थं मातॄणां च ग्रहेषु च ॥ 19.27 ॥
19.28
शिवशक्तिप्रभावेण मननत्राणधर्मिणः ।
मन्त्रकोट्यो ह्यनेकास्ता मया सर्वाधिकारिकाः ॥ 19.28 ॥
19.29
विद्याबलभयाद् भीता आगतास्ते मदन्तिकम् ।
तदा मया ते विक्षिप्ताः स्थलेषु च जलेषु च ॥ 19.29 ॥
19.30
दिगन्तरेषु शून्येषु मदाज्ञावशवर्तिनः ।
बलिकामास्तथा चान्ये भोक्तुकामास्तथापरे ॥ 19.30 ॥
19.31
रतिकामा हन्तुकामा वातजाः पित्तजाः परे ।
श्लेष्मजाः संनिपातोत्था भूता विविधरूपकाः ॥ 19.31 ॥
19.32
मयोक्तास्ते तु बलिनो मर्यादावशवर्तिनः ।
मदुक्तमन्त्रमुद्राभिर्ध्यानैश्च विविधैः सदा ॥ 19.32 ॥
19.33
पञ्चस्रोतोविनिर्भिन्नं शृण्वन्ति हि यदा प्रिये ।
तदा सर्वे विद्रवन्ति पलायन्ते दिशो दश ॥ 19.33 ॥
19.34
निदानैर्बहुभिर्देवि जिघांसन्ति नरान् पशून् ।
दुराचारं दुरात्मानमशुचिं पुरुषाधमम् ॥ 19.34 ॥
19.35
मातापित्रोरसंमानात्तथाध्ययनवर्जनात् ।
अतिस्त्रीगमनाच्चैव क्षीबत्वाच्च विशेषतः ॥ 19.35 ॥
19.36
अकाले मैथुनान्मोहभयात् संभ्रमणात्तथा ।
सन्ध्याविवर्जिता ये च सन्ध्यामैथुनसेवकाः ॥ 19.36 ॥
19.37
भोजनाध्ययनं निद्रां सन्ध्यायां ये च कुर्वते ।
अकामिनीः कामयन्ते गुरुदारांश्च ये प्रिये ॥ 19.37 ॥
19.38
प्रध्वंसयन्ति बलिनो बलाच्चैवान्ययोषितः ।
तथान्येऽसत्यवक्तारः प्रभुद्रोहकृतोऽशुभाः ॥ 19.38 ॥
19.39
अनुक्तैः पापचरितैर्ये नरा संयुतास्तथा ।
एतैरन्यैर्निदानैश्च गृह्णते मानुषान् ग्रहाः ॥ 19.39 ॥
19.40
स्त्रियश्चैव तु दौःशील्यादशौचाभक्ष्यभक्षणात् ।
तथोभयगुरुद्वेषाद् भर्तरि व्यभिचारतः ॥ 19.40 ॥
19.41
अन्यैरनुक्तैर्दोषैश्च दूषिता मुद्रयन्ति ते ।
रुदतां चापि बालानां रात्रौ जागरणात्तथा ॥ 19.41 ॥
19.42
उन्मत्तविद्रुता भीतास्त्रस्ता दोषैश्च दूषिताः ।
रुदत्यः क्रोशमानाश्च मुक्तकेशाश्च दारुणाः ॥ 19.42 ॥
19.43
दुष्टपुक्कसचण्डालस्पर्शेनैव तु दूषिताः ।
शवस्पर्शात्तद्गमनात्तत्रस्थस्पर्शनात्तथा ॥ 19.43 ॥
19.44
तद्दुष्टसाहचर्याच्च तद्वार्तानुगमात्तथा ।
अशौचाद्यैस्तथानेकैर्दुःस्पर्शैश्चापि दूषिताः ॥ 19.44 ॥
19.45
दुष्टा स्त्री पुरुषो वाथ स्नात्वा च्छायां प्रपातयेत् ।
बालानां भूपतीनां च तत्पत्नीनां तपस्विनाम् ॥ 19.45 ॥
19.46
छायाच्छिद्रेण भूताश्च मातरो बलवत्तराः ।
दृष्टिपातं प्रकुर्वन्ति लब्धच्छिद्रा हि हिंसकाः ॥ 19.46 ॥
19.47
रौद्रां दृष्टिं पातयन्ति बालानां च जिघांसया ।
पापिष्ठाश्च दुराचारा भूतैर्ग्रस्ता ज्वरादिभिः ॥ 19.47 ॥
19.48
तथोन्मत्ता दुष्टचित्ताः पापाचाराः सुदुःखिताः ।
बुभुक्षिता मत्सराश्च शत्रवो धैर्यगर्विताः ॥ 19.48 ॥
19.49
एते चान्ये च बहवो दृष्टिं संपात्य भीषणाम् ।
पश्यन्ति यदि बालानां पूर्वोक्तानां च सर्वशः ॥ 19.49 ॥
19.50
दृष्टिपातं ततो जातं ज्ञात्वा श्रेयः समाचरेत् ।
तत्क्षणं न विलम्बेत स्वल्पेनैव कृतेन हि ॥ 19.50 ॥
19.51
बाधन्ते नैव दुष्टानि उषित्वा बाधयन्ति ते ।
न विलम्बस्तदा कार्यः सद्य एव समाचरेत् ॥ 19.51 ॥
19.52
सर्वौषधैः सुप्रशस्तैर्बहुभिर्मङ्गलान्वितैः ।
पञ्चगव्येन वा तत्र मन्त्रयुक्तेन कारयेत् ॥ 19.52 ॥
19.53
स्नानं सौभाग्यजननं सर्वदोषभयापहम् ।
आचार्यो मन्त्रकलशं पूर्ववद्विधिचोदितम् ॥ 19.53 ॥
19.54
ददाति सद्यो बालानां पूर्वोक्तानां च सर्वशः ।
सद्यःश्रेयस्करं पुण्यं शान्तिदं पुष्टिदं ध्रुवम् ॥ 19.54 ॥
19.55
यदा ह्यनन्तास्तत्रस्था मातरः संनिधानतः ।
जिघांसन्ति तदा सद्यो महामातृः प्रपूजयेत् ॥ 19.55 ॥
19.56
ब्रह्मी माहेश्वरी चैव कौमारी वैष्णवी तथा ।
वाराही च तथेन्द्राणी चामुण्डा सप्तमातरः ॥ 19.56 ॥
19.57
एतास्तु मातरः सप्त पूजयित्वा शिवं भवेत् ।
समस्तमातृचक्रस्य योनयस्ताः प्रकीर्तिताः ॥ 19.57 ॥
19.58
ताभिः पूजितमात्राभिरुपहारैः पृथग्विधैः ।
कृत्स्नो मातृसमूहस्तु तुष्टो भवति तत्क्षणात् ॥ 19.58 ॥
19.59
प्रधानाः सर्वमातॄणामेताः सप्त प्रकीर्तिताः ।
सितरक्तपीतकृष्णैः पुष्पैर्नानाविधैस्तथा ॥ 19.59 ॥
19.60
पायसैः कृसरै(क्रसरै)रमत्स्यैर्लेह्यैः पेयैरशेषतः ।
चतुर्विधेन मांसेन घस्मरैर्बलिभिस्तथा ॥ 19.60 ॥
19.61
पूजयित्वा तु बालानां सद्यः श्रेयो भविष्यति ।
तस्मात् प्रधानयागेन गुणभूतास्तु देवताः ॥ 19.61 ॥
19.62
तृप्ता भवन्ति सर्वत्र सद्यः श्रेयो ह्यवाप्नुयात् ।
त्रिंशत्कोटी सहस्राणां स्वाङ्गुष्ठान्निर्मिता मया ॥ 19.62 ॥
19.63
विनायकानां घोराणामग्निज्वलिततेजसाम् ।
यदि तैर्विघ्नितः कश्चिदभिभूतो भवेन्नरः ॥ 19.63 ॥
19.64
तत्राधिदैवतं पूज्यो विघ्नेशस्तु विनायकः ।
अन्यतन्त्रोपचारेण ध्यानयोगेन पूजयेत् ॥ 19.64 ॥
19.65
मोदकैर्विविधैश्चित्रैर्बलिभिर्घस्मरैस्तथा ।
भूरिमद्यैस्तथा मांसै रक्तपुष्पविलेपनैः ॥ 19.65 ॥
19.66
सर्वेषामेव वासांसि स्वरूपाणि प्रदापयेत् ।
हेमरत्नानि धातूंश्च दीपांश्चैव प्रदापयेत् ॥ 19.66 ॥
19.67
स्वेन स्वेनैव रूपेण सर्वं सर्वेषु दापयेत् ।
विघ्नैः प्रमुच्यते साध्यस्तत्क्षणान्नात्र संशयः ॥ 19.67 ॥
19.68
यदि भूतग्रहैर्घोरैर्मुद्रितो बलिभिर्नरः ।
तदा भूतेश्वरो याज्यः पूर्वोक्तेन विधानतः ॥ 19.68 ॥
19.69
राक्षसैर्विविधैर्येऽत्र प्राणिनो भाविता ध्रुवम् ।
इष्ट्वा रक्षोधिपं श्रेयः सर्वे तत्र समाप्नुयुः ॥ 19.69 ॥
19.70
यदा यक्षैरसंख्यातैरभिभूतो भवेन्नरः ।
तदा वैश्रवणं शीघ्रमिष्ट्वा मोक्षमवाप्नुयात् ॥ 19.70 ॥
19.71
अष्टयोन्यो यदा देव्यो विरुद्धा यत्र कुत्रचित् ।
तदा तु भैरवं यागं कृत्वा श्रेयः समाप्नुयात् ॥ 19.71 ॥
19.72
अन्तर्बलिः प्रदातव्यः सर्वेषां भूरिघस्मरैः ।
तथा बाह्ये बलिः क्षेत्रे दातव्यः श्रेय इच्छता ॥ 19.72 ॥
19.73
अरण्यके बलिश्चान्यो महिषाद्यैस्तथाजकैः ।
विविधैस्तु बलिं कुर्यात् सर्वेभ्यस्तु प्रदापयेत् ॥ 19.73 ॥
19.74
नदीतीरे श्मशाने वा ह्यटव्यां मातृमण्डले ।
प्रातर्मध्याह्नकाले च सायं चैवार्धरात्रतः ॥ 19.74 ॥
19.75
बलिस्तेभ्यः प्रदातव्यस्तेन तृप्ता भवन्ति ते ।
उदकं ह्यन्नमिश्रं च भूरि तेभ्यः प्रदापयेत् ॥ 19.75 ॥
19.76
तेन तृप्तास्तु ते सर्वे सर्वश्रेयःफलप्रदाः ।
भवन्त्यवितथं भद्रे मातृवत् पालयन्ति च ॥ 19.76 ॥
19.77
स्मृतिमोजो जयं वृद्धिं वपुरायुर्यशः सुखम् ।
नष्टं बलेन सर्वेभ्यो दद्यात्तेन बलिः स्मृतः ॥ 19.77 ॥
19.78
एवं मृत्युजिता सर्वं कर्तव्यं सर्वसिद्धिम् ।
स्कन्दग्रहगृहीतानां बालानां पीडितात्मनाम् ॥ 19.78 ॥
19.79
रतिग्रहैस्तथा नार्यो ह्यभिभूताः क्वचिद्यदा ।
कार्तिकेयस्तदा याज्यः पूर्वोक्तविधिना ध्रुवम् ॥ 19.79 ॥
19.80
क्षिप्रं ताश्च प्रमुञ्चन्ति स्कन्दाद्या ये शिशुग्रहाः ।
यस्मिन् कुले यदंशेन मुद्रितः कीलितः क्वचित् ॥ 19.80 ॥
19.81
तत्कुलेनैव चेष्टेन सर्वदोषैः प्रमुच्यते ।
तदर्थेन मया सर्वं रहस्यं प्रकटीकृतम् ॥ 19.81 ॥
19.82
अस्मिंस्तन्त्रे तु सर्वेषाममृतं च विधानतः ।
सर्वतन्त्रेषु सामान्यो मृत्युजित् प्रकटीकृतः ॥ 19.82 ॥
19.83
सर्वेषां हृदयं गुह्यमप्रकाश्यं महाद्भुतम् ।
न केनचिदहं पृष्टः नाख्यातं कस्यचिन्मया ॥ 19.83 ॥
19.84
रहस्यं संप्रदायश्च सर्वश्रेयःसुखावहः ।
साधकास्तु प्रसन्ना ये भक्ता ह्याराधयन्ति च ॥ 19.84 ॥
19.85
सर्वदुःखविमुक्तास्ते सत्यं मे नानृतं वचः ।
अनेनैवात्मनः कार्यं सर्वदुःखनिवारणम् ॥ 19.85 ॥
19.86
भक्तानां स्वसुतानां च स्वदाराणां च कारयेत् ।
स्वशिष्याणां च भक्तानां नान्यथा तु प्रयोजयेत् ॥ 19.86 ॥
19.87
सर्वाश्रमगुरुत्वाच्च भूपतीनां च सर्वदा ।
तत्सुतानां च पत्नीनां कर्तव्यो हितमिच्छता ॥ 19.87 ॥
19.88
नित्ये नैमित्तिके काम्ये शान्त्यर्थं कारयेत् सदा ।
मुखे प्रक्षालिते नित्यं तिलकः श्वेतभस्मना ॥ 19.88 ॥
19.89
सप्ताभिमन्त्रितः कार्यो मातृदोषनिवृत्तये ।
समालम्भनपुष्पं वा ताम्बूलेनाभिमन्त्रितम् ॥ 19.89 ॥
19.90
दीयते यस्य तस्यैव न हिंसन्तीह हिंसकाः ।
भोजनं चाभिमन्त्रेत मन्त्रेणानेन मन्त्रवित् ॥ 19.90 ॥
19.91
उभयोः पार्श्वयोर्मध्ये भुञ्जानोऽमृतमश्नुते ।
सर्वव्याधिविनिर्मुक्तस्तिष्ठते नृपतिः क्षितौ ॥ 19.91 ॥
19.92
अथ क्रीडनकालेषु गजाश्वसहितस्य च ।
अस्त्रक्रीडासु सर्वासु रक्षार्थं कलशं यजेत् ॥ 19.92 ॥
19.93
क्रीडार्थं विजयार्थं च रक्षार्थं हिंसकादिषु ।
यस्माद्दुष्टाश्च बहवो जिघांसन्ति नृपादिकम् ॥ 19.93 ॥
19.94
तस्माद्रक्षा प्रकर्तव्या सर्वश्रेयस्करी शुभा ।
ततः सुप्तस्य नृपते रक्षार्थं कलशं यजेत् ॥ 19.94 ॥
19.95
रौप्यं चौषधिसंयुक्तं चन्दनागुरुलेपितम् ।
क्षीरेण चाम्भसा पूर्णं यजेन्मृत्युजितं परम् ॥ 19.95 ॥
19.96
सर्वश्वेतोपचारेण पुष्पधूपार्घपायसैः ।
अग्रे स्थिता महानिद्रा जगत्संमोहकारिणी ॥ 19.96 ॥
19.97
सुखार्थं नृपते रात्रौ जीर्णार्थं भोजनादिके ।
आरब्धा देवदेवेन आज्ञां दत्त्वेति भावयेत् ॥ 19.97 ॥
19.98
ततो रात्रिं समग्रां तु तिष्ठेद्वै निद्रया सह ।
यक्षरक्षःपिशाचाद्यैर्दुःस्वप्नैर्मातृसंभवैः ॥ 19.98 ॥
19.99
भयैस्सन्त्रासदुःखैस्तु मुक्तस्तिष्ठेद्यथासुखम् ।
लोकपालेषु सास्त्रेषु रक्षार्थं नृपसंनिधौ ॥ 19.99 ॥
19.100
पूजनं चार्घपुष्पाद्यैः कलशे पूजिते सति ।
यस्यैवं सततं कुर्याज्ज्ञानवान् दैशिकोत्तमः ॥ 19.100 ॥
19.101
पूर्वोक्तं समवाप्नोति प्राहेति भगवाञ्छिवः ।
निमित्तेषु च सर्वेषु अमृतेशं यजेत च ॥ 19.101 ॥
19.102
कामरूपं सदा यस्मात् सर्वकामानवाप्नुयात् ।
प्रजानां रक्षणार्थाय शालीनां चापि संपदे ॥ 19.102 ॥
19.103
सुतपत्नीषु रक्षार्थमात्मनो राष्ट्रवृद्धये ।
इन्द्ररूपं यजेत्तत्र विजयार्थं नृपस्य च ॥ 19.103 ॥
19.104
गोब्रह्मणेषु रक्षार्थमात्मनः स्वजनेषु च ।
महानवम्यां पूज्येत भूरियागेन वेश्मनि ॥ 19.104 ॥
19.105
पूर्वोक्तं समवाप्नोति आयुरारोग्यसंपदम् ।
अस्त्रयागः प्रकर्तव्यः प्रयत्नात् सिद्धिहेतवे ॥ 19.105 ॥
19.106
अस्त्रसिद्धिमवाप्नोति प्रयोक्ता फलमश्नुते ।
यदा मृत्युवशाघ्रतः कालेन कलितो नृपः ॥ 19.106 ॥
19.107
अरिष्टचिह्नितात्मा वै देशो वा तत्सुतादयः ।
ब्रह्मणादिषु सर्वेषु नाशे जनपदस्य च ॥ 19.107 ॥
19.108
शाल्यादिषु च सस्येषु फलमूलोदकेषु च ।
दुर्भिक्षव्याधिकार्येषु उत्पातेषु महत्सु च ॥ 19.108 ॥
19.109
तदा नीराजनं कार्यं रा(ज्ञा)ज्ञो राष्ट्रविवृद्धये ।
पूर्ववद्यजनं कृत्वा कलशेनाभिषेचयेत् ॥ 19.109 ॥
19.110
निःशङ्को निर्जने रात्रौ शुभर्क्षे च तथांशके ।
जयपुण्याहशब्दैश्च वेदमङ्गलनिःस्वनैः ॥ 19.110 ॥
19.111
अभिषिञ्चेत्तु राजानं सिद्धार्थान् जुहुयाद् बहून् ।
नीराजनविधानेन नामाङ्के संस्कृते प्रिये ॥ 19.111 ॥
19.112
वह्नौ संरुद्धमनसा अजांश्च प्रोक्षयेद् बहून् ।
तृप्त्यर्थं भूतसङ्घस्य मन्त्री रक्षार्थमुद्यतः ॥ 19.112 ॥
19.113
शाकुनोक्त्यांशगत्या वा विज्ञाय शकुनं हितम् ।
यक्षेन्द्रशिववारुण्या निर्यातः सर्वसिद्धिदः ॥ 19.113 ॥
19.114
अथ पूर्वोक्तविधिना गृहे यागं तु कारयेत् ।
यावत् सप्ताह्निकं देवि भूरिहोमेन सिद्धिदम् ॥ 19.114 ॥
19.115
अस्याचला महालक्ष्मी राज्यं वा यदभीप्सितम् ।
भौमान्तरिक्षसिद्धीश्च प्राप्नुयान्नृपतिः सुखी ॥ 19.115 ॥
19.116
तदा नीराजनं ख्यातं सर्वश्रेयस्करं परम् ।
पूर्वोक्तान्नाशयेद्दोषान् देवि नास्त्यत्र संशयः ॥ 19.116 ॥
19.117
गोषु मध्ये यजेद्यस्मात् सदा वर्धेत गोकुलम् ।
सिन्दूरं गैरिकं वापि अभिमन्त्र्यैव मन्त्रवित् ॥ 19.117 ॥
19.118
योजयेद् गोषु रक्षार्थं शृङ्गोर्ध्वे सर्वदोषजित् ।
अश्वानामपि रक्षार्थं पूर्वोक्तविधिना यजेत् ॥ 19.118 ॥
19.119
अभिमन्त्र्यैव कलशं मूर्ध्नि तेषां प्रपातयेत् ।
सिद्धार्थो मन्त्रजप्तस्तु कण्ठे कार्योऽथ मूर्धनि ॥ 19.119 ॥
19.120
सर्वदोषविनिर्मुक्तान् गजांश्चैव तु रक्षति ।
अजादिषु पशुष्वेवं रक्षां सर्वेषु कारयेत् ॥ 19.120 ॥
19.121
सर्वप्राणिषु रक्षार्थं योक्तव्यो नृपतेः सदा ।
महाशान्तिर्भवेत्तेषां दुर्भिक्षं नश्यति क्षणात् ॥ 19.121 ॥
19.122
महाभयेषु सर्वेषु भूकम्पोल्कानिपातने ।
अतिवृष्टावनावृष्टौ मूषकादिभयेषु च ॥ 19.122 ॥
19.123
अकालोत्पन्नपुष्पादौ देवैर्नष्टैश्च खण्डितैः ।
ज्वरलूतादिदोषैश्च अपमृत्युभिरेव च ॥ 19.123 ॥
19.124
दुःखैर्नानाविधैश्चैव आघ्रतं मण्डलं यदि ।
कर्मदोषाश्च ये केचिद् ग्रहदोषास्तथागताः ॥ 19.124 ॥
19.125
तिरोभावस्तथोत्पन्नो मन्त्रच्छिद्रं तथागतम् ।
नागादिविषदोषाश्च कीटविस्फोटकादयः ॥ 19.125 ॥
19.126
वातपित्तविकाराश्च श्लेष्मदोषाश्च सर्वतः ।
अर्शांसि चक्षूरोगाश्च तथा विसर्पकादयः ॥ 19.126 ॥
19.127
व्याध्यन्तराणि दोषाश्च क्षतजाद्याः सहस्रशः ।
आभ्यन्तरा व्याधयश्च शोकाद्याश्चित्तनाशकाः ॥ 19.127 ॥
19.128
अभिशप्ताश्च देवाद्यैर्ब्रह्मणाद्या यदा जनाः ।
तदा तु पूर्ववद्यागः कर्तव्यः शान्तिहेतवे ॥ 19.128 ॥
19.129
प्रत्यहं हवनं कार्यं राज्ञां राष्ट्रविवृद्धये ।
सुखेन भुज्यते राज्यं नात्र कार्या विचारणा ॥ 19.129 ॥
19.130
सकृत्पूजनमात्रेण नश्यन्ते हिंसकादयः ।
नष्टा दश दिशो यान्ति सिंहस्येव मृगादयः ॥ 19.130 ॥
19.131
सतताभ्यासयोगेन दारिद्र्यं नश्यति कुलात् ।
यस्मिन् देशे च काले च निवसेन्मन्त्रवित् सदा ॥ 19.131 ॥
19.132
ईतयो व्याधयश्चैव खार्खोदास्तस्य वा ग्रहाः ।
शाकिन्यो विविधा यक्षाः पिशाचा राक्षसास्तथा ॥ 19.132 ॥
19.133
बालग्रहाश्च विस्फोटा व्यन्तराश्चापराश्च ये ।
सर्वाणि विषजातानि दुर्भिक्षं ग्रहपीडनम् ॥ 19.133 ॥
19.134
सर्वं न प्रभवेत्तत्र मन्त्रवित्संनिधानतः ।
स पूज्यः सर्वजन्तूनां भूपतीनां च सर्वदा ॥ 19.134 ॥
19.135
दानपूजनसंमानैरसमैः पूज्यते यदि ।
तेन पूजितमात्रेण सर्वे मन्त्राश्च पूजिताः ॥ 19.135 ॥
19.136
भवन्ति सुखदास्तत्र तन्मुखांस्तांस्तु पूजयेत् ।
सर्वत्र च्छेदकर्तारो ग्रहाः हिंसन्ति साधकम् ॥ 19.136 ॥
19.137
तस्माद् ग्रहाणां दातव्यं सदैवोदकमोदनम् ।
इष्टा ग्रहा हि तृप्यन्ति तृप्ता न प्रभवन्ति हि ॥ 19.137 ॥
19.138
तदा रक्षा तु कर्तव्या दैशिकेन महात्मना ।
रक्षा तु कथिता देव प्राणिनामनुकम्पया ॥ 19.138 ॥
19.139
कीदृशी प्रोच्यते सा तु कस्य वा क्रियते कथम् ।
व्यापकः पुरुषः प्रोक्तो ह्यमूर्तः सर्वदेहिनाम् ॥ 19.139 ॥
19.140
देही बाह्यान्तरस्थोऽसौ निर्गुणो ह्यशरीरवान् ।
कथं तु क्रियते तस्य रक्षा कस्माच्च रक्ष्यते ॥ 19.140 ॥
19.141
शरीरं सकलं वाथ रक्षितव्यं कथं च तत् ।
पृथिव्यादिमहाभूतैर्निर्मितं चोदितं किल ॥ 19.141 ॥
19.142
अन्यस्तृतीयो वा रक्ष्यः कस्मादेव कथं विभो ।
कस्माच्च रक्षणीय स्यात् केन वा वद शूलधृक् ॥ 19.142 ॥
19.143
एतत्सर्वमशेषेण का रक्षा भगवन् वद ।
शृणु देवि परं प्रश्नं न पृष्टोऽहं सुरासुरैः ॥ 19.143 ॥
19.144
गरुडाद्यैस्तथा शिष्यैर्बहुभिर्मुनिभिर्न च ।
तदद्य ते प्रवक्ष्यामि शृणुष्वायतलोचने ॥ 19.144 ॥
19.145
व्यापकः पुरुषः सूक्ष्मो निर्गुणो निष्क्रियोऽचलः ।
किन्त्वाणवस्तथा कार्मो मायीयस्त्रिविधो मलः ॥ 19.145 ॥
19.146
तत्संबन्धात् स मलिनो ह्यस्वतन्त्रोऽप्यशक्तिमान् ।
अविशुद्धो ह्यसौ तस्मान्मलत्रयनिरोधतः ॥ 19.146 ॥
19.147
निर्मलो वा कथं सक्तो भोगेषु एतद्विरुध्यते ।
शुद्धो भोगी न सिद्ध्येत्तु विकल्पो भोग उच्यते ॥ 19.147 ॥
19.148
विकल्पमात्रः संसारः पशोः संसरणं सदा ।
संसार्यस्य च बद्धस्य निर्मलत्वं न युज्यते ॥ 19.148 ॥
19.149
आणवोऽयं मलः सूक्ष्मः कार्यतो ह्युपपद्यते ।
अभिलाषस्ततः कार्यो भोगादौ स प्रवर्तकः ॥ 19.149 ॥
19.150
कार्मं यद् भोगकार्यं तद्देशकालशरीरतः ।
कलादि यत्पृथिव्यन्तं मायाकार्यं विदुर्बुधाः ॥ 19.150 ॥
19.151
एवं मलत्रयोपेतः संसारे संसरेदणुः ।
कोशकारः क्रिमिर्यद्वदात्मानं वेष्टयेद् दृढम् ॥ 19.151 ॥
19.152
तद्वेष्टनेन शक्तोऽसौ तथात्मा पाशपञ्जरैः ।
यावन्न चेश्वरो देवो ह्यनुगृह्णाति शक्तिमान् ॥ 19.152 ॥
19.153
तावद् बलावगूहेन गूहितस्तिष्ठते पशुः ।
अथ चेन्नेश्वरः कश्चित् स्वतन्त्रमखिलं जगत् ॥ 19.153 ॥
19.154
नियमः कारणानां तु न भवेत् ऽसमञ्जसम् ।
वलीवर्दो यथा कश्चिद् बध्यते पाशबन्धतः ॥ 19.154 ॥
19.155
तृणैः संयोजितो भोगैरस्वतन्त्रस्तथा पशुः ।
ग्राह्यस्य पाशहा तस्य ग्राहकः कश्चिदुत्तमः ॥ 19.155 ॥
19.156
समर्थो दृश्यते यद्वत् तद्वदीशोऽप्यनुग्रही ।
सर्वेषां सर्वकृच्छक्तः स्वशक्त्या बंहितः शिवः ॥ 19.156 ॥
19.157
अवियुक्ता तु सा तस्य निजरश्मी रवेरिव ।
दाहप्रकाशके वह्नावूष्मा नैव वियुज्यते ॥ 19.157 ॥
19.158
तद्वदीशस्य सा शक्तिरवियुक्ता शिवात्मिका ।
जगतः कारणं देवी सैवैका बहुभिः स्थिता ॥ 19.158 ॥
19.159
इच्छाज्ञानक्रियारूपा कृत्यभेदेन वर्तते ।
अघोरा साभवदिच्छा व्यापिका समवायिनी ॥ 19.159 ॥
19.160
घोरा ज्ञानस्वरूपा तु सा परिग्रहवर्तिनी ।
घोरघोरतरा चान्या क्षोभिका सा क्रियात्मिका ॥ 19.160 ॥
19.161
सा रक्षा सर्वभूतानां सर्वरक्षा सुरक्षिणी ।
सा च दीक्षा समुद्दिष्टा दानक्षपणलक्षणा ॥ 19.161 ॥
19.162
अनेनैव प्रकारेण सर्वदोषनिवर्हणी ।
व्यापकस्य सतः पुंसः सा रक्षा न विरुध्यते ॥ 19.162 ॥
19.163
पुनरन्यां प्रवक्ष्यामि रक्षां सर्वसुरक्षिणीम् ।
मलत्रयनिरोधेन नानाकर्मफलोदयात् ॥ 19.163 ॥
19.164
शब्दादिविषयाणां य इन्द्रियाणां प्रवर्तते ।
हृत्पुण्डरीकमध्यस्थो धर्माधर्मप्रवर्तकः ॥ 19.164 ॥
19.165
रागद्वेषाभिभूतस्तु त्रिधान्तःकरणावृतः ।
कार्यकारणसंबद्धः करणैर्भूतसंयुतैः ॥ 19.165 ॥
19.166
निर्बद्धश्चिन्मलेनैव शतशोऽथ सहस्रशः ।
कार्याकार्यान्तरशतैर्धर्माधर्मविचेष्टितैः ॥ 19.166 ॥
19.167
प्रलुप्तनिजचैतन्यो जीव इत्यभिधीयते ।
तस्य रक्षा समुद्दिष्टा मन्त्रैर्विविधविस्तरैः ॥ 19.167 ॥
19.168
धारणायन्त्रतन्त्रैश्च शिवेन परमात्मना ।
जीवरक्षा तु सा प्रोक्ता क्रियाशक्तिर्महेश्वरी ॥ 19.168 ॥
19.169
अन्या तृतीया रक्षा या शरीरस्य तु रक्षिणी ।
महाभयेभ्यः सर्वेभ्यः भूतयक्षग्रहादिकैः ॥ 19.169 ॥
19.170
डाव्या डामरिकाभिश्च भगिनीमातृभिस्तथा ।
शाकिनीयोगिनीभिश्च मुखमण्डितकादिभिः ॥ 19.170 ॥
19.171
नानाविधैरशेषैश्च हिंसकैः क्रियते ध्रुवम् ।
यद् भयं तस्य शमनी सा रक्षा शक्तिरुच्यते ॥ 19.171 ॥
19.172
भूतजं मलिनं चैतदध्रुवं यदशाश्वतम् ।
वातपित्तकफश्लेष्मसंनिपातादिविस्तरैः ॥ 19.172 ॥
19.173
अनेकशतसंख्यातैर्दोषैर्दुष्टं शरीरकम् ।
तच्च हिंसन्ति बहवो हिंसका दुष्टबुद्धयः ॥ 19.173 ॥
19.174
वातजाः पित्तजा भूताः श्लेष्मजाः संनिपातजाः ।
भोक्तुकामा रतिकामा हन्तुकामास्तथापरे ॥ 19.174 ॥
19.175
बलिकामाश्च बहवो हींसकाः सुतजन्तुषु ।
वातस्थानं समासाद्य वातजा प्रभवन्ति हि ॥ 19.175 ॥
19.176
क्षोभयन्ति स्वकं स्थानं पित्तजाः पैत्तिकं तथा ।
श्लेष्मजाश्च स्वकं स्थानं सर्वस्थाः संनिपातजाः ॥ 19.176 ॥
19.177
क्षोभयन्ति विनाशार्थं देहरक्षा तदर्थतः ।
मन्त्रौषधक्रियायोगै रक्षा वै शिवचोदिता ॥ 19.177 ॥
19.178
कर्तव्या शिवदा नित्या सा शिवाशिवहारिणी ।
बलिकामांस्तु बलिभिर्घस्मरैस्तर्पयेत् प्रिये ॥ 19.178 ॥
19.179
भोक्तुकामा जिघांसन्ति नश्यन्ते मन्त्रयोगतः ।
रतिकामास्त्वनेकैश्च सर्वैस्तन्त्रैस्तथौषधैः ॥ 19.179 ॥
19.180
मन्त्रिणानुग्रहस्थेन प्रोत्सार्या मन्त्रयोगतः ।
हन्तुकामास्तु ये प्रोक्ता दुराधर्षा महाबलाः ॥ 19.180 ॥
19.181
तथापि पारमेशेन मन्त्रतेजोबलेन ते ।
शिवशक्तिप्रभावेण नश्यन्त्यत्र न संशयः ॥ 19.181 ॥
19.182
एवं संक्षेपतः प्रोक्तस्त्वयं भूतविनिर्णयः ।
प्राणिनां तु हितार्थाय विस्तरोऽन्यत्र वर्णितः ॥ 19.182 ॥
19.183
एवं तु क्रियते रक्षा सुज्ञाता सुकृता भवेत् ।
अन्यथा तु स्वघाताय वेदितव्यात्र योगिना ॥ 19.183 ॥
19.184
रक्षा बहुप्रकारा च कर्तव्याम्नायदर्शनात् ।
आधाररक्षा प्रथमा बीजरक्षा द्वितीयिका ॥ 19.184 ॥
19.185
तृतीया गर्भरक्षा तु सूतिकाले चतुर्थिका ।
पञ्चमी सूतिकारक्षा स्नात्वा षष्ठी भवेदिह ॥ 19.185 ॥
19.186
बालानां सप्तमी प्रोक्ता पुरुषाणां तथाष्टमी ।
भेदांस्तु संप्रवक्ष्यामि ह्याधारादिगतान् प्रिये ॥ 19.186 ॥
19.187
मातापित्रोः परा रक्षा कार्या तत्त्वविचिन्तकैः ।
दोषैः सुदष्टः पुरुषः संभवन्त्यस्य हिंसकाः ॥ 19.187 ॥
19.188
हिंसन्ति रक्षणीयोऽसौ संभवार्थं प्रयत्नतः ।
यदा स्त्री मुद्रिता भूतैस्तदा गर्भो न संभवेत् ॥ 19.188 ॥
19.189
एवं च प्रथमा रक्षा त्वाधाराख्या प्रकीर्तिता ।
रेतोरक्तमयः कायः सर्वेषां प्राणिनां यतः ॥ 19.189 ॥
19.190
ततः संरक्षितौ द्वौ तु कर्तव्यौ मन्त्रवादिभिः ।
रतिकामा ग्रहा ये च कामाचारा ह्यनेकशः ॥ 19.190 ॥
19.191
पिबन्ति रेतो रक्तं च नष्टेऽस्मिन् संभवः कुतः ।
तस्मात्तु कारणादस्मिन् रक्षिते संभवो भवेत् ॥ 19.191 ॥
19.192
संभूते गर्भगे हेतौ संरक्ष्यं गर्भपातनम् ।
प्रसूतिकाले नारीणां रक्षागतिविशारदैः ॥ 19.192 ॥
19.193
रक्षा कार्या प्रयत्नेन न हिंसन्तीह हिंसकाः ।
यावन्न सूतिका शुद्धा तद्गृहस्थं तु बालकम् ॥ 19.193 ॥
19.194
सूतिकागृहदोषाद्या बाधन्ते रक्षया विना ।
तस्मात् सुरक्षितं कार्यं बाह्यास्त्राद्यैर्विचक्षणैः ॥ 19.194 ॥
19.195
सूतिकास्नानकाले तु बालो वा यश्च तत्स्थितः ।
हिंसन्ति बलिनो भूतास्तस्मात् स्नाने तु रक्षयेत् ॥ 19.195 ॥
19.196
स्नात्वा तदुत्तरं कालं बाला रक्ष्याः सधात्रिकाः ।
धात्री तु कारणं तस्य क्षीरस्पर्शादिपोषणैः ॥ 19.196 ॥
19.197
तस्मात् सा रक्षितव्यादौ धात्री बालस्तदूर्ध्वतः ।
सर्वकालं तु संरक्ष्यो मन्त्रौषधिप्रयोगतः ॥ 19.197 ॥
19.198
धारणाध्यानमुद्राभिर्यन्त्रैर्धूपैरतन्द्रितम् ।
तिलाज्यादिकृतैर्होमैः कलशैर्विविधैः शुभैः ॥ 19.198 ॥
19.199
शिरसि ह्यभिषेकैश्च रक्षणीयश्च सर्वदा ।
प्रतिबुद्धं तु सुप्तं च रुदन्तं च प्रसाधितम् ॥ 19.199 ॥
19.200
भुञ्जानं शयनस्थं तु तिष्ठन्तं क्रीडमानकम् ।
प्रभाते चार्धरात्रे च सायं मध्याह्नगोचरे ॥ 19.200 ॥
19.201
सन्ध्याकालेषु सर्वेषु रक्षेद्यत्नात्तु बालकम् ।
देवासुराणां भूतानां मातॄणां भगिनीषु च ॥ 19.201 ॥
19.202
ग्रहदुष्टपिशाचानां संध्याकाले तु सङ्गमः ।
तस्मात् सर्वासु सन्ध्यासु रक्षितव्यश्च बालकः ॥ 19.202 ॥
19.203
गच्छंस्तिष्ठन् स्वपञ्जाग्रत् सर्वकालं तु रक्ष्यते ।
गच्छन्तं दर्शनाद्देवि जिघांसन्तीह हिंसकाः ॥ 19.203 ॥
19.204
रक्षाहीनं तु तिष्ठन्तं मुद्रयन्ति सुभीषणाः ।
स्वस्थं च्छलेन सुप्तं तु त्रासयन्ति समन्ततः ॥ 19.204 ॥
19.205
जाग्रतः केवलं रात्रौ भीषयन्ति ग्रहाधमाः ।
तस्मात् सर्वप्रयत्नेन सर्वदा रक्ष्यते शिशुः ॥ 19.205 ॥
19.206
जीवेन्नान्यैरुपायैस्तु मन्त्रवादैर्विना प्रिये ।
विशेषाद्राजतनयो रक्षितव्यो हि दैशिकैः ॥ 19.206 ॥
19.207
भाग्यभुक् सुप्रशस्तश्च सर्वलक्षणलक्षितः ।
दृष्ट्वा यत्नेन दुष्टाश्च जिघांसन्ति शिशुं शुभम् ॥ 19.207 ॥
19.208
तस्मात् सर्वप्रकारेण धरणाभिर्निरन्तरम् ।
प्राकारास्त्रेण वा देवि मन्त्रैर्वा विविधैः शुभैः ॥ 19.208 ॥
19.209
लिखितैर्यन्त्रयोगैर्वा पूजितैः सुप्रयत्नतः ।
वेष्टितैः कण्ठसंलग्नैः सूत्रकैर्वासितादिकैः ॥ 19.209 ॥
19.210
धूपैर्विविधरूपैश्च धारितैर्मणिभिस्तथा ।
रक्षोघ्नैस्तिलकैर्वापि नीराजनपुरःसरैः ॥ 19.210 ॥
19.211
रक्षणीयः सदा बालो राजपुत्रो विशेषतः ।
राजानस्तदमात्याश्च राजपत्न्यस्तथा प्रिये ॥ 19.211 ॥
19.212
अनेनैव विधानेन रक्षितव्याः सुनिश्चितैः ।
यस्मात् क्षुद्रा ग्रहा भूता मातरो दुष्टहिंसकाः ॥ 19.212 ॥
19.213
देवेष्वसाध्या बलिनो दुर्जया दुरतिक्रमाः ।
जिघांसन्ति प्रयत्नेन नित्यकालमतन्द्रिताः ॥ 19.213 ॥
19.214
तेषां प्रशमनार्थाय प्राणिनामनुकम्पया ।
मन्त्रास्त्रौषधयत्नाश्च महाबलपराक्रमाः ॥ 19.214 ॥
19.215
अनुग्रहार्थं मर्त्यानां मया सर्वेऽवतारिताः ।
तेषामेव हि सर्वेषां मन्त्राणां भूरितेजसाम् ॥ 19.215 ॥
19.216
बलमोजस्तथा ज्ञानं स्मृतिर्मेधा वपुः श्रियः ।
जीवनं प्रभु सर्वेषां मृत्युजित् कथितो मया ॥ 19.216 ॥
19.217
भूरियागैर्जपैर्होमैस्तपसा संयमेन च ।
मन्त्राश्चास्त्राणि सिध्यन्ति युगभावानुरूपतः ॥ 19.217 ॥
19.218
तथा कलियुगे दुष्टे पापिष्ठा ये नराधमाः ।
तेषां ते सिद्धिदा मन्त्रा भवन्ति न भवन्ति च ॥ 19.218 ॥
19.219
अस्य देवातिदेवस्य न कृतादियुगस्थितिः ।
भावानुरूपनिष्ठानामतपोव्रतसेविनाम् ॥ 19.219 ॥
19.220
सर्वभावप्रपन्नानां द्वैताद्वैतजिगीषया ।
दौर्भाग्यालस्ययुक्तानां पापोपहतचेतसाम् ॥ 19.220 ॥
19.221
भक्तिमात्रावलम्बित्वात् सिध्यत्यत्र न संशयः ।
चिन्तारत्नं यथा सर्वं चिन्तितार्थं प्रयच्छति ॥ 19.221 ॥
19.222
तथा सर्वाणि कार्याणि भावितस्य करोति हि ।
सूर्याचन्द्रौ यथा लोके सामान्येनावभासकौ ॥ 19.222 ॥
19.223
पृथिव्यापस्तथा तेजो वायुराकाशमेव च ।
सामान्यं वर्तयत्येतदन्नं क्षुद्दोषहृद्यथा ॥ 19.223 ॥
19.224
तथा सर्वेषु भूतेषु व्यापकः परमेश्वरः ।
शिवः प्रपञ्चरहितः सर्वेषां सर्वदः प्रभुः ॥ 19.224 ॥
19.225
मृत्युजित् परमो देवः सर्वेषां सर्वसिद्धिदः ।
भक्तिमात्रावलम्बित्वाद्धारणाध्यानतत्परः ॥ 19.225 ॥
19.226
योऽस्य वेत्ता प्रपन्नश्च मन्त्री निष्कम्पचेतनः ।
स सर्वं फलमाप्नोति सर्वसिद्ध्यरहो भवेत् ॥ 19.226 ॥
Kapitel 20
20.1
उक्तं देवेन तत्सर्वं परिपृष्टं हि यन्मया ।
अधुना श्रोतुमिच्छामि संशयोऽयं हृदि स्थितः ॥ 20.1 ॥
20.2
योगिन्यो मातरश्चैव शाकिन्यो बलवत्तराः ।
कथं परपुरात् प्राणान् क्षणादाकर्षयन्ति ताः ॥ 20.2 ॥
20.3
कस्माच्च निर्घृणा रौद्राः किं वा तासां प्रयोजनम् ।
एतत्सर्वमशेषेण भगवन् वक्तुमर्हसि ॥ 20.3 ॥
20.4
शृणु देवि प्रवक्ष्यामि रहस्यं परमाद्भुतम् ।
यथा प्राणाञ्जिघांसन्ति पशूनां पतिशासनात् ॥ 20.4 ॥
20.5
रागद्वेषविमुक्तास्ता लोभमोहविवर्जिताः ।
यागार्थं देवदेवस्य पशून् वै प्रोक्षयन्ति ताः ॥ 20.5 ॥
20.6
न लोभेन न हिंसार्थं न चैव हि जिघांसया ।
महाभैरवदेवस्य शासनं पालयन्ति ताः ॥ 20.6 ॥
20.7
तदर्थं पशवः सृष्टाः स्वयमेव स्वयंभुवा ।
पशवः पतियागार्थमुपयुक्ता न चान्यथा ॥ 20.7 ॥
20.8
एषामनुग्रहार्थाय पशूनां तु वरानने ।
मोचयन्ति च पापेभ्यः पापौघांश्छेदयन्ति तान् ॥ 20.8 ॥
20.9
पशूनामुपयुक्तानां नित्यमूर्ध्वगतिर्भवेत् ।
त्रिविधेन तु योगेन योजयन्ति शिवाज्ञया ॥ 20.9 ॥
20.10
परेणैव हि सूक्ष्मेण स्थूलेन त्रितयेन तु ।
योजयन्ति न चैवात्र घातयन्ति बलेन ताः ॥ 20.10 ॥
20.11
परः सर्वात्मकोऽनन्तो निष्क्रियो निर्मलस्तु यः ।
व्यापकः परमेशानः सर्वकारणकारणम् ॥ 20.11 ॥
20.12
सर्वभूतान्तरावस्थः सर्वानुग्रहकारकः ।
तस्मिन्नेव नियुक्तास्ता निर्मला विगतक्लमाः ॥ 20.12 ॥
20.13
एकीभावमनुप्राप्य न वियुक्ताः कथंचन ।
तच्छक्तौ तु विलीनास्ता इच्छारूपेण संस्थिताः ॥ 20.13 ॥
20.14
ज्ञानोत्कर्षाः क्रियावस्था यागयोगावधूतिकाः ।
तद्भावं तु समास्थाय तद्रूपं योजयन्ति यान् ॥ 20.14 ॥
20.15
ते मुक्ताः शिवभूतास्तु शिवशक्त्या शिवेरिताः ।
निर्मलाः शिवरूपास्तु तत्प्रभावाद् भवन्ति च ॥ 20.15 ॥
20.16
यथा योगेन दीक्षायां शिवत्वमुपलभ्यते ।
तथा वै योगियोगेन शिवत्वमुपयान्ति ते ॥ 20.16 ॥
20.17
अत्यन्तमलिनस्यास्य पूर्वोक्तस्याधिकारिणः ।
मलप्रध्वस्तरूपस्य नैर्मल्यं व्यञ्जयन्ति ताः ॥ 20.17 ॥
20.18
मूलच्छेदेन तेषां हि जिघांसन्ति मलत्रयम् ।
मलत्रयवियुक्तस्य शरीरं न प्ररोहति ॥ 20.18 ॥
20.19
दीपवद्योजनं तस्य पशोर्नैव हि घातनम् ।
व्यापकेन स्वरूपेण स्वशक्तिविभवेन च ॥ 20.19 ॥
20.20
त्रोटयन्ति पशोः पाशान् शरीरं येन नश्यति ।
शरीरेण प्रनष्टेन मोक्षणं नहि मारणम् ॥ 20.20 ॥
20.21
दृढप्ररुढपाशस्य बद्धस्य पुरुषस्य यः ।
वियोगस्तु शरीरेण मरणं तद्विदुर्बुधाः ॥ 20.21 ॥
20.22
एवं परः प्रकाशस्तु सूक्ष्मश्चैवाधुनोच्यते ।
सूक्ष्मं शक्तिमयं ज्ञानं ज्ञानशक्त्या तु गम्यते ॥ 20.22 ॥
20.23
अरावरावराविण्या ध्वनिभावानुसारकम् ।
सिद्धानां सिद्धिदं ज्ञानं खेचर्यः पर्युपासते ॥ 20.23 ॥
20.24
अज्ञानेनावृतं ज्ञानं पशूनां समलं स्थितम् ।
निर्मलेन तु ता देव्या ज्ञानेनाभिभवन्ति तत् ॥ 20.24 ॥
20.25
यथा प्रबुद्धः सुप्तेन क्रीडते च यतस्ततः ।
मदिरासवपानेन यथैवोन्मादितः क्वचित् ॥ 20.25 ॥
20.26
क्रीडते ह्यस्वतन्त्रत्वाद् बालो वा भ्रम्यति क्वचित् ।
उन्मत्तो वाप्रमत्तेन प्रेर्यते पशवस्तथा ॥ 20.26 ॥
20.27
मातृभिर्गुह्यकैः शक्त्या स्वेन योगबलेन तु ।
जीव आकृष्यते क्षिप्रं पशूनां योगवीर्यतः ॥ 20.27 ॥
20.28
यत्तत्परममव्यक्तं शाश्वतं ह्यचलं ध्रुवम् ।
तत्प्राप्य योगमार्गेण प्रविश्य परदेहतः ॥ 20.28 ॥
20.29
परो भूत्वा स्वशक्त्या तु जीवं जीवेन वेष्टयेत् ।
आक्रम्य तं हृदिस्थं वै अध ऊर्ध्वप्रवेशतः ॥ 20.29 ॥
20.30
एकीभावं समासाद्य समत्वं तत्र चाभ्यसेत् ।
परं कारणमाश्रित्य स्वतन्त्रत्वं तदाभ्यसेत् ॥ 20.30 ॥
20.31
व्यापकेन स्वरूपेण शक्त्या शक्तिं तु दारयेत् ।
तदेतत्संपुटीकृत्य शक्तिच्छेदं तु कारयेत् ॥ 20.31 ॥
20.32
शक्तिरूपं ततो देवि सत्त्वमास्थाय योगवित् ।
स्वसत्त्वसत्तारूपेण चित्सूर्यत्वेन तापयेत् ॥ 20.32 ॥
20.33
द्रावयेत्तु परस्थो हि रश्मीन् रश्मिभिरर्कवत् ।
योजयेद् हृदये सर्वान् शब्दादीनिन्द्रियाणि च ॥ 20.33 ॥
20.34
भूतानि रसभूतानि गुणानेव हि सर्वतः ।
अन्तःकरणसङ्घातं गृहीत्वा तत्स्वचेतसा ॥ 20.34 ॥
20.35
प्रविशेत्तु तदा योगी पुरमाक्रम्य सर्वतः ।
द्रुतं गृहीतं तत्सर्वं क्षिप्रमात्मस्थमानयेत् ॥ 20.35 ॥
20.36
तत्क्षणादानयेज्जीवं मुद्रामन्त्रप्रयोगतः ।
अनेन विधिना सूक्ष्मं योगी योगं समभ्यसेत् ॥ 20.36 ॥
20.37
तत्सर्वं प्राप्नुयात् क्षिप्रं सूक्ष्मयोगेन योगवित् ।
सूक्ष्मयोगः समाख्यातः स्थूलश्चैवाधुनोच्यते ॥ 20.37 ॥
20.38
पिण्डस्थं तत्प्रयोगेण पिण्डमाकर्षयेद् ध्रुवम् ।
मन्त्रमुद्राविधानेन विधिना पांसवेन च ॥ 20.38 ॥
20.39
ध्यानयोगबलेनैव छुम्मकाद्यङ्गलक्षणैः ।
पातयन्ति न सन्देहः पशूनां पाशवं पुरम् ॥ 20.39 ॥
20.40
त्रिविधेन तु योगेन योगिन्यो बलवत्तराः ।
जिघांसन्ति यदा देवि तदा श्रेयः समाचरेत् ॥ 20.40 ॥
20.41
मृत्युजित् परमं देवममृतं सर्वतोमुखम् ।
परेणैव स्वरूपेण व्यापकत्वेन मन्त्रवित् ॥ 20.41 ॥
20.42
ज्ञात्वा तं परमं योगं मन्त्री व्याप्य पशोः पुरम् ।
इच्छाशक्त्या त्वधिष्ठाय पशूनां जीवितं शुभम् ॥ 20.42 ॥
20.43
संरक्षेद्योगविन्मन्त्री क्रमाज्ज्ञात्वा तु योगिनाम् ।
पूर्वोक्तानां तु सर्वेषां हिंसकानां यशस्विनि ॥ 20.43 ॥
20.44
सूक्ष्मं स्वशक्तिमार्गेण चक्रानुगमयोगतः ।
पूर्वोक्तग्रन्थिभेदेन सूक्ष्मध्यानेन योगवित् ॥ 20.44 ॥
20.45
मोचयेत् सर्वदोषेभ्यो नान्यथा तु कदाचन ।
ज्ञानयोगबलोपेतो मन्त्रतन्त्रविशारदः ॥ 20.45 ॥
20.46
मृत्युजित्सिद्धमन्त्रश्च तपस्वी संयतेन्द्रियः ।
ध्यानमन्त्राभियुक्तश्च सत्त्वस्थो ज्ञानवान् बली ॥ 20.46 ॥
20.47
संतुष्टः परमो योगी इष्टापूर्तविधौ रतः ।
रागद्वेषविनिर्मुक्तो लोभमोहविवर्जितः ॥ 20.47 ॥
20.48
निर्भयश्चैव निःशङ्को ह्यनुग्रहपरायणः ।
पूर्वोक्ताद्दारुणाद्दोषान्मोचकः स भवेत् प्रिये ॥ 20.48 ॥
20.49
अन्यथा वर्तते यस्तु स भवेदात्मनाशकः ।
स्वकुलभ्रंशको दुष्टो नरके पच्यते ध्रुवम् ॥ 20.49 ॥
20.50
भूताश्च विविधाकारा मातरो दुष्टहिंसकाः ।
योगिन्यो गुह्यका यक्षाः पिशाचा दुरतिक्रमाः ॥ 20.50 ॥
20.51
बलिकामा हन्तुकामा भोक्तुकामास्तथापरे ।
रतिकामा ह्यसाध्याश्च स्कन्दाद्या ब्रह्मराक्षसाः ॥ 20.51 ॥
20.52
असंख्यातास्ततो घोरा न तैस्तु सह कुत्रचित् ।
विरोधश्चैव कर्तव्य आत्मज्ञैः स्वार्थपण्डितैः ॥ 20.52 ॥
20.53
धनार्थिभिर्वा लुब्धैश्च न कार्यश्च यशोऽर्थिभिः ।
स्वकुटुम्बसुतादीनां कारुण्याच्चैव कारयेत् ॥ 20.53 ॥
20.54
नृपाणां तत्सुतानां च तत्पत्नीनां च सर्वदा ।
यस्मिन् देशेऽथवा राष्ट्रे निवसेन्मन्त्रयोगवित् ॥ 20.54 ॥
20.55
तत्र राजा प्रभुश्चैव सदैवाश्रमिणां गुरुः ।
तत्कृते वर्तमानस्य क्षमन्ते तास्तु मातरः ॥ 20.55 ॥
20.56
पूर्वोक्ताद्दारुणाद् घोराः प्रशमं यान्ति सर्वथा ।
ताश्च बल्युपहारेण भूरियागेन ते नृपाः ॥ 20.56 ॥
20.57
सन्तोषयन्ति यस्माद्वै तस्मात्सर्वं क्षमन्ति ताः ।
मन्त्रवादो हि सर्वत्र न कार्यः शिवचिन्तकैः ॥ 20.57 ॥
20.58
नानाविधैरुपायैश्च शरीरं पाञ्चभौतिकम् ।
विनाशयन्ति ये घोरास्तेषां प्रशमनं शृणु ॥ 20.58 ॥
20.59
स्थूलं स्थूलेन योगेन चूर्णधूपविलेपनैः ।
यन्त्रचक्रप्रयोगैश्च जीवरक्षादिभिस्तथा ॥ 20.59 ॥
20.60
धारणाध्यानयोगैश्च सिद्धमन्त्रैश्च सर्वदा ।
मुद्रामन्त्रविधिज्ञैश्च गमागमविचिन्तकैः ॥ 20.60 ॥
20.61
भूततन्त्रविधौ वीरैरौषधज्ञैः सुचिन्तकैः ।
संयतैरप्रमत्तैश्च सर्वसङ्करवर्जितैः ॥ 20.61 ॥
20.62
स्नातैश्च कृतपूजैश्च जपध्यानपरायणैः ।
लक्ष्यलक्षणवेदज्ञैर्निरपेक्षैः सुपेशलैः ॥ 20.62 ॥
20.63
मन्त्रवादस्तु कर्तव्यो नान्यथा क्षेमचिन्तकैः ।
यदीच्छेदुत्तमां सिद्धिं मोक्षं वा शाश्वतं ध्रुवम् ॥ 20.63 ॥
20.64
मन्त्रवादो न कर्तव्य इत्याह परमेश्वरः ।
अनुग्रहार्थं मर्त्यानां भूपतीनां कुटुम्बिनाम् ॥ 20.64 ॥
20.65
अनुग्रहपदस्थेन कर्तव्यो हितमिच्छता ।
कदाचिन्न प्रबन्धेन यदि कुर्याद्विनश्यति ॥ 20.65 ॥
20.66
न क्षमन्ते बलोपेताः शिवयागेषु भाविताः ।
नित्यशुद्धा वीतभया भैरवाज्ञानुपालिनः ॥ 20.66 ॥
20.67
आज्ञप्तास्ते मया पूर्वं मुद्रामन्त्रप्रयोगतः ।
आत्मार्थं ते जिघांसन्ति तेन ते बलिनः स्मृताः ॥ 20.67 ॥
20.68
पुरा देवातिदेवेन शिवेन परमात्मना ।
सृष्टा ह्यनेन विधिना विचरन्ति दिशो दश ॥ 20.68 ॥
20.69
तद्बलेन समाविष्टा जयिनो बलवत्तराः ।
प्रवृत्तास्ते महाघोराः पूर्वं देवजिघांसया ॥ 20.69 ॥
20.70
दृष्टाः स्वयम्भुवा पूर्वं मन्त्राश्चामोघशक्तयः ।
सप्तकोट्यस्तु बलिनो वशिनः प्रतिपक्षकाः ॥ 20.70 ॥
20.71
ये दुष्टा जगतो घोरा जिघांसन्ति बलोत्कटाः ।
तेषां हि शमनार्थाय जगतो रक्षणाय च ॥ 20.71 ॥
20.72
मन्त्रौषधक्रियायोगः शतशोऽथ सहस्रशः ।
आज्ञप्तः परमेशेन तदर्थं हि प्रवर्तनम् ॥ 20.72 ॥
20.73
मन्त्रवादेषु सर्वेषु नाज्ञाभङ्गेन चान्यथा ।
तत्प्रभावाच्च बलिनो मन्त्राश्चामोघशक्तयः ॥ 20.73 ॥
20.74
तद्वीर्यापूरिताः सर्वे शेषा वर्णास्तु केवलाः ।
मृत्युजित्तेन चाख्यातः सर्वमन्त्रेश्वरः प्रभुः ॥ 20.74 ॥
20.75
न चास्य कश्चिन्मन्त्रो वा विद्या वाज्ञां विलङ्घयेत् ।
स्मरणाच्च पलायन्ते सिंहस्येव मृगादयः ॥ 20.75 ॥
Kapitel 21
21.1
मन्त्राः किमात्मका देव किंस्वरूपाश्च कीदृशाः ।
किंप्रभावाः कथं शक्ताः केन वा संप्रचोदिताः ॥ 21.1 ॥
21.2
शिवात्मकास्तु चेद्देव व्यापकाः शून्यरूपिणः ।
क्रियाकरणहीनत्वात् कथं तेषां हि कर्तृता ॥ 21.2 ॥
21.3
अमूर्तत्वात् कथं तेषां कर्तृत्वं चोपपद्यते ।
विग्रहेण विना कार्यं कः करोति वद प्रभो ॥ 21.3 ॥
21.4
न दृष्टो ह्यशरीरस्य व्यापारः परमेश्वर ।
शरीरिणो यतो बन्धः कथं बद्धस्य कर्तृता ॥ 21.4 ॥
21.5
शक्तिहीनस्य कर्तृत्वं विरुद्धं सर्ववस्तुषु ।
एवं शिवात्मका मन्त्राः कथं सिध्यन्ति वस्तुतः ॥ 21.5 ॥
21.6
अथ चेच्छक्तिरूपास्ते कस्य शक्तिस्तु कीदृशी ।
शक्तिः किं कारणं देव कार्यं तस्याश्च कीदृशम् ॥ 21.6 ॥
21.7
यावन्न शक्तिमान् कश्चित् कस्य शक्तिर्विधीयते ।
स्वतन्त्रा न प्रसिध्येत्तु विना सिद्धेन केनचित् ॥ 21.7 ॥
21.8
असिद्धेन तु यत्साध्यं तदसिद्धं प्रचक्षते ।
वस्तुशून्या न चैवात्र शक्तिर्वै विद्यते क्वचित् ॥ 21.8 ॥
21.9
शक्तिरूपास्तु ते मन्त्राः केवलास्तु विपर्ययः ।
अथ चेदाणवा मन्त्रा विग्रहाकाररूपिणः ॥ 21.9 ॥
21.10
आत्मस्वरूपा विख्याता मलिना बलिनो नहि ।
मलिनो मलिनस्येव प्रक्षालयति कस्य कः ॥ 21.10 ॥
21.11
न सिद्धा ह्याणवा मन्त्रा केवलाः परमेश्वर ।
तत्त्वत्रयं विनास्तित्त्वं विरुद्धं वस्तुसन्ततेः ॥ 21.11 ॥
21.12
युक्तिरेवात्र वक्तव्या प्राणिनां हितकाम्यया ।
दृश्यन्ते बलिनो मन्त्रा अप्रधृष्याः सुरासुरैः ॥ 21.12 ॥
21.13
सर्वानुग्राहकत्वेन सर्वदाः सर्वगाः शिवाः ।
संक्षेपतो महादेव संशयं तु वद स्व मे ॥ 21.13 ॥
21.14
त्वत्तः परतरो नान्यः कश्चिदस्ति जगत्पते ।
ब्रूहि सर्वं महेशान यदि तुष्टोऽसि मे प्रभो ॥ 21.14 ॥
21.15
अहो प्रश्नो महागूढो न पृष्टोऽहं तु केनचित् ।
चोदितं तु मया सर्वं सर्वशास्त्रेषु सर्वदा ॥ 21.15 ॥
21.16
न विन्दन्ति विमूढास्तु माययाच्छादिताः सदा ।
तत्त्वत्रयं विना वस्तु मन्त्रो वक्तुं न युज्यते ॥ 21.16 ॥
21.17
आस्तां तावत् जगत्सर्वं तत्त्वहीनं न सिध्यति ।
त्रितत्त्वनिर्मितं सर्वं यत्किंचिदिह दृश्यते ॥ 21.17 ॥
21.18
तत्त्वत्रयं विना देवि न पदार्थो हि विद्यते ।
तस्मात्तत्त्वत्रयं सर्वं परं चापरमेव च ॥ 21.18 ॥
21.19
शिवात्मकाः शक्तिरूपा ज्ञेया मन्त्रास्तथाणवाः ।
तत्त्वत्रयविभागेन वर्तन्ते ह्यमितौजसः ॥ 21.19 ॥
21.20
परं सर्वात्मकं शुद्धमनाद्यं कारणं ध्रुवम् ।
अप्रमेयमनिर्देश्यमनौपम्यमनामयम् ॥ 21.20 ॥
21.21
निराभासं परं शान्तं सर्वावयववर्जितम् ।
व्यापकं सर्वतोभद्रं सार्वज्ञ्यादिगुणैर्युतम् ॥ 21.21 ॥
21.22
विज्ञानघनसंपूर्णं स्वानन्दानन्दनन्दितम् ।
निरानन्दं निर्विकल्पं निराचारं निरक्षरम् ॥ 21.22 ॥
21.23
अद्वैतं कल्पनाहीनं चिद्घनं चिन्मलापहम् ।
चिदचिद्व्यापकं ज्ञेयं नित्योदितमनुत्तमम् ॥ 21.23 ॥
21.24
निर्विकारं परं नित्यं निर्मलं निरुपप्लवम् ।
सर्वोपमानरहितं सर्वभावविवर्जितम् ॥ 21.24 ॥
21.25
सर्वरूपकलातीतमचलं शाश्वतं विभुम् ।
सर्वगं सर्वभावस्थं सर्वभूतेषु संस्थितम् ॥ 21.25 ॥
21.26
हृदिस्थं सर्वभूतानां प्रेरकं सर्ववस्तुषु ।
न तेन रहितं किंचिद् दृश्यते सुरवन्दिते ॥ 21.26 ॥
21.27
तस्मात्सर्वगतं विश्वं स एकः परमेश्वरः ।
सर्वज्ञो नित्यतृप्तश्च तस्य बोधो ह्यनादिमान् ॥ 21.27 ॥
21.28
स्वतन्त्रोऽलुप्तशक्तिश्चानन्तशक्तिर्महेश्वरः ।
तस्य चेच्छा महेशस्य न विकल्प्या कथञ्चन ॥ 21.28 ॥
21.29
अमेयत्वादनादित्वात् कथं केनोपलभ्यते ।
कार्यतो ह्यनुमानेन वस्तुतः परिभाव्यते ॥ 21.29 ॥
21.30
कार्यं तस्य परा शक्तिर्यथा सूर्यस्य रश्मयः ।
वह्नेरूष्मेव विज्ञेया ह्यविनाभाविनी स्थिता ॥ 21.30 ॥
21.31
सर्वानन्दकरी भद्रा शिवस्येच्छानुवर्तिनी ।
तद्धर्मधर्मिणी शान्ता नित्यानुग्रहशालिनी ॥ 21.31 ॥
21.32
विवर्त एतत्सर्वं हि तच्छक्तेर्नान्यतो भवेत् ।
सानन्दा तु परा शक्तिर्निरानन्दः परः शिवः ॥ 21.32 ॥
21.33
सार्वज्ञादिगुणा ये च शिवस्य परमात्मनः ।
शाक्तास्ते नान्यतो दृष्टा ह्यन्यथानुपपत्तितः ॥ 21.33 ॥
21.34
एकः शिवस्तथैका तु शक्तिरेव हि शाश्वती ।
अभिन्नाद्वैतसंस्थाना सैवैका समुदायिनी ॥ 21.34 ॥
21.35
इच्छारूपा शिवस्यैषा ह्यभिन्ना सर्वतोमुखी ।
किञ्चिदुच्छूनतापत्तेः सार्वज्ञादिगुणास्ततः ॥ 21.35 ॥
21.36
ज्ञानरूपा तु सैवैका यदा संबोधयत्यलम् ।
बोधो ह्यनादिरत्यन्तः परं ज्ञानं तु सा स्मृता ॥ 21.36 ॥
21.37
ज्ञानशक्तिरिति ख्याता सार्वज्ञादिगुणास्पदम् ।
यदा स्वतन्त्रालुप्ता सा क्रिया करणरूपिणी ॥ 21.37 ॥
21.38
वर्णरूपाष्टभेदेन स्फोटादिध्वनिरूपिणी ।
मातृका सा विनिर्दिष्टा क्रियाशक्तिर्महेश्वरि ॥ 21.38 ॥
21.39
क्रियाख्या परमा सा तु सर्ववाङ्मयरूपिणी ।
एवं क्रियेति सा प्रोक्ता एकानन्यस्वभावजा ॥ 21.39 ॥
21.40
स्वभावोत्था स्वभावार्था स्वा स्वतः स्वोदिता शिवा ।
व्यतिरिक्ता न चैवैषा कर्तृत्वं शक्तिरुच्यते ॥ 21.40 ॥
21.41
शिवस्य परिपूर्णस्य स्वतन्त्रस्य विभोर्यतः ।
कः कर्ता क्षोभकः को वा तस्मादद्वैतता शिवे ॥ 21.41 ॥
21.42
यत्तस्य सर्वशक्तित्वं सा शक्तिरुपचर्यते ।
तया तु कुरुते सृष्टिं स्थितिं संहृतिमेव च ॥ 21.42 ॥
21.43
करोति भगवान् सर्वं तिरोभावमनुग्रहम् ।
क्रियाशक्त्या तु सृजति ज्ञानशक्त्या जगत्स्थितिम् ॥ 21.43 ॥
21.44
संहारं रुद्रशक्त्या तु तिरोभावं तु वामया ।
अनुग्रहं ज्येष्ठया तु कुरुते नात्र संशयः ॥ 21.44 ॥
21.45
कृत्यं पञ्चविधं शम्भोर्जगतो दृश्यते यतः ।
क्रियमाणं विकल्प्यं तत् सर्वज्ञस्य विचेष्टितम् ॥ 21.45 ॥
21.46
यतस्ततः शक्तिरेषा शिवस्यैवानुमीयते ।
आत्माणवो ह्यनन्ताश्च मलेनैव निरोधिताः ॥ 21.46 ॥
21.47
तेऽनुगृहीताः परया परमेशस्य चेच्छया ।
शिवः शक्तिस्तथात्मा च त्रितत्त्वं चेत्यनुत्तमम् ॥ 21.47 ॥
21.48
त्रिस्वरूपस्तथा देवो रुद्रो विष्णुः पितामहः ।
करोति षड्विधां सृष्टिं चतुर्भेदविभेदिताम् ॥ 21.48 ॥
21.49
प्रेतनारकतिर्यञ्चसदेवमुनिमानुषम् ।
जरायुजाण्डजं देवि तथा संस्वेदजोद्भिजम् ॥ 21.49 ॥
21.50
शक्त्या तु भगवान् सर्वं करोति हि विभुत्वतः ।
निमित्तकारणं देवो यथा सूर्यो मणेः क्रिया ॥ 21.50 ॥
21.51
उपादानं तु सा शक्तिः संक्षुब्धा समवायतः ।
यथार्करश्मिसंयोगात् सूर्यकान्तो मणिर्महान् ॥ 21.51 ॥
21.52
तेजः प्रकिरतेऽत्यर्थमुभयोर्नैव कामिता ।
अयस्कान्तमणिं दृष्ट्वा लोहः प्रकुरुते क्रियाम् ॥ 21.52 ॥
21.53
उभयोर्नैव कामोऽस्ति निमित्तं तु तथा शिवः ।
सूक्ष्मत्वान्नोपलभ्येत यस्तयोस्तु प्रचोदकः ॥ 21.53 ॥
21.54
तादृक्सर्वस्य जगतो नानुभूतं तु कारणम् ।
उपादानं तु सा शक्तिः सर्वत्रैव विभाव्यते ॥ 21.54 ॥
21.55
यथा सर्वं सुनिष्पन्नं क्रियाशक्त्या प्रदृश्यते ।
क्षोभ्यक्षोभकभावस्तु प्रत्यक्षो नैव कस्यचित् ॥ 21.55 ॥
21.56
संक्षुब्धं समवायात्तु कारणं तद्विदुर्बुधाः ।
अकामतः सृजेत् शर्वः शक्त्या सर्वं चराचरम् ॥ 21.56 ॥
21.57
एवमुक्तेन विधिना मन्त्राः सर्वे त्रितत्त्वजाः ।
शिवाख्याः शक्तिरूपाश्च तथैवात्मस्वरूपकाः ॥ 21.57 ॥
21.58
त्रिस्वभावाः समुद्दिष्टाः सर्वत्र बलशालिनः ।
भवन्ति सर्वदा सर्वे सर्वगाः सर्वरूपिणः ॥ 21.58 ॥
21.59
शिवो ह्यनादिमान् धाम शाश्वतः प्रथमोऽचलः ।
इच्छया च यदा देवि प्रसरत्यविलम्बितः ॥ 21.59 ॥
21.60
सा शक्तिः परमा सूक्ष्मा उन्मना शिवरूपिणी ।
अस्तित्वमात्रमात्मानं क्षोभ्यं क्षोभयते यदा ॥ 21.60 ॥
21.61
समनासौ विनिर्दिष्टा शक्तिः सर्वाध्ववर्तिनी ।
क्रोडीकरोति या विश्वं संहृत्य सृजते पुनः ॥ 21.61 ॥
21.62
कुण्डलाख्या महाशक्तिस्तृतीयाप्युपचर्यते ।
ध्वनिरूपो यदा स्फोटस्त्वदृष्टाच्छिवविग्रहात् ॥ 21.62 ॥
21.63
प्रसरत्यतिवेगेन ध्वनिनाऽऽपूरयन् जगत् ।
स नादो देवदेवेशः प्रोक्तश्चैव सदाशिवः ॥ 21.63 ॥
21.64
ध्वनिरध्वगतो यत्र विश्राम्यत्यनिरोधितः ।
निरोधिनीति विख्याता सर्वदेवनिरोधिका ॥ 21.64 ॥
21.65
निरुद्धस्य महेशत्वमहिमा न प्रवर्तते ।
असंख्यातास्तु कोट्यो वै मन्त्राणां तत्र संस्थिताः ॥ 21.65 ॥
21.66
लभन्ते तत्प्रविष्टा वै स बिन्दुश्चेश्वरः स्मृतः ।
यदा शिवामृतं मूर्ध्नि पतति सृष्टिकारणम् ॥ 21.66 ॥
21.67
आप्यायस्तु भवेत्तेन सोऽर्धचन्द्र इति स्मृतः ।
संहारः सर्वभूतानां सृष्टिकारणमेव च ॥ 21.67 ॥
21.68
मकारो ह्यत्र वै रुद्रो वर्णसङ्घट्ट उत्तमः ।
यदा स्थितिं च लभते स्वोन्मुखं सृष्टिकारणम् ॥ 21.68 ॥
21.69
प्रतिष्ठाख्य उकारस्तु विष्णुः साक्षाद् भवत्यसौ ।
निवृत्तिस्तु यदा सर्वं निष्पन्नं प्रणवं विभुः ॥ 21.69 ॥
21.70
अकाराख्यं परं धाम ब्रह्मा स कमलासनः ।
मन्त्रसृष्टिर्भवेदेषा शिवस्य परमात्मनः ॥ 21.70 ॥
21.71
ततोऽष्टविधभेदेन पञ्चाशद्वर्णरूपिणी ।
ज्ञानशक्तिः परा सूक्ष्मा मातृकां तां विदुर्बुधाः ॥ 21.71 ॥
21.72
सा योनिः सर्वमन्त्राणां सर्वत्रारणिवत् स्थिता ।
जुहोति वीर्यमतुलममृतं सृष्टिसंयुतम् ॥ 21.72 ॥
21.73
तेनासौ देवदेवेशो ह्यमृतेशः परापरः ।
मृत्योरुत्तारयेद्यस्मान्मृत्युजित्तेन चोच्यते ॥ 21.73 ॥
21.74
भरणात् प्रक्रियाण्डानां स भैरव इति स्मृतः ।
एवमाद्याः स्मृता मन्त्राः सर्वे ह्यमिततेजसः ॥ 21.74 ॥
21.75
अधिकारं प्रकुर्वन्ति सर्वस्य जगतः प्रिये ।
मोचयन्ति च संसाराद्योजयन्ति परे शिवे ॥ 21.75 ॥
21.76
मननत्राणधर्मित्वात् तेन मन्त्रा इति स्मृताः ।
तस्मात् सर्वगता मन्त्राः सर्वदास्ते त्रितत्त्वजाः ॥ 21.76 ॥
21.77
शिवशक्त्यात्मरूपास्तु नित्यानुग्रहशालिनः ।
शिवशक्तिप्रभावाश्च शिवदाशिवहारकाः ॥ 21.77 ॥
21.78
ज्ञातमात्रा हि फलदा भोगमोक्षप्रदायिनः ।
यत्तेषां सर्ववेदित्वं सर्वशक्तित्वमेव च ॥ 21.78 ॥
21.79
तच्छिवत्वं समाख्यातं शक्तित्वं सर्वकर्तृता ।
सर्वानुग्रहकर्तृत्वं सर्वत्र फलदायकम् ॥ 21.79 ॥
21.80
आत्मत्वं तत्स्वरूपं तु त्रिविधं साधनं स्मृतम् ।
मन्त्रो ध्यानं तथा मुद्रा साधनं शास्त्रचोदितम् ॥ 21.80 ॥
21.81
दीक्षामण्डलसंस्कारं यजनं जपनं तथा ।
होमक्रिया तथा लेख्यं ध्यानधारणयोः क्रिया ॥ 21.81 ॥
21.82
मुद्राबन्धस्तथा योगो यजनं तु क्रियैकता ।
एवं मन्त्राः समाख्याताः सर्वत्रैवाधिकारिणः ॥ 21.82 ॥
Kapitel 22
22.1
असंख्यातास्तु कोट्यो वै मन्त्राणाममितौजसाम् ।
उक्ता देवेन सर्वज्ञाः सर्वगाः सर्वदा शुभाः ॥ 22.1 ॥
22.2
सर्वाः सर्वेश्वराः शस्ताः सर्वत्रैवाधिकारिकाः ।
तासामेव हि सर्वासां कथमभ्यधिको बली ॥ 22.2 ॥
22.3
मन्त्रराट् परमेशानः कथं मृत्युञ्जयः परः ।
संशयो मे समुत्पन्नो हृदि देव वद स्व मे ॥ 22.3 ॥
22.4
पूर्वोक्तमन्त्रसद्भावो हृतो देवेन मे कथम् ।
तदद्य श्रोतुमिच्छामि परं कौतुहलं हि मे ॥ 22.4 ॥
22.5
श्रूयतां संप्रवक्ष्यामि संशयं ते हृदि स्थितम् ।
मन्त्रकोट्यो ह्यसंख्याता सर्वाः सर्वाधिकारिकाः ॥ 22.5 ॥
22.6
शिवशक्तिप्रभावाश्च सर्वशक्तिसमन्विताः ।
भोगमोक्षप्रदाः सर्वाः स्वशक्तिबलबृंहिताः ॥ 22.6 ॥
22.7
किन्तु देवः परः शान्तो ह्यप्रमेयगुणान्वितः ।
शिवः सर्वात्मकः शुद्धो भावग्राह्यो ह्यनुत्तमः ॥ 22.7 ॥
22.8
आश्रयः परमस्तेषां व्यापकः परमेश्वरः ।
तदिच्छया समुत्पन्नास्तच्छक्त्या संप्रचोदिताः ॥ 22.8 ॥
22.9
भवन्ति सफलाः सर्वे सर्वत्रैवाधिकारिणः ।
यदेतत्परमं धाम सर्वेषामालयः शिवः ॥ 22.9 ॥
22.10
अस्मादेव समुत्पन्ना मन्त्राश्चामोघशक्तयः ।
नित्यो नियामको ह्येषां नेतारं निरुपप्लवः ॥ 22.10 ॥
22.11
निष्प्रपञ्चो निराभासस्त्रायकस्तारणः शिवः ।
त्राणं करोति सर्वेषां तारणं त्रस्तचेतसाम् ॥ 22.11 ॥
22.12
नयते मोक्षभावं तु तारयेन्महतो भयात् ।
नयनाच्च तथा त्राणान्नेत्रमित्यभिधीयते ॥ 22.12 ॥
22.13
जीवनं सर्वभूतेषु नेत्रभूतं प्रकीर्तितम् ।
समस्तमन्त्रजातस्य स्वामिवत् परमेश्वरः ॥ 22.13 ॥
22.14
प्रणवः प्राणिनां प्राणो जीवनं संप्रतिष्ठितम् ।
गृह्णाति प्रणवः सर्वं कलाभिः कलयेच्छिवम् ॥ 22.14 ॥
22.15
षट्प्रकारं महाध्वानं षट्कारणपदस्थितम् ।
जुहोति विद्यया सर्वं जुंकारेण प्रचोदितम् ॥ 22.15 ॥
22.16
स्वरूपं यत् स्वसंवेद्यं सम्यक्संतृप्तिलक्षणम् ।
सर्वामृतपदाधारं सविसर्गं परं शिवम् ॥ 22.16 ॥
22.17
पूर्णं निरन्तरं तेन पूर्णाहुत्या तु पूर्णया ।
स्वोच्चारा या स्वभावस्था स्वस्वरूपा च स्वोदिता ॥ 22.17 ॥
22.18
इच्छाज्ञानक्रियारूपा सा चैका शक्तिरुत्तमा ।
तया प्रकुरुते नित्यं शक्तिमान् स शिवः स्मृतः ॥ 22.18 ॥
22.19
उद्गीथाक्षरसंबद्धं तत्त्ववर्णपदात्मकम् ।
भुवनानि कला मन्त्राः कारणानि षडेव तु ॥ 22.19 ॥
22.20
ब्रह्मा विष्णुश्च रुद्रश्चापीश्वरश्च सदाशिवः ।
शिवश्चेति स्वशक्त्या तु षट्त्यागात् सप्तमे लयः ॥ 22.20 ॥
22.21
अकारश्च उकारश्च मकारो बिन्दुरेव च ।
अर्धचन्द्रो निरोधी च नादो नादान्त एव च ॥ 22.21 ॥
22.22
कौण्डली व्यापिनी शक्तिः समनाश्चेति सामयाः ।
निष्कलं चात्मतत्त्वं च शक्तिश्चैव तथोन्मना ॥ 22.22 ॥
22.23
साभासं तत् निराभासं परतत्त्वमनुत्तमम् ।
षट्त्यागात् सप्तमं प्रोक्तं लयमालयमुत्तमम् ॥ 22.23 ॥
22.24
तत्र सर्वे प्रलीनास्तु तत्समास्तत्प्रसादतः ।
तच्छक्तिबृंहिताः शाक्ताः परिपूर्णा भवन्ति हि ॥ 22.24 ॥
22.25
क्रमं तेषां प्रवक्ष्यामि लीयन्ते सुरसुन्दरि ।
अकारं ब्रह्मदैवत्यं हृदयं यावदध्वनि ॥ 22.25 ॥
22.26
कलाष्टकेन संयुक्तं कलयेत् सर्वजन्तुषु ।
सिद्धिरृद्धिर्द्युतिर्लक्ष्मीर्मेधा कान्तिर्धृतिः स्वधा ॥ 22.26 ॥
22.27
सद्योब्रह्मकला एताः पश्चिमं व्याप्य संस्थिताः ।
रजा रक्षा रतिः पाल्या काम्या तृष्णा मतिः क्रिया ॥ 22.27 ॥
22.28
वृद्धिर्माया च नाडी च भ्रमणी मोहनी तथा ।
वामदेवकला ह्येता वैष्णवांशे व्यवस्थिताः ॥ 22.28 ॥
22.29
कण्ठान्तयावत्तद् व्याप्तमापो व्याप्य स्थितास्त्विमाः ।
तमो मोहा क्षुधा निद्रा मृत्युर्माया भया जरा ॥ 22.29 ॥
22.30
अघोरस्य कला ह्येता रौद्रांशे तु व्यवस्थिताः ।
ताल्वन्तयावत्तद् व्याप्तं तैजसी व्याप्तिरुत्तमा ॥ 22.30 ॥
22.31
निवृत्तिश्च प्रतिष्ठा च विद्या शान्तिस्तथैव च ।
पुरुषस्य कला ह्येता ईश्वरे तु व्यवस्थिताः ॥ 22.31 ॥
22.32
वाय्यावरणमाश्रित्य बिन्द्वन्तं यावदुज्ज्वलाः ।
शान्त्यवस्था तु तुर्याख्या नादन्ते संप्रचक्ष्महे ॥ 22.32 ॥
22.33
व्याप्तिः सादाशिवी सा तु व्योमाख्या शून्यरूपिणी ।
तारा सुतारा तरणी तारयन्ती सुतारिणी ॥ 22.33 ॥
22.34
द्वादशान्तपदारूढास्तुर्यान्तास्तु कलाः स्मृताः ।
ईशानस्य कला ह्येताः पञ्च वै कारणात्मिकाः ॥ 22.34 ॥
22.35
स्थूलस्त्वेवं समाख्यातो ह्यध्वा वै ब्रह्मभूतजः ।
सूक्ष्मं चैवमतो वक्ष्ये ह्यध्वानं तु यथास्थितम् ॥ 22.35 ॥
22.36
यश्चार्धचन्द्रः कथितः प्लावको बिन्दुमूर्धनि ।
तच्छक्त्यमृतमुद्दिष्टं कलायुक्तं महेश्वरि ॥ 22.36 ॥
22.37
ज्योत्स्ना ज्योत्स्नावती चैव सुप्रभा विमला शिवा ।
अर्धचन्द्रकला ह्येताः सर्वज्ञपदसंस्थिताः ॥ 22.37 ॥
22.38
विद्यावरणसंबद्धा मन्त्रकोटिविभूषिताः ।
क्रियाशक्तिस्वरूपास्तु संस्थिता विमलाः शुभाः ॥ 22.38 ॥
22.39
रुन्धनी रोधनी रौद्री ज्ञानबोधा तमोपहा ।
निरोधिका कला ह्येता सर्वदेवनिरोधिकाः ॥ 22.39 ॥
22.40
नित्यतृप्ता महाभागा वामाशक्तिस्वरूपिकाः ।
इन्धिका दीपिका चैव रोचिका मोचिका तथा ॥ 22.40 ॥
22.41
ऊर्ध्वगामिन्य इत्येताः कला नादसमुद्भवाः ।
एताः स्वतन्त्रतायुक्ताः सकले निष्कले स्थिताः ॥ 22.41 ॥
22.42
ज्ञानशक्तिस्वरूपास्तु ज्ञाताः सार्वज्ञ्यदायिकाः ।
सूक्ष्मा चैव सुसूक्ष्मा च ह्यमृतामृतसंभवा ॥ 22.42 ॥
22.43
व्यापिनी चैव विख्याता शक्तितत्त्वसमाश्रिताः ।
अलुप्तशक्तिसंबन्धाच्चिच्छक्तिसमधिष्ठिताः ॥ 22.43 ॥
22.44
शक्तितत्त्वे स्थिता ह्येताश्चिन्मात्रा अपि लक्षिताः ।
व्यापिनी व्योमरूपा च ह्यनन्ताऽनाथसंज्ञिता ॥ 22.44 ॥
22.45
अनाश्रिता महेशानि व्यापिन्यास्तु कलाः स्मृताः ।
सर्वज्ञा सर्वगा दुर्गा सवना स्पृहणा धृतिः ॥ 22.45 ॥
22.46
समना चेति विख्याता एताः शिवकलाः स्मृताः ।
इच्छाशक्तिमधिष्ठाय इच्छासिद्धिप्रदायिकाः ॥ 22.46 ॥
22.47
शिवतत्त्वं समाश्रित्य सुसंपूर्णार्णवप्रभाः ।
अनन्तशक्तिसंस्थानाः सूक्ष्माश्चात्यन्तनिर्मलाः ॥ 22.47 ॥
22.48
समनान्तं वरारोहे पाशजालमनन्तकम् ।
षट्कारणपदाक्रान्तं स्थूलसूक्ष्मप्रभेदतः ॥ 22.48 ॥
22.49
शक्त्यादिसमनान्तं हि सूक्ष्मविज्ञानगोचरम् ।
तदूर्ध्वे तु परं शान्तमप्रमेयमनामयम् ॥ 22.49 ॥
22.50
तत्त्वत्रयं परं देवि ज्ञात्वा मोचयते गुरुः ।
तत्रासौ निर्मलो ह्यात्मा स्वशक्त्याधारसंस्थितः ॥ 22.50 ॥
22.51
ज्ञानक्रियासमाविष्टश्चिन्मात्रो निरनुप्लवः ।
सर्वभावपदातीतः सर्वेन्द्रियविवर्जितः ॥ 22.51 ॥
22.52
निर्मलः स्फटिकाकारः स्वात्मन्यात्मा व्यवस्थितः ।
तत्रस्थस्य च सा शक्तिस्तस्यानुग्रहकारिणी ॥ 22.52 ॥
22.53
यावन्न भवते देवि तावदात्मा शिवो न हि ।
ईषत्प्रसारितः शुद्धः कमलं वार्करश्मिभिः ॥ 22.53 ॥
22.54
यावन्नोद्भासितं सर्वं तावदीषत्प्रविस्तरम् ।
यथार्करश्मिसंयोगात् कमलं प्रसरेत् क्षणात् ॥ 22.54 ॥
22.55
शिवशक्त्या तथात्मा वै गृहीतः सर्वतः शिवः ।
सार्वज्ञ्यादिगुणैर्युक्तो भवत्येव शिवो यथा ॥ 22.55 ॥
22.56
निराभासः परं शान्तो ह्यप्रतर्क्यो ह्यनुत्तमः ।
यावन्न पूर्णतां प्राप्तस्तावत् साभास उच्यते ॥ 22.56 ॥
22.57
यदा तु सर्वभावेन शक्त्यात्मा संप्रसारितः ।
ततः प्रसररूपिण्या गृहीतस्तु परस्तदा ॥ 22.57 ॥
22.58
शिवो भवति देवेशि ह्यविभागेन सर्वशः ।
एवं ज्ञात्वा तु मन्त्राणां मन्त्रत्वं कुरुते सदा ॥ 22.58 ॥
22.59
शक्तिस्थाः शक्तिदाः सर्वे भोगमोक्षफलप्रदाः ।
न विन्दति यदा मन्त्री सृष्टिसंहारवर्त्मनी ॥ 22.59 ॥
22.60
उदयास्तमरूपेण मन्त्रा अल्पफलप्रदाः ।
भोगं मोक्षं न यच्छन्ति जप्ता ध्यातास्तु पूजिताः ॥ 22.60 ॥
22.61
ईषत्फलं प्रयच्छन्ति शिवाज्ञासंप्रचोदिताः ।
यदा तु वेत्ति वै मन्त्री ह्युत्पत्तिस्थितिसंहृतीः ॥ 22.61 ॥
22.62
उदयास्तमरूपेण मन्त्राणाममितौजसाम् ।
तदा किङ्करतां यान्ति मदाज्ञानुविधायिनः ॥ 22.62 ॥
22.63
संमुखाश्च भवन्त्येते साधकस्य भवान्तरे ।
एवं शिवाज्ञयाविष्टाः शिवीभूताः शिवप्रदाः ॥ 22.63 ॥
22.64
भवन्ति विगतायासा निर्लेपा निरनुप्लवाः ।
मन्त्रस्यास्य प्रभावेण शिवस्य परमात्मनः ॥ 22.64 ॥
22.65
अमृतेशस्य देवस्य मृत्युजिद्भैरवस्य तु ।
परापरविभेदं तु यो विन्देतास्य सर्वदा ॥ 22.65 ॥
22.66
सोऽचिरादमृतेशत्वमाप्नुयान्नात्र संशयः ।
प्रपन्ना येऽस्य मन्त्रस्य कृतकृत्या भवन्ति ते ॥ 22.66 ॥
22.67
येन येन हि भावेन यद्यत्फलजिगीषया ।
यद्यदाश्रयते भक्त्या तत्तत्फलमवाप्नुयात् ॥ 22.67 ॥
22.68
सत्यमेतत् समाख्यातं मया तुभ्यं न चान्यथा ।
यदहं चोदितो देवि सर्वानुग्रहकारणात् ॥ 22.68 ॥
22.69
गूढप्रश्नेन तत्सर्वं मया ते प्रकटीकृतम् ।
इति संक्षेपतः प्रोक्तं विधानं भुवि दुर्लभम् ॥ 22.69 ॥
22.70
न चेदं पापशीलानां क्रोधिनां कामिनां तथा ।
गुरुनिन्दापराणां च देवमन्त्रादिदूषिणाम् ॥ 22.70 ॥
22.71
नास्तिकानां शठानां च क्रियाधर्मबहिष्कृताम् ।
देयमेतत् स्वशिष्याणां स्वपुत्राणां न चान्यथा ॥ 22.71 ॥
22.72
स्वदीक्षितानां भक्तानां गुरुदेवाग्निपूजिनाम् ।
विना समयदीक्षां च न दद्यात् स्वप्रियेऽपि च ॥ 22.72 ॥
22.73
सर्वथा नैव दातव्यमित्याज्ञा पारमेश्वरी ।
आज्ञाभङ्गेन देवेशि देहपातो भवेद्यतः ॥ 22.73 ॥
22.74
ददाति यदि मोहेन स्नेहेन धनलिप्सया ।
गम्यते नरकं घोरमित्याज्ञा पारमेश्वरी ॥ 22.74 ॥
22.75
एतस्याः परमेशानि पालनात् सिद्धिमाप्नुयात् ।
पालनाच्च भवेद्देवि मृत्युजित् परमेश्वरः ॥ 22.75 ॥
Lesungen, Zuordnung und offene Prüfstellen
- 1.1: Die Quelle schreibt am Beginn der eingerückten Zeile āha tridhā. āha setzt den vorhergehenden Kommentarsatz kaścittantrāvatāraka- fort und wird daher nicht in den Grundtext übernommen. Der Vers beginnt hier mit tridhā.
- 1.5, 1.9, 1.21–22, 1.31, 1.34–36, 1.39–41, 1.44–45: Die durch Kommentar getrennten Halbverse wurden zusammengeführt. Das bloße Kopieren der unmittelbar vor einer Versnummer stehenden Zeilen hätte Text ausgelassen.
- 1.13: āpo'mayaṃ ist die überlieferte, erklärungsbedürftige Schreibung. Die Übersetzung „wasserhaft“ orientiert sich an der unmittelbar folgenden Kommentierung. Keine stillschweigende Normalisierung zu āpomayaṃ.
- 1.14: mitrajaḥ („Mitraja“, wörtlich etwa „von Mitra Geborener“) bleibt als Name stehen. Seine Identifikation und die syntaktisch auffällige Wendung vahnikāladidhakṣayā erfordern einen Druckabgleich. Die deutsche Wiedergabe ist vorläufig.
- 1.18: prasaraṃśca wird als auf Shiva bezogenes Partizip („sich ausbreitend“, hier „durchdringst“) verstanden. Die Lesung bleibt unverändert.
- 1.31: Die Quelldatei hat vor dem zweiten Halbvers ein zusätzliches ca nach ata eva im Kommentar. Dieses wird als Kommentarfortsetzung abgetrennt. Der eigentliche Halbvers bleibt sṛṣṭiṃ sthitiṃ saṃhṛtiṃ ca tritanurvidadhāmyaham. Weiter unten trägt auch ein Kommentarsatz die Kennung 1-31; dieser ist kein zweiter Grundtextvers.
- 1.33, 1.37: Die auffälligen Formulierungen yattattat und yattejasā samaṃ tasya bleiben stehen; die deutsche Syntax ist sinngemäß geglättet. Ein Druckabgleich steht aus.
- Nach 1.47: tavādya kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ paripṛcchasi ist ein unnummerierter Schlusshalbvers des Dialogs. Er wird gesondert erhalten, nicht stillschweigend als vollständiger Vers 1.48 ausgegeben. Der Kommentar zitiert und erklärt ihn ausdrücklich.
- 2.4: Die Bereichsbezeichnung bhūrbhuvarmānuṣe loke ist ungewöhnlich und wird vorläufig eng am Wortlaut wiedergegeben.
- 2.8: vada sva me ist die Schreibung der Quelle. Die Übersetzung versteht dies als Aufforderung „nenne es mir“; keine stillschweigende Emendation zu vadasva me.
- 2.13–16: Die Namen der Wesenklassen werden als historische Fachbezeichnungen erhalten. graha, unmāda und apasmāra können im Kontext sowohl personifizierte Mächte als auch Zustände des Ergriffenseins bezeichnen. Sie werden nicht unbesehen mit modernen Diagnosen gleichgesetzt.
- 2.19 und 2.28: Ein Halbvers steht ohne Tab-Einrückung in der Quelle. Er gehört trotzdem zum Grundtext.
- 2.23 und 2.29: Die Quelle hat nur 23 beziehungsweise 29 ohne Kapitelpräfix. Beide Verse sind vorhanden; hier wird die Kapitelnummer für die eindeutige Zuordnung ergänzt.
- 2.21–23 und 2.29–33: Die verschlüsselte Gewinnung von Mantras aus Buchstaben, Himmelsrichtungen und Lautsymbolen wird zunächst möglichst textnah übersetzt. Die vollständige Dechiffrierung der Angamantras ist noch nicht philologisch endgeprüft. Begriffe wie „Elefantenhaken“ bezeichnen hier auch grafische beziehungsweise lautliche Codes.
- 2.30: Die Quelle trennt etacchiraḥ....... und ...'nilāntena durch Kommentar. Die Punkte markieren hier zumindest eine Unterbrechung der Zitierweise; sie beweisen keine Handschriftenlücke. Die Schreibung und Unterbrechungszeichen bleiben vorläufig erhalten. Die deutsche Übersetzung kennzeichnet die unsichere Verbindung mit […].
- 2.33: ajīvakaṭasaṃyuktam wird vorläufig als Verbindung eines „leblosen“, das heißt konsonantischen Lautes mit kaṭ verstanden. Die genaue Mantrarekonstruktion bleibt offen.
Textkritische Hinweise: Kapitel 3–6
Kapitelumfang: Kapitel 3 hat 82 nummerierte Einträge, Kapitel 4 und 5 je 10 und Kapitel 6 hat 50. 3.82, 4.10 und 6.50 bestehen in dieser Quelle jeweils aus einem einzelnen Halbvers. Sie werden als solche erhalten. Die Schlussnummern 3.80–82 und 6.50 stehen ohne Kapitelpräfix. Eine Suche nur nach dem Muster „Kapitel-Vers“ hätte sie ausgelassen.
Unterbrochene Verse: Die Quelle verwendet Punkte, um auseinandergerissene Versfragmente zu kennzeichnen. Beim Zusammenführen werden diese rein redaktionellen Unterbrechungszeichen in Kapitel 3–6 entfernt. Wo danach auffällige Retroflexe oder Anusvara-Schreibungen am Wortanfang stehen, werden die unten einzeln genannten, kontextuell erschlossenen Berichtigungen vorgenommen. Sie sind noch nicht unabhängig am Druck bestätigt; die Originalschreibungen bleiben hier nachweisbar.
Berichtigungen und Abtrennungen im erfassten Grundtext (Kapitel 3–22):
- 3.3: ṣaptabhiḥ → saptabhiḥ.
- 3.6: ṃūlaṃ → mūlaṃ.
- 3.7: ṣamuttīrya → samuttīrya.
- 3.24: ṣākṣād → sākṣād.
- 3.37: arvaśveto → sarvaśveto.
- 3.40: ḍviguṇaṃ → dviguṇaṃ.
- 3.59: ḍvyaṅgulāyata → dvyaṅgulāyata.
- 3.64: ṭathā → tathā.
- 3.64: ṭatpārśvato → tatpārśvato.
- 3.64: ḍvau → dvau.
- 3.70: ṣrukśaktistu → srukśaktistu.
- 3.77: tatra payasā → payasā.
- 4.5: ṭadgarbhe → tadgarbhe.
- 4.7: ḍāhastu → dāhastu.
- 4.7: ṃūlenaiva → mūlenaiva.
- 5.8: ḷakṣapañcāśatā → lakṣapañcāśatā.
- 6.48: kāmāÁstān → kāmāṃstān.
- 6.49: ṣarvaśāntyaraho → sarvaśāntyaraho.
- 7.21: ṣaṣṇāṃ → ṣaṇṇāṃ.
- 8.26: tajjjñātvā → tajjñātvā.
- 9.1: mantranāyake1 → mantranāyake.
- 9.26: svamūtauṃ → svamūrtau.
- 10.5: khaṭvāḍga → khaṭvāṅga.
- 10.38: ṝūpaṃ → rūpaṃ.
- 10.41: suśulkaṃ → suśuklaṃ.
- 11.23: ṃāyā → māyā.
- 12.5: varā1bhaya → varābhaya.
- 13.50: ḍūṣaṇam → dūṣaṇam.
- 14.11: ṇākhyeyaṃ → nākhyeyaṃ.
- 15.11: ḍvirūpo → dvirūpo.
- 15.16: rmūdhni → mūrdhni.
- 15.29: ṣiddhimuktī → siddhimuktī.
- 16.20: māyā te → mayā te.
- 16.88: ṭasya → tasya.
- 16.89: ṃahāśānti → mahāśānti.
- 16.90: ṭasya → tasya.
- 16.113: pūjyau'sau → pūjyo'sau.
- 16.114: ṣatyaṃ → satyaṃ.
- 17.25: ṇa tasya → na tasya.
- 17.30: ḍigvidiṅ → digvidiṅ.
- 18.24: dṛṣṭavā → dṛṣṭvā.
- 18.24: mānavāÁlloke → mānavāṃlloke.
- 18.30: |1 → '.
- 18.33: ṭanmadhye → tanmadhye.
- 18.36: ṭanmadhye → tanmadhye.
- 18.40: ṭadbāhye → tadbāhye.
- 18.44: ṭathopakaṇṭhaṃ → tathopakaṇṭhaṃ.
- 18.44: ṭathā śobhopaśobhake → tathā śobhopaśobhake.
- 18.48: ṇivṛttyādyāstu → nivṛttyādyāstu.
- 18.54: ṣarvauṣadhi → sarvauṣadhi.
- 18.80: ṣuprasannā → suprasannā.
- 18.108: ḍaśa → daśa.
- 18.118: ṭataḥ → tataḥ.
- 19.24: tiṃryagyonīṃśca → tiryagyonīṃśca.
- 19.30: ṃadājñā → madājñā.
- 19.42: unamattavidrutā → unmattavidrutā.
- 19.62: ṣadyaḥ → sadyaḥ.
- 19.73: ṣarvebhyastu → sarvebhyastu.
- 19.83: ṇākhyātaṃ → nākhyātaṃ.
- 19.84: ṣaṃpradāyaśca → saṃpradāyaśca.
- 19.94: ṣarvaśreyaskarī → sarvaśreyaskarī.
- 19.111: ṣiddhārthān → siddhārthān.
- 19.119: ramūdhni → mūrdhni.
- 19.179: ṇaśyante → naśyante.
- 19.193: ṇa hiṃsantīha → na hiṃsantīha.
- 20.37: ṣthūlaścaivādhunocyate → sthūlaścaivādhunocyate.
- 20.70: ṃantrāścāmoghaśaktayaḥ → mantrāścāmoghaśaktayaḥ.
- 20.73: ṇājñābhaṅgena → nājñābhaṅgena.
- 21.66: ṣa binduśceśvaraḥ → sa binduśceśvaraḥ.
- 21.67: ṣṛṣṭikāraṇameva → sṛṣṭikāraṇameva.
- 21.80: ṣādhanaṃ → sādhanaṃ.
- 22.20: ṣvaśaktyā → svaśaktyā.
- 22.23: ṇirābhāsaṃ → nirābhāsaṃ.
- 22.25: ḷīyante → līyante.
- 22.30: ṭaijasī → taijasī.
- 22.32: ṇādante → nādante.
- 22.72: ṣvapriye → svapriye.
Weitere offene Stellen:
- 3.3: Der erste Halbvers nennt Waschungen mit Erde; das Zwischenreinigen wird im Kommentar auf das Händewaschen bezogen. Die Übersetzung folgt diesem Zusammenhang.
- 3.7: Die Nummer steht in einer eigenen Zeile. mūlaṃ śaktyā gehört noch zum ersten Halbvers und darf nicht übergangen werden.
- 3.12: ṣāṭkośika bezeichnet den aus sechs Bestandteilen beziehungsweise Hüllen hervorgegangenen Körper. Die moderne Lehre von fünf Koshas ist hier nicht einzusetzen.
- 3.15: kālakalāpa bleibt im Sanskrit unverändert. Die Deutung als Gefüge der Kalas ist vorläufig; eine genaue Bestimmung anhand der Drucklesung ist offen.
- 3.25: Das anschließende bhāvasya in derselben Quellzeile gehört zum Kommentar und wird abgetrennt.
- 3.37: Die Quelle verliert das anlautende s von sarva; die Nummer hat keine abschließenden Doppelstriche. Beides wird redaktionell ergänzt.
- 3.39–41 und 3.57–69: Die technischen Maßangaben für Opfergrube und Opferlöffel sind zunächst textnah übertragen. Insbesondere die geometrischen Beziehungen in 3.40, 3.58–64 und die Ausgestaltung des kleinen Löffels in 3.67–69 bedürfen einer gesonderten Sachprüfung. Diese Abschnitte sind keine überprüfte Bauanleitung.
- 3.46: asinā wird als Hinweis auf den Waffen- beziehungsweise Schwertmantra verstanden, nicht als Aufforderung, die dargestellte Göttin körperlich zu verletzen.
- 3.53: vaktrakalpananiṣkrāmasīmagrīvādikalpanam ist erklärungsbedürftig. Die vorläufige Übersetzung erhält die erkennbaren Elemente, ohne eine sichere Ritualfolge vorzutäuschen.
- 3.59: kartavyaṃ daṇḍamadhye tu ist im Kommentarabsatz eingebettet, metrisch und syntaktisch aber Teil des Grundtextverses. Es wird zusammen mit den eingerückten Teilen wiedergegeben.
- 3.77: Das einleitende tatra wird als kommentierende Überleitung abgetrennt; der metrische Halbvers beginnt mit payasā.
- 3.81: Der Halbvers īhitaṃ kāmamuddiśya īhitaṃ homamācaret steht am Ende eines Prosaabsatzes und trägt nur die Nummer 81. Er gehört zum Grundtext.
- 4.7: Die Verbindung bhasmīkaraṇatatsthite bleibt ungeändert; die genaue rituelle Zuordnung des „Verweilens darin“ ist offen.
- 4.8–9: Die Verbindung der Initiationsstufen und Empfängergruppen wird unter Berücksichtigung des unmittelbar anschließenden Kommentars übersetzt. Putraka und Samayin sind technische Einweihungsbezeichnungen.
- 5.1–3: Die ersten Halbverse stehen teilweise innerhalb von Kommentarsätzen. abhiṣekaṃ pravakṣyāmi …, te ca vidyeśvarāḥ … und ātmavidyāśivākhyaistu … wurden gesondert herausgelöst.
- 5.8: Die Quelle nennt hier keine eigene Rezitationszahl für die Vollendung des Luftraums. Die fünf Millionen werden mit der unmittelbar folgenden göttlichen Vollendung verbunden. Es wird keine zusätzliche Zahl ergänzt.
- 6.9: mṛtyuvaśāghrataḥ ist eine auffällige Lesung; die Übertragung „unter die Macht des Todes geraten“ ist kontextuell erschlossen.
- 6.21–33: sādyarṇa und weitere verschlüsselte Lautbezeichnungen werden vorläufig textnah wiedergegeben. Eine vollständige Rekonstruktion der Schutzdiagramme samt Buchstabenbelegung steht aus.
- 6.42–43: Die Zahlenkodierungen werden in der Übersetzung ausdrücklich erhalten. Ihre vollständige Zuordnung zu Tattvas, Kalas und Lauten ist noch nicht endgeprüft.
- 6.48: Das isolierte Á in kāmāÁstān ist eine Zeichenauffälligkeit innerhalb eines gültigen UTF-8-Dokuments. Die Berichtigung zu kāmāṃstān ist als Eingriff verzeichnet.
- 6.49: sarvaśāntyaraho bleibt nach Berichtigung des anlautenden s erklärungsbedürftig; die Übersetzung „aller Befriedung würdig“ ist vorläufig.
Textkritische Hinweise: Kapitel 7–8
Kapitel 7 besitzt in der bereitgestellten Quelle 53 nummerierte Einträge, Kapitel 8 64. Die Einträge 7.53 und 8.64 sind abschließende Halbverse mit Nummern ohne Kapitelpräfix. Die Zählung schließt sie ein, ohne aus ihnen vollständige Shlokas zu machen.
- 7.1: ṛtu steht als Zahlwort für sechs; svara wird vom Kommentar auf die sechzehn Vokale und entsprechend sechzehn Grundlagen bezogen. „Durch die Vokale bezeichnete Grundlagen“ gibt diese verschlüsselte Ausdrucksweise wieder.
- 7.3: Die Quelle nennt sowohl zweiundsiebzigtausend als auch dreieinhalb Koti, also fünfunddreißig Millionen. Beide Zahlen bleiben erhalten; sie werden nicht auf die heute häufig allein genannte Zahl 72.000 reduziert.
- 7.6–9: aham, abhimāna, svodita und spandana gehören zur meditativen Identifikation mit Selbst, Mantra und Shakti. Die Übersetzung ist eine erste Deutung dieses dichten Abschnitts; die genauen Bezüge der Pronomen sind weiter zu prüfen.
- 7.16: Der erste Halbvers steht unmittelbar nach 7.15, der zweite erst nach einem langen Kommentar. Beide gehören zu 7.16.
- 7.21: ṣaṣṇāṃ wird zu ṣaṇṇāṃ („der sechs“) berichtigt. Die Schreibform und die Berichtigung sind damit ausdrücklich dokumentiert. Die Nummer besitzt in der Quelle keinen vollständigen Abschluss.
- 7.22: Der erste Halbvers māyādigranthibhedena hṛdādivyomapañcakam steht vor der Kommentierung zu 7.16–21. Er wird hier mit dem nummerierten zweiten Halbvers verbunden.
- 7.26: Die Quelle hat nur 26, ohne Kapitelpräfix. Der Vers ist vollständig vorhanden.
- 7.28–29: Die sechs Chakras heißen hier Nadi, Maya, Yogi, Bhedana, Dipti und Shanta. Die Übersetzung setzt dafür nicht die Namen des heute verbreiteten Chakra-Modells ein.
- 7.31–32: Die Bedeutungsbeziehungen von kūrma, sthānapañcaka und matsyodara sind nicht abschließend geklärt. Die Bezeichnungen bleiben weitgehend als Namen erhalten.
- 7.34: svaravarārcite ist eine erklärungsbedürftige Anrede; „von den besten Lauten Verehrte“ ist vorläufig.
- 7.49: amṛtārṇa wird kontextuell auf den Nektarozean bezogen. Eine mögliche Verbindung mit einer Lautbezeichnung ist durch weitere Kollation zu prüfen.
- 7.52: Der erste Halbvers kālajit subhago dhīro mṛtyustaṃ ca na bādhate steht bereits nach 7.51 und wurde mit der späteren nummerierten Hälfte zusammengeführt.
- 8.10–18: Der achtgliedrige Yoga wird durch die Orientierung am höchsten Bewusstsein gedeutet. Im Grundtext folgt dhyāna vor dhāraṇā; diese Reihenfolge wird erhalten. Die Begriffe werden nicht stillschweigend nach Patanjalis Reihenfolge umgestellt.
- 8.15: Der Vers besitzt im E-Text keine vollständig geschlossenen Nummernzeichen; der Abschluss wird redaktionell hergestellt.
- 8.25: tadaprameyamatulaṃ prāpya sarvaṃ na labhyate ist syntaktisch auffällig. „Kein davon gesondertes Alles mehr“ ist eine kontextuelle Deutung der Nichtgetrenntheit; keine gesicherte wörtliche Lesung. Der Sanskritwortlaut bleibt unverändert.
- 8.26: Das dreifache j in tajjjñātvā wird zu tajjñātvā berichtigt.
- 8.28: Die Quelle verwendet nur die Nummer 28. Der Vers ist vorhanden und wird ausdrücklich erfasst.
- 8.29–32: Der Sinnzusammenhang betrifft die unzureichende Verehrung des begrenzten Selbst ohne Erkenntnis von Shakti und höchstem Shiva. Insbesondere die Wortformen yadvā tu paramāśaktiḥ und der Bezug von āpādādivikāsinyā in 8.31 bleiben schwierig. „Solange …“ ist eine vorläufige kontextuelle Übersetzung; der IAST-Text wird nicht zu yāvat umgeschrieben.
- 8.40: Der Vers wiederholt 3.13. Diese Wiederholung gehört zum Grundtext und bleibt in beiden Kapiteln erhalten.
- 8.41–44: Die Abkehr von räumlichen Fixierungen und Meditationsstützen betrifft hier die Darstellung des höchsten Yoga. Daraus wird kein pauschales Verbot der in den vorangehenden Kapiteln beschriebenen Meditationen abgeleitet.
- 8.47 und 8.50: Die Quelle enthält bhavati(te) beziehungsweise bhavati(te). Diese Klammerangaben bleiben im Sanskrit erhalten; sie bezeichnen eine überlieferte Wortformalternative, keinen weiteren Versbestandteil. Die mechanische Devanagari-Fassung bildet auch die Klammerangabe ab.
- 8.60: bhraṣṭāmnāyavihīnā ist eine schwierige Häufung. Die Übertragung versteht sie vorläufig als beschädigte oder abgerissene Überlieferung.
Textkritische Hinweise: Kapitel 9–12
Die Kapitel 9, 10, 11 und 12 enthalten in dieser Quelle 27, 45, 33 und 15 nummerierte Verse. Bei 10.12, 10.21 und 10.42 fehlt das Kapitelpräfix. Der erste Vers von Kapitel 12 ist in kommentierende Prosa eingebettet; beide Halbverse werden gesondert herausgelöst. Die durch Kommentar unterbrochenen Halbverse wurden zusammengeführt.
- 9.1 und 12.5: Die angehängte Ziffer 1 in mantranāyake1 beziehungsweise varā1bhayakarodyatāḥ wird als Anmerkungszeichen abgetrennt. Sie wird weder als Sanskritlaut transliteriert noch als neue Versnummer gezählt.
- 9.17: sarvāstā (stanavo) enthält eine erläuternde Klammerergänzung. Sie bleibt im IAST und in der Devanagari-Rücktransliteration sichtbar. Die Übersetzung gibt den so erklärten Sinn „all diese Gestalten“ wieder.
- 9.22: spheṭaka und mātuluṅgu sind die Schreibungen der Quelle. Sie werden kontextuell als Schild und Zitronatzitrone verstanden.
- 9.26: svamūtauṃ wird vorläufig zu svamūrtau („in der eigenen Gestalt“) berichtigt; der Eingriff ist im Berichtigungsverzeichnis aufgeführt.
- 10.5: khaṭvāḍga wird zu khaṭvāṅga berichtigt. Gemeint ist der bereits in derselben Quelle mehrfach genannte rituelle Stab.
- 10.11–12: Der Satzbau führt von der Aussage über die verborgene Absicht zur Anwendung für Schutz und Befriedung. Die Übersetzung verteilt diesen Zusammenhang auf die vorgegebenen Versgrenzen; die Nummerierung wird nicht verändert.
- 10.15–17: Der Mantra wird in wechselnden Gestalten vergegenwärtigt. Die folgende Beschreibung einer Göttin beginnt in der zweiten Hälfte von 10.17, nicht mit einem neuen, künstlich eingefügten Vers.
- 10.30–31: Der Kumbhira wird als zusammengesetztes Fabelwesen beschrieben. Die Tierbezeichnungen huḍa und vyāḍa bedürfen weiterer Prüfung. Für huḍa wird keine sichere zoologische Identifikation behauptet.
- 10.38: ṝūpaṃ wird zu rūpaṃ berichtigt; die auffällige Form steht in der Quelle nach einer Punktreihe.
- 10.41: suśulkaṃ wird kontextuell zu suśuklaṃ („ganz weiß“) berichtigt. Zum Vergleich enthält 11.26 ausdrücklich die Alternative suśulkāḥ(suśuklāḥ). Ein eigenständiger Druckabgleich dieser Stelle bleibt offen.
- 10.43: ghasmara ist als Bezeichnung einer Opfergabe erklärungsbedürftig; „Opferkost“ ist eine vorläufige Wiedergabe. Die Erwähnung von āsava wird als gegorenes Getränk wiedergegeben und nicht ausgelassen.
- 11.1: uttara wird im vorliegenden Zusammenhang als „folgend“ wiedergegeben. Das Kapitel betrifft nach dem abschließenden Kommentarlob den linken Überlieferungsstrom; eine bloße Gleichsetzung von uttara mit „nördlich“ wäre hier nicht gesichert.
- 11.6 und 11.12: ṭaṅkakandala wird vorläufig als Axt und Spross verstanden; die genaue ikonografische Identifikation des zweiten Gegenstands bleibt offen.
- 11.23: ṃāyā nach der Punktreihe wird zu māyā berichtigt.
- 11.24: mahāpaṭāvagūhinyāsaṃpuṭākārayugmataḥ ist syntaktisch und rituell schwierig. Die Übersetzung benennt das erkennbar Verhüllende und Einschließende, ohne eine gesicherte Mudra-Anleitung zu behaupten.
- 11.26: sarva eva tu ist am Ende eines Kommentarsatzes eingebettet und gehört metrisch zum folgenden Halbvers. Die Quellalternative suśulkāḥ(suśuklāḥ) bleibt erhalten; die Übersetzung folgt „ganz weiß“.
- 12.3–5: Die acht Namen werden vollständig erhalten. Die Quelle schreibt hier brahmī, nicht brāhmaṇī. Die Sanskritfassung wird deshalb nicht nach einer anderen Matrika-Liste vereinheitlicht.
- 12.11–12: Das Bild der Bauern und ihrer Samenspeicher gehört zum Grundtext. Die Welt wird bei der Auflösung als Kraftpotenzial bewahrt und bei der erneuten Schöpfung entfaltet; die Übersetzung erklärt diese Aussage nicht zu einer modernen naturwissenschaftlichen Theorie.
Textkritische Hinweise: Kapitel 13–16
Umfang und Erfassungsstand: Kapitel 13 enthält 50 nummerierte Einträge, Kapitel 14 enthält 11, Kapitel 15 enthält 29 und Kapitel 16 enthält 116. Nach 14.11 und 15.29 folgt jeweils ein unnummerierter Schlusshalbvers, der in beiden Sanskritfassungen und auf Deutsch gesondert aufgenommen wird. Die Datei wurde nach jedem dieser Kapitel geschrieben, erneut geöffnet und auf lückenlose Nummernfolgen, Sanskrit und deutsche Übersetzung geprüft. Dies ist eine Strukturprüfung; eine unabhängige Prüfung sämtlicher Übersetzungen und ein vollständiger Vergleich mit den Druckseiten stehen aus.
Offene Lesungen und Abgrenzungen:
- 13.11: Die Quelle bietet śṛṅgaṃ vaṣṭabhya caikena und ceyā (kenā) rodyatapāṇikam. Die beschädigte Arm- und Handbeschreibung bleibt im Sanskrit einschließlich der Klammerlesung erhalten. Die deutsche Wiedergabe ist eine vorsichtige Annäherung, keine gesicherte Rekonstruktion.
- 13.13–14: 13.13 umfasst in der Vorlage drei Halbverse, 13.14 nur einen. Diese auffällige Versteilung wird erhalten; eine Umnummerierung nach vermuteter metrischer Ordnung erfolgt nicht.
- 13.36: Die Buddha-Beschreibung nennt ausdrücklich strīṇāṃ, Frauen. Die ungewöhnliche Angabe wird nicht stillschweigend beseitigt.
- 13.39–42: Die Überlieferungsnamen werden vorläufig textnah wiedergegeben. Ihre vollständige historische Identifizierung und die genaue Abgrenzung einzelner Traditionsgruppen sind offen.
- 13.50: Der Bezug von anyathā und der Aussage über das Ausbleiben einer Verfehlung ist nicht abschließend geklärt. Die Übersetzung der rituellen Wahlfreiheit bleibt vorläufig.
- 14.1: Der erste Halbvers yadi deva paratvena varṇito mantra uttamaḥ steht im Kommentarzusammenhang und wurde als Grundtext herausgelöst.
- 14.11 und 15.29: Die anschließend stehenden unnummerierten Halbverse werden weder unterschlagen noch als zusätzliche nummerierte Verse ausgegeben.
- 15.16–17: Die beschädigte Schreibung rmūdhni wird vorläufig zu mūrdhni berichtigt. Die Vorlage fügt nach 15.17 die Klammer (naiva hiṃsāṃ karotyahiṃsakaḥ) an; sie bleibt sichtbar. Der genaue Umfang und die Gestalt des Verses sind am Druck zu klären. Die Übersetzung bezieht die Klammerlesung ausdrücklich ein.
- 16.10–11: krūdāḥ und ḍāvyā sind auffällige Schreibungen. Die Übersetzung erschließt „grausam“ beziehungsweise „Dakis“ aus dem Zusammenhang; der Sanskrittext wird an diesen Stellen nicht ohne Druckprüfung geändert.
- 16.20: māyā te wird zu mayā te berichtigt: „von mir dir [offenbart]“. Der Eingriff ist kontextuell erschlossen, nicht am Druck bestätigt.
- 16.22 und 16.24: Die zweiten Halbverse stehen innerhalb von Kommentarabsätzen und tragen nur die Nummern 22 beziehungsweise 24. In 16.24 ist dhruvaṃ niścitameva sarvasiddhiprado bhavati dagegen Kommentar, obwohl danach noch einmal die vollständige Kapitel-Vers-Nummer steht. Diese Erläuterung wird nicht als Grundtext übernommen.
- 16.33–35: Die Zehnzahl und die deutsche Unterscheidung der schädigenden Ritualverfahren sind vorläufig; einzelne Fachbezeichnungen überschneiden sich semantisch.
- 16.45: tadudbhūtatāstatsamāśca bhaveyu bleibt als auffällige Überlieferung erhalten. Die Übersetzung folgt dem erkennbaren Zusammenhang: reine Mantras aus einem gereinigten Lehrer.
- 16.57: jñānaśaktimayo vahnirvyāpyavyāpakabhedataḥ ist der in einen Kommentarsatz eingebettete erste Halbvers. Die vorausgehende Erläuterung zur Opfergrube wird davon abgetrennt.
- 16.61: visared und die syntaktische Zuordnung des Bindungsgrundes bedürfen einer Druckprüfung. Die Übersetzung gibt einen vorläufigen Zusammenhang wieder.
- 16.72 und 16.105: Der zweite Halbvers von 16.72 und der erste von 16.105 sind nicht wie die meisten Grundtextzeilen eingerückt. Sie wurden manuell zugeordnet.
- 16.76 und 16.78: Jyeṣṭha, Caṇḍāsidhāra und Avadhūtikā sind in ihrer technischen Bedeutung noch nicht abschließend bestimmt. Sie bleiben als Fachbezeichnungen sichtbar.
- 16.94–100: Die verschlüsselten Lautbezeichnungen des Schutzdiagramms sind noch nicht vollständig aufgelöst. Insbesondere stehen in 16.96 zweiunddreißig Blätter, während 16.97 die Folge ka bis ma nennt. Es wird keine zusätzliche Lautbelegung erfunden. Die deutsche Wiedergabe ist keine verifizierte Zeichnungsanleitung.
- 16.106: akālamūlān ist eine unsichere Gefäßbeschreibung. Die Übersetzung „ohne schwarze Stellen“ ist lediglich ein Deutungsversuch und am Sanskritdruck zu überprüfen.
- 16.113: pūjyau'sau wird vorläufig zu pūjyo'sau berichtigt. Die weiteren dokumentierten Anlautberichtigungen betreffen durch Kommentarunterbrechungen getrennte Wörter.
Textkritische Hinweise: Kapitel 17–18
Kapitel 17 umfasst 31 nummerierte Einträge und einen unnummerierten Schlusshalbvers; Kapitel 18 umfasst 121 nummerierte Einträge. Auch hier bezeichnet die Kontrolle der gespeicherten Nummernfolgen und der drei Textbestandteile eine Strukturprüfung, keine abgeschlossene philologische Prüfung.
- 17.1–4, 17.22–24 und 17.29–30: Die Lautverschlüsselungen und die graphische Anordnung sind noch nicht vollständig rekonstruiert. Die Diagrammbeschreibung wird textnah übersetzt; sie ist keine verifizierte Vorlage zum Nachzeichnen.
- 17.16: mṛtyuvaśāghrataḥ ist wie in Kapitel 6 eine auffällige Lesung; die Übersetzung erschließt den Bezug auf die Macht des Todes.
- 17.25 und 17.30: Die durch Kommentare abgetrennten Anlaute ṇa und ḍigvidiṅ werden zu na und digvidiṅ berichtigt.
- 17.28: karandhreṇa steht auch in der Kommentierung. Die genaue Bedeutung der Öffnung ist offen; eine Gleichsetzung mit einer Handöffnung oder dem Scheitel wäre ohne weitere Prüfung nicht gesichert. Die Übersetzung belässt den Ausdruck kenntlich.
- 17.31: Die Aussage wird im unnummerierten Schlusshalbvers bhavate mantramukhyastu nātra kāryā vicāraṇā fortgesetzt. Dieser ist zusätzlich aufgenommen.
- 18.6–11: Die deutschen Bezeichnungen für die neun Mantrabehandlungen und elf Anordnungsverfahren sind Arbeitsübersetzungen technischer Begriffe. Die erläuternden Zitate im Kommentar werden nicht als weitere Grundtextverse ausgegeben.
- 18.24: dṛṣṭavā wird zu dṛṣṭvā, mānavāÁlloke zu mānavāṃlloke berichtigt. Das isolierte Á ist ein Zeichenfehler, kein Hinweis auf eine insgesamt falsche Dateicodierung.
- 18.30: Der zweite Halbvers steht in der Quelle in Klammern. Diese Kennzeichnung bleibt erhalten. Die an den ersten Halbvers angehängte Ziffer 1 wird als Verweiszeichen abgetrennt.
- 18.30–48: Die technische Geometrie, besonders 18.36–37 und 18.40–46, benötigt eine gesonderte Prüfung am Druck und anhand einer maßstäblichen Zeichnung. Die Übersetzung gibt keine gesicherte Bau- oder Zeichenanleitung vor. Die Angabe von 324 Feldern entspricht rechnerisch einem Raster von 18 × 18 Feldern zwischen je 19 Linien.
- 18.37: puṣkarā bleibt als „Pushkaras“ erhalten; die genaue Bezeichnung des betreffenden Lotusteils ist nicht endgeprüft.
- 18.40: Die Zuordnung von pītalā ist offen. Die Ergänzung „[ausgefüllt]“ ist ein Deutungsversuch.
- 18.54: Die Verbindung der acht Gefäße, acht Meere und Heilkräuter ist syntaktisch auffällig, wird aber nicht stillschweigend umgeschrieben.
- 18.61: kumbhāstravārdhanī wird vorläufig in Gefäß, Waffenmantra und Vardhani-Krug gegliedert. Die genaue rituelle Zuordnung bedarf weiterer Prüfung.
- 18.79: Der zweite Halbvers steht im Kommentarabsatz und trägt nur die Nummer 79; er wurde gesondert herausgelöst. Ebenso ist 18.86 teilweise in einen Prosaabsatz eingebettet.
- 18.85: khaḍgapatralatāsthitā wird vorläufig auf die Fläche der Schwertklinge bezogen.
- 18.100: ḍāvyo ist wie ḍāvyā in 16.11 auffällig; die Übersetzung „Dakis“ ist kontextuell erschlossen.
- 18.114: Die eingerückte Zeile parameśaviṣayaṃ na kṛtaṃ yāgādi teṣvapi wird vorläufig als erster Halbvers erfasst. Ihre Abgrenzung gegenüber dem Kommentar ist am Druck besonders zu prüfen; die Einrückung allein beweist nicht ihre Zugehörigkeit zum Grundtext.
- 18.117: vyāptyā yavasthamānayet ist beschädigt oder zumindest erklärungsbedürftig. Die deutsche Ergänzung ist ausdrücklich unsicher. Der Kommentar nennt zu rajasā in 18.116 Reismehl und verwirft rājatā als Fehllektüre; daraus wird keine unbelegte Variantenedition erstellt.
- 18.118: Mehrfach unterbrochene Versfragmente werden zusammengeführt. Die anlautende Schreibung ṭataḥ wird zu tataḥ berichtigt.
Textkritische Hinweise: Kapitel 19–22
Umfang: Kapitel 19 enthält 226 nummerierte Einträge, Kapitel 20 enthält 75, Kapitel 21 enthält 82 und Kapitel 22 enthält 75. Die nach 22.75 folgenden Schlussverse des Kommentators gehören zum Netroddyota und werden nicht als zusätzliche Verse des Netra Tantra ausgegeben.
- 19.14: mahāpaśu ist eine belastete Opferbezeichnung; in tantrischen Zusammenhängen kann sie den Menschen als Opfer bezeichnen. Die Übersetzung hält den Ausdruck „großes Opfertier“ sichtbar, statt die Opferkonnotation zu verschweigen. Eine genaue historische Bestimmung dieses Rituals ist damit nicht geleistet.
- 19.24: tiṃryagyonīṃśca wird vorläufig zu tiryagyonīṃśca berichtigt.
- 19.34–49: Die Beschreibungen von Krankheit, Besessenheit, Sexualverhalten, Kaste und Unreinheit geben die Wertungen der historischen Quelle wieder. Besonders die Personengruppen Pukkasa und Candala werden im Text ausgrenzend behandelt; dies ist keine Bewertung dieser Menschen durch die Bearbeitung. Die wechselnden grammatischen Bezüge in 19.41–44 bleiben übersetzerisch vorläufig.
- 19.42: unamattavidrutā wird zu unmattavidrutā berichtigt.
- 19.54 und 19.62: Die Schlusszeichen sind in der Quelle unvollständig, die Versnummern aber vorhanden. Sie werden im Lesetext einheitlich ausgegeben.
- 19.60: kṛsarai(krasarai)ramatsyair ist beschädigt und enthält eine Klammerlesung. Die deutsche Aufzählung von Reisgericht und Fisch ist kontextuell erschlossen; das Sanskrit bleibt samt Klammer erhalten.
- 19.62–63: Die Größenordnung triṃśatkoṭī sahasrāṇāṃ wird als dreißigtausend Koti wiedergegeben. Zahlenform und syntaktische Verbindung sind am Druck zu prüfen.
- 19.78: sarvasiddhim ist in der vorliegenden Satzverbindung auffällig; die Zweckangabe wird ergänzend erschlossen.
- 19.91: Die Verteilung des Mantras auf beide Seiten und die Mitte ist nicht vollständig rituell rekonstruiert.
- 19.109: Die Klammerlesung rā(jñā)jño bleibt sichtbar; in der Übersetzung wird der Bezug auf den König erhalten.
- 19.113: Die Richtungsdeutung folgt Yakshendra = Norden, Shiva = Nordosten, Varuna = Westen. Die vorgeschaltete Vorzeichen- beziehungsweise Teilabschnittsberechnung ist nicht endgeprüft.
- 19.119: ramūdhni wird zu mūrdhni berichtigt.
- 19.134: Der erste Halbvers sarvaṃ na prabhavettatra mantravitsaṃnidhānataḥ steht zu Beginn eines Kommentarabsatzes und wird davon abgetrennt.
- 19.145–168: Die drei Unreinheiten und die verschiedenen Schutzebenen werden aus dem Grundtext übersetzt. Einzelne grammatische Verbindungen, besonders in 19.147, 19.152 und 19.155, bleiben vorläufig. Die Kommentarebene wird nicht durchgehend in den Grundtext hineingelesen.
- 19.176: Die Versnummer ist über zwei Quellzeilen getrennt (19- / 176). Der vollständige Vers wird als 19.176 ausgegeben.
- 19.181–182: Die ersten Halbverse sind nicht eingerückt. Sie wurden eigens zugeordnet. Die anschließende kurze Erklärung śivaśaktiprabhāvastadājñāvaśavartitā ist Kommentar und kein weiterer Halbvers.
- 19.196: Die mit 19.196 versehene Zeile snātvā ye sthitā bālāste rakṣyāḥ ist Kommentar. Der tatsächliche zweite Halbvers dhātrī tu kāraṇaṃ tasya kṣīrasparśādipoṣaṇaiḥ steht anschließend im Prosaabsatz und trägt nur 196.
- 19.206: Die Ausschließlichkeit des Mantraschutzes ist eine Aussage des historischen Textes, keine Aussage über heutige Versorgung von Kindern.
- 20.4–21: Der Text deutet bestimmte Tötungs- und Opferhandlungen als Befreiung um und grenzt sie von gewöhnlichem Tod ab. Diese religionsgeschichtliche Argumentation wird wiedergegeben, nicht ethisch oder empirisch bestätigt. Gerade die Differenz zwischen behaupteter Befreiung und körperlicher Gewalt ist bei der heutigen Lektüre zu beachten.
- 20.14 und 20.23: yāgayogāvadhūtikā und arāvarāvarāviṇī sind schwer bestimmbare Fachausdrücke. Die Übersetzung bleibt vorläufig.
- 20.24: Die Vorlage bietet devyā, wo der Zusammenhang mehrere Göttinnen nahelegt. Die pluralische Übersetzung ist kontextuell erschlossen; die Lesung wird nicht stillschweigend ersetzt.
- 20.28–39: Die Beschreibung fremdkörperbezogener yogischer Eingriffe wird als historische esoterische Lehre übersetzt. Eine genaue technische Rekonstruktion steht aus. chummaka in 20.39 wird als Fachbezeichnung belassen.
- 20.60–62: gamāgama und lakṣyalakṣaṇavedajña sind in ihrer technischen Bedeutung nicht abschließend geklärt.
- 20.67: Der Bezug von ātmārtham ist nicht völlig eindeutig; „zu ihrem eigenen Zweck“ ist eine Arbeitsübersetzung.
- 21.1–19: Die Fragen prüfen nacheinander eine ausschließlich shivahafte, krafthafte oder individuelle Natur der Mantras. Die Antwort verbindet diese drei Ebenen. Die Übersetzung erhält den argumentativen Zusammenhang über die Versgrenzen hinweg.
- 21.32–44: Die Aussagen über Wonne, Nichtdualität und die fünf göttlichen Tätigkeiten sind besonders interpretationsbedürftig. „Jenseits [begrenzter] Wonne“ ist eine kenntlich ergänzte Deutung von nirānanda, keine zusätzliche Sanskritlesung.
- 21.62: Der zweite Halbvers dhvanirūpo yadā sphoṭastvadṛṣṭācchivavigrahāt steht im Kommentarabsatz mit bloßer Nummer 62.
- 21.65–70: Die Zuordnung von Klangstufen, Gottheiten und Weltenwegen wird vorläufig textnah übersetzt. Besonders die Rückbezüge in 21.66–69 bedürfen einer gesonderten Sachprüfung.
- 21.72: Der zweite Halbvers juhoti vīryamatulamamṛtaṃ sṛṣṭisaṃyutam steht innerhalb eines langen Kommentarabsatzes. Die danach nochmals mit 21.72 nummerierte Erklärung pādadvayena bījadvayavīryamatrāsūtritam ist Kommentar und wird ausgeschlossen.
- 21.79–82: Die Verknüpfung von Shiva-, Shakti- und Selbst-Aspekt mit dreifachen und weiteren Praxisformen bleibt übersetzerisch vorläufig.
- 22.10: Die Form netāraṃ ist in der Satzverbindung auffällig; „Führer“ ist eine kontextuelle Wiedergabe.
- 22.12: Die Ableitung von netra aus Führen und Schützen ist die religiöse Wortdeutung des Textes, keine Behauptung einer modernen sprachhistorischen Etymologie.
- 22.14–24: Die Beziehungen von Pranava, Opfer, sechs Ursachen, siebter Stätte und Unmana sind eng mit der Kommentierung verbunden. Die Übersetzung folgt zunächst den erkennbaren Satzgliedern; insbesondere 22.16–17 und 22.22–23 sind nicht als abschließend geklärt zu behandeln.
- 22.26–46: Die Namen der Kalas werden als Eigennamen erhalten. Es wird keine vermeintlich gesicherte Normalform aus anderen Tantras eingesetzt. Einzelne Namen und die Übergänge der Listen bedürfen des Druckvergleichs. savanā in 22.45 bleibt beispielsweise unverändert.
- 22.32: vāyyāvaraṇam ist eine auffällige Schreibung; die Deutung als Umhüllung des Windes bleibt vorläufig.
- 22.39: Beide Halbverse stehen im Kommentarabsatz; der erste wird vom Vorsatz atha etadupari abgetrennt.
- 22.53–58: Das Lotusgleichnis und die Unterscheidung von gereinigtem Selbst und vollkommener Shiva-Identität setzen sich über mehrere Verse fort. Ergänzungen in eckigen Klammern kennzeichnen die erschlossenen Bezüge.
- 22.59: Die Nummer steht ohne Kapitelpräfix; sie wird zu 22.59 vereinheitlicht.
- 22.72: Der durch ein Kommentatorzitat unterbrochene zweite Halbvers wird vollständig zusammengeführt. Das lange Zitat über Einweihung wird nicht als zusätzlicher Grundtext behandelt.
Bedeutung heute und Praxisanregungen
Das Netra Tantra kann dazu anregen, spirituelle Übung mit Mitgefühl zu verbinden. Parvatis Frage beginnt bei den Leiden anderer. Für die heutige Lektüre ist außerdem die Unterscheidung zwischen bildhafter religiöser Sprache, historischer Ritualpraxis und unmittelbar nachvollziehbarer Meditation hilfreich. Die Schutz- und Heilversprechen des Textes werden hier als Aussagen der Überlieferung wiedergegeben.
Die folgenden Anregungen sind eine heutige Annäherung an Motive des Netra Tantra; sie sind keine Rekonstruktion seiner initiatorischen Rituale:
- Mitgefühl vergegenwärtigen: Beginne eine ruhige Meditation mit dem Wunsch, dass alle Wesen Schutz, Klarheit und Frieden erfahren mögen.
- Wille, Erkenntnis und Handeln verbinden: Frage dich, ob deine Absicht klar ist, ob du die Situation verstehst und ob deine Handlung dem Wohl anderer dient.
- Das Bild des Lichtes betrachten: Lass das Bild eines milden, erhellenden Lichtes als Meditationssymbol wirken, ohne dabei körperliche Erscheinungen erzwingen zu wollen.
- Sorgfältig studieren: Lies jeweils wenige Verse des Netra Tantra samt Übersetzung und beachte, welche Aussagen Parvati, Shiva oder der spätere Kommentator machen.

Videos
Die folgenden Videos stammen aus der vorgegebenen Medienliste und dienen der ergänzenden Beschäftigung mit dem Yoga-Kontext. Sie werden nicht als Übersetzungen oder Kommentare zum Netra Tantra ausgegeben.
Siehe auch
- Tantra
- Shivaismus
- Kashmir Shivaismus
- Shiva
- Shakti
- Mrityunjaya
- Amrita
- Svacchanda Tantra
- Tantraloka
- Vijnana Bhairava Tantra
- Shiva Sutra
- Mantra Yoga
- Matrika
- Kundalini Yoga
Literatur und Quellen
- Madhusudan Kaul Shastri (Hrsg.): The Netra Tantram, with commentary by Kshemarāja. Kashmir Series of Texts and Studies, Bände 46 und 61. Bombay, 1926 und 1939. Die Druckausgabe ist die im Quellenkopf genannte Grundlage; sie wurde für diese Ausgabe noch nicht vollständig kollationiert.
- Muktabodha Indological Research Institute: netratantra with commentary by kṣemarāja, Katalognummer M00038, elektronische Fassung 2007, Revision 0 vom 25.10.2007. Satzgrundlage: Sudhakar Malaviya. IAST-E-Text. Für die Bearbeitung verwendet wurde die vom Auftraggeber hochgeladene Kopie. Lizenz laut Quellenkopf: CC BY-NC 4.0. Änderungen: Auswahl des Grundtexts, Zusammenführung getrennter Halbverse, ergänzte Kapitelpräfixe, Rücktransliteration und neue deutsche Übersetzung; Einzelheiten siehe Lesungsprotokoll.
- Gavin Flood: Implicit Anthropologies in Pre-philosophical Śaivism with Particular Reference to the Netra-tantra. Journal of Indian Philosophy, 2020. DOI: 10.1007/s10781-020-09435-0.
- David Gordon White: Netra Tantra at the Crossroads of the Demonological Cosmopolis. The Journal of Hindu Studies 5/2, 2012, S. 145–171. DOI: 10.1093/jhs/his019.
- Patricia Sauthoff: Illness and Immortality: Mantra, Mandala, and Meditation in the Netra Tantra. Oxford University Press, 2022; online erschienen am 23. Dezember 2021. Verlagsbeschreibung. Weiterführende Untersuchung zu Ritual, Krankheit und Unsterblichkeit; keine durchgehend verwendete Übersetzungsvorlage dieser Bearbeitung.
- Gavin Flood: The Netratantra: Its Vision and Themes. Oxford Centre for Hindu Studies, 2023. Forschungsüberblick.
- ↑ Gavin Flood: The Netratantra: Its Vision and Themes. Oxford Centre for Hindu Studies, 2023.
- ↑ Gavin Flood: Implicit Anthropologies in Pre-philosophical Śaivism with Particular Reference to the Netra-tantra. Journal of Indian Philosophy, 2020. DOI: 10.1007/s10781-020-09435-0.
- ↑ David Gordon White: Netra Tantra at the Crossroads of the Demonological Cosmopolis. The Journal of Hindu Studies 5/2, 2012, S. 145–171. DOI: 10.1093/jhs/his019.
- ↑ HathiTrust: The Netra tantram, with commentary by Kshemarāja, edited by Madhusudan Kaul Shāstrī. Bombay, 1926–1939, 2 Bände.
Seminare
Das Studium des Netra Tantra kann durch gemeinsame Meditation, Schriftenstudium und eine Einführung in Kundalini Yoga, Chakras und Energiearbeit vertieft werden. Die folgenden Seminarbereiche bieten thematisch verwandte Angebote; nicht jedes Seminar behandelt das Netra Tantra selbst.
- 09.10.2026 - 11.10.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Viveka Wilde, Chandrashekara Witt
- 11.10.2026 - 16.10.2026 Energietrainer Ausbildung
Lerne in dieser Energietrainer Ausbildung deine Energie zu regenerieren und zu erhöhen. Wir brauchen heute alle mehr Energie denn je für die vielfält…- Beate Menkarski
- 09.10.2026 - 11.10.2026 Raja Yoga 2
Die Yoga Sutras von Patanjali sind die Grundlage des Raja Yoga. In diesem Raja Yoga Seminar behandeln wir das 2. Kapitel der Yoga Sutras von Pantanjali.…- Karuna M Wapke, Sukadev Bretz
- 26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung
Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…- Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer
- 11.10.2026 - 16.10.2026 Energietrainer Ausbildung
Lerne in dieser Energietrainer Ausbildung deine Energie zu regenerieren und zu erhöhen. Wir brauchen heute alle mehr Energie denn je für die vielfält…- Beate Menkarski
- 16.10.2026 - 25.10.2026 Chakra-Kur - Reinigung der Chakras
Für die Reinigung der Chakras konzentrierst du dich unter Anleitung jeden Tag auf ein anderes Chakra. Die tägliche Meditation, Yoga Asanas und Pranyam…- Vani Devi Beldzik
- 09.10.2026 - 11.10.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Viveka Wilde, Chandrashekara Witt
- 11.10.2026 - 16.10.2026 Energietrainer Ausbildung
Lerne in dieser Energietrainer Ausbildung deine Energie zu regenerieren und zu erhöhen. Wir brauchen heute alle mehr Energie denn je für die vielfält…- Beate Menkarski